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Seit mehr als 60 Jahren beweisen sie, dass auch São Paulo die Wiege des Sambas ist, und eines sehr anderen Sambas. Die Rede ist von der Gruppe „Demônios da Garoa“, die nun für das BrasilienPortal in einem Interview auf ihr lange Karriere zurückblickten.
Im Radio zu singen, in der Dekade der 40er Jahre, bedeutete, live mit Orchester und vor einem für gute Musik begierigen Publikum. Es gab immer den Traum, einen Auftritt bei den Emissoras Reunidas (Vereinigten Rundfunkanstalten), die aus den Sendern Bandeirantes, Record, Pan-Americana und São Paulo bestanden, zu bekommen. Für die Neulinge nährte sich dieser Traum der Realisierung, besonders wenn sie an den Sendungen für Anfänger teilnahmen. Diese Sendungen waren damals ein Highlight, welche hoffnungsvolle Künstler der unterschiedlichsten Stile mobilisierte.
Damals gab es eine aus sechs Jungen zwischen 12 und 14 Jahre alt bestehende Gruppe, die gerne die grossen Hits spielten und zwar imitierten sie die damaligen Stars. Die Freunde Waldemar Pezuol, Zezinho, Bruno Michelucci und die Brüder Antônio und Benedito Espanha trafen sich jeden Abend bei dem Vokalisten Arnaldo Rosa zu Hause, um ihre Auftritte zu spielen und zu üben. Diese Gruppe präsentierte sich immer auf Partys von Freunden, Serenaden und Clubs in den Bezirken Mooca, Brás und Belém, der Stadt São Paulo unter dem Namen Grupo do Luar. Diese Gruppe wurde immer berühmter und sie bekam immer mehr Auftrittsangebote, bei denen die einzigen Einkommen Applaus, Freude und Erfolg waren.
Von Verwandten und Freunden motiviert, entschied sich Arnaldo Rosa, die Grupo do Luar für die Sendung des Nachwuchses von J. Antônio D’Ávila “A Hora da Bomba“ anzumelden. Er hatte die Hoffnung, ihre Arbeit dadurch anerkannt zu bekommen.
Damals noch Grupo do Luar genannt, präsentierte sie sich das erste Mal bei der Sendung “A Hora da Bomba“ mit dem Lied “Quem Se Aluga, São Miguel“ und bekam dafür den 1. Preis, was der so erträumte Vertrag mit den Emissoras Reunidas (Record, Bandeirantes, Pan-Americana und São Paulo) war. Damit bekam die Gruppe die Möglichkeit, drei wöchentliche Auftritte zu realisieren. Das war der erste Schritt für eine Karriere voller Erfolge und Überraschungen…
Bei den Emissoras Reunidas lernten die Jungs den berühmten Journalisten, Radialisten und Moderator der erwähnten Sendung Vicente Leporace kennen, der den Namen der Gruppe der so talentierten Jungen nicht mochte. Er fand, dass das Wort “Grupo“ (Gruppe) als Betonung zum “jogo do bicho“ (illegales Spiel, namens “Tierspiel“) klang. Leporace schlug den Jungen vor, der Gruppe einen neuen Namen zu geben und dazu veranstaltete er in seiner Sendung einen Wettbewerb, welche die Zuhörer einlud, ihm Briefe mit Vorschlägen eines neuen Namens für jene “verteufelten“ Jungen aus dem “Land des Nieselregens“ zu schicken.
In einem der Hunderte von Briefen, die ankamen, war die sehr interessante Anregung Demônios da Garoa, und das kann man so erklären: Vicente Leporace stellte die Jungen immer als die “verteufelten Junge aus dem Land des Nieselregens“. Daher der Name, auf Deutsch “Teufel des Nieselregens“.
Unter dem neuen Namen begannen die begabten Jungen mit ihrer schon berühmten Musik eine brilliante und dauerhafte Karriere, welche im Laufe der Jahren ein treues Publikum erreichte, die aus Fans allen Alters, sozialer und kultureller Herkunft besteht. Ihre Musik ist heute “Kulturerbe” und ein nicht diskutierbarer Markstein unserer Brasilianischen Populären Musik.
