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Wie die Schweiz und Uruguay kulturell und wirtschaftlich von den neuen Märkten profitieren
Referat von Bundesrat Christoph Blocher am Kolloquium über die Geschäftsmöglichkeiten im MERCOSUR, 17. April 2007, in Lausanne
17.04.2007, Lausanne
Lausanne. Am Kolloquium über die Geschäftsmöglichkeiten im Mercosur würdigte Bundesrat Christoph Blocher die Gemeinsamkeiten von Uruguay und der Schweiz und die lange Tradition ihrer Wirtschaftsbeziehungen. Heute sei Uruguay für viele Schweizer Investoren ein Schlüssel zum Mercosur. Am Rande des Kolloquiums traf Bundesrat Blocher den uruguayischen Industrie-, Energie- und Minenminister Jorge Lepra zu einem Gedankenaustausch. Die beiden Minister haben sich insbesondere über Energiefragen unterhalten. Im Zentrum des Gesprächs standen dabei die Möglichkeiten zur Produktion von Ethanol aus Holz.
Es gilt sowohl das mündliche wie das schriftliche Wort, der Redner behält sich vor, auch stark vom Manuskript abzuweichen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Das Schweizerische Institut für Rechtsvergleichung organisiert heute dieses hochinteressante Kolloquium. Das Thema der Veranstaltung soll sein „Schweizer Investitionen im Mercosur“.
1. „Die Schweiz Lateinamerikas“
Uruguay wird häufig als „die Schweiz Lateinamerikas“ bezeichnet. Geschichte, Lage und Geographie beider Länder zeigen eben viele Gemeinsamkeiten.
* Die Schweiz ist wie Uruguay ein kleines Land und wird von grossen Wirtschaftsmächten umgeben.
* Die Schweiz und Uruguay zeichnen sich als relativ stabile und sichere Demokratien aus.
Die Wirtschaftsbeziehungen der Schweiz mit Uruguay haben eine lange Tradition.
Im 19. Jahrhundert gründeten Schweizer, 120 Kilometer von Uruguays Hauptstadt Montevideo entfernt, die Stadt Nueva Helvecia.
Im Jahr 1860 kaufte das Basler Bankinstitut Siegrist und Fender landwirtschaftlich nutzbares uruguayisches Land.
Schliesslich wanderten die ersten Schweizer nach Uruguay aus, um das Land landwirtschaftlich zu nutzen. Trotz einer geographischen Distanz von 11 000 Kilometern zeigte sich Siegrist und Fender bereits damals in der Lage, die Grundstücke sehr gut zu verwalten und den Siedlern vor Ort gute Lebensbedingungen zu garantieren, ihnen landwirtschaftliche Gerätschaften zur Verfügung zu stellen und vorteilhafte Regierungsdarlehen an die Siedler zu sichern.
Diese Siedlung zeichnete sich bald durch ihre qualitativ hochwertige Käseproduktion und Molkereiwirtschaft aus. Die Verbesserungen der Transportmöglichkeiten ermöglichte die Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte. Exportsteigerungen in grossem Ausmass, insbesondere auch grenzüberschreitend nach Argentinien und sogar in die Schweiz wurden möglich.
2. Vom Käse zur Pharmaindustrie
Noch heute ist die Schweiz durch mehrere Unternehmen in Uruguay präsent, sie tragen zum guten Ruf und zur wirtschaftlichen und technischen Entwicklung des Landes bei. Heute jedoch sind die schweizerischen Unternehmen in Uruguay vorwiegend im pharmazeutischen Sektor und in der Agrar- und Lebensmittelindustrie tätig und profitieren vom attraktiven liberalen Wirtschaftssystem des Landes.
Es ist darum gut, dass rechtliche Aspekte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern an der heutigen Konferenz von verschiedenen Experten erörtert werden. Ich möchte jedoch bereits auf zwei Aspekte dieser Thematik hinweisen:
Im Jahr 1938 setzten die Schweiz und Uruguay den ersten Meilenstein ihrer Beziehungen: Sie unterzeichneten ein Handelsabkommen, um die Handelskooperation zu fördern.
Im Jahr 1991 trat zudem ein weiteres Abkommen über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Investitionen in Kraft.
Auch die schweizerisch-uruguayische Handelskammer in Montevideo und die lateinamerikanische Handelskammer in der Schweiz begünstigen die Begegnung zwischen Schweizer Unternehmern und ihren uruguayischen Kollegen und tragen zur Förderung und Erleichterung der Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern bei.
3. Zukunftsperspektiven
Uruguay ist für viele Schweizer Investoren ein Schlüssel zum Mercosur. Auch dies ist Gegenstand dieses Kolloquiums. Der Mercosur ist in der Tat ein Raum der Zukunft und, in den Worten des Titels dieser Veranstaltung, „ein Markt mit mehr als 200 Millionen Verbrauchern“.
Auf einen allgemeinen Nenner gebracht stellen die Wirtschaftsbeziehungen mit Lateinamerika eine große Chance für die exportorientierten Schweizer Unternehmen dar. Dies belegen die im Hinblick auf diese Region seit mehreren Jahren steigenden Exportzahlen der Schweiz.
Durch seinen Reichtum an Bodenschätzen verfügt Lateinamerika zudem über ein starkes Wachstumspotential.
Die Umsetzung einer klugen Haushalts- und Geldpolitiken erlaubte einigen Ländern bedeutende Fortschritte im Kampf gegen die Inflation zu erzielen.
Der Abbau von Handelshemmnissen und die regionale Wirtschaftsintegration haben ihrerseits einen Beitrag zur Entwicklung der Handelsbeziehungen geleistet.
4. Wirtschaftsraum im Rechtsraum
Die heutige Konferenz ist für Schweizer Unternehmen eine einzigartige Gelegenheit, sich über die Möglichkeiten ihres geschäftlichen Engagements im Mercosur zu informieren.
Ich möchte daher dem Schweizerischen Institut für Rechtsvergleichung danken, dieses einzigartige Konferenzkonzept entwickelt zu haben, das Juristen und Unternehmer unter einem Dach versammelt.
Die Anwesenheit der zahlreichen Juristen unter uns muss in der Tat besonders hervorgehoben werden. Investitionen sind von Regelungen abhängig, die die Rechte und Pflichten aller Beteiligten normieren: Produzenten wie Verbraucher, Arbeitnehmer, Bankiers, Konkurrenten und Regierungen. Präzise Kenntnisse der rechtlichen Anforderungen sind der Schlüssel zum Erfolg von Investitionen.
Sie haben heute die Chance zur Information über rechtliche Anforderungen:
* für Gesellschaftsgründungen,
* über das Arbeitsrecht,
* zu Regelungen zur Kreditvergabe
* zum Investitionsschutz
* über das Vertragsrecht
* über das Steuerrecht bis hin zur Rückführung von Fonds…
Ich hoffe, dass Sie von dem reichen Programm dieser Veranstaltung profitieren.
Ich wünsche Ihnen viele nützliche Informationen.
Ich bin sicher, dass Sie die Ergebnisse dieser Tagung gewinnbringend für ihre Unternehmen und für die Wirtschaft der Schweiz einsetzen können.← Zurück zu: Artikel