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Entdeckungsgeschichte.
a. Allgemeine Geschichte. Die Kenntnis von A. in den Zeiten des Altertums bis gegen Ende des 2. Jahrh. gründete sich wesentlich auf Erzählungen von Eroberungsheeren und Seefahrern. Schon 1600 und 1529–1488 v. Chr. unternahmen ägypt. Könige Kriegszüge den Nil aufwärts, vielleicht bis Nubien; die Phönizier fuhren 1100–900 v. Chr. die Nordküste entlang durch die Säulen [* 2] des Hercules bis zur Mündung des Draa; einmal umschifften sie sogar vom Roten Meer aus ganz A., wobei sie nach ihrer von Herodot als unglaubwürdig mitgeteilten Angabe «die Sonne [* 3] zur Rechten hatten».
Der Karthager Hanno drang 470 v. Chr. im Westen bis Sierra Leone vor; eine Expedition zu Neros Zeit gelangte bis an den Bahr el-Ghasal. Obwohl Pomponius Mela 50 v. Chr. die Dreieckgestalt des Kontinents als wahrscheinlich behauptet hatte, so faßte doch 161 n. Chr. Ptolemäus das geogr. Wissen seiner Zeit dahin zusammen, daß A. etwa vom Kap Delgado an sich wieder verbreitere und mit Asien [* 4] durch Land verbunden sei, daß die Quellen des Nils tief im Süden im Mondgebirge zu suchen seien und in einem See sich sammeln, dem der eigentliche Nil entströme, der weiter abwärts in sumpfiger Gegend einen großen Nebenfluß (den Bahr el-Ghasal) in sich aufnehme. Die phöniz. Kolonisten in Karthago [* 5] und der Römer [* 6] Septimius Flaccus hatten die Wüste Sahara betreten, die dann Julius Maternus am Ende des 1. Jahrh. n. Chr. bis zum Tsadsee durchschritt. Die Erforschung A.s im Mittelalter verdankt man den Arabern, Italienern und ¶
forlaufend
Portu-188 giesen. Vom 10. Jahrh. angefangen wurden die Araber im Osten mit Abessinien, mit der Küste bis Sofala und mit der Insel Madagaskar, [* 8] im Westen mit den Ländern bis zum Senegal und im Innern mit denen am obern Niger und am Tsadsee bekannt, namentlich durch ihre Pilgerfahrten von und nach Mekka. Interessante und ziemlich kritisch gesichtete Nachrichten enthalten die Werke ihrer geogr. Schriftsteller, die im ganzen an den Ansichten von Ptolemäus festhielten: Obeid el-Bekri (1067), Edrisi (1099–1186), Abulfeda (1273–1332), und ganz hervorragend Leo Africanus (1492–1526). Dieser hatte als Gesandter eine Reise von Marokko [* 9] nach Timbuktu und Bornu unternommen, wie vor ihm Ibn Batuta (1352), der außerdem noch in das Reich Melle am obern Niger und nach der Sansibarküste gelangte.
Durch die diplomat. und merkantilen Verbindungen der ital. Republiken Venedig [* 10] und Genua [* 11] mit den Barbareskenstaaten und mit Abessinien erhielten im 13. und 14. Jahrh. berühmte Kartographen, wie Mario Sanuto, Fra Mauro, wertvolles, doch auf Nordafrika beschränktes Material; den Nil brachten sie mit dem Niger und dem Atlantischen Ocean in Verbindung. Marco Polo (1256–1323) lieferte nach arab. Berichten eine Darstellung von Ostafrika und bezeichnete Madagaskar zum erstenmal als eine Insel.
Eine genues. Flotte entdeckte die Canarischen Inseln, und ital. Fahrzeuge aus andern Häfen vor der Mitte
des 15. Jahrh. Madeira
[* 12] und die Azoren. Den größten Fortschritt in der Erkenntnis der wahren Gestalt des ganzen Kontinents
verdankt man den Portugiesen am Ende des 15. Jahrh., denen Prinz Heinrich der Seefahrer (1415–60) das Reich des Priesters
Johannes (Abessinien) als Ziel ihrer
Entdeckungsreisen gesteckt hatte. Ganz in den Anschauungen des Ptolemäus
befangen, glaubte man dies Reich von der Westküste aus auf schiffbaren Flüssen erreichen zu können.