Um einen Weg zu finden, sich gegenüber den anderen damaligen erfolgreichen Vokal-Gruppen – wie “Anjos do Inferno”, “Quatro Ases e um Coringa”, “Quitandinha e Sereneiros” u.a. – zu profilieren, schuf der Gründer der Demônios da Garoa, Arnaldo Rosa (in der Gruppe von 1943 bis zum Jahr seines Todes 2000), den einzigartigen und unverwechselbaren Stil der Interpretation für die von den Demônios da Garoa aufgenommenen Sambas. Es war der so genannte “Estilo Gaiato” welcher aus seinen Beobachtungen heraus entstand, von der Art und Weise wie die auf dem Praça Clóvis (Platz in der Stadt São Paulo) arbeitenden Schuhputzer mit der Sprache umgehen. Es ist eine volkstümliche Art und Weise der Sprache, welche die Schichten des grossen São Paulo widerspiegelt. Mit seinem Bruder Cláudio Rosa (als Mitglied der Gruppe vom Jahr 1947 bis zum Jahr 1981, als er seine Musiker-Karriere aufgab) erfand Arnaldo Rosa auch die typischen Introdutionen der Sambas, welche aussergewöhnlich und voll Humor waren, durch ihre “pãns pãns pãns pãns”, “pas calin gun dum” und “quais quais quais”, und welche die Ursprung dafür wurde, für das was man heute als den echten “Samba Paulista“ (Samba aus São Paulo) bezeichnet, welcher im ganzen Land erfolgreich wurde.
In diesem Jahr 2006 feiern die Demônios da Garoa 63 Jahre Zuwendung, Liebe und Zusammengehörigkeit mit unserer brasilianischen Musik… Mit “neuem Gesicht“ (da Erneuerung nötig ist), aber mit dem selbem “Estilo Gaiato” und Humor von Generation zu Generation weiter gegeben und präsent im Namen von Arnaldo Rosa, Vater vom heutigen Mitglied Sérgio Rosa, und Grossvater von Ricardo Cassimiro Rosa.
Also zuerst möchte ich mich sehr für die Zärtlichkeit, mit welcher ich angenommen wurde, bedanken. Es ist mir eine grosse Ehre, meine Bewunderung für euch in der Öffentlichkeit zu äussern. Es gibt noch viel zu erzählen, da im Laufe von sechs Jahrzehnten viele Änderungen in der Gruppe geschahen. Wie wäre es, wenn ihr ein bisschen über die Original-Formation der “Demônios…” erzähltet?
In Namen der Demônios da Garoa möchte ich, Serginho, herzlichen Dank sagen und zwar auch für die Zärtlichkeit und für die wunderschöne Chance, unseren Fans ein bisschen unsere Geschichte und unsere Liebe zur Brasilianischen Populären Musik nahe zu bringen.
Die erste Formation der Demônios da Garoa entstand im Jahr 1943, wie du schon erwähnt hast, nach dem 1. Platz bei der Sendung von Vicente Leporace. Damals hiess die Gruppe noch “Grupo do Luar“ und bestand aus dem Gründer Arnaldo Rosa und seinen Freunden Waldemar Pezuol, Zezinho, Bruno Michelucci und den Brüdern Antônio und Benedito Espanha.
Ende des Jahres 1943 gab es die erste Änderung bei den Demônios da Garoa, als Antônio Gomes Neto (Toninho), Artur Bernardo und Paulo Gallo aus der im Stadtteil Cambuci von São Paulos entstandenen Gruppe “Banda do Luar“ zu uns kamen. Sie ersetzten Waldemar Pezuol, Vicente (der Waldemar ersetzt hatte, aber nur ein paar Monate bei der Gruppe blieb) und Zezinho. 1947 kam noch Cláudio Rosa.
Die Begegnung mit Adoniran Barbosa war in der 40er Jahren. Wie war dieser erste Kontakt? Konnte man schon vorhersehen, dass aus diesem Moment eine “perfekte Ehe“ entstehen würde?
