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Der See, die Berge und das Rütli. Seelisberg deckte die Wünsche der Reisenden in der Belle Époque nach Erholung in einem Gunstklima, nach spektakulären Bergpanoramen und nach Nähe zu historisch bedeutsamen Stätten in geradezu idealer Weise ab. Dies wusste auch der Gründer des Grand Hotels Sonnenberg zu nutzen.
1852 brach in Seelisberg das moderne Zeitalter an: Treib erhielt eine Anlegestelle für Dampfschiffe, und im Dorf erwarb Michael Truttmann ein Gasthaus, das er in den Folgejahren zu einem Grandhotel mit Weltruf ausbauen sollte. Gasbeleuchtung, Telegraf- und Postverbindung sowie Fahrstrassen nach Emmetten und Treib sorgten früh für den Anschluss des Hotels Sonnenberg an die grosse weite Welt. Erst spät kam dagegen die Erschliessung per Bahn. Nach dem Scheitern diverser Vorgängerprojekte nahm die Drahtseilbahn Treib-Seelisberg erst 1916 den Betrieb auf, als der Kurort seinen Zenit bereits überschritten hatte.
«Im Urnerlande lebte noch 1854 eine Frau, die als Kind von einem Lämmergeier entführt worden war. (…) Auf der Silberalp (Schwyz) stiess ein Geier auf einen in den Felsen sitzenden Hirtenbuben, begann ihn sogleich zu zerfleischen und stiess ihn (…) in den Abgrund.» Tschudi (1944).
(Quelle: Friedrich von Tschudi. 1944. Wo der Adler haust. Tierleben der Schweizer Alpenwelt. Eduard Fischer (Hrsg.). Verlagsanstalt Benziger & Co. AG, Einsiedeln/Zürich, 317 pp.)
Noch 1944 wurden solche Ammenmärchen unbesehen in die Neuauflage des Werkes von Tschudi übernommen. Unwissen und Trophäenjagd führten 1913 zum Abschuss des letzten Bartgeiers der Alpen im Aostatal.- Heute wissen wir, dass der grösste Greifvogel der Alpen ganz am Ende der Verwertungskette steht und ein nützlicher und friedlicher Aas- und Knochen-Vertilger ist. - 1978 startete das Internationale Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen. 1986 konnten in Österreich die ersten Jungvögel frei gesetzt werden, 1991 folgten die ersten Freilassungen auf Schweizer Boden im Schweizerischen Nationalpark. 2015 wurden erstmals in der Zentralschweiz, im Melchtal (OW) junge Bartgeier angesiedelt. Alle in die Natur entlassenen Vögel schlüpfen in Menschenobhut. Seit 1997 brütet der Bartgeier in den Alpen wieder selbstständig im Freiland und seit 2007 auch in der Schweiz.