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Warum sind Cowpea und Bambara Erdnuss so wichtig für Westafrika?
Die Cowpea als Begleiterin der Sklaven und als Schutz des Bodens zuhause
Wissenschaftlich ist die Cowpea, eine Körnerleguminose, als Vigna unguiculata bekannt.
Andere Namen sind: Southern Pea, Blackeye Pea, Crowder Pea, Coupe oder Frijole. Diese ursprünglich westafrikanische Bohne (unter dem Namen Niebe) nahmen die Sklaven als Vorrat und Trost mit auf die Schiffe zur Überfahrt ins Ungewisse. Diese Cowpeas gelangten so in die Neue Welt; die Amerikaner entwickelten sie als Viehfutter weiter und vergassen Afrika. Wahrscheinlich haben sie diese sonderbare Bohne als Pagen auch nach dem Osten mitgenommen; später behaupteten die Inder, sie gehöre ihnen. So wurden die Cowpeas zu einer Geographie der afrikanischen Sklaverei.
Die Cowpea ist ausserordentlich anpassungs- und entwicklungsfähig, und so haben die Amerikaner sie ertragstüchtiger gemacht, derweil die Afrikaner sie bis heute liessen, wie sie war und ist. Für sie bedeutet sie Erinnerung, Absicherung der Armen und Schutz der Böden; für sie ist sie wie ein kleines verlorenes Wappen oder ein Chreueli eines Rosenkranz, wo die Menschen Bohne nach Bohne langsam ans Ziel kamen. Für die Amerikaner bedeutet sie ein Entwicklungspotential für Energie und Viehfutter.
Für Afrikaner sind die Bohnen (Samen) das Wichtigste. Die Hülsen sind jung zwar essbar, werden jedoch in Afrika und Indien kaum intensiv genutzt, denn man möchte den Samen solange als nötig schützen; für die Menschen sind die Bohnen das eins und alles. Die noch zarten Blätter können wie ein Spinat gekocht werden; sie sind eine Versuchung fürs Vieh auf dem Land. Die Cowpea ist äusserst proteinreich (etwa 25%), enthält besonders Lysine. Dazu kommen Vitamine und Mineralien. Die stark proteinhaltige Cowpea gilt als Fleischersatz.
Die Cowpea ist wie jede Leguminose eine Pflanze, die im Boden Stickstoff binden kann. Sie ist artenmässig breit gefächert und besitzt im Gegensatz zur Luzerne oder gar Soja verschiedene Gattungen, etwa Alysicarpus, Arachis, Cajanus, Canavalia, Crotalanta, Cyamopsis, und so weiter bis zur Vigna. Die Wissenschaft kennt (bis heute) 170 Sorten; davon haben 120 ihren gesicherten Ursprung in Westafrika und nur 22 in Indien oder 50 insgesamt in Asien. Der asiatische Ursprung ist bis heute ziemlich vage, solange man einen asiatischen Wildling noch nicht festlegen und finden konnte. Da ich einen polyzentrischen Ursprung immer annehme, wehre ich mich weder gegen einen indischen oder asiatischen Mit-Ursprung, genauso wie man einen Cowpea -Wildling in Äthiopien fand. Züchtungen gehen meist auf Notlagen zurück, haben fast immer mit afrikanischen Menschen einen Zusammenhang.
In Westafrika kennt man die Bohne unter der Bezeichnung Niebe (franz. Niébé). Als Wildform wird ssp. dekindtiana (Harms) Verde angenommen. Da es jedoch so viele Gattungen gibt und für den Westen die Pflanze weder nahrungsweise wichtig noch handelsmässig bedeutungsvoll ist, hinkt die Ursprungsforschung weit hinterher. Erst neuerdings (2007) haben 2 Agrarbiologen in USA und Indien in ihrer Forschung auf Dekindtiana zurückgegriffen. Niebe ist eine der wichtigsten Nahrungspflanzen Westafrikas; sie gilt als das Gemüse der Gegend.
