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Flora Champenois ist Kohle-Analystin bei der Denkfabrik Global Energy Monitor in New York. Sie wertet weltweite Daten zu geplanten, gebauten und ausser Betrieb genommenen Kohlekraftwerken aus. Sie stellt fest, dass es aus dem letzten Jahr durchaus Fortschritte zu vermelden gibt.
China plant 250 neue Kohlekraftwerke
So habe die Zahl der geplanten Kohlekraftwerke deutlich abgenommen, insbesondere nachdem China angekündigt habe, keine Kraftwerke im Ausland mehr zu finanzieren.
Am Ziel, bis 2030 aus der Kohle auszusteigen, hat bisher kein europäisches Land gerüttelt.
Das gleiche China allerdings legte im letzten halben Jahr so viele neue Kohleprojekte im Land selber vor, wie seit 2016 nicht mehr. Zu den bereits gut 1100 Kohlekraftwerken am chinesischen Stromnetz sollen bald deren 250 weitere hinzukommen.
Europa scheint auf Kurs
Während sich China, das fast die Hälfte aller Kohlekraftwerke weltweit betreibt, bisher also nicht an das in Glasgow gemachte Versprechen hält, seien die europäischen Staaten trotz der Energiekrise einigermassen auf Kurs, stellt Champenois fest.
Zwar hätten verschiedene europäische Staaten kurzfristig Kohlekraftwerke wieder in Betrieb genommen oder deren Betrieb verlängert. Doch: «Am Ziel, bis 2030 aus der Kohle auszusteigen, hat bisher kein europäisches Land gerüttelt.» Unter dem Strich habe das Versprechen von Glasgow also durchaus Wirkung gezeigt.
Kraftwerke müssen früher vom Netz
Diese sei aber nach wie vor ungenügend. Das bestätigt auch der Direktor der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, der vor wenigen Tagen einen neuen Bericht zur Kohle vorgelegt hat.
Schlimmster Klimasünder
Kohle ist der Klimasünder Nummer eins. Seit dem 18. Jahrhundert wird Kohle verbrannt, um Fabriken zu betreiben und später Strom zu produzieren. Und noch heute verursacht Kohle deutlich mehr Treibhausgase weltweit als Öl und Gas. Dabei gäbe es heute durchaus Alternativen zu Kohle, die abgesehen vom Treibhauseffekt, den sie antreibt, auch die Luft vielerorts gefährlich verschmutzt. Die Staatengemeinschaft hat sich deshalb vor einem Jahr, an der Klimakonferenz in Glasgow vorgenommen, den Gebrauch von Kohle herunterzufahren.
Allein wenn die bestehenden Kohlekraftwerke über ihre normale Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren hinaus in Betrieb bleiben, wird das Ziel, die Erderwärmung auf 1.5 Grad zu begrenzen, unerreichbar sein.
Es müssen also nicht nur Projekte für neue Kohlekraftwerke abgeblasen, sondern auch bereits laufende Kraftwerke früher als ursprünglich geplant abgeschaltet werden, um die Ziele zu erreichen.
Das lohne sich langfristig auch finanziell, sagt IEA-Chef Birol. Allerdings müsse die internationale Gemeinschaft bis 2030 rund 150 Milliarden Dollar aufwenden, um den Kohleausstieg vor allem in Entwicklungsländern sozial zu gestalten.
Wieder mehr in Öl und Gas investiert
Auch Nikki Reisch, Leiterin Klima und Energie beim Center for International Environmental Law mit Sitz in Washington DC und Genf, betont, dass das Versprechen des Kohleausstiegs von letztem Jahr historischen Charakter habe.
«Erstmals hielten die Staaten in einer gemeinsamen Erklärung fest, dass der Kampf gegen den Klimawandel nur erfolgreich sein kann, wenn sie ohne fossile Energieträger auskommen», betont Reisch.
Aber während sich bei der Kohle gewisse Fortschritte zeigten, hätten sich im letzten Jahr die Investitionen in Öl und Gas ausgeweitet, betont die Umwelt-Anwältin.
Klimaschützer haben denn auch an der jüngsten Klimakonferenz in Scharm El-Scheich ein verbindliches Bekenntnis zum Ausstieg nicht nur aus Kohle, sondern auch aus Öl und Gas gefordert. Allerdings ohne Erfolg.