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Dieses eBook: "Kokain (Vollständige Ausgabe)" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Walter Rheiner (1895-1925) war ein deutscher Schriftsteller des Expressionismus. Rheiners Gesamtwerk setzt sich aus etwa 80 Gedichten, der Novelle Kokain und ein paar Prosaskizzen zusammen. Das Spektrum seiner Lyrik umfasst Themen wie das Grossstadtleben, Nacht, Einsamkeit, Entfremdung, Lebensangst und die Errettung durch den Rausch, deren Darstellung zwischen Melancholie und Ekstase oszilliert. Seine 1918 verfasste Novelle Kokain erlebte als einziges Werk Nachauflagen. In dieser einfühlsamen Studie einer Kokainpsychose beschreibt Rheiner das Elend eines Drogensüchtigen, dessen Leben von Halluzinationen, einem immer stärker werdenden Drang nach Injektionen und der Angst, dass ihn sein Umfeld enttarnt, geprägt ist. Am Ende sieht der Protagonist keinen Ausweg mehr aus seiner Misere und begeht Suizid. Aus dem Buch: "Er stieg vom Bett und suchte, auf den Knien rutschend, sich mit seinem Blut, das in dicken Tropfen auf dem Fussboden vor dem Bette lag, besudelnd, das Zimmer ab. Er traute nicht der Kraft seiner Augen. Er betastete jeden Gegenstand, nahm ihn in die Hand und hielt ihn dicht vor die Augen. Konnte das nicht eine Kokainflasche sein, oder jenes, oder dies? Wer sagte ihm, dass ihn seine Augen nicht trogen? War das, was wie ein Pantoffel aussah, wirklich ein Pantoffel, nichts anderes? Wer konnte es wissen?"
Portrait
Walter Rheiner wird als Walter Heinrich Schnorrenberg am 18. März 1895 in Köln als Sohn eines Kaufmannes geboren. Nach Besuch der Realschule absolviert er eine kaufmännische Ausbildung, die ihn nach Lüttich, Gera, London und Paris führt. Beruflich erfolglos, beginnt er bereits als Sechzehnjähriger im Jahre 1911 unter dem Pseudonym Walter Rheiner literarisch tätig zu werden. 1914 siedelt er nach Berlin über und widmet sich unter dem Einfluss der Berliner Künstler-Boheme ausschließlich der Schriftstellerei.§Angeregt durch den Kreis seines Freundes Johannes R. Becher, der mit Hilfe von Narkotika agitatorische Kriegsdienstverweigerung praktiziert, konsumiert Walter Rheiner 1914 erstmals exzessiv Narkotika, um durch Simulation einer Drogensucht ebenfalls dem Kriegsdienst zu entgehen. Er kommt dennoch an die russische Front, wird aber wegen der Entdeckung des Täuschungsversuches 1917 schließlich vom Dienst suspendiert. Noch im selben Jahr heiratet Walter Rheiner in Berlin Frederike Olle (genannt 'Fo' ), mit der er zwei Kinder haben wird. Von 1918 bis 1921, zwischenzeitig in Dresden ansässig, gehört Walter Rheiner zu den führenden Köpfen des spätexpressionistischen Künstlerkreises "Gruppe 1917".§Er arbeitet als Redakteur der Zeitschrift "Menschen", publiziert u.a. in den Zeitschriften "Die Aktion", "Die weissen Blätter" und "Die neue Rundschau". Mit Hilfe seines Freundes und Verlegers Heinar Schilling veröffentlicht er innerhalb von drei Jahren sieben Bücher, darunter 1918 die autobiographisch geprägte Novelle "Kokain". Ständigen finanziellen Problemen ausgesetzt, steigert sich Rheiners anfänglich gemäßigter Drogenkonsum bald zu einer schweren Kokain- und Morphiumabhängigkeit. Weder Aufenthalte in geschlossenen Anstalten noch von seinem Gönner Graf Kessler finanzierte Drogentherapien können ihn nicht mehr vor dem Niedergang bewahren, die Scheidung von seiner Frau mitsamt dem Verlust seiner beiden Kinder beschleunigt seinen tiefen Fall. Am 12. Juni 1925 schließlich setzt Walter Rheiner, völlig verarmt und vereinsamt, seinem Leben im Zimmer eines Absteigequartiers in der Berliner Kantstraße durch eine Überdosis Morphium mit nur 30 Jahren inmitten der Berliner Drogengosse ein Ende.