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Seit dem 17. März werden auf dem Prognosemarkt von 50plus1 von mehr als 100 Teilnehmerinnen Vorhersagen zur dritten Abstimmung über das Covid-19-Gesetz gemacht. Die Grafik oben zeigt die Vorhersagen über die Zeit live. Die vertikale Achse gibt dabei die Wahrscheinlichkeit an, dass ein bestimmtes Stimmenintervall eintritt. Die horizontale Achse beschreibt die Zeitdimension, wobei jeder Datenpunkt den Durchschnittspreis während einer Stunde zeigt.
Wie sehr Argumente überzeugen wird in der angewandten Forschung oftmals erforscht, indem Umfrageteilnehmerinnen danach gefragt werden, wie sehr sie einem Argument zustimmen. Bei Argumententests für Abstimmungen werden Antworten auf diese Frage dann oftmals noch mit der Stimmabsicht korreliert. Dieses Vorgehen ist zumindest aus zwei Gründen problematisch: Erstens dürften die Antworten vieler Befragten eher ausdrücken wie sehr sie dieses Argument als mit ihrer Stimmabsicht in Übereinstimmung sehen als wie sehr sie tatsächlich dem Inhalt des Arguments zustimmen («Postrationalisierung»). Zweitens misst die Korrelation zwischen der Zustimmung mit Argumenten und der Stimmabsicht den Effekt zwischen den beiden nicht sauber, weil die Zustimmung mit den Argumenten mit anderen Variablen, die für den Wahlentscheid wichtig sind (z.B. Parteiidentifikation), korrelieren («omitted variable bias»).Continue reading
In der Samstagsausgabe des Tagblatts erschien ein Inserat mit dem Titel «Esther Friedlis Wahl nützt Putin». Im Inserat argumentiert Unternehmer Christoph Züllig, dass Friedlis Wahlverhalten im Nationalrat ganz auf der SVP-Linie die Schweiz zum nützlichen Idioten von Putin macht. Zeigt dieses für die Schweiz eher seltene Beispiel von negative campaigning, dass Friedli ein Ukraine-Problem hat und ihre Wahl vielleicht doch gefährdet ist? Nicht gemäss unserem Prognosemarkt. Dieser sieht Friedli immer noch deutlich favorisiert mit einer Wahlwahrscheinlichkeit von Stand heute 96%.
Am Sonntag findet im Kanton St.Gallen die Ersatzwahl für den von Paul Rechsteiner (SP) gehaltenen Ständerratssitz statt. Gemäss einer im St.Galler Tagblatt veröffentlichten Umfrage von Sotomo liegt Esther Friedli (SVP) in der Wählergunst klar vor ihren Konkurrentinnen. Heisst das, Friedli ist so gut wie gewählt? Seit dem 8. März können die mehr als 200 Teilnehmenden auf dem Prognosemarkt auf diese Frage wetten. Dabei wird die Aktie, dass Friedli gewinnt bei gut 60 Punkten gehandelt. Das heisst, die Wahrscheinlichkeit, dass Esther Friedli gewählt wird liegt gemäss Marktpreis bei etwa 60%.
Esther Friedli wird also als Favoritin gehandelt, sicher ist ihre Wahl aber noch nicht. Denn sollte sie im ersten Wahlgang nicht das absolute Mehr erreichen, wird es am 30. April 2023 zu einem zweiten Wahlgang kommen. Dann kommt es vor allem darauf an, ob sich die Wähler und Wählerinnen hinter eine der Konkurrentinnen scharen, um Friedlis Wahl zu verhindern. Dazu müsste wohl eine Kandidatin aus dem Trio Vincenz-Stauffacher (FDP), Ryser (Grüne), Gysi (SP) im ersten Wahlgang überraschend gut abschneiden, um sich als einzige Alternative profilieren zu können. Die besten Chancen, um anstelle von Friedli gewählt zu werden, hat mit gut 15% gemäss Prognosemarkt Susanne Vincenz-Stauffacher.
Wie hier beschrieben werden auf dem Prognosemarkt von 50plus1 Vorhersagen über die Wahlwahrscheinlichkeiten für den Zürcher Regierungsrat gemacht. Die Vorhersagen werden aus einem Markt dazu, wie hoch die Wahrscheinlichkeiten der Amtsinhaberinnen sind, um wiedergewählt zu werden, und einem, der die Wahrscheinlichkeiten für die Wahl der neu Kandidierenden vorhersagt, berechnet. Wie hat sich diese Vorhersage mit der neusten publizierten Umfrage geändert?
