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Vor 20 Jahren stellte die eidgenössische Militärpferdeanstalt EMPFA ihren Betrieb ein und das Nationale Pferdezentrum Bern NPZB übernahm als Nachfolgeinstitution den Auftrag, Pferde für die Armee auszubilden und zu liefern. Vieles hat sich geändert, einiges ist aber geblieben, wie der wunderschöne Springgarten oder die mit wilden Reben verzierten Backsteinstallungen.
Pierre-Eric Jaquerod war vom 1. Januar 1963 bis zum 31. Dezember 1996 in der EMPFA Bereiteroffizier, Reitlehrer, Remontierungsoffizier, Chefreitlehrer, Stellvertreter des Kommandanten und ab 1975 Betriebsleiter. Er beschreibt die EMPFA als Pferdeausbildungsstätte, deren Hauptaufgabe die Remontierung der Kavallerie war. Die EMPFA war, mit Ausnahme der Futtermittel, ein «Selbstversorger» und das ganze Material wie Sattelzeug oder Hindernisse wurden hier angefertigt. Ausbildung wurde grossgeschrieben, auch um die Bedürfnisse des Trains sicherzustellen. Das Personal (Bereiter, Fahrer, Pferdekrankenpfleger, Pferdewärter) und die Spezialisten wie Hufschmiede, Wagner, Sattler, Maler oder Gärtner wurden vollständig innerhalb des Betriebes ausgebildet. Da zur Beurteilung der Qualität der Arbeit damals fast keine Vergleichsmöglichkeiten bestanden, arbeitete das Kavallerie Remonten Depot (KRD) bis zum letzten Weltkrieg mit vergleichbaren ausländischen Ausbildungsstätten wie der Kavallerieschule Hannover oder der «Ecole de cavalerie» in Saumur zusammen mit dem Austausch von Offizieren. In Zusammenarbeit mit dem damaligen Generalsekretariat EMD wurde der «zivile Ast» der EMPFA gefördert mit neuen Verordnungen und einem, für damalige Zeiten, umfangreichen Kursangebot. «Als Reitlehrer habe ich die Bereiterklasse mit zehn Bereitern und 70 Remonten geführt. Später kam die Leitung des Dressur- und Spring- und Verkaufsstalles sowie der Fahrabteilung hinzu, was mit 120 Bereitern, 60 Fahrern und Fahrgehilfen plus 13 Unteroffizieren eine stattliche Anzahl Personal bedeutete», erinnert sich Pierre-Eric Jaquerod. Als Betriebsleiter hatte er noch Administratives, Reiten, die Arbeit der Remontenklasse und der «Dépôtklasse» (Stammpferde) zu überwachen und ausserdem die Organisation von Kursen und Lehrgängen auf dem Tagesplan. Vor Abschaffung der Kavallerie waren bis zu 1500 Pferde eingestallt und ab 1975 schwankte es zwischen 160 und 250 Pferden.
Die Übergabe von 65000 Unterschriften mit Kutsche in Bern am 17. September 1991.
Heinz Schwab als Referent der «Pro EMPFA» am 17. September 1991 vor dem Bundeshaus.
Quadrillenreiten im grossen Paddock der damaligen EMPFA.
Schliessung der EMPFA verhindert
Heinz Schwab war Kavallerist im Grad eines «Adj Uof» und hatte als Nationalrat persönlichen Zugang zu den entsprechenden Bundesämtern. «Zur Überführung der Trainschulen St. Luzisteig in ein Kompetenzzentrum Tiere im Sand war ich als damaliger Oberfeldkommissär der Armee und als Präsident vom Schweizer Pferdezuchtverband besonders interessiert, den heutigen so idealen Zustand beider Betriebe mit allen mir möglichen Kräften zu unterstützen». So wurde Heinz Schwab die treibende Kraft im Komitee «Pro EMPFA», welches am 17. September 1990 den eidgenössischen Räten eine Petition zur Erhaltung der EMPFA in Bern mit 138000 Unterschriften übergab. Denn der Bundesrat hatte vor, die EMPFA in Bern zu schliessen und die unbedingt notwendigen Betriebsteile nach Avenches ins eidgenössische Hengstdepot zu verlegen. Aufgrund der Intervention des Komitees verzichtete der Bundesrat jedoch darauf, seinen Entscheid zu vollziehen und die Burgergemeinde Bern, als Eigentümerin des Freigeländes (Springgarten) der EMPFA, erklärte ihre Bereitschaft, dieses Gelände weitere 25 Jahre für ein öffentliches, nationales Ausbildungszentrum für den Pferdesport zur Verfügung zu stellen.
Heinz Schwab setzte sich stark für die Erhaltung des einzigartigen Pferdebetriebes ein und war sich der Bedeutung einer Symbiose von Pferdesport und der Organisation von Jugend und Sport bewusst. «Ich erinnere mich an eine spontane Aussage von Bundesrat Pascal Delamuraz anlässlich eines Gespräches unter vier Augen: ‘Dass die Jugend neu mit ins Spiel gebracht wird, bestärkt meine Meinung, den bereits gefassten Bundesratsbeschluss zur Zusammenlegung von Avenches mit Bern zu revidieren’. Die Reaktionen zur Einsicht des Bundesrates waren in Pferdekreisen sehr gut aufgenommen worden, nicht zuletzt auch in Kreisen der Pferdezüchter», betont Heinz Schwab.
Dass die Jugend zum Pferd oder das Kind zum Pony gebracht werden soll, war früher und heute ein Thema.
Ausbildung wurde grossgeschrieben, auch um die Bedürfnisse des Trains sicherzustellen.
Unter neuem Namen
Der erste Leiter des NPZ in Person von Tierarzt Bernhard Hofer führte den Betrieb vom 1. Januar 1997 bis Ende 1999. Der Wechsel und die Umstellung vom Bundes- zum Privatbetrieb war enorm. Als Novum ist das Reitergymnasium zu nennen, das eine tragende Rolle spielte, da diese Ausrichtung auf die Jugend den entscheidenden Impuls gab, dass der Bundesrat seinen Schliessungsbeschluss zurückzog und in die Privatisierung mit grosszügigem Leistungsauftrag des VBS einwilligte. Das NPZ sprang damals in die Lücke mit Privathengsten, weil die traditionelle Deckstation im Sand Schönbühl aufgehoben wurde. Erste Pensionäre hielten Einzug ins NPZ und die Reitschule samt Voltigegruppe entwickelte sich, ebenso ein Verkaufsstall für CH-Pferde. Es wurde sogar ein CSI mit einem Derby durchgeführt. «Die Hauptaktivität blieb jedoch die Tätigkeit für das eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) mit seinem Leistungsauftrag», ergänzt Hofer, welcher zur Leitertätigkeit auch noch die Aufgabe des Kuranstalttierarztes übernahm. «Damals wie auch heute gilt für mich das Prinzip, dass Pferde gesund bleiben, wenn sie regelmässig und gut nach den klassischen Regeln gearbeitet werden und dass ein guter Bereiter oft mehr hilft als jede Medizin oder Paramedizin.»
Die Ausbildung der Trainpferde ist ein wichtiges Standbein des NPZB.
Der Paddock bildet eine grüne Oase in der Stadt Bern.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 20/2017)
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