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Gestützt auf die geltende Rechtslage (insbes. Art. 46 ArG sowie Art. 73 ArGV 1) ist der Arbeitgeber verpflichtet, Dauer und Lage der geleisteten täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit und der Pausen von mindestens einer halben Stunde zu erfassen. Diese strikte Erfassungspflicht betreffend Arbeitszeit ist mit der heutigen Realität des Arbeitsalltags oftmals nicht mehr vereinbar, weshalb der Ruf nach Lockerungen laut wurde.
Per 1. Januar 2016 wurden neue Verordnungsbestimmungen (Art. 73a und 73b ArGV1) eingeführt. Seither ist folgendes möglich:
Verzicht auf die Arbeitszeiterfassung (Art. 73a ArGV1): Diese Option setzt einen Gesamtarbeitsvertrag zwischen dem Arbeitgeber und einer oder mehreren Arbeitnehmerorganisationen voraus, welcher den Verzicht vorsieht. Zudem müssen die betroffenen Arbeitnehmenden dem Verzicht zustimmen, mind. CHF 120‘000 (Vollzeit) verdienen und bei ihrer Arbeit über eine so grosse Autonomie verfügen, dass sie ihre Arbeitszeit zu mind. 50% selber festsetzen können. Die Dokumentationspflicht des Arbeitgebers beschränkt sich hernach auf den Gesamtarbeitsvertrag sowie ein Verzeichnis mit Lohnangaben der Arbeitnehmenden, die auf die Arbeitszeiterfassung verzichtet haben (inkl. individuelle Verzichtserklärungen).
Vereinfachte Arbeitszeiterfassung (Art. 73b ArGV1): Diese Option setzt eine Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und der Arbeitnehmervertretung (soweit vorhanden) bzw. der Mehrheit der Arbeitnehmenden betreffend vereinfachte Erfassung voraus. Bei Betrieben mit weniger als 50 Arbeitnehmenden kann die Vereinbarung individuell getroffen werden. Weiter ist vorausgesetzt, dass die betroffenen Arbeitnehmenden ihre Arbeitszeit zu mind. 25% selber festsetzen können. Die Dokumentationspflicht des Arbeitgebers beschränkt sich hernach auf folgendes: Vereinbarung, welche die Anforderungen von Art. 73b ArGV1 erfüllt, sowie Gesamtdauer der täglich geleisteten Arbeit (bei Nacht- und Sonntagsarbeit Anfang und Ende dieser Arbeit). Bei individuellen Vereinbarungen muss jährlich ein Gespräch zur Arbeitsbelastung geführt und dokumentiert werden.
Der Bundesrat wollte mit diesen zusätzlichen Optionen auf die Bedürfnisse der modernen Arbeitswelt reagieren. Ob die entsprechenden Optionen auch tatsächlich zu einer Vereinfachung führen, ist im Einzelfall zu prüfen. Problematisch ist jedoch, dass die Möglichkeiten zahlreichen Arbeitnehmenden gar nicht erst zur Verfügung stehen, da sie entweder das für den Verzicht erforderliche Mindestsalär nicht erzielen und/oder nicht über die notwendige Zeitsouveränität verfügen.
Die Zeiterfassungspflicht trifft den Arbeitgeber nur betreffend seine Arbeitnehmenden. Lagert er gewisse Tätigkeiten aus, bspw. an Freelancer, so untersteht er betreffend diese Personen den entsprechenden Erfassungsregeln nicht. Wesentlich ist hier aber, dass es sich bei der entsprechenden Arbeitskraft tatsächlich nicht um einen Arbeitnehmenden des Arbeitgebers handelt. Anhand welcher Kriterien Arbeitnehmende und Freelancer unterschieden werden, wird in einem separaten Blog-Beitrag abgehandelt.