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Was heisst eigentlich «Siegermentalität»? Beispielsweise in den Playoffs mit Schmerzen und gebrochenen Knochen spielen. Wie die SCB-Stürmer Thomas Rüfenacht und Andrew Ebbett.
Thomas Rüfenacht (34) muss auf die WM verzichten. Der Grund: ein gebrochener Finger. Mit dieser Verletzung hat er sich durch die Playoffs gequält – und in 17 Partien immerhin drei Tore und fünf Assists erzielt. Schmerzen vergehen, meisterlicher Ruhm bleibt.
Doch die Heldengeschichte der Playoffs hat Andrew Ebbett (36) geschrieben. Der kanadische SCB-Leitwolf erlitt noch vor dem Spengler Cup einen Bruch in der Hand. Er hat diese Verletzung verschweigen – auch um den Spengler Cup nicht zu verpassen – und die Blessur verheilte wieder. Allerdings ist der Bruch nicht richtig zusammengewachsen und muss nun operiert werden.
Im Laufe der Viertelfinal-Serie gegen Servette brach der Kanadier auch noch den Finger – und biss sich durch. Mit 11 Punkten aus 18 Partien (1 Tor/10 Assists) war er in den Playoffs zweitbester SCB-Skorer.
Diese Leidensfähigkeit zeichnet die grossen Spielerpersönlichkeiten aus. Leiden ist gelebte Siegermentalität. Und diese Mentalität gehört nun mal zur DNA der Berner im Allgemeinen und zum SCB im Besonderen.
Der Final zwischen den Bernern und dem EV Zug mahnt im Rückblick durchaus an die legendäre Serie um den Stanley Cup zwischen den New York Islanders und den Edmonton Oilers im Frühjahr 1983.
Die Islanders hatten dreimal hintereinander den Stanley Cup geholt. Ausgeprägte Siegertypen wie Torhüter Billy Smith, Verteidiger und Captain Denis Potvin, Brent und Duane Sutter, John Tonelli und die Skorer Brian Trottier und Mike Bossy prägten das Team. An der Bande stand der akribische Al Arbour, der Kari Jalonen der frühen 1980er Jahre.
Die Oilers waren die Himmelstürmer. Einen Stanley Cup hatten sie noch nie geholt. Doch dieser Triumph schien für das Team um Wayne Gretzky, Mark Messier, Jari Kurri, Glenn Anderson und Paul Coffey nur eine Frage der Zeit. Aber noch einmal triumphierten die «Alten» und triumphierten zum vierten Mal hintereinander. Und zwar gleich mit vier Siegen in Serie.
Als alles vorüber war, realisierten die jungen Oilers erst richtig, wie ihre Gegenspieler gelitten, welche Schrammen sie davongetragen, mit wie viel Schmerzen sie sich durch die Playoffs gequält hatten.
Noch Jahre später, als die Oilers bereits mehrmals den Stanley Cup geholt hatten, erzählten die Leitwölfe des Teams, wie sehr sie von dieser Leidensfähigkeit der Islanders beeindruckt waren. Erst da hätten sie kapiert, was es braucht, um den Stanley Cup zu holen. Ein Jahr später holte Edmonton die wichtigste Trophäe im Klubhockey. Im Finale gegen die Islanders, die seither nie mehr einen Titel feiern konnten.
Nun davon auszugehen, Zug werde im nächsten Frühjahr Meister (wie damals die Oilers) und der SCB auf Jahre hinaus nie mehr (wie die Islanders), wäre allerdings ein fataler Irrtum.
Mit dem «Biss», der Leidensfähigkeit und der Siegermentalität der Berner haben die Zuger tatsächlich eine Chance auf den nächsten Titel. Und Anschauungsunterricht wie damals die Oilers haben sie nun im Final auch bekommen. Sie müssten nun eigentlich wissen, was es braucht und was ihnen noch gefehlt hat.
Für den SCB wird es zwar nicht einfach, die meisterlichen Rechnungen zu begleichen. Aber anders als damals die Islanders hat der SCB die Voraussetzungen, um ein Titan zu bleiben.
Die Siegermentalität und Leidensfähigkeit haben die Berner ja sowieso. Und bis die neue Saison beginnt, werden die Knochen von Thomas Rüfenacht und Andrew Ebbett längst wieder zusammengewachsen sein.