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MASI Lugano
Paul Klee. Die Sammlung Sylvie und Jorge Helft
Die Sammlung wird als Ganzes zum ersten Mal in einem musealen Kontext gezeigt und umfasst etwa 70 Arbeiten: Bleistift-, Feder- und Pastellzeichnungen sowie Aquarelle, Radierungen und Lithografien, die einen Zeitraum im Werk des Künstlers abdecken, der von 1914 bis zu seinem Tod reicht. Dieser seit den 1970er Jahren geduldig zusammengetragene Nukleus offenbart die Kraft und die Bedeutung der Zeichnung – und vor allem der Linie – im Werk von Klee.
Die erste Sektion befasst sich mit dem Verhältnis zur Natur, die für den Künstler im kreativen Schaffensprozess eine wichtige Inspirationsquelle darstellt: Wie die Natur lässt er seine Arbeiten dank eines vitalen Impulses entstehen, der für die Aufeinanderfolge der Arbeitsphasen, der Entwicklung und der Ausarbeitung formaler Aspekte, die das Werk schlussendlich kennzeichnen, prägend ist. Klee zeichnet und malt ohne a priori das Sujet oder die Szene, die er darstellen will, im Kopf zu haben, die, ganz im Gegenteil, spontan durch die Zeichen entstehen, bis diese Formen annehmen, die Ähnlichkeiten mit real existierenden – organischen oder anorganischen – Elementen aufweisen.
In der folgenden Sektion, die der Zwischenkriegszeit und den Jahren am Bauhaus gewidmet ist, ragt die Zeichnung Das andere Geisterzimmer (Neue Fassung) aus dem Jahr 1925 heraus. In dieser Bildkomposition kombiniert Klee geschickt den Einsatz der Zentralperspektive mit einer Atmosphäre, die auf De Chiricos Malerei verweist und lässt damit eine Vision entstehen, die zwischen kubistischen und metaphysischen Suggestionen oszilliert. Diese erste von Jorge Helft im Jahr 1970 erworbene Zeichnung von Klee war 1925 in der Galerie Vavin-Raspail in Paris ausgestellt worden, die Klees Aquarelle damals zum ersten Mal einem französischen Publikum präsentierte.
Der Rundgang durch die Ausstellung wird mit zwei Sektionen fortgesetzt, die sich der Erkundung der menschlichen Figur und des Tierreichs sowie narrativer Hinweise widmen, die in vielen Arbeiten in der Ausstellung zu finden sind. Klees Figuren sind oft knapp umrissen, schon wenige Linien reichen aus, um einen Ausdruck oder eine Haltung anzudeuten. Gleichzeitig, wenn in seinen auf das Wesentliche reduzierten Kompositionen mehrere Figuren erscheinen, gelingt es dem Künstler immer, zwischen diesen eine dynamische und spannungsreiche Dynamik herzustellen. Als ein aufmerksamer Beobachter menschlichen Verhaltens, der sich in seinem Werk bevorzugt für die Untersuchung sozialer Beziehungen interessiert, schafft Klee gerne Szenen mit dramatischem und karikierendem Charakter, in denen es oft die Tiere sind, die Verhaltensweisen an den Tag legen, die menschliche Widersprüche und Tugenden widerspiegeln.
Klees fundierte musikalische Ausbildung – seine Eltern waren der Komponist Hans Klee und die Sängerin Ida Frick – ist sowohl in den Strukturen seiner Werke wie auch in der Themenauswahl erkennbar. Der Künstler greift auf kompositorische Formen und Verfahren aus der Welt der Musik wie etwa die Variation, die Fuge oder die Polyphonie zurück und schafft dabei Arbeiten, die eine extreme formale Harmonie auszeichnet. In der Sektion, die Klees Verhältnis zu den performativen Künsten untersucht, zeigen mehrere Arbeiten sein grosses Interesse für das Theater und die komischen Figuren des Zirkus, die er als Metaphern für ein menschliches Verhalten betrachtete, das mitunter auf persönliche Erfahrungen zurückzuführen war.
Die letzte Sektion der Ausstellung widmet sich den Arbeiten der letzten Schaffensperiode, die durch eine hohe Geschwindigkeit der Linienführung, die Reduktion der Formen sowie durch eine taktile Oberflächenbeschaffenheit gekennzeichnet sind, die durch den Einsatz von dicker Kleisterfarbe entsteht, die den Anschein erweckt, Klees Bilder seien mit den Fingern gemalt wie bei Stahl den viertel Mond. Klees letzte Lebensjahre sind durch Krankheit geprägt und dennoch äusserst produktiv. Auf die hier ausgestellten Arbeiten „wirft der Tod seinen Schatten“, erinnert sich Juan Manuel Bonet in seinem im Katalog abgedruckten Essay. Das Fortschreiten einer unheilbaren Krankheit veränderte den Körper des Künstlers zunehmend, der sich in der Zeichnung Unterbrochene Metamorphose, 1939 buchstäblich „in Stücke gerissen“ darstellt.
Eine spezielle Sektion der Ausstellung präsentiert historische Publikationen, die Sylvie und Jorge Helft als bibliophile Sammler in den Jahren zusammengetragen haben. Es handelt sich dabei um seltene und kostbare Ausgaben, die Positionen der künstlerischen und literarischen Avantgardebewegungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentieren. Darunter befindet sich auch ein aussergewöhnlich vollständiges Exemplar einer Meistermappe des Bauhauses, die, unter anderem, eine Lithografie von Vasilij Kandinskij und eine konstruktivistische Komposition von László Moholy-Nagy enthält.