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Für Heinrich Pestalozzi muss zuerst ein Fundament mit dem Fördern einer «sittlichen Gemütsstimmung» gelegt werden. Er spricht damit primäre Bedürfnisse an, wie Liebe, Vertrauen und Glauben. Darauf aufbauend soll das Tun des Guten eingeübt und bei den Kindern zur Gewohnheit werden. Erst in einem dritten Schritt soll das Leben reflektiert und mit rationalen Begriffen entwickelt werden. Es war also sein Bestreben, das Verhalten der Kinder nicht in rationalen Einsichten zu verwurzeln, sondern die Erziehung aus einer Verbindung von Fühlen (Herz), Handeln (Hand) und Denken (Kopf) entstehen zu lassen.
Soll die Schule nur die vermeintlich schulischen Kompetenzen vermitteln?
Nun mag man einbringen, dass Erziehung heute in primärer Verantwortung der Eltern liegen und die Schule sich auf das Vermitteln von vermeintlich schulischen Kompetenzen fokussieren sollte.
In Sachen Kompetenzen orientiert sich der Lehrplan 21 unter anderem an den Ausführungen des deutschen Psychologen Franz E. Weinert. Laut ihm umfassen Kompetenzen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen, aber auch Bereitschaften, Haltungen und Einstellungen. Unter Einstellungen versteht er Tugenden wie respektvolles Verhalten, kritisches Reflektieren von Argumenten und Meinungen sowie Respekt gegenüber Mensch und Natur. Dazu gehören auch Aspekte des selbstverantwortlichen Lernens, der Kooperation, der Motivation und der Leistungsbereitschaft.
In unsern Volksschulgesetzen ist im Bildungsauftrag aber oft noch deutlich ausgeführt, dass die Schule einen Erziehungsauftrag inne habe und sie die Eltern in ihrer Pflicht zur Erziehung unterstützen solle. Und das ist mehr als nur das Vermitteln von Kompetenzen.
Eine Schule ohne Gott?
Tatsächlich gibt es heute viele, die von einer neutralen Schule sprechen möchten. Gott oder das Göttliche soll keinen Platz mehr im Herz der Kinder haben. Zwischenmenschliche Fragen und Emotionen werden aber selbstverständlich thematisiert. Die Schüler und Schülerinnen sollen lernen, diskriminierungsfrei über Diversitäten in der Sexualität zu reden. Sie sollen einen toleranten und respektvollen Umgang miteinander pflegen.
Mir kommt es manchmal so vor, als dürfte ich nicht mehr davon erzählen, dass mich gerade in diesen Fragen der Glaube an Christus leitet, inspiriert und befähigt. Ist es denkbar, dass ich einer Schulleiterin sage, dass ich während der Arbeitszeit für meine Aufgabe und die Klasse bete? Ist das noch professionell? Ich habe viele Gründe, warum das äusserst professionell ist.
Es macht mich betroffen, dass wir den Schülern und Schülerinnen Honig ums Maul streichen, aber nicht sagen, woher wir diesen haben und woraus er besteht. Man darf sich über den Honig freuen, ihn geniessen, aber nicht davon erzählen, wessen Werk er ist.
Die Etikette nicht verschweigen
Ist das nicht ein klassischer Etikettenschwindel? Und dabei geht es nicht nur um die christliche Etikette, die vermeintlich rot aufleuchtet, wenn sie angesprochen wird. Es geht darum, dass gemäss meiner Einschätzung vielen pädagogisch Tätigen gar nicht mehr bewusst ist, woher dieser Honig kommt, den sie den Kindern ums Maul streichen. Sie haben keine klaren, ausformulierten Überzeugungen mehr. Ihre Gesinnung wirkt zufällig zusammengefügt, wie eine Kette von einzelnen vermeintlichen Perlen. Jeder und jede darf und kann sich die Welt scheinbar selber erschliessen. Dass diese Haltung ausgerechnet von Pädagogen und Pädagoginnen vertreten wird, die doch eine Leidenschaft für das lebenslange Lernen haben sollten, betrübt mich.
Ich kann schwer damit leben, dass heute unter Neutralität in der Bildung das etikettenlose Verkaufen von Weltanschauungen verstanden wird. Wie kann ich da mein verbürgtes Recht als Vater wahrnehmen, der sein Kind in diesen Fragen leiten möchte?
Ich wünsche mir eine Schule, in der am Elternabend die Lehrperson ihre Weltanschauung und ihre Motivation darlegt. Sie muss nicht der meinen entsprechen, aber sie darf und soll transparent gemacht werden.
Ich wünsche mir eine Schule, in der das Herz am Anfang steht und nicht der Kopf. Und darum sollen die grossen Geschichten der Menschheit in den Schulstuben weiterhin erzählt werden. Dazu gehören auch die grossartigen Erzählungen aus der Bibel. Auch diese sollen eindeutig etikettiert werden.
Ich wünsche mir eine Schule, in der sich die Lehrpersonen in erster Linie fragen, was dem Kind und seinem Lernen mit Herz, Hand und Kopf dient. Und erst in zweiter Linie darüber diskutieren, wie weit sie beim Unterrichten ihre Religionsfreiheit ausleben dürfen oder nicht, ganz unabhängig davon, welchem Glauben sie folgen.
Es steht im Lehrplan
Was wir als Lehrpersonen anstreben sollten, wird im Lehrplan in den Bedeutungen und Zielsetzungen des Fachbereichs Natur-Mensch-Gesellschaft (NMG) wunderbar ausformuliert: Es soll ermöglicht werden, dass wir in der Schule religiösen Traditionen und Vorstellungen begegnen und lernen, mit der weltanschaulichen Vielfalt und unserm kulturellen Erbe respektvoll und selbstbewusst umzugehen. Dies trägt zur Toleranz und Anerkennung von religiösen und säkularen Lebensweisen und damit zur Glaubens- und Gewissensfreiheit in einer demokratischen Gesellschaft bei.
Und genau hier haben Christen einen wichtigen Beitrag im Bereich der Bildung. Sie sollen mithelfen, dass unsere zukünftige Generation in dieser Kompetenz wachsen kann. Wir sind gefragt, sei es als Pädagogen und Pädagoginnen, als Schulleitungspersonen oder als Eltern.