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vegetabilische oder animalische Gebilde, die sich zur Verarbeitung
auf Gespinste und Gewebe
[* 5] eignen und daher fest, geschmeidig und
womöglich bleichbar sein müssen. Die Zahl der tierischen
S. ist verhältnismäßig gering. Von größerer Bedeutung sind nur Wolle, Seide
[* 6] und die Haare
[* 7] einiger Ziegen, des Alpako u.
der Vicunna, das Kamelhaar und Pferdehaar. Viel größer ist die Zahl der vegetabilischen S., welche auch in ihrer Natur und
Beschaffenheit viel mehr voneinander abweichen.
sie sind glanzlos bis seidenglänzend, zum Teil sehr hygroskopisch, so daß wenigstens bei den
animalischen (Seide, Wolle) im Handel der Wassergehalt der Ware in besondern Anstalten (Konditionierungsanstalten)
festgestellt zu werden pflegt.
Aber auch Baumwolle, welche lufttrocken 6,5 Proz. Feuchtigkeit enthält, kann über 20 Proz.,
Manilahanf sogar über 40 Proz. Wasser aufnehmen. Die Hygroskopizität der S. wechselt bei den Kulturvarietäten einer und
derselben Pflanze und steigt bisweilen bei derselben Faser, wenn diese beim Lagern an der Luft dunkler wird.
Über die Festigkeit
[* 12] der S. liegen vergleichbare Angaben bis jetzt nicht vor; weitaus am festesten ist Seide, die übrigen
zeigen die mannigfachsten Abstufungen der Zerreißbarkeit.
Die chemische Zusammensetzung der vegetabilischen S. ist eine sehr gleichartige; die Hauptsubstanz bildet überall Cellulose,
und die Fasern, welche nur aus letzterer bestehen, sind biegsam, geschmeidig und fest, während diejenigen,
bei denen außer Cellulose noch Holzsubstanz oder ähnliche Stoffe auftreten, spröde und brüchig erscheinen und erst nach
Entfernung derselben weicher und biegsamer werden. Eine solche Vervollkommnung der Fasern wird z. B. durch den Prozeß des Bleichens
erreicht; doch ist die weiße Farbe einer Faser keineswegs ein Beweis, daß sie frei vonHolzfaser sei.
Selbst sehr geringe Mengen von letzterer kann man durch Betupfen mit einer Lösung von schwefelsaurem Anilin nachweisen, welche
die Holzsubstanz bräunt. Alle S., die der Hauptmasse nach aus Cellulose bestehen, werden durch Jod und Schwefelsäure
[* 13] blau gefärbt
und durch Kupferoxydammoniak aufgelöst; die übrigen, denen größere Mengen von Holzsubstanz oder andern organischen Stoffen
anhaften, werden durch ersteres Reagens gelb oder braun oder grün bis blaugrün gefärbt und durch Kupferoxydammoniak entweder
nicht verändert, oder nur unter mehr oder minder deutlicher Quellung gebläut. Alle S. enthalten mineralische Stoffe und lassen
daher beim Verbrennen Asche zurück. Die tierischen S. weichen in ihrer Zusammensetzung vollständig von den vegetabilischen
ab: sie enthalten sämtlich Stickstoff und unterscheiden sich sehr bestimmt von den vegetabilischen durch ihr Verhalten beim
Verbrennen, indem sie vor derFlamme
[* 14] gleichsam schmelzen und unter Verbreitung eines übeln Geruchs eine schwammige Kohle
hinterlassen, während die
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Pflanzenfasern bis auf die Asche vollständig und ohne Geruch verbrennen. Eine Unterscheidung der einzelnen tierischen und
vegetabilischen S. ist nur durch methodische Prüfung mittels des Mikroskops und chemischer Reagenzien möglich; letztere aber
leisten im allgemeinen für die rohen Fasern nicht viel und für die gebleichten, welche sämtlich aus reiner Cellulose
bestehen, naturgemäß sehr wenig oder nichts.
Die übrigen Spinnfaserpflanzen, zum Teil seit alter Zeit in Gebrauch, haben in der neuern Industrie doch erst angefangen,
einen Platz sich zu erobern, was der Jute, in gewissem Grad auch dem Chinagras, Ramé, der Piassava, der Agavefaser, dem Manilahanf,
der Kokosfaser und einigen andern bereits gelungen ist und voraussichtlich noch weiter gelingen wird.
Beherrscht Nordamerika
[* 18] durch seine Baumwolle das ganze Gebiet, so wird es doch an Mannigfaltigkeit der dargebotenen Fasern weit
übertroffen von Asien,
[* 19] speziell von Indien, woher wir wohl die wichtigsten Bereicherungen auch ferner noch zu erwarten haben.
Vgl. Royle, The fibrous plants of India (Lond. 1855);
Wiesner, Beiträge zur Kenntnis der indischen Faserpflanzen
(Sitzungsberichte der WienerAkademie, Bd. 62);