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Die Dissertation ist Teilprojekt des Sinergia Projektes "Placing Children i Care:Child welfare in Switzerland (1940-1990) im Subprojekt 2 "Sozialpolitische Kartografien: Regionale Ausprägungen der Fremdplatzierungspraxis in der Schweiz (1910–1980)".
Entgegen der (durchaus heute noch gängigen) bürgerlichen Idealvorstellung einer Kindheit, die im „Schosse“ der Familie verbracht wird, gab – und gibt es – zahlreiche alternierende Formen des Aufwachsens. So zum Beispiel die institutionalisierte Fürsorge für Kinder und Jugendliche in Erziehungsheimen, der dieses Dissertations-projekt gewidmet ist.
Institutionalisierte Fremdplatzierungen von Kindern – sei es in Pflegefamilien, privaten oder öffentlichen Heimen - zeichneten sich bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nicht nur durch fehlende gesetzliche Bestimmungen aus, sondern waren gleichermassen mit gesellschaftlicher Marginalisierung, sozialer Isolation wie auch nicht selten mit sowohl physischer als auch psychischer Gewaltanwendung verbunden. Das Dispositiv Heimerziehung, das einem aufklärerischen Impetus folgend intendierte, mittels einer vorübergehenden sozialen Exklusion die Kinder gesellschaftlich zu integrieren und zu nützlichen Mitglieder der Gesellschaft zu formen, errichtete ein eigentliches Netz von Disziplinarmassnahmen, Kontrolldispositiven und Repressionsansätzen. Der Föderalismus sowie das Subsidiaritätsprinzip bewirkten in der Schweiz die Herausbildung divergierender institutioneller Strukturen, Formen und Wirkungen von Fremdplatzierungen, aber auch die Involvierung multipler Akteurinnen und Akteure. Ausgehend von der Prämisse einer gegenseitigen Konstituierung von Diskurs und Praxis beschränkt sich dieses Forschungsprojekt nicht auf die Untersuchung der administrativen Praxis, sondern bezweckt die diffusen Verflechtungen, Überschneidungen und gegenseitige Bedingung von Politik, Institution und individuellen Akteurinnen und Akteuren offen zu legen.