Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03275.jsonl.gz/2862

Panasonic / National Panasonic,

überarbeitet am 16.9.2010

In der Mitte der Siebzigerjahre konterte Matsushita - Panasonic auf die
Sony- und Grundig-Weltempfänger und lancierte eine Reihe von Weltempfängern,
die eher im unteren Preissegment angesiedelt, einen unproblematischen Einstieg
in den Kurzwellenempfang erlaubten.
Der DR-22 / RF-2200 ist mit 32 x 19,5 (mit drehbarer Ferritantenne 22,5) x 10 cm (b x h x t)
ein hochformatiger Kofferempfänger mit den
Bedienlementen an der Frontseite, der Doppelsuper verfügt über einen
Eichmarkengeber und eine horizontale Grob- Filmskala sowie eine runde
lineare Kreisskala zur Frequenzablesung.
Mit einem Gewicht von kg war der Kofferempfänger zu seiner Zeit relativ
leicht, an der Oberseite konnte ein Trageriemen angebracht werden, daneben
findet sich an der Geräteoberseite eine drehbare Ferrit - Mittelwellenantenne,
ein grosser Komfortvorteil, imdem das Gerät zum Mittelwellenempfang nicht
gedreht werden muss, ähnliches fand sich in den Siebzigern bei anderen Empfängern
aus Japan.
Der linke Anteil der Frontplatte wird vom Lautsprechergrill dominiert, zuoberst liegen in einer Reihe der Hauptschalter und die Schalter für die abschaltbare Skalenbeleuchtung und den BFO.
Im rechten Teil der Frontplatte liegen das Anzeigeelemente, links das
recht grosszügig Ausschlagende aber als in S-Stufen geeichtes Analoginstrument
ausgeführte S-Meter, daneben in der Mitte die vertikal hinter der Linienmarkierung
laufende Filmskala mit den Grobskalen für UKW, die Kurzwellenbereich und MW,
ein roter Punkt im Sichtfenster markiert je nach Stellung des Bandschalters
die entprechende Skala. Unter der Grobskala liegt die umlaufende Kreisskala
mit der 0 - 1000 unterteilten Analogskala, welche mit dem Eichmarkengeber
geeicht werden kann und so eine Frequenzablesung auf unter 10 kHz erlaubt. Der
Abstimknopf ist mit einer Fingermulde ausgestattet, ein Umschalter links
darunter schaltet zwischen der schnellen und langsamen Abstimmgeschwindigkeit
Panasonic-typisch um.
An der linken Geräteschmalseite finden sich Klinkenbuchsen zum Ohrhörer- und Cassettenrecorderanschluss, auf der Rückseite der Europaversion DR - 22 der zwischen 110 und 220 V umschaltbare Netzspannungsanschluss und zwei Schraubklemmen zum Anschluss von Aussenantenne und Erdleitung. Meines Wissens ist die Ferritantenne nicht abschaltbar, erlaubt aber durch die drehbare Position das Einpeilen auf Mittelwellenstationen resp. das Ausblenden von störenden Stationen, wenn die Ferritantenne in den 90°-Winkel zur Richtung des einfallenden Signals gedreht wird.
Der Suchempfang mit dem DR-22 /RF-2200 ist unproblematisch: das Gerät wird mit ausgezogener Teleskopantenne bei voll aufgedrehtem RF-Gainregler auf ein mittellautes Rauschen eingestellt. Mit dem Bandschalter wird das MW oder UKW-Band gewählt, in Stellung KW markiert eine rote Marke unterhalb der Grob-Filmskala das gewählte Kurzwellenband. Beim Durchdrehen werden die Kurzwellensender kurz hörbar, zum langsamen Suchempfang hat der Panasonic eine schaltbare Untersetzung, die die Abstimmgeschwindigkeit des Hauptabstimmknopfes herabsetzt, ein separater Clarifier zur Feinabstimmung ist nicht vorgesehen.
Etwas komplexer wird das Unterfangen, wenn eine Station mit einer bekannten
Frequenz eingestellt werden soll. Hier muss man die Filmskala mit Hilfe eines Eichmarkengebers
eichen und dann mit der linearen kHz-Feinskala an die korrekte Frequenz "heranarbeiten":
Der Empfänger arbeitet als Doppelsuper, das Signal von Teleskop- oder MW-Ferritantenne wird verstärkt, in einem ersten Mixer auf die erste ZF umgesetzt und nochmals verstärkt. In einem zweiten Mixer erfolgt die Umsetzung auf die zweite ZF, hier werden die Bandbreitenfilter geschaltet, die S-Meterspannung abgegriffen und das Signal an den AM-Demodulator resp. den BFO/SSB-Demodulator weitergegeben. Der Eichmarkengeber arbeitet mit einem 4 MHz-Quarz und 1/4 resp. 1/8-Teilern. Im FM-Bereich arbeitet der DR-22 / RF-2200 als Einfachsuper.
Empfangsmässig spiegelt das Gerät die Technik in der Mitte der siebziger Jahre wider: der Empfang auf Mittelwelle gut, auf UKW für mitteleuropäische Verhältnisse ungenügende Nachbarkanaltrennung, die US-Amerikaner sind diesbezüglich bei weniger dichtem UKW-Netz grosszügiger in der Bewertung. Auf Kurzwelle erlaubte das Konzept mit dem eingebauten Eichmarkengeber und der eichbaren kHz-Skala eine recht gut Wiederkehrgenauigkeit und somit das Auffinden einer Station, was bei den deutschen Empfängerkonzepten in jenen Jahren (für jedes Kurzwellenband eine Skala auf dem Trommeltuner, ein breiter Skalenzeiger und nur weit auseinanderliegende Grobmarken) meist grosse Schwierigkeiten bedeutete.
© Martin Bösch 20.6.2004