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229 Menschen verloren ihr Leben, als die Swissair-MD 11 Vaud unter der Flugnummer SR 111 auf dem Weg von New York-JFK nach Genf-Cointrin bei Peggy’s Cove in den Atlantischen Ozean stürzte. Nach langwierigen Untersuchungsarbeiten wurde die Unglücksursache auf einen technischen Grund zurückgeführt. Doch jetzt kommen neue Theorien ans Tageslicht. War etwa eine Bombe schuld am Unglück von Swissair 111?
Die Swissair hielt es für einen Witz
Am Morgen des 2. September 1998 klingelte in der Swissair-Leitstelle in Kloten das Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist eine Journalistin des Toronto Star, welche eine Bestätigung wollte, dass an der kanadischen Atlantikküste bei Peggy’s Cove nahe Halifax ein Swissair-Flugzeug abgestürzt sei. Der diensthabende Arbeiter in Zürich glaubte an einen Scherz. Schliesslich stand die Swissair als Symbol für Sicherheit und guten Service. Pannen oder gar Abstürze waren Mangelware – der bisher schlimmste, 1970 in Würenlingen/AG, war auf ein Bombenanschlag zurückzuführen. Eine knappe Stunde und Telefonate mit der kanadischen Flugsicherung später war die traurige Gewissheit da: Flug SR 111, auf dem Weg vom New Yorker John F. Kennedy-Flughafen nach Genf-Cointrin, war vom Radar verschwunden, ehe um 02:30 UTC die ersten Rettungskräfte im neuschottischen Peggy’s Cove auftauchte, sie fanden nur noch Wrack- und Leichenteile vor. Zwei Stunden später waren alle Medien in der Schweiz informiert. Die 1991 erbaute MD-11, getauft auf den Namen Vaud, war beim Absturz zerschellt. Gerade mal eines der 229 Todesopfer konnte per Gesichtszüge identifziert werden, 147 weitere mit Finger- und Zahnabdrücken. Für die restlichen 81 waren DNA-Analysen notwendig. Unter den Toten befanden sich zahlreiche Delegierte der Vereinten Nationen, der Flug war und ist auch noch heute – unter den Fittichen der Swiss – als UN-Shuttle bekannt, da er die beiden wichtigsten UNO-Standorte miteinander verbindet und daher bei etlichen Diplomaten grosse Beliebtheit geniesst. Der ehemalige Schweizer Tenniscrack Marc Rosset hatte eigentlich nach seinem Ausscheiden in der ersten Runde des US-Open ein Ticket für den Todesflug bestellt, änderte jedoch kurzfristig seine Pläne und verschob die Abreise um einen Tag. Seine Eltern, die von seiner Planänderung nichts wussten, befürchteten zunächst das Ableben ihres Sohnes. Insgesamt 132 US-Amerikaner und 41 Schweizer verloren ihr Leben, dazu 30 Franzosen; der Rest stammte unter anderem aus Deutschland, den Niederlanden, Grossbritannien, Spanien und dem heutigen Ex-Jugoslawien.
Die Untersuchungen, basierend auf den von der Blackbox aufgezeichneten Funksprüchen der Piloten (die jedoch sechs Minuten vor dem Absturz endeten), dauerten vier Jahre und verschlangen 39 Millionen Dollar. Kurz nach dem Unfall war klar, dass im Cockpit Rauchentwicklung vorzutreffen war. Captain Urs Zimmermann hatte kurz vor dem Absturz, um genau 01:14:15 UTC, einen Pan-Pan-Notruf gesendet und hatte um eine Notlandung auf dem Flughafen Halifax gebeten, was ihm erlaubt wurde. Wegen der grossen Höhe, auf der sich SR 111 befand, musste die Maschine eine Schlaufe fliegen, während dieser stürzte sie dann ins Meer. Die Untersuchungen ergaben, dass der Rauch durch ein Kabel des In-Flight-Entertainment Centers, das in der First und der Business Class vorzufinden war, ausgelöst wurde. Durch den Bruch der Kabelisolation kam es zu einem Kurzschluss, das nicht feuerfeste Isolationsmaterial, bestehend aus PET-Folien, fing Feuer. Jedoch konnte sich das Feuer zunächst unbemerkt ausbreiten und zerstörte auch wichtige Zuleitungen zum Cockpit. Zudem wurden durch das Feuer die Verbindung zur Blackbox gekappt, was das Fehlen der letzten sechs Minuten erklärt.
