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Die aktuelle Berichtsperiode ging weiter wie die vorherige endete: warm und sonnig. Die Lawinensituation für trockene Lawinen war mehrheitlich günstig. Gleitschneelawinen waren verbreitet die Hauptgefahr. Ab Sonntag, 17.02. wurde im Lawinenbulletin die Doppelkarte verwendet, um vor dem tageszeitlichen Anstieg der Gefahr von Gleit- und Nassschneelawinen zu warnen. Es ereigneten sich während der Berichtsperiode zwei tödliche Unfälle. Eine weitere Person wurde nach einem Lawinenabgang vermisst.
Eine stabile Hochdrucklage bescherte uns eine ausgesprochen sonnige und milde Berichtsperiode. Die Nullgradgrenze lag von Freitag, 15.02. bis Montag, 18.02. oberhalb von 2500 m. Zeitweise wurde sogar die 3000 m Marke überschritten (Abb. 1). Gegen Ende der Berichtsperiode sank die Nullgradgrenze zeitweise wieder leicht unter 2000 m, die Temperaturen blieben aber weiterhin aussergewöhnlich hoch.
Trotz viel Sonne und sehr milden Temperaturen nahmen die Schneehöhen an vielen Messstationen nur um 20 bis 30 cm ab. Diese Messungen werden im flachen Gelände erhoben. In tiefen Lagen war dieser Schneehöhenverlust auf Schmelze zurückzuführen. Die Nullwerte stammen dort von bereits aperen Stationen. In hohen Lagen war auf den Flachfeldern die Setzung der Schneedecke für die Abnahme verantwortlich. Anders zeigte sich die Situation in steilen Südhängen. Dort fand auch in hohen Lagen Schneeschmelze statt. Der Grund dafür ist der grössere Energieeintrag durch die Sonneneinstrahlung.
Aufgrund der mit der Jahreszeit intensiver werdenden Sonneneinstrahlung und der hohen Temperaturen bildete sich an Sonnenhängen eine Schmelzkruste. Diese war an steilen Südhängen teils bereits tragfähig und ermöglichte Abfahrten in schönsten Frühlingsverhältnissen, wie zum Beispiel am Stoss (SG) (Abb. 3).
An Ost- und Westhängen war die Kruste meist noch nicht tragfähig und Bruchharsch verminderte oft die Skifahrfreuden. In den Nordhängen hingegen dominierte weiterhin der schwerer werdende Pulver der letzten Berichtsperiode.
Die Schneedecke stabilisierte sich zunehmend, so dass die Gefahr von trockenen Lawinen langsam abnahm. Das Hauptproblem waren Gleit- und Nassschneelawinen.
Unterhalb von 2500 m wurde während der gesamten Berichtsperiode vor Gleitschneelawinen gewarnt. Am Sonntag, 17.02. wurde diese Gefahr gebietsweise als erheblich eingestuft und ab diesem Tag wurde im Lawinenbulletin die Doppelkarte verwendet. Ab Montag, 18.02. nahm die Aktivität wieder etwas ab und die Gefahr von Gleitschneelawinen wurde wieder grösstenteils als mässig eingestuft. Aufgrund der mächtigen Schneedecke rissen die Gleitschneelawinen in der Sturzbahn zum Teil viel Schnee mit, erreichten so grosse Ausmasse und stiessen weit vor. So zum Beispiel bei Göschenen (UR), wo am Donnerstag, 16.02. die Planggenlaui Lawine zwischen Abfrutt und Göschenen bis über die Strasse ging und diese verschüttete (Abb. 4). Weniger eindrückliche, aber dafür zahlreiche, Gleitschneeabgänge wurden auch am Julierpass (GR) beobachtet (Abb. 5).
Trotz der zunehmend stabilen Schneedecke blieben Brüche im Altschnee eine Gefahr. Vor allem am westlichen Alpennordhang, sowie in grossen Teilen des Wallis und Graubündens konnten Schwachschichten im Altschnee vereinzelt noch ausgelöst werden. Dies vor allem an eher schneearmen sehr steilen Schattenhängen und vereinzelt im Waldgrenzbereich. Diese Gefahrenstellen waren zwar selten, Lawinen die in diesen Schichten anrissen, wurden aber zum Teil gefährlich gross. Zudem waren die Gefahrenstellen auch für Geübte kaum erkennbar, was die Beurteilung erschwerte.
Am Gfrorenhorn (Davos, GR) wurde vermutlich am Freitag 15.02. in einem Nordhang auf ca. 1900 m eine kleine Schneebrettlawine (Grösse 1) ausgelöst. Der Anriss befand sich, wie im Lawinenbulletin beschrieben, im Bereich der Waldgrenze und die Schneedecke war relativ geringmächtig. Auf dem Foto (Abb. 6) sieht man deutlich den abgeblasenen, schneearmen Rücken oberhalb des Anrisses.
So klein wie die Lawine am Gfrorenhorn blieben die Lawinen jedoch keineswegs immer. Viel Glück hatte ein Tourengeher im Simmental, der im extrem steilen Gelände eine Schneebrettlawine im Altschnee auslöste (Abb. 7-1 bis 7-5) und nicht mitgerissen wurde. Gemäss der betroffenen Person wurden im Gebiet viel sehr steiles Gelände folgenlos befahren. Dies zeigt eindrücklich, dass viele Spuren im Gebiet keine absolute Sicherheit geben und Gefahrenstellen sehr lokal, aber nicht minder gefährlich sein können.
Am Sonntag, 17.02. wurde an einem Nordwesthang auf rund 1900 m an der Märe (Plaffeien, FR) eine Person von einer Lawine mitgerissen und tödlich verletzt.
Am Dienstag, 19.02. ging im Skigebiet Crans-Montana (VS) eine Lawine über die geöffnete Piste Kandahar und verschüttete 4 Leute. Drei Personen wurden dabei leicht verletzt. Eine Person wurde schwer verletzt und erlag im Spital ihren Verletzungen (s. Mitteilung Kantonspolizei Wallis).
Im Engadin wurde eine Person vermisst. Ein Gleitschirmflieger hatte von Donnerstag, 14.02. auf Freitag, 15.02. in einer Eisgrotte des Vadret da Roseg biwakiert. In der Nacht ging eine Lawine nieder und verschüttete die Eisgrotte grösstenteils (s. Mitteilung Kantonspolizei Graubünden).
Insgesamt ereigneten sich in dieser Berichtsperiode zwölf Schadenlawinen. Bei der Hälfte davon wurde Sachschaden angerichtet, bei der anderen Hälfte waren Personen beteiligt. Insgesamt wurden neun Personen erfasst.
Diesen Winter jährt sich der Lawinenwinter 1999 zum zwanzigsten Mal. Im Februar 1999 gingen im ganzen Alpenraum zahlreiche Lawinen ab, die viele Todesopfer forderten und teilweise sehr hohen Sachschaden anrichteten. Die Schweiz hat daraus gelernt und insbesondere die Ausbildung und Organisation der Lawinendienste verbessert. Hier befindet sich ein kurzer Bericht dazu.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.