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Umringt von einer Menge von mehreren Dutzend Flüchtlingen stand ich im Raum. Sie sahen mich an und lächelten geduldig. Diese Flüchtlinge vertraten mehrere Nationalitäten, die meisten von ihnen kamen aus benachbarten, vom Krieg zerrütteten Ländern.
Die Mitarbeiter und Schüler des Ausbildungszentrums, in dem ich einmal pro Woche ehrenamtlich arbeite, sind überwiegend Muslime. Sie feiern unter normalen Umständen kein Weihnachten. Trotzdem wollten sie eine Weihnachtsfeier veranstalten. Es war ein Grund zum Feiern, denn für sie ist jedes freudige Ereignis eine willkommene Erleichterung von den Belastungen des Flüchtlingslebens.
Luftschlangen, Luftballons und Lichterketten schmückten den Raum, und auf der Tafel stand in grossen Lettern «Frohe Weihnachten».
Die Weihnachtsgeschichte
Ich nahm mein Notizbuch in die Hand und schlug eine Seite auf mit dem Entwurf meiner Rede auf Englisch und all den arabischen Wörtern die ich zu vergessen drohte. Schmetterlinge flatterten in meinem Bauch herum.
Ich wollte die Weihnachtsgeschichte erzählen. Also begann ich in einfachem Arabisch mit dem Besuch des Engels bei Maria und arbeitete mich durch die wundersame Geschichte von Jesu Geburt.
Die Schülerinnen und Schüler waren ganz still und hörten zu - vielleicht auch, weil es für sie neu war, einen blondhaarigen Ausländer zu hören, der den örtlichen Dialekt des Arabischen spricht. Aber sie hörten zu.
Jesus wird zum Flüchtling
«Der Engel kam zu Josef und sagte: 'Steh auf! Geh mit Maria und dem Jesuskind und flieh nach Ägypten.' Also flohen sie vor dem drohenden Blutbad und kamen nach Ägypten.»
Ich hielt inne und sagte dann zu ihnen: «Auch Jesus war ein Flüchtling.» Tränen brannten in meinen Augen. Diese wunderbare Gruppe von Flüchtlingen stiess einen gemeinsamen Seufzer aus, als sie über diese Realität nachdachte.
In der Zwischenzeit war ich in einer Weise erschüttert, wie ich es bei diesem Teil der Geschichte noch nie gewesen war.
Jesu demütiger Übergang vom Himmel zur Erde begann nicht nur mit bescheidenen Anfängen. Es ging weiter, als er und seine Familie, sich der Flüchtlingswelle auf dem Weg nach Ägypten anschlossen.
Weihnachten so real wie nie zuvor
Jesus ging auf diesen staubigen Pfaden. Er war hungrig und durstig. Er hatte Schmerzen und verbrachte Nächte ohne Obdach. Manchmal weinte er. Auch er war ein Flüchtling.
Jesus weiss aus eigener Anschauung, wie das Leben für jemanden aussieht, der vor Gewalt und Krieg flieht. Er ertrug dies für sie, damit sie sagen konnten: «Er versteht das Leiden wirklich so, wie ich es verstehe.» Der Erlöser ertrug dies, damit alle Familien der Erde durch ihn gesegnet werden.
Wenn ich durch den Raum blickte, konnte ich Jesus in den gespannten Gesichtern vor mir sehen. «Wahrlich, ich sage euch», sagt der Menschensohn in seiner Herrlichkeit, «was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan» (Matthäus 25,40).
In diesem Moment, in dem ich mit einem Raum voller Flüchtlinge über das Wunder des himmlischen Flüchtlings staunte, wurde Weihnachten so unverfälscht, real und schön wie nie zuvor.
Nordafrika