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Gilt Churchills Spruch auch heute noch?
Von Winston Churchill ist der Satz überliefert: «Man kann sich immer darauf verlassen, dass die Amerikaner das Richtige tun – nachdem sie alles andere ausprobiert haben.» (You can always count on Americans to do the right thing – after they’ve tried everything else.)
Damit bezog sich Churchill auf das Verhalten der USA gegenüber Nazi-Deutschland. Die Briten wünschten sich einen frühen US-Kriegseintritt, aber weil die amerikanische Öffentlichkeit isolationistisch eingestellt war, konnte die Roosevelt-Administration nur mit versteckten Rüstungslieferungen helfen. Am Schluss aber traten die USA doch in den Krieg ein und befreiten Europa. Ende gut, alles gut.
Churchills Spruch kursiert auch heute noch in den intellektuellen und diplomatischen Zirkeln Europas, aber die Zahl der Zweifler ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Immer weniger glauben, dass die USA in der Lage sind, wirtschaftspolitisch wieder auf Kurs zu kommen. Bei der Schuldenfrage herrscht totale Blockade, weil die finanzpolitischen Vorschläge der Republikaner bisher so unrealistisch sind, dass keine Einigung möglich ist.
Das unparteiische Congressional Budget Office hat in einem kurzen Bericht vorgerechnet, dass der von Paul Ryan vorgelegte Plan dazu führen würde, dass die USA 2050 nur noch eine kleine Armee hätten (siehe Tabelle S. 16: «Other Mandatory and Defense and Nondefense Discretionary Spending» würde auf 3,5 Prozent sinken). Die Pazifisten würde es freuen, aber das können die Republikaner unmöglich ernst meinen. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat einmal mehr seinen Warnfinger erhoben. Die USA müssten endlich glaubwürdige Massnahmen zur mittelfristigen Reduktion der Schulden ergreifen, heisst es in einem neuen Bericht. (IMF Fiscal Monitor)
Noch ist alles offen. Der Spruch von Churchill mag auch diesmal angebracht sein. Aber es gibt eine historische Faustregel, wonach Finanzkrisen oft kurz vor Wahlen auftreten (z. B. Lehman Brothers im September 2008). Im Herbst 2012 sind Präsidentschaft- und Kongresswahlen. Vielleicht wird ein schwarzer Schwan das Rennen machen.