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Die Massnahmen zur Rettung der Ozonschicht schienen zunächst erfolgreich zu sein. Aber wenn man sich diese Erfolgsgeschichte näher anschaut, zeigen sich es auch Schwachpunkte.
Entdeckt wurde das so genannte Ozonloch zu Beginn der 1980er Jahre. Da wurde festgestellt, dass sich die schützende Ozonschicht über der Antarktis stark ausdünnte. Als Ursache sahen die Wissenschaftler die FCKW an. Diese Fluorchlorkohlenwasserstoffe hatten in den Industrieländern eine rasante Verbreitung gefunden, weil sie sich als überaus nützlich zum Beispiel in Spraydosen, bei der Herstellung von Schaumstoffen und als Kältemittel in Kühlschränken erwiesen.
Das «Montrealer Protokoll»
Die Scientific Community und die Politiker, die sich speziell mit dem Thema Umwelt beschäftigten, waren sich einig: Diese FCKW müssen unbedingt verboten werden. Damals geschah etwas Erstaunliches: In kurzer Zeit gelang es, ein Abkommen zu formulieren, das von 197 Mitgliedern der Vereinten Nationen im Jahr 1987 verabschiedet wurde. Dieses «Montrealer Protokoll» zeigte Wirkung. Schon am 15. März 1993 wurde der erste FCKW-freie Kühlschrank ausgeliefert.
In den Folgejahren stellte man tatsächlich fest, dass sich die Ozonschicht erholte. Manche Experten schätzten, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts eine vollständige Regeneration stattgefunden haben sollte. Aber die Enttäuschung folgte auf dem Fuss. Im antarktischen Winter von 2018 und 2020 erreichte das Ozonloch erneut Rekordgrössen. Auch 2021 war das Ozonloch ungewöhnlich gross.
Schäden durch Ersatzstoffe
An den FCKW kann diese negative Entwicklung nicht liegen. Woran aber dann? Die erneute Vergrösserung des Ozonlochs hängt mit dem Klima zusammen. Für die Jahre 2018 und 2020 stellte man einen ungewöhnlich starken Polarwirbel fest. Der hängt wiederum mit einer starken Veränderung von Luftströmungen zusammen, die jetzt mehr Wärme aus den tropischen Gebieten in die Polargebiete transportieren. Dadurch werden zeitweise einzelne Luftschichten über der Antarktis blockiert. Es findet keine Durchmischung mit anderen Schichten in der Atmosphäre mehr statt. Daher reichern sich Schadstoffe an und bilden so etwas wie gefrorene Schadstoffwolken. Erwärmt sich die Luft im Frühjahr, wenn die Sonne über dem Südpol wieder kräftiger scheint, werden diese Schadstoffe schlagartig frei und zersetzen wieder das Ozon.
Dazu kommt auch die Erkenntnis, dass die Ersatzstoffe für die FCKW ebenfalls einen schädlichen Einfluss haben können. Die Sache wird auch dadurch noch komplizierter, dass man inzwischen mehr über den Aufbau der Ozonschicht weiss. So zeigt sich, dass Ozon in der Stratosphäre je nach Höhe unterschiedlich verteilt ist. Zudem verhält sich das Ozon über dem Nordpol anders als über der Antarktis. Den grössten Schwund hat man über der Antarktis festgestellt.
Der Ozonschicht-Patient
Die Alarmstimmung der 1980er Jahre ist allerdings geschwunden. So sagt Thomas Peter, Professor für Atmosphärenchemie an der ETH Zürich, dass die neuen Erkenntnisse zwar besorgniserregend, aber noch nicht alarmierend seien. Der jetzige Rückgang der Ozonschicht sei weit weniger gravierend als zu der Zeit der FCKW.
Seine Schlussfolgerung: «Das ist immer noch ein ziemlich kranker Ozonschicht-Patient. Da sind wir der Meinung, man muss ihn weiter im Krankenhaus behalten, Fieber messen und schauen dass er sich weiter erholt. Und erst, wenn er richtig gesund ist, kann man ihn sozusagen aus dem Krankenhaus entlassen.»