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Die drei Hauptindustrien des Bezirkes sind die Uhrenmacherei, die Gewinnung und die Verwertung des Eisenerzes. Dazu kommt
die heute auch in den entlegensten
Dörfern als Hausindustrie eingeführte Seidenweberei. Wichtig ist der Holzhandel; zahlreiche
Sägen u.
Mühlen, besonders an den Ufern der
Sorne,
Scheulte und
Lützel.
Bassecourt hat eine Uhren- und eine
Parketteriefabrik,
Undervelier verfertigt Gewehrschäfte, in
Courfaivre Velofabrikation;
in Delsberg eine grosse Messerschmiede,
eine Bierbrauerei, eidgenössische Alkoholniederlage mit Brennerei, Zigarrenfabrik, Gerberei;
Eine Anzahl von Gemeinden hat elektrisches Licht und Wasserversorgung mit Hydrantennetz eingeführt; Elektrizitätswerke
bestehen an der
Sorne und
Birs, andere sind im Entstehen begriffen.
In Delsberg das Lehrerinnenseminar für den
Berner Jura, Bezirkswaisenhaus und -spital, Progymnasium, Sekundarschule, eidgen.
Regenmessstation. Eine Sekundarschule auch in Bassecour.
Die Bewohner des Bezirkes Delsberg, des einstigen Sornegaues, sprechen noch ihre alte Mundart, das sogen.
vadais (von vad = vallée = Thal) und heissen heute noch im Volksmund die Vadais. Zwei Eisenbahnlinien von hervorragender
Bedeutung durchziehen den Bezirk: die Linien
Basel-Delsberg-Biel und Delsberg-Delle;
2922 Ew. französischer, 1993 deutscher und 232 italienischer Zunge.
Sämtliche
Schulen sind französisch; das
deutsche Element wird rasch verwelscht.
Die vorzügliche Lage
Delsbergs am NW.-Rand der grössten
Ebene im
Jura und an der Kreuzung der Eisenbahnlinien
Paris-Delle-Basel und
Biel-Basel ist für den industriellen und kommerziellen Aufschwung des
Ortes von grosser Bedeutung. Die
auf felsiger Anhöhe malerisch erbaute
Altstadt hat breite
Strassen mit langen Reihen von hoch- und spitzgiebeligen
Häusern,
ihre öffentlichen Plätze zieren schöne, zumeist sehr alte
Brunnen, und schattige Spazierwege sind ringsum
in grosser Anzahl vorhanden.
Den S.-Fuss der alten Festungswälle bespühlt die 500 m oberhalb der Vereinigung von
Sorne mit
Birs von links in jene einmündende
Golatte, die zugleich die
Altstadt von der
Neustadt trennt. Diese verdankt ihre Entstehung in erster Linie
dem hier befindlichen Bahnhof; sie entwickelt sich rasch u. dehnt sich in der
Ebene zwischen Bahnlinie und
Sorne, in den Wiesengründen
zwischen
Sorne und Golatte und auch längs der Strasse nach Basel
immer weiter aus. Delsberg ist die am raschesten sich vergrössernde
Ortschaft des ganzen
Berner Jura.
Klima schwankend; Sommers heiss und Winters kalt (hie und da bis -25 °C.), viele und langandauernde
Nebel. Diese ungünstigen klimatischen Verhältnisse tragen am völligen Fehlen des Weinbaues Schuld. Seiner zentralen Lage
wegen ist Delsberg auch in Bezug auf Verwaltung und Gerichtsbarkeit zum Hauptort des
Berner Jura geworden. Sitz der Schwurgerichte
des 5. Kreises
(Berner Jura), der eidgenössischen Alkoholniederlage, des Ingenieurs des 6. Kreises, des
Chefs des 5. kantonalen Polizeikreises, der Kreisschulinspektion, des staatlichen Lehrerinnenseminars in französischer Sprache.
Ausser der Feuille officielle für den
Berner Jura erscheinen hier noch 2 Zeitungen in französischer und eine in deutscher
Sprache.
Im Jahre 1900 sind aus den Eisengruben von Delsberg 8456 Tonnen Erz gefördert worden. Bedeutende Uhrenfabriken,
ein Kontrolamt für Gold- und Silberwaaren, eine Messerschmiede, grosse Bierbrauerei, Zementfabriken
(Bellerive), Zigarrenfabriken,
Gerberei. Stark besuchte Monatsmärkte; besonders bedeutend die Viehmärkte im Frühjahr und Herbst, an denen zeitweise 1000-1200
Stück Grossvieh aufgeführt werden. Käserei. Der Bahnhof ist einer der bedeutendsten der W.-Schweiz:
täglich kommen und gehen hier 80 Eisenbahnzüge.
Die Gemeinde Delsberg, eine der reichsten im Kanton Bern,
verwendet grosse Sorgfalt auf die Pflege des allgemeinen Volksunterrichtes.
Ausser dem Lehrerinnen-Seminar hat die Stadt ein Progymnasium, eine Mädchensekundarschule, etwa 15 Primarschulklassen, zwei
Fröbelklassen und eine Kinderkrippe.
