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Warum Bern von Basel und Zürich abgehängt wird
Die Schweiz driftet wirtschaftlich immer stärker auseinander. In der Deutschschweiz werden die Wirtschaftszentren Basel und Zürich dominanter, während andere Städte wie zum Beispiel Bern zurückfallen.
Die Zahlen zum Finanzausgleich zeigen dies deutlich. Momentan haben die Kantone Basel-Stadt und Zürich einen Ressourcenindex von 150 und 120, der Kanton Bern einen Ressourcenindex von 75. Der gesamtschweizerische Durchschnitt liegt bei 100.
Entsprechend stark wird umverteilt. Die Grafik zeigt die Zahlen von 2015. Demnach hat Zürich am meisten abgegeben, Bern am meisten bekommen (Quelle).
Woran liegt das? Der eine Faktor ist kurzfristig. Der zunehmende internationale Wettbewerb lässt nur die starken Wirtschaftsstandorte überleben. Basel und Zürich sind gut gelegen, haben vielfältige Bildungsinstitutionen und beherbergen starke Branchen. Bern hingegen hat in all diesen Punkten Nachteile zu gewärtigen und verliert deswegen an Terrain. Globalisierung und regionale Konzentration gehören zusammen.
Auch im Fussball zeigt es sich
Dieser Trend lässt sich nicht nur beim Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte beobachten. Auch die europäische Fussballlandschaft verändert sich in diese Richtung. Es sind immer dieselben wenigen Clubs, die in der nationalen Meisterschaft und der Champions League obenaus schwingen. Oft ist die Meisterschaft schon in der Hälfte der Saison entschieden.
Hinzu kommt, dass Basel und Zürich schon immer einen völlig anderen Charakter als Bern hatten. Bereits im 14. Jahrhundert verwandelten sich Basel und Zürich in Zunftstädte, während sich in Bern ab dem 16. Jahrhundert eine Schicht von Patriziern durchsetzte, die sich am französischen Hof orientierte. Ihr Reichtum beruhte auf der Landwirtschaft. Vor allem die seit 1516 besetzten waadtländischen Gebiete wiesen für die damaligen Verhältnisse hohe Erträge auf.
Gewerbe statt Landwirtschaft
In Basel und Zürich setzte die Elite dagegen weniger auf Landwirtschaft als auf das Gewerbe. Einerseits schützte sie das zünftische Handwerk, anderseits förderte sie die sogenannte Hausindustrie, die auf der dezentralen Verarbeitung von Rohstoffen zu Textilgütern beruhte. Die Stadt Basel und ihr Umland wurden zum Zentrum der Seidenbandweberei, Zürich wurde führend in Baumwollverarbeitung und der Seidenweberei.
Die folgende Karte zeigt die Situation am Ende des 18. Jahrhundert, kurz vor dem Beginn der Industrialisierung. Neben Basel und Zürich stechen Genf und St. Gallen als Wirtschaftszentren hervor. Genf beherbergt die Uhrenindustrie, St. Gallen ist das Zentrum der Baumwollverarbeitung. In der Nähe Berns ist einzig die Leinenspinnerei und -weberei verbreitet, das heisst die Herstellung von Textilien auf der Basis der einheimischen Pflanzen Flachs und Hanf. Aber zu jener Zeit ist dieses Gewerbe bereits im Abstieg begriffen.
Die Divergenz zwischen den Schweizer Städten folgt also dem Matthäus-Prinzip: «Wer hat, dem wird gegeben.» Die Städte, die vor gut 200 Jahren gewerbliche Zentren bildeten, sind heute durch die Globalisierung begünstigt. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: St. Gallen, noch vor hundert Jahren im Kreis der grossen Schweizer Wirtschaftszentren, hat stark an Bedeutung verloren. Der Kanton gehört heute zu den Empfängern des Finanzausgleichs.