Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03430.jsonl.gz/126

Aufsätze sind Bestandteil verschiedener Abschlussprüfungen, wie etwa den Maturitätsprüfungen. Wer denkt, dass nur Schreibtalente gute Aufsätze verfassen können, irrt sich. Viele Grundtechniken kann man lernen, so etwa die Technik der Erörterung.
Oft wird von Kritikern gesagt, dass Aufsätze subjektiv bewertet werden und die Lehrerinnen und Lehrer eine willkürliche Note verteilen können. Dem ist normalerweise nicht so. Die Lehrpersonen bedienen sich bei der Aufsatzverbesserung schematischer Bewerbungsbögen, welche verschiedene Kriterien, wie etwa den Textaufbau und die Wortwahl miteinbeziehen. Die Schülerinnen und Schüler haben das Recht, die Bewertungskriterien vor den Prüfungen zu sehen. Allerdings kann nicht geleugnet werden, dass die Bewertung sicherlich auch ein wenig vom persönlichen Geschmack des Lehrers abhängt. Bevor aber wichtige Aufsätze wie der während den Maturitätsprüfungen anstehen, finden diverse Probedurchläufe statt. Während den Probedurchläufen merkst Du, welchen Schreibstil Dein Lehrer mag und welche Elemente ihm besonders wichtig sind. Generell gilt es, während den Prüfungen kein Risiko einzugehen. Wer bisher mit sachlichen Argumentationen zufriedenstellende Noten erzielt hat, sollte nicht plötzlich während den Maturitätsprüfungen einen kreativen Aufsatz wagen.
Oft kann an Abschlussprüfungen zwischen zwei Aufsatztypen gewählt werden, einer Argumentation (auch Erörterung genannt) oder einer freien Erzählung. Eine Erzählung kann sehr guten Aufsatzschreibern mit Fantasie und Ausdruckstärke zu guten Noten verhelfen. Allerdings wird generell empfohlen, die Argumentation zu wählen. Argumentationen haben eine vorgegebene Struktur, die man lernen kann und bringen damit weniger Risiko mit sich.
Bei einer Erörterung geht es darum, einen bestimmten Sachverhalt, eine gewisse Problemstellung, eine These oder ein Zitat objektiv zu diskutieren. Es gibt zwei Arten von Erörterungen. Bei der linearen Erörterung muss ich nur meine persönliche Meinung vertreten, kann mich also nur für Pro-Argumente oder nur für Contra-Argumente entscheiden. Anders ist dies bei der dialektischen Erörterung. Hier besteht das Ziel darin, sowohl Pro als auch Contra-Argumente aufzuführen. Jedes Argument muss mit einem Beispiel belegt werden. Am Ende der Erörterung erfolgt ein abschliessendes Urteil, in welchem man sich für einen Standpunkt entscheidet. In Abschlussprüfungen haben die Schülerinnen und Schüler meistens eine dialektische Erörterung zu schreiben, da diese besser aufzeigt, ob die Prüfungsteilnehmer in der Lage sind, ein Thema kritisch von mehreren Perspektiven aus zu durchleuchten.
Jede Erörterung beginnt mit einer Einleitung. In dieser sollte das Thema kurz vorgestellt werden sowie die Vorgehensweise erklärt werden. Es ist zudem wichtig, die Aufmerksamkeit des Lesers für sich zu gewinnen. Dies kann etwa dadurch erreicht werden, dass ein kurzes Anfangsszenario beschrieben wird. Wenn beispielsweise über das Thema „Jugendliche und Social Media“ argumentiert wird, könnte eine Einführung ungefähr so aussehen: Mindestens jeden Tag eine neue Story. Jeden Abend vor dem Schlafengehen noch ein kurzer Blick auf Facebook. Likes, um das Selbstbewusstsein zu stärken. Social Media ist aus dem Leben vieler Jugendlicher kaum wegzudenken. Es werden vermehrt Stimmen laut, die sich gegen Social Media aussprechen. Doch sind Social Media tatsächlich ein Gefahr für Jugendliche oder sind diese nicht eher eine Bereicherung? Die nachfolgende Erörterung soll Auskunft über diese Streitfrage geben. Im Hauptteil werde ich zuerst auf die Pro-Argumente eingehen. Anschliessend beschäftige ich mich mit den Argumenten, die gegen die sozialen Medien sprechen. Am Ende meiner Erörterung werde ich in einem Fazit aufzeigen, welche Meinung ich vertrete und welche Argumente stärker zu gewichten sind. Zudem werde ich auch mögliche Lösungsansätze präsentieren.
Nach der Einleitung erfolgt die eigentliche Argumentation, der Hauptteil. Die Argumentation ist in zwei grosse Blöcke unterteilt, den Contra-Block und den Pro-Block. Ob zuerst auf die Contra oder die Pro- Seite eingegangen werden soll, hängt von der Position des Verfassers ab. Zuerst sollte die Position geschildert werden, die man nicht vertritt. Bei der Gegenposition sollte man mit dem stärksten Argument beginnen und mit dem schwächsten aufhören. Anschliessend beschreibt man die Argumente der Position, die man selbst vertritt. Hierbei wir das stärkste Argument am Schluss aufgeführt, um diesem Nachdruck zu verleihen.
