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<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird ersucht, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie schätzt er die Kosten ein, welche die infolge des Bologna-Prozesses höchstwahrscheinlich verlängerte Hochschulstudiendauer mit sich bringt, und zwar:</p><p>a. für die Hochschulen (insbesondere deren Infrastruktur und Lehrkörper);</p><p>b. für die Stipendien vergebenden Gemeinwesen;</p><p>c. für die vielen - wenn auch sicher nicht die meisten - Studierenden und deren Familien (Deckung der Lebenshaltungskosten, z. B. durch Teilzeitarbeit zur Studienfinanzierung);</p><p>d. für die gesamte Gesellschaft (zusätzliche volkswirtschaftliche Kosten aufgrund des späteren Eintrittes der Hochschulabsolventen in das Berufsleben)?</p><p>2. Besteht nicht die Gefahr, dass die meisten Studierenden sich mit dem Bachelor zufrieden geben werden, da dieser Abschluss zu einer Sparvariante gegenüber den heutigen Lizenziaten und Hochschuldiplomen werden könnte?</p><p>3. Vermögen die Vorteile (etwas mehr Absolventen der Masterstufe und eine bessere Kompatibilität unseres Hochschulsystems mit dem Ausland) die Nachteile (die zweifellos hohen Reformkosten und das Risiko einer Absenkung des Niveaus des ersten Hochschulabschlusses Bachelor) wirklich in einem Masse aufzuwiegen, dass es sich rechtfertigt, ohne zusätzliche Massnahmen die Bolognareform einzuführen?</p><p>4. Zeigt der Umstand, dass der Einführung der Bologna-Reform trotz ihrer einschneidenden gesellschaftlichen Konsequenzen weder in den Kantonen noch beim Bund politische Entscheide auf Parlaments- und auch nicht ausdrücklich auf Regierungsstufe vorausgegangen sind, nicht eine erhebliche institutionelle Lücke auf, die dringend geschlossen werden muss?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist sich der Tragweite der Reform, welche die Bologna-Erklärung an unseren Hochschulen ausgelöst hat, bewusst. Dabei vertritt er die Meinung, dass nicht primär die Schwierigkeiten, die mit jeder Veränderung verbunden sind, im Mittelpunkt stehen sollen, sondern die einzigartige Chance, die der Bologna-Prozess für eine grundlegende Erneuerung der Lehre an allen unseren Hochschulen bietet. Die Hochschulen haben diese Chance erkannt. Die Hochschulleitungen, die Lehrenden und Lernenden setzen sich intensiv mit den neuen Anforderungen auseinander und arbeiten auf eine Verbesserung der Qualität ihrer Hochschule hin.</p><p>Zu den einzelnen Fragen des Interpellanten ist Folgendes zu sagen:</p><p>1. Der Interpellant geht von einer Verlängerung der Studiendauer aus, da das Bachelor- und das Masterstudium zusammen in viereinhalb bis fünf Jahren, das bisherige Lizentiatsstudium an Universitäten dagegen in vier Jahren absolviert werden kann. Dieser Richtzeit ist jedoch die tatsächliche Studiendauer gegenüberzustellen. Im Jahre 2002 brauchten die Studierenden durchschnittlich 5,8 Jahre bis zu ihrem Lizentiatsabschluss, wobei die Geistes- und Sozialwissenschaften eine Studiendauer von durchschnittlich 6,3 Jahren aufwiesen.</p><p>Entgegen den Annahmen des Interpellanten kann davon ausgegangen werden, dass sich die tatsächliche Studiendauer durch die Einführung der zweistufigen, vermehrt modularisierten Studienstruktur eher verkürzen als verlängern wird. Von der Studiendauer her gesehen sind demnach für die Studierenden und ihre Familien sowie für die Hochschulträger und die anderen Kantone in Bezug auf die Stipendien sowie die IUV-Beiträge keine Mehrkosten zu erwarten. </p><p>Was die Universitäten betrifft, so hat die Schweizerische Universitätskonferenz im Rahmen der projektgebundenen Beiträge auf der Basis einer der Rektorenkonferenz in Auftrag gegebenen Studie über die Kostenabschätzung ein Projekt im Umfang von insgesamt 30 Millionen Franken gutgeheissen, welches die weitgehende Deckung der mit der Umsetzung anfallenden einmaligen Kosten vorsieht. Die Eidgenössischen Technischen Hochschulen werden die anfallenden Mehrkosten aus ihrem Globalbudget decken, wodurch sich für den Bund keine zusätzlichen Kosten ergeben. Betreffend Fachhochschulen ist auf die Botschaft zur Teilrevision des Fachhochschulgesetzes (Ziff. 3) zu verweisen, wo die dem Bund aus der Einführung der zweistufigen Ausbildung mit Bachelor- und Masterabschlüssen erwachsenden Kosten aufgelistet werden. Auf der Basis des aktuellen Subventionssystems rechnet der Bund ab dem Jahre 2010 mit Zusatzkosten von jährlich 20 Millionen Franken.