Die unten stehende Tabelle zeigt die entsprechenden Werte für den Abend des 15. Januars. Der Unterschied in der tieferen und höheren Schätzung basiert auf dem Unterschied, ob die Restkategorie (“anderes Resultat”) dazugenommen wird oder nicht. Es zeigt sich, dass die Wahlwahrscheinlichkeiten der Bisherigen auf dem Prognosemarkt nach wie vor als sehr hoch gehandelt werden. Die Wahrscheinlichkeiten für die Wiederwahl von Mario Fehr, Natalie Rickli, Ernst Stocker und Martin Neukom werden bei 98% bis 100% gehandelt. Auch für Carmen Walker Späh dürfte die Wiederwahl so gut wie sicher sein (95%-98% Wahrscheinlichkeit). Mit der letzten Sotomo-Umfrage im Auftrag des Tagesanzeigers haben sich auch die Vorhersagen für Jacqueline Fehr verbessert: Ihre Wahlwahrscheinlichkeit wird bei 84% bis 86% gehandelt. Wohl aufgrund derselben Umfrage gilt Silvia Steiner (74%-77%) von den Bisherigen als am ehesten gefährdet. Im Gegensatz dazu haben sich die Wahlchancen von Seiler Graf auf 35% bis 36% verbessert. Die Wahlchancen von Benno Scherrer (8%) und Peter Grünenfelder (5%-6%) werden weiterhin als gering eingeschätzt.
Vorhergesagte Wahlwahrscheinlichkeiten für den Zürcher Regierungsrat
|Name
|Partei
|Status
|W’keit (%)
|Mario Fehr
|parteilos
|bisher
|97-100
|Natalie Rickli
|SVP
|bisher
|97-100
|Ernst Stocker
|SVP
|bisher
|97-100
|Martin Neukom
|Grüne
|bisher
|97-100
|Carmen Walker Späh
|FDP
|bisher
|95-98
|Jacqueline Fehr
|SP
|bisher
|84-86
|Silvia Steiner
|Mitte
|bisher
|74-77
|Priska Seiler Graf
|SP
|neu
|35-36
|Benno Scherrer
|GLP
|neu
|8
|Peter Grünenfelder
|FDP
|neu
|5-6
|Andere
|diverse
|neu
|0-1
Auch wenn sich die Vorhersagen des Prognosemarktes der letzten Umfrage angepasst haben, gibt es nach wie vor deutliche Unterschiede. Erstens handelt der Prognosemarkt die Wahlchancen von Steiner nach wie vor als recht hoch, obwohl die TA-Umfrage sie Kopf-an-Kopf mit Steiner gesehen hat. Dies könnte zwei Gründe haben: Erstens wies die Gfs-Umfrage im Auftrag der NZZ für Steiner noch deutlich bessere Werte auf als für Seiler Graf. Wenn man den Unterschied der NZZ- und TA-Umfrage nicht (nur) als Veränderung betrachtet, sondern (auch) auf methodische Unterschiede zurückführt, dann macht es Sinn Steiner weiterhin vor Seiler Graf zu sehen. Zweitens könnte von den Marktteilnehmern erwartet werden, dass Steiner (z.B. wegen ihres Amtsinhaberbonus) von den noch Unentschiedenen am Wahltag eher gewählt wird als Seiler Graf. Beides ist plausibel.
Interessant ist auch, dass Jacqueline Fehr auf dem Prognosemarkt als eher gefährdet gehandelt wird als Walker Späh, obwohl letztere in der NZZ-Umfrage hinter Fehr lag und in der TA-Umfrage gleichauf. Dies dürfte darauf zurück zu führen sein, dass eine Umkehr der Reihenfolge im linken Lager wahrscheinlicher ist als ein Sitzgewinn der SP auf Kosten der FDP.
Wie gut die Vorhersagen des Prognosemarktes werden wir am Wahltag sehen. Sie zeigen aber jetzt schon, dass die Interpretation von Umfragewerten gar nicht so trivial ist wie oft angenommen.