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Studienauftrag im selektiven Verfahren: 2016 (1. Preis)
Bauherrschaft: Citycenter Rapperswil AG
Mitarbeit: Lucas Michael, Fanni Müller, Michael Nötzli
Landschaftsarchitektur: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH, Zürich; Robin Winogrond
Statik: DSP Ingenieure GmbH, Greifensee; Bruno Patt
Architektur: Eberhard Tröger, Zürich
Ein heterogenes Quartier
Das Planungsareal des Studienauftrags liegt ausserhalb der Altstadt an der historischen Ausfallstrasse nach Jona. Zwischen der Neuen Jonastrasse und der gebogenen Geleiskante entwickelte sich im 19. und frühen 20. Jahrhunderts ein Neustadtquartier mit einem feinmaschigen Strassenraster aus Längs- und Querstrassen. Die heterogene Bebauung aus Baukörpern mit verschiedenen Massstäben, Baustilen und Nutzungen prägt die Atmosphäre des Quartieres. Sehr grossen Geschäftshäuser der 1980er und 1990er Jahre an der neuen Jonastrasse (Manor, Albuville) und an der Güterstrasse (Postverteilzentrum) stehen kleinteiligere Wohnhäusern mit Gärten und umgenutzte Gewerbebauten an der Merkur- und Tiefenaustrasse gegenüber. Das Quartier ist im Wandel und wird in den nächsten Jahren einer starken Verdichtung unterzogen werden. Einige der prägenden kleineren Gebäude werden aber aufgrund der kleinteiligen Parzellierung oder denkmalpflegerischen Vorgaben auch in Zukunft erhalten bleiben und so den mannigfaltigen Charakter des Quartiers weiterhin prägen.
Eine durchmischte Bebauung
Die Einführung einer Durchwegung entlang der westlichen Grenze der Parzelle der Saweka stärkt das vorhandene Strassenraster und die angenehme Durchlässigkeit des Neustadtquartiers. Daraus folgt die Aufteilung des Planungsperimeters in drei Baufelder: das Baufeld Saweka, das Baufeld Citycenter zwischen der Neuen Jonastrasse und Merkurstrasse und das Baufeld Tiefenau mit dem bestehenden Postgebäude zwischen der Merkurstrasse und der Güterstrasse gelegen.
Die neue Bebauung knüpft atmosphärisch an die Charakteristiken des Ortes an und leitet daraus einen spezifischen Bautypus ab. Das vorhandene spannende Nebeneinander der verschiedenen Massstäbe und Bautypologien wird zum entwurfsgenerierenden Motor. Die allseitig von Strassen oder Wegen gerahmten Baufelder Citycenter und Tiefenau werden parallel zu den Längsstrassen mit langen Baukörpern besetzt. Sie wiederspiegeln in Höhe, Tiefe, Ausdruck und Nutzung ihre jeweilige städtebauliche Lage am städtischen Boulevard, an der Quartierstrasse und an der Güterstrasse.
Zwischen die Baukörper spannen sich eingeschossige Hallen. Gemeinsam bilden sie zu den Querstrassen ganz unterschiedliche bewegte Gebäudesilhouetten. Die aneinandergereihten Baukörper verbinden sich einerseits zu einem Baublock anderseits bleiben sie aber durch ihre spezifisch ausgebildete Fassaden als Einzelhäuser erkennbar und tragen der heterogenen Bebauungsstruktur des Quartieres Rechnung. Diese Lesart erlaubt es die Häuser auf verschiedene Arten zu interpretieren und auf die unterschiedlichen Nachbarschaften städtebaulich zu reagieren. Vorgesehen sind jeweils auf den Ort und die Typologie der Häuser angepasste Materialisierungen. Als verbindendes Element wirkt ein Raster aus vorfabrizierten Betonelementen und im Sockelgeschoss eine durchgängige Verkleidung mit abgesäuerten Betonplatten.
Horizontale Staffelung und vertikale Stapelung
Die Längs- und Querstrassen sollen mittels der neuen Bebauung hierarchisiert werden. Entlang der Längsstrasse werden die Baukörper durch die vertikale Stapelung von unterschiedlichen Nutzungen und entlang der Querstrassen durch die horizontale Staffelungen von unterschiedlichen Baukörpern individualisiert und auf die Massstäblichkeit des Quartiers heruntergebrochen.
Die Horizontale Staffelung der Nutzungen in den unterschiedlichen stadträumlichen Situationen ermöglicht planerisch einen sehr flexiblen Umgang mit den funktionalen Anforderungen verschiedener Nutzer. Durch eine vertikale Stapelung ist diese Anpassbarkeit zusätzlich im Schnitt gegeben. Die auch formal unterschiedlich ausgebildeten „Häuser“ können jederzeit ändernden Bedürfnissen angepasst werden und eine beliebige Etappierung ist gewährleistet.
