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zu liegen zu kommen. Diese rote Kreide (couches rouges) enthält zwar dieselben Foraminiferen wie die Seewerschiefer, ist aber eine mediterrane Fazies, welche der südalpinen Scaglia entspricht.
Was nun die Organismen der Kreidezeit anbetrifft, so ist eine deutliche Verkettung derselben mit denjenigen der Juraperiode ganz unverkennbar, wenigstens im Gebiet der helvetischen Fazies, wo (mit Ausnahme der momentanen Purbeckemersion) eine normale Fortsetzung ganz ähnlicher Verhältnisse in Tiefe und Lage des Meeres herrscht. Auf die reichhaltige Molluskenfauna des untern und mittlern Neokom folgt nach ziemlich lang andauernder Bildung von Echinodermenkalken (Gelber Neuenburgerstein) das fast ausschliesslich organogene obere Neokom (Urgon). Die bis dahin so häufigen und verbreiteten Ammoniten und Belemniten verschwinden, ebenso die grossen Saurier, während die Flugsaurier, die sich am Ende der Jurazeit zu gefiederten, vogelähnlichen Tieren umgestaltet hatten, zu wirklichen Vögeln mit gezähntem Schnabel (Odontorniten) werden.
Der Juraperiode entsprechend sind auch aus der Kreidezeit nur unbedeutende Dislokationen der Erdkruste zu verzeichnen. Die Transgression, welche sich mit der mittleren Kreide einstellte und während der obern Kreidezeit fortsetzte, lässt sich durch Niveauschwankungen leicht erklären. Während mit dem Ende des Paläozoikums eine Zeit mächtiger Umwälzungen zum Abschluss kam, schliesst die kretazische Periode das Mesozoikum ab, das eine Zeit von meist ruhiger Sedimentation gebildet hatte.
Kainozoikum.
a) Eogen oder Nummulitenperiode. Schon vor Ende der Kreidezeit war ein grosser Teil des Jura und des Mittellandes Festland, ebenso der nicht unbedeutende Teil der Kalkalpen, wo die oberste Kreidestufe fast durchwegs fehlt. In den beiden ersteren Gebieten dauerte die Exundation noch während der ganzen Eozänzeit fort, während sie im Alpengebiet nur bis in die Mitte derselben reichte. Nummulitenkalk und -schiefer vertreten hier die Gebilde der jüngern Eozänzeit. In den zu Festland gewordenen Gebieten des Juragebirges entstanden stellenweise Seen mit limnischer Fauna.
Der allergrösste Teil des Juragebietes war hingegen während der gesamten Eozänzeit ganz einfach Festland, auf welchem dank der kalkigen Beschaffenheit des Bodens tiefgehende Erosionen durch Auflösung (Korrosion) stattfanden. Die Lösungsrückstände der unreinen Kalke (roter und gelber Ton, sog. Terra rossa, Sand und Kieselknollen), welche die tief in den Boden eingedrungenen Wasser an die Oberfläche brachten, sowie auch die ganz gleich beschaffenen oberflächlichen Abspülungsprodukte wurden teils am Rande des erhobenen Gebietes, zum grössten Teile aber in den seichten Mulden abgelagert, welche später die definitiven Jurasynklinalen bilden sollten (Depressionen von Delsberg, Münster etc).
Ein anderer grosser Teil dieser Substanzen diente ferner zur Auffüllung von oberflächlichen oder mehr oder weniger tief gehenden Erosionsspalten und Klüften. An einzelnen Stellen traten nicht nur mit Kalk oder Gips gesättigte Wasser aus der Tiefe zu Tage, sondern auch eisenhaltige und wohl thermale Wasser, welche Eisenhydrat (Limonit)-Ablagerungen in Form von kugel- oder erbsenförmigen Konkretionen, das sog. Bohnerz, bildeten. Diese ganze Sedimentationserscheinung wird allgemein Bohnerzformation genannt, obschon die Erzmassen darin eine ziemlich untergeordnete Rolle spielen und übrigens hauptsächlich auf den östlichen und nördlichen Jura beschränkt sind, während sie im mittleren und südlichen Jura viel spärlicher vorkommen. Im Solothurner Jura sind die nicht erzführenden, meist tonig-sandigen Bohnerzablagerungen (Sidérolithique) unter dem Namen Huppererde bekannt, besonders wenn ihre Farbe weiss oder hellgelblich ist.
