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Der Mythos Trennkost – die Diät-Variante kritisch betrachtet
Eine attraktive Figur liegt vielen Frauen hierzulande ebenso am Herzen wie eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Neben immer neuen Diäten, bei denen neben der Gewichtsreduktion die intelligente Zusammenstellung von Speisen und Getränken im Vordergrund stehen kann, gehören manche Klassiker seit Jahrzehnten zu den Ernährungsempfehlungen und werden von immer neuen Generationen befolgt. Zu diesen Klassikern gehört auch die Trennkost, die über eine fast 100-jährige Geschichte verfügt und immer wieder als wirkungsvolle Diätform präsentiert wird.
Bei einem kritischen Blick auf diese Ernährungsvariante zeigt sich jedoch, dass die Annahmen rund um diese Diät grösstenteils falsch waren und dennoch zu einer gesunden Ernährung führen können.
Die Entwicklung der Trennkost und ihr Grundprinzip
Die Trennkost nach heutigem Verständnis wurde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts vom Amerikaner Howard Hay entwickelt. Dieser sah die Übersäuerung des Körpers als Ursache vieler medizinischer Symptome an und suchte nach einem Ernährungsansatz, um den Säure-Base-Haushalt des Menschen wieder in Einklang zu bringen. Schnell landete er bei den Unterschieden zwischen proteinreichen und kohlenhydratlastigen Lebensmitteln. Mit einer Trennung dieser beiden grundlegenden Nahrungsgruppen in verschiedenen Mahlzeiten zeigten sich bei seiner Forschung positive Auswirkungen auf den Harnsäuregehalt, aus der speziellen Diät entwickelte Hay im Laufe der Jahre einen Ernährungsplan für alle Menschen.
Bei der Trennkost wird grundsätzlich zwischen drei Nahrungsgruppen unterschieden: die Kohlenhydratgruppe mit Getreide, Nudeln oder Zucker, die Proteingruppe mit Fleisch, Fisch und Milchprodukten sowie eine neutrale Gruppe, die vorrangig Gemüse umfasst. Nach Howard Hay sollten Nahrungsmittel der ersten beiden Gruppen nicht miteinander in einer Mahlzeit kombiniert werden, Beilagen der neutralen Gruppe sind allerdings bei allen Speisen erlaubt. Komplett verzichtet werden soll bei der Trennkost auf Hülsenfrüchte, da diese nach der Auswertung von Hay sowohl Eiweiss als auch Kohlenhydrate beinhalten. Ein echter Verzicht wie bei anderen Diäten war somit nicht notwendig, lediglich die Kombination bestimmter Nahrungsmittel war verboten.
Trennkost und die moderne Ernährungswissenschaft
Alle grossen Forschungsinstitute und nationalen Gesellschaften für gesunde und bewusste Ernährung lehnen das Prinzip der Trennkost mittlerweile ab. Über die letzten Jahrzehnte hat sich kein wissenschaftlich haltbarer Nachweis gefunden, dass bei konsequenter Einhaltung der Grundregeln ein Gewichtsverlust bzw. eine gesündere Gesamtverfassung eintritt. Im Wesentlichen wird die Tatsache kritisiert, dass eine Trennung von Proteinen und Kohlenhydraten bei Weitem nicht so einfach ist, wie Hay dies seinerzeit annahm. Nicht nur Hülsenfrüchte beinhalten beide Grundbausteine der Ernährung, viele weitere Lebensmittel der oben genannten Gruppen besitzen gleichermassen Eiweisse und Kohlenhydrate und machen die praktische Trennung kaum möglich.
Bei der Entwicklung seiner Diät ging Hay ausserdem davon aus, dass der menschliche Organismus Proteine und Kohlenhydrate nicht gleichzeitig verdauen könne, unterschiedliche Enzyme kämen hierbei zum Einsatz und würden sich gegenseitig blockieren. Tatsächlich sind verschiedene Enzyme mit der Verdauung von Proteinen bzw. Kohlenhydraten betraut, ein gesunder Organismus kann beide Enzymgruppen jedoch parallel bilden und die verschiedenen Bestandteile der Nahrung somit zeitgleich verdauen. Fehlende Erkenntnisse dieser Art können Hay nicht vorgeworfen werden, da die Erforschung der Ernährung vor 100 Jahren noch in den Kinderschuhen steckte. Als wirklich nützliche Diät und dauerhaft einzuhaltende Ernährungsvorgabe taugt die Trennkost dennoch nicht.
Warum gibt es viele Berichte über erfolgreiche Trennkost-Diäten?
Auch wenn die Ernährungsvorschrift wissenschaftlich nicht haltbar ist, schwören verschiedene Menschen auf die Trennkost und können tatsächlich positive Auswirkungen auf Gewicht und Gesundheit nachweisen. Was wie ein Widerspruch wirkt, erweist sich bei näherer Betrachtung durchaus als sinnvoll, da verschiedene Aspekte der Trennkost positive Auswirkungen auf den Körper haben. Viele Anhänger der Diät haben beispielsweise erst durch Einhalten der Trennkost Gemüse regelmässig in ihre Ernährung eingebunden und dafür den Anteil von Fleisch oder Zucker reduziert. Lag zuvor eine extrem ungesunde Ernährung vor, hat das Einhalten der Trennkost-Regeln unweigerlich zu einer Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten geführt.
Überhaupt ist es in vielen Fällen nachzuvollziehen, dass sich Diätiker zum ersten Mal in ihrem Leben kritisch mit Ernährungsgewohnheiten und den Bestandteilen vieler Speisen auseinandergesetzt haben. Über dieses neue Bewusstsein wurde erlernt, welche Speisen dem Körper eher schaden, so dass als angenehmer Nebeneffekt eine positive Auswirkung auf den Säure-Base-Haushalt zu verzeichnen war. Wer zudem bei der letzten Mahlzeit des Tages auf Kohlenhydrate verzichtete, folgte damit unweigerlich dem Grundsatz vieler Low-Carb-Diäten, die für die Gewichtsreduktion eher akzeptiert sind. Der Körper kommt durch den niedrigen Insulinspiegel im Schlaf leichter an seine Fettreserven heran und verbrennt diese, der Effekt ist eine langsame, aber spürbare Absenkung des Körpergewichts.
Fazit zur Trennkost als Ernährungsprinzip
In der Vielzahl an immer neuen Ideen ist der Klassiker Trennkost leider nicht als ernsthafte Ernährungsvorschrift für eine gesunde Lebensweise haltbar. Die Erfolge, die ein kleiner Personenkreis mit dieser Diät verzeichnet, sind dennoch kein Zufall, sondern das Produkt einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Ernährung. Gerade zu diesem Zweck kann es sich lohnen, einen Blick auf die verschiedenen Nährstoffgruppen zu werfen und zu verstehen, was eine Übersäuerung oder Einlagerung von Fett begünstigt. Mit diesem Wissen ausgestattet, sollte auch jenseits von Trennkost und anderen Diäten eine gesunde Ernährung möglich sein, die langfristig zur gewünschten Traumfigur führt.
Oberstes Bild: Trennkost – ein Diät-Klassiker mit der 100-jährigen Geschichte (© Elena Schweitzer / Shutterstock.com)