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(1753 - 1827)
Mitstreiter der Französischen Revolution
Der zu Napoleons Zeiten im Range eines Generals fungierende Jean Augustin Ernouf hiess mit vollem Namen Manuel Louis Jean Augustin Ernouf und erlebte im 18. und 19. Jahrhundert eine abwechslungsreiche Karriere.
1791 meldete er sich bei der französischen Revolutions-Armee und stieg innert wenigen Jahren vom Leutnant der Infanterie des 1. Bataillons der Freiwilligen 1791 über den Hauptmann 1792 zum Flügeladjudant von General Barthel 1793 auf.
Während des Krieges der ersten Koalition wurde er 1793 nach Kassel
gesandt, um die französischen Stellungen zu stärken.
Als der Duke von York Dünkirchen belagerte und die Stadt Bergen blockierte, kam Jean Augustin Ernouf mit einer 1000 Mann starken Truppe dem kommandierenden Jean Nicolas Houchard zu Hilfe.
Zusammen konnten sie Dünkirchen befreien und Ernouf wurde kurze Zeit später zum Brigadegeneral ernannt und wurde zudem Stabschef der Nordarmee.
Sein Mitstreiter Jean Nicolas Houchard kämpfte wenige Tage später siegreich gegen die Holländer in Menen, erlitt aber zwei Tage später am 15. September 1793 eine Niederlage gegen den österreichischen General Beaulieu und wurde am 17. November 1793 durch die Guillotine hingerichtet.
Gegen Ende 1793 trug Jean Augustin Ernouf durch seine Beratung zur Beendigung der Belagerung von Maubeuge bei und nahm aktiv an der Schlacht von Hondschoote teil. Dies brachte ihm die Beförderung zum Generalmajor am 13.12.1793 ein.
Als Ernouf und sein kommandierender Offizier Jean-Baptiste Jourdan nach dem Sieg keine aggressive Verfolgung der Geschlagenen anordneten, wurden beide der Gegen-Revolution beschuldigt und degradiert. Doch bereits ein Jahr später wurde er nach Beendigung der sogenannten Schreckensherrschaft rehabilitiert und man gab ihm den Rang des Brigadegenerals wieder zurück.
In den nächsten Jahren zeigte er ein grosses Talent für die Logistik und wurde zudem Stabschef der Armee an der Mosel und der Armee von Sambre-et-Meuse.
1798 war Jean Augustin Ernouf mit der Army of Observation unterwegs,
als diese den Rhein überquerte. Dies wurde als Verletzung des Abkommens
von Campo Formio betrachtet und daraus resultierte der Krieg der 2. Koalition.
Die Army of Observation wurde umbenannt in die Donau-Armee und Jourdan zog mit Ernouf gegen die Habsburger. Da sie zahlenmässig den Habsburgern unterlegen waren, musste die Armee sich in den Schwarzwald zurückziehen. Während Jourdan nach Paris zurückkehrte, um Verstärkung zu mobilisieren, übernahm Ernouf das Kommando der Armee.
Schliesslich wurde er von André Masséna als Kommandeur abgelöst und er zog in der Funktion als Stabschef mit ihm in den Feldzug in der Schweiz 1799. In dieser Zeit war er in der Zentralschweiz und in Zürich stationiert. Bei Zürich besiegten die Franzosen den russischen General Alexander Rimsky-Korsakov in der 2. Schlacht um Zürich.
1804 wurde Jean Augustin Ernouf zum Gross-Offizier der Ehrenlegion ernannt und kurz darauf nahm seine Laufbahn eine grosse Wendung, als er von Napoleon I zum Generalgouverneur von Santo Domingo und Guadeloupe ernannt wurde, um dort wieder Ruhe und Ordnung zu schaffen, die durch den wachsenden Widerstand gegen die dort vorherrschende Sklaverei stark beeinträchtigt wurde.
