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Über die Burgen, die im Lauf des Mittelalters in der Riviera entstanden sind, in dem langgezogenen Talabschnitt zwischen Biasca und Arbedo, sind wir schlecht unterrichtet. Die vorhandenen Reste bei Osogna, Cresciano, Lodrino, Gnosca und Castione zeugen von verhältnismässig kleinen Anlagen, die als Zentren kleiner Grundherrschaften oder als Behausungen herrschaftlicher Beamter gedient hatten und bei der Eingliederung des Tals in den Territorialstaat der Visconti von Mailand aufgegeben wurden. Unklare Verhältnisse liegen auch in Claro vor. Dieses Dorf, zusammengesetzt aus mehrere Fraktionen, die im Kern bis ins Mittelalter zurückreichen, dehnt sich auf der linken Talseite der Riviera auf einem breit gelagerten Schuttfächer aus. Drei Burganlagen sind im Bereich des Dorfes nachgewiesen. An eine vierte von unsicherem Standort erinnert der Flurname Torrazza im westlichen Dorftal.
Die Reste der am weitesten nach Norden vorgeschobenen Anlage erheben sich inmitten einer alten Häusergruppe der Fraktion Scubiago auf einer markanten Felsterrasse. Bergseitige Annäherungshindernisse sind verschwunden. Zum ursprünglichen Baubestand gehört der Sockel eines viereckigen Wohnturms mit Hocheingang, Schartenfenstern und Kaminöffnungen, errichtet aus sorgfältig geschichteten Hausteinen. Der einst wesentlich höhere Bau ist nachträglich bis auf das zweite Obergeschoss abgetragen worden.
Bergseits ist diesem Wohnturm eine wehrhafte Umfassungsmauer vorgelagert, der Überrest eines unregelmässigen Mauerrings, der sich um den ganzen Felskopf herumgezogen hatte, wie sich aus schwachen Fundamentspuren am talseitigen Abhang ergibt. Ein kleines, innen an den Bering angelehntes Gebäude stammt aus einer späteren Bauphase, dürfte aber noch ins Mittelalter zu datieren sein, während alle anderen angrenzenden Häuser neuzeitlichen Ursprungs sind. Die rundbogige Toröffnung in der Umfassungsmauer beruht in ihrer jetzigen Gestalt auf einem spätmittelalterlichen Umbau.
Die Errichtung des Gebäudekomplexes, bestehend aus Wohnturm und Umfassungsmauer, dürfte im ausgehenden 13. Jahrhundert erfolgt sein. Die Anlage wird den Magoria zugeschrieben, einem Zweig der Capitanei von Locarno. Das Geschlecht der Magoria, eng verwandt mit den Orelli, teilte sich in mehrere Linien. Die eine sass zunächst auf der Burg von S. Carpoforo zu Gnosca, liess sich dann aber in Claro nieder. Zwischen den beiden einander benachbarten Dörfern gab es schon früh herrschaftliche Verbindungen, weshalb angenommen werden darf, die Burg der Magoria zu Claro habe seit dem 13. Jahrhundert den Mittelpunkt eines grundherrlichen Güterkomplexes in der unteren Riviera gebildet. Ein zu Claro wohnhafter Angehöriger des Hauses Magoria-Gnosca ist für das Jahr 1372 urkundlich bezeugt.
Mit dem Übergang der Riviera an die Herrschaft der Visconti traten die Magoria in die Dienste Mailands. Im späteren 14. und 15. Jahrhundert begegnen uns zahlreiche Vertreter des Geschlechts als mailändische Beamte und Vertrauensleute.
Bibliographie