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"Der Tapis, oder der Teppich genannt, hat für die gesamte maurerische Arbeit aller Grade grundlegende Bedeutung. Seit uralten Zeiten hat der Gebetsteppich im Leben der Völker des Ostens, nicht nur der Mohammedaner, eine grosse Rolle gespielt. Er galt als heilig, wie die Handlung selbst, um deinetwillen er da war. Im Tempel, in der Bauhütte der BBrr.: Frm.: liegt der Teppich an einem bevorzugten Ort, inmitten des Tempels, richtiger gesagt: an der Stelle, wo der Tempel durch den goldenen Schnitt in zwei Teile geteilt wird, und zwar so, dass der kleinere Teil des Teppichs in dem durch den goldenen Schnitt bestimmten kleineren Teil des Tempels liegt, so den Sinn des goldenen Schnittes, des Gesetzes der Harmonie, gleichsam bestätigend und unzweideutig sagend, der Fundament-Gedanke alles Aufstieges, aller Höherentwicklung ist die Harmonie. In einer gerechten und vollkommenen Loge, in der Bauhütte echter BBrr.: Frm.: hat alles, das geschieht, das in Bildern, in symbolischer Darstellung zu sehen ist, einen tiefen Sinn. Die Loge ist nicht nur deshalb vollkommen und gerecht, weil sie die vorgeschriebene Anzahl BBrr.:, die notwendigen Beamten an rechter Stelle besitzt, bezw. umschliesst, sondern auch, weil in ihr nach den Gesetzen der K.: K.: ("Königlichen Kunst") gearbeitet wird; weil die Symbole, welche die Wegweiser zur Erkenntnis sind, die ihnen zukommende Beachtung finden. Mit der nachstehenden Erklärung der Bilder, der Symbole, die sich auf dem Teppich befinden, ist deren Bedeutung keineswegs erschöpft. Diese Erklärung ist nur die primitive, die erste.|
Betrachten wir noch einmal die Lage des Teppichs. Im rechten Winkel halten die drei Säulen (Wahrheit) Wr., (Stärke) Str., (Schönheit) Seh., um ihn die ewige Wacht. Ihr Licht erleuchtet die Bilder. Der rechte Winkel ist das kosmische Ur-mass, er entsteht, indem man die Fusspunkte der drei Säulen Wr., Str., Seh. miteinander verbindet. Der Ausgangspunkt ist die Weisheit, der Endpunkt ist die Stärke, der Mittelpunkt aber ist die Schönheit. Der Mittelpunkt ist der Kernpunkt. Schönheit ist Harmonie. — —
Der Teppich stellt ein Rechteck dar. Dieses wird aus vier rechten Winkeln gebildet. Vier ist die Zahl der Wahrheit. Der Teppich stellt einen Grundriss dar, den Grundriss des Tempels in zweifacher Beziehung: des Tempels um uns, und in uns. Der Teppich deutet uns also den unsichtbaren Tempel, das vollkommene Leben. Wir sehen auf ihm die Bezeichnung der vier Himmelsrichtungen, die uns sagen, alles das wir sehen ist überall gültig, nämlich die Wahrheit, denn das was uns der Teppich sagt ist Wahrheit. Sie sagen uns weiter, dass der Logengedanken ein allumfassender ist.
Zunächst fällt uns der gezackte Rand auf; die Zacken oder Spitzen ragen wie Warnungssignale hervor, die uns zurufen: Entferne Dich nie von der Wahrheit, von dem granitenen Boden der absoluten Tatsachen, begib Dich nicht ins Ungewisse, betritt nicht Gebiete, die Dein Verstand nicht zu fassen vermag, begehre nicht zu wissen, was Dir schadet, denn Dir bleibt nichts verborgen, was zu Deiner Höherentwicklung nötig ist, wenn Du ehrlichen Herzens zum Lichte strebst. Weiter sagt uns der gezackte Rand: Hüte die Wahrheit, hüte die heiligsten Güter der Menschheit, die in der Erkenntnis der Wahrheit bestehen, vor unberufenen und unvorbereiteten Augen. Denke an das, was Du in Dir selbst bei Deiner feierlichen Aufnahme erlebt hast. Die Zacken des Randes bilden eine Schutzwehr, an Ihnen soll alles zerschellen, was unsauber ist, was dem Tempel in uns fern bleiben soll. Sie erinnern an die Bedeutung der Dornen am Rosenstrauch.
