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Namibia
Die Republik Namibia ist ein Staat in Südwestafrika. Er ist fast
zweieinhalbmal so groß wie Deutschland, hat aber nur 2.5 Mio
Einwohner. Damit ist Namibia nach der Mongolei, das am dünnsten
besiedelte Land der Erde. Namibia grenzt im Norden an Angola und
im Nordosten an Sambia. Im Osten sind Botswana, im Südosten und
Süden die Republik Südafrika die Nachbarstaaten.
Der Westen des Landes wird vom Atlantik begrenzt und die Hauptstadt ist Windhoek.
Die Wirtschaft ist weitgehend abhängig von der Republik Südafrika. Der Hauptwirtschaftszweig ist der Bergbau. Gefördert werden Diamanten, Gold, Kupfer, Uran, Blei und Silber.
Von der Landwirtschaft leben über 30 % der Erwerbstätigen. Die Industrie ist noch wenig entwickelt. Erzverhüttung, Fisch- und Fleischverarbeitung, Metall- und Textilindustrie sind wichtige Zweige.
Namibia war bis 1915 deutsche Kolonie, deshalb gibt es immer noch Menschen die Deutsch sprechen und Strassen und Plätze die deutsch ausgeschildert sind. Nach Ende des 1. Weltkrieges gelangte es unter Südafrikanische Herrschaft. Seit 1990 ist der Staat unabhängig. Namibia gehört somit zu den jüngsten unabhängigen Staaten Afrikas. Anders als in den anderen südafrikanischen Ländern kam es nach Erreichen der Unabhängigkeit zu keinen größeren Konflikten zwischen der schwarzen und weißen Bevölkerung. Mehr als 70% der Bevölkerung sind dunkelhäutig und sprechen Sprachen aus der Bantu-Familie wie die Ovambo und die Herero. Namibia ist eine weitgehend funktionierende Demokratie.
17.10. Heute ist Grenztag!
Da wir noch viele Pulas haben, fahren wir zuerst zum Tanken und füllen auf. Unser Indy ist ziemlich eingesaut von den Pisten und in Kasane gibt es einige Waschmöglichkeiten. Wir müssen genau hinschauen, denn es gibt einige - in allen Ländern mit wenig Wasser - die nur ein paar Liter über das Auto einreiben, und dann mit Lappen polieren. Also das reinste Schmirgeln von bereits klebendem Sand. Wir finden einen sehr sympathischen jungen Typ, der sogar ein Hochdruckreiniger hat, und zu einem sehr guten Preis bereit ist sich unserem Auto anzunehmen. Super gründlich wäscht er bestimmt eine Stunde lang jede Fläche und Ritze, und bestimmt nicht SUVA konform sogar das Dach und die Solarpanelen.
Die ungefähr 60 km entlang des National Parks sind rasch gefahren, leider ohne nochmal Giraffen oder Elefanten gesehen zu haben. Der Grenzübergang ist gut ausgeschildert, ganz schnell wären wir ausgecheckt, wäre nicht der junge Beamte so wissbegierig, alles über unsere Pläne und die Schweiz zu erfahren. Sehr nett. Wir loben sein Land und sagen ihm wie begeistert wir sind. Er freut sich und lässt uns mit den besten Wünschen ziehen.
Wir amüsieren uns. Eine Österreichische Bus-Reisegruppe muss sich etwas irritiert bei der Einreise nach Botswana dem leidigen Thema des Schuhe Desinfizierens hingeben. Also packen alle ihre Schuhe aus den, natürlich unten im Bus liegenden Gepäckstücken, und tunken die Sohlen in die braune Brühe in den Blechkisten. Tja, so läuft das hier🤪.
