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Riehens Brunnen und ihre Quellen
Paul Hulliger
In der «Geschichte des Dorfes Riehen» von Emil Iselin ist zu lesen, daß Riehen schon früh bekannt war wegen seiner zahlreichen Brunnen. Iselin weist darauf hin, daß die waldreichen Hänge des Chrischonaberges und die besondere Lagerung der Gesteinsschichten die Quellenbildung und dadurch die Wasserversorgung des Ortes begünstigen. Wir möchten beifügen, daß auch der Löß, die aus Lehm, Sand und Kalk gemischte, wasserundurchlässige gelbliche Bodenschicht daran Anteil hat. Sie lagert bis 10 Meter tief an den Hängen des Chrischona-Höhenzuges. Der Hauptbrunnen beim Ochsenwirtshaus wird schon im Jahr 1503 erwähnt. Er war vermutlich bereits aus Stein, während die gewöhnlichen Dorfbrunnen noch lange aus Holz bestanden. 1654 hatte das Gemeindebrunnwerk schon 15 Brunnröhren zu speisen; 1790 zählte man 13 Hofbrunnen und 10 Allmendbrunnen. Das Wasser wurde in dieser Zeit wie überall üblich in Holzdeucheln von den Quellen ins Dorf geleitet. Die Gemeinde kaufte am Horngraben Föhrenwald, um aus den Stämmen die benötigten Deuchel bohren lassen zu können.
Die große Zahl und Mannigfaltigkeit der älteren Brunnen hängt mit dem Charakter des alten Dorfes zusammen. Riehen war ein wohlhabendes Bauern- und Winzerdorf mit acht verschiedenen Rebgebieten, zugleich aber auch, mit Muri bei Bern vergleichbar, ein bevorzugter Ort für Landsitze ehemals angesehener Basler Familien.
Unter den 45 alten und neuen Brunnen gibt es m. E. nur einen einzigen langweiligen und nichtssagenden. Es überrascht nicht, daß er aus der eigentlichen Niedergangszeit der Baukunst, dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts stammt. Ein Brunnen von 1899 lebt dagegen noch von der guten alten Tradition. Zum Glück wurden erst zwei Jahrzehnte nach der Jahrhundertwende, erstmals im Jahr 1922, als der Sinn für gute Bauformen neu erwacht war, neue Brunnen erstellt. Diese sind durchwegs Allmendbrunnen, Gemeingut der öffentlichkeit, vom Kanton oder der Gemeinde erstellt. Sie dienen neuen Bedürfnissen und stellen in der großen Mehrzahl eine wertvolle Bereicherung der alteingesessenen Formen dar. Die Fülle des Stoffes erfordert eine Zweiteilung der Beschreibung von Riehens Brunnen. Im diesjährigen ersten Teil werden die ältern und neuen öffentlichen Brunnen dargestellt; in einem folgenden Jahrbuch sollen die weniger zugänglichen privaten besprochen werden.
Brunnen und Quelle
Die einseitig ästhetische Bewertung einer Form führt leicht in die Irre, indem ihr Wesen nur oberflächlich-genießerisch aufgenommen zu werden droht. Zur Betrachtung einer Form gehört das Erfassen ihrer Bestimmung, beim Brunnen das Wesen ihres Gehaltes, des Wassers, seines Herkommens und seiner Beziehung zum Menschen. Das meint ja auch das Wort Brunnen.
Die Griechen unterschieden vier Elemente: Erde, Wasser, Feuer und Luft. Das Wasser zeichnet sich aus durch den ihm eigentümlichen Kreislauf: «Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es.» In der Quelle tritt es rein zutage. Ich freute mich als Bub immer wieder von neuem einer bezaubernden Quelle, die mitten in einem hohen Buchenwald an einem Abhang aus der Spalte einer Sandsteinwand hervorsprudelte und als Bächlein den Hang hinunter eilte. Anderswo wallte vor einem Tannenwäldchen reines, klares Wasser aus einer Bodenvertiefung hervor. Solche Quellen gibt es heute in der Nähe größerer Ortschaften nirgends mehr. Der Mensch hat sie, in den Kreislauf des Wassers eingreifend, in Brunnstuben aufgefangen.
Es war nicht leicht, einigermaßen Klarheit über die Riehens Brunnen speisenden Quellen zu bekommen. Das im folgenden darüber Gebotene verdanke ich nicht zuletzt der in persönlicher Unterredung bereitwillig erteilten Auskunft vieler Mitbürger. Mein Dank gilt u. a. Gemeindearbeiter Willy Wenk und Fritz Gfeller, Gärtner der Diakonissenanstalt, ganz besonders aber dem ersten Ingenieur des Basler Wasserwerkes, Walter Leisinger. Von ihm erhielt ich drei Schriften zum Studium.1 Die Schrift von E. Blum verdiente es, nachträglich noch veröffentlicht zu werden. Blum erläutert darin die verschiedenen früheren Brunnwerke der Stadt Basel, darunter das Kleinbasier Brunnwerk mit dem Wasser aus dem Au- und Moostälchen.
