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Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung würde gemäss einer Umfrage strengere Sanktionen gegen Russland befürworten, selbst wenn dies eine Öl- und Gas-Knappheit in der Schweiz bedeuten würde. Positiv bewertet würde etwa, wenn mehr Gelder eingefroren würden.
Das zeigte eine Umfrage, die das Forschungsinstitut Link am Montag veröffentlichte. 57 Prozent der Befragten gaben an, dass sie es befürworten würden, wenn sämtliche in der Schweiz vorhandenen Vermögenswerte hochrangiger Russen und der Verbündeten der russischen Führung eingefroren würden. Gleich viele wären dafür, russische Banken von den Schweizer Finanzmärkten abzukoppeln.
Die Mehrheit (56 Prozent) sprach sich zudem für strengere Sanktionen aus, selbst wenn dies negative Konsequenzen für die Öl- und Gasversorgung in der Schweiz hätte. Wenn die Massnahmen einen signifikanten Anstieg der Energiepreise oder der allgemeinen Lebenshaltungskosten bedeuten würden, wären immer noch über 50 Prozent dafür. Anders sah es aus, wenn die Sanktionen eine Steuererhöhung zur Deckung der Verteidigungskosten bedeuten würden. Dann sprächen sich 58 Prozent dagegen aus.
Dabei zeigte sich: Junge waren weniger bereit, eigene Abstriche zu machen als ältere Generationen. Dass der Angriff auf die Ukraine einen negativen Einfluss auf die eigene finanzielle Situation hat, glaubte aber über die Hälfte der Befragten.
Bei neuen Massnahmen fänden etwa auch Exportkontrollen für Hightech-Produkte und Software an Russland eine hohe Zustimmung. Für Diskussionen sorgen dürfte eine Aufstockung des Schweizer Verteidigungsetats zur Abschreckung - 40 Prozent sprachen sich dagegen aus. 35 Prozent fanden die bis anhin diskutierten Massnahmen in etwa richtig, 12 Prozent waren der Meinung, man solle weiter gehen.
Generell stimmte eine Mehrheit der Bevölkerung aber den Aktionen des Bundesrates zu und fand, dass die bislang gesprochenen Sanktionen in etwa richtig seien. Lediglich die Einschränkungen bei Visa-Erleichterungen für Russinnen und Russen traf nicht auf Zustimmung - knapp einem Viertel der Befragten gingen diese zu weit, einem Fünftel gingen sie nicht weit genug.
Beinahe drei Viertel gaben zudem an, dass sie der Ansiedlung von Geflüchteten positiv gegenüber stehen. Sie befürworteten ein Schweizer Programm, um einige ukrainische Flüchtlinge in der Schweiz anzusiedeln. Fast die meisten davon wären bereit, einige Zehntausend Menschen in die Schweiz aufnehmen.
Dass die Schweiz eine moralische Verpflichtung hat, den Geflüchteten Asyl in der Schweiz zu gewähren, war wenig umstritten. 78 Prozent sprachen sich dafür aus. Der Blick in die Generationenunterschiede zeigte in diesem Fall: Während bei den 15-29-Jährigen 69 Prozent eine solche moralische Verpflichtung sahen, waren es bei den 60-79-Jährigen ganze 84 Prozent.
Die Umfrage zeigte zudem: Die Neutralität war den Schweizerinnen und Schweizern zwar wichtig (56 Prozent fanden, die Schweiz sollte sich neutral gegenüber Russland und der Ukraine verhalten), eine klare Mehrheit von 82 Prozent wünschte sich aber eine aktive Vermittlerrolle der Schweiz. 65 Prozent fanden, die Schweiz sollte sich klar zur Ukraine bekennen und die Sanktionen der EU gegen Russland vollumfänglich umsetzten.
Eine Mehrheit aller Altersgruppen war sehr besorgt über die aktuelle Situation. Viele hielten es für wahrscheinlich, das Russland Chemiewaffen einsetzen könnte (47 Prozent). Dass Atomwaffen eingesetzt werden, hielten weniger für wahrscheinlich 28 Prozent).
Die Umfrage wurde schweizweit vom 17. bis am 21. März 2022 bei über 1200 Personen im Alter zwischen 17 und 79 Jahren durchgeführt.
Auch laut einer vom «Sonntagsblick» zitierten repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts Gallup International trägt die Schweizer Bevölkerung die Sanktionen klar mit. Jede zweite Person im Land hielt sie demnach für angemessen. 34 Prozent der 1000 Befragten sprachen sich für eine Verschärfung der Sanktionen aus. 61 Prozent befürchteten jedoch schädliche Folgend von Sanktionen für die Schweizer Wirtschaft.
In einer Online-Umfrage, die am letzten Mittwoch in den Zeitungen von Tamedia veröffentlicht wurde, sprachen sich fast drei von vier Befragten für die Sanktionen gegen Russland aus, die nach dem Einmarsch in die Ukraine verhängt wurden. Ein Viertel lehnte sie ab. Im Detail waren 61 Prozent der Befragten dafür, dass die Schweiz die Sanktionen der EU übernimmt. (saw/sda)
Die 2021 und während des Ukraine-Kriegs gestiegenen Strompreise werden nach Ansicht von Alpiq-Konzernchefin Antje Kanngiesser mindestens bis 2030 hoch bleiben. «Das ist langfristig», sagte sie im Interview mit der Westschweizer Zeitung «Le Temps».