Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03273.jsonl.gz/2538

Der grosse Massstab – Das Territorium als städtebauliches Kriterium
Die bisher realisierten Bauten im Hochbord weisen in ihrer städtebaulichen und formalen Ausprägung eine grosse typologische Varianz auf und verfügen dementsprechend über eine gewisse urbanistische Autonomie. Freistehende Wohntürme, Blockrandbebauungen und andere Gebäudeformen besetzen die Parzellen des mehr oder weniger orthogonalen Strassennetzes. Der in früheren Studien konzipierte Blockrandplan wird nicht umgesetzt.
Unser Projekt «Hoffnig» sucht seine Integration im Stadtteil Hochbord deshalb nicht unmittelbar im städtebaulichen Kontext, sondern strebt – seiner Bedeutung als Auftakt am Bahnhof Stettbach entsprechend – eine Einordnung und Ausrichtung auch auf territorialer Ebene an. Damit sind der topografische Übergang von der Glatttalebene zum nördlichen Hang des Zürichbergs sowie die übergeordneten Infrastrukturen mit der Ausfallsachse der Zürichstrasse und der orthogonal dazu verlaufenden S-Bahnlinie gemeint.
Die zwei Bauten von Turidomus und Senn bilden zusammen eine städtische Grossform, die in ihrer Stellung quer zum Hang den Übergang von Zürichberg zur Glatttalebene akzentuiert, das Infrastrukturkreuz von Zürichstrasse und S-Bahn besetzt und als Stadtkante zwischen den Städten Dübendorf und Zürich vermittelt. In ihrer Massstäblichkeit baut sie so Verbindungen zu den Landmarks der neuen Stadtteile Richti-Areal und Zwicky-Areal in Wallisellen und Dübendorf auf.
Das Projekt spannt zusammen mit der Überbauung Sunnigehof einen leicht trichterförmigen Raum auf, der die Landschaftsräume des Zürichberghanges und der Glatttalebene verbindet. Darin eingestellt ist der «Pavillon» des Bahnhof Stettbach.
Der lokale Kontext – Die Aussenräume als Keimzelle der Stadt
Neben seiner Verortung im geografischen Raum schafft das Projekt aber auch unterschiedliche und differenzierte städtische Räume im lokalen Wirkungskreis. Nach aussen verbinden sich die kommerziellen Erdgeschossnutzungen über Arkaden zum Bahnhofsplatz, zur Zürichstrasse sowie zum oberen Abschnitt der Strasse «Am Stadtrand» mit den unmittelbar angrenzenden öffentlichen Räumen. An diesen Orten werden die Arkaden als städtische Elemente eingesetzt, um einerseits eine räumliche Öffnung vom Gebäude zum Aussenraum zu ermöglichen und gleichzeitig den Passanten einen hohen Komfort anzubieten.
Die zwei Bauten von Turidomus und Senn umfassen zudem im Innern einen in Proportion und Ausgestaltung spezifischen städtischen Raum, der eine unverwechselbare Identität für das Areal «Hoffnig» schafft und gleichzeitig als Verbindungsraum zwischen Bahnhof Stettbach und dem Hochbord-Quartier frequentiert wird. Er kann für die nordöstlich angrenzende Parzelle als Referenz für eine Weiterführung gelten, behält seine Gültigkeit aber auch, falls dort eine andere Bebauungsform realisiert wird. Anders als etwa ein Boulevard ist er nicht auf eine Fortsetzung angewiesen.
Die diagonal versetzte Anordnung der Arkaden am Bahnhofsplatz und «Am Stadtrand» zeichnen zusammen mit den Zugängen zum Hofraum eine S-förmige Bewegungslinie vor, welche den Bahnhof Stettbach mit dem Stadtteil Hochbord verbindet. Der Stadthof ist Transitraum und Aufenthaltsort in einem und kann für verschiedene Veranstaltungen wie Wochenmarkt, Velobörse o. ä. genutzt werden. Seine attraktive räumliche Präsenz stärkt ihn gleichzeitig als Standort und Anlaufpunkt für die umlaufenden Geschäftsräume im Erdgeschoss. So profitieren auch die Läden an der Strasse «Am Stadtrand» durch ihre zweiseitige Ausrichtung vom Stadthof und seinen Passanten.
