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Seen, Spuren der Industrialisierung
Wenn man von Sennhof (siehe „Geschichte der Bühler-Spinnereien“) absieht, hat in Seen keine echte Industrialisierung stattgefunden. Es fehlte an einer starken Wasserkraft. Darum entstand die erste Fabrik auf dem Gemeindegebiet von Seen 1936/37 an der Grenze zur Gemeine Zell, am Ortsrand zu Zell und an der Töss. Es war die Spinnerei der Bühlers. (Siehe im Glossar unter „Geschichte der Bühler-Spinnereien“)
Mühle
Trotz dem Fehlen einer starken Wasserkraft, hatte auch Seen eine Mühle. Das stattliche Mühlegebäude stand östlich des Dorfes an der Verzweigung Oberseener/Grünmattstrasse. Sie wird 1451 erstmals erwähnt. Müller Hofmann erbaute 1835 neben der Mühle noch eine Sägerei. Zwei Wasserräder betrieben die Mahlmühle, eines die Sägerei und die Reibe. Das Wasser wurde im Krebsbach gefasst, in zwei Weihern gespeichert und von dort den Rädern zugeführt. Nach 1919 wurde im Mühleweiher eine Fischzucht betrieben.1935 wurde neben dem Weiher eine Freizeitanlage mit Zierfischen erstellt. 1855 wurde wegen Wassermangel eines der Räder durch eine Dampfmaschine ersetzt.
Sein Sohn Hans Ulrich Hofmann (1631-1689) wurde zum Nachfolger seines Vaters ernannt und war der letzte Untervogt aus dem Geschlechte Hofmanns. Sein Enkel, der 1670 geborene Hans Ulrich Hofmann, bezog 1694 die Mühle zu Seen. Weil auch er dem bedeutenden Seener Geschlecht angehörte, ehrten ihn die Seener mit einem Gedenkstein, der nun wieder beim Standort der ehemaligen Mühle aufgestellt ist. Zuvor stand er mehr oder weniger unbeachtet im Schatten eines Baumes unmittelbar neben dem Pfarrhaus an der Tösstalstrasse 266.
Die letzten Müller waren Jakob Bosshard und später sein Sohn Fritz Bosshard. Der Betrieb wurde 1919 eingestellt. Die Liegenschaften gingen an die Gebrüder Bär, die ein Baugeschäft betrieben. Das Mühleareal wurde ein Werkhof. Nebenbei wurde ab 1921 eine Wirtschaft betrieben. Nachdem 1942 das Wasserrecht gekappt wurde entstand im ehemaligen sumpfigen Gelände und Weihergebiet die Siedlung Rothenbrunnen. 2004 wurde das Mühlengebäude für moderne Wohnbauten abgebrochen. Am alten Standort der Mühle sind zwei Zeitzeugen präsent: Ein Gedenkstein mit Wappen und Spuren eines Mühlerades.
(Ein Bild der ehemaligen Mühle befindet sich in der Bildergalerie.)
Die Korbmacher von Seen
Verschiedene Korbwarenfabriken waren in Seen zu Hause. Das war Gottfried Wurster, ein aus dem Schwarwald stammende Korbmacher, der 1883 Elisabeth Ott aus Gotzenwil heiratete und im gleichen Jahr den Betrieb aufnahm. 1907 liess er sich einbürgern liess. Auch Kinderwagen waren in seinem Angebot zu finden. 1893 beschäftigte in seinem Betrieb bei der Station 10 Arbeiter. Die starke Konkurrenz zwang das Unternehmen wenig später wieder zu Reduktionen und schliesslich zur Aufgabe. Eine weitere Korbwarenfabrik stand an der alten Dorfstrasse. Das Unternehmen von Johannes Dütsch wurde 1913 erstmals erwähnt. Dütsch handelt mit Korbwaren aller Art, Bürsten, Holzwaren, Kinderwagen, Handbrückenwagen und Leiterwagen und anderes mehr. Die bedeutendste Korberei war die Fabrik von Henri Müller. Sie lag etwa 200 Meter ausserhalb des Dorfes an der Tösstalstrasse 297. Das 1875 erstellte Betriebsgebäude mit drei Paralleldächern. 1899 kam Hans Widmer, ein Verwandter, als Teilhaber dazu. Der Firmenname lautet alsdann Korbwarenfabrik Müller & Widmer. Das Hauptgebäude wurde als Drillingsgiebelbau erstellt und ist geprägt von Stilelementen des Klassizismus. Zum Industriebau zählen verschiedene Ökonomiebauten, u.a. ein Speicher sowie ein Kleinbau unter Satteldach. Heute nach der Fabrikaufgabe sind die Gebäulichkeiten zu Wohnzwecken ungenutzt, gelten aber als kommunale Inventarobjekte.
