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| Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

38.
Oder erscheint es nicht durchaus angemessen, daß das der Natur nach aus Gott dem Vater stammende Wort von oben und vom Himmel her kommt und diejenigen lebendig machen kann, denen es das Leben mitteilen will? Soll aber, sag' mir, das Schaffen nach Art Gottes auch Menschen zustehen? Keineswegs. Wie nun? Er macht uns lebendig als Gott, aber nicht bloß dadurch, daß er uns des Heiligen Geistes teilhaftig macht, sondern auch dadurch, daß er uns das angenommene Fleisch als Speise vorsetzt. Er sagte ja: „Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes eßt und sein Blut trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch."1Und als die Juden ihn einst verspotteten und das höhere Lob, ich weiß nicht wie, für den seligen Moses beanspruchen wollten und geradezu erklärten: „Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie geschrieben steht: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen, was tust du für ein Zeichen, daß wir dir glauben? Was wirkst du?",2der du uns angeblich von oben und vom Himmel her den Leib heruntergebracht —, da sprach er: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: nicht Moses hat euch das wahre Brot vom Himmel gegeben, denn das Brot Gottes ist der, der vom Himmel herabkommt und der Welt das Leben gibt."3Und wie mit dem Finger auf sich- selbst, den Fleischgewordenen, hinweisend, fügte er noch hinzu: „Ich bin das lebendige Brot, der ich vom Himmel herabgekommen bin. Wenn jemand von diesem Brote ißt, wird er leben in Ewigkeit. Und das Brot, welches ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird der, welcher mich ißt, auch leben um meinetwillen."4— Und doch bleibt es jedenfalls wahr, daß sein Fleisch nicht vom Himmel herabgestiegen, sondern aus der Jungfrau geboren ist, gemäß den Schriften. Daß aber nicht das Wort die Speise ist, sondern die durch die Menschwerdung erfolgte Verbindung der beiden Naturen zu einer Einheit, können wir aus sehr vielen Stellen ersehen. Zu Nikodemus, der das Geheimnis nicht verstand und törichterweise ausrief: Wie kann dies geschehen?, sprach er: „Wenn ich euch Irdisches sage und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch Himmlisches sage? Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem Menschensohne, der vom Himmel hinabgestiegen.“5Und zu den Juden, die an der gleichen Ungelehrigkeit krankten und ihn, ich weiß nicht wie, verlachen wollten, weil er gesagt hatte, sein Leib sei lebenspendend und vom Himmel her, sprach er: „Das ärgert euch? Wenn ihr nun den Menschensohn dorthin hinaufsteigen seht, wo er früher war?"6Wir aber werden vielmehr sagen, daß der Emmanuel vom Weibe geboren wurde. Wo ist er nun früher gewesen? Oder wie ist er dorthin hinaufgestiegen, wo er gewesen sein will, da doch der ihm geeinte Leib durch die heilige Jungfrau geboren wurde? Und werden wir nicht auch zugestehen, daß das irdische Fleisch nicht imstande ist, Leben zu spenden, soweit es auf seine eigene Natur ankommt? Wie nun, sag' mir, soll das Fleisch lebenspendend sein? Oder wie soll das, was von der Erde stammt, vom Himmel sein? Offenbar durch die Einigung mit dem lebendigen und vom Himmel gekommenen Worte. Das wird das einzig Richtige und mit den heiligen Schriften Übereinstimmende sein. Er ist ja nicht anders geworden und ist auch im Fleische als göttlicher Schöpfer tätig. .
1: Joh. 6, 54.
2: Ebd. 6, 30 f.
3: Ebd. 6, 32 f.
4: Ebd. 6, 51—58.
5: Joh. 3, 12 f.
6: Ebd. 6, 62 f.