Wir fahren bei Affenhitze die paar Kilometer zum Grenzposten von Namibia. Ein erstes kleines Häuschen mit einer netten Beamtin, die unsere Daten einmal mehr von Hand in eines der mystischen grossen Bücher einträgt, wo wir uns immer wieder fragen, was mit den Daten geschieht. Aber egal, sie schickt uns zum Gebäude der Immigration. Wir gehen rein, keine anderen Einreisewilligen, bekommen wie immer das Einreiseformular und füllen aus. Wir stocken bei der Frage, wie lange wir bleiben wollen. Eigentlich sind 90 Tage das Maximum. Wir möchten aber gerne 100, da wir bis Ende Januar in Namibia bleiben wollen. Haben uns nämlich schon überlegt, dass es vielleicht schwierig sein wird, über die Festtage in Windhoek ein offenes Immigration Office zu finden um das Visum verlängern zu lassen. Wir denken uns; den Frechen gehört die Welt und schreiben einfach mal vier Monate...Der Beamte, der sich unserer Pässe annimmt, murmelt etwas in seinen ausgefransten Bart. Wir verstehen nicht und fragen nach. Wie lange wir in Namibia bleiben wollen? Ähm, vier Monate wenns geht?!?! Er blättert durch die Pässe, hin und her, stellt seinen Stempel ein, und knallt ihn auf eine leere Seite. Wir bedanken uns und bummeln zum nächsten Schalter. Natürlich gucken wir sofort nach der Länge des Visums - zack, 4 Monate! Das gibts doch nicht. So ein Glück! Das Problem mit der Verlängerung über die Festtage hat sich somit erledigt. Wir drehen uns um und Danken ihm. Beim nächsten Schalter geht es um das Auto. Nachdem wir abermals ein Formular ausgefüllt haben, kommt die Beamtin und will mit Tinu das Fahrzeug inspizieren. Allerdings nur von Aussen und auch nur kurz - zack erledigt. Kein Covid-Pass, kein Test, kein Impfausweis...das alles wurde offenbar zwischenzeitlich abgeschafft. Nach einem kurzen Stündchen, heisst es für uns - NAMIBIA wir freuen uns auf dich! ...und zudem 4 Monate, wie geil ist das denn!?
Wir fahren nach Katima Mulilo, den nächsten grösseren Ort nach der Grenze, und füllen unsere Vorräte auf. Das gute namibische Supermarkt Angebot ist uns noch aus den 1990/2000er Jahren in Erinnerung, und tatsächlich ist fast alles zu haben wie bei uns. Nur viiiiiel besseres Fleisch. Wir kaufen 900 gr. Rindsfilet für etwa 14 Franken und sonst noch Allerlei was wir für etwa eine Woche brauchen. Denn unsere Reise führt uns in den Caprivi Streifen. Den äussersten und nördlichsten Zipfel Namibias, noch nicht lange mit einer Asphaltstrasse erschlossen. Früher nur befahrbar mit 4x4 und am besten mit mindestens zwei Fahrzeugen. Dies ist die "schwarze Ecke" Namibias. Hier ist der Deutsche Einfluss kaum spürbar, die Armut gross und das Land trocken und karg. Wir verlassen das Eldorado der leeren Kühlschränke und steuern den Platz des Hotels Protea an.
Hier sind wir mit den beiden Gritschs, Verena und Wolfi, die wir aus Vic Falls kennen, verabredet. Sie haben den grossen Platz direkt am Fluss fast für sich alleine, und sind bereits mit ihrem Abendessen zu Gange. Wir verbringen ein paar gemütliche Stunden, bevor sich am nächsten Tag unsere Wege trennen. Die beiden haben einiges im Ort zu tun und wollen nachher in den Mudumu Nationalpark ganz in der Nähe. Wir müssen langsam mal Land gewinnen, damit wir rechtzeitig beim Etosha eintreffen um Bea und Pit zu treffen. Bis dorthin sind es bestimmt noch über 1000 km und noch soo viele schöne Plätze warten auf uns. Verena und Wolfi geben uns noch einige Tipps mit auf den Weg, denn die beiden kennen Namibia wie ihre Westentasche. Sind sie doch beim Covid-Lockdown während neun Monaten in Namibia gestrandet.
Den ersten Tipp von ihnen steuern wir etwa 120 km nach Katima Mulilo an. Ein kleiner Camping Platz, der von der Dorfbevölkerung betrieben wird, auf dem sie schon mehrmals gestanden sind. Und wirklich: der ist mega! Ich mach das nicht oft: Aber ihr Lieben, die ihr unseren Blog lest und hier in Namibia unterwegs seid. Übernachtet beim Kapako Waterfront Camp wenn ihr im Caprivi unterwegs seid. Mit dem wenigen was die Menschen hier zur Verfügung haben, ist der Platz sehr liebevoll gestaltet und gepflegt. Lucas, der Host gibt sich unglaublich Mühe und kann schöne Ausflüge ins Flussdelta organisieren. Ihr bekommt hier günstig Holz zu kaufen, es hat Feuerstellen und ihr steht direkt am Okawango. Wir sehen Hippos und ab und zu sollen sogar Krokodile vorbei schwimmen, und nur die Insekten sind hier laut. Einen vollen Wassertank und natürlich einen vollen Kühlschrank müsst ihr mitbringen. Folgt einfach den iOverlander Koordinaten und geniesst den schönen Ort. Und zudem ist hier euer Geld wirklich gut angelegt und geschätzt. @ Ernst: auch für deinen LKW hat es hier einen tollen Platz😊...wundervolle Sonnenuntergänge gibt es übrigens dazu!
