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Sathya Sai Organisation
Die Sathya Sai Organisation wurde 1968 vom indischen Meister und Avatar (Gott-Inkarnation) Sathya Sai Baba gegründet. Sathya Sai Baba soll 1926 in Puttaparthi, einem kleinen südindischen Dorf geboren worden sein. Heute hat sich Puttaparthi – der offizielle Geburtsort – dank dem Sai-Baba-Tourismus und dank der Sai-Baba-Institutionen zur Kleinstadt mit eigenem Flugplatz entwickelt. Wie die Ausstellung zur Geschichte der Bewegung im riesigen Ashram in Putaparthi zeigt, ranken sich um die Geburt und die Kinderjahre des Meisters unzählige Wunder-Geschichten. Schon als Kind konnte Sai Baba Ereignisse voraussagen und Gegenstände aus dem Nichts materialisieren. Er erklärte sich bereits in jungen Jahren zum wiedergeborenen Sai Baba von Shirdi, einem 1918 verstorbenen, in Südindien in weiten Bevölkerungskreisen geachteten oder verehrten Mystiker. Seit einiger Zeit sagt er auch seine zukünftige Inkarnation als Prem Sai Baba voraus.
Sathya Sai Baba sieht seine Mission darin, die Spiritualiät der Welt zu erneuern und die höchsten Prinzipien der Weisheit und die Tugenden der göttlichen Liebe und des Friedens zu lehren. Bekannt machte er sich vor allem durch seine Wundertätigkeit. So erschafft er noch heute während seiner Darshans (Begegnungen mit den um ihn versammelten Schülern, täglich jeweils etwa 20 000) heilige Asche oder andere Gegenstände «aus nichts». Er brauche, sagt er, nur an die Dinge zu denken, dann entstünden sie alle: Asche, Bildchen, Uhren, Shiva-Steine, Schmuckgegenstände usw. All diese «materialisierten» Gegenstände werden an Anhänger verschenkt und von ihnen in höchstem Mass verehrt. Die «aus nichts» erschaffene Asche wird den Jüngern bei ihrer Ab- reise als Allerweltsheilmittel und Wunderpulver mit auf den Weg gegeben.
Der nahe seinem Geburtsort ab 1940 entstandene Ashram ist heute einer der Grössten in Indien. Von da aus wurden Schulen und Erziehungsprogramme für menschliche Werte entwickelt, vom Kindergarten bis zur Hochschule. Das Ziel der Organisation besteht darin, die Hindernisse zu beseitigen, welche den Menschen vom Göttlichen trennen, und die in jedem Menschen und der ganzen Schöpfung innewohnende Göttlichkeit zu erkennen und zu verwirklichen. Nicht kleinlicher Eigennutz, sondern allumfassende Liebe ist die wahre Natur des Menschen. Sathya Sai Baba sagt: Es gibt nur eine Religion, die Religion der Liebe. Sie ist deshalb offen für die verschiedensten Religionen, in der Überzeugung, dass bei allen formalen und inhaltlichen Unterschieden die Essenz der Religionen letztlich die gleiche ist. Man ist bestrebt, Angehörigen der verschiedenen Religionen zu mehr Ernsthaftigkeit und Hingabe bei der Ausübung ihres Glaubens zu verhelfen, wobei allerdings das konkrete Wissen Sathya Sai Babas über andere Religionen – wie seine Reden zeigen – trotz der Allwissenheit, die seine Schüler ihm zuschreiben – sehr beschränkt ist.
Die Organisation fördert in Indien soziale Projekte von weitreichender Bedeutung, wie z.B. ein grosses Spital mit einer Spezialklinik für Herzkrankheiten in Puttaparthi (mit unentgeltlicher Behandlung) und eine (in ihrer Wirksamkeit umstrittene) Trinkwasserversorgung für angeblich rd. 1000 Dörfer. Die Mitglieder arbeiten unentgeltlich und sind bestrebt, Mittel für den Dienst an der Gesellschaft beizusteuern.
Kein indischer Meister der Gegenwart hat so viel Hoffnung und Erwartungen in so grossen Menschenmassen geweckt, wie Sai Baba. Wahrscheinlich hat aber auch keiner so viele, die ihm nahe kamen, so abgrundtief enttäuscht. Diese Enttäuschten melden sich heute immer öfter zu Wort. Ihre Liebe zu Sai Baba zerbrach einerseits an ihrer Beobachtung, dass Sai Babas «Wunder» auf ziemlich unprofessionellen Tricks beruhen. Manche, die ihm nahe kamen, beschreiben, wie er die angeblich «materialisierten» Objekte vor der «Materialisation» aus seiner linken Hand in die rechte verschoben hatte. Die Asche z.B. trägt er zuerst in Pillenform in seiner linken Hand. Schwerer als diese Tricks wiegen für gläubige Jünger aber Berichte oder eine eigene Erfahrung im Zusammenhang mit Sai Babas Auserwählung junger männlicher Anhänger zum persönlichen Zusammensein.
Ein Überfall ehemaliger Schüler einer Sai-Baba-Schule auf den Meister, der damit endete, dass die aufgebrachte Masse der Gläubigen die Attentäter lynchte, führte schon 1993 zu Diskussionen um Sai Babas Salbungsriten an jungen Männern. Waren homophile Neigungen im Spiel? In letzter Zeit sind Berichte über sexuellen Missbrauch von westlichen Fans und indischen Studenten der Sai-Baba-Colleges zugenommen. Sie dokumentieren tiefste Erniedrigung («einem Gott darf ich doch nichts ausschlagen») und Enttäuschung («er kann nicht Gott sein, wenn er dies von mir verlangt») –, dass der westliche Beobachter sich fragt, warum denn Sai Baba nicht schon vor indischen Gerichten erscheinen musste. Dass nun auch indische Zeitungen die Vorwürfe an Sai Baba aufgreifen, hat noch nicht verhindert, dass sich beim letzten Geburtstagsfest Sai Babas (Nov. 2000), bei dem nach Zeitungsangaben 250 000 Leute im Stadion des Ashrams den Einzug Sai Babas auf einem von Elefanten begleiteten silbernen und goldenen Thronwagen bestaunen konnten, die indische Regierung durch ihren Kulturminister vertreten liess. Sai Baba und sein Management reagieren bisher auf die massive Kritik mit der Aufforderung, nicht mehr ins Internet zu schauen, wo die Enttäuschten und Missbrauchten ihre Berichte auf einer Kritikerhomepage versammeln. Es gelte, der inneren Stimme, dem inneren Netz, zu vertrauen. Dass die indischen Justizbehörden bisher auf die Anschuldigungen noch nicht eingetreten sind, begreift jeder, der um die wirtschaftliche Bedeutung Sai Babas für Puttaparthi weiss. Eine Kleinstadt würde ihre wirtschaftliche Basis verlieren.
Bis heute anerkennen immer noch Millionen von Indern und Nichtindern die Göttlichkeit ihres Meisters, seine übermenschlichen Qualitäten, seine Wunder, die sie mit den Wundern Jesu vergleichen. Dem christlichen Kritiker missfällt dieser Vergleich: Sai Babas Wunder dienen beinah zur Unterhaltung der Massen und erinnern an ein Zirkusprogramm, Jesus tat Wunder fast nur zur Linderung von augenfällig anstehender Not.
Karl-Friedrich Schopper
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Heinrich Rubi
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Prasanthi Nilayam Ashram
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India
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D-79261 Sieglau
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