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Weitere Luftaufnahmen von Wimmis
In der Port bei Wimmis durchbricht die Simme den von der Burgfluh und der Simmenfluh gebildeten Kalkriegel, den letzten, der sich ihr auf ihrem Weg durch die Voralpen bis zur Mündung in die Kander und in den Thunersee entgegenstellt. Die Talenge war stets auch für den Verkehr ein empfindliches Hemmnis. Er suchte sie über den niederen Sattel südöstlich der Burgfluh zu umgehen. Wo der Saumpfad sich nach Norden senkt und den Alpenrand erreicht, liegen Dorf und Burg Wimmis.
Die Lage rief schon sehr frühzeitig einem Sperr- und Zollposten. Die Querverbindung durchs Simmental, zwischen Genfersse, Rhone- und Aaretal, wurde von alters her benützt. Unter den hochburgundischen Königen wuchs offenbar ihre Bedeutung, weil das Kloster St-Maurice und der Raum am unteren Thunersee (im helvetischen Bereich auch Payerne, Romainmôtier und Moutier-Grandval) Schwerpunkte kirchlicher Entfaltung und christlicher Mission darstellten. 1962 wurden bei Grabungen in der Kirche die Fundamente eines frühmittelalterlichen Vorgängerbaus mit Apsis festgestellt, der vor der hochburgundischen Epoche entstanden sein muss. Die erste Kapelle wurde erweitert und machte etwa um die Jahrtausendwende dem jetzigen romanischen Dreiapsidenbau Platz, der durch Pfeilerreihen in drei Schiffe aufgeteilt war.
Diese Kirche war mit einem wahrscheinlich befestigten hof des Königs verbunden. Möglicherweise lag dieser auf dem Felssporn, auf den später die Burg zu stehen kam. Archäologische Befunde fehlen bis jetzt. Historisch steht allerdings fest, dass der Hof 994 von Kaiser Otto III dem von der hochburgundischen Königstochter und Kaiserwitwe Adelheid gegründeten Kloster Selz im Elsass geschenkt wurde. Der Name von Wimmis taucht in einer Urkunde damals zum ersten Mal auf.
Die Anfänge der Burg gehen auf die Freiherren von Strättligen zurück, die sich vermutlich im 11. Jahrhundert hier festzusetzen vermochten. Sie hatten von ihrem Stammschloss aus, dessen Ruine über Gwatt am Thunersee einen Moränenhügel krönt, auf das umliegende Land gegriffen. Ihnen ist der erste Feudalausbau von Spiez zuzuschreiben. Wimmis gehörte ihnen während der ganzen Epoche der Zähringer, mit denen sie sich offenbar gut vertrugen, und anschliessend bis 1250. Vom heutigen Bau stand damals der die exponierteste Stelle einnehmende Bergfried, ein zusätzlich von einer Wehrmauer geschütztes hohes Bauwerk mit quadratischem Grundriss. Die festen Mauerquadern und die kleinen romanischen Fensteröffnungen lassen ihn den oberen Teilen des Turms von Spiez nahe verwandt erschienen, die unter der gleichen Herrschaft ungefähr gleichzeitig in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, errichtet worden sein müssen. Der spitz auslaufende Dachhelm wurde auch hier erst viel später, vermutlich im 16. Jahrhundert, aufgesetzt.
Getrennt vom Bergfried, ihm in der Nordansicht heute mit steilem Giebeldach vorgelagert, erhob sich in der Folge der Palas, dessen Wohngemächer die Behausung im Bergfried ergänzten und ablösten. Noch jetzt führt von ihm eine Holzgalerie zum alten Hocheinstieg des Turms. Es ist fraglich, ob noch die Strättliger den Palas errichteten oder erst die Freiherren von Weissenburg, die bald nach 1250 in Wimmis ihre Nachfolge antraten. Sie waren im Niedersimmental zu Hause, wo sich in Weissenburg, auf einem Felsrücken nahe der Talsohle, ihr Stammsitz befand. Der runde Hauptturm von dessen Ruine weist auf Einflüsse Savoyens unter dem Grafen Peter II, zur Mitte des 13. Jahrhunderts.
Die Herren von Weissenburg dehnten ihre Macht mit Erfolg ins gebiet der Oberländer Seen aus, und da hatte Wimmis, an der Öffnung des Simmentals, eine Schlüsselstellung inne. Seine Wehranlage wurde weiter verstärkt, die Ringmauer gegen die empfindliche Südseite doppelt geführt, mit einem noch heute sichtbareren Zwinger dazwischen, und in der Zeit um 1500 erneuert. Als Vorburg gegen Südosten entstand ein Städtchen, dessen Lage allerdings nicht mehr erkennbar ist. Über die Senke zum Hangfuss des Niesen wurde eine zuerst hölzerne, dann steinerne Letzi erbaut, welche den Eingang ins Simmental versperrte. Derart befestigt, vermochten Wimmis und seine Burg bei den zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen der Weissenburger mit anderen Grundherren und namentlich auch mit Bern manchem Ansturm zu trotzen. 1334 gelang aber den Bernern die Eroberung. Die Herren von Weissenburg traten danach ins Burgrecht mit der Stadt, verbündeten sich also mit ihr und leisteten ihr auch im Laupenkrieg Hilfe. Wimmis hatte ihr offen zu bleiben. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel im 15. Jahrhundert ging es 1449 durch Ankauf an Bern über.
Als Landvogtei- und seit dem beginnenden 19. Jahrhundert als bernischer Amtssitz im Niedersimmental hat das Schloss sein jetziges Aussehen gewonnen. Etwas verschachtelt wirken die im 15., im endenden 17. und im 18. Jahrhundert erstellten Gebäude, die sich abgetreppt nach aussen and den alten Palas fügen. Sie führen aber, zusammen mit dem Bergfried, zur überaus stolzen Silhouette einer im Lauf der Jahrhunderte aufgebauten, im Stil entsprechend mannigfaltigen Anlage. Das in Anlehnung an die überlieferten Formen modern gestaltete Innere der Burg erreicht man schon seit dem 16. Jahrhundert über eine steile und lange, gedeckte Treppe, während die spätmittelalterliche Zugangsrampe nördlich und westlich um das Bauwerk herum zum einstigen Tor beim Zwinger leitete.
Wimmis, gegen 1920
Bibliographie