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Was heisst hier "schon wieder da?", ich verbitte mir solch unqualifizierte Gedanken. Was auch immer ich mit meinem dreiteiligen Lauf ins Blaue bzw. Grüne erreichen oder besser erfahren wollte, es sei hiermit offiziell erfüllt. Mission Accomplished! Vor langer langer Zeit notierte ich hier mal in etwa "erwachsen werden heisst, Illusionen zu verlieren". Das ist nicht unbedingt schön, auf emotionaler Ebene, aber es ist wahr. Und darum gut. Der Geist klart auf, das Erwachen aus Traumwelten reinigt gewisserart, es bereinigt.
Und ja, du musst dir jetzt eine Auswahl zusammengewürfelter Reisefotos ansehen. Gleich zu Beginn war da Regen, eine markante Freiluftgarage bot Unterstand.
Das Zelt war noch das Gleiche, oder besser gesagt das gleiche Modell, der vollsynthetische Vorgänger hat nämlich auf mirakulöse Weise zu schimmeln begonnen und wurde daher schon vor der Reise ausgemustert.
In Frankreich sind die Strassengräben gesäumt von Abfall, und der Urwald beginnt gleich hinter der Bahnschiene,
meint er hier auf der Brücke.
Etwas später nun unter einer Brücke (über die Rhone), und aufgrund des einsetzenden Regens spielte ich kurz mit dem Gedanken, die baldige Nacht wie ein Troll zu verbringen. Der beissende Geruch an Ort und Stelle aber liess mich erahnen, dass dieser Platz von Mann und Hund als Örtchen frequentiert wird, und so zog ich weiter.
Das Ufer bot viele nicht weiter beschilderte Sehenswürdigkeiten, hier zum Beispiel der urzeitliche Schädel eines gemeinen Rohrtümmlers, ein Vorfahre des Kakadus.
Dann und wann wurds richtig sommerlich, dieses Foto stammt ungefähr von Tag 5 der Reise und vom Eigengeruch her fühlte ich mich bereits wie ein Franzose.
In manchen Ortschaften Frankreichs gibts neben den üblichen 3 Boulangerien auch einen richtigen Laden, der heisst dann entweder "Casino" (CH: etwa ein Volg), "Intermarché" (CH: etwa ein Coop) oder "Carrefour" (CH: etwa eine Migros). Letzterer führt im Logo die Farben Rot/Blau und eigene Produktelinien, zB oben ein Gebäck namens "Smilly". Schau mal wie das rote Einauge sein Teil hält, für die Kinder; das blaue, gehörnte Einauge ist derweil mit Ackerbau und Ernte beschäftigt. Das ist...
...Saturn, hier die nette Apotheke gegenüber,
und die Tankstelle am Ende des Dorfes akzeptierte auch Karten.
Ich lief von Valence nach Avignon, was für ein Loch. Der ehemalige Papstsitz ist komplett ummauert, das sieht hübsch aus, aber hinter den Mauern lauert das Elend. Überall Bettler auf den Strassen, sowas kennt man ja aus der Schweiz gar nicht. Hier bettelt zwar auch dann und wann mal ein Zigeuner mit Geige um milde Gaben, allerdings eher von Berufswegen; in Avignon aber brauchen Bettler wirklich Geld, zumindest schauts so aus und aus dem "Merci" hat echte Dankbarkeit geklungen.
Mein Geruchslevel hatte bereits die Stufe Iltis erreicht und so hielt ich es für angebracht, in einem Billighotel mit Dusche zu nächtigen.
Siehst du - es gibt kein Entkommen. Ganz egal wohin man sich bewegt, ES ist immer schon da, weil ES immer schon hier war, in dieser Welt.
Der Blick aus dem Fenster, runter auf die Strasse.
Die "20 Minuten" Gratiszeitung gibts auch in Frankreich.
Weiter ging die Reise nach Narbonne, hier eines der vielen Denkmäler. Franzosen spinnen auf Denkmäler, ich mahne und erinnere wird hier ganz gross geschrieben, aber vieleicht ist es auch mehr der Hang am verblassten Dasein einer einstigen "Grand Nation". Der Grund für diese Aufnahme war das völlig sinnlose Dächlein. Aber es ist halt kein Dächlein, sondern ein FM Dreieck: das ist eine Markierung.
Der freie Markt spielt augenscheinlich auch in Narbonne.
Ich verweilte zwei Tage im Zelt, ehe der nächtliche Besuch von zwei erst knurrenden, dann grunzenden Viechern mich zur Weiterreise anmahnte. Vermutlich Wildschweine. Ich versuchte mich zu erinnern, ob Wildschweine Fleisch fressen, bzw. Wildcamper im Schlafsack, ohne allerdings zu einem klaren Urteil zu kommen. Plötzlich stiess eines mit dem Kopf gegen die Zeltwand. Zerlieben wollte nicht fruchten, also
Der Wind wurde immer stärker, mit Schnüren band ich das Zelt notgedrungen an einem Zaun und diversen Nadelbäumen fest, für den Halt nahm ich das Flüchtlingslager-Flair in Kauf. Ausserdem war nun zumindest die Ostfront gegen Wildschweinattacken abgesichert.
Und es wurde Morgen.
ISIS-Club klingt irgendwie nach Bordell, ich habs aber nicht verifiziert.
Eine gewisse Reise- und Wildnachtlagermüdigkeit schlich sich ein, und so quartierte ich mich zum Abschluss des Trips abermals in einem Hotel ein, ehe ich am folgenden Tag mit dem Zug zurück in die Schweiz fuhr. Das wars, yep das wars. Nun will ich bis ende Jahr wieder eine Wohnung gefunden haben, und bald wieder einen JOB, denn meine Reserven halten nicht ewig. Es gibt also einiges zu tun, aber nicht mehr heute - denn heute hab ich was besseres vor! Wie der Zufall so spielt bin ich genau zum nächsten Kracher zurückgekehrt, einst namhafte DJs geben sich neuerdings in der Munotstadt die Klinke in die Hand: Dr.Motte war schon hier (und ziemlich gut!), Heute Abend folgt...
Hossa!