Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03579.jsonl.gz/1076

Es war der deutsche Astronom Johannes Kepler (1571–1630), der als Erster die sogenannte «Grosse Konjunktion» – die von der Erde aus gesehene scheinbare Annäherung von Jupiter und Saturn – für das Jahr 7 vor Christus errechnete. Diese gilt unter Astronomen und Theologen bis heute als eine mögliche Erklärung für den Stern von Bethlehem. Das relativ seltene astronomische Phänomen könnte erklären, weshalb die drei weisen Sterndeuter aus der Bibel dem «Weihnachtsstern» über Monate hinweg durch die Wüste folgen konnten. Hugo Blikisdorf (74) treiben seltene Planetenkonstellationen nicht in die Wüste, aber zuweilen hinauf zur Sternwarte Cheisacher. Das Observatorium auf dem gleichnamigen Berg zwischen Sulz und Mönthal wurde Anfang der 1970er-Jahre von Mitgliedern der Astronomischen Gesellschaft Baden initiiert und 1965 schliesslich in Fronarbeit realisiert.
Die Gemeinde Sulz verkaufte der Gesellschaft das Grundstück für die Sternwarte unter der Bedingung, dass diese künftig auch der Bevölkerung umliegender Gemeinden und insbesondere deren Schulklassen offen steht. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Seit nunmehr 44 Jahren wird die Sternwarte Cheisacher vom Verein «Vereinigung Sternwarte Cheisacher» unterhalten und betrieben, dessen Präsident Hugo Blikisdorf seit zwei Jahren ist.
Naturphänomen Sternenhimmel
Der Untersiggenthaler kam ursprünglich über den technischen Aspekt zur Astronomie. «Angefangen hat es eigentlich damit, dass der damalige Präsident der Jungwacht St. Karl in Luzern ein Teleskop mit ins Sommerlager brachte. Es war aber beinahe unmöglich, damit tatsächlich etwas zu beobachten», erinnert sich Blikisdorf. Doch sein Interesse an den Sternen war geweckt. Kurze Zeit später stiess er dann auf das Buch «Das Fernrohr für jedermann» von Hans Rohr und begann, mit seinem neu angeeigneten Wissen erste Teleskopspiegel selbst zu schleifen. Inzwischen studierte er Elekoingenieurwesen und eignete sich so weitere Fähigkeiten an, die für den Bau eigener Teleskope nützlich waren.
Und seine Bemühungen zahlten sich aus. «Meine Leidenschaft galt vor allem dem Fotografieren des Sternenhimmels. Ich habe deshalb mein eigenes Fototeleskop konstruiert und gebaut, um damit den Himmel ablichten zu können», berichtet Blikisdorf. Das klingt einfacher als es ist. Schliesslich braucht die Kamera Zeit, um genügend Licht für eine Aufnahme einzusammeln. Das Teleskop muss deshalb einen anvisierten Stern sehr lange «verfolgen», damit die Sterne am Ende immer noch als Punkte erscheinen und nicht zu Strichen werden.
Teleskop «Marke Eigenbau»
Das Teleskop selbst zu bauen, sei damals die einzig realistische Möglichkeit gewesen, überhaupt eines zu bekommen, erzählt Blikisdorf. Damals habe es nämlich noch nicht viele kommerzielle Anbieter für Teleskope gegeben, und deren Produkte waren zudem noch sehr kostspielig. Als Hugo Blikisdorf 1975 beruflich von der ETH zur BBC nach Baden wechselte, lernte er dort weitere astronomiebegeisterte Ingenieure kennen, die ihm von der Existenz der Sternwarte Cheisacher berichteten. Eine Offenbarung für den begeisterten Hobbyastronomen: «Als ich erfuhr, dass es auf dem Cheisacher eine Sternwarte gibt, war das für mich der Eingang ins astronomische Paradies.»
Jahrzehnte der Beobachtung
1978 trat Blikisdorf der Vereinigung Sternwarte Cheisacher bei. Das Tele-skop der Sternwarte mit einem Spiegeldurchmesser von 48 Zentimetern wurde übrigens von einem Gründungsmitglied, dem Grafiker und Spiegelschleifer Eugen Äppli, selbst hergestellt. Für einen symbolischen Preis verkaufte er es an die Vereinigung. Das Teleskop ist bis heute noch in Betrieb, auch wenn es inzwischen einige Male überarbeitet wurde. Blikisdorfs Initiative hingegen sind die öffentlichen Beobachtungsabende zu verdanken, die der Verein nun schon seit über dreissig Jahren organisiert.
Vom Wetter abhängig
Zweimal im Jahr, je einmal im Frühling und im Herbst, lädt der Verein Interessierte in die Sternwarte ein, um ihnen die Arbeit des Vereins näherzubringen und einen Einblick in die unvorstellbaren Weiten des Universums zu gewähren. «Was mich aber inzwischen am meisten umtreibt, sind die Führungen für Schulklassen, Vereine und Private, die wir jedes Jahr organisieren», erläutert Hugo Blikisdorf seine Rolle als Vereinspräsident. «Je nach Grösse der Gruppen sind wir dafür bis zu drei Vereinsmitglieder, und natürlich hängt es vom Wetter ab, ob wir an einem Abend überhaupt etwas beobachten können.»
Daneben treffen sich die Vereinsmitglieder – aktuell dreizehn – einmal monatlich bei der Sternwarte, um sich über Astronomie auszutauschen und gemeinsam zu grillieren: «Wer sich für Astronomie interessiert und bereit ist, sich für den Verein zu engagieren, ist bei uns jederzeit willkommen.»