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Trajectdampfer auf dem Zürichsee
Ein Artikel aus der schweizerischen Bauzeitung vom 5. September 1885
Trajectdampfer auf dem Zürichsee,
für die schweiz.Nordostbahn-Gesellschaft erbaut von Escher, Wyss & Cie. In Zürich
In Ergänzung der Mittheilungen in Bd. V Nr. 23 dieser Zeitschrift über das am 4. Juni d. J. von Stapel gelassene Trajectboot veröffentlichen wir heute eine bildliche Darstellung desselben, bestehend in einer Ansicht, einem Quer- und Längsschnitt des Dampfers. Derselbe ist wie bereits erwähnt vorläufig für den Verkehr der linksuferigen Station Wollishofen der schweizerischen Nordostbahn mit der Fabrik chemischer Producte der Herren Gebrüder Schnorf in Uetikon am rechten Ufer des Zürichsee's bestimmt. Der für einen Arbeitsdruck von 6 Atmosphären construirte Kessel hat 40 m2 Heizfläche. Die Maschine ist eine Compound-Schraubenmaschine mit Condensation und hat 20 Pferdestärken Nominalkraft. Wie wir erfahren haben, hat' sich das Schiff im Betrieb bewährt und den gestellten Anforderungen vollkommen entsprochen.
Es ist bemerkenswerth, wie auch bei diesen Transportmitteln, welche in willkommener Weise und mit relativ geringen Anlage- und Betriebskosten hie und da fühlbare Lücken der Eisenbahnverbindungen ausfüllen, dem "Secundärbetrieb" sein Recht wird.
Wir haben nun in der Schweiz auf dem Bodensee, dem Thunersee und dem Zürichsee solche Eisenbahntrajectanstalten. Das erste den ähnlichen ausländischen Projecten nachgebildete Trajectschiff auf dem Bodensee wurde 1869 für den Verkehr von Friedrichshaten nach Romanshorn gebaut, ein 200 Pferde starkes Räderboot, 70 m lang, 12,2 m breit, für 16-18 Waggons; gleichzeitig liess die bayerische Eisenbahnverwaltung 3 Kähne für je 10 Wagen bauen, welche dazu bestimmt waren, von den Personendampfern geschleppt zu werden. Im Jahr 1874 folgte ein zweites, 150 Pferde starkes Räderboot gleicher Dimensionen, während successive für die badische Verwaltung 1, für die württembergische 2, für die Nordostbahn 2 und zuletzt für die Arlbergbahn 4 Schleppkähne, je auf 10 Waggons berechnet, gebaut worden sind, wozu sich ein Schraubenschleppschiff von 40 Pferdestärken gesellte, das die Arlbergbahn herstellen liess. Letztere hat, indem sie ihren Schleppdienst den Personendampfern durch dieses Schraubenschleppschiff abnehmen liess, einen glücklichen Griff gethan und unzweifelhaft die beste Lösung des Problems gefunden, worauf sie übrrigens auch dadurch geführt wurde, dass die Richtung ihres Waarenverkehrs von dem Curse ihrer Personenschiffe mehrfach abweicht. Es ist wohl anzunehmen, dass ihr Vorgehen Nachahmung finden werde und dass man mehr und mehr davon abkommen wird, den Schleppdienst , wie es auf dem Bodensee noch jetzt die Regel ist, mit dem Personendienst zu verbinden resp. von den relativ theuern Passagierdampfern besorgen zu lassen.
Die Erkenntniss der mit dieser Combination verknüpften Uebelstände hat nun auch dazu geführt, dass schon im Jahr 1874 auf dem Thunersee für die Brünigbahn und nunmehr auf dem Zürichsee besondere Transportdampfer für den Verkehr mit Eisenbahnwaggons erstellt wurden, deren Dimensionen für 5 Waggons den geringen Distanzen, welche zurückzulegen sind und der localen Natur dieses Verkehrs angemessen und die ihre Aufgabe in zweckmässiger und öconomischer Weise lösen.
Wir fügen hinzu, dass die sämmtlichen genannten Schiffe, bis auf einige Schleppkähne, nach den Zeichnungen und in den Werkstätten von Escher, Wyss & Cie. erstellt worden sind.