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Tweet zu «Schweizer Internet-Krieger in St. Petersburg» von «Echo der Zeit» beanstandet
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Mit Ihrer online-Zuschrift vom 30. Oktober 2017 beanstandeten Sie einen redaktionellen Tweet im Rahmen des Beitrags im „Echo der Zeit“ (Radio SRF) und von SRF News über Sie als „Schweizer Internet-Krieger in St. Petersburg“.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
« Am 20.10.2017 wurde in der Sendung «Echo der Zeit» ein Radiobeitrag über mich ausgestrahlt, produziert von David Nauer, den ich zuvor in Sankt Petersburg zu einem Interview-Gespräch traf. Gegenstand meiner Beschwerde ist weder die Sendung noch der dazugehörende Online-Textbeitrag.
Im Sinne einer wohlwollenden Eröffnung meiner Beschwerde beurteile ich den Beitrag von David Nauer so, wie ich bisher alle Beiträge beurteilt habe, die über mich in diversen Medien erschienen sind: Es hätte schlimmer sein können. Selbst die notorisch anti-russische New York Times hat mich kürzlich in einer Erwähnung mit bemerkenswerter Milde angefasst.
Lediglich die plakative Schlussfolgerung seitens Herrn Nauer, ich würde ‹in einer Blase leben›, sehe ich so jedoch etwas voreilig gezogen. Durch meine Erfahrungen mit den Massenmedien und dem Wissen, das ich mir zum besprochenen Themenkomplex angeeignet habe, lässt mich die Frage, wer hier tatsächlich ‹in einer Blase lebt› grundsätzlich neu aufwerfen. Aber diese Frage ist naturgemäss nicht abschliessend zu beantworten.
Gehen wir also über zu dem eigentlichen Adressaten meiner Beschwerde: Der Social Media Abteilung des SRF, die, ihrem Auftrag entsprechend, den SRF Beitrag über Social Media Kanäle einem breiteren Publikum zugänglich gemacht hat, auf Twitter in Form dieses Tweets:
Der Tweet bezeichnet meine Person mit den Worten ‹Überzeugungstäter› und ‹Russland-Troll› - dies nicht etwa mit einem Fragezeichen versehen, was die Kategorisierung meiner Person ergebnisoffen gelassen hätte - sondern als belegte undifferenzierte Tatsache, die jeden Leser und Zuhörer mit einer vorgefertigten Meinung über mich in den Artikel, bzw. in den Hör-Beitrag entlässt.
Aber der Reihe nach:
<Ein Troll, auch Trold, Tröll (nordgermanisch ‹Unhold›, ‹Riese›: ‹Naturwesen›), war ursprünglich ein Oberbegriff für alle plumpen, unheimlichen übernatürlichen Wesen, häufig ein schadenbringender Riese der nordischen Mythologie, ähnlich den Thursen und Jöten. (Wikipedia)>
Wenn sich also jemand erlaubt, eine andere Meinung ins Feld zu führen, als die allgemein vorherrschende, ist es dann Usus bei bei der Social Media Redaktion des SRF, dieser Person als erstes ein unappetitliches Etikett - hier: ‹Troll› - anzuhängen? Es ist also kein denkendes menschliches Wesen mehr, kein Individuum, mit dem Recht sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch kund zu tun, sondern eine Kreatur, ein Unhold oder ein schadenbringender Riese?
Verschärfend kommt hinzu, dass im Beitrag von David Nauer nirgends behauptet wird ich sei ein ‹Troll›. Lediglich die Frage wurde gestellt ob ich <einer dieser Internet Trolle, die für ihr digitales Treiben vom Kreml Geld bekommen?> sei. Meine Antwort darauf war unmissverständlich:
<Ich mache es gerne, ich bekomme aber keine Kopeke dafür. Diese Vorstellung, dass wir dafür bezahlt werden, ist absolut lächerlich.>
Nachzulesen auch im eben erschienenen Buch von Phil Butler - Putin's Praetorians:
Confessions of the Top Kremlin Trolls. In diesem Buch komme auch ich zu Wort und habe, zusammen mit vielen anderen, meine Motivation für mein Tun dargelegt (und zu meiner Freude heute festgestellt, dass unter meinen Mitstreitern noch ein weiterer Schweizer Landsmann ist).
