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Trinkwasser – wertvolles Alltagsgut
Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Als Trinkwasser ist es ein elementares Alltagsgut. Ist Trinkwasser in ausreichender Menge und guter Qualität vorhanden, wird es als Selbstverständlichkeit angesehen. Wie wichtig die Wasserversorgung ist, wird erst klar, wenn sie nicht einwandfrei funktioniert. Ob Verknappung der Wasservorräte in Trockenphasen oder Verunreinigungen des Grundwassers – plötzlich wird die zentrale Bedeutung des Wassers im Alltag klar.
Quellen nah und fern – Anfänge der Basler Wasserversorgung
Die Wasserleitung, die in einem 6,5 Kilometer langen Kanal täglich 24 000 Kubikmeter Wasser von Lausen nach Augusta Raurica transportiert hat, ist ein eindrückliches Zeugnis der Ingenieurskunst der Römerzeit. Es wurde jedoch weniger als Trinkwasser denn zum Betrieb der Badeanlagen verwendet. In Basel beruhte die Trinkwasserversorgung ursprünglich auf lokalen Quellen und Sodbrunnen in der Stadt. Als diese nicht mehr zur Versorgung ausreichten, wurde ab dem 13. Jh. Quellwasser mit Holzrohren, sogenannten Teucheln, aus dem Gebiet der heutigen Gemeinden Binningen, Bottmingen und Riehen zu den städtischen Brunnen geleitet. Bis zur Industrialisierung im 19. Jh. blieb dieses Versorgungssystem der wichtigste Trinkwasserspender der Stadt
In ländlichen Gebieten waren die Dörfer in Tallage seit jeher im Vorteil. Sie hatten eine grössere Auswahl an Quellen zur Speisung ihrer Dorfbrunnen. In den höher gelegenen Ortschaften im Tafeljura waren in der Regel nur wenige Bereiche zum Bau von Brunnstuben geeignet. Weil das Kalkgebirge durch chemische Verwitterung verkarstet, also unterirdische Hohlräume bildet, schwankt das Wasserdargebot der Quellen im Jura stark. In den Monaten August und September tritt deshalb oft eine Wasserarmut auf.
Wachsender Durst in Basel
Um die Mitte des 19. Jh. fanden in Basel viele Leute aus der Umgebung dank der aufstrebenden Industrie Arbeit und liessen sich in der Stadt nieder. Die bestehende Wasserversorgung reichte in der Folge nicht mehr aus. Nach 1860 beauftrage deshalb die Basler Regierung englische Ingenieure mit der Fassung ergiebiger Quellen im Pelzmühletal und im Kaltbrunnental. In einer über zehn Kilometer langen Leitung wurde das Quellwasser in die neu erbauten Reservoirs auf dem Bruderholz geleitet. Der Höhenunterschied zwischen den hoch gelegenen Reservoirs und der Stadt machte zudem die Einführung einer Druckwasserversorgung möglich. Erstmals erhielten die einzelnen Haushalte einen direkten Wasseranschluss, und der tägliche Gang zum Brunnen, der auch sozialer Treffpunkt war, wurde überflüssig.
Grundwasser – neuer Trinkwasserspender
Ende der 1870er-Jahre musste die Wasserproduktionsmenge nach einer weiteren Bevölkerungszunahme erneut vergrössert werden. Ab 1882 wurde Trinkwasser aus dem Grundwasser der Wiese gewonnen. Diese Wasserversorgung in den Langen Erlen wurde sukzessive ausgebaut und ist heute zusammen mit den Anlagen der Hardwasser AG in Muttenz und Birsfelden sowie dem Wasserwerk Reinach und Umgebung die mengenmässig wichtigste Trinkwasserversorgungsanlage der Region Basel. Alle diese Anlagen beziehen das Trinkwasser aus dem Grundwasserstrom des Rheins respektive der Birs.
Parallel zur zunehmenden Nutzung des Grundwassers ging die Bedeutung der Quellen wegen ihrer stark schwankenden Wasserqualität zurück. Die letzten Quellen der Stadt Basel in Binningen und Bottmingen wurden in den 1950er-Jahren aufgegeben, diejenigen im Pelzmühle- und Kaltbrunnental im Jahr 2003. Als Folge des Rückgangs des Wasserverbrauchs in der Industrie und der Wassersparmassnahmen wurde um 2010 mehr Wasser gefördert als verbraucht.
Trinkwasserversorgung kleiner Gemeinden bedroht
Im Gegensatz dazu meldeten verschiedene Gemeinden aus dem Oberbaselbiet eine Verknappung des Trinkwassers in Trockenjahren wie 2003, 2007 und 2011. Im Projekt «Regionale Wasserversorgung Basel-Landschaft 21» wurden sowohl das hauptsächlich mit Grundwasser versorgte Unterbaselbiet und das mehrheitlich mit Quellen versorgte Oberbaselbiet untersucht. Die Prognosen für eine mengenmässig ausreichende Versorgung aus dem Grundwasser sind demnach gut. Für die Hardwasser AG ist die Situation hingegen bezüglich der Qualität problematisch, weil Belastungen durch nahe gelegene Chemiemüll-Deponien nicht auszuschliessen sind.
In den Karstgebieten des Oberbaselbiets dürften aufgrund des Klimawandels vermehrt Versorgungsengpässe auftreten. Zudem wurde die Wasserqualität als kritischer Punkt herausgearbeitet. Eine Regionalisierung durch einen Zusammenschluss verschiedener Wasserversorger und Massnahmen zur Qualitätsoptimierung können diese Probleme lösen. Dazu müssen die verschiedenen Akteure und Entscheidungsträger unter Mithilfe des Kantons Strategien entwickeln, die eine langfristig einwandfreie Trinkwassermenge und -qualität gewährleisten.
Trinkwasser – globale Herausforderung
Die Wasservorräte auf der Erde sind begrenzt. Nur 0,0009 % der riesigen globalen Wasservorräte – ein Würfel mit einer Kantenlänge von 1116 Kilometer – sind direkt verwendbares Süsswasser. Wasser ist, beim allem Überfluss, ein äusserst knappes Gut. Während es in unseren Breiten fast überall direkt vom Wasserhahn getrunken werden kann, muss es in anderen Teilen der Welt mit viel Aufwand aufbereitet oder aus weiter Distanz herangebracht werden. Faktoren wie Bevölkerungswachstum, Klimaveränderung oder Erhöhung des Wasserkonsums erhöhen den Aufwand zur Aufbereitung. Trinkwasser wird knapp. Die Bereitstellung von genügend sauberem Wasser gilt als eine der grössten globalen Herausforderungen im 21. Jh.
DK / Martin Schweizer