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Bourg-
Saint-Pierre
(Kt. Wallis, Bez. Entremont). 1633 m. Gem. und Pfarrdorf, auch unter dem Namen Saint-Pierre le Mont-Joux bekannt; an der Strasse über den Grossen St. Bernhard, am rechten Ufer der Dranse, 35 km sö. der Station Martigny der Simplonbahn. Postablage, Telegraph. Postwagen Martigny-Grosser St. Bernhard. 77 Häuser, 357 kathol. Ew. Etwas Ackerbau, Wiesen. Zucht von Schafen englischer Rasse; Viehhandel nach Italien. An der Tête de By Asbestbruch und im Alpenthal Les Planards Anthrazitmine; werden nicht ausgebeutet. Auf der Passhöhe des Grossen St. Bernhard Hospiz der Bernhardinermönche, die an den vielen durchreisenden Armen weitgehendste Gastfreundschaft üben. Oestl. der neuen Brücke Ueberreste einer ehemaligen Festung, Sitzes der einst berühmten Familie von Quart. Alte Brücke Saint-Charles, der Ueberlieferung nach von Karl dem Grossen auf seinem Zuge gegen die Sarazenen erbaut; überspannt den Ausgang der tiefen Schlucht des Valsorey, eines von den Gletschern des Mont Velan herkommenden Wildbaches. In der Schlucht, etwa 500 m oberhalb der Brücke, in äusserst wilder u. malerischer Lage eine Mühle. Die uralte Kirche soll von Hugo, Bischof von Genf († 1009), an Stelle einer noch ältern, von den Sarazenen zerstörten, im Anfang des 11. Jahrhunderts erbaut worden sein.
Sicher ist, dass der in romanischem Stil gehaltene
Glockenturm aus dieser Zeit stammt; unter dem Ansatz der Turmspitze noch
vorhandene Ueberreste von Schiessscharten weisen auf die Zeiten der einstigen Sarazeneneinfälle hin.
Eine darauf bezügliche lateinische Inschrift im Innern der Kirche ist bei Anlass von deren Renovation zu Beginn des 19. Jahrhunderts
übertüncht worden. Der zur Zeit der Franzosenherrschaft (1799-1800) in
Bourg-
Saint-Pierre amtende Pfarrer
Jean Jérôme
Darbelley hat in seinen interessanten Memoiren die Ereignisse dieser Zeit und noch manches Andere in
Prosa und Poesie mit kaustischem Spott und oft grosser Derbheit geschildert.
Seit 1889 besteht in
Bourg-Saint-Pierre der alpine Versuchsgarten «Linnaea»,
Eigentum eines internationalen Komites. Der heute noch von seinem
Gründer Henry
Correvon aus Genf
geleitete
Garten liegt prachtvoll
auf einem Hügel über der Strasse des Grossen
St. Bernhard u. pflegt nahezu 2500 Arten von alpinen Pflanzen
aus allen Hochgebirgsgegenden der
Erde.
(Correvon, Hry. Catalogue des espèces acclimatées.
Genève 1901). In der
Mauer des
Friedhofes ein römischer Meilenstein mit Inschrift. Funde von Säulenfragmenten deuten darauf hin, dass hier zur Römerzeit
ein monumentales Gebäude gestanden haben muss. Römische und gallische Münzen. Hier führte auch die
Römerstrasse über den Mont
Joux (den Grossen
St. Bernhard) vorbei.