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Meine Rückkehr nach Chennai verlief nicht ganz wie gewünscht. Der erste Flug hatte Verspätung, was dazu geführt hätte, dass ich den zweiten Flug verpasst hatte. Nach einigem Suchen fanden sie einen Ersatzflug für mich, via Abu Dhabi (“Bitte beachten Sie dass zur Zeit Ramadan ist und daher Essen, Trinken und Rauchen während des Tages nicht gestattet ist”) und Bangalore erreichte ich Chennai endlich mal bei Tageslicht morgens um 6 Uhr. Ich legte mich erst mal schlafen im Hotel, bevor ich dann im Büro alle begrüsste.
Im Hotel begrüssten mich die Angestellten wieder freundlich und erkundigten sich nach meinen Ferien und meiner Familie. Der Koch freute sich am Sonntag, als er mir endlich mal wieder etwas zaubern durfte (an Arbeitstagen ist mein Frühstück sehr kurz); ich bestellte French Toast bei ihm. Was er servierte, haute mich einmal mehr vom Hocker: Verziert mit karamelisierten Feigen und Mangostücken, Nutella, Konfitüre und Nüssen lagen zwei Stücke French Toast neben Schlagsahne. Einfach himmlisch! Ich kann von Glück reden, dass ich bisher nur ca. 1 kg zugenommen habe! Aber da ich mich jetzt für einen weiteren Lauf am 24. Juli (und einen firmenübergreifenden Schwimmwettkampf am 16. Juli) angemeldet habe, werde ich mein Training wieder richtig aufnehmen müssen 😀
Es folgte ein sehr gemütliches Wochenende mit Aus-/Nachschlafen und einrichten. Die folgende Woche war intensiv, es wartete viel Arbeit auf mich.
Am Samstag wachte ich früh auf und war daher auch früh im Büro. Ich hatte mich für eine Extraschicht entschieden, um den Stapel, der sich während meiner Abwesenheit gebildet hatte, zu verkleinern. Leider hatte sich die Premierministerin des Staates angekündigt, was die Strassen vor dem Chennai Trade Center völlig verstopfte. Das liegt zwischen meiner Arbeitsstelle und meinem Zuhause. So konnte mein Uber-Fahrer nicht innert nützlicher Frist ins Büro kommen. Mein Glück, dass ein befreundeter Kollege eben auch das Büro verlassen wollte und anbot, mich nach Hause zu bringen. Erst auf dem Weg in die Tiefgarage dachte ich daran, dass ich vielleicht fragen sollte, was das Transportmittel ist, aber in diesem Fall war das Motorrad definitiv die bessere Wahl. Meine ganze Motorraderziehung ignorierend (Tschuldigung Mami) setzte ich mich ohne Helm, nur mit Shirt und Ballerinas hinter meinen Kollegen, der uns einen sicheren Weg durch den Verkehr suchte. Zwischendurch fühlte ich mich als ob ich mich klein machen müsste. Links die Wand als Abschrankung, rechts ein Bus; beim Überholen streifte ich die Tasche des Passagiers, der auch mit dem Bus mitreiste, aber nur ca. zur Hälfte im Bus war (was hier nicht selten zu sehen ist in diesen überfüllten Bussen). Unser Weg führte zum Teil über den Kiesgraben am Strassenrand (solange man darauf fahren kann, zählt es als Strasse) oder auch über den Gehsteig. Der Gehsteig fühlte sich am Anfang wie eine Überholspur an, war dann aber nicht mehr so toll als wir auf die Strasse zurück wollten, weil ein Verkäufer mit seinem Stand den ganzen Gehweg blockierte. Aber auch diesen Absatz von gut 20 cm meisterte mein Fahrer überraschend problemlos. Nach 50 Minuten (und doch noch etwas schnellerem Tempo gegen Ende) erreichten wir das Hotel, das ja nur ca. 6 km entfernt war. Alles in allem eine interessante Erfahrung, ich fühlte mich sicherer als bei manchen Fahrern im Auto!
