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Der Prozess findet in einem abgekürzten Verfahren statt - die Täter mit russischer und marokkanischer Staatsbürgerschaft waren demnach geständig und akzeptierten eine Haftstrafe von drei Jahren. Da sie teilweise schon über 600 Tage in Untersuchungshaft sassen, könnten die mutmasslichen Phishing-Betrüger bereits im kommenden Jahr freikommen. Beim dritten Angeklagten ist die Haftstrafe von drei Jahren ohnehin teilbedingt - der Vollzug von 18 Monaten soll aufgeschoben werden.
Über fremde Kreditkarten Hotels bezahlt
Konkret wird den Männern vorgeworfen, seit 2008 ihren Lebensunterhalt mit dem Phishing von Kreditkartendaten bestritten zu haben - dabei sollen sie innerhalb von sechs Jahren insgesamt 133'610 Kreditkartendaten missbräuchlich über das Internet beschafft haben. Sie agierten dabei von Thailand aus.
Davon stammten 3602 Datensätze von Schweizer Kreditkartenbesitzern. Bei wiederum zwei Drittel von ihnen wurden unrechtmässige Transaktionen ausgelöst. Der so entstandene Schaden betrug rund 3,5 Millionen Franken. Die anderen Kreditkartendaten stammten von Personen aus den USA, Grossbritannien, Frankreich und Dänemark.
Die Männer nutzten die Datensätze, um sie an Dritte weiterzuverkaufen oder um Hotelübernachtungen, Flugtickets beziehungsweise Computer zu kaufen. Liessen sie Gelder auszahlen, dann nutzten sie in vielen Fällen Mittelsmänner, um nicht zu oft selbst in Erscheinung zu treten.
Pilotverfahren im Bereich Internetkriminalität
Die Männer sollen nur ein Teil einer grösseren Gruppierung von Kreditkartenbetrügern sein, die laut Anklageschrift immer noch aktiv ist. Es handle sich um einen «Kollegenkreis«, der sich bereits seit Kindesbeinen an aus der marokkanischen Stadt Rabatt kennt.
Es sei das erste Mal, dass die Schweizer Justiz einen weltweit durchgeführten Phishing-Betrug vor Gericht bringe, schrieb die Bundesanwaltschaft Ende August in einem Communiqué. Das Strafverfahren könne insofern als Pilotverfahren bezeichnet werden, weil zum ersten Mal in der Schweiz gegen mutmassliche weltweit aktive Täter Anklage eingereicht wurde, die sich physisch nicht in der Schweiz aufhielten.
»Wir führen heute ein Verfahren von morgen mit den Mitteln von gestern", sagte ein Vertreter der Bundesanwaltschaft am Mittwoch im Gerichtssaal. Nicht nur die Identifizierung von Phishing-Tätern stelle eine Herausforderung dar - Rechtshilfegesuche an multinationale Internetkonzerne in den Vereinigten Staaten würden grosse Zeit in Anspruch nehmen. Hinzu komme der ermittlungstechnische Aufwand: Allein das Facebook-Profil eines der Angeklagten habe mehr als 29'000 Seiten betragen, so der Staatsanwalt.
Ein Urteil wird in dem Prozess am Mittwoch um 16 Uhr gesprochen. (SDA)Publiziert am 26.10.2016 | Aktualisiert am 28.12.2016