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Diese Thematik beschäftigt mich persönlich sehr. Nicht nur von Berufs wegen – Stichworte Haftpflicht und Verantwortlichkeit.
Das Alter eines Stabes ist auf jedem Stab markiert. Auf den älteren eingeritzt auf den neueren (insb. Marke Pacer) auch auf einem Aufkleber ausgewiesen.
Die Unwissenheit oder das mangelnde Bewusstsein über «alte Stäbe», die mir aus der Welt zu schaffen ein grosses Anliegen sind, lässt sich wie folgt in einem Vergleich plastisch darstellen:
- Fragst du dich, bei einem Skihelm, denn du schon 15 Jahre besitzt, ob der noch taugt? Ein Helm besteht aus Styropor und einer Plastikschicht. Ein Skihelm wird nicht «gebogen», also beansprucht wie ein Stab.
- Dieselbe Fragestellung gebe ich mit einem Fahrradhelm zu Bedenken mit.
- Fährst du Ski, die älter sind als 15 Jahre? Skis werden während ein paar Tagen im Jahr beansprucht, dabei aber nicht um 90° gebogen wie ein Stab
- Alles aus Kunststoff altert und wird irgendwann brüchig. Ein Stabhochsprungstab besteht aus Fiberglas- oder Carbonstofffasern (weich wie ein Tuch), die zusammen mit Harz unter Hitze erhärtet werden.
Jetzt schaust du auf einen Stabhochsprungstab, an den du dich kopfüber in 4 bis 5 Meter Höhe katapultieren lässt. Dabei biegst du den Stab bis 90°. Ein Gemisch aus Stoffplanen und Harz. Der Stab fiel unzählige Male in den letzten 15 Jahren zu Boden (beim Springen, beim Transport). Das Material ist seit 15 Jahren der Abnützung unterworfen.
Ist es nun gescheit, schlicht zu warten, bis der letzte Tag des Stabes angebrochen ist? Wirst du derjenige sein, der am Tag X den Stab in seine letzte Biegung zwingst, bevor er mit einem lauten Knall sein Verfallsdatum verkündet?
Die Leistung eines Stabes wird mit dem Alter schlechter. Die Elastizität eines Stabes im ersten Jahr ist immer besser als im 5. Jahr und natürlich im 15. Jahr. Die Elastizität des Harzes kann sich über die Dauer der Zeit nicht verbessern, das ist physikalisch unmöglich. Nicht umsonst bestellen die Top-Stars alle paar Jahre neue Stäbe. Skifahrer fahren auch nicht 10 Jahre denselben Ski, 2 bis 3 Jahre vielleicht, wenn sie damit ein gutes Feeling hatten, mehr nicht.
Nun wird der eine oder andere anmerken, aber das kostet doch so viel! Wir können doch nicht all unsere Stäbe ersetzen, wenn sie 15 Jahre alt sind!
Was heisst das konsequent zu Ende gedacht? Jeder Stab muss bis zum Brechen gesprungen werden?
Jeder Athlet, der so denkt, dem kann nicht geholfen werden. Jeder Verein, der so denkt, sollte über seine Verantwortlichkeit ernsthaft nachdenken. In letzter Konsequenz kommt es einer fahrlässigen Körperverletzung gleich, den Athleten altes Material «zu Ende» springen zu lassen. Die Vorgabe ist eigentlich grotesk, dass es erst nach einem Bruch einen neuen Stab gibt. Abhilfe schafft hier nur eine regelmässige Beurteilung der Stäbe durch einen Fachmann und die Festlegung eines Maximalalters. Natürlich kann ein wenig benutzter gut erhaltener Stab auch 5 Jahre länger halten, sogar 10. Aber auch ein Fahrradhelm könnte 20 Jahre halten und wird vermutlich nie in seiner Karriere «zum Einsatz» kommen, aber niemand würde es darauf ankommen lassen und einen 20 Jahre alten Fahrradhelm tragen (und nochmals, der wird nicht ständig wie ein Stab gebogen!).
Die Gewohnheit, die ist hier der eigentliche Feind. Es scheint sich ausser den Top-Springern niemand wirklich Gedanken darüber zu machen, was es heisst, alte Stäbe zu springen. Kaum jemand weiss, dass die einen weniger stark katapultieren als neue, wer hat schon den 1:1-vergleich. Für 2, 4 oder 8 Zentimeter mehr Sprunghöhe macht es im Anfängerbereich und im Mittelfeld vielleicht auch noch wenig Sinn zu investieren. Und wegen der hohen Kosten kommt niemand darauf, rechtzeitig Ersatz anzuschaffen.
Aber es geht mir hier um Unfälle, nicht Zentimeter.
Die Kosten sollte man in ein Verhältnis zu den Menschen-Werten setzen, die sich an den Stab hängen. Dann ist diese Diskussion relativ schnell beendet.
Ein Stab kostet über 15 Jahre abgeschrieben 60 Franken im Jahr. Dafür bekomme ich nicht einmal einen Monat Fernsehen und Internet. Ein Verein mit 30 Stäben muss jährlich 2 Stäbe erneuern (buchhalterisch), um sein Sortiment à jour zu behalten. 30 Stäbe sind schon eine Menge.
So machen wir es in Winterthur, seit ich das eingeführt habe. Man verhindert so, eines Tages dem technischen Leiter erklären zu müssen, du wir brauchen dieses Jahr 10 neue Stäbe, sorry, kostet 9’000.-. Alternative ist, dass irgendwann ein Stab bricht und dann hast du Schuld, weil ich es dir heute gesagt habe, dass die langsam zu alt sind.
… (ich lasse das kurz einsinken)
Ich gehe viel auf Athleten zu und frage sie, schaue mal, der Stab da, der ist älter wie du, was meinst du dazu?
Ich blicke in leere, fragende Gesichter. Wenn ich ihnen dann die vorstehende Geschichte erzählt habe, denken sie anders.
Ein Stabbruch verschafft einem von einem Schock über tiefe Wunden bis zu Knochenbrüchen meist in der untere Griffhand durch die extremen Vibrationen, die ein Bruch auslöst. Passiert das wegen Überalterung eines Stabes, wäre das einfach zu verhindern.
Schaut euch euer Material an. Prüft das Alter. Wehrt euch gegen überaltertes Material. Es kann lebensgefährlich sein.