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Dieser Modellversuch konstruiert das Prinzip ästhetischer Systeme und untersucht darin Kunst und Design als Aktivität bzw. Gestaltungsprozess. Vortragssaal der HGK Zürich, 01.12.2003. Repost 11.03.2023.
1. Zeichensysteme
Wir alle verwenden Zeichensysteme, um uns zu orientieren. Jeder Mensch entwickelt sein individuelles System. Die „Zeichen“ (hier definiert als Entitäten der Wahrnehmung, denen Wert beigemessen wird) werden zu einer persönlichen Struktur verknüpft. Es entstehen Differenzen, Relationen etc. Dieses System kann sich irgendwelchen Gegebenheiten anpassen. Es funktioniert jedoch als autonomes Ganzes. Es ist dynamisch und träge zugleich (Lernen/ Erinnern). Das Zeichensystem beansprucht die Wahrnehmung und den Verstand. Es beschreibt ein sogenanntes ästhetisches System. Jedes Individuum besitzt sein eigenes ästhetisches System. Ein Individuum kann durch seine individuelle Ästhetik definiert werden.
-> o = „Zeichen“, als Entitäten der Wahrnehmung definiert, denen Wert beigemessen wird
-> | = Verknüpfungen im System (Differenzen, Bezüge, Verhältnisse etc.)
-> i = Individuum, definiert durch seine individuelle Ästhetik
2. Konvention und Kultur
Erfolgt nun eine Berührung mit weiteren ästhetischen Systemen, können sich diese gegenseitig anpassen – Konventionen entstehen. Diese Assimilation ermöglicht einen Austausch und gilt als Voraussetzung für die Entstehung einer Kultur. Jede Kultur besitzt somit eine charakteristische Ästhetik, die sich aus dem Gefüge der beteiligten Individuen ergibt. Oder anders ausgedrückt: Jedes Gefüge von Individuen bildet mit seinen Konventionen eine eigene Kultur mit einer eigenen Ästhetik.
-> i1, i2, i3, i4 = ästhetische Systeme (Individuen)
-> rote Fläche = Spielraum der Konventionen (Kultur)
3. Die Metaebene
Jedes Individuum durchlebt tagtäglich die unterschiedlichsten Konventionen bzw. Ästhetiken verschiedener Kulturen (z.B. Personenkontakt mit unterschiedlichen Kunden, Orientierung in einem wissenschaftlichen Buch, Werbung in Gratiszeitungen, Internetrecherche etc.). Die Metaebene der Ästhetik ermöglicht es, innerhalb der verschiedenen Kulturen kompetent zu agieren. Damit wird eine differenzierte Betrachtung (Zeichenrezeption) und ein bewusstes Handeln (Zeichenproduktion) innerhalb der Konventionen bzw. Ästhetiken verschiedener Kulturen möglich.
-> k1 bis k5 = Konventionen – bzw. Ästhetik verschiedener Kulturen
-> M = Metaebene der Ästhetik
4. Kunst und Design
Im ästhetischen Gestaltungsprozess lassen sich zwei Modi unterscheiden: Kunst und Design. Designprozesse bewegen sich innerhalb von Konventionen. Sie nutzen deren Wahrnehmungselemente mit den kulturell bekannten Differenzen, Relationen etc. Kunstprozesse hingegen erforschen die Ränder der Konventionen, „spielen“ mit den Konventionen, versuchen sie zu brechen bzw. zu dekonstruieren, zu erweitern etc. Design ist der bestimmte Teil im Gestaltungsprozess mit der Ästhetik. Kunst ist der regsame Teil im Gestaltungsprozess mit der Ästhetik. In der Praxis sind Kunst- und Designprozesse viel schwieriger zu trennen als im dargestellten Modell. Beide Bereiche stehen in ständigem Austausch, sind voneinander abhängig und gehen ineinander über. Es gibt weder „reine Kunst“ noch „reines Design“. Da sich Kunst und Design in ihren Funktionen und Aspekten wesentlich unterscheiden, lässt sich jedoch der ästhetische Gestaltungsprozess mit diesem Modell besser einordnen und handhaben.
-> i1, i2, i3, i4 = ästhetische Systeme (Individuen)
-> G = Gestaltung (Rezeption und Produktion)
-> K = Kunst (Rezeption und Produktion)
[Edit, denn dazu werden gerne Fragen gestellt: Die Geschichte des Designs ist ebenso wie die Geschichte der Kunst geprägt von Konventionsbrüchen, Innovationen und Paradigmenwechseln, von Forschung und Anwendung. Allerdings handelt es sich in diesem Kontext um Kunst und Design als Felder und Disziplinen. Hier hingegen geht es um Kunst und Design als Aktivität bzw. Gestaltungsprozesse. Alle Felder und Disziplinen der Kunst und des Designs werden sowohl von Kunst- als auch von Designprozessen geleitet, die gerade für die Konstanz sowie Dynamik so wichtig und verantwortlich sind.]