Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03459.jsonl.gz/498

- Der frühere Gouverneur von Rio de Janeiro hat vor einem brasilianischen Bundesrichter erstmals die Zahlung von Schmiergeldern bei der Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2016 eingeräumt.
- Sérgio Cabral habe die Stimmen von neun der 95 Wahlberechtigten gekauft, um die Spiele nach Rio zu lotsen.
- Bei der Bestechungsaktion 2009 in Kopenhagen sollen gemäss Cabral umgerechnet gegen 1.8 Millionen Euro geflossen sein.
- Der damalige Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva sei in die Bestechung nicht direkt verwickelt gewesen, habe aber davon gewusst.
Verantwortlich für den Stimmenkauf bei den IOC-Mitgliedern sowie die Verteilung des Geldes sei aber Lamine Diack, früherer Chef des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, gewesen.
Der Senegalese sei «offen für unangemessene Vorteile», habe ihm der frühere Präsident des brasilianischen Olympischen Komitees und Olympia-Organisationschef Carlos Arthur Nuzman gesagt, so Cabral.
Bei der Abstimmung 2009 hatte sich Rio gegen Madrid, Chicago und Tokio durchgesetzt. Brasilien wurde bei der IOC-Session 2009 in Kopenhagen im dritten und entscheidenden Durchgang mit 66:32 Stimmen gegen Madrid als erstes südamerikanisches Land zum Ausrichter der Sommerspiele gewählt.
Schwere Vorwürfe gegen Ex-Stars
Um die Abstimmung für Rio zu gewinnen, soll laut Cabral unter anderem Geld an Bubka, IOC-Mitglied seit 2008 und heutiger IAAF-Vizepräsident, sowie Alexander Popow geflossen sein. Der frühere russische Starschwimmer gehörte dem IOC zwischen 2000 und 2016 an und ist seither Ehrenmitglied.
Das Geld sei von dem brasilianischen Unternehmer Arthur Soares an Papa Massata Diack, Lamine Diacks Sohn, überwiesen worden.
Der Name Bubka tauchte rund um die Rio-Vergabe schon einmal wegen einer dubiosen Geldzahlung auf, die unabhängige Integritätskommission (AIU) der IAAF leitete im August 2018 nach eingehender Untersuchung der Vorwürfe aber keine weiteren Schritte gegen den Ukrainer ein.
Bubka und Popow weisen Anschuldigungen zurück
Sergej Bubka brachte ganz schnell seine Anwälte in Stellung, für Alexander Popow waren all die Anschuldigungen nichts als Lügen: Die beiden ehemaligen Sportstars haben die Schmiergeld-Attacke aus Brasilien rund um die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro wütend zurückgewiesen.
«Ich werde meine Anwälte anweisen, alle ihnen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel einzusetzen», teilte Stabhochsprung-Legende Bubka via Twitter denn auch mit und verwies darauf, dass Cabral derzeit bereits «eine lange Haftstrafe wegen Korruption verbüsst».
Popow zeigte sich seinerseits in einer Stellungnahme «extrem überrascht», dass sein Name in diesem Zusammenhang gefallen ist. Er habe mit Cabral oder anderen mutmasslichen Drahtziehern «niemals in Kontakt gestanden». Zudem könne er «sagen, dass ich nicht einmal für Rio de Janeiro gestimmt habe», meinte Popow, der sich ebenfalls rechtliche Schritte vorbehält.
Der frühere Sprintstar Frankie Fredericks wurde hingegen wegen seiner mutmasslichen Verwicklung in den Skandal um die Vergabe an Rio im November 2017 vom IOC suspendiert.
Die Bauten von Stadien und die Errichtung der nötigen Infrastruktur sind ebenfalls bis heute Gegenstand von Korruptions-Untersuchungen in Brasilien.
Das IOC teilte nun mit, dass die Ethikkommission den Vorwürfen von Cabral «unverzüglich nachgegangen» sei und die von ihm genannten IOC-Mitglieder «kontaktiert» worden seien. Und weiter: «Das IOC ist fest entschlossen, sich mit allen Fragen zu befassen, die vor den weitreichenden Reformen der Olympischen Agenda 2020 aufgetreten sind.»
Das 2014 beschlossene Paket soll mitunter die Bewerbungskosten für Olympische Spiele senken und die Transparenz der Entscheidung erhöhen.