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Atomkraftwerke sind generell unterversichert
Strom aus Atomkraftwerken wird oft als wirtschaftlich günstige Lösung bezeichnet. Dies insbesondere im Vergleich zu Strom aus erneuerbaren Energiequellen, wie z.B. Elektrizität aus Wind, Wasser, Sonne, Biomasse oder Geothermie.
Für den Kostenvorteil von Atomstrom gibt es im wesentlichen 2 Gründe
- Die Forschung für Atomkraft wurde und wird in der Regel immer noch durch öffentliche Gelder finanziert. Deshalb werden diese Kosten auch nicht auf den Atomstrom überwälzt. Bei den erneuerbaren Energiequellen werden Forschung und Entwicklung hingegen von der Privatwirtschaft finanziert und aus diesem Grund auch auf die Produktkosten (Strompreis) überwälzt.
- Atomkraftwerke sind für Haftpflichtfälle nur sehr ungenügend versichert. Das Risiko bei Unfällen von Atomkraftwerken trägt der Staat und nicht der Betreiber des AKW’s. Müssten die Betreiber der AKW’s ihre Anlagen entsprechend den tatsächlichen Risiken versichern, würde Atomstrom mindestens doppelt so teuer.
In der Schweiz hat das Bundesamt für Zivilschutz ausgerechnet, dass eine Katastrophe in einem der Schweizer Atomkraftwerke einen materiellen Schaden von ca. 4’200 Milliarden Franken (2625 Milliarden €) verursachen würde. Die AKW’s sind aber nur für einen Schaden von 300 Millionen Franken (188 Millionen €), d.h. für 0.007% des effektiven Schadens versichert. Praktisch die gesamten Schadenskosten müsste somit der Staat bzw. die Allgemeinheit übernehmen.
International sieht es diesbezüglich nicht wesentlich anders aus: Als Standard gilt eine Versicherungssumme von 2.25 Mia. Franken (1.4 Mia €) pro Atomkraftwerk. Auch die zu erwartenden materiellen Kosten bei einem Katastrophenfall dürften von der Schweiz auf die meisten anderen industriellen Länder übertragbar sein. Dies bedeutet, dass auch international Atomkraftwerke nur für 0.05% des im Katastrophenfalls erwarteten materiellen Schadens versichert sind. 99.95% der Schadenskosten müsste vom Staat bzw. der Allgemeinheit bezahlt werden!
Weshalb sind Atomkraftwerke generell unterversichert?
Es ist nicht einzusehen, weshalb die Atomindustrie im Gegensatz zu den anderen Erzeugern von Elektrizität ihre Risikokosten nicht selbst tragen und auf das Produkt überwälzen muss. Weshalb herrscht hier keine Kostenwahrheit?
Wollte man ein Atomkraftwerk für eine Haftpflichtsumme von 500 Mia. Franken (312 Mia €) versichern, würde Atomstrom um 0.031 bis 0.063 € pro kWh teurer. Dies würde mehr als eine Verdoppelung der heute genannten Kosten bedeuten. Gegenüber Strom aus regenerierbaren Energiequellen würde Atomstrom dadurch schlagartig unattraktiv. Die Energiekommission des Schweizer Nationalrates schreibt dazu in einer Stellungnahme „… die Deckungssumme von 500 Mia Franken … würde die Inbetriebnahme von neuen Kernkraftwerken praktisch verunmöglichen."
Atomstrom ist nur dann preislich konkurrenzfähig,
Man kann nur staunen darüber, dass der Staat die Risiken der Betreiber von Atomkraftwerken trägt, während die Betreiber von anderen Anlagen zur Erzeugung von Strom ihre Risiken auf die Kunden abwälzen müssen. Offensichtlich ist Atomstrom nur dann wirktschaftlich konkurrenzfähig, wenn die Risikokosten ausgelagert werden können.
