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Zwischen 100'000 und 250’000 Menschen töteten die USA mit dem Abwurf der ersten Atombomben. Am 6. und 9. August 1945 wurden die neuen Massenvernichtungswaffen über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki abgeworfen.
Der Film «Oppenheimer» zeigt das Leben des Mannes, der als Vater der Atombomben gilt – des Physikers Robert Oppenheimer, gespielt von Cillian Murphy.
Regisseur Christopher Nolan war schon lange fasziniert vom US-amerikanischen Wissenschaftler. «Ob es einem gefällt oder nicht: J. Robert Oppenheimer ist der wichtigste Mensch, der je gelebt hat», sagt Nolan im Presseheft zum Film.
«Er hat die Welt, in der wir leben, geprägt – im Guten wie im Schlechten. Und seine Geschichte muss man gesehen haben, um sie zu glauben.»
Vom Bombenbauer zum Atomwaffen-Gegner
Nolan zeichnet Oppenheimers Werdegang nach – vom brillanten Physik- und Chemie-Studenten zum Leiter des «Manhattan-Projekts» zur Entwicklung und Bau einer Atombombe, bis zur Nachkriegszeit, in der er sich gegen den Bau von Wasserstoffbomben ausspricht. Und dafür geächtet wird.
Doch auch wenn die Erfindung der Atombombe die Welt veränderte – spannend sieht der Prozess grösstenteils nicht aus. Männer in Anzügen kritzeln auf Wandtafeln. Männer in Anzügen diskutieren in Räumen. Männer in Anzügen brüten über vollgeschriebenen Papieren.
Schnelles Tempo, mehrere Erzählebenen
Um das Ganze interessanter zu gestalten, setzt Christopher Nolan auf ein Konzept, das sich bei seinen Filmen bisher bewährt hat: Komplexität.
Die Geschichte wird in rasantem Tempo und auf mehreren Zeitebenen erzählt, die ineinander verflochten werden. Szenen werden angeschnitten und irgendwann später wieder aufgenommen.
Dazwischengeschoben sind abstrakte Bilder, die Oppenheimers Gedankenwelt symbolisieren. Nolan sagt dazu: «Sie spiegeln den Gedankenprozess eines Menschen wider, der bei der Betrachtung langweiliger Materie die aussergewöhnlichen Energieschwingungen wahrnahm, die in allen Dingen stecken. Und der sich fragte, wie man sie entfesseln und nutzen könnte.»
Komplexes Kuddelmuddel
Nolans Erzählweise passte zu komplexen Geschichten wie den Zeitreisen in «Tenet» von 2020 oder den Weltraumabenteuern in «Interstellar» von 2014.
In der Filmbiografie eines Wissenschaftlers wirkt die komplexe Struktur jedoch unpassend. Zwar machen die cineastischen Kniffe das nicht wirklich kinotaugliche Material interessanter. Doch das Kuddelmuddel aus Zeitebenen und Dutzenden Figuren schafft Distanz. Der titelgebende Oppenheimer wird trotz der langen Laufzeit des Films nicht fassbar.
Menschliches kommt zu kurz
Nolan sagt zwar: «An verschiedenen Stellen versuchen wir, in Oppenheimers Psyche vorzudringen und das Publikum auf seine emotionale Reise mitzunehmen. Wir wollten diese Ereignisse aus seiner Sicht erzählen.»
Doch Oppenheimers Beweggründe, seine Gewissensbisse und seine Zerrüttung, nachdem er die katastrophalen Auswirkungen seiner Erfindung realisiert, werden höchstens angedeutet. Dabei wären genau diese menschlichen Aspekte spannend.
Nolan hat sich einen interessanten Protagonisten ausgesucht. Oppenheimers Geschichte zu erzählen, ist sicher wichtig. Doch bei den drei Stunden Film dabeizubleiben, ist anstrengend.
Kinostart: 20. Juli 2023