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Aus der Dunkelheit des Hintergrunds kommt mit aufgeblendeten Scheinwerfern ein Auto herangefahren. Es hält an - Strassenlaternen sind die einzige Lichtquelle, die junge Beifahrerin wechselt einige Abschiedsworte mit dem Fahrer - der Ton ist authentisch aufgezeichnet. Sie steigt aus und betritt die elterliche Wohnung, deren realistischer Anschein eines Originalschauplatzes durch die biedere Küchen- und Wohnzimmereinrichtung gut zur Geltung kommt.
Bei Joy Ride handelt es sich um den 14. zertifizierten Dogma-Film, der, basierend auf dem Regelkatalog von Dogma 95, produziert wurde und mit den eigens festgelegten filmischen Standards ein Konzept des Subversiven entgegen klassischer Erzählformen verfolgt. Martin Rengcls in Schweizerdeutsch gedrehter Spielfilm beginnt mit dem Ende einer abendlichen Spritztour, die eine Gruppe fünf junger Leute regelmässig unternimmt, um gegen Langeweile und Missmut anzukämpfen. Schwerfällig, mit langen und wenig spektakulären Einstellungen erzählt Joy Ride den Alltag der Jugendlichen, begleitet sie zu ihren Arbeitsplätzen, folgt ihnen in ihre poster- behängten vier Wände und in schummrige Bars. Die formale Ebene betont die Stimmung in der Clique.
Zwischen Andi und Sandra, dem einzigen Mädchen der Gruppe, die trotz des allgemeinen Desinteresses der Jungen zu den allabendlichen Zusammenkünften mitgenommen wird, beginnt ein zaghafter Annäherungsversuch. Dieses plötzlich aufscheinende Interesse bringt Aufruhr in die von Gruppenzwängen strukturierte Clique. Solange Sandra einfach nur dabei ist, wird sie geduldet. Als sie aber beginnt, das fragile Gleichgewicht zu gefährden, wendet sich das Blatt. Von den immer deutlicher zum Vorschein kommenden Boshaftigkeiten lässt sich Sandra, die sich nach Geborgenheit und Einigkeit sehnt, nicht irritieren. Unerklärlicherweise reift unter den Jungen aus einem spontanen Ausspruch «Sie muss weg!» der Gedanke an Mord heran. Der Plan wird ausgehandelt und durchgeführt. Das Danach, beginnend beim «Beseitigen» von Sandras Leiche, wird erst im Moment ihres Todes ein Thema, und alle darauf folgenden Ereignisse werden zu einer makabren Groteske, die für Andi im Gefängnis endet.
Joy Ride, der auf einer wahren Begebenheit beruht, die sich vor einigen Jahren in einem Schweizer Städtchen zugetragen hat, vermittelt die Unerklärlichkcitcn der Handlungen und Geschehnisse weder plausibel noch spannungsvoll. Dem plakativ nicht moralisierenden Gestus der Erzählung scheint jegliche künstlerische und spielerische Variation abhanden gekommen zu sein, die mehr als nur den bornierten Lebenswandel einer unambitionierten Jugend mitteilt. Laienschauspieler mit wenig Ausdrucksstarke tragen dazu bei, dass kein erwartungsvolles Interesse am Fortgang der Geschichte erzeugt wird. So bleibt am Ende, das Aushängeschild des Films unter die Lupe zu nehmen: Joy Ride hält sich an die Dogma-Form der minimalisierten Technik und des Authentizitätsanspruchs. Doch was fehlt, ist die filmerische Eigenheit. Neben einem kreativen, ästhetischen Grundkonzept bedarf es eben auch eines tragenden Gedankens und der Konzeption einer eigenen Ästhetik.