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Schweiz gegen Saarland 14:14 (7:9)
2000 Zuschauer auf dem neuen Stadion Gitterli, Vorzügliche Haltung der Saarländer
Um es gleich vorwegzunehmen: das erste Handball-Länderspiel in Liestal war ein schöner Erfolg. Die rund 2000 Zuschauer, die besonders in der zweiten Halbzeit begeistert mitgingen, kamen auf ihre Rechnung. Man sah ein kämpferisches, fast allzu kämpferisches Spiel, das Wetter war für ein Handballspiel ideal, und die Organisation des Turnverein Liestal klappte ausgezeichnet.
Vor dem Spiel
Die Saarländer kamen am Samstag infolge einer Panne ihres Autocars mit einiger Verspätung an und bezogen dann gleich ihr Quartier im Hotel Bahnhof. Die Schweizer logierten im Bas Schauenburg. Am frühen Sonntagmorgen absolvierten beide Mannschaften ein leichtes Training, worauf im Rathaus ein Empfang durch Herrn Stadtpräsident P. Brodbeck stattfand.
Bei der Presseorientierung ergriffen nach einer Begrüssung durch Pressechef Max Schäfer die Handballchefs beider Länder das Wort. Albert Wagner, Präsident des Schweizerischen Handballausschusses, erklärte, dass die diesjährige Länderspielsaison auf die Weltmeisterschaften 1955, die in Deutschland durchgeführt werden, ausgerichtet sein. Man erinnert sich, dass die Schweiz in dieser Saison von Österreich knapp besiegt wurde, dafür aber Schweden zu schlagen vermochte. Im kommenden Winter sollen einige Hallen-Länderspiele stattfinden. – Für das Spiel gegen die Saar sei eine schlagkräftige Mannschaft selektioniert worden, obwohl einige Standardspieler (z.B. Torhüter Burger) verletzt seien oder aus anderen >Gründen nicht zur Verfügung stünden.
Das Vorspiel,
welches von den Kantonalmannschaften Basel-Stadt und Basel-Land bestritten wurde, endete mit einem gerechten 10:10(6:8).
Der Spielverlauf
Nach dem Abspielen der beiden Nationalhymnen und dem Austausch der üblichen Geschenke zwischen den beiden Captains (der schweizerische Captain Klöti absolvierte sein 25. Länderspiel) stellten sich folgende Mannschaften auf:
Saarland: Hennrich; Quirin, Wilhelm; Weiland, Holzmann, Gergen; Rohe, Hess, Bernard, Bohlander, Vogt.
Die Schweiz: Masiero; Dubs II, Hartmann; Strohmeier, Sieber, Süssli; Klöti, Brianza, Bertschinger, Walter, Buschor.
Schiedsrichter: Schweizer (Deutschland).
Die Gäste haben Platzwahl, die Schweizer Anstoss. Der erste Angriff der Rotweissen führt indessen zu nichts. Auch der Gegenstoss der Saarländer endet in den Händen unserer Verteidigung. Im nächsten Angriff kommt die Schweiz zu einem Freistoss; Bertschinger passt zu Walter, der mit einem haltbar scheinenden Wurf Hennrich bezwingen kann. Noch in der gleichen Minute heisst es 1:1 durch einen Scharfen Schuss des Saarländers Rohe. In der Folge haben Masiero und dann auch Hennrich Gelegenheit, sich auszuzeichnen. In der 4. Spielminute führt die Saar 2:1 durch ein Toor von Vogt. In der 7. Minute gleicht Brianza auf Zuspiel Bertschingers aus. Bald darauf kommt Buschor freistehend zum Schuss und verbessert das Resultat auf 3:2. Der ausgezeichnete Rohe vermag aber durch einen Weitschuss das Unentschieden wieder herzustellen. Nach diesem Spielgeschehen merken die Saarländer, dass die rotweisse Verteidigung nicht ganz orientiert ist, und sie beginnen nun, vermehrt mit 6 und 7 Spielern anzugreifen. Aus ihren Schüssen resultieren zunächst nur Latten- und Pfostenschüsse, doch in der 13. Minute erhört Hess das Skore auf 3:4. In der 15. Minute verwandelt Bernard einen Penalty zum 3:5. Die recht hart spielende saarländische Verteidigung verschuldet zahlreiche Freistösse. Die Exekution derselben übernimmt in der Regel Klöti. Seine Würfe sind immer gefährlich. Durch Freistoss von Klöti verbessert die Schweiz auf 4:5. Bernard sorgt indessen durch feinen Abschluss eines Sololaufes dafür, dass die Differenz wieder hergestellt wird. In der 18.Minute kommt auch die Schweiz zu einem Penalty, den Bertschinger sicher zum 5:6 einschiesst. Gleich darauf knallt Klöti einen Freistoss an die Latte, worauf Rohe im Gegenzug das 5:7 erzielt. In der 22. Minute erweist sich Klöti als zuverlässigen Penaltyschütze. Wiederum kann aber ein Saarländer Masiero, der nicht seinen besten Tag hat, bezwingen und die Differenz von 2 Toren herstellen. Dann kommt Bertschinger aus einem Gedränge heraus und rückwärts zum Tor stehend, zu einem schönen Erfolg. Aber das 7:8 besteht nicht lange, da Hess in der 27. Minute einen Freistoss zum 7:9-Pausenresultat verwertet.