Trog-, Stock- und Röhrenbrunnen
In alter Zeit schöpfte der Mensch das Wasser mit hölzernen Gelten aus dem Lochbrunnen in Zuber und Kessel. Ein großer Fortschritt bedeuteten neben dem Sodbrunnen die Trog-, Stock- und Röhrenbrunnen, zunächst aus Holz, früh schon aus Stein. Die letzte Art ist in Riehen in zahlreichen Beispielen erhalten. Ein in unserer Zeit entstandener Trogbrunnen in der Form eines ausgehöhlten Baumstammes mit hölzernem Brunnenstock gibt vor dem Mooswäldchen noch Wasser wie vor langer Zeit. Der Trog ermöglicht dem Vieh, der Stock mit der Röhre dem Menschen ein bequemes Trinken. Die längliche Rechteckform des Troges gestattet, gleichzeitig mehrere Pferde oder Kühe und Rinder zu tränken. Auf den unter der Röhre quer über den Trog gelegten Steg gestellt, lassen sich Kessel und Zuber bequem füllen. Ich half noch als Knabe jeden Abend, solche Wassereimer ins Haus in die Küche tragen. Wir stellten sie dort auf das Wasserbänklein zwischen Herd und Schüttstein. In schön geschliffener Flasche kam frisches Wasser auf den Mittagstisch. Bei der großen Frühjahrs- und Herbstwäsche meiner Mutter wurde der Trog des Brunnens aus hellem Solothurner Kalkstein jeweils blank gescheuert und mit Leintüchern ausgelegt, um die Wäsche im kristallklaren Wasser spülen zu können.
In Riehen waren die öffentlichen Brunnen allen zugänglich; die privaten Brunnen flössen und fließen z. T. noch in unsern Tagen in den Höfen der Landsitze, nicht zu weit von Küche und Pferdestallung entfernt. Sie wurden entweder aus einer eigenen Quelle gespiesen, wie heute noch der Brunnen des Glögglihofes, oder waren, wenn nicht als Geschenk in Abgeltung eines Verdienstes empfangen, vom Gemeinwesen für teures Geld erworben worden.
Das Ende einer jahrhundertealten Brunnenform
Im Jahr 1853 herrschte in Basel eine fürchterliche Choleraepidemie, die Tausende von Opfern forderte (Böcklins Bild von der Pest war kein bloßes Phantasiegebilde). Das bildete für die 40 000 Einwohner zählende Stadt den Anstoß zur ersten Druckwasserversorgung mit Wasser aus dem Pelzmühletal, dem Kaltbrunnental und von Angenstein, mit einer Speicherkammer auf dem Bruderholzhügel. Am 17. April 1866, vor bald 100 Jahren, floß in Basel erstmals aus den Hahnen in Küche, Bad und Waschküche gereinigtes, frisches Trinkwasser. Ein mit der neuen Hauswasserversorgung zusammenhängender großer Gewinn darf nicht unerwähnt bleiben. Es wurde möglich, den Abort als WC von der offenen Holzlaube oder gar von der Nähe des Kuh- und Schweinestalles weg ins Innere des Hauses zu verlegen. Das bedeutete für Alte und Kranke eine große Erleichterung. Im Jahr 1886 überließ die Stadt der Gemeinde Riehen ihre Auquellen, um auch ihr die längst geplante Hauswasserversorgung zu ermöglichen. Erst 1904 erfolgte auf Beschluß der Basler Regierung der Anschluß der Gemeinde Riehen an das inzwischen ausgebaute städtische Wasserleitungsnetz. Riehens ganze Hauswasserversorgung wurde vom Wasserwerk übernommen. Damit ging auch für das Dorf eine aus praktischen Bedürfnissen erwachsene, jahrhundertalte Brunnenform zu Ende. Das zeigen die andersartigen Formen der Mehrzahl der seither entstandenen 14 neuen Brunnen. An ihnen sind weder Mägde noch Hausfrauen noch Wäscherinnen mehr zu treffen, dafür mit dem Wasser spielende oder durstige Kinder, ab und zu ein vom Trogrand aus Wasser läppender Dackel oder ein zur Tränke geführtes Pferd.
Die Auquellen
Diese noch heute wie vor 1000 und 2000 Jahren fließenden Quellen haben schon bei der frühesten Besiedelung der Gegend bestimmend mitgewirkt und das spätere Brunnenwerk der Gemeinde Riehen möglich gemacht. Die alten Dorfbrunnen wurden alle von der großen und kleinen Gemeindequelle im hinteren Autälchen zur Linken des von Inzlingen kommenden Baches gespeist. Das bezeugt der Name Gemeindequelle. Die hintere und vordere Auquelle auf der rechten Seite des Baches dürften die von der Stadt 1866 der Gemeinde geschenkten Quellen sein. Das Wasser kommt vom Südhang und Nordhang des Tälchens. Mit dem Aubach hat es nichts zu tun. Vor Zeiten gab es darin Forellen und Krebse; heute ist das Wasser schmutzig und stinkig. Die Abwasser der Kartonagefabrik Inzlingen, die Spritzmittel und Waschpulver machen es «kaputt», wie sich mein Führer, Willy Wenk, ausdrückte. Es gibt daher im Tälchen auch keine Blindschleichen mehr.
