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Freihandelsabkommen sind für Entwicklungs- und Schwellenländer in wirtschaftlicher, aber auch sozialer Hinsicht von Bedeutung. Sie erlauben es diesen Ländern, eigene Produkte zu wettbewerbsfähigen Konditionen (u.a. durch Reduktion von Zöllen und Handelshemmnissen) im Markt der Freihandelspartner vermehrt anzubieten. Ein erleichterter Marktzugang ermöglicht die Entstehung zusätzlicher Arbeitsplätze, welche den Arbeitnehmern ein höheres Einkommen bescheren und so die wirtschaftliche Situation verbessern. Dies bedeutet mehr Wohlstand und eine Anhebung des Lebensstandards. Damit wird regelmässig nicht nur das Bildungsangebot, sondern die Zukunftsperspektiven generell verbessert. Freiwerdende Ressourcen können so in die nachhaltige Entwicklung investiert werden. Zudem schaffen die Freihandelsabkommen eine wichtige Dialogplattform, um genau diese Themen zu diskutieren und umzusetzen.
Indonesien hat Interesse am Freihandelsabkommen mit der Schweiz. Natürlich geht es dem Land um Handel. Es geht aber auch darum, sich als neutralen Handelspartner zu positionieren: Eine asiatische, mehrheitlich muslimische Demokratie, die keine geopolitischen Ambitionen verfolgt. Indonesien hält sich auf der politischen Weltbühne zurück, denn es will sich als wirtschaftlich starke Demokratie als bessere Alternative zu Peking positionieren. Das Land arbeitet intensiv an der Verbesserung seiner politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Indonesien verfügt mit einer jährlichen Wertschöpfung von 1’000 Mia. US-Dollar über die 16.-grösste Wirtschaft der Welt. Damit platziert sich das Land einige Plätze vor der Schweiz, die mit rund 700 Mia. US-Dollar auf Platz 20 ist. Indonesien erstreckt sich auf über 17'500 Inseln und zählt rund 267 Mio. Einwohner, die 600 verschiedene Sprachen sprechen. Hauptstadt ist Jakarta. Das südostasiatische Land verzeichnet derzeit ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von über 5 Prozent pro Jahr und könnte gemäss Prognosen bis 2050 zur viertgrössten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen.
Wer der Nachhaltigkeit bei Palmöl Vorschub leisten will, muss Partnerschaften aufbauen. Denn ein Boykott von Palmöl würde bedeuten, dass man den Markt jenen Ländern überlässt, die keinen Nachhaltigkeitsstandards verpflichtet sind. Ein Boykott würde politisch neutrale Länder wie Indonesien direkt in die Abhängigkeit von Ländern wie etwa China führen. Das ist alles andere als nachhaltig. Die Schweiz hat sich entschieden, einen konstruktiven Weg zu gehen. Sie will Handel mit Indonesien betreiben und den Markt teilweise für Palmöl öffnen. Dies aber nur unter der Bedingung, dass die Produkte strikte Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Derzeit importiert die Schweiz etwa 24’000 Tonnen Palmöl pro Jahr, meist über die EU. Dieses Öl unterliegt mehrheitlich keinen oder wenigen Nachhaltigkeitskriterien. Aus Indonesien importiert die Schweiz 35 Tonnen Palmöl jährlich. Mit dem neuen Freihandelsabkommen müssen die Importe aus Indonesien Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. So können Importe aus der EU durch nachhaltiges Palmöl ersetzt werden.
Das Abkommen mit Indonesien ist ein Freihandelsabkommen. Es beinhaltet alles, was solche Verträge üblicherweise ausmacht: Abbau von Zöllen, Investitionsschutz, Marktzugang und vieles mehr. Speziell am Abkommen sind die Bestimmungen zur Nachhaltigkeit. Mit diesem Abkommen hat sich Indonesien erstmals gegenüber einem Handelspartner zu einem derart weitreichenden Nachhaltigkeitskapitel mit verbindlichen Regeln verpflichtet (vor allem im Bereich Palmöl). Das könnte weltweit Schule machen. Aufgrund dieses Abkommens will Indonesien weitere Anstrengungen im Bereich der Nachhaltigkeit machen. Nach Abschluss des Abkommens mit der Schweiz soll dieses als Vorgabe und Standard für die Abkommen mit der EU und den USA dienen.
Bei einem Gesamtwert von rund 1,4 Mia. Franken (inkl. Gold) weisen die bilateralen Handelsströme ein deutliches Wachstumspotenzial auf. 2019 lag Indonesien auf Rang 47 der Schweizer Handelspartner. Allein in den letzten 10 Jahren hat sich das Handelsvolumen Schweiz-Indonesien mehr als verdoppelt. Im Jahr 2019 hat die Schweiz Waren (ohne Gold) im Wert von etwa 350 Mio. Franken aus Indonesien importiert. Die Exporte (ohne Gold) betrugen etwa 460 Mio. Franken. Das erging einen Handelsüberschuss zu Gunsten der Schweiz von 110 Mio. Franken im Jahr. Und das sind die Zahlen ohne Gold, ohne Investitionen und ohne Dienstleistungen. Nimmt man den Handel auseinander, findet man Erstaunliches heraus. Fast ein Viertel der Schweizer Exporte gehen auf mechanische Teile zurück. Gerade in diesen Branchen sind überproportional viele KMU involviert. Die Ausfuhr von pharmazeutischen und chemischen sowie biotechnologischen Produkten kommt erst an zweiter Stelle. Die Importe werden wiederum von Textilien und Schuhen dominiert. Sie machen etwa einen Drittel aus. Die Einfuhr von elektrischen Waren sowie von Tee, Kaffee und Gewürzen. Da KMU etwa 60 Prozent der Schweizer Importe abwickeln gilt auch hier, dass sie am stärksten mit diesem Handel involviert sind.
Die neuste Publikation der Aussenhandelsstatistik beleuchtet das Jahr 2019. Sie weist ein Aussenhandelsvolumen von rund 587 Mia. Franken aus, wobei etwa 311 Mia. Franken Exporte und 276 Mia. Franken Importe sind. Damit hat die Schweiz etwa 35 Mia. Franken Exportüberschuss. Interessant ist, diese Zahlen nach Unternehmensgrösse aufzuteilen. Etwa 60 Prozent der Schweizer Importe gehen auf KMU zurück; die Grossunternehmen verantworten rund 37 Prozent davon. Etwa 3 Prozent der Importe können nicht eindeutig zugeteilt werden. Bei den Exporten gehen um die 45 Prozent auf KMU und ca. 53 Prozent auf Grossunternehmen zurück. Dies bedeutet: Rund die Hälfte des Schweizer Aussenhandels wird von KMU gestemmt. Gemäss dieser Statistik sind um die 200’000 KMU im Aussenhandel aktiv. Bei etwa 580’000 Unternehmen in der Schweiz bedeutet dies, dass etwa ein Drittel der KMU in Importen oder Exporten tätig ist. Allerdings betrachtet diese Zählung verschiedene Formen vom Auslandsengagement nicht. Dazu gehören etwa Investitionen, Joint Ventures, Lizenzverträge, Franchising oder gar Zweigniederlassungen und Anteile an Unternehmen im Ausland.