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In Zeiten des Krieges wurden gewisse Güter des täglichen Bedarfs knapp. Um eine solide Grundversorgung der ganzen Bevölkerung sicherzustellen wurde in der Schweiz im März 1917 erstmals das System der Rationierung eingeführt. Diese Einschränkung des Handels bezweckte, dass der Marktmechanismus "knappes Angebot führt zu höheren Preisen" durchbrochen wird. Um eine gerechte Verteilung der Lebensmittel zu erreichen, wurden Bezugsscheine ausgegeben. Die Lebensmittelkarten, bzw. -marken waren nicht Gutscheine zu einem kostenlosen Bezug, sondern sie berechtigten zum Kauf der Güter. Um die Bezugsscheine einlösen zu können, mussten natürlich die nötigen Geldmittel vorhanden sein.
Reis und Zucker waren die ersten Lebensmittel, die ab März 1917 rationiert wurden, später Mais, Teigwaren, Hafer und Gerste. Im Oktober folgten Brot und Mehl.
Im März 1918 wurde auch der Handel mit Butter, Fett und Öl reguliert. Im Juni folgte die Rationierung für Käse, im Juli für die Milch.
Käsekarten von August und November 1918 und Januar 1920.
Was auffällt, ist die kleine Stückelung der Bezugsscheine. Jeder Coupon berechtigte zum Kauf von 12 ½ Gramm Käse. Für 250 g Käse waren also
20 Käsemarken nötig.
Eine Vergünstigung gab es für Viertel-Fett-Käse und Magerkäse. Dafür brauchte man nur zwei Drittel der Käsemarken; für Weichkäse, Ziegenkäse und Schabzieger gar nur die Hälfte.
Auch der Lebensmittelkonsum von Selbstversorgern unterlag einer Kontrolle. Wer auf seinem Bauernhof Getreide anbaute, erhielt die Bewilligung, davon eine beschränkte Menge für den Eigenbedarf zur Mühle zu bringen.
Die Rationierung gewisser Lebensmittel blieb auch nach Kriegsende 1918 noch eine Zeit lang in Kraft. Einzelne der Massnahmen galten noch bis April 1920.
In der Zeit des 2. Weltkriegs war der Bund besser auf die Notlage vorbereitet als 35 Jahr zuvor. Zur besseren Versorgung der Bevölkerung wurden auf verschiedenen Ebenen Massnahmen ergriffen, die Rationierung von Konsumgütern war nur eine davon. Ebenfalls wichtig waren die Förderung der landwirtschaftlichen Produktion (Anbauschlacht) oder die Einführung einer Preisüberwachung.
In einigen Bereichen wurde sehr differenzierte Massnahmen angeordnet, so zum Beispiel beim Brot: Ab Juli 1940 wurde es nicht mehr frisch verkauft, ab Oktober 1942 rationiert und ab April 1943 bei Bedarf mit Kartoffeln gestreckt.
Nicht nur für Nahrungsmittel galt eine Rationierung, auch Kleider, Schuhe oder Fahrradbereifung erhielt man nur mit entsprechenden Marken.
Für die Ausgabe der Rationierungskarten war die Gemeindekanzlei zuständig. Jeder Bezüger von Rationierungsmarken hatte zwei Wechselcouverts. Wer auf der Kanzlei ein Couvert mit neuen Bezugsscheinen entgegennahm, musste das andere, leere Couvert wieder abgeben.
Von Frühling 1945 bis Juli 1948 erfolgte die gestaffelte Aufhebung der Rationalisierung und der Reservelager.
Quellen:
- Rationierungsmarken, Mahlkarte, Wechselcouvert etc.: Privatarchiv Rüetschi
- Hintergrundinformationen: Bernhard Degen: «Rationierung» in HLS (Historisches Lexikon der Schweiz),
online unter "www.hls-dhs-dss.ch"