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The Philanthropist: Sie haben 1000 Lösungen zusammengetragen, die effizient und rentabel dazu beitragen, die Klimaerwärmung zu bremsen. Was war die grösste Herausforderung: Dass die Lösung rentabel sind oder dass sie effizient einen Beitrag gegen die Klimaerwärmung leisten?
Bertrand Piccard: Wir hatten keine allzu grossen Schwierigkeiten, Lösungen zu finden, die einen klaren Nutzen für die Umwelt bieten und dabei gleichzeitig finanziell rentabel sind. Das Schwierige war jedoch, Technologien zu finden, die jetzt schon zur Verfügung stehen. Das ist ein wesentlicher Aspekt meiner Mission: Lösungen zu fördern, die sofort umgesetzt werden können. Ich möchte mich nicht für Prototypen einsetzen, die unter Umständen in 10 oder gar 50 Jahren funktionieren können. Bis dann ist es nämlich zu spät.
TP: Wie lassen sich die Lösungen in der Breite umsetzen?
BP: Ich bin fest davon überzeugt, dass strenge Regeln benötigt werden, um beim Kampf gegen die Klimakrise voranzukommen. Dabei sind technologische Lösungen natürlich wichtig. Damit diese jedoch mit der erforderlichen Geschwindigkeit und im nötigen Ausmass umgesetzt werden können, müssen wir sicherstellen, dass sie durch Gesetze, Bestimmungen und Initiativen im Bereich Umweltschutz an den Markt gebracht werden. Wir können es uns nicht leisten, auf eine Einführung dieser Lösungen in unserem Alltag zu warten, sondern wir müssen Regierungen und internationale Organisationen dazu auffordern, diesen Wandel umgehend und in einem viel grösseren Massstab zu verwirklichen.
Das Schwierige war jedoch, Technologien zu finden, die jetzt schon zur Verfügung stehen. Das ist ein wesentlicher Aspekt meiner Mission: Lösungen zu fördern, die sofort umgesetzt werden können.Betrand Piccard
TP: Wie konnten Sie den Kontakt zu kleinen und grossen Unternehmen hinsichtlich einer Teilnahme an der Kampagne herstellen?
BP: Wir haben ein hoch motiviertes Team, das dafür zuständig ist, Lösungen auf der ganzen Welt ausfindig zu machen. Wir arbeiten auch mit vielen Organisationen in der Nachhaltigkeitsbranche, beispielsweise Inkubatoren, Acceleratoren und Innovations-Netzwerken wie das International Cleantech Network, die Cleantech Group usw., oder nutzen die Chancen, die das Programm Horizon 2020 der Europäischen Kommission bietet. Dies half uns dabei, das Label bei einem grösseren Publikum bekannt zu machen. Ausserdem stellte die Weltumrundung mit einem Solarflugzeug das Projekt Solar Impulse ins Rampenlicht, da es von Millionen Menschen verfolgt wurde. Viele Unternehmen kamen anschliessend direkt auf uns zu und wollten Teil dieser neuen Mission werden.
TP: Welches sind die nächsten Schritte der Solar Impulse Foundation?
BP: Die Stiftung befasst sich mit der schrittweisen Einführung dieser sauberen Technologien. Um dies zu erreichen, arbeiten wir an verschiedenen Projekten. Zum einen arbeiten wir gerade an der Entwicklung des Solutions’ Guide, einer Art Suchmaschine, mit der jeder nach ökologischen Lösungen suchen kann, die speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind. Zum anderen arbeiten wir momentan auch an den «Cleanprints», d. h. detaillierte Berichte für bestimmte Industriezweige, Sektoren, Städte, Regionen oder Länder mit Empfehlungen für geeignete Lösungen sowie Hinweisen dazu, in welchen Bereichen Bestimmungen modernisiert werden können, um eine ehrgeizigere Umsetzung dieser Lösungen zu ermöglichen. Zu guter Letzt ist es auch unser Ziel, Lösungen zu unterstützen, indem wir Investitionsmöglichkeiten finden und Kontakte zu passenden Investoren herstellen.
TP: Immer mehr Organisationen, Unternehmen und Stiftungen beschäftigen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Erleichtert das die Arbeit Ihrer Stiftung oder führt es zu mehr Konkurrenz?
