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Trendsportart Bouldern
In den letzten Jahren kristallisierte sich Bouldern als absoluter Trendsport heraus, obwohl der Sport nicht wirklich ganz neu ist. Gerade die kalte Jahreszeit bietet sich an, damit anzufangen, um mit den erworbenen ersten Erfahrungen dann draussen gute Erfolge zu erzielen.
Das englische Wort "boulder" bedeutet übersetzt: Felsblock. Und diese Felsblöcke sollen bestiegen werden, die Rede ist daher vom Sportklettern, Bouldern ist eine neue Variante davon. Ein besonderes Merkmal ist dabei, dass der Kletterer hier nicht mit Seilen oder Gurten gesichert ist. Falls man doch mal abrutscht, fällt man unten einfach auf eine Matte. Das ist deshalb weitestgehend ungefährlich, weil die zu erklimmenden Höhen beim Bouldern nur wenige Meter über dem Boden erreichen. Bei den sogenannten Crashpads, die unten überall ausgelegt sind, handelt es sich um spezielle Weichmatten, die fast einem zarten Eintauchen in Flaumfedern gleichkommen. Die besondere Herausforderung beim Bouldern besteht darin, dass hierbei auf kurzer Distanz sehr intensiv geklettert werden muss, wodurch sowohl die Klettertechnik, als auch Kraft und Ausdauer trainiert werden.
Zur Geschichte des Boulderns
Die Historie des Felsenkletterns reicht zurück bis zum Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts. Es waren damals junge französische Bergsteiger, die es sich zum gewagten Ziel setzten, hohe Felswände ohne Kletterseil zu bezwingen. So entstand 1947 der erste Boulderparcour in Fontainebleau. Folgerichtig wurde hier auch die Fontainebleau-Skala (FB) kreiert. Diese Schwierigkeitsscala für Boulderrouten findet heute weltweit Anwendung.
Ab den 1950er Jahren brachten der Amerikaner John Gill und der deutsche Wolfgang Fietz neuen Wind ins Felsenklettern. John Gill führte zunächst die Verwendung von Magnesia ein, um auf diese Weise mit staubtrockenen Händen einen besseren "Grip" an die Felswand zu kriegen. Sein nächster Clou war dann auch die Erfindung des "Flowing", das ist eine elegant fliessende Kletterbewegung, die, um Kraft zu sparen, den Schwung des Körpers effizient nutzt. Zuvor basierte die Klettertechnik beim Bouldern auf dem Avisieren von drei oder vier festen Haltepunkten am Felsen, die dann Zug um Zug zu erklimmen waren.
Seit 1991 tragen Boulder-Vereine sogar Weltmeisterschaften im Felsklettern aus. Dabei haben sich zwei grosse Disziplinen des Sportkletterns etabliert: Beim Outdoor-Bouldern geht es um das Klettern an einzeln stehenden Felsen oder Felswänden im freien Gelände, und das Indoor-Bouldern findet in der Halle statt. Bei der Outdoor-Variante sind die Regeln naturgemäss etwas komplexer. Die Schwierigkeitsgrade werden nach Farben abgestuft, dabei bedeutet die dunkelste Farbe den höchsten Schwierigkeitsgrad. Aber ganz unabhängig von irgendwelchen Wettkämpfen hat sich diese Art des Felskletterns heute zu einem trendigen Breitensport entwickelt.
Der besondere Reiz
Die totale Unabhängigkeit von Wind und Wetter verleiht dem Indoor-Bouldern am künstlichen Felsen schon einen besonderen Charme. Boulderhallen sind mittlerweile in fast jeder grösseren Stadt vorhanden, und Kletterhallen allgemeinerer Art haben längst ihren speziellen Boulderbereich eingegrenzt. Die Griffmöglichkeiten an den künstlichen Felswänden werden mit unterschiedlichen Farben als Indikator des Schwierigkeitsgrades gekennzeichnet, wobei die erreichbaren Höhen der einzelnen Touren keinen besonderen Einfluss auf den ambitionierten Kletterer haben. Erfolg und Steigerung werden immer dann erreicht, wenn eine Tour mit höherem Schwierigkeitsgrad in Angriff genommen, elegant durchgeklettert und schliesslich gemeistert wird. Im Übrigen ist es sogar gerade das Fehlen der ganzen (behindernden) Sicherungstechnik, die dem Anfänger den Einstieg so immens erleichtert.
In der freien Natur befindet sich das beliebteste Bouldergebiet nach wie vor im "historischen" Fontainebleau bei Paris. Weitere ansprechende Kletterfelsen oder auch Felsformationen befinden sich in Avers im Schweizer Kanton Graubünden, im Frankenjura in den bayrischen Alpen, im österreichischen Zillertal oder im kalifornischen Bishop.
Welche Ausrüstung ist erforderlich?
Gute Kletterschuhe sind sicherlich der wichtigste Teil der überschaubaren Ausrüstung. Wenn sich die Schuhe besonders eng an den Fuss anschmiegen, erreicht man einen guten, sicheren Kontakt zur Felswand. In den Boulderhallen kann man geeignete Kletterschuhe in der Regel leihen. Wer in der Natur auf diese Art klettern möchte, sollte sich seine eigene Bouldermatte anschaffen. Darüber hinaus ist die Beschaffung des sogenannten Chalks (Magnesium für Hände und Finger) dringend zu empfehlen. Das "Chalk-Bag", das an der Kletterhose befestigt wird, kann man auch kaufen.
Interessant zu wissen
Gerade für die Einsteiger ist es sehr bequem, dass sie nicht zuerst mit dem mühsamen Erlernen von umfangreichen Sicherungstechniken konfrontiert werden, sondern direkt loslegen können. Damit geht auch einher, dass man gerade in der Halle viel weniger Ausrüstung braucht. Dennoch braucht gerade der Boulder-Anfänger deutlich mehr Geduld als beispielsweise der Anfänger beim klassischen Klettern, bis sich die ersten richtigen Erfolgserlebnisse einstellen. Bereits die als besonders einfach gekennzeichneten Boulderrouten erfordern eine gehörige Portion an technischem Geschick. Das Schöne ist aber, dass man gerade in der Halle schnell einen Sportsfreund findet, der bereitwillig seine Tricks und Kniffe weitergibt, damit auch das "Greenhorn" seine Motivation nicht gleich verliert.
Mit welchen Trainingseffekten kann ich bezüglich meiner Fitness rechnen?
Die wesentlichen Impulse, die das Bouldern unserem Körper vermittelt, sind Konzentration, Kraft, Ausdauer und die Erkenntnis, dass jedes Gramm zu viel fatale Folgen haben kann. Daher formt unser Körper durch diesen Sport nicht schwere Muskelpakete wie beim Bodybuilder aus, sondern eher dünne, zähe Muskelstränge bei minimalem Gewicht. Dabei gibt es kaum Muskelgruppen, die nicht auch mit trainiert würden. Wer also damit leben kann, dass man ihm seine tatsächliche Kraft und Leistungsfähigkeit nicht sofort äusserlich ansieht, sollte sich mit diesem Klettersport beschäftigen.
Bildquelle: HebiFot / pixabay.com