Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03500.jsonl.gz/94

Da haben die Lehrerinnen und Lehrer des Kollegiums Heilig Kreuz ein gutes Näschen bewiesen. Noch bevor Lukas Bärfuss im letzten Jahr mit Literaturpreisen überhäuft wurde, konnte der Autor für einen Schulbesuch verpflichtet werden. Gestern löste der Thuner sein Versprechen ein und traf Studierende zum ungezwungenen Gespräch.
Bärfuss erzählte den Schülern von der Arbeit eines Schriftstellers («Je mehr ich beim Schreiben leide, umso weniger müssen Sie das als Leser tun»), seiner grossen Liebe zu Büchern («Bücher sind doch unsere Zeitmaschinen»), den Tücken eines Sprachsystems («In die Zwischenräume der Sprache zu fallen, macht den Reiz der Literatur erst aus») oder seinem eigenen Erfolgsrezept («Vom Künstler wird immer erwartet, dass er tut, was er noch nicht kann; das unterscheidet uns von den Zahnärzten»). Im Erfolgsroman «Koala» erzählt Bärfuss vom Selbstmord seines Halbbruders. Auf die Frage, ob das Verfassen von «Koala» eine Selbstheilung gewesen sei, antwortete der Autor: «Wenn ich über eine Verletzung schreiben will, muss ich diese Verletzung offen halten. Es gibt Dinge, die verheilen nicht. Aber man kann in eine Beziehung, ein Gespräch mit ihnen treten.» Bärfuss plädierte dafür, sich dem Moment hinzugeben: «Meine besten Momente im Leben sind die, in denen ich nicht bilanziere. Es sind Momente im Traum, im Tanz, in der Musik, beim Schreiben–Momente, in denen ich vergesse, dass ich lebe.» mz