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Die ganze Grenze entlang gibt es Stellen, die aus historischen oder geographischen Gründen interessant sind, oder weil der Verlauf der Grenze ungewöhnlich ist. Ich danke meinem Freund François Chastellain, der fast alle der folgenden Texte verfaßt hat.
1. Dreiländereck in Basel . . . und die anderen
Wir haben alle Kenntnis vom Dreiländerspitz in Basel am schweizerischen Rheinufer. Das Monument bezeichnet den Grenzpunkt den 3 Länder gemeinsam haben: die Schweiz, Frankreich und Deutschland (obwohl der wirkliche Dreiländerpunkt 150 m davon entfernt in der Mitte des Rheins liegt).
Die 5 andere Dreiländerpunkte sind weniger bekannt und für einige davon weniger zugänglich:
- Der Mont Dolent. Die Grenze zwischen der Schweiz, Italien und Frankreich liegt nicht am Gipfel aber 71 m tiefer wo sich Nord- und Westgrate treffen.
- Im Unterengadin, am Nordhang des Piz Lad, 628 m unter dem Gipfel (Schweiz/Italien/Österreich).
- Zwei Dreiländerpunkte Österreich, Schweiz und Liechtenstein, der eine am Naafkopf, der andere in der Mitte des Rheinbettes.
- Der letzte, zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz, liegt in der Mitte des Bodensees aber es gibt kein internationales Abkommen der es genau fixiert.
Um mehr zu wissen:
http://fr.wikipedia.org/wiki/Dreil%C3%A4ndereck_%28B%C3%A2le%29
1a. Benkenspitz oder Bänggenspitz
Die Gemeindegrenze im Wald nordwestlich von Biel-Benken sticht keilförmig zwischen den französischen Gemeinden Neuwiller und Leymen hinaus. Ich vermute, dieser Landstreifen war ein ehemaliges adliges Jagdreservat. Biel-Benken wurde 1526 vom Rittergeschlecht der Schaler (Burg Schalberg, Pfeffingen) an die Stadt Basel verkauft. Dieser merkwürdige Grenzverlauf im Benkenspitz war schon 1620 vom Basler Maler Hans Bock d. Ältere (1550 – 1624) im Auftrag der Basler Regierung in einer Karte festgehalten. Die Landesgrenze wurde 1746 aufgenommen und die Vermarkung ergänzt. Die Grenzsteine erhielten auf der Seite zu Biel-Benken einen Basler Stab. Eine weitere Revision erfolgte 1816.
Der „Eingang“ zum Benkenspitz – „Zwischen den Holzmatten“ – ist mit etwa 62 Metern die engste Stelle der Schweiz! (69 Meter zwischen den Grenzsteinen 126 und 109.)
Photo 1: Karte von Hans Bock http://www.regionatur.ch/Themen/Personen/Kartografen
Photo 2: Grenzstein am Ende vom Benkenspitz
1b. Die mächtigste Buche in der Nordwestschweiz
Nordwestlich von Rodersdorf, eine Gemeinde des Kantons Solothurn, befindet sich eine riesige Buche, etwa 5 Meter innerhalb der schweizerischen Grenze. Sie steht bei etwa 455 Höhenmetern mitten in einem Wald, zwischen den Grenzsteinen 61 und 62.
Diese imposante Buche weist im Vergleich zu erntereifen Buchen den dreifachen Stammdurchmesser und das Zehnfache an Holzvolumen auf. Sie ist gegen 40 m hoch und hat ein geschätztes Stammvolumen von etwa 35 m3. Aussergewöhnlich ist auch der lange astfreie Stamm, der sich erst in 17 m Höhe in drei gleichwertige Astgabeln teilt.
Diese Buche leistete im 1. und im 2. Weltkrieg «Aktivdienst» als Beobachtungsposten der Schweizer Armee. Beinahe hätte sie dabei ihr Leben lassen müssen. Während des 2. Weltkrieges verteidigten die Rodersdörfer die Buche gegen Fällaktionen der deutschen Wehrmacht.