Einst waren die Brunnstuben auf alte Art gemauert und mit einer Eichentüre abgeschlossen; man konnte in sie wie in einen Bergkeller hineinsteigen. Heute haben sie ein viel geringeres Ansehen, in meinen Augen ein zu geringes; denn sie unterscheiden sich äußerlich nicht von einer Dole. Ein runder, schwarzer Eisendeckel ist zunächst alles, was der ihnen Nachforschende von den Quellen zu Gesicht bekommt. Wird er aber abgehoben, folgt eine überraschung der andern. Das flüssige Element der großen und kleinen Gemeindequelle zur Linken des Aubaches fließt geheimnisvoll und doch wunderbar klar aus dem mit blankem Kies bedeckten Boden hervor. In eine der Brunnstuben zur Rechten des Baches kletterte ich über die Bügel eines Zementzylinders zur tief gelegenen, gewölbten Brunnstube hinab. Ein packendes Bild bietet das zuvorderst gelegene Sammelbecken mit seinen beinahe armdicken" Wasserstrahlen aus vier Röhren.
Talwärts geleitet gelangt das Auwasser, da wo der neue Ausweg endet, in das neue Reservoir, die 65 m3 fassende große Brunnstube. Bildeten die kleinen Brunnstuben hinten im Tälchen Absetzmöglichkeiten für mineralische Unreinheiten, erfolgt hier mit Hilfe eines Dosierungsapparates die chemische Reinigung mit Javell (flüssiges Chlor); 3—4 Tropfen auf 250 l Wasser töten alle Bazillen. Zugleich bewirkt die Speicherung ein gleichmäßiges, ruhiges Fließen der angeschlossenen 11 Allmendbrunnen und 17 Privatbrunnen. Dagegen führen die 14 neuen Brunnen, vom Jubiläumsbrunnen von 1922 an der Burgstraße bis zum jüngsten im Kindergartenhof am Langenlängeweg, Stadtwasser.
Nollen- und Moostälchenquellen
Wie aus dem Autälchen floß einst auch aus dem wasserreichen Moostälchen, eingeschlossen die Nollenquellen am Mittelberg, Trinkwasser dem Kleinbasler Brunnenwerk und dem Dorf zu. Der bewaldete, muldenförmige Abschluß dieses Tälchens mit dem wasserundurchlässigen Lößuntergrund bildet ein einziges Sammelbecken für Niederschläge. Im vergangenen nassen Sommer war der Boden am Waldrand regelrecht sumpfig. Sumpfig war früher auch das Moostälchen, daher der Name. Infolge einer allgemeinen Senkung des Wasserstandes — weil dem Grund des Haupttales der Wiese viel mehr Wasser als früher entnommen wird — und zufolge einer vorgenommenen Traînage verwandelte sich das einstige Moos in fruchtbares Ackerland.
Zwei Brunnstuben befinden sich im Wald drinnen, zwei davor. Die ursprünglichen Bodenquellen im Wald wurden mit einer Kiespackung und Abzugröhren zu den Brunnstuben versehen, abgedeckt mit einer Lehmschicht, um das Oberflächenwasser fernzuhalten. Von den zwei Brunnstuben vor dem Wald versorgt die obere mit dem schönen Bäumchen den Brunnen beim Schießstand mit Wasser; früher hatte auch noch die Diakonissenanstalt Anteil daran. Das Wasser der andern fließt in undichter Leitung zu Tal; es bekommt 100 Meter oberhalb des Mooswäldchens Zufluß aus einer weiteren Brunnstube mit aus dem Boden aufquellendem Wasser. Ein Teil davon tritt nach ganz kurzem Lauf als glitzernder Strahl im bereits erwähnten Holzbrunnen vor dem Mooswäldchen, einem mit Eisenbändern zusammengehaltenen Einbaumbrunnen mit Steinplattenbelag am Boden, wieder zutage. Was übrigbleibt, speist als Nichttrinkwasser das Badbrünneli, den Brunnen des Gemeindepräsidenten nebenan, die nicht viel weiter entfernte Grotte des Wettsteingartens und das neue Planschbecken hinter der Schlipferhalle.
