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Flugboot Latham 47 und die Tragödie am
Nordpool
Die
Latham 47 war ein zweimotoriges französisches Flugboot in
Doppeldeckerbauweise.
Bild:Modell der Latham 47
Berühmt wurde dieser Typ, als eine dieser Maschinen 1928 bei der Suche
nach dem verschollenen Luftschiff Italia spurlos in der Arktis nahe der
Bäreninsel verschwand. Dabei starben auch der berühmte Polarforscher
Roald Amundsen und alle Besatzungsmitglieder.
Bild:
Skizze der Latham 47 auf einer Gedenktafel
Geschichte
Die Latham 47 wurde von Jean
Latham in Caudebec-en-Caux für die französische Marine entwickelt,
insgesamt wurden 13 Maschinen hergestellt. Jean Latham war der Cousin
des Luftfahrtpioniers Hubert Latham. Hubert Latham wurde durch seine
Antoinette VII berühmt, mit der er bei seinem Flug über den Ärmelkanal
1909 notwassern musste.
Rettungseinsatz für das Luftschiff Italia
Bild:
Umberto Nobile (1926)
Nobile brach am 11. Mai
1926 vom norwegischen Ny-Ålesund mit seinem Luftschiff zu einer ersten
Polarfahrt auf. Er fuhr am 12. Mai 1926 im Luftschiff Norge gemeinsam
mit Roald Amundsen und dem Sponsor der Expedition, dem amerikanischen
Millionär Lincoln Ellsworth, über den Nordpol. Damit waren sie die
ersten Menschen, die den Nordpol zweifelsfrei erreicht haben.
Zu dieser Zeit ging man noch davon aus, dass Robert Peary im Jahr 1909
den Pol als erster erreicht hatte. Von Anfang an hat es aber Zweifel an
dessen Angaben gegeben, und heute bestehen kaum noch Zweifel daran, dass
Peary sein Ziel nicht erreicht hat. Auch an den Angaben des Amerikaners
Richard Byrd, der drei Tage vor Amundsen und Nobile mit einem Flugzeug
über den Pol geflogen sein will, wurde von Anfang an gezweifelt.
Aufgrund fehlender Belege und Zeugenaussagen geht man davon aus, dass
Byrd den Pol um bis zu mehrere hundert Kilometer verfehlt hat.
Bei einer zweiten Fahrt zum Nordpol, diesmal ohne Amundsen, startete
Nobile am 23. Mai 1928 mit dem Luftschiff Italia von Spitzbergen aus,
mit dem er auch am 24. Mai über den Pol fuhr. Am 25. Mai stürzte Nobile
mit dem Luftschiff auf dem Rückflug vom Nordpol in der Nähe von
Spitzbergen ab, wobei zehn Expeditionsmitglieder sowie Nobile auf eine
Eisscholle geschleudert wurden, neun lebend und einer tot. Das
geleichterte Luftschiff stieg mit sechs an Bord verbliebenen Männern
wieder auf und wurde nie wieder gesehen.
Bild:
Nobile an der Tür seines Luftschiffes
Am 2. Juni 1928 empfing der
russische Funkamateur Nikolai Reinhold Schmidt einen SOS-Ruf der
Nobile-Nordpolexpedition. Es fand eine internationale Rettungsaktion
statt, aber Mussolini wollte nicht, dass Amundsen daran teilnahm.
Deshalb startete dieser einen eigenen Rettungsflug mit Hilfe einer
französischen Leihgabe, eines Latham 47-Wasserflugzeugs. Nach einem
kurzen Zwischenstopp in Bergen ging es weiter nach Tromsø. Am 28. Juni
stiegen hier Roald Amundsen und der Pilot Leif Dietrichson zu. Die
Maschine startete nach einigen Startversuchen Richtung Spitzbergen, kam
dort jedoch nie an. Man fand später einen der Schwimmer, der
Bearbeitungsspuren aufwies. Wahrscheinlich hatten Amundsen und seine
Gefährten sich damit zu retten versucht.