Um mehr zu wissen:
https://www.so.ch/fileadmin/internet/vwd/vwd-awjf-wald/pdf/Waldwanderungen/Mariastein/WWSo_Nr_5_Postentafeln_46-55.pdf (siehe Tafel Nr. 47)
2. Das rechte Ufer des Doubs
Im Gegensatz zu anderen Grenzflüssen (Rhein, Rhone flußabwärts von La Plaine, der Inn flußabwärts von Martinsbruck) verläuft die Grenze entlang des Doubs zwischen dem Lac des Brenets und der Stelle wo der Fluß oberhalb von Soubey in die Schweiz eintritt nicht in der Flußmitte sondern an ihrem rechten Ufer. Diese Strecke des Doubs ist also ganz französisch, auch die Brücke in Goumois!
Bild links: Die (französische!) Brücke in Goumois.
Diese Besonderheit hat eine historische Erklärung: Louis XVI und der Basler Fürstbischof haben in 1780 ein Abkommen erreicht. Indem er seine Ansprüche auf das linke Ufer des Doubs abgetreten hat, erhielt der Fürstbischof als Gegenleistung Boncourt, Bure und andere Gebiete am rechten Ufer.
Um mehr zu wissen :
http://www.eau21.ch/etude_33.html
3. Das Abrutschen des Torfmoors der Vraconnaz
Unterhalb des ersten Grenzsteins Waadt / Frankreich wenn man vom Kanton Neuenburg kommt, in der Nähe des Col des Etroits, liegt das herrliche Torfmoor, oder „Mouille“, die Vraconnaz (sprich Vraconne), leicht abwärts geneigt.
Vor fast 30 Jahren, in der Nacht vom 26. September 1987, hat sich die obere Schicht aus Torf abgelöst und rutschte 300 Meter weit in Richtung des La Sécha Hügels. Statt einer ebenen Landschaft von Torfmoos und Moorbeeren, verwandelte sich der Sumpf in eine Ansammlung von unförmigen Haufen. Die Zeit hat ihre Arbeit verrichtet und die Zeichen des Abrutschens sind nicht mehr so spektakulär wie im Jahr 1987. Schützenswert, wurde das Torfmoor im Jahre 1911 das erste Naturschutzgebiet in der Schweiz. Es ist nun im Besitz von Pro Natura t und steht seit den 1990er Jahren unter Schutz dank seines Status als Hochmoor und Moorlandschaft von nationaler Bedeutung.
Um mehr zu wissen:
http://www.pronatura-vd.ch/id-32014-la-mouille-de-la-vraconnaz
Es gibt nicht weniger als 309 Grenzsteine, die Zwischensteine nicht mitgezählt, zwischen dem Schweizer Kanton Waadt und Frankreich. Einige von ihnen stammen aus dem sechzehnten Jahrhundert, also lange vor den Landvermessern!Jean-François Robert, Forstingenieur und ehemaliger Leiter des waadtländischen Forstdienstes tat nützliche Arbeit indem er ein Inventar dieser Grenzsteine erstellt hat (siehe Referenz unten). In dieser vom Autor illustrierten Broschüre erfahren wir fast alles über die eingemeißelten Jahreszahlen und Symbole auf den alten Steinen. Wir erfahren auch, daß beim Einsetzen der Grenzsteine ein Volumenäquivalent von 1 dm3 Holzkohle darunter gelegt wurde und auch zwei „Zeugen“, je eine Hälfte eines in zwei gebrochenen Ziegelsteins, die durch Zusammenfügen der zwei Hälften erkannt werden konnten. Warum? Geheimnis!
Um mehr zu wissen :
- Vieilles bornes en pays de Vaud, J.-F. Robert, édition «L’industriel sur bois », 1980, 30 Seiten (die Broschüre ist im Museum des Arboretums in Aubonne erhältlich)
- Histoire de bornes, O. Cavaleri, éditions Slatkine, 2011-2014 (4 Broschüren über die Grenzsteine zwischen der Schweiz und Frankreich)
5. Der Vertrag des Tales von Dappes
Es gibt nicht viele Korrekturen an der Schweizer Grenze seit dem Wiener Kongreß im Jahre 1815. Der Vertrag von Dappes ist eine bemerkenswerte Ausnahme.
