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Herkunft
Die Freiburger Patrizierfamilie Reynold stammt ursprünglich aus Savoyen und ist seit 1531 in Freiburg im Üechtland eingebürgert. Im 17. und 18 Jahrhundert sind 26 Mitglieder des Familienzweiges Périlles-Cressier Offiziere in französischen Diensten, viele sind zudem Magistraten des eidgenössischen katholischen Stadtstaates Freiburg (Fribourg). Die Linie ist heute ausgestorben, im Familiensitz Cressier wohnt als letzter grosser Vertreter Gonzague de Reynold (1880–1970).
Antoine wird um 1643 geboren.[1] Sein Vater Jean-Antoine (1611–1684) ist Freiburger Ratsmitglied, Appellationsrichter, Tagsatzungsgesandter und seit 1624 auch Offizier in französischen Diensten. Er zeichnet sich bei Belagerungen in Spanien aus. 1647 wird die Familie von Louis XIV geadelt und darf die Bourbonenlilie im Wappen führen.
Die Mutter Marie, Tochter des Louis de Bazemont zu Fiançayes (Drôme), ist die zweite von drei Ehefrauen des Jean-Antoine. Durch diese Heirat erhält Vater Jean-Antoine eine Herrschaft im Dauphiné.
Antoine hat vier Brüder (François, Nicolas, Edmond und François-Joseph)[2] und zwei Schwestern (Anne und Marie-Hélène). Der 1642 auf Fort Barraux in der Dauphiné geborene François setzt die Offizierstradition in französischen Diensten fort, rückt zum Generalleutnant auf, erhält den Grafentitel und das Grosskreuz des St.-Ludwigs-Ordens.
Abt in Hauterive 1700-1703
Antoine wird für eine kirchliche Laufbahn bestimmt. Er tritt um 1660 ins Zisterzienserkloster Hauterive oder Altenryf bei Freiburg ein. Dort ist er 1665 bereits Subdiakon und 1666 Diakon. Im nahen Zisterzienserinnenkloster La Maigrauge wird er 1681 Beichtiger und Verwalter. Hier ist seine Tante Marguerite Gertrude de Reynold seit 1633 Nonne und bekannte Chronistin.[3] 1700 wird Père Antoine zum Abt von Hauterive gewählt. Er wird 1701 Generalvikar der schweizerisch-elsässischen Zisterzienserprovinz, zu der auch die Zisterzienserabteien des Breisgaus gehören. Die Abtei Hauterive liegt im Hoheitsgebiet des eidgenössischen Standes Freiburg, dessen Rat die Wahl von Abt Antoine de Reynold nicht anerkennt. Grund sind Rivalitäten unter den regierenden Patrizierfamilien, geprägt von der Parteiname für Spanien oder für Frankreich. Der neue Abt von Hauterive ist für die Mehrheit des Rates wegen der familiären Beziehungen zum Hof von Versailles nicht genehm.
Abt in Lützel (Lucelle) 1703–1708
Francois der Raynold, der ältere Bruder von Antoine, ein geschätzter Offizier im Dienste Frankreichs, setzt sich mit Unterstützung des Hofes und des Fürstbischofs von Basel für seinen Bruder ein. Da die Abtei Lucelle seit dem Tod des Abtes Pierre Tanner nun schon zehn Monate ohne Abt ist, weil hier der vom Konvent favorisierte Léon de la Brèche dem französischen König nicht genehm ist, bietet sich eine Rochade an.[4] Am 18. März 1703 wird Antoine de Reynold zum Abt von Lützel gewählt, während in Hauterive der dem Rat von Freiburg genehme Clément Morat seinen Platz einnimmt. Die königliche Bestätigung der Abtwahl in Lützel folgt umgehend. Das durch die diversen Erbfolgekriege finanziell ausgeblutete Frankreich bindet aber seine Bestätigung an eine Jahrespension von 3000 Livres zugunsten eines adeligen Kanonikers, dessen Brüder in königlichen Diensten stehen.[5]
Abt Antoine tritt in Lützel kein leichtes Erbe an. Die Mutterabtei vieler Zisterzienserklöster im Deutschen Reich liegt seit 1648 zweigeteilt auf der Grenze von Frankreich und dem Fürstbistum Basel. Das im Dreissigjährigen Krieg verwüstete und nach 1657 wieder aufgebaute Kloster fällt 1699 einem Grossbrand zum Opfer. Die hochgotische Kirche widersteht zwar dem Feuer, ihr Inneres und auch die frühbarocke Ausstattung ist beim Amtsantritt von Abt Antoine noch immer stark verrusst. Als erstes stellt der neue Abt die Kirche wieder her. 1704 fährt er mit dem Neubau der Konventgebäude fort. Ihr Bau ist seit 1685 wegen eines Streites des Vorgängerabtes mit dem Baumeister unterbrochen. Abt Antoine muss für den kaum über die Fundamente gediehenen Baus nachträglich 11 500 Livres an die Erben des Baumeisters zahlen.[6] Die neue Dreiflügelanlage südlich der Kirche kann 1709 bezogen werden.
