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Bild
Titel:
Obenabekinder in Basel
Thema: Leute
Datum: --.--.1903
Masse: 158 x 340 cm
Standort: Gotthelf-Schulhaus, Basel
Urheber/-in: Burkhard Mangold, Basel
Beschreibung:
Ausschnitt aus einem 1902-1903 erstellten Wandbild des Basler Malers Burkhard Mangold (1873-1950), mit Wasserfarben auf Leinwand gemalt, in der Aula des Gotthelf-Schulhauses in Basel. Das Wandbild zeigt Ereignisse aus der Basler Geschichte, beginnend mit dem Bau der Rheinbrücke im 13. Jahrhundert und endend mit dem 400-jährigen Jubiläum des Basler Beitritts zur Eidgenossenschaft 1901. Der Ausschnitt trägt den Titel „Basels Bürgerschaft empfängt die armen ‚Obenabekinder’ aus Appenzell & a. O. 1800". Als „Obenabekinder“ wurden die Kinder aus dem Glarner- und Appenzellerland bezeichnet, die aus den „durch den unglückseligen Krieg verheerten obern Kantonen“ der Schweiz stammten, wie aus einer Nachricht der Basler Hülfsgesellschaft hervorgeht. Dargestellt sind gut gekleidete Damen und Herren, welche die ärmlich bekleideten Kinder an die Hand nehmen. Während die Kinder barfuss oder in einfachen Sandalen und in geflickten Kleidern abgebildet sind, tragen die Baslerinnen und Basler vornehme Röcke, Hüte und Schmuckstücke, welche auf ihre gutsituierte, bürgerliche Herkunft verweisen. Ein mit Pferden angereister Herr hält ein Dokument, womöglich ein Verzeichnis der angereisten Kinder, in der Hand.
Geschichte:
Das Schulhaus-Wandbild bezieht sich auf die im Jahr 1800 während der Helvetik-Hungerkrise von Appenzell Ausserrhoden nach Basel verschickten Kinder, welche auf Kosten der dortigen Hülfsgesellschaft verpflegt wurden. Die Kriegswirren der Helvetik liessen die Bevölkerung in vielen Teilen der Schweiz Mangel und Hunger leiden. Diese Notsituation veranlasste den helvetischen Innenminister Albrecht Rengger (1764-1835) dazu, einen Aufruf an die Verwaltungskammern der Kantone zu schicken, um einerseits „wohltätige Personen“ zu ermitteln und andererseits Verzeichnisse von „hilfsbedürftigen Personen“ zu erstellen. Die Verwaltungskammer des "Canton Sentis" meldete am 10. Dezember 1799 folgendes zurück: „[D]as Campiren und die übermässigen Einquartierungen bei dem Mangel alles dessen, was der Armee von französischer Seite hätte zukommen sollen, hat doch mancher Gemeinde ihre Felder verheert, ihre Gärten beraubt oder geschändet und […] sind nach und nach viele Bürger in die grösste Dürftigkeit geraten. […] so werden wir unverzüglich eine Nachsuchung nach den hilfslosesten Kindern halten, um sie zur Versorgung jener edlen Privatwohltäter zu empfehlen.“ Die Einquartierung von französischen und österreichischen Truppen auf appenzellischem Gebiet hatte zur Folge, dass die ohnehin schon knappen Lebensmittel zusätzlich schwanden. Ausserdem ging mit der Kriegssituation eine Wirtschaftskrise einher, die Baumwollindustrie sackte ein und verursachte grosse Arbeitslosigkeit, sodass viele Familien von Armut bedroht waren. Vor allem im Glarnerland und im Appenzellerland war die Not gross und Schreckensnachrichten über ausgehungerte Kinder lösten in anderen kriegsversehrten Gebieten eine Solidaritätswelle aus. Mehrere Kantone erklärten sich bereit, Kinder aufzunehmen und sie in privaten Haushalten zu versorgen. Grossen Einsatz bei der Vermittlung der armen Kinder aus dem Appenzellerland leistete der Glarner Johann Rudolf Steinmüller (1773-1835), der 1799-1805 in Gais als Pfarrer tätig war. Gemäss seinem Verzeichnis wurden am 20. Februar 1800 erstmals 37 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 22 Jahren aus den Gemeinden Hundwil, Teufen, Gais, Bühler, Urnäsch, Schönengrund und Schwellbrunn nach Basel geschickt. 33 weitere Kinder wurden in Burgdorf und Bern versorgt. In Basel war es die Hülfsgesellschaft, welche die Kosten für die Versorgung und Pflege der armen Kinder übernahm. Gemäss der Schlussrechnung der Hülfsgesellschaft Basel wurden im Jahr 1800 11'892 Franken für die „Obenabekinder“ eingesetzt. Damit wurden die Reisekosten bezahlt, die Kostgelder und Kleidung der Kinder, ihre medizinische Versorgung sowie das Schulgeld und die Schulbücher. Während die jüngeren Kinder die Schule besuchten und im Haus mithalfen, fanden die älteren Knaben und Mädchen eine Anstellung als Knechte, Mägde sowie als Arbeitskräfte in einer Baumwollspinnerei, deren Aufseher ebenfalls durch die Basler Hülfsgesellschaft entlöhnt wurde. Gemäss einer Nachricht der Hülfsgesellschaft vom 11. November 1800 wurden im Laufe des Jahres beinahe tausend Kinder aus der Ostschweiz von der Basler Bürgerschaft versorgt. Ab Februrar 1801 konnten die Kinder aus den oberen Kantonen wieder in ihre Heimat zurückgeschickt werden.
Autorin: Kathrin Hoesli, Herisau
Literatur:
Fankhauser, Andreas: Helvetische Republik. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). Version 27.01.2011. http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D9797.php (29.05.2013).
Imhof, Dora: Mangold, Burkard. In: Sikart. Lexikon zur Kunst in der Schweiz. http://www.sikart.ch/kuenstlerInnen.aspx?id=4000064 (28.05.2013).
Ramsauer, Johannes: Kurze Skizze meines pädagogischen Lebens. Mit besonderer Berücksichtigung auf Pestalozzi und seine Anstalten. Oldenburg 1838.
StABS, Pa 212a J 7 A Drucksachen der Basler Hülfsgesellschaft, 1800-1801.
Wiget, A: Die Auswanderung und Versorgung armer Appenzeller-Kinder im Jahre 1800. In: Appenzellische Jahrbücher 1892, S. 116-199.
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