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Berühmtheit hat der Ostaustralstrom mit dem Kinofilm „Findet Nemo“ erlangt. Im Film dient er als Super-Highway, um nach Sydney zu gelangen und den kleinen Nemo zu retten.
Tatsächlich transportiert der vom Winde getriebene Ostaustralstrom jede Minute eine Wassermenge von rund 10‘000 Olympischen Schwimmbecken Richtung Süden und nimmt dabei auch unzählige marine Lebewesen auf ihrer Wanderung in subtropische Regionen mit.
Die warme Meeresströmung entspringt in den tropischen Gewässern des Pazifiks, durchquert das Korallenmeer und wandert entlang der Ostküste bis an die Südostspitze des australischen Festlands. Dort spaltet sich der Ostaustralstrom: Der grösste Teil des warmen Wassers strömt Richtung Neuseeland, und der Rest fliesst nach Tasmanien.
Mit seinem warmen Wasser sorgt der Ostaustralstrom in Australien und Neuseeland für ein warmes, feuchtes Klima. Dank der warmen Strömung sinken die Temperaturen an der Ostküste Australiens auch im Winter nicht unter 18 °C, was beispielsweise für Ökosysteme wie das Great Barrier Reef, die auf warmes Wasser angewiesen sind, überlebenswichtig ist. Obwohl der Ostaustralstrom sehr nährstoffarm ist, sorgen strömungsbedingte Wirbel für eine hohe Biodiversität entlang der Küste und in der Tasmansee.
Der Klimawandel verschiebt den Ostaustralstrom
Während der letzten 60 Jahre wurde beobachtet, wie sich der Ostaustralstrom aufgrund des Klimawandels rund 350 Kilometer polwärts verschoben hat. Vor Südostaustralien fliesst immer mehr warmes Wasser südwärts, anstatt nach Osten Richtung Neuseeland abzubiegen. Dadurch ist insbesondere die südliche Tasmansee rund um Tasmanien wärmer geworden. Eine Messstation hat einen Wassertemperaturanstieg von mehr als 2 °C gemessen – einen der höchsten Werte weltweit.
Es wird angenommen, dass wegen des Klimawandels die Winde im Südpazifik stärker werden und dadurch der Ostaustralstrom an Kraft gewinnt, sodass er weiter in den Süden vordringt. Das Ozonloch über Australien ist sehr wahrscheinlich auch mitverantwortlich an den Windveränderungen, die den Ostaustralstrom aus dem Gleichgewicht bringen. Wissenschaftler sind sich einig, dass die Strömung zukünftig noch stärker wird, da die südpazifischen Winde weiter zunehmen werden.
Drastische Veränderungen einer Meeresströmung, die massgeblich das Klima beeinflusst, werden auch Auswirkungen auf die marinen und die terrestrischen Ökosysteme haben.
Arten dringen in südlichere Gewässer vor
Fische und andere Meeresbewohner sind nicht zufällig im Ozean verteilt. Genau wie landlebende Tiere suchen sie sich einen Lebensraum aus, in dem sie sich wohl fühlen. Bei der Habitatsauswahl spielen zum Beispiel der Salzgehalt und die Temperatur eine wichtige Rolle. Eine plötzliche Erhöhung der Wassertemperatur zwingt temperatursensitive Lebewesen, in kältere Gewässer auszuweichen.
Genau dies ist beim Ostaustralstrom der Fall: Tropische und subtropische Spezies müssen sich immer weiter in den Süden begeben, wo sie ideale Temperaturbedingungen antreffen. Fische werden gezwungen, jährlich rund 7 Kilometer weiter in den Süden zu ziehen, um zu überleben.
So wurde beispielsweise beobachtet, wie Haie, Quallen und Thunfische ihren Lebensraum immer weiter südwärts ausgedehnt haben. Tasmanische Fischer berichten, dass sie mehr Thunfische fangen denn je. Auch heimische Quallen, die ansonsten eher selten sind, kommen plötzlich in grosser Zahl vor. Im Sommer 2015 wurde zudem ein Mantarochen vor der Küste Tasmaniens gesichtet. Noch nie zuvor wurde ein Mantarochen soweit südlich gesehen.
Es trifft die Meeresbewohner der Tasmansee
Doch was passiert mit den Arten, die bereits vorher in der Tasmansee lebten? Durch die Erwärmung des Ostaustralstroms dringen gebietsfremde Spezies in die tasmanischen Gewässer vor. Dadurch wächst der Druck auf die dort heimischen Meeresbewohner. Sie können nirgendwo hin, da Tasmanien Endstation des Ostaustralstroms ist. Neben den für sie immer ungünstigeren Temperaturverhältnissen müssen sie sich also auch gegen die Einwanderer aus dem Norden durchsetzen, um zu überleben.
Kelpwälder in Gefahr
Das immer wärmer werdende Wasser hat bereits jetzt Konsequenzen für die marinen Ökosysteme rund um das tasmanische Festland. Mit dem warmen Wasser sind aggressive Seeigel in die Kelpwälder Tasmaniens vorgedrungen und drohen nun, diese auszulöschen. Die gefrässigen Seeigel vertilgen die bis zu 30 Meter hohen Unterwasserwälder und lassen eine karge Steinlandschaft zurück. Dadurch verlieren unzählige Lebewesen wie zum Beispiel der Hummer ihren Lebensraum.
Wärmeres Wasser führt zu heftigeren Stürmen
Wenn die Gewässer vor der Küste Australiens wärmer werden, muss auch damit gerechnet werden, dass vom Meer her kommenden Tiefdruckgebiete stürmischer werden. Warmes Wasser und feuchte Luft ergeben besonders starke Zyklone, die dann über das australische Festland fegen und alles in ihrem Weg verwüsten.