Woher nimmt sich die Social Media Redaktion des SRF das Recht heraus, eigenmächtig einen völlig anderen Sachverhalt in einen Tweet hineinzuinterpretieren, eine Frage des Autors in eine Tatsachenbehauptung und die Bezeichnung ‹Internet-Troll›, in ‹Russland-Troll› umzuwandeln?
Jetzt ersetzen wir mal das Wort TROLL mit JUDE und ich denke, meine Damen und Herren, Sie verstehen worauf ich hinauswill. Ich überlasse es dabei gerne Ihnen, sich den passenden Antagonisten auszusuchen, den sie in dieser Analogie spielen möchten. Mir persönlich fällt spontan ‹Der Stürmer› ein.
Nun könnte man argumentieren, dass die systematische Vernichtung von 6 Millionen Juden und die ‹Jagd› auf ‹Internet-Trolle› nicht zu vergleichen sei. Könnte man.
Man könnte aber auch argumentieren, dass sich hier eine Geisteshaltung breit macht auf deren Boden - hier speziell auf dem Boden des SRF - jemand, der als ‹Troll› identifiziert wurde, einfach zu Schaden gebracht werden kann - was in meinem Fall sogar passiert ist.
Denn schliesslich sind viele von diesen ‹Trollen› laut der Social Media Redaktion des SRF zudem auch noch ‹Überzeugungstäter› - und gehören TÄTER nicht hinter Schloss und Riegel? Verschärfend kommt hinzu, dass im Artikel von David Nauer die Bezeichnung ‹Überzeugungstäter› nirgends vorkommt.
Inwieweit hat die Social Media Redaktion des SRF die Kompetenz, eine völlig neue Interpretation des Inhalts eines Artikels und Hör-Beitrags zu konstruieren, um diesen in einer Weise zu bewerben, die dem Empfänger der Botschaft bereits eine vorgefertigte Meinung mit negativer Konnotation einpflanzt?
Ich habe mir nach langen Jahren des Engagements in sozialen Medien eine gewisse ‹Altersmilde› angeeignet und bin geneigt davon auszugehen, dass es sich beim zuständigen Redakteur nicht um einen altgedienten Profi handelt. Vielleicht hat er (oder sie) auch noch nicht die Fähigkeit entwickelt eine knackige Headline in 140 Zeichen sattelfest zu formulieren (weshalb es sich, aus meiner Erfahrung heraus, in jedem Fall empfiehlt, für solch einen Job einen Werbetexter, abgehalftert oder nicht, zu engagieren).
Wahrscheinlich noch jung, vermutlich rekrutiert aus den Überbeständen diverser Gratis-Postillen und noch nicht mit den Sensorien ausgestattet, die es ihm (oder ihr) erlaubt hätte zu beurteilen, was diese Wortwahlen - im Namen des SRF notabene - für Konsequenzen haben können.
Vielleicht handelt es sich bei der Person um dieselbe Person, die am 12.10.2017
folgenden Tweet veröffentlicht hat:
Ein Tweet der, obschon ich darauf hingewiesen hatte, seltsamerweise bis heute (30.10.2017) noch online ist
Doch sowohl die (vermutete) Jugendlichkeit und Unerfahrenheit des Redakteurs oder der Redakteurin, als auch der schlampige, obenstehende Tweet wären für mich keine Entschuldigung, sondern ein Grund zu noch mehr Alarmismus, dient doch der Vorfall eher als ein weiterer Beleg dafür, dass man es in der Social Media Redaktion beim SRF bisweilen weder genau nimmt, noch irgendeine Form von Qualitätsprüfung vorherrscht, gegebenenfalls auch einen Mangel an Teamführung und Organisation.
