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Polit. Gem. NE, Bez. Le Locle. Auf 946 m gelegen. 1332 dou Locle. 1454 52 Feuerstätten; 1750 3'211 Einw.; 1850 8'514; 1900 12'559; 1950 11'979; 2000 10'529. 2000 waren 88% französischsprachig und je ein Drittel ref. bzw. katholisch. Die Stadt entstand im gleichnamigen, muldenförmigen Tal. Ihr Gebiet erstreckt sich vom Crêt-du-L. im Osten bis zum Col-des-Roches und der franz. Grenze im Westen. Le L. entwickelte sich in Häuserblöcken entlang des Verbindungswegs zwischen Frankreich und der Schweiz. Die Häuser sind - typisch für die Uhrmacherstädte des Juras - aus weissem Kalkstein erbaut. Die Gem. umfasst mehrere Quartiere: Les Monts im Norden, La Jaluse im Süden und das Industriequartier Les Billodes im Westen. Am östl. Stadteingang entstand 1856-61 das Quartier Neuf nach Entwürfen des Architekten Hans Rychner. Da der kleine Fluss Bied das Tal oft überschwemmte, kanalisierte man ihn Anfang des 19. Jh. bis zum Col-des-Roches, wo er bis 1898 bedeutende unterird. Mühlen antrieb. Später wurde er eingedolt. Der Ausdehnung der Stadt setzten die steilen Hänge des Tals und die Sümpfe Grenzen, wobei Letztere für den Häuserbau im Zentrum trockengelegt wurden. Le L. wurde mehrmals von Grossbränden (1683, 1765, 1833) heimgesucht. Sein heutiges Aussehen erhielt es im 2. Viertel des 19. Jh., als die Uhrenindustrie aufkam. Zu Beginn des 15. Jh. war Le L. eine Mairie der Herrschaft Valangin. 1848 wurde es Bezirkshauptort.
Früheste menschl. Spuren stammen aus dem Ende der Mittelsteinzeit (6000-5000 v.Chr.). Im Abri des Col-des-Roches wurden die ersten Keramikfunde des Kt. Neuenburg gemacht; ausserdem kamen viele Werkzeuge, der Backenzahn eines Mammuts sowie Gebeine, welche Hirsche und Wildschweine belegen, zum Vorschein. Die 1926 von einem Zollbeamten entdeckte Ausgrabungsstätte war die erste dieser Epoche, die in der Schweiz untersucht wurde. Hingegen sind für die Zeitspanne von der Frühgeschichte bis zum MA keine Funde bekannt.
Urkundlich wird Le L. erstmals in einem Text von 1150 (?) erwähnt, in dem Renaud und Wilhelm von Valangin das Tal der Abtei Fontaine-André zuteilten. 1360 erhielt Johann II. von Aarberg, Herr von Valangin, Le L. als Lehen vom Gf. Ludwig von Neuenburg. Die jurass. Berge wurden damals von Kolonisten urbar gemacht, die später den Status freier Rodungsbauern erhielten. Anfang des 14. Jh. bildeten Le L. und La Sagne gemeinsam eine Pfarrei. Seit 1351 ist die Maria Magdalena geweihte Kirche belegt. Ihr Turm, das Wahrzeichen der Stadt, entstand zu Beginn des 16. Jh., wenige Jahre bevor Le L. 1536 zur Reformation übertrat. Diese alte Kirche erfuhr Mitte des 18. Jh. einen vollkommenen Neubau. Die 1844 geweihte dt. Kirche wurde 1967 abgerissen, die kath. Kapelle geht auf 1861 zurück. Die Namen zahlreicher Fam., die in Le L. Zweige gegründet haben, finden sich noch heute in Le L.: Droz, Dubois, Calame, Gentil, Huguenin, Perrelet, Robert, Sandoz, Tissot usw. Diese ersten freien Bauern erhielten 1372 einen Freiheitsbrief, der Anfang des 15. Jh., nach der Gründung der Mairie, erneuert wurde. Die Einwohner von Le L. erwarben so Rechte auf das urbar gemachte Land, unter der Bedingung, es nicht zu verlassen. Obwohl sie viele Freiheiten genossen, mussten sie den Ehrschatz, den Zehnten und Grundzinsen bezahlen. Die Herren gewährten die Freiheiten mit dem Ziel, die Besiedlung der Berge zu fördern, verlangten dafür aber hohe Gegenleistungen. 1502 erhielten 37 Personen die Erlaubnis, nach Bezahlung von 1780 £ den Titel "Bürger von Valangin" zu führen. Diesen Bürgern stand das Vorrecht zu, eine Gesamtgemeinde abzuhalten und einen Bürgermeister sowie einen Weibel zu wählen.
