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Wer heute die phantastische Welt des Swiss Vapeur Parc in Le Bouveret entdeckt, wird kaum erahnen, dass der Ursprung dieser in Europa wohl einmaligen Anlage an einem ganz anderen Ort liegt, nämlich in Aigle, auf der gegenüberliegenden Seite des Rhone-Tals.
Bereits in den 70er Jahren war der Modellbau von Dampflokomotiven in den Spuren 5 und 7 1/4 Zoll in der Region um den Genfersee und im unteren Rhone-Tal ein weit verbreitetes Hobby. In den diversen Werkstätten der Dampfenthusiasten entstanden die schönsten Lok-Modelle. Was allerdings fehlte, war eine Gleisanlage, um den edlen Maschinen auch die nötige Ausfahrt zu bieten. Die Voraussetzung zur Verwirklichung dieses Vorhabens war der Zusammenschluss zu einem Verein.
Am 30. Oktober 1979 wurde der Club Vapeur Aigle gegründet. Sofort begannen die Aktiven mit der Errichtung einer Gleisanlage im Stadtpark St-Pierre von Aigle. Unter der Federführung des ersten Präsidenten des CVA, Willy Schaerer, legte sich die Gruppe gewaltig ins Zeug, und schon nach wenigen Monaten, genauer am 3. Februar 1980, konnten die ersten Fahrversuche unternommen werden.
Der für die Spuren 5 und 7 1/4 Zoll errichtete Rundkurs wies eine Länge von 300m auf. Er hatte zehn Anheizgleise um eine Drehscheibe herum angeordnet und verfügte sogar über einen 6m-langen Tunnel. Am 4. März 1980 wurde die Strecke offiziell eingeweiht. Die 22 Mitglieder des Clubs konnten stolz auf das bis dahin Geleistete blicken, und vom 31. Mai bis zum 1. Juni 1980 fand das erste Dampffestival in Aigle statt.
Diese, dann jährlich stattfindenden Festivals wurden rasch berühmt und sind bis heute Anziehungspunkte für Modellbauer aus dem In-und Ausland. Und dies nicht alleine wegen des damit verbundenen Erfahrungsaustausches unter den Modellbauern, sondern auch wegen der kulinarischen "Highlights" - leben wir doch hier im französischsprachigen Teil der Schweiz, mit der entsprechenden Einstellung zu gutem Essen und Trinken.
Bisher waren auf der Anlage nur private Lokomotiven zum Einsatz gekommen, doch 1982 kam die erste clubeigene Lokomotive hinzu, nämlich eine "Mölm" in der Spurweite 7 1/4 Zoll erbaut von der Firma Ch.Ball.
Auch an der Anlage wurden laufend Verbesserungen vorgenommen, aber es wurde immer deutlicher, dass der bestehende Rundkurs ohne zusätzliche Erweiterungen den zukünftigen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden konnte. Leider verliefen die Gespräche mit der Stadtverwaltung bezüglich einer Erweiterung der Anlage ohne brauchbare Ergebnisse. Gegensätzliche Meinungen über die Nutzung der vorhandenen Flächen verhinderten eine Einigung. So konnte vom 20. bis 22. Juni 1986, damals schon zum 7. Dampffestival, aber zum letzten Mal in Aigle, eingeladen werden. Im August 1987 verliess der Club seinen alten Standort.
Die erste Ausbaustufe des Swiss Vapeur Parc umfasste eine Fläche von 10'000 m². Die Länge des Schienenstranges in den Spuren 5 und 7 1/4 Zoll betrug damals etwas mehr als 1000 m. Schon im ersten Betriebsjahr besuchten 60'000 Gäste die Anlage. Im Jahr 1992 wurde die Aktiengesellschaft gegründet. Die Leitung der geschäftlichen Aktivitäten der AG wurde Herrn Alfred Grimm übertragen. Dank seiner Tatkraft und seinen Ideen entstanden die verschiedenen Gebäude auf unseren Anlage. Es ist ihm gelungen bei den Handwerkern einiges an überzeugungsarbeit zu leisten. Eines Tages erschien er bei Clovis Bressoud, einem bekannten Steinmetz, mit einer Fotografie eines Gebäudes aus Neuenburg. Er wollte im SVP einen Nachbau im Massstab 1:9 realisieren, teilte er dem erstaunten Handwerker mit. Nach einem Besuch des Parks, bei dem Clovis Bressoud das motivierte Bauteam kennen lernte, war er sofort von der Idee begeistert und machte sich an die Arbeit. Dazu musste unser Künstler 16 t Steine vom Typ "Pietra dorata" aus der Region Grosseto in Italien bearbeiten. Der Bau des Modellhauses dauerte drei Jahre und es wurde am 17. Juni 1995 eingeweiht. Die echten "Hallen von Neuenburg" wurden in sechs Jahren gebaut und das vor 420 Jahren (Einweihung am 27. Juni 1575). Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die verschiedenen aussergewöhnlichen Gebäude im SVP entstanden sind.
