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In der Zeit ihrer Neuformierung von 1970 am Halleschen Ufer bis in die 1980er Jahre am Lehniner Platz war die Berliner Schaubühne das bedeutendste Theater der europäischen Welt. Hervorgegangen aus den Turbulenzen der 1968er Bewegung, zogen die Produktionen und die theoretischen Äußerungen ihrer prägenden Regisseure (Peter Stein, Klaus Michael Grüber) und Dramaturgen (Dieter Sturm, Botho Strauß) eine theaterhistorisch exemplarische Spur weltanschaulicher und ästhetischer Positionen. Die Produktionen zeugten von der widersprüchlichen, vieldimensionalen Komplexität geschichtlicher Prozesse und gegenwärtiger Wirklichkeiten. Das Seminar widmet sich der kulturhistorischen Erforschung der theatralen Formen, weltanschaulich-ästhetischen Haltungen und philosophischen Bezugsrahmen der äußerst gegensätzlichen Schaubühnenproduktionen der frühen Siebziger des vergangenen Jahrhunderts. Anhand exemplarischer Inszenierungsanalysen sollen die für diese Inszenierungen konstitutiven epistemologischen, kunst-, körper-, mentalitäts- und alltagsgeschichtlichen Perspektiven herausgearbeitet und auf diese Weise ihr kulturhistorischer Ort bestimmt werden.
Fiebach, Joachim: “Das entscheidende für uns [...] ist das Theater in Paradoxis“ – Zur Schaubühne am Halleschen Ufer von 1970 bis 1980. In: Fischer-Lichte, Erika et al. (Hg.): Theater seit den 60er Jahren. Grenzgänge der Neo-Avantgarde. Tübingen u. Basel 1998, S. 235- 315.
Iden, Peter: Die Schaubühne am Halleschen Ufer 1970-1979 Frankfurt/M. 1982.
Kreuder, Friedemann; Bachmann, Michael: Politik mit dem Körper. Performative Praktiken in Theater, Medien und Alltagskultur seit 1968. Bielefeld 2009.