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März / April 2019
Nach einem Monat in Sri Lanka kehrte ich auf die Malediven zurück. Vor meinem Aufenthalt in Sri Lanka war ich bereits im Januar / Februar 2019 auf den Malediven und erkundete die touristisch gut erschlossenen Nord- und Süd-Ari Atolle.
Dieses Mal wollte ich die kaum von Reisenden besuchten nördlichen Atolle Haa Alifu, Haa Dhaalu, Shaviyani, Noonu und Lhaviyani Atolle entdecken. Da der Bericht über diese Reise 116 Fotos enthält, habe ich die Reisebeschreibung auf drei Webseiten aufgeteilt.
Wie im Buch und Film „The Beach“ begann meine Reise mit einer Karte. Ali, ein Hotelangestellter in Male, fuhr früher als Tauchlehrer auf einem Tauchboot von Atoll zu Atoll und meinte, dass er die Malediven sehr gut kenne. In den ersten Tagen meiner Malediven-Reise im Januar 2019 fragte ich ihn daher, welche Atolle er mir für eine nächste einmonatige Reise besonders empfehlen könne. Er schlug mir den wenig besuchten Norden der Malediven vor. Zuerst solle ich nach Hanimadhoo im Haa Dhaalu Atoll fliegen. Er erwähnte ein paar weitere Orte, aber da ich die Malediven zu wenig kannte, bat ich ihn, eine Karte zu zeichnen. Nun war mein Interesse geweckt und ich entschied, nach Sri Lanka auf die Malediven zurück zu kehren und von Hanimaadhoo mit Fähren von Insel zu Insel zurück nach Male zu reisen.
Die von Ali gezeichnete Karte, aufgrund derer ich mich entschied, die nördlichen Atolle kennen zu lernen
Details zu Inseln, Unterkünften und Transportmöglichkeiten konnte er mir keine geben, denn auf dem Tauchboot stellten sich diese Fragen nicht. Trotzdem meinte er, dass diese Reise ein tolles Erlebnis sein werde. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch kaum etwas über das Reisen auf lokalen Inseln und vertraute ihm. Erst auf dieser zweiten Reise in den Norden merkte ich, wie wenig Ahnung Ali hatte (z.B. ist Rasdhoo in Wirklichkeit viel südlicher als auf dieser Karte eingezeichnet). Ich ahnte zwar, das diese Reise ein Abenteuer darstellte. Die Herausforderung waren dann aber doch grösser, als ich sie mir vorstellte.
Male
Mein Flugzeug aus Sri Lanka landete spät abends, so dass ich eine Nacht in Male verbrachte. Am Vormittag des nächsten Tages besuchte ich wie bei jedem Aufenthalt in Male den Fischmarkt, die einzige Sehenswürdigkeit in der Stadt. Manchmal lassen sich grosse Thunfische bestaunen.
Hier werden zwei grosse Exemplare Gelbflossenthunfische für den Verkauf vorbereitet.
Nachmittags flog ich mit einer Propellermaschine der Maldivian Airline in einer Stunde nach Hanimaadhoo im Haa Dhaalu Atoll.
Gleich beim Flughafen von Male befindet sich die 1979 aufgeschüttete Insel Farukolhufushi.
Hanimaadhoo
Via Airbnb fand ich ein gut eingerichtetes Haus in einer neu erstellten Siedlung, das ich alleine benutzen konnte. Eine Nespresso-Kaffeemaschine sorgte für ausgezeichneten Kaffee und mit den bereit gestellten Fahrrädern konnte ich die Insel erkunden. Der Vermieter Habib war ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Mann. Die Insel ist für maledivische Verhältnisse mit 7 km Länge und 750 m Breite gross. Mehr als die Hälfte der Insel wird aber vom Flughafengelände eingenommen.
