Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03596.jsonl.gz/752

– 19.06.2019 –
Am 19. August 2019 jährt sich zum hundertsten Mal der historische Tag, an dem Oberleutnant Robert Ackermann mit Major Arnold Isler (später erster Direktor des Eidgenössischen Luftamtes) als Passagier unterhalb des Jungfraujochs auf dem Jungfraufirn die erste Hochgebirgslandung durchführte. Diesen wertvollen Hinweis verdanken wir einer Tochter des Piloten, Frau Loni-Madeleine Ackermann, mit der ich am 13.5.19 ein Interview führen durfte, das in Rüttihubelbad im Emmental stattfand.
Es war ein faszinierendes Eintauchen in die damalige Welt des Fliegens, die Frau Ackermann mit fotografischem Gedächtnis und empathischer Erzählergabe gesegnet, auf sehr lebendige Art zu vermitteln vermochte. Dabei nahmen auch die menschlichen Seiten der damaligen Flugpioniere wesentlichen Stellenwert ein. Neben ihrem Vater Robert, war auch dessen Bruder Walter ein begnadeter Pilot und ausserdem ein sehr bekannter Schriftsteller zu jener Zeit. Walter erlernte von seinem Bruder Robert das Fliegen, wurde später Militärpilot und anschliessend Verkehrsflieger bei Ad Astra und Swissair. Seine bekanntesten Bücher sind „Bordbuch eines Verkehrsfliegers“, „Fliegt mit!“ und „Flug mit Elisabeth“, das stark autobiografisch geprägt ist. Leider verunglückte er 1939 im Alter von nur 36 Jahren tödlich mit der defektanfälligen Junkers Ju 86 der Swissair, wegen Motor-Ausfalls, bei Konstanz.
Der Vater Robert seinerseits, wollte unbedingt beim berühmten Oskar Bider das Fliegen erlernen. Da ihn seine Truppe, die Gebirgsdragoner aber nicht ziehen liessen, verpasste er den Lehrgang bei Bider um sechs Wochen. Da beschloss er kurzerhand, das Fliegen selbst zu erlernen, was ihm auch gelang. Anschliessend wurde er doch noch in den Kurs von Bider aufgenommen.
Das zur Gletscherlandung verwendete Flugzeug war ein zweisitziger Doppeldecker Haefeli DH-3, eine Schweizer Konstruktion, ausgerüstet mit einem 150 PS starken Motor der Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur. Die Schweizer Flugwaffe besass davon 3 Exemplare, die auch mit Skiern ausgerüstet werden konnten. Für die Gletscherlandung waren diese aber nicht montiert, es wurde das normale Fahrwerk verwendet. Zur Vorbereitung der Landung fuhren 20 Mann mit der 1912 erbauten Bahn auf das 3466m hoch gelegene Jungfraujoch und bereiteten auf dem Jungfraufirn mit ihren Skiern ein 200m langes und 15m breites Landefeld vor. Das Ende wurde mit Flaggen markiert, unmittelbar dahinter befand sich eine wenig einladende, tiefe Gletscherspalte.
Der Start erfolgte in Thun und der Flug nahm zunächst einen planmässigen Verlauf. Der eher schwachbrüstige Motor verlor in der grossen Höhe allerdings zunehmend an Leistung. Zudem waren die lokalen Windverhältnisse ungünstig, es musste mit Rückenwind gelandet werden. Oberleutnant Ackermann meisterte die Situation aber mit Bravour, kurz vor der Gletscherspalte kam die Maschine zum Stehen und stellte sich im weichen Schnee wegen einsinkenden Rädern auf den Kopf, „capotierte“, wie man dies nannte. Dabei ging der Holzpropeller zu Bruch, Maschine und Mensch blieben aber ansonsten glücklicherweise unversehrt.
Ackermann liess das Kühlwasser ab und füllte das Motorenöl in einen Beutel, den er, um es warm zu halten, auf seinem Körper trug. Nach einem Marsch zur Bergstation der Jungfraubahn, wurde dort übernachtet und am nächsten Morgen das Eintreffen des Ersatzpropellers abgewartet.
Mit warmem Wasser beladen und dem angewärmten Oel körpernah angebracht – und natürlich dem neuen Propeller -, stieg die Mannschaft zum Flugzeug ab.
Nach dem Einfüllen der Flüssigkeiten und Montage des Ersatzpropellers, erfolgte der Start vom Jungfraufirn, nur langsam gewann die Maschine kreisend an Höhe. Der Rückflug ging über Thun und danach weiter nach Dübendorf. Es war der bahnbrechende Beginn der späteren Gletscherfliegerei.
Text: Theo Huber / Fotos: Frau Loni-Madeleine Ackermann