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Dr. Kildare lief während 5 Jahren und mit 191 Episoden im amreikanischen Fernsehen. Einst als Film konzipiert, fand die Arztserie 1961 ihren weit erfolgreicheren Weg in die Flimmerkisten begeisterter Amerikaner(innen!) und katapultierte Richard Chamberlain zum gefeierten TV-Star. Ärzte und die Geschichten in und um Krankenhäuser fanden 20 Jahre später mit der Schwarzwaldklinikfruchtbaren Boden und wurden jüngst mit dem Abschluss von Emergency Room auf die Spitze getrieben.
Jerry Goldsmith war 1961 nicht mehr bei CBS unter Vertrag und stand kurz vor seinem Durchbruch mit Lonely are the Brave und Freud, doch Produzent Norman Felton wollte unbedingt Goldsmith als Komponisten für die Serie haben. Der sagte zu und komponierte nicht nur das Hauptthema, sondern auch den Pilotfilm sowie vier weitere Episoden der ersten Season.
Immer wenn ich mir die Goldsmith-Konzert CD mit der Philharmoia (aka Suites and Themes) anhöre, findet man bei der TV-Suite noch und noch Stellen, die zum Mitwippen einladen. Das noble, kraftvolle Thema zu Dr. Kildare bildet da keine Ausnahme und es wurde später von Chamberlain unter dem Titel „Three Stars will Shine Tonight“ sogar als Song präsentiert, der in den USA zum Hit avancierte (zu hören als Eröffnungsstück auf CD 3). Laut Goldsmith, der mit dem Song an sich nichts weiter zu tun hatte, bezahlten die daraus generierten Tantiemen immerhin sein Haus – aber das kennen wir ja schon als Standartspruch von seinen Rambo-Filmen.
Herzstück des 3er CD-Sets ist CD 1 mit den Scores von Jerry Goldsmith zum Pilotfilm Twenty Four Hours und den Episoden The Lonely Ones, Immunity, Shining Image und A Million Dollar Property. Insbesondere seine Musik zu Twenty Four Hours, deren Bänder leider nicht verwendbar waren und man deshalb auf Acetatscheiben zurückgreifen musste, bildet einen musikalisch sehr schönen Einstieg in die Serie mit einer starken Gewichtung auf sein Titelthema, was diese 17 Minuten umso reizvoller machen. Für seine Kildare Musiken standen Goldsmith zwischen 20 und 24 Musiker zur Verfügung. Mit Ausnahme von Shining Image basieren seine Episoden vermehrt auf dem erwähnten Thema, mit viel Variantenreichtum und interessanten Orchestrationen (speziell Immunity sei hier erwähnt, für den zusätzlich Robert Franklyn Musik beisteuerte) gelingt es Goldsmith interessante und abwechslungsreiche TV-Musiken zu produzieren. Der Titelcredit mit Jerrald Goldsmith ist sicher gewöhnungsbedürftig und wurde laut Booklet speziell wegen Goldsmith’ Eltern zu Beginn so gehalten, die mit dem Spitznamen „Jerry“ wenig anfangen konnten. „Jerrald“ führte allerdings zu mehr Konfusion und wurde später mit dem bekannten „Jerry“ ersetzt.
CD 2, die Season 2 und 3 abdeckt, enthält in erster Linie Musik von Harry Sukman, der sich in den 60ern vor allem mit Musikadaptionen zu Fanny, The Singing Nun und seinem Oscar für Song Without Endeinen Namen machte. Insgesamt 11 Stücke aus der Feder von Sukman finden sich auf dieser Disc, 3 weitere folgen auf CD 3. Sukman vertonte fast 100 Episoden von Dr. Kildare und damit mehr als die Hälfte der ganzen Serie.
Ein Stück (The Search) stammt von Richard Markowitz, der zu insgesamt 7 Episoden die Musik beisteuerte und später mit die Themen für The Rebel und The Wild Wild West schrieb.
Auf CD 3 finden wir Musiken aus Season 4 und 5. Von Harry Sukman gibt es wie oben erwähnt weitere Kompositionen: Kurze Ausschnitte aus The Exploiters und rund 18 Minuten Score zur scheinbar populärsten Episode der Serie, Tyger, Tyger. Hier sind desöfteren beatige Südkalifornienklänge zu vernehmen, dreht sich die als Zweiteiler konzipierte Episode doch um ein an Epilepsie leidendes Surfergirl, in das sich Kildare verliebt. Ein wenig gewöhnungsbedürftig nach den zuvor ansonsten meist dramaturgisch klassischen Kompositionen von Scheibe 1 und 2. Danach folgen einige Episoden, die von Morton Stevens (noch vor seinem Hawaii Five-O Engagement) vertont wurden. Stevens geht einen mehr jazzigen Weg, insbesondere in Night of the Beast und Mulligan Stew ist das unmissverständlich zu hören. Gefühlsbetonter wird es mit Rome Will Never Leave You, bei dem Stevens einen Song Burt Bacharachs verwendete, der an den phänomenalen Erfolg von „Three Stars will Shine Tonight“ anknüpfen sollte.
Auch der noch wenig bekannte Lalo Schifrin gibt auf CD 3 sein Stelldichein, als dramaturgischer Bestandteil zeichnet sich der kurze The Bell in the Schoolhouse Tolls for Thee aus, während die zwei anderen Stücke reine source music sind („Schifrin at his jazzy best“ wie Jon Burlingame in den Liner Notes schreibt).
Eine schöne Überraschung sind die zwar kurzen aber wunderbar thematischen, ausufernd emotionalen Ausschnitte von Veteran John(ny) Green (Raintree County), der für die letzte Saison die letzten beiden Episoden vertonte, die gleichzeitig für ein geplantes Spin-off hätten dienen sollen. Noch überraschender ist der Name Bronislau Kapers in Verbindung mit Dr. Kildare. In der Tat kam sein Name im Zusammenhang mit einem Pilotfilm auf, der sich um den jungen Kildare aus der Filmreihe hätte drehen sollen, wurde allerdings nie ausgestrahlt. Als Titelmusik wurde Kapers Thema aus The Power and the Prize von Alexander Courage neu arrangiert und eingespielt.
Für Goldsmith-Fans ist die erste Scheibe sicherlich eine schöne Ergänzung der Sammlung, wenn es auch eher als Komplettierung anzusehen ist. Wirklich oft wird man wohl keine der drei CDs in den Player schieben, das soll auch gar nicht abschätzig gemeint sein, aber wir kennen alle die Kurzlebigkeit solcher TV-Episodemusiken und die Tatsache, dass diese halt über eine ganze CD geschweige denn deren drei nicht durchzuziehen vermögen, insbesondere wenn mehrere Komponisten tätig waren (wie auf CD 3).
Sehr gelungen ist das Booklet mit detaillierten Infos zur Geschichte der Serie und den einzelnen Kompositionen, unterhaltsam geschrieben von TV-Guru Jon Burlingame.
Phil, 18.5.2009
DR. KILDARE Jerry Goldsmith Film Score Monthly FSM Vol. 12 No. 6 Silver Age Classics CD 1: 78:38 / 30 Tracks CD 2: 78:44 / 16 Tracks CD 3: 78:14 / 25 Tracks