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| Hieronymus († 420) - Leben des hl. Einsiedlers Hilarion (Vita Hilarii)

5.
Der Teufel reizte daher seine Sinne und fachte in dem heranreifenden Körper in gewohnter Weise die Flammen der Leidenschaft an. An Dinge, die ihm bis jetzt unbekannt waren, mußte der angehende Streiter Christi denken; unter lieblichen Bildern trat ihm vor seine Seele, was ihm in der Erfahrung fremd geblieben war. Über sich selbst erzürnt, schlug er seine Brust mit Fäusten, gleichsam als ob er auf diesem Wege die Gedanken hätte verjagen können. „Eselchen", sprach er zu sich selbst, „ich will schon dafür sorgen, daß du nicht ausschlägst; nicht mit Gerste will ich dich füttern, sondern mit Spreu; durch Hunger und Durst will ich dich bändigen; schwere Lasten will ich auf dich legen; Hitze und Kälte will ich mit dir aufsuchen, damit du mehr auf Speise als auf Lüsternheit bedacht bist." Tatsächlich hielt er sich zur Not am Leben durch Pflanzensaft und einige wenige Feigen, die er alle drei oder vier Tage zu sich nahm. Häufig betete er und verherrlichte Gott im Psalmengesang; mit der Hacke arbeitete er den Boden um. Die Beschwerden, die das Fasten mit sich brachte, sollten durch die Beschwerden der Arbeit verdoppelt werden. Er ahmte auch die Sitten der ägyptischen Mönche, aus Binsen Flechtwerk herzustellen, nach, eingedenk des Wortes des Apostels: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen"1, obwohl er so geschwächt [S. 38] und ausgehungert war, daß sein Körper kaum noch durch die Knochen zusammengehalten wurde.
1: 2 Thess. 3, 10.