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Julie Nielsen,
Redaktorin
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News, Ratgeber, 27.09.2021
Ein Velo ist ein komplexes Industrieprodukt. Bereits ein einzelnes Fahrradkettenglied besteht aus fünf Teilen. Wie diese hergestellt werden, erklären wir in diesem Beitrag.
Velos werden schon seit Ende des 19. Jahrhunderts industriell gefertigt. Verschiedene Teile werden gebogen, gestanzt und geschmiedet und am Schluss zu einem fertigen Velo zusammengefügt. Ein wichtiges Teil ist: die Velokette.
Eine Velokette hat eine ungefähre Lebensdauer von 1000 bis 2500 gefahrenen Kilometern. Sie ist somit ein Verschleissteil, hergestellt aus Stahlband und Draht. Die Kette besteht aus 5 verschiedenen Teilen – Stift, Buchse, Ring, grosse- und kleine Lasche, – die schlussendlich zur Kette zusammengefügt werden.
Zuerst werden das gesamte Stahlband sowie auch der Draht gerichtet und anschliessend direkt in die Stanze bzw. Presse weitergeleitet. Der Draht wird auf eine Länge von knapp 25 Millimetern geschnitten und dann in einer Presse an beiden Enden 1,5 Millimeter tief gestippt. Diese Drahtstücke sind die sogenannten Stifte, die die Kette zusammenhalten.
In einem ersten Schritt wird das ungefähr 8 Zentimeter breite Stahlband zu Ringen gestanzt. Die Herstellung der Ringe erfolgt in drei Arbeitsgängen. Dies ist nötig, um das Material nicht zu stark zu beanspruchen. Zuerst wird an die Unterseite des Materials die Ringform eingestanzt und die Oberseite bekommt eine Halbkugelform. In zwei weiteren Arbeitsgängen wird diese entfernt und es entsteht ein fertiger Ring.
In einem zweiten Schritt werden Laschen aus dem Stahlblech gestanzt. Dazu werden zuerst die Löcher ausgestanzt und dann um jeweils zwei dieser Löcher herum die Laschen in zwei unterschiedlichen Grössen gestanzt.
Um die ausgestanzten achtförmigen grossen und kleinen Laschen zu härten, werden sie in einem Ofen auf 400 Grad Celsius erhitzt, im Ölbad abgekühlt und nochmals leicht erhitzt. Durch diese Behandlung können sie weit grösserem Druck standhalten. Anschliessend werden die Teile in einer Poliertrommel mit Sand und Wasser poliert und entgratet und maschinell auf einer Stange gesammelt für die Weiterverarbeitung.
Für die Produktion des fünften Teils, der Buchse, wird das Stahlband mit einem automatischen Seitenschneider gekürzt und daraufhin in die Presse geschoben. Mittels vier Formteilen wird das flache Blech zur runden Buchse geformt. Erst wird das Blechstück in eine halbrunde Form gepresst, dann weiter in eine Ringform gestaucht, bis im vierten Arbeitsschritt eine geschlossene Buchse entsteht.
1: kleine Lasche, 2: grosse Lasche, 3: Stift, 4: Buchse, 5: Ring (Grafik: Wikimedia).
Die fertiggestellten Einzelteile werden schlussendlich in einer Steck-Stanz-Maschine zusammengefügt. Dafür werden die grossen Laschen einzeln von den Stangen in die Maschine geschoben.
Anschliessend wird mit den Stiften eine Buchse mit einem Ring über jedes Loch gesteckt. Die Buchsen dienen zum Ausrichten der Glieder, während die Ringe später die Belastung tragen werden.
Danach wird eine zweite grosse Lasche auf die Buchse gesteckt. Diese vorerst noch losen Gliederteile werden erneut auf Stangen gesammelt. Nun wird zu beiden Seiten je eine kleine Lasche auf jedes Glied gesenkt und zur letzten Stanzmaschine befördert. Dort werden die Stifte beidseitig gestanzt, um die Kettenglieder dauerhaft zu verbinden.
Zu guter Letzt wird die Kette auf die richtige Länge gekürzt, geölt und das Kettenschloss eingebaut.