Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03167.jsonl.gz/1845

(Eversmann, 1848)
- DE: Steppengrashüpfer
- EN: Heath Grasshopper
- FR: Le Criquet des pins
- Syn.: Gomphocerus subsinuatus Fischer, 1849 | Chorthippus (Glyptobothrus) eckerleini Harz, 1975
Morphologie
Die Grundfarbe von Chorthippus vagans variiert von grau bis braun mit vielen Abstufungen. Allgemein ist er bis auf die deutlichen Halsschild-Seitenkiele wenig kontrastreich gezeichnet. Besonders die Körper- und Halsschildseiten sind im Gegensatz zu den Vertretern der Chorthippus biguttulus-Gruppe einfarbig und fein gepunktet, ohne dunkle und helle Flecken. Auffallend ist besonders bei den Männchen das orangerote Hinterleibsende. Die Halsschild-Seitenkiele sind mässig einwärts gebogen und heben sich als helle Linien deutlich vom dunklen Saum ab. Die Gehöröffnung ist im Unterschied zu jener der Vertreter der Chorthippus biguttulus-Gruppe breit oval und ca. 2x so lang wie breit. Die schmalen Flügel erreichen die Hinterknie oder überragen sie leicht. Sie sind vor allem bei den Männchen am Ende spitz verrundet und weder Costal- noch Subcostalfeld ist erweitert. Das helle Stigma ist farblich deutlich von den braunen Flügeln abgesetzt. Die Hinterschenkel sind auf der Unterseite gelb bis orange, die Knie etwas verdunkelt und die Hinterschienen schmutzig gelb bis intensiv orange.
Gesang
Der mässig laute Spontangesang von Chorthippus vagans besteht aus Versen, die in ihrer Länge recht variabel sind. In Mitteleuropa dauern sie ca. 15-20 s. Ein Vers beginnt leise und erreicht die maximale Lautstärke nach dem ersten Drittel, in der Hälfte oder seltener erst kurz vor Versende. Sind andere Männchen in der Nähe, werden die Verse kürzer und von unterschiedlich langen Pausen unterbrochen. Diese Rivalengesänge überlagern sich oft, oder die Männchen singen abwechslungsweise, so dass die Geräuschkulisse einen stotternden Charakter bekommt. Diese Gesangsform ist die im Feld am häufigsten angetroffene Lautäusserung. Nur selten hört man einen ganzen Vers des Spontangesangs, ohne dass sich die Männchen gegenseitig zum Rivalengesang anstiften. Beim Werbegesang dauern die Verse bis zu 2 Minuten. Sie sind leiser und die Silben folgen sich in regelmässigen Abständen wie beim Spontangesang.
Spontangesang von Chorthippus vagans - CH, GR, Castaneda, 20 °C, sonnig (Aufnahme Bruno Keist).
Spontangesang und Rivalengesang von Chorthippus vagans - CH, VS, Gampel, 23 °C.
Rivalengesang von Chorthippus vagans - CH, JU, Ocourt, 27 °C, sonnig (Aufnahme Bruno Keist).
Verbreitung
Chorthippus vagans ist in Europa weit verbreitet, wenn auch zum Teil nur sehr lokal. Im Westen reicht das Verbreitungsgebiet südlich bis Portugal und Spanien, nördlich bis in den Süden Englands und Dänemarks und östlich bis Kasachstan. Im Südosten Europas treten weitere Unterarten auf, wobei die Verbreitung wegen taxonomischer Schwierigkeiten in der Balkanregion unklar ist. In der Schweiz kann man Chorthippus vagans im Wallis und im Tessin teilweise recht häufig antreffen. Nördlich der Alpen sind in der Schweiz lediglich Vorkommen am Doubs im Jura bekannt. In Deutschland ist die Art verstreut über das ganze Land verbreitet.
Die Karte zeigt das Verbreitungsgebiet von Chorthippus vagans ohne Unterscheidung der Unterarten, da diese in den meisten Fällen bei der Datenerfassung nicht unterschieden wurden. Zudem ist die Verbreitungssituation dieser Unterarten teilweise unklar.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Chorthippus vagans kann von Ende Juni bis in den Oktober ausgewachsen beobachtet werden.
Die Eier werden an gut besonnten und vegetationslosen Stellen in die Erde oder in Moospolster abgelegt. In der Regel verläuft die Entwicklung einjährig und die Larven schlüpfen Anfang Mai. Bis die Tiere ausgewachsen sind, durchlaufen sie 4 Larvenstadien.
Lebensraum
Chorthippus vagans ist ausgesprochen trockenheits- und wärmeliebend und besiedelt Habitate mit spärlicher Vegetation. Es werden Felsensteppen, Trockenrasen, Schutthalden, Wald- und Wegränder und Schlagfluren besiedelt. Besonders gerne werden lichte Föhrenwälder mit viel Totholz bewohnt. Die Lebensräume haben oft einen hohen Anteil offenen Bodens. Chorthippus vagans steigt bis in Höhen von 2000 m.
Gefährdung & Schutz
In der Schweiz ist Chorthippus vagans nicht gefährdet. In Deutschland wurde die Art als gefährdet eingestuft, da die Ausdehnung des Waldes zu Lasten der trockenen Südhänge den Lebensraum langsam aber stetig verdrängt. Zur Förderung sollten Südhänge forstlich stark ausgelichtet und regelmässig entbuscht werden. Durch Beweidung profitiert Chorthippus vagans zusätzlich von den neu geschaffenen offenen Bodenstellen und der stark strukturierten Grasnarbe.
- CH: LC (Nicht gefährdet)
- DE: 3 (Gefährdet)
- AT: VU (Verletzlich)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Chorthippus vagans wird oft mit den ähnlichen Vertretern der Chorthippus biguttulus-Gruppe verwechselt. Im Gegensatz zu Chorthippus vagans haben alle Arten der Chorthippus biguttulus-Gruppe eine schmale, spaltförmige Gehöröffnung. Zudem sind diese bis auf die Halsschild-Seitenkiele in der Regel kontrastreicher gezeichnet und die Flügelenden sind breiter verrundet. Ein wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist auch der Gesang. Im US-Detektor kann der Spontangesang von Chorthippus vagans stark an Gomphocerus sibiricus erinnern. Die beiden Arten sind aber nicht im gleichen Habitat anzutreffen, da sie in Mitteleuropa unterschiedliche Höhenstufen besiedeln. Metrioptera brachyptera, die im US-Detektor ebenfalls ähnlich tönt, äussert die Verse regelmässig und minutenlang ohne Unterbrüche.