Unterzeichnet im Dezember 1862 endete der Vertrag von Dappes eine langjährige Forderung von Frankreich. Nach vielen Diskussionen und Hin und Her von Territorien, der zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und „Seine Majestät der Kaiser der Franzosen“ unterzeichnete Vertrag definiert genau den Austausch von Territorien (ca. 750 Hektar).
Artikel 3 des Vertrags sieht vor: „Die ursprünglichen Bewohner des Teils des Tales von Dappes das gemäß diesem Vertrag nach Frankreich zurückkehrt, bleiben französisch, es sei denn, sie erklären, innerhalb einem Jahr, sich für die Schweizer Staatsbürgerschaft zu entscheiden, in welchem Fall sie ihre Heimat und Geschäfte im Territorium des Imperiums behalten können“. Ein entsprechender Artikel regelt das Schicksal der Franzosen, die sich in der Schweiz befinden.
6. Der Brand in St-Gingolph
Am Sonntagmorgen den 23. Juli 1944 haben deutsche Soldaten das Grenzdorf St-Gingolph in Brand gesetzt, als Revanche für einen Angriff der Savoyische Widerstandskämpfer am Tag vorher. Ein riesiges Feuer, von der schweizerischen Küste gegenüber deutlich sichtbar, zerstört mehr als 80 Häuser meist aus Holz. Mehr als 300 Bewohner vom französischen Teil sind in den schweizerischen Teil geflüchtet.
Die Kirche, die von den beiden Gemeinden geteilt wird, wird dank der Intervention des schweizerischen Oberst-Brigadiers J. Schwarz, der mit den Deutschen verhandelt hat, geschützt. Auch erwähnenswert die Geste des deutschen Soldates Hartmann, der trotz der Befehle, über die Grenze tritt, einen Feuerwehrschlauch ergreift und die von den Flammen bedrohte Kirche besprüht, um sie zu schützen.
Um mehr zu wissen :
http://www.livresdeguerre.net/forum/contribution.php?index=39320&surl=UF
Siehe auch:
7. Cervin oder Servin ?
In seinem Buch „Der Berg und seine Namen“ widmete Jules Guex, anerkannter Namenforscher und hervorragender Mundartsprecher, ein ganzes Kapitel dem französischen Namen des Matterhorns, ein Gegenstand hitziger Debatten unter den Sprachforschern des vergangenen Jahrhunderts.
Der Autor bemerkt zuerst daß, wenn auch häufig begangene Übergänge oder Pässe einen Namen im Mittelalter erhielten, war dies für die umliegenden Berge nicht der Fall, da sich die Reisende vor der Ära des Alpinismus nicht dafür interessierten. Der Theodulpass trug in der Vergangenheit verschiedene Namen, darunter Silvius Mons (mons in Latein bedeutet auch Paß). Der Ursprung von silvius muß in silva gesucht werden, „wo es Wälder gibt.“ Anschließend wurde der Name des Übergangs auf den Berg als Mont Servin übertragen bis Horace Bénédict de Saussure das Matterhorn – vielleicht als Folge eines Rechtschreibfehlers – als Mont Cervin umbenennt.
Jules Guex schließt mit den Worten: „Wenn das Bundesamt für Landestopographie die historische und sprachliche Wahrheit der ältesten Urkunden respektieren will, sollte man in Zukunft auf unseren Karten Matterhorn / Monte Servino / Mont Servin schreiben“. Jules Guex wurde nicht gehört!
Um mehr zu wissen:
La montagne et ses noms, Jules Guex, Hrsg. Rouge 1946, 2. Aufl. Pillet Martigny 1976
8. Die Katastrophe von Gondo
Wir erinnern uns alle an die Tragödie des Grenzdorfes Gondo am 14. Oktober 2000. Ein Erdrutsch verursacht durch heftige Regenfälle hatte einen Teil des Dorfes weggespült, den Stockalperturm auseinandergerissen und 13 Personen getötet, etwa 10 % der Bevölkerung.
Diese Tragödie hat eine nie zuvor gesehene Welle der Solidarität erzeugt als 700.000 Schweizer eine Spende für den Wiederaufbau des Dorfes gemacht haben.