Eine mögliche Erklärung für diese Subventionierung ist die bereits erwähnte staatliche Finanzierung der Forschungs- und Entwicklungskosten: Wenn der Staat einmal viel Geld in eine Technologie investiert hat, fällt es nachher sehr schwer, diese Entwicklung als Fehlinvestition abzubrechen. Zuviele „wichtige" Leute könnten ihr Gesicht verlieren. Deshalb wird dann diese Technologie weiterhin subventioniert und ihre Einführung als grosser Erfolg gefeiert.
Werden die Risiken von AKW’s womöglich unterschätzt?
Einerseits wird die Atomindustrie nicht müde zu betonen, wie sicher heutige Atomkraftwerke seien, bzw. wie gering die mit dem Betrieb von AKW’s verbundenen Risiken in Tat und Wahrheit seien. Auf der anderen Seite werden die Risikokosten nicht auf den Preis von Atomstrom aufgerechnet, weil Atomstrom sonst nicht mehr wirtschaftlich konkurrenzfähig wäre!
Diese Argumentationskette muss man sich nochmals auf der Zunge zergehen lassen: Gemäss der Atomindustrie soll das Risiko extrem gering sein. Wenn dieses „extrem geringe" Risiko hingegen versichert werden soll, spricht man plötzlich von so hohen Kosten, dass die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit von AKW’s zunichte gemacht würde.
Gemäss unserer Erfahrung ist es sonst doch so, dass die Versicherungen für geringe Risiken tiefe Prämien verlangen und nicht umgekehrt. Wieso sollte dies hier anders sein? Könnte es vielleicht sein, dass die Versicherungsgesellschaften die Risiken von Katastrophen bei Atomkraftwerken wesentlich höher einstufen als dies die Atomindustrie selbst tut?
Kostenwahrheit zumindest bei der Wahl der Technologie für neue Anlagen
In den westlichen Staaten müssen in den nächsten 10 – 20 Jahren viele Anlagen zur Elektrizitätserzeugung aus Altersgründen ersetzt werden. Die Wahl der einzusetzenden Technologie ist deshalb enorm wichtig und wird die Energielandschaft der kommenden 50 bis 60 Jahre entscheidend prägen.
Zumindest bei der Wahl von Technologien für neue Anlagen zur Elektrizitätserzeugung sollten unbedingt die ökonomischen Vergleiche auf fairer Basis erfolgen. Dies bedeutet im Falle der Atomenergie zwingend den Einbezug der vollen Risikokosten. Anderenfalls belügen wir uns nur selbst.
Es ist klar, dass dadurch die Attraktivität von Atomstrom gegenüber nachhaltig produziertem Strom enorm sinken wird. Es ist auch zu erwarten, dass sich die Atomindustrie mit ihren weltweit sehr starken Lobbyorganisationen gegen diese Kostenwahrheit zur Wehr setzen wird.
Die Atomkraft ist genug lange subventioniert worden. Wenn schon alleine eine faire wirtschaftliche Beurteilung Atomstrom unattraktiv werden lässt, wird es allerhöchste Zeit für den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Denn für erneuerbare Energie sprechen auch alle ökologischen Überlegungen!
Quelle: Artikel im Tages-Anzeiger vom 24. Februar 2007, Seite 3, „AKW sollen für 500 Milliarden haften" von Helmut Stalder
„Billiger“ Strom aus Kernenergie ist ein Ammenmärchen
Die Atomenergie steht ungerechtfertigt im Ruf günstigen Strom zu produzieren. In Wahrheit handelt es sich um eine Branche, bei der trotz Privatisierung in realsozialistischer Manier immer noch der Staat haftet, falls etwas schief geht. Die Befürworter der Kernenergie und damit eines Endlagers Gorleben behaupten oft, der Kernkraftstrom sei preiswerter im Vergleich zu anderen, insbesondere erneuerbaren Energien. Betriebswirtschaftlich trifft dies sicherlich zu. Da die Kernkraftwerke inzwischen wohl größtenteils abgeschrieben sein dürften, rechnet sich dies betriebswirtschaftlich sogar sehr gut. Bei der lediglich betriebswirtschaftlichen Rentabilitätsberechnung des Kernkraftstroms fehlen indes mehrere entscheidende Kostenblöcke, die als betriebs-externe Kosten für die Gesamtheit der deutschen Volkswirtschaft anfallen.