Der zweite zentrale Aussenraum ist ein den Bewohnern des Areals Hoffnig vorbehaltener, gemeinschaftlicher Wohnhof. Im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss öffnen sich Lauben sowie offene Erschliessungsräume und verbinden diese mit dem Hofraum. Dieser ist kleinräumiger gegliedert, bepflanzt und versorgt die Bewohner mit den nötigen Alltagsinfrastrukturen wie Spielplatz oder Sitzgelegenheiten. Zum Stadthof kann er nachts durch zwei Toranlagen getrennt werden, nach Norden wird er über eine terrassenartige Kante zum Umraum abgeschlossen.
Erschliessung und Nutzung – Entflechtungen und Synergien
Die Erschliessungsstruktur ist eine direkte Antwort auf die Anforderungen einer städtischen Architektur sowie der spezifischen Nutzungsanordnung des Projektes. So sind im Gebäude der Turidomus die Nutzungen vertikal gegliedert: Die Flächen für Verkauf befinden sich im Erdgeschoss, die restlichen gewerblichen Flächen im ersten Obergeschoss, darüber folgen die Wohngeschosse.
Kernelement der Erschliessungsstruktur sind nach aussen offene und damit gut einsehbare Streetdecks im ersten Obergeschoss, welche hier die gewerblichen Nutzungen direkt aus dem Aussenraum (und entsprechender Adressbildung zum Bahnhofplatz) erschliessen.
Auch die Eingänge zu den Vertikalerschliessungen zu den Wohngeschossen gehen von den Streetdecks ab. Damit gibt es keine Überschneidungen von Gewerbe- und Wohnungszugängen in Vertikalerschliessungen. Zudem müssen die Treppenhäuser nicht bis in Erdgeschoss geführt werden, was die freie Einteilbarkeit der Verkaufsflächen beträchtlich verbessert und grosse Flexibilität schafft. Im Bereich des Gartenhofes werden über das u-förmige Streetdeck die kleinteiligen Alterswohnungen effizient erschlossen und räumlich über den Gartenhof zusammengefasst.
Auch beim Gebäude für Senn ist über der Arkade an der Zürichstrasse ein Streetdeck vorgesehen, wodurch sich im Erdgeschoss eine zusammenhängende Fläche für einen Grossverteiler ergibt. Die Streetdecks lassen sich an diskreten Stellen automatisch schliessen, sodass sie nachts nur für die Bewohner zugänglich sind.
Die städtebauliche Setzung in Kombination mit der beschriebenen Erschliessungsstruktur erzeugt eine einfache und klare Adressbildung: Zum Bahnhofsplatz hin weist das Areal drei Zugänge auf und auf der Erdgeschossebene verfügen auch die Verkaufsflächen «Am Stadtrand» über einen einfach auffindbaren Anschluss zum Bahnhof.
Architektonischer Ausdruck und Materialisierung
Mit dem architektonischen Ausdruck wird eine städtische Architektur angestrebt, die für den angestrebten Massstab über die notwendige Robustheit und Einfachheit verfügt und einen Beitrag zum urbanen Charakter des Hochbord-Quartiers leistet.
Vorgeschlagen wird eine Primärgliederung über eine umlaufende, vertikale Pfeilerordnung als Abbild des inneren Skeletts, welche hilft die unterschiedlichen Geschosshöhen aufzunehmen und die Bauten als Ganzes «zusammenhält». Sekundär treten die Geschossebenen sowie eine dritte Ebene (Storenkästen, teilweise zusätzliche vertikale Teilung) in Erscheinung. Das differenzierte Relief wird mit vorfabrizierten, eingefärbten, dünnwandigen Betonlementen ausgeführt.
Die Felder werden je nach Nutzung offener oder geschlossener ausgebildet. Die Fassade reflektiert mit der umlaufenden Pfeilerstellung und den auf die Nutzungen abgestimmten «Füllungen» die beiden Massstäbe des Territorialen und Lokalen.
Nutzungsangebote, Tragstruktur und Flexibilität
Beiden Gebäuden und sämtlichen Nutzungen ist eine bis in die Tiefgarage vertikal durchgehende Tragstruktur auf festem Raster unterlegt. In diesem Raster sind die Fassaden sowie eine Stützenreihe auf der Mittelachse tragend (einzig der Gebäudeteil an der Zürichstrasse besitzt zwei innere Tragachsen). Die gewählte Struktur bietet maximale Flexibilität und Effizienz in der Planung und bei späteren Umbauten.
Die Wohnungen im Gebäude von Turidomus sind grossmehrheitlich Ost-West ausgerichtet und bieten der Orientierung entsprechend – trotz kleinen Wohnflächen – ein «Durchwohnen». Die Wohnungen sind kompakt und praktisch geschnitten. Auf Erschliessungsflächen innerhalb der Wohnungen wurde zugunsten grosser Zimmer und Wohnräume verzichtet.
Die Aussenräume in Form von sehr privaten Loggien sind knapp gehalten, bieten aber mit einer äusseren Verglasung einen hohen Nutzwert als Dreijahreszeiten-Zimmer. Sie vergrössern die eher knappen Wohnungsflächen. Als zusätzliche Aussenräume werden neben dem Gartenhof Dachterrassen für den Sommer angeboten.
Die Wohngeschosse beginnen ab dem zweiten Obergeschoss und sind gegenüber dem Stadtniveau gegen Einsicht gut geschützt. Eine Mehrzahl der Wohnungen verfügt damit auch über Fernsicht ins Glatttal und auf den Zürichberg.
Im Bereich der Gewerbeflächen von Turidomus wurden zwei Nachweise erarbeitet. Zum einen Alterswohnungen um die 40 bis 58 Quadratmeter auf dem ersten Obergeschoss und um den Gartenhof. Zum anderen Wohnateliers im Erdgeschoss mit rund 100 Quadratmetern. Sie verfügen über ein Zwischengeschoss, das privatere Bereiche bietet.
Im Gebäude von Senn werden ebenfalls verschiedene Nutzungsvarianten nachgewiesen. Diese umfassen ein Hotelgeschoss mit Zimmern um die 25 Quadratmeter sowie einige Long-stay-Apartments mit 44 und 56 Quadratmetern. Bei den Büroflächen werden sowohl Einrichtungen von kleinen Einheiten auf Basis von 25 Quadratmetern wie auch Gross- oder Kombibüroflächen aufgezeigt.
Die Gewerbe- und Verkaufsflächen im Erd- und ersten Obergeschoss beider Gebäude können grundsätzlich frei unterteilt werden. An der Zürichstrasse besteht im Gebäude von Senn die Möglichkeit einen Grossverteiler einzumieten.
Das Oederlin-Areal: Eindrücke zum Ort
Auf dem heutigen Oederlin-Areal – flussabwärts am Rand von Baden gelegen – verbinden sich eindrückliche Naturidylle und morbide Industrieromantik auf symbiotische Weise – fast fühlt man sich an die eindringliche Stimmung eines Tarkovsky-Films erinnert.
Dabei ist es weniger das einzelne Gebäude, das hängen bleibt, als vielmehr die Dichte des Ensembles, bei dem die Einzelhäuser zu einem zusammenhängenden Organismus verschmelzen.
Städtebauliche Absichten
a. Städtebau und Naturraum: Bebauung zeichnet flussräumliche Morphologie nach
Prägend für das Oederlin-Areal ist der Fluss- und Talraum der Limmat, der sich an diesem Ort durch eine flache S-Bewegung auszeichnet.
Die vorgeschlagene Bebauungsstruktur zeichnet diese Bewegung nach: Während sich der Bestand, ergänzt durch ein turmartiges Gebäude, als «Knie» in den Flussraum drückt, bildet die Neu- bebauung auf dem Westareal eine nach Süden hin offene «Kehle». Der Stadtraum zeichnet den Naturraum nach.
Die Bebauungsform mit «Knie» und «Kehle» kann formal mit «Strömungsformen» verglichen wer- den: In der Strömung treibende Wasserpflanzen oder geflösstes Holz.
b. Erschliessung: Fortführung bestehender Erschliessungen strukturieren das Areal
Zwei Elemente zeichnen die Erschliessungsstruktur des Oederlin-Areals aus: Zwei Rampen, wel- che das Areal mit der Hauptstrasse verbinden, sowie die arealinterne, flussparallel verlau- fende Fabrikstrasse.
Der Entwurf knüpft an dieser Erschliessungsstruktur an, indem auf dem Westareal eine drit- te Rampe vorgeschlagen und die Fabrikstrasse fortgeführt wird. Die «dritte» Rampe ist zudem Ausgangspunkt für einen flussabwärts gehenden Uferweg.
Die neue Rampe dient nebst der Erschliessung mittels eines weiteren Durchblicks der Struk- turierung der Bebauung zur Hauptstrasse hin. Die weiter geführte Fabrikstrasse setzt die Dramaturgie räumlich gefasster und zum Fluss hin offener Situationen fort.
