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Das 3-Säulen-Prinzip für die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge hat eine lange Geschichte. Historisch gesehen haben sich die drei Säulen eigentlich in umgekehrter Reihenfolge entwickelt. Die ursprüngliche Form der Vorsorge ist die individuelle Vorsorge, die heute im Rahmen der 3. Säule gefördert wird. Die Wurzeln der 2. Säule reichen zurück ins 19. Jahrhundert. Die 1. Säule schliesslich trat auf den 1. Januar 1948 in Kraft.
Das 3-Säulen-Prinzip hat erheblich zur Verminderung von Altersarmut beigetragen. Rund 30% der Rentner-Ehepaarhaushalte beziehen Leistungen aus allen drei Säulen. Fast die Hälfte der Ehepaarhaushalte erhalten Renten aus der 1. und der 2. Säule und nur 14% beziehen ausschliesslich AHV-Leistungen. 2005 betrug die Ersatzquote bei Rentnern, die Leistungen aus allen drei Säulen beziehen gut 82%. Leistungsbezüger der 1. und der 2. Säule erzielten 71%. Bei Rentnern, die lediglich auf Leistungen der AHV zurückgreifen konnten, lag die Ersatzquote bei 62%. Diese Zahlen zeigen, dass das Verfassungsziel von rund 60% des letzten Erwerbseinkommens erreicht wird.
Die 1. Säule – Existenzsicherung (AHV, IV, EL)
Staatliche Vorsorge in Form der obligatorischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (inkl. Ergänzungsleistungen zur AHV/IV)
Die erste Säule der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge ist staatlich organisiert. Sie soll den Existenzbedarf, das Nötigste zum Leben, abdecken. Die Beträge, welche die Erwerbstätigen als Beiträge einzahlen, werden direkt wieder in Form von Renten an die pensionierten, hinterlassen und invaliden Personen ausbezahlt. Die direkte Verwendung der Beiträge für die Bezahlung der Renten wird Umlageverfahren genannt.
Rentenberechtigte Personen mit tiefen Einkommen und festem Wohnsitz in der Schweiz haben Anspruch auf Ergänzungsleistungen (EL). Informationen betreffend diesen Teil der Vorsorge erhalten Sie hier.
Die 2. Säule – berufliche Vorsorge (BVG)
Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise (zusammen mit den Leistungen der ersten Säule)
Die 2. Säule soll zusammen mit der AHV/IV die Weiterführung des gewohnten Lebensstils ermöglichen. Seit 1985 sind die Arbeitgeber grundsätzlich verpflichtet, ihre Arbeitnehmer/innen bei einer Vorsorgeeinrichtung zu versichern und – wie bei der AHV/IV – mindestens die Hälfte der Beiträge zu übernehmen. Selbständigerwerbende können sich freiwillig der Beruflichen Vorsorge anschliessen; Nichterwerbstätigen bleibt dies aber verwehrt. Die Finanzierung der Beruflichen Vorsorge erfolgt – im Gegensatz zur AHV/IV und den meisten übrigen Sozialversicherungszweigen – im Kapitaldeckungsverfahren, d.h. in einem Sparprozess wird für jede versicherte Person das im Leistungsfall für die Rentenzahlung benötigte Kapital gebildet.
Die berufliche Vorsorge kann sogenannte weitergehende Leistungen vorsehen, die über die gesetzlich festgelegten Mindestleistungen hinausgehen. Für diesen überobligatorischen Bereich gelten teilweise andere Bestimmungen; massgebend hierfür sind die Reglemente der entsprechenden Vorsorgeeinrichtungen.
Die 3. Säule – Selbstvorsorge (gebundene und freie Vorsorge)
Die 3.Säule deckt individuelle Bedürfnisse in Ergänzung zur 1. und 2. Säule (Erhalten des Lebensstandards, vorzeitige Pensionierung etc.). Im Rahmen der 3. Säule sollen das individuelle Sparen und die Bildung von Eigentum gefördert werden. Sie ist freiwillig, wird jedoch teilweise vom Staat mit Steuererleichterungen gefördert und wird aufgeteilt in Säule 3a und Säule 3b:
Säule 3a: Gebundene Vorsorge
Arbeitnehmer/-innen und Selbständigerwerbende können sich freiwillig einer Versicherung (Vorsorgepolice) oder einer Bankstiftung (Vorsorgekonto) anschliessen. Die gebundene Vorsorge ist auf die in der Schweiz wohnhaften und steuerpflichtigen Erwerbstätigen beschränkt. Sie kann steuerfrei aufgebaut werden und ist betraglich limitiert. Die maximale Steuerabzugs-Berechtigung beträgt ab 2013 CHF 6'739 für Arbeitnehmende, die einer 2. Säule angehören bzw. max. CHF 33'696 für Selbständigerwerbende ohne 2. Säule. Die Versicherungsleistungen (Alterskapital, Altersrenten, Todesfallkapital, Hinterlassenenrenten, Invalidenrenten) können nach Bedarf gewählt und im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten frei kombiniert werden. Sie werden im Versicherungsvertrag festgehalten.
Säule 3b: Freie Vorsorge
Die freie Vorsorge überlässt es den Privaten, sowohl ihr Leistungsziel (inklusive Anspruchsvoraussetzungen) zu bestimmen als auch für die entsprechende Finanzierung zu sorgen. Allerdings haben der Bund und die Kantone den Auftrag, mit den Mitteln der Eigentums- und Fiskalpolitik die Selbstvorsorge der Privaten zu fördern. Private Ersparnisse, Wohneigentum und Lebensversicherungen sollen die Erfüllung individueller Bedürfnisse im Alter ermöglichen.