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| Gerontius (geschrieben um 440) - Das Leben der heiligen Melania (Vita Melaniae)

9.
Nachdem sie mit der Gnade Gottes in dieser Tugendübung vorangeschritten waren, sannen sie wieder auf eine neue, doch überlegten sie weise miteinander: "Wenn wir uns abtöten, so dass die Kräfte versagen, wird der weichlich erzogene Leib die Kasteiung nicht aushalten und wir fallen zurück in das üppige Leben von ehemals." Sie machten sich infolgedessen zur Aufgabe, ringsum alle Kranken zu besuchen, und pflegten einen jeden. Sie nahmen die Fremdlinge gastlich auf [S. 452] und beschenkten sie reich, wenn sie schieden: allen Dürftigen und Armen teilten sie mit vollen Händen aus, gingen in alle Gefängnisse und überallhin, wo Verbannte waren, auch in die Bergwerke, und machten die Schuldgefangenen frei, indem sie diesen Geld gaben. Nach dem Beispiel des seligen Job, des Dieners des Herrn, stand ihre Türe jedem Armen offen.1 Dann fingen sie an, ihre Besitzungen zu verkaufen, eingedenk des Wortes, das der Herr zum Reichen sprach: "Willst du vollkommen sein, so verkauf' deine ganze Habe und gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben and nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach!"2
1: Hi 31,32.
2: Mt 19,21; 16,24.