20.10. Kapako River Camp- Divundu
Am Morgen kommt Lucas mit seinem Kassabuch, wo jeder Reisende seine Daten selber erfasst und den zu bezahlenden Betrag. Transparenz gegenüber der Dorfbevölkerung nehm ich an. Auf einmal stutzt er, sieht genauer in den Sand und meint: ihr hattet diese Nacht Besuch von einem Leoparden. WHAT?!? Er sagt, das sei das erste mal, dass er auf dem Camping Spuren gesehen habe. Aber der dichte Busch beginne direkt dahinter. Er wolle zur Sicherheit noch einen Freund holen. Gesagt getan, der Freund kommt, schaut sich die Spuren an, und kann den Weg des Leoparden ganz genau rekonstruieren. Beide freuen sich, die Spur gesehen zu haben, und das ein Leopard in dem Gebiet ist. Ich frag ihn, ob er ab sofort, Hühner und Ziegen am Abend einsperrt. Aber er lacht und meint, nein, es gäbe genug wilde Beute für einen Leo und zudem seien sie sehr scheu gegenüber Menschen. Na denn...
Und übrigens hat Lucas gelacht beim Namen unserer Webseite. Er hat uns gefragt, ob wir wissen, was "timbila" in seiner Sprache bedeute? Es sei "Dungbeetle". Die von allen geliebten Mistkäfer, die sogar auf den Strassen ein Schild haben mit "Dungbeetle haben Vortritt". Witzig!
Dungbeetle at work
Für uns geht es heute 200 km geradeaus auf guter Teerstrasse nach Divundu. Wobei, zwei kleine fast nicht auszumachende Kurven waren denn doch eingebaut, aber immerhin mit Warnschildern angekündigt. Trockenes Buschland mit langsam grüner werdenden grossen Bäumen und einige Kraals beidseits der Strasse. Das war alles. Nachdem es gestern ungewohnterweise bewölkt war, und sogar ein paar Tropfen vom Himmel gefallen sind, ist es heute wieder heiss und die Sonne knallt. In diesen Momenten ist die Klimaanlage schon eine feine Sache. Wir erreichen die Nunda Lodge kurz nach dem Mittag. Eine wundervolle Gartenanlage direkt am Okavango mit Pool und tollem Deck über dem Fluss. Der Camping ist fast leer, und wir dürfen wählen. Nummer 2 direkt am Fluss, mit Feuerstelle und grossem Baum als Schattenspender ist genau richtig. Und dank den vielen Südafrikanern die immer Kühlboxen in den Autos mitfahren, gibt es auch hier Stromanschluss. Perfekt. Während ich also hier schreibe, grunzen die Hippos, Fischer kommen mit den schmalen Mokoros vorbei und grosse Ameisen beissen mich immer wieder in die Zehen.
Es ist ein toller Platz. Wunderbar sich bei fast 40 Grad im Pool abzukühlen, ab und zu machen wir einen Versuch mal über Internet eine Rechnung zu bezahlen, eine Buchung zu tätigen oder einen neuen Bericht auf unsere Webseite zu stellen. Vergebens. Nirgends war das Internet bisher so schlecht wie in dieser Region. Ätzend. Dafür ist die Aussicht umso besser. Am Abend als Tinu auf dem Feuer kocht, hören und sehen wir immer wieder Hippos in der Nähe, manchmal auch ein Krokodil. Als es nach und nach finster wird, merken wir, dass eines der Hippos immer näher zum Ufer kommt. Bei unserem Platz hat es nämlich richtig schönes Gras, was ja die Lieblingsspeise der grossen Dicken ist. Wir spitzen also die ganze Zeit die Ohren, damit wir das Platschen nicht verpassen, sollte es aus dem Wasser steigen. Von blossem Auge ist es schwierig noch etwas zu erkennen. Auf einmal meint Tinu, was ist denn das Grosse da am Ufer, war da immer schon ein Busch. Hiiiilfe, das Hippo ist schon ganz aus dem Wasser, wohl geschmeidig wie eine Nixe, denn wir haben nichts gehört, nur ungefähr 30 Meter von uns entfernt. Meine Fluchtreflexe funktionieren noch, ich mache einen Hupf ins Auto und bleibe im Türrahmen stehen. Irgendwo zwischen Faszination und Bammel. Tinu bleibt sitzen und verhält sich ruhig, und das Hippo beginnt einfach zu grasen. Cool. Mein Puls ist mittlerweile auch wieder in vertretbarer Frequenz und wir können das grosse Tier noch lange beobachten. Irgendwann erschreckt es, wovon auch immer, und nimmt einen Flug in die Fluten - und weg wars. Toll!
