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Autorinnen: Silvana Hunger, Cynthia Marti
Die klassische Literatur zu Neolithisierungsmodellen geht davon aus, dass sich diese Entwicklung etappenweise und je nach geographischer Region zu unterschiedlichen Zeiten vollzog. Mit der Abfrage soll diese These überprüft und optisch dargestellt werden. Ziel der SPARQL-Abfrage ist die Visualisierung von neolithischen Fundorten und deren zeitliche Abfolge weltweit. Die Verbreitung von neolithischen Prozessen, zu denen die Sesshaftwerdung und Einführung der Landwirtschaft gehören, sollen in der Karte veranschaulicht und farblich nach Jahrtausenden markiert werden.
Die Abfrage basiert auf zwei Listen neolithischer Fundorte, die auf Wikipedia zu finden sind (Neolithic, List of Neolithic settlements). Zu fast allen diesen Fundorten existiert bereits ein unvollständiger Eintrag auf Wikidata, die Restlichen sollen im Folgenden neu erstellt werden. Damit die Abfrage erfolgreich wird, wurden Kerninformationen definiert, die jeder einzelne Datensatz beinhalten soll:
Für die meisten Fundorte dieser zwei Wikipedia-Listen waren die benötigten Informationen zur Abfrage unvollständig, weshalb sie durch uns in Wikidata nachgetragen werden mussten. Dies betraf insbesondere die Datierung (Anfang und Enddatum), die Epoche und in einigen wenigen Fällen die Koordinaten. Die dazu benötigten Informationen bezogen wir aus der Literatur der Quellenangaben in den jeweiligen Wikipedia Artikeln. Wo dies nicht möglich war, schlugen wir die entsprechenden Informationen in Artikeln und Monografien nach. Die Datierungen der Fundorte aus den zwei Wikipedia Artikeln ist grösstenteils veraltet. Hier entnahmen wir die aktuellen Daten aus neuen Publikationen. Um ein repräsentatives globales Gesamtbild in der Abfrage zu erlangen, fügten wir selbst Fundorte zur Liste bei, die wir als wichtig erachteten. Diese Ergänzungen sind nicht vollständig und können in Zukunft erweitert werden.
Folgende Fundorte wurden von uns ergänzt: Tell Sabi Abyad, Shillourokambo, Arene Candide, Talheim Death Pit, Rössen, ZH Kleiner Hafner, Egolzwil 3, Twann, Ounjougou, Merimde Beni, Ølshøj, Abkan, Stonehenge.
Zusätzlich wurde mit SPARQL eine Abfrage geschrieben, die es ermöglichte, die von uns bearbeiten Fundorte in einer Karte darzustellen. Wichtig war dabei, dass wir diese chronologisch darstellen und sie die Fragestellung zur Verbreitung des Neolithikums beantworten können.
Damit die Einträge der Autorinnen nachvollzogen werden können, wurden sie alle mit dem Username Settlement01 betätigt. Zusätzlich sind die bearbeiteten Datensätze mit unseren Änderungen im Anhang aufgelistet.
Für Wikidata Query wurde mithilfe der SPARQL-Codiersprache eine Abfrage entwickelt, die die neolithischen Fundorte auf eine Karte darstellt und sie farblich nach Jahrtausend markiert. Ergebnis dessen ist diese Abfrage:
Im Folgenden werden die einzelnen Teile des Codes genauer erklärt:
Der erste Teil besteht aus allen Begriffen, die bei der Abfrage als Titel verwendet werden. SELECT ?item ?itemLabel ?pic ?coord ?beginn ?end ?layer
Mit ?item werden die gesuchten Datensätze benannt und mit ?itemLabel wird gleich dazu deren Titel in der Tabelle mit den Ergebnissen aufgeführt und nicht nur die eindeutige Bezeichnung. ?pic ist die Abkürzung für picture, verwendet für die Datensätze mit Fotos, ?coord steht für die Koordinaten, die für eine Karte benötigt werden. ?beginn und ?end sind die Zeitpunkte, an denen eine Fundort entstand und verlassen oder zerstört wurde, diese Angaben können für den Zeitstrahl verwendet werden. ?layer wird für die Gruppierung der Fundorte nach Jahrtausenden verwendet.
Im zweiten Teil wird eine Abfrage gestartet, die für alle Fundorte gelten muss. Im vierten Teil folgen weitere optionale Abfragen. ?item wdt:P31 wd:Q839954;
wdt:P2348 wd:Q36422;
wdt:P625 ?coord;
wdt:P571 ?beginn.
