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Geschichte des Ägeritals
Unterägeri als politische Gemeinde gibt es seit 1798, die eigene Geschichte von Wilägeri oder Wilen, wie es früher genannt wurde, beginnt aber schon lange vorher.
|Schon das habsburgische Hofrecht aus dem frühen 15. Jahrhundert, das die Beziehungen zwischen der Herrschaft und den Bauern regelte, erwähnt eine Wiler Allmendgenossenschaft. Es nennt auch eine Mühle am Talausgang, in der die Wiler vor allen andern mahlen durften. Wilägeri bildete den unteren Teil der Talgemeinde Ägeri, die wiederum ein eigenständiger Teil des Standes Zug war. Die Wiler Genossenschaft verwaltete die weitläufigen, von allen Genossen gemeinsam genutzten Allmenden. Diese bildeten die Grundlage für die bedeutende Vieh- und Waldwirtschaft.|
Die seit dem frühen 19. Jahrhundert immer wieder entstehenden Nutzungskonflikte konnten 1886 durch die dauerhafte Verteilung des offenen Allmendlandes gelöst werden. Das Land blieb wie der Wald weiterhin Eigentum der Korporation. Die Abgabe von Allmendland zu Bauzwecken seit den 1830er Jahren prägt bis in die Gegenwart die Siedlungsentwicklung.
|Aus der Allmendkorporation entstand in mehreren Schritten die Gemeinde Unterägeri. 1714 trennte sich auf Betreiben des Geistlichen Dr. Bernhard Fliegauf Unterägeri von der alten Talpfarrei. Fliegauf wurde erster Unterägerer Pfarrer. Die zu einem erheblichen Teil von ihm geplante und finanzierte Pfarrkirche wurde 1721 eingeweiht und bildet heute noch das Zentrum des alten Dorfteils.|
In der Helvetischen Revolution von 1798, welche die Eidgenossenschaft völlig umgestaltete, machte sich der untere Gemeindeteil auch politisch selbständig. 1848 wurde die Allmendgenossenschaft als eigenständige Korporation ausgegliedert und 1874 die Einheitsgemeinde in eine Einwohner-, Bürger- und katholische Kirchgemeinde aufgeteilt.
Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die vormals gleichförmigen Gemeinden Oberägeri und Unterägeri völlig verschieden. Während Oberägeri landwirtschaftlich-kleingewerblich geprägt blieb, entstanden in Unterägeri in den 1830er und 1840er Jahren zwei Spinnereien, welche die Antriebskraft der Lorze nutzten. Die Fabriken veränderten die Sozial-, Wirtschafts- und Siedlungsstruktur nachhaltig. Die Einwohnerzahl nahm enorm zu, was den Bau der neuen Pfarrkirche veranlasste. Nach der Betriebsaufnahme der zweiten Spinnerei (1846) entstand in ihrer Umgebung innert weniger Jahre eine neue Siedlung, Neuägeri, die ihren frühindustriellen Charakter bis heute bewahrt hat.
|Bis ins 20. Jahrhundert hatte die heimindustrielle Seidenweberei grosse Bedeutung. Ihr Niedergang sollte durch die in den 1880er Jahren beginnende Entwicklung des Kurortes kompensiert werden. Unterägeri wurde besonders durch seine Kinderheilstätten bekannt. Der Tourismus profitierte wie die übrige Wirtschaft von der Eröffnung der Strassenbahn 1913.|
Nach langer Stagnation setzte nach dem Zweiten Weltkrieg eine starke Zuwanderung ein. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verdoppelte sich die Bevölkerung auf über 7000 Personen. Unterägeri wurde zu einer beliebten Wohngemeinde, bewahrte aber trotz starker baulicher Entwicklung sein dörfliches, immer noch stark von der Entwicklung im 19. Jahrhundert und den 1979 stillgelegten Spinnereien geprägtes Aussehen.
Seit 2009 führt ein ortskundlicher Weg
mit 66 Informationstafeln durch Unterägeri. Noch mehr über die Unterägerer Geschichte erfahren Sie in der 2003 erschienenen doppelbändigen Ortsgeschichte Ägerital – seine Geschichte.
Kontakt:
Dr. Renato Morosoli
Gemeindearchivar
Seestrasse 2
Postfach 79
6314 Unterägeri <email-pii>

|Hier finden Sie Informationen über das Wappen von Unterägeri Wappen_Untergeri_Text.pdf (623.6 kB)|