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Hayek vs. Friedman
Welches ist das richtige Geldsystem? Wie gut taugt das aktuelle? Diese Fragen bewegen aktuell überall besonders stark und waren auch schon Thema in den Kommentaren dieses Blogs. Die Namen zweier Theoretiker fallen immer wieder, vor allem wenn es um die Kritik am aktuellen Geldsystem mit Notenbanken geht, die mehr oder weniger autonom die Geldmenge steuern: Milton Friedman und Friedrich August von Hayek. Beide gelten als wichtigste Protagonisten jener ökonomischen Schulen, die das Fundament für den so genannten Neoliberalismus gelegt haben. Im Fall von Hayek ist dies die Schule der «(Neo-)Österreicher» im Fall von Friedman ist es der so genannte «Monetarismus» oder noch allgemeiner, die «Chicago-Schule». Beiden ist gemeinsam, dass sie Eingriffe des Staates in die Wirtschaft fast immer ablehnen. Kein Wunder werden sie meist in einem Atemzug genannt.
Zu unrecht, wie das folgende undatierte ältere Videointerview mit Friedrich August von Hayek zeigt – sozusagen eine Trouvaille aus Sicht der ökonomischen Dogmengeschichte:
Das Wichtigste nochmals in Kürze: Was sagt da Hayek über Friedman? Dieser sei von der Methode her ein «Keynesianer». Das könnte überraschen. Immerhin gilt Friedman (wie auch Hayek) als historischer Gegenspieler von John Maynard Keynes, der vor Friedman jahrzehntelang das ökonomische Denken geprägt hat. Wie erklärt Hayek den scheinbaren Widerspruch?
Nun, Keynes war mit seinem Werk auch der Begründer der modernen Makroökonomie, wo man sich nicht mehr nur mit einzelnen Märkten, sondern mit «aggregierten» Grössen wie der Konjunktur, das heisst der Gesamtnachfrage, dem Gesamtangebot, dem gesamten Preisniveau oder der gesamten Arbeitslosigkeit auseinanderzusetzen begann. Dazu werden Statistiken erhoben und Gesetzmässigkeiten abgeleitet. Friedman hat zwar jene Gesetzmässigkeiten angezweifelt, die Keynes vorgebracht hat. Aber er hat im gleichen methodologischen Rahmen ebenfalls makroökonomische Gesetzmässigkeiten postuliert.
Hayek dagegen lehnt gleich das ganze makroökonomische Gerüst ab. Da die Zukunft vollkommen unbestimmt bleibe, könne man auch nicht auf Modelle und Gesetzmässigkeiten aufbauen. Auch von den statistischen Methoden hält er wenig.
Schliesslich kritisiert Hayek auch ganz konkret Friedmans monetaristische Geldtheorie. Die geht im Kern davon aus, dass unabhängige Notenbanken die Geldmenge strikt nur im Gleichschritt mit dem Wirtschaftspotenzial (und damit unabhängig von der aktuellen Konjunkturlage) wachsen lassen sollen. Hayek kritisiert auch hier, dass ein derart einfacher Zusammenhang nicht funktioneren würde. Schliesslich wirbt er für sein eigenes bevorzugtes Geldsystem: den Wettbewerb frei konkurrierender, privat angebotener Währungen. Denn beim Monopol über das Geld sei den Regierungen nicht zu trauen.
Hier nur sehr verkürzt als Anregung zur Debatte ein paar eigene kritische Gedanken dazu:
- Die Kritik von Hayek am Monetarismus halte ich für korrekt: Wie wenig die relevanten Geldmengen wirklich steuerbar sind, zeigt auch dieser Blogbeitrag. Nicht zuletzt daher sind Zentralbanken – wie zum Beispiel jene der Schweiz – die sich einst strikt Friedmans Lehre verschrieben haben, davon wieder abgekommen. Es hat schlicht nicht funktioniert.
- Hayeks eigenen monetären Visionen halte ich für utopisch. Der Informationsaufwand in einer modernen Gesellschaft, um die Qualität und die Akzeptanz konkurrierender Währungen zu klären, wäre zu gross. Vertrauenskrisen wären die Folge.
- Hayeks Skepsis über die Steuerbarkeit der Wirtschaft hat etwas für sich. Doch er geht zu weit, indem er wirtschaftspolitische Eingriffe gänzlich für unnütz erklärt und letztlich für eine Krise kein brauchbares Rezept bereithält.
- Und damit auch noch ein Wort zu John Maynard Keynes, der hier nur am Rande erwähnt wird: Den halte ich für eine Lichtgestalt. Damit meine ich allerdings nicht die Karikatur, auf die ihn Ökonomen und Politiker nach seinem Tod reduziert haben. So wird ihm fälschlicherweise zugeschrieben, an die perfekte Steuerbarkeit der Wirtschaft durch Staatsausgaben zu glauben. Doch dazu ein andermal mehr. Hier, hier (v.a. zweiter Teil) und hier gute Werke zum echten Keynes und seinem Denken.