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Vegetarier unter der Lupe
Sind Vegetarier körperlich und psychologisch den Fleischessern überlegen?
Ist es möglich, anhand der medizinischen Werte eines Menschen wirklich Rückschlüsse auf seine Ernährung zu ziehen? Um diese Frage beantworten zu können, wurde kürzlich eine interessante Vergleichsstudie mit einem eineiigen Zwillingspaar durchgeführt. Eine der beiden ist Vegetarierin, die andere dagegen isst regelmässig Fleisch. Ohne vorher zu wissen, wer von beiden welche Auffassung von Ernährung vertritt, versuchten zwei Ernährungsexpertinnen, durch wissenschaftlich durchgeführte Analysen die Fleischesserin bzw. die Vegetarierin unter den 19-jährigen Frauen auszumachen.
Nach der Auswertung der Testergebnisse konnten sich die Expertinnen eindeutig auf eine der beiden Schwestern als Fleischesserin festlegen. Denn bis auf die These des höheren Blutdrucks, welcher aufgrund des jungen Alters bei beiden etwa gleich hoch war, bestätigten sich alle typischen Merkmale einer fleischorientierten Ernährung. So wies die Fleischesserin ein höheres Gewicht auf und setzte auch mehr Körperfett an. Die Konzentration von Vitamin E und C, Beta-Carotin, Lycopin und Folsäure in ihrem Blut war zudem geringer. Vor allem Vitamin C ist in den Zellen von Allesessern deutlich weniger zu finden.1
Einmal mehr beweisen diese Testergebnisse, dass sich eine vegetarische Ernährung keineswegs nachteilig auf die körperliche Verfassung auswirkt, sondern im Gegenteil einen äusserst positiven Effekt auf den menschlichen Organismus hat. Doch nicht nur körperlich, auch psychisch scheinen sich Vegetarier von ihren fleischessenden Mitmenschen zu unterscheiden: 2
Psychologie
Die Tatsache, dass sich immer mehr Menschen für eine vegetarische Lebensweise entscheiden, war für die Universität Jena (Deutschland) der Anlass, 115 Vegetarier/-innen zu untersuchen. Man ging dabei vor allem dem psychologischen Aspekt 3 nach und versuchte die Frage zu klären, aus welchem Grund sich Menschen für den Fleischverzicht entschieden. Dabei fand man heraus, dass es nicht so sehr ein Streben nach Gesundheit ist, das Menschen zu Vegetariern macht. Auf den Verzehr von Fleisch verzichten sie vor allem deshalb, weil dafür Tiere getötet werden müssen, es das Leid und den Schmerz von Tieren erhöht und deren Rechte verletzt.
Demnach sprechen sich auch 17 Prozent der Befragten aus moralischen Gründen gegen den Fleischverzehr aus. Moralische Vegetarier finden Fleischprodukte, Tierhaltung und -schlachtung schockierender als Nichtvegetarier. Dieser Ekel leitet sich von der empfundenen «Unmoral» ab. Diese Gruppe ärgert sich ausserdem stärker, wenn sie Menschen Fleisch essen sieht, und versucht deshalb aktiv, andere Menschen vom Fleischkonsum abzuhalten.
Sechs Prozent vergeht aus emotionalen Gründen der Appetit auf Fleisch. Emotionale Vegetarier essen kein Fleisch, weil sie den Geschmack oder das Aussehen einfach nicht mögen.
Die gesundheitlichen Vegetarier machten gerade mal fünf Prozent aus. Sie essen aus einem Streben nach Gesundheit kein Fleisch mehr. Bei dieser Gruppe löst Fleisch dagegen kein Ekelgefühl aus.
Die Mehrheit der Probanden, 72 Prozent, nannte mehrere dieser Gründe für den Fleischverzicht.
Im Allgemeinen ist man durch diese Studie zu der Erkenntnis gekommen, dass Vegetarier offener für neue Erfahrungen sind und häufig Neues ausprobieren. Auch legen sie mehr Wert auf Universalismuswerte wie Verständnis, Toleranz sowie das Wohlergehen aller Menschen und der Natur als Nichtvegetarier. Macht, sozialer Status und die Autorität anderer Menschen finden die Vegetarier jedoch weniger wichtig als Fleischesser. 4
1. Originalbericht zu dieser Studie: http://www.verivox.de/news/ArticleDetails.asp?aid=31350&pm=1
2. Siehe dazu auch Flugblatt Nr. 12: «Anatomievergleich: Früchteesser – Fleischesser».
3. Siehe dazu auch Flugblatt Nr. 3: «Der psychologische Aspekt»
4. Originalstudie: http://www.uni-jena.de/PM060626_Vegetarier.html