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In fast jedem Garten wachsen invasive Neophyten. Um die Biodiversität zu stärken, sollten diese entfernt werden – aber richtig, damit das Problem nicht noch grösser wird. Wir stellen die drei häufigsten Neophytenarten vor.
Lange Zeit waren Tier- und Pflanzenarten auf der Erde durch natürliche Barrieren wie Meere, Gebirge, Wüsten und Flüsse voneinander getrennt. Innerhalb dieser voneinander getrennten Lebensräume entwickelten sich aufeinander abgestimmte Lebensgemeinschaften, in denen sich ein Gleichgewicht zwischen den Arten einstellte. Durch den zunehmenden globalen Handel wurden ab Ende des 15. Jahrhunderts lebende Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen absichtlich oder unabsichtlich in neue Gebiete verschleppt. Solche Pflanzenarten, die ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes vorkommen, werden als gebietsfremd oder eben als Neophyten bezeichnet.
Ein Grossteil dieser Pflanzenarten hat sich unauffällig und ohne negative Auswirkungen in den Ökosystemen etabliert – aber nicht alle. Als invasiv gelten Pflanzen, die durch ihre Ausbreitung in der Schweiz die Biodiversität, die Ökosystemleistungen und deren nachhaltige Nutzung gefährden oder Krankheiten und Parasiten übertragen. Weitere Schäden können sein, dass sie Gesundheitsprobleme beim Menschen verursachen oder die Land- und Forstwirtschaft, Gebäude und Infrastrukturen beeinträchtigen. Auch wirtschaftliche Schäden können durch invasive Arten verursacht werden, wie z.B. Eintrittsgebühren, Mehraufwand für den Unterhalt von Bahnlinien, Strassen, Schutzbauten oder Ufern.
Die Gründe, warum Neophyten invasiv werden, sind so vielfältig wie die Arten selbst. Eine mögliche Ursache für die ungebremste Ausbreitung einer Pflanze kann sein, dass sie sich schnell vermehrt und mit hoher Geschwindigkeit wächst. Auch Landnutzungsänderungen, die offene Besiedlungsmöglichkeiten ohne viel einheimische Konkurrenz schaffen, oder das Fehlen natürlicher Feinde, die eine Art an ihrem Ursprungsort eingrenzen, sind Gründe dafür, dass eine Art invasiv wird. Es gibt auch Neophyten, die Ökosysteme chemisch verändern, indem sie Stoffe abgeben, die andere Arten hemmen. Ein letzter Grund kann sein, dass sich der Neophyt einfach besser an rasche Umweltveränderungen wie den Klimawandel anpassen kann als die einheimischen Arten und deshalb besser gedeiht.
Auch in vielen Gärten, Siedlungen und an Strassen findet man zahlreiche invasive Neophyten, die sich rasch ausbreiten. Welche sollte man als Privatperson kennen und wie kann man sie bekämpfen? Wir stellen die drei häufigsten Garten-Neophyten vor.
Als invasiv geltende Neopyhten erkennen und korrekt bekämpfen
Einjähriges Berufkraut
Das ursprünglich aus Nordamerika stammende Einjährige Berusfkraut (Erigeron annuus) gilt in der Schweiz als invasiver Neophyt. Die krautige Pflanze wurde bereits im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt und ist inzwischen längst eingebürgert, obwohl sie in der Schweiz nicht mehr gehandelt wird. Als Ruderalpflanze breitet sie sich sehr schnell aus. Eine einzige Pflanze produziert 10’000 bis 50’000 Samen. Das Einjährige Berufkraut fühlt sich vor allem in Magerwiesen wohl und bedroht dort die einheimische Flora.
Die ein- bis mehrjährige, krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 30 bis 100 cm. Verwechslungsgefahr besteht aber mit dem Kanadischen Berufkraut und der Lanzettblättrigen Aster, ebenfalls Neophyten, oder mit der einheimischen Echten Kamille. Der Unterschied zur Echten Kamille liegt in deren aromatischen Geruch und den deutlich breiteren Zungenblüten. Bei Unsicherheiten hilft die Pflanzenbestimmungs-App (naturschutz.ch berichtete).
