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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

29. Vortrag.
2.
Nachher also „ging“ der Herr zum Feste „hinauf, als das Fest schon halb vorüber war, und lehrte. Und die Juden wunderten sich und sagten: Wie versteht dieser die Schrift, da er nicht gelernt hat?“ Er, der verborgen war, lehrte, und redete öffentlich und wurde nicht festgenommen. Denn daß er verborgen war, [S. 478] geschah zur Belehrung, das andere zum Erweise der Macht. Aber da er lehrte, „wunderten sich die Juden“. Alle wunderten sich zwar, wie ich meine, aber nicht alle bekehrten sich. Und woher die Verwunderung? Weil viele wußten, wo er geboren wurde, wie er erzogen wurde; sie hatten ihn niemals die Schriften lernen sehen, hörten ihn aber über das Gesetz reden, Zeugnisse aus dem Gesetze vorbringen, die niemand vorbringen könnte, er hätte sie denn gelesen, niemand lesen können, er hätte denn die Schriften gelernt, und deshalb wunderten sie sich. Ihre Verwunderung aber wurde für den Meister eine Gelegenheit zur tieferen Einprägung der Wahrheit. Aus Anlaß ihrer Verwunderung und Worte sagte der Herr etwas Tiefes, das einer genaueren Erwägung und Betrachtung wert ist. Darum mache ich eure Liebe aufmerksam, nicht bloß daß ihr für euch höret, sondern auch daß ihr mit uns betet.