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Der 19jährige Fadri Janutin vom Skiclub Obersaxen gehört dem C-Kader von Swiss Ski an und zählt zu den grössten Schweizer Nachwuchshoffnungen im Slalom und Riesenslalom. Dies will er diese Saison im Europacup und an der Juniorenweltmeisterschaft in Narvik beweisen.
Der Juniorenweltmeister in der Abfahrt, Lars Rösti, ist der schnellste Schreiner auf den Skipisten. Kann man Dich, Fadri, als schnellsten Dachdecker bezeichnen?
Fadri Janutin: Schön wär’s, aber ich bin kein typischer Speedfahrer. Meine Spezialdisziplinen sind der Slalom und der Riesenslalom. Im Riesenslalom wurde ich im Februar 2019 im Fassatal an der gleichen Juniorenweltmeisterschaft, an welcher mein zwei Jahre älterer Teamkollege Abfahrtsweltmeister wurde, Achter im Riesenslalom. Mit einem Juniorenweltmeistertitel würde für mich ein Traum in Erfüllung gehen…
Ist das einfach ein Traum oder ein realistisches Ziel?
Fadri: Wenn ich an die Fortschritte denke, die ich seit der letzten Weltmeisterschaft erzielen konnte, dann ist das durchaus ein Ziel, das ich erreichen kann. Ich habe ja noch zwei Jahre lang jeweils zwei Chancen, im März 2020 im norwegischen Narvik die nächste. Vorausgesetzt die Leistungen stimmen, und ich werde von Swiss Ski selektioniert.
Und welche Ziele verfolgst Du sonst noch in der Skisaison 2019/20?
Fadri: Ich bin seit zwei Jahren im C-Kader von Swiss Ski und möchte Ende Saison ins B-Kader aufgenommen werden.
Das ist für einen 19Jährigen ein reichlich ambitiöses Ziel, oder?
Fadri: Wenn man als Profisportler erfolgreich sein möchte, dann muss man sich hohe, aber doch erreichbare Ziele setzen. Und wer mich kennt, weiss, dass ich alles unternehme, um dieses Ziel auch wirklich zu erreichen. Ich investiere viel Zeit und Energie in den Skisport und bin auch bereit, auf gewisse Annehmlichkeiten zu verzichten, die andere Jugendliche meines Alters geniessen können…
Und was genau braucht es denn, um ins B-Kader zu kommen? Musst Du Deine Trainer von Deinem Talent und Einsatzwillen überzeugen?
Fadri: Ich spüre, dass die Trainer hinter mir stehen, aber wir haben im Moment sehr viele gute Stangenkünstler in der Schweiz – ganz an der Spitze, aber auch im Nachwuchs. Deshalb werden konkrete Erfolge gefordert. Ich muss in der Europacup-Disziplinenwertung, sei es im Slalom, sei es im Riesenslalom, in die Top 20 kommen oder eine Medaille an der JWM in Narvik gewinnen.
Und welche Zwischenbilanz ziehst Du – wir führen dieses Gespräch am 17. Dezember – nach drei Europacupslaloms?
Fadri: Ich bin zufrieden, bin nah’ dran, stehe allerdings noch ohne Punkte da. Im schwedischen Funesdalen kam ich am 29. November an meinem allerersten Slalom-Europacuprennen auf den 33. Platz. Im zweiten Rennen war ich unterwegs zu einem Platz unter den ersten 30, schied dann aber aus. In Val di Fassa war ich am 16. Dezember eigentlich noch besser unterwegs, machte dann aber einen groben Fehler – und landete doch noch auf dem 37. Platz. Das zeigte mir, was möglich ist.
Resultate in den Top 20 sind in einzelnen Rennen offensichtlich möglich, aber um dies auch in der Gesamtwertung zu sein, braucht es regelmässig solche Resultate, wenn möglich mit dem einen oder anderen Ausreisser nach oben…
Fadri: Der Übergang von den FIS-Rennen zu den Europacup-Rennen ist ein qualitativ grosser Schritt. Das braucht eine gewisse Akklimatisationszeit. Mit jedem Rennen besitze ich mehr Erfahrung und mache einen Schritt vorwärts. Und man muss bedenken, dass ich jetzt mit Startnummern um die 60 fahre. Wenn ich mein Startranking verbessern kann, werden meine Resultate fast automatisch besser, weil ich bessere Pistenverhältnisse vorfinde.
