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Viele Elemente, die unsere Fasnacht bis heute prägen, entstammen Musterungsbräuchen der Zünfte, Ehrengesellschaften und der städtischen Milizen, deren Mitglieder alle die Aufgabe hatten, ihre Quartiere im Kriegsfall zu verteidigen. Im alten Glaibasel gab es einst nicht nur einen Vogel Gryff-Tag, der heutige Brauch ist vielmehr die Fusion dreier Musterungen, die bereits im Mittelalter stattgefunden haben.
Drei verschiedene Tage
Damals zogen die drei Ehrengesellschaften nämlich an drei verschiedenen Tagen im Januar durchs mindere Basel, jede mit ihrem Ehrenzeichen, mit ihren Tambouren und Fahnenträgern. Als Vorhut eines gerüsteten Haufens, dessen Waffen dann von den Vorgesetzten gemustert, also auf ihre Tauglichkeit hin überprüft wurden. Fast alle europäischen Kampfeinheiten jener Zeit, ob Milizen oder bewaffnete Rittertruppen, wie sie beispielsweise einen Adligen begleiteten, hatten in ihren Reihen einen Kämpfer, der einen Helm trug, welcher wie eine Tiermaske gestaltet war: Bären, Löwen, Drachen – heraldische Tiergestalten also – waren dabei häufige Sujets.
Krajejoggi
Auch die Kämpfer der Zünfte und Gesellschaften des Grossbasels hatten solche Figuren dabei und veranstalten anfangs des Jahres Musterungen (zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass der Aschermittwoch, also der heutige Tag, im Grossbasel immer noch der Tag der Zünfte ist). Am besten kennt man heute noch den Krajejoggi, Ehrenzeichen der Spalenvorstadt, der die gleiche Funktion erfüllte wie die Kleinbasler Ehrenzeichen. Ein Verwandter vom anderen Rheinufer quasi. Auf dem Bild von 1857, das diesen Artikel begleitet, sieht man nun etwas, das heute komplett unmöglich wäre. Die drei Ehrenzeichen tanzen vor dem Fischmarktbrunnen, im Grossbasel — und ganz rechts im Bild sieht man den Krajejoggi, der gerade einige Buben erschreckt.
Mit den Musterungsbräuchen verwandt
Dieses Bild zeigt auf exemplarische Weise, wie eng das Gepräge unserer Fasnacht mit den alten Musterungsbräuchen verwandt ist. Bevor die heutigen Stammcliquen gegründet wurden, dieser Prozess begann an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, waren die Trommler (und anderen militärischen Musiker) an der Basler Fasnacht oft weder maskiert noch kostümiert. Vielmehr marschierten sie in ihren Uniformen, so wie es die Tambouren der drei Ehrengesellschaften oder jene der Zunftspiele heute noch tun.
Fackelträger
Gleichzeitig waren es eben auch die Stadtgarde und die Quartiermilizen, die an der Fasnacht herumzogen. Am Morgestraich wurden diese meistens von Fackelträgern begleitet – bis das offene Feuer an der Fasnacht im 18. Jahrhundert behördlich verboten wurde. Dieses Verbot war übrigens der Auslöser unserer Basler Fasnachtslaternen-Kultur.
Nicht immer friedlich
Im 19. Jahrhundert trafen die Milizen, Stadtgarden und Ehrengesellschaften an der Fasnacht also aufeinander, vor diesem Hintergrund war es kein Tabu, dass die Kleinbasler mit ihren Ehrenzeichen ins Grossbasel kamen. Wobei gesagt werden muss, dass die Begegnungen zwischen den verschiedenen Quartiervertretungen nicht immer friedlich abgelaufen sind.
Knüppel, Säbel, Fäuste
Zwischen den Aeschlemern, den Stainlemern und den Glaibaslern, vor allem zwischen den jungen Männern aus deren Reihen, brodelte es häufig. Und recht häufig entluden sich diese Spannungen in der Fasnachtszeit auf gewalttätige Art und Weise. Etwa im Jahr 1757, als der grosse Fasnachtsumzug der Glaibasler sich gegen Abend friedlich aus dem Grossbasel zurückziehen wollte. Da kam ihnen der Umzug der Stainlemer entgegen, die sie daran hindern wollten. Und schon kam ein Gefecht in Gang, mit Knüppeln, Säbeln, Fäusten.
Disziplin
Der Brauch hatte also nicht bloss ein militärisches Gepräge, sondern führte auch immer wieder zu Gefechten. Die andere Seite der Medaille ist die Disziplin, die bis heute an unserer Fasnacht herrscht. Auch sie ist auf die Miliz- und Militärgrundlagen zurückzuführen, die sich am Rheinknie mit den Carnevals-Bräuchen gemischt haben – und aus dieser Mischung ist eben etwas weltweit Einmaliges entstanden.
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