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Wie äussert sich Rechenschwäche bei Kindern in den ersten Schuljahren? Was sind die Fähigkeiten, die ihnen im Vergleich zu anderen Kindern fehlen? Wie kann man die Probleme zuverlässig erkennen und wie kann man diesen Kindern helfen, ihre Kompetenzen auszubauen?
Um erfolgreich Rechnen zu lernen, müssen Kinder über bestimmte numerische Basiskompetenzen verfügen. Sie müssen ein Gefühl für Zahlen, Zählen und einen Bezug zur praktischen Anwendung entwickeln. Die Kinder, die hier Defizite haben, fallen meist schon in den ersten Schuljahren auf. Gemäss Gaupp, Zoelch und Schumann –Hengsteler (2004) zeigen sich die Schwächen meist in folgenden Bereichen:
Vergleichen von Zahlen (welche Zahl ist grösser oder kleiner)
Bestimmung von Zahlen auf einem Zahlenstrahl
Schätzen von Mengen
Schwierigere Zählaufgaben (z.B. nur jede dritte Zahl zählen)
Bestimmung einer Zahl als Einer, Zehner oder Hunderter
Die Symptome sind vergleichsweise gut zu erkennen, die Ursachen sind indes schwer zu bestimmen. Ein gewisser Anteil der notwendigen Kompetenzen scheint angeboren und bei rechenschwachen Kindern entsprechend schwach entwickelt zu sein. Häufig zeigen sich bei derartigen Dispositionen u.a. auch Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben.
Viele rechenschwache Kinder haben bereits in der dritten oder vierten Klasse den Anschluss verloren, da sie die grundlegenden Kompetenzen der ersten Schulklassen nicht erworben haben. Wenn aber die Defizite richtig diagnostiziert werden, können auch Schulkinder noch wirksam gefördert werden.
Um bei einem Kind also bestmöglich festzustellen, welche Probleme es beim Umgang mit Zahlen und Rechenoperationen hat, bedarf es einer individuellen Diagnostik.
Hierfür gibt es zahlreiche standardisierte Testverfahren, die sich entweder auf bestimmte Inhalte beziehen, auf Altersstufen, auf die Art der Durchführung (Einzel- oder Gruppentest) oder sich hinsichtlich ihrer Normierungsqualität unterscheiden. Ise und Schulte-Körne (2013) legen hierzu die grundlegenden Kategorien basismathematischer Diagnostik sowie bewährte Fördermassnahmen dar.
Gemäss ihrer Einteilung gibt es Verfahren, die sich am Stoff der Lehrpläne orientieren (z.B. Tests der DEMAT-Reihe), oder die sich auf bestimmte Kriterien der mathematischen Kompetenzen konzentrieren (z.B. ZAREKI oder TEDI-MATH). Daneben gibt es Mischformen, die sowohl Bereiche des Schulstoffs testen als auch basismathematische Fähigkeiten (so z.B. der HRT 1-4 im Grundschulbereich und der BASISMATH 4-8 für ältere Schüler, der bald auch als Gruppentest erhältlich sein wird).
Die Diagnose der Rechenstörung trifft dann nicht zu, wenn die Schwierigkeiten beim Rechnen auf andere Kontextfaktoren zurückzuführen sind, etwa mangelnde Förderung, unzureichende Vermittlung, zu wenig Übung, oder etwa Probleme beim Sehen oder Hören. Genau hier greift die Diagnostik, um den Kern der Schwierigkeiten aufzudecken und optimale Förderung zu ermöglichen.
Welches sind nun die Fördermassnahmen, von denen rechenschwache Kinder am meisten profitieren?
Am meisten profitieren rechenschwache Kinder von individueller Förderung. Diese ist wirksamer als Förderung in der Klasse oder durch Computerprogramme.
Die Förderung sollte genau an den Bedarf des Kindes angepasst sein, und nicht aus Standardpaketen oder –programmen bestehen.
Die Lerninhalte sollten gut strukturiert sein und systematisch aufeinander aufbauen.
Die Förderung mathematischer Basiskompetenzen ist nicht nur Vorschulkindern vorbehalten – auch Schulkinder mit Rechenschwäche können noch davon profitieren z.B. effizientere Zählstrategien zu entwickeln.
So genanntes Blitztraining (Auswendiglernen arithmetischer Fakten) hilft rechenschwachen Kindern, sich zu verbessern.
Die Angst vor Mathematik und Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit („ich kann das sowieso nicht“) sind das größte Hindernis bei der Förderung. Deshalb sollte das Training frühzeitig beginnen noch bevor sich Ängste festsetzen können.
Alles, was die Kinder motiviert, verhilft zu mehr Erfolg. Dies können kleine Belohnungen sein oder ansprechende Übungen am Computer.
Regelmäßiges Üben und Wiederholen der gelernten Inhalte hilft.
Förderung ist umso wirksamer, je besser die Lehrkräfte in Diagnostik und Förderung geschult sind und optimal auf den individuellen Bedarf des rechenschwachen Kindes eingehen können.