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Basler Badeanstalten und Freibäder

Frau S. / 04. Februar 2005:
Besteht die Möglichkeit, Informationen über Badhüsli, öffentliche Bäder und ähnliches zu erhalten?
Antwort von altbasel.ch:
Im 19. Jahrhundert waren die Badegelegenheiten meist andere als jene in den Basler Badstuben des Mittelalters. Doch es gab noch Bäder im alten Stil, wie etwa das Clarabad. Johann Caspar Mähly liess das an der heutigen Clarastrasse gelegene Bad 1824 ausbauen. Wie die alten Kleinbasler Bäder, bezog es sein Wasser aus dem Riehenteich. Das "Glore Bad" zog Gäste aus der ganzen Region an.
Doch mit der Zeit entstanden entlang des Teiches immer mehr Färbereien, deren oft giftigen Abwässer dem Clarabad die Grundlage für heilende Bäder nahm. Das Problem des verschmutzten Wassers kannten auch andere Bäder. Beim Rappoltshof nahe des Rumpel gab es Mitte des 19. Jahrunderts eine Teich-Badeanstalt, in deren Nähe Abflussrohre aus Haushalten in den Riehenteich führten.
Um den unhygienischen Zuständen aus dem Weg zu gehen, eröffnete die Stadt 1856 bei den Schorenmatten am Riehenteich ein neues Bad, und am St.Alban-Teich bei der Stadtmauer die "Mannenlotsche". Beide Bäder lagen weiter weg von Stadt-Abwässern, waren aber nach heutigen Maßstäben bedenklich. Probleme mit verunreinigtem Badewasser hatte man im Rhein weniger zu beklagen.
Das Pfalzbad
Die Wassermassen des Rheins wurden besser mit Abfällen fertig, die man rücksichtslos reinkippte. Die Gesellschaft zur Förderung des Guten und Gemeinnützigen GGG lancierte 1826 das Projekt einer Rhein-Badeanstalt. Viele Einwohner Basels konnten nicht schwimmen. Ein Sturz ins tiefe Wasser war lebensgefährlich. Eine Schwimm- und Badeanstalt sollte dem Mißstand abhelfen.
Aus diesem Grund entstand das 1831 eröffnete "Pfalzbadhysli". Die Badeanstalt war im Strom ausgepfählt. Überhölzer mit Ketten befestigten sie an der Ufermauer. Über die Pfähle und am Ufer verlief, auf einer Höhe die über dem sommerlichen Wasserstand lag, ein Gehsteg. Treppenartige Stufen führten ins Wasser. Als Sonnen- und Sichtschutz waren Tücher aufgespannt.
Damals schickte es sich nicht, dass Männer und Frauen gemeinsam badeten. Daher liess die GGG 1847 neben der alten Schwimmschule ein spezielles Frauenbad errichten. Es lag oberhalb des späteren Anlegestegs der Münsterfähre. Nach einer städtischen Verordnung vom Mai 1841 war übrigens Baden ohne Badehose oder anständige Bekleidung bei Strafe von 5 bis 20 Batzen verboten.
Die beiden Badeanstalten am Fuss der Pfalz mussten neu erstellt werden, nachdem sie 1876/77 bei Hochwassern schwer beschädigt wurden. Mit der Zeit entstanden neue Bäder, die dem Pfalzbadhysli den Rang abliefen. Die GGG beschloss 1960 den Abriss des Frauenbades. Die Stadt entzog im Jahr darauf aber dem ganzen Bad die Allmendbewilligung, womit das Pfalzbad verschwand.
Weitere Rheinbäder
Das Sanitätsdepartement fasste 1883 den Plan zur Errichtung eines Volksbades für die unteren Grossbasler Quartiere. So entstand unterhalb der Johanniterbrücke eine Badeanstalt mit zwei 24 Meter langen Becken, das Raum für 45 Schwimmer und rund 90 Badegäste bot. Das heute noch existierende Rheinbad St.Johann, auch "Rhybeli" genannt, wurde am 6. Juni 1887 eröffnet.
Die Quartiere St.Alban und Breite äusserten 1892 den Wunsch, ebenfalls ein Rheinbad zu erhalten. Die zuständigen Ämter vertraten jedoch den Standpunkt, dass das St.Alban-Teichbad genügen müsse. Einige Jahre später erfolgte ein Umdenken, so dass an der Uferböschung in der Breite (heute St.Alban-Rheinweg), 1897/98 das Rheinbad Breite angelegt werden konnte.
