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Autor: Mireille Rotzetter
Die Metzgerei Roschy hat denselben Geburtstag wie die Schweiz. Am ersten August 1950 hat Max Roschy am Klein-St.-Johann-Platz eine Metzgerei eröffnet, welche sich im Auquartier bald etablierte. Hubert Roschy, der älteste Sohn der Familie, übernahm die Metzgerei 1977 nach dem Tod des Vaters zusammen mit seiner Frau Monique. In den vergangenen 30 Jahren erlebte die Metzgerei viele Veränderungen. Dank harter Arbeit, Innovation und Anpassungsvermögen hat der Betrieb jedoch überlebt.
Die Anfänge
«Das Auquartier hat sich in den letzten Jahren gewandelt», erzählt Hubert Roschy. In den 60er- und 70er-Jahren hätten 3500 Personen, mehr als doppelt so viele wie heute, im Quartier gewohnt. «Es waren hauptsächlich kinderreiche Arbeiterfamilien und Fremdarbeiter.» Eine dankbare Kundschaft: «Es gab vier Metzgereien, vier Bäckereien, drei Käsereien und zwei bis drei Lebensmittelläden.» Alle hätten sie überleben können.
«Es war eine gute Zeit», sagt Monique Roschy rückblickend. Die Metzgerei Roschy hatte damals bis zu sechs Angestellte und bildete zusätzlich Lehrlinge aus. Der Metzgermeister erzählt, dass er damals gesagt habe, er werde wohl mit 50 Jahren in Pension gehen können. «Es galt dann aber bald einmal, die Ärmel hochzukrempeln.»
Harte Zeiten
In den 80er-Jahren veränderte sich die Gesellschaft im Quartier. Viele Arbeiterfamilien zogen weg. «Wo früher zwanzig Personen gewohnt hatten, lebten auf einmal noch vier», sagt Hubert Roschy.
Weitere Schwierigkeiten ergaben sich durch die Verlegung der Eishalle ins St. Leonhard und die Schliessung der Kaserne. «Vor und nach den Gottéronmatchs sind die Leute in der Altstadt eingekehrt. Das war ein wichtiges Geschäft für uns», sagt der Metzger. An die Kaserne habe er zudem stets Fleisch und Wurstwaren liefern können. Auch die anderen Lebensmittelhändler des Quartiers litten unter diesen Veränderungen.
Doch nicht nur der Wandel des Quartiers machte Metzgern, Käsern und Bäckern das Leben schwer. «Heute gehen die Leute lieber in Grossbetriebe wie Migros und Coop einkaufen», sagt Hubert Roschy, auch wenn dort die Beratung des Fachmanns fehle.
Er blättert in einer Zeitschrift des Fleischfachverbandes und studiert die Zahlen. «Jährlich müssen in der Schweiz 50 Metzgereien schliessen.» Zu diesem Schritt entschloss sich die Familie Roschy im Jahr 2000 schweren Herzens: Sie gab das Ladengeschäft am Klein-St.-Johann-Platz auf, fuhr aber weiterhin auf den Markt. «Alles zu tun, hätte ich aber nicht geschafft», erzählt Hubert Roschy. «Ich bin mit Leib und Seele Metzger. Zudem hätte ich meinen Stammkunden nicht sagen können, dass es nichts mehr gibt.» Die Familie beschloss deshalb, den Party-Service weiterzuführen und am Mittwoch und Samstag auf den Markt zu gehen.
Doch damit kann keine sechsköpfige Familie ernährt werden. Der damals 49-jährige Fleischfachmann schulte sich um. «Ich besuchte Pädagogikkurse und machte die Ausbildung zum Fleischkontrolleur.» Heute arbeitet er als Fachlehrer an der Berufsschule und ist zusätzlich als Fleischkontrolleur beim Kanton angestellt.
Die ganze Familie mit dabei
Blieb bei so viel Arbeit und Engagement noch Zeit für die vier Kinder? «Der Vorwurf, dass immer erst das Geschäft kam, war stets da», erzählt Monique Roschy. Ihr Mann erwidert: «Es ging nicht anders.» Die beiden sagen, dass sich das Familienleben auch teilweise in den Betrieb verlagert habe. Alle halfen mit: die Kinder auf dem Markt und im Party-Service, die Frau erledigte die Büroarbeiten, die Wäsche und verkaufte im Laden.
«So einen Betrieb ohne den Rückhalt der Familie zu führen, wäre unmöglich gewesen», betont der Familienvater. Er hofft, dass eines seiner Kinder, die alle in der Lebensmittelbranche tätig sind, die Familientradition weiterführt. «Schliesslich verkaufe ich eine Schweinsbratwurst, deren Rezept von meinem Grossvater stammt.»