Am nächsten Tag kam auch Ivana in Hanimaadhoo an. Ich lernte die Uruguayerin in Sri Lanka kennen. Sie war schon längere Zeit am Reisen und begeisterte sich für meine bereits geplante Malediven-Reise. Wegen ihrem beschränkten Budget war sie froh, die Kosten mit mir teilen zu können.
Auf Hanimaadhoo gibt es einen Bikini-Strand, wo sich Touristinnen und Touristen in freizügiger Bekleidung wie zum Beispiel in einem Bikini aufhalten können. Dieser war etwa 2 km von unserem Haus entfernt, so dass wir mit den Fahrrädern dort hin fuhren.
Dieser Zaum zeigt das Ende des Bikini-Strandes an, ab dem Badekleider nicht mehr erlaubt sind. Wegen den vielen italienischen Touristen auf den lokalen Inseln ist das Schild auch auf italienisch angeschrieben.
Habib meinte, dass Schnorcheln am Hausriff in der Nähe unseres Hauses wegen den schnellen Booten in Strandnähe zu gefährlich sei. Er organisierte zwei Mal zu einem guten Preis ein Boot, dass uns in wenigen Minuten zu Schnorchelplätzen fuhr.
Wir sahen mehrere Echte Karettschildkröten (engl. Hawksbill sea turtles)
Habib sammelte unterdessen Raakani-Muscheln. Diese dienen den Malediviern seit jeher als Nahrungsmittel. Nachdem sie im Feuer erhitzt wurden, assen wir das rauchige Fleisch dieser Tiere. Köstlich!
Eine Raakani-Muschel
Nach zwei Tagen hatten wir Hanimaadhoo und seine Schnorchelgebiete kennen gelernt und wollten weiter in den Norden zum Haa Alifu Atoll reisen. Im Internet sind kaum Informationen über diese Gegend zu finden, sodass ich mich bei verschiedenen Einheimischen über mögliche Insel-Destinationen informierte. Matheen vom Fanhaa Guesthouse schlug die Inseln Mulhadhoo und Hoarafushi vor. Mulhadhoo sei bekannt für seine grossen Schildkröten und Hoarafushi für seine Korallen. Da es in Mulhadhoo keine Unterkunftsmöglichkeiten gab, organisierte er bei einer Familie ein Zimmer, dass diese für Gäste ausgebaut hatte. Ich war gespannt auf die von Touristen kaum besuchte Insel.
Matheen erzählte mir auch, dass er Flüge der Maldivian Airline für Touristen zum halben Preis buchen könne. Als Ausländer mussten wir USD 200 für den 55-minütigen Flug von Male nach Hanimaadhoo bezahlen, mehr als drei Mal so viel wie Einheimische. Damit Hanimaadhoo und sein Gästehaus für Touristen trotz der grossen Distanz zu Male attraktiv ist, konnten er und andere Gästehaus-Besitzer mit der Fluggesellschaft einen attraktiven Flugpreis aushandeln. Leider machte uns vorher niemand auf diese Möglichkeit aufmerksam, so dass wir den vollen Touristenpreis bezahlten.
Mulhadhoo
Am nächsten Tag fuhren wir mit der lokalen Fähre via dem Atoll-Hauptort Kulhudhuffushi nach Mulhadhoo, wo uns die Familie abholte und zu ihrem Haus brachte. Der Preis für die Unterkunft war hoch und gleich bei der Ankunft wussten wir, dass er viel zu hoch war für das Zimmer ohne Fenster, ohne Internet und ohne Aufenthaltsmöglichkeiten ausserhalb des Zimmers. Später konnten wir eine Reduktion des Zimmerpreises erreichen.
Anschliessend erkundeten wir die Insel. Am Strand konnten wir etwa Hundert Meter entfernt Delfine beobachten. Wir sahen auch ein paar Meeresschildkröten, die ihren Kopf aus dem Wasser streckten, um Luft zu holen. Ivana badete im Bikini bei Sonnenuntergang im Meer, obwohl das offiziell nicht erlaubt war. Aber da niemand in der Nähe war, bereitete das keine Probleme.