Diese externen Kostenfaktoren bei der Erzeugung von Kernkraftstrom hat, übrigens schon unter der Regierung von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, das damalige Bundeswirtschaftsministerium 1992 durch die renommierte Baseler PROGNOS AG berechnen lassen. Diese Studie der PROGNOS AG trägt den Titel: „Identifizierung und Internalisierung der externen Kosten der Energieversorgung.“ Aus ihr geht hervor, daß bei Berücksichtigung der externen Gesamtkosten der wirkliche für die deutsche Volkswirtschaft entstehende Preis einer Kilowattstunde Kernkraftstrom schon damals circa 4 DM betragen hat. Das wären heute circa 2 €.
Die günstigen Produktionskosten für Ökostrom betragen bei Windkraftstrom 0,06 Euro pro Kilowattstunde. Der Höchstpreis für solaren Ökostrom beträgt inklusive 19 % Mehrwertsteuer aktuell 0,68 Euro. Wenn aber, volkswirtschaftlich gesehen, der Kernkraftstrom mindestens doppelt so viel kostet wie die erneuerbaren Energien, warum, in Himmels Namen, sollen wir, das deutsche Volk uns dann diese ganze entsetzliche Umweltproblematik (Tschernobyl!) der Kernenergie weiterhin „ans Bein binden“?! Man wird vielleicht einwenden, das Kind sei schon in den Brunnen gefallen, d.h. wir haben nun einmal Kernkraftwerke.
Darauf antworten wir: errare humanum, perseverare diabolicum!
Anders gesagt, und um das Bild von eben aufzunehmen: man hole das Kind doch endlich aus dem Brunnen!
Das wird nicht von einer Sekunde auf die andere gehen, aber es muß gelten:
So viel erneuerbare Energien, wie irgend möglich, und so wenig Kernenergie, wie unumgänglich notwendig. Es gibt auch grundlastfähige erneuerbare Energien, zum Beispiel Biomasse und Geothermie… Es gibt nicht nur Wind und Sonne.
Wegen der Treibhausgefahr auf Kernkraft zu setzen, hieße den Beelzebub mit dem Teufel austreiben zu wollen. In 32 Jahren, die der Atomausstieg vorsieht, müßte eine Industrienation wie Deutschland doch in der Lage sein, diesen Strukturwandel hin zur dezentralen erneuerbaren Energieerzeugung zu bewältigen. Dadurch wäre Deutschland auch weniger verwundbar durch den Terrorismus.
Jeder lange Weg beginnt nun einmal mit dem ersten Schritt, sprich mit dem ersten Kernkraftwerk, das abgeschaltet wird. Das würde ein Endlager, wo auch immer, zwar nicht überflüssig machen, aber das Entsorgungsproblem nicht unnötig noch mehr vergrößern und verschlimmern.
Schadensbegrenzung ist angesagt.
Mit freundlichen Grüßen
Ulla Veith
Frau Veith
100% auf den Punkte gebracht. Realität stellt sich nach Fukushima schon langsam wieder Richtung Nuclear ein. Erneuerbare angeblich verantwortlich für “unbezahlbare” unglaublich ansteigende Stromkosten.
Ergo, benötigt wird nachhaltige Aufklärungsarbeit in den Massenwirksamen Medien, die gegen die Milliardenlobbies hält. Wo sind die Grünen hier??? Es kann nicht durchgehen, dass ständig wiederholte Fehlinformation trotz Unwahrheit zur Wirklichkeit wird!
Ich will keine Endlager und riesige Atomzeitbomben, schon gar nicht wo es doch ungliech viel bessere Alternativen gibt!
MfG
Benjamin