Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03454.jsonl.gz/1339

Ein einjähriges Forschungsprojekt.
Vor rund anderthalb Jahren scheuchte ich die Angestellten eines amerikanischen Bio-Marktes auf. Wo ich den Fencheltee finden könne, wollte ich wissen. "Zu welchem Zweck?" wurde ich zurück gefragt. "Ähm, ich mag den Geschmack!" "Aber wofür brauchen Sie ihn? Zum Entspannen, Schlafen, Abnehmen? Für die Verdauung, als Energiespender, zur Detox, Retox?"
Dieses letzte Wort brachte meine Kolleginnen und Kollegen, denen ich diese Episode erzählte, zum Lachen und regte eine Diskussion darüber an, dass die Gesellschaft für alles eine Kur bereit hält. RETOX: Bloss ein Versprecher oder vielmehr ein Weckruf?
Der Ausdruck „Retoxifikation“ wird gewöhnlich verwendet, wenn eine Person nach einer Entzugsphase – der Detoxifikation – wieder zu Suchtmitteln greift. In einer Gesellschaft, in welcher Wohlbefinden zur Pflicht und Entspannung zum Geschäftszweig geworden ist, Grüntee statt Wasser gepredigt wird und die unermessliche Auswahl an Wellness-Angeboten Stress auslöst, befand das Belluard Bollwerk International, dass es Zeit ist, die Komfortzone zu verlassen: Zeit für RETOX.
Nicht etwa, dass wir zum Komatrinken an unserer neuen Cocktailbar aufrufen, aber Kunst, Kultur, Politik und Ökologie sollen neu erfunden, aufgefrischt, wiederbelebt, neu verortet und regeneriert werden. Es gilt, die Spannung auszudehnen zwischen dem, was wir nicht sehen wollen, und dem Unwiderstehlichen; das Publikum moralisch herauszufordern; zurückzukehren zur Einzelaktion als Gegenstück zur Wissenshierarchie, mit der unsere Gesellschaft konfrontiert ist; oder spielerische oder radikale visionäre Strategien für eine neue Welt aufzuzeigen.
Cheers!
Sally De Kunst & das Belluard Festival Team