Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/143964

<h2>SubmittedText<h2><p>Wer aus der Arbeitslosenversicherung ausscheidet, ohne eine Arbeit gefunden zu haben, wird in der Arbeitslosenstatistik (Seco) nicht geführt, wohl aber in der Erwerbslosenstatistik (BFS) erfasst. Es sei nicht bestritten, dass die Seco-Statistik gewisse Vorteile hat. Doch die Arbeitslosenstatistik widerspiegelt im Bereich der Erwerbslosigkeit nicht die realen Verhältnisse, sondern zeigt sie schöner, als sie sind. Zur Wiedergabe der Beschäftigungssituation ist die Erwerbslosenstatistik deshalb korrekter.</p><p>Nun werden aber auch in der Arbeitslosenstatistik nicht alle Personen geführt, bei denen die Kriterien zutreffen. Diese Verfälschung ist nicht angemessen. Unter dem Begriff der Arbeitslosigkeit werden Personen erfasst, die keine Arbeit haben, die aktiv eine Arbeit suchen und die vermittelbar sind. Arbeitslose, die zum Beispiel ein Praktikum oder ein Programm zur vorübergehenden Beschäftigung absolvieren, sind registriert und erfüllen die genannten Kriterien. Trotzdem werden sie in der offiziellen Arbeitslosenstatistik des Seco nicht erfasst. Es wäre unseres Erachtens deshalb angezeigt, diese Statistik korrekter auszulegen und alle registrierten Arbeitslosen zu erfassen.</p><p>Der Bundesrat ist gebeten, folgende Frage zu beantworten:</p><p>Ist er bereit, die Arbeitslosenstatistik so schnell als möglich entsprechend anzupassen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Schweiz verfügt über zwei Statistiken im Bereich Arbeitslosigkeit/Erwerbslosigkeit.</p><p>Erstens die vierteljährlich erscheinende Erwerbslosenstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS): Die Erwerbslosenstatistik wird im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake) als repräsentative Stichprobe erhoben. Dabei handelt es sich um eine nach den Richtlinien des Internationalen Arbeitsamtes (IAA) durchgeführte telefonische Befragung bei Haushalten. Die Erwerbslosenquote dient vor allem zum internationalen Vergleich der Erwerbslosigkeit.</p><p>Zweitens die monatliche Statistik der registrierten Arbeitslosen und der registrierten Stellensuchenden des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco): Die Arbeitslosenquote des Seco dient als kurzfristiger gesamtschweizerischer und kantonaler Konjunkturindikator. Die Arbeitslosenzahlen können kombiniert nach diversen sozioökonomischen und regionalen Kriterien ausgewertet werden.</p><p>Um in der Statistik des Seco erfasst zu werden, muss eine arbeitslose Person bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) registriert sein. Auch die im Seco verwendete Definition der Arbeitslosigkeit lehnt sich an die Richtlinien des IAA an. Dabei gilt als arbeitslos, wer ohne Arbeit und sofort vermittelbar ist. Die übrigen bei den RAV eingeschriebenen Personen, welche die beiden erwähnten Kriterien nicht erfüllen, werden der Kategorie der nichtarbeitslosen Stellensuchenden zugeordnet. Diese Zuordnung in arbeitslose und nichtarbeitslose Stellensuchende erfolgt unabhängig davon, ob ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung besteht oder nicht.</p><p>In der monatlichen Pressedokumentation "Die Lage auf dem Arbeitsmarkt" des Seco sind in einer Tabelle die nichtarbeitslosen Stellensuchenden unterteilt nach den Kategorien "Programme zur vorübergehenden Beschäftigung", "Umschulung/Weiterbildung", "Zwischenverdienst" und "Übrige" (u. a. Personen mit einem gekündigten Arbeitsverhältnis und Personen, die wegen Krankheit, Unfall, Militärdienst usw. nicht innert 30 Tagen verfügbar sind) aufgeführt.</p><p>Zur Kategorie "Programme zur vorübergehenden Beschäftigung" gehören die Beschäftigungsprogramme, die Motivationssemester für Jugendliche sowie die Berufspraktika. Im laufenden Jahr wurden pro Monat rund 8000 Personen in dieser Kategorie gezählt. Diese Personen üben die verschiedensten Tätigkeiten aus, sei es in Spitälern, in Restaurants, im Naturschutz, in Gebäudeunterhalt und Logistik usw. Gemäss den Definitionen des IAA gelten Auszubildende, Praktikanten oder Trainees sowie Personen in Beschäftigungsförderungsprogrammen, die gegen Entgelt oder zur Gewinnerzielung arbeiten, als erwerbstätig.</p><p>Die entsprechende Pressedokumentation des Seco ist bezüglich Inhalt, Erhebung und Aussagekraft ausführlich dokumentiert.</p><p>Der Bundesrat sieht keine Verfälschung in der Arbeitslosenstatistik des Seco, sondern hebt hervor, dass beide Statistiken ihren Zweck erfüllen und es erlauben, einen guten Überblick über den Schweizer Arbeitsmarkt zu erhalten.</p>  Antwort des Bundesrates.