Der Stockalperturm, von der mächtigen Oberwalliser Händlerfamilie erbaut, wurde repariert und im Jahre 2007 wieder geöffnet. Neben dem Hotel kann man ein kleines Museum besuchen, das den Goldminen gewidmet ist, welche die Stockalper-Familie vom 17. Jahrhundert an betrieben hat. Die wenigen noch bestehenden Vrenelis aus Gondo-Gold haben einen beträchtlichen Wert erreicht (bis zu CHF 68’000.-!).
Um mehr zu wissen:
http://www.rts.ch/archives/tv/information/3438595-gondo-sinistre.html (Video 8 Min)
9. Direkt über dem Simplontunnel
Auf dem Grat zwischen Punta Terrarossa (oder Wasenhorn ) und Punta d’Aurona (oder Furggubäumhorn) befindet sich auf 2815 m Höhe ein Grenzstein, direkt über dem Simplontunnel, der die Berge fast 2100 Meter weiter unten durchquert, und 100 m entfernt von einem Zwischengipfel, der Tunnelspitz benannt wurde.
Der Bau des ersten Tunnels zwischen 1898 und 1905 war heroisch – mehr als 45°C im Inneren des Tunnels! – die Bohrmaschinen waren noch rudimentär. Wir können eine solche sowie auch die Eisentür gegen Eindringen von Wasser in die Baustelle im Palais de Rumine in Lausanne (in einer Höhle am Ende des Flügels auf der linken Seite der monumentalen Eingangstreppe) besichtigen.
Die Eröffnung des Tunnels im Jahre 1906 erlaubte einen Gewinn von 13 Stunden Fahrzeit auf der Strecke Lausanne-Mailand!
Um mehr zu wissen :
http://www.lausanne.ch/thematiques/culture-et-patrimoine/culture-a-vivre/musees/adresses-musees/musee-historique-lausanne/mhl/expositions/passees/creusez-les-alpes/extrasArea/00/links/0/linkBinary/DP_Creusez_Alpes.pdf
10. Gries Gletscher, und was davon übrigbleibt …
Der Gries Gletscher, der entlang der italienischen Grenze liegt, ist gut geeignet, um die globale Erwärmung zu veranschaulichen. In den 70er Jahren kalbte die Gletscherzunge in den durch den im Jahr 1965 gebauten Damm entstandenen Stausee. Man konnte sogar einige Eisberge (allerdings recht kleine) im See unterhalb der Grenze am Griespass treiben sehen.
40 Jahre später, kein mehr Eis im See … Was vom Gletscher übrig bleibt hat sich in die Berge zurückgezogen.
Auf dem unteren Bild sieht man die im Jahre 2011 von SwissWinds installierte Windturbine. Dieses Pilotprojekt auf 2465m über dem Meeresspiegel ist die höchste Windturbine in Europa.
11. Die Bäder von Craveggia
Im oberen Teil des wilden Onsernone-Tals, gleich hinter der Grenze in italienischem Staatsgebiet, befinden sich die Ruinen der Bäder von Craveggia. Dieser Talschluß ist ganz speziell, weil die Zufahrtsstraße in die Schweiz führt und nur ein paar steile Wege es ermöglichen, Craveggia im Centovalli erreichen.
Wasser bei 28 ° C – Natriumsulfat-Typ mit geringer Mineralisierung (
Aufeinanderfolgende Lawinen und Überschwemmungen zerstörten die Stätte aber man kann (konnte?) noch im einzigen noch bestehenden Becken baden.
Es wird ein Locarnesischer Nationalpark geplant, mit dem dicht bewaldeten Valle Onsernone als Kerngebiet.
Um mehr zu wissen :
http://www.beat-glauser.ch/vocaglia_bilder_8.htm
http://www.naturfreunde.ch/magazin/rubriken/detail/?tx_ttnews[tt_news]=74&cHash=732b467e79beb62dab2ed39cf2aa941c
12. Die Isolierung von Indemini
Die Grenze zwischen dem Tessin und Italien ist manchmal unberechenbar. Indemini ist am Ende des italienischen Val Veddasca , 500 m nach der Grenze. Bis 1918 war die Talstraße der einzige Zugang zum Dorf aber eine kühne Schweizer Straße wurde über die 1395 m hohe Alpe di Neggia gebaut, um den Einwohnern von Indemini einen nationalen Zugang zu gewährleisten.