Diese einfache und in der Situation selbstverständliche Erschliessungsstruktur zoniert drei Bebauungsfelder auf dem Westareal.
c. Nutzung: Nutzungsmischung verzahnt Bestand und Neubauteile
Die heutige Situation auf dem Oederlin-Areal zeichnet sich durch eine vielfältige, durch- mischte (Zwischen-) Nutzung aus.
Das Konzept bestehend aus fünf Modulen ist dahingehend zu hinterfragen, ob auf dem westli- chen Arealteil ausschliesslich gewohnt werden soll oder ob auch da eine grössere Diversität denkbar ist.
Der Entwurf sieht eine Nutzungsverteilung vor, welche die heutige Durchmischung (der Zwi- schennutzung) ein Stück weit beibehält: Es soll sowohl im Bestand als auch auf dem Westareal gewohnt werden, umgekehrt sollen auch im Neubauteil – insbesondere um den ehemaligen Fabrik- hof – Gewerbenutzungen angeboten werden. Der Wohnanteil nimmt nach Westen hin sukzessive zu.
Aussenraum
Der Zugang zum Wasser ist im Raum Baden vielgestaltig und situativ. Neben linearen, Fluss begleitenden Wegen und Promenaden finden sich topografische Situationen, wo die Bebauung hart ans Ufer tritt und der Bezug zum Wasser quer über Balkone, Terrassen und kleinen Plätzen hergestellt ist. Im Areal Oederlin erhält dieser Querbezug durch die mögliche Nutzung der vorgelagerten Inseln des Kanals zusätzliches Gewicht.
Das Oederlin Areal ist eingespannt zwischen Rebhang am Musegg und Limmatraum und gegenüber- liegendem Hinterhofwald. Der landschaftsräumliche Transekt beginnt beim Wald und geht über den Rebhang Musegg, zum Goldwand-Hain, der den Wohngebäuden im Norden Halt verleiht. Die Badstrasse hat ein asymmetrisches Profil: im Norden mit einer zweireihigen Baumreihe, im Sü- den ein Trottoir mit Solitärbäumen und eingeschnittenen Öffnungen für die nach unten füh- renden Rampen zum Platzsystem auf mittlerem Niveau mit Ausblicken zum Fluss. Die Kanalinseln direkt am Wasser sind durch Stege mit dem Areal verbunden.
Wohnungen und Hochhaus
Wohnungen
Wohneigentum und Mietwohnungen sind im städtebaulichen Layout klar zoniert respektive in separaten Bauten zusammengefasst. Ausnahme bildet dabei das Gebäude 2, in dem es sowohl Eigentums- wie auch Mietwohnungen gibt. Die Mietwohnungen befinden sich oberhalb des Fabrik- platzes, wo allenfalls über die vorgeschlagene Restaurantnutzung im «Flachbau 2» Emissionen entstehen können. Aufgrund ihrer Lage bieten sich diese Wohnungen für einen Verbleib im Ei- gentum der Oederlin AG an. Die Eigentumswohnungen sind an privilegierten Lage mit Blick aufs Wasser: in den Gebäuden 1 und 2 sowie beiden Wohntürmen (A2 und Gebäude 257).
Das Projekt bietet im weiteren eine grosse Differenzierung der Wohnraumangebote. Sie rei- chen von Geschosswohnungen (Gebäude 1 und 2, Gebäude 257) über Maisonetten (Turm Baufeld A2 und Sockelgeschosse Gebäude 1 und 2) bis hin zu loftartigem Wohnen (Flachbauten 1 und 2). Während die Mehrzahl der Wohnung südorientiert ist und damit direkte Blicke auf die Limmat bietet, sind die Wohnungen in den beiden Türmen ost-west-orientiert und geben so spektakulä- re Blicke in die Weiten der Talachse frei.
Hochhaus
Die weitere, detaillierte Untersuchung hat gezeigt, dass ein städtebaulicher Akzent im «Flussknie» in Form eine höheren Gebäudes richtig ist und sich in den denkmalgeschützten Bestand zu integrieren vermag.
Die nun vorgeschlagene polygonale Grundform verweist zudem auf die formale Ausgestaltung der Gebäude 1 und 2 auf dem Baufeld A1, während umgekehrt die Flachbauten 1 und 2 am Bestand der Produktionshallen anknüpfen. Über diese Massnahmen werden Bestand und Neubauteile zu einer neuen Einheit verwoben.
Hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit wurde das Hochhaus in seinem Flächenverhältnis optimiert und weist nun eine Geschossfläche von rund 450 m2 auf.
Drei Häuser Hohlstrasse: Das Scheibenhochhaus an der Hohlstrasse wird durch vier Treppenhäuser direkt ab der Hohlstrasse erschlossen. Eine durchgehende Stützen-Platten-Struktur ermöglicht eine maximale Flexibilität in der Nutzungszuordnung. Das Erdgeschoss ist als Gewerbefläche konzipiert. Hofseitig können fünf, direkt von aussen erschlossene Atelierwohnungen angeboten werden. Das 1. Obergeschoss eignet sich aufgrund der Raumtiefe bestens für Büronutzungen (Kombibüro) oder Served Appartements. Das Regelgeschoss ist als eine Addition von vier Dreispännern mit jeweils zwei 3.5- und einer 2.5 Zimmerwohnung organisiert. Über ein Schaltzimmer kann der Wohnungsspiegel, den Marktverhältnissen entsprechend, zwischen einer 2.5-Zimmer- und einer 4.5-Zimmerwohnung frei eingestellt werden. Die Wohnungen generieren ihre spezifische Qualität über die grosse Tiefe der Grundrisse und die räumliche Verschränkung des Wohnraumes mit dem Schlafzimmer. Im 9. Und 10. Geschoss werden als eigentliche Penthouses attraktive Maisonettwohnungen vorgeschlagen.
Hofgebäude: Das Hofgebäude schreibt die heutige Identität des Ortes mit den gewerblich genutzten Hallenbauten fort. Von der Wohn- und Spielgasse werden vier fünfspännige Treppenhäuser und die dazugehörenden Veloräume direkt erschlossen. Sechs, stellenweise überhohe Wohnateliers entwickeln sich von der öffentlichen Gasse zum halbprivaten Hofgarten. Im Regelgeschoss werden – der Typologie des Hauses folgend – einfache, gut proportionierte, zirka 50 m2 grosse Hallenräume angeboten. Mittels einer Leichtbau und grossen Schiebetüren kann ein Zimmerbereich abgetrennt werden. In einer mittleren die Grundstruktur des Hauses prägenden Kammerschicht sind grosse Nebenräume und für die 3.5-Zimmerwohnung ein separates Zimmer angeordnet. Jedes Treppenhaus führt auf das Dachgeschoss, von wo über einen kleinen Gemeinschaftsraum ein grosszügiger Dachgarten erreicht wird. Dieser Dachgarten kann im Sinne des urban farming bewirtschaftet werden.
Hochhaus: Das Hochhaus wird von der Albulastrasse über eine zweigeschossige Eingangshalle erschlossen. Gewerbe- und Restaurationsflächen leiten in die Wohngasse über und prägen das öffentliche Zentrum des neuen Ensembles. Vom Erschliessungskern aus werden in den ersten fünf Geschoss acht und in den obersten sieben Geschossen jeweils sieben Wohnungen erschlossen. Die Wohnungen loten das spezifische Potential des Wohnens im Hochhaus aus. Über ein Entree tritt man in einen sich dreiseitig zur Aussicht öffnenden Wohn-/Essraum. Durch die Abtreppung des Wohnbereichs um zwei Stufen wird ein horizontales Panorama über die tiefen Brüstungen nach unten auf die Stadt eröffnet.
Identität des Ortes und Entwicklungsstrategie Die vorgeschlagenen Haustypen sind ganz klar aus den unterschiedlichen Potentialen der jeweiligen Standorte entwickelt. Das Projekt schreibt die Tradition des Ortes fort und überhöht die vorhandenen Identitäten zu unverkennbaren Adressen. So verdeutlicht das Haus an der Hohlstrasse den heutigen Charakter dieser Strasse als urbane, stark frequentierte Erschliessungsader. Die Wohnungen loten das Potential zwischen der urbanen Strassenseite und der ruhigen südlichen Hofseite aus, wo das Haus gleichsam als Terrassenbau in Erscheinung tritt. Das Hofgebäude dagegen steht in der Tradition der flachen und langen von der Albulastrasse in die Arealtiefe stossenden Gewerbehallen. Die heterogene Identität der Albulastrasse wird durch das sich aus einem liegenden Sockel in die höhe entwickelnde Hochhaus weiter betont.
