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Das exponentielle Potenzial von wiederholten Massentests – viraler als das Virus?
Die Diskussion über die diagnostische Qualität von Schnelltests im Rahmen von Massentestungen übersieht einen wichtigen Punkt: Sobald ein Test dem Testkollektiv mehr Infizierte entzieht, als durch die falsch negativen in der nächsten Generation angesteckt werden, gehen die Infektionszahlen im Testkollektiv zurück. Der post-Test-Reproduktionswert (hier als R’ bezeichnet) liegt dann unter 1,0 und bei wiederholter Testung ergibt sich ein exponentieller Rückgang der Infektionszahlen. Besonders hohe Anforderungen an die Sensitivität sind nicht notwendig: selbst bei einer Sensitivität von 50% ergeben sich noch epidemiologisch vorteilhafte Effekte.
Dazu ein Beispiel: In einem Testkollektiv befinden sich 100 Infizierte. Diese stecken nach einem Generationszyklus von 14 Tagen durchschnittlich jeweils 3 Personen an, sodass nach zwei Wochen 300 Infizierte vorhanden sind (R = 3, Verdopplungszeit 8,8 Tage). Ein Test mit einer Sensitivität von 90% hätte von den initial 100 Infizierten 90 Personen erkannt und isoliert und so die Ansteckungen auf 30 reduziert. Die R’-Zahl im Testkollektiv würde von 3,0 auf 0,3 sinken (R’ = R* (1 – Sensitivität)).
Wiederholt man diesen Test nach 14 Tagen, bleiben wiederum nur 10% der Infizierten übrig, die erneut jeweils 3 Personen anstecken – R’ bleibt bei 0,3. Bei n Wiederholungen ergibt sich ein exponentieller Rückgang mit R’ hoch n. Führt man diesen Test insgesamt viermal im Abstand von 14 Tagen durch, sinkt die Zahl der Infizierten im Testkollektiv nach 6 Wochen auf 0,81% des ursprünglichen Niveaus (0,3 hoch 4).
Ein Test mit einer Sensitivität von 66,7% alle 14 Tage genügt in diesem Beispiel, um das Infektionsgeschehen in eine Stagnation (R’ = 1) zu überführen: von drei Infizierten werden zwei erkannt und isoliert. Der übrig gebliebene würde wiederum drei anstecken.
Selbst eine Sensitivität von 50% hätte einen vorteilhaften Effekt: Die R-Zahl würde von 3 auf 1,5 sinken. (Der oft gehörte Vergleich mit einem Münzwurf hinkt, da die Gesunden durch die hohe Spezifität weiterhin zuverlässig erkannt werden.)
Ein Manko besteht jedoch: Die Infizierten, die sich in der Anfangsphase der Infektion befinden und deren Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, werden vom Test nicht erkannt. Es besteht eine diagnostische Lücke von einigen Tagen im Krankheitsverlauf. Diese subdiagnostisch Infizierten stellen bei den Antigen-Schnelltests einen nicht unerheblichen Anteil der gesamten Infizierten. Ein verkürztes Testintervall (z.B. 7 Tage) kann diese übersehenen und zwischenzeitlich infektiösen Personen früher erkennen. Die diagnostische Lücke wird kleiner. Tägliche Testung des Kollektivs würde die Lücke sogar weitgehend schliessen.
Das exponentielle Potenzial wiederholter Massentests und die Wichtigkeit von kurzen Testintervallen sollten gerade jetzt berücksichtigt werden, wo einfach zu handhabende Speichel-Schnelltests aufkommen und den Weg frei machen zur repetitiven Massentestung in grossem Stil: täglich zu Hause.
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