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Als freie Republik in Miniaturformat war Gersau bis 1817 ein Unikum der Schweizer Geschichte. Ähnlich wie Wilhelm Tell verkörperte das Dorf urschweizerische Werte wie Freiheit und Unabhängigkeit, von denen sich viele republikanisch gesinnte Reisende im 18. und 19. Jahrhundert angezogen fühlten.
Für das fortschrittlich gesinnte Europa war nicht nur Gersau, sondern die ganze Region am Vierwaldstättersee ein Hort der Freiheit und ein Gegenentwurf zur eigenen, unfreien Heimat. Mit Schillers Drama zu Wilhelm Tell, das 1804 in Weimar seine Uraufführung erlebte und 1829 von Giachino Rossini vertont wurde, erlangte die Faszination für die freiheitliche Nationalgeschichte der Schweiz einen ersten Höhepunkt, dem sich selbst Monarchen nicht entziehen konnten. Mit ihrer Kombination von historischen Stätten und Naturszenerien trug die Landschaft am Vierwaldstättersee massgeblich zum touristischen Bild der Schweiz bei.
Das steile Gelände Gersaus bot einer extensiven Berglandwirtschaft seit jeher nur ein geringes landwirtschaftliches Auskommen. Es erstaunt deshalb nicht, dass sich hier im 18. Jahrhundert eine Seidenindustrie entwickeln konnte, die der bäuerlichen Bevölkerung willkommene Verdienstmöglichkeiten bot.
Haupterwerbszweig der Gersauer Bauern war und ist die Nutzung der Alpen an der Rigi. Von der Bedeutung der Alpweiden zeugen auch Streitereien um ihre Nutzung, welche Gersau im 16. Jahrhundert mit Älplern aus dem benachbarten Weggis ausfocht. Im 18. Jahrhundert begannen Gersauer Handwerker mit der Produktion von Seidengarnen, die sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts zum wichtigsten Erwerbszweig des Dorfes entwickelte: Nur ein Drittel der Gersauer lebte noch von der Landwirtschaft. In der agrarwirtschaftlich dominierten Zentralschweiz des 19. Jahrhunderts war Gersau damit eine Ausnahmeerscheinung.