Ganz in der Nähe des Zackenrandes sehen wir denStrick, das Symbol der maurerischen Gerichtsbarkeit, der uns zuruft: Halte Deine niedere Natur im Zaune, verwehre dem Niederen, in Dein Gemüt zu dringen. —
Trotz des zackigen Schutzwalles gelingt es dem, der den Weg findet, in den Tempel zu gelangen; die Zacken und Dornen treten zurück vor dem, der das Schlüsselwort kennt, oder der von kundiger Hand geführt wird. Wie es in dem feinsinnigen Märchen von Dornröschen ausgedrückt ist, wer ehrlichen Willens ist, und die Dornen nicht zu fürchten braucht, der gelangt in den Tempel. Der Zutritt kann verschieden geschehen; aber der Suchende muss von einem Ideal erfüllt sein. Er kommt vom lichtlosen Norden. Nur der, der im Dunkeln zu sein verurteilt ist und Ideale im Herzen trägt, kennt die Sehnsucht nach dem Licht. Der Eintritt in den Tempel kann von Osten, Süden oder Westen geschehen, dort liegen die Tore. Durch das Osttor kommt der, der von Glauben erfüllt an die Pforte klopfte, der Osten ist das Symbol des lichtvollen Vertrauens auf den A.:B.:A.:W.:, auf die ewige und in allen beseelten Wesen waltende Liebe. — Durch das Südtor tritt der ein, den künstlerische Impulse leiteten. Der Süden ist das Symbol der Schönheit, des höchsten Sonnenstandes, alles, das die Sonne in ihrer vollen Pracht überstrahlt, erscheint vergoldet, verklärt, also schön. Das Westtor öffnet sich denen, die verstandesmässig auf dem Wege der Logik an ihrer "Höherentwicklung zu arbeiten bemüht sind, oder ernstlich bemüht sein wollen. Ihr seht, liebe Brüder, es gibt drei Wege, die zur K.: K.: führen. Damit soll auch gesagt sein, dass es verschiedene Arten gibt, sich maurerisch zu betätigen, denn die Art des Eintritts symbolisiert auch die Art der nunmehr zu beginnenden Arbeit.
Durch das Tor gelangt der Suchende in den Vorhof, dessen Pflaster aus schwarzen und weissen Quadraten besteht. Ein Symbol des menschlichen Daseins überhaupt, das aber auch eine Mahnung enthält: Verlange nie vom Leben, dass es Dir nur seine lichtvolle Seite zeigt; denn Du würdest Deine Sehnsucht nach dem Licht verlieren, die allein die Ursache Deines Aufstieges ist. Du bist ein Mensch, dauernd würde Dich der ewige Glanz des Ostens nicht befriedigen können, weil er Dich noch blendet. Das Pflaster des Vorhofes wird das maurerische Pflaster genannt, als Symbol des menschlichen Daseins redet es von Werden und Vergehen, von Aufstieg und Niedergang, aber siehe, wie die Platten, die schwarzen und die weissen, von vier rechten Winkeln gebildet sind, wie sich schwarz und weiss harmonisch aneinander fügen, als Symbol der allweisen göttlichen Wdltordnung.
Das maurerische Pflaster sagt uns, dass alles, was erschaffen wurde, unter oft grossen Mühen entstanden ist, sogar die dunkle Not war oft die Triebfeder; aber ist es nicht eine wunderbare Harmonie, die durch die Gesamtwirkung der vielen Quadrate zu uns redet. Auch die Notwendigkeit des Leides, der Schmerzen, um des echten Glücksgenusses willen, soll uns dieses Pflaster vor Augen führen. Auch sollen uns die weissen und die schwarzen Quadrate, an die ersten Stunden unserer Maurer-Laufbahn erinnern, an die symbolische Bedeutung der schwarzen Kammer und des hellerleuchteten Tempels. Endlich sollen uns die schwarzen Platten an das Schweigen gemahnen, die weissen Platten daran, dass unsere Rede lichtvoll, also klar und wahr sein soll. Zwei Säulen erblicken wir auf dem Teppich; die eine trägt den Buchstaben J.:, die andere ist namenlos, sie soll erst durch genaues Erforschen der ersten Säule ergründet werden. Die Lehrlingssäule hat dieselbe Bezeichnung, wie das Wort des Lehrlingsgrades. Im Anfang war das Wort und dem Wort folgte die erste Kulturtat. Der Herr wird Dich aufrichten, die ewige Macht richtet Dich auf, macht Dich durch die Erkenntnis zu einem selbständigen Wesen, zu einer Individualität. —
Zu den Füssen der Säule J.: liegt der rauhe Stein, der Fundamentstein. Das Ebenbild des Lehrlings. Mit Fehlern behaftet, mit Vorurteilen belastet ist der Mensch. Da wird ihm ein Werkzeug in die Hand gegeben: der Spitzhammer. Er hat zwei Spitzen; wenn Du ihn zur Arbeit anwendest, so ist immer eine Spitze auf Dich gerichtet. Diese Spitze ist die Wichtigste. Das Werkzeug symbolisiert die Selbsterkenntnis. Ohne Selbsterkenntnis keine Höherentwicklung. Ohne Selbsterkenntnis keine Menschenkenntnis. —
