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Physiologie
1872–1895 Friedrich Miescher (1844–1895)
Nach dem Weggang von Wilhelm His, dem Onkel Mieschers, wurde eine Professur für Physiologie geschaffen. Friedrich Miescher, dessen Vater Professor für Pathologische Anatomie gewesen war, promovierte 1868 in Basel und war danach Laborassistent in Tübingen und Leipzig. 1871 wurde er Privatdozent in Basel und 1872 ordentlicher Professor für Physiologie. Miescher hatte vier Jahre zuvor die für den Zellkern spezifischen Nukleinsäuren (Nuclein) und weitere Substanzen (u. a. Protamin) entdeckt. Er gehört damit zu den Begründern der Histochemie und der Molekularbiologie. Eingehende Studien galten ferner der Biologie des Rheinlachses, der Atemregulation sowie Ernährungsfragen. Er legte auch den Grundstein der Höhenklimaphysiologie. 1885 bezog er das von ihm geplante Institutsgebäude Vesalianum; hier fand 1889 der 1. Internationale Physiologenkongress statt. Nach Miescher ist das in Basel 1970 gegründete Friedrich-Miescher-Institut für biomedizinische Grundlagenforschung benannt.
(Stammbaum der Familie Miescher Wikipedia).
1895–1925 Rudolf Metzner (1858–1935)
Geboren in Leipzig habilitierte Rudolf Metzner in Freiburg. Er war ein Spezialist auf dem Gebiet der Physiologischen Histologie und widmete sich später dem autonomen Nervensystem und der inneren Sekretion. 1921 waren die Anstalt für Physiologie und die Anstalt für Physiologische Chemie getrennt worden. Nach dem Rücktritt von Metzner behielt man diese Aufteilung bei und wählte Metzners Nachfolger unter Physiologen, die die Richtung der Animalen Physiologie (Kreislauf, Atmung, Nervensystem) vertraten.
1925–1930 Philipp Broemser (1886–1940)
Nach dem Medizinstudium in München, Berlin und Marburg wandte sich Broemser der Physiologie zu, habilitierte 1918 und erhielt den Titel eines ausserordentlichen Professors an der Universität München. 1925 wurde er nach Basel berufen, wo er sich v. a. der Kreislaufdynamik und der praktischen Entwicklung von Registrierinstrumenten widmete. Der Broemser’sche optische Manometer wurde nach ihm benannt. Fünf Jahre später ging er nach Heidelberg.
1930–1956 Fritz Verzár (1886–1979)
Der in Budapest geborene Fritz Verzár promovierte 1909 in Medizin und wurde 1914 nach Forschungsaufenthalten in Tübingen und Cambridge Privatdozent für Pathophysiologie in Budapest, 1918 wurde er Professor für experimentelle Physiologie in Debrecen, bis ihn ein Ruf nach Basel holte. 1956 war er Gründer und erster Leiter des Instituts für experimentelle Gerontologie in Basel. Verzár leistete bahnbrechende Beiträge auf dem Gebiet der Darmresorption, der Physiologie der Nebennierenrinde, der Höhenklimaforschung und der Gewebealterung.
1956–1974 Marcel Monnier (1907–1996)
Der Regierungsrat ernannte 1956 den Genfer Marcel Monnier, der in Zürich studiert hatte, zum Inhaber des gesetzlichen Lehrstuhls für Physiologie an der Universität Basel. Er absolvierte zunächst seine klinische Ausbildung in Neurologie bei Prof. Hans W. Maier an der Psychiatrischen Klinik Zürich und bildete sich an verschiedenen klinischen und wissenschaftlichen Institutionen in Neurologie und Neurophysiologie in der Schweiz (Genf), in Frankreich (Hôpital de la Salpêtrière, Paris) und dank eines Stipenndiums der Rockefeller-Stiftung in den USA (Chicago), weiter. 1940 wurde er Privatdozent in Physiologie an der Universität Genf und erhielt den Déjerine-Preis für sein Gesamtwerk über „Physiologie des formations réticulées du névraxe“. Von 1941 bis 1948 war er Oberassistent am Physiologischen Institut der Universität Zürich und danach arbeitete er als Laborchef der Neurophysiologie in Genf und bekam ein Extraordinariat. Sein wissenschaftliches Werk umfasste Fragestellungen der Neurochirurgie, der Ophthalmologie, der Otologie und der Psychiatrie. In Basel arbeitete er vor allem am „Delta sleep-inducing peptide“ (DSIP).
1975–2001 Leonhard Hösli (1934-2015)
Der in Glarus geborene Leonhard Hösli absolvierte sein Medizinstudium an der Universität Zürich und promovierte 1961 an der Universität Basel, wo er am Physiologischen Institut bei Marcel Monnier als Assistent arbeitete. Er unternahm Studienaufenthalte an der University of Birmingham, der Australian National University in Canberra und am Max Planck-Institut für Psychiatrie in München. 1968 wurde Hösli zum Leiter der Abteilung für Neurophysiologie an der Neurologischen Universitätsklinik Basel ernannt. Er habilitierte sich und wurde 1975 zum Ordinarius berufen. In den Jahren 1984/1985 amtete Hösli als Dekan der Medizinischen Fakultät. In seiner Forschung befasste er sich mit der Informationsübermittlung von Nervenzellen. In seiner Forschungsgruppe wurde mit Hilfe von autoradiographischen und immunhistochemischen Methoden nachgewiesen, dass nicht nur Nervenzellen, sondern auch Gliazellen im Gehirn von Ratten Rezeptoren für das Sexualhormon Östrogen besitzen. Diese histochemischen Befunde wurden unterstützt durch elektrophysiologische Untersuchungen, die zeigten, dass Östrogen eine Veränderung des Membranpotentials in Gliazellen erzeugt. Für seine Arbeiten erhielt Hösli 1973 den Robert-Bing-Preis der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften.