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"When you play the game of thrones, you win or you die." Cersei Lannister, p. 488
Alles fängt ganz harmlos an: König Robert Baratheon besucht seinen alten Freund Eddard Stark, Fürst von Winterfell, um ihn zu seiner Hand zu ernennen. Dabei sieht Bran Dinge, die er nicht sehen soll. Es scheint ein Unfall zu sein, als er beim Klettern vom Turm stürzt und ins Koma fällt, doch Catelyn Stark, seine Mutter, weiß es besser: Die Lannisters stecken dahinter, Königin Cersei Lannister und ihr jüngerer Bruder, der zwergenwügsige Tyrion. Als sie ihm zufällig in einer Taverne begegnet, setzt sie ihn gefangen und bringt ihn ins Eyrie zu ihrer Schwester Lysa Arryn. Währenddessen in King's Landing passt Jaime Lannister, Cerseis Zwillingsbruder, Eddard ab und greif ihn und seine Männer an, um Rache für die Gefangennahme seines jüngeren Bruders zu üben. Indes wird in Pentos Daenerys aus dem ins Exil getriebenen einstigen Herrscherhaus der Targaryens von ihrem Bruder Viserys an Khal Drogo von den Dothraki als Braut verschachert, da er sich im Gegenzug von den Pferdemenschen ein Heer erhofft, dass ihm dem Eisernen Thron zurückerobert, der ihm von Robert Baratheon einst genommen worden war. Dany lebt sich alsbald in die fremde Kultur der Dothraki ein und kann sogar Liebe für den mächtigen Khal entwickeln. Ihr Bruder indes hat nur eines im Sinn: Seine Invasion Westeros' und die Krone der Sieben Königslande, die ihm rechtens zusteht.
A Game of Thrones ist der bildgewaltige Auftakt der namhaften Serie A Song of Ice and Fire mit all ihren Intrigen und Komplotten und großen Kriegen und kleinen Konflikten. Von Anfang an steckt man mitten in Westeros und lernt die Charaktere und ihre Welt kennen. Wie kaum ein anderer versteht sich Martin darauf, seine Welt zu entwickeln, als sei es das Natürlichste der Welt. Er erklärt wenig, vielmehr entfaltet sich alles durch die Charaktere selbst, etwas, das nur wenige so gut beherrschen wie er.
Man muss stets am Ball bleiben, um durch all die Häuser, ihre Gefolgschaft und ihre Beziehungen zueinander stets im Blick zu behalten (wobei ein Glossar am Ende des Buches vor allem beim ersten Lesen durchaus hilfreich ist). Aber gerade das macht den Reiz der Komplexität der Reihe aus. Martin kennt seine Charaktere bis ins letzte Detail, jede ihrer Handlungen ruft in den anderen Charakteren ganz individuelle Reaktionen hervor, und was zu Beginn nur ein rollendes Steinchen war, ist am Ende ein donnernde Lawine. Besonders deswegen lohnt es sich, die Reihe nicht nur einmal zu lesen, sondern mindestens zweimal. Ist man beim ersten Mal noch damit beschäftigt, die ganzen Namen zu sortieren, kann man schon beim nächsten Mal die Tiefe der Welt noch wesentlich mehr genießen.
Und nicht zu vergessen, all die wunderbaren Zitate und großen Momente. Martin versteht es meisterlich, beeindruckende Szenerien zu errichten (sowie sie ebenso beeindruckend wieder zum Einsturz zu bringen). Auch die emotionalen Berg- und Talfahrten, die der Leser erfährt, sollten erwähnt werden. Entweder man hasst Martins Charaktere (und er kann wirklich hassenswerte Charaktere entwickeln) oder man liebt sie, egal, was für Scheusale sie eigentlich sind. Wie selten bei einem Buch fiebert man mit, bangt, hofft (meist umsonst), weint und flucht man mit den Charakeren.
Martin ist wahrlich einer der Meister des Genres.
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