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Eine Studie über Flüchtlinge an Landesgrenze in Genf zwischen 1942 und 45 belebt die Diskussion zwischen der Bergier-Kommission und ihren Kritikern über die schweizerische Flüchtlingspolitik neu. Umstritten bleibt die Zahl der abgewiesenen Flüchtlinge.Dieser Inhalt wurde am 11. Oktober 2000 - 14:34 publiziert
Die Studie wurde unter der Leitung der Genfer Staatsarchivarin Catherine Santschi verfasste. Sie zeigt aufgrund der Akten des Genfer Territorialkreises auf, dass in der fraglichen Zeit an der Grenze zum Kanton Genf 86 Prozent der Flüchtlinge aufgenommen und 14 Prozent zurückgewiesen wurden. Bei den Juden lag die Rückweisung bei 8 Prozent. Ständig wechselnde Aufnahme-Direktiven der Behörden führten zu einem Auf und Ab der Rückweisungszahlen.
Die Bergier-Kommission hatte Ende 1999 in ihrem Flüchtlingsbericht, gestützt auf Untersuchungen des Bundesarchives, von 24'398 "Rückweisungen" gesprochen. Die exakte Zahl der tatsächlich zurückgewiesenen Flüchtlinge sei u.a. wegen Doppelzählungen nicht zu eruieren.
Lambelet gegen Bergier
Die Bergier-Studie, so kritisiert der Lausanner Wirtschaftswissenschafter Jean-Christian Lambelet, habe nur die strengen Einreise-Direktiven der Bundesbehörden beachtet, die nach dem Motto "Das Boot ist voll" möglichst viele potentielle Flüchtlinge von einer Flucht in die Schweiz abhalten wollten.
Lambelet selber hat berechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, als Flüchtling in der Schweiz aufgenommen zu werden, bei 63 Prozent pro Einreise-Versuch und bei 86 Prozent pro Person lag. Bei Juden habe diese Chance bei über 90 Prozent gelegen.
Kein Kommentar
Die Bergier-Kommission wollte vor ihrer für nächste Woche vorgesehenen Replik keine Stellnungnahme abgeben. In der "Neuen Zürcher Zeitung" hatte sie bereits die Berechnungsmethoden Lambelets kritisiert.
Die vom Bundesarchiv erhobenen Zahlen würden durch die Genfer Studie nicht relativiert. Hingegen stimmt Guido Koller, der die grundlegende Flüchtlings-Studie des Bundesarchivs verfasst hatte, einer These Lambelets teilweise zu. Lambelet sagt da, dass zwischen den Bundes-Direktiven und der Aufnahmepraxis vor Ort ein Gegensatz bestand.
swissinfo und Agenturen
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