Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/310

Gedankenversunken steht Salar Patrick Bahrampoori in einer burgähnlichen Ruine, 280 Kilometer südwestlich von Teheran. Mitten in der gebirgigen Steppenlandschaft hatte die Familie Bahrampoori einst ihren Sitz, umgeben von Bauerndörfern und grünen Feldern mit Bewässerung. Jetzt sind da nur noch verfallene Mauern und Sand, viel Sand. «Es war traurig, das zu sehen», erzählt Bahrampoori (40) ein paar Monate später. «Aber es ist auch ein Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens.»
Er war ein Jahr alt, als seine Eltern 1980 entschieden, den Iran zu verlassen, kurz nach Beginn des Kriegs gegen den Irak. «Eigentlich war die Grenze da bereits geschlossen, aber die Swissair stellte einen Bus zur Verfügung.Meine Familie konnte sich Plätze sichern, musste aber fast alles zurücklassen.» Der Bus fuhr sie bis in die Türkei, von Ankara flogen sie dann in die Schweiz. Dort hatte sein Vater einst studiert und sich in eine Schweizerin verliebt. Nach der Heirat waren sie Ende der 1960er-Jahre ins Reich des Schahs von Persien gezogen, das sich 1979 in den islamischen Gottesstaat Iran verwandelte.
Dank der Herkunft der Mutter konnte die Familie in Chur ein neues Leben anfangen. «Aber mit meinem Namen war ich natürlich ein Exot und habe das immer wieder zu spüren bekommen», erzählt Bahrampoori. Zudem lebten sie zu Hause in der persischen Kultur weiter: Es wurde Farsi gesprochen, die Wohnung war üppig eingerichtet und überbordende Gastfreundschaft wurde gross geschrieben. «Ich wuchs in zwei Kulturen auf, immer ein wenig hin- und hergerissen.»
Als Kind war er zwei oder dreimal im Iran, das letzte Mal 1993, mit 14. «Meinem Vater war es sehr wichtig, dass mein Bruder und ich eine Beziehung zu unserer zweiten Heimat entwickeln.» Doch dann starb er 2001 mit nur 60 Jahren an Nierenkrebs. Ein schwerer Schlag für die Familie. «Wir hörten auf, Farsi zu sprechen, und ich entwickelte eine gewisse Distanz zu meinem persischen Teil.»
Bahrampoori machte das KV, wurde Skilehrer, hatte erste Auftritte bei Viva und kam 2013 zum SRF, wo man ihn seit vier Jahren als gut gelaunten Moderator und Redaktor von «Glanz & Gloria» kennt. Mit zunehmendem Alter jedoch begann ihn seine Herkunft wieder zu beschäftigen – die Frage, woher er kommt und wohin er gehört. Er beschloss, mit einer Kamera in den Iran zurückzukehren, seine Wurzeln zu erkunden, stellvertretend für viele Schweizer mit Migrationshintergrund.
Zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen, bis es am 16. Januar schliesslich losging. Gemeinsam mit Co-Produzent und Kameramann Reto Wettstein (45) fuhr er im Auto los. «Klar, wir hätten auch fliegen können, aber das wäre mir ein zu abrupter Wechsel gewesen – ich wollte die Distanz spüren.» Und so fuhren sie rund 5000 Kilometer bis zur iranischen Grenze, wo ihnen ihr Auto vom Zoll abgenommen wurde, weil sie nicht die richtigen Papiere hatten. Mit einem Taxi ging es weiter nach Teheran.
Gastfreundschaft und Überwachung
Wie aufwühlend und berührend die zehn Tage in der alten Heimat waren, zeigt SRF nun in einem zweiteiligen «Dok»-Film – im Herbst dürfte zudem eine etwas längere Version ins Kino kommen. Da ist die enorme Herzlichkeit und Gastfreundschaft von Wildfremden, die Rührung beim Wiedersehen von Verwandten und Orten, die für die Familie einst wichtig waren, aber auch der Ärger über Polizeikontrollen und die Erkenntnis, dass sie wohl ohne Unterlass unter Beobachtung standen.
Sein Fazit: «Ich kenne meine persische Seite nun besser, aber weiss jetzt auch, wo mein Zuhause ist: in der Schweiz.» Was aus ihm geworden wäre, wenn seine Eltern damals im Iran geblieben wären, will er sich lieber nicht vorstellen. «Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch.»
Gleichzeitig staunt er, wie stoisch die Menschen die schwierige Situation hinnehmen, die Wirtschaftssanktionen und das Säbelrasseln zwischen dem Regime und den USA. «Sie haben noch Hoffnung, dass es schon irgendwie gut kommt. Vermutlich bleibt ihnen gar nichts anderes übrig.» Er selbst ist weniger optimistisch. «Die Spannungen waren geradezu physisch spürbar, ich glaube nicht, dass es noch lange so weitergehen kann.»
Trotzdem will er zurück in den Iran – auch um dem Skiteam zu helfen, das 2022 an Olympia teilnehmen will. «Ihre Mittel sind begrenzt, und ich würde sie gerne unterstützen.» Ob es dazu kommt, ist aber noch offen.
«Salars Reise in den Iran - Inshallah»: Teil 1 am 28. 6., Teil 2 am 5. 7., jeweils um 21 Uhr in «Dok» auf SRF 1. Ab 24 6. gibts Einführungen bei «Glanz & Gloria».