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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1992 von Gerold Fischer
« . . . Wir fuhren etwa eine Stunde am Ufer des Zürichsees entlang, bis der Schaffner «Au» ausrief, stiegen aus, überquerten die Geleise, der Bahnhofvorstand schloss ein kleines Tor in einer Tannenhecke auf, und in höchster Spannung, was das zu bedeuten hatte, schritten wir schweigend neben Mama durch eine kleine Pappelallee. Rechts lag sumpfiges Schilfgelände, links ein verträumter, dunkler See, aus dem eine mit Gesträuch überwucherte Insel ragte, gleich dem Schopf eines Meergottes. Am Ende der Allee bog der Weg ab, auf der einen Seite begrenzt von sanft ansteigenden, mit Obstbäumen bepflanzten Wiesen, auf der Seeseite von einer Tannenhecke mit pyramidenförmig gestutzten Bäumchen. Wir traten durch ein Tor in einen verwahrlosten Garten und erblickten zwischen den Bäumen ein grosses Haus, ein ganz eigenartiges Haus. Mir war, als blickte es wie das Antlitz einer alten Frau, die viel Schweres erlebt hat und trotzdem noch lächelt . . .
Das 1895 für Fanny Moser-von Sulzer Warth erstellte Badehaus.
Nach dem Haus besichtigten wir das Gut. Es nahm ungefähr die Hälfte der Halbinsel ein. Da war ein Pächterhaus mit Kuhstall, ein Pferdestall mit Kutscherwohnung und am Fuss eines kleinen Eichen- und Buchenwaldes, der bis zum See hinunterreichte, ein Badehaus mit langem Steg. Wir wanderten zurück zum kleinen See, Au-See genannt. Birken und Tannen säumten die Ufer, und Brücken aus Naturholz, mit Rinde bedeckt, führten zu den beiden kleinen Inseln, die Sträucher und hohes Gras überwucherten. Frösche klatschten bei unserem Nahen ins Wasser, Wasservögel erhoben sich schreiend und flüchteten über den See zum Schilf am jenseitigen Ufer. Die jungen Leute, Brüder des jungen Mädchens, erzählten vom Fischreichtum, von meterlangen Aalen, Hechten und Karpfen; das Mädchen schilderte die Flora. Bald werde die Schilfwiese in schönsten Farben leuchten, blaue Iris, am Ufer gelbe Iris, grosse Mehlprimeln und Frühlingsenzian, auch Insekten fressenden Sonnentau habe ich gefunden. Auf dem See gebe es viele Wasserrosen und in der Nähe des Hauses am felsigen Abhang duftende Veilchen. Begeistert hörte ich zu, auch Mama war sehr eingenommen, und am gleichen Tag erwarb sie die Residenz «Belle au bois dormant». Im Sommer 1887 zogen wir auf die Au.
So beschrieb Mentona Moser den ersten Eindruck von der Au, Mentona Moser, die Tochter von Fanny Moser-Sulzer (1848—1925).
Blick über den Ausee Richtung Bahnhof Au, 1917.
So herrlich blumig und so wundervoll verträumt, wie Mentona Moser den Park auf der Au beschreibt, präsentiert sich die Anlage auch bei unserer ersten Besichtigung. Wir waren schlichtweg entzückt von den wundervollen Ein- und Ausblicken, den bewusst gestalteten Sichtachsen und den neuartigen Panoramen, sah man doch jetzt den Zürichsee einmal von einer anderen komplett unbekannten Seite. Aber auch der Park als solcher, der verträumt und dunkel daliegende Ausee, schienen, als wären sie aus einem Böcklin-Gemälde.
Dieser Eindruck gab uns eine starke Motivation, unser bestes nach Wissen und Können zu geben, um die herrliche Anlage in pflegerischer Art und Weise der Zukunft zu erhalten und sie der Bevölkerung so zu präsentieren, wie wir sie selbst erlebten.
