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Selbstakzeptanz
Bist Du zufrieden mit Dir? Bist Du mit Dir selbst einverstanden? Fühlst Du Dich eins mit Dir? Fühlst Du Dich in Dir selbst zu Hause? Schätzt Du Dich wert? Versuche diese Fragen spontan zu beantworten und überlege Dir dabei, inwieweit sie auf einer Skala von eins bis zehn zutreffen.
Deine Antworten liegen zwischen acht und zehn? Schön, dass Du eine positive Einstellung zu Dir selbst als Person hast! Den meisten Frauen geht es aber eher so, dass sie entweder mit bestimmten Persönlichkeitseigenschaften hadern oder mit ihrem Erscheinungsbild. Oder mit beidem. So geht es mir und vielen anderen Frauen in meinem Bekanntenkreis oder den Frauen, die zu mir in die Beratung kommen. Du kennst sicher schon diesen Text:
God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,Reinhold Niebuhr
Courage to change the things I can, and wisdom to know the difference.
Oder vielleicht kennst Du den Text in der deutschen Version:
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.Reinhold Niebuhr
Obwohl dieser altbekannte Text oft zitiert wird, hat er mich am Donnerstag auf eine neue Idee gebracht. Für uns alle habe ich diese Woche eine Übung geschrieben – eine praktische Hilfe zur mehr Selbstakzeptanz!
Gibt es etwas an Deinem Äusseren, dass Dich seit längerer Zeit, ja sogar seit Jahren stört? So stört, dass Du und Deine Lebensqualität darunter leiden? Bist Du immer wieder mit einer Eigenschaft konfrontiert, die Dich und Deine Nächsten an Grenzen bringt?
Leichter gesagt als getan, nicht? Im Folgenden erwartet Dich eine Übung, die Dich hoffentlich ganz konkret dabei unterstützen kann, Dich zu akzeptieren. Nicht Dich zu dulden oder Sachen schön zu reden, sondern zu akzeptieren, d.h. mit bestimmten Themen, die deinen Körper, Geist und Seele betreffen, Frieden zu schliessen.
Übung
- Mache eine Liste mit allen Sachen, die Du an Dir ändern möchtest. Schreibe alles auf, was Dir das Gefühl gibt, nicht gut genug zu sein. Das können nur Stichworte sein oder ganze Sätze mit Deinen Gedanken und Gefühlen zu diesem Thema.
- Gehe die Liste durch und schreibe zu jedem Punkt, was Du bereits gemacht hast, um die Sache zu verändern, zu verbessern, zu entfernen.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Liste:
Ich kann nicht gut Englisch sprechen. Bereits in der dritten Klasse hatte ich zwei Mal die Woche Englisch in der Schule. Mit 12 Jahren haben mich meine Eltern für einen zusätzlichen Englischkurs an der Volkshochschule angemeldet. Vier Jahre lang sass ich in diesem Kursraum. In den Sommerferien musste ich jedes Wort, das wir gelernt haben, 20 Mal nacheinander aufschreiben. Im Gymnasium hatte ich ein Jahr lang ca. 10 Englischstunden in der Woche. Das Ergebnis: Ich kann nicht gut Englisch sprechen. Fazit: Ich bin echt doof. Sehr doof. Seit 25 Jahren ist das ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Eine Zeitlang dachte ich, dass es sich bereits erledigt hat bis wieder eine unangenehme Situation passierte und ich mich über meine Sprachunfähigkeit schämte. So auch gestern als eine unbekannte Frau in der Gemeinde auf mich zukam und mit mir reden wollte. Sie stellte eine Frage auf Englisch und sechs Augenpaare schauten mich erwartungsvoll an.
- Gibt es zu jedem dieser Punkte etwas, das Du jetzt oder zu einer bestimmten Zeit unternehmen kannst? Wenn ja, was? Gibt es Personen, die Dich dabei unterstützen können? Wenn ja, welche? Du möchtest dieses Thema angehen – wann genau möchtest Du damit beginnen? An dieser Stelle geht es nicht darum, Dich unter Druck zu setzen, sondern vielmehr darum, Dich zu entlasten.
Beispiel: In einer bestimmten Sache möchte ich gerne besser werden. Es gibt eine Weiterbildung, die ich gerne besuchen möchte. Die nächste Möglichkeit ist erst in zwei Jahren. Wenn meine Gedanken darum kreisen, wie gerne ich jetzt in diesem Bereich kompetenter wäre, dann habe ich dieses Datum im Kopf: September 2021
- Gibt es Punkte, bei denen Du bereits einiges unternommen hast und nichts nützte etwas? Wenn ja, dann hast du aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten.
- Du kannst damit gelassen umgehen.
- Du kannst Dich darüber ärgern. Bis das Thema sich für Dich von selbst erledigt hat. Nur gibt es Themen, die einfach nie verschwinden. Wenn sie Dich zu viel Energie, Gedanken, Lebensfreude, Ruhe, die Geduld Deiner Liebsten, den Schlaf und die Gesundheit rauben, dann schliesse einen Friedensvertrag. Mach es in aller Ruhe und ganz offiziell – benenne das Thema, mache eine Abmachung mit Dir, setze Datum und Unterschrift.
Friedensvertrag
Zwischen Elitsa Boksberger und der englischen Sprache.
Ich habe Zeit und Energie investiert, um dich zu erlernen. Es hat nicht so funktioniert, wie ich es mir erhofft habe. Ich möchte hiermit mein Bemühen um dich ein Ende setzen. Dass ich dich nicht gut sprechen kann, ist zwar bedauerlich, aber keinen Weltuntergang. Ich entscheide mich dafür, diese Tatsache nicht immer wieder zu bedauern und mich gelegentlich zu schämen, sondern zu akzeptieren. Ich bin sehr gut so, wie ich bin, auch ohne Dich.Elitsa Boksberger
Dielsdorf, den 30. September 2019