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Hanspeter Huwyler, was hat Sie veranlasst, dieses Buch zu schreiben?
Vor allem die Absicht, mehr über die Geschichte von Saurer zu erfahren, der wie das Matterhorn, der rote Pass mit dem weissen Kreuz, die Schokolade, die Postautos und der Bernhardiner Teil der Schweizer Identität ist. Zudem ist es nun einmal so, dass die beiden letzten über Saurer publizierten Bücher auf 1983 und 2003 zurückdatieren. Sie sind nun komplett vergriffen, weshalb der Saurer-Club Schweiz an seiner Generalversammlung 2011 beschloss, ein neues Saurer-Buch zu realisieren. Weil es sich damit um ein Thema handelte, das mir persönlich am Herzen liegt, habe ich mich bereit erklärt, das Projekt umzusetzen.
Eine ganze Reihe Saurer-Spezialisten waren über die sehr detaillierten Informationen sehr beeindruckt. Was waren Ihre Quellen?
Ich habe sehr hartnäckig recherchiert und bin sogar nach Bern gefahren, um im Bundesarchiv und in der Nationalbibliothek die dort aufbewahrten Dokumente zu sichten. Ich kontaktierte auch das Zeppelin-Museum in Friedrichshafen in Deutschland, wo eine Ausstellung über die rund um den Bodensee aktiven Design-Pioniere gezeigt wurde. Dazu gehört besonders auch Friedrich Hudec, ein Designer, der bei Saurer angestellt war und dessen Lebenslauf schlicht unglaublich ist. Er starb zwar vor 24 Jahren, aber nach langer Suche gelang mir ein Treffen mit seinen beiden Töchtern, die mir unveröffentlichte Entwürfe ihres Vaters zeigten.
Was unveröffentlichte Dokumente anbelangt: Ihr Buch zeigt bis heute völlig unbekannte Fotos. Welche dürfen wir unseren Lesern zeigen?
Etwa das vom Prototypen Super 5D von 1972 mit einer Motorhaube aus Polyester oder vom Projekt 125 von 1972 – mit kippbarem Fahrerhaus – sehr modern. Die beiden Fotos stammen aus den Archiven des Saurer-Werks und beweisen, dass die Marke ihrer Zeit oft voraus war. Das gilt auch für ein weiteres Foto aus dem Saurer-Archiv, das einen S4C von 1958 zeigt, der mit einer Wechselbrücke ausgerüstet ist, die auch auf Bahnwaggons passt. Die Ingenieure von Saurer waren oft regelrechte Vordenker. Sie dachten also schon an den kombinierten Verkehr Strasse-Schiene, lange bevor er in Mode kam.
Viele Ihrer Fotos im Buch stammen von Ihnen. Sie sind sogar in den Kosovo gereist, um einen der beiden Saurer D330 BF8×4 abzulichten, die 1981 eine Iveco-Kabine aufgesetzt bekamen …
Das ist korrekt. Ich bin sogar dreimal in den Kosovo gefahren, nur um die Saurer dort zu fotografieren. Der D330 BF8×4 mit der Iveco-Kabine, den Sie grade angesprochen haben, erschien zu einer Zeit, als das Ende der Saurer-Nutzfahrzeuge bevorstand.
Im Schlusswort Ihres Buches verweisen sie auf verschiedene Gründe, die zum Verschwinden von Saurer beigetragen haben. Es lag noch in weiter Ferne, als 1938 der Neuenburger Albert Charles Dubois zu Saurer kam und 35 Jahre die Geschicke lenkte. Gibt es Versäumnisse in dieser langen Zeit?
Albert Charles Dubois war nicht der Visionär, wie ihn Saurer nötig hatte. So verzichtete er etwa darauf, das italienische Lastwagenwerk OM zu übernehmen, das ihm 1947 angeboten wurde. Der Kauf hätte Saurer nicht nur ermöglicht, Lastwagen billiger als in der Schweiz zu produzieren, sondern auch die kritische Grösse auf dem Markt zu erreichen, mit der Neuinvestitionen möglich gewesen wären. Man darf hier auch nicht vergessen, dass Saurer, an den europäischen Herstellern gemessen, nur ein kleiner Lastwagenbauer war. 1972, als Mercedes-Benz und Volvo 18 700 respektive 14 200 Lastwagen bauten, verliessen gerade mal deren 937 die Saurer-Hallen. Die Schulden bei Saurer beliefen sich zwischen 1976 und 1980 auf 132 Millionen Franken. Das Ende war letztlich unabwendbar.