Ein Postauto verbindet das Dorf über einer kurvenreichen Straße mit Magadino: nicht weniger als 132 Kurven und 38 Haarnadelkurven! Aber die Isolierung von Indemini hat vielleicht ein authentisches und einheitliches Tessiner Dorf erhalten können, dessen Häuser aus lokalem Gneis gebaut, mit Granit bedeckt und mit schönen Holzbalkonen geschmückt sind.
Um mehr zu wissen:
http://www.myswitzerland.com/fr-ch/indemini-le-village-romantique-tout-en-pierre.html
12a. Grenzsteine mit Datum 1559
Wir stießen auf einen alten Grenzstein nördlich von Stabio, im Mendrisiotto, Tessin: Nr. 123, mit den Aufschriften „LIGA HELVETICA“ und 1559 auf der einen Seite und „STATUS MEDIOLANI“ und 1559 auf der anderen, in einem sehr guten Erhaltungszustand. Es gibt noch andere ähnliche Grenzsteine aus dem Jahre 1559 im Tessin; sie sind die ältesten im Kanton.
Das Mendrisiotto wurde von der Schweiz der Dreizehn Alten Orte (Kantone) im Jahre 1512 annektiert und der Besitz wurde durch den am 29. November 1516 unterzeichneten Vertrag von Freiburg (auch Vertrag des „ewigen Friedens“ genannt) bestätigt, nach der Niederlage der Schweizer bei Marignano gegen die Franzosen unter König Franz dem Ersten im September 1515. Nach mehreren Kriegen zwischen den Königen von Frankreich und Spanien wurde die spanische Herrschaft über das Herzogtum Mailand (Mediolanum im lateinischen) im Jahre 1559 durch den Frieden von Cateau-Cambrésis anerkannt.
Um mehr zu wissen:
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/f/F8898.php
13. Die Monte Generoso Bahn
Monte Generoso (1701,3 m) ist Familien im Tessin gut bekannt. Die 360° Aussicht ist außergewöhnlich und man kann – an klaren Tagen – von Mailand bis zum Gran Paradiso und vom Monte Rosa bis zur Bernina sehen. Seit 1890 bringt eine Zahnradbahn Besucher mühelos von Capolago bis zum Gipfel.
Die Linie ist jetzt elektrifiziert aber ein Dampfzug (Lokomotive von 1890!) macht an besonderen Anlässen Dienst. Im Jahre 1941 kaufte der Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler die vernachlässigten Bahnanlagen und wandelt Monte Generoso in einen touristischen Ort von nationaler Bedeutung um.
Wegen Bauarbeiten am Monte Generoso, ist der Schienenverkehr vorübergehend stillgelegt. Wiedereröffnung im Jahre 2016.
Bild links : Entwurf der Monte Generoso Endstation von Mario Botta (Eröffnung 2016)
Um mehr zu wissen:
http://www.montegeneroso.ch/fr/38/120-ans-d-histoire-ferroviaire.aspx
14. Die Enklave von Campione d’Italia
Campione d’Italia, vom Tessin vollständig eingeschlossen, das ist in erster Linie das Casino Municipale. Das imposante im Jahre 2007 errichtete Gebäude von Mario Botta hat das Verdienst, von Lugano Tag und Nacht sichtbar zu sein … Es ist wahr, daß es schwierig ist, mit einer Bodenfläche von 55’000 m2 unbemerkt zu bleiben!
Campione d’Italia ist ein Steuerparadies, wo die Bürger die Hälfte der Steuern zahlen, die die anderen Italiener zahlen müssen. Die Grenze zur Schweiz existiert nur auf Karten, denn in Wirklichkeit erinnern viele Details an das Tessin: Kfz-Kennzeichen, Krankenversicherung, auch wird der Schweizer Franken weitgehend verwendet.
