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In jedem Jahr gibt es die Gelegenheit, irgendwelche Jubiläen zu zahlreichen Ereignissen zu feiern oder an diese zu erinnern. Das aktuelle Jahr ist gespickt mit Jubiläen, auf die die Menschheit wohl kaum stolz sein kann.
Beginnen wir mit dem, was vor zehn Jahren seinen Anfang nahm und ein Gedanke der Erinnerung wert ist. Zehn Jahre scheinen zwar nicht lange zu sein, sie hatten und haben aber trotzdem ihre Auswirkungen.
So trat am 1. Januar 2001 Griechenland der Währungsunion bei und erhielt damit als zwölftes Land den Euro, vorerst allerdings nur als Buchgeld. Später in diesem Jahr gelangten in den anderen Euro-Länder hingegen bereits erste Euromünzen und -noten in Umlauf. Aus heutiger Sicht – im Nachhinein ist man immer gescheiter – hätten sich wohl einige gewünscht, es wäre gar nie soweit gekommen…
Lauter Ein- und Abstürze vor 10 Jahren
Zudem fiel anfangs Januar 2001 dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore als Vorsitzender des US-Senats die undankbare Aufgabe zu, das Ergebnis der Wahl des 43. US-Präsidenten zu verkünden. George W. Bush erhielt 271 Wahlmänner-Stimmen, Al Gore selbst als Gegenkandidat kam nur auf 266 Stimmen und dies obwohl er mehr Volksstimmen als Bush erhielt.
Es war eine der bedenklichsten und unrühmlichsten Wahlen in der Geschichte der USA und in der Geschichte der demokratischen Bewegung an sich. Bush sollte für die nächsten acht Jahre das Weltgeschehen massgeblich beeinflussen und dies vor allem wegen seiner unilateralen Politik. Sie brachte für den Rest der Welt nur wenig Gutes mit sich.
Die Anschläge auf die Twin Towers in New York am 11. September des gleichen Jahres lieferten ihm auch den Anlass für unzählige Aktivitäten im «Kampf gegen den Terrorismus».
Dazu gehörte auch das absolute und wochenlange Flugverbot im US-Luftraum nach dem 11. September, mit entsprechenden Beeinträchtigungen auf den gesamten Weltflugverkehr. Der ohnehin schon schwächelnden Swissair verpasste dies anfangs Oktober den definitiven Todesstoss, sodass es zum Grounding kam und der Volksmund ein neues Wort lernte.
Ein anderes «Grounding» erlebten im November vor zehn Jahren die 33 Insassen des Crossair-Flugs von Berlin nach Zürich. Die Maschine stürzte in Bassersdorf ab und riss mit Melanie Thorton auch eine prominente Persönlichkeit in den Tod. Wie lautete doch gleich wieder ihr bekanntester (Coca-Cola-)Song? Ach ja: «Wonderful dream». Nein, das Jahr 2001 war wahrlich kein wunderbarer Traum, eher ein Albtraum…
Technik-Gläubigkeit vor 25 Jahren
Vor 25 Jahren hätte mit Christa McAuliffe als Grundschullehrerin die erste Zivilistin in den Weltraum fliegen sollen. Dieser Flug wurde zwar zu einer Premiere, aber zu einer traurigen Premiere: Die «Challenger» war die erste US-Raumfähre, welche schon nach 73 Sekunden nicht mehr flugfähig war und auseinander brach.
Es war – nebst dem Absturz der Raumfähre «Columbia» im Jahr 2003 – der Anfang vom Endes des US-Raumfahrtprogramms mit Space Shuttles. In den kommenden Wochen dieses aktuellen Jahres starten die «Endeavour» und die «Atlantis» zu ihren letzten Flügen in Richtung der internationalen Raumstation ISS.
