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Brücken waren für Freiburg stets wichtig. Die ersten Holzbrücken entstanden im 13. Jahrhundert, direkt nach der Gründung der Stadt. Als Weg über die Saane garantierten sie im Mittelalter, dass Handelsleute in Freiburg Halt machten und so die Wirtschaft antrieben. Mit dem technischen Fortschritt wurden die Brücken länger; sie wurden in luftigeren Höhen und aus anderen Materialien gebaut, wie Gérard Bourgarel vom Verein für Denkmalpflege Pro Freiburg erklärt. Von 1832 bis 1834 entstand die Grosse Hängebrücke – sie war damals die längste Hängebrücke der Welt und verband den Schönberg mit dem Burgquartier. «Bis anhin war Freiburg eine gewöhnliche Stadt, mit der Grossen Hängebrücke wurde sie zum Sonderfall», sagt Bourgarel.
Zentrum wandert aufwärts
Die Grosse Hängebrücke war jedoch nicht nur eine bauliche Sensation – sie veränderte das Gesicht Freiburgs erheblich. Es fand eine Zentrumsverlagerung statt. War das Auquartier vorher Knotenpunkt der Stadt, verlor es mit der Grossen Hängebrücke seine Bedeutung, da es von Durchreisenden schlicht nicht mehr passiert wurde. «Die Altstadt schlief ein», erzählt Gérard Bourgarel. Das Leben fand nun oben statt, und die Neustadt begann, sich zu entwickeln. Bald führte dies zum Bau einer Bahnlinie, was auch den Bau einer Brücke, der Grandfey-Brücke, erforderte.
Eisenskelett Grandfey
Der Bau der Eisenbahnlinie belastete die Staatskasse, die Finanzlage in Freiburg war um 1850 angespannt. Dennoch war sie eine wichtige Investition, zusammen mit der Autobahn und der Universität verhalf sie der Stadt in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu wirtschaftlichem Aufschwung. Die Grandfey-Brücke war nach der Grossen Hängebrücke eine weitere technische Pionierleistung. Sie wurde 1862 fertiggestellt und war die erste Eisenbrücke überhaupt, deren Fachwerk nicht nur Zug, sondern auch Druck aufnehmen konnte. Sie war damals aus Eisen, ihr Gitterwerk erinnerte an den Eiffelturm. «Die Grandfey-Brücke war einmalig, doch da die Züge immer schwerer wurden, gab es Risse und die Brücke musste einbetoniert werden», sagt Bourgarel.
Brücke eingebrochen
Der Denkmalpfleger könnte zu jeder Brücke Freiburgs eine Geschichte erzählen und erklären, welchen Einfluss sie auf das Stadtbild hatte. Besonders einschneidend für die Entwicklung der Brückenbauten war laut Bourgarel ein Unfall auf der Galteren-Brücke. 1919 fuhr ein zu schwer beladener Lastwagen darüber – ein Teil der Brücke brach ein, der Lastwagen stürzte in die Tiefe. Dies war der Grund dafür, dass die Grosse Hängebrücke 1924 durch die Zähringer-Brücke ersetzt wurde. Bis die Galteren-Hängebrücke durch die heutige Steinbrücke ersetzt wurde, dauerte es allerdings fast 40 Jahre. «In Freiburg laufen die Dinge langsam», sagt Bourgarel dazu schmunzelnd.
Und die Poya-Brücke?
Die Liste der Brücken in Freiburg ist lang, mit der Poya-Brücke wird sie noch länger. Wie sie das Stadtbild verändern wird, das wird sich trotz aller Diskussionen (siehe unten) erst zeigen, wenn die Brücke steht.
Dieser Beitrag schliesst die FN-Sommer- serie rund um die Poya-Brücke ab.
Zahlen und Fakten
Die Eckdaten zu den Brücken Freiburgs
Galteren-Brücke: Diese Brücke wurde 1840 als Hängebrücke konstruiert. 1919 stürzte ein zu schwer beladener Lastwagen von der Brücke. Im Jahr 1960 ersetzte man sie durch eine Betonbrücke. Diese ist 76 Meter hoch und 150 Meter lang.
Grosse Hängebrücke: Die 246 Meter lange Brücke wurde zwischen 1832 und 1834 erbaut. Damals war sie die längste Hängebrücke der Welt. Sie verband das Burgquartier mit dem Schönberg.
