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«Angst und Stress schwächen»
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von
Edith und Beni Herzog
26. Juli 2017
14:20
Das Schlüpfen eines Schmetterlings zu beobachten, ist ein unvergessliches Erlebnis. Was wir hier sehen, ist natürlich nicht die Geburt, sondern nur der letzte Schritt der Metamorphose − die Umwandlung von der Puppe zum Schmetterling. Die eigentliche Geburt hat bereits zwei Monate früher stattgefunden, nämlich mit der Eiablage. Aus dem winzigen, ca. zwei Millimeter grossen Ei schlüpft ein Räupchen, das sich innert einem Monat nach mehreren Häutungen zu einer farbenprächtigen und bis zu fünf Zentimeter langen «Rüebliraupe» − der populäre Name der Schwalbenschwanz-Raupe – entwickelt.
Eine solche Raupe haben wir Mitte Juni in eine offene Kartonschachtel «einquartiert» und sie tüchtig mit dem Kraut der Wilden Möhre aufgefüttert. Für die regelmässige Aufzucht von Schwalbenschwanz-Raupen verwendet man besser ein professionelleres «Gehege» aus Holz und Metallgitter. Für den einmaligen Versuch war aber das Karton-Provisorium ausreichend.
Anfang Juli folgte der nächste Lebenszyklus: die Raupe erstarrte zur Puppe und verblieb für 16 Tage in diesem Stadium, in dem sie wie leblos erscheint. Einzig in der letzten Phase ist eine Farbveränderung der Puppe zu beobachten. Die grüne Haut wird langsam durchscheinend und das künftige Gelb des Schmetterlings wird sichtbar. Ausserdem gehen immer wieder starke Zuckungen durch die Puppe, ein deutliches Zeichen, dass das Schlüpfen des Schmetterlings unmittelbar bevorsteht.
Letzter Schritt der Metamorphose
Am 17. Juli war es dann soweit: die Haut der Puppe öffnete sich an der Kopfseite. Normalerweise schält sich der Falter nun langsam aus der Puppenhaut. Unser Schwalbenschanz war etwas ungestüm und fiel mit einem einzigen starken Ruck aus der Puppe. Wir setzten ihn an den Zweig eines Granatapfelstrauches und verfolgten die weitere Entwicklung: Die anfangs zerknitterten kleinen Flügel des Schwalbenschwanzes hängen schlaff herunter. Der Falter presst nun Blut in die Flügel, die sich dadurch langsam strecken und ihre endgültige Form annehmen. Dabei findet auch eine Aushärtung der Körperstrukturen statt.
Der ganze Vorgang vom Schlüpfen aus der Puppe bis zum voll ausgebildeten Schmetterling dauerte knapp zwei Stunden. Den Jungfernflug unternahm «unser Schwalbenschwanz» bis zur nächsten Blüte eines Natternkopfs, wo er noch etwas ruhte, bevor er sich zum «Flug ins Leben» erhob und aus unserem Garten verschwand.
Er wird sich in den nächsten Wochen verpaaren und die Eier für die nächste Generation ablegen. Diese überwintern als Puppe und schlüpfen dann im nächsten Frühjahr.
Der Schwalbenschwanz
Der Schwalbenschwanz (wissenschaftlich: Papilio machao) gehört zu den Ritterfaltern und ist einer der grössten und auffälligsten Tagfalter in Mitteleuropa. Er hat eine Flügelspannweite von 50 bis 75 Millimetern. Die Weibchen sind etwas grösser als die Männchen. Er ist gelb und schwarz gemustert mit einer blauen Binde und roten Augenflecken an der hinteren Innenseite der Hinterflügel. An den Hinterflügeln stehen kurze, grösstenteils schwarz gefärbte «Schwänzchen» ab. Diese erinnern etwas an die Schwanzspiesse von Rauchschwalben, daher der Name. Er hat lange Haare an den Vorderbeinen, die als Putzkämmchen dienen.
Die Eier werden in Bodennähe an den Blättern der Futterpflanze abgelegt. Sie sind kugelig und unmittelbar nach der Ablage rahmweiss. Später verfärben sie sich ins Bräunliche und vor dem Schlupf der Raupen sind sie bleigrau.
Rüebliraupe
Die Raupen werden bis zu fünf Zentimeter lang und sind unbehaart. Anfangs sind sie schwarz mit orangeroten Punkten und einem weissen Sattelfleck. Die ausgewachsenen Raupen sind grün gefärbt und haben schwarze Querstreifen mit gelben oder orangeroten Punkten. Selten tritt eine weisse Form der Raupe auf, die statt der grünen eine weisse Grundfarbe hat.
Die Raupen findet man an Doldengewächsen (Wilde Möhre und Gartenmöhre, Fenchel, Dill, Pastinake etc.), aber auch an anderen Pflanzen mit gleichen chemischen Inhaltsstoffen wie Weinraute und Diptam, in Südeuropa auch oft an den Blättern der Zitruspflanzen (Citrus). Wegen ihrer Vorliebe für Möhrenpflanzen wird die Raupe bei uns als «Rüebliraupe» bezeichnet.
Wenn die Raupen sich bedroht fühlen, stülpen sie zur Abschreckung eine orange gefärbte Nackengabel (Osmaterium) aus, die einen Duftstoff absondert. Dieser wehrt zum Beispiel Ameisen ab. Wenn das mehrmalige Ausstülpen der Nackengabel keinen Erfolg hat, flüchten die Raupen.
Verpuppung
Vor der Verpuppung befestigt sich die Raupe mit einem Gespinstfaden, dem so genannten Gürtel, am Untergrund, beispielsweise an einem Pflanzenstängel oder an einer Stein- oder Holzwand. Die Raupe beginnt schon Stunden vorher in sich verkürzenden Abständen zu pressen und bewegt sich während der Häutung zur Puppe ständig. Am Schluss wirft sie sich ruckartig hin und her, bis die abgestreifte Raupenhaut herunterfällt. Kurz nach der Verwandlung haben alle Puppen eine grünliche Farbe, später variiert die Farbe zwischen Grau- und Grüntönen.
Lebenszyklus des Schwalbenschwanzes
Die Schmetterlinge kommen bei uns in zwei, manchmal drei Generationen vor. Die erste Generation fliegt in Mitteleuropa je nach lokalem Klima von April bis Juli, die zweite im Juli und August und allenfalls eine dritte je nach Region im September. Die Falter, die im Mai schlüpfen, legen im Frühsommer ihre Eier ab, woraus sich innerhalb eines Monats ausgewachsene Raupen entwickeln. Diese verpuppen sich und nach 14 bis 21 Tagen (also ca. Mitte Juli) schlüpft aus der Puppe ein Schwalbenschwanz-Schmetterling. Diese zweite Generation legt im August/September wiederum Eier an die oben erwähnten Futterpflanzen ab. Diese Raupen verpuppen sich ebenfalls nach ca. 30 Tagen und überwintern als Puppe. Die Schmetterlinge schlüpfen im nächsten Frühjahr ab April. Der Zyklus beginnt von vorne.
Ein Schwalbenschwanz-Falter lebt übrigens nur zwei bis drei Wochen, kann jedoch in dieser Zeit ziemlich grosse Strecken zurücklegen, da die Schmetterlinge gute Flieger sind. Er muss sich in dieser Zeit verpaaren und die Fortpflanzung sichern.