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Wie oft sagen wir Kindern, dass sie sich anstrengen sollen, um sich Inhalte zu merken?
Wie oft ermahnen wir uns beim Lernen selbst, uns zu konzentrieren und versuchen angestrengt, uns Lernstoff einzuprägen?
Und wie oft müssen wir feststellen, dass unser Gedächtnis sich scheinbar nicht zwingen lässt und wir uns den Roman, den wir spasseshalber gelesen haben viel besser einprägen konnten als das Skript zur beruflichen Weiterbildung?
Wir gehen normalerweise davon aus, dass unsere Absicht, etwas zu lernen, eine wichtige Rolle spielt. 40 Jahre Gedächtnis-Forschung zeigen jedoch ein ganz anderes Bild: Ob wir uns etwas merken möchten, spielt so gut wie keine Rolle!
In einem bekannten und oft bestätigten Experiment von 1973 konnten Hyde und Jenkins zeigen, dass unsere Merkleistung rasant zunimmt, wenn wir Lernmaterial vertieft verarbeiten, dass es aber kaum ins Gewicht fällt, ob wir die Absicht haben, uns Lernmaterial einzuprägen.
Die beiden Forscher zeigten Studierenden nacheinander 24 Wörter, wobei jedes Wort während 3 Sekunden eingeblendet wurde. Die Studierenden der ersten Gruppe sollten sich darauf achten, ob der Buchstabe e oder g im Wort vorkommt. So sollte erreicht werden, dass die Studierenden die Wörter lediglich oberflächlich betrachten. In der anderen Bedingung sollten die Studierenden einschätzen, wie angenehm die Wörter sind. Durch diese Aufgabe mussten die Versuchspersonen über die Bedeutung der Wörter nachdenken, was zu einer tieferen Verarbeitung führt.
Danach wurden die Studierenden gebeten, möglichst viele Wörter wiederzugeben.
Die Studierenden, die lediglich beurteilen sollten, ob ein e oder g in den Wörtern vorkommt, konnten sich im Durchschnitt an lediglich 39% der Wörter erinnern, die anderen Studierenden, die einschätzen sollten, ob die Wörter angenehm sind, kamen auf erstaunliche 68%. Das Experiment zeigt: Werden die Studierenden angeregt, über die Bedeutung der Wörter nachzudenken, können Sie sich deutlich besser erinnern.
Wie sieht es aber aus, wenn man sich redlich bemüht, Wörter zu lernen? In der zweiten Bedingung teilten die Forscher den Studierenden mit, dass sie die Wörter lernen müssen und danach abgefragt werden. Dabei mussten wieder die Hälfte der Versuchspersonen beurteilen, ob ein e oder g vorkommt, während die anderen dazu angeregt wurden, auf die Bedeutung der Wörter zu achten. Die Resulate waren praktisch identisch: Sollten die Studierenden auf die Buchstaben achten und dabei die Wörter lernen, konnten sie sich danach an 43% der Wörter erinnern. Beurteilten Sie hingegen, ob die Wörter angenehm sind, konnten sie 69% der Wörter wiedergeben.
Ob die Studierenden die Wörter lernen wollten oder nicht, führte zu einem minimalen Unterschied (1 bis 4%), während die Art und Weise, wie die Studierenden die Wörter betrachteten, die Merkleistung um fast 30% erhöhte.
Was bedeutet das nun?
Seien Sie nachsichtiger mit Ihrem Gedächtnis und dem Ihrer Kinder
Wie das Experiment zeigt, können wir es uns sparen, uns beim Lernen ständig anzutreiben ("jetzt merk dir das endlich!", "Die Prüfung ist in zwei Tagen, ich krieg es einfach nicht rein! Konzentrier dich!") oder unsere Kinder dazu aufzufordern, sich etwas zu merken ("das hatten wir doch gestern!", "das kannst du doch - streng dich mal an!", "das haben wir schon x-mal durchgenommen").
Stattdessen sollten wir uns die Frage stellen:
- Wie kann ich mir das am besten merken?
- Was könnte ich tun, damit mein Kind den Stoff besser behalten kann?
Auch dazu gibt uns das Experiment wichtige Antworten:
Fördern Sie die Verarbeitungstiefe
Die Merkleistung nimmt zu, wenn wir den Stoff vertieft verarbeiten, wenn wir über seine Bedeutung nachdenken, ihn mit Vorwissen verknüpfen und uns aktiv damit befassen.
Wie können die Verarbeitungstiefe erhöhen, indem wir zum Beispiel:
- Einen Text in eigenen Worten wiedergeben
- Uns fragen, welche Prüfungsfragen zu einer Lehrbuchseite gestellt werden könnten
- Uns den Titel eines Textes anschauen und uns fragen, was wir bereits dazu wissen
- Mit einem neu gelernten Wort einen Satz bilden
- Einen Text in einer anderen Form (zum Beispiel einem Mind-Map oder Referat) wiedergeben
- Über gelernte Inhalte diskutieren oder sie jemandem erklären
- Beispiele finden
Weitere Anregungen finden Sie in den folgenden Artikeln
Autorenteam
Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler führen gemeinsam die Akademie für Lerncoaching in Zürich und sind Autoren der folgenden Bücher:
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