Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03224.jsonl.gz/2263

Das mobile Kleinfeuer, das Licht ins Dunkle brachte und den Alltag veränderte: vom exklusiven Luxusgut zur Massenware.
Eine Weihnachtszeit ohne Kerzenlicht wäre unvorstellbar - . Es scheint, die Menschen würden von lodernden Flammen magisch angezogen, erfreuen wir uns doch seit 1.7 Millionen Jahren an Feuerstellen. Sie entfachen zu können, war ein wichtiger evolutiver Schritt und Selektionsvorteil der Menschwerdung, da es das Kochen ermöglichte (Keimabtötung) und nebst Schutz vor Raubtieren auch Wärme und Licht in der Nacht bot, essentiell für die Migration der Menschen aus Afrika Richtung Nordhalbkugel.
Die Flammen wurden später auch mobil, natürlich zuerst durch das Tragen von brennenden Ästen als primitive Fackel, aber dann durch die ersten Kerzen. Vor der Entdeckung des Wachses wurden Kerzen aus Ölen und Fetten hergestellt. Die ersten Kerzen waren steinerne Lampenschalen, in die ein Docht in flüssigen Talg getaucht wurde. Diese Art von Öllampen wurde bereits von den Cro-Magnon-Menschen (westliches Eurasien) vor ca. 40‘000 Jahren benutzt. Vor 5000 Jahren entstanden dann primitive Vorläuferkerzen, dessen Docht aus Binse, Hanf, Stroh, Schilfrohr, Reispapier oder Papyrus bestand und in Talg getränkt wurde, eigentlich eine Art Fackel.
Natürlich hatten auch die Ägypter, Griechen und Römer Öllampen. Diese bestanden aus einer mit Öl bzw. Fett gefüllten Schale und einem Docht. Die Römer waren es, die die Öllampe weiterentwickelten zu den ersten wirklichen Kerzen, indem sie das Kerzenziehen erfanden. Sie tauchten gerollten Papyrus in flüssigen Talg oder heissen Bienenwachs.
Später, über das Mittelalter hinweg, entwickelte sich die Kerze in qualitativer Hinsicht, auch Kerzenuhren entstanden, die die Uhrzeit relativ exakt angeben konnten. Eingeritzte Striche bezeichneten die Stunden, die davon schmolzen. Die ersten weissen Kerzen wurden 1725 erfunden und bestanden aus Walrat (aus dem Kopf des Pottwals gewonnene Substanz). Sie wurden, wie die Bienenwachskerzen, aufgrund des Herstellungspreises nur von der Adelsschicht, dem Klerus und den Königen verwendet. Die Normalverbraucher mussten sich mit Talgkerzen begnügen, die aus Rindernierfett oder Hammeltalg hergestellt wurden. Da die Dochte noch nicht gut genug entwickelt waren, russten die stark und der Docht musste regelmässig gestutzt werden. Heutige Dochte krümmen sich dank ausgefeilter Verwebungsmethode auf die Seite, wo sie verglühen können und somit automatisch eine gewisse kritische Länge nicht überschreiten. Als Docht wird vor allem Baumwolle verwendet, aber in hochqualitativen Kerzen auch Hölzer. So z.B. bei den Kerzen von Tiziana Terenzi, welche zudem pflanzliches Wachs enthalten.
1830 entdeckte Karl von Reichenbach (deutscher Industrieller, Chemiker und Philosoph) das Paraffin. Es ist bis heute das gängigste Kerzenmaterial und wird aus Erdöl und Braunkohle gewonnen. Das Wundermittel findet auch in anderen Bereichen Verwendung. So z.B. in befeuchtenden Lippenstiften oder als Vaseline, als Isolierstoff von Seekabeln, als Überzug bei Käse (z.B. Edamer), oder als Bestandteil im Kaugummi.
Nebst Paraffin ist auch Stearin ein wichtiger Grundstoff und wurde 1818 als Kerzenrohstoff entdeckt. Es wird aber aufgrund der Herstellungskosten weniger oft verwendet. Der heutige Anteil an Stearinkerzen beträgt circa 7 %, der Rest sind Paraffinkerzen oder Mischformen beider Substanzen. Stearin wird aus pflanzlichem Palmöl oder aus tierischem Fett gewonnen und wird nebst der Kerzenherstellung auch zur Produktion von Seifen verwendet. Beide Stoffe, Paraffin und Stearin, werden aufgrund der physikalischen Eigenschaften zu den Wachsen gezählt. Der Begriff „Wachskerze“ schliesst natürlich mehrere Materialien mit ein.
Kerzen aus rein pflanzlicher Herkunft, also ohne Paraffin, werden von Cire Trudonproduziert, der ältesten Kerzenmanufaktur der Welt, welche bereits 1643 in Paris gegründet wurde und damals Kirchen und Schlösser mit edelsten Kerzen versorgte. 1719 wurde die Manufaktur zum königlichen Hoflieferanten ernannt. Noch heute steht die Marke für Tadition, Know-how und Qualität und kann bei der Parfümerie Osswald gekauft werden.
Im Zuge der Industrialisierung und der Entdeckung von Paraffin und Stearin wurden Kerzen auch für das breite Volk erschwinglich, Produktionsfortschritte machten sie zur Massenware. Auch Petroleumlampen entstanden im 19. Jh., aber erst die Erfindung und Kommerzialisierung der Glühlampe läutete die nächste Lichtrevolution ein. Bereits 1801 konnte man Metalldrähte durch galvanischen Strom zur hellen Glut bringen. Über die nächsten Dekaden wurden unterschiedlichste Glühlampen erfunden und die ersten Patente in den 1840er Jahren eingereicht, auch wenn die Brenndauer der Konstruktionen meistens unter 10 Stunden lag (vermutlich durch verglühen des Drahtes, der noch nicht unter Vakuum oder inertem Gas gehalten werden konnte). Ab den 1880er Jahren, zu Beginn der Elektrifizierung in den Grossstädten, konkurrierten Glühlampen der Erfinder Swan und Edison miteinander, wobei Edisons Modell sich auf dem Markt durchsetzen konnte. In den 1930er Jahren waren 70 % der US-Haushalte elektrifiziert.
Trotz der elektrischen Revolution sind Kerzen immer noch beliebt, der jährliche Pro-Kopf-Konsum der Schweizer beträgt 3 kg, nur Norwegen und die Niederlande verbrauchen noch mehr Kerzen in Europa. Selbst die wohlriechenden Bienenwachskerzen werden immer noch gerne angezündet. Für ein Kilogramm Wachs müssen 150‘000 Bienen ihre Wachsdrüse benutzen, das Wachs kann heuer immer noch nicht synthetisch produziert werden.
Die besten Kerzen finden Sie in der Parfümerie Osswald. Wir führen mehrere Marken renommierter Kerzenhersteller, die ausgefeilte, ästhetische Kerzen mit herrlichem Geruch produzieren. Von Amber, Moschus über Rose zu duftenden Nadelbäumen finden Sie alles. Auch Parfumdüfte sind als Kerzen zu haben. Zu Weihnachten empfiehlt sich die nach Nadelbäumen riechende Kerze Noël – Une Forêt d'Or von Goutal. Eine Kerze ist das perfekte Weihnachtsgeschenk, alle haben sie gerne.