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Beim Begriff „Missionar“ stellen sich viele immer noch einen Europäer in einem Dorf vor, der, von dunkelhäutigen Eingeborenen umringt, das Evangelium predigt. Aber heute sind Leute in der Mission viel wahrscheinlicher Koreaner bei einem sozialen Projekt in einer Großstadt Zentralasiens, Brasilianer an einer Computerschule in Afrika oder Filipinos im Dienst arabischer Familien in einem Golfstaat.
Diese Bewegung hat auch den WEC schon seit einiger Zeit erfasst. Inzwischen sind über ein Drittel unserer Mitarbeiter Asiaten und nur noch ca. 30 % Europäer. Die meisten Christen leben heute in Afrika, Lateinamerika und einigen Ländern Asiens. Missionsmitarbeiter aus Europa arbeiten dort zunehmend in der zweiten Reihe: als theologische Lehrer, in der Missionsausbildung oder in der Unterstützung von lokalen Initiativen und sozialen Projekten, oft unter einheimischer Leitung.
Entwicklungen im WEC
WEC begann in England als C.T. Studd vor 110 Jahren in den damaligen Kongo ging. Bald danach wurden die ersten Missionare von Kanada und den USA ausgesandt. Nach dem zweiten Weltkrieg begannen weitere Aussendungszentren in Europa (Schweiz, Deutschland, Niederlande, Frankreich), Australien und Neuseeland. Bis hierher folgten wir dem traditionellen Weg – Missionare europäischer Abstammung gingen in sogenannte Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Südamerika.
Vor etwa 40 Jahren begann eine Welle neuer Missionspartner. Zuerst kamen Südkoreaner in wachsenden Zahlen. In Brasilien und Hong Kong fingen wir Missionsschulen an und nahmen die ersten Mitarbeiter auf. Andere asiatische Länder kamen dazu – Indonesien, Singapur, Taiwan – und Mexiko und andere spanisch-sprechenden Länder Lateinamerikas. Zugleich begannen wir in traditionellen Sendungsländern auch missionarische Dienste, vor allem unter Migranten. Seit zehn Jahren haben wir ein internationales Team, das in den neuen Kernländern des Christentums für Mission mobilisiert, zum Beispiel in Nordostindien und den Philippinen. Schon über hundert neue Missionspartner sind durch ihren Dienst zum WEC gestossen. Eine Aussendungsstruktur in Afrika besteht seit 2016 mit Teams in mehreren Ländern. Knapp 20 afrikanische Missionspartner arbeiten inzwischen im WEC. Die neueste Entwicklung nennt sich bezeichnenderweise WAVE (englisch für Welle) und wirbt um Missionspartner in Südost- und Osteuropa.
Flexible Modelle der Missionsvorbereitung
Diese weltweite Bewegung benötigt neue Modelle der Ausbildung und mobile Aussendungsstrukturen. Als Koordinatorin für die Vorbereitung und Aussendung neuer Mitarbeiter im WEC begleite ich diese Entwicklungen. Die meisten neuen Strukturen beziehen die Heimatgemeinden der Missionsmitarbeiter stark mit ein. Oft sind Pastoren von Gemeinden, die Mitarbeiter unterstützen, intensiv an Auswahlgesprächen und Vorbereitungskursen beteiligt. Sie helfen mit praktischen Fragen und der seelsorgerlichen Betreuung der Missionspartner.
Flexiblere Wege bedeutet, dass es nicht überall ein Aussendungszentrum geben muss mit Gebäuden, Büros und Personal. Bei „mobilen Vorbereitungskursen“ kommen die Kandidaten nicht zu einem weit entfernten Zentrum, sondern die Leiter reisen zu einer Kandidatengruppe und nutzen die Räume einer Bibelschule oder Gemeinde für den Unterricht. Vorbereitungskurse für Kandidaten finden nicht immer am selben Ort statt, manche zum Teil über Videokonferenzen, und Kommunikation geschieht fast ausschliesslich online.
Auswirkungen der neuen Welle
Die Welle neuer Missionspartner bringt dringend benötigte Mitarbeiter in unsere Teams.
Diese sind voll ansteckender Hingabe und Begeisterung für Jesus. Wie schon immer sind gute Orientierung und Einarbeitung wichtig, Hilfe beim Erlernen der Sprache und Kultur im Einsatzland, und das gemeinsame Finden eines passenden Dienstes für neue Mitarbeiter.
Unsere Teams erleben noch stärkere interkulturelle Prägung. Für uns Europäer ist unsere Einstellung gegenüber Christen aus bisherigen Missionsfeldern auf dem Prüfstand. Unbewusst macht unser Verhalten oft deutlich, dass wir eigentlich unsere eigenen Vorgehensweisen für besser halten. Doch Zusammenarbeit im Team gelingt nur, wenn Respekt und gegenseitige Annahme die Beziehungen prägen. Der Herr, der uns berufen hat, beruft und befähigt auch diese neuen Partner.
In allen Veränderungen bleibt beständiges geistliches Leben das Fundament. Die Prinzipien des WEC, opferbereite Jüngerschaft, Glaube, der Gottes Allmacht vertraut, ein geheiligtes Leben, das Ihn ehrt, und geistlich geprägte Gemeinschaft sind Grundlagen, die sich nicht verändern werden. Die neuen Missionspartner leben uns das oft eindrucksvoll vor. Gemeinsam leben wir für die Vision, dass einmal alle Völker Gott anbeten werden.
Autorin: Birgit