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Die vom Eis abhängigen arktischen Robben sehen einer unsicheren Zukunft entgegen. Das Meereis in der Arktis schrumpft in rasantem Tempo und könnte Vorhersagen zufolge schon im Sommer 2035 ganz verschwunden sein. Für Sattelrobben und Mützenrobben (oderKlappmützen) wäre das eine Katastrophe. Beide nutzen das Meereis, um sich auszuruhen, um ihre Jungen zu gebären und für den Fellwechsel. Um die beiden Robbenarten besser überwachen zu können, sammelten Forscher vom Königlich Niederländischen Institut für Meeresforschung NIOZ (Koninklijk Nederlands Instituut voor Onderzoek der Zee) und von Wageningen Marine Research im Rahmen einer Studie über die Auswirkungen des schwindenden Meereises auf die Robben in der Arktis nun erstmals Satellitenbilder, mithilfe derer die Robben gezählt werden sollen.
Jungtiere von Mützen- und Sattelrobben wurden und werden noch immer, fast ausschließlich wegen ihres weißen Fells, massiv gejagt. Allein in Kanada lag die erlaubte Quote im Jahr 2019 bei 425.000 Tieren, davon fünf Prozent erwachsene Tiere. Wegen ihres schwer erreichbaren Lebensraums kann ihre Populationsgröße nur geschätzt werden, was mit großen Unsicherheitsfaktoren behaftet ist. Daher sind die derzeitigen Annahmen von 650.000 Mützenrobben und 7,6 Millionen Sattelrobben mit zu Vorsicht zu betrachten.
Die erste groß angelegte Zählung seit 2018, die in diesem Jahr östlich von Grönland, wo sich während der Paarungszeit große Gruppen der beiden Arten versammeln, von einem norwegischen Forscherteam durchgeführt wurde, soll einen genaueren Überblick über die Bestandszahlen liefern. Da das Meereis jedoch ständig in Bewegung ist aufgrund von Strömungen und Winden, ist es extrem schwierig, die Robben zu finden. Die Suche erforderte daher einen großen Aufwand: Vom Schiff aus suchten die Forscher mithilfe von Drohnen und einem Hubschrauber das Meereis ab. Zusätzlich starteten von Grönland aus Aufklärungsflüge, um die Robben aufzuspüren.
Entdeckten die Wissenschaftler größere Ansammlungen von Robben, platzierten sie GPS-Sender auf dem Meereis, um die Tiere verfolgen zu können. Nachdem die meisten der größeren Robbenansammlungen gefunden waren, wurden die Robben vom Flugzeug aus fotografiert. Durch das Zählen der Jungtiere auf diesen Luftbildern kann die Populationsgröße geschätzt werden.
Dem niederländischen Forschungsteam ist es jetzt mit der Hilfe der Beobachtungen des norwegischen Teams erstmals gelungen, hochauflösende Satellitenbilder zu erhalten, die von dem Raumfahrtunternehmen Maxar Technologies zur Verfügung gestellt werden. Auf den Fotos können Objekte mit einer Größe von 30 Zentimetern erkannt werden, sodass die Zählung der Robben problemlos möglich ist. Mithilfe der Luftbilder des norwegischen Teams kann die Zählung aus dem Weltraum verifiziert werden.
Mit dem Verschwinden des Meereises dürfte in Zukunft das Aufspüren der Robben noch schwieriger werden. Die Satellitenbilder stellen somit eine große Erleichterung bei der Überwachung der Mützen- und Sattelrobben dar, da neben des wesentlich geringeren Aufwands auch größere und unzugängliche Gebiete beobachtet werden können. Bei der Zählung von Walrossen und Walen nutzen andere Forschergruppen Satellitenbilder bereits erfolgreich.
Das nächste der Ziel der niederländischen Wissenschaftler ist es, die Zählung mithilfe modernster Künstlicher Intelligenz-Techniken zu automatisieren und somit ein wertvolles Instrument zur Überwachung der Robbenpopulationen und zur Untersuchung der Auswirkungen des rasch schwindenden Meereises bereitzustellen.
Julia Hager, PolarJournal