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Vor zwei Jahren wurden die Stadt St. Gallen und die Raiffeisen Bank in einem Brief aufgefordert, die Umbenennung des Raiffeisen-Platzes an die Hand zu nehmen.
Den nach dem Gründer der Raiffeisen-Bewegung benannten Platz gibt es seit 2005, nachdem das ehemalige Bleicheli-Quartier in ein von Raiffeisen geprägtes Viertel umgestaltet worden war.
Auffälliges Merkmal ist die "Stadtlounge" mit ihrem Belag aus rotem Gummigranulat, die von der Künstlerin Pipilotti Rist und vom Architekten Carlos Martinez gestaltet wurde. Am "Roten Platz" stehen nicht nur Bankgebäude, sondern auch die St. Galler Synagoge.
Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören neben dem ehemaligen St. Galler Ständerat Paul Rechsteiner die Historiker Hans Fässler und Stefan Keller sowie Pipilotti Rist. Es sei nun Zeit für eine Umbenennung des Platzes, hiess es am Donnerstag in St. Gallen.
Der Gründer der Raiffeisenbewegung in Deutschland, Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888), sei "ein derart prononcierter Antisemit" gewesen, dass ihn die Nazis zu seinem 50. Todestag als einen der ihren gefeiert hätten, erläuterte Fässler.
Die orthodoxe Jüdin Recha Sternbuch (1905-1971) habe in St. Gallen gelebt und zur Zeit des Nationalsozialmus einer erheblichen Zahl von Flüchtlingen das Leben gerettet. "Sie hätte hier schon lange einen Platz verdient", sagte Keller. Pipilotti Rist erklärte vor den Medien, sie wolle nicht, dass ein von ihr gestalteter Platz mit einem Antisemiten in Verbindung gebracht werde.
Auf Anfrage von Keystone-SDA stellte Raiffeisen Schweiz fest, der Platz gehöre der politischen Gemeinde St. Gallen. Der Name unterliege damit dem öffentlichen und politischen Diskurs.
Es sei Raiffeisen aber ein Anliegen, dass sich die Stadt bei der Prüfung des Gesuchs auf eine umfassende Analyse abstütze. Man sei deshalb daran, die Geschichte der Raiffeisenbewegung in der Schweiz aufzuarbeiten.
(sda)