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Der Zürcher Edwin Bollier belieferte jahrelang den DDR-Geheimdienst Stasi mit allerlei elektronischem Material. Bollier geschäftete auch mit dem Ghadaffi-Regime . Er baute in Libyen die Funknetze für Polizei und Militär auf – und lieferte 1985 zudem 20 Schaltuhren, die für die Zündung von Bomben verwendet werden können. Das zentrale Beweisstück im Lockerbieprozess, ein fingernagelgrosses Fragment eines Timers von Bollier, führte die Ermittler nach Libyen. Der Rest ist bekannt: Abdelbaset al-Megrahi wurde 2001 zu 27 Jahren Haft verurteilt, kürzlich ist er verstorben.
Recherchen des «Beobachters» zeigen: Wahrscheinlich war al-Megrahi gar nicht für den Absturz des PanAm-Jumbos mit 270 Toten veranwortlich. Beim zentralen Beweisstück gibt es gravierende Unstimmigkeiten. Doch bis heute gilt der Timer MST-13 von Bollier als massgebendes Beweisstück für die libysche Täter-Theorie.
Erstaunliches Detail: Bollier wurde trotz des Lockerbie-Prozesses nie wegen Gehilfenschaft zu diesem Bombenattentat angeklagt. Mehr noch, die Schweiz konnte ihm nicht nachweisen, dass ein von ihm nach Libyen gelieferte Zeitzünder später in der Lockerbie-Bombe war.
Dies belegt ein bisher unveröffentlichtes Dokument der Bundesanwaltschaft, in dem das Strafverfahren gegen Edwin Bollier 2004 eingestellt wurde. In dieser Einstellungsverfügung, in die die Bundesanwaltschaft anfänglich dem Beobachter die Einsicht verweigerte und das Dokument erst auf eine Beschwerde vor Bundesverwaltungsgericht herausrückte, steht: «Mit Hinweis auf die umfassenden Darlegungen der Eidgenössischen Untersuchungsrichterin ist zusammenfassend davon auszugehen, dass Edwin Bollier nicht mit der Verwendung des von ihm bzw. der Mebo AG hergestellten und gelieferten MST-13 Timers zum Anschlag auf den Jumbo Jet Boeing 747 der PanAm in Zusammenhang gebracht werden kann.»
Beobachter 12/2012: «Lockerbie: Steckte wirklich Libyen dahinter?»