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Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre entstanden in der Schweiz die ersten, dem Selbstverständnis nach „autonomen“ Frauengruppen, wenige Jahre später wurden sie zu Trägergruppen einer, so die Hypothese, ‚sozialen Bewegung’, die, als erste und dauerhafteste der ‚neuen sozialen Bewegungen’, für politischen und sozialen Zündstoff gesorgt hat. Vielfach evoziert, häufig auch verspottet, harrt sie noch immer ihrer Erforschung. Was hat die neue Frauenbewegung bewirkt? Hat sie das Leben der Aktivistinnen beeinflusst? Hat sie darüber hinaus die Situation von Frauen in der Gesellschaft verändert? Oder haben sich die Rahmenbedingungen, unter denen Frauen (und Männer) heute ihr Leben gestalten, ohne das Zutun der Frauenbewegung gewandelt? Das Projekt strebt an, die neue Frauenbewegung und ihre Folgen in der Schweiz erstmalig systematisch zu erfor-schen. Ziel ist also eine umfassende Betrachtung des in seiner Dauer und seiner institutionellen Verankerung – wenn auch nicht beispiellosen so doch hervorragenden – Phänomens. Dazu entwickelt das geplante Projekt einen pluridisziplinären Zugriff, der auf der Grundlage von weitgehend unerschlossenem Quellenmaterial, Methoden und Hypothesen der Geschichts-wissenschaft, der Politikwissenschaften und der Soziologie verbindet.
Forschungsfragen
Im Zentrum des Erkenntnisinteresses stehen zwei Ensembles von Fragen, die plakativ unter den Stichworten „Woher?“ (Her-kunft der Aktivistinnen und ihrer Ideen, Bedingungen der Mobilisierung) und „Wohin?“ (Was ist aus den Aktivistinnen, den Gruppen und den Zielen der sozialen Bewegung geworden?) zusammengefasst werden können, wobei die performative Di-mension, das „Wie?“, in beiden Fragen jeweils mitgedacht wird. Im Zentrum steht eine Analyse der neuen Frauenbewegung, die, angelehnt an theoretische Überlegungen zu Wirkungen sozialer Bewegungen, drei Ebenen des Makro-, Meso- und Mikro-bereichs in den Blick rückt: die Ebene politischer Herrschaft (Verfassungung und Legislatur), die Ebene intermediärer Gruppen anhand von Gewerkschaften, Kirchen und Parteien, schliesslich die Ebene der Bewegungsaktivistinnen und ihrer sozialen Interaktionen. Untersucht wird dabei, inwieweit sich ein zivilgesellschaftlicher Prozess auf Mechanismen gesetzlicher Regula-tion auswirkte, welche die Anliegen von Frauen betrafen, ob und inwieweit das häufig über Jahre andauernde Engagement der Aktivistinnen deren Erwerbs- und Familienbiographien beeinflusst hat, ob und inwiefern es der Frauenbewegung gelungen ist, etablierte Organisationen für ihre Anliegen zu gewinnen und deren Strukturen zu verändern, schliesslich, wie man den Zu-sammenhang zwischen gleichstellungspolitischen Massnahmen „von oben“ und der Frauenbewegung verstehen muss und welchen Wirkungskreis die aus der Frauenbewegung hervorgegangenen Projekte (z.B. Gesundheitszentren, Frauenhäuser) hatten bzw. bis heute haben?
Methoden und Material
Das Projekt greift neben der klassischen Quellenkritik auf Verfahren der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie auf ver-schiedene Befragungsverfahren (Oral History, Verstehendes Interview, Experteninterview) zurück. Es basiert auf Quellenbe-ständen heterogener Art in der Form von Bewegungsnachlässen (Privatbesitz, Bewegungsarchive, Sozialarchiv Zürich, Archiv der Frauenbewegung in Worblaufen/Bern), Kirchen-, Partei- und Gewerkschaftsarchiven, Pressedokumentationen sowie Inter-views als Form der Datengenerierung.