Gartengeschichtliche Entwicklung
Der ursprüngliche Garten bestand aus sehr einfachen, wenigen Elementen, die vor allem zweckdienlich waren. So musste das Wegsystem der Erschliessung der Gebäude und Gartenteile dienen. Der Gemüsegarten , ein damals sehr wichtiges Gartenelement, war von einem Kanalsystem umgeben, das Zürichsee und Ausee verband. Erst später wurden im heutigen Parkbereich Alleen gepflanzt und Obstanlagen in den dahinterliegenden Wiesen erstellt. Auch das sogenannte «Schänzli» im nördlichen Parkteil, der in den See hinausragt, wurde erst später erstellt und erschlossen. Auf dem Plan von 1892 ist der Ausee noch parkseits bewaldet. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Gemüsegarten mittels einer Aufschüttung seewärts erweitert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden erstmals nach gestalterischen Prinzipien von Landschaftsgärten beeinflusste Parkteile. Die Ästhetik hielt Einzug im Schlosspark. Grosszügig angelegte Alleen, Baumreihen, Pflanzachsen bestimmten und prägten das Parkbild, begleiteten Wege zur Villa und öffneten Blickachsen. Das heute noch bestehende Alpinum am Hang östlich der Villa wurde Ende des letzten Jahrhunderts angelegt. In den zwanziger oder dreissiger Jahren unseres Jahrhunderts dürfte es jedoch neu gestaltet worden sein, doch während der Heimatstilzeit Steingärten, Natursteinverwendungen, Alpinum usw. gross in Mode gekommen. Jetzt wurde auch das Wegsystem wieder erweitert, und – ebenfalls anfangs dieses Jahrhunderts – entstanden grosszügig angelegte Obstanlagen fast um die ganze Villa. Leider wurde auch zu diesem Zeitpunkt der Rebbau auf der Au aufgegeben. Dafür erweiterte man den Gemüsebau nochmals und baute Gewächshäuser. Nun existierte im Schlossgut Au eine angemessene und gut eingerichtete Herrschaftsgärtnerei, wie sie für damalige Zeiten üblich war. Der Parkbereich änderte sich wieder. Nachpflanzungen wurden vorgenommen, die Baumbestände erweitert, und zwischen der Villa und dem Ausee entstand ein kurioser Gartenpavillon, der aber nicht viele Jahre später wieder abgebrochen wurde. Im Gegensatz zum ursprünglich angelegten Garten, der von Einfachheit geprägt war, haben wir es nun mit einem grossen Park und einer ebenso grossen Elementvielfalt darin zu tun. Beim letzten Besitzerwechsel des Schossgutes in die Hände der Familie von Schulthess (1917) entstanden auch die letzten markanten Gartenänderungen, welche jetzt noch sichtbar sind und dem Park die Reize verleihen. Dieser Park wurde von Adolf Vivell angelegt. Er, ein Meister in der Gestaltung solcher Anlagen, in der Ausbildung von Ein- und Ausblickachsen, in der Anlage abwechslungsreicher immergrüner Gehölzgruppen, ordnete die Elementvielfalt und schuf aus dem Vorhandenen eine brillante Einheit. Adolf Vivell war Gartenarchitekt deutscher Abstammung. Er lebte von 1878 bis 1959. Seine Ausbildung absolvierte er in Deutschland, bevor er 1904 seine selbständige Tätigkeit in Olten begann, wo er auch nachher lebte. An der ersten Gartenbauausstellung in Zürich wurde er mit einem Ehrenpreis bedacht, und auch an der kantonalen Ausstellung in Lausanne 1904, der Landesausstellung in Bern 1914, den Kantonalen Ausstellungen in Lausanne und Bern 1923 und 1925 machte er sich mit seinen Arbeiten verdient und gewann grosse Beachtung. Selbstverständlich erarbeitete er in all diesen Jahren private Gärten und Parkgestaltungen, darunter wie erwähnt den Park Au. Der Beizug dieses Landschaftsarchitekten zeigt, wie sehr der neue Besitzer Interesse und Geschmack an Gartenkultur bekundete.
Architekt Johann Albert Freytag baute 1929 für Hans von Schulthess-Bodmer das Schloss Au. Ansicht von Süden in den 1930er Jahren.