Da man aber die Flüsse [* 13] nicht fand und durch das Aufsuchen derselben immer weiter nach Süden verleitet wurde, kam man endlich bis zu dem Punkte der Umschiffung der äußersten Landspitze. Es gelangte 1442 Gonzales bis zum Kap Arguin, das später als Stützpunkt zum Vordringen in die Sahara befestigt wurde, und 1456 Cadamosto bis an die Goldküste. Nachdem man den Senegal, Gambia und Rio [* 14] Grande landeinwärts befahren, 1471 und 1472 den gefürchteten Äquator überschritten und die Inseln Fernando Po, St. Thomas und Annobou entdeckt hatte, war es 1486 Diego Coão, der in Begleitung Martin Behaims die Mündung des Kongo und den 22.° südl. Br. erreichte. In demselben Jahre drang Bartolomeu Diaz, von Johann II. entsendet, so weit nach Süden vor, bis er kein Land mehr fand, und landete auf der Umkehr in der Algoabai.
Das Kap der Guten Hoffnung war entdeckt. Darauf unternahm Vasco da Gama 1497 seine entscheidende Fahrt nach Ostindien. [* 15] Er umschiffte das Kap, fuhr 1498 längs der Ostküste an Natal, der Sambesimündung, an Mombas vorbei bis Malindi und setzte von hier nach Ostindien über. Nachdem Saldanha 1503 bis zum Kap Guardafui gekommen, glückte es schließlich 1520 Massaua [* 16] im Roten Meer und damit das Reich des Priesters Johannes zu erreichen und 1541 sogar bis Sues zu gelangen. Die Afrikaforschung der Neuzeit bis 1788. Der zu mächtigem Aufschwung gekommene Weltverkehr mit Indien und Amerika [* 17] brachte im 16. Jahrh. einen Stillstand in den großen Afrikaforschungsreisen hervor. Im 17. Jahrh. verwendete man vornehmlich Kräfte und Kapital, um das Entdeckte durch Kolonisationen dauernd nutzbar zu machen oder durch Missionen dem Christentum zu gewinnen. An diesen Unternehmungen beteiligten sich auch die übrigen Nationen Europas. So ließen sich 1626 die Franzosen am Senegal nieder, 1650 die Holländer am Kap der Guten Hoffnung, 1682 eine deutsche Gesellschaft auf Anregung des Großen Kurfürsten an der Goldküste; 1672 bildete sich eine engl.-afrik.
Handelscompagnie; die Portugiesen erweiterten ihre Besitzungen in Angola und Mozambique. Bedeutende Reisen unternahmen nur die Franzosen André Brue in Senegambien bis Timbuktu, Paëz und Lobo, die bis zu den Quellen des Blauen Nils gelangten, und Poncet in Abessinien. Im 18. Jahrh. versuchte man in Nordafrika, in Senegambien, an der Guineaküste und im Kapland tiefer in das Innere einzudringen. 1716 kam Compagnon in das goldreiche Bambut am obern Senegal, 1719–32 Snelgrave und 1772 Norris nach den Guinealändern und Dahome, Harrison bis zu den Quellen des Gambia; 1769–72 erforschte Bruce Nubien, Abessinien und den Oberlauf des Blauen Nils, 1772–76 Sparrman und Thunberg die Hottentottenländer am Kap, deren Route Levaillant 1780–85 weiter nach Norden [* 18] fortsetzte. Die wichtigste geographische wissenschaftliche Leistung war die Herstellung einer Karte von A. durch Bourguignon d'Anville 1749.
Die Forschungsreisen von 1788 bis zur Gegenwart. Während bisher hauptsächlich kaufmännischer Unternehmungsgeist in Verbindung
mit Eroberungs- und Abenteurerlust die Triebfeder der
Entdeckungsexpeditionen war, tritt am Ende des 18. Jahrh. der geogr.
Wissensdrang als neues Element in die Bewegung der Geister ein. Die Umrisse des Kontinents waren gegeben;
jetzt galt es die
Entdeckungen im Innern systematisch in Angriff zu nehmen, die Civilisation der Eingeborenen und die Hebung
des Handels zu befördern.
