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Ausschlusskriterien für nachhaltige Fonds sollten sauber hergeleitet werden
Ausschlusskriterien sind meist sehr eindeutig und einfach vergleichbar; sie tragen deshalb stark zur Charakterisierung der jeweiligen Anlageprodukte bei. Dies, obwohl sie, bei Fonds was das Anlageuniversum betrifft, meist weniger relevant sind, als die Positivkriterien der Bereiche Umwelt, Soziales und Governance (ESG).
Minimalkriterien sind Standard
Ausschlusskriterien sind die «No-Go»-Bereiche für nachhaltige Anlageprodukte und älteste Umsetzungsform des Investierens in Nachhaltigkeit. Nebst religiös orientierten Ausschlüssen kamen in den Sechzigerjahren Unternehmensaktivitäten im Zusammenhang mit Apartheid und Vietnamkrieg dazu. Diese Arten von Ausschlusskriterien werden als wertebasiert bezeichnet. Das Ziel ist es, eigene Wertvorstellungen im Portfolio umzusetzen und damit auch eine mögliche Signalwirkung durch Devestition zu erzielen. Eine ähnliche Denkweise steht hinter normbasierten Kriterien, die Unternehmen ausschliessen, welche internationale Vereinbarungen wie den Global Compact verletzen. Stärker hinsichtlich Risiko/Rendite-Orientierung, wird beim Ausschluss von besonders umwelt- und sozialbelastenden Produkten, Dienstleistungen sowie Geschäftsgebaren argumentiert.
Gemäss der Branchenorganisation Swiss Sustainable Finance berücksichtigten im Jahre 2018 verwaltete Vermögen von über CHF 379 Mrd. definierte Ausschlusskriterien. Das entspricht etwas mehr als der Hälfte der insgesamt nachhaltig angelegten Vermögen in der Schweiz. Das häufigste Ausschlusskriterium ist die Herstellung von Waffen, gefolgt von Menschenrechtsverletzungen und schlechten Arbeitsbedingungen.
Quelle: Swiss Sustainable Finance
Kaum systematische Ansätze
Wie werden Ausschlusskriterien aber festgelegt? Oft fehlt eine stringente Methodik, und es wird unscharf bezüglich der Trennung von klaren Negativ- und eigentlichen Positivkriterien verfahren. Letztere dienen im Rahmen eines Best-in-Class-Ansatzes (parallel zu Ausschlusskriterien) der Bewertung der jeweiligen Leistung im Umgang mit einem Nachhaltigkeitsthema. Dazu gehört der Umgang mit Menschenrechten, zum Beispiel bei der Rohstoffbeschaffung in der Nahrungsmittelindustrie, wie Kinderarbeit in Kakaoplantagen. Menschenrechtsverletzungen als ein Ausschlusskriterium zu zeigen, ist somit redundant. Bei diesem Thema ist es zudem sehr schwierig eine Zero-Tolerance umsetzen zu können; Unternehmen, deren Lieferketten bis in Schwellen- und Entwicklungsländer reichen, können solche Verletzungen nie gänzlich ausschliessen. Fazit: Bei einigen besonders langen Auflistungen von Ausschlusskriterien standen also sicher auch Marketinggedanken im Raum.
Risiko muss Kriterium sein
Der Fokus sollte bei Ausschlusskriterien aus genannten Gründen auf der jeweiligen Relevanz der Umwelt- und Sozialrisiken liegen. Es sollte analysiert werden, wie hoch die Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe sind. Kombiniert mit einem Szenario für die Übernahme der Folgekosten durch die Verursacher – sprich der Internalisierung der externen Kosten – ergibt sich eine echte risikobasierte Herleitung. «Bestes» Beispiel dafür sind fossile Energieträger vor dem Hintergrund einer zunehmenden CO2-Bepreisung. Stark betroffene Industrien, die noch keine entsprechenden alternativen Geschäftsmodelle umsetzen, unterliegen einem entsprechend hohen Risiko.
Transparenz schafft Zufriedenheit
Durch die Vielfalt an Investmentansätzen wird es für Privatanleger im Bereich Nachhaltigkeit schwieriger zu vergleichen. Ausschlusskriterien sind wichtige Produktcharakteristika und verdienen eine saubere, risikobasierte Herleitung sowie Erklärung. Zusammen mit einer guten Beratung, verstärkt dies das Vertrauen in die Vorteile von nachhaltigen Anlagen.
Alle Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.