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Transformative Landwirtschaftsgemeinschaften als innovative Lebensformen?
Industrielle landwirtschaftliche Produktion konnte im Nachkriegseuropa einen grossen Teil der Nachfrage nach günstigen Lebensmitteln decken. Zugleich werden ihre Kehrseiten immer offensichtlicher. Agrarunternehmen werden unter anderem für ethisch untragbare Zustände in der Tierhaltung, unverantwortlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Ausbeutung landwirtschaftlicher Arbeitskräfte und die unzureichende Versorgung von einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen kritisiert.
In der Schweiz haben in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Initiativen begonnen mit alternativen Formen der Lebensmittelherstellung und Verbreitung zu experimentieren. Um den Gemeinnutzen der eigenen Produktion sicherzustellen, binden sie Produzent*innen und Konsument*innen in die landwirtschaftliche Arbeit, Entscheidungsfindungsprozesse und die Unternehmenskontrolle ein. Aktuell beginnen die neuen Kooperativen sich in übergeordneten Verbänden zu organisieren, um sich wechselseitig zu unterstützen.
Unterstützer*Innen und Wissenschaftler*innen betonen, dass es sich bei den neuen Kooperativen und ihren Verbänden um soziale Innovationen handelt, die in Zukunft massgeblich zu einer besseren Produktion und Verteilung von landwirtschaftlichen Gütern beitragen könnten. In dieser Betrachtung wird allerdings vernachlässigt, dass Genossenschaften und die gemeinsame Entwicklung in Genossenschaftsverbänden gerade in der Landwirtschaft Tradition hat. In meiner Dissertationsarbeit untersuche ich, inwiefern sich die neu gegründeten Verbände noch junger landwirtschaftlicher Kooperativen von den vor ca. 150 Jahren gegründeten ‚traditionellen‘ Genossenschaftsverbänden unterscheiden, aus denen sich inzwischen gewichtige Organisationen der Schweizer Landwirtschaft entwickelt haben. Unterscheiden sich die Ziele für die Verbandsentwicklung, die dafür verwendeten Kommunikationsmittel und Entscheidungsfindungsprozesse, die Produktionsbedingungen angegliederter Betriebe und der Bezug zu anderen Organisationen? Durch die Bearbeitung dieser Fragen möchte ich zum SNF Projekt „Transformative Gemeinschaften als innovative Lebensformen?“, einem besseren Verständnis organisationaler Demokratie und ihrer Bedeutung in landwirtschaftlicher Produktion beitragen.