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Neueste Forschungen bestätigen, dass vor der Mündung des Amazonasflusses in den Atlantik ein gigantisches Korallenriff liegt. “Es lebt und wächst“, sagen die Forscher, die damit Kritiken belegen, dass es sich um ein “totes“ Riff handle.
Aufgekommen waren diese, weil durch den hohen Sedimenteintrag durch den Amazonasfluss der Lichteinluss gering ist, und weil in der Region schon vor Jahren Lizenzen zur Ölförderung vergeben wurden.
Die Entdeckung des “Grande Sistema de Recifes do Amazonas“ hat 2016 weltweit für Aufsehen gesorgt. Bis dahin waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass Korallenriffe zum Wachsen einen entsprechend hohen Lichteintrag benötigen.
Unter der schlammigen Süßwassserwolke des Amazonas wäre deshalb kein Riffsystem möglich. Einige Forscher klassifizierten die Entdeckung deshalb als “prähistorische Strukturen“, die ohne Leben seien.
Unter Politikern und Wirtschaftsvertretern war sogar von einer “fake news“ die Rede. Belege wie eine umfangreiche Menge von Videoaufnahmen, Fotos, Sonarbilder, Proben von Felsen, Sedimenten und marinen Organismen wurden dabei einfach ignoriert.
Die nun im Wissenschaftsmagazin “Scientific Reports“ veröffentlichte Studie belegt nun einmal mehr die Einzigartigkeit des Amazonasriffes, und dass es sich bei diesem um ein lebendiges Riff handelt. Wissenschaftler mehrer Universitäten Brasiliens waren an der Studie beteiligt.
Sie haben Felsen und Organismen des Riffs untersucht und datiert. “Es gibt keinen Zweifel daran, dass sie wachsen“, konstatiert Michel Mahiques von der Universität São Paulo (USP).
Bei dem Korallenriff handelt es sich laut den Forschern um ein extrem komplexes System verschiedener Habitate und um eine Art Netzwerk. Sie gehen zudem davon aus, dass es ein Biodiversitätskorridor zwischen dem karibischen Meer und dem Südatlantik sein könnte.
Die Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass sich das Korallenriff vor 14.000 bis 12.000 Jahren im Norden der Region gebildet und vor 7.000 Jahren in den südlichen Bereich ausgebreitet hat.
Allerdings sind nicht die Korallen die Baumeister des Amazonasriffes, sondern überwiegend kalkhaltige Algen. Bestätigt wird von den Forschern indes eine hohe Artenvielfalt, zu der unter anderem Schwämme, Algen und Crinoiden gehören.
Der Umfang des Riffsystems wird mit 56.000 Quadratkilometern angegeben. Es ist damit größer als die Schweiz. Erforscht wurden von ihm bisher lediglich fünf Prozent.