Ein Sandmann am Strand
Da es auf der Insel kein Restaurant gab, assen wir immer bei der Familie, die mehrgängige, gute Mahlzeiten kochte. Wir fragten nach den Plänen für den morgigen Tag, denn wir wollten die grossen Schildkröten sehen, für die Mulhadhoo gemäss Matheen bekannt ist, doch wir erhielten nur ausweichende Antworten und wurden auf den nächsten Tag vertröstet. Das Schnorcheln im Hausriff wurde uns nicht empfohlen.
Matheen von Hanimaadhoo gab uns die Telefonnummer des von der Regierung eingesetzten Inselverwalters Sameer, der das höchste politische Amt auf der Insel bekleidet. Wir trafen ihn abends vor seinem Haus zu einem Tee und diskutierten über viele Dinge. Dabei erfuhr ich auch, dass grosse Mangroven-Krebse im Wald der Insel leben, die die Einheimischen Kadoofa Kakuni nennen. Sameer war so freundlich, mich mit seinem Motorrad zur Stelle im Wald zu bringen, wo die Krebse in selbst gegrabenen Löchern leben.
Dieser Kadoofa Kakuni genannte Mangroven-Krebs hatte einen über 10 cm breiten Kopf und war daher die grösste Krebs-Art, der ich auf den Malediven begegnete.
Auch am nächsten Tag beim Morgenessen war nicht klar, was wir unternehmen können. Ivana fand den Kontakt zur 17-jährigen Tochter der Familie und erfuhr einiges über ihr Leben und ihre Pläne. Dank Ivana lernte ich die Sicht der einheimischen Frauen kennen, denn für mich als Tourist war es unmöglich, mit einer lokalen Frau ins Gespräch zu kommen. Die Tochter erzählte, dass sie nächstes Jahr mit Erreichen der Volljährigkeit einen Armee-Angehörigen in der Hauptstadt Male heiraten werde, der bereits aus erster Ehe Kinder hat. Sie ist eigentlich gegen diese Heirat, muss sich aber ihren Eltern fügen. Anschliessend möchte sie mit ihrem Mann nach Kanada zu Verwandten und dort studieren. Ich war überrascht, dass die Leute auch hier international vernetzt sind, obwohl die Insel abgelegen ist.
Die Tochter schlug vor, dass sie mit uns zur nächsten unbewohnten Insel waten möchte und wir dort schnorcheln könnten. Da wir noch keine Neuigkeiten betreffend dem Ausflug zu den grossen Schildkröten hatten, willigten wir gerne ein. Der Spaziergang und das Schnorcheln waren nichts besonderes. Wir kamen auf das Mittagessen zurück. Nun sagte man uns, dass wir um 16 Uhr zu den Schildkröten fahren werden. So spät am Nachmittag ist das Licht zum Schnorcheln nicht mehr ideal, aber aus unbekannten Gründen konnte der Ausflug nicht früher stattfinden. Auf die Frage nach den Kosten meinte unser Kontaktmann in der Familie, dass das Boot dem Inseloberhaupt Sameer gehört und wir das mit ihm ausmachen müssten. Da ich Sameer vom vorigen Abend als sehr nett und überhaupt nicht profitorientiert kennen gelernt hatte, war das für mich in Ordnung.
Nach einer kurzen Fahrt mit dem Boot erreichten wir ein wenige Hundert Meter von Mulhadhoo entferntes interessantes Schnorchelgebiet, wo wir Haie, Rochen und Schwärme verschiedenster Rifffische sahen. Wie befürchtet war das Licht für gute Fotos oft ungenügend.
Diese Seegurke (engl. Sea Cucumber) hat sich aufgerichtet, sodass man ihre Mundöffnung sehen kann, mit der sie Sand aufnimmt. Sie ernährt sich von den darin enthaltenen pflanzlichen Bestandteilen.
