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litra. Nachdem das Tram aus verschiedenen Gründen zeitweise aus dem Stadtbild zu verschwinden drohte, ist seit einigen Jahren auf der ganzen Welt eine eigentliche Renaissance des Trams festzustellen. Mit einer Beförderungskapazität von 20’000 bis 60’000 Fahrgästen pro Tag liegt die Kapazität einer Tramlinie zwischen Bus und Metro. Der Begriff «Tram» entstammt dem englischen Wort «tramway» und ist auch im französischen Sprachbereich unverändert als «le tramway» übernommen worden. In Deutschland als «Strassenbahn» bekannt, zeichnet sich das Tram durch Schonung der Umwelt und hohe Wirtschaftlichkeit aus.
Bis zum Erscheinen des Autos haben die Trambahnen in der ganzen Welt eine enorme Entfaltung erlebt. Danach begann man vorerst in Amerika, die grossen Stadt- und Überlandnetze rasch abzubauen. Das Tram wurde als Störfaktor auf den Strassen empfunden. Auch europäische Städte folgten dieser Tendenz: In Paris (wo allerdings bereits die Metro bestand) verschwand das Tram 1937. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg folgten zahlreiche andere europäische Städte. Doch allmählich zeigte sich, dass sich die Städte nicht dem Verkehr anpassen lassen, sondern dass sich der Verkehr umgekehrt nach den Möglichkeiten der Städte auszurichten hat. Damit erhielt der öffentliche Verkehr massiven Auftrieb, und manche Städte entdecken erneut die Vorteile des «tramway».
Weltweit über 300 Tramnetze
Punkto Transportkapazität liegt die Trambahn an der Spitze der städtischen Verkehrsmittel. Sie produziert zudem keine Abgase und schafft Platz. Ein einziges modernes Gelenktram mit 250 Fahrgästen nimmt in Spitzenzeiten die durchschnittliche Passagierzahl von rund 200 Privatwagen auf. Dies entspricht einer Autokolonne von rund 1200 m Länge.
Weltweit zählte man Anfang 2000 rund 300 Tramnetze mit einer Ausdehnung von rund 25’000 Streckenkilometern und rund 50’000 Tramfahrzeugen. Seither sind ca. 50 weitere Tramnetze hinzugekommen.
Wertvolle Substanzerhaltung und -erneuerung in der Schweiz
In der Schweiz gab es zwischen 1908 und 1948 in 15 Städten Trambetriebe. Anschliessend wurden diese in vielen Städten durch die wendigeren Auto- und Trolleybusse abgelöst. Erhalten geblieben sind allerdings die grossen Tramnetze von Zürich, Basel und Bern sowie die zentrale Tramlinie 12 in Genf sowie die Neuenburger Vorortslinie nach Boudry. In Lausanne hat das Tram 1991 nach 27 Jahren Abwesenheit wieder Eingang ins Stadtbild gefunden. Dank weit blickenden Verkehrsfachleuten und einsichtigen Politikern konnten damit – entgegen dem starken damaligen Autotrend – den genannten Städten hohe und kaum wieder zu kompensierende Substanzverluste vermieden werden. Schon Mitte der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts war der Trambetrieb in diesen Städten wieder unbestritten, und der technische Fortschritt eröffnete neue Möglichkeiten. Seit 1984 sind sodann die kundenfreundlichen Umwelt- und Verbundabonnemente für die Benützung aller öffentlichen Verkehrsmittel der betreffenden Region im Vormarsch. Die Fahrzeuge werden laufend erneuert, und neue Linien stehen in Zürich (Schwamendingen, Messe/Hallenstadion–Auzelg), Bern (Saali) und Genf (neue Tramlinien 13, 14, 15, 16 und 17) in Betrieb.
