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Die Gemeinde Obersaxen ist weniger ein Dorf, als eine Ansammlung von Weilern. Von Ilanz her sind es: Valata, Egga und dann kommt Affeier, vermutlich
benannt nach dem jetzt verlandeten Fischteich (Weiher/Vivarium). Der grösste Weiler, Meierhof, mit Kirche, Mehrzweckgebäude, Gemeideverwaltung, Schulhaus, Tourismusbüro,
Kantonalbank und Altersheim ist noch 3 km weiter. Dann folgen Tobel und Zarzana sowie diverse weitere Weiler. Zuhinterst liegt St. Martin, mit eigener Kirche.
Obersaxen ist eine alte Walsersiedlung, eine deutschsprachige Enklave im rätoromanischen Gebiet „Sursaissa“ genannt. Die Besiedelung erfolgte
von oben nach unten. Der älteste Hof, Purmaniga, liegt heute auf dem Gebiet der Gemeinde Mundaun (Surcuolm/Neukirch Flond) oberhalb von Platenga.
Die Sprache der Einheimischen ist immer noch ein Walser-Titsch mit vielen ungewohnten Lauten: Miraniga, Misanenga, Platenga sind die Walservariante der Weilernamen
der hochalemannische Variante auf "-ingen" — und ob sich der älteste Skilift am Chummenbühl oder am Chumabial befindet, ist unklar (hochalemannisch versus höchstalemannisch).
Als ich um 1967 das erstemal in Meierhof war, gab es drei Lebensmittelläden: der Volg, der Visavis (Arms) und neben dem Hotel Meierhof noch einen dritten,
kleinen und hinten im Dorf war der Bäcker Simmen. Die Bankfiliale fand gemütlich in einer Privatstube statt.
Inzwischen ist nur noch ein Lebensmittelladen geblieben: Maxi mit Familie Schwarz (alt Arms). Restaurants gab's damals 3 - heute sind es 5.
Der Volg ist inzwischen in Affeier. Auch eine Raiffeisen-Filiale, die Galerie Mirer, sowie ein Kaffee mit Brotverkauf und andere Läden sind dort.
Die Familie meiner Frau macht seit etwa 1937 Ferien in Obersaxen. Erst in Egga (wo regelmässsig Alois Carigiet vorbeikam),
dann hat der Schwiegervater in Affeier einen Hügel gekauft, mit seinen
Zürcher Nachbarn aufgeteilt und ein Ferienhaus (Hüs Pifal) gebaut.
Der lokale Ortsname heisst eigentlich "bim luuse Stöckli", was nichts zu tun hat mit lausig oder Läusen, sondern abgeleitet ist von der
Baumart Lausen, der transsylvanischen Traubenkirsche Prunus padus petraea. Ob sich "Pifal" von den Felsen ableitet, ist mir nicht bekannt
(Volks-Toponomastik ist Glücksache, siehe "Fröschenei" im Prättigau).
Freilauf
Freilauf wird das freie Weiden des Viehs genannt, das nach dem einbringen des Emds (Grummet, zweiter Grasschnitt) stattfand.
Kleinere Schwierigkeiten waren programmiert: die Hauseigentümer wollten einige Büsche und Gärten haben und die Kühe und hauptsächlich Ziegen wollten fressen.
Es war ein Kampf mit viel Erfindergeist auf beiden Seiten. Was schliesslich nützte, war ein Holz-Schwarten-Hag von 1.5 m Höhe und oben drauf noch ein
weiterer Meter Drahthag, der aber äusserst wacklig sein musste.
Naturgemäss konnte mit dem Misten und Güllen erst nach Einstellen des Freilaufs begonnen werden. Schliesslich wurden die Elektrozäune billiger und die
Bauern wollten ihre Arbeit besser einteilen. Zudem wurden mit dem Gewässerschutzgesetz ein Verbot von Güllen auf Schnee eingeführt. Damit wurde der Freilauf
obsolet. Der Freilauf hatte aber auch gute Seiten: Mäuse haben unter dem Schnee ein Festessen, wenn das Gras weder kurz geschnitten noch beweidet wird.
Freilauf ist also ein Mittel gegen zuviele Mäuse. Das Naturschutzgebiet Pifal war frei von Bäumen, weil jeder Baum-Anflug vom Vieh gefressen wurde.
Während einiger Zeit wurde das Gebiet noch durch die Obersaxer Jäger im Herbst gemäht und der Schnitt weggeräumt - eine schöne Sitte,
die leider eingeschlafen ist.
Die Sippe hat sich inzwischen vervierfacht und bis Platenga ausgedehnt. Das alte Ferienhaus (kann gemietet werden)
wurde in den Jahren 2009-11 rundum erneuert und die Küche modernisiert.
Dass sich inzwischen ziemlich viel Geschichte und viele Geschichten angesammelt haben (siehe Freilauf), dürfte klar sein.
Die Surselva (wörtlich: ob dem Wald, aber auf Deutsch: Bündner Oberland) hat ihren Namen vom grossen Wald auf dem prähistorischen Bergsturzgebiet von Flims.
