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«Sie war die Stimme Ägyptens! Die vierte Pyramide Ägyptens!»
Oum Kulthum wird mit lauter Superlativen beschrieben. Die Sängerin und Musikerin war eine Sensation in Ägypten, aber nicht nur. Im mittleren Osten hat sie das Publikum begeistert und das macht sie immer noch. Das Phänomen hat alle in den Bann gezogen, nicht nur das Volk, sondern auch der König und der Präsident waren begeistert von ihr. Wie soll einer solchen Ikone ein Film gewidmet werden? Shirin Neshat («Women Without Men») hat ein wunderbares Meta-Bio-Pic gemacht.
Ein Film im Film
Wie also geht Shirin Neshat an eine solche Geschichte heran? Sie macht einen Film im Film. Da haben wir die iranische Regisseurin Mitra (Neda Rahmanian) , die im Exil lebt und einen Film über die ägyptische Ikone Oum Kulthum machen will. Sie findet ihre Hauptdarstellerin an einem Casting, eine Lehrerin, die keine Erfahrung, aber eine grossartige Stimme hat. Durch ihr Charisma überzeugt Mitra die frisch gebackene Schauspielerin die Rolle anzunehmen. Es gibt aber ganz viele Hindernisse: am Set einen Schauspieler, der die weibliche Führung von Mitra nicht akzeptiert und ihr unterstellt, dass sie ohne arabisch zu verstehen, nicht das Wesen von Oum Kulthum verstehen könne. Auch selber ist sie persönlich von Zweifeln geplagt, weil sie von ihrem Sohn hasserfüllte Nachrichten bekommt. Sie sieht ihn seit einigen Jahren nicht mehr und fragt sich und auch ihren Assistenten, ob das der Preis sei, denn sie als Frau bezahlen müsste, um erfolgreich zu sein. Mitras Selbstzweifel werden immer schlimmer und der Druck immer grösser, bis sie dann an einem Fest zusammenbricht. Sie wird beurlaubt und als sie wieder am Set erscheint, will sie das Ende neu drehen, aber die Produzenten sind nicht einverstanden. Mitra scheint verwandelt, sie strahlt eine neue Leichtigkeit aus. Sie steht auf und verlässt das Set. Andere Dinge sind nun in ihrem Leben wichtig.
Zwischen dem Westen und der arabischen Welt
Shirin Neshat inszeniert die Geschichte in wunderschön Bilder, mit tollen Kompositionen von Mitra und Oum Kulthum. Es vermischen sich historische Aufnahmen von Oum Kulthum in den 1950er und 60er Jahre mit Mitras Filmaufnahmen. Musikalische Höhepunkte sind sicher die zwei Konzerte, die die Ikone für den König und dann den Präsidenten gegeben hat. Auffällig sind die Ähnlichkeiten mit den Regisseurinnen Shirin Neshat und Mitra. Beide leben im Exil und sind erfolgreiche Frauen, die sich in der männerdominierten Filmwelt behaupten müssen.
Neshat sieht sich mit der Schwierigkeit konfrontiert über eine Ikone der arabischen Welt einen Film zu drehen, der den Anspruch hat, für den Westen verständlich zu sein, auch wenn man die Ikone nicht gekannt hat und den grossen Erwartungen der Fans und Kenner und Kennerinnen der arabischen Welt gerecht zu werden. Ein unmögliches Unterfangen. Es mag ein Grund sein dafür, dass sie entscheidet, ein bildliches Spektakel zu inszenieren, um dem monumentalen Ruf gerecht zu werden, der Oum Kulthum begleitet. Auf der inhaltlichen Ebene setzt sie sich mit Frauen auseinander, zu denen sie Zugang hat: Mitra und Oum Kulthum. Am Ende des Filmes findet ein imaginäres Gespräch mit der älteren Version von Oum Kulthum statt, die Mitra vorwirft, ihren Ruf zu zerstören. Mitra meint, dass sie von der perfekten Oum Kulthum und ihrer Grossartigkeit genug hatte. Mitra und auch Shirin Neshat können es nicht allen Recht machen, aber sie gehen ihren eigenen Weg.
«Neben der faszinierenden Erzählung dieser wichtigen, selbstbewussten Frau, thematisiert Neshat erneut die Schwierigkeiten einer Frau, die ihren eigenen Weg gehen und in einer männerdominierten Gesellschaft erfolgreich sein will.»
Shirin Neshats zweiter Film nach 9 Jahren
Shirin Neshat hat 9 Jahre gebraucht, um ihren zweiten Spielfilm fertigzustellen. Nach «Women Without Men» (2009) hat sie in «Looking for Oum Kulthum» ihr persönliches Portrait der Person hinter der Ikone von Oum Kulthum inszeniert. Neben der faszinierenden Erzählung dieser wichtigen, selbstbewussten Frau, thematisiert Neshat erneut die Schwierigkeiten einer Frau, die ihren eigenen Weg gehen und in einer männerdominierten Gesellschaft erfolgreich sein will. Hoffentlich braucht sie für ihren nächsten Film nicht wieder so lange!
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Kinostart: 21. Juni 2018 / Regie: Shirin Neshat / Mit: Neda Rahmanian, Yasmin Raeis, Mehdi Moinzadeh, Kais Nashif
Trailer- und Bildquellen: Cineworx