Zu Le L. gehörten neben den städt. Gemeindegenossen auch die auswärtigen, die in den Dörfern La Chaux-de-Fonds, La Chaux-des-Taillères (La Brévine) und Les Brenets wohnten. Diese trennten sich im 17. Jh. ab, um eine eigene Gemeinschaft zu gründen, wobei sie aber weiterhin Mitglieder der sog. Muttergemeinde blieben. Die Hintersassen waren von den Beschlussfassungen ausgeschlossen. Diese Statusunterschiede verursachten zahlreiche Konflikte.
Als Valangin 1592 an die Grafschaft Neuenburg zurückfiel, hatte das weder auf die rechtl. Stellung der Bewohner der Mairie Le L., noch auf deren Funktion als Gerichtskreis Auswirkungen. Der von der Herrschaft eingesetzte Maire stand einem Gericht von zwölf Richtern vor. Diese und die Vertreter der elf Quartiere, die ebenfalls von der Gesamtgemeinde ernannt wurden, hatten die Verwaltung inne. Infolge immer wieder aufkeimender Grenzkonflikte schloss Le L. 1476 einen Burgrechtsvertrag mit Bern ab, um sich vor Invasionen zu schützen. Insbesondere während des Dreissigjährigen Kriegs und beim Einfall Ludwigs XIV. in die Freigrafschaft Burgund kamen Berner Soldaten Le L. zu Hilfe, das seinerseits im Jahre 1712 an der Seite seiner Verbündeten in die Schlachten von Mellingen und Villmergen zog.
Die Grenzlage Le L.s begünstigte die Beziehungen zu Frankreich, die v.a. während der Franz. Revolution intensiv waren. Zahlreiche Einwohner von Le L. schworen im Klub der Jakobiner in Morteau auf die Verfassung von 1792. Es kam zu Konflikten zwischen Anhängern und Gegnern der Institutionen des Fürstentums. Die nachfolgende Repression trieb im Frühjahr 1793 zahlreiche Einwohner Le L.s ins Exil. Mehrere hundert Personen zogen nach Besançon, wo sie in der vom Nationalkonvent gegründeten sog. nationalen Uhrenfabrik Arbeit fanden. Diese revolutionäre Epoche hinterliess in der Bevölkerung Le L.s bleibende Spuren. Sie erklärt teilweise die verbreitete republikan. Gesinnung während der Restauration.
Während der Revolutionsversuch von 1831 in Le L. nur auf wenig Widerhall stiess, gab die Reaktion der Royalisten liberalen Ideen Auftrieb. Die Neuenburger Revolution von 1848 begann in Le L. Die royalist. Machthaber wurden abgesetzt und die helvet. Fahne, das Symbol republikan. Gesinnung, am 28.2.1848 gehisst. 1850 nahmen die neuen Behörden ihre Arbeit auf. Während der erfolglosen Gegenrevolution von 1856 wurde die Stadt kurz von den Royalisten besetzt. Der neue Bundesstaat richtete in Le L. eine Bezirkspräfektur ein, die bis 1935 bestand. Die Bürgergemeinde nahm weiterhin ihre Hilfsaufgaben wahr und garantierte gewisse öffentl. Dienstleistungen, doch die eigentl. lokale Gewalt wurde der Munizipalität übertragen, wobei ein nach dem Grundsatz des allg. Wahlrechts bestimmter Generalrat den Stadtrat (Exekutive) ernannte. Dieses System wurde 1888 durch ein Gesetz geändert, das die heutigen Gemeindestrukturen schuf und das Ende der Bürgergemeinde besiegelte. Die republikan. Stadtregierung förderte Schule und Berufsbildung, indem sie 1855 die Oberschule, 1866 das Lehrerseminar und 1897 die Handelsschule eröffnete. Die 1868 eingerichtete Uhrmacherschule, an der eine techn. Ausbildung angeboten wurde, bildete die Grundlage für das 1901-02 gegr. Technikum, das heute die Ingenieurabteilung der Fachhochschule Arc wie auch die Technikerschule des interregionalen Berufsschulzentrums Montagnes neuchâteloises beherbergt. Die Stadt unternahm grosse Anstrengungen für den Eisenbahnbau. Zur ersten Linie nach La Chaux-de-Fonds (1857) kamen die Verbindungen mit Besançon (1884) und Les Brenets (1890). Trotzdem leidet Le L. unter einer gewissen Isolation und einem grossen Durchgangsverkehr.
