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Gallensäuren ArzneimittelgruppenGallensäuren sind eine Gruppe von Wirkstoffen, welche den natürlichen Steroiden in der Galle entsprechen oder von ihnen abgeleitet sind. Sie haben emulgierende und mizellenbildende Eigenschaften und werden für die Behandlung von Verdauungsstörungen eingesetzt. Weitere Indikationen sind die medikamentöse Auflösung von Gallensteinen und die primäre biliäre Cholangitis. Gallensäuren werden in der Regel peroral verabreicht und wesentlich seltener gespritzt. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Durchfall und Bauchschmerzen. Gallensäuren können Arzneimittelwechselwirkungen verursachen.ProdukteStruktur und Eigenschaften
Die Wirkstoffe entsprechen entweder den natürlichen Bestandteilen der Galle oder sie sind von ihnen abgeleitet. Sie können aus tierischer Galle gewonnen oder synthetisch hergestellt werden. Gallensäuren gehören zur Gruppe der Steroide und es sind Säuren (meistens Carbonsäuren). Sie enthalten eine kurze aliphatische Seitenkette. Gallensäuren, die mit Taurin oder Glycin konjugiert sind, werden als Gallensalze bezeichnet.
Die Abbildung zeigt die Ursodeoxycholsäure:Wirkungen
Gallensäuren (ATC A05AA ) werden in der Leber aus Cholesterol synthetisiert und mit der Galle über die Gallenwege in den Dünndarm ausgeschieden. Sie gehören zu den Hauptbestandteilen der Galle. Gallensäuren sind für die normale Verdauung der Fette und Lipide wichtig, weil sie aufgrund ihrer amphiphilen und emulgierenden Eigenschaften Mizellen bilden. Dadurch erleichtern sie die Hydrolyse durch die Verdauungsenzyme und die Absorption. Mit dem enterohepatischen Kreislauf gelangen sie aus dem Darm wieder zurück zur Leber.
Im Dickdarm werden sie von Bakterien der Darmflora metabolisiert, wodurch die sogenannten sekundären Gallensäuren entstehen.
Gallensäuren haben litholytische Eigenschaften. Sie können cholesterinhaltige Gallensteine innert Monaten bis wenigen Jahren auflösen. Mit Gallensäuren wird Cholesterol aus dem Körper eliminiert, weil die Säuren aus Cholesterol biosynthetisiert werden.
Schliesslich sind Gallensäuren auch als Signalmoleküle aktiv und haben hormonelle Funktionen.Indikationen (Auswahl)
- Zur Auflösung von Cholesterin-Gallensteinen der Gallenblase
- Vor- und Nachbehandlung bei der Gallensteinzertrümmerung
- Primäre biliäre Cholangitis
- Dyspeptische Beschwerden
- Fettunverträglichkeit
- Blähungen biliären Ursprungs
- Lokale Behandlung eines „Doppelkinns“
- Chenodesoxycholsäure (Chenodesoxycholsäure Leadiant®)
- Desoxycholsäure (Belkyra®, nicht im Handel)
- Obeticholsäure (Ocaliva®)
- Ursodeoxycholsäure (De-ursil®, Ursochol®, Ursofalk®)
Zu den Gegenanzeigen gehören:
- Überempfindlichkeit
- Häufig auftretende Gallenkoliken
- Verschluss der Gallenwege
- Akute Entzündungen der Gallenblase und der Gallenwege
- Eingeschränkte Kontraktionsfähigkeit der Gallenblase
- Aktive gastrische oder duodenale Geschwüre
Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.Interaktionen
Wirkstoffe wie Colestyramin, Colestipol und Antazida können die Gallensäuren binden und ihre Wirkungen reduzieren. Umgekehrt können Gallensäuren andere Wirkstoffe wie beispielsweise Ciclosporin und Ciprofloxacin inaktivieren.Unerwünschte Wirkungensiehe auchLiteratur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH)
- Europäisches Arzneibuch PhEur
- Fachliteratur
- Giannini C. et al. Role of bile acids in overweight and obese children and adolescents. Front Endocrinol (Lausanne), 2022, 13, 1011994 Pubmed
- Sah D.K., Arjunan A., Park S.Y., Jung Y.D. Bile acids and microbes in metabolic disease. World J Gastroenterol, 2022, 28(48), 6846-6866 Pubmed
- Shansky Y., Bespyatykh J. Bile Acids: Physiological Activity and Perspectives of Using in Clinical and Laboratory Diagnostics. Molecules, 2022, 27(22), 7830 Pubmed
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.