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Gelenk- und Drüsenübungen / Joints and Glands
„Beobachte mal eine Katze oder einen Hund, wenn sie aufwachen, und du wirst erleben, wie dieses Tier erst einmal eine ganze Serie von höchst spezifische Dehnungen ausführt. Es streckt zum Beispiel ein Bein weit zurück und dehnt und streckt seinen ganzen Körper so weit wie möglich in die andere Richtung nach vorne.
Du tust vielleicht etwas Ähnliches, wenn du morgens aufstehst und die Arme hoch über den Kopf streckst und dich dabei auf die Zehenspitzen stellst, nachdem du aus dem Bett geklettert bist – dies scheint eine natürliche Art zu sein, aus dem Schlaf zu kommen.
Aber warum tust du das? Vor allem wohl, weil es angenehm ist. Du denkst vielleicht nicht gross darüber nach, aber anscheinend versetzt es den Körper in einen Zustand zurück, in dem er wieder angenehm und gut funktionieren kann. Es rekoordiniert die Körperfunktionen und du fühlst dich munterer und lebendiger.
Auf den ersten Blick scheint diese schwelgerische Morgendehnung eine unbedeutende Sache zu sein, ihr liegt jedoch ein sehr wichtiges Prinzip zugrunde. Wissenschaftler haben bereits begonnen, die Bedeutung dessen zu entdecken, was sie „Körper-Bild“ nennen. Die geistige Vorstellung, das Bild, das ein Mensch sich von sich selber macht, bestimmt in hohem Ausmass, welche Teile seines Körpers er aktiv benutzt und welche er „vergisst“.
Ein Mensch, dessen Bewusstsein von sich selbst sich z.B. auf Gesicht und Brust konzentriert, mag wohl einen angenehmen Gesichtsausdruck haben und sich nett anziehen, während er andererseits dazu tendiert, sein Rückgrat und die Rückseite seines Körpers zu ignorieren. Das Ergebnis ist eine Beeinträchtigung seiner Grundkörperhaltung. Ohne sich dessen besonders bewusst zu sein, wird er seiner oberen Wirbelsäule gestatten, zu einer Buckelhaltung zusammenzusinken. Nach jahrelanger Gewohnheit, in dieser Haltung zu stehen und zu sitzen, ist der Rücken quasi „eingefroren“. In gewisser Weise bekommt er nicht die Energie, die er braucht, um flexibel und gesund zu bleiben. Verkalkungen und andere Störungen der Wirbelsäule sind die gewöhnliche Folge.
Wir können sagen, dass ein Mensch ernste Konsequenzen zu erleiden hat, wenn er einen Teil seines Körpers „vergisst“. Wenn ein Körperteil nicht in seiner richtigen Position ist, können die Bewegungen rund um ihn herum nicht ordentlich ausgeführt werden.
Eine Muskelpartie wird schlaff und schwach, weil sie nicht benutzt wird, eine andere hingegen wird übermäßig entwickelt, durch die Anstrengungen, die es kostet, eine aus dem natürlichen Gleichgewicht geratene Körperhaltung einzunehmen und aufrechtzuerhalten.
Yoga-Übungen sind dazu bestimmt, solche schlechten Gewohnheiten zu verändern, indem sie systematisch alle Körperteile auf sanfte und angenehme Art und Weise trainieren. Ganz allmählich bringt man dadurch Muskeln und Gelenke, die man jahrelang „vergessen“ hatte, ins eigene Bewusstsein zurück. Schwach gewordene Muskeln werden sanft und allmählich gekräftigt, so dass der Körper seine angenehme und natürliche Grundhaltung zurückgewinnt. Die gesamte Körperhaltung wird verbessert, so dass die Energie wieder auf natürliche und anregende Weise fliessen kann.
In der Wissenschaft und Philosophie des Yoga findet man die Grundlage für diese Übungen sehr genau umrissen und im Detail dargestellt. Dort wird gesagt, dass der „physische“ Körper nur einer von mehreren Körpern ist, die alle zusammen das menschliche Sein ausmachen.
Die Art und Weise, wie wir uns in unserer Vorstellung ein Bild von uns selber machen, unsere geistige Vorstellung von unserer „Gestalt“, ist ein Teil dessen, was wir den „geistigen“ Körper nennen. Neben diesem und dem physischen Körper, den wir sehen und berühren können, gibt es noch eine Zwischenebene, welche mit der Energie zu tun hat, die unsere Muskeln, Drüsen usw. aktiviert.
