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Sternenberg i. Uechtland
Uechtland wird deutschsprachig
Als Uechtland wird ein Gebiet bezeichnet zwischen Aare, Saane und der Stockhornkette, das ein Grenzland war. Heute würde man es entmilitarisierte Zone nennen zwischen west- und ostfränkischem Hoheitsgebiet, die Unterfraktionen Alemannen rechts und die Burgunder links von Aare/Sense waren keine Freunde. Dieses Gebiet sei wenig oder gar nicht bewohnt gewesen, eine Oede (Uecht), wahrscheinlich auch als Weideland genutzt. Nach 921 änderte sich die politische Situation im Uechtland grundlegend. Burgundische expansive Kräfte hatten die Grenze zu Alemannien von der Aare zur Reuss verschoben bis sie schliesslich 921 bei Winterthur eine Niederlage erlitten. 922, als Geste der Versöhnung, kann der hochburgundische König Rudolf II die alemannische Herzogstochter Bertha heiraten, die das Uechtland als Mitgift nach Burgund einbringt. Daraus kann das bisherige alemannische Hoheitsrecht über das Uechtland abgeleitet werden. Die Besiedelung des Uechtlandes durch alemannische Pioniere wird folglich greifbar. Nach Beruhigung der Lage, hatte das burgundische Königshaus vermutlich gezielt tausende Leute aller Berufsgattungen im bisherigen alemannischen Siedlungsraum gesucht, um das Gebiet zu bevölkern und urbar zu machen. Gleich wie später der pfälzische Kurfürst tausende Schweizer für den Wiederaufbau seiner verwüsteten Pfalz angeworben hat. Wie ist es sonst möglich, innert kurzer Zeit bis um die Jahrtausendwende eine flächendeckende Pfarreienlandschaft einzurichten so es überliefert ist.
Der Burgenbau an der Sense
Ueberaus spannend und schweizweit einzigartig sind die zahlreichen Zeugen des Mittelalters entlang der Sense mit 15 Burgstellen und Burgen. Ihre Anfänge dürften bis ins erste Jt. zurückreichen. Erhalten sind nur das Schloss Laupen, die Ruine Grasburg und Riedburg. Alle übrigen Stellen sind stark erodiert und nur noch als Gelände Erhebung sichtbar. Anfänglich entstanden die sogenannten Motten oder Erdburgen, auf künslich erhöhten Stellen, mit einem Holz- Wohnturm versehen. Ringsherum mit Gräben, Wällen und Palisaden bewehrt. Wann der Burgenbau durch einen alemannischen Ministerialadel entlang der Sense einsetzte, ist sehr Hypothetisch. Archäologische Untersuchungen, die etwa Münzen oder Keramik für eine Datierung fördern könnten, wurden leider fast keine gemacht. Fachleute setzen die Erdburgen ins 8. Jh zurück. Die meisten Erdburgen Typen sind dann mit einem gemauerten Wohnturm verstärkt worden. Eine grössere, komfortablere Anlage, etwa mit einer Ringmauer, war aber nicht mehr möglich, weil der Baugrund nicht stabil genug war. Auf felsigem Grund, der entlang des Sensegrabens reichlich vorhanden ist, entstanden eine ganze Anzahl reine Steinburgen, die mit Ausnahme der Grasburg alle total zerfallen sind. Siehe Link am Ende der Seite.
Das erstarkte alemannische Herzogsgeschlecht, nach der gewonnenen Schlacht bei Oberwangen 610 gegen Burgund, liefert den Hinweis für den strategischen Ausbau und eine laufende Verstärkung der Verteidigungslinie entlang von Aare, Saane und der Sense bis in die Zähringerzeit. Die von Emanuel Lüthi erkannten zahlreichen terassierten Abwehrschanzen auf dem Gebiet der Gemeinde Neuenegg (siehe "Die Alemannen Grenze"), können mit gutem Grund in ein ganzes Konzept von Kontrolle und Abwehr einbezogen werden. Die Hochblüte der Burgenzeit endete mit der Gründung der Städte Bern und Freiburg, die für eine viel grössere Anzahl von Bewohnern den nötigen Schutz bieten konnten.