23.10. Divundu - River Dance Lodge
Nach drei Tagen verlassen wir die tolle Nandu Lodge, fahren zum Einkaufen und Tanken, und rollen gemütlich die nur 40 km zur River Dance Lodge. Eine von Schweizern geführte Lodge, die wir schon vor langer Zeit auf anderen Blogs gesehen haben, und immer schon gesagt haben: Sollten wir mal in dieser Region sein, wollen wir dahin. Und wirklich! Bereits nach dem grossen Schild an der Schotterstrasse führt ein sehr gepflegter Sandpfad durch gestutztes Buschland, das Tor ist wunderschön und gleich dahinter beginnt ein saftig grüner Rasen - mitten im Trockengebiet! Alles irrsinnig schön gemacht, die Reception im offenen Restaurant integriert, eine wahnsinns Aussicht von der tollen Terrasse mit riesiger Feuerschale - einfach mega. Eine junge Schweizerin (vermutlich die Tochter der Besitzer die für ein paar Tage unterwegs sind), begrüsst uns mit einem Willkommens Drink. Clementine, eine Angestellte erklärt uns was es alles zu tun und zu erleben gibt und wo sich was befindet. Sie bringt uns zu unserer Camp Site, einer von nur vier Plätzen. Zudem hat die Lodge auch nur sieben Bungalows. Also alles in allem sehr übersichtlich.
Auf dem Platz müssen wir uns zu allererst um Unangenehmes kümmern. Wir haben gerade vorhin bemerkt, dass in den Türdichtungen, welche ja ziemlich dick und wie Schläuche zusammengerollt sind, rege Ameisenstrassen entstanden sind. BÄÄÄÄHH! Das hatten wir doch schon mal in Mexiko....und auf unserer Terrasse in Niederglatt! Die Mistviecher sind fast nicht loszukriegen. Im Landy waren sie erst weg, nachdem er fast einen Monat bei eisiger Kälte im Hafen von Bremerhaven gestanden hat. Aber so weit wollen wir jetzt nicht gehen, wir fragen Clementine, ob sie eventuell eine Wunderwaffe hat und sie fragt die Männer vom Unterhalt. Zurück kommt sie mit Puder und Spray - wir verteilen beides und hoffen, dass die Arbeiterinnen das Zeug ihrer Königin als Geschenk mitbringen.
Auch auf dem ganzen Lodge Gelände hat es unzählige verschiedenen Ameisenkolonien. Sie sind ganz wild und in allen Grössen und Farben. Irgendwann hätten wir sie also sowieso eingefangen...am späteren Nachmittag, verdunkelt sich seit langem wieder mal der Himmel, der Wind beginnt zu blasen und Regen setzt ein. Bei uns ist der Regen bald vorbei, und es ist merklich angenehmer. Kurz bevor der Regen fällt ist es nämlich unglaublich schwül, obwohl wir ja immer noch auf 1000 M.ü.M. sind. Blitze zucken im Sekundentakt auf der gegenüberliegenden Seite des Okavango, in Angola. Bestimmt bekommen die einiges an Wasser, worauf hier ebenfalls alle sehnlichst warten.
24.10.River Dance Lodge - Ndurukoro Lodge
Am Abend essen wir auf dem wunderbaren Deck von River Dance mit der grandiosen Sicht auf den Okavango und das Ufer von Angola. Das Essen wurde von Reisenden schon oft gelobt und schmeckt wirklich ausgezeichnet. Die Lodge ist toll, das Essen auch, der Pool sauber und trotzdem mögen wir nicht mehr bleiben. Irgendwie ist alles ein bisschen zu schweizerisch, genau und gepützelt, man sieht keine Tiere im River, und vom Stellplatz sehen wir sowieso nicht gut genug zum Fluss. Zudem machen uns die unglaublich vielen Ameisen auf dem ganzen Grundstück ganz kirre. Die müssten dringend mal was dagegen unternehmen. Zumindest uns, ist so ein Ameisenüberschuss noch nirgends untergekommen.
