Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03623.jsonl.gz/2871

Um diese Frage zu beantworten möchte ich diesen Beitrag in drei statistische Teile gliedern: Der erste Teil ist der verkehrstechnischen Mobilität gewidmet. Der zweite Teil befasst sich mit der Kommunikation und Informationsbeschaffung in der Schweiz und der dritte Teil mit den Bedürfnissen der berufstätigen Schweizer. Im Anschluss werde ich die gewonnenen Informationen in einer persönlichen Schlussfolgerung zusammenfassen.
1.Mobilität
Die Schweiz hat das dichteste Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln der Welt. Das öffentliche Verkehrsnetz umfasst rund 27‘000 km mit durchschnittlich einer Haltestelle pro Kilometer. 2017 waren in der Schweiz rund 4,6 Millionen Personenwagen immatrikuliert (seit 1980 verdoppelt). Der Anteil des öffentlichen Verkehrs (Eisen-, Seil- und Zahnradbahnen, öffentlicher Strassenverkehr) an den Verkehrsleitungen im Personenverkehr stabilisiert sich seit 2007 auf ca. 21%.
Verkehrsverhalten
2015 legte jede Einwohnerin und jeder Einwohner der Schweiz täglich fast 37 Kilometer zurück und benötigte dafür im Durchschnitt gute 90 Minuten. Dies bedeutet einen Anstieg von fast 18% in Kilometern gegenüber 1994. Ca. 65% der Tagesdistanzen wurden 2015 mit dem Auto zurückgelegt (nur Inland), rund 24% mit dem öffentlichen Schienen- und Strassenverkehr. Rund 44% der Tagesdistanzen wurden 2015 im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten zurückgelegt. Der Anteil der Arbeitswege lag bei 24%, jener der Ausbildungswege bei 5%.
Ausbildungspendlerinnen und -pendler
2016 gab es in der Schweiz gut 0,8 Millionen Ausbildungspendlerinnen und -pendler ab 15 Jahren (Lehrlinge, Studierende, ältere Schüler der Sekundarstufe). Sie legten ca. 22 km zurück um zu ihrer Ausbildungsstätte zu gelangen und 67% benutzen dabei vorzugsweise den öffentlichen Verkehr.
Quelle: Mobilität und Verkehr, Statistischer Bericht 2018 – Bundesamt für Statistik BFS
2. Kommunikation und Information
Das Internet wird im täglichen Leben immer häufiger dazu verwendet Aufgaben des Alltags zu erledigen. Der Anteil an Personen ab 15-88 Jahren nimmt seit 2004 unabhängig von der Art der Aktivität zu. Im Jahr 2017 wurden von 85% der Bevölkerung E-Mails empfangen und versendet. Dynamisches Wachstum zeigt auch das Suchen von Informationen zu Produkten, Waren und Dienstleistungen mit 74%, sowie der Anteil derer, die das Internet nutzen um zu lernen (68%).
Mobile Internetnutzung
Laptops, Mobiltelefone und Tablets sind aus unserer heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken und sind mittlerweile die wichtigsten Tools zur Informationsbeschaffung. Im Jahr 2017 nutzen 72% der Internetnutzerinnen und -nutzer mobiles Internet bzw. die Möglichkeit, unterwegs auf das Internet zuzugreifen, dass sind 30% mehr als 2010. Auch hier ist die Tendenz klar steigend und zeigt den Wunsch nach immer flexibleren Lösungen sehr stark auf.
Quelle: Bundesamtamt für Statistik BFS – Omnibus IKT
3. Bedürfnisse der berufstätigen Schweizer
Das Interesse an einer Weiterbildung ist in der Schweiz generell sehr hoch. Mehr als 80% der Befragten (Marktstudie GfK bez. Studium, Berufstätigkeit und E-Learning) können sich vorstellen, neben Beruf und/oder Familie ein Studium bzw. eine Weiterbildung zu absolvieren.
Rahmenbedingungen für berufsbegleitendes Studium
Zwei Drittel der Studienteilnehmer nennen als wichtigste Voraussetzung die zeitliche und finanzielle Unterstützung durch den Arbeitgeber. Für 50% der Befragten muss zudem die Möglichkeit der flexiblen Einteilung der Lernzeiten gegeben sein und für weitere 41%, dass das Einkommen und Arbeitspensum praktisch unverändert bleiben.
Bevorzugte Studienmodelle
44% der Befragten würden sich für ein Modell mit zwei Präsenztagen pro Woche an einer klassischen Präsenzhochschule entscheiden. Fast genauso viele (42%) geben dem Modell mit zwei Präsenztagen im Monat an einer E-Hochschule mit entsprechend höherem Anteil an Online-Selbststudium den Vorzug. Die Vollzeit-Präsenz ist mit 6% deutlich am wenigsten beliebt.
Kriterien zur Wahl einer Hochschule
Bei der Wahl einer Hochschule spielt die Möglichkeit berufsbegleitend zu studieren die wichtigste Rolle. Nebst diesem Kriterium sind zudem die Kosten des Studiums sowie der Standort / Erreichbarkeit entscheidende Bedingungen bei der Wahl der Hochschule. Für Männer ist zudem ein hoher Praxisbezug relevant, während Frauen mehr Wert auf das Fächerangebot legen. Ältere Befragte nannten häufiger flexible Zeitmodelle und E-Learning-Technologien als Auswahlkriterien.
