Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03625.jsonl.gz/1214

Pierin Vincenz und Beat Stocker sind seit 44 Tagen im Gefängnis, die Polizei ermittelt auf Hochtouren. Nun hat sie eine Stiftung in Liechtenstein, ein Konto und hohe Zahlungen entdeckt.
Das Vehikel heisst I.C.H. Invest & Consulting Holding Aktiengesellschaft mit Sitz in Mauren im Fürstentum. Dort war Beat Stocker bis Anfang 2013 offiziell registriert.
Danach übernahm eine Treuhänderin. Anfang 2015 zahlte die I.C.H. ab einem Konto bei der Fürstenbank LGT in Vaduz eine tiefe Millionensumme auf ein Konto bei der Bank Julius Bär.
Dieses lautete auf Pierin Vincenz. Die Ermittler gehen nun der Frage nach, woher dieses Geld ursprünglich stammt und wohin es floss.
Ob es einen Zusammenhang mit den bisherigen Erkenntnissen gibt, ist nicht klar. Die Beschuldigten Vincenz und Stocker können keine Stellung nehmen, sie gelten als unschuldig.
Vincenz zahlte ab Anfang 2015 in regelmässigen Abständen mittlere fünfstellige Beträge an eine Frau. Die Zahlungen liefen unter dem Titel Familienangelegenheit.
Insgesamt flossen auf diese Weise mehrere Hunderttausend Franken von Vincenz an die Frau. Diese hatte einst eine enge Beziehung zum Ex-Chef der Raiffeisen.
Stocker erledigte die ganze Abwicklung. Die Frau nahm das Geld in Empfang. Was sie damit tat, ist nicht bekannt. Sie bestreitet den Geldempfang.
Die Zahlungen endeten nach einem Deal. Dieser wurde ausgehandelt von zwei der bekanntesten Anwälten des Landes: Valentin Landmann und Lorenz Erni.
Landmann stand auf der Seite der Frau, Erni war der Vertraute von Vincenz. Erni ist auch in der aktuellen Untersuchung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung der Verteidiger von Vincenz.
Landmann und Erni sind keine Familienrechtler, sondern berühmte Strafverteidiger. Dass die Frau und Vincenz Strafverteidiger für ihren Fall mandatierten, ist bemerkenswert.
Laut einer Quelle ging es darum, dass die Beziehung nicht publik würde. Die Frau wollte möglicherweise an die Öffentlichkeit gehen. Schliesslich gab sie sich mit viel Geld zufrieden.
Ins Spiel kam damals auch ein Treuhänder und Limousinen-Unternehmer. Dieser chauffierte die Frau offenbar zu Vincenz in dessen Haus im Appenzell.
Der „Taxi“-Chauffeur und Vincenz haben sich laut Recherchen mit der Zeit gut gekannt. Befragt werden kann der Mann nicht mehr. Er verstarb vor einem Jahr.
Aus der Todesanzeige gehen die Umstände des Ablebens nicht hervor. Die zuständige Behörde liess eine Autopsie durchführen. Diese zeigte keinerlei Verdacht auf einen nicht natürlichen Tod.
Für die Ermittler der Zürcher Wirtschaftskriminalität sind die Zahlungen eine neue Spur, die sie intensiv verfolgen. Sie wollen wissen, ob die Geschichte mit der Frau ein Motiv für hohen Geldbedarf von Vincenz sein kann.
Vincenz und Stocker stehen im Verdacht, über versteckt gehaltene Strukturen sich vorab an Firmen beteiligt zu haben, die danach für viel Geld von ihren Arbeitgebern Raiffeisen und Aduno erworben wurden.
Bei der Raiffeisen war Vincenz von 1999 bis 2015 als CEO der unbestritten starke Mann. Er zahlte Stocker aus einer ihm zur Verfügung stehenden Kasse ein Monatshonorar von rund 50’000 Franken.
Bei der Aduno war Vincenz von 2000 bis 2017 Präsident des VRs. Stocker war bis 2011 operativer Spitzenmann, danach noch bis 2015 Mitglied des VRs.
Das Duo hat bei drei Firmen im Voraus die Finger im Spiel gehabt. Eine Strafanzeige der Aduno führte zum Zürcher Strafverfahren und zur Untersuchungshaft.
Ob weitere Deals – im Vordergrund stehen die Käufe von Wegelin-Notenstein, von Assetmanagement-Firmen von Beat Wittmann und die 10 Prozent an der Avaloq – verdächtig sind, ist Gegenstand der Untersuchungen.