Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03093.jsonl.gz/390

In den jurassischen Gemeinden Pruntrut und Fontenais will man die Wohnbevölkerung in den Dorfzentren erhalten und die Abwanderung in die Einfamilienhaus-Peripherie stoppen. Das Modellvorhaben «Förderung des Wohnens in historischen Zentren im Jura» setzt wirksame Anreize gegen die Entvölkerung der historischen Zentren: Für Sanierungs- und Umbauvorhaben erhalten Privateigentümer je nach Art des Projekts bis zu 40 000 Franken.
- Im Wesentlichen soll durch dieses Vorgehen ohne zusätzliche bauliche Einschränkungen auf architektonischer, technischer und baureglementarischer Ebene die Qualität der Projekte gewährleistet werden.
- Die Unterstützung hat zum Ziel, die Kreativität zu stimulieren und das Bewusstsein für den Ortsbildschutz zu stärken. Es handelt sich dabei nicht um eine Objekthilfe, sondern um eine Projekthilfe, die die Kosten für die Projektstudien (Situationsanalyse und Leitideen), für das Vorprojekt und das Projekt bis zur Baubewilligung decken soll. Die Unterstützung für ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohnungen etwa beläuft sich auf maximal rund 15 000 Franken für das Vorprojekt und auf höchstens 25 000 Franken für die Projektierung bis zum Einreichen des Baugesuchs.
Vielschichtiger Mehrwert im Zentrum
Zu Beginn des Modellvorhabens wurde ein Ideenkatalog zur Evaluation und Begleitung von Sanierungsobjekten entwickelt und der Öffentlichkeit präsentiert. Durch die Anpassung von Wohnungen an moderne Komfortstandards -
wobei der Gebäudecharakter erhalten bleibt - und die Aufwertung der Infrastruktur in den Ortskernen erhöht sich die Lebensqualität, und es entsteht eine echte Alternative zu den Eigenheimen in den Neubauquartieren. Die Verbesserung der Infrastruktur und die stärkere Durchmischung der Bevölkerung, speziell durch die Anwesenheit von Familien, schaffen einen deutlichen Mehrwert für die Dorfkerne. Aber auch ältere Menschen und solche mit eingeschränkter Mobilität profitieren vom Modellvorhaben, denn durch die Errichtung bedarfsgerechter Wohnformen am Ort der langjährigen Sozialisation kann ein Wegzug in eine fremde Umgebung vermieden werden.
Erfolgreiches Angebot
Bis 2012 wurden insgesamt 21 Renovierungsprojekte im Rahmen des Sanierungsprogramms eingereicht und evaluiert. Neun Gebäude wurden bereits renoviert, sieben befinden sich noch im Umbau, und fünf Projekte sind in der Anfangsphase, das heisst, das Baugesuch ist noch hängig oder die Arbeiten werden demnächst in Angriff genommen. Die erwähnten 21 Projekte umfassen etwa 70 Wohnungen, die renoviert oder umgebaut wurden beziehungsweise werden. Die Vorhaben reichten von der Sanierung einer Wohnung in einem Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert über die Umgestaltung eines alten Bauernhofs zu einem neuen Lebensraum für eine Familie oder die Totalsanierung eines typischen Pruntruter Altstadtgebäudes bis hin zum Umbau einer ehemaligen Milchzentrale zu Wohn- und Geschäftsräumen. Nach den ersten vier Jahren des Programms konnte ein Katalog mit einer Auswahl an realisierten Vorhaben zusammengestellt werden, die die Vielfalt der Projekte illustriert. Dieser Katalog wird allen Personen vorgelegt, die Interesse an einem Sanierungsprojekt bekunden. Die realisierten oder noch im Bau befindlichen Projekte besitzen Modellcharakter für Eingriffe in historischen Ortskernen.
Das Modellvorhaben erwies sich als vielschichtiges Programm, das von der gelungenen Kooperation zwischen den Privateigentümern und den Partnern aus Gemeinden und Kanton getragen wurde. Die Zusammenarbeit schuf eine Dynamik, die sich positiv auf die Qualität der Projekte ausgewirkt hat. Für die Zukunft gilt es nun, die Beurteilungskriterien für mögliche Renovierungsprojekte zu vereinheitlichen und die Mittel für die Aufwertung der historischen Zentren zu sichern. Diese Massnahmen sollen gewährleisten, dass die Aufwertung der gesamten Bevölkerung zugutekommt.