Um mehr zu wissen:
http://www.miralux.ch/campione_fr.htm
15. Das Schweizerische Zollmuseum bei Cantine di Gandria
Das stattliche Schweizerische Zollmuseum ist ein Juwel, das einen Besuch wert ist. Um dorthin zu gelangen, ist das Beste, das Boot in Lugano zu nehmen (häufige Fähren im Sommer). Sehr zu empfehlen: in Caprino landen und den Weg entlang des Sees zum Museum folgen (etwa 40 Min.) Für die Rückkehr fährt das Boot über den See nach Gandria und dann weiter nach Lugano. Aber man kann zu Fuß auf dem Weg der Olivenbäume nach Lugano zurückkehren; er ist mit interessanten Informationstafeln versehen
Von Cantine de Gandria aus überwachten die Zollbeamten die Schmuggeloperation (wegen der isolierten Lage wurden nach 1921 nur unverheiratete Zollbeamten dort stationiert!). Die Schleichhändler versuchten, Zigaretten zu schmuggeln, aber auch Waren der ersten Notwendigkeit wie Zucker, Kaffee, Reis und Salz. Obwohl klein, verfügt das Museum über moderne Anlagen und fesselnde Ausstellungen.
Um mehr zu wissen:
http://www.afd.admin.ch/publicdb/newdb/zollmuseum/pdf/besuch_zollmuseum_fr.pdf
16. Der gewaltige Splügen
Im Gegensatz zu einigen Alpenpässen wie der Simplon, wo Straßenverbesserungen den Übergang einfach gemacht haben, läßt sich der 65 km lange Splügen verdienen. Bloß die Reise von Chiavenna nach Splügen bei schlechtem Wetter wird lange in Erinnerung bleiben! Der Paß markiert die schweizerisch-italienische Grenze seit der Rückerstattung des Veltlins an die Cisalpinische Republik im Jahre 1797 durch Napoleon Bonaparte.
Vor dem Bau der großen Alpentunnels war der Splügen (2113m) ein belebter Übergang mit einem großen Volumen von Waren (2000 Maultiere pro Monat). Diese intensive Aktivität erzeugte eine blühende Wirtschaft. Für unter Kälte leidende Reisende, die den Paß sicher hinter sich hatten, stellte der Abstieg nach Thusis durch die Via Mala eine neue Probe dar …
Um mehr zu wissen:
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/f/F8823.php
17. Lei-Tal und -See
Das Lei-Tal, seit 1863 italienisches Staatsgebiet, war unbewohnt war und somit für ein Wasserkraftwerk gut geeignet. Der im Jahr 1962 gebaute Staudamm erforderte eine Vereinbarung zwischen Italien und der Schweiz. Da der Stausee im Falle eines Bruches eine Gefahr für die Schweizer Täler weiter unten war, forderte der Bund, den Damm unter seine Aufsicht zu halten. Als Ausgleich wurde ein kleines Gebiet unterhalb vom Damm nach Italien transferiert.
Solche grenzüberschreitende Vereinbarungen im Zusammenhang mit dem Betrieb von Stauseen sind keine Seltenheit. Ein gutes Beispiel ist der Emosson Stausee, der sich vollständig auf Schweizer Gebiet befindet, aber Wasser aus dem Mont Blanc-Massiv sammelt. Das Kraftwerk befindet sich in Frankreich bei Châtelard. Ein weiteres Beispiel ist der Lago Livigno in der Nähe des Ofenpasses.
Um mehr zu wissen :
http://de.wikipedia.org/wiki/Lago_di_Lei
18. Der Badile von Riccardo Cassin
Das Massiv des Bergells besteht aus einem herrlichen Granit, viel jünger als die vor der Geburt der Alpen entstandene Granite des Grimsels und des Mont Blanc. Dieser grobkörnige Granit ist die Freude der Bergsteiger seit den 30er Jahren.
Im Jahr 1937 waren Riccardo Cassin und seine Kletterpartner die ersten, die die Nordostwand des Piz Badile eroberten, eine erschreckende Gestalt zu der Zeit. Cassin spielte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Materialien, die den extremen Bedingungen des Bergsteigens angepaßt waren (wie Kletterschuhe, zum Beispiel). Er starb in seinem Bett im Alter von 100 Jahren und 7 Monaten, was eine echte Leistung ist für einen Mann, der in seinem Leben so viele Risiken eingegangen ist!
