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Die Landeskirche organisiert die Kirchgemeinden und leistet jene Dienste, die den ganzen Kanton betreffen und von den einzelnen Kirchgemeinden nicht übernommen werden können. Unter anderem gestaltet sie den Lastenausgleich zwischen den Kirchgemeinden, beaufsichtigt diese und führt verschiedene Fachbereiche. In der Kirchenverfassung heisst es: «Landeskirche und Kirchgemeinden sorgen für die religiöse Betreuung der Katholikinnen und Katholiken im Kanton Luzern durch die römisch-katholische Kirche und besorgen die der kirchlichen Tätigkeit dienende öffentliche Verwaltung.»
Stimmberechtigt sind die römisch-katholischen Schweizerinnen und Schweizer sowie Ausländerinnen und Ausländer mit Niederlassungsbewilligung, die das 18. Altersjahr vollendet haben. Sie wählen die Mitglieder der Synode und stimmen über Vorlagen ab, die dem obligatorischen Referendum unterstehen. Sie können Volksbegehren stellen und die Volksabstimmung verlangen für Geschäfte, die dem fakultativen Referendum unterliegen.
Die Synode ist die Legislative der Landeskirche. Sie besteht aus 100 vom Volk gewählten Mitgliedern (seit der 2001 beschlossenen Verkleinerung). Ihre Instrumente sind das Büro der Synode und die ständigen Kommissionen.
Der Synodalrat ist die Exekutive der Landeskirche. Er besteht aus neun von der Synode gewählten Mitgliedern. Ihm sind die Synodalverwaltung und die Fachbereiche unterstellt.
Die Steuergruppe, in der je ein Mitglied des Synodalrats und der Bistumsregionalleitung vertreten ist, gibt die strategischen Leitlinien für die Fachbereiche vor. Die Geschäftsleitung führt die Landeskirche (Fachbereiche und Synodalverwaltung) operativ.
Im Auftrag des Synodalrates arbeitet als ständige Kommission die Frauenkommission.
Die katholische Kirche im Kanton Luzern, das sind die rund 250’000 Kirchenmitglieder in 100 Pfarreien bzw. 25 Pastoralräumen und 7 fremdsprachigen Missionen. Seit dem 1. Juli 2004 gehören sie zur Bistumsregion St. Viktor, welche die Kantone Luzern, Schaffhausen, Thurgau und Zug umfasst. Organisatorisch sind sie über 85 Kirchgemeinden verwaltet.
Die katholische Kirche ist im Kanton Luzern eine selbständige Partnerin des Staats. Der fehlende Finanzausgleich unter den Kirchgemeinden und das 2. Vatikanische Konzil waren die Auslöser für die Gründung 1969/70.
Die Kirchgemeinden im Kanton Luzern haben sich aus den mittelalterlichen Kirchgenossenschaften entwickelt. Mit dem kantonalen Organisationsgesetz von 1842 erhielten die Kirchgenossenschaften neben den politischen Ortsbürger- und Korporationsgemeinden den Status von öffentlich-rechtlichen Gebietskörperschaften.
Die katholische Luzerner Kirche war von alters her nach eigenem Recht organisiert. Sie trat dem Staat gegenüber als selbständige Partnerin auf. Doch die Kirchgemeinden waren der staatlichen Kontrolle unterstellt. Es fehlte eine Körperschaft, die unabhängig vom Staat Mittel bereitstellen konnte, um jene Aufgaben anzugehen, die eine Kirchgemeinde allein nicht bewältigen konnte.
In diesem Zusammenhang wurde man sich auch des Fehlens eines Finanzausgleiches unter den Kirchgemeinden bewusst. Zudem fehlte eine Institution zur Lösung überpfarreilicher Seelsorgeaufgaben. Gleichzeitig entwickelte sich mit dem 2. Vatikanischen Konzil ein neues zeitgemässeres Kirchenverständnis. Die Gläubigen wurden aufgerufen im kirchlichen Leben Verantwortung mitzutragen.
Diese Mitarbeit und Mitverantwortung der Laien verlangte aber anstelle der bisherigen vorwiegend hierarchischen Kirchenordnung demokratische Organisationsformen. So wurde in den meisten Kantonen eine Landeskirche und Synode zu einem Bedürfnis. Im Kanton Luzern erwachte der Wunsch nach einem Zusammenschluss der Kirchgemeinden und nach einer eigenen, vom Staat unabhängigen landes-kirchlichen Organisation öffentlichen Rechts.
