Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03102.jsonl.gz/1889

Frequenzgang
Bei Messungen von Lautsprechern wird in der Regel der Frequenzgang als Mass der Dinge angesehen. Das wäre prinzipiell auch richtig, wenn dieser nach Betrag und Phase gezeigt würde. Leider beschränkt man sich vielfach auf den Pegelfrequenzgang und die Phase wird vernachlässigt. Dies erstaunt einem, liegt doch die Hälfte der Wahrheit eben dort begraben. Während der Pegelfrequenzgang primär das statische Verhalten eines Lautsprechers zeigt, können mit dem Phasenfrequenzgang die zeitlichen Bezüge dargestellt werden. Beides zusammen ist in der Impuls- oder Schrittantwort enthalten und lässt sich vorallem in der Schrittantwort wunderbar interpretieren.
Wenn ein linearer Pegelfrquenzgang vorhanden ist, heisst das leider noch nicht, dass der Lautsprecher ein fehlerfreies Übetragungsverhalten aufweist. Gerade passive Mehrwegsysteme (bestehend aus Tief-, Mittel- und Hochtöner) sind im dynamischen Verhalten meist alles andere als perfekt. Durch die unterschiedliche Ansprechzeit von Tief-, Mittel und Hochtöner und dem Einfluss der Frequenzweiche hat man es beim herkömmlichen Lautsprecher bei jedem Impuls mit drei zeitlich auseinanderliegenden Impulsen zu tun. Unser Hirn versucht dann trotz zeitlichen Differenzen zwischen den verschiedenen Frequenzbändern ein einigermassen homogenes Ergebnis zu errechnen. Dass das nicht der musikalischen Wahrheit entspricht, scheint mehr als einleuchtend.
Konstante Gruppenlaufzeit
Der Begriff konstante Gruppenlaufzeit ist bedeutungsgleich mit einer linearen Phase und bedeutet, dass alle Frequenzen gleichzeitig abgestrahlt werden. Der Phasenfrequenzgang bzw. die Gruppenlaufzeit ist nicht ganz einfach zu messen, da es einen relativ grossen schalltoten Raum erfordert, vorallem, wenn tiefere Frequenzen auch gemessen werden sollen. Aus Untersuchungen weiss man aber, dass der Mensch bei dynamischen Signalen, aus welchen die Musik vornehmlich besteht, vorallem im Bereich von etwa 150 bis 10’000 Hz Phasenverschiebungen wahrnimmt. Dieses Verhalten kann hingegen sehr gut bei der Schrittanwort beurteilt werden.
Schrittantwort High End 3-Weg passiv System (0.1 ms/div.)
Schrittantwort airplain phli (0.1 ms/div.)
Bei einer Schrittanwort wird ein Signal auf einen Lautsprecher gegeben, welches urplötzlich von Null auf zB. 2 Volt springt. In den beiden oben abgebildeten Grafiken ist das Eingangssignal weiss gestrichelt eingezeichnet. Je näher die Reaktion des Lautsprechers am Eingangssignal liegt, desto weniger Fehler sind im Übertragunsgbereich vorhanden.
In der linken Grafik sehen wir die Schrittantwort eines passiven 3-Weg Highend-Lautsprechers, rechts diejenige eines airplain phli während der Entwicklungsphase. Während der passive Lautsprecher drei verschiedene, nacheinander liegende Reaktionen erkennen lässt, ist beim phasenlinearen Lautsprecher nur eine einzige Reaktion zu sehen. Übrigens könnten beide Lautsprecher einen identischen Pegelfrequenzgang aufweisen und die Schrittantwort könnte trotzdem so unterschiedlich sein.
Welches System nun weniger Fehler produziert bzw. näher am Original liegt, ist offensichtlich.