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In einer Botschaft vom 8. Juni 1864 bekundet der Bundesrat formell seine Absicht, im August desselben Jahres eine internationale Konferenz zu organisieren. Diese mündet am 22. August 1864 in die Annahme der ersten Genfer Konvention durch zwölf Staaten. Die Konferenz ist eine der Geburtsstunden des humanitären Völkerrechts.
In den Fussstapfen von Henry Dunant
Wie die Einladung des Bundesrats deutlich macht, reiht sich der Allgemeine Kongress von 1864 in Massnahmen ein, die auf die Initiative Henry Dunants von 1863 und die Schaffung des Roten Kreuzes zurückgehen. Der Bundesrat erklärt, vom Vorläufigen Internationalen Komitee von Genf, frühere Bezeichnung des IKRK, mit der Organisation einer internationalen Konferenz beauftragt worden zu sein, die für die Achtung der soeben festgelegten Grundsätze des humanitären Rechts «in der durch das Recht der Völker verankerten Form» sorgen solle.
In der Botschaft des Bundesrats wird auf einige der bei der ersten Konferenz von 1863 geäusserten, aus der Initiative Henry Dunants hervorgegangenen «Wünsche» hingewiesen: Die Staaten sollten dem Hilfspersonal Zugang zu Verwundeten ermöglichen, indem sie in Kriegszeiten Schutz und Neutralität für Ambulanzen, Spitäler und Pflegepersonal gewährleisten; zum anderen müsse für die «Sanitätsdienste aller Armeen» ein «gleichmässiges Unterscheidungszeichen» eingeführt werden.
Die Anfänge des internationalen Genf
Wie der Bundesrat unterstreicht, «rechtfertigt» die Neutralität der Schweiz «das Interesse, das sie Kriegsverwundeten entgegenbringt, und die Massnahmen, die sie den anderen Staaten zu ihrer Pflege vorschlägt». Im Gegenzug bewirkt das humanitäre Engagement der Schweiz, dass der Neutralitätsgrundsatz positiv besetzt ist, und ermöglicht ihr, sich der Akzeptanz dieses Grundsatzes durch die umliegenden Länder zu versichern.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Schweiz noch auf der Suche nach ihrem Platz in Europa. In ihrer Verfassung von 1848 wird die Neutralität bekräftigt, doch ist es erforderlich, dieses Konzept mit Leben zu füllen. Neutralität soll als Mittel im Dienste einer Sache verstanden werden und dem humanitären Engagement der Schweiz eine hohe Glaubwürdigkeit verleihen.
Mit der Organisation der Konferenz von 1864 in Genf schärft die Eidgenossenschaft das Profil der Stadt als moderne Metropole, als Wirkungsstätte Rousseaus und als Zentrum der Aufklärung. Dieser Aspekt lässt sich auch an der Bezeichnung «Recht der Völker» ablesen, einem aus der Aufklärung stammenden Konzept: Die Mächte müssen anerkennen, dass der Mensch naturgemäss ein gerechtes Schicksal verdient und ein Existenzrecht hat. Das vom Bundesrat im Juni 1864 verbreitete Dokument kündet somit klar vom Geist der künftigen Genfer Konventionen.