Das Immenbächlein nahm einst oben beim Nollen am Mittelberg seinen Anfang. Heute entspringt es zufolge der Trainage mitten im Tälchen bei einem Weidenbusch. Mit ihm laufen nicht weniger als drei Leitungen mit dem in Brunnstuben gesammelten Wasser des Chrischonaberges und des Moostälchens talauswärts dem Dorf zu: Die oben genannte, der Gemeinde gehörende Leitung zum Badbrünneli und den drei andern Verbrauchsstätten. (Eine von der Stadt geplante neue Mooswasserleitung erwies sich als zu wenig lohnend, weshalb die Wasserrechte von der Gemeinde Riehen erworben wurden, aus deren altem Quellgebiet Basel heute kein Trinkwasser mehr bezieht). Die zweite, private Leitung, ausgehend vom Quellgebiet südwestlich des Mooswäldchens, versorgt den Glögglihofbrunnen gegenüber der Hauptpost. Die dritte Leitung gehört dem Spital, das im Gebiet oberhalb des Scheibenstandes mehrere Sammler und bei der großen Pappel ein Reservoir von 80 m3 Inhalt sein eigen nennt. Wie ich von Spitalgärtner Fritz Gfeller erfahren konnte, verwendet das Spital heute drei verschiedene Wasser: Stadtwasser als Trinkwasser; von der Dorfleitung abgezapftes Auwasser für den alten Brunnen und den Springbrunnen beim Stammhaus sowie für ein Wandbrünnlein im Hof des Spitals am Spitalweg. Weiteres Auwasser, das überwasser des Reservoirs am Auweg, wird in besonderer Leitung dem Karpfenteich des Sarasingutes zugeführt. Endlich wird das Mooswasser als WC-Wasser und zur Speisung der beiden Sarasin-Brunnen, eines Springbrunnens und des Refardbrunnens im LeGrand-Gut verwendet.
Der Moosweiher, Riehens einstiger Feuerwehrweiher
Eine eigene Bewandtnis hat es mit dem Moosweiher, der aus den gleichen Quellen gespeist wurde wie heute noch verschiedene Dorfbrunnen. Er befand sich am Ort des heutigen Mooswäldchens mit seinen hochgewachsenen Erlen. Wahrscheinlich hat es sich von Anfang an nur um einen Feuerwehrweiher mit Aufzugpritsche gehandelt, für den der wertlose Moosboden der geeignete Ort war. Aber lag er nicht zu weit vom Dorf entfernt? In Riehen brannte es früher oft und viel. Um Wasser zum Löschen zu haben, staute man sowohl das Aubächlein wie das Immenbächlein. Bauverwalter Emil Näf wußte zu berichten, daß sich unter den Dolen des zugedeckten Aubaches jetzt noch Staubretter zum Schwellen des Wassers befinden. Und im Bächlein beim Badbrünnlein sind heute noch zwei Gleitschienen zum Einsetzen von Staubrettern zu sehen, ebenso weiter oben bei der Bahnhofstraße. Bei einem Brandausbruch im Dorf wurde das Wasser des Moosweihers abgelassen und damit für genügenden Zufluß zu den Schwellen im Dorf gesorgt. Bis das Wasser da war, konnte man aus den großen Brunnentrögen Wasser pumpen. Der Feuerwehrweiher trug aber auch den Namen Deuchelweiher. In seinem Wasser lagen nämlich die hölzernen Wasserleitungsröhren zum Verschwellen, um sie vor dem Austrocknen und Aufspalten zu bewahren. Ich erinnere mich aus meiner Jugendzeit, wie der alte Brunnenmacher unseres Dorfes mit einem gut drei Meter langen eisernen Bohrer solche Deuchel herstellte.
Ungewöhnlich viele neue Brunnen vor 100 Jahren
Die bereits erwähnte fürchterliche Choleraepidemie in Basel im Jahr 1853 wirkte sich offensichtlich ebenso stark auf die Trinkwasserversorgung von Riehen aus wie auf diejenige von Basel. Eine auffallend große Zahl von Dorfbrunnen bezeugen es mit den auf ihren Trogwänden kunstvoll eingemeißelten Jahreszahlen. Auf den großen Ochsenbrunnen von 1851 folgte 1854 der Brunnen an der Oberdorfstraße gegenüber der Einmündung der Schützengasse. 1855 schließen sich gleich ihrer drei an: Der Brunnen vor der alten Post, der von Gemeindepräsident Wenk und der Waschtrog vor dem alten Erlenschulhaus. 1860 kam der gegenwärtig magazinierte Brunnen von der Schmiedgasse hinzu, 1862 der Brunnen am oberen Ende der Oberdorfstraße, 1867 jener an ihrem unteren Ende und 1871 der Brunnen bei der Tramschleife gegenüber dem La-Roche-Gut. Auch der Brunnen vor dem Haus Danacher an der Baslerstraße ohne Jahrzahl dürfte aus dieser Zeit stammen. Das sind 10 Brunnen im Zeitraum von 20 Jahren für ein Dorf von 1600 Einwohnern!
Monolithen über den Hauenstein
Fast alle alten Brunnen Riehens sind Monolithen, d. h. aus einem Steinblock gehauen. Nur zwei Dorfbrunnen (Kirchstraßbrunnen und der Brunnen am Eingang der Oberdorfstraße) sind aus dunkelrotem Maienbühl Sandstein, einer ist aus gelblichem Laufener Kalkstein und acht der aufgezählten bestehen aus hellgrauem Solothurner Kalkstein. Der größte der Solothurner Brunnen-Monolithen, der Ochsenbrunnen, ein leicht gezogenes Achteck mit 18 cm dicken Wandungen, ist 4 1/2 Meter lang, 3 Meter breit und 85 cm hoch, der zweitgrößte, der wuchtige Oberdorfbrunnen bei der Einmündung der Schützengasse, bildet ein längliches Achteck von 3,2 Meter Länge, zwei Meter Breite und 72 cm Höhe, Boden und Wände bis 24 cm dick. Als unbearbeiteten Block möge sich der Leser auch den Brunnen vor der alten Post vorstellen, jetzt ein Rechteck mit abgeschrägten Winkeln, 3,35 Meter lang, 1,5 Meter breit, 80 cm hoch mit 15 cm dicker Trogwand und 25 cm starkem Boden.
