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Zürich, den 20. October 1871.
Hochgeehrter Herr Geheimrath!
Vor allem habe ich zu berichtigen, daß im Eingange meines Schreibens vom 14. nicht von einer, sondern von einem Porte die Rede sein und daß ferner mein Telegramm vom 17. nicht auf eine «entschäftliche» sondern auf eine «endschaftliche» Ratifikation unsers Vertrages lauten sollte.
Es gereicht mir zu wahrem Vergnügen, Ihnen in dem gegenwärtigen Briefe eine Reihe von Mittheilungen machen zu können, welche Sie sämmtlich ohne Zweifel mit Befriedigung entgegen nehmen werden.
Was vorerst den ⅓ der Betheiligung an dem Gotthard Consortium anbetrifft, welcher dem Italienischen Kapitale vorbehalten worden ist, so habe ich alle nöthigen Maßregeln ergriffen, um zu verhindern, daß diese Betheiligung nicht unter der Maske einer | Italienischen eine Deutsche sei. Es wäre zu weitläufig, hier im einzelnen auszuführen, worin diese Maßregeln bestanden haben. Dagegen glaube ich die Gewähr dafür übernehmen zu können, daß eine solche Umgehung der Absichten, welche bei uns obgewaltet haben, als wir in dem Vertrage dem Italienischen Kapitale ⅓ der Betheiligung an dem Consortium offen behielten, nicht Statt finden wird.
Obgleich Servadio sehr bei mir insistirte, daß die Ital.-Germanische Bank Aufnahme in die Italienische Gruppe, welche den Vertrag unterzeichnen soll, finde, habe ich dieß nichts desto weniger getreu dem Ihnen gegebenen Worte, entschieden abgelehnt. Ich habe mich dabei auf die grundsätzliche Anschauung gestützt, daß ganz neue Bankinstitute nicht zur Unterzeichnung des Vertrages zugelassen werden können.
Es ist keine Rede davon, daß Sulzbach durch die Italienische Gruppe in den Verwaltungsrath der Gotthardbahngesellschaft gelangen wird. Meine bestimmte Verabredung mit Servadio geht dahin, daß nur Angehörige der Italienischen Nationalität die Italienische Gruppe im Verwaltungsrathe vertreten dürfen und überdieß ist [einverstanden?], daß Servadio sich über die an die Italienische Gruppe als Mitglieder des Verwaltungsrathes zu bezeichnenden Personen mit mir zu verständigen hat.
Endlich habe ich Anordnung getroffen, daß [O.?] Landau Aufnahme in die Italienische Gruppe finde, welche den Vertrag unterzeichnen soll. Ich habe dieß gethan, um Ihrem in dringender Weise | geäußerten Wunsche zu entsprechen, obgleich vielleicht niemand mehr als ich darunter zu leiden hatte, daß Landau seit Jahren keine Anstrengung in Italien gescheut hat, um das Gotthardproject unter das Eis zu bringen!
Was sodann den Antheil von einem ⅓ an dem Consortium anbetrifft, welcher dem Schweizerischen Kapitale vorbehalten wurde, so habe ich die dießfälligen Verhandlungen so viel als zum Ende geführt.
Das ganze Programm, welches ich mir in diesem Betreffe zu recht gelegt hatte, ist angenommen worden, freilich nur, nachdem verschiedene Interessenten, und unter diesen ganz besonders die Basler Handelsbank, Veranlaßung genommen hatten, sich in der unanmuthigsten Weise zu geberden.
Das Resultat, soweit es Sie interessiren kann, ist nun, daß die Mitglieder des im Jahre 1869 in's Leben gerufenen Schweizerischen Consortium's mit denselben Summen, zu deren Uebernahme sie sich damals verpflichtet hatten, unserm neuen internationalen Consortium beitreten, daß jedoch die Schweizerische Nordostbahn & die Schweizerische Centralbahngesellschaft von ihrem Antheile Ihnen zu Handen der deutschen Gruppe je 2 Millionen abtreten und daß von den Fs. 2,856,000, welche die Differenz zwischen der von dem Schweiz. Consortium im Jahre 1869 aufgebrachten Summe von Fs. 31,144,000, und der im Betrage von 34 Millionen dem Schweizerischen Kapitale angebotenen Betheiligung an dem neuen internationalen Consortium ausmachen, eine Million Ihnen | zu Handen der deutsche Gruppe, eine weitere Million den Herren Dörtenbach & Cie & Pflaum & Cie in Stuttgart und die restirenden Fr. 856,000 Tessin'schem Privatkapitale überlassen werden, dessen ausnahmsweise nachträgliche Berücksichtigung durch Zweckmäßigkeitsgründe dringender Art geboten erscheint.
Schweizerischer Seits wird der Vertrag von folgenden Firmen für nachstehende Summen unterzeichnet werden:
|Schweiz. Nordostbahngesellschaft||in||Zürich||für Fs.||9,000,000|
|Schweiz. Creditanstalt||"||"||8,500,000|
|Schweiz. Centralbahngesellschaft||in||Basel||9,000,000|
|Basler Handelsbank||"||"||1,500,000|
|Bischoff zu St. Alban||"||"||1,500,000|
|R. Kaufmann||"||"||1,000,000|
|Bank in Luzern||"||Luzern||1,000,000|
|Aargauische Bank||"||Aarau||1,000,000|
|Berner Handelsbank||"||Bern||500,000|
|Bank in Schaffhausen||"||Schaffhausen||750,000|
|Thurgauische Hypothekarbank||"||Frauenfeld||250,000|
|Fs.||34,000,000.|
Sie entnehmen meinen bisherigen Mittheilungen, daß es mir gelungen ist, von dem Schweizerischen Antheile 5 Millionen Franken für Sie, beziehungsweise die deutsche Gruppe erhältlich zu machen. Diese 5 Millionen müssen unter Schweizerische Flagge | gestellt werden und ich habe dieß so combinirt, daß die Schweiz. Nordostbahngesellschaft in Zürich 2, die Schweiz. Creditanstalt in Zürich 1 & die Schweiz. Centralbahngesellschaft in Basel 2 Millionen für Sie, beziehungsweise Ihre Gruppe zeichnen würden. Was die Bedingungen anlangt, unter welchen diese Zeichnungen an die erwähnten Schweizerischen Firmen bewerkstelligt würden, so beehre ich mich, Ihnen in der Beilage ein Formular zu übersenden, welchem Sie entnehmen wollen, zu welchen Conditionen die Schweiz. Creditanstalt die Vertretung des Handelsstandes von Zürich und von Winterthur für die Zeichnung übernommen hat. Ich denke, das ausländische Kapital wird es nicht unbillig finden, wenn ihm dieselben Bedingungen, wie dem inländlischen Kapitale vorgeschlagen werden.
Mit freundschaftlicher Hochachtung
sig. Dr. A. Escher 1