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Dr. Espinosa, wie entsteht eine Arthrose im Sprunggelenk?
Lokale Knorpelschäden und Instabilitäten führen dazu, dass die Führung der Knochen nicht mehr gewährleistet ist. Infolgedessen kommt es zu einem Druckanstieg an einzelnen Knorpelstellen, mit der Folge, dass diese Stück für Stück zerstört werden. Ein Knorpelschaden kann aber auch durch die Scherkräfte am oberen Sprunggelenk entstehen. Da der Knorpel darauf nicht ausgerichtet ist, reibt er sich stufenweise ab.
Gibt es bestimmte Auslöser für eine Arthrose?
Ungefähr 70 Prozent der Arthrosen weisen ein Unfallereignis in der Vergangenheit auf. An erster Stelle stehen die Knochenbrüche, gefolgt von den sogenannten chronischen Rückfussinstabilitäten. Während bei Knochenbrüchen der Knorpel direkt beim Unfall beschädigt wird, führt bei der chronischen Rückfussinstabilität die mangelnde Kontrolle des oberen Sprunggelenks zu Scherkräften und lokalen Druckspitzen. Die übrigen 30 Prozent verteilen sich auf systemisch-entzündliche, stoffwechselbedingte, primär oder andere Arthrosen.
Welche Anzeichen können auf eine Arthrose hindeuten?
Das primäre Symptom ist der Bewegungs- und Belastungsschmerz. Am häufigsten berichten die Patienten über Anlaufschmerzen, die dann aber nach ein paar Schritten wieder vergehen. Typisch ist ebenso eine Neigung zu Schwellungen. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium, wenn die Arthrose zu Veränderungen am Gelenk geführt hat, kommen Ruheschmerzen und Bewegungseinschränkungen bis hin zur Einsteifung hinzu.
Wann ist zu einer konservativen Therapie zu raten?
Grundsätzlich kann in jeder Phase der Behandlung eine konservative Therapie empfohlen werden. Diese umfassen Physiotherapie, Bandagen, spezielles Schuhwerk sowie Schmerzmittel und lokale Infiltrationen. Vor allem bei leicht ausgeprägten Formen ist diese Therapie gut wirksam. Nimmt die Arthrose zu, zeigen sich zunehmende Fehlstellungen und schlecht einstellbare Schmerzen. Dann sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden.
Welche Operation kann dann von Nutzen sein?
Bei sogenannten asymmetrischen Arthrosen, das heisst Degenerationen, die nur einen Teil des Gelenks betreffen, kann eine gelenkerhaltende Chirurgie mittels Umstellung des Knochens erwogen werden. Ist der Gelenkknorpel vollständig zerstört, kommen entweder künstliche Gelenkersatze oder Versteifungen infrage.
Wann plädieren Sie für welche Variante?
Verschiede Kriterien bestimmen die Indikationsstellung: Ausmass der Arthrose, Alter, Gewicht, Ausgangsbeweglichkeit, Fehlstellungen und Begleiterkrankungen. Ist der Patient älter als 50 Jahre und zeigt eine vollständige Arthrose bei noch guter Beweglichkeit, ist ein künstlicher Gelenkersatz gewinnbringend. Es ist zu erwarten, dass die technische Verbesserung und das erweiterte Wissen über Endoprothesen deren Indikationsstellung in die jüngeren Dekaden verschieben wird. Der künstliche Gelenkersatz zeigt in Studien verbesserte Langzeitresultate bei normalisiertem Gangmuster und Schutz der angrenzenden Gelenke. Jüngere Patienten mit kompletter, schwerer Zerstörung und hoher Aktivität mögen von einer Versteifung profitieren. Sie stellt grundsätzlich eine sehr gute Option dar, da durch Kompensation der gesunden Gelenke trotzdem eine akzeptable Funktion beibehalten wird.
Können Betroffene trotz Versteifung wieder ganz normal laufen?
Bei der Versteifung wird das obere Sprunggelenk verödet, sodass man es danach nicht mehr bewegen kann. Jedoch sind das untere Sprunggelenk und die anderen Gelenke in der Lage, dieses Defizit zu kompensieren. In den meisten Fällen können die Patienten nach dem Eingriff wieder gut gehen. Das Problem bei der Versteifung: Weil die anderen Gelenke die fehlende Bewegung kompensieren, werden diese mehr belastet und der Knorpel nutzt sich ab. Patienten, die keine Arthrose in den Gelenken, die an das obere Sprunggelenk angrenzen, haben, profitieren mehr und zeigen bessere Resultate im Langzeitverlauf.
Was ist ihr Fazit?
Primär sollte das Gelenk – wenn immer möglich – erhalten werden. Ist dies nicht möglich, muss die sorgfältige Untersuchung und Indikationsstellung dazu dienen, entweder die Versteifung oder einen künstlichen Gelenkersatz zu wählen.
Im Interview
PD Dr. med. Norman Espinosa
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH
Fussinstitut Zürich