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Ob der auch schwarze Schafe hüte, fragte ich mich, als ich erfuhr, dass das Hotel im Zentrum Huttwils neu «guter Hirte» heissen soll. Ortunkundigen muss hier erklärt werden, dass die neue Besitzerin dieses Hotels die Familie ist, die in unserer Region die Eidgenössische-Demokratische Union (EDU) entscheidend prägt. Aufgrund des christlichen Hintergrunds dieser Familie schloss ich automatisch, dass nur einer als guter Hirt gemeint sein kann: Jesus Christus.
Nun muss man auch wissen, dass die Gemeindeversammlungen in einem Saal durchgeführt werden, der in einem Anbau dieses Hotels liegt und nur vom Hotel her betreten werden kann. Von Jesus begrüsst zu werden, wenn man an einer Gemeindeversammlung teilnehmen will, fühlt sich doch seltsam an.
Ortskundige werden daran denken, dass die EDU zusammen mit der SVP den Gemeinderat von Huttwil dominiert, und deshalb einen Zusammenhang mit deren Plakat zu schwarzen Schafen vermuten. Kann man durchaus, aber es war nicht der Auslöser meiner Frage.
Der Zufall wollte, dass mich diese Nachricht auf der Heimkehr von der Synodalen Versammlung des Bistums Basel erreichte. Nach dreitägiger Erarbeitung von pastoralen Wegweisern war mein Bedürfnis nach Hirtengeschichten mehr als gesättigt und ich hätte mir etwas Ruhe bis heute gewünscht.
Heute, 12. September 2023, wird die Pilotstudie zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts veröffentlicht. Es ist nicht nur eine Geschichte von Tätern und Opfern. Es ist auch die Geschichte von Menschen, die sich zu einer Gemeinschaft zählen und die nicht gemerkt haben, was in ihrer Gemeinschaft abgeht. Es ist ebenfalls die Geschichte von Menschen, die geschwiegen haben, obwohl sie gewusst haben, was sich abspielt. Es ist die Geschichte einer Gemeinschaft, die sich auf den guten Hirten beruft und alle ihre Schafe hütet.