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Gast- und Kurhaus Hergiswald
Ein Gasthaus für die Pilger auf Hergiswald gab es bereits Mitte des 17. Jahrhunderts. Auf dem Platz des späteren Kurhauses stand einst das Sigristenhaus (ein «ordentliches Bauernhaus», Luzerner Ratsprotokoll), das zugleich als Wirtshaus diente. In der Nacht zum 3. Juli 1795 brannte dieses ab, nachdem ein beim Küchenherd angebrachtes «Genterli» Feuer gefangen hatte.
Umgehend beschloss die Luzerner Regierung, dass das «Wirthshaus wiederum neu erbaut werde». Dieser Neubau von 1795 war das Wirtshaus Sonne, das man auf den ältesten Darstellungen erkennt.
Die nachfolgende Chronologie dokumentiert die Geschichte des Gast- und Kurhauses Hergiswald vom frühen 19. Jahrhundert bis heute:
Kirche und Wirtshaus «Sonne» zur Zeit des Biedermeier
Lithographie von B. Nigg, um 1830.
Die 1795 errichtete «Sonne» war ein stattlicher Bau in Stein und Holz samt Wirtshausschild mit goldener Sonne.
Von der Stadt her erreichte man den Ort damals nur über den steilen Pilgerweg durch den Wald.
Kurhaus Hergiswald
Entwurf von Louis Pfyffer von Wyher, 1837. Aufriss der Ostfassade.
Wegweisend für die spätere Gestaltung des Kurhauses war ein Entwurf des Luzerner Architekten Louis Pfyffer von Wyher aus dem Jahre 1837. Der dreigeschossige Bau wurde allerdings nicht ausgeführt.
Kurhaus «Herrgottswald»
Prospekt des Pächters Kaspar Haas, Wirt in Hergiswald 1859-1907.
1881 ersetzte man die alte «Sonne» durch einen Neubau mit vier Geschossen. Pläne dazu bestanden seit längerem, da der «ehemalige Wallfahrtsort», wie man argumentierte, sich «von selbsten in einen Kurort umgewandelt» habe und man gar Teile des Kaplanenhauses für die Kurgäste in Anspruch nehmen musste.
Gasthaus und Pension Hergiswald
Postkarte, um 1900.
Das 1881 errichtete Kurhaus wurde in der Folge mehrfach um- und ausgebaut. Um 1900 präsentierte es sich mit einer offenen Veranda und einem lauschigen Kastaniengarten und bot Platz für fünfzig Gäste.
Wichtiger als das Seelenheil waren nun «Milch und Molken», «vorzügliches Trinkwasser», gesunde «Bäder» und «billige Preise», die der «klimatische Kurort Herrgottswald» seinen Besuchern bot.
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Im Garten des Kurhauses Hergiswald
Postkarte, 1908.
Zur kleinen Gartenanlage für die Kurgäste gehörten eine Laube und ein Brunnen, der sich erhalten hat.
1913 wurde das Haus mit elektrischer Beleuchtung versehen.
Kurhaus Pension Hergiswald
Broschüre, um 1910.
Im Prospekt der Geschwister Limacher, die zwischen 1907 und 1912 das Kurhaus pachteten, heisst es: «Noch lange wird der auf Hergiswald weilende Gast – nachdem er sein freundliches Schlafzimmer aufgesucht – des genossenen Naturschauspiels sich erinnern.»
«Aber auch ebenso schön kann dem Skisport gehuldigt werden» – einschliesslich Mutprobe auf der «Sprungschanze» oberhalb des Kurhauses.
Kurshaus Pension Hergiswald ob Luzern
Postkarte, 1918 (Fotomontage).
Seit den 1890er Jahren führte eine Strasse von der Hergiswaldbrücke oberhalb Kriens zur Kirche hinauf und weiter bergwärts bis nach Eigental. Ein «eigenes Fuhrwerk» brachte die Gäste vom Bahnhof Luzern zum «Luftkurort Hergiswald».
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Hergiswald ob Kriens
Postkarte, um 1925 (Fotomontage).
Auf den alten Ansichten und Postkarten ist das Kurhaus oft prominent in Szene gesetzt und – wie hier – ins Bild montiert, so dass die Wallfahrtskirche neben dem beflaggten Kurshaus und der Kaplanei (rechts) beinahe verschwindet.
Tatsächlich war seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Zahl der Pilger merklich zurückgegangen.
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Die Glasveranda des Speisesaals
Postkarte, 1941.
1930 vergrösserte der Luzerner Architekt Vinzenz Fischer den westlichen Anbau und den Speisesaal.
Die verglaste Veranda samt montiertem «Ausblick» zeigt stolz eine Postkarte aus dem Jahre 1941.
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Kurhaus Hergiswald
Fotografie, um 1950.
Der Anbau der Küche im Westen und die wuchtige Glasveranda von 1930 dominierten das Äussere in den Jahrzehnten bis zum Abbruch des Gebäudes im Jahre 2017.
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Restaurant Hergiswald
Postkarte, um 1970.
Trotz dem alten Schriftzug an der geschindelten Fassade wurde aus dem einstigen «Kurshaus Hergiswald» mit der Zeit ein Speiserestaurant und sonntägliches Ausflugsziel. In den Gästezimmern wohnten nun die Wirtsleute und das Personal.
Die Terrasse vor dem Eingang im Südwesten wurde später erweitert. «Und für mich ein Pepita, bitte.»
Restaurant Hergiswald
Aufnahme von 2006.
Zusammen mit der Kirche und den historischen Profanbauten wurde das Kurhaus 2006 im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als «Ortbild von nationaler Bedeutung» eingestuft.
Versuche, das in die Jahre gekommene Gebäude zu erhalten, scheiterten dennoch. 2017 musste das Haus einem Neubau weichen.
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Neubau Gasthaus Hergiswald
Visualisierung Architekturbüro Gion A. Caminada, Vrin
Auf den Grundmauern des einstigen Kurshauses von 1881 entsteht gegenwärtig das neue Gasthaus Hergiswald. Der viergeschossige Holzbau des Bündner Architekten Gion A. Caminada bietet nebst Saal und «Pilgerstube» (im Sockelgeschoss) auch eine kleine Anzahl Gästezimmer.
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Literatur
Kurhaus Pension Hergiswald [Broschüre]. Luzern: Schill, ca. 1910. – J. Scherer u. J. Zemp, Geschichte und Beschreibung der Wallfahrtskirche Hergiswald. 3. Aufl. Luzern 1964. – B. Wyss, Louis Pfyffer von Wyher, Architekt, 1783-1845. Ein Beitrag zur Schweizer Baugeschichte des 19. Jahrhunderts. Luzern 1976. – Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz, hg. v. Eidgenössischen Departement des Innern. Bd. 1.1. Bern 2006. – D. Bitterli, Die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau in Hergiswald. 2. Aufl. Bern 2007.
Die Bilder entstammen der Sondersammlung der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern sowie den oben genannten Publikationen.
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