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2. der standardisierte Ansatz
Dieser Ansatz findet sich am häufigsten bei Experimentalpsychologen. Anstatt sich auf die Macht des Therapeuten zu konzentrieren, hebt diese Sichtweise den Patienten (KlientIn) als wichtigste Forschungseinheit hervor und nimmt allgemein an, dass die Bereitschaft zu hypnotischen Reaktionen ein dauerhaftes des Patienten bzw. der Versuchsperson ist. Daher kann der Hypnotiseur dieselbe Zusammenstellung standardisierter Kommunikationen unverändert auf verschiedene Personen anwenden.
Mit anderen Worten:
Entweder ist der Patient hypnotisierbar oder er ist es eben nicht; das Verhalten des Hypnotiseurs spielt dabei eine völlig sekundäre Rolle. Die einflussreichsten Vertreter des standardisierten Ansatzes waren Akademiker, die Hypnose dadurch zu legitimieren suchten, dass sie sie den strengen Prüfungen der Experimentalpsychologie unterzogen (z. B. Hilgard 1965; Hull 1933). Ihre Bemühungen sind sicher anerkennenswert, denn sie haben die Hypnose davor bewahrt, nur die Rolle einer "Mesmerischen Metapher" (wie bei den autoritären Konzepten) zu spielen, und sie haben dadurch ihr Ansehen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft wiederhergestellt. Indem dieser Ansatz jedoch die stillschweigende Annahme der Experimentalpsychologie, das Individuum sei die grundlegende Forschungseinheit, teilte, vernachlässigte er die entsprechende Bedeutung von Kontextvariabeln (etwa die Beziehung zwischen Hypnotiseur und Patient). Und da das Patientenverhalten das interessierende Phänomen war, bemühte man sich, alle anderen Faktoren experimentell zu kontrollieren. Es wurde z. B. viel Arbeit in die Entwicklung standardisierter Induktionsverfahren gesteckt, die auf Schallplatten oder Tonbändern abgespielt werden konnten; dadurch erübrigte sich die Induktion durch den Versuchsleiter und wurde als eine mögliche Fehlerquelle des Experiments eliminiert.
Dagegen ist natürlich an sich wenig einzuwenden. Es wäre sogar recht lobenswert, wenn durch ein solches Verfahren die Mehrheit der Patienten oder Versuchspersonen einen Trancezustand erleben könnten.
Es wurde jedoch bald offensichtlich, dass nur ein Bruchteil der Patienten auf standardisierte Induktionen hypnotisch reagiert: 15% sind sehr empfänglich, 65% wenig und 20% überhaupt nicht (siehe Hilgard 1965). Diese individuellen Differenzen, verbunden mit der Entdeckung, dass die Ansprechbarkeit einer jeweiligen Person durch standardisierte Tests über verschiedene Zeitpunkte im allgemeinen stabil bleibt (siehe z. B. Hilgard 1965), hatten zur Folge, dass viele Experimentatoren (Hilgard 1965; Shor, Orne, O'Connel 1966) zu der Ansicht gelangten, Hypnotisierbarkeit sei ein Wesensmerkmal, das einige Leute besitzen, andere wiederum nicht.
Wie Hilgard (1965) bemerkte:
Wann immer eine menschliche Fähigkeit gemessen werden soll, erhebt sich die Frage, wie stabil diese Fähigkeit ist, wie überdauernd über die Zeit. Die historischen Studien der Beständigkeit des IQ sind auf dieses Problem gerichtet, und wir sehen uns bezüglich der Stabilität der Fähigkeit, in Hypnose zu gehen, mit der gleichen Art von Problem konfrontiert. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass unter standardisierten Bedingungen' hypnotische Empfänglichkeit ein ziemlich abhängiges Wesensmerkmal ist. In diesem Sinn schreibt der standardisierte Ansatz sowohl das Gelingen als auch das Misslingen der hypnotischen Begegnung dem Patienten zu. Der Hypnotiseur ist hierbei weniger wichtig.
Dieser Ansatz weist einige schwerwiegende Verirrungen auf.
Erstens nimmt er an, dass eine standardisierte Induktion, die im Wesentlichen eine Person anleitet, sich zu entspannen und sich verschiedene Dinge vorzustellen, ein geeigneter Weg sei, die allgemeine hypnotische Begabung eines Individuums zu beurteilen.
Es gibt viele Wege, um in Trance zu gehen.
Die Aufgabe des Therapeuten (Coach) besteht also darin, für jeden Patienten (KlientIn) die jeweils geeignetste Induktion zu finden.
