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Zinksubstitution für HIV-Patienten?
Lässt sich die immunologische Funktion von HIV-Patienten durch eine Zinksubstitution erhalten?
Ein Zinkmangel kann die Bildung von T-Zellen sowie die humorale und die Zell-vermittelte Immunität vermindern. In der Literatur wurden eine Verzögerung der HIV-Krankheitsprogression und eine verminderte Rate opportunistischer Infekte unter Zinksubstitution beschrieben.
Die vorliegende Arbeit hat sich mit der Frage beschäftigt, ob eine Zinksubstitution in moderater Dosis ein immunologisches Versagen bei HIV-Patienten verhindern und die Morbidität und Mortalität beeinflussen kann. Insgesamt wurden 231 HIV-positive Patienten mit oder ohne antiretrovirale Therapie in die prospektive, randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie eingeschlossen. Der Einschluss erfolgte nur bei nachgewiesenem Zinkmangel (<0.75mg/l) und die Patienten wurden über 18 Monate nachkontrolliert. Primärer Endpunkt der Studie war das Auftreten eines immunologischen Versagens, das definiert wurde als Absinken der CD4-Zellzahl unter 200/µl. Als sekundäre Endpunkte wurden die Morbidität und Mortalität sowie der HI-viral load unter Zinksubstitution untersucht. Die Zinksubstitution erfolgte in einer moderaten Dosis von 12mg (Frauen) bzw. 15mg (Männer) täglich, da eine frühere Arbeit einen möglichen negativen Effekt (raschere HIV-Progression) einer hochdosierten Zinkgabe gezeigt hatte. Eine Beeinflussung der Zinkserumspiegel durch chronische Entzündungsprozesse wurde durch Bestimmung des hsCRP kontrolliert.
Rund 34% aller Patienten wiesen bei Einschluss eine CD4-Zellzahl <200/µl auf und nur 60% aller Patienten nahmen eine ART ein. Insgesamt war nur bei 30% aller Patienten die Virämie komplett supprimiert. Charakterisiert war das Kollektiv zudem durch einen hohen Anteil an Personen, die regelmässig Alkohol oder andere illegale Substanzen konsumierten.
Die Zinksubstitutionsgruppe wies am Ende der Beobachtungszeit signifikant höhere Zinkserumspiegel auf, relevante Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Die Zinksubstitution konnte die Wahrscheinlichkeit eines immunologischen Versagens signifikant reduzieren (relative rate 0.24; 95% confidence interval, 0.10-0.56; P<0.002). Auch wurde die Häufigkeit von Diarrhoe unter Zinksubstitution signigfikant vermindert. Nicht beeinflusst werden konnten hingegen Infekte der oberen und unteren Atemwege und die Gesamtmortalität, wobei während er Beobachtungszeit von 18 Monaten nur einzelne entsprechende Ereignisse auftraten. Ebenfalls konnte kein Effekt auf den viral load gezeigt werden.
Mein persönliches Fazit für die tägliche Arbeit: Die Definition des immunologischen Versagens ist willkürlich, eine Definitions-bedingte Beeinflussung der Resultate ist möglich. Das untersuchte Patientenkollektiv ist mit unseren Patienten nicht vergleichbar. Erstens gab es eine grosse Anzahl von Patienten ohne antiretrovirale Therapie und zweitens war auch bei einem relevanten Anteil der behandelten Patienten die Virämie nicht komplett supprimiert. Zu erwägen ist allenfalls eine Kontrolle der Zinkserumspiegel und gegebenenfalls eine Zinksubstitution bei vereinzelten Patienten, die eine antiretrovirale Therapie aus unterschiedlichen Gründen (noch) nicht einnehmen können.
Quelle: Baum et al, CID 2010:50