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Geschichte unserer Pfarrei
Nach der Reformation Huldrych Zwinglis dauerte es beinahe dreihundert Jahre, bis in der Stadt Zürich wieder eine katholische Messe gelesen wurde. Dank der Katholikinnen und Katholiken selbst, den politischen Behörden und den wachsenden Freiheiten im 19. Jahrhundert bildete sich ab 1807 eine rasch wachsende katholische Gemeinde.
Die Frage der Schaffung einer katholischen Gemeinde erübrigte sich bis ins 19. Jahrhundert, da Katholiken keine Niederlassungsberechtigung für das Kantonsgebiet hatten. Am 30. Mai 1807 wurde in der Stadt Zürich der erste katholische Gottesdienst nach der Reformation abgehalten. Grund dafür war die in Zürich tagende eidgenössische Tagsatzung. Die Gesandten der katholischen Orte versammelten sich bis zum Ende der Tagsatzung im Juli im Chor des Fraumünsters zur Messfeier. Auf Antrag der Katholiken in Zürich, unterstützt durch den apostolischen Nuntius und die Gesandten der katholischen Orte, erlaubte die Zürcher Regierung im gleichen Jahr die Gründung einer katholischen Genossenschaft und das Abhalten von Gottesdiensten – allerdings auf Zusehen und unter dem Vorbehalt der Mitsprache des Kleinen Rates bei der Bestellung des Pfarrherrn. Die Absicht, in Fragen der Toleranz nicht hinter anderen eidgenössischen Ständen zurückstehen zu wollen, trug wohl mit zu diesem Entscheid bei. Damit war der Grundstein für die Bildung einer katholischen Gemeinde gelegt.
Nach der St. Anna-Kapelle konnte die wachsende Gemeinde 1844 in die grössere Augustinerkirche wechseln. Als 1873 die Mehrheit der stimmberechtigten Katholiken gegen das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma stimmte, kam es zur Kirchenspaltung. Die «romtreuen» Katholikinnen und Katoliken bauten im damals noch selbständigen Aussersihl 1874 eine Notkirche: die «Armeleute-Kirche» St. Peter und Paul. In den darauf folgenden gut 80 Jahren entwickelten sich von der Mutterkirche St. Peter und Paul aus – parallel zur wachsenden Stadt Zürich – die verschiedenen Pfarreien der Stadt, beginnend mit der Liebfrauenkirche, welche ab 1893 für das rechte Limmatufer eingerichtet wurde.
Eine kurze Baugeschichte
Nach der Spaltung der katholischen Kirchgemeinde Zürich im Juni 1873 wurde in weniger als einem Jahr und mit bescheidenen finanziellen Mitteln im Zürcher Vorort Aussersihl eine neue Kirche im neugotischen Stil gebaut. Bei der Einweihung am 2. August 1874 fehlten im einfachen Saalbau noch Bänke, Kanzel, Altaraufbauten und Taufstein. Mittels Spenden kamen in den folgenden Jahren weitere Einrichtungsgegenstände dazu (1885 der Hochaltar, 1891 eine Orgel).
Die wachsende katholische Kirchgemeinde liess einerseits den Ruf nach einer Erweiterung des Kirchenbaus und andererseits nach einer Teilung der Kirchgemeinde wachsen. Mit der Trennung von 1893 in die Pfarreien St. Peter und Paul und Liebfrauen war der Weg frei für eine Erweiterung. Die Architekten Chiodera (er entwarf auch Synagoge der Israelitischen Cultusgemeinde an der Löwenstrasse) und Tschudi verlängerten 1895/1896 die Kirche und schlossen sie mit einer Turmfront ab. In der ein dreischiffiges Kircheninneres vortäuschenden Schaufassade mit dem sechzig Meter hohen Turm spiegelte sich auch das gewachsene Selbstbewusstsein der Zürcher Katholikinnen und Katholiken.
Renovation
1944 wurde das Kircheninnere in zeitgemässes nüchternes Weiss getaucht. Mit dem Abriss der angrenzenden Gebäude im alten Werdquartier Ende der sechziger Jahre stellte sich dann die Frage nach einem Neubau der Kirche. Gut ein Jahrzehnt später stand der Entschluss fest, das Gebäude zu erhalten und weit möglichst den Zustand von 1896 wiederherzustellen. Am 26. Oktober 1980 wurde die renovierte Kirche wieder eingesegnet, erweitert um eine grössere Sakristei und die – in Erinnerung an das erste, den Katholikinnen und Katholiken nach der Reformation zur Verfügung gestellte Kirchengebäude – St. Anna-Kapelle, deren Inneres sich vom Rest der Kirche durch ihre Einfachheit unterscheidet. Die Kirche hat eine Länge von 55 Metern, das Kirchenschiff eine Länge von gut 40 Metern und eine Breite von knapp 15 Metern. Sie findet ihr Zentrum im erhöhten Chorraum mit dem Hauptaltar (Kreuzigungsszene), den beiden Seitenaltären (rechts: Herz Jesu, links: Muttergottes) sowie dem Zelebrationsaltar, dem Lesepult und dem Taufstein. Im Jahre 2002 begann die Kirchturmrenovation, die mit der spektakulären Wiederaufsetzung des Kreuzes mittels Helikopter im April 2003 abgeschlossen wurde.