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Am Sonntag (27. Juni 2021) fand im Buchholz das letzte Meisterschafts-Spiel der ersten Mannschaft (3. Liga) der Saison 2020/2021 statt. Für den FC Glarus ging es lediglich noch darum, ob man die Saison auf dem achten oder neunten Schlussrang beenden würde. Aufgrund der Tabellensituation war klar, dass der FC Glarus nichts mehr mit dem Abstieg, aber auch nichts mehr mit dem Aufstieg zu tun haben wird. Anders sah die Situation vor dem Spiel für den Gegner, den FC Ebnat-Kappel, aus. Die Toggenburger befanden sich unter dem Strich mit einem Rückstand von zwei Punkten auf das rettende Ufer. Mit einem Sieg gegen Glarus, bei einer gleichzeitigen Niederlage oder einer Punkteteilung des FC Münchwilens beim FC Tobel-Affeltrangen 1946, hätten sie den Klassenerhalt noch schaffen können (im Falle einer Punkteteilung in der Partie FC Münchwilen gegen den FC Tobel-Affeltrangen 1946, bei einem gleichzeitigen Sieg des FC Ebnat-Kappel, hätten die Toggenburger die Thurgauer noch überholt, da sie weniger Strafpunkte aufwiesen als der Mitkonkurrent).
Das Spiel begann mit ein paar Gedenk-Sekunden für den in der vergangenen Woche verstorbenen ehemaligen FC Glarus Spieler und Trainer Ernst Wirz. Die Spieler des FC Glarus spielten zudem in Trauerflor am rechten Arm.
Es war das Abschiedsspiel für Trainer Mentor Boshtraj und seinen Assistenten Mirko Hofer. Zudem war es auch das letzte Spiel für Alain Hofer, der dem Fussball den Rücken kehrt und sich seinem zweiten Hobby, dem Eishockey-Spiel, widmen wird.
Das Trainer-Team blieb seiner bekannten Linie treu und setzte auch in diesem Spiel von Anfang an auf drei sehr junge Spieler, welche noch bei den Junioren eingesetzt werden könnten. Dies waren Torwart Patrik Horner (A-Junioren) und die beiden Feldspieler Ailton Dervishi (B-Junioren) und Franco Elmer (A-Junioren).
Beim Gegner beeindruckte folgendes: Obwohl es für den FC Ebnat-Kappel das Spiel der letzten Chance war, spielten diese die Partie von Anfang bis zum Ende ruhig, sachlich, besonnen und ohne Hektik. Dies hat man in anderen Spielen in derselben Situation auch schon anders erlebt. So verlor z.B. beim FC Netstal ein Spieler im Spiel vor einer Woche gegen den Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt, FC Münchwilen, in der sechsten Minute der Nachspielzeit die Nerven. Die Folge: der Spieler wurde vom Verband für ein halbes Jahr (bis zum 31. Dezember 2021) gesperrt und der FC Netstal erhielt dermassen viele Strafpunkte, dass der vorzeitige Abstieg eine Runde vor Schluss bereits feststand, obwohl man mit einem Sieg im letzten Spiel punktemässig den FC Münchwilen noch hätte einholen können.
Zurück zum Spiel in Glarus. Der FC Ebnat-Kappel wollte sofort eine Duftmarke setzen und so gehörten die ersten Minuten klar den Gästen, welche versuchten früh in Führung zu gehen. Die Glarner Abwehr stand aber sehr sicher und so fand das Spiel zwar in den ersten zehn Minuten überwiegend in der Glarner Hälfte statt, ohne dass es jedoch brenzlich vor dem Glarner Tor wurde. In der neunten Minuten konnten die Glarner den ersten Angriff über die rechte Seite verzeichnen, welcher jedoch rund 25 Meter vor dem gegnerischen Tor mit einem Foul gestoppt wurde. Die Freistoss-Flanke flog scharf auf die Höhe der 5-Meter-Linie und der Glarner Stürmer Samir Reshani stand am richtigen Ort und konnte den Ball mit seinem Bauch in das Tor drücken. Obwohl das Tor zählte, dauerte der Torjubel des Torschützen nur sehr kurz, da es ihm durch den scharf hereingetretenen Freistoss den „Schnauf verschlug“. Somit blieb der Torschütze nach kurzem Jubel wenige Meter vom Torpfosten entfernt liegen und die herbeieilenden Spieler versuchten anstatt den Torschützen zu bejubeln ihn so gut wie es geht zu pflegen.
Beeindruckend blieb, dass die Gegner trotz des Gegentores weiterhin sehr ruhig und weiterhin ohne Hektik agierten. Nur fünf Minuten nach dem Gegentreffer fruchteten ihre Angriffsbemühungen und sie konnten ihrerseits ihren Stürmer im Strafraum freispielen, welcher das Resultat wieder ausglich.
