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MHHerrn Präsidenten Dr A. Escher,
Zürich. 1
fr.
Hochgeachteter Herr Präsident,
Unter Bestätigung meines Briefs vom 19. dß. mit meinem Artikelentwurfe, meines Telegramms vom 20. dß. & meiner beiden Telegramme von heute, theile ich Ihnen mit, daß H. heute den Antrag vorlegte, die Antwort des Ausschußes auf die italienische Note durch Vermittlung P. abschriftlich an die ultramontane Behörde gelangen zu laßen & durch P. die Erklärung beifügen zu laßen, die hierseitige Behörde gewärtige die Einleitungen der dortigen zur internationalen Conferenz an welcher «Schweizerischerseits» gerne werde Theil genommen werden.
Rudolf sagte mir, daß dieser Antrag heute auf die Tagesordnung zur Behandlung in der nächsten Freitag stattfindenden Sitzung angesetzt worden sei, und daß der Antrag Freitag genehmigt werde wenn die Behörde alsdann vollzählig sei. Dagegen fügte er hinzu, daß fataler weise Friedrich heute in seine Heimath verreist sei & erst Freitag Nachmittag zurückzukommen beabsichtige: ich solle bei Herrn Feer–Herzog Schritte thun um ihn zu veranlaßen Friedrich zur Heimkehr am Freitag früh, sodaß er um 10 Uhr der Sitzung beiwohnen könne, zu bewegen.
Ich schrieb soeben & telegraphirte an F.-H. in der bezeichneten Richtung, fürchte aber | seine Einwirkung möchte vielleicht nicht genügen um Friedrich zur Rückkehr am Freitag früh zu bewegen.
Darum setzte ich Sie durch meine zweite heutige Depesche von dem Umstand in Kenntniß, damit Sie gutfindendenfalls Herrn Fierz zur Steigerung der Einwirkung auf Friedrich in die Heimath des Letzteren abordnen können.
Im Falle Friedrich nicht beizeiten zurückkäme, & der Sitzung nicht beiwohnen würde, so würde R. versuchen die Behandlung des Gegenstandes zu verschieben. Er glaubt aber es dürfte vielleicht nicht gelingen, & dann die Vorlage H. denaturirt werden. Carl & Nicklaus geniren sich nicht, auf Arthur nach Kräften gegen unser Project einzuwirken zu suchen: Ersterer behauptete, dem Gotthard werde nach dem übereinstimmenden Urtheile der schweiz. Ingenieure jeder Schacht unthunlich sein; Letzterer legte dem Arthur einen vollständigen Plan zur Herstellung einer Fell –Eisenbahn über den Lucmanier vor. Arthur erzählte mir Beides mit sichtbarer Besorgniß, es möchte dieses Fell -Project dem Gotthard -Unter| nehmen schaden, da dieses jedenfalls vor längerer Zeit nicht werde vollendet sein. Er bat mich, den h. Ausschuß zu veranlaßen, dieser Frage seine Aufmerksamkeit zu schenken.
In Betreff der letzten ital. Note soll David eine gereizte Antwort von Italien beantragen wollen. H. würde vorziehen, einfach den Empfang zu bescheinigen. R. sagte mir, seine Meinung darüber stehe noch nicht fest. H. wünscht meinen Artikelsentwurf vor deßen Erscheinen in d. Berner–Zeitung einzusehen, da er fürchtet, daß darin eine Einwirkung auf den B.R. im Sinne zu scharfer Antwort liegen möge.
Arthur dagegen erklärt sich mit meinem Artikel, deßen Sinn ich ihm mittheilte, des vollständigsten einverstanden.
In großer Eile (wegen des Postabganges) verharre ich mit herzlicher & hochachtungsvoller Anhänglichkeit
C Wilhelm von Graffenried
Bern, 21 März 1866.