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Stefan Ragaz
Religionskonzepte in russischen Orientdiskursen. Eine Untersuchung zu Wissenschaft, Literatur und Reisebeschreibungen von 1804 bis 1855
Das vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Forschungsprojekt untersucht, wie in Russland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermittels der Rezeption fremder kultureller Kontexte gesellschaftliches Wissen über Religion produziert wurde. Analysiert werden wissenschaftliche und literarische Texte sowie Reiseberichte.
Im Fokus stehen zwei institutionelle und geografische Bereiche, in denen die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen ein wesentliches Motiv von Wissensproduktion darstellt. 1) Die frühe akademische sog. Orientalistik in St. Petersburg und Kazan'. 2) Die südliche Peripherie des Zarenreiches (Kaukasus und Iran/Osmanisches Reich). Während sich die Orientalistik an den Universitäten etablierte, führte die Ausdehnung des Zarenreiches in den Süden zu einer intensiven Rezeption der dortigen kulturellen Kontexte in der russischen Literatur und in Reiseberichten. Zwischen diesen literarischen und wissenschaftlichen Feldern bestanden im frühen 19. Jahrhundert verschiedentlich personelle und textuelle Querverbindungen. Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, welche Religionsverständnisse und -konzepte in diesen für die Produktion gesellschaftlichen Wissens bedeutsamen Feldern zum Tragen kommen und untersucht diese hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Stiftung von Sinn und Identität in der russischen Kultur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Das Projekt verbindet Fragestellungen der Religionswissenschaft, Slavistik und Geschichte. Es trägt dazu bei, die Entstehung moderner europäischer Religionsverständnisse als Teil einer europäischen Wissens- und Religionsgeschichte besser zu verstehen und reiht sich in die historische Imperiumsforschung zu Russland ein.
Supervisor: Jürgen Mohn
Co-Supervisor: Thomas Grob
Bio:
Stefan Ragaz ist Doktorand in Religionswissenschaft an der Universität Basel und Mitglied der Graduiertenschule Social Sciences G3S. Forschungsinteressen: Russländisches Imperium seit dem 19. Jh., Sowjetunion/postsowjetischer Raum, Iran seit dem 19. Jh., griechisch-römische Antike, Diskursanalyse, Semiotik.
2014-2015 Wissenschaftlicher Praktikant und wissenschaftlicher Assistent bei der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt
2013/14 Startstipendium der G3S
2005-2012 Studium der Religionswissenschaft und Geschichte in Basel. Mehrere Sprachaufenthalte in Russland. Masterarbeit zum Thema: "Wissenschaft im Zeichen des Atheismus. Eine Einführung in die sowjetische Religionsforschung".