In der ersten Zeile werden alle Datensätze mit der Eigenschaft instance of nach dem Wert archaeological site, dem archäologischen Fundort gesammelt. In der zweiten Zeile werden diese Datensätze überprüft, ob sie unter der Eigenschaft time period den Wert neolithic era, Neolithikum enthalten. In der dritten Zeile werden die Koordinaten dieser Datensätze abgefragt. Die vierte Zeile fragt nach dem Datum, an dem der Fundort entstand.
Im dritten Teil werden die Fundorte mithilfe der Anfangsdaten der Siedlungen (?beginn) gruppiert. Dies erlaubt es, die Fundorte nach Jahrtausend in der Karte farbig einzufärben.BIND(
IF(?beginn < "-29999^^xsd:dateTime, "30'000+ BCE",
IF(?beginn < "-14999"^^xsd:dateTime, "30'000-15'000 BCE",
IF(?beginn < "-9999"^^xsd:dateTime, "15'000-10'000 BCE",
IF(?beginn < "-8999"^^xsd:dateTime, "10'000-9'000 BCE",
IF(?beginn < "-7999"^^xsd:dateTime, "9'000-8'000 BCE",
IF(?beginn < "-6999"^^xsd:dateTime, "8'000-7'000 BCE",
IF(?beginn < "-5999"^^xsd:dateTime, "7'000-6'000 BCE",
IF(?beginn < "-4999"^^xsd:dateTime, "6'000-5'000 BCE",
IF(?beginn < "-3999"^^xsd:dateTime, "5'000-4'000 BCE",
IF(?beginn < "-2999"^^xsd:dateTime, "4'000-3'000 BCE",
"after 3000 BCE"))))))))))
AS ?layer).
BIND… AS ?layer steht für das Gruppieren der Einträge. Mit IF werden die Bedingungen der einzelnen Gruppen definiert. Diese werden jeweils nach Jahrtausend eingegrenzt, daher enden diese Daten jeweils mit -999. Damit die Daten auch als Jahre erkannt werden, müssen die mit ^^xsd:dateTime definiert werden. Beschriftet werden diese einzelnen Gruppen mit den in Anführungszeichen stehenden Texten (Bsp. "9'000-8'000 BCE") Damit diese Abfrage funktioniert, braucht es eine Beschriftung für die Datensätze, die nicht in einer dieser IF Abfragen vorkommen, hier wäre dies "after 3000 BCE". Da die meisten Fundorte nach 10'000 BCE entstanden, sind die Zeitabstände davor grösser. Dies ermöglicht eine kürzere Abfrage. Sollten in Zukunft mehr Fundorte ergänzt werden ist der Zeitaufwand gering, die einzelnen Jahrtausende zu ergänzen.
Im vierten Teil werden optionale Abfragen durchgeführt. Optional{
?item wdt:P576 ?end;
wdt:P18 ?pic.
Als erstes werden die Datensätze nach dem Datum des Verlassens oder der Zerstörung des Fundortes abgefragt. In einer zweiten Zeile nach einem Foto. Diese Daten erscheinen auf der Karte und in der Tabelle und dienen als zusätzliche Informationen für den Benutzer.
Mit dem folgenden Befehl werden als Label die Einträge in Englisch verwendet.SERVICE wikibase:label { bd:serviceParam wikibase:language "[AUTO_LANGUAGE],en"
Die Datensätze werden in der Tabelle nach dem Beginn der Besiedlung geordnet. Dies geschieht in aufsteigend Reihenfolge.Order by asc (?beginn)
Die Einträge auf Wikidata erfolgten in den meisten Fällen problemlos. Eine Schwierigkeit, die während dem Eintragen auftauchte, war die Unsicherheit zur Richtigkeit der Datierungen. Teilweise ist unklar, ob die Datierungen auf Wikipedia stimmen und so übernommen werden können. Wir fokussierten uns daher primär auf jene Daten, bei denen die Datierung mit aktueller Literatur gesichert erschien. Oftmals fehlt bei den Angaben auch das Enddatum, was damit zusammenhängt, dass einige Fundorte eine lange Kontinuität aufweisen oder bei denen das Enddatum aufgrund fehlender Datierungen nicht vorhanden ist. Jene Fundorte, bei denen wir keine klaren, wissenschaftlich bestätigte Daten fanden, haben wir aus unserer Untersuchung ausgeschlossen.