Der so der Erosion ausgesetzte Teil des Juragebietes war wohl ähnlich den heutigen Hochplateaux des Jura mit Vegetation bestanden und nährte allerlei Landtiere, so das tapirähnliche Palaeotherium, das Anoplotherium, das Amphicyon (ein Raubtier), sowie Insektenfresser, Schildkröten etc.
Mit Beginn des jüngern Eogen (Oligozän) sind weitgehende Veränderungen im Anzuge. Die Erhebung und Entwicklung der Alpenfalten, welche schon zur karbonischen und vorkarbonischen Zeit angebahnt worden war (herzynische und kaledonische Dislokationen), beginnt nun in den seither neu gebildeten mesozoischen und altkainozoischen Schichten sich weiter auszubilden. Vorerst entstand zwischen dem südlichen Alpenrand und der zentralen Glanzschieferzone eine erste Ueberhöhung und Faltung mit Ueberschiebungen, welche schon im krystallinen Gestein ansetzten. Diese in Ueberschiebung begriffenen Gebirgsmassen bewegten sich gegen das jungeogene (oligozäne) Flyschmeer und nährten dessen Sedimente mit feinen und gröberen Gesteinstrümmern. Die nördliche Alpenzone blieb noch gleich dem angrenzenden Teil des Mittellandes unter diesen Sedimenten begraben.
b) Neogen. Mit Anfang der Miozänzeit (unteres Neogen) erscheinen die von der südlichen Alpenzone vorstossenden Ueberfaltungen und Ueberschiebungen schon bedeutend vorgeschritten. Sie überlagerten mit ihren mediterranen Schichtenserien die helvetische Fazies der nördlichen Alpenzone, nachdem die Zone der Glanzschiefer durch diese Falten förmlich überflutet worden war. Doch hatte sich indessen die helvetische Schichtenzone infolge der energischen Zusammenpressung der Erdkruste auch gefaltet. Ihre Schichten legten sich in Form von liegenden Falten übereinander. Dadurch nahm die Flyschbildung ein Ende, und es erhob sich der Alpenkörper über das Meer. Zugleich zeigten sich auch die ersten deutlichen Falten im Jura, dessen einzelne Teile sich ebenfalls über das Meer erhoben, während zwischen Alpen und Jura sich die breite Mulde des Mittellandes einsenkte.
In dieser letzteren lagerten sich nun die unterneogenen Molasseschichten ab, und zwar hauptsächlich infolge energischer Erosionen beiderseits, besonders in den Alpen. So entstanden vorerst auf beiden Seiten der Mulde rotgefärbte terrigene Ablagerungen, die sog. rote Molasse (Ralligsandstein und -mergel), denen sich am Alpenrand sowohl als am Fusse des Jura schon zu dieser Zeit konglomeratische Schichten hinzufügten. Anfänglich war das Molassebecken mit Brackwasser gefüllt, doch süsste es sich bald aus, so dass der grösste Teil der untermiozänen Ablagerungen Süsswasserbildungen sind, so z. B. am Alpenrand auf ganz bedeutende Breite und Länge die Nagelfluhablagerungen, welche auf energische Flusserosion hinweisen. In die Flanken des sich erhebenden Alpenkörpers müssen damals bedeutende Thäler eingegraben worden sein.
Selbstverständlich waren es im Westen die überschobene Klippendecke und im Osten die grosse Ostalpendecke, welche diese miozäne Erosion nährten. Auf diese Weise verschwand dann im Laufe der Zeit ein grosser Teil jener überschobenen Schichtenkomplexe. Die zerstörende Tätigkeit setzte sich auch noch fort, als das anfänglich ausgesüsste Miozänbecken wieder zu einem Meerbusen wurde, in welchem sich die ganz eigenartig beschaffene Meeresmolasse ablagerte.
Dann süsste sich das Miozänbecken noch einmal aus, und es nahmen die Ablagerungen der Oeningerstufe ihren Anfang. Während diesem Wechsel von Meeres- und Süsswasserformationen erlitt natürlich die Entwicklung der organischen Welt einen verschiedenartigen Einfluss. In dieser Hinsicht ist besonders die Gruppe der Wirbeltiere hervorzuheben. In den Sümpfen und Binnengewässern lebten flusspferdähnliche Dickhäuter in Gesellschaft von Schildkröten, Krokodilen etc., während sich in den Meeresbildungen zahllose Haifische, Waltiere und Mollusken finden, welche mehr und mehr an die Fauna der Jetztzeit sich anschliessen.