Die erste Begegnung zwischen Demônios da Garoa und Adoniran Barbosa geschah im Jahr 1943, während der Auftritte bei den Emissoras Reunidas. Sie trafen sich in den Studios von Radio Record und in den Korridoren des Senders Rádio Nacional. Damals komponierte und sang Adoniran Barbosa seine eigenen Lieder in makellosen Portugiesisch, aber jene verteufelten Heranwachsenden standen in den Fluren von Rádio Nacional und sie sangen die Lieder von Adoniran Barbosa adaptiert in ihrem “Estilo Gaiato”. Mein Vater, Arnaldo Rosa, erzählte, dass sich Adoniran Barbosa sehr ärgerte und er klagte immer, dass die Jungen seine Lieder “kaputt machten” durch ihre Spielerei mit der Sprache.
Im Jahr 1946 begannen sie, sich zusammen auf den Bühnen zu präsentieren, bei den Sendungen “Alegria dos Bairros“ (von Randal Juliano immer am Sonntagmorgen moderiert) und “PR Gessy“ beim Radio Record. Sie reisten auch zusammen mit der Karawane der Sendung “Aqui Está a Record“, welche die Stars der “Maior“ in die Städten des Inlands São Paulos brachte. Da es damals noch kein Fernsehen gab, waren diese Reise eine grosse Chance, die berühmten Künstler des Radios dem Publikum nahe zu bringen. Diese Sendung veranstaltete auch noch Fussballspiele zwischen den Künstlern und den Moderatoren des Senders Rádio Record, und während die Demônios da Garoa und Adoniran Barbosa auf ihre Zeit zu spielen warteten, organisierten sie eine kleine Band und machten Musik, um die Fussballfans zu unterhalten.
Erst im Jahr 1952 bekamen die Demônios da Garoa die Einladung, um an der Aufnahme des Soundtracks für den Spielfilm “O Cangaceiro“ von Lima Barreto teilzunehmen. Dieser war der bekannteste Film von Vera Cruz, welcher mit dem Preis “Bester Abenteuer-Film“ auf Festival von Cannes im Jahr 1953 ausgezeichnet wurde. Die Demônios da Garoa interpretierten dabei das Lied von Zé do Norte und Homero Marques “Mulhé Rendeira“ und dieser Erfolg brachte ihnen professionellen und internationalen Respekt. Adoniran Barbosa war der Hauptdarsteller in diesem Film.
In der 50er Jahren fangen die Demônios da Garoa an, die Sambas von Adoniran Barbosa (mit Hut) mit ihren “Estilo Gaiato” zu interpretieren. Damit bekamen sie viele Preise und diese Partnerschaft hielt 23 Jahre. Deshalb inkorporierte Adoniran den Stil der Demônios da Garoa in seinen Kompositionen.
Tja… Es ist bestimmt unmöglich von Demônios da Garoa zu reden, ohne Adoniran Barbosa zu erwähnen. Aber das Gegenteil gilt auch, da diese “musikalische Bekleidung“ von den Demônios da Garoa den Liedern von Adoniran gegeben, sind diese verewigt worden. Vielleicht wäre ohne diese Details das Werk von Adoniran Barbosa nicht unsterblich geworden wären. Wem gehört die Kreation der berühmten “cuais, cuais, cuais cuais, cuais…” e “pascarigunduns”…?
Eben. Die Sambas von Adoniran wurden bekannt und unsterblich durch deren Anpassung an den “Estilo Gaiato” der Demônios da Garoa, der von meinem Vater und Begründer der Gruppe, Arnaldo Rosa geschaffen wurde, denn dieser Stil reflektiert die Art und Weise der Sprache der Schichten bestimmter Stadtteilen der Stadt São Paulo, wo sich in grosser Mannigfaltigkeit Einwanderer befanden. und passte perfekt zu den Texten der Sambas von Adoniran, da diese wie nie zuvor die zahlreichen Szenen des damaligen populären Alltags widerspiegelten.
Die Arte und Weise, wie Adoniran die populäre Sprache des Paulistanos bearbeitete, welche auch tief von den in den Stadtteilen Mooca, Belém, Bixiga, Cambuci lebenden italienischen Einwanderern beeinflusst wurde, definierte auch noch die musikalische Sprache der damaligen São Paulo… Gab es noch dazu den Einfluss von Zeitungen, die damals Beilagen wie die berühmte “Diário do Abax’o Piques”, von Juó Bananére, veröffentlichten?
