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Denke ich an Wladimir Putin, den Präsidenten von Russland, ploppen sofort Begriffe wie «gefälschte Wahlen», «Schein-Demokratie» und «Massenproteste» in meinem Kopf auf.
Als ich vor ein paar Wochen einen Artikel der «Frankfurter Allgemeine» von 2015 las, der besagte, dass Putins Popularität im Land steigen würde, sobald er Krieg führt, war ich wenig überrascht. Ein Beispiel für diese These war der Sommer 2008, als Russland gegen Georgien im Kaukasuskrieg kämpfte, wenn auch nur für ein paar Tage.
Putin war so beliebt wie noch nie zuvor, konnte jedoch nicht noch einmal als Präsident gewählt werden, da seine zwei Amtszeiten von je vier Jahren schon vorbei waren. Doch 2012 schaffte er es erneut, zum Präsidenten ernannt zu werden.
So weit, so gut. Auch Russlands Eingriff in den Krieg um Bergkarabach im Herbst 2020 verwunderte mich kaum. Die Region Bergkarabach im Kaukasus ist schon seit dem Ende des Kalten Krieges ein umstrittenes Territorium, denn sowohl Aserbaidschan als auch Armenien beanspruchen das Gebiet für sich. Im Krieg um Bergkarabach kämpfte Russland auf der Seite Armeniens, die Türkei sendete Truppen nach Aserbaidschan.
Sowohl Russland als auch die Türkei wollten sich angeblich für den Frieden in Bergkarabach einsetzen. Doch von der Tatsache ausgehend, dass die beiden Länder schon seit langem Rivalen sind, ist die Theorie, die eigentliche Motivation der Eingriffe sei Machtdemonstration, nicht weit hergeholt.
Das Ereignis, über welches ich hier eigentlich berichten möchte, spielte sich jedoch am 11. Januar 2021 in Moskau ab. Zwei Monate, nachdem ein Waffenstillstand zwischen Armenien und Aserbaidschan ausgerufen wurde, trafen sich Ilham Aliyev, der Präsident Aserbaidschans, Nikol Pashinyan, der Premierminister Armeniens, und Wladimir Putin, welcher als Streitschlichter agierte. Putin, der Mann, der ständig Krieg führt, will Frieden in einer Region, in welche er zwei Monate zuvor noch russische Soldaten schickte.
Das alles klingt für mich relativ unverständlich. Ja fast heuchlerisch. Was will Putin erreichen? Hat er einen ausgefeilten Plan? Oder ist Putin jetzt wirklich auf dem Weg zum Pazifisten?
Lea Tuttlies (*2002) aus Amriswil besucht die Kantonsschule Romanshorn.
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