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Ausstellung 1. Oktober - 9. November 97
Chris Marker
"Immemory One", 1997
(Produktion, edition Centre G. Pompidou/Saint-Gervais, Genève)
"In all dem ist die Einbildung ebenso wichtig wie die Erinnerung selbst." CHM
Eine Installation aus einer zentralen Einheit und vier Computer, von denen einer eine Endlosschlaufe ausführt, währenddem die drei anderen dem Publikum zur Verfügung stehen. Jeder kann nach seinem Gutdünken aus dem Menü auswählen und so seinen eigenen Gang durch das Bilderlabyrinth tun.
Diese CD-ROM kann weder als Dokumentar- noch als Spielfilm bezeichnet werden, sie spielt mit Grenzen und Definitionen. Als Akteur, Zuschauer und Teil einer sozialen und politischen Realität versucht Chris Marker, in welchem Land auch immer, die Teile seines Lebenspuzzle zusammenzubringen. Man kann den Ursprung von Immemory One in einem Satz von Sans soleil erklären: "Ein vollständiges Gedächtnis ist ein unempfindliches Gedächtnis."
Immemory One ist in acht Zonen geteilt, die sich grösstenteils aus seinen persönlichen Archiven zusammensetzen. Diese Aufteilung widerspiegelt seine Interessenschwerpunkte: Reise, Fotografie, Kino, Erinnerung, Museum, Poesie, Krieg, Tod, etc. Der Entdecker wird eingeladen, im Innern dieser Zonen frei herumzureisen. Die Zonen sind untereinander verbunden.
Die beste Beschreibung des Inhalts dieser CD-ROM hat Chris Marker bei Robert Hooke gefunden, dem Mann der vor Newton die Gravitationsgesetze erahnt hat: "Ich werde nun ein mechanisches Modell und eine genaue Darstellung des Gedächtnisses erstellen. Ich werde annehmen, dass es im menschlichen Gehirn einen zentralen Ort der Seele gibt. Vorderhand werde ich nichts über die genaue Lokalisierung dieses Ortes aussagen. Ich gehe heute nur soweit, festzustellen, dass ein solcher Ort existiert, wo alle Gefühlseindrücke zur Betrachtung hingelangen. Zudem sind diese Eindrücke nur Bewegungen von Partikeln und Körpern."
Chris Marker über seine CD-ROM: "Aus diesem Konzept ergibt sich eine mögliche Struktur der "zonierten" CD (...). Der Punkt Madeleine (um wie Hooke zu sprechen) befindet sich am Schnittpunkt zwischen der Zone Proust und der Zone Hitchcock. Jede von ihnen schneidet ihrerseits Zonen, die zugleich Inseln und Kontinente sind (um in meinen Worten zu sprechen). Davon enthält mein Gedächtnis die Beschreibungen und meine Archive die Illustration (...)".
Chris Marker, 1921 geboren, Künstler, Essayist, Fotograf und Filmemacher, Autor von über 35 Filmen. Er wird im Vorspann von Nuit et Brouillard (Alain Resnais) als zweiter Assistent aufgeführt und ist 1952 Ko-Autor von Statues meurent aussi (Alain Resnais). Mit La Jetée (1963) geht er allein auf die Suche nach Spuren und Windungen der Zeit, jedoch rein imaginär, ausschliesslich mit Hilfe von Fotos. Zwanzig Jahre später, nach weiteren Filmen, realisiert er Sans soleil aus Bildern, die mit Hilfe von Apple II GS bearbeitet sind. Es ist ein Kommen und Gehen zwischen den Kontinenten in Form eines Tagebuches. Sein letzter Film*, Level Five, handelt von einer Frau (Catherine Belkhodja), die die Aufgabe hat, die Schlacht von Okinawa als Videospiel auf verschiedenen Ebenen zu rekonstruieren. Diese Tragödie überlagert sich mit ihrer eigenen Geschichte (der Verlust eines Mannes, den sie liebte). Die Bilder sind mit dem Multimediaprogramm Hyperstudio überarbeitet.
Autor von Multimedia- und Multibildschirminstallationen: Zapping Zone, 1990 (Centre G. Pompidou) Silent Movie, 1995 (Wexner Center, Columbus)
* wird als Eröffnungsfilm der 7e Semaine Internationale de Vidéo - Biennale de l'Image en Mouvement (31. Oktober, 20. 30 Uhr in Saint-Gervais, Genf) gezeigt.
Quellen: Cahiers du Cinéma 515 (Thierry Jousse), art presse 224 (Louise-José Lestocart), Centre G. Pompidou.
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Austellung
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