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Es gab mal eine Zeit, wo die Designer das Sagen hatten. Einer der radikalsten war Robert Opron (1932-2021). Ein Blick zurück auf einige seiner berühmtesten Autos.
Eben erreicht uns die Nachricht, dass der legendäre Autodesigner Robert Opron am 29. März im Alter von 89 Jahren verstorben ist. Vielleicht sagt den meisten von uns dieser Name nicht viel. Sehr wohl aber kennt man jene einzigartige Designsprache, die der französischen Automobilindustrie eigen war und sie vom Rest der Auto-Welt abhob. Und einige der radikalsten Entwürfe stammten von der Feder Oprons.
Lassen wir einige seiner bekanntesten Kreationen Revue passieren!
Nach einer Jugend in Algerien, Mali und an der Elfenbeinküste studierte Robert Opron zunächst Architektur, Skulptur und Malerei an der École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris, bevor er im Alter von 26 Jahren ins Designteam vom französischen Autohersteller Simca geholt wurde. Ein Jahr später bereits stahl ein von Opron entworfenes futuristische Konzeptauto am Genfer Autosalon allen die Show:
Mit diesem Design reagierte Opron auf einen Auftrag der Zeitschrift «Journal de Tintin» (jap, genau: Tim und Struppi), ein «Auto für die 1980er Jahre» zu entwerfen. Die Zeitschrift lieferte eine Liste von erwarteten Standardmerkmalen – unter anderem eine Radar-Hinderniserkennung und gyroskopische Stabilisierung. Opron beriet sich mit einem befreundeten Astrophysiker, um diese noch nicht realisierten Konzepte in das Auto zu integrieren.
1962 bekam Opron eine Einladung von Citroën-Chefdesigner Flaminio Bertoni, dem Schöpfer der legendären Citroën-Modelle Traction Avant, 2CV und DS. Laut Opron soll Bertoni beim ersten Treffen seine mitgebrachten Designentwürfe auf den Boden geworfen haben – «Er stiess mit seinem Gehstock auf meinen Zeichnungen herum und erklärte mir, dass er nicht viel von ihnen halte». Opron sammelte seine Zeichnungen ein und bedeutete dem älteren Herrn, dass er dessen Verhalten inakzeptabel fand und niemals für ihn arbeiten würde – worauf Bertoni antwortete: «Sie, aber, finde interessant!». Drei Wochen später erhielt er ein Anstellungsschreiben von Citroën. Als einer seiner ersten Jobs wurde Opron mit der Entwicklung eines Nachfolgers für den 2CV beauftragt, woraus die Designstudie Citroën G-Mini (1965) entstand:
Ebenfalls wurde Opron mit der Neugestaltung der «Nouveau Visage» des Citroën DS beauftragt, mit den vier Scheinwerfern unter Glasabdeckungen, die mit den Linien der Karosserie verschmolzen.
Nach dem Tod Bertonis wurde Opron 1964 zum Responable de Style ernannt, zum Chefstylisten von Citroën. In diese Ära fällt eines seiner erfolgreichsten Designs:
Die für die Zeit ungewöhnlich strömungsgünstige Karosserie ermöglichte einen geringen Verbrauch und eine überdurchschnittlich hohe Geschwindigkeit. Die trotz Luftkühlung und hoher Drehzahlen leisen Motoren und der grosse Innenraum machten ihn zu einem komfortabelsten Auto der Mittelklasse.
Das Hydrauliksystem, die Hydropneumatik, war vom grossen Schwestermodell Citroën DS abgeleitet, das unter anderem ermöglichte, in Notfällen das Auto mit nur drei Rädern zu fahren.
Der GS war im Mittelklassen-Segment angesiedelt. Doch ein Blick auf die damalige Konkurrenz – Fiat 128, Ford Escort, Vauxhall Viva, Opel Kadett, etwa, allesamt konventionelle Three-Box-Stufenheck-Entwürfe – zeigt auf, wie anders und zukunftsweisend Oprons Design war. Ein Ansatz, der nirgends deutlicher wurde als bei Oprons wohl ikonischstem Design:
Mit dem Sportcoupé SM – man scherzte, es stünde für Sa Majesté (ihre Majestät) –, das von einem muskulösen Maserati-Motor angetrieben wurden, war Citroën endgültig in der Oberklasse angekommen.
Mit einer Spitzengeschwindigkeit von über 220 km/h war der Wagen lange Zeit das schnellste frontgetriebene Serienfahrzeug, dies nicht zuletzt aufgrund des sagenhaften Luftwiderstandsbeiwerts (Cw) von 0,33.
Vor allem aber ist und bleibt Sa Majesté die Stilikone schlechthin. Aussen und innen. Ovale Instrumententafeln? Gibt's nur hier.
Als die Zeit gekommen war, einen Nachfolger für die legendäre Citroën DS zu finden, war das Resultat nicht minder zukunftsweisend:
Hydropneumatik, tiefer Cw-Wert, legendäre Laufruhe und Fahrkomfort ...
... und ein Kabinenraum wie aus einem Science-Fiction-Film.
Trommel-Tachos, Leute, Trommel-Tachos!
Die Kombi-Version bot locker Platz für 8 Personen.
1975 wurde Citroën vom französischen Staat übernommen und die PSA Peugeot Citroën gegründet. Opron sah die Eigenständigkeit des Designs bei Citroën in Gefahr und verliess das Unternehmen in Richtung Konkurrenz: Renault. Dort entwarf unter anderem:
Mitte der Achtzigerjahre wechselte Opron zu Fiat. Eines seiner letzten und zugleich bekanntesten Kreationen ist dieses ebenso ikonische wie kontroverse Vehikel:
Erklärtes Ziel Alfa Romeos war es, eine ausgefallene, Aufsehen erregende Form zu entwickeln. Dementsprechend wurde das Design selten als schön, stets aber als eigenständig bezeichnet. Bis heute kennt man den Sportwagen unter seinem Übernamen Il mostro (das Monster).
Und damit steht der Alfa Romeo SZ für so vieles, das das Lebenswerk Oprons bestimmte – und für eine Ära der Automobilgeschichte, wo Designer wie er das Sagen hatten. Heute macht man Marktstudien und Focus Groups, um zu eruieren, was die Kundschaft wünscht, und baut Autos entlang deren Vorgaben (und fast immer kommt irgend ein langweiliger SUV heraus). Ein Citroën SM oder Alfa Romeo SZ hätten auf diese Art nie das Licht der Welt erblickt. Zu Oprons Zeit und in seinem Umfeld waren es Ingenieure und Designer, die Autos entwickelten und diese dann einer Kundschaft präsentierten, die sie haben wollten aufgrund der Radikalität und Innovation. Früher war die Zukunft besser.