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Was ist Endometriose?
Endometriose ist eine gutartige, aber chronische Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ausserhalb der Gebärmutter ansiedelt. Dadurch können sich oberflächliche und in die Tiefe einwachsende Endometrioseherde, Zysten an den Eierstöcken sowie Verwachsungen bilden. Diese Herde durchlaufen denselben Monatszyklus wie die Gebärmutterschleimhaut. Das Blut kann jedoch nicht abfliessen, sondern muss durch Entzündungszellen abgebaut werden. Dies kann zu verschiedensten Schmerzen und Unfruchtbarkeit führen.
Wie entsteht Endometriose?
Das ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine wahrscheinliche Theorie: Endometrium-Zellen, die normalerweise mit dem Menstruationsblut durch die Scheide abfliessen, wandern durch die Eileiter ins kleine Becken. Sie können sich einnisten und, durch den hormonellen Zyklus stimuliert, zu wachsen beginnen.
Endometriose Verbreitung
Rund 10 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter sind von Endometriose betroffen, in der Schweiz sind es rund 190 000. Die Krankheit beginnt häufig zwischen 20 und 30 Jahren, manchmal auch bei jüngeren Frauen mit der ersten Monatsblutung.
Ist nur der Genitalbereich betroffen?
Endometrioseherde können fast überall im Körper vorkommen, am häufigsten jedoch im Unterbauch. Man unterscheidet Endometriose
- Im Genitalbereich: Endometriose am Eileiter, Endometriose am Eierstock (in Form von Zysten), in der Gebärmutterwand
- Endometriose an den Haltebändern der Gebärmutter
- Endometriose in der Scheide
- Endometriose am Bauchfell des kleinen Beckens
- Endometriose an der Harnblase
- Endometriose ausserhalb des Genitalbereichs, etwa am Darm, am Bauchnabel
- Selten können Lunge, Leber, Haut (etwa in einer alten Narbe) und andere Organe betroffen sein.
Endometriose Beschwerden
Endometriose ist nicht zwingend mit Beschwerden verbunden; es gibt Frauen, die keinerlei Schmerzen haben. Bei anderen hingegen sind diese kaum auszuhalten. Die Symptome sind unspezifisch und hängen davon ab, wo sich die Endometrioseherde angesiedelt haben. Oft aber klagen Frauen über Schmerzen
- Im Unterleib kurz vor oder während der Periode
- Im Unterleib unabhängig vom Monatszyklus
- Beim Geschlechtsverkehr oder bei gynäkologischen Untersuchungen
- In den Beinen und/oder im Rücken
- Beim Stuhlgang
- Beim Wasserlösen
- Ist die Gebärmutterwand betroffen, kommen starke Menstruationsblutungen hinzu.
- Sind die Herde an Blase oder Darm angesiedelt, können Blutungen im Urin oder im Stuhl sein.
Macht Endometriose unfruchtbar?
Jede dritte bis vierte Frau, die keine Kinder bekommen kann, leidet unter Endometriose. Der ursächliche Zusammenhang ist ebenfalls noch unklar. Ein Erklärungsansatz: Die Entzündung führt zu verminderter Eizellen-Qualität und setzt die Funktion der Spermien sowie der Eilleiter herab. Dadurch wird es schwieriger, die Eizelle zu befruchten.
Warum bleibt die Erkrankung oft unentdeckt?
Viele Frauen betrachten eine schmerzhafte Periode als normal oder schreiben ungewollte Kinderlosigkeit anderen Ursachen zu. Erfahrungsberichte von Frauen zeigen zudem, dass ihre Symptome nicht ernstgenommen werden und in der Arztpraxis unerkannt bleiben. So dauert es im Schnitt sechs Jahre, bis die Erkrankung entdeckt wird. Ein langer Leidensweg: «Endometriose beeinträchtigt nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern kann auch seelische Folgen haben und Partnerschaften empfindlich belasten», sagt Peter Martin Fehr vom Endometriosezentrum am Kantonspital Graubünden.
Warum braucht es eine saubere Diagnose?
Nach Angaben von Fachärzten ist es wichtig, die Erkrankung in einem frühen Stadium zu erkennen:
- Zum einen, um Unfruchtbarkeit zu vermeiden.
- Zum anderen, damit der Schmerz nicht chronisch wird.
Endometriose Diagnose
Ein ausführliches Gespräch, Tast- und/oder Ultraschalluntersuchungen können erste Hinweise liefern. Für eine eindeutige Diagnose ist jedoch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) notwendig. Mit ihr werden die betroffenen Organe begutachtet und Gewebeorgane entnommen. Auch ist es möglich, die Endometrioseherde schon bei der Diagnose zu entfernen.
Endometriose Behandlung
Es stehen dafür eine Reihe von Behandlungen zur Auswahl, die oft miteinander kombiniert werden. Idealerweise arbeiten dafür in spezialisierten Zentren verschiedene Fachgebiete zusammen. Die Elemente der Therapie im Einzelnen:
Endometriose Medikamente
- Entzündungshemmende Schmerzmittel
- Hormonelle Behandlung. Sie sorgt dafür, dass Endometrioseherde die zyklischen Veränderungen nicht mehr durchlaufen, wodurch die Entzündung abnimmt. Um den Monatszyklus abzuschwächen oder zu unterdrücken, werden Östrogen-Gestagen-Kombinationen, verschiedene Gestagene oder GnRH-Analoga eingesetzt.
Endometriose Bauchspiegelung
Endometrioseherde werden mit einer Bauchspiegelung entfernt. Dabei führen Frauenärzte/Frauenärztinnen spezielle Instrumente durch kleine Hautschnitte in die Bauchhöhle ein. Die betroffenen Stellen werden herausgeschnitten, mit Strom verödet oder mit Laserstrahlen verdampft.
Die Erfolgsaussichten sind gut
Rund 80 Prozent der Frauen geht es nach einer Operation besser, vorausgesetzt, sie nehmen zusätzlich Hormonpräparate. Diese dienen dazu, die Beschwerden zu lindern, verbessern jedoch nicht die Fruchtbarkeit.
Allein die Operation kann aber die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen. Bei jeder zweiten Frau geht danach der Kinderwunsch in Erfüllung. Manchmal aber nur mit zusätzlichen Behandlungen wie künstlicher Befruchtung.
Endometriose Hysterektomie
Ist die Familienplanung abgeschlossen und bei sehr starken Schmerzen, kann es in Frage kommen, die Gebärmutter zu entfernen (Hysterektomie). Die zusätzliche Entfernung der Eierstöcke und Eileiter wird in der Regel nicht empfohlen.
Ist Endometriose heilbar?
Endometrioseherde können nach einer Operation erneut entstehen. Ohne hormonelle Behandlung kehren Symptome innerhalb von zwei Jahren bei bis zu 40 Prozent der Frauen zurück. Die Beschwerden verschwinden meistens erst mit der Menopause.
Ergänzende Therapie?
- Es gibt bisher keine eindeutigen Beweise, dass man Endometriose natürlich heilen kann. Alternative Heilmethoden wie die traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Bewegung oder eine umgestellte Ernährung können aber schmerzlindernd wirken.
- Sind die Schmerzen chronisch, empfiehlt sich ein fachübergreifender Ansatz mit Schmerztherapie, Physiotherapie, Psychotherapie und Ernährungsberatung.
- Bei Arbeitsunfähigkeit, Problemen bei der Arbeit oder Versicherungsfragen kann eine Sozialarbeiterin helfen.
- Für betroffene Frauen kann es darüber hinaus sinnvoll sein, sich in einer Selbstgruppe auszutauschen