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Wenn der Drache brüllt
Die Zeitmesser mit Räucherstäbchen stammen aus der buddhistischen Tradition in China, Japan und Korea. Dort wurden sie vermutlich zu religiösen Zwecken benutzt. Die chinesische Feueruhr in der Form eines Drachen, aus ca. 1800, gibt die Stunden durch einen Klang an. Über den Leib des Drachens sind Seidenfäden gespannt, an denen Metallkugeln hängen. Sobald das Räucherstäbchen glimmt und das Feuer die Fäden durchbrennt, fallen die Kugeln in das Metallbecken darunter und erzeugen so einen schönen Klang. So entstand ein einfacher Alarmmechanismus.
Die einfachere Version erfanden die Chinesen schon um 3000 vor Christus. Dabei handelte es sich um einen Stab, der mit Pech und Sägemehl beschichtet war. Dieser wurde auf eine bestimmte Länge abgeschnitten. Daran wurden die Metallkugeln in regelmässigen Abständen mit Fäden befestigt. Unter dem Stab lag ein Gong. Der Stab wurde bei Sonnenaufgang angezündet und das Feuer frass sich langsam hoch. Auch hier verbrannten die Fäden und die aufschlagenden Metallkugeln liessen den Gong ertönen: Somit wussten die Menschen, dass wieder eine Zeiteinheit vergangen war.
Aber nicht nur solche ausgefeilten Systeme gab es: Ein Seil mit in regelmässigen Abständen versehenen Knoten, dass in Öl getränkt war, wurde angezündet und galt als eine Art Feueruhr. Anhand der schwindenden Knoten konnte dann die «Zeit» abgelesen werden.
Bitte einmal pünktlich zum Gebet
Wie war das nun mit König Alfred und der Kerze? Sogenannte Kerzenuhren oder auch Stundenkerzen kannte man vor allem aus dem klösterlichen Bereich. Sie waren nötig, damit der Läutbruder alle seine Brüder pünktlich zum Gebet aufrufen konnte. Wenn er die Zeit nicht vom Sonnenstand oder der Wasseruhr ablesen konnte, kam die Kerzenuhr zum Einsatz. Diese konnte in Innenräumen verwendet werden und war somit auch in der Nacht nutzbar.
Wer allerdings die Kerze erfunden hat, ist nicht bekannt. Belegt ist sie allerdings seit dem 1. Jahrhundert nach Christus. Diese Lichter waren aus Fett und Harz. Die Römer scheinen sie wohl weiterentwickelt zu haben. Die Kerzen aus dem Kloster waren aus Bienenwachs. Da dieses Material sehr wertvoll und teuer war, waren sie somit im Mittelalter dem Klerus und dem Adel vorbehalten. Die anderen Bevölkerungsschichten benutzen Kerzen aus Rinderfett und Hammeltag, dies dürfte ziemlich gestunken haben und sie qualmten sehr. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts hielten die Bienenwachskerzen auch bei den wohlhabenden Bürgern Einzug.
Wichtig bei der Herstellung der Stundenkerze war, dass immer wieder dasselbe Material und auch die gleiche Form beibehalten wurde. Ansonsten gab es Zeitverschiebungen. Sie wurden auch je nach Jahreszeit anders hergestellt: Die Graduierung oder der Umfang wurden verändert, um die unterschiedliche Länge in den Sommer- oder Winterstunden berücksichtigen zu können. Auch hier wurden manchmal Metallkügelchen in gleichen Abständen eingeschmolzen. Diese fielen dann, wie bei der chinesischen Drachenuhr, in einen Holz- oder Metallzuber und gaben so klangvoll den Stundenwechsel zum Besten.
Öl ist nicht nur zum Braten da
Dass Öl gut brennt, ist nichts neues. So verwundert es nicht, dass auch Öl zu einer «Uhr» umfunktioniert wurde. Die sogenannte Öllampenuhr oder auch Zeitlampe wurde wohl ab dem 16. Jahrhundert zur Zeitmessung genutzt. Wann sie genau entstand und woher sie kam, ist nicht bekannt. Nur dass sie wohl bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa beliebt war.
In der Regel sind Öllampen mit einem Glasbehälter bestückt, über den ein Zinnband mit Zeitmarkierungen gezogen ist. Es gibt Modelle mit der Zeitinschrift von IX (21 Uhr) bis VII (7 Uhr), aber auch welche die mit II (zwei Uhr) beginnen und bis VIII (acht Uhr) oder einen ganzen Arbeitstag von morgens um V (fünf Uhr) bis abends um VI (sechs Uhr) abbilden.
Gerade wenn die Öllampe mit der Inschrift von IX bis VII angezündet wurde, geschah dies oft in der Nacht. Ein sogenanntes Nachtlicht mit Öluhr: Zündete man diese abends um 9 Uhr an, konnte man an dem während des Betriebs erreichten Niveau des Ölspiegels die Uhrzeit auch im Dunkeln bequem ablesen. Bis zur Erfindung der Schwefelstreichhölzer um 1830, war man in den Städten darauf angewiesen, dass die Stunden durch den Nachtwächter ausgerufen wurden, ausser man konnte sich eine teure Repetieruhr leisten.
Von Birnen und Zylindern
Das grösste Problem bei dieser Art Uhr war die Ungenauigkeit: Die unterschiedliche Konsistenz der Brennöle (dunkelbraunes Rüböl oder Tran) und die verschiedene Qualität der Dochte machten eine Justierung fast unmöglich.
Auch die Form des Glasbehälters spielte eine Rolle. Es gab Ausführungen mit zylindrischem Behälter und welche mit birnenförmigem Behälter. Weil der Druck des Öles in Abhängigkeit vom Pegel einen ungleichmässigen Verbrauch verursachte und die Stundenskalen am zylindrischen Behälter meistens linear angezeigt wurden, war die erste Abendstunde viel kürzer als die letzte Morgenstunde. Um das auszugleichen, bekam der Ölbehälter später die Form einer umgedrehten Birne. Dadurch konnten man die Längen der Stunden einander annähern.
Die Notwendigkeiten der Frömmigkeit
Die Wiege der Uhrmacherei ist mit grosser Sicherheit in den mittelalterlichen Klöstern und ihren christlichen Mönchen zu suchen. Ihr Bedürfnis nach geregelten Arbeitszeitplänen und pünktlichen Gebetszeiten waren wichtige Faktoren in der Entstehung und Entwicklung von mechanischen Uhren. Sie benutzen schon früh alle Elementaruhren und kombinierten dies auch miteinander, allerdings waren diese für ihre Zwecke immer zu ungenau.
Daher kamen viele der ersten belegten Uhren aus klösterlicher Umgebung, bis sie ab dem 15. Jahrhundert auch für die weltliche Zeitmessung eingesetzt wurden. Dennoch erfreuen sich bis heute zum Beispiel Sonnenuhren, einer der ersten Elementaruhren, grosser Beliebtheit.