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Alle zehn Jahre werden im Umkreis der fünf Schweizer Kernkraftwerke Jodtabletten an die Bevölkerung verteilt. Es handelt sich dabei um eine vorsorgliche Schutzmassnahme für den Fall eines Kernkraft-Störfalls.
Verteilung der Jodtabletten in der Schweiz
Jodtabletten kommen bei einem schweren Kernkraftwerkunfall mit Austritt von radioaktivem Jod zum Einsatz. Sie verhindern, dass sich in den Schilddrüsen radioaktives Jod anreichert und Schilddrüsenkrebs entsteht. Die Einnahme der Jodtabletten muss im Ereignisfall rechtzeitig erfolgen, weshalb der Bundesrat am 1. März 2014 die revidierte Verordnung über die Versorgung der Bevölkerung mit Jodtabletten (Jodtabletten-Verordnung, SR 814.52) mit dem angepassten erweiterten Verteilradius von 50 km (vorher 20 km) um die Schweizer Kernkraftwerke (KKW) in Kraft gesetzt hat.
Die Abgabe der Jodtabletten erfolgt teils vorsorglich (an die Haushalte im 50 km Radius um die KKW) und teils kantonal zentralisiert (in den Zonen, die weiter als 50 km von den KKW entfernt sind).
Vorsorgliche Verteilung der Jodtabletten in den Gebieten im 50 km Radius um ein schweizerisches Kernkraftwerk
Die Verteilung der Jodtabletten an die Haushalte erfolgte letztmalig 2014. Es wurden Jodtabletten an 4.9 Millionen Personen in 1.9 Millionen Haushalten in 1350 Gemeinden im Umkreis von 50 km der Schweizer Kernkraftwerke verteilt (siehe Karte).
Die Jodtabletten haben eine Haltbarkeit von 10 Jahren und müssen nach diesem Zeitraum ausgetauscht werden. Somit werden im Jahr 2024 das nächste Mal die Jodtabletten an die Haushalte im Umkreis von 50 km der Kernkraftwerke Gösgen, Leibstadt und Beznau verteilt werden müssen. Das Kernkraftwerk Mühleberg wurde 2019 vom Netz genommen und befindet sich zurzeit im Rückbau.
Jodtabletten in den Gebieten ausserhalb von 50 km um ein schweizerisches Kernkraftwerk
In den Gebieten der Schweiz ausserhalb von 50 km um ein schweizerisches Kernkraftwerk sorgen die Kantone für eine geeignete dezentrale Lagerung von Jodtabletten um im Ereignisfall die gesamte Bevölkerung damit versorgen zu können. Die Kantone bereiten die Abgabe der Jodtabletten so vor, dass diese innerhalb von zwölf Stunden ab Anordnung verteilt sind.
Der letzte Austausch der Jodtabletten in den Gebieten ausserhalb von 50 km um ein schweizerisches Kernkraftwerk erfolgte in den Jahren 2009/2010. Da die Haltbarkeit dieser Tabletten 2019 endete, mussten diese dementsprechend im Jahr 2020 ausgetauscht werden.
Die Jodtabletten wurden Ende 2020 erfolgreich verteilt. Es wurden dabei insgesamt 4'122'738 Tabletten hergestellt (rund 278 Paletten). Die Tabellen wurden in 55 Lagerstandorte in 18 Kantonen ausgeliefert.
Fragen und Antworten zu Jodtabletten:
Bei einem Kernkraft-Unfall kann radioaktives Jod in die Umgebung austreten. Dieses radioaktive Jod wird vom Menschen durch die Atemluft aufgenommen und reichert sich in der Schilddrüse an. Sofern die Jodtabletten rechtzeitig eingenommen werden, verhindern diese die Aufnahme von radioaktivem Jod in die Schilddrüse.
Jodtabletten schützen rechtzeitig eingenommen vor der Aufnahme von radioaktiven Jod in die Schilddrüse und damit vor Schilddrüsenkrebs.
Jodtabletten schützen aber nicht vor direkter radioaktive Strahlung. Es ist deshalb den Anweisung der Behörden Folge zu leisten. Bei einem Ereignisfall wird die Nationale Alarmzentrale NAZ Verhaltensanweisungen über die Medien verbreiten. Mögliche weitere Schutzmassnahmen bei einem Kernkraftwerk-Unfall sind:
- Evakuationen, sofern genügend Zeit zur Verfügung steht, oder
- Aufenthalt im Haus oder Keller
Radioaktives Jod in der Schilddrüse kann langfristig durch Strahlung zu Schilddrüsenkrebs führen.
Nebenwirkungen sind selten und in der Regel harmlos. Personen mit Schilddrüsenproblemen sollten sich bei einer nächsten Konsultation beim Hausarzt erkundigen, wie sie sich im Ereignisfall verhalten müssen.
Die radioaktiven Substanzen Cäsium und Strontium können bei einem Kernkraftwerk-Unfall ebenfalls freigesetzt werden, gegen diese helfen Jodtabletten nicht. Cäsium und Strontium werden vor allem über Nahrungsmittel in den Körper aufgenommen. Entsprechende Massnahmen würden vom Bundesamt für Landwirtschaft angeordnet.
Jedes Land ist selber für die Versorgung der Bevölkerung mit Jodtabletten verantwortlich. Internationale Gremien empfehlen ihren Ländern eine Strategie für Jodtabletten-Verteilung bis 100km zu erarbeiten.
Die Schweiz hat für die gesamte Bevölkerung Jodtabletten vorrätig, aus logistischen Gründen sind diese nun bis 50km bereits an die Bevölkerung verteilt. Ausserhalb dieser 50km sind die Jodtabletten in den Kantonen gelagert und werden zeitgerecht verteilt.
Dokumente
Jodtabletten - Neuer Verteilradius 50km (PDF, 6 MB, 09.11.2016)Publiziert: 2014-01-21
Gesetze
Letzte Änderung 14.04.2021