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Tafel 11 Clois
Ohne Dorfmeister und Jungfrau keine Ferienkolonie
Sie sangen und fluchten, die Bauern auf ihren Wiesen, im schönsten Romanisch. Cuoi war der Titel des Dorfmeisters der jeweiligen Maiensäss-Fraktion, der auch einer Genossenschaft vorstand. Ein Förster und Kreispräsident namens Johann Fidel Rischatsch begründete mit seiner Frau die Gastkultur, die von den Hotels Lenzerhorn und Schweizerhof bis heute hochgehalten wird.
Das Leben der romanisch sprechenden Obervazer Bauern war geprägt durch ihre Arbeit auf den Äckern rund um das Dorf und auf den Wiesen im Maiensässgebiet (auf dem Berg). Jeder der zusammengehörenden Maiensässbetriebe bildete eine landwirtschaftliche Korporation mit einem Cuoi (Dorfmeister) als Oberhaupt.
Ennet der Heidbachschlingen standen die Aclas von Clois. Der Flurname Clois bezeichnet ein durch die Topografie in sich abgeschlossenes Areal (von lat. clausum bzw. Clus/Abschluss). Die Clus staute den Heidbach, so dass im Talboden ein Seelein (Lai) entstand. Der Viehtrieb führte nach Osten über die Heidbachbrücke (peunt dils geunchers) zu den Weiden von Lai und Crapera.
Das Bauernleben in der „schönen alten Zeit“ war hart und entbehrungsreich, wenn auch ohne die heutige Hektik. Die Viehwirtschaft mit Rindern, Ziegen, Schafen und Pferden bestimmte den jahreszeitlichen Ablauf der Arbeiten. Kirchliche Anlässe, Markt-, Gemeindewerk-, Weide- und Alptermine belebten den landwirtschaftlichen Alltag. Eine Milchkuh und die Hühner blieben stets bei der Familie. Die Ziegen wurden täglich auf die Alp getrieben. Vom übrigen Hornvieh und von den Schafen trennte sich der Bauer für die Dauer der Alpung.
Die Frau arbeitete in Betriebsgemeinschaft mit dem Mann. Zur Frauenarbeit gehörten die Waschtage im Mai und im Oktober und das wöchentliche oder vierzehntägliche Brotbacken im öffentlichen Backhaus. Vater, Mutter und Kinder lebten im Winter und während der Heuernte als Familien- und Arbeitsgemeinschaft im gleichen Haus zusammen, so im Hochsommer vollständig im Maiensäss. In den Übergangszeiten lebten einzelne Familienmitglieder auswärts. Der Vater besorgte im Frühling die Tiere „auf dem Berg“, zusammen mit dem hirtenden Sohn. Im Herbst wohnten die Frauen und die Kinder im Dorf, der Mann war zumindest nachtsüber im Maiensäss.
Das Gemeinschaftsleben, auch das gemeinsame Arbeiten, war früher viel ausgeprägter als heute. Das galt auch für die einzelnen Maiensässweiler. Die Bauern verarbeiteten die Milch gemeinschaftlich. Wer am meisten Milch hatte, musste käsen. So wurde fast täglich in einer andern Acla gekäst und gebuttert. Der Käse wurde mit der Butter in den kühlen Steinkellern gelagert. Gefeuert wurde am offenen Herd, zumeist ohne Kamin. Geschlafen wurde gemeinsam in einer einzigen oder höchstens zwei Kammern.
Einzig der südliche Strickbau des nördlichen Hofteils von Clois zeigt noch Spuren der Maiensässzeit. Er gehörte Förster und Kreispräsident Johann Fidel Rischatsch, der 1888 das Hotel Lenzerhorn baute. Während zehn Jahren, von 1882 – 1891, mietete die Stadtschule Chur die Acla und führte hier ihre erste Ferienkolonie. Für die neue und beinahe revolutionäre Idee, bedürftigen und gesundheitlich geschwächten Stadtkindern zu günstigen Bedingungen die Sommerferien in ländlicher Umgebung zu ermöglichen, wählte man als Ort ein Maiensäss im gesunden Klima der Lenzerheide. So konnten hier jeweils im Sommer fröhliche Kinderstimmen gehört werden. Dr. Luzius Brügger-Jochberg, der den Sommer in seiner Acla in Fadail (nach ihm Luziuswiese genannt) verbrachte, übernahm die ärztliche Betreuung der Kinder.
1891 baute die Stadt Chur ihre erste Ferienkolonie in Canols. Zahlreiche Gemeinden im Unterland folgten später diesem Beispiel und errichteten auf der Lenzerheide grosszügige Ferienlager für ihre Schulkinder.
Johann Fidel Rischatsch starb 1898. Schweizerhof-Hotelier Franz Brenn erwarb die Acla Clois einige Jahre später von Jungfrau Dorothea Rischatsch, der Schwester des Verstorbenen. Sie diente in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts dem Schweizerhof zur Versorgung der Gäste mit landwirtschaftlichen Produkten.