Der Historiker Claude Longchamp schreibt in einem Vortrag, eindringende arabische Sarazenen sollen auch ein Grund der umfangreichen Sicherungsmassahmen entlang der Sense gewesen sein. Tatsächlich trieben diese Araber ihr Unwesen nördlich der Alpen ab etwa 920 bis 955. Vom Lombardischen König angeheuert, setzten sie 962 erneut über die Alpen und seien durchs Vallis und den Aareraum bis ins Rheintal vorgestossen, bis sie um 973 wieder verschwanden. Einen interessanten und ausführlichen Bericht über die Sarazenen-Einfälle im 10.Jh. finden sie unter vioz.ch (Muslime in der Schweiz, aus der Geschichte).
Der an der Sensebrücke aufgewachsene Emanuel Lüthi 1843-1924 wies in seinen Publikationen "der Pionier" (Schweizerisches Schulmuseum Bern), erstmals auf die Erbauer des Abwehrgürtels von Neuenegg hin: es sollen sich um alemannische Verschanzungen (Landeshag) gegen burgundische Einfälle handeln. Tatsächlich finden sich auf der rechten Sense Seite auf Neuenegger Boden zahlreiche Spuren solcher Schanzen. Wenn dies zutrifft, könnte es sich um Grenzsicherungen handeln, die in der Zeit errichtet wurden, als die Aare noch die Hauptgrenze war, ca. 561 - 920. Ebenso wäre die Erstbesiedelung bis zur Sense in diese Zeit anzusetzen, also bedeutend früher als bisher angenommen. Wenn ich es richtig interpretiere, dann musste das ganze Vorland zwischen Forst mit den Schanzen an der heutigen Waldgrenze, bis zu den steilen Waldborden am Sensegraben vollständig entwaldet gewesen und wahrscheinlich auch als Weide oder ackerbaulich genutzt worden sein. Nur so wäre eine wirksame Verteidigung der Grenze gegen ein anrennendes feindliches Heer gewährleistet gewesen. Ich versuche diese defensiv Anlagen auf der nächsten Seite darzustellen.
Der Flüh Burghügel von Neuenegg
Eine Pallisade geschützte Erd- Holzburg oder Motte, ist auf der Flüh zu Neuenegg gut vostellbar. Davor für Vieh und Pferde Wirtschaftbauten. Ansicht von Osten her, rechts wäre der Willeringgraben, links die Gartenstrasse. Möglicherweise ist der Hügel als Teil einer umfassenden grossen Verteidigungsanlage zwischen Laupen und Thörishaus zu verstehen. Grafik ab Internet (Wark Castle GB)
Nebst den Bodenzinsen richtete sich das Einkommen der Burgherren nach den örtlichen Möglichkeiten wie Brückenzoll, Fähr- und Hilfsfuhrbetrieb und vielerorts die Müllerei. Vereinzelt nachgewiesen sind auch Tätigkeiten im Bereich der Rohstoffgewinnung und Verarbeitung (Brennkalk, Metalle, Glas). Verarbeitungsplätze dazu könnten im damaligen wie auch heutigen Energie liefernden Wald unter dem Erdboden verborgen liegen, wie der Kalkofen (Chalofen) bei Wyden, dessen Lokalität bis heute nicht gefunden worden ist.
Mühlebetrieb mit Wasserkraft im Mittelalter
Auffallend ist die Nähe von Burgen zu wasserbetriebenen Getreidemühlen und zeigt die Bedeutung des Mühlebetriebes an. Grossflächig eingeführt wurde der Ackerbau, die Dreifelderwirtschaft mit Wintergetreide, Sommergetreide und Brache, diese, den Bauern vorgegebene Anbaumethode oder Flurzwang, war in Mitteleuropa tausend Jahre Standard. Nachgewiesen ist die Dominanz von Getreide auf dem Speisezettel der damaligen Leute. Der Betrieb der Mühle war dermassen lebenswichtig, dass der Burgherr/Graf oberste Priorität der sicheren Beschaffung von Getreidemehl einräumen musste. Hätte der Graf die Landleute leichtfertig dem verhungern ausgesetzt, hätte er gleichzeitig auch seine eigene Existenz gefährdet. Die Burgenlandschaft, wie sie existiert hat, kann schwerlich ohne Hundertschaften von Abhängigen aufgebaut und betrieben worden sein. Die Bauern lieferten den nötigen Rohstoff Getreide für ihre Selbstversorgung, Mehrertrag konnte gewinnbringend verkauft werden. Gegenseitige Abhängigkeit war offensichtlich, das Leben des Grafen war direkt vom Wohlbefinden seiner Untertanen abhängig, die für Dienste wie Fuhrungen oder im Fall von Gefahr zum Waffendienst verpflichtet waren. Umgekehrt hatten die Bauern gegen die Bezahlung von Bodenzinsen und der Abgabe des Zehnten das Erbrecht auf Hof und Bleibe.
