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Diese Bemerkung vorweg: Natürlich, über die Wahl der Gewinnerinnen und Gewinner der goldenen Männchen lässt es sich immer streiten. Trotzdem ist es gerade in Kurzfilmkreisen immer wieder schwer nachzuvollziehen, wer die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen kann.
Auch dieses Jahr hat die Academy im Bereich «Short Film (Animated)» leider zum zweiten Mal den Fehler gemacht, den grossartigen Autodidakten Don Hertzfeldt zu übergehen. Nachdem er 2000 bereits für «Rejected» nominiert war und gegen «Father and Daughter» des holländisch-englischen Filmemachers Michaël Dudok de Wit verlor, musste er an den 88th Academy Awards zugunsten des ach so herzig-brav-unauffälligen «The Bear» auf die verdiente Auszeichnung verzichten.
Hertzfeldt ist neben David O’Reilly – dem irren Iren, der spätestens seit seinem Beitrag für Spike Jonzes «Her» in Hollywood ein Begriff ist – der einzige Animationskünstler, der auch ausserhalb der Hardcore-Kurzfilmszene ein bekannter Name ist. Seine Serie «Rejected» wurde 2000 für einen Academy Award nominiert und geniesst in Insiderkreisen Kultstatus. Die fiktive Prämisse dafür: Hertzfeldt ist vom «Family Learning Channel» damit beauftragt worden, kurze Werbepausen mit klugen Inhalten zu animieren. Die Geschäftsleitung hat jedoch jeden einzelnen seiner Vorschläge zurückgewiesen. Wie auch «World of Tomorrow», der heuer in der Sparte «Short Film (Animated)» nominiert war, ist «Rejected» eine äusserst intelligente und dabei bitterböse Satire auf das Menschsein. Hertzfeldts minimalistischer Stil wird kontrastiert durch seine bombastisch anmutenden Soundtracks. Seine Zeichnungen sind detailverliebt und gleichzeitig krud, seine Aussagen satirisch überzeichnet, teils infantil und dann wieder so treffend auf den Punkt gebracht, dass man nicht anders kann, als sich hier vor dem Werk eines Philosophen zu verneigen.
Salon.com hat «World of Tomorrow» als einzigen Kurzfilm auf die Liste der wichtigsten Filme des Jahrzehnts gesetzt. In Sundance hat er dafür den grossen Preis der Jury abgeräumt. Das Österreichische Filmmuseum schreibt: «Selten ist Animationsfilm so sehr bei sich selbst und lässt uns zugleich vergessen, dass wir nur in Bewegung versetzte Linien sehen.» Es handelt sich bei «World of Tomorrow» um Hertzfeldts erstem digitalen Film, passend zum Thema des Films (die Klontechnologie, die Unsterblichkeit von Erinnerungen, die Einsamkeit in der digitalen Welt).
Leider hat es die eher konservative Academy auch dieses Jahr verpasst, den Mut zur Auszeichnung eines Film mit einer tiefgründigen Aussage, verpackt in «einen Animationsfilmkosmos, der mit scharfer Klinge die kommerzielle Bewegtbildkultur kondensiert, satirisch übersteigert und blossstellt» (filmmuseum.at). Eine verpasste Chance für die Academy – aber wie «Rejected» zeigt: nichts, was sich ein Visionär wie Hertzfeldt nicht längst gewohnt wäre.
«Rejected»
Seine anderen Filme, darunter «World of Tomorrow» findet man – wie es sich für einen richtigen Profi gehört – auf Vimeo als VoD-Option (die $3.99 könnte man nicht besser investieren).