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- Südafrika verabschiedete sich am Samstag von seinem Volkshelden und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu.
- Der weltbekannte Menschenrechtler und emeritierte anglikanische Erzbischof starb letzten Sonntag.
- In der St.-Georgs-Kathedrale von Kapstadt fand am Samstagmorgen die Trauerfeier statt.
«Wenn wir den Begriff ‹globale Ikone› so verstehen, dass sie grosse moralische Statur hat, aussergewöhnliche Qualitäten und einen Dienst an der Menschheit vollbringt, kann es keinen Zweifel geben, dass er sich auf den Mann bezieht, den wir heute beerdigen», sagte Präsident Cyril Ramaphosa während seiner Trauerrede.
Tutu sei ein Kreuzritter im Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Frieden gewesen, nicht nur in Südafrika, sondern weltweit. Ramaphosa beschrieb Tutu als «demütigen und tapferen Menschen», der sich für die Unterdrückten und Leidenden der Welt ausgesprochen habe.
Südafrikas moralischer Kompass
Seit Ende der Apartheid hatte sich Tutu auch für die Kämpfe gegen den Klimawandel, HIV, Kinderheirat sowie Geschlechterdiskriminierung eingesetzt. «Er hat nie aufgehört zu kämpfen, er hat nie aufgehört, seine Meinung zu sagen, und er hat nie aufgehört, sich zu sorgen», sagte Ramaphosa. Tutu sei Südafrikas «moralischer Kompass und nationales Gewissen» gewesen.
Er hat nie aufgehört zu kämpfen, er hat nie aufgehört, seine Meinung zu sagen.
Im Anschluss überreichte Ramaphosa Tutus Witwe Leah Südafrikas sechsfarbige Flagge, aufgrund derer Tutu den Begriff der «Regenbogennation» münzte, der das friedliche Zusammenleben von Südafrikas zahlreichen Bevölkerungsgruppen nach der Apartheid beschreibt.
Bescheidene Zeremonie im engsten Kreis
Tutus Asche sollte später in einem Mausoleum innerhalb der Kathedrale beigesetzt werden, von deren Kanzel Tutu für viele Jahre gegen die Brutalität des Apartheidregimes gepredigt hatte. Der für seine Bescheidenheit gerühmte Tutu wurde in einem einfachen Sarg aufgebahrt, während die Familie um gemeinnützige Spenden anstelle von Blumen bat.
Die Trauergäste der schlicht gehaltenen Zeremonie beschränkten sich auf enge Freunde und Familie, Geistliche und wenige internationale Gäste. Auch König Letsie III. aus dem benachbarten Lesotho war vor Ort. Die Südafrikanerinnen und Südafrikaner verfolgten die Trauerfeier live im Staatsfernsehen.
Flaggen wehen auf halbmast
Der prominenteste Geistliche des Landes war vergangenen Sonntag im Alter von 90 Jahren gestorben. Seither wehen die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf halbmast; die Kirchenglocken in ganz Südafrika werden seit Sonntag täglich zu Tutus Ehren geläutet.
Gemeinsam mit dem späteren Präsidenten Nelson Mandela hatte Tutu gegen das rassistische Apartheidsystem gekämpft. 1984 wurde ihm für seinen gewaltfreien Einsatz der Friedensnobelpreis verliehen. Nach dem Ende der Apartheid setzte sich Tutu für die Aussöhnung von Schwarzen und Weissen ein.
Tutus Leben im Überblick
- Geboren wurde er am 7. Oktober 1931 in Klerksdorp bei Johannesburg. Für seinen Wunsch, Arzt zu werden, reichte das Geld der Eltern nicht.
- Tutu machte daher eine Lehrer-Ausbildung, gab den Beruf aber 1957 aus Protest gegen die diskriminierende Schulpolitik des Apartheidstaates auf.
- Danach wandte er sich der Theologie zu und wurde mit 30 Jahren zum anglikanischen Priester geweiht. Er studierte in London weiter und übernahm 1975 das Amt des Superintendenten von Johannesburg.
- Dort wurde er schnell zu einem scharfen Kritiker des Apartheidstaates und forderte einen friedlichen Wandel. Während Mandela 27 Jahre lang in Haft war, wurde Tutu zur Stimme des Widerstands. Wegen seiner Forderung nach internationalen Sanktionen gegen die Regierung in Pretoria wurde ihm 1980 und 1981 der Pass entzogen.
- 1984 wurde dem streitbaren Gottesmann für seinen gewaltfreien Einsatz gegen die Apartheid der Friedensnobelpreis verliehen. In Oslo geisselte er das von der Apartheid ausgelöste «exorbitante menschliche Leid». Zwei Jahre später wurde Tutu dann Oberhaupt der zwei Millionen Anglikaner in Südafrika. Er hatte dieses Amt bis Herbst 1996 inne.
- Die friedliche Wende zur Demokratie nannte er immer wieder ein Wunder, für das man dankbar sein müsse. Das hinderte ihn aber nicht, die Regierung und den regierenden afrikanischen Nationalkongress (ANC) zu kritisieren, wenn Dinge seiner Meinung nach falsch liefen. Das kam in der jungen Demokratie noch einer Majestätsbeleidigung gleich.
- Tutu handelte sich viel Kritik ein und zog sich nach der Fussball-WM in Südafrika 2010 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Bis zu seinem Tod äusserte er sich aber immer wieder politisch, unter anderem auch mit scharfer Kritik.