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(Immen, Blumenwespen, ApiariaeGerst., AnthophilaLath.), Insektenfamilie aus der Ordnung der Hautflügler,
[* 5] gedrungen
gebaute, meist stark behaarte Insekten
[* 6] mit nicht gestieltem Hinterleib, beim Männchen längern und oft weniger deutlich gebrochenen
Fühlern als beim Weibchen, nicht ausgerandeten Augen, stets mit Nebenaugen, messerförmigen und, wie die Unterlippe (Zunge),
meist stark verlängerten Unterkiefern, kleiner, schildförmiger Oberlippe, hakenförmigen Oberkiefern, ein- bis sechsgliederigen
Kiefer- und viergliederigen Lippentastern, in der Regel verbreiterten und an der Innenseite bürstenartig behaarten Schienen
und Metatarsen der Hinterbeine, nicht faltbaren Flügeln und bei den Weibchen (und Arbeitern) mit einem
in den Hinterleib zurückziehbaren, mit Widerhaken versehenen, durchbohrten Stachel, der mit einer Giftblase in Verbindung steht
und beim Stich abbricht.
Die Bienen tragen für ihre BrutHonig und Blütenstaub ein, erstern im Innern des Körpers, letztern als Höschen an den Hinterbeinen,
und je nachdem dies geschieht, unterscheidet man Schienen- und Schenkelsammler. Bei erstern ist die ganze
äußere Seite der Hinterschienbeine und Hintertarsen dicht behaart, bei letztern außerdem noch die Unterseite der Hinterschenkel
und Hinterhüften und selbst noch die Seiten der Mittelbrust, während bei den Bauchsammlern an den Hinterbeinen die Sammelhaare
fehlen, wogegen die ganze untere Fläche des Hinterleibes mit Borstenhaaren besetzt ist.
Die Weibchen der Schmarotzer- oder Kuckucksbienen legen ihre Eier
[* 7] in die Nester andrer und die entstehenden Larven, welche sich
weit schneller entwickeln als die der rechtmäßigen Bewohner, zehren die für letztere bestimmte Nahrung auf, wodurch diese
dem Hungertod preisgegeben werden. Von den Sammel- oder Kunstbienen bauen die Weibchen der einsam lebenden
ArtenNester, die aus einem HaufenZellen bestehen, von denen jede zum Wohnsitz einer Larve bestimmt und deshalb mit einem aus
Honig und Blumenstaub bereiteten Futtersaft angefüllt ist, welcher der Larve bis zu ihrer Ausbildung als Nahrung dient.
Solche Nester werden meist in der Erde oder in Mauern angelegt, auch als klumpenartige Gehäuse an Mauern und Wänden angeklebt,
während andre Arten in altem Holz
[* 8] einen Gang
[* 9] bohren, an dessen Ende sich die in mehreren Stockwerken übereinander liegenden
Zellen befinden. Die gesellig lebenden Sammelbienen besitzen allein ein wahres Körbchen an dem ersten
Tarsalglied des Hinterfußes, worin die in einen Klumpen zusammengeballte Ladung Blumenstaub nach Hause getragen wird.
IhreGesellschaften sind bald jährig, wie bei den Hummeln, bald dauernd, wie bei den Honigbienen, und ihre Zellen werden stets
aus Wachs gebildet. Bei
beiden Arten von Gesellschaften kommen stets Männchen, größere (fruchtbare) Weibchen
und kleinere (unfruchtbare) Weibchen oder Arbeiter vor; in den Sommergesellschaften aber arbeiten die Weibchen ebenso thätig
wie die eigentlichen Arbeiter, während bei den dauernden Gesellschaften der Honigbienen in jeder nur ein einziges Weibchen
existiert.
