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Der grosse Abwasserkanal verlief entlang der Westfront des Legionslagers, unmittelbar neben der Lagermauer. Er lag unter der Strasse parallel zur Lagermauer (via sagularis) und gehörte zu einem langen, unterirdischen Abwassersystem. Dieses war schätzungsweise über fünf Kilometer lang und durchzog das gesamte Legionslager. Die aus Stein gebauten Kanäle entwässerten die Latrinen, Thermen und Brunnenüberläufe und sorgten bei Regenfällen für einen schnellen Abfluss des Dach- und Strassenwassers. Der grosse Abwasserkanal sammelte das Schmutzwasser aus den kleineren Seitenkanälen und liess es direkt aus dem Lager gegen Norden zur Aare hinabfliessen.
Schutz vor Seuchen
Ein funktionstüchtiges Kanalisationssystem war nötig, um eine mögliche Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen im Legionslager zu verhindern. Zusammen mit den Mannschaftstoiletten, den Lagerthermen und dem Lagerspital gehörte das Abwassersystem zu den wichtigsten hygienischen Einrichtungen, um die rund 6000 Legionäre gesund und somit einsatzbereit zu halten.
Der grosse Abwasserkanal war bereits 1899 entdeckt worden. Im Jahr 1907 wurde der Kanal erneut untersucht, und der damalige Ausgräber nannte ihn – in Anlehnung an die monumentale Abwasserleitung in Rom – die "Cloaca Maxima von Vindonissa".
Um den Abwasserkanal für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, konservierte man damals ein gut 20 Meter langes Teilstück. Danach geriet die "Cloaca Maxima" in Vergessenheit. Erst nach rund 100 Jahren wurde der Kanal für die Besucher des Legionärspfads wieder zugänglich gemacht: Mit zwei Metern Höhe und einem Meter Breite ist er bequem begehbar.
Der grosse Abwasserkanal ist während der Öffnungszeiten des Legionärspfads frei zugänglich.