In der Nähe des rauhen Steines liegt der 24-zöllige Masstab, der Dich mahnt, die Zeit, die 24 Stunden des Tages genau einzuteilen, zur Arbeit des Tages, zur Arbeit an Dir, zur Entwicklung Deiner secelischen und geistigen Fähigkeiten, und zur Ruhe, deren Körper und Geist bedürfen. —
An Bedeutung mit dem 24-zölligen Masstab eng verwandt sind die Wasser wage und das Senkblei. Die erste ist das Zeichen des ersten Aufsehers, das zweite das Zeichen des zweiten Aufsehers; also müssen sie von besonderer Wichtigkeit sein. Sie gehören beide zusammen, denn aus wagrecht und lotrecht wird das Ur-mass, der rechte Winkel, das Zeichen des sehr ehrwürdigen M.: v. St.:, gebildet. Die Wasserwage tritt im Gesellengrad, beim Formen des Kubus, in den Vordergrund, ebenso das Senkblei. Etwas, das genau dem Senkblei oder dem Senklot entsprechend ist, wird lotrecht genannt. Ein Br.: Frm.:, der sich gegen die Gesetze der K.: K.: vergeht, der unbrüderlich handelt, ist aus dem Lot gekommen. Leider gibt es viele Logenmitglieder, die im Wahne leben, die Frm.: könne gar nicht ohne sie bestehen, und haben so wenig Selbsterkenntnis und Selbstdisziplin, um zu erkennen, wie lange und wie weit sie aus dem Lot gekommen sind. —
Die Kelle, ein wunderbares und vielseitiges Werkzeug, das in verkleinerter Form auch als Halszeichen am blauen Band, dem Zeichen der Treue, getragen wird. —
Die Kelle symbolisiert die harmonische Verbindung der einzelnen Bausteine. Als Werkzeug dient sie, um Lücken und Risse auszufüllen, um ausgleichend zu wirken. Sie hilft Wunden zu schliessen. Sie ist ein Zeichen der freudigen Herzens zu leistenden Bruderhilfe. Sie hat noch eine höhere Bedeutung, die Euch später klar werden wird.
Der Meisterhammer, das Zeichen der Würde, der Gewalt. Gewalt aber nicht im Sinne der Willkür, von autokratischer Herrschaft, .sondern im Sinne von ordnender Stärke, von absoluter Gerechtigkeit. Der Hammer fügt Baustein um Baustein harmonisch in den Der Meisterhammer, das Zeichen der Würde, der Gewalt. Gewalt aber nicht im Sinne der Willkür, von autokratischer Herrschaft, sondern im Sinne von ordnender Stärke, von absoluter Gerechtigkeit. Der Hammer fügt Baustein um Baustein harmonisch in den grossen Tempelbau ein. Er ist, wie schon sein Name sagt, das Werkzeug des Meisters v. St.: und der BBrr.: Aufseher. —
Der Winkel, das wichtigste Symbol, dessen Bedeutung bereits aus vorhergesagtem hervorgeht, ist das absolute Meisterzeichen, das Werkzeug des Meisters. Neben dem Winkel der Gerechtigkeit seht Ihr den Zirkel der Pflicht und die Pflicht des Br.\ Frm..-. ist die allumfassende Liebe, sie soll es sein! Inwieweit ein jeder von Euch Fmr.: Pflicht zu erfüllen imstande ist, muss Euch die Selbsterkenntnis lehren sagen. Der Zirkel liegt mit dem Winkelmass zu einem Stern gewissermassen vereinigt auf dem heiligen Buch. Denkt selbst nach, welche Bedeutung das hat. —
Weiter seht Ihr den Kubus, das Symbol des Gesellen; er war erst ein rauher Stein, doch unermüdliche Arbeit mit Spitzhammer, Winkel, Wasserwage, Senkblei und Zollstab gestalten ihn harmonisch. Das Reissbrett benötigen die Meister, sie arbeiten am Reissbrett. Seht Euch die Zeichnung darauf an, sie hat mancherlei Bedeutung. Sie zeigt unter anderm Euch den Grundriss zur Mr.:-Schrift, die mit dem J beginnt. —
Das Pentogramma, der fünfteilige Stern, stellt das geläuterte Sinnenleben des Menschen dar, auch den sterbenden, liebenden, Arme ausbreitenden Menschen. Kehrt man das Pentogramma um, so entsteht der Teufelskopf daraus. Der Teufel, das Symbol des Entarteten, des vertierten Mensehen. —
Der flammende Stern, aus zwei gleichseitigen Dreiecken gebildet, stellt die harmonische Vereinigung von Geist und Materie dar. Er leuchtet Euch oft entgegen, und später werdet Ihr ihn wieder sehen, auf dass er Euch ein treuer Führer sei. —
Der Mond, das Symbol der Phantasie, aber auch des Einfühlungsvermögens, erhält sein Licht von der alles erleuchtenden, lebenserwärmenden Sonne, dem Symbol des klaren, alles Irdische durchdringenden und erkennenden Verstandes. Vor Ihrem Licht muss jeder Aberglaube verschwinden, sie ist das Siegeszeichen der Weisheit. Gleich wie sie im Osten, der Quelle alles Lichtes, aufgeht, um den Tag zu erleuchten, so steht der Meister vom Stuhl im Osten, um Fmr.:-Wissen zu verbreiten, Fmr.:-Erkenntnis zu erwecken.
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