Um mehr zu wissen:
http://fr.wikipedia.org/wiki/Riccardo_Cassin
19. Zwischen Rhein und Altem Rhein
Zwischen dem Rhein in der Höhe von Altstätten und dem Bodensee gibt es eine Höhendifferenz von etwa zwanzig Metern auf einer 18 km langen Strecke. Der Strom floß nicht direkt nach Norden aber östlich von Diepoldsau, bevor er bei St. Margrethen eine deutliche Biegung nach Westen machte. Wegen dem geringen Gefälle wurde vom Alpenrhein transportiertes Material abgelagert und erhöhte das Flußbett. Um die katastrophalen Überschwemmungen des neunzehnten Jahrhunderts zu beenden, wurde eine Korrektur des Flußverlaufes in den Jahren 1896 bis 1923 durchgeführt, so daß der Fluß direkt zum See fließen konnte, d.h. das Gefälle wurde erhöht. Die Grenze aber blieb unverändert entlang dem alten Verlauf (Alter Rhein)und nach Fertigstellung der Arbeiten befand sich Diepoldsau im Osten des Flusses statt westlich davon!
Wichtige Projekte sind im Gange, im Alpenrhein stromaufwärts vom Bodensee einen ausgeprägten natürlichen Charakter wieder herzustellen.
Um mehr zu wissen: :
href=“http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/f/F8768.php?topdf=1″>http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/f/F8768.php?topdf=1
http://www.alpenrhein.net/
20. Das Delta des Rheins und der „Grenzstein“ dreiundsiebzig
Das Dreieck zwischen dem kanalisierten Rhein, dem Alten Rhein und dem Bodensee bildet das Süßwasserdelta des Rheins (vom großen Meer-Delta in den Niederlanden zu unterscheiden). Ein Naturschutzgebiet von mehr als 2000 Hektar wurde 1976 nach jahrelangen Verhandlungen geschaffen. Das Reservat ist ein Zufluchtsort für über 330 Vogelarten, und ist deswegen zu einem Schutzgebiet von internationaler Bedeutung geworden.
An der Mündung des Alten Rheins in den Bodensee war bis zum Jahre 2013 ein Punkt mit Nummer 73 auf der Landeskarte eingetragen. Das war kein Grenzstein, aber es handelte sich um einen Punk, welcher von weiter hinten liegenden Vermessungspunkten berechnet wurde, die sich links und rechts am Rheinufer befinden. Die Achse des Rheins wird von einer ganzen Reihe von diesen Punkten definiert.
Um mehr zu wissen :
http://www.rheindelta.com/
21. Unsichere Überquerungen der MF Romanshorn
Die MF Romanshorn und MF Euregia (MF: MotorFähre) sind die beiden Fähren, die täglich mehrmals Friedrichshafen über den Bodensee mit Romanshorn verbinden. Die im Jahre 1929 eröffnete Linie wurde bis 1976 auch dazu verwendet, Eisenbahnwagen zu transportieren.
Wenn die MF Romanshorn den Hafen verläßt, wird ihr Status unsicher, da sie in eine Art gesetzlichem Niemandsland eintritt. In der Tat wurde die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland noch nie in einem Vertrag festgelegt. Tatsächlich sind die Staatsgrenzen seit dem Vertrag von 1648 und die (de jure) Anerkennung der Unabhängigkeit der Schweizerischen Eidgenossenschaft nicht klar. Über diese Unsicherheit scheint niemand beunruhigt zu sein, außer einigen Professoren des Völkerrechts …
22. Kloster Reichenau
Die Insel Reichenau, seit 1838 durch einen Damm mit dem Festland verbunden, liegt einige hundert Meter von der Grenze entfernt. Die Insel mit seinem Kloster, in 724 vom Heiligen Pirminius gegründet, ist seit 2000 Welterbe der UNESCO. Im frühen elften Jahrhundert war Reichenau eine bekannte Manuskripten-Schule, die die schönsten illuminierten Handschriften, wie den Egberti-Codex angefertigt hat.
Gegenüber der Insel, auf dem Schweizer Ufer, liegt Salenstein und das Schloss Arenenberg, wo Prinz Louis Napoleon, der zukünftige Napoleon III, wohnte. Der riesige 13 Hektar große Park, lange Zeit dem Verfall übergeben, wird restauriert.
