Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/69083

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird ersucht:</p><p>1. zu prüfen, ob man in der Gesetzgebung verankern kann, dass Unternehmen, die Lehrkandidatinnen und -kandidaten einem privaten Test unterziehen, die Kosten dafür übernehmen müssen;</p><p>2. zu prüfen, ob es angebracht wäre, den Ämtern der Bundesverwaltung und den Unternehmen, die dem Bund gehören, private Tests zur Selektionierung ihrer Lernenden, die obendrein von den Kandidatinnen und Kandidaten bezahlt werden müssen, zu untersagen;</p><p>3. Auskunft über die Hintergründe solcher Tests zu geben und zu sagen, wie sich die Glaubwürdigkeit der Abgangszeugnisse der Schulen in den Augen der Unternehmen verbessern lässt.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Mit dem Übertritt von der obligatorischen Schule in eine berufliche Grundbildung gehen die Jugendlichen einen Lehrvertrag ein. Es handelt sich dabei um eine spezielle Form eines Einzelarbeitsvertrages, bei welchem Bildung gegen Arbeit getauscht wird. Sowohl die Jugendlichen als auch die Arbeitgeber sind als Vertragsparteien interessiert, einander vor Vertragsabschluss kennenzulernen. Die in den letzten Jahren aufgekommenen privaten, nationalen Tests sind eine Möglichkeit unter vielen, um diese Informationsbedürfnisse zu erfüllen. Nebst schulischen Fähigkeiten messen die Tests zum Teil auch Sozial- und Methodenkompetenzen.</p><p>1. Die Betriebe unternehmen verschiedenste Anstrengungen bei der Auswahl von Lernenden. Dazu zählen beispielsweise Informationstage, Schnupperlehren, firmeninterne Tests und Aufnahmegespräche. Die betriebseigenen Massnahmen zur Abklärung der Bildungsfähigkeit werden durch die Bewerbungsunterlagen der Jugendlichen ergänzt. In der Praxis zeigt es sich, dass die Zeugnisnoten von Schule zu Schule variieren und daher beschränkt vergleichbar sind. Um die Schulleistungen möglichst objektiv beurteilen zu können, greifen deshalb die Betriebe vermehrt auf private Tests zurück.</p><p>Der Bundesrat bedauert diese Entwicklung. Die Kosten dieser Tests den Betrieben in Rechnung zu stellen, würde jedoch an der Ursache vorbeizielen. Zudem wäre dieses Vorgehen nicht praktikabel, da sich Jugendliche üblicherweise bei mehreren Betrieben in verschiedenen Branchen bewerben. Einen einmal absolvierten Test können sie mehrmals verwenden. Abgesehen davon übernehmen verschiedene Betriebe nachträglich die Kosten der Tests derjenigen Jugendlichen, mit welchen sie einen Lehrvertrag abgeschlossen haben.</p><p>2. Wie die Unternehmungen der Privatwirtschaft hat auch der Bund als Arbeitgeber ein Interesse, die Bewerbungsdossiers der zukünftigen Lernenden nach möglichst objektiven Kriterien zu beurteilen. Um ein möglichst umfassendes Bild über die erforderlichen Kompetenzen zu erhalten, können als ein Element unter mehreren auch Test beigezogen werden. Würde man in der Bundesverwaltung und in bundesnahen Betrieben solche Tests generell ohne vergleichbaren Ersatz verbieten, würde man die Auswahl der Lernenden erschweren. Zudem wären Jugendliche aus Schulen mit tieferen Notendurchschnitten bei der Lehrstellenvergabe benachteiligt. Der Bundesrat wird darauf hinwirken, dass die Tests in der Bundesverwaltung kostenlos sind.</p><p>3. Die schulischen Kompetenzen sind im Interesse der Jugendlichen und der Betriebe gesamtschweizerisch möglichst vergleichbar zu bewerten. Der Bundesrat begrüsst deshalb das Projekt "HarmoS" der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren. Dieses sieht die Einführung nationaler Bildungsstandards in der Sekundarstufe I vor.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.