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Geschichte
Der Erbauer der Könizer Orgel, Karl Josef Maria Bossart aus Baar, vertritt die dritte Generation der wohl bedeutendsten Schweizer Orgelbauer-Dynastie. Die Bossarts pflegten einen eher konservativen Orgelbaustil, mehr auf das Gewicht des Barock als auf die Eleganz des Rokoko bedacht, was sich auch in den ausladenden, kantigen Formen der Könizer Orgel zeigt. Vom ursprünglichen Instrument sind ein großer Teil der Pfeifen und das Gehäuse mit seinen überaus reichen Verzierungen erhalten geblieben, eine Tatsache, die mit dazu beiträgt, dass die Könizer Orgel als eines der wichtigsten Instrumente unserer Gegend gelten darf.
Restauration 1984–86
Bei der Restauration 1984-86 ging man davon aus, das noch erhaltene Pfeifenmaterial der Bossartorgel in möglichst ursprünglichem Zusammenhang wieder zu verwenden. Deshalb ist das Hauptwerk genau so disponiert, wie es 1781 war – die Disposition konnte erschlossen werden auf Grund der vorhandenen Pfeifen, von Spuren am Gehäuse und von vergleichbaren Bossartorgeln jener Zeit. Das ursprüngliche Instrument war einmanualig; mit Rücksicht auf vielseitige Spielmöglichkeiten erhielt die restaurierte Orgel (wie schon die Instrumente von 1927 und 1949) ein 2. Manual, dessen Pfeifen allerdings wegen der knappen Platzverhältnisse nicht in einem eigenen Gehäuse, sondern auf einer separaten Windlade im oberen Teil des Hauptwerk-Gehäuses aufgestellt sind.
Bei der Intonation, der genauen Regulierung von Klangstärke und Klangfarbe der einzelnen Register, dienten ebenfalls die noch vorhandenen Pfeifen und vor allem auch andere, in ursprünglicherem Zustand erhaltene Bossartorgeln als Ausgangspunkt.
Für die Farbgebung des Gehäuses konnte auf Farbspuren, die unter den späteren Schichten zum Vorschein kamen, zurückgegriffen werden. Durch das kontrastierende Blau und die frei stehende Aufstellung setzt die Orgel einen selbständigen Akzent im Innenraum der Kirche.
Besonderheiten
Zwei Besonderheiten der Disposition sind hervorzuheben. Das eine ist der Suavial 8′ in den oberen Zwischenfeldern des Prospektes, der durch eine leichte Verstimmung gegenüber den andern Registern eine feine Schwebung des Tones erzeugt. In italienischen und süddeutschen Orgeln wurde ein solches Register speziell im Hinblick auf die Verwendung bei der «Elevation» in der Messe gebaut, also für jenen Moment, in dem der Priester die in den Leib Christi gewandelte Hostie hochhebt, damit sie für alle sichtbar wird. Neben diesem besonders «katholischen» Register gibt es aber auch ein besonders «reformiertes», nämlich das Cornet III im Hauptwerk, ein zusammengesetztes ober tonreiches Register, das nur in der oberen Hälfte der Klaviatur erklingt. Es wurde häufig in alten Berner Orgeln (aber auch etwa in den reformierten Niederlanden) gebaut, damit die Gemeinde beim Psalmengesang die Melodie gut heraushören konnte.
Die beiden Engel auf den Seitentürmen dienen nicht nur als Verzierung: Sobald das Windversorgungssystem gefüllt ist, heben sie ihre Trompeten zum Mund. Damit kann der Organist vom Spieltisch aus sehen, ob das Instrument spielbereit ist – in früheren Zeiten hätte er sonst den «Kalkanten», also den Blasebalgtreter hinter der Orgel aufwecken müssen…
Disposition
* Pfeifen ganz oder teilweise von K. J. M. Bosshart
Manualschiebekoppel, Pedalkoppeln als Züge, Tremulant auf das ganze Werk
Traktur und Registratur rein mechanisch
|I. Hauptwerk||II. Positiv||Pedal|
|* Principal 8′||Bourdon 8′||Subbass 16′|
|* Copel 8′||Principal 4′||* Octava 8′|
|* Octava 4′||Flaut douce 4′||Flaut 8′|
|* Hohlflaut 4′||* Octava 2′||* Octava 4′|
|* Quinta 2 2/3′||Nasard 2 2/3′||Trompete 8′|
|* Superoctava 2′||Sifflet 1′||Posaune 16′|
|Flaegolet 2′||Cimbel III|
|Larigot 1 3/5′||Fagott 8′|
|Tertia 1 3/5′|
|* Mixtur III|
|Cornet III (ab c‘)|