Spital, Waisenhaus,
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Regenmessstation, mehrere Bankhäuser, eine Ersparniskasse, Turn-, Gesang- und kaufmännische Vereine etc.
Hauptsächliche Bauten: das Schloss, vom Bischof Johann Konrad von Reinach 1717-21 erbaut, bis zur französischen Revolution
Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Basel.
In dem grossartigen Gebäude sind heute die städtischen Primar- und Sekundarschulen
untergebracht. Katholische Kirche zu St. Marcel, 1762-66 nach dem Muster der St. Ursenkathedrale zu Solothurn
erbaut,
mit schönem Steinturm aus 1850, dessen Gefüge in zwei Drittel seiner Höhe von einem Balkon durchbrochen wird.
Rathaus, vom italienischen Architekten Bagnato 1742 bis 1745 erstellt;
altes Kapuzinerkloster, heute Sitz des Lehrerinnenseminars;
altes Ursulinerinnenkloster, heute Bezirksspital;
Bezirksschule (collège), 1812 von Napoleon I. errichtet.
Ausserdem Bezirksgebäude, die katholischen Kirchen zu St. Michel und Mont Croix und die reformierte Kirche. In der katholischen
Pfarrkirche sehr kostbarer Goldschmuck aus dem 6. Jahrhundert.
Delsberg besitzt ein vollständiges Hydrantennetz mit öffentlichem Bad und Wasserversorgung der Häuser; nur ein Teil der
Stadt ist elektrisch beleuchtet.
Urkundlich erscheint Delsberg als ein zum Königreich Burgund gehörender Flecken (bourg) schon im Jahre
728; 999 gingen die Rechte des Königs auf Delsberg infolge der von Rudolf III. verfügten Schenkung der Abtei Moutier-Grandval
mit allen ihren Ländereien an den Bischof von Basel
an diesen über; Eigentümer von Delsberg waren sodann die Grafen
von Soyhières und später die Grafen von Ferrette, bis 1271 der Bischof von Basel
dem GrafenUlrich von Ferrette seine sämtlichen
Eigentumsrechte auf den Ort abkaufte.
Seither ist Delsberg bis 1793 ununterbrochen im endgültigen Besitz des Fürstbistums Basel
verblieben und von den Fürstbischöfen
jeweils mit Vorliebe zur Sommerresidenz erwählt worden. Bischof Peter von Reichenstein verlieh 1289 Delsberg
die nämlichen Freiheiten, die Basel
besass, erhob den Ort zum Range einer Stadt und umgab ihn mit Mauern und Türmen. Das Edelgeschlecht
der Marschalcken von Telsperg übte hier lange Zeit das Amt der bischöflichen Statthalter (Marschalk, Almosenier, Truchsess
und Salzverwalter) aus.
Ein im 16. Jahrhundert in Bern
angesiedelter Zweig dieser Familie gelangte dort bald zu hohen Würden und
Ehren. Alle Rechte und Güter dieser Telsperg von Delémont fielen mit dem Erlöschen der Familie wieder an den Bischof zurück. 1448 gründete
der Bischof Friedrich ze Rhein in Delsberg vier Zünfte; 1487 legte eine Feuersbrunst die ganze Stadt,
mit Ausnahme der Kirche und zweier Häuser, in Asche; zur Zeit der Reformation flüchteten die Chorherren von Moutier-Grandval
hieher, wo sie bis 1794 verblieben. Im 30jährigen Krieg ist Delsberg der Reihe nach von den Schweden, Franzosen und Kaiserlichen
besetzt und geplündert worden, und während acht Jahren kostete die Stadt alle Greuel dieses furchtbaren
Krieges bis zur Neige aus. 1792 von den Franzosen besetzt, die sich bedauerliche Schädigungen zu Schulden kommen liessen.
Während der französischen Oberherrschaft bildete Delsberg den Hauptort einer Unterpräfektur, die die heutigen Bezirke
Delsberg, Biel, Neuenstadt, Courtelary, Münster, Laufen und Arlesheim umfasste. In der Kirche St. Marcel zu
Delsberg fand 1818 bei Anlass der Vereinigung des Bistums Basel
mit der Schweiz der feierliche Schwur des Treueides statt.
Delsberg ist die Heimat des Philosophen und Mediziners JeanPrévot (geb. 1585, gest. in Padua 1631), Verfassers von berühmten
medizinischen Werken. Vergl. Abbé Daucourt. Histoire de la villedeDelémont. Porrentruy 1901.
Siedelung aus der
Bronzezeit auf der Vorburg, Gräber bei Chètre;
vorrömische Münzen bei Delsberg.
Längs der Birs ehemalige Strasse. Römisches
Kastell bei Béridiai, römische Siedelungen mit Münzfunden bei Dozière, Les Rondez und beim Bahnhof
Delsberg. Menhir auf der Haute Borne. Ehemalige Eisengiesserei bei Bellerive.