Die Kompositionen von Adoniran Barbosa mit ihren dramatisch lustigen Versen und mit der von den typischen Ambienten inspirierten Sprachweisen, zusammen mit der einzigartigen Interpretierung der Demônios da Garoa wurden zum Zeichen unserer Brasilianischen Populären Musik, besonders für die Stadt São Paulo, wo in den Musiken von Adnoniran Barbosa viel von ihren Stadteilen geschwärmt wurde. Da die Texte eine echte Darstellung der Realität einer Epoche sind und auch seiner ständigen Beachtung der Ausbreitung dieser Nachrichten in vielen Gesprächen, die in Kneipen in der Stadt São Paulo stattfanden, glauben wir eigentlich, dass Adoniran von den Nachrichten dieser Zeitungen beeinflusst gewesen sei.
Es wird häufig über die Rivalität zwischen Paulistanos (in der Stadt São Paulo geborene Menschen) und Cariocas (in der Stadt Rio de Janeiro geborene Menschen), aber die Geschichte des Sambas selbst stellt diese Rivalität in Frage, da das Lied “Trem das Onze“ ,vom Jahr 1964, mit dem 1. Preis bei dem “Quarto Centenário do Rio de Janeiro” ausgezeichnet wurde. Und noch dazu: Die Demônios da Garoa nahmen das Lied “A Voz do Morro“ von dem Carioca Zé Kéti auf … Kann man rivalisieren, wenn man Samba macht?
Es gibt genug Platz für jede Art Ausdruck der Kultur, die regionale, kulturelle und soziale Eigenschaften darstellen und die sich ihren Werten, ihrem Glauben und volkstümlichen Wurzeln wegen auszeichnen. Mein Vater (Arnaldo Rosa) sagte immer, in der 60er Jahren ermöglichte das Radio einen Austausch zwischen Künstlern aus Rio de Janeiro und São Paulo, was dazu führte, dass seine Sendungen die Präsentationen mit Künstlern aus Rio und São Paulo mischten und dazu veranstalteten sie Festivals und Preise für die Künstler, die sich mehr auszeichneten.
1964
Die Demônios da Garoa bestehend aus Arnaldo Rosa, Antônio Gomes Neto, Cláudio Rosa, Roberto Barbosa und Narcizo Trivelatto, hatte der grosse Erfolg eingeschlagen; für jene “verteufelten Jungen des Landes des Nieselregens”: das berühmte “Trem das Onze”, von Adoniran Barbosa komponiert und beim Label Chantecler aufgenommen. Diese Samba wird als die grösste Ikone der Karriere der Demônios da Garoa bezeichnet. Mit diesem Samba bekam die Gruppe den “1º Prêmio de Músicas Carnavalescas do IV Centenário do Rio de Janeiro”, also den “ersten Preis Karneval-Lieder des IV Jahrhundertfeiern der Stadt Rio de Janeiro“, genau im Jahr in welchem die so genannte “Cidade Maravilhosa” (“Wunderschöne Stadt”, Spitzname der Stadt Rio de Janeiro) ihre 400ten Geburtstag feierte. Die Stadt besass den besten Karneval der Welt und man sagte, São Paulo das Grab des Sambas (Kommentar von Vinícius de Morais) wäre… Die Demônios da Garoa haben bewiesen, dass auch São Paulo etwas im Bereich der Brasilianischen Populären Musik zu zeigen hatte.
“Saudosa Maloca”, “Trem das Onze”, “Samba do Arnesto” und viele, viele andere Lieder unter der Steuerung der Demônios da Garoa verewigten Stücke … Noch heute, immer wenn eine Gruppe Freunde, Bekannte, also, immer wenn sich ein paar Menschen treffen und wenn sie spontan beginnen zu singen, es ist nicht zu verhindern, ein paar dieser Stücke zu hören. Wie könntet ihr es erklären, da die Karriere der Demônios da Garoa zahlreiche Stile und Tendenzen überlebt hat, wie den Rock’n’Roll und die Bossa Nova, kamen und blieben?
