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Die TextilarbeiterInnen in Kambodscha werden 2021 einen Mindestlohn von 192 Dollar pro Monat erhalten. Ihr Lohn wir damit gerade mal um zwei Dollar erhöht. Wegen der zahlreichen Fabrikschliessungen aufgrund der Coronakrise haben die Gewerkschaften diese Lösung akzeptiert. Unser Partner in Kambodscha, die Gewerkschaft C.CWADU, hatte sich für einen Mindestlohn von 202 Dollar eingesetzt.
Die grossen Modebrands liessen die kambodschanischen TextilarbeiterInnen beim Ausbruch der Coronakrise im Stich. Viele Fabriken, darunter solche, die den europäsichen Markt beliefern, mussten den Betrieb vorübergehend oder langfristig schliessen. Besonders hart traf es die rund 750‘000 KambodschanerInnen, welche direkt im Textilsektor beschäftigt sind. Doch auch FahrerInnen, Imbissbuden-BetreiberInnen und informelle ProduzentInnen sind stark von der Krise betroffen. Jeder fünfte kambodschanische Haushalt ist weiterhin vom Textilsektor abhängig. Entsprechend wichtig sind die jährlichen Lohnverhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften für das Land.
Die blutige Geschichte der Lohnverhandlungen
2014 erkämpften die TextilarbeiterInnen in Kambodscha eine substanzielle Erhöhung des Mindestlohnes. Auf blutige Proteste, bei denen mindestens vier junge Arbeiter erschossen wurden, folgten schwierige Verhandlungen zwischen Gewerkschaften, Fabrikbesitzern und Regierungsvertretern. Die Gewerkschaften konnten damals eine Erhöhung des Mindestlohns von 100 Dollar auf 128 Dollar erreichen. Daraufhin wurden die Verhandlungen institutionalisiert und die Mindestlöhne wurden seither kontinuierlich auf 190 Dollar erhöht.
Ein Lohn, der kaum zum Leben reicht
Die persönlichen Ausgaben einer Arbeiterin liegen heute bei etwa 220 Dollar pro Monat. Vor der COVID-19 Pandemie machten die ArbeiterInnen Überstunden, um den spärlichen Lohn aufzubessern und ihre Familien durchzubringen. Doch diese Option exisitiert heute kaum noch. Im Moment sind laut Arbeitsminister noch immer etwa 130 Fabriken geschlossen und 40‘000 bis 50‘000 Personen ohne Arbeit. Der Kampf für bessere Löhne ist entsprechend schwierig. Die Gewerkschaften forderten die Erhöhung der Löhne um zwölf Dollar. Die Arbeitgeberseite verlangten dagegen eine Senkung um 17 Dollar, nachdem sie zuvor vergeblich eine Aussetzung der Verhandlung gefordert hatte. Der Stichentscheid lag dann beim Premierminister Hun Sen, welcher aus politischem Kalkül ein „Geschenk“ von zwei Dollar machte. Doch diese Lohnerhöhung deckt nicht einmal die Teuerung.
Appell an internationale Modefirmen
Doch nicht nur im Kampf für Mindestlöhne sind unsere Partner in Kambodscha gefordert. Im August lancierten die Gewerkschaften die Kampagne „Say No to Workers' Hunger". Gegenwärtig erhalten arbeitslose TextilarbeiterInnen von der Regierung und den früheren Arbeitgebern insgesamt 70 Dollar pro Monat als Entschädigung. Das ist weit vom Mindestlohn von 190 oder 192 Dollar entfernt. Die Gewerkschaften appellieren nicht nur an die Regierung, sondern auch an internationale Modefirmen. Und sie verhandeln mit fast 30 internationalen Modekonzernen, um zusätzliche finanzielle Unterstützung in der Höhe von 76 Dollar pro ArbeiterIn zu erhalten. Solidar Suisse unterstützt sie in diesem Kampf.