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Das Risiko durch Naturgefahren sowie das Ausmass der Schäden nehmen in der Schweiz kontinuierlich zu. Der Siedlungsraum dehnt sich aus und wird auch in gefährdeten Gebieten immer intensiver genutzt. Zudem führen die Auswirkungen des Klimawandels voraussichtlich zu einer erhöhten Gefährdung durch Naturereignisse in der Schweiz. Aufwendige Schutzbauten alleine können Schäden nicht verhindern. Raumplanerische Massnahmen und die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privaten gewinnen deshalb an Bedeutung.
Auswirkungen des Klimawandels auf die Naturgefahren
Grundsätzlich werden die Risiken durch Naturgefahren in der Schweiz vor allem durch die Zunahme von Infrastrukturwerten und Siedlungserweiterungen in Gefahrengebiete vergrössert. Aufgrund des Klimawandels ist künftig aber auch mit häufigeren und intensiveren Extremereignissen zu rechnen. Naturgefahren werden vermehrt auch in Gebieten und zu Jahreszeiten vorkommen, die bisher von Schadenereignissen verschont geblieben sind. In der Strategie „Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz" werden folgende Handlungsschwerpunkte im Bereich Naturgefahren beschrieben.
Zunahme des Hochwasserrisikos
Aufgrund der möglichen Zunahme der Niederschläge im Winter und dem gleichzeitigen Anstieg der Schneefallgrenze könnten im Winter die Hochwasser zunehmen. Auch im Frühling und im Frühsommer muss wegen der Überlagerung von grossflächiger Schneeschmelze und intensiven Niederschlägen mit einer Zunahme des Hochwasserrisikos gerechnet werden. Dadurch verändert sich die Gefährdung von Siedlungen, Infrastrukturen und landwirtschaftlichen Nutzflächen.
- Hochwasser im Alpenraum: Vor allem im Frühsommer ist das Risiko der Überlagerung von grossflächiger Schneeschmelze und intensiven Niederschlägen erhöht, was zu grösseren Abflüssen und zu einer erhöhten Überschwemmungsgefahr führt. In Gebirgsflüssen verstärken sich Erosion und Materialumlagerungen. Die zusätzliche Geschiebefracht aus höher gelegenen Einzugsgebieten wirkt sich bis in die Unterläufe aus. Bei Ausbruch eines Gletschersees oder eines Gewässers aus dem Gerinne kommt es im steilen Gelände oft zu dynamischen Überschwemmungen und einer beschleunigten Erosion.
- Hochwasser im Mittelland und Jura: Bezüglich des Abflusses spielen hier die oben genannten Ursachen die gleiche Rolle. Aufgrund des geringeren Gefälles und wegen der Alpenrandseen (Sedimentationsbecken) entstehen Gefährdungen unterhalb der Seen vor allem durch Überschwemmungen mit geringen Fliessgeschwindigkeiten (Wasser, Feinmaterial, aber kaum Geschiebe).
Abnahme der Hangstabilität
Ganzjährig gefrorener Boden (Permafrost) ist relativ stabil. Als Folge des Klimawandels wird sich aber das langsame Auftauen des Permafrosts fortsetzen und das Abschmelzen der Gletscher beschleunigen. Beides führt in Gebirgsregionen zu einer Destabilisierung von Felsflanken und Hängen aus Lockergestein. Rutschungen, Steinschlag, Felsstürze und Murgänge dürften deshalb in den kommenden Jahrzehnten häufiger auftreten und Siedlungen, Verkehrsinfrastrukturen sowie Gas- und Stromleitungen im Alpenraum gefährden. Insbesondere die starke Felssturzaktivität im Hitzesommer 2003 demonstrierte sehr eindrücklich die Rolle von schmelzendem Permafrost als Auslösefaktor für Naturgefahrenereignisse. Im August 2017 kam es am Piz Cengalo im Bergell zu einem grossen Bergsturz. Das Gesteinsmaterial wurde anschliessend in mehreren Murgängen bis ins Dorf Bondo transportiert.
Wie sich die Permafrostvorkommen entwickeln, untersucht das schweizerische Permafrostmonitoring PERMOS. Das Risiko von Hangrutschungen wird auch in tieferen Lagen durch den Anstieg der Schneefallgrenze und die mögliche Zunahme von Starkniederschlägen erhöht.
- Wildbachprozesse im Alpenraum: Wildbäche sind gekennzeichnet durch ihr Transportvermögen für grosse Mengen an Lockermaterial im Bachbett. Der Temperaturanstieg im Gebirge beschleunigt die Permafrostdegradation, den Gletscherrückzug und die Verwitterungsprozesse. Dabei wird die Mobilisierung von Lockermaterial verstärkt. Die Veränderung des Niederschlagsregimes bewirkt zudem grössere und variablere Abflüsse und häufigere spontane Rutschungen. Dadurch steigt die Geschiebezufuhr in die Gebirgsflüsse. Die Wahrscheinlichkeit von Schlamm- und Gerölllawinen (Murgängen), welche zu Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen führen können, nimmt zu.
- Sturzprozesse im Alpenraum: Änderungen in der Frostwechselhäufigkeit, länger dauernde Hitzeperioden und heftige Niederschläge beeinflussen die Verwitterungsintensität bzw. verstärken diese tendenziell, was vielerorts zu erhöhter Steinschlagaktivität führen kann. Stärkere Schwankungen des Wasserspiegels in Felsklüften können zu einer verstärkten Felssturzaktivität führen. Gletscherschwund und auftauender Permafrost tragen in den oberen Höhenstufen zu einer grösseren Sturzaktivität bei.
Letzte Änderung 08.10.2018