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Buenos Aires. Verspielter Moloch. Darf ich das sagen. Moloch, weil die Stadt endlos gross ist. Im Jahre 2010 wohnten über 13 Millionen Menschen in der Stadt am Rio Plata. Moloch, weil in gewissen Quartieren Angst und Schrecken herrsche. Weil die Hauptstadt Argentiniens um einiges dreckiger, versiffter und abgewrackter daher kommt als ihre «Schwester» ennet dem Bach.
Moloch, weil die Luft in gewissen Quartieren nur noch mies ist, trotz der Schutzheiligen die den Namen der Stadt mitbestimmten: Ciudad de la Santísima Trinidad y Puerto Santa María de los Buenos Aires «Stadt der Heiligen Dreifaltigkeit und Hafen der Heiligen Maria der guten Lüfte».
Riesige Wandmalereien faszinieren und ziehen Blicke auf sich.
Moloch, weil die Flüsse in der Stadt biologisch tot sind, alle Abwässer in den Rio Plata fliessen. Baden kann man nicht mehr. Vor einigen Jahren starben Menschen nach einem Schwumm in der Gülle. Moloch, weil der Abfall in einer ringförmigen Deponie rund um die Stadt gelagert wird. Die Flächen werden ökologisch aufgemotzt, das Grundwasser massiv belastet. Steigende Krebsraten in angrenzenden Wohnquartieren sprechen eine deutliche Sprache.
Moloch, weil Bettler nach Pesos gieren. Weil Randständige auf Strassen schlafen. Weil Kinder um Mitleid heischen. Weil ganze Kolonnen von Geldwechslern durch die Strassen rund um die Avenida Esmeralda streifen und ständig «Cambio, Cambio, Cambio» murmeln.
Der Moloch ist aber auch verspielt. Verspielt, weil dich Frauen lächeln. Weil sie Kinder in den Parks stillen. Verspielt, weil sie auf der Strasse Tango tanzen, in den Museen Lieder singen und ihre U-Bahn die schönsten Mosaike zeigt.
Verspielt, weil unzählige Bilder und Installationen die Strassen zieren. Weil die Restaurants hübsch eingerichtet sind, weil die auf Flohmärkte wunderbare Sächelchen zu kaufen wären.
Verspielt, weil die Menschen fröhlich sind. Weil uns eine gebürtige Lettin fröhliche Ostern wünschte. Hier im verspielten Moloch hätten wir sie bestimmt fröhlich gefeiert.