Um mehr zu wissen :
http://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_de_Reichenau
http://www.myswitzerland.com/fr-ch/musee-napoleon-le-chateau-et-parc-d-arenenberg.html
23. Die Bombardierung von Schaffhausen
Der Kanton Schaffhausen, fast ausschließlich auf dem rechten Ufer des Rheins, hat eine „mäanderartige“ Grenze von mehr als 150 km gegen Deutschland. An vielen Orten trotzt der Verlauf auch alle Logik!
Am Samstag, den 1. April 1944 zur Zeit des Marktes haben US-Staffeln Hunderte von Brand- und Sprengbomben auf die Stadt Schaffhausen abgeworfen; es wurden Dutzende von Menschen getötet und große Schaden verursacht. Navigationsfehler oder Vergeltungsmaßnahmen? Man wird es wahrscheinlich nie wissen. Nach der Entschuldigung von Präsident Franklin D. Roosevelt, gab die US-Regierung der Schweiz im Jahre 1949 mehr als 62 Millionen Franken als Entschädigung für den Verlust von Menschenleben und für die nach den Bombardierungen von Schaffhausen, Zürich und Basel im Jahre 1944 erlittenen Zerstörungen.
Um mehr zu wissen :
http://www.schaffhausen-nostalgie-foto.ch/266,0,schaffhausen-bombardiert-,index,0.html
http://www.ideesuisse.ch/256.0.html?L=1&no_cache=1&tx_ttnews[backPid]=217&tx_ttnews[list]=349%2C1376%2C631%2C273%2C1525%2C1523%2C1524%2C233%2C1522%2C1561%2C1379&tx_ttnews[tt_news]=349 (vidéo Ciné-journal suisse 5’12 ‘’)
24. Die Rheinfälle
1 km von der Grenze entfernt, sind die Rheinfälle imposant, vor allem während starkem Hochwasser. Die Phasen ihrer Entstehung vor etwa 17’000 bis 14.000 Jahren (geologisch gesehen eine kurze Zeitspanne) sind gut festgelegt. Es ist das direkte Ergebnis von sukzessiven Vergletscherungen. Die Fälle befinden sich dort, wo ein harter Kalkstein des Jura-Zeitalters (flußaufwärts) in weichere sedimentarische Gesteine übergeht (flußabwärts).
Fünfzig km unter den Rheinfällen, bringt die Aare, der wichtigste Zufluß des Rheins in der Schweiz, viel mehr Wasser als der Rhein selbst. Der Rhein führt verschiedene Wassermengen zwischen Sommer und Winter: Basel: 1500 m3/s im Juni im Vergleich zu 700 m3/s im Januar). Aber Ausnahmejahre sind nicht selten: im Jahre 1858 war der Durchfluß in Basel nur 202 m3/s , etwa 50 m3 mehr als die Rhône in Genf. Die Schiffahrt ist unter diesen Bedingungen schwierig!
Um mehr zu wissen:
http://www.encyclopedie.bseditions.fr/article_complet.php?
Castrum Rauracense, der Nachfolger von Augusta Raurica, deren Glanzzeit im dritten Jahrhundert nach Christus unter dem Druck der nordischen Völker versiegte, war eine Festung am Ende der Brücke über den Rhein. Schon damals spielte der Fluß also die Rolle einer Grenze. Wenn man heute den Rhein betrachtet, der an dieser Stelle sehr breit ist, fragt man sich, wie die Römer in einer starken Strömung und eine leicht vorstellbare Tiefe von mehreren Metern, überhaupt Brückenpfeiler bauen konnten…
Der Standort der Augusta Raurica ist derzeit mit Informationstafeln in mehreren Sprachen angelegt. Im Museum, das sehr klein ist, werden die während der Ausgrabungen entdeckten Objekte ausgestellt, darunter der berühmte aus 270 Silbermünzen bestehender Schatz. Man sieht viele Münzen von einwandfreier Qualität (sie sind nie benutzt worden) und großartige Zeremonieobkekte, darunter der prächtige Achilles Teller.
Um mehr zu wissen :
http://www.augustaraurica.ch/fr/