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Film
Tony Soprano
Die letzte Folge der 86-teiligen Serie «The Sopranos» wurde in den USA im Juni 2007 ausgestrahlt. Eine ganze Reihe der ProtagonistInnen hatten ihr Leben lassen müssen. Sie starben an Schussverletzungen, eingeschlagenen Köpfen, wurden einbetoniert oder in Seen versenkt – was das Leben halt so bereithält in einer mafiösen Umgebung. Gut, einige schafften es auch in eine Altersresidenz und wurden vom Krebs abgeholt. Aber Tony Soprano (James Gandolfini), der Mafiaboss aus New Jersey, sass am Ende der letzten Folge mit seiner Frau Carmela (Edie Falco) im Restaurant, und gemeinsam warteten sie auf ihre erwachsen gewordenen zwei Kinder. Tony, einige Panikattacken reifer, wirkte mit seinem melancholischen Dackelblick etwas abgespannt – aber immerhin waren er und die Seinen noch am Leben. James Gandolfini allerdings starb überraschend am 19. Juni dieses Jahres während eines Kurzurlaubs in Rom im Alter von 51 Jahren.
Da Gandolfini immer etwas auf Tony Soprano reduziert blieb, widmet ihm das Zürcher «Xenix» nun eine Retrospektive unter dem Titel «Tony Sopranos geheimes Leben als Schauspieler». Es gibt also ein Wiedersehen mit dem Schauspieler, der es so vortrefflich verstand, sich zwischen dem «gemütlichen Dicken» und dem «bedrohlichen Brocken» zu bewegen. So ist er als Virgil als Mann fürs Grobe in «True Romance» (1993) von Tony Scott zu sehen, wird als Big Dave in Joel und Ethan Coens «The Man Who Wasn’t There» (2001) erpresst und ist ein durchschnittlicher Mann in «Welcome to the Rileys» (2009) von Jake Scott – anrührend war Gandolfini immer.
«Tony Sopranos geheimes Leben als Schauspieler» in: Zürich Xenix, Do, 28. November, bis Mo, 16. Dezember 2013. www.xenix.ch
Fredi Bosshard
Ausstellung
Anton Bruhin
Anton Bruhin ist Maler, Zeichner, Erfinder von Palindromen (Wortfolgen, die vor- und rückwärts gelesen werden können) und spielt die Maultrommel mit Leidenschaft und Virtuosität. Der in Lachen geborene Künstler lebt seit Jahren in Zürich und gehört zu den ruhigen und beharrlichen Menschen, die immer für eine Überraschung gut sind.
Bruhin zeichnet von Hand, mit Tusche und Farbstiften, malt in Öl und nutzt den Computer, bleibt aber immer originell. Bruhin war bei der legendären Ausstellung «Saus und Braus» (Zürich, 1980) und auch wieder bei «Freie Sicht aufs Mittelmeer» (Zürich, 1999) dabei. Nun sind einige seiner Werkgruppen in einer Einzelausstellung in Emmenbrücke zu sehen. Lassen Sie sich von seinem Palindrom «Ein O-Ton, o Monotonie!» nicht auf eine falsche Fährte locken.
Anton Bruhin in: Emmenbrücke, Kunstplattform Akku, Fr, 29. November 2013, 19 Uhr, Vernissage. So, 8. Dezember 2013, 17 Uhr, Bruhin im Gespräch mit der Kuratorin Natalia Huser. Mi–Sa, 14–17 Uhr; Sa, 10–17 Uhr. Bis 19. November 2014. www.akku-emmen.ch
Fredi Bosshard
Leben in der Schachtel
«Mane ist auf das Leben in zwei Räumen beschränkt. Seine Familie auch. Es ist ein Leben in der Schachtel.» So beschreibt Dragi Nedelchevski das Leben seiner Familie in Tetovo, Mazedonien. Sein Sohn Mane leidet unter einer schweren Behinderung und muss rund um die Uhr betreut werden. In seinem Fotoessay «Life in a Box» zeigt Nedelchevski einen Alltag, der von der Behinderung seines Sohnes bestimmt wird: Mane wird geduscht, Manes Mutter schneidet ihm das Haar, Manes Eltern tragen ihn im Rollstuhl die Treppe hinunter. Während mehrerer Monate hat der freiberufliche Fotograf intime Momente im Leben seines Sohns festgehalten. Entstanden ist ein Porträt, das ehrlich und einfühlsam zugleich ist. Die Schwarzweissfotos zeigen verzweifelte und unbeschwerte Momente im gewöhnlichen Alltag einer ungewöhnlichen Familie.
Dragi Nedelchevski wurde 1958 in Tetovo geboren. Er hat Jura studiert und arbeitet bei der Gemeindeverwaltung Tetovo. Seit dreissig Jahren fotografiert er freiberuflich. Zu sehen ist die Ausstellung seiner Fotoreihe im Progr in Bern. An der Vernissage ist der Fotograf anwesend.
Anina Ritscher
«Life in a Box» in: Bern Kulturpunkt im Progr, Speichergasse 4. Vernissage: Di, 3. Dezember 2013, 19 Uhr, in Anwesenheit des Fotografen. Bis Sa, 7. Dezember 2013, jeweils 14–19 Uhr. www.kulturpunkt.ch
Festival
Menschenrechte
Am 10. November ist der Internationale Tag der Menschenrechte. Zu diesem Anlass finden in Luzern die Menschenrecht-Filmtage statt. In Dokumentar- und Spielfilmen werden hochaktuelle Themen behandelt: Wie an den Schaffhauser Menschenrechtstagen wird «No Fire Zone: The Killing Fields of Sri Lanka» gezeigt (vgl. «Politour»). Iara Lee blickt in «The Suffering Grasses» auf die Folgen des syrischen Konflikts für die Zivilbevölkerung, und «La jaula de oro» von Diego Quemada-Díez begleitet Jugendliche aus Guatemala auf ihrer illegalen Reise in den Norden. Das Festival wird ergänzt durch Gespräche mit AktivistInnen, RegisseurInnen und ExpertInnen.
Filmtage Menschenrechte in: Luzern Stattkino, Do, 5., bis Di, 10. Dezember 2013. http://assets.comundo.ch/downloads/filmtage13_programmweb.pdf
Silvia Süess