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Im letzten Wetterfrosch-Beitrag (FN vom 28. November) haben wir erfahren, dass der namhafte und in allen Wissenschaftskreisen begehrte Balzan-Preis auf den italienischen Starjournalisten Eugenio Balzan zurückgeht. Balzan wurde am 20. April 1874 in Badia Polesine in der Provinz Rovigo in Venetien geboren. Aufgewachsen ist er bei einer Tante in Verona. Nach seiner Schulzeit besuchte er die Universität von Mantua. Er studierte Journalistik und konnte seine ersten selbstverfassten Artikel der Veroneser Tageszeitung «L’Arena» verkaufen.
Zeitkritische Artikel
Diese Zeitung war dafür bekannt, dass sie jungen Journalisten die Gelegenheit bot, sich zu profilieren. Balzan bekam mit Antonio Mantovani dazu noch einen Berater und Förderer. Von ihm kam der Vorschlag, zur renommierten Zeitung «Corriere della Sera» zu wechseln. Mit seinen zeitkritischen Artikeln erreichte er immer mehr Ansehen, und damit «öffneten sich Tür und Tor» zu den Mächtigen in Italien.
Eugenio Balzan wurde 1903 Verlagsleiter und bald danach Verwaltungsrat des «Corriere della Sera». Er spielte eine wichtige Rolle in vielen Kulturinstitutionen und Wirtschaftsverbänden von ganz Italien und erhielt auch zahlreiche Ehrentitel.
Verfolgt von Mussolini
Im Zweiten Weltkrieg brachen, mit dem Faschismus unter Benito Mussolini, schwere Zeiten über Balzan herein. Der Diktator, auch «Duce» genannt, war ursprünglich selber Journalist und Chefredaktor der Zeitung «Avanti»gewesen, einer Zeitung der Sozialistischen Partei Italiens. Er wusste also genau, dass er die Medien unter seine Kontrolle bringen musste, wenn er das Volk beeinflussen wollte.
Eugenio Balzan durchschaute das Spiel und distanzierte sich; dafür wurde er gezielt verleumdet und verfolgt. Sein Verantwortungsbewusstsein für die Unabhängigkeit des «Corriere della Sera» zwang ihn aber zum Durchhalten.
Er musste jedoch vorübergehend in die Schweiz fliehen und lebte in Zürich und Lugano. Die Kontakte zu seinen Freunden in Italien brach er nie ab. Nach dem Krieg reiste er immer wieder zwischen der Schweiz und Italien hin und her. Sein Vermögen legte er in unserem Lande an. Er starb am 15. Juli 1953 in Lugano an einem Herzinfarkt.
Preis in seinem Andenken
Weil er kein Testament verfasst hatte, konnte seine einzige Tochter Angela Lina Balzan das inzwischen angewachsene Vermögen erben. Sie gründete 1956, im Gedenken an ihren Vater Eugenio Balzan, die Internationale Balzan-Stiftung. Diese Stiftung wird noch heute von Zürich aus betreut.
Seit 1961 werden jährlich vier Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich durch wissenschaftliche, kulturelle oder humanitäre Leistungen verdient gemacht haben. Alle drei bis sieben Jahre wird auch ein Friedenspreis verliehen. Im Gegensatz zu Alfred Nobel berücksichtigt die Balzan Stiftung alle Zweige der Natur- und Geisteswissenschaften.
Preis für Wetterforscher
1996 war zum ersten Mal ein Meteorologe unter den Preisträgern der Balzan-Stiftung. Der Norweger Arndt Eliassen (1915–2000) hat sich als junger Forscher mit den Luftströmungen über Gebirge, Berge und Hügel befasst. Er konnte zeigen, dass diese Strömungen, je nach Orografie (Relief), durch Reibungseffekte empfindlich gestört werden können. Diese Reibungen bringen Unruhe und Instabilität in solche Luftströmungen, und das wirkt sich sofort auf die Wetterabläufe aus.
Es gelang Eliassen, seine Forschungsergebnisse in die numerische Meteorologie einfliessen zu lassen. In der numerischen Meteorologie werden rechnergestützte Wettervorhersagen gemacht. Eine Wetterprognose, oder besser gesagt einen Wetterablauf über mehr als drei Tage zu skizzieren, ist heute nur dank dem Ausbau der numerischen Meteorologie mit den Grossrechnern und ihren enormen Kapazitäten möglich. Hier hat also der Balzan-Preisträger Arnt Eliassen als Meteorologie-Pro-fessor der Universität Oslo Fundamentales geleistet.
Aufschlussreiche Blasen im Eis
2001 erhielt der französische Klimatologe Claude Lorius (geb. 1932) den Balzan-Preis. Sein grösster Verdienst war die Entdeckung von Luftblasen im ewigen Eis der Antarktis. Er war 1982 auf der Station Wostok in der Antarktis und bohrte den Eisschild bis auf 2100 Metern Tiefe an. Aus den Eisbohrkernen und der Zusammensetzung der Luft in den eingeschlossenen Luftblasen konnte Lorius mit verschiedenen physikalischen Methoden 140 000 Jahre Klima- und Erdgeschichte rekonstruieren.
Heute kann man bis auf 800 000 Jahre zurück Aussagen über Klimaschwankungen mit Kalt- und Warmzeiten machen. Die Ursachen dieser Klimaschwankungen sind grösstenteils bekannt und können zugeordnet werden. Der Kohlendioxid-Gehalt der Luft war in diesen 800 000 Jahren nie der Grund einer Kalt- oder einer Warmzeit. Der Gehalt an Kohlendioxid überstieg auch nie den Wert von 280 Kubikzentimetern pro Kubikmeter Luft.
Seit 1850, seit dem Beginn der Industrialisierung und dem Verbrennen von fossilen Brennstoffen, steigt nun dieser Wert kontinuierlich an und liegt heute bei 405 Kubikzentimeter pro Kubikmeter Luft. Damit wird die Erdatmosphäre immer wärmer – mit allen Einflüssen auf das Wetter. Für die kommende klimatologische Warmzeit sind wir Menschen verantwortlich.
Mario Slongo ist ehemaliger DRS- Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänomene. Mehr: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».