Kieswerk am Ganzenbühl
erschlossen 1922 von Robert Weibel. 1946 Verkauf an Toggenburger AG. Heute noch in Betrieb
Ziegelhütte
Unterhalb des Weilers Gotzenwil, heute noch eine Busstation, entstand vor der Mitte des 19. Jhdt. eine Handziegelei. Die Kleinziegelei hatte bereits vor 1900 den Betrieb wieder eingestellt. Der Flurname erinnert noch daran.
Mosterei Erb
An der Hinterdorfstrasse 40 wurde zwischen 1875 und 1900 eine Obstweinkelterei und Dampfbrennerei, später Obstverwertung genannt, gegründet und eingerichtet. Unter anderem wurde das Seener Orangina (Süssmost mit Orangensaft) produziert. Die Produktionsanlagen wurde 1971 für den Bau des Einkaufszentrums Seen (Eröffnung 27.10.1978) abgebrochen. Als Getränkehandlung hat das Unternehmen bis heute überlebt.
Holzhandlung Messmer, Metzger & Jucker
Die Holzhandlung, Sägerei und Imprägnieranstalt Messmer, Metzger & Jucker wurde vor 1901 gegründet ist sie doch in der Betriebszählung von 1901 erwähnt. In der Erhebung von 1909 sind zehn Mitarbeiter ausgewiesen. Der Betrieb war ab 1920 im alleinigen Eigentum von Gemeindeammann Rudolf Jucker, der auch Inhaber der Bäckerei an der Kanzleistrasse (heute Bäckerei Börner) war. Aus dem Holzverarbeitungsbetrieb entstand später das Imprägnierwerk Blum AG. Das Unternehmen viel auf durch sein riesiges Holzlager, imprägnierte es doch bis zu 10‘000 Baumstämme im Jahr. Der Betrieb florierte bis in die 1960er-Jahre und verschwand ab 1965/66.
Möbelfabrik Heinrich Kägi im Unterdorf
Heinrich Kägi gründete die Schreinerei 1904. Bald nannte er den Betrieb Möbelfabrik und baute 1915 ein neues Werkstattgebäude mit 13 Arbeitsplätzen. Das Unternehmen, das sich auch im Küchenbau einen Namen gemacht hatte, expandierte und es konnten nach dem zweiten Weltkrieg mehrere Zweigbetriebe gegründet werden.. Diese waren in der Region angesiedelt, unter anderem in Turbental und Elgg. Der Geschäftserfolg begann dann aber zu stagnieren und das Unternehmen wurde verkauft. Die Niederlassung in Elgg wurde 1979 von einem Verwandten übernommen. Daraus entstand in den Folgejahren das Holzbau-Unternehmen ELIBAG. Aus dem Turbentaler-Geschäft wurde ebenfalls eine erfolgreiche Firma, die TT Türenfabrik Turbenthal AG. Alle anderen Teilbereiche, insbesondre die Seener Werkstätten waren schnell verschwunden.
Weitere Holzverarbeitungsbetriebe waren die Zimmerei, Schreinerei und Glaserei Hagmann beim Bahnhof und die Zimmerei, Schreinerei und Glaserei Ott in Gotzenwil gewesen.
Schmiede
Im Bauerndorf Seen hatte es natürlich auch eine Schmiede gegeben. Sie stand an der Bollstrasse. Erstmals erwähnt ist sie 1566.1805 hat Daniel Hofmann das Hufschmiederecht erneuert. Das Haus wurde 1982/86 umgebaut.