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Moore erbringen wichtige Ökosystemleistungen: Sie bieten Lebensraum für viele feuchteliebende, stark bedrohte Tier- und Pflanzenarten und reinigen das durchfliessende Wasser. Dank der grossen Wasserspeicherkapazität können Moore Hochwasserspitzen brechen und sie speichern aufgrund des unvollständigen Abbaus von totem Pflanzenmaterial organischen Kohlenstoff. Somit sind diese Lebensräume auch klimarelevant. In der Schweiz wurden in den vergangenen 200 Jahren knapp 90 % der Moore durch menschliche Aktivitäten zerstört. 1987 haben Volk und Stände die «Eidgenössische Volksinitiative zum Schutz der Moore» (Rothenthurm-Initiative) deutlich angenommen. Dadurch ist der Moorschutz in der Bundesverfassung verankert.
Die Moore von nationaler Bedeutung bedecken heute eine Fläche von 240 Quadratkilometern, was rund 0.6 % der Schweizer Landesfläche, bzw. etwa sechs Mal der Fläche des Kantons Basel-Stadt entspricht. Moorökosysteme gehören zu den Feuchtgebieten und werden aufgrund der Art ihrer Nährstoffversorgung in Flach- und Hochmoore unterteilt:
Flachmoore
Flachmoore werden mit mineralischem Grund- oder Hangwasser sowie Niederschlagswasser versorgt. Heute sind etwa 1300 Flachmoore von nationaler Bedeutung unter Schutz.
Flachmoore entstanden überall dort wo viel Wasser vorhanden war, so z.B bei verlandeten Flachseen und Flussauen, oder in von Gletschern geformten Hügellandschaften zwischen denen sich das Wasser stauen konnte. Zum Erhalt der Flachmoore ist meistens eine extensive landwirtschaftliche Nutzung erforderlich.
Flora und Fauna der Flachmoore
Moore bilden Rückzugsgebiete für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Die sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) und viele Orchideenarten sind auf diese typischen Lebensräume angewiesen.
Zahlreiche Amphibienarten profitieren von den ökologischen Bedingungen in Flachmooren, darunter auch seltene Arten. Man findet dort beispielsweise den Europäischen Laubfrosch (Hyla arborea), die Gelbbauchunke (Bombina variegata variegata), den Teichmolch (Lissotriton vulgaris), den Fadenmolch (Lissotriton helveticus) und den Springfrosch (Rana dalmatina). Bei ausreichend tiefem Wasserkörper lebt auch der Nördliche Kammmolch (Triturus cristatus) hier. Auch Wasserfrösche (Pelophylax aggr.), Grasfrösche (Rana temporaria temporaria), Erdkröten (Bufo bufo) und Bergmolche (Ichthyosaura alpestris) laichen hier. Flachmoore gelten zu den Primärhabitaten der Kreuzkröte (Epidalea calamita). Wegen der hohen Dichte an Amphibien nutzen Reptilien, vor allem die Ringelnatter (Natrix natrix natrix ), Flachmoore gerne als Jagdgebiet.
Hochmoore
Hochmoore entwickeln sich im Laufe von Jahrtausenden aus Flachmooren. Dabei werden Hochmoore mit Wasser aus dem Boden und der Atmosphäre versorgt. Die oberste Vegetationsschicht hat keinen Kontakt zum Grundwasser und wird ausschliesslich durch nährstoffarmes Niederschlagswasser gespiesen. Deshalb sind Hochmoore nährstoffarm und weisen einen hohen Säuregehalt auf. Hier überleben nur Spezialisten, vor allem Torfmoose (Sphagnum sp). Da unter sehr nassen Bedingungen totes Pflanzenmaterial nicht vollständig abgebaut wird, akkumuliert es. Aus dem toten organischen Material des Torfmooses entwickelt sich eine dicke, aufgewölbte Torfschicht. Die Torfschichten wachsen mit einer Geschwindigkeit von nur 1 mm pro Jahr!
