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Der internationale Pferdesport in der DDR begann 1956 mit einem CSI in Leipzig (das war rund sieben Jahre nach der Gründung der DDR). Bis 1967, also zwölf Jahre lang, beschränkten sich die internationalen Aktivitäten der DDR auf Turniere im eigenen Lande sowie in den befreundeten sozialistischen Ländern. Von 1968 bis 1972, also fünf Jahre lang, durften die DDR-Reiter in den Westen, wobei vor allem die Dressurreiter erstaunliche Erfolge errangen.
Ab 1973 galt der Pferdesport in der DDR wieder als nicht förderungswürdig. Bis 1990 ritt kein weiterer DDR-Reiter im kapitalistischen Westen. In jenem Jahr bestritt Ralf Blankenburg als einziger DDR-Reiter einen Weltcupfinal der Springreiter, und bei den ersten Weltreiterspielen in Stockholm starteten drei Viererzugfahrer und eine Voltigier Equipe, und endeten auf hinteren Plätzen. Der grosse Preis der DDR wurde 31 Mal ausgetragen: von 1956 bis 1993. 16 Mal gewannen Reiter der DDR. Von diesen 31 Turnieren waren zwölf von der FEI autorisierte CSIOs. Den Anfang machte Leipzig. Von 1956 bis 1965 war Leipzig ein CSI, von 1966 bis 1969 ein CSIO. Beim letzten Springanlass 1969 wurde auch ein CDI ausgetragen. Es ist bemerkenswert, dass in den folgenden Jahren, als bis 1972 die DDR im Westen mitmachte, in Leipzig nur noch die geförderte Dressur angeboten wurde – 1972 sogar als CDIO. Dies war die letzte Freiluftveranstaltung in Leipzig.
Nationenpreispremiere in Gera
Von 1974 bis 1977 wurde, dank der Initiative eines VEB (Volkseigener Betrieb, Landwirtschaftsbetrieb mit Champignonzucht), ein CSIO in Trinwillershagen durchgeführt. Das Ende dieses Turniers kam, als die FEI die Forderung stellte, auch Reiter aus der Bundesrepublik einzuladen. 1990, als das Ende der DDR absehbar war, wurde in Gera erstmals um Nationenpreisehren geritten – zusammen mit einem Weltcupspringen der neuen Zentraleuropaliga. Bis 1993, als die DDR bereits Vergangenheit war, wurde in Gera ein CSIO ausgetragen, dies auf speziellen Wunsch von Warendorf, um so dem einstigen DDR-Pferdesport den Anschluss an die westlichen Aktivitäten zu erleichtern. In diesen zwölf DDR-Nationenpreisen (je vier in Leipzig, Trinwillershagen und Gera) siegten die DDR-Reiter dreimal – jedes Mal in Trinwillershagen. Dazu kamen drei Siege im sozialistischen Ausland: 1966 in Olsztyn, 1970 in Budapest und 1979 in Bratislava.
Dressur: EM-Silber
Einer der erfolgreichsten DDR-Springreiter, Günter Till, ritt von 1971 bis 1990 in 27 Nationenpreisen. 14 bis 19 Starts hatten Ralf Deutschmann, Rudolf Beerbohm, Reinhold Schierle, Rolf Günther und Falk Siegling. Je zehn Starts weisen Helmut Gille, Heinz Schulenburg und Volker Tonn auf. Horst Köhler, Wolfgang Müller und Gerhard Brockmüller waren die drei Dressurreiter, die von 1968 bis 1972 die DDR vertraten. Beim ersten grossen Start, 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko, gab es hinter der BR Deutschland, der Sowjetunion und der Schweiz Platz vier. Im Jahr darauf, bei der EM in Wolfsburg, holte sich das DDR-Trio Silber, vor der Sowjetunion und der Schweiz. 1970 bei der WM in Aachen war es immerhin Bronze, hinter der Sowjetunion und der Bundesrepublik. Bei der EM 1971 gab es Platz vier und 1972 bei den Olympischen Spielen in München immerhin noch Platz fünf. Vor der DDR lagen erneut die Sowjetrussen, die Bundesdeutschen sowie Schweden und Dänemark (die Schweiz war Siebte hinter Kanada). Erfolgreichster des DDR-Trios war der 1938 geborene Horst Köhler. Mit dem Schimmel Neuschnee wurde er 1968, 1969 und 1970 jeweils Einzelfünfter. 1971, als er Neuschnee abgeben musste, wurde er mit dem Debutanten Imanuel erneut Fünfter, aber 1972 gab es mit Imanuel nur Platz 17. Wolfgang Müller, 1931 geboren, ritt viermal Marios, mit dem er der Reihe nach die Plätze 17, sechs, acht und zwölf belegte. 1972 nun mit Semafor, wurde Müller 16. Der dritte des DDR-Trios, Gerhard Brockmüller, 1941 geboren und somit der Jüngste, endete mit Tristan von 1986 bis 1970 auf den Plätzen zwölf, zehn und 28. Bei der EM von 1971 in Wolfsburg übernahm er von Köhler den Schimmel Neuschnee, wurde aber nur 23. 1972 in München erhielt Brockmüller Marios aus dem Beritt von Wolfgang Müller und belegte Platz 13. Ende der 70er-Jahre tauchte eine talentierte, junge Dressurreiterin auf, Ina Saalbach, die nach dem Abschieben des Pferdesports ins zweite Glied nie zu einem grossen Auslandstart kam. Ina Saalbach heiratete später Wolfgang Müller.
Olympiabronze 1964
Vielseitigkeitsreiter aus der DDR kamen zu zwei frühen Olympiastarts. 1960 und 1964 startete eine gesamtdeutsche Mannschaft bei den Olympischen Spielen. Während bei den Ausscheidungen zwischen der BRD und der DDR die Springreiter scheiterten und keine Dressurreiter antraten, qualifizierte sich 1960 ein DDR-Vielseitigkeitsreiter, Gerhard Schulz, für Rom. Er wurde dort 14. 1964 in Tokio ritten gar zwei DDR- Reiter, Schulz und Karl-Heinz Fuhrmann, in der gesamtdeutschen Mannschaft. Sie gewannen zusammen mit Fritz Ligges und Horst Karsten Mannschaftsbronze. Weniger gut lief es den DDR-Vielseitigkeitsreitern bei ihren drei Grossstarts 1968, 1969 und 1972. In Mexiko wurde die Mannschaft siebte, mit Fuhrmann auf Platz 25 als Bester des DDR-Quartetts. Bei der EM 1969 im Haras du Pin schied die DDR aus, einzig Uwe Plank als Zwölfter kam ins Ziel. 1972, bei den Olympischen Spielen in München, wurde die DDR-Equipe fünfte, mit Rudolf Beerbohm auf Ingold auf Platz elf als Bester der vier.
Unter den Funktionären, die in diesen Jahren den DDR-Pferdesport führten, wurden der herzliche, aufgeschlossene Dietrich Flade, der gehemmte Apparatschik Breitsprecher und der joviale Oberst Heinrich bereits erwähnt. Zu erwähnen noch Erich Oese, der auch einige Bücher schrieb. Er spielte die graue Maus, immer freundlich und unverbindlich.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 8/2017)
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