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Die Saatzucht Düdingen vereint knapp 200 Mitglieder aus dem Sense-, dem See- und dem angrenzenden Saanebezirk. Mit einem schweizweiten Anteil von je rund einem Viertel an Saat- und Pflanzgut von Getreide und Kartoffeln gehört das Unternehmen zu den wichtigen Playern auf dem Markt. Zu ihrem 100-Jahr-Jubiläum hat die Genossenschaft eine Jubiläumsschrift veröffentlicht.
In dem Buch lässt sich erfahren, wie alles begann: Es war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als der Ackerbau stark unter Druck geriet. Mit dem Ausbau des internationalen Bahnnetzes konnten grosse Mengen an landwirtschaftlichen Erzeugnissen billig aus dem Ausland eingeführt werden. Die Landwirte bauten deshalb ihre Viehwirtschaft aus.
Doch der Erste Weltkrieg führte zwangsweise zu einem Umdenken: Die Einfuhr von Ackerprodukten war plötzlich stark eingeschränkt, rundherum herrschte Krieg. Staatlich verordnete Massnahmen zur Förderung des Ackerbaus waren die Folge. Doch dafür brauchte es Saatgut, und hier kommt die Saatzuchtgenossenschaft ins Spiel: Auf Einladung des Ökonomischen Vereins des Sensebezirks trafen sich im Sommer 1917 dreissig Landwirte in einem Gasthaus und beschlossen Massnahmen. Die Gründung der damaligen Saatzuchtgenossenschaft Sensebezirk folgte im September. Die Genossenschafter definierten ihr Tun: «Hebung und Förderung des Ackerbaus durch die Erzeugung und Abgabe von erstklassigem Saatgut bewährter Sorten von Getreide, Klee, Hackfrüchten und anderen Feldgewächsen (…).»
Die Saatzuchtgenossenschaft des See- und jene des Saanebezirks wurden beide 1919 gegründet. Die Saatzucht Seebezirk hat 1991 mit der neu benannten Saatzucht Düdingen fusioniert, die Saatzucht Saanebezirk folgte 2006.
Einfach war das Vorhaben von 1917 nicht, die Bauern zur Produktion von Saatgut zu bewegen, wie sich in dem Buch nachlesen lässt: Es bestand eine gewisse Gleichgültigkeit oder gar Opposition gegenüber dem Plan.
Doch 1930 wendete sich das Blatt, und das Interesse nahm zu, die Mitgliederzahl vergrösserte sich rasch. Die Förderung von Weiterbildungen, die technische Betreuung der Produzenten, die Anschaffung von Maschinen und die Förderung des Absatzes verliehen den Bauern Schub. Der Absatz des Saatgetreides stieg von 50 Tonnen (1926) auf 270 Tonnen (1939). Heute sind es rund 8000 Tonnen. 1933 begannen die Landwirte mit der Vermehrung von Pflanzkartoffeln.
Nach den Weltkriegen steht fest: Die Schweiz soll mit einem höheren Selbstversorgungsgrad besser auf Krisenzeiten vorbereitet sein. Zertifiziertes Saat- und Pflanzgut gewinnt in den Fünfziger- und Sechzigerjahren massiv an Bedeutung. Es ist der grösste Entwicklungsschub in der Geschichte der Saatzucht. Nach den Weltkriegen stieg der Getreide-Selbstversorgungsgrad der Schweiz von 30 auf rund 80 Prozent im Jahr 1990.
Deutschfreiburg eignete sich damals wie heute ausgezeichnet für die Produktion von «Häppere»: Die Pflanzkartoffelmenge stieg von 1000 Tonnen (1950) auf rund 8000 Tonnen(1960) jährlich. 2016 war die Produktion mit rund 6000 Tonnen wiederum tiefer. Dies ist auf eine geringere Nachfrage zurückzuführen.
1965 begann der Bau eines Getreidesilos in Düdingen. Die Kosten betrugen 1,8 Millionen Franken. Mit dieser Anlage konnten die Genossenschafter damals 2800 Tonnen Saatgetreide und 1000 Tonnen Pflanzkartoffeln lagern.
Die Gründung der Firma Spesag 1974 ist ein weiterer Meilenstein der Saatzucht Düdingen: Sie übernimmt die Pflanzkartoffeln im Auftrag der Landwirte, bereitet sie auf, lagert und vermarktet sie. Das Unternehmen ist zu über 90 Prozent im Besitz der Genossenschaft.
Serie
100 Jahre Saatzucht Düdingen
Die Saatzuchtgenossenschaft Düdingen feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass greifen die «Freiburger Nachrichten» in einer Serie verschiedene Aspekte rund um die Thematik Getreidesaatgut und Pflanzkartoffeln auf. Den Anfang macht in der heutigen Ausgabe das Jubiläumsbuch.