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Binuë
oder Benue, mißverständlich auch Tschadda genannt, der größte Nebenfluß des Niger (s. d.) in Westafrika, entspringt nördlich von Ngaundere unter 8° nördl. Br. und 13° 45' östl. L. von Greenwich, nimmt bei Ribago (278 m ü.d.M.) den Majo Kebbi, einen Ausfluß [* 2] des Nabaratsee, auf und erreicht hier eine Breite [* 3] von 100 m. Von Taepe an strömt er 500–1000 m breit, von zahlreichen Inseln durchsetzt, in einer Thalweite von 15 bis 30 km bis zur Mündung in den Niger bei Lokodscha (81 m ü.d.M. und 480 km entfernt von der Küste).
Schiffbar ist der
Binuë von der Mündung bis Ribago, auf einer
Strecke von 1100 km, doch nur vom Mai bis
Anfang Januar.
Denn er verringert seine 3–9 m betragende
Tiefe in der Regenzeit auf 0,8
m in der Trockenzeit. Der
Binuë erhält
als Zuflüsse von rechts außer dem Majo
Kebbi: den Gongola (Gadschem, Gabi) und Kaddera von dem 2100 m hohen Sarandagebirge
in
Bautschi;
den Okwa aus den Bergen [* 4] von Saria;
von links strömen ihm als schiffbare Gewässer zu der Faro (s. d.), der Tarabba, Bantadschi mit Donga Wukari von den 2000 m hohen Genderobergen und der Katsena Allah.
Seine Ufer begleiten von Jola abwärts, nördlich: die 200 km lange Muribergkette mit dem Tangale (1000 m) und zwischen Muri und Schebu die Ausläufer der Dutschin-Madakette;
südlich: die Fumbinaberge (1000 m), das Albemarlegebirge am Tarabba (1500 m) und die Oldfieldberge unmittelbar östlich von der Mündung des Niger.
Die Gebrüder
Lander, welche 1831 auf ihrer Hinabfahrt auf dem
Niger die Mündung des
Binuë passierten, berichteten, dieser
Strom sei der
Schari,
der aus dem Tsadsee fließe. Eine 1833 von einem Liverpooler Handelshause ausgerüstete Nigererpedition unter
Laird,
Allen
und Oldfield fuhr den
Binuë fast 120 km aufwärts. Es war H.
Barth, der 1851 den obern Lauf und den
Namen des
Stroms entdeckte
und ihn bei Taepe im Juni dieses Jahres überschritt. Seine wichtige Entdeckung gab dem Geographen A.
Petermann die Anregung zur Betreibung einer Dampfbootexpedition, für welche die engl. Regierung 5000 Pfd.
St. bewilligte.
Diese Expedition unter
Baikie kam 1854 mit dem Dampfschiff
[* 5] Plejade aufwärts bis Gurowa, dem
Hafen von
Muri, und mit einem
Boote
noch 66 km weiter, 630 km von der Mündung des
Binuë. Die Fahrt zeigte auf der untersten
Strecke wegen stellenweiser
Seichtigkeit und Versandung Schwierigkeiten. Weiter aufwärts fand man bequemes Fahrwasser und wurde nur durch
Mangel an
Brennholz
für die Dampfmaschine
[* 6] zur Umkehr genötigt. Ed.
Vogel überschritt 1855 den
Binuë zweimal, einmal da, wo die Expedition von 1854 umgekehrt
war, dann etwa 150 km weiter unterhalb.
Eine zweite, großartig ausgestattete Expedition von 1857, ebenfalls unter
Baikie, hat jedoch die Kenntnis des
Binuë nicht erheblich
gefördert und ebensowenig die große Erwartung erfüllt, eine ununterbrochene Wasserstraße nach dem centralen
Sudan wirklich
zu eröffnen. Rohlfs verfolgte auf seiner
Reise quer durch
Afrika
[* 7] 1867 den untern Lauf des
Binuë Robert Flegel
(s. d.) hat am meisten die Kenntnis von dem ganzen Lauf des
Binuë vervollständigt.
Er befuhr ihn zum erstenmal auf dem engl. Missionsdampfer Henry
Venn im Juli 1879 und erreichte den Endpunkt seiner Schiffbarkeit.
Ende Juli 1882 brach er zum zweitenmal von Jola in
Adamaua
auf und erreichte über Sagdsche und Sakka die
Quellflüsse des
Binuë. Ferner stellte Flegel die Schiffbarkeit der südl. Binuezuflüsse
zur Hochwasserzeit fest, insbesondere hinsichtlich des Tarabba; auch überschritt er bei
Ngaundere und
Banjo die durchschnittlich
in 1300 m Meereshöhe verlaufende
Wasserscheide zwischen dem und seinen südl. Nebenflüssen einerseits
und dem zum
Schari nach
Osten gehenden
Logone und den westlich fließenden Quellläufen des Kamerunsystems andererseits.
Nach vielen Bemühungen gelang es ihm endlich, für diese längste ununterbrochen schiffbare Wasserstraße
Afrikas, den
Niger-Binue,
das deutsche Großkapital zu gewinnen; Anfang Dez. 1884 bildete sich zu
Hamburg
[* 8] die deutsche Binue-Gesellschaft mit
einem
Kapital von 500000 M., um die Ergebnisse von Flegels Forschungen praktisch zur Verwertung zu bringen. Diese Pläne wurden
durchkreuzt durch das zwischen dem
Deutschen
Reiche und
Großbritannien
[* 9] 27. Juli und getroffene Übereinkommen, nach
dem der Stromlauf des
Binuë von Jola an abwärts in den Machtbezirk der brit.
Royal
Niger Company (s. d.) fällt, der von der engl.
Regierung beschränkte Hoheitsrechte verliehen worden sind.