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Sara liebt es, am PC Geschichten oder Briefe an Freunde zu schreiben. Dabei nimmt sie es gerne sehr genau! Für mich persönlich war es anfangs fast ein bisschen zu genau! Denn auch in Fachkreisen ist inzwischen die Meinung etabliert, dass ein Kind die Wörter und Sätze während der Anfangsphase so aufschreiben darf, wie es sie hört. Schreibt das Kind ‘sone’ statt Sonne, dann gilt das als richtig. Das Motto lautet: Man muss es nur lesen können und dann kann es als richtig bezeichnet werden. Der Rest kommt später! So wird es auch in vielen Schule gemacht! Es ist für ein Kind nämlich ziemlich destruktiv, wenn es dauernd korrigiert wird und ständig das Gefühl vermittelt bekommt, dass es eigentlich alles nur falsch macht. Deshalb war es für mich so sonnenklar, dass ich sie von Anfang an schreiben liess, ohne zu korrigieren, sofern ich die Bedeutung des Wortes oder des Satzes erkennen konnte. Das funktionierte jedoch bei Sara nicht lange. Sie hat sehr früh bemerkt, dass die Wörter in den Büchern anders geschrieben stehen und so ist es für sie ebenfalls sonnenklar, dass sie die Wörter richtig und nicht ‘falsch’ schreiben will! Hinzu kommt, dass sie gleichzeitig entdeckt hat, dass die ‘falsch’ geschriebenen Wörter im Schreibprogramm jeweils automatisch unterstrichen werden. Mein Versuch, das Unterstreichen der Wörter aus dem Programm rauszunehmen, damit sie nicht jedes mal verunsichert wird, wurde von ihr nicht gebilligt! Anscheinend war der Zeitpunkt zum Richtigschreiben bei Sara gekommen und so hab ich mich auf das Abenteuer als Schreibberaterin eingelassen. Der Stand der Dinge ist nun so, dass Sara mittlerweile ihre Sätze immer perfekter schreibt. Anfangs hat sie sehr viel gefragt, wieso denn das jetzt schon wieder unterstrichen sei. Zusammen versuchten wir das dann jeweils herauszufinden: “Hier hat es ein “ie”, wegen dem langen iiii und da kommen zwei mm, weil. . . . . . . und kannst du hören, dass hier ein Doppel-s kommt, wenn du das Wort aussprichst? Und dieses Wort hier wird immer GROSS geschrieben, denn es ist ein Namenwort, oder ein Gegenstandswort oder man sagt dem ganz einfach Nomen!” Beim Schreiben von eigenen Erlebnissen, beobachteten Ereignissen, neu erfundenen Geschichten oder beim Beantworten von Mails lernt Sara -ohne sich dessen bewusst zu sein - auf diese Art Dehnungen und Schärfungen bei Wörtern, Verben konjungieren, Adjektive steigern, von der Einzahl zur Mehrzahl, den Wortschatz erweitern, einen Text überarbeiten, Satzschlusszeichen kennen , Fragen beantworten, mit Sätzen spielerisch und gestaltend umgehen. Halt einfach alles, was man in der Schule “Deutsch” nennt! Das Ganze hat aber einen Nachteil für Olivia. Denn sie wird von Sara jeweils gnadenlos korrigiert! Tja, so kommen immer wieder neue Lernfelder auf uns alle zu und Sara darf nun ganz bewusst lernen, von der Korrekteuse zur Schreibbegleiterin von Olivia zu werden.
Und damit nicht der Eindruck entsteht, dass Sara nur am PC schreibt: das Schreiben von Hand beherrscht sie selbstverständlich auch, sowie die Reihenfolge des ABC, welches sie vor einem halben Jahr singend gelernt hat und mittlerweile sogar beim Suchen von Namen im Telefonbuch anwendet.
Lernen basiert auf Beziehung und nicht auf Regeln.
Labels: Alltag, Lernen, Schreiben