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Von Michael Sennhauser | 15. Mai 2016 - 15:35
Eine Frau, die lieber einsam bis zum Wahnsinn liebt, als sich auf einen Kompromiss oder überhaupt auf einen Menschen einzulassen, spielt Marion Cotillard in diesem eingemachten Zauberberg-Verschnitt von Nicole Garcia.
Gabrielle (Marion Cotillard) ist die ältere Tochter auf einem Hof in Südfrankreich, auf dem im grossen Stil Lavendel angebaut wird. Sie hat sich unsterblich in ihren verheirateten Lehrer verliebt und deutet es als Liebesbeweis, als er ihr «Wuthering Heights» zu lesen gibt. Auf seine brüske Zurückweisung am Erntedankfest reagiert sie mit einem Zusammenbruch.
Ihre Mutter lässt ihr schliesslich die Wahl zwischen Einweisung in eine Nervenheilanstalt oder der Hochzeit mit einem spanischen Erntehelfer. Gabrielle willigt erst ein, als sich José bereit erklärt, nicht mit ihr zu schlafen und die Heirat als reinen Vernunftakt erscheinen lässt. Schliesslich haben ihm die Schwiegereltern in Spe versprochen, ihm beim Aufbau eines eigenen Baugeschäfts zu helfen.
Nicole Garcia erzählt von einer Frau zwischen zwei Männern, jenem, der sie aufrichtig liebt und respektiert, und jenem, der ihre Leidenschaft weckt – sinnigerweise in einem Schweizer Kurhotel. Denn Gabrielle leidet unter Nierensteinen, die ihr immer wieder heftige Krämpfe verursachen.
Natürlich wird die simple Geschichte, die auf einen Roman von Milena Agus zurückgeht, nicht ganz so simpel erzählt.
Da ist zum Beispiel der wirklich verblüffende und einleuchtende Moment, in dem Gabrielle ihren Ehemann fragt, was denn die Prostituierten für ihn täten, zu denen er – das ist Teil der ehelichen Übereinkunft – hin und wieder geht. Dann kleidet sie sich selber entsprechend und fordert ihn auf, das Geld ihr zu geben. Eine nachvollziehbar vernünftige, wenn auch absurde Methode, ein eheliches Sexleben innerhalb der selbstgesteckten Rahmens möglich zu machen.
Leider ist das aber auch schon fast die einzige interessante menschliche Transaktion in diesem Film. Weder die Rahmenhandlung noch der Sanatoriumsaufenthalt, bei dem sich Gabrielle in den todkranken Indochina-Lieutenant André Sauvage (!) verliebt, bieten wirklich tiefere Einsichten oder Momente.
Der Film von Nicole Garcia beschränkt sich im wesentlichen darauf, das Dilemma zwischen Liebe und Vernunft durchzuspielen. Wäre es nicht Marion Cotillard, welche diese Frau darstellt, man würde es schwerlich über zwei Stunden hinweg ertragen.
Mal de pierres ist ein seltsames grosses, schön ausgestattetes und gefilmtes Déjà-vue mit etlichen kleineren déjà-vue-Facetten, wie eben Thomas Manns «Zauberberg» oder auch Paolo Sorrentinos Youth. Ein Film, der ein wenig aus der Zeit fällt. Man muss ihm nicht wirklich nachfallen.
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