Heute wird angenommen, dass die Cowpea im Zusammenhang mit der Sorgho- und Pennisetum -Entwicklung steht. Die Bauern entwickelten eine Pflanze, die damit Hirse, Sorgho und Fonio abdecken konnte, ohne sie zu ersticken; sie standen ebenfalls im engen Bezug zur damals entwickelten Zwischenpflanzungen. Agrarhistoriker sehen sowohl Hirse wie auch Cowpea in Indien als eine Paket-Übernahme aus Afrika bei gleichzeitig späterer Weiterentwicklung, resp. Anpassungen an indisch-asiatische Böden und Klimata; das würde dann bedeuten, dass ein afrikanischer Ursprung in den Vordergrund tritt.
Die Cowpea wird im Deutschen (selten) auch Augenbohne genannt. Dieser Name ist gleichzeitig eine gute Charakterisierung, denn sie ist mit Farbflecken bedeckt. Die verschiedenen Sorten haben ihre eigenen Farbpunkte. So gibt es etwa folgende Beispiele: Black Eye, Purple Eye, Brown Eye, Crowder (besonders geschätzt, mit vielen Flecken auf einer globalen Formung) und Cream (wie ausgegossene Creme). Solche Varianten kommen afrikanischen Menschen wie versteckte Wurfhölzer für Weissagung vor. Die Bohnenformen folgen ebenfalls Mustern von nierenförmig und globenförmig bis zu eierförmig oder Urnebeln ähnlich.
Cowpeas gedeihen auf leichten und sandigen Böden, mit pH zwischen 5,5 – 6,5 und sogar bei 85% Sand und nur 0,2% organischer Materie. Damit ist wahrlich der Beweis ihrer Genügsamkeit gegeben. Gleichzeitig schützen sie den Boden vor der heissen Sonne und den dauernden Winden, sodass der Boden nicht verbrennt oder gar in alle Gegenden verweht wird. Sie benötigen wenig Wasser, können jedoch auch vorübergehend zuviel Nässe ertragen. Die Pflanze könnte zum Symbol Westafrikas werden. Oder: Ohne Cowpea überleben weder Boden noch Mensch in Westafrika. Gerade deshalb sollte man sich der Geschichte bewusst sein.
Heute ist die Kunst der Zwischenpflanzung beinahe in Vergessenheit geraten. Könnte diese Cowpea nicht eines Tages wieder zur wichtigsten Gemüseart der Tropen zur Nahrungsversorgung der Menschen dort. also der ariden und semi-ariden Gegenden – auch in Asien oder Zentralamerika werden? Forschungen sind in Ghana in Gang gekommen. Auch am tropischen Forschungsinstitut in Ibadan wird auf eine Verbesserung der verschiedenen Sorten hingeforscht.
Bambara Erdnuss Voandzeia subterranea (L.) Thouars
Sie hat verschiedene Namen, etwa Congo groundnut, Madagaskar groundnut, Earth Pea, Baffin Pea, nzama (Malawi), njugo bean (Südafrika). Die Bambara Erdnuss ist jedoch keine Erdnuss; sie geht unter Gemüse.
Die Bambara Erdnuss ist eine Leguminose, der Cowpea ähnlich, nur ist sie unter Boden, bindet ebenfalls Stickstoff, gedeiht auch auf armseligem Boden. Sie überlebt armselig und sandig. Sie erhielt nie die Bedeutung der Cowpea.
Sie ist über ganz Afrika verbreitet und hat eindeutig afrikanischen Ursprung. Vielleicht steht sie gar am Anfang der Geschichte der Pflanzenzüchtung, denn sie lässt sich leicht manipulieren. Sie kam durch die Sklaven nach den USA, wo sie heute z.B. in Florida eine Gartenpflanze ist.
Im Gegensatz zur Cowpea ass man sie selten als Bohne, sondern gestampft und setzte sie als Mehl ein. Sie galt als das Mehl der Armen. Sie enthält 60% Kohlenstoffhydrat, 14-24% Protein und 6-12% Öl (also unwirtschaftlich, daraus eine Ölsaat zu entwickeln).
Die Bambara Erdnuss ist südlich der Sahara auf allen trockenen und tropischen Böden zu finden – sogar auf Madagaskar. Wir mögen heute erstaunt sein, dass afrikanische Menschen eigentlich ein derart armseliges Gewächs domestiziert haben. Wir übersehen jedoch meist afrikanische Humus- und Bodenkonditionen. Es ging nicht ausschliesslich ums Essen, sondern um Schutz und Zwischenpflanzungen, erst dann um Mehl und etwas Öl.
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Al Imfeld, 05. 2009