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Das C. in Mailand war ein in der Katholischen Reform gegr. Priesterseminar für die kath. Eidgenossenschaft, Graubünden, das Wallis und deren Untertanengebiete. Es wurde im 19. Jh. nach seinem Organisator und ersten Administrator Karl Borromäus auch Collegium Borromaeum genannt. Weil Priesterseminarien, wie sie das Konzil von Trient verlangte, in der Schweiz weitgehend fehlten, förderten die Kirche und die weltl. Vertreter der kath. Reform in der 2. Hälfte des 16. Jh. die Schaffung von Freiplätzen an ital. Seminarien. Papst Pius V. erlaubte 1568 dem Mailänder Erzbischof, eine beliebige Anzahl Schweizer in sein Seminar aufzunehmen. Bald regte dieser die Bildung eines eigentl. Kollegiums für Schweizer Studenten an. Papst Gregor XIII. legte 1576-79 durch vier Stiftungen die materielle Grundlage für das C., verbunden mit der Auflage, mindestens 50 Schweizer aufzunehmen. 1582 stiftete Kardinal Mark Sittich von Hohenems für seine Diözese Konstanz 24 weitere Freiplätze. 1579 wurde das C. unter der Leitung und Verwaltung des Erzbischofs in einem eigenen Gebäude eröffnet. Unter Bf. Federico Borromeo erfolgte ein Neubau. Den kath. Orten stand ein Mitspracherecht bei der Verwaltung wie bei der Auswahl der Stipendiaten zu. Die häusl. Leitung hatte die von Karl Borromäus gegr. Kongregation der Oblaten des hl. Ambrosius inne. Die Vorlesungen erteilten zuerst Jesuiten, bis die Oblaten auch die Schule übernahmen. Nebst den Stipendiaten frequentierten ital. Schüler das C., welches in seiner Blüte über hundert Studenten zählte.
Das C. besass im 18. Jh. hervorragende Lehrer und stand unter dem Einfluss fortschrittl. Gelehrter, u.a. von Lodovico Antonio Muratori. Für die Kt. Uri, Graubünden und das Tessin war das C. die bedeutendste Ausbildungsstätte für Theologen. Viele ehemalige Absolventen nahmen in ihrer Heimat einflussreiche kirchl. Stellen ein. In der 2. Hälfte des 18. Jh. verbreitete sich durch sie der Geist des Reformkatholizismus und der Aufklärung. Bedeutende Vertreter dieser Richtung waren der Luzerner Bernhard Ludwig Göldlin und der Urner Karl Joseph Ringold.
Ks. Joseph II. beschlagnahmte im Zuge seiner Reformen 1786 das Gebäude, das nach Entwürfen von bekannten ital. Architekten des 17. Jh. entstanden war (u.a. Francesco Maria Richini). Die Theologiestudenten mussten nun an die Univ. Pavia wechseln. Napoleon Bonaparte hob das C. 1797 auf und wies seine Stiftungsgüter dem Grossen Spital von Mailand zu. 1842 konnten die alten Rechte teilweise wieder hergestellt werden, indem Österreich sich vertraglich verpflichtete, den Schweizer Katholiken fortan 24 von Österreich finanzierte Freiplätze am erzbischöfl. Seminar von Mailand zur Verfügung zu stellen. Nach dem Ende der österr. Herrschaft in der Lombardei wurde die Verpflichtung 1860 vom sardin. Staat und später von der ital. Regierung wahrgenommen. Wie einst das C. wurden auch die Freiplätze rege benützt. 1842-1900 frequentierten insgesamt 366 Studenten die Bildungsstätte, am häufigsten stammten sie aus dem Tessin, aus Graubünden und Uri. 1935 wurden mit dem Seminar auch die Schweizer Freiplätze nach Venegono, in der Nähe von Varese, verlegt. Die beiden Weltkriege und die steigenden Kosten, an welchen sich die Stipendiaten in zunehmendem Masse beteiligen mussten, führten dazu, dass seit Ende der 1930er Jahre die Freiplätze nicht mehr genutzt wurden. Erst 1958 erfolgte durch Initiative des 1930 gegr. Altmailänderverbandes, eines Zusammenschlusses der Schweizer Absolventen des Theologiestud. in Mailand, eine Wiederbesetzung. Gegenwärtig wird die Studienmöglichkeit in Venegono kaum mehr beansprucht.
Literatur
– H. Steiner, Rechtsgutachten betr. die schweiz. Freiplätze am erzbischöfl. Priesterseminar in Mailand, Ms., 1959 (KBUR)
– Fs. zur 400-Jahr-Feier der Errichtung des Collegio Elvetico (Schweizer Seminar) durch Kardinal Karl Borromäus im Okt. 1579, 1979
– H. Wicki, Staat, Kirche, Religiosität, 1990, 164-165
– S. Della Torre, «I palazzi del Collegio Elvetico e del Seminario Maggiore di Milano», in L'architettura del Collegio tra XVI e XVII secolo in area lombarda, hg. von G.C. Zanella, 1996, 77-88,
– W. Hörsch, J. Bannwart, Luzerner Pfarr- und Weltklerus 1700-1800, 1998
Autorin/Autor: Hans Stadler