In der Folge flachte das Spielniveau ein wenig ab. Wirklich zwingende Torchancen konnten sich beide Teams bis zur Pause nicht mehr erspielen. Und so ging es mit dem 1:1 in die Pause. Auch in der zweiten Halbzeit ging es im selben Muster weiter. Es war ein faires Spiel ohne grosse Höhepunkte. Bis zur 73. Minute. Der Gegner liess dem eingewechselten 18jährigen David Vasiljevic rund 25 Meter vor dem Tor etwas viel Raum und Zeit, was dieser zu einem Kunstschuss nutzte. Der Ball flog unhaltbar für den gegnerischen Torwart ins Netz, womit die Glarner rund 15 Minuten vor Spielschluss wieder in Führung lagen. Auch in dieser Situation blieben die Gäste überraschend ruhig, obwohl sie nun rechnerisch abgestiegen waren.
Fünf Minuten später führte ein zu kurzer Rückpass des linken Aussenverteidigers des FC Glarus dazu, dass der Stürmer des Gegners den Ball erlaufen und alleine auf Torwart Horner ziehen konnte. Dieser konnte sich mit einer Glanzparade auszeichnen. Der Ball prallte jedoch zurück zum gegnerischen Stürmer, welcher somit eine zweite Chance zum Ausgleich erhielt. Der zweite Schuss konnte dann vom zurückeilenden Alain Hofer in letzter Sekunde auf der Torlinie abgewehrt werden, womit der Ball rund einen Meter vor der Torlinie frei lag. Torwart Horner stürzte sich auf den Ball und die Situation schien geklärt. Zum Entsetzen der Glarner unterbrach der Schiedsrichter das Spiel mit einem Pfiff und erklärte, dass er diese Situation als absichtlichen Rückpass wertete. Die Intervention von Alain Hofer als absichtlichen Rückpass zu werten, war aus Glarner Sicht sicherlich eine sehr harte Interpretation des Schiedsrichters.
Die Gäste legten sich den Ball auf der Fünf-Meter-Linie zurecht und alle elf Glarner Spieler versammelten sich auf der Torlinie um das Unheil abzuwenden. Die Toggenburger führten diesen indirekten Freistoss jedoch äusserst clever aus, indem sie den Ball quer zur Fünf-Meter-Linie spielten und der bereitstehende Spieler den Ball mit dem Vollspann in die Maschen schiessen konnte. Somit stand es zehn Minuten vor Spielschluss 2:2.
Die Gäste waren über das Resultat in Münchwilen stets informiert. So wussten sie nach dem Ausgleichstreffer, dass sie aufgrund der drohenden Niederlage der Mitkonkurrenten bei einem Sieg in Glarus gerettet wären und den Klassenerhalt feiern könnten. Obwohl sie nun alles nach vorne warfen, blieben die Gäste ruhig und versuchten ohne Hektik den Sieg zu erzwingen. Dies führte dazu, dass die Glarner bei ihren Kontern von Minute zu Minute weniger Gegenwehr von der gegnerischen Abwehr zu erwarten hatten, da die Toggenburger nun mit gefühlten elf Stürmern spielten.
In der 88. Minute führte ein ebensolcher Konter zum vermeintlichen 3:2 für die Glarner, welches der Schiedsrichter jedoch zum Entsetzen der Glarner-Spieler wegen Offside abpfiff. Dieses Mal lag der Schiedsrichter jedoch im Recht, da der Torwart, der sich ebenfalls ins Offensiv-Spiel mit einbrachte, nicht mehr zurückeilte und somit zwischen dem passgebenden Flügelstürmer und dem Torschützen nur ein Verteidiger zwischen der Grundlinie und dem Glarner Spieler war. Allgemein achtet man als Stürmer ja immer darauf, dass man sich bei der Ballabgabe hinter dem gegnerischen Verteidiger befindet, was der Glarner Stürmer auch korrekt machte. Dass aber hinter dem Verteidiger kein zweiter Spieler des Gegners war, in der Regel ist dies ja der Torwart, beachteten die beiden Angreifer nicht. Dementsprechend war bei den Glarner Angreifern im Moment des Pfiffs relativ viel Unverständnis spürbar gegenüber dem Entscheid des Unparteiischen, obwohl dieser absolut korrekt getroffen wurde.
Die Toggenburger wussten inzwischen, dass der FC Münchwilen mit 0:2 zurücklag und waren sich somit bewusst, dass sie bei einem Sieg den Klassenerhalt definitiv auf sicher hätten. Dementsprechend warfen sie nun komplett alles nach vorne. Auch hier muss man den Spielern und den Verantwortlichen des FC Ebnat-Kappel ein Kränzchen winden. Obwohl die Situation sehr aufregend und nervenaufreibend war, blieben sie äusserlich cool und ruhig und versuchten den Siegestreffer ohne Hektik zu erzwingen. In der 91. Minute hatten die Glarner-Angreifer nach einem Ballgewinn und dem daraus resultierenden Konter nochmals enorm viel Platz vor dem gegnerischen Tor, was sie dann zum Siegestreffer durch Eldon Bullaku nutzen konnten. Damit war das Spiel entschieden und bei den Gästen merkte man an, dass damit der Abstieg besiegelt war. Direkt nach dem Wiederanpfiff konnten die Glarner nochmals den Ball gewinnen und praktisch ohne Gegenwehr das Schlussresultat zum 4:2 durch Marco Conte erzielen.
