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Obwohl von keinem König im Zehnstämme-Reich Israel gesagt werden konnte: «Er tat, was recht war in den Augen des HERRN», gab es doch einen Überrest glaubender Israeliten unter jenen Stämmen. Zur Zeit des Propheten Elisa bekannte sich Gott durch den Dienst seines Knechtes zu diesen Treuen. Sie erfuhren seine Gnade auf vielfältige Weise. Zu ihnen gehörte auch die Witwe in 2. Könige 4.
Diese Frau war eine der Frauen der Söhne der Propheten. Sie gehörte also zu den Gottesfürchtigen im Zehnstämme-Reich. Doch wir lernen aus manchen Beispielen in der Bibel, dass ein Leben der Gottesfurcht nicht dafür garantiert, keine Probleme zu haben. So war es auch hier. In einer Zeit grosser geistlicher Schwachheit im Volk Gottes kam diese Familie durch den Tod des Vaters in eine schwere Not. Die finanziellen Schwierigkeiten führten dazu, dass der Schuldherr die beiden Söhne der Witwe zu Sklaven nehmen wollte.
In ihrer ausweglosen Lage wandte sich die Frau an den Propheten Elisa. Er war damals der Mittelsmann zwischen Gott und den Menschen in Israel – ein schöner Hinweis auf unseren Herrn Jesus. Von Ihm heisst es: «Durch den wir mittels des Glaubens auch den Zugang haben zu dieser Gnade, in der wir stehen» (Röm 5,2).
Auf die Frage des Propheten, wie ihr geholfen werden könne, bekannte die Witwe: «Deine Magd hat gar nichts im Haus als nur einen Krug Öl.» Zur Zeit des Herrn Jesus, als viele Tausende von Menschen etwas zu essen brauchten, waren die Jünger in einer ähnlichen Lage. Sie sagten, dass sie nur fünf Gerstenbrote und zwei Fische hätten, «aber was ist dies für so viele?» (Joh 6,9). Was tut der Herr Jesus in solchen Situationen? Er nimmt das Wenige, das wir haben – obwohl Er es nicht nötig hätte – und vermehrt es in seiner Gnade zu unserem Guten.
Das Öl ist ein Bild des Heiligen Geistes und seiner Kraft. Auch in Zeiten der Schwachheit bleibt der Geist Gottes in der Versammlung und in jedem Glaubenden wohnen. Der Prophet Haggai ermunterte die in ihr Land zurückgekehrten Juden mit der Zusicherung des HERRN: «Das Wort, das ich mit euch eingegangen bin, als ihr aus Ägypten zogt, und mein Geist bestehen in eurer Mitte: Fürchtet euch nicht!» (Kap. 2,5). An die Thessalonicher schrieb der Apostel Paulus: «Den Geist löscht nicht aus (oder dämpft nicht)» (1. Thes 5,19). Daher gilt die Aufforderung in Epheser 5,18 heute noch: «Werdet mit dem Geist erfüllt.»
Elisa wies die Frau an: «Erbitte dir Gefässe von draussen, von allen deinen Nachbarn, leere Gefässe, nimm nicht wenige.» Das Beschaffen der Gefässe war ihre Aufgabe. Dazu musste sie zu ihren Nachbarn gehen, die zweifellos wussten, wie es um ihre Familie stand. Von ihnen erwartete sie keine Hilfe, aber sie lieh von ihnen leere Gefässe aus. Gleichzeitig bezeugte sie mit ihrer Bitte um leere Gefässe, dass sie von ihrem Gott Grosses erwartete. Sie sagte eigentlich: «Der Herr ist mein Helfer», Er wird dafür sorgen, dass die Gefässe voll werden. Die Anzahl der Behälter, die sie sich von ihren Nachbarn erbat, entsprach ihrem Vertrauen in die gnädige Macht Gottes.
So zeigt der Herr auch uns manchmal, dass Er unsere Mitmenschen, die möglicherweise ungläubig sind, gebrauchen möchte, um uns seine Hilfe zukommen zu lassen. Es kann vorkommen, dass wir in unseren unlösbar scheinenden Problemen und Nöten Unterstützung oder Hilfestellung von Menschen brauchen. Die Hilfe selbst aber wollen wir nur vom Herrn, nicht von Menschen erwarten.
Die leeren Gefässe lassen uns auch an unser Herz denken. Der Herr möchte es mit dem füllen, was von Ihm kommt. Doch dazu muss es leer von uns selbst, von unserem Egoismus sein. Es muss aber auch leer von den Ideen der Welt und leer von dem sein, was aus unserer alten Natur kommt. Im Selbstgericht müssen wir mit allem aufräumen, damit unser Herz für den Segen Gottes frei wird.
Dann sagte der Prophet: «Schliesse die Tür hinter dir und hinter deinen Söhnen zu und giesse in alle diese Gefässe.» Das Vertrauen auf den Herrn und der Segen von Ihm als Antwort auf unseren Glauben ist eine höchst vertrauliche Sache zwischen uns und unserem Gott. Das hat nichts mit einem öffentlichen Zeugnis für Ihn zu tun.
Das Verschliessen der Tür bedeutet auch, dass wir darauf achten sollen, dass die Welt und ihre Ideen nicht in unser Leben eindringen. Die Tür gegen aussen muss geschlossen werden, damit der Geist, den wir seit unserem Glauben an den Herrn Jesus besitzen, unser Herz wirklich ausfüllen und ungehindert in unserem Leben wirken kann. Was wird die Folge eines vom Geist erfüllten Herzens sein? Ein Wandeln durch den Geist! (Röm 8,14; Gal 5,<ip-pii>).
Die Witwe befolgte den Rat des Propheten und erfuhr die Gnade und Treue Gottes in Form eines überwältigenden Segens. Mit dem einen Krug Öl, den sie noch hatte, konnte sie alle vorhandenen Gefässe füllen. Das Öl hörte erst auf zu fliessen, als kein Gefäss mehr vorhanden war. Die Begrenzung des Segens Gottes liegt nie bei Ihm, sondern immer bei uns, bei der Grösse unseres Glaubens. Das war auch den Jüngern des Herrn bewusst geworden. Daher baten sie Ihn: «Mehre uns den Glauben!» (Lk 17,5).
Nun kehrte die Frau zum Propheten zurück und erzählte ihm, was sie mit ihren Söhnen hinter verschlossener Tür erlebt hatten. Seine Antwort war ganz einfach: «Geh hin, verkaufe das Öl und bezahle deine Schuld; du aber und deine Söhne, lebt vom Übrigen.» Die Gnade ist in ihrem Ausmass immer grösser als unsere Bedürfnisse. Hier wurde mehr als die vorhandene Schuld gedeckt. Ähnlich war es bei der Speisung der 5000. Als alle von den fünf Broten und den zwei Fischen satt geworden waren, heisst es: «Sie hoben an Brocken zwölf Handkörbe voll auf, und von den Fischen» (Mk 6,43).
Wir wollen die Belehrungen aus diesen Versen auch in unser Leben übernehmen!