Neben den Pflug- und Kirchenfrieden, ist der Mühlefrieden in der Heidelberger Handschrift des Sachsenspiegels als Grundpfeiler im m.A Recht dargestellt.
Im Mittelalter betrieben die meisten Müller eine sogenannte Bann- oder Zwangmühle. Das Bann- und Zwangrecht (ein Mahlzwang) umfasste das Recht des exklusiven Mühlenbetriebs und sicherte dem Betreiber den Anspruch, dass die Bewohner einer Gemeinde oder eines Landstrichs ihr Getreide nur bei ihm mahlen lassen durften. Der Mahlzwang verpflichtete den Müller jedoch dazu, seine „einheimischen“ Mahlgäste nach der Reihenfolge der Anmeldung und vor fremden Mahlgästen aus anderen Herrschaften zu bedienen. Mühlen und Kirchen zählten zu befriedeten Orten. Dass heißt diese Orte sollten gegen jede Gewalttat geschützt sein. Diese Ordnungen bedrohten daher in Mühlen begangene Diebstähle und andere Vergehen mit schwersten Strafen. Der erhöhte Rechtsschutz für Mühlen erklärt sich daraus, dass Mehl Ausgangsstoff für das wichtigste Nahrungsmittel bis heute ist, „unser tägliches Brot“.
In der Gemeinde Neuengg siedelten erste Bauern entlang von wasserführenden Molasseschichten z.B. Natershaus, Grund, Brüggelbach und Nessleren. Diese Hofstellen hatten von Beginn an fliessendes Brunnenwasser. Im Gegensatz zu den gemauerten Burgundischen Bauerndorfsiedlungen in der Westschweiz, scheinen die alemannischen Bauherren im neuen Siedlungsgebiet Streusiedlungen mit Holzhäusern bevorzugt zu haben. Sie entwickelten den Vorläufer des bernischen Bauernhauses mit burgundischem Einfluss oder vereinigten alemannische Handwerkskunst mit burgundischer Architektur, die heute noch gut sichtbar ist.
Der Landstuhl
Im Neusiedlergebiet galt zunächst die mitgebrachte Lex Alamannorum, ein überliefertes altes Recht (nur Bussen, ohne Körperstrafen). Mit dem Uebertritt ins hochburgundische Gebiet ist eine Anpassung an das burgundische Recht jedoch naheliegend. Weil die Landleute des Lesens nicht kundig waren, hatten alle Dienstpflichtigen im Gerichtsbezirk an Landtagen teilzunehmen. Bei diesen Gerichtstagen unter dem Vorsitz des Grafen oder seines Statthalters, konnten die Untertanen Bitten und Klagen vorbringen oder sich die alten Rechte bestätigen lassen. Traktandiert waren ebenfalls allerlei Streitigkeiten zwischen den Untertanen, die der Vorsitzende zu schlichten versuchte. Für Offizialdelikte wie Raub, Mord, Totschlag und Brandstiftung wurde die Todesstrafe ausgesprochen. Die Urteile wurden sofort vollstreckt und hatten Unterhaltungswert mit grosser Zuschauerbeteiligung.
Im M.a. war es üblich, Erhängte oder Geräderte bis zur Skelettierung hängen zu lassen, an übersichtlicher Stelle, an einer wichtigen Durchgangsstrasse. Jeder Passant konnte es sehen, wie in diesem Gebiet Recht durchgesetzt wurde. Im Internet recherchiert, fand ich unter dem Begriff „Gericht im Mittelalter“ wie Dingstätten im deutschsprachigen Raum ausgesehen hatten. Da gab es vom einfachen Galgen bis zum aufragenden gemauerten „Gerichtsstuhl“ alles. Die damalige Obrigkeit setzte alles daran, ihre Autorität mit einer Furcht einflössender Institution zu manifestieren. Es war Brauch, mittels eines „Stuhls“, die rechtmässige Güterbesitznahme zu vollziehen.
