Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03473.jsonl.gz/158

Sprichwörter haben häufig diese stratagemische Weisheit in sich: "Nie zu viel", "es gibt ein Mass in allen Dingen" oder "wer langsam geht, bewegt sich gesund und weit". Das sind weder moralische Forderungen noch fertige Rezepte. Strategeme sind kleine Puzzleteile, die sich zu einem Bild zusammenfügen lassen. Ebenso ist der Schmetterlingseffekt fähig, mit wenig viel zu erreichen. Das ist genau das Wesen der chinesischen Weisheiten, d. h. der Stratageme. Förderliche Stratageme nennt man Anadoleme (dólos = List, anádolos = förderliche Vorderlist). Einige sehr wirksame Vorderlist-Muster sind: Wind aus den Segeln nehmen: dem Schlimmen zuvorkommen; mehr sein als man scheint oder umgekehrt; für jemanden die Kastanien aus dem Feuer holen oder den Gegner durch Lächeln gewinnen.
Die Falle des Masses besteht darin, dass wir denken, man können die Mässigkeit nicht übertreiben. Doch das ist ein Irrtum. Die sich selbst kasteienden Asketen belegen dies, ebenso jene, welche glauben, dass Liebe, Zuvorkommenheit und Zärtlichkeit nur mässig zu verschenken. Es gibt nie zu viel Liebe, aber es gibt zu viel Falschheit oder Einseitigkeit darin. So ist auch die "goldene Mitte" oft derselbe Ausdruck wie "extreme Mittelmässigkeit".
Sie lernen die Vorderlist vertiefter kennen und sehen, was in der Vorderlist, das heisst in der konsequenten Zuvorkommenheit, steckt, nämlich die Reinheit des Geistes und des "Herzens", welche die mächtigsten Zwillinge sind, die in uns Menschen Wohnsicht haben.