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Gemeindeverwaltung MühlethurnenBahnhofstrasse 503127 MühlethurnenTel. 031 809 07 <email-pii>
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1343 unter dem Namen Muliturnden. Später erschienen die Bezeichnungen Mülitomden (1389), Mülythurnen (1479), Thurnen (1531) und Mülithurnen (1532). Die Etymologie des Ortsnamens Thurnen ist nicht geklärt, eventuell stammt das Wort aus dem Keltischen.
1360
Im Mittelalter gehörte Mühlethurnen zum Gebiet des Rittern von Blankenburg, wurde aber 1360 an das Kloster Interlaken verkauft. Die Oberheit über Mühlethurnen gelante 1388 an Bern. Nach der Reformation kam 1528 auch die direkte Herrschaft vom Kloster an die Stadt Bern, welche Mühlethurnen dem Gericht Thurnen zuteilte.. Ab dem 18. Jahrhundert bestand in Mühlethurnen ein Vennergericht.
Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime (1798) gehörte Mühlethurnen während der Helvetik zum Distrikt Seftigen und ab 1803 zum Oberamt Seftigen.
Aus 1831 stammen erste Aufzeichnungen der heutigen Einwohnergemeinde-Form.
1836 sind Landflächen noch in „Schuh“ gemessen worden. Eine Jucharte waren 40'000 Schuh.
1837 wird ein Prozess wegen 5 gestohlener Kühe geführt. 1844 Der Kabisanbau auf dem Thurnenmoos muss bereits zu Beginn des 19. Jahrhundert begonnen haben.
schrieb nämlich Jeremias Gotthelf in seinen Kalendergeschichten: „Und die Kabinetsköpfe wachsen auf wie die Kabisköpfe auf dem Thurnenmoos“. Die Berner-Regierung erhielt also bereits zu dieser Zeit einen Denkzettel.
1846 ist ein Aufseher wegen Kabisdieben bestellt worden.
Grosse Armut bewog um die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Dorfbewohner zur Auswanderung nach Australien, Nord- und Südamerika.
In alten Protokollen um 1850 ist nachzulesen, dass Holzfrevel im Burgerwald beklagt wird und sie deshalb zur besseren Aufsicht einen neuen Bannwart wählten. Zudem gab es ab 1850 den ersten Briefträger in Mühlethurnen. Das Postbüro befand sich in Belp. Um 1850 erhielten diverse Bürger von der Gemeinde einen finanziellen Zustupf, wenn sie nach Amerika auswandern wollten.
Anno 1852 ist der alte Franken ausser Kurs und aufgrund der neuen Bundesverfassung von 1848 der neue Schweizer Franken in Umlauf gebracht worden. Beinahe hätte das gesparte Geld im Strumpf seinen Wert verloren.
Cirka 1861 bis 1870 ist die Gürbe begradigt und damit das Thurnenmoos entsumpft worden. Ein weitsichtiges Projekt.
1865 Gründung der Schwellengenossenschaft Gürbe-Müsche.
Die Musikgesellschaft Mühlethurnen wird als ältester Verein unserer Gemeinde gegründet und ist immer noch erfolgreich aktiv.
Mühlethurnen erhielt erst 1873 eine Postablage. Erster Posthalter war ein Christian Balsiger, zugleich Briefträger.
1877 ist eine regionale Sekundarschule im Mühlebach errichtet worden. Der Unterricht fand im heutigen Restaurant Mühlebach statt. Wegen des langen Schulweges fehlten vor allem Schüler aus Rüeggisberg und Fultigen.
Im Jahr 1877 wurde auch der Bau der Gürbebrücke an der Moosstrasse gestartet. Bauart unbekannt. Ersatzbrücke 2004.
1885 gab es einen Postkurs Bern-Belp-Mühlethurnen-Wattenwil-Thun. In Mühlethurnen nur Halt auf Verlangen.
Im Graben wurde 1891 ein elektrisches Kraftwerk durch die Tuchfabrik Bay mit einer Stromleitung nach Belp erstellt. Noch heute produziert der Eigentümer im Graben eigenen Strom mit Wasserkraft.
1894 leistete die Gemeinde an die Gürbetalbahn einen Beitrag von Fr. 15'000.- (wohl erster ÖV-Beitrag).
1898 gab es erste elektrische Strassenlampen ab der Stromproduktion im Graben.
1899 ist die Burgergemeinde Mühlethurnen durch die Einwohnergemeinde Mühlethurnen übernommen worden. Das an die Einwohnergemeinde abgetretene Vermögen betrug Fr. 10'830.54. Die Burgergemeinde und die Einwohnergemeinde existierten bis 1899 nebeneinander als eigenständige Verwaltungseinheiten. Die Einwohnergemeinde war der Burgergemeinde übergeordnet. Man sprach von Gemeinde-Dualismus.
1901 ist die Gürbetalbahn und damit die Station Thurnen eröffnet worden. Die Strecke führte vorerst bis Burgistein und erst ein Jahr später bis Thun. Die Bahnstation heisst noch heute „Thurnen“ und nicht „Mühlethurnen“, was für Auswärtige beim Billettkauf oft Unsicherheiten ergibt. Auffallend ist beim Bahnhof Thurnen das halbrunde Tonnendach, das die damaligen Pferdekutschen vor Sonne und Regen schützte. Heute ist dieses Objekt denkmalgeschützt.
