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Corinne Suter zählte in den Bergen von Yanqing nicht zu den ganz hoch gehandelten Medaillenanwärterinnen. Doch am Renntag gelang es ihr, den Schalter umzulegen und zuzuschlagen. Mit Olympia-Gold krönt Suter eine Karriere, in der sie als Abfahrerin nun alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt: Im Winter 2019/20 eroberte sie die kleine Kristallkugel für den Disziplinensieg, 2021 wurde sie in Cortina d'Ampezzo Weltmeisterin in der Königsdisziplin.
«Ich konnte das umsetzen, was ich mir vorgenommen habe», freute sich Suter in einem ersten SRF-Interview. Aber erst der Blick auf die Resultat-Anzeige habe ihr Klarheit gebracht, wie ihre Leistung einzuordnen sei. «Während der Fahrt fehlte mir das Gefühl, sie einschätzen zu können, es war schwierig vom Wind und von den Lichtverhältnissen her. Ich kam ins Ziel und wusste nicht, wie gut meine Fahrt war.»
Nun, die Fahrt war hervorragend. Corinne Suter entschied die Olympia-Abfahrt dank einem starken Finish vor zwei Italienerinnen. Sofia Goggia hätte mit Gold dem x-ten Comeback nach einer Verletzung um ein Haar die Krone aufgesetzt. Bei der letzten Zwischenzeit lag Goggia, die Abfahrts-Olympiasiegerin von 2018, noch vor Suter. Letztlich gewann sie mit 16 Hundertstel Rückstand die Silbermedaille.
Bronze ging an Nadia Delago, die im Weltcup noch nie auf dem Podest stand. Nach den Rängen 4 und 5 in den vergangenen Wochen war ihr Medaillengewinn dennoch keine riesengrosse Überraschung.
Nach Bronze im Riesenslalom und dem Olympiasieg im Super-G passte bei Lara Gut-Behrami in der Abfahrt wenig zusammen. Die Tessinerin büsste wie Jasmine Flury mehr als zwei Sekunden ein. «Ich kam heute nicht vom Fleck», resümierte Gut-Behrami im SRF. Sie sprach auch davon, müde zu sein: «Ich habe versucht, noch einmal Gas zu geben, aber es gelang mir nicht hundertprozentig.»
So wurde Joana Hählen die zweitbeste Schweizerin. Die Berner Oberländerin rechtfertigte ihre Nominierung, die sie sich dank Bestzeit im Abschlusstraining gesichert hatte, mit Rang 6. Für die Bronzemedaille fehlten Hählen indes knapp sieben Zehntel. «Ich konnte das positive Gefühl vom Training mitnehmen. Ich freute mich aufs Fahren und war am Start gar nicht so nervös. Die Fahrt war sehr solid», sagte Hählen.
Suters Triumph bescherte der Schweiz die fünfte Goldmedaille an diesen Winterspielen – und die vierte in der Disziplin Ski alpin. Vor ihr feierten schon Beat Feuz (Abfahrt), Lara Gut-Behrami (Super-G) und Marco Odermatt (Riesenslalom) einen Olympiasieg. Kurz vor dem Start zur Frauen-Abfahrt gewann zudem Ski-Freestylerin Mathilde Gremaud Gold im Slopestyle. (ram)