Eine gemauerte Dingstätte oder Stuhl, wie sie im m.A. üblich war. So oder ähnlich könnte der Landstuhl am Sonnenrain ausgesehen haben. Bildquelle: Internet
An der vermuteten Dingstätte führten heute noch sichtbare m.A. Wege vorbei: vom Landstuhl her der "Heutiwäg". Von der Süri her als aktueller Wanderweg durch einen alten Hohlweg, der im Nesslerenholz immer noch Kreuzweg genannt wird, eine m.A Benennung für einen Weg zur Dingstätte.
Ein Landstuhl im Forst am Sonnenrain kommt dieser Darstellung nahe und war an der mittelalterlichen West Ost Transitachse nach Bern gelegen. Der Stundenstein 1800m östlich an einem Abzweiger ist dabei äusserst hilfreich. Merkwürdig, der steht gar nicht an der Landstuhlstrasse, obwohl sehr nahe davon, steht er an der alten Laupenstrasse. Wenn er am Originalplatz steht, weist er immer noch den Weg westlich nach Laupen am Sonnenrain vorbei (jetziger Wanderweg) und östlich durch den Wald zur Stahlengasse nach Oberwangen (im Wald als Trasse erkennbar). Die Bezeichnung „Landstuhl“ meint explizit die Dingstätte, den „Stuhl“, ein erhöhtes Podest mit Schafott und den dreier oder vierer Galgen. In den schweizerischen Rechtsquellen steht unter Landgericht Sternenberg von 1528: „Von dem Landstuhl im Forst...sind keine Rudera mehr sichtbar, wohl aber dem Nahmen nach noch bekant, und dermahlen noch im Wissen, dass ein Schloss ohnweit diesem Landstuhl gestanden und in ältesten Zeiten hieselbst Landtage gehalten worden“ Wie lange dieser alte Landstuhl in „Betrieb“ war, ist schwer zu sagen. Sobald eine neue Strasse anderswo durchführte, liess man die Stelle verfallen, ein neuer Gerichtsort wurde eingerichtet. 1388-1798 übernahm Bern die hohe Gerichtsbarkeit (Blutgericht). Die Landtage wurden aber weiterhin auf dem Landstuhl abgehalten: unter den Tannen, der Freyweibel, die Vorsitzenden sassen im Schatten! In jüngerer Zeit sind die vom Waldboden überdeckten Mauerreste am Sonnenrain leider für die Burgstelle Sternenberg in Anspruch genommen worden, was nicht stimmen kann. Dieser Platz unterscheide sich krass von den erwähnten und gesicherten Burgstellen, für eine militärische Anlage sei die Stelle völlig ungeeignet und deplaziert (Harald Mischler). Bei der Besichtigung des Ruinenplatzes 2016 durch Mitglieder des AD kam zum Ausdruck, dass es sich durchaus um einen Dingplatz handeln kann, Mauerreste wie beschrieben nichts aussergewöhnliches sei, es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um die Galgenruine Landstuhl handelt.
Eine Burg Sternenberg auf der Flüh?
Wo stand denn die Burg Sternenberg? Der Hobby Historiker und Burgenforscher Harald Mischler sagte es mir: die Stelle liege am ehesten auf der Flüh beim Landhaus. H. Mischler erkennt klar einen Burgplatz mit Halsgraben an typisch strategischer Stelle. Ein klarer Hinweis sei auch das heraldische Sternenberg / Neuenegg Wappen mit dem Stern auf dem grünen Hügel. Eine Holz- und Erdburg könnte auf der Flüh gestanden haben. Diese Darstellung erhärtet sich, denn dieser frühe Burgentyp, eine sogenannte Motte, sei vorwiegend in der Deutschschweiz oft auf künstlich angeschüttetem Hügel errichtet und im Laufe des 12.und 13.Jh. wieder verschwunden (Werner Meyer Basel). Diese, an Setzungen unterworfenen Aufschüttungen waren ungeeignet, sie zu schweren Steinburgen auszubauen. Beim Landhaus auf der Flüh sind kürzlich bei Erweiterungsarbeiten zwei Stockwerke tief nur Sand zum Vorschein gekommen, von Fluh keine Spur, der Sand konnte mit dem Saugbagger entfernt werden. Das hiesige Grafengeschlecht Sternenberg war Meister im Aufschütten von Burghügeln, es hatte in der Scherliau eine weitere Holz- Erdburg, oberhalb des Scherlibaches, an der Strasse nach Oberbalm erkennbar. Immerhin beginnt sich der AD nach einer Meldung (Verdacht auf Burgstelle) für die Flüh zu interessieren und bei einer kürzlichen Besichtigung durch den Dienst, konnten im Keller des Bauerhauses 1.5 m dicke mittelalterliche gemörtelte Mauern festgestellt werden! Dieser Befund kann als das Fundament eines Wohnturms gedeutet werden. Weitere Abklärungen sind im Gange, Fortsetzung folgt.
