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§ 263
Zwar geht das Verlangen des acut Kranken, an Genüssen und Getränken, größtentheils auf palliative Erleichterungsdinge; sie sind aber nicht eigentlich arzneilicher Art und bloß einem derzeitigen Bedürfniß angemessen. Die geringen Hindernisse, welche diese, in mäßigen Schranken gehaltene Befriedigung, etwa der gründlichen Entfernung der Krankheit in den Weg legen könnte 1, werden von der Kraft der homöopathisch passenden Arznei und des durch sie entfesselten Lebensprincips, so wie von der durch das sehnlich Verlangte erfolgten Erquickung reichlich wieder gut gemacht, ja überwogen. Eben so muß auch in acuten Krankheiten die Temperatur des Zimmers und die Wärme oder Kühle der Bedeckungen, ganz nach dem Wunsche des Kranken eingerichtet werden. Alle geistigen Anstrengungen, so wie alle Gemüths-Erschütterungen, sind von ihm entfernt zu halten.
1Dieß ist jedoch selten. So hat z. B. in reinen Entzündungskrankheiten, wo Aconit so unentbehrlich ist, dessen Wirkung aber durch Gewächssäure-Genuß im Organism aufgehoben werden würde, der Kranke fast stets nur auf reines kaltes Wasser Verlangen.
Es muss beobachtet werden, welche Lebensmittel und Getränke der Patient während akuter Krankheiten zu sich nehmen möchte. Alles, was er mag, sollte in der Lage sein, seine Leiden zu bessern. In den Lebensmitteln sind keine medizinischen Substanzen, und sie dienen nur dazu, die notwendige Stärke zur Verfügung zu stellen. Wenn dem Patienten alle gewünschten Dinge gegeben werden, kann das zu Hindernissen auf dem Weg der Heilung führen. Es gibt weitere mächtige Argumente im System der Homöopathie:
- Die Stärke eines sehr ähnlichen homöopathischen Mittels und die Vitalkraft, die von der Stärke des Medikaments durchdrungen wird.
- Die Zufriedenheit, die der Patient erlangt, wenn man ihm gibt, was er braucht, und die Stärke, die er durch solche Lebensmittel gewinnt.
Auf ähnliche Weise wird eine schnelle Wiederherstellung der Gesundheit von Patienten, die an akuten Erkrankungen leiden, unterstützt, wenn ihr Körperklima hinsichtlich Wärme und Kälte reguliert wird, indem ihnen eine Decke zur Verfügung gestellt oder abgenommen wird oder sie von einem warmen zu einem kalten Raum gebracht werden. Jede Veränderung der klimatischen Bedingungen in die Richtung, die der Patient benötigt, hilft dem Patienten. Es ist wichtig, sich um mentale Anspannungen oder Anstrengungen oder Aufregungen des Patienten zu kümmern.
Erklärung
Bei der Behandlung akuter Erkrankungen sollten Regulierungen nur darauf abzielen, den Patienten zu ermutigen und nicht Wünsche des Arztes erfüllen. Es gibt hauptsächlich zwei Punkte, die eine Wiederherstellung der Gesundheit des Patienten ermöglichen, indem man
- nicht die Gefühle des Patienten verletzt und
- nicht seine emotionalen Störungen weckt.
Gemäß diesen Begrenzungen sollten dem Patienten alle Lebensmittel und Getränke, die er wünscht, zur Verfügung gestellt werden mit Ausnahme jener Lebensmittel, die seiner Gesundheit abträglich wären. Die Bedürfnisse eines Patienten im Krankheitszustand können die erforderlichen Zuwendungen aufzeigen. Das heißt, dass das Denken aufzeigt, was Ermutigung bringt. Nur vom Denken des Patienten sollte der erlaubte Wärmegrad in seinem Zimmer bestimmt werden. Der wahre Dienst besteht darin, die Bedürfnisse eines Patienten durch sein Verhalten zu verstehen und ihm das Notwendige zur Verfügung zu stellen. Dadurch wird die Krankheit schnell geheilt. Wenn ein Patient sagt: „Ich kann heute nichts essen.“, sollte er nicht dazu gezwungen werden. Erforderlicher Durst und Appetit, passend zur Erkrankung, werden vom Krankheitsstadium entschieden.
Die Symptome einer akuten Krankheit werden hauptsächlich durch die Vitalkraft während ihres Angriffs zur Austreibung der Krankheit erzeugt. Sie sind aber nicht Teil der Krankheit. Die latente Krankheit weist ihre anfänglichen Angriffe ab. Symptome entstehen nur als Ergebnis des Gegenangriffs, der von der Vitalkraft kommt. Diese Symptome sollten nicht als Krankheit missverstanden werden. Alle Vorlieben und Abneigungen während akuter Krankheiten sind nichts anderes als die Symptome.
§ 264
Der wahre Heilkünstler muß die vollkräftigsten, ächtesten Arzneien in seiner Hand haben, um sich auf ihre Heilkraft verlassen zu können, er muß sie seIbst nach ihrer Aechtheit kennen .
Der Arzt sollte eine Quelle für unverfälschte und reine Medikamente haben, sodass er sich voll und ganz auf die heilenden Kräfte der Medikamente verlassen kann. Die Wirkung seiner Entscheidung hängt von der Reinheit der Medikamente ab.
§ 265
Es ist Gewissenssache für ihn, in jedem Falle untrüglich überzeugt zu sein, daß der Kranke jederzeit die rechte Arznei einnehme, und deßhalb muß er die richtig gewählte Arznei dem Kranken aus seinen eignen Händen geben, auch sie selbst zubereiten1.
1 Um dieses wichtige Grundprincip meiner Lehre aufrecht zu erhalten, habe ich seit dem Beginne ihrer Entdeckung viele Verfolgungen erduldet.
Der Arzt sollte sicherstellen, dass der Patient die Medizin, die er ihm gegeben, auch genommen hat. Deshalb muss der Arzt das Medikament selbst in Wasser auflösen und dem Patienten geben. Es ist auch wünschenswert, wenn es auf seine Zunge getropft wird.