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Die Amerikaner wählen heute Dienstag ihr nationales Parlament neu. Die Ergebnisse bestimmen, wie der US-Kongress während der restlichen Amtszeit von Barack Obama aussehen wird. Der US-Präsident ist derzeit so unbeliebt wie noch nie: Nur 44 Prozent aller registrierten Wähler sind mit ihm gemäss der jüngsten Umfrage zufrieden. Trotzdem verspricht zumindest das Rennen um die Mehrheit im Senat spannend zu werden: In mehreren US-Staaten liegen demokratische und republikanische Kandidaten und Kandidatinnen Kopf an Kopf.
Die amerikanischen Kongresswahlen sind gerade auch für Zahlenfreunde ein Vergnügen: In keinem anderen Land der Welt erstellen Statistiker so ausgeklügelte Wahlprognosen. Dabei liefern sich auch die Statistiker einen Wettkampf – um die genauste Prognose. Grund genug für den Datenblog, einen Blick auf die wichtigsten Zahlen und die verschiedenen Prognosen zu werfen.
227 Mio.
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Im jetzigen Repräsentantenhaus halten die Republikaner (rot) 234 Sitze, die Demokraten (blau) 201.
Im aktuellen Senat halten Demokraten und Unabhängige eine einfache Mehrheit mit 55 Sitzen (53 Demokraten, 2 Unabhängige). Auf die Republikaner entfallen 45 Sitze. (In der Karte violett eingezeichnete Staaten stellen 1 demokratischen und 1 republikanischen Senator; grün schraffiert sind die Staaten mit je einem Unabhängigen.)
Unter den Wahlprognostikern herrscht ein breiter Konsens: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Republikaner eine einfache Mehrheit im Senat erringen, ist grösser als jene, dass die Demokraten ihre Mehrheit verteidigen können. Die einzelnen Statistiker unterscheiden sich allerdings in der Höhe der Wahrscheinlichkeit, mit der sie einen republikanischen Sieg prognostizieren: Die Werte reichen von 65 Prozent (Princeton Election Consortium) bis zu 96 Prozent («Washington Post») (Stand Montagnachmittag).
Während die Prognostiker unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten für eine republikanische Mehrheit im Senat angeben, liegen ihre wahrscheinlichsten Szenarien für die Sitzverteilung zwischen den beiden Parteien nah beieinander: Die meisten erachten 52 oder 53 republikanische Senatssitze als wahrscheinlichstes Szenario (Real Clear Politics will sich bei drei hart umkämpften Sitzen nicht festlegen).
Die Chancen der Demokraten standen dabei nicht immer so schlecht. Im Juni konnten sie gar auf einen Sieg bei den Senatswahlen hoffen, wie die Entwicklung der Prognosewerte des «New York Times»-Blogs The Upshot zeigt.
Für das Repräsentantenhaus verzichten die meisten Prognostiker auf die Errechnung eines Wahrscheinlichkeitswerts: Die Republikaner haben hier eine Mehrheit nach einhelliger Meinung auf sicher. Predict Wise und «Washington Post», welche beide einen Wert errechneten, geben diesen beide mit 99 Prozent an.
Von den Prognostikern haben auch nur wenige die wahrscheinlichste Sitzverteilung im Repräsentantenhaus errechnet: Sie trauen den Republikanern 243 oder 244 Sitze zu, was einem Sitzgewinn von 9 bis 10 Sitzen entspricht (auch hier will sich Real Clear Politics nicht ganz festlegen).
Ist das Rennen nun also bereits gelaufen, wenn die Prognosen so deutlich ausfallen? Während dies für das Repräsentantenhaus stimmt, bleibt für den Senat eine Ungewissheit. Alle Prognosen basieren nämlich auf Umfragen in den einzelnen Bundesstaaten. Diese können jedoch verzerrt sein. Darauf wies Statistik-Guru Nate Silver in seinem Blog Five Thirty Eight am Sonntag hin. Silver analysierte die Genauigkeit der Prognosen für die zurückliegenden Wahlen, und kam dabei zum Schluss, dass die aktuellen Umfragen in republikanischen Staaten unverzerrt sein sollten – jene in den hart umkämpften Staaten Kansas und Alaska aber zuungunsten der Republikaner verzerrt. Sollte Silver recht behalten, dürften somit die Republikaner allenfalls gar noch besser abschneiden als prognostiziert. Schlechte Nachrichten für die Demokraten also.
Wer sich selber mit den Statistikern messen möchte, kann auf The Upshot eine eigene Prognose erstellen und veröffentlichen.
Welche Prognosen stimmen, erfahren Sie in der Wahlnacht von Dienstag auf Mittwoch in unserer Liveberichterstattung.