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Vereinsgeschichte
Pressetext zum 75 Jahre-Jubiläum des Obstbauvereins des Kantons Zürich im Jahr 2002:
Der Obstbauverein des Kantons Zürich wurde 1927 mit dem Ziel gegründet, die damals umfangreichen Hochstamm-Obstgärten besser zu pflegen und zu nutzen.
Der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918 deckte die Schwächen der inländischen Obstproduktion mit aller Deutlichkeit auf. Sie war in erster Linie auf die Versorgung der bäuerlichen Betriebe ausgerichtet. Eigentliches Tafelobst war ein Luxusprodukt, und Süßmost, Obstsaftkonzentrat und Obstkonserven kannte man praktisch noch nicht. Aus diesen Gründen konnte damals der Obstbau nur einen unbedeutenden Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung leisten. Erst unter dem Druck der äußerst knappen Nahrungsmittelversorgung erkannte man, welch wertvolle Ergänzung Obst und Obstprodukte für die menschliche Ernährung sein könnte.
Die wichtigsten Ziele der Obstbauförderung waren anfänglich der Baumschnitt, sowie die beschleunigte Sanierung der Baumbestände durch Umpflanz- und Umpfropfaktionen. Die Anstrengungen der Zürcher Obstproduzenten sowie die der gesamten Obstbranche, die Tafelobstproduktion zu fördern und die technische Obstverwertung brennlos zu bewerkstelligen, paßten genau in das damalige kriegswirtschaftliche Konzept.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 war der Baumwärterverein auf annähernd 600 Mitglieder und fast ebenso viele Passivmitglieder angewachsen.
In der Nachkriegszeit änderten sich die Absatzverhältnisse für das Schweizer Obst noch einmal grundlegend. Vergessen waren die wertvollen Leistungen des Feldobstbaues auf dem Gebiete der Obstversorgung. Der Tafelobstmarkt wurde mit ausländischen Konkurrenzprodukten überschwemmt.
Die Folge waren riesige Überschüsse. Die Grossernten 1967 und 1969 mit gesamtschweizerisch je 130'000 t Tafelkernobst und 370'000 t Mostobst, bei einem Normalbedarf für die Mostereien von 120'000 t pro Jahr, gaben Anlass zur Verstärkung der Rodungshilfen des Bundes. Andererseits hat eine immer grössere Opposition des Natur- und Heimatschutzes dazu geführt, dass 1975 letztmals Rodungsprämien für Hochstämme bezahlt wurden.
Anfangs der 50er Jahre haben einzelne Betriebe in bevorzugten Obstlagen der West- und Ostschweiz auch im Kt. Zürich begonnen, Niederstammkulturen aufzubauen. Die Kenntnisse dafür holten sich die Obstbauern oft im Ausland. Mit der Forschungsanstalt suchte man nach einer Verbesserung der Schädlingsbekämpfung. Die FAW schlug ein Forschungsprogramm zur Bekämpfung der Obstmade (Wurm im Apfel) vor, hatte aber kein Geld und zu wenig Mitarbeiter dazu. Deshalb gründete der Obstbauverein Zürich 1953 einen Obstmadenfonds zur Finanzierung dieser Versuche an der FAW. Nach einigen Jahren stellte sich der Erfolg der chemischen Obstmadenbekämpfung ein.
Der Verein ist stetig gewachsen, und es ist ihm gelungen, die Vereinsstrukturen der Zeit gemäss anzupassen.
1944 haben sich die bäuerlichen Obstverwerter in einer Untersektion des Obstbauvereines organisiert. Unterstützt durch die Eidg. Alkoholverwaltung wurde die brenn- und gärlose Obstverarbeitung gefördert. Die Sektion zählt heute 130 Mitglieder, welche jährlich über 1 Mio. Liter Süssmost pasteurisieren.
Im Jahre 1957 wurde die „Vereinigung der Besitzer von Niederstammanlagen“ als zweite Fachsektion des Baumwärtervereins gegründet. Die Aufnahmebedingung damals war der Besitz von mindestens 80 a Niederstammkulturen. 1983 gab sich die Sektion „Intensivobstbau“ mit „Zürcher Erwerbsobstproduzenten“ (ZEO) einen neuen Namen. Gleichzeitig wurden für die Neumitglieder der IP-Ausweis als Aufnahmenbedingung gestellt. Heute zählt diese Sektion 182 Mitglieder mit einer Obstbaufläche von rund 225 ha.
Das jüngste Kind des Obstbauvereins ist die Sektion Beerenobstbau, die im Jahre 1976 gegründet wurde. Der Beerenanbau für den Erwerb war früher ein Privileg des Kantons Wallis. Erst in den 70er Jahren hat sich der Beerenanbau in der Ostschweiz als Erwerbszweig verbreitet. 90 Mitglieder dieser Sektion bewirtschaften rund 60 ha Beeren.
Zurückblickend dürfen wir feststellen, dass es dem Verein gelungen ist mitzuhelfen, die Obstproduktion als wichtigen Betriebszweig in der Landwirtschaft aufzubauen. Die enge Zusammenarbeit mit der Strickhof Fachstelle Obst hat die Aus- und Weiterbildung sowie die Informationstätigkeit optimal gefördert. Der Kontakt zum Schweizerischen Obstverband und dadurch zur Abnehmerseite ermöglichte uns die Mitgestaltung auf nationaler Ebene bei der Werbung, Vermarktung und Preisgestaltung beim Obst. Nicht die Tradition, sondern die Organisation von Fachtagungen, die Öffentlichkeitsarbeit und die Mitwirkung im Schweiz. Obstverband sind heute die Gründe für die Weiterführung des jung gebliebenen Kantonalen Obstbauvereines. Der Verein zählt heute rund 800 Mitglieder und präsentiert sich auch auf den Internet unter www.zueri-obst.ch .
Der Präsident: Jürg Fierz, Stäfa, im August 2002
Die Jubiläumsschrift "75 Jahre Obstbauverein des Kantons Zürich, Vereinsgeschichte von 1927 bis 2002" kann als Broschüre beim Sekretariat des Zürcher Obstbauvereins bezogen werden.