Das Buch «Die Saurer Nutzfahrzeuggeschichte 1904–1982» ist für 85 Franken nur direkt beim Saurer-Club Schweiz auf
www.saurer-club.ch erhältlich.
Hanspeter Huwyler: «Das ist Leidenschaft, die in der Kindheit begann»
Fragt man Hanspeter Huwyler (Foto links) nach dem Grund seiner Passion für Saurer-/Berna-Lastwagen, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: «Das begann schon in der Kindheit. Auf dem Weg zur Schule, nicht weit von unserem Haus in Zürich, in dem ich heute noch wohne, bin ich regelmässig einem Berna 5VF 8×4 begegnet, der mich schlicht fasziniert hat. So sehr sogar, dass ich einen Brief ans Saurer-Werk richtete, in dem ich um einen Prospekt bat.» In einer Baustelle nicht weit von seinem Haus war zudem ein Saurer 5DF 6×4 eingesetzt. «Ich war zwölfjährig und stolzer Träger einer Jacke mit Saurer-Logo. Das hat mir übrigens geholfen – als ich den Chauffeur des 5DF 6×4 fragte, ob ich zu ihm in die Kabine dürfe, willigte er sofort ein», lacht Hanspeter Huwyler (58). Als er alt genug für die Berufswahl war, fasste er eine Lehre als Maschinenschlosser bei den SBB ins Auge. Dort ist er heute Lokomotivführer, eine weitere Passion, neben seinem Chrysler Valiant «Montage Suisse» von 1961. Sein Interesse für Saurer liess jedoch nie nach. «Im Laufe der Jahre habe ich über 96 000 Datensätze zu Saurer gesammelt. Es handelt sich dabei nicht nur zum Beispiel um Chassis-Nummern, sondern auch um die Namen der verschiedenen Besitzer.» Das Saurer-Virus brachte ihn schliesslich dazu, 2005 den Lastwagenausweis zu erwerben. Dann konnte er sich einen Saurer D330 BN6x6 von 1981 kaufen (Foto rechts). 2010 trat er in den Vorstand des Saurer-Clubs Schweiz ein, seit 2018 ist er dessen Präsident. (L. M.)
«Dieses Buch ist das ideale Weihnachtsgeschenk für jeden Saurer-Fan»
Nein, natürlich denkt Hanspeter Huwyler nicht Tag und Nacht an Saurer. «Als Lokomotivführer interessiere ich mich selbstverständlich auch für die Eisenbahn. Ich habe übrigens vor ein paar Jahren ein Buch mit dem Titel ‹Die Bundesbahnstrecken der Schweiz› herausgegeben. Dieser Bildband geht aber nicht so sehr in die Tiefe wie mein Saurer-Werk, das wohl das geeignete Weihnachtsgeschenk für alle wäre, die sich für Saurer interessieren», erklärte Hanspeter Huwyler. Als ihm die Generalversammlung des Saurer-Clubs Schweiz grünes Licht für die Realisierung des Buches gab, hatte er da an ein Werk mit 592 Seiten gedacht? «Nein, zunächst dachte ich, 300 Seiten würden reichen. Doch die Informationen, die ich im Lauf der letzten zehn Jahre gesammelt habe, sind dermassen interessant, dass sich die Seitenzahl im Verhältnis zur ursprünglich vorgesehenen quasi verdoppelt hat», so Hanspeter Huwyler, der fast nicht zu bremsen ist, was die verschiedenen von Saurer gebauten Varianten anbelangt. Als wir mit ihm sein Buch durchblättern, deutet er gerne auf das eine oder andere Bild. Er macht uns etwa bei Bild 377 darauf aufmerksam, dass der abgebildete Geländepersonenwagen rechts kein Saurer ist, wie man angesichts des Logos auf dem Grill denken könnte, sondern ein Monteverdi Military, der später bei Berna in Olten (SO) auf 2440 mm Radstand verlängert wurde. Und beim Omnibus (Bild 371) handelt es sich um einen Saurer RH 550-25 von 1979, dessen Aufbau von Padane in Italien stammt. (L.M.)