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Sigristenhaus
Das Sigristenhaus steht an der Nordwestecke des Kirchhofs und ist, für ein Wohnhaus ungewohnt, über diesen erschlossen. Dies wird erst verständlich, wenn man weiss, dass es sich um das einstige Beinhaus handelt, das 1513 erbaut und ein Jahr darauf urkundlich erwähnt wurde. Es war zum Zeitpunkt der Einführung der Reformation 1528 sozusagen neu und eine Umnutzung drängte sich nicht unmittelbar auf. 1586 richtete der Berner Rat den folgenden Beschluss an seinen Landvogt auf der Lenzburg: «An Vogt Lenzbg. Imme ist gwalt geben das beinhus uff dem Stauffberg dem sigristen zu einer behausung rüsten ze lassen und den kilchgenossen ein stür uffzelegen.»
Das Haus steht firstparallel zur Kirche unter steilem geknicktem Satteldach ohne Dachüberstand an den Giebelseiten. Durch seine Position an der Hangkante sind die nicht dem Friedhof zugewandten Seiten des Untergeschosses freistehend (der jetzige Anbau von 1964). Mit Ausnahme zweier zugemauerter Fenster am Untergeschoss und dem Zugang vom Friedhof her sind keine Spuren der ursprünglichen Bestimmung mehr lesbar. Auf dem abgefasten gedrückten Spitzbogengewände der Eingangstüre blieb neben dem Steinmetzzeichen und der Jahreszahl 1513 die Inschrift «IO. FERY PLNS» (Jo[hannes] Fery [Frey] Plebanus [Leutpriester]) erhalten. Die darunter auf beide Seiten des Gewändes verteilte Inschrift «IP FOELIX RODEL 1598» liess wohl der erste, hier wohnhafte Sigrist anbringen. Die gekehlte spätgotische Befensterung stammt vom Umbau 1586, das Dachwerk und damit das ursprüngliche Bauvolumen blieben dabei unverändert.
Wie an anderen Orten belegt, hat man sich das Beinhaus vielleicht als zweigeschossige Anlage vorzustellen mit einer vom Friedhof zugänglichen Totenkapelle und dem eigentlichen Beinhaus im Untergeschoss, das vom Vorplatz ebenerdig betreten werden konnte. 1937 rekonstruierte man auf Grund von Spuren und alten Ansichten den gemauerten Bogen des Friedhofeingangs, der zwischen Sigristenhaus und Waschhaus eingespannt ist. Der ehemalige Sakralbau ist so wieder als Teil des einst kirchlichem Recht unterstellten Areals der Kirche und des Gottesackers mit seiner geweihten Erde lesbar. 1989-1997 Innenrenovation in Etappen, 2001/02 Aussenrestaurierung.
Pfarrhaus
Westlich der Kirche erhebt sich unter nord-südlich laufendem First das stattliche zweigeschossige Pfarrhaus mit seinem auf der Sonnenseite vorgelagerten Garten. Wie beim Sigristenhaus erinnern nur noch das steile Satteldach mit schwachem Bruch, die fehlenden Dachüberstände an den Giebeln und zwei gotisch gekehlte Fenster, die südseitig den Dachraum belichten, an seine wohl spätmittelalterliche Erbauungszeit in unbekanntem Jahr. Eine Baunaht an der Ostseite und eine frühere Giebelwand an gleicher Stelle im Innern, sowie zugemauerte gotisch gekehlte Gewände am heute fensterlosen Nordgiebel belegen, dass der Pfarrhof um knapp vier Meter nach Norden erweitert wurde. Dabei nutzte man das abfallende Gelände, um unter den Wohngeschossen mit vergleichsweise wenig Aushubarbeiten einen fast ebenerdig zugänglichen Gewölbekeller anzulegen, der beim älteren Hausteil fehlte. Auch wenn es bis heute nicht zu belegen ist, lässt das lange Festhalten an gotischen Bauformen im Schweizer Mittelland eine Entstehung dieses Anbaus im Jahr 1645 als möglich erscheinen. Zumindest deutet das Türgewände (heute am Waschhaus) mit der Sturzinschrift «DEO CUSTODE SALVA DOMVS 1645» und dem Steinmetzzeichen des Meisters Michel Meyer von Lenzburg auf umfangreichere Arbeiten hin.
