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„Dieser Text ermüdet mich. Vielleicht bin ich nicht intelligent genug, um ihn zu verstehen.“ Oft wird über unverständliche Fachtexte geklagt. Sie sind zu kompliziert, schlecht lesbar und langweilig. Dafür verantwortlich ist der Verfasser. Und er ist es auch, der letztlich die Konsequenzen der Unverständlichkeit seines Texts zu tragen hat.
Das Ziel eines Fachtexts
Ein Fachtext dient dem Übermitteln einer Botschaft. Forschungsergebnisse sollen veröffentlicht und möglichst breit rezipiert werden, eine Innovation wird potenziellen Kunden vorgestellt, die Vorteile eines Produkts oder einer Dienstleistung werden erläutert. Die Verfasserin oder der Verfasser versprechen sich vom Empfänger eine Reaktion. Der Text soll eine Handlung auslösen. Das kann einfach nur Zustimmung oder Sympathie sein. Oder ein Kauf, eine politische Meinungsbildung.
Wie Kommunikation gelingt
Ob Sie direkt in einem Brief oder in einer E-Mail mit einem Empfänger oder einer Empfängerin kommunizieren oder mit einem grösseren Publikum in einem Buch, einem Referat oder einem Artikel: Das Übermitteln der Botschaft gelingt, wenn es einen gemeinsamen Raum gibt. Kommunikation ist erfolgreich, wenn Bedeutung geteilt wird. Wenn der Text also so formuliert ist, dass er vom Empfänger verstanden wird. Die folgende Abbildung zeigt zwei kommunizierende Menschen. Die beiden Ovale stellen ihren Erfahrungs- und Kompetenzhorizont dar.
Wirklich verstehen können sie sich nur innerhalb der Schnittmenge. Also dort, wo sie gemeinsame Erfahrungen, ein gemeinsames Verständnis oder schlicht eine gemeinsame Sprache haben. Wenn sich die beiden Personen gut kennen, ist die Schnittmenge etwas grösser. Entsprechend bleibt mehr Raum für offene Formulierungen und Anspielungen. Wenn mehr als zwei Personen am Kommunikationsprozess beteiligt sind, verengt sich diese Schnittmenge entsprechend. Und sie wird auch umso kleiner, je weniger gut die Personen einander kennen oder je unähnlicher sie sich sind. Bei einem Fachtext kann zumindest davon ausgegangen werden, dass gewisse fachliche Begriffe im Repertoire sind und ein grundlegendes gemeinsames Wissensniveau besteht. Aber in allen anderen Bereichen des Erfahrungshorizontes müssen wir uns als Verfasser, um verstanden zu werden, auf die Schnittmenge konzentrieren. Es geht dabei um den Prozess, den Text in der Lebenswelt des Lesers verankern.
Wie Bedeutung entsteht
Je allgemeiner eine Formulierung ist, desto mehr verschiedene Deutungen sind möglich. Entsprechend schlechter steuerbar ist die Reaktion. Das Ziel eines guten Textes muss es sein, möglichst viel Bedeutung bei möglichst vielen (oder allen gewünschten) Adressaten entstehen zu lassen. Das wird erreicht, wenn der Text präzise formuliert ist. Die nächsten Einträge dieses Blogs erläutern im Detail, wie das möglich ist.