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Der Blick zurück reicht vier Generationen tief in die Vergangenheit: Paris, Wien, Chicago, Berlin. Er ist gerichtet auf Bauernhäuser, Wiesen, einsame Wälder. Er schaut den Glanz französischer Diplomatenkreise, er sieht die Slums, die Armenviertel amerikanischer Metropolen, und er blickt immer und immer wieder vor allem auf eins: auf den weiblichen Körper. Mutter oder Frau. Bäuerin oder Künstlerin. Grand Maman der Versailler Kinderstuben oder dreckverschmiertes Görengesicht bäuerlicher Nöte im Alpenland der Vorkriegszeit. "Wir sind die Früchte des Zorns" zeichnet Zeile für Zeile eine Familiengeschichte des 20. Jahrhunderts - aus der Perspektive der Mütter, die überlebt und Leben weitergegeben haben: voller Schmerz, voller Hoffnung, bis hinein in unsere Gegenwart. Am Ende steht eine Vision von Freiheit, die noch zu gebären ist.
Portrait
Sabine Scholl, geboren 1959 in Oberösterreich, studierte Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaften in Wien. Nach ihrer Promotion lehrte sie in Aveiro, Chicago, Nagoya und Wien. Zurzeit unterrichtet sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Ihr bisheriges Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter der Rauriser Literaturpreis und Theodor-Körner-Preis (1992), der Österreichische Förderpreis für Literatur (1995) und das Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien (2006) ausgezeichnet. 1996 war sie Jurymitglied des Ingeborg-Bachmann-Preises. Sabine Scholl lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. "Wir sind die Früchte des Zorns" ist ihr vierter Roman.