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Geht es um Zigarren, kommt man praktisch nicht um Kuba herum. Die Zigarren aus dem Inselstaat in der Karibik gelten als die besten und teuersten. Berechtigterweise? Unbestritten bietet Kuba mit seinen Böden und dem Klima die idealen Voraussetzungen für besten, abwechslungsreichen und würzigen Tabak. Die Handfertigung gehört hier ebenso dazu wie das Aufrechterhalten von Mythen – ein nicht unwesentlicher Bestandteil des Genusses.
Boden und Klima sind auf Kuba ideal für den Tabakanbau.
Der Grundstein des heutigen Zigarengenusses
Die Geschichte der kubanischen Zigarre beginnt im Jahre 1492, als Kolumbus auf der Suche nach Indien auch Kuba entdeckte. Er war es auch, der später den Tabakgenuss nach Europa brachte – und damit den Grundstein für den heutigen Zigarrengenuss legte. 1799 eröffnete die erste Zigarrenfabrik auf Kuba. Was bisher in kleinen Werkstätten oder privat gefertigt wurde, gab es nun in grösseren Mengen – und bald schon waren die kubanischen Zigarren in Europa besonders beliebt. Nun schossen die Marken wie Pilze aus dem Boden. Die Unabhängigkeit von Spanien 1895 und die Abschaffung der Sklaverei waren für viele ausländische Produzenten dann jedoch Grund, nach Florida weiterzuziehen. Nach einem weiteren kurzen Umsatzeinbruch 1929 erholte sich der Markt bald wieder. Und vor allem begann nun die Mythen-Bildung. Auch aus Gründen der Prohibition in den USA wurde Havanna in den 30er-Jahren zum Zentrum des Vergnügens. Ein Ort, den auch viele Berühmtheiten für sich entdeckten – inklusive Zigarre natürlich.
Der Ausbruch der Revolution 1959
Unter der Führung von Fidel und Raul Castro sowie des Argentiniers Ernesto Guevara (Che) wurde der Diktator Fulgencio Batista gestürzt und ab 1961 ein sozialistischer Staat errichtet. Revolutionsführer Fidel Castro hatte zuerst die Idee, alle kubanischen Zigarrenmarken zu einer grossen verschmelzen zu lassen, besann sich dann jedoch eines Besseren. Das amerikanische Embargo führte nun aber dazu, dass man auf neue Partner angewiesen war, unter anderem bis 1983 auch auf Davidoff. Heute finden Produktion wie Handel mehrheitlich staatlich kontrolliert statt. Der Exklusivexporteur Habanos S.A., dessen Aktien zu 50 Prozent der britischen Imperial Tobacco Group PLC gehören, arbeitet weltweit mit ausgewählten Partnern zusammen. In der Schweiz ist der offizielle Habanos-Importeur die Intertabak AG.
Die Arbeit der Torcedores und Torcedoras – also der Zigarrendreher – erfordert viel Erfahrung.
Vier Anbaugebiete gibt es für den kubanischen Tabak, aus dem später die Habano beziehungsweise die Havanna-Zigarre gefertigt wird. Denn eine wahre Habano kann nicht jede sein. Hierfür müssen strenge Qualitätskriterien erfüllt sein. Ganz im Westen Kubas ist das Gebiet Vuelta Abajo, das weltweit sogar als das am besten geeignete für den Tabakanbau gilt. Kein Wunder, kommen von hier auch die meisten Tabake der Havanna-Zigarre. Ebenfalls im westlichen Kuba ist die Region Semi Vuelta. Hier entstehen Einlage- und Umblätter für die Habanos. Südöstlich von Havanna findet sich eine kleine Gruppierung verschiedener Tabakanbaugebiete, die zusammengefasst Partido genannt werden. Hier hat man sich auf die Deckblätter spezialisiert. Im Osten von Kuba befinden sich die zwei Gebiete Remedios und Oriente, die zusammengefasst das Vuelta Arriba bilden.
Kultiviert werden in Kuba zwei Tabakpflanzen. Die Corojo-Pflanze kommt vor allem für Deck-, Einlage- und Umlageblätter zum Einsatz, während die Blätter der etwas kräftigere Criollo-Pflanze für den inneren Teil der Zigarre genutzt werden. Hauptgrund für die Qualität kubanischer Zigarren sei aber vor allem die Bodenbeschaffenheit auf der karibischen Insel, sagen viele Experten. Ein besonders nährstoffreicher aber auch abwechslungsreicher Boden. Und ebenso qualitätsentscheidend seit natürlich alles, was nach der Ernte folgt.
