Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03279.jsonl.gz/2834

Ganz kurz dachte Felipe Massa, er hätte es geschafft. Glaubte, am Ziel seiner Träume angekommen zu sein. 38 Sekunden lang wähnte sich der Brasilianer als Weltmeister der Formel 1, der Königsdisziplin des Motorsports.
Doch dann verlor Timo Glock in der letzten Runde des Grossen Preises von São Paulo die Kontrolle über sein Auto, überholte Massas Konkurrent Lewis Hamilton im McLaren den Deutschen und sicherte sich so noch den nötigen Punkt, um sich im Kampf um den WM-Titel doch noch durchzusetzen. Massa und Ferrari versanken im Tränental, doch selbst 15 Jahre danach sieht sich der mittlerweile 42-Jährige als Weltmeister, wie er in einem Interview mit infobae.com erzählte:
Dies hängt aber nicht mit dem letzten Rennen und dem Dreher Glocks, dem Massa keine Schuld attestiert, im starken Regen zusammen. Vielmehr ist der Grand Prix von Singapur, wo Nelson Piquet Jr. sein Auto auf Geheiss von Renault-Teamchef Flavio Briatore absichtlich in die Leitplanke steuerte, der Auslöser. Denn während Piquets Teamkollege Fernando Alonso, der drei Runden zuvor an die Box fuhr, von der Safetycar-Phase profitierte und das Rennen dadurch gewinnen konnte, ging Massa, der das Rennen bis zu dem Punkt angeführt hatte, aufgrund eines missratenen Boxenstopps leer aus. Hamilton wurde Dritter und baute seine Führung in der WM-Wertung von einem auf sieben Punkte aus.
Die Episode ging als «Crashgate» in die Formel-1-Geschichte ein, nur: Weil sie erst ein Jahr nach dem Rennen ans Licht kam, war am WM-Klassement nichts mehr zu rütteln. Dieses ist nach der Preisverleihung unantastbar. Dass Massa dennoch Hoffnung hat, den Titel nachträglich zugesprochen zu bekommen, liegt an Äusserungen vom damaligen Formel-1-Verantwortlichen Bernie Ecclestone aus dem letzten März. Gegenüber «F1-Insider» erzählte der Engländer nämlich, dass er schon während der Saison 2008 von dem Vorfall erfahren habe. Auch FIA-Präsident Max Mosley habe davon gewusst.
«Wir hatten die Infos rechtzeitig genug, um der Sache nachzugehen. Laut den Statuten hätten wir das Rennen in Singapur unter diesen Bedingungen aber wohl annullieren müssen. Das heisst, für die WM-Wertung hätte es nie stattgefunden. Dann wäre Felipe Massa Weltmeister geworden und nicht Lewis Hamilton», so Ecclestone. Dass dies nicht passierte, hatte gemäss dem 92-Jährigen einen einfachen Grund: «Wir wollten den Sport schützen und vor einem Riesenskandal bewahren.» Heute erklärt er aber, dass ihm Massa noch immer leid tue, «er wurde um den verdienten Titel betrogen».
Aufgrund dieser Aussagen stellte Massa in der Folge ein Team von Anwälten zusammen, die nun darum kämpfen, dass der ehemalige Sauber-Pilot in ihren Augen doch noch Gerechtigkeit erfährt. Ein Problem könnte jedoch sein, dass Ecclestone mittlerweile erklärte, sich nicht erinnern zu können, das Interview mit dem Formel-1-Portal geführt zu haben. Auch sonst dürften die Chancen auf eine Änderung des Klassements 15 Jahre nach dem Ende der Saison gering sein. Dennoch sagt Massa: «Wir werden kämpfen bis zum Schluss.»
Nach einer erneuten Verschiebung der Deadline erwarten Massa und sein Team bis Mitte November eine Entscheidung des Formula One Management (FOM) und der FIA – je nach Ergebnis würde ein Gang vors zivile Gericht folgen. Denn, obwohl der heutige Stock-Car-Fahrer als Weltmeister nachträglich natürlich auch eine höhere Prämie bekommen würde, ist für ihn der Titel das wichtigste: «Es heisst, ich sei 38 Sekunden lang Weltmeister gewesen, aber das stimmt nicht. Ich bin Weltmeister für immer.»