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Nach dem Grosserfolg von Le professionnel (1981) war es keine Frage, wer den nächsten Actionthriller mit Jean-Paul Belmondo vertonen sollte. Das Hauptthema, in Maddalena (1971) zu hören, von Morricone scheinbar aber bereits ein Jahr zuvor geschrieben, geisterte bei uns sogar durch die Hitparaden und Der Profiwar meine erste Ennio Morricone Filmmusik, die ich mir damals auf MC zulegte. Le marginal, zwei Jahre nach Le professionnel erschienen war ein weiterer Grosserfolg für Belmondo, allen voran im Heimatland, wo der Film 5 Mio. Zuschauer in die Kinos lockte und in Paris ein neues Rekordwochenende verbuchte.
Music Box Records macht mit dieser Edition keinen Hehl daraus, dass der grösste Teil des auf der CD befindlichen Materials schon veröffentlicht wurde, sei es auf dem 83er Album, der EMI-CD und der limitierten Scheibe von GDM (2002), die 67 Minuten Musik enthielt. So schreibt Music Box denn auch „For those who missed the previous GDM edition…“.
Morricone geht hier einen zumindest in Teilen etwas anderen Weg als zwei Jahre zuvor mit Le professionnel, wenn auch das Gesamtkonzept ein gleiches ist. Le marginal hat einen urbaneren, härteren Sound. Teilweise erinnert die Musik spontan an Frantic, fünf Jahre nach Le marginal entstanden. Dieses Thema ist in den diversesten Versionen auf der CD zu finden, manchmal kaum voneinander zu unterscheiden, manchmal etwas differenzierter gestaltet. Es ist in seiner Grundform gespielt von Violinen, geslaptem E-Bass, Schlagzeug und Keyboards gespielt, ehe eine sanfte Oboe sich dazu gesellt und das eigentliche Thema spielt (Track 1, der etwas über 6 Minuten dauert).
Ein weiteres Thema ist in „Theme classique“ zu hören, Harpsichord, Klavier, Bass und Drums spielen dieses, wie angedeutet, klassischere Motiv. Bei rund 1:05 kommen die Streicher auf. Es hat deutlichere Züge von Le professionnel, spätestens wenn die Streicher die zuvor vom Klavier intonierte Linie übernehmen. Danach unterbricht „Dreamer“ Morricones Score, aber nicht ohne dass Morricone seine Finger im Spiel gehabt hätte, denn der Song wurde von ihm mitkomponiert, es singt die Gruppe Blizzard. „H.S.M.“ vermittelt jazzig-rockige Stimmungen mit der Trompete, die scheinbar frei von allem über den anderen Instrumenten schwebt. Passend nach „Dreamer“ dieser pfundigere Track, in dem die Streicher nur staccatoartig kurz verwendet werden – eines der stimmunsvollsten, besten Stücke der CD. In „Le marginal (pour Carole)“ setzt Morricone zunächst auf das eingangs zuhörende Oboenmotiv, später übernehmen Trompete und Streicher über Keyboardklängen und Schlägen der Bassdrum und E-Bass Einsätzen.
Es folgt mit „Don’t Think Twice“ der zweite Song, dieses Mal ohne des Meisters Beteiligung, aber durchaus ins Gesamktleid passend. In „La droguée et le garçon“ beginnt mit dem Hauptthema ehe Morricone die anderen Motive wiederum auf bringt und zu einem 6 1/2 Minüter ohne grosse Variationen aufbläht.
Roher, härter und fast kakaphonisch wird’s für kurze Momente in „Hypertension (première partie)“, toll spielen der E-Bass und die Drums. Noch einen dramatischen Zacken drauf setzt Morricone bei „Hypertension deuxième partie“ mit einer gelungenen Variation, in welcher er die tiefen Register aus dem Hauptthema verwendet, sie pointiert und staccatoartige spielen lässt und dazu pulsierende Perkussion setzt. Abgeschlossen wird das originale Album mit einer weiteren Version des Le marginal Themas und des pour Carole Motivs.
Bei den titre bonus ist unter anderem das Stück für den Titelspann (2:07) in Version 1 zu finden. Track 16 wiederum zeigt uns Version 2, nochmals kürzer mit 1:51. Diese Variante scheint etwas dichter, deutlich von Klavier und E-Bass geführt und mit einem sich zuspitzenden Ende (wenn die Drums Fahrt aufnehmen und die Streicher an Intensität zulegen).
Das Bonus „H.S.M. (Thème de Mecacci)“ hat einen offenkundigeren Jazz Einfluss, insbesondere das Schlagzeug ist prominent in Szene gesetzt, Morricone legt einigee kurze Pausen ein, das ist ebenfalls im Klassestück „Enquête sur la drogue“ zu hören, während „Le squat des Antillais“ ein rein perkussives Stück ist und sich schon alleine deswegen vom Rest der Musik abhebt. Eine zurückhaltendere Variante „Pour Carole, deuxième version“, hier mit den Flöten als Hauptinstrument während es in der „troisième version“ die Trompete ist, die dem Thema einen rauchigeren Anstrich verleiht.
Man muss das Le marginal Thema sicher sehr mögen um diese CD mehrmals in Gänze durchzuhören. Freilich kann man sich die Sache auch aufteilen in Albumversion und „titres bonus“. Die unzähligen alternativen, zusätzlichen und nochmals anderen Varianten sind eher für den absoluten Le marginal Kenner und nach mehrmaligem kreuz und quer Hören wirklich voneinander zu unterscheiden.