Ein Gefleckter Adlerrochen (engl. Spotted Eagle Ray)
Eigentlich kamen wir wegen den grossen Schildkröten nach Mulhadhoo, aber wir sahen gar keine Schildkröten. Auf meine Nachfrage murmelte der Einheimische, dass sie saisonal auftreten. Als wir abends die Rechnung erhielten, war der Preis für das Schnorchelboot viel zu hoch angesetzt. Das Boot von Sameer war anderweitig im Einsatz, so dass unsere Gastgeber ohne uns zu informieren ein anderes, teureres Boot organisierten. Nach dem Preis für die Unterkunft mussten wir uns nun auch für einen vernünftigen Bootspreis wehren. Schade. Matheen aus Hanimaadhoo gab uns also einen schlechten Rat. Abends lud uns Sameer zu einem Freund nach Hause ein. Er war ein pakistanischer Arzt, der seit ein paar Jahren die medizinische Versorgung auf der Insel sicherstellt. Ihm und seiner Frau gefällt es auf dieser abgeschiedenen Insel, wo sie ein ruhiges und sicheres Leben führen können, das sich sehr von dem in Pakistan unterscheidet.
Hoarafushi
Am nächsten Tag verliessen wir frühmorgens etwas enttäuscht Mulhadhoo und fuhren mit der jeden Mittwoch gehenden lokalen Fähre in 45 Minuten nach Hoarafushi, wo uns gemäss Matheen tolle Korallen erwarteten.
Ich reservierte für drei Nächte in einem schönen, neuen Gästehaus mit guten Bewertungen. Auch der Besitzer Momo war sehr nett zu uns als seine einzigen Gäste. Er zeigte uns den Weg zum Strand und die vereinzelten Korallenblöcke zum Schnorcheln. Ivana wollte sich am Strand sonnen und ich machte mich zum Schnorcheln bereit. Nach dreissig Minuten verliess ich enttäuscht das Wasser. Es befanden sich nur wenige kleine Korallenblöcke mit den üblichen Fischen vor der Küste.
Blaustreifen-Schnapper (engl. Bluestripe snapper) auf einem ein paar Meter langen Korallenblock vor Hoarafushi
Auch Ivana war unzufrieden. Momo hatte am Strand einen Schattenplatz mit zwei Liegestühlen für seine Gäste eingerichtet. Leider haben auch die Moskitos dieses Plätzchen entdeckt, so dass Ivana bald flüchten musste. Wir spazierten dem Strand entlang, der von Abfall übersät war, wie ich es noch nie auf einer Insel auf den Malediven gesehen hatte. Wir entschieden uns, die Insel so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Ein weiterer Tipp von Matheen war also unbrauchbar.
Abfall am Strand von Hoarafushi
Die vorzeitige Abreise verursachte uns viel Kopfzerbrechen, denn unser Zeitplan war mit dem Fahrplan der lokalen Fähren abgestimmt, die teils nur ein bis zwei Mal pro Woche fahren. Eigentlich wollten wir nach Hoarafushi die Insel Utheemu besuchen, dem Geburtsort des Nationalhelden Sultan Mohamed Thakurufaanu, der im 16. Jahrhundert die Portugiesen aus den Malediven vertrieb. Doch dafür hätten wir drei Nächte in Hoarafushi bleiben müssen, was wir ausschlossen. Zudem mussten wir eine Insel auf unserem Weg Richtung Süden nach Male finden, von der eine Weiterreise ins nächste Atoll, dem Noonu Atoll, möglich war. Booking.com und Tripadvisor waren in dieser touristisch wenig erschlossenen Gegend wenig hilfreich, so dass wir uns oft auf Airbnb verliessen, um Inseln mit Unterkünften zu finden. Die Telefonnummer der Gastgeber fanden wir dann auf Facebook oder via Google Maps. Funadhoo, eine der südlichsten Inseln im Sahviyani Atoll, erfüllte diese Bedingungen, nachdem der Gästehaus-Besitzer dort uns per Telefon versicherte, das am Tag nach unserer Ankunft ein Frachtschiff Richtung Male aufbricht und einen Stopp im Noonu Atoll einlegt.
