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China: Bäume heilen ökologische Wunden in Lanzhou
Wirtschaftlicher Boom führt zu ernsten Umweltproblemen
Die schnell wachsende Industriestadt Lanzhou am Gelben Fluss in der nördlichen Provinz Gansu hat so ziemlich alles aufzuweisen, was Verschmutzung bringt: Kohleförderung und -verarbeitung, Ölraffinerien, Textilfabriken, Anlagen der Petrochemie, Gummifabriken, Düngemittel- und Maschinenherstellung und sogar Anlagen der Atomindustrie. Diese an sich schon schwierige Situation wird noch verschärft durch die Tatsache, dass das mit Mauern umgebene Lanzhou in einem Tal liegt, das Verschmutzungen durch Fahrzeuge und Fabriken wie in einer Falle konzentriert und eine Dunstglocke über die Stadt zieht.
In Lanzhou, einer der am stärksten verschmutzten Städte der Welt, ist das Alltagsleben für Mensch und Tier nicht einfach. Aber auch Pflanzen, Büsche und Bäume leiden und gehen ein.
Durch eine in den letzten Jahrzehnten in China ohne Rücksicht
auf ökologische Verluste forcierte Industrialisierung wurden
Wasser und Luft stark belastet. Um ausserdem eine rasant wachsende
Gier nach Fleisch zu befriedigen, laugten grasende Tiere (vor allem
Ziegen) grosse Flächen durch das Ausreissen der letzten
Vegetation aus. Berge, Hügel und Hänge wurden bis auf den
felsigen Untergrund geplündert, sodass lose Erdschichten
abrutschten und in Flüsse gespült wurden und nun den
Verkehr auf den Wasserwegen bedrohen.
Die sich durch diesen Raubbau auftürmenden Probleme haben neuerdings jene vergessenen Verbündeten wieder in die Erinnerung zurückgerufen, die der indische Seher Jambeshwar schon vor vielen Jahrhunderten im Kampf gegen Umweltprobleme empfahl: Bäume.
Die Stadtverwaltung von Lanzhou liess im Zeitraum von fünf Jahren und unter Einsatz von 80 Millionen Dollar 120 Millionen Bäume pflanzen, die, hintereinander gelegt, fünfmal die Erde umspannen könnten. Über ein 3800 Kilometer langes Bewässerungssystem müssen jährlich 50 Millionen Tonnen Wasser auf die Berghänge gepumpt werden.
Aber die Mühe hat sich gelohnt. Wenn auch nicht mit der Rückkehr der üppigen Wälder der Tang-Dynastie gerechnet werden kann, so hat man doch einen Grundstein gelegt für eine bessere und gesündere Zukunft.
Die Aufforstungsaktion in Lanzhou ist nur eine lokale Schlacht im grossen Kampf Chinas gegen ruinierte Böden, Smog, tödliche Fluten, jährlich um 1 bis 3 Meter sinkendes Grundwasser und durch eine absolut unzureichende Kanalisation belastetes Trinkwasser.
Eine jahrzehntelang sträflich misshandelte Umwelt legt nun ihre Rechnung vor.
In Peking hatte man das chinesische Sprichwort «Keine schattigen Bäume? Wirf das nicht der Sonne vor, sondern dir selbst» viel zu lange ignoriert. Nachdem aber nun die Wüste Gobi der Millionenstadt unangenehm eng an die Peripherie gerückt ist und die Millionenstadt mit an Häufigkeit und Stärke zunehmenden Sandstürmen konfrontiert wird, lässt die chinesische Regierung endlich nach Wegen suchen, den sensationellen wirtschaftlichen Boom mit mehr Rücksicht auf die Umwelt zu kombinieren.
Herma Caelen
Seit 500 Jahren keinen Baum gefällt
Auf der Philosophie von Jambeshwar gründete sich die indische
Religionsgemeinschaft der Bishnois.
Seit 500 Jahren leben die Bishnois am Rande der Wüste. Dabei fällten sie keinen einzigen Baum und kein Tier wurde absichtlich getötet. Sogar das Kochwasser wird mit Tüchern gefiltert, um keine Kleinlebewesen zu töten.
Durch diese nachhaltige Lebensweise haben die Bishnois noch heute Seen und fruchtbares Land, während ausserhalb ihres Gebiets die Dürre herrscht.
Doch auch die Tiere merkten sehr schnell, dass sie von den Bishnois nichts zu befürchten haben: Gazellen laufen furchtlos durch die Dörfer, spielen mit den Kindern und werden als Mitgeschöpfe voll akzeptiert.
Einen Teil der Ernte geben die Menschen jeweils der Natur zurück, indem sie diese den Tieren zur Verfügung stellen. Selbst zum Sammeln von Brennholz gehen sie lieber kilometerweit, um am Boden liegende Äste zu finden, anstatt einen Ast eines lebenden Baumes zu entfernen. Für die Feuer an ihren religiösen Festen wird sogar überhaupt kein Holz verwendet, sondern hauptsächlich Kokosnussschalen.
Renato Pichler
Weitere Infos zu den Bishnois sind nachzulesen im Buch: «Wegbereiter des Friedens», Vegi-Verlag. Es kann für Fr. 19.– (SVV-Mitglieder: Fr. 10.–) bei der SVV bezogen werden.