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Nimmersatt
Mycteria ibis
© 2012 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork © Owen Bell
Es gibt verschiedene Vogelsippen, deren Mitglieder mehrheitlich ein so charakteristisches Aussehen haben, dass sie auch von Nicht-Vogelkundlern sofort als solche angesprochen werden können. Die Eulen sind gewiss eine solche Sippe, die Papageien eine zweite, die Störche eine dritte. Von einem sehr typischen, in Afrika heimischen Storch, dem Nimmersatt (Mycteria ibis), soll hier berichtet werden soll.
Weltweit nur 19 Storchenvögel
Zur Familie der Störche (Ciconiidae) gehören neben den Eigentlichen Störchen (Ciconia) noch die Grossstörche (Ephippiorhynchus), die Marabus (Leptoptilos), die Jabirus (Jabiru), die Klaffschnäbel (Anastomus) und die Nimmersatte (Mycteria). Insgesamt bilden sie mit nur 19 Arten in den genannten sechs Gattungen keine besonders artenreiche Sippe. Da sie aber ökologisch gesehen allesamt sehr erfolgreich sind, ist ihre Verbreitung riesenhaft.
Die beiden Schwerpunkte der Artenvielfalt der Storchenfamilie befinden sich einerseits im tropischen Asien, wo 8 Arten als Brutvögel leben und 1 weitere, der Schwarzschnabelstorch (Ciconia boyciana), überwintert, andererseits in Afrika südlich der Sahara, wo sechs Arten als Brutvögel vorkommen und 2 weitere, der Weissstorch (Ciconia ciconia) und der Schwarzstorch (Ciconia nigra), überwintern. Im Gegensatz dazu ist in Australien nur 1 Art heimisch, nämlich der Riesenstorch (Ephippiorhynchus asiaticus), im nördlichen Asien ebenfalls nur 1 Art, nämlich der Schwarzschnabelstorch, in Europa sind es nur 2 Arten, nämlich der Weissstorch und der Schwarzstorch, und in ganz Amerika nur 3 Arten, nämlich der Jabiru (Jabiru mycteria), der Maguaristorch (Ciconia maguari) und der Waldstorch (Mycteria americana).
Körperbaulich sind die Störche zwar klar von den übrigen Vogelsippen abgrenzbar. Es hat sich in der Vergangenheit aber als recht schwierig erwiesen, ihre stammesgeschichtliche Herkunft zu eruieren und damit ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu den übrigen Vogelsippen festzulegen. Die Störche sind diesbezüglich in der Vogelwelt kein Einzelfall. Dies hat zwei Ursachen: Zum einen sind die heutigen Vögel weit einheitlicher gebaut als beispielsweise die Knochenfische, Reptilien und Säugetiere. Es gibt darum verhältnismässig wenige klare Merkmale, die bei gewissen Vögeln vorhanden sind und bei anderen nicht - die also die verlässliche Unterscheidung von Verwandtschaftsgruppen erlauben. Zum anderen hat die Vogelfauna im Zuge der Erlangung der Flugfähigkeit ein besonders filigranes, leichtes Skelett entwickelt, welches nach dem Tod der Tiere meist schnell verwest und zerfällt. Es sind darum kaum je genügend fossile Zeugnisse von Vogelarten aus vergangenen Erdepochen erhalten geblieben, um das verlässliche Erkennen stammesgeschichtlicher Entwicklungslinien zuzulassen.
