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Die Franzosen lieben Wörterbücher. Die 35 Bände der «Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers» erschienen von 1751 bis 1780 mit mehr als 70‘000 Artikeln. 219 Einträge umfasst Frédéric Thiriez’ «Dictionnaire amoureux de la Montagne», vom Duc des Abruzzes bis zu Léon Zwingelstein. Aus der Schweiz wurden ein Tourismusort, drei Gipfel und sieben Persönlichkeiten eingebunden, darunter auch der am 30. April 2017 verunglückte Ueli Steck.
«Le problème des passions absolues, c’est qu’elles sont impossibles à vivre. Zwing, comme beaucoup, en est mort.»
Die Schlusszeilen beim 219. und letzten Stichwort eines 1006-seitigen Wörterbuches zum Berg – ein hartes Fazit. Hier fiel der absoluten (Berg)leidenschaft der Franzose Léon Zwingelstein zum Opfer, der zweimal alleine auf Ski die Alpen durchquerte und der am 13. Juli 1934 zusammen mit seinem Gefährten beim Abstieg vom Olan (3564 m) im Massif des Écrins vom Blitz erschlagen wurde.
Frédéric Thiriez, Jahrgang 1952, hat für die renommierte Reihe „Dictionnaire amoureux“ der Éditions Plon den Band über die Berge und den Alpinismus verfasst. Über 100 Bände umfasst die Kollektion; kürzlich erschien der Band zur Schweiz, und im Mai soll derjenige zum Leben herauskommen. Thiriez, von Hause aus Rechtsanwalt, hat zwei grosse Passionen: Fussball und Alpinismus. Von 2013 bis 2016 war er Präsident der Association des Ligues européennes de football, 1984 nahm er an der von Pierre Mazeaud geleiteten Expedition zum Hidden Peak teil.
219 Einträge umfasst der „Dictionnaire amoureux de la Montagne“, vom Duc des Abruzzes bis eben zu Léon Zwingelstein; dazu zahlreiche Anmerkungen, eine Bibliographie amoureuse sowie eine Inhaltsübersicht; was fehlt, ist ein Register zu allen im Werk erwähnten Personen, Gipfeln, Gebirgen etc. Spannende Einträge sind zu lesen, so – un peu à la française – zum Opinel-Messer, zu den Sentiers de Grande Randonnée, zu Mer et Montagne, wo Thiriez den Schriftsteller Victor Hugo zitiert, der von den Wellen als den Bergen des Ozeans und von den Bergen als den Wellen der Erde sprach. 17 Gipfel erhielten die Ehre eines eigenen Eintrages, darunter aus der Schweiz, nicht ganz überraschend, Eiger, Matterhorn und Jungfrau. Nur drei Tourismusorte der Alpen sind berücksichtigt: Chamonix und Zermatt selbstverständlich, und die Retortenskistation Les Arcs.
89 Personen sind ausführlich beschrieben, davon nur 6 Frauen; immerhin sind unter dem Stichwort „Femmes“ noch weitere Alpinistinnen zu finden. Gut die Hälfte der näher vorgestellten Personen stammen, auch das nicht wirklich eine Surprise, aus Frankreich. Von der Schweiz sind sieben Namen zu nennen: Vier Schriftsteller, ein Skifahrer und zwei Alpinisten. Albrecht von Haller, Jean-Jacques Rousseau, Rodolphe Töpffer, Charles Ferdinand Ramuz sowie Sylvain Saudan, le skieur de l’impossible. Und die beiden Bergsteiger? Einerseits Horace-Bénédict de Saussure, der berühmte (Alpen)forscher aus Genf, Drittbesteiger des Mont Blanc anno 1787, Wegbereiter des Alpinismus. Und andererseits Ueli Steck, eingebettet zwischen den Stichworten „Solitaire“ und „Stephen, Leslie“. Einen besseren Platz hätte Ueli kaum finden können.
Frédéric Thiriez: Dictionnaire amoureux de la Montagne. Éditions Plon, Paris 2016, € 27.- www.plon.fr