Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03139.jsonl.gz/3222

Archiv
Er rannte jetzt schon über eine Stunde, immer weiter, nur weiter. Er wusste nicht wohin, einfach fort, so schnell wie möglich, so weit wie möglich. Seine Kleider waren völlig durchnässt; es regnete bereits seit Tagen.
Er führte nicht einmal die Reflexbewegung des Gesichtabwischens aus. Seine Angst war derart, dass er selbst während des Laufens zitterte und weit aufgerissene, starre Augen hatte. Sie waren ihm immer noch auf den Fersen; es gelang ihm nicht, auch nur einen Meter Vorsprung herauszuholen.
Er konnte sie nicht abschütteln, obwohl ihm die Panik eine unglaubliche Geschwindigkeit verlieh.
Er hatte versucht, sich zu verstecken und war auch durch dichtes Unterholz gekrochen, doch sofort merkte er, dass sie genau wussten, wo er sich befand.
Er musste einsehen, dass die Chance einer gelungenen Flucht sehr gering war, sollte nicht ein äusserer Umstand ihm zu Hilfe kommen. Er konnte sich allerdings nicht vorstellen, wie dieser aussehen könnte. Er war allein, niemand war auch nur in Gedanken bei ihm.
Die ganze Kraft musste aus ihm kommen und diese schwand dahin. Er fiel immer häufiger , er blieb aber nicht liegen; bewegte sich auch auf allen Vieren weiter. Er verletzte sich nicht ernsthaft, einige ungefährliche Schrammen aus denen zwar Blut floss, so dass sein linkes Auge vom Blut zugeklebt war, sonst nichts. Er war total entkräftet, als er an den hochwasserführenden Fluss kam.
Es kam ihm nicht in den Sinn, dass die Überquerung gefährlich sein könnte. Er zögerte nicht als er bemerkte, dass die Verfolger bei ihm waren, er sprang, seine Jäger auch. Um den Kampf jetzt auch noch gegen die Fluten zu führen, hatte er keine Kräfte und auch den Willen nicht.
Er war froh, dass ihn den Fluss aufnahm. Mit ihm starben auch die Verfolger und die Peiniger: seine Gedanken.