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«Sie stehen in der Mitte einer Formation von Pikenieren, kurz vor dem Angriff der überlegenen, gegnerischen Ritter. Sie haben grundsätzlich die Wahl zwischen zwei Strategien: zu kämpfen und damit zwar die Chance auf einen Sieg, aber zugleich doch auch eine hohe individuelle Sterbewahrscheinlichkeit in Kauf zu nehmen – oder zu fliehen. Ihre Flucht wird für sich allein den Zusammenhalt der eigenen Linie nur marginal schwächen. Sie werden so dem vernichtenden gegnerischen Angriff entkommen können. Sie entscheiden sich rational für die Flucht – und die anderen Pikeniere tun mit der gleichen Überlegung genau das Gleiche. Die Folge ist eine ungeordnete Flucht aller mit tödlichem Ausgang für alle.»
Mit diesem Beispiel eines «Marktversagens» eröffnete am Freitag David Friedman sein Referat vor gut 200 Anwesenden im Zunfthaus zur Meisen in Zürich, wo er auf Einladung von Avenir Suisse, Progress Foundation und Schweizer Monat zum Thema «Marktversagen: ein Argument für und gegen den Staat» referierte.
Für Friedman ist Marktversagen ein inhärenter Bestandteil nicht nur der Marktwirtschaft, sondern des menschlichen Lebens insgesamt: Immer wieder kommt es zu einem Auseinanderklaffen zwischen individuellen und kollektiven Interessen. Was für den Einzelnen die beste Option darstellt, liegt nicht unbedingt im Interesse der Gesellschaft als Ganzes.
Marktversagen ist für Friedman jedoch nicht Grund genug für Staatsinterventionen. Als prominenter libertärer Denker unterscheidet er sich damit klar von den Mainstream-Ökonomen, die im Versagen der Märkte die wichtigste Berechtigung für einen Staatseingriff sehen. Heute Professor für die Ökonomie des Rechtes an der Santa Clara University in Kalifornien zieht David Friedman die Grenzen des Staates deutlich enger als sein verstorbener Vater Milton Friedman, dessen Haltung er am Anlass in Zürich in einigen Punkten gar als «sozialistisch» beurteilte.
Viel wahrscheinlicher als das Versagen der Märkte ist für Friedman jenes der Politik und der Demokratie – sogar der direkten. Zu gering sei der Anreiz der Wähler, sich zu informieren und mitzumachen (eine Ansicht, der von einem jungen Studenten vehement widersprochen wurde), zu kurzfristig der Horizont der Politiker. Für Friedman stellt nur das private Eigentum jene «Machinery of Freedom» (so der Titel seines 1973 erschienenen Werkes) bereit, die es jedem Individuum ermöglicht, dem Leben nachzugehen, das es will. Das ist das Thema, dem Friedman bis heute treu geblieben ist.
Warum eine solche Ordnung tatsächlich vorteilhafter wäre als die real existierende, herrschende Ordnung, konnte Friedman auch während der lebhaften Fragerunde nicht restlos überzeugend erklären. Dafür zeigte er einen Sinn für prägnante Bilder und legte ein rhetorisches Können und einen gelassenen Humor an den Tag, die sich nahtlos in die Familientradition reihen.
Das Referat von David Friedman können Sie hier downloaden.