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Am Abend des Abstimmungssonntags vom 14. Juni wiederholt sich ein Ritual der direktdemokratischen Tradition der Schweiz: Die Gewinner loben die Weisheit des Souveräns, während die Verlierer die unlautere Kampagne des Gegners beklagen.
Volksabstimmungen produzieren unweigerlich Gewinner und Verlierer – nicht nur im Souverän, sondern auch bei den Parteien. Diese sind besonders exponiert, geben sie in der Regel doch Wahlempfehlungen in Form von Parteiparolen ab. Jene für den 14. Juni sind hier einsehbar.
Welche Partei seit der Jahrtausendwende die meisten Abstimmungen gewonnen und welche die meisten verloren hat, zeigt folgende Grafik. Wer es gerne spannend hat, gibt zuerst einen Tipp ab. Die anderen dürften gerne zur Auflösung weiterscrollen.
Und der Gewinner ist:
Die CVP hat bei den 145 Volksabstimmungen zwischen 1999 und 2014 am häufigsten die «richtige» Parole herausgegeben: 115 Mal, was einer Erfolgsquote von 79 Prozent entspricht. Auch die anderen Mitteparteien FDP, BDP und GLP erfreuen sich einer hohen Übereinstimmung mit dem Souverän.
Im zweiten Glied folgen Rechtsparteien wie MCG, SVP, EDU und SD. Sie gewinnen deutlich mehr als die Hälfte der Abstimmungen, die wählerstärkste SVP gar fast zwei Drittel. Am unteren Ende der Skala liegen Linksparteien wie SP und Grüne, die mehr Abstimmungen verlieren als sie gewinnen. Schlusslicht bildet die kommunistische PdA, die auf eine Erfolgsquote von 41 Prozent kommt.
Diese Rangordnung hat auch Bestand, wenn nur die knappen Volksabstimmungen (Resultate zwischen 48 und 52 Prozent) für den Vergleich herangezogen werden.
Dass die Ratslinke viele Abstimmungen verliert, erstaunt Politologin Sarah Bütikofer nicht: «Die Linke ist in der Schweiz seit jeher in der Minderheit. Wenn es ihr nicht gelingt, entweder die Mitte für ihr Anliegen zu gewinnen oder eine unheilige Allianz mit der Rechten einzugehen, verliert sie die Abstimmung.» Erfolgreiche Alleingänge wie die Zweitwohnungsinitiative blieben die Ausnahme.
FDP und CVP dominieren trotz Wählerschwund immer noch den Ständerat. Das hängt mit dem Majorz-System zusammen, bei dem die Wähler eher Personen wählen, die in der Mitte stehen. «Auch bei Sachvorlagen, wo es nur die Wahl zwischen einem JA oder einem NEIN gibt, tendiert der Stimmbürger zur Position der Mitte, zumal die Vorlagen häufig schon Kompromisse zwischen mehreren (Mitte-)Parteien darstellen», so Bütikofer.
Angesichts der fragmentierten Parteienlandschaft der Schweiz stellt sich allerdings die Frage, ob der Stimmbürger die Parolen überhaupt kennt und sie in seine Entscheidungsfindung miteinbezieht. Für Bütikofer erfüllen sie auch eine interne Funktion: Delegiertenversammlungen, an denen die Parteien ihre Parolen fassen, stellen für sie oft die einzige Gelegenheit zur Diskussion im grossem Rahmen dar. Das ist bei umstrittenen Vorlagen wichtig, vor allem wenn einzelne kantonale Sektionen oder auch die Frauen- oder Jungpartei abweichen.» Die beschlossene Parole habe dann ein gewisses Gewicht.