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Am vergangenen Wochenende war der europäische Tag des Denkmals. In Paris habe ich zwei Gebäude angeschaut, die beide auf ihre Weise ein Resultat der Pariser Kommune von 1871 sind.Das erste Gebäude ist die „Bourse de Travail“ an der Rue de Chatau d’Eau nahe beim Place de République. Trotz der blutigen Niederlage der Kommune blieb die Arbeiterschaft in Paris ein Machfaktor, auf deren Stimmen die republikanische Regierung von Gambetta angewiesen war. 1884 wurden deshalb die Gewerkschaften zugelassen und die sozialistische Stadtregierung finanzierte 1887 eine erste Bourse de Travail und 1892 ein zweite an der Rue de Chatau d’Eau. Diese dient den verschiedenen Gewerkaschaften als als Arbeits- und Versammlungsort. Anfänglich waren dort auch Arbeitsvermittlungsstellen untergebracht. Das Gebäude verfügt über einen wunderschönen Versammlungssaal in der Form eine gedeckten Innenhofes mit einfachen Holzbänken als Sitzgelegenheit für die versammelten Gewerkschafter. Man kann sich gut vorstellen, dass dort hitzige Diskussionen geführt wurden und werden. Da die Bourses de Travail aber von der öffentlichen Hand finanziert werden, eigneten sie sich auch um die Arbeiterschaft subtil zu kontrollieren.
Nicht weit von der Bourse de travail, im Haus Nr. 14 an der Rue de la Corderie, befand sich seit 1869 das französische Büro der Ersten Interantionalen. In diesen einfachen Lokalen verfasste das Zentralkomitee der Pariser Kommune den Aufruf vom 17. September 1870 und beschloss im März 1871 den Aufstand.
Ganz anders wirkt dagegen das Hôtel de Ville, dessen Vorgängerbau während der Kommune ausbrannte. Der Neubau orientierte sich im Stil am Vorgängerbau und erinnert im Innern mit seinen prächtigen Sälen an ein Schloss. Man sieht, dass die sich die Pariser Bürger/Händler auch optisch gegenüber den Königen und Kaisern behaupten wollten. Es ist aber auch denkbar, dass die Umgebung die Pariser Oberbürgermeister dazu verführt, sich selber als Stadtkönige zu fühlen. Die Machenschaften von Chirac und seinem Nachfolger Tiberi lassen grüssen.
Der eigentliche Ratsaal nimmt sich geradezu bescheiden aus. Jeder Abgeordnete hat sein Tischchen und seinen bequemen Sessel. Etwas seltsam mutet an, dass das Stadtparlament vom Bürgermeister präsidiert wird. Vermutlich ist es mit der Gewaltentrennung in Frankreich aber tatsächlich nicht so gut bestellt. Bei den elektronischen Abstimmungen können die Parlamentarier dafür nicht nur zwischen „Ja“ und „Nein“ sondern auch noch zwischen „Enthaltung“ und „Ich stimme nicht ab“ wählen.
Büro des sozialistische Oberbürgermeister Bertrand Delanoë
Der Tag des Denkmals geht auf eine französiche Initiative zurück, wobei anscheinend umstritten ist, ob es die Idee des sozialistischen Ministers Jack Lang war, welcher 1984 den 1. Journée de la Patrimoine organisieren liess, oder ob ein solcher Tag nicht schon zu Zeiten von Valéry Giscard d’Estaing durchgeführt wurd.