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Krankheiten: Gelbfieber

|Klassifikation nach ICD-10|
|A95||Gelbfieber|
|ICD-10 online (WHO-Version 2006)|
Das Gelbfieber, auch Ochropyra oder Schwarzes Erbrechen genannt, ist eine Infektion mit dem Gelbfieber-Virus, die in tropischen und subtropischen Gebieten in Südamerika und Afrika, aber nicht in Asien vorkommt.
Gelbfieber wird durch das Gelbfieber-Virus verursacht. Dieses Virus ist ein 40 bis 50 nm grosses, behülltes RNA-Virus aus der Familie der Flaviviren. Da das Virus auch Affen befällt, von denen es wieder durch Vektoren auf den Menschen übertragen werden kann, ist es nur sehr schwer auszurotten.
Das Gelbfieber-Virus wird durch den Stich der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti oder Haemagogus) übertragen.
Die offiziellen Zahlen belaufen sich auf ca. 200.000 Erkrankungen und ca. 30.000 Todesfälle pro Jahr weltweit [1] (90 % in Afrika).
Die Infektion äussert sich zunächst in einer Fieberkrankheit mit Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost und Übelkeit. Die Krankheit kann dann vollständig ausheilen. In etwa 15 % der Fälle folgt aber anschliessend eine zweite Krankheitsphase (Quelle: Robert Koch-Institut), diesmal begleitet von einer Gelbsucht infolge der Leberschädigung. Diese kann zunächst sehr gering ausgeprägt sein und nur durch ein besonderes Hautphänomen, die sogenannte Spanische Flagge wahrgenommen werden. Durch Blutungen im Magen-Darm-Trakt kann es zum Erbrechen von zersetztem, schwarzen Blut kommen. Daher wird die Krankheit in Lateinamerika auch häufig als "Vomito negro" (Schwarzes Erbrechen) bezeichnet. Eine deutliche Gelbfärbung der Haut verbunden mit einer starken Blutungsneigung an allen Schleimhäuten zeigt ein toxisches Leberversagen an. Dieses endet in etwa 50 % der Fälle tödlich. Insgesamt sterben etwa 10-20 % der an Gelbfieber Erkrankten. Wird die Infektion überstanden, besteht lebenslange Immunität.
Bei Reisen in betroffene Gebiete wird dringend eine Impfung empfohlen. Der Impfschutz setzt nach 10 Tagen ein und hält mindestens 10 Jahre an (man schätzt 3040 Jahre). Der Impfstoff (Stamaril®) muss nur einmal injiziert werden (0,5 ml subcutan oder intramuskulär) und führt recht häufig (1/5 aller Geimpften) zu grippeähnlichen Symptomen zwischen dem 5. und 8. Tag nach der Impfung. Deshalb kann er nur bedingt als gut verträglich bezeichnet werden, doch diese Einschränkung ist ein im Grunde geringer Preis für einen Schutz vor Gelbfieber. Ein Grund für die begrenzte Verträglichkeit ist die Tatsache, dass es sich um einen schon länger nicht mehr weiterentwickelten Lebendimpfstoff handelt (Deutschland: Stamm 17D nach Max Theiler).
Nach einer Impfung wird das Virus nicht ausgeschieden oder an die Umgebung weitergegeben. In den vergangenen Jahren wurden aus den USA, Brasilien und Australien über wenige Fälle schwerer Krankheitsbilder, auch mit Todesfolge, bei einer solchen Immunisierung berichtet. Dabei scheint es sich überwiegend um Personen mit bestimmten Immundefekten gehandelt zu haben. Bezogen auf etwa 500 Mio. Geimpfte ist dieses Risiko jedoch minimal.
