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| Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)

Sechzehnte Unterredung, welche die erste des Abtes Joseph ist, über die Freundschaft.
[S. 139] 1. Abt Josephs Herkommen und Bildung.
Der gottselige Joseph, dessen Unterweisungen und Lehren jetzt vorzulegen sind, Einer von den Dreien, deren wir in der ersten Unterredung Erwähnung gethan, war von einer sehr vornehmen Familie und der Angesehenste in jener ägyptischen Stadt, welche Thmuis heißt. Er hatte sich nicht nur in der ägyptischen, sondern auch in der griechischen Sprache so gründlich gebildet, daß er sowohl mit uns als mit Jenen, welche das ägyptische gar nicht verstanden, trefflich disputirte, nicht wie die Übrigen durch einen Dollmetscher, sondern allein. Als er merkte, daß wir von ihm Belehrung wünschten, fragte er zuerst, ob wir leibliche Brüder seien, und als er nun von uns hörte, daß wir nicht durch fleischliche, sondern durch geistige Bruderschaft verbunden seien, und daß wir vom Anfange unserer Entsagung an sowohl auf der Wanderung, die von Beiden um des geistlichen Kampfes willen unternommen worden war, als auch in den Bestrebungen des Klosters immer [S. 140] durch unnennbare Gemeinschaftlichkeit verbunden gewesen seien, — da nahm er folgenden Anfang zu seiner Rede.