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2021 litten weltweit 811 Millionen Menschen Hunger, also jeder zehnte Mensch. [1] Gleichzeitig gibt es aber eigentlich genug Nahrung auf der Welt, um die gesamte Menschheit zu ernähren. [2] Das Problem ist: Der Grossteil der Ernten wird nicht direkt für den menschlichen Verzehr gebraucht, sondern stattdessen als Tiernahrung für die Tierwirtschaft verwendet.
Der vorherrschende Welthunger hängt unter anderem mit Kriegen und Konflikten, der Corona-Pandemie, der Klimakrise und mit unserem Konsum von tierischen Produkten zusammen. Die Tierwirtschaft fördert die letzten drei Punkte sogar. Wenn wir unsere Essgewohnheiten nicht ändern, wird der Kampf gegen den Welthunger erfolglos bleiben. Denn mit unserem Konsum von tierischen Produkten wie Fleisch, Fischfleisch, Milch und Eiern tragen wir massgeblich zum Ungleichgewicht zwischen dem globalen Norden und Süden bei.
Wie die Klimakrise und die Corona-Pandemie den Welthunger begünstigen
Die Hauptverantwortlichen für die globale Klimakrise sind grosse Industrienationen, die den Grossteil der klimaschädlichen Emissionen produzieren. Die klimatischen Folgen spüren jedoch mehrheitlich die unbeteiligten Länder – oftmals zusätzlich zu den Lasten, die ohnehin bereits vorherrschen. Laut einer Studie ist die Kluft zwischen ärmeren und reicheren Ländern heute um etwa 25 Prozent grösser, als sie ohne die menschengemachte Erderwärmung wäre. [3]
Prognosen zufolge werden aufgrund der Klimakrise bis 2050 zwischen 216 Millionen und 1,2 Milliarden Menschen ihre Heimatgebiete verlassen müssen. [4] [5] Denn durch beispielsweise Überflutungen aufgrund des Meeresspiegelanstiegs oder von starken Niederschlägen besteht für Menschen in küstennahen Regionen eine akute Bedrohung – auch dadurch, dass Felder, und somit Nahrungserträge, zerstört werden. Auf der anderen Seite führen lang anhaltende Dürren und Hitzewellen zu Wassermangel, Waldbränden und Ernteausfällen – und damit zu unbewohnbaren Gebieten. Infolge der schwierigen Anbauverhältnisse steigen Nahrungsmittelpreise, was das Problem der Ernährung verstärkt. Das hat dramatische Auswirkungen auf Lebensraum und Existenz, sodass viele Menschen keinen anderen Ausweg sehen, als zu fliehen. Für einige stellt die Klimakrise eine besonders schlimme Situation dar, da ihnen die finanziellen Mittel fehlen, um den schlechten Lebensbedingungen den Rücken zu kehren. Auch Menschen, die aufgrund von Alter oder Krankheit körperlich nicht in der Lage sind, zu fliehen, sind besonders gefährdet.
Auch die Corona-Pandemie heizt den Welthunger an: Von 2020 auf 2021 ist die Zahl der Hungernden um 1,5 Prozent gestiegen. [1] Dies liegt unter anderem daran, dass Menschen ihre Produkte aufgrund der Lockdowns nicht verkaufen konnten oder entlassen wurden und ihre Einkommensquelle verloren. Auch der Zugang zu Nahrungsmitteln war in diesen Zeiten erschwert, unter anderem, da die Anbauflächen verringert wurden.
