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Verantwortung: Sandro Guzzi / Anne-Françoise Praz
Referentinnen: Sylvie Burgnard / Virginie De Luca Barusse / Aline Johner / Nicole Staremberg
Als Verantwortlicher des Panels begrüsste SANDRO GUZZI die Zuhörenden mit einer Einleitung in die Thematik der Geschichtsschreibung der Sexualität in der europäischen Moderne. Guzzi spannte dabei einen Bogen zwischen Theorien der Sexualität von Freud, Elias, Foucault u.A., bis zu den konkreten Forschungsthemen der heutigen Referate. Die Theorien weisen der Sexualität eine Schlüsselposition zum Verständnis von gesellschaftlicher Strukturierung zu. ANNE-FRANÇOIS PRAZ, ebenfalls verantwortlich für das Panel, machte eine kurze Einführung in die sehr einflussreiche Theorie der Sexualität von Foucault. Wichtige Begriffe bei Foucault sind “Diskurs“, “Kontrolle“, “Biopolitik“. Foucault untersuchte die Institutionen im Übergang von der Vormoderne in die Moderne und sah dabei einen Übergang der Macht die Wahrheit zu sprechen, welche von den Theologen und der Kirche zu den Wissenschaftlern, Ökonomen, Medizinern etc. wechselte. Es geht um die Frage nach den Machtmechanismen der Subjektivierung, wobei die Sexualität eine entscheidende Rolle trägt. Die folgenden Referate beziehen sich auf unterschiedliche Blickpunkte innerhalb des Feldes der Geschichtsschreibung der Sexualität.
Relations illicites et organisation sociale à Montreux au XVIIIe siècle. Un modèle réformé ou une infraction à la norme ? - Von Aline Johner
Sexualité, discours et contrôle des moeurs à Lausanne au 18e siècle - Von Nicole Staremberg
NICOLE STAREMBERG untersuchte anhand von kirchlichen und juristischen Quellen die Kontrollausübung auf die Bevölkerung und den Diskurs über die Sexualität in Lausanne im achtzehnten Jahrhundert. Seit der Reformation galt in den protestantischen Gebieten einzig der Ehebund zwischen Mann und Frau als legitime sexuelle Beziehung. Zivilrecht und Kirchenrecht verboten jegliche aussereheliche sexuelle Praktik.
Le mouvement lesbien de Genève dans la constellation internationale (1970-1980) - Von Sylvie Burgnard
SYLVIE BURGNARD untersuchte zur Quellenanalyse Dokumente des „mouvement lesbien de Genève“ zwischen 1970-1980. Es handelte sich dabei um öffentliche Briefe, Kongressberichte und Zeitschriften. Diese lokale Ebene wurde verknüpft mit der globalen Ebene einer sexuellen Revolution, welche durch Bewegungen in vielen anderen Ländern vertreten und oftmals transnational geführt wurde, beispielsweise der „Mouvement Lesbien France“. All diese Bewegungen kritisierten die geltende sexuelle Moral, welche Homosexualität verbot und als krankhaft darstellte. Die Bewegung selbst sah in der Anerkennung der Homosexualität eine sexuelle Befreiung, welche allen Menschen zu Gute kommt.
Les médecins, les eugénistes et la définition d’un problème sexuel en France dans l’entre deux-guerres - Von Virginie De Luca Barusse
Wegen Abwesenheit von VIRGINIE DE LUCA BARUSSE wurde das Referat kurz vorgestellt durch Anne-François Praz. Das Abstract zum Referat kann dem Hyperlink zu den Geschichtstagen entnommen werden.
Fazit
Sexualität ist keine fertig definierte Angelegenheit, was durch die historische Forschung und die Interpretation und Auswertung vergangener Prozesse belegt werden kann. Verschiedene Akteure und Interessengruppen streiten in ihrer historischen Situation um die Ordnung der Sexualität: Theologie, Wissenschaft, Justiz, Medizin etc. Waren vor allem die Kirchen in ihrer Sexualmoral konservativ eingestellt, beschleunigte sich der gesellschaftliche Wandel Richtung sexueller Selbstbestimmung, wohl nicht zuletzt unterstützt durch Theorien wie jener von Freud.
Aline Johner: Relations illicites et organisation sociale à Montreux au XVIIIe siècle. Un modèle réformé ou une infraction à la norme ?
Nicole Staremberg: Sexualité, discours et contrôle des moeurs à Lausanne au 18e siècle
Virginie De Luca Barusse: Les médecins, les eugénistes et la définition d’un problème sexuel en France dans l’entre deux-guerres
Sylvie Burgnard: Le mouvement lesbien de Genève dans la constellation internationale (1970-1980)