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Die Einwirkung mechanischer Energien, die die Resistenz der Schulterblätter übersteigen, kann zur Ruptur der ossären Strukturen führen, was als Skapulafraktur (SF) bezeichnet wird. Die SF ist meist das Resultat eines stumpfen Thoraxtraumas, wie es beispielsweise Opfer von Verkehrsunfällen erleiden, und geht deshalb nicht selten mit Frakturen der Schlüsselbeine, der Rippen oder der Wirbelsäule einher. Gleichzeitig bestehende innere Verletzungen sind mitunter lebensbedrohlich. Klinische Befunde, die auf eine SF hindeuten, sind Schmerzen im Bereich der Schulter, ein eingeschränkter Bewegungsradius und eine erkennbare Asymmetrie.
Typische Vorstellungsgründe bei isolierter SF sind Schmerzen im Bereich der Schulter [1], die in der Regel bei Abduktion des zugehörigen Armes an Intensität zunehmen, und eine auffallende Asymmetrie im Sitzen und im Stand. Oft halten die Patienten den Arm sehr eng am Körper, eben weil die Adduktion entlastet. Starke Schmerzen können mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen. Wenn im Rahmen der SF der Plexus brachialis verletzt wurde, dann dominieren neurologische Defizite das klinische Bild, insbesondere motorische Ausfälle im Bereich der ipsilateralen Schulter und oberen Gliedmaße sowie Sensibilitätsstörungen des Armes und der Hand.
In der Allgemeinuntersuchung fallen zunächst äußere Anzeichen für ein stumpfes Trauma auf, so etwa Hämatome, Weichteilschwellungen und Schürfwunden. Diese sind nicht notwendigerweise über dem gebrochenen Schulterblatt lokalisiert und können ebenfalls Schmerzen verursachen, was die Lokalisation der Fraktur erschwert. Ähnliches gilt auch für weitere Frakturen, die nicht nur lokal schmerzhaft sind, sondern zusätzlich auch respiratorische und neurologische Symptome hervorrufen können [2].
In der Anamnese ist zu erfassen, ob der Patient kürzlich ein Trauma erlitten hat, ob er zum Beispiel in einen Verkehrsunfall verwickelt war oder gestürzt ist [3]. In jedem Fall sind dann die Vitalparameter zu erfassen, da Thoraxtraumata, die eine SF provozieren, ebenfalls lebensbedrohliche Läsionen des Herzen, der großen Gefäße und der Lunge bewirken können. Ist der Patient stabilisiert bzw. sind derartige Verletzungen ausgeschlossen, kann mit Hilfe der bildgebenden Diagnostik eine Evaluation des Schultergürtels erfolgen.
Zur Darstellung des Schulterblattes eignen sich das Röntgen in anteroposterioren, seitliche Schulter- und axilläre Projektionen. Frakturlinien stellen sich als helle Unterbrechung der Knochenstruktur dar und können durch die Gelenkpfanne, das Acromion oder den Processus coracoideus, den Schulterblatthals und seinen Körper mit den Fossae supraspinata und infraspanata ziehen [1] [4] - in Abhängigkeit von Intensität und Richtung der einwirkenden Kraft können beliebige Anteile des Schulterblattes betroffen sein und es existieren verschiedene Schemata zur Klassifikation von SF. Wichtig ist die Differenzierung von SF mit und ohne Gelenkbeteiligung. Bei der Auswertung der Aufnahmen ist auch die Integrität der Schlüsselbeine, Rippen, des Sternums und der Wirbelsäule zu bewerten [2], wobei Frakturen dieser Knochen häufig am besten in den anteroposterioren Röntgenaufnahmen zu erkennen sind.
Multiple Frakturen sind möglich [4] [5] und wenn diese mit einer signifikanten Dislokation einhergehen, empfiehlt sich möglicherweise eine Computertomographie zur dreidimensionalen Rekonstruktion des aktuellen Situs. Die so erhobenen Daten sind wesentlich für die Planung eines chirurgischen Eingriffs [6]. Aufgrund der höheren Sensitivität ist die Computertomographie aber auch das Verfahren der Wahl, wenn ein begründeter Verdacht auf eine SF besteht, diese aber im Röntgen nicht erkennbar ist.
Eine Magnetresonanztomographie ist zur Diagnose der SF nicht erforderlich, kann jedoch beim Traumapatienten mit Verdacht auf Rückenmarksläsionen und andere Verletzungen der Weichgewebe indiziert sein.