Für die Arbeiter der Steingrube war es eine nicht leicht zu lösende Aufgabe, tischhohe Blöcke bis zur Größe einer kleineren Küche, ja, eines halben Zimmers, erst einmal vom Felsen abzuspalten. Wie ich in der Steinhauerwerkstatt des Baugeschäftes Wenk am Rüchligweg erfuhr, waren zunächst mit dem Kreuzbohrer reihenweise viele 2 cm starke Löcher in den Felsen zu bohren, eine mühsame Arbeit, die große Ausdauer erforderte. In diese Bohrlöcher wurden Bonjetgeräte eingesetzt (bon jet = guter Trieb), wie sie im Tessin heute noch zum Spalten des Granits Verwendung finden. Damit der runde Eisenkeil (jet) besser rutsche, setzte man mit ihm in der Spaltrichtung zwei Metallplättchen ein. Hammerschläge trieben sämtliche Keile gleichmäßig voran. Als veraltete Sprengmittel gelten in den Löchern durch Wasser zum Schwellen gebrachtes Holz oder im Winter die Sprengkraft des Eises. Beim Transport des abgespaltenen Blockes im Steinbruch selbst fanden Keile, Hebel und Rollen Verwendung. Mit als Hebel benutzten Eisenstangen wurden die Rollen fortbewegt; kräftige Arme setzten sie in die Löcher der eisenbeschlagenen, schmäleren Rollenenden. Die Fuhren auf Tiefgangwagen über den oberen Hauenstein bedurften von Balsthal und erst recht von Holderbank an mehrerer Vorspannrosse. Noch mehr Sorgen bereiteten dem Fuhrmann auf der anderen Seite des Uberganges das Bremsen bis Waldenburg hinunter.
Der Brunnen in seiner Beziehung zur Seele des Menschen
Im Strahl des Brunnens und gesammelt im Trog tritt das Element Wasser zum Dienst an Mensch und Tier zutage wie früher das Feuer im Herd. Wohl haben Riehens Dorfbrunnen ihre frühere große praktische Bedeutung fast ganz eingebüßt. Es ist stille um sie geworden. Um so eher ist es möglich, daß sie im Gegensatz zum reißenden Fluß oder der stürmischen See den besinnlichen Menschen ansprechen als Symbol eines ununterbrochenen, geordnet und beherrscht dahin eilenden Lebens.
An der Entstehung der rätselhaftesten Eigentümlichkeit von uns Menschen, am bewußten Sein, hat das Erlebnis des Wassers durch unsern Leib, gleich dem Erlebnis der andern drei Elemente Feuer, Luft und Erde, entscheidenden Anteil. Zunächst bedürfen wir Menschen all dieser Kräfte und Mächte zur Erhaltung unseres Leibes. In der sinnlichen Wahrnehmung werden sie erfahren und in ihrem Wesen erfaßt. Damit tragen sie grundlegend bei zur Anschaulichkeit des Denkens und Fühlens und ermöglichen hiedurch unser Bewußtwerden. Die bildhaften Begriffe wie: Im Strome der Zeit, der Lauf der Dinge, eine flüssige Art, ein sprudelnder Geist, sich überstürzende Ereignisse, die Tiefe des Gemütes, eine grundlose Behauptung, sich in eine Arbeit versenken, klare Vorstellungen, trübe Machenschaften, eine erfrischende Darbietung, ein kühles Wesen, Dürsten nach Gerechtigkeit usw. wären ohne vorausgegangene, vielfältige sinnliche Erlebnisse des Wassers undenkbar.
Künstlerische 'Würdigung der öffentlichen Brunnen Riehens
Der fast durchwegs viereckige Brunnenstock hält zunächst das in ihm aufsteigende Wasser im Winter warm, im Sommer kühl. Er erreicht in der Regel Höhen von 2 bis 2 1/2 Metern, geht folglich wesentlich über das zum bequemen Trinken an der Röhre erforderliche Maß von 115 bis 140 cm hinaus. Der oben an den Trog oder seitlich in die Mitte gesetzte Brunnenstock verleiht der dem Menschen wertvollen Anlage Würde. Fußplatte, Sockel, aufstrebender Pfostenleib und abschließende Deckplatte mit der immer wiederkehrenden Eichel als Sinnbild der Fruchtbarkeit oder gar mit einem krönenden Kapitell geben ihm das Ansehen eines Wächters.
Alle die genannten Teile sind durchwegs wohl bemessen; sie vereinigen sich zum Gesamtklang des Brunnenstockes. Gleich harmonisch ist bei allen Brunnen das Verhältnis von Stock und Trog.
