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Gemeinde
Masein
von Renato Nay, Dalaus, 7425 Masein
Will man etwas über Masein schreiben, so stellt sich meistens die Frage wo beginne ich ? Natürlich gibt es extreme Ansätze wie z.B. am Anfang war der Urknall...; ich möchte aber dort beginnen wo menschliche Spuren in der näheren Umgebung von Masein nachgewiesen und datiert werden konnten. Drehen wir somit die Zeit um 5000 Jahre zurück und gehen in die Zeit der Jäger und Sammler in die Steinzeit.
Für diese Zeit liefern nur sehr wenig Funde im Alpenraum Zeugnis für die damals hier Lebenden Menschen.
Felszeichnungen Carschenna
Felszeichnungen Carschenna
Als Funde mit grosser Bedeutung sind die Felszeich-nungen von Carschenna, Gemeinde Sils i.D. (Abb. 1-2.) zu erwähnen, sowie die Ausgrabungen auf dem Petrushügel oberhalb Realta welche zeigen, dass schon damals die Gegend um Masein für Menschen attraktiv war. Feste, dauerhaft bewohnte Siedlungen gab es nach heutiger Erkenntnis in unserer Region noch nicht was sich in der geringen Zahl der Funde wiederspiegelt.
Ausgrabungen Petrushügel oberhalb Realta
Bronzezeitliche Siedlung Cresta / Summaprada
Unweit von Masein hat man auf den Hügeln Cresta ob Summaprada eine bronzezeitliche Siedlung entdeckt die zeigen, dass mindestens ab dieser Zeit eine kontinuierltiche Besiedlung unserer Region vorhanden war und bis in die frühe Eisenzeit reichte(Abb.3). Die Funde datieren zwischen 1800 und 400 Jahre v.Chr. und bestehen hauptsächlich aus Werkzeug Hütten und Siedlungshorizonten, Die gefundene italienische Terramare-Keramik welche auf die frühe Bronzezeit datiert, verweist auf die frühe Begehung der Pässe nach Süden. Auch auf Hohenrätien wurden bronce- und eisenzeitliche Siedlungsreste entdeckt (Fiebeln, Beil).
Aus der jüngeren Eisenzeit (ca. 400-Chr. Geburt) stammen die ersten schriftlichen, römischen Aufzeichnungen welche von Rätern berichten die in die oberitalienischen Gärten einbrachen und Nahrungsmittel stahlen. Allgemein siedelten die Räter im Alpenraum wobei nach Strabo und Plinius, Räter auch im Gebiet des Rheintales siedelten. Über die Sprache in unserer Region lässt sich nichts Genaues sagen, da Texte und Inschriften die zu verstehen sind, fehlen. Auffallend früh, bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. Und wohl durch die Vermittlung der Etrusker wurde am Südfuss der Alpen die Schrift bekannt. Bei uns wurde in Präz ein Stein gefunden der eine vorrömische Inschrift trägt, nach Simonett eine lepontische Inschrift (?). Weitere Funde aus dieser Zeit sind in unserer unmittelbaren Umgebung nur vereinzelt entdeck worden. Siedlungen in dieser Zeit sind in Chur, Tamins, Lenz, Bonaduz und Castaneda (TI) belegt.
"Präzer" Stein mit vorrömischer Inschrift
"lepontische" Inschrift? auf dem "Präzer Stein".
Die Römerzeit beginnt für unsere Umgebung mit dem Feldzug von Tiberius und Drusus den Stiefsöhnen des Kaisers Augustus im Jahre 15 v. Chr.. Mit der römischen Herrschaft wird das latainisch zur Amtsprache. Der starke Einfluss der römischen Kultur und Lebensart brachte für uns wichtige zivilisatorische Neuerungen mit denen wir Heute noch leben. Die Römer brachten uns die Gesetzgebung, Gemeindeverwaltung, die Post, das organisiserte Kriegswesen, eine Staatsreligion und später das Christentum, den Strassenbau, Steinbauten und den Weinbau um nur einige wichtige Elemente zu nennen.
In der frühen Kaiserzeit gehörte unsere Region zur Provinz Rätia mit der Hauptstadt Augsburg. Die neue Einteilung in der diokletianischen-konstantinischen Zeit machte Chur (Curia) zum einem Hauptort der Provinz Rätia prima. Graubünden war der Diözese „Italica“ der italienischen Präfektur angeschlossen, mit Verwaltungszentrum Mailand. Eine Römische Strassenkarte von 350 n.Chr. zeigt eine Strasse von Chur nach Ciavenna (Abb. 5) also eine Strasse die mindesten als Nebenlinie zu Strasse über Hohenrätien auch an oder durch Masein durchführte, weil zu dieser Zeit der Talboden und auch Thusis nicht ohne weiteres begehbar war. Der meandernde Hinterrein machete den Talboden zu einer Auenlandschaft die sumpfig stark verwachsen und daher äusserst unangenehm zu begeben war. Die Strasse über Masein führte vom Nesselboden bei Rongellen über den Crapteig Sattel nach Masein (Abb 6).
Dass die Einwohner unserer Region sich nicht gegen die Römer stellten beweist die Annahme der lateinischen Vulgärsprache, dem Romanischen. Die Herrschaft der Römer dauerte bis ca. 500 n.Chr..
Es folgte eine turbulente Zeit in der Krieg und Völkerwanderungen stattfanden. Kurz vor 500 n. Chr. wurde die Region öfters von Alemannen heimgesucht, welche sogar über die Pässe bis in den heutigen Tessin vordrangen.