Zahlreiche, meist nicht näher genannte Reparaturen sind zwischen 1614 und 1838 aktenkundig. 1725 ist vom Ausbrechen neuer Fenster und der beachtlichen Bausumme von 1793 Kronen die Rede; andernorts ist zu lesen «A. 1724 ward das pfrundhaus fast überal anderst gebauwet». Damals scheint das Pfarrhaus mit veränderter Geschossteilung vollständig umgebaut worden zu sein, denn 1951 und 1964-66 kamen bei Verputzarbeiten mehrere zugemauerte gotische Fenster zum Vorschein, die nicht mit der heutigen Stockwerkeinteilung übereinstimmen. Das Haus erhielt demnach 1725 sein heutiges Aussehen. Fenster mit putzbündigen Gewänden und Ladenfalz wurden in regelmässigen Achsen angeordnet und am Südgiebel über den Fenstern des Obergeschosses ein durchlaufendes Klebedach angebracht.
Über eine mehrstufige Treppe gelangt man durch die traufseitige Haustüre in den durchlaufenden Mittelgang. Das barocke Täfer mit flach ausgeschnittenen Pilastern und Türrahmungen mit Gesimsen ist in den Rechnungen für das Jahr 1784 nachgewiesen. Die letzte Aussenrestaurierung erfolgte 1980/81.
Pfarrscheune
Eine Pfarr- oder Pfrundscheune zur Aufbewahrung von Naturalabgaben (Zehnten) und Heu, sowie zumindest ein Pferdestall haben wohl seit jeher zum Pfarrhof gehört. 1582 wurde eine solche von Zimmermeister Georg Wentz und Meister Anthony Frymont (Frymund / Freimund) neu erbaut.
Der heutige, vermutlich 1760/61 errichtete Bau schliesst – wohl am Ort seiner Vorgänger – bei gleicher Firstrichtung nördlich direkt an das Pfarrhaus an. Der gedrückte zweigeschossige Mauerbau unter steilem geknicktem Walmdach wirkt im Vergleich zum Pfarrhaus klein und zierlich. Als Mauerbau mit sorgfältig behauenen Steingewänden hebt er sich jedoch deutlich von den bäuerlichen Bauten der Gegend ab, die zu jener Zeit als strohgedeckte Ständerbauten (Hochstudhäuser) Wohnteil und Stallscheune unter einem Dach zusammenfassten. Das nah an die Traufe reichende rundbogige Scheunentor teilt die zur Kirche orientierte Längsseite in zwei ungleiche Hälften. Der kleinere, ans Pfarrhaus anschliessende Stall und der grössere nördlich vom Tenntor mit übergrossen Lüftungsöffnungen für den Bergeraum darüber verleihen der Stallscheune Wohnhauscharakter. Der nördlichen Schmalseite ist auf der ganzen Breite unter dem abgeschleppten Walmfuss eine luftige Ständerkonstruktion mit hölzerner Staketenausfachung über einem Mauersockel vorgelagert. Der Schopfanbau diente wohl in erster Linie zur Lagerung von Brennholz.
Autos haben das Pferd als Fortbewegungsmittel ersetzt und landwirtschaftliche Nebenbeschäftigungen gehören in den Pfarrhaushalten längst der Vergangenheit an. Durch die Umnutzung für Bedürfnisse der Kirchgemeinde in den 1980er Jahren blieb der reizvolle Bau glücklicherweise erhalten. Er dient heute kirchlichen Veranstaltungen und steht den Mitgliedern der Reformierten Kirchgemeinde Staufberg auch für private Anlässe zur Verfügung.
Wasch- und Brunnenhaus
Das gemauerte Wasch- und Brunnenhaus ist mit gleichziehendem First parallel zum Pfarrhaus angeordnet und unter einem gemeinsamen Dach untergebracht, das am nördlichen Ende über dem Waschhaus abgewalmt ist. Zwischen ihm und dem Pfarrhaus liegt ein leicht ansteigender, gassenartiger Hofraum, von welchem beide Gebäudeteile erschlossen werden. Die fensterlose Ostwand der beiden ungefähr quadratischen und hofseitig leicht gestaffelt aneinandergefügten Kleinbauten bildet gleichzeitig einen Teil der Kirchhofmauer an der Nordwestecke des Friedhofs. Der Torbogen über dessen Eingang verbindet die Nordostecke des Waschhauses mit dem Sigristenhaus.
