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Italienisches Design ist weltbekannt – von Autos bis hin zur Mode. Was hinter diesem Erfolg steckt, wie wichtig regionale Unterschiede sind und warum fremde Einflüsse «Made in Italy» helfen.
Gemeinsames Essen mit der Familie wird in Bella Italia gross geschrieben. Da wundert es also nicht, dass ausgerechnet Küchenutensilien die begehrtesten Objekte von italienischen Produktdesignern geworden sind. 1987 entwarf Designer Ettore Sottsass seine Besteckgarnitur Nuovo Milano, die er als so «sanft wie vom Meer abgeschliffene Steine» bezeichnete.
Alberto Alessi verarbeitete Architektur von weltbekannten Bauwerken in Form von Tassen, Kaffeemaschinen und Krügen. Würde irgendein anderes Land funktionale Küchenutensilien als Objekte der Kunst, Architektur und des Designs betrachten?
Schnelle Entstehung
Die Geschichte der Kreativität in Italien – sei es das Design von Autos, von Kleidung oder von Möbelstücken – ist bemerkenswert: Sich aus dem Trümmern des Zweiten Weltkriegs herausschaufelnd, hatte das Land im Vergleich zu den industrialisierteren Nationen in Europa einen schwierigen Start. In nur zwei Dekaden entpuppte sich Italien aber zum kreativen Hersteller italienischer Designs.
Die Radikalität, die mit italienischem Design in Verbindung gebracht wird, kann meistens auf die Ausbildung zurückgeführt werden. Während andere Länder ihre eigenen Programme hatten – wie zum Beispiel Bauhaus im Deutschland der zwanziger und dreissiger Jahre, die Ulmer Schule in den fünfziger und sechziger Jahren, oder die britische Royal College of Art in London, funktionierte die Entstehung von Kreativität in Italien etwas anders.
Abfallprodukt aus der Architektur
Vor der Gründung von Politecnico di Milano im Jahr 1989 gab es in keiner italienischen Stadt Design- Schulen. Designer hatten vor der Gründung der Schule meist einen Architektur-Hintergrund. So produzierten viele Architekten aus der Radical Design Bewegung, die ihren Höhepunkt Mitte der sechziger Jahre feierte, spektakuläre Lösungen für das urbane Leben. Während die Ideen auf dem Papier gut aussahen, liessen sie sich in ihrer Radikalität aber nicht wirklich umsetzen. Das Resultat: Sie bekamen ein zweites Leben als Objekte.
Auch wenn das heutige Italien häufig mit dem Römischen Reich gleichgesetzt wird, vergisst man häufig, dass der Staat als solcher noch recht jung ist und erst 1871 aus unterschiedlichen Stadtstaaten entstand. Diese unterschiedlichen Identitäten machen sich noch heute bemerkbar. Denn ein Mailänder ist in erster Linie ein Mensch, der aus Mailand kommt und erst an zweiter Stelle ein Italiener. Genauso verhält es sich mit Neapolitanern, Venezianern und so weiter.
Familienbande sind stark
Dieses stark regionale Denken spiegelt sich auch in den italienischen Designs wider. Der Norden Italiens ist für seine Holzschnitzereien bekannt, während die Gegend um Turin das Automobilhandwerk beherrscht und Venezianern die Glaskunst zugeschrieben wird.
Neben der Kulinarik und dem regionalen Stolz der Italiener spielt die Familie eine wichtige Rolle. In Alberto Alessis selbst entworfener «Design Factory» im norditalienischen Crusinallo lässt sich die Wichtigkeit der Familie inmitten seines Haushaltswaren-Katalogs erkennen: Denn hier heissen die Serien und Kollektionen «Familien» und erhalten Namen wie Family Follows Fiction oder Graves Family.
Grundsätzlich gibt es vergleichsweise viele familiengeführte Unternehmen in Italien. Mittlerweile arbeiten aber auch externe Designer für und mit Familien und werden so quasi in sie integriert – so zum Beispiel Tom Ford im Hause Gucci.
Fremde Einflüsse
Somit liegt das ultimative Geheimnis von «Made in Italy» wahrscheinlich darin, dass es nicht zu 100 Prozent aus Italien stammt. Man kann es mit der Bundesliga oder der Premier League vergleichen. Beide Ligen sind in ihren Ländern stark, engagieren aber vermehrt Spieler aus anderen Ländern. So ist es auch bei der Mode und den Designs, die mit einer italienischen Marke versehen sind. Internationale Designer und Modeschaffende kommen nach Italien, um für italienische Marken zu arbeiten und diese dann in die grosse weite Welt zu exportieren.
Dieser Text erschien zuerst bei CNN Style, der Onlineplattform von CNN.