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Nach der relativ klaren Dreisatz-Niederlage gegen Novak Djokovic im Halbfinal am Australian Open zog Roger Federer Bilanz. Der 38-jährige Baselbieter sprach über seine Adduktorenverletzung, das Turnier und sein nächstes grosses Projekt, den «Match in Africa» am 7. Februar in Kapstadt gegen Rafael Nadal.
Roger Federer, gab es Zweifel, dass Sie die Partie überhaupt bestreiten können?
«Ich dachte immer, dass ich spielen kann. Mein Gefühl im fünften Satz gegen Sandgren machte mir Mut. Das MRI zeigte, dass soweit alles in Ordnung ist. Ich forcierte aber nichts, machte einen Tag Pause und habe mich auch vor dem Spiel so lange wie möglich ausgeruht. Als der Match begonnen hatte, spürte ich, dass ich zu Ende spielen kann. Das Timeout (nach dem ersten Satz) nahm ich nur, um allfälligen weiteren Problemen vorzubeugen.»
Was war der Grund für den guten Start in die Partie? Und wie hat Djokovic es geschafft, diese zu wenden?
«Ich spielte so, als hätte ich nichts zu verlieren, versuchte die Ballwechsel kurz zu halten und so viel wie möglich zu variieren. Ich retournierte zu Beginn sehr gut, war aber leider nicht fähig, den Satz nach Hause zu servieren. Es wäre heute aber auch ohne meine Probleme schwierig geworden gegen ihn, weil er momentan wieder sehr gut drauf ist.»
Wie sieht Ihre Bilanz des Turniers aus?
«Insgesamt kann ich sehr zufrieden sein mit dem, was ich erreicht habe. Ich habe okay gespielt, auch wenn ich weiss, dass ich es besser kann. Es war das maximal Mögliche, insbesondere nach den Partien gegen Millman und Sandgren. Man kann einen Grand Slam in der ersten Woche nicht gewinnen, aber verlieren, das ist mir hier wohl widerfahren. Das heute durchzumachen, war dagegen hart, weil ich wusste, dass meine Chance zu gewinnen, vielleicht bei drei Prozent liegt.»
Das muss sehr frustrierend sein?
«Ja, klar. Aber wenn ich das Gefühl gehabt hätte, ich wäre chancenlos, dann wäre ich nicht angetreten. Man spielt vorsichtiger und hat auch etwas Angst, dass es schlimmer werden könnte, was natürlich schmerzt. Ich war zumindest fähig, dass es eine Partie gibt. Man weiss nie, wie der Andere sich fühlt. Ich habe gespürt, dass er zu Beginn etwas nervös war. Aber er ist ein grossartiger Spieler und hat einen Ausweg gefunden.»
Sie sind ohne Spielpraxis in das Turnier gestartet. Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?
«Ich glaube nicht, dass die Verletzung damit zu tun hat. Für mich und die Familie hat meine Planung gepasst, das geniesst Priorität. Ich habe hart und gut trainiert und bewiesen, dass ich sofort wieder an meine Leistung anknüpfen kann. Ich habe mich gut erholt von der Partie gegen Millman, die Probleme gegen Sandgren kamen aus dem Nichts. Jeder Spieler hat manchmal seine Wehwehchen. Das gehört dazu, gerade in meinem Alter.»
Glauben Sie, dass Sie noch einmal ein Grand-Slam-Turnier gewinnen können?
«Nach meinem letzten Jahr und so wie ich noch immer spiele, glaube ich daran.»
Haben wir Sie das letzte Mal am Australian Open gesehen?
«Keine Ahnung, es ist das Gleiche wie im letzten Jahr. Man weiss nie, was die Zukunft bringt, vor allem nicht in meinem Alter. Natürlich hoffe ich zurückzukommen, Gedanken an den Rücktritt gibt es keine.»
Wie sieht Ihr Programm in den nächsten Tagen im Hinblick auf den «Match in Africa» aus?
«Am Mittwoch fliege ich nach Namibia, am Donnerstag weiter nach Kapstadt. Endlich ist es soweit, dieser Match war ein jahrelanger Traum von mir. Dass Rafa dabei ist, macht es besonders aufregend. Meine Eltern sind sehr glücklich und stolz. Für mich ist dieser Match aus verschiedenen Gründen sehr speziell.»