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Weil mehrere Großprojekte zur Genehmigung anstehen, sehen Fachleute das Jahr 2014 als ein entscheidendes Jahr für den Regenwald im Amazonas. Entschieden werden soll in den kommenden Monaten beispielsweise über den Betrieb des umstrittenen Wasserkraftwerkes Belo Monte sowie über den Bau zweier Stromwerke bei Tapajós. Aber auch der Bergbau bereitet den Naturschützern und Soziologen Sorgen. Sie befürchten eine weitere Zerstörung des Urwaldes, wovon nicht nur die Natur sondern auch die indigenen Völker sowie Ribeirinhos (Flussanwohner) und andere Siedlungsgemeinschaften des Amazonasgebietes betroffen wären.
Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, benötigt Brasilien mehr Energie. Viele brasilianische Familien sind in den vergangenen Jahren von der Armut in die untere Mittelklasse aufgestiegen, können sich nunmehr Elektrogeräte wie Ventilatoren, Waschmaschinen oder Computer leisten, was einen höheren Stromverbrauch zur Folge hat. Dennoch sind es nicht die Privathaushalte, die einen Ausbau der Stromkraftwerke notwendig machen, wie Professor Célio Bermann vom Institut für Energie und Umwelt an der Universität von São Paulo konstatiert. Er verweist vielmehr auf die sechs Hauptsektoren der Industrie: Stahlwerke, Metallindustrie, Eisenindustrie, Papier- und Zelluloseherstellung, Zementindustrie und die Petrochemie. Allein diese seien für 30 Prozent des Stromverbrauches verantwortlich, so der Experte.
Nach einer Studie über die Energieversorgung im Amazonasgebiet würden hingegen schon 66 Windräder mit einer Leistung von 30 Megawatt ausreichen, um die Bevölkerung des Regenwaldes in den kommenden zehn Jahren mit Strom zu versorgen. Würden diese Windkraftanlagen zudem in der Nähe von Städten angelegt, könnten Energieverluste durch lange Transportwege des Stromes vermieden werden.
Die Regierung setzt indes auf Großprojekte wie das umstrittene Wasserkraftwerk Belo Monte am Fluss Rio Xingu im Bundesstaat Pará. Dort werden 516 Quadratkilometer Regenwald unter Wasser gesetzt. Zentrale Kraftwerke wie in Jirau, Santo Antônio und Tapajó werden im Zeichen des Fortschritts geplant. Schutz und Erhalt des einzigarten Amazonasurwaldes stehen dabei hinten an. Wie mit Studien bereits nachgewiesen wurde, kommt es in der Umgebung der Wasserkraftwerke mit ihren riesigen Wasserreservoirs zu zusätzlichen illegalen Abholzungen. Dies geschieht auch, weil große Bauprojekte Grundstücksspekulanten anziehen.
Skeptisch wird auch das Projekt Carajás des Bergbauunternehmens Vale gesehen. Schon jetzt gilt die Anlage mitten im Amazonas-Regenwald als größter Eisengewinnungsbetrieb der Welt. Geht es nach den Willen der Betreiber soll die Kapazität jedoch noch verdoppelt werden. Um einen schnelleren Transport des Eisens zum Hafen in São Luís zu ermöglichen, soll die vorhandene Bahnstrecke eine weitere Spur erhalten. Für die Bevölkerung ist dies nicht ungefährlich. Auf den Schienen wird pro Monat ein Mensch überfahren. Kritiker verweisen zudem auf die sozialen Konflikte und Probleme, die seit drei Jahrzehnten in der Umgebung des Werkes vorherrschen. Dem Unternehmen wird dabei sogar vorgeworfen, dass es soziale Bewegungen ausspioniert.
Viele der Probleme, die durch den Druck der wirtschaftlichen Entwicklung angeheizt werden, finden außerhalb des Amazonasgebietes kaum Gehör. Dem soll nun entgegen gewirkt werden. Spezialisten aus den Bereichen Soziologie, Energie, Umweltschutz und Kommunikation sowie Vertreter von Nichtregierungs-Organisationen wollen in diesem Jahr in ganz Brasilien verstärkt an die Öffentlichkeit gehen. Sie argumentieren, dass das Amazonasgebiet häufig isoliert betrachtet werde. Allerdings landet illegal geschlagenes Holz auch in anderen brasilianischen Bundesstaaten wie São Paulo oder Minas Gerais, werden Strom und Eisen in andere Gebiete transportiert. Kurz, der Amazonas geht alle an. Notwendig sei eine brasilienweite Debatte über den Wirtschaftsdruck, den Erhalt des Regenwaldes und darüber, wie die Region nachhaltig entwickelt und die Lebensqualität der Menschen, die dort leben, verbessert werden kann, sind sich die Experten einig. Ein erster Schritt, um die Debatte anzustoßen, ist das Buch Amazônia Pública (Öffentliches Amazonien), das Mitte Dezember herausgegeben wurde. Es zeigt anhand von Reportagen welche Auswirkungen Großprojekte im Nationalwald von Carajás sowie an den Flüssen Tapajós (Pará) und Madeira (Rondônia) auf die Umwelt und die Bewohner haben.