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- 26. Februar 2019 um 16:50 #577
Beate Fröhning
Liebes Eisen-Forum,
Ihr Therapiesystem ist wirklich wertvoll. Ich würde gerne fragen, inwieweit Sie folgende Dinge erklären können, um weitere Therapieoptionen zu überdenken.
1. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum bei einigen Frauen Eisenmangelsymptome schon bei sehr hohen Ferritinkonzentrationen auftreten?
2. Warum treten die Symptome nach erfolgter Eisentherapie bei zum Vergleich zu vor der Aufsättigung wesentlich höheren Werten erneut wieder auf (z. T. Ferritin 110)?
3. Wenn Symptome wie Erschöpfung, Kopfschmerzen, innere Abgeschlagenheit, Leistungsschwäche, hoher Schlafbedarf, Kälteempfinden schon ab einem Ferritin von 100 wieder auftreten, wäre es nicht auch eine Möglichkeit, dass hier die Schilddrüse nicht richtig arbeitet und die Symptome nicht durch den Eisenmangel direkt, sondern eher durch eine Art Hypothyreose bedingt ist, die sich nicht/nur bedingt in den Blutwerten zeigt? (TPO-Aktivität gehemmt, Konversionsstörungen etc. bei Schilddrüse, wenn Eisenspiegel für ineffizient arbeitende Schilddrüse zu niedrig?)
4. Kann man hier etwas falsch machen, wenn man einfach den Ferritin-Wert hoch genug hält und damit keine Probleme hat oder wären andere Therapieoptionen sinnvoll?
Vielen Dank für Ihre Einschätzung.
Grüße,
Ihre Beate Fröhning
26. Februar 2019 um 20:10 #581
Liebe Frau Fröhning
- Was meinen Sie genau mit sehr hohen Ferritinwerten?
- Die Eisenmangelfrauen in unseren Eisenzentren verfügen über einen durchschnittlichen Ferritinwert von 30 ng/ml. Nach einer Aufsättigung liegt er zwei Wochen nach der letzten Infusion durchschnittlich bei 200 ng/ml. Dann fühlen sich die meisten gesund oder zumindest deutlich besser (Eurofer-Praxisstudie). Wegen der Menstruation verlieren sie wieder regelmässig Eisen, sodass der Ferritinwert wieder absinkt. Die meisten Betroffenen kommen dann wieder in die Praxis, sobald der Wert unter 100 ng/ml fällt. Viele von ihnen fühlen sich dann wieder gleich müde wie vor der Therapie, obwohl Ferritin deutlich höher liegt. Sie haben sich bei einem Ferritin von 30 oft während Jahren an die Müdigkeit gewöhnt. Nachdem sie aber endlich einmal beschwerdefrei wurden, reagieren sie sehr empfindlich, sobald die ersten Rückfallsymptome erscheinen (Memory Effekt).
- Wir überprüfen bei unserer Eisentherapie immer auch die Werte der Schilddrüse, von Zink und den Vitaminen B12 und D. Wir sehen nicht selten, dass sich eine beginnende Schilddrüsen-Unterfunktion durch Eisengaben verbessert. Die Eisentherapie ist ganzheitlich ausgelegt, weil wir die Differenzialdiagnosen immer auch berücksichtigen.
- Wir sorgen dafür, dass Eisenmangelfrauen künftig gleich viel Eisen haben wie die Männer (durchschnittlich 100-200 ng/ml Ferritin). Aufgrund unserer zwanzigjährigen Erfahrung können wir guten Wissens sagen, dass wir damit nichts falsch machen – im Gegenteil! Es wäre falsch, den Eisenmangel nicht zu behandeln.
Freundliche Grüsse, Beat Schaub26. Februar 2019 um 20:32 #586
Beate Fröhning
Sehr geehrter Herr Dr. Schaub,
Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Zu 1: Ich bezog mich mit meiner Frage auf Ferritinwerte von um die 100 bei denen Symptome vollumfänglich (Kopfschmerzen, starke körperliche Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, Schwindel etc.) wieder auftreten. Bei diesen Werten kommen jedoch auch von Kollegen, die sich positiv gegenüber dem Auftreten des Eisenmangelsyndroms äussern, die Aussage, dass dann Symptome durch den Eisenmangel nicht mehr bedingt sein können. Daher meine Frage zu Ihrer Erklärung, welche Vorgänge im Körper bei Werten von etwa Ferritin 100 noch Symptome, außer beginnender Müdigkeit, auslösen können.
