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Der Oberste Gerichtshof der USA hat die gleichgeschlechtliche Ehe in allen 50 Bundesstaaten legalisiert. In einer historischen Entscheidung urteilte der Supreme Court, dass das Verbot von gleichgeschlechtlichen Eheschliessungen gegen die Verfassung verstosse. Der Entscheid fiel mit 5 zu 4 Stimmen knapp aus. Fünf der neun Richter gelten als eher konservativ, vier als eher fortschrittlich orientiert.
Das Zünglein an der Waage spielte der konservative Anthony Kennedy. Der 78-Jährige, der 1988 vom damaligen Präsidenten Ronald Reagan zum Richter gewählt worden war, stimmte für die Homo-Ehe.
Während 36 Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington homosexuelle und heterosexuelle Partnerschaften in den vergangenen Jahren gleichgestellt haben, herrschte in 13 Staaten weiterhin ein Verbot. Für betroffene Paare bedeutete das, dass sie Angst haben mussten, dass ihnen ihre Rechte weggenommen werden, wenn sie in einen Bundesstaat umziehen, der die Homo-Ehe nicht akzeptiert.
Regenbogenfahnen vor dem Gericht
In einer ersten Reaktion auf Twitter nannte US-Präsident Barack Obama das Urteil einen «grossen Schritt» in Richtung der Gleichberechtigung.
Vor dem Gerichtsgebäude in Washington versammelten sich Medienberichten zufolge Tausende Befürworter der Homo-Ehe. Kurz nach der Entscheidung fielen sie sich jubelnd in die Arme und feierten die bahnbrechende Entscheidung.
Schwule und Lesben dürfen adoptieren
Dass Schwule und Lesben in allen Bundesstaaten heiraten dürfen, habe auch Auswirkungen auf weitere Lebensbereiche, erklärt SRF-Korrespondent Beat Soltermann in Washington. «Sie dürfen zum Beispiel auch Kinder adoptieren.»
In den letzten Jahren habe diesbezüglich ein massiver Meinungsumschwung in der amerikanischen Bevölkerung stattgefunden. «Eine deutliche Mehrheit hat heute nichts mehr dagegen, dass auch Schwule oder Lesben heiraten», so Soltermann.
Widerstand gegen Homo-Ehe zwecklos
Heute stünden mehr Schwule und Lesben zu ihrer sexuellen Orientierung, so dass «viele heterosexuelle Leute, die der gleichgeschlechtlichen Ehe eher skeptisch oder ablehnend gegenüberstanden, realisiert haben, wie wichtig das Anliegen ist». Zudem hätten sich Bürgerrechtsorganisationen in den USA dafür stark gemacht.
Mit Widerständen sei dennoch zu rechnen, schätzt der Korrespondent. «Die ersten Reaktionen der republikanischen Präsidentschaftskandidaten fielen sehr negativ aus.» Aber letztlich sei mit dem Urteil jede Opposition gegen die Homo-Ehe zwecklos: «Das Oberste Gericht ist die letzte Instanz. Es hat gesprochen und entschieden.»