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Transit
– medientipp
Georg flieht aus dem besetzten Paris vor der Polizei nach Marseille. Zwei Briefe, die er eigentlich einem Schriftsteller aushändigen sollte, der bei Georgs Eintreffen jedoch schon tot ist, führen ihn dorthin. Im ersten Brief bat die Frau des Autors diesen, in die Hafenstadt zu kommen, das andere Schriftstück ist eine Ausreiseerlaubnis der mexikanischen Botschaft. Georg beschliesst, mit den Papieren des Verstorbenen aus Europa zu fliehen, doch dann verliert er sein Herz an dessen Witwe.
Der Film basiert auf Anna Seghers gleichnamigen Roman, der als eines der bedeutendsten Werke der deutschsprachigen Exilliteratur gilt. Doch während Seghers autobiografisch geprägte Geschichte, die sie während ihres eigenen Exils in Mexiko schrieb, im 2. Weltkrieg angesiedelt ist, schuf Regisseur Christian Petzold («Die innere Sicherheit», DE 2000) mit der Verlegung der Handlung in die Gegenwart einen intelligenten Realitätsbezug. Hier überlagern sich die Zeiten, die Figuren scheinen durch einen luftleeren Raum zu schweben. «Transit» wirkt, wie ein Bild, das aus dem Rahmen fällt. Klassische Erzählstrukturen lösen sich auf, Münder sprechen Worte, wo ansonsten Stille herrscht und ein gefallener Franz Rogowski bewegt sich mit all seiner Verletzlichkeit durch eine bittersüsse Abschiedsszenerie, die das letzte Mal in «Casablanca» derart berührend war. Die Grenzen verschwimmen – das vielleicht schönste Kompliment an einen Film über Menschen, die sich entwurzelt und verloren fühlen.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
Kinostart: 31. Mai 2018