Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03231.jsonl.gz/36

==> andere Materialismus-Auffassungen
"Historischer Materialismus" (auch HISTOMAT) wird oft synonym zu "Dialektischer Materialismus" (auch DIAMAT) verwendet.
"Historischer Materialismus" ist eine Bezeichnung, die F. Engels eingeführt hat. K. Marx selbst sprach von einer materialistische Geschichtauffassung, in deren Zentrum die Entwicklung der Produktivkraft und der Produktionsverhältnisse steht.
Als materialistische Geschichtsauffassung bezeichnete K. Marx - in relativierter Anlehnung an C. Darwin - die Beobachtungsweise, in welcher evolutionäre Entwicklungen "materiell" begründet werden. Materiell bezeichnet dabei aber kein naturwissenschaftliches Verständnis und schon gar keine Reduktion auf Physik, sondern die tätige Aneignung als Gegenstand der Beobachtung. Historisch bezeichnet dabei, dass die materielle Produktion der Lebensmittel - wie die Naturgeschichte des Menschen - als Evolutionsgeschichte begriffen und dargestellt wird.
Der historischen Materialismus bezieht sich nicht auf eine naturwissenschaftlich gemeinte, ontologische Materie, sondern auf die materiellen Voraussetzungen jeder herstellenden Tätigkeit, die gemeinhin als Material bezeichnet werden. Dieses Material kann naturwissenschaftlich beobachtet werden, als Gegenstand aber ist in der herstellenden Tätigkeit begründet.
Alle drei sind von Hegel in seiner idealistischen Weise als bloße Denkgesetze entwickelt: das erste im ersten Teil der „Logik", in der Lehre vom Sein; das zweite füllt den ganzen zweiten und weitaus bedeutendsten Teil seiner „Logik" aus, die Lehre vom Wesen; das dritte endlich figuriert als Grundgesetz für den Aufbau des ganzen Systems. Der Fehler liegt darin, daß diese Gesetze als Denkgesetze der Natur und Geschichte aufoktroyiert, nicht aus ihnen abgeleitet werden. Daraus entsteht dann die ganze gezwungene und oft haarsträubende Konstruktion: Die Welt, sie mag wollen oder nicht, soll sich nach einem Gedankensystem einrichten, das selbst wieder nur das Produkt einer bestimmten Entwicklungsstufe des menschlichen Denkens ist. Kehren wir die Sache um, so wird alles einfach und die in der idealistischen Philosophie äußerst geheimnisvoll aussehenden dialektischen Gesetze werden sofort einfach und sonnenklar." (Dialektik der Natur :348)
Wir haben hier kein Handbuch der Dialektik zu verfassen, sondern nur nachzuweisen, daß die dialektischen Gesetze wirkliche Entwicklungsgesetze der Natur, also auch für die theoretische Naturforschung gültig sind." (Dialektik der Natur :349)
„Die materialistische Anschauung der Geschichte geht von dem Satz aus, daß die Produktion, und nächst der Produktion der Austausch ihrer Produkte, die Grundlage aller Gesellschaftsordnung ist; daß in jeder geschichtlich auftretenden Gesellschaft die Verteilung der Produkte, und mit ihr die soziale Gliederung in Klassen oder Stände, sich danach richtet, was und wie produziert und wie das Produzierte ausgetauscht wird. Hiernach sind die letzten Ursachen aller gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Umwälzungen zu suchen nicht in den Köpfen der Menschen, in ihrer zunehmenden Einsicht in die ewige Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern in Veränderungen der Produktions- und Austauschweise; sie sind zu suchen nicht in der Philosophie, sondern in der Ökonomie der betreffenden Epoche.“ (Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, S. 487. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 8118 (vgl. MEW Bd. 20, S. 248–249)