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Prägende Persönlichkeiten
Johann Rudolph Zeender (1650-1730)
ist der Begründer der ersten öffentlichen naturkundlichen Sammlung in Bern. Als Mitglied des Grossen Rats und der Bilbliothekskommission richtete er im Jahr 1694 in der Stadtbibliothek ein Naturalienkabinett ein: „sithero aber und derselbe sich under Mh: der Curatores Bibliothecae Zahl et Mineralibus. Zum profit gemeiner Bibliothec“.
Daniel Sprüngli (1721-1801)
Pfarrer in Stettlen, lebte ab 1775 aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen als Privatgelehrter auf dem Gut "Baumgarten" im Berner Schosshaldenareal. Einen 1789 von der Berner Akademie angebotenen Lehrstuhl für Naturgeschichte lehnte ab. Als Naturwissenschaftler war er jedoch europaweit bekannt, und 1779 machte ihm Johann Wolfgang Goethe einen Besuch. Neben einer Fossiliensammlung von unbekanntem Umfang besass Sprüngli eine für damalige Verhältnisse unvergleichlich vollständige Vogelsammlung: Von den 220 in der Schweiz nachgewiesenen Vogelarten fehlten darin nur 12. Nach seinem Tod wurde die Sammlung von der Bibliothek angekauft und 1802 im Naturalienkabinett aufgestellt. Leider existiert davon nur noch 1804 der von Friedrich Meisner verfasste Katalog, als einziges Objekt der Sprünglischen Sammlung hat ein kürzlich wiederentdecktes Goldhähnchennest (aus dem Jahr 1765) überlebt. Sprünglis umfangreiches handschriftliches Werk über die Vögel der Schweiz – die "Ornithologia Helvetica" – wird heute in der Burgerbibliothek Bern aufbewahrt.
war Pfarrer an der Heiliggeistkirche in Bern. Zusammen mit Samuel Emanuel Studer gehört er zu den Pionieren der Berner Naturforschung. Er war korrespondierendes Mitglied mehrerer gelehrter Gesellschaften in der Schweiz und im Ausland. Zusammen mit befreundeten Naturforschen gründete er 1786 die „Privatgesellschaft naturforschender Freunde in Bern“, aus der 1815 die Naturforschende Gesellschaft in Bern hervorging. Noch im gleichen Jahr war er zusammen mit Wissenschaftlern aus Genf und aus der Waadt an der Gründung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft beteiligt (heute Schweiz. Akademie der Naturwissenschaften, SANW). Als vielseitig interessierter Wissenschaftler beschäftigte er sich mit Botanik, Geologie und Zoologie, zeitweise lehrte er Naturgeschichte am 1798 gegründeten medizinischen Institut der Berner Hochschule, gab diese Lehrtätigkeit jedoch wieder auf (1805), um sich vermehrt seinen pastoralen Pflichten, der Familie und seinen Sammlungen widmen zu können. Internationales Ansehen gewann er durch seine eigenen Reisen in den Alpen, insbesondere im Gebiet der Grimsel; viele Reisende erfragten später dazu seinen Rat. Das Gemälde von 1818 zeigt ihn mit Objekten aus dem Alpenraum. Als Mitglied der Bibliothekskommission und insbesondere des Naturgeschichtlichen Comitees war er der Hauptverantwortliche für das Museums und führte die zahlreichen in- und ausländischen Besucher durch die Sammlungen in der Bibliotheksgalerie.
Gemälde von P. Recco, 1818, NMBE
Samuel Emanuel Studer (1757-1834)
war bis 1796 Pfarrer in Büren, danach Professor für Theologie an der Berner Akademie. Naturwissenschaftlich war er breit interessiert und befasste sich u.a. mit der Geologie der Alpen, Meteorologie und Entomologie. Als Malakologe (Weichtierkundler) war er international bekannt, und seine im NMBE aufbewahrte Sammlung ist noch heute für die Fachwelt bedeutsam. Zusammen mit J.S. Wyttenbach war er ein aktives Mitglied der „Privatgesellschaft naturforschender Freunde“, und Mitbegründer der Naturforschenden Gesellschaft in Bern und der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. Als Mitglied der Bibliothekskommission setzte er sich mit grossem Eifer für die naturkundliche Sammlung in der Bibliotheksgalerie ein.
Gemälde von P. Recco, 1816, NMBE
Erster Professor für Geologie an der Universität Bern. Von 1832 bis zu seinem Tod Mitglied der Museumskommission. 1820-1870 Konservator der erdgeschichtlichen Abteilung. Als berühmtester Alpengeologe seiner Zeit förderte er im Museum vor allem den Ausbau der regionalen geologischen Sammlungen. Zusammen mit Arnold Escher v.d. Linth trug er in mehrfacher Ausgabe eine Sammlung von 102 Proben von „Gebirgsarten aus Bündten“ zusammen. Diese Sammlung wurde vom Museum im Verkauf und im Tausch abgegeben. Träger des Ordens “Pour le mérite“ (1882).