Von diesen Gesichtspunkten ging als erste wissenschaftliche Korporation die zu London [* 19] von Banks 1788 gegründete African Association aus; ihrem Beispiele folgten später nicht nur andere Vereine, sondern auch die Regierungen Europas, die entweder die wissenschaftlichen Resultate in praktischer Weise zu verwerten verstanden oder durch polit. Eingriffe in den Kontinent den Forschern die Wege bahnten. Das nächstliegende Problem waren Niger und Nil; aus der Lösung dieser Fragen ging dann ferner die Erforschung der centralafrik. Seen und schließlich des Kongo-Stromgebietes hervor.
b. Das Nigerproblem mit Nord- und Nordwestafrika. Man kannte den Lauf des Niger bei Timbuktu, aber weder seinen Ursprung, noch seine Richtung flußabwärts. Nachdem Ledyard, Lucas und Houghton die ersten vergeblichen Versuche gemacht, gelang es Mungo Park (1795–97 und 1805 und 1806), der von Senegambien aus vordrang, festzustellen, daß ein Gebirge den Niger von dem Senegal und der Westküste scheide und daß er nach Osten fließe. Hornemann kam 1798 von Kairo [* 20] durch die nördl. Oasen nach Mursuk und von da bis Nupe an den Niger. Vergebens bemühten sich Nicholls vom Calabar aus, Röntgen von Marokko und Ritchie und Lyon [* 21] (1819) von ¶
0190a Äquatorial-Afrika [* 23] ¶
forlaufend
Tripo-189 lis aus den Niger zu gewinnen. Der Lösung des großen Rätsels kamen endlich die Reisen Clappertons, Denhams und Oudneys (1822–24) näher. Zum erstenmal wurde von Tripolis aus die Sahara durchschritten, der Tsadsee, Bornu und Sokoto erreicht. Doch hielt man den Schari für den in den Tsadsee mündenden Niger. Clapperton wurde ein zweites Mal 1825 nach Sokoto entsendet;
diesmal ging er von der Guineaküste, von der Bai von Benin aus und kam den Niger aufwärts wirklich bis Sokoto;
doch hier starb er 1827. Seinem Diener Lander, der 1830 von Joruba aus im Auftrag der engl. Regierung nach den Haussastaaten reiste und den großen Nebenfluß Binue entdeckte, glückte es, das Werk seines Herrn zu vollenden;
er fuhr auf der Heimkehr den Niger stromabwärts und erreichte die Mündung in der Bucht von Benin.
Ein anderes geogr. Ziel war Timbuktu. Der Engländer Major Laing kam zwar 1825 von Tripolis aus zu dieser Stadt; doch seine Ermordung machte die Reise resultatlos. Der Ehrgeiz der Franzosen war auf diesen Punkt ebenfalls gerichtet. Mollien entdeckte 1818 die Senegal- und Gambiaquellen; Caillié gelangte auf seiner denkwürdigen Reise 1827–28 von Sierra Leone aus an den obern Niger und nach Timbuktu, durchzog die ganze Wüste, überstieg den Hohen Atlas [* 25] und kam bei Tanger wieder an die Küste.
Mit dem Jahre 1830 begann der Ausbau der genauern Erforschung der entdeckten Gebiete in Nordwestafrika und es gesellte sich zu dem wissenschaftlichen Triebe das Verlangen, Handelsbeziehungen mit den üppig fruchtbaren Ländern anzuknüpfen. Die Eroberung Algiers 1830 durch die Franzosen lenkte die Aufmerksamkeit der engl. Regierung nach dem Sudan. Sie entsandte nach dem Plan Richardsons, der 1845–46 nach Mursuk, Ghadames und Ghat gekommen war, eine große Expedition durch die Sahara nach Bornu, deren bedeutendste Teilnehmer Barth und Overweg waren.
Barth erschloß 1850–55 die neue Wüstenroute über Air nach Bornu, die Länder am Tsadsee und südlich bis zum 10. Breitengrad, überschritt das Gebirge und entdeckte Adamaua, befuhr den Binue und besuchte Timbuktu. Auf Barth folgte Vogel (1853–56); er drang nach Wadai vor, wo er auf Befehl des Sultans ermordet wurde; von Beurmann erlitt ein ähnliches Schicksal in Kanem. Rohlfs durchquerte 1865–67 zum erstenmal ganz Nordwestafrika von den Syrten bis zum Golf von Guinea, wobei er neue Bahnen durch die Haussastaaten bis zum mittlern Binue und durch Joruba bis Lagos einschlug.
Auf der neu entdeckten Wasserstraße des Binue setzten mit eingehenden Forschungen ein der Engländer Baikie (1854) und besonders der Deutsche [* 26] Flegel (1879–85), der von den Quellen des Binue und von dem Hochlande Adamauas die ersten sichern Nachrichten brachte. Staudinger und Hartert bereicherten 1885 unsere Kenntnis namentlich über die Flora der Gegenden zwischen Binue und Sokoto. Mizon gelang es 1891–92 von Adamaua aus die Wasserscheide zwischen Binue, Schari und Kongo zu überschreiten und Stanley Pool zu erreichen.