So fahren wir los, zum nächsten Tipp von Gritsch's. Nur knappe 40 km später sind wir an einem grossartigen Platz, dem von Eddy. Die Ndurukoro Lodge ist wie auch unser Platz direkt am Wasser, Rasen, Grillstelle, überall viel Holz vorbereitet für die Lagerfeuer der Gäste, superschöne Duschen und wir hören schon die Hippos. Bei unserem Platz gibt es sogar ein kleines überdachtes Deck, um bei Regen oder Sonne geschützt über dem River Tiere beobachten zu können. Überall flattern Perlhühner, Pfaue und anderes Getier und sogar Bushbabys sollen hier in den Bäumen leben. Toll. Gut, dass wir ein Haus weiter sind. Wir sind überrascht und begeistert wie viele, wirklich irrsinnig schöne Campingplätze/ Lodges es hier so abgelegen im Caprivi Streifen gibt. Man könnte offenbar jeden Tag ein bisschen weiterziehen und würde wieder an einem tollen Ort landen. Und natürlich ist es toll, dass viele direkt am Okavango liegen. So viele Tiere und die wirklich grossartige Landschaft, ich möchte gar nicht mehr weg aus diesem Teil Namibias - wobei ich ja weiss, dass mir vor allem die Wüste gefällt. Also ist es ein Tausch von grossartig zu grossartig😉.
26.10. Ndurukoro - Kaisosi River Lodge in Rundu
Wow, heute morgen regnet es wie aus Kübeln - eine fast vergessene Erfahrung. Es ist etwa 16 Grad und ich muss nach vielen Wochen erst mal meine wärmeren Hosen suchen - in der ersten Hektik der Gänsehaut, grüble ich sogar über Socken nach. Die Regenzeit setzt offenbar ziemlich pünktlich ein. Denn November bis Januar ist es in Namibia soweit und von den Einwohnern und im Speziellen von den Farmern wird Regen herbeigesehnt. Auf jeden Fall fällt uns so der Abschied leichter (wir haben nämlich schon überlegt noch eine Nacht zu bleiben). Wir fahren also in strömendem Regen los in Richtung Süden. Heute wollen wir 150 km bis zur Kaisosi River Lodge. Die wurde uns empfohlen, gefällt uns aber nach der Ankunft nicht ganz so gut. Man sieht nicht auf den Fluss, die Bungalows scheinen sehr gut gebucht zu sein, entsprechend viele Menschen sind auf dem Gelände unterwegs. Aber es hat gutes W-Lan und wir können ein paar Rechnungen bezahlen, Buchungen machen und uns mit anderen Reisenden kurzschliessen. Zudem ist die Waschmaschine auch wieder mal ganz willkommen, somit alles in allem doch ganz gut.
Aber am Morgen rollen wir bereits wieder los, für die 215 km zum nächsten Platz, dem Roy's Rest Camp. Überraschend wie gross das Geschäftsangebot in Rundu ist. Sogar erste Weihnachtsdeko ist in den Schaufenstern zu bestaunen🙈...Somit stocken wir noch etwas die Vorräte auf und düsen los. Die Strasse ist super, keine Schlaglöcher, keine Polizeikontrollen, nur guter Asphalt und ab und zu Ziegen, die über die Strasse stöckeln, als hätten sie viele Schutzengel, und Tinu muss seine Wohlfühlzone bei 100 kmh mit Tempomat verlassen und auf 0 kmh abbremsen. Wir sind auf 1400 M.ü.M. und trotzdem ist es bereits am späteren Vormittag 37 Grad. Eine Veterinärkontrolle ist verdankenderweise bereits auf unserem Navi eingetragen, somit halten wir zwei Kilometer vorher, verstecken alles tierische aus dem Kühl- in den Kleiderschrank und lassen den netten Beamten seine Arbeit machen. Er guckt kurz in den Kühlschrank und ist zufrieden. Ein paar Kilometer später geht alles aus dem Kleiderschrank wieder zurück in den Kühlschrank. Geht doch.
