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«Schlummernde Schätze» im dunklen Archiv
Die wechselvolle Geschichte der inzwischen 130-jährigen Rhätischen Bahn kann im tiefen Keller des Direktionsgebäudes nachverfolgt werden. Im rechten Flügel des Direktionsgebäudes der RhB in Chur, genauer gesagt im Kellergeschoss, befindet sich das Zentralarchiv der RhB. Im dunklen Keller lagern unzählige Dokumente, Schriften, Protokolle, Geschäftsberichte, Pläne, Skizzen, Fotos, Festschriften, Fachliteratur.
46 Regale mit rund 270 Tablaren (Gesamtlänge 675 m!) sind erforderlich, um all diese wertvollen Zeitdokumente in Aktenordnern, in Schachteln oder zwischen Kartondeckeln gebündelt sicher aufzubewahren. Um die Übersicht nicht zu verlieren, hilft ein seit 1888 historisch gewachsener Archivplan mit Ablagestrukturen, der in die drei Hauptbereiche «Bau», «Betrieb» und «Finanzen & Verkehr» geordnet ist. Daneben existieren weitere Archive und Sammlungen innerhalb der RhB.
Ein Beispiel, wie Akten im RhB-Archiv studiert und neu geordnet werden können, zeigt Gion Caprez, Historiker und inzwischen pensionierter Lokführer anhand des Projekts «Leichttriebwagen 1939» (besser bekannt unter «Fliegender Rhätier»). Caprez befasste sich eingehend mit der Entwicklung und Lieferung der Leichtzüge von 1939 anhand der vorhandenen Unterlagen - zwei Ordner und drei geschnürte Bündel. Bei der Sichtung entfernte Caprez wo möglich Fremdkörper wie Klammern, Nadeln und Kartonhüllen. Die Akten wurden aber in chronologischer Reihenfolge belassen, Zeichnungen, Pläne und Broschüren in eigene Mappen gelegt. Die neuen Mappen und Schachteln wurden handschriftlich (provisorisch) mit Bleistift angeschrieben. Da noch kein Archiv-Datenbanksystem installiert ist, wurde eine Excel-Liste der vorhandenen Zeichnungen erstellt sowie eine Datei mit dem Inhalt der Schachteln. Die gescannten und fotografierten Akten werden später in einer Datenbank zur Verfügung stehen. Für einen «Laufmeter Akten» mussten für das Aussortieren und Einordnen in Schachteln rund 10 Stunden aufgewendet werden. 30 weitere Stunden entfallen auf die damit verbundene Forschungsarbeit.
Unterstützend legt historic RhB den Fokus auf einzelne Projekte wie z.B. eine «Rollmaterial-Datenbank» und eine wachsende Sammlung digitalisierter Unterlagen aus dem Bahnbetrieb. Dank der Initiative von Florian Huber wird unter www.rhb-info.ch bereits eine Webseite betrieben, die sich mit dieser Materie ausgiebig auseinandersetzt. Eine spätere Integration in unsere Homepage www.historic-rhb.ch ist geplant.
Ein ganz besonderer «Schatz» ist die Kiste mit den rund 500 Glasplatten und –Dias. Schon der Hinweis auf der Kiste «Achtung, Foto-Glasplatten dürfen nur mit den weissen Handschuhen angefasst werden» verbreitet Respekt und fordert, mit den historischen Zeitdokumenten behutsam umzugehen. Renato Mengotti, passionierter Fotograf und Sammler von historischen Bildern, hat bereits alle vorhandenen Glasplatten hochauflösend gescannt, angeschrieben und nach Strecken geordnet eingeteilt. Diese digitalisierten Bilder bleiben somit der Nachwelt erhalten und vermitteln dem Betrachter, unter welch teilweise widrigen Umständen die Bahnbetreiber damals zu kämpfen hatten.
Die RhB zeichnet verantwortlich für den Erhalt ihrer Archive. Eine Modernisierung wäre auch hier angebracht; es gälte, die Bestände neu zu ordnen, archivarisch korrekt zu verpacken und wenn möglich einzelne wichtige Dokumente, wie zum Beispiel die Geschäftsberichte zu digitalisieren. Es ist zu hoffen, dass die RhB und das kantonale Amt für Kultur eine Sicherung und Erhaltung dieser Archivschätze bald planen, finanzieren und durchführen können.