Der Bergsturz ging ungefähr so (aus verschiedenen Quellen):
Während der letzten Eiszeit wurde der Fuss des Flimsersteins erodiert (der grüne Ilanzer Verrucano ist relativ weich) und der Fels durch die Eismassen gestützt.
Als diese schmolzen, fehlte die Stütze und der Flimserstein brach ins Tal und staute den Rhein zu einem See. Die hohe Abrissfläche ist prominent oberhalb Flims
zu sehen. Der Damm wurde später durch
nachstossende Eismassen nochmals überfahren und verdichtet. Nach dem Rückzug des Vorderrheingletschers füllte sich der See erneut. Die alten Seeufer
sind in der Gruob (resp. Foppa) (Schnaus, Ilanz, Schleuis, Kästrisch, Sagens) heute noch sichtbar.
Der Damm war aber nicht solide und brach und eine riesige Flutwelle mit viel Geröll hinterliess die grosse Ebene worauf jetzt Chur steht.
Die Kirche Sogn Gion in Domat-Ems steht auf einem Fels der in diesem Murgang schwamm.
Beim Bau der Tunnels der rhätischen Bahn stellte sich heraus, dass das Bergsturzmaterial ideal für den Tunnelbau war: es ist relativ weich
aber so standfest, dass die Tunnels kaum verstärkt werden mussten.
Sehr beliebt bei deutschen Touristen/Autofahrern und Motorradfahrern sind die bekannten Alpenpässe wie San Bernadino, Oberalp, Lukmanier,
St. Gotthard, Furka , Grimsel, Susten oder Nufenenpass. Sie bieten sich für Auto-Rundfahrten quasi von selbst an.
Will man südländische Luft geniessen, so ist man mit dem Auto in etwa 2 Stunden (137 km, via Lukmanier) in Locarno
am Lago Maggiore - oder via Splügen (134km) am Comersee.
Veolfahrer lieben es etwas kürzer, z.B. durch das Safiental über den Tomül nach Vals oder noch kürzer über San Carli ins Lugnez und die Alp Nova,
Alp Prada, Alp Stavonas und Wali zurück.
Im Sommer kann man von Flims aus mit Seilbahnen bequem bis auf den Flimserstein (Fil de Cassons N46°52'41.45" E9°15'56.58")
in die Gletscherregion fahren und ist mitten im geologisch spannenden Gebiet der Glarner Hauptüberschiebung,
ein UNESCO-Naturerbe. Zudem startet dort ein Pflanzenlehrpfad.
Pflanzenfreunde können ihrem Hobby fröhnen: beim Panixer Stausee treffen sich die kalkliebende und die kalkfliehende Flora.
Am bequemen Wanderweg um den See findet man etwa 20 Orchideenarten. Auch das Flüehblüemli wächst dort, eine Kreuzung zwischen
der rostblättrigen Alpenrose mit der behaarten Alpenrose.
Seltenere Orchideen-Arten sind an der Krete über dem Rheinbruch zu finden. Obersaxen ist an der Grenze zur ostalpinen Flora:
man findet hier das schwarz- und das rotblütige Männertreu (zu deutsch mit dem prosaischen Namen "Kohlröschen"), das wie eine anständige Orchidee
intensiv nach Vanille riecht.
Auch Pilzliebhaber kommen zu ihrem Recht: Steinpilze von mehr als 500 g sind keine Seltenheit. Leider ist dies bis Varese bekannt.
Der heimatkundliche Verein heisst
Pro Supersaxa.
In den Jahresberichten findet man viel über das Geschehen in der Gemeinde: Geburten, Todesfälle, Heiraten,
Abstimmungsresultate - aber auch das Obersaxer-Wörterbuch mit viel geschichtlichem Hintergrund. Dort findet man auch die Pläne der ehemaligen Bergwerke:
der Eisengrube im Platenger Tobel (Führungen durch Verkehrsverein) und der Silbergrube im Pifal. Im Platengertobel wurde auch Kalk gebrannt. Georg Alig's Haus
in Platenga wurde damit verputzt.
Obersaxen ist einer der wenigen Orte in der Schweiz, wo man noch regelmässig die Milchstrasse sehen kann.
Die Sternwarte Mira Steilas liegt gegenüber in Falera /Fellers und wird betrieben durch die Bündner Sektion der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft
Bündner Sektion, SAG Schweiz.
— Sternwarte Mira Steilas
Schwierigkeiten bereitet in Obersaxen nur Zürich mit Kloten, welche den Himmel hinter dem Kistenstöckli erhellen. Auf der Gegenseite,
in der Alp Quader ob Brigels, ist der Himmel gegen Norden gut abgeschirmt, aber gegen Süden ist es die Lombardei mit Mailand, welche für Helligkeit sorgt.
Nach Darksky ist Dunkelheit in der Greina-Ebene noch etwas besser - nur, wie kriegt man ein anständiges Teleskop dorthin?.
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P.S.
Da diese Seite Deutsch geschrieben ist, wurden die (teilweise veralteten) deutschen Ortsnamen verwendet.
Man kann es drehen wie man will, der Name Ilanz bleibt keltisch und war noch nie Deutsch.
Sowenig wie der romanische Name Disentis (abgeleitet von Desertina) deutsch sein soll.