Die Beförderung der zahlreichen Fahrgäste, z.B. ganze Schulklassen oder Reisegruppen, setzte den Einsatz entsprechend langer Personenzüge voraus. Für die grosse Strecke des SVP mit seinen langen Steigungen kamen deshalb nur sehr leistungskräftige Zugfahrzeuge in Frage. So liegt die Hauptlast der Beförderung bei den Dampflokomotiven "Mecklenburg", "Mölm", "Waldenburg" und beim "Decauville"-Typ, unterstützt von den Loks und Triebwagen mit Verbrennungsmotoren. Die Triebwagenzüge sind exakte Nachbildungen im Massstab 1:4 der Fahrzeuge der Bahngesellschaften Aigle-Leysin (AL), Bex-Villars-Bretaye (BVB), Montreux-Berner-Oberland-Bahn (MOB), wobei der MOB-Zug sogar über geschlossene Sitzwagen verfügt. Der Reigen wird vollends mit dem Modell der Lok Ge 4/4 der Furka-Oberalp-Bahn (FO), ebenfalls im Massstab 1:4, abgerundet.
Neben diesen im Dienst des SVP eingesetzten Fahrzeugen bieten die Remisen in Le Bouveret auch Unterstand für die vielen privaten Lokomotiven und Modelle der Clubmitglieder. Stellvertretend seien hier nur aufgeführt:
SNCF 241, 141 R und 231, SBB-A 3/5, DB 01 215, 2-8-0 der New York Central in den Spurweiten 7 1/4 Zoll und die Modelle "Bayer Garratt" der GAM/Südafrika, "Niagara" der Union Pacific und "Mountain" der New York Central in der Spurweite 5 Zoll.
Ende 1992 verstarb Alfred Grimm nach langer Krankheit. Seine Nachfolge trat Pierre Jaquerod an. Jahr um Jahr wurde der SVP weiter ausgebaut und das vorhandene Schienennetz vergrössert. Ab 1996 wurde das Parkareal um 7‘ m² (70 a) erweitert. Dies ermöglichte den Bau eines weiteren Sees und den Aufbau der gewaltigen, 50 m langen Hängebrücke. Die Eisenbahnstrecke umfasst nun eine Länge von 1‘500 m, weitere 500 m sind für Abstell- und Depotgleise verlegt. Alle möglichen Rangieraufgaben erledigen 15 Weichen.
Neben all den schönen Lokomotivmodellen liegt der Zauber des SVP in der Einbeziehung von Gebäuden und vielen Kunstbauten in die Anlage und lässt somit die Bahnfahrt zu einem abwechslungsreichen und kurzweiligen Erlebnis werden. Dabei darf man die verschiedenen Miniaturgebäude nicht vergessen. Dies sind z.B. das «Café de la Treille», das Schloss von Aigle, die Kirche von Saanen, das Kuklos, Plein Roc, die Sägerei von Nax, die Bank und viele andere.
Alle diese Gebäude und Anlagenteile wurden seit 1989 und bis heute durch ein gut eingespieltes Team erstellt und unterhalten. Viele Wochenenden und Ferientage wurden von den freiwilligen Helfern geopfert, bisher schlagen 95'000 Arbeitsstunden zu Buche. 4000 m Stromkabel verbinden die Schaltstellen, 23 t Eisen wurden verarbeitet und 15'000 m³ Erde wurden bewegt und verschoben. Diese gewaltige Leistung konnte unserer von Anfang an gestellten Devise: "Selber Freude haben und anderen Freude bereiten" nichts anhaben, sie bleibt weiterhin aktuell. Natürlich wird dieses Motto auch vom wachsenden Erfolg getragen; im Jahr 2000 stieg die Besucherzahl auf 160'000 an.
Selbstverständlich ermöglicht ein ausgedehntes und bestens ausgebautes Wegenetz unseren Besuchern den Zugang zu allen Sehenswürdigkeiten. Der grosse See bietet Schiffsmodellbauern und Dampfbooten genügend Ausfahrt und diverse Bänke unter schattigen Bäumen, oder die Liegewiesen oberhalb des Chablais-Dorfs laden zum Verweilen und Träumen ein. Wer Hunger oder Durst verspürt, muss im SVP keinesfalls darben, zum gemütlichen Picknick laden das "Buffet de la gare", das "Café de la Treille" sowie das erst vor kurzem eröffnete "Snack Restaurant" ein. Im Sommer finden zusätzlich Nachtfahrten statt, dabei verleiht die Beleuchtung der Anlage und aller Gebäude dem Swiss Vapeur Parc ein märchenhaftes Aussehen.