Zur Molassezeit stellte also die Mittelschweiz einen seichten Meeresarm oder Binnenland mit ausgedehnten Sümpfen und Seen dar. Das Klima jener Zeit war subtropisch und etwa demjenigen von Nordafrika ähnlich. An den Ufern der Seen und Flüsse wuchsen Palmen, Zimmt- und Lorbeerbäume. Doch war die Alpenfaltung und ebenso die des Jura noch lange nicht abgeschlossen. Während der ganzen Miozänzeit blieb ein grosser Teil des Jura überflutet, obwohl die Faltungen wohl schon als schwache Wellen angedeutet waren. Die letzte, man möchte fast sagen, die Hauptfaltung der Alpen fand erst nach Schluss der Miozänzeit statt d. h. hauptsächlich anfangs und auch während der Pliozänepoche.
Pliozän. Es ist dies die Zeit der grossen Alpenerhebung und -faltung. Die überschobenen Schichtenmassen der Südzone der Alpen wanderten gleichzeitig mit den als Faltendecken sich ausbreitenden Schichten der Nordzone gegen ¶
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Norden vor; die Molasseablagerungen wurden zu Falten aufgestaut und erscheinen trotz ihrer Beschaffenheit als mächtige und sehr widerstandsfähige Konglomeratanhäufungen am Fusse der Alpen am stärksten aufgerichtet. Weiterhin pflanzte sich der Schub über das Mittelland weg bis an den Jura hin fort, dessen schon vorher angedeutete Faltungen nun verschärft, überhöht, mit ihren Flanken vielerorts überkippt und sogar überschoben wurden. Zuletzt griffen die alpinen Falten auch auf die dislozierten Molasseschichten über, so dass die schon vorher überschobenen Klippendecken durch förmliches Abrutschen über die nördlichen Falten hinweg bis auf die Molasse zu liegen kamen.
Stärker reduzierte Teile der vorher durch Erosion äusserst zernagten und abgetragenen Decke blieben in Synklinalen der nachträglich noch selber gefalteten Decken der helvetischen Fazies zurück, wo sie wie Schollen auf dem Flysch schwimmen (Deckschollen oder Klippen). Dass während dieser ganzen Zeit die Erosion sowohl in den Alpen als auch im Jura unablässig tätig war, braucht kaum besonders betont zu werden, da auf Festland überall Erosion vorhanden und tätig ist.
Die letzten Stösse der dislozierenden Kräfte haben sogar die äussersten Alpenfalten auf schon tief erodierte Molasse geworfen. Die Pliozänzeit war also auf der Nordseite der Alpen nicht nur eine Zeit der Erosion und Thalbildung, sondern auch die Zeit der letzten und energischsten Dislokation. Durch die gewaltigen Umwälzungen der Erdkruste wurden die alten miozänen Thäler des Alpengebietes vollständig verwischt. Zu Anfang der Pliozänzeit gruben sich neue Thäler ein, die aber auch ihrerseits wieder durch die letzten überschiebenden Stösse der Alpen überdeckt wurden, bis sich dann nach dem Stillstand der tektonischen Bewegungen die Bildung der heutigen Thalrinnen anbahnte. Ungefähr zu dieser Zeit hatten die Alpen ihre grösste Höhe erreicht, indem ihre südlichen Teile die nördlichen Abschnitte bedeutend überragten. Die ganze Kette war damals im Mittel, die Wirkung der Erosionen ganz abgerechnet, wohl um 1000 m höher als heutzutage.
Pleistozän (Diluvium). Jetzt oder auch vielleicht schon etwas früher stellte sich infolge der Ueberhöhung einerseits und von Klimaschwankungen andererseits die Vergletscherung des Alpengebietes und des Jura, die sog. Gletscherperiode, ein.
Seitdem die Hypothese von einer ehemaligen Ueberflutung fast des gesamten Mittellandes durch die alpinen Gletscher von Perraudin, einem einfachen Gemsjäger aus der Vallée de Bagnes, zuerst angedeutet und darauf von Venetz und de Charpentier wissenschaftlich begründet und festgelegt worden ist, hat sich unsere Kenntnis von den einstigen Eiszeiten und den von ihnen hinterlassenen Zeugen - dem sog. Erratikum - ganz wesentlich erweitert und vertieft, so dass wir heute vor einer von allen Seiten her anerkannten Lehre stehen.
