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Orsolya Balvinszky
Mai 21 @ 3:00 pm - Juli 2 @ 8:00 pm
Ich möchte mich vorstellen
Ich heisse Orsolya (auf Deutsch Ursula) und bin 39 Jahre alt. Meine Haare sind dunkelblond und schulterlang, ein bisschen wellig. Meine Augen sind blaugrün, mein Gesicht ist oval. Meine Körpergröße ist 172 cm, mein Körpergewicht ist 64 Kilo.
Als Ungarin aus dem Partium bin ich in Sathmar, in Rumänien geboren, meine Muttersprache ist Ungarisch. Mein Vater heisst Sándor Lorand Balvinszky. Er ist reformierter Pastor. Meine Mutter heisst Mária Balvinszky, sie ist reformierte Religions- lehrerin. Ich habe einen Bruder. Er heisst Sándor Zoltán Balvinszky und er arbeitet als EDV-Fachmann. Ich mochte in meiner Kindheit mit meinem Bruder oft Tonfiguren basteln. Mit 16 Jahren gelangte ich infolge meiner Studien in der klassischen Musik nach Debrecen, nach Ungarn. Hier besuchte ich ein Musikgymnasium. Ich ging in eine Spezialklasse für Kirchenmusik. Danach absolvierte ich eine Fachausbildung für pädagogische Assistentin, dann schloss ich ein Studium für heilpädagogische Assistentin ab. Wegen meiner Studien in Musik hatte ich keine Gelegenheit, Zeichnen und Malerei zu studieren. Das ist deswegen gut, weil ich so ohne Regeln und Obligationen frei schaffen kann.
Warum begann ich, mich damit zu beschäftigen?
Während meiner Zeit in Budapest hatte ich zweieinhalb Jahre lang einen blinden festen Freund, Thomas. Davon abgesehen, dass er von Geburt an blind war und nicht einmal das Licht wahrnahm, genoss und erlebte er das Leben mit all seinen Schönheiten trotzdem völlig. Er hatte eine Erziehung, die ihn auf ein positives, selbständiges Leben vorbereitete. Als Kind besuchte er die Theater- und Konzertsäle sowie die Ausstellungen regelmässig. Ich halte es für ein grosses Glück, dass ich ihm begegnet bin. Oft gingen wir zusammen auf Ausstellungen, aber er durfte die Bilder nicht berühren, deshalb versuchte ich, ihm alles zu erzählen, was ich nur konnte. In einer Ausstellung brüllte ihn der Museumswärter an, als er ein Gemälde berühren wollte, dass er es nicht dürfe. Seitdem begann ich solche Bilder anzufertigen, die man berühren durfte. Ich habe auch einem anderen netten Freund von mir viel zu verdanken. Sein Bruder ist auch sehbehindert und arbeitet als Snookerlehrer im eigenen Unternehmen in Budapest. Auf das Wirken von Thomas hin, setzte ich meine heilpädagogischen Studien fort und begann in Budapest, in dessen Umgebung und in den grösseren ungarischen Städten Ausstellungen zu organisieren. Ich bekam von Thomas und mehreren sehbehinderten Freunden von mir sehr viel seelische Kraft, weshalb ich überall auf der Welt sehenden und nicht sehenden Menschen, Alten und Kindern Ausstellungen organisieren möchte.
Ich möchte die Botschaft auf der Welt, wo es möglich ist, weiterleiten, dass wir das Leben voneinander akzeptieren sollten. Wir sollen es wagen, andere um Hilfe zu bitten und imstande sein, Hilfe anzunehmen.
Ich organisiere schon seit über 17 Jahren sehenden und nicht sehenden oder sehbehinderten Menschen Ausstellungen in Ungarn. Ich erwarb mein Diplom in Heilpädagogik, aber nicht im Fach über Sehbehinderte, sondern im Fach über Lernbehinderte. Das hatte nur finanzielle Gründe. Ich folgte und folge dem Leben von Thomas seit über 17 Jahren durch seine Mutter, zu der ich eine aufrichtige Freundschaft hege. Das Ziel meiner Ausstellungen, ausser der Integration, ist es noch, dass sich die Besucher gut amüsieren, viel lachen. Deshalb sind meine Bildtitel und meine Bildbeschreibungen oftmals witzig. Sie sollen aber auch deren Interpretation erleichtern.
Durch Thomas lernte ich die Interessen, den Alltag der blinden Menschen kennen. Die Interpretation der Formen und der Farben und überhaupt meine Vorstellung von der Kunst veränderte Thomas völlig. Ich dachte vorher, er könne sich alles genauso vorstellen wie ich. Es stellte sich aber heraus, dass er zu den Farben nur ein Gefühl hat, aber er kann sie sich nicht vorstellen. Zum Beispiel fragte ich ihn: „Thomas, was denkst du, wie ist die weisse Farbe?“ Daraufhin antwortete er: „Das ist eine reine Farbe.“ Ich fragte ihn weiter: „Aber was bedeutet rein?“ Ich kann mich nicht mehr erinnern, was er darauf antwortete, aber ich glaube, dann hörten wir mit dem Gespräch auf. Ein anderes Mal fragte ich ihn nach Gebäuden. Ob es ihm bei der Vorstellung eines Gebäudes hilft, wenn er das Modell eines Gebäudes abtasten kann. Er antwortete, dass mit der verkleinerten Form eines Gebäudes seine Höhe, seine Grösse für einen Sehbehinderten nicht veranschaulicht werden können. Umso mehr kann man das mit dem Material der Gebäude tun, an denen er mit dem weissen Stock vorbeigeht und die er auch abtasten kann. Thomas machte mich mit der Welt der Töne, der Geschmäcke, der Musikarten, der Gewürze, der Stoffe bekannt, deshalb fing ich an, mit diesen Dingen zu basteln.
Meine Ausstellungen sollen aber nicht nur blinde, sondern auch sehende Menschen ansprechen. Meine erste Ausstellung organisierte ich im Jahre 2004 in Érd, in einem kleineren Ort unweit von Budapest. Danach hatte ich aber in der Ervin Szabó Bibliothek in der Stadtmitte von Budapest, im Budapester Verband der Blinden und Sehbehinderten, in der Schule der Blinden, in zahlreichen Cafés im Zentrum von Budapest und auch in den grösseren Städten von Ungarn, in Szeged, in Miskolc, in Siófok, in Cegléd Ausstellungen. In der Organisation der Budapester Schule der Blinden wurde ich in die Gruppe der „Fass-baren Kunst“ aufgenommen. Ich nahm auch mit Ihnen zusammen an Ausstellungen teil, z.B.: im Budapester Museum für bildende Kunst. Im Jahre 2020, am 25. September, hatte ich eine kleine Ausstellung beim Schweizer Blinden- und Sehbehindertenverband SBV in Zürich und jetzt, am 26.03.2022 habe ich die Gelegenheit, meine Bilder in der CubaNow- Galerie auszustellen.
Ich möchte für die blinden und sehbehinderten Menschen etwas tun, deswegen werde ich in meiner Wohnung Teeabende für sie und auch für sehende Menschen organisieren.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!