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Die Burgstelle Strassberg oberhalb von Büren an der Aare (Kt. Bern
Erdburg - Steinburg - Erdfigur
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Plan der Burgstelle Strassberg bei Büren an der Aare (Kanton Bern)
Planskizze: Autor, 7/2011
Lage und Beschreibung
Die Burgstelle Strassberg liegt etwa 100 Meter südwestlich oberhalb des Städtchens Büren an der Aare, auf einem Schloßhubel genannten Sporn im Nordosten des bewaldeten Städtibergs. Jener Berg zwischen Dotzigen und Büren hieß früher Bürenberg. Auf der höchsten Stelle ist ein Schalenstein bemerkenswert (Koordinaten 593939/219390).
Weshalb der Burgplatz den Namen Straßberg trägt, ist wahrscheinlich der erfundenen Geschichte geschuldet: Ein Graf von Straßberg tritt in der erfundenen Befreiungsgeschichte Berns und nachher der Waldstätte als Gegner auf.
Eine Burgruine Strassberg gibt es auch bei Malix GR, auf der Strasse zwischen Chur und der Lenzerheide.
Strassberg ist auf einem gegen Nordosten gerichteten Sporn angelegt. Die Anlage besteht zuerst aus einem imposanten, gegenüber der Grabensohle auf drei Seiten gut zehn Meter hohen länglich-ovalen Burghügel. Dieser ist gegen die Bergseite durch einen breiten und tiefen Halsgraben abgetrennt. Ein halbkreisförmiger Wall mit einem kleineren äußeren Graben schützte die Burg zusätzlich.
Gegen Norden und Nordosten sind dem Graben mehrere durch Lücken gegliederte Wälle vorgelagert.
Der eigentlichen Burganlage ist im steilen Abhang gegen Nordosten - also in Richtung des Städtchens Büren - ein merkwürdiges System von geschwungenen "Hohlwegen" vorgelagert. Dieses endet etwa 60 Höhenmeter tiefer. Dieses System von Gräben scheint weder einen fortifikatorischen noch einen praktischen Zweck gehabt zu haben.
Im Osten ist unterhalb des Burghügels eine Geländezunge zu bemerken.
Strassberg war sicher als Erdburg angelegt. Nachher wurde sie zu einer Steinburg ausgebaut. Auf dem Burghügel legte eine Ausgrabung von 1949 den Grundriß eines rechteckigen Berings und eines fast quadratischen Bergfrieds frei. Letzterer stand an der höchsten Stelle im Nordosten des Burgplateaus.
Burgstelle Strassberg: Das obere Ende der beiden Hohlwege im N des Burghügels
Foto: Autor, 22.6.2011
Die Figuren in der Burganlage Strassberg
In den Grundrissen alter Burgen und Städte, aber manchmal ganz einfach in das Terrain, sind häufig Figuren eingezeichnet.
Auch bei Strassberg zwingt das merkwürdige Hohlwegsystem, das sich von der eigentlichen Burganlage nach Nordosten hinabzieht, zu figürlichen Überlegungen.
Die Gesamtanlage der Burgstelle südwestlich oberhalb von Büren an der Aare stellt sicher ein Füllhorn dar. - Ein solches ist nach den bisherigen Forschungen noch nirgends aufgetaucht - weder im Bernbiet noch anderswo.
Das Füllhorn im Plan von Strassberg bei Büren an der Aare BE
Doch auch die Wappen liefern manchmal Hinweise zu einer Burganlage auf dem Gebiet einer bestimmten Gemeinde.
Büren an der Aare hat als Wappen eine silberne Bärentatze auf rotem Grund. Weshalb eine Tierpfote? - Nun, zwischen BÜREN und BÄREN gibt es nur den Unterschied eines Vokals. Das Städtchen konnte sich als Bärenort bezeichnen wie Bern.
Doch auch im Plan der Burgstelle Strassberg kann man eine Bärentatze erkennen. - Man muß annehmen, daß die Altvordern dies auch bewußt gesehen haben.
Viele Figuren in Burgen- und Stadtgrundrissen sind bekanntlich mehrdeutig oder bewußt vieldeutig. Sowohl Horn wie Tatze ergeben hier eine Symbolik, die sich ausgestalten läßt.
Das Wappen von Büren an der Aare BE: eine Bärentatze auf rotem Grund
Büren – Pyrenestica – Praeneste - Palestrina
Im Südosten neben dem "mittelalterlichen" Städtchen Büren an der Aare, im Weiler Oberbüren, gab es einen bedeutenden Wallfahrtsortt. Von diesem ist nichts mehr zu sehen. Doch fanden in den 1990er Jahren umfangreiche archäologische Sondierungen statt, die es erlaubten, den Grundriss des Kirchenbezirks zu rekonstruieren.
Oberbüren hatte zeitweise europaweite Bedeutung als Ort, an dem man totgeborene Kinder zum Leben erwecken oder wenigstens vor der ewigen Verdammnis retten wollte. - Die Reformation beendete diese Wallfahrten. Die Kirche wurde abgerissen und eingeebnet.
Die ältesten eidgenössischen Chroniken, vor allem Johannes Stumpf, erwähnen Büren an der Aare im Zusammenhang mit der erfundenen Geschichte. Es wird gesagt, Büren liege zwei (wohl eher zwanzig) Meilen von Bern entfernt und werde auch PYRENESTICA genannt.
Der antikisierende Ortsname ist nicht zufällig und einsichtig: Pyrenestica, das ist PRAENESTE, heute Palestrina, jener antike Wallfahrtsort 37 km östlich von Rom. Im Städtchen hat man die Reste des weitläufigen Heiligtums der Fortuna Primigenia freigelegt.
Das Orakel von Praeneste galt zu einer gewissen Zeit sehr viel. Der Wallfahrtsort war aber auch umstritten, wurde angefeindet. Sowohl Sulla, aber auch der "mittelalterliche" Papst Bonifaz VIII. sollen aus Hass den Kultort zerstört haben, desgleichen der biblische Saul das Höhenheiligtum NOB.
Beiläufig ist zu erwähnen, daß Palestrina als Höhenort dem heiligen Land PALESTINA als Land der Höhenheiligtümer den Namen gegeben hat.
Was für Palestrina - Praeneste gilt, ist auch bei Büren an der Aare, beziehungsweise Oberbüren, zu sehen: ein berühmter, aber umstrittener Kultort.
Die Göttin Fortuna von Praeneste hat als Attribut ein Füllhorn.
Also ist es nicht verwunderlich, daß die Burg von Büren - Pyrenestica in ihrem Grundriß ein Füllhorn darstellt.
Weiter sieht das Hohlwegsystem von Strassberg bei Büren wie zwei ineinander gedrehte Schnüre, Fäden oder Seile aus. - Auch daraus ergibt sich eine Beziehung zu Fortuna: Diese Göttin webt bekanntlich für jeden sein Schicksal.
Die Erdburgen waren vielleicht mehr Kultorte denn Wehranlagen. Strassberg bei Büren an der Aare könnte ein Wallfahrtsort gewesen sein, der Göttin Fortuna geweiht.
Juni 2011, 2016