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||Der Text der Schweizer Nationalhymne gibt im "Telljahr" 2004 zu reden. Ist er noch zeitgemäss? Sollte gar eine ganz neue Hymne verfasst werden? In Diskussionen kommt es schnell zu erhitzten Gemütern. Die einen schätzen am "Schweizer Psalm" die Verbindung von Religiosität und Naturbezogenheit, andere fühlen sich nicht angesprochen von einer Optik, die nur vom Vaterland und von Schweizern redet - als ob es in diesem Land keine Mütter und keine Schweizerinnen gäbe. Wieder andere haben Mühe, wenn Sterne mit einem Heer assoziiert werden.

Es wäre möglich, die durchaus faszinierende Kombination von Natur- und Religionsbezogenheit der Hymne zu erhalten und gleichzeitig ihre Androzentrik zu vermeiden. Mit ein paar wenigen Änderungen könnte die im 19. Jahrhundert von Leonard Widmer verfasste Hymne so modernisiert werden, dass sie
- mehr Wir-Bezogenheit als Ich-Bezogenheit zum Ausdruck bringt
- kulturelle und religiöse Weite statt Enge präsentiert
- menschenbezogen statt männerbezogen ist.
Eine Landeshymne kristallisiert Werte einer Kultur. Damit diese Kulturkristalle glänzen können, ist es nötig, sie von Zeit zu Zeit abzustauben. Dann können sich alle Menschen mit Stolz, Respekt und ganzem Herzen daran erfreuen.
Ulrike Pittner