Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03116.jsonl.gz/1558

Auf den Spuren des römischen Buchs
Infolge eines Bauvorhabens führte die Kantonsarchäologie auf dem Bühlrain in Buchs eine Ausgrabung durch. Hier stand einst das Herrenhaus eines römischen Gutshofes.
Bereits der Ortsname Buchs, lateinisch buxum für Buchsbaum, verrät eine römische Präsenz in der Ortschaft. Vereinzelte Zeugnisse davon sind ab den 1932er-Jahren auf der Erhebung Bühlrain belegt. Diese liessen erstmals den Verdacht aufkeimen, dass hier ein römischer Gutshof vorliegen könnte. Sicherheit gewann man dann 1955, als bei der Korrektur der Bühlstrasse einige steinerne Fundamente sowie Mosaiksteine und bemalter Wandverputz zum Vorschein kamen. Ein Jahr später konnten Schülerinnen und Schüler selbst an der Entdeckung der eigenen Geschichte teilhaben und beteiligten sich unter der Leitung vom Dorflehrer H. Frei an Sondierungen.
Weiträumige Untersuchungen erfolgten dann erst wieder viel später und standen immer in Zusammenhang mit grösseren Bauprojekten. So konnte die Kantonsarchäologie 2012 einen Abschnitt des Wirtschaftsteils dokumentieren und ein eingezäuntes Hofareal mit einem Tor.
Der römische Gutshof
Römische Gutshöfe waren landwirtschaftliche Betriebe und entsprachen in etwa den heutigen Bauernhöfen. Es gab kleinere, bescheidene oder mittelgrosse bis ganz grosse und luxuriöse Anlagen. Allen Typen gemeinsam ist ein Herrenhaus (pars urbana) und einzelne oder zahlreiche Ökonomiegebäude, die meist von einer Mauer umschlossen waren (pars rustica). Als bevorzugte Lage galten sonnige, hochwasserfreie Hänge mit Frischwasserversorgung und Anbindung an Verkehrswege sowie mit der Möglichkeit einer differenzierten Landnutzung.
Denn der Gutshof produzierte schliesslich nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für die nahen Dörfer und Städte sowie für das Militär. Entsprechend der Grösse und der Produktion arbeiteten und wohnten dort eine kleine Personengruppe oder auch sehr viele Menschen wie die Gutsbesitzer selber, sowie Landarbeiter, Sklaven, Bedienstete und Handwerker.
Der Bühlrain: ein optimaler Platz zum Wohnen
Der Bühlrain im Buchser Oberdorf hat die optimale Lage, weshalb es nicht erstaunt, dass das Herrenhaus des römischen Gutshofes dort lag. Mit dieser Gewissheit machte sich die Kantonsarchäologie im Spätherbst 2019 daran, im Vorfeld eines Bauvorhabens das Areal archäologisch zu untersuchen. Tatsächlich stiess das Grabungsteam auf die Überreste eines zweiphasigen Gebäudes, nämlich Fundamente und einzelne Fussbodenausschnitte. Es liessen sich mehrere verschieden grosse Räume erkennen, die wahrscheinlich unterschiedliche Funktionen hatten.
Die Mauern einer älteren und einer jüngeren Phase kann man durch ihre Masse gut voneinander unterschieden. Deshalb ist auch zu vermuten, dass das ältere Gebäude grösstenteils in Fachwerk gebaut war, das auf einem Steinsockel stand. Der Fachwerkbau wurde nach einer unbestimmten Zeit ersetzt. Dabei besitzt das nachfolgende Gebäude beinahe denselben Grundriss. Die Inneneinteilung blieb gleich, wobei die alten Fundamente weiterhin genutzt worden sind.
In einigen dieser Räume dehnte sich noch die Mörtelunterlage der ehemaligen Fussböden aus. Darin zeichneten sich als Negative die Unterzüge eines hölzernen Fussbodens ab, der längst vergangen ist.
Vermutlich das Herrenhaus
Das Gebäude, das das Grabungsteam freigelegt hat, liegt am östlichen Rand des Bühlrains. Vermutlich ist es Teil des Herrenhauses. Offen bleibt allerdings, wie das Gebäude orientiert war, d. h. ob die freigelegten Reste zur Front des Herrenhauses oder zum Seitentrakt gehörten. Nicht vollständig ausgeschlossen ist auch, dass es sich bei den Überresten um das Haus eines Verwalters handelt. Diese wohnten jeweils auf dem Gelände des Gutshofs und waren ebenfalls gut gestellt.