Aussenräume und Freiflächen
Neben der identitätsstiftenden Altstadt und der Jonastrasse in der Nähe des Bahnhofes, liegt ein noch knapp erkennbares, kleines ‚Neustadt‘ – Quartier des 19. Jahrhunderts. Sowohl die intimen Dimensionen des Strassenrasters als auch einige historische Bauten lassen einen die Grundzüge der Identität und Atmosphäre eines gemütlichen Wohn- und Gewerbequartieres wahrnehmen. Der Strassenraum spielt eine entsprechend wichtige Rolle, indem er die bestehenden Qualitäten untereinander in Beziehung setzt und somit dieses Quartier stärkt. Neben der lebendigen und geschäftigen Neuen Jonastrasse wird die Merkurstrasse zum neuen, dem Aufenthalt dienenenden, Rückgrat des Quartieres. Der neue Feuerwehrplatz im Westen, ein Garten im Osten und die breiten, privaten Vorzonen vor den kleineren Laden- und Gewerbelokalen werden zu einem Ensemble, welches zu einer vielfältigen Belebung des öffentlichen Raums beiträgt und soziale Synergien zwischen Gastro- und Ladennutzungen ermöglicht. Jeder der Orte besitzt ein eigenes Erscheinungsbild und Nutzungsprofil. Bäume und Sitzelemente sorgen für ein zusammenhängendes Bild und vermitteln zwischen den einzelnen Freiflächen. Zwei weitere öffentliche Freiräume komplementieren das Angebot. Die breite Spielstrasse ohne Trottoir zwischen Citycenter und Saweka eignet sich für verschiedene Formen des Spiels, des Aufenthalts und verschiedene infrastrukturelle Elemente. Die Überdachung der Rampenanlage der öffentlichen Tiefgarage fungiert als vom Verkehr befreiter Spielplatz. Neue Fussgänger- und Velorampen erschliessen das Spieldach entlang des Postgebäudes und bilden eine informelle Weiterführung der unteren Bahnhofstrasse. Die urbane Aussenraumsituation wird durch grosszügige private oder gemeinschaftlich genutzte Dachterrassen ergänzt.
Ein eleganter Hybrid mit Ausblick an der Neuen Jonastrasse
Der siebengeschossige Baukörper an der Neuen Jonastrasse nimmt den Massstab der lebendigen Geschäftsstrasse auf. In der Vertikalen werden die Nutzungen Einkaufen, Arbeiten und Wohnen gestapelt und durch leichte Versätze im Schnitt und eine differenzierte Ausbildung der Fassade lesbar gemacht. Im Erdgeschoss befinden sich die Eingänge zu den Geschäften und den zwei Treppenhäusern geschützt unter einer einladenden Auskragung. Die beiden darüber liegenden, flexibel einteilbaren Bürogeschosse ragen – ähnlich der risalitartigen Bauteile des Manorgebäudes – zeichenartig in den Strassenraum. Die obersten vier Geschosse sind einem urbanen Wohnen in 2½- und 3-½- Zimmerwohnungen vorbehalten. Eine gläserne Cockpitküche mit Blick zur Altstadt und ein innenliegender Nasszellen- und Reduitblock zonieren die Wohnung. Mittels Schiebetüren können einzelne Zimmer abgetrennt oder je nach belieben zu einem grosszügigen Einraum zusammengefasst werden. Die gefalteten Dachflächen inszenieren in den obersten Wohnungen das Penthousewohnen.
Das Haus strahlt mit Füllungen aus vorfabrizierten Betonelementen, Glasbausteinen und grossflächigen Verglasungen die Atmosphäre eines eleganten Geschäftshauses und städtischen Wohnens aus. Durch Glasbausteine ablesbare Vertikalerschliessungen, kurze Laubengänge und kleine schallschutzwirksame Balkone gliedern die Fassade in der Horizontalen. Südseitig zeichnet sich das grosszügige Wohnen mit Blick auf See und Berge durch lange Balkonbänder und grossflächige Verglasungen mit Schiebefenstern ab.
Städtische Reihenhäuser an der Merkurstrasse
Ineinander gewobene viergeschossige 4½-Zimmer-Reihenhäuser bilden den Abschluss des Baukörpers Citycenter zur Merkurstrasse. Die vertikale Organisation der Wohnhäuser widerspiegelt sich in der vertikalen Gliederung der Fassade. Die vorfabrizierten Betonrahmen werden gefüllt mit den filigraneren Elemente des Wohnens – französischen Fenstern, Holzschiebeläden, Staketengeländer und kleinen Balkonen.
Jeweils zwei Häuser teilen sich einen Eingang direkt an der Strasse, dazwischen finden kleinere Geschäfte, Ateliers oder publikumsorientierte Büros ihren Platz.
