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Theateraufführung: Fiume von Gabriele D’Annunzio
Die Theateraufführung «Fiume» behandelt die Besetzung der kroatischen Stadt Rijeka durch den italienischen Dichter Gabriele D’Annunzio und seine Freischärler in den Jahren 1919 und 1920.
Da die Region um die Stadt nach dem Ersten Weltkrieg nicht an Italien fiel, fühlten sich viele nationalistisch denkende Italiener_innen betrogen und unterstützten das Bestreben D’Annunzios die Stadt für Italien zu besetzen. Die italienische Regierung forderte den Rückzug der Besetzer_innen und umstellte die Stadt, erlaubte aber erst nach eineinhalb Jahren direkte militärische Intervention. In der Zwischenzeit entwickelte sich innerhalb der Stadt ein Schmelztiegel verschiedener Ideologien: Protofaschistische Ideen trafen auf sozialistische Anschauungen, Freigeister sahen in Fiume die Möglichkeit einer Rückkehr zur Natur. Es entstand eine Verfassung, die die vollständige Gleichstellung von Mann und Frau vorsah, Mindestlohn und umfangreiche Sozialversicherungen einführte und der Kunst einen grossen Stellenwert beimass. In dieser (scheinbaren) Widersprüchlichkeit ist die Regentschaft am Carnaro ein hervorstechendes historisches Zeugnis der Zwischenkriegszeit, beleuchtet die Traumata des 1. Weltkrieges und nimmt den ideologischen Horror des 2. Weltkrieges vorweg.
Anhand der historischen Entwicklungen untersucht das Theaterstück die Bedeutung von Fiume für Revolution, Kunst, Sexualität und Gesellschaft in Vergangenheit und Zukunft und stellt Fragen nach dem Umgang mit Krieg und Klimakrise. Durch die detaillierte Auseinandersetzung mit der Entstehung des Faschismus analysiert das Stück die Gefahren und Hintergründe dieser Ideologie und sucht nach Spuren in der Gegenwart.
Die Inszenierung verbindet komödiantische Elemente mit eingehenden Verhandlungen von Politik und Gesellschaft. Die grosszügige Besetzung dient dem Widerspiegeln der Masse an Menschen, die historisch an der Einnahme von Rijeka beteiligt war, und soll dem Stück ermöglichen, die Feststimmung, die sich in der Stadt ausbreitete, auf die Bühne zu übertragen. Tänzerische Elemente sorgen dafür, dass die Energie der Wahnsinnsunternehmung Fiume im Theatersaal wahrnehmbar wird und die verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Unternehmung Raum bekommen. Arbeiter_innen und Soldaten werden durchgehend auf der Bühne sein, während über ihnen politische Verhandlungen zwischen D’Annunzio und seinen Berater_innen stattfinden. Dies erlauben das in zwei Ebenen konstruierte Bühnenbild und verschiedene ästhetische Maschinen, welche die Symbolkraft der dauerhaften Beschäftigung in Fiume und der Produktion der dort entstandenen Ideen verdeutlichen. Brüche in die Gegenwart und auf die Metaebene unterstreichen den Gegensatz zu historisch akkuraten Darstellungen und Originaltexten und ermöglichen die direkte Reflexion des Gesehenen. Das Spiel mit verschiedenen Zeitlichkeiten reflektiert sich wiederum auf der Kostümebene, wo Personifikationen historischer Figuren auf zeitgenössische Kleidungs- und Modestile treffen.
Die Uraufführung von «Fiume» wird am 6. August 2022 im Rahmen des Festivals «Rote Kulturtage» im Volkshaus Zürich stattfinden und dort auch am 7. August 2022 noch einmal gespielt werden.
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