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Endokronen als Alternative zu Stiftaufbauten
Dank der Weiterentwicklung der adhäsiven Zahnmedizin ist es in den meisten Fällen möglich, wurzelkanalbehandelte Zähne ohne einen zusätzlichen Stiftaufbau substanzschonender zu versorgen. Vor über 20 Jahren wurden erste vollkeramische Versorgungen beschrieben, bei denen Krone und Aufbau als eine Einheit direkt im Wurzelkanal adhäsiv verankert wurden. 1999 wurde der Begriff Endokrone für diese Versorgungsart eingeführt. Der weniger invasive Eingriff lässt sich einfach durchführen, und Komplikationen mit Wurzelstiften können vermieden werden. Trotzdem sind bislang erst wenige In-vitro- oder In-vivo-Studien zu dieser Methode publiziert worden. Es fehlt auch eine exakte Definition der Endokrone, vor allem in Bezug auf die restliche Zahnstruktur und die Art der Präparation.
In der vorliegenden retrospektiven klinischen Studie wurden 99 unter Nutzung der Immediate-Dentin- Sealing-Technik eingesetzte Endokronen aus Keramik und polymerinfiltrierter Keramik nach 44,7 ± 34,6 Monaten untersucht. Die Autoren definierten auf der Basis der restlichen Zahnhartsubstanz nach der Präparation drei Klassen von Endokronen. Die Versorgungen wurden in die drei definierten Klassen eingeteilt sowie nach den FDI-Kriterien und endodontisch bewertet. Okklusale Risikofaktoren und fraktographische Analysen bei Frakturen wurden eingeschlossen. 48,4 % der untersuchten Patienten zeigten okklusale Risikofaktoren.
75,8 % der Versorgungen waren Klasse-3-Endokronen, 56,6 % befanden sich auf Molaren, 41,4 % auf Prämolaren und 2,0 % auf Eckzähnen. 84,8 % wurden aus Lithium- disilikatkeramik und 12,1 % aus polymerinfiltrierter Keramik gefertigt. Die Überlebens- und Erfolgsraten der Endokronen betrugen 99,0 bzw. 89,9 % und die 10-Jahres-Kaplan-Meier- Überlebens- und Erfolgsraten 98,8 bzw. 54,9 %. Bei den zehn registrierten Miss- erfolgen ergab sich folgende Verteilung: Parodontalerkrankung (n = 3), Debonding (n = 2), Abplatzungen (n = 2), Sekundärkaries (n = 2) und Fraktur (n = 1). Die geringe Anzahl an Misserfolgen ließ keine klinische Korrelation zu.
Schlussfolgerungen: Endokronen können auch bei größerem Verlust koronaler Zahnhartsubstanz oder okklusalen Risikofaktoren wie Bruxismus bzw. ungünstigen okklusalen Verhältnissen als zuverlässige Versorgungsart für stark zerstörte Molaren und Prämolaren eingesetzt werden. Zahnärzte sollten Endokronen als Alternativen zu konventionellen Stiftaufbauten häufiger für die Versorgung wurzelkanalbehandelter Seitenzähne in Betracht ziehen. Dieser weniger invasive Ansatz reduziert das Risiko katastrophaler Misserfolge und ist klinisch einfach durchführbar.
Belleflamme MM, Geerts SO, Louwette MM, Grenade CF, Vanheusden AJ, Mainjot AK. No post-no core approach to restore severely damaged posterior teeth: An up to 10-year retrospective study of documented endocrown cases. J Dent 2017;63:1-7.
Parodontitis und Brustkrebs
Brustkrebs ist eine weitverbreitete Erkrankung. Er gilt als zweithäufigste Krebsart und die häufigste bei Frauen mit über 1,5 Millionen diagnostizierten Fällen pro Jahr. Die Häufigkeit bei Frauen ist bedingt durch verschiedene Umstände (z. B. frühere Menstruation, spätere erste Gravidität, geringere Anzahl von Schwangerschaften, kürzere Stillzeiten, spätere Menopause) angestiegen. Weitere Risikofaktoren wie Übergewicht, Alkohol und Bewegungsmangel leisten einen zusätzlichen Beitrag. Neuere Studien haben einen möglichen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Brustkrebs untersucht.
In einer kontrollierten Fallstudie in einem Krankenhaus sollte ein möglicher Zusammenhang zwischen Parodontitis und Brustkrebs in einer Gruppe brasilianischer Frauen untersucht werden. Zwischen April 2013 und Juni 2015 wurden 67 konsekutive Fälle und 134 konsekutive Kontrollen (1:2) eingeschlossen. Es wurden Frauen ausgewählt, bei denen Brustkrebs diagnostiziert worden war (ICD-10 C50). Die Kontrollen wurden altersmäßig (± 2 Jahre) und nach Raucherstatus (nie, ehemalige und aktuelle Raucherin) abgeglichen. Bei allen Teilnehmerinnen erfolgten vollständige parodontale Untersuchungen (Taschentiefen, Plaqueindex, Gingivaindex, Sondierungsbluten, klinisches Attachmentniveau). Die Daten wurden statistisch abgeglichen, um einen Vergleich anstellen zu können. Die Patientinnen mit Brustkrebs zeigten einen signifikant größeren Attachmentverlust als die Kontrollgruppe (p = 0,04). Frauen mit einer diagnostizierten Parodontitis entwickelten je nach deren Schweregrad zwei- bis dreimal häu ger einen Brustkrebs (p < 0,05).
Schlussfolgerungen: Frauen mit einer aktiven Parodontitis zeigen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Diese und weitere Studien unterstreichen die Notwendigkeit einer umfassenderen Risikoanalyse bei Frauen mit Brustkrebs und Parodontitis. Im Gesundheitswesen sollten der Zusammenhang zwischen oralen und all- gemeinen Risikofaktoren sowie die möglichen Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit stärker gewichtet werden.
Sfreddo CS, Maier J, de David SC, Susin C, Moreira CHC. Periodontitis and breast cancer: A case- control study. Community Dent Oral Epidemiol 2017 Jun 27 [Epub ahead of print].