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FINANZINSTRUMENTE. Die Erfassung und Bewertung von Finanzinstrumenten gemäss IAS 39 stellt IFRS-Anwender seit Jahren vor grössere Probleme. Nun wird auch die Offenlegung im Anhang bedeutend anspruchsvoller und komplexer. Im August 2005 hat das International Accounting Standards Board (IASB) IFRS 7 Financial Instruments: Disclosure (IFRS 7) eingeführt, welches für Berichtsperioden beginnend am oder nach dem 1. Januar 2007 anzuwenden ist. IFRS 7 definiert die Offenlegungspflichten für Finanzinstrumente neu. Das primäre Ziel von IFRS 7 ist es, verbesserte Offenlegungen über die Finanzinstrumente der Unternehmung und dessen Risikomanagement zu liefern. Diese sollen es dem Leser der Jahresrechnung erlauben, eine Beurteilung der Bedeutung der Finanzinstrumente in Bezug auf die finanzielle Lage und finanzielle Leistungen einer Unternehmung zu machen.
Gemäss IFRS 7 müssen die Unternehmen die Bedeutung der Finanzinstrumente, die Natur und das Ausmass der damit verbundenen Risiken sowie die Art und Weise, wie sie mit diesen Finanzrisiken umgehen, den Stakeholdern offenlegen, indem sie Risikoziele, Risikopolitik sowie die dazugehörenden Prozesse erklären.
Revolution in der Offenlegung
Während die qualitativen Angabepflichten weitgehend gleich geblieben sind, führen diverse quantitative Offenlegungen zu wesentlichen Veränderungen:
• Die quantitativen Angaben über die relevanten Finanzrisiken (Marktrisiken, Kreditrisiken, Liquiditätsrisiken) zum Berichtszeitpunkt müssen in derjenigen Form dargelegt werden, in welcher intern durch das Managementinformationssystem an das Schlüsselmanagement berichtet wird.• Für jede Art von Marktrisiko, welcher das Unternehmen zum Berichtszeitpunkt ausgesetzt ist, muss eine Sensitivitätsanalyse erstellt werden. Als Alternative zu solchen Sensitivitätsanalysen kann auch das Value-at-risk-Modell benutzt werden.• Offenlegung der Kreditqualität finanzieller Anlagen, welche weder überfällig noch wertbeeinträchtigt sind.• Diverse Angabepflichten betreffend finanziellen Anlagen, welche entweder überfällig oder wertbeeinträchtigt sind.• Offenlegung der Buchwerte sowie der Nettogewinne/-verluste aller Finanzanlagen und Finanzverbindlichkeiten gruppiert gemäss den Klassifizierungen unter IAS 39.• Offenlegung der Ineffektivitäten von Absicherungsgeschäften.
Diese Aufzählung ist nicht vollständig. Sie zeigt jedoch die wesentlichen Veränderungsbereiche und auch die Sensitivität der zu liefernden Informationen auf.Die neuen Anforderungen schaffen vor allem für Unternehmen ausserhalb der Finanzindustrie grössere Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Im Bereich der Banken sind die Risikomessung und das Risikomanagement vor allem auch durch regulatorische Vorgaben bereits weit entwickelt. Industrie- oder Handelsunternehmen sind jedoch in der Schaffung eines konsistenten Risikomanagementsystems unterschiedlich weit fortgeschritten. Zunächst sind die quantitativen Angaben zu beschaffen und deren Vollständigkeit und Richtigkeit zu gewährleisten. Dies setzt eine enge Zusammenarbeit zwischen Accounting und Treasury voraus. Thematisch bedeutsam ist die Berichterstattung über die quantitative Analyse der Marktrisiken. Weist das Unternehmen keine effizienten Risikomess- und Berichtsysteme auf, dann kann man auch im Jahresabschluss nicht ohne weiteres über die bestehenden Marktrisiken berichten. Am Kapitalmarkt wird scharf beobachtet: Wer nicht professionell über seine Marktrisiken berichten kann, von dem wird vermutet, dass er diese Risiken auch nicht adäquat kontrolliert. Ohne die rechtzeitige Implementierung von IFRS 7 entstehen für die Sensivitätsanalyse grössere Probleme. Die Ermittlung sinnvoller Sensitivitätsanalysen ist vor allem im FX- und im Zinsbereich oftmals nicht einfach, zumal es um konzernweite Darstellungen geht. Neben der Datengenerierung ist daher auch die Frage nach der adäquaten Risikomanagementmethode und nach dem für das Unternehmen passenden Risikomanagementprozess zu klären. Ein weiteres Problem liegt in der Frage, wie detailliert offengelegt werden soll. Die Angaben sollen dem Leser der Jahresrechnung Aufschluss über den Einfluss der Finanzinstrumente auf die finanzielle Position sowie das finanzielle Ergebnis des Unternehmens geben. Es besteht jedoch sicherlich ein gewisser Spielraum, wieweit Einblick in das «Innerste» eines Unternehmens gegeben wird. Der neue Standard bietet eine gute Gelegenheit, die bestehenden qualitativen und quantitativen Angaben im Anhang genau zu analysieren und an die neuen Anforderungen anzupassen.
Revisoren sind gefordert
Der Anhang und die darin enthaltenen Angaben müssen von Revisoren geprüft werden. Speziell bei der Prüfung von qualitativen Angaben wie sie in IFRS 7 verlangt werden, sind die Revisoren oft gefordert, da traditionelle Prüfschritte ungeeignet sind, um solche Informationen zu prüfen. Auch stellt sich die Frage, ob die Angaben im Anhang ausreichend sind, um die angewandte Risikopolitik oder das angewandte Risikomanagement transparent offenzulegen.Der Beurteilung des Prüfers, ob die internen Prozesse zur Ermittlung der Offenlegungen im Anhang ausreichend sind, kommt somit eine grosse Bedeutung zu. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss zunächst einmal das Unternehmen eine adäquate Dokumentation der Risikomanagementsysteme und Prozesse vorlegen. Darüberhinaus muss jedoch der Prüfer auch die notwendigen Fachkenntnisse über finanzielles Risikomanagement einbringen, was oftmals den Einsatz von Spezialisten notwendig machen wird. Insbesondere das Prüfen von quantitativen Angaben wie Sensitivitätsanalysen und speziell die Frage, ob die dargelegten Marktszenarien realistisch respektive angemessen sind, setzt vom Prüfer gute Finanzmarktkenntnisse voraus.
Mehr Transparenz
Die neuen Angabepflichten für Finanzinstrumente fügen dem bereits komplexen Bereich der Buchführung von Finanzinstrumenten eine neue Dimension hinzu und stellen IFRS-Anwender sowie deren Prüfer vor neue Herausforderungen. IFRS 7 bietet jedoch auch die grosse Chance, bisher ungenügende Offenlegungen im Anhang zu überarbeiten und zu optimieren, um den Stakeholdern mehr Transparenz bezüglich der eingesetzten Finanzinstrumente und den Finanzrisiken zu bieten.