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Claire Simon
Frankreich, 54 min
Es ist eine Theaterbühne, «dieses sehr kleine, der «Schulhof» genannte Land, das zwei-, dreimal am Tag von seinem Volk, den «Kindern», bewohnt wird». Die Kulisse ist übersichtlich: Eine Bank, eine Einzäunung, einige Bäume, deren Ästchen zum Bauen von Häusern oder als Tauschmittel dienen. Eine Einheit aus Zeit, Ort und Handlungen, die an eben diesem Ort – einem der wenigen, an dem die Kinder unter sich sind und ihr Handeln nicht, oder nur am Rande, von den Erwachsenen angeleitet oder kontrolliert wird, ohne dass er anomisch wäre – ständig neu erfundenen werden. Aber Gesetze gelten hier immer nur vorübergehend, und ihre Verbindlichkeit hängt vom Charisma und der Phantasie derjenigen ab, die das Spiel anführen, sich für den Cheferzähler halten und jederzeit von den anderen «angegriffen» oder gestürzt werden können. Anfang der 1990er Jahre filmt Claire Simon Récréations, Pausen, in der Schule ihrer Tochter. Auf Augenhöhe der kleinen Menschen wird in der von ihr «affektive Topografie» genannten Kontinuität jede Geschichte zu einem Kristall. Der, in den wir uns projizieren und der uns an diese raue erste Einführung in das Leben in der Gesellschaft erinnert.
Emmanuel Chicon