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«Ich bin ein 27-jähriger Psychologiestudent aus Syrien und seit 2016 in Griechenland. Ich lebe alleine hier - meine Verwandten sind immer noch in Syrien. Seit Ausbruch der bewaffneten Kämpfe in meinem Heimatland hat sich die Situation stets verschlechtert und wir haben viel Schreckliches erlebt. Eines Tages kam die Armee und versuchte, mich ins Militär einzuziehen. Da war für mich klar, was ich tun musste: Lieber würde ich das Land verlassen, als das Blut meiner Brüder und Schwestern an den Händen zu haben– ich hatte keine Angst vor dem Tod, sondern wollte mehr vom Leben haben.
Zuerst floh ich in die Türkei. Dort habe ich einfache Arbeiten verrichtet, bis ich genug Geld für Schmuggler beisammen hatte, welche mich per Boot nach Griechenland brachten. Nach fünf endlosen Stunden auf See ist unser Boot auf Lesbos gestrandet. Von dort brachten mich die Behörden auf das Festland in ein Lager in Thessaloniki. Ich war geschockt – die Lebensbedingungen im Lager war noch schlimmer als in Syrien. Es war so schrecklich, dass ich mich lieber nicht daran erinnern möchte. Oft sass ich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang am Strand und kehrte nur zum Schlafen in mein kleines Zelt zurück. Ich wäre gern in ein anderes europäisches Land weitergereist, aber die Grenzen waren alle geschlossen.
Heute lebe ich in Athen und mein Asylantrag wurde angenommen. Nun lerne ich in einem der Gemeinschaftszentren von Caritas Griechenland Griechisch. Die Sprache hat mir in alltäglichen Situationen sehr geholfen und ich habe sogar einen Job im Baugewerbe gefunden. Dennoch verdiene ich trotz 14-Stunden-Arbeitstagen nur 30 Euro am Tag. Das reicht kaum, um die Grundbedürfnisse zu decken. Ich hoffe, dass ich eines Tages einen anderen Job finde, um meine Lebenssituation zu verbessern und eine Familie mit vielen Kindern zu gründen. Ich wünsche mir, dass meine Kinder in einem sicheren Land aufwachsen und alle Unterstützung bekommen, die sie auf dem Weg ins Erwachsenenleben benötigen.
Trotz all der schwierigen Erlebnisse bin ich zufrieden. Griechenland hat viele Ähnlichkeiten mit Syrien – das Wetter, die Strassen, die Architektur und sogar die Menschen. Sie sind genauso offen wie wir Syrer und Syrerinnen. Mittlerweile fühle ich mich wohl in Griechenland und habe eigentlich viel Glück gehabt. Heute gehe ich bei Sonnenschein durch die Strassen Athens und wünsche den Menschen um mich herum ‹Kalimera / Kalispera› (Guten Morgen / Guten Abend).»
Text und Bild: Caritas Griechenland