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Auch wenn jetzt viele protestieren: Ich finde Frühstücksbuffets völlig überbewertet. Wahrer Luxus sieht anders aus.
Wenn ich zuhause ein richtig schönes Frühstück geniessen will, muss ich Brötchen holen, das Brot aufschneiden, Wurst und Käse auf einem Teller drapieren, Orangensaft einschenken, Konfitüre in Schälchen füllen, die Butter nicht vergessen, Milch über Frühstücksflocken giessen, den Kaffee aus der Maschine lassen – und dann alles zum Tisch tragen.
In den Ferien soll es mir richtig gut gehen. Ich gönne mir ein Vierstern-Hotel mit einem viel gelobten Frühstücksbuffet. Und am Morgen muss ich Brötchen holen, das Brot aufschneiden, Wurst und Käse auf einem Teller drapieren, Orangensaft einschenken, Konfitüre in Schälchen füllen, die Butter nicht vergessen, Milch über Frühstücksflocken giessen, den Kaffee aus der Maschine lassen – und dann alles zum Tisch tragen.
Neulich war ich für eine Recherche in Heidelberg. Es war Januar, bitterkalt und wahrlich keine Saison für Touristen. An zwei Tagen waren wir neben einem Geschäftsreisenden die einzigen Gäste im (sehr empfehlenswerten) Hotel Hirschgasse. Die Direktion hatte völlig zu recht beschlossen, dass es albern sei, für drei Leute in der historischen Stube das übliche Frühstücksbuffet aufzubauen.
Und so fanden wir stattdessen schon auf unserem Tisch ein wunderbares Ensemble vor: Da gab es einen wohlsortierten Brotkorb, knusprige Croissants, drei Sorten Konfiture und Honig, von Hand gepressten Orangensaft, frisch aufgeschnittene Früchte; auf einer Etagiere lagen feiner Käse, Schinken, Wurst und sogar einige Tranchen Lachs sowie geräuchertes Forellenfilet; dazu brachte der Küchenchef meinem Begleiter ein luftiges Omelette und mir ein echt englisches Porridge. Das nenn ich ein zivilisiertes Frühstück. Nicht diese ständige Unruhe, weil irgendeiner wieder zum Buffet spurtet, um mit einem wilden Querschnitt des Gebotenem auf einem völlig überladenen Teller zurückzukehren.
Dass ein Buffet eigentlich nur Pseudo-Luxus ist, war mir vor mehr als 20 Jahren in Mexiko aufgefallen. In einem noblen City-Hotel im geschäftigen Monterrey im Norden des Landes hatte man diese damals für Amerikaner ganz neumodische und sehr europäische Sitte eines Frühstücksbuffets gerade eingeführt. Und so kamen einige Damen der feinen Gesellschaft der Stadt offenbar vor dem Shoppen vorbei, um es auszuprobieren. Doch sie gingen es völlig anders an als unsereins. Von zuhause selbstverständlich an Personal gewöhnt, schnappten sie sich jeweils einen Kellner, deuteten am Buffet auf alles was sie gerne hätten, und liessen sich dieses von professioneller Hand am Tisch servieren. Sogar die Serviette liessen sie sich noch auf den Schoss legen.
Ich muss zugeben, ich habe nicht herausfinden können, wann das Frühstücksbuffet seinen Siegeszug durch die Welt angetreten hat. In den Ferienhotels meiner Kindheit gab es sie in jedem Fall noch nicht. Zum ersten Mal begegneten sie mir bei einem Last-Minute-Missgriff meiner Eltern Mitte der siebziger Jahre auf Mallorca. Aber schon als Teenager wurde mir klar, worum es in dem Massen-Hotel eigentlich ging: Den Touristen suggerierte man Überfluss und Grosszügigkeit, während man doch eigentlich nur Personal sparen wollte.
Angelsachsen auf Reisen mögen heute noch nicht einhellig in das Lob des Frühstücksbuffets einstimmen. Das ist immer wieder aus den Kommentaren der Bewertungsportale herauszulesen. Ihre Vorstellung von einer angemessenen Unterlage für den Tag verlangt nach einem versierten Koch. Seien es die Blueberry Pancakes der Kanadier, das English Breakfast mit seinen seltsamen Zutaten (ich sage nur: Black Pudding) oder gar das aufwendige Egg Benedict der Amerikaner. In anständiger Qualität ist so etwas nur à la Carte hinzubekommen.
Einen Umschwung stelle ich auch in Deutschland fest. Gerade für eine gewisse urbane Schicht ist das Frühstück auswärts zum Lifestyle-Event geworden. Man geht in einschlägige Cafės und lässt sich phantasievolle Kreationen servieren vom«Sylter Frühstück» mit Krabben, Lachs und Roggenbrot über den «Giraffen-Schmaus» mit gebackenem Hähnchenbrustfilet in Mandelhülle, Rucola-Mozzarella-Röllchen und Kräuterrührei bis zum «Westernfrühstück» mit Bacon, Steak und Bratkartoffeln. Und selbst in Mallorca hat man umgesattelt. Eine der angesagtesten Locations dafür ist das «Noah’s» in Cala Ratjada.
Übrigens, wer nicht uncool wirken will, taucht dort nicht vor 13 Uhr zum Frühstück auf.
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