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Medienmitteilungen
"Laboratorien der Toleranz. Castellio und sein Erbe". Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel, 11. November 2022 bis 2. März 2023
Der savoyardische Humanist Sebastian Castellio (1515-1563), der sich in Basel niedergelassen hatte, gilt als Mitbegründer des europäischen Toleranzgedankens. Als im Genf Calvins 1553 der spanische Arzt Michael Servet wegen abweichender religiöser Überzeugungen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, wurde Basel zum Zentrum der Proteste. 1554 erschien anonym unter dem Titel De Haereticis (Von Ketzern) eine von Castellio zusammengestellte Anthologie mit eigenen und fremden Texten gegen die Ketzerverfolgung, die vielerorts der Zensur unterlag und die ihn berühmt machte. Drucke und Manuskripte aus den reichen Beständen der Universitätsbibliothek Basel präsentieren Castellios Leben, sein Umfeld und Werk.
Als wichtige Stadt des Buchdrucks, Wirkungsstätte von Erasmus und durch seine religionspolitische Vermittlerrolle wurde Basel in der Mitte des 16. Jahrhunderts ein Ort, an dem religiöse Dissidenten und Vertreter der radikalen Reformation Zuflucht fanden. Sie führten untereinander und mit Basler Bürgern eine vielstimmige und vielsprachige Diskussion. Sebastian Castellio verlieh mit seinen mutigen Schriften, die mystische Frömmigkeit mit aufklärerischer Argumentation verbanden, diesem Milieu eine Stimme. Diese wurde in den folgenden Jahrhunderten weithin in Europa vernommen, überall dort, wo Menschen für Religionsfreiheit, Menschenrechte und Toleranz kämpften.
Die Ausstellung führt anhand der in der UB Basel vorhandenen Dokumente die historischen Umbrüche und Konflikte vor, die Netzwerke und Medien, die Diskurse und Gedankenwelt, die sein Wirken zu einem Wendepunkt in der Geschichte des Toleranzdenkens in Europa gemacht haben. Ein Beispiel für die Aktualisierbarkeit seiner Haltung und seines Schicksals ist der Roman über Castellio, den der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig (1881–1942) 1936 im Exil verfasst hat. In diesem historischen Roman verschlüsselt Zweig seine Erfahrung mit den Repressalien Nazideutschlands und stattet das calvinistische Genf mit den Zügen des zeitgenössischen Totalitarismus aus. Zweigs Darstellung Castellios als eines mutigen und verfolgten Kämpfers gegen Tyrannei und für Toleranz und Gewaltlosigkeit hat dessen Bild bis heute tief geprägt.
Die Ausstellung wird von der Internationalen Castellio Gesellschaft Basel ausgerichtet, kuratiert wurde sie von Prof. Dr. Brigitte Hilmer, die Ausstellungsgestaltung stammt vom atelier gillmann in Basel. Finanziert wird sie von der Christoph Merian Stiftung, vom Swisslos-Fonds Basel-Stadt, von der Sulger Stiftung, vom Freundeskreis Franz Overbeck, vom Departement Künste, Medien, Philosophie der Universität Basel, von der Theologischen Fakultät der Universität Basel und von Zuwendungen Ungenannter an die Internationale Castellio Gesellschaft.
Kontakt und Information
Prof. Dr. Brigitte Hilmer
Universität Basel
Kuratorin der Ausstellung
<email-pii>
061 261 92 89 oder 027 971 03 45
Internationale Castellio Gesellschaft
Die 2017 gegründete Internationale Castellio Gesellschaft mit Sitz in Basel hat den Zweck, Leben und Werk von Sebastian Castellio und insbesondere seinen Toleranzgedanken bekannt zu machen. Die Tätigkeit der Gesellschaft bezieht sich auf die historische Erschliessung, die Wirkungsgeschichte und die Gegenwartsbedeutung von Castellios Werk. Dazu gehören Forschungen zu Castellios Stellung in der Geschichte von Humanismus und Reformation ebenso wie aktuelle Debatten über das Spannungsfeld von Religion, Toleranz und Gewalt. Die Gesellschaft unternimmt damit einen Brückenschlag zwischen bürgerschaftlichen Anliegen und universitärer geisteswissenschaftlicher Forschung.
Ausstellungsdauer
11. November 2022 bis 2. März 2023
Montag bis Freitag 8.00 - 20.00 Uhr
Samstag 10.00 - 17.00 Uhr
Universitätsbibliothek Basel, Schönbeinstrasse 18 – 20, 4056 Basel
Eintritt frei
Bilmaterial
past & post. Fotografie in Archiv und Netz. Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel, 19. August bis 19. Oktober 2022
Die Ausstellung bringt moderne und historische Fotografie miteinander in einen Dialog: Konzeptionell gestaltete Bildwerke der zeitgenössischen Fotokünstler*innen Thi My Lien Nguyen und Simon Tanner treffen auf Bilder des Basler Pressefotografen Hans Bertolf (1907-1976). Im Fokus steht unter anderem die Frage, wie sich der Wandel von Produktion, Distribution und Wahrnehmung von Bildern auf unseren Umgang mit der Fotografie auswirkt.
