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Pascal Jenny, Jahrgang 1974, schloss seine Ausbildung an der Universität Zürich als Briebsökonom lic.oec.publ. ab. Noch während der aktiven Handball-Karriere (75 Länderspiele für die Schweizer Handballnationalmannschaft und 1124 Tore in der Swiss Handball League) gründete er mit einem Partner und eigenem Kapital die Firma Sic Agentur für kreative Aussenwerbung. Gemeinsam mit weiteren Investoren startete Pascal Jenny 2007 das Schweizer Sportfernsehen SSF. Im Juni 2008 nahm Pascal Jenny das Angebot zum Tourismus Direktor in Arosa an. Dieser Schritt erhält, im Bewusstsein, dass der Ururgrossvater Dr. August Jenny um 1900 der erste Kurdirektor in Arosa war, eine besondere Note. Im August 2018 eröffnete Pascal Jenny nach 8 Jahren Projektarbeit das Arosa Bärenland. Im März 2019 wurde das Arosa Bärenland mit der renommierten „Marketing Trophy“ ausgezeichnet. 2016 wurde die von Pascal Jenny massgebend geprägte «Eventstrategie» von Arosa Tourismus in der Kategorie «Innovation» mit dem Schweizer Tourismuspreis Milestone ausgezeichnet. Das Wirtschaftsmagazin Bilanz zählt Pascal Jenny aufgrund seiner touristischen Innovations- und Umsetzungsstärke zu den 100 wichtigsten Persönlichkeiten der Schweizer Wirtschaft. Pascal Jenny ist verheiratet und lebt mit seiner Frau Franziska, den Kindern Nora (9 J.), Diego (7 J.) und Milena (5 Jahre) in Arosa.
Herr Jenny, seit 2008 wirken Sie in Arosa als Tourismusdirektor.
In einem Interview, das Sie vor einiger Zeit mit Herrn Bötschi geführt haben, wird erwähnt, dass auch andere Tourismusgebiete auf Ihre Arbeit aufmerksam geworden sind. Was hält Sie in Arosa und was macht Sie so einzigartig?
Es ist natürlich Ehre und Freude zugleich, dass meine Arbeit in anderen Tourismusdestinationen positiv wahrgenommen wird. Im Tourismus wird Arosa aber wohl die einzige Berufsstation bleiben. Mein Ururgrossvater war der erste Kurdirektor um 1900. Die Ferien in der Kindheit verbrachten wir ausschliesslich in Arosa. Sommer und Winter. Das Fan-Meistertrikot vom Eishockeyclub EHC Arosa von 1982 liegt noch im Schrank mit den Kinderkleidern. Langer Rede kurzer Sinn, meine Verbundenheit mit Arosa ist so eng, dass ich kaum authentisch für eine andere Destination einstehen könnte. Zumindest keine alpine Feriendestination. Meine Arbeit macht wohl die Umsetzungsstärke mit stetem Bezug zur strategischen Ausrichtung aus. Ich mag es, Dinge anzudenken und dann auch ohne Umschweife und langes Hin- und Her in die Realität umzusetzen.
Marketing Trophy 2019
Mit Ihrem Team erhielten Sie anfangs Jahr die Marketing Trophy. Was bedeutet Ihnen diese und welche Marketingkampagne war in Ihren Augen die Ausschlaggebende?
Das Team, welches über einen Zeitraum von 8 Jahren das Arosa Bärenland von der ersten (Spinner-)Idee zum nachhaltigen Tierschutz- und Tourismusprojekt entwickelt hat, ist «schuld» am Gewinn der Marketing Trophy. Ausschlaggebend war in meinen Augen dann aber der sehr authentische und konsequente Umgang mit der Vision «Arosa Bärenland. Wo sich Tierschutz und Tourismus verbinden». Unsere Kampagnen und unsere Kommunikation orientierten sich praktisch ausschliesslich an den Grundsätzen der Tierschutzorganisation Vier Pfoten für das Bärenprojekt in Arosa.
Arosa Bärenland
Seit dem 3. August 2018 sind in Arosa Bären zu sehen. War das Ihre Idee? Welche Auswirkungen hat diese Attraktion auf den Tourismus?
