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In der Historischen Rechtsschule des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die deutschsprachige rechtsgeschichtliche Reflexion, wie das rechtswissenschaftliche Denken insgesamt, gespalten in ein romanistisches Lager einerseits und ein sog. germanistisches andererseits. Dabei erfuhr die germanistische Rechtshistoriographie im letzten Jahrhundertdrittel ihre bedeutendste Blüteperiode, in der sich bereits einige ihrer späteren Konturen als eigenständiger Wissenszweig abzuzeichnen begannen. Die führende Forscherfigur wurde hierbei der Deutschösterreicher Heinrich Brunner (1840-1915); noch heute gilt er als die Inkarnation rechtshistorischer Gelehrsamkeit schlechthin. Die Studie unternimmt es, das Werk Brunners, dessen Axiome sowie sein institutionelles Wissenschaftsbild zu analysieren. Brunners Nähe zur Gedankenwelt des bürgerlichen Realismus spezifisch preußischer Ausprägung finden ebenso Darstellung wie seine Haltung zu zahlreichen Wissenschaftsidealen im wilhelminischen Kaiserreich. Indem Denken und Wirken der Koryphäe im Einzelnen rekonstruiert und eingeordnet werden, entsteht ein erstmals tieferer Einblick in die inneren Strukturen der deutschen Rechtshistoriographie an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Das Hoch der Disziplin machte diese Jahre, auch dank Brunner, sowohl im deutschsprachigen Raum wie ebenso in internationaler Hinsicht zu einer Schlüsselperiode für die Verwissenschaftlichung der Rechtshistoriographie.
Brunners Wissenschaft. Heinrich Brunner (1840-1915) im Spiegel seiner Rechtsgeschichte, Frankfurt a. M. : Klostermann, 2014 (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte; 288)