BP: Unser Label bietet derzeit die einzige Beurteilungsmöglichkeit, um die Wirtschaftlichkeit von Umweltschutztechnologien zu zertifizieren. Genau gesehen haben wir also nicht sehr viel Konkurrenz. Wenn es jedoch um den Kampf gegen die Klimaveränderung geht, können wir meiner Meinung nach nur gemeinsam etwas erreichen, da wir das gleiche Ziel verfolgen. Natürlich wollen wir, dass unsere Botschaft Aufmerksamkeit gewinnt, aber wir sind davon überzeugt, dass die Arbeit anderer Organisationen unsere Mission ergänzt. Wir können diesen Kampf nicht alleine gewinnen, das steht fest.
1. März 1999. Bertrand Piccard und Brian Jones fliegen mit der Breitling Orbiter 3 über die Schweizer Alpen.
Bild: Piccard Family
11. Juni 2016. Ankunft in New York.
Bild: Solar Impulse/Jean Revillard/Rezo.ch
23. April 2016. Solar Impulse 2 fliegt über die Golden Gate Bridge in San Francisco.
Bild: Solar Impulse/Jean Revillard/Rezo.ch
TP: Sie inspirieren andere mit Ihrer Pionierarbeit. Wie wichtig ist es bei einem Thema wie dem Klimaschutz, Leute auf der emotionalen Ebene zu erreichen?
BP: Als Psychiater weiss ich, wie wichtig es ist, sein Gegenüber nicht nur auf rationaler, sondern auch auf emotionaler Ebene anzusprechen. Bei der Klimaveränderung geht es nicht nur darum, dass unsere Thermometer in Zukunft ein, zwei oder sogar fünf Grad Celsius mehr anzeigen werden. Es geht darum, was wir, die Menschheit, zusammen auf die Beine stellen können, nämlich ein besseres System, von dem alle profitieren und nicht nur ein paar wenige. Eine Welt, in der es den Menschen gut geht, in der sie im Einklang mit der Natur ein angenehmes Leben führen können. Ein System, in dem wir nicht einfach hinnehmen, dass so viele Menschen und Tiere leiden müssen. Obwohl es wichtig ist, dass Leute über die Geschehnisse informiert sind, ist es viel wirkungsvoller, sie mit Lösungen und einer Zukunftsperspektive zu motivieren – so kann man sie dazu bewegen, selbst Akteure der Veränderung zu werden.
Es ist viel wirkungsvoller, sie mit Lösungen und einer Zukunftsperspektive zu motivieren.Betrand Piccard
TP: Ihr Vater setzte sich für den Schutz der Meere und Seen ein, indem er die Tiefsee erforschte. Welche Rolle spielt Wissen, wenn man Leute dazu anspornen will, sich klimafreundlicher zu verhalten?
BP: Wissen war tatsächlich ein massgeblicher Faktor, sowohl bei der Forschungsreise meines Vaters, als er Leben in der Tiefsee entdeckte und die Versenkung von Atommüll im Ozean verhinderte, als auch bei der Expedition meines Grossvaters, als er als erster Mensch in die Stratosphäre aufstieg und die Druckkabine erfand. Beide haben mich die Wichtigkeit des Lernens und Erforschens gelehrt. Tatsächlich ist meine Mission mit der Solar Impulse Foundation und der 1000 Solutions Challenge auch eng mit Wissen verbunden, denn ich bin nicht derjenige, der diese 1000 Lösungen erfunden hat. Aber es ist mein Ziel, sie bei der Allgemeinheit bekannter zu machen.
TP: Das Projekt Solar Impulse war der Ursprung der Stiftung. Wie kam die Idee dafür zustande?
BP: Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich beschloss, mich mit der Identifizierung von technologischen Lösungen zu befassen. Als ich mit der Solar Impulse um die Welt flog, sah ich, wie die Sonne meine vier elektrischen Motoren mit riesigen Propellern antrieb. Dabei entstanden weder Lärm noch Umweltverschmutzung und ich konnte ohne Kraftstoff endlos weiterfliegen. Diese Tatsache schien futuristisch. Aber ich merkte, dass ich mich nicht in der Zukunft befand. Ganz im Gegenteil: Ich war im Hier und Jetzt und verwendete die Technologien, die uns jetzt schon zur Verfügung stehen. Da wurde mir klar, dass sich der Rest der Welt in der Vergangenheit befindet – mit alten, umweltbelastenden und ineffizienten Systeme, wie beispielsweise Verbrennungsmotoren, schlecht isolierten Häusern, veralteten Heiz- und Kühlsystemen sowie wenig effizienten Energieversorgungsnetzen. Also beschloss ich, mich auf die Förderung von sauberen und wirksamen Technologien zu konzentrieren, die heute bereits verfügbar sind. Und so wurde die Idee für die #1000SolutionsChallenge geboren.