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Der amerikanische Erziehungswissenschaftler Benjamin Bloom hat (in den 50er-Jahren) ein Taxonomie-Modell entwickelt, das hilft, das "Wie" des Lernens besser zu verstehen. Das hierarchisch aufgebaute Modell unterscheidet sechs Stufen, wobei jede sozusagen tiefer in den Sachverhalt eindringt. Es ist so konstruiert, dass jede ranghöhere Stufe die Inhalte aller niedrigeren einschliesst. Die Taxonomie ordnet demnach Lernziele, die von einfachen Reproduktionsleistungen bis zu komplexen Problemlösungs- und Begründungsaktivitäten reichen. Durch die Zuordnung der Lernziele zu einer Kategorie können diese hinsichtlich ihrer Komplexität verstanden werden. Ein wesentlicher Effekt bei der Anwendung von Taxonomien besteht darin, dass sie dazu anregen, den Aufbau des Unterrichts bewusst zu entwickeln. Die nachfolgend in kürzest möglicher Form dargestellten Taxonomie-Klassen sollen das Modell verständlicher machen, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Beispiele ebenfalls sehr vereinfacht sind.
Wissen. Beim Wissen geht es um ein einfaches Abrufen aus dem Gedächtnis, z.B. wie heissen die sieben Bundesräte resp. Bundesrätinnen. Der Sachverhalt ist auswendig gelernt.
Verständnis. Das Verständnis ist dann vorhanden, wenn eine Schülerin eine Aufgabe erledigen kann, für die sie über alle Bestandteile verfügt, die für den Problemzusammenhang massgebend sind. Die Schülerin kann z.B. einen Begriff, einen Sachverhalt oder eine Formel erklären und diese auch umgangssprachlich erläutern.
Beispiel:
Sie kann die parteipolitische Zusammensetzung des Bundesrats erläutern begründen und erklären, warum die Zauberformel seit 2003 nicht mehr gilt.
Anwendung. Bei der Anwendung benutzt ein Schüler ein früher gelerntes Lösungsmodell zur Bearbeitung
eines konkreten und spezifischen Problems. Er ist fähig, das Lösungsmodell in einer neuen Situation
anzuwenden, die so vorher nicht in einer Unterrichts- oder Ausbildungssituation vorkam.
Beispiel:
Der Schüler kann nach Parlamentswahlen darüber Auskunft geben, wie der Bundesrat auf Grund der parteipolitischen Verhältnisse auch anders zusammengesetzt werden könnte.
Analyse. Auf der Analyse-Stufe kann die Schülerin Texte, Verfahren, Geräte usw. in ihre Bestandteile zerlegen und bestimmen. Sie erkennt Aufbau, Strukturen und Zusammenhänge eines Sachverhalts.
Beispiel:
Die Schülerin kann z.B. das Zustandekommen, Bestehen und Verschwinden der Zauberformel erklären und Vor- und Nachteile des Konkordanzprinzips aufzeigen.
Synthese. Bei der Synthese geht es darum, eine eigenständige Leistung zu vollbringen. Die Synthese ist ein kreativer Akt, bei dem verschiedene Lösungsmöglichkeiten so kombiniert werden, dass eine neue Idee oder ein neues Gerät entsteht. Beispiel: Der Schüler entwickelt verschiedene Modelle, wie der Bundesrat in Zukunft zusammengesetzt werden könnte, und kann Konsequenzen aufzeigen in Bezug auf die Vertretung von Parteien, Geschlechtern, Landesteilen usw.
Beurteilung. Auf dieser anspruchsvollsten Stufe können Modelle, Geräte, Informationen usw. nach bestimmten Kriterien selbstständig beurteilt werden. Die lernende Person erbringt eine eigenständige Leistung. Beispiel: Die Schülerin bewertet verschiedene Modelle zur Zusammensetzung des Bundesrats, indem sie deren Vor- und Nachteile zusammenstellt.
Das Taxonomie-Modell in der Berufsbildung. Die Anwendung des Taxonomie-Modells ermöglicht einen relativ klaren Blick auf die Komplexität des Lernens bzw. auf die Undifferenziertheit, mit der Bildungsziele häufig gedacht, geschrieben und entschieden werden. Es ist wichtig, dass die Berufsbildner/innen und Berufsfachschullehrer/innen ein Instrument zur Verfügung haben, mit dem Ausbildung und Unterricht bewusst und systematisch geplant und durchgeführt werden können. In der Berufsbildung wird das theoretische Grundmodell von Bloom vereinfacht und kommt meist in einem Modell mit drei Taxonomie-Klassen (handlungskompetenzorientiertes Modell) zur Anwendung. Das Konzept des handlungskompetenzorientierten Modells wird in den meisten Verordnungen über die berufliche Grundbildung eingeführt. Als weiteres Bildungsmodell wird auch das Kompetenzen-Ressourcen-Modell (CoRe) umgesetzt.
Quelle: Handbuch betriebliche Grundbildung, SDBB 2013