Bei den beiden Brunnen aus rotem Sandstein (am Eingang der Kirchstraße und der Oberdorfstraße) ragt über dem Sockel des Stockes ein Obelisk bis zu einer Höhe von 2 1/2 Metern über den Boden empor; er bezeugt auf feierliche Art die Bedeutung des Brunnens. Der Hauptbrunnen des Dorfes (Ochsenbrunnen) mit dem 3 1/2 Meter hohen Brunnenstock empfängt seine besondere Würde von der einen Meter hohen Säule über dem Sockel und der sie krönenden, schönen kugeligen Vase. Die Kanten der beiden Obelisken weisen gleich den Kanten jedes Stokkes Randschlag auf. Das Innere ist punktartig gestockt.
Die älteren Trogformen gehen vom durchschnittlich 75 cm hohen oberen Trogrand senkrecht zu Boden. Sämtliche Tröge aus hellem Solothurner Kalkstein laufen dagegen auf allen vier Seiten von oben nach unten, ähnlich einer Becherform, mehr oder weniger schräg einwärts. Das verleiht ihnen, zusammen mit dem hellen Ton des Steins und den abgeschrägten Ecken ihrer Rechteckform etwas Schwebendes, Leichtes und nimmt ihnen die Schwere der Tröge mit senkrechten Wänden. Ein am obern Trogrand umlaufendes, rechtwinkliges kräftiges Gesims dient dem Wasserspiegel als Rahmen und stellt zugleich die Beziehung her zum viereckigen Brunnenstock. Unten vollzieht ein Sockel den übergang zum Boden. Erwähnt zu werden als schön verdient der Trog des Brunnens bei der Einmündung der Schützengasse in die Oberdorfstraße. Zusätzlich zu Gesims und Sockel halten zwei kräftige Rillen, Bändern gleich, den ausladenden Trog unter dem Gesims zusammen. Trog und Stock sollen hieher versetzt worden sein. Der ungeformte Platz dürfte damit zusammenhängen. Ganz besonders aber spottet bei diesem Brunnen der gut gemeinte Halsring von Geranien unter dem ohnehin reich gestalteten Kapitell des Stokkes jeder Beziehung zur ganzen Anlage. — Die Jahreszahl des Entstehungsjahres eines Brunnens, mit z. T. hervorragend geformten Zeichen, ist fast durchwegs in die der Straße zugekehrte Längswand des Troges eingemeißelt, oft noch mit einem Steinschildchen gerahmt.
Von nicht geringer Bedeutung für die Gesamtwirkung einer Brunnenanlage ist die Art, wie sie in die Umgebung eingepaßt ist. Als vorbildlich sei genannt der Brunnen oben an der Oberdorfstraße, mit genügend großem, gleich dem Brunnen rechteckförmigen, ummauerten Platz, von zugeschlagenen Kieselsteinen lebendig besetzt. Man spürt sofort, daß hier einst am Brunnen gewaschen wurde. Ähnlich gut gestaltet, der Einmündung einer Nebenstraße angepaßt, ist die Anlage um den Wasserschmeckerbrunnen des verstorbenen Riehener Bildhauers Otto Roos, Ecke Grenzacherweg/Lachenweg. Das gleiche gilt vom neuen Standort des Hauptbrunnens unseres Dorfes vor der Polizeiwache und vom neuesten Brunnen, dem Eulenbrunnen der Bildhauerin Leonie Karrer an der Bettingerstraße beim Bahnübergang. Wie gefährlich es ist, einen Brunnen schräg an eine Straßenecke zu setzen, erkennt man an der Kreuzung Schützengasse/Spitalgasse. Er hat keinen Halt; er gehört weder zur Straße noch zu den anstoßenden Gebäuden. Er müßte, gleich dem Böcklispringerbrunnen von Frau Iselin-Boesch, Ecke Schäferstraße/Kohlistieg, durch Abwinkelung der Rückwand in die Gartenanlage der Diakonissenanstalt einbezogen werden. Dieser ungünstig aufgestellte Spitalgaßbrunnen ist bestimmt auch versetzt worden, sonst wäre nicht verständlich, wieso das gut in Stein gehauene Riehener Wappen des Kapitells des Brunnenstockes auf der Vor- und Rückseite erscheint. Von schöner ruhiger Wirkung ist der an der Baselstraße in die Tramschleife versetzte Brunnen mit dem farbig und formal gegensätzlichen Baumbestand im Hintergrund.
Manchem ursprünglichen Tränketrog ist auf der einen Schmalseite ein niedrigeres Wasch- oder Sudeltrögli beigegeben, einst zum Reinigen von Kartoffeln, Säcken, Werkzeug, schmutzigen Schuhen usw. bestimmt. Damit konnte das Trinkwasser des Haupttroges für das Vieh vor Verunreinigungen bewahrt werden. Die Form dieses Trögli lehnt sich, wie die Beispiele in gelblichem Laufener Kalkstein beim Dorfbrunnen und dem Brunnen vor dem alten Erlensträßchen-Schulhause zeigen, an die üblichen Formen der Tränketröge an.
