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Damit treffen die Reformen doch Kleinverdiener, die lediglich im Obligatorium versichert sind, und Frauen, die im System sonst schon benachteiligt werden.
Ja, das ist schmerzhaft. Es sind aber für beide Fälle Ausgleichszahlungen beziehungsweise Massnahmen zur Abfederung vorgesehen. Und wenn wir von Gerechtigkeit gegenüber den Frauen sprechen, sehe ich den Hebel an einem anderen Ort: Man muss für gleiche Löhne und gleiche Karrierechancen während des Erwerbslebens sorgen.
Die Jüngeren wären für grundlegendere Reformen. Etwa dafür, dass nicht erst mit 25 Jahren in die zweite Säule einbezahlt wird und dass Teilzeit- und Projektarbeit besser abgedeckt werden.
Das geht in die richtige Richtung. Die ganze Gesellschaft hat sich gewandelt. Das Modell des Haupternährers, auf das die Sozialwerke angelegt sind, ist längst überholt.
Welche strukturellen Reformen braucht es noch?
Helfen würde zum Beispiel, wenn der Umwandlungssatz, der in der zweiten Säule die Rentenhöhe bestimmt, nicht starr vom Gesetz vorgeschrieben würde, sondern flexibel der Lebenserwartung angepasst werden könnte. Damit würden auch die Pensionierten, deren Renten im heutigen System nicht angetastet werden, einen Beitrag leisten.
Darüber hinaus wird heute über eine vierte Säule diskutiert. Was ist damit genau gemeint?
Dabei geht es um Zeitguthaben, das man in jungen und auch älteren Jahren mit Freiwilligenarbeit aufbaut, indem man etwa für die ältere Nachbarin kocht oder ihr bei Administrativem zur Hand geht. Einmal selber in Pension, kann man das Guthaben einlösen, indem man selbst Dienstleistungen bezieht. Das ist ein sehr spannender Ansatz.
Ändert das etwas an der finanziellen Misere der Sozialwerke?
Nicht im grossen Stil. Aber Pflegende oder Familienangehörige würden entlastet, und die Solidarität unter den Generationen gefördert. Nehmen wir das Beispiel einer betagten Frau, die geistig noch fit ist, allerdings bei bestimmten Tätigkeiten auf fremde Hilfe angewiesen ist. Dank Unterstützung einer Nachbarin bei den Alltagsarbeiten kann die Frau einen vorzeitigen Eintritt in ein teures Pflegeheim aufschieben. Dies entlastet nicht nur unser Gesundheitswesen, sondern verringert die Wahrscheinlichkeit einer Abhängigkeit von Ergänzungsleistungen.