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1860 gründete Heinrich Schätti in Fehraltorf eine «mechanisch-chemische Zündholz- und Baumwollwattenfabrik». Die Produktion von Zündhölzern war damals ein boomendes Gewerbe, im Kanton Zürich gab es Dutzende meist kleiner und kleinster Produktionsstätten. 1896 übernahm Gotthilf Heinrich Fischer den Betrieb, der mit siebzig Mitarbeitenden bald zu den grössten Zündholzproduzenten der Schweiz gehörte. Ausserdem produzierte Fischer Schuhcremen und Lederfette für den allgemeinen Hausgebrauch und für landwirtschaftliche Zwecke. Trotz Diversifizierung geriet das Unternehmen aber in Schieflage: Die Zahl der Mitarbeitenden sank drastisch und die aggressive Akquisitionspolitik des schwedischen Zündholzmagnaten Ivar Kreuger sorgte dafür, dass Fischer 1929 die Zündholzfabrikation aufgeben musste. Das Unternehmen bestand noch bis 1962 und war vor allem bekannt für die Lederpflegeprodukte.
Das Sozialarchiv konnte vor einiger Zeit die Restbestände des Unternehmensarchivs übernehmen. Die wenigen Objekte, welche die lange Zeitspanne seit der Betriebsaufgabe überstanden haben, sind nun digitalisiert und erschlossen: Zündhölzer aus eigener und fremder Produktion sowie Werbeschilder für Schuhcremen. (Das Papierarchiv ist noch nicht bearbeitet.)
Im Sommer letzten Jahres feierten die Roten Falken Bern ihr 100-jähriges Bestehen. 1922 gründete Anny Klawa-Morf den ersten Schweizer Ableger der sozialistischen Kinder- und Jugendorganisation. Während langer Jahrzehnte blieben die Roten Falken der Arbeiterbewegung ideell verbunden und grenzten sich von anderen Organisationen wie den Pfadfindern oder dem Cevi ab. Von Anfang an standen die Aktivitäten beiden Geschlechtern offen. Partizipation und freie Meinungsbildung wurden gewünscht und gefördert. Nach einem Höhenflug noch vor dem Zweiten Weltkrieg sanken die Mitgliederzahlen danach stetig, nur wenige Ortsgruppen überlebten. Die Berner Falken führen nach einer jahrelangen inaktiven Phase mittlerweile wieder Veranstaltungen durch.
Der Bestand ergänzt das reichhaltige Material zu den Roten Falken im Sozialarchiv in interessanter Weise: Die bisher vorhandenen Fotobestände deckten vor allem die Zwischenkriegszeit ab. Von den Berner Falken gibt es nun auch visuelle Zeugnisse aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts.
Eine kleine fotografische Dokumentation gibt Einblick in die 2. Frauenkulturtage von 1992. Während drei Tagen gab es in Zürich Vorträge, Tanzperformances, Workshops und einen feministischen Stadtrundgang. Weil nach der definitiven Schliessung der Frauenetage im Kanzleizentrum ein eigener Treffpunkt für frauenpolitische Veranstaltungen fehlte, fand der Anlass grösstenteils im Vortragssaal des Kunsthauses statt.
Von der Verlagsgenossenschaft der Zeitung «Vorwärts» haben wir einen umfangreichen Bildbestand erhalten. Rund 2’000 Fotos mehrheitlich aus der Zeit zwischen 1970 und 1990 aus dem analogen Redaktionsarchiv konnten in den letzten Monaten digitalisiert und erschlossen werden. Der «Vorwärts» erscheint seit 1945. Die Partei der Arbeit (PdA) publizierte während fast eines Jahrzehnts eine Tageszeitung, danach wechselte man auf eine wöchentliche Ausgabe. Der «Vorwärts» (nunmehr mit dem Untertitel «die sozialistische zeitung») erscheint bis heute, jedoch nur noch zweiwöchentlich.
Der Bestand deckt eine Fülle tagespolitischer Themen ab, die für die Linke damals wichtig waren. Präsent sind der Kampf gegen Kaiseraugst oder gegen das südafrikanische Apartheidregime, die politischen Initiativen der PdA zur Arbeitszeit oder Ausländerpolitik, Streiks oder die zahlreichen Aktionen gegen den «US-Imperialismus». Interessant ist der Bestand nicht zuletzt deshalb, weil der «Vorwärts» nebst dem Bildmaterial renommierter Pressefotograf:innen offensichtlich ebenso auf Bildzusendungen vieler Namenloser zählen konnte. So sind auch Ereignisse dokumentiert, die in der Bildberichterstattung anderer Presseorgane nicht vorkommen.