Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/97930

<h2>SubmittedText<h2><p>Am 19. Juni 1999 bekannten sich 29 europäische Staaten zum Ziel eines einheitlichen europäischen Hochschulraums. lnzwischen hat sich eine gewisse Ernüchterung breitgemacht, weil zweifelhaft ist, ob die Kernziele des Bologna-Prozesses erreicht werden können.</p><p>Die Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge und die damit verbundenen detaillierten Bewertungssysteme haben den Wechsel des Studienorts wohl eher erschwert statt erleichtert. Die angestrebte automatische Anerkennung von Studienleistungen, die an anderen Hochschulen erbracht wurden, ist nicht erfolgt.</p><p>Trotz Einführung des dreijährigen Bachelor-Lehrgangs liegt die Quote der Studienabbrecher nach wie vor im Bereich von 25 bis 30 Prozent. Ebenso zeigt die Studiendauer kaum Änderungen. Mit durchschnittlich fast sechs Jahren ist sie nach wie vor hoch und führt zu einem späten Eintritt in das Erwerbsleben.</p><p>Die Schweiz hat Ende April 2009 an der fünften Bologna-Nachfolgekonferenz der Bildungsminister teilgenommen. Die Minister haben dabei die Fortschritte der letzten zehn Jahre gewürdigt und neue Ziele gesetzt.</p><p>Nicht zu verkennen ist eine gewisse Bürokratisierung des Hochschulwesens, die sich lähmend auf Innovation und Flexibilität der Lehrenden und Studierenden auswirken kann. Der zum Teil enge starre Rahmen kann insbesondere die Entwicklung der Studierenden zu selbstständig denkenden und selbstverantwortlich handelnden Persönlichkeiten behindern.</p><p>Nach zehn Jahren Bologna-Reform rechtfertigt sich eine gründliche Analyse. Ich möchte den Bundesrat beauftragen, diese Analyse vorzunehmen und insbesondere folgende Punkte aufzunehmen:</p><p>1. Inwieweit wurden die 1999 gesetzten Ziele erreicht bzw. nicht erreicht, in der Schweiz, in Europa?</p><p>2. Welche neuen Ziele wurden 2009 für die Zukunft gesetzt? Welches sind die Gründe?</p><p>3. Welche Massnahmen wurden und werden eingesetzt, um die Schwächen der Reform zu beheben?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Ansicht, dass die Umsetzung der Bologna-Reformen in der Schweiz gründlich analysiert werden muss. Dies ist eine Voraussetzung dafür, dass allfällige Mängel konsequent behoben werden können. Wie er in seiner Antwort auf das Postulat Widmer 08.3073 dargelegt hat, ist er der Meinung, dass dieses Anliegen mit den verschiedenen bereits geplanten Massnahmen erfüllt werden kann, ohne dass ein zusätzlicher Bericht erstellt werden müsste. So wird der Bundesrat in der nächsten Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Innovation eine Übersicht über den Stand der Umsetzung der Bologna-Reform präsentieren und allfällige Massnahmen erläutern. In diesem Sinn ist der Bundesrat bereit, das Postulat anzunehmen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.