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Ein Lauf gegen das Vergessen
Katsunobu Sakurai hat ein Jahr nach der Katastrophe den Mut und die Zuversicht nicht verloren. Der wohl berühmteste Bürgermeister des Landes lief zusammen mit 6 Arbeitskollegen aus seiner Heimatstadt Minamisoma den Tokioter Marathon vom 26. Februar 2012. «Mit einem Herz für das Wiederaufleben von Minamisoma», stand auf einer roten Schlaufe, die er und seine Kollegen während des Laufs trugen.
Der Bürgermeister von Minamisoma in der Präfektur Fukushima erlebte vor einem Jahr einen Albtraum. Der Tsunami hatte fast 2000 Häuser weggeschwemmt, über 1000 Menschen starben. Es folgte die AKW-Katastrophe. Ein Grossteil der Bewohner verliess fluchtartig die Stadt, die knapp ausserhalb der 20-Kilometer-Sperrzone liegt. Auf Hilfe des Staates wartete Sakurai in jenen Tagen vergeblich.
Der Appell an die Internetgemeinschaft
In seiner grossen Verzweiflung nahm er am 24. März 2011 ein 11-minütiges Youtube-Video auf, in dem er über die prekäre Lage seiner Stadt berichtete. «SOS vom Bürgermeister aus Minamisoma» lautete der Titel. Die Botschaft des Mannes mit Glatze, Brille und beiger Uniform verbreitet sich innerhalb weniger Tage.
Der Appell zeigte Wirkung. Zahlreiche Organisationen aus dem In- und Ausland sandten Hilfslieferungen nach Minamisoma. Schliesslich reagierte auch der damalige japanische Premier Naoto Kan mit einem Empfang im Amtssitz in Tokio (Asienspiegel berichtete). «Plötzlich hielt uns die ganze Welt die Hand hin», beschrieb er diese emotionalen Momente. Das Time Magazine erklärte Katsunobu Sakurai zu einem der 100 einflussreichsten Menschen des vergangenen Jahres.
Weit weg vom Alltag
Ein Jahr nach der Katastrophe ist Minamisoma noch weit weg vom Alltag. Die Trümmer des Tsunami sind weggeräumt, doch der Wiederaufbau kommt nicht in die Gänge. Die Strahlung bereitet dem Bürgermeister sorgen. Die Dekontaminierung ist ein ständiges Thema. Von ursprünglich 70’000 Einwohnern sind nur noch 40’000 geblieben. Viele junge Menschen haben der Stadt den Rücken gekehrt. Die Schüler, die geblieben sind, sollten sich nur 2 Stunden pro Tag draussen aufhalten und dies noch mit Mundschutz (Eine interessante Foto-Reportage von Asienspiegel-Autor Fritz Schumann aus Minamisoma gibt es hier zu sehen).
Aufgeben kommt für Katsunobu Sakurai trotz all der Probleme nicht in Frage. Auch den Tokioter Marathon rannte er bis zu Ende. In 4 Stunden 9 Minuten kam er ans Ziel. «Das bedeutet für mich viel», sagte er nach dem Rennen dem Fernsehsender Toyko MX. «Ich wollte dem ganzen Land zeigen, dass wir nicht aufgeben.»
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