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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

1. Vortrag.
9.
Wende deinen Geist wieder zurück zu jenem Worte. Wenn du ein Wort in deinem Herzen haben kannst, so ist es wie ein in deinem Geiste geborener Entschluß, so daß dein Geist den Entschluß erzeugt und der Entschluß darin ist wie ein Erzeugnis deines Geistes, wie ein Sohn deines Herzens. Denn zuerst muß das [S. 9] Herz den Entschluß erzeugen, damit du ein Gebäude aufführen, etwas Großes auf der Erde unternehmen kannst; der Entschluß ist schon da, aber das Werk ist noch nicht vollendet; du siehst, was du vollbringen willst, aber ein anderer schaut es nicht, bis du das Werk getan und aufgeführt und jenes Gebäude ausgebaut und vollendet hast; die Menschen sehen das staunenswerte Gebäude und bewundern den Plan des Erbauers; sie staunen an, was sie sehen, und schätzen, was sie nicht sehen: denn wer kann den Plan sehen? Wenn also wegen eines großen Gebäudes der menschliche Plan gelobt wird, dann magst du daraus sehen, was für ein Plan Gottes Jesus Christus ist, d. h. das Wort Gottes. Betrachte dieses Weltgebäude; schaue an, was durch das Wort geworden ist, und dann wirst du erkennen, was für ein Wort es ist. Betrachte diese beiden Weltkörper, den Himmel und die Erde. Wer erklärt mit Worten den Schmuck des Himmels? Wer erklärt mit Worten die Fruchtbarkeit der Erde? Wer preist würdig den Wechsel der Zeiten? Wer lobt gebührend die Kraft der Samen? Ihr seht, was ich verschweige, damit ich nicht durch lange Aufzählung vielleicht weniger sage, als ihr zu denken vermöget. Aus diesem Gebäude also ersehet, was für ein Wort es ist, durch welches das Gebäude geworden ist, und es ist nicht allein geworden; denn all dies kann man sehen, weil es sinnlich wahrnehmbar ist. Durch jenes Wort sind auch die Erzengel erschaffen worden, die Mächte, die Throne, die Herrschaften, die Fürstentümer; durch jenes Wort ist alles erschaffen worden. Erkennet daraus, was es für ein Wort ist.