Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03632.jsonl.gz/1929

Beim Abtreiben mit der Pille (Mifegyne) kommt der Wirkstoff Mifepriston zum Einsatz. Diese Methode wird bis zur siebten Schwangerschaftswoche angewandt.
In der Schweiz werden gemäss dem Bundesamt für Statistik («Schwangerschaftsabbrüche») fast drei Viertel aller Abtreibungen auf diese Weise durchgeführt. Das dabei am häufigsten verwendete Pharmazeutikum ist RU 486, bekannt unter der Bezeichnung Mifegyne («Abtreibungspille»).
Man bestimmt die Blutgruppe der schwangeren Frau für den Fall, dass sie während der Abtreibung starke Blutungen erleidet. Der Frau werden anschliessend drei Tabletten verabreicht mit je 200 Milligramm Mifepriston. Sie muss die Pillen gleich einnehmen und wird für wenigstens zwei Stunden ärztlich überwacht. Anschliessend wird sie entlassen. Mit Mifepriston wird die Wirkung des Hormons Progesteron gestoppt. Progesteron ist notwendig, um die Schwangerschaft aufrechtzuerhalten. Mifepriston bewirkt, dass der Körper die Schwangerschaft gleichsam nicht mehr „wahrnimmt“. Infolgedessen öffnet sich in den nächsten 48 Stunden der Muttermund und der dort verfestigte Schleim wird weich. Die Einnahme der Tabletten bewirkt auch, dass sich die Gebärmutterschleimhaut mit den Chorionzotten von der Gebärmutterwand löst. Der Embryo verliert dadurch seine Nahrungszufuhr und stirbt. In etwa 3 % der Fälle beginnen in diesem Stadium bereits die Blutungen, wobei der Embryo mitsamt Plazentagewebe ausgestossen wird. Während dieses Vorgangs wird der schwangerschaftserhaltende Gelbkörper aufgelöst.
In den wenigsten Fällen bewirkt die Einnahme von Mifegyne allein das Ausstossen des Embryos. Nach zwei bis drei Tagen wird darum der Frau vom Arzt Prostaglandin gegeben – ein Hormon, das Wehen auslöst. Dabei muss die Frau während sechs Stunden überwacht werden. Etwa zwei Stunden nach der Verabreichung von Prostaglandin setzen Blutungen ein, die Gebärmutter zieht sich zusammen und der Embryo wird ausgestossen. Bei der Ausstossung des Embryos kann es zu menstruationsartigen oder gar wehenähnlichen Schmerzen im Unterleib kommen. Etwa ein Viertel der Frauen benötigt Medikamente gegen die Schmerzen. Setzen die Blutungen auch nach drei Stunden noch nicht ein, wird der Frau erneut Prostaglandin zugeführt.
Sieben bis dreizehn Tage nach der Einnahme von Prostaglandin findet eine Nachkontrolle statt. Es wird untersucht, ob der Embryo und das Plazentagewebe samt Chorionzotten gänzlich ausgestossen wurden. Dabei kommen Ultraschall oder chemische Verfahren zum Einsatz.
Bei der «Abtreibungspille» handelt es sich nicht um die sogenannte «Pille danach», welche bis zu 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden kann und den Eisprung hinauszögert bzw. hemmt, oder verhindert, dass sich ein bereits befruchtetes Ei einnistet.
Naturgemäss werden die Risiken von Abtreibungen mit Mifegyne verharmlost. Weltweit soll es bereits Dutzende von Todesfällen sowie Hunderte von Fällen mit ernsthaften Komplikationen gegeben haben. Ein besonders dramatischer Fall wird aus Turin (Italien) berichtet, wo eine 37-Jährige am 9. April 2014 nach Einnahme von Mifegyne plötzlich einen Herzstillstand erlitt und trotz Wiederbelebungsversuchen durch das Spitalpersonal nicht mehr gerettet werden konnte.