Unterwegs begegnen uns immer wieder Mietwohnmobile der Marke Maui mit Schweizer oder deutschen Flaggen. Als uns jemand bei einem Picknick Platz anspricht stellt sich heraus, dass Seabridge wieder mit Gruppen unterwegs ist, die Namibia, Botswana und Südafrika während zwei Monaten bereisen. Auf unsere Frage wo sie denn heute übernachten werden, meinen sie bei Roy's Rest Camp. Uiuiui, ob das für uns auch noch Platz hat. 15 dieser Riesenmobile brauchen schon ganz schön Platz auf so einem normalen Camping. Als wir dort einrollen, ist die erste Frage ob wir denn reserviert hätten; natürlich nicht. Oje, sie seien total ausgebucht. Alles klar. Es ist sowieso an der Reception, im Resti und am Pool ein Riesentohuwabohu also eher nichts für uns. Wir checken kurz iOverlander und fahren weiter zur nächsten Lodge. Die Kalkfontein Lodge, ganz leer, mit Blick auf eine Wasserstelle wo wir im Laufe des Abends viele Antilopen und sogar Giraffen sehen. Nichts grossartiges, im Vergleich zu den letzten Plätzen im Caprivi, aber ok für eine Nacht, und Morgen gehts für uns aufs Otavi Weingut. Eines der Fünf Weingüter Namibias. Wir sind gespannt.
29.10. Otavi - Boshoff Wineyard und Camping
Das Weingut Otavi der Familie Boshoff liegt auf fast 1600 Metern eingebettet in Hügeln und grüner Landschaft. Man sieht, dass sie hier bereits ein paar Tage Regen gehabt haben, die Bäume spriessen und die Hänge der umliegenden Hügel werden grün. Wir treffen die Besitzerin, Tamara aus dem Aargau. Sie ist der Liebe wegen seit 18 Jahren in Namibia, hat mit ihrem Mann dem Oenologen drei Kinder, viele Hunde, Schafe und seit einen Monat vor Ausbruch von Corona auch vier Stellplätze für Camper.
Wir stehen hier mit Blick in die Reben unter einer grossen Akazie. Sie ist super nett, erzählt uns viel über die Farm, die Arbeit, die Pläne, aber auch die Risiken und die Ängste die man als selbständiges Unternehmen hat. Sie bieten ein schönes Winetasting an, aber das wollen wir überspringen und dann mit Bea und Pit nach dem Etosha nochmal hier vorbeikommen. Wir bleiben aber mal für zwei drei Nächte hier, es gefällt uns, hat eine tolle Feuerstelle, eine gute Lapa (Unterstand wie überdeckter Aufenthaltsraum mit Tisch und Koch-, Waschgelegenheit) - nicht zu verachten bei den abendlichen Gewittern die jetzt ab und zu niedergehen und die allerallerschönsten Duschen südlich vom Äquator. zudem kann man durch die Weinberge wandern und am Abend das Erzeugnis direkt vom Hof geniessen. Besser geht nicht!
Ein wirklich schöner Ort - Boshoff Vineyard Otavi, bei Tamara und Gillmar
1.11. Otavi - Gerus Camp - Otjiwarongo - Sophienhof Lodge
Es fällt uns ein bisschen schwer vom Weingut wegzugehen. Aber nach drei Tagen muss es sein, aber wir kommen ja wieder - freuen uns schon drauf. Nachdem wir eine Nacht bei Gerus Camp waren (und fast deren Hund geklaut hätten weil er soooo süss war), fahren wir in die Stadt Otjiwarongo, die für namibische Verhältnisse mit 30'000 Einwohnern schon richtig gross ist, zum Einkaufen. Viel Verkehr, Menschen auf den Strassen, volle Parkplätze und zum ersten mal Himbas. Die Ethnische Gruppe der Himbas, ist in der Akzeptanz der Weissen etwa gleichzusetzen mit den San, den Inuit und den Aborigines - also ziemlich weit unten. Sie laufen in ihrer traditionellen Bekleidung in den Supermärkten und auf der Strasse. Neugierige Blicke der Touristen, verachtende Blicke der Einheimischen Schwarzen und Ignoranz der Einheimischen Weissen, begleiten sie.
Himbafrauen - Bild aus dem Internet
Otjiwarongo ist ein guter Ort um Vorräte aufzustocken und es ist alles zu bekommen. Zum ersten mal werden wir, eigentlich auf etwas unsympathische Weise, angemacht. Der Parkwächter will Geld für ein Fussballprojekt, alle möglichen Leute wollen uns etwas verkaufen von überall wird etwas gerufen. Diese Stadt ist Ausgangspunkt für alle Etosha Reisenden, entsprechend viele Touristen und Reichtum ist sichtbar. Natürlich haben die Einheimischen auch unter den Covid Jahren gelitten, entsprechend hat die Not zugenommen.
