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| Ephräm d. Syrer († 373) - Drei Reden über den Glauben

Zweite Rede
2.
Du hast gehört, daß Gott Gott ist. So lerne dich selbst als Menschen kennen! Du hast gehört, daß Gott der Schöpfer ist; wie soll dann das Geschöpf ihn erforschen können? Du hast gehört, daß Gott Vater ist; an seiner Vaterschaft erkenne seinen Sohn! Ist nämlich der Vater der Erzeuger, so ist der von ihm Erzeugte natürlich sein Sohn. Den einen Sohn, der da der Eingeborene ist, sollen deine Fragen nicht zerteilen! Du hast von der Herrlichkeit des Sohnes gehört; lästere ihn nicht durch deine Untersuchung! Du hast vom Geiste gehört, daß er der Hl. Geist sei; benenne ihn also mit dem Namen, mit dem man ihn bezeichnet! Du hast seinen Namen gehört, bekenne also diesen seinen Namen! Aber sein Wesen zu erforschen, dazu bist du nicht berechtigt. Du hast vom Vater, vom Sohn und vom Hl. Geiste gehört; so schließe also von den Namen auf das wirkliche Dasein der Personen! Die Namen sind nicht vereint, aber die drei sind wahrhaft eins. Bekennst du ihre Namen, nicht aber ihr persönliches Dasein, so bist du wohl dem Namen nach ein Anbeter, in der Wirklichkeit jedoch ein Leugner. Wo kein persönliches Dasein vorhanden ist, da haben wir nur einen leeren Namen. Was nicht wirklich ist, dessen Benennung ist eitel. Der Ausdruck Person belehrt uns, daß sie wahrhaft etwas ist. Daß sie etwas ist, wissen wir; wie sie aber ist, das begreifen wir nicht. Dadurch, daß du weißt, sie existiert, hast du noch nicht erfaßt, wie sie ist. Deshalb, weil du sie nicht begreifst, darfst du ihr Dasein nicht leugnen. Beides ist Lästerung, Skepsis und Grübelei.