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McLibel:
Der Prozess von McDonald's gegen 2 Tierschützer
Im September 1990 wurden 5 Greenpeace London Aktivisten (unabhängig von Greenpeace International) von McDonald's wegen des Verteilens eines Flugblattes mit dem Titel «What’s wrong with McDonald's? – Everything they don’t want you to know.» angeklagt. In der Folge entschuldigten sich drei der Verklagten bei McDonald's. Die beiden verbliebenen «Täter» wurden nun im Juni 1997 zu 60’000 Pfund (rund Fr. 150’000) Schadenersatz verurteilt. Der folgende Artikel bringt eine Chronologie der Ereignisse.
Helen Steel und Dave Morris wollten sich bei McDonald's nicht entschuldigen und liessen es auf einen Prozess ankommen. Der Staat war nicht bereit, ihnen einen Verteidiger zu stellen. Da sie sich keinen Anwalt leisten konnten, mussten sie sich daher selbst vor Gericht verteidigen.
Als Prozessvorbereitung fanden zwischen September 1990 und Juni
1994 28 (!) vorgerichtliche Anhörungen statt. Während
dieser Zeit wurde den Angeklagten von McDonald's viele Hindernisse in
den Weg gelegt. Beispielsweise mussten sie innerhalb von drei Wochen
alle Zeugen für ihre Verteidigung benennen, was ihnen zum
Erstaunen aller gelang (mit 65 Zeugen).
McDonald's merkte nun, dass man sich hier auf mehr gefasst machen musste. Es wurde deshalb ein Top-Anwalt (Tagesgehalt £2000) engagiert.
1990 wurde, um den Angeklagten das Durchstehen des Prozesses zu ermöglichen, die «McLibel Support Campain» gegründet.
1991 versuchten die Angeklagten vergeblich via europäischen Menschenrechtsgerichtshof ihr Recht auf einen Pfilchtverteidiger einzufordern.
1993 entschied das Gericht auf Verlangen des Anwaltes von McDonald's, sein Urteil ohne Geschworene zu fällen. Begründung: Der wissenschaftliche Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Gesundheit sei für Laien zu kompliziert.
1994 publizierte McDonald's ein Flugblatt (Auflage 300’000
Exemplare) mit dem Titel «Why McDonald’s is going to
court» (Weshalb McDonald's vor Gericht geht). Darin wurde
behauptet, es ginge nur darum, Leuten das Lügen zu verbieten.
Im Gegenzug wurde McDonald's im April 1994 von Helen Steel und Dave Morris verklagt. Sie erreichten damit, dass McDonald's seine Anschuldigungen auf dem Flugblatt beweisen musste.
Am 28. Juni 1994 begann der eigentliche Prozess, der zum längsten in der britischen Rechtsgeschichte werden sollte. Mit dem Prozessbeginn begannen weltweite Solidaritätskundgebungen für die zwei Angeklagten.
Im Prozess bezeichnete Edward Oakley, Senior Vizepräsident von McDonald's UK die Käfighaltung von Hühnern (in der jedes Huhn weniger als ein A4-Blatt Lebensraum hat) als «ziemlich komfortabel» (pretty comfortable). Er sagte auch, dass für Hühner in Käfigen besser gesorgt werde als in anderen Haltungssystemen (!).
Zum 1. Jahrestag des Verhandlungsbeginns (28. Juni 1995) wurde
bekannt, dass McDonald's bereit wäre, einer dritten Partei Geld
zu zahlen, wenn die Angeklagten sich einverstanden erklären
würden, McDonald's nicht weiter zu kritisieren. Das Angebot
wurde abgelehnt.
In der Folge begannen sich immer mehr Medien für den Fall zu interessieren.
So jährte sich am 16. Oktober 1995 der weltweite Anti-McDonald's-Tag bereits zum 11. Mal. Vor rund 300 McDonald's in England wurden Flugblätter verteilt. In mindestens 20 weiteren Nationen liefen ähnliche Aktionen.
Am 7. Oktober 1996 begannen die Vorbereitungen für die
Schlussplädoyers. Dazu mussten 40’000 Seiten Dokumente und
zusätzlich 20’000 Seiten Zeugenaussagen durchgearbeitet
werden!
Helen Steel und Dave Morris hielten ihre Schlussplädoyers vom 21. Oktober bis 28. November 1996. Nach 313 Gerichtstagen wurde das Verfahren am 13. Dezember 1996 abgeschlossen.
Am 19. Juni 1997 wurde das Urteil verkündet. Obwohl in der 800-seitigen Urteilsbegründung, die im Flugblatt gemachten Vorwürfe gegen McDonald's zum Teil bestätigt wurden (insbesondere auch die Anschuldigung bezüglich Unterstützung der Tierquälerei), wurden die Angeklagten zu einer Entschädigungszahlung von £30’000 (Morris) und £27’500 (Steel) an McDonald's verurteilt.
Den ganzen Prozess konnten die beiden nur dank umfangreichen Spenden überstehen, da beide arbeitslos waren/sind.
McDonald's hat natürlich nicht mit einer solchen Unterstützung gerechnet und hoffte auf ein baldiges finanzielles Ende ihrer «Opfer».
Wer an nähere Angaben zu diesem Fall interessiert ist, kann sich diese unter untenstehenden World-Wide-Web Adressen abrufen.
Hier muss natürlich auch ein kleiner Lichtblick erwähnt werden: McDonalds bietet in immer mehr Ländern bereits vegetarische Hamburger an (z.B. auch in der Schweiz und Österreich). Natürlich nur aus Marktstrategischen Gründen, aber besser als gar nichts. Zur Zeit des Prozessbeginns war daran noch gar nicht zu denken.