Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03210.jsonl.gz/3268

© M. Huss
Immer weniger Neuschnee im Sommer
Sommerlicher Neuschnee ist für die Gletscher essentiell, da er das Eis mit einem weissen Kleid bedeckt. Dadurch wird die intensive Sonnenstrahlung reflektiert und damit der darunterliegende Gletscher wenigstens für einen Tag bis hin zu Wochen vor weiterer Schmelze geschützt. Der Effekt auf die Permafrosttemperatur ist ähnlich: Neuschnee schützt die oberflächennahen Schichten vorübergehend vor der Erwärmung durch Sonnenstrahlung. Der Einfluss der allgemein höheren Sommertemperaturen zeigt sich klar in den sommerlichen Neuschneesummen. Diese waren trotz der vielen Niederschläge im Sommer 2021 erstaunlich klein. So verzeichnete das Weissfluhjoch (GR, 2540 m) zwischen Juni und September nur eine Neuschneesumme von 20 cm – während des ebenfalls sehr nassen Sommers 1987 waren es 155 cm. Auf dem Gütsch (UR, 2280 m) oberhalb Andermatt waren es damals 107 cm – im Sommer 2021 nur gerade 3 cm. Entsprechend wurden an den höchsten Stationen (zwischen 2600m und 2900 m) im Sommer 2021 Neuschneesummen von unter 50 cm gemessen. Dies ist nicht verwunderlich in Anbetracht der Tatsache, dass die mittlere Temperatur auf dem Jungfraujoch (3570 m) im Sommer 1987 –1,7° C und im Sommer 2021 0,0° C betrug. Leider ist das vergangene Jahr kein Ausreisser. Die Sommer-Neuschneesumme der letzten zwei Jahrzehnte ist so niedrig wie noch nie, d.h. gut 40% geringer als im Schnitt der 60 Jahre zuvor.