Die Fertigstellung der Gebäude erlebt Abt Antoine de Reynold nicht mehr. Er stirbt nach nur fünf Jahren Regierung am 17. März 1708 im Alter von ungefähr 64 Jahren.
Die Chronik bezeichnet ihn als vorzüglichen Ökonomen, der trotz der Baulasten noch die Schulden des Vorgängers begleichen kann. Er wird auch als guter und verständiger Klostervorsteher gelobt.
Ein Porträt des Abtes ist in einer Kopie aus der Mitte des 18. Jahrhunderts vorhanden. Es ist ohne Beschriftung und zeigt den Abt in Halbfigur, die rechte Hand am Brustkreuz, das eher korpulente Gesicht dem Betrachter zuwendend. Er ist hier im Alter von ungefähr 60 Jahren dargestellt.
Pius Bieri 2014
Anmerkungen:
[1] Weder Geburtsjahr noch Ort sind bekannt. Antoine wird 1666 Diakon in Hauterive, müsste als ohne päpstliche Dispens 23 Jahre alt sein. Das Geburtsjahr ist also um 1643 anzusetzen. Siehe auch Anmerkung unten.
[2] Lebensdaten gemäss Staatsarchiv Freiburg (Literatur):
François 1642–1722; François-Joseph 1653–1736. François ist Erstgeborener. François-Joseph jüngstes Kind. Völlig falsch sind leider die Angaben in KDM-Band Fribourg, Tome IV, le District du Lac (I), Seite 194. Dort wird das Geburtsdatum von Antoine mit 1655/56 bezeichnet. Damit wäre er mit 11 Jahren schon Diakon einer Zisterzienserabtei!
[3] Die 1621 geborene Soeur Marguerite Gertrude de Reynold vergisst 1660 vor dem Gottesdienst die Kerze auf ihrem Schreibtisch zu löschen und verursacht so einen Grossbrand.
[4] Léon de la Brèche stammt aus Pruntrut im Fürstbistum Basel, das zum spanischen oder kaiserlichen Lager zählt.
[5] 3000 Livres tournois entsprechen 1703 rund 200 Louis d'or oder 1480 rheinischer Gulden. Diese Pension muss an Ernestus Dominikus von Manderscheid, einem Kanoniker in Strassburg und Köln, bis zu dessen Tod 1721 entrichtet werden. Seine Brüder dienen für die französische Krone.
[6] Abt Pierre Tanner verdingt den Neubau 1685 an den Breisacher Baumeister-Architekten Etienne Avogadio, der in einem Prozess gegen die Abtei diese hohe Summe als Entschädigung erreicht. Der damalige Wechselkurs ergibt 5500 Gulden. Die Erben sind im Prozess durch Jean-Baptiste Léon, Festungsinspektor in Brisach, vertreten. Über Avogadio ist nichts bekannt, ausser dass er aus dem Piemont stammt. Er dürfte unter Vauban am Festungsbau von Neuf-Brisach mitgewirkt habe.
|Abt OCist Antoine de Reynold (um 1643–1708)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|um 1643||Unbekannt||Frankreich ?|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Zisterzienserabtei Hauterive und Lucelle||1700–1708|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|17. März 1708||Lucelle F, Département Doubs||Frankreich|
|Kurzbiografie|

Antoine de Reynold ist Freiburger Patriziersohn. Sein Vater und sein ältester Bruder stehen als als hohe Offiziere im Dienste Frankreichs. 1700 wird er vom Konvent der Zisterzienserabtei Hauterive zum Abt gewählt. Die Orientierung der Familie nach Frankreich verhindert die Anerkennung der Wahl durch den Stand Freiburg. Weil in der Zisterzienserabtei Lützel aus dem gleichen Grund ein Abt wegen der Herkunft aus dem Fürstbistum Basel vom Sonnenkönig abgelehnt wird, wechselt Antoine de Reynold 1703 in die durch einen Grossbrand verwüstete Zisterzienserabtei Lützel oder Lucelle im Jura. Dort wird er mit der Wiederherstellung des Konventes und dem Neubau der Gebäude zum eigentlichen barocken Neugründer.
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