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Fische sind intelligente und soziale Lebewesen mit individuellen Persönlichkeiten, die Angst, Freude und Schmerz empfinden. Manche können sich im Spiegel erkennen, menschliche Gesichter unterscheiden, Werkzeuge benutzen, gemeinsam mit Fischen anderer Arten oder sogar mit Kraken auf Nahrungssuche gehen, miteinander kommunizieren und enge Freundschaften schliessen – auch mit Menschen. Manche Rifffische singen sogar wie Vögel in der Morgen- und Abenddämmerung im Chor.
Dennoch werden die Tiere oft nicht als empfindungsfähige Lebewesen wahrgenommen, sondern als leblose Ware. In der Nahrungsmittelindustrie werden sie meist in Tonnen gezählt, nicht als Individuen. Diese Betrachtungsweise fördert die Grobheit gegenüber den Wasserlebewesen und ihren masslosen Konsum – Fische sind die am meisten gefangenen, gezüchteten und verzehrten Tiere. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wurden 2018 durch kommerzielle Fischerei und Aquakultur rund 180 Millionen Tonnen Fische getötet. Das entspricht 20,5 Kilogramm Fischfleisch pro Kopf. [1] Doch wie viele Individuen sind das?
Laut Schätzungen von Wissenschaftlern aus dem Jahr 2019 war die kommerzielle weltweite Fischerei mit ihren riesigen Netzen im Zeitraum von 2007 bis 2016 jedes Jahr für den Tod von durchschnittlich 790 Milliarden bis 2,3 Billionen Fischen verantwortlich. [2] Hinzu kommen 51-167 Milliarden Fische aus der Aquakulturproduktion. [3]
Doch woher kommen die unzähligen Fische, die auf den Tellern landen? Um der Gier der Menschen nach Fischfleisch auch nur ansatzweise gerecht werden zu können, werden nicht nur die Meere regelrecht leergefischt, sondern auch massenhaft Tiere in der sogenannten Aquakultur gezüchtet.
Die Qualen der Wassertiere durch die Fischerei
Unter dem Begriff «Fischerei» versteht man den Fang lebender Fische und anderer Wassertiere. Grundsätzlich werden die Tiere mit verschiedenen Netzfangmethoden gefangen, zum Beispiel mit Treib- oder Schleppnetzen. In diesen Netzen verfangen sich unzählige Fische sowie andere Meerestiere, die als unerwünschter «Beifang» bezeichnet werden. Viele dieser Tiere werden sterbend oder tot ins Meer zurückgeworfen.
Die Netze verbleiben teils über viele Stunden im Wasser, sodass die darin gefangenen Tiere oft lange leiden und teilweise elendig sterben. Sobald die Netze an die Wasserfläche hochgezogen werden, können die Tiere nicht mehr atmen und ersticken langsam – teilweise leiden sie stundenlang. Durch den Druckunterschied zwischen Wasser und Luft kann es zu Verletzungen kommen; oftmals platzt die Schwimmblase oder der Magen quillt aus dem Mund und die Augen aus den Höhlen. An Bord von Fischereifahrzeugen werden die Tiere aus dem «Massenfang» nicht betäubt, sondern ersticken oder werden oft bei lebendigem Leib zerstückelt oder aufgeschnitten.
Weitere Opfer der Fischerei und die Zerstörung des Ökosystems
Ein grosses Problem der Fischerei stellt der Beifang dar – also alle Fische und anderen Meerestiere, die sich in den Netzen verfangen, aber kommerziell nicht «verwertet» werden. Dies sind bis zu 40 % der gefangenen Tiere, geschätzte 63 Milliarden Pfund, rund 30 Millionen Tonnen, also viele Milliarden Tiere. [4] Die billigende Inkaufnahme dieser unfassbar hohen Opferzahl verdeutlicht, dass der wirtschaftliche Gewinn in der Fischereiindustrie über dem Tierwohl und der Erhaltung des Ökosystems steht. Mit ihren Netzen zerstört die Fischerei den Meeresboden und fängt neben Fischen auch Delfine, Haie oder Schildkröten. Auch sie ersticken oft in den Netzen oder an Bord der Schiffe, da sie oft nicht oder zu spät ins Wasser zurückgeworfen werden. In den 1990er-Jahren kamen in Fischereinetzen jährlich 650’000 Meeressäuger sowie Zehntausende Meeresschildkröten ums Leben. [4]
Unzählige entsorgte Netze treiben als «Geisternetze» in den Ozeanen und führen zum Tod zahlreicher Tiere, die sich in ihnen verfangen und ersticken. Die Netze zerstören zudem Ökosysteme wie Korallenriffe, die Lebensräume für Tausende von Tierarten bieten. Sie verbleiben als Plastik in den Ozeanen. Insgesamt 46 % des «Great Pacific Garbage Patch»-Müllstrudels bestehen aus Geisternetzen [5]
Aquakultur – keine tier- oder umweltfreundliche Alternative
Aquakulturen werden auch Fischfarmen oder «Massentierhaltungen im Wasser» genannt. Sie wurden in den 1970er-Jahren zum Schutz und zur Rettung von überfischten Wildbeständen eingeführt, denn die Gier des Menschen nach Fischfleisch und anderen Meerestieren konnte durch die Gewässer dieser Welt nicht mehr gedeckt werden. Leider haben sich diese Anlagen für Fische und die Umwelt jedoch zu einer wahren Katastrophe entwickelt.
