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Zehntausende Kurden haben am Freitag in Suleimanjia Abschied von Iraks Ex-Präsident Dschalal Talabani genommen. Der Politikveteran und Kurdenpolitiker war am Dienstag in Berlin verstorben.
Die Menschenmenge war so gross, dass der Konvoi mit dem Leichnam Talabanis erst mit mehrstündiger Verzögerung den Flughafen von Suleimanija verlassen konnte. Weinende Menschen versuchten den Sarg zu küssen, als er in der nordirakischen Stadt schliesslich in einer Moschee eintraf.
Talabanis Gesundheitszustand hatte sich kurz vor dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak am 25. September so verschlechtert, dass er in die Klinik gebracht werden musste. Er war bereits im Dezember 2012 nach einem Schlaganfall in Deutschland behandelt worden.
Als Talabani 2005 zum Präsidenten gewählt wurde, war er der erste Kurde an der Spitze des irakischen Staates. Er genoss im Irak wegen seines Einsatzes für die Versöhnung der Volksgruppen breiten Respekt. Der Präsident der kurdischen Autonomieregion Massud Barsani würdigte ihn nach seinem Tod als «Freund und Bruder», Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi lobte seinen Beitrag zum Aufbau eines «föderalen Iraks».
Letzte Ehre erwiesen
Bei der Ankunft von Talabanis Leichnam in Suleimanija waren Barsani und der irakische Staatschef, der Kurde Fuad Massum, zugegen. Auch der kurdische Ministerpräsident Netschirwan Barsani, Irans Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif, der irakische Parlamentspräsident Salim al-Dschuburi sowie Vertreter der Kurden im Iran, der Türkei und Syrien erwiesen Talabani die letzte Ehre.
Die Kurden liegen wegen ihres Unabhängigkeitsreferendums mit der Zentralregierung in Bagdad derzeit im offenen Konflikt. Eigentlich sind alle internationalen Flüge in die Autonomieregion ausgesetzt. Vor dem Flughafen schwenkte die Menge grüne Fahnen der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), die Talabani 1975 gegründet hatte und die lange mit Barsanis Demokratischer Partei Kurdistans (DPK) im Streit lag.
Es ist das erste Mal seit Gründung der irakischen Republik 1952, dass der Tod eines Ex-Präsidenten derartige Anteilnahme findet. Die meisten von Talabanis Vorgängern wurden hingerichtet oder starben im Exil. (sda/afp)