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Kaum jemand hat das heutige Verständnis von Philanthropie stärker beeinflusst als Andrew Carnegie, der vor genau hundert Jahren, 1919, gestorben ist. Bei seiner Geburt 1835 in Schottland waren seine Eltern bettelarm und emigrierten nach Amerika. Mit grossem Fleiss und einer guten Portion Kaltschnäuzigkeit wurde Andrew Carnegie mit Geschäften in der Stahlindustrie zu einem der reichsten Männer seiner Zeit.
Im Jahr 1889 veröffentlichte er in der North American Review einen Text mit dem Titel «The Gospel of Wealth», in dem er die Reichen zur Philanthropie verpflichtete. «Der Mann, der reich stirbt, stirbt in Schande» lautet seine Schlussfolgerung und beschreibt die Motivation, die auch heute noch viele Philanthropen antreibt: Der Reichtum soll mit der Gesellschaft geteilt werden. Carnegie fordert von den Reichen, nicht auf Einmal-Effekte wie Almosen zu setzen, sondern besser in langfristige Ergebnisse zu investieren. Dazu nennt er folgende Bereiche: Universitäten, Bibliotheken und Museen, Krankenhäuser und medizinische Forschung, öffentliche Pärke, Hallen und Schwimmbäder sowie Kirchen als Zentren des sozialen Lebens.
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Carnegie selbst ging mit gutem Beispiel voran: Er finanzierte in den USA, Schottland und England über 2’500 Bibliotheken, förderte Universitäten (Carnegie Mellon University), spendete für den Bau von Konzertsälen (Carnegie Hall) und zeichnete Lebensretter aus (Carnegie Trust Funds in 11 Ländern). Viele dieser Engagements bestehen bis heute, so beispielsweise auch die Schweizer Carnegie Stiftung für Lebensretter/innen. Aber auch viele andere der von ihm damals erwähnten Beispiele haben bis heute Bestand. So etwa die nach ihren Geldgebern benannten Universitäten wie Stanford, Cornell oder Johns Hopkins, die alle zu den besten der Welt zählen. Auch die Pratt Library in Baltimore oder der Schenley Park in Pittsburgh sind heute noch wegweisende Beispiele philanthropischen Engagements.
Was würde Carnegie heute fördern, um langfristige Wirkung zu erzielen?
In seinem Text macht Carnegie immer wieder deutlich, dass es ihm um die Entwicklung der Gesellschaft geht und er dabei verschiedene Aspekte im Blick hat. Zum einen will er die Leistungsfähigkeit stärken, durch Bildung und Forschung beispielsweise, und setzt dabei auf das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Zum anderen ist ihm der gesellschaftliche Zusammenhalt wichtig, durch die Finanzierung von Begegnungsplätzen in Pärken, Gemeinschaftssälen oder Kirchen.
Was heutige Philanthropen von Andrew Carnegie lernen können, sind vielleicht weniger die konkreten Förderbeispiele, sondern vielmehr die Fundiertheit und Konsequenz, mit der Carnegie vorgegangen ist. Dabei setzt er den reichen Philanthropen durchaus harte Kost vor, indem er sie in die Pflicht nimmt, für ihre Philanthropie zu arbeiten.
Besonders zwei seiner Empfehlungen sind auch heute noch so herausfordernd wie damals:
- Es ist viel einfacher zu geben, als abzulehnen.
- Wer etwas fördert, sollte nicht überlegen, was es kostet, sondern wie es perfekt werden kann.
Das «Gospel of Wealth» von Andrew Carnegie zum Nachlesen (lange Version auf Englisch) oder in der deutschen Kurzfassung.
Carnegie und die Schweiz:
Am 24. Mai 2019 veranstaltet die Carnegie Stiftung für Lebensretter/innen (Schweiz) in Bern ein Symposium zu Andrew Carnegie und der Entwicklung der Philanthropie heute.
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