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Julius Drost
Sonneberg (Thüringen),
Mitte des 19. Jahrhunderts
Kreidelithographie, koloriert
z.T. ausgeschnitten
Holz, Glas, geprägtes Goldpapier
Karton, Draht
H. 16,5 cm, B. 13,7 cm, T. 7,4 cm
Inv. 1924.93.
Der Lehrer prügelt regelmässig
Im verglasten Bildfeld wird eine Schulszene geschildert, die sich in einem einfachen Schulraum abspielt. Zwei Schüler sitzen brav bei ihren Aufgaben und haben offensichtlich den Aufruf «O.B.I.C. [zu lesen als: Obéissez] le Perfesseur» (Gehorcht dem Lehrer) an der Wand befolgt. Zwei andere Knaben hingegen werden hart gestraft, der eine, indem er eine aus Papier gefaltete Mütze mit langen Eselsohren tragen muss. Ein anderer Schüler kniet vor dem nachlässig gekleideten Lehrer, der ihn mit einer Rute auf das entblösste Hinterteil schlägt.
Am Boden liegen Schreibhefte mit Tintenflecken – wohl ein Grund dafür, dass sich der Lehrer in diese zähnefletschende Wut hineinsteigerte.
Die Rute als Züchtigungsinstrument ist schon auf Hans Holbeins Schulmeisterbild von 1516 ein Attribut des Lehrers. Bei dem Kästchen ist die Prügelstrafe, die im Zentrum steht, noch mit der Darstellung einer Schandstrafe in Form der Eselsohren verbunden. Auch wenn der Szene eine karikierende Übersteigerung nicht abzusprechen ist, so zeugt sie doch von gravierenden Missständen im öffentlichen Schulwesen des 19. Jahrhunderts und von der Selbstverständlichkeit, mit der viele Lehrer gegenüber ihren Schülern körperliche und seelische Gewalt ausübten.
Das «mechanische Kistchen» (so die rückseitig aufgedruckte Bezeichnung) besitzt im Innern eine simple mechanische Vorrichtung. In einen Trichter eingefüllter Sand setzt beim Herabfallen ein Schwungrad in Bewegung, das mit dem rechten Arm des Lehrers auf dem Bild verbunden ist: Solange der Sand rieselt, schlägt der Lehrer mit der Rute auf den Schüler ein. Durch zweimaliges Umkehren des Kästchens wird der Sand wieder in den Trichter empor befördert, und die Züchtigung beginnt von Neuem.