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Als Tätigkeitstheorie bezeichne ich - in Anlehnung an eine Konvention - auch insbesondere eine Lehre der "Kulturhistorische Schule", in welcher "Tätigkeit" im Zentrum steht. Die zentrale Idee dieser "Tätigkeitstheorie" ist eine psychologische Konkretisierung des Seins im marxschen Postulat, wonach das Sein das Bewusstsein bestimmt. Siehe Anmerkungen unten.
Als Tätigkeitstheorien bezeichne ich - tautologischerweise - Theorien, die Handlungen auf Tätigkeiten als Aneignungsprozess zurückführen.
Handlungen werden dabei als Instanzen der Tätigkeit gesehen und dem entsprechend als vermitteltes Aneignungsverhalten begründet.
Mit Tätigkeitstheorien erkläre ich die Hervorbringung der Kultur als markierte Differenz der Natur.
Tätigkeitstheorien unterscheiden sich von Systemtheorien dadurch, dass die allgemeinste Kategorie nicht formal, sondern materiell ist. Ein System hat keine Bedeutung, Tätigkeit dagegen gibt es nicht ohne Bedeutung.
In einer entwickelten Tätigkeitstheorie steht - wie in der Systemtheorie - der Beobachter im Zentrum der Perspektive. Alles wird von einem Beobachter beobachtet, in der Tätigkeitstheorie von einem tätigen Menschen, der sein Tun als aneignendes Herstellen reflektiert.
In der Tätigkeitstheorie von A. Leontjew geht es um eine Begründung der Psychologie, in welcher die Psyche und das Bewusstsein als entwicklungslogische Folgen der Tätigkeit gesehen werden. Wichtig ist dabei, dass die Widerspiegelung, also das innere Abbild nicht durch die äussere Umwelt, sondern durch deren tätige Aneignung entsteht. Ich muss etwas tun beim Wahrnehmen, ich muss das Abbild erzeugen.
K. Holzkamp unterscheidet eine "Zweigliedrigkeit" von einer "Dreigliedrigkeit":
"Das Kernstück dieser Kritik ist die Zurückweisung des "Unmittelbarkeits-Postulats" der bürgerlichen Psychologie, das heißt ihre Auffassung von der "Zweigliedrigkeit" der Beziehung de Menschen zur Welt als Hervorbringung von Reaktionen de Individuen auf Grund unmittelbarer Einwirkungen aus de Umwelt, auf der Basis von Leontjews Konzept der "Dreigliedrigkeit", das heißt Vermitteltheit der Außenwelteinwirkungen auf das Subjekt durch die gegenständliche Tätigkeit als aktiv, Widerspiegelung der Realität gemäß den Notwendigkeiten der menschlichen Praxis." (im Vorwort von Leontjew, 1982, 2)
Quasihistorische Anmerkungen:
Der Positivismusstreit zwischen T. Adorno und K. Popper wurde von J. Habermas und N. Luhmann als Theoriestreit weitergeführt, in welchem J. Habermas die Systemtheorie von N. Luhmann als formalistische Sozialtechnologie kritisierte, während N. Luhmann J. Habermas eine nicht begründbare Handlungstheorie vorgeworfen hat.
Ich teile beide Vorwürfe an die jeweiligen Ansätze, aber nicht, dass die Systemtheorie von N. Luhmann die Systemtheorie überhaupt repräsentiert und nicht, dass J. Habermas eine marxistische Position im Sinne einer Tätigkeitstheorie vertreten hat. Beide beobachteten die Kommunikation, jenseits davon, weshalb Menschen kommunizieren.
K. Marx kritisiert im Kapital die politische Ökonomie, der die Perspektive der Arbeit fehlt.
Das Problem bei K. Marx ist, dass er Tätigkeit und Arbeit nicht unterscheidet. Er spricht von einem Doppelcharakter der Arbeit, die einerseits eine Plage ist und andrerseits Grundlage der menschlichen Entwicklung. Gemeint ist die Aneignung als herstellende Tätigkeit, was dann bei A. Leontjew deutlicher wird.
A. Leontjew unterscheidet in Tätigkeit – Bewusstsein – Persönlichkeit eine Ebene der Tätigkeit (Gesamtprozess, vollständiger Arbeitsprozess wie das Jagen), die Ebene der Handlungen (Teilaufgaben wie das Treiben der Herde) sowie die Ebene der Operationen (Handgriffe, instrumentelle Fertigkeiten).
Kritik:
A. Leontjew hat kein Beobachter-Konzept und kann deshalb deuten und konstruieren nicht auseinander halten. Deshalb macht er die umgangssprachliche Hierarchie zwischen Tätigkeit, Handlung und Operation, statt einer begrifflichen Unterscheidung.