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|Auszüge aus dem Buch

Maktab Tarighat Oveyssy Shahmaghsoudi (Sufismus)
Die Wurzeln von Maktab Tarighat Oveyssi Shahmaghsoudi (MTO), Schule des islamischen Sufismus, werden über eine Reihe von aufeinander folgenden Sufi-Meistern auf den Propheten Mohammed und Emam (auch Imam genannt; Nachfolger Mohammeds) Ali, dessen Vetter und Schwiegersohn, zurückgeführt. Eigentlicher Gründer von MTO ist der aus Jemen stammende Oveys Gharani (Uways al-Qarani), ein Zeitgenosse von Mohammed. Gemäss vorhandenen Büchern mit unterschiedlichen Quellen liess Mohammed kurz vor seinem Tode Oveys Gharani sein Gewand übergeben; eine Geste, die seine heilige Würde symbolisiere. Auch habe Mohammed die Worte «Folgt dem Pfad Oveys‘» gesprochen. Das Gewand wird seitdem jedem nachfolgenden Meister bis zum heutigen Tag weitergereicht. Die meisten Meister der Schule stammten aus Persien, wo sie zu ihrer Zeit jeweils eine Hand voll sorgfältig ausgesuchter Schüler unterrichteten. Durch Molana Shah Maghsoud Sadegh Angha, 40. Meister von MTO, wurde die Schule 1979 auch für westliche Interessenten zugänglich gemacht. Jetziger Meister ist sein Sohn, Molana Salaheddin Ali Nader Shah Angha, von seinen Schülern Hazrat Pir genannt.
Hazrat Pir studierte in den USA Mathematik und Physik. Er setzte die Arbeit, die bereits unter Anleitung seines Urgrossvaters begann, fort und übersetzte die traditionelle Terminologie des Sufismus in die Sprache der Wissenschaft. Unter seiner Anleitung erlebte die Schule ein starkes Wachstum und unterrichtet heute nach eigenen Angaben weltweit mehr als 500000 Studenten. In Virginia, nahe Washington DC wurde ein neues Zentrum errichtet, welches für 1100 Studenten Platz bietet. Die Hälfte der Studenten von MTO stammen aus Persien, doch sind heute vermehrt Studenten mit verschiedensten religiösen, geografischen und kulturellen Wurzeln anzutreffen, und der Anteil an amerikanischen wie europäischen Studenten steigt stetig an.
Die Lehren von MTO basieren auf dem heiligen Koran. MTO sieht sich als Repräsentant des Islam. Der Sufismus wird als Schule der Selbsterkenntnis beschrieben, in der die Schüler gelehrt werden, «ihre verborgenen Talente und Fähigkeiten zu entdecken, ihr Verständnis zu erweitern, ihre eigenen Existenzgrenzen zu überschreiten und letztendlich durch die Himmel ihres Daseins zu reisen». Hazrat Pirs Lehrmethode ist sehr direkt und herausfordernd. Von seinen Schülern wird sie als anspruchsvoll beschrieben. Grossen Wert wird auf das Selbststudium gelegt. Ein wahrer Schüler gibt sich nicht mit den Erkenntnissen anderer Menschen zufrieden, sondern unternimmt selbst Anstrengungen, um die Wahrheit für sich selbst zu entdecken. Eines der wichtigsten Grundprinzipien des Sufismus ist: Ein Mensch könne nichts erkennen, was sich ausserhalb seines Selbst befinde. So sei wahres Glückseligsein nicht in der Aussenwelt zu suchen, sondern finde sich im Inneren eines jeden Menschen. Jedoch nicht in der Abgeschiedenheit, sondern mitten im Leben, welches «voller Liebe, Schönheit und Hoffnung» ist. Das Ziel der Schule ist die Bekanntmachung des wahren Islam für jeden, jedoch auch die Pflege der iranischen Kultur. Höchstes Ziel des Suchers ist es, in der absoluten Wahrheit Gott aufzugehen.
In jedem «Khaneghah» (Lernzentrum) werden unter anderem traditionelle Sitzungen (Sufi-Meditationen) abgehalten, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Der Unterricht wird in Farsi (heutiges Persisch) gehalten und dabei in die jeweilige Landessprache simultan übersetzt. Er beinhaltet eine Vorlesung und bietet den Studenten die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Weitere regelmässige Unterrichtsstunden finden in Form von traditionellen Koranklassen, Hadith-Studien (hadith = Anekdote über Leben und/oder Aussage von Mohammed), Farsi, sowie Kultur- und Kunstunterrichten statt. Des weiteren werden Gedichte vorgetragen, aus dem heiligen Koran gelesen, gebetet und der «Sufi Zekr» (Preisen von Gott durch Rezitation und harmonischen Gesang bestimmter Verse) durchgeführt. Die Atmung, Konzentration, innere Bewusstwerdung, Visualisierung, die in sich gekehrte Betrachtung und «Movazeneh» (Energie-Balance-Übungen) werden mit der traditionellen Form des Gottgedenkens kombiniert, das heisst, so wie diese im ursprünglichen Islam praktiziert wurde. Während des Unterrichts tragen die Studenten weisse Kleidung und symbolisieren hiermit einen Zustand der Reinheit, den sie gerne erreichen möchten. In den Vereinigten Staaten sind mehr als die Hälfte der Lehrer von MTO Frauen. Viele der zwischenzeitlich veröffentlichten Bücher von MTO stammen ebenfalls von Autorinnen.
In Zürich besteht ein Zentrum mit mehreren Räumlichkeiten. In einem grösseren, geschmackvoll mit vielen Teppichen ausgelegten, orientalisch anmutenden Raum findet zurzeit jeden Sonntag ab 17.00 Uhr eine Ansprache von Hazrat Pir aus Düsseldorf statt, die direkt per Internet in die verschiedenen Zentren übertragen wird. Während der Woche finden Konzentrations- und Sufi-Meditationskurse statt; ebenso werden Sprachkurse angeboten. Das Zentrum besitzt auch eine kulturelle Funktion, wenn auch der spirituelle Aspekt im Vordergrund steht. Die Ansprachen sonntags werden in Zürich jeweils von etwa 60 Personen besucht; darunter befinden sich auch ein paar Schweizer. Die Hälfte der Besucher sind Frauen. Weltweit existieren rund 120 Zentren, in Europa sind es mehr als 30, davon eines in Zürich. Die Gemeinschaft unterhält sich durch freiwillige Beiträge.
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