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Die «GWUP» berichtet über einen Entscheid des Schweizerischen Presserates (einer journalistischen Selbstregulierungsinstanz in der Schweiz), welcher am 19. April auf NZZ-Online beschrieben wird:
Der Lead des NZZ-Artikels erklärt den Sachverhalt treffend in zwei Sätzen. Subjektive Kommentare zu Homöopathie abzugeben, ist unproblematisch («Bockmist», «moderner Aberglaube»). Die Aussage aber, dass keine einzige Studie die Wirksamkeit von Homöopathie beweise, ist falsch.
Technisch gesehen ist die Rüge an das «Magazin» gerechtfertigt (Beschwert hatte sich der «Schweizerische Verein homöopathischer Ärztinnen und Ärzte» beim Presserat): Tatsächlich gibt es Studien, welche angeblich beweisen, dass Homöopathie wirkt - in der Regel genügen derartige Studien aber nicht wissenschaftlichen Standards. Ein Beispiel einer solchen Studie habe ich in diesem Blogeintrag kritisiert. Das klassische Problem bei solchen schlechten Studien: «Garbage in, garbage out»; es werden falsche Prämissen getestet und falsch interpretiert.
Aber auch eine Minderheit seriös durchgeführter Studien kommt zum Schluss, dass Homöopathie eine statistisch signifikante Wirkung habe. Den Grund dafür fasst ein XKCD-Comic perfekt zusammen (Quelle):
Gängige Hypothesentests haben zur Folge, dass eine Minderheit aller Tests als statistisches Artefakt falschpositiv sind. Wenn sich Homöopathie-Gläubige an diese Minderheit der Studien krallen und die grosse Mehrheit der Studien ignorieren, welche ihre Behauptung, dass Homöopathie wirke, falsifizieren, propagieren sie Pseudowissenschaft.
Homöopathie wirkt eindeutig nicht über den Placeboeffekt hinaus, darüber besteht kein Zweifel. Aber noch ein zweiter Punkt kommt hinzu: Ein Heilmittel muss den Mechanismus erklären können, mit welchem die angebliche Wirkung zustande kommt. Ansonsten bleibt unbekannt, was die Risiken und Nebenwirkungen sein können. Nie würde z.B. Novartis ein Medikament auf den Markt bringen können, ohne vorherige Abklärung des genauen Wirkungsmechanismus - die irrationale Erklärung «Es ist Magie!» genügt nur pseudowissenschaftlichen Disziplinen wie der Homöopathie.
Zum Schluss noch ein kurzer Blick in die online veröffentlichte Begründung des Presserates zu diesem Entscheid. Unter anderem steht dort Folgendes:
Der Presserat kann in dieser Auseinandersetzung, in der sich jede Seite auf Studien und Gegenstudien beruft, kaum zur «Wahrheitsfindung» beitragen. Die Homöopathie wirkt wie andere Glaubenssysteme: Den «Gläubigen» hilft sie, den «Ungläubigen» hilft sie nicht. Und falls doch, werden diese zum Glauben bekehrt und sind den Ungläubigen höchstens noch Beweis für die Missionswirkung der Gegenseite, nicht aber für die Wirksamkeit der Methode.
Die eine Seite berufe sich auf Studien, die andere auch - über diese Studien zu urteilen, traut sich der Presserat nicht zu. Die nachfolgende Aussage ist aber klar: Homöopathie als Glaubenssystem helfe den Gläubigen und entsprechend den Ungläubigen nicht.
Für ein Mal wird ausgesprochen, was Tatsache ist: Homöopathie ist ein Glaubenssystem und deren widerlegte Behauptungen entsprechend wissenschaftlich irrelevant.