In der Aquakultur werden Fische unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet und gemästet – mit mehr als 82 Millionen Tonnen pro Jahr sind das beinahe die Hälfte der weltweit konsumierten Fische. [1] Die Tiere fristen ein kurzes, miserables Leben, zusammengepfercht in viel zu kleinen Behältern oder Netzkäfigen, in denen sie ihren natürlichen Verhaltensweisen nicht nachgehen und sich beispielsweise nur eingeschränkt fortbewegen und nicht zurückziehen können. Die Fische «schwimmen» im trüben Wasser ihrer eigenen Fäkalien, werden oft von Parasiten befallen und sind aufgrund der extremen Enge oftmals gestresst, frustriert, aggressiv und krankheitsanfällig. Krankheiten werden vielfach durch die Gabe von Antibiotika und Chemikalien bekämpft, die über die Nahrungskette auch auf unseren Tellern landen. Zudem verunreinigen die Rückstände dieser Substanzen auch die Küstengewässer in der Nähe der Anlagen, was eine zusätzliche Gefährdung für die Meeresbewohner bedeutet.
Viele Fische in der Aquakultur sind Fleischesser, die mit Fischen aus dem Meer ernährt werden. Laut einer 2019 erfolgten Auswertung von Wissenschaftlern wurden zwischen 2007 und 2016 jedes Jahr durchschnittlich zwischen 500 Milliarden und einer Billion Fische gefangen. Dies verdeutlicht, dass mehr Fische gefangen werden, um aus ihnen Fischmehl und Fischöl herzustellen, als Fische gezüchtet werden. [6]
Fischzuchten im Trend in der Schweiz
In der Schweiz stammen rund 95 Prozent des konsumierten Fischfleischs aus dem Ausland – das entspricht 70’000 Tonnen pro Jahr. Die «Berufsfischerei» in der Schweiz nimmt seit Jahren ab, doch die Tiere werden nun vermehrt in Zuchtanlagen gezüchtet. Beispielsweise wurde die Migros-Tochter Micarna 2020 mit jährlich 240 Tonnen Egli und Felchen zur grössten Fischzüchterin der Schweiz – auch unter dem Vorwand der Nachhaltigkeit. [7] Eine solche Massentierzuchtanlage ist jedoch nicht nur Tierquälerei, sondern auch keineswegs nachhaltig. Wenn all diese fleischessenden Fische mit wild gefangenen und zu Fischmehl und Fischöl verarbeiteten Fischen gemästet werden, sterben jedes Jahr unzählige wild gefangenen Fische, nu um die Schweizer Egli und Felchen zu ernähren.
Das Problem der Überfischung
«Überfischung» bezeichnet den Zustand, dass mehr Fische gefangen und getötet als neue geboren werden, was gesamte Fischpopulationen dezimiert. Einige Arten hat dies bereits an den Rand des Aussterbens geführt. So gilt zum Beispiel der Kabeljau laut der Roten Liste der IUCN als gefährdet, und auch viele Haiarten sind vom Aussterben bedroht. Die Zahl der Opfer steigt stetig, unter anderem, weil die Fischereischiffe in immer grösseren Tiefen fischen. Ausserdem werden zunehmend unbekannte Fischarten sowie kleinere und jüngere Fische gefangen, die meist noch keinen Nachwuchs haben.
