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Die Spuren des vermutlich ersten Stauwehrs in der Region Basel sind verwischt. In der Römerzeit (1. Jh.) wurde zur Wasserversorgung Augusta Rauricas die Ergolz auf der Höhe der Grenze zwischen Liestal und Lausen aufgestaut. Die Nutzung der Energie des Wassers liess aber noch ein wenig auf sich warten. Die ersten Relikte einer Mühle wurden in Reigoldswil bei Ausgrabungen von Steinplattengräbern aus der Karolingerzeit (8. Jh.) entdeckt. Diese waren aus Bruchstücken von Mühlsteinen gefertigt. Im Hochmittelalter erfuhr die Wasserkraft einen regelrechten Boom, der bis zur Industrialisierung anhielt und sie zur Energiequelle erster Wahl machte. Die Formen der Nutzung waren vielfältig. Beispielsweise wurde die Kraft des Wassers zum Flössen, also für den Holztransport etwa auf Birs, Wiese und Rhein eingesetzt. Zunächst flottierten die Baumstämme frei flussabwärts, bis man später die sicherere, gebundene Technik anwendete. Die Flösserei auf dem Rhein verlor im beginnenden 20. Jh. an Bedeutung.
Durch die ersten Wasserräder wurden Getreide- und Papiermühlen, Dreschmaschinen, Sägereien, Spinnereien und Hammer- und Nagelschmieden angetrieben. Die «Oltiger Sagi» an der Ergolz ist ein heute noch erhaltenes, funktionstüchtiges Beispiel der frühen Wasserkraftnutzung.Von besonderer Bedeutung war die Errichtung des St. Alban-Teichs und der weiteren Gewerbekanäle in Basel. Der St. Alban-Teich wurde ursprünglich im 11. Jh. für die Mühlen im St. Albantal angelegt; bei St. Jakob wurde Wasser aus der Birs abgezweigt und in einem Kanal zum Kloster geleitet. Durch Wuhre waren die baulichen Voraussetzungen für eine intensivere Nutzung gegeben, und aufgrund der regen Nachfrage wurde im Jahr 1284 zusätzlich der hintere Teich als zweites Gewässer gegraben. Während man anfangs ausschliesslich Kornmühlen betrieb, kamen später auch Schleif-, Säge-, Gewürz- sowie Farbmühlen und schliesslich im 15. Jh. Papiermühlen hinzu. Aus den ansässigen Nutzern («Lehen») bildete sich 1336 die Teichkorporation, die fortan im Gegenzug zum Nutzungsrecht für den Unterhalt des Teichs zuständig war. Die Korporation besteht noch heute und verfügt weiterhin über die Nutzungsrechte am Wasser.
Bis im 19. Jh. wurde die Wasserkraft ausschliesslich mechanisch genutzt. Eine erste Veränderung bahnte sich mit der Industrialisierung an: Im Jahr 1864 wurden in Basel 500 durch Wasserkraft und 750 durch Dampfkraft betriebene Webstühle verzeichnet. Dennoch verlor die Wasserkraft nicht an Attraktivität, was vor allem durch den Siegeszug der Elektrizität bedingt war. In der Region Basel nahm die Erzeugung von elektrischem Strom durch Wasserkraft einen bescheidenen Anfang: Die Basler Färberei Shetty am Teichgässlein produzierte mittels eines Wasserrads Strom für die Beleuchtung. Die anfangs im Vergleich zum Kanton Basel-Landschaft schleppende Elektrifizierung Basels schritt dann aber zügig voran.
Bei Rheinfelden machte Deutschland im Jahr 1894 den Anfang und erbaute das erste von heute zwölf Hochrheinkraftwerken. Basels erstes Hochrheinkraftwerk, damals das modernste Europas, wurde 1912 in Augst erbaut. Es produzierte zum Zeitpunkt der Fertigstellung das Zehnfache des Basler Strombedarfs! Im Jahre 1954 stellte man das Laufkraftwerk Birsfelden fertig. Bis heute bezieht die Stadt Basel gut 98 % der elektrischen Energie aus Wasserkraft, was speziell in Zeiten des Klimawandels und steigender Nachfrage nach ökologisch produziertem Strom von Vorteil ist.
Die Kohlendioxidbilanz eines Wasserkraftwerks ist gut – Wasserkraft gilt als «grüne Energie». Doch der Kohlendioxidausstoss widerspiegelt nicht die volle Bandbreite ökologischer Auswirkungen. Erste Reklamationen sind bereits aus dem Jahr 1446 bekannt: Basels Fischer beschwerten sich darüber, dass durch den St. Alban-Teich die Fischwanderung verhindert würde. Dies ist auch heute noch aktuell; die Wasserkraftwerke behindern mit ihren Wehren die Fischwanderung flussaufwärts. Flussabwärts droht den Fischen Gefahr bei der Passage durch die Turbinen. Besonders gefährlich für die Fische sind dabei Kleinkraftwerke mit ihren verhältnismässig schnell rotierenden Turbinen. Wirkungsvolle Fischaufstiegshilfen und Einrichtungen, die eine Passage durch die Turbinen verhindern, sind für die Schonung der Fischbestände wichtig, jedoch erst an wenigen Kraftwerken realisiert.
Die Reduktion der Fliessgeschwindigkeit von Gewässern durch Stauwehre führt zur Beeinträchtigung längerer Flussstrecken als Lebensräume. Der Hochrhein zwischen dem Bodensee und Basel hat seinen Fliesscharakter verloren und ist heute eine Kette aus Stauseen. Infolgedessen haben im 20. Jh. Kleintier- und Fischarten stehender Gewässer im Rhein zugenommen. Die früher lockere und ständig umgelagerte Flusssohle ist heute beinahe stabil. Die Zwischenräume im Schotter, wo früher Lachse und Forellen abgelaicht haben, sind heute verstopft (kolmatiert). Laufkraftwerke und insbesondere Kleinwasserkraftwerke stellen relativ grosse Eingriffe in regionale Flussökosysteme dar. Bei Kleinkraftwerken kommt hinzu, dass viele von ihnen bei den aktuellen Strompreisen fast nicht rentabel zu betreiben sind.
DK / MS