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Im zweiten Semester habe ich im Modul Schreiben & Sprechen eine Kurzgeschichte geschrieben, die als sehr spannend empfunden wurde. Darum habe ich mir als Ziel gesetzt, ein Hörspiel daraus zu erstellen, das per Aufgabe maximal 4 Minuten dauern darf. Dabei möchte ich meine Erfahrung in der Audiobearbeitung zeigen und ein professionelles Endprodukt produzieren.
Story
Natascha ist das Kind einer armen Familie in Russland. Ihre Eltern und ihre Grossmutter, die ebenfalls
bei ihnen wohnt, haben ein Geschäft mit Marionetten. Sie haben nicht viel Zeit für Natascha, denn sie
müssen das nötige Geld zum Überleben verdienen. Obwohl sie das Handwerk ebenfalls lernen und in
Zukunft das Geschäft übernehmen sollte. Als die Eltern aufgrund der herrschenden Krise losziehen, ist
Oma Marijia mit Natascha und dem Geschäft alleine. Ihre Enkeltochter verschanzt sich in ihrem Zimmer
und die Geschichte nimmt eine überraschende Wendung.
Idee
Die Geschichte wird so umgeschrieben, dass sie sich für ein Hörspiel eignet. Der grösste Teil wird von einer Erzählerstimme gesprochen, während die direkte Rede wie von den betroffenen Personen gesprochen wird. Im Hintergrund ist der jeweilige Schauplatz als Ambiance zu hören. Einzelne Geräusche und Aktivitäten, die vom Erzähler erwähnt werden, sind ebenfalls hörbar. Möglichst alle Töne werden von mir selbst aufgenommen. Ist dies in manchen Fällen nicht möglich, wird auf SoundFX—Seiten im Internet nach passendem Material gesucht. Diese werden dann in den Quellen erwähnt.
Umsetzung
Text schreiben
Meine bestehende Geschichte aus Ausgangslage genommen, habe ich zuerst alles gekürzt, was nicht für den Plot relevant ist. Ausserdem habe ich die Einleitung gestrichen, dies ermöglicht zwar mehr Interpretationsspielraum, es ist aber umso schwieriger die Geschichte zu verstehen. Denn auch in der originalen Fassung, muss man das Ende Hinterfragen mit dem Vorwissen der ganzen Geschichte. Da man nun die Personen weniger gut kennenlernt, ist es sicher nochmals schwieriger. Ich habe aber versucht, die wichtigen Punkte im Text zu lassen. Der aufgenommene Text ist im Anhang dieses Dokuments.
Jede Rolle werde ich selbst sprechen. Die unterschiedlichen Personen werden durch die Tonlage und die Audiobearbeitung (EQ, Pitch, etc.) erkennbar sein. Folgende Rollen sind vorhanden:
- Erzählerstimme
- Natascha (Tochter)
- Irina (Mutter)
- Jegor (Vater)
- Marija (Grossmutter)
Equipment
Ich habe mich bewusst gegen das zu reservierende Radiostudio in unserem Produktionsraum entschieden, da ich Zuhause meine benötigte Ruhe habe. Ausserdem kann man im Radiostudio nur zwischen zwei Presets (Male / Female) wählen, bei denen schon sämtliche Nachbearbeitung durch Plugins vorgenommen werden. Dies wollte ich verhindern, um mit meinen eigenen Einstellungen die Stimme wie gewünscht zu gestalten.
Diese Geräte habe ich für die Aufnahme und Nachbearbeitung gebraucht:
- Vocal-Aufnahmen: Rode NT-USB mit Reflexion-Filter von SE Electronics
- Geräusche: Zoom H6 Audiorecorder
- Kopfhörer: AIAIAI TMA Studio für das Recording und die Nachbearbeitung
- Workstation: Notebook mit der DAW «Cockos Reaper» und diversen Plugins von Waves, Fabfilter und iZotope
Recording
Zuerst hatte ich einige Probleme mit dem USB Mikrofon (Rode NT-USB), da ich gewohnt war über ein externes Interface aufzunehmen. Den Gain über die Windows-Oberfläche einzustellen war für mich auch sehr aussergewöhnlich. Dann hatte ich noch Probleme, dass die Wiedergabe vom Notebook zum Kopfhörer nicht funktionierte, der direkt am Mikrofon angeschlossen war. Abhilfe sorgte der ASIO4All-Treiber. Sicher nicht optimal, aber alles funktionierte dann wenigstens.