Die GattungBiene
[* 10] (Honigbiene,Apis
[* 11] L.), charakterisiert durch die dornenlosen, breiten Hinterschienen, zerfällt in
zwei Gruppen. Zu der ersten Gruppe, deren Metatarsus der Hinterbeine an den Innenseiten 13 Querreihen von Borsten trägt, gehört
nur die große südasiatische Biene(A. dorsataFab.), in Ostindien
[* 12] und auf den Sundainseln. Die zweite Gruppe trägt am Metatarsus
der Hinterbeine nur zehn deutliche Borstenreihen und zerfällt in drei Arten: die südasiatische Biene(A. indicaFab.), vorzugsweise in Vorderindien;
die kleine südasiatische Biene(A. floreaFab.), die kleinste aller und unsre
Honigbiene (Hausbiene, Biene, Imme, A. mellificaL., s. Tafel »Hautflügler«).
1) Die einfarbig dunkle Biene (A. mellifica im engern Sinn), im nördlichen Europa
[* 13] bis zum 60. und 61.°
nördl. Br., in ganz Mitteleuropa und in einigen Gegenden Südeuropas und Nordafrikas. Eine sekundäre Abänderung derselben
ist die griechische oder Hymettus-Biene (A. Cecropia).
2) Die bunte südeuropäische Biene, mit gelbem oder gelblichem ersten Hinterleibssegment und in Südfrankreich und Westasien
mit gelben Schildchen. Im Genuesischen, in Venetien und in der Lombardei hat diese Biene ein schwarzes Schildchen und ist unter
dem Namen der italienischen Biene(A. ligusticaSpin.) bekannt. Sie wurde 1853 durch Dzierzon in Deutschland
[* 14] eingeführt.
Im normalen Zustand besteht ein Bienenvolk aus den Drohnen, der Königin (Weisel) und den Arbeitsbienen. Die Drohnen sind die
Männchen. Ihr Leib ist kurz und dick, etwas kantig. Die facettierten Augen stoßen auf dem Scheitel aneinander, so daß die
drei einfachen Augen auf die Stirn gedrängt sind. Die fadenförmigen, geknickten Fühler sind 14gliederig.
Die bewegliche Oberlippe ist zottig behaart, der Oberkiefer doppelt gezahnt, und die Vorderflügel decken den Hinterleib.
Die Königin ist das einzige vollkommene Weibchen im Volk. Sie ist die längste Biene und hat einen rundlich herzförmigen Kopf.
Die facettierten Augen sind nur schmal und lassen auf dem Scheitel eine breite Stirn, auf welcher die drei
einfachen Augen stehen. Die Fühler sind nur 13gliederig und die Oberkiefer nach hinten zu ausgehöhlt. Zwischen der Scheide
und dem After liegt der Stachelapparat, der den Drohnen gänzlich fehlt. Die Arbeitsbiene ist das kleinste Wesen im Bienenvolk.
Ihr Kopf ist beinahe dreieckig, aber oben etwas eingebogen. Die Stellung der Augen ist von der bei der Königin
nicht verschieden, und die Fühler bestehen ebenfalls aus 13 Gliedern. Sie besitzt die am vollständigsten entwickelten Mundteile
und an den Hinterbeinen den Sammelapparat. Die Außenfläche der Hinterschienen
[* 10]
(Fig. 1 a) ist grubenartig
eingedrückt, von einfachen Randborsten umstellt (Körbchen b) und dient zur Aufnahme desBlütenstaubes. Das erste Tarsalglied
c ist vergrößert, länglich vierseitig und trägt auf der innern Seite zehn Querreihen brauner Haare
[* 29] (Bürste, Hechel d).
Den Drohnen und Königinnen fehlen Körbchen und Bürste.
Jede der letzten vier Bauchschuppen der Arbeitsbiene besteht aus zwei Querhälften; die vordere ist weich,
durchscheinend, von hornigen Rändern eingefaßt und durch eine Hornleiste in zwei Seitenhälften geteilt; diese sogen.
Spiegel
[* 30] werden als die Werkstätten der Wachsbereitung angesehen. Hebt man mit einer Nadel den hintern (äußern) Teil einer
Bauchschuppe auf, so sieht man die Spiegel ganz deutlich. Den Drohnen fehlen die Spiegel
ganz, und auch
bei der Königin sind sie kaum vorhanden.