Wir kaufen also ein und verschwinden. Nur knappe 40 km zur Sophienhof Lodge, wo wir am Freitag mit Bea und Pit verabredet sind. Es ist eine richtig grüne gepflegte Oase, mit einem kalten sauberen Pool und einem Wasserloch. Wir sind mutterseelenallein auf dem riesigen Gelände und richten uns häuslich ein. Wir werden ja vier Tage hier sein, bevors für eine Woche in den Etosha National Park geht.
4.11. Sophienhof Lodge
Wir machen im Auto ein bisschen Ordnung, kleben alle Lüftungsöffnungen von Heizung etc. ab (weil auf den Gravelroads, den fiesen Schotterstrassen sonst alles zustaubt), Schlösser müssen ebenfalls neu abgeklebt werden, wir planen die Route, erkundigen uns über Übernachtungspunkte und verbringen ein paar nette Stunden mit Uli und Max und ihren beiden Kindern Emil und Leo, einer österreichischen Familie, die mit Mietauto unterwegs ist. Sie sind schwer begeistert von unserer Tour und von Indy und haben Namibia ebenfalls schon mehrfach bereist. Somit gibt es viel zu erzählen.
Am späteren Nachmittag treffen Bea und Pit mit ihrem Mietauto mit Dachzelt ein. Ein schönes Wiedersehen, nachdem sich unsere Wege nach Mauritius getrennt hatten. Sie waren in der Zwischenzeit zwei Monate auf Madagaskar und sechs Wochen in Südafrika, und nun werden wir eine zeitlang gemeinsam Namibia bereisen. Es gibt viel zu erzählen, besprechen und lachen und wir kochen ein feines Abendessen. Die zwei müssen sich erstmal an ihren neuen fahrbaren Untersatz gewöhnen, denn sie sind noch nie mit Dachzelt gereist. Man muss erst mal ein Gefühl für die praktischste Ordnung finden und Vorräte aufstocken etc. Die zwei sind ja sonst seit fast zehn Jahren mit dem Fahrrad auf der ganzen Welt unterwegs und haben über 100 000 km in über 60 Ländern gemacht. Crazy!
5.11. Outjo - Etosha
Nach einer ruhigen Nacht bezahlen wir die Zeche und machen uns auf den Weg nach Outjo um einzukaufen und zu tanken. Der Dieselpreis hat vor ein paar Tagen einen Sprung von 12 Rappen auf 1.50 gemacht, ganz schöne viel, vor allem für die Einheimischen. Wir fahren die 110 km durch flache Steppe über eine super Teerstrasse und erreichen das Anderson Gate vom Park Mitte Nachmittag. Wir tragen uns einmal mehr in ein riesiges Buch ein und bekommen einen Permit um den Etosha National Park zu befahren. Nach 16 km erreichen wir das Camp Okaukuejo. Es ist das grösste Camp im Etosha und bietet eine gute Infrastruktur. Vor allem aber hat es das beste Wasserloch im ganzen Park. Schon beim letzten mal haben wir am nachts beleuchteten Wasserloch viele Tiere gesehen.
Eigentlich war der Plan draussen zu kochen und zu essen, aber der Wind bläst so stark aus allen Richtungen, dass ein Feuer oder kochen auf dem Gas schlicht unmöglich ist. Es weht Stühle um wenn keiner drauf sitzt, und es weht Gläser und Getränke weg, wenn sie nicht voll sind. Also alles in Allem ein Reinfall und uns bleibt nur das Essen im Restaurant. He nu. Aber das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss. Natürlich bummeln wir nach dem Essen zur Wasserstelle. Eine Elefantenherde ist bereits genüsslich am Trinken, ein paar Mamis mit ihren Jungtieren.
Nach und nach machen sie sich wieder auf den Weg, wohin auch immer und verlassen das Wasser. Kurz darauf kommt ein einzelnes Nashorn und checkt die Lage. Es trinkt und bald darauf folgen das Weibchen mit dem Jungen, welches wahrscheinlich vom letzten Jahr ist. Sechs Giraffen, zwei sehr grosse Bullen und zwei Weibchen je mit ihren Jungen haben auch Durst und ein Schakal mogelt sich auch noch ins Bild - es ist richtig was los. Am liebsten möchten wir die ganze Nacht sitzen bleiben, allerdings fallen Tinu die Augen zu und mich schmerzt das Füdli vom Sitzen... und schliesslich ist morgen auch noch ein Tag.
