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Der Mann ist ein Phänomen: 1985 holte er in Augusta sein erstes Majorturnier – im gleichen Jahr, in dem Boris Becker mit seinem ersten Titel in Wimbledon die deutsche Öffentlichkeit in kollektiven Freudentaumel versetzte. Letzterer ist längst von der grossen Sportbühne abgetreten und hat gerade wieder mal andere Sorgen. Der 60jährige Bernhard Langer aber scheint nimmermüde, verbucht einen Erfolg nach dem anderen und führt seit neun Jahren die Preisgeldliste auf der Champions (US-Senior) Tour an.
Vor knapp zwei Monaten gewann Langer die US Senior PGA Championship und nun liess er den nächsten Grosserfolg folgen: Auf dem schwierigen Linkscourse von Royal Porthcawl gewann Langer am Wochenende sein 10. Senior Major und ist damit nun alleiniger Rekordhalter in dieser Kategorie. Das Turnier hat er nach 2010 in Carnoustie (Schottland) und 2014 in Porthcawl – damals mit dem Rekordvorsprung von 13 Schlägen auf Colin Montgomery – schon zum dritten Mal für sich entschieden. Diesmal betrug der Vorsprung zwar „nur“ drei Schläge auf Corey Pavin, den US Open Champion von 1995, aber der Sieg schien nie richtig in Gefahr. Den dritten Platz teilten sich Fred Couples, Billy Andrade und Peter Lonard. So nebenbei brachte Langer mit dem jüngsten Erfolg auch Gary Player zum Schweigen: Der hatte vor zwei Monaten noch gelästert, Langer müsse sich die Ehre von neun gewonnenen Senior Majors eigentlich mit ihm teilen, habe er doch die (British) Senior Open 1988, 1990 und 1997 gewonnen. Der „Black Knight“ meckerte, dass ihm die drei Siege nicht angerechnet würden (weil das Turnier erst seit 2003 als Major gilt).
Die komplett angetretene Elite der über 50jährigen erlebte an der Südküste von Wales ein turbulentes Turnier. Im Gegensatz zur Open Championship vor einer Woche in Royal Birkdale zeigte das britische Wetter diesmal, vor allem während der Freitagsrunde, seine Zähne und nach zwei Tagen lag der Cut bei sagenhaften +14. Auch für die Finalrunde war schweres Wetter vorausgesagt worden und man entschied sich deshalb, die Spieler am 1. und 10. Tee starten zu lassen. Erstaunlich, dass bei den widrigen Bedingungen auf dem exponierten Course am Bristol Channel der im sonnigen Florida lebende Langer und die US-Amerikaner (11 Spieler unter den ersten 15) am besten zurechtkamen, während „Einheimische“ wie Ian Woosnam oder Nick Faldo auf den hinteren Rängen landeten.
André Bossert überstand nach der US Senior PGA Championship Ende Mai und der US Senior Open Anfang Juli bereits zum dritten Mal den Cut an einem Major und kam in Porthcawl auf den ansprechenden 31. Schlussrang (+9). So richtig einschätzen kann man die guten Leistungen des Zürchers erst bei genauerem Durchlesen der Ranglisten. Auf der Senior bzw. Champions Tour spielen neben Bernhard Langer auch ehemalige Majorsieger wie Corey Pavin, Tom Lehman, Vijay Singh, Lee Janzen und andere mit. Die Konkurrenz ist also extrem hoch und in Wales liess der Schweizer unter anderem Ian Woosnam, Nick Faldo, José Maria Olazabál deutlich hinter sich.
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Text: Peter Hodel
Foto: European Tour