Schawinski würde wohl sagen “mini Idee gsi”. Ich war einfach der, welcher 2010 die “Furzidee” ausgesprochen und den Medien zugespielt hat. Entscheidend war dann aber wohl die Hartnäckigkeit aus der anfänglich verrückten Idee ein stimmiges Gesamtkonzept zu machen. Und diese Vision durch alle Böden – verlorene Abstimmungen, Anfeindungen und fehlende Gelder – zu schützen, zu stärken und in der Volksabstimmung zum Erfolg zu tragen. Arosa blickt mit 2018 auf einen der erfolgreichsten Sommersaisons aller Zeiten zurück. Die Bergbahnen konnten die Ersteintritte und Umsätze der Gastronomie am Berg um 50% und mehr steigern. Die Übernachtungen stiegen um 11%. Im Dorf ist das Leben spürbar. Der Sommer 2019 übertrifft in den ersten knapp drei Monaten die Vorjahreswerte erneut deutlich. Das Arosa Bärenland zieht als Leuchtturm viele neue Gäste an. Diese Gäste entdecken dann die Qualitäten von Arosa quasi im Vorbeigehen und finden Gefallen an der Vielzahl der Optionen (Seilpark, Bike Skill Center und Flowtrail, Kultur- und Sportangebote, etc.).
Auch stehen nun viele bekannte Gesichter als Botschafter für den Park, bei dem die Tiere wieder in ein artgerechtes Leben zurückgeführt werden. Wie ist die Resonanz und wie erklären Sie sich die prominente Unterstützung?
Das Projekt ist einfach ehrlicher und zurückhaltender Tierschutz. Die Entwicklung der Bären kann vor Ort beobachtet werden. Der Tourismus steht hinten an. Auch die Botschafter freuen sich über viele Gäste und Touristen. Dies hauptsächlich aus dem Grund, dass man sich dem Wissenstransfer zur Arbeit der Tierschutzorganisation Vier Pfoten nicht entziehen kann. Auch schätzen Prominente wie Gäste, dass die Bären selber entscheiden. Es kann gut sein, dass man vor Ort über Stunden keinen Bären sieht. Und dennoch sind alle Gäste zufrieden, weil unsere Botschafter, Pfleger und Fans auf der Besucherplattform erläutern, wieso man die Tiere ab und zu nicht sehen kann.
Wie sieht bei Ihnen ein “normaler” Arbeitsalltag aus?
Es gibt bei mir eigentlich keinen normalen Arbeitstag. Der Job ist extrem abwechslungsreich. Mal tagelang unterwegs, um Sponsoren und Teilnehmer für Events zu finden. Dann wieder vor Ort mit Team oder Stakeholder Aktivitäten gefragt. Mal bastle ich an Strategien oder schreibe Medientexte. Dann werden Kampagnen ausgearbeitet. Die Aufzählung ist wohl unendlich. Genau deshalb ist der Job so spannend. “Normal” ist bei mir einfach, dass ich jeden Tag am Laptop oder PC arbeite. Auch an Wochenenden. Das muss einfach sein, da ich gerne eng am Puls bin. Meist starte ich morgens zwischen 5 und 6 und versuche jeden Tag 30 Minuten Sport zu machen.
Was sind Ihre Ziele mit Arosa und dem Bärenland für die nächsten Jahre?
Wie es aussieht werden wir rund 50’000 Besucher in der Zeit von Mitte Juni bis Mitte Oktober anziehen. Das übertrifft die Erwartungen und hilft uns beim Ziel, eine ausgeglichene Jahresrechnung zu präsentieren. Es gibt vier Felder, die wir weiterentwickeln und konzentriert weiterbewirtschaften müssen: (1) Marketing und Kommunikation muss konsequent weiter gepusht werden. Noch ist das Arosa Bärenland bei gerade mal 50% der Schweizer Bevölkerung bekannt. (2) In Arosa muss das Bärenerlebnis weiter ausgebaut werden. Ein Sommer-Bärendorf in allen Facetten als Positionierungsziel wird angestrebt. (3) Im Bereich Aus- und Weiterbildung soll ab 2020 die Bären Akademie für zusätzlichen Schwung in Arosa und dem Bärenprojekt sorgen. (4) Möglichst viele tolle (und wenig bekannte) Arosa Angebote sollen als Trittbrettfahrer des Tierschutzprojekts Arosa Bärenland noch mehr touristische Wirkung entfalten können.
Wir von marketing.ch bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen für Ihre Zeit und das spannende Interview!