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Traumwelten
Der Filmtitel wirkt auf den ersten Blick ebenso umständlich wie er wunderbar melodiös ist und von einem tiefen Liebeswunsch getragen scheint. "No te mueras sin de cirme adonde vas" - das heisst übersetzt: Stirb nicht, ohne mir zu sagen, wohin du gehst. Die Dialogzeile stammt aus dem Schlussteil von Eliseo Subielas Werk, und sie bringt ein menschliches Verlangen zum Ausdruck: Die Geliebte will wissen, wohin sich der Geliebte nach dem Sterben begibt.
"Das nächste Mal" sagt Rachel, "sagst du's mir". Sie war eben noch aus dem Jenseits kommend in der Gedankenwelt von Leopoldo aufgetaucht. Dieser beschäftigt sich in Beruf und Freizeit mit menschlichen Träumen: Als Kinooperateur führt er Filme vor. Daneben bastelt er an einem Gerät, das es ermöglichen soll, Träume auf Video aufzuzeichnen und so fassbar zu machen. "Recolector de suenos" (Traumsammler) nennt er das hutähnliche Ding, das man sich überstülpen kann, um auf einem Bildschirm seine eigenen Träume sichtbar zu machen und sie festzuhalten. Oder ist der Tagträumer sichtbar zu machen und sie festzuhalten. Oder ist der Tagträumer Leopoldo seinerseits eine Traumfigur? Hat er sich aus einer früheren Existenz in die Zukunft geträumt? Eine Hommage nicht nur an die Liebe, eine Hommage auch ans Kino.
Walter Ruggle
"Das Leben - ein Traum?" Das klassische Dichterwort inspiriert dieses berauschende Filmgedicht über die Macht der Imagination. Alles beginnt mit dem Ursprung des Kinos: New Jersey, 1885. Als Assistent von Thomas Edison hilft der junge William bei der Erfindung des Kinematographen. Im Traum wird er zum Filmvorführer und Hobbyerfinder Leopoldo im Buenos Aires von heute. Während sein Freund Oscar einen kuriosen mechanischen Roboter konstruiert, gelingt Leopoldo eine Erfindung, die seine Träume aufzeichnet und für ihn sichtbar macht. So begegnet er der geheimnisvollen Rachel, die ihn auf eine nachtwandlerische Gratwanderung zwischen Diesseits und Jenseits führt.
Eliseo Subiela, dem grossen Poeten des argentinischen Films, ist mit diesem Film eine der schönsten und bewegendsten Reflexionen über die das Wesen des Kinos und die Welt der Träume gelungen. Mit vielen spannenden, überraschenden Facetten und einem ganz eigenen Humor leitet Subiela uns durch ein magisches Labyrinth, in dem wir uns selber begegnen.