Es liegt auf der Hand, dass die drei Häuser jeweils unterschiedliche Zielgruppen ansprechen sollen. So wurde das Hofgebäude naheliegenderweise für das Zielpublikum der «Urban Avantgard» entworfen. Das Haus an der Hohlstrasse wie auch das Hochhaus entspricht den Wohnbedürfnissen der «etablierten Alternativen». Die Wohnungen im Hochhaus können als verkauft werden.
Nachhaltigkeit und Energienutzung Massgebend für die Einhaltung des geforderten Minergie-P-Eco-Standards sind die kompakte Gebäudevolumetrie des Projektes, die vertikal durchgehende statische Struktur der drei Häuser sowie das verhältnissmässig kleine Untergeschoss (ein Grossteil der Veloräume und anderer Nebenräume ist oberirdisch angeordnet). Ebenso wichtig für die Nachhaltigkeit des Projektes ist die flexible Gebäudestruktur (Stützen/Platten) beim Hochhaus und dem Längsbau an der Hohlstrasse, welche spätere Umbauten zulassen, sowie die dauerhafte und deshalb unterhaltsarme Ausbildung der Fassade mit vorgeblendetem Klinker.
Als Lüftungskonzept wird für jedes Haus eine kontrollierte Lüftung mit zentralen Steigzonen und einer Zentrale im Untergeschoss vorgeschlagen. Für den sommerlichen Wärmeschutz verfügen alle Fenster über eine konventionellen, aussenliegenden Sonnenschutz.
Städtebau Hinter dem Projekt steht eine klare städtebauliche Grundabsicht: Aufgrund der Arealgrösse, des Quartiercharakters und der Lage des Grundstückes in der Stadt soll hier keine «Siedlung» oder sogenannte Arealüberbauung entstehen, sondern «Städtebau» im wörtlichen Sinne betrieben werden – die Neubauten sollen die bestehende Stadtstruktur weiterentwickeln und neu prägen. Es geht nicht um ein städtebauliches Implantat, sondern um eine Interpretation der Stadt.
Aus diesem Grund werden drei verschiedene, je spezifische Gebäude vorgeschlagen, die sich ebenso stark auf die bestehende Stadt beziehen, wie sie untereinander Verbindungen eingehen. An der Hohlstrasse wird ein scheibenförmiger Längsbau vorgeschlagen, der die prägnante räumliche Fassung der Hohlstrasse weiterentwickelt und mit den geplanten Hochhausscheiben auf der gegenüberliegenden Strassenseite in Verbindung tritt, ohne dabei eine Torsituation zu erzeugen, wie das bei einem Hochpunkt der Fall wäre. Zum Arealinnern bietet der Bau einen guten Lärmschutz.
Die zwei anderen Gebäude liegen an der Albulastrasse, welche gewerblich geprägt ist und deshalb einen disperseren Gebäudebestand aufweist. Das vorgeschlagene Hochhaus steht direkt an der Strasse und weist in seinen Proportionen einen gedrungenen Charakter auf. Die horizontale Fassadengliederung strebt nicht nach der städtischen Eleganz eines «City Towers», sondern verankert den Bau am Ort. Der zweite, flache Bau entwickelt sich von der Hohlstrasse in die Arealtiefe und vermittelt zwischen Strasse und «Hofraum». In seinem Erdgeschoss werden Wohnateliers angeboten, die wesentlich den unmittelbaren, gemeinschaftlich-öffentlichen Aussenraum prägen.
Umgebung Auch der Aussenraum folgt der eingangs formulierten Ausgangsthese: Er wird nicht als «Vorbereich» der Gebäude verstanden, sondern als verbindender Stadtraum, dem eine mindestens so starke Gestaltpräsenz zukommt, wie den Gebäuden selbst. Diese Bedeutung und Wirkung wird im wesentlichen durch einen zusammenhängenden Baumkörper erzeugt, der sich zwischen Hohl- und Albulastrasse spannt und seitlich in bewegungsberuhigte Aussenräume ausgreift – ein Boskett auf Chaussierung vor dem Hochhaus sowie eine grüne Spielfläche beim Längsbau. Das Blätterdach dieses Baumkörpers fasst eine Wohn- und Spielgasse, die einen selbstverständlichen Übergang zwischen Öffentlichkeit und Privatheit schafft. Ihre informelle Möblierung schafft verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, ohne den durchgehend öffentlich zugänglichen Raum stark zu determinieren. Auf der gegenüberliegende Seite fasst das Hofhaus einen ruhigen Kiesgarten.
