Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03331.jsonl.gz/1679

Im vorliegenden Beitrag loten wir die umstrittenen Grenzen der Notwehr aus und beantworten die Frage, wie weit die Unrechtsabwehr gehen darf, wenn bei der Notwehrhandlung Rechtsgüter von unbeteiligten Drittpersonen verletzt werden. Dass sich der Angegriffene in einer Notwehrsituation verteidigen darf, ist unbestritten. Da er dabei naturgemäss kaum ruhig und berechnend vorgehen kann, nicht zuletzt weil die Notwehrsituation oft sehr chaotisch ist, geschieht es nicht selten, dass mit der Notwehrhandlung der Angreifer verfehlt und eine am Angriff unbeteiligte Person getroffen wird oder dass sich der Angegriffene irrt und sich gegen den falschen «Angreifer» wehrt. Im Folgenden zeigen wir insbesondere auf, wie solche Konstellationen der aberratio ictus einerseits und des error in persona andererseits im Zusammenwirken mit Grundsätzen der Notwehr bzw. des Notstandes zu beurteilen sind.