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Wörterbuch
der Sozialpolitik
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Jugendhilfe

Jugendhilfe ist ein Sammelbegriff für ein "von der Gesellschaft bereitzustellendes System von indirekten, direkten und politischen Leistungen, das der Verbesserung der Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen wie auch der Entfaltung ihrer sozialen, humanen und solidarischen Verhaltensweisen dienen soll" (Jordan/Sengling 1988). Dieses System der Jugendhilfe ist in der Schweiz bisher kaum in die Literatur eingeführt, obschon gesetzliche Grundlagen im ZGB (Art. 302) bestehen und die Kantone aufgefordert sind, kantonale Jugendhilfegesetze zu formulieren (Art. 317).
Institutionen der Jugendhilfe nehmen familienergänzende und -ersetzende Beratungs- und Unterstützungsangebote wahr, die sich in die allgemeine Förderung der Erziehung und Bildung junger Menschen (z.B. durch die offene Jugendarbeit oder begleitete Spielplätze), die Leistungen zur allgemeinen Förderung (z.B. schulbezogene Erziehungshilfen) und die besonderen Leistungen (offene und ambulante Hilfen, Vormundschaft, Beistandschaft) unterteilen lassen. Jugendhilfe nimmt so wichtigen Einfluss auf die Kontexte des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen.
Mit dem Postulat der Lebensweltorientierung (Thiersch 1992) verbindet sich seit den 1990er-Jahren eine Neuorientierung auch in der Jugendhilfe. Zu der "klassischen" Aufgabe der Bereitstellung von besonderen Erziehungshilfen treten präventive (vorbeugende) Erziehungshilfen. Wenn Jugendhilfe ihren Auftrag erfüllen will, junge Menschen zu einem selbständigen Leben zu befähigen, dann darf sie die veränderten Lebenswelten nicht nur registrieren, sondern hat nach Junge (1992) eine doppelte Aufgabe: Sie muss sich an der Gestaltung der Lebenswelten im Interesse von Kindern und Jugendlichen beteiligen und sie muss ihre pädagogischen Bemühungen an den durch Veränderung entstandenen neuen Anforderungen orientieren. In der Praxis resultieren diese Bestrebungen in Konzepten wie dem der Schulsozialarbeit oder der mobilen Jugendarbeit.
Literatur: