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Nach der ersten Frostnacht (minus 2 Grad Celsius) war es Zeit, die nicht tief im Boden vergrabenen Leitungen unseres automatischen Bewässerungssystems ausblasen zu lassen.
Beim Reinigen der im Boden versenkten elektrischen Anschlüsse der Sprinkler-Ventile musste ich zuerst auf einem Gartenschäufelchen eine höchst giftige „Black Widow“ zu einer Gruppe von Felsblöcken tragen, die hoffentlich ihre neue Behausung wird.
Die Leitungen führen zu dreissig Sprinkler verschiedener Modelle.
Als zweites Beispiel ein Sprinkler, der aus dem Boden auftaucht, sobald er unter Druck ist.
Wie jedes Jahr brachte Dan einen Kompressor.
Hier der Anschluss an unser Leitungssystem.
Er sieht gebastelt aus, aber er funktioniert.
Das Ausblasen der Bewässerungssysteme lohnt sich. Vor ein paar Jahren kam der Kompressor im benachbarten Rebberg unserer Verwandten etwas spät zum Einsatz.
Das Resultat war zauberhaft, führte aber leider auch dazu, dass das Eis ein paar Leitungen aufsprengte.
Die Statue von „Honest John“ (Beitrag vom 27. September) wurde in Oliver im April 2007 enthüllt.
Auf dem Foto ist rechts mit Blumenstrauss die Bildhauerin Letta Shores zu sehen.
John Oliver wurde 1856 in Hartington, England, geboren. Als Elfjähriger verliess er die Schule, um in einer Bleimine zu arbeiten. Nach der Schliessung der Mine wanderte die ganze Familie 1870 nach Ontario aus, wo sie eine Farm aufbaute. Als Zwanzigjähriger zog John nach British Columbia, arbeitete für die Pacific Railway und verdiente mit harter Arbeit in einem Sommer genügend Geld, um sich in Surrey bei Vancouver eine Farm zu kaufen. Schon bald übernahm er in der Gemeinde verschiedene Ämter. 1882 verkaufte er die Farm, erwarb eine Farm in Delta und heiratete vier Jahre später Elizabeth Woodward, die Tochter des Posthalters. Zusammen hatten sie fünf Söhne und drei Töchter. John wurde zuerst in die Schulkommission gewählt und dann in den Gemeinderat. Obwohl sich die konservativen Gegner über seine schlichte Kleidung, die klobigen Schuhe und die oft etwas „ungeschliffene“ Ausdrucksweise lustig machten, wurde er ins Parlament von B.C. gewählt. Premier war damals der erzkonservative Kohlenminenbesitzer und Millionär James Dunsmuir. Seinen Übernamen „Honest John“ erwarb sich der „Anti-establishment“-Politiker 1902-03 mit einer Untersuchung von unlauteren Landsubventionen im Zusammenhang mit der Eisenbahn. Er brachte damit die Regierung von Dunsmuirs Nachfolger zu Fall.
2010 wurde im Hinblick auf die Winterolympiade in Vancouver die Olympische Flamme an John Oliver vorbeigetragen.
Dass „Honest John“ jetzt als lebensgrosse Statue im Zentrum von Oliver steht, hat allerdings nicht mit seiner Ehrlichkeit zu tun, sondern mit seiner Idee, aus dem Weltkrieg zurückgekehrte Soldaten 1919 in der Umgebung des heutigen Städtchens Oliver anzusiedeln und das Land mit einem gross angelegten Bewässerungssystem fruchtbar zu machen.
Mit der Frage, wie sich diese Kolonisation auf die hier heimische First Nation auswirkte, werde ich mich in späteren Beiträgen beschäftigen.
Seit dem 26. Juni 2020 steht nicht weit von „Honest John“ entfernt eine zweite Statue. Der „Okanagan Salmon Chief“ ist das Werk des Künstlers Smoker Marchand von der Arrow Lakes Band.
Im nahen Okanagan River lassen sich jetzt die Sockeye-Lachse beobachten.
Vom nördlichen Pazifik kommend, schwimmen die Fische mit viel Kraftaufwand flussaufwärts zu ihren Laichplätzen, wo sie schliesslich auch sterben werden.