Bei Halbzeit
Notieren wir, dass das Spiel bisher durchaus offen war. Die schweizerische Deckung ist oft nicht im Bild und lässt die gegnerischen Stürmer zu leicht zum Schuss kommen. Auf der Gegenseite hat die harte Verteidigung manchen schönen Vorstoss der Schweizer durch Foul unterbunden. Beidseits hatten die Stürmer Pech mit zahlreichen Schüssen an das Holz.
Die zweite Hälfte beginnt vielversprechend mit einem schönen Angriff der Schweizer, die den Anstoss der Saarländer aufgefangen hatten. Klöti krönt diesen Angriff mit einem Prachtstor. Hess und Rohe vermögen indessen auf 8:11 zu erhöhen. In der 38. Minute erzielt Buschor das 9:11 Tor. Bald darauf kommen die Schweizer wiederum schön vor das gegnerische Tor, doch wird Brianza, der zum Torschuss ansetzt, gelegt. Den vom korrekten Schiedsrichter zugestandenen Penalty schiesst Bertschinger diesmal knapp daneben. In der 40. Und 41. Minute gelingen Klöti zwei prächtige Freistosswürfe, so dass nunmehr 11:11 ausgeglichen ist. Nun feiern die Zuschauer die Schweizer an, denn der Sieg, an den niemand mehr recht geglaubt hatte, ist wieder in die Nähe gerückt. Die Schweizer finden sich auch tatsächlich besser, und Masiero zeigt durch einige schöne Paraden, dass er besser ist, als man in der ersten Halbzeit annehmen musste. Die Saarländer reissen indessen die Führung doch wieder an sich, da ihnen ein Penalty zugesprochen wird, den Bohlander mit einem «Aufsetzer» zum 11:12 einschiesst. Das Spielgeschehen ist nun – dem effektiven Resultat entsprechend – ausgeglichen. Beide Torhüter werden stark beschäftigt. Klöti verschiesst freistehend, und auf der anderen Seite ist ein weiterer Pfostenschuss zu verzeichnen. In der 47. Minute bringt Brianza auf Zuspiel von Bertschinger die Rotweissen wieder in Führung. Nach einem Pfostenschuss von Klöti notieren wir in der 50. Minute das 14:12 durch den gleichen Spieler. Man glaubt schon an einen Sieg der in der zweiten Halbzeit schon aufgekommenen Schweizer, als in der 53. Und 57. Minute Rohe das 14:14 herstellt. Klöti verschiesst noch einen Freistoss, dann ist das Spiel zu Ende.
Kommentar
Nach der Anzahl der herausgearbeiteten Chancen hätten die Schweizer das Spiel gewinnen müssen. Sie fanden sich aber mit der entschlossen eingreifenden gegnerischen Verteidigung nicht zurecht. Hätte Klöti nicht mehrere Freistoss-Tore verwandelt, dann wäre es den Saarländern auf diese Art und Weise gar gelungen, zum ersten Mal die Eidgenossen zu besiegen. Falls unsere Nationalmannschaft an den Weltmeisterschaften des nächsten Jahres den im Jahre 1952 eroberten 3. Platz erfolgreich verteidigen will, dann muss die Abwehr ganz erheblich verstärkt werden.
Am Abend
Fanden sich die Spieler, Offiziellen und Ehrengäste zu einem vom Turnverein Liestal offerierten Essen im Hotel Engel ein. Der Präsident des Organisationskomitees, Herr E. Mangold, benützte die Gelegenheit, um die Vertreter der Behörden und Sportverbände, sowie die Ehrengäste und die Spieler willkommen zu heissen. Der Redner würdigte nicht nur das Spiel des Nachmittags, sondern auch die politische Bedeutung des 24. Oktober 1954 für die beiden Länder. Unter Beifall wünschte er der saarländischen Bevölkerung Glück und Wohlergehen für die Zukunft. Die Präsidenten der beiden Handball-Verbände, Herr Rupp für Saarland und Herr Wagner für die Schweiz, feierten die gute Freundschaft zwischen den beiden Verbänden und gelobten, den Länderspielverkehr weiterhin aufrecht zu erhalten. Die Spieler und Offiziellen wurden mit Erinnerungsgeschenken bedacht. Schliesslich richtete im Auftrag der basellandschaftlichen Regierung und des ETV Herr Keller (Pratteln) Worte der Freundschaft und des Dankes an die Versammelten.