Maistre erschloß 1892–93 die Länder im Hinterland von Kamerun zwischen Ubangi und den Binuequellen. Ch. de Foucaulds Reise
quer durch Marokko (1883–84) wirkte bahnbrechend für die Topographie wie für die kartogr. Darstellung der drei Atlasketten.
Nachtigal (1869–71) ging von der Basis Tripolis-Kuka aus,
machte drei
Entdeckungsreisen in noch unerforschte
Länder, nach Tibesti, Borku und Wadai, von wo aus er über Darfur und Kordofan den Nil erreichte. Auf zwei Reisen nach Süden, deren
erste ihn in Bagirmi den Schari aufwärts bis über 10° nördl. Br., deren zweite in Wadai zum 10.° nordl.
Br. führte, zog er ausführliche Erkundigungen über das Flußsystem des Schari ein. In umgekehrter Richtung – Kordofan, Bornu, Niger, Golf von Guinea – durchquerten den Kontinent 1880 Matteucci und Massari. Im Interesse der franz. Kolonien am Mittelländischen Meer und am Senegal lag es, eine Verbindung zu Land durch die Sahara herzustellen, Timbuktu lag in der Mitte. Seit 1850 begannen die Versuche, von Norden einzudringen: Duveyrier (1859–61), der unermüdliche Erforscher der Sahara;
und Soleillet (1874 und 1878).
Demselben Zuge folgten die Deutschen Rohlfs (1861–64) und Lenz (1880), dem es endlich glückte, von Marokko aus Timbuktu zu erreichen und von hier nach der Westküste zu gelangen. Folgenreicher waren die Bestrebungen vom Senegal aus. Nach Raffenels Vorstoß nach Kaarta (1847) begann eine durchgreifende Erforschung Senegambiens bis zum Niger unter der Regierung des Gouverneurs Faidherbe (1855–65). Die Expeditionen drangen in die Wüstenlandschaften im Norden bis Adrar (Vincent 1860) und bis in die Nähe von Timbuktu vor (1860–61), Mage und Quintin 1865 und Gallieni 1880–81 bis Segu.
Das Erforschungswerk wurde durch die Fahrt des Lieutenants Caron auf einem Kanonenboot den Niger abwärts von Bammako bis zu dem Hafenplatz von Timbuktu und 1894 durch die Besetzung Timbuktus unter Oberst Bonnier gekrönt. Über die oro- und hydrogr. Verhältnisse von Futa-Dschalon brachte Bayol 1881 auf seiner diplomat. Reise wichtiges Material. Von der Guineaküste aus, südlich von Senegambien, wurden keine durchgreifenden Versuche gemacht, in das Innere vorzudringen.
Von Wichtigkeit sind allein die Reisen Reudes (1868–70) von Sierra Leone nach Farabane und Bure. Andersons (1868) von Liberia [* 27] nach Musardu, Zweifels und Moustiers (1879), die die lange gesuchten Quellen des Niger entdeckten, und Goldsburys (1881) den Gambia aufwärts nach Timbo in Futa-Dschalon. An der Goldküste bestimmen die kriegerischen Erfolge der Engländer den Fortschritt geogr. Wissens. Wohl hatten Bowdich 1817 und Freeman mit Chapman 1838–43 das Königreich Aschanti betreten, aber erst seit dem großen Kriege von 1873 ward eine größere Freiheit und Sicherheit den Europäern gewährt, so daß Bonnet 1875–76 den Voltafluß bis Salaga befahren, Lonsdale 1882 nach Bontuku und Jendi, und Kirby 1884 nach Kuntampo gelangen konnten. – Am Rande der Sklavenküste waren hauptsächlich im Königreich Dahome thätig: Duncan 1845, Dencham 1846, Guillevin und Burton 1860–61;
letzterer auch am Volta, dessen gründlichere Erforschung wesentlich Bonnet (1875–76) zu verdanken ist.
Das Ewe- und Togogebiet bereisten 1887 und 1883 Burgi und Henrici, welch letzterer das Agomegebirge überschritt. Das Hinterland von Togo, nördlich des Apossogebirges, erforschten 1888 und 1889 in ausgiebigster Weise Dr. Wolf, der von der neugegründeten Station Bismarckburg in Adeli Vorstöße nach Fasugu, Udjuti und Kebu unternahm, und Hauptmann von François, der nördlich von ¶