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Der Schweizer Filmemacher Peter Liechti ist gestorben
07.04.2014 Der Ostschweizer Regisseur, Autor und Kameramann Peter Liechti (Bild) ist am 4. April 2014 nach schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren in Zürich verstorben. Mit Peter Liechti verliert der Schweizer Film einen der innovativsten Filmemacher mit einer langen, bedeutenden internationalen Karriere.
Foto: © Eduard Meltzer
Peter Liechti hinterlässt mit seinen Dokumentarfilmen und Essays ein umfangreiches, künstlerisch eigenständiges Werk, das weltweit an Filmfestivals gezeigt und in Retrospektiven u.a. in New York, Rotterdam, Buenos Aires, Wien, Leipzig und Berlin gewürdigt wurde.
Für "The Sound of Insects - Record of a Mummy" wurde er 2009 mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet.
Im Inland ist Peter Liechti 2010 mit dem Kunstpreis der Stadt Zürich und dem Grossen St. Galler Kulturpreis ausgezeichnet worden. Sein letzter Film, «Vaters Garten - Die Liebe meiner Eltern» wurde 2013 im Wettbewerb des Forums an der Berlinale gezeigt und ist im März 2014 als bester Dokumentarfilm und für den besten Schnitt mit dem Schweizer Filmpreis geehrt worden.
Peter Liechti, 1951 in St. Gallen geboren, studierte zunächst Malerei und arbeitete als Zeichnungslehrer, bevor er sich dem Film widmete. Die Beschäftigung mit Musik und Texten haben sein filmisches Schaffen immer begleitet und angereichert. Seine Aphorismen sind in "Lauftext - ab 1985" erschienen, und in "Klartext" publizierte er die Gespräche und Gedanken, die den Film "Vaters Garten - die Liebe meiner Eltern" motiviert haben (Vexer Verlag).
Als Dramaturg und Produzent hat er sich stets auch für die nachfolgenden Generationen engagiert. Zahlreiche junge Filmschaffende haben durch seinen Scharfsinn und seine Kritik ihre eigene Ausdrucksweise gefunden.
Als Kameramann hat er in den Werken befreundeter Regisseure seine visuellen Spuren hinterlassen.
Peter Liechti hat seine Filme nicht gemacht, um Botschaften zu verkünden oder um fertige Geschichten zu erzählen. Für ihn war der Film das Medium, um den Dingen auf den Grund zu gehen.
Konfrontationen mit dem innern Dämon
Peter Liechtis im Treatment zu "Dedications", seinem jüngsten, bis zur Erschöpfung der Kräfte unablässig vorangetriebenen Filmprojekt, formulierte Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Exakt zwei Wochen nachdem ihm für "Vaters Garten - Die Liebe meiner Eltern" der Schweizer Filmpreis für den besten Dokumentarfilm 2013 verliehen worden war, den er schon nicht mehr persönlich entgegennehmen konnte, ist er in seinem Heim in Zürich seiner schweren, über Jahre hinweg mit beklemmendem Mut bekämpften Krankheit erlegen.
Christoph Egger
Jetzt, da der Dokumentarfilmer Peter Liechti gestorben ist nach schwerer, lang bekämpfter Krankheit, ist man sehr versucht, sein Werk, das späte vor allem, von diesem Ende her zu lesen. Als ob doch einfach Spuren und Ahnungen von Abschied zu finden sein müssten. Als ob ein Kreis sich schon habe schliessen wollen in seinem letzten Film, "Vaters Garten", einer kunstvollen, versöhnlichen Wiederannäherung an die Eltern, die er verloren und sozusagen abgehängt hatte für lange Jahre und die doch in seiner Seele waren, als ein Stück von ihm in ihrem würdigen Bünzlitum.
Christoph Schneider
Peter Liechti arbeitete bis zuletzt an einem neuen Werk mit dem Titel "Dedications", einer "etappenartigen Krankheitsgeschichte, die mit allen Hochs und Tiefs des Spitalalltags ihren Lauf nimmt", wie er auf seiner Homepage schreibt. "Dieser wird aber immer wieder vergessen und überflutet von einem unbändigen Erinnerungsstrom, Momenten wildesten Lebens und selbstvergessener Melancholie".
sda-ats
Der Bilderzauberer
Betroffenheit und Schmerz über den Tod von Peter Liechti sprechen aus allen Reaktionen von Freunden.
Wir trauern um Peter Liechti
An den 49. Solothurner Filmtagen 2014 war Peter Liechti Ehrengast der «Rencontre».
Radio:
"Vaters Garten": (K)ein Elternporträt von Peter Liechti
Radio SRF 2 Kultur, "Reflexe", 26.9.2013:
Peter Liechti Gast im "Tagesgespräch"
Radio SRF 1, 25.9.2013
Videos:
Vaters Garten von Peter Liechti. Kinotrailer. HD
Peter Liechti - SIGNERS KOFFER (Trailer)
Sound of Insects - EXCLUSIVE Official Trailer [HD]
Peter Liechti | Masterclass | Part 1 | Motivation
Schweizer Fernsehen SRF 1, "10vor10" vom 30.10.2001, 12:00 Uhr
M U S I K F I L M
Musik machen ist schön. Reisen ist schön. Und Namibia ist auch schön. Was könnte es also Schöneres geben als eine Reise durch Namibia, auf der man mit einheimischen Musikern musiziert. Der Schweizer Dokumentarfilmer Peter Liechti dreht im südlichen Afrika ein Road-Movie über Leute von hier, die in einer 12köpfigen Band im Bus durch Namibia fahren und mit Leuten von dort Musik machen. Allein: Im richtigen Leben ist, anders als im Kino, nichts ohne Nebengeräusche. Nicht mal die Musikkooperation.
Peter Liechtis radikale «Dokumentaressays»
Schweizer Fernsehen SRF 1, "Kulturplatz", 24.4.2013
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