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Leistenbruch (Leistenhernie, Inguinalhernie)
Was ist ein Leistenbruch?
Hernien sind Lücken in der Bauchwand, im Falle von Leistenhernien, ist die Lücke in der Leistengegend. Der Bauchraum wird durch eine dünne Haut ausgekleidet, das sog. Bauchfell (Peritoneum). Durch die Lücke in der Bauchwand (Bruchpforte) zwängt sich das Bauchfell (Bruchsack) mit Bauchinhalt (Bruchinhalt).
Wie häufig sind Leistenbrüche?
Der Leistenbruch tritt bei Männern und Frauen aller Altersgruppen im Verhältnis Männer : Frauen = 9 : 1 auf.
Was sind Risikofaktoren für einen Leistenbruch?
- Übergewicht
- Druckerhöhung im Bauchraum bei chronischer Verstopfung oder bei chronischem Husten
- Schwangerschaft
- Angeborene Bindegewebsschwäche
Welche Symptome kann ein Leistenbruch machen?
Ein Leistenbruch ist häufig asymptomatisch und lediglich durch eine Vorwölbung in der Leistengegend zu sehen.
Bei Grössenzunahme, kann ein Leistenbruch Beschwerden in Form von Brennen, Ziehen oder einem Druckgefühl in der Leiste machen. Diese Beschwerden können durch Husten oder Pressen verstärkt werden.
Welche Komplikationen kann ein Leistenbruch machen?
In seltenen Fällen, kann ein Leistenbruch einklemmen. D.h. der Bruchsack der sich durch die Bauchdecke gezwängt hat, ist samt seinem Inhalt eingeklemmt und kann nicht mehr in den Bauchraum zurückgedrückt werden. Falls sich Darm im Bruchsack befindet, kann dieser eingeengt werden was zu einer sog. Passagestörung im Maximalfall zu einem kompletten Darmverschluss führt.
Der Bruchinhalt (z. B. Gefässe, Darm, Fettgewebe) wird im schlimmsten Fall, nicht mehr durchblutet da die zuführenden Gefässe abgeklemmt werden. Es handelt sich um einen absoluten Notfall bei dem unter Umständen auch ein Stück Darm entfernt werden muss.
Kleine Brüche sind gefährdeter für eine Einklemmung als grosse Brüche.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Meist ist das Erstgespräch, die Symptome des Patienten und eine sichtbare Vorwölbung in der Leistengegend wegweisend. Die Diagnose wird schliesslich mittels Tastbefund gestellt. Gelegentlich muss sie durch eine Ultraschalluntersuchung und sehr selten durch eine Computertomographie gesichert werden.
Wann muss ein Leistenbruch behandelt werden?
Ein Bruch wird operiert, wenn er Schmerzen verursacht oder die Gefahr einer Einklemmung mit lebensgefährlichem Absterben von Darmteilen besteht. Kleine Brüche sind in Bezug auf die Einklemmungsgefahr gefährlicher als grosse.
Wie behandelt man einen Leistenbruch?
Konservative Therapie: Sogenannte „Bruchbänder“ die früher üblich waren, kommen heute nur noch sehr selten, bei aufgrund Ihres Alters oder Allgemeinzustandes nicht mehr operablen Patienten zum Einsatz. Durch diese Bänder wird der Bruch im Bauchinneren gehalten. Damit wird eine Einklemmung vermieden. Ein Leistenbruch wird heute chirurgisch behandelt.
Operative Therapie: Dabei gibt es verschiedene offene und verschiedene laparoskopische (Schlüsselloch) Verfahren. Ihnen gemeinsam, ist die Einlage eines Netzes. Operationen ohne Netz werden nur bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Hier wird die Bruchlücke durch eine Naht verschlossen.
Offene Operation: Es erfolgt ein ca. 5-7 cm langer Schnitt in der Leiste. Der Bruch wird zurückgedrängt. Ein Netz wird am Leistenband und an die Bauchdecke angenäht. Anschliessend erfolgt der schichtweise Wundverschluss. In der Regel wird die Haut mit selbstauflösenden Fäden zugenäht was später eine Fadenentfernung erübrigt. Der Eingriff dauert ca. 45 Minuten und kann sowohl in Vollnarkose wie auch in Teilnarkose erfolgen.
Endoskopische Operation (Schlüssellochtechnik): Es werden zwei verschiedene Verfahren unterschieden. Bei beiden werden 3 kleine Schnitte (1x1cm und 2×0.5cm) zur Einführung von Kamera und Instrumenten, in die Bauchdecke gemacht.
Entweder man operiert von Innen d.h. die Kamera ist im Bauchraum oder man führt die Kamera zwischen den Bauchwandschichten nach vorne in die Leiste.
Die Bruchlücke wird dargestellt und mittels eine Netzes welches angenäht oder angeklebt wird verschlossen. Beide Operationen erfolgen in Vollnarkose und dauern ca. 45 Minuten.
Die Entscheidung ob ein offener oder ein endoskopischer Eingriff durchgeführt wird, wird von Fall zu Fall nach ganz bestimmten Kriterien, zusammen mit dem Patienten entschieden.
Welche Komplikationen kann eine Leistenbruchoperation machen?
Möglich sind postoperative Nachblutungen. Diese bedürfen selten weiterer Massnahmen. Sehr selten sind Infektionen, Thrombosen und Embolien.
Bei der offenen Operation kann es im Narbenbereich zu einer umschriebenen Gefühllosigkeit kommen, wenn ein Hautnerv verletzt wurde. Diese bildet sich in den folgenden Monaten zurück. Stechende Schmerzen in der Leiste können postoperativ durch eine Nervenreizung durch das Netz entstehen und treten bei bis zu 10% der Patienten auf. Diese lassen sich mit eine Injektion von Kortison und einem Lokalanästhetikum i.R. behandeln.
Kann ein Leistenbruch wieder kommen?
Die Rezidivrate (Wiederauftreten) beträgt bei beiden Methoden 1-2%.
Was passiert nach der Operation?
Einseitige Brüche werden ambulant durchgeführt. Bei beidseitige Brüchen bleibt man 1-2 Nächte im Spital. Bewegung und Essen sind ab sofort erlaubt. Heben und Tragen von Lasten über 10kg sollte in den ersten beiden postoperativen Wochen vermieden werden.