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«Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füsse gewaschen habe, müsst auch ihr einander die Füsse waschen. » (Joh 13,14)
Mit der Todesanzeige für die Matura-Kollegen schickt Erwin Graf ein Foto aus der Maturazeit. Josef Brülisauer und Werner Fischer sitzen mit Sepp Huber an einer Feuerstelle und braten ein Hühnchen. Sepp, eine Pfeife rauchend, ist dabei.
Auch bei der «Entführung des Negers», einer mannshohen Gips-Statue, die an der Pforte zum Gymnasium um Gaben bettelte, war er dabei. Zu jener Zeit nannten wir ihn Bär. Warum? In den Worten unseres Klassenkollegen Hans Krüttli: «Huber Sepp ist unser Bär, manchmal nämlich brummelt er.» Gross und stark war er eben und einer, der eher brummte als viel redete.
Im Noviziat war er dabei und in der Philosophie war dabei. Nach zwei Jahren Theologie wechselte er nach Tübingen und wurde ein Schüler von Hans Küng.
Dann allerdings entschied er, auf die Priesterweihe zu verzichten. Als Bruder nahm ihn die Gesellschaftsleitung auf und schickte ihn für «Studien des Genossenschaftswesens in Entwicklungsländern» nach London; im Herbst 1969 zog er nach Rhodesien.
Sieben Jahre lang widmete Sepp sich der Genossenschaftsförderung in ländlichen Gebieten. Er beriet Sparvereine und half mit in der Verwaltung der Werkstätten von Gokomere.
Von 1978–1982 koordinierte er die Caritas Büros der Diözese Gweru. Neben Alphabetisierungsprogrammen und Erwachsenenbildung war er beschäftigt mit der Hilfe an Opfern des Befreiungskrieges, mit der Wiedereingliederung von Flüchtlingen und dem Wiederaufbau nach dem Krieg.
Ein Sabbatjahr verbrachte Sepp in der Abteilung Ausland der «Caritas Schweiz» in Luzern.
1983–1986 verwaltete er das Missionsspital von Musiso (Zaka) in finanzieller und technischer Hinsicht. Daneben plante und beaufsichtigte er das Bauprogramm für eine Schule für Pflegefachleute dort.
Die Jahre 1987–1991 sahen Joe in der Leitung und Aufsicht der Finanzverwaltung und Verkaufsabteilung der Mambo Press in Gweru. Bis 1994 war er der Hauptverwalter dieses Pressehauses mit über 60 Mitarbeitenden.
Dort hatte er eine grössere Krise durchzustehen.
Wegen persönlichen und gesundheitlichen Problemen kehrte er im Sommer 1996 in die Schweiz zurück. Nach medizinischer Behandlung und Erholung übernahm er den Posten eines Heimleiters am Studentenhaus des «Justinuswerk» in Zürich. 2011 übergab er die Leitung und arbeitete teilzeitlich als Hauswart bis Februar 2016.
Zu seinem Abschied schrieb der Leiter des Justinuswerkes: «In dieser ganzen Zeit hast du ein schönes, brüderliches Netz geknüpft: auf der Basis des gegenseitigen Hörens, des Empfangens (der Anerkennung), der Liebe, des Vertrauens und vor allem des Respekts gegenüber den Verschiedenheiten. Du bist für mich ein Mensch, der das echte, wahre Gesicht des Justinus-Werks gezeigt hat: den ganz einfachen Dienst, der die Liebe zum Nächsten sichtbar macht.»
Damit nehme ich Bezug zu den gehörten Bibeltexten: So gänzlich ohne grosse Worte hat Joe diese Texte gelebt.
Wie der fusswaschende Jesus, hat er sich klein gemacht, hat sich nicht aufgeplustert und wichtig in Szene gesetzt.
Nach seiner Rückkehr ins Missionshaus hat Joe die anspruchsvolle Stelle als Bibliothekar übernommen.
Nein, ich will Joe nicht als Muster-Bethlehemiten darstellen, aber etwas Vorbildliches hat er uns zu sagen: Er war wie er war. Er war sich selbst. Einfach und dienstbereit.
So wie er beim Hühnchenbraten dabei war, so war er auch jeweils am Abend bei einem Schlummertrunk dabei.
Joe, auch wenn ich mir oft wünschte, Du kämest mehr aus Dir heraus, gerne rufe ich Dir nach: Ich fühlte mich wohl in Deiner Gegenwart. Du bist, der Du bist. Ich danke Dir.
Martin Jäggi