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Eine der bislang schönsten Platten des Jahres: Dieses Fundstück aus dem Archiv von Laraaji.
Hat man nun wirklich gerade in ein spirituelles TV-Format reingezappt? Eines, in dem inmitten von Topfpflanzen ein Mann mit beinahe priesterlichen Kleidern auf einem Casio-Keyboard spielt und singend in einen höheren Zustand entschwebt? Ja, schon. «All of a Sudden» heisst dieses obskure Videodokument aus dem Jahr 1986, das auf Youtube kursiert und dessen Tonspur nun auch auf dem erstaunlichen und lange verschollenen Album «Vision Songs Vol. 1» zu hören ist.
Erfunden hat diesen Song einer, dessen Körper, wie er sagt, 1943 in Philadelphia geboren und mit dem Namen Edward Larry Gordon ausgestattet wurde. Dieser afroamerikanische Körper verdiente sich sein Leben erst als Komödiant, kiffte viel und fand in einem Pfandladen in New York seine Erleuchtung. Dann nämlich, als er seine elektrische Gitarre verpfänden wollte, und sie gegen eine 36-saitige Autoharp, die Hippies und andere Psychedeliker als Quelle für spektrale Sounds nutzten, eintauschte. Gordon elektrifizierte sein Instrument, stellte sich so ausgestattet auf die Strasse und spielte sich allmählich in von allem Weltlichen losgelöste Höhen. Irgendwann wurde sein Körper dann auch von einem Kult von seinem weltlichen Namen erlöst und kursiert seither als Laraaji.
Erst seit einigen Jahren wird die verstrahlte Musik dieses New-Age-Musikers neu entdeckt und bewertet. Es ist eine Musik, die meist in Heimstudios entstanden ist und so auch retrophile Sehnsüchte eines jüngeren und digitalisierten Publikums stimuliert. «Vision Songs Vol. 1» klingt anders als seine bekannten Sonnenmeditationen: Hier singt er, begleitet nur von seinem Keyboard, das auch rudimentäre Beats von sich gibt, kurze Lieder. Die Atmosphäre ist warm und heiter, erinnert auch schon mal an die Bossanova. Und da ist noch Laraajis Stimme, die zwar mantrahafte Sätze von sich gibt, doch nie ins Predigende abdriftet. Ein Wunder.
Laraaji: «Vision Songs Vol. 1» (Numero Group)