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Im Kanton Obwalden werden seit 1988 Tierknochen und Skelette in Höhlen systematisch geborgen. Bislang konnten über 2000 Individuen bestimmt werden. Darunter befinden sich 50 verschiedene Tierarten. Die Obwaldner Tiersekelettsammlung stellt heute den grössten Höhlenfundus der Schweiz dar.
Das Spektrum der bislang nachgewiesenen Tierarten umfasst:
- Amphibien (Erdkröte, Grasfrosch)
- Vögel (Birkhuhn, Alpenschneehuhn, Waldschnepfe usw.)
- Insektenfresser (Alpenspitzmaus bis Maulwurf)
- Fledermäuse (8 verschiedene Arten)
- Nagetiere (von der Schneemaus über Eichhörnchen bis Murmeltier)
- Hasentiere (Schneehase)
- Paarhufer (von Rind, Schaf, Ziege über Steinbock, Rothirsch bis Gemse)
- Fleischfresser (Braunbär, Luchs, Fuchs, Hermelin, Mauswiesel, Hund)
Aus den in den Höhlen geborgenen Skeletten lassen sich Rückschlüsse auf die heutige und v.a. ehemalige Artenzusammensetzungen ziehen. Dafür ist eine genaue Untersuchung jedes gefundenen Objekts nötig. Die vielen Funde stehen zur Zeit am Archäologischen Museum in Neuenburg für weiterführende wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung.
Braunbärenskelettfund aus dem letzten Eiszeit-Interstadial
Im Gebiet der Melchsee-Frutt, weit innerhalb des Alpenbogens gelegen, wurde auf 1775 m ü.M. das Skelett eines ungefähr 3 bis 4 Monate alten Braunbären (Ursus arctos) in einer Höhle entdeckt. Die Datierung dieses Fundes mittels AMS-14C auf etwa 31’000 bis 33’000 Jahren vor heute situiert ihn in die wärmere Zeit zwischen beiden Vorstössen der Würm-Eiszeit. Diese Entdeckung bestätigt, dass der Braunbär in der Blütezeit des Höhlenbären doch noch in Europa vorkam und weist ferner darauf hin, dass er möglicherweise suboptimale Gebiete seines Verbreitungsareals nutzte. Ausserdem erbringt dieser Fund einen weiteren Nachweis einer weitgehend eisfreien Periode im Alpenraum bis auf mindestens 2000 m ü.M. während der Interstadialzeit zwischen 60000 und 25000 Jahren vor heute.
Seltener Fledermaus-Skelettfund aus dem Jahr 750-970 n.Chr.
Der Fund aus dem Jahre 1994 eines Skelettes einer Wimperfledermaus (Myotis emarginatus) in der Bettenhöhle auf einer Höhe von 1670 m ü.M., ist ein weiterer Nachweis dieser seltenen Art im Gebiet der Schweiz, wo nur wenig Belege bekannt sind. Der Fund ist mittels AMS-14C auf 1200 BP datiert (Kalibriert: 750–970 n.Chr.), was ihn in eine Erwärmungsphase des Holozäns situiert. Es handelte sich sehr wahrscheinlich um ein Tier, das, wie die allermeisten Fledermäuse, deren Skelette in Höhlensystemen des Alpenbogens gefunden wurden, während seines Winterschlafs gestorben ist.
Noch wesentlich älter ist ein weiterer datierter Fledermaus-Skelettfund. Es handelt sich um eine noch heute weit verbreitete Art – Bart- oder Brandtfledermaus (Myotis mystacinus/brandti). Dieser Fund stammt ebenfalls aus der Bettenhöhle und ist 4500 Jahre alt.
Belege mittelalterlicher Nutztierrassen
Die Höhlen der Melchsee-Frutt liegen zum Teil in Gebieten mit Alpwirtschaft. Im Laufe der letzten Jahrhunderte sind einzelne Tiere in beispielsweise unter Gebüschen versteckt liegende Höhlenschächte gestürzt und verendet. Durch die systematische Bergung der Tierknochen sind auch Skelette zum Vorschein gekommen, die alte und z.T. ausgestorbene Tierrassen belegen sowie Aussagen über die Alpnutzung längst vergangener Zeiten zulassen.
Bei einem dieser Funde handelt es sich um ein Rind, dessen Skelett aus dem 20 m tiefen Erlenschacht geborgen wurde. Es ist nach einer 14C- Datierung in der Zeitspanne zwischen dem Ende des 12. Jh. und dem Beginn des 13. Jh.n.Chr. verendet (kalibriertes Alter: 1189 bis 1247 AD). Die für diese Zeit typischen Tötungsspuren am Frontale des Schädels fehlen, es ist demnach wahrscheinlich, dass das Tier bei einem Sturz in den Schacht tödliche Verletzungen erlitt.
Das Skelett ist nahezu vollständig geborgen worden. Zum Zeitpunkt des Todes war das Rind etwa zwei Jahre alt. Die Grösse eines Tieres ist mit der Länge seiner Röhrenknochen korreliert. Aus diesem Grunde kann die Höhe des Widerristes errechnet werden. Das Rind aus dem Erlenschacht hatte eine Schulterhöhe von etwa 1 m. Heutiges Fleckvieh erreicht Widerristhöhen von fast 1,60 m und selbst alte Rassen wie Hinterwälder sind im Mittel 1,25 m hoch. Die Tatsache eingerechnet, dass das Jungtier aus dem Erlenschacht noch einige Zentimeter grösser geworden wäre, handelt es sich doch um ein sehr kleines Individuum.