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Im Rahmen der 94. Generalversammlung des Schweizer Reise-Verbandes vom 17. bis 21. November im Emirat Ras Al Khaimah, hat der Verband den Austragungsort für die nächste Versammlung bekannt gegeben: Die Mitglieder werden sich im kommenden Jahr in der spanischen Hafenstadt Sevilla treffen.
Wir haben uns gefragt, was die Metropole in Andalusien besonders macht und beim Direktor des Spanischen Fremdenverkehrsamtes, Horacio Díaz del Barco, nachgehakt. Vorab gilt es zu sagen, dass die Region bei Schweizerinnen und Schweizern ein beliebtes Ferienziel ist. Insgesamt 300'000 Touristen aus der Schweiz haben die autonome Gemeinschaft im Süden in des Landes im Jahr 2019 besucht.
Herr Díaz del Barco, wieso ist Sevilla die perfekte Stadt für die Austragung der Generalversammlung des Schweizer Reise-Verbandes?
Horacio Díaz del Barco: Sevilla ist eines der interessantesten Reiseziele in Europa. Die Stadt ist mehr als 3000 Jahre alt, wurde von den Phöniziern oder Tartessern gegründet, von Julius Cäsar in eine römische Kolonie umgewandelt, von den Arabern für mehr als 500 Jahre eingenommen und zur Hauptstadt von Al-Andalus deklariert, bis sie 1248 von König Ferdinand III. erobert und der Krone Kastiliens einverleibt wurde. Nach der Entdeckung Amerikas wurde sie zum wirtschaftlichen Zentrum des spanischen Imperiums und zu einer der wichtigsten Städte der Welt, denn von hier aus wurden die Reisen koordiniert, die Reichtümer, die aus Amerika kamen kontrolliert, und die Verträge abgeschlossen. Dieser Kreuzpunkt der Kulturen hat Sevilla zu einer faszinierenden Stadt werden lassen.
Heute ist Sevilla eine moderne Stadt mit fast 700'000 Einwohnern oder 1'550'000 inklusive Stadtgebiet, und damit die bevölkerungsreichste Stadt Andalusiens, die viertgrösste Stadt Spaniens nach Madrid, Barcelona und Valencia und die 32. bevölkerungsreichste Stadt der Europäischen Union. Die Altstadt ist mit 3,9 Quadratkilometern die grösste in Spanien und die sechstgrösste in Europa. Sevilla ist eine der Städte mit den meisten eingetragenen Denkmälern in Europa. Ihr historisches und monumentales Erbe und ihre vielfältigen landschaftlichen und kulturellen Räume machen sie zu einem beliebten Ziel für den nationalen und internationalen Tourismus. Nach Barcelona und Madrid ist sie die drittgrösste Stadt Spaniens, was die Besucherzahlen angeht. All dies macht diese Stadt zu einem hervorragenden Schauplatz für die SRV-GV 2022.
Welches sind Ihrer Meinung nach die Highlights, die Besucher in der Stadt und deren Umgebung erleben können?
Den enormen Reichtum des historischen und kulturellen Erbes von Sevilla haben wir bereits erwähnt. Zu den bedeutendsten Bauwerken gehören die Kathedrale mit dem Giralda-Turm, dem Wahrzeichen der Stadt, der Real Alcázar, das Archivo de Indias (Indienarchiv) und die Torre del Oro, von denen die ersten drei 1987 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Für Opernliebhaber ist Sevilla ein echtes Muss, denn nur wenige Orte haben in der Geschichte des Belcantos mehr Werke inspiriert als Sevilla. Rund hundert Opern sind bekannt, die Sevilla als Schauplatz oder Inspiration für ihre Handlung haben, darunter, um nur die bekanntesten zu nennen, Mozarts «Don Giovanni», Rossinis «Il barbiere di Siviglia», Mozarts «Le nozze di Figaro», Beethovens «Fidelio» und Bizets «Carmen».
