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Mohren-Apotheke
Marktgasse 60
8400 Winterthur
Die Mohren-Apotheke ist die älteste noch existierende Apotheke Winterthurs. Der Apotheker Johann Rudolf Sulzer (1748-1798) hatte das Geschäft in seinem Haus zum Kreuzbrunn (Marktgasse 58) vermutlich 1772 eröffnet.
In der Giftkontrolle tauchte im Jahr 1772 erstmals der Name der Mohrenapotheke auf. Sie war im Haus zum Mohren (Marktgasse 60), das 1605 errichtet worden war, untergebracht. Sie gehörte dem Apotheker Johann Rudolf Sulzer (1748-1798), einem einflussreichen Bürger. Er gehörte ab 1781 dem grossen und seit 1784 dem Kleinen Rat an. Kurz vor seinem Tode ist er noch zum Siechenpfleger gewählt worden. Sein Sohn, Dr. med. Johannes Sulzer (1775-1829) hatte sein Studium gerade noch abschliessen können, als er nach dem Tode seines Vaters die Apotheke zum Kreuzbrunn übernahm. Nach dem Tode des kinderlosen Sulzers wurde die Apotheke 1829 von Friedrich Christoph Schulthess (1805-1874) übernommen. Unter den drei Winterthurer Apotheken war die Mohren-Apotheke, wie sie nun hiess, die bedeuternste Offizin. Schulthess besass noch zwei Materialhandlungen und war spezialisiert für Lieferungen an Tierärzte. In einem Laboratoriumsbetrieb stellte er auch selber Pillen her.
Es folgten anschliessend mehrere Handwechsel: 1871 an Konrad Rudolf Sulzer (1843-1893), 1881 an Heinrich Hörler (geb. 1857) aus Speicher, 1885 an den Polen Ladislaus Piotrowsky (geb. 1854) aus Chmielnik und schliesslich 1888 an den Thurgauer Gustav Schmid (1853-1917). Dessen Sohn Dr. Albert Schmid (geb. 1882) übernahm die Apotheke 1910 und erweiterte sie beträchtlich. 1947 übernimmt Dr. Paul Meier (†1972)die Apotheke von seinem Schwiegervater Dr. Albert Schmid-Kaegi. 1973 erwirbt Dr. Franz Merki per 1. Januar 1973 von Frau R. Meier-Schmid die Mohren-Apotheke. Das Haus Marktgasse 60 bleibt im Besitz der bisherigen Eigentümerin. Nach ihrem Tod am 20. August 1988 geht das Haus an ihren Vetter Dr. med. Gerold Stähli in Oberägeri und nach dessen Tode am 22. Februar 1992 an eine Erbengemeinschaft.
Die Apotheke geht 2001 an Galenica. Dies ist eine diversifizierte Unternehmensgruppe im Gesundheitsmarkt, die unter anderem Pharmazeutika entwickelt, produziert und vertreibt, Apotheken führt, Logistikdienstleistungen anbietet sowie Datenbanken offeriert und Netzwerke etabliert. Die neue Besitzerin ändert 2005 den Namen in Amavita Apotheke Marktgasse.
1996 fand der letzte Umbau mit einer Umgestaltung der Front zur Marktgasse statt. Im Winterthurer Jahrbuch 1997 ist dazu ein Nachruf auf eine baugeschichtlich bedeutende Schaufensteranlage zu lesen. Es sei die letzte historische Apotheken-Schaufensteranlage in der Winterthurer Altstadt aus der Zeit anfangs ersten Weltkrieg einem Umbau zum Opfer gefallen. Die Formensprache des Eingangsbereiches mit der Rundung von Sockel und Schaufensterscheiben sei das Spezielle gewesen.
Anfang September 2009 ging Dr. Franz Merki nach 36 Jahren in der Mohren-Apotheke bzw. Amavita-Apotheke in Pension. Er blickt auf ein intensives und engagiertes Berufsleben zurück. Er war für viele Winterthurer eine Vertrauensperson und oft seit Jahren ein Begleiter bei gesundheitlichen Fragen aller Art gewesen.
Auch bei seinen Berufskollegen war er eine anerkannte Persönlichkeit. Mehr als 20 Jahre präsidierte Merki den kantonalen Apothekerverein. Er war Mitglied der kantonalen Sanitätskommission und der Aufsichtskommission über das Zürcher Universitätsspital. Acht Jahre war er Vorstandmitglied im schweizerischen Berufsverband und einige Jahre Stiftungsratspräsident des Schweiz. Toxikologischen Informationszentrum. Als Verwaltungsratsmitglied der Galencia Holding war Dr. Merki während zwölf Jahre eng verbunden mit diesem Unternehmen. Er half mit, neue Standorte für Apotheken aufzubauen und wusste, wie wichtig ein starker Partner für junge Apothekerinnen und Apotheker ist. Die Verbundenheit mit Galencia übertrug sich auch auf die Galencia-Apotheken Amavita. Frühzeitig traf Franz Merki seine Nachfolgeregelung. Im Jahre 2002 verkaufte er seine Apotheke an Amavita. So wurde die Mohren-Apotheke zur Amavita-Apotheke Marktgasse. Als Geschäftsführer arbeitete er weiter, um seine Offizin dann 2009 an seine Nachfolgerin Karin Leugger zu übergeben.
Traditionsapotheke muss schliessen
Ende Juni 2011 muss die Amavita-Apotheke (besser bekannt als Mohren-Apotheke) schliessen, weil der auslaufende Mietvertrag nicht verlängert werden konnte. Die Hausbesitzerin will die Altstadt-Liegenschaft komplett sanieren. Über den künftigen Mietpreis konnte keine Einigung mehr erzielt werden. Damit findet das Aussterben von traditionellen Verkaufsgeschäften in der Winterthurer Altstadt eine trübe Fortsetzung.
Quelle: „Schwitzkur und Angstschweiss“ von Urs Leo Gantenbein, Neujahrsblatt Stadtbibliothek Winterthur, 1997, mit der interessanten Medizingeschichte der Stadt Winterthur.
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