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Vom Soldatenkind zum Abt
Als Sohn von Christoph und Sabina Pendtner wird Anton am 10. Dezember 1697 in Schussenried geboren. Der Vater ist Feldweibel in Diensten des Erzbischofs von Salzburg. Die Ehefrau Sabine begleitet ihn auf einem Feldzug im letzten Jahr des Pfälzischen Erbfolgekrieges. Zwei Monate nach Beendigung der Kriegshandlungen am Rhein sind sie noch immer in der schwäbischen Reichsabtei einquartiert.[1] Die jetzt sicher dreiköpfige Familie kehrt (1698?) nach Salzburg zurück, wo der junge Anton aufwächst und die Schulen besucht. Auf einer Wallfahrt nach Altötting bricht er 1719 beim Fall aus der Kutsche das Bein und wird zur Genesung im Kloster Raitenhaslach zurückgelassen. Ein Jahr später tritt er ins Kloster ein und legt 1721, mit 24 Jahren, unter Abt Emanuel I. das feierliche Gelübde ab. Er nimmt den Klosternamen Robert an. 1725 feiert er Primiz. 1731–1732 ist er Hilfspriester (Kooperator) in Niederbergkirchen und ist zum Zeitpunkt seiner Abtwahl Küchenmeister. Mehr ist nicht bekannt. Weder über seine Studienorte noch über seine Familie sind wir unterrichtet. Am 8. November 1734 wird er zum Abt von Raitenhaslach gewählt.
Bauabt des Spätbarocks
Abt Robert ist der grosse Bauabt Raitenhaslachs im 18. Jahrhundert. Drei Jahre nach der Wahl beginnt er mit der völligen Neugestaltung der 1696 geweihten Klosterkirche. Wahrscheinlich ist er selbst planend beteiligt. Tatsächlich ist er, wie Zeitgenossen beschreiben, in Baukunst erfahren. Er zeichnet auch selbst und ist in Kartographie bewandert. Für das Heilige Grab im Vorraum der Klosterkirche ist er Entwerfer.
> zum Bild des heiligen Grabes.
Die Fresken, vielleicht auch die Gesamtleitung der Arbeiten in der Klosterkirche lässt er durch den am Hof tätigen Maler Johann Zick ausführen. Auch alle Altäre lässt er unter Verwendung der alten Bildhauerarbeiten neu bauen. Der Kirchenraum wird bis zu seiner Fertigstellung 1740 ein spätbarockes Juwel am Übergang zum Rokoko.
Ein Jahrzehnt später beginnt er mit der grossen Neugestaltung der Klosteranlage. Er beruft als Baumeister Franz Alois Mayr aus Trostberg, der spätestens 1750 mit der neuen Kirchen-Westfront und den vorgelagerten Flügelbauten mit der neuen Prälatur beginnt. Die monumentale klassizistische Säulen-Ädikula der neuen Westfront dürfte, wie schon die Planung der Innenraum-Neugestaltung, eine Ausführung nach Entwurf des als Liebhaberarchitekten tätigen Abtes Robert Pendtner sein.[2]
Als Bauabt ist er nicht nur in Raitenhaslach tätig. Zu nennen sind die Neuausstattungen der Kirchen von Halsbach (1742, mit Zick), Krems an der Donau (1747/54), Margarethenberg (1751/53, mit Johann Baptist Zimmermann), Niederbergkirchen (1751) und Oberhofen (1753).
Politische Beziehungen und Verwicklungen
Im 1740 vollendeten Kirchenraum stellt Abt Robert die enge Verbindung der Abtei mit dem Wittelsbacher Hof auch bildlich dar. Beidseits des Hauptfreskos im Langhaus lässt er ihre Wappen gross anbringen. Die Symbiose von Staat und Prälatenklöster ist im absolutistisch regierten bayrischen Staat zwar die Regel, wird aber selten so ausgeprägt wie in Raitenhaslach dargestellt. Daran ändern auch die grossen Belastungen der Klöster durch die Kriegs- und Finanzabenteuer der Kurfürsten wenig. Abt Robert ist traditionsgemäss sogar selbst Mitglied in Regierungsgremien.[3] Schon 1742 wird dank diesen engen Verbindungen Raitenhaslach erneut in einen sinnlosen Krieg des Kurfürsten gegen Österreich hineingezogen.[4] Die unbedingte Unterstützung des Herrscherhauses hat Folgen. Raitenhaslach wird von Österreich besetzt. Hohe Kontributionsforderungen beider Parteien, vor allem aber immer höhere Abgaben an den beinahe bankrotten Staat sind die unmittelbaren Folgen. Trotzdem ist es dem Abt möglich, schon wenige Jahre nach Kriegsende mit der grossen westlichen Klostererweiterung zu beginnen.
