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Rafael Nadal hat indirekt Stellung gegen Novak Djokovic bezogen. Sein Rivale hatte vor Kurzem in einem offenen Brief vorgeschlagen, dass die Organisatoren der Australian Open die strengen Quarantäne-Massnahmen lockern sollten.
Gleich 72 Spieler – darunter auch Belinda Bencic und Henri Laaksonen –mussten sich in Melbourne in Selbstisolation begeben. Damit wurden natürlich ihre Pläne für die Vorbereitung auf die Australian Open, welche am 8. Februar beginnen, empfindlich gestört. So dürfen sie etwa ihr Hotelzimmer auch für Trainings nicht verlassen. Andere Profis, die das Glück hatten, nicht auf einem Flug mit einer positiv auf das Coronavirus getesteten Person zu sein, konnten derweil täglich raus und trainieren.
Die Top 3 bei den Männern und Frauen geniessen zudem Sonderprivilegien, indem sie etwa die Quarantäne in Adelaide verbringen und mehr Staff-Mitglieder mitnehmen durften. So beklagten sich einige der «Quarantäne-Opfer» einerseits über die Bedingungen in ihren Hotelzimmern, andererseits über die fehlende Gleichbehandlung.
Rafael Nadal zeigt im Interview mit «ESPN Argentina» zwar Verständnis für die Kritik. Er hält aber auch fest: «Hier in Adelaide haben wir bessere Bedingungen als die meisten, die in Melbourne sind, aber es gibt dort auch Spieler, die grössere Zimmer haben als andere, oder manche, die zudem keinen Kontakt zu ihrem Trainer haben können.» Doch von dieser Ungleichbehandlung höre man nichts, sagt die Weltnummer 2. «Die Beschwerden kommen immer aus einer benachteiligten Position. Wenn man über ‹Fair Play› oder gleiche Bedingungen spricht, neigen die Leute nicht dazu, sich über die Position derer zu beschweren, denen es schlechter geht als ihnen – man schaut immer nach oben.»
Ein klarer Seitenhieb an Djokovic
Nadals Fazit: «Wir versuchen alle, im Rahmen unserer Möglichkeiten die bestmögliche Leistung zu bringen und uns gegenseitig zu helfen.» Helfen wollte auch Novak Djokovic, der sich in einem offenen Brief an die Turnierleitung wendete und darin bessere Bedingungen für die Spieler in Quarantäne forderte. Die Aktion stiess nicht bei allen auf Gegenliebe.
«Einige müssen alles öffentlich machen, was sie tun, um den Spielern zu helfen», meint Nadal vielsagend. «Andere machen es auf eine privatere Art und Weise, ohne alles, was wir tun, zu veröffentlichen. Einige von uns haben nicht das Bedürfnis, die Appelle, um den am meisten benachteiligten Spielern zu helfen, bekannt machen zu wollen.»
Für den 34-Jährigen ist klar: «Man sollte trotz der 14-tägigen Quarantäne versuchen, eine exzessive Beschwerde zu vermeiden.» Natürlich verstehe er die Probleme durch Komplikationen und er habe «maximale Solidarität» mit den betroffenen Spielern. Aber es sei leider kein Vergleich zu dem, was mancherorts auf der Welt passiere, stellt Nadal klar.
Die Tennisspieler sollten es schätzen, an Wettkämpfen teilnehmen zu können: «Sie sind in Fünfsternehotels und bekommen dort Essen.» Die Angestellten dort würden sich um sie kümmern und versuchen, ihr Bestes zu geben. «Ich applaudiere all jenen, die eine positive Einstellung und Verständnis haben», so Nadal.
Mit Blick auf die sportlichen Aussichten 2021 gibt sich Nadal bescheiden. So müsse er weder zwanghaft die Nummer eins werden, noch Roger Federer bei der Anzahl der Grand Slams – beide haben bisher 20-mal triumphiert – überholen. «Meine Art, die Grand Slams anzugehen, ist immer die gleiche. Die Tatsache, einer der momentan erfolgreichsten Spieler zu sein, hat meine Motivation nicht verändert oder mir Druck hinzugefügt. Ich trete immer mit maximalem Enthusiasmus und Motivation an.»