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Unter der Führung von Willy Ernst Rohr hatte sich bis 1916 an der Westfront ein Sturmbataillon gebildet, welches speziell für den Angriff auf Grabenstellungen ausgebildet war. Die Truppe hatte sich derart bewährt, dass von zahlreichen Verbänden Offiziere und Unteroffiziere zur Ausbildung in das Bataillon geschickt wurden, damit sie das erworbene Wissen an ihre eigenen Einheiten weitergeben konnten. (In den Zwanzigerjahren nannten die Nationalsozialisten ihre berüchtigte Rabaukentruppe nach diesen Sturmabteilungen SA.)
Sehr spät in diesem Krieg kam auch in der Schweiz der Gedanke an eine derartige Spezialeinheit auf. Nach einem Antrag von General Wille ordnete der Bundesrat 1918 die Formierung einer solchen Truppe an. Aus unterschiedlichen Waffengattungen der 5. Division wurden pro Kompanie zwei bis drei tüchtige Wehrmänner, zumeist Sportler, ausgewählt und der neuen Sturmabteilung 5 zugeteilt. Insgesamt umfasst die Truppe rund 100 Mann. Bei Mariastein wurde ein „Sturmgarten“ angelegt, ein Übungsgelände für den Grabenkampf, wie es die Deutschen für ihre Sturmtruppen um Sedan geschaffen hatten, nur um einiges kleiner.
Im Zusammenspiel mit Feldartillerie und mit Mitrailleuren wurde bei Mariastein der Grabenkampf realistisch geübt. Der General war bei einem Truppenbesuch im November 1918 beeindruckt von den Leistungen der hart trainierten Sturmsoldaten, doch der Aktivdienst ging zu Ende, und die Abteilung wurde aufgelöst. Den einzigen Einsatz hatte die Sturmabteilung während des Generalstreiks als Ordnungstruppe in Basel.
Unsere drei Sturmsoldaten lassen einige typische Details ihrer Ausrüstung erkennen. Die Waffe war der Karabiner 1911 mit dem Stichbajonett, dessen Vierkantnadelklinge dicken Uniformstoff besser als jene des üblichen Langgewehrbajonetts durchstiess. Auch die deutschen Sturmtruppen trugen anstelle der langen Gewehre den kurzen Mauser-Karabiner.
Eine andere Anleihe bei den Deutschen waren die Lederbesätze auf den Hosenknien. Die Sturmsoldaten waren die ersten, welche den neuen Stahlhelm trugen. Schanzwerkzeug, Drahtschere und Handgranaten in Taschen mitgeführt, gehörten zur Spezialausrüstung im Grabenkampf.
Der Komponist der „Gilberte de Courgenay“, Hans in der Gand, widmete der Sturmabteilung 5 ein eigenes Lied, welches die Vielfalt der vertretenden Waffen zeigt:
„… By üs hät’s Infatrie, by üs hät’s Artillerie, by üs hät’s Mitrailleur und by üs hät’s Sappeur, und jede i der Not e ganze Kamerad, e stolzes jungs frischs Bluet, e Sturmsoldat …“
Roger Rebmann – Rost und Grünspan
Quelle „Der Tanzbödeler“ Nummer 66,
Schweizer Soldat 5/2001