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Noch in den 1850er-Jahren bot der Schweizer Offizier einen prachtvollen Anblick, angetan mit einem Frack, den metallbestickte Epauletten und ein Halskragen aus Messing ergänzten. Kragen wie Taille waren so knapp bemessen, dass ein Offizier sich kaum ein Gramm zusätzliche Korpulenz erlauben konnte, ohne dass Nachbesserungen beim Schneider von Nöten wurden.
Mit der Einführung Ordonnanzuniform 1861 konnten auch die Offiziere den alten engen Frack ablegen und sich fortan in eitlen grosszügig geschnittenen zweireihigen Waffenrock kleiden. Der Abschied vom Frack hatte im Parlament zu einer veritablen Redeschlacht geführt, so sehr hatte man sich an den Anblick des ebenso dekorativen wie absurden Uniformstückes gewöhnt. Ebenfalls weit geschnitten waren die Hosen, ganz dem französischen Vorbild folgend.
Der neue Tschako ist hier wesentlich niedriger als das alte Modell (weiches auch als „Angströhre“ oder „Zigerstock“ bekannt war) und weist die Garnitur der Infanterie auf, Der Pompon, oben weiss und unten rot, deutet auf die erste Zentrums-Kompanie hin.
Unter der etwas feiner ausgearbeiteten Blechganse für Offiziere ist die Kantonskokarde in Blau und Weiss zu sehen. Das Bataillon, dessen Nummer über dem Lederschirm prangt, gehörte dem Luzerner Auszug an und war Teil der Infariteriebrigade 27.
Als Rangesinsignien trägt unser Hauptmann eine silberfarbene Epaulette und eine Contre-Epaulette ohne Fransen. Seinen Offizierssäbel hat er am Ceinturon ziemlich weit im Rücken aufgehängt, weil ihn die Blankwaffe vorne beim Gehen im Feld behindern würde, über der Schulter hängt der gerollte Kaput, der, wie die meisten Kleidungsstücke des Offiziers, in gehobener Qualität bei einem Schneider privat angefertigt wurde.
Eine Besonderheit ist hier der amerikanische Remington-Revolver Modell 1860, der sich schon auf den Schlachtfeldern des Sezessionskrieges bewahrt hat. Diese Waffe war nie offiziell Schweizer Ordonnanz, doch unser Hauptmann hat sie sich, wie es viele Offiziere mit Faustfeuerwaffen taten, auf eigene Kosten angeschafft. Er prüft gerade den Sitz der Zündhütchen auf der sechsschüssigen Revolvertrommel. Das Holster trägt er nach Art der amerikanischen Kavalleristen auf der gegenüberliegenden Seite des Säbels.
Roger Rebmann – Rost und Grünspan.