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Friedrich Glauser und der Kriminalroman: Gspüri für Spannung
Verbrechen lohnen sich, zumindest in der Literatur. Kriminalromane boomen. Am Anfang dieses Aufschwungs steht in der Schweiz der Autor Friedrich Glauser (1896-1938), der heute 125 Jahre alt geworden wäre.
Es begann alles mit einer Idee, «um Geld zu machen». Am 25. April 1932 schrieb Friedrich Glauser an seine Eltern, dass er an einem Kriminalroman arbeite, der in einer Haftanstalt spiele. «Eine grosse Sache, die schwierig sein wird.»
In der Not hatte Glauser, der damals in der Klinik Waldau interniert war, die Figur des Wachtmeisters Studer geschaffen, eines «gemütlichen Schweizer Detektivs». In der Schweizer Literatur begründetet diese Figur ein neues Genre.
Mit Empathie ermittelt
In den 1930er Jahren kamen Krimis auf, die dramatische Spannung mit einer hohen Aufmerksamkeit für soziale Aussenseiter verbanden. In Frankreich zum Beispiel fahndete Simenons Maigret, das erklärte Vorbild Glausers.
Der Berner Polizeibeamte Studer daneben weiss genau, dass die kaputte Welt nicht mehr mit detektivischem Genie einzurenken ist. Deshalb lässt er sich bei den Ermittlungen von seiner Empathie für jene «armen Cheiben» leiten, die ihren Kopf für die «da oben» hinhalten. Wie sein Autor weiss er, dass Gerechtigkeit nicht mit Recht identisch ist.
Studers untrügliches «Gspüri» verleiht Glausers Kriminalromanen ihr spezielles Timbre. Sie verzichten ganz auf eine billige «Fuselspannung», die Glauser 1937 in seinem «Offenen Brief über die zehn Gebote für den Kriminalroman» strikt ablehnte.
Studer als ein Vorbild
Glauser hat sich kaum vorgestellt, dass er am Anfang eines Krimi-Booms stehen würde. Friedrich Dürrenmatt schuf mit seinem Bärlach in «Der Richter und sein Henker» (1952) einen Fahnder, dessen Behäbigkeit einen diabolischen Geist verbarg.
Im selben Jahr legte Patricia Highsmith mit ihrem Erstling «Zwei Fremde im Zug» das Fundament für ihre Romane, die nicht mehr den Täter suchen, sondern mit psychologischer Obsession nach den Motiven für das Verbrechen fahnden.
Mit ihr beginnt sich das Krimigenre aufzufächern. Die reine Aufklärung wird mehr und mehr abgelöst durch eine Dramaturgie, die primär den filmreifen Showdown und damit die Anspannung der Leserschaft im Auge hat.
Der Boom eines Genres
Ab Mitte der 1980er Jahre tauchen in der Schweiz neue Figuren auf. Der väterliche Hunkeler in Hansjörg Schneiders Romanen etwa macht das einzelne Buch zum Reihentitel.
Heute ist das Angebot breit. Alfred Bodenheimer erschliesst das jüdische Milieu mit seinen Rabbi-Klein-Krimis. Stephan Pörtner und Roger Graf kreieren satirische Adaptionen des hard-boiled-Krimis, Petra Ivanov und Michel Theurillat fördern brisante Themen in Thrillerform zutage.
Mehr und mehr verschreiben sich Frauen dem Genre: Susy Schmid, Mitra Devi, Sabine Altermatt oder Silvia Götschi. Und gestandene Autoren wie Hansjörg Schertenleib, Tim Krohn (alias Gian Maria Calonder) oder Sandra Hughes entdecken den Kriminalroman, um die kriminale Spannung mit Lokalkolorit zu verbinden. Dem Genre wohnt somit auch eine interessante Form des Heimatdiskurses inne.*
*Dieser Text von Beat Mazenauer, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt- Stiftung realisiert.Zurück zur Startseite
sda