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Viva la libertà (2013)
Viva la libertà (2013)
Oder: Die Politik in den Händen eines Verrückten
Enrico Oliveri (Toni Servillo) hat die Nase voll von seinem stressigen Job als Chef der wichtigsten Oppositionspartei Italiens. Er steht unter harscher Kritik der Öffentlichkeit und seine Umfragewerte vor den anstehenden Wahlen werden zunehmend schlechter. Oliveri entschliesst sich kurzerhand, eine Auszeit zu nehmen und flüchtet zu seiner ehemaligen Geliebten (Valeria Bruni Tedeschi) nach Paris. Sein Assistent Andrea Bottini (Valerio Mastandrea) versucht verzweifelt, den verschollenen Mann wiederzufinden, und nachdem auch dessen Ehefrau Anna (Michela Cescon) nicht weiterhelfen kann, fragt er Enricos Zwillingsbruder Giovanni (Toni Servillo) um Rat. Der ehemalige Philosophie-Professor hat mehrere Jahre in einer psychiatrischen Anstalt verbracht und erweist sich für Bottini zunächst als schwieriger Zeitgenosse.
Beim gemeinsamen Abendessen verlässt Bottini für kurze Zeit den Tisch, um zu telefonieren. Währenddessen glaubt ein anwesender Journalist, Enrico Oliveri zu erkennen und spricht Giovanni an. Statt auf das Missverständnis hinzuweisen, übernimmt Giovanni die Rolle seines Bruders und meistert die Situation souverän. Dies bringt Bottini auf eine Idee: Bis zu Enricos Rückkehr soll Giovanni in die Rolle seines Bruders schlüpfen und in der Öffentlichkeit als Enrico Oliveri auftreten. Giovanni ist begeistert von der Idee und für Bottini beginnt ein nervenzerreissendes Abenteuer voller Überraschungen...
Film-Rating
Für sein neustes Werk Viva la libertà leistet Regisseur Roberto Andò (Viaggio segreto, Sotto falso nome) erstaunliche Arbeit: Er adaptierte für den Film sein eigens verfasstes Buch Il trono vuoto und schrieb darauf basierend auch gleich selbst das Drehbuch zum Film. Seine politische Satire begegnet den Problemen von Italiens Politik mit grossartigem Humor. Nicht nur werden Politiker und deren Handlungsweisen kritisiert und blossgestellt, sondern auch das Verhalten der Bevölkerung. Dabei achtet Andò jedoch stets darauf, keine Grenzen zu überschreiten, und somit ist sein Film mehr ein Weckruf an die italienische Gesellschaft und weniger eine tiefgründige Kritik.
Toni Servillo vollbringt mit seiner Doppelrolle eine Glanzleistung. Verblüffend gut gelingt es ihm, zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten darzustellen, welche sich ausschliesslich in ihrem Aussehen ähnlich sind. Als Enrico Oliveri agiert er besonnen, seriös und ruhig und präsentiert eine psychisch angeschlagene Person, welche mit ihrer Rolle als wichtiger Politiker zu kämpfen hat. In starkem Gegensatz dazu wirkt er als Giovanni Oliveri geradezu entfesselt und befreit. Er tritt mit einer gewissen Verspieltheit auf und gibt sich risikofreudig und hemmungslos. Auch Valerio Mastandrea überzeugt in seiner Rolle als Bottini vollkommen. Stets ist ihm Besorgnis und Nervosität ins Gesicht geschrieben, während er den verrückten Giovanni von einem Anlass zum nächsten begleitet.
Beeindruckend sind zudem die Dialoge des Films, welche ein paar grossartige, clevere Sprüche beinhalten und auch vor poetischen Redensarten nicht zurückscheuen. So formuliert Giovanni zum Beispiel aufmerksamkeitserregende Sätze wie "Angst ist die Musik der Demokratie" oder "Die Katastrophe ist der Reichtum des Südens".
Auch wenn die Geschichte von Viva la libertà nicht sehr glaubwürdig scheint und zuweilen etwas gar überspitzt dargestellt ist, hat sie trotzdem viel Charme, und die blosse Vorstellung eines solchen Unterfangens in den höchsten Reihen der italienischen Politik wirkt bereits sehr amüsant: Die Politik landet in den Händen eines Verrückten und funktioniert dort richtig gut. Das Sprichwort "Genie und Wahnsinn liegen oft dicht beieinander" ist in diesem Falle sehr zutreffend.
Fazit: Viva la libertà zeichnet sich besonders durch seine grossartigen Dialoge und genialen gesellschaftskritischen Sprüche aus. Mit Toni Servillo in einer glänzenden Doppelrolle serviert Roberto Andò eine unterhaltsame politische Satire, welche für viele Lacher sorgt und sich definitiv zu sehen lohnt.
OutNow.CH:
02.02.2014 / gli
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