Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03096.jsonl.gz/689

mehr
Ausstrahlungen nach oben sind der Skorpion, der im Puschlav bis über 1000 m ansteigt, ferner die Mannazikade, die am Walensee ihren nördlichsten Standpunkt erreicht. Beide sind Einwanderungen aus dem Süden und darum in den südlichen Alpenthälern zu Hause. Andere Saugkerfe, die Blattläuse, decken in Kolonien von Hunderten und Tausenden die saftigsten Kräuter. Leichtbeschwingte Libellen schweben am Rande der Gewässer. Scharen von Bremsen, Mücken und Fliegen belästigen Mensch und Vieh, sonnen sich am steinigen Bachufer oder naschen in Blumen den Honig. In Unzahl bewohnen ihre Larven die Wasserlachen, Tümpel und Seen der Bergregion.
Bienen und Hummeln tragen emsig Honig ein. Dass die holzbohrenden Immenarten sehr häufig sind, beweisen die reich durchlöcherten Wände der Hütten und Stadel. Am Boden kriechen die behenden Ameisen so zahlreich wie im Thal. Käfer kriechen auf Raub aus oder suchen ihre Nährpflanzen heim. Der bekannteste dieser auf vegetabilische Kost angewiesenen Deckflügler, der Maikäfer, geht eigentümlicher Weise in den südlichen Alpen bloss bis 900 m, in Bünden dagegen 1800 m hoch. Bunte Schmetterlinge flattern von Blume zu Blume; gerade hier sind die farbenprächtigen Arten in grosser Individuen- wie Artenzahl vertreten. Wenn sie im allgemeinen nicht so sehr auffallen, so hängt dies damit zusammen, dass die Nachtfalter gegenüber den Tagschmetterlingen überwiegen. All' dies reiche Leben erlischt im Winter vollständig; höchstens dass eine kleine Wolfspinne noch auf dem Schnee ihr Wesen treibt.
Von Wassertieren wurde der Flusskrebs noch in Flims, 1120 m, der Blutegel in Tarasp, 1400 m hoch, gefunden; Flohkrebse bergen sich in Schaaren unter den Steinen in Bächen und Seen. Die Schwebefauna der stehenden Gewässer steht derjenigen der Seen im Thal an Reichhaltigkeit durchaus nicht nach. Sie könnten deswegen ebenso gut wie letztere einen Bestand von Edelfischen aufweisen, der allerdings nicht durchweg fehlt. Diese Beobachtungen über das Vorhandensein einer genügenden Menge niedriger Wassertiere in anscheinend leblosen Seen hat denn auch mancherorts zu gelungenen Versuchen der künstlichen Einfuhr von Fischen geführt. So werden dem Menschen immer mehr Gebiete nutzbar gemacht. Die fliessenden Gewässer sind wegen ihres grösseren Gefälles ärmer an Wassertieren als diejenigen der Ebene.
Trotzdem die Seen durchweg nur klein, die Flüsse reissend und die Flussgebiete beschränkt sind, treffen wir doch von Fischen immer noch etwa 20 Arten. Es sind von ihnen namhaft zu machen die Trüsche, die bis 750 m, der Hecht, der noch im Thalalpsee, 1100 m, vorkommt. Der Lachs steigt über den Walensee und in die Linth, also gegen 1000 m hinauf, und im Ober-Engadin erreicht die Forelle ihren höchsten Standort mit 2400 m. Diese Angaben bezeichnen allerdings, wie bereits berührt, nicht die obere Grenze des Fortkommens dieser Tiere, da sie sich noch in höher gelegenen Wasserbecken ganz wohl halten liessen.
In welchen Schaaren die Kaulquappen oft die Tümpel und seichten Uferzonen der Seen beleben, ist jedem Alpenwanderer bekannt. Der Wasser- und Grasfrosch sind eben auch hier recht häufige Tiere. Der Laubfrosch ist als Seltenheit zu bezeichnen und der Springfrosch eine Eigentümlichkeit der südlichen Alpenthäler, in die er aus wärmern Gegenden eingewandert ist. Es fehlen ferner nicht verschiedene Kröten, so namentlich die interessante Geburtshelferkröte, so genannt, weil die Männchen die von den Weibchen gelieferten Eischnüre um die Hinterbeine wickeln, etwa 10—20 Tage vergraben in der Erde zubringen und erst dann mit ihnen ins Wasser gehen, wo die Jungen auskommen.
