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Unser Kaffeekonsum ist enorm hoch. Durch den Klimawandel bedingte Temperaturanstiege, Extremwetter, Artenverlust und Krankheiten könnten in Zukunft zu Problemen bei der Versorgung mit Kaffee führen. Eine mögliche Lösung wäre das Einkreuzen von Wildkaffeearten.
Die Schweiz liegt mit ihrem pro Kopf Kaffeekonsum weit vorne in der Weltrangliste. Herr und Frau Schweizer tranken im Jahr 2017 ganze 1’110 Tassen Kaffee, wie CafetierSuisse berichtete. Das sind durchschnittlich drei Tassen Kaffee pro Tag. Viel, besonders wenn man bedenkt, dass der Kaffeeanbau in Zukunft erschwert wird. Denn der Klimawandel fordert auch hier seinen Tribut.
Ein zentrales Problem ist laut dem Botaniker Aaron Davis, dass der ganze weltweite Handel mit Kaffeebohnen auf nur zwei Kaffeearten beruht. Die Art Arabica (Coffea arabica) macht etwa 60 Prozent aus und die Art Robusta (Coffea canephora) etwa 40 Prozent. Durch den Klimawandel bedingte Dürren oder neue Pflanzenkrankheiten können in Zukunft häufiger auftreten und die Ernten von diesen beiden Arten stark vermindern. Dies würde zu einem grossen Problem bei der weltweiten Nachfrage nach Kaffee führen, schreiben Davis und weitere Forscher der Kew Royal Botanical Gardens in ihrer Studie.
Zu heiss für Kaffeepflanze
Eine grosse Veränderung, welche der Klimawandel mit sich bringt, ist der Temperaturanstieg. Verschiedene Klimaszenarien rechnen damit, dass sich die globale Durchschnittstemperatur bis Ende des Jahrhunderts um 1.8° bis 4° C erhöhen wird. Eine solche Erwärmung hat auch Auswirkungen auf den Kaffeeanbau. Der Kaffee Arabica, sowohl der wilde Arabica als auch der kommerziell angebaute Arabica, hält beispielsweise Temperaturen von 15° bis 25° aus. Bei höheren Temperaturen reift die Kaffeebohne zu schnell und bildet nicht mehr alle Aromen aus. Die Qualität der Bohne und somit auch die des Kaffees verschlechtert sich deutlich. Nur bei gleichbleibendem, gemässigtem Klima können deren Kaffeebohnen optimal wachsen und alle Aromen ausbilden. Zudem reagiert Arabica empfindlich auf Wetterextreme wie Dürren, zu viel Niederschlag oder Frost. In solchen Fällen kann es zu grossen Ertragsdefiziten kommen.
Anfällig auf Krankheiten und Schädlinge
Bereits heute haben viele Kaffeebauern mit dem Klimawandel zu kämpfen. Denn nicht nur unter wärmeren Temperaturen, sondern auch unter Krankheiten leiden die Kaffeepflanzen immer öfters. Ein Beispiel dafür ist der Kaffee-Rost. Diese Pilzkrankheit befällt die Blätter der Kaffeepflanzen. Kleine gelbe Flecken breiten sich auf den Blättern aus, bis sich das ganze Blatt verfärbt und abfällt. So ist die Kaffeefrucht der Sonne schutzlos ausgeliefert und es kann zu enormen Ausfällen bei der Ernte und zum Teil auch zum Absterben der Pflanzen kommen. Der Pilz übersteht Trockenheit problemlos. Gibt es dann Regen, bildet der Pilz sofort Sporen aus und breitet sich aus. Übertragen werden die Pilzsporen vor allem durch Wind, aber auch durch Insekten und auch nur schon durch das Aufschlagen der Regentropfen auf die Blätter. Durch Ereignisse wie Starkregen, starke Winde und steigende Temperaturen wird eine schnellere und weitere Ausbreitung des Kaffee-Rosts wahrscheinlich.
Bereits jetzt kämpfen viele Länder in Lateinamerika seit Jahren gegen die Pilzkrankheit an und haben schwere Einbussen hinnehmen müssen. Bekämpfen lässt sich der Rost zwar mit Fungiziden und Kupfersulfaten, allerdings sind die Mittel für viele Kaffeeanbauer zu teuer. Zudem wird der Umwelt mit dem Einsatz solcher Mitteln geschadet. Zwar gibt es auch ökologisch verträgliche Mittel, welche eingesetzt werden können. Diese werden bis jetzt aber eher weniger genutzt. Auch die Verjüngung und das Anpflanzen von unterschiedlichen Sorten ist ein effektives Mittel um den Kaffeerost zu bekämpfen. Noch besser wäre es, andere Wildkaffeearten einzukreuzen, welche gegen den Pilz resistent sind.
Wildkaffeearten soll genetische Vielfalt bringen
Wildkaffeearten könnten nicht nur im Kampf gegen den Kaffeerost helfen, sondern allgemein im Kaffeeanbau. Besonders anfällig auf den Klimawandel ist der Kaffee im kommerziellen Anbau. Dieser kann zwar in grossen Mengen im Flachland angebaut werden, ist aber gemäss den Forschern um Aaron Davis genetisch verarmt. So könne sich dieser kaum an veränderte Lebensbedingungen anpassen. Eine mögliche Lösung dieses Problem wäre, vermehrt auf Wildkaffeearten zu setzen, welche als genetisches Reservoir dienen könnten. Durch Züchtungen mit widerstandfähigeren Wildkaffeearten wäre der Kaffee nicht mehr so anfällig auf Umweltveränderungen, neuartige Schädlinge oder Krankheiten.
Doch hier lauert laut den Forschern ein neues Problem. Denn von den insgesamt 124 bekannten Wildkaffeearten seien rund 60 Prozent auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als «gefährdet» oder sogar als «vom Aussterben bedroht» eingestuft. Der Coffea arabica beispielsweise, der einen grossen Teil des weltweiten Kaffeehandels ausmacht, wird von der IUCN als «stark gefährdet» eingeordnet. Die biologische Vielfalt der Kaffeearten droht also immer mehr zu verschwinden. Damit verschwindet auch eine mögliche Lösung, die den Kaffeeanbau gegen zukünftige Umweltveränderungen schützen könnte.
des Klimawandels auf die Anbauflächen des wilden Arabica Kaffees
auswirkt. Dazu haben die Forscher drei Klima-Szenarien des
Weltklimarates IPCC modeliert. Das Resultat: Im besten Fall werden nach
diesen Prognosen im Jahr 2080 rund 65 Prozent der Anbaufläche des Wilden
Arabicas nicht mehr genutzt werden. Im Schlimmsten Fall, das heisst im
Fall einer hohen Freisetzung von Treibhausgasen, ist im Jahr 2100 mehr
als 99 Prozent der gesamtem Anbaufläche des Wilden Arabicas verloren.
Diese Vorhersage berücksichtigt nur die Erwärmung des Klimas und andere
Faktoren wie Rodung, Schädlinge, Krankheiten oder Bodendegradation wurde
nicht mit einbezogen.
Weitere Informationen zu dieser Studie
«Least concern to endangered: Applying climate change projections
profoundly influences the extinction risk assessment for wild Arabica
coffee» finden Sie hier.