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Die Bauherrschaft wünschte sich für ihr Stadthaus aus dem Jahre 1874, dass im Rahmen der notwendig gewordenen Sanierungsmassnahmen nicht nur technische und energetische Verbesserungen, sondern auch ein räumlicher Flächen- und Qualitätsgewinn resultieren sollte.
Die Herausforderung bestand darin, alt und neu unter einem Dach zu vereinen: Die Logik des Hauses einerseits weiterzubauen, aber in Teilen auch neu zu interpretieren und mit zeitgemässer Architektur zu ergänzen. Wichtig war dabei, dass kein Eingriff, kein neues Bauteil die bestehende Architektur beeinträchtigt. Äusserlich sollte das Haus trotz der grossen Eingriffstiefe ein Ganzes bleiben und sich weiterhin harmonisch in die Häuserzeile eingliedern.
Bei den baulichen Massnahmen in den Bestandsgeschossen galt es abzuwägen, welche Teile nur entfernt, ersetzt oder addierten werden sollten. Die Bauteile mit längeren Lebenszeiten, wie Böden oder Decken wurden, falls nötig, originalgetreu rekonstruiert, während Einrichtungen und Möblierung im Ausdruck eher der heutigen Zeit zugeordnet werden können. Auch hier galt das übergeordnete Prinzip, dass jede Massnahme die wesentlichen Qualitäten und die Gesamtwirkung verstärken sollten. Wichtig war es beispielsweise, die ursprünglichen Raumabfolgen wiederherzustellen und diese auch über die neu zu definierenden Nutzungsverteilung zu verstärken. So wurde an der Stelle des ehemaligen Badezimmers aus den 40er Jahren die Küche eingerichtet, die spiralförmig von Ess-, Wohn- und Musikzimmer gefolgt werden.
Das Haus verfügt dank seiner Lage in einer Häuserzeile, was die thermische Hülle angeht, über ein gute Ausgangslage. Mit der zusätzlichen Dämmung der Kellerdecke und dem neuen, sehr gut isolierten Dachaufbau sind 71% der Hülle gedämmt. Auf eine Aussendämmung der Bestandsfassaden und der damit einhergehenden Zerstörung des Ausdrucks wurde verzichtet. Die bestehenden alten Kachelöfen wurden leicht überholt, so dass sie insbesondere zum Heizen in den Übergangszeiten wieder in Betrieb genommen werden können. Im Dachgeschoss ergänzt ein neuer Cheminéeofen das Aufheizen in der Heizperiode. Die Warmwasseraufbereitung erfolgt neu über, ins neue Dach integrierte, Kollektoren. So können etwa 60% des Bedarfs ohne Stromverbrauch gedeckt werden. Eine Photovoltaikanlage produziert zudem Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird.
Dem Besucher offenbart sich die Neubaumassnahme im Dachgeschoss erst bei der inneren Erkundung. Auf der Höhe des ehemaligen Estrichs entsteht unter dem neuen, von Brandwand zu Brandwand spannenden Holzdach, ein loftartiger Innenraum, der nur mit nichttragenden Einbauten untergegliedert wird. Eine grosszügige, sich über die gesamte Hausbreite ersteckende Terrasse lässt die Innenräume mit dem grossen, grünen Hof des Quartiers zusammenfliessen. So verbinden sich die Dachräume mit dem schönen Licht, der Ruhe und dem erholsamen Grün des Innenhofs. Die neue Terrasse bildet hofseitig den Abschluss einer vertikal gewachsenen Abfolge von Aussenräumen, die über Aussen- und Innentreppen zur promenade architecturale einladen.
Unter dem grossen Dach wurde für das neue Bad eine eigene Hütte gebaut. Sie besteht aus einem länglichen Volumen, das Toilette, Regal, Schrank und Dusche enthält, darüber befindet sich ein kleiner Estrich. Dem Körper mit den kompakt angeordneten Funktionen steht der offene, fliessende Raum mit den Lavabos und der halb freistehenden Badewanne gegenüber. Mit den drei platzsparenden Schiebetüren und dem Vorhang können verschiedene räumliche Situationen und Privatsphären geschaffen werden: Von geborgen und geschützt bis sonnendurchflutet und offen. Hellgraue und weisse Oberflächen reflektieren die einzige Farbe: Die, des weiss-grünen Zementfliesenbodens, dass je nach Licht, ganz unterschiedliche Nuancen und Schattierungen entstehen.
Realisierung: 2007 – 2008
Architektur und Bauleitung: Forsberg Architekten AG
Fotos: © Tom Bisig, Basel