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Der Aufbau der ersten Pneus für Autos war etwa gleich wie der der Militärvelos alter Ordonnanz: der Mantel, ein drahtloser "Wulstpneu", dazu ein separater Schlauch. Der Mantel aus Baumwollgewebe war mit einer relativ dünnen Gummischutzschicht überzogen. Auch die Lauffläche Protektor genannt war aus heutiger Sicht erstaunlich dünn. Um die Jahrhundertwende erlebte der Autopneu seinen Durchbruch. Damals waren nur die allerwichtigsten Innerortsstrassen grosser Ortschaften mit einem Hartbelag versehen. Alle übrigen Strassen waren Naturstrassen.
Das gewöhnliche Volk ging, auch über weite Strecken, zu Fuss. Um die teuren Ledersohlen der Schuhe zu schonen, wurden diese mit grossköpfigen Nägeln "beschlagen". Speziell bei andauernder Trockenheit fielen diese aus dem Sohlenleder in den Strassenstaub und durchstachen die Pneus gleich reihenweise. Scherben von verloren gegangenen Ladungen, spitze Steine und dgl. zerschnitten die Mäntel. Da die ganzen Räder zu Beginn mit dem Auto fest verschraubt waren, musste der Automobilist an Ort und Stelle die Schlauch-, respektive Pneureparatur, inkl. des Pumpens von Hand, selber vornehmen! Weil die Räder grosse Durchmesser aufwiesen und damit entsprechend schwer waren, wurde in den 1910er-Jahren die Reservefelge entwickelt.
Die Einführung des Blech-Scheibenrades in den 20er-Jahren brachte gleichzeitig das Reserverad, so wie wir es heute kennen. Logischerweise regte die mangelhafte Betriebssicherheit des Pneus die Fantasie zahlreicher Erfinder an. Zur Auflockerung drei Muster solcher Geistesblitze: Alle hatten zum Ziel, die Zuverlässigkeit und recht gute Adhäsion des Vollgummireifens zu nutzen. Zur Reduktion der ungefederten Masse bauten sie ein zusätzliches Federelement zwischen Reifen und Achse ein. Noch zahlreicher waren die Ideen zum Schutz der kostbaren Gummireifen und zur Verbesserung der Adhäsion.
In den folgenden Jahrzehnten bedurfte es eines Heeres von Wissenschaftlern verschiedenster Sparten, um dem Pneu die Zuverlässigkeit und die Griffigkeit zu geben, die wir heute als selbstverständlich betrachten. Ein Geheimtipp für Auto- und Motorradfreaks ist das Musée Henri Malartre, in F-69270 Rochetaillée, ca. 10 km nördlich von Lyon an der Saône gelegen. Hier wurden auch die meisten Fotos dieses Berichtes geschossen.