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Vorgeschichte
Neben der mächtigen zweitürmigen Klosteranlage und der grossen katholischen Pfarrkirche St. Goar wirkt die reformierte Kirche des Ortes grössenmässig bescheiden. Sie gibt sich damit unschwer als Gotteshaus einer Diasporagemeinde zu erkennen. Diese formierte sich, nachdem die revidierte Bundesverfassung von 1874 die Freizügigkeit der Schweizer Bürger bestätigt hatte. Bauern und Käser aus dem Bernbiet, Angestellte und Gewerbetreiber, Beamte und Handwerker wählten neue Wohnsitze und liessen sich auch in Muri nieder. Für einen reformierten Gottesdienstbesuch musste man allerdings den etwa einstündigen Fussweg über die Reuss nach Ottenbach im Kanton Zürich zurücklegen, so dass die Berufung einer Pfarrperson nach Muri sehr begrüsst wurde. Am 15. April 1894 wurde in der Aula der Bezirksschule der erste reformierte Gottesdienst gefeiert, umgehend danach wurde eine reformierte Genossenschaft gegründet.
Bis in die Zwanzigerjahre waren diverse Pfarrer aus Lenzburg und später aus Ottenbach für die Diasporagemeinde in Muri verantwortlich. Damals war die Genossenschaft von anfänglich 80 auf etwa 230 Leute angewachsen. 1930 wurde dank einem Darlehen des kirchlichen Hilfsvereins bereits ein Bauplatz für eine allfällige Kirche erworben, fünf Jahre später regte der Fahrwangener Pfarrer Ludwig Rumpel an, monatliche Haussammlungen für einen Kirchenbaufonds durchzuführen. Seit 1937 war mit Werner Affolter erstmals ein Pfarrer vollamtlich für Muri tätig und konnte nebst der Feier der wöchentlichen Gottesdienste auch das Unterrichtswesen ausbauen.
Als sich nach dem Zweiten
Weltkrieg erneut Geldsorgen und Unzufriedenheiten mit dem bislang vorgesehenen
Bauplatz breit machten, wurde zugunsten der vielen Abklärungen für einen
Kirchenbau eine Studienkommission eingesetzt. Das Vorhaben wurde auch vom 1950
neu gewählten Pfarrer Ernst Hunzinger mitgetragen. Der Unternehmer und Grossrat
Otto Wild schenkte der Genossenschaft 1951 einen neuen Bauplatz auf freiem
Land, etwas abseits des Zentrums, aber an einer markanten Stelle in der
Landschaft, was den damaligen Siedlungs- und Baugewohnheiten sehr entgegenkam.
1953 gewährte auch der Hilfsverein, die Hälfte der Reformationskollekte für
Muri zu bestimmen, was in der Praxis nichts weniger als die Sicherung der
Finanzmittel bedeutete. Beinahe hätte diese Sammlung noch aufgeschoben werden
sollen, denn der Hilfsverein – damals mit dem Präsidenten und einstigen Kirchenbau-Verfechter
Ludwig Rumpel – war entrüstet darüber, dass Muri durch einen Spendenaufruf mit
Neujahrskärtchen in der Zeitschrift «Leben und Glauben» seinerseits noch über
60.000 Franken Spendengelder einheimste. Nur dank einer Intervention des einflussreichen
Grossrats Wild verzichtete der Hilfsverein schliesslich auf Sanktionen.
Baugeschichte
Den Auftrag für den Entwurf des Kirchenbaus erhielt das Berner Architekturbüro von Hans Dubach und Walter Gloor per Direktvergabe. Das Architektenteam war damals soeben mit der Erstellung einer anderen kleinen reformierten Kirche in Landiswil (Kt. Bern) beschäftigt. Der Baukredit von 537.500 Franken wurde 1953 genehmigt, am 15. August 1954 fand die Grundsteinlegung statt. Die Baubewilligung war durch eine Einsprache eines Gemeindemitglieds noch hinausgezögert worden, weil der Turm mit dem geplanten Satteldach angeblich zu wenig «sakrale Würde» ausstrahlte. Der bekannte Architekturprofessor Peter Meyer erklärte schliesslich in einem Gutachten, dass der Turm so in Ordnung sei und es nach reformiertem Verständnis ohnehin keiner «sakralen» Bauten bedürfe, sondern dass die Funktion des Versammlungshauses viel entscheidender sei.
1954/55 wurde die Kirche gebaut,
die Einweihung fand am 2. Oktober 1955 statt. Die Gründung einer eigenen
reformierten Kirchgemeinde erfolgte per Dekret durch den Grossen Rat auf den 1.
Januar 1961.
Renovationen
1978–79 fand eine erste Aussenrenovation von Kirche und Pfarrhaus statt. 1983 wurde das Untergeschoss der Kirche renoviert, und 1988 beriet man über eine Innenrenovation der Kirche, bei der auch die kantonale Denkmalpflege mit eingeschaltet wurde. Unter drei Eingaben wurde schliesslich ein Renovationsprojekt des Architekten Benny Frey ausgewählt und 1993/94 durchgeführt. Dabei wurde der Chorraum gegen das Schiff hin etwas erweitert und der Kirchenraum in einen helleren Farbton gefasst, ausserdem wurde die Luzerner Künstlerin Irma Ineichen mit Gemälden für die Chorwand beauftragt.