Innerhalb eines Jahres wurde die Ordnung wieder hergestellt und die
Landwirtschaftsproduktion wieder erfolgreich aufgenommen.
Er tätigte Geschäfte mit Plantagenbesitzern und er führte auch die schwedische Insel St. Barts. Von dort liess er regelmässig britische und amerikanische Schiffe kapern und dürfte mit dem Verkauf solcher Schiffe rund 80 Millionen Franc generiert haben.
Als die Engländer die französische Kolonie Martinique 1809 eroberten, wurde es auch eng für die französische Kolonie Guadeloupe. Die Engländer zogen eine grosse Blockade auf und den Bewohnern und den Armeeangehörigen auf Guadeloupe drohte der Hungertod.
Im Januar 1810 starteten die Briten die Invasion auf Guadeloupe und
nach kurzem Widerstand musste Jean Augustin Ernouf kapitulieren. Er wurde
als Gefangener nach Grossbritannien gebracht und ein Jahr später konnte
er aufgrund eines Gefangenenaustausches nach Frankreich zurückkehren.
Doch dort war die Zeit der Ungewissheit noch nicht vorbei, denn bei Napoleon
I fiel er aufgrund des Verlustes von Guadeloupe in Ungnade und wurde des
Machtmissbrauchs, der Unterschlagung und des Hochverrats angeklagt.
Jean Augustin Ernouf verbrachte 23 Monate im französischen Gefängnis, währenddessen die Gerichte das Prozessvorgehen diskutierten.
Doch noch bevor es zu einer Gerichtsverhandlung kommen konnte, wo er seine Unschuld beweisen wollte, stürzte das Kaiserreich Napoleons und die Bourbonen kamen wieder an die Macht.
Die Bourbonen setzten die laufenden Verhandlungen gegen Ernouf aus Mangel an Beweisen aus und Ernouf stellte seine Person in die Dienste der Bourbonen. Er wurde zur Ritter von Saint-Louis ernannt und schliesslich zum Generalinspektor der Infanterie in Marseille.
1815 erhielt er unter General Charles, Duke of Angoulême das Kommando des 1. Korps.
Während Ernouf auf einer Inspektionsreise war, kehrte Napoleon
aus seinem Exil auf Elba zurück und landete in Cannes. Viele Soldaten
unter Charles, Duke of Angoulême schlossen sich Napoleon an und Charles,
Duke of Angoulême kapitulierte.
Auch Ernoufs früherer Weggefährte André Masséna schlug sich auf Napoleons Seite.
Napoleon annullierte alle Ränge, die Jean Augustin Ernouf inne
hatte und entliess ihn aus dem Militär.
Doch nach Napoleons Niederlage in Waterloo kamen die Bourbonen erneut zurück an die Macht und Ernouf wurden seine Ränge wieder zugesprochen und in seinen alten Ämtern eingesetzt.
1816 erhielt Ernouf von König Louis XVIII den Titel eines Barons
und gleichzeitig verlieh er ihm das "Commander Cross of the Order of Saint
Louis", die es ihm erlaubte, eine rote Schärpe zu tragen. Gleichzeitig
garantierte ihm dies eine Pension und die Weitervererbung seines Titels
an die Söhne und Enkel.
Im gleichen Jahr erhielt Ernouf das Kommando der 3. Division bei Metz.
1818 wurde Jean Augustin Ernouf in die Abgeordnetenkammer Frankreichs gewählt. Vier Jahre später trat er in den Ruhestand. Jean Augustin Ernoufs Sohn Gaspard war ebenfalls aktiv beim Militär, sein Enkel Alfred Auguste Ernouf wurde ein bekannter Historiker des 19. Jahrhunderts.
Bei Betascript Publishing erschien eine Biographie über Jean Augustin Ernouf.
Abgebildet ist hier ein zweiseitig beschriebener Brief von 1794, den Jean Augustin Ernouf unterzeichnet hat.