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HistCollaboratoryIntro
Inhaltsverzeichnis
Ausgangslage
Der Titel dieses (Hyper-)Textes lautet "hist.collaboratory". Der Text ist ein Beitrag zur Sektion "Collaboratories. Das Schreiben der Geschichte im vernetzten Zeitalter" an der Fachtagung .hist06 im Februar 2006.
Der Titel legt nahe, dass es im vorliegenden Text
- um Schreiben,
- um Geschichte,
- um Forschung,
- um Zusammenarbeit und
- um die Bedeutung von ICT für diese Bereiche geht.
Diese Elemente werden im vorliegenden (Hyper-)Text jeweils in unterschiedlicher Gewichtung bearbeitet und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Das Verfassen dieses Tagungsbeitrages ist zugleich ein Versuch, sich mit dem iterativen (und öffentlichen) Vorgang eines Denk- und Schreibprozesses (oder den Schritten Analyse, Synthese und Reflexion; siehe Historische Online-Kompetenz) auseinander zu setzen, der mit Hilfe von ICT ermöglicht und dokumentiert wird.
Begriffsklärungen
Folgende Begriffe sollen zu Beginn dieses Versuches, bzw. als Auftakt zur Auseinandersetzung mit hist.collaboratory näher bestimmt werden. Sie werden in weiterführenden Texten noch näher erläutert.
Collaboratory
Collaboratory ist ein Begriff, der Ende der 1980er Jahre in den Naturwissenschaften für internetbasierte Formen der Zusammenarbeit in Forschung und Lehre entstand. Es bezeichnete ein virtuelles Labor, "a laboratory without walls" (Finholt (1)). In den Geisteswissenschaften ist das Konzept des Collaboratory bis heute nicht zum Gegenstand von Überlegungen geworden, obwohl auch in den Geistes- und Geschichtswissenschaften ICT für die Zusammenarbeit in Forschung und Lehre eingesetzt worden sind. Noch fehlt es an theoriebasierter und konzeptionellen Überlegungen, wie ICT die Zusammenarbeit in den Geschichtswissenschaften ideal unterstützen könnte.
Neue Medien oder ICT?
hist.collaboratory ist der Versuch, auf die Frage zu antworten, wie das geschichtswissenschaftliche Arbeiten (in Lehre und Forschung) durch die Praxis der neuen, digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien (Information and Communication Technologies, ICT) verändert wird. "neu" sind die digitalen Medien eigentlich nicht mehr, vor allem jetzt, wo alte Medien (TV, Radio) ebenfalls digitalisiert werden. Und der Begriff "Internet" ist schon immer sehr vage verwendet worden und wird durch Entwicklungen in der Unterhaltungsindustrie und in der mobilen Kommunikation noch ungenauer. Auch wenn das Internet ein zentraler Bestandteil der ICT ist, umfasst er beispielsweise Bereiche der mobilen Kommunikation nicht oder nur unvollständig. Darum wird in der Folge der Begriff "ICT" verwendet.
Das Modell der Historischen Online Kompetenz
Die Historische Online-Kompetenz ist eine Zusammenführung aus Vorschägen zur Definition von historischen Kompetenzen und Medienkompetenzen. Sie umfasst die aus der Geschichtstheorie und der Geschichtsdidaktik abgeleiteten Aufteilung des geschichtswissenschaftlichen Arbeitsprozesses in Analyse, Synthese und Reflexion, die in Verbindung mit den Definitionen der Medienkompetenz zu den Kompetenzdimensionen "Lesen", "Schreiben" und "Reden" wird. Zum "Lesen" gehören die Tätigkeiten der Informationssammlung, der Recherche, der Quellenkritik und der Interpretation und Analyse von Daten, sowie die Kenntnis von den medienspezifischen Rahmenbedingungen, in welchen Informationen bereitgestellt und abgerufen werden können (Urheberrechte, ökonomische Interessen, technische Grundlagen, Fragen der Strukturierung). "Reden" umfasst die Fähigkeit der Reflexion des eigenen Handelns und der aktiven Nutzung von ICT zur Teilnahme am wissenschaftlichen Diskurs. "Schreiben" schliesslich, und hierum geht es in diesem (Hyper-)Text in erster Linie, umfasst die Nutzung von ICT zur Darstellung und Erläuterung von geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen.
