Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03434.jsonl.gz/1590

Lizenziatsarbeits-Themen bei Prof. Dr. A. M. Freund
Wie Personen ihre persönlichen Ziele formulieren, hat einen entscheidenden Einfluss auf Prozesse der Zielverfolgung, Zielerreichung und subjektives Wohlbefinden. Unter Zielorientierung wird ganz allgemein verstanden, worauf eine Person in ihren persönlichen Zielen fokussiert. Wir unterscheiden vor allem zwei verschiedene Aspekte von Zielorientierung:
- Prozess- versus Ergebnisorientierung Dieser Aspekt der Zielorientierung beschreibt die relative Salienz des Ergebnisses und der Konsequenzen von Zielverfolgung (was wird durch die Zielverfolgung erreicht?) oder des Prozesses der Zielverfolgung selbst (welches sind die notwendigen Mittel der Zielverfolgung, wie kann das Ziel verfolgt und erreicht werden?).
- Gewinn- versus Aufrechterhaltens-/Verlustorientierung Persönliche Ziele können sich eher auf das Erreichen von Zugewinnen, auf die Aufrechterhaltung von bereits Erreichtem oder die Vermeidung von Verlusten beziehen. Neuere Forschung zeigt, dass es systematische Altersunterschiede in der Ausrichtung auf Gewinn vs. Verluste gibt und dass diese in bestimmten Kontexten auch adaptiv sein können.
In diesem Projekt geht es nun darum, die Bedingungen und Funktionen der unterschiedlicher Formen der Zielorientierung genauer zu spezifizieren und in Hinblick auf verschiedene Lebenskontexte zu untersuchen. Zentrale Fragen in diesem Zusammenhang, die Gegenstand von Lizensiatsarbeiten sein könnten, sind:
- In welchen Lebenskontexten (z.B. Ausbildung, Beruf, Familie, Freizeit) sind welche Formen der Zielorientierung (a) vorherrschend und (b) adaptiv?
- Gibt es systematische altersbezogene Veränderungen (a) der Zielorientierung und (b) ihrer Adaptivität über das Erwachsenenalter?
- Auf welche Faktoren sind kontext- und altersbezogene Unterschiede in der vorherrschenden Zielorientierung und deren Adaptivität zurückzuführen (z.B. Ressourenlage, motivationale Phase, soziale Anforderungen und Erwartungen, etc.)?
Diese Fragen sollen mit Hilfe verschiedener Methoden (Verhaltensbeobachtung, Selbstbericht, sozial-kognitive Methoden) und in unterschiedlichen Untersuchungsdesigns (Experimente, korrelative Designs, Experience Sampling Verfahren) untersucht werden.
Die Literatur zeigt, dass die Bindung («commitment») an ein Ziel positive Folgen für die Zielverfolgung und -erreichung hat. Bisher würde jedoch kaum untersucht, wie sich die Bindung an ein persönliches Ziel über die Zeit verändert. Die meisten persönlich bedeutsamen Ziele, verfolgen Menschen über einen grösseren Zeitraum (z.B. Studienabschluss, berufliche Karriereziele, Aufbau und Aufrechterhaltung einer Partnerschaft, etc.) und verlangen eine dauerhafte Bindung an das entsprechende Ziel. In diesem Projekt soll untersucht werden, wie sich die Zielbindung in unterschiedlichen Lebenskontexten (z.B. Beruf, Freizeit, Familie) über die Zeit aufgrund welcher Faktoren über die Zeit verändert.
- Sunk-Cost-Effekt
Es soll untersucht werden, welchen Einfluss die bisherige Investition in die eigenen Ziele für die künftige Zielbindung hat. Der aus der Entscheidungsforschung bekannte «Sunk Cost»- Effekt soll sowohl hinsichtlich alterbezogener Unterschiede als auch in unterschiedlichen Lebenskontexten untersucht werden.
- Zielablösung bei Konflikten
Bei Zielkonflikten ist die Ablösung von einem der konfligierenden Ziele und die Prioritätensetzung eine Lösungsmöglichkeit. In einer Reihe von Studien konnte gezeigt werden, dass ältere Erwachsene weniger Zielkonflikte erleben als jüngere und mittelalte Erwachsene. Dies könnte daran liegen, dass sie sich schneller von konfligierenden Zielen lösen können. Eine prozessorientierte Untersuchung der Lösung von Zielen ist zur Überprüfung dieser Hypothese notwendig.
Auch in diesem Projekt ist geplant, verschiedene Methoden (Verhaltensbeobachtung, Selbstbericht, sozial-kognitive Methoden) und in unterschiedlichen Untersuchungsdesigns (Experimente, korrelative Designs, Experience Sampling Verfahren) einzusetzen.
Die empirische Forschung zeigt, dass sehr positive oder sehr negative Lebensereignisse meist nur relativ kurzfristige Auswirkungen auf das emotionale Befinden haben. Dies wird häufig mit der «adaption level»-Theorie in Verbindung gebracht, nach der sich Menschen an gegebene Umstände gewöhnen. Eine alternative These ist, dass nicht die Gesamtvalenz eines Lebensereignisses das emotionale Befinden beeinflusst, sondern jeweils nur die Aspekte, die gerade im Aufmerksamkeitsfokus liegen. In einigen Voruntersuchungen konnte diese Hypothese vorläufig bestätigt werden und soll in weiteren Studien systematisch untersucht werden.
- Dauer von emotionalem Erleben
Um die grundlegende Hypothese zu untersuchen, ob die Aufmerksamkeit die Dauer des emotionalen Reaktion auf ein Ereignis bestimmt, ist zunächst ein experimentelles Vorgehen notwendig. Zunächste muss ein positives oder negatives Ereignis eine Emotion auslösen und nachfolgend die Aufmerksamkeit entweder auf das emotionsevozierende Ereignis oder auf einen neutralen Stimulus gelenkt werden. Als abhängige Variable dient der zeitliche Verlauf der emotionalen Reaktion.
- Aufmerksamkeitszuwendung als Emotionsregulationsstrategie
Um zu überprüfen, ob Personen ihre Aufmerksamkeit strategisch auf Bilder richten, die eine bestimmte emotionale Valenz besitzt, können Blickbewegungsuntersuchungen herangezogen werden. Mit Hilfe einer Blickbewegungskamera wird erfasst, worauf Personen schauen, ob auf positive oder negative Bilder, wenn sie instruiert werden, ihre Gefühle in die eine oder die andere Richtung zu regulieren. Insbesondere unter Berücksichtigung des sogenannten «positivity Effekts», nach dem ältere Erwachsene stärker auf positive Informationen fokussieren, wäre es diesem Kontext interessant, altersbezogene Unterschiede in der Nutzung dieser Strategie zu untersuchen.
Zwar erkennen Personen aller Altersgruppen die Wichtigkeit sozialen Handelns und sozialer Werte an, aber ob diese Werte auch dann handlungsleitend sind, wenn sie dem eigenen Nutzen im Wege stehen könnten, soll Thema dieser Lizensiatsarbeit sein. Genauer soll es darum gehen, jüngere, mittelalte und ältere Erwachsene möglichst verhaltensnah daraufhin zu vergleichen, ob sie sich eher gemäss sozialen Gerechtigkeitswerten oder eher im Sinne der Maximierung eines eigenen Gewinnes verhalten.