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Lee Lozano (1930–1999) gehört zu den weniger bekannten und dennoch faszinierendsten KünstlerInnen der New Yorker Kunstszene der 1960er und 1970er-Jahre, deren Werk in den vergangenen Jahren eine beachtliche Aufmerksamkeit erfahren hat („Lee Lozano: Drawn from Life“, P.S. 1, 2004).
In den frühen 1960er-Jahren kam Lozano nach einem Studium am Art Institute von Chicago nach New York, und begann ihre kurze künstlerische Karriere mit figurativen Bildern und cartoonartigen Zeichnungen, in denen die Künstlerin verschiedene Werkzeuge als sexualisierte Mischgebilde zeigte und zum Teil mit obszönen und witzigen Texten versah. Lozano verband in den Gemälden der „Tool Paintings“ die funktionalen Aspekte von Werkzeugen mit Anspielungen auf sexuelle Ausbeutung, Voyeurismus, polymorphe Sexualität, Religion und Gewalt. Mitte der 1960er-Jahre setzte sich Lozano in ihren Bildern intensiv mit abstrakten Formen auseinander, die sie aus den Werkzeugmotiven konsequent weiter entwickelte. Vor allem die Manipulationen der Farben auf der Bildfläche erzeugten changierende Lichteffekte und verliehen den minimalen Kompositionen oft eine illusionistische Qualität. Diese Werke mündeten schliesslich in die grossformatigen Bilder der Wave Series, an der Lozano von 1967 bis 1970 arbeitete. Die insgesamt 11 konzeptuellen Bilder entstanden jeweils in einem einzigen, konzeptuell geplanten, performativen Malakt. Die Anzahl und Formation der Wellen auf der Bildfläche folgten, von der Künstlerin selbst entwickelten mathematischen Formeln. Lozano konzipierte für die Wave Series ebenfalls eine spezifische installative Ausstellungssituation: in einem schwarzen Raum sollten sie an der Wand angelehnt, durch eine besondere Lichtsituation für die BetrachterInnen in Bezug auf ihre Farbigkeit und Materialität eine besondere Wahrnehmung erhalten.
Lee Lozano begleitete und dokumentierte ihr malerisches Werk immer auch mit Werkskizzen, Tagebüchern und Ideenprotokollen. In diesen Notizen finden sich bereits Ausgangspunkte für die späteren Language Pieces, die ab Mitte der 60er-Jahren entstanden. In diesen Spracharbeiten sind Werk und Biographie, Kunst und Leben nicht mehr voneinander zu trennen. Sie umfassten Instruktionen für die Künstlerin selbst – wie viel Haschisch sie am Tag rauchen sollte (soviel wie möglich) oder was zu tun ist mit gedruckten Ankündigungen, die sie von Galerien erhält (damit einen Papierhaufen im Atelier machen oder sie aus dem Fenster werfen) – und waren zum Teil Dokumentationen intimer Selbstanalysen. Weitere konzeptuelle Arbeiten waren die protokollarischen Aufzeichnungen für das langjährige Projekt Dialogue Piece. Lozano lud Gäste in ihr Atelier ein, darunter Künstlerfreunde wie Robert Morris, Dan Graham und Robert Smithson, um eine Diskussion zu führen, wobei nie ein eindeutiger Inhalt für die Gespräche bestimmt wurde – der Dialog selbst sollte zum Kunstwerk werden. Lozano sagte in einem Statement von 1969 im Zusammenhang mit ihrer Teilnahme an einem Hearing der Art Workers Coalition in New York: „I will not call myself an art worker but an art dreamer and I will participate only in a total revolution simultaneously personal and public.“ Lozano äusserte damit einen politischen Anspruch an die Kunst, dass diese nicht nur in Museen, Galerien oder Magazinen stattfinden solle, sondern vor allem als freies Vehikel zum Austausch von Ideen dienen müsse. Spracharbeiten wie Throwing Up Piece, 1969, in welchem Lozano die Anweisung gab, in ihrem Atelier 12 der aktuellsten Ausgaben des Kunstmagazins Artforum in die Luft zu werfen, belegen die zunehmende Desillusionierung der Künstlerin vom wachsenden kommerziellen Kunstbetrieb Ende der 1960er-Jahre. Lee Lozano begann sich um 1970 langsam aus der Kunstszene New Yorks zurück zu ziehen, indem sie methodisch alle Kontakte mit Galerien, KritikerInnen und anderen KünstlerInnen abbrach. Schliesslich entschloss sie sich, nicht mehr mit Frauen zu sprechen – ein radikales Statement, dass eine Kritik gleichzeitig am Kunst- und Gesellschaftssystem übte, in welchem Frauen und Künstlerinnen keine Anerkennung erlangten und in welchem die Frauenrechtsbewegung zu dieser Zeit keine brauchbaren Alternativen anbieten konnte. 1971 zog Lee Lozano nach Dallas, Texas, wo sie 1999 starb, ohne je wieder in die Kunstwelt zurückzukehren.
Die Kunsthalle Basel wird erstmals in Europa eine umfangreiche Einzelausstellung von Lee Lozano zeigen. Neben den weniger bekannten figurativen Bildern und Zeichnungen Lozanos aus den frühen 1960er-Jahren werden unter anderem die konzeptuellen Spracharbeiten sowie auch die gesamte Wave Series aus der Sammlung des Wadsworth Atheneum Museum of Art in Hartford, Connecticut, präsentiert werden.
Die Ausstellung „Lee Lozano: WIN FIRST DONT LAST/WIN LAST DONT CARE“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Van Abbemuseum in Eindhoven. Im Oktober 2006 wird diese Ausstellung nach Eindhoven ans Van Abbemuseum reisen (weitere Informationen finden Sie unter: http://www.vanabbemuseum.nl.
Ein umfangreicher Katalog ist beim Schwabe Verlag, Basel erschienen.
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