Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03224.jsonl.gz/1601

|Die Geschichte der Chromatischen Harfe

|Als die Musik mit der Spätrenaissance zunehmend chromatisch wurde, konnte die diatonisch gestimmte Harfe mit dieser Entwicklung nicht mehr Schritt halten. Es wurden und werden immer wieder Versuche unternommen, die Harfen an diese neuen Verhältnisse anzupassen. So gab es im Barock die zwei- und dreireihigen Harfen („arpa doppia" und „Tripleharp“), die Hakenharfen entstanden, um 1720 wurde die einfache Pedalharfe, knapp 100 Jahre später die Doppelpedalharfe erfunden. Alle diese Harfen versuchten, die Saitenebene als solche zu erhalten bzw. zu verdoppeln oder zu verdreifachen; immer parallel zu einander.|
Vom Beginn dieser Entwicklung an gab es aber auch schon Harfen, bei denen die diatonische Reihe von einer zweiten, pentatonischen durchkreuzt wurde. Auf diese Weise war es möglich, über den ganzen Spielbereich die Halbtöne, die in der diatonischen Reihe nicht vorhanden waren, mit beiden Händen und ohne durch eine Saitenreihe hindurchgreifen zu müssen, zu erreichen.
Dieses System, das es neben allen anderen Harfentypen bis heute gibt, hat aber einen entscheidenden Nachteil. Da es sich nach wie vor an der diatonischen C-Dur-Reihe orientiert, wird das Spielen zunehmend schwieriger, je weiter sich die Musikstücke von dieser Tonart entfernen.
|Die Ganztönige Chromatische Harfe

|1845 baut der französische Harfenbauer Henri Pape zum ersten Mal eine Chromatische Harfe in ganztöniger Saitenanordnung. Die zwei Saitenebenen sind in zueinander symmetrischen sechstönigen Ganztonskalen gestimmt, die sich durchkreuzend zur chromatischen Skala ergänzen: C D E Fis Gis Ais + Cis Dis F G A H. Niemand kaufte sie - vielleicht war es einfach noch zu früh für seine Idee. |
1997 erteilte der deutsche Harfenspieler Christoph Pampuch der Klangwerkstatt Markt Wald den Auftrag, ihm so eine Harfe zu bauen. Das musikalische Ergebnis ist verblüffend: Egal in welcher Tonart - alle gleich klingenden Intervalle, Akkorde und Skalen werden nun auch gleich gegriffen. Klang und Griff sind bei Transponierungen in Ganztonschritten vollkommen identisch, im Halbtonabstand werden sie gespiegelt. Es ist das alte Prinzip der diatonischen Harfe, das nun tatsächlich in die Welt der Chromatik übertragen ist. Diese Harfe hat 58 Saiten, ist 1.28m gross und wiegt lediglich 9kg. (Also knapp ¼ einer Doppelpedalharfe!).
Christoph Pampuch hat nun mehr Erfolg als Henri Pape. Es gibt in Europa bald um die 50 Personen, die dieses Instrument spielen und mehrere Harfenbauer die immer neue Modelle entwickeln.