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,,Asante: Kingdom of Gold“ hieß 1981 die Ausstellung im Museum of Mankind, einer Abteilung des British Museum in London, erneut gezeigt 1984 in New York im American Museum of Natural History. An der Ausstellungseröffnung in London beteiligten sich der damalige Asantehene, der König der Ashanti, und zahlreiche junge Leute aus Ghana, die dem Volk der Ashanti zugehörten und in London arbeiteten oder studierten. Für einen Tag war die Abteilung im British Museum geprägt von den Farben und Klängen des westafrikanischen Volkes, dessen Angehörige hier Vielen Zeugnissen ihrer eigenen Kultur erstmals Wieder begegneten. Verloren gegangen waren die Kunstschätze, als die Ashanti im 19. Jahrhundert von den militärtechnisch überlegenen Briten geschlagen und anschließend ihrer Schätze beraubt worden waren.
Das Gold der „Goldküste“ des heutigen Ghana, das vor allem aus den ertragreichen Minen von Akan kam, war schon immer berühmt für seine Reinheit und die schiere Menge, in der es zu finden war. Die Portugiesen transportierten seit 1480 jährlich 450 Kilogramm Feingold ab, im 16. Jahrhunderts wurde es dann immer mehr. Jährlich sollen bis zu fünfzehn Schiffsladungen nach Portugal geliefert worden sein. Herangeschafft wurde es von den Angehörigen der Stämme, die an der Küste und im Hinterland lebten. Bis zum Dschungel, der wenige hundert Meter hinter der Küste begann, gelangten auch die Europäer, weiter kamen sie nicht. Das war auch nicht nötig, weil die Stämme an der Küste die Transporte erledigten. Dazu beschafften sie sich auch Sklaven in den benachbarten Regionen. Von den Europäern bekamen sie dazu eiserne Fußfesseln, Handfesseln, Ketten und Ruten geliefert. Vor allem aber lieferten die Portugiesen Kleider, Pferde- und Ochsengeschirre.
Im 17. Jahrhundert, als die Portugiesen verdrängt waren, lieferten die Holländer unter anderem schlesische Leinwand, die bei den westafrikanischen Stämmen zur Herstellung von Kleidung besonders beliebt war. Das zweite wichtige Exportgut waren Menschen. Sie wurden an der Sklavenküste (dem heutigen Togo) angeliefert. Auf den portugiesischen, später auch auf französischen, englischen und deutschen Schiffen wurden die Menschen zu Millionen nach Amerika gebracht. Erst im 19. Jahrhundert ließ das Geschäft nach, vor allem nachdem die USA den Sklavenhandel 1808 verboten hatten (aber noch nicht die Sklaverei, die hielt sich noch bis zum Amerikanischen Bürgerkrieg).
Den USA folgten die Briten 1833 und beendeten ebenfalls den legalen Sklavenhandel. Die beiden Warengruppen Gold und Sklaven dominierten lange Zeit den Außenhandel dieses Landstrichs an der westafrikanischen Küste.
Auch mit Kakao oder Elfenbein wurde gehandelt, aber nicht in dern Umfang und mit der wirtschaftlichen Bedeutung wie an der westlich benachbarten Elfenbeinküste (Republique de Cote d‘Ivoir). Während nun die europäischen Schiffe jahrein, jahraus, Gold und Menschen speditierten, formierte sich unbemerkt hinter der Dschungelbarriere eine neue Macht:
Das Königreich der Ashanti. Deren König, der Asantehene, herrschte aufgrund seiner Verfügungsgewalt über einen geheimnisvollen Goldenen Stuhl, der am Ende des 17. Jahrhunderts direkt aus dem Himmel gefallen und dem ersten Asantehene übertragen worden war. Es war eine kriegerische, völlig militarisierte Gesellschaft, die sich im neuen Königreich entwickelte. Ihre Hauptstadt Kusami lag mehr als 200 Kilometer von der Küste entfernt. Bis 1817 gab es höchstens gelegentliche Kontakte der Kriegerkaste mit den europäischen Händlern. Denn die Vermittlung des Goldes an die Küste war ja die Aufgabe der Fanti an der Küste.
Die Expedition nach Kumasi
Die Existenz des Königreichs der Ashanti war jedenfalls bekannt. Deshalb nahmen die Briten 1817 Kontakt auf und sandten eine sechsköpfige Expedition nach Kumasi. Sie kamen nach drei Wochen zu ihrer Überraschung in einer Stadt mit 15.000 Einwohnern an. An den Häusern waren massive goldene Verzierungen angebracht. Die Kleidung der Bewohner erinnerte die Briten an die Bilder von Römern in ihren Togen, sie trugen ebenfalls massiven Goldschmuck an Hals, Armen und Beinen. Die Schwerter hatten selbstverständlich Goldgriffe, überall war Gold, und zwar in solchen unglaublichen Mengen, dass selbst Europäer verstehen konnten, dass man hier Gold nicht vor Diebstahl schützen musste.
