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Der Autor bettet diese „Begegnung“ ein in allgemein philosophische Betrachtungen über politische und soziale Entwicklungen, untersucht, inwieweit die Vorstellungen der beiden Physiker für die Gegenwart von Bedeutung sind. Und es sind diese um Aktualität bemühten, oft ein wenig wirr und bemüht originell wirkenden Passagen, die das Lesen dieses Buches mühsam werden lassen (und da die Gedanken kaum auf Originalität Anspruch erheben können, fördern diese Abschnitte auch in nicht unbeträchtlicher Weise das Gähnen des mit ihnen Konfrontierten).
Überraschenderweise trifft dies alles aber nicht auf die Darstellung der Philosophie von Mach und Boltzmann zu, die sehr klar die Unterschiede im Denken der beiden herausarbeitet und auch die Konsequenzen einer bloß sinnlich erfahrbaren oder aber vom Ich geschiedenen Realität beschreiben. Machs Lehre von den Elementen wurde im Wiener Kreis nicht aufrecht erhalten, seine Reduktion der Physik (und der Philosophie) auf das bloß Erfahrbare, seine harsche Kritik an metaphysischen Annahmen (die sich auch auf die Newtonschen Begriffe des absoluten Raumes und der absoluten Zeit erstreckten und in dieser Hinsicht für Einstein wegweisend waren, wenngleich Mach über diese seine Urheberschaft nicht wirklich glücklich war, da er einiges gegen die Relativitätstheorie einzuwenden hatte) und das Verwerfen vieler Fragestellungen als bloßer „Scheinprobleme“ waren hingegen von allergrößter Bedeutung. (Noch Richard von Mises hat in seinem „Kleinen Lehrbuch des Positivismus“ die Abhängigkeit fast aller Theoretiker von den Überlegungen Machs betont). Boltzmann, der als letzter „klassischer“ Physiker gilt und der noch dem Hilbertschen Programm des „Wir werden es wissen“ verpflichtet war, betonte diese seine Überzeugung von der Erkennbarkeit der Realität, weil wir – was für ihn spätestens seit Darwin klar war – ein materieller Teil dieser Realität sind. Er ist in seinem Modelldenken für Popper von Bedeutung und er verwehrte sich dagegen, dass wir in unserem Erkenntnisstreben einzig auf unsere Empfindungen angewiesen seien.
Leider vernachlässigt Kaizik diese Konsequenzen für die folgende Philosophiegeschichte und bleibt bei der Gegenüberstellung der Positionen von Mach und Boltzmann stehen. Diese Positionen aber sind – wie erwähnt – sehr gut dargestellt, auch ihre Einbindung in den Konflikt mit marxistischen Auffassungen (allerdings werden die Einwände Lenins bzw. Friedrich Adlers stark verkürzt dargestellt). Alles andere aber (so auch der Einfluss Machs auf die künstlerische Entwicklung um die Jahrhundertwende oder aber seine Bedeutung für die Gegenwart) entbehren nicht einer gewissen Trivialität. Sodass das Buch nur mit Einschränkungen empfohlen werden kann als Einstieg in unterschiedliche philosophische Konzeptionen, die im Verlaufe des 20. Jahrhunderts von großer Bedeutung werden sollten.
Jürgen Kaizik: Versuch einer Begegnung. Mach gegen Boltzmann. Wien: Deuticke 1986.