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Manchmal darf man als SRF-Filmredaktor anlässlich eines Jubiläums cineastische Perlen wie «The Godfather» oder «Bonnie and Clyde» ausgraben. Oder man zählt vorfreudig die Tage und Nächte bis zur Pressevorführung des nächsten Paul-Thomas-Anderson-Films runter.
Und manchmal zieht man den kürzeren Zahnstocher und erhält den Auftrag, ein Porträt über Blake Lively zu verfassen. Für Laien: Lively wurde durch ihre Rolle als New Yorker High-Society-Girl in der US-Serie «Gossip Girl» (2007 – 2012) bekannt.
Wie Werbung über sechs Staffeln
«Gossip Girl» ist die Antwort auf die Frage: «Wie sähe eine dürftig ausgeleuchtete Werbung für Kosmetikprodukte aus, wenn man diese mit hölzern vorgetragenen Dialogen ohne jeglichen Subtext anreichern und über sechs Staffeln in die Länge ziehen würde?»
Lively bescherte der Erfolg der Serie über die existenziellen Probleme der Upper-East-Side-Sprösslinge Rollen in diversen Hollywood-Filmen: In Ben Afflecks Boston-Gangsterfilm (ein Genre für sich, Link öffnet in einem neuen Fenster) «The Town» spielte die gebürtige Kalifornierin eine Einwohnerin aus dem berüchtigten Stadtteil Charlestown.
Lallen und nuscheln in Til-Schweiger'scher Manier
Der Bostoner Dialekt gilt als besonders eigentümlich. Schon viele grosse Schauspielerinnen und Schauspieler sind daran gescheitert.
Aber auch Lively: Sie lallt und nuschelt sich in Til-Schweiger'scher Manier durch dialektales Niemandsland. Mal klingt es nach Malibu, mal nach Mittelerde – nur nie nach Boston. Damit zementierte sie sich einen Platz in mancher «Worst Boston Accent»-Rangliste.
Danach war Lively auch noch in lauwarm rezipierten Filmen von Oliver Stone («Savages») und Woody Allen («Café Society») zu sehen, bewarb sich in der Kategorie «eindimensionalste Superheldenfreundin» («Green Lantern»), weigerte sich störrisch 30 zu werden («The Age of Adaline») und trieb einen unschuldigen Hai in den Selbstmord, Link öffnet in einem neuen Fenster («The Shallows»).
Aktuell ist die Frau, welche die verurteilte Wirtschaftskriminelle Martha Stewart zu ihren Vorbildern zählt, in Marc Forsters neuem Drama «All I See Is You» zu sehen. Was SRF-Filmkritiker Selim Petersen von diesem Werk hält, können Sie hier lesen.
Einen Unterschied ausmachen
Doch Blake Lively ist viel mehr als nur Schauspielerin: 2014 rief sie ihre ganz persönliche Lifestyle-Website «Preserve» ins Leben: «Um einen Unterschied in anderer Leute Leben auszumachen, ob auf oberflächliche oder bedeutungsvolle Weise.»
Dieser Unterschied machte sich in erster Linie im Portemonnaie, Link öffnet in einem neuen Fenster bemerkbar: Eine herkömmliche Holzlattenkiste, die im Baumarkt zehn Franken kostet, verschacherte Lively fürs Neunfache als Fahrradkorb. «Preserve» wurde nach 13 Monaten eingestellt.
Also, ob SRF-Filmredaktoren in ein paar Jahrzehnten Perlen ausgraben, in denen Blake Lively zu sehen ist? Schwer zu sagen. Die interessantere Frage ist: Wann ist eigentlich die Pressevorführung des nächsten Paul-Thomas-Anderson-Films?