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Diskussionsgrundlage zur Vergabe des Schweizer Filmpreises durch die Akademie, August 2008
Die Nominationen für den Schweizer Filmpreis werden von den Mitgliedern der Schweizer Filmakademie vorgenommen. Die Bekanntgabe der Nominationen geschieht an den Solothurner Filmtage an der Party „Nacht der Nominationen“. In den folgenden sechs Wochen bis zur Filmpreisgala im März erküren die Akademiemitglieder die PreisträgerInnen pro Kategorie. Die Filmpreisgala wird vom Bundespräsidenten eröffnet und anschliessend werden die Preise festlich und glamourös von den Stars der Schweizer Film-, Kultur-, Polit- und Promiszene vergeben.
Schweizer Filmakademie: Am 27. Mai 2008 wurde die Schweizer Filmakademie von den Branchen-verbände gegründet. Am 7. August 2008 fand die erste Mitgliederversammlung statt und zählte beim Start rund 250 Mitglieder (bisher für den Filmpreis nominierten Personen, den PreisträgerInnen und VertreterInnen der Filmbranche). Angestrebt wurde eine möglichst autonome, politisch unabhängige Akademie, welche für das ganze Prozedere für den Filmpreis verantwortlich zeichnet, in der nationalen Filmbranche breit abgestützt ist und in die breite Öffentlichkeit ausstrahlt.
Nomination: Die Nominationen erfolgen mittels einer stillen, demokratischen Wahl in den Monaten Dezember und Januar. Die Akademiemitglieder können sich in den verschiedenen Kategorien eintragen, in denen sie nominieren möchten. Mit diesem Eintrag verpflichten sie sich, alle Filme dieser Kategorie anzuschauen. Mindestanzahl pro Kategorie: 20 Personen. Zu diskutieren, ob die Mitglieder die Filme individuell anschauen (Zeitautonomie) oder ob für die Kategorien gemeinsame Visionierungen organisiert werden. Zudem werden alle nominierbaren Filme an den Solothurner Filmtagen gezeigt und den Akademiemitgliedern auch in Visionierungsstationen zugänglich gemacht. Das Online-Wahlverfahren wird von einem unabhängigen Notar betreut und beaufsichtigt. Ausser dem Notar hat niemand Einsicht in die Abstimmungsresultate. Alle nominierten Filme erhalten eine Prämie, die wie seit jeher vom Bundesamt für Kultur finanziert wird.
Bekanntgabe der Nominationen: Die Nominationen werden an den Solothurner Filmtagen im Rahmen einer stimmungsvollen « Nacht der Nominationen » bekannt gegeben. Die Akademie wird nach Solothurn eingeladen und geniesst Privilegien. Angestrebt werden ein Rendez-Vous der Filmbranche und ein angeregter, offener Diskurs über die nationale Filmproduktion. Die Nacht dient zugleich als mediales Warm-Up für die im Fernsehen ausgestrahlte Filmpreisgala im März.
Erkürung der PreisträgerInnen pro Kategorie: Alle Akademiemitglieder beteiligen sich am Wahlverfahren zur Erkürung der PreisträgerInnen. Varianten (sind auch kombinierbar):
A. Alle Akademiemitglieder erhalten für die Erkürung der PreisträgerInnen die DVDs der Filme die nominiert wurden.
B. Ab dem Jahr 2010 werden die Solothurner Filmtage von Donnerstag zu Donnerstag durchgeführt. Die von der Akademie nominierten Filme können im Anschluss an die Filmtage Freitag, Samstag und allenfalls am Sonntag in Solothurn angeschaut werden (Infrastruktur und Filme sind vorhanden). Die Vorführungen wären auch für zahlendes Publikum offen, so dass die Filme keine Succès Eintritte verlieren würden.
C. Nebst den Kinovorführungen im Anschluss an die Solothurner Filmtage, ist denkbar, dass die nominierten Filme, in zwei bis drei Zentren der drei Schweizer Sprachregionen in den Kinos gezeigt werden. Wiederum für Öffentlichkeit zugänglich.
D. Publikumspreis: Bei Variante B und C könnte man sich vorstellen, dass auch das Publikum in einem separaten Wahlverfahren abstimmen kann.
Filmpreisgala: Unter dem Patronat des Bundesamt für Kultur findet die Preiszeremonie sechs Wochen nach den Solothurner Filmtagen im Rahmen einer festlichen, nationalen Filmpreisgala statt und wird von der SRG SSR idée suisse organisiert und auf allen drei Sendeketten ausgestrahlt wird. Veranstaltungsort der Filmpreisgala ist das KKL Luzern. Alle Akademiemitglieder bestimmen aus den von der Akademie nominierten Filmen pro Kategorie je eine/n PreisträgerIn (Frage ob Akademie oder Jury ist noch mit der SRG SSR idée suisse zu diskutieren). Diese erhalten keine weiteren Preisgelder.
Vorteile einer Filmakademie: Die Entscheide der Akademie sind breit abgestützt und basieren auf einer demokratischen Abstimmung. Das Verfahren ist transparent und objektiv überprüfbar. Die Nominationen und die Erkürung der PreisträgerInnen erfolgen aus der Mitte der Schweizer Filmbranche und nicht von einer Expertenkommission der Bundesverwaltung. Die demokratisch getroffenen Entscheidungen sind somit politisch unabhängiger. Schliesslich hat die Filmakademie eine integrierende Kraft : sie trägt aktiv zum kulturellen Austausch über die Sprachgrenzen hinaus bei. Diese Dynamik stärkt und eint das Schweizerische Filmschaffen. Mit der Filmakademie gewinnt der Schweizer Filmpreis an Glaubwürdigkeit. Sie ist Voraussetzung, damit der Filmpreis werden kann, was er sein will : ein attraktives und effektives Promotionsinstrument für den Schweizer Film.
Hintergrund zum Schweizer Filmpreis: Der Schweizer Filmpreis wurde 1997 vom Bundesamt für Kultur (BAK) zusammen mit der SRG SSR idée suisse, dem Schweizerischen Filmzentrum (seit 2004 SWISS FILMS) und den Festivals Locarno, Nyon und Solothurn lanciert. Er ist im Januar 1998 anlässlich der Solothurner Filmtage erstmals vergeben worden. Mit der Organisation und Promotion des Schweizer Filmpreises wurde das Schweizerische Filmzentrum beauftragt. Ziel des Schweizer Filmpreises ist die Promotion des Schweizer Films.
Im Jahr 2004 wurde der Schweizer Filmpreis formal unter die Ägide des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) gestellt und neu organisiert. Dafür wurden eine Verordnung und ein Reglement erlassen. Die Trägerschaft nahm weiterhin am Nominationsverfahren teil und stand dem BAK in beratender Funktion zur Seite. Die zu diesem Zeitpunkt abgeschafften Qualitätsprämien flossen in die neu eingeführte Dotierung der Nominationen, in die Erhöhung der Preisgelder sowie in die Schaffung eines Jurypreises.
Im Jahr 2008 wurde die Schweizer Filmakademie gegründet, die Vergabe des Filmpreis 2009 erfolgte aufgrund eines Kompromisses mit der Sektion Film des Bundesamt für Kultur und im Sinne eines sanften Überganges in einem mehrstufigen Verfahren: Die Mitglieder der Schweizer Filmakademie geben zu Handen der Nominationskommission, welche aus Akademiemitgliedern zusammen gesetzt wird, Nominationsempfehlungen ab. Die Preisträger werden von einer Jury auserkoren. Ab 2010 übernimmt die Filmakademie die Verantwortung für das gesamte Prozedere.