Die Burgstelle Sternenberg in der Scherliau. Auch hier eine aufgeschüttete Motte. Mauerreste sucht man vergebens, deshalb dürfte die Erhöhung eine Holzburg getragen haben.
Zurück zur heutigen Flüh, würde diese ohne Land- und Bauernhaus dastehen, der Bilderbuch Burghügel wäre längst erkannt worden. Der Bauherr scheint die nötige Schüttung zum Burghühel oberhalb der Kirche in der stark erweiterten Hohle ausgegraben zu haben. Der vorliegenden Wegabschnitt markiert nicht nur die strategisch wichtige West- Verbindung des m.A nach Laupen, der Aushub mit diesem Ausmass, so aufwendig wie er gewesen sein muss, kann fast nur mit einer wichtigen militärischer Bedeutung erklärt werden??? So sah es auch Emanuel Lüthi, er hat ebenfalls von einer künstlichen Aufschüttung an der Flüh berichtet.
Der grosse Hohlweg 60m oberhalb der Kirche Neuenegg beginnend. Haben die Bauherren mit dem riesigen Aushub die Flüh aufgeschüttet? Länge des Einschnitts 120m, grösste Tiefe ca 10m, grösste obere Ausdehnung ca 15m, Steigung moderat. Im m.A. der Verbindungsweg ins westliche Gemeindegebiet (Freiburghaus) und nach Laupen, heute ein schöner Wanderweg über Brüggelbach, Nessleren und Wyden mit wenig Verkehr.
Wenn Sie nach Freiburghaus wandern möchten, folgen Sie dem Weg geradeaus nach oben. Bei den letzten Häusern 500m nach der Kirche, zweigen Sie links ab und folgen dem Feldweg über die Anhöhe. Oben angekommen sehen Sie bereits Freiburghaus westlich vor Ihnen.
Grabungsfunde bei Burgen bezeugen eine auf Selbstversorgung ausgerichtete landwirtschaftliche Tätigkeit mit Ackerbau und Viehzucht. Der bestehende Bauernhof 150m östlich der Burgstelle, könnte ein Hinweis zu einem damalige Burg-Bauernhof sein. Ein Steinwurf von der Flüh, am Wilerringbächli liegt die alte Mühle und um das Dreigespann zu vollenden, auf der anderen Strassenseite auf einem kleinen Felsvorsprung stand die erste Kapelle (heutiger Kirchenstandort). Noch ein gewichtiges Argument: der Ortsname Neuenegg enthält zwei Bestimmungswörter, „neu“ und „egg“. Neu oder nu kann vom Latein abgeleitet werden und „egg“ oder „eca“ bedeutet Burg, Schloss, befestigte Anlage (Wikipedia). Im M.a. wurde die Stelle bei der Kirche/Kapelle mit Nunica oder Nuneca bezeichnet, erste Erwähnung 1154 (LIBER DONATIONUM ALTAERIPAE). Erste Kirchenerwähnung 1228 (Achetringeler Nr. 33).
Das Mittelalter Nuneca
Rechts auf der Karte ist der mutmassliche Burghügel durch die regelmässig rundlaufenden braunen Höhenkurven gut sichtbar. Der immer noch vorhandene Halsgraben rot angedeutet. Links sehen Sie die grosse Hohle mit dem Wanderweg, mittig den Kirchenstandort (Kreuz) und die alte Mühle (M).
3D Animation der Flüh mit angedeutetem Halsgraben, die Ostseite des Landhauses ist in den Halsgraben hineingebaut (Kellereingang). Andere Hügel in der Nähe flachen gegen oben natürlich ab, die Flüh dagegen wird gegen oben deutlich steiler (siehe Höhenkurven oberes Bild), ein sicheres Zeichen für die Aufschüttung.
