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Jonathan McQuarry (Ewan McGregor) nimmt schon lange nicht mehr am sozialen Leben teil. Sein Beruf ist es, die Zahlen und Nummern von grossen Firmen zu überprüfen, und er wechselt dadurch so oft den Arbeitsplatz, dass er sich am betreffenden Ort kaum einleben kann und nur als temporäres Übel hingenommen wird. Deshalb ist er auch sehr einsam und isoliert. Bis zu dem Moment jedenfalls, als er bei einer der Firmen auf den charismatischen Wyatt Bose (Hugh Jackman) trifft. Dieser nimmt Johnathan unter seine Fittiche und zeigt ihm unter anderem mit Kiffen im Konferenzraum, Tennisspielen und Stripclubs die Freuden des Lebens.
Wirklich wild wird es jedoch, als die beiden versehendlich die Handys vertauschen und Jonathan mit einer geheimnisvollen Liste in Kontakt kommt. Diese Liste aus vielen Kontakten, die im Adressbuch des Handys abgespeichert sind, ist nämlich ein exklusiver Sex-Club für erfolgreiche Topmanager beiderlei Geschlechts, die unkomplizierten und anonymen Sex wollen. Während Jonathan aufblüht und immer selbstsicherer wird, verliebt er sich auch in die geheimnisvolle S (Michelle Williams), eine bildhübsche Blondine, die er über die Liste getroffen hat. Doch als Jonathan beim zweiten Date mit S brutal niedergeschlagen wird, zeigt Wyatt Bose sein wahres Gesicht, und Jonathan gerät in einen Strudel aus Erpressung, Misstrauen und Verrat...
Die Titelwahl ist bekanntlich eine Kunst, doch als Marcel Langenegger sich entschloss, seinen Film "Deception" - also Irreführung - zu nennen, zeugte dies nicht gerade von Kreativität, da es in jedem Thriller um Irreführung oder Schwindel geht. Selbst wenn das im grossen Kontext sicher zutrifft, bleibt das Motto "Guter Ansatz, mässiges Resultat" eines der grundlegenden Probleme seines Debutfilms.
Vom Cast her muss sich Deception keineswegs verstecken. Er bietet Ewan McGregor - der in den letzten Jahren verzeifelt versuchte, sich von seinem Obi-Wan-Trauma zu distanzieren - und den vielbeschäftigten X-Men-Star und -Produzenten Hugh Jackman. Beide zeigen sehr gute Leistungen und geben dem Thriller einen guten Anker und auch zwei starke Persönlichkeiten, die sich gegeneinander ausspielen. Der zweite sehr gute Ansatz ist der sogenannte Sex-Club, der die eigentliche Ausgangslage für den Thriller sowie auch den Grund zu Jonathans Entwicklung bietet. In einer Millionenstadt, bei der die erfolgreichen Geschäftsleute an der Spitze vor lauter Arbeit vereinsamen, ist es ein durchaus realistisches und nachvollziehbares Szenario und auch eine gute Basis für Blackmail und Terror.
Leider sind die bisher genannten Punkte auch die wenigen, welche Langenegger einigermassen gelungen sind, denn ganz nach dem Motto "Guter Ansatz, mässiges Resultat" hat er kaum etwas aus der Ausgangslage gemacht. Anstatt Jonathan von der biederen Zahlenwelt nach einigen Sex-Treffen wirklich durch die Hölle zu jagen, hat Langenegger daraus lediglich einen sehr langfädigen und überraschungslosen Pseudothriller geschaffen. Sehr platte und schablonenartige Charaktere, endlose Slow-Motion-Soft-Porn-Zusammenschnitte und eine geheimnisvolle Blonde führen schliesslich mit riesigen Plotlöchern und starker Überlänge zu viel Langeweile, bei der man jeden Handlungsschritt voraussehen kann. Die finale Auflösung wird dabei kaum jemanden überraschen, geschweige denn begeistern.
Fazit: Trotz sehr guter Kameraführung, schönen Bildern und zwei talentierten Hauptdarstellern werden hier weder ein spannender Film noch überraschende Handlungswendungen geboten. Riesige Plotlöcher gruppieren sich mit einer viel zu langsamen Erzählweise zu einem Konstrukt, das knapp noch solide Unterhaltung bietet. Für jemanden, der schon mehr als einen Thriller gesehen hat, wird dies kaum eine Offenbarung werden. Deshalb lieber bei Basic Instinct bleiben.
Die DVD präsentiert den Film in einer soliden Low-Budget-Qualität, welche zwar ordentlichen Sound, aber unscharfes Bild liefert. Das Bonusmaterial enthält zum einen wirklich überflüssige entfallene Szenen, ein absolut fades, alternatives Ende und zwei Featurettes. Diese behandeln zum einen das Konzept des Sex-Clubs sowie ein Making-of. Beides ist durchaus interessant und geht mit guten Interviews auch in die Tiefe.