Edmund von Fellenberg (1838-1902)
Bergingenieur (Studium in Freiberg, Sachsen), Geologe, Mineraloge, Archäologe und Alpinist (Gründungsmitglied des SAC). Ab 1866 Mitglied der Museumskommission (Präsident 1890-1899). 1866-1882 Konservator der Ethnographischen Sammlung (heute im Bernischen Historischen Museum), 1888-1899 der erdwissenschaftlichen Abteilung. 1881 Schenkung einer mehrere tausend Stufen umfassenden Sammlung von Mineralien und vieler weiterer Proben in späteren Jahren. Die Sammlung Edmund von Fellenberg machte aus einer eher unbedeutenden Regionalsammlung eine von europäischem Rang. Viele der von ihm geschenkten Mineralien befinden sich auch heute noch in der Ausstellung. Ein bedeutender Teil seiner Schenkung sind Mineralien aus Sachsen.
seit 1871 am NMBE angestellt als Konservator, ab 1878 Professor für Zoologie und Vergleichende Anatomie an der Tierarzneischule in Bern, war. 1874-76 Weltumsegelung im Auftrag der Deutschen Admiralität an Bord der Fregatte „Gazelle“; das meiste gesammelte Material ist heute im Museum für Naturkunde in Berlin aufbewahrt. Ein Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Laufbahn war das Präsidium des VI. Internationalen Zoologen-Kongresses, der 1904 in Bern stattfand.
Während 50 Jahren (1872-1922) war er nebenamtlich als Konservator für die zoologischen Sammlungen des Museums zuständig; in dieser Funktion war er Mitglied der Museumskommission, die er von 1911 an bis zu seinem Tod auch präsidierte. Vielseitige wissenschaftliche Interessen, u.a. für die Ornithologie (Initiant und Herausgeber des Katalogs der Vögel der Schweiz, zusammen mit Victor Fatio aus Genf). Besondere wissenschaftliche Anerkennung erhielt er durch seine Forschungsarbeiten über die Domestikation des Haushunds, auf welche die bedeutende kynologische Sammlung des NMBE (Sammlung der Albert Heim-Stiftung für kynologische Forschung) zurückgeht.
Eduard Gerber (1876-1956)
Geologe und Seminarlehrer, Leiter der erdwissenschaftlichen Abteilung 1907-1955, Mitglied der Museumskommission 1907-1933 (1922-1931 als Präsident). Weit über 100 wissenschaftliche Publikationen über die Geologie des Kantons Bern und zu paläontologischen Fragen sind Zeugen seiner Tätigkeit im Museum. Bedeutende Mitarbeit bei der Einrichtung der Ausstellungen im 1934 an der Bernastrasse eröffneten Museumsgebäude, vor allem bei der Ausstellung „Geologie des Kantons Bern“. Seine Tagebücher sind eine detaillierte Quelle zur Museumsarbeit während fast 50 Jahren. Aufnahme der geologischen Karten Bern und Fraubrunnen-Burgdorf, osteologische Bearbeitung von Säugetierfunden aus archäologischen Ausgrabungen, Verfasser zahlreicher geologischer Gutachten. Seine Tätigkeit fand in vielen populärwissenschaftlichen Artikeln Niederschlag.
Bernard und Vivienne von Wattenwyl (1877-1924 bzw. 1900-1957)
Wie niemand zuvor hat Bernard von Wattenwyl als Initiant der Afrika-Dioramen das Museum über 70 Jahre hinweg geprägt. Seine Idee, afrikanische Grosstiere zu jagen und sie in Dioramenform zu präsentieren, wurde vom damaligen Museumsdirektor Franz Baumann aufgegriffen und realisiert; sie führte zu einem neuen Museumsgebäude, zur Gründung eines Fördervereins (Verein des Naturhistorischen Museums Bern) und zu einer völligen Neuausrichtung der Museumsaktivitäten, nämlich der Konzentration auf Schausammlungen.
Während der Jagdexpedition kam Vater Bernard ums Leben, doch seine 24jährige Tochter führte zusammen mit den afrikanischen Jägern und Trägern das Unternehmen erfolgreich zu Ende.
Zoologe, Schüler und Assistent Theophil Studers. 1910 Doktorat über die „Biologie der Stockhornseen“, ab 1910 durch Studer mit der Neuordnung der zoologischen Sammlungen des Museums betraut. 1912 Habilitation, Lehrauftrag über die Wirbeltierfauna der Schweiz und Parasitenkunde, 1921 zum ausserordentlichen Professor befördert. Nach dem Tod Theophil Studers zum nebenamtlichen Vorsteher der zoologischen Abteilung des Museums ernannt, erhielten sein Leben und das Museum eine völlig neue Ausrichtung durch das Angebot Bernards von Wattenwyls, für das Museum afrikanische Grosstiere zu jagen und sie in Dioramen zu präsentieren. Dies bedingte nicht nur neue Räumlichkeiten – realisiert wurden sie im neuen Museumsbau an der Bernastrasse (1930-32) - sondern auch die Reorganisation des Museumsbetriebs: In der Person von Georg Ruprecht wurde ein hervorragender Tierpräparator ins Museum geholt (die früheren Präparatoren versahen jeweils gleichzeitig auch den Hauswart- und Aufsichtsdienst), und mit einer Schreinerei und Metallwerkstatt wurde die Infrastruktur für den Bau der Dioramen bereitgestellt. Dies alles führte allerdings zu einer hauptsächlich auf den Schaubetrieb ausgerichteten Tätigkeit des Museums in den nächsten 60 Jahren, und erst mit der Erweiterung liessen sich die verschiedenen Aktivitäten (Ausstellungen, Sammlungsbetreuung, Forschung) in ein angemessenes Gleichgewicht bringen.
