Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03662.jsonl.gz/2481

In Zusammenhang mit dem verschollenen Flugzeug der Malaysia Airlines hat die internationale Polizeibehörde Interpol in Lyon die malaysischen Sicherheitskontrollen scharf kritisiert. Niemand habe die Daten der Passagiere mit der Interpol-Datenbank für gestohlene Ausweise abgeglichen, erklärte Generalsekretär Ronald K. Noble.
Bekannt ist: mindestens zwei Passagiere mit Pässen konnten an Bord gelangen, die einem Österreicher und einem Italiener 2012 und 2013 in Thailand gestohlen worden waren. Die Diebstähle waren in der Interpol-Datenbank registriert.
Es ist sehr beunruhigend, dass Passagiere an Bord eines internationalen Fluges mit einem von Interpol als gestohlen registrierten Pass gelangen konnten. Das ist eine Situation, die wir nie erleben wollten.
Es sei zwar zu früh, um eine Verbindung zwischen den gestohlenen Pässen und dem vermissten Flugzeug herzustellen. Interpol habe jedoch seit Jahren stärkere Sicherheitskontrollen angemahnt. Die Interpol-Datenbank enthält demnach mehr als 40 Millionen Einträge zu gestohlenen Ausweisen und gesuchten Personen, sagte Noble.
2013 seien über eine Milliarde Mal Passagiere weltweit in Flugzeuge gestiegen, deren Pässe nicht mit der Interpol-Datenbank abgeglichen worden sind. Interpol habe auf diesen Umstand mehrfach hingewiesen und noch im vergangenen Monat beklagt, dass «nur eine Handvoll Länder» regelmässig die Datenbank benutzten. Als Beispiel nennt Noble, dass im letzten Jahr die Datenbank zwar mehr als 800 Millionen Male durchsucht wurde, aber eine von acht Suchabfragen wurde von den Vereinigten Arabischen Emiraten getätigt.
Thailand geht dem Passhandel nach
Wer war an Bord?
Zwei Unbekannte haben mit gestohlenen Pässen Tickets für den verschollenen Flug MH370 kaufen können. Sie konnten so unbehelligt an Bord gehen. Auf der Passagierliste , Link öffnet in einem neuen Fensterstehen die Namen eines Österreichers und eines Italieners, die aber beide bestätigten, dass ihnen ihre Pässe in Thailand gestohlen worden waren.
Unterstützung für Angehörige
Malaysia Airlines will bis zu fünf Angehörige pro Passagier des verschwundenen Fluges MH370 von Peking nach Kuala Lumpur fliegen. Eine erste Maschine soll am Montag starten. Zudem ist ein 93-köpfiges Team der Fluggesellschaft nach Peking gereist, um sich um die Familien der Passagiere zu kümmern und deren Pässe und Visa für die Flüge vorzubereiten.
Die Polizei in Thailand hat inzwischen angekündigt, eine Untersuchung über einen möglichen Handel mit gestohlenen Pässen in Tourismuszentren des Landes zu eröffnen.
Mit den zwei gestohlenen Pässen wurden in Thailand die Ticket-Reservationen für den Flug MH370 vorgenommen. Die Namen der zwei Passinhaber aus Italien und Österreich stehen darum auf der Passagierliste. Die zwei Männer waren aber nicht an Bord.
Der italienische Passinhaber stellte sich am Sonntag der Polizei in Phuket und bestätigte damit, nicht im verschollenen Flugzeug zu sein. Der österreichische Pass war 2012 auf einem Flug von Phuket nach Bangkok entwendet worden, verlautete vom österreichischen Aussenministerium.
Tickets am 6. März in Thailand ausgestellt
Laut der Agentur AFP und dem Sender CNN wurden die Tickets mit den gestohlenen Pässen am 6. März im bekannten Badeort Pattaya gebucht. Die beiden elektronischen Tickets tragen auch direkt aufeinanderfolgende Nummern und wurden in thailändischen Baht bezahlt.
Die niederländische Fluggesellschaft KLM bestätigte, dass die beiden Passagiere für einen KLM-Anschlussflug von Peking nach Amsterdam gebucht waren. Der Inhaber des österreichischen Passes wäre gemäss dem Ticket am 8. März nach Frankfurt geflogen. Der italienische Passinhaber sollte seinerseits weiter nach Kopenhagen fliegen.
Weitere Ungereimtheiten
Der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein sagte in Kuala Lumpur, die Ermittlungen richteten sich auf diese zwei Passagiere mit gestohlenen Pässen. Überwachungskameras hätten die Beiden aufgenommen. Es gebe aber noch weitere Unstimmigkeiten – und Hinweise auf insgesamt vier Verdächtige. Die Identität weiterer europäischer Passagiere werfe Fragen auf, so Hussein: «Wir überprüfen die gesamte Passagierliste.»
Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, gehört eine Passnummer auf der Passagierliste einem Bewohner von Fujian in China, der die Provinz jedoch nicht verlassen hat.
Weitere Details lassen den Flug MH370 mysteriös erscheinen. Der Chef der malaysischen Zivilflugbehörde Azharuddin Abdul Rahman erklärte laut der BBC, dass fünf Passagiere zwar eingecheckt waren, aber nicht am Gate erschienen. Ihr Gepäck sei vor dem Abflug konsequenterweise aus der Maschine entfernt worden.