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Geführt von Karl Sarasin, 1838–1848
Papier, geheftet, Seidenbandabschnitte
H. 32,5–35 cm, B. 21,5–22,2 cm
Inv. 1954.3.12.
Vier Reisejournale, einfache Hefte aus billigem Papier, belegen anschaulich die Geschäftsreisen des Basler Seidenbandproduzenten Karl Sarasin (1815–1886) über einen Zeitraum von zehn Jahren. Als er im April 1838 zu seiner ersten, etwas über dreiwöchigen Reise nach Frankfurt und Leipzig aufbrach, war er erst 23 Jahre alt, hatte aber als Teilhaber der Firma bereits viele Aufgaben des erkrankten Vaters wahrzunehmen. Durch geschäftlichen Misserfolg des Vaters hatte die Familie jahrelang in bedrängten Verhältnissen gelebt, und die übliche Kaufmannsausbildung in befreundeten Handelshäusern des Auslands war ihm daher nicht möglich gewesen; stattdessen hatte er eine Kaufmannslehre in Basel absolviert. «Von dem Bezug einer Pension in der französischen Schweiz, von einem Aufenthalt in der Fremde, wie alle anderen jungen Leute, war bei mir nie die Rede, und das erste Mal, dass ich die Schweizer Grenze überschritt, war meine erste Geschäftsreise im Jahre 1838, als furchtsamer junger Mensch», heisst es in seinen Lebenserinnerungen. Von dieser Unsicherheit zeugen auch die frühen Aufzeichnungen. Sie enthalten, jeweils vor Ort gemacht, sehr genaue und ausführliche Notizen über die besuchten Geschäftspartner, ihre Wünsche und Anregungen. Er hält auch Gerüchte und Prognosen bezüglich der Entwicklung des Weltmarktes fest, Berichte über Kriege und Konfl ikte und ihre möglichen Auswirkungen.
Im Laufe der folgenden Jahre waren es immer wieder die Messestädte Frankfurt am Main und Leipzig, die er im Frühjahr und im Herbst besuchte, daneben aber auch Strassburg und vor allem die norddeutschen Städte Hamburg, Lübeck, Hannover, Braunschweig und Celle. Die weiteste Reise führte ihn 1839 nach Kopenhagen. Gelegentlich notierte er die gewählten Verkehrsmittel (Kutsche, Dampfschiff und Eisenbahnzug) und die Namen der frequentierten Gasthöfe und Hotels. Diese Hefte sind nur ein kleiner, eher persönlicher Teil seiner mitgeführten Bücher.
Er hatte daneben auch Muster- und Auftragsbücher bei sich, so dass die geschäftlichen Verhandlungen zwischen Produzent und Zwischenhändlern eine anschauliche und verbindliche Basis hatten.