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Mit der Schipkapass-Bahn war im vorletzten Jahrhundert eine relativ kurze Bahnverbindung von Baden nach Bülach gemeint. Die Baden-Bülach-Bahn, wie man die Schipkapass-Bahn auch nannte, hatte auf die Seebacher Bahnverbindung der Schweizerischen Nationalbahn (SNB) von Wettingen nach Seebach und weiter nach Winterthur einen sehr negativen Einfluss. Daher wird sie in der OGS erwähnt, auch wenn sie nicht direkt auf Seebacher Gebiet verlief.
Im 19. Jahrhundert herrschte zwischen den Bahngesellschaften in der Schweiz ein erbitterter Konkurrenzkampf. Die Schweizerische Nationalbahn (SNB) wollte eine Verbindungslinie von der Ost- in die Westschweiz bauen, die kürzer sein sollte als die bestehenden Linien. Geplant war eine Bahnstrecke von Zofingen nach Romanshorn mit verschiedenen Abzweigungen. Nach dem damaligen Eisenbahngesetz musste der Güterverkehr immer über die kürzeste bestehende Strecke geführt werden, wodurch sich die SNB grosse Gewinne versprach.
Die damals allmächtige und im Kanton Zürich allgegenwärtige Nordostbahn (NOB) liess sich dies allerdings nicht einfach gefallen. Sie beantragte eine Konzession zum Bau und zum Betrieb einer Bahnstrecke Bülach - Baden, welche die geplante Furttalbahn der Schweizerischen Nationalbahn (SNB) von Baden nach Winterhtur konkurrenzieren sollte. Die geplante Strecke der NOB sollte kürzer werden als jene der SNB. Damit wollte die NOB den Güterverkehr bei sich behalten und der SNB den Wind aus den Segeln nehmen.
Der Coup gelang und schliesslich verfügte die NOB über die kürzeste Bahnstrecke zwischen Winterthur und Baden. Teil davon war die hier besprochene Strecke von Otelfingen über den Schwenkelberg nach Bülach. Mit der SNB hingegen ging es von diesem Tag an bergab, die Talfahrt endete 1880 im Konkurs. Ausgerechnet die NOB übernahm die Konkursmasse und dies zu einem Spottpreis.
Nachdem die NOB auch Besitzerin der einstigen SNB-Strecken war, wurde die Schipkapass-Bahn eigentlich bereits wieder überflüssig. Sie hatte ihre Aufgabe, nämlich den Verlust des Güterverkehrs an die SNB zu verhindern, erfüllt. Wegen der grossen Steigung über den Schwenkelberg war sie nicht besonders attraktiv. Zudem entwickelte sich der Personenverkehr auf dieser Strecke sehr schlecht. Es existierte mit Buchs auch nur ein einziger Bahnhof zwischen den Abzweigebahnhöfen Otelfingen und Niederglatt. 1922 kam zwar noch die Haltestelle Oberhasli dazu. Doch auch nach der Übernahme der Strecke durch die SBB im Jahre 1902 wurden die Zahlen nicht besser. Mehrere Versuche seitens den SBB, den Betrieb auf der defizitären Strecke einzustellen, scheiterten allerdings, bis 1936 ein solches Gesuch doch noch bewilligt wurde. Schon am 17. Januar 1937 verkehrte der letzte Personenzug.
1956 reichte die Gemeinde Buchs bei den SBB das Gesuch ein, die Bahnanlagen auf ihrem Gemeindegebiet zugunsten einer besseren Entwicklung der Wohnquartiere zu entfernen. Das Gesuch wurde im Dezember 1968 von der Vereinigten Bundesversammlung bewilligt. Umgehend wurde mit dem Abbruch des knapp 4 km langen Mittelstückteils bei Buchs begonnen. Übrig geblieben sind das Stationsgebäude Buchs sowie Teile des Bahndamms.
Eine Frage allerdings blieb noch offen: Weshalb bekam diese Bahnstrecke im umgangssprachlichen Gebrauch den Namen Schipkapass-Bahn? Nun, zur Zeit der Eröffnung der Strecke herrschte gerade der russisch-osmanische Krieg (1877/78) und es gab am strategisch wichtigen Schipkapass in Bulgarien eine Schlacht. Der Pass wurde oft in den Zeitungen genannt. Wahrscheinlich kam so die Bahn zu ihrem Übernamen. Gelegentlich taucht auch die Schreibweise Schiebkapass-Bahn auf. Eine Andeutung auf die Tatsache, dass bei schweren Güterzügen oft eine Schiebelok vonnöten war, denn die relativ steile Bahnstrecke war speziell für schwere Güterzüge eigentlich nicht ideal.
Zusammengefasst: Die 13 Kilometer lange Schipkapass-Bahnstrecke wurde am 1. Oktober 1877 eröffnet durch die Schweizerische Nordostbahn (NOB). Die Strecke wurde am 1. Januar 1902 von den SBB übernommen und nie elektrifiziert. Der Personenverkehr wurde im Jahre 1937 eingestellt, der Güterverkehr im Jahre 1968. Abgebrochen wurden die Gleise 1969 oberhalb dem ehemaligen Tanklager Otelfingen bis Bösbuck. Die Gleise von Bülach her wurden noch lange danach als Abstellgleise für Zisternenwagen benützt, wovon es noch etliche Fotos gibt. Selbst heute noch verkehren regelmässig kurze Züge mit Dieselloks zu den Tanklagern in Oberhasli.
Ein wesentlicher Teil dieses Textes wurde mit kleinen Anpassungen von "Chrigu's Eisenbahnseiten" übernommen. Wer mehr Details, vor allem die vielen tollen Fotos von den Überresten der Bahnstrecke sehen möchte, sei auf seine hervorragende Website verwiesen!
Quellen: - OGS-eigene - Vortrag von Christoph Tschanz, Winterthur, an der Mitgliederversammlung des VOS vom 17.5.2011 - www.chriguseisenbahnseiten.ch/schwenk.html