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1761 verbrachte Joseph Grosholtz eine Winternacht in den Armen von Anne-Maria Walder, sie wurde schwanger, und Josef zog in den Siebenjährigen Krieg. Als seine Tochter Marie geboren wurde, lag er bereits erschossen auf den Schlachtfeldern der Grossmächte.
Die junge Witwe zog mit der kleinen Tochter nach Bern, erwarb die Schweizer Staatsbürgerschaft und arbeitete als Hausmädchen für den Arzt Philippe Curtius. Er modellierte für den Anschauungsunterricht menschliche Organe in Wachs. Ein Cousin des französischen Königs wurde auf ihn aufmerksam und bot ihm ein Atelier in Paris an. Zusammen mit seiner Patchwork-Familie zog er an die Seine. Die kleine Marie überraschte mit ihrem Talent und schuf bereits als Teenager ein eindrückliches Wachsporträt von Voltaire.
Während der Französischen Revolution stürmten Aufständische das entstehende Wachsfigurenkabinett und forderten die Herausgabe der in Ungnade gefallenen Zeitgenossen. Die Revolutionäre spiessten die Köpfe auf und trugen sie skandierend durch die Strassen. Im Gegenzug, so die Legende, erhielt Marie echte Köpfe zum Nachmodellieren: Die unter der Guillotine abgetrennten Häupter von Ludwig XVI., Marie Antoinette, Danton und später Robespierre.
Als Curtis starb, erbte Marie die Sammlung und heiratete 1795 den Ingenieur François Tussaud. Dieser war allerdings mehr dem Alkohol als dem Maschinenbau zugeneigt. Die resolute Marie trennte sich von ihm und floh vor dem nächsten Krieg mit ihrem kleinen Sohn nach England.
Nachdem sie 33 Jahre lang mit ihren Wachsfiguren an Jahrmärkten aufgetreten war, eröffnete die mittlerweile 74-Jährige ihr weltberühmtes Museum in London und starb fünfzehn Jahre später. Sie musste nicht mehr miterleben, wie während des Zweiten Weltkriegs deutsche Bomben ihr Kabinett in Brand setzten und ihre Wachsfiguren dahinschmolzen.
Mittlerweile ist Madame Tussauds ein internationaler Konzern mit 23 Niederlassungen und investiert in andere Branchen, da die neuen 3D-Drucktechnologien das alte Geschäft bedrohen. Mit lebensechten 3D-Ganzkörperporträts in farbiger Gips-Keramik bedienen junge Start-ups die narzisstische Gesellschaft: jeder ein Unikum, jeder ein Star und erst noch hitzebeständig.