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Die unglaubliche, aber wahre Geschichte der Mimi Tao aus Thailand.
Heute haben Mimi Taos Eltern dank ihrer Tochter nur noch zwei Millionen Baht (55'000 Franken) Schulden. Es war schon mal viel schlimmer. Nämlich 2000, als Mimi Tao acht Jahre alt war und ihre Familie über Nacht alles verlor. Mimis Vater war ein Bauführer aus dem Norden Thailands, die Mutter investierte sein Geld in Dutzende von Projekten, vergab Kredite, vermietete Reisfelder, versuchte sich als Mango- und Eukalyptus-Züchterin, war Maklerin und schickte die Kinder in teure katholische Privatschulen.
Mimi Tao hiess damals noch Phajaranat Nobantao, war ein Junge und hatte sich keine Vorstellungen über seine Zukunft gemacht. Und weil er ein bisschen verträumt und faul war und nicht so ehrgeizig wie seine Geschwister, die unzählige Stipendien gewannen, beschloss die Familie, ihn nach der Grundschule in ein buddhistisches Kloster zu stecken.
Im Kloster wurde aus Phajaranat allmählich Mimi. Er fand Freunde, die wie er auch Spass daran hatten, in ihren Mönchsgewändern Modenschauen nachzustellen. Die Buben schminkten sich mit Babypuder und Farbstiften, sie lernten zu «walken», und eines Tages kamen sie auf die Idee, ihre Körper hormonell zu manipulieren. Sie beschafften sich heimlich Antibabypillen. Der Trick funktionierte: Phajaranat wuchsen kleine Brüste. Er war jetzt ein Transgender. Ein klassischer thailändischer Ladyboy. 175 Zentimeter gross und 50 Kilo schwer. Er war jetzt Mimi.
Zuerst suchte sich Mimi dort einen Job, wo viele Ladyboys landen: In den Nachtclubs von Pattaya und Bangkok. Dann sah sie im Fernsehen einen Film über das thailändische Supermodel Rojjana Phetkanaha, die es einst in Paris zum Chanel-Gesicht gebracht hatte und heute als Drogensüchtige in den Strassen von Bangkok anzutreffen ist.
Mimi stalkte die lebendige Ruine und brachte Rojjana dazu, ihr die Grundlagen eines Model-Jobs zu lehren. Doch keine thailändische Agentur wollte Mimi einstellen, sie war zu gross, zu seltsam, zu nah am Rotlicht-Milieu. Sie flog mit ihrem letzten Geld nach Singapur und übernachtete in öffentlichen Toiletten, weil sie sich sonst nichts leisten konnte. Der Buddhismus half ihr dabei: Sie hatte gelernt, Entbehrungen mit Gleichmut auszuhalten.
In Singapur fand sie schliesslich Arbeit. Als Model. Arbeitete sich hoch und höher. Kehrte nach Thailand zurück. Wurde zum TV-Werbestar. Zum High-End-Fashionmodel. Zu einem der schönsten und bekanntesten Gesichter ihres Landes. Zur First Lady unter den Ladyboys, zur grossen Lichtgestalt der asiatischen Transgender-Bewegung.
Ihre Brüste hat sie sich inzwischen vergrössern lassen, aber ob sie die grosse Geschlechtsumwandlung will, weiss sie noch nicht. Ihr Ziel: So viel Geld zu verdienen, um die Schulden ihrer Familie zu tilgen. Sie nimmt auch den kleinsten Job an, und wenn sie gerade mal einen Tag lang nicht modelt, kellnert sie. «Wenn ich mir um nichts mehr Sorgen zu machen brauche, werde ich vielleicht wieder Mönch», sagt sie, «manchmal denke ich, dass dies das ideale Leben für mich war.»