Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03336.jsonl.gz/934

J. Hochweber:
AV 6119, Apollo-Verlag,
Mainz (D)
Inhalt / Content:

Examples:
Valse Romantique (mp3)
Wunderwalzer (mp3)
Vals Flamenco (mp3)
Ende des 18. Jhs. wurde, böswilligerweise unter Mozarts Namen, eine Schrift verbreitet mit dem Titel: «Anleitung, Walzer oder Schleyfer mit zwey Würfeln zu componiren, soviel man will, ohne etwas von der Musik oder Composition zu verstehen.» Und um 1797 schrieb ein gewisser Salomo Wolf ein Pamphlet: «Beweis, daß das Walzen eine Hauptquelle der Schwäche des Körpers und des Geistes unserer Generation sey.»
Beide Schriften belegen einerseits die hohe Popularität, aber auch das niedere soziale Ansehen des Walzers in seiner Anfangszeit. Als in der Romantik auch Meister wie Schubert, Brahms oder Chopin Walzer komponierten, wuchs zwar sein Prestige, ohne aber den Anstrich des Bäurischen, Derben, ja Anrüchigen ganz zu verlieren. Es erstaunt daher nicht, daß der Walzer als Tanz in gewissen Gebieten, zum Beispiel am Preußischen Hof, verboten wurde, was aber seine Verbreitung wohl eher förderte als behinderte.
Seine pompöse künstlerische Entfaltung und breite gesellschaftliche Anerkennung erreichte der Walzer in Wien unter Johann Strauß (Sohn), dem sogenannten Walzerkönig. Der Wiener Walzer mit seiner typischen Vorwegnahme des zweiten Schlages gilt für viele als der Walzer schlechthin. Im 20. Jh. gerät der Walzer etwas in Vergessenheit, da in den neueren Tänzen der gerade Takt stark bevorzugt wird. Vielleicht müßte man den Walzer erneut verbieten . . . .
Welche Rolle spielt der Walzer in der Gitarrenmusik? Zur Zeit des großen Walzer-Aufschwungs befand sich die Gitarre in einer Epoche des Niedergangs. Es gibt zwar kleine Walzer von J. Meissonier und M. Carcassi, die aber noch nicht ganz arttypisch sind. Für die Romantik wäre etwa J. K. Mertz zu erwähnen, der einige Walzer und Mazurken schrieb. Im 20. Jh. kennen wir Antonio Lauro mit seinen berühmten und oft gespielten «Valses Venezolanos». Sie stellen aber an die GitarristInnen hohe Anforderungen und sind daher den meisten LaienspielerInnen nicht zugänglich.
Meine 7 Walzer, die übrigens nicht mit den oben erwähnten Würfeln geschrieben wurden, sollen auch den weniger geübten GitarristInnen die Walzer-Welt erschließen. Deshalb habe ich grundsätzlich alle Barrégriffe und Streckungen vermieden und mich weitgehend auf die erste Lage beschränkt.
Aus spieltechnischen Gründen liegt die Hauptstimme oft im Baß. Um diese mehr in den sanglich faßbaren Bereich zu verschieben, empfehle ich, mit dem Capodaster etwa auf dem 3. Bund zu spielen.
Und noch ein wichtiger allgemeiner Hinweis: Ich bin überzeugt, daß die 65cm-Gitarre auch für erwachsene Gitarristen und erst recht für Gitarristinnen meist zu groß ist. Nur eine kleiner mensurierte Gitarre mit weichen Saiten ermöglicht ein lockeres und elegantes Spiel ohne Kraftanstrengung, wie wir es von der Gitarre eigentlich erwarten.
Und dann kann es losgehen:
mm ta ta, mm ta ta . . .
Jürg Hochweber, 1994
home