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Ende Januar wurde bekannt, dass Kohlberg Kravis Roberts & Co., kurz KKR, als Investor beim deutschen Fussballklub Hertha BSC Berlin eingestiegen ist. KKR ist eine internationale Beteiligungsgesellschaft mit Firmensitz in New York. Sie wurde 1976 von drei Investmentbankern gegründet. Bekannt wurde KKR vor allem durch fremdfinanzierte Unternehmensübernahmen im mehrstelligen Milliardenbereich.
1989 übernahm KKR das Tabak- und Nahrungsmittelkonglomerat RJR Nabisco für 31,4 Milliarden Dollar. Zum damaligen Zeitpunkt war dies die grösste feindliche Übernahme. Mittlerweile war KKR weltweit an Hunderten von Übernahmen massgeblich beteiligt. Hierzu gehört auch die fremdkapitalfinanzierte Übernahme des Energieversorgers TXU im Jahre 2007. Mit einem Gesamtvolumen von 45 Milliarden Dollar ist diese Übernahme der grösste Buyout aller Zeiten.
Bei seinen Beteiligungen und Übernahmen verfolgt KKR das Ziel, die betroffenen Unternehmen durch Restrukturierungen möglichst schnell profitabler zu machen und anschliessend mit Gewinn zu verkaufen. Der Planungszeitraum beträgt dabei in der Regel nur wenige Jahre. KKR sucht deshalb in erster Linie nach schlecht geführten, unterbewerteten Unternehmen mit grossem Restrukturierungspotenzial.
Inwiefern passt nun ein europäischer Profiklub in dieses Beuteschema? Berlin ist mit 3,4 Millionen Einwohnern die mit Abstand grösste Stadt Deutschlands und die fünftgrösste Europas. In der Region Berlin/Brandenburg leben über sechs Millionen Menschen. Das Olympiastadion ist das zweitgrösste Fussballstadion Deutschlands und war Austragungsort des WM-Endspiels 2006.
Gemessen an diesem Marktpotenzial ist die sportliche und wirtschaftliche Performance des Klubs katastrophal. Der Klub war letztes Jahr noch zweitklassig und spielt erst seit diesem Jahr wieder in der 1. Bundesliga. In der Saison 2012/13 erwirtschaftete der Klub einen Verlust von 7,8 Millionen Euro bei einem Umsatz von 57,7 Millionen. Im Vergleich dazu konnte Real Madrid im gleichen Zeitraum einen Gewinn von 36,9 Millionen Euro bei einem Umsatz von 520,9 Millionen erwirtschaften.
Zudem ist der europäische Profifussball ein Wachstumsmarkt. Seit 1985 sind die Umsätze und Vermögenswerte jährlich um 12 bis 15 Prozent gestiegen. Allerdings sind trotz dieser Wachstumsraten nur wenige Klubs profitabel. Viele Klubs sind hoch verschuldet und immer wieder auf fremde Hilfe angewiesen. Die Ursache hierfür liegt darin, dass aufgrund des ruinösen Rüstungswettlaufs die Spielergehälter und Transferentschädigungen oft noch schneller gestiegen sind als die Umsätze.
Deshalb haben sich in der Vergangenheit auch schon zahlreiche Investoren im europäischen Profifussball die Finger verbrannt. Beispielsweise sind die Aktien von Juventus Turin, Olympique Lyon, Sporting Lissabon, Benfica Lissabon, FC Porto, Lazio Roma, AS Roma, Borussia Dortmund, Celtic Glasgow, Bröndby Kopenhagen und Ajax Amsterdam heute nur einen Bruchteil ihres ursprünglichen Ausgabepreises wert. Zahlreiche andere Klubs wurden insolvent. In der Schweiz sind beispielsweise die Fälle FC Lugano, Lausanne Sports, Servette Genf und Xamax Neuenburg noch in Erinnerung.
Solange die europäischen Profiklubs den ruinösen Rüstungswettlauf nicht in den Griff bekommen, wird es für die meisten Klubs schwierig, im operativen Geschäft nachhaltig profitabel zu wirtschaften. Dennoch können Grossstadt- und Traditionsklubs für Investoren interessant sein, da sie als Aufmerksamkeitsplattform ein enormes Wertschöpfungspotenzial aufweisen. Dies zeigt sich nicht nur in der starken Präsenz des Profifussballs in den traditionellen Medien. Auch in den neuen Medien nehmen Fussballklubs Spitzenplätze ein. Der FC Barcelona hat beispielsweise derzeit über 54 Millionen Fans auf Facebook und mehr als 11 Millionen Follower auf Twitter.
Dieses Aufmerksamkeitspotenzial hat in den letzten Jahren reiche Geschäftsleute wie beispielsweise den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch (Chelsea London), Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan (Manchester City), die indonesischen Geschäftsleute Erick Thohir, Rosan Roeslani und Handy Soetedjo (Inter Mailand) und die Qatar Investment Authority (Paris St. Germain) dazu bewogen, mehrstellige Millionenbeträge in europäische Grossstadt- und Traditionsklubs zu investieren.
Offenbar spekuliert KKR darauf, dass in den nächsten Jahren ein Grossinvestor das Potenzial von Hertha BSC Berlin als Aufmerksamkeitsplattform erkennt und den Klub übernehmen möchte. In diesem Fall könnte KKR seine Anteile vermutlich mit Gewinn verkaufen. Allerdings verhindert derzeit die so genannte 50+1-Regel, dass Grossinvestoren deutsche Bundesligaklubs übernehmen können. Dieser Regel zufolge müssen alle Bundesligavereine, die ihre Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft auslagern, mindestens 50 Prozent der Stimmrechte plus ein Stimmrecht an dieser Kapitalgesellschaft kontrollieren.
Bei Hertha BSC Berlin ist die Bundesligamannschaft in eine GmbH & Co. KGaA ausgegliedert, wobei die Stimmrechte bei der vereinseigenen GmbH liegen. Als Kommanditaktionär mit einem Anteil von knapp 10 Prozent kann KKR keine einzige Entscheidung gegen den Willen des Vereins durchsetzten. Insofern sind KKR die Hände gebunden und es bleibt fraglich, ob sich diese Investition nach einigen Jahren rentieren wird. Im günstigsten Fall fällt die 50+1-Regel und eine Grossinvestor erkennt das Potenzial des Hauptstadtklubs. Im ungünstigsten Fall steigt der Klub wieder ab und KKR muss seine Investition abschreiben.