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Es handelt sich um Krankheiten, deren Merkmal eine übersteigerte oder ohne erkennbaren Anlass ausgelöste Angst ist. Gemeint ist demnach nicht eine „übliche“ Angst, wie wir alle sie in bestimmten Situationen empfinden, und die als Reaktion auf eine Gefahr normal oder sogar lebensnotwendig ist. Die Grenze zwischen „noch gesund“ und „nicht mehr üblich“ lässt sich jedoch nicht scharf ziehen. Als pathologisch (krankhaft) kann Angst gelten, die als existentiell empfunden wird, bei der körperliche und geistige Funktionen eingeschränkt sind, oder die den Betroffenen sogar handlungsunfähig macht (Panikattacke).
Angsterkrankungen zählen zu den häufigsten psychischen Störungen. Etwa 20% der Bevölkerung erleben zu irgendeinem Zeitpunkt Symptome, die gemäss der psychiatrischen Klassifikation als Angststörung zu bezeichnen sind. Unterschieden werden zahlreiche Formen; drei wichtige sind nachstehend beschrieben:
Ängste im Kleinkindes- und Kindesalter sind häufig und entsprechen einer natürlichen Schutzfunktion. Sie müssen nur selten fachärztlich behandelt werden. Meist verschwinden sie bald, wenn den Kindern und ihren Sorgen Verständnis und Zuwendung gewährt wird.
Angst ist eine natürliche Reaktion auf Situationen, die man als gefährlich wahrnimmt und denen man nicht beizukommen weiss. Es kann sich um persönliche Konflikte handeln, physisches oder wirtschaftliches Bedrohtsein, Verlust eines geliebten Menschen, schwere Krankheit oder Unfall. „Normale Angst“ ist nachvollziehbar in dem Sinn, dass viele Menschen in ähnlicher Lage ähnlich empfinden.
Die Angststörung ist demgegenüber ein Zustand, der für einen aussen stehenden Beobachter nicht nachempfunden werden kann. Bisweilen lässt sich der Auslöser auch gar nicht benennen.
Manche Psychoanalytiker sehen Gründe für Angsterkrankungen in der Projektion von verdrängten Ängsten auf einen Ersatz (Situationen, Objekte, Gefühle). Sie nehmen an, dass es sich um „falsch gelernte oder fehlgeleitete Reaktionen“ auf ein Ereignis handelt.
Die Angstforschung interessiert sich heute indessen mehr für biologische Vorgänge, insbesondere den Einfluss von Überträgersubstanzen an Nervenzellen und von Funktionen oder Reaktionen des vegetativen Nervensystems.
Erbliche Faktoren werden vermutet bei familiärer Häufung.
Die Angst steht im Vordergrund; Anspannung, nicht genauer bestimmbare Befürchtungen und Schlafstörungen sind häufig. Die Sorge um den Verlust der Selbstkontrolle hat oft Zurückgezogenheit zur Folge. Insbesondere Personen mit Panikattacken versuchen aus „Angst vor der Angst“, auslösende Situationen zu umgehen (Vermeidungsverhalten). Sie nehmen gesellschaftliche Isolation oder andere Einschränkungen ihrer Lebensqualität in Kauf. Bei zusätzlicher Depression treten gelegentlich Selbstmordgedanken auf.
Verbunden mit Angststörungen bestehen fast immer körperliche Symptome. Das können Veränderungen des Herzschlags, der Atmung oder der Muskelspannung sein, Schwitzen, Zittern, Kribbeln in Händen und Füssen, Schwäche oder Schwindelgefühl, auch Mundtrockenheit, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen (Reizdarmsyndrom) oder Bettnässen.
Die Selbstbehandlung von Angststörungen ist vielfach nicht möglich. Alkohol und Beruhigungsmittel können zwar vorübergehend eine Erleichterung bringen, lösen jedoch das Problem nicht. Zudem besteht die Gefahr einer Abhängigkeit von Tabletten oder Alkohol. In Lebenssituationen, die über den Kopf zu wachsen drohen, sollte man sich nicht scheuen, Freunde ins Vertrauen zu ziehen und wenn nötig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Manche Phobien lassen sich jedoch vergleichsweise leicht beheben. So werden gegen Flugangst Kurse oder Seminare angeboten. Eine andere Methode besteht darin, sich wiederholt und in steigender Intensität mit der auslösenden Situation zu befassen, so dass sich die Angst durch Gewohnheit allmählich verliert („Desensibilisierung“). So kann man bei Spinnenphobie zunächst Bilder von diesen Tieren betrachten, später kleine Spinnen von weitem in der Natur, dann grössere, anschliessend geht man immer näher an die Tiere heran.
Bei einer Tierphobie besteht manchmal die Möglichkeit, entsprechenden Tieren auszuweichen Besser jedoch ist es, kein Vermeidungsverhalten aufkommen zu lassen, denn dieses fördert das Entstehen einer schwereren Angsterkrankung. Entsprechendes Verhalten wird aber vom Umfeld oft unterstützt, was das Entstehen einer Angststörung fördert. Dazu ein Beispiel: Nach einem Unfall lehnt es ein ängstlicher Velofahrer ab, wieder auf ein Fahrrad zu steigen – was zunächst nachvollziehbar erscheint und vom Bekanntenkreis befürwortet wird. Allmählich entwickelt er aber eine panische Angst vor Fahrrädern, selbst wenn er ein solches nur erblickt.
Eine Schwierigkeit besteht darin, dass die Angst vom Betroffenen oft selbst gar nicht erkannt und beim Arzt auch nicht genannt wird. Im Vordergrund stehen häufig körperliche Symptome. Bisweilen können Angehörige oder nahestehende Menschen hier vermitteln.
Je früher eine notwendige Behandlung erfolgt, desto besser ist die Prognose. Langdauernde Störungen sind schwerer zu therapieren – wie bei anderen Krankheiten auch. Unbehandelt besteht die Gefahr, dass sich eine noch begrenzte Angststörung auf weitere Lebensbereiche ausdehnt. Je nach Schweregrad und Art der Angststörung kommen verschiedene Methoden in Frage. Dazu zählen:
Daneben bedürfen die immer vorhandenen, körperlichen Symptome einer allgemeinmedizinischen Abklärung, damit eine somatische (körperliche) Krankheit nicht übersehen wird.