Ob diese Alemannen sich z.T. niederliessen lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Nach dem Sieg über Odokar 493 n. Chr. war der Ostgotenkönig Theoderich Herr über Italien und damit auch über unsere Region.
Nach heutigem Wissenstand wird Masein zu ersten Mal in einem päpstlichen Dokument von 1156 schriftlich, als „Curtim de Medezenu“ erwähnt. Aus diesem Dokument geht hervor, dass Masein zum Kloster Cazis gehörte und für dieses Landwirtschaft betrieb. Masein war damals ein Meierhof wie auch Serlis und Tosana (Thusis) welche mindestens zum Teil auf heutigem Maseinergebiet lagen. Der Name des Maierhofes Serlis kann nicht mehr zugeortnet werden, man ist aber der Meinung dass Serlis der frühere Namen des Maseiner Oberdorfes war. Masein gehörte zum Bischof von Chur welcher die Herren von Masein/Rialt (Höhenrätien) als Vögte für das Kloster Cazis in diesem Gebiet einsetzte.
Zu dieser Zeit gehörte Masein den Besitzer der Burgen Untertagstein und Schauenstein sowie einigen freien Bauern. Landesherren waren bis 1337 die Herren von Vaz. Durch Heirat ging Masein an die Werdenberger und Rhäzünser über.
Die Burg Schauenstein von der Heute praktisch nichts mehr zu sehen ist, ging durch Feden um 1347 an die Rhäzünser, musste aber durch dieselben, nach einem Schiedsspruch niedergebrochen werden. Ob das alte Siegel von Masein, mit der Darstellung einer brennenden Burg aus diesem Ereignis hervorging, lässt sich nicht sagen, würde aber auf der Hand liegen.
Das Schloss Tagstein das in der heutigen Form auf den Wiederaufbau nach einem Brand von 1899 beruht, stammt vermutlich aus dem 12-13 Jahrhundert und geht auf die Herren von Masein/Rialt zurück. Dieses Kulturgut hat viele Besitzerwechselt hinter sich und war immer wieder Drehscheibe der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung von Masein. Die Burg ist Heute in Privatbesitz.
Vor 1441 gehörte Masein kirchlich zu Hohenrätien, mit dem Bau der Kirche St. Florinus, besassen die Maseiner eine eigene Kirche und standen ab 1505 im Filialverhältnis zu Thusis. Reformiert wurde Masein im Jahre 1525.
1473 besiegelten die „Nachburschaften Tusis, Catz und Mazein“ den ViaMala-Brief, in dem sie kund taten die Strasse durch die ViaMala auszubauen und zu erhalten. Dieses Vorhaben bedeutete für Thusis den Beginn einer sehr steilen, wirtschaftlichen Karriere, die erst mit dem Bau der grossen Eisenbahnlinien um 1800 endete. Für Masein war der Ausbau der ViaMala wirtschaftlich ein mässiger Erfolg, zumal mindestens eine alte Weglinie von Rongellen über den Crapteigsattel nach Masein führte und natürlich nach dem Ausbau der ViaMala kaum mehr Beachtung fand.
Ab 1475 ging Masein wieder in den Besitz des Bischofes von Chur über, welcher vom Grafen Jörg von Werdenberg-Sargans die Gerichte Thusis, Heinzenberg und Tschappina „mit allen Leuten, Strafgeldern und Bussen, mit Wild, Fischerei, Vogelmahl, Hochwälder, Erzen und Metall und mit dem Recht, Aemter zu setzen und zu entsetzen“ erwarb.
1526 bekannten sich die drei rätischen Bünde zur Demokratie, Masein gehörte auch nach dem Besitzwechsel von 1475 nicht zu Gottesahausbund, sonder zum Oberen (Grauen) Bund, bestimmend war aber hauptsächlich der Bischof von Chur.
In der Zeit der Bündner Wirren und im Spannungsfeld der Grossmächte Frankreich/Venedig und Oesterreich/Spanien versuchte man „frei zu werden“, was aber über eine Zeit von ca. 200 Jahre nicht gelang. Erst im Jahre 1662 verpfändete der Bischof seine Hoheitsrechte und im Jahre 1709 verkaufte er sie ganz. Privatrechtliche Bindungen wurden im Jahr 1771 ebenfalls durch Verkauf gelöst.
Nach der Urkunde von 1709 waren die Gemeinden am Heinzenberg nun „frei für alle Weltzeiten“.
Alte Karte von 1723
Wieder im Spannungsfeld der Grossen Politik Frankreich (Napoleon) und Oesterreich ereilte uns wirtschaftliche Not da die durchziehenden Heere versorgt werden mussten. Um 1803 hatte Masein 198 Einwohner und war bis 1851 eine Nachbarschaft der Gerichtsgemeinde Thusis. 1920-67 stand die Wolldeckenfabrik in der Lochmüli. Wirtschafltich gesehen, hat Masein neben einigen kleinen Gewerben noch Landwirtschaft im Ort. Die Haupterwerbsquellen der Bevölkerung liegen in Thusis und den Talgemeinden sowie im Churer Rheintal.
Heute hat Masein rund 500 Einwohner und ist über die Zeit von 1473 bis Heute, mit einigen kleinen Ausnahmen (Streitigkeiten) auf die benachbarte Gemeinde Thusis ausgerichtet.