</p><p>2. Das Bachelor- und das Masterstudium zusammen ersetzen das bisherige einstufige Diplom- bzw. Lizentiatsstudium. Das Bachelorstudium richtet sich an den universitären Hochschulen auf die Vermittlung einer grundlegenden wissenschaftlichen Bildung und eines methodisch wissenschaftlichen Denkens aus und soll den Studierenden im Hinblick auf das anschliessende Masterstudium vor allem als Basis für einen Wechsel des Studienortes oder der Studienrichtung dienen. Wie viele Studierende sich entscheiden werden, nach einem Bachelorabschluss vorübergehend oder definitiv das Studium zu unterbrechen, sei es um berufliche Erfahrungen zu sammeln oder familiären Verpflichtungen nachzukommen, wird sich zeigen, kann grundsätzlich jedoch nicht als "Risiko" bezeichnet werden, da ihnen ein Bachelorabschluss nach einem Unterbruch jederzeit erlaubt, ein Masterstudium aufzunehmen.</p><p>Diese Flexibilisierung trägt den veränderten Ansprüchen von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft besser Rechnung. Das bisherige einstufige Lizentiatsstudium hingegen ermöglicht den Studierenden nach einem Studiumabbruch oder -unterbruch kaum (die Studienabbruchquote beträgt ungefähr 30 Prozent), ihre bis dahin erworbenen Kompetenzen auszuweisen, und erschwert somit den Einstieg in Berufsleben und insbesondere die Wiederaufnahme des Studiums.</p><p>3. Der Bundesrat ist überzeugt, dass die im Rahmen des Bologna-Prozesses durchzuführenden Reformen zu einer Verbesserung der Qualität unserer Hochschulen führen und die Hochschulen international noch wettbewerbsfähiger positionieren wird. Wie bereits ausgeführt, vertritt er die Meinung, dass das Risiko einer Wertminderung der Abschlüsse nicht gegeben ist. Die Tatsache, dass an den universitären Hochschulen der Master das bisherige Lizentiat ersetzt, lässt die Erwartung zu, dass auch in Zukunft viele Studierende einen Masterabschluss anstreben werden. Der Bachelorabschluss soll dabei die Möglichkeit bieten, im Hinblick auf den Master den Studienort oder die Studienrichtung zu wechseln. Betreffend Mehrkosten sei auf die Antwort 1 verwiesen.</p><p>4. Die politische Legitimation war und ist durchaus gegeben. Durch einen Entscheid vom 3. September 1998 hat die damalige Hochschulkonferenz, in der alle Universitätskantone durch ihre Erziehungsdirektoren vertreten waren, Bundesrätin Ruth Dreifuss ausdrücklich berechtigt, die Sorbonne-Deklaration, den Grundstein für den so genannten Bologna-Prozess, zu unterzeichnen. Auch die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten sowie die Erziehungsdirektorenkonferenz waren konsultiert worden. Zudem wurden für die konkreten Bologna-Projektarbeiten verschiedene Gremien geschaffen, welche die Leitungen, den Mittelbau und die Studierenden der Hochschulen, Vertreter der Sekundarstufe II, des Bundes und der Kantone sowie die Präsidenten der Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur der beiden Räte einbezogen. Verabschiedet wurden die Schweizer Bologna-Richtlinien von der Schweizerischen Universitätskonferenz nach einer breiten Vernehmlassung unter Einbezug der Hochschulen und der an der Hochschulpolitik interessierten Organisationen.</p><p>Zum Schluss bleibt noch zu erwähnen, dass die oben genannten Gremien die Umsetzung der Reformen weiterhin begleiten und evaluieren werden. Die auf internationaler Ebene verlangte Bestandesaufnahme alle zwei Jahre wird auch in der Schweiz als Gelegenheit wahrgenommen, über den Stand der Umsetzung der Bologna-Reform an den Schweizer Hochschulen zu berichten und allfällige Kurskorrekturen vorzunehmen.</p>  Antwort des Bundesrates.