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In der denkmalgeschützten Villa «Manoir de Ban» in Corsier-sur-Vevey hat sich die Familie Chaplin 1952 niedergelassen, nachdem der britischen Komiker, Schauspieler und Regisseur Charlie Chaplin in den USA wegen Kommunismusverdacht nicht mehr erwünscht war.
Eugène Chaplin (64) ist hier mit seinen sieben Geschwistern aufgewachsen. «Hier im Esszimmer am Tisch haben wir viel diskutiert. Mein Vater hat uns gefragt, wie es in der Schule läuft und manchmal wurde er wütend, weil wir schlechte Noten hatten. Er sagte: ‹Warum arbeitest du nicht härter?› Als Vater hatte er hohe Ansprüche», erzählt Eugène Chaplin.
«Er nutzte die Komödie, um Sachen anzuprangern»
Hohe Ansprüche hatte Chaplin nicht nur an seine Kinder, sondern auch an seine Werke. Er war ein grosser Perfektionist, der sich in Eigenregie um Musik, Drehbuch und Produktion kümmerte. 82 Schwarzweissfilme hat er gedreht – viele von ihnen faszinieren das Publikum auch heute noch.
«Er wusste die Probleme der damaligen Zeit zu behandeln, und diese sind auch heute noch aktuell. Er wollte sich immer gegen die existierenden Ungerechtigkeiten wehren», sagt sein Sohn. «Zwischen Reichen und Armen, zwischen Menschen verschiedener Hautfarben. Und er hat die Komödie dazu benutzt, diese Sachen anzuprangern.»
«Er war ein ernster Mensch»
Chaplins Sohn Eugène sagt: «Chaplin foutierte sich um die öffentliche Meinung. Er liess sich von niemandem etwas vorschreiben. So veröffentlichte er mitten im Zweiten Weltkrieg den Film ‹Der grosse Diktator›». Chaplins Gesellschaftskritik war aber meistens mit Humor verbunden.
Für Eugène Chaplin ist klar: «Er war ein ernster Mensch. In seinen Filmen spielte er mit der Kamera, er hat verstanden, dass er vor der Kamera nicht ernst sein konnte, weil es nicht interessant war.» Aber er habe viel Humor gehabt. «Oft erlebte ich ihn vor dem Fernseher. Wenn er etwas sah, dass ihm nicht gefiel, stand er auf und sagte: ‹Hast du den gesehen?› Und er begann, ihn zu imitieren.»
Chaplins ganzes Leben drehte sich um die Inszenierung. Und auch 40 Jahre nach seinem Tod lebt sein Vermächtnis weiter.
Das Gespräch führte Mirjam Mathis.