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Lou Reed: Schonungsloser und lakonischer Songwriter
- Montag, 28. Oktober 2013, 11:13 Uhr, aktualisiert um 13:36 Uhr
Sein emotionsloser Sprechgesang und das trockene Schrubben seiner Rhythmusgitarre waren seine Markenzeichen. Lou Reed prägte damit einen Archetypus der Rockmusik. Jetzt ist er am Sonntag im Alter von 71 Jahren gestorben.
«Nothing beats 2 guitars, drum and bass» heisst es lakonisch in den Liner notes zum 89er-Album «New York». Und genau das ist es: Für echten Rock’n’Roll braucht es nicht mehr als zwei Klampfen, Schlagzeug und Bass. Wer mit einer solchen Grundausstattung einen eigenen, sofort identifizierbaren Sound hinkriegt, der hat auf jeden Fall etwas zu sagen.
Einfluss weit über die Rockszene hinaus
Lou Reed – geboren am 2. März 1942 in New York als Lewis Allan Reed und gestorben am 27. Oktober 2013 in New York – war wohl einer der bedeutendsten Songschreiber der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Einfluss reicht weit über die Rockszene hinaus. Dies lässt sich schon an der Anzahl und Vielfalt der Hommagen messen, die Lou Reed nach Bekanntwerden seines Todes zuteilwurden.
Dichter, bildende Künstler und Musikerinnen und Musiker verschiedenster Richtungen erwiesen ihm die Reverenz, kurz nachdem der amerikanische «Rolling Stone» Lou Reeds Tod am Sonntagabend vermeldete. Auf Facebook und Twitter gab und gibt es zahllose Reaktionen (Reaktionen sammeln etwa der «Guardian» oder «Rolling Stone»).
Die dunkle Seite der Rockmusik
In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre prägte Lou Reed mit seinem Gitarristenkollegen John Cale in der Band The Velvet Underground die dunkle Seite der Rockmusik. Songs wie «I’m Waiting for the Man» oder «Heroin» handelten nicht von der romantischen Liebe, sondern vom Drogenelend.
Und mit Religion musste man Lou Reed, der aus einer jüdischen Familie stammte, auch nicht kommen. «My God is Rock’n’Roll» und «The most important part of my religion is to play guitar» sind Zitate, die in ihrer Prägnanz nicht zu überbieten sind. Und genauso lakonisch und schonungslos schrieb Reed seine Songs. Er trieb das Prinzip des «Reduce to the max» auf die Spitze – und vermochte seiner Poesie gerade darin auch immer noch die nötige Substanz zu verleihen.
Unbequem und sarkastisch
Nach seinem Ausstieg bei The Velvet Underground startete er eine höchst erfolgreiche Solo-Karriere, die vier Jahrzehnte dauerte. Am Anfang stand das 72er-Album «Transformer» mit dem Hit «Walk on the Wild Side». Er beschreibt die Szene von Transvestiten um Andy Warhol ungeschminkt in einem musikalischen Kleid, das sich als äusserst massentauglich erwies.
Der bisexuelle Drogensüchtige Reed hatte mit diesem Song einen Welt-Hit – seine Radikalität hat er damit allerdings nicht aufgegeben. Reed blieb stets unbequem, sarkastisch und gleichzeitig aber auch experimentierfreudig und kreativ.
2008 heiratete er die Performance-Künsterlin Laurie Anderson, die, wie er selbst, mit absolut reduzierter Instrumentierung ein Maximum an Ausdruck zu schaffen vermochte. Und er betätigte sich als bildender Künstler. Vor einem Jahr stellte er unter anderem in Basel sein photographisches Werk vor. Und da präsentierte er schonungslos genaue, aber auch poetische Ansichten von New York, der Stadt, die ihm stets den Stoff für seine Songs geliefert hatte.
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