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Max Dudler, geboren 1949 in Altenrhein, studierte Architektur an der Städelschule in Frankfurt und an der Hochschule der Künste in Berlin; später arbeitete er bei Oswald Mathias Ungers. 1986 gründete er eine Bürogemeinschaft mit Karl Dudler und Pete Wellbergen, seit 1992 leitet er sein eigenes Büro mit Niederlassungen in Berlin, Zürich und Frankfurt. Nach verschiedenen Lehraufträgen wurde er 2004 als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. Zu seinen bekanntesten Werken gehören das Museum Ritter in Waldenbuch, der Umbau des Schlosses Hambach und die Diözesanbibliothek in Münster.
von Gabrielle Boller
Rigider als beim Gebäude des IBM-Hauptsitzes in Zürich kann man sich eine Hochhausfassade kaum vorstellen: Mit klaren Linien ist eine geometrische Form in den Himmel gezeichnet, ein kühler Granitquader ohne Schmuck, ohne Zierde, ohne Bruch. Kein schimmernder Glanz wie bei den gnädigen Glasfassaden, die sich auflösen im Spiel des Lichts und des Wetters und auf deren Haut sich die Wolken spiegeln, auch kein Schattenspiel auskragender Stützelemente oder ornamentaler Sonnenschutzlamellen ist auszumachen, nichts ausser einem kruden Raster hochrechteckiger Fenster zeigt das 2005 von Max Dudler errichtete Geschäftsgebäude. Wüsste man es nicht besser, könnte man denken, die schmucklosen Fensteröffnungen seien in ein massives Felsstück hineingeschnitten – wie eine monumentale und zugleich minimalistische Skulptur steht das doch so funktionale Hochhaus da, in seiner Archaik einer späten Moderne verpflichtet, die klassische Architekturthemen in Rigorismus übersetzt. So erinnert denn Dudlers IBMHauptsitz an die frühen Hochhausbauten in europäischen und amerikanischen Grossstädten, indem er den 13geschossigen Turm mit flacheren Gebäudeteilen verbindet, die zusammen als gestaffeltes Volumen einen zentralen Innenhof umgrenzen. Auch der hoch geschossene Turm zeigt dezent den klassischen Aufbau mit Sockel und Abschlusszone, ablesbar an den Bändern mit breiteren Panoramafenstern. In der erlesenen Kostbarkeit des Fassadenmaterials spiegelt sich einerseits die stolze Tradition des frühen 20. Jahrhunderts, als Wolkenkratzer palastartigen Prunk verströmten, und andererseits zeigt sich darin auch die Suche nach dem Authentischen – ein bisschen Urgestein in der Stadt. In ihrer Symmetrie nehmen die Eingangshalle und der mit einer verglasten Kassettendecke überdachte zentrale Innenhof Anleihe bei den strengen Prinzipiendes Artdéco, eine Assoziation, die auch durch die elegante Wandverkleidung mit den bereits im Aussenbereich verwendeten Granitstein unterstützt wird.
Max Dudler, Sohn eines Steinmetzes übrigens und vielleicht auch deshalb diesem Material ein bisschen verpflichtet, setzt sich in seiner Arbeit immer wieder mit architekturgeschichtlichen Themen auseinander. Im strengen Raster seiner Fensterreihen spiegeln sich antike Säulenordnungen, im grösstmöglich reduzierten und skulptural in eine bestehende Häuserzeile eingefügten Hotel «Quartier 65» bei Mainz zeigt sich das Modell von MarcAntoine Laugiers Urhütte, das Museum Ritter erinnert zwar an eine quadratische Schokoladentafel, aber vielmehr noch an einen Triumphbogen. Die Topoi der Architektur gestaltet Max Dudler, der seine Karriere im Städtebau Berlins begründete, zu überzeitlichen Chiffren – die Stadt erscheint bei ihm als System einfachster Prinzipien und Elemente, und da wäre gewiss der geringste Zierrat fehl am Platz.