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Rudolf Urech-Seon - Eckig, 1948
Öl auf Leinwand
101 x 65 cm
Der Schweizer Künstler Rudolf Urech-Seon (1876 –1959) kommt 1913 an der Münchner Kunstakademie erstmals mit mathematischen Konstruktionsverfahren in Berührung. Zurückgekehrt in die Schweiz beginnt Urech-Seon, dieses Proportionsverfahren in seinen bisher naturalistischen Landschaftsmalereien anzuwenden: Ende der 1920er-Jahre entwickelt er eine Formensprache, in welcher er seine natürliche Umgebung in reduzierende Flächen und Linien aufteilt.
Damit gehört der Künstler zu den ersten Schweizer Kunstschaffenden, welche sich der Abstraktion verschreiben. Die Gemälde, die in den 1940er und 1950er-Jahren entstehen, erinnern mit ihrer reduzierten Farbpalette und den flachen, geometrischen Formen an die Zürcher Konkreten. Die Hauptvertreter dieser Kunstströmung, Max Bill (1908 –1994) und Richard Paul Lohse (1902 –1988), sind jedoch eine Generation jünger als Urech-Seon und vertreten die Meinung, dass die konkrete Kunst eine rationale und mathematisch begründete Kunst sei – «ohne äusserliche Anlehnung an Naturerscheinungen».
In Urech-Seons Ölgemälde „Eckig“ (1948) wird der Bildinhalt analog zu zeitgleichen Werken Bills von den mathematischen Grundprinzipien: Linie, Fläche, Farbe und Komposition bestimmt. Doch im Gegensatz zu Max Bill, der eine konstruktive Arbeitsweise mit Lineal und Zirkel verfolg und vorgemischte Farbtöne mittels Roller aufträgt, sind in Urech-Seons Gemälden feine Pinselstriche zu erkennen, die von einer persönlichen Handschrift zeugen.