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Erst kürzlich war in der AUTOMOBIL REVUE eine kleine Serie über Kriminalität im amerikanischen Motorsport zu lesen. Dort ging es um Mafiosi, die sich einen erfolgreichen Rennstall hielten, um andere Gauner, die sich Rennstrecken bauten – und auch um John Lee Paul. 1939 in den Niederlanden als Hans-Johan Paul geboren, wandert er mit 16 in die USA aus, studiert später in Harvard, bringt es als Fondmanager an der Wall Street zu beträchtlichem Reichtum. 1968 beginnt er mit dem Rennsport, ist sogar einigermassen erfolgreich – um 1970 alles an der Nagel zu hängen und fortan auf einer Segelyacht zu leben.1977 kehrt er zurück und gründet zusammen mit seinem damals 17jährigen Sohn, John Paul Junior, sein eigenes Rennteam, JLP Racing. Wieder ist Paul erfolgreich, holt 1978 auf seinem Porsche 935 einen Klassensieg in Le Mans, baut gleichzeitig seinen deutlich talentierteren Sohn als Fahrer auf. JLP schafft ein paar bedeutende Siege, doch 1979 werden John Lee Paul und sein Sohn auf ihrer Yacht verhaftet, als sie eine grössere Ladung Drogen verticken wollen. Doch sie kommen mit geringen Strafen davon, John Paul Junior wird auf dem JLP-935 1982 jüngster Champion der IMSA-Geschichte.
Sein Vater dagegen dreht weiter krumme Dinger. 1981 wird seine zweite Frau Chalice plötzlich vermisst – und ist bis heute nicht mehr aufgetaucht. 1982 wird er wegen versuchten Mordes festgenommen, kann aber in die Schweiz fliehen, wo er mit einem gefälschten Pass festgenommen wird. Nach einer halbjährigen Haftstrafe wird der Senior in die USA abgeschoben, 1986 wird er wegen versuchten Mordes und diverser anderer Vergehen zu 25 Jahren Haft verurteilt. Auch John Paul Junior darf gesiebte Luft atmen, fünf Jahre gibt es für ihn, doch schon 1989 kann er seine Karriere fortsetzen. Diese endet 2001 jäh, als bei ihm die Huntington-Krankheit diagnostiziert wird – an der er dann wie schon seine Grossmutter, seine Mutter und Schwester stirbt.
John Lee Paul kommt 1999 wieder frei, trifft im Haus seines Sohnes auf Colleen, die er zu einer Segeltour um die Welt überredet – von der sie nie zurückkehren wird. Der Gründer von JLP Racing wird 2001 zuletzt auf den Fidschi-Inseln gesehen – über seinen Verbleib gibt es keine weiteren Hinweise. Da ist die Geschichte des hier gezeigten Porsche 935, auch als JLP-2 bekannt, schon klarer. Zuletzt eingesetzt wurde er von JLP Racing 1981 bei den 24 Stunden von Daytona. Was danach mit dem Wagen geschah, darüber gibt es unterschiedliche Geschichten – eine Quelle berichtet, dass der Wagen danach lange in Polizeigewahrsam stand. RM Sotheby’s, wo der Wagen derzeit zum Verkauf steht, berichtet in von mehreren weiteren Besitzern (erwähnt aber dabei die ganze JLP-Vergangenheit mit keinem Wort). Egal, für 2,1 Millionen Dollar können Sie Besitzer eines Fahrzeugs mit wahrhaft schillernder Vergangenheit werden. JLP-3, das erfolgreichste Fahrzeug der Vater-Sohn-Connection, kam auch schon vor ein paar Jahren unter den Hammer, wurde damals aber nicht zugeschlagen.
Die anderen Stories von «Schöne Automobile – schöne Geschichten» umfassen: Mercedes-Benz 300 SL «Flügeltürer» / Lancia 037 / AC Ace / Ferrari 250 GTE 2+2 «Polizia» / Jaguar D-Type / Matra MS670/ Citroën SM / Porsche 911 Targa / Bugatti Type 57S. Zuletzt vorgestellt: Alfa Giulia 1600 TI.