Die Häuser entwickeln sich als vertikale Raumenfilade von den Schlafbereichen bis zum Wohnbereich im dritten Obergeschoss. Der Wohnbereich zeichnet sich durch eine überhohe Wohnküche aus, die zusätzlich direkt über einen Laubengang und Lift behindertengerecht erschlossen wird. Jede Hauseinheit besitzt eine nach Süden orientierte grosszügige private Dachterrasse, einen kleinen Balkon zur Strasse hin und natürlich belichtete aussenliegende Bäder.
Die Wohneinheiten stellen eine eigenständige Interpretation des traditionellen städtischen Reihenhauses dar und strahlen mit den vielen Eingängen im Erdgeschoss, der direkten Strassenanbindung und der differenzierten Fassade eine vom Wohnen geprägte Stimmung auf den speziell ausgestalteten Abschnitt der Merkurstrasse aus.
Langgezogene hohe Wohnhallen auf der Tiefenau
Im Erdgeschoss des Hauses an der Südseite der Merkurstrasse werden zwischen vier Treppenhäusern kleine Gewerbe- und Ladenlokale angeboten. Der tiefe Baukörper verlangt eine spezielle Wohntypologie. Eine lange, 2.80m hohe durchgängige Wohnhalle, die dem Wohnen, Essen und Kochen dient, spannt sich von der Merkurstrasse über die ganze Gebäudetiefe gegen Süden zur vorgelagerten Loggia hin. Mittels ins Schrank- und Küchenmöbel integrierte Schiebetüren kann bei Bedarf ein separates Jokerzimmer von der grossen Wohnhalle abgetrennt werden. Dadurch kann die Wohnung als grosszügige 3-½ Zimmer Wohnung oder als im Flächenverbrauch sparsame 4-½ Zimmer Wohnung gelesen werden. Eine Kammerschicht mit Zimmern, Nasszellen und Reduits lagert sich an der Wohnhalle an. Die Zimmer können direkt mit dem angrenzenden Badezimmer oder Reduit- bzw. Schrankraum kurzgeschlossen werden. Diese zwischengeschaltete Raumschicht erlaubt ein einfaches Anpassen des Wohnungsschlüssels.
Auf dem Dach erhalten jeweils vierzehn Wohnungen an zwei Treppenhäuser einen gemeinschaftlichen grosszügigen Aussenraum für Spiel und Aufenthalt mit Pflanzgärten, Aussenküche und Dusche. Daran angeschlossen sind die Wasch- und Trocknungsräume, die auch als Gemeinschaftsraum genutzt werden können.
Der tiefe Baukörper auf dem Baufeld Tiefenau erinnert mit einem einfachen Raster aus vorfabrizierten Betonelementen und grossen Glas- und Putzflächen an einen umgenutzten Gewerbebau und nimmt so ein atmosphärisches Element der Umgebung auf.
Turmhaus mit Garten für die Saweka
Der neue Baukörper auf dem Grundstück der Saweka steht an der neuen Jonastrasse. Er treppt im vierten Geschoss zurück und steht so turmähnlich auf dem Baufeld. Eine robuste Konstruktion mit grossen Öffnungen lässt ihn als währschaftes Stadthaus in Erscheinung treten.
Im Erdgeschoss ist strassenseitig – gut an die Neue Jonastrasse angebunden – eine Permanence vorgesehen. Sie steht im funktionalen Kontakt zur Spitexraum und zum Gesundheitscluster im ersten Obergeschoss. Zur Merkurstrasse hin sollen die bestehenden Bäume erhalten werden. Ein Restaurant mit Aussensitzfläche bespielt diesen vorgelagerten städtischen Aussenraum.
In den oberen Geschosse finden meist über Eck orientierte kleinere Wohneinheiten für betreutes oder Service Wohnen platz. Der Gemeinschaft wird hier mit den Waschküchen und einem flexibel bespielbaren Raum zur Neuen Jonastrasse hin und mit einem gedeckten Ausguck auf dem Dach viel Bedeutung zugerechnet.
Flache Gewerbebauten für den Verkauf
Zwischen die Baukörper sind zwei stützenfreie Verkaufshallen gespannt. Sie erhalten jeweils durch spezifisch geformte Dächer zenitales Tageslicht. Die Hallen sind stirnseitig an die Querstrassen angeschlossen und geben diesen aufgewerteten städtischen Räumen eine zusätzliche Bedeutung.
Beide Hallen sind mit einem Sattelschlepper gedeckt und lärmgeschützt anlieferbar. Sie sind mit Nebennutzflächen und zusätzlichen Verkaufsflächen verschiedenartig erweiterbar. Bei Bedarf können sie zur Neuen Jonastrasse und zur Merkurstrasse angeschlossen werden und hier eine zusätzliche Adressierung erhalten.