Immer mal wieder finden hier im Büro irgendwelche Anlässe statt. Diese Woche war es ein Ethnic Wear Day, wo jeder in traditionellen/pompösen Kleidern kommen konnte. Glücklicherweise wusste ich im Voraus nichts davon, aber so speziell wären meine Kleider eh nicht gewesen. Jedenfalls hatte das Cultural Team Committee die glorreiche Idee, dass ich (dank welcher Erfahrung auch immer) die schönsten Kleider bestimmen soll. Also schlich ich den ganzen Tag lang immer mal wieder “unauffällig” durch das Büro, suchte die wenigen Teilnehmenden (d.h. die, deren Kleidung mir im Vergleich mit einem normalen Arbeitstag auffiel), versuchte den Namen herauszufinden und durfte gegen Ende des Tages dann die Preise (Schokolade) austeilen. Es schien mir niemand meine Wahl übel zu nehmen, nur mein Team, weil sie keine Schokolade erhielten. Aber das lässt sich ändern!
Auch das folgende Wochenende verbrachte ich teilweise im Büro (nur zur Zeit, Hilfe ist im Anmarsch!). Ich geniesse die Ruhe dort. Nur Putzfrauen und Wachmänner (nicht ganz soo klischehaft) sind im Büro, ausserhalb der Saison auch kaum andere Mitarbeiter. So kann ich in Ruhe meine Arbeit machen, mit sehr wenig Störung, ausser wenn die Angestellten mal wieder laut plaudernd in meine Nähe kommen um die Schreibtische zu putzen. Es ist eine mir unbekannte Wissenschaft, nach welchem Muster sie hier die Böden putzen. Die Gänge sind Platten, die nass aufgenommen werden. Dies machen sie während der normalen Arbeitszeit schon regelmässig; am Wochenende wird dann (meine Meinung!) der Raum fast geflutet und nach gefühlten Stunden getrocknet. So dass ich keine Möglichkeit habe, trockenen Fusses bzw. ohne den Boden wieder zu verdrecken zur Toilette und zurück zu gelangen. Das resultiert darin, dass der Boden am Ende schlimmer aussieht als zuvor. Aber manchmal scheint es wirklich nur eine Beschäftigungstherapie zu sein, so viele Leute wie hier umherschwirren für Sicherheit und Reinigung sind für europäische Verhältnisse eher zuviel. Hier soll es so sein, dass diese Leute eher wenig Gehalt erhalten und daher auch mehrere Jobs haben, um über die Runden zu kommen. Aber diese grosse Menge an Menschen muss ja auch eine Arbeit haben, so werden viele Leute zu simplen Jobs angestellt, so trägt jede Firma ihren Teil dazu bei. Wie zum Beispiel im Einkaufszentrum, wo in jedem Lift jemand sitzt/steht und die Knöpfe drückt; oder bei den Rolltreppen um sicherzustellen, dass jeder weiss wie diese zu gebrauchen sind (nein, das ist hier nicht selbstverständlich). Andere Länder, andere Sitten.
Auch an diesem Wochenende gönnte ich mir einen Kinobesuch. Von zu Hause aus mit der Metro zwei Stationen bis zum Einkaufszentrum, 150 m laufen bis zum Eingang, Kino, Snacks und das ganze wieder zurück für ganze INR 400 (knapp CHF 6). Da staunen sogar die Inder, vor allem, wenn ich voller Selbstverständlichkeit ein TIcket am Automaten löse. Für mich ist es nur eine kleine Motivation, dass ich doch noch etwas alleine machen kann, ohne auf jemanden angewiesen zu sein. Nur schade, dass manchmal sogar auf dem Weg von der Metrostation zum Einkaufszentrum nach einem Foto gefragt werde. Manchmal kann das echt nerven, aber manchmal ist es auch witzig.