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Obligationen sind so attraktiv wie schon lange nicht mehr
Anleihen sind so attraktiv wie schon lange nicht mehr. Sie können ihre traditionelle Funktion in einkommensorientierten Strategien wieder besser erfüllen.
Obligationen sind so attraktiv wie schon lange nicht mehr
Die Renditedifferenz zwischen USD-Unternehmensanleihen mit BBB-Rating und der Gewinnrendite des S&P 500 (Gewinn pro Aktie geteilt durch den Aktienkurs) befindet sich zum ersten Mal seit der globalen Finanzkrise 2008 im positiven Bereich. Die durchschnittliche Rendite von BBB-Unternehmensanleihen liegt derzeit bei 5,5%, im Vergleich zu einer Gewinnrendite von 5,1% beim S&P 500. Dies entspricht +0,4% oder +40 Basispunkten (bps); ein Basispunkt ist 1% von 1%, also 1/10'000.
Quellen: Swiss Rock, Bloomberg
Diese Renditedifferenz - manchmal auch als Aktien-/Anleihen-Spread bezeichnet - ist typischerweise negativ, weil das Risiko von Aktienanlagen im Vergleich zu Anleihen höher ist. Der Spread verschiebt sich in den positiven Bereich, wenn viel "spekulatives" Geld in die Aktienmärkte fließt: Die Kurse steigen, was mit höheren Bewertungen verbunden ist, wie bspw. einem Anstieg des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ("KGV"; englisch "P/E"). So war der Spread während des "Dotcom-Booms" Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre deutlich positiv. Auch kurz vor der globalen Finanzkrise 2008 war der Spread positiv.
Die Gewinnrendite von Aktien am Beispiel des S&P 500 ist derzeit niedriger als die Rendite von Anleihen mit vergleichbarer Bonität (USD, BBB-Rating). Für uns ist es nicht plausibel, dass der Markt derzeit keine Risikoprämie für Aktien im Vergleich zu Anleihen verlangt. Mit anderen Worten: Eine - breit gestreute - Anlage in Unternehmens-Anleihen ist so attraktiv wie schon lange nicht mehr, und zwar aus drei Gründen:
- Deutlich höhere Zinssätze bzw. ein deutlich höheres absolutes Zinsniveau
- Ebenso deutlich höhere Risikoprämien für nichtstaatliche Anleihen
- Auch die Bewertung von Obligationen im Vergleich zu Aktien ist attraktiv
Obligationen mit Air-Bag
Die Renditen von Anleihen hängen von den Bewegungen der Zins- und Kreditkurve ab. Der deutliche Anstieg der Renditen seit etwas mehr als einem Jahr hat einen Risikopuffer geschaffen, der vor weiteren Zinserhöhungen und steigenden Kreditprämien schützen kann. Ein solcher "Puffer" war in den letzten Jahren aufgrund einer hemmungslos expansiven Geld- und Fiskalpolitik mit absurd niedrigen oder sogar negativen Zinsen nicht mehr vorhanden. Anleihen können ihre Funktion in einkommensorientierten Anlagestrategien wieder deutlich besser erfüllen. Das ist eine gute Sache.