Eine weitere mögliche Verirrung des standardisierten Ansatzes besteht darin, dass er die hypnotische Begabung in Termini von Verhaltensreaktionen auf Testsuggestionen definiert.
Trance ist in erster Linie eine Erfahrung, (z.B. wie Liebe oder auch Wut), die verschiedene Individuen jeweils unterschiedlich erleben. Niemand würde folgern, ein Mensch sei wutlos, nur weil er niemanden geschlagen hat, oder auch, er könnte nie verliebt sein, nur weil dieser Mensch verpasste z.B. den Versuchsleiter zu küssen. Dem vergleichbar gibt es hypnotisierte Patienten, die kaum allen Verhaltensanforderungen eines Experiments nachkommen wollen oder können; andere dagegen erwachen aus der Trance, um genau das zu tun (siehe Erickson 1967). Aus diesem Grund zu sagen, diese Menschen sind ohne Fähigkeit, eine Trance zu erleben, kann aus der gegenwärtigen Perspektive nur als ungerechtfertigte Schlussfolgerung erscheinen.
Eine dritte mögliche Verirrung des standardisierten Ansatzes ist, dass er kaum in genügend ernstzunehmender Weise den Befund zu erklären vermag, weshalb Suggestibilitätsscores durch viele verschiedene Faktoren entscheidend beeinflusst werden können. Zu solchen Faktoren zählen periodisch veränderte Induktionsstrategien (Kubie, Margolin 1944), Medikamente und Drogen (Sjoberg, Hollister 1965), Haltungen (Kroger 1963), Erwartungen (Barber 1969, 1972; Wolberg 1948), die Beschaffenheit der Umgebung (Kramer 1969; Tart 1964), besonderes Training (Blum 1961; Sachs 1971) und Formung (Zimbardo, Rapaport, Baron 1969). Theoretiker, die der Überzeugung sind, hypnotische Begabung sei ein stabiles Wesensmerkmal, erklärten, diese wiederholten Demonstrationen gesteigerter hypnotischer Reaktionsbereitschaft (für einen umfassenden Überblick siehe Diamond 1974) seien zurückzuführen auf eine Verbesserung der Einstellung (Hilgard 1965); das bedeutet, die Patienten würden im Lauf der Zeit williger, sich auf die Hypnose einzulassen. Doch anstatt ihre Theorien angesichts solcher Evidenzen aufzugeben, führten sie Begriffe ein wie Plateau-Hypnotisierbarkeit (Shor, Orne, O'ConneI1966) als Ausdruck der Vermutung, dass jeder Mensch eine obere Grenze für seine hypnotische Begabung habe. Eine Person könne unterhalb dieser Grenze bleiben (was oft, besonders in den ersten Sitzungen, der Fall sei); sie könne sie jedoch kaum überschreiten. Diese Zwänge, die der standardisierte Ansatz mit sich bringt, entmutigen Therapeuten (Coaches), den Patienten (Klienten) gegenüber flexibel und anpassungsfähig zu sein (vgl. Dorcas 1963). Sie lassen ausserdem einige Menschen zu der Überzeugung kommen, sie könnten nie eine Trance erleben. Die meisten dieser "resistenten" oder "unempfänglichen" Menschen können mit besonderem Training auch eine Trance erleben. Damit soll nun aber alles andere als gesagt sein, dass alle Menschen gleich gut hypnotisierbar wären. Einige Patienten können sofort und tief auf direkte hypnotische Suggestionen reagieren; andere wiederum sind für alle Zeit auf solche Techniken empirisch unansprechbar. Die Erfahrung zeigt, dass sich über diesen Punkt kaum streiten lässt. Anders verhält es sich mit der Frage, ob Individuen, die auf direkte Suggestionen im Rahmen des standardisierten Ansatzes hypnotisch unansprechbar sind, eventuell für flexiblere Hypnosetechniken in einem zwischenmenschlich intensiven Kontext (etwa einer Therapie) sehr wohl empfänglich sein können. Der standardisierte Ansatz antwortet darauf negativ, während die heutige Sichtweise darauf besteht, dass jeder Mensch als Anlage die Fähigkeit besitzt, mit seinem Erleben in eine hypnotische Beziehung einzutauchen. Einzelne Personen variieren enorm hinsichtlich zahlreicher Parameter wie z. B. der Zeit, eine Trance zu entwickeln, den Verhaltensweisen, die sie in der Trance zeigen oder auch ihrer interpersonellen Bedürfnisse während der Trance.
Es ist daher die Aufgabe des Therapeuten (Coach) jene Bedingungen herauszufinden und zu schaffen, die hypnotische Entwicklungen begünstigen.