Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03553.jsonl.gz/1318

Der Internationale Eishockeyverband (IIHF) schüttet bei der WM rund 7,5 Millionen Franken Preisgeld aus. Wobei: IIHF-Präsident René Fasel verwahrt sich gegen den Ausdruck «Preisgeld». Er betont stets, es handle sich um «Entwicklungshilfe». Das Geld gehe als Unterstützung an die nationalen Verbände. Tatsächlich heisst der Zuschuss für die an der WM teilnehmenden Länder «Development Money».
Dieses Geld wird im Leistungsprinzip nach der Platzierung an die 16 WM-Teilnehmer ausbezahlt. Der Weltmeister kassiert rund 1,1 Millionen Franken, der Finalverlierer rund 900'000. Wer den Viertelfinal erreicht – wie jetzt die Schweizer – hat schon mal gut 500'000 Franken auf sicher. Aber alles nur in normalen Zeiten.
Die Pandemie hat auch die nationalen Verbände hart getroffen. Deshalb kommt für die WM 2021 in Riga bei der Ausschüttung des Preisgeldes – pardon: der Entwicklungshilfe – ein Sozialplan zur Anwendung. Etwas vereinfach erklärt: Die Gesamtsumme von rund 7,5 Millionen bleibt gleich. Aber für die ersten acht Plätze gibt es 20 Prozent weniger als in normalen Zeiten. Dafür bekommen die Ränge 9 bis 16 nun 20 Prozent mehr.
Das bedeutet konkret: Die Schweden kassieren für ihren schmachvollen 9. Schlussrang bei diesem Turnier gut 100'000 Franken mehr als sie in normalen Zeiten für diese Klassierung bekommen hätten. Sie haben also die richtige WM ausgesucht, um sich zu blamieren.
Ausgerechnet die grosse Hockeynation, 11-facher Weltmeister, insgesamt 47-facher Medaillengewinner, Olympiasieger 1994 und 2006, einer der reichsten und mächtigsten Landesverbände überhaupt, profitiert von der «Sozialhilfe» des Weltverbandes.
IIHF-Präsident René Fasel bestätigt auf Anfrage dieses Kuriosum nur ungern: «Diese Zahlen sind nicht offiziell. Es sind Ihre Schätzungen und woher Sie die Angaben haben, weiss ich nicht. Aber im Grossen und Ganzen stimmen diese Informationen. Die besten Acht bekommen weniger und dafür die letzten Acht mehr Geld. Und, ja, es stimmt. Es ist tatsächlich so: Schweden bekommt unter den besonderen Umständen mehr Geld für den 9. Platz als in normalen Zeiten.»
Eigentlich hat es eine gewisse Logik, dass das Land mit dem wohl bestausgebauten Sozialstaat der Welt für einmal in einer allerdings selbstverschuldeten sportlichen Notlage von einem System der sozialen Gerechtigkeit profitieren kann.
«Bestraft» werden die Schweizer, die ja mit der Qualifikation für den Viertelfinal unter die besten Acht vorgerückt sind und nun zu den Teilnehmern gehören, die weniger Geld bekommen als in normalen Zeiten. Konkret: Mit dem Viertelfinal hätten sich in normalen Zeiten etwas mehr als 500'000 Franken bereits auf sicher. Nun sind es halt «nur» 300'000. Und werden wir Weltmeister, gibt es nicht mehr rund 1,1 Millionen. Sondern lediglich etwas mehr als 800'000 Franken.
Der Internationale Eishockey-Verband (IIHF) mit Sitz in Zürich kümmert sich um die schwächeren Verbände und hat Geld für schwierige Zeiten beiseitegelegt. Diese Saison konnten bisher nur 4 von 44 Titelturnieren durchgeführt werden. Aus dem mit 20 Millionen für Notzeiten bestückten Entwicklungsfonds sind an alle teilnehmenden Verbände der 40 abgesagten Turniere rund 25'000 Franken ausbezahlt worden.
Die WM 2021 in Riga ohne Zuschauer und unter erschwerten Bedingungen, die zusätzlich hohe Kosten verursachen – beispielsweise sind alle Spieler und Betreuer in Einzel- statt in Doppelzimmern untergebracht, was die Hotelkosten verdoppelt – ist nur möglich, weil die IIHF das Turnier mit rund 20 Millionen subventioniert.
Die WM ist auch aus kommerziellen Gründen für die IIHF von existenzieller wirtschaftlicher Bedeutung: Erst mit der Durchführung der WM sind die TV- und Vermarktungseinnahmen in der Höhe von mehr als 20 Millionen gesichert und die entsprechenden Verträge erfüllt. Riga 2021 endet für den Organisator und für die IIHF mehr oder weniger mit einer «schwarzen Null».
Nun wären seit dem 1. Juni nicht ganz 3000 Zuschauer erlaubt. Aber ein Ticket kann nur kaufen, wer eine App des lettischen Gesundheitsministeriums herunterladen und so den Beweis erbringen kann, entweder geimpft oder genesen zu sein. René Fasel sagt, das System funktioniere nicht richtig und deshalb habe man für die Partie Lettland gegen Deutschland – es ging für beide um die Viertelfinal-Qualifikation – nicht einmal die Hälfte der Tickets verkaufen können.
Seine Gelassenheit verliert der IIHF-Obmann deswegen nicht. «Wir sind von einer WM ohne Publikum ausgegangen. Für uns ist jeder Fan, der nun doch ins Stadion darf, ein Gewinn.»
Bisher sind 56 Spiele reibungslos über die Bühne bzw. das Eis gegangen. Die «Bubble», die Abschottung aller WM-Teilnehmer vom Umfeld, um Covid-Infektionen zu verhindern, funktioniert. René Fasel sagt, dass es rund um die WM bisher nur einen einzigen positiven Test gegeben habe: «Es handelt sich um einen finnischen Scout. Der Zutritt ist ihm verweigert worden.»