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Der direkte Nutzen von Erinnerungskontakten für das Kind beziehen sich auf folgende Aspekte.
Identitätsentwicklung
Die Auseinandersetzung mit der Frage nach der Herkunft ist essenziell für die Entwicklung einer funktionalen Identitätsausbildung. Der dafür wichtige Abgleich mit den leiblichen Eltern verlangt eine minimale Kenntnis und Zugang zu denselben. Ohne diesen Abgleich riskiert die sich entwickelnde Persönlichkeit, sich mit idealisierten oder dämonisierten Figuren in der Phantasie zu identifizieren, was die Entwicklung eines positiven, widerspruchsfreien und stabilen Selbstbildes empfindlich beeinträchtigen kann.
Realitätskontrolle
Erinnerungskontakte ermöglichen dem Kind, seinen Elternteil in Person wahrzunehmen, diesen in seinem Gestus zu erleben und Informationen über ihn aus direkter Hand zu erhalten. Diese Realitätskontrolle beugt der Verinnerlichung von irrealen Annahmen über den Elternteil vor und erlaubt dem zunehmend zur Differenzierung und Integration fähigen Kind, sein Bild des Elternteils zu überprüfen.
Spaltungsprävention
In den zumutbaren Begegnungen mit dem abgelehnten Elternteil wird das Kind zur regelmässigen Konfrontation mit seinen unangenehmen Gefühlen gezwungen und macht dabei die Erfahrung, dass diese Gefühle ausgehalten werden können. Dieser Prozess verhindert, dass die zutiefst unangenehmen Gefühle von Schuld und Scham aus dem Bewusstsein verbannt und abgespalten werden und in der Folge zu einem persönlichkeitsprägenden Bewältigungsmuster des Jugendlichen werden.
Spätere Beziehungsaufnahme
Weil die regelmässigen Erinnerungskontakte eine Begegnungs-Plattform darstellen, bleibt zumindest die theoretische Chance zur späteren Wiederaufnahme der Beziehung intakt, während nach einem vollständigen Kontaktabbruch diese Wahrscheinlichkeit im Bereich der Wunder liegt.
Urteilsfähiges Handeln
Im zwingenden Vorgespräch, welches den eigentlichen Erinnerungskontakten vorangeht, kann die Urteilfähigkeit des jugendlichen Kindes in Bezug auf die Bedeutung der eigenen Eltern sichergestellt werden oder dem Kind kann mittels Psychoedukation zu dieser Urteilsfähigkeit verholfen werden.
Der indirekte Nutzen der Erinnerungskontakte für das Kind bezieht sich auf den Entwicklungsprozess beim abgelehnten Elternteil, der im Rahmen seiner Realitätskontrolle den Kampf um Kontakt einstellen kann, was das Kind entlastet.
© L. Staub 2023