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Gabriele Reuter, Schriftstellerin
1859-1941, geboren in Alexandria, gestorben in Weimar
1859-1941, geboren in Alexandria, gestorben in Weimar
Tochter eines Textilkaufmanns. Kindheit bei der Verwandtschaft in Deutschland, Alexandria und, nach dem Tod des Vaters, in einem Mädchenpensionat. Die Familie geriet in finanzielle Not. Sie sah ihr Schreibtalent in jungen Jahren als Verdienstquelle an. Ab 1875 erste Publikationen. 1879 zog die Familie nach Weimar. Reisen nach Berlin, Wien und München. 1890 Umzug nach München. Reuter schloss sich der "Bohème" (Mühsam, Reventlow) an. 1891 kehrte sie mit ihrer kranken Mutter nach Weimar zurück. Bekanntschaft unter anderen mit Rudolf Steiner und Gerhart Hauptmann. 1897 Geburt der Tochter Lili, der Vater blieb unbekannt. Ab 1899 wohnte und arbeitete sie für 30 Jahre in Berlin. Aufenthalte in Ascona. 1929 Rückkehr nach Weimar, wo sie bis zu ihrem Tod blieb. In ihrem Roman "Benedikt" liess sie in Ronco s/Ascona Naturmenschen vom Monte Verità auftreten. Rudolf Steiner schrieb über sie in "Mein Lebensgang": Zu den schönsten Stunden meines Lebens muss ich zählen, was ich durch Gabriele Reuter erlebte, der ich durch diesen Kreis nahe treten durfte. Eine Persönlichkeit, die in sich tiefe Menschheitsprobleme trug und diese mit einem gewissen Radikalismus des Herzens und der Empfindung anfasste. Sie stand mit voller Seele in all dem, was ihr im sozialen Leben als Widerspruch erschien zwischen traditionellem Vorurteil und den ursprünglichen Forderungen der Menschennatur. Sie sah hin auf die Frau, die von aussen in diese traditionellen Vorurteile durch Leben und Erziehung eingespannt wird, und die leidvoll erfahren muss, was aus den Tiefen der Seele als «Wahrheit» in das Leben hinein will. Radikalismus des Herzens in ruhig-kluger Art ausgesprochen, von künstlerischem Sinn und eindringlicher Gestaltungskraft durchzogen, das offenbarte sich als Grösse aus Gabriele Reuter. Unermesslich reizvoll konnten die Gespräche sein, die man mit ihr, während sie an ihrem Buche «Aus guter Familie» arbeitete, führen durfte. Ich denke zurück und sehe mich mit ihr an einer Strassenecke stehen, bei glühendster Sonnenhitze diskutierend mehr als eine Stunde über Fragen, die sie bewegten. Gabriele Reuter konnte in würdigster Art, keinen Augenblick die ruhige Haltung verlierend, über Dinge sprechen, bei denen andere sogleich in sichtbare Aufregung geraten. «Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt», das lebte in ihren Gefühlen; doch blieb es in der Seele und zog sich nicht in die Worte hinein. Gabriele Reuter betonte scharf, was sie zu sagen hatte; aber sie tat es nie lautlich, sondern allein seelisch. Ich glaube, dass ihr diese Kunst, bei lautlich gleichmässigem Hinfliessen der Rede die Artikulation ganz im Seelischen zu halten, als Stil besonders eigen ist. Und mir scheint, dass sie im Schreiben diese Eigenart zu ihrem so reizvollen Stil umfassend ausgebildet hat."