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Autor: Bernhard Zurbriggen
Merkur zeigt sich zwischen dem 4. und 13. Oktober am auffälligsten. Am 8. Oktober zieht er knapp am Saturn vorbei, am 13. Oktober ist es die Venus. Diese Begegnungen kann man etwa um 5.30 Uhr jeden Morgen sehen, also exklusiv für Frühaufsteher.
Wir wollen uns mit dem Planeten Mars beschäftigen, weil er in den kommenden Monaten zum dominierenden Gestirn der ganzen Nacht aufläuft. Mars ist der erdähnlichste Planet im Sonnensystem. Er kreist ausserhalb der Erdbahn um die Sonne und ist etwa halb so gross wie die Erde. Es ist vorstellbar, dass Menschen ihn im 21. Jahrhundert real besuchen werden.
Wie sieht der Mars aus?
Während der Monate, in denen Mars sich in Erdnähe befindet (er steht in Opposition) erscheint er als sehr auffälliger, orange-roter Stern. Im Amateurteleskop lassen sich dann die gröbsten Oberflächendetails erkennen. Bemerkenswert sind auf der Oberfläche von Mars einerseits die hellen, vereisten Polkappen und andererseits mächtige Vulkane sowie tiefe Schluchten. So gilt der «Olympus mons» (Bild 2) als höchster Vulkankrater im Sonnensystem, hat er doch eine Höhe von über 26 000 Metern. Lange, verschlungene Täler zeugen davon, dass es auf dem Mars in früheren Zeiten sporadisch Flüsse gegeben hat. Das «valles marineris» z. B. hat eine Länge von über 2000 km (Bild 3).
Viele Raumsonden haben inzwischen den Planeten besucht, so dass Mars wohl der Planet im Sonnensystem ist, über den wir am meisten wissen. Er bietet eine trockene, kalte Wüste mit sehr dünner Luft. Gerade in diesem Monat haben Astronomen die riesigen, netzartigen Strukturen an der Oberfläche des Mars als ausgetrocknete, ehemalige Seen gedeutet. Mars war also ehemals wärmer und feuchter als heute.
Leben auf dem Mars?
Die Frage nach möglichem Leben auf dem Mars hat die Forscher in den letzten Jahren in Bann gehalten. Für aktuelles Leben auf dem Mars gibt es bisher keine Hinweise. Ob es in einer feuchten Phase des Planeten vor Milliarden Jahren Mikroben gab, darüber ist sich die Wissenschaft momentan uneins.
Im Jahre 2004 hatten zwei amerikanische Sonden grosse Erfolge zu verzeichnen. Letztes Jahr hat die NASA die Sonde Phoenix erfolgreich auf dem Mars gelandet. Sie hat nicht nur Wasser in Form von Eis auf dem Planeten nachweisen können, sondern auch Perchlorat, ein schnell oxidierendes Salz, welches eine recht unfreundliche Umwelt schaffen würde. Es sei bekannt, dass Mikroben unter ähnlichen Bedingungen problemlos existieren könnten, sagen NASA-Wissenschaftler.
Ein bemannter Flug zum Mars?
Die Bodenproben, welche die Raumsonde entnommen hat, sind dem Material in der chilenischen Atacama-Wüste ähnlich, wo Mikroben auch unter extremen Bedingungen leben. Leben auf dem Mars zu finden, sei also immer noch möglich. Mit Sicherheit werden wir hier in den nächsten Jahrzehnten Genaueres erfahren.
Nach den erfolgreichen Mondflügen in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts hat Weltraumpionier Wernher von Braun in seiner Studie «Das Marsprojekt» konkrete Pläne entwickelt, wie eine solche Expedition technisch zu realisieren wäre. Die 80er-Jahre waren dafür vorgesehen. Dass ein bemannter Flug höchste Anforderungen stellt, weiss man inzwischen.
Wie würde eine solche Reise grundsätzlich aussehen? Das Unternehmen würde den Mondfahrten ähnlich sein. Zuerst müssten die Astronauten mit dem gan-zen Material – man schätzt rund 500 Tonnen – in eine Um-laufbahn um die Erde (Erdorbit) gebracht werden. Die ISS könnte eine Plattform sein, von der aus ein Start erfolgen könnte. Auch der Mond ist als Startrampe denkbar.
Bis zu drei Jahre unterwegs
Man rechnet für den Hin- und Rückflug je rund Dreivierteljahre. Da aber Erde und Mars unterschiedlich schnell um die Sonne kreisen, kann für Hin- wie Rückreise nur zu bestimmten Zeiten gestartet werden. Diese Zeitpunkte nennt man «Startfenster». Da dies auch für den Rückstart gilt, müsste mit einer Reise von zwei bis drei Jahren gerechnet werden (www.zumstein.org zeigt die Möglichkeiten und Gefahren).
Eine Landung auf dem Mars ist von der NASA und der ESA für 2037 geplant. Unser «Lebensraum» erfährt mit diesem Marsprojekt eine gewaltige Erweiterung. Über den Preis dafür kann man sich streiten.
Bernhard Zurbriggen, Sternwarte Ependes