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Nach dem ersten Auftritt von James Bond im Fernsehen, wurde es einige Jahre still um Ian Flemings Romanfigur. Zunächst war geplant, aus der Casino Royale-Episode eine Serie zu machen, was jedoch trotz Zustimmung Flemings nie zustande kam. 1959 schliesslich gab Fleming bekannt, einen Film namens „James Bond, Secret Agent“ drehen zu wollen, mit Richard Burton in der Hauptrolle und niemand geringerem als Alfred Hitchcock auf dem Regiestuhl.
Daraus wurde jedoch ebenfalls nichts, da der Film nicht finanziert werden konnte. Aus dem Drehbuch wurde der Roman „Thunderball“, wobei dies den Startpunkt eines jahrzehntelangen Rechtsstreits darstellen sollte. Kevin McClory und Jack Whittingham, die beide am Drehbuch beteiligt gewesen waren, versuchten gegen die Veröffentlichung vorzugehen. Ein Gericht urteilte schliesslich, dass das Buch veröffentlicht werden darf. Trotzdem führte dies dazu, dass der erste „offizielle“ Bondfilm nicht „Thunderball“, sondern „Dr. No“ zur Vorlage nahm. 1963 erst, also nach bereits nach ersten Film, fiel die vorerst definitive Entscheidung: Fleming bekam die Rechte am Roman zugesprochen, während McClory diejenigen für das ursprüngliche Drehbuch bekam. Die Sache sollte damit aber noch nicht zu ende sein…
Hintergrund
Der Ursprung des offiziell ersten Films liegt in dem Kauf aller Romanrechte (ausser Casino Royale) durch den Produzenten Harry Saltzman, für den damals aussergewöhnlich hohen Preis von 50,000 Dollar. Es kam schon kurz darauf zu einer Zusammenarbeit mit Albert R. Broccoli und EON Productions wurde gegründet. Dass man als Vorlage „Dr. No“ gewählt hatte, lag unter anderem auch an dem damaligen Zeitgeschehen: Der Wettlauf um den Mond war ein hochaktuelles Thema, das auch in dem Roman präsent ist.
Für die Rolle des Bond wurde zunächst ein Wettbewerb ins leben gerufen, allerdings bekam der Gewinner Peter Anthony schlussendlich trotzdem nicht die Rolle. Diese Ehre wurde stattdessen dem damals noch kaum bekannten Schotten Sean Connery zuteil, der Saltzman zuvor in der Komödie „On the Fiddle“ beeindruckt hatte. Bond-Erfinder Fleming war zunächst noch skeptisch, da Connery optisch nicht seiner Vorstellung des Charakters entsprach. Er sollte seine Meinung aber schon bald ändern: Ab dem nächsten Roman war Bond schottisch-schweizerischer Abstammung.
Wer das erste „offizielle“ Bondgirl gespielt hat, ist mir als Schweizer natürlich wohlbekannt: Ursula Andress, die mit ihrer Eröffnungsszene Filmgeschichte schrieb und damit ganz nebenbei auch den Bikini weltweit popularisierte. Ursi National, wie ihr Spitzname hierzulande lautet, war zuvor aus rein äusserlichen Gründen an die Rolle gekommen und spricht im Film nicht ein einziges Wort: Andress‘ Bondgirl wurde aufgrund ihres starken schweizerdeutschen Akzents komplett von der Synchronsprecherin Nikki van der Zyl gesprochen. Der Name dieses Bondgirls sollte nur der erste in einer langen Reihe von Zweideutigkeiten sein: Honey Ryder, eine der vielen Bezeichnungen für eine bestimmte Sexstellung.
