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«Aqua». Sie haben es sicher mitbekommen. Christiano Ronaldo hat bei einem Interview an der Fussball Europameisterschaft die vom Sponsor bereit gestellten Cola-Flaschen demonstrativ zur Seite geschoben, seine Wasserflasche gezeigt und dies mit dem einen Wort «Aqua» – Wasser – kommentiert. Der Aktienwert von Coca-Cola ist danach um rund vier Milliarden US-Dollar gesunken. Mir ist bewusst, dass gleichentags noch andere Faktoren den Kursverlauf von Coca-Cola beeinflusst haben – aber um plakativ zu bleiben: ist ein Wort aus Ihrem Mund auch vier Milliarden US-Dollar wert?
Nun, für Coca-Cola wohl eher nicht. Diesen Riesenkonzern kümmert es kaum, was Sie oder ich zu sagen haben. Schliesslich heissen wir nicht Christiano Ronaldo und bevorzugen Wasser. Aber für jemanden aus Ihrem oder meinem Umfeld, können unsere Worte genau so eine grosse Auswirkung haben. Ich denke da an ein Wort der Ermutigung, des Lobes, der Zuneigung, des Trostes, der Freude oder Ehrerbietung. Diese Worte lassen den Kurs des Gegenübers steigen. Hingegen lassen Worte der Verachtung, des Zorns, des Spottes, der Abneigung oder der Demütigung den Kurs sinken. Sind wir uns der Kraft unserer Worte bewusst?
Wir leben in einer Zeit, in der viel gesagt wird, viel geschrieben wird, viel gepostet wird. Und auch wenn sich Posts in den sozialen Medien löschen lassen, Geschriebenes revoziert und Gesprochenes geleugnet werden kann, so ist doch jedes Wort gemäss einem arabischen Sprichwort wie ein Pfeil, der, einmal von der Sehne geschnellt, nicht zurückgehalten werden kann. Mir gefällt dieses Bild vom Pfeil, der Sehne und dem Bogen. Wenn Sie auch schon einmal mit einem Bogen geschossen haben, dann wissen Sie, dass es Konzentration und Zeit braucht, um den Pfeil präzise von der Sehne schnellen zu lassen. Nehmen wir uns heute noch die Zeit, unsere Worte bewusst auszuwählen und sie sorgfältig von der Sehne schnellen zu lassen oder posaunen wir alles ungefiltert in die Welt hinaus?
Albert Einstein soll einmal gesagt haben: «Wenn die Menschen nur über das sprächen, was sie begreifen, dann würde es sehr still auf der Welt sein.» Dem ist wohl so. Aber ich bin nicht der Meinung, dass wir nur noch über von uns Begriffenes sprechen sollten. Vielmehr ist es eine der Errungenschaften einer Demokratie, mit Gleich- und Andersgesinnten über ein Thema sprechen zu können. Natürlich kann das auch emotional werden, aber es braucht nie abschätzig zu werden. Denn erst aus den Gesprächen mit Andersgesinnten ergänzt sich das eigene Bild zum Ganzen.
Darum meine Ermutigung an Sie: Suchen Sie das Gespräch mit Menschen, welche nicht alles gleich sehen wie Sie. Hören Sie zu, stellen Sie Fragen, versuchen Sie der Sache auf den Grund zu gehen, wieso die andere Person das gleiche Problem komplett anders angehen würde wie Sie. Und nehmen Sie sich die Zeit, der anderen Person zu erklären, wieso Sie es auf Ihre Art lösen würden. Das Ziel ist nicht, am Schluss gleicher Meinung zu sein, sondern zu verstehen, wieso das Gegenüber eine andere Sicht hat. Und diese kann sich bekanntlich ändern. Beispiel gefällig? Christiano Ronaldo hat früher für Coca-Cola Werbung gemacht. Hopp Schwiiz.