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Emil Nägeli, Filmregisseur aus Bern, wird nach Berlin geschickt, wir befinden uns am Anfang der dreissiger Jahre, die Nationalsozialisten reissen die Macht an sich. Die selbstbewusste Kultur- und Filmbranche Deutschlands will mit Japan zusammenarbeiten, um der Grossmacht Amerika etwas entgegen stellen zu können. Charlie Chaplin ist das Mass der Dinge, er wird dann auch bald nach Tokyo reisen und durch glückliche Umstände nur knapp einem Anschlag entgehen, welcher dann nur Tsuyoshi Inukai, den japanischen Premierminister tötet. Alfred Hugenberg umgarnt Nägeli, er stellt ihm Geld zur Verfügung, völlig freie Hand gewährt er ihm auch um einen Film in Japan zu drehen, zumindest fast, die Bedingung, Heinz Rühmann in Nägelis Film mit einer Rolle zu besetzen, verflüchtigt sich spätestens, als Nägeli seine Idee vorlegt. Einen Horrorfilm will er drehen und noch mehr Geld besiegelt die Verträge. Bei einer champagnergetränkten Feier in Berlin trifft Nägeli auf den Feuilletonisten der Frankfurter Zeitung und die Filmkritikerin Lotte Eisner, er flieht mit den beiden und verbringt offenbarungsvolle Stunden mit ihnen. Diese beiden fliehen bald, weg vom Deutschen Reich. Kästner hat dies zum Glück schon getan. Nägeli fliegt nach Tokyo, seine Freundin lebt dort und er freut sich auf sie, er geht fast beflügelt an seine Aufgabe heran, die Schweiz ist ihm eigentlich zuwider, er lässt sich euphorisch eine japanische Perücke anfertigen und er wirkt um Jahre verjüngt. Nägelis Freundin Ida hat sich derweil mit einem fähigen Liebhaber getröstet. Ausgerechnet Masahiko Amakasu, Kulturbeamter des japanischen Außenministeriums ist es, der Ida verführen kann. Amakasu ist ein hochintelligentes Wesen, sein Leben geprägt von Verlusten und beherztem Eingreifen in gewissen Situationen. Er wird Nägeli betreuen, er war auch mit dem ihm verhassten Chaplin unterwegs, als dieser sein Leben verlieren sollte. Nägeli ist angetan von Amakasu, stellt sich vor, wie er ihm und Ida eine Rolle in seinem Film anbietet. Nägeli bekommt seinen Horrorfilm zwar ganz anders, als er ihn sich vorgestellt hat, aber ein Filmemacher hält ein Meisterwerk fest. Amakasu kann seiner Bestimmung nicht entfliehen und auch Idas Schicksal nimmt seinen Lauf. Nägeli stellt in der Schweiz seinen Film vor, die Kritiker sind gespalten, aber Nägeli hat inzwischen eine Ehrung erhalten und eine Stelle wird ihm angeboten, er ist zu Hause!
Fazit: Charlie Chaplin, Deutsches Reich, Japan, Filmbranche in Aufruhr!
Krachts Roman, welcher sich zuweilen wie ein Krimi liest, hat mir doch so einiges abverlangt. Nebst hinreissenden Szenen wie diejenige der Begegnung mit Siegfried Kracauer und Lotte Eisner, habe ich auch immer wieder das Komische entdeckt. Charlie Chaplin in der Rolle eines Mörders etwa bleibt mit unvergesslich hängen. Nägeli, ein Schweizer am Anfang und am Ende, erheiterte mich am meisten, er wirft einen Blick auf die Dinge und akzeptiert am Ende dann doch seine Wurzeln. Benutzt, betrogen und gebeutelt lässt ihn Kracht leben, ein gutes Schweizer Leben. Kein einfaches Buch, finde ich, mir fehlte viel Hintergrundwissen, die Vermischung von Fakten und Fiktion war mir für einmal zu komplex.
Meine Wertung: 5/10
Christian Kracht / Die Toten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, Seiten: 212
Kommentar
— manu hofstaetter (@mhofstaetter) October 26, 2016
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