Das Ausstellung ist ein Kooperationprojekt des Vereins «BelleVue – Ort für Fotografie» und dem Staatsarchiv Basel-Stadt. Sie ist die erste der vierteiligen Serie «Im Bild – archivierte und zeitgenössische Fotografie im Dialog», die von der Christoph Merian Stiftung initiiert wurde. Aufgrund der Pandemie konnte sie der Öffentlichkeit 2020 in den Räumlichkeiten von BelleVue nur kurz präsentiert werden. Nun wird «past & post» in der Universitätsbibliothek Basel erneut gezeigt. Als Gedächtnisinstitution bewahrt die UB Basel verschiedene, historisch gewachsene Fotosammlungen mit Fokus auf Basel, die Universität und ihre Forschung auf.
«past & post – Fotografie in Archiv und Netz» beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit historische Fotografien als eine Art Alltagsgedächtnis dienen können. Zeitgenössische Bildwerke von Thi My Lien Nguyen (*1995) und Simon Tanner (*1983) werden Bildern des Basler Pressefotografen Hans Bertolf (1907–1976) gegenübergestellt, der mit Fotografien aus seiner täglichen Arbeit für die Basler National-Zeitung vertreten ist. Das Ausstellungsteam untersucht und kombiniert die Bildwelten auf vielfältige und auch spielerische Art und stellt dabei folgende Fragen: Wie werden Bilder gelesen? Welche gelangen in das kollektive Gedächtnis – und welche nicht? Welche Assoziationen verknüpft die jüngere Generation mit den älteren Fotografien? Wie sehen Bildarchive der Zukunft aus? Welche Auswirkungen hat die sich verändernde Produktion, Distribution und Rezeption von Bildern auf unseren Umgang mit der Fotografie?
Neben den Fotografien von Hans Bertolf und den Werken von Thi My Lien Nguyen und Simon Tanner bildet Archivmaterial zu den Bildern von Hans Bertolf einen wichtigen Teil der Ausstellung, darunter Kontaktbögen des Filmmaterials, Presseartikel und Bücher. In diesem Kontext werden auch Beiträge von Schüler*innen des Gymnasiums Leonhard präsentiert, die assoziativ und ohne Hintergrundinformationen literarische Texte zu den Fotografien von Hans Bertolf verfasst haben und Zeitzeug*innen befragten.
Kontakt und Information
Nathalie Baumann, UB Basel,
<email-pii>,
T 061 207 62 89
Der 2011 gegründete Verein versteht sich als Ausstellungs-, Diskussions- und Impulsort für Fotografie, wo gestalterische, künstlerische und inhaltliche Aspekte gleichermassen Beachtung finden und ein hoher Qualitätsanspruch angestrebt wird.
Als historisches Gedächtnis von Staat und Stadt sichert das Staatsarchiv fast tausend Jahre Geschichte und macht das Handeln von Politik und Behörden sowie das Leben der Stadtbevölkerung nachvollziehbar.
Ausstellungsdauer
19. August bis 19. Oktober 2022
Montag bis Freitag 8.00 bis 20.00 Uhr
Samstag 12.00 bis 20.00 Uhr
Universitätsbibliothek Basel, Schönbeinstrasse 18 – 20, 4056 Basel
Eintritt frei
Bilmaterial
Ausstellung «Lieblingsstücke. Wir zeigen Schätze aus unserer Bibliothek»
«Lieblingsstücke» – das sind im Fall dieser Ausstellung 34 Exponate aus den hauseigenen Sammlungen, die von Mitarbeiter*innen der Universitätsbibliothek Basel ausgewählt wurden. Die Motivation für dieses Projekt entstand aus dem Wunsch heraus, den Facettenreichtum ausgesuchter Schätze der Bibliothek einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Die pointiert individuelle Perspektive auf das jeweilige Lieblingsstück lädt zu einer Zeitreise durch die faszinierende Welt unserer Bibliothek ein.
«Habent sua fata libelli» («Bücher haben ihre Schicksale») lautet ein bekanntes lateinisches Sprichwort. Mit Blick auf die neue Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel liesse sich auch sagen: «Lieblingsstücke haben ihre Schicksale». Die beteiligten Mitarbeiter*innen erzählen, wie sie ihre Schätze entdeckt haben und warum sie für sie etwas Besonderes sind. In diesem Sinne entwickeln die «Lieblingsstücke» ein Eigenleben, das über ihre ursprüngliche Sinnhaftigkeit hinausreicht. Unter ihnen finden sich Inkunabeln und scheinbar unlesbare Briefe, verwitterte Objekte, grossformatige Karten, bewegende Bilder oder Trouvaillen der moderneren Art wie digitale Publikationen oder DVDs.
