Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03587.jsonl.gz/3844

Die Schweizer Landwirtschaft hat ihren Ursprung vor rund 8000 Jahren, als die Menschen eine sesshafte Lebensform annahmen. Allmählich entwickelten sich der Ackerbau und die Viehhaltung; der Mensch wurde vom Jäger und Sammler zum Ackerbauer und Viehzüchter. Auf globaler Ebene reicht der Ursprung der Landwirtschaft noch viel weiter zurück. Vor rund 9000 Jahren wurden in den Ländern des Mittleren Ostens Schafe und Ziegen, in China und der Türkei Schweine als Haustiere gehalten. Die Haltung von Rindern ist später datiert, wobei dies wahrscheinlich an mehreren Orten gleichzeitig geschah.
Die Nutztiere wurden anfangs nur für die Fleischproduktion und als Felllieferanten verwendet, später kam die Sekundärnutzung hinzu, und die Tiere wurden von nun an auch zur Milch-, Käse- und Wollherstellung sowie als Lasttiere gebraucht. Zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart liegen zahlreiche Entwicklungsschritte. Dazumal diente die Landwirtschaft überwiegend der Selbstversorgung der Familien, heute jedoch werden die Produkte vorwiegend zum Verkauf angeboten. Durch die Anbindung an das internationale Schienennetz stieg die Konkurrenz mit Produkten aus dem Ausland; die einheimische Produktion ging zurück. Um dieser Situation entgegenzutreten, bildete sich im Jahre 1897 der Schweizerische Bauernverband. In den 1980er-Jahren führte der Protektionismus zu erheblicher Überproduktion. Seither wird der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten etwas liberalisiert.
Die Nutztierhaltung macht einen wichtigen Teil der Schweizer Landwirtschaft aus. 2010 betrug sie rund 47% der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion (in Franken). Die Tierhaltung ist durch das Tierschutzgesetz genau geregelt. Die Gesundheit der Tiere wird durch eine nationale Verkehrsdatenbank kontrolliert. Von den rund 61 000 Landwirtschaftsbetrieben im Jahr 2008 waren 63% Viehwirtschaftsbetriebe, die sich in Weidevieh- und Veredlungsbetriebe unterteilen lassen. Die Weideviehbetriebe stellen Betriebe dar, die Milchkühe, Mutterkühe, Pferde, Schafe, Ziegen und Hühner halten oder Kälber sowie Schweine mästen. Zu den Veredlungsbetrieben zählen beispielsweise Alpbetriebe, die aus der gewonnenen Milch Käse produzieren.
Die Hirsche (Cervidae) stellen eine Säugerfamilie der Paarhufer (Artiodactyla) dar und sind seit 1992 als landwirtschaftliche Nutztiere in der Schweiz anerkannt. Gehalten werden dürfen sie nur mit einer Bewilligung. Zurzeit werden ungefähr 11 000 Individuen gehalten; die meisten davon sind Damhirsche. Neben der Nutzung steiler Hänge oder aus Freude an den Tieren werden die Hirsche auch zur Fleischproduktion, als Felllieferant oder als Last- und Milchtier gehalten. Damit der jährliche Bedarf für den Wildfleischverzehr in der Schweiz gedeckt ist (500 Gramm pro Kopf), muss zusätzliches Fleisch vom Ausland importiert werden, meist aus dem fernen Neuseeland.
Für die Haltung der Tiere ist neben einer Bewilligung die Errichtung eines zwei Meter hohen Zaunes Pflicht, da die Fluchttiere sonst schnell ausreissen könnten. Im Vergleich zur übrigen Nutztierhaltung ist die Hirschhaltung insgesamt aber eher weniger arbeitsintensiv, da die Tiere das ganze Jahr im Freien leben. Die Tiere sind selbst in Gefangenschaft sehr scheu, daher wird jeder Hirschjahrgang mit einer bestimmten Farbe markiert, um das Alter der Tiere bestimmen zu können. Mit 15 bis 16 Monaten werden die Tiere geschlachtet; das Fleisch gelangt an lokale Metzgereien oder direkt an die Gastronomie.
Die Lamas (Lama) sind eine Säugetiergattung, die zu den Neuweltkamelen innerhalb der Familie der Kamele (Camelidae) zählt. Die Gattung der Lamas wird traditionell in drei Arten aufgeteilt, nämlich Guanako (Lama guanicoe), Lama (Lama glama) und Alpaka (Lama pacos). Lama und Alpaka werden bereits seit 4000 bis 5000 Jahren domestiziert. Jüngere systematische Untersuchungen fassen alle drei Vertreter zu einer einzigen Art zusammen.
Ursprünglich als Lasttiere und Wolllieferanten in Südamerika gehalten, fanden die Lamas seit Mitte der 1980er-Jahre ihren Weg in die Schweiz. Die Haltung stellt, bis auf einen auf drei Seiten geschlossenen Unterstand, keine grosse Herausforderung für die Halter dar. Die Lamas können das ganze Jahr über auf der Weide gelassen werden. Die Anforderungen einer tiergerechten Haltung sind vom Bundesamt für Veterinärwesen festgehalten. 1995 wurde der Verein der Lama- und Alpakahalter (VLAS) ins Leben gerufen, um sowohl den Wünschen wie auch den Anliegen der Hobbyhalter, Züchter und der Lamatrekking-Anbieter gerecht zu werden. Der Verein bietet auch Weiterbildungen an und setzt Haltungsrichtlinien fest. Die Lamas werden als Lasttier für Trekking, zur Wolle- und Fleischerzeugung sowie zur Reittherapie und in der Pädagogik eingesetzt. Die Schweizer Bauernhöfe unterhielten im Jahr 2012 rund 3000 Lamas und 3100 Alpakas in ihren Betrieben.
Die Strausse (Struthionidae) sind eine Familie der Laufvögel (Struthioniformes), von der heute nur noch der Afrikanische Strauss (Struthio camulus) existiert. In der Schweiz werden von den 40 gemeldeten Straussenhaltern pro Jahr insgesamt rund 1000 Tiere gemästet. Dies dauert, je nach Fütterung, 12 bis 15 Monate. Das Halten der Strausse bedarf einer amtlichen Bewilligung und wird vom Bund nicht subventioniert. Neben der Hobbyhaltung finden die Strausse auch als Fleischlieferant Verwendung. Sie werden von den Betrieben nach der Schlachtung direkt an Privathaushalte oder an die Gastronomie vermarktet. Straussenfleisch kann auch als Gourmetfleisch bezeichnet werden, ist kalorien- und cholesterinarm und hat einen hohen Eisengehalt. Da die artgerechte Haltung von Straussen sehr aufwendig ist, ist es fraglich, ob die Betreiber die Tiere artgerecht halten können. Die Tiere brauchen viel Auslauf und Bewegung, baden sich gerne im Sand um sich zu reinigen und sind an trockene und warme klimatische Bedingungen gewöhnt, so dass optimale Lebensbedingungen für die Strausse in der Schweiz fehlen.
Die aus Amerika stammenden Bisons haben ihren ursprünglichen Lebensraum in den weiten Grasländern Nordamerikas. Sie werden jedoch auch in der Region Basel gehalten, zum Beispiel auf der Farnsburg. Sie sind genügsamer als die Hausrinder und können auch schlechteres Futter gut verwerten. Da die Weideflächen beschränkt sind, muss jedoch im Winter mit Heu zugefüttert werden. Die männlichen Tiere werden nach etwas mehr als drei Jahren geschlachtet, während mit den weiblichen Tieren weiter gezüchtet wird.
DK