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Russland erwägt Gefangene beim Aufräumen der Arktis einzusetzen, nachdem im vergangenen Jahr ein massiver Dieselunfall das abgelegene sibirische Gebiet um die Stadt Norilsk getroffen hatte. Mehr als 20.000 Tonnen Diesel verschmutzten das lokale Ökosystem. Die Oelkatastrophe löste in der Bevölkerung einen Aufschrei aus und führte im Oktober zur Entlassung des Bürgermeisters von Norilsk, Rinat Akhmetchin, der wegen Fahrlässigkeit zu sechs Monaten Haft verurteilt wurde.
Auf einem Forum in Sankt Petersburg im letzten Dezember diskutierten die russischen Gefängnisbeamten öffentlich über den Einsatz von Sträflingen.
Der Leiter des russischen Bundesgefängnisdienstes (FSIN), Alexander Kalaschnikow, sagte am 12. März, mit der Verwaltung der Stadt Norilsk sei eine entsprechende Einigung erzielt worden.
„Russlands FSIN prüft die Möglichkeit, Sträflinge in die Säuberung der arktischen Zone einzubeziehen“, sagte Kalaschnikow bei einem Treffen, welches vom Gefängnisdienst ebenfalls bestätigt wurden. Er forderte die Verwalter der Gefängnisse auf, das Thema «Strafkolonien in der Arktis» fortzusetzen.
Die FSIN-Beamtin Elena Korobkova sagte, dass die örtlichen Behörden bereits Räumlichkeiten für bis zu 56 Personen zur Verfügung gestellt hätten. Die Behörden bereiten sich seit Dezember im Krasnojarsker Territorium auf die Errichtung modularer Strukturen und Justizvollzugsanstalten vor.
Verurteilte könnten zudem auch dazu eingesetzt werden, illegale Mülldeponien in der Region Archangelsk zu beseitigen, so die Behörden. Die Beamten erwähnten keine möglichen Anreize für Gefangen wie reduzierte Strafen oder höhere Löhne für den Einsatz in der Arktis zu geben.
Der Einsatz von Zwangsarbeit in großen staatlichen Projekten war in der Sowjetzeit in der ehemaligen Sowjetunion eine übliche Praxis.
Zurzeit sitzen nach offiziellen Angaben 478’714 Menschen in 923 staatlichen Einrichtungen als Gefangene. Davon sind 684 Arbeitslager, in denen die Häftlinge während ihrer Strafzeit auch Arbeiten verrichten müssen.
Umweltschützer sagen, dass die Verschüttung der schlimmste derartige Unfall in der Arktis war und es Jahre dauern könnte, bis sie beseitigt ist. Norilsk ist eine der am stärksten verschmutzten Städte der Welt und leidet seit Jahrzehnten an den Immissionen der Nickelwerke.
Nornickel wurde am 5. Februar 2021 zu einer Zahlung von 146 Milliarden Rubel (1,62 Milliarden Euro) wegen den verursachten Umweltschäden verurteilt. Am 10. März gab das Unternehmen bekannt, die Zahlung geleistet zu haben.
Der russische Präsident Wladimir Putin teilte daraufhin mit, dass die Geldstrafe von 1,62 Milliarden Euro, die der Bergbaukonzern Nornickel nach einer Verschmutzung durch ausgelaufenen Kraftstoff gezahlt hat, zur Verbesserung der Ökologie in der Region verwendet werden soll.
Heiner Kubny, PolarJournal