Der Impfstoff ist laut Hersteller nicht für Säuglinge unter 6 Monaten, laut WHO nicht unter 9 Monaten geeignet. An Schwangere sollte der Impfstoff nur nach strenger Risiko-Nutzen-Abwägung verabreicht werden. Bei Personen ab 60 Jahren ist wegen eines erhöhten Risikos schwerer Nebenwirkungen die Indikation für die Erstimpfung streng zu stellen. Kontraindiziert ist die Impfung bei immunsupprimierten Personen, so beispielsweise bei einer HIV-Infektion. Ausserdem darf der Lebendimpfstoff nicht an Allergiker gegen Hühnereiweiss verimpft werden. Zu vorheriger Gabe von Immunglobulinen (passive Impfung) muss bei Impfungen allgemein ein Abstand von mindestens 3 Monaten eingehalten werden. Andere Lebendimpfstoffe (Mumps, Masern, Röteln) sollten entweder gleichzeitig oder im Abstand von 4 Wochen verabreicht werden. Vier Wochen nach der Impfung sollte man kein Blut spenden, um das Impfvirus nicht an den Transfusionsempfänger weiterzugeben.
Die Gelbfieber-Impfung darf nur durch speziell weitergebildete Ärzte verabreicht werden (Gelbfieber-Impfstelle).
Einige Länder Asiens sind von Gelbfieber bedroht (Überträgermücke und infizierbare Affen nachgewiesen), ohne dass die Krankheit dort bislang vorkommt. Um zu vermeiden, dass das Virus eingeschleppt wird und sich auf Dauer festsetzen kann, verlangen diese und andere Länder von ausländischen Besuchern eine vorherige Impfung, wenn diese durch Gelbfiebergebiete gereist sind (auch Transit). Sie muss durch eine Impfbescheinigung nachgewiesen werden, die 10 Tage nach der Impfung gültig wird und 10 Jahre lang gilt. Eine Liste über alle Länder, die eine Gelbfieberimpfung verlangen, wird von der WHO veröffentlicht [2].
Kann die Impfung aus einem der oben beschriebenen Gründe nicht durchgeführt werden, ist eine Befreiung von der Impfpflicht möglich. Das in diesem Fall notwendige Impfbefreiungszeugnis (Exemption Certificate) wird durch eine von der WHO anerkannte Impfstelle ausgestellt.
Der kubanische Arzt und Wissenschaftler Carlos Juan Finlay entdeckte 1881 Stechmücken als Überträger des Gelbfiebers.
Während der Herrschaft Napoleons wurde versucht, in Haiti die Sklaverei wieder einzuführen. Dazu wurde eine Expeditionsarmee von mindestens 25.000 Mann nach Haiti geschickt. Dabei starben so viele Soldaten an Gelbfieber, dass die Franzosen 1803 abziehen mussten und Haiti 1804 als zweiter Staat in Amerika unabhängig wurde.
Eine weitere Episode in Zusammenhang mit Gelbfieber ist der Bau des Panamakanals. Der Bau wurde unter Führung des französischen Ingenieurs Ferdinand de Lesseps, der schon den Suezkanal erfolgreich gebaut hatte, zunächst abgebrochen und dann von amerikanischer Seite fortgesetzt. Dabei kamen besonders Arbeiter aus Afrika zum Einsatz, weil man annahm, diese seien bereits immun. Man schätzt, dass etwa auf jeden Meter Panamakanal ein toter Arbeiter kommt. De Lesseps musste den Bau daraufhin einstellen. Erst die USA konnten den Kanal fertig bauen. Um die Mückenlarven zu töten, wandten die USA die Erkenntnisse aus Kuba während des Spanisch-Amerikanischen Krieges (1898) an und leerten konsequent alle Wassergefässe. Ausserdem wurde in sämtliche stehenden Gewässer Petroleum gegossen, um das Wachstum der Larven zu verhindern. Gelbfieber war ursprünglich nur in Südamerika endemisch und breitete sich erst später auch in Afrika aus. Man weiss nicht, warum bis heute Gelbfieber nicht auch in Asien vorkommt (die übertragenden Mücken gibt es auch dort, abhängig von der Klimazone).
Der Gelbfieberimpfstoff wurde um 1937 von dem in Südafrika lebenden Mikrobiologen Max Theiler (18991972) am Rockefeller-Institut in Versuchen mit Affen und Mäusen entwickelt. Für diese Leistung erhielt er 1951 den Nobelpreis für Medizin.
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