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Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen stellen Empfehlungen der Regierungen der 38 OECD-Mitglieder sowie von rund einem Dutzend weiterer Staaten (Ägypten, Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Jordanien, Kasachstan, Kroatien, Marokko, Peru, Rumänien, Tunesien und Ukraine) an die Unternehmen dar, die von ihrem Hoheitsgebiet aus operieren. Die Leitsätze wurden durch den OECD-Rat auf Ministerebene am 25. Mai 2011 in revidierter Form angenommen. Sie zeigen einen umfassenden Katalog von Themen auf, die verantwortungsvolles unternehmerisches Verhalten (Corporate Social Responsibility) beschreiben und finden überall dort Anwendung, wo die multinationalen Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit ausüben. Die Leitsätze sind ein wichtiges Instrument zur Gestaltung der Globalisierung.
Die OECD-Leitsätze sind die ältesten umfassenden Verhaltensnormen, die Unternehmen einen Rahmen für Corporate Social Responsibility (CSR) bieten. Sie wurden auf multilateralem Weg verhandelt und 1976 verabschiedet. Sie sollten gewährleisten, dass die Aktivitäten multinationaler Unternehmen im Einklang mit den staatlichen Politiken stehen, die Vertrauensbasis zwischen den Unternehmen und dem jeweiligen Gastland gestärkt, das Klima für ausländische Investitionen verbessert und der Beitrag der multinationalen Unternehmen zur nachhaltigen Entwicklung gesteigert werden. Die Prinzipen beruhen auf Freiwilligkeit und haben keinen rechtlich verbindlichen Charakter. Die Mitgliedstaaten haben sich jedoch verpflichtet, einen Nationalen Kontaktpunkt (NKP) zu führen, bei welchem Verstösse gegen die Leitsätze gemeldet werden können. Die NKPs können dann ein informelles Schlichtungsverfahren einleiten.
Die Leitsätze sind Bestandteil der OECD-Erklärung über internationale Investitionen und multinationale Unternehmen. Es handelt sich um ein Massnahmenpaket, das direkte Investitionen unter OECD-Staaten fördern soll. Das OECD-Investitionskomitee wacht über die Leitsätze und veranstaltet einen regelmässigen Meinungsaustausch.
Bestandaufnahme der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen
Die OECD-Leitsätze legen die Erwartungen von 50 Regierungen an Unternehmen in Bezug auf Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Umweltaspekte, die Vermeidung der Bestechung, Verbraucherinteressen sowie Offenlegung von Informationen, Wissens- und Technologietransfer, Wettbewerb und Besteuerung dar. Der Zweck der Bestandaufnahme ist es, die wichtigsten Entwicklungen, Errungenschaften und Herausforderungen im Zusammenhang mit den Leitsätzen und ihrem einzigartigen Beschwerdemechanismus, den Nationalen Kontaktpunkten, zu berücksichtigen.
Die OECD führte eine öffentliche Konsultation durch, um allen Betroffenen die Möglichkeit zu geben, ihre Ansichten und Erfahrungen einzubringen. Gestützt auf die Bestandsaufnahme werden Möglichkeiten geprüft werden, um die Bedeutung und Wirksamkeit der Leitsätze bei der Förderung der verantwortungsvollen Unternehmensführung sicherzustellen.
Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen: ein Instrument zur verantwortungsvollen Unternehmensführung (PDF, 164 kB, 14.04.2016)Artikel von Johannes Schneider und Lukas Siegenthaler in 'die Volkswirtschaft' 9-2011
Letzte Änderung 01.11.2021