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Viele Unfälle ereignen sich, weil ein Fahrer ein Auto übersieht. Eine Studie mit verschiedenfarbigen Taxis in Singapur zeigt nun: Die Lackierung beeinflusst durchaus das Crashrisiko.
Gelbe Taxis sind seltener in Unfälle verwickelt als blaue. Dies ist das Ergebnis einer Studie aus dem Stadtstaat Singapur. Die helle Farbe falle besser auf, so dass die Taxis im Verkehr besser wahrgenommen werden, schreiben Forscher in im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences.
Teck-Hua Ho von der National University of Singapore hatte mit seinen Mitarbeitern Unfallstatistiken eines Taxiunternehmens ausgewertet, das eine Flotte von 16'700 gelben und blauen Taxis betreibt – etwa 60 Prozent aller Taxis in Singapur. Die Wissenschaftler analysierten die Zahl der Unfälle, die in drei Jahren stattgefunden hatten und untersuchten mögliche statistische Zusammenhänge mit der Autofarbe und verschiedenen Eigenschaften des Fahrers.
Das Ergebnis: Obwohl sie genauso häufig eingesetzt wurden, die gleiche Strecke zurücklegten und mit der gleichen Geschwindigkeit unterwegs waren wie die blauen, gab es mit den gelben Taxis deutlich weniger Unfälle. Pro Monat waren es bezogen auf tausend Taxis gut sechs Unfälle weniger. Der Unterschied sei statistisch bedeutsam und entspreche einer Minderung der Unfallwahrscheinlichkeit von neun Prozent, berichten die Forscher.
Die Wissenschaftler schliessen aus, dass der beobachtete Zusammenhang zustande kommt, weil etwa sicherere Fahrer die Farbe gelb bevorzugen. Die Fahrer wurden den Taxis nämlich zufällig zugeteilt. Auch hinsichtlich anderer Faktoren wie Alter, Bildung oder Arbeitszeit fanden die Wissenschaftler keinen Unterschied zwischen Fahrern gelber und blauer Taxis.
Ihr Fazit: Die bessere Sichtbarkeit der gelben Taxis habe zur Folge, dass andere Verkehrsteilnehmer die Wagen besser wahrnehmen und Unfälle einfacher vermeiden können. Tatsächlich waren gelbe Taxis bei einfachen Auffahrunfällen seltener in der vorderen Position als blaue.
Gelb sei seit 1907 eine beliebte Taxifarbe, schreiben die Forscher in ihrem Artikel. Damals habe eine Erhebung in Chicago ergeben, dass gelb die auffälligste Farbe sei. Die meisten anderen Wagen waren zu der Zeit schwarz – potenzielle Taxikunden sollten ein Taxi schnell erkennen können. Würden heute alle andersfarbigen Taxis gelb umlackiert, würde das die Zahl der Unfälle erheblich reduzieren, meinen die Wissenschaftler.
Helle Farben sind sicherer als dunkle – diesen Trend hatten Forscher zuvor auch schon in Unfallstatistiken aus Spanien und Neuseeland entdeckt. In Spanien waren demnach weisse Autos am sichersten, in Neuseeland silberne.
Besonders gut war die Datenlage bei einer Studie der Monash University aus dem Jahr 2007. Die Forscher konnten Hunterttausende Unfälle in Australien aus den Jahren 1982 bis 2004 auswerten. Dabei zeigte sich, dass schlecht sichtbare Farben wie Schwarz, Blau, Grau, Rot oder Silber ein um bis zu zehn Prozent erhöhtes Unfallrisiko hatten im Vergleich zu Weiss. Die Unterschiede waren – wenig überraschend – bei Tageslicht am grössten.
Walter Niewöhner, Unfallforscher bei der Dekra, hält die pauschale Festlegung einer «sicheren Autofarbe» indes für gewagt. Ihm seien zwar Einzelfälle bekannt, bei denen schwache Kontraste – etwa ein grünes Auto vor einer grünen Wiese – die Wahrnehmung eines Fahrzeugs beeinträchtigt und dies zu einem Unfall geführt habe. Doch es gebe auch andere Faktoren. Als Unfallursache nehme beispielsweise Ablenkung im Auto, etwa durch das Smartphone, seit einiger Zeit zu.
Die Autoren der australischen Studie haben ein ähnliches Fazit gezogen: «Ein dunkles Auto zu fahren kann ihr Unfallrisiko erhöhen, aber der grösste Einflussfaktor ist immer noch die Fahrweise.»
hda/dpa