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Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Die Medizin stiess in den Jahren des Schreckens von 1914 bis 18 in neue Bereiche vor.
Die in grossem Massstab eingesetzte Artillerie verursachte häufig schwere Gesichtsverletzungen. Die Pflege
dieser verstümmelten Soldaten bedeutete eine Herausforderung für Chirurgie und Zahnmedizin. In den Kriegsjahren entstanden deshalb zahlreiche neue Techniken zum Verpflanzen von Haut, Knochen oder Knorpel. Es war die Geburtsstunde der Kieferchirurgie.
Neues Syndrom: posttraumatische Belastungsstörung
Auf den Schlachtfeldern traten auch massenhaft neue psychische Störungen zutage. Soldaten, die durch die Belastung der Kämpfe verstört und manchmal gelähmt, blind, taub oder stumm waren, gingen als Kriegszitterer in die Geschichte ein. Anfangs sahen die Armeeärzte in ihnen nur Simulanten. Betroffene Infanteristen galten als Feiglinge und hatten keine andere Wahl, als weiterzukämpfen. Psychiater verwendeten in dieser Epoche häufig Elektroschocks auf Arme oder Beine. Bei Kriegszitterern kam die Technik sowohl als Therapie als auch zum Entlarven vermeintlicher Simulanten zum Einsatz!
Doch je länger der Krieg andauerte, desto mehr psychisch Kranke gab es. Irgendwann begannen Psychiater an der Front, die Opfer ihre Erlebnisse schildern zu lassen. Oft erwies sich diese Behandlung als wirksam. Seither wird in der Medizin bei solchen Fällen von posttraumatischer Belastungsstörung gesprochen, und in bewaffneten Konflikten ist psychologische Hilfe nicht mehr wegzudenken.
Die grosse Zahl von körperlich Versehrten führte dazu, dass Techniken weiterentwickelt wurden, die erst seit wenigen Jahren existierten, zum Beispiel in den Bereichen Anästhesie und Bluttransfusion. Marie Curie schuf mit Unterstützung des Roten Kreuzes 18 mobile Chirurgie- und Röntgeneinheiten. In der Desinfektion geht ein Mittel auf diese Zeit zurück, das noch heute Verwendung findet: Die Dakinlösung wurde gemeinsam vom französischen Chirurgen Alexis Carrel und vom britischen Chemiker Henry D. Dakin entdeckt.