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Ein Vierteljahrhundert lang begleitet der katholisch-konservative Zuger Bundesrat Philipp Etter (1891–1977) die Schweizer Politik. Von seiner Wahl 1934 bis zu seinem Rücktritt 1959 leitet er das Eidgenössische Innendepartement. Etter erlebt die wirtschaftliche Krise der 1930er-Jahre und den Zweiten Weltkrieg. Er zeichnet verantwortlich für die «geistige Landesverteidigung», die sich gegen die äussere Bedrohung insbesondere durch Hitler-Deutschland richtet. Nach 1945 durchläuft Etter die Jahre des ökonomischen und sozialen Aufschwungs wie auch den inneren Wandel des katholischen Milieus. Zuletzt wirkt er 1959 bei der Einführung der «Zauberformel» in der Zusammensetzung des Bundesrats mit.
«Etternell» wird er am Ende seiner Karriere genannt – der «Ewige». Als Etter zurücktritt, hat er insgesamt 23 Regierungskollegen erlebt. Im Parlament sind nur noch sieben von jenen Nationalräten übrig, die ihn 1934 gewählt haben. Nur vier Bundesräte dienten länger als er. Etter wurde als eine streitbare Figur der Schweizer Zeitgeschichte in den letzten Jahrzehnten kritisch hinterfragt. Die autoritären und antisemitischen Tendenzen in der Schweizer Politik der 1930er- und 40er-Jahre sowie die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg wurden mit Etters Person identifiziert und sorgten für Kontroversen damals wie heute.
Die Ausstellung widmet sich den kritischen Fragen, aber auch der langen Dauer von Philipp Etters politischer Wirksamkeit. Ein Hauptaugenmerk liegt auf Etters Selbstverständnis als konservativer Intellektueller, der sich in zahlreichen Briefen und Schriften als Zeitbeobachter äussert. Gezeigt werden Dokumente aus den Jugendjahren, aus der Zeit als Zuger Regierungsrat und Leiter der «Zuger Nachrichten», bundesrätliche Ansprachen, bislang unveröffentlichte Erinnerungsschriften, private Korrespondenz sowie Film-, Bild- und Tondokumente. Etters Privatnachlass (P 70) im Staatsarchiv Zug umfasst rund 13 Laufmeter und wurde zwischen 2014 und 2018 erschlossen. Das Staatsarchiv präsentiert mit dieser Ausstellung erstmals den Bestand der Öffentlichkeit.
Diese Ausstellung wurde ermöglicht und unterstützt durch den Lotteriefonds des Kantons Zug, verschiedene Leihgaben und Dokumente aus Privatbesitz, aus der Zentralbibliothek Zürich, dem Archiv für Zeitgeschichte, dem Klosterarchiv Einsiedeln, dem Staatsarchiv Bern und dem Staatsarchiv Aargau.
Anlass für die Ausstellung ist die Publikation der Dissertation von Thomas Zaugg über Philipp Etter, die zu erheblichen Teilen auf Etters Privatnachlass im Staatsarchiv Zug basiert. Weitere Informationen zur Ausstellung, zur Buchvernissage und zu einem Podiumsgespräch über Philipp Etter finden Sie im Flyer. Die Begleitbroschüre zur Ausstellung enthält zusätzliche Texte und Links auf Film- und Tondokumente.