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In Los Condes (Chile) formte Weren Decker, ein auch unter dem Namen «Iceman» bekannter chilenischer Künstler, aus 15 Eisblöcken zu je 120 Kilogramm einen riesigen Krill. Mit dem schmelzenden Kunstwerk sollte zum Schutz der Antarktis vor den Auswirkungen der globalen Erwärmung, der Klimakrise und der Ausbeutung durch den Menschen aufgerufen werden.
Bei der Aktion handelte es sich um einen Aufruf des Kollektivs Bla! auf Wunsch der in der Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC) zusammengeschlossenen Nichtregierungsorganisationen, die sich dafür einsetzen, die Integrität der antarktischen Ökosysteme vor der Ausbeutung durch den Menschen zu schützen. Diese Aufgabe fällt innerhalb des Antarktisvertragssystems der CCAMLR zu, die Kommission zum Schutz der antarktischen marinen lebenden Ressourcen.
Die CCAMLR hatte vom 19. bis 23. Juni 2023 anlässlich des jährlichen Treffens Regierungsvertreter aus verschiedenen Ländern in die chilenische Hauptstadt Santiago de Chile eingeladen, um das Erreichen von drei Vorschlägen für Meeresschutzgebiete (MPA) in der Ostantarktis, das Weddellmeer und die Antarktische Halbinsel voranzutreiben.
Eines der Ziele besteht darin, die von den Regierungen der Welt im Dezember 2022 eingegangene Verpflichtung zu erfüllen, bis 2030 mindestens 30% der Ozeane zu schützen. In den vergangenen Jahren hatten die CCAMLR-Mitglieder jedoch keine einzige Forderung zur Errichtung von Schutzgebieten durchgebracht, sondern lediglich Absichtserklärungen abgegeben, dass man weiter darüber diskutieren werde. Die Projekte scheiterten in den letzten sechs Jahren jeweils an den Einsprachen Russlands und Chinas.
Um auf die Dringlichkeit der Situation für den Krill und die Eissituation aufmerksam zu machen, hatte die ASOC einen offenen Brief an die Regierungsvertreter im Vorfeld des Treffens verfasst und veröffentlicht und hatte gleichzeitig den Eis-Krill als Mahnmal in Auftrag gegeben.
Ein kleiner Riese in Gefahr
Der Krill ist ein Krebstier, das in seiner natürlichen Grösse zwischen drei und sechs Zentimeter lang wird und eine grundlegende Art der Antarktis darstellt. Neben seiner Bedeutung als ein wichtiges Futtermittel für Wale, Pinguine und Robben, trägt die Art auch massgeblich zur Fixierung von CO2 im Südlichen Ozean bei. Doch aufgrund der steigenden Meerestemperaturen und des Klimawandels gilt Krill als gefährdet. Gleichzeitig bestehen Bestrebungen einiger CCAMLR-Mitglieder, allen voran China und Norwegen, die Krillbestände rund um die Antarktis stärker auszubeuten. Deshalb wollten die Aktivisten diese Bedrohungen mit der 3 Meter langen und 2 Meter breiten Eisskulptur darstellen.
Obwohl die Aktion der ASOC und des Kollektivs für mediale Aufmerksamkeit gesorgt hatte, zeigten sich die CCAMLR-Mitglieder nicht davon beeindruckt. Einmal mehr endete das Treffen nicht mit der erhofften Errichtung eines grossflächigen Schutzgebietes um Antarktika, sondern bei der seit sechs Jahren üblichen Absichtserklärung, weiterhin die Diskussion am Laufen zu halten.
Währenddessen schmilzt rund um Antarktika nicht der Krill selbst, sondern sein Lebensraum, das Meereis, langsam weiter ab. Doch am Ende ist das Resultat für den kleinen Riesen dasselbe, warnen Expertinnen und Experten.
Heiner Kubny, PolarJournal