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(gm) Es ist gut vorstellbar, dass das Ende der Wehrpflicht aus den jetzigen Armeereformen folgen wird; vielleicht schon in den nächsten Jahren, vielleicht erst im Lauf der nächsten Jahrzente.
Wird die Wehrpflicht bald fallen? Obwohl sie offiziell noch gilt, verwandelt sich die Armee mehr und mehr in eine halb-freiwillige, halb-professionelle Institution. Die Armeereform XXI war ein wesentlicher Schritt in diese Richtung: Verkleinerung der Truppenbestände und spezialisierte Aufgaben für die Truppen, die weit über die Landesverteidigung hinausgehen.
Von Gaétan Morel (Übersetzung David Buchmann)
Ein Ende der Wehrpflicht hätte auch Auswirkungen auf den Zivildienst: Im aktuellen Gesetz ist der Zivildienst nur als Ersatzdienst für den Militärdienst vorgesehen. Wenn die Wehrpflicht fällt, würde dies auch das Ende des Zivildienstes in seiner heutigen Form bedeuten.
Der wichtige Beitrag der Zivis
Soziale, humanitäre und Umweltschutz-Gruppierungen, welche Zivildienstleistende einsetzen, die Zivis selber, viele Politiker und auch Wirtschaftsvertreter sehen den Nutzen der Arbeit von Zivis. In anderen Ländern - etwa in Deutschland - leisten sehr viele Menschen Zivildienst und sind für die Wirtschaft so wichtig geworden, dass der Übergang zu einer freiwilligen Berufsarmee dort grosse Sorgen auslöst.
Zivildienstler sind wertvolle Arbeitskräfte. Auch wenn der Zivildienst für einige vor allem einen Ausweg aus der Militärpflicht darstellt, ist bei den meisten doch die Motivation in einem ausgeprägten sozialen Bewusstsein zu finden. Sie tun es also im Bestreben, der Gesellschaft einen wertvollen Dienst zu leisten. Sie identifizieren sich mit ihrem Einsatzort und in manchen Fällen bleiben sie nach dem Einsatz mit der Organisation verbunden oder werden gar von dieser als feste Mitarbeiter eingestellt.
Der Zivildienst hilft in Bereichen, wo zuwenig Geld für bezahlte Arbeit vorhanden ist. Damit hilft er, einen Ausgleich in der Gesellschaft zu schaffen. Im weiteren Sinn trägt er auch dazu bei, Spannungen und Konflikte abzubauen, die in unserer Gesellschaft bestehen.
In einem System des Individualismus ist der Zivildienst eine wichtige Institution, um den Sinn für die Gemeinschaft und die Verantwortung für die Gesellschaft zu stärken.
Freiwilliger ziviler Gemeinschafts- und Friedensdienst oder Vergrösserung des aktuellen Zivildiensts?
Es ist Zeit, sich Gedanken zu machen, was wir in Zukunft wollen. Ist der Zivildienst nur ein Mittel, Verweigerern aus Gewissensgründen das Gefängnis zu ersparen, oder soll er eine Institution für die Solidarität und den sozialen Ausgleich, im weiteren Sinne für den Frieden sein?
Mitte September 2005 trafen sich die Organisationen des schweizerischen Zivildienstkomitees, zu denen auch die GSoA gehört, um an einer Retraite im Tessin über die Zukunft des Zivildienstes zu diskutieren. Dabei wurden zwei Strategien diskutiert.
Eine Erste ist die Umgestaltung des jetzigen Zivildienstes in einen freiwilligen Zivildienst, der allen offen steht. Er soll hohen Ansprüchen genügen und solidarischen Werten verpflichtet sein. Einsätze im Sinne der Entwicklungshilfe, sei es in der Schweiz oder im Ausland zugunsten von Konflikt- und Krisenregionen sollen möglich sein. Dazu muss eine staatlich finanzierte Ausbildung der Einsatzwilligen ermöglicht werden. Die Idee gleicht in den Grundzügen der Initiative der GSoA für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst, über die 2001 abgestimmt wurde.
Der pragmatischere Weg ist, den bestehenden Zivildienst gründlich zu reformieren. Dazu gehört die Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten und die Öffnung des Zivildienst für alle Einwohner des Landes, insbesondere auch der Frauen. Konkrete Schritte zur höheren Attraktivität sind die Anerkennung von gewaltfreier Konfliktbearbeitung als Einsatzmöglichkeit und die Abschaffung der Gewissensprüfung. Weiter sollten die Abgaben für Einsatzbetriebe an den Bund wieder fallen, da sie gerade finanzschwache NGOs vom Zivildienst ausschliessen, welche besonders auf Unterstützung angewiesen wären. Zudem sollte die Dauer des Zivildienst verkürzt werden.
Konsens aus den Diskussionen war, den pragmatischen Weg einzuschlagen und eine schrittweise Verbesserung des Zivildienstes anzustreben. Diese schrittweise Verbesserung, verbunden mit der bereits angetönten Möglichkeit von Einsätzen zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung, bietet am ehesten die Chance, einen echten freiwilligen Gemeinschafts- und Friedensdienst zu schaffen - anstelle der sinnlosen Armee.