Eierstöcke und Samentasche der Arbeitsbiene sind in hohem Grad verkümmert, sie besitzt aber einen Stachelapparat, zu welchem
zunächst die Giftdrüse
[* 10]
(Fig. 2 a) gehört, deren kurzer Gang das Gift in die Giftblase b führt. Durch einen
kurzen Stiel gelangt das Gift in den Stechapparat, der aus der Stachelrinne c mit den beiden Stechborsten dd und zwei Stachelscheiden
ee besteht und im Ruhezustand eingezogen wird. Die Verdauungswerkzeuge bilden einen häutigen Schlauch, der am Mund beginnt
und sich bis zum After erstreckt; das vordere Ende bildet die Speiseröhre
[* 10]
(Fig. 3 a), die sich zu der
beutelförmigen Honigblase erweitert; an diese schließt sich der Mitteldarm oder Chylusmagen b, der sich zum Dünndarm verengert.
Auf letztern folgt endlich der den Kot absondernde Hinterdarm c. Die umfangreichen Speicheldrüsen sondern den Speichel ab.
In denDünndarm münden die fadenförmigen Malpighischen Gefäße (s. Figur 3).
Ist die junge Königin in ihrem Volk zur Alleinherrschaft gelangt (s. Bienenzucht),
[* 31] so erwacht ihre Brunst, und sie fliegt in den
schönsten Tagesstunden aus, um in der Luft eine Drohne aufzusuchen. Trifft sie auf diesen Brautausflügen nicht mit einer
Drohne zusammen, so erstirbt die Brunst und wird nie wieder rege. Nach der Begattung verläßt die Königin,
außer beim Schwärmen (s. Bienenzucht), ihren Stock nie wieder; Belustigungs- und Reinigungsausflüge hält sie nicht, sondern
gibt ihren Unrat im Stock von sich. Im normalen Zustand des Volkes legt die Königin die Eier zu allen Bienen. Sie besitzt aber das
Vermögen, die Eier willkürlich mit dem bei der Begattung aufgenommenen Samen
[* 32] zu befruchten oder nicht;
aus unbefruchteten Eiern entwickeln sich Drohnen, aus befruchteten weibliche Bienen. Dies ist von Bedeutung, weil die Zellen der
Männchen von denen der Weibchen verschieden sind und Männchen nur zu einer gewissen Zeit (Mai bis Juli) erbrütet werden.
Unbegattet gebliebene Königinnen legen, sobald ihre Brunst erloschen ist, auch Eier; ebenso setzen einzelne Arbeitsbienen,
wenn das Volk längere Zeit hindurch ohne Königin lebte, Eier ab; alle diese Eier sind lebensfähig, entwickeln sich aber ausnahmslos
zu Männchen, die wieder im stande sind, eine Königin zu begatten und zum Legen weiblicher Eier geschickt
zu machen. Unter besonders günstigen Umständen
[* 10]
^[Abb.: Fig. 1. Hinterbein der Arbeiterin. b Körbchen, c Tarsalglied mit dem Bürstchen (d) auf der Unterseite.]
Den Drohnen und der Königin liegt lediglich die Fortpflanzung der Art ob; alle übrigen Geschäfte außerhalb und innerhalb
des Stockes besorgen die Arbeitsbienen. Sie lecken den Blumennektar (auch andre Süßigkeiten: Blattlaushonig, Blatthonig
etc.) auf, sammeln ihn in der Honigblase an und setzen ihn, in den Stock zurückgekehrt, in die Zellen
ab. Der Bienenhonig ist aber nicht etwa bloß durch Verdunstung von Wasser verdickter Pflanzennektar, sondern er ist ein Produkt
der Bienen, das im Honigmagen durch einen chemischen Prozeß aus Nektar erzeugt wird.
