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Will in Südamerika »radikal reinen Tisch machen«: US-Vizepräsident Michael Pence vor dem Treffen mit dem Staatschef Brasiliens Michel Temer am Dienstag in Brasilia
Foto: Eraldo Peres/AP Photo/dpa
US-Vizepräsident Michael »Mike« Pence besucht in Lateinamerika Verbündete gegen Venezuela und Nicaragua. Am Mittwoch war er Gast von Brasiliens demokratisch nicht legitimierter Regierung. Dabei zeigte er sich in Manaus mit Migranten aus Venezuela. »Das venezolanische Volk verdient Freiheit, und wir unterstützen es dabei«, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa. »Maduro hat die große venezolanische Demokratie in eine brutale Diktatur verwandelt.« Der so attackierte Präsident reagierte prompt. »Jedes Mal, wenn die Giftschlange Mike Pence ihren Mund öffnet, fühle ich mich stärker«, sagte Maduro in einer im Fernsehen übertragenen Rede.
Am Mittwoch reiste Pence nach Ecuador weiter. Für den gestrigen Donnerstag (nach jW-Redaktionsschluss) war in Quito ein Treffen mit Staatschef Lenín Moreno vorgesehen. Ecuadors Präsident hat nach der Amtsübernahme im vergangenen Jahr einen scharfen Rechtsruck hingelegt, sich immer weiter von seinem linken Vorgänger Rafael Correa – dessen Stellvertreter er lange war – distanziert und setzt auf eine Annäherung an Washington. Quito betont ausdrücklich, dass der Besuch von Donald Trumps Stellvertreter auf Einladung Morenos zustande gekommen sei. Linke Gruppen haben zu Protesten aufgerufen. Als »Verrat« werteten viele Ecuadorianer im Internet kursierende Fotos, die den mit einem riesigen Sternenbanner geschmückten Innenhof des Präsidentenpalastes in Quito zeigen.
Bislang hatte sich Moreno nicht in die Front gegen die gewählte Regierung in Caracas eingereiht. Anfang des Monats votierte sein Land beim Gipfeltreffen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gegen eine von den USA eingebrachte Resolution, in der die Wiederwahl des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am 20. Mai für unrechtmäßig erklärt werden sollte. Die staatliche Nachrichtenagentur Andes wertete den ersten Besuch eines US-Vizepräsidenten in dem südamerikanischen Land seit 1984 jedoch als Hinweis auf »eine veränderte Außenpolitik«. Nach offizieller Darstellung sollten sich die Gespräche in Quito nur um Freihandel und Migration drehen. Giovanna Tassi, die Anfang des Jahres von Moreno gefeuerte ehemalige Chefin des staatlichen Rundfunksenders Radio Pública de Ecuador, berichtete am Mittwoch jedoch von einer zusätzlichen »geheimen« Agenda. Dem argentinischen Sender Radio Cooperativa sagte sie, es gehe bei dem Treffen unter anderem um die Wiedereröffnung der 2009 unter Correa geschlossenen US-Militärbasis in der ecuadorianischen Hafenstadt Manta und um die Zukunft von Julian Assange, der seit Jahren in Ecuadors Botschaft in London ausharrt.
Washingtons Hauptinteresse ist jedoch, den militärischen Ring um Venezuela zu schließen und die sandinistische Regierung Nicaraguas zu isolieren. Die Tageszeitung Jornal do Brasil hatte Pence bereits am 2. Mai mit den Worten zitiert, er ziehe es vor, »radikal reinen Tisch zu machen« und Venezuela, Kuba und Nicaragua »mit einem Schlag zu befreien«. Diesem Ziel sollen am heutigen Freitag auch Gespräche in Guatemala dienen, wo Pence neben Staatschef Jimmy Morales auch Regierungsvertreter aus Honduras und El Salvador treffen will. »Trotz der bisherigen Misserfolge kommt der US-Vizepräsident nach Lateinamerika, um einen Putsch gegen das Brudervolk Venezuelas anzustiften«, warnte Boliviens Präsident Evo Morales am Mittwoch per Twitter.
Volker Hermsdorf