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Das öffentliche Bildungswesen unterliegt dem Druck durch die Änderungen und neuen Anforderungen, die die veränderten Arbeitssituationen, gesellschaftlichen und familiären Strukturen stellen.
Die Lehrkraft hat, allen Veränderungen zum Trotz, immer noch eine zentrale Funktion. Bill Gates (Gründer von Microsoft) hat mit seiner Stiftung Programme zur Verbesserung der schulischen Infrastruktur finanziert, bis sich heraus stellte, dass die Unterschiede der Ergebnisse zwischen Klassen derselben Schule immer noch grösser blieben, als die zwischen verschiedenen Schulen. Die Qualität der Lehrtätigkeit hängt in erster Linie vom Lehrer ab. Unterschiede im Hinblick auf die Einrichtung, die Anzahl der Schüler pro Klasse und sonstige Faktoren sind weniger ausschlaggebend für die Qualität der Lehrtätigkeit. Jeder Versuch, Schulen zu verbessern, muss von der zentralen Rolle der Lehrkraft ausgehen.
In allen Arbeitsbereichen ist man mittlerweile zur Teamarbeit übergegangen. Ein Arzt, der mit seiner Ausbildung fertig ist, macht ein Praktikum im Krankenhaus. Ein Ökonom tritt nach der Schule in ein Team ein, wird betreut und die Aufgaben, die ihm nach und nach anvertraut werden, stehen jeweils im Verhältnis zu seiner wachsenden Kompetenz. Nur in der Gruppe ist dies möglich. Auch Menschen in sehr auf das Individuum bezogenen Berufen, wie dem des Beraters, des Rechtsanwalts, Architekten oder Ingenieurs, schliessen sich zusammen, manchmal auch in disziplinübergreifenden Arbeitsgemeinschaften. Die Problemstellungen sind immer unterschiedlicher, komplexer und wechselhafter. Jeder Arzt, Berater, Verkäufer, Rechtsanwalt würde sich in grossen Schwierigkeiten befinden, wenn er ohne Unterstützung erfahrenden Mitarbeitern arbeiten müsste. Statistiken zeigen, dass ca. ein Drittel der Lehrkräfte einen Nervenzusammenbruch erleidet. Wie schon vor Hunderten von Jahren tritt der Lehrer nach Abschluss seiner Ausbildung seine Arbeit an und muss alleine mit einer Schulklasse fertig werden. Er wird nicht nach und nach mit Aufgaben betraut und hat niemanden, der ihm zur Seite steht und zeigt, wie verschiedene Probleme bewältigt werden. Es gibt keine Aufgabenteilung in Funktion zu den jeweiligen Fähigkeiten und zur persönlicher Eignung. Wenn ein Lehrer nicht arbeiten kann, wird er durch einen anderen ersetzt, der die Schüler nicht kennt und so gut wie nichts über das Programm und die bisherigen Lernmethoden weiss.
Die Lehrtätigkeit muss Gruppenarbeit werden. Die heutigen Anforderungen in der Schule (Beziehungen zu den Familien und zur Gesellschaft, technische Innovationen) setzen voraus, dass Lehrer als Team zusammen arbeiten. Der Lehrer muss nach und nach lernen, wie mit einer Klasse umzugehen ist und wie der Lehrstoff vermittelt werden muss. Am Anfang muss sich der Lehrer den Aufgaben eines Assistenten widmen, abfragen, korrigieren. Die eigentliche Lehrtätigkeit ist erfahrenen Lehrkräften zu übertragen. Lehrer müssen lernen können, wie man sich gegenüber den Familien verhält und in schwierigen Fällen von erfahreneren Kollegen unterstützt werden. Komplexere Aufgaben, wie die Vorbereitung und Angleichung von Programmen, müssen in der Gruppe erledigt werden. Es muss eine Aufgabenteilung geben: jemand beschäftigt sich mit der Abstimmung von Programmen, jemand mit den neuen Informationstechnologien oder der Einleitung von Experimenten. Wenn ein Lehrer nicht arbeiten kann oder in Schwierigkeiten ist, muss er auf Kollegen zählen können, die seine Klassen kennen und in der Lage sind, ihm bei der Arbeit zu helfen oder um Aushilfslehrer anzulernen.