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Der Toggenburger flog am Samstagabend auf der Grossschanze überlegen zu seinem vierten Olympiasieg. Die Schweizer Presse spricht von der "Reife des Champions".Dieser Inhalt wurde am 21. Februar 2010 - 11:53 publiziert
Ammann segelte auf 144 m und 138 m und stellte in beiden Umgängen die klare Bestweite auf. Der Pole Adam Malysz und der Österreicher Gregor Schlierenzauer, die wie schon auf der kleinen Schanze die Ränge zwei und drei belegten, hatten nicht den Hauch einer Chance.
Der Schweizer flog im ersten Umgang so weit, dass er keine Telemark- Landung setzen konnte und aufpassen musste, dass er nicht in den Schnee griff. Die Stilnoten fielen deshalb bescheiden aus.
Vor dem Finaldurchgang betrug der Vorsprung auf Malysz umgerechnet "nur" 3,5 Meter. Doch in der Reprise blieb der Toggenburger cool und zeigte nicht das geringste Anzeichen von Unsicherheit oder Nervosität.
Ammanns Vorbereitung
Die Schweizer Zeitungen freuen sich über den vierten Olympiasieg Ammanns. Erstaunt darüber zeigen sie sich aber nicht. "Er machte am Donnerstag frei, schaute im House of Switzerland vorbei, schottete sich nicht ab, als habe er etwas zu verbergen.
Im Gegenteil", erzählt der Kommentator der Sonntagszeitung, "er redete über den angedrohten Protest, seine Konkurrenten aus Österreich hatten Redeverbot bekommen." Ammann habe in der Vorbereitung das getan, "was jemand tut, der sich seiner Überlegenheit bewusst ist". Er habe nun die "Reife des Champions".
Auch die NZZ am Sonntag beschäftigt sich mit Ammans Woche vor dem vierten Sieg. Sushi habe Ammann gegessen, am Donnerstag, und er habe sich mit Shopping in Whistler die Zeit vertrieben.
Am Samstag sei er dann völlig auf seine Sprünge konzentriert gewesen. "Bei Ammann stimmt das Gesamtpaket Form, Material, Psyche – es macht ihn im Moment unschlagbar", schreibt die NZZ am Sonntag.
Das Vergnügen gewählt
Simon Ammann habe nach dem ersten Sprung das Privileg gehabt, für den zweiten Sprung eine Strategie wählen zu können, meint Le Matin Dimanche.
Während die anderen sich ausschliesslich darauf hätten konzentrieren müssen, möglichst weit zu springen, habe Ammann sich überlegen können, ob er lieber weit fliegen sollte oder die besten Stilnoten abholen solle. Für Le Matin Dimanche ist klar, für was sich der 28-Jährige entscheiden hat: "Fürs Vergnügen, fürs Fliegen." Das sei offensichtlich.
Die "Bindungsposse" und die "Geheimwaffe"
Der Sonntag titelt: "Ein Logenplatz im Olymp" und wagt sich an ein Wortspiel: "Simon Ammann doubelt das Double von 2002".
Von den vier Goldmedaillen, die Ammann an Olympischen Spielen gewonnen habe, sei diese wohl am höchsten einzustufen. Ammann habe sich von der "Bindungsposse" nicht aus dem Konzept bringen lassen, "ganz im Gegenteil", "Ammann tat, was ihm in seiner Karriere immer gelang: Er schaute nur auf sich und verlor das goldene Ziel nie aus seinem Blick."
Der Blick kostet Ammanns Triumpf voll aus spottet über die österreichischen Skispringer: "Warum ihr hüpft und wir fliegen!" titelt er auf Seite zwei und hat exklusiv die "Geheimwaffe" der Schweizer ausgemacht: Ein Ingenieurstrio aus Basel-Kleinhünigen, das die Idee gehabt habe, den Stab bei der Bindung zu biegen.
"Österreich, da staunst du, was?" fragt der Blick etwas hämisch. An den Goldmedaillen verdienten die drei Ingenieure nichts, "das ist für uns Patriotismus", sagt einer von ihnen laut der Boulevardzeitung.
Vier Olympia-Goldmedaillen
Ammann ist der erste Schweizer mit vier Olympia-Goldmedaillen. Und auch die Rekordlisten der Skispringer müssen umgeschrieben werden. Ammann hat Vreni Schneider als erfolgreichste Schweizer Olympionikin abgelöst.
Die Skikönigin aus Elm gewann zwischen 1988 und 1994 dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. Ausser Ammann und Schneider stand niemand aus der Schweiz mehr als zweimal zuoberst auf einem Olympia-Podest.
Ammann darf man nun aber auch in einem Atemzug mit Matti Nykänen, dem grössten Skispringer aller Zeiten, nennen. Beide haben vier Olympiasiege eingeflogen, wobei Nykänen sein letztes Gold mit der Mannschaft gewann.
Im Vergleich der olympischen Einzelerfolge schneidet Ammann besser ab. Nykänen holte 1984 Gold und Silber und vier Jahre später zweimal Gold.
Weltmeister Andreas Küttel musste sich mit Rang 24 bescheiden (121,5/ 119,5).
swissinfo.ch und Agenturen
Bauernsohn aus Grabs
Simon Ammann ist 1981 in Grabs (St. Gallen) auf dem Bauernhof geboren.
Sein Talent zeichnete sich schon früh ab, in Oberstdorf an der Vierschanzentournee erreichte er überraschend den 15. Rang.
Der damals 16-Jährige qualifizierte sich für die Olympischen Spiele - ohne Glück.
2001 kam der Durchbruch beim Weltcup in Engelberg mit dem 2. Rang.
An den Olympischen Spielen in Salt Lake City übertraf er alle Erwartungen: Zweimal Gold.
Doch die Erwartungen waren nun zu gross: In Turin 2006 stürzte er gar.
2007 gewann er an der Nordischen Skiweltmeisterschaft wieder Gold und Silber.
2009 gewann er den Sommer-Grand-Prix als erster Schweizer (Hinterzarten), und wurde wieder zu einem Favoriten für Vancouver.
Ammann hat eine russische Verlobte und lebt in Schindellegi im Kanton Schwyz.
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