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Guter Vergleich des Schweizer Netzes von Freihandelsabkommen zu anderen Staaten (1/2)
Unser Land war in den letzten Jahrzehnten erfolgreich beim Weben eines Netzes an Freihandelsabkommen (FHA). Es umfasst aktuell ein ansehnliches Netz mit 77 Partnern gemäss einer Aufstellung des Think Tanks Avenir Suisse. Die Ökonomen geben sich damit aber nicht zufrieden und vergleichen in einer zweiteiligen Artikelserie unseren Stand mit dem von anderen Staaten und stellen sich darüber hinaus weitergehende interessante Fragen.
Im ersten Teil stellen die Verfasser dar, dass die grossen Handelsblöcke (wie China, USA und die EU) sowohl prozentual als auch nominell viel weniger Abkommen als die Schweiz aufweisen. Die USA, als einstige Verfechter des Freihandels, sichern sich nur zu knapp einem Viertel des Welthandels Zugang über Freihandelsabkommen. Dabei spielt sicher die Grösse des Binnenmarktes eine entscheidende Rolle. Aber auch, dass die Verhandlungen zum Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) und zur Transpazifischen Partnerschaft (TTP) gescheitert sind. Gerade diese zwei Abkommen sind zudem treffende Beispiele für den wachsenden Unwillen grosser Volkswirtschaften, sich gegenüber dem Freihandel zu öffnen.
Im Gegensatz dazu muss die Schweiz mit ihrer kleinen Volkswirtschaft sinnvollerweise einen anderen Weg beschreiten. Insbesondere in den letzten 20 Jahren konnte sie die Zahl ihrer Freihandelsabkommen verdoppeln, und zwar auf derzeit 77 (bilateral oder im Verbund mit der Efta). Sie deckt damit aber nur 55 % des Weltmarktes ab! Dies kommt daher, weil wir viele Abkommen mit sehr kleinen Partnern geschlossen haben, wie etwa:
- Nordmazedonien (BIP: 34 Mrd. $)
- Albanien (BIP: 40 Mrd. $)
- Georgien (BIP 56 Mrd. $)
Auf der Schweizer Liste fehlen «grosse» Namen wie die USA, Indien oder die von Russland geprägte, eurasische Zollunion (EAEU). Bei allen dreien scheint ein Abschluss in weiter Ferne. Bei den USA scheint nach der Wahl von Joe Biden die Luft ganz raus zu sein, wie wir das im Beitrag Wenig Chancen für ein Freihandelsabkommen mit den USA nach der Wahl von Joe Biden zuletzt geschrieben hatten.
Jedoch gelingt auch anderen Kleinstaaten die Kooperation mit grösseren Partnern nicht immer nach Lehrbuch. Das Freihandelsnetz von Neuseeland zum Beispiel deckt mit gerade mal 19 Partnern ein Drittel des Weltmarktes ab. Von den grossen Namen konnte einzig mit China ein Freihandelsabkommen abgeschlossen werden. Die Autoren sehen jedoch bessere Chancen für zukünftige Abschlüsse, weil sie die Voraussetzungen Neuseelands intakt sehen, denn anders als in der Schweiz sei die dortige Agrarlobby kein Klotz am Bein des Freihandels.
Ein anderer Kleinstaat ist Singapur, wo die Lage wieder anders ist: Dem Stadtstaat gelang mit wesentlich weniger Partnern (36) eine viel grössere Abdeckung des Welthandels durch Freihandelsabkommen. Verträge bestehen mit grossen Playern wie den USA, aber auch mit China und Indien. Das Land weiss um seine geografischen Begrenzungen und Möglichkeiten und nutzt diese geschickt aus: Neben Exportinteressen steht auch die Erleichterung von Importen im Vordergrund, um am internationalen Handel zu verdienen und einen Beitrag zur nationalen Versorgungssicherheit zu sichern.
Wenn Sie mehr erfahren möchten, wie Ihre Firma die geschlossenen Freihandelsabkommen effizient, aber doch korrekt, nutzen kann, empfehlen wir Ihnen unser Seminar & Webinar Präferenzieller Warenursprung, das wir mehrmals pro Jahr vor Ort sowie online abhalten.