Obwohl die maledivische Fährgesellschaft staatlich ist, existieren keine offiziellen Fahrpläne, schon gar nicht im Internet. Es gibt ein paar private Webseiten, die mit grossem Aufwand die Routen und Abfahrtszeiten auflisten, da sie aber nicht offiziell sind, müssen die Zeiten immer vor Ort bestätigt werden. Zwischen den Inseln und Atollen sind viele Frachtschiffe unterwegs, die Passagiere mitnehmen, über die es aber im Internet gar keine Informationen gibt. Die beste Ansprechperson ist jeweils der Gästehaus-Besitzer, der als Beispiel die Telefonnummer eines Bekannten kennt, dessen Schwager als Kassierer auf dem Boot arbeitet und deswegen den Abfahrtstag und die Zeit kennt.
Gemäss einer Webseite sollte am nächsten Tag eine lokale Fähre von Hoarafushi zum Atollhauptort Kulhudhuffushi fahren. Dies war aber nicht der Fall, so dass wir auf ein viel teureres, täglich fahrendes Schnellboot ausweichen mussten.
Nach stundenlangen Abklärungen war unsere Weiterreise endlich geplant und wir konnten die Insel erkunden. Vom Nordufer aus entdeckten wir diese Federschwanz-Stechrochen (engl. Cowtail Stingray) und drei Weiss-Gefleckte Adlerrochen (engl. White-spotted Eagle Ray).
Diese zwei Federschwanz-Stechrochen (engl. Cowtail oder Feathertail Stingray) sahen wir vom Ufer aus.
Am nächsten Morgen um 7 Uhr brauste das Schnellboot nach Kulhudhuffushi, dem Hauptort des Haa Dhallu Atolls und wirtschaftlichem Zentrum der nördlichen Malediven. Touristisch hat diese Insel nicht viel zu bieten. Nach ein paar Stunden Aufenthalt tuckerten wir an Bord einer lokalen Fähre von Insel zu Insel und erreichten nach fast vier Stunden unser Ziel Funadhoo.
Funadhoo
Der Gästehaus-Besitzer Yammin erwartete uns bereits am Hafen. Wir erfuhren, dass er erst kürzlich der neue Besitzer ist und dass die Anlage eigentlich geschlossen sei, da er einige Änderungen vornehmen wollte. Wir waren froh, dass wir trotzdem übernachten konnten, denn auf den anderen Inseln im südlichen Teil des Shaviyani Atolls gab es keine weiteren Übernachtungsmöglichkeiten. Wir sprachen gleich unsere Weiterreise zum Noonu Atoll an. Da der neue Besitzer nicht aus der Gegend ist, sondern aus Male, holte er den einheimischen Vorbesitzer. Die nächste Ernüchterung folgte, als der Vorbesitzer uns informierte, dass das versprochene Frachtschiff eigentlich keinen Halt im Noonu Atoll macht, aber für USD 60 einen Stopp vor der gewünschten Insel einlegen könne. Wir müssten dann bei Dunkelheit auf dem Meer auf ein von uns organisiertes Boot umsteigen, das uns zur gewünschten Insel bringt. Alles in allem müssten wir mit USD 100 rechnen, was das Budget von Ivana gesprengt hätte. Da die Weiterfahrt nun viel teurer wurde als ursprünglich geplant, fragten wir nach einer Alternative. Nach ein paar Telefonaten fand der Vorbesitzer eine andere Lösung. Am übernächsten Tag fahre für USD 40 pro Person ein Schnellboot nach Male, das uns auf der von uns gewünschten Insel Velidhoo absetzen könnte. Wir entschieden uns für diese Variante. Der Schnellbootbesitzer war gerade nicht erreichbar, aber Yammin wollte für uns zwei Plätze auf dem Schnellboot reservieren. Wir waren erleichtert.