Die Demônios da Garoa sind unsterblich in der Geschichte der Brasilianischen Populären Musik, geweiht und anerkannt seit dem ”Guinnes Buch der Rekorde Anno 1994” als die “Älteste Vokal Gruppe Brasiliens”, die immer dauerhaft auftraten. Wir glauben, das alles sei das Ergebnis von viel Widmung und Liebe zu unserer Musik, die zu den vier Ecken der Welt hingebracht wird und zwar mit viel Freude, Bescheidenheit und Respekt, was zusammen mit unserem unverwechselbaren, einzigartigen und verewigten Stil Generationen überwunden hat. Es ist nicht selten in unseren Auftritten, ganze Familie zu sehen, die zusammen unsere Sambas mitsingen, was beweist, dass diese Leidenschaft zu unserem Samba von Vater zu Sohn weitergegeben wird, sowohl unter unseren Fans, als auch in unserer Gruppe selbst, wie bei mir als Sohn von Arnaldo Rosa und jetzt unter dem Stolz, meinen Sohn Ricardo in der Gruppe zu haben, der die Arbeit weiter machen möchte, die vor 63 Jahren von meinem Vater begonnen wurde. Häufig hören wir von unseren Fans so etwas wie: “Ich hörte euch zusammen mit meinen Grosseltern”, oder “Ich habe gelernt, eure Sambas mit meinem Vater zu mögen…” oder noch: “Bitte, widmet eure Autogram meiner Mutter, die ihre Jugend mit eurer Musik genossen hat” usw.
Das ist das Geheimnis… Was gut ist, wird von Generation zu Generation weitergegeben, und zwar mit viel Liebe, Zärtlichkeit, Respekt und Zuwendung. Immer!
Wie ergaben sich die Änderungen in der Gruppe-Formation?
Es ist nicht einfach, eine 63jährige Verbindung ohne Änderungen zu halten… Die Demônios da Garoa erlebten viele Wechsel ihrer Mitglieder, immer mit der Vorsicht, den Original-Stil der Gruppe zu bewahren. Am Anfang der Karriere haben sie ein dröhnenden Erfolg, dazu nicht angemessen die Gage, die sie erhielten, deswegen mussten sie ihre festen Arbeitsplätze behalten und noch parallel dazu mussten sie die abendlichen und wochenendlichen Auftritten beachten. Daher haben viele Mitglieder die Gruppe verlassen. Die Zeit verging, und die Änderungen geschahen weiter, entweder auch noch wegen Gesundheitsproblemen, andere entschieden sich für die Rente, andere verliessen die Musik-Karriere oder gab es unverwünschte Motiven, wie das Beispiel meines Vaters, Arnaldo Rosa, der im Jahr 2000 starb und von Antoninho, im Jahr 2002 auch verstorben.
Heute hat die Gruppe ein “neues Gesicht”, trotzdem wird die von meinem Vater begonnene Arbeit weiter geachtet, versuchend an die Neuen Zeiten anzupassen, zum Beispiel mit moderneren Instrumenten, aber mit Mitgliedern, die es nicht erlauben, dass die Haupteigenschaften der Gruppe aussterben. In der Folge stelle ich die aktuellen Mitglieder kurz vor:
Sérgio Rosa
Ich bin Sérgio Rosa, besser bekannt als Serginho, Sohn von Arnaldo Rosa. Ich spiele Tamburim und Afoxé. Diese Instrumente zu spielen, habe ich von meinem Onkel Cláudio und meinem Vater Arnaldo gelernt. In bin in der Gruppe seit 1987.
Ricardo Cassimiro Rosa
Mein Sohn Ricardo Cassimiro Rosa, besser bekannt als Ricardinho, wurde Mitglied der Gruppe im Jahr 2000, kurz vor dem Tode meines Vaters, im Februar, und er macht die Perkussion.
Roberto Barbosa
Roberto Barbosa, berühmter als “Canhotinho” (“Linkshänderchen”), der so gut wie keiner seine kleine Gitarre spielt. Er ist in der Gruppe seit 1962, versuchte er für ein paar Jahre eine Solo-Karriere und seit dem Jahr 1999 wieder dabei.
