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Wir unternehmen eine kleine Zeitreise ins Jahr 1972. Was bewegte die Leute in der Schweiz und der Welt damals. Hier ein paar Stichworte: Nello Celio wird Bundespräsident der Schweiz – Das Kernkraftwerk Mühleberg nimmt den kommerziellen Betrieb auf – In den USA wird gegen den Vietnamkrieg demonstriert und die Watergate-Affäre nimmt ihren Anfang – Margarethe II. wird Königin von Dänemark, und sie ist es noch heute – Die bis heute letzte bemannte Mondlandung findet statt.
Von der nationalen und internationalen Bühne kehren wir zurück ins beschauliche Frauenkappelen. Denn eines der Hauptthemen damals dürfte – wie heute – das Mittelländische Schwingfest gewesen sein.
«Hunsperger in einsamer Höhe»
So lautete der Titel der Berichterstattung in «Der Bund» vom 19. Juni 1972 über das Mittelländische Schwingfest vom Vortag. Es war nicht irgendein Mittelländisches, sondern das letzte und vor 2023 das einzige grosse Schwingfest, das in Frauenkappelen stattgefunden hatte. Dominator des Schwingsports war damals Hunsperger Ruedi. In Frauenkappelen trat er als zweifacher Schwingerkönig an und sollte sich zwei Jahre später das goldene Eichenlaub zum dritten Mal erschwingen. Am Mittelländischen 1972 gewann er mit einer Punktzahl von 59.75 überlegen. In der Rangliste finden sich weitere bekannte Namen: Im 3. Rang klassierte sich Uhlmann Fritz, der zeitweise mit seiner Familie in unserem Dorf lebte und 1974 am Eidgenössischen im Schlussgang stand, wo er gegen einen gewissen Hunsperger Ruedi den Kürzeren zog. Den 4. Rang belegte mit Grossmann Ruedi die Frauenkappeler Schwinglegende schlechthin. Und schliesslich folgte im 5. Rang mit dem Oberländer Roschi David ein Athlet, der im selben Jahr am Eidgenössischen Schwingfest zum Schwingerkönig gekrönt werden sollte. Das Mittelländische Schwingfest 1972 zog schon damals zahlreiche Besucher ins Dorf. 2’800 Zuschauer verfolgten die Wettkämpfe in der Arena. Das Festgelände befand sich damals auf der Wiese, wo heute die Überbauung Q-Matte steht.
Wie die Zeit vergeht...
…zeigt schon ein Blick in den Festführer von damals. Gerade mal 28 Seiten Umfang – Umschlag inklusive! Die Titelseite ist in kunstvoller Handschrift geschrieben und illustriert mit einer Zeichnung der Kirche von Frauenkappelen. Die Inserate bestanden vor allem aus Text und alle in gleicher und ähnlicher Aufmachung. Rahmenprogramm? Weitgehend Fehlanzeige! Einzig der Hinweis «Anschliessend an die Rangverkündigung gemütlicher Ausklang in der Festhalle» lässt so etwas wie Feststimmung erahnen. Ein amüsanter Hinweis betrifft die Technik: «Die Lautsprecheranlage wird uns freundlicherweise von der Rössli-Stumpenfabrik in Brugg AG zur Verfügung gestellt».