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Alte Universität
Baugeschichte
Das Kollegiengebäude am Rheinsprung war bis 1939 der Hauptsitz der 1460 mit päpstlichem Privileg gegründeten Basler Universität. Auf einer Terrasse des steilen Flussufers errichtet, nimmt das breit gelagerte und freistehende Gebäude im Basler Rheinpanorama seinen Platz zwischen den markanten Bauten des Weissen und Blauen Hauses und der Martinskirche ein. Die drei im Kern noch spätmittelalterlichen Baukörper des Kollegiums wurden 1860 durch eine gemeinsame Aufstockung zusammengefasst und erhielten dadurch eine Massenwirkung, die der Bedeutung als öffentlichem Bildungsbau Geltung verschafft.
Das lang gestreckte Grundstück zwischen dem Rheinsprung und der am Ufer stehenden Stadtmauer gehörte ursprünglich der Adelsfamilie Schaler, später dem Oberstzunftmeister Jakob Zibol, dem Gründer des Kartäuserklosters. Für die Einrichtung der Universität verkaufte die Witwe seines Sohnes den Besitz und die darauf stehenden Gebäude an den Basler Rat. Nach der feierlichen Eröffnung der Hochschule am 4. April 1460 nahmen die vier Fakultäten der Theologen, der Juristen, der Mediziner und der «Artisten» (Philosophische Fakultät) ihre Vorlesungen in den zuvor umgebauten Häusern auf. Nach der 1529 in Basel eingeführten Reformation wurde die Universität 1532 neu geordnet wiedereröffnet. Das auf der Stadtansicht MERIANS von 1617 erkennbare, dem Hauptgebäude vorgelagerte und beidseits polygonal abgeschlossene Gebäude auf der zinnenbewehrten Rheinmauer wurde 1559 für die Universitätsbibliothek neu eingerichtet und im darauf folgenden Jahr durch einen Zyklus von Wappenscheiben dekoriert. Abgesehen von der Bibliothek beherbergte es im 16. Jahrhundert den Hörsaal der «Weltweysen» (Philosophen), der 1573 in eine Aula für Doktorprüfungen (das «Brabeuterium») umgestaltet wurde. Der 1589 neu geschaffene Lehrstuhl für Anatomie und Botanik erhielt im Erdgeschoss des nördlichen Flügels ein «theatrum anatomicum», in dem die universitätsöffentlichen Leichensektionen stattfinden konnten. Ein botanischer Garten («hortus medicus») wurde auf einer Terrasse am südlichen Grundstücksende angelegt und bestand hier, bis er 1692 in den Garten des Predigerklosters verlegt wurde.
Nachdem Bauschäden durch Hochwasser aufgetreten waren, zog die Bibliothek 1671 in das Haus zur Mücke (Schlüsselberg 14). 1710 musste das alte Gebäude beim Kollegium abgebrochen werden. Neuen Aufschwung erfuhr die Universität im 2.Viertel des 19. Jahrhunderts. Carl Gustav Jung gründete 1824 die Anatomische Sammlung, die rasch anwuchs und zunehmend Platz im Unteren Kollegium beanspruchte. Gleichzeitig vergrösserte sich auch die Studentenzahl, so dass die Hörsäle überbelegt waren. 1853 schliesslich wurde das Halbgeschoss über dem Mittelbau ausgebaut, ohne die Firsthöhe des Daches zu verändern. Das neue Stockwerk erhielt nach Plänen des Bauinspektors AMADEUS MERIAN grosse dreiteilige Fenster und eine Pilastergliederung, die Fenster der unteren Geschosse wurden vereinheitlicht. Pläne des Architekten JOHANN JAKOB STEHLIN D. J. sahen eine gemeinsame Aufstockung aller drei Gebäudeteile unter einem flachen Satteldach vor und integrierten die Umgestaltung des Mittelteils durch MERIAN aus dem Jahr 1853. Bis zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im September 1860 war der Umbau vollendet.
Verfasser: Martin Möhle
Eckdaten
|Adresse||Rheinsprung 7, heute 9-11|
|Platter Nr.||2256|
|Platter 1610||Das under Collegium.|
|Quartier 1862||VI|
|Hausnr. bis 1862||1508|
|Adressbuch 1862||Universitätsgebäud. u. Anatomie.|
|Baudatum|
|Bauherrschaft|
|Baumeister|
Weitere Informationen
|Literatur||Martin Möhle, Alte Universität Basel (Schweizerische Kunstführer GSK. Serie 80, Nr. 795). Bern 2006.|
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