Die Liste auf Wikipedia stellt einen ersten Überblick von neolithischen Fundorten weltweit dar (Abb. 1). Da sie bei weitem nicht vollständig ist, wurde sie durch uns mit Fundorten ergänzt, die unser Meinung nach ebenfalls wichtig für die Darstellung des globalen Neolithikums sind (s. Abschnitt "Vorgehen"). Besonders die Kontinente Amerika, Afrika, Zentraleuropa und Ozeanien sind in der Wikipedia-Liste unterrepräsentiert. Die Liste kann als Wiedergabe gängiger Neolithisierungstheorien angesehen werden, die die Ansicht wiedergibt, dass sich das Neolithikum von Vorderasien, genauer dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes, aus nach Südeuropa ausbreitete. Dies ist daran ersichtlich, dass Fundorte in der Türkei, der Levante, dem Balkan- und Mittelmeerraum überdurchschnittlich vertreten sind. Dass gewisse geographische Regionen untervertreten sind, kann auch mit dem Forschungstand und -schwerpunkt der entsprechenden Region zusammenhängen.
Ferner stellte sich die Definition des globalen Neolithikums als schwierig heraus, da der Neolithisierungsprozess nicht überall zur gleichen Zeit einsetzte. So umfasst die Abfrage einen Zeitraum, der sich von 38'000 bis nach 3000 BCE erstreckt. Die Paläolithischen Datierungen sind damit begründet, dass bei einigen Fundorten, dies betrifft vor allem die Höhlen, die Besiedlungszeit bereits im Paläolithikum einsetzte und eine lange Kontinuität bis in das Neolithikum und darüber hinaus aufweisen. Bei den meisten Fundstellen ist das Neolithikum in die Zeit zwischen 7000 und 5000 BCE anzusetzen, mit einigen frühen Ausnahmen in Vorderasien. Siedlungen mit einer späten Datierung fallen in den Zeitraum von 4000 bis 3000 BCE. Dies betrifft vor allem Orte in Nordeuropa und den Fundpunkt in Mauretanien. Dabei handelt es sich um Orte, bei denen die Neolithisierungsprozesse später einsetzten.
Die Karte kann nach Jahrtausenden dargestellt und durchsucht werden (Abb. 2). Zusätzlich werden bei jedem Punkt der Name des Fundortes, seine Koordinaten, Datierung und wenn möglich ein Bild dargestellt. Mit der SPARQL-Abfrage und der Kartierung der neolithischen Fundorte weltweit kann gezeigt werden, dass Neolithisierungsprozesse im Zeitraum zwischen 15’000 und 3000 v.Chr. fassbar sind. Für eine genauere Untersuchung und um festzustellen, wie sich diese Prozesse verbreiteten, benötigt es eine massiv grössere Datenmenge und Expertenwissen der einzelnen Regionen. Für ältere Fundorte müsste eine andere Lösung gesucht werden, da in dieser Abfrage nur nach Beginn der Benutzung eines Ortes gefragt wird und nicht nach Beginn der neolithischen Besiedlung oder Nutzung des jeweiligen Fundortes.
Zusätzlich können die Daten auch als Zeitstrahl oder Tabelle betrachtet werden. Diese ergeben einen guten Überblick und ergänzen die Karte. Sie werden am besten in Wikidata Query betrachtet. einsetzten.
Am Ende haben wir über 100 Einträge auf Wikidata hinzugefügt. Die Liste wird keine Vollständigkeit erreichen, so dass laufend Einträge erstellt werden können, um ein umfassendes Bild zum globalen Neolithikum zu erhalten. Wikidata und OpenData haben in der Archäologie ein grosses Potential. Mit einfachen Codes kann eine grosse Menge an freien Datensätzen bearbeitet und dargestellt werden. Ein grosser Nachteil ist, dass besonders in der Archäologie viele der Datensätze weitere Bearbeitung benötigen, bevor sie für ein Projekt verwendet werden können. Zusätzlich bereitet die Quellenlage vieler bestehender Einträge ein Problem, verlinkte Wikipedia Seiten arbeiten mit veralteten Daten und wurden lange nicht mehr aktualisiert. Die Zeit, die benötigt wird, um einen Code zu schreiben, ist relativ gering, der Zeitaufwand für das aufbereiten von Daten ist hingegen massiv.
Wir sehen Potential in der Entwicklung in Richtung Opendata und Wikidata, dennoch braucht es einen enormen Zeitaufwand für Projekte.