Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03592.jsonl.gz/1000

FRUCTUS, die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, stellt dieses Jahr eine vorzügliche, alte Brennpflaumen-Sorte aus dem Kanton Bern in den Mittelpunkt: Die Löhrpflaume ist die 16. Schweizer Obstsorte des Jahres 2023.
Eine der besten Brennpflaumen der Schweiz
In den alten Obstfachbüchern ist die Sorte «Löhrpflaume» noch nicht zu finden. Erst Anfang der Fünfzigerjahre tauchen erste schriftliche Hinweise im Zusammenhang mit einer Brennerei im Berner Seeland auf. Dort beginnt die Geschichte der Löhrpflaume, eine der besten Brennpflaumen der Schweiz. Dieses Prädikat erhielt die kleine Pflaume dank ihrer Fruchteigenschaften, die alle Voraussetzungen für die Herstellung eines hervorragenden Fruchtbrandes erfüllt.
Reife Löhrpflaumen sind saftig, sehr aromatisch und süss. Daraus entsteht ein kräftiges «Pflümliwasser», das angenehm nach Marzipan und Zimt duftet. Das klare Löhrpflaumen-Destillat wird durch die Lagerung im Holzfass zu sortenreinem Vieille Prune weiterveredelt, einem fruchtig-samtigen Digestif mit langem Abgang.
Zufallsprodukt der Natur
Erst nach dem zweiten Weltkrieg begannen die gewerblichen Brennereien, sich vermehrt mit der Qualität ihrer Destillate zu beschäftigen. Einige Brennmeister experimentierten erstmals mit sortenreinen Bränden. Der Spirituosenhändler und Bitterspirituosen-Produzent Ernst Luginbühl-Bögli war einer von ihnen. Er führte in Aarberg im Berner Seeland das Restaurant Bahnhof und baute zu dieser Zeit im gleichen Ort eine neue Brennerei.
Ende der Vierzigerjahre entdeckte Ernst Luginbühl-Bögli in der Umgebung der Dorfschaft Oltigen BE einen wild gewachsenen Baum voller kleiner Pflaumen. Die süssen und wohlschmeckenden Früchte erregten seine Aufmerksamkeit. Er erntete sie, legte sie ins Fass und brannte die vergorene Maische in seiner Brennerei.
Das gewonnene Destillat überzeugte so sehr, dass Ernst Luginbühl-Bögli eine Baumschule in Worben mit der Produktion von hochstämmigen Bäumen der neuen Sorte beauftragte. Auf seinem Bauernhof auf der Löhr in der Gemeinde Seedorf BE pflanzte er 600 Hochstämmer. Das Zufallsprodukt der Natur wurde fortan Löhrpflaume genannt. Bauern in der Umgebung legten weitere Löhrpflaumen-anlagen an und verkauften die Früchte der Brennerei Luginbühl-Bögli. Das sortenrein gebrannte «Pflümliwasser» wurde ein grosser Erfolg und die Löhrpflaume zum begehrten Rohstoff für Brennereien im ganzen Land.
Gute Baumeigenschaften und mehr Ertrag
Löhrpflaumenbäume werden mittelgross, sind anspruchslos, robust und genügsam. Sie wachsen schnell und tragen bald und regelmässig Früchte. Die Sorte blüht früh und eignet sich auch für den Anbau in höheren Lagen, ist jedoch anfällig auf Spätfröste. Mit Ausnahme der Pflaumensägewespe wird die Löhrpflaume kaum von anderen Schädlingen oder Krankheitserregern befallen.
Die Pflaumensorte überzeugte vor 70 Jahren auch durch den guten Ertrag. Löhrpflaumen wurden deshalb bald von Obstbauern in der ganzen Deutsch- und Westschweiz angebaut und fanden auch den Weg nach Deutschland und Österreich. Je nach Region wird die Löhrpflaume auch Zuckerpflümli oder Zuckerpflaume von der Löhr genannt.
Eigenwillige Reife und arbeitsintensive Ernte
Löhrpflaumen erfreuten sich aber auch in der Küche grosser Beliebtheit. Mit Löhrpflaumen belegte Fruchtkuchen und sortenreine Konfitüren sind noch heute ganz besondere Spezialitäten.
Die Löhrpflaume ist erst reif, wenn sie von selbst vom Baum fällt. Bis alle Früchte am Boden sind, dauert es drei bis vier Wochen. Während dieser Zeit müssen die Pflaumen alle ein bis zwei Tage aufgelesen und so schnell wie möglich verarbeitet werden.
Die aufwändige Ernte und das Aufkommen ertragreichere Sorten haben zu einem starken Rückgang der Löhrpflaumen-Bäume geführt. Als Rohstoff für exquisite Fruchtbrände und andere Spezialitäten lohnt sich der Anbau dieser robusten und vielseitigen Sorte nach wie vor. FRUCTUS empfiehlt die Löhrpflaume deshalb für den Anbau im extensiven Feldobstbau und in Selbstversorgeranlagen. Die Sorte lässt sich auch in Niederstammanlagen kultivieren.
So baut zum Beispiel auch Alois Schilliger (Foto) in Niederglatt SG seine Löhrpflaumen an. Ein Teil der Früchte wird auf dem Betrieb zu Konfitüre verarbeitet und im Hofladen verkauft. Der grösste Teil der Ernte geht aber an eine Brennerei in der Innerschweiz.
Alte Obstsorten wie die Löhrpflaume sorgen für kulinarische und farbenfrohe Abwechslung im Obstangebot. Mit der Ernennung zur Schweizer Obstsorte des Jahres 2023 sorgt FRUCTUS dafür, dass dieses schöne Zufallsprodukt der Natur und ihre Geschichte als Teil der Schweizer Biodiversität und Kultur erhalten bleibt.
Weitere Auskünfte zur Löhrpflaume, der Obstsorte des Jahres 2023 gibt Ihnen die Projektleiterin Franziska Oertli.
FRUCTUS empfiehlt die Löhrpflaume aufgrund ihrer Robustheit für den Anbau: zum Sortenporträt
FRUCTUS erstellt jedes Jahr Briefmarken mit der Obstsorte des Jahres.
Bitte bestellen Sie die Briefmarken-Bogen mit dem Bestellformular im FRUCTUS-Webshop.
Briefmarken-Set mit je 12 Briefmarken
à 1.10 Franken und à 90 Rappen
32 Franken
Bogen 12 Briefmarken à 1.10 Franken:
18 Franken
Bogen 12 Briefmarken à 90 Rappen:
15 Franken
FRUCTUS präsentiert die Löhrpflaume der Öffentlichkeit in Zusammenarbeit mit der Brennerei Matter-Luginbühl AG am 19. August 2023 in Kallnach und Aarberg. Alle sind dazu eingeladen. Weitere Informationen und das Anmeldeformular finden Sie hier.
Die folgenden Fotos können Sie nutzen im Zusammenhang mit einem Artikel zur Löhrpflaume, der Obstsorte des Jahres 2023.
Bitte geben Sie als Bildquelle an: FRUCTUS.
Fotos in noch grösserer Auflösung können Sie anfordern bei: <email-pii>
Die Schweizer Obstsorte des Jahres 2023 wird unterstützt von