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Wenn Romands und Deutschschweizer Englisch miteinander sprechen
Mein letzter Blog-Post handelte von der Verständigung von Romands und Deutschschweizern. Zum ersten Mal im zweisprachigen Politblog gab es so etwas wie eine die Sprachgrenzen übergreifende Debatte. Einzelne Kommentatoren schrieben sogar in der Fremdsprache, als bräuchte es den Beweis für den Willen, sich über den Röstigraben verständigen zu können. «Dieses Blog beweist, dass es möglich ist …», schreibt ein Teilnehmer mit dem fiktiven Namen «Romand».
Selbst ein Sprachmix innerhalb von Kommentaren kam vor: «… teilweise il y avait deux discussions en parallel en deux langues, tönt es mit vorgehaltener Hand aus dem Bundeshaus». Wir kennen dieses Phänomen aus früheren Zeiten, wo die italienischen Secondos mit ihren Eltern ein buntes Gemisch von Italienisch, Hoch- und Schweizerdeutsch sprachen.
Auffällig an der intensiv geführten Politblog-Debatte war, dass – vor allem von Deutschschweizer Seite – bald einmal die Bedeutung des Englischen für die schweizweite Verständigung eingebracht wurde. Einigen Kommentatoren ist aufgefallen, dass Deutschschweizer und Romands in vielen Fällen sich in Englisch miteinander verständigen. «Und wenn mein Compatriot die gleichen Probleme mit Deutsch hat, dann sprechen wir halt Englisch miteinander», schreibt ein Kommentator. Oder: «Habe schon mehrfach erlebt, wie sich Romands und Deutschschweizer (…) auf Englisch unterhalten», so ein weiterer Schreiber.
Eine Nationalfonds-Studie kam vor zwei Jahren zum Schluss, dass man in der Schweiz Englisch zur Teil-Amtssprache aufwerten könnte.
«Es bringt nichts, in der Schule die Landessprachen zu lernen. Viel gescheiter wäre es, eine gemeinsame Sprache für die ganze Schweiz zu definieren (…) beispielsweise Englisch», heisst es in einem Beitrag. Klipp und klar formuliert es dieser Teilnehmer: «So let’s declare English as the new official language of Switzerland.» Damit das Englische in der Schweiz auch zu leben beginnt, müssten die Medien Beiträge in Englisch bringen – der «Tages-Anzeiger» hat immerhin mit der «New York Times»-Beilage schon einmal einen Anfang gemacht –, so ein Vorschlag. Ein anderer fordert einen Schweizer TV-Kanal in Englisch. Das Englische als landesweit erste Fremdsprache «wäre ein Gewinn», so in einem Kommentar. Und: «Endlich könnte eine interkulturelle Kommunikation stattfinden, welche erforderlich ist, um sich gegenseitig verstehen zu können.»
Zumindest als Amtssprache war das Englische erst jüngst im Gespräch. Eine Nationalfonds-Studie kam vor zwei Jahren zum Schluss, dass man in der Schweiz Englisch zur Teil-Amtssprache aufwerten könnte. Dies, weil immer mehr höher Qualifizierte in unser Land einwanderten, welche zwar Englisch kommunizieren könnten, aber nicht bereit seien, eine Landessprache zu erlernen. Von viereinhalb Amtssprachen war damals die Rede. Und der Vorschlag löste eine heftige Debatte aus. Noch weiter als die Nationalfondstudie ging der Zürcher FDP-Ständerat Felix Gutzwiller. Er forderte den Bundesrat 2007 auf, Englisch als vollwertige Amtssprache einzuführen.
Dass Englisch in Bundesbern schon Einzug gehalten hat, ist eine Tatsache. Rechtstexte «von besonderer Tragweite oder internationalem Interesse» werden schon seit über zwei Jahren online in Englisch veröffentlicht. Auch Reden und Briefe von Bundesräten werden ins Englische übersetzt. Die meisten Departemente beschäftigen Englisch-Übersetzer. Schon vor vier Jahren wurden die Ausgaben für solche Dienste beim Bund auf über zwei Millionen Franken beziffert.
Heftiger Widerstand gegen das Englische kommt von Seiten der Romands. «Avec l’anglais comme langue ‹refuge›, on n’en prend actuellement pas la direction», vermerkt ein Schreiber. Dem gleichen Teilnehmer ist aber nicht entgangen, dass der Dialog über die Sprachgrenzen hinweg äusserst schwierig ist : «Ce constat quelque peu décevant de l’absence de ‹Miteinander› entre Romands et Alémaniques se reflète à merveille dans ce blog. Non seulement les Romands ont été très timides jusque là mais il est aussi frappant de voir à quel point il y a deux cultures politiques différentes, deux langages différents.»
Deutschschweizer, welche das Englische für den landesweiten Dialog favorisieren, werden des Kultur-Imperialismus bezichtigt. Andere sehen sich im Englischen Abgründe für die Schweiz auftun: «Sie propagieren hier den kulturellen Untergang der Schweiz.» Die frühere grüne Nationalrätin Cécile Bühlmann sagte es so: «Wir würden uns zwar auf Englisch verständigen, wir würden uns aber dabei immer weniger verstehen. Sprache ist mehr als das Aneinanderreihen von Wörtern. Mit Sprache werden Denkweisen, wird die Sicht der Welt ausgedrückt. Sprachen sind Universen, Kulturen.»