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Lesen, schreiben, Texte verstehen
In Europa herrscht Schulpflicht und viele Kinder beherrschen ihre Muttersprache in Wort und Schrift bereits zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr relativ kompetent. Das ist auch wichtig, denn unser Alltag heute ist ohne die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben praktisch nicht zu bewältigen. Der Prozentsatz von Analphabeten in der Schweiz, also von Menschen, die eben nicht lesen und schreiben können, ist auch seit Jahren vergleichsweise gering. Wenn es aber darum geht offizielle Briefe zu verfassen, zusammenhängende Sätze zu schreiben oder längere Texte zu verstehen dann sind immer mehr Menschen überfordert.
"Funktionaler Analphabetismus" heisst dieses Phänomen, welches gar nicht so selten ist, wenn Du näher hinschaust. In westlichen Industriestaaten sind 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung betroffen. Sie können ihren Namen und einzelne Wörter lesen und schreiben, bestehen den Sinn zusammenhängender Texte aber nicht und stossen im Alltag daher oft an ihre Grenzen.
Funktionale Analphabeten mogeln sich durch den Alltag
Funktionaler Analphabetismus kommt also gar nicht so selten vor, obwohl immer mehr Jugendliche einen höheren Schulabschluss erwerben. Wie kann das sein? Der Grund ist, dass Betroffene Strategien entwickeln um ihr Problem gegenüber Freunden und Verwandten zu verheimlichen. Sie lernen Texte auswendig und wissen schnell, welche Wörter und Sätze sie im Alltag immer wieder brauchen und verinnerlichen diese. Zudem können sie ja einzelne Wörter lesen, sie sind also durchaus in der Lage im Restaurant eine Gericht zu bestellen oder einen Vertrag zu unterschreiben. Was darin steht, das sogenannte "Kleingedruckte", bleibt aber ein Buch mit sieben Siegeln - und genau dass ist das Problem. Bei längeren, zusammenhängenden Texten sind sie nicht in der Lage deren Sinn zu verstehen. Sie entziffern einzelne Wörter, vielleicht sogar Sätze, verstehen aber nicht, was sie da gerade gelesen haben. Einen Artikel in der Zeitung zu lesen oder auf ein Schreiben von der Versicherung zu reagieren wird so unmöglich und irgendwann führt das zu grossen Problemen und Missverständnissen.
In sozial schwachen Familien haben Kinder häufiger Probleme mit dem Lesen und Schreiben
Natürlich gibt es auch unter den funktionalen Analphabeten Menschen, deren Problem stärker und andere, deren Schwierigkeiten weniger stark ausgeprägt sind. Letztere schaffen möglicherweise sogar einen Schulabschluss, gelten vielleicht einfach nur als "leistungsschwach" oder "faul". Wer aus sozial schwachen Familien stammt, in denen das Lesen keine oder eine nur geringe Rolle spielt, hat ein grösseres Risiko später Probleme mit der Schriftsprache zu entwickeln. In Akademikerhaushalten hingegen ist das anders: Wenn die Eltern viel lesen anstatt fernzusehen ist die Wahrscheinlichkeit gross, das die Kinder Ihnen nacheifern und früh selbst ein Buch in die Hand nehmen oder sich für die Tageszeitung interessieren. Eltern sind und bleiben ein wichtiges Vorbild für Kinder und beeinflussen daher auch unbewusst mit ihrem Verhalten deren Bildungs- und Aufstiegsschancen.
Tipp: Bücher wertschätzen und Kindern regelmässig vorlesen
Eltern, denen es gelingt ihre Kinder für Bücher und Geschichten zu begeistern tragen dazu bei, dass die Kleinen schön früh lernen den Wert der Schriftsprache zu erkennen. Auch ist es wichtig, schon kleinen Kindern regelmässig vorzulesen.
Bildquelle: Unsplash / pixabay.com