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"Engel des Universums" - von Einar Már Gudmundsson
"Was wir brauchen, sind ein paar "verrückte" Leute;
seht euch an, wohin uns die vernünftigen gebracht haben. G.B. Shaw
"Engel des Universums" - von Einar Már Gudmundsson
in einer Textfassung von Ueli Blum und Werner Bodinek
"In Island sind die Narren daheim und wahrscheinlich auch die besseren Menschen. Am Ende der denkbaren Welt, im Schatten des Vatnajökull, zwischen Gletschereis und Lava-Eruptionen, kann man als denkender Mensch bloß verrückt werden. Oder Künstler. Der Lyriker und Drehbuchautor Einar Már Gudmundsson, Jahrgang 1954, ist noch einmal davongekommen, doch Island und dessen Wahnsinn bleiben ihm erhalten. Sein Erzähler Páll hat einen kleinen Geburtsfehler, er ist 1949 zur Welt gekommen und zwar am „selben Tag, als Island in die Nato eintrat“."
Páll lebt in Reykjavik, malt Bilder, spielt Schlagzeug und erzählt verrückte Geschichten. Nachdem ihn seine Freundin Dagni verlassen hat, sein bester Freund sich das Leben genommen hat, fällt Páll in ein Loch und wird in die psychiatrische Anstalt Kleppur eingeliefert. In Kleppur trifft er auf Viktor, der sich für Hitler hält, auf Óli Beatle, der in telepathischer Verbindung mit den Beatles steht und auf Pétur, "der an der Pekinger Universität über Friedrich Schiller promoviert hat. Ob die Chinesen sich denn für Schiller interessierten, wird er gefragt. "In China“, gibt Pétur zurück, ist den Leuten nichts Menschliches fremd.“
"Pétur, Óli Beatle und Páll sind nicht unbedingt die besseren Menschen, sondern Verrückte, die mit ziemlich viel Genie geschlagen sind. Modernisierungsopfer sind sie allesamt, nach landläufigen Begriffen gescheitert. Trotz der Verzweiflung, die in der Geschichte steckt, trotz der Pharmawolke, die über den Patienten schwebt, ist „Engel des Universums“ eine irrwitzig heitere Geschichte, die es versteht, die "Alpträume der Vögel und das Kopfzerbrechen der Fische" zu schildern."
In einer für das Theater bearbeiteten Fassung erzählt Werner Bodinek stellvertretend für Páll die Lebensgeschichte der vier Aussenseiter. Dabei wird er musikalisch begleitet von Marco Käppeli, Claude Meier und Fredi Spreng. Die drei Musiker unterstützen die Geschichte nicht nur atmosphärisch, sie werden auch zu Mitspielern und präsentieren Beatles-, Cream- und Grateful Dead Songs in eigenwilligen Arrangements. Ueli Blum, als Regisseur, führt die Engel auf ihrer Reise durchs Universum.
(markierte Textpassagen entstammen der Literaturkritik zum Buch "Engel des Universums" von Willi Winkler, Der Spiegel, 21, 1998)
Der Geschichtenerzähler Homer
An einem regenschweren Nachmittag,
per Schiff aus einem weitgereisten Traum,
kam der Geschichtenerzähler Homer nach Reykjavík.
Er verließ die Anlegestelle
und nahm sich ein Taxi, das ihn
durch regengraue Straßen fuhr,
trostlose Häuser glitten an ihnen vorbei.
An einer Kreuzung wandte sich der Geschichtenerzähler Homer
dem Fahrer zu und sagt:
"Kaum vorstellbar,
daß hier in dieser regengrauen
Eintönigkeit ein Sagenvolk lebt!"
"Aber genau das ist der Grund", erwiderte der Fahrer,
"nie sehnt man sich so sehr nach
einer guten Geschichte wie dann, wenn Regentropfen
gegen die Scheiben prasseln."
Wenn Regentropfen gegen die Scheiben prasseln
und der Nebel, der in die Bucht einströmt,
sowohl Berge als auch Meer verhüllt,
nichts Erwähnenswertes
als der Matsch auf den Straßen,
kein betörender Gesang,
keine singende Sonne,
nur Fußspuren, die verschwinden
wie der Regen im Meer,
im Nichts, und der Wind,
der singt und bläst...
Eingehüllt in Grau
entgleitet die Zeit durch die Gassen,
ein einsamer Vogel schwebt
traumlos über der Stadt,
die Regenschleier der Wolken
ziehen sich zu um den Hals,
und das Nachtdunkel ergießt sich
wie ein Netz über die Welt.
Ein Mann segelt mit dem Boot aufs Meer hinaus,
singende Welle,
schlafendes Haus,
ein Segel, im Traum gehißt,
die Welt wogt
über die schwarze See,
und die Lichter gleiten
wie Flammen durch die Gassen.
Einar Mar Gudmundsson, Isländische Lyrik, Insel Taschenbuch, 4054, 2011
"Engel des Universums" von Einar Már Gudmundsson
ist eine Produktion von Theaterprojekte Bodinek, in Co-Produktion mit dem Sternensaal Wohlen und in Zusammenarbeit mit der Stanzerei Baden und dem Theater Tuchlaube Aarau.
Schauspiel und Musik - Werner Bodinek, Marco Käppeli, Claude Meier und Fredi Spreng
Regie - Ueli Blum, Dramaturgie - Urs Heller, musikalische Leitung - Claude Meier,
Lichtdesign und Technik - Edith Szabo, Kostüme - Bernadette Meier, Grafische Gestaltung - Julien Gründisch,
Foto - Christine Zenz, Administration - Myrtha Lanz, Produktionleitung - Werner Bodinek
Rechte beim Hanser-Verlag, München
unterstützt von Aargauer Kuratorium, Stadt Baden, Migros Kulturprozent, Ernst Göhner Stiftung, Stanley Thomas Johnson Stiftung, Bürki Stiftung, Schweizerische Interpretenstiftung,
www.sternensaal-wohlen.ch, www.stanzerei-baden.ch, www.tuchlaube.ch
www.bodinek.ch, www.marcokaeppeli.ch, www.claudemeier.ch, www.fredispreng.ch, www.ueliblum.ch, www.girodgruendisch.ch, www.zenzfotografie.ch,
"Strengen denkt an" Carlo E. Lischetti