Seit den 1950er-Jahren hat sich die jährliche Menge des gefangenen Fisches vervielfacht – von global 12,8 Millionen Tonnen auf 90 Millionen Tonnen. Dies hat unter anderem bei Arten wie Thunfisch, Schwertfisch und Hai zu einem Populationsrückgang von 90 Prozent geführt. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten mit Stand 2018 bereits 33 Prozent aller globalen Fischbestände als bis an die biologische Grenze befischt, während weitere 60 Prozent bereits völlig erschöpft sind. Laut des UN-Umweltprogramms UNEP ist spätestens 2050 weltweit keine kommerzielle Fischerei mehr möglich, wenn Fische auch künftig mit der gleichen Geschwindigkeit dezimiert werden. [8]
«Nachhaltige Fischerei» und «Labels» sind reines Greenwashing
Die gesellschaftliche Diskussion zu den Themen Überfischung und Beifang-Problematik hat eine Debatte bezüglich nachhaltiger bzw. ökologischer Fischerei. Hierzu gehören unter anderem die Abschaffung des Beifangs, die Erhaltung von Ökosystemen und die Errichtung von Schutzzonen. Knapp 30 Prozent der europäischen Meeresgewässer sind als Schutzgebiete (Marine Protected Areas, MPA) ausgewiesen. Leider bedeutet dies jedoch NICHT, dass in diesen Gebieten keine Fischerei erfolgt. In vielen der MPA ist sogar die Schleppnetzfischerei erlaubt – laut einer GEOMAR-Studie ist die Schleppnetzintensität in MPA im Durchschnitt 40 % höher als ausserhalb der Schutzgebiete. [9]
Auch vermeintlich nachhaltige Gütesiegel wie «Master Stewardship Council» (MSC), «Aquaculture Stewardship Concil» (ASC) oder «Friend of the Sea» (FOS) dienen eher dazu, das Gewissen der Verbraucher beim Konsum von Fischfleisch zu beruhigen. Meist sind die Standards und die Anforderungen an die Zertifizierung zu schwach, unklar formuliert oder können nicht nachgewiesen werden, um ein Label zu erhalten. Teilweise müssen auch nicht 100 Prozent der Standards erfüllt werden. Daher landen trotz Siegel immer wieder gefährdete Fische auf dem Teller; Millionen von Tieren werden weiterhin getötet, Beifang wird nach wie vor vernichtet und die Umweltzerstörung immer weiter vorangetrieben. Der Profit steht weiterhin über dem Wohl der Tiere. [10]
Fische fühlen Schmerzen
Fische sind Wirbeltiere – wie wir Menschen. Als Wirbeltiere besitzen sie ein Gehirn, Schmerzrezeptoren und ein zentrales Nervensystem. Schmerzen und Todesangst äussern die Fische in einer für den Menschen nicht hörbaren Art, wodurch es manchen Menschen schwerfällt, sich ihr Leid vorzustellen und das gleiche Mitgefühl wie für einen Hund oder eine Katze zu empfinden. Doch allein die Tatsache, dass Fische beim Fang heftig zappeln und nach Sauerstoff schnappen, verdeutlicht, dass sie verzweifelt um ihr Leben kämpfen. Verhaltensbeobachtungen haben gezeigt, dass sich das Verhalten der Tiere nach der Gabe von Schmerzmitteln wieder normalisierte. [11] Verschiedene internationale Studien bestätigen, dass Fische Schmerzen empfinden und dass ihre Schmerzrezeptoren denen von Säugetieren sehr ähnlich sind. [12, 13, 14, 15, 16] Viele Fische sind noch bei Bewusstsein, wenn sie aufgeschnitten, ausgenommen oder lebend auf Eis gelegt werden – Betäubung erhalten sie keine. Oftmals ringen sie ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums, des Wassers, stundenlang mit dem Tod und ersticken dann qualvoll.
Was Sie gegen das Tierleid in der Fischindustrie tun können
Fischfang und Aquakultur fügen Fischen und anderen Wassertieren enormes Leid zu. Daneben führen sie zur Überfischung mit katastrophalen Folgen für die Meere und nicht zuletzt zu gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher. Es ist daher höchste Zeit, Fischfleisch vom Speiseplan zu streichen.
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QUELLEN
[1] Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen: Aquarienfische, https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tierschutz/heim-und-wildtierhaltung/fische.html, (eingesehen am 12.11.2021)
[2] Statista (2021): Anzahl der Haustiere in der Schweiz nach Tierart, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/373879/umfrage/anzahl-der-haustiere-in-der-schweiz-nach-tierart/, (eingesehen am 12.11.2021)
[3] Lee, Jane J. (2014): Do You Know Where Your Aquarium Fish Come From?, https://www.nationalgeographic.com/animals/article/140718-aquarium-fish-source-sustainability-animals-ocean-science, (eingesehen am 12.11.2021)
[4] Millar, Natalie (2013): 98 % of marine fish headed für aquarium trade die within a year in the Philippines, https://news.mongabay.com/2013/10/98-of-marine-fish-headed-for-the-aquarium-trade-die-within-a-year-in-the-philippines/, (eingesehen am 12.11.2021)
[5] Vail AL, Manica A& Bshary R. 2013Referential gestures in fish collaborative hunting. Nat. Comm. 4, 1765, https://www.nature.com/articles/ncomms2781, (eingesehen am 15.11.2021)
[6] Thomas W. Pike, Jeremy R. Kendal, Luke E. Rendell, Kevin N. Laland, Learning by proportional observation in a species of fish, Behavioral Ecology, Volume 21, Issue 3, May-June 2010, Pages 570–575, https://doi.org/10.1093/beheco/arq025, (eingesehen am 15.11.2021)
[7] Sneddon, Lynne U. (2019): Evolution of nociception and pain: evidence from fish models. In: Philosophical Transactions of the Royal Society B. London: The Royal Society