Wegen Holzmangel begann im 16. Jh. der intensive Torfabbau. Dieser Eingriff führte zu gravierenden Veränderungen in den Mooren und zerstörte empfindlichen Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten. Heute ist der Torfaubbau in der Schweiz verboten. Intakte Hochmoore benötigen keine menschlichen Eingriffe und gehören zu den seltensten Lebensräumen der Schweiz. Alle 551 Hochmoore von nationaler Bedeutung sind heute vollkommen geschützt.
Flora und Fauna der Hochmoore
In einem intakten Hochmoor finden sich viele verschiedene, kleinflächige und artenarme Pflanzengesellschaften mit Pflanzen wie z.B. dem Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum L.), der Gemeinen Moosbeere (Vaccinium oxycoccos L.) oder dem Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia). Diese Pflanzenart hat sich darauf spezialisiert, mit seinen klebrigen Tentakeln Insekten zu fangen und somit an wichtige Nährstoffe zu gelangen. Auch der Hochmoor-Gelbling (Colias palaeno), eine seltene, bedrohte Schmetterlingsart, findet in Hochmooren seine Lebensgrundlage. Aufgrund ihres hohen Vernässungsgrades sind Hochmoore relativ kühl, vor allem die Kreuzotter (Vipera berus berus) und die Waldeidechse (Zootoca vivipara vivipara) sind typische Hochmoorbewohner. Im Randbereich der Moore sind auch die Nördliche Ringelnatter (Natrix natrix natrix) und die Westliche Blindschleiche (Anguis fragilis) anzutreffen.
Hochmoore sind sehr störungsanfällig. Erhöhte Nährstoffeinträge aus der Luft oder aus der Landwirtschaft führen zu übermässigem Wachstum unerwünschter Arten, was zur Zerstörung der Hochmoorvegetation führt. Langlauf-Loipen oder Viehhaltung bewirken eine mechanische Schädigung und Erosion des Torfbodens. Drainagen führten zur Austrocknung des Bodens. Somit beginnt das Wachstum von Gehölzen und damit werden die spezialisierten Tiere und Pflanzen verdrängt.
Wiederherstellung von Mooren
Geschädigte Hochmoore können nur mit aufwändigen Massnahmen regeneriert werden. Hochmoorregenerationen sind an verschiedenen Orten in der Schweiz geplant.
Nächstgelegene Moore in der Region
In der Region Basel und im Jura sind Moore natürlicherweise aufgrund des oftmals wasserdurchlässigen Untergrundes mit Kalkgestein und Schotterböden und aufgrund des relativ warmen, niederschlagsarmen Klimas selten.
Flachmoore existieren in der Region mehrere Typen:
- Waldmoore in Form von Schwarz-Erlenbruchwäldern sind lokal auf Älterem Deckenschotter entstanden.
- Im Jura sind an einzelnen Stellen mit austretendem Quellwasser Kalkflachmoore entstanden. Typische Pflanzenarten dieser Hangmoore sind u. a. Breitblättriges Wollgras (Eriophorum latifolium Hoppe) und Davalls-Segge (Carex davalliana).
Hochmoore gibt es bei uns im Schwarzwald und im Jura:
- Das «Hinterzartener Moor» besteht aus 82 Hektaren Hochmoor- und Flachmoorbereichen und wird von einem Bretterpfad durchquert wobei typische Hochmoorarten entdeckt werden können. Ausflugstipp.
- Das Hochmoor «Tiefenhäuserner Moos»: mit der DB bis Waldshut, dann mit Bus (SBG) Richtung St. Blasien bis Abzweigung Ober-/Unterweschnegg; siehe untenstehend Weitere Informationen.
- Beim Etang de la Gruère südlich von Saignelégier (JU) befindet sich ebenfalls ein Hochmoor. Informationstafeln an gut ausgewählten Stellen ermöglichen die Orientierung und geben Auskunft über die speziellen Lebensräume sowie die vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Ausflugstipp.
Tobias Walter, 2023
Literaturhinweise: Exkursionsführer Huovinen u. Schläpfer «Die Pflanzenwelt der Region Basel»; Exkursionsführer Heft 10 der Reihe «Natur im Baselbiet» von Roland Lüthi