Die folgenden Geschäftsbeziehungen zwischen Briten und Ashanti schienen mehrere Jahrzehnte beide Seiten zufrieden zu stellen. Mit der Zeit fühlten sich die Ashanti jedoch übervorteilt. Als 1867 ein neuer Asantehene auf den Goldenen Thron gelangte, war es vorbei mit dem Frieden. König Kofi Karikari („King Coffee“ nannten ihn die Briten) erhob Anspruch auf ein Fort an der Küste, das die Briten von den Holländern gekauft hatten. Die Briten sollten Pacht bezahlen, so wie es auch die Niederländer bisher getan hatten.
König Kofi Karikari machte den Fehler, den Briten zu drohen. Als sich die Briten in ihren starken Küstenforts davon nicht beeindrucken ließen, mäßigte der König seine Forderungen und sandte Boten zum jungen Befehlshaber der Kolonialtruppen, Garnet Wolseley.
Das erwies sich allerdings als keine besonders gute Idee, denn die Boten des Königs trugen schwere Goldplatten auf der Brust, zum Zeichen ihrer friedlichen Mission.
Die Briten wurden jetzt wieder daran erinnert，welche fantastischen, fast unglaubwürdigen Berichte es 1817 von der Hauptstadt Kumbasi gegeben hatte. Anscheinend war doch etwas daran an den massiven Goldplatten, die überall herumliegen sollten. Das Auftreten der Ashanti Gesandtschaft wirkte wie eine Einladung, sich in der Heimat des Boten näher umzusehen. Wolseley schrieb also an den Secretary of State for the Colonies in London: „Nur eine Methode gibt es, unsere Siedlungen vor der Ashanti-Bedrohung zu schützen, das ist, die Ashanti-Arrnee zu besiegen, in das Land einzufallen und siegreich in der Ashanti-Hauptstadt einzumarschieren.“ Die Friedensbedingungen, die Wolseley ohne Zögern den Gesandten des Königs diktierte, zeigen schon die Vorstellungen von dem sagenhaften Reichtum des afrikanischen Königreichs: Mehrere Geiseln, darunter die Mutter des Königs, und 50.000 Unzen Gold sollten ausgeliefert werden, nach den Preisen des Jahres 2011 fast 78 Millionen Dollar. Die mehr als anderthalb Tonnen Gold hätte König Kofi Karikari leicht verschmerzt — die Briten waren überzeugt, dass seine sagenhafte „Große Truhe“ zwölf Tonnen und der geheimnisvolle „Goldene Stuhl“ angeblich auch mehrere Tonnen wogen. Die Forderung nach Auslieferung der Königsmutter war jedoch unannehmbar. Also begann jetzt, was die Briten den Ashanti-Krieg nennen sollten und dessen Ergebnis war, dass Ashanti-Schätze auch in das British Museum und das Victoria & Albert Museum in London gelangten.
Die Hauptstadt Kumasi wurde im Februar 1874 erobert. Hier wurden erstmals in einem Kolonialkrieg Maschinengewehre eingesetzt. Wie überall in den Kolonialkriegen des späten 19. Jahrhunderts waren die Kämpfe für Europäer „sentimental music hall“ (John Lonsdale), für die besiegten Einheimischen blutige Tragödien. Ebenso wie frühere friedliche Besucher waren die Eroberer verblüfft von der Größe, Reinlichkeit und Ordnung der Stadt.
Der König war mitsamt dem Goldenen Stuhl geflohen, die meisten seiner Krieger folgten ihm in den Dschungel. So blieb den Siegern nur die Plünderung der Stadt. Englische Teppiche und chinesisches Porzellan blieben unbeachtet liegen, davon hatten die Briten selbst genug. Dafür wurden zahllose Kultmasken aus reinem Gold, jede mehr als 1,2 Kilogramm schwer, mitgenommen. Viele Silberplatten wurden eingesammelt, viele blieben auch liegen. Dafür wurden Säcke von Goldstaub und Nuggets mitgenommen, goldene Kopfbedeckungen, Messer mit Gold und Silbergriffen, in Gold und Silber gefasste Kürbisflaschen. Auch das Schwert, das einstmals der englische König dem Asantehene geschenkt hatte, wurde wieder mitgenommen.
So viel, wie man fand, konnte man gar nicht mitschleppen. Tausende Stücke, die daheim fabelhaften Gewinn gebracht hätten, mussten zurückgelassen werden. Beim Abzug wurde die Hauptstadt in Brand gesetzt, um dem König der Ashanti und all seinen Untertanen zu zeigen, „dass der weiße Mann niemals vergisst, sein Wort zu halten“, wie im Bericht nach Hause geschrieben wurde.