Zähringer-Brücke: Sie wurde 1924 erbaut und ersetzte die Grosse Hängebrücke.
Perolles-Brücke: 1920 wurde sie erbaut und 1997 renoviert. Sie ist 82 Meter hoch und 382 Meter lang und verbindet Freiburg mit der Gemeinde Marly.
Grandfey-Brücke: Von 1858 bis 1862 entstand zwischen Düdingen und Freiburg eine 380 Meter lange Eisenbrücke. Wegen Mängeln wurde sie 1925 mit Beton umhüllt.
St.-Johann-Brücke: Die Brücke im Neustadtquartier wurde 1746 erbaut. Früher war sie aus Holz.
Mittlere Brücke: 1720 erbaut, ersetzte die Mittlere Brücke eine Holzbrücke von 1275. Sie ist 70 Meter lang und verbindet das Au- mit dem Neustadtquartier.
Bern-Brücke: Die 40 Meter lange Holzbrücke im Auquartier wurde 1250 erbaut und mehrmals restauriert.
Poya-Brücke: Die Idee für die Brücke entstand bereits in den 50er-Jahren. 2006 hiess das Volk das aktuelle Projekt gut, 2010 begannen die Bauarbeiten. Das gesamte Projekt sollte 2014 fertig werden. Die Brücke ist gut 850 Meter lang. mir
Früher prägten Hängebrücken das Bild Freiburgs. Nach dem Teil-Einsturz der Galteren-Brücke (links) wurde die Grosse Hängebrücke (rechts) durch die steinerne Zähringer-Brücke ersetzt.Bilder © Kantons- und Universitätsbibliothek, Freiburg. Fonds Benedikt Rast (links), Fonds Victor Buchs (rechts)
Unter dem Betonmantel der Grandfey-Brücke (links) versteckt sich das alte Eisengerüst. Die im Entstehen begriffene Poya-Brücke verlängert die Liste der Brücken in Freiburg und wird das Stadtbild verändern.Bilder Melanie Rouiller (links), Alain Wicht (rechts)
Pierre-Olivier Nobs:«Nur das Burgquartier wird profitieren»
Die Poya-Brücke wird das Gesicht der Stadt Freiburg verändern, davon ist Pierre-Olivier Nobs, Politischer Sekretär der Freiburger Sektion des Verkehrsclubs Schweiz (VCS), überzeugt. Dass diese Veränderungen nicht nur positiv sind, davon ist er ebenso überzeugt. «Einerseits wird es eine Aufwertung des Burgquartiers geben.» Die Lebensqualität der Anwohner werde verbessert, das historische Erbe – zum Beispiel die Kathedrale – aufgewertet. Letzteres habe zur Folge, dass mehr Touristen ins Quartier kämen, und so profitiere auch das Gewerbe im Quartier. Insgesamt rechnet Nobs damit, dass es wegen der Verminderung der Verkehrsbelästigungen eine Wertsteigerung der Immobilien geben wird.
Andererseits wird die Brücke laut Nobs für den Rest der Stadt hauptsächlich negative Auswirkungen haben. «Das Verkehrsproblem wird kaum gelöst werden.» In der Altstadt könne Mehrverkehr entstehen. Ausserdem führe die Poya-Brücke schlicht an den falschen Ort, so dass es in Granges-Paccot zu Staus komme. «Es ist noch nicht klar, wie den Bussen auf dem St.-Leonhard-Platz Priorität gegeben werden soll.»
Für Nobs ist es unabdingbar, dass die Begleitmassnahmen des Projekts – zum Beispiel die Schliessung der Zähringer-Brücke für den Privatverkehr oder die Förderung des öffentlichen Verkehrs – umgesetzt werden. Dies auch, damit das Zentrum um den Bahnhof und das Burgquartier attraktiv bleiben und keine Zentrumsverlagerung stattfindet. «Es müssen sehr häufig Busse verkehren, und diese dürfen nicht im Stau stehen.» Zudem sei es wichtig, in der Agglomeration ein attraktives Parkingnetz zu erstellen. «Und schliesslich ist die Kommunikation wichtig, die Leute müssen wissen, dass sie ohne Auto in die Stadt gelangen können.»mir
Jean-Jacques Marti: «Freiburg hat eine Touristenattraktion mehr»
Die Poya-Brücke wird Touristen anziehen, dessen ist sich Jean-Jacques Marti, Präsident von Freiburg Tourismus, sicher. «Freiburg ist eine Touristenstadt, und mit der Poya-Brücke ist sie um eine architektonische Attraktion reicher.» Freiburg zieht hauptsächlich Leute an, die hier studiert haben, oder Soldaten, die in der Kaserne ihren Dienst taten. «Diese haben einen Grund mehr, Freiburg wieder zu besuchen.»