Wie die Tierwirtschaft Pandemien begünstigt
In Agraranlagen, auf Tiermärkten und in Schlachthöfen werden Tiere in hoher Zahl auf engstem Raum zusammengepfercht. Sie müssen ein trauriges Dasein inmitten ihrer eigenen Exkremente fristen und werden gewaltsam und unter inakzeptablen Bedingungen getötet. Auch Mitarbeitende dieser Industriezweige sind von inhumaner Behandlung und Ausbeutung betroffen. Die Produktion von Fleisch, Milch, Fischfleisch und Eiern steht mit einem erhöhten Risiko für Infektionsausbrüche in Verbindung. Bei 75 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten handelt es sich um Zoonosen, also um Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Bereits 2004 benannte die Weltgesundheitsorganisation WHO die steigende Nachfrage nach tierischen Produkten als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Zoonosen. [6] COVID-19, die Vogelgrippe H5N1, die SARS-Pandemie, MERS-CoV und die unzähligen Menschen, die multiresistenten Keimen zum Opfer fallen – sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: die Nachfrage nach Fleisch, Milch und Eiern, verbunden mit der Ausbeutung von Wildtieren durch Jagd und Handel. [7] Die Klimakrise begünstigt die Entstehung von Infektionskrankheiten zusätzlich und wird ebenfalls von der Tierwirtschaft angefacht.
Wie die Tierwirtschaft die Klimakrise anheizt
Die landwirtschaftliche Tierhaltung – und damit der Konsum tierischer Produkte – ist eine der Hauptursachen für die grössten Umweltprobleme unserer Zeit. Die globale Tierwirtschaft verursacht mehr Treibhausgase als der gesamte Verkehrssektor. [8] Tierische Produkte wie Fleisch, Fischfleisch und Milch haben eine höhere CO₂-Bilanz als pflanzliche Erzeugnisse. Sie erfordern weitaus mehr Wasser, Land und Ressourcen und emittieren mehr Emissionen.
Butter gilt beispielsweise als klimaschädlichstes Lebensmittel, gefolgt von Rindfleisch auf Platz zwei, während Käse und Sahne den dritten Platz belegen. [9] Die Entwaldung im Amazonasgebiet steht in direktem Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Tierhaltung – auch mit der in der Schweiz. Angesichts der immensen Mengen an Fleisch und Milchprodukten, die hierzulande produziert und konsumiert werden, kann die erforderliche Tiernahrung wie Soja oder Getreide nicht ausschliesslich in Europa angebaut werden. Sie muss zum grossen Teil importiert werden – auch aus Regionen, in denen Menschen Hunger leiden. Die Regenwald-Abholzung verhindert unter anderem die natürliche Produktion von Sauerstoff, fördert die weitere Freisetzung von CO₂ und heizt dadurch die Klimakatastrophe an. [10]
Wie die Tierwirtschaft den Welthunger direkt fördert
Der Krieg in der Ukraine verdeutlicht das Ungleichgewicht in der globalen Nahrungsmittelverteilung: In Regionen wie beispielsweise Nordafrika führen der Engpass bei Mais und Weizen infolge des Krieges und der damit einhergehende Preiskampf zu Problemen in der Lebensmittelversorgung und damit zur Hungersnot von Menschen. In Europa hingegen wird diskutiert, wie sogenannte «Nutztiere» trotz des vorherrschenden Engpasses beim Bezug dieser Rohstoffe weiterhin für die Produktion von Fleisch und anderen tierischen Erzeugnissen gemästet werden können.
