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Händler, die im ersten Halbjahr 2020 das Ergebnis ihrer Bank gerettet haben, sehen sich mit der Realität der Pandemie konfrontiert: Rekordeinnahmen bedeuten keine Rekordboni, da die meisten Geschäftsbereiche mit einem Rückgang von 10 Prozent oder mehr konfrontiert sind. Selbst Bondhändler werden wahrscheinlich feststellen, dass die Prämienzahlungen zum Jahresende hinter den von ihnen generierten Profiten zurückbleiben, da die Unternehmen mit Kreditverlusten und Kostendruck zu kämpfen haben.
"Wenn Ihre Abteilung die Kohlen aus dem Feuer holt, dann wäre es natürlich gut, wenn dies in einem Jahr gelingt, in dem es für die Firma insgesamt gut läuft", sagte Bonnie Schindler von Compensation Advisory Partners. "Bondhändler dürften somit das Gefühl haben, etwas zu kurz zu kommen in diesem Jahr."
Diese Botschaft hat sich in den letzten Wochen verbreitet und spiegelt sich in den neuen Prognosen von Wall Street-Vergütungsberatern wie Schindler wider. Sie sehen Händler, die sich jahrelang mit ruhigen Märkten herumgeschlagen haben und nun vor der Aussicht stehen, dass ihr fetter Profit durch harte Zeiten in anderen Geschäftsbereichen geschmälert wird. Die Bereiche M&A-Beratung und Kreditgeschäft haben Probleme. Indes versuchen die Banken Entlassungen und Dividendenkürzungen zu vermeiden. Es reicht schon, Star-Händler zu frustrieren, womit sie anfällig für Abwerbeversuche der Hedgefonds werden, die bereit sind, mehr zu zahlen.
«Viel Unzufriedenheit»
"Mitarbeiter, die im Laufe der Jahre Einbussen bei der Vergütung hinnehmen mussten, werden nicht den erhofften Anstieg sehen", sagte Michael Karp, Chief Executive Officer von Recruiter Options Group, die weitere Abwanderungen von Managing Directors, die die Teams leiten, prognostiziert. "Dort wird es viel Unzufriedenheit geben."
Aktienhändlern bei grossen US-Banken gelang es weitgehend, die äusserst turbulenten Märkte zu durchschiffen. Im März hatte die Pandemie zu Lockdowns geführte und die Aktien auf Talfahrt geschickt, während sich die Kurse später wieder erholten. Diese Leistung wurde jedoch bald vom Rentenhandel in den Schatten gestellt. Die Interventionen der Federal Reserve an den Unternehmensanleihemärkten half den Banken, eine Reihe von Kapitalbeschaffungen für verzweifelte Unternehmen zu arrangieren, und gab diesen Händlern reichlich Gelegenheit, neu begebene Anleihen zu kaufen und zu verkaufen.
Im zweiten Quartal erzielten Händler bei den drei führenden Handelshäusern für Festverzinsliche - JPMorgan Chase, Citigroup und Goldman Sachs - einen zusätzlichen Ertrag von rund 10 Milliarden Dollar. Dieser unverhoffte Geldsegen trug dazu bei, dass JPMorgan und Citigroup trotz massiver Risikovorsorge profitabel blieben.
Laut Alan Johnson, dem Gründer des Vergütungsberaters Johnson Associates, könnten die Boni zum Jahresende bei Anleihehändlern um 25 Prozent bis 30 Prozent steigen. Jedoch dürften diese Händler mit einer Erhöhung von 50 Prozent oder mehr rechnen, sagte er. "Sie werden in Relation zu ihren Ergebnissen etwas weniger erhalten", sagte Johnson. "Sie werden verärgert sein."
Johnsons Prognosen
Bei Goldman Sachs sind die Erträge aus dem Handel mit Festverzinslichen im ersten Halbjahr um 83 Prozent gestiegen. Im zweiten Quartal erzielte dieser Bereich das beste Resultat seit neun Jahren, während der Aktienbereich die beste Performance seit elf Jahren einfuhr.
Dennoch hat Anfang Juli die Point72 Asset Management des Milliardärs Steve Cohen den Repo-Handelschef von Goldman, Alex Blanchard, und den Leiter des Teams US-Staatsanleihenhandel, Andrew DiMaria, abgeworben.
Händler, die zu Hedgefonds wechseln, können mit einer Vergütung rechnen, die iharen übergrossen Gewinnen eher entspricht. Während viele Hedgefonds in diesem Jahr Schwierigkeiten hatten, die Märkte zu übertreffen, haben einige - einschliesslich Citadel, Balyasny Asset Management und Millennium Management - wohl die Stärke, gezielt Top-Performer einzustellen.
(Bloomberg)