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Bereits zum neunzehnten Mal wird am 9. August die UN-Konferenz der indigenen Völker in New York abgehalten. Beim Studium des Programms der Konferenz drängt sich ein weit verbreitetes Vorurteil gegenüber der UNO auf: Es wird viel diskutiert, aber wenig gehandelt. Die offizielle Pressemitteilung ist gespickt mit allgemeinen Sätzen wie „Wir müssen darauf hin arbeiten, die Partnerschaften zwischen Regierungen und indigenen Völker zu stärken“ und „Wir müssen sicherstellen, dass die Politik die Anliegen der indigenen Bevölkerung reflektiert und respektiert“. Natürlich ist es wichtig, die Situation dieser Völker in die Medien zu bringen und zu diskutieren. Doch hat sich ihre Situation wirklich verbessert, seit der erste Welttag der indigenen Völker im Jahr 1994 abgehalten wurde? Das Beispiel der Awá aus Brasilien macht deutlich, dass elementare Probleme nach wie vor ungelöst sind.
"Wenn ihr den Wald zerstört, zerstört ihr auch uns"
eine Awá-Frau
Awás leben als eines der letzten nomadischen Jäger und Sammler-Völker im brasilianischen Amazonasgebiet. Einige Awás haben überhaupt noch keinen Kontakt zur Aussenwelt. Trotzdem werden ihr Lebensraum und somit auch ihr eigenes Überleben von Eindringlingen bedroht. Auf der Suche nach wertvollen Bäumen dringen Holzfäller tief in den Dschungel vor. Dabei lassen sie sich auch von Schutzgebieten nicht beeindrucken: Eines der rechtlich geschützten Awá-Gebiete ist schon zu 30 Prozent abgeholzt worden. Auf Druck der Öffentlichkeit hat die brasilianische Regierung den Kampf gegen den illegalen Holzschlag intensiviert. Um den Schutz von Awá-Gebieten durchzusetzen, wurde kürzlich vom brasilianischen Militär eine umfangreiche Operation gestartet, bei der sogar Panzer und Helikopter zum Einsatz kamen! Das Militär schloss illegale Sägewerke, konfiszierte und zerstörte Material, das zum Holzschlag in den geschützten Gebieten verwendet wurde. Trotzdem sind die Awás weiter akut von der Vernichtung bedroht. In der Nähe ihres Lebensraums befindet sich die Carajás-Mine, die grösste Eisenerzmine der Welt. Kilometerlange Züge bringen das Eisenerz zu den Häfen am Atlantik und durchqueren dabei Gebiete von Awás, die zuvor isoliert lebten.
Folgen dieser Kontakte mit der Aussenwelt können für das Naturvolk tödlich sein: Der Einschleppung von Krankheiten wie Malaria oder Grippe sind schon zahlreiche Awás zum Opfer gefallen. Häufig ist die Gesundheitsversorgung indigener Völker unzureichend, der Zugang zu Ärzten oder Spitälern meist nicht gewährleistet. Im Juli 2013 haben Indigene aus sieben verschiedenen Völkern, darunter zahlreiche Awás, die Bahnlinie der Carajás-Mine besetzt, um gegen die schlechte Gesundheitsversorgung zu protestieren. Ob die Proteste die Gesundheitsbehörden zum Handeln anregen, bleibt ungewiss.