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Titel
Leukerbad
oder Baden, französisch Loèche Les Bains (Kt. Wallis, Bez. Leuk). 1411 m. Gemeinde, Dorf und berühmtes Heilbad, im Thal der Dala und am S.-Fuss der Gemmi, 15 km n. Leuk und 17 km n. der Station Susten-Leuk der Simplonbahn. Postbureau, Telegraph, Telephon; Postwagen nach der Station Susten. Grosse Anzahl von Pensionen, Chalets und Gasthöfen, von denen die sieben grössten der gleichen Gesellschaft gehören. Dorf und Heilbäder stehen in einem freundlichen Thalbecken an der Stelle, wo das 15 km lange Thal aus seiner bisherigen SW.-Richtung nach S. umbiegt. Die Dala scheidet das Thal in zwei mit Gärten, Feldern und Wiesen bekleidete Hälften: rechts steht das ländliche Dorf mit seiner Doppelreihe alter, vom Wetter gebräunter Holzhäuser, links liegt das bedeutendere neue Dorf mit der Kirche, den Bädern und Kurhäusern. Während im O. und NO. grosse Waldungen bis ganz nahe ans Dorf hinabsteigen, wird ¶
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das Thal im NW. und W. durch die hohen Felswände des vom Daubenhorn (2952 m) zum Rinderhorn (3457 m) ziehenden, von der Scharte der Gemmi unterbrochenen Kammes der Plattenhörner geschlossen. Im O. lehnt sich das Thal an den Fuss des mit schönem Wald bekleideten, aussichtsreichen Torrenthorns (3003 m) und des Majinghorns (3059 m). Das so von hohen Bergen umrahmte Dorf entbehrt von Abends 5 Uhr an des Sonnenscheins. Mitteltemperaturen im Juni 11,6°, im Juli 13°, im August 12,7° und im September 9,9°. 1900: 92 Häuser, 613 kathol. Ew. Diese Zahl bezieht sich aber nur auf die einheimische Bevölkerung; im Sommer wohnen hier weit mehr Personen (Touristen, Badegäste, Gasthof- und Badangestellte etc.). Im ganzen Dorf, besonders aber am linken Ufer der Dala zerstreut entspringen die 22 Thermen, denen der Ort seine Berühmtheit und Blüte verdankt.
Die Temperatur dieser Quellen schwankt zwischen 39,25° (die sog. Fussbadquelle) und 51,35° (Lorenzquelle oder Grosse Quelle). Die Gesamtwassermenge ist eine so bedeutende, dass nicht alle dieser Quellen benutzt werden. Die mächtigste ist die Lorenzquelle oder Grosse Quelle, die auf dem mit der Statue des St. Lorenz geschmückten Hauptplatz entspringt und hier als Trinkbrunnen dient. Sie liefert in 24 Stunden 2952000 Liter Wasser, das in Kanälen zu den Piscinen geleitet wird, in denen die Kurgäste gemeinsam baden und zugleich auf Tischen und Pulten, die auf dem Wasser schwimmen, essen, lesen oder spielen können.
Leukerbad erfreut sich neben der Heilwirkung seiner Thermen ausserdem noch eines kräftigenden und angenehmen Höhenklimas.
Nach der von Prof. Lunge in Zürich
1885 vorgenommenen chemischen Analyse der Lorenzquelle sind in 1000 gr Wasser
1,94811 gr feste Bestandteile in gelöster Form enthalten, und zwar 0,00194 schwefelsaures Strontian;
1,42866 schwefelsaurer Kalk;
0,26912 schwefelsaure Magnesia;
0,08715 schwefelsaures Natron;
0,09650 kohlensaurer Kalk;
0,02066 kohlensaure Magnesia;
0,00011 kohlensaures Eisenoxydul;
0,00024 kohlensaures Manganoxydul;
0,00121 Chlornatrium;
0,01127 Chlorkalium;
0,00037 Chlorlithium;
0,00017 Chlorammonium;
0,00051 Thonerde und 0,03020 Kieselsäure;
ferner als gasige Bestandteile 0,00390 Kohlensäure;
0,00094 Sauerstoff und 0,00905 Stickstoff. In unwägbarer Menge sind vorhanden Arsen, kohlensaures Kupfer, schwefelsaurer Baryt, phosphorsaurer Kalk, Fluorcalcium und Salpetersäure.
Das Leukerwasser gehört also seinen vorwiegenden Bestandteilen nach
zu den warmen Gipsquellen ohne Schwefel. Die Thermen erhalten ihren Mineralgehalt in den in der Umgebung
des
Leukerbades von mächtigen jurassischen Schichten überlagerten und daher nicht anstehenden Schichten der Trias und treten
mitten aus den quaternären Bildungen (Sturz- und Moränenschutt) zu Tage, die den Boden des weiten Erosionsbeckens überdecken.
Ihr starker Gehalt an schwefelsaurem Kalk (Gips) zeigt an, dass sie auf ihrem unterirdischen Weg den
triasischen Gips durchziehen, der von den liasischen Schichten überlagert wird, welche im O. und NO. den Bergstock des Torrenthorns
aufbauen und hier gegen N. und NW. unter die aus oberjurassischen Kalken bestehenden Wände des Rinderhorns und Balenhorns
eintauchen. Da aber hier in einer Meereshöhe von 1400 m die Temperatur des Erdinnern 30° nicht übersteigen
kann, ist eine Erklärung der hohen Temperatur der Thermen mit Schwierigkeiten verbunden. Man muss annehmen, dass das Wasser
längs den Fugen der Triasschichten bis zu etwa 1000 m und noch tiefer hinunter gelangt, wo höhere Temperaturen herrschen,
und dass es von da wieder in die Höhe steigt, auf welchem Weg es seiner grossen Menge und Abflussgeschwindigkeit
wegen sich nicht mehr stark abkühlt.
