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Die Melodie stammt von einem französischen volkstümlichen Weihnachtslied, das nicht zuletzt durch Marcel Dupré's Variationen in der Orgelliteratur bekannt geworden ist. Auch hier ist aber die Verbindung der Melodie und den ihr eigenen Assoziationen (Weihnachten, auf die Welt kommen, entstehendes Leben und Geburt) mit dem neueren Passionstext tiefgründig: Die im Bild der Natur angesprochene Auferstehungshoffnung („Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün") ist ja tatsächlich auch ein „Auf-die-Welt-kommen".
Wenn jemand übrigens ziemlich überrascht oder enttäuscht worden ist, hört man von betreffender Person manchmal: „Da bin ich ganz schön auf die Welt gekommen..." In diesem Sinne: Ostern als „Ent-Täuschung" vom Tod. Wiederum gilt es, die Sprachbilder des Strophentextes als Bilder ernst zu nehmen, sie sich vorzustellen und nicht zu schnell zu abstrahieren. Gerade weil es vertraute biblische Bilder sind ( Gleichnis vom Weizenkorn, Gleichnis vom Sämann). Vor allem das Gleichnis vom Weizenkorn im Johannes-Evangelium ist ja bei einem unvoreingenommenen Lesen oder Hören in seinem Umdeuten des Gewohnten anregend: Das Bild vom gesäten Korn ist ja zunächst sowieso ein Lebensbild, beim Säen denkt man normalerweise an das zu erwartende Aufgehende, ans kommende Aufblühen, und nicht an Tod und Beerdigung. Eine solche Wendung ist ja die erst die Provokation des Gleichnisses, dass, wer Leben sät, im Grunde zuerst einmal „beerdigt".
©Martin Walter
Stand: 24.03.2015