Der Auwald
Bis 1550 bepelzte ein Eichenwald die ganze Halbinsel. Nachdem in diesem Jahr die Stadt Zürich zum Besitzer der Au wurde diente das Eichenholz für viele Bauzwecke, Schiffe wurden erstellt, Palisaden und Festungswerke, Kirchen und öffentliche Bauten aus diesem Holz gefertigt. Ab dem 17. Jahrhundert nahm der Waldbestand noch stärker ab, und bereits 1790 mussten Lärchen, Föhren und Eichen nachgepflanzt oder gesät werden. Holzdiebe gingen um und wurden auch, sofern sie erwischt wurden, hart bestraft. Einmal mussten zwei Holzdiebe nach Begleichung der Bussen sonntags mit einem Eichenbäumchen auf der Achsel vor der Fraumünsterkirche stehen. Die Kirchgänger massen sie mit verächtlichen Blicken und dankten Gott, besser zu sein.
1821 wurde auch ein Teil des Auwaldes neuen Reben geopfert. In der Zeit des liberalen Denkens verkaufte die Stadt 1833 den Auwald, und wieder begann das gewinnbringende Roden des wertvollen Holzes. Ein Zeitgenosse äusserte sich damals verärgert, dass der Hügel wie ein «geschorener Pudel» aussähe. Der heutige Bestand zeigt praktisch immer noch den Rodungsperimeter von damals.
Wiesland nördöstlich des Schlosses Au. Auf der Kuppe im Hintergrund Laubwald, zum Teil mit alten Eichenbeständen.
Der Rebbau
Schon die Johanniter pflegten den Rebbau auf der Au. Auch General Werdmüller besass einen stattlichen Rebberg. Im 19. Jahrhundert wurden die Rebberge, wie erwähnt, erweitert, aber kurz nach 1900 gab man den unwirtschaftlichen Rebbau auf. Die Reblaus hatte den Bestand, wie andernorts, stark geschädigt. Erst nach 1951 wurde der Auhügel wieder mit Reben bebaut.
Ausee
Auf ganz alten Karten erscheint die Au meist als Insel. Sie war durch Ausee und verschieden breite Wassergräben vom Festland getrennt. General Werdmüller liess den Ausee um die Mitte es 17. Jahrhunderts austiefen und verbaute vermutlich auch die Ufer. Er verband den See mit dem Zürichsee, legte einen engen Kanal an, der zum Zürichsee hin jedoch eine breite Mündung aufwies. Dieser Kanalbau hatte den Zweck, dass die Fische vom Zürichsee her in den Ausee wechseln konnten, den Weg zurück jedoch nicht mehr fanden. In dieses Gewässer setzte Werdmüller an der Schmalstelle eine Reuse. Dadurch kam er zu guten Speisefischen welche im Ausee gefangen wurden. Auch heute noch verbindet ein Kanal den Ausee mit dem Zürichsee. Er ist jedoch parkartig eingegliedert und gestaltet, teilweise auch mit Sumpf und Feuchtstauden in Uferbereichen bepflanzt. Wenn die Austiefung und Uferverbauung des Ausees nicht frühzeitig gemacht worden wäre, wäre vermutlich das ganze Gelände zwischen der Halbinsel und der heutigen Bahnlinie verlandet, statt des Sees läge jetzt hier ein Ried.
Ausee mit Seerosen und Schwänen. Im Hintergrund das 1929 erbaute Schloss Au. Aufnahme aus den 1930er Jahren.
Landschaftsbild
Der markant in den See vorstossende Auhügel bildet den räumlichen Abschluss zwischen dem unteren, schmalen und dem oberen offenen Teil des Zürichsees. Zwischen Thalwil und Stäfa ist der Auhügel in der Längsrichtung zum See der dominierende Blickfang. Die Vielzahl der verschiedenen Landschaftselemente, welche auf kleinem Gebiet nebeneinanderliegen, ergeben ein feingegliedertes, vielfältiges Landschaftsbild. Die Vorzüge der Au liegen in der landschaftlichen Schönheit, der Stille und den schönen Ein- und Ausblicken. Der Park schafft den Übergang zwischen Schloss und dem See, verbindet also Architektur und offene Landschaft und ist als das gelungen und wichtig. Das Inventar der Natur- und Landschaftsschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung beschreibt die Au als ein vom Gletscher rundgeschliffenes Schotterpaket, mit breiter Mulde zum Land.
