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Krebsvorsorge
Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) ist in den westlichen Ländern sowohl bei Frauen als auch bei Männern die zweithäufigste Krebstodesursache. Bei einer Personengruppe mit durchschnittlichem Risikoprofil beträgt die Häufigkeit rund 5 Prozent – von 20 Personen erkrankt also durchschnittlich eine Person an Dickdarmkrebs.
In der Schweiz wird jährlich bei rund 3500 Personen ein Kolonkarzinom diagnostiziert; rund die Hälfte der Patienten verstirbt trotz der heute möglichen modernen Therapien an dieser Krebserkrankung. Ein Kolonkarzinom entwickelt sich in der Dickdarmschleimhaut – fast immer aus zunächst gutartigen Gewebewucherungen (Polypen). Durch das rechtzeitige Erkennen und Entfernen von Polypen lässt sich das Entstehen einer Krebserkrankung deshalb wirksam verhindern.
Wird Dickdarmkrebs rechtzeitig entdeckt, bleiben die Heilungschancen intakt: Nach einer chirurgischen Entfernung (Resektion) im Frühstadium liegt die Überlebenschance des Patienten bei bis zu 90 Prozent. Weil regelmässige Vorsorgeuntersuchungen das Risiko von Dickdarmkrebs deutlich reduzieren und die Heilungschancen bei einer Erkrankung verbessern, haben sämtliche Krankenkassen in der Schweiz die Darmspiegelung als wirksamste Präventionsmassnahme in ihren Leistungskatalog aufgenommen. Unabhängig vom familiären Risiko wird heute für Frauen und Männer ab 50 Jahren eine präventive Darmspiegelung mit sofortiger Entfernung allfälliger Gewebewucherungen (Polypen) empfohlen. Bei Patienten mit familiärer Belastung sind regelmässige Vorsorgeuntersuchungen bereits ab 40 Jahren angezeigt. Je nach Resultat wird eine Darmspiegelung nach drei bis zehn Jahren wiederholt. Da sich eine Zunahme von flachen, teilweise nur schwer erkennbaren Polypen abzeichnet, diskutieren Fachleute derzeit eine Verkürzung dieses Intervalls.
Risikofaktoren
Übergewicht (unter anderem aus Bewegungsmangel), Rauchen und erhöhter Alkoholkonsum werden mit einer Häufung verschiedener Krebserkrankungen des Magendarmtrakts in Verbindung gebracht. Weitere, spezielle Risikofaktoren sind:
- Vorgeschichte mit adenomatösen Polypen
- Vorgeschichte mit operiertem Kolonkarzinom
- Familiengeschichte mit adenomatösen Polypen
- Familiengeschichte mit operiertem Kolonkarzinom
- Familiengeschichte mit häufigem Auftreten von Krebs in Brust, Eierstöcken oder Gebärmutter
- Chronisch entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
- vererbte Syndrome wie familiäre adenomatöse Polypose (FAP) und Lynch-Syndrom
- Einseitige Ernährung (viel tierische Fette, viel rotes Fleisch, viel gegrilltes Fleisch)
Beim Auftreten dieser Risikofaktoren ist eine regelmässige Darmspiegelung zur Prävention eines Kolonkarzinoms bereits ab 40 Jahren sinnvoll.
Symptome
Schluckbeschwerden, wiederkehrendes Erbrechen mit Gewichtsverlust, schwarzer Stuhl, Blut im Stuhl oder andere plötzliche Veränderungen beim Stuhlgang sind Warnzeichen, die einer sofortigen Abklärung bedürfen. Ist ein Verwandter ersten Grades an Speisröhren-, Magen- oder Darmkrebs erkrankt, empfiehlt sich eine frühzeitige Untersuchung auch dann, wenn keinerlei Symptome auftreten. Ein Kolonkarzinom macht sich in der Regel leider erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkbar: Äussern kann sich die Erkrankung durch Blutabgang (Blut im Stuhl) oder durch Bauchkrämpfe als Folge des verringerten Darmvolumens. Sitzt der Tumor unmittelbar vor dem Anus (Rektumkarzinom), können Stuhldrang bzw. unkontrollierter Gas- und Schleimabgang die Folge sein.
Vorsorgemassnahmen
Ziel der Vorsorge ist es, die Entwicklung von Dickdarmkrebs zu verhindern (Primärprävention) bzw. die Vorstufen (Polypen) oder noch heilbare Frühstadien des Karzinoms rechtzeitig zu erfassen und zu entfernen (sekundäre Prävention). Zur primären Prävention gehören die Reduktion von tierischen Fetten, rotem und gegrilltem Fleisch, ein regelmässiges körperliches Training, der Verzicht auf Nikotin, der Konsum von möglichst wenig Alkohol sowie evtl. die Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin (nur nach Rücksprache mit dem Arzt). Auch eine faserreiche Ernährung kann sich positiv auf eine Verminderung des Darmkrebsrisikos auswirken. Standard für die sekundäre Prävention ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Mit dieser Methode können bereits kleinste Polypen nachgewiesen und abgetragen werden. Die Genauigkeit einer Darmspiegelung ist stark von der Qualität der Darmreinigung abhängig.
Therapie
Ist ein Kolonkarzinom in einem gestielten Polypen gewachsen und auf die Schleimhaut begrenzt, so gilt der Patient nach der Entfernung der Gewebewucherung (Polypektomie) als geheilt. Auch Karzinome in flachen Polypen, die auf die Schleimhaut begrenzt sind, lassen sich endoskopisch entfernen. Weil diese Technik indessen sehr anspruchsvoll und aufwendig ist, wird sie nur in spezialisierten Spitälern oder Praxen – wie den unseren in Winterthur und Frauenfeld – durchgeführt.
Karzinome, die über die Schleimhaut hinaus in die Tiefe gewachsen sind, müssen chirurgisch entfernt (reseziert) werden. Für Karzinome, die bereits über die Darmwand hinausgewachsen sind oder die bereits Lymphknotenmetastasen aufweisen, wird trotz radikaler Operation häufig eine anschliessende Chemotherapie empfohlen. Bei gewissen Stadien des Rektumkarzinoms vergrössert sich die Überlebenschance, wenn vor der Operation eine kombinierte Radio-Chemotherapie durchgeführt wird.