Weil wir gestern vor dem Haus unsere „Micro Winery“ in Betrieb nahmen, verschiebe ich meinen angekündigten Beitrag „Honest John“ 2 auf nächste Woche. Die „Maréchal Foch“-Trauben für den eigenen Wein pflücken wir jeweils im benachbarten Bio-Rebberg von Bruder/ Schwager Hans und Schwägerin Christine. Vor unserem Haus zerquetsche ich dann die Beeren von Hand.
Der „Mansch“ kommt in die italienische Saftpresse.
Die einzelnen Tropfen leuchten rubinrot.
Marianne ist mit Farbe und Geschmack zufrieden.
Zurück bleibt ein fast schwarzer „Presskuchen“.
Ich deponierte ihn in „sicherer“ Entfernung hinter dem Atelier. Über Nacht hat sich bereits jemand bedient. War es ein Bär, ein Waschbär oder ein Hirsch?
Wie lange wird es wohl dauern, bis es in den Gärflaschen im Keller zu schäumen beginnt?
Wer ist der Mann, der mit einer Covid-19-Schutzmaske im Gesicht mitten in Oliver steht? Es ist der Politiker, dem das Städtchen Oliver seine Existenz und damit auch den Namen verdankt: „Honourable John Oliver“, Premier von British Columbia von 1918 bis 1927.
Dass ein Politiker zum Übernamen „der Ehrliche“ kommt, also nicht nur, wie in Kanada bei Politikerinnen und Politikern üblich, „ehrwürdig“ ist, macht neugierig. Ich werde mich in einem nächsten Beitrag dem Leben und Wirken von John Oliver zuwenden.
Im Gedicht „Blau“, das ich 1971 in den Centovalli schrieb, heisst es von einer Pflaume:
Zuerst hängt sie vor dem Himmel, / dann daran, / dann darin: / pflaumenblau im Himmelblau.
In der aktualisierten Okanagan Valley – Fassung von 2011 lasse ich einen unserer Schwarzbären zu Wort kommen:
Ich stelle mich unter den Baum, / fresse die unteren Äste leer. / Die Pflaumen über mir / hängen zuerst vor dem Himmel, / dann daran, / dann darin: / Pflaumengestirne, / pflaumenblau im Himmelblau.
Dieses Jahr waren die Bären sehr grosszügig: Sie überliessen uns die ganze Pflaumenernte und verzichteten auch darauf, die Pergola beim Atelier zu plündern.
Ein paar Pflaumen wurden von den Vögeln angepickt und zogen die Wespen an.
Dem mit einem elektrisch geladenen Zaun geschützten benachbarten Rebberg unserer Verwandten stattete ein Bär dieses Jahr nur einen kurzen Besuch ab. Dann wurde er vom Partner unserer Nichte entdeckt und verjagt.
Das Gedicht HERBSTTAG von Rainer Maria Rilke kommt mir in den Sinn:
HERR: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross. / Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, / und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; / gieb ihnen noch zwei südlichere Tage, / dränge sie zur Vollendung hin und jage / die letzte Süsse in den schweren Wein.
Erfreulich war auch unsere Tomatenernte.
Die Roma-Tomaten eignen sich besonders gut zum Trocknen.
Hier sitze ich mit passender Covid-19-Maske vor unserem Garten:
Kurz nachdem ich gestern das Foto mit unseren Birnen und Äpfeln aufgenommen hatte, erreichte uns der Rauch der katastrophalen Waldbrände in Kalifornien, Washington State und Oregon. Seither können wir unsere Fenster nicht mehr öffnen und bleiben möglichst im Haus. CBC Radio wiederholt immer wieder die Warnung vor der gesundheitsschädigenden Wirkung der Rauchpartikel.
Bevor wir – als Fortsetzung meines Beitrags über das erfolgreiche Rodeo-Cowgirl Vanessa Caverly – unseren Rundgang durch Willowbrook beginnen, profitieren wir davon, dass die Feuerwehr gerade daran ist, ihre Ausrüstung zu überprüfen.
Wir wohnen im Bereich der Feuerwehr von Oliver, doch das Willowbrook Fire Department half schon mehrmals tüchtig mit, Busch- und Waldbrände in unserer nächsten Umgebung zu löschen. Was die Feuerwehrleute im Okanagan Valley jedes Jahr leisten, ist höchst bewundernswert, und wir sind ihnen entsprechend dankbar!
Dass Willowbrook nicht nur ein friedliches, sondern auch ein pferdefreundliches Dorf ist, beweist eine „Markierung“ auf der Strasse vor dem Schild.
