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Krebszellen machen sich unser Immunsystem zunutze und beuten es zu ihrem eigenen Vorteil aus, um zu wachsen und sich in unserem Körper auszubreiten. Eine der grössten Herausforderungen in der gezielten Bekämpfung von Krebs ist daher, diese veränderten Zellen ausfindig zu machen und zu zerstören, und zwar ohne dabei unveränderte Zellen anzusteuern. Ein Durchbruch im Bereich der Krebstherapie wurde im Jahr 2013 dank Krebsimmuntherapie erzielt. Diese Therapie stimuliert unser Immunsystem dazu, Krebszellen anzugreifen, und macht den Krebs anfällig und potentiell heilbar.
Bereits während seiner Doktorarbeit hat Michele De Palma herausgefunden, dass Tumore eine bestimmte Gruppe von Abwehrzellen, die Makrophagen, ausnutzen, von ihnen Besitz ergreifen und sie in sogenannte Tumorassoziierte Makrophagen (TAM) umwandeln. Insbesondere fand er heraus, dass einige dieser TAMs die Tumor-Angiogenese stimulieren, sodass sie Tumoren helfen, ein Netzwerk von Blutgefässen aufzubauen, das für das Wachstum und die Ausbreitung von Krebs wesentlich ist. In jüngerer Zeit konzentrierte De Palma seine Forschung auf die Frage, wie TAMs die Immunantwort gegen Krebs unterdrücken. Sein Team fand heraus, dass TAMs kurze Nukleinsäuren (microRNAs) produzieren, die das schlechte Verhalten von TAMs hervorrufen. Im Jahr 2016 konnte das Team zeigen, dass eine Gruppe von microRNAs, genannt Let-7, verantwortlich für diese das Immunsystem unterdrückende Funktion sind. «Als wir die Funktion von Let-7 in den TAMs ausgeschaltet hatten, waren wir positiv überrascht, dass dies nicht nur dazu führte, dass die Tumorzellen wieder vom Immunsystem erkannt wurden, sondern auch, dass sich die Tumorzellen nicht mehr ausbreiten konnten», erklärt Michele De Palma. Dank dieser Erkenntnis, die im Journal Nature Cell Biology publiziert wurde, können Medikamente entwickelt werden, die gezielt Let-7 in TAMs angreifen. Bis zur Anwendung ist es jedoch noch ein langer Weg.
Derzeit beschäftigt sich Michele De Palma mit der Optimierung von dendritischen Zellimpfstoffen zur Krebsbekämpfung. Dendritische Zellen zählen neben Makrophagen ebenfalls zu den Zellen unseres Immunsystems. Diese haben in unserem Körper die Aufgabe, Fremdkörper aufzuspüren und einer weiteren Gruppe von Immunzellen, den T-Killer-Zellen, zu präsentieren. Diese greifen die Krebszellen dann an und zerstören sie. Dendritische Zellimpfstoffe haben bisher nicht den gewünschten Erfolg gezeigt, da diese zu wenig personalisiert sind. Michele De Palma entwickelte kürzlich mit seiner Gruppe eine Methode, um dendritischen Zellen zu ermöglichen, personalisierte Proteine (Tumorantigene) aufzuspüren. Sie schleusten dazu künstliche Proteine (EVIR – extrazelluläre vesikelinternalisierende Rezeptoren) in dendritische Zellen ein. Diese erkannten kleine Vesikel (Exosomen), die natürlicherweise von Krebszellen freigesetzt werden. Diese Vesikel enthalten die personalisierten Proteine, die es benötigt, um die Immunantwort der T-Killer-Zellen zu verstärken und dendritische Zellimpfstoffe wirksamer zu machen. Die Daten wurden im Januar in Nature Methods publiziert. «Wir arbeiten gerade mit dem Universitätsspital Lausanne zusammen, um unsere Technologie in klinischen Versuchen zu testen», bestätigt Michele De Palma.
Michele De Palma wurde 1973 in Italien geboren und studierte Biologie an der University of Torino Medical School in Italien. Diese verlieh ihm im Jahr 2004 auch den Doktortitel für seine Arbeiten über die Beteiligung von Makrophagen an der Tumor-Angiogenese. In Mailand fokussierte er am Telethon Institute for Gene Therapy (TIGET) auf den Bereich Gentherapie bei Krebs. Bevor Michele De Palma als Assistenzprofessor im Jahr 2012 ans ISREC der EPFL berufen wurde, war er zunächst Gruppenleiter am San Raffaele Scientific Institue in Mailand. Michele De Palma erhielt bisher zwei ERC Grants (2009, 2016).