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Wenn Chips spezielle Rechenschritte ausführen, die die Rechenzeit verkürzen und den Rechenvorgang insgesamt beschleunigen, hinterlassen sie Spuren im Speicher. Diese könnten von Cyberkriminellen ausgenutzt werden, um unbefugt Zugriff auf beliebige Informationen im System zu erhalten, heisst es in einem Bericht zur Entdeckung der Lücke von der ETH
. So sollen sich zum Beispiel Verschlüsselungscodes oder sicherheitsrelevante Passwörter entwenden lassen.
Cloud-Umgebungen besonders betroffen
Dies ist besonders riskant in Cloud-Umgebungen, in denen mehrere Unternehmen gemeinsam Computersysteme nutzen. Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit in Bern erachtet die Schwachstelle namens "Retbleet" mit den CVE-Nummern CVE-2022-29900 (für Prozessoren des Herstellers AMD) und CVE-2022-29901 (für Prozessoren des Herstellers Intel) als schwerwiegend, da die betroffenen Prozessoren weltweit im Einsatz sind. Jedoch haben die Hersteller bereits erste Massnahmen ergriffen, um die Sicherheitslücke zu schliessen.
Entdeckt haben die Sicherheitslücke der Doktorand Johannes Wikner und Kaveh Razavi, ETH-Professor für Computersicherheit. Der Name "Retbleed" bezieht sich auf eine bestimmte Art von Programmanweisungen, die sogenannten Returns.
Spekulative Ausführung ist problematisch
"Retbleed ist ein Problem der spekulativen Ausführung", sagt Johannes Wikner. Solche Rechenschritte dienen dazu, die Verlangsamung der Berechnungen zu vermeiden, indem bestimmte Rechenschritte vorgezogen werden, bevor klar ist, ob sie tatsächlich gebraucht werden. Spekulative Berechnungen finden zum Beispiel statt, wenn ein Prozessor zu erraten versucht, welchen Weg die Befehlskette an einer Verzweigung einschlägt. "Dabei 'raten' die CPUs, welche Richtung sie an einer Verzweigung einschlagen sollen und führen die Anweisungen aufgrund ihrer Vermutung spekulativ aus", erklärt Razavi.
Zahlreiche Intel- und AMD-Chips betroffen
Wie Razavi und Wikner nun herausgefunden haben, gibt es ein bisher nicht behobenes Sicherheitsproblem: "Wir haben gezeigt, dass bei spekulative Berechnungen besonders viele Return-Anweisungen ungeschützt sind und missbraucht werden können", so Wikner.
Wie in solchen Fällen üblich, haben die beiden Sicherheitsforscher zuerst die betroffenen Hersteller AMD und Intel informiert, bevor sie die Sicherheitslücke veröffentlichten. Da die konkreten Sicherheitsrisiken auch von der unternehmensspezifischen Prozessorarchitektur abhängen, benötigen die Hersteller Zeit, um vertiefte Vorkehrungen zu ergreifen. Seither haben unter anderem Microsoft, Oracle, Google, Linux, Intel, AMD, ARM an Schutzmassnahmen gearbeitet, bevor Retbleed öffentlich bekannt gemacht wurde. Ein Intel-Mikroprozessor, der 3 bis 6 Jahre alt ist, oder ein AMD-Prozessor, der 1 bis 11 Jahre alt ist, ist aller Wahrscheinlichkeit nach betroffen.