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Beschreibung
Jakob Obrecht: Schänis SG, Burgruine Niederwindegg – Bericht über die bauarchäologische Untersuchung und die Konservierung der Ruine 2020
Jonathan Frey: Das Klischee stimmt! Zehn Thesen zu Waffen aus Burgen
Schänis SG, Burgruine Niederwindegg
Im Auftrag der Ortsgemeinde Schänis als Eigentümerin wurden die noch maximal 12 m hoch erhaltenen Mauern des nordwestlichen Gebäudekomplexes der Burgruine Niederwindegg im Sommerhalbjahr 2020 bauarchäologisch dokumentiert und bautechnisch konserviert. Die Untersuchungen an den drei erhaltenen, U-förmig angelegten Mauern der stark beschädigten und in der unteren Hälfte beinahe vollständig ihrer Mauermäntel beraubten Ruine, lieferten überraschende Resultate. Urkundlich erwähnt wird die Burg erstmals um 1230. Die zwei in Resten erhaltenen Eckverbände aus bossierten Tuffsteinquadern weisen auf eine Bauzeit der Anlage um die Mitte des 13. Jh. hin. Laut schriftlichen Quellen soll die Burg in der Mitte des 15. Jh. eingestürzt sein. Anschliessend wurde sie, wie am heutigen Mauerbestand deutlich abzulesen ist, bis in das 19. Jh. als Steinbruch genutzt.
Die längste Mauer des U-förmigen Grundrisses verläuft entlang der südwestlichen Kante des vorgelagerten Grabens. Sie besitzt fünf Öffnungen: drei im Erdgeschoss, zwei im Obergeschoss. Darin waren nicht Fenster, sondern Schiessscharten eingebaut. Die Anordnung der fünf Schiessöffnungen, aus denen der Graben und der Gegenhang unter Beschuss genommen werden konnten, ist für eine Burganlage des 13. Jh. aussergewöhnlich. Das Ganze erinnert eher an eine für Pulverwaffen konzipierte Festung des 16. Jh. Auf Grund der Beobachtungen am bestehenden Mauerwerk ist sogar denkbar, dass der rückwärtige an die drei Mauern anschliessende Teil der Anlage aus Holz gezimmert war.
Das Klischee stimmt! – Zehn Thesen zu Waffen aus Burgen
Die materielle Sachkultur in den Burgen und Schlössern der Schweiz wurde seit längerer Zeit nicht mehr in vergleichender Weise behandelt. Um den Rahmen nicht zu sprengen, beschränkt sich der vorliegende Beitrag auf das Thema Waffen. Anstelle einer umfassenden Auseinandersetzung mit allen Waffenfunden auf Schweizer Burgen werden ausgewählte Beobachtungen herausgegriffen und mit anderen archäologischen Fundkontexten vor allem in Städten verglichen. Aus diesen stichwortartigen Beobachtungen entspringen die folgenden zehn Thesen:
1. Burgen liefern die wichtigsten Bodenfunde zur Waffengeschichte des Mittelalters in der Schweiz.
2. Burgen mit verhältnismässig vielen Waffen sind meistens unmittelbar nach einem Kriegsereignis oder einer Brand- oder Naturkatastrophe aufgelassen worden.
3. Selbst in Burgen mit verhältnismässig wenig Waffenfunden können diese in qualitativer Hinsicht von grosser Bedeutung sein. Oder: Qualität statt Quantität.
4. Das Potential der Waffenfunde aus Schweizer Burgen ist noch längst nicht ausgeschöpft.
5. Neben Burgen können auch Stadtwüstungen bedeutende Bodenfunde von Waffen liefern. Dabei können Menge und Aussagekraft durchaus mit dem Fundgut aus Burgen vergleichbar sein.
6. Wenn in spätmittelalterlichen Brand- oder Auflassungsschichten von Städten Teile von Schutzbewaffnung vorkommen, dann handelt es sich dabei meistens um Ringpanzerfragmente (Abb. 4). Im Unterschied zu den Burgen sind die Fragmente aber viel kleiner.
7. Sind im archäologischen Fundgut einer Burg eher wenig Waffen vorhanden, dann handelt es sich bei diesen mehrheitlich um Geschossspitzen (Abb.2).
8. Ab dem 17. Jh. nimmt die Anzahl der Waffenfunde aus Schweizer Burgen tendenziell ab.
9. Burgen und Schlösser stellen in der Neuzeit in der Schweiz keine bevorzugten Kriegsschauplätze mehr dar. Dies spiegelt sich im archäologischen Fundbild direkt wider.
10. Im Verlauf der fortgeschrittenen Neuzeit werden gewisse Bestandteile von Waffen tendenziell vermehrt sekundär im Haushalt genutzt.