Aufzeichnung des Funkspruchs von Swissair 111
Swissair, Delta – die als Codesharing-Partnerin am Flug beteiligt war – und die McDonnell-Douglas-Mutter Boeing schlugen Unterstützungszahlungen an die Angehörigen der Opfer zu. Jedoch wurde dieses Vorhaben zugunsten einer 19,8-Millarden-Dollar-Klage gegen Swissair und DuPont, dem Hersteller der PET-Folien in den MD-11, von den Angehörigen abgelehnt. Die Klage wiederum wurde 2002 von einem US-Gericht abgewiesen. Seit dem Absturz darf kein entzündliches Isolationsmaterial mehr in Flugzeuge eingebaut werden.
10vor10 vom 3. September 1998
Neue Theorien
Schon zur Absturzzeit rankten sich zahlreiche Theorien, die bis heute nicht abgeklungen sein. So sollte der Absturz Teil eines Mörderkomplotts gegen den damaligen US-Vizepräsidenten und späteren Präsidentschaftskandidaten Al Gore gewesen sein. Am 21. August 2011 veröffentlichte die Schweizer Zeitung Sonntag, die Sonntagsausgabe der Aargauer Zeitung, den Bericht, dass eine Bombe zum Absturz geführt haben kann. Der SF-Dokumentarfilmer Fritz Muri, der unter anderem zwei Filme zur Reihe Als die Schweiz den Atem anhielt beigesteuert hatte, befindet sich zu Dreharbeiten zum Swissair-Absturz in Kanada, wo er mit Ex-Ermittlern ins Gespräch kam, welche der Auffassung sind, dass ein Brandsatz für den Rauch im Cockpit verantwortlich war. Muri äussert sich nicht, dafür Ex-Swissair-Sprecherin Beatrice Tschanz, welche erschüttert sei, dass man nicht die ganze Wahrheit kenne. Der mögliche Hintergrund ist nicht weniger brisant:
Hintergrund des möglichen Anschlags soll ein Diamantenraub sein, der mit dem Absturz vertuscht werden sollte. An Mord von SR 111 befanden sich neben Picassos Le Peintre auch zwei Kilogramm Diamanten sowie knapp 50 Kilogramm Banknoten an Bord. Der Wert der Diamanten und der Banknoten wurden nie offiziell bekanntgegeben, der Picasso wurde auf etwa 1,5 Millionen US-Dollar geschätzt, der Wert der verschwundenen Diamanten auf eine halbe Milliarde. Geborgen wurden diese Kulturgüter nicht, da die Angehörigen der Opfer sich gegen eine Suchaktion gewehrt hatten. Grund für diese wertvolle Fracht, ist die Tatsache, dass SR 111 auch die Transportfunktion für Vermögenswerte zwischen New York und Genf innehatte, so sollte sich auch Gold im Frachtraum des Flugzeugs befunden haben. Besitzer, Sender und Empfänger der Werte wurden von Swissair nicht bekannt gegeben. Die Ex-Ermittler, die für kanadische Flugunfalluntersuchungsbehörde TSB arbeiteten, sprachen von Magnesium-Spuren im Cockpit.
Kann das stimmen?
Es stellt sich die Frage, ob die Theorie stimmen könne. Dass TSB-Leute dies bekräftigen, scheint glaubhaft zu sein, doch wieso sagen sie das erst jetzt? Das Schweizer Fernsehen hat bereits am 27. März 2003 einen Dokumentarfilm mit dem Titel Feuer an Bord gesendet und auch von US-amerikanischer und kanadischer Seite existieren solche Streifen, bei denen diverse Zeitzeugen zu Wort kommen. Doch niemand sprach von einer Bombe. Und doch soll das die TSB gewusst haben. Offizielle Dokumente, die für ein Bombenattentat beziehunsgweise Brandsatz sprechen, existieren auch nicht.
Aber auszuschliessen ist nichts.Wenn tatsächlich was dran ist, dann gibt’s ein Erdbeben. Das eine solche Wahrheit 13 Jahre lang verborgen blieb, wäre eine Schande für solch angeblich vorbildlichen und so wichtigen Rechtsstaate wie die USA, Kanada oder die Schweiz. Der Nachteil ist: Die USA sieht sowieso in allem eine Verschwörung, es ist also ein Wunder, dass die Anschlagstheorie nicht schon früher aufgetaucht ist. So frei nach dem Schema: Wieso klaut Gott uns 132 Leute, die unschuldig sind. Da ist doch sicher Al Kaida oder sonst wer dahinter…
Feuer an Bord: Die Tragödie von Swissair-Flug 111 (SF DOK vom 27.03.2011) Dokumentarfilm von Kurt Schaad und Howard Green (Dauer: ca. 100 min)
Siehe auch
Links
(englischsprachig)