Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03189.jsonl.gz/2447

Stefan Schmutz and I met four years ago at MLP’s summer seminar in Kientalerhof. He told me about his music theatre projects with mentally disabled people. The following winter I bought tickets for their performance in the dojo of the Reitschule Bern. The theatre group “Just a Moment” by the parents association insieme, under leadership of Irmgard Eggel and Stefan Schmutz, was performing their piece «Schöner Gigolo – beau Gigolo» (“Beautiful Gigolo”).
I dove into the incredible history of a normal farm slowly turning into a beauty farm. I was deeply touched by the expressiveness and acting performances of all of the actors. As a collective they self-produced a piece whose dramatic form and history were tantalizing from the start. The music, the sounds and in particular the ever-crowing rooster kept surprising me in unexpected and humorous ways. After the performance Stefan told me that the previous night was quite different; one of the musicians was playing more tentatively at today’s performance. It seems, the group plays according to their name “Just a Moment”.
We met again in January 2019 and exchanged thoughts. «It’s not about music, it’s about community» (Arthur Hull) – in Stefan’s experience, music develops once connections, contacts, dialog and interaction take place. Improvisation can lead to magical moments, dispersing boundaries and supposed differences between people. These encounters happen at the center of everything – right and wrong do not play a role anymore, music connects and just exists.
How is it possible to bring people with barely any experience into play, people nobody believed capable of doing something like this?
During our conversation we were listening to recordings. There were quiet moments, phases pushing for movement, crackling little miracles making expressive, human emotion audible. Stefan realized that his fascination for improvisation stems from the fact that, within this environment, musicians are allowed express themselves equally and in their very own way.
He found his own ideas in order to produce shapes from chaos but at the same time allowing delicate sounds and intervals to exist. Gestures, facial expressions and different basic musical forms such as pulsating or streaming, accompanying and leading with different instruments (ukulele, xaphoon, cajón) and your voice, as well as providing instruments for characteristic sounds are suitable methods Stefan uses.
It’s a mixture I cannot resist. He shows me a play in which he references flying movements by using hissing noises and wing movements with his arms. Very clearly he then goes on to beat the drum but stops just short of his palm touching the drum. This is when the whole group tries to imitate, to also «be still». The musicians like this so much, they want to keep repeating it. Grinningly Stefan says that this is usually a very humorous exercise.
Very important to Stefan: that the actors earn their applause not because of their disabilities but because they were able to convince and move the audience with their performances. This demands commitment and regular practices together.
«Schöner Gigolo – beau gigolo» convinces in every way. The collective was the center of attention and the actors were able to unfold their abilities. I am already looking forward to this year’s performance «Mallorca» (Dates: Tavers on March 2
3rd/24th and Bern in the Dojo on April 5th/6th 2019) by the theatre group «Just a Moment» (insieme-fribourg).
Matthias Rauh
Stefan Schmutz und ich haben uns vor vier Jahren im MLP Sommer Seminar im Kientalerhof kennen gelernt. Er erzählte mir, dass er Musiktheaterprojekte mit geistig behinderten Menschen mache. Im Winter des selben Jahres löste ich Tickets für die Aufführung im Dojo der Reitschule Bern, wo die Theatergruppe «Just a Moment» der Elternvereinigung insieme unter der Leitung von Irmgard Eggel und Stefan Schmutz das Stück «» spielte.
Ich tauchte in eine phantastische Geschichte eines Bauernhofes ein, der sich allmählich in eine Schönheitsfarm verwandelte. Die Ausdruckskraft und die schauspielerische Leistung der einzelnen Darsteller*Innen berührten mich sehr. Das Kollektiv hatte eine Eigenproduktion entwickelt, die dramaturgisch und von der Geschichte her vom ersten Moment an faszinierte.
Die Musik, die Klänge und insbesondere ein Hahn, der immer wieder krähte, überraschten immer wieder unerwartet und humorvoll. Stefan erzählte mir nach der Aufführung, der vorangehende Abend sei völlig anders verlaufen. Einer der Musiker, habe heute viel zurückhaltender gespielt. Die Gruppe spielte also auch mit der Qualität «Just a Moment».
Im Januar 2019 trafen wir uns wieder und tauschten aus. «It’s not about music, it’s about community»(Arthur Hull) - Stefan erlebt es immer wieder, dass Musik dann entsteht, wenn Verbindung, Kontakt, Dialog und ein Zusammenspiel stattfinden. Auf diese Weise können magische Momente in der Improvisation entstehen, in denen sich die Grenzen und vermeintlichen Unterschiede von Menschen plötzlich auflösen, in denen Begegnung im Kern stattfindet, richtig und falsch keine Rolle mehr spielen, die gemeinsame Musik einfach da ist!
Wie ist es möglich Menschen, die kaum Erfahrungen mitbringen und denen verschiedene Fähigkeiten vielleicht gar nicht zugetraut wurden, ins Spiel zu bringen?
Im Verlaufe des Gesprächs horchten wir in Aufnahmen. Es gab in den Aufzeichnungen stille Momente, Phasen, die nach einem Anstoss drängten, dann diese knisternden kleinen Wunder, in denen ausdrucksstarke menschliche Regungen hörbar wurden. Stefan bemerkt, dass er die Improvisation gerade deshalb so spannend finde, weil sich die Musizierenden innerhalb eines gehaltenen Raums auf ihre ureigene Weise gleichberechtigt ausdrücken dürfen.
Damit aus dem Chaos Formen entstehen, die auch die feinen Klänge und die Pausen erlauben, hat er seine eigene Anregungen gefunden. Mimik und Gestik und verschiedene musikalischen Grundformen, wie z.B. Pulsieren oder Strömen, das Begleiten und Leiten mit verschiedenen Instrumenten (Ukulele, Xaphoon, Cajon) und mit der Stimme, so wie das zur Verfügung-Stellen von Instrumenten für charakteristische Klangwelten sind mögliche geeignete Mittel, die er in seiner Rolle als Leiter einsetzt.
Eine Mischung, der auch ich nicht widerstehen kann. Er zeigt mir ein Spiel, bei dem er über Zischlaute und Flügelbewegungen mit den Armen Flugbewegungen andeutet, dann überdeutlich mit den Armen zu einem Trommelschlag ausholt und stoppt, kurz bevor seine Hände mit dem Fell in Berührung kommen. An diesem Punkt versuche jeder der Gruppe, ob es ihm auch gelinge «still zu bleiben». Diese Form komme so gut an, dass die Mitmusiker sie mehrfach wiederholen möchten. Das geschehe dann meist nicht ganz humorlos, meint Stefan schmunzelnd.
Es ist Stefan ein Anliegen, dass die Schauspieler nicht wegen ihrer Einschränkung beklatscht werden, sondern weil ihre schauspielerische Leistung überzeugt und berührt. Das bedingt von allen Beteiligten viel Einsatz und gemeinsames regelmässiges Vorbereiten.
Im Stück «» gelang es auf allen Ebenen. Das Kollektiv stand im Vordergrund und die Schauspieler konnten ihr Können entfalten. Ich freue mich schon jetzt auf die diesjährige Vorstellung «Mallorca» (Spieldaten: OS Tavers 23. / 24. März und Bern im Tojo 5./6. April 19) der Theatertruppe «» (.
Die Elternorganisation insieme engagiert sich für rechtliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Voraussetzungen, die es Menschen mit einer geistigen Behinderung erlauben, ein würdiges Leben zu führen. Das gemeinsame Ziel von insieme: Menschen mit geistiger Behinderung gehören dazu. Sie leben mitten unter uns – eigenständig, selbstbestimmt, so normal wie nur möglich.