Sydnei Cláudio Thomazzi
Sydnei Cláudio Thomazzi, besser bekannt als Simbad, spielt Saiteninstrumente, und sein Lieblingsinstrument ist die Gitarre. Er ist in der Gruppe seit 1989.
Izael Caldeira da Silva
Izael Caldeira da Silva, Pauke und Perkussion. Er kam zu der Gruppe im Jahr 1981, verlies sie 1984, um eine Solo-Karriere zu beginnen und kam wieder im Jahr 1999.
Seit ca. sechs Jahren haben die Demônios da Garoa einen schon zu der dritten Generation dieser Familie gehörendes Mitglied, den Ricardinho, Sohn von Sérgio Rosa. Welche Wege, die die Gruppe beabsichtigt, werden noch folgen?
Es ist mir persönlich eine riesige Freude meinen Sohn dabei zu haben, der der von meinem Vater angefangenen Arbeit Kontinuität gibt… Seine Jugend bereichert die Demônios da Garoa, die sich immer weiter modernisieren und sich an den neuen Zeiten anpassen müssen, ohne die Eigenschaft und den Stil der Gruppe zu verlieren. Wir wurden in der Familie Demônios da Garoa grossgezogen. Wir haben immer die Auftritte, die Übungsstunden begleitet und dadurch haben wir gelernt, schon früh die Musik zu mögen und zu verstehen und wir haben noch dazu in unseren Erinnerungen, die Erfahrung der Lehren meines Vaters. Ricardinho hat ein naturelles Talent, Instrumente zu spielen… Als er drei Jahre alt war, lernte er Tamburin von meinem Vater zu spielen. Seit dem konnte er nie mehr damit aufhören… Er wurde auch von den anderen Mitgliedern mit viel Freude und Begeisterung angenommen und ich glaube, es hat alles, dass es klappt, da er von allen unterstützt wird.
Ricardinho, wie ist es, mit solcher Verantwortung gegenüber der musikalischen Tradition deiner Familie umzugehen?
Seitdem ich ein kleines Kind war, träumte ich davor, in der Gruppe zu spielen. Heute, neben solchen “Monstern” zu sein, das ist wunderbar, das kann ich nicht in Worten beschreiben. Immer an die Unterstützung meines Grossvaters denkend, erinnere ich als er mich spielen sah und lächelnd sagte: “Dieser Jung hat was!”. Er und mein Vater sind meine grössten Idole und Vorbilder in meinem Leben… Bei ihnen habe ich alle Instrumente spielen gelernt, und sie haben mich immer motiviert und unterstützt. Ich hoffe, ich werde sie nie enttäuschen. Ich bemühe mich schon, um den Traum meines Vater zu verwirklichen: die Demônios da Garoa zu 100 Jahren Karriere ohne Unterbrechung zu bringen. Dazu folge ich ihren Vorbildern, das heisst, ich mache genau wie sie: Musik, Instrumente immer weiter lernen, üben, usw. Es ist mir eine Ehre an dieser Gruppe teilnehmen zu dürfen und ich wünsche mir, alles mit diesen jetzt grauhaarigen “Teufelchen” zu lernen, was sie mir noch beizubringen haben.
Im November 2005 fand eine feierliche Show für mehr als 60 Jahre Karriere im Olympia in São Paulo, statt. Dieses Konzert wurde live, sowohl auf CD, als auch auf DVD aufgenommen. Eine Reise durch die Zeit und mit der Teilnahme grosser Namen des Sambas, wie der Gruppe “Fundo de Quintal” und der wunderschönen Präsentation der Sambaschule Rosas de Ouro. Erzählt ein bisschen über die Hommage dieser Sambaschule für die Demônios da Garoa…
Die Stadt São Paulo ist immer das Lieblingsthema der Sambas von Rosas de Ouro, aber die Idee, uns im Karneval des Jahres 1998 zu ehren, war von Camila, der Enkeltochter des seligen Präsidenten der Sambaschule Basílio, als sie im Fernsehen einen unserer Auftritte in der Sendung “Mulheres”, beim Sendernetz Rede Record sah. Sofort rief Camila ihren Grossvater an, und schlug sie den Namen der Gruppe als Ehrungs-Thema der Sambaschule vor. Herrn Basílio hat die Idee sehr gut gefallen und er entschied sich dafür, uns zu ehren. Den Karnevalisten Neto und Mona gab er die Aufgabe, die Recherche über die Gruppe zu beginnen. In jenem Jahr feierten wir unser 55zigtes Karriere-Jahr und zwar im grossen Stil und wie keiner unsere Liebe zu unserem “Land des Nieselregen” singend. Sie erzählten unsere Schritte durch die Musik, unsere Musik wurde in alegorischen Wagen und durch überraschende und unvergessliche Verkleidungen dargestellt.
