Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/874

Wer in der Erde wühlt, wird dreckig. Manchmal werden dabei aber auch wertvolle Rohstoffe gefunden. Von der Sucht nach einem dieser Rohstoffe erzählt das Drama «There Will Be Blood» von Paul Thomas Anderson («Boogie Nights», «Magnolia»). Die Inspiration für seinen Film fand der Regisseur und Drehbuchautor im Roman «Oil!» von Upton Sinclair, der 1927 detailliert die dreckige und manipulative Arbeit eines Erdölprospektors im Kalifornien der frühen Jahre des 20. Jahrhunderts geschildert hat.
In «There Will Be Blood» heisst dieser Unternehmer Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis). Seine Karriere beginnt 1898 in einer jämmerlichen Silbermine, in der er beinahe sein Leben verliert. Wenige Jahre später hat er bereits einige Arbeiter um sich gescharrt und bohrt nach Erdöl. Bei einem Unfall kommt ein Mann ums Leben, der zuvor sein Baby mit der schmierigen Flüssigkeit getauft hat. In der Folge zieht Plainview den Jungen H.W. auf und setzt das süsse Knabengesicht gekonnt zu seinem Vorteil ein.
Als Plainview 1911 im ausgedörrten Dörfchen Little Boston auftaucht, wo enorme Rohölvorkommen vermutet werden, ist er ein angesehener und erfolgreicher Unternehmer im Ölgeschäft. Die Suche nach weiteren Ölquellen treibt ihn aber ständig weiter. Plainview kommt mit dem Versprechen von Fortschritt in die kleine Gemeinde, in der Wasser ein fast noch begehrterer Rohstoff ist als Erdöl. Doch die erste und einzige Frage der Bürger betrifft eine ganz andere Substanz: «Will the new road lead to the church?» Gestellt wird sie vom eifrigen Laienprediger Eli Sunday (Paul Dano), in dem Plainview einen erbitterten Widersacher findet.
Plainview hat aussichtsreiches Land von Elis Vater gekauft und lässt bald den ersten Bohrturm errichten. Im Gegenzug für die Finanzierung einer neuen Kirche verspricht der grossen Einfluss auf die Gemeinde ausübende Eli die volle Unterstützung für die Bohrung. Doch Plainview versucht den Einfluss der Religion auf sein Geschäft so gering wie möglich zu halten. Setzt der erfolgsverwöhnte Plainview für die Ausbeutung der Erde sein Seelenheil aufs Spiel? Oder ist er dem ebenso machthungrigen Geistlichen etwa doch überlegen? Erst 1927 wird es zur letzten Konfrontation dieser willensstarken Persönlichkeiten kommen.
Paul Thomas Anderson greift in «There Will Be Blood» uramerikanische Themen auf: die Sucht nach dem schwarzen Gold und der Einfluss der Religion. Mit seinem Kameramann Robert Elswit («Michael Clayton») hat er für dieses Thema die passende Bildsprache gefunden, die immer wieder in finstere Löcher und die Dunkelheit der Nacht abtaucht oder dann aber im grellen Tageslicht vor der ausgedörrten Kulisse beinahe auszubleichen droht. Durch diese in vieler Hinsicht dunkle und dreckige Umsetzung hat sich Anderson stark von den eleganten und fliessenden Inszenierungen von «Boogie Nights» oder «Magnolia» entfernt.
«There Will Be Blood» ist zwar episch erzählt, aber eben nur stellenweise so opulent wie die vorherigen Filme von Anderson. In vieler Hinsicht ist das Drama näher an der intimen Tragikomödie «Punch-Drunk Love» als an den ausschweifenden Dramen «Boogie Nights» und «Magnolia». Obschon die Kargheit der Landschaft auch häufig in die Inszenierung durchdringt, wird die Handlung trotzdem fast schon schwelgerisch vorangetrieben. «There Will Be Blood» lebt auf allen Ebenen von solchen Gegensätzen und Widersprüchen.
Die Kontraste zwischen den beiden Hauptfiguren könnten beinahe nicht grösser sein. Auf der einen Seite dominiert die einschüchternde und von impulsiver Besessenheit getriebene Gestalt von Daniel Day-Lewis. Mit seiner sonoren Stimme lässt der unübertreffliche Schauspieler die Wörter genüsslich auf der Zunge zergehen.Für seine überwältigende Darbietung ist er neben unzähligen anderen Preisen auch mit einem Oscar ausgezeichnet worden. Auf der anderen Seite lauert der knabenhafte Paul Dano («Little Miss Sunshine»), der den Prediger mit einer krächzenden, fast weinerlichen Stimme spielt. Neben dem überragenden Day-Lewis droht Dano beinahe zu verschwinden, und trotzdem trägt er unverzichtbar zur verlockenden Wirkung des kantigen Films bei.
«There Will Be Blood» bietet sich als Leinwand für alle möglichen Lesarten an. Eine Interpretation, die sich aufdrängt, ist als eine allegorische Schilderung der unheilvollen Vermischung von Religion und Ölhunger, die über die letzten 100 Jahre tatsächlich schon barrelweise Blut gefordert hat. Doch so wie die Hauptfigur von sich selbst feststellt «I don’t want to explain myself,» soll auch der Film nicht erklärt werden. Das Drama muss erlebt und gefühlt werden.
Zuletzt ist auch noch die auffallende Musik von Jonny Greenwood von der Band Radiohead hervorzuheben. Seine Kompositionen setzen sich widerborstig mit der Handlung auseinander, setzen Gegenpunkte und loten eine weitere Dimension aus. Zwischendurch ertönen auch orchestrale Stücke, immer wieder fallen jedoch vor allem atonale und disharmonische Klänge auf. Die Musik hebt sich dadurch teilweise richtiggehend vom Film ab, entwickelt beinahe ein Eigenleben und kommentiert die Handlung selbstständig.
Die Bildqualität der Blu-ray-Disc von diesem monumentalen Meisterwerk ist grundsätzlich ausgezeichnet. Allerdings sind manche Szenen leicht unscharf. Das liegt aber vermutlich eher am Ausgangsmaterial als am Transfer. Der ebenfalls mit einem Oscar ausgezeichnete Kameramann Robert Elswit hat auch sonst mit zahlreichen Mitteln experimentiert. Die Tonqualität ist tadellos.
Bonusmaterial ist nicht gerade übermässig viel, dafür in überzeugender Qualität enthalten. Da ist zuerst einmal eine 15-minütige Zusammenstellung von Bildern und Videos aus der Zeit, in der die Handlung spielt. Dann sind drei entfallene Szenen in HD vorhanden, darunter auch die schon im Internet aufgetauchte Szene, in der H.W. seinem Vater die Haare schneidet. Ein 3-minütiger Ausschnitt in HD zeigt ungeschnitten, wie Day-Lewis eine Szene spielt. Zudem ist der 25-minütige, in den Jahren 1923 bis 1927 entstandene Informationsfilm «The Story of Petroleum» enthalten, in dem die verschiedenen Stationen in der Verarbeitung von Rohöl erklärt werden.
Film:
Bildqualität (Blu-ray):
Tonqualität (Blu-ray):
Bonusmaterial (Blu-ray):
Schreib einen Kommentar
You must be logged in to post a comment.