Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03638.jsonl.gz/714

Werkbeschreibung
Biografisches
Die Künstlerin Mireille Lavanchy (16.05.1939 Muralto/ TI) wuchs zweisprachig (Deutsch/ Französisch) auf. Ihre Mutter stammte aus der Deutschschweiz, ihr Vater war Westschweizer. Lavanchy verbrachte ihre Kindheit in einem kulturellen Umfeld in der Deutschschweiz (Thun/ Bern). 11jährig entdeckte sie eine Geige im Estrich, worauf sie mit dem Geigenspiel anfing und es bis zur Professionalität betrieb. 15jährig kamen in ihr zwei Berufswünsche auf: der der Malerin oder Berufsmusikerin. Die ablehnende Haltung ihres Musiklehrers liess sie den Weg der Künstlerin einschlagen. Lavanchy entdeckte durch den Roman von Pearl Buck (Stolzes Herz) ihre Affinität und ihr Potential für die Bildhauerei. Durch den Einfluss des Elternhauses besuchte sie zuerst (1958-1961) die Keramikschule in Bern, wo sie das Schwergewicht auf das Nebenfach Bildhauerei legte. Nach dem Abschluss arbeitete sie als Keramikerin und bildete sich zur Bildhauerin weiter. Dies tat sie an der Architekturschule von Lausanne und bei verschiedenen Bildhauern im In- und Ausland. Der Ungarnaufenthalt beim ungarischen Bildhauer Sandor Kecskémeti prägte ihr künstlerisches Schaffen entscheidend. Es war seine spontane Art mit Material und Objekt umzugehen, die sie auch in ihr Schaffen übernahm. Seit 1984 stellt Lavanchy regelmässig (hauptgewichtig in der Westschweiz) aus. Von 1996 bis 2003 unterrichtete die Künstlerin in Bildhauerei und Keramik. Heute arbeitet Lavanchy ausschliesslich als Künstlerin in Prilly (CH), wo sie auch lebt.
Material und Technik
Als ausgebildete Keramikerin benutzt Lavanchy weiter diese Technik, setzt sie jedoch in einer bildhauerischen Aussage um. Ihre Skulpturen erreichen eine Grösse ca. 30 bis 60 cm. Bei den Arbeiten handelt es sich fast immer um menschliche Figuren, meist sind es Frauengestalten. Als Material wählt die Künstlerin grobschamottiertes Steinzeug, Klinker, Schlicker und matte Glasuren. Am Anfang des künstlerischen Arbeitsprozesses steht bei Lavanchy die Idee, aus der sie eine Tonskizze anfertigt, in der die Proportionen bereits klar an den Tag treten, die Figuren jedoch meist noch nackt dargestellt sind. Dann werden die Figuren mit aus Ton gefertigten Platten (ca. 10-30cm) beworfen. Die Platten haben eine grobe Oberflächenstruktur (z.B. eines Baumes oder einer anderen unebenen, rauen Fläche). Dieser Akt des Bewerfens erfolgt spontan und gibt den Skulpturen eine eigenwillige, kraftvolle und spontane Aussage. Die Arbeiten sind teilweise eingefärbt. Die Farbigkeit (sie umfasst meistens erdige Töne oder auch Wassertöne) ist jeweils in einer Art Abstufung mit feinen Übergängen aufgetragen. Die Künstlerin färbt die Figuren entweder vor dem ersten Ofengang (dem Vorbrennen) bei 1050°C oder nach diesem ein. Die Skulpturen werden in einem letzten Brennprozess bei einer Temperatur von 1150° fertig gebrannt. Neu lässt sie ihre Arbeiten auch in Bronze giessen.
Bildsprache und künstlerische Aussage
Die Hauptauseinandersetzung der Künstlerin kreist um das Thema Mensch. Der Begriff der Regeneration steht im Mittelpunkt. Lavanchy fasziniert die immense Kraft und Energie, anhand welcher der Mensch immer wieder aufsteht und fähig ist, auch in ‚unlebbaren’ Landschaften sich niederzulassen. Das Thema, das diese teilweise philosophische Fragestellung am besten verkörpert, ist die Wüste. Die Künstlerin bereiste Australien und studierte die Kultur der Aborigenes. Einen bleibenden Eindruck hinterliess bei ihr die aussergewöhnliche Lebenstüchtigkeit dieser Ureinwohner Australiens, die eine unwirtliche Gegend ihren Lebensraum nennen. Das Werk der Künstlerin kreist immer wieder um das Wesentliche des menschlichen Daseins. Darum wohnt ihren Figuren eine Kraft und Energie inne, die unsichtbar aber umso spürbarer an den Tag treten. „Das Leben in seinen Grenzformen“ - so könnte man den Hauptfokus des künstlerischen Schaffens von Lavanchy begrifflich fassen. Die Künstlerin möchte, dass ihre Figuren in Kommunikation mit dem Betrachter treten. Diesen Prozess beobachtet und bewundert sie beim Werk von Alberto Giacometti.
Website von Mireille Lavanchy