Wir können diese Energie mit der Elektrizität vergleichen, die einen Motor zum Laufen bringt. Die Energie muss in die richtigen Kanäle fliessen und in den richtigen Bahnen laufen, wenn die Maschine glatt und reibungslos funktionieren soll. Die Energie, der physische Körper und das geistige Körperbild wirken in vielschichtiger Weise aufeinander ein. Aber man braucht sich nicht mit der Theorie zu belasten, wenn man sich am wohltuenden Nutzen der Yoga-Übungen erfreuen will.
Es ist in der Tat nicht einmal notwendig, sich mit den komplexen und schwierigen Positionen abzumühen, welche gewöhnlich in den Yoga-Handbüchern beschrieben werden. Diese werden in Wahrheit erst dann wirklich nützlich, wenn der Körper einmal begonnen hat, sich zu seinem natürlichen Gleichgewicht zurück zu entwickeln.
Bis dahin sind die Gelenk- und Drüsenübungen eine Serie einfacher, angenehmer Dehnungen, die fast jedermann mit grossem Nutzen für sich selber machen kann, ganz gleich, wie „schlecht er in Form“ ist.
Wenn man die Blutzirkulation in den verschiedenen Teilen des Körpers verstärkt und in seine Vorstellung wieder ein natürliches, fliessendes Körperbild aufnimmt, kann man in seinem gesamten Organismus ein harmonisches Gefühl von Energie wiederherstellen. Das bedeutet, dass alle Körperstrukturen, inklusive Gelenke und Drüsen, davon profitieren. Ein wohltuender Effekt dieser Übungen verstärkt den anderen. Die Ergebnisse können sehr erfreulich wie auch erstaunlich sein. Für manche Menschen bedeutet es eine grosse Überraschung, dass sie sich jeden Tag besser fühlen können anstatt schlechter.
Man sollte im Gedächtnis behalten, dass dies Dehnungen sind. Sie sollten genauso angenehm sein und mit Freude genossen werden wie jenes erste spontane Recken und Strecken morgens nach dem Aufstehen. Macht man diese Übungen langsam, sanft und mit Freude, so können sie höchst wirkungsvoll sein.“
(Vorwort von Rudolph Ballentine, MD, „Gelenk- und Drüsenübungen“ nach Swami Rama)
Die Gelenk- und Drüsenübungen sind einfache und angenehme Dehnungen, die von fast jedermann mit grossem Nutzen praktiziert werden können. Die Übungen wurden auf der Basis von Prana Vidya entwickelt, dem Wissen um die subtilen Prana-Kanäle, die den physischen Körper bewegen. Die Übungen sind ein natürlicher Weg, die natürliche Vitalität von Körper und Geist wiederherzustellen.
Die Gelenk- und Drüsenübungen können von Menschen jeden Alters praktiziert werden, auch bei begrenzter Körperbeweglichkeit. Sie sind sehr vielseitig und können entweder als solche unterrichtet werden oder als vorbereitende Übungen für andere Themen (Hatha, Meditation, Yoga Nidra etc.)
Am besten werden die Übungen langsam und mit Freude ausgeführt, als Meditation in Bewegung.
Die Übungen werden in systematischer Reihenfolge praktiziert: man beginnt oben am Kopf und arbeitet sich nach unten durch, so dass fast alle Gelenke und Drüsen trainiert und massiert werden. Alle Teile des Körpers werden kräftig durchblutet. Die Muskeln werden weicher und flexibler, die Gelenke und Drüsen in eine natürliche Spannung versetzt und zum richtigen Funktionieren gebracht.
Diese Übungen führen zu körperlicher Vollkommenheit und geistiger Ruhe.
Übe sie täglich und regelmässig, bewege dich langsam und konzentriert. Versuche immer wieder, Gewaltlosigkeit im Umgang mit dir selbst zu üben, und habe Geduld.
Die wichtigsten Vorteile
- Lösen angesammelte Spannungen in den Gelenken
- Aktivieren alle wichtigen Drüsen
- Erhöhen die Blutzirkulation in allen Teilen des Körpers
- Verbessern die allgemeine Beweglichkeit
- Bereiten den Körper sanft vor und schulen ihn für die weitere Praxis des Hatha-Yoga
Empfohlene Lektüre
Swami Rama (1977). Joints and Glands Exercises. Honesdale, PA, Himalayan Institute Press.
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