Bevorzugte Lernorte
Das
Fernstudium (Selbststudium via Online-Lernplattform mit minimalem
Anteil an Präsenzunterricht) ist aus Sicht der Befragten eine valable
Alternative für ein berufsbegleitendes Studium. 58% würden ein
Fernstudium in Erwägung ziehen, bei Personen mit Kindern unter 10 Jahren
sind es sogar 64%. Auch die Offenheit gegenüber E-Learning, digitalen
Lernplattformen mit Online-Tests, Foren und dem Einsatz von Multimedia
ist gross. Drei von vier Befragten finden digitale Lernformen attraktiv
oder sehr attraktiv. Die flexible Zeiteinteilung, Ortsunabhängigkeit und
Flexibilität allgemein sind die Hauptgründe für die positive Bewertung
der digitalen Lernformen.
Durch das stetig wachsende Verkehrsnetz bietet sich die Möglichkeit einer immer effizienteren Bewegung (Mobilität). Wir gelangen somit immer schneller von A nach B bzw. erreichen unser Ziel in immer kürzerer Zeit. Daraus resultierend sehe ich das „sich bewegen“ zunehmend als ein Individualbedürfnis in einer verkehrstechnisch gut erschlossenen Gesellschaft.
Das Motiv zu dieser „Bewegung“ wird durch den immer schneller werdenden Informationsfluss über digitale Kanäle nicht nur verstärkt – eher ist dieser Informationsfluss das oben erwähnte Motiv oder auch Grund für das zunehmende Bedürfnis sich von A nach B zu bewegen.
Wir nutzen unser Verkehrsnetz zu über 50% für Freizeitaktivitäten und das Einkaufen und nur zu 24% für die Arbeit, die diese Aktivitäten finanziert. Das Internet als „Unterhaltungsmedium“ wird sekundär meistens für News und für die Informationsbeschaffung zu Produkten, Waren und Dienstleistungen genutzt. Ob Facebook, Instagram, Twitter, YouTube, Zattoo, Spotify oder auch Google selbst, die Welt der „kostenlosen“, digitalen Unterhaltung wird mit individualisierter, bedürfnisorientierter Werbeeinblendung finanziert. Newsformate wie z.B. 20Minuten oder Watson folgen dem gleichen Prinzip.
Unsere Bedürfnisse werden aus unseren Nutzerdaten (Suchverhalten, Alter, Wohnort, Geschlecht etc.) evaluiert und der Informationsfluss dementsprechend gefiltert. Die „richtige“ Information benötigt dadurch weniger Zeit um an ihr Ziel zu gelangen. In der gleichen Zeitspanne erhalten wir als Individuum somit mehr von der für uns relevanten oder „richtigen“ Information. Diese Informationen decken nicht nur unsere Bedürfnisse, vielmehr schaffen sie auch immer wieder neue Bedürfnisse, die wir dank dem Internet und unserem effizienten Verkehrsnetz enorm schnell decken können. Der „Information-Bedürfniserschaffung-Information-Bedürfnissdeckungs-Zyklus“ ist in seiner ganzen Breite und Tiefe so kurz wie noch nie. Ob es sich um ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Aktivität handelt (z.B. Essen in einem Restaurant) – wir wissen genau wo und wann wir fündig werden bzw. ein Anbieter weiss genau wo und wann er was bewerben/anbieten muss.
Die erhöhte Effizienz im Informationsfluss, in Angebot und Nachfrage, wie auch im Transport von Nutzen zu Nutzer und umgekehrt, ergibt nicht mehr Zeit für einen „Task“, vielmehr mehr „Tasks“ in der selben Zeit bzw. wird der Produktivitätsfaktor dadurch merklich angehoben. Dieses Muster spiegelt sich auch in der Wachstumsrate der „mobilen“ Internetnutzer wieder. Durch die Möglichkeit jederzeit und überall auf das Internet zuzugreifen, erhöht sich der Task per Minute (TpM) auch hier.
Genau das gleiche „Phänomen“ lässt sich auch in der Marktstudie zu den Bedürfnissen bez. Weiterbildung der berufstätigen Schweizer beobachten. Die örtliche Erreichbarkeit, die flexible Zeiteinteilung und die Möglichkeit von zu Hause oder von unterwegs (ortsunabhängig) zu studieren, werden als Kriterium zur Wahl einer Schule sehr stark bzw. immer stärker gewichtet.
Auch im Thema Weiterbildung soll die Information möglichst gefiltert übertragen werden bzw. unseren individuellen Bedürfnissen und unserem gegeben Zeitraster angepasst sein. Die Effizienz als „Philosophie“ macht auch vor der Weiterbildung keinen Halt. Um dem Kredo „mehr Zeit für einen „Task“, vielmehr mehr „Tasks“ in der selben Zeit“ gerecht zu werden, ist das ortsunabhängige Lernen/Studieren durch digitale Lernformen in Bezug des Produktivitätsfaktors ein sozialgesellschaftlicher, unvermeidlicher und richtiger erster Schritt in die Richtung des vollständig personalisierten Lernens. Auch dieser Trend wir in der Marktstudie von der FFHS (siehe unten) bestätigt.
„Einer der neueren Trends im E-Learning, das so genannte adaptive Lernen, betrifft die Personalisierung von E-Learning-Systemen. Lernplattformen können in Zukunft immer besser auf persönliche Bedürfnisse des Lernenden eingehen, das heisst, dass der Computer den Nutzer je nach Lernfortschritten durch den Lernstoff führt. Auch diese Form des E-Learnings wird von einer grossen Mehrheit der Befragten positiv bewertet: 84 Prozent erachten personalisierte Lernformen als eher oder sehr attraktiv.“