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Im Gir-Nationalpark im indischen Bundesstaat Gujarat lebten gemäss Schätzungen der staatlichen Forstbehörde im Jahre 2020 rund 400 Löwen in freier Wildnis. Der Gir-Nationalpark gilt als der letzte natürliche Lebensraum des asiatischen Löwen. Dennoch hat sich im Laufe der Zeit noch ein zweites natürliches Habitat entwickelt: Rund 275 Löwen leben auch rund 60 Kilometer weiter südlich – am Strand.
Population ist wohl zu stark angestiegen
Nach Ansicht von Naturschützern ist diese ungewöhnliche Bewegung hin zum Meer darauf zurückzuführen, dass der Gir-Nationalpark langsam überfüllt ist. «Normalerweise ist es für Löwen schwierig, sich an einen Lebensraum an der Küste anzupassen, aber aufgrund der Landknappheit haben sie keine andere Wahl», sagt ein indischer Wildtierforscher gegenüber «BBC».
Einst seien Löwen in Gujarat weit verbreitet gewesen, doch ihre Zahl sei Anfang des 20. Jahrhunderts deutlich geschrumpft, hauptsächlich aufgrund von Jagd und Dürre, wie «BBC» weiter schreibt. Seitdem hätten Schutzmassnahmen dazu beigetragen, dass ihre Population in den trockenen Laubwäldern des Gir-Schutzgebietes erneut stark angestiegen ist – zu stark, glauben Experten.
Löwen jagen Wildschweine
In den 1990er Jahren hätten Löwen aufgrund von Revierkämpfen begonnen, die Küstenregionen zu erreichen. «Ein Löwe benötigt normalerweise ein Territorium von etwa 100 Quadratkilometern, und in diesem Gebiet leben auch drei bis vier Löwinnen mit ihren Jungtieren», erklärt ein Wildtierforscher. «Wenn das Jungtier erwachsen wird, übernimmt es entweder das Revier des alten Löwen oder verlässt das Rudel, um sich ein neues Revier zu suchen.»
Die Menschen, die am Meer wohnen, sind sich inzwischen daran gewöhnt, regelmässig Löwen am Strand zu sehen. «Am Anfang hatten wir Angst, als wir sie sahen. Doch jetzt stören sie uns nicht mehr», sagt er, «im Gegenteil: Früher mussten wir uns mit Herden von Wildschweinen und blauen Bullen herumschlagen, weil sie unsere gesamte Ernte beschädigten. Das hat jetzt fast aufgehört.»
(mhe)