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Elon Musk hat in einer Telefonkonferenz mit Investoren erklärt, dass das Unternehmen hofft, den Cybertruck «Mitte nächsten Jahres» ausliefern zu können. Den gleichen Zeitrahmen hatte er schon Ende Mai in einem Interview in Aussicht gestellt.
Das klingt zwar noch immer vage, ist aber ein konkreterer Zeitplan als der, den Musk Anfang Jahr genannt hatte. Damals sagte er, dass der E-Pick-up «hoffentlich» nächstes Jahr kommen werde.
Bei der Präsentation 2019 hiess es, man wolle die Produktion Ende 2021 aufnehmen. Anfang 2021 sagte Musk, dass einige wenige Cybertrucks bis Ende des Jahres an Kunden ausgeliefert werden würden, aber es kam nie zu einer Auslieferung. Im August 2021 kündigte Tesla eine Verzögerung bis 2022 an. Nun soll die Auslieferung frühestens Mitte 2023 beginnen. Produziert wird er in der neuen Gigafactory in Texas.
Bei der Eröffnung der neusten Gigafactory sagte Musk Anfang April: «Wir werden nächstes Jahr mit dem Cybertruck in Produktion sein, wir werden mit dem Roadster in Produktion sein und mit dem Semi. Das kommt alles.»
Ende Mai bestätigte Musk in einem Interview, dass das Design abgeschlossen sei und man endlich loslegen müsse. Zuvor wurde der Prototyp mehrfach überarbeitet. Für Musk wohl etwas zu oft, wie er im Interview andeutete. Was genau seit der Vorstellung Ende 2019 verändert wurde, ist nicht bekannt.
Das charakteristische Merkmal des Cybertrucks ist sein ausgefallenes, kantiges Design. Tesla soll Probleme gehabt haben, diese Formgebung für den Einsatz in der realen Welt sicherzumachen. Während der Telefonkonferenz mit Investoren ging Musk nicht näher darauf ein, was Tesla noch zu tun hat, um den Cybertruck auf die Strasse zu bringen.
Die langwierigen Arbeiten am Design hätten den Start allerdings letztlich nicht verzögert, meinte Musk. Ausschlaggebend sei viel mehr die Chip-Knappheit gewesen. Musk begründete die Verzögerung schon früher mit ausgelasteten Produktionskapazitäten: «Wenn wir neue Fahrzeuge einführen würden, würde unsere Gesamtfahrzeugproduktion sinken», sagte er im Januar 2022. Und weiter: «Wir werden in diesem Jahr keine neuen Fahrzeugmodelle einführen».
Tesla hat seit der Corona-Pandemie die gleichen Probleme wie der Rest der Autobranche: Materialengpässe, Produktionsausfälle und anhaltende Lieferkettenprobleme bremsen die Produktion. Tesla brachte im zweiten Quartal des laufenden Jahres lediglich 254'695 Fahrzeuge zu seinen Kunden – der erste Rückgang gegenüber dem Vorquartal seit rund zwei Jahren. Wie alle anderen Autohersteller kann auch Tesla derzeit viel weniger Autos bauen, als eigentlich nachgefragt werden. «Tesla hat kein Nachfrageproblem, wir haben ein Produktionsproblem», beschrieb Musk Anfang Jahr die Situation.
In der Zwischenzeit haben Konkurrenten wie Ford und Rivian ihre eigenen Elektro-Pick-ups auf den Markt gebracht, wobei Ford nach eigenen Angaben nächstes Jahr 150'000 F-150 Lightning produzieren will. Die Produktion für das laufende Jahr ist längst ausverkauft. Bereits Ende 2021 setzte Ford daher neue Reservierungen aus, nachdem 200'000 Vorbestellungen eingegangen waren. Wer den Elektro-Pick-up jetzt bestellt, wird also eine Weile warten müssen.
Obwohl Cybertruck und F-150 Lightning beide riesige Pick-ups sind und reissenden Absatz finden werden, sprechen sie unterschiedliche Zielgruppen an. Tesla gilt als E-Auto-Pionier für die urbane Elite. Mit dem konventionell aussehenden Ford F-150 Lightning hingegen sollen Elektroautos in der sozialen und geografischen Mitte Amerikas ankommen. Ford möchte mit dem Lightning auch Farmer und Gewerbetreibende in ländlich und konservativ geprägten Regionen Amerikas zum Umstieg auf die Elektromobilität bewegen.
Bleibt anzumerken, dass in den USA alle wichtigen Autobauer auf grosse und schwere Elektro-Pick-ups setzen, da Geländewagen mit grosser Ladefläche dort seit Jahrzehnten zu den meistverkauften Fahrzeugen gehören. Konkret ist Fords F-150 seit bald 50 Jahren regelmässig das meistverkaufte Auto der USA.
Aus europäischer Perspektive wirken die Elektro-Pick-ups absurd gross, in den USA werden sie als Nutzfahrzeuge jedoch einen wichtigen Teil zur Elektro-Transformation beitragen.
In der Schweiz kann der Cybertruck derzeit nicht vorbestellt werden. Ford lässt noch offen, ob der F-150 Lightning den Sprung nach Europa schafft.
(oli)
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