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Jacques Rogge: «Es war nur ein Nein zu 2022»
Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, macht der Schweizer Sportbewegung Mut. Für ihn war das Nein zu «Graubünden 2022» keine grundsätzliche Absage an hiesige Grossprojekte.
Chur. – «Die Schweiz kann etwas ganz Grosses wie Olympische Spiele der neuen Zeit durchführen», sagt Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), im Interview.
Herr Rogge, wie beurteilen Sie das Resultat der negativ ausgefallenen Olympia-Abstimmung in Graubünden vom letzten Wochenende? Jacques Rogge: Ich hätte mir natürlich einen anderen Ausgang gewünscht. Aber man muss die Souveränität des Volkes respektieren. Die Schweiz ist ein sehr demokratisches Land. Wir müssen uns fügen.
Welches waren Ihrer Meinung nach die Gründe für die Ablehnung? Es ist schwer zu sagen. Ich bin kein Politologe. Aber ich glaube, dass das Unbekannte rund um die Olympischen Spiele der ausschlaggebende Faktor gewesen sein könnte. Jene, die Nein stimmten, hatten vielleicht Angst davor, was alles auf sie zukommen würde. Es war in meinen Augen ganz bestimmt kein grundsätzlicher Entscheid gegen den Sport.
Glauben Sie, dass sich die Schweiz damit auf lange Sicht ein Nein zu allen Projekten und Anstrengungen in Bezug auf Olympische Spiele auferlegt hat? Nein, sicher nicht. Es ist ein Nein zu den Olympischen Winterspielen 2022 im Kanton Graubünden, mehr nicht. Man muss es darauf reduzieren. Wenn es in der Schweiz einen Vorstoss für spätere Spiele in einem anderen Kanton gibt, wird das Ganze, auch mit der dazugehörenden Problematik, neu aufzurollen sein, das ist klar. Aber sicher ist es kein abschliessendes Nein.
Die Schweizer fragen sich manchmal auch, ob ihr Land überhaupt in der Lage wäre, etwas ganz Grosses wie Olympische Spiele der neuen Zeit durchzuführen. Die Schweiz kann dies. Sie hat ja auch bereits bewiesen, dass sie sehr grosse Veranstaltungen ausgezeichnet organisieren kann. Ich denke da an die Fussball-Europameisterschaft 2008. Das war ja ein wirklich grosser Erfolg. Wird die Schweiz mit einer Veranstaltung dieser Grössenordnung einen neuen Anlauf unternehmen? Ich weiss es nicht. In der nächsten Zeit ist es nicht wahrscheinlich, auf lange Sicht allerdings schon.
Glauben Sie, dass ein einfacheres, weniger pompöses Olympia-Projekt, wie es Graubünden 2022 hätte werden sollen und wie es vielleicht Lillehammer 1994 war, bei der Wahl vor der IOC-Versammlung reelle Chancen hätte? Ja, wir haben ja bereits bewiesen, dass wir mit einer kompakten, nicht zu gross angelegten Kandidatur absolut glücklich sind. So ist es mit den Winterspielen 2018, die wir an Pyeongchang vergeben haben. Es ist eine Kandidatur, die man mit jener von Lillehammer durchaus vergleichen kann. Wenn Sie Pyeongchang mit der Kandidatur München vergleichen: München wäre ungleich grösser. (si)