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Famara Manes Kleinbetrieb macht Renovationen und Reparaturen. Geldreserven braucht er, um seine Arbeiter zu bezahlen, sowie für Material und Werkzeug. Er hat drei Bankkonten: für die Löhne, fürs Geschäft und für Privates. «Die Zahlungsmoral meiner Kunden ist leider schlecht, vor allem bei staatlichen Aufträgen», sagt er, darum brauche es Rückstellungen. Mane ist Vater einer Tochter. Die letzten Jahre hat er vor allem für seine Hochzeit und die Geburt und die Taufe des Mädchens gespart. Die Gesellschaft erwartet eine opulente Hochzeit und Taufe. «Das sind einfach die sozialen Regeln.» Oft verschulden sich Paare auf Jahre hinaus mit ihrer Heirat.
In Senegal gibt es Spargruppen, «Tontines» genannt. Dabei tun sich Leute zusammen und zahlen regelmässig etwas ein. Nach einer Frist wird das Geld ausbezahlt. Es ist eine Art Zwangssparen, bei dem das Geld der Gemeinschaft entzogen wird. «Anders ist es fast unmöglich, etwas auf die Seite zu legen», sagt Mane. Er ist auch bei einer «Tontine». Seine spart für Tabaski, das muslimische Opferfest, bei dem jeder Haushaltvorstand ein Schaf kaufen muss. Jeder zahlt umgerechnet mindestens zwanzig Franken pro Monat ein.
«Früher habe ich meiner Frau Anfang Monat Haushaltsgeld gegeben», sagt Mane. «Aber sie verschleuderte immer alles für Kleider und Schuhe. Jetzt gebe ich es dem Inhaber des Ladens, wo sie die Nahrungsmittel einkauft. Er führt Buch und rechnet Ende Monat ab.»
Viele Senegalesen benützen die Quartierläden als Bank. Sie vertrauen ihr Geld dem Besitzer an, oft viel mehr, als sie für die Einkäufe brauchen. Beliebt sind auch Handykontos, beispielsweise Orange-Money oder Joni Joni. Man kann eine Summe auf das Telefon laden und damit bezahlen wie mit einer Bankkarte oder sogar in Läden direkt Geld beziehen.
Es herrscht ein gewisses Misstrauen gegen Banken. Viele verstecken ihr Geld zu Hause. Famara Mane hatte einen Cousin, der sein Geld in einer Dose versteckte, die er in einem Blumentopf vergrub. «Er beerdigt sein Geld», sagte man über ihn.
David Signer ist Korrespondent der «NZZ».