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Meyerbeer, Liszt, Berlioz, Wagner, Mendelssohn – fast allen führenden Komponisten seiner Zeit ist Heinrich Heine begegnet. Der Dichter war ein Musikfan, obwohl er selbst kein Instrument spielte.
Ironische Distanz zur Heimat
Geboren wird Heinrich Heine vermutlich im Jahr 1797 in eine Kaufmannsfamilie in Düsseldorf. Das genaue Geburtsdatum ist unbekannt, da bei einem Brand die entsprechenden Dokumente vernichtet werden.
Seine Heimat, damals unter französischer Besatzung, sieht der Dichter mit ironischer Distanz: «Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe.»
Als Musikfan in Paris
Nach dem Gymnasium und dem Rechtsstudium wendet sich Heine der Dichtung zu. Sein frühes «Buch der Lieder» wird zur berühmtesten Sammlung von Gedichten des 19. Jahrhunderts. Nicht zuletzt durch ihre zahlreichen Vertonungen. Allen voran diejenige des zwölf Jahre jüngeren Robert Schumann.
Musik spielt in Heines Leben ab dem Moment eine gewichtige Rolle, wo er sich in Paris niederlässt. Heine reist in die französische Hauptstadt, begeistert über die politischen Veränderungen dort. Und schreibt aus Paris unter anderem auch Musikfeuilletons für grosse deutschsprachige Zeitungen.
Was modern ist, gefällt
Die damalige Zentralgestalt des französischen Musiklebens ist der Komponist Giacomo Meyerbeer. Heine besucht dessen Oper «Les Huguenots» und schreibt, das sei eine «gesellschaftlich moderne Musik».
Vor allem die Massenszenen mit ihren Chören repräsentieren für ihn «Fragen der Gesellschaft», wie die Literaturwissenschaftlerin Corina Caduff in ihrem Aufsatz «Heine als Musikkritiker», Link öffnet in einem neuen Fenster schreibt.
Den Gegenpol zu dem für Heine revolutionären Meyerbeer stellt Giacchino Rossini dar. Rossini schreibe Musik eher fürs «Privatgefühl». Für Heine ist er mithin ein Konservativer: für Veränderungen in der Gesellschaft untauglich.
«Klavierschläger und Mumien»
Heine versteht sich nicht so sehr als Musikkritiker im technisch-analytischen Sinn, wie das heute meist der Fall ist. Er schreibt sogar: «Nichts ist unzulänglicher als das Theoretisieren in der Musik.» Vielmehr steht für ihn Musikkritik und damit ihr Gegenstand, die Musik selbst, im Dienst der Aufklärung, der gesellschaftlichen Veränderung.
Allerdings muss Heine mit der Zeit einsehen, dass diese Veränderung nicht stattfindet. Sondern dass der Musikbetrieb, schon zu seiner Zeit, eine Wendung nimmt hin zum technisch brillanten Virtuosentum.
Pianisten bezeichnet Heine in der Folge als «Klavierschläger» und «Mumien», hervorgegangen aus der «Vernunftheirat des industriellen Bürgertums und der Tantième».
Kein Musikhasser, aber ein empfindlicher Hörer
Heine deswegen als Musikhasser zu bezeichnen, wäre aber übertrieben. Er war einfach enttäuscht, dass die Musik nicht die Rolle in der Gesellschaft spielte, die er sich von ihr erhofft hatte.
In einer der berühmtesten Lied-Vertonungen Heines, der «Dichterliebe» von Robert Schumann, gibt es das Lied «Das ist ein Flöten und Geigen», Link öffnet in einem neuen Fenster. Darin zeigt sich noch eine weitere Problematik Heines mit der Musik. Er soll seit frühen Tagen überempfindlich gegen Lärm gewesen sein.
Dazu, zu quälendem Lärm, verkommt Musik für einen solchen Überempfindlichen – egal ob sie nun politisch wirksam ist oder nicht.
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