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Jeder sechste Erwachsene in der Schweiz ist schwach im Lesen, jeder zwölfte hat Probleme, sich in der Sprache seines Wohnorts auszudrücken. Dies teilt das Bundesamt für Statistik (BFS) mit.
Laut der BFS-Studie sind Neueingewanderte besser qualifiziert als Emigranten, die seit längerem hier niedergelassen sind, und unterscheiden sich kaum von den Schweizern.
Diese Ergebnisse gehen aus der neuen Publikation "Lesen und Rechnen im Alltag" des Bundesamtes für Statistik (BfS) hervor. Diese geht nuancierter auf die Informationen zu den Schweizer Leistungen ein, die im vergangenen Jahr im internationalen Bericht der "Adult Literacy and Lifeskills Survey" (ALL) publiziert wurde.
Ein Grossteil der Schweizer Wohnbevölkerung weist demnach bei den Grundkompetenzen erhebliche Lücken auf.
Rund 800'000 Erwachsene (16% der 16- bis 65-Jährigen) können nicht gut genug lesen, um einen einfachen Text zu verstehen. Rund 400'000 (8% der gleichen Altersgruppe) können sich in der Sprache des Ortes, an dem sie wohnen, nicht genügend ausdrücken.
Bei gleichem Ausbildungsniveau schneiden die Frauen im Rechnen schlechter ab als die Männer. Sie ziehen jedoch beim Textverständnis beinahe mit ihnen gleich.
Deutschschweiz holte auf
Gegenüber einer ähnlichen Studie, die in den 90er-Jahren in der Schweiz und 20 anderen Ländern zum Textverständnis bei Erwachsenen durchgeführt wurde, schliesst die Deutschschweiz beim jüngsten Bericht besser ab.
Ansonsten sind die durchschnittlichen Leistungen der Länder, die an beiden Studien teilgenommen haben, praktisch unverändert. Beinahe überall hat sich der Anteil sehr schlechter, auf Analphabetismus zurückzuführender Leistungen, verringert.
Neueingewanderte gut qualifiziert
26% der erwachsenen Bevölkerung sind Eingewanderte. Die neu, also im Verlaufe der vergangenen fünf Jahre, Eingewanderten sind durchschnittlich sehr gut qualifiziert. Jene, die sich bereits früher hier niedergelassen haben, verfügen mehrheitlich über eine geringe Ausbildung.
Die neu Zugewanderten erbrachten denn auch deutlich bessere Leistungen als die seit längerem Immigrierten. Darüber hinaus besteht kaum ein Unterschied zwischen den neu Eingewanderten und den Personen, die in der Schweiz geboren sind und dieselbe Sprache sprechen.
Personen mit guten Kompetenzen haben in der Regel gut bezahlte Posten, die weniger Unsicherheiten ausgesetzt sind und weniger Gefahren bergen; sie lesen mehr Bücher und beteiligen sich häufiger an gemeinschaftlichen und gemeinnützigen Aktivitäten.
Auch können sie Computer und andere moderne Kommunikationsmittel besser bedienen und benutzen diese häufiger. Und sie fühlen sich gesünder.
swissinfo und Agenturen
Die Studie
ALL (Adult Literary and Lifeskills Survey) ist das Resultat einer intensiven Zusammenarbeit mehrerer Regierungen und anderer Institutionen.
Neben der Schweiz wurde die ALL-Erhebung 2003 in Norwegen, Italien, den USA, Kanada, den Bermudas und der mexikanische Staat Nuevo León durchgeführt. 2006 nehmen die Niederlande, Australien, Neuseeland, Südkorea und Ungarn teil.
In der Schweiz wird die ALL-Studie vom Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt und hat die Grundkompetenzen von Erwachsenen in folgenden Bereichen erhoben:
Lesekompetenz als Fähigkeit, zusammenhängende Texte zu lesen und mit schematischen Dartstellungen umzugehen.
Alltagsmathematik als Fähigkeit, im täglichen Leben mit Mengen, Zahlen und Grössen umzugehen.
Problemlösungskompetenz als Fähigkeit, Problemsituationen zu verstehen und zu lösen.