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Als uneheliches Kind 1919 in Blandain, einem kleinen belgischen Dorf in der Nähe der französichen Grenze geboren, wurde Paul Duhem seit seiner Geburt als Schande der Familie empfunden. Mit dreizehn Jahren verliess Paul die Schule um auf den umliegenden Bauernhöfen als Knecht zu arbeiten. Von Älteren oft zu Dummheiten angestachelt, entwickelt er sich rasch zu einem streitsüchtigen Rebellen, welcher dem Alkohol oft zu sehr zusprach. 1939 bricht der zweite Weltkrieg aus. Nach der Besetzung Belgiens arbeitet Paul ab 1943 in Deutschland.
Nach Kriegsende wird er als Kollaborateur verhaftet. Sehr rasch wird man sich jedoch bewusst dass er geistig behindert ist und verlegt ihn in die psychiatrische Klinik von Tournai. Auf Grund des enormen Mangels an Arbeitskräften nach dem Krieg wird Paul nach kurzer Zeit erneut in die Arbeitswelt entlassen. Paul arbeitet bis 1978, seinem Eintritt ins Centre de la Pommeraie in Ellignies-Sainte-Anne, unter oft schrecklichen Bedingungen als Hilfsarbeiter auf verschiedenen Bauernbetrieben in Belgien. Im Centre La Pommeraie kümmert sich Paul Duhem wärend Jahren um den Gemüsegarten.
1990 im Alter von 70 Jahren, wärend er auf einen freien Platz in einem Alterheim wartet, begibt sich Paul zu ersten Mal ins Malatelier. Seine einzige «künstlerische» Referenz war der jährlich von der belgischen Post ausgeteillte Kalender. So berühmte Namen wie Picasso oder Van Gogh sagten ihm jedoch nichts.
Wie ein Schuljunge begann er seine ersten Zeichnungen, wohl in Erinnerung an seine Schulzeit, indem er zuerst einen Rahmen auf das Blatt zeichnete. Danach schrieb er seinen Namen fein säuberlich mit blauem Kugelschreiber oder Tinte in die linke obere Ecke. Diesem Vorgehen blieb er bis ans Ende treu.
Paul beschäftigten hauptsächlich zwei Hauptthemen sowie wärend weniger Monate 1995 zwei Nebenthemen (Windmühlen und Vögel). Die zwei Haupthemen waren die Türen und die Porträts.
In der Tat handelt es sich bei den Türen jedoch um Häuser, welche nur symbolisch durch diese dargestellt werden. Das Dach wird durch ein sich über der Türe befindliches Dreieck, Viereck oder einen Halbkreis angedeutet. Die Fenster in den Türen sind nicht bemalt und erlauben keinen Einblick in das Innere des Hauses. Gemäss anderen Interpretationen werden die Häuser jedoch auch als indirekte Darstellung von Frauen, welche es als solche in Duhem's Leben nie gab, gesehen. So ist es dem Betrachter überlassen, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.
Die Porträts, welche man zu Beginn gerne als – weil Seriell – identisch betrachtet, übermitteln bei näherer Betrachtung jedes Mal andere Stimmungen und Gefühle. Es werden nur Männer dargestellt. In der Welt von Paul Duhem scheint es keinen Platz für Frauen zu haben.
Unauffällig realisierte Paul Duhem, ohne es sich bewusst zu werden ein erstaunliches Werk. Er wollte bis zu seinem Ende malen, was er auch tat.Paul Duhem verstarb 1999.