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«Informationsmanagement: Ein Vorschlag» – so der bescheidene Titel des Papiers, Link öffnet in einem neuen Fenster, mit dem Tim Berners-Lee am 12. März 1989 den Grundstein für das World Wide Web legte. Der Physiker und Informatiker wollte mit seinem Vorschlag das Informationschaos bei der europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) in den Griff bekommen.
Seine Lösung: Hypertext – das Verknüpfen von Dokumenten mit Links, mit deren Hilfe man sich von Inhalt zu Inhalt klicken kann. Die Idee dazu ist allerdings viel älter als Berner-Lees Vorschlag. Schon der Index am Anfang eines Buches ist zum Beispiel eine Art Hypertext.
Vannevar Bush und der Gedächtnis-Erweiterer
Es war der Ingenieur Vannevar Bush, der 1945 mit dem «Memex, Link öffnet in einem neuen Fenster» ein Konzept vorstellte, das dem WWW von heute schon verblüffend nahe kommt. Der Memex ist eine Art Bürotisch mit zwei Bildschirmen, auf denen sich die Inhalte von Mikrofilmen anzeigen lassen. Mit einem Hebel kann sich der Benutzer durch die verschiedenen Einträge arbeiten, vor- und zurückblättern.
Ein funktionierender Memex wurde nie gebaut. Doch in Bushs Vorstellung liessen sich damit Mikrofilm-Seiten miteinander verknüpfen und die Verknüpfungen als Pfade speichern – so wie unsere Wege durchs WWW heute im Browserverlauf gespeichert bleiben. Die Arbeitsweise des Memex (ein Kofferwort aus «Memory» und «Extender» – also ein «Gedächtnis-Erweiterer») kam für Bush dem assoziativen Denken des menschlichen Geistes weit näher als lineare Texte.
Die Mutter aller Demos
Vannevar Bush war nicht nur für Tim Berners-Lee ein wichtiger Vordenker. Auch die Arbeit von Douglas Engelbart und Ted Nelson wurden von ihm beeinflusst. Der Philosoph Nelson prägte den Begriff Hypertext im Jahr 1963. Mit seinem Projekt Xanadu – einer universalen Bibliothek mit zahllosen miteinander vernetzten Dokumenten – war er eine wichtige Inspiration für das WWW. Doch Xanadu scheiterte an seiner Komplexität. Obschon Nelson seit 1960 daran arbeitet, existieren heute erst Prototypen.
Nicht weniger einflussreich war der Ingenieur Douglas Engelbart. 1968 führte er in einer bahnbrechenden Präsentation, Link öffnet in einem neuen Fenster während 90 Minuten revolutionäre Hard- und Software vor, die unsere Arbeit am Computer bis heute begleiten: Die erste Computer-Maus, eine grafische Benutzeroberfläche und klickbare Hyperlinks, die bereits rudimentäre Webseiten vorwegnehmen. Kein Wunder erhielt der Vortrag nachträglich den Namen «The Mother of all Demos».
Das Mundaneum als globales Wissensnetzwerk
So einflussreich Vannevar Bushs Ideen für die Urväter des WWW auch waren, etwas hatte er nicht vorausgesehen: Dass Informationen in Netz dezentral gespeichert sind. Sein Memex hatte nur Zugriff auf die eigenen Mikrofilme. So gleicht es eher einem frühen PC mit CD-Laufwerk als einem Computer mit Internet-Anschluss.
Doch auch die Ideen für ein weltumspannendes Netz existierten schon Anfang der 1930er-Jahre, als Bush über das Memex nachzudenken begann. Zum Beispiel beim Belgier Paul Otlet, der mit dem «Mundaneum» ein globales Wissensnetzwerk aufbauen wollte. Die auf Mikrofilme gespeicherten Inhalte des Mundaneums sollten sich von überall her abrufen lassen.
Otlet wollte dazu Telefone mit Fernsehapparaten, Radios und Büchern verbinden, die Informationen von zentraler Stelle in die Stuben der Benutzer schicken. Sein Traum ist heute Wirklichkeit: Übers Internet schauen wir Videos, lesen Zeitung, telefonieren oder hören einem Podcast zu.