Am nächsten Tag nach einem Jogging kreuz und quer durch die fast 3 km lange Insel lud uns Yammin auf den Nachmittag zu einer Schnorcheltour ein. Zwischendurch fragte ich wegen der Schnellboot-Reservation nach. Yammin meinte, dass das unter Kontrolle sei. Es war Freitag, das muslimische Wochenende. Wir waren ein paar Frauen und Männer auf dem Boot und schnorchelten vor Funadhoo und der Nachbarinsel Farukolhu. Leider war das Wasser teils trübe und wir waren spät am Nachmittag unterwegs, so dass ich keine Fotos von diesem Schnorcheltrip zeige.
Zurück an Land sprach ich nochmals unserer Weiterreise mit dem Schnellboot an. Mir schien, dass Yammin die Reservation vergessen hatte. Nach ein paar Abklärungen wurde uns eröffnet, dass das Boot nun schon ausgebucht sei und auf dem Weg nach Male sowieso eine andere Route nähme, so dass dieses Boot nicht in Frage käme. Nun waren wir sauer, denn das uns zuerst versprochene Frachtschiff war unterdessen bereits abgefahren, so dass dies keine Option mehr war. Da die Insel für Touristen wenig bietet, wollten wir nicht weiter bleiben. Zudem war Ivana mit Leuten auf einem Segelboot in Kontakt, die sie auf Sri Lanka kennen gelernt hatte und die sie in Velidhoo treffen wollte. Nach angeregten Diskussionen und ein paar Tränen von Ivana, die mit der Reise und immer neuen Kosten zusehends unzufrieden wurde, konnte Yammin für den nächsten Tag ein Schnellboot nur für uns organisieren, das für die 54 km lange Strecke für beide zusammen USD 100 kostete, was anscheinend fair war.
Am nächsten morgens um 9 Uhr wartete das kleine Schnellboot im Hafen bereits auf uns und brachte uns in 1.5 Stunden nach Velidhoo.
Ivana auf dem Schnellboot nach Velidhoo mit ihrem uruguayischen Mate-Tee
Velidhoo
Nach der Odyssee im Norden der Malediven fand ich in Velidhoo endlich eine Insel, auf der ich längere Zeit bleiben wollte.
Ivana kommunizierte unterdessen mit ihrem Bekannten auf dem Segelschiff, das wir bereits am Rande des Riffs sehen konnten. Nachmittags statteten wir dem Segelboot einen Besuch ab. Nach einer Schnorcheltour vom Schiff aus waren wir zum Apero und Abendessen eingeladen. Der Schweizer Patrick aus Genf erfüllte sich seinen Traum und segelt nun mit seinem Schiff um die Welt. Um nicht alleine zu sein und um die Kosten zu teilen, offeriert er interessierten Personen eine Mitfahrgelegenheit. Auf der Malediven-Strecke waren neben dem Skipper Patrick eine New Yorkerin, eine Italienerin und der Italiener Mauro, den Ivana von Sri Lanka kannte. Die Crew bot uns an, mit Ihnen in zwei Wochen nach Male zu segeln. Schlafplätze gab es aber nur noch auf der runden Bank im Gemeinschaftsraum oder gleich auf Deck. Ivana wollte mitsegeln, so dass für mich noch weniger Platz vorhanden war. Zudem gefiel mir Velidhoo und das Riff rund um die Insel versprach tolle Schnorchel-Erlebnisse. Daher verzichtete ich auf den Segeltörn. Am folgenden Morgen verabschiedete ich mich von Ivana, aber wir wollten uns wiedersehen.
