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Texte
2017
Depicting our built environment
When it comes to architectural photography, for Pit Brunner, depicting the shell that society chooses to live in means depicting society itself. “Our constructed environment,” he says, “is the exact expression of our society.”
In his opinion, there are “many capable photographers as well as architects around”, so when Pit Brunner takes pictures of buildings, he tries to stick to the simple facts – to “What Is”. Calm per-spectives, clear-cut pictures taken from a potential observer’s eye level, the houses and their connection to the surround-ings, the gaps, the spacial interactions: Pit Brunner sees potential in everything, evenn “disturbances” or obstacles like cleaning personnel performing their final tasks before hand-over, moving boxes, or tools left behind by craftsmen. Such "extra items" are a welcome element of composition to Pit Brunner, as they provide a link to the real, future life of a building. Apart from connecting a house to its future ans society, the photographer also tries to track down the architectural mindset behind a structure and then transport it through the picture.
As a trained architect, Pit Brunner started his work as an architectural photographer "on the side" while working at a renowned Zurich office. His former second mainstay gradually grew until becoming a full-time job as of three years ago. Apart from comissions, he works on his omn projects that also deal with constructed surroundings; "architectural photography with an extended focus", as he himself calls it. His networking began early, during his own architectural studies. Today, his client list still includes many former fellow students, who have sstarted their own offices. With architects, editors, developers and builders counting to his main clientele, sometimes Pit Brunner likes to take a little detour by photographing events. he enjoys this little sideline as it "exclusively deals with depicting human beings". Human beings, the houses they live in and, in conclusion, an interest in the structures of society itself form the motivation for Pit Brunners photographic work.
Having established a profound basis over past years, the photographer at present seeks to embark on more international commissions, especially those depicting architectural developments within the EU countries such as Germany ans Austria, as well as counrties of the Mediterranean region. When asked about his foremost interest at the time, he simply states: "Europe, I guess."
Cornelia Breslwsky I Discover Germany, Switzerland & Austria I Juli 2017
2016
Change of Perspective Sieben Positionen zeitgenössischer Architekturfotografie
Realität als Filmstreifen
Mich interessiert nicht so sehr das Alltägliche an sich. Meine Aufmerksamkeit gilt vielleicht eher den Erscheinungen des heutigen Bauens, dessen Gestalt kaum noch einer bewusst geplanten Vorstellung eines Ortes folgt, sondern vielmehr rein ökonomiegetriebenen Individualinteressen und Sachzwängen“, sagt Pit Brunner, wenn er auf seine Arbeit angesprochen wird. Es sind die ein- bis zweigeschossigen Wohnanlagen, die er durch seine Kamera hindurch beobachtet. Nie ist ein Mensch auf den Straßen oder in den Vorgärten zu sehen. Die Bebauung wirkt verlassen und abweisend, da sie von hohen Hecken und Mauern um-schlossen ist. Ein Blick in die Häuser und Gärten wird dadurch verwehrt. Pit Brunners Fotografien sind meist keine Einzelaufnahmen. Oft umrundet er seine Motive wie ein Dokumentar, der sein Model von seinen unterschiedlichen Seiten zeigen und damit erkunden will. Doch meist handelt es sich um eine geradlinig aufgenommene Reihe von Fotos, die aneinandergelegt die Ansicht und Abwicklung einer Straßenbebauung abbilden, sodass sie wirken wie ein Film, der aus einem fahrenden Auto gedreht wurde. Die Bilder sind jeweils so frontal aufgenommen, dass sie geradezu zweidimensional erscheinen. Brunner beruft sich dabei auf das Vorbild der Bildschöpfungen von Malern des Mittelalters und der Frührenaissance wie zum Beispiel von Paolo Veronese. Die dadurch entstehende Kulissenhaftigkeit der Aufnahmen soll dem Auge des Betrachters zu einem konzentrierten und ruhigen Seherlebnis verhelfen und zum Nachdenken anregen über die „Erscheinungen des heutigen Bauens als beinahe hierarchielose Ausdehnung eines Siedlungsbreis“. Für ihn sind es: „geträumte Heimaten in Schrebergartenarealen“
Aedes Architecture Forum Berlin l Ausstellung 10.03. - 21.04.2016
2015
Verleihung des Priisnagel Fotografie 2015 durch den SIA Solothurn
Däniken - ein Ort, unspektakulär wie viele andere und deshalb modellhaft. Das besondere Augenmerk wird dabei insbesondere auf den bewusst oder zufällig, jedoch offensichtlich nutzungsorientierten Zwischenbereich gelegt, umspielt vom Zehnten-Spycher aus dem Jahr 1537. Durch die subtile Bewegung des Standpunktes entstehen fotografische Sequenzen, die beim Betrachtenden ein vorurteilsfreies Interesse an der architektonischen Ausprägung dieses (Un)Ortes wecken. Dabei zeigt sich exemplarisch, dass der gebaute Lebensraum nicht nur eine individuelle Angelegenheit ist, sondern immer die Öffentlichkeit betrifft.
Aus dem Jurybericht
2013
Facetten des Zerfalls – Drei freie Arbeiten des Fotografen Pit Brunner
Pit Brunner zeigt mir seine Bilder. Ganz untypisch für Architekturfotografie sehe ich zunächst viel Grün in der Serie «Southern Comfort». Üppige Hecken, denen man zwar ansieht, dass Menschenhände sie von Zeit zu Zeit schneiden. Doch die Pflanzen gedeihen in Italien und Griechenland prächtig, decken die Gemütlichkeit der Einfamilienhäuser zu, wuchern fast. Damit ist beschrieben, was Pit Brunner in seinen bisherigen, freien Arbeiten beschäftigt: Der Mensch gestaltet die Natur und doch entgleitet sie ihm. Sie macht, was sie will. Der langsame Kontrollverlust wird zum stillen Verfall. Davon erzählen auch die Bilder der Serien «Transition». Eine leere Villa wird da schrittweise ausgeweidet, rückgebaut sagt man heute. In der Bildserie sehe ich die Hand nicht, die sich zu schaffen macht. Das Haus löst sich vor meinen Augen auf. Menschenleben, die gehegt und gepflegt haben, verlieren – um es in dramatische Worten zu fassen – ihren Existenzkampf. Demütigend. Oder wie Pit Brunner mir sagt: «Es berührt mich, wie flüchtig und zerbrechlich unsere soliden Dinge eigentlich sind». Wenn Ordnung zu Chaos wird, gibt es Momente des Übergangs, die niemand interessieren und die einfach geschehen. Diese hält der Architekturfotograf Pit Brunner mit seiner Kamera fest. Sein meist frontaler Blick soll dokumentieren. Er meint diese Schautafeln nicht kritisch. Er staunt. Und zum Staunen braucht man diese Ruhe, die in all seinen Fotos zu finden ist – ganz stark in der Serie «Snowscape». Ist hier vielleicht doch noch die Rettung des Menschen zu sehen? Natur gibt es nicht mehr, sie verschwindet unter der dünnen Schneedecke. Alles scheint gebaut. Aber nur bis zur Schmelze. Theodor Fontane könnte spotten: «Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand.»
Ivo Bösch I Hochparterre Zürich