Leider gab es trotz Reflexionsfilter einen Hall, da mein Zimmer akustisch nicht optimal ist. Deshalb habe ich das Mikrofon samt dem Filter in meinen Kleiderschrank eingebaut, so dass die Schallwellen nicht wieder zurückprallen, sondern absorbiert werden in allen Richtungen. Ausserdem habe ich hinter mir noch ein grosses Tuch aufgespannt. Der Ton hatte sich stark verbessert und wenn nicht ein Helikopter über unserem Dach zum Inselspital flog oder Nachbaren einen Lärm veranstalteten, waren keine störenden Geräusche mit aufgenommen.
Bei den verschiedenen Rollen versuchte ich meine Stimme ein wenig zu verstellen, was nicht immer ganz einfach war. Wie im Exposé beschrieben, wollte ich die Stimmen aber vor allem durch die Nachbearbeitung differenzieren.
Ein bewährtes Mittel war der Zoom Rekorder. So konnte ich mit den verfügbaren Utensilien beinahe alle Sounds aufnehmen. Ich habe mich dazu für den XY-Mic Aufsatz entschieden.
Cutting
Anschliessend habe ich alle Lücken herausgeschnitten, wie auch hörbare Schnaufer. Hier musste ich schon einrechnen, wo die Hintergrundgeräusche platziert werden, um genügend Pause zwischen den Stimmen zu haben. Die Struktur der Spuren ist ganz am Schluss des Dokumentes.
Mixing
Die Stimme tönte nun etwas dumpf, wahrscheinlich wegen den Tücher und Kleider rund um das Mikrofon. Zuerst habe ich aber die Frequenzen ausserhalb meiner Stimme gefiltert, so wie auch andere störende Laute. Dann habe ich das Signal komprimiert und noch weiterbearbeitet. Zum Schluss habe ich noch die Lautstärke angepasst und mit dem Bus einen Reverb hinzugefügt. Dies hatte den Vorteil, dass ich den Reverb auch nochmals EQen konnte. Die verschiedenen Stimmen habe ich mit dem EQ und einem Pitchshifter unterschiedlich bearbeitet.
Folgende Plugins habe ich verwendet:
- Fabfilter Pro-Q 2: Frequenzen filtern
- Waves RVox: Peaks komprimiert, Gate
- iZotope Nectar 2: Saturation, De-Esser
- Waves API-560: höhere Frequenzen boosten (Stimme klarer machen)
- Waves Vocal Rider: automatisch Lautstärke regulieren
- Valhalla VintageVerb: Reverb
- Waves SoundShifter Pitch: Höhe der Stimme pitchen
- Waves H-Delay: Delay Effekt
Bei den Geräuschen reichte meist ein EQ und Fade-In/Outs. Einige mussten noch leicht komprimiert werden. Ausserdem habe ich einige Töne im Panorama verteilt und entfernte Geräusche mit einem High-Cut bearbeitet. Ausserdem war vereinzelt auch ein Delay nötig.
Mastering
Das Mastering bestand eigentlich nur darin, die richtige Lautstärke zu erhalten. Während ich den Peak auf -1.0 dB setzte, hat das Hörspiel einen LUFS Wert von maximal 13 bis ca. 18, wenn eine Stimme ertönt. Dies gelang durch eine Mischung von Kompression und Limiter. Viel war aber nicht mehr nötig.
Fazit
Am Anfang waren die grössten Schwierigkeiten den Text umzuschreiben. Ausserdem hatte ich zu Beginn des Recordings mit dem USB-Mic zu kämpfen, konnte aber gute Lösungen finden. Ausserdem hätte ich besser meine Mitstudentinnen und Mitstudenten gefragt, ob sie eine Rolle übernehmen können. Denn ich habe auch in anderen Projekten eine Stimme übernommen und hätte so als Gegenleistung auch eine Rolle anbieten sollen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich jedoch mein Hörspiel schon beinahe fertig. Ich werde es das nächste Mal sicher anders machen. Aber es hat auch einen lustigen Aspekt beim Hören, wenn jemand bei jeder Rolle seine Stimme verstellt. Die Ambiance und die weiteren Töne konnten einfach aufgenommen werden, aber bei einigen war es einfacher, eine online Datenbank zu benutzen. Die Definierung der Gesamtlautstärke und der einzelnen Spuren war auch nicht einfach. Vor allem da je nach Abhörgerät es unterschiedlich klang. Meine Kopfhörer waren sicherlich auch nicht sehr linear.