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Der Weg nach irgendwo …
„Das sind doch noch Kinder“, sagte eine Frau. „Kinder? Nein, wir sind Männer“, dachte Gernot Jacob selbstbewusst. Nachdem er zwei Jahre als Flakhelfer und im Reichsarbeitsdienst eingesetzt worden war, kam er 1944 mit 17 Jahren zur Panzerabwehr der Deutschen Wehrmacht. Die Geschehnisse bis zur Kapitulation der Festung Graudenz (heute Grudziadz, Polen) sind ihm zeitlebens in Erinnerung geblieben. In den achtziger Jahren schrieb er sich die Erinnerungen an Krieg, Gefangenschaft und die Suche nach einer Heimat “von der Seele“.
Nach seiner Heimkehr aus Russland mit 19 Jahren war er lange krank und „nur“ Schüler mit dem Lebenswunsch, einst als Chemiker zu arbeiten. Wie er die Nachkriegszeit und die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse in Deutschland erlebte, schilderte Gernot Jacob in seiner Lebenserzählung „Der Weg nach irgendwo…“
Die Herausgeberin
Gisela Hoffmann (Hrsg.)
Gernot Jacob
* 8.8.1927 in Stettin, + 15. November 2004 in Baden (Schweiz)
Gernot Jacob wuchs in Stettin auf, er wurde bereits mit 15 Jahren vorwiegend nachts bei der Wehrmacht (Fliegerabwehr) eingesetzt, arbeitet einige Monate beim reichsdeutschen Arbeitsdienst und wurde kurz nach seinem 17. Geburtstag an die Ostfront eingezogen. In Graudenz wurde er 1945 verwundet und kam in sowjetische Gefangenschaft in den Kaukasus. 1946 wurde er entlassen. Er konnte sich in Bayern bei seiner Mutter, die dorthin geflüchtet war, niederlassen. Er hatte keinen Hauptschulabschluss, bekam aber glücklicherweise ein Stipendium, mit dem er seinen ersehnten Beruf als Chemotechniker ergreifen konnte.
Weil er in Westdeutschland keine passende Stelle fand, liess er sich an den Weltfestspielen 1951 in Ostberlin als Chemiker beim Werk für Fernmeldewesen in Oberschöneweide anstellen. Nachdem er angehalten worden war, sich politisch weiterzubilden, und nachdem er einige Repressalien in Ostberlin mit erlebte, beschloss er, in den Westen zurückzukehren. Viele seiner Kollegen „setzten sich ebenfalls nach Westdeutschland ab“. Nachdem er im Westen Nachtschiessgeräte entwickeln sollte und man die „kriegserfahrenen Jahrgänge“ zum Eintritt in die Bundeswehr einlud, wollte er ins „neutralen Ausland“ auswandern.
So kam er 1960 in die Schweiz. Er hatte oft Heimweh nach Pommern, lebte aber dann den Rest seines Lebens – 44 Jahre - in seiner Wahlheimat, da ihm seine Wohngemeinde Untersiggenthal in einer kritischen Phase wohlmeinend zur Seite stand.
1984 begann er seine Erlebnisse im Krieg und in der Nachkriegszeit seiner Partnerin zu diktieren. Erst 7 Jahre nach seinem Tod veröffentlichte sie als Herausgeberin bei BoD seine Lebensgeschichte unter dem Titel „Der Weg nach irgendwo...“