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Nonnen sind ideal, um psychologische Gesundheitsfaktoren zu untersuchen, weil sie sehr ähnliche Lebensbedingungen haben: keine Ehemänner, keine Kinder, keinen Alkohol, keinen Tabak, regelmässige Tätigkeiten und ein gutes soziales Unterstützungsnetz. In der berühmten Nonnen-Studie wurden Autobiographien untersucht, welche die Nonnen im Alter von 20-25 Jahren über sich selber schrieben. Nach einer Studiendauer von über 60 Jahren wurde klar: je mehr positive, sinnstiftende Gefühle die Autobiographie enthielt, je länger lebte die Nonne. Dieser Befund stimmt auch mit der modernen Stressforschung überein: Menschen, die trotz Belastung, Stress oder Trauma positive Gefühle erleben, überstehen die schwierige Situation viel besser als solche, die nur noch negative Gefühle wälzen. Die Welt negativ zu sehen, ist ein wichtiger Risikofaktor, depressiv zu werden. Psychotherapie und Antidepressiva können helfen, die Welt ins positive Licht zu rücken. Das ist nicht nur ein Nebeneffekt, sondern eine zentrale Wirkung, um Menschen aus Stresszuständen und Depressionen zu führen. Positive Gefühle sind zum Teil vererbt, zum Teil kann man sie aber auch trainieren, indem man sich bewusst an positive Dinge erinnert und sich mit positiven Dingen auseinandersetzt.
Optimisten leben länger
Positive Gefühle, Heiterkeit und Dankbarkeit sind zweifellos ein Segen. Optimismus meint aber noch etwas mehr, nämlich die Überzeugung, dass die Zukunft gut sein wird. Dieser Überzeugungsoptimismus ist allerdings nur dann hilfreich, wenn er realistisch ist. Das folgende Beispiel veranschaulicht diese wichtige Erkenntnis: die Amerikaner gehören zu den grössten Optimisten in Sachen Gesundheit, leben aber durchschnittlich sieben Jahre weniger lang als die Japaner, denen ein ausgeprägter Hang zu Hypochondrie nachgesagt wird.
Das heisst, Optimismus ist vor allem dann gut, wenn man keinen oder nur einen kleinen Entscheidungsspielraum hat, zum Beispiel als Nonne in einem Kloster oder als Soldat an der Front. Wenn man aber wichtige Entscheidungen fällen muss oder Weichen stellen kann, trägt ein guter Realitätsbezug mehr zur Resilienz bei als ein überschwänglicher Optimismus.
Erinnern Sie sich am Abend an drei positive Dinge, die Sie am Tag erlebt haben. Tauchen Sie noch einmal ein in die für Sie wertvollen Augenblicke und beschreiben Sie die Gefühle, Sinneseindrücke und Gedanken, die sie bei Ihnen ausgelöst haben.
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