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Unlängst nahmen viele Glarnerinnen und Glarner, auch Freunde und Bekannte aus weiteren Gegenden, von Kaspar Zimmermann Abschied. Es konnten – coronabedingt – in der Kirche Schwanden nicht alle anwesend sein. Es ist angebracht, auf ein Leben hinzuweisen, das von Vielfalt, Anteilnahme, zähem Schaffen, kameradschaftlichem Beisammensein, Wertschätzung und grossem persönlichem Engagement geprägt war. Um seine Person machte Kaspar Zimmermann nie viel Aufhebens. Er lebte vor, was er zuweilen erwartete, auch zu fordern verstand. In ihm schlummerte eine Vielfalt an Fähigkeiten, mit denen er andere oft zu überzeugen wusste. Er war charmant, beharrlich und ausdauernd, räumte seinem Umfeld gebührend Platz ein, wenn es ums Verwirklichen politischer und gesellschaftlicher Vorhaben ging.
Zur Welt kam er im November 1932 in Schwändi. Er wuchs mit vier Geschwistern auf. Seine Mutter, Anna Hämmerli, verstarb unerwartet. Der als Landwirt und mit den Kindern stark geforderte Vater durfte auf die grosse Bereitschaft der näheren Verwandten zählen. Kaspar wuchs in der Niederrüti in Schwändi mit den anderen Geschwistern bei der Grossmutter auf. Die hatte mit Kindern eine gar reiche Erfahrung, hatte sie doch selber achtzehn Jugendlichen das Leben geschenkt – einer aus heutiger Sicht unglaublich grossen Kinderschar. Kaspars Schwester Anni wuchs bei den Grosseltern in Engi auf. In Schwändi, später in Glarus, besuchte er die Schule. Im Verlaufe vieler Sommerferien weilte er nicht selten bei seinen drei Brüdern und dem Vater auf der Guppenalp. Bei der Abwesenheit des hauptverantwortlichen Vaters – er diente zuweilen im Aktivdienst – sei es zuweilen recht urchig zu- und hergegangen, was nicht immer Kaspars Vorstellungen entsprach.
Er schloss in Glarus die Handwerkerschule ab und weilte für zwölf Monate in Lausanne, um sich mit der französischen Sprache zu befassen. Im Frühjahr 1949 begann er bei der damaligen Firma F. Knobel AG in Ennenda mit der vier Jahre umfassenden Lehre als Werkzeugmacher. Den Lehrstoff bewältigte er bestens. Immer wieder fand er damals Zeit fürs Bergsteigen, Skifahren und Langlaufen.
Er stellte sich dann beruflich Weiterführendem. In Zürich besuchte er während acht Semestern das Technikum der damaligen Höheren Technischen Lehranstalt. 1957 schloss er das Studium als Ingenieur HTL im Bereich Maschineningenieurwissenschaften ab. Er heiratete Margrit Zimmermann. Bald kam das erste Kind zur Welt. In die Folgejahre fielen Anstellungen in verschiedenen zürcherischen Fachbetrieben. Dann entschied er sich, ins Glarnerland zurückzukehren. In der Forschungsabteilung der damaligen Therma AG in Schwanden war er als bestens qualifizierte Fachkraft sehr willkommen. In Schwändi konnte an schönster Lage ein Haus bezogen werden. Drei weitere Kinder kamen zur Welt. Kaspar Zimmermann gab sein Wissen an der Gewerblichen Berufsschule gerne weiter. 1962 wurde er – nach Zusatzausbildungen – vollamtlicher Berufsschullehrer mit Schwerpunkt mechanisch-technische Abteilung, zuerst in Glarus, später in Ziegelbrücke.
Kaspar Zimmermanns Vielseitigkeit war derart, dass im Verlaufe vieler Jahre die Zugehörigkeiten in vielen Organisationen und Vereinen Tatsache wurde. So seien beispielsweise – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die zwei Jahrzehnte umfassende Tätigkeit im Gemeinderat, wovon sechs Jahre als Präsident oder als Landrat (1971–1988), die Arbeit als Landratspräsident und ab Mai 1988 bis Mai 1997 das Wirken als Regierungsrat erwähnt. In diese regierungsrätlichen Jahre fallen das Mitwirken im Vorstand der Schweizerischen Sanitätsdirektoren und dem Rat der Gesamtverteidigung. Bereitwillig tat er auch auf lokaler Ebene mit. Da sind die Feuerwehr, der Schützenverein, die Schwimmbadkommission, der Skiclub Schwändi, das OK-Präsidium des Nordostschweizerischen Jodlerfests, der Ostschweizerische Gehörlosenverband, die Direktion der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Glarus, die kantonale Krebsliga, das Mittun an vorderster Front in der Schweizerischen Volkspartei und anderes aufzuführen. Er meisterte alles mit Ruhe und dem Credo, dass es schon gut kommen wird, wenn man das mal anpacke. Und wer mit ihm zusammenarbeitete, weiss um die Ruhe, Beharrlichkeit und Wertschätzung, auch um das gegenseitige Verständnis.
Und wäre das nicht schon alles genug, pflegte er ein ganz spezielles Hobby. Er weilte oft auf der Guppenalp und dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Eisenbergwerk. Mit Gleichgesinnten verfasste er darüber eine Dokumentation. Es seien deutlich mehr als hundert Aufstiege an diesen Ort gewesen. Hierher konnte er sich zurückziehen, sinnieren, neue Kräfte tanken.
Und mit der Pensionierung wurden geselliges Verweilen, Skifahren und Wandern wieder so möglich, wie er es liebte. Seine immensen Kräfte stellte er ab 2006 während drei Jahren des nationalen Seniorenverbandes und ab 2009 bis 2018 dem glarnerischen Seniorenverband zur Verfügung. Und er wirkte gewohnt umfassend, mit immenser Ruhe und Kompetenz. Sein Wissen war erneut willkommen. Er ging die Sachen etwas ruhiger an, aber «Gwirbe und Mache» gehörten einfach zu seinem Leben. Er besorgte den Garten, befasste sich mit Briefmarken. Langeweile war und blieb ein Fremdwort.
Gesundheitlich ging es ihm bis März des vergangenen Jahres recht gut. Es wurden dann Eingriffe am Herzen erforderlich. Kaspar Zimmermann überlegte sich sehr genau und selbstbestimmt, wie das ausgehen sollte. Nun hat er unsere Welt verlassen und es bleiben eine Vielzahl wertvoller und guter Erinnerungen. Am Ende des langen Nachrufes stand unter anderem: «Nur wenige Menschen sind wirklich lebendig und die, die es sind, sterben nie. Es zählt nicht, dass sie nicht mehr da sind. Niemand, den man wirklich liebt, ist jemals tot.» (Ernest Hemingway)