Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03448.jsonl.gz/2205

Papst Franziskus erlaubt vorerst nicht die Weihe verheirateter Männer zu Priestern. Auch Frauen sollen keine Weiheämter in der Kirche zukommen. In seinem mit Spannung erwarteten Apostolischen Schreiben «Querida Amazonia» (Geliebtes Amazonien) spricht er von den besonderen Aufgaben der Priester, die «nicht delegierbar» seien. In dem Schreiben fasst er seine Gedanken zur Amazonas-Synode vom vergangenen Oktober zusammen. Es soll an diesem Mittwoch noch in Rom vorgestellt werden.
Grösseren Raum nehmen in Franziskus' Schreiben dafür Fragen der Ökologie und der Ausbeutung der Menschen ein. In ungewöhnlich poetischen Worten, mit zahlreichen Zitaten lateinamerikanischer Dichter wie Pablo Neruda, schreibt Franziskus über das Amazonasgebiet, das für das «gemeinsame Haus» unschätzbar wichtig sei. «Das Gleichgewicht des Planeten hängt auch von der Gesundheit Amazoniens ab», schreibt Franziskus und ruft die Menschen auf, den «Schrei Amazoniens» zu hören.
In scharfen Worten wendet er sich gegen nationale und internationale Unternehmen. Sie beuten das Gebiet aus, nehmen der indigenen Bevölkerung die Lebensgrundlage und machen die Wirtschaft zu einem Instrument, schreibt Franziskus. «Das tötet». Gleichzeitig ermahnt er auch die eigene Kirche, die kulturellen Wurzeln der indigenen Völker zu achten. Deren spezifische religiöse Ausdrucksformen sollten nicht vorschnell als Aberglaube oder Heidentum abgetan werden.
Er spielt damit auf die Kontroverse um die Pachamama-Figuren während der Amazonas-Synode an. Die «Pacha Mama» (Mutter Erde) wird in zahlreichen indigenen Kulturen Lateinamerikas verehrt. Bei der Synode waren einige dieser Figuren in der Karmeliterkirche Santa Maria in Traspontina in Rom ausgestellt, bis sie von rechtskonservativen Aktivisten entwendet und in den Tiber geworfen worden.
Zu den besonderen Aufgaben zählen die Eucharistie und die Beichte, diese könnten nur im Weihesakrament empfangen werden. Die Mehrheit der Teilnehmer der Synode, die sich mit den spezifischen Problemen der Amazonas-Region beschäftigte, hatte sich für die Weihe sogenannter «Viri Probati» (bewährter Männer, die auch verheiratet sein dürfen) ausgesprochen sowie dafür zu prüfen, ob man Frauen zu Diakoninnen weihen könne.
In den abgelegenen Amazonas-Gemeinden herrscht ein eklatanter Priestermangel, so dass viele Gemeinden teilweise monatelang keinen Priester sehen und weder die Eucharistie feiern noch beichten können. Franziskus geht in seinem Schreiben nicht auf verheiratete Männer für diese besondere Region ein. Stattdessen fordert er alle Bischöfe zu mehr Gebet um Priesterberufungen auf. Ausserdem sollten die Bischöfe diejenigen, die eine «missionarische Berufung» zeigten, dazu bewegen, sich für das Amazonasgebiet zu entscheiden.
Franziskus würdigt zwar «die Kraft und die Gabe der Frauen», die die Gemeinden im Amazonasgebiet mit «bewundernswerter Hingabe und leidenschaftlichem Glauben» aufrechterhielten. Weiheämter für Frauen – und damit verbunden mehr Macht – lehnt er dennoch ab. Dies würde zu einer «Klerikalisierung der Frauen hinlenken und den grossen Wert dessen, was sie schon gegeben haben, schmälern».
Vor allem diese beiden Punkte dürften bei Katholiken in Deutschland grosse Enttäuschung auslösen. Beim kürzlich gestarteten Synodalen Weg, einem gemeinsamen Reformprozess von Deutscher Bischofskonferenz und katholischen Laienvertretern, soll es auch darum gehen, das Vertrauen in die Kirche wieder zu stärken. Vielen Gläubigen sind der Umgang mit dem Zölibat und die Rolle der Frauen in den Gemeinden dabei ein grosses Anliegen.
Mehr Platz für Fragen der Ökologie und Ausbeutung von Menschen
Franziskus habe in seinem Schreiben einen Blick, der weiter gehe als diese dialektischen Streitfragen, erläutert der päpstliche Mediendirektor Andrea Tornielli. Die Frage der Weihe verheirateter Männer werde bereits seit langem diskutiert und könne in Zukunft weiter diskutiert werden. Der Papst habe sich stattdessen – nach Gebet und Nachdenken – entschieden, auf diese Fragen zu antworten, ohne dabei Änderungen an der kirchlichen Lehre vorzunehmen. Stattdessen solle man wieder mehr nach den Grundlagen fragen und auf das Handeln Gottes vertrauen – «statt auf die Marketing-Strategien und Kommunikationstechnologien religiöser Influencer», so Tornielli.