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Basel(?)/Oberrhein, um 1490/1500
Silber getrieben, graviert, teilweise vergoldet
Dm.12 cm
Inv. 1878.42.
Amerbach Kabinett
Zwei konkav gewölbte und durch einen Zierrand zusammengehaltene Silberscheiben bilden ein kapselartiges Medaillon, wie es in dieser Form als "Kusstafel" oder "Paxtafel" in der katholischen Liturgie bei der Erteilung des Friedenskusses verwendet wurde.
Unter den wenigen erhaltenen spätmittelalterlichen Beispielen dieser Grösse verdankt die Pax-Tafel aus dem Amerbach Kabinett ihre besondere Stellung den in höchster Präzision beidseitig gravierten Darstellungen. Nach Massgabe des Goldenen Schnitts verkleinert und ins Rund übertragen, folgen die beiden Passionsszenen Christus am Ölberg und Gefangennahme Christi präzise den bekannten Kupferstichen von Martin Schongauer. Die Entstehung der Kapsel im engsten Umkreis des berühmten Colmarer Malers und Kupferstechers darf unter Hinweis auf die Tätigkeit von dessen Brüdern Georg (Goldschmied) und Paul (in Basel 1489-1491) mit Recht vermutet werden. Dass die Kapsel "von Martin Schön gestochen" sei, vermerkte schon der Sammler Basilius Amerbach 1585/1587 in seinem Inventar.