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| Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Neunundachtzigstes Hauptstück.
Aber du sagst: Es ärgert mich die Doppelsinnigkeit des Homousions. Höre dagegen, ich bitte, ohne Aergerniß: Auch mir ist die Nacktheit des Homöusions anstößig. Viele Dinge täuschen oft, welche ähnlich sind. Ich fürchte das Gold des Bleches, weil mich das Innere täuschen könnte; und doch ist das dem Golde ähnlich, was man sieht. Ich fürchte bei der Aehnlichkeit der Milch, es möchte die mir dargereichte Milch Schafsmilch seyn; weil ihr auch die Kuhmilch dem Scheine nach ähnlich ist. Damit Schafsmilch der Schafsmilch ähnlich sey, muß sie von einem Schafe seyn. Die wahre Aehnlichkeit liegt in der Wahrheit der Natur. Die Wahrheit der Natur aber in Beiden wird Homousion genannt. Denn dieses ist dem Wesen nach Aehnlichkeit, wenn eine Masse, welche einer andern ähnlich ist, in dem Bleche nicht trügt, wenn die Milch, welche gleichfarbig ist, dem Geschmacke nach nicht verschieden ist. Dem Golde kann nichts anders ähnlich seyn, als Gold; der Milch kann nur [S. 43] (Milch) von ihrer Art ähnlich seyn. Ich hielt oft etwas der Farbe nach für Wein; und doch fand ich, wenn ich es kostete, eine Flüssigkeit anderer Art. Ich sah Fleisch, welches einem andern Fleische ähnlich war, aber nachher verrieth mir der Geschmack die Unähnlichkeit der Natur. Diese Aehnlichkeiten also, welche nicht aus der Einheit der Natur entspringen, fürchte ich.