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Weg des geringsten Widerstands – eine natürliche Strategie
Die Neigung, Anstrengungen so gering wie möglich zu halten, haben wir wohl unseren frühesten Vorfahren zu verdanken. Unter der Leitung von Boris Cheval, der an der Universität Genf und am Universitätsspital Genf forscht, widmete sich ein Forschungsteam dem "Paradoxon der physischen Aktivität". Die Studie sollte erklären, warum sich Personen, die den Wunsch nach mehr Bewegung haben, sich am Ende häufig gemütlich auf der Couch einrichten statt joggen zu gehen.
Dafür untersuchten die Forschenden die neuronale Aktivität von 28 Testpersonen, die aktiver sein wollen, ohne dass sie dies umsetzen. "Wir haben sie ein Spiel machen lassen, bei dem Bilder mit einer physischen Aktivität ausgewählt und Bilder mit einer passiven Aktivität abgewählt werden mussten. Im zweiten Durchlauf mussten sie das Gegenteil machen", erklärt Boris Cheval.
Paradoxerweise reagierten die Testpersonen schneller, als es darum ging, Passivität abzuwählen. Diese Aktion deckt sich mit dem Wunsch nach mehr Bewegung, widerspricht aber der natürlichen Nei- gung, Anstrengungen weitestgehend zu vermeiden. Die Beobachtung der neuronalen Aktivität der Testpersonen lieferte interessante Hinweise: So erkannten die Forschenden, dass die Gehirnaktivität deutlich ausgeprägter war, wenn die Teilnehmenden passive Aktivitäten auswählen sollten.
Diese intensive Aktivierung der Hirnregionen, die durch die Verdrängung natürlicher Prägungen und das Konfliktmanagement entsteht, ist ein Zeichen für ein grosses internes Dilemma. Das Gehirn muss deutlich mehr Ressourcen aufbringen, um sich von passiven Verhaltensweisen zu lösen und so zu verhindern, seiner Neigung, ein Minimum an Anstrengung aufzuwenden, nachzugeben.
Ansonsten siegt der Affekt am Ende über die Vernunft. Der Mensch geht von Natur aus den Weg des geringsten Widerstands. Um zu überleben, mussten unsere Vorfahren körperliche Anstrengungen vermeiden, um ihre Ressourcen zu bewahren. Diese energetische Optimierung, die früher überlebenswichtig war, ist heute hinfällig. Die Forschenden sprechen sich dafür aus, physische Aktivität zu belohnen statt - beispielsweise durch Rolltreppen und Lifte - Anreize für Passivität zu schaffen.
Cheval, B., Tipura, E., Burra, N., Frossard, J., Chanal, J., & Orsholits, D. (2018). Avoiding sedentary behaviors requires more cortical resources than avoiding physical activity: An EEG study. Neuropsychologia. doi : 10.1016/j. neuropsycholgia.2018.07.029