Die in den 1980er-Jahren entwickelten molekulargenetischen Untersuchungsmethoden, die es möglich machen, die Verwandtschaft der heutigen Tierarten untereinander aufgrund der in ihrem Erbgut gespeicherten Informationen exakt festzustellen, hat die Erforschung des Stammbaums der Vogelfauna darum wahrhaft revolutioniert. Diese so genannten DNS- oder DNA-Analysen (DNS= Desoxyribonukeinsäure; DNA=Desoxyribonucleid Acid) waren jedoch in der Anfangsphase noch nicht ausgereift. Die Untersuchung der Storchenverwandtschaft zeigt dies beispielhaft:
Traditionell wurden die Störche zusammen mit den Reihern, den Ibissen, den Löfflern, dem Schuhschnabel und dem Hammerkopf in die Ordnung der Schreit- oder Stelzvögel (Ciconiiformes) gestellt. Da diese Gruppierung von alters her ziemlich umstritten war, wurde eine der ersten ornithologischen DNA-Analysen den Störchen gewidmet. Bei dieser gegen Ende der 1980er-Jahre durchgeführten Untersuchung wurde eine frühe Form der DNA-Analyse (DNA-Hybridisierung) angewendet, und diese lieferte ein überraschendes Resultat: Ihr zufolge bildeten die Störche den Mittelpunkt einer überaus formenreichen Vogelordnung, welche neben den traditionellen, oben genannten Schreitvögeln auch noch die Pinguine, die Pelikane und anderen Ruderfüsser, die Röhrennasen, die Lappentaucher, die Regenpfeiferartigen, die Flamingos und die Greifvögel mit einschloss.
Irgendwie mochte in der Fachwelt niemand diese riesenhafte «Allerweltsordnung» so recht wahrhaben, und darum fand die so genannte «Sibley-Ahlquist-Taxonomie» keine allgemeine Anerkennung. Tatsächlich wurde sie fast vollständig widerlegt, als bei einer in den 2000er-Jahren durchgeführten Untersuchung eine präzisere, in den 1990er-Jahren entwickelte Form der DNA-Analyse (DNA-Sequenzierung) eingesetzt wurde. Sie zeigte erstens, dass die Reiher, Ibisse und Löffler sowie der Schuhschnabel und der Hammerkopf näher mit den Pelikanen verwandt sind als mit den Störchen und darum mit jenen zusammen in einer separaten Ordnung namens Pelikanvögel (Pelecaniformes) zusammengefasst werden sollten. Zweitens zeigte sie, dass die einst mit den Pelikanen zusammengefassten Tölpel, Kormorane, Schlangenhalsvögel und Fregattvögel nicht näher mit diesen verwandt sind, sondern in eine eigenständige Ordnung namens Tölpelvögel (Suliformes) gestellt werden sollten. Und drittens ergab sie, dass die Störche innerhalb der Vogelfauna ziemlich isoliert dastehen und darum in der neu als Storchenvögel zu bezeichnenden Ordnung Ciconiiformes von allen übrigen Vogelordnungen separiert werden sollten. Die Ordnung Ciconiiformes ist also nach dem vermeintlich starken Anwachsen in den 1980er-Jahren erheblich geschrumpft und enthält jetzt einzig noch die Familie der Störche (Ciconiidae).
Mit Tastschnabel auf Beutefang
Der Nimmersatt ist ein grosser, langbeiniger, langhalsiger und langschnäbliger Vogel mit kurzem Schwanz, also ein sehr typisches Mitglied der Storchenfamilie. Die Gesamtlänge beträgt ungefähr 1 Meter, die Flügelspannweite etwa 1,5 Meter und das Gewicht um 2 Kilogramm. Die Männchen sind durchschnittlich eine Spur grösser und etwa 300 Gramm schwerer als die Weibchen, doch ist dies im Feld nicht erkennbar.
Das Verbreitungsgebiet des Nimmersatts ist enorm gross: Tatsächlich konnte er schon in sämtlichen Ländern Afrikas südlich der Sahara verzeichnet werden und kommt auch auf Madagaskar vor. Er bewohnt zur Hauptsache Feuchtgebiete, in denen das Wasser auf grösseren Flächen nur 10 bis 40 Zentimeter tief ist. Man kann ihm entlang von Flüssen begegnen, an den Rändern von Seen, in Sümpfen und Überschwemmungsebenen, ferner auch in Reisfeldern und an Staubeckenrändern. In Gezeitensümpfen, an Flussmündungen und in weiteren brackigen Küstenlebensräumen ist er hingegen nur vereinzelt anzutreffen, fernab eines Gewässers und im Bereich von Waldungen so gut wie nie.
