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Unter der Bezeichnung Sargans ma. Herrschaft und Grafschaft, 1483-1798 gemeine Herrschaft sowie 1803-2002 Bez. im Kt. St. Gallen. Seit 2003 Region und kant. Wahlkreis, der die acht polit. Gemeinden Sargans, Vilters-Wangs, Bad Ragaz, Pfäfers, Mels, Flums, Walenstadt und Quarten umfasst. Im 13. Jh. sind die Gf. von Sargans belegt, 1423 das Land Sargans, 1438 ein eigenes Siegel, 1435 der Begriff Sarganser land. Ab der 2. Hälfte des 15. Jh. hatte sich in der Alltagssprache die Bezeichnung S. durchgesetzt. 1640 ca. 7'500 Einw.; 1780 ca. 12'000; 1809 11'383; 1850 14'992; 1900 18'828; 1950 25'060; 2000 35'339.
Für die klimatisch begünstigten Nischen Gräpplang, Mels-Castels, Vilters-Severgall und Wartau-Ochsenberg kann ab dem 4. Jt. v.Chr. eine Siedlungskontinuität nachgewiesen werden. Bereits in der Bronzezeit führte eine Teilstrecke der Walenseeroute, der später auch die Römerstrasse Chur-Augusta Raurica folgte, durch das Gebiet. Das S. gehörte zur röm. Provinz Rätien bzw. Raetia prima. Die alemann. Einwanderung erfolgte im FrühMA. Von 982 bis Mitte des 12. Jh. verwalteten die Gf. von Bregenz Unterrätien, zu dem auch der Raum der späteren Vogtei Sargans gehörte. Lokale Herrschaftsträger waren u.a. das Kloster Pfäfers, die Herren von Wildenberg über die Herrschaft Freudenberg, die Meier von Windegg über die Herrschaft Nidberg, der Bf. von Chur über Flums und das Kloster Schänis über das Weisstannental. Im 14. Jh. liessen sich im Calfeisen- und Weisstannental sowie auf Palfries freie Walser nieder. Zur selben Zeit erlangten die Gf. von Werdenberg-Sargans neben der Schirmherrschaft über Pfäfers allmählich die volle Landeshoheit über Sargans. Bereits Ende des 13. Jh. waren die Habsburger in die Walenseeregion vorgestossen. 1283 hatten sie Walenstadt erworben und dieses 1288 mit Weesen zur Herrschaft Windegg vereint. 1363 waren sie an das Pfand über Nidberg gelangt, das sie 1371 kauften. Auch als Pfand fiel ihnen 1396 die Grafschaft Sargans und 1403 Freudenberg zu. Aber schon 1406 musste das ganze Gebiet an Gf. Friedrich VII. von Toggenburg verpfändet werden. Nachdem er 1436 ohne Erben gestorben war, lösten die Habsburger ihre Pfandschaften Walenstadt, Freudenberg und Nidberg aus und überliessen die Grafschaft Sargans den von Werdenberg-Sargans. In den Wirren um das Toggenburger Erbe strebten die Sarganserländer 1436 nach polit. Autonomie und organisierten sich kurzfristig als Landsgemeinde, die 1440 aber aufgelöst wurde.
Autorin/Autor: Wolfgang Göldi
1460 eroberten die Eidgenossen die habsburg.-österr. Vogteien Nidberg, Freudenberg und Walenstadt, die sie in einer eidg. Landvogtei zusammenfassten. Diese und die 1483 von den sieben Orten für 15'000 rhein. Gulden erworbene Grafschaft Sargans bildeten bis 1798 die gemeine Herrschaft Sargans, an deren Verwaltung sich ab 1712 Bern beteiligte. Die eidg. Landeshoheit erstreckte sich auch auf die Untertanen des Klosters Pfäfers, die Herrschaften Gräpplang, Tscherlach, Wartau (ab 1488) und die Leute der Landmarch am Walensee (Murg, Quarten, Terzen). Im Zweijahresturnus stellten die Orte den Landvogt auf Schloss Sargans. Ihm standen der einheim. Landammann, der Landschreiber und der Landweibel zur Seite. Sie bildeten das Oberamt. Dieses war zugleich das Blutgericht, das unter Zuzug von Einheimischen das Urteil sprach. Allg. Landesangelegenheiten behandelte ein 30-köpfiger Landrat unter dem Vorsitz des Landvogts. Für die niedere Gerichtsbarkeit bestanden kleinere Kreise. Ab Mitte des 14. Jh. wählten die Einwohner die lokalen Behörden der Kirchspiele sowie der sog. Genosssame, aus denen sich die späteren Ortsgemeinden entwickelten. 1798 bildete sich ein kurzlebiges unabhängiges Staatswesen.
Autorin/Autor: Wolfgang Göldi
Die Pläne für einen eigenen Kanton zerschlugen sich bereits zu Beginn der Helvetik: Das S. kam bis 1803 als Distrikt Mels zum Kt. Linth, danach zum Kt. St. Gallen. 1814 suchte die demokrat. und antizentralist. Bewegung, angeführt von Teilen der regionalen Oberschicht, erfolglos den Anschluss an Glarus. Die Spannungen zwischen dem Kanton und dem S. zeigten sich erneut 1847, als Letzteres dem Truppenaufgebot für den Sonderbundskrieg nicht Folge leistete.