Hoch explosiv und ebenfalls in weite Höhen ging es auch im ukrainischen Tschernobyl zu und her. Der erste Super-GAU in der Geschichte der Atomenergie jährt sich am 26. April dieses Jahres zum fünfundzwanzigsten Mal. Auch dieser Unfall war für viele der Anfang vom Ende der Atomenergie. Leider wurde aber damals vieles den «russischen Zuständen» zugeschrieben und mit «so etwas kann bei uns nicht passieren» kommentiert.
Obschon durch Tschernobyl die Opposition gegen Atomenergie (erst recht) geweckt wurde, kam es in der Schweiz nicht zu einem Ausstieg. Immerhin wurden bisher aber nur fünf der ursprünglich zehn geplanten AKWs realisiert (Kaiseraugst, Graben, Verbois, Inwil und Rüthi wurden fallen gelassen, obschon die ersten beiden bereits über die nötigen Bewilligungen verfügten).
In fünf Jahren wird man 30 Jahre Tschernobyl und fünf Jahre Fukushima «feiern» können. Und vielleicht beginnt da dann auch eine neue Zeitrechnung betreffend AKW Mühleberg: Jahr 1 des stillgelegten Reaktors.
Zwängereien mit allen Mitteln vor 30 Jahren
Im Oktober vor 30 Jahren jährt sich der tödliche Anschlag auf den ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat. Dessen Tod führte dazu, dass der Vizepräsident, Hosni Mubarak, das Zepter übernahm. Inzwischen hat er dieses Zepter unter dem «Druck der Strasse» und kurz vor seinem 30 jährigen Dienstjubiläum selber wieder abgegebenen müssen, glücklicherweise ohne allzu viel Blutvergiessen.
Einige Monate zuvor, jedoch im gleichen Jahr, trat Ronald Reagan das Amt als 40. US-Präsident an. Auch seine insgesamt achtjährige Präsidentschaft, begleitet vom damaligen US-Vizepräsidenten George Bush senior, war nicht unumstritten.
Er zierte sich nicht, die militärische Überlegenheit der USA gegen kleineren Ländern auszuspielen. Immerhin ist ihm im Rahmen der Abrüstungsverträge eine gewisse Annäherung an die damalige UdSSR gelungen – was manchem Nicht-Republikaner bestimmt auch gelungen wäre.
Zwar waffenlos, aber ebenso willkürlich wie ein militärischer Eingriff, erfolgte vor 30 Jahren die Einführung der Sommerzeit mittels eines rechtlichen «Kunstgriffs». Anlässlich einer Volksabstimmung in den 1970er Jahre sagte das Schweizer Stimmvolk noch Nein zur Sommerzeit.
Gebracht hatte das Ganze nur soviel, dass die Schweiz heute keine Zeitinsel ist. Doch ansonsten hat dieses halbjährliche Vor- und Zurückstellen der Uhren nichts bewirkt, auch nicht einen stromsparenden Effekt.
Im Gegensatz dazu hatte der Bundesrat in Sachen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau «geschlampt». Diese wurde ebenfalls vor 30 Jahren in der damaligen Bundesverfassung verankert – zehn Jahre nachdem die Schweizer Männer dem Frauenwahl- und Stimmrecht zustimmten.
Und auch in Sachen «Barrierefreiheit» für Behinderte ist wenig gelaufen. Das Jahr 1981 war nämlich auch das «Internationale Jahr der Behinderten», doch trotz verstrichener 30 Jahre gibt es heute noch unzählige Hürden für die «Reintegration» von körperlich oder geistig Behinderten.
Übrigens, das nachfolgende Video feiert gemäss YouTube-Beschrieb in diesem Jahr auch sein 30-jähriges Jubiläum – und weisst wieder eine gewisse Aktualität auf…
Vor 40 Jahren: Radioaktiv und politisch aktiv
Wie bereits schon erwähnt können wir in diesem Jahr auch das Jubiläum über 40 Jahre Wahl- und Stimmrecht für die Frauen feiern. Wir können dies tun mit einer Landesregierung, welche mehrheitlich aus Frauen besteht. Zu euphorisches Feiern ist aber trotzdem nicht angebracht, denn der Anteil an Frauen in der Politik ist auch nach 40 Jahren demokratischer Mitwirkungsmöglichkeit schweizweit immer noch relativ gering.