Und deshalb bestreitest Du nach wie vor FIS-Rennen und nimmst diese auch ernst…
Fadri: Das ist sicher so. Ich habe in der Zwischenzeit einen FIS-Riesenslalom in Davos gewonnen. Das hat mir gezeigt, dass auch im Riesenslalom trotz anfänglichen Schwierigkeiten zu Beginn der Saison einiges möglich ist. Im Slalom führte ich nach dem ersten Lauf ebenfalls, schied dann aber leider aus.
Wie sieht Dein Fahrplan bis zur Juniorenweltmeisterschaft im März aus?
Fadri: Das kann ich so nicht beantworten. Natürlich sind gewisse Eckpunkte einer Saison gesetzt; aber letztlich entscheidet unser Trainertrio fast wöchentlich, wo und wie es weitergeht. Sie haben die Übersicht, und ich habe uneingeschränktes Vertrauen in sie, dass sie die beste Planung für mich machen.
Du wohnst zwar in Landquart, gehörst aber zum Skiclub Obersaxen…
Fadri: … und mein Vater stammt aus Marmorera…
… gibt es in diesem Umfeld Trainer oder Spitzensportler, von denen Du auch jetzt noch profitieren kannst?
Fadri: Mein Vater fuhr früher auch Skirennen und hat ein gutes technisches Verständnis im Skisport. Er unterstützt mich im Hintergrund, und ich tausche mich regelmässig mit ihm aus. So z.B. bei der Videoanalyse der Trainings und Wettkämpfe. Und wer an Obersaxen denkt, denkt wohl automatisch an Carlo Janka. Das ist natürlich eine zusätzliche Motivation, wenn einer aus dem gleichen Skiclub den Sprung in die Weltspitze geschafft hat; aber ich habe ihn, er ist 14 Jahre älter als ich, nicht persönlich kennengelernt. Ich habe auch kein eigentliches Vorbild, sondern versuche von verschiedenen Fahrern gewisse Elemente, die zu mir passen, zu übernehmen. Erwähnen möchte ich auch Marc Gini aus Bivio. Er hilft mir beim Konditionstraining, und es tut einem Nachwuchsfahrer wie mir gut, mit jemanden zu reden, der einen Weltcupsieg erzielen konnte, aber auch weiss, wie man verletzungsbedingte Rückschläge überwindet.
Kommen wir auf die Eingangsfrage zurück: Du bist Dachdecker!
Fadri: Ja, ich habe im Sommer 2018 meine dreijährige Lehre als Dachdecker beendet und arbeitete diesen Sommer nochmals einige Tage in meinem ehemaligen Lehrbetrieb in Ilanz. Auch wenn ich noch nicht weiss, wie es nach Abschluss meiner Sportkarriere weitergehen wird, kann ich sagen, dass ich diesen Beruf liebe und es genossen habe, unter freiem Himmel zu arbeiten und am Abend zu sehen, was ich gemacht habe. Wenn Jugendliche nicht wissen, welchen Beruf sie ergreifen sollen, kann ich ihnen eine Schnupperlehre als Dachdecker nur empfehlen.
Da spricht ein Botschafter des Dachdeckerberufs…
Fadri: Ja, das bin ich tatsächlich. 2017 hat mich Gebäudehülle Schweiz, wie der Dachverband heisst, zu seinem Berufsbotschafter ernannt. Das war für mich als 17-Jähriger eine grosse Ehre und eine motivierende Rückendeckung in moralischer und auch finanzieller Hinsicht. Als Kopfsponsor hat Gebäudehülle Schweiz neben Swiss Ski, der Sporthilfe, Stiftungen und meinem Ausrüster Fischer wesentlichen Anteil, dass ich mich professionell dem Skisport widmen kann. Es liegt nun an mir, ihnen mit guten Resultaten etwas zurückzugeben – und mich gleichzeitig bei weiteren Sponsoren ins Gespräch zu bringen.
Interview mit Andreas Schiendorfer