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Körperliche Aktivität soll in der Schweizer Bevölkerung weiter gesteigert werden. Im Jahr 2017 verursachte körperliche Inaktivität nämlich 1’287 Todesfälle, wie neuste Berechnungen des WIG zeigen. Diese entsprechen 2% aller in der Schweiz im Jahr 2017 aufgetretenen Todesfälle. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern sowie den Altersgruppen.
Dies sind Ergebnisse einer neuen WIG-Studie, die im Rahmen des Monitoringsystems Sucht und NCD (MonAM) des Bundesamtes für Gesundheit entstanden ist.
Wie sind wir bei der Studie vorgegangen?
Die Definition der körperlichen Inaktivität basiert auf den Schweizer Bewegungsempfehlungen des Bundesamts für Sport (BASPO): Wer weniger als 150 Minuten körperliche Aktivität bei moderater Intensität pro Woche oder weniger als 75 Minuten körperliche Aktivität mit hoher Intensität ausübt, gilt als körperlich inaktiv. Es gibt viele Krankheiten, die mit körperlicher Inaktivität assoziiert sind, aber aufgrund der Datenverfügbarkeit mussten wir uns auf neun Krankheiten beschränken (ischämische Herzerkrankungen, Hirnschlag, Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Brustkrebs, Kolonkrebs, Osteoporose, Rückenschmerz und Depression). Anhand der Prävalenz der körperlichen Inaktivität und den relativen Risiken (Risiko einer Krankheit bei körperlicher Inaktivität relativ zu körperlicher Aktivität) wurden die „population attributable fractions“ (PAFs) pro Krankheit berechnet. Anschliessend wurden die PAFs auf die Anzahl Todesfälle in der Gesamtbevölkerung übertragen, um die inaktivitätsbedingten Todesfälle zu schätzen. Die Prävalenz der körperlichen Inaktivität basiert dabei auf der schweizerischen Gesundheitsbefragung, die relativen Risiken wurden der Literatur entnommen und die Todesfälle anhand der Todesursachenstatistik analysiert.
Welches sind die wichtigsten Ergebnisse?
Im Jahr 2017 verursachte körperliche Inaktivität 1’287 Todesfälle. Diese entsprechen 2% aller in der Schweiz im Jahr 2017 aufgetretenen Todesfälle. Da wir uns auf neun Krankheiten beschränkt haben, ist diese Schätzung als konservativ zu erachten. Die kardiovaskulären Krankheiten trugen 71% zu den inaktivitätsbedingten Todesfällen bei und die beiden Krebsarten Brustkrebs und Kolonkrebs 22%. Die Altersgruppe der über 75-Jährigen trug am meisten zu den inaktivitätsbedingten Todesfällen bei und die Frauen doppelt so viel wie die Männer. Der zeitliche Trend zeigte eine Abnahme bei den inaktivitätsbedingten Todesfällen von 2002 bis 2012 und eine Stabilisierung von 2012 bis 2017.
Körperliche Inaktivität führt aber nicht nur zu Todesfällen, sondern auch zu Lebensqualitätsverlust, medizinischen Kosten und Produktionsverlusten. Diese Kosten sind aus gesellschaftlicher Sicht ebenfalls äusserst relevant und wurden bereits in einer früheren Studie für die Schweiz geschätzt (den Blogbeitrag dazu finden Sie hier).
Welche Schlussfolgerungen können aus der Studie gezogen werden?
Körperliche Inaktivität verursacht in der Schweiz eine relevante Anzahl an Todesfällen. Deshalb soll die körperliche Aktivität in der Schweizer Bevölkerung weiter gesteigert werden, vor allem in der Altersgruppe der über 75-Jährigen und insbesondere bei Frauen.
Linda Vinci ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachstelle HTA und gesundheitsökonomische Evaluationen am WIG.
Renato Mattli ist Teamleiter der Fachstelle HTA und gesundheitsökonomische Evaluationen am WIG.