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Mittelalterlicher Ursprung
Willisau, Grafenstädtchen und Hauptstadt des Amtes (Bezirkes) Willisau im Kanton Luzern mit knapp 8000 Einwohnern, kann auf eine über 500 Jahre alte Fasnachtstradition zurückblicken.
Schon im 15. Jahrhundert ernannten die Willisauer einen Stadtnarren oder „Lustigmacher“. Dieser hatte bei festlichen Anlässen das Volk zu unterhalten. Es ist überliefert, dass im Jahre 1502 dem Stadtnarren ein Gewand geschenkt wurde. Der Hohe Rat von Luzern ernannte diesen Stadtnarren mit dem Auftrag, das Volk an den Fasnachtstagen zu belustigen und zu unterhalten. Urkundlich steht auch fest, dass Bürger der Städte Luzern und Solothurn 1579 vereinbarten, sich am Schmutzigen Donnerstag in Willisau zu geselligem Fasnachtstreiben zu treffen.
Die Gründung
Da die Fasnachtsbälle und Umzüge anscheinend langsam zum Erliegen kamen, entschlossen sich am 16. Januar 1891 einige Freunde fasnächtlichen Treibens zur Gründung einer Fasnachtszunft. Die Idee lehnte sich an die fasnächtlichen Auftritte der Luzerner Safranzunft an. Eine Gründungsversammlung wurde einberufen. Die Statuten wurden genehmigt und der vorgeschlagene Name „Karnöffel“ gutgeheissen.
Warum der Name „Karnöffel“?
Warum der Name Karnöffel gewählt wurde und wer ihn vorschlug, ist nicht bekannt. Der Name Karnöffel hat drei Bedeutungen. Der Karnöffel ist der Name für einen groben Landsknecht. Das (der) Karnöffel war ein vulgärer Ausdruck für einen Hodenbruch oder ein Hodengeschwür. Das Karnöffel(-Spiel) wurde wohl so benannt, weil es in den Anfängen vor allem von den Landsknechten gespielt wurde.
Das Wort Karnöffel bedeutet in vielen deutschen und österreichischen Dialekten bis hinauf ins Holländische und Skandinavische im wesentlichen einen groben Menschen, Schinder oder Schlägertyp und das dazugehörige Verb karnöfflen, karnuffeln oder karniffeln meint schlagen, schinden, quälen, plagen, knuffen, puffen und im allgemeinen cujonieren. Eine Ableitung vom lateinischen carnifax (Henker, Schinder) – im spätlateinischen ein Schimpfwort – wäre plausibel. Genauso plausibel ist die Übertragung dieses Schimpfwortes auf die Landsknechte, die die Landplage des Jahrhunderts waren.
Das Karnöffelspiel
Das Karnöffel- oder Kaiserspiel war im 15. und 16. Jahrhundert eines der verbreitetsten Kartenspiele in Deutschland und einigen benachbarten Ländern. Als Kartenspiel wurde es vor allem von den Söldnern und Landsknechten verbreitet. Darum ist denn auch der Landsknecht-Karnöffel die stärkste Karte. Bei uns wurde es noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts von der Bevölkerung gespielt. Heute spielen es wieder einige Karnöffler.
Das Spiel bringt in seiner Struktur und seinen Regeln politische und soziale Tendenzen zum Ausdruck und spielte eine beträchtliche Rolle in der Einbildungskraft des Volkes. Dies geht aus der vielfachen Erwähnung in volkstümlichen Liedern und Fasnachtsspielen sowie aus religiösen und politischen Streitschriften hervor. Das Karnöffelspiel kehrt die herkömmliche hierarchische Kartenordnung um und schafft eigene Bezeichnungen, Bedeutungen und Möglichkeiten für verschiedene Zählkarten. Es würde zu weit führen, hier die Regeln des Spiels zu erklären. Wer mag, kann sich von der Karnöffelzunft in die Geheimnisse des Spiels einführen lassen. In der Krone in Willisau wird zudem immer am 6. Tag des Monats eine Runde der Jahresmeisterschaft durchgeführt. Der Sieger wird jeweils am Jahresbot der Zunft im Rahmen einer ausführlichen Erläuterung der Rangliste ausgezeichnet.
Brauchtumskostüm (Häs)
Die Kostüme der Zunft stellen das Karnöffelspiel - auch Kaiserspiel genannt - dar, welches im 15. und 16. Jahrhundert sehr verbreitet war und in unserer Gegend bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gespielt wurde. Die Karnöffelzunft hat in den letzten Jahren das Karnöffelspiel nach alten Regeln wieder zum Leben erweckt. Einmal im Monat treffen sich zahlreiche Mitglieder der Zunft zum „Karnöffeln“. Gemäss der Heilig-Blut-Legende spielten am 9.Juli 1392 in Willisau drei Gesellen mit Karten. Ulj Schröter, einer der dreien, verliert dabei sein Geld. Fluchend wirft er seinen Dolch gegen den Himmel, worauf fünf Blutstropfen auf den Tisch fallen und der Frevler wird vom Teufel geholt. Die andern versuchen vergeblich das Blut vom Tisch zu wischen. Schlussendlich sterben die übrigen zwei auch. An diese Legende erinnert die noch bestehende Heilig-Blut-Kapelle und die jährlich stattfindene Prozession. Beim Kartenspiel, das die drei spielten, dürfte es sich um das „Kayserspiel“ gehandelt haben. Stammlokal des Luzerner Kaiserclubs war das Rest. Schlüssel in Luzern.
Im Jahre 2001 liess die Karnöffelzunft auf der Basis der im Original noch bestehenden Willisauer Karnöffelspielkarten neue Gewänder fertigen. Jeder Zünftler trägt eine Karte dieses Spiels, so Eichel-König, Schellen-Ober, Schilten-Unter, Rosen-Unter usw.. Das Karnöffelspiel hat in der Einbildungskraft des Volkes eine beträchtliche Rolle gespielt, seine vielfache Erwähnung in Volksliedern und Fasnachtsspielen sowie religiösen und politischen Streitschriften beweisen dies. Die Gründer der Zunft übernahmen die Bezeichnung "Karnöffel", wohlwissend um das althergebrachte Volksgut. Die Kostüme sind nach alten Vorlagen angefertigt.
Mitglieder/Zunftrat
Die Zunft zählt gegenwärtig rund 66 Mitglieder: Zünftige, Gesellen und Altherren, Enzilochmannen und das Stadttier mit seinem Wächter. Geführt wird der Verein vom neunköpfigen Zunftrat. Weitere Angaben zu Zunftmeister und Zunftrat findet man unter Zunftrat und Willisauer Fasnacht.
VSAN
Die Karnöffelzunft ist als eine der wenigen Schweizer Zünfte Mitglied der Schwäbisch-alemannischen Narrenzünfte (VSAN). Sie nimmt regelmässig an Internationalen Narrentreffen teil und organsieirt alle fünf bis zehn Jahre selber ein solches in Willisau.
Zunftlokal
Im Turm des Schlosses Willisau steht dem Verein eine kleine Zunftstube zur Verfügung. Der Zunftrat hält dort seine Sitzungen ab.