Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03435.jsonl.gz/1028

Armutszeugnis für Schweizer Medien: Frauen machen nur 28 Prozent der erwähnten Personen in der Berichterstattung aus. In den klassisch männlich geprägten Bereichen Wirtschaft (25 Prozent) und Politik (23 Prozent) sind Frauen sogar noch weniger sichtbar.
Zu diesem Schluss kommt die internationale Medienuntersuchung «Global Media Monitoring Project», an der die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten zum dritten Mal teilgenommen hat, wie die Organisation am Mittwoch schreibt.
Im Gegensatz zu Wirtschaft und Politik erwähnen Schweizer Medien Frauen in Berichten über Kunst und Unterhaltung mit 38 Prozent «überdurchschnittlich häufig», heisst es weiter.
Obwohl der Gesamtanteil der Erwähnungen seit der letzten Untersuchung 2015 um 3 Prozent gestiegen ist, bilden die Zeitungen, TV-Anstalten und Radiosender «noch immer ein Missverhältnis der Geschlechter ab», so das klare Zwischenfazit die Studienautoren.
Aufgeschlüsselt nach den Sprachregionen, die in der neuen Untersuchung zum ersten Mal vollständig einbezogen wurden, zeigt sich folgendes Bild: Abgeschlagen auf dem letzten Platz liegt das Tessin, wo der Frauenanteil lediglich 21,5 Prozent ausmacht. In den rätoromanischen Gebieten sieht es mit 25,7 Prozent nicht viel besser aus.
Höher ist der Anteil in den Medien der Romandie mit 27,8 Prozent und in Deutschschweizer Medien mit 29,1 Prozent.
Zudem zeigt die Untersuchung, dass Frauen weniger in professionellen Funktionen oder Berufen mit Führungsfunktion vorkommen: Während sie bei Expertinnen und Experten 20 Prozent ausmachen, sind es bei Augenzeuginnen und -zeugen 50 Prozent.
Ebenfalls häufiger als Männer kommen Frauen in Pflege-, sozialen oder künstlerischen Berufen vor. Männer hingegen machen über 75 Prozent der Anwälte, Politiker, Ärzte, Manager, Akademiker und Polizisten aus.
In den Medienhäusern sind 38 Prozent der Journalistinnen und Journalisten Frauen, was einem Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zu 2015 entspricht. Besonders hoch ist der Frauenanteil im Fernsehen und Radio, wobei Frauen dort vor allem die Rolle der Moderatorin einnehmen und nicht diejenige der Reporterin.
Man nehme diese Resultate «mit Besorgnis entgegen», schreibt die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten zu den Ergebnissen und fügt an: «Die leichte Steigerung der Repräsentation von Frauen mindert nicht die stereotype Ausrichtung der Berichterstattung.»
Die Untersuchung hat in der Schweiz insgesamt 669 Artikel, Beiträge und Tweets von Zeitungen, aus Radio und TV, von Websites und Twitter-Kanälen untersucht, die allesamt am globalen Stichtag, dem 29. September 2020, veröffentlicht wurden.
Das «Global Media Monitoring Project» der World Association for Christian Communication findet seit 1995 alle fünf Jahre statt und untersucht die Medienberichterstattung aus der Geschlechterperspektive.