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Die Welt liebt Schweizer Käse. Über 80 000 Tonnen exportiert das Land jährlich in die EU und nach Übersee. Zusammen mit dem begehrten Produkt gelangen auch die Bilder von glücklichen Kühen und bärtigen Älplern in die Köpfe der Menschen rund um den Globus.
Die heutige Schweizer Vieh- und Milchwirtschaft entstand im Verlaufe der Industrialisierung.
Mit einem Fünftel an der gesamten landwirtschaftlichen Produktion ist die Milchwirtschaft der wichtigste Sektor der Schweizer Landwirtschaft. Dass dies schon immer so war, scheint mit Blick auf die hügelige und bergige Landschaft plausibel, stimmt aber keineswegs. Die heutige Schweizer Vieh- und Milchwirtschaft entstand stattdessen im Verlaufe der Industrialisierung, bestätigt der Leiter des Archivs für Agrargeschichte Peter Moser auf Anfrage. Weil Transporte dank Dampfschiffen und der Eisenbahn nun zuverlässiger funktionierten als vorher mit Segelschiffen und Pferdefuhrwerken, sanken die Transportkosten für Getreide aus Nord- und Südamerika sowie Osteuropa massiv. Mit dieser Entwicklung zerfielen auch die Getreidepreise in der Schweiz und in ganz Europa.
Bund setzt auf Käse-Export
Gemäss dem Historiker unterstützte der Bund mit seiner in den 1880er-Jahren beginnenden Agrarpolitik diesen Trend zu einer «internationalen Arbeitsteilung» und setzt bis in die Mitte des Ersten Weltkriegs auf den Export von Käse und den Import von Brotgetreide. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gaben immer mehr Landwirtschaftsbetriebe den unrentablen Getreideanbau auf. Die Ackerflächen verwandelten sich zusehends in grüne Wiesen und Weiden und die Schweiz sich in das Land der Kühe.