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Nebelspalter
Fast hätte der Montagmorgen in einem Blutbad geendet. Nur ein schnelles Ausweichmanöver auf die glücklicherweise leere Gegenfahrbahn verhinderte den Zusammenstoss mit einer E-Bikerin. Im Bestreben, links abzubiegen hatte sie zuerst unvermittelt die Fahrt Richtung Mittelstreifen verlagert, dann Handzeichen gegeben und sich dann noch zu einem Blick über die Schulter hinreissen lassen. Alles richtig, nur in der falschen Reihenfolge.
Sie erschrak ebenso wie ich und verarbeitete dies mit wildem Gestikulieren und deftigem Fluchen. So interpretierte ich die Geschehnisse in meinem Rückspeigel. Mir entfuhr ein kurzes "Shit". Offensichtlich häufen sich solche Situationen mit dem Anstieg der E-Bike-Verkäufe, was die Beratungsstelle für Unfallverhütung jüngst veranlasste, eine Präventionskampagne zu lancieren. Angesichts der wöchentlich zehn Schwerverletzten (2020 waren es 536 und 15 Todesopfer) bitter nötig.
Was aber treibt Menschen dazu, sich individualmobilisiert wie ein Kamikaze zu bewegen? Frische Luft statt Maske im ÖV? Kampf der Fettleibigkeit? Schutz der Umwelt? Verkleinerung des ökologischen Fussabdruckes? Senkung des Risikos, an Diabetes zu erkranken? Alles schön und gut. Vielleicht sollte ich mir auch ein E-Bike kaufen. Der Volksgesundheit zuliebe. Oder noch viel einfacher, ich passe einfach besser auf, wenn ein E-Bike in der Nähe unterwegs ist.