Pro Tag verbrennt eine durchschnittliche erwachsene Person circa 2’000 Kalorien. Bei Tieren gilt dieses Prinzip genauso: Von der aufgenommenen Nahrung wird nur ein Bruchteil der Kalorien angesetzt, da der restliche Teil der Energie beispielsweise für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur (bei gleichwarmen Tieren wie Säugetieren und Vögeln) oder für den Stoffwechsel verbraucht wird. Tiere, die für den menschlichen Konsum gezüchtet werden, brauchen also eine erhebliche Menge an Nahrung, bis sie «schlachtreif» sind – unter anderem Nahrung wie Getreide und Soja, die vom Menschen direkt verzehrt werden könnte. Für die Produktion einer einzigen tierischen Kalorie sind je nach Tierart 5-30 pflanzliche Kalorien in Form von Tiernahrung erforderlich. Für eine Kalorie aus Rindfleisch sind beispielsweise 10 Kalorien aus Getreide benötigt. Das heisst: 90 Prozent der Nahrungsenergie wird verschwendet. [11]
Je mehr tierische Produkte wir konsumieren, desto weniger Menschen können wir ernähren, da die Ressourcen und Anbauflächen begrenzt sind. Von allen weltweit genutzten landwirtschaftlichen Flächen werden 83 Prozent für den Anbau von Tiernahrung für die Tierwirtschaft und zur Schaffung neuer Weideflächen für sogenannte «Nutztiere» beansprucht. Durch tierische Erzeugnisse werden weltweit jedoch nur 18 Prozent der Kalorien und 34 Prozent des Proteins bereitgestellt. [12] In der EU landen 60 Prozent des angebauten Getreides in den Futtertrögen der sogenannten «Nutztiere». [13] Würde sich die Menschheit vegan ernähren, kämen die Feldfrüchte unmittelbar ihrer eigenen Ernährung zugute, und vier Milliarden Menschen könnten zusätzlich ernährt werden. [14]
Der Konsum von Fischfleisch und Insekten ist keine Lösung
Die kommerzielle Fischerei leert unsere Ozeane und verursacht milliardenfaches Tierleid. Zudem hinterlässt sie ein verwüstetes Ökosystem, was die Klimakrise befeuert, die durch Trockenperioden und Überschwemmungen wiederum zum Welthunger beiträgt. Ausserdem gelten viele Fischarten und lokale Populationen weltweit bereits als vom Aussterben bedroht. [15] Die Zucht von Fischen in Aquakulturen ist keine Alternative: Sie verursacht ebenfalls millionenfaches Tierleid und verstärkt die Problematik der Überfischung, denn für die Produktion von einem Kilogramm «Zuchtfisch» werden mehrere Kilogramm «Wildfisch» benötigt.
Auch die Nutzung von Ameisen, Grillen, Heuschrecken oder anderen Insekten als Proteinquellen, um dem Welthunger entgegenzutreten, stellt keine Lösung dar. Denn hierfür müssten Milliarden von Insekten getötet und durch die halbe Welt transportiert werden. Ausserdem wäre auch hier Soja als Tiernahrung erforderlich, das jedoch deutlich effektiver für den direkten menschlichen Konsum genutzt werden kann. [16]
Was Sie tun können
Die Tierwirtschaft verstärkt den Welthunger – und das sogar in mehrfacher Hinsicht: Zum einen verursacht sie eine direkte und erhebliche Verschwendung von Getreide und anderen pflanzlichen Erzeugnissen als Nahrungsmittel für sogenannte «Nutztiere»; zum anderen verstärkt sie das Hungerproblem indirekt, denn die Tierwirtschaft facht die Klimakrise an und erhöht das Risiko für Pandemien – beides Ursachen für weiteren Welthunger.
Eine vegane Lebensweise verbraucht nachweislich weniger Ressourcen und Land als die Erzeugung tierischer Produkte. Die Feldfrüchte können direkt für den menschlichen Konsum genutzt werden, anstatt den Umweg über den Tiermagen zu machen. Somit kann eine vegane Lebensweise deutlich mehr Menschen ernähren und aktiv zum Kampf gegen den Welthunger beitragen. Bitte verschwenden Sie keine Nahrung durch den Konsum tierischer Produkte. Helfen Sie, die Ursachen des Hungers auf der Welt zu mindern, indem Sie sich vegan ernähren. Unser kostenloses Veganstart-Programm begleitet Ihren Einstieg in ein rein pflanzliches Leben mit nützlichen Tipps und verlockenden Rezepten.
