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Eine der bekanntesten Skiregionen der Schweiz, das Berner Oberland, hat als erste die Kosten des Klimawandels für die Tourismusindustrie berechnet.
Ein kürzlich veröffentlichter Bericht bezeichnet die zu befürchtenden Auswirkungen auf die Region von Interlaken bis Gstaad als zerstörerisch, aber nicht als vernichtend.
Bis zum Jahr 2030 werden die aus dem Wintergeschäft generierten Umsätze um gut 30% geringer sein, sagt die Studie. Zudem wird rund ein Drittel der heutigen Skigebiete der Region nicht mehr bestehen.
Es gibt aber auch eine gute Nachricht für die in hohem Grad vom Tourismus abhängige Region: Das wärmere Wetter wird zu einer Zunahme der Sommer-Besucherzahlen führen und damit einen gewissen Teil des Winterdefizits ausgleichen.
Der von den neun offiziellen Feriendestinationen des Berner Oberlands in Auftrag gegebene Bericht wurde vom Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus der Universität Bern verfasst.
Teuere Anpassungen
Er geht von einem Klimamodell mit einer maximalen durchschnittlichen Temperaturerhöhung von 1,8 Grad im Winter und 2,6 Grad Celsius im Sommer über die nächsten zwei Dekaden aus. Die Wissenschafter prognostizieren auch eine bedeutende Zunahme der Niederschläge – unter 1500 Meter als Regen, darüber als Schnee im Winter und als starke Regenfälle im Sommer.
Der Bericht hebt die Vielzahl der Probleme hervor, denen sich die Tourismus-Industrie stellen muss. Dazu gehören hauptsächlich die nötigen Investitionen, um sich den Klimaveränderungen anzupassen und sicherzustellen, dass das Skifahren weiterhin möglich sein wird, auch wenn nur noch wenige hochgelegene Ferienorte mit Schnee gesegnet sein werden.
Mit dem Geld sollten Skilifte in den höher gelegenen Gebieten gebaut und die Produktion von Kunstschnee erhöht werden. Weitere Gelder würden nötig, um die Wasserversorgung der Schneeproduktionsmaschinen sicherzustellen sowie zu Schutz der lokalen Bevölkerung und Touristen vor dem wahrscheinlichen Anstieg von Naturkatastrophen wie Lawinen oder Felsstürzen.
"Die Destinationen möchten genau wissen, was in ihrer Region geschehen wird und wie sie sich vorbereiten können", sagt der Hauptautor der Studie, Professor Hanstuedi Müller gegenüber swissinfo.
Bewusstsein
"Dies zeigt, dass sie sich ihrer Situation bewusst sind und sie sich auf eine Klimaänderung vorbereiten. Sie sehen aber auch, dass die neue Situation auch Chancen bietet. So war zum Beispiel der letzte, sehr heisse Juli für die in höhere Regionen führenden Bergbahnen sehr rentabel."
Für Müller ist das eine Chance für die Wiedergeburt des Sommertourismus, da die Leute frische, kühle Luft wünschten.
"Diese Studie bringt uns an die Spitze. Es ist wichtig, dass die Tourismus-Industrie – Gebirgsbahnen und Hotels – nun handelt und bei ihren Investitionen eine Temperaturerhöhung in Betracht zieht", sagt Casimir Platzer, Kandersteger Hotelbesitzer und Präsident der lokalen Hoteliervereinigung, gegenüber swissinfo.
Wasserproblem
"Das grösste Problem für alle Destinationen wird das Wasser sein" (zur Schneeherstellung), bestätigt Christoph Egger, Präsident der Berner Bergbahnen und Geschäftsleitungsmitglied der Jungfraubahnen AG, welche die meisten Bahnen und Skilifte in der Region Interlaken – Wengen – Grindelwald besitzt und betreibt.
"Die Jungfraubahnen werden in den nächsten zwei Jahren rund 5 Mio. Franken in Wasser investieren. Das ist ein Drittel unserer Infrastruktur-Investitionen", sagt Egger gegenüber swissinfo.
Für den Adelbodner Gemeindepräsidenten Felix Hari besteht die Hauptbedrohung für den mittelgrossen Erholungsort nicht im Schnee- oder Wassermangel. Er befürchtet vielmehr Lawinen oder Felsstürze, welche die Zugangsstrasse zum Ort verschütten könnten.
Er würde gerne staatliche Gelder für die Sicherung der Strassen in Anspruch nehmen. Dies wird von vielen Politikern mit Skepsis betrachtet.
"Regionen wie das Berner Oberland können nicht einerseits von der Kantonsregierung verlangen, das Haushaltsdefizit zu verringern und andererseits neue Strassen fordern", sagt Hans Bieri, sozialdemokratisches Mitglied des Kantonsparlaments.
Aber Bieri sieht auch, dass der Staat schliesslich werde eingreifen müssen, um das Überleben der kleinen Gemeinden in den tieferen alpinen Lagen zu sichern. Diese werden wahrscheinlich gezwungen sein, ihre Skilifte zu schliessen. Und gerade dort fehlen meist die Mittel den Tourismussektor entsprechend anzupassen.
swissinfo, Dale Bechtel, Thun
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)
Fazit der Studie
Ins Berner Oberland werden bis zum Jahr 2030 im Winter rund 35% weniger Skifahrer kommen. Zudem wird mit 25% weniger Hotelübernachtungen gerechnet.
Dagegen sieht die Studie für den Sommer eine Erhöhung der Besucherzahlen um 10% vor, sowie einen Anstieg der Hotelübernachtungen um 5%. Dies soll einen Mehrumsatz von 80 Mio. Franken generieren.
2 Zukunfts-Szenarien bis 2030
Minimum Szenario:
Winter: +0,4°C.
Sommer 0,6°C.
Anstieg der "Schneegrenze" um 50-60 m
Niederschläge: Leichter Anstieg im Winter, leichter Rückgang im Sommer
Permafrostböden werden geringfügig auftauen
Die Gletscherschmelze wird im aktuellen Rahmen weitergehen.
Maximum-Szenario:
Winter: +1,8°C.
Sommer: +2,6°C
Anstieg der "Schneegrenze" um 250-270 m
Winterniederschläge: + 11%
Sommerniederschläge: +18%
Gletscherschmelze wird dramatisch ansteigen
Auftauende Permafrostböden werden Felsstürze verursachen
Generell werden mehr Naturkatastrophen erwartet.