Weniger auffallende, aber nicht weniger wichtige Bestandteile jedes Brunnens sind dieRöhreundderZuber-oderKesselsteg. Die auf mannigfaltige Art mit Wulst, Kehle und Mündungsknauf belebte bronzene Röhre verjüngt sich nach vorn und ist zwischen 25 und 40 cm lang. Erst recht verschieden sind ihre kunstvollen Stützen, z. B. die häufig S-förmigen. Zu ihr gesellt sich als weitere runde Form des Brunnens der bis 1 1/2 cm breite Wasserstrahl, Viertel eines schmäleren oder breiteren Ovals. Der Strahl fällt häufig genau in die Mitte der Wasserfläche, von wo aus die halbkugeligen, silbrigen Wasserbläschen strahlenartig nach allen Seiten davontanzen. Die Verbindung der Röhre mit dem Brunnenstock übernimmt wieder eine runde Form, eine Bronzescheibe, aber auch eine vorgewölbte, größere Steinscheibe als Teil des Stockes. Beim Dorfbrunnen ist es ein großes Steinherz, aus dessen beiden Hälften die beiden Röhren entspringen. An der Stütze der Röhre fehlt nie der Haken, an dem einst der an einem Kettchen befestigte Wasserbecher hing. Becher und Kettchen waren nirgends mehr anzutreffen.
Vorbildlich ins Ganze eingefügt, praktisch und schön zugleich, ist auch der um 30 cm breite Zuber- oder Kesselsteg, zunächst aus zwei kräftigen, 3—4 cm breiten, handgeschmiedeten Eisenstäben gebildet, die unter der Röhre quer über den Trog gelegt sind. Zwischen Trogrand und aufschlagendem Wasserstrahl wird der Steg durch einen meist 90 cm breiten, flachen Bogen gleicher Stärke überschnitten. Die entstandene Form hat das Aussehen eines Pfeilbogens mit zwei Pfeilen. Auf den seitlichen Bogenvierteln ließ sich der Kupferkessel oder Holzzuber bequem unter den Wasserstrahl schieben und, gefüllt, wieder an sich ziehen. Beim Dorfbrunnen mit zwei Röhren ragen zwei besondere Zuberstege, von unten gestützt, in den Trog hinaus; ähnlich verhält es sich mit dem Steg beim großen Oberdorfbrunnen. Nie geht diese Stegform über Gerade und Bogen hinaus. Das begünstigt das Hin- und Herschieben der Wasserkessel, lenkt aber auch nicht ab vom Wasserstrahl und stört das Spiel der Blasen und Bläschen nicht.
Es ist etwas Herrliches um diese alten Dorfbrunnen; keiner ist dem andern gleich, alle sind aber doch wieder einander ähnlich. Die Wirkung, die von ihnen ausgeht, ist nicht zuletzt deshalb so stark, weil die Schlichtheit der Form das Wasser als das Wesentliche erscheinen läßt.
Die neuen Brunnen
Es sind: Der Wiedervereinigungsbrunnen vorn an der Burgstraße vom verstorbenen Riehener Bildhauer Hans Frei; vier Brunnen der ebenfalls verstorbenen Riehener Bildhauerin Rosa Bratteler (der Flüchtlingsbrunnen im Werkhof, das Drachenbrünnlein vorn an der Rauracherstraße, der Giggishansbrunnen unten am Wasserstelzenweg und der Katzenbrunnen im Hof des Kindergartens am Langenlängeweg); der Böcklispringerbrunnen von Frau Elli Iselin-Boesch, Bildhauerin in Riehen, am Eingang der Schäferstraße; der Wasserschmeckerbrunnen des verstorbenen Riehener Bildhauers Otto Roos am Lachenweg; der Flötenspielerbrunnen von Emil Knöll im Hof des neuen Erlenschulhauses; die beiden Brunnen im Hof des Hebelschulhauses von Heinz Fiorese; ebenso zwei Brunnen — der eine davon der Wildentenbrunnen von Hans Geissberger — in den beiden Höfen des Niederholzschulhauses; je ein Brünnlein an der Wackernagelstraße und an der Lörracherstraße, und endlich der jüngste, der Eulenbrunnen von Leonie Karrer, Bildhauerin in Basel, an der Bettingerstraße beim Bahnübergang. Von diesen 14 Brunnen sind zwei freistehende Trogbrunnen nach alter Art (Roos und Karrer), fünf Wandtrogbrünnlein und sieben Schulhofbrunnen.
Anlaß zu Bedenken geben Brunnen mit 3-mm-Wasserstrahl, selbst wenn zwei und drei auf dem Schalenrand ihre Wasserfaden im Bogen der Mitte zuwerfen. Es ist fraglich, ob sich das gestaute Element selbst genügend zu erneuern vermag. Es wird nicht zu umgehen sein, daß die Becken häufiger als üblich gereinigt werden, sonst verliert der Brunnen jeden tieferen Sinn und kann durch bloße Trinkhahnen ersetzt werden. Die dünnen, kraftlosen Strahlen reizen auch mehr zum Mißbrauch.