Neue Tramnetze in Europa und Übersee
Die Renaissance des Trams macht aber nicht an den Landesgrenzen halt. Während in Deutschland und den Niederlanden die ursprünglichen Netze erhalten und weiterentwickelt wurden, sind in letzter Zeit in Europa und Amerika wieder neue Tramnetze entstanden. Meist handelt es sich um Städte, in denen das Tram vor 30 bis 40 Jahren beseitigt wurde. In Frankreich hatten Trams nur gerade in Lille–Roubaix–Tourcoing und Saint-Etienne überlebt; neu erschienen sind sie in den letzten Jahren in Bordeaux, Caen, Clermont-Ferrand, Grenoble, Le Mans, Lyon, Marseille, Montpellier, Mulhouse, Nantes, Nice, Orléans, Paris, Rouen, Strasbourg und Valenciennes. Alle diese Netze befinden sich in vollem Ausbau, und andere Städte (wie etwa in Angers, Reims, Toulon, Toulouse und Tours) werden demnächst nachfolgen. In den Niederlanden besteht bereits seit 1983 neben den teilweise erweiterten Tramnetzen von Amsterdam, Rotterdam und Den Haag ein Schnelltram im Nahbereich von Utrecht (notabene schweizerischer Produktion!). Deutschland modernisiert seine Trams auf exemplarische Weise. Freiburg im Breisgau verdoppelt die Netzlänge, während in Karlsruhe und Saarbrücken Stadtbahnen als Kombination von Tram und Bahn entstanden sind (sog. «tram-train»). Während im Ostteil von Berlin das Tram neben der S-Bahn noch heute das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs bildet, fuhr in der Westhälfte von 1967 bis 1995 überhaupt kein Tram mehr. Neu hinzugekommen sind Strassenbahnen zudem in Heilbronn, Kassel, Nordhausen und Oberhausen. In Italien verkehren zwar in Mailand immer noch holprige alte Tramwagen mit Holzbänken, doch entstand vor fünf Jahren eine «Metrotranvia» mit weitgehend unabhängigem Trassee zur Bedienung eines neuen Universitätszentrums in der Nähe der FS-Bahnstation Milano Greco. Neue Trams verkehren bereits in Cagliari, Catania, Genova, Messina, Padova und Sassari; im Bau sind solche in Bergamo, Firenze, Palermo und Venezia-Mestre. Auch in Spanien sind in den letzten Jahren Strassenbahnen eingeführt worden, so in Alicante, Barcelona, Bilbao, Murcia, Parla, Santa Cruz de Tenerife, Sevilla, Valencia und Vélez-Malaga. Beschlossen ist der Bau zudem in Granada und Gasteiz-Vitoria. In Grossbritannien ist ebenfalls Aufbruchstimmung auszumachen; in London sind zwei längst geplante Tramlinien endlich verwirklicht werden. Neue Trams fahren zudem in Manchester, Nottingham und South Yorkshire. Bekannt sind in Nordamerika die historischen Cable-Cars von San Francisco, wo nun auch moderne Trams verkehren. Überlebt hat das Tram auch in New Orleans, Philadelphia, Boston, Pittsburgh, Cleveland, Newark und Toronto. Seit 1981 sind folgende Städte neu hinzugekommen: Baltimore, Buffalo, Camden-Trenton, Charlotte, Dallas, Denver, Houston, Hudson-Bergen, Los Angeles, Minneapolis, Portland, Sacramento, Salt Lake City, San Diego, San Jose und St. Louis. Touristische Betriebe bestehen zudem in Detroit und Seattle, während Fort Worth durch ein Tram mit einem wichtigen Marktzentrum verbunden ist. An weiteren Projekten fehlt es in den USA nicht; etwa zehn stehen vor der Realisierung.
Motivierung bringt Erfolg
Neue Tramlinien in eine bestehende Siedlung zu legen ist oft ein heikles Unterfangen, da manchmal Häuser einer neuen Streckenführung weichen müssen. Aber es gilt auch, die Anwohner und das örtliche Gewerbe von den Vorteilen eines Trams zu überzeugen, sind doch oft an der Urne finanzielle Entscheide zu fällen. Grenoble hat zu diesem Zweck eine Reise mit einem Extrazug nach Zürich organisiert. So konnten die Ladenbesitzer zur Kenntnis nehmen, dass ein Tram (im Gegensatz zur Metro) oberirdisch durch die Strassen fährt und damit auch ein Blick in die Schaufenster möglich ist. In Strassburg wurde der Bau neuer Tramlinien mit einer Umgestaltung stark befahrener Strassen und Plätze verbunden; die früheren Tramgegner (die wohl lieber eine Metro gesehen hätten) sind nun mit der erreichten Lösung zufrieden.