6.11. Etosha NP
Am Morgen ist es immer noch stark bewölkt, nachdem es in der Nacht sogar ein paar Tropfen geregnet hat. Es ist angenehm warm, aber nicht so glühend heiss wie in den letzten Tagen. Wir fahren eine erste Runde durch den Park entlang der Salzpfanne. Das Land ist komplett flach, nur ganz kleine Büsche bedecken hier den weissen, kalkigen Boden. Wir sehen viele Oryxe, Springböcke, Strausse und Zebras, aber sonst nichts Grosses. Dies ist weder Elefanten noch Giraffenland - zu wenig Bäume - zu wenig Futter. Als wir am späteren Nachmittag wieder zum Camp zurückfahren kommen kurz darauf Bea und Pit ebenfalls wieder an. Sie haben ganz viele Löwen gesehen. Sind irgendwo am Flussbett rumgelümmelt und seien faul rumgelegen.
In den folgenden Tagen machen wir viele Pirschfahrten in alle Richtungen. Wir sehen wahnsinnig viele Tiere. Grosse Herden Elefanten, unglaublich viele Gnus, Zebras, Oryxe und Springböcke und immer wieder Nashörner. Wir entdecken sogar ein Löwenmännchen mit seinem Harem - alle faulenzen in der Mittagshitze unter einem schattenspendenden Busch. Im Kuddelmuddel des Löwenhaufens sehen wir gar nicht wo ein Löwe aufhört und der nächste beginnt. Es sind ungefähr fünf Weibchen mit ihrem Macho.
Aber die Strassen im Etosha sind ein Witz. Natürlich ist Namibia berühmt berüchtigt für seine Wellblechpisten. Aber vor 20 Jahren waren viele dieser Grader unterwegs, die monströsen Maschinen, die die Oberfläche der Wellen abfräsen und die Fahrbahn wieder für eine gewisse Zeit befahrbar machen. Jetzt sieht man überhaupt keine Grader mehr. Sogar die Hauptpisten sind in einem desolaten Zustand. Und dies im Stolz Namibias und dem meistbesuchte Teil des Landes, wo viele tausend Besucher jedes Jahr hinpilgern und Eintritt bezahlen. Irgendjemand muss es eine grosse Tasche haben, worin all diese Gelder versichern. Jetzt verstehen wir auch, was uns Guide Ricky erzählt hat, den wir im Caprivi Streifen kennen gelernt haben. Er meinte, seine und andere Reiseagenturen hätten in vergangenen Jahren schon selber Geld zusammengelegt, damit die schlimmsten Strassenabschnitte im Etosha ausgebessert werden können. Denn natürlich leiden auch die Mietfahrzeuge unter den schlechten Bedingungen. Verrückt!
Wir brauchen also für lausige 73 km satte 4 Stunden 15 Minuten reine Fahrzeit. Bei der Ankunft im Halali Camp, denk ich, dass mir bestimmt ein paar Knochen unterwegs abhanden gekommen sind. Der Indy und ich ächzen. Mensch und Maschine haben die Schnauze voll für heute. Auch Bea und Pit stöhnen ob der üblen Pisten. Aber egal, wir hatten noch das Glück einen Leoparden am Rietfontein Wasserloch zu sehen. Das macht alles wett. Obwohl; er war natürlich im Baum, unter schattigem Laub, zusammengerollt und schlafend - also alles in allem ein Suchbild. Aber die Krähen haben ihn verraten. Als ein paar Impalas beim Wasserloch vorbeigehen wollen, machen sie ein Riesengezeter und setzen sich auf "seinen" Baum um die anderen Tiere vor der Gefahr zu warnen. Aber ihn interessiert das sowieso nicht - er will nur pennen bis es endlich kühler wird.
Auch in den folgenden Tagen machen wir viele Game Drives. wir sehen so viele Tiere, es ist toll. Am Abend kommt immer was Feines aufs Feuer, die Abende sind lau und sogar in der Nacht bleibt es jetzt teilweise heiss. In der Ferne sehen ziehen Gewitter auf, die betreffen uns aber nicht. Etosha ist toll. Wir freuen uns, dass wir eine ganze Woche hier sind. Tinu macht ich schätze mal ein paar Pausen Bilder. Eine erste kleine Auswahl hier: