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ALLE WOCHENENDEN BEI NUR EINEM ELTERNTEIL - UNBILLIG UND STOSSEND UNGERECHT
Das Wochenende hat im familiären Zusammenleben eine derart zentrale Bedeutung, dass die Betreuungsanteile so festzulegen sind, dass grundsätzlich beide Eltern in vergleichbarem Ausmass Wochenendtage mit dem Kind verbringen können.
Das Bundesgericht hatte mit Urteil 5A_888/2018 einen Fall zu beurteilen, in dem das erstinstanzliche Gericht zuerst, im Rahmen vorsorglicher Massnahmen, die Obhut über das Kind der Mutter zugesprochen hatte und dem Vater das Recht einräumte, das Kind alle 14 Tage von Freitag bis Sonntag sowie alternierend dazu jeden zweiten Sonntag zu Besuch zu nehmen. Im Eheschutzentscheid stellte der Erstrichter das Kind dann unter die alternierende Obhut beider Elternteile, wobei der Wohnsitz bei der Mutter verblieb. Weiter berechtigte er den Vater, das Kind jede Woche von Freitag bis Dienstag zu betreuen, sowie mit dem Kind 6 Wochen Ferien zu verbringen. Diesen Entscheid hob das Kantonsgericht auf Berufung hin teilweise auf und änderte die Betreuungsregelung dahingehend ab, dass das Kind in den geraden Kalenderwochen von Freitag bis Dienstag und in den ungeraden Kalenderwochen von Samstag 18.00 Uhr bis Dienstag vom Vater betreut werde.
Damit hätte das Kind keinen einzigen Samstag-Abend und keinen Sonntag im Monat mit der Mutter verbringen können. Auch jeden zweiten Samstag hätte es nur jeweils bis 18.00 Uhr mit der Mutter verbringen können.
Dies focht die Mutter mit Erfolg vor Bundesgericht an.
Das Bundesgericht hielt explizit fest, dass diese Regelung willkürlich und so nicht haltbar sei. Es hielt explizit folgendes fest:
"4.1. Begründet ist demgegenüber ihre Rüge einer Verletzung des Willkürverbots mit Bezug auf die Festlegung der Betreuungsanteile, bei welcher ein Elternteil von der Betreuung des Kindes an den Wochenenden kategorisch ausgeschlossen wird, selbst wenn die Vorinstanz die erstinstanzliche Regelung gemildert und der Beschwerdeführerin die Betreuung von C.________ alternierend jeden zweiten Samstag zugestanden hat. Zu Recht weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass die Wochenenden im familiären Zusammenleben eine zentrale Bedeutung haben und es ihr verunmöglicht wird, mit C.________ je einen Sonntag zu verbringen, an welchem notorisch auch Kontakte zur erweiterten Familie gepflegt und sonstige Familienaktivitäten unternommen werden. Die getroffene Regelung ist - da keine sachlichen Gründe wie eine berufliche Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin an den Wochenenden dafür sprechen - unbillig und stossend ungerecht. Bei der alternierenden Obhut rechtfertigt es sich - unter Vorbehalt einer berufsbedingt abweichenden Regelung -, die Betreuungsanteile so festzulegen, dass grundsätzlich beide Eltern in vergleichbarem Ausmass Wochenendtage mit dem Kind verbringen können. "
Was bei der alternierenden Obhut gilt, muss selbstredend auch bei den Fällen alleiniger Obhut gelten. Das Wochenende hat im familiären Zusammenleben aber vor allem auch für das Leben des Kindes (Freizeitgestaltung, Freundeskreis aufbauen etc.) eine derart zentrale Rolle, dass es nicht angehen kann, dass Kinder - besondere Gründe vorbehalten - an den Wochenenden vollumfänglich oder auch mehrheitlich aus ihrem Umfeld herausgerissen werden. Immer wieder werden Fälle angetroffen, in denen die Kinder z.B. unter der Obhut eines Elternteiles stehen und an drei Wochenenden pro Monat vom anderen Elternteil betreut werden sollen, ohne dass dafür sachliche Gründe vorliegen. Man will damit offenbar einen Gegenpunkt zur alleinigen Obhut des andern Elternteils setzen, womit jedoch vor allem dem Kindeswohl geschadet wird. Damit wird es nämlich diesen Kindern nicht nur verunmöglicht gleich viel Familienzeit an Wochenenden bei der Mutter wie beim Vater zu verbringen, sondern es wird ihnen auch der Aufbau sozialer Kontakte in ihrem gewohnten Umfeld willkürlich erschwert, bzw. sogar verunmöglicht. Solche Lösungen entsprechen definitiv nicht dem Kindeswohl und führen regelmässig zu Verunsicherung und Verdruss bei den Kindern.
Es ist zu hoffen, dass solche Regelungen nicht Schule machen und dass die Erwägungen des Bundesgerichtes bei allen Richterinnen und Richtern Gehör finden.