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1992 nahm in England die Premier League ihren Betrieb auf. Nun feiert das Mutterland des Fussballs das 25-jährige Jubiläum – Grund genug, um zurückzuschauen. Auf herausragende Akteure, bizarre Ereignisse und den vielleicht miesesten Transfer aller Zeiten.
Öl-Milliardär Roman Abramowitsch ist seit 2003 der Besitzer des FC Chelsea. Der Putin-Freund ist der bekannteste aller ausländischen Klubbesitzer, die in die Premier League investieren. Man schätzt, dass der Russe schon über eine Milliarde Franken in den Klub gesteckt hat. Weil Geld Tore schiesst, gab's dafür Titel: Fünf Meisterschaften holte «Chelski» unter Boss Abramowitsch, zuletzt 2017. Als Sahnehäubchen gewannen die Londoner 2012 die Champions League. Ob Abramowitsch bald weniger Geld zur Verfügung stellen kann? Unlängst hat er die Scheidung von Darja, seiner dritten Ehefrau, angekündigt.
Mit 43 Jahren, 4 Monaten und 26 Tagen ist Goalie John Burridge bis heute der älteste in der Premier League eingesetzte Akteur. In seiner überlangen Karriere spielte er auf der Insel für 29 Klubs – am 14. Mai 1995 letztmals in der Premier League, für Manchester City.
Den Franzosen Eric Cantona wählten die Fans von Manchester United zu ihrem «Spieler des Jahrhunderts». Sein Markenzeichen waren der hochgestellte Kragen des Trikots, geniale Pässe und spektakuläre Tore – aber auch viele Ausraster. Als «King Cantona» in Kung-Fu-Manier einen Fan niederstreckte, der ihn nach einem Platzverweis beleidigt hatte, wurde er für acht Monate gesperrt. Trotzdem wurde er 2005, acht Jahre nach seinem Rücktritt, zum besten Premier-League-Spieler aller Zeiten gewählt.
Brian Deane erzielte beim 2:1-Sieg von Sheffield United gegen Manchester United das erste Tor in der Geschichte der Premier League. Der Stürmer bezwang nach fünf Minuten Peter Schmeichel und er erzielte später mittels Penalty auch den zweiten Treffer Sheffields.
Richard Dunne hält einen umrühmlichen Rekord: Der 80-fache irische Nationalspieler erzielte in der Premier League nicht weniger als zehn Eigentore. Weil der Verteidiger immerhin zwölf Mal ins richtige Tor traf, beendete er die Karriere mit einer leicht positiven Bilanz … Dunne kassierte ausserdem acht Platzverweise, was ebenfalls eine «Bestmarke» darstellt. Diesen Rekord teilt er sich mit Patrick Vieira und Duncan Ferguson.
Wenn Manchester United im Rückstand ist, lässt der Schiedsrichter so lange spielen, bis es noch ausgleichen kann. Das ist – überspitzt formuliert – die «Fergie Time», benannt nach Sir Alex Ferguson. Der cholerische Erfolgstrainer (13-mal Meister, 5-mal Cupsieger, 2-mal Champions-League-Sieger mit den «Red Devils») wuchs im rauen Klima eines Glasgower Arbeiterviertels auf und legte sich oft energisch mit den Schiedsrichtern an. Offenbar mit Erfolg, denn statistisch kann die «Fergie Time» nachgewiesen werden. Allerdings wird nicht nur ManUnited bevorteilt, sondern Spitzenteams generell.
In keiner Fussball-Liga der Welt steckt mehr Geld als in der Premier League. Die Einnahmen, welche durch die TV-Rechte erzielt werden, klettern weiter und weiter in die Höhe, denn die Spiele der Top-Teams werden längst nicht mehr nur auf der Insel verfolgt, sondern rund um den Erdball. Momentan können Fernsehgelder in der Höhe von 2,75 Mrd. Euro verteilt werden. Das sorgt dafür, dass selbst ein Absteiger mehr durch das TV einnimmt als der deutsche Serienmeister Bayern München. Und es sorgt für überhitzte Preise auf dem Transfermarkt.
Der Franzose Thierry Henry ist in den Augen vieler Beobachter der beste Spieler, den die Liga je hatte. Während dies diskutiert werden kann, ist etwas anderes Fakt: Kein anderer Ausländer schoss so viele Tore, nämlich 175. Der langjährige Arsenal-Stürmer wurde vier Mal Torschützenkönig, mehr als jeder andere in der Liga-Geschichte. Noch sehr lange wird diese vom 260-fachen Torschützen Alan Shearer angeführt werden.
