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Sie gab ihn weg – DJ Ötzi will seiner Mutter endlich verzeihen
DJ Ötzi ist ein Hansdampf in allen Gassen – doch als Kind und Jugendlicher hatte es der Österreicher nicht leicht: Er litt an einem Klumpfuss und Epilepsie, nachdem ihn seine 17-jährige Mutter zur Adoption freigab.
Er sei vorsichtig, mache regelmässig Coronatests und treffe nur selten Leute. «Ich schnalle mich doch auch im Auto an und trage einen Helm beim Skifahren», sagt DJ Ötzi im «Zeit»-Porträt. Für Musikerkollegen wie Xavier Naidoo oder Michael Wendler, die Verschwörungstheorien verbreiten und eine «Corona-Diktatur» wittern, hat der österreichische Aprés-Ski-König kein Verständnis.
Als es losgegangen sei mit der Pandemie, habe er oft geweint. Er habe nicht gewusst, was auf die Menschheit zukomme und sich gefragt, ob «wir jetzt alle sterben oder was».
Es war nicht das erste Mal, dass der Sänger Todesangst hatte. Mit 27 wurde bei ihm Hodenkrebs diagnostiziert. Seine Lösung war damals eine Radikalkur, er liess sich einen Hoden entfernen.
DJ Ötzi wurde am 7. Januar 1971 als Gerry Friedle geboren. Nichts sprach dafür, dass er drei Jahrzehnte später einer der erfolgreichsten Popkünstler im deutschen Sprachraum sein würde. Der kleine Gerry war krank, litt an einem Klumpfuss. Seine Mutter, erst 17 Jahre alt, gab ihn gleich nach der Geburt weg. Er hat ihr das bis heute nicht richtig verziehen. Zuerst kam er zu Pflegeeltern, später zu den Eltern seines Vaters.
Er schlief monatelang unter Brücken
Als Schüler kämpfe Gerry immer wieder mit Epilepsie-Anfällen. Zum Glück wurden die irgendwann weniger, leichter wurde das Leben deswegen nicht. Nach einer Koch-Ausbildung wurde Friedle obdachlos, schlief monatelang unter Brücken und in Kellern – bis ihn die Grosseltern wieder aufnahmen.
Mit Singen angefangen hat er vor 25 Jahren. Er wollte seine damalige Freundin beeindrucken. Sie verehrte Janis Joplin, also übte er «Me and Bobby McGee» heimlich ein, bevor er es in einer Karaoke-Bar zum Besten gab. «Da hatte ich so eine Gänsehaut, dass mir klar wurde: Ich will auf die Bühne.»
Sage und schreibe 16 Millionen Platten hat DJ Ötzi bis heute verkauft. Mit «Anton aus Tirol» wurde er 1999 sozusagen über Nacht zum Star. Mit «Hey Baby» schaffte er es sogar in Australien und Grossbritannien auf Platz eins der Hitparade.
Nicht nur Party und Ballermann
Wer an DJ Ötzi denkt, denkt kaum an einen Mann, der hadert und weint. Doch das Leben ist nicht nur Party und Ballermann – sowieso nicht, seit die Coronapandemie wütet. Aber schon davor gab es einige Tiefs im Leben des Musikers.
Sich deswegen unterkriegen lassen? Sicher nicht. Ängste und Krankheiten hinderten den Sänger nicht daran, immer an das Gute zu glauben. Seinen Weg verglich der Künstler einmal mit einer Bergtour. «Ich will den nächsten Gipfel erklimmen, bin aber erst kurz vor der Mittelstation.»
Das Vertrauen, dass man füreinander da sei, habe ihm sein Leben lang gefehlt. Heute hat er seine Frau und seine Tochter. Sie seien ihm das Wichtigste, erzählt er in der «Zeit».
Und die Mutter? Die hat er vor elf Jahren wiedergesehen. Er wollte ihr verzeihen, aber er schaffte es nicht. Noch nicht. So stehen lassen wollte er das nicht. Also ging er vor drei Jahren auf den Jakobsweg, nicht einmal, zweimal. Auf der Suche nach seinem Ich.
In einigen Wochen will Gerry Friedle seine Mutter wieder treffen. Jetzt sei er bereit für sie. Und für das Verzeihen.
Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.Zurück zur Startseite