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In einem gesellschaftlichen Aufbruch um 1900 beinhaltete die Lebensreform als europäisches Epochenpanorama moderne wie antimoderne Strömungen. Es gab unter den bedeutenden Lebensreformern facettenreiche Persönlichkeiten. Sie waren gleichzeitig konservativ und modern, liberal und autoritär, rational und esoterisch, national und weltoffen, kulturpessimistisch und zukunftsoptimistisch, pragmatisch und utopistisch.
Die Reformbewegung wurde in Nord- und Mitteleuropa zur treibenden Strömung in der Modernisierung des Alltags und umfasste eine globale Reform sowohl der Lebensweise als auch der Mentalitäten. Die Lebensreformer bewegten Fragen der geistigen Sinngebung und die Gestaltung des Lebens in einem neuen Verhältnis zur Natur. Der «moderne Mensch» wurde dadurch geboren.
Die Bewegung war mit ihren vielfältigen Gesichtern grenzüberschreitend. Die Schweiz wurde ins internationale Kontaktnetz der Architekten, Künstler und Vordenker eingewoben. Als Zentren kristallisierten sich die reformierten Städte Zürich, Basel, Bern und Genf heraus, doch gab es darüber hinaus zahlreiche und wichtige Nebenschauplätze, vor allem in den Bergen.
Zu den Lebensreformern in der Schweiz zählten Casimir Hermann Baer, Henry Baudin, Philippe Godet, Georges de Montenach, Karl Indermühle, Edoardo Berta, Robert Rittmeyer, Ferdinand Hodler, Emile Jaques-Dalcroze, Jules de Praetere und Marguerite Burnat-Provins.
Bild: Aus: Elisabeth Crettaz-Stürzel, Heimatstil, 2005