Ihre nächtliche Lebensweise und ihr verborgener Aufenthalt in Erdgängen bringt es mit sich, dass sie nur selten beobachtet werden. Sie findet sich noch im Kanton St. Gallen und wurde auch im Oberhaslethal konstatirt. Die veränderliche Kröte ist nur in den südlichern Teilen zu Hause. Von Schwanzlurchen verdienen der gefleckte und schwarze Salamander, welch letzterer höher hinauf steigt als jener, und die wasserbewohnenden Tritonen Erwähnung.
An Eidechsen und Schlangen weist die Südschweiz wiederum einen grössern Reichtum auf als die nördlichen Gebiete; denn von erstern besitzt sie die Mauer- und die schöne grüne Eidechse, letztere 2—3 mal länger als die gemeine, beide bis 1300 m Höhe vorkommend. Während die Kreuzotter fast überall zu Hause ist, sind die giftige Redi'sche Viper, die unschädliche Äskulap- und die Würfelnatter südliche Arten.
Die Vogelwelt der montanen Region unterscheidet sich einmal dadurch von derjenigen des Flachlandes, dass die Zugvögel nur noch die Hälfte der Standvögel ausmachen, während hier die Zahl der erstern überwiegt. Dagegen ist die Zahl der Strichvögel bedeutend; von einzelnen, z. B. der Amsel und dem Edelfinken, verbleiben die Männchen an ihren Wohnsitzen, indes die Weibchen im Winter in die Thäler hinab gehen. Ein ferneres unterscheidendes Merkmal ist die viel geringere Artenzahl, die nur etwa auf die Hälfte der in der Ebene vorhandenen Arten sich beläuft. Es fehlen z. B. die Wasservögel, weil ausgedehnte Seen dem Gebiete abgehen.
Ein regelmässiger Bewohner der Bergseen ist einzig die Stockente. Eine Reihe anderer Schwimmvögel sind nur vereinzelte Erscheinungen. Sumpfvögel stellen sich in grösserer Zahl ein, so einige Reiherarten; dagegen ist der Storch selten zu treffen. Günstiger liegen die Verhältnisse für die Hühnerarten, denn von diesen finden sich als geradezu typische Formen das stattliche Ur- und das zierliche scheue Haselhuhn. Auch hier lässt der Kukuk seinen eintönigen Ruf erschallen, klopfen Spechte nach schädlichem Ungeziefer.
Finken, Meisen und Kehlchen sind reichlich vertreten. Die Raubvögel weisen dieselben Arten auf wie die Ebene mit ihren Eulen, Käuzen, Habichten, Falken, Bussarden. So ist an Vögeln überhaupt keine nur dieser Region zukommende Art zu verzeichnen. Dasselbe gilt bezüglich der Vierfüsser: von ihren Vertretern ist nicht einer für sie charakteristisch, und diese Einförmigkeit wird noch dadurch erhöht, dass die südlichen Gebiete gegenüber den nördlichen keineswegs begünstigt erscheinen.
Die 16 Fledermäusearten kommen vor bis 1500, die grosse Hufeisennase und die Alpenfledermaus sogar bis 1900 m. Von den Insektenfressern sind mit dem Igel, den Maulwürfen (2 Arten) und mehreren Spitzmäusen alle drei Familien vertreten. Als schlimme Räuber liegen auch hier ihrem Handwerk ob das Wiesel und der Hermelin, der Fischotter, der Dachs, Iltis, Marder, Fuchs und vereinzelt die Wildkatze. Von Nagern sind ausser Schafmäusen die Haus-, Wald- und Feldmäuse in verschiedenen Arten und das Eichhörnchen zu nennen. Zu den Seltenheiten gehören Reh und Hirsch; letzterer ist schon seit Jahren ausgerottet.