Ein neugieriges Pferd…
… begrüsst uns freundlich.
Mit der Silhouette eines rastenden Cowboys verabschieden wir uns von Willowbrook.
Als aktuelle Fortsetzung zum Beitrag „Cowboys“ vom 9. August 2020 hier ein Blick in die wöchentlich erscheinende Lokalzeitung „Times-Chronicle“:
Vanessa Caverly nahm dieses Jahr erfolgreich am „National High School Finals Rodeo“ in Guthrie, Oklahoma, teil. Damit qualifizierte sie sich zum dritten Mal seit 2018 am weltweit grössten Rodeo. Vanessa stammt aus dem von uns 2 km entfernten Weiler Willowbrook, wo viele Einwohner Pferde besitzen.
Die Umgebung von Willowbrook ist fürs Reiten ideal.
.Vanessa erhielt als Auszeichnung ein Rodeo-Stipendium vom Western Texas College und wird mit ihren drei Pferden von Oklahoma nach Snyder, Texas, ziehen, um dort ihr Studium (Associate of Science Degree) zu beginnen. Hier ein zweiter Blick auf die pferdefreundliche Landschaft von Willowbrook.
Wahrzeichen von „Weidenbach“ ist eine Reihe von Trauerweiden.
Das Insekt, das mich in den Centovalli als Kind am meisten faszinierte, war die Gottesanbeterin (Mantis religiosa), und es freut mich, dass sie im Okanagan Valley auch um unser Haus herum vorkommt. Ich gehe davon aus, dass es sich beim hellbraunen Exemplar auf meiner Hand (Foto Marianne) um eine Variante der meist grünen europäischen Art handelt, die um 1899 zufällig mit Pflanzen aus Südeuropa nach Nordamerika kam. 1896 war eine chinesische Art eingeführt worden, in der Hoffnung, sie würde möglichst viele Schädlinge vertilgen. Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Gottesanbeterinnen unterscheiden nicht zwischen – aus menschlicher Sicht- Schädlingen und Nützlingen. Freilandstudien haben übrigens bestätigt, dass das Weibchen von Mantis religiosa gelegentlich vor, während oder nach der Paarung das Männchen auffrisst.
Eidechsen – ich beobachtete sie als Kind in den Centovalli besonders gern – gibt es im Okanagan Valley keine mehr. Diesen „Western Skink“ fotografierte ich in unserem Nachbartal Similkameen. Die jungen Tiere fallen mit ihrem blauen Schwanz besonders auf.
Die einheimische Echse, die wir gern in unserer Umgebung antreffen würden, gilt als ausgestorben. 1898 wurden in Osoyoos (etwa 30 Autominuten südlich von uns) noch zwei „Pigmy Short-horned Lizards“ gefunden, später ein paar weitere gemeldet. Fotografische Belege fehlen. Mit der Erlaubnis des Naturfotografen Gary Nafis kann ich hier trotzdem ein Exemplar zeigen. In den USA kommen diese Echsen zum Glück immer noch vor. Weitere Fotos und Informationen sind bei www.californiaherps.com zu finden.
Als ich um 1970 in einem verlassenen Maiensäss in den Centovalli dieses Foto machte, dokumentierte es für mich auf melancholische Art die Landflucht. Farn und Birken hatten das Weideland um das Haus herum schon fast ganz überwuchert. Nicht weniger melancholisch stimmen mich die Fotos, die ich vor sieben Jahren zehn Wanderminuten von uns entfernt machte.
Das Leben des mit seiner Mutter als Kind aus Estland eingewanderten Al würde genügend Stoff für einen Roman bieten.
Als „Aussteiger“ lebte Al zurückgezogen zuerst in einem Tipi, dann in einem Wohnwagen. Unsere Verwandten hatten ihm erlaubt, sich auf einem abgelegenen Teil ihres Grundstücks niederzulassen. Dort lebte er mit seinen beiden Pferden und betonte immer wieder, dass Pferde als Freunde treuer seien als Menschen.
Nachdem beide Pferde gestorben waren, liess Als Gesundheit nach. Mit Hilfe seines Sohns, der ihn ab und zu besuchte, verliess er das Tal. Zurück blieb auch sein Cowboy-Hut.
Hoffen wir, dass der Titel des Buches, das er mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zurückgelassen hatte, für ihn trotz allem stimmte!