In den Strassenräumen wird, wie im Quartier üblich, der Asphalt an die Gebäude herangeführt. Darin eingelassen sind Baumscheiben von der Allee an der Hohlstrasse sowie für Einzelbäume an der Albulastrasse. Hier befinden sich zudem die Besucherparkplätze (Hohl- und Albulastrasse) sowie die im Gebäudesockel des Hochhauses liegende Tiefgarageneinfahrt, sodass das Arealinnere frei ist von Autoverkehr.
Ausdruck Eine weitere Verbindung zwischen den drei Gebäuden schafft die durchgehend gleiche, jeweils auf den Charakter des Gebäudes abgestimmte Fassadenmaterialisierung mit vorgeblendetem Klinker. Beim Hochhaus sind das schwarze, im Raster verlegte Klinkerplatten, die mit den breiten hellen Aluminiumrahmen der Verglasungen kontrastieren. Beim flachen «Hofgebäude» werden hell geschlemmte Backsteinplatten vorgeschlagen. Die Homogenität und «Weichheit» der Erscheinung nimmt Bezug auf die haptische Nähe in der Wohn- und Spielgasse. Der Längsbau schliesslich wird mit bräunlich-rötlichem Klinker verkleidet, der die physische Schwere und lagernde Präsenz des Baukörpers unterstreicht.
Stadt
Die Stadt Chur entwickelte sich in entlang radialer Strahlen – vom Austritt der Plessur aus dem Tal und über deren Delta in die Rheinebene. Chur West hat sich seit den 1950er-Jahren mehrheitlich industriell-gewerblich ausgerichet. Inmitten dieses Stadtgebiets ist bis heute eine «grüne Insel» erhalten geblieben: das Kleinbruggen-Areal. Es ist ein eigentlicher Stadtgarten in der «zweiten Reihe».
Idee
Das städtebauliche Projekt interpretiert die einmalige und spezifische Qualität des Kleinbruggen-Areals, nämlich seine isolierte und deshalb von Grün und Ruhe bestimmten Lage. Vorgeschlagen wird eine städtebaulich autonome Struktur, die durch einen «grünen Saum» mit der umgebenden Stadt auf Distanz bleibt und wesentliche Qualitäten des «vergessenen Gartens» beibehält.
Realisation
Das Gesamtkonzept ist als ein Ensemble gedacht, deren einzelne Elemente auch über einen längeren Zeitraum genügend räumliche Kraft besitzen, ohne als Fragmente eines grossen Ganzen wahrgenommen zu werden. Die Baufelder sind voneinander unabhängig und einzeln realisierbar. Die Erschliessung ist rational zusammengefasst und für alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt konzipiert.
Nutzung
Das Nutzungskonzept bietet einerseits grösstmögliche Flexibilität für zukünftige Nachfragen und folgt andererseits der strukturinhärenten Logik des Entwurfs. Entlang der wichtigen Erschliessungen sind zwingend öffentliche-gewerbliche Nutzungen im Erdgeschoss vorgesehen. Wohnnutzungen dominieren das Kleinbruggen-Areal.
Landschaft und Bauten
Der städtebauliche Plan erzeugt eine enge, wechselwirksame Beziehung von Landschaft und Bauten. Die Zentrierung der Baumasse in der Mitte des Areals ermöglicht die Bildung eines umfassenden Grünrings am äusseren Rand. Die Baufelder orientieren sich an charakteristischen Elementen wie dem baumbestandenem Saum, den beiden Tuma und der Rheinkante. Das Leitbild schafft ein attraktives Quartier mit Wohnraum für rund 1‘000 Bewohnerinnen und Bewohner und zirka 500 Arbeitsplätzen in Dienstleistungen und Gewerbebetrieben.
Projekt
Das architektonische Projekt wird exemplarisch an zwei Baufeldern dargestellt. Es lotet Wohnformen aus, die urban sind, durch ihre Lage aber auch Alternativen zum Einfamilienhaus ausserhalb der Stadt bieten.
ESCHENBÜEL – ZENTRUMSNAHER STADTALLTAG AM ÜBERGANG ZUR LANDSCHAFT
Uster hat sich über die letzten Jahre und Jahrzehnte durch kontinuierliche Planung und Stadtentwicklung eine starke Position als Wohnstadt im Metropolitanraum Zürich geschaffen. Die Gebietsentwicklung Eschenbüel setzt diese bemerkenswerte Tradition fort, eröffnet dabei gleichzeitig aber auch die Chance, Uster als Wohnstandort zukunftsgerichtet zu profilieren.
