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Der 50-jährige Steve Chetcuti hat seinen Bruder an Krebs verloren. Um ihn zu ehren, wollte er Geld für wohltätige Organisationen sammeln, und ist dazu über den Atlantik gerudert.
51 Tagen und 18 Stunden. So lange hat Steve Chetcuti auf einem Boot verbracht, mit essen, ausruhen, und rudern, rudern, rudern. Auf seiner Reise hat er rund 6000 Kilometer über den Atlantik zurückgelegt.
28. Februar: Die Crew wartet in Portugal bereits seit einer Woche auf den Start. Der Wind ist nicht günstig. «Ich bin nicht gut darin, zu warten», schreibt Chetcuti in seinem Blog. Man habe schon mal ausprobiert, wie es sich anfühle, zu dritt in der Kabine zu sitzen. Das sei beispielsweise im Falle eines Sturms nötig, «aber wenn wir Glück haben nicht allzu oft». Die Kabine sei «etwas enganliegend», so der Aargauer.
Am 1. März wird dann klar: Um 18 Uhr geht es los. Chetcuti beschreibt seine Gefühle vor dem Start: «Vor zweieinhalb Jahren begann ich diese Reise mit einer Mischung aus Neugier und Entschlossenheit.
Nichts hat sich verändert. Na ja, fast nichts.» Damals, als er den Entschluss für dieses Abenteuer fasste, war sein Bruder Michael an Krebs verstorben. Chetcuti wolle für ihn «etwas Grosses» machen, um ihn zu ehren und um Geld für Hilfsorganisationen zu sammeln. Dazu war viel Vorbereitung nötig.
«Ich habe hart trainiert, sehr hart. Ich habe 8000 Kilometer mit meinem Indoor-Rudergerät absolviert, bin rund 400 km auf dem Wasser gerudert, hunderte Kilometer gelaufen, habe unzählige Workout-Übungen gemacht und bin mit dem Rad gefahren. Nicht zu vergessen mein Favorit, das Krafttraining.»
Per Satellitentelefon berichtet Chetcuti während der Überfahrt seiner Frau Desiree von seinen Erlebnissen, diese schreibt für ihn in dieser Zeit die Blogeinträge. Es sei eine harte erste Etappe gewesen, heisst es dort. «Bis zu drei Meter hohe Wellen, die über die Seiten des Bootes krachten, die Ruderer wurden regelmässig von den Sitzen gefegt.»
Als wäre die Anstrengung nicht genug, hatte sich der Aargauer am Finger verletzt, die Wunde entzündete sich, was das Rudern erheblich erschwerte. Seine Frau Desiree schreibt:
Dinge, die normalerweise einfach sind – schlafen, essen, Zähne putzen – sind in der engen, turbulenten Umgebung des Bootes viel komplizierter. In einem «besonders beunruhigenden Update», schreibt Desiree, habe ihr Mann berichtet, dass der rote Eimer zerbrochen war.
«Der rote Eimer wurde als Toilette eingesetzt. Das bedeutete, dass der schwarze Eimer, der ursprünglich zum Duschen gedacht war, jetzt als Toilette genutzt wurde. Man darf annehmen, dass in den kommenden Wochen nicht mehr viel geduscht wird.»
Am 17. April schreibt Desiree: «Nach wochenlangem, intensivem Rudern sollte das Team in wenigen Tagen in Cayenne, Französisch-Guayana, ankommen. Heute ist ein emotionaler Tag für Steve, denn heute wäre sein Bruder Michael 54 Jahre alt geworden.» Ihr Mann beschreibt ihr seine Stimmungslage: «Sein Tod vor drei Jahren hat mich mit dem Gefühl des Verlustes zurückgelassen, aber die Reise hat mir geholfen Abschied zu nehmen.»
Nach fast 52 Tagen kommt das Boot am 22. April in Cayenne an. «Das schönste war wieder mit Steve zu telefonieren, da der Kontakt vom Boot aus sehr schwierig war», sagt Desiree gegenüber der AZ. «Es ist schade, dass ich ihn, wegen der Corona-Situation, nicht vor Ort begrüssen konnte.» Natürlich sei sie aber froh, dass ihr Mann und das Team gut angekommen sind. «Es war auch für mich eine emotionale und lange Zeit. Schlimm war für mich zu wissen, dass es ihm manchmal nicht so gut ging und ich nicht richtig mit ihm kommunizieren konnte.»
Steve wird am Sonntag zurück fliegen und am Montag in der Schweiz ankommen. «Wir freuen uns sehr.»
Chetcuti will mit seiner Aktion die drei Organisationen Hospicemalta, die Schweizer Krebsliga und Terre des hommes unterstützen und versucht, für jede Organisation 10'000 Franken zu sammeln. Das Geld geht vollumfänglich an die Hilfsorganisationen, sein Abenteuer finanzierte er aus eigener Kasse.