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Meikirch
Kirche Meikirch
Egal, ob man von Grächwil, Ortschwaben, Uettligen oder Wahlendorf kommt, bereits von weither ist die Kirche von Meikirch am Südhang des Frienisbergs inmitten des Dorfes zu sehen. Harmonisch fügt sie sich ins schmucke Ortsbild ein und bildet mit Pfarr-, Ofen- und Müngerhaus ein bedeutendes Ensemble im Dorfzentrum. Im Inneren der Kirche können Stilelemente aus verschiedenen Epochen vom 12. bis ins 20. Jahrhundert entdeckt werden.
Die Kirche Meikirch steht auf dem Urfundament einer ansehnlichen römischen Villa. Mit einem langen, figürlich ausgemalten Kryptoportikus – der Grundriss ist heute noch in einem Pflästerungsmuster ablesbar – entstand im 7. oder 8. Jahrhundert einer erste Kirche oder ein Grabbau mit zahlreichen Bestattungen. Heute sind von einem frühromanischen Apsidensaal noch wenig, vom romanischen Bau noch eine Längsmauer erhalten.
Erstmals erwähnt wurde die Kirche von Meikirch im Jahr 1208. Damals legten Mönche des Zisterzienserklosters Frienisberg den Grundstein der heutigen Kirche. Der Ortsname Meikirch leitet sich denn auch von diesem Ursprung «Mönkilcha» oder «Mönchilchen» ab.
Die Kirche hatte in den darauffolgenden Jahrhunderten verschiedene An- und Umbauten erlebt, so sind etwa Bauarbeiten für 1492 und 1507 dokumentiert. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fand wohl ein grösserer Umbau statt. In diese Bauphase fallen beispielsweise florale Gewändemalereien beim Fenster im Bereich der Empore, zwei Stichbogenfenster in der Südwand oder der Taufstein von 1585 mit der Wappenfolge Abtei (Vogtei) Frienisberg, Doppelwappen Bern, Abtei Citeaux und ein beschädigter Wappenschild. Aus dem späten 17. Jahrhundert stammt die eindrückliche Spätrenaissancekanzel mit der Inschrift «1687». 1727-1729 wurde die bestehende Apsis durch den heutigen polygonalen Chorabschluss ersetzt und die Sonnenuhr auf der Südfassade ist auf das Jahr 1747 datiert. Wohl aus dem 19. Jahrhundert stammt das spitze Turmdach mit einer Glocke von 1412 und zwei Glocken von 1928.
Die letzte grosse Renovation fand im Jahr 1978/79 statt. Dabei wurden die farbigen Glasfenster durch Fensterglas ersetzt und die Orgel von Johann Jakob Weber aus dem Jahr 1820 renoviert. Von 1985 stammen die drei keramischen Bildtafeln im Chorbereich. Die Werke des Künstlers Walter Loosli aus Köniz zeigen Themen aus der Offenbarung und sind mit verschiedenfarbigen Tonmaterialien aus jeweils neun Tonplatten zusammengesetzt.
Im Jahr 2000 konnte die Kirchgemeinde das an Pfarrhaus und Kirche angrenzende Müngerhaus erwerben und den Ökonomieteil des Gebäudes zu einem Kirchgemeindesaal umbauen. Bei dem Grabarbeiten kamen zusätzliche römische Funde zutage, welche es dem Archäologischen Dienst des Kantons Bern ermöglichten, ein umfassendes Buch über die «Villa romana» in Meikirch zu verfassen. Zwei grosse Wandfresken aus dem ehemaligen römischen Tempel und zusätzliche Fundgegenstände sind als Leihgabe an die Kirchgemeinde im Müngerhaus ausgestellt.
Der Kirchgemeindesaal wird auch vermietet und eignet sich vorzüglich für Familienfeiern (Kinderhort vorhanden), Hochzeitsapéros, Sitzungen oder Vereinsfeiern. Der Raum bietet Sitzplätze für max. 70 Personen (Infrastruktur vorhanden). Die Küche ist mit einer Industrieabwaschmaschine, zwei Backöfen und den normalen Küchengeräten ausgerüstet. Bei schönem Wetter können Anlässe im Freien auf dem Vorplatz des Müngerhauses durchgeführt werden (Partytische und -bänke vorhanden).
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 401.
- Caviezel-Rüegg, Zita und Matthias Walter, Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Landbd. 4 (Der ehemalige Amtsbezirk Aarberg), Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, 2018, S. 281-287.
- André, Pierre, Peter J. Suter et al., Meikirch. Villa romana, Gräber und Kirche, Bern: Rub Media, 2004.
- Altorfer, Peter und Gerhart Wagner, Meikirch. Festschrift zur Kirchenrenovation 1978, Meikirch: Kirchgemeinde, 1978.