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Hallo liebe Freunde! Lange musstet Ihr auf ein Überlebenszeichen von "niños jugando" warten. Dies vor allem deswegen, weil wir uns in Kuba zuerst einmal drei Wochen Anklimatisierungszeit gönnten und auch Zeit, um uns auf die grosse Reise durch.
Vielleicht überrascht es Euch zu hören, dass wir in Venezuela nur knapp zehn Tage verbracht haben. Neben persönlichen Gründen sahen wir leider auch nur geringe Möglichkeiten, unser kleines Projekt umzusetzen. Chavez, der momentane Präsident Venezuelas, welcher seit rund 9 Jahren eine Art sozialistische Diktatur (ähnlich wie Castro in Kuba) anstrebt, hat im sozialen Bereich schon einiges geleistet. So besitzen unterdessen auch viele ärmere Gegenden Schulen mit - oftmals sogar überdachten - Spielplätzen. Auf der Strasse lebende Kinder, wie wir sie in Kolumbien antreffen, sahen wir praktisch keine. Trotz der Rückständigkeit war ein gewisser Wohlstand, finanziert durch die enormen Ölreserven, durchhaus spürbar. Dies hat uns dazu bewogen, einen Schritt weiter über die schwerbewachte Grenze Richtung Westen nach Kolumbien zu machen.
Nach rund 16 Stunden Fahrt sahen wir uns in der kleinen Hafenstadt Santa Marta an der Karibikküste sehr schnell mit einer leicht anderen Welt konfrontiert. Nicht nur das Bild der Strassenkinder suchte uns hier wieder heim. Die Armut, jedoch auch die Herzlichkeit und Offenheit, waren wieder deutlich spürbar. So machten wir nicht nur die Bekanntschaft mit Señor Vitor Castillo, einem Exorzisten, oder dem Pater Manuel Agudelo, welcher verschiedene wohltätige Projekte in und um Santa Marta am Laufen hat und uns gerne zur finanziellen Unterstützung überredet hätte.
Auch Victoria, eine 28-jährige Prostituierte mit angeblich 5 Kindern, der wir anboten, mit ihr zusammen für ihre Kinder Nahrungsmittel, Spielsachen und Kleider zu kaufen, lernten wir kennen. Leider hatte Victoria durch ihren übermässigen Drogen- und Alkoholkonsum unser Treffen verschlampt, so dass wir uns spontan mit "Hektor", einem Strassenkind, ins Gespräch begaben.
Hektor ist 16 Jahre alt und stammt aus einer rund 100 km entfernten Stadt. Er ist von zuhause abgehauen, nachdem ihn sein Stiefvater mehrmals verprügelt hatte. Wir luden Ihn zu einem grossen Mittagessen ein. Da er, durch das Barfussgehen Verletzungen an den Füssen aufwies, kauften wir ihm neben einem Shirt von seinem Lieblingsfussballverein "Barcelona" auch ein paar Sandalen, welche hier viele Jugendliche tragen. Es war ermunternd mitansehen zu dürfen, wie sein Gesicht nach dem ausgiebigen Mahl sichtlich zufrieden zu strahlen begann.
Neben Hektor und weiteren Strassenkindern lernten wir auch Jesus Alberto kennen. Er und zwei seiner jüngeren Brüder waren bei seinem Vater, dem ein kleines Restaurant neben unserem Hostal gehörte, für eine Woche zu Besuch in den Ferien. Da sich Alberto sehr für Sprachen interessierte - neben sehr wenig Englisch kannte er auch vereinzelte Sätze in Deutsch, Französisch und Hebräisch - suchten wir mit ihm in der ganzen Stadt nach einem englischen Grammatikbuch (wir wurden schliesslich an einem Strassenstand fündig). Wir luden Alberto zu einem Ausflug an einen kleinen Strand ausserhalb der Stadt ein, wo wir neben regem Fussball- und Wasserballspielen auch noch ein wenig über die englische Grammatik sprachen...
So, liebe Freunde, auch wenn dies nur vereinzelte Beispiele sind von all dem, was wir auf unserer Reise bislang erlebt haben, so hoffen wir trotztdem, Ihr bekommt einen ersten Eindruck. Bis zum nächsten "Libreta" wünschen wir Euch auch in der Schweiz eine schöne Zeit und grüssen Euch herzlich!
Dani und Sandro