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Psychologische Ansätze zur Aggression Theorie des sozialen Lernens
Erwerb und Manifestation von Aggression in drei Phasen 1. Prozesse und Bedingungen, die die individuelle Gewaltbereitschaft bestimmen und durch aggressive Verhaltensmuster erworben werden (Erwerb aggressiver Verhaltensmuster) 2. Faktoren, die in einer konkreten Situation die Aggression auslösen oder Bereitschaft dazu bestimmen (Auslösende Mechanismen für die Aggression) 3. Prozesse, die das ausgelöste aggressive Verhalten aufrechterhalten oder es stabilisieren (Mechanismen der Aufrechterhaltung von Gewalt und Aggression)
Breites Modell mit biologischen Prozessen und gesellschaftlich-strukturellen Rahmenbedingungen; regte viele weitere theoretische Überlegungen und Studien an. Zu 1)
Zu 2) situative Merkmale die zu aggressiven Verhaltensweisen führen - Angriff, Bedrohung oder Provokation - Anreize, soziale Gewinne - Enthemmtes Gruppenverhalten (z.B. Demonstrationen) - Alkohol, Drogen - Befehle und Anweisungen
Zu 3) Reaktionen nach der Tat wichtig für weitere Aggressionsausübung - Keine Sanktionen von Justiz, Familie oder Schule führt zu Verstärkung - Gewinn oder soziale Anerkennung bestärken - Nach Tobsuchtsanfall muss Zimmer nicht aufgeräumt werden (negative Verstärkung) - Andere werden nicht bestraft (stellvertretende Bekräftigung) - Selbstregulierende Mechanismen
Psychologische Ansätze zur Aggression Modell der sozialen Informationsverarbeitung
In konkreten Situationen verarbeitet der Mensch Informationen anhand seiner biologisch begrenzten Kapazität und im Lichte seiner bisherigen Lernerfahrung. Zudem lenken Emotionen die Wahrnehmung von stimmungskongruenten Reizen und ihrer Interpretation. Defizite bei der Verarbeitung von sozialer Information führt demnach zu Schwierigkeiten und aggressiven Verhalten. Folgende kognitive Prozesse seien beteiligt:
Zu 1) Enkodierung Information: Verarbeitung durch individuelle Verarbeitungskapazität beschränkt. Spezifische Lernerfahrung und motivationale Besonderheiten führen zu Elaboration kognitiver Schemata (selektive Beeinflussung). Probanden die mehr Gewalt erlebten, erinnern sich in gleichen Situationen später mehr an aggressive Reize als unauffällige Probanden. Zu 2) Interpretation d. Situation: affektive Perspektivenübernahme und Ursachenzuschreibung (Attribution) bei aggressiven Kindern schlechter (hostile attribution bias) Zu 3) Zielsetzung: Insbesondere in der Phase der Zielsuche hohe Anfälligkeit für affektive Zustände (Wahl antisozialer Ziele). Zu 4) Reaktionssuche: Abruf aus Verhaltensrepertoire in Abhängigkeit von Ähnlichkeit d. Situation und vorhandenen Repräsentationen und der Stärke der assoziativen Verknüpfung. Aggressive Kinder haben ein gleich hohes Handlungsrepertoire als unauffällige Kinder, allerdings sind ihre eher von mehr aggressiven und impulsiven Reaktionen geprägt Zu 5) Handlungsauswahl- und -bewertung: Effizienz und Angemessenheit, Vorerfahrung und subjektive Situation, allgemeine Erwartung v. Wirksamkeit und Regeln werden bewertet. Aggressive Jugendliche haben eine kurzsichtigere Folgenabschätzung. Zu 6) Handlungssteuerung: handlung wird ausgeführt; ob diese aufrechterhalten wird hängt von Kompetenz, Konsequenzerwartung und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen ab. Der Ausgang über diesen Prozess bestimmt wie es weitergeht (Zyklus). Kritik Liefert gut Hinweise zur Aktualgenese aggressiven Verhaltens, die konsekutive Stufenabfolge ist weniger gut belegt. Keine Klärung, welche Rolle Interaktionspartner spielen und wie sich die Stufen gegenseitig beeinflussen.