Den Pollen (Blumenstaub) sammeln die Bienen von den männlichen Blütenteilen, befeuchten ihn mit Speichel
und Honig, um ihn klebrig zu machen, und tragen ihn in ihren Körbchen als sogen. Höschen in
den Stock, um ihn in die Zellen zu stampfen. Wasser brauchen die Bienen zur Löschung ihres Durstes, und um verzuckerten Honig
wieder flüssig zu machen; sie sammeln es aber nicht in den Zellen auf, sondern teilen es sich gegenseitig mit. Von verschiedenen
Pflanzen, z. B. den Knospen
[* 34] der Erlen, Kastanien etc., tragen die Bienen Kitt ein, jedoch nicht auf Vorrat, sondern um ihn sogleich
zur Abglättung der Wohnung, zur Verstopfung aller Ritzen derselben und zur stärkern Befestigung der Waben
an der Decke
[* 35] und den Wänden zu verwenden.
Die Wachsbereitung ist in der Regel ebenfalls eine Arbeit der jüngern Bienen. Wollen die Bienen Wachs erzeugen, so
nehmen sie vielen Honig und Pollen in ihren Chylusmagen auf und lassen den bereiteten Chylus ins Blut übergehen, aus welchem
sie das Wachs in den sogen. Spiegeln abscheiden und an den vier letzten Bauchschuppen in Gestalt dünner, länglichrunder Blättchen
als Wachs hervortreten lassen. Die Wachserzeugung ist daher ein willkürlicher Akt der Bienen. Das Bauen der
Waben besorgen ebenfalls die jungen Bienen. Die bauenden Bienen ziehen mit
den Hinterfüßen sich selbst
und andern Bienen die Wachsblättchen aus den Bauchringen hervor, zerkauen und bespeicheln sie und bringen sie nun dort an, wo
sie eine Wabe beginnen oder weiterführen wollen.
Jede Wabe besteht aus einer Mittelwand, an welcher auf beiden Seiten horizontal liegende sechseckige Zellen aufgeführt sind.
Die Zellen, mit welchen die Waben an der Decke befestigt sind (Heftzellen), sind fünfeckig, damit jede derselben mit einer
flachen Seite befestigt werden kann. Die kleinen sechseckigen Zellen (Arbeiterzellen) dienen zur Erbrütung
der Arbeitsbienen und die großen sechseckigen Zellen (Drohnenzellen) zur Erbrütung der Drohnen. Übergangszellen sind da
vorhanden, wo die Bienen von Arbeiterzellen zu Drohnenzellen übergehen.
Verlängerte Arbeiter- und Drohnenzellen dienen nur zur Aufspeicherung des Honigs. Die Weiselzellen stehen isoliert, mit der
Mündung nach unten, sind eichelförmig und inwendig rund; nach dem Ausschlüpfen der Königin werden
sie in der Regel wieder abgenagt. Es gibt unter ihnen zwei Formen, sogen. Schwarmzellen und Nachschaffungszellen; die erstern
sind gleich anfänglich als Weiselzellen angelegt und haben einen runden Boden, die andern sind umgeformte Arbeiterzellen
mit einem Pyramidenboden. Die eigentliche Bauzeit der Bienen ist der Frühling, besonders die MonateMai und
Juni. Neugebaute Waben sind schneeweiß, durch die Ausdünstung der Bienen werden sie aber bald gelblich und dunkel gefärbt.
Solange die Arbeiter- und Drohnenlarven gekrümmt auf dem Zellenboden liegen, wird ihnen nur Futtersaft gereicht; sobald sie
aber das Kopfende aufwärts richten, erhalten sie bis zur Bedeckelung Honig und Pollen und müssen das
Futter nun selbst verdauen. Eine königliche Larve erhält von Anfang an bis zur Bedeckelung der Zelle
[* 36] nur feinsten Futtersaft
in überreicher Menge. Es ist also neben der geräumigen Zelle das reiche und sorgfältiger präparierte Futter, welches in der
königlichen Larve die vollständige Entwickelung der Geschlechtsorgane bewirkt. Zugleich erhellt, daß
die Larven in den Arbeiterzellen, da ihnen vom sechsten Tag an, wenn die Entwickelung der Geschlechtsorgane beginnt, unverdautes
Futter gereicht wird, sich zu Weibchen mit unentwickelten Geschlechtswerkzeugen ausbilden. In der Regel entwickelt sich aus
dem Bienenei in drei Tagen eine Larve. Die Königin ist 5½ Tage offene