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Gut erhaltene Ruine eines wehrhaften Palas auf einem Geländevorsprung am S-Rand von Calfreisen. Bergseits Graben. Ein Bering mit Nebenbauten ist nicht feststellbar. Die mutmasslichen Wirtschaftsgebäude der Burg dürften an der Stelle der benachbarten Bauernhäuser zu suchen sein.
Der Palas beschreibt im Grundriss annähernd ein Rechteck von ca. 11 auf 13m. Mauerstärke 2-2,4 m, in den oberen Geschossen auf 1,8 m reduziert. Lagerhaftes Bruchsteinmauerwerk. Gute Ecksteine, z.T. uber 1 m lang, ohne Bossen. 4 Geschosse bestimmbar, Spuren von Unterteilungen der einzelnen Geschosse in den Resten des Wandverputzes zu erkennen. Die quer laufenden Deckenbalken von einem Unterzug gestützt.
Das Erdgeschoss, teilweise mit Mauerschutt gefüllt, diente wohl als Kellerraum. Schmalscharten im 2. Geschoss. Eine Scharte in der S-Wand zur Bresche erweitert, die jetzt als Einstieg dient. Im 3. Geschoss der Hocheingang (S-Wand). Gewändsteine ausgerissen, wohl rundbogige Türöffnung. Der Verriegelungsbalken tief in einem ausgehöhlten Rundbalken. Neben einer Schmalscharte in der W-Wand ein hoch angesetzter Rauchabzug, vermutlich für einen Stubenofen. Im 4. Geschoss Reste eines auf Konsolen ruhenden, gemauerten Backofens.
Der obere Mauerabschluss fällt heute schräg von S nach N ab, weshalb Poeschel an ein sekundär angebrachtes Pultdach denkt. Vermauerte Zinnen lassen aber eher an eine Wehrplatte oder einen umlaufenden Wehrgang mit zurückgestaffeltem Dachansatz denken. Der schräge Verlauf der heutigen Mauerkrone ist wohl als Ergebnis natürlichen Zerfalls zu erklären.
Konzeption und Einzelheiten des Baus scheinen eine Datierung des wehrhaften Palas in die Mitte oder in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zu rechtfertigen. Daher stellt sich die Frage, ob Otto von Calfreisen, der 1231 urkundlich bezeugt ist, allerdings in unsicherer Schreibweise, bereits schon auf dieser Burg gewohnt hat oder nicht eher auf einem Vorläuferbau. Dass die Burg als Sitz der Herren von Calfreisen anzusprechen ist, bleibt unbestritten.
Der Ort Calfreisen wird 1156 in einer päpstlichen Besitzbestätigung für St. Luzi erstmals erwähnt. Herren von Calfreisen sind sicher von 1259 bis 1286 bezeugt. Den verstorbenen R. quondam dictus de Kafrais nennt noch eine Urkunde von 1312. Rechtsnachfolger (ob durch Heirat, Erbschaft oder sonst, muss offen bleiben) sind die von Underwegen. Hans von Underwegen urkundet 1386 , 1428 verkauft Hans von Underwegen die Alp Stätz ans Kloster Churwalden.
Im 15. Jahrhundert soll die Burg Calfreisen in den Besitz der Sprecher gelangt sein. Diese erst dürften ihr den Namen «Bernegg» gegeben haben, der vorher für die Burg nicht belegt ist, aber seit jener zeit als Beiname der Sprecher auftritt. Ob die Burg im 15. Jahrhundert noch bewohnt war, ist unsicher. Zu Capells Zeit (um 1550) war sie jedenfalls Ruine.
Bibliographie