Wie alle Störche ist der Nimmersatt ein Beutegreifer, ernährt sich also von lebenden Tieren. Während aber viele Störche bei der Beutesuche einen Grossteil der Zeit auf dem trockenen Land verbringen, geht er hauptsächlich im Wasser auf die Jagd. Seine Jagdstrategie besteht darin, langsam durch seichtes Wasser zu schreiten und dabei seinen leicht geöffneten Schnabel ins Wasser gesenkt zu halten und hin und her zu bewegen.
Sein Schnabel ist an der Spitze mit Tastsinneszellen ausgestattet, und diese bewirken, dass sich der Schnabel reflexartig innerhalb weniger Millisekunden schliesst, sobald ein Beutetier, das vom einherschreitenden Vogel aufgescheucht wurde, mit ihm in Berührung kommt. Die Tastschnabelspitze erlaubt dem Nimmersatt somit, seine Beute «blindlings» wahrzunehmen und zu packen, und darum kann er nicht nur in klarem, sondern auch in schlammigem, trübem Wasser auf die Jagd gehen, wo sich besonders viele Wasserlebewesen am und im weichen Gewässergrund verbergen. Er hat damit einen entscheidenden ökologischen Vorteil gegenüber Reihern und anderen Beute greifenden Watvögeln, welche auf Sicht jagen.
Wie andere Störche ist der Nimmersatt ein opportunistischer Jäger, der kaum ein Kleinlebewesen, das in seine Reichweite gerät, als Speise verschmäht. Er richtet sich bezüglich seiner Nahrung ganz einfach nach dem lokalen und saisonalen Angebot. Das Beutetierspektrum ist entsprechend breit und umfasst zwar in erster Linie Fische aller Art, daneben aber noch verschiedene weitere Wirbeltiere wie Schlangen, Frösche, Mäuse und Jungvögel, ferner Wirbellose aller Art, von Krebstieren über Libellenlarven und andere Wasserinsekten bis hin zu Würmern und Schnecken. Wie die meisten Störche geht der Nimmersatt gewöhnlich am Tag auf den Beutefang und ruht nachts auf einem Baum.
Ein Kleinkoloniebrüter
Mehrere Storchenarten, namentlich der Weissstorch, der Schwarzstorch und der Schwarzschnabelstorch, die im Norden Eurasiens zur Brut schreiten, sind bekannt dafür, dass sie Langstreckenzugvögel sind, welche alljährlich zwischen ihren nördlichen Brutgebieten und ihren weit entfernten südlichen Winterquartieren hin und her pendeln. Mit dem Abdimstorch (Ciconia abdimii) ist aber auch eine afrikanische Art ein echter Zugvogel: Er brütet grossenteils in den Halbwüsten der Sahelzone und im äthiopischen Hochland, überfliegt dann nach dem Ende der Brutzeit den Äquator in südlicher Richtung und verbringt den Rest des Jahres in den ost- und südafrikanischen Savannen.
Die meisten anderen Storchenarten erweisen sich in ihrem Wanderverhalten als ziemlich variabel und richten sich einfach nach den örtlichen Gegebenheiten. Zu ihnen zählt auch der Nimmersatt: Verschiedene seiner regionalen Bestände führen ein sesshaftes Leben, bleiben also das ganze Jahr über ihrem Brutgebiet treu. Andere Bestände ziehen alljährlich zwischen ihren mehr oder weniger weit auseinander liegenden Brut- und Nichtbrutgebieten hin und her. Und nochmals andere verlassen jeweils nach der Jungenaufzucht ihre Brutgebiete und verbringen die Nichtbrutsaison halbnomadisch über ein weites Areal verstreut.
Während gewisse Storchenarten, darunter der Silberklaffschnabel (Anastomus oscitans), in dichten Kolonien mit mehreren Dutzend bis mehreren hundert Paaren brüten, verhalten sich andere, zum Beispiel der Sattelstorch (Ephippiorhynchus senegalensis), beim Brüten als strikte Einzelgänger. Der Nimmersatt bewegt sich zwischen diesen beiden Extremen: Er ist zwar ein Koloniebrüter, doch umfassen seine Kolonien meistens nur ein bis zwei Dutzend Paare. Nicht selten brütet er allerdings in gemischten Kolonien mit anderen Feuchtgebietsbewohnern zusammen, darunter dem Mohrenklaffschnabel (Anastomus lamelligerus), dem Heiligen Ibis (Threskiornis aethiopicus), dem Schmalschnabellöffler (Platalea alba) und verschiedenen Reiherarten.