Nicht allen Konventualen gefällt diese Liebe des Abtes zur Baukunst und den bildenden Künsten. Im Gegensatz zu den Vorgängeräbten übersteht aber Abt Robert auch diese interne Kritik und findet bei Visitationen 1747 und 1755 die volle Unterstützung des Vaterabtes. Dieser, Reichsabt Anselm II. von Salem scheint sich bestens mit Abt Robert zu verstehen. 1750 lädt ihn Reichsabt Anselm II. zur Einweihung der Wallfahrtskirche Birnau ein und kann anschliessend auch das Mutterkloster Salem visitieren.
Lebensende
Abt Robert erleidet 1754 und 1756 Schlaganfälle, die ihn aber offensichtlich nur beschränkt in der Ausübung der Geschäfte hindern. Denn der Chronist vermeldet, er habe sich bis zum Schluss ununterbrochen mit dem Planen und Bauen beschäftigt. Am 28. Februar 1756 stirbt er in Raitenhaslach im Alter von 58 Jahren und 80 Tagen. Er wird in der Kirche begraben und im Mittelgang des Schiffes beigesetzt. Die Grabplatte mit Wappen ist heute an die Wand des Kreuzganges angebracht.
Der nachfolgende Abt Emanuel II. Mayr setzt ihm in der Kirche, am ersten südlichen Wandpfeiler nach dem Vorhallengitter ein grosses Rokoko-Epitaph.
> Zum Bild des Epitaphs von Abt Robert Pendtner.
Wappen
Sein Wappen enthält eine naturalistische Lilie mit drei Blüten, beseitet von zwei Flügeln. Als goldgefasstes Relief ist es auf dem Epitaph dargestellt.
Pius Bieri 2015
Literatur:
Krausen, Edgar: Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach, in: Germania Sacra, NF 11, die Bistümer der Kirchenprovinz Salzburg, das Erzbistum Salzburg. Berlin und New York 1977.
Anmerkungen:
[1] Am Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges, zur Zeit des Friedens von Rijswijk (Oktober 1697), ist offensichtlich noch Salzburger Militär in Schwaben stationiert. Oberkommandierender der kaiserlichen Truppen am Rhein ist Ludwig Wilhelm von Baden-Baden. Obwohl keine Quellen greifbar sind, müssen ihn Truppen des bayrischen Reichskreises, zu dem Salzburg gehört, in Schwaben unterstützt haben. In der Trauerrede von Abt Pendtner wird als Feldzugziel der Ersatz der französischen Besatzung von Freiburg genannt.
[2] Die markante Westfassade ist 1752 vollendet, der «Prälatenstock» ist 1756 im Rohbau zum grossen Teil fertig. Trotzdem schreibt Edgar Krausen in «Germania Sacra» NF 11 diese Bauten ausschliesslich dem 1759 gewählten Abt Emanuel II. Mayr zu.
[3] Als Prälatensteuerer und als Landsteuerer.
[4] Kurfürst Karl Albrecht von Bayern (1697–1745) lässt sich 1742 als Karl VII. zum Kaiser krönen und will damit die Thronfolge von Maria Theresia von Habsburg ausschalten. Der Österreichische Erbfolgekrieg (1742–1748) ist die Folge. Er endet für Bayern 1745 mit der völligen Niederlage. Die Staatsschulden Bayerns betragen zu diesem Zeitpunkt 35 Millionen Gulden.
|Abt OCist Robert Pendtner (1655–1717)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|10. Dezember 1697||Salzburg||Hochstift Salzburg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OCist der Zisterzienserabtei Raitenhaslach||1734–1756|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|28. Februar 1756||Abtei Raitenhaslach||Kurfürstentum Bayern|
|Kurzbiografie|

Abt Robert Pendtner ist der grosse Bauabt des Spätbarocks für Raitenhaslach und für die inkorperierten Kirchen des Klosters. Er ist Planer und Leiter des Umbaus der Stiftskirche zu einem spätbarocken Juwel am Übergang zum Rokoko. Seine Treue zum hochverschuldeten Kurfürstentum dokumentiert er in der Kirche selbst. Daran ändern auch die hohen Finanzbelastungen des Klosters wegen der sinnlosen Kriege der Kurfürsten nichts. In seiner Liebe zur Kunst und zur Repräsentation wird er durch den Reichsabt Anselm II. von Salem gegen internen Widerstand unterstützt. In den Friedensjahren nach 1748 beginnt Abt Robert mit dem Bau der grossen Westerweiterung von Kirche und Abtei, die sein Werk bleibt, auch wenn er die Vollendung nicht mehr erleben darf.
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