Ein trauriges Jubiläum feierte in diesen Tagen auch der AKW-Komplex in Fukushima. Der erste Reaktor wurde nämlich vor 40 Jahren in Betrieb genommen – und hätte in diesen Tagen ausser Betrieb genommen werden sollen.
Wozu Laufzeitverlängerungen, wie sie auch in der Schweiz für teilweise noch ältere AKWs vorliegen, nicht alles führen können… Immerhin plant Deutschland seine AKW-Veteranen wenigstens für einige Zeit vom Netz zu nehmen. Das wäre dann ein teilweiser Ausstieg vom Ausstieg des Ausstiegs von der Atomenergie…
Nicht Atomenergie, sondern Atomwaffen und deren Tests führten unter anderem schliesslich zur Gründung von Greenpeace. Es mag zwar positiv erscheinen, dass sich einige aufmachten um die Rolle des Advokaten für die Umwelt zu übernehmen.
Zugleich ist es allerdings auch ein Armutszeugnis, wenn man zum Schutz der Umwelt eine entsprechende Organisation gegründet werden muss. Es zeigt sich darin, wie sehr wir vergessen haben, mit der Umwelt und nicht gegen sie zu leben.
Leerläufe der Geschichte seit 50 und 100 Jahren
Dass man damals nicht sehr zimperlich mit seiner Umwelt im weitesten Sinne umsprang, verdeutlichte im Juni 1961 auch Walter Ulbricht als Staatsratsvorsitzenden der ehemaligen DDR. Er liess nämlich noch im Juni des Jahres 1961 verlauten, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu errichten. Schon zwei Monate später war sie Realität. Sie wurde in den folgenden Jahrzehnten zum Symbol der Abgrenzung zwischen Ost und West.
An John F. Kennedy, welcher vor 50 Jahren zum 35. US-Präsidenten wurde, dürfte dieser Mauerbau sicher nicht gelegen haben. Er war eher der Mann der De-Eskalation als der Eskalation, wie sich in der so genannten «Kuba-Krise» zeigte. Wie die Welt sich wohl entwickelt hätte, wäre er zwei Jahre später nicht ermordet worden?
Vor 50 Jahren begann mit dem Bau eines unterirdischen Versuchsreaktors auch das Schweizer Abenteuer in Sachen Atomenergie. Es mündete einige Jahre später im waadtländischen Lucens in einer Katastrophe…
Vor wenigen Wochen wurde mit «UN Woman» offiziell das jüngste UN-Kind aus der Taufe gehoben. Dieses bezweckt die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Das ist gut so.
Allerdings feiert der Internationale Frauentag in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen und ist damit bereits älter als die UNO selbst. Das ändert allerdings nichts daran, dass es 100 Jahre brauchte, bis sich eine Nicht-Regierungs-Organisation formierte um vorwiegend für die Einhaltung der Menschenrechte gegenüber Frauen zu kämpfen.
Rückblick mit Stolz aufs 2011?
Die Weltgeschichte läuft ständig weiter. Obschon wir nur knapp das erste Quartal des Jahres 2011 hinter uns haben, gibt es jetzt schon zwei Ereignisse, an welche man sich in ein paar Jahren erinnern wird:
Der verheerende Tsunami in Japan mit dem atomaren Unglück in Fukushima und die politischen Umwälzungen im arabischen Raum. Die Entwicklung beider Themen ist noch nicht abgeschlossen.
Es wäre zu hoffen, dass als Folge dieser Ereignisse etwas Gutes herauskommt, sodass man in den nächsten Jahrzehnten mit Stolz darauf zurückblickt und entsprechende Jubiläen feiert. Denn was uns die Weltgeschichte in diesem Jahr an Jubiläen bereit hält, ist wenig schmeichelhaft…