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Der erste Schritt im Organspende-Prozess ist das Erkennen von potentiellen Spendern. Dabei handelt es sich um Patienten mit einer schweren Hirnschädigung und infauster Prognose, bei denen innerhalb der nächsten 48 Stunden mit dem Hirntod zu rechnen ist.
Die wichtigsten Kriterien für die Erkennung einer betroffenen Person, die den Hirntod erleiden könnte und bei der eine Organspende in Erwägung gezogen werden kann, sind:
- tiefes Koma (GCS ≤ 8) und Bildgebung mit cerebraler Pathologie und infauster Prognose
- Fehlen eines oder mehrerer Reflexe der Hirnnerven
- beidseits fixierte Mydriasis
- Fehlen der zervikookulären und vestibulookulären Reflexe
- Fehlen der Kornealreflexe
- Fehlen des Husten- und Schluckreflexes
- Fehlen zerebraler Reaktionen auf Schmerzreize
- Fehlen der Spontanatmung
- Fehlen einer absoluten Kontraindikation für die Spende
(Quelle und weitere Informationen: Modul I des Swiss Donation Pathway)
Wichtig: Sorgfalt im Umgang mit Angehörigen
Der mutmassliche Wille des Patienten in Bezug auf eine Organspende kann mit dem gesetzlichen Vertreter oder den Angehörigen besprochen werden, sobald die aussichtslose Prognose feststeht und die medizinische Behandlung auf eine palliative Therapie bzw. bei möglicher Organspende auf eine sogenannte organerhaltende Therapie umgestellt wird. Die Gespräche über die Einstellung der therapeutischen Massnahmen bzw. die Information über den Hirntod und die Anfrage bezüglich Organspende müssen separat erfolgen.
(Quelle und weitere Informationen: Modul I des Swiss Donation Pathway)
Für die Organentnahme müssen spezifische Kriterien kumulativ erfüllt sein. Die Überprüfung erfolgt durch Fachärzte, welche vom Transplantationsteam unabhängig sind. Die Kriterien sind:
- nachgewiesener Hirntod
- Zustimmung des Spenders oder der Angehörigen; bei nichtnatürlichem Tod zusätzlich die Zustimmung des Staatsanwaltes
- medizinische Qualifikation
Detaillierte Informationen zur Spender-Evaluation finden Sie unter «Wer kommt als Organspender in Frage?»
Es wird unterschieden zwischen möglichen, potentiellen, qualifizierten und effektiven Spendern. Weitere Informationen dazu finden sie unter dem Modul I des Swiss Donation Pathway.
Die Daten des Spenders werden zwei Stunden vor einem möglichen Beginn der Allokation an die nationale Koordinationsstelle Swisstransplant übermittelt und in das Zuteilungssystem SOAS (Swiss Organ Allocation System) eingegeben. Anhand dieser Daten werden geeignete Empfänger für die zu transplantierenden Organe ermittelt. Die nationale Koordinationsstelle informiert die entsprechenden Zentren, in denen die Organe transplantiert werden sollen.
Den Ärzten der Partnerspitäler stehen zur Meldung von Patienten mit schwerer Hirnschädigung bzw. eines potentiellen Organspenders zwei Hotlines zur Verfügung. Hier können Sie sich auch über die Regelung der anonymisierten Identität informieren, die von Spital zu Spital unterschiedlich geregelt sein kann:
- Spitäler aus den Kantonen Aargau, Basel-Stadt und Basel-Landschaft wählen: +41 61 265 25 25 (über die Telefonzentrale des Universitätsspitals Basel)
- Spitäler aus den Kantonen Bern, Solothurn sowie aus dem Oberwallis (Visp) wählen: +41 31 632 83 95 (Inselspital Bern)
- Swisstransplant: +41 58 123 80 40
Der Transplantationskoordinator ist dafür zuständig, regelmässig die Vitalzeichen des Spenders ins SOAS (Swiss Organ Allocation System) einzutragen. Er muss vom behandelnden Arzt bzw. vom Pflegepersonal über jegliche Zustandsveränderung informiert werden.
Ausführliche Informationen zur Spenderbehandlung finden Sie im Swiss Donation Pathway:
- Modul II: Behandlung des erwachsenen Spenders - Intensivstation
- Modul III: Behandlung des erwachsenen Spenders - Anästhesie
- Modul IV: Behandlung des pädiatrischen Spenders
Die Organentnahme ist eine Operation, die nach genau festgelegten Standards durchgeführt wird. Sie ist technisch sehr anspruchsvoll und wird von erfahrenen Chirurgen mit Sorgfalt vorgenommen. Die Anwesenheit eines Transplantationskoordinators während der Organ- und Gewebeentnahme ist zwingend, um den korrekten Ablauf sicherzustellen.
Detaillierte Informationen zur Organ- und Gewebeentnahme: Modul VI Swiss Donation Pathway
Nach der Entnahme werden die Organe nach festgelegten Richtlinien verpackt und schnellstens in die entsprechenden Transplantationszentren transportiert. Vor der Entnahme werden die Organe mit einer Konservierungslösung durchspült, wodurch sie einige Stunden ohne Blut- resp. Sauerstoffversorgung überstehen können. Nach Ankunft der Organe im Transplantationszentrum wird unverzüglich mit der Transplantation begonnen.
Ausführliche Information zur Organisation der Transport: Modul X Swiss Donation Pathway
Die Würde des Verstorbenen wird während und nach der Operation gewahrt. Nach dem Eingriff erfolgt die sorgfältige Wundversorgung des Leichnams. Der Transplantationskoordinator ist verantwortlich für die Wiederherstellung der körperlichen Integrität des Spenders. Eine Aufbahrung im offenen Sarg ist möglich, auch wenn mehrere Organe entnommen wurden. Der Transplantationskoordinator steht den Angehörigen für jegliche Informationen und zur Unterstützung für unbestimmte Zeit zur Verfügung.