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Tages- und Onlinezeitungen
Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung des Publikums Die Grafik zeigt für die Analyse der Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Analyse der Qualitätswahrnehmung (Y-Achse), ob ein Medientitel im Vergleich mit der Gruppe unterdurchschnittliche (–1), durchschnittliche (0) oder überdurchschnittliche (+1) Qualitätswerte erzielt. Bei Titeln, die sich in der Diagonale positionieren, kommen beide Messverfahren zu analogen Befunden. Bei Titeln ausserhalb der Diagonale weichen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung voneinander ab. Punkte oberhalb der Diagonale bedeuten, dass der Medientitel vom befragten Publikum besser bewertet wird. Kommt der Medientitel unterhalb der Diagonale zu liegen, schneidet er in der Inhaltsanalyse besser ab.
Lesebeispiel: Vergleicht man die Neue Luzerner Zeitung mit den übrigen Tages- und Onlinezeitungen, erweist sich die inhaltsanalytisch gemessene Qualität als durchschnittlich. Bei der Befragung schneidet der Titel jedoch üerdurchschnittlich gut ab.
Die Medienmarke «NZZ» ist klare Gewinnerin im Qualitätsrating der Tages- und Onlinezeitungen Deutlich erkennbar sind die «NZZ» sowie die entsprechende Newssite nzz.ch die Spitzenreiter im Qualitätsrating dieser Vergleichsgruppe. Sie positionieren sich entsprechend oben rechts in der Qualitätsmatrix. Der Befund, dass die Publikumsbefragung regelhaft zu ähnlichen Qualitätseinschätzungen kommt wie die Inhaltsanalyse, bestätigt sich auch bei der Gruppe «Tages- und Onlinezeitungen». Auf der gegenüberliegenden Seite kommt watson.ch zu liegen, der einzige Titel, der kein gedrucktes Pendant kennt und – wie beide Messmethoden bestätigen – qualitativ nur knapp mit der Vergleichsgruppe mithalten kann. Generell bescheinigt die Inhaltsanalyse, dass die Qualität der Onlineangebote u.a. aufgrund des grösseren Gewichts von wenig einordnenden Agenturmeldungen nicht an die Qualität
der herkömmlichen Printerzeugnisse heranreicht. Der digitale Kanal transportiert also zumeist nicht dieselbe Qualität wie der Offlinekanal. Eine Ausnahme stellen hier allerdings die NZZ und ihr Onlinependant nzz.ch dar. Bemerkenswert sind darüber hinaus die fünf Medientitel, bei denen Inhaltsanalyse und Befragung keine deckungsgleichen Befunde liefern. Sie lassen sich zwei Gruppen zuordnen. Erstens gibt es Medien, denen die Inhaltsanalyse ein durchschnittliches Zeugnis ausstellt, die aber beim befragten Publikum durchfallen. Es sind dies die Basler Zeitung on- und offline und die Südostschweiz. Zur zweiten Gruppe zählen die Neue Luzerner Zeitung und deren Newssite. Hier schätzen die Befragten die Qualität höher ein, als die Inhaltsanalyse diese ausweist.
|Beurteilungen (N)|
|Qualitätsindex|
|Experten|
|176|
|3.4|
|Publikum|
|Bildungsgrad||Alter in Jahren|
|Gering||Mittel||Hoch||15–34||35–54||55–74|
|225||1387||1328||1102||1100||738|
|3.6||3.6||3.6||3.6||3.6||3.7|
Die Skala reicht von 1 (sehr niedrig) bis 5 (sehr hoch)
Experten sind mit Publikumsgruppen einig 59 ausgewählte Experten (48 Männer, 11 Frauen) aus Politik, Wirtschaft und Medien haben die Qualität einzelner Medientitel eingeschätzt. Hierbei haben sie zu den einzelnen Tages- und Onlinezeitungen 176 Bewertungen abgegeben. Die Aussagekraft der Daten ist limitiert, dennoch kann man festhalten, dass die Medienexperten die Berichterstattungsqualität der Tages- und Onlinezeitungen ähnlich einschätzen wie das Publikum. In der Schweiz scheint sogar über soziodemografische Gruppen hinweg ein grundsätzlicher Konsens über die Qualität der Tages- und Onlinezeitungen vorzuherrschen.
Generelle Entwicklung der Gruppe «Tages- und Onlinezeitungen» Die gedruckte Abonnementspresse ist einem fundamentalen Wandel ausgesetzt. Grosse Herausforderungen ergeben sich aus veränderten Nutzungsgewohnheiten, rückläufigen Leserzahlen und Werbeeinnahmen sowie aus den starken Konzentrationsprozessen der letzten Jahre. Begleiterscheinungen sind Zusammenlegungen von ehemals getrennten Redaktionen in integrierte Newsrooms, fortgesetzte Sparrunden sowie der Abbau von journalistischem Personal. Die Reduktion finanzieller, personeller und zeitlicher Ressourcen lässt die publizistische Qualität im Informationsjournalismus nicht unbeeinflusst. Zusätzlich geraten die Zeitungen on- und offline nun im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung in Bedrängnis: Onlinestrategien werden akzentuiert, aber entgegen den ursprünglichen Erwartungen erfüllen sich die Renditeerwartungen im Bereich der Online-Informationspublizistik nicht im gewünschten Masse. Die Aversion der Nutzer gegen Werbung ist im Onlinebereich besonders ausgeprägt. Zudem geraten die hiesigen Informationsanbieter zunehmend unter Druck der Tech-Giganten Facebook und Google. Diesen fliessen in substantiellem Masse Werbegelder zu, die dann dem Informationsjournalismus fehlen. Auch positionieren sich die Tech- Giganten als Newsaggregatoren. Damit droht ein Bedeutungsverlust klassischer Medienmarken. Die Medienunternehmen reagieren mit unterschiedlichen digitalen Strategien auf diese Herausforderungen. Es werden «harte» oder «metered» Paywalls eingezogen, Kooperationen mit den Tech-Giganten eingegangen oder in Abgrenzung zu ihnen neue Werbeallianzen gegründet.