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30.07.2021 11:08:49

Credit Analyst
Vardhman Jain
Obwohl das Schlagwort "Netto-Null" weltweit immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist das Engagement des Bankensektors für dieses Ziel insgesamt gering. Zum Zeitpunkt unserer ersten Analyse Mitte 2020 hatten sich weniger als 20 % der globalen Banken unseres Universums verpflichtet, ihre Finanzierungsaktivitäten an den Zielen des Pariser Abkommens oder einem nationalen Netto-Null- oder wissenschaftsbasierten Ziel zu orientieren.
Bei den Banken überwiegt die Finanzierung fossiler Brennstoffe bei Weitem die nachhaltige Finanzierung. In der fossilen Brennstoffbranche stark engagierte Banken sind durch den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft mit erheblichen finanziellen, regulatorischen und Reputationsrisiken konfrontiert.
Da Schroders viele Anleihen im Bankensektor hält, sind wir daran interessiert, potenzielle Gewinner und Verlierer beim globalen Übergang zur Netto-Null-Wirtschaft zu identifizieren.
Research
Im Rahmen unseres thematischen Researchs zu diesem Thema haben unsere Teams für Unternehmensanleihen und nachhaltige Anlagen eine Scorecard entwickelt, die Fondsmanagern hilft, eine Bank im Hinblick auf eine Reihe von Faktoren im Zusammenhang mit der Finanzierung fossiler Brennstoffe zu bewerten. Mithilfe konventioneller und unkonventioneller Datenquellen werden Banken nach dem Umfang ihrer Finanzierung fossiler Brennstoffe, ihrer langfristigen Klimastrategie und -vision, der nachhaltigen Finanzierungsfähigkeit, dem Reifegrad der Klimapolitik und des Risikomanagements sowie der Qualität der Klimaberichterstattung bewertet.
Die Scorecard wird verwendet, um Unternehmen für genauere Analysen und ein tiefer gehendes Engagement zu priorisieren. Sie umfasst derzeit über 100 der weltweit grössten Banken sowie eine Gruppe ausgewählter kleinerer Banken, um eine ausreichende Abdeckung des Bankengagements des Unternehmensanleiheteams sicherzustellen.
Engagement
Unser Unternehmensanleiheteam hat zusammen mit einer Reihe von Aktienteams rund 50 Banken in Europa, Nordamerika und Asien für eine genauere Analyse und ein tiefer gehendes Engagement ausgewählt. Ihr Fokus lag auf den grössten Finanzierern der fossilen Brennstoffindustrie sowie auf Banken, die durch ihre Bilanzen möglicherweise stark an der fossilen Brennstoffindustrie beteiligt sind.
Nach jedem Engagement heben wir drei bis vier Ziele hervor, an denen die Bank in den nächsten zwölf Monaten arbeiten soll. Beispiele sind:
- Entwicklung einer Verpflichtung, die Finanzierungsaktivitäten der Bank an den Zielen des Pariser Abkommens sowie den damit verbundenen Meilensteinen und Zielen auszurichten;
- Überprüfung und Stärkung der Richtlinien der Bank für fossile Brennstoffe im Einklang mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und/oder bewährten Verfahren;
- TCFD- (Task Force on Climate-Related Financial Disclosures) und Klimarisikoberichterstattung, einschliesslich Offenlegung zusätzlicher Klimakennzahlen.
Bei Banken, die in diesen Bereichen bereits Fortschritte gemacht haben, konzentrierten sich unsere Gespräche auf die Robustheit und Weiterentwicklung ihrer Mess- und Zielsetzungsmethoden in Bezug auf die Verpflichtung der Bank, ihre Finanzierungsaktivitäten am Pariser Abkommen auszurichten.
Die bisherige Reaktion
Obwohl es noch zu früh ist, um die Auswirkungen unserer Gespräche zu beurteilen, war die Resonanz der Banken bislang positiv. Von den 50 kontaktierten Banken haben wir uns bis Ende Juni 2021 mit 25 getroffen.
Wir beobachten eine enorme positive Dynamik bei diesem Thema: Die Banken stärken ihre Richtlinien für fossile Brennstoffe, verbessern die Offenlegung von Klimarisiken und verpflichten sich, ihre Finanzierungsportfolios an den Zielen des Pariser Abkommens auszurichten.
Wir haben eine Gruppe führender Banken identifiziert, die bereits Ziele und detaillierte Pläne zur Unterstützung ihrer Finanzierungsverpflichtungen haben oder in Kürze haben werden und die gut positioniert sind, um die globale Energiewende zu finanzieren.
Aber wir haben auch Hürden bei der Datenerhebung, fehlende interne Ressourcen zur Unterstützung dieses Problems und eine fehlende etablierte Portfolio-Mess- und Zielsetzungsmethodik festgestellt.
Dank unseres Engagements konnten wir diese Unternehmen auf bewährte Verfahren hinweisen, die wir von ihren Mitbewerbern kennen. Letztlich riskieren jedoch die Banken, die bei den von uns angesprochenen Themen keine Fortschritte zeigen, in Zukunft niedrigere Umwelt-Ratings zu erhalten.
Sobald wir diese erste Phase abgeschlossen haben, planen wir, uns bei weiteren Banken zu engagieren und unsere Scorecard auf andere Arten von Finanzunternehmen, wie Versicherungsgesellschaften, auszuweiten.
Integration in unseren Anlageprozess
Bonitäts- und ESG-Bewertung von Einzelunternehmen: Wir nutzen die Erkenntnisse aus unserem Engagement, um potenzielle Risiken für den Cashflow eines Unternehmens zu identifizieren und die Qualität unserer internen Bonitäts- und ESG-Bewertungen zu verbessern.
ESG-Sektorbewertungen von Kreditanalysten: Die Informationen aus unserem Research und Engagement zur Finanzierung fossiler Brennstoffe fliessen in die ESG-Sektorbewertungen von Kreditanalysten ein. Im Rahmen dieser Überprüfungen diskutieren Analysten mit Portfoliomanagern die ESG-Faktoren und die Rangfolge der ESG-Risiken und -Chancen ihrer Unternehmen, die sich auf die Fähigkeit der Unternehmen auswirken könnten, ihre Schulden zu bedienen.
Die proprietären Tools von Schroders: Die Entwicklung unserer Scorecard für die Finanzierung fossiler Brennstoffe hat uns geholfen, neue Umweltkennzahlen für unsere proprietären Nachhaltigkeitstools wie CONTEXT zu identifizieren, die sowohl von Anleihe- als auch von Aktienanlegern bei Schroders verwendet werden.
Abstimmungsverhalten: Anhand der Ergebnisse unseres Researchs und Engagements haben wir unsere Erwartungen an Banken in Bezug auf die Finanzierung fossiler Brennstoffe und den Klimawandel genauer definiert. Dies hat sich in der jährlichen Überprüfung unserer Abstimmungspolitik und den jüngsten Abstimmungsentscheidungen zu klimabezogenen Aktionärsbeschlüssen für Banken widergespiegelt.
Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/
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