Vor dem Zürichseeufer liegt die berühmte, 100 Meter tiefe, teils überhängende Felswand aus Süsswassermolasse. Landwärts schliesst eine ein bis drei Meter tiefe Flachwasserzone an. Die typischen Unterwasserböden, Fels, Kies, Sand und Seekreide kommen hier vor. Noch in den letzten Jahrzehnten verschwanden grosse Flächen des natürlichen Schilfgürtels vor dem Schlosspark. Teils wuchsen Laichkrautbestände mit dem trivialen Kammlaichkraut nach. Beim Badehaus und vor dem Tennisplatz sind sogar wenige Meter Sandstrand vorhanden. Auf dem Augut begrenzen 1600 Meter Naturufer und 500 Meter Ufermauer die Wasserflächen. Ein so günstiges Verhältnis wird im unteren Seebecken nur noch an wenigen Abschnitten erreicht.
Vegetation
Zwischen den Gewässern und der Bahnlinie kommen noch grössere Flachmoore von kantonaler Bedeutung vor. Leider wurden auch sie durch Aufschüttungen, Düngung (Auried) sowie durch grössere Fichten-, Pappel- und Roteichenpflanzungen (Augut) stark verkleinert.
Das Naglikerried und das Seeried sind Verlandungszonen des Zürichsees. In den drei Riedgebieten – Nagliker-, See- und Auried – kommen mehrere geschützte Pflanzenarten vor, zum Bespiel
Flachwasservegetation bedeckt auch den nur etwa drei Meter tiefen Ausee. Genauere Abklärungen über den Zustand des Ausees wurden im Herbst 1992 durchgeführt. Sämtliche Pflanzengesellschaften der natürlichen Seeuferzonierung lassen sich auf relativ kleiner Fläche bequem beobachten.
Artenreiche Trockenstandorte finden sich nur noch an zwei Stellen auf etwa 34 Aren Fläche. Grösserre Magerwiesen könnten wahrscheinlich durch Rückführung der beweideten Steilhänge dazugewonnen werden. Auch artenreichere Fromentalwiesen bedecken grössere Flächen. Besonders erwähnt sei die Wiese zwischen den beiden Rebkulturen, in der jeweils viele Wiesenflockenblumen und Hunderte von Kuckucksnelken blühen. Die gedüngten Wiesen werden offensichtlich nicht sehr intensiv bewirtschaftet.
In den Rebflächen des Augutes bedeckt eine artenreiche Wiesen- und Ruderalvegetation den Boden. Die teils mächtigen alten Parkbäume werden in separaten Abschnitten beschrieben. Waldpartien bilden mit dem Grünland ein kleinräumiges Mosaik mit hohem Feldgrenzanteil. Im Flachmoor sind Fragmente mit Traubenkirschen-Eschenwald und Bruchwald entstanden. Alte Bilder zeigen diesen Teil völlig unbewaldet.
Im zentralen Teil des Augutes bereichern zwei sonnige Feldgehölze mit Waldmeister-Buchenwald die Hänge. Auf der Nordseite führten die Seenähe und die Schattenlage zur Ausbildung montaner Waldgesellschaften, obwohl diese für die Höhenlage (410 m) untypisch sind. Im Wald überwiegen standortgemässe Laubbaumarten, teils alte Bestände, teils wurden Kleinflächen mit Eichen und leider auch mit Fichten aufgeforstet.
Der Weg zum Schlossgut, Gestaltungselement des Parks.
Rebberg am Südhang ob dem Ausee. Im Hintergrund Haus Gugger.
Der idyllische Ausee mit Schilfbeständen am Ufer.
Reihenartige Naldelholzgruppen als Rasen- und Raumbegrenzung.
