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Mit Neurofeedback ist es möglich, die mit verschiedenen Zuständen oder Krankheiten verbundenen Gehirnfunktionen zu optimieren oder zu normalisieren. Neurofeedback kann zum Beispiel die gestörte Kommunikation innerhalb von verschiedenen Gehirnarealen verbessern und somit zur Linderung von Erkrankungen beitragen. Durch die Verbesserung der Selbstregulation kann unser Gehirn effizienter und Ressourcen-schonender arbeiten.
Was sind Gehirnwellen, und wie funktionieren sie?
Wenn Gehirnzellen (Neuronen) miteinander kommunizieren, lösen sie winzige elektrische Erregungen aus. Wenn viele dieser Entladungen synchron auftreten, können diese in Form von Potentialfeldern auf der Kopfhaut via Sensoren gemessen werden. Diese Potentialfelder liegen auch dem Elektroenzephalogramm (EEG) zu Grunde und sehen wie Wellen aus, weshalb die Hirnaktivität oft als ”Gehirnwellen” bezeichnet wird.
Was ist Tinnitus?
Als subjektiver Tinnitus wird die ständige Wahrnehmung einer auditiven Empfindung beschrieben, die nicht mit einem externen akustischen Reiz einhergeht. Er kann entweder als Ton oder als Geräusch, einseitig, beidseitig oder über den gesamten Kopf verteilt, wahrgenommen werden. In den westlichen Ländern sind etwa 10% der Bevölkerung von diesem belastenden Zustand betroffen und viele Menschen leiden unter Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Depressionen, Angst- und Stresssymptomen.
Früher wurde angenommen, dass Tinnitus ausschliesslich im Ohr oder durch eine Störung des Hörnervs entsteht. In den 1990er Jahren verlagerte sich die Aufmerksamkeit auf das menschliche Gehirn und obwohl eine Schädigung des Innenohrs tatsächlich eine wichtige Voraussetzung zu sein scheint, werden heute Prozesse im auditorischen Kortex, im limbischen System und präfrontalen Kortex verantwortlich gemacht. Im Elektroenzephalogramm von Tinnitus Patienten zeigt sich im temporalen Bereich eine erhöhte Aktivität von Delta- und Gamma-Hirnwellen sowie eine reduzierte Aktivität von Alpha-Hirnwellen.
Warum wird Neurofeedback bei Tinnitus eingesetzt?
In den letzten Jahren wurde die Behandlung mit Neurofeedback für die Therapie von Tinnitus entdeckt. Diese nicht-invasive Methode führt dazu, dass typische neuronale Aktivitätsmuster, die mit Tinnitus in Verbindung stehen, „verlernt“ werden können.
Neurofeedback wurde erstmals in einer Studie von Gosepath und Kollegen (2001) bei Tinnitus eingesetzt. Diese Neurofeedback-Studie zielte darauf ab, die Alpha-Aktivität zu erhöhen und die Beta-Aktivität zu verringern, eine Kombination, von der angenommen wird, dass sie das psychische Wohlbefinden fördert. Nach Abschluss der 15 Trainingssitzungen berichteten die 40 Teilnehmer über ein gesteigertes Wohlbefinden und eine Linderung der Tinnitus-Beschwerden. Weisz und Kollegen (2005) maßen die Gehirnaktivität im Ruhezustand bei Tinnituspatienten und einer tinnitusfreien Kontrollgruppe. Im Vergleich zur dieser wies die Tinnitusgruppe eine verringerte Alpha- und eine erhöhte Delta-Aktivität im Schläfenlappen des Gehirns auf - einer Hirnregion, die mit der Verarbeitung auditiver Informationen in Verbindung steht. Einen positiven Einfluss von Neurofeedback auf Tinnitus konnte auch Dohrmann und Kollegen (2007) bestätigen. Die angewandten Neurofeedbackprotokolle zielten auf eine Erhöhung der Alpha- und eine Verringerung der Delta-Aktivität ab. Das angewandte Training führte zu einem signifikanten Rückgang der Tinnitus-Lautheit. Darüber hinaus führte das Training im Allgemeinen zu einer Verringerung des tinnitusbedingten Leidensdrucks, der auch 6 Monate nach Beendigung des Trainings noch spürbar war.
Obschon die Studienlage heute noch begrenzt ist, kann Neurofeedback als Therapieoption für die Behandlung von chronischem Tinnitus in Betracht gezogen werden. Bei Patientin, die ich im Rahmen der Therapie bei mir behandeln durfte, zeigte sich häufig zu allererst eine Abnahme des Leidensdrucks und ein besserer Umgang mit Stress.