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Giovanni Battista Piranesi and his Workshop: Two newly identified Albums at Karlsruhe
Persone
Abstract
Im Jahr 2014 ist in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe eine spektakuläre Neubestimmung gelungen: Zwei Alben mit insgesamt 297 Zeichnungen können seither dem römischen Künstler, Architekten, Theoretiker, Antiquar und Antikenhändler Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) und seiner Werkstatt zugeordnet werden; bis dahin galten sie als Werke des Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner (1766-1826). Zahlenmäßig handelt es sich bei dem Fund um die größte zusammenhängende Gruppe von Zeichnungen Piranesis und seines näheren Umfelds. Diese Entdeckung eröffnet die Chance auf eine umfassende Neubewertung des künstlerischen Werkes von Piranesi, das im Fokus des beantragten Projektes steht: Der Fund umfasst die gesamte typologische Breite im zeichnerischen Werk Piranesis - von den frühen capricci bis zu den archäologischen Darstellungen des Spätwerks. Höchst bedeutsam sind die zahlreichen Skizzen, die vor Ort entstandenen Zeichnungen nach der Antike, Abklatsche und anderen Typen von Zeichnungen, die nur höchst selten in Piranesis bisher bekanntem Oeuvre begegnen. Sie liegen hier in großer materialtechnischer Vielfalt vor. Die Zeichnungen weisen außerdem verschiedene Spuren früherer Benutzung und Montierung auf, die vollkommen erhalten sind und die Einblicke in Piranesis Werkstattpraxis erlauben. Teilweise können diese Spuren auf die Benutzung der Blätter als Unterrichtsmaterial in der Karlsruher Bauschule zurückgeführt werden, der Weinbrenner von 1800 bis 1825 vorstand. Er war es vermutlich auch, der die Zeichnungen am Ende seines Romaufenthaltes (1792-1797) in der Werkstatt Piranesis erwarb, sie mit nach Karlsruhe brachte und sie in die heutigen Alben montieren ließ. Die Breite des Bestands reicht geographisch weit über Karlsruhe hinaus: Gegendrucke und Kopien von Karlsruher Blättern befinden sich in den Nachlässen von Architekten des 18. und 19. Jahrhunderts, die heute in internationalen Sammlungen bewahrt werden (London, New York, Besançon, Dessau). Sie bezeugen die große internationale Verbreitung und den Einfluss von Piranesis Zeichnungen, der jetzt neu zu bewerten ist. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt, an dem Kunsthistoriker und Restauratoren beteiligt sind, wird die komplexen Zusammenhänge offenlegen, in denen die Karlsruher Zeichnungen entstanden sind. Schlüsselfragen betreffen die Autorschaft Piranesis bzw. der Mitarbeiter seiner Werkstatt, Typus, Funktion und Technik der Zeichnungen, die Werkstattpraxis sowie die Benutzungsspuren und die Konservierung; darüber hinaus wird nach Piranesis Bedeutung für die zeitgenössische römische Graphik- und Buchproduktion gefragt, auch im Hinblick auf ihre weiträumige Verbreitung. Das methodisch innovative Forschungsprojekt wird erstmals die Karlsruher Alben in Piranesis Werk einbetten und deren Bedeutung für die europäische Kunstgeschichte sichtbar machen.