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«Ein Meister hielt mit seinen Jüngern täglich eine Abendmeditation. Als eines Tages die Hauskatze während dieser Zeit in den Raum lief und störte, ordnete er an, sie solle während dieser Zeit draussen fest gebunden werden. So konnte man von da an wieder ungestört beten.
Aber die Zeit verging. Der Meister starb und bekam einen Nachfolger. Dieser hielt sich streng an die Tradition, dass während der Abendmeditation eine Katze draussen angebunden sein müsse. Als schliesslich die Katze starb, wurde eine neue Katze angeschafft, um sie während der Gebetszeit draussen anbinden zu können.
Weil die einfachen Leute den Sinn dieser Massnahme nicht verstanden, traten weise Männer auf den Plan und schrieben ein zweibändiges Werk mit vielen Fussnoten über die Heilsnotwendigkeit einer angebundenen Katze während der Abendmeditation.
Mit der Zeit jedoch kam die Abendmeditation selbst ganz ausser Gebrauch; niemand mehr interessierte sich dafür. Aber mit grösster Treue wurde wenigstens der Ritus des Katzenanbindens beibehalten.»
(Quelle unbekannt; zitiert aus: Adventskalender 2013)