Charakteristischer und von ausgesprochenem Gepräge stellt sich die Alpenregion dar. Da der Jura kaum mehr in Betracht fällt, so macht sich für sie eine bedeutende Reduktion ihrer horizontalen Ausdehnung geltend. Noch entschiedener als in der Bergregion verkürzen sich die Sommer und verlängern sich die Winter. Die Strenge der letztern und die dichte Schneedecke nötigen einen grossen Teil der tierischen Bewohner, diese Jahreszeit in tieferen Lagen zu verbringen, wo ihnen mehr Nahrung zur Verfügung steht. Innerhalb der Region selbst bedingt die obere Waldgrenze eine tiefgreifende Aenderung in der ganzen Physiognomie des tierischen Lebens. Viele Arten überschreiten sie kaum oder nur ausnahmsweise; dies gilt in erster Linie für die zahlreichen Arten, die auch in den tieferen Lagen vorkommen und den überwiegenden Hauptbestandteil der alpinen Fauna ausmachen.
Wie die Flora so zeigt auch die Fauna einige typische Erscheinungen, die als Anpassungen an die eigenartigen Lebensverhältnisse aufzufassen sind. Namentlich ist es der strenge Winter, welcher der Tierwelt ein eigenartiges Gepräge verleiht. Viele niedere Tiere, so die erdbewohnenden Arten, sind gegen die Kälte durch die Schneedecke hinlänglich geschützt und bedürfen keiner weitern Hülfsmittel. Die meisten höhern Formen verbringen diese Jahreszeit im Thale oder wenigstens in der benachbarten Bergregion. Für diese Wanderungen, die im Sommer in der Höhe oft in grossem Masse nötig werden, wenn der Hunger oder Verfolger sie treiben, sind die Tiere mit einer verhältnismässig kräftigen Organisation ausgestattet; so die Gemse, der Steinbock. Mehrere Mäuse, das Murmeltier, der Dachs und der Bär, sodann ein ganzes Heer von Insekten und anderen Wirbellosen brauchen den Winter ¶
mehr
über keine Nahrung, weil sie ihn schlafend zubringen. Für alle Tiere dieser Region ist es von grösster Wichtigkeit, den kurzen Sommer möglichst ausnützen zu können, daher sehen wir, wie das Eileben abgekürzt, die Verwandlungszeit dagegen in den Winter verlegt u. verlängert wird; so die Insekten; die Alpenreptilien gehen in dieser Richtung noch weiter: sie sind lebendig gebärend, während ihre Verwandten im Thale sämtlich Eier legen. Bei den Käfern tritt häufig Flügellosigkeit auf; sie entgehen dadurch der Gefahr, von Winden in unwirtliche Gebiete verschlagen zu werden oder selber zu verfliegen.
Bei ihnen mehr als bei den Schmetterlingen, die nicht selten noch bunte Flügelzeichnungen aufweisen, tritt fast durchweg dunkle Färbung auf, auch bei denjenigen Arten, deren Verwandte in der Ebene durch prächtigen Metallglanz sich auszeichnen (Laufkäfer). Gegen die Unbill der Witterung schützen sich die höhern Tiere durch ein sehr dichtes Haar- oder Federkleid, und einzelne von ihnen, so der Alpenhase, vertauschen mit dem eintretenden Winter ihr dunkles Sommergewand gegen ein weisses Kleid, das sie gegen Nachstellungen sichert.
Die Bewohner der kleinen Alpenseen und Tümpel, alles Vertreter der niedern Tierwelt aus den Ordnungen der Platt-, Faden- und Ringelwürmer, der Gliedertiere (Krebse, Insektenlarven), der Weichtiere (Schnecken und Muscheln), stehen wohl an Artenzahl, jedoch durchaus nicht an Menge der Individuen gegen denen der grösseren Wasserbecken der ebenen Schweiz zurück. So fanden sich auf der Mürtschenalp, 1650 m, in 60 cm3 Schlamm und Wasser eines Bächleins 160 Borsten-, viele Fadenwürmer, zahlreiche Müschelchen (Pisidium) und Insektenlarven.
