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Kommentar von Jaki Teo, 22. März 2017: Underwater World Singapore (UWS), das der Haw Par Corporation gehörte, verkündete im Juni 2016 seine bevorstehende Schliessung. Es war anzunehmen, dass sich noch sieben Indopazifische Buckeldelfine (auch bekannt als Chinesische Weisse Delfine) - Jumbo, Pann, Han, Eaung, Splash, Speedy, Splish - in der Einrichtung befanden, da es nie eine Mitteilung über den Tod eines der Tiere gab.
Nachdem angekündigt wurde, dass fünf Chinesische Weisse Delfine aus Singapur zum Freizeitpark Chimelong Ocean Kingdom (COK) in Zhuhai, China, geschickt wurden, kam auch die Bestätigung über die Ankunft aller fünf Delfine in China.
Letzten Monat haben unsere Ermittler den Freizeitpark COK mehrfach besucht und dabei festgestellt, dass nur vier Delfine zur Schau gestellt wurden. Sie konnten als die beiden ausgewachsenen Weibchen Pann und Eaung sowie als Panns Nachwuchs Splash und Splish identifiziert werden. Ausserdem zeigen sämtliche Werbebilder von COK jetzt nur vier Delfine.
Weitere Nachforschungen bei den Mitarbeitern von COK ergaben widersprüchliche Aussagen. Ein Mitarbeiter verriet, dass der fünfte Delfin - ein Weibchen - in einer Forschungseinrichtung ausserhalb gehalten würde. Ein anderer Mitarbeiter sagte, es wären nur noch vier Delfine übrig. Die Stadt Zhuhai berichtete, dass es sich bei den eingeführten Delfinen um ein ausgewachsenes Männchen, ein ausgewachsenes Weibchen und drei Nachkommen handele. Diese Aussage bringt noch mehr Unklarheiten mit sich, da es sich sowohl bei Pann als auch bei Eaung um ausgewachsene Weibchen handelt.
Zudem wurden bei beiden ausgewachsen Weibchen Verletzungen verzeichnet, sowie ein schlechter Zustand der Haut bei Pann. Einige Delfine sind empfänglich für faltige Haut, was sich mit zunehmendem Alter noch verstärken kann, wenn die Haut schlaffer wird. Jedoch gibt es Bedenken, Pann könnte an Hautkrebs erkrankt sein. Dr. Hafiz'zan Shah, Geschäftsführer von Wildlife Watchers Singapore (WWSG), äusserte sich: "Normalerweise entwickelt sich Hautkrebs sehr langsam, ausser es gibt einen biologischen Katalysator, der den Prozess beschleunigt - in diesem Fall, Chlor. Den Ruhestand in einem natürlichen Meerwassergehege zu verbringen wäre definitiv die beste Lösung."
Paradoxerweise wurde erst diesen Januar, und zwar ausgerechnet in der Stadt Zhuhai ein 460 km² grosses Naturschutzgebiet für Chinesische Weisse Delfine eingerichtet. Sea Shepherd und WWSG drängen auf den Ruhestand von Pann in einem Meerwassergehege innerhalb des Naturschutzgebietes. Schliesslich hat sie bereits über dreissig Jahre in Delfinparks verbracht.
Sea Shepherd ist sehr besorgt über die fehlende Transparenz beim Lebendhandel mit Meeressäugern, wo es nahezu unmöglich ist, den Transport dieser Tiere von einer Einrichtung in eine andere nachzuvollziehen. Es gibt kaum Gesetze, die den blühenden Handel mit wild gefangenen Meeressäugern verhindern könnten, zudem erschwert durch den scheinbar rein willkürlichen Umgang mit Dokumenten. Die Einrichtungen geben selten Todesfälle bekannt und werden nicht für Tiere, die in ihrer Obhut sterben, zur Verantwortung gezogen. Sie scheinen Todesfälle bereitwillig als Teil des Geschäfts zu akzeptieren und stocken den Bestand einfach wieder auf, wenn die Zahlen zurückgehen. Es sind keine Strafen oder rechtliche Konsequenzen zu erwarten.
Der Standpunkt von Sea Shepherd ist klar und deutlich: Wir sind gegen die Haltung von Meeressäugern in Gefangenschaft - überall auf der Welt.
Hintergründe
Im November 1999 baute Underwater World Singapore (UWS) die Delfinlagune und kaufte sechs Chinesische Weisse Delfine (Sousa chinesis) von Oasis Sea World in Thailand. Vier der sechs importierten Delfine wurden als Wildfänge geführt, da sie zum Zeitpunkt des Transfers schon über 16 Jahre alt waren.
Der Chinesische Weisse Delfin ist im Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) gelistet, in welchem die am stärksten gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geführt werden. Internationaler gewerbsmässiger Handel mit wild gefangenen Exemplaren dieser Art ist verboten. Leider wurden diese Delfine aufgrund eines „Schreibfehlers“ in den CITES-Genehmigungen alle als "in Gefangenschaft gezüchtet" gekennzeichnet.
Im September 2000 hatte der weibliche Delfin Namtam eine Fehlgeburt. Im März 2001 starb sie schliesslich an einer akuten Magenschleimhautentzündung. Wie Studien belegen, erliegen Delfine in Gefangenschaft öfter stressbedingten Krankheiten wie Herzinfarkten oder Magengeschwüren.
Pann brachte im Februar 2001 ein totes Kalb zur Welt. Doch UWS führte unbeirrt das Zuchtprogramm fort. Schliesslich gebar Pann 2002, 2008 und 2014 Nachwuchs. Ihre drei männlichen Nachkommen wurden Splash, Speedy und Splish getauft.
Nach sechsmonatigem Leiden wurden Jumbo im April 2003 Jumbo elf beschädigte Zähne entfernt. UWS gab an, die Schäden wären durch "Kämpfe mit einem anderen männlichen Delfin durch die Gitterstäbe" entstanden.
Im Oktober 2014 untersuchten Sea Shepherd Singapore und WWSG die Bedingungen der in Gefangenschaft gehaltenen Tiere in der Delfinlagune. Bei einem weiblichen Delfin, Han, wurde eine klar sichtbare Infektion auf ihrem Kopf und eine andere deutliche Wunde am linken Unterkiefer festgestellt. Später gab UWS bekannt, dass es sich bei diesen Wunden um Hautkrebs handelt.
Die Schliessung von UWS erfolgte am 26. Juni 2016.