Besucher*innen entdecken auf ihrem Gang durch die Ausstellung eine byzantinische Evangelienhandschrift aus dem 8./9. Jahrhundert und Autographen von Erasmus von Rotterdam, Wolfgang Amadeus Mozart, Albert Schweitzer oder Robert Walser. Nach einem Szenewechsel ins Paris der wilden Zwanzigerjahre erleben sie den ambitionierten Versuch, die Gesetze der Jazzmusik in Literatur zu übertragen. Sofort ins Auge springen werden ihnen die eindrucksvollen «Heidi»-Aquarelle der Illustratorin Martha Pfannenschmid. Und schliesslich begegnen sie auch Objekten, die man nicht unbedingt in einer Bibliothek erwarten würde, zum Beispiel einem Fussballpokal aus den 1950er Jahren. Auch dieser hat sein ganz eigenes Schicksal.
Die Ausstellung ist eine Eigenproduktion der Universität Basel und wurde von Dr. Yvonne Häfner kuratiert. Gestaltet wurde sie von Ranger Design Stuttgart.
Kontakt und Information
Dr. Yvonne Häfner
Kuratorin der Ausstellung
061 207 29 93
<email-pii>
Trailer zur Ausstellung
Ausstellungsdauer
1. April bis 22. Juni 2022
Montag bis Freitag 8.00 bis 20.00 Uhr
Samstag 12.00 bis 20.00 Uhr
Universitätsbibliothek Basel, Schönbeinstrasse 18 – 20, 4056 Basel
Die Comites Latentes umfassen 212 Handschriften, die einen Zeitraum vom 6. bis ins 20. Jahrhundert abdecken. In den 1960er Jahren begann Sion Segre Amar (1910–2003) Handschriften unter anderem bei Sotheby's in London zu erwerben. Die heutigen Eigentümer der Handschriften haben einen persönlichen Bezug zu Basel, weshalb die Sammlung als Leihgabe an das Historische Museum Basel gelangt. Gemeinsam mit der Universitätsbibliothek Basel können neue Forschungsprojekte lanciert und die Handschriften dem Publikum präsentiert werden.
In den 1960er Jahren begann der italienische Autor Sion Segre Amar (1910–2003) Handschriften bei Sotheby's in London zu erwerben. Über die Jahre entstand die Sammlung, die heute als Comites Latentes bekannt ist. Er nannte seine Sammlung Comites Latentes, also versteckte Begleiter, weil er gewisse Exemplare immer mit sich trug, auch auf seinen Reisen. Seit 1977 wird die Sammlung in der Bibliothèque de Genève aufbewahrt, wo sie von Forscherinnen und Forschern untersucht und publiziert wurde. Die Sammlung umfasst 212 Handschriften, die einen Zeitraum vom 6. bis 20. Jahrhundert abdecken, die Mehrheit stammt aus dem Mittelalter, darunter 98 religiöse Handschriften, 47 profane Literatur und 67 Fragmente mit Buchmalerei. Für die Sammlung gibt es kein thematisches Kriterium, sie umfasst Gebetsbücher, religiöse, literarische, administrative und juristische Texte. Viele Handschriften stammen aus Italien oder Frankreich und sind auf Lateinisch verfasst, es gibt aber auch hebräische und griechische Texte sowie kleine Tafeln mit Keilschrift. Nach seinem Tod 2003 erbten seine Kinder Margherita Segre Amar und Emanuel Segre Amar die Sammlung und gründeten 2018 die Comites Latentes Società Semplice. Der historische Wert dieser Sammlung ist unermesslich. Umso mehr bedarf es weiterhin eines professionellen Umgangs mit der Sammlung in der Weiterführung der konservatorischen Arbeiten der Bibliothèque de Genève.
Die Eigentümer wünschen sich, dass die Sammlung erforscht und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird. Die Universitätsbibliothek Basel hat mit dem Handschriften-Lesesaal die idealen Räumlichkeiten für Forscherinnen und Forscher, die Handschriften unter den üblichen Sicherheitsvorkehrungen ab Frühsommer 2022 einsehen zu können. Deshalb werden die Handschriften in der Universitätsbibliothek aufbewahrt. Es ist geplant, die Sammlung Schritt für Schritt zu digitalisieren und im Internet zur Verfügung zu stellen. Erste Handschriften der Comites Latentes wurden bereits auf Initiative der Bibliothèque de Genève digitalisiert und auf dem Portal e-codices veröffentlicht.
Forschungsprojekte zwischen der Universität Basel, dem Historischen Museum Basel und weiteren Forschern sollen die Handschriften untersuchen und die Resultate der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Die Ergebnisse können als Ausstellung im Historischen Museum vermittelt werden. So spielen die Kompetenzen und Synergien der beiden Partner im Einsatz für die Sammlung perfekt zusammen.
Das Historische Museum Basel und die Universitätsbibliothek Basel sind erfreut über den Entscheid der Eigentümer, die wertvollen Handschriften in ihre Obhut zu geben. Als Leihgabe gehören sie zum Bestand des Historischen Museums Basel, wobei sie in der Universitätsbibliothek aufbewahrt werden. Der Vertrag wurde für eine Laufzeit von mindestens 15 Jahren unterzeichnet, eine Option auf Verlängerung ist enthalten.
Für weitere Informationen:
Eliane Tschudin, Mitarbeiterin Kommunikation, <email-pii>, Tel. +41 61 205 86 24.