Sowohl das Rheinbad St.Johann als auch jenes in der Breite sollten in die 1970er Jahren abgerissen werden, wie 1961 das Pfalzbad. Die Quartiere setzten sich jedoch beherzt für ihre alten Bäder am Rhein ein, so dass diese bis heute überlebten, wenn auch jenes in der Breite in verkleinerter und umgebauter Gestalt. Zwischenzeitlich waren in Basel andere Bäder aufgekommen.
Hallenbäder und Brausebäder
Das erste Basler Hallenbad wurde um 1907 geplant. Es sollte direkt neben der Wettsteinbrücke im gleichnamigen Park erbaut werden. Das Vorhaben scheiterte, weil es der Stadt an den nötigen finanziellen Mitteln fehlte. Erst 1934 konnte mit dem Rialto das erste Hallenbad der Stadt seine Tore öffnen. Es galt als eines der modernsten in der ganzen Schweiz.
Im Dienste der Körperpflege der Jugend wurde 1889 im Bläsischulhaus das erste Schulbrausebad, also eine Dusche, eingerichtet. Am Claragraben wurde 1898 das erste öffentliche Brausebad eröffnet. Weitere Duschbäder folgten 1901 am Spalenring, (noch heute erinnert die Tramhaltestelle "Brausebad" daran) und 1906 am St.Johannsplatz neben dem alten Stadttor.
Freibäder
In Kleinbasel musste das bereits erwähnte Badehäuslein in den Schorenmatten am Riehenteich 1907 dem Bau des neuen Badischen Bahnhofs weichen. In der Nähe entstand im Egliseeholz als Ersatz das 1911 eröffnete Bad mit einem Becken von 80 mal 10 Metern. Weil das Wasser des Riehenteichs zu stark mit menschlichen Fäkalien belastet war, bezog man das Wasser aus der Weise.
Der stete Zufluss von Wiesenwasser gab den Gästen das angenehme Gefühl eines Bades in frischem Wasser. Zu Beginn gab es, wie bei anderen Bädern, noch gesonderte Badezeiten für Frauen und Männer. Die Trennung wurde später aufgehoben. Den Damen blieb nach der Eröffnung des neuen Gartenbads Eglisee 1931 das integrierte alte Bad als "Fraueli" bis heute erhalten.
Auf Münchensteiner Boden, doch unter Basler Regie, entstand 1954/55 das Schwimmbad St.Jakob. Vom Volksmund "Joggeli" genannt, wurde es 1970 mit einem Sportbad erweitert und bildet heute einen Teil der Sportanlagen rund um St.Jakob. Mit dem Gartenbad Bachgraben öffnete nahe der Grenze zu Frankreich im Jahr 1962 das jüngste und zugleich grösste des Basler Freibäder.
Beitrag erstellt 16.02.05 / überarbeitet 09.08.17
Quellen:
Dorothee Huber, Architekturführer Basel, herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, 2. Auflage 1996, ISBN 3-905065-22-3, Seiten 37 und 337 (Freibäder St.Jakob und Bachgraben)
Eugen Anton Meier, Basel Sport, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1991, ISBN 3-85815-237-4, Seiten 219 (Pfalzbad) und 220 (Eglisee, Rialto)
Eugen Anton Meier, Badefreuden im alten Basel, EAM-Verlag, Basel, 1982, Seiten 19 bis 27
Carl Ludwig, Beitrag "Erinnerungen an die Schwimmschule", publiziert im Basler Stadtbuch 1962, herausgegeben von Gustav Steiner, Valentin Lötscher und Adolf Portmann, Helbing und Lichtenhahn, Basel, 1961, Seite 84 bis 92
Jean Kessler-Inglin, Beitrag "Inmitten wunderschöne Bäume - Das Gartenbad Eglisee", publiziert im Basler Stadtbuch 1996, Christoph Merian Verlag, Basel, 1997, ISBN 3-85616-079-5, ISSN 1011-9930, Seiten 186 bis 190
Denise vvon Weymann-Goldschmidt, Beitrag "Bewegte Geschichte des Rheinbads", publiziert in Breite-Lehenmatt - Historischer Rundgang durch ein junges Basler Quartier, herausgegeben von Bernard Degen und Pascal Maeder im Auftrag des Neutralen Quartiervereins Breite-Lehenmatt, Historisches Seminar der Universität Basel, Basel, 1. Auflage 2011, ISBN 978-3-9523049-3-8, Seiten 43 bis 48 (zum Rheinbad Breite)