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Im Archiv der Kantonsarchäologie sind im Städtli Bülach drei Sodbrunnen oder Ziehbrunnen verzeichnet. Zwei davon sind gut erhalten, einer ist verfüllt und teilweise eingestürzt.
Sod- oder auch Ziehbrunnen genannte Brunnen sind Löcher, die in die Erde gegraben wurden um darin Grund- und Regenwasser zu sammeln. Die Löcher wurden an den Aussenseiten ausgemauert um einen Einsturz zu verhindern. Das Wasser wurde mittels an einem Seil oder einer Kette befestigten Eimern aus dem Schacht geholt. Später wurden auch Handpumpen angebracht, mit Hilfe derer das Wasser an die Oberfläche gepumpt werden konnte.
Kasernenstrasse, vor Haus Nr. 8
Am 14. Juni 1968 berichtete das Bülacher Tagblatt, dass am Vortag bei Arbeiten an der Kasernenstrasse der bis dahin erste Sodbrunnen Bülachs entdeckt wurde. Er weist eine Tiefe von 10.3 Metern und einen Innendurchmesser von 1.3 Metern aus. Das Alter des Brunnen wurde damals von Fachleuten auf etwa 300 Jahre geschätzt.
Der damalige Gemeindepräsident G. Ganz hatte die Idee, den Sodbrunnen "heraufzuziehen". Dies liess sich aber aus verkehrstechnischen Gründen nicht realisieren.
Heute ist der Brunnen für Fachspezialisten über einen Zementrohrschacht zugänglich.
Hintergasse
Bei Bauarbeiten wurde im Juli 1969 an der Hintergasse der 4 Meter tiefe Sodbrunnen mit einem Innendurchmesser von 1 Meter entdeckt. Der Schacht ist komplett ausgemauert, die oberen 2 Meter mit Bruchsteinen aus Molassesandstein, der untere Teil mit Bolensteinen.
Der Brunnen war mit Schutt aus dem 19. Jahrhundert aufgefüllt, darunter Ziegel, Keramik und Glas. Der Schacht wurde 1969 zur Untersuchung bis in 3 Meter Tiefe ausgehoben. Der untere Teil dürfte ins Mittelalter zurückreichen, die oberen 2 Meter wurden allerdings später, ca. 17. - 18. Jahrhundert, erneuert.
Der Brunnenschacht befand sich bis dahin in sehr gutem Zustand. Leider wurde er beim Einsturz der Baugrube, aufgrund anhaltender Regenfälle, fast komplett zerstört, sodass sich jeglicher Aufwand zur Instandstellung erübrigt.
Grabengasse 1
In der Einfahrt zum Innenhof der Liegenschaft Grabengasse 1 wurde 1978 der mit 14.5 Metern bisher tiefste Sodbrunnen der Stadt Bülach entdeckt. Er besitzt einen Innendurchmesser von 1 Meter. Der Schacht scheint nicht verfüllt gewesen zu sein. Sein Bau dürfte ebenfalls ins Mittelalter zurück gehen. Das Haus an der Grabengasse 1 zeigt die Jahreszahl 1573.
1978 musste durch einen Bauarbeiter ein Verbindungsgraben zwischen zwei Häusern geöffnet werden. Beim Pickeln bemerkte er einen grossen Hohlraum unter einer Steinplatte. Der Arbeiter hielt inne und wollte mit dem Stiel des Pickels die Tiefe des Hohlraums erkunden. Zu seinem Erstaunen verschwand der gesamte Stiel in der kleinen Öffnung, die er aus dem Stein gehauen hatte.
Noch vorsichtiger geworden, stellte er fest, dass da eine grosse Steinplatte in den Boden eingelassen war. Darunter kam dann der unversehrte Sodbrunnen zum Vorschein. Die Platte war offenbar zum Schutz des Brunnen absichtlich gelegt worden.
Demjenigen, der die Steinplatte damals verlegte, gehört ein Kranz gewunden. Er hat mit seiner Aktion den Brunnen vor der damals üblichen Verfüllung mit Abfall bewahrt und ihn so für die Nachwelt unberührt erhalten.
Wann das Wasser im Brunnen versiegt ist, bleibt unbekannt. Seine Funktion und das damit verbundene, mühsame Wasserschöpfen wurde durch das Anzapfen von Quellen überflüssig.
Die Bauweise, von oben nach unten (Untermauern-System), des Sodbrunnens ist die gleiche, wie diejenige in Regensberg. In Regensberg ist übrigens der mit 57 Metern tiefste Sodbrunnen der Schweiz zu bestaunen.
Der Sodbrunnen ist in privatem Besitz und ist nicht öffentlich zugänglich. Er kann aber auf den offiziellen Stadtführungen mit Jakob Menzi (alt Stadtpräsident von Bülach) besichtigt werden.
Nussbaumen, Im Moos 4
Beim Blick in den Garten des Hauses Im Moos 4 in Nussbaumen ist dieser gut erhaltene und aufgemauerte Sodbrunnen zu erkennen. Dem privaten Besitzer ist leider sehr wenig darüber bekannt. So kennt er weder Alter noch Tiefe des immer noch mit Grundwasser gefüllten Ziehbrunnens. Von Zeit zu Zeit pumpt er Wasser daraus um den Garten zu wässern.
Das Loch in der Erde ist mit einem Gitter abgedeckt, damit nichts und niemand bei einem versehentlichen Hereinfallen zu Schaden kommen kann.
Etwa 1 Meter unterhalb der Erdoberfläche steht der Grundwasserspiegel.
Schön zu wissen, dass ein wirklich alter Ziehbrunnen nicht nur als Attraktion hinhalten muss, sondern noch in regelmässigem Gebrauch ist.
Nussbaumen
Nicht weit entfernt vom Ziehbrunnen Im Moos 4 in Nussbaumen ist auf einem anderen privaten Grundstück ein zweiter Sodbrunnen versteckt. Es handelt sich hierbei um einen ca. 2 Meter tiefen Schacht, der ebenfalls mit Grundwasser gefüllt ist. Er ist zur Vermeidung von Unfällen mit Brettern zugedeckt. Der Brunnen selber ist nicht aufgemauert. Der Besitzer möchte keine grosse Publicity und hat mich gebeten, keine weiteren Details über diesen Brunnen zu veröffentlichen. Ich halte mich natürlich an diese Abmachung.