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Micha Lewinsky war 14, als er bei der sowjetischen Botschaft in Bern anrief. Er wollte in der Schule einen Vortrag über die Transsibirische Eisenbahn halten und erhoffte sich nützliche Informationen. «Die habe ich dort allerdings nie bekommen», erzählt der 47-jährige Regisseur. «Den Vortrag habe ich dann wohl trotzdem gehalten.» Der Anruf jedoch trug ihm eine Fiche beim Staatsschutz ein, wie er herausfand, als 1989 einer der grössten Schweizer Skandale der jüngeren Geschichte öffentlich wurde.
«Sie hatten das Telefon der Botschaft überwacht», vermutet Lewinsky. Als Unterstützer der Initiative zur Abschaffung der Armee sei er damals stolz darauf gewesen, eine Fiche zu haben. «Es stand auch nichts weiter drin ausser: ‹Nichts Nachteiliges bekannt›.» Doch längst nicht für alle Fichierten waren die Folgen harmlos – viele schafften es trotz aller Bemühungen nie, einen Job zu bekommen, und verstanden erst 1989 weshalb.