Traditionelle Verarbeitung
Die Verarbeitung der Blätter unterscheidet sich je nach angedachtem Einsatz. Die Deckblätter, die übrigens hauptsächlich im Schatten gezogen werden, werden nach der Ernte in traditionellen Trockenschuppen oder in kontrollierter Lufttrocknung getrocknet. Anschliessend folgt ein einmaliger Durchlauf zur Fermentierung, bei welcher der Geschmack hervorgehoben und gleichzeitig Säure-, Teer- und Nikotingehalt verringert werden. Bereits nach dieser einmaligen Fermentierung werden die Blätter endgültig sortiert und in über 50 Kategorien eingeteilt. Nur die Besten kommen auch wirklich als Deckblätter zum Einsatz.
Einlage- und Umblätter hingegen, die an der Sonne heranwachsen, werden nur im traditionellen Verfahren getrocknet. Noch in den Trockenschuppen werden die Einlage- und Umblätter ein erstes Mal zur Fermentierung aufeinander gestapelt. Anschliessend werden sie sortiert und in vier Geschmackskategorien eingeteilt. Dann folgt die zweite Fermentierung, bevor die Blätter entrippt und nochmals fermentiert werden. Zum Schluss werden die Blätter – sortiert nach Stärke und
Geschmack – in Ballen gepackt und kommen für mindestens sechs Monate ins Lagerhaus, bevor sie dann von den Ligadores, den Meistermischern der einzelnen Produzenten, wieder zum individuellen Endprodukt gemischt und von den Torcedores und Torcedoras von Hand zur Zigarre gedreht werden – totalmente a mano, ein weiteres Qualitätsmerkmal der Habanos.
Einlage- und Umblätter werden ausschliesslich im traditionellen Verfahren im Trockenschuppen getrocknet.
Aber sind die Habanos nun wirklich so viel besser wie Zigarren aus anderen Ländern?
Jein, sagt hierzu der «Tabak, Drinks & more»-Kolumnist und Zigarrenexperte Stefan Bütikofer. «Zigarren aus Kuba gehören sicher nach wie vor zum Besten, was es am Markt gibt», sagt er. Vieles sei aber auch Mythos und Image, was durchaus ebenfalls zum Genusserlebnis beitragen könne. «Tatsache ist aber auch, dass andere Länder wie die Dominikanische Republik, Nicaragua und Honduras diese Qualität zum Teil schon lange erreicht haben, mit ihrer Vielfalt den Markt bereichern und der Habano vielleicht bald einmal den Rang ablaufen könnten», so Bütikofer. Allgemein sei es aber immer auch einfach eine Geschmackssache und abhängig von der persönlichen Vorliebe. «Entsprechend lässt sich die Frage nach der besten Zigarre der Welt kaum einfach so beantworten, heute noch viel weniger wie früher.»
Heute sind rund 27 Marken unter der geschützten Bezeichnung «Habano» erhältlich.
Einige der in der Schweiz bekanntesten sind:
Cohiba
Sie ist die exklusivste aller Habanos. Extra für Fidel Castro kreiert wurde sie lange Zeit auch ausschliesslich für ihn sowie die kubanische Führung oder als Geschenke für andere Staatsoberhäupter produziert. Erst sei 1982 ist Cohiba auch auf dem internationalen Markt erhältlich.
Stärke: mittelkräftig bis kräftig
Montecristo
Sie ist zwar bei weitem nicht die älteste, aber wohl die bekannteste Habanos-Marke: Montecristo. Entstanden ist sie 1935 in der Manufaktur H. Upmann. Heute bietet Montecristo eine riesige Auswahl an Zigarren, natürlich alle von Hand gefertigt.
Stärke: mittelkräftig bis stark
H. Upmann
Die Marke H. Upmann wurde von den deutschstämmigen Brüdern Hermann und August Hupmann gegründet, im Jahre 1844. In Europa wurden die H. Upmann-Zigarren zuerst vor allem als Präsente für die Kunden der familieneigenen Bank verteilt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts fanden sie grössere Verbreitung.
Stärke: leicht bis mittelkräftig
Partagas
Die Partagas-Manufaktur inmitten Havannas wurde 1845 von Don Jaime Partagas gegründet. Bis heute erkennt man eine Partagas sofort an den schweren, erdigen Aromen.
Stärke: stark
Hoyo de Monterrey
Hoyo de Monterrey war eine der ersten Marken auf Kuba und wurde vom gebürtigen Spanier José Gener gegründet. Der feine aber gleichzeitig aromatische Geschmack macht sie zu einer der beliebtesten Habanos bis heute.
Stärke: leicht
Romeo y Julieta
Die Marke fand 1875 ihren Ursprung. Berühmtester Fan der Romeo y Julieta-Habanos war Winston Churchill, nach dem sogar das von ihm bevorzugte Format, die Julieta No.2, benannt wurde.
Stärke: mittelstark