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|Rückblick Vortrag

Es war uns eine Ehre, Louise Benally bei uns in Rheineck begrüssen zu dürfen. Sie waren beide, Louise und Übersetzerin/Tourleiterin Corinna, etwas angeschlagen von der grassierenden Grippe. Professionell haben sie sich nichts anmerken lassen und Alles gegeben.
Louise sprach zunächst von der Navajo Spiritualität. Sie zeichnete dazu auf ein Flipchart. 4 Berge in dem Gebiet, indem Louise lebt, repräsentieren für ihr Volk die 4 heiligen Richtungen sowie die 4 Entwicklungsstadien von Menschen, die sie bei dieser Gelegenheit erklärte. Sie sprach vom männlichen Aspekt und dem weiblichen Aspekt, die sich in der Landschaft dort widerspiegeln, und zeichnete die Flüsse ein, die ebenfalls geistige Aspekte haben. Dadurch konnte man gut den Zusammenhang von Spiritualität und dem Land erkennen, der bei indianischen Menschen als sehr starke Verbindung empfunden wird. Sie erwähnte, dass die spirituellen Menschen wie Heiler und Schamanen nach dem Eintreffen des weissen Mannes systematisch ausgerottet wurden. Das Wissen sollte bewusst vernichtet werden. Es geht hier um Wissen, wie man mit der Natur, den Winden und den Wolken, kommuniziert und sie erzählte, dass die Weisen ihres Volkes sich in Tiere verwandeln konnten. Diese Fähigkeit wurde vor allem für Reisen genutzt.
|Louise arbeitet mit Menschen, die noch ihre ursprüngliche Sprache sprechen. Da sie selbst Englisch und Navajo spricht, ist sie eine Brückenpersönlichkeit des Stammes. Sie kümmert sich um das alte Wissen und heilt mit Pflanzen und Kräutern.|
|Da Louise politisch aktiv ist (siehe Informationen weiter unten), war es ihr dringendstes Anliegen, dass wir von den Problemen in ihrem Reservat erfahren. Was dem Land geschieht, geschieht auch den Menschen. Also erzählte sie uns engagiert darüber, wie die ursprüngliche Lebensweise der Navajo zerstört wird. Noch wird das Wasser, dort wo sie lebt, vom Fluss geholt, man holt Holz im Wald um zu heizen und die Häuser - Hogans genannt - haben einen einfachen Lehmboden. Das Essen wird angepflanzt und zur Ergänzung Vieh gezüchtet. Diese Art zu Leben ist so bedroht wie noch nie, denn es wird den Navajos nun nicht mehr erlaubt, ihre Lebensgrundlage natürlich zu bestreiten. Vieh wird gestohlen und verkauft, die Felder zerstört. Bereits verstecken die Bauern sich und ihre Felder in "Washes" - das sind ausgetrocknete Flussläufe.|
|Wasser und Stromrechte werden verkauft oder abgetreten, auch von der Stammesregierung. Las Vegas und Umgebung benötigen so viel von diesen Ressourcen, das kaum genug für die Ureinwohner übrig bleibt. Das zahlreiche und engagierte Publikum beteiligte sich rege an der anschliessenden Diskussion, es konnten kaum alle Fragen beantwortet werden.|

Sonntag, 30.3.2008 Hotel Hecht in Rheineck
Ein Leben in Schönheit - Kultur und Spiritualität der Navajo
Vortrag (auf Deutsch übersetzt)
Mit Louise Benally, Medizinfrau und Aktivistin der Navajo (Dineh) - USA
Im Hotel Hecht, Hauptstrasse 51, CH-9424 Rheineck (nur einige Schritte vom Pow Wow Shop entfernt)
|Infos zu Louise Benally:

Navajo Medizinfrau in Europa: Louise
ist Navajo-Indianerin, seit jeher ist sie eine Aktivistin für die Rechte
ihres Volkes. Sie gehört zu den letzten 40 Familien, die sich
|Louise über sich selbst:

