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Im Rahmen der Aktion zum 50 Jahre Frauenstimmrecht «Hommage 21» werden mehrere Pionierinnen vorgestellt. Auch bei neo1 lernen wir diese Woche fünf spannende Frauen kennen.
Cécile Abt-Bader (1923 – 2018)
Als Cécile acht Jahre alt ist, empfiehlt ein Vikar ihren Eltern, die Tochter später Medizin studieren zu lassen. Nach dem Gymnasium, mit 21 Jahren, nimmt sie das Medizinstudium auf. Bald heiratet sie ihren Mitstudenten Alfons Abt. Als das Ärztepaar Abt-Bader mit ihren zwei kleinen Söhnen 1957 in Reiden eine Hausarztpraxis eröffnet, erkrankt Alfons Abt an Tuberkulose und verbringt ein Jahr in einem Sanatorium. Cécile Abt-Bader ist während dieser Zeit stark gefordert. Als einzige weibliche Ärztin zwischen Emmenbrücke und Olten erhält Cécile Abt-Bader Einblick in ein breites Spektrum von Frauenleben und ist Gesprächspartnerin für die Tabuthemen Sexualität und Familienplanung. Ihre Erfahrungen bringt Abt-Bader ab 1971 als Grossrätin auch in die Politik ein.
Marie Boehlen (1911 – 1999)
Nach Mutters zweiten Heirat konnte Marie in Riggisberg als Tochter eines Kleinbauern und Nagelschmieds mit fünf Geschwistern aufwachsen. Dass sie mehr als nur die Primarschule besuchen konnte, war ein Wunder. Doch sie kämpfte, bestand die Matura und studierte später Rechtswissenschaften. Es war ihr danach unmöglich, eine angemessene Stelle zu finden. Man teilte ihr mit, Frauen stelle man nur als Stenotypistinnen ein. Nach solchen Erfahrungen war Marie Boehlen motiviert, sich an vorderster Front für die Anliegen der Frauen, besonders das Stimmrecht, einzusetzen. Beim ersten, noch erfolglosen Versuch von 1959 führte sie die Frauen an. Schliesslich wurde die SP-Frau beruflich die erste vollamtliche Jugendanwältin der Schweiz und politisch eine der frühesten Berner Stadt- und Grossrätinnen
Anna Vogt-Schuster (1857 – 1936)
Als Witfrau heiratete sie 1910 den 19 Jahre jüngeren, ebenfalls verwitweten Uhrmacher Arnold Vogt von Grenchen. 1918 erkrankte Arnold Vogt an Tuberkulose, zwei Monate später wurde er während des Landesstreiks bei einem Waffeneinsatz des Militärs in Grenchen angeschossen. Drei weitere Uhrmacher starben. Trotz zweier Operationen verstarb Arnold Vogt im August 1920, 44-jährig. Anna Vogt, schrieb mehrere Briefe an den Bundesrat, sie legte Arztzeugnisse bei, die bestätigten, dass die Schussverletzung den frühen Tod ihres Mannes mitverursacht hatte, und kämpfte um seine Anerkennung als viertes Opfer von Grenchen. Der Bundesrat stützte sich auf eine einseitig geführte militärische Untersuchung und lehnte alle Gesuche ab.
Amélie Moser-Moser (1839 – 1925)
Sie wuchs mit elf Geschwistern in Herzogenbuchsee auf, verbrachte danach zwei Jahre mit ihrem Mann in Indonesien. Sein früher Tod nötigten sie und ihre Tochter zur Heimkehr. Sie ging als Arzthelferin und autodidaktische Operationsschwester in die Buchserberge, um die Bauern mit den Fähigkeiten der modernen Medizin vertraut zu machen. Moser wurde zur zentralen Figur des Frauenvereins, initiierte 1890 den Kauf des Gasthofs «Kreuz» und lancierte in der Folge eine ganze Reihe fast immer erfolgreicher Projekte. Mosers «Kreuz» funktionierte als Kinderhort, Arbeiter- und Altersheim, als Herberge, Kosthaus und Volksküche. Hier wurden die öffentliche Bibliothek, die Armenpflege und die Gemeindekrankenschwester bestellt und eingemietet.
Sonja Hertig (1919 – 2009)
Inspiriert von einer 1952 auf einer Bergtour beobachteten Gletscherlandung entschliesst sie sich zur Fliegerei. Zwei Monate später besitzt sie das Flugbrevet. In den folgenden Jahren absolviert Sonja Hertig zudem das Kunstflugbrevet. 1957 erhält sie als erste Frau in Europa das Gletscherpilotinnenbrevet. Während der Zeit als Produktionsleiterin in der Spritzenfirma engagiert sich Sonja Hertig für die Verbesserung der Stellung der Frau in beruflicher Hinsicht und gründet drei Sektionen des Zonta-Netzwerks, unter anderen jene in Luzern.
(Text: Hommage 21 / neo1)