Auf Velidhoo war Adam der perfekte Gastgeber. Er hat viele Pläne für die weitere touristische Entwicklung der Insel. Ein Projekt ist die Eröffnung eines Bikini-Strandes an einer Bucht in der Nähe seines Gästehauses, der auf Velidhoo noch fehlt. Weiter möchte er ein Boot kaufen, um Gäste zum Selbstkostenpreis auf nahe unbewohnte Inseln zu bringen. Bereits Ende 2019 sollen diese Pläne umgesetzt sein.
Adam mit seinem Vater auf der Schaukel in seinem Haus.
Das Morgenessen nahm ich jeweils an einem dieser Tische mit Blick auf das Meer ein.
Die Insel war im Wahlkampffieber: Jede Partei hatte ihre Nummer und ihre Farbe.
Das Fahrrad ist ein populäres Fortbewegungsmittel auf der ungefähr einen Kilometer langen Insel.
In der Nähe des Hafens waren mehrere teils grosse Schiffe im Bau.
Auf einem Fischerboot konnte ich einen Blick in eine der Kühlboxen werfen, wo grosse Gelbflossenthunfische im Eiswasser gelagert waren. Bestimmungsort ist der Fischmarkt von Male.
Leider gibt es auf Velidhoo keinen Sonnenuntergangsstrand. Dieses Bild schoss ich auf einem Wall aus grossen Steinen, der den nördlichen Teil der Insel umgibt.
Wie jede lokale Insel hat auch Velidhoo eine Mülldeponie. Interessanterweise ist das Riff vor der Deponie besonders artenreich.
Die ganze Insel ist von einem Riff umgeben, dessen Biodiversivität mich beeindruckte. Es ist eines der besten Haus-Riffe auf den Malediven.
Ein Napoleon-(Lipp-) Fisch (engl. Hump-headed Wrasse, Giant Maori Wrasse oder Napoleon Wrasse)
Ein Pazifischer Trompetenfisch (engl. Pacific Trumpetfish)
Ein Flötenfisch (engl. Cornetfish)
Weibchen des Indischen Buckelkopf-Papageifisch (engl. Sheephead Parrotfish)
Ein Gestreifter Korallenwächter (engl. Freckled Hawkfish)
Ein Dreipunkt-Kaiserfisch (engl. Three-spot Angelfish)
Eine Füsilier-Art (engl. Fusilier)
Ein Gelbflossen-Zackenbarsch (engl. Blue-and-yellow Grouper)
Eine Blauflossen-Makrele (engl. Bluefin Jack oder Bluefin Trevally)
Ein Grauer Riffhai (engl. Grey Reef Shark)
Kaninchenfische (engl. Lined Rabbitfish)
Ein Federschwanz-Stechrochen (engl. Cowtail oder Feathertail Stingray), der sich im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub machte
Zwei kleine Krebse schauen aus ihren Muschelgehäusen
Dieser Hemigymnus gehört zur Gattung der Junkerlippfische (engl. Thicklip Wrasse)
Ein Sattel-Forellenbarsch (engl. Black-saddled Coral Grouper)
Ein Leopard-Drückerfisch (engl. Clown Triggerfish)
Eine Echte Karettschildkröte (engl. Hawksbill Sea Turtle)
Ein männlicher Zweifarben-Papageifisch (engl. Bicolor Parrotfish), der gerade von einem Gewöhnlichen Putzerlippfisch (engl. Bluestreak Cleaner Wrasse) gereinigt wird
Mir gefiel es sehr gut auf Velidhoo, so dass ich sechs Tage blieb. Adam betrieb auch ein Restaurant, dessen Speisekarte sich nach der lokalen Kundschaft ausrichtete und daher kein Gemüse und wie im nördlichen Teil der Malediven üblich keine frischen Fischgerichte im Angebot hatte. Er war aber gerne bereit, Gerichte nach meinen Wünschen zu kochen.
Mit der lokalen Fähre fuhr ich zu einer weiteren Insel im Noonu Atoll.