Einer der schönsten neuen Brunnen, wenn nicht der schönste, ist der Jubiläumsbrunnen des Jahres 1922 von Hans Frei an der Einmündung der Burgstraße in die äußere Baslerstraße. Leider wird ein Sichversenken in dieses Kunstwerk durch die nachträgliche Bemalung des Riehener und des Basler Wappens zu beiden Seiten der mit erhobenen Händen mahnenden weiblichen Bronzegestalt verunmöglicht. Die ursprünglich gleich den Jahrzahlen 1522 und 1922 bloß in Stein gehauenen Wappen drängen sich, Einordnung und Unterordnung gröblich verletzend, auf ganz ungehörige Weise vor. Die störende Farbe, gegen die sich der Künstler seinerzeit entschieden, aber erfolglos zur Wehr setzte, gehören so rasch als möglich wieder entfernt.
Ein charaktervoller Brunnen ist auch der graue Granitbrunnen von Leonie Karrer an der Bettingerstraße, mit der großartigen, Leben spendenden und Leben erhaltenden Eulenmutter und den noch so sehr hilfsbedürftigen, ihr gegenüber auf einem Ast sitzenden Eulenjungen, alle vier, wie auch die Pflanzenformen und Flügelenden auf beiden Seiten des Brunnens leicht aus den Wandflächen heraustretend. Als besonders gelungen an diesem Brunnen betrachte ich den oben nach vorn abgeschrägten Brunnenstock. Er erscheint dadurch wie ein lebendiges Wesen, das ganz dem starken Wasserstrahl zugewendet ist, der aus seinem Innern hervorschießt. Mit gleich sicherem Gefühl bemaß Leonie Karrer den blockartigen Trog samt Stock und Bodenbelag aus kräfügen Besetzungssteinen; sie fügen sich in der Größe vorzüglich in den gegebenen, aus vier Linden gebildeten Raum ein.
Zu frohem Spiel ermuntern, gleich wie das ihnen entfließende reine, klare Wasser zu einem gesunden Leben, der Böcklispringerbrunnen von Elli Iselin-Boesch an der Schäferstraße, das reizende Drachenbrünnlein Rosa Brattelers, Ecke Rauracherstraße/Baselstraße, und der Brunnen von Emil Knöll im Hof des neuen Erlenschulhauses, mit dem auf dem Brunnenrand sitzenden Flötenspieler in Bronze.
Weitere der 14 neuen Brunnen verdienen Lob und Anerkennung, so der unter der überhängenden Birke, mit seiner großen Wasserfläche besonders zur Geltung kommende Granitbrunnen von Otto Roos am Lachenweg, einer in jeder Beziehung durchgestalteten Anlage. Der Wasserschmecker, das Bronzemännlein auf dem Brunnenstock, forscht mit seinem Gerät, unter dem großen Spitzhut lächelnd-wissend, von seiner Kunst überzeugt, nach dem feuchten Element.
Einen gleich geschlossenen Eindruck erzeugt der Wildentenbrunnen von Hans Geissberger im schön gestalteten südlichen Pausenhof des Niederholzschulhauses. Seine Trogwand steigt schräg auswärts-aufwärts. Eine bronzene Wildente steht schreiend und flügelschlagend, der Wasserfläche zugewandt, auf einem einfachen, auf die Trogwand gesetzten Sockel. Ihr antworten, schräg links und schräg rechts gegenüber, aus dem Wasser je ein wasserwerfender, zu einem Dreiviertelskreis gebogener Karpfen; beider Köpfe und Schwänze ragen aus der Wasserfläche heraus.
Nicht alle der genannten 14 neuen Brunnen vermögen restlos zu befriedigen. Die Brunnenschale, das Gefäß, darf nicht wichtiger werden als das Wasser, das im Brunnen in Erscheinung tretende Lebenselement. Wenn auch der Brunnen, wie dargelegt worden ist, viel von seiner früheren praktischen Bedeutung verloren hat, möchte man ihn als öffentliche Einrichtung doch nicht missen. Wir alle sind in der heißen Jahreszeit froh und dankbar, unterwegs die Möglichkeit geboten zu bekommen, einen brennenden Durst mit frischem Wasser zu stillen, die Hände in das kühlende Element zu tauchen oder Lippen und Stirne zu benetzen. Darüber hinaus mahnt uns ein gut gestalteter Brunnen zur Besinnlichkeit. Der sprudelnde, glitzernde Wasserstrahl ermuntert den Geist; das in der Schale aufgefangene, ruhig gewordene Element hält in seiner Lauterkeit und Klarheit unserer Seele wie ein Spiegel das Ziel vor, zu dem sie selbst gelangen möchte. Es ist nach wie vor eine große und dankbare Aufgabe, Brunnen zu gestalten.
1 Die Wasserversorgung der Stadt Basel. – Ein Leitfaden davon für die Schüler. – Vom verstorbenen Riehener Sekundarlehrer E. Blum, in Maschinenschrift: «Wie vor 100 Jahren und seither die Basler das für den Haushalt notwendige Wasser bekommen haben», Riehen 1947.