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Achenbach,
1) Andreas, Landschafts- und Marinemaler, geb. zu Kassel, machte schon in früher Jugend mit seinem Vater, der Kaufmann war, vielfache Reisen, die seinen Sinn für landschaftliche Schönheit und Charakteristik weckten. Als seine Familie sich 1827 in Düsseldorf niederließ, wurde er Schüler der Akademie und gehörte ihr als solcher bis 1835 an. Schon damals zeigte er eine große Leichtigkeit im Schaffen, einen unermüdlichen Fleiß und eine wunderbare Frische und Lebendigkeit der Auffassung, die ihn auch später als einen der Hauptvertreter der realistischen Landschaft kennzeichnen.
Die einfachen Motive seiner ersten Landschaften entnahm er meistens den nahen Rheingegenden, denen er aber noch eine gewisse romantische Empfindung verlieh, wie sie in den ersten 30er Jahren in der Düsseldorfer Schule herrschte. Dann erweiterte er seinen Gesichtskreis durch Reisen, die er 1832 und 1833 durch Holland zur See nach Hamburg und nach Riga machte, und vertiefte sich in das Studium der nordischen Küstengegenden. Einige Jahre später ging er auch nach Skandinavien und fand in den dortigen Gebirgs- und Küstengegenden einen unerschöpflichen Reichtum an Motiven. 1836 bereiste er zwar auch die Deutschen Alpen, fühlte sich aber von ihrer Schönheit ungleich weniger angezogen als von der 1839 noch einmal besuchten Natur des Nordens, die er sich in vollkommenster, vielseitigster Weise zu eigen machte.
Denn schon in der Mitte der 30er Jahre malte er nicht nur Berge und Thäler, sondern mit derselben Meisterschaft auch Marinebilder, namentlich die Momente des heftig bewegten Meers. Dahin gehören: eine große Marine mit einem Leuchtturm (1835), Seesturm an der schwedischen Küste (1836, Neue Pinakothek in München), das Stranden eines Schiffs (1837, Städelsches Institut in Frankfurt), Pernau an der Ostsee (1838, im Besitz des Kaisers von Rußland) und andre in der Gallerie zu Darmstadt.
Von großem Interesse sind auch seine durch reiche Staffage belebten Strandbilder und Uferscenen, die das Leben der Menschen an den Gestaden des Meers mit ebenso großer Naturwahrheit darstellen wie das mannigfaltige Spiel der Meereswellen. Eins der effektvollsten Bilder der damaligen Zeit (1842) ist der Untergang des Dampfschiffs Präsident (Museum in Karlsruhe); im allgemeinen aber fanden damals seine Landschaftsbilder aus dem Norden Europas noch größern Beifall, z. B. der Hardangerfjord bei Bergen (1843, städtische Gallerie in Düsseldorf).
Und ebenso meisterhaft wie jene effektvollen Gebirgs- und Meeresbilder ist er in den kleinern Landschaften, die eine Stimmung der Natur mit überzeugender Wahrheit wiedergeben, obgleich der eigentlich malerische Ton der Natur nicht der Zweck seiner Darstellung ist, sondern die klare Charakterisierung derselben. 1843 trat er, um sich auch an der südlichen Natur zu versuchen, eine Reise nach Italien und Sicilien an, wo ihm die süditalienische Campagna mit ihren klassischen Gebirgsformen, die malerische Küste von Capri und mehrere Punkte Siciliens den Stoff zu seinen Schöpfungen boten, unter denen jedoch fast nur die in Bewegung und Aufruhr begriffenen Naturscenen auf gleicher Höhe der Vollkommenheit stehen wie seine nordischen Bilder. In Rom zum Katholicismus übergetreten, kehrte er 1846 nach Düsseldorf zurück, wo er sich seitdem als «unumschränkter Herrscher des Landes und des Meers» mit gleich großem Glück in der nordischen Landschaft und in deutschen Wäldern und Gebirgen wie in Strandbildern, die häufig mit Architektur verbunden sind, und in Bildern der ruhigen wie der stürmischen See bewegt und eine solche Fülle von Werken schuf, daß wir nur folgende als besonders hervorragend nennen: großer Wasserfall (1853), Sturm an der Küste von Sicilien (1855), westfälische Landschaft (1863), Straße am Hafen von Ostende (1866, Nationalgallerie in Berlin), Landschaft bei Sonnenuntergang (1868), Düne von Scheveningen (1869, Nationalgallerie in Berlin), das kleine, aber meisterhafte Bild: San Carlo in Rom, überschwemmte Mühlwehre, großer Seesturm (im Besitz des ¶
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Großherzogs von Oldenburg), der Fischmarkt in Ostende, Einfahrt in einen Hafen, Vlissingen und unzählige andre, die eine fast unbegreifliche Produktivität bekunden. Mit Erfolg versuchte er sich auch in der Aquarellmalerei, im Lithographieren und Radieren und übte auf die ihn umgebenden Künstler stets den anregendsten Einfluß namentlich in Bezug auf die formale Seite der Kunst. Durch zahlreiche Medaillen u. Orden geschmückt, ist er Mitglied der Akademien von Berlin und Antwerpen.