Die Parkvegetation des gestalteten Landschaftsparkes lässt verschiedene Zeitepochen der Pflanzungen erkennen. So stammen die grossen, alten Baumbestände sicher aus Pflanzungen des letzten Jahrhunderts und dürften Fanny Moser, teilweise sogar vorgängigen Gutsbesitzern zugeschrieben werden. Zu den ältesten Beständen zählen grosse Weissbuchen und verschiedene andere exotische Bäume. Die Weltverbundenheit der jeweiligen Besitzer zeigt sich jeweils deutlich in Gartenanlagen und Pärken des letzten Jahrhunderts, indem nämlich in dieser Zeit Pflanzen aus verschiedensten Kontinenten eingeführt, kultiviert und verwendet wurden. So gehörte es sicher auch zum guten Ton, dass möglichst viele Exoten das Aha-Erlebnis der Gäste und Besucher erregen sollten. Im Schlossgut Au finden wir zum Beispiel geschlitzt-blättrige Buchen, australische Zürgelbäume (Celtis), den japanischen Schnurbaum, panaschierte, fremdartige Ahornarten, Zucker- und Sacharinahorn, kanadische und italienische Pappeln, um nur einige Laubhözer aus dem reichhaltigen Bestand zu nennen. Neben der Werdmüllerschen Trotte beginnt eine reihenartige Nadelholzpflanzung und zieht sich bis gegen den Tennisplatz hin. Sie bildet den Halt eines grossflächigen Raumes, des Rasenparterres. Solche Nadelholzgruppen wurden zu Beginn unseres Jahrhunderts als Raumbegrenzungen und als Rahmenbepflanzungen zur optischen Erweiterung von Räumen oder Sichtachsen angewendet. Die Längenwirkung dieser Fläche wurde dadurch vergrössert, und die verschiedenen Grüntönungen der exotischen Koniferen trugen auch farblich zu dieser Täuschung bei. Immer tiefere Grüntöne dunkelten den Raum nach hinten ab. Leider sind diese Pflanzen heute alle in einem relativ schlechten Zustand und müssen im Zuge der Parkrenovation ersetzt werden. Dies ist kein einfaches Unterfangen, sind doch die damals verwendeten Züchtungen und Sorten heute kaum mehr in Kultur und deshalb schwer erhältlich. Viele der im Eingangsbereich ebenfalls häufig verwendeten Nadelgehölze, wie serbische Fichte, Scheinzypresse und Lebensbaumarten, sind leider in einer schlechten Verfassung. Auch ihr Zustand verlangt Ersatz und Nachpflanzungen. Ob die Erkrankungen dieser Bäume auf Schadstoffbelastungen in Luft oder Wasser, Schädlingsbefall oder Alterungserscheinungen zurückzuführen sind, ist kaum eruierbar. Gute Pflanzenkenner können auch an einige Bäumen feststellen, in welchen Zeitabschnitten diese eine gute Pflege erfahren durften. Leider sind aber auch die Zeiten erkennbar, in denen der Park eher vernachlässigt wurde, sei es aus Gründen der Sparsamkeit oder der Unkenntnis wegen. Ziel der heutigen Neugestaltung ist es, die herrliche romantische Verbindung zwischen Bauten, Ufer und Park zu erhalten, teilweise zu rekonstruieren. Das Gebiet wird auch ornithologisch als wertvoll bezeichnet. So kommen beispielsweise der Sumpfrohrsänger, der Teichrohrsänger, der Haubentaucher, das Tauchhuhn und der Rohrammer vor. Als Gäste wurden auch schon Kolbenenten und Bekassine gesehen.
Schlossgut Au. Treibbeete der Gärtnerei.
Schlussbemerkungen
Der grosse Erholungswert des Schlossgutes Au ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass das Schlossgut eine Einheit von Park, naturnahen Flächen, Wald und landwirtschaftlich genutzten Bereichen darstellt. Die fliessenden Übergänge zwischen diesen einzelnen Zonen – sie sind oft gar nicht spürbar – lassen den Besucher eine grosse Parklandschaft vermuten. Zudem wechseln die Ausblicke über Wasserflächen und soffittenartige Seitenpflanzungen zu dunklen Hintergründen, was ebenfalls optisch die Landschaftstiefe vergrössert. Die liebliche Spiegelung des meist flach daliegenden Ausees trägt wesentlich dazu bei. All diese aufgeführten Punkte aneinandergereiht, bilden vermutlich den beruhigenden, genussvollen Effekt des ganzen Parkes. Der einst sicher fast autarke Selbstversorungsbetrieb des Schlossgutes wandelte sich jetzt zu einem öffentlichen Park, lässt aber seinen Ursprung immer noch erahnen.
Gerold Fischer, Landschaftsarchitekt BSLA
Literaturverzeichnis
Eggenberger, Walter, Der Rebbau auf der Halbinsel Au, Jahrbuch vom Zürichsee 1954/55, Stäfa 1955.