Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03337.jsonl.gz/1346

von Fabian Küng
Zwischen 1237 und 1242 errichteten die Grafen von Kyburg auf bisher unbebautem Gelände am nördlichen Ufer des Baldeggersees eine Burg, die als Sitz ihres Vogtes diente und von welchem aus die kyburgischen Güter und Rechte im Seetal und im Michelsamt verwaltet wurden. Die noch heute erhaltene monumentale Ruine des Turms stellt einen der beeindruckendsten Vertreter der mittelalterlichen Megalithbauweise dar.
Das um den Turm entstehende Dorf Richensee nimmt als eine von Altsiedelland umgebene Neugründung eine Sonderstellung in der Siedlungslandschaft des Seetals ein. Es entwickelt sich in der zweiten Hälfte des 13. Jh. zum Marktort, die Burg wird gleichzeitig zum Verwaltungszentrum eines habsburgischen Amtes. Im Herzen des Dorfes zeugt noch heute neben der Turmruine die so genannte "Alte Schmitte" – wohl ein habsburgisches Verwaltungsgebäude – von dieser Bedeutung des Ortes.
Der Marktort Richensee hat jedoch weder rechtlich noch baulich je den Status einer städtischen Siedlung erreicht. Die Reste der bei Grabungen 1938 vermeintlich entdeckten Stadtmauer entpuppen sich bei näherer Betrachtung als die neuzeitliche Uferverbauung der durch den See und den Aabach natürlich geschützten Halbinsel. Das in chronikalen Aufzeichnungen des 15. Jh. erscheinende "Städtchen" Richensee hat somit weder als kyburgische noch als habsburgische Gründung existiert. Der Begriff "Stadt" sollte im Zusammenhang mit Richensee künftig nicht mehr verwendet werden.
, Fabian : "... ein leibhaftiges Märchen aus alten Zeiten." – Das mittelalterliche Richensee
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 17. Jahrgang 2012, Heft 2, 103 - 117.