Funde von keltischen und römischen Gräbern und römischen Münzen, die man hier um die Mitte des 19. Jahrhunderts zu wiederholten Malen gemacht hat, zeigen uns, dass die Kelten und nach ihnen die Römer die Thermen schon gekannt hatten. Während der auf den Untergang der Römerherrschaft folgenden Zeiten der grossen Völkereinbrüche blieb aber diese Kenntnis vergessen, bis die Quellen im 11. oder 12. Jahrhundert zum zweitenmal ¶
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entdeckt wurden. Damals soll der erste Bewohner des Thales, der Bergmann Johann Mans, sich hier eine turmartige Wohnung mit Wall, Graben und Schanzen erbaut haben, die ihn vor den zahllos in den Wäldern herumschweifenden wilden Tieren zu schützen bestimmt war. Während der folgenden Jahrhunderte wurden die Wälder gerodet, die wilden Tiere vernichtet und die Gegend urbar gemacht. Zehnten und Eigentumsrechte am Thal und den Quellen standen der Reihe nach oder gleichzeitig mehreren der mächtigsten Walliser Geschlechter zu, bis sie durch Kauf an den Bischof Supersaxo in Sitten kamen.
Dessen Nachfolger Bischof Jost oder Jodocus von Silinen erneuerte einige Gasthöfe, baute eine Anzahl
Wasserbehälter und Wohnhäuser und begann 1481 auch den Bau der Pfarrkirche. Schon dadurch kam
Leukerbad zu grossem Ruf,
der sich noch bedeutend steigerte, als Kardinal Matthäus Schinner, der 1501 Eigentümer der Rechte geworden war, die Badanstalten
verbessern und auf dem Hauptplatz einen grossen steinernen Gasthof errichten liess, den er mit seinem
Wappen schmückte.
Aber schon 1518 zerstörte eine vom Gipfel des Torrenthorns herabkommende Lawine den grössten Teil des Ortes und tötete 61 Menschen. Auch während der folgenden zwei Jahrhunderte hatte das Dorf oft schwer unter Lawinenstürzen zu leiden, so besonders 1719, 1720, 1756 und 1767. Die zu verschiedenen Malen am Bergfuss aufgeworfenen Schutzdämme konnten natürlich nicht viel dagegen helfen; erst die grosse Verbauung der Lawine ob dem Bade Leuk, die 1876-1878 durchgeführt worden ist, hat dem Dorf sicheren Schutz und Ruhe gebracht.
Der Anfang der gegenseitigen Beziehungen zwischen den Wallisern und den Bernern brachte die Erstellung eines ersten Weges über das Gebirge, der den Hängen der Clavinenalp folgte und s. von Schwarenbach die jenseitige Gebirgsflanke erreichte. Die Ueberlieferung erzählt, dass sich die Einschartung der Gemmi erst später durch den Einsturz eines an ihrer Stelle gestandenen Gipfels gebildet habe. Der jetzige Saumweg über den Pass wurde 1737-1740 erbaut. An den Bau der heutigen Fahrstrasse Leuk-Inden-Leukerbad, der 1843-1847 ausgeführt wurde, gab der Staat Wallis die Summe von 375000 Franken.
Die untern Partien dieser Strasse gewähren an verschiedenen Stellen prachtvolle Ausblicke ins Rhonethal. Neben den beiden
klassischen Ausflügen der Gäste in
Leukerbad, dem Besuch der Gemmi und der Besteigung des Torrenthornes,
nennen wir noch den Besuch des Dalafalles und den Aufstieg nach dem etwa 300 m höher gelegenen Dorf Albinen (oder Arbignon)
über die berühmten acht hölzernen Leitern. Der erste bekannte Name des Thales der Dala oder von Lenkerbad ist Vallée de Boëz,
latein. Vallis nemorum = Waldthal. 1229: Buez;
1315: Boez;
1405: Boës;
1421: Buex. Seit 1898 sind die bedeutendsten Gasthöfe und Kurhäuser in den Besitz einer Aktiengesellschaft übergegangen, die zu Beginn und Ende der Saison nur einen Teil ihrer Etablissemente offen hält. 1900 hat man an der Dala ein Elektrizitätswerk eingerichtet, das den Ort mit Licht versorgt.
Bibliographie für Leuk und
Leukerbad.
Wolf, F. O. Lötschen und
Leukerbad. (Europ. Wanderbilder. 105-107.) Zürich
1886. - Grillet, J. H. Les sources thermales de Loèche.
Genève 1815. - Grillet, J. H. Loèche les Bains; histoire, sources, établissements publics, environs. Genève
1866. - Brunner,
Ad. Loèche les Bains; ses eaux thermales et ses environs. 1879. - De la Harpe, P. Géologie des environs
de Loèche les Bains (in Bull. de la Soc. vaud. des sc. nat. 1877). Ferner zahlreiche andere Schriften und die Prospekte, die
an Ort und Stelle zur Verteilung gelangen.