Dass übrigens auch der Boden ein ungemein reiches Leben bergen kann, beweist eine Zählung von Cresta im Avers, 1900 m; darnach sind dort auf 1 m2 Wiesenfläche als Bestandteile der Bodenfauna gegen 2000 Regen- und 80000 kleine Borstenwürmer zu rechnen. Jene kommen im Bündnerland noch in 2600 m Höhe vor, wurden sogar im Wallis bis 3200 m beobachtet. Die Schnecken treten sehr zurück, eine Vitrina steigt bis 2400 und eine Helix bis 2300 m, das vorerwähnte Müschelchen, Pisidium, bis 2200 m Höhe an.
Die Gliedertiere zeigen meistens die auch in der Ebene vorkommenden Arten; anderseits macht sich eine bedeutende Differenz in dieser Fauna zwischen den nördlichen und südlichen Gebieten geltend; Spinnen sind immer noch recht häufig und es tummeln sich Heere der verschiedensten Insekten, die sehr oft in ungemeiner Individuenzahl auftreten. Saugkerfe und Libellen treten nach oben sehr zurück oder fehlen ganz, dagegen sind die Fliegen immer noch in Menge vorhanden; so fehlt auch die Stubenfliege nicht.
In den vielen Wasserlachen, Tümpeln und Seelein haben ihre Larven eine grosse Auswahl günstiger Gelegenheiten für die Entwicklung. Von Hartflüglern konstatirte Heer in den Glarnerbergen zwischen 1800 und 2300 m noch 40 Spezies; überall sind Felsen- und Erdhummeln häufig, die bis 2400 m Höhe Blütenstaub und Honig eintragen. Noch weiter oben treffen wir nicht selten Ameisen. Die vielen Missbildungen an Weiden und Alpenrosen beweisen, dass Gallwespen durchaus nicht selten sind.
Unter den Schmetterlingen überwiegen die Tag- gegenüber den Nachtfaltern, da sie mehr als die Hälfte ausmachen, während im Thal auf eine Art der erstern 6 der letztern zu rechnen sind. Vielfach entbehren sie des bunten Farbenschmuckes, wie auch die Käfer fast durchweg braune oder schwarze Färbung tragen. Ob die lange Winterruhe in dunkeln Verstecken, das Bedürfnis nach Wärmeaufnahme oder nach einer schützenden Tracht hiefür als Ursache in Anspruch zu nehmen sind, bleibt weitern Untersuchungen zu ergründen übrig.
Die Holzfresser und Rüssler treten sehr zurück, ebenso die Wasserkäfer, wiewohl einzelne Arten noch bis 2000 m ihr Wesen treiben, während dagegen die Mist- und Raubkäfer sehr häufig sind. Interessant ist, wie die Verhältniszahl der letztern mit ⅔ gegen ⅓ Pflanzenfresser sich zu ihren Gunsten gestaltet. In der Ebene machen die räuberischen Arten bloss ⅓ die letztern die Hälfte der ganzen Artenzahl aus. Somit sind die Alpenpflanzen vor den Nachstellungen durch die Käfer sicherer als die im Thal. Ein Borkenkäfer ist diesem Gebiete eigentümlich, Bostrichus bi-tridentatus, der hauptsächlich die Arven und Lärchen heimsucht und nicht unter 1600 m gefunden wird. An Lärche und Fichte saugt ferner eine Rindenlaus, eine Chermes-Art. Dass und warum die Mehrzahl dieser Deckflügler des Fliegens unfähig ist, wurde bereits oben erwähnt.
Von Lurchen kommt der braune Grasfrosch noch häufig vor, an der Bernina sogar bis 2600 m. Die Fähigkeit, lange Zeit ohne Nahrung auszukommen, macht der gemeinen Kröte bis in die obern Gebiete der Alpenregion die Existenz möglich; bei günstiger Witterung ist ihr Tisch mit Kerbtieren dann allerdings reich gedeckt. Der Bergmolch ist nicht nur hier, sondern auch im Thal zu Hause;
der schwarze Salamander lässt sich durch den Regen verlocken, seine Schlupfwinkel auch am Tage zu verlassen. Er ist wie die Bergeidechse, die oft noch vorkommende Blindschleiche und die überall verbreitete giftige Kreuzotter, lebendig gebärend;
im Thale unten legen die letztern beiden normalerweise Eier;
erstere ist eine echte Gebirgsform.
