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Thatbestand
(Corpus delicti), im
Strafrecht die
Summe der
Merkmale, durch deren Vorhandensein der
Begriff einer bestimmten
strafbaren Handlung (z. B.
Mord, Diebstahl) erfüllt wird. Er zerfällt in den subjektiven
Thatbestand, wobei insbesondere die
Lehre
[* 2] der Zurechnungsfähigkeit, des Dolus (s. d.) und der Culpa (s. d.)
in Betracht kommt, und den objektiven
Thatbestand, d. h. die äußern
faktischen
Merkmale, welche zum
Begriff eines
Verbrechens gehören, z. B. der
Tod eines
Menschen durch die Einwirkung eines andern,
die Wegnahme einer fremden Sache mit oder ohne Gewalt.
Strafprozessualisch versteht man unter
Thatbestand, insbesondere unter Corpus delicti, den objektiven Thatbestand im
einzelnen Falle, und zwar ursprünglich nur die körperlich sichtbaren Gegenstände (z. B.
die
Leiche des Erschlagenen), Werkzeuge
[* 3] (z. B. die zum
Mord gebrauchte Waffe) oder
Spuren der That (z. B.
Blutflecke am Körper
oder an den Kleidern des
Thäters), dann aber verallgemeinert den
Inbegriff derjenigen Umstände, die es gewiß oder doch höchst
wahrscheinlich machen, daß ein
Verbrechen begangen worden ist. Zu einem Straferkenntnisse läßt sich
nur gelangen, wenn ein bestimmter
Thatbestand ermittelt worden ist. Seine Feststellung
(Erhebung) erfolgt je nach der Beschaffenheit
der in Betracht kommenden
Thatsachen durch Beibringung von
Urkunden und andern körperlichen Beweisstücken, durch gerichtliche
Besichtigung,
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mehr
Einholung von Zeugnissen und sachverständigen Gutachten (z. B. ärztlichen Befundberichten [visa reperta] bei Tötung, Verwundung u. s. w.), ist aber nach dem heute geltenden Grundsatz der freien BeweisWürdigung im allgemeinen nicht mehr an feste Regeln gebunden.
Im Civilprozeß ist
Thatbestand die einen Teil des Urteils bildende gedrängte Darstellung des Sach- und Streitstandes auf
Grund der mündlichen Parteivorträge. Dieser
Thatbestand liefert rücksichtlich des Parteivorbringens Beweis, welcher nur durch das
Sitzungsprotokoll entkräftet werden kann. Der
Thatbestand der Vorinstanzen ist für das Revisionsgericht maßgebend;
Unrichtigkeiten desselben können durch Beschluß des Gerichts, welches das Urteil erlassen hat, auf Antrag einer Partei nach
mündlicher Verhandlung jedoch ohne Beweisaufnahme berichtigt werden.
Vgl. Deutsche [* 5] Civilprozeßordn. §§. 284, Nr. 3, 291; Österr.
Civilprozeßordn. §§. 417 fg.