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| Cyprian von Karthago († 258) - Briefe

75. Brief
1. Kapitel
1 Firmilianus entbietet seinem Bruder Cyprianus seinen Gruß im Herrn.
Durch unseren teuren Diakon Rogatianus, den ihr entsandt habt, erhielten wir, geliebtester Bruder, dein an uns gerichtetes Schreiben, und wir sagten Gott innigsten Dank dafür, daß es uns, die wir körperlich voneinander getrennt sind, vergönnt war, uns im Geiste so innig zu vereinigen, als ob wir nicht nur in demselben Lande, sondern sogar in ein und demselben Hause zusammen wohnten. Und das kann man ja auch mit Recht sagen, weil es nur e i n geistliches Haus Gottes gibt. “Denn es wird in den letzten Tagen", sagt er, “offenbar sein der Berg des Herrn und das Haus Gottes über den Gipfeln der Berge, Die darin Zusammenkommenden vereinigen sich mit Freuden [Is. 2, 2]." So bittet man ja auch im Psalm den Herrn darum, wohnen zu dürfen im Hause Gottes alle Tage des Lebens [Ps. 61, 5]. Deshalb ist auch an einer anderen Stelle deutlich gezeigt, daß die Heiligen herzliches Verlangen haben, zusammenzukommen. “Siehe," heißt es, “wie gut und lieblich ist es, daß Brüder zusammenwohnen [Ps. 122, 1]."
1: Inhalt: Bedenken gegen die Gültigkeit der Ketzertaufe hatten sich unter dem Einfluß Tertullians und anderer Montanisten zuerst im Orient erhoben. Schon auf den kleinasiatischen Synoden von Synnada und Iconium war die Wiedertaufe der übertretenden Häretiker beschlossen worden. Auch Firmilian, der Metropolit von Cäsarea in Kappadocien, schloß sich dieser Praxis an. Auf die Nachricht hievon wandte sich Papst Stephan an ihn in einem Schreiben, in dem er ihm und allen anderen Bischöfen Kleinasiens mit dem Ausschluß aus der kirchlichen Gemeinschaft drohte, falls sie an ihrer Auffassung festhielten. Von der Stellung Firmilians und vermutlich auch von seinem Zwist mit Stephan erfuhr auch Cyprian. In der Hoffnung, in ihm einen Bundesgenossen zu finden, richtete der karthagische Bischof einen uns nicht mehr erhaltenen Brief an ihn, dem er die Antwort Stephan auf das ihm übersandte Synodalschreiben [Brief 72] beilegte.Cyprians Erwartungen wurden durch Firmilian in dem vorliegenden ursprünglich griechisch geschriebenen Brief in vollem Umfang erfüllt; denn das Schreiben tritt mit aller Entschiedenheit für die Verwerfung der Ketzertaufe ein und bekämpft die gegenteilige Meinung des Papstes mit leidenschaftlicher Gereiztheit. Kühnheit und Übermut, Torheit und Eitelkeit, Mangel an Demut und Milde werden ihm vorgeworfen; wiederholt wird er mit Spott und Hohn Übergossen, ja, einmal sogar in gehässigster Weise mit Judas verglichen [Kap. 2]. Im einzelnen zeigt der Brief folgenden Gedankengang: Zunächst gibt der Verfasser seiner Freude darüber Ausdruck, daß er mit dem karthagischen Amtsgenossen trotz der großen räumlichen Entfernung in der Frage der Ketzertaufe durch göttliche Fügung so völlig übereinstimmt; die Hartnäckigkeit ihres gemeinsamen Gegners Stephanus in Rom sei geeignet, sie noch enger zusammenzuhalten. Zu den Ausführungen Cyprians, die er vollständig unterschreiben kann, will er nur einzelne Bemerkungen beifügen [Kap. 1-4]. Die Lehre des Stephanus kann unmöglich apostolisch sein, da die großen Häresien erst nach der Zeit der Apostel entstanden sind. Jedenfalls hätte Stephanus keinen Anlaß, sich wegen der Ketzertaufe mit seinen Gegnern zu entzweien, nachdem es seinerzeit nicht einmal wegen des Tages der Osterfeier zwischen Rom und dem Osten zum Bruch gekommen ist. Lächerlich ist es vor allem, wenn er sich auf die übereinstimmende Auffassung der Ketzer in dieser Frage beruft, zumal schon das Verhalten des Apostels Paulus gegenüber den Jüngern des Johannes für die Wiedertaufe spricht [Kap. 5 bis 8]. Daß der Spender der Taufe in erster Linie selbst im Besitz des Heiligen Geistes sein muß, zeigt Firmilian an dem Beispiel einer Besessenen, die auch behauptete, nach den Vorschriften der Kirche zu taufen [Kap. 9 bis 11]. Nach des Stephanus eigener Darstellung haben die Ketzer zwar Christus, aber nicht den Heiligen Geist. Von einer geistlichen Taufe kann also unter diesen Umständen keine Rede sein. Denn wenn es nur eine Kirche, nur eine Braut Christi gibt, dann kann auch sie allein nur Gotteskinder durch die Taufe gebären; auch der biblische Vergleich der Kirche mit dem Paradies und mit der Arche Noe beweist, daß nur die wahre Kirche Vergebung der Sünden zu gewähren vermag [Kap. 12-16]. Daß gerade Stephanus als Nachfolger des Felsenmannes Petrus in den Häresien noch andere Felsen anerkennt, muß besonders auffallen; denn wenn man den Ketzern das Taufrecht zugesteht, dann sind sie auch fähig, die anderen Sakramente zu spenden. An der Richtigkeit dieser Beweisführung kann auch die bisherige falsche Gewohnheit nichts ändern; im Orient hat man von jeher den richtigen Standpunkt eingenommen [Kap. 17-20]. Nach der Besprechung einiger Nebenfragen wird zum Schluß dem Stephanus in den schärfsten Ausdrücken alle Schuld an den heraufbeschworenen Streitigkeiten aufgebürdet und in sarkastischen Worten der Vorwurf gemacht, daß er durch seine kirchenfeindliche Tätigkeit lediglich den Gegnern der Kirche Vorschub leiste [Kap. 21-25]. — Lebhaft erörtert wurde von jeher die Frage, ob die Drohung der Exkommunikation, die Stephanus nach Eusebius [Kirchengeschichte 7, 5] gegen die widerstrebenden Bischöfe aussprach, auch wirklich zum Abbruch der Beziehungen führte. Aus der Darstellung im letzten Kapitel des vorliegenden Briefes geht allerdings hervor, daß die Abgesandten der afrikanischen Synode in Rom wie Exkommunizierte behandelt wurden, aber wahrscheinlich hat schon der Ausbruch der neuen Verfolgung unter Valerian den Papst daran gehindert, die letzten Folgerungen zu ziehen. Die Echtheit des Briefes, die einst von Missorius und Molkenbuhr bestritten wurde, gilt heute allgemein als sicher. Auch die Annahme 0. Ritschis, daß an zwei Stellen [vgl. 72,14 mit 75,20; 74,5 mit 75,12] Interpolationen vorliegen, läßt sich nicht beweisen. Möglicherweise erklären sich gewisse Anklänge an Cyprian daraus, daß dieser selbst oder ein von ihm Beauftragter die Übersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische besorgte. Geschrieben gegen Ende 256.