Nicht zuletzt stellt die Renaissance des Trams eine interessante Herausforderung an Wirtschaft und Technik dar. Tiefbau, Metall-, Elektro- und Rollmaterialindustrie sowie Elektrizitätswirtschaft sind gefordert.
Basler Grosser Rat stellt Weiche für grenzüberschreitendes Tram
litra. Im Januar hat der baselstädtische Grosse Rat die Weiche für die Verlängerung der Tramlinie 8 nach Weil am Rhein (D) gestellt: Er bewilligte dafür einen Baukredit von 42 Mio. Franken. Mit dem Bau der ersten grenzüberschreitenden Tramlinie Europas seit dem Zweiten Weltkrieg soll noch dieses Jahr begonnen werden, da nur so die vom Bund in Aussicht gestellten 43,5 Mio. Franken aus dem Infrastruktur-Fonds zu fliessen beginnen. Die neue Tramlinie mit fünf Haltestellen zwischen Basel-Kleinhüningen und Bahnhof Weil am Rhein soll bis 2012 eröffnet werden; als nächste Etappe steht die Kreditbewilligung durch die Stadt Weil am Rhein bevor.
Lausanne plant neue Tramlinie
litra. Mit dem Bau einer neuen Tramlinie von Bussigny im Westen von Lausanne über Renens zur neuen Verkehrsdrehscheibe Flon im Stadtzentrum will Lausanne den Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehr verbessern. Das Projekt ist Teil des Agglomerationsprojekts Lausanne–Morges (PALM), das Ende des letzten Jahres beim Bund eingereicht wurde. Für die Tramlinie Bussigny–Renens–Flon, die von dort in den Norden der Stadt gezogen werden soll, steht auch ein Pneutram zur Diskussion, da für normale Trams eine Höchststeigung von 70 Promillen festgelegt ist.
Cargo-Trams in Zürich, Dresden, Wien und Amsterdam
litra. Seit fünf Jahren gehört das Cargo-Tram zum festen Bestandteil des Zürcher Stadtbilds. Was im April 2003 als Pilotversuch begann, hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Als Gemeinschaftsprojekt zwischen den VBZ (Verkehrsbetriebe Zürich) und ERZ (Entsorgung + Recycling Zürich) erfolgt die Sperrgutentsorgung per Tram. Da 40 Prozent der Haushalte in der Stadt Zürich über kein Auto verfügen, soll auch diesem Teil der Bevölkerung eine Möglichkeit geboten werden, Sperrgut und Altmetall im Monatsrhythmus einfach zu entsorgen. Gleichzeitig soll auch das Problem der illegalen Entsorgung (die allein in der Stadt Zürich mehr als 300 Tonnen pro Jahr ausmacht) entschärft werden.
Ganz neu war die Idee eines Gütertransports auf Tramschienen für Zürich allerdings nicht, denn während des Zweiten Weltkriegs liess der Lebensmittelverein Zürich (LVZ) viele seiner Stadtfilialen durch das Tram versorgen, da damals der Lastwagentransport wegen fehlenden Treibstoffen und Ersatzteilen aufwendig war.
Begonnen hatte das Projekt «Cargo-Tram» ganz bescheiden im April 2003 mit der Bedienung der vier Tramwendeschleifen Wollishofen, Letzigrund, Tiefenbrunnen und Laubegg. In monatlichem Rhythmus konnte hier jeweils von 15 bis 19 Uhr Sperrgut und Altmetall in den bereitstehenden Anhänger des Cargo-Trams entsorgt werden. Schon Anfang 2004 kamen vier weitere Haltepunkte hinzu; nun werden insgesamt zehn geeignete Standorte bedient. Seit Anfang 2006 kann zudem auch Elektro- und Elektronikschrott zur fachgerechten Entsorgung abgegeben werden.
Auch im Ausland macht das Gütertram Schule: In Dresden liefert Volkswagen in grösserem Stil Waren zur Automontage per Tram an, während im Wien mit der «Güter-Bim» regelmässig interne Gütertransporte der Wiener Linien durchgeführt werden. Und in Amsterdam ist geplant, die Anlieferung von Läden in der Innenstadt vermehrt mit Tramfahrzeugen durchzuführen.
- Trambahnnetze in der Schweiz und im Ausland (PDF-File)