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Er wird am 24. April 1697 in Augsburg geboren, besucht das dortige Jesuitengymnasium und legt 1717 die Profess in der Abtei Roggenburg ab. Dann studiert er in Dillingen, feiert 1722 Primiz und ist anschliessend Lehrer an der Klosterschule Roggenburg. In Nachfolge von Dominikus Schwaninger wird Caspar Geisler am 22. März 1735 zum Abt gewählt. Anwesend an der Wahl sind auch die Äbte von Ursberg und Rot an der Rot. Der letztere, Generalvikar Hermann Vogler, bekannt als persönlicher Feind des verstorbenen Abtes, protegiert den jungen Abt, der offensichtlich für beide zerstrittenen Fraktionen im Konvent tragbar ist und auch eine schnelle Beruhigung ins Kloster bringt. Er ist Literat und beherrscht die französische Sprache derart, dass er auch Übersetzungen französischer Werke anfertigt. Dies, seine zuvorkommende Art und die Protektion Voglers führen dazu, dass er 1738 vom Generalkapitel in Prémontré zum Generalvikar der schwäbischen Zirkarie und damit zum Nachfolger Hermann Voglers gewählt wird. Durch eine persönliche Freundschaft mit den Hause Fugger in Weissenhorn kann Abt Capar auch alte Spannungen der benachbarten Herrschaft mit dem Kloster abbauen. 1746 wird er im Reichsprälatenkollegium zum Kondirektor gewählt. Er ist wie sein Vorgänger kein geborener Bauprälat und widmet sich anfänglich eher dem Strassenbau und der Landvermessung. Roggenburg ist schuldenfrei, als Abt Caspar 1751 mit dem schon 72-jährigen Simpert Kramer den Kloster- und Kirchenneubau wieder aufnimmt. 1752 ist Grundsteinlegung der neuen Klosterkirche östlich der romanischen Basilika. Dazu lädt der Abt, der die Künstler offensichtlich schon früh bestimmt hat, auch den Altarbauer Johann Georg Bergmüller aus Türkheim und den Maler Franz Martin Kuen aus Weissenhorn ein.[1] Aber schon ein Jahr später, der Chorbereich der neuen Kirche ist schon bis auf Gesimshöhe gediehen und der Chor der alten Kirche befindet sich im Abbruch, stirbt Abt Caspar Geisler nach einer kurzen Krankheit am 23. Juni 1753 im Alter von 56 Jahren. Zwar kann er noch nicht in der neuen Kirche bestattet werden, aber sein Epitaph findet später im südlichen Querarm der neuen Kirche Aufstellung.
In der Äbtegalerie des Klosters ist sein Bild in einem Ovalrahmen zu finden. Im weissen Ordensgewand steht der Abt zwischen Ablegeflächen mit Plänen und Landvermesser-Werkzeugen, hinter ihm ist die Nordansicht des erst im Chorbereich vollendeten Kirchenbaus zu sehen.
Sein Wappen ist fast identisch mit dem seines Vorgängers, nur dass er anstelle der drei silbernen Schwäne drei goldene Sterne führt.
Pius Bieri 2012
Literatur:
Tuscher, Franz: Das Reichsstift Roggenburg im 18. Jahrhundert. Weissenhorn 1991.
Anmerkungen:
[1] Der Maler Franz Martin Kuen (1719−1771) hat im Kloster einen älteren Bruder. Dieser, P. Hermann Kuen (1710−1776), ist sicher treibende Kraft bei der Berufung seines Bruders.
|Abt OPraem Caspar Geisler (1697–1753) in Roggenburg|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|24. April 1697||Augsburg Bayern D||Reichsstadt Augsburg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Praemonstratenser-Reichsabtei Roggenburg||1735–1753|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|23. Juni 1753||Roggenburg Neu-Ulm Bayern D||Reichsabtei Roggenburg|
|Kurzbiografie|

Abt Caspar Geisler von Roggenburg ist eine vermittelnde und diplomatisch klug agierende, allseits geschätzte Persönlichkeit. Mit dem Haus Fugger verbindet ihn eine Freundschaft, die auch zur Lösung territorialer Probleme beiträgt. Er ist Literat und übersetzt französische Werke, und wird nicht zuletzt deswegen schon drei Jahre nach seiner Wahl in Prémontré als Generalvikar der schwäbischen Zirkarie gewählt. Obwohl Roggenburg schuldenfrei ist, beginnt Abt Caspar erst im 15. Jahr seiner Regierung mit der Weiterführung des Klosterneubaus, allerdings jetzt mit einer neuen Stiftskirche. Früh bestimmt der Abt nicht nur den Baumeister, sondern auch die Künstler. Aber unerwartet früh stirbt er drei Jahre nach Baubeginn und ein Jahr nach der Grundsteinlegung für die Kirche.
|PDF (nur Text)||Zum Wappen||Bildlegende|
|Der Ausschnitt aus dem Porträt von Abt Caspar Geisler zeigt die Vogelperspektive eines Pfarrhofes, offensichtlich unter seiner Regierung erbaut.

Der darunterliegende Wappenschild ist geteilt, unten das persönliche Wappen des Abtes und oben das Klosterwappen.
Das persönliche Wappen von Abt Caspar zeigt einen eingebogenen goldenen Sparren, geteilt von Blau und Rot, in den Oberecken und unten mit je einem silbernen Stern belegt.
Das Klosterwappen ist gespalten. Es zeigt rechts in Silber einen linksgewendeten aufrechten schwarzen Biber und links ein Geviert von Silber und Schwarz.
Im Herzschild sind drei Roggenähren über einem Dreiberg zu sehen. Dieses sprechende Wappen ist eine späte Zutat ins Klosterwappen und wird im 19. Jahrhundert zum eigentlichen Klosterwappen, obwohl der Name Roggenburg mit der gleichnamigen Getreideart keinen Zusammenhang hat, sondern sich vom Personennamen «Roho» ableitet.
Bekrönt ist der Schild mit Mitra und Krummstab zu Seiten der Muttergottes. Das Schwert fehlt. Zwar hat die Reichsabtei Sitz und Stimme am Reichstag. Die Hochgerichtsbarkeit wird aber von der österreichischen Nachbarschaft, der Markgrafschaft Burgau, bestritten. Abt Dominikus Schwaninger erreicht 1719 zwar eine Schutzgeldbefreiung. Das Schwert im Wappen wird aber erst Abt Georg IV. Lienhard führen.