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| Cyprian von Karthago († 258) - Über das Gebet des Herrn (De dominica oratione)

Einleitung
Kap. 2. Das von ihm gelehrte Gebet zeigt uns am besten, wie wir Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten sollen.
Unter seinen übrigen heilsamen Mahnungen und göttlichen Vorschriften, mit denen er für das Heil seines Volkes Sorge trägt, hat er selbst uns auch die richtige Fassung für unser Gebet angegeben, hat er selbst uns gemahnt und unterwiesen, um was wir flehen sollen. Er, der uns das Leben verlieh, hat uns auch gelehrt, zu beten, mit der gleichen Güte eben, in der er uns auch schon alles übrige zu geben und zu gewähren die Gnade hatte, damit wir um so leichter erhört werden, wenn wir mit der Bitte und dem Gebete zum Vater sprechen, das der Sohn gelehrt hat. Schon im voraus hatte er verkündigt, es werde die Stunde kommen, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten würden1 , und er hat sein einstiges Versprechen erfüllt, und wir, die wir den Geist und die Wahrheit durch seine Heiligung empfangen haben, können auch nach seiner Anweisung in der Wahrheit und im Geiste Gott anbeten. Denn welches Gebet verdiente eher ein Gebet im Geiste zu heißen als das, welches von Christus uns zuteil geworden ist, von dem uns auch der Heilige Geist gesandt ward? Welches Gebet wäre eher vor dem Vater ein Flehen in der Wahrheit als das, welches aus dem Munde seines eigenen Sohnes stammt, der die Wahrheit ist?2 Anders zu beten, als er gelehrt hat, wäre daher nicht nur Unwissenheit, sondern auch ein Vergehen, da er selbst geäußert und gesagt hat: „Ihr verwerft das Gebot Gottes, um eure Überlieferung aufzustellen"3 .
1: Joh. 4. 23.
2: Joh. 14, 6.
3: Matth. 15, 6; vgL Mark. 7, 9.