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Welchen Sinn machen Länderspiele unter den Voraussetzungen wie an diesem Wochenende? Für den Coach Patrick Fischer sind sie eher eine Hypothek. Sie stellen seine Vertragsverhandlungen infrage.
Die brandschwarze Serie des Schweizer Eishockey-Nationalteams fand in den letzten Tagen am Vierländerturnier in Schweden ihre Fortsetzung. Mit dem 3:5 vom Sonntag gegen eine tschechische Auswahl ist das Team des Trainers Patrick Fischer seit elf Spielen ohne Sieg. Der letzte Erfolg datiert vom 21. Mai 2023, einem 4:2 am WM-Turnier gegen Tschechien; die Torschützen waren Andres Ambühl (2), Tanner Richard und Romain Loeffel. Keiner von ihnen war nun in Schweden dabei.
Axel Simic und Marc Marchon erzielten am Sonntag die Schweizer Tore. Die beiden Klotener wird man im Frühling an der WM in Prag und Ostrava kaum sehen. Sie sind zwei der 54 Spieler, die Fischer für die neun Testpartien der laufenden Saison aufgeboten hat. Die zehn NHL-Profis, welche die Schweiz hat und um die herum das WM-Team gebaut wird, stehen jetzt noch nicht zur Verfügung.
Entsprechend gering ist das Interesse am Wirken Fischers und seines Teams in der gegenwärtigen Phase. Die Printmedien liessen den Anlass weitgehend links liegen. Immerhin: Das Schweizer Fernsehen übertrug alle Spiele live. Die SRG begleitet das Nationalteam vor allem aus politischen Gründen. An der nationalen Meisterschaft hat sie sämtliche Rechte verloren. Stattdessen konzentriert sie sich auf das Nationalteam, den Spengler-Cup und die Champions-Hockey-League. Was das mit dem öffentlichen Auftrag der SRG zu tun hat, wird sie möglicherweise der Politik noch erklären müssen, wenn die Halbierungsinitiative zur Abstimmung kommt.
Es scheint, als zehre Fischer immer noch davon, dass er 2013 und 2018 am Gewinn von WM-Silber beteiligt war
Das mediale Desinteresse ist Hypothek und Glück zugleich für den Verband Swiss Ice Hockey. Seinem Trainer Fischer war am Sonntag im TV-Interview die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Es sei frustrierend, sagte er. Die Wende vom 3:2 zum 3:4 im letzten Drittel kam durch zwei Ablenker ins eigene Tor zustande. Beim 3:5 war das Schweizer Gehäuse verlassen. «Wir finden immer einen Weg, um zu verlieren.»
Mit der derzeitigen Bilanz würde jeder andere Trainer unter grösstem Rechtfertigungsdruck stehen. Swiss Ice Hockey hält trotz den Resultaten eisern am Zuger fest. Im Dezember verkündete der Verband offensiv, den Vertrag mit Fischer bis nach der Heim-WM 2026 verlängern zu wollen. Dieses Vorgehen hatte auf breiter Front Kopfschütteln ausgelöst. Es scheint, als zehre Fischer immer noch davon, dass er 2013 und 2018 am Gewinn von WM-Silber beteiligt war.
Die Frage ist, weshalb man Länderspiele mitten in der Saison trotz geringer Bedeutung überhaupt austrägt. Nicht alle Klubvertreter äussern sich so abgeklärt und zurückhaltend wie Reto Kläy, der Sportchef des EV Zug, der sagt: «Die Spiele sind zwar eine Belastung im dicht gedrängten Programm. Doch gerade wenn ein Spieler länger ausgefallen ist wie bei uns Sven Senteler, können sie eine willkommene Einsatzgelegenheit auf gutem Niveau bieten.»
Kläy ist Mitglied im National Team Committee, welches für die Liga das Nationalmannschaftsprogramm begleitet. Möglicherweise wird er im vertrauten Kreis anders sprechen. Mit Grégory Hofmann und Attilio Biasca sind nun, kurz vor dem Play-off-Start, zwei seiner Spieler verletzt aus Schweden zurückgekehrt. Verletzen, sagte Kläy am Sonntag, könne man sich aber auch im Klub.
Nur wären die Bekenntnisse der Spieler stärker und wäre das öffentliche Interesse höher, wenn es in den Partien sportlich um etwas ginge. Patrick Bloch, der CEO von Swiss Ice Hockey, sagt dazu, die Diskussion stelle sich ihm nicht, weil es dazu kaum kommen werde. Die Vermarktung des Nationalmannschaftsprogramms ist keine einfache Aufgabe. In der Szene kursieren Gerüchte, dem Verband würden rund zwei Millionen Franken fehlen. Bloch weist diese Zahl zurück. «Wenn dem so wäre, wäre das nicht gut.»
Möglicherweise hat die Summe ihren Ursprung im Fehlen eines Hauptsponsors. Im Frühjahr 2022 beendete die Zurich-Versicherung ihr Engagement. Der Konzern war nicht nur Partner für die Nationalmannschaft, sondern auch bei den Schiedsrichtern, im Cup und bei Nachwuchsprogrammen. Einen ähnlichen Partner hat Bloch seither nicht gefunden.
Grundsätzlich sei die Stimmung gegenüber der Nationalmannschaft positiv, sagt er. «Uns hilft die baldige Heim-WM in Zürich und Freiburg.» Aber Bloch weiss auch: «Das wirtschaftliche Klima hat sich durch die Pandemie, den Ukraine-Krieg und die Inflation verändert. Viele Firmen sind vorsichtiger geworden. Unser Produkt stösst zwar auf Interesse. Doch wir wollen auch etwas bieten. Einfach eine Logo-Präsenz auf dem Dress der A-Nationalmannschaft reicht nicht mehr. Themen wie die Unternehmensphilosophie eines Partners oder die Gleichstellung haben heute ein grösseres Gewicht.»
Es hagelte Absagen – was die Tür öffnete für Länderspiel-Neulinge
Der Vertrag mit der Euro-Hockey-Tour, zu der das jüngste Turnier in Schweden zählte, läuft bis 2027. Die Schweiz übernahm nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs den Platz der Russen im Teilnehmerfeld; die Gegner heissen Schweden, Tschechien und Finnland. Im Vertrag steht, die Teilnehmer müssten mit den «bestmöglichen Teams» antreten und kompetitiv sein.
In Schweden war bei den Schweizern diese Auflage nun nicht erfüllt, so fehlten etwa die Profis vom Meister und Champions-League-Finalisten Genf/Servette. Im Dezember erhalten die Spieler des HC Davos wegen des Spengler-Cups üblicherweise eine Pause. Einen Mann wie den 40-jährigen Rekord-Nationalspieler Andres Ambühl müssen die Coachs nicht mehr regelmässig sehen.
Bloch sagt, es sei Teil der Vereinbarung mit den Klubs, dass das Nationalteam beim Februar-Termin auf einen Teil der Spieler verzichte und auf Jüngere setze. Für das Turnier in Schweden erhielt Fischer zehn weitere Absagen. Das öffnete die Tür für sechs Länderspiel-Neulinge, was auf dem Eis nicht zu übersehen war.