Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03542.jsonl.gz/1719

Nach Angaben des europäischen Copernicus-Dienstes lag die globale Durchschnittstemperatur im Juni 2020 um 0,53 °C über dem Durchschnitt des Zeitraums 1981–2010. Damit war der diesjährige Juni der global wärmste Juni im Copernicus-Datensatz, gleichauf mit dem Juni 2019. Ostsibirien verzeichnete weit über dem Durchschnitt liegende Temperaturen. In Europa lag die Temperatur im Norden ebenfalls weit über dem Durchschnitt, im Süden war sie unterdurchschnittlich. Für Europa als Ganzes war dies der bisher zweitwärmste Junimonat in diesem Datensatz ab 1979.
Zweigeteiltes Europa: warm im Norden, kühl im Süden
Die ERA5-Reanalyse, die vom Europäischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMWF) im Rahmen des Copernicus-Programms erstellt wird, liefert eine klimatologische Einordnung für den aktuellen Juni. Bei der Reanalyse handelt es sich um eine Rekonstruktion der bodennahen Temperaturen für die ganze Welt, in welche eine Vielzahl von meteorologischen Messungen seit 1979 einfliesst und damit einen Vergleich mit dem vergangenen Klimazustand im Juni erlaubt.
Im Juni dieses Jahres wichen die regionalen Durchschnittstemperaturen über Europa erheblich vom Durchschnitt der Normperiode 1981–2010 ab. Das räumliche Muster war jenem des vorangegangenen Mai weitgehend entgegengesetzt. Die Temperaturen lagen in Skandinavien und in weiten Teilen Osteuropas weit über dem Durchschnitt, beeinflusst durch langanhaltendes Hochdruckwetter in diesen Regionen. Gemäss nationalen Daten registrierte Norwegen seinen zweitwärmsten Juni seit 1900. Schweden verzeichnete ebenfalls einen der wärmsten Junimonate seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1889er Jahren, während Helsinki und andere Orte in Finnland den wärmsten Juni seit 1961 meldeten.
Je weiter man in Richtung Südeuropa blickt, umso mehr lag die lokale Temperatur im Juni 2020 nahe oder leicht unter dem Durchschnitt. Auch im osteuropäischen Teil von Russland und in Westsibirien war es kühler als normal, im Gegensatz zu den relativ milden Bedingungen, die dort während eines Grossteils des letzten Winters und im Frühling vorherrschten.
Grosse Wärme in Ostsibirien
Ausserhalb Europas wurden die grössten Temperaturabweichungen von der Norm 1981–2010 über den Landmassen der sibirischen Arktis festgestellt. Dort gab es nicht nur im Durchschnitt, sondern auch bezüglich der Extremwerte neue Rekorde. Zum Beispiel in Werchowjansk in Ostsibirien, einer Stadt nördlich des Polarkreises, lag die Temperatur an elf aufeinanderfolgenden Tagen über 30 °C, wobei am 20. Juni ein Höchstwert von 38 °C gemessen wurde. Dies könnte gemäss WMO und nach aktuellem Wissensstand der höchste jemals in der Arktis gemessene Temperaturwert sein.
Warm in den USA, kalt in Nordindien
In der Antarktis gab es im Juni eine für den dortigen Winter charakteristische räumliche Variabilität der Temperatur. Über den grossen Landmassen lag die Temperatur hauptsächlich über der Norm, insbesondere im Zentrum der Vereinigten Staaten und im Süden Kanadas, im Nordosten Kanadas und in den meisten Ländern Afrikas, des Nahen Ostens, Südamerikas, in China und Australien. In Nordindien hingegen lag die Temperatur weit unter dem langjährigen Durchschnitt.
La Niña-Ereignis beginnt im äquatorialen Pazifik
Die Meeresoberflächentemperatur lag in einigen Gebieten leicht unter der Norm 1981–2010. So zeigte die Region des Golfstroms, aber auch der östliche Äquatorialpazifik Temperaturen deutlich unter dem Durchschnitt. Die La-Niña-Phase im Pazifik hatte sich schon im Mai angebahnt und entwickelte sich im Juni weiter. Auf einem Grossteil der globalen Ozeanoberfläche war die Temperatur aber wärmer als die Norm.
Zusammenfassung zum Juni 2020
Im Juni dieses Jahres lag die globale Mitteltemperatur weit über dem langjährigen Durchschnitt. Der Juni war…
- 0,53 °C wärmer als die Juninorm 1981–2010;
- weniger als 0,01 °C kühler als der Juni 2019, der wärmste Juni in diesem Datensatz ab 1979;
- 0,1 °C wärmer als der Juni im Jahr 2016, der drittwärmste Juni im Copernicus-Datensatz.
Das Klima über Europa schwankt im Allgemeinen stärker als im globalen Mittel. Die Durchschnittstemperatur über Europa im Juni 2020 war 1,3 °C wärmer als die Norm 1981–2010. Der wärmste Juni über Europa ereignete sich ebenfalls im Jahr 2019, mit einer Abweichung von 2,3°C. Die Temperatur im Juni 2020 entspricht der aus dem Jahr 1999. Diese beiden Junimonate sind gleichermassen die zweitwärmsten.
Norm-Juni in der Schweiz
Im Juni 2020 lag die Schweiz zwischen dem wärmeren Nordeuropa und dem kühleren südlichen Teil Europas. So entsprach die Temperatur in der Schweiz mehr oder weniger der Norm 1981–2010, mit lokalen Abweichungen von -0,7 °C bis +0,5 °C. Ein leichtes Temperaturdefizit wurde vor allem im Churer Rheintal und im Chablais beobachtet. Im landesweiten Mittel entsprach die Temperatur im Juni genau der Norm 1981–2010.