Psychologische Ansätze zur Aggression Allgemeines Aggressionsmodell
General Aggression Model (GAM) integriert Wissensstrukturen, Wahrnehmungs- und Personenschemata, sowie Verhaltensskripte. Konkrete Situation:
Personale Inputvariablen (Schemata, Einstellungen, Skripte) und aggressionsbegünstigende Situation (aggressive Hinweisreize, aversive Erlebniszustände, Provokationen, Substanzintoxikationen) in Wechselwirkung zueinander führen zu einem inneren Zustand der Person, der sich aus Kognition, Affekt und Erregung konstituiert. Es erfolgt eine automatische Bewertung der Situation. Es folgt die spontane Handlung, oder bei Aufwendung von kognitiven Ressourcen eine bedachte Handlung.
Kritik Gute Ergänzung zur Aktualgenese. Die Annahmen über Einfluss und Wechselwirkung sind gut belegt. Prozessabfolge interner Zustände im Wechselspiel von Affekt, Erregung und Kognition und die darauf folgende Bewertung und Entscheidungsprozesse weniger.
Risikofaktoren - Biologische u. genetische Risiken - Familiäre Risiken - Auf individueller Ebene - Gewalthaltige Medien - Schule, Ausbildung und Zukunftsperspektiven - Peergruppen - Nachbarschaft u. Gemeinde - Diese Risikofaktoren lassen sich in intakten Familien neutralisiern!
Es gibt Protektive Faktoren auf der Ebene des Indigiduums und des sozialen Umfelds
Kann alle empirisch gewonnenen Erkenntnisse von Risiko- und Schutzfaktoren integrieren und liefert viele Ansätze für Prävention und Intervention.
Der dissoziale Lebensstil (also die eigentliche Variable) ist zu breit angelegt, keine differentielle Aussage darüber, unter welchen Umständen welche Form von dV entwickelt werden und welche Art und Zahl von Schutzfaktoren neutralisierend wirken • Kriminalität als Ergebnis eines Entwicklungsprozesses, in dem Risikofaktoren anhäufen und sich gegenseitig verstärken
Eines der einflussreichsten/ bedeutsamsten Modell zur entwicklungskriminologischen Ätiologie und Prävention von Kriminalität
Risikomodelle dissozialen Verhaltens
Modell des integrierten kognitiv-dissozialen Potentials
Wechselwirkungsmodell zum Aufbau eines dissozialen Lebensstils und zur Ausübung von konkreten dissozial-kriminellen Verhaltens. Ausgelöst wird die konkrete Tatbegehung demnach durch eine Wechselwirkung zwischen individuellen Merkmalen (dem aktuellen Grad des dissozialen Potentials) und sozialen Faktoren (der Verfügbarkeit von Gelegenheiten und Opfern dVs).
Ob die Tat ausgeführt wird, hängt dann von kognitiven Prozessen ab. Dabei werden subjektive Kosten und Nutzen, sowie die W*keit für Konsequenzen überschlagen. Allerdings überwiegt nicht immer die rationale Überlegung, auch ein aktuell hohes dissoziales Potential beeinflussen die Bewertungsprozesse.
Integrative Theorien.
General Personality & Cognitive Social Learning perspective (GPCSL).
Kognitiv-Affektives Persönlichkeitssystem (CAPS) nach Mischel (1995)
Enkodierungen: Individuelle Kategorisierung der eigenen Person, von anderen Personen, Ereignissen und Situationen Erwartungen/Überzeugungen: Individuelle Erwartungstypen, darunter Selbstwirksamkeitserwartungen und Ergebniserwartungen (Kontrollüberzeugungen, Optimismus) Affekte: Individuelle (aktuell und habituell erlebte) Emotionen Ziele/Werte: Individuelle Ziele und Projekte, die eine Person verfolgt, und Wertmaßstäbe, an denen sie ihr Verhalten ausrichtet Kompetenzen und Pläne zur Selbstregulation: Individuelles Verhaltensrepertoire, über das eine Person verfügt, und Strategie und Pläne für die Handlungsorganisation