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Die Galapagos-Inseln mit ihren einzigartigen Tier- und Pflanzenarten haben einen unschätzbaren Wert. Aber was ist die Inselwelt in Geld wert, die Charles Darwin zu seiner Evolutionstheorie inspirierte? Es könnten rund 800 Millionen Dollar sein - zumindest wenn man den Verhandlungen mit Ecuador über einen Schuldenerlass im Gegenzug für den Schutz des empfindlichen Ökosystems des vor seiner Küste gelegenen Territoriums verfolgt.
Denn das südamerikanische Land führt deshalb derzeit Gespräche mit Banken und einer gemeinnützigen Gruppe, über eine günstigere Refinanzierung der Staatsschulden in Höhe in etwa dieser Summe. Die Einsparungen sollen für Naturschutzmassnahmen verwendet werden, heisst es aus den Verhandlungen.
Wer zahlt für den Klimawandel?
Diese Tauschgeschäfte "Schulden gegen Natur" sind auch Teil der Debatten auf der Weltklimakonferenz Cop27 in Ägypten. Die zentrale Frage ist dabei, wer die Rechnung für den weltweiten Kampf gegen den Verlust der Artenvielfalt und den Klimawandel bezahlen wird. "Es gibt jetzt einen grossen Vorstoss, die Natur in die Märkte für Staatsschulden einzubeziehen", sagt Simon Zadek, Geschäftsführer der Organisation NatureFinance, die Regierungen beim Tausch von Schulden gegen Naturschutz und andere Arten der Klimafinanzierung berät. Deswegen wird die grosse Schuldenlast vieler Entwicklungs- und Schwellenländer plötzlich als Chance gesehen. Immerhin müssen die Entwicklungsländer bis zum Ende des Jahrzehnts gigantische Summen aufbringen, um wirksame Klima- und Naturschutzmassnahmen zu ergreifen.
Der Fall Ecuador wäre der bisher grösste Tausch von Schulden gegen Naturschutz. Er könnte jedoch schon bald von anderen übertrumpft werden. Mit Sri Lanka wird Insidern zufolge ein Tauschgeschäft im Volumen von bis zu einer Milliarde US-Dollar erörtert. Und Kap Verde, ein Inselstaat vor Nordwestafrika, steht inzwischen kurz vor einem "Naturtausch", der bis zu 200 Millionen Dollar wert sein könnte, sagte Jean-Paul Adam, ein ehemaliger Regierungsbeamter der Seychellen, der jetzt für die UN-Wirtschaftskommission für Afrika (Uneca) arbeitet und Regierungen bei der Finanzierung berät.
Gestiegenes Interesse
Die potenziellen Geschäfte in Ecuador, Sri Lanka und Kap Verde deuten auf ein sprunghaft gestiegenes Interesse an dieser Form der Finanzhilfe hin, die zwar schon vor Jahrzehnten entwickelt wurde, aber bis vor kurzem eher ein Nischendasein fristete. Nur drei der rund 140 sogenannten Swaps, die in den vergangenen 35 Jahren abgeschlossen wurden hatten einen Wert von mehr als einer Viertelmillion Dollar, wie aus den von der Afrikanischen Entwicklungsbank veröffentlichten globalen Daten hervorgeht. Der Gesamtwert der bisherigen Swap-Geschäfte seit 1987 beläuft sich den Angaben zufolge auf 3,7 Milliarden Dollar. Das ist aber nur ein Bruchteil der 400 Milliarden Dollar an Staatsschulden der Schwellenländer, die Analysten von Capital Economics kürzlich als notleidend eingestuft haben.
Der ökologische Einsatz könnte kaum höher sein. Die weltweiten Populationen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien und Amphibien sind seit 1970 im Durchschnitt um fast 70 Prozent geschrumpft, in Lateinamerika sogar um mehr als 90 Prozent. Dies geht aus dem diesjährigen Living Planet Index hervor, der vom World Wide Fund For Nature (WWF) und der Zoological Society of London erstellt wurde. Wenn es gelingen würde, diesen Arten-Verlust zu stoppen oder zumindest zu bremsen, wäre dies ein grosser Erfolg.
Interesse der Finanzseite
"Debt-for-Nature"-Geschäfte sind dabei interessant für Investoren, die selbst Klimaschutzziele für ihre Kunden erreichen müssen. Im einfachsten Fall werden dabei teure Anleihen oder Kredite abgeschrieben und durch billigere Finanzierungen ersetzt, in der Regel mit Hilfe einer Kreditgarantie einer multilateralen Entwicklungsbank. Die Beteiligung der Entwicklungsbanken ist in der Regel entscheidend für die Wirtschaftlichkeit eines Geschäfts. Da die Banken jedoch ihr Kapital und ihre Kreditwürdigkeit streng überwachen müssen, um ihre Fähigkeit zu erhalten, billige Kredite aufzunehmen, hat diese Hürde das Wachstum der Swaps lange Zeit eingeschränkt. Experten fordern, dass sich Entwicklungsbanken deshalb zusammenschliessen. Immerhin erklärte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa auf der COP27, Swaps seien ein lohnender Teil des Instrumentariums - wenn auch kein "Königsweg" - in den globalen Bemühungen um die Finanzierung des Klimaschutzes.
Als Erfolgsgeschichte gilt die Vereinbarung mit Belize, das im vergangenen Jahr 553 Millionen Dollar für den Schutz des zweitgrössten Korallenriffs der Welt bereitstellte und nach Angaben der Regierung gleichzeitig den Schuldenstand des mittelamerikanischen Landes um mehr als zehn Prozent der Wirtschaftsleistung verringern konnte. Die Seychellen verpflichteten sich 2015 mit der weltweit ersten sogenannten blauen Anleihe 30 Prozent ihrer Gewässer - eine Fläche von der Grösse Deutschlands - vor Überfischung und Erschliessung zu schützen. Dafür kaufte die Regierung der Inselgruppe vor Ostafrika 22 Millionen Dollar ihrer Schulden zu günstigen Bedingungen zurück.
(Reuters)