Anlässlich seines traditionellen Festivals präsentiert uns der Park jährlich eine Neuheit, sei es eine Erweiterung der Gleisanlage, ein neues Gebäude oder eine neue Lokomotive. Im letzten Jahr haben wir die Zahnradstrecke eingeweiht und unser Kollege Angel Bonvin hat uns in Zusammenarbeit mit Claude Gachnang die Realisation einer elektrischen Brünigbahn-Lokomotive versprochen. So können wir den Erwartungen des Publikums noch besser entsprechen.
Die Suche nach einem neuen Gelände für eine Vereinsanlage reichte auch über Kantonsgrenzen hinweg und endete letztlich erfolgreich in le Bouveret in der Gemeinde Port-Valais, direkt am südöstlichen Ufer des Genfersees gelegen. Mit der am 11. Oktober 1988 beschlossenen Namensänderung in Club Vapeur du Chablais (mit Chablais wird die Region um Le Bouveret bezeichnet) wurde dann der erfolgten Ansiedlung im Kanton Wallis Rechnung getragen.
Das von der Gemeinde angebotene Gelände konnte durch die Planungen und Aktivitäten des Clubs eigentlich nur an Attraktivität gewinnen. Als Brachland zwischen dem Uferweg und dem Bahnareal der SBB gelegen, bot es bis dahin wenig Anziehendes. Gleichzeitig eröffnete dieser Umstand und die grosse Distanz zu den Wohnhäusern die Chance, eine aussergewöhnliche und einmalige Eisenbahnanlage in Verbindung mit Landschaftsgestaltung und Miniaturhäusern zu entwerfen. Die Idee zum Swiss Vapeur Parc war geboren. Die Gemeinde gab in Hinsicht auf positive Entwicklungen für den Fremdenverkehr schnell grünes Licht und bewilligte die Entwürfe.
Zur Realisierung des Swiss Vapeur Parc waren erhebliche Anstrengungen notwendig. Es galt umfangreiche Erdbewegungen für die Gestaltung der Gleisanlagen mit den erforderlichen Brücken und Tunnels vorzunehmen. Auch die Planung der vielen Bauwerke und der, entsprechend verkleinert, vorbildgerechten Häuser auf der Anlage musste mit in das Konzept aufgenommen werden. Nachdem die Planungsgrundlagen geschaffen und am 19. März 1988 der Grundstein für den Swiss Vapeur Parc gelegt waren, gingen die "Macher" mit einem enormen Engagement und erheblichem Aufwand an Zeit und Arbeit an die Sache heran. Neben dem unermüdlichen, körperlichen Einsatz der Aktiven an fast jedem Wochenende kamen auch noch die Leistungen von Sponsoren dazu, welche dank der guten Verbindungen für das grosse Projekt gewonnen werden konnten.
Eine Gedenktafel erinnert heute an diese und andere tatkräftige Männer:
Willy Shaerer, Alfres Grimm, Charles-Henri Coutaz, Georges Gachnang, Pierre Jaquerod, Philippe Reber, Claude Gachnang, Georges Hinnen, Angel Bonvin und Charles Ramel.
Am 8. Juni 1989 fand die feierliche Einweihung des Swiss Vapeur Parc statt, und vom 9. bis 11. Juni 1989 hatten die Teilnehmer des 8. Dampffestivals erstmals Gelegenheit, den Swiss Vapeur Parc kennen zu lernen. Bald wurde allen Beteiligten bewusst, welches Potenzial die Anlage besass und es wurde daher beschlossen eine Aktiengesellschaft zu gründen.
1991 trat Angel Bonvin die Nachfolge von Willy Schaerer als Präsident des CVC an. Nachdem die geschäftlichen Belange und der Betrieb des SVP nunmehr über die AG abgewickelt wurden, verlieb dem CVC als wesentliche Aktivität, die Kontakte zu anderen Clubs, Vereinen und Modellbauern im In- und Ausland zu pflegen bzw. zu intensivieren und damit die Tradition gemäss des historischen Erbes aus der Aigle-Epoche fortzusetzen.
Daraus resultiert auch die Aufgabe der Organisation und Durchführung des alljährlich stattfindenden internationalen Dampffestivals auf dem Gelände des Swiss Vapeur Parc. Anlässlich der Generalversammlung vom 21. September 1996 wurde beschlossen, über einen neuen Clubnamen zukünftig eine deutliche Namensverbindung zum SVP zu dokumentieren. So wechselte der CVC zu seinem neuen Namen «Club des Amis du Swiss Vapeur Parc» (CASVP). Mit Mario Henzi wurde auch ein neuer Präsident gestellt, welcher das Amt von Angel Bonvin übernahm. Gegenwärtig zählt der Club 27 Mitglieder. Mit dem 17. Dampffestival 1998 konnte gleichzeitig auch das 10-jährige Jubiläum des Swiss Vapeur Parc gefeiert werden.