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Eine Hühnerrasse zu züchten, die ein Federkleid wie die Sebright hat, jedoch von deutlich grösserer Statur ist. Das war das ursprüngliche Ziel der Erzüchter der Wyandotten in deren Ursprungsland, den USA. Die Rasse wurde nach einem alten Indianerstamm, den «Wyandottes», benannt, weil diese im Hauptzuchtgebiet gelebt hatten. Allerdings habe es einige Jahre gedauert, bis sich die Herauszüchter im Jahr 1883 auf diesen Namen einigen konnten, wie Horst Schmidt in seinem «Handbuch der Nutz- und Rassehühner» schreibt.
Bei der Entstehung wurden munter Rassen wie Cochin und Malaien eingekreuzt – und für die Farben standen Sebrights, silberfarbige Paduaner und Hamburger silberlack zur Seite. In den Anfängen sollen die Hähne noch starke Ähnlichkeiten mit den heutigen Brahmas gehabt haben. Bei den ersten Tieren gab es solche mit glatten und andere mit befiederten Läufen.
Ein niedriger Zaun reicht
Der erste Farbenschlag war silber-schwarzgesäumt. Er war es auch, der bereits kurze Zeit später nach England exportiert wurde. Die Anzahl der Farbvarianten steigerte sich in Europa recht schnell und bereits um 1910 sollen in Deutschland gestreifte Wyandotten ausgestellt worden sein – obwohl diese lange Zeit in den USA nicht als anerkannter Farbenschlag galten.
Überhaupt liebten es die Europäer, neue Farben zu schaffen. Davon zeugen die heute im Rassegeflügelstandard beschriebenen 20 verschiedenen Farbbeschreibungen. In der Schweiz verbreiteten sich besonders die weis-sen Wyandotten sehr schnell. An der Nationalen Geflügelschau von 1932 wurden beinahe 400 dieser Tiere gezeigt und auch 1958 waren noch immer 95 grosse Wyandotten des weissen Farbschlags ausgestellt. Die Verbreitung der Rasse war bis vor 20 Jahren enorm, doch dann nahm sie stetig ab und zeigte erst in den letzten fünf Jahren wieder etwas Erholungstendenzen. Weitaus häufiger gehalten und gezüchtet wird jedoch heute die Zwergrasse, die Zwerg-Wyandotten, die es in diversen Farbenschlägen gibt.
Mit ihrer Masse und dem ruhigen Wesen strahlen die grossen Wyandotten etwas Gemütliches aus. Diese Hühner fliegen kaum und deshalb reichen im Auslauf auch niedrige Zäune. Leistungsmässig sind sie von speziellen Lege- oder Mastrassen längst übertroffen, doch ein gutes Zweinutzungshuhn – für Fleisch und Eier – sind sie allemal. Bei geschlachteten Tieren wurde das zarte und feinfaserige Fleisch stets gelobt. Und punkto Legeleistung ist der Züchter Heinrich Göttsche, ein früherer Präsident des Deutschen Sondervereins, ein Vorreiter. Er kontrollierte in seiner Zucht jahrzehntelang das Eiergewicht und die Legeleistung, bis alle seine Tiere des schwarzen Farbenschlags Eier von mindestens 60 Gramm und eine Jahresleistung von mindestens 180 Eiern erreichten.
Gewicht Hahn: 3,4 – 3,8 Kilo
Gewicht Henne: 2,5 – 3 Kilo
Mindestgewicht Bruteier: 54 Gramm
Schalenfarbe Eier: gelb bis dunkelbraun
Legeleistung pro Jahr: 180 Eier
Das Huhn der runden Formen
Dazu beigetragen haben laut ihm die geraffelten Karotten und Randen, die er den Tieren fütterte – und die auch für schön gelb gefärbte Läufe sorgten. Ein weiterer Geheimtipp des Präsidenten waren grosse Abstände zwischen dem Futter- und Wassereimer. So müssen die Tiere weite Wege zurücklegen und bleiben leistungsfähig. In der Aufzucht gelten die Wyandotten als problemlos. Jungtiere können schon sehr früh an die frische Luft gelassen werden. Sobald ihr flaumenreiches Gefieder fertig entwickelt ist, wirkt es wärmeisolierend. Mit ihrem Rosenkamm ist die Rasse zudem bestens geschaffen für raue Klimalagen.
Der Rumpf von Wyandotten sollte länger sein als die Körperhöhe, doch er erscheint recht breit und tief. «Es ist das Huhn der runden Formen», schreibt Horst Schmidt in seinem Handbuch. Gerade deshalb soll es so populär auf der ganzen Welt geworden sein. Durch die unterschiedlichen Zuchtrichtungen in Amerika und Deutschland sind zwei Varianten entstanden. In der Schweiz vor allem verbreitet ist die vor Kurzem als «Deutsche Wyandotten» bezeichnete Zuchtrichtung.
Orange Augen, rote Ohrscheiben
Die gelben Läufe und den fein geperlten Rosenkamm, welcher der Nackenlinie folgt, haben beide Zuchtrichtungen gemeinsam. Bei der deutschen Zuchtrichtung sollte der Rücken leicht ausgebogen sein und die Tiere tragen breite Schultern. Die Arm- und Handschwingen sind ebenfalls breit und liegen gut an. Der Schwanz ist kurz und wird hoch getragen.
Das rote Gesicht ist glatt und kann leicht befiedert sein. Die Ohrscheiben sind leuchtend rot, in den Ohrlappen sollte sich nicht mehr als ein Drittel email-weiss zeigen. Die Augen leuchten orange und der Schnabel ist gelb- bis hornfarbig. An einer Ausstellung werden Tiere mit abfallendem Rücken, Stoppeln an den Läufen oder eckigen Formen in der Bewertung zurückgesetzt.