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Mit «Corridors of Peace» für Menschen weltweit
Domino S. Francis war schon in vielen Konfliktregionen unterwegs. Zusammen mit seiner Partnerin Petra Vahle haben sie vor sechs Jahren in Dornach ein eigenes Hilfswerk gegründet.
Von: Jay Altenbach
Ehrenamtlich kümmern sich die beiden in Dornach und Basel um Asylsuchende und sind im Tschad im eigenen Projekt engagiert. Domino S. Francis war 2008 in den Tschad geschickt worden. Er sollte sich um die Wiedereingliederung von Kindersoldaten in die Gemeinschaft kümmern. Da es nicht sein erster Aufenthalt im Tschad war, fragte er nach ein paar Tagen, wo denn die Kindersoldatinnen untergebracht seien. «Niemand wollte offiziell darüber reden», erzählt Domino S. Francis, den alle, die ihn kennen, nur Domino nennen.
Hinter vorgehaltener Hand versprach man Domino, ihn zu den Kindersoldatinnen zu bringen. Da die jungen Mädchen und Frauen im Krieg Waffen gebraucht hatten, waren sie eine Schande für die Familien und wurden aus der Gesellschaft ausgestossen. Die Frauen lebten in Verstecken bei den Rebellen und waren deren Willkür komplett ausgeliefert. In einer Nacht brachte man ihn zu einem Treffen mit den ehemaligen Kindersoldatinnen und er hörte ihnen zu. Die schrecklichen Erlebnisse der Frauen berührten Domino tief, und er versprach, sich auch um sie zu kümmern. Allerdings war dieses Engagement nicht erwünscht und er wurde aus dem Tschad abgezogen. Er versprach den Frauen, zum Abschied zurückzukommen. Sie mussten sich allerdings zwölf Jahre gedulden.
Engagement für den Frieden
Schon lange hatte Domino geplant, ein Studium an der «World Peace Academy» beim «Swiss Centre for Peace Studies» in Basel zu absolvieren. Das Bildungskonzept kombiniert interdisziplinäre Friedensforschung mit der Vermittlung von konstruktiver Konflikttransformation, der praktischen Erfahrung im multikulturellen Zusammenleben und der Entwicklung von persönlichen Kompetenzen für die Friedensarbeit. Am «Centre for Peace Studies» lernte Domino die Berufsmusikerin Petra Vahle kennen, eine der ersten Diplomabgängerinnen dieses Studiengangs, welche weiterhin regelmässig Gastvorträge besuchte. Fortan engagierte sich das Paar gemeinsam im Asylzentrum in Basel und Dornach.
Ehrenamtlich unterwegs
In Dornach waren die zwei jeweils an einem Abend pro Woche im Asylantenheim vor Ort bis zum Ausbruch der Coronapandemie. Man kochte zusammen, machte Musik, tanzte oder sang. «Musik ist der einfachste Weg, um in Kontakt mit Fremden zu treten», erklärt die Berufsmusikerin Vahle, welche bis zur Pensionierung Mitglied des Sinfonieorchesters Basel war. Auch Domino liebt die Musik und singt bei den Schwarzbubenjodlern in Dornach und einem weiteren Chor mit viel Freude und Herzblut. Manchmal sind auch nur wenige Leute im Asylzentrum, und Domino wie auch Petra nehmen sich Zeit, ein Schreiben zu übersetzen oder einen Brief auf Deutsch zu schreiben. Domino versteht dank seiner unzähligen Einsätze in verschiedenen Ländern viele Sprachen und die gebürtige Deutsche ist schliesslich für die korrekte Rechtschreibung zuständig. Weitere Helferinnen und Helfer engagieren sich als Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer im Asylantenheim. Ebenso wichtig sind Domino und Petra die Treffen von Asylanten mit der einheimischen Bevölkerung. Daher organisieren sie zusammen mit den beiden Kirchgemeinden jedes Jahr ein Kulturfest, wo exotische Gerichte gekocht werden und zusammen Musik gemacht wird.
Die Kulturfeste sind immer ein besonderes Highlight für alle Beteiligten und eine einmalige völkerverbindende Chance. «Diese interkulturellen Aktivitäten sind uns wichtig, nicht nur für die Flüchtlinge, Asylanten und Ausländer, sondern auch für den Aufbau einer friedlichen Gesellschaft», erläutert Domino Francis das Engagement, «denn eine friedliche Gesellschaft ist nur möglich dank kultureller Integration aller.» Das nächste Kulturfest findet am 21. August in Dornach statt.
Projekt im 2020 gestartet
Sein Versprechen, den ehemaligen Kindersoldatinnen im Tschad zu helfen, vergass Domino indes nie. Im Rotary Club in Basel lernten Petra und Domino Urs Herzog kennen, der sich im weltweiten Rotary-Polioprojekt engagiert und sie bestärkte, ein Projekt im Tschad zu lancieren. Der Rotary Club Basel International verhalf ihnen zu einem finanziellen Engagement von Rotary Schweiz in den ersten drei Jahren. 2018 flogen Domino als Vertreter von Corridors of Peace und Urs Herzog als Vertreter von Rotary ein weiteres Mal in den Tschad und trafen :sich auf dem Dorfplatz mit Vertretern des Rotary Clubs Tschad und weiteren Honoratioren des Dorfes. Die Idee, ein Zentrum zur Ausbildung von verarmten Frauen und Kinder aufzubauen und sie zu resozialisieren, stiess auf grosses Interesse. Im 2020 hätte das Projekt mit den ersten 30 Frauen beginnen sollen. Aber es kamen 65 Frauen und Mädchen. Für die Organisatoren war klar, dass niemand ein halbes Jahr warten müsste. So teilen sich die Frauen 15 Nähmaschinen und sitzen etwas näher zusammen, um Lesen und Schreiben zu lernen. Sie werden angelernt, Gemüse und Getreide selbst anzupflanzen für den Verkauf oder den Eigengebrauch. «Diese Fähigkeiten geben den Frauen die Freiheit, sich selbst zu versorgen und ihr Wissen an ihre Kinder weiterzugeben, um nachhaltig ein besseres Leben für die Familien zu ermöglichen», erklärt Petra Vahle.
Blick in die Zukunft
Diesen Frühling reiste Domino nach unzähligen Verschiebungen und Flugstornierungen endlich in den Tschad und konnte sich ein Bild von den Fortschritten des Schulungszentrums machen. Die Frauen sind jetzt in dem Gebäude untergebracht, welches für die Kindersoldaten vor zwölf Jahren aufgebaut worden war und im Moment nicht gebraucht wird. Da so viele Frauen bereits heute das Ausbildungszentrum besuchen, wird ein Teil dieser Frauen in Zukunft andere Teilnehmerinnen anleiten und ausbilden. «Die Frauen sind sehr lernbegierig und dankbar für diese Möglichkeit», erzählt Domino mit leuchtenden Augen. Im Dezember wollen Petra und Domino zusammen in den Tschad fliegen und an der Abschlussfeier der ersten in der Zwischenzeit 100 Frauen teilnehmen. Weiterhin sucht Corridors of Peace dringend Spenden oder Sponsoren für das Projekt und den Transport eines Containers. Die beiden Initianten wollen den Frauen weitere Stoffe zur Verarbeitung bringen, Nähmaschinen und Computer, damit noch viele Frauen die Chance bekommen, ein eigenständiges Leben zu führen und ihren Kindern den Besuch der Schule zu ermöglichen.