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All that Jazz
“Kansas City” von Robert Altman
Robert Altmans Filme bezogen schon immer eine Gegenposition zu den Mainstream-Produktionen Amerikas. “Kansas City” machte dabei keine Ausnahme und versucht, eine Geschichte mit der Dramaturgie einer Jazz-Jam-Session zu erzählen. Erstmals gibt es nun die deutsche Fassung des 1996 erschienenen Altman-Klassikers auf DVD.
Von Lukas Hunziker.
1936. In Kansas City stehen die Wahlen bevor, deren Ausgang auch über die zukünftigen Rechte der Schwarzen entscheiden wird. Die Stadt ist ein Mekka für Jazzmusiker, die sich in verschiedenen Clubs zu spontanen Konzerten treffen. Einer dieser Clubs wird vom schwarzen Gangsterboss ‘Seldom Seen’ geführt, und als am Vortag der Wahlen der weisse Kleinganove Johnny einen seiner wichtigsten Kunden beklaut, lässt er diesen entführen und zu sich ins Hinterzimmer seines Clubs bringen, um ein bisschen zu “plaudern”. Johnnys Frau Blondie weiss, dass sie ihren Mann nie wieder sehen wird, wenn sie nicht schnell etwas unternimmt. Ohne gross zu überlegen entführt sie die Frau eines einflussreichen Politikers und droht diesem, seine Frau zu erschiessen, wenn Johnny nicht freikomme. Während die Verhandlungen beginnen schlagen sich Blondie und ihre Geisel Carolyn durch eine ereignisreiche Nacht in Kansas City.
Jazzsoundtrack der Sonderklasse
Die Stadt und ihre Jazzszene bilden den Hintergrund für die Geschichte, und die Musik nimmt im Film gar eine Hauptrolle ein. Von Anfang an wird die Story immer wieder durch Szenen einer Jam-Session, welche im “Hey Hey Club” von ‘Seldom Seen’ stattfindet, unterbrochen. Altman trommelte für diese Szene, wie er selbst sagt, “einige der besten Musiker, die es auf der Welt gibt”, zusammen, und liess sie drauf los improvisieren. Die Dramaturgie einer solchen Jam-Session wollte Altman auch für den Film übernehmen, und gestaltete die Handlung entsprechend unvorhersehbar und seine Figuren entsprechend planlos, wenn auch entschlossen. Wie die Musiker macht sich die Entführerin Blondie immer nur Gedanken über den nächsten Moment, ohne ein Ziel vor Augen zu haben, und natürlich wird ihr genau dies zum Verhängnis.
Glänzende Jennifer Jason Leigh
In der Hauptrolle der schrulligen, aufbrausenden, aber grenzenlos verliebten Blondie brilliert Jennifer Jason Leigh, deren schauspielerische Leistung den Film allein schon sehenswert macht. An ihrer Seite spielen Miranda Richardson als Carolyn, und als Gangsterboss ‘Seldom Seen’ Harry Belafonte, der einem mit seiner rauen Stimme und seinem kalten Bösewicht-Blick ebenfalls in den Bann zieht. Bestechend ist aber auch das wiedererweckte Kansas City der 30er Jahre, eine florierende Jazzmetropole, in welcher man nachts aus jeder Tür und aus jedem Fenster ein Saxophon oder ein Klavier zu hören glaubt: Jazzfans werden Altman zu lieben beginnen, Altmanfans den Jazz.
Dem Genre zum Trotz
Einen Thriller oder Roadmovie mit Musikuntermalung zu erwarten wäre jedoch falsch, denn wer Altman kennt, weiss, dass dieser die klassischen Genres vermeidet und meistens sogar bewusst untergräbt. Besonders der Schluss dürfte so manchen Zuschauer eher befremden, und wenn man sich einen Spannungsaufbau gegen den Schluss hin gewöhnt ist, wird sich über das zunehmend langsamere Tempo und den Spannungsabbau im zweiten Teil des Films eher wundern. Wer kein Jazzfan ist und noch nie einen Robert Altman Film gesehen hat, ist gut beraten, sich der kürzlich verstorbenen Filmlegende über zugänglichere Werke zu nähern. Doch hat man sich an die Eigenart Altmans mal gewöhnt, kann und darf man sich auch “Kansas City” nicht verweigern.
Ausstattung
Die DVD bietet anstelle eines ‘Making of’ eine viertelstündige französische Dokumentation zum Film, die enorm dicht ist und den Film sehr professionell analysiert. Einerseits wird auf die historischen Hintergründe eingegangen, andererseits wird gezeigt, wie Altman den Jazz und seine Eigenarten für die Machart des Films genutzt hat. In einem ebenfalls viertelstündigen Interviewteil kommen Regisseur und die drei Hauptdarsteller, sowie Jazzmusiker Joshua Redman, gleicht selbst zu Wort und erzählen über die Arbeit an “Kansas City”. 2 Minuten B-Roll und eine handvoll Trailer runden das Bonusmaterial ab, welches sehr interessant und auf jeden Fall sehenswert ist.
Seit dem 17. August 2007 im Handel.
Originaltitel: Kansas City (USA, Frankreich 1996)
Regie: Robert Altman
Darsteller: Jennifer Jason Leigh, Miranda Richardson, Harry Belafonte
Dauer: 111 Minuten
Bildformat: 1.77:1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 2.0
Bonusmaterial: Einführung, Dokumentation, Interviews, B-Roll, Trailer
Vertrieb: MaxMusic