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In den vergangenen Wochen gab es vor allem in Deutschland eine neue Diskussion über das Medikament Cytotec (Wirkstoff Misoprostol), welches auch in der Schweiz zur Geburtseinleitung verwendet wird, allerdings dafür nicht offiziell zugelassen ist.
Cytotec bzw. der darin enthaltene Wirkstoff Misoprostol ist eigentlich ein Medikament, das als Magenschutz Verwendung findet und dafür zugelassen ist. Aufgrund seiner kontraktilen (wehenauslösenden) Wirkung wird es aber auch seit vielen Jahren in der Geburtshilfe zur Geburtseinleitung angewendet.
Es sollte auch beachtet werden, dass die Dosierungen zur Einleitung deutlich niedriger sind, als beim Einsatz als Magenschutz.
Anders als in einigen Berichterstattungen behauptet, sind Misoprostol und seine Wirkung in vielen Studien ausführlich untersucht worden. Es existieren zur oralen sowie zur vaginale Anwendung mehr als 80 Studien, die belegen, dass Misoprostol eines der effektivsten Medikamente zur Geburtseinleitung darstellt. Die Auswertung des Cochrane-Netzwerkes von 75 Studien konnte zeigen, dass der Wirkstoff Misoprostol, vor allem als Tablette verabreicht, seltener zu Kaiserschnitten führt, als andere Einleitungsmedikamente wie Oxytocin.
Natürlich ist auch unbestritten, dass es bei der Anwendung zu Nebenwirkungen kommen kann, wie das bei jedem anderen Medikament auch der Fall ist. Zu den Nebenwirkungen von Misoprostol zählen vor allem erhöhte Temperatur/Fieber, Zittern sowie Überstimulation (übermässig häufige und starke Wehen). Die in den Medien vor allem erwähnten Todesfälle von Müttern und Babys nach Geburtseinleitung mit Misoprostol, z.B. durch ein Einreissen der Gebärmuskulatur, sind allerdings als seltene Ereignisse zu betrachten. Sie traten vor allem auf bei Frauen, die im Vorfeld eine Operation an der Gebärmutter hatten (z.B. Kaiserschnitt). In diesen Fällen besteht unabhängig von einer Geburtseinleitung immer das Risiko eines solchen Vorfalls.
Wichtig zu betonen ist, dass bei diesen Frauen eine Geburtseinleitung mit Misoprostol auch nicht erlaubt, also kontraindiziert ist. Dies ist seit langem bekannt und wird in jeder geburtshilflichen Einrichtung beachtet.
Es sollte nicht vergessen werden, dass auch die offiziell zugelassenen Alternativen (Propess, Oxytocin) Nebenwirkungen aufweisen und nur in bestimmten Situationen und je nach Gebärmutterhalsbefund zugelassen sind.
Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) veröffentlichte am 31.07.2019 einen Expertenbrief, der sich mit der Anwendung von Misoprostol zur Geburtseinleitung ausführlich beschäftigt. Hier kommt man zu dem Schluss, dass Misoprostol unter strenger Indikationsstellung eindeutig zur Geburtseinleitung verwendet werden kann.
Momentan ist eine neue S2k-Leitlinie von der DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe), der SGGG (Schweizer Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) und der OEGGG (Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) in Arbeit. Diese wird nach jetzigem Kenntnisstand und im Konsens mit anderen internationalen Leitlinien (USA (ACOG, American College of Obstetricians), Kanada (SOGC, Society of Obstetricians and Gynaecologists of Canada), Großbritannien (NICE, National Institute for Health and Care Excellence) und Frankreich (CNGOF, French national college of obstetricians and gynecologists), sowie der FIGO (International Federation of Gynaecology and Obstetrics) die Anwendung von Misoprostol zur Geburtseinleitung empfehlen
Weiterführende Literatur:
– Misoprostol zur Geburtseinleitung
– Stellungnahme zur Berichterstattung ueber Cytotec zur Geburtseinleitung
– Wie gefährlich ist Cytotec bei Geburten?
– Umstrittene Wirkung, mangelnde Aufklärung