Quelle: Google Earth
Erste Wehrkapelle zu Nuneca
Eine erste Kapelle könnte ähnlich dem Bild ausgesehen haben. Dies legen die Grabungsfunde bei der Renovation der Kirche Neuenegg nahe. Eine erste Kapelle vermuten Historiker um 1100, dessen Fundamente unter dem heutigen Kirchenschiff 1958 freigelegt wurden. Es zeigte sich ein rechteckiges Schiff mit 5x8m Innenmass, mit einer östlichen halbrunden Apsis von 2m Tiefe. Besonders auffallend war an westlicher Längsachse ein angebautes rechteckiges Turmfundament mit beachtlichen Mauerdicken von 2m. Mauerdicken dieses Ausmasses kamen im m.A. zum Schutz von Burgen zur Anwendung (z.B Bergfried beim Schloss Laupen). Vorliegender Befund deutet auf einen Wehrturm zum Schutz der Kapelle hin, daher eine Wehrkapelle. Nebst Gottesdiensten dienten sie auch als Schutzraum für Kinder, Frauen und Alte bei Gefahr, wehrfähige Männer standen im Waffendienst. Die abgebildete Kirche hat beim Turm einen Hocheingang mit Einziehleiter. Den ausführlichen Grabungsbericht von der Kirche Neuenegg mit Fotos und Grafik finden Sie unter pro-neuenegg.com (Achetringeler Nr.33). Bildquelle: Internet
Das Sternenberg/Neuenegg Wappen. Die Grafik kann durchaus als eine Burgstelle auf der grünen Flüh gedeutet werden. Bildquelle: Internet
Bei der Verdeutschung von Nuneca zu "Neuen" und "egg" ist die Suffix "egg" belassen worden, ausser Frage war "burg", weil es bereits von Neuenburg in Anspruch genommen war.
Die Grafschaft Sternenberg 1388-1798
Kartenentwurf: Anne-Marie Dubler
Dargestellt ist die Grafschaft Sternenberg nach einer Marchbeschreibung von 1528, mittig die Dingstätte Landstuhl bzw. der Galgen. Sternenberg war eine Unterabteilung des “Burgundia circa Ararim“, ein Gebiet links der Aare zwischen der Stockhornkette und Jura bis zur Siggern. Unklar bleibt, ob das Sternenberg Geschlecht mit den Grafen von Laupen identisch oder verwandt war. Das Grafengeschlecht Laupen wird zwischen 1130 und 1175 und noch 1240 erwähnt, dasjenige der Sternenberg 1215 (Ulrich von Sternenberg gründet die Kirche Oberbalm) und 1257. In den Kirchenrödeln von Wahlern (Schwarzenburg) ist das Geschlecht im 17. Jh noch sporadisch vertreten. Der Name Sternenberg lebte weiter im gleichnamigen Verwaltungsbezirk, auch Landgericht Sternenberg genannt und in den 2 Burgstellen, Neuenegg und am Scherlibach. Unsicher ist, welche der beiden als erste bestand, oder beide miteinander. Oder hatten die Grafen ihren Hauptsitz in Laupen, Neuenegg und Oberscherli waren Filialen, sassen da die Statthalter, die Sternenberg? Noch sind leider die Burgstellen mit Ausnahme derjenigen von Laupen noch nie archäologisch untersucht worden. Wie schwierig es ist eine erste Bauphase festzustellen, zeigte sich bei der Restaurierung des Schlosses Laupen 1983-88, der Bau einer ersten Holzburg blieb hypothetisch, etwa zwischen 950 und der Jahrtausendwende.
Der II Stunden von Bern Stein an der Landstuhlstrasse ist soeben restauriert worden. Wenn er noch am Originalplatz steht, weist er immer noch den direkten Weg nach Westen am damaligen Landstuhl vorbei nach Laupen, über Brüggelbach, Nessleren und Chutzen. Ein mittelalterlicher Weg (heute Wanderweg).
Auch östlich des Steins findet man den alten Anschluss nach Oberwangen. An der Stahlengasse oberhalb Oberwangen zweigt ein Weg nach Westen ab durch eine Mulde über Feld (eine Hofzufahrt). Dieser Weg markiert die alte Linienführung, die im angrenzenden Wald etwa 200m lang noch gut sichtbar als Trasse verfolgt werden kann und direkt zum Stundenstein weist.
Koordinaten Stundenstein LV95: 592 369 / 195 838
Mehr über das Uechtland und seine zahlreichen damaligen Burgen, auch Sternenberg/Neuenegg, finden Sie sehr detailliert und aufschlussreich mit vielen tollen Fotos dargestellt, auf der Webseite von Harald Mischler unter http://www.uechtland.ch/index.html
Quellen und Literatur: