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Die Entwicklung des Rums ist eng verbunden mit dem Zuckerrohranbau. Die aus der Familie der Süssgräser stammende Pflanze wurde vor ca. 10’000 Jahren zum ersten Mal in Neuguinea als Kulturpflanze angepflanzt, breitete sich in Asien aus und gelangte im 1. Jahrhundert n. Chr. über Handelswege nach Spanien . Ab dem 15. Jahrhundert brachten die Kolonialmächte Spanien und Portugal das Zuckerrohr mit in die Neue Welt und kultivierten es dort auf Plantagen. Diese Art des Anbaus war ausgesprochen effizient, beruhte allerdings auf rücksichtsloser Ausbeutung und brutaler Sklaverei. Die Arbeiter fanden heraus, dass Melasse unter bestimmten Bedingungen zu gären beginnt. Der so gewonnene Zuckerwein liess sich mit einfachen Mitteln destillieren. Das Ergebnis war ein Rum, der zwar kaum geniessbar war, aber das menschenunwürdige Leben zumindest erträglicher erscheinen liess.
Als die europäischen Seemächte im 17. Jahrhundert um die Vorherrschaft in der Karibik kämpften, eroberte England unter anderem die Inseln Barbados und Jamaika. Jamaika wurde zum wichtigen Zuckerproduzenten und versorgte das vereinigte Königreich von nun an mit Zucker, der zum Grundnahrungsmittel wurde. Auch in Frankreich wuchs das Interesse am Zucker und die Inseln Martinique, Guadalupe, Haiti und St. Lucia wurden zu wichtigen Zuckerproduzenten. Zu dieser Zeit wurde Rum zunehmend populär. Auch Piraten nutzten Rum, um die Kampfmoral ihrer Mannschaft zu fördern.
Im Jahre 1655 wurde erstmals Rum an britische Marine-Angehörige als offizieller Teil der Ration ausgegeben. Trinkwasser und Bier verdarben unter den klimatischen Bedingungen der Karibik schnell. Diese Tradition endete erst 1970.
Auch die Zivilbevölkerung kam ab dem 17. Jahrhundert auf den Geschmack, insbesondere in England und Nordamerika. Aufgrund der ausbeuterischen Produktionsbedingungen war der Rum günstig herzustellen und verbreitete sich schnell. Diese Art von Rum hatte allerdings wenig mit dem Getränk zu tun, dass wir heute unter diesem Namen kennen: Er war nicht gereift, extrem hochprozentig und im Geschmack scharf. Er blieb daher ein Getränk der einfachen Leute. Erst mit der Umstellung des Brennverfahrens von Pot Stills auf Column Stills Mitte des 19. Jahrhundert änderte sich dies. Pionier dieser Herstellungsmethode war Facundo Bacardí i Massó, der Gründer von Bacardi, heute der weltweit grösste Spirituosenhersteller in Privatbesitz. Der Rum wurde leichter, milder und qualitativ hochwertiger. Allerdings verlor er auch an Aromen und Komplexität. Heute verwendet man diese Art von Rum daher eher als Grundlage für Cocktails.
Ab dem 19. Jahrhundert wurde Zucker in Europa zunehmend aus Zuckerrüben hergestellt. Der Bedarf nach Zucker aus der Karibik sank. Die französischen Kolonien verloren ihren Hauptabsatzmarkt und stellten ihre Rumproduktion daraufhin um. Statt wie bisher Rum aus Melasse herzustellen, destillierten sie ihn von nun an direkt aus Zuckerrohrsaft, die Geburtsstunde des Rhum Agricole.