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Frankreich steht zum dritten Mal nach 1998 und 2006 in einem WM-Final. «Les Bleus» schlugen im ersten Halbfinal in St. Petersburg dank einem Kopfballtreffer von Samuel Umtiti Belgien mit 1:0. Der Gegner im Final am Sonntag in Moskau heisst Kroatien oder England.
Noch einmal hatten die Belgier in der Schlussphase alles versucht. Trainer Roberto Martinez wechselte alle seine verfügbaren Offensivkräfte ein, und mit dem Mute der Verzweiflung stürmten die «Roten Teufel» an, wobei Flanke um Flanke in den französischen Strafraum segelte. Dem Ausgleich kamen die Belgier aber nicht mehr nahe. Zu solid und souverän verteidigten die Franzosen vor den Augen von Staatspräsident Emmanuel Macron ihr Territorium. Marouanes Fellaini per Kopfball in der 65. Minute, der knapp am Pfosten vorbeiflog, und Aksel Witsel per Weitschuss in der 81. Minute, vergaben die beiden einzigen Chancen zum Ausgleich.
Da es die Franzosen in der Nachspielzeit verpassten, einen zweiten Treffer zu erzielen, entschied das Tor aus der 51. Minute das Duell der beiden Teams, von denen sich viele der Spieler aus dem Kluballtag bestens kennen. Samuel Umtiti stieg nach einem Corner von Antoine Griezmann am höchsten und verwertete dank perfektem Timing die Flanke am vorderen Pfosten zum 1:0. Thibaut Courtois im belgischen Tor blieb ohne Chance. Ausgerechnet Fellaini, mit seiner Grösse von 1,94 m Belgiens Stärkster in der Luft, verlor das Kopfballduell gegen den elf Zentimeter kleineren Umtiti.
Dass am Ende ein Corner über Sieg und Niederlage entschied, passte zum Turnier in Russland, in dem überdurchschnittlich viele Tore nach stehenden Bällen fallen, und zur Partie. Bis zum Treffer hatten sich die beiden Teams ein unterhaltsames und spielerisch gutes Duell auf Augenhöhe geboten. Danach flachte das Spiel ab, die Schlussphase war von vielen Fouls, Zweikämpfen und Diskussionen geprägt.
Erste Vorteile in der Partie hatten sich die Belgier erspielt - dank Eden Hazard. Der belgische Captain, der von 2005 bis 2012 in Frankreich bei Lille gespielt hatte, setzte die ersten offensive Akzente und kam zweimal gefährlich zum Abschluss. Die beste Chance zur belgischen Führung bot sich allerdings Verteidiger Toby Alderweireld, dessen Schuss aus der Drehung Hugo Lloris spektakulär parierte (22.).
Erst nach Lloris' Glanztat fand Frankreich besser ins Spiel. Immer wieder stand danach Olivier Giroud im Mittelpunkt, der in seinem 80. Länderspiel zwar bravourös kämpfte, aber glücklos agierte. Nach glänzender Vorarbeit von Griezmann und Kylian Mbappé vergab der Mittelstürmer alleine vor dem Tor kläglich (34.). Besser machte es Benjamin Pavard, einer der Entdeckungen dieses Turniers. Der Aussenverteidiger scheiterte kurz vor der Pause aus spitzem Winkel am glänzend reagierenden Courtois.
Bei Frankreich war der gegen Uruguay gesperrt Blaise Matuidi wieder in die Startaufstellung zurückgekehrt, Belgiens Trainer Martinez ersetzte den gesperrten Thomas Meunier entgegen den Erwartungen mit Moussa Dembélé. Im Gegensatz zum Viertelfinal gegen Brasilien konnte der Spanier mit dieser Massnahme sein Gegenüber Deschamps allerdings nicht überraschen.
Die französische Defensive hielt gegen die produktivste Offensive dicht, was sich als Schlüssel zum Erfolg des Weltmeisters von 1998 entpuppte. Kevin de Bruyne und Eden Hazard, die beiden belgischen Genies im offensiven Mittelfeld, fanden im Vergleich zum Viertelfinal gegen Brasilien deutlich weniger Gestaltungsspielraum vor. Romelu Lukaku, mit vier Toren der beste Torschütze der «Roten Teufel» an diesem Turnier, tat sich gegen die französischen Innenverteidiger enorm schwer und hatte kaum eine gute Szene.
Auch Thierry Henry, bester Torschütze in der Geschichte von «Les Bleus», nun aber im belgischen Staff tätig, fand keine Lösung, um die französischen Verteidigung zu knacken. Kurz nach dem Schlusspfiff umarmte er seinen einstigen Copain Deschamps auf dem Spielfeld. Zusammen hatten sie 1998 den WM-Titel geholt. Deschamps bietet sich nun am Sonntag die Chance, als erst dritte Person nach Mario Zagallo und Franz Beckenbauer den wichtigsten Titel im Fussball sowohl als Spieler als auch als Trainer zu holen. Gegner im Final ist Kroatien oder England, die sich am Mittwoch im zweiten Halbfinal in Moskau gegenüberstehen. (pre/sda)
Frankreich - Belgien 1:0 (0:0)
St. Petersburg. - 64'286 Zuschauer. - SR Cunha (URU).
Tor: 51. Umtiti 1:0.
Frankreich: Lloris; Pavard, Varane, Umtiti, Hernandez; Pogba, Kanté; Mbappé, Griezmann, Matuidi (86. Tolisso); Giroud (84. Nzonzi).
Belgien: Courtois; Chadli (91. Batshuayi), Alderweireld, Kompany, Vertonghen; Witsel, Dembélé (60. Mertens); De Bruyne, Fellaini (80. Carrasco), Hazard, Lukaku.
Bemerkung: Frankreich komplett. Belgien ohne Meunier (gesperrt). Verwarnungen: 63. Hazard (Foul). 71. Alderweireld (Foul). 87. Kanté (Foul). 92. Mbappé (Unsportlichkeit). 94. Vertonghen (Foul).