Kirchlich gehörte das Gebiet bis 1823 zum Bistum Chur, 1823-36 zum Doppelbistum Chur-St. Gallen und - nach einer Übergangsphase - ab 1847 zum neu gegr. Bistum St. Gallen. Die kath. Landvögte verhinderten einen Durchbruch der Reformation, allein Wartau kehrte 1531 nicht zum alten Glauben zurück. Bis zu ihrer Aufhebung 1838 war die Abtei Pfäfers kirchlich-religiöses und kulturelles Zentrum. Daneben kümmerte sich ab 1654 das Kapuzinerkloster in Mels v.a. um die Gemeindeseelsorge.
Bis weit ins 19. Jh. waren dank der ausgedehnten, auch im 21. Jh. noch bewirtschafteten Alpflächen Viehzucht und -handel der Haupterwerbszweig im S. Der Weinbau büsste ab Mitte des 19. Jh. an Bedeutung ein, wurde aber an guten Lagen weitergeführt. Das organisierte Fuhrwesen (Pferdezucht) und die Walenseeschifffahrt brachten bis zum Aufkommen der Eisenbahn (1858 Rorschach-Sargans-Chur, 1859 Zürich-Sargans-Chur) Verdienstmöglichkeiten. An den Wildwassern und Bächen bei den Talausgängen nutzten zahlreiche Gewerbebetriebe die Wasserkraft. 1855-76 wurde mit der Seez- und Saarkorrektion, 1954-64 erneut mit der Melioration der Saarebene, neues Acker- und Wiesenland gewonnen. Weit in die 2. Hälfte des 19. Jh. hinein wies der Bezirk eine deutlich über dem schweiz. Durchschnitt liegende Auswanderung auf.
Das S. war ab dem SpätMA eine wichtige Bergbauregion: Mit Unterbrechung wurde bis 1966 am Gonzen Eisenerz gefördert. Von internat. Bedeutung war bis 1915 der Mühlsteinabbau bei Mels, von überregionaler die Kalksteingewinnung im Seez- und Taminatal, wo auch Schieferplatten abgebaut wurden. Steinhauereien, Eisenschmelzen und -schmitten, Glashütten und die Schiefertafelfabrik mit nebengewerbl. Holzwirtschaft, Köhlerei und Flösserei waren bis Ende des 19. Jh. wichtige Arbeitgeber. Der seit 1970 betriebene Versuchsstollen Hagerbach (Gem. Flums) geniesst wegen seiner Test-, Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für den Untertagebau und die Tunnelsicherheit einen internat. Ruf. Im 2. Drittel des 19. Jh. etablierte sich mit den v.a. von Zürcher und Glarner Unternehmern initiierten Textilbetrieben in Murg, Walenstadt, Flums und Mels eine gewichtige Industrie, die 2009 mit der Schliessung der letzten Spinnerei in Flums aus der Region verschwand. Nach der Ableitung von Thermalwasser aus Pfäfers nach Ragaz (seit 1937 Bad Ragaz) 1840, brachte der Badebetrieb ab 1870 einen tourist. Aufschwung. Die militärstrateg. Bedeutung der Region fand u.a. in der Errichtung einer Festungszone im S. während des 2. Weltkriegs ihren Ausdruck. Daneben konnten sich die Gem. Mels und Walenstadt in den Armeereformen an der Wende vom 20. zum 21. Jh. als Militärstandorte behaupten.
1954 wurde mit dem Ziel, die wirtschaftl., sozialen und kulturellen Interessen der Region zu wahren, die sog. Sarganserländische Talgemeinschaft gegründet. Ab Mitte des 20. Jh. entstanden im Maschinenbau, in der Druckerei- und Elektronikbranche sowie in der Kunststoffverarbeitung zahlreiche exportorientierte Klein- und Mittelbetriebe. Unternehmen der Medizinaltechnik, des Seilbahnbaus und der Steinwolleproduktion entwickelten sich zu Innovationsträgern. Mit der A3 und der A13 erfolgte der Ausbau der Verkehrsverbindungen und der regionalen Infrastruktur. 1971-78 wurde das Speicherwerk der Kraftwerke Sarganserland AG im Einzugsgebiet Calfeisental-Weisstannental gebaut. Eine Standortaufwertung erhielt das S. mit der Errichtung kant. Bildungsinstitutionen in der Gem. Sargans sowie der Erneuerung des kant. Spitals Walenstadt und den Kliniken in Pfäfers und Valens. Ende des 20. Jh. wiesen Gastgewerbe, Baugewerbe und Gesundheitswesen am meisten Beschäftigte aus und das S., in das sich auch ein Teil des Geoparks Sardona erstreckt, hatte sich zur bedeutenden Tourismusregion entwickelt.
Autorin/Autor: Wolfgang Göldi
Autorin/Autor: Wolfgang Göldi