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Sind IT-Mitarbeiterinnen oder Parlamentarierinnen per se «starke Frauen»? Bei solchem Sprachgebrauch verkommt die eigentlich treffende Formel zur belanglosen Floskel. – Unfertiges zum Reden und Denken über Gleichberechtigung.
Bei der Standardformel «starke Frauen» liegen die Dinge etwas komplizierter als bei den vorangegangenen «Wort-Askese»-Beiträgen. Von «starken Frauen» zu sprechen, ist im einen Fall die genaue Erfassung eines bestimmten weiblichen Verhaltens oder Charakters. Wenn es sich so verhält, begreift man sofort den Kontext: Die Wendung führt unmittelbar hinein in den Kampf um Respekt und Recht. Doch im anderen und leider immer häufigeren Fall, da solche Konnotationen fehlen, ist die Formel nichts weiter als eine leere Floskel.
Da wird zum Beispiel im PR-Blog eines Unternehmens eine Mitarbeiterin als «starke Frau in der IT» vorgestellt, wohl mit der Überlegung, dass Frauen in diesem Bereich noch immer in der Minderheit sind. Aber: Käme jemand auf die Idee, einen Kindergärtner als «starken Mann in der Vorschul-Erziehung» zu präsentieren? Offenkundig nicht, und zwar ganz unabhängig davon, dass der Begriff des «starken Mannes» fest zugeteilt ist für die Bezeichnung autokratischer Herrscher. Dass mehr Frauen in der IT arbeiten, ist genauso wünschenswert und löblich wie die Hinwendung junger Männer zu Betreuungs- und Erziehungsberufen. Doch pathetische Prädikate sind bei der Würdigung solchen Pionierverhaltens fehl am Platz (wenn es nicht gegen Widerstände erkämpft werden musste; auch das gibt es ja).
Nach Wahlen werden Politikerinnen, die einen Sitz im Parlament erobert haben, gern pauschal als «starke Frauen» gelobt. Das ist freundlich gemeint, macht aber, wenn der Frauenanteil der Gewählten sich auf die Hälfte zubewegt, kaum noch Sinn. Engagement und Durchsetzungskraft der reüssierenden Frauen unterscheiden sich von jener der gewählten Männer offensichtlich nicht signifikant. Allmählich erreicht die gesellschaftliche Entwicklung, die fünfzig Jahre nach Einführung des Frauen-Stimm- und Wahlrechts immerhin in einzelnen Parlamenten und Regierungen zu vorzeigbaren Vertretungen von Frauen geführt hat, den Status der Selbstverständlichkeit. Das ist ein grosser Erfolg der Emanzipation, der sich nicht zuletzt darin erweist, dass er der Emanzipationsrhetorik – wenigstens auf diesem Feld – die Basis entzieht.
Wo die Gleichberechtigung fehlt, ist Leidenschaft gefordert. Wo sie einigermassen erreicht ist, soll sie als Normalität gesehen und das Erreichte dadurch als Selbstverständlichkeit behauptet werden. Die Sprache bildet beides ab – mit Pathos hier und Entspanntheit dort.