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Johnny Mandel ist immer etwas im Hintergrund geblieben was seine Filme und Scores betrifft, obwohl HARPER, POINT BLANK und THE VERDICT oder seine Themen, Songs und Musiken zu Filmen wie M*A*S*H und THE SANDPIPER vielen durchaus geläufig dürften. Er war in seinen jungen Jahren, Mitte der 40er bis Mitte 50ere als Trompeter und Posaunist bei Bekanntheiten wie dem Weltklasse-Schlagzeuger Buddy Rich oder Count Basie tätig und schrieb unter anderem für Stan Getz und Chet Baker. Mit seinem Jazzscore zu I WANT TO LIVE! schlug er eine Bresche in die Filmmusik und krallte sich fest, hier war er fortan häufig tätig. Der 1925 in New York geborene Mandel gewann für seinen Song „The Shadow of a Smile“ (THE SANDPIPER) einen Oscar und hat Streifen THE AMERICANIZATION OF EMILY, THE RUSSIANS ARE COMING! THE RUSSIANS ARE COMING, CADDYSHACK und diverse TV-Serien, die bekannteste sicher die erfolgreiche Serie des gleichnamigen Filmhit, M*A*S*H in seiner Filmografie.
Gleich drei Scores von Mandel finden sich auf dieser CD von Kritzerland. Zunächst eröffnet die Musik zum hervorragenden Sidney Lumet Film THE VERDICT mit Paul Newman in einer seiner besten Rollen. Kritzerland bedient sich hier der selben Tracks, die schon auf der 2007 erschienen Intrada Veröffentlichung enthalten waren. Es handelt sich hierbei also um den gesamten Score. Der Score veranschaulicht, insbesondere natürlich im Film, wie konsequent und effektiv eine derart kurze Filmmusik funktionieren kann. Auch wenn es keine Premiere auf CD ist, so ist es doch eine beeindruckende, durchgehend düstere Musik, die sich auch atonalen Tontechniken bedient. „The Bottom“ beginnt den Score mit einer bedrohlichen Atmosphäre, die vom Blech (vor allem Hörner), Bassklarinette, Streichern und tiefen Stimmen dominiert wird. Ja, ein Chor ist in THE VERDICT zu hören, völlig entgegen dem was man bei einem solchen Film erwarten würde. Mandel gelingt es der Musik damit eine dunkle, schwerwiegende Schönheit zu verleihen. Selbst in den Stücken, die einen Sprung mehr ins Nebulöse, Düstere wagen („Trouble“), schwebt diese Besonderheit stets über der Musik. Zu den Bassstimmen des Chors gesellt sich in jenem Stück ein Kontrabassklarinett, um einen zusätzlichen Sprung in die tiefen Register zu machen. Erst mit „End Title“ klart sich die musikalische Situation etwas mehr auf, aber immer wieder kurz den Finger hebend und gemahnend, nicht zuletzt mit der kurzen Coda.
Mit nur 14 Minuten ist THE VERDICT wie angesprochen wirklich kurz ausgefallen und doch wirkt die Musik in sich völlig abgeschlossen, nicht das Gefühl einer allzu knappen unfertigen Komposition hinterlassend.
THE SEVEN-UPS ist ein Copthriller von 1973 mit Roy Scheider in der Hauptrolle, der zwei Jahre später mit JAWS einem noch grösseren Publikum bekannt werden sollte. Produzent Philip d’Antoni (BULLIT, THE FRENCH CONNECTION) setzte sich auf den Regiestuhl und versuchte den Erfolg der genannten Filme zu wiederholen. Das misslang, THE SEVEN-UPS blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Auch für Johnny Mandel setzte es eine Enttäuschung ab, sein Score wurde durch Kompositionen von FRENCH CONNECTION-Komponist und Jazzmusiker Don Ellis ersetzt (gleiches passierte Mandel 1982 mit AUTHOR! AUTHOR! als schliesslich Dave Grusin einsprang). Gegenüber der oben bereits erwähnten Intrada CD weist Kritzerland hier 29 Min. Score (als 4 Minuten mehr) und dazu noch einige alternative Tracks aus.
Die ersten Minuten („Main Title“) könnten beinahe aus einem Western stammen, selbst wenn Mandel den Analogsynthesizer einsetzt und Rhythmisches vom Jazzaufbau zu vernehmen ist. Mit dem zweiten Track, „Antique Score“ und viel Funkpop (der auch in „Car Wash II“ auftaucht) ist die Verwandtheit allerdings schnell vergessen, während „Cops and Robbers“ mit kräftiger und grosser Blechsektion die Stimmung auf Spannung schraubt. Der Mix aus orchestralen Elementen, Jazzeinflüssen hie und da, Funk und source music sorgt für eine kurzweilige Filmmusik. Interessant, dass die alternativen Stücke (also die nicht Verwendeten der nicht Verwendeten…) einen höheren sinfonischen Anteil bieten.
Auf der Intrada CD von 2007 war nebst Teilen aus Mandels Musik auch Don Ellis Score zu SEVEN-UPS enthalten, Kritzerland setzt allerdings acht Stücke der TV-Serie M*A*S*H, die von 1972 bis 1983 lief und diverse Emmys und Golden Globes gewann, auf dieses neue Album. Noch heute läuft M*A*S*H im deutschsprachigen Raum immer wieder in der Flimmerkiste. Johnny Mandel komponierte für 12 Episoden die Musik, sechs davon, alle aus Season 1 stammend, sind hier nebst dem von Mandel für den 1970er Film komponierten, populären „laid back“ Titelthema zu hören.
Das Herzstück aber ist und bleibt THE VERDICT und sollte sich damals bei der Intrada CD jemand gefragt haben, ob es sich lohnt die Musik anzuschaffen, ja, tut es tatsächlich. Die wie immer knapp gehaltenen Kritzerland Liner Notes geben wenigsten ein bisschen Hintergrundinfo preis, wer aber mehr über die Filme wissen möchte, muss sich in der Tat woanders bedienen. Zur Musik schreibt Bruce Kimmel wie üblich äusserst wenig.
Phil, 9.7.2018
THE VERDICT / THE SEVEN-UPS / M*A*S*H (TV) Johnny Mandel Kritzerland 69 Min. 32 Tracks Limitiert auf 1000 Stück