ICT kann bei der Verwendung für die Geschichtswissenschaft unter verschiedenen Aspekten gesehen werden: als Gegenstand, als Hilfsmittel oder als Werkzeug. Daher bezieht sich die Historische Online-Kompetenz jeweils auf diese drei Aspekte.
Ausgangshypothesen und Fragestellung
Die medienspezifischen Eigenschaften der ICT widersprechen den hergebrachten Gepflogenheiten der Geschichtsschreibung. In den Geschichtswissenschaften schreiben Einzelautoren (und -autorinnen) längere, zusammenhängende, Monographien oder Aufsätze. Darin entwickeln sie Argumentationen, erläutern die Ergebnisse ihre Forschungen und, vor allem, deuten die historischen Fakten. Publiziert werden diese Ergebnisse in einem qualitätssichernden und etablierten System unter Aufsicht von Fachexperten.
ICT hingegen fördern kollaborativ erstellte Publikationen, welche über schwache und unklare qualitätssichernde Instanzen verfügen. Sie tendieren zu einer Vielzahl von kleinen, bildschirmadäquaten Informationseinheiten (Micro-Content), die von den Verfasserinnen und Verfassern nicht nur beliebig verlinkt, sondern auch von den Leserinnen und Lesern in einer beliebiger Reihenfolge und Auswahl zur Kenntnis genommen werden können. Argumentationen können so nicht aufgebaut werden, die "Deutungshoheit" der Autorinnen und Autoren geht verloren.
Gelten diese folgenden Überlegungen und Erkenntnisse nur für die Forschung, für das Schreiben, für die Zusammenarbeit in den Geschichtswissenschaften? Welche Konsequenzen sind durch den vermehrten Einbezug von ICT und den dazugehörigen Schreibpraktiken für die Schreibprozesse der Geschichtswissenschaften zu erwarten? Wie sollen die Geschichtswissenschaften darauf reagieren? Die ICT haben im wissenschaftlichen Alltag bereits Einzug gehalten und mehr oder weniger offensichtlich die geschichtwissenschaftliche Praxis verändert.
Vorgehen
Als Verfasser lade ich gerne Interessierte ein, ihre Meinungen, ihre Anmerkungen und ihr Wissen bei der Entwicklung dieses Textes anzubringen. Ich sehe vor, die Beiträge anderer in geeigneter Form kenntlich zu machen. Der Text versteht sich als Ausgangspunkt und Anregung, die sich auch nach der Präsentation auf der Tagung .hist06 weiterentwickeln soll und nicht mit der Abgabe an das Tagungsbüro abgeschlossen ist.
Ich schlage vor, Anmerkungen, Ergänzungen und Kommentare auf der Diskussion-Seite vorzuschlagen oder auf eigenen Seiten zu platzieren (mit Link am Ende unter "siehe auch"). Als Hilfestellung für Formatierung und Verlinkungen verweise ich gerne auf die Hilfeseiten bei Wikipedia, das mit der gleichen Software arbeitet.
Da der Text wachsen und sich verzweigen wird, sollen hier auch Vorschläge zur Reihung der einzelnen Inhaltsmodule, also zu einem Pfad durch den Text angeboten werden. Auch hier sind zusätzliche, bzw. andere Navigationspfade erwünscht.
Literatur
- Finholt, Thomas A.: "Collaboratories", in: Annual review of information science and technology, 36 (2002), S. 73-107.
--Jan Hodel 10:55, 10. Feb 2006 (CET)