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Das musst du wissen
- Eine bei Microsoft durchgeführte Studie untersuchte den Effekt von firmenweitem Homeoffice auf die Zusammenarbeit.
- Es zeigte sich: die Zeit, in der einzelne firmeninterne Gruppen miteinander interagieren, ist gesunken.
- Zudem kommunizierten Mitarbeitende vermehrt schriftlich und seltener mündlich.
Während viele allmählich ins Büro zurückkehren, müssen Angestellte grosser Internetfirmen wie Facebook, Google oder Microsoft ihren Kaffee vorerst weiterhin am Küchentisch trinken. Dieses firmenweite Homeoffice führt jedoch dazu, dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Teams abnimmt. Dies zeigt eine Fallstudie aus den USA, die im Fachmagazin Nature Human Behaviour veröffentlicht wurde.
Science-Check ✓Studie: The effects of remote work on collaboration among information workersKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDie der Studie zugrunde liegende Datenmenge ist gross, was sie zuverlässig macht. Allerdings bezieht sie sich nur auf Angestellte eines einzigen Technologiekonzerns in Amerika. Es ist unklar, in wieweit sich Erkenntnisse auf andere Firmen, Branchen oder Länder übertragen lassen. Zudem ist der Beobachtungszeitraum von drei Monaten relativ kurz, über Langzeitfolgen ist damit nichts bekannt.Mehr Infos zu dieser Studie...Zuverlässigkeit: Peer-reviewed, anonymisierte Daten von 61 182 US-amerikanischen Mitarbeitenden von Dezember 2019 bis Juni 2020 von Microsoft untersucht. Ab dem 1. April 2020 befanden sich alle untersuchten Mitarbeitenden Vollzeit im Homeoffice.Studien-Art: Beobachtungsstudie.Geldgeber: Keine Angaben.Alle Informationen zum higgs-Science-Check
Für die Studie analysierten Forschende des US-amerikanischen Technikkonzerns Microsoft in Zusammenarbeit mit der Universität von Berkeley und dem Massachusetts Institute of Technology MIT die Zusammenarbeit und Kommunikationspraktiken von über 60 000 Microsoft-Mitarbeitenden. Dies taten sie anhand von Terminkalendern, Mails, Sofortnachrichten, Anrufen, Videoanrufen und Arbeitszeiten. Der Beobachtungszeitraum betrug sechs Monate, wobei sich in den letzten drei Monaten alle Mitarbeitenden im Homeoffice befanden, davor gut zwanzig Prozent. Einerseits lag das Augenmerk der Forschenden auf der Art der Kommunikation. Und andererseits auf dem persönlichen Arbeitsnetzwerk, also mit wie vielen und welchen Kolleginnen und Kollegen sie wie oft und wie lange interagieren.
Die Resultate zeigen: Firmenweites Homeoffice führte zu weniger Kontakt zwischen einzelnen Gruppen wie zum Beispiel Abteilungen innerhalb der Firma. Dabei verringerten sich der Kontakt zu anderen Arbeitsgruppen stärker bei jenen Personen, die durch die Pandemie ins Homeoffice gezwungen wurden. Und zwar vor allem wenn sich auch ihr Netzwerk zuvor nicht im Homeoffice befand. Andererseits interagierten Mitarbeitende derselben Gruppe mehr als zuvor. Insgesamt verlagerte sich die Kommunikation jedoch von persönlichen Gesprächen wie etwa geplanten Treffen oder Anrufen hin zu mehr E-Mails und Sofortnachrichten. Wer von zuhause aus arbeitete, tat dies zudem geringfügig länger als zuvor im Büro.
Die Forschenden gehen davon aus, dass es das firmenweite Homeoffice den Mitarbeitenden schwieriger machte, neue Informationen zu erwerben und zu teilen – und damit der Wissenstransfer vermindert wurde. Zudem befürchten sie, dass diese Veränderungen auch die Produktivität und auf lange Sicht die Innovation beeinflussen könnten. Messen konnten sie dies im Rahmen dieser Studie jedoch nicht. Gerade im Hinblick auf die Pläne einiger Firmen, das Homeoffice weiter zu verlängern oder generell eine Mischform aus Arbeit vor Ort und Zuhause einzuführen, sei solch vertieftes Wissen für Arbeitgebende jedoch wichtiger als je zuvor.