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Das Monitoringsystem Rumi-Watch besteht aus verschiedenen Sensoren, die an einem Halfter am Kopf der Kuh angebracht werden. Gemessen wird unter anderem das Kauverhalten während dem Fressen und dem Wiederkauen. Durch das Fress-, Wiederkau- und Ruheverhalten sind Rückschlüsse auf das Fütterungsmanagement sowie die Tiergesundheit möglich.
Analyse der Daten
Über einen Drucksensor misst Rumi-Watch, wie oft und wann die Kuh den Mund öffnet. So können die Fressbissen gezählt werden. Eine Auswertungssoftware unterscheidet dann zwischen Fressen und Wiederkauen. Für das Widerkauen sind beispielsweise regelmässige Pausen typisch. Nebst der Anzahl Fress- und Wiederkaubissen wird evaluiert, wie viel Zeit die Kuh mit diesen Tätigkeiten verbringt. Dank einem Beschleunigungsmesser am Halfter wird weiter unterschieden, ob das Fressen mit tiefer oder erhobener Kopfposition erfolgt. So kann zwischen realen Fressbissen und Kaubissen während des Fressens unterschieden werden. Ebenfalls werden die Anzahl Trinkschlücke sowie die Trinkzeit in Minuten erfasst. Durch die Analyse dieser Daten sind Rückschlüsse auf das Fütterungsmanagement möglich. Beispielsweise sollte die Fress- und Wiederkauzeit einer weidenden Kuh ungefähr gleich lange sein. Ein Ungleichgewicht zeigt auf, dass man das Fütterungsmanagement etwas näher betrachten sollte, um mögliche Probleme zu erkennen und zu beheben.
In der Forschung hat sich das Rumi-Watch-System bewährt und wurde in diversen Versuchen genutzt, sowohl im Stall als auch auf der Weide. Nun wurde die Praxistauglichkeit auf 16 Betrieben geprüft.
Praxisbetriebe
Lucas Kempter aus Lanzenhäusern (BE) ist einer der Betriebsleiter, der das RumiWatch-System getestet hat. Er hält 35 Milchkühe in einem Laufstall mit TMR-Fütterung. Drei Kühe hatten während zehn Tagen ein RumiWatch-Halfter getragen. Ausgewählt wurden eine ranghöhere, eine durchschnittliche und eine rangtiefere Kuh. Ziel dieser Auswahl war, das unterschiedliche Verhalten je nach Hierarchie-Stufe zu evaluieren. «Ob beim Trinken, dem Fressen oder dem Abrufen von Kraftfutter; die rangtiefere Kuh führte diese Aktivitäten im Gegensatz zu den anderen Kühen eher an Randzeiten durch», so Lucas Kempter. Die Wiederkauzeit war auf dem Betrieb im optimalen Bereich, was zeigte, dass die Ration genügend Struktur hat. Lucas Kempter verfüttert seinen Kühen am Abend, nachdem sie von der Mischung gefressen haben, noch Dürrfutter. Die Auswertung der Daten zeigte schön auf, dass diese Gabe einen positiven Einfluss auf die Wiederkauzeit in den Stunden danach hatte.
Auch auf dem Betrieb von Martin Ackle in Herznach wurde das Rumi-Watch-System getestet. Er konnte eine interessante Beobachtung machen. Eine Kuh, die frisch abgekalbt hat, zeigte bei seinen regelmässigen visuellen Beobachtungen ein normales Fressverhalten am Futtertisch. Die Wiederkauzeit war aber sehr gering. Die Analyse durch RumiWatch zeigte aber, dass die Kuh wenige Fressbissen tätigte und eher in der Mischung gewühlt hat. «Ich nehme mir viel Zeit, die Kühe zu beobachten. Mir ist dabei nie aufgefallen, dass es Kühe gibt, die nur vorgeben, zu fressen», erzählt Martin Ackle.
Hilfsmittel für die Beratung
Aufgrund der hohen Kosten des Systems, lohnt es sich nicht, eine ganze Herde über längere Zeit damit auszurüsten. Für das Auswerten der Daten braucht es zudem eine geschulte Person. Deshalb gehen die Verantwortlichen davon aus, dass Rumi-Watch künftig durch Beratungsstellen eingesetzt wird. Die Agridea ist mit dem BLW und landwirtschaftlichen Organisationen dran, Konzepte dafür auszuarbeiten. So können Management-Fehler auf Betrieben mit Problemen besser evaluiert und klare Hilfestellungen gegeben werden.