Auswirkungen: Aufgrund der raschen Ausbreitung durch Wind und Samen ist zu befürchten, dass sich das Einjährige Berufkraut mit einheimischen Berufkrautarten hybridisiert. Die Gefahr, dass die heimischen Arten völlig verschwinden, ist jedoch gering. Eine weitere Eigenschaft trägt zu seinem invasiven Charakter bei. Es sondert nämlich sekundäre Pflanzenstoffe in seine Umgebung ab, die die Keimung und das Wachstum der umgebenden Pflanzen hemmen und damit seine Konkurrenzfähigkeit verringern.
Bekämpfung: Wiederholtes und konsequentes Jäten ist die beste Methode. Die Bestände sollten mindestens dreimal jährlich kontrolliert und mit der Wurzel ausgerissen werden. Wichtig ist, dass vor der Blüte gejätet wird, da die Samenbildung sehr schnell erfolgt. Wichtig: Mähen ist keine Bekämpfungsstrategie und kann die Situation sogar verschlimmern.
Melden: Fundorte sollten bei der betroffenen Gemeinde oder dem entsprechenden Kanton gemeldet werden. Man kann Bestände aber auch auf info flora melden.
Kanadische Goldrute
Oft sieht man sie in Gärten und ihre Besitzer:innen erfreuen sich ab ihren leuchtend gelben Blüten. Dabei gilt die Kanadische Goldrute als invasive, nicht heimische Art. Sie wurde bereits 1645 als Zierpflanze und Bienenweide aus Nordamerika nach England eingeführt. Erste Beobachtungen von Wildpopulationen in Europa stammen aus der Zeit um 1850. Seitdem hat sie sich über den ganzen Kontinent ausgebreitet. Sie kann grosse, dichte Bestände bilden und die einheimische Vegetation verdrängen. Dies liegt vor allem an ihrem unterirdischen Rhizomsystem, das bis zu 100 Jahre alt werden kann. Zudem kann eine einzige Pflanze bis zu 20’000 Samen produzieren, die mit dem Wind verbreitet werden, was das grosse Ausbreitungspotenzial zusätzlich begünstigt.
Die mehrjährige Kanadische Goldrute wird 50 bis 250 cm hoch und treibt jedes Jahr neu aus. Die Stängel sind im Blütenstand verzweigt, grün und oben flaumig behaart. Die Blätter der Kanadischen Goldrute sind meist nur am Rand rau behaart und die leuchtend gelben Blüten, kleine, 4-8 mm breite Köpfchen, sind ein weiteres Erkennungsmerkmal. Die Kanadische Goldrute blüht von August bis Oktober.
Auswirkungen: Eine Untersuchung im österreichischen Tirol ergab 1979, dass die Honigbiene die Kanadische Goldrute der einheimischen Echten Goldrute vorzieht. Die eingewanderte Goldrute steht also in direkter Konkurrenz zur heimischen Goldrute. Hinzu kommt, dass die Kanadische Goldrute Lebensräume bevorzugt, die unter hohem Schutz stehen. Durch ihre rasche Ausbreitung und Überwucherung nimmt sie vor allem lichtbedürftigen Arten die Möglichkeit zu keimen.
Bekämpfung: Mindestens zweimal im Jahr sollte die Kanadische Goldrute mit ihren unterirdischen Ausläufern (Rhizomen) ausgerissen werden. Dies geschieht am besten, wenn der Boden noch feucht ist.
Melden: Fundorte sollten bei der betroffenen Gemeinde oder dem entsprechenden Kanton gemeldet werden. Man kann Bestände aber auch auf info flora melden.
Schmetterlingsstrauch
Der duftende und prächtig blühende Schmetterlingsstrauch (Buddleja), auch Sommerflieder genannt, lockt viele Insekten an und ist eine wertvolle Nahrungsquelle für Schmetterlinge und Wildbienen. Doch der Schein trügt: Der aus China stammende Schmetterlingsstrauch gilt als invasiver Neophyt. Durch seine rasche Verwilderung und seine dichten Bestände verdrängt er die einheimische Vegetation und hat vor allem auf Pionierstandorten wie Auen, Bachufern oder Ruderalflächen grosse Auswirkungen auf die Biodiversität.
