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Anophthalmie
Dieser Begriff bezeichnet eine sehr seltene Behinderung. Und zwar bedeutet er das komplette Fehlen eines oder beider Augen. Daneben gibt es in der Augenheilkunde weitere ähnliche Defekte, wie die Mikrophthalmie, wobei ein Auge zu klein oder nur rudimentär ausgebildet ist. 11% aller blinden Kinder leiden unter einer dieser Formen. In Deutschland kommen pro Jahr etwa 5-10 Kinder mit Anophthalmus zur Welt. Zahlen zur Schweiz konnten für diesen Blog nicht erfolgreich recherchiert werden.
Eine ein- oder zweiseitige Anophthalmie kann per Ultraschall schon im Mutterleib oder natürlich recht leicht aufgrund der fehlenden Augenanlage unmittelbar nach der Geburt festgestellt werden. Was nicht ganz so einfach ist, ist die zugrunde liegende Ursache zu diagnostizieren. Die Forschung zu diesem Defekt dauert noch immer an. Vermutet werden als Ursache zum einen toxische Einwirkungen während der frühen Schwangerschaft, wie z.B. Rötelninfektion, Herpes simplex, Alkohol, Strahlung oder Vitamin-A-Mangel. Auch das in den frühen 60er Jahren für viele Kindsmissbildungen verantwortliche Contergan konnte diese Entwicklungsstörung induzieren. Der Augenentwicklung des Embryo ist ein komplizierter und komplexer Prozess. Eine solche Fehlentwicklung passiert oftmals in der dritten bis siebten Schwangerschaftswoche, dann nämlich, wenn sich die Augenentwicklung in der kritischen Phase befindet.
Zum anderen kann die Anopthalmie auch genetisch bedingt sein. Heute weiss man, dass bei einer Trisonomie des Chromosoms 13, neben vielfältigen anderen Fehlbildungen, oftmals auch ein Anophthalmus auftreten kann.
Anophthalmus kann aber auch nach einer schweren Augenerkrankung, z.B. einer Netzhautentzündung oder einer Infektion nach einer Augenoperation (Endophthalmitis), bei Tumoren, einer Perforation oder einem Traumata der Augen entstehen. Müssen die Augäpfel wegen einer solche schweren Augenerkrankung oder einem Unfall chirurgisch entfernt werden, spricht man von einer Enukleation.
Wird der Anophthalmus nicht durch Krankheit oder Unfall erworben, sondern stellt einen angeborenen Defekt dar, hat das Fehlen der Augen Auswirkungen auf das gesamte Schädelwachstum, weil die Augenhöhle oftmals nicht mitwächst und sich somit eine Gesichtsasymmetrie ausbildet. Entgegengewirkt kann nur mit Augenprothesen, die beim wachsenden Kind immer wieder aufs Neue angepasst werden müssen. Eine andere Folge von Anophthalmus können auch psychische und psychosomatische Beschwerden sein, weil ein Mensch ohne Augen natürlich blind ist und dies zu schwerwiegenden Einschränkungen im Alltag und dem sozialen Leben führen kann.
Mit den Prothesen ist es aber meistens noch nicht zu Ende. Nur schon leichtes Augenreiben kann die Position der Prothese verändern. Mittels chirurgischen Eingriffen wird deshalb probiert, den Lidapparat zu stärken, um die Position der Prothesen zu stabilisieren.
Halten Sie Ihren Augen Sorge, sie sind etwas vom Wertvollsten, was wir haben!