1966 wurde die Volksinitiative «Für die Einführung einer römisch-katholischen Synode» vom Volk klar angenommen. Der eigens dafür gewählte Verfassungsrat erarbeitete in Zusammenarbeit mit dem bischöflichen Ordinariat die Verfassung der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern. 1969 wurde sie vom Volk angenommen. Die Besetzung der 170 Sitze kam in einer stillen Wahl zustande. Mit der konstituierenden Sitzung der Synode am 13. März 1970 konnte die Landeskirche ihre Tätigkeit aufnehmen.Die Landeskirche und der Kanton
Aus praktischen Erwägungen hat die Landeskirche bisher darauf verzichtet, ein eigenes Verwaltungsrecht zu entwickeln. An dessen Stelle kommt grundsätzlich das kantonale Recht zur Anwendung (Verwaltungsrechtspflege, Stimmrechtsgesetz, Personalrecht). Ebenso anerkennt die Landeskirche für ihre Belange das kantonale Verwaltungsgericht.
Weil der Kanton Luzern in seinem neuen Gemeindegesetz vom 4. Mai 2004 eine Einheitsgemeinde schuf (Einwohnergemeinde) und die Kirchgemeinden nicht mehr regelte, erliess die Synode der römisch-katholischen Landeskirche am 7. November 2007 ein eigenes Kirchgemeindegesetz, das seit 1. Januar 2008 in Kraft ist. Damit bestehen die 85 katholischen Kirchgemeinden im Kanton Luzern nunmehr auf landeskirchlichem Recht, das sich allerdings stark an die Gegebenheiten in den Einwohnergemeinden anlehnt.
In einzelnen Bereichen hat die Landeskirche überdies eigene Gesetze erlassen, so über den Lastenausgleich zwischen den Kirchgemeinden, die Baubeiträge, das Dienstverhältnis der Geistlichen oder die Migrantenseelsorge.
Trotz der formalen Trennung zwischen Kirche und Staat gibt es Berührungspunkte, die eine gute Zusammenarbeit erfordern. Das sind zum Beispiel der Religionsunterricht, die Spitalseelsorge, Gefängnisseelsorge und Notfallseelsorge.
Für die Verwaltung die staatskirchliche Struktur, für die Seelsorge das Bistum: So funktioniert, in einem Satz, die Zusammenarbeit zwischen Landeskirche und Bischof.
Im Zweckparagraphen 6 der Verfassung der Landeskirche heisst es: «Landeskirche und Kirchgemeinde besorgen die der kirchlichen Tätigkeit dienende öffentliche Verwaltung.»
Für die Gestaltung der Seelsorge im Kanton ist der Bischof zuständig. Diese Aufgabe hat er weitgehend an die Bistumsregionalleitung delegiert. Die Landeskirche vermietet dieser Räume und Einrichtungen für das Bischofsvikariat St. Viktor im Haus St. Agnes am Abendweg 1 in Luzern. Zudem unterstützen die Fachbereiche der Landeskirche die pastoralen Aufgaben des Bistums.
An den Sessionen der Synode nimmt ein Mitglied der Bistumsregionalleitung in Vertretung des Bischofs mit Antragsrecht und beratender Stimme teil. Ziel ist es, einvernehmliche Lösungen herbeizuführen zwischen den landeskirchlichen Behörden und den kirchenrechtlich Verantwortlichen.
Zusammenarbeit
Die Landeskirche arbeitet mit dem Bischofsvikariat St. Viktor, das auch für den Bistumskanton Luzern zuständig ist, eng zusammen. Der Synodalrat ist in der Finanzkommission des Bistums und in der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) vertreten. Die RKZ ist der Zusammenschluss der Landeskirchen. Sie nimmt Aufgaben von nationaler Bedeutung wahr und finanziert in Zusammenarbeit mit der Bischofskonferenz gesamtschweizerische und sprachregionale Institutionen im Dienste der Kirche.
Die Kirchenleitung in der Schweiz ist also ein Mit- und Nebeneinander. Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ, der Verbund der Landeskirchen) vergleicht sie mit einem Orchester. Sie können den Artikel, den Kosch für das «Forum», das Pfarreiblatt des Kantons Zürich, verfasst hat, hier herunterladen. Was für Zürich gilt, trifft ebenso für Luzern zu.
Der Synodalverwalter führt die Aufsicht über die Kirchgemeinden – so, wie Justizdepartement (Amt für Gemeinden) und Finanzdepartement (Finanzaufsicht) die Gemeinden beaufsichtigt. Der Synodalrat ist die Oberaufsichtsbehörde.
Der Synodalrat und die Bistumsregionalleitung haben 2017 erstmalig ein gemeinsames Leitbild verabschiedet. Mehr Informationen dazu gibt es hier.