Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/133855

<h2>SubmittedText<h2><p>Am Samstag, den 27. Oktober 2012 trafen sich Schweizer Geografie-Lehrpersonen zur 101. Jubiläumsfeier ihres Vereins und wandten sich gegen die geplanten Abbaumassnahmen in ihrem Fach. In einem Manifest hielten sie die Bedeutung des Fachs Geografie für die Allgemeinbildung heutiger Jugendlicher fest und forderten eine markante Stärkung des Geografieunterrichts auf allen Stufen!</p><p>1. Ist dem Bundesrat bewusst, wie bedeutend das Fach Geografie für eine gut funktionierende Demokratie ist?</p><p>2. Auch wenn die Kompetenzen des Bundesrates in dieser Sache eingeschränkt sind, interessiert mich sehr, wie er über die Zusammenlegung der Fächer Geografie und Geschichte im kommenden Lehrplan 21 auf Sek-I-Stufe denkt. Findet er diese Massnahme richtig, und warum?</p><p>3. Können Stimmbürgerinnen oder Stimmbürger ohne gute Kenntnisse der Geografie ihre Pflichten bei Abstimmungen kompetent wahrnehmen? Oder meint der Bundesrat, dass es besser ist, wenn die Bevölkerung nicht so gut orientiert ist und sich nur auf die Empfehlungen des Bundesrates und des Parlamentes verlässt?</p><p>4. Frau Professor Dr. Sibylle Reinfried von der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz in Luzern untersuchte und analysierte 170 Abstimmungsvorlagen zwischen den Jahren 2000 und 2009 auf geografisch relevante Informationen und benötigte Kompetenzen ("Demokratie braucht Geografie"). Weiss der Bundesrat, zu welchem Schluss sie gekommen ist?</p><p>5. Die Geografie-Lehrpersonen wollen ihr Fach als Grundlagen- und Ergänzungsfach stärken. Möchte der Bundesrat im Rahmen seiner Kompetenzen diese Bestrebungen unterstützen?</p><p>6. Was gedenkt er weiter zu tun, um die Situation des Schulfachs Geografie zu stärken und zu verbessern, da dieses Fach immerhin von der Unesco als wichtige Säule der Bürgerschaftserziehung (Citizenship Education) betrachtet wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bundesrat ist sich der Bedeutung des Geografieunterrichts sehr wohl bewusst. Die Befähigung des Menschen zur Auseinandersetzung mit seiner Umwelt trägt dazu bei, seine Bereitschaft zur Mitgestaltung des Gemeinwesens zu fördern und somit die Demokratie zu beleben.</p><p>2. Der Lehrplan 21 befindet sich derzeit in der Phase der Erarbeitung. Die Planungsvorgaben der dafür zuständigen Stelle der Kantone, der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz, sehen vor, dass 2013 eine bereinigte Entwurfsfassung vorliegt, die in einer breiten Vernehmlassung öffentlich diskutiert werden soll. Anlass, diesen Diskussionen, in welche auch der Bund mit einbezogen wird, in Abweichung vom regulären Prozessverlauf vorzugreifen, besteht nach der Auffassung des Bundesrates nicht.</p><p>3. Die durch die obligatorische Schule zu vermittelnde breite Allgemeinbildung hat die Bürgerinnen und Bürger der Schweiz zu befähigen, am politischen Leben teilzunehmen. Räumliche Kenntnisse des eigenen Landes, wie sie durch die Geografie vermittelt werden, sind dafür unerlässlich. Was die Information der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger durch den Bundesrat zur Wahrnehmung ihrer Pflichten bei Abstimmungen anbetrifft, so erfolgt sie nach den Grundsätzen der Vollständigkeit, der Sachlichkeit, der Transparenz und der Verhältnismässigkeit (Art. 10a Abs. 2 des Bundesgesetzes über die politischen Rechte vom 17. September 1976).</p><p>4. Der Bundesrat sieht grundsätzlich davon ab, zu nicht in seinem Auftrag erstellten wissenschaftlichen Untersuchungen und Analysen der freien Forschung Stellung zu beziehen. Es steht ihm somit auch nicht zu, sich zu der von der Interpellantin angeführten Studie zu äussern.</p><p>5. Ob dem Fach Geografie im Rahmen einer eventuellen zukünftigen Revision der Verordnung über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen (SR 172.31) eine neue Bedeutung im gymnasialen Unterricht zukommen soll, wird Gegenstand der zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Diskussion sein.</p><p>6. Die Bürgerschaftserziehung ist Bestandteil der politischen Bildung und gehört somit zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, zu deren Verankerung im schweizerischen Bildungssystem sich Bund und Kantone gemeinsam verpflichtet haben. Zu verweisen ist zudem auf die Erklärung 2011 des Eidgenössischen Departementes des Innern, des damaligen Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartementes und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren zu den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen für den Bildungsraum Schweiz. Mit dieser Erklärung bekennen sich Bund und Kantone zur gemeinsam über das gesamte Bildungssystem hinweg vorzunehmenden Förderung der politischen Bildung.</p>  Antwort des Bundesrates.