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Verbunden mit Bernd Senf – Germany.
Buchbesprechung: eine Zusammenfassung von Wolfgang Fischer zu Die blinden Flecken der Ökonomie – Wirtschaftstheorien in der Krise, Bernd Senf, dtv 2001.
Ein paar blinde Flecken:
- Solange für wissenschaftliche Untersuchungen von Gewalt, Hunger und Elend wissenschaftliche Disziplinen zuständig sind, die keine Ahnung von Ökonomie haben, können Zynismus, Menschenverachtung und Blindheit gegenüber der sozialen Realität ihre Blüten treiben (S.262). Die Ökonomen selbst, die mit ihren abstrakten Theorien die strukturelle Gewalt des Kapitalismus legitimieren, wähnen sich aus dem Schneider und fühlen sich für die sozialen Katastrophen, die von ihm hervorgetrieben werden, in keiner Weise verantwortlich. Sie können ruhig schlafen und mit ihnen all die vielen, die an ihre Lehre glauben.
- Das Ausblenden der Werte von Natur, Leben und Mensch bewirkt eine gigantische Bilanzfälschung, ein kolossales globales Täuschungs- und Selbsttäuschungsmanöver über vermeintliche Erfolge wirtschaftlichen Handelns und wirtschaftlichen Wachstums der Industriegesellschaft und des Weltmarkts (S.43). Der hohe Preis emotionalen Leids und individueller wie kollektiver Gewalt, die aus der schon in der Kindheit beginnenden Ausrichtung des Menschen an den vermeintlichen wirtschaftlichen Sachzwängen entstehen, wird schlichtweg verschwiegen (S.148).
- Bernd Senf verweist auch auf die Blindheit gegenüber ganzheitlichen und ökologischen Lebensweisen von Subsistenzwirtschaften, die sich auch darin zeigt, dass diese Lebensweise von heute noch ca. 2/3 der Menschheit nicht als Ökonomie gilt und von daher noch zur Ökonomie bekehrt werden muß (S.42).
- Die ökonomische Lehre versäumt es bis heute, Boden- oder Kapitaleigentum in deren historischen, auf Gewalt und Unrecht fußenden Zusammenhängen zu entlarven. Boden- und Kapitaleigentum erscheinen neben der menschlichen Arbeitskraft als Quellen der Wertschöpfung, während sie doch nur ein Recht der Eigentümer auf Abschöpfung der durch die Natur und Arbeit geschaffenen Werte beinhalten. Die ökonomische Lehre versäumt es generell, die Reproduktionsbedingungen der Natur (und zum Teil auch der Menschen) ausreichend zu thematisieren, während klare Prinzipien darüber entwickelt und durchgesetzt werden, dass der tote Produktionsapparat auf dem Wege der Abschreibung wiederhergestellt wird und dass ein totes Geldkapital sich über Zins sogar vergrößert (S.105).
- Die menschliche Arbeitskraft als einzige Quelle der Wertschöpfung in der Marx’schen Mehrwerttheorie würdigt nach Senfs Analyse zwar im Gegensatz zu den Klassikern (Adam Smith) die Produktivkraft der Arbeit, vernachlässigt jedoch völlig die umfassendere Produktivkraft der Natur, von der die menschliche Arbeitskraft nur ein kleiner Teil ist (S.104). Von daher rühren die blinden Flecken bei Marx in bezug auf Ökologie und Feminismus.
… (full long text).