Story
Bond wird vom MI6 nach Jamaika (passenderweise Ian Flemings Wahlheimat) geschickt, um dort das Verschwinden des Agenten John Strangways zu untersuchen. Zusammen mit seinen Verbündeten Felix Leiter und Quarrel kommt er schon bald einem hinterlistigen Plan auf die Spur: Der chinesische Wissenschaftler Dr. No plant, mithilfe von radioaktiven Wellen amerikanische Raketenstarts in Cape Canaveral zu stören. Gegenüber der Buchvorlage wurden einige Änderungen vorgenommen, die grössten davon betreffen Dr. Nos Hintergrundgeschichte, seinen Plan, sowie die Einführung der Verbrecherorganisation S.P.E.C.T.R.E. (in der deutschen Variante G.O.F.T.E.R.)
Kritik
Im Vergleich zu anderen Bondfilmen fällt hier sofort das sehr langsame Tempo auf. Die gesamte erste Hälfte verbringt Bond mit Nachforschungen, gelegentlich unterbrochen von Attentatsversuchen seines Gegenspielers. Ursula Andress, immerhin Haupt-Bondgirl, hat ihren ersten Auftritt erst nach über einer Stunde, während man Dr. No sogar noch später zum ersten mal sieht. Allerdings kann fast alles was man im Verlaufe der Spielzeit sieht als „legendär“ bezeichnet werden. Unter anderem sieht man erstmals:
- Die Gun Barrel-Eröffnung
- Den bunt gestalteten Vorspann mit den Credits
- Den obligatorischen Flirt mit Miss Moneypenny
- Eine actionreiche Fahrsequenz
- Das explodierende Geheimversteck des Schurken
- Das Ende mit dem Bondgirl in den Armen
Auch viele andere, kleinere Elemente fanden hier ihren Anfang, wie etwa der lokale Verbündete, der später getötet wird oder das klassische „Bad Bondgirl“ Wer zudem ganz genau hinsieht, wird auch ein frühes Beispiel von Product-Placement entdecken, etwas das innerhalb der Bond-Serie eine immer grössere Rolle einnehmen wird.
Schauspielerisch beweist Sean Connery hier deutlich, warum er die richtige Besetzung für die Rolle war. Bond ist ein perfekter Gentlemen, der aber bei hübschen Damen schnell die Initiative ergreifen kann. Er ist immer für einen guten Spruch zu haben, erreicht aber nie dieses clowneske das etwa ein Roger Moore stark geprägt hat. Dass Bond nämlich ein knallharter Profi ist, wird immer wieder deutlich. Als er den in diesem Moment wehrlosen Professor Dent erschiesst, wirkt 007 gar überraschend kaltblütig. Um Connerys Qualität zu zeigen, genügt eigentlich schon die kultige erste Szene mit Bond. Diese kühle, distanzierte Art wie er seinen berühmten Vorstellungsspruch sagt, ist bereits schon eine Botschaft: Leg dich nicht mit diesem Mann an!
Auch der restliche Cast mag zu überzeugen, auch wenn keiner so stark aufzufallen vermag wie der Hauptdarsteller. Ursula Andress‘ Bondgirl ist eine äusserst eigenwillige Person, die im Vergleich zu ihren Nachfolgerinnen locker einen Spitzenplatz einnimmt. Dr. No, dargestellt von Joseph Wiseman, bleibt als Charakter hingegen eher blass. Man erfährt zwar etwas über seine Geschichte und seine Motivation, aber alles in allem hat er schlicht zu wenig Screentime um sich richtig entwickeln zu können. In diesem Punkt sollten später andere um einiges mehr glänzen können…
Fazit
Dr. No ist ein beeindruckender Start für eine Kultserie. Die damals eingeführten Grundelemente wurden seither eigentlich nur wenig verändert. Allerdings tanzt der Film im Vergleich zu späteren Teilen der Serie schon ein wenig aus der Reihe und sei es auch nur durch marginale Details. Dieser Film sollte als eine Art Rohdiamant betrachtet werden: Er schuf die nötige Grundstruktur, die dann später zu vollem Glanz perfektioniert werden sollte. Wer also keine Kopfschmerzen auslösenden Highspeed-Schnitte und Daueraction voraussetzt, kann mit diesem Stück Filmgeschichte nichts falsch machen.
8 von 10 Giftspinnen unter der Bettdecke
by Andypanther