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Terry Wolfmeyers Mann ist mit seiner schwedischen Sekretärin durchgebrannt. Verbittert bleibt die Mittvierzigerin (Joan Allen) mit ihren vier Töchtern alleine zurück und entwickelt sich zur saufenden Tyrannin. Die Töchter, von denen "eine sie hasst und die anderen drei dahin tendieren" (Zitat Terry), arrangieren sich alle auf ihre Weise damit. Hadley (Alicia Witt), die älteste, besucht eine auswärtige Uni. Emily (Keri Russel) verbeisst sich in ihrer Ballerina-Karriere. Andy (Erika Christensen) angelt sich einen Liebhaber, der ihr Vater sein könnte. Und Nesthäkchen Popeye (Evan Rachel Wood) durchlebt gerade die Phase der ersten Liebe.
Der einzige, der Terry auch mit mieser Laune aushalten will, ist ihr Nachbar Denny Davies (Kevin Kostner), ein alternder, ehemaliger Baseballstar, der seinen Lebensunterhalt mit dem Signieren von Bällen und als Gastgeber einer Call-In-Show im Radio verdient. Er ist genau so frustriert wie Terry, und auch ihn sieht man nur selten ohne Büchsenbier in der Hand. Die beiden wären also das perfekte Paar. Doch was sich liebt, das neckt sich.
Zwölf Jahre ist es her, seit ich Kevin Costner das letzte Mal im Kino gesehen habe. Nach A Perfect World von Clint Eastwood kam der Mann - wenn überhaupt - nur noch mit Sportschnulzen, Western oder Filmen über die Apokalypse in die Schweizer Kinos. Die Rolle, die er in Upside of Anger übernimmt, scheint deshalb hervorragend zu passen.
Denny ist ein bald von Allen vergessener Siffer mit Ray Ban Sonnenbrille. Ein Tunichtgut, der nur auf Gratisessen und die Gesellschaft hübscher, jüngerer Frauen aus ist. Kevin Coster füllt die Rolle des Ex-Stars so blendend aus, dass man sich zeitweise in einer Dokusoap wähnt. Mike Binders Film ist aber, obwohl es sich um eine unabhängige US-Produktion handelt, manchmal doch allzu sehr im "Movieland" angesetzt. Die vier fast erwachsenen Töchter sind ein bisschen zu hübsch geraten. Oft fragt man sich, wie Joan Allens Figur den gehobenen Lebenstandard, den sie mit ihrem Mann pflegte, in der Zeitspanne von fast zwei Jahren, die der Film dauert, aufrecht erhalten kann, ohne je selber über eine Tätigkeit zu verfügen, die eine geregeltes Einkommen verspricht. Ähnliche Gedanken hat man auch bei Kevin Costner. Wenn einer so viele Autogramme gibt wie er, sind die irgendwann wohl nicht mehr so wertvoll. Gerade wenn er seine Fans auch in seiner Radiosendung reihenweise vergrault. Die Wolfmeyers haben ausserdem einen Hund, der aber nur für einen Scherz zu Beginn des Films auftaucht, und dann nie mehr gesehen wird.
Auch dramaturgisch ist der Film ziemlicher Chrüsimüsi: Mal Drama, mal Komödie, dann wieder romantisch. Eine veritable Splatterszene fehlt ebenso wenig. Vor allem dank Joan Allen geht man aber trotzdem mit der Geschichte mit. Wie sie dem Suff im Morgenmantel fröhnt, kennt man in US-Filmen eher von Frauen aus Trailer Parks. Ihre verzweifelte Hausfrau ist aber keine, die äusserlich lächelt, währenddem sie innerlich verrottet. Ihr Frust muss raus, egal ob da gerade neue Familienmitglieder in Form der eben erst kennen gelernten Schwiegereltern der einen Tochter mit am Tisch sitzen. Vor ihren bissigen Kommentaren ist niemand sicher. Was ihr dann auch prompt vom Regisseur, der die Rolle von Costners Kumpel im Film übernimmt, vorgeworfen wird. Der würde nämlich lieber eine tägliche Zahnbehandlung vom Arschloch her über sich ergehen lassen, als mit einer verbitterten Schrulle wie Terry abzuhängen. Costner sieht das freilich anders. Für ihn ist Allen eine MILF par excellence und dank dem vergnüglichen Spiel der beiden wird man bestens unterhalten. Auch wenn man bei The Upside of Anger nie so richtig weiss, woran man ist und am Schluss dank einer Deus ex Machina nichts ist, wie es zu Beginn scheint.
Roland Meier [rm]
Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.