Die Beute, die bei der Ankunft der Truppen an der Küste offiziell angegeben wurde, war nur ein Bruchteil dessen, was weggeschleppt worden war. Mehrere Stücke, die den Ashanti heilig waren, kamen in die Museen. Vieles ist bis heute in Privatbesitz und gelangt gelegentlich auch auf Versteigerungen.
Der Goldene Stuhl der Ashanti
Der erste Asantehene des Königreichs der Ashanti war Osei Tutu, der 1695 die zahlreichen Fürstentümer unter seiner Führung einte. Symbol der Einheit des Reiches wurde der Goldene Stuhl, der die Seelen aller Angehörigen des Volkes, der Verstorbenen, der Lebenden und der zukünftig Geborenen, verkörperte. Dieser Goldene Stuhl war direkt vom Himmelsgott dem Ashantikönig überlassen worden, damit die Vorsteher aller Stämme dessen Macht anerkennen sollten. Über die Beschaffenheit dieses Goldenen Stuhls, den lange Zeit kein Europäer zu Gesicht bekommen hat, gab es ganz unterschiedliche Vorstellungen. Kolonialherren hielten ihn selbstverständlich für so massiv und tonnenschwer golden, dass es sich unbedingt lohnen musste, ihn in die Hand zu bekommen. 1920 boten allerdings afrikanische Händler Europäern schwarze Holzstücke, gänzlich unvergoldet, zum Kauf an und behaupteten, es seien Reliquien vom Goldenen Stuhl. Der Stuhl sei, wie jeder andere, eben aus Holz und nur mit massiven goldenen Ornamenten verziert gewesen.
Im Volk rief das Auftauchen der Holzstücke große Aufregung hervor, denn die Zerstörung und der Verkauf des Heiligtums wären ein großes Sakrileg gewesen. Die Verkäufer der Holzstücke wären umgebracht worden, hätten sie nicht im Schutz der britischen
Kolonialtruppen fliehen und das Land verlassen können. Die eingesammelten Holzteile wurden im Königlichen Mausoleum geborgen und später in einem neuen Stuhl verarbeitet.
Es gab freilich auch Zweifel an der Authentizität der Reliquien. 1975 behauptete ein hoher Regierungsbeamter Ghanas einem US-Amerikanischen Reporter gegenüber, der Goldene Stuhl befände sich längst in London im British Museum. Dem britischen Schriftsteller Russell Chamberlin, der der Sache nachgehen wollte, wurden Warnungen zugestellt: „Sie bewegen sich auf sehr gefährlichem Grund“, ohne ihm jedoch zu sagen, vor wem er sich zu hüten habe. Im Museum versicherte man ihm, an solchen Gerüchten sei nichts Wahres: „Der Goldene Stuhl war niemals mehr als zwanzig Meilen von Kusami entfernt.“ Sicher ist, dass der britische Befehlshaber im Ashanti-Krieg 1874, Garnet Wolseley, den Stuhl nicht gesehen und nicht entführt hat. Er war auch vorsichtig genug, die Herausgabe des Stuhls nicht zu verlangen. Er wusste, dass das Volk der Ashanti mit dem Verlust des Stuhls den Untergang der gesamten Bevölkerung verband. Sie Würden deshalb eher sterben als das Heiligtum herauszugeben.
So vorsichtig war der spätere Gouverneur der Goldküste, Sir Frederic Hodgson, nicht. Im Jahr 1900 suchte er das inzwischen wieder aufgebaute Kumasi auf und verlangte die Herausgabe des Goldenen Stuhls. Er sei schließlich der Befehlshaber und wolle sich sogleich auf den Stuhl setzen. Was er nicht wusste: Auf den Goldenen Stuhl hatte sich überhaupt noch nie ein Sterblicher gesetzt, es wäre so gewesen, „wie auf dem Hochaltar von St. Paul‘s das Frühstück einzunehmen“ (Russell Chamberlin). Hodgson begann nun, den Stuhl zu suchen und löste damit einen neuen Krieg mit dem Volk der Ashanti aus. Das Ergebnis war die förmliche Annexion des Landes und die Errichtung der Kolonialherrschaft. Die Herrschaft über das Land führte aber nie zur Auslieferung des Goldenen Stuhls. Er blieb verborgen, bis 1920 die angeblichen Bruchstücke davon auftauchten. Heute gibt es den Goldenen Stuhl wieder als Symbol der Einheit des Ashanti-Volkes und der Würde des Asantehene.
Der jetzige König, Otumfuo Osei Tutu II., trat 1999 die Herrschaft an. Anlässlich seines zehnjährigen Königtums wurde 2009 auch der Goldene Stuhl der Öffentlichkeit gezeigt. Der Asantehene hat einen britischen Universitätsabschluss und fördert insbesondere die Hochschulausbildung tausender junger Leute seines Volkes. Das schafft einen nachhaltigen Wohlstand, der sicher mehr eintragen wird als das Gold des Ashanti Reiches seit der Reichsgründung im Jahre 1695.