Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03194.jsonl.gz/627

Angehende Lehrerinnen und Lehrer haben sich an der Pädagogischen Hochschule Wallis (PH-VS) in einem Workshop mit gendergerechter Sprache befasst. Die SVP Unterwallis hat davon Wind bekommen und zwei SVP Grossräte wehren sich nun.
In einem Vorstoss im Kantonsparlament schreiben Sie: Die PH-VS müsse für die pädagogische Ausbildung der Lehrpersonen sorgen und nicht «umstrittene Praktiken wie die geschlechtergerechte Schreibweise» einführen.
Die PH soll nicht umstrittene Praktiken wie die geschlechtergerechte Sprache einführen.
Sie verweisen dabei auf «den grossen Nachbar» Frankreich, wo die inklusive Sprache in Verwaltung und Schulen ebenfalls verboten sei. Im Vorstoss wird eine Erklärung der Gelehrtengesellschaft Académie française zitiert: «Es ist schon schwierig genug, eine Sprache zu lernen, ist es wirklich nötig, durch weitere veränderte Formen zusätzliche Schwierigkeiten zu schaffen?»
Die beiden SVP Politiker wollen von der Walliser Regierung wissen, was diese gegen solche Workshops zur inklusiven Sprache unternehme? Denn, so die Begründung: Es könne nicht angehen, dass eine kleine, aber lautstarke Minderheit entscheide, was die korrekte Verwendung der französischen Sprache sei.
Gendern auf Französisch
Gendern in der französischen Sprache ist doppelt umständlich. Einerseits werden auf Französisch auch Adjektive und Verben dem Geschlecht angepasst. Anderseits reicht bei den Nomen nicht einfach ein Stern oder eine Lücke im Wort, weil auch die Wortendungen variieren. Ein Beispiel: Auf Deutsch kann man aus «Schauspieler» und «Schauspielerinnen» «die Schauspieler_innen» machen. Auf Französisch sind das «les acteur·trice·s». Eine Zusammensetzung von «les acteurs» und «les actrices».
In der schriftlichen Antwort der Walliser Regierung heisst es, in der Verwaltung werde grundsätzlich keine inklusive Sprache angewendet. Man habe, nach der Annahme eines entsprechenden Postulats, bereits im Sommer alle Dienststellen aufgefordert, insbesondere auf Zeichen wie den Genderstern oder Gender-Gap zu verzichten. Vielmehr soll eine geschlechtsneutrale Sprache zur Anwendung kommen.
Die PH Wallis habe den Workshop zur Sensibilisierung gegenüber Minderheiten und Menschen mit besonderen Bedürfnissen durchgeführt. Dabei sei es hauptsächlich um eine Reflexion über die eigene Sprache gegangen, so die Walliser Regierung in ihrer Antwort.
Der Kampf gegen inklusive Sprache ist nicht neu
Er sei nicht überrascht, dass auf politischer Ebene gegen inklusive Sprache vorgegangen werde, sagt Pascal Gygax. Er leitet das Team für Psycholinguistik und angewandte Sozialpsychologie an der Universität Freiburg. «Sprache war schon immer politisch», sagt er. «Als die Académie française im 17. Jahrhundert beschloss, Begriffe wie «Autorin», «Bürgermeisterin», «Professorin» oder «Dichterin» aus dem Wörterbuch zu streichen, war das eine politische Geste.
Gründe sind das Festhalten an traditionellen Werten, Sexismus und die Idee, dass es normal ist, dass gewisse Gruppen anders behandelt werden.
Aber, warum löst das Thema inklusive Sprache oft emotionale Reaktionen aus? Zunächst einmal gebe es häufig Verwechslungen, was die inklusive Sprache überhaupt ist und will. Darüber hinaus befasse sich die Forschung mit drei Hauptfaktoren, die die Vorbehalte gegenüber der inklusiven Schreibweise erklären, so Gygax: «Das Festhalten an traditionellen Werten, Sexismus und die Idee, dass es normal ist, dass gewisse Gruppen anders behandelt werden.» Diese Faktoren seien wahrscheinlich für einige politische Parteien charakteristisch, sagt Pascal Gygax und fügt an: «Zweifellos gibt es noch weitere Faktoren, wie zum Beispiel die fehlende Offenheit für Veränderungen.»