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Der "Dirty Old Man" würde dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiern. Das "Noch mehr" in dem Titel dieses Werkes von Charles Bukowski bezieht sich auf die ebenfalls zuvor beim Fischer-Verlag erschienene Publikation "Aufzeichnungen eines Dirty Old Man". Im deutschsprachigen Raum sind ohnehin die meisten seiner Romane und Short Stories sowie Gedichte beim Fischer-Verlag erschienen.
"Noch mehr Aufzeichnungen eines Dirty Old Man" ist zwar in 29 Kapitel gegliedert, die einzelnen Geschichten sind aber nicht unbedingt miteinander verbunden, denn es handelt sich ja um keinen Roman, sondern einfach nur um "Aufzeichnungen". Diesen Titel hatte sich Bukowski – wie David Stephen Calonne im Nachwort erwähnt – bei Dostojewski geklaut. Seine "Aufzeichnungen aus dem Untergrund" gehörten zur Lieblingslektüre des 1920 in Andernach geborenen Schriftstellers. "Der Schweinhund kann wirklich schreiben", so Bukowski über Bukowski, denn tatsächlich ist seine Sprache einerseits direkt und unverhohlen, andererseits doch gebildet und sogar lyrisch. Calonne attestiert ihm eine "Stop and Go Syntax", da er in der einleitenden Erzählung, in der er – oder sein Alter Ego – mit dem Zug nach New Orleans zu einer Lesung fährt, das "Tuckern und Rattern des losfahrenden Zuges nachbildet".
Tatsächlich finden sich in Bukowskis Geschichten eine ganze Menge Tabus und jede Form der Sexualität, ob Perversion oder bloße Abweichung, kommt irgendwie vor. Da gibt es Gewaltexzesse, Vergewaltigungen, Kindesmissbrauch, Analverkehr, Fetischismus, Voyeurismus, Rollenspiele, Bestialität ebenso wie Onanie, Nekrophilie oder Sadismus. Für Bukowski ist alles menschliche Streben vergeblich, denn "man sehe sich an, wie sie sich feinmachen und in ihre neuen Autos steigen und nach nirgendwo düsen. Das sind alles technische Manöver, der Kontakt findet nicht statt". Denn hinter all der von Bukowski geschilderten Brutalität sehnen sich all diese "liebeshungrigen, sexhungrigen, lebensmüden" Menschen nach Liebe. "Noch mehr Aufzeichnungen eines Dirty Old Man" erschien 1969, also im Jahr seines Durchbruchs und brachte ihm beinahe eine Klage wegen Obszönität ein. (Bukowski lebte damals mit einer kommunistischen Aktivistin zusammen und das brachte das FBI auf den Plan.) Dabei handeln seine Stories eigentlich nur vom täglichen Überleben in L.A.: Pferderennen, Alkoholexzesse, Interviews mit sich selbst und Träumen. Und natürlich einem: der Liebe.