Nur den südlichen Alpen kommt die Redi'sche Viper zu.
Dem Reichtum an Pflanzen und kleinem Getier verdankt eine verhältnismässig zahlreiche Vogelwelt ihr Dasein. Ein auffälliger Charakterzug derselben ist das Ueberwiegen der Standvögel, da die Zugvögel nur ungefähr ¼ ihrer Artenzahl ausmachen. Immerhin bewohnen nur wenige jahraus jahrein das gleiche Gebiet; es sind also zumeist Strichvögel, da sie im Winter in das Thal hinab gehen. Viele Thalbewohner steigen auch bis an die obere Holzgrenze hinauf und tragen viel zur Belebung der Bergabhänge bei.
Dass die Zugvögel beim Ueberschreiten der Alpen nur wenig sich bemerkbar machen, hängt zusammen mit ihren nächtlichen
Reisen, oder dann fliegen sie hoch oben in der Luft. Schlechte Witterung zwingt sie bisweilen zu kurzer Rast in der Alpenregion.
Von Arten, die für dieses Gebiet charakteristisch sind, können angeführt werden der Nusshäher, von
Drosseln die stattliche Ringamsel, einige
Piegerarten, ^[Berichtigung: Pieperarten.] der grüngelbe hübsche Zitronenfink.
Die graue Bachstelze zeigt das Gebahren ihres Verwandten im Thale, die Alpenflühlerche, wie jene auf Insekten pirschend, nistet mit Vorliebe in Dickichten der Alpenrosen. Von Schwalben findet sich die Felsenschwalbe vor; sie hat hier ihren nördlichsten Standpunkt. Der Alpenmauerläufer, durch sein buntes Gefieder ausgezeichnet, steigt bis 3000 m hinauf. Auch die Hühner sind vertreten durch das farbenschillernde grosse Birk- und das nicht minder schöne Steinhuhn, die beide gerne das Alpenrosengestrüpp bewohnen. Hoch in den Lüften schweben der bald ausgerottete Lämmergeier, der grösste europäische Vogel, und noch häufiger der stattliche Steinadler.
Eine merkliche Abnahme erfahren die Vierfüsser. Von den Handflüglern fliegt am höchsten die Alpenfledermaus, nämlich bis 2300 m, die damit ihre Verwandten zurücklässt. Das Mardergeschlecht ist ebenfalls spärlicher vertreten als im Thale, und seine Zugehörigen, Marder, Iltis, Wiesel begegnen dem Jäger, wie der Fuchs, nur selten. In Wald und Weide finden die Wald- und Feldmäuse immer noch hinreichende Atzung; die Hausmaus bleibt auch da des Menschen treuer, wenn auch unerwünschter Begleiter.
Die Insektenfresser, wiewohl nur noch in den untern Gebieten zu Hause, haben in der Alpenspitzmaus eine diesen Höhen eigene Art. Der gemeine Hase wird ersetzt durch den Alpenhasen, der im Winter einen dichten weissen Pelz trägt. Namentlich charakteristisch sind aber das Murmeltier, dessen eigentliches Verbreitungsgebiet von 1300-2600 m sich erstreckt - bekanntlich kommt ihm ein langer Winterschlaf zu - und die Königin der Berge, die zierliche Gemse, die allerdings auch der letzten, der Schneeregion, angehört.
Während diese dank der überall eingerichteten Schonreviere immer noch in oft zahlreichen Rudeln die einsamen Gebirgshöhen belebt, ist der stattlichere Steinbock vollständig verschwunden. Dem Aussterben nahe sind der selten gewordene Luchs, der nur hie und da auftretende Wolf und der Bär, der sich vor dem Menschen in die unzugänglichsten und abgelegensten Thäler zurückgezogen hat. Im Süden und Osten der Schweiz hat er sich immer noch halten können und wird deswegen alljährlich in einigen wenigen Exemplaren erlegt. Sie alle gehören bald, wie Hirsch und Wildschwein, der Geschichte an. ¶