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QUELLEN
[1] World Health Organization: UN report: Pandemic year marked by spike in world hunger, https://www.who.int/news/item/12-07-2021-un-report-pandemic-year-marked-by-spike-in-world-hunger (eingesehen am 20.04.2022)
[2] Zeit: „Essen für alle“, https://www.zeit.de/2019/33/nahrungsmittel-essen-hunger-uebergewicht-konsum (eingesehen am 20.04.2022)
[3] PNAS: Global warming has increased global economic inequality, https://www.pnas.org/content/116/20/9808 (eingesehen am 20.04.2022)
[4] World Bank Blogs: Millions on the move: What climate change could mean for internal migration, https://blogs.worldbank.org/voices/millions-move-what-climate-change-could-mean-internal-migration#:~:text=The%20findings%20of%20our%20new,to%20areas%20that%20offer%20opportunities (eingesehen am 20.04.2022)
[5] Cision PR Newswire: IEP: Over one billion people at threat of being displaced by 2050 due to environmental change, conflict and civil unrest, https://www.prnewswire.com/ae/news-releases/iep-over-one-billion-people-at-threat-of-being-displaced-by-2050-due-to-environmental-change-conflict-and-civil-unrest-301125350.html (eingesehen am 20.04.2022)
[6] WHO/FAO/OIE: Report of the WHO/FAO/OIE joint consultation on emerging zoonotic diseases, https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/68899/WHO_CDS_CPE_ZFK_2004.9.pdf?fbclid=IwAR2ha8hDMHV8gDJYEadsk7-lxLS84Z3kSlq3E4-zG5kaWUh1Xc5vgJhTsJ4 (eingesehen am 20.04.2022)
[7] Bundesministerium für Bildung und Forschung: Gefährliche Eindringlinge – Droht nach der Schweine- und Vogelgrippe in Zukunft eine Fledermausgrippe?, https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/gefahrliche-eindringlinge-droht-nach-der-schweine-und-vogelgrippe-in-zukunft-eine-3200.php (eingesehen am 20.04.2022)
[8] Xu, Xiaoming et al.: Global greenhouse gas emissions from animal-based foods are twice those of plant-based foods, https://www.nature.com/articles/s43016-021-00358-x (eingesehen am 20.04.2022)
[9] Ökotest: Rindfleisch nur auf Platz 2: Diese Lebensmittel sind die schlimmsten Klimakiller, https://www.oekotest.de/essen-trinken/Rindfleisch-nur-auf-Platz-2-Diese-Lebensmittel-sind-die-schlimmsten-Klimakiller-_600836_1.html (eingesehen am 20.04.2022)
[10] Zeit Online: CO2 und Methan in der Atmosphäre auf Rekordniveau, https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-11/klimawandel-co2-konzentration-atmosphaere-treibhausgase (eingesehen am 20.04.2022)
[11] Der Futtermittel Blues – EU Agrarpolitik muss weg vom Flächenimport für Futter und Energie! http://www.agrarkoordination.de/fileadmin/dateiupload/PDF-Dateien/Futtermittelblues_Heft.pdf (eingesehen am 20.04.2022)
[12] Poore, J, and Nemecek, T.: Reducing Food’s Environmental Impacts Through Producers and Consumers, https://science.sciencemag.org/content/360/6392/987 (eingesehen am 20.04.2022)
[13] Heinrich Böll Stiftung: Futtermittel: Viel Land für viel Vieh, https://www.boell.de/de/2015/01/08/futtermittel-viel-land-fuer-viel-vieh (eingesehen am 20.04.2022)
[14] Science Daily: Existing cropland could feed four billion more by dropping biofuels and animal feed, https://www.sciencedaily.com/releases/2013/08/130801125704.htm (eingesehen am 20.04.2022)
[15] The New Humanitarian: On the verge of collapse. Climate change and overfishing threaten global fish stock, https://www.thenewhumanitarian.org/in-depth/verge-collapse (zuletzt eingesehen am 20.04.2022)
[16] TAZ: Nicht die Nahrung der Zukunft, https://taz.de/Insekten-essen/!5612482/ (zuletzt eingesehen am 20.04.2022)