Der durch Knochenbrüche bewegungsunfähige Nobile wurde von einem
schwedischen Piloten in Sicherheit gebracht, die anderen Überlebenden am
12. Juli von dem sowjetischen Eisbrecher Krassin geborgen. Nobile
selbst kommt bei seiner Rettung nicht sehr gut davon. Bei der Geschichte
aus norwegischer Darstellung heisst es: . Nobile war der eigensüchtige
Selbstdarsteller.
Nachdem die Retter das Wrack erreicht haben, hat sich zunächst Nobile
selbst gerettet. Er hat dann dafür gesorgt, dass als nächstes sein Hund
gerettet wurde. Erst dann durften die übrigen Mitglieder der Expedition
auf das Rettungsschiff.
Die
internationale Zusammenarbeit, insbesondere die Beteiligung der
Sowjetunion, rief ein starkes öffentliches Echo hervor. Der deutsche
Rundfunk widmete dem Thema ein Jahr nach der Rettungsaktion ein Hörspiel
mit dem Titel SOS ... rao rao ... Foyn – „Krassin“ rettet „Italia“. Bei
dieser Rettungsaktion konnte das eigentliche Heimatland der Expedition,
Italien unter Mussolini, selbst durch breite Empörung der einheimischen
Bevölkerung, nicht dazu bewegt werden, sich daran zu beteiligen. Es
stieg erst relativ spät nach internationalem Druck mit zwei
Kleinflugzeugen ein.
1969 wurde die Geschichte um die Rettungsaktion in einer
sowjetisch-italienischen Produktion mit Sean Connery, Hardy Krüger,
Peter Finch, Claudia Cardinale und Mario Adorf unter dem Titel Krasnaya
palatka verfilmt (deutscher Titel: Das rote Zelt).
Auswanderung
Nobile wurde später von der Öffentlichkeit sehr angefeindet, weil man
ihm vorwarf, dass er für den Absturz des Luftschiffs verantwortlich war
und dass er sich als Expeditionsleiter zuerst retten liess. Er
verteidigte sich damit, dass der schwedische Pilot den strikten Befehl
hatte, zuerst Nobile zu retten, aber man glaubte ihm nicht, und man
wollte in Italien nichts mehr mit ihm zu tun haben. Deshalb trat er als
General zurück (nach einigen Quellen wurde er degradiert und aus der
Armee strafentlassen) und war 1931-36 in der Sowjetunion Gast, um dort
den Luftschiffbau zu unterstützen.
Später siedelte Nobile in die USA und schliesslich nach Spanien über.
In den USA war er von 1939 bis 1943 Dozent an der Lewis Holy Name School
of Aeronautics in Lockport, Illinois.
1945 wurde er in Italien rehabilitiert.
1931
wurde ein riesiges, wirklich beeindruckendes, Flugzeugmonument der
Latham 47 in der französischen Stadt Caudebec-en-Caux errichtet. In
Calais wurde zum Gedenken an den Mechaniker Brazy 1929 eine
Bronzebüste am Fort Risban aufgestellt und eine Strasse nach Brazy
benannt.
Bild:
Denkmal für den verschollenen Gilbert Brazy in Calais
Technische Daten Flugboot Latham 47
* Besatzungsmitglieder: 4
* Spannweite: 25,20 m
* Länge: 16,30 m
* Höhe: 5,20 m
* Leergewicht : 4.900 kg
* Leistung: 2x 500 PS
* Max. Geschwindigkeit: 170 km/h
Dieses Denkmal interessierte
mich ganz besonders weil ich auf meiner Reise das 2001 im Schneekluth
Verlag München erschienene Buch von Wilbur Cross, Tragödie am Pol,
gelesen habe und das Monument des Rettungsfluges auf meiner
Route lag.