Das kann ich als Aussenstehender natürlich alles nicht im Detail beurteilen, aber der oben geschilderte Vorfall, gekoppelt mit dem Gegenstand meiner Beschwerde, gibt mir am 4. März 2018 nicht den geringsten Grund nicht ein herzhaftes #NoBillag in die Wahlurne zu legen.
PS: ‹Falls die Frage aufkommen sollte, was ein ‹Medien-Scharfschütze›, ein ‹Media-Sniper› ist - jemand der euch auf die Finger haut, immer dann wenn ihr es verdient habt. Und das ist mittlerweile so gut wie täglich.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Frau Sandra Manca, Bereichsleiterin SRF News, schrieb:
«Besten Dank, geben Sie uns Gelegenheit, auf die Beanstandung von Herrn X einzugehen. Beanstandet wird ein Tweet der Redaktion SRF News.[2] Herr X schreibt: <Gegenstand meiner Beschwerde ist weder Sendung noch der dazugehörende Online-Text>.Es geht in der vorliegenden Beschwerde also lediglich um die Formulierung des Tweets.
In der Anmoderation zum Beitrag im ‹Echo der Zeit› sagt der Moderator wörtlich: <X ist das, was man im Internet-Jargon einen Russland-Troll nennt>. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, weshalb sich Herr X explizit nicht an der Sendung stört, die genau gleiche Formulierung im Tweet jedoch beanstandet. Im Weiteren fällt auch auf, dass Herr X in der Beschwerdeschrift auf das Buch von Phil Butler hinweist, welches den Untertitel ‹The Top Kremlin Trolls Confess› trägt.
Erst am 12. September twitterte Herr X den Screenshots eines Artikels, im welchem er als ‹Kremlin Troll› bezeichnet wird.[3] In einem weiteren Tweet – auf den Screenshot bezugnehmend - macht Herr X auf Englisch humoristische Bemerkungen, er sei ‹famous now›, er sei jetzt berühmt.[4] Herr X scheint also im Allgemeinen mit der Formulierung ‹Russland-Troll› keine Schwierigkeiten zu haben, ausser im besagten Tweet von SRF News.
Kritisiert wird zudem die Formulierung ‹Überzeugungstäter›: Es handelt sich hier zugegeben um eine sehr pointierte Aussage, die aber in Anbetracht der regen und lauten Aktivitäten von Herrn X zulässig ist. Wer sich bei Twitter als ‹Pro-Russia Media-Sniper› bezeichnet und dazu über 122'000 Tweets publiziert, muss eine solche Etikettierung in Kauf nehmen.
Wir bitten Sie, die vorliegende Beanstandung in diesem Sinne zu beantworten.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Publikation. Wer wie Sie stolz darauf ist, in einem Buch zu Wort zu kommen, in dem «The Top Cremlin Trolls Confess», sich aber maßlos darüber aufregt, dass ein Beitrag im «Echo der Zeit» über Sie zugespitzt in einem SRF-Tweet zusammengefasst wird, in dem von «Überzeugungstäter» und «Russland-Troll» die Rede ist, muss sich nicht wundern, wenn ich über diesen Widerspruch nur den Kopf schüttle. Und wenn Sie sich dann noch erdreisten, die Judenverfolgung zu bemühen, um zu zeigen, wie Sie sich als «Troll» angeblich diskriminiert fühlen, dann muss ich sagen: So nicht! Es ist absolut legitim, den Beitrag über Sie mit einem solchen Tweet zusammenzufassen, auch mit dem Stichwort «Überzeugungstäter», denn Sie beteuern ja, dass Sie für die Pro-Putin-Agitation nicht bezahlt werden. Ich kann daher Ihre Beanstandung mitnichten unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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