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Der Wald schützt vor Lawinen in erster Linie dadurch, dass er die Entstehung von Lawinen im Anrissgebiet verhindert. Zusätzlich hängt die Schutzwirkung des Waldes auch davon ab, ob die Bäume den Schneemassen standhalten. Brechen sie oder werden gar entwurzelt, kann die Lawine ungehindert ins Tal donnern.
Im Rahmen einer Doktorarbeit ist es Forschern des SLF gelungen, die Schutzwirkung von Wäldern für verschiedene Lawinentypen besser zu quantifizieren. Sie entwickelten für jeden dieser Typen mathematische Gleichungen, die kritische Dichte, Geschwindigkeit und Höhe der Lawine definieren, bei denen Bäume brechen. Anhand von zwei grossen Lawinen in Monbiel bei Klosters (GR) und Täsch (VS) sowie sechs Lawinen in Deutschland überprüften sie, ob diese theoretischen Überlegungen realen Lawinenereignissen standhalten und kamen zu folgenden Erkenntnissen:
Einzeln stehende Fichten brechen am leichtesten
Trockene Staublawinen üben nicht nur auf den Stamm des Baumes, sondern auch auf seine Krone Druck aus. So können Bäume bereits brechen, wenn die Dichte des Schnee-Luft-Gemisches relativ gering und die Lawine nur 20 m/s (respektive 72 km/h) unterwegs ist. Je grösser die Kronenfläche, desto eher sind die Bäume gefährdet. Einzeln stehende und/oder immergrüne Bäume brechen demzufolge leichter, als laub- oder nadelabwerfende wie Lärchen oder Bäume, die mitten im Bestand wachsen.
Wie nasse Lawinen auf Bäume wirken, liess sich am besten mittels statischen Druckberechnungen erfassen, ist dieser Lawinentyp doch häufig langsamer als 5 m/s unterwegs. Dabei zeigte sich, dass im Gegensatz zu den trockenen Staublawinen nicht nur die Schneemassen und Form der Bäume bestimmen, wann die Stämme brechen. Bei Nassschneelawinen muss auch berücksichtigt werden, wie das Gelände geformt ist, wie rau sich der Untergrund präsentiert und wie weit auseinander die Bäume im Wald stehen.
Verbesserte Lawinendynamikmodelle
Inzwischen haben die Forschenden diese Resultate in ihre Lawinendynamikmodelle (z. B. RAMMS) einbaut. Dies ermöglicht Sicherheitsfachleuten in Zukunft, bei Gefahrenkarten oder Berechnungen von Schutzmassnahmen die Wirkung des Waldes für unterschiedlichen Lawinenarten miteinzubeziehen.
Details zum Projekt
Projektdauer
2012 - 2015