Seinen Wohlstand verdankt Le L. im Wesentlichen der Uhrenindustrie, insbesondere der Herstellung von Präzisionsuhren und Werkzeugmaschinen. Daniel Jeanrichard gehörte zu den Pionieren, die diesen Erwerbszweig in Le L. und Umgebung einführten und ein regelrechtes Verlagssystem sowie ein renommiertes Ausbildungszentrum gründeten. In der Region Le L. waren 1750 rund 77 Uhrmacher tätig, 1800 rund 800. Rasch löste die Uhrmacherei das neben der Landwirtschaft betriebene traditionelle Handwerk ab, v.a. die Spitzenklöppelei, die Ende des 18. Jh. noch etwa 500 Klöpplerinnen beschäftigt hatte.
Le L. verdankt seinen Ruf hochtalentierten Handwerkern und ihren zahlreichen Erfindungen: Abraham-Louis Perrelet, Jacques-Frédéric Houriet, Frédéric-Louis Favre-Bulle und David-Henri Grandjean sind die berühmtesten Namen. Im 19. Jh. war Le L. v.a. für seine Taschen- und Schiffschronometer bekannt. Die Uhrmacherei verwandelte Le L. in eine Industriestadt. Auf die handwerkl. Heimarbeit folgten kleine städt. Werkstätten, die nach dem Verlagssystem funktionierten, bis schliesslich im letzten Viertel des 19. Jh. die ersten Fabriken entstanden. Die Einführung der mechanisierten Fabrikation zog die Produktion von Werkzeugmaschinen und Uhrenbestandteilen nach sich. Einige Fabriken - wie Zénith, später Dixi - spezialisierten sich während der beiden Weltkriege auf die Waffenproduktion. Die Uhrmacherei förderte auch die Kreativität und einen Sinn für Ästhetik, die in anderen Bereichen des lokalen Lebens zum Ausdruck kamen. Der Buchhändler und Verleger Samuel Girardet (1730-1807) begründete eine Dynastie von Künstlern und Graveuren, die sich auf die Dekoration von Uhrengehäusen und die Bemalung von Medaillen spezialisierten. Diese Tradition setzte die Fam. Huguenin mit ihren Gehäusemachern und später Medailleuren fort. Ab 1856 war in Le L. auch die Schokolade- und Konfiseriefabrik Klaus tätig, die 1992 ihre Pforten schloss. Wie in den meisten Uhrmacherstädten des Jura wurde das polit. und soziale Leben in Le L. von den Ideen des Radikalismus und später des Anarchismus und Sozialismus geprägt. Prof. James Guillaume regte die Gründung einer Sektion der Internationale von 1866 an. Die dt. Sektionen des Grütlivereins und des Arbeitervereins bezeugen, dass bis Ende des 19. Jh. zahlreiche Arbeiter aus der Deutschschweiz in Le L. tätig waren. Die seit 1897 organisierten Sozialisten stellten ab 1912 die Mehrheit in der Gem. und wurden ab 1956 von der PdA unterstützt. Die Kommunisten verloren ihren Sitz im Gemeinderat (Exekutive) in den Wahlen von 1992 an die Bewegung Droit de parole, die sich ausserhalb der traditionellen Parteien bewegt. 2004 wurde der Gemeinderat erstmals über ein Plebiszit bestimmt, dabei erlangten die PdA drei Mandate, die SP sowie der liberale Parti progressiste national je einen Sitz.
Literatur
– F. Faessler, Histoire de la ville du Locle, 1960
– Kdm NE 3, 1968, 271-297
– INSA 6, 1991, 121-203
Autorin/Autor: Jean-Marc Barrelet / PTO