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Notker Balbulus
Obitus beatae memoriae Aribonis Mogontiensis ecclesiae archiepiscopi.
Et Thietonis venerandi abbatis.
Et Notkeri magistri.
Dieser Eintrag liest sich in dem necrologium des Klosters St. Gallen zum 6. April. Das necrologium ist ein Totenbuch, Sammlung der Einträge zum Tod eines jeden Mönches, zu seligem Gedenken. Der dritte Eintrag, verfasst an eben diesem April des Jahres 912, stellt insofern den Abschluss des Lebens eines Jonschwilers – den als solches wurde Notker um 840 geboren –, Schülers, Magisters, Dichters, Schreibers, Hospitars, Bibliothekars, Wissenschaftlers und Gelehrten dar, aber vor allen anderen desjenigen eines Mönches des Heiligen Benedikts.
vita notkeri balbuli, welche wohl in Verbindung mit einer im Jahre 1215 angestrebten Heiligsprechung Notker Balbulus geschrieben wurde, zu der es aber aufgrund politischer Umstände nicht kam – St. Gallen war kaiser- und somit nicht papsttreu. Die vita ist eine tendenziell verklärende Schrift, die nicht nur historisch inkorrekte Elemente zu Notkers Leben wie z.B. ein Verwandtschaftsverhältnis mit dem Kaiserhaus enthält, sondern ist stellenweise sogar inkonsistent. Inwieweit die Erzählungen Ekkehards IV († 1060) zu diesen Schichten oder zur Person Notkers gehören,muss offen- resp. dem Glauben überlassen bleiben, da sie sich an mancher Stelle einer kritisch rationalen Überprüfung entziehen. Beispielhaft zu den durch Ekkehard beschriebenen Wundern sei jene Erzählung genannt, in welcher Notker den Teufel in Gestalt eines Hundes mit einem Stab prügelt, bis dieser zerbricht – mithin Grund, weshalb Notkeroft als Mönch mit einem zerbrochenen Stab dargestellt wird.
soli deo gloria. Gedanken und Taten dienten nicht der Differenzierung zu anderen sondern eben allein Gott zur Ehre. Konsequenz war, dass man nicht als identifizierbares Individuum hervortrat, sondern anonym blieb. Als seltene Ausnahme hebt sich Notker Balbulus durch zuordenbare Autographe von dieser Egalität ab.Berücksichtigt man diese zwei Punkte, befreit die Person Notkers vom Schutt der Mythen, und wendet sich nur jenen authentischen Zeugnissen zu, so tritt eine Person zutage, die keiner künstlichen Erhöhung bedurft und dies auch keinesfalls gewünscht hätte. Vielmehr findet man eine Person, der Bescheidenheit,
Nebst der Person Notkers findet sich auch sein Corpus, dieser aber wortwörtlich, unter Schichten von Schutt begraben, dem Schutt der St. Peter-Kapelle. Mit einer ca. zehnjährigen Unterbrechung, während derer sein Leichnam kurz vor dem Bildersturm 1529 zu seinem Schutz ins Kloster Einsiedeln gebracht wurde, findet sich dieser noch immer dort in einem Zinnsarg, der letztmals 1692 geöffnet wurde.
balbulus: kein Stammeln sondern eine undeutliche Aussprache aufgrund schlechter resp. gänzlich fehlender Zähne. Vielleicht kann zu seinem Jubiläum zumindest diese Schicht abgetragen werden.
Autor: Cornell J.Schnetzer, Jonschwil, aus Anlass des Notkerfestes 2010 im Bistum St.Gallen, im speziellen in Jonschwil