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Die Journalistin, Autorin und Schauspielerin Elsa Franconi-Poretti lebt lange Zeit in Paris. 1955 kehrt sie in die Schweiz zurück und engagiert sich insbesondere für die politischen Rechte der Frauen. 1971 wird sie – mit 75 Jahren – als eine der ersten Frauen in den Tessiner Grossrat gewählt; dort hält sie als erste Frau überhaupt eine Rede.
Elsa Poretti geht in Lugano zur Schule und besucht anschliessend das Istituto Santa Maria in Bellinzona, das sie 1914 mit dem Lehrerinnendiplom abschliesst. Für kurze Zeit unterrichtet sie an einer Primarschule in Bré (Lugano). 1924 heiratet sie den Architekten und Künstler Giuseppe Franconi. Gemeinsam ziehen sie nach Nordfrank-reich und später nach Paris, wo sich ihr Mann am Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg beteiligt. Sie arbeitet als Korrespondentin für den Corriere del Ticino sowie das Radio Monteceneri. Die Familie bleibt drei Jahrzehnte lang in Paris. Einzig während des Zweiten Weltkriegs lebt Elsa Franconi-Poretti mit ihrer Tochter in Lugano, engagiert sich ehrenamtlich beim lokalen Roten Kreuz und beginnt als Schauspielerin und Autorin im Theater zu arbeiten. Nach dem Krieg kehrt sie nach Paris zurück und nimmt ihre journalistischen Tätigkeiten wieder auf.
Ab 1955 wohnt die Familie in Lugano. Elsa Franconi-Poretti ist weiterhin für den Corriere del Ticino tätig: Sie schreibt Artikel und ist darüber hinaus verantwortlich für die «Frauenseiten» La pagina della donna, Corriere Donna und Donna. Mit drei weiteren Frauen gestaltet sie für Radio Monteceneri die wöchentliche Sendung L’Ora della donna. Diese informiert insbesondere über die gesellschaftliche und politische Stellung der Frauen. Die Beiträge stammen aus entlegenen Tessiner Tälern oder aber aus Russland, Israel etc. Diese Berichte und Diskussionen tragen die Debatte um das Frauenstimm- und -wahlrecht aus dem privaten Raum hinaus in die Öffentlichkeit. Nachdem 1971 das Stimm- und Wahlrecht für die Frauen auf nationaler Ebene durchgesetzt wurde, wird die Sendung 1973 eingestellt.
Neben ihren beruflichen Tätigkeiten ist Elsa Franconi-Poretti in diversen Frauenstimm-rechtsvereinen aktiv. Sie tritt dem Movimento sociale femminile (Soziale Frauen-bewegung) bei. Dieser Verein wurde 1933 in Lugano mit dem Ziel gegründet, das Frauenstimm- und -wahlrecht zu erkämpfen. In den 1950er Jahren gibt es bereits sechs regionale Gruppen, welche die Debatte bis in die kleinsten Dörfer des Tessins bringen. Dabei sollen nicht nur die Schweizer Männer (und somit die Stimm-berechtigten), sondern insbesondere die Frauen und die Jungen für das Thema sensibilisiert werden. Der Verein vernetzt sich in den 1950er Jahren zunehmend mit dem Schweizerischen Verband für Frauenstimmrecht und wird 1954 in Associazione Ticinese per il voto alla donna umbenannt. Elsa Franconi-Poretti wird Redakteurin des Publikationsorgans La Nostra Voce (Unsere Stimme), das erstmals im Juni 1956 erscheint.
1957 führt sie mit anderen Frauen eine Protestabstimmung durch. Die Aktion richtet sich gegen die eidgenössische Abstimmung vom 3. März über einen obligatorischen Zivildienst für Frauen, über den alleine die (stimmberechtigten) Männer entscheiden sollen; die Frauen können sich dazu nicht äussern. (Eine solche Protestabstimmung führen zeitgleich auch Frauen in der Walliser Gemeinde Unterbäch durch; vgl. Folie und Skript zu Katharina Zenhäusern.)
Elsa Franconi-Poretti politisiert ebenfalls auf parteipolitischer Ebene. Sie ist Mitglied des Partito Radicale Democratico (PRD, dt. FDP) und gründet 1957 den Gruppo donne liberali di Lugano (Liberale Frauen Lugano), den sie bis 1978 präsidiert. Als sich 1958 die Tessiner Frauenvereine im Dachverband Federazione Ticinese Società Femminili (FTSF, heute: Federazione Associazioni Femminili Ticino Plus) zusammenschliessen, ist die Präsidentin der freisinnigen Frauen auch dabei. Der FTSF will «die regionalen und lokalen Frauenvereine zusammenbringen», «die Situation der Frauen im öffentlichen und privaten Leben untersuchen» und «die Interessen der Frauen gegenüber den Behörden vertreten».
1969 kommt es im Tessin zur dritten Abstimmung über das kantonale Frauenstimm- und -wahlrecht. Während die Tessiner Männer die politische Gleichstellung der Frauen in der ersten Abstimmung 1946 deutlich mit 77 Prozent und in der zweiten Abstimmung 1966 noch mit 59 Prozent abgelehnt hatten, stimmen sie 1969 mit einer Mehrheit von 63 Prozent zu. Die stetige Konsolidierung der Kräfte für das Frauenstimmrecht zahlt sich endlich aus. Und Elsa Franconi-Poretti, die den Abstimmungskampf der freisinnigen Frauen leitete, wird bei den Wahlen 1971 eine der ersten elf Tessiner Grossrätinnen. Da sie mit 75 Jahren das älteste Ratsmitglied ist, präsidiert sie den Grossrat und hält am 3. Mai 1971 die erste Ansprache im Parlament – als erste Frau überhaupt.
In den folgenden Jahren arbeitet sie unter anderem intensiv an den Vorbereitungen für das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Frau (1975). 1980 tritt sie von ihren beruflichen Aktivitäten zurück. 1995 stirbt sie mit 99 Jahren in Lugano (Quelle: EKF).
„Zum ersten Mal ertönt von diesem Sitz eine weibliche Stimme (…). Uns erwartet die Ausarbeitung, die Annahme und der Erlass von Gesetzen, die uns in Zukunft Gerechtigkeit bei der Arbeit, die Lohngleichheit bei gleicher Arbeit (…) sowie allen den Zugang zum Studium jeder Stufe und jeder Wichtigkeit garantieren.“ Elsa Franconi-Poretti