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Die NATO hat mehrere Tonnen Munition aus abgereichertem Uran im Kosovo eingesetzt. Das scheint jetzt Folgen zu haben: Mehrere Soldaten, die an Missionen auf dem Balkan beteiligt waren, starben an Krebs. Auch Schweizer könnten betroffen sein.
Munition aus abgereichertem Uran (DU), einem Nebenprodukt der Herstellung von Brennelementen, wird eingesetzt, um Panzer und gepanzerte Fahrzeuge zu "knacken". DU-Geschosse durchschlagen herkömmliche Panzerungen und verbrennen nach dem Durchschlag - was oft den Brennstofftank entzündet. Der Einsatz von DU macht also aus militärischer Sicht Sinn - zumindest solange nicht die eigenen Soldaten leiden.
Golfkrieg-Syndrom auf dem Balkan
Der Einsatz von DU-Munition, der 1991 erstmals im Golfkrieg erfolgte, ist umstritten: In Portugal starb letztes Jahr ein Soldat, in Italien starben bereits fünf, mehrere Soldaten erkrankten an Leukämie. Dafür verantwortlich könnte die Aufnahme von DU-Partikeln durch die Atemwege sein. Nach dem Golfkrieg-Syndrom geistert nun plötzlich das Balkan-Syndrom als Schreckgespenst durch die Medien.
Portugal will jetzt 10'000 Soldaten Tests unterziehen. Auch Finnland und die Türkei haben Untersuchungen angekündigt, die deutsche Bundeswehr und die spanische Armee haben bereits mit Testreihen begonnen. In Spanien sind die ersten 5'000 von 32'000 geplanten medizinischen Untersuchungen negativ ausgefallen. Nicht alle Soldaten waren im Kosovo eingesetzt. Viele kamen auch in den Vorjahren in Bosnien zum Einsatz.
"Risiko vernachlässigbar gering"
Beim Schweizer Militär, das mit der Swisscoy im Kosovo und Albanien präsent ist und in Bosnien bis Ende letzten Jahres Gelbmützen im Einsatz hatte, sind Tests offenbar noch kein Thema. Das Bundesamt für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hält sich an ein Papier, welches durch das AC-Laboratorium in Spiez bereits vor einem Jahr erarbeitet wurde. Die Spezialisten kamen darin zum Schluss, dass mit minimalen Vorsichtsmassnahmen ein gesundheitliches Risiko für die Schweizer Soldaten als vernachlässigbar gering bezeichnet werden könne.
IKRK und UNHCR mit freiwilligen Tests
Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) sehen keinen sofortigen Handlungsbedarf, wie sie gegenüber swissinfo sagten. Den Mitarbeitenden, die allenfalls mit Rückständen von DU-Munition in Kontakt kamen, wurde ein Test angeboten. Dieser ist aber nicht obligatorisch.
Das VBS wird heute Freitag (05.01.) an einer Medienkonferenz umfassend informieren.
Philippe Kropf