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In Zeiten von Globalisierung und Klimawandel und spätestens seit der Zika-Epidemie in Brasilien, stellt sich die Frage, ob von Mücken übertragene Krankheiten aus tropischen Regionen früher oder später ihren Weg zu uns finden werden. Alexander Mathis, Leiter des Nationalen Zentrums für Vektor-Entomologie der Universität Zürich, berichtete in seinem Vortrag von «blinden Passagieren» in Pneus und von der Wahrscheinlichkeit einer Krankheitsübertragung. Er erklärte aber auch, wie jeder seinen Beitrag zur Eindämmung von Stechmücken leisten kann.
Verbreitung von Temperatur abhängig
Neben dem vieldiskutierten Zika-Virus, welches sich derzeit in Süd- und Mittelamerika rasant verbreitet, gibt es weitere von Mücken übertragene Krankheitserreger, die für Mensch und Tier ein Gesundheitsrisiko darstellen können. Einige davon sind laut Mathis nicht relevant für die Schweiz, etwa das Dengue-Virus und das Gelbfieber-Virus. Denn nicht alle Mücken können sich in unseren Breitengraden vermehren, und nicht jede Mückenart ist geeigneter Überträger eines Erregers. Mathis stellte klar: «Mücken sind keine fliegenden Spritzen». Selbst wenn eine Mücke mit einem Virus infiziert ist, muss sich das Virus auch in der Mücke vermehren können. Dies braucht Zeit, sprich: eine genügend lange Lebensdauer der Mücke. Diese Inkubationszeit des Virus in der die Mücke ist jedoch von der Temperatur abhängig.
Einige nicht-heimische invasive Mückenarten, wie beispielweise die asiatische Tigermücke, stellen aber ein Problem dar. Die Tigermücke hat sich in Italien und im Tessin bereits ausgebreitet und ist eine potentielle Überträgerin etwa des Chikungunya-Fiebers. Das Chikungunya-Fieber verursacht grippeähnliche Symptome und klingt in der Regel nach ein bis zwei Wochen ab, es kann jedoch in seltenen Fällen auch zu Komplikationen kommen.
Auch das West-Nil-Virus, das sich in Südosteuropa und in Nordamerika in den letzten Jahren ausgebreitet hat, könnte in der Schweiz auftreten. Zwar ist auch hier der Krankheitsverlauf überwiegend komplikationslos; nur etwa ein Prozent der Infizierten entwickeln schwerwiegende Symptome wie zum Beispiel Hirnhautentzündungen, die in seltenen Fällen jedoch tödlich verlaufen können. Eine Impfung gegen das Chikungunya-Virus beziehungsweise das West-Nil-Virus gibt es derzeit nicht. Das West-Nil-Virus kann sich in verschiedenen Stechmückenarten vermehren, unter anderem auch der asiatischen Buschmücke, einer invasiven Mücke, welche sich nördlich der Alpen fest etabliert hat. Derzeit gibt es in der Schweiz allerdings keine dokumentierten Fälle einer Infektion durch Mücken.
Gnitzen bedrohen Kühe und Schafe
Doch nicht nur Stechmücken können Krankheiten übertragen, betonte Mathis, sondern auch andere Mücken, an die man nur selten denkt. Als Beispiel nannte er die Gnitzen, winzig kleine Mücke, die ein Gesundheitsrisiko für Wiederkäuer wie zum Beispiel Kühe oder Schafe birgt, da sie das Blauzungenkrankheits-Virus (BTV) übertragen können. Trotz erfolgreicher Impfprogramme bei Nutzvieh traten im vergangenen Sommer in Frankreich und Österreich erneut Fälle auf, und eine Ausbreitung in die Schweiz im anstehenden Sommer schätzt Mathis als wahrscheinlich ein.
Tropische Schweiz steht nicht unmittelbar bevor
Der Klimawandel könnte mittel- bis langfristig zu einer weiteren Ausbreitung invasiver Mückenarten führen, doch Mathis sieht keine akute Gefahr für die Deutschschweiz. Denn die Tigermücke benötigt beispielsweise eine Jahresdurchschnitts-Temperatur von 12 Grad Celsius, die in Zürich erst in 50 Jahren zu erwarten ist. Dazu kommt, dass die Tigermückeneier nicht besonders frostresistent sind. «Solange es in der Schweiz kalte Winter gibt, kann sich diese invasive Mückenart nicht etablieren», sagte Mathis. Damit bleiben lediglich einzelne importierte Fälle von Krankheiten beziehungsweise Mücken, die dann voraussichtlich zeitlich und räumlich sehr begrenzt auftreten werden.
Brutstätte Autopneu
Eine wichtige Frage, auf die der Parasitologe mehrfach zurückkam, sind Strategien zum Schutz vor Mücken und den von ihnen übertragenen Krankheiten. «Das A und O zur Mückenbekämpfung ist die Vernichtung der Bruthabitate», sagte Mathis. So hat die Trockenlegung von Sümpfen zum Beispiel in der Linthebene zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Ausrottung des Malaria-Erregers geführt. Dies gilt auch im kleineren Massstab: Selbst ein achtlos weggeworfener Plastiksack kann innerhalb weniger Tage zur Brutstätte für hunderte Mückenlarven werden. Das Ausleeren von Behältern ist also ein einfacher Schritt, um die Mückenplage im eigenen Garten zu vermeiden. Seen und Gartenteiche sind hingegen kein Problem, da sich hier genügend Fressfeinde aufhalten, um die Mückenlarven einzudämmen. Eine erstaunliche Rolle bei der Ausbreitung von Stechmücken spielt der Handel mit gebrauchten Autopneus. Einige Stechmückenarten legen ihre Eier auch an den Wasseransammlungen in Pneus ab. Beim Verladen der Pneus wird das Wasser entleert oder trocknet aus, und die Pneus werden samt den Trockenheits-resistenten Mückeneiern zwischen den Kontinenten verschifft. Auf diesem Weg konnten sich erwiesenermassen exotische Mückenarten ausbreiten.
Ist die Mückenplage bereits im vollen Gange, gilt es, sich mithilfe von angemessener Kleidung, Moskitonetzen und chemischem Mückenschutz vor den Stichen der Mücken zu schützen. Als weiteren Tipp empfiehlt Mathis eine Dusche vor dem Zubettgehen, denn neben dem ausgeatmeten Kohlendioxid ist Schweiss ein Lockstoff für Mücken.
Für die anstehende Olympiade in Brasilien gab Mathis aber Entwarnung. Im Gegensatz zum Karneval, der mitten in der Regenzeit stattfindet, werden während der Trockenzeit im August so gut wie keine Stechmücken die schwitzenden Athleten und Zuschauer plagen.
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