Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03237.jsonl.gz/316

„Fliessendes Gras aus dem Hinterland ins Meer. Die perfekte Beschreibung für die Südspitze Floridas. Die aussergewöhnliche Wasserlandschaft machen diesen Teil der USA zu einem Schutzgebiet für Reptilien und zahlreiche Vogelarten. Aber diese ursprüngliche Habitat ist bedroht….“
… der Ibis schaut mich weiter unverwandt an. Es ist als ob er mir eine Geschichte erzählt, die Geschichte der Everglades, auch Grassfluss genannt. Sie erstrecken sich vom Lake Okeechobee im Norden bis an die südlichste Spitze Floridas. Doch handelt es sich hier um einen Fluss, auch wenn das auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, denn der „Grasfluss“ ist bis zu 60km breit und hat nur eine Fliessgeschwindigkeit von einem Meter pro Stunde. Vom nördlichsten Punkt der Everglades bis in den Golf von Mexiko benötigt das Wasser ca. 30 Jahre bei einem Höhenunterschied von fünf Metern.
Urlandschaft bedroht
Urlandschaft – das fanden die ersten spanischen Siedler vor im 16. Jhd. Eine ursprüngliche Landschaft mit den ihr so typischen Gefahren, die eine Sumpflandschaft mit sich bringt. Diese aussergewöhnliche Sumpflandschaft ist seit dem 19 Jhd. extrem bedroht durch Trockenlegungen, um Siedlungsraum zu schaffen. Ganze 1,2 Million Quadratmeter wurden durch die aus Australien importierten Melaleucabäume, die viermal so viel Wasser benötigen, wie einheimische Bäume, trockengelegt. Der Wasserkreislauf wurde unterbrochen, durch die Errichtung von Gemüse-, Obst- und Zuckerrohrfarmen, die sich wie ein Riegel zwischen die Everglades schieben. Riesige, künstliche Bewässerungsanlagen stellten die Wasserversorgung von Feldern sicher. Über diese gelangten auch Pestizide und Phosphor in die noch verbliebenen Wetlands.
Es hat lange gedauert, ehe der Mensch begriffen hatte, dass die Everglades die Seele des Wasserkreislaufs in Südflorida ist. Erst in den 80ern des 20. Jhd. wurde das erste grosse Projekt zur Rettung der Everglades ins Leben gerufen. Aber es war schon fast zu spät. Über 50% der Urlandschaft ist verschwunden, und die Überwinterung der Wattvögel ist um 90% zurückgegangen. Trotz der Schutzmassnahmen ist der hohe Wasserbedarf des urbanen Südfloridas mit seiner Metropole Miami die grösste Bedrohung für das Überleben der Sumpflandschaft.
Everglades Nationalpark
Leider erstreckt sich der Nationalpark nur auf insgesamt 20 km der noch verbliebenen Everglades und umfasst insgesamt 6 110 km2. Damit nimmt er nur 25% der ursprünglichen Sumpflandschaft ein. Er weist einen jährlichen Besucherstrom von einer Millionen auf und ist damit der drittmeiste besuchte Nationalpark in den USA, nach Death Valley National Park und Yellowstone National Park.
Insgesamt befinden sich 36 geschützte Tierarten im Everglades Nationalpark, darunter der Florida Panther, die einzig in USA wildlebenden Flamingos, vier Arten von Meeresschildkröten und das amerikanische Krokodil, welches nur im Süden von Flordia innerhalb den USA zu finden ist. Daneben gibt es immer noch eine Reihe von Wattvögeln, beispielsweise Ibisse, Kormorane, Störche, Pelikane und Reiher.
UNESCO Welterbe
Die Everglades sind seit 1979 Welterbe, wobei es sich hier um ein Weltnaturerbe handelt. Sie erfüllen die Kriterien VIII (außergewöhnliche Beispiele der Hauptstufen der Erdgeschichte, und der Entwicklung des Lebens mit wesentlichen in Gang befindlicher geologischer Prozesse), IX (außergewöhnliche Beispiele bedeutender in Gang befindlicher ökologischer und biologischer Prozesse in der Evolution und Entwicklung von Land-, Süßwasser-, Küsten- und Meeres-Ökosystemen sowie Pflanzen- und Tiergemeinschaften) und X (Erhaltung der biologischen Vielfalt auf der Erde bedeutendsten und typischsten Lebensräume, einschließlich solcher, die bedrohte Arten enthalten, welche aus wissenschaftlichen Gründen oder ihrer Erhaltung wegen von außergewöhnlichem universellen Wert sind).
Wegen der fortschreitenden Umweltzerstörung bedingt durch Trockenlegung, Quecksilber und anderen Pestiziden und den Auswirkungen von Hurrikane Andrew wurde das Welterbe zwischen 1993 und 2007 auf die Rote Liste der Welterbe gesetzt und nahm damit einen gefährdeten Status ein.“ Im Juli 2010 wurden die Everglades erneut auf die Liste der bedrohten Welterbe gesetzt.
…Ich blinzele in die Sonne. Es ist heiss und mein Blick richtet sich wieder auf den Ibiss. Habe ich mir das Gespräch nur eingebildet? Das Grasswasser fliesst weiter wie schon seit Jahrtausenden. Ein Alligator bewegt sich langsam ins Wasser. Stille, zu hören ist nur das Rauschen des Binsengrases. Langsam erhebt sich der Ibis, ein kühler Luftzug streicht meine Wangen und majestätisch fliegt er davon.