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Die Suche nach dem Licht
Marya Sklodowska war ein aussergewöhnliches Mädchen und eine bewundernswerte Frau. Besser bekannt ist sie unter dem Namen Marie Curie. Ihr Leben und ihre bahnbrechende Arbeit stellen Frances A. Østerfelt und Anja C. Andersen in der eindrücklichen Graphic Novel "Marie Curie - Ein Licht im Dunkeln" vor.
Über Marie Curie habe ich an dieser Stelle auch schon berichtet. Ich habe euch die entsprechenden Artikel unten verlinkt. Sie hat mich schon zu Schulzeiten beeindruckt, als ich ihre Biografie gelesen habe. Die Faszination ist geblieben und zum Glück erscheinen immer wieder Bücher, die sich dem Leben und Wirken dieser eindrücklichen Persönlichkeit annehmen.
Kindheit, Kampf und Karriere
Die Graphic Novel der dänischen Autorinnen Frances A. Østerfelt und Anja C. Andersen ist in fünf Kapitel gegliedert und startet mit Maries bzw. damals noch Maryas Kindheit in Polen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wir erfahren, wie schwierig es damals für Mädchen war, überhaupt Schulbildung zu erhalten. Die Liebe zur Wissenschaft entdeckte Marya durch ihren Vater, der Lehrer war und der sich stark für die Ausbildung seiner Töchter einsetzte. Wir lesen auch viel über die harten Verluste von Marya - sie verlor ihre Mutter und eine Schwester - und von den Entbehrungen, mit denen die Familie im besetzten Polen zu kämpfen hatte. Nach Abschluss der Schule waren Marya und ihre Schwester Bronia als Privatlehrerinnen tätig. Sie arbeitet auf ihren Traum hin, einst nach Frankreich auszuwandern, um dort zu studieren.
Um drei Jahre als Gouvernante und eine gescheiterte Liebe reicher, gelang es Marya tatsächlich, ihrer Schwester nach Paris zu folgen. Hier nannte sie sich Marie und war an der Universität Sorbonne eine der wenigen Physikstudentinnen unter lauter Männern. In ihrer Doktorarbeit widmete sich Marie den magnetischen Eigenschaften verschiedener Metalle. Bei dieser Arbeit traf sie auf ihren zukünftigen Ehemann Pierre Curie. Fortan stürzten sich die beiden gemeinsam in die Erforschung radioaktiver Elemente und erhielten 1903 auch gemeinsam den Nobelpreis für Physik. Den zweiten Nobelpreis, diesmal in Chemie, erhielt sie nach Pierres Unfalltod 2011 alleine. So ist sie bis heute der einzige Mensch, der zwei Nobelpreise in unterschiedlichen Disziplinen erhalten hat!
Porträt einer kämpferischen Frau
Die Autorinnen der Graphic Novel zeichnen diese und alle folgenden Stationen im Leben von Marie Curie eindringlich nach. Im Zusammenspiel mit den Bildern der polnischen Illustratorin Anna Blaszczyk tauchen wir ganz tief ein in die damalige Zeit, in die leidenschaftliche, aufopferungsvolle Suche von Marie nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Immer wieder wird deutlich, wie hart Marie Curie dafür kämpfen musste, als Frau in der Wissenschaft ernst genommen und anerkannt zu werden. Was ausgespart wird, sind die längerfristigen Wirkungen von Maries und Pierres Entdeckungen - wie Hiroshima, Tschernobyl etc. Diese hat sie aber auch nicht mehr erlebt. Im Juli 1934 verstarb sie nach längerer Krankheit und damit endet auch das Buch.
Die Illustrationen sind im Collagen-Stil gehalten. Immer wieder sind auch echte Fotos eingearbeitet. Die Graphic Novel arbeitet mit verhältnismässig wenigen Dialogen, vielmehr wird von aussen erzählt. Maries Stimme - oder auch die ihres Vaters und ihrer Schwester - lesen wir in Briefausschnitten. Die Illustrationen sind stark assoziativ. Einige Zusammenhänge werden nur Erwachsenen mit mehr Hintergrundwissen deutlich werden. Einige Anspielungen bleiben wohl auch ihnen verborgen. Das macht das genaue Studieren der Bilder aber auch interessant und tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch.
Fazit
Frances A. Østerfelt, Anja C. Andersen und Anna Blaszczyk ist mit "Marie Curie - Ein Licht im Dunkeln" eine eindringliche Graphic Novel über die berühmte Wissenschafterin gelungen. So bringen sie Kindern ab etwa 10 Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen sowohl die wissenschaftlichen Zusammenhänge als auch die feministische Komponente von Marie Curies Lebenswerks näher.
Übrigens: Marie Curies Leben gibt es derzeit erneut im Kino zu sehen und zwar in Marjane Satrapis Film "Marie Curie - Elemente des Lebens". Marjane Satrapi kennt ihr vielleicht vom Graphic-Novel-Klassiker "Persepolis", den ich auch schon auf dem Blog besprochen habe.
Die Fakten
Ein Licht im Dunkeln
Frances Andreasen Osterfelt und Anja C. Andersen (Text)
Anna Blaszczyk (Illustration)
Franziska Hüther (Übersetzung aus dem Dänischen)
Knesebeck
136 Seiten
Erschienen am 06.03.2020
ISBN: 978-3-95728-366-5
Ab 10 Jahren
PS: Herzlichen Dank an den Knesebeck Verlag für das Rezensionsexemplar.
Noch mehr von Marie Curie bei MINT & MALVE:
Marie Curie wird auch in folgenden Büchern porträtiert, die ich auf dem Blog besprochen habe:
Wenn nicht ich, wer dann? Grosse Reden, grosser Frauen - Anna Russel (Sieveking, 2019)
Marie Curie. Little People, Big Dreams - María Isabel Sánchez Vegara und Frau Isa (Insel, 2019)
Good Night Stories for Rebel Girls I - Elena Favilli und Francesca Cavallo (Hanser, 2017)
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