Der FC Glarus konnte somit die Saison mit einem Sieg beenden und die Saison auf dem achten Schlussrang abschliessen.
Auch in dieser bitteren Stunde für den FC Ebnat-Kappel beeindruckten die Verantwortlichen und Spieler den Schreibenden. Die Enttäuschung war natürlich riesig, dennoch blieben alle ruhig und besonnen und sprachen sich gegenseitig Mut zu.
Der FC Glarus möchte an dieser Stelle nochmals dem FC Herisau zum verdienten Aufstieg in die 2. Liga Regional gratulieren.
Schade ist, dass der FC Netstal den Gang in die 4. Liga antreten muss. Ein Derby auf 3. Liga Niveau gegen den Club aus der gleichen Gemeinde ist immer ein Highlight. Immerhin wird es auch nächste Saison (2021/2022) ein Derby geben, da dem FC Weesen 2 der Aufstieg aus der 4. Liga gelang.
Man darf nun gespannt auf die Gruppeneinteilung für die Saison 2021/2022 warten. Die Absteiger sind bekannt. Da aus der 2. Liga Interregional diese Saison jedoch drei Zürcher-Vereine abgestiegen sind (FC Bassersdorf, FC Rüti und FC Zürich United) und keiner aus dem Ostschweizer-Verbands-Gebiet, es aber aus dem OFV jeweils zwei Aufsteiger in diese Liga gibt (FC Rorschach-Goldach 17 und FC Frauenfeld), werden noch die zwei besten Zweitplatzierten der vier 3. Liga Gruppen in die höhere Liga aufsteigen, damit die beiden 2. Liga Gruppen im OFV die Sollgrösse von 12 Teams erreichen. Dies sind nach der Konsultation der Abschlusstabellen die beiden folgenden Vereine: KF Dardania St. Gallen und der FC Bischofszell (Angaben ohne Gewähr).
Zudem werden auch aus der 4. Liga durch diese Rochade die zwei besten Zweitplatzierten aufsteigen. Da nicht alle 4. Liga Gruppen die gleiche Grösse hatten (eine Gruppe bestand aufgrund eines Rückzuges nur aus neun Teams), kommt der Punkte-Koeffizient zum Tragen. Gemäss der Rechnung des Schreibenden sollten folgende zwei Teams noch einen zusätzlichen Aufstiegsplatz erhalten: CB Surses und FC Wil 1900 (diese Angaben sind ohne Gewähr).
Gerne präsentieren wir Ihnen zum Saisonschluss ein paar Zahlen zum FC Glarus betreffend die Saison 2020/2021:
Anzahl Meisterschafts-Spiele: 11
Anzahl Cup-Spiele: 4
Anzahl Pflicht-Spiele: 15
Geschossene Meisterschafts-Tore: 25
Geschossene Cup-Tore: 15
Total Tore: 40
Anzahl Pflichtspiele (Meisterschaft und Cup) in der Saison 2020/2021 (in Klammern die Startelf-Einsätze):
15 Spiele – Juan Manuel Traba Baumgartner (14) & Carlo Stabile (13)
14 Spiele – Alain Hofer (14) & David Vasiljevic (10)
13 Spiele – Silas Gabriel (13), Samir Reshani (13), Marco Conte (13), David Dovicak (13) und Patrik Horner (12)
12 Spiele – Eldon Bullaku (7) & Ailton Dervishi (5)
11 Spiele – Luka Budimir (9), Elija Pozzy (8) und Franco Elmer (2)
9 Spiele – Lorian Boshtraj (2)
8 Spiele – Onur Kartal (1)
7 Spiele – Werner Hösli (3)
6 Spiele – Gianluca Zimmermann (4) & Fatos Hasani (0)
5 Spiele – Ivan Accoto (3)
4 Spiele – Loris Micheroli (3) & Loris Künzle (2)
2 Spiele – Tseega Stähli (1) & Andrea Contardi (0)
1 Spiel – Salim Güre (0)
Anzahl geschossene Tore:
14 Tore – Marco Conte
5 Tore – Samir Reshani
4 Tore – Alain Hofer & Elija Pozzy
3 Tore – David Vasiljevic, Silas Gabriel und David Dovicak
1 Tor – Eldon Bullaku, Franco Elmer, Gianluca Zimmermann und Fatos Hasani
Captain:
10 Spiele – Silas Gabriel
4 Spiele – Gianluca Zimmermann
1 Spiel – Ivan Accoto
Gianluca Zimmermann, der nominelle Captain, fiel im Herbst mehrere Wochen aufgrund eines Armbruches aus.