Daneben seien für den Tourismus auch die Veränderungen, die es im Burgquartier geben wird, durchwegs positiv. «Es wird mehr Raum geben um die Kathedrale.» Und durch den verminderten Verkehr könne diese besser erhalten werden.
Ob die Zähringer-Brücke nach der Poya-Brücke vermehrt Touristinnen und Touristen anziehen wird, hängt laut Marti davon an, welche Massnahmen ergriffen werden. «Ich kann die geplante Schliessung der Brücke für den Privatverkehr nicht nachvollziehen.» Eine Einschränkung des Verkehrs sei zwar notwendig, aber eine Brücke sei immer noch da, um überquert zu werden. Ausserdem gebe es Pläne für einen Parkplatz auf der Brücke. «Das wäre schrecklich, kein Mensch geht auf einem Parkplatz spazieren.»
Welche Auswirkungen die Poya-Brücke auf die Altstadt haben wird, ist für Jean-Jacques Marti noch unklar. «Es gibt Massnahmen, die allfälligen Mehrverkehr verhindern sollen.» Der Präsident von Freiburg Tourismus erklärt aber, dass der Verkehr gar nicht so einen grossen Einfluss auf die Attraktivität der Altstadt habe. «Unsere Altstadt ist wundervoll; damit Touristen sie besuchen, müssen wir sie möglichst einladend, zum Beispiel mit Blumendekorationen, gestalten.» Dies werde von den entsprechenden Behörden leider oft vernachlässigt.mir
Jean Bourgknecht:«Das Zentrum wird generell aufgewertet»
Die Poya-Brücke werde einerseits das Landschaftsbild von Freiburg verändern, sagt Jean Bourgknecht, Vizeammann der Gemeinde Freiburg und zuständiger Gemeinderat des Poyaprojekts. Andererseits werde der Transitverkehr aus dem Stadtzentrum geleitet werden. Der Gemeinderat ist überzeugt, dass die Auswirkungen der Poya-Brücke insbesondere auf das Burgquartier und das Stadtzentrum durchwegs positiv sein werden. Das historische Erbe von Freiburg werde insgesamt aufgewertet.
«Gibt es weniger Verkehr, wird das Zentrum attraktiver für die Anwohner und die Besucher.» Auch die Gewerbetreibenden profitierten davon. Ausserdem würden die Leute mit dem öffentlichen Verkehr immer noch einfach in das Stadtzentrum gelangen können. «Und auch für den Privatverkehr wird der Zugang nicht unmöglich sein.» Bourgknecht versteht die Befürchtungen, dass in der Altstadt, im Juraquartier oder in Granges-Paccot Mehrverkehr entstehen könnte. «Wir haben aber in einem Massnahmenplan festgehalten, dass sich der Verkehr in diesen Quartieren nicht erhöhen darf.» Während zweier Jahre nach der Eröffnung der Poya-Brücke werde der Verkehrsfluss gemessen. «Sollte er ansteigen, müssen weitere Massnahmen getroffen werden.»
Laut Bourgknecht werden im Burgquartier und im Stadtzentrum Parkhäuser entstehen. Geplant seien Vergrösserungen der Parkings unterhalb der Grenette und von Fribourg Centre. «Wir arbeiten mit den Quartieren, den Gewerbetreibenden und mit dem Denkmalschutz zusammen ein neues Konzept aus, um Lösungen zu finden.» Von einem Parking auf der Zähringer-Brücke sei in einem Projektentwurf die Rede gewesen, jedoch sei das noch überhaupt nicht definitiv. mir
Mit der Grossen Hängebrücke wurde Freiburg zum Sonderfall.
Gérard Bourgarel
Autor: Verein Denkmalpflege Pro Freiburg