Mit der Gürbetalbahn erhielt auch der Tourismus und damit die Bäderkultur Aufschwung. In Thurnen hielten sogar Züge des Orient-Expresses für die Gäste zum Grandhotel Gurnigelbad. Im Bahnhof hatte es einen sogenannten "Engländerwartsaal".
Die Sekundarschüler begegneten um die Jahrhundertwende täglich der Postkutsche Thurnen-Riggisberg und dem 5-Spänner zum Gurnigelbad.
Im 1. Weltkrieg 1914-1918 wurden nebst Holz auch getrocknete Chabisstorzen als Heizmaterial verwendet. 1914, also im ersten Weltkrieg, wurde die Sekundarschule unter Mithilfe der Schüler vom Mühlebach mit Hilfe des Schönegg-Eselis nach Riggisberg gezügelt.
1916 ist die Chabisanbau und Verwertungsgenossenschaft Thurnen gegründet worden.
1917 ist die noch heute betriebene Sauerkrautfabrik gebaut worden. Heute wird hier nur noch Sauerkraut eingemacht und die Verpackung sowie Veredelung erfolgt auswärts.
1917 Gründungsjahr des Turnvereins Mühlethurnen.
1924 übernahm die Gemeinde die bisherige private Wasserversorgung und baute auf dem Rebhubel ein Reservoir, das bis 2004 praktisch unverändert in Betrieb war. 2004 erfolgte der Neubau des neuen Reservoirs für 1000 m3 Wasser.
Mühlethurner gründen die Spar + Leihkasse Gürbetal, eine noch heute beliebte, gesunde und unabhängige Regionalbank.
Mit der Sprachreform 1945 wurde der Chabis zum Kabis. Die Wasserversorgung wurde durch das Grundwasserpumpwerk im Mad erweitert und ist noch heute ein wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung, die übrigens seit 1924 auch unsere Nachbargemeinde Lohnstorf versorgt.
Die häufigsten Familiennamen in Mühlethurnen sind im 19. und bis Ende 20. Jahrhundert „Hirter“, „Trachsel“, „Balsiger“, „Kunkler“, „Masshardt. 1960 In dieser Zeit gab es in Mühlethurnen nebst der Mühle (daher stammt ja der Ortsnamen) einen Hufschmied, eine Herren- und eine Damenschneiderei, einen Schuhmacher mit Schuhladen, drei kleine Spezereiläden, einen Laden für Haushaltwaren, zwei Sauerkrautfabriken, eine Mosterei, eine Gärtnerei, zwei Bäckereien, eine Metzgerei und viele Gewerbe mehr. Ohne Konkurrenz der heutigen Grossverteiler konnte man sich in Mühlethurnen für die täglichen Bedürfnisse eindecken.
1980-1990 übersetzt ein pensionierter Lehrer alle alten Protokollbücher von der alten Deutschen Kurrentschrift in unsere heutige Schrift. Hunderte Seiten sind ohne Computer abgetippt worden. Eine wertvolle, riesige Arbeit. 1983 Erstmals findet zu Ehren des bekannten Thurnen-Kabis das „Chabis-Fest“ statt. Ein grosser Dorfumzug machte die Premiere dieses alle 3 Jahre stattfindenden Dorffestes mit Beteiligung aller Dorfvereine. Hauptprodukt ist die Berner Platte. 1986 Die Gemeindeverwaltung führt die EDV in der Verwaltung ein.
Mühlethurnen muss erstmals Asylbewerber aufnehmen. Es ist ein Ehepaar aus Sri Lanka.
Im Sommer 1990 ereignet sich ein grosses Unwetter mit grossen Überschwemmungen durch die Gürbe. Grosse Teile rund um den Bahnhof und die Neumatt waren davon betroffen. Der Zivilschutz arbeitete auf Hochtouren. Eine grosse Solidarität zeigte sich in der Gemeinde. Zum Abschluss der Aufräumarbeiten gab es ein „Schlammfest“.
Seit 1992 pflegt die Gemeinde eine freundschaftliche Partnerschaft mit der Tschechischen Gemeinde Borovany. Seither haben einige Besuche und Gegenbesuche stattgefunden, auch von Vereinen.
Holzlose aus dem Untergurnigelwald finden immer weniger Abnehmer. Das früher den hiesigen Liegenschaftsbesitzern vorbehaltene Holz wird nun jährlich frei zum Verkauf ausgeschrieben.
Im Oktober 1997 besucht der Gesamtregierungsrat des Kantons Bern unsere Gemeinde während dessen Klausurtagung. Der Besuch stand unter dem Motto der Sauerkrautfabrikation in unserer Gemeinde. So mussten die Regierungsräte auch auf dem Moos Kabis rüsten. Zum z’Mittag gabs Kabisgerichte in 4 Variationen.
Der Gemeinderat besucht die Gemeinde Linow in Ostdeutschland. Im Jahre 1691 sind Bürger aus Mühlethurnen und Umgebung in die Mark Brandenburg ausgewandert und der Gemeinderat war zur 300-Jahrfeier geladen (auch der Gemeinderat Riggisberg).
Der Naturpark Gantrisch wird gegründet und Mühlethurnen ist Mitglied mitten in diesem Park. Berühmt ist u.a. der Gürbetaler Höheweg von Kehrsatz bis Wattenwil entlang des Längenbergs mit Mühlethurnen als wichtigen Ausgangs- und Endpunkt.