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Kriegsherr, Vogt und Minnesänger: Werner von Homberg
- Montag, 7. Oktober 2013, 10:43 Uhr
Werner von Homberg ist als Erbe der Herrschaft Rapperswil geboren. Er wird zum Reichsvogt der Waltstätte, ist Kriegsherr – und Minnesänger.
Um das Erbe betrogen - zum Landvogt ernannt
Homberg ist wohl 1283 geboren. Seine Mutter, Gräfin Elisabeth von Rapperswil, war durch das Verschwinden Ihres Bruders zur Erbin der gesamten Grafschaft geworden. Auf Betreiben von König Rudolf I. von Habsburg hin, wurde sie mit Ludwig von Homberg verheiratet. Als Werner von Homberg sechs Jahre alt ist, stirbt sein Vater im habsburgischen Kriegsdienst vor Bern. Seine Mutter heiratet darauf den Grafen Rudolf von Habsburg-Laufenburg und bringt einen zweiten Sohn zur Welt, Johannes von Rapperswil-Habsburg.
Der wesentlich ältere Werner kann sich als rechtmässiger Erbe der Grafschaft Rapperswil nicht behaupten. Stattdessen zieht der mittlerweile 21-Jährige in den Krieg: von 1304 bis 1306 leistet er Kriegsdienst im Deutschen Orden in Litauen und Preussen. Aus dieser Zeit sind acht Minnelieder Hombergs überliefert.
Die grosse Stunde Werner von Hombergs schlägt 1308, als die Kurfürsten des römisch-deutschen Reiches Heinrich VII. von Luxemburg zum König machen: Dieser setzt Homberg als Reichslandvogt in der Innerschweiz über die Waldstätte ein.
Ernennung mit Verpflichtung
Gemäss Historiker Roger Sablonier verfolgt König Heinrich von Luxemburg mit dieser Ernennung vor allem ein Ziel: Er will die Leute aus Schwyz, welche sich schon früher als Söldner in königlichem Dienst bewährt hatten, für seine Expansionspläne in Italien gewinnen. Homberg, mittlerweile ein angesehener «Condottiere», ein professioneller Kriegsunternehmer, sollte ihn im Gegenzug zur Ernennung als Reichsvogt bei diesem Unterfangen unterstützen. 1310 zieht Homberg mit dem König und seinem adligen Gefolge Richtung Norditalien. Als Hauptheerführer der kaiserlichen Partei zieht er gegen zahlreiche und unterschiedliche Gegner in die Schlacht. Zwei Jahre später erreicht Heinrich VII. sein Ziel: Er wird zum Kaiser gekrönt. Kurz darauf stirbt er jedoch und Homberg kehrt in die Schweiz zurück.
Verheiratet mit der Frau des Stiefvaters
Offenbar hatte Homberg die Erbschaft in Rapperswil auch während seiner Kriegsunternehmungen in Italien nicht aufgegeben: Um die Ländereien von seinem jüngeren Stiefbruder zurückzubekommen, heiratet er nach dem Tod seines Stiefvaters dessen um einiges jüngere Witwe – jedoch erfolglos.
Initiant oder Profiteur von Morgarten?
«Was Werner von Homberg 1314 bis 1318 nach seiner Rückkehr alles unternahm ist nur punktuell fassbar», schreibt Sablonier. Historisch ist demnach nicht genau belegt, welche Rolle Homberg in Bezug auf die Schlacht am Morgarten gespielt hat. Der Historiker vermutet jedoch, dass der nach wie vor schwelende Erbkonflikt um das habsburgische Erbe in Rapperswil politisch hinter dem Zug des Herzog Leopolds nach Einsiedeln steht. Dieser soll mit dem Überfall der Schwyzer auf die Habsburger am Morgarten geendet haben. Werner von Homberg stirbt vermutlich 1320 im Winterkrieg auf einem weiteren Soldzug in Italien.
Quellen:
Roger Sablonier «Graf Werner von Homberg-Rapperswil: ein bewegtes Leben».
Volker Reinhardt 2010: «Die Geschichte der Schweiz von den Anfängen bis zur Gegenwart», C.H. Beck Verlag, München.
Historisches Lexikon der Schweiz «Werner von Homberg»
Roger Sablonier
Zu den Forschungsschwerpunkten des Zuger Historikers Roger Sablonier gehörten unter anderem die Entstehung der Eidgenossenschaft und deren politische Kultur. Sablonier widersprach den mythenbeladenen Überlieferungen zur Schweizer Geschichte um 1300. Er lehrte bis 2006 als Professor an der Universität Zürich und ist 2010 verstorben.