"Ich bin eine Dineh (Navajo) aus Nordost-Arizona und entstamme der Gemeinschaft "Big Mountain Black Mesa". Unsere Prinzipien und Grundlagen basieren auf einer Gesellschaft des Matriarchats. (Anmerkung d. Red.: die Ausrichtung eines Stammes auf Einfluss der Frauen war bei den meisten Stämmen verwurzelt.) In dieser Gesellschaftsform wurde ich von meinem Volk und Vater und Mutter aufgezogen.
Ich bin in einer grossen Familie aufgewachsen, habe sieben Brüder und drei Schwestern. Und so bedeutet für mich "Ein Leben in Schönheit" nicht nur menschliche Beziehungen zueinander, sondern vielmehr die Anerkennung von universeller Verbundenheit. Sie (Anm. die Ältesten, Stammesmitglieder) sagen, dass die Sonne unser Vater ist, ohne Sonne gibt es kein Leben auf der Erde. Die Mutter ist die Erde, auf diese Weise erinnern wir uns daran, dass hier eine Balance herrscht: es gibt sowohl das Männliche, als auch das Weibliche in unserem Verständnis. Wir versuchen, diesen Weg der Schönheit zu gehen, indem wir uns dieser Balance bewusst sind. Im gegenwärtigen Moment ist das sehr schwierig, denn es besteht keine Harmonie mit der Regierung, unter der wir leben. Unsere Gemeinschaft wird seit 30 Jahren oder länger unterdrückt von Gier, die dazu führt, dass Las Vegas in Glanz erstrahlt. Wir haben Tagebau auf unserem Land, der unsere Lebensgrundlage, das Land seit vielen Jahren verwüstet. Obwohl unser Leben oft sehr schön ist, sind unsere Lebensumstände nicht die Besten. Wir schätzen immer noch sehr das Geschenk der Sonne, die Geschenke der Erde, wie Nahrung, Luft, Wasser und die Umwelt. Alle diese Gaben werden zerstört wegen grenzenloser Gier. Wie können wir dieses Land, diese Grossmacht dazu bringen, damit aufzuhören? Wir wissen wirklich nicht genau, wie. Vielleicht sollten wir ihnen zeigen, dass genauso wie eine Mutter ihrem Kind bedingungslose Liebe schenkt, wir auch der Erde ihre bedingungslose Liebe zurückgeben sollten. Dennoch, es gibt Gier, es gibt Hass, es gibt viele Leute, die diese Welt nicht verstehen und deshalb in eine Richtung gehen, in der die Welt ausgebeutet und zerstört wird. Niemals denken sie an den Nächsten, niemals berücksichtigen sie zukünftige Generationen.
Wie wir, das Volk der Black Mountains leben, wird in der heutigen Zeit nicht anerkannt. Wir halten noch immer Zwiesprache mit der Erde, mit dem Himmel, mit der Sonne, mit der Atmosphäre, mit den verschiedenen Jahreszeiten, mit allem Leben, das es hier gibt. Weil wir fühlen, dass wir machtlos sind, ist es egal, wer der Präsident dieses Landes ist. Wir haben zu essen, zu trinken, ziehen unsere Kinder gross, wir leben. In unserer Gemeinschaft versuchen wir nun durch Verleugnung zu existieren; wir verleugnen, dass es diese Politik gibt, die unser Leben beeinträchtigt. Wenn wir uns durch diese politischen Richtungen immer beeinflussen lassen, geraten wir aus der Balance. Dann sind wir voller Sorgen, deprimiert und könnten depressiv werden. In meiner Sichtweise verleugne ich das, was mit meinem Volk geschieht. Es ist eine Realität meiner Existenz, dass ich leben muss, dass ich meine Kinder versorge und dass ich auf die eine oder andere Weise etwas an die Erde zurückgebe. Daher reise ich an viele Orte und spreche mit Menschen, um sie dazu zu ermutigen, diese, unsere Lebensweise zu verstehen und zu ehren."

Biographie von Louise Benally
Louise Benally ist eine 47 Jahre alte, traditionelle Frau der Navajo, der korrekte Name dieses Stammes lautet Dineh. Sie wurde im Gebiet der "Black Mesa" am "Big Mountain" in Arizona geboren und wuchs dort, im Stamm der Navajo, auf. Im Alter von 6 Jahren wurde sie von den Behörden in ein Internat in der Gegend eingeschult, anschliessend besuchte sie ein Internat in Tuba City, einer Stadt im Reservat der Navajo. Mit 14 Jahren erfuhr sie vom erzwungenen Umsiedlungsverfahren (Forced Relocation Program). Dieses Gesetz aus dem Jahre 1974 (Navajo Hopi Relocation Act). Seither widersetzt sich sich dieser Zwangsumsiedlung. Dieser Widerstand hat sie an viele Orte auf der Welt geführt, wie zum Beispiel die Vereinten Nationen, wo sie ihr Volk repräsentierte. Sie hat Belobigungen erhalten, wie zum Beispiel "Human Rights Awards", der an Leute vergeben wird, die sich für Menschenrechte engagieren (ReeBok Human Rights 1989, Charles Bannermannship Fellow Award 1995). Sie kämpft um das Land, das seit langer Zeit die Heimat ihrer Vorfahren ist, und das seit Generationen weitergegeben wird. Wer "Louise Benally" in den Internet Suchmaschinen eintippt, stösst auf einen langen Kampf, der viele persönliche Opfer von ihr abverlangte, Verhaftungen, Repressionen, Gefahr. Momentan arbeitet Louise für die Universität Nord-Arizonas in einem Indianer Diabetes Vorbeugungsprogramm. Dort werden traditionell indianische Ernährungsweisen wieder im Stamm eingeführt. Sie ist ausserdem eine Naturheilerin, die mit Kräutern und traditionellen Methoden heilt.