Wasch-, Brenn- und Backhäuslein wurden wegen der von ihnen ausgehenden Brandgefahr während Jahrhunderten oft als separate Steinbauten errichtet und sind heute zum grössten Teil verschwunden. Wo sie noch erhalten sind, legen sie Zeugnis ab vom zeitaufwendigen und oft beschwerlichen Alltag, der in ländlichen Gegenden vielerorts noch bis in die Zeit des zweiten Weltkriegs Realität war. Das Baujahr des Waschhauses auf dem Staufberg ist nicht bekannt. Dass man es anlässlich des tiefgreifenden Pfarrhausumbaus 1724/25 aufgerichtet und dabei dessen altes Türgericht von 1645 (vgl. Pfarrhaus) verwendet hat, ist ebenso denkbar wie ungewiss.
Wie auf der Habsburg, der Lenzburg und anderen in Höhenlagen auf einem Geländesporn oder Hügel angelegten Bauten und Siedlungen stellte die Wasserversorgung eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Im Belagerungsfall war das Vorhandensein eines in mühsamer Handarbeit in den felsigen Untergrund bis ins Grundwasser abgetieften Sodbrunnens kriegsentscheidend. Auf dem Staufberg soll man nach der Überlieferung während Jahrhunderten das Wasser am Affenbrunnen im Dorf geschöpft und mit Eseln emporgeschafft haben.
Auf Veranlassung von Pfarrer Johannes Frey, der uns bereits beim Sigristenhaus begegnet ist, wurde 1488 ein Sodbrunnen ergraben, den man zusammen mit der Aufzugsvorrichtung in einem geschlossenen Brunnenhaus vor Verwitterung und Verunreinigung schützte. Wo auf der Habsburg mehr als doppelt so tief gegraben werden musste, stiess man auf dem Staufberg dank einer wasserundurchlässigen Schicht im 100 m hohen Hügel bereits in 28,40 m Tiefe auf Grundwasser. Dem Hochziehen der Wassereimer diente ein hölzernes Laufrad von 3,80 m Durchmesser, dessen seitlich verlängerter Achsbaum über die Brunnenöffnung reicht. Beim Gehen im Rad wird das Seil, an dem der Eimer hängt, am Achsbaum aufgewunden. Der im Vergleich zum Laufrad geringe Durchmesser des Achsbaums sorgt für ein Übersetzungsverhältnis, das auch grösseren Kindern und leichten Erwachsenen das Hochwinden der Eimer ermöglicht. Ein vom Küfer hergestellter mit Eisenreifen zusammengehaltener Bottich von 40 l Fassungsvermögen wiegt gefüllt gegen 60 kg. Um einen solchen Bottich die 28,40 m hochzuwinden, muss man wegen des geringen Umfangs des Achsbaums etwa 3 km im Laufrad gehen, was rund 250 Umdrehungen entspricht!
Zeitgleich mit der Innenrestaurierung der Kirche wurde der Sodbrunnen von späteren Verfüllungen bis zur Sohle befreit und das Laufrad mit dem Achsbaum restauriert. Das dem Laufrad gegenüberstehende Achsauflager wurde anhand von Fragmenten als A-förmige Zimmermannskonstruktion neu gebaut. Damit ist die Anlage wieder voll funktionsfähig und stellt ein seltenes und kostbares Beispiel für die Geschichte der Wasserversorgung dar. Müsste obendrein ein Beweis für die Nachhaltigkeit dieser Technologie geliefert werden, stünde das Brunnenhaus weit vorne: Rekordverdächtige 424 Jahre (!) diente diese Anlage den Bewohnern des Staufbergs als einzige Wasserversorgung, bis 1912 ein pumpengespiesenes Reservoir ihre Aufgabe übernahm.