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Rund 40% aller neuen Unternehmen in der Schweiz werden von Frauen gegründet, auch wenn diese es in der Arbeitswelt nicht leicht haben. Dies hat jüngst eine Studie ergeben.Dieser Inhalt wurde am 14. April 2008 - 20:01 publiziert
4,9% der Frauen und 7,6% der Männer in der Schweiz gründen ein eigenes Unternehmen. Dies hat eine Studie der Universität St. Gallen ergeben.
Laut den Autoren ist dieser Frauenanteil verglichen mit anderen Ländern überdurchschnittlich hoch. Dies sei ein "Paradox", wenn man die "sehr schlechten Bedingungen" für Frauen in der Arbeitswelt kenne.
Doch nun würden die Bedingungen besser, bemerken die Autoren. Frauen würden öfter gefördert, weibliche Chefs besser akzeptiert und die Politik sei familienfreundlicher geworden, zum Beispiel bei Beiträgen an Krippenplätze.
Brigitte Baumann, eine Unternehmens-Expertin, die kürzlich in Zürich das Seminar Women@Venture für Unternehmerinnen organisiert hat, betont, für viele Frauen sei die Leitung einer Firma die flexiblere Option. Auch wenn sie harte Arbeit bedeute.
"Viele Frauen sehen es als Möglichkeit, eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu erreichen", sagte sie gegenüber swissinfo. Viele von ihnen würden ein Unternehmen Mitte 40 verlassen, um etwas zu tun, an das sie wirklich glaubten.
Baumann zählt sich selber dazu. Sie ist Chefin ihrer eigenen Firma Go Beyond, die für eine limitierte Zeit Risikokapital von Einzelpersonen an eine Firma vermittelt. Sie unterstützt vor allem Frauen.
Arbeit und Familie
Am Seminar sprach auch Ashoob Cook, die 1990 ein Programm für Kinderbetreuung, Erziehung und Ausbildung gründete. Das Geschäft hatte 18 Betriebe, als sie es letztes Jahr verkaufte.
Cook, die heute in Genf lebt und Unternehmensberaterin ist, erklärte, sie habe damals die Firma gegründet, weil sie für ihre kleinen Kinder auf der Suche nach Unternehmens-Kinderbetreuung war.
"Es war damals ein neuartiges Konzept und wurde entsprechend stigmatisiert. Auch war es nicht leicht, Geld aufzubringen, weil die Banken die Idee nie als Geschäftsmodell betrachteten", erklärt sie.
Cook, die selber Startup-Firmen finanziell unterstützen möchte, merkte, dass es hilfreich ist, wenn man selber ein familienfreundliches Unternehmen führt.
Maya Reinshagen, deren Startup-Unternehmen Mayoris eine Software entwickelt hat, die mehrsprachige, auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Newsletter entwerfen lässt, zählt den Grossverteiler Coop und das Telekommunikations-Unternehmen Sunrise zu ihren Kunden.
"Ein Jungunternehmen ist wie ein Kleinkind, das Sorge und Zeit braucht. Man kann nicht fünf Wochen Ferien pro Jahr nehmen und 40 Wochenstunden arbeiten und denken, das Unternehmen sei erfolgreich", sagt sie gegenüber swissinfo.
Egal ob Mann oder Frau
Reinshagen gehörte als einzige Frau zu den zehn Finalteilnehmerinnen der Serie "Start up – der Weg zur eigenen Firma" vom Schweizer Fersehen SF. Sie ist nicht überzeugt davon, dass Frauen anderen Herausforderungen gegenüberstehen als Männer.
"Es spielt keine Rolle, ob man ein Mann oder eine Frau ist. Für beide sind die Fehler, die man macht, und die Schwierigkeiten, denen man begegnet, gleich", betont sie. Es gebe Frauen, die in Bezug auf das Unternehmertum wenig risikofreudig seien.
Cook und Reinshagen finanzierten ihre Firmen mit Eigenkapital. Viele Frauen hätten jedoch Probleme bei der Geldbeschaffung, hiess es am Seminar in Zürich.
Investoren sind laut Baumann vor allem an Hightech-Firmen interessiert, die schnell wachsen - Frauen interessierten sich jedoch besonders für Lifestyle oder Dienstleistungsbetriebe.
Wachstumspotential sei ebenfalls wichtig. Zudem brauchte es vermehrt Coaching, um Geschäftsfrauen dabei zu unterstützen, aus ihren Dienstleistungen Produkte zu entwickeln.
"Maya Reinshagen ist ein ideales Beispiel: Sie bot in den Anfängen eine Dienstleistung an, war mit der Zeit aber in der Lage, daraus ein Produkt zu entwickeln. So wuchs das Unternehmen schneller", sagt Baumann.
swissinfo, Isobel Leybold-Johnson, Zürich
(Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub und Gaby Ochsenbein)
Women@Venture
Das Seminar fand an der Eidg. Technischen Hochschule ETH in Zürich statt.
Ziel des Anlasses war, Unternehmerinnen und Investoren zusammenzubringen zwecks Erfahrungsaustausch und Networking.
Geleitet wurde das Seminar von Brigitte Baumann, CEO von Go Beyond.
Die St. Galler Studie
Die Studie ist Teil des Berichts 2007 zum Unternehmertum in der Schweiz und weltweit von Global Entrepreneurship Monitor.
Sie ergab, dass rund 300'000 Schweizerinnen und Schweizer ein Unternehmen gründen wollen oder in den letzten dreieinhalb Jahren eine gegründet haben.
Die Schweiz steht damit im internationalen Vergleich etwa in der Mitte. Die Rangliste wird von den USA angeführt, gefolgt von Israel, Island und Kanada.
Gemäss einer Statistik des Bundes überleben nur die Hälfte der Startup-Firmen die ersten fünf Jahre. Viele gehen Konkurs, weil die Marktkenntnisse ungenügend oder die Erwartungen unrealistisch waren.
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