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Montessori-Material: Unter diesem Begriff wird heute das weltweit verbreitete Instrumentarium gehandelt, welches Dr. Maria Montessori im Laufe von Jahrzehnten und in ständiger Auseinandersetzung mit der konkreten Praxis entwickelt und verfeinert hat. Es war seit jeher gedacht als Werkzeug der Sinne und des Geistes, mit welchem das Kind in seiner Entwicklung unterstützt und gefördert, nicht aber belehrt werden sollte. Montessori selbst nannte daher die von ihr entwickelten Materialien "Entwicklungsmaterial".
Aufforderungscharakter soll jedes einzelne Material besitzen, das dem Kind in offen zugänglichen Gestellen auf kindgerechter Höhe angeboten wird. Es soll klug gewählt, ästhetisch, funktional, intakt und anregend sein und mit der ihm eigenen "Stimme der Dinge" dem Kinde zurufen: "Interessiere dich für mich!" - aber auch "Behandle mich so, dass du mir gerecht wirst!"
Materialisierte Abstraktion nennt M. M. die Übertragung abstrakter Begriffe und Lerninhalte auf einfachste, klar strukturierte Materialien, die das Kind handelnd erfahren und auf diese Weise verinnerlichen darf. (rau-glatt / kurz-lang / Quadratzahlen / binomische Formel etc.)
Schlüssel zur Welt sollen ihre Materialien sein, niemals aber Ersatz für eine reale Welt draussen vor der Schulhaustüre. Durch eine korrekte Handhabung des umfangreichen Angebotes werden selbst jüngste Kinder nach und nach befähigt, ihre direkte Umgebung zu erkennen, zu benennen, zu verstehen und Gelerntes auf andere Situationen zu übertragen. Die einmal erworbenen Begriffe und Strukturen erlauben dem Kind vieles, was ihm begegnet, zu analysieren, zu katalogisieren und zu adaptieren, kurz: seine Umgebung zu begreifen.
Isolation der Schwierigkeiten heisst der stehende Ausdruck für unsere Bemühungen, nicht ständig unterschiedlichste Lerninhalte miteinander zu verquicken und damit Verwirrung zu stiften, sondern im Gegenteil jeden einzelnen Lernschritt, losgelöst vom anderen, dem Kinde anzubieten und sie erst nach eingehender Klärung miteinander in Beziehung zu bringen und zu vernetzen.
Selbstkontrolle ist die (beinahe) jedem Material innewohnende Möglichkeit, ohne Hilfe des Erwachsenen die geleistete Arbeit zu überprüfen und allenfalls zu korrigieren, um auch in diesem Punkt die gewünschte Unabhängigkeit zu erlangen.
Vom Greifen zum Begreifen oder vom konkreten Handeln zum abstrakten Denken wurde als erfolgsversprechendste Lernstrategie vor allem jüngerer Kinder übereinstimmend auch von Pestalozzi, Fröbel, Piaget u. a. als solche erkannt, wohl aber von niemandem in der schulischen Wirklichkeit so hartnäckig gefordert und so konkret umgesetzt wie von Maria Montessori.