Nach dem Erfolg der Afrikadioramen begann Baumann damit, auch die heimischen Säugetiere und Vögel der „Heimatsammlung“ in Dioramen zu präsentieren. 1943 wurde die Direktorenstelle zum Vollamt ausgebaut und Baumann zum ersten vollamtlichen Direktor ernannt; wobei er gleichzeitig die zoologische Abteilung leitete. 1952 trat er in den Ruhestand. Zum Nachfolger wurde sein Assistent, Dr. Walter Küenzi (1893-1977) bestimmt.
Bild: NMBE
Georg Ruprecht (1887-1968)
Tierpräparator, gebürtig aus Kallstadt (Pfalz), dann am Senckenberg-Museum in Frankfurt tätig. Im Hinblick auf die Präsentation afrikanischer Grosstiere wurde ein hervorragender talentierter Präparator gesucht und gefunden. Die Grosstiere präparierte er in der „dermoplastischen“ Methode nach Ter Meer: die Haut wurde auf einen mit allen anatomischen Details modellierten Körper aufgezogen. Zusammen mit dem Zeichenlehrer Heinrich Würgler aus Meiringen (1898-1986) gestaltete er die afrikanischen Landschaftsbilder, in welchen die Tiere gezeigt werden. Obwohl weder Ruprecht noch Würgler je in Afrika waren und sich bloss auf Schwarzweiss-Fotos und Ihre Phantasie abstützen mussten, werden die Afrika-Dioramen auch von Experten als hervorragend naturgetreu eingeschätzt.
Zu den verschiedenen Lehrlingen, die Ruprecht ausbildete, gehört auch Kurt Küng (*1933), der 1948 seine Lehre begann und von 1958-90 als Chefpräparator tätig war und die Tradition des Dioramenbaus fortführte.
Photopress
Nach dem Doktorat in Bern Forschungsassistent an der Universität Strassburg, wo er sich mit der Morphogenese von Gehirn und Schädel des Haushuhns beschäftigte. 1951 kam er als Konservator für Entomologie ans Museum und habilitierte er sich 1957 an der Universität Bern, die ihn 1965 zum ausserordentlichen Professor (im Nebenamt) ernannte. 1970 wurde er Leiter der neu gegründeten Abteilung Wirbeltiere am Zoologischen Institut. 1964 wurde ihm die Direktion des Museums übertragen; bei dieser Gelegenheit wurden die zoologischen Sammlungen des Museums in zwei Abteilungen aufgeteilt; Wirbellose Tiere und Wirbeltiere . Sein Forschungsinteresse lag im Bereich der Osteologie und Funktionsmorphologie von Wirbeltieren, v.a. in Veränderungen im Zusammenhang mit der Domestikation des Haushunds; dabei bemühte sich besonders um den Ausbau der kynologischen Sammlung. Er publizierte über 20 Arbeiten über Morphologie (hauptsächlich Schädelmorphologie) des Hundes. Die damals räumlich und personell eng gezogenen Grenzen für wissenschaftliche Arbeit am Museum überwand er durch Verlagerung seiner Forschungsinteressen an die Universität; hier fand er motivierte Mitarbeiter für die oft anstrengende Feldarbeit: Die Wildbiologie wurde so zu seiner zweiten Domäne. 1980 war er Mitbegründer der Schweizerischen Gesellschaft für Wildforschung, der er bis zu seinem Tod als Präsident vorstand. Als Museumsdirektor und Wildbiologe bemühte er sich erfolgreich um die Errichtung eines Jagdmuseums - des Schweizer Museums für Wild und Jagd - im Schloss Landshut (Eröffnung 1968), in welchem neben wildbiologischen Ausstellungen dank vertraglicher Abmachungen mit der Burgergemeinde Bern auch die grossartige Jagdhistorische Sammlung La Roche (Privatbesitz) zu sehen ist. Eine letzte grosse Aufgabe fiel ihm 1978 zu: die Museumserweiterung im Rahmen des „Kulturgüterzentrums Kirchenfeld“. Deren Abschluss – er erfolgte erst 20 Jahre später - konnte er nicht mehr erleben. Als führendes Mitglied der Planungskommission trug er jedoch entscheidend zum heute realisierten Neubau (und zu dessen Trennung von den benachbarten Museumsgebäuden) bei, und mit Recht gilt er als einer der geistigen Väter des Konzepts einer Berner „Museumsinsel“.
Foto: NMBE