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Projekte gehören, bewusst oder unbewusst, seit Menschengedenken in das Wirken und Tun einer Gesellschaft. Bauprojekte in der Antike, wie das Kolosseum oder der Bau des Viadukts in Rom, wären ohne «Projektmanagement» nicht realisierbar gewesen. Auch wenn wir heute nicht genau wissen, wie das Arbeiten in Projekten zu dieser Zeit genau funktionierte oder welche Methoden die Menschen benutzt haben. Es kann davon ausgegangen werden, dass seit jeher Formen von Projektmanagement angewandt wurden. Modernes Projektmanagement, so wie man es heute kennt, lässt sich in den 1930er Jahren verorten. Projekte wie der Bau des Hoover Staudamms in Amerika oder die Entwicklung der ersten Atombombe im «Manhattan-Projekt» wurden nach den noch heute gültigen Methoden und Anwendungen des Projektmanagements umgesetzt (Baumann, 2011, S. 1).
Gerade in Grossprojekten war der Einsatz von Projektmanagement unerlässlich. Das finanzielle und gesellschaftliche Risiko, wenn ein Projekt ohne Planung oder strukturiertes Vorgehen scheitert, war zu gross. Durch die zunehmende Technologisierung, Digitalisierung und Tertiärisierung der Wirtschaft in den 70er Jahren gewann die Projektarbeit zunehmend an Wichtigkeit. Gerade die kürzeren Zyklen des technologischen Fortschritts und die zunehmende Rationalisierung von Arbeit veränderten die Arbeitswelt nachhaltig und tun dies immer noch. Insbesondere kann dies durch die Verschiebung von Arbeit und Produktionsstandorten festgestellt werden. Routinearbeit wird beispielsweise ins Ausland mit geringeren Lohnkosten ausgelagert, wo diese kostengünstiger durchgeführt werden kann (Scheuring, 2002, S. 11). Moderne Gesellschaften sind geprägt von stetigen Veränderungen und zunehmender Komplexität von Wirtschaft und Umwelt. Die Wirtschaft fordert vermehrt Fachkräfte die agil, kommunikativ und kreativ die Umsetzung von Innovationen und Wandel anpacken können. Ebensolche Lösungsansätze, um den komplexen Veränderungen und Anforderungen gerecht zu werden, bieten moderne Methoden des Projektmanagements. (Baumann, 2011, S. 3).
Projekte und deren Methoden nahmen rasch an wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz zu. Wie können aber die anspruchsvollen Kompetenzen von Projektarbeiten erlernt werden? Um diese Frage zu beantworten, muss zuerst analysiert werden, wieso Projekte den Weg in unser gegenwärtiges Schulwesen fanden. Anhaltspunkte dazu lieferte der amerikanische Philosoph und Pädagoge John Dewey (geboren 1859 und verstorben 1952). Er entwickelte ein umfassendes Pädagogisches Konzept, welches aus heutiger Sicht als «Projektunterricht» definiert werden kann. Dewey definierte drei wesentliche Gesichtspunkte, wieso Projektunterricht von bedeutender gesellschaftlicher Wichtigkeit ist:
1. Gesellschaftliche Praxisrelevanz
Projektarbeiten werden oft durch gesellschaftliche Veränderungen hervorgerufen. Mit der daraus resultierenden Ungewissheit müssen Jugendliche umgehen können. Sie sollen lernen wie Probleme, ausgehend von der Unsicherheit, aufgegriffen und gelöst werden können. Das Lernen an Projekten ist dabei als Möglichkeit zu sehen, Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen und Ungewissheiten zu finden.
2. Demokratisches Handeln
Die Erfahrung an Projekten zu arbeiten ist ein hoch demokratischer Prozess. Personen haben das Recht, Probleme und Sachverhalte selbständig und in gegenseitiger Hilfe mit anderen Personen zu regeln. Die Bearbeitung von Problemen ist nicht hierarchisch, sondern selbstbestimmt geregelt. Die SuS sollen dabei als gleichberechtigte Partner wahrgenommen werden. Die gesammelten Erfahrungen tragen zur persönlichen Entwicklung der Selbstorganisation und Selbstverantwortung bei.
3. Learnig by doing
Der Mensch soll die Möglichkeiten besitzen, den eigenen Weg sowie die Umwelt wahrzunehmen und zu verändern. Dabei spielten «Erkennen und Tun» eine wichtige Rolle in der persönlichen Entwicklung. Schulinhalte können nicht hierarchisch oder von der einen zur anderen Person weitergegeben werden. Vielmehr spielt das Erkennen und die eigene Beteiligung am Tun eine zentrale Rolle (Dewey 1916, zit. nach Gudjons, 2014, S. 73ff.).
Aus den aufgeführten Punkten resultiert für mich, dass die Verknüpfung mit der Praxis, die selbständige Auseinandersetzung und die Eigenständigkeit im Tun die zentralen Pfeiler von Projektarbeiten darstellen. Zudem geht klar hervor, welche Wichtigkeit Projektarbeiten für Schülerinnen und Schüler aufweisen und wieso Projekte in der Bildung Einzug erhalten sollten. Auch aus der gegenwärtigen Perspektive prägen Projektarbeiten den Bildungsdiskurs. Handlungsorientiertes Lernen, die Verknüpfung von Schule und Welt, Selbstorganisation, Problemlösung und individualisiertes Lernen sind nur einige Elemente, die in der Bildungspolitik diskutiert und gewünscht werden. Um diese Elemente sinnvoll in den Unterricht einzubinden, werden zunehmend Projektarbeiten und Methoden als geeignetes Vorgehen dafür angesehen (Brichzin, Kastl, & Romeike, 2019, S. 187).
Zusammengefasst kann ich festgehalten, dass durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen neue Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt gefordert wurden. Die Schule, als gesellschaftliches Fundament für die Bildung, nahm sich dieser weitgehenden Veränderung im Verlauf der Zeit an. Sie bildeten vermehrt die geforderten Kompetenzen wie Selbstorganisation oder Problemlösung aus. Insbesondere die Nachfrage nach Projektarbeiten, um die gewünschten Kompetenzen zu erarbeiten, gewinnen in Schulen zunehmen an Wichtigkeit. Ich bin überzeugt, dass diese mit aktuellen und zukünftigen Refomen noch mehr Zuspruch und Gewichtung erhalten.
QUELLEN:
Baumann, D. (5. November 2011). Bedeutung des Projektunterrichts und Projektmanagements aus Sicht der Wirtschaft.
Brichzin, P., Kastl, P., & Romeike, R. (2019). Agile Schule (1 Ausg.). Bern: hep verlag ag.
Gudjons, H. (2014). Handlungsorientiert lehren und lernen (8. Ausg.). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.
Scheuring, H. (2002). Der www-Schlüssel zum Projektmanagement. Orell Füssli Verlag.