2) Oswald, Landschaftsmaler, geb. zu Düsseldorf, Bruder des vorigen, erlernte als Zögling der dortigen Akademie von 1839-41 die Zeichenkunst und Perspektive und wurde dann in der Malerei der Schüler seines Bruders, dessen Unterricht durch vielfache Reisen ins bayrische Gebirge, in die Schweiz und nach Italien sehr gefördert wurde. Aber schon bei den ersten Versuchen in der Landschaft zeigte es sich, daß der Schüler für die realistische Richtung seines Lehrers nicht geschaffen war, sondern in der idealisierten Auffassung der Natur die Mittel zur Verwirklichung seiner poetischen Anschauungen fand.
Diesen Weg schlug er mit so großem Erfolg ein, daß er nach Ablauf eines Decenniums für einen ausgezeichneten Meister in Farben- und Lichtwirkung galt. Schon in seinen ersten Bildern spielte die Beleuchtung ein große Rolle; bald ist es schwüle Gewitterluft, bald ein warmer Abend, ein Sonnenuntergang, ein Mondschein, der Mittel- und Hintergrund in zarten Duft hüllt, während der freilich oft etwas flüchtig behandelte Vordergrund das Auge fesselt. Das Einzige, was ihm auch jetzt noch manchmal wenig gelingt, ist die Klarheit und Durchsichtigkeit der Meeresfläche.
Bereits damals, wie noch bis auf den heutigen Tag, wählte er die Motive zu seinen Darstellungen aus dem von ihm zuerst 1850 und 1851 und später wiederholt bereisten Italien, namentlich aus der römischen Campagna, aus den Villen der Umgegend Roms, den Wald- und Klostergärten Mittelitaliens und Neapels. Diese letztere Stadt ist es, die er mit ihren nahen und fernen Umgebungen in fast unzähligen größern und kleinern Bildern darstellt, von denen manche auch ziemlich dekorativ gehalten sind oder auf einen pikanten Reiz ausgehen, den er durch das Doppellicht des Mondes und der Fackeln oder Kerzen oder durch interessante Volksscenen hervorzubringen sucht.
Dabei fehlt es ihm gewöhnlich an Charakteristik des Einzelnen und an scharfer, detaillierter Zeichnung und Ausführung, aber selten an poetischer Gesamtwirkung. Unter seinen Bildern, die nicht an Zahl, aber an Mannigfaltigkeit des Inhalts denen seines Bruders nachstehen, heben wir nur einige der bedeutendsten hervor: große Parklandschaft, Motiv aus der Villa Chigi bei Ariccia (1851), große italienische Abendlandschaft im Charakter von Ariccia mit dem Einzug eines Kardinals in die Stadt (1853), die sogen. Gallerie von Albano mit der Ansicht von Castel Gandolfo (1853, beide im Besitz der Königin von England), nächtlicher Leichenzug in Palestrina, Pilger aus den Abruzzen vom Sturm überrascht (1861), Messe bei den Schnittern in der römischen Campagna (1863), Motiv aus Torre del Greco (1868), Straße von Torre dell' Annunziata bei Neapel (auf dem die ganze Gegend in Staub und dunstige Glut gehüllt ist und eine unruhige Staffage die Straße erfüllt), die Olivenernte von Sorrent, der Campo Santo in Neapel, Park der Villa Torlonia (Nationalgallerie in Berlin), ein Fest in der Kirche Santa Maria in Araceli, der Strand von Neapel mit einem kirchlichen Fest, Neapel und der Vesuv im Jahr 1871, Abend am Liris zwischen Ceprano und Sora (1874), Palast der Königin Johanna (Museum in Breslau), Marktplatz von Amalfi (Nationalgallerie in Berlin), der Vesuv in Abendstimmung nach einem Gewitter, der Golf von Neapel, in wesentlich neuer Auffassung, und (1880 in Berlin ausgestellt) die Schiffseinweihung in Castellamare und Schloß von Ischia.