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Doch in jener Oktobernacht von 1933 tat das Licht seine Wirkung. Trotz Kälte und Regen huldigten Tausende Italiener vor den Dom ihrem Führer. Indem Mussolini den Faschismus zu einer Art Religion erhob, folgte er einem Leitsatz des französischen Psychiaters Gustave Le Bon, dem Begründer der Massenpsychologie: «Fur die Massen muss man entweder ein Gott sein oder man ist nichts.»
Vorbild Zürich?
Das Vorbild für den «giardino luminoso» bot wahrscheinlich ein Kunstanlass, der ein Jahr zuvor in Zürich stattgefunden hatte. In der Limmatstadt faszinierte die Kraft des Lichtes das Publikum anlässlich der sogenannten Lichtwoche (siehe Infokasten). «Ob Mussolini die Zürcher Installationen gesehen hat, wissen wir nicht», sagt Kunsthistorikerin Baltzer, «doch die Bilder davon waren auch in vielen italienischen Zeitungen abgedruckt.» Und die mehrere Meter hohen Lichtsäulen vor dem Mailänder Dom waren jenen von Zürich auffallend ähnlich.
Zur Perfektion gelangte die Manipulation der Massen mittels Licht aber erst durch Adolf Hitler. Für den Reichsparteitag von 1936 schuf Hitlers Architekt Albert Speer den sogenannten Lichtdom. Dazu liess Speer nicht Fassaden beleuchten und nach oben begrenzte Lichtsäulen aufstellen, sondern richtete 152 Fliegerabwehr-Scheinwerfer in den Himmel. Mehrere Kilometer hoch stiessen die Strahlen rund um das Nürnberger Zeppelinfeld in das Schwarz der Nacht und machten so das Licht zum Baustoff für eine nationalsozialistische Kathedrale mit metaphysischer Wirkung. Die gigantischen Wände aus Licht hielten mehr als 200 000 Menschen zusammen und machten sie zu einer Einheit.
Metaphysische Wirkung
Noch heute gilt der Lichtdom als die grösste und massenwirksamste Installation, die je aus elektrischem Licht geschaffen wurde. Und er war, so schreibt Albert Speer, «für ihn [Hitler] – und für mich [Speer] – ein Höhepunkt der Beeindruckung ... mit dem Ziel, den Menschen einzuordnen, unterzuordnen, seine Persönlichkeit zu eliminieren.» Nach 1936 wurde der Dom noch zweimal aufgestellt. Die Manipulation der Massen gipfelte im Zweiten Weltkrieg, der über 60 Millionen Menschen das Leben kostete.
«Für die Massen muss man entweder ein Gott sein oder man ist nichts.»Gustave Le Bon, Begründer der Massenpsychologie
«Für die Massen muss man entweder ein Gott sein oder man ist nichts.»Gustave Le Bon, Begründer der Massenpsychologie