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Unter Kreationismus versteht man die Vorstellung, dass Welt und Leben von einem intelligenten Wesen "kreiert" wurden. Alle heute existierenden Lebewesen seien wie in der Bibel beschrieben mehr oder weniger in der heutigen Gestalt direkt von Gott geschaffen (=kreiert) worden. Diese Vorstellung bringt allerdings gravierende Probleme mit sich, auf die im Folgenden kurz eingegangen werden soll.
Kurzzeit-Kreationismus
Gemäss James Ussher, einem irischen Theologen, der im 19. Jahrhundert gelebt hat, lässt sich das Alter der Erde gemäss der Bibel exakt berechnen: die Erde wurde am 23. Oktober 4004 vor Christus von Gott geschaffen. Manche Autoren haben andere Berechnungsmethoden verwendet, älter als 12'000 Jahre kann die Erde aber keinesfalls sein. Ein solcher Kurzzeit-Kreationismus kann ausgeschlossen werden, da es zu viele Belege dafür gibt, dass die Erde viel älter sein muss. Die Annahme, dass Gott die Erde so geschaffen habe, als ob sie schon viel älter wäre, sie es aber nicht ist, ist offensichtlich eine Ausrede und bringt im Gegensatz zur wissenschaftlichen Vorstellung keinerlei Erkenntnisgewinn. Ein solcher Kurzzeit-Kreationismus setzt ganz im Gegenteil einen Gott voraus, der die Menschen absichtlich zu täuschen versucht, eine Annahme, die eines allmächtigen und allgütigen Gottes nicht würdig wäre.
Langzeit-Kreationismus
Der Kreationismus wurde deshalb auch angepasst. So sollen die sieben Schöpfungstage, die in der Genesis erwähnt werden nur symbolisch als Tage verstanden werden. Jeder Tag entspreche vielmehr einem geologischen Erdzeitalter. Ein solcher Langzeit-Kreationismus wird heute allerdings kaum noch vertreten.
Vorzeit-Kreationismus
Gemäss dem Vorzeit-Kreationismus wurde die Erde zweimal geschaffen. Die erste Erde sei dann durch den Fall Luzifers zerstört worden, worauf eine sehr lange Zeit folgte, in der die geologischen Strukturen und Fossilien entstanden seien. Erst am Ende dieser Zeitspanne habe die zweite Schöpfung stattgefunden. Kurz gesagt ergibt diese Form von Kreationismus keinen Sinn, nur schon da es vor dem Sündenfall keinen Tod gegeben haben dürfte - und damit auch keine Fossilien hätten entstanden sein können.
Intelligent Design
Alle Formen von Kreationismus führen schnell zu Widersprüchen und lassen sich nicht mit empirischen Belegen in Übereinstimmung bringen. Wohl nicht zuletzt deshalb etablierte sich in den 1980er Jahren die Theorie des "Intelligent Design". Diese richtete sich direkt gegen die Evolutionstheorie und mit ihr wurde versucht zu zeigen, dass sich das Leben heute nur erklären liesse, wenn ein "intelligenter Schöpfer" angenommen würde. Es gibt allerdings sehr viele Beispiele, die gerade zeigen, dass heutiges Leben oftmals sehr wenig intelligent "geschaffen" wurde. So verfügen beispielsweise Grottenolme über Reste von Augen - die allerdings nicht mehr funktionieren und durch eine Hautschicht überwachsen sind. Richard Dawkins hat in seinem Buch "Die Schöpfungslüge: Warum Darwin recht hat" verschiedene Beispiele gesammelt, die gegen die Annahme von "intelligentem Design" sprechen. Mittels Evolution lassen sich aber alle bisher bekannten Eigenschaften grundsätzlich erklären (vgl. dazu auch den folgenden Wikipedia-Eintrag).
Die Theorie des Intelligent Design basiert wesentlich auf der Vorstellung, dass es gewisse Strukturen gebe (z.B. Augen, Flagellenantrieb bei Bakterien), welche so komplex seien, dass sie nicht natürlich und graduell hätten entstanden sein können. Auch diese Vorstellung ist aber aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar:
"Bislang konnte keine nichtreduzierbar komplexe Struktur nachgewiesen werden, deren Entstehung durch natürliche Mechanismen nachweislich ausgeschlossen werden konnte. Hier wären jedoch die Intelligent-Design-Vertreter in der Beweislast, wenn sie die Idee nichtreduzierbar komplexer Strukturen als Ausgangspunkt der Argumentation für einen Designer verwenden wollen. Daneben gibt es aber auch prinzipielle Einwände philosophischer Natur gegen diese Art von Argumentation, so etwa die klassische Kritik David Humes am Design-Argument oder auch sein Argument gegen ein rational gerechtfertigtes Glauben an Wunder. Deswegen gilt das Argument für Design unter Bezugnahme auf irreduzible Komplexität als erkenntnistheoretisch irrelevant." (Wikipedia)
Fazit
Da der Kreationismus definitiv nicht mit der Realität in Übereinstimmung gebracht werden kann, wurde er immer wieder angepasst. Doch sämtliche Anpassungen bringen - ausser aus politischen und weltanschaulichen Gründen - nichts: sowohl Kreationismus wie auch Intelligent Design lassen sich empirisch ausschliessen. Daran ändert auch die Strategie nichts, dass immer wieder Argumente gesucht werden, warum die Evolutionstheorie falsch sei: für die Wahrheit des Kreationismus spielt die Evolutionstheorie keine Rolle - denn der Kreationismus ist so oder so nicht haltbar.
- Dawkins 2012.
- Neukamm 2009, S. 16f.; S. 29f.