Der Portugiese José Mourinho zählt zu den erfolgreichsten Trainern der Welt. Als er 2004 neu bei Chelsea war, reagierte er auf seine Art auf die Behauptung, er sei hochnäsig: «Nennen Sie mich bitte nicht arrogant. Ich habe den Europacup gewonnen, ich bin nicht irgendein Trainer. Ich bin ein aussergewöhnlicher.» Seither lebt und pflegt Mourinho dieses Image als «Special One». Und Jürgen Klopp stellte sich in Liverpool kumpelhaft als «The Normal One» vor.
Viel dramatischer als Manchester City 2012 kann man nicht Meister werden. Lokalrivale Manchester United siegte in Sunderland, Spieler und Fans warteten auf den Abpfiff der Partie zwischen den Queens Park Rangers und City, in welcher QPR bis zur 92. Minute mit 2:1 führte. Doch dann trafen in der Nachspielzeit Edin Dzeko und Sergio Aguero, Manchester City gewann noch mit 3:2 und holte dank der besseren Tordifferenz den ersten Meistertitel seit 44 Jahren.
In den Anfangsjahren der Premier League schickte sich Manchester United an, mit jungen eigenen Spielern die Welt zu erobern. In kurzer Zeit etablierte sich ein halbes Dutzend Nachwuchsspieler der «Class of '92» bei den Grossen: David Beckham, Nicky Butt, Ryan Giggs, Paul Scholes und die Brüder Phil und Gary Neville. Sie führten die United zu unzähligen Titeln, Giggs wurde mit 963 Einsätzen zum Rekordspieler des Klubs.
Während die Schere zwischen den grossen und den kleinen Klubs immer weiter auseinanderging, ereignete sich in der Saison 2015/16 ein Wunder. Nichts anderes war der Meistertitel des 5000:1-Aussenseiters Leicester City, der angeführt von Trainer Claudio Ranieri sensationell Champion wurde.
Mit 13 Titeln in 25 Jahren ist Manchester United die unumstrittene Nummer 1 der Premier League. Zuletzt gab es jedoch eine Durststrecke von vier Saisons ohne Meistertitel – schlagen die «Red Devils» in der neuen Saison wieder zu?
Dennis Bergkamp leidet unter Flugangst. Und weil es die Figur des «fliegenden Holländers» gibt, wurde aus dem Arsenal-Star flugs der «nicht-fliegende Holländer». Dabei hätte Bergkamp allen Grund gehabt, um abzuheben: Er führte die «Gunners» zu drei Meistertiteln (1998, 2002 und 2004) und er schoss gegen Newcastle United das für viele schönste Tor der Liga-Geschichte.
Der Klub aus einem Vorort von Manchester ist einer von 47, die bislang in der Premier League gespielt haben. Das heute drittklassige Oldham Athletic war zwei Saisons lang dabei und damit länger als Barnsley, Blackpool, Cardiff City und Swindon Town, für die es alle nach nur einem Jahr wieder runterging.
Arsenals Franzosen Robert Pires und Thierry Henry versuchen einen Penalty auf besondere Art zu schiessen. Pires soll nicht selber abziehen, sondern für Henry auflegen, damit der treffen kann. Erlaubt ist das – aber nur, wenn es klappt. Was der grosse Johan Cruyff 1982 vorzeigte, misslingt dieses Mal aber. Arsenal schlägt Manchester City trotzdem 1:0. Torschütze: Robert Pires mittels Penalty.
Die meisten Titel gingen seit Bestehen der Premier League zwar nach Manchester, aber das Herz der Liga schlägt in London. Insgesamt neun Klubs waren schon dabei, aktuell sind es fünf: Chelsea, Arsenal, Tottenham, West Ham und Crystal Palace. Auch schon Premier League spielten Fulham, Charlton, Wimbledon und eben die Queens Park Rangers.
Lee Bowyer und Kieron Dyer galten schon zuvor als Bad Boys, doch 2005 festigte sich dieser Ruf erst recht. Gegen Aston Villa gingen die beiden Spieler von Newcastle United aufeinander los und verkloppten sich. Nur mit Mühe gelang es den anderen Spielern, die Hitzköpfe zu trennen. Beide flogen vom Platz, sie kassierten Sperren und Bussen.
Dieser Mann hatte eine eingebaute Tor-Garantie: Alan Shearer. Kein anderer Spieler schoss in der Premier League mehr Tore, nämlich 260. Auch dank seiner Treffer gelang es den Blackburn Rovers 1995 Meister zu werden. Der 63-fache Nationalspieler Shearer wechselte danach in seine Heimatstadt Newcastle, wo er zehn Jahre lang die Massen verzückte. Einen Titelgewinn mit den «Magpies» verpasste er jedoch knapp.
