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Rund um die kaum bekannte «Schwamendinger Oper» von Bernhard Vogelsanger werden Arbeiten von anderen Kunstschaffenden gezeigt, die um das Thema Oper, Tanz, Kostüme und Lebenstheater kreisen. Leidenschaft und Idealismus trieb ihr Schaffen an und sie realisierten unkonventionelle Gesamtkunstwerke.
Empfangen wird das Publikum im Foyer von zwei skurrilen, lebensgrossen beeindruckenden Figuren. Angefertigt vom Maskentänzerpaar Lavinia Schulz (1896-1924) und Walter Holdt (1899-1924) aus billigen Textilien, Sperrholz und Abfallprodukten dienten sie ihnen als Ganzkörpermasken. Damit revolutionierten die beiden Tänzer die Tanzkultur Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre künstlerischen Darbietungen boten sie unentgeltlich an, weil sie «Geld und Geist» für unvereinbar hielten. Doch an diesem Idealismus scheiterte das Künstlerpaar auf tragische Weise: Aus purer materieller Not und trotz der Existenz eines zehn Monate alten Sohns erschoss Lavinia Schulz 1924 ihren Ehemann und erlag später den sich selbst zugefügten Schussverletzungen.
Von nicht minder grossem Idealismus war der selbsternannte «Impressario der Schwamendinger Oper», Bernhard Vogelsanger (1920-1995), beseelt. Der als sonderbarer Kauz bekannte, extravagant gekleidete Dekorateur betrieb die Schwamendinger Oper in der kleinen Dreizimmerwohnung, die er mit seiner Mutter teilte. Anfänglich gestaltete er im Geheimen unzählige Figuren aus bekannten Opern aufwändig aus Karton. Im Repertoire hatte er rund achtzig Opern, Operetten und Musicals, die er zu Musik vom Grammofon nachspielte. Der Zuschauerraum war mit rotem Krepppapier ausgekleidet und acht ausgediente Kinostühle dienten als Theaterbestuhlung. Vierzig Jahre lang lud er samstags Freunde zum Besuch seiner Vorstellungen ein, fertigte dafür eigens Plakate, stand hinter einem schwarzen Vorbau mit Gucköffnung und zog die Figürchen an Fäden über die Bretter der guckkastenkleinen Bühnen. In der Pause offerierte er seinen Operngästen üppig dekorierte Brötchen und Sekt. Als er sich die essbaren Häppchen nicht mehr leisten konnte, ersetzte er sie durch wieder verwendbare Plastik-Attrappen. Darauf spielen die fast echt wirkenden Häppchen-Attrappen von Dominique Kähler-Schweizer alias Madame Tricot (*1948) und der Zürcher Keramikerin Rosa Bär (*1938) an.
Auf subversive Art brachten die Zürcher Künstler der !Mediengruppe Bitnik mit der Aktion «Opera calling» hoch subventionierte Opernaufführungen unters Volk. Im März 2007 versteckten sie Wanzen im Zürcher Opernhaus und bescherten via Telefonanruf willkürlich ausgewählten Leuten zu Hause eine Direktübertragung. Mit diesem höchst vergnüglichen Hackerangriff, der sie beinahe vor Gericht brachte, stellten sie Fragen nach den Eigentumsrechten von Kultur. Ob im Nachhinein vielleicht nicht doch Bitnik dazu beitrug, dass der «Pöbel» in Zürich Public Viewings aus der Oper miterleben kann?
Papagena und andere schräge Vögel. Eine multimediale Ausstellung im Musée Visionnaire, bis 28.7.2019 www.museevisionnaire.ch