Der immergrüne Strauch kann bis zu drei Meter hoch werden und fällt durch seine kegelförmigen Blütenstände mit den purpurvioletten Blüten auf. Ein solcher ca. 35 cm langer Blütenstand kann allein bis zu 100’000 Samen enthalten, daher kann ein einzelner Strauch während der Blütezeit bis zu 3’000’000 Samen produzieren. Dies erklärt auch, warum sich der Schmetterlingsstrauch so schnell ausbreitet. Die Blütezeit ist von Juli bis August. Wenn der Schmetterlingsstrauch nicht blüht, erkennt man ihn an seinen gegenständigen, lanzettlichen Blättern, die auf der Unterseite grau bis silbrig schimmern. Besonders im Winter fallen diese Blätter auf.
Auswirkungen: Der Buddleja hat mehrere negative Auswirkungen auf die Biodiversität. Eine davon ist, dass er ausschliesslich «Generalisten» anzieht und als Nahrungsquelle dient. «Spezialisten», d.h. die Mehrzahl der Schmetterlingsarten, ernähren sich nur von bestimmten einheimischen Pflanzenarten. Da seine Blätter den Raupen nicht als Nahrungsquelle dienen, müssen die Schmetterlinge auf andere Pflanzenarten als Ablagemöglichkeit für ihre Eier zurückgreifen können. Die Auswirkungen des Schmetterlingsstrauchs sind also auf mehreren Ebenen negativ: Sein Nektar kann nur einen Teil der einheimischen Pflanzenarten ersetzen, die Bestäuber vernachlässigen die einheimischen Pflanzen und der Sommerflieder breitet sich auf Kosten der einheimischen Raupennahrungsarten aus.
Bekämpfung: Je nach Bekämpfungsziel unterscheiden sich auch die Massnahmen. Soll ein Bestand lediglich stabilisiert werden, müssen die Blütenstände vor der Samenbildung entfernt werden. Dies ist jedoch oft schwierig, da die Samenbildung sehr schnell erfolgt. Um einen Bestand auszurotten, müssen die Sträucher ausgegraben werden. Danach muss regelmässig kontrolliert werden, ob Wurzelaustriebe oder Keimlinge vorhanden sind.
Melden: Fundorte sollten bei der betroffenen Gemeinde oder dem entsprechenden Kanton gemeldet werden. Man kann Bestände aber auch auf info flora melden.
Entsorgen – aber richtig
Mit dem Ausreissen der invasiven Neophyten ist die Arbeit noch nicht getan. Insbesondere wenn die Pflanzen Samen tragen, muss auf eine fachgerechte Entsorgung geachtet werden, damit sich die Pflanzen nicht weiter ausbreiten können. Auf keinen Fall dürfen die Pflanzen auf dem Kompost entsorgt werden. Auf Nummer sicher geht man, wenn man die invasiven Pflanzen gut verschlossen in einem Kehrichtsack der Kehrichtverbrennung zuführt. Auch die Grünabfuhr kann eine Möglichkeit sein, die Neophyten sicher zu vernichten. In der Stadt Bern beispielsweise wird die Grünabfuhr der Heissrotte zugeführt, weshalb die meisten invasive Pflanzen auch dort entsorgt werden können. Erkundigen Sie sich vorgängig, wie Ihre Gemeinde das Grüngut entsorgt, damit sich die Neophyten nach dem Ausreissen nicht weiter vermehren.
Quiztime und weiterführende Informationen zum Thema Neophyten
In der Schweiz gelten viele weitere Pflanzen als invasiv oder «potenziell» invasiv. Auf info flora erfahren Sie, welche Pflanzen nicht in Ihren Garten gehören und welche Auswirkungen sie auf die Biodiversität oder den Menschen haben können. Oder möchten Sie Ihr Neophyten-Wissen testen? Dann lösen Sie unser passendes Quiz dazu.
Zum Quiz: https://naturschutz.ch/community/quiz/quiz-testen-sie-ihr-wissen-ueber-neophyten/160690
Weitere Informationen: https://www.infoflora.ch/de/
Funde melden: https://www.infoflora.ch/de/mitmachen/daten-melden.html#neophyten-feldbuch
Nützliche Kontakte: https://www.infoflora.ch/de/neophyten/kontakte.html