Die Provinz Sevilla ist auch in kultureller, gastronomischer, önologischer und naturbezogener Hinsicht von grossem Interesse. Die Teilnehmer der SRV-GV 2022 werden Orte wie Italica, die antike römische Hauptstadt; Cazalla de la Sierra mit seinen schönen Steineichenhainen, in denen andalusische Pferde und Stiere gezüchtet werden; oder die Stadt Osuna mit ihren Kirchen und ihrer Renaissance-Universität, die als Kulisse für die Dreharbeiten zu einigen Kapiteln der Serie «Game of Thrones» diente, besuchen können.
Was zeichnet Sevilla kulinarisch aus?
Die sevillanische Gastronomie ist sehr stark vom Klima der Stadt abhängig. Daher gibt es eine typische Wintergastronomie und eine ganz andere, die an die Hitze des Sommers angepasst ist. Die Küche zeichnet sich durch ihre Einfachheit aus. Sie basiert nicht auf einer komplizierten Zubereitung, sondern auf der klugen Würzung von Produkten aus der mediterranen Kost. Zu den typischen Gerichten gehören andalusischer Gazpacho, russischer Salat, in Olivenöl gebratener und in Mehl gewendeter Fisch, iberischer Schinken und eine Vielzahl von Käsesorten.
Wie der Rest Andalusiens ist auch Sevilla für seine Tapas berühmt. Die Liste der kleinen feinen Häppchen ist unendlich lang, denn sie werden nach der Fantasie und Kreativität jedes einzelnen Kochs zubereitet. Die Tapas-Kultur reicht von Eintöpfen und warmen Gerichten über gebratene Speisen, Reisgerichte und Aufläufe bis hin zu den leichtesten kalten Tapas, Würzungen und Wurstwaren.
«Es ist bestimmt der Charakter der Sevillaner, ihre Lebensfreude, ihre Gastfreundschaft gegenüber fremden Menschen und ihre gute Laune, welche die Stadt einzigartig machen»
Was unterscheidet die Stadt von anderen spanischen Metropolen?
Abgesehen von all dem, was ich über die kulturellen Angebote der Stadt gesagt habe, ist es bestimmt der Charakter der Sevillaner, ihre Lebensfreude, ihre Gastfreundschaft gegenüber fremden Menschen und ihre gute Laune, welche die Stadt einzigartig machen. In Sevilla gibt es zwei Feste, bei denen dieser besondere Charakter zur Geltung kommt. Das eine ist die Karwoche, die Semana Santa, bei der sich die religiöse Hingabe mit der Kunst der Heiligenbilder verbindet, die in Prozessionen durch die Strassen der Stadt ziehen und ein einzigartiges Spektakel bieten. Die andere grosse Fiesta ist die Feria de Abril, bei der Sevillaner und Auswärtige in den traditionellen Flamenco-Kleidern die Stadt mit Freude überschwemmen und bei einem kühlen Bier oder einem Glas Jerez-Wein singen und tanzen.
Gibt es sonst noch spannende kulturelle Bräuche in dieser Region?
Die bereits erwähnten Feste Semana Santa und Feria de Abril, die Opernsaison im Maestranza-Theater, die Flamenco-Biennale, das kürzlich ins Leben gerufene «Iconic Seville Fest», das renommierte nationale und internationale Künstler zusammenbringt und auf der wunderschönen Plaza de España stattfindet, sowie Tausende von Konzerten, Musikaufführungen, Darbietungen und so weiter, die das ganze Jahr über stattfinden.
Zu guter Letzt: Wie kommen Reisende aus der Schweiz eigentlich am besten nach Sevilla?
Aktuell wird Sevilla direkt von Zürich mit Edelweiss und von Genf mit Easyjet in deren Flugplan angeboten. Es besteht auch die Möglichkeit, zum Flughafen von Málaga, der von zahlreichen Fluggesellschaften direkt angeflogen wird, zu reisen und dann bequem mit dem Zug, Bus oder Auto nach Sevilla zu gelangen. Eine sehr empfehlenswerte Option ist es, nach Madrid zu fliegen, dahin gibt es aus Zürich, Genf und Basel täglich zahlreiche Flugverbindungen. Danach kann man die Reise mit dem Hochgeschwindigkeitszug (AVE) fortsetzen, der die 550 Kilometer zwischen den beiden Städten in nur zwei Stunden und dreissig Minuten besonders schnell und angenehm zurücklegt.