Eine derartige Positionierung von Eschenbühl erfordert ein hohes Mass an planerischer Sensibilität im Umgang mit den vorhandenen Potentialen der Landschaft, der Nähe zum Ortszentrum und schliesslich der guten Anbindung an den öffentlichen und überörtlichen privaten Verkehr. Die anvisierten Zielgruppen und die entschiedene Ausrichtung an Fragen der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz ergänzen die Neuorientierung um weitere konkrete Vorgaben.
Unser Planungsvorschlag nimmt diese Potentiale und Anforderungen gezielt auf und übersetzt sie in präzise verkehrsplanerische und landschaftliche, städtebauliche und nutzungsbezogene Setzungen und Regelsysteme. Die verschiedenen Massnahmen werden räumlich über die Prinzipien von Intensivierung und Reduktion sowie Präzisierung und Differenzierung zu einem kohärenten und sorgfältig ausdifferenzierten städtebaulichen Ensemble verbunden. So setzt sich das Ensemble aus drei längs gerichteten Bebauungsstreifen zusammen, die sich mit vier jeweils spezifisch artikulierten öffentlichen Räumen und Grünräumen abwechseln und so den Übergang von der Stadt in die Landschaft orchestrieren. Die Bebauung präsentiert sich von der Zürichstrasse her betrachtet als eine Sequenz von drei Feldern, die von hohen, zu mittleren und schliesslich niedrigen kompakten Baukörpern übergehen und dabei unterschiedliche städtische Wohnformen ansprechen.
Das räumliche Strukturmuster verbindet sich mit Grundsätzen, die ein nachhaltiges Quartier entstehen lassen. Dazu zählen eine homogen hohe Dichte bei typologischer Variabilität kompakter Bauweisen, die je nach Bebauungsfeld drastische Reduktion der Parkplätze und die gute Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Bereitstellung von Mobility-Standorten und die attraktiven Fuss- und Radweg. Prinzipien wie die geringe Zahl an unterirdischen Bauwerken, die fokussierte Bewältigung des motorisierten Privatverkehrs und Schaffung von Nachverdichtungsmöglichkeiten bekräftigen dies.
So wird sich im Eschenbüel ein Stadtteil entwickeln, indem gewohnt, aber auch gearbeitet werden kann. Er verbindet hochwertige Wohnangebote für unterschiedliche Bedürfnisse mit aussergewöhnlichen Aufenthaltsqualitäten in den siedlungsöffentlichen Räumen und namentlich den Strassenräumen. Die neuen Verkehrsführungen eröffnen der übrigen Stadtbevölkerung attraktive Zugänge zu den Waldrändern und der offenen Landschaft. Es ist die Eschenbüelstrasse, die dem Quartier sein Rückgrat und seine spezifische Ausstrahlung verleiht: Sie präsentiert sich als neuer Strassentyp, der Bewegung, Aufenthalt und Begegnung vereint.
Die Gemeinde Zwischenwasser im Vorarlberg hat sich in bereits in der Vergangenheit durch progressive Ansätze in den Bereichen Planungen und Architektur, aber auch in sozialen Projekten mit Bürgerbeteiligung hervorgetan. Mit der Vergabe eines Studienauftrages unter drei Teams zur zukünftigen Raumentwicklung geht sie nochmals einen Schritt weiter: Es steht die Frage zur Diskussion, wie die überbrachten Mittel von Flächenwidmung und klassischer Raumplanung überwunden oder ergänzt werden können, um eine nachhaltige und qualitativ hochstehende Ortsentwicklung auch in Zukunft zu sichern?
Diese Fragestellung wurde bewusst offen an die drei eingeladenen Team gerichtet, damit diese eine ihren Absichten entsprechende Darstellung- resp. Vermittungsstrategie entwerfen können. Auch die Schwerpunktsetzung und methodische Herangehensweise wird den Autoren überlassen.
Der Vorschlag der ARGE Edelaar Mosayebi Inderbitzin/ Eisinger/ Gunz entwickelt ausgehend von den grossmassstäblichen Strukturen der Landschaft (Gewässer, Topografie, Wald) sowie den gewachsenen Siedlungsstrukturen (insbesondere Strassen) einen «offenen Plan» für Zwischenwasser, der ein einfaches, aber präzises Regelwerk für zukünftige Widmungen und Projekte definiert.