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Ich gebs ja zu: Meistens schreibe ich Politnetzartikel, wenn ich mir einer Sache schon sicher bin. Ein solcher Artikel bietet gute Gelegenheit die eigene Position in einen Diskurs zu setzen, bei dem Argumente und Gegenargumente sichtbar werden. Was die Frage von gegenwärtigen und kommenden sezessiven Referenden in Europa angeht, bin ich mir jedoch noch unschlüssig.
Als ersten Fall hatten wir die Krim, die sich von der Ukraine unabhängig erklärte um danach den Anschluss an Russland vollziehen zu können. In der italienischen Region Venetion wurde eine nicht bindende Volksbefragung durchgeführt bei der man sehen konnte, dass der Grossteil der EinwohnerInnen die Unabhängigkeit von Italien wünscht. Auch in Schottland und Katalonien stehen Referenden bevor.
Als Linker ist man hier etwas in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite respektiert man das Selbstbestimmungsrecht der Völker - viele sezessionistische Parteien wurden im Verlauf des 20. Jahrhunderts als Mitglieder in die sozialistische Internationale aufgenommen - auf der anderen Seite besteht die Gefahr eines aufkommenden Nationalismus. Diesen Nationalismus kann man, wenn man sich mit der Geschichte ökonomischer Krisen auseinander setzt, immer wieder gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten beobachten.
Es ist klar, dass Italien, Grossbritannien und Spanien versuchen wird alle erdenklichen Mittel zu nutzen um eine Abspaltung der erwähnten Regionen zu verhindern. Als stärkstes Mittel könnte sich die Weigerung der EU herausstellen, die Staaten bei einer allfälligen Unabhängigkeit in den europäischen Binnenmarkt zu integrieren (soviel wieder einmal zum Thema Respekt vor dem Willen des Volkes in der EU...). Dennoch ist es nicht unwahrscheinlich, dass wir in den kommenden Jahren die Situation miterleben werden, wie es einige neue Staaten in Europa geben wird.
Persönlich tendiere ich dazu solche Bestrebungen gut zu heissen, meine Meinung ist jedoch noch nicht endgültig gemacht. Wie sehen das die anderen Leute in der grossen Politnetz-Familie?