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Die kleinen Unterschiede: 1. Schütteln oder nicht schütteln
Wenn sich Menschen deutscher Muttersprache treffen, schütteln sie sich immer die Hand, wer englischer Muttersprache ist, hält sich zurück – mit diesem Artikel beginnt The Basel Journal eine Serie an Betrachtungen kleiner kultureller Unterschiede zwischen den Einheimischen in Basel und den Menschen, die aus dem englischen Sprachraum in die Region zugewandert sind.
Von Martin Pütter
Auf den britischen Inseln besagt ein Sprichwort: «Bist Du in Rom, mach’s wie die Römer». Leichter gesagt als getan. Sie möchten die Leute in der Gegend verstehen, in der sie hingezogen sind? In Basel kann das sehr schwer sein (ok, anderswo auch). Zuerst dauert es, bis man weiss, was anders ist, und dann dauert es auch noch mal eine Weile, bis man sich an das gewöhnt hat, was hier anders ist.
Das Händeschütteln etwa – ein Ritual zur Begrüssung, zum Abschied, aber auch zu anderen Zwecken. Expats, die in Basel leben, wundern oder amüsieren sich darüber, dass ihnen die Einheimischen jedes Mal, wenn sie sie treffen, die Hand schütteln wollen. Ich erinnere mich, was mir mein Fischerkumpel Alan mal gesagt hatte, als ich noch in Grossbritannien lebte: «Deutsche und Schweizer wollen immer die Hand schütteln – Briten nur einmal, wenn sie sich das erste Mal treffen.»
Da die Fische sich an dem Tag ausgesprochen widerwillig zeigten, sprachen wir über die Herkunft des Händeschüttelns, und über die Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern beim Händeschütteln. Alan sagte, es sei ein Beweis friedlicher Absichten, «eine leere Hand zeigt, dass Du nicht bewaffnet bist». Das fand ich beim Nachforschen für diese Artikelserie bestätigt. Sogar im Neuen Testament (Brief des Paulus an die Galater) wird erwähnt, dass dem Apostel Paulus beim Verlassen Jerusalems die rechte Hand der Freundschaft gereicht wurde.
Meine Recherche zeigte auch, dass die Briten beim Händeschütteln nicht allein unter den englischsprachigen Nationen sind. Auf Wisc-online, der Webseite des Wisconsin Technical College Systems (WTCS) heisst es: «Im Rest der Welt schütteln die Menschen mehr die Hände als in den Vereinigten Staaten.»
Einige passen sich schnell an. Treffen sie etwa ihre Expat-Kumpels im Pub, bleibt das Händeschütteln aus. Kommt ein einheimischer Stammgast dazu, dann schütteln sie die Hand mit ihm (Was bei der Begrüssung geschieht, wenn eine Einheimische dazu stösst, behandle ich in einem anderen Artikel in dieser Serie).
Die Gründe für den Unterschied entziehen sich mir (noch). Nur Alan hatte eine mögliche Erklärung: «Vielleicht haben wir Briten mehr Vertrauen. Wir vertrauen auch beim nächsten Treffen, dass ihr unbewaffnet seid. Auf dem Festland müsst Ihr Euch dessen wohl jedes Mal vergewissern», sagte er.