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Cartographica Helvetica
Zusammenfassung
István Klinghammer und Gábor Gercsák:
Der ungarische Geograph Pál Teleki als Mitglied der Mossul-Kommission
Cartographica Helvetica 19 (1999) 17–25
Zusammenfassung:
Die Provinz Mossul in Nordirak wurde um 1920 zum Streitfall zwischen der Türkei und Grossbritannien. Die Türkei beanspruchte die Provinz als Teil ihres früheren Territoriums, aber Grossbritannien hatte die ölreiche Gegend nach dem Ersten Weltkrieg militärisch besetzt. Nachdem sich die beiden Länder nicht einigen konnten, zogen sie den Fall vor den Völkerbund. Der Völkerbund bestimmte eine provisorische Demarkationslinie (sog. Brüsseler Linie) und ernannte eine Untersuchungskommission. Diese besuchte den Irak, erforschte die öffentliche Meinung und traf sich mit Beamten beider Seiten. Kommissare waren ein schwedischer Diplomat, ein belgischer Offizier und der ungarische Geograph Pál Teleki. Es fiel Teleki zu, die relevanten ethnographischen Daten zu sammeln. Sowohl die Türkei als auch Grossbritannien legten ihre eigenen ethnographischen Karten vor, doch war Teleki mit diesen nicht zufrieden, da aus seiner Sicht unangebrachte Darstellungsmethoden verwendet worden waren. Er wusste, dass kleinmassstäbige Minderheitenkarten oft typische Fehler und Irrtümer zeigen, welche die «Wirklichkeit» verzerren. Daneben wurden von den Kontrahenten auch noch unterschiedliche statistische Quellen verwendet, die einen Vergleich verunmöglichten. Daher zeichnete Teleki eigene ethnographische Karten.
Nach drei Monaten intensiver Arbeit schlug die Kommission vor, dass die Brüsseler Linie akzeptiert werden sollte. Die Vorschläge der Kommission widerspiegeln die weise Sicht einer vorausschauenden Minderheiten-Politik, welche auf guten geographischen Kenntnissen beruht und deshalb noch heute ein überzeugendes Lehrstück bildet.
Bibliographische Anmerkung