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Fabiana Portal, Unidos por los Animales - 19. Juli 2006
Ich möchte hier zusammenfassend über unsere zweite Expedition ins Krisengebiet des Vulkans Ubinas berichten, die von WSPA unterstützt und von einem ihrer Tierärzte aus Kolumbien, Hector Haníbal Delgado, begleitet wurde.
Zuerst muss ich leider mitteilen, dass die Situation, wie wir sie dieses Mal antrafen, wirklich besorgniserregend ist. Ganz im Gegenteil zu dem, was El COMERCIO berichtet, sind jetzt die Folgen des Vulkanausbruches deutlich zu spüren. Alle Dörfer in dieser Gegend erschienen uns wie Geisterdörfer. Die Tiere sind auf den Bauernhöfen geblieben und ihre Besitzer müssen jeden Tag zu Fuss vom Lager in Chagchegen, wo man ihre Notzelte errichtet hat, mehr als 5 oder 6 Stunden zu Fuss gehen, um ihre Tiere zu sehen und zu füttern. Viele von ihnen leiden an Diarrhöe. Am meisten betroffen sind die Rinder, denn diese befinden sich an den Berghängen des Vulkans. Sie fressen weiterhin von Asche verseuchtes Gras. Viele der Tiere sind untergewichtig. Wir teilten uns in Gruppen auf, und ich hatte, zusammen mit unserer Tierärztin Wendy, die Aufgabe, den Tieren Medikamente zu verabreichen. Die Bewohner teilten uns mit, dass einige Tiere umgekommen sind. Die Lamas und Alpakas befinden sich in den hohen Lagen, auf der Rückseite des Vulkans. Auch sie haben gelitten, aber es scheint, dass es die Rinder am schwersten trifft.
Anderseits haben alle Bewohner, als sie evakuiert wurden, Haustiere, die Hunde, Katzen, Meerschweinchen usw. nach Chagchegen mitgenommen. Das Zusammenleben mit den Tieren im Camp ist nun zu einem Problem geworden. Normalerweise leben die Tiere vor ihrer Haustüre, in dieser Situation jedoch vor ihren Zelten und die Hunde müssen sich selber um ihr Essen bemühen. Sie dringen in die Zelte ein und belagern die Gemeinschaftsküchen, um sich einen Bissen zu ergattern. Ein grosses Problem sind auch die Exkremente. Viele haben noch nicht begriffen, dass auch die Hunde Geschädigte des Vulkans sind, und aufgrund der sich mehrenden Klagen haben Vertreter von MINSA (der Gesundheitsbehörde) leider einige Hunde getötet.
Dieser, meiner Ansicht nach falsche Entscheid, hat unter den Kindern grossen Stress ausgelöst. Als wir uns den Hunden näherten, um ihnen Antiwurmmittel zu verabreichen, reagierten die Kinder zu unserer Überraschung völlig verstört. Ein kleiner Junge brach in Weinen aus, und seine Angst und Verzweiflung waren so gross, dass ich befürchtete, er verliere das Bewusstsein. Der psychologische Schaden, den MINSA mit ihrer Aktion bei den Kindern ausgelöst hat, ist gross. Es kostete uns viel Mühe, sie davon zu überzeugen, dass wir nicht von MINSA sind. Schliesslich gelang es uns, die Gemüter mit Hilfe von Leuten zu beruhigen, die uns bereits von unserem ersten Besuch her kannten und den Kindern erklärten, dass wir gekommen seien, um ihren Tieren zu helfen.
Im Rahmen des Ganzen sieht die Zukunft für die Hunde entmutigend aus. Angesichts der Drohungen von MINSA haben viele evakuierte Familien ihre Hunde in ihre Herkunftsdörfer zurück gebracht, damit sie von den Vertretern der Gesundheitsbehörde nicht getötet werden. Das Heulen der in Ubinas verlassenen Hunde war herzzerreissend. Es ist anzunehmen, dass die Besitzer der zurückgelassenen Hunde, wenn sie tagsüber ins Dorf zurückkehren um ihre Kühe zu füttern, gleichzeitig auch den Hunden zu fressen geben, aber es ist für diese Menschen auf die Dauer sehr schwierig, unter solchen problematischen Verhältnissen zu leben.
Das Camp der Evakuierten steht auf einem öden Feld, wo starke Winde wehen und ihre Zelte hochheben und alles, was nicht niet- und nagelfest ist, durch die Luft wirbeln. Unsere Gruppe hatte die Aufgabe, frühmorgens die Hunde mit Medikamenten zu versehen und ich musste dazu meine Brille aufsetzen, weil der aufgewirbelte Staub mir die Sicht verwehrte. Obwohl unsere eigentliche Mission den Zweck hatte, den Tieren zu helfen, konnten wir nicht anders, als uns auch um die Menschen in dieser schwierigen Lage zu kümmern. Es sieht so aus, wie wenn Peru sie vergessen hätte. Die Kinder finden einzig beim Spiel und beim Herumtollen mit ihren Hunden etwas Freude und Ablenkung. Wir fühlten uns traurig und machtlos angesichts dieser Tragödie.
Trotz allem ging es uns gut, auch wenn zum Teil recht schwierige Bedingungen herrschten: eiskaltes Wasser zum Waschen, die hohe Lage (über 4'500 m.ü.M.), starke Sonnenbestrahlung während des ganzen Tages, viel Staub, keine Wege, nur Pfade, und das Zurücklegen von grossen Strecken zu Fuss, von Hof zu Hof. Manchmal hatten wir nichts zu essen und mussten uns anstrengen, uns untereinander zu vertragen. Aber wir konnten alle unsere Vorhaben ausführen, nämlich die Situation einschätzen, die Tiere kurieren und den Besitzern Medikamente für deren weitere Behandlung aushändigen. Es sieht aber so aus, dass die prekäre Situation noch länger andauern könnte.
Allen, die zum Gelingen dieser Hilfsexpedition beigetragen haben,
danken wir herzlich!
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