Jedes einzelne Argument ist nach dem gleichen Schema aufgebaut: In einem ersten Schritt wird das Argument aufgezeigt. Anschliessend gilt es, dieses genauer zu erklären und zu begründen. Auch ein Beispiel darf nicht fehlen. Die Darlegung eines Argumentes in drei Schritten könnte so aussehen: Gegen die Benützung von Social Media Kanälen wie Instagram spricht, dass diese den Jugendlichen perfekte, unrealistische Körper aufzeigen (Argument). Die Fotos auf Instagram und anderen Plattformen zeigen eine perfekte Welt auf. Die Fotos sind bearbeitet und entsprechen nicht der Realität. Dessen sind sich aber viele junge Mädchen nicht bewusst (genauere Erklärung, Begründung). So liest man immer wieder von jungen Mädchen, die aufgrund des Vorbilds der perfekt anmutenden Influencer eine Diät beginnen (Beispiel).
Am Ende der Erörterung folgt das Fazit. Hier werden nochmals die wichtigsten Pro und die wichtigsten Contra-Argumente zusammengetragen. Anschliessend werden diese gewichtet und die eigene Meinung präsentiert. Wichtig ist hierbei, dass im Fazit keine zusätzlichen Argumente erwähnt werden sollten. Alle Argumente, die im Fazit angesprochen werden, sollten sich auch im Hauptteil befinden. Ein Fazit könnte wie folgt aussehen: Obwohl gewisse Argumente wie etwa die Möglichkeit sozialer Kontakte für die Nutzung von sozialen Medien sprechen, möchte ich mich dagegen aussprechen. Die Nachteile der sozialen Medien sind so gravierend, dass sie die Vorteile zunichtemachen. Insbesondere die Gefahr von Cyber Mobbing und die falschen Schönheitsideale sind meiner Meinung nach starke Contra-Argumente, die gegen die Nutzung von Social Media sprechen und die Pro-Argumente entkräften. Im Schlussteil kann auch ein Ausblick gemacht werden (à la: ich denke, dass sich diese Problematik in Zukunft noch verstärken wird) und Lösungsvorschläge aufgezeigt werden.
Abgesehen vom persönlichen Fazit sollte die Erörterung sachlich und objektiv geschrieben sein. Es ist zudem von grosser Bedeutung, dass die Argumentation übersichtlich aufgebaut ist. Es gilt zudem, die korrekte Struktur einzuhalten und zu Beginn jedes Abschnittes zu erklären, wo man sich gerade befindet. Zum Beispiel: Nachdem ich die Pro-Argumente aufgezeigt habe, komme ich nun zu den Argumenten, die gegen die Nutzung von sozialen Medien sprechen. Verschiedene Formulierungen helfen, die Struktur der Erörterung zu umschreiben. Diese findest Du zum Beispiel auf meinlernen.at.
Wie bereits erwähnt, korrigieren die Lehrpersonen die Aufsätze mithilfe eines Bewertungsbogens. Bei einer Erörterung wird zuerst beurteilt, ob der Titel passend ist. Natürlich fliesst auch als Kriterium in die Bewertung mit ein, ob das Thema korrekt verstanden worden ist. Wenn Du etwa das Zitat der Aufgabe falsch interpretiert hast oder zu stark vom Thema abweichst, führt das zu Punkteabzug.
Anschliessend werden die einzelnen Argumente bewertet. Sind diese plausibel, rational und werden mit passenden Erklärungen und Beispielen untermauert? Zudem werden der Textaufbau sowie die einzelnen Textbausteine, also die Einleitung, der Hauptteil und der Schluss bewertet. Der Lehrer analysiert, ob der Text korrekt aufgebaut ist und ob die einzelnen Teile ihren Zweck erfüllen; wird im Schlussteil die Position des Verfassers ersichtlich? Führt die Einleitung auf spannende Art und Weise in die Thematik ein? Beinhaltet der Hauptteil alle wichtigen Argumente? Auch der Schreibstil und die Wahl der richtigen Stilmittel werden geprüft. Grammatik und Rechtschreibung sind natürlich in jedem Aufsatz von Bedeutung und fliessen in die Gesamtbewertung mit ein.
Damit die Erörterung gelingt, sollte genügend Zeit für die Planung einkalkuliert werden. Es ist wichtig, zu Beginn der Prüfung die Aufgabe mehrmals durchzulesen und sicherzustellen, dass man nicht vom Thema abweicht. Weiter macht es Sinn, in einer Art Skizze oder Mind Map alle Argumente beziehungsweise Gedanken zum Thema zu sammeln. Anhand der Skizze können anschliessend die relevanten Argumente ausgewählt sowie eine passende Reihenfolge festgelegt werden.
Hast du Fragen? Dann ruf uns an unter +41 43 444 68 14 oder schreib uns eine E-Mail an <email-pii>. Wir freuen uns, von dir zu hören!