Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03577.jsonl.gz/2741

Hintergründe
Weltweit kann einer von fünf erwachsenen Menschen weder lesen noch schreiben. Und mehr als 70 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule. Am Welttag der Alphabetisierung, der jeweils anfangs September stattfindet, soll auf die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Alphabetisierung und ebenso auf das Phänomen des Illettrismus hingewiesen werden.
In der Schweiz kann die überwiegende Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung zwar lesen und schreiben, trotzdem bestehen auch hier grosse Unterschiede in der Art und Weise, wie diese Kulturtechniken beherrscht werden. Etwa 800`000 Personen haben zumindest Schwierigkeiten einen Text richtig zu verstehen oder einen einfachen Satz zu schreiben.
Gemäss dem Dachverband Lesen und Schreiben sind rund 370`000 Personen Schweizer Nationalität im Alter von 16 bis 65 Jahren von schwerem Illettrismus betroffen, was bedeutet, dass sie die Grundfertigkeiten des Lesens und Schreibens nicht oder nur mangelhaft beherrschen. Dazu kommen etwa 450`000 Personen ausländischer Nationalität, die ebenso von schwerem Illettrismus betroffen sind. Ein Teil davon sind sogar Analphabeten. Noch erstaunlicher ist, dass 4`000 bis 5`000 Schüler jedes Jahr die obligatorische Schule mit derart ungenügendem Niveau verlassen, dass ihre Chancen, in einer Berufslehre erfolgreich zu sein, stark eingeschränkt sind.
Konsequenzen verschärfen sich
Das Kompetenzniveau der Bevölkerung ist zwar in den letzten Jahren nicht gesunken, aber durch den kontinuierlichen Anstieg der kulturellen und ökonomischen Anforderungen ist die Kluft zwischen dem Anspruch, den die Gesellschaft an den Einzelnen stellt und den effektiv vorhandenen Kapazitäten der von Illettrismus betroffenen Personen gestiegen. Das wird, gemäss Angaben des Dachverbandes, auch in der Entwicklung des Arbeitsmarktes deutlich. Es existieren immer weniger Arbeitsplätze, welche für Personen mit mangelhaften Schreibkenntnissen zugänglich sind. Aus diesem Grund haben sich die Konsequenzen des Illettrismus für die betroffenen Personen in den letzten Jahren objektiv verschärft.
Bildungsbereich ist gefordert
Die Ursachen des Illettrismus sind vielfältig und nicht eindeutig zuzuordnen; sie sind im familiären, schulischen, persönlichen und sozialen Umfeld der Betroffenen zu suchen. Dazu kommen oft mangelndes Selbstvertrauen, Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags sowie eine eingeschränkte Berufswahl, was dazu führt, dass etwa die staatsbürgerlichen Rechte nur mangelhaft wahrgenommen werden können und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt entsprechend vermindert sind. Ein komplexes Problem also, das vor allem im Bildungsbereich bekämpft werden muss.
Kurse in Schaffhausen
Der Verein Bildungsraum bietet in Schaffhausen seit rund zwanzig Jahren Lese- und Schreibkurse für Erwachsene an (www.bildungsraum.ch). Dabei geht es nicht um die Alphabetisierung, sondern um den richtigen Gebrauch der deutschen Sprache. Einst Gelerntes wird aufgefrischt, Neues dazugelernt. Die Rechtschreibung ist dabei ein zentrales Thema, ebenso Stil und Grammatik. Entsprechende Lerninhalte sollen aber nicht Selbstzweck sein, sondern dazu führen, dass Texte – Bewerbungen, Briefe, Rapporte etc. – besser geschrieben und Geschriebenes leichter verstanden werden kann. Der berufliche und auch der private Alltag der Kursteilnehmer soll durch die neu erlangten Kompetenzen aufgewertet werden. Das führt nicht zuletzt auch zu mehr Lebensqualität.