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Deutschstunde
Regie: Christian Schwochow
Darst.: Ulrich Noethen, Tobias Moretti, Levi Eisenblätter, Tom Gronau, Johann Wokalek, Sonja Richter, Maria Dragus, Louis Hofmann, Marek Harloff, Louis Hofmann u.a.
Deutschland kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs: Siggi Jepsen sitzt in einer Jugendstrafanstalt und soll einen Aufsatz zum Thema «Die Freuden der Pflicht» schreiben. Als er ein leeres Heft abgibt, wird er in eine Einzelzelle gesteckt, die er erst verlassen darf, wenn der Aufsatz fertig ist. In der Zelle wird Siggi von einer Flut von Erinnerungen übermannt und beginnt zu schreiben. Im kleinen norddeutschen, am Wattenmeer gelegenen Dorf Glüserup arbeitet sein Vater Jens als Polizist. Nachdem er dem expressionistischen Maler Max Nansen ein von den Nazis verhängtes Malverbot überbrachte, beauftragt er seinen Sohn Siggi, den Künstler zu überwachen. Doch Nansen widersetzt sich und baut ebenfalls auf die Hilfe von Siggi, den er wie einen eigenen Sohn liebt. Der Konflikt zwischen den beiden Männern, die einst enge Freunde waren, spitzt sich zu und stürzt den elfjährigen Jungen in einen schweren Zwiespalt. Christian Schwochow verfilmte Siegfried Lenz’ berühmten Roman um Mitläufertum, Repression und falsch verstandenes Pflichtbewusstsein fünfzig Jahre nach dessen Erscheinen. Die sorgfältige und berückend schön gefilmte Adaption setzt auf reduzierte Gesten und wenige Dialoge; die Handlung spielt einerseits in der grossartigen, norddeutschen Landschaft, andererseits in dunklen Innenräumen, die die Gefangenheit der Protagonisten verdeutlichen. Bereits die Gefängnisszenen zu Beginn des Filmes machen deutlich, dass sowohl die Werte als auch die Autorität der Naziväter im Nachkriegsdeutschland ungebrochen waren. Schwochows Verfilmung wird von einem grossartigen Schauspielensemble getragen, allen voran Tom Gronau und Levi Eisenblätter als junger und älterer Siggi. Beeindruckend auch Tobias Moretti als verzweifelter Maler und Ulrich Noethen als dominanter Vater, der den Pflichten seines Amtes und dem Naziregime rückhaltlos ergeben ist und nicht davor zurückschreckt, Familie und Freunde ans Regime auszuliefern: Pflichterfüllung geht über alles. «Deutschstunde» macht eindringlich klar, dass diese Geschichte auch heute, in Zeiten weltweiter antidemokratischer Tendenzen, nichts von ihrer Dringlichkeit verloren hat.