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Michail Sergejewitsch Gorbatschow wurde in Priwolnoje, einem russischen Dorf nahe Stawropol, geboren. Mit 13 Jahren begann er seine Arbeit in einer Kolchose, in der sein Vater als Mechaniker beschäftigt war. Während seines Jurastudiums an der Universität Moskau zeigte er herausragende Leistung. Dort trat er dann auch in
die Kommunistische Partei ein und wurde Sekretär der kommunistischen Jugendliga an der Fakultät für Rechtswissenschaften. Nach der Rückkehr in seine Heimatregion Stawropol ging es mit seiner politischen Karriere steil bergauf. Er wurde Erster Sekretär des Komsomolkomitees der Region Stawropol und nahm im Jahr 1961 erstmalig als Delegierter am Parteitag teil. In den 1960er Jahren betrieb er seinen politischen Aufstieg durch die regionalen Parteihierarchien. Gleichzeitig schloss er sein Zweitstudium als Diplom-Agraringenieur erfolgreich ab.
Als Landwirtschaftssekretär und Abteilungsleiter des Gebietskomitees der KPdSU erwarb er sich den Ruf eines innovativen Agrarexperten und unbestechlichen Politikers, was seine Parteikarriere steil voranbrachte. Im Jahr 1970 wurde er zum ersten Mal in den Obersten Sowjet gewählt. In dieser Funktion war er in Kommissionen zu Umweltschutz, Jugendpolitik und Beziehungen zum Ausland tätig. 1971 erfolgte seine Wahl zum ZK-Mitglied der KPdSU. 1978 wurde er Erster Sekretär der KPdSU des Regionalkomitees Stawropol und 1980 schließlich Vollmitglied des Politbüros.
Mit dem Tod von Leonid Breschnew, langjährigem Generalsekretär der KPdSU, stand die Sowjetunion am Scheideweg der Abkehr von einer dogmatischen Politik ohne Veränderungen. Breschnews Nachfolger Juri Andropow schien Gorbatschow auf seine Nachfolge vorzubereiten, doch nach seinem plötzlichen Tod wurde Gorbatschow übergangen und die erste Position im Staat übernahm der betagte Konstantin Tschernenko. Als Tschernenko nach dreizehnmonatiger Amtszeit verstarb war es für die Parteiführung offensichtlich, dass als Staatschef nun ein jüngerer Mann in Betracht zu ziehen sei. In Folge dessen stieg Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU auf. Er war dazu bereit, die längst überfälligen Reformen im System der Sowjetunion durchzuführen.
Sechs Jahre lang verfolgte Gorbatschow einen schwierigen Drahtseilakt. Es galt, Reformen gegen die widerspenstige alte Garde durchzusetzen und dabei die Rufe nach Veränderung von radikalen Reformern innerhalb und außerhalb der Partei zu kanalisieren. Er gestand den Sowjetbürgern ein bislang ungekanntes Maß an freier Meinungsäußerung zu. Außerdem beendete er den katastrophalen Militäreinsatz seines Landes in Afghanistan.
1989 drang der Ruf nach Reformen bis in alle Satellitenstaaten Mitteleuropas. Michail Gorbatschow informierte die Parteiführung der Länder hinter dem Eisernen Vorhang darüber, dass er, anders als seine Vorgänger, nicht gewillt sei, ihren Machterhalt militärisch zu stützen. Ohne die Unterstützung durch die Rote Armee waren die diktatorischen Regierungen gezwungen, der demokratischen Opposition Platz zu machen. Daraufhin begann Gorbatschow, die militärische Präsenz der Sowjetunion in Mitteleuropa auf null zu reduzieren. 1990 erhielt er den Friedensnobelpreis für seine außenpolitischen Bemühungen.
Gorbatschow trieb den Demokratisierungsprozess in der Sowjetunion voran. In Russland und den anderen Teilrepubliken wurden die ersten freien Wahlen abgehalten. Ein versuchter Anschlag der kommunistischen Hardliner auf sein Leben schlug 1991 fehlt. Nachdem die gewählten Präsidenten der sowjetischen Teilrepubliken beschlossen hatten, die Sowjetunion durch eine Gemeinschaft Unabhängiger Staaten zu ersetzen, trat Michail Gorbatschow von seinem Amt zurück.
Seit seinem politischen Ausscheiden hat er es sich zur Aufgabe gemacht, weiterhin für eine Förderung von Privateigentum in einem marktwirtschaftlichen System und gewaltfreie Konfliktlösung in einer demokratischen Gesellschaft zu plädieren. Er ist Vorsitzender der Internationalen nicht-staatlichen Stiftung für sozialwirtschaftliche und politologische Forschung, bekannt als die Gorbatschow-Stiftung, die politische und wirtschaftliche Forschungsarbeit unternimmt und sich für Völkerverständigung einsetzt. Er ist weltweit anerkannt als einer der einflussreichsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts.
Michail Gorbatschow wurde vom Time Magazine zum Mann des Jahres und zum Mann des Jahrzehnts gekürt, doch angesichts seiner politischen Errungenschaften und faszinierenden Vorträge
als Redner kann man ihn nicht anders bezeichnen als eine lebende Legende des vergangenen Jahrhunderts!