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<h2>SubmittedText<h2><p>Der anstehende Renteneintritt der Babyboomer-Generation stellt die AHV vor grosse finanzielle Herausforderungen. Nach neuesten Schätzungen wird die AHV im Jahr 2030 eine Finanzierungslücke von 9 Milliarden Franken pro Jahr aufweisen - das ist zweimal das heutige Armeebudget. </p><p>Zur nachhaltigen Finanzierung ist das effektive Rentenalter (im Vergleich zum ordentlichen Rentenalter) von zentraler Bedeutung. Für eine Diskussion dieses Themas sind daher saubere Daten und Berechnungen notwendig. Genau daran fehlt es jedoch. Das Bundesamt für Statistik (BFS) berechnet das effektive Rentenalter aufgrund einer Umfrage. 65- bis 70-Jährige werden dabei gefragt, ob sie von einer Frühpensionierung profitierten. Wird dies bejaht, so wird das effektive Rentenalter erfasst. Ansonsten wird ein standardisiertes Rentenalter von 64 für die Frau und 65 für den Mann angenommen. Dass gut ein Drittel der Bevölkerung auch nach 65 weiterarbeitet, wird in dieser Statistik also gar nicht erfasst. Mit dieser Erfassungs- und Berechnungsmethode kann das effektive Rentenalter das ordentliche natürlich gar nie übersteigen. </p><p>Im Gegensatz zum BFS nutzt die OECD eine Definition des effektiven Rentenalters, welche sich auf die Beschäftigungsquote sämtlicher Senioren stützt. Der Unterschied ist massiv. So liegt beispielsweise das effektive Rentenalter der Männer in der Schweiz nach Methode der OECD bei 66,1 Jahren (2012), während das BFS 64,1 Jahre ausweist. </p><p>Vor diesem Hintergrund wird der Bundesrat eingeladen, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><p>1. Teilt er die Ansicht, dass eine sachliche Diskussion der Höhe des Rentenalters nur auf der Grundlage sauber erhobener und berechneter Daten möglich ist?</p><p>2. Ist er einverstanden, dass die Zahlen des BFS zum effektiven Rentenalter diese Diskussionsgrundlage nicht liefern können?</p><p>3. Wie beabsichtigt er die Berechnung des effektiven Rentenalters zu verbessern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist ebenfalls der Auffassung, dass eine sachliche Diskussion zum Rentenalter nur auf der Grundlage breitabgestützter Daten geführt werden kann.</p><p>Im Rahmen der Vorarbeiten zur Reform der Altersvorsorge 2020 wurden deshalb verschiedene Modelle eingehend analysiert. Zur Diskussion standen damals das Modell "Altersmonitoring" des Bundesamtes für Statistik (BFS), das Modell der OECD ("average effective age of retirement") sowie dasjenige des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) ("average exit age from labour force") zur Verfügung. Die geprüften Modelle beruhen alle auf der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake). Allerdings basieren sie auf unterschiedlichen Indikatoren, weshalb die Wahl des Modells davon abhängt, was unter der Definition "Rentenalter" verstanden werden soll: (a) "der Rückzug aus dem bisherigen Erwerbsleben (gegebenenfalls unter Beibehaltung einer reduzierten oder minimen Beschäftigung)", (b) "Alter, ab welchem eine Altersrente bezogen wird" oder (c) "vollständiger Rückzug aus dem Erwerbsleben". Das Modell des BFS bildet einen Indikator aufgrund einer Kombination von (a) und (b), OECD und Eurostat weisen den Indikator (c) aus. Diese unterschiedlichen Indikatoren erklären die Unterschiede in den Ergebnissen.</p><p>Der Bundesrat wollte im Rahmen der Reform der Altersvorsorge 2020 auf ein Modell mit internationalen Vergleichsmöglichkeiten abstellen, dem Aussagen zu einem durchschnittlichen Erwerbsaustrittsalter entnommen werden können. Dafür boten sich einzig das Eurostat- und das OECD-Modell an. Das BFS-Modell als rein nationale Analyse gab hingegen keine Antwort zum Erwerbsaustritt, so, wie es der Interpellant vorbringt.</p><p>Den Berechnungen für die Reform der Altersvorsorge 2020 legte der Bundesrat letztlich das Eurostat-Modell zugrunde, weil es</p><p>- die Anforderungen an die Internationalität erfüllte,</p><p>- die Altersklassen enger definierte (Alter 50 bis 70) als das OECD-Modell (Alter 40 bis 80) und</p><p>- die Erwerbsquotenentwicklung in Jahresschritten auswies (fünfjahresschritte beim OECD-Modell).</p><p>Das durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter nach dem Modell Eurostat lag bei Männern bei 64,1 Jahren und bei Frauen bei 62,6 Jahren. Beim BFS-Modell lag das durchschnittliche Pensionierungsalter bei 63,5 Jahren für Männer und bei 63,1 Jahren für Frauen. Der Interpellant verwechselt somit das BFS-Modell mit jenem von Eurostat.</p><p>Für den Bundesrat bestehen keine Anhaltspunkte, welche die den Berechnungen für die Reform der Altersvorsorge zugrunde gelegten Ergebnisse infrage stellen würden.</p><p>Zwischenzeitlich hat Eurostat den bisherigen Indikator "average exit age from labour force" durch den neuen Indikator "duration of working life" ersetzt. Der bisherige Indikator kann jedoch mit aktuellen Daten jederzeit wieder berechnet werden.</p>  Antwort des Bundesrates.