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Der Schutz jener Tiere, welche unsere Pflanzen bestäuben, ist nicht nur bedeutend für die Biovielfalt unseres Planeten, sondern auch zur Sicherstellung des Nahrungsangebots für seine Bevölkerung. Mehr als drei Viertel der bedeutendsten Agrarflächen zur Produktion von Lebensmitteln in unserer Welt sind mehr oder weniger abhängig von der Bestäubung durch Tiere – entweder um das Volumen oder die Qualität der Produktion zu garantieren, und zirka 90% der Pflanzen sind für ihre Produktion ebenfalls von diesen Spezies abhängig.
Diese Informationen, und die Probleme rund um die Bestäuber, sind von den Spezialisten der “Plataforma Intergovernamental de Biodiversidade e Serviços Ecossistêmicos (IPBES)“ studiert worden, eine Neugründung innerhalb der UNO. Diese Gruppe veröffentlichte eine Studie, in der sie darauf hinwies, dass eine wachsende Anzahl der bestäubenden Tierarten weltweit von der Ausrottung bedroht seien.
Der Zustandsbericht “Bestäubung, Bestäuber und Produktion von Lebensmitteln“, veröffentlicht während einer Plenarsitzung des IPBES, am vergangenen 26. Februar in Kuala Lumpur, in Malaysia, deutet darauf hin, dass Faktoren, wie der Wechsel bei der Bodennutzung, die intensive Agrarwirtschaft, die unmäßige Anwendung von Pestiziden und die deutlichen Klimaveränderungen, der Biodiversifikation großen Schaden zufügen und für die Vielfalt der Bestäuber ein ernstes Risiko bedeuten – in Konsequenz sind die Produktion von Lebensmitteln, das Gleichgewicht der Ökosysteme, die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen und die globale Wirtschaft, in ernster Gefahr.
Die bekanntesten Bestäuber sind die Bienen. Aber es gibt auch andere Tierarten, wie Fliegen, Schmetterlinge, Käfer, Vögel, Fledermäuse und einige Wirbeltiere, wie Eidechsen und kleinere Säugetiere, die als Pflanzenbestäuber infrage kommen.
Ungenügende Daten
Die Senior-Professorin des “ Instituto de Biociências da Universidade de São Paulo”, Vera Fonseca, eine der Koordinatoren des Berichts, erklärt, dass es leider noch keine Untersuchungsergebnisse von globalem Niveau gäbe, wegen ungenügender Daten, aber die schon zur Verfügung stehenden Daten zeigten, dass 16,5% der Bestäuber mehr oder weniger bedroht seien, und dass zirka 30% von ihnen sich auf Inseln befänden.
“In Brasilien haben wir fünf Arten von Bienen, die als bedroht gelten. Wir haben auch regionale Aufstellungen, wie zum Beispiel von Rio Grande do Sul, und wir haben verschiedene Regionen unseres Landes, von denen überhaupt keine Daten hinsichtlich Kontrolle und Bewertung der Bestäuber vorliegen. Es fehlt uns viel an Wissen in diesem Fall“, sagte Vera, und erklärte, dass es unbedingt nötig sei, diese Populationen intensiver zu studieren, um eine spezifische Politik zu schaffen, damit diese Bienen von der Roten Liste der Ausrottung verschwinden.
Bedeutend ist eine Intensivierung biologischer Sammlungen, die Arbeit von Museen und die Heranbildung von Taxonomisten, so die Professorin, um eine Datenbank für das Studium, für die Bewertung und für politische Vorschläge und zukünftige Aktionen zu schaffen.
“Wir wissen nicht einmal genau, welches die jeweiligen Bestäuber für die verschiedenen Kulturen sind, also werden unwissentlich Pestizide benutzt, die wahrscheinlich die lokale Fauna schädigen. Genau das müssen wir herausfinden und auswerten, um nicht nur eine Kontrolle der Schädlinge zu erreichen, sondern auch die entsprechenden Bestäuber schützen zu können, und wenn nötig Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen“, erklärt die Professorin.
Erhöhung der Produktivität
Vera erklärt weiter, dass unter den in Brasilien kultivierten, und von einer Bestäubung durch Insekten und andere Tierarten abhängigen Pflanzenarten und Früchten, die folgenden infrage kommen: Açaí, Maracujá, Avocado, Tomate, Papaia, Dendê, Apfel, Mango, Acerola, und viele andere Früchte, außerdem die Paranuss, der Kakao und der Kaffee. Soja und Baumwolle produzieren ebenfalls mehr, wenn sie von Bestäubern frequentiert werden.
“Oft stammen die Bestäuber aus einem Schutzgebiet in der Nachbarschaft einer Agrarregion. Wir haben viele bedeutende Bestäuber, die für die Agrarkultur von Nutzen sind, und die sind von großem Wert für unsere Produktion“, sagte sie und führt weiter aus, dass der Reichtum, welcher mit Hilfe der Bestäuber in Brasilien geschaffen werden konnte, auf etwa 12 Milliarden US-Dollar geschätzt wird.
Die Entwicklung einer nachhaltigen Agrarkultur ist eine der notwendigen Maßnahmen zur Umkehrung der gegenwärtigen Entwicklung – mit einer Diversifizierung der Agrarlandschaften und einer Reduzierung der Pestizide. Es ist außerdem möglich, bestimmte Bienenarten in die Nähe der Felder zu verlegen und ihre genetische Vielfalt durch Kombination mit wilden Arten zu erhöhen. “In Brasilien haben wir zirka 1.800 Arten von Bienen, außerdem viele andere Arten von Bestäubern, die man manipulieren kann“.
Die Professorin erklärte noch, dass mit dem zunehmenden Wachstum der Bevölkerung auch die Nachfrage nach Lebensmitteln wächst – “eine größere Produktion auf geringerer Fläche ist alles, was auch die Naturschützer wollen. Und unser geeignetes Werkzeug ist die Nutzung der Bestäuber für diesen Zweck“!
Der Bericht über die Bestäuber ist der erste einer Reihe von Diagnosen hinsichtlich der Biovielfalts-Situation unseres Planeten, die vom IPBES bis zum Jahr 2019 vorgesehen sind. Die Gruppe der Spezialisten veröffentlichte noch eine an die volkspolitischen Formulatoren gerichtete Zusammenfassung, welche den verschiedenen Ländern zugesandt werden soll.
“Diese Zusammenfassung enthält Strategien, welche für eine Erhaltungspolitik genutzt werden können, Informationen über die Bedingungen zur Erhaltung des Lebens der Bestäuber, wie man die Agrarlandschaften verändern kann, und wie man eine Annäherung zwischen der Gesellschaft, der Natur und den Bestäubern erreichen kann“, sagte die Professorin.