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Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Der "Verein Leserkampf" wurde am 6. Juni 1974 mit dem Ziel ins Leben gerufen, Medien zu fördern, die sozialistische Ideen vertraten. Der Vorgänger dieses Vereins, das "Komitee Leserkampf pro AZ", war am 2. September 1973 gegründet worden, um das drohende Ende der zürcherischen Arbeiterzeitung (AZ, ehemals "Volksrecht") abzuwenden. Nachdem dies nicht gelungen war, hatte dieses Ende November 1973 seine Unterstützungsaktionen eingestellt und sich am 15. Februar aufgelöst.
Die "Gruppe Leserkampf", die sich nach der Auflösung des Komitees gebildet hatte, wollte anstelle der spontanen Aktionen, die die Tätigkeit des Komitees geprägt hatten, langfristige Engagements aufbauen. So konzentrierte man sich auf drei Aktionspunkte: 1. Spontane Analysen zu wichtigen Themen, z. B. Reaktionen auf Zeitungsbeiträge, 2. Abklärungen für den Aufbau und Betrieb einer Telefonzeitung und 3. Einrichtung einer Lesestube, in der die wichtigsten sozialistischen und bürgerlichen Zeitschriften/Zeitungen auflagen.
Während die Lesestube und ein Schaufenster mit Texten zu aktuellen Themen bereits 1974 an der Köchlistrasse 3 in Zürich eingerichtet wurden, nahm die "Telefonziitig" erst am 21. März 1975 (Frühlingsanfang) den Betrieb auf. Wer ab dann die Nummer 39 11 12 wählte, gelangte auf einen Anrufbeantworter, der in einer 3-Minuten-Sequenz die wichtigsten Nachrichten des Tages aus einem links-sozialistischen Blickwinkel kommentierte und über stattfindende Veranstaltungen informierte. Veranstaltung organisierte der Verein auch selber, um auf das eigene Schaffen aufmerksam zu machen, am 8. November beispielsweise fand im Volkshaus Zürich das Telefonziitig-Fest statt. Die Einzigartigkeit dieses Nachrichtenmediums führte zu medialer Aufmerksamkeit, so etwa berichtete SRF in der "Blickpunkt Region"-Sendung vom 14.04.1975 über die Telefonziitig. Das Konzept funktionierte offenbar: So ist im Weinländer Tagblatt vom 28. März 1977 zu lesen, dass bereits im ersten Jahr 74'000 Anrufe registriert worden waren und dass deshalb relativ bald fünf Telefonlinien in Betrieb waren.
Trotz des Erfolge steckte die Telefonziitig immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten, die man unter anderem über die Erhöhung der Mitgliederbeiträge löste. Ab 1983 verschlechterte sich die Situation aber zunehmend; nicht nur die finanziellen, sondern auch personellen Ressourcen wurden immer knapper. Im Juni 1984 sah man sich nach mehreren erfolglos gebliebenen Aufrufen schliesslich dazu gezwungen, die Anschlüsse bei der PTT zu kündigen und auf den 1. August hin die letzte Sendung zu produzieren.
Der Bestand gelangte über Reto Padrutt (*1946), Mitglied des Vereins Leserkampf und der Genossenschaft Voxpop (linker Tonverlag), ins Sozialarchiv. Der Journalist arbeitete nach dem Studium zuerst für die Sendung "Karussell" des Schweizer Fernsehens und danach u. a. für die "Rundschau", "10vor10" und "NZZ Format".
Die Gründung der Voxpop, von der ebenfalls Material im Bestand vorhanden ist, war verknüpft mit dem (unter anderem von der Telefonziitig organisierten) Alternativ-Fest, welches am 31. Juli/1. August 1976 auf der Festwiese Albisgüetli stattgefunden hatte und bei dem erstmals eine unabhängig produzierte Kassette verkauft worden war. Die Voxpop hatte in etwa die gleiche Lebensdauer wie die Telefonzitig: Sie wurde Ende August/Anfang September 1985 aufgelöst.