Das Nest, eine grosse Plattform mit zentraler Mulde, wird aus Ästen und Zweigen gebaut und befindet sich vielfach in einem kleinen, am oder im Wasser stehenden Baum, manchmal aber auch in einem mächtigen Baum an Land. Der Bau eines neuen Nests ist allerdings selten nötig, denn die Nimmersatte besetzen gewöhnlich ein gebrauchtes Nest aus dem Vorjahr und reparieren und erweitern dieses teils mit frischem Nistmaterial, teils mit Material aus benachbarten alten Nestern.
Früher war man der Ansicht, dass alle Störche eine monogame Lebensweise führen, dass sie also jeweils nach der Geschlechtsreife lebenslange Paarbindungen eingehen. Heute wissen wir, dass dies nur für die territorialen, einzelgängerischen Arten gilt, während sich bei den in Gruppen oder Kolonien brütenden Arten alljährlich neue Partnerschaften bilden. Die meisten Individuen tendieren allerdings dazu, Jahr für Jahr zur selben Kolonie und sogar zum selben Nest zurückzukehren, sofern die vorjährige Brut dort erfolgreich verlief. Die Wahrscheinlichkeit, dass an einem bestimmten Nest dieselben beiden Vögel wie im Vorjahr zusammentreffen und sich für das Brutgeschäft zusammentun, ist darum gross. Vielfach sind die neuen Partnerschaften deshalb die alten, obschon die Partner ausserhalb der Brutsaison nicht miteinander verbunden bleiben.
Unabhängig davon, ob dieselben Partner zusammenfinden oder ob eine neue Partnerschaft eingegangen wird, kommt es zu einer längeren Balzphase. Sie ist gekennzeichnet durch häufiges Schnabelklappern. Es folgt die Nestrenovierungs- und Begattungsphase. Dann legt das Weibchen zwei bis fünf Eier, die anschliessend von beiden Partnern im Verlauf von 30 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen wiegen zu Beginn nur etwa 60 Gramm und sind nackt und hilflos, doch wachsen sie dank der regen Fütterung mit frischem Fisch durch beide Eltern rasch heran. Im Alter von etwa einem Monat wiegen sie schon etwa 1,5 Kilogramm, und im Alter von rund zwei Monaten verfügen sie bereits über ein vollständiges Jugendgefieder und sind flugfähig.
Die jungen Nimmersatte verlassen alsbald das Nest und gehen in der näheren Umgebung auf die Nahrungssuche. Während ein bis zwei Wochen kehren sie zwar regelmässig zum Nest zurück, um dort die Nacht zu verbringen, zu ruhen oder die Eltern um Futter anzubetteln. Danach lösen sie sich aber endgültig von ihren Geschwistern und ihren Eltern und ziehen auf eigene Faust los. Zur Fortpflanzung schreiten sie ihrerseits im Alter von zwei bis drei Jahren. Das Höchstalter dürfte recht hoch sein; beim nah verwandten Waldstorch (Mycteria americana) liegt es bei 18 Jahren in der freien Wildbahn und bei 27 Jahren in Menschenobhut.
Aufgrund seines grossen Verbreitungsgebiets und seiner bemerkenswerten Anpassungsfähigkeit an verschiedene Lebensumstände wird der Nimmersatt derzeit nicht als in seinem Fortbestand gefährdet eingestuft. Laut BirdLife International, der Organisation, welche mit der Einschätzung der Bestands- und Gefährdungssituation der Vögel betraut ist, sind seine Bestände jedoch meistenorts infolge von Lebensraumverlust und Gewässerverschmutzung leicht rückläufig, weshalb es gilt, die weitere Entwicklung der Population nicht aus den Augen zu verlieren.
