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Wir bleiben für eine weitere Woche in Hölstein, schauen heute aber weit vor die Industrialisierung zurück. Das Dorf bildet den Eingang zum Waldenburgertal. In seinen Anfängen reichte das Bachzeilendorf vom Gasthaus Rössli im Norden bis zum Gasthaus Eintracht einige hundert Meter talaufwärts.
Dorfkern – seit 450 Jahren
Von Basel aus ist Hölstein in einer knappen halben Stunde per Bahn erreichbar. Der Bahnhof Hölstein liegt denn auch gleich gegenüber der – neben der Uhrenfabrik Oris – städtebaulich wichtigsten Gebäudegruppe des Dorfes. Das Ensemble setzt sich zusammen aus einer parallel zur Strasse verlaufenden Zehntenscheune von 1566 und dem quer dazu stehenden Bauernhaus aus dem 17. Jhd., dem Gasthaus Rössli von 1685 mit dahinter liegender Scheune und dem quer zur Strasse stehenden, etwas zurückversetzten Neuhaus aus dem Jahr 1671. Die Gebäudegruppe bildet den Dorfeingang und eröffnet eine, durch die Kurve der Hauptstrasse begünstigte Platzsituation. Früher hauptsächlich als Personen- und Güterumschlag genutzt, bildet die Station mit Busanbindung nach Bennwil heute neben den zwei anderen Bahnstationen weiter südlich einen wichtigen Zugangspunkt im Netz des Öffentlichen Verkehrs. Mit dem Ausbau der Gleisanlagen während den nächsten Jahren wird die Bedeutung weiter zunehmen. Die Anordnung der Gebäude im 16. und 17. Jahrhundert und die Schaffung eines grosszügigen Dorfeingangs hat vermutlich nicht unwesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen, sind die Platzverhältnisse rund um Hauptstrasse entlang der Vorderen Frenke doch sehr beengt und für eine zusätzliche Nutzung ungeeignet.
Älteste Ökonomiegebäude von Hölstein
Die Zehntenscheune ist allen Anzeichen nach das älteste Ökonomiegebäude von Hölstein. Das zweigeschossige Sattelach geht traufseitig, leicht in der Steilheit vermindert in einen grosszügigen Schermen zum Platz hin über. Der liegende Dachstuhl weist sowohl gesägte, als auch gehauenen Balken mit Holznägeln auf. Zwei grosse Rundbogentore aus Sandstein mit den Jahreszahlen 1566 und 1695 bilden den strassenseitigen Hauptzugang. Obschon die auch rückwärtig zugängliche Scheune frei steht, wird sie städtebaulich in jedem Fall mit dem quer dazu stehenden Bauernhaus mit ausladender Laube gelesen. Jenes wiederum schliesst über Eck direkt an die Zeilenbebauung entlang der Hauptstrasse an.
Steinmetzarbeit aus Liestal
Über den Gasthof Rössli ist wesentlich mehr bekannt. Das dreistöckige Gebäude mit mächtigem zweigeschossigen Satteldach wurde 1680 durch den Liestaler Steinmetz Martin Keigel für Johann Merian erbaut. Das Neuhaus gegenüber von 1671 stammt ebenfalls aus der Feder von Martin Keigel. Vermutlich ist es gleichzeitig mit der Scheune hinter dem Rössli erbaut worden, möglicherweise sogar durch denselben Bauherrn. Der Haupteingang zur Hauptstrasse hin wird durch einen Stichbogensturz mit Schlussstein akzentuiert. Die Beschläge aus Messing haben sich bis heute erhalten. Die Fassade erfuhr um 1900 eine wesentlich Änderung. Das gesamte Erdgeschoss wurde durch einen umlaufenden Sockel aus Zementsteinen ergänzt. Die Innenräume indes sind bereits im 18. Jahrhundert zeitgemäss umgebaut worden. Wer die barocke Eichentreppe hochgeht, findet sich linkerhand im Rösslisaal wieder, einem der wenigen, vollständig erhaltenen Festsälen des Jugendstils. Der Saal geht vermutlich auf den Basler Architekten Jakob Tschopp zurück. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir uns detaillierter mit diesem Gebäude beschäftigen. Ebenso mit dem dahinterliegenden Schopfgebäude, dessen Dach 1998 vollständig eingestürzt ist, nun aber umgenutzt als Kindertagesstätte und Eventlokal funktioniert.
«Bauten im Baselbiet» nennt das Neuhaus eines der «grossartigsten» spätgotischen Profanbauten des Kantons. Das Neuhaus ist in vielerlei Hinsicht ein interessantes Gebäude. Dürfte die voluminöse Erscheinung, ebenso wie der rückseitige oktogonale, etwas aus dem Gebäude tretende Treppenturm der Spätgotik angerechnet werden, so zeugen die Beschläge der Fenster und Türen, insbesondere aber die Inschrifttafel des Erbauers über dem Haupteingang von – wie es die Denkmalpflege nennt – «barockem Selbstbewusstsein». 1950 wurde das Gebäude, auch mit Mitteln des Schweizer Heimatschutzes umfassend renoviert.
Wer mehr über die eben besprochenen Gebäude erfahren möchte, dem sei die Website der Kantonalen Denkmalpflege empfohlen. Sämtliche wichtigen Bauwerke sind ausführlich beschrieben.
Zehntenscheune
Funktion: Lagerscheune / Ökonomiegebäude
Adresse: Haupstrasse 21, 4434 Hölstein
Baujahr: 1566
Architektur: Wunbekannt
Wände: gemauert, weiss verputzt
Dach: Satteldach, Balken gesägt und gehauen, Bibderschwanzziegel
Bauernhaus
Funktion: Ökonomie/Wohnen
Adresse: Hautpstrasse 27, 4434 Hölstein
Baujahr: 17. Jahrhundert (unsicher)
Architektur: Wunbekannt
Spezielles: grosszügige Laube aus Holz
Neuhaus
Funktion: Wohnen
Adresse: Heuhausweg 4, 4434 Hölstein
Baujahr: 1671
Architektur: Steinmetz Martin Keigel
Gasthaus Rössli und Scheune
Funktion: Gasthaus, Unterbringung Pferde
Adresse: Hauptstrasse 17/17a, 4434 Hölstein
Bauzeit: 1685-1690 (Scheune: 1671/72)
Architektur: Steinmetz Martin Keigel, Jakob Tschopp (Himmelsaal)
Nutzung heute: Büro / Kindertagesstätte / Bar & Eventlokal
Text & Plan:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Affolter, C. im Auftrag der Denkmalpflege BL (2004), Bauinventar Kanton Basel-Landschaft BIB, Gemeine Hölstein.
– Kantonales Inventar der geschützten Kulturdenkmäler: Hölstein