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Vor nicht langer Zeit war ich in Seoul. Das ist jetzt nicht so sehr der Brüller, ist mir klar. Irgendwie habe ich es in den zwei Wochen verpasst zu bloggen bzw. hatte keine Zeit bzw. hatte keine Lust bzw. war zu jetlagged. Aber weil mich heute jemand an die Zeit in Korea erinnert hat, habe ich meinerseits die Zeit Revue passieren lassen und mich an eine Geschichte erinnert, die ich doch noch nachtragen möchte und zwar diese.
Ich habe mich in einem Hostel, inmitten von Seoul eingebucht. Weil ich das noch nie gemacht habe und doch schon so häufig in Seoul war. Es war eine lustige Erfahrung, aber in Zukunft werde ich wieder in die Serviced Residence ziehen, denn es war mir etwas zuviel des Rambazamba. Ich habe lustige Leute getroffen, und wir haben bis in die Puppen Blödsinn geredet. Und eines Nachts, es war kurz vor oder kurz nach ein Uhr in der Früh, kam die Studentin, die die Reception besetzte, rein und fragte, ob jemand Deutsch spreche. Alle Augen waren auf mich gerichtet, also konnte ich nicht so gut verneinen. Die Studentin reichte mir den Telefonhörer, durch den mich eine ziemlich hysterische, tinnitusverursachende Stimme anflehte, zu helfen. Es war eine Frau älteren Semesters, die sich mit ihrem Sohn, ungefähr 35 Jahre alt, beide Bürger der Bundesrepublik Deutschland, in Seoul verirrt hatte (die Details hat mir die Studentin nachgeliefert, ich habe die zwei Betroffenen nie zu Gesicht bekommen). Die Frau und ihr Sohn wohnten auch im Hostel, allerdings in einem anderen Gebäude. Sie waren dabei, einen Abendspaziergang zu machen und fanden nicht mehr zurück. Sie hatten auch keine Ahnung, wo genau sie sich gerade befanden. Sie konnten es auch nicht herausfinden, weil sie keine Koreanischen Buchstaben lesen konnten. Sie konnten auch niemanden fragen, weil sie kein Englisch, geschweige denn Koreanisch sprachen. Sie konnten es auch auf keiner Karte finden, weil sie keine dabei hatten. Sie konnten auch kein Taxi nehmen, weil sie kein Geld dabei hatten und hätten sie Geld dabei gehabt, hätten sie mit dem Taxifahrer nicht sprechen können und sie hätten ihm auch nicht nur die Adresse unter die Nase halten können, weil sie die Adresse nicht dabei hatten. Sie konnten auch nicht früher anrufen, weil sie kein Telefon dabei hatten und hätten sie ein Telefon dabei gehabt, hätten sie doch nicht anrufen können, weil sie die Nummer des Hostels nicht dabei hatten.
Seoul ist die Hauptstadt von Südkorea. Sie hat weit über zehn Millionen Einwohner und ist ungefähr so gross wie der Kanton Glarus. Wer bitte geht da raus ohne Karte / Telefon / Adresse / Geld / irgendwas?
Sie konnten dann einen Studenten dazu bringen, die Telefonnummer des Hostels herauszufinden, nachdem sie ihm den Namen genannt hatten. Wahrscheinlich waren sie übermüdet und unterkühlt. Der Witz war, dass sie sich nur eine Strasse weiter befanden, ganz nah am Hostel. Mir war sofort klar, wo sie sich befanden, als sie mir erklärten, wie es dort aussah. Die nette Studentin an der Reception holte die zwei dann ab. Sie schlichen dann an der Reception vorbei zum anderen Gebäude. Hätte ich an ihrer Stelle wohl auch gemacht. Das ist dann aber auch das einzige.