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Parallel laufen Ermittlungen in der Schweiz gegen den Zentralbanker. Die Bundesanwaltschaft bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, dass wegen des Verdachts auf «grobe» Fälle von Geldwäsche strafrechtlich gegen Salamé ermittelt werde. Die Ermittler hätten auf «offiziellen Kanälen» um rechtliche Unterstützung der Behörden im Libanon gebeten. Die libanesische Nachrichtenseite «Daradsch» hatte im April ein entsprechendes Schreiben veröffentlicht, das die Schweizer demnach im November an den Libanon geschickt hatten. Salamé hat die Vorwürfe als «Falschnachrichten» zurückgewiesen und sieht sich als Opfer einer Hetzkampagne.
Salamé steht seit 1993 an der Spitze der libanesischen Zentralbank und wurde bereits dreimal auf dem Posten bestätigt. In seiner bald 30 Jahre langen Amtszeit wurde er dafür gelobt, das kleine Land am Mittelmeer während Konflikten in der Nahost-Region sowie während der globalen Finanzkrise 2008 stabilisiert zu haben. Teils war er als möglicher Präsidentschaftskandidat im Gespräch. In der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise, die der Libanon derzeit erlebt, hat Salamé aber auch Kritik einstecken müssen. Das libanesische Pfund hat seit 2019 mehr als 80 Prozent seines Werts verloren, die Inflationsrate zählt zu den höchsten weltweit.
Im von «Daradsch» veröffentlichten Schreiben der Schweizer Ermittler heisst es, dass Salamé seinem Bruder Radscha mindestens seit 2002 bei der Veruntreuung von Geld geholfen haben soll. Es soll um mehr als 300 Millionen US-Dollar (247 Millionen Euro) gehen. Radscha Salamé sitzt im Vorstand des libanesischen Bau- und Immobilienunternehmen Solidere. Das veruntreute Geld soll an eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln geflossen und dann in Immobilien in der Schweiz und Grossbritannien investiert worden sein.