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Die von den Taliban am 8. März 2001 gesprengten Buddha-Statuen im afghanischen Bamian-Tal sollen wieder aufgebaut werden – mit Schweizer Hilfe.
Ein Experte der ETH Zürich rekonstruierte die älteste und weltgrösste stehende Buddha-Statue auf dem Computer.
"Der Wiederaufbau der vier Buddhas aus dem 2. Jahrhundert ist technisch möglich", sagte Professor Armin Grün von der Zürcher ETH am Mittwoch in Genf. Es sei nur noch eine Frage des politischen Entscheids.
Die Finanzierung der Computer-Rekonstruktion des mit 53 Metern weltweit grössten Buddhas hatte sein Team an der ETH übernommen.
Grün schätzt die Kosten für den Wiederaufbau des Riesenbuddhas auf insgesamt 30 Mio. Dollar (40 Mio. Franken). Für die Wiederherstellung der drei kleineren Statuen sind weitere Gelder nötig.
Bevölkerung befürwortet Wiederaufbau
Die Bevölkerung befürworte einen Wiederaufbau der Buddhas in der Felswand unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen, sagte Grün. Denn Touristen könnten einen Ersatz sein für den Drogenanbau in dieser armen Region.
Im vergangenen August hatte Grün dem afghanischen Vizepräsidenten Karim Khalil, der die Rekonstruktion befürwortet, ein Miniaturmodell des Riesenbuddha im Massstab 1:200 überreicht. In Zürich wird derzeit ein anderes, 5,3 Meter hohes Modell aus Plastik hergestellt - für das Museum in Kabul.
Wiederaufbau blockiert
Mehrere Experten blockieren aber einen Wiederaufbau. So möchte beispielsweise UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura die Felswand als Mahnmal für die Gewaltherrschaft der Taliban so belassen wie sie jetzt ist.
Eine Gruppe von Koreanern möchte dem Riesenbuddha ein Gesicht geben. Nach Meinung anderer Spezialisten hatte er aber gar nie eines. Sein Gesicht war diesen Experten zufolge nur mit einer Holzmaske bedeckt, hinter welcher die Mönche ihre Gebete verrichteten.
Andere wollen nur einen der vier Buddhas wieder aufbauen. Und ein französisches Projekt will in Bamian ein Laser-Spektakel installieren.
Geld für Bamian-Tal
Die japanische Regierung zahlte inzwischen 800'000 Dollar, um mit Unterstützung der UNESCO das Gestein in der 900 Meter langen Felswand zu stabilisieren.
Nach Meinung von Grün sollten Private und nicht Regierungen den Wiederaufbau finanzieren. Damit stünden die öffentlichen Gelder für den Aufbau der Infrastruktur des Landes wie Spitäler zur Verfügung.
Das Bamian-Tal war von der UNESCO Anfang Juli dieses Jahres in die Liste des gefährdeten Weltkulturerbes aufgenommen worden. Mit ihren zahlreichen archäologischen Stätten lege diese Kulturlandschaft Zeugnis ab von den künstlerischen und religiösen Entwicklungen zwischen dem 1. und dem 13. Jahrhundert.
Auch die Schweiz hilft mit bei der Erhaltung des Weltkulturerbes in Afghanistan. Der Bundesrat hat am Mittwoch für 2004 bis 2005 eine Finanzhilfe von 397'000 Franken an die Restaurierung eines aus Lehmziegeln erbauten Festungsbaus im Bamian-Tal bewilligt.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Die Schweiz engagiert sich in dem von mehr als 20 Jahren Krieg zerstörten Afghanistan vor allem in den Bereichen Menschenrechte und friedensfördernde Aktivitäten.
Afghanistan ist schwer gezeichnet von mehr als 23 Jahren Krieg. Grosse Teile der Infrastruktur sind zerstört oder beschädigt, Minen erschweren Aufbauarbeit zusätzlich.
Nur etwa 23% der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser, nur gerade 12% zu einer Kanalisation. Afghanistan hat auch eine der weltweit höchsten Sterblichkeits-Raten bei Müttern, Kindern und Säuglingen.
Im Rahmen der internationalen Friedensförderungs-Mission für Afghanistan (ISAF) stehen derzeit zwei Schweizer Stabsoffiziere im Einsatz. Das Parlament hatte in der Sommersession dem Einsatz von bis zu vier Offizieren genehmigt.
Nach Ansicht des Verteidigungsministeriums (VBS) beweist die Schweiz mit dem Afghanistan-Einsatz verstärkt Solidarität mit den internationalen Bestrebungen für Stabilität und Frieden.