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Dieses Buch ist eine karibische Bibel – und dieser Autor eine neue und unüberhörbare Stimme der lateinamerikanischen Literatur.
Dies ist die Geschichte der Entstehung eines Stadtteils am Rand einer südamerikanischen Großstadt. Unschwer ist die Karibikregion im Norden Kolumbiens zu erkennen. Die ersten Siedler nennen ihr neues »Barrio« selbstironisch Chibolo, die Beule. Es sind ihrer dreißigtausend, die eines Morgens mit ganzen Karawanen von Autobussen angekarrt werden, um das vorgesehene Land zu besetzen und ihre Parzelle in Besitz zu nehmen. Ermutigt und unterstützt wird der Exodus vom Land durch einen Senator, der in seinem Wahlkreis Stimmen braucht. Es entsteht das, was wir gemeinhin als Slum bezeichnen, doch während uns Slums geschichts- und gesichtslos vorkommen mögen, verleiht Marco Schwartz seinem Chibolo beides: Er greift weit zurück in die Geschichte dieses Landstrichs und seiner Bewohner. Und Chibolo ersteht in der mitreißenden Erzählung als ein ganzer Kosmos, der uns an García Márquez’ in der gleichen Gegend angesiedeltes Macondo erinnert. Es geht im Wesentlichen um die Landfrage, die in Lateinamerika immer noch im Zentrum der meisten sozialen und politischen Kämpfe steht. Und Schwartz erzählt große Geschichten, die immer wieder an biblische Geschichten erinnern: Vertreibung aus dem Paradies, Brudermord, Landverheißung, Exodus, Messias. Doch so, wie Marco Schwartz es hier tut, kann man die Bibel nur in Lateinamerika und in der Karibik schreiben.
Marco Schwartz, geboren 1956 in Baranquilla, Kolumbien, ausgebildet als Bauingenieur, ist Schriftsteller, Essayist und Journalist. Seine Großeltern waren polnische Juden, die in den 1920er-Jahren nach Kolumbien auswanderten. Schwartz lebte in den USA und in Israel, seit 1986 in Madrid. Das Karibische Testament (2000) ist sein erster Roman. Mit dem zweiten, El salmo de Kaplan (2005), gewann er den iberoamerikanischen Romanpreis La Otra Orilla.
»Die eigentlichen Helden des Romans sind nicht einzelne Menschen, sondern die Mechanismen von Armut, Aufruhr und Resignation, und Marco Schwartz zeigt mit verblüffenden Details, die in der inspirierten, fintenreichen Übersetzung von Jan Weiz gewahrt bleiben, wie in einer kapitalistischen Gesellschaft noch der subversive Akt einer Landbesetzung den Reichtum der Herrschenden mehrt.« Erich Hackl, WOZ »Der Roman ist aktuell, von brennender Aktualität sogar.« Erich Hackl, WOZ »Der Roman ist eine interessante soziologische Darstellung der lateinamerikanischen Realitäten.« Ute Evers, ila, Bonn »Eine mitreissende Erzählung« Ticket Buchversand, Kölliken »Der Autor bietet viele gelungene, oft in ihrer Absurdität unglaubliche und doch reale Episoden in diesem, in seinen besten Momenten an García Márquez, aber auch an den (sozialkritischen) magischen Realismus eines Manuel Scorza erinnernden Roman. Marco Schwartz ist es gelungen, aus einer in Lateinamerika recht gewöhnlichen Geschichte um eine Landnahme und die Gründung einer Siedlung einen ganzen literarischen Kosmos zu schaffen, der zugleich realistisch und gleichnishaft ist. Nur ein Happy End kann diese karibische Bibel nicht bieten.« Carsten Regling, LiteraturNachrichten, Frankfurt a.M »Wer hellwach die Geschichte auf sich einwirken lässt, der wird mit einem Roman belohnt, der nicht nur unterhält, sondern vor allem auch sehr viel über die Alltäglichkeiten kolumbianischer und auch lateinamerikanischer Geschichte erzählt.« Mario Koch, Amerindian Research »Schwartz nimmt sich der armen Bevölkerung an, gibt ihnen Namen und Stimme, und zeigt einmal mehr, dass die Landfrage das politische und soziale Klima seines Landes bestimmt. ... Für uns Europäer bleiben die Zustände in dem fernen südamerikanischen Staat unglaublich und unfassbar. Es ist Marco Schwartz’ Verdienst, unser Interesse dorthin zu lenken. Er ist ein unermüdlicher Kämpfer zur Aufdeckung der Mangelzustände in seinem Land, was ihm mit dieser von dräuenden Klängen begleiteten literarischen Darstellung bestens gelungen ist.« Claudine Borries, amazon.de, 16. Januar 2009 »Ein politisches und hochaktuelles Buch. Es zeigt die Machenschaften der Politik und die geringen Möglichkeiten der Betroffenen, den Kampf ums Überleben in einem korrupten Regime zu gewinnen.« Christine Kohlmayr, Südwind, Februar 2009 »Der Autor hat seine Bibel gründlich gelesen, aber nicht als theologisches Traktat, sondern - so Schwartz in einem Interview - aus „weltlichem Blickwinkel“, als Sammlung literarisch verwertbarer Episoden. Und so umspielt und verwertet Marco Schwartz das Material: Er zeigt Vertreibung, Verheissung, Verkündigung und allerlei biblische Verbrechen.« Uwe Stolzmann, NZZ, 9. September 2009