Der FC Liverpool spielt an der Anfield Road, es ist nach dem Nationalstadion Wembley das berühmteste Stadion Englands. Wie gerne würden die Reds hier endlich wieder einen Meistertitel feiern!
2014 war Liverpool so gut wie ewig nicht mehr und auf Kurs in Richtung Titel. Dann rutschte ausgerechnet Ikone Steven Gerrard an der Mittellinie aus, Chelsea erzielte nach dem unverhofften Ballgewinn ein Tor und siegte. Und so muss Liverpool weiter auf die erste Meisterschaft seit 1990 warten.
1996 war das Internet noch kaum verbreitet, die Welt eine andere. So ist die Geschichte des Ali Dia zu erklären. Jemand, der sich als der grosse George Weah ausgab, rief bei Southamptons Trainer Graeme Souness an und empfahl seinen Cousin. 13 Länderspiele habe dieser Ali Dia absolviert und bei Paris St-Germain gespielt.
Alles erfunden, doch das wusste Souness damals noch nicht. Also wechselte er den Stürmer gegen Leeds wegen vieler Verletzter in der 32. Minute ein. Doch in der 85. Minute nahm Souness ihn wieder vom Feld, Dias Leistung war unterirdisch schlecht. «Er sah aus wie ‹Bambi on Ice›, es war richtig peinlich», erinnerte sich Matt Le Tissier, für den er auf den Platz kam. Es blieb Dias einziger Einsatz, danach wurde der Vertrag aufgelöst und er wurde zum Stammgast in jeder Hit-Liste der schlechtesten Transfers aller Zeiten. Erst zwei Jahrzehnte später erzählte Dia in einem lesenswerten Artikel seine Sicht der Dinge und sagte: «Ich habe ein reines Gewissen.»
Heute kommt rund die Hälfte aller Spieler in der Premier League von ausserhalb Grossbritanniens. Was für ein Kontrast zur allerersten Runde 1992: In den elf Partien standen gerade mal 13 Spieler in der Startelf, die nicht aus Grossbritannien oder Irland stammten. Chelseas italienischer Trainer Gianluca Vialli sorgte am 26. Dezember 1999 für ein historisches Ereignis: Er stellte beim 2:1-Sieg in Southampton als erster Coach eine Startelf ganz ohne britischen Einfluss auf.
Am 17. Oktober 2009 siegte Sunderland gegen Liverpool mit 1:0 – weil Darren Bent einen Wasserball anschoss, von dem der Ball ins Tor abgefälscht wurde. Liverpool-Keeper Pepe Reina schaute dumm aus der Wäsche, doch der Schiedsrichter gab den Treffer. Doppelt blöd: Der Wasserball gelangte aus dem Fanblock der «Reds» aufs Spielfeld.
Arsenals Granit Xhaka ist einer von 25 Schweizern, die in den ersten 25 Jahren Premier League zum Einsatz kamen, und mit 45 Millionen Euro der teuerste. Am meisten Spiele (243) absolvierte Stéphane Henchoz, für die meisten Vereine (4) spielte Philippe Senderos, die meisten Tore (7) erzielten Xherdan Shaqiri und Ramon Vega. In der Söldner-Liste finden sich auch Namen, an die kaum ein Fan denkt: Fabio Daprela (7 Spiele für West Ham), Gaetano Giallanza (3 Spiele für Bolton) oder Giuseppe Mazzarelli (2 Spiele für Manchester City). Mit Christian Gross war auch ein Schweizer Trainer in England beschäftigt, er rettete Tottenham 1997/98 vor dem Abstieg.
In der Bundesliga war Anthony Yeboah eine grosse Attraktion und das wurde er auch sofort nach seinem Wechsel nach England, nachdem er sich in Frankfurt mit Trainer Jupp Heynckes verkracht hatte. Der kräftige Ghanaer schoss in seinem ersten Halbjahr bei Leeds United 13 Tore in 16 Spielen – darunter manch krachendes Pfund aus der Distanz.
Heutzutage kann es schwierig werden, sich ein Ticket für ein Premier-League-Spiel zu ergattern. Das war auch schon anders: So kamen 1993 bloss 3039 Fans, um einen 3:1-Sieg Evertons bei Wimbledon zu sehen. Seither stieg der Zuschauerschnitt von 21'126 Fans in der Premieren-Saison auf 35'805 in der vergangenen. Die Stadien waren 2016/17 zu 95 Prozent gefüllt.