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Eigentlich sollte durch den elektronischen Handel ja alles viel besser werden. Doch zwei Jahre nach dessen Einführung herrscht Chaos an der Kakao-börse: Viele alteingesessene Parketthändler sind verschwunden, und das Handelsvolumen ist um 20% gesunken. Über Monate gab es heftige Preisbewegungen, die den Schokoladenherstellern Kopfschmerzen bereiteten. Viele von ihnen nutzen nun die Börse nicht mehr, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern.
Aber der Reihe nach: Früher öffnete der Börsenstand für Kakao-handel am New Yorker Board of Trade (NYBT) um 8 Uhr, und bis 11.50 Uhr drängte sich dort eine Gruppe von rund 50 Händlern, jenen Mittelsmännern zwischen Grossabnehmern und Verkäufern. «Es war eine fantastische Zeit», erzählt Paul Dapolito, Präsident von Dapco Brokerage, dem nach Handelsvolumen grössten Kakaobroker. Ein Parketthändler verdiente im Jahr 250 000 Dollar, manche sogar 1 Mio Dollar.
Ein Kauf verändert alles
Doch im Jahr 2007 kaufte die Intercontinental Exchange (ICE) das NYBT und stellte auf elektroni-schen Handel um. Das bedeutete, dass buchstäblich jeder im Kakaomarkt mitmischen und Futures online kaufen und verkaufen konnte. Man wollte den Kakaomarkt anderen Rohstoffmärkten anpassen, wo - etwa bei Erdöl - rund um die Uhr gehandelt wird.
Aber der Schuss ging nach hinten los: Viele Parketthändler und Kakaobroker, über die gut 40% des Handels abgewickelt wurden, haben aufgehört. Dapco Brokerage, auf die ein Drittel des Parketthandels mit Kakao entfiel, zog sich vor einem Jahr aus dem Geschäft zurück. Das erschreckte Händler am elektronischen Rohstoffmarkt. Sie blieben dem 4,3-Mrd-Dollar-Markt aufgrund der Preisschwankungen und der geringen Liquidität lieber fern.
Die Lage verschärfte sich, als die Handelszeit verlängert wurde, um Händler aus Europa und Asien anzulocken. Heute wird zwischen 4 Uhr und 14 Uhr New Yorker Zeit gehandelt, wobei 80% der Geschäfte immer noch zwischen 8 Uhr und 12 Uhr getätigt werden, wenn die US-Händler aktiv sind.
Der Kakaomarkt wurde dadurch sehr volatil. In der ersten Jahreshälfte 2008 stieg der Preis um 65% auf ein 28-Jahre-Hoch bei 3360 Dollar pro Tonne. Dann fiel er in vier Monaten um 43%, ehe er sich Ende Oktober um 77% auf 3392 Dollar erholte. Vergangenen Mittwoch war man wieder bei 3199 Dollar angekommen. Die Preissteigerung beim Rohstoff legten die Schokoladenhersteller auf ihre Preise um oder verkleinerten ihre Schokoriegel. Hershey erhöhte im August 2008 um durchschnittlich 11%, um «deutliche Steigerungen» bei den Kosten aufzufangen, berichtete Hershey-Chef David West damals. Andrew Bonheld, Finanzchef von Cadbury, sagte, man habe über eine Verkleinerung der Riegel Preiserhöhungen vermeiden können.
Preisfindung ist undurchsichtig
In den ersten zehn Monaten dieses Jahres ging der tägliche Handel mit Kakao um 14% zurück und befindet sich nun vorerst auf einem Tiefststand. Die Probleme auf diesem undurchsichtigen Markt werden über die Produktpreise von den Herstellern an die Konsumenten weitergegeben.
Nun wird überlegt, was geändert werden kann. Angedacht ist unter anderem eine Verkürzung der Handelszeiten. Vergangene Woche hat eine Gruppe, der unter anderem Hershey, Nestlé, Archer Daniels Midland, Cargill und die Hedge-Fonds Armajaro und Perennial Capital angehören, die Börse bei einem Treffen dazu gedrängt, die Handelszeiten auf 8 bis 13 Uhr zu reduzieren, da zu dieser Zeit ohnehin die meisten Abschlüsse getätigt werden. Doch die Intercontinental Exchange wehrt sich. Sie sieht sich selbst als globalen Marktplatz und steht in Konkurrenz zur NYSE Liffe, die einen ähnlichen Kakaohandel in London zu ähnlichen Zeiten betreibt. Die ICE wolle «die Bedürfnisse im Markt berücksichtigen, wo etwas verbessert werden kann, seien es Zeiten oder Kontraktvolumina», sagte ICE-Sprecherin Kelly Loeffler.
Darüber hinaus gab es zu dem Treffen keine Kommentare vonseiten der ICE. «Sie betrachten das als Supermarkt», sagt Patrick Walls, Kakaohändler und Mitglied des Kakaokomitees der Börse. «Sie glauben, je länger geöffnet ist, desto besser läuft das Geschäft.»
Nicholas Gentile, seit 1992 Kakaoparketthändler, handelt heute viel weniger als früher. Damals stand er eng gedrängt mit anderen Händlern an den Börsenständen. Heute sitzt er im Büro vor Bildschirmen und liest Marktberichte - das macht den ausschliesslichen Handel mit Kakao nicht attraktiver für ihn.