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Seit James Dean wurde kaum ein junger Schauspieler so schnell zur Kultfigur gehypt wie Timothée Chalamet. Dabei sieht der 27-Jährige aus wie ein Halbwüchsiger: Locken, italienisch spitzes Gesicht, schlaksig, sensibel. Seine androgyne Erscheinung spricht Frauen wie Männer an, plus die LGBTQ-Gemeinde, was heute nicht ganz unwichtig ist.
Stars kommen viele, doch bleiben sie? Sein Talent ist vielseitig: Er hat Präsenz, spricht fliessend Englisch und Französisch, kann auch Musical, wie er nun in «Wonka» beweist. Da singt und hüpft er frohgemut wie Fred Astair durch Tonnen von Kakao und tritt in Johnny Depps Fussstapfen. Geboren in Manhattan, als Kind eines französischen Journalisten und einer US-Tanzlehrerin, besuchte er die La Guardia Highschool of Music and Art. Der Drama-Lehrer war so begeistert über sein Vorsprechen, dass er ihn unbedingt wollte, obwohl er im Aufnahme-gespräch durchgefallen war.
Bereits mit 13 war Chalamet in Werbefilmen zu sehen, später in der Thrillerserie «Homeland». Im Kino trat er erstmals in Chris Nolans Sci-Fi «Interstellar» auf, später als cooler Freund von Saoirse Ronan im Debütfilm «Lady Bird» (2017) von Greta Gerwig.
Sein Durchbruch kam mit dem italienischen Sommerfilm «Call Me by Your Name» (2017), wo er einen verwirrten Teenager spielt, der sich in einen Studenten verliebt. Dieser verträumte Auftritt brachte ihm mit 22 eine Oscarnomination – damit war er der jüngste Nominierte seit Mickey Rooney 1939.
Später folgte seine kommerziellste Hauptrolle im Sci-Fi «Dune» nach dem Roman von Frank Herbert. «Ich wollte Chalamet unbedingt, ich brauchte jemand, der das Potenzial hat, einen Planeten zu führen», so Regisseur Denis Villeneuve. Für die «Wonka»-Rolle bekam er 9 Mio. Dollar und stach beim Casting immerhin Tom Holland aus, den anderen aktuellen Jungstar. Als Nächstes folgt «Dune 2», danach wagt er sich singend an einen der grössten Musiker: Bob Dylan in «A Complete Unkown».
In Sachen Liebe ist er nicht weniger exklusiv. Nach einem Teenieflirt mit Madonnas Tochter Lola Leon war er mit Depps Tochter Lily-Rose zusammen und datet momentan Reality-TV-Star Kylie Jenner. Dank seiner Lässigkeit ist Chalamet der perfekte Modestar. Wenn er zerschlissene Jeans trägt, hat das Stil und taugt zum Vorbild. Das Magazin «GQ» ernannte ihn denn auch 2020 zum «Bestangezogenen Mann der Welt».
Für «Wonka» tat er sich mit Cartier zusammen, trägt zu pinkem Mantel eine edle Kette. Seit neustem ist er auch das Gesicht von Chanels Parfum «Bleu». Den Werbeclip drehte kein Geringerer als Martin Scorsese. Da sieht man nur Chalamet, wie er den Kopf zur Seite dreht.
Vielleicht ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft – und Scorsese spannt nach Robert De Niro und Leonardo DiCaprio auch mit Chalamet zusammen.
Der junge Chocolatier Willi Wonka (Timothée Chalamet) kommt in eine Stadt und will seine eigensinnig-luftigen Kreationen verkaufen, die alle Sorgen wie wegfegen. Der Markt wird beherrscht von drei Schoggikönigen, die alles tun, um ihn zu vertreiben. Wonka hat noch andere Sorgen, denn er hat einen Vertrag mit einer fiesen Pensionärin (Olivia Colman) unterschrieben, der ihn zur Arbeit in der Wäscherei verpflichtet.
«Wonka» erzählt die Vorgeschichte von Roald Dahls «Charlie und die Schokoladenfabrik» (zweimal verfilmt: mit Gene Wilder und Johnny Depp). Der Brite Paul King («Paddington») verpackt das Ganze in ein süsses, nostalgisches Musical, das mit phantasie-vollen Dekors und melodiösen Songs gefällt. Die Story ist zwar dünn, doch Chalamet als gutmütiger Wonka ohne dunkle Seiten (wie bei Depp) trägt den Film auch gesanglich souverän. Ein Genuss ist auch Hugh Grant als kleinwüchsiger Umpa-Lumpa. Im Zentrum steht aber Schokolade als Opium fürs Volk, in allen möglichen Formen, u. a. aus Giraffenmilch.
Musical
Darsteller: Timothée Chalamet, Calah Lane, Keegan-Michael Key, Hugh Grant
USA 2023, seit 7. Dezember 2023 im Kino