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Michael Jordan führte in den Neunzigerjahren die Chicago Bulls zu nicht weniger als sechs NBA-Titeln. Dass der so sprunggewaltige wie geniale Basketballer aus Brooklyn die Liga aufmischen würde, zeigte sich schon früh in seiner Profi-Karriere.
Es war am 20. April 1986, als Michael Jordan im zweiten Spiel der Playoff-Achtelfinals auswärts gegen die Boston Celtics zu seiner denkwürdigen Gala ansetzte. Seine 63 Punkte von damals, erzielt gegen den nachmaligen NBA-Champion, sind in den Playoffs auch 34 Jahre später noch immer unerreicht. «His Airness» oder «Air Jordan», wie er aufgrund seiner spektakulären Dunks von der Freiwurflinie wahlweise genannt wurde, skorte nach Belieben.
Wer vom hochgelobten Celtics-Team ihn gerade zu verteidigen versuchte, war an diesem Abend egal. Der 23-jährige, in seiner zweiten NBA-Saison stehende Jordan dunkte, zog unwiderstehlich zum Korb, versenkte Sprungwürfe aus mittlerer Distanz und traf auch von hinter der Dreipunktelinie. Immer wieder sah sich Jordan von überforderten Gegenspielern gefoult. 19 von 21 Freiwürfe verwandelte er. Deren zwei auch ganz zum Schluss der regulären Spielzeit, als er für die Bulls zum 116:116 ausglich. Die Verlängerung musste über den Sieg entscheiden.
Sein Mitspieler John Paxson wollte bei Jordans herausragender Performance am liebsten «stehen bleiben und einfach zuschauen». Einige Jahre später sollte Paxson sagen, dass «Magic Johnson der beste Spieler auf dem Parkett, Michael Jordan hingegen der beste Spieler in der Luft» sei.
Im April 1986 kam höchstes Lob auch vom Gegner. Die Celtics gelten als eines der stärksten Teams der NBA-Geschichte, gespickt mit einem halben Dutzend Spielern, die später Aufnahme in die Hall of Fame fanden. Der grösste Star war sicherlich Larry Bird – und seine Würdigung von Jordan sollte in die Geschichte eingehen: «Er ist der aufregendste, fantastischste Spieler dieses Sports. Das war Gott verkleidet als Michael Jordan.»
Jedoch «Gott» auf ihrer Seite zu haben, sollte den Bulls damals im Boston Garden, der legendären Heimstätte des NBA-Rekordmeisters, nicht ausreichen. 135:131 nach zweiter Verlängerung lautete das Ergebnis am Ende zu Gunsten der topgesetzten Gastgeber. Diese gingen in der Best-of-3-Serie vorentscheidend mit 2:0 Siegen in Führung und marschierten in der Folge zu ihrem 16. Titelgewinn durch. Für Jordan, der schon im ebenfalls verlorenen Spiel 1 gegen Boston 49 Punkte erzielt hatte, war die Niederlage nur schwer zu verschmerzen. «Die Punkte sind mir egal. Ich würde alle meine Punkte zurückgeben, wenn wir nur gewinnen könnten», sagte der 1,98 m grosse Ausnahmekönner.
Was er 1986 noch nicht wissen konnte: Titel, Rekorde und Ehrungen, das sollte Jordan in seiner Karriere noch ausgiebig auskosten können. Von 1991 bis 1993 und 1996 bis 1998 gewann der charismatische Leader zusammen mit seinem wichtigsten Mitspieler Scottie Pippen und immer auch unter Trainer Phil Jackson sechs der begehrten NBA-Meisterringe. Zehnmal war Michael Jordan Liga-Topskorer. Fünfmal wurde er als wertvollster Spieler der NBA ausgezeichnet, 1999 von ESPN gar vor Babe Ruth und Muhammad Ali zum Sportler des Jahrhunderts gewählt.
Sein letztes Spiel bestritt Jordan am 16. April 2003, als er mit den chronisch erfolglosen Washington Wizards gegen Philadelphia hoch verlor und die Playoff-Teilnahme verpasste. 15 Punkte und je 4 Assists und Rebounds, so lautete gegen die 76ers die Bilanz des «Königs der Lüfte», dessen dritter Rücktritt nach Oktober 1993 und Januar 1999 definitiv der letzte sein sollte. Seit 2010 ist der zum Milliardär gewordene Jordan Mehrheitsbesitzer des NBA-Teams Charlotte Hornets.