Herzlichen Dank und Grüße,
Ihre Beate Fröhning26. Februar 2019 um 21:15 #588
Liebe Frau Fröhning
Jede Frau hat ihre individuellen Frühwarnsymptome. Sobald nach einer erfolgreichen Eisentherapie mit Ferritin 200 später nach einigen Menstruationen wieder Symptome auftreten (in der Regel bei 100), ist die „Eisenschwelle“ erreicht, unter die eine Frau nicht mehr geraten möchte. Bei den einen beginnt dann wieder die Erschöpfung, andere werden dünnhäutig oder leiden wieder an Haarausfall, während bei anderen wieder Kopfschmerzen oder Schwindel auftreten. Es ist derart individuell, dass eine engmaschige Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patientin auf Augenhöhe notwendig ist. Sie schildert ihm ihre Symptome und er sagt ihr den Ferritinwert und gibt das Eisen zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Dosierung.
Freundliche Grüsse, Beat Schaub26. Februar 2019 um 22:21 #590
Nadia Coin
Guten Abend
Ich kann das bestätigen mit der “Eisenschwelle die bei mir weit über 100 liegt.”Besonders sensibel reagiere ich bei den Symptomen Muskelschmerzen und Müdigkeit schon von Menstruation zu Menstruation.Deshalb erachte ich für wichtig das die Eisentherapie nicht ein Anfang und ein Ende hat,sondern um gesund zu leben brauchen Frauen die im Menstruationsalter sind und Eisenmangelsymptome haben regelmässig Eiseninfusionen damit der “persönliche Ferritinwert”wegen der Monatsblutung nicht in einen Bereich sinkt wo Beschwerden wieder auftauchen können.
Nadia Coin26. Februar 2019 um 22:59 #591
Nadia Coin
Bezüglich Muskelschmerzen erhalte ich nebst den Eiseninfusionen auch regelmässig Vitamin D, dies wirkt sich bei mir positiv auf die Muskelschmerzen aus.Das Vitamin B12,Zink und die Schilddrüsenwerte werden auch beobachtet.
Nadia Coin1. März 2019 um 12:37 #611
Beate Fröhning
Sehr geehrter Herr Dr. Schaub,
Ich hätte noch eine Rückfrage zu der von Ihnen genannten Formel zur Berechnung der notwendigen Eisenmenge.
Meine Werte (vor 3,5 Monaten):
Beckman Ferritin 101 ng/ml
Hb 13.9 g/dl
Transferrinsättigung 29 %
Lösl. Transferrin Rezeptor 0,93 mg/l
CRP 《 0,4 mg/dl
Wenn ich diese Werte in die Formel eingebe, komme ich auf einen Wert von 90 mg Eisen.
Ich hatte bei diesen Werten deutliche Symptome wie Erschöpfung, Müdigkeit, Leistungsschwäche, Schwummrigkeit im Kopf, innere Unruhe.
Ich habe vor 3,5 Monaten 4 Infusionen mit Venofer mit jeweils 200 mg erhalten. Der Ferritinwert liegt nun bei 215. 2 Wochen nach den Infusionen lag er bei 318.
Alle Symptome sind verschwunden und mir geht es richtig gut.
Ich verstehe nur nicht, wie das nun sein kann, wenn ich von den Werten eigentlich her nicht so viel Eisen gebraucht hätte, aber es mir so deutlich besser geht. Daher auch meine initiale Frage, ob es dort eventuell noch andere Zusammenhänge gibt.
Vielen Dank für Ihre Einschätzung.
Herzliche Grüße,
Ihre Beate Fröhning1. März 2019 um 13:02 #612
Liebe Frau Fröhning
Die Formel 1152 ist für „Anfangspatienten“ vor der Aufsättigungstherapie mit einem Ferritinwert unter 50 ng/ml konzipiert. Ihre Löslichen Transferrinrezeptoren wurden wahrscheinlich nicht nach Roche gemessen, was für 1152 eine weitere Voraussetzung wäre. Sie haben rückblickend gesehen gut dosiert, was sich ja auch im Therapieerfolg niederschlägt.
Freundliche Grüsse, Beat Schaub
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