Diese zeigt uns, dass sich zur Diluvialzeit die Hochgebirge und selbst noch manche Mittelgebirge (wie z. B. Schwarzwald, Jura etc.) mit sog. ewigem Schnee bedeckten, der seinerseits wieder die Bildung von Gletschern zur Folge hatte. Diese Eiszeit war von sehr langer Dauer und fiel zusammen mit einer Periode starken Vorrückens der polaren Eismassen. Man nimmt heute an, dass sie nicht eine einheitliche Zeit allgemeiner Vergletscherung gewesen ist, sondern eine aufeinanderfolgende Reihe von Schwankungen dargestellt hat, von denen vier besonders gut ausgeprägt waren und genügend lange gedauert haben, um deutliche Beweise ihrer einstigen Existenz in Form von erratischen Blöcken, Moränen, fluvioglazialen Schottern etc. zu hinterlassen.
Von diesen vier verschiedenen Vereisungen oder Eiszeiten griffen die beiden ersten nicht sehr stark auf das Mittelland über, während die dritte oder vorletzte als grösste und ausgedehnteste den ganzen Jura überdeckte, bis gegen Lyon hinunterreichte und im Norden auch den Rhein überschritt, um ihre Moränen bis an den Schwarzwald und an die Schwäbische Hochebene hin vorzuschieben. Es ist leicht verständlich, dass sich die Ablagerungen der vierten oder letzten Eiszeit am deutlichsten erhalten haben.
Das gegenseitige Ineinander- und Uebereinandergreifen der Glazialbildungen der vier verschiedenen Phasen der Vergletscherung stellte für eine klare Klassifikation dieser Erratika lange Zeit ein ernstliches Hindernis dar, so dass es erst allmählich und nach und nach gelang, die Ablagerungen verschiedenen Alters voneinander zu trennen und mit Sicherheit dieser oder jener Eiszeit zuzuschreiben. Man unterscheidet für jede einzelne Phase der Vergletscherung bestimmte Moränenablagerungen und von diesen abgewaschene Schotterdecken.
Folgendes ist die in neuester Zeit aufgestellte Benennung und Klassifikation der Eiszeiten und ihrer Ablagerungen: 1. Eiszeit mit älterem Deckenschotter;
2. Eiszeit mit jüngerem Deckenschotter;
3. Eiszeit mit Hochterrassenschotter;
4. Eiszeit mit Niederterrassenschotter.
Während die Moränen der beiden ersten Eiszeiten unter den nachfolgenden glazialen Ablagerungen begraben liegen und deshalb im allgemeinen wenig sichtbar sind, haben die zwei letzten Vergletscherungen sehr deutliche Spuren hinterlassen, die sich in konzentrischen Bogen um die Zungenenden der einstigen Gletscher schlingen. Die Stirnmoränen der dritten Eiszeit - die man lange Zeit als die vorletzte bezeichnete, da man über die Anzahl der vorausgegangenen Vereisungen noch nicht im klaren war - finden sich zum grössten Teil ausserhalb der Grenzen der Schweiz, die durch die nachfolgende Arbeit der Erosion stark zerstückelten Ablagerungen der Rückzugsphasen, die sog. Hochterrassenschotter, dagegen im Innern unseres Landes. Am offenkundigsten zeigen sich die Beziehungen zwischen den Moränen der vierten Eiszeit und den sog. Niederterrassenschottern.
Man hat sogar vermocht, die äussersten Grenzen dieser letzten Vergletscherung sehr genau zu bestimmen und ihre lokalen Schwankungen zur Zeit des maximalen Gletscherstandes und während der darauffolgenden Rückzugsphasen mit ihren kleineren Stillstandslagen bis zum heutigen Gletscherstand festzulegen. Diese während der Zeit des Rückzuges noch eingetretenen vereinzelten Stillstandsstadien der Gletscher der vierten Eiszeit sind das sog. erste Stadium am Eingang, das zweite Stadium in der Mitte und das dritte Stadium im obern Abschnitt der alpinen Thäler.
Zwischen je zwei Eiszeiten schaltet sich stets eine sog. Interglazialzeit ein, während welcher die Gletscher bis in die obern Abschnitte der Thäler und vielleicht sogar so hoch hinauf wie heute zurückschmolzen und sich das Klima der tiefer gelegenen Gegenden derart milderte, dass hier ausgedehnte Wälder mit zahlreichen sie belebenden Tieren sich entwickeln konnten. Vor der Bedeckung des Gebirgsfusses mit Wald muss aber während dieser Interglazialzeiten die Landschaft den Charakter einer Steppe gehabt haben, über deren eben vom Gletscher verlassene und noch nicht von der Baumvegetation eroberte, weite und ¶