Legenden
Der Nimmersatt (Mycteria ibis) ist ein grosser, langbeiniger, langhalsiger und langschnäbliger Vogel mit kurzem Schwanz, also ein sehr typisches Mitglied der weltweit 19 Arten umfassenden Familie der Störche (Ciconiidae). Seine Gesamtlänge beträgt etwa 1 Meter, die Flügelspannweite ungefähr 1,5 Meter und das Gewicht um 2 Kilogramm. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt, doch sind die Männchen durchschnittlich eine Spur grösser und etwa 300 Gramm schwerer als die Weibchen, was im Feld allerdings nicht zu erkennen ist.
Das Verbreitungsgebiet des Nimmersatts ist enorm gross: Er konnte schon in sämtlichen Ländern Afrikas südlich der Sahara verzeichnet werden und kommt zudem auf Madagaskar vor. Zur Hauptsache bewohnt er Feuchtgebiete, in denen das Wasser auf grösseren Flächen nur 10 bis 40 Zentimeter tief ist. Man kann ihm vor allem entlang von Flüssen begegnen, an den Rändern von Seen, in Sümpfen und Überschwemmungsebenen. In Gezeitensümpfen, an Flussmündungen und in weiteren brackigen Küstenlebensräumen ist er hingegen selten anzutreffen, fernab eines Gewässers so gut wie nie.
Der Nimmersatt ernährt sich von Fischen und weiteren Kleintieren, die er beim langsamen Umherschreiten im seichten Wasser aufzustöbern vermag. Seine tastempfindliche Schnabelspitze erlaubt es ihm, Beutetiere «blindlings» wahrzunehmen und zu packen. Darum kann er - im Gegensatz etwa zu Reihern - auch in schlammigem, trübem Wasser auf die Jagd gehen, wo sich besonders viele Wasserlebewesen am und im weichen Gewässergrund verbergen. Das Bild zeigt drei jugendliche Nimmersatte im South-Luangwa-Nationalpark in Sambia.
Der Nimmersatt brütet in kleinen Kolonien von meistens nur ein bis zwei Dutzend Paaren. Das Nest, eine grosse Plattform mit zentraler Mulde, wird aus Ästen und Zweigen gebaut und befindet sich vielfach in einem kleinen, am oder im Wasser stehenden Baum. Das Gelege umfasst zwei bis fünf Eier, die von den beiden Altvögeln im Verlauf von dreissig Tagen ausgebrütet werden.
Im Alter von etwa zwei Monaten verfügen die nestjungen Nimmersatte über ein vollständiges Jugendgefieder und sind damit flugfähig. Sie verlassen alsbald das Nest und gehen in der näheren Umgebung auf die Nahrungssuche. Während ein bis zwei Wochen kehren sie noch regelmässig zum Nest zurück, um dort die Nacht zu verbringen, zu ruhen oder die Eltern um Futter anzubetteln. Danach ziehen auf eigene Faust los. Zur Fortpflanzung schreiten sie ihrerseits im Alter von zwei bis drei Jahren.
«Gelbschnabelstorch» (Yellow-billed Stork) nennen die Engländer den Mycteria ibis. Weshalb er auf deutsch «Nimmersatt»heisst, ist schleierhaft. Schon Brehm wusste 1879 diesbezüglich keinen Rat: «Laut Bodinus ist das Merkwürdigste an diesem Vogel, dass er den geöffneten Schnabel ins Wasser steckt, als ob er erwarte, dass seine Beute ihm ohne weiteres in den Schlund hineinspazieren müsse. Dieses Benehmen passt schlecht zu seinem Namen «Nimmersatt». Er ist durchaus nicht gefrässiger als seine Verwandten; ich möchte ihn vielmehr mässiger nennen. Sein Betragen bekundet Gemächlichkeit und Seelenruhe.» Ein Hinweis gibt vielleicht der ehemalige Gattungsname Tantalus. Der hochmütige griechische König Tantalus musste ja zur Strafe für seinen Hochmut den Göttern gegenüber in der Unterwelt hungern und dürsten; die hängenden Früchte über ihm und das Wasser unter ihm wichen zurück, sobald er danach griff (Tantalusqualen). Er wurde nimmer satt. Möglicherweise erinnerte sich der frühe Naturforscher an diesen altgriechischen Mythos, als er den Vogel benennen sollte, der mit stets geöffnetem Schnabel im Wasser einherschritt und scheinbar vergeblich auf Beute hoffte.
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