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Die vor allem in Frankreich bekannte, wahre Geschichte um einen gerichtlichen Zweikampf ist brutal und patriarchal - wie es sich fürs Mittelalter gehört. Wenn man sich über die Vokuhila von Matt Damon wundert und den blondierten Ziegenbart von Ben Affleck belächelt, muss einem aber bewusst sein, dass dies alles historisch korrekt erforscht wurde. Auch die starke Frauenfigur, die Jodie Comer verkörpert, und deren Aufbegehren Relevanz bis in die Moderne hat. Ein Ritterfilm als brachiales Justizdrama, bei dem sich Sanftmut und Splatter die Waage halten.
Schon vor dem Vorspann wird das Duell, der Höhepunkt, auf den Ridley Scotts Film unweigerlich zusteuert, mit Cliffhanger inszeniert. Man schreibt Dreizehnhundertirgendwas. Das Kettenhemd ist bös in Mode. Burgfräuleins werden von Mägdenhänden eingekleidet. Und wenn's Tote gibt, ist sowohl der König, der gesamte Hochadel als auch das Volk gemeinsam bereit zum Gaffen. Doch wie kam's zum Konflikt, der in diese mittelalterliche Schlachtplatte mündet?
The Last Duel ist unterteilt in drei Kapitel und erzählt immer wieder gleiche Begebenheiten aus unterschiedlichen Perspektiven. Den Anfang macht Jean de Carrouge als zorniger Feldherr, der in Ungnade fällt bei Graf Pierre d'Alençon (Ben Affleck). Gefolgt von Jacques LeGris, der wiederum zum Lieblingskind desselben Grafen wird. Zum Schluss kommt Margerite, das Opfer, zu Wort. Es ist aber kein simples He-said-she said, wie bei einer Vergewaltigung üblich. Diese wird gar nicht in Frage gestellt, sondern nuanciert aus Täter- und Opfersicht dargestellt.
Marguerites Version ist die interessanteste. Man kann sich darüber aufregen, dass die Männer die ersten beiden Kapitel bekommen. Doch der Vorrang galt im Mittelalter-Patriarchat naturgemäss dem starken Geschlecht. Und weil Marguerites Meinung im Film hinten anstehen muss und sie vom Papa verheiratet und von einem reinen Männergericht hinterfragt wird, ist es nur konsequent, dass sich dies im Aufbau des Drehbuch spiegelt. Das Gesetz sah es damals auch vor, dass die Frau bei Meineid verbrannt wurde, und eine Orgasmus-Garantie gab es ohnehin nicht im Ehebett.
All dies hallt in der heutigen Zeit nach, ist aber historisch akkurat. Die Vorlage stammt von Mittelalter-Professor Eric Jager, der sich intensiv mit Primärquellen auseinandersetzte. «Trial by Combat» - Game of Thrones-Fan kennen's - ist deshalb ebenso wenig eine Erfindung von George R. R. Martin wie das Hirngespinst der damaligen Justiz, dass bei verzwickten Fällen ein Fingerzeig Gottes im Schwertkampf für Gerechtigkeit Sorgen sollte. Stark und erfreulich ist deswegen aber der unbeugsame Kampf für die Selbstbestimmung der Frau, die Marguerite als Feministin «ante litteram» im Film auf sich nimmt. Killing-Eve-Darling Jodie Comer ist auch als Burgfräulein ein toughes Cookie.