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Sir Arthur Conan Doyles zweiter Roman um den einzigen beratenden Detektiv der Kriminalgeschichte war auch mein zweites Buch von ihm. Und wohl auch das, das den meisten Eindruck auf mich gemacht hat. Nie werde ich den Anfang vergessen und meine Überraschung, ja Bestürzung, als ich feststellte, dass Sherlock Holmes der Kokain-Sucht verfallen ist. Diese Szene, in der er mit weißen, schlanken Fingern die Spritze aus dem Saffiankästchen hervorholt und sich die Nadel in die Vene setzt, hat nicht nur mein vorheriges Bild vom großen Detektiv völlig über den Haufen geworfen, sondern ihn auch derart geheimnisvoll und einzigartig gemacht, dass ich allen Werken mit ihm schlichtweg verfallen bin. War Eine Studie in Scharlachrot noch in vielen Dingen wenig ausgereift und in zwei separate, irgendwie nicht recht zueinander passende Handlungssegmente geteilt, liest sich Das Zeichen der Vier wie aus einem Guss. Verzögerungen, langatmige Ausführungen? Fehlanzeige. Gekrönt wird das Ganze von einer in sich stimmigen, mysteriösen Story, dessen Inhalt schnell angerissen ist: Mary Morstan, Tochter des verstorbenen Captain Morstan, der lange Jahre in Indien stationiert war, erhält seit Jahren an jedem Geburtstag eine wertvolle Perle. Stets wird sie ihr anonym zugeschickt, ohne nähere Erklärung. Nun, im nebligen Herbst des Jahres 1888 (zur gleichen Zeit also, als ein Mann namens Jack the Ripper im East Ende wütete), lockt der unbekannte Wohltäter mit Informationen um die näheren Umstände des Todes ihres Vaters. Mary Morstan wendet sich mit diesem Rätsel an Sherlock Holmes und seinen getreuen Freund Dr. Watson (Letzter verliebt sich auf den ersten Blick in die Klientin), damit diese zwei ihr bei der Ergründung der Geheimnisse beiwohnen. Gemeinsam macht man sich in tiefster Nacht auf und folgt der Spur zum exzentrischen Thaddeus Sholto, dem Sohn des Mannes, durch den nicht nur Mary Morstans Vater ihren Tod fand, sondern der sie auch bis zuletzt um den Anteil an einem riesigen Schatz gebracht hat. Eines Schatzes, der seit Jahren von einem geheimnisvollen, von Rache beseelten Mann gesucht wird, der nach dem Tode des alten Sholtos eine Nachricht hinterlassen hat. Ein Zettel unterschrieben mit Das Zeichen der Vier. Wen das alles bis hierhin unberührt und kalt gelassen hat, darf stattdessen getrost zu einem Mainstream-Schinken der Neuzeit greifen. Alle die aber nur diese kurze Einführung bereits neugierig gemacht hat, werden von einem packenden Plot belohnt, der mit einer finalen Dampfboot-Verfolgungsjagd auf der Themse gekrönt wird, die Hollywood nicht besser hätte in Szene setzen können. Insgesamt gehört Das Zeichen der Vier für mich zu den Glanzlichtern der englischen Kriminalliteratur und ist gleichzeitig wohl eines der besten Werke aus Doyles Feder. Es bringt nicht nur die viktorianische Themse-Metropole schaurig, düster und stimmungsvoll zu Papier, sondern überzeugt auch mit einer Leichtigkeit, die kein anderes Werk dieser Zeit (und erst recht keine Nacherzählung) erreicht hat. Ein absoluter Klassiker, der für alle Zeiten einen Sonderplatz in meinem Bücherregal einnehmen wird.
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