Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03646.jsonl.gz/181

Seit 2012 gibt es Netflix in Europa, drei Schweizer Serien hat der amerikanische Streamingdienst seither gekauft. Die SRF-Produktion «Neumatt» wird die erste sein, die in 190 Ländern und in 30 Sprachen gesehen werden kann.
2015 hatte es auf diesem Weg bereits die SRF-Serie «Der Bestatter» und zwei Jahre später die RTS-Produktion «Station Horizon» in die USA, Kanada, Frankreich und Australien geschafft. «Neumatt» habe man Netflix im Frühsommer 2021 angeboten, sagt Lukas Hobi, Produzent bei Zodiac Pictures, im Gespräch mit Keystone-SDA. Die Zürcher Firma steht mit «Die göttliche Ordnung», «Gotthard», «Frieden» oder «Heidi gleicht hinter mehreren Erfolgsproduktionen.
«Neumatt» ist der erste Direktverkauf einer Serie von Zodiac Pictures an Netflix. «Aber ‹Heidi› oder die Serie ‹Frieden› wurden bereits von unseren Partnern im Ausland an verschiedene Plattformen verkauft, zum Beispiel an Disney+ in Deutschland», so Hobi. Netflix, Disney+, Amazon und so weiter haben in der Schweiz nur Lizenzen für bereits produzierte Serien gekauft. Erwähnenswert ist jedoch die SRF-Serie «Tschugger», deren Kreation und Produktion im letzten Jahr von Sky, dem grössten europäischen englisch-deutschen Streamingkanal, mitfinanziert wurde.
Dasselbe wie in der Musikbranche
SRF hat «Neumatt» im Rahmen des Pacte de l’audiovisuel koproduziert: «Wir haben ihn zu rund 80 Prozent mitfinanziert», erklärt Urs Fitze, Leiter Bereich Fiktion. Das bedeutet, dass das SRF die Schweizer Rechte besitzt und die unabhängige Produktionsfirma die Serie international verwerten kann. Netflix zahlt Lizenzgebühren an Zodiac Pictures, um «Neumatt» weltweit exklusiv auszustrahlen.
Bei den Pakt-bezogenen Koproduktionen erhält das SRF eine Beteiligung an den generierten Einnahmen, die auf der Basis von 50 Prozent des geleisteten finanziellen Beitrags berechnet wird. Diese Einnahmen würden in neue fiktionale Inhalte reinvestiert, so Fitze weiter.
RTS koproduziert im Rahmen des Pacte de l’audiovisuel zwei Serien pro Jahr und dank einer erhöhten Investition in Fiktionales seit 2017 jedes zweite Jahr eine dritte Serie. «Im Allgemeinen liegt unser Beitrag bei 70 bis 80 Prozent», erklärt Françoise Mayor, Leiterin der Abteilung Fiktion, Dokumentationen und Originalserien bei RTS. «Die Mehrheit zu behalten ist eine der Herausforderungen, die uns ermöglicht, unsere Autonomie zu bewahren.»
Laut Pierre Monnard, einem der beiden Regisseure der ersten Staffel von «Neumatt», sind die Diskussionen über die Vergütung der Urheberrechte mit Netflix genau die gleichen wie mit den anderen schweizerischen oder ausländischen Streamingplattformen: «Alles muss neu verhandelt werden.»
Der Freiburger weist darauf hin, dass die Urheberrechte für die Ausstrahlung einer Serie wie «Neumatt» auf der amerikanischen Plattform zwar kostet: «Die bisherigen Tarife sind für die Schöpfer und Künstler allerdings viel weniger vorteilhaft als die Tarife, die bei den herkömmlichen Sendern gelten.»
Streamingplattformen zahlen Urheberrechtsgebühren, die auf Video-on-Demand-Tarifen basieren. Sie sind also viel niedriger als die Gebühren für Filme, die auf linearen Fernsehkanälen ausgestrahlt werden. «Es ist ähnlich wie bei Musikern», so Monnard weiter. «Die Diskrepanz wischen dem, was sie heute für die Übertragung auf Spotify bekommen, und dem, was sie früher mit dem Verkauf von CDs und DVDs verdient haben, ist ähnlich gross.»
Netflix-Büro in Berlin
Ansprechpartner für Produzentinnen und Produzenten aus der Deutschschweiz und der Romandie ist Netflix in Berlin. Dort hat das Unternehmen im September seine neuen Büros für Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH-Region) eröffnet. Das Netflix-Büro am Warschauer Platz ist nach Amsterdam, London, Madrid und Paris das fünfte in Europa.
Das Unternehmen setzt auf das Wachstumspotenzial der DACH-Region und investiert zwischen 2021 und 2023 500 Millionen Euro in deutsche, österreichische und schweizerische Titel, heisst es auf der Website. Die drei Länder vereinen fast 11 Millionen zahlende Abonnenten bei einer Einwohnerzahl von fast 100 Millionen Menschen. Zahlen, die sich ausschliesslich auf die Schweiz beziehen, gibt es gemäss PR-Abteilung nicht.