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Das amerikanische Fernsehen der 1990er-Jahre lieferte eine Reihe von kontroversen Serien. Das abgedrehte, nur vermeintlich für Kinder geeignete Cartoon Ren and Stimpy, die eher kaputte und abgelöschte Sitcom Married… With Children mit dem sexistischen Familienoberhaupt Al Bundy oder die kultige MTV-Zeichentrickserie Beavis and Butthead – sie stehen sinnbildlich für die Ära des «Schock-TV».
Allen gemein war, dass sie sich wenig um Konventionen und Moral scherten. In Zeiten vermeintlicher «Political Correctness» mögen sich einige wehmütig an diese Serien zurückerinnern, grösstenteils ist diese Form von Fernsehen aber vorbei und vergessen.
Eine Ausnahme gibt es allerdings. 1992 wurde ein Verantwortlicher des US-Fernsehsenders Fox auf einen kurzen Animationsfilm zweier Studenten aus Colorado aufmerksam. Er beauftragte die beiden – Trey Parker und Matt Stone – einen Nachfolger zu ihrem Machwerk Jesus vs. Frosty zu produzieren. Jesus vs. Santa wurde von Fox-Mann Brian Garden als VHS-Kassette an etwa 80 Freund*innen verschickt. Eine der Kopien fand ihren Weg ins Internet – und wurde da zu einem der ersten Videos, die viral gingen.
Parker und Stone wurden so innerhalb kürzester Zeit zu gefragten Produzenten. Die meisten Sender jedoch scheuten davor zurück, eine wöchentliche Serie im Stil ihres Kurzfilms zu produzieren: Die Animationen waren zu krude und die Flucherei der gezeigten Kids im prüden amerikanischen Sprachregime ein absolutes No-Go. Selbst Doug Herzog, der Boss des damals noch neuen Spartensenders Comedy Central, der die Serie schlussendlich lancierte, soll sich vor der Ausstrahlung der ersten Folge ernsthaft gefragt haben, ob er dafür verhaftet werden könnte.
Die Bedenken dürften sich jedoch schnell verflüchtigt haben. Schon kurz nachdem Comedy Central die Show um die vier achtjährigen Stan Marsh, Kyle Broflovski, Kenny McCormick und Nachwuchs-Diktator Eric Cartman 1997 lancierte, schossen die Zuschauer*innenzahlen in die Höhe. Nach der Jahrtausendwende hatte die skandalträchtige Serie nicht nur ein immenses und treues Publikum – 2005 waren es 3.1 Millionen –, sondern generierte auch tüchtig Werbeeinnahmen: 34 Millionen Dollar waren es im selben Jahr. Matt Stone und Trey Parker entschieden sich zudem nach nur zweieinhalb Staffeln der Show einen Film zu machen. South Park: Bigger, Longer & Uncut spielte 1999 das Vierfache seines Budgets ein, erhielt sehr gute Reviews und zudem eine Oscar-Nomination für «Best Original Song».
Diese Erfolgsgeschichte zieht sich bis heute weiter. Dies liegt sicherlich auch daran, dass South Park im Laufe der Jahre immer wieder eine grosse Sensibilität für das Zeitgeschehen bewiesen hat und es schafft, Ereignisse, Trends und kulturelle Neuerungen satirisch und bissig zu kommentieren. Die Zuschauer*innen schätzen das bis heute: Das unlängst erschienene «Pandemic Special» vermochte erneut Rekorde zu brechen: Allein die Premiere im Kabelfernsehen erreichte ein Publikum von vier Millionen.