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Mein lieber Freund.
Ich muß meinen gestrigen Brief ergänzen. Ich machte gestern Abend, als am gewöhnlichen Empfangstag, einen Besuch bei Hr Hottinger . Natürlich kamen wir wieder auf die Eisenbahnen zu sprechen. Aus dieser Unterredung mußte ich mich sogleich überzeugen, daß die Aeußerungen v Bartholony & Rivet als sei auch der Chemin central zu einer Generalfusion geneigt auf Irrthum beruhen. Hottinger sagte mir nämlich: «davon sei keine Rede. Sie haben keine Lust sich mit so schlechten Unternehmungen zu fusioniren, wie die Oronbahn (ligne abominable) u. die St Galler Bahn. Bartholony soll einmal bis Bern bauen, dann wolle man erst mit ihm reden. Er begreife sehr wohl daß die Herrn der Oronligne ihr schlechtes Geschäft durch andere gut machen möchten. | Die Aeußerungen über die Oronlinie betrachte er als Drohungen durch die man sich nicht erschrecken laße. –
Dadurch erhält die Sache freilich ein ganz anderes Aussehen als sie mir gestern von jenen Herrn dargestellt worden ist. u. darum begreife ich denn auch wenn Ihr Bedenken trägt auf so vage Propositionen einzugehen. Hottinger bemerkte dann noch, er habe in den lezten Tagen einen Brief von Geigy gesehen, worin dieser schreibe es scheine die Nordostbahn wolle von einer Fusion mit der Centralbahn abstrahiren, man spreche von einer Fusion derselben mit der Südostbahn. relata refero. Hottinger empfahl dann wie begreiflich neuerdings man sollte doch nicht länger zögern, eine Fusion der Nordostbahn mit der Centralbahn sei das Beste u. dann sei man maitre de la situation» u. s. w. |
Confidentiell für Dich.
Vorgestern hatte ich eine längere Audienz beim Kaiser der mir die gleich wohlwollende Gesinnung an den Tag legt & mit Zuversicht eine befriedigende Lösung in Aussicht stellt. Auf Donnerstag bin ich schon wieder zu einem Bal in die Tuillerien geladen u. erhalte überhaupt sehr häufige Einladungen von den Gliedern des kaiserlichen Hauses. In Berlin soll die Stimmung sich gebeßert haben. Immerhin war die Veröffentlichung meiner Instruktionen sehr taktlos. Ueberhaupt wird die schwierige Aufgabe durch solche Vorfälle mir nicht erleichtert. – Indeßen mit Beharrlichkt hoffe ich sicher zum gewünschten Ziel zu gelangen. – Auf Montag bin ich zur Eröffg der Kammern eingeladen, muß nun aber doch zu diesen & andern Anläßen mich mit der diplomatischen Uniform versehen was ich bisher auszuweichen gesucht hatte. Es geht aber nicht anders Auch mit Rüksicht auf die bevorstehenden Conferenzen.
Mit freundschaftlichem Gruße
Dr Kern
Paris den 14 Febr 1857.
Humbert will auch nichts hören von einer Fusion mit der Oronlinie Sogar am großen Bal in den Tuillerien kann man nur in Uniform erscheinen. Heute Abend bin ich zum xten Mal zum Prinz Jerome geladen.