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Im April 2019 führte Schlagzeugstudent Corentin Marillier das Werk «Black Box Music» des Komponisten Simon Steen-Andersen auf. In diesem Werk für ein grosses Ensemble performen zwei riesige, auf eine überdimensionale Leinwand projizierte Hände dirigentische Gesten in einer Art Puppentheaterbühne. Ein multimediales, verrücktes, aufwändiges Spektakel, welches nur von wenigen, persönlich ausgewählten Personen gespielt werden darf. Corentin gehört zu einem exklusiven Kreis von lediglich vier Musikern weltweit. Bei der Vorbereitung kamen entsprechend viele Elemente und Disziplinen wie Tontechnik, Design und Komposition zusammen. Corentin nahm uns am Tag der Aufführung mit hinter die Kulissen (Bildgalerie) und erzählte uns von den aufwändigen Vorbereitungen.
Als ich zum ersten Mal die Black Box Music hörte, hatte ich ein riesiges projiziertes Bild mit zwei grossen, in eine Box getauchten Händen, vor mir. Wir wollten das Stück, das von Simon Steen-Andersen im Jahr 2012 für einen Künstler mit seiner Black Box, 15 Musikerinnen und Musiker, Video und Elektronik geschrieben worden war, an unserem Festival Wege der Wahrnehmung aufführen. Der Titel ist genauso rätselhaft wie die berühmt-berüchtigte Box selbst. Am 6. Oktober 2018 war es so weit: Ich erfuhr mehr über die Black Box, denn ich traf Simon Steen-Andersen zum ersten Mal.
Ich lud noch zwei weitere Personen ein: die mit dem Bau beauftragte Designerin Pia Matthes und den Komponisten und Tontechniker Emilio Guim, der sich des audiovisuellen Bereichs annahm. Simon bestand auf mehreren Punkten: Jeder Musiker musste seine eigene Box bauen, was je etwa 20‘000 Euro ausmachte. Die Box sollte mit sieben Mikrofonen, einer in Echtzeit filmenden Kamera, drei an verschiedenen Stellen in der Box angebrachten Lampen mit je einem Schalter, Vorhängen, Isoliermaterial und allerlei Mechanik (Schrauben, Haken) ausgestattet sein, um darin verschiedene Klangobjekte zu handhaben (Stimmgabeln, Gummibänder, Ventilatoren, Plastikbecher usw.).
Diese Black Box ist ein wahrhaftes Miniaturtheater, bei dem meine Hände die Hauptrolle spielen. Im November besuchten wir Hakon Stene, den ersten Perkussionisten, der das Stück gespielt und die Box gebaut hatte. Von da an begann Pia mit der Konzeption (Budget, Planung, Material usw.). Ich traf Michael Kaufmann, Direktor der Hochschule Luzern – Musik. Er bot seine Unterstützung an und half mit bei der Anfrage von Stiftungen. Ende März 2019 bekam ich schliesslich zwei positive Rückmeldungen.
Wir begannen Ende Januar, das Material einzukaufen und trafen uns jede Woche in einem Atelier in Luzern. Wir brauchten acht volle Tage zum Bau der Aussenseite der Box und sechs weitere Wochen zum Finalisieren des inneren Bereichs (Elektronik, Audiobereich, Isolation, Farbe usw.), In letzter Minute mussten dann auch noch zahlreiche Anpassungen vorgenommen werden. Parallel dazu musste ich die Noten lernen, denn die Proben mit allen Musikern und Musikerinnen begannen in der Woche des Konzerts, was voraussetzte, dass ich vorbereitet war. Das Notenlernen lässt sich in zwei Arbeitsformen aufteilen: einerseits tägliches Üben der Choreografie aus Bewegungen und Gesten sowie anderseits die Beherrschung des Raums und das Einstudieren eines möglichst reibungslosen Ablaufs der Bedienung aller Vorrichtungen (Installation der Ventilatoren, Aufhängen der Gummibänder, Öffnen/Schliessen der Vorhänge, rhythmisches Lichtspiel).
Konzertausschnitt
Das Projekt wurde am 5. April 2019 im Neubad in Anwesenheit von Simon Steen-Andersen aufgeführt. Als ich das Projekt im Herbst 2018 angenommen hatte, war die Idee dahinter, Neues, Unbequemes zu wagen und meine Gewohnheiten zu durchbrechen. Ich musste mich in einem Projekt beweisen, das verschiedene Disziplinen und Personen vereinte und in dem ich ausserdem eine einzigartige künstlerische Leistung anstrebte, die weit von den «Standard»-Kompetenzen eines klassischen Perkussionisten entfernt ist. Ich glaube fest an die positiven Auswirkungen dieses riskanten Unterfangens. Es hat mich zum Überdenken meiner Praxis und der Zukunft meines Instruments angeregt.