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Digitaler Musikkonsum über Plattformen wie Spotify und Co.
Schon seit einigen Jahren ist der CD-Markt rapide eingebrochen. CDs verkaufen sich kaum noch. Viele haben keine CD-Player mehr. Musik wird gestreamt oder heruntergeladen (Spotify, iMusic, Youtube, Deezer u.a.). Die Nutzer bezahlen nur noch rund CHF 10.- pro Monat, um uneingeschränkt Musik zu streamen oder herunterzuladen.
Ich erlaube mir einige Fakten und Zahlen aufzuführen: Ich habe zwei Tonträger, die ich digital ins Netz stellen lasse. Dafür bezahle ich einer digitalen Vertriebsplattform jährlich CHF 86.-, damit meine Musik der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Konzertbesucherinnen und -besucher informieren sich immer häufiger über diese Plattformen. Die Künstler-Webseiten werden weiterhin rege angeklickt.
Die folgenden Angaben beziehen sich auf meine letzten Abrechnungen. Wird ein Titel für mindestens 30 Sekunden gestreamt, erhalte ich pro Klick rund CHF 0.008. Wenn meine Titel auf einem Computer oder auf einem Handy abgespeichert werden, dann erhalte ich pro Download CHF 0.05. Gestreamt wird deutlich öfter als heruntergeladen. Um die jährlichen Grundkosten von CHF 86.- bei der digitalen Vertriebsplattform zu decken, müssen meine Musiktitel rund 10’750 Mal gestreamt werden. Eine CD kostet im Verkauf CHF 20.-. Das entspricht rund 2500 Streams. Der jährliche Gewinn liegt nur im zweistelligen Bereich. Einen Tonträger zu produzieren kostet eine Menge Geld, und Sponsoren zu finden ist eine aufwändige Tätigkeit. Absagen sind die Regel. Vor einigen Jahren waren die CD-Verkäufe relevant und gehörten zum Einkommen eines Musikers oder einer Musikerin. Dazu kamen Tonträger-Urheberrechtsbeiträge von der SUISA. Bei den digitalen Plattformen fallen diese SUISA-Beiträge vollends weg. Tonträger werden zu sehr teuren, fast unerschwinglichen „Audio-Werbe-Prospekten“, damit wir Musikschaffenden uns bewerben können. Das Einkommen verdienen wir Musiker und Musikerinnen normalerweise vor allem bei Live-Konzerten und beim Unterrichten.
In den letzten Jahren verzeichneten sehr viele Musiker einen Gagenschwund von bis zu 30 Prozent. Ausgenommen davon sind die wenigen „Grossen“ in der Szene. Diese können nach wie vor über die Streaming-Anbieter Geld verdienen.
Ich hoffe sehr, dass unser Kulturgut Musik nach wie vor die gesellschaftliche Wertschätzung bekommt, die es verdient. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen kämpfen momentan hart um diese Anerkennung. Chöre und Blasmusikvereine sind von diesen Entwicklungen ebenso betroffen. Die Digitalisierung hat viele Vor- wie auch Nachteile. Damit weiterhin Musik gehört werden darf und Konzerte besucht werden können, braucht es unbedingt die Unterstützung von Wirtschaft und Politik, um längerfristig eine reichhaltige, einzigartige Kultur zu garantieren.