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Ecole de Winterthour
In seiner Verfassungsgeschichte (Neuere schweizerische Verfassungsgeschichte) zeigte Alfred Kölz auf, dass Winterthur die Schweizer Demokratie stark geprägt hatte.
Winterthur hat in der Demokratiegeschichte im 19. Jahrhundert eine herausragende Rolle gespielt. Die ausstrahlende demokratische Staatstheorie wurde in der Westschweiz als „Ecole de Winterthour“ bezeichnet. Die Stosskraft der Demokratischen Bewegung im Kanton Zürich wird durch den Reformstau und den wieder auflebenden Stadt-Land-Gegensatz in den 1860 Jahren erklärt. Weil die liberale Wirtschaftpolitik auf Zürich konzentriert war, fühlten sich Winterthur und viele Landgebiete benachteiligt. Ausserdem provozierte der aufwendige Lebensstil der neureichen Elite in der Hauptstadt. Die Bewegung erkämpfte jene Zürcher Kantonsverfassung von 1869, die 2005 in einer Volksabstimmung ersetzt wird. Voraus ging eine aufwändiger Arbeit durch einen Verfassungsrat.
Die Demokratische Bewegung brachte nicht nur die neue Verfassung von 1869, sondern auch eine neue Partei hervor. Das wichtigste Presseorgan, der ab 1868 als Partei deklarierten Bewegung, war der „Landbote“. Diese damals linkbürgerliche Zeitung war nicht nur politisches Kampforgan der Demokratischen Partei, sondern auch ein Gefäss, das zur allmählichen Bildung einer demokratischen Parteidoktrin entscheidend beitrug. Dieser Richtung schlossen sich nach Zürich weitere Kantone wie Thurgau, Aargau, Solothurn, Luzern und Bern an. Für eine Weile war die „Ecole de Winterthour“ die herrschende staatspolitische Richtung in der Deutschschweiz und entfaltete erhebliche Wirkung in der Romandie.