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Das Sehvermögen von Tieren variiert stark von Spezies zu Spezies. Den meisten Primaten, einschliesslich des Menschen, ist trichromatisches Farbensehen möglich, wobei alle wahrgenommenen Farben durch das Mischen von drei Primärfarben – Rot, Grün und Blau – erzeugt werden. Trichromaten besitzen drei Arten von lichtsensitiven Zapfenzellen. Andere Spezies verfügen über verschiedene Formen von lichtsensitiven Zellen – angefangen von einer Zapfenzelle für monochromes Sehen, wie es bei nachtaktiven Tieren anzutreffen ist, bis hin zu fünf Zapfenzellen für pentachromatisches Sehen, wie es für Insekten typisch ist. Der Neurowissenschaftler und Philosoph Francisco Varela kommentierte die aus dieser Vielfalt resultierenden unterschiedlichen Erfahrungen der Welt so: „Vögel, wohlgemerkt, verfügen über eine andere Dimension von Farbe. Es ist nicht nur so, dass sie mehr Farben sehen, […] es ist auch nicht so, dass sie Farben besser sehen. Ihr Farbraum an sich ist für uns unvorstellbar. [… Dies] schreibt ihnen eine Welt zu, die wir zwar teilen, doch zugleich lässt sich nicht sagen, dass ihre die wahre und unsere die falsche wäre oder umgekehrt. Tatsächlich haben wir es mit einem Multiversum zu tun.“1
Sich-verwandt-Machen ist die von Donna J. Haraway geprägte Formulierung für den aktiven Prozess des Suchens und Knüpfens von Beziehungen – eine Abkehr vom Verständnis von Verwandtschaft als einer primär biogenetischen Kategorie. Unter Bezugnahme auf die Kultur amerikanischer Ureinwohner erweitert Haraway das Konzept des Sich-verwandt-Machens über den Bereich des Menschlichen hinaus und plädiert für eine speziesübergreifende Verwandtschaft. Sie schreibt: „[M]enschliche Wesen sind nicht die einzig entscheidenden AkteurInnen, während alle anderen nur reagieren können […] Menschliche Wesen sind mit und von der Erde, und die biotischen und abiotischen Kräfte der Erde erzählen die zentrale Geschichte.“2
Das Modell der Symbiose liegt einer von Lynn Margulis entwickelten Evolutionstheorie zugrunde, die besagt, dass die Beziehungen zwischen verschiedenen Organismen die treibende Kraft der Evolution sind. Ihrer Ansicht nach ist Symbiose „entscheidend für das Verständnis der evolutionären Neuartigkeit und des Ursprungs der Spezies“. Margulis vertritt die Ansicht, dass „neben Mutationen die Fusionen die bedeutendste Quelle der Vielfalt [unter den Spezies] sind“.3
Sympoiesie, abgeleitet von den griechischen Wortwurzeln für „zusammen“ und „machen“, ist ein Begriff, der von Beth Dempster geprägt wurde. Sie beschreibt sympoietische Systeme als „komplex, selbstorganisierend, aber dennoch kollektiv produzierend, grenzenlos“.4 Donna J. Haraway greift das Konzept an zentraler Stelle in ihrem Buch Unruhig bleiben auf und nennt es „ein einfaches Wort … ,mit-machen‘“5. In Auseinandersetzung mit dem Begriff „autopoietisch“ bei Lynn Margulis schreibt Haraway: „Solange Autopoiesie nicht autarkes ,Selbstmachen‘ bedeutet, stehen Autopoiesie und Sympoiesie […] in einem produktiven Reibungsverhältnis bzw. einer produktiven Verflechtung und nicht in einem Gegensatz zueinander.“6
1 Transkript des Films Art Meets Science and Spirituality in a Changing Economy (1990), erstellt von Louwrien Wijers, Online.
2 Donna J. Haraway: Unruhig bleiben, Frankfurt am Main 2018, S. 47.
3 Elizabeth Royte: „Attack of the Microbiologists“, in: The New York Times Magazine, 14. Januar 1996.
4 Beth Dempster: „Sympoietic and Autopoietic Systems: A New Distinction for Self-Organizing Systems“, im Selbstverlag, 2000.
5 Donna J. Haraway: Unruhig bleiben, Frankfurt am Main 2018.
6 Donna J. Haraway: Unruhig bleiben, Frankfurt am Main 2018.