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Komponieren kann man lernen, dazu gibt es Regeln. Mit Regeln kennen sich Computer aus. Bereits in den 1950er-Jahren experimentierten Lejaren Hiller und Leonard Issacson mit Software, die Musik komponiert.
Der studierte Chemiker Hiller bildete die Regeln des Kontrapunktes in Software ab, eine Lehre des Renaissance Komponisten Palestrina, in der es um die Organisation mehrstimmiger Musik geht.
1957 entstand so die «Illiac Suite, Link öffnet in einem neuen Fenster» für Streichquartett, das erste Stück aus einem Computer.
Zu Beginn der 1980er-Jahre arbeitete der amerikanische Komponist David Cope an einer Software, die Kompositionen im Stil bekannter Komponisten generierte: Bach, Mozart oder Scott Joplin etwa.
Cope programmierte die Software EMY, die im Werk der Komponisten nach Regeln suchte. Nicht mehr ein Mensch brachte nun dem Computer die Regeln zum Komponieren bei, die Maschine suchte selber nach Mustern. Nach zwei Jahren konnte EMY auf Knopfdruck Tausende Stücke im Stil von Bach, Link öffnet in einem neuen Fenster oder Vivaldi, Link öffnet in einem neuen Fenster generieren.
Grosse Fortschritte
Dank neuronaler Netze und anderer Verfahren des maschinellen Lernens hat der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Musik grosse Fortschritte gemacht.
Ein neuronales Netz ist – vereinfacht gesagt – von der Konstruktion des menschlichen Hirns inspiriert. Es besteht aus unzähligen Knotenpunkten, die miteinander in Beziehung stehen und Informationen von einer Schicht zur nächsten weitergeben. Mit genügend Daten lassen sich solche Netze zum Beispiel darauf trainieren, Sprache oder Bilder zu erkennen – oder die Regeln eines bestimmten Musikstils.
Gebrauchsmusik per Knopfdruck
Auf der Webseite, Link öffnet in einem neuen Fenster von Aiva Technologies aus Luxemburg lässt sich das mit der hauseigenen künstlichen Intelligenz AIVA (das Akronym steht für «Artificial Intelligence Virtual Artist») ausprobieren.
Die KI ist auf klassische Musik spezialisiert, kann aber auch Stücke anderer Stile wie Pop, Rock oder Electronica erzeugen. Besonders einfallsreich klingen die Kompositionen nicht, doch das ist auch nicht nötig. Denn Aiva verspricht, auf Knopfdruck Hintergrunds- und Gebrauchsmusik für Filme, Games, Werbespots oder die Warteschlaufe einer Telefonhotline zu kreieren.
Klon des Komponisten
Es gibt auch spannendere Beispiele für den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Musik. Eines davon ist die amerikanische experimentelle Musikerin und Komponistin Holly Herndon. Für ihr Album «Proto» von 2019 hat sie mit einer KI namens Spawn zusammengearbeitet.
Spawn ist ein neuronales Netz, das Herndon mit Daten ihrer eigenen Stimme trainiert hat. Auf verschiedenen Stücken des Albums und auch bei Live-Konzerten ist Spawn nun als Ensemblemitglied zu hören.
So eine gleichberechtigte Zusammenarbeit sei vielversprechend, sagt Daniel Bisig, der an der Zürcher Hochschule der Künste zum Thema Musik und künstliche Intelligenz forscht: «Am interessantesten wäre es, wenn ein Komponist eine künstliche Intelligenz so trainiert, dass sie seinen Kompositionsstil übernimmt und dann viel mehr Klangmaterial erzeugt, als der Komponist selber könnte.»
«Der Komponist schafft so mehrere Kopien seiner selbst und kann dank des von der KI erschaffenen Materials einen neuen Kompositionsstil entwickeln», hofft Bisig. So liessen sich mit wenig Aufwand neue Wege ausprobieren, von der KI durchprobieren. Eine interessante Zukunftsmusik.