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© 1985 Markus Kappeler
Bodenbaumeister Regenwurm
(erschienen im Pro-Natura-Sonderheft Nr. 4/85)
Rund vierzig Regenwurmarten (Lumbriciden) kommen in unserem Land vor. Wiesenwurm, Tauwurm, Ackerwurm, Köcherwurm, Mistwurm sind etwa ihre Namen. Die Bedeutung dieser wohl populärsten Bodentiere für die Durchmischung, Durchlüftung und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens ist enorm.
Dass Regenwürmer mehr sind als blinde und taube Muskelschläuche, hat schon Charles Darwin vor über 100 Jahren erkannt (siehe Kästchen). Die Leistungen dieser niedrig organisierten Tiere sind tatsächlich gewaltig: Bis zu 300 Tonnen Erde - das entspricht der Ladung von 20 bis 30 Güterbahnwagen - werden jedes Jahr in einer Hektare gesunden Ackerlands durch Frass und Ausscheidung der Regenwürmer «umgepflügt». Alle paar Jahre geht so die gesamte Masse des oberflächlichen Bodens durch die Körper der Tiere hindurch. Ihre verblüffende Grabtechnik erlaubt es den Regenwürmern sich förmlich in die Erde hineinzufressen, ohne diese dabei zu verdrängen. Die nimmermüde Grabtätigkeit der Tiere fördert die Durchmischung und Durchlüftung des Bodens in entscheidendem Masse und erleichtert den Pflanzenwurzeln den Zugang zu tieferen Bodenschichten. Und ausserdem: Was den Darm der Regenwürmer verlässt, ist nicht einfach verschobenes Material, sondern durch den Verdauungsprozess zu Ton-Humus-Komplexen veredelte Erde. Dieser Wurmkot trägt wesentlich zur guten Wasserspeicherfähigkeit des Bodens bei. Kein Wunder bezeichnet mancher Förster den Regenwurm als sein liebstes Wild im Wald.
Die Lebensweise der rund vierzig Regenwurmarten, welche in der Schweiz heimisch sind, ist unterschiedlich. Der «klassische» Regenwurm unserer Breiten, der 15 cm lange Wiesenwurm (Lumbricus rubellus)
, hält sich vorwiegend in den obersten Erdschichten auf, wo er sich durch die in Zersetzung begriffene Pflanzenmasse frisst. Der Tauwurm (Lumbricus terrestris)
, der bis 30 cm lang wird, ist in den Nächten eifrig damit beschäftigt, modernde Pflanzenteile in seine unterirdischen Gänge zu ziehen, wo er sie dann später verspeist.
Kasten «Darwin»
In seiner letzten, 1881 veröffentlichten Arbeit «Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer» beschreibt Charles Darwin
(1809-1882) in allen Einzelheiten die Lebensweise der verschiedenen Wurmarten und ihre Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit. Der grosse Naturforscher kommt zum Schluss: «Man kann wohl bezweifeln, ob es noch viele andere Tiere gibt, welche eine so bedeutungsvolle Rolle in der Geschichte der Erde gespielt haben wie diese niedrig organisierten Geschöpfe.»
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