Es war für uns eine grosse Überraschung und Emotion, die Nachricht über diese Ehre zu bekommen. Wir fühlen uns geehrt und können uns brüsten, diese Hommage noch im Leben bekommen zu haben, da diese Hommages normalerweise nach dem Tod des Künstlers gemacht werden.
Als wir auf dem letzten allegorischen Wagen des Umzugs der Sambaschule auf dem Sambódromo kamen und das Publikum uns stehend applaudierte, als es uns erkannte, das war eine Emotion, die wir nie mehr vergessen werden. Ich erinnere mich ganz deutlich an die Emotion meines Vaters und Toninhos… Es war echt beeindruckend. Die Vorbereitungen der Sambaschule haben wir näher begleitet und es war für uns erstaunlich, ihre Arbeit, ihre Zuwendung und Respekt zu erleben, mit welchen sie alle im Hauptsitz der Sambaschule involviert waren. Sie arbeiteten rund um die Uhr an diesem Projekt. Wir waren mit unseren Familien auch bei den Übungen der Sambaschule und dazu bekamen wir noch eine zusätzliche Ehre: in einer von der Sambaschule organisierten besonderen “Ala“ des Umzuges, waren unsere Verwandten und Freunde auf einem allegorischen Wagen hinter dem unseren.
Die Aufnahme unserer ersten Live-DVD war die grosse Chance, dieser von uns so geliebten Sambaschule für ihre zahlreiche Freude und Verzauberungen eine Hommage zu widmen.
Samba Enredo der Sambaschule „Sociedade Rosas de Ouro“ – Karneval 1998.
Samba Enredo da „Sociedade Rosas de Ouro“ – Carnaval 1998.
Autoren: Nei Melodia, Ademir, Ney do Cavavo, Xavier und Carlão Mineiro
Nimm mich mit, Rosebaum nimm mich mit
Der Samba des Nieselregens ist mehr als Verführung
Dort, am Himmel, Adoniran
Beleuchtet meine Inspiration
Weinet, Cavaquinho und Gitarre
Ein populärer Gesang
Demônios da Garoa Generationen erobernd
“Wir gehen, wir kommen, wir bleiben“ (sic)
Der Meister gab uns den Tipp
Erlaubt mir, es zu erzählen
“Win won woher wir vorbeigegangen ist“ (sic)
Nahmen wir nur Freuden mit
Die Entwicklung hat unsere Verkleidung
Nicht zerissen
Cascunduns, can, cans, cans, laiulás, ô ô ô
Der Elfuhr Zug pfeif immer noch am Bahnhof
Saudade der Maloca, Maloca meines Herzens!
Träume, ewige Lieder
Schaukeln die Kundschaft
In dieser Hommage für euch
Rosas de Ouro gibt der Poesie den Ton
Auf den Wellen des Erfolges… Guckt mal!
Guck uns da schon wieder!
Autoren: Nei Melodia, Ademir, Ney do Cavavo, Xavier e Carlão Mineiro
Me leva, roseira me leva
O samba da garoa é mais que sedução
Lá no céu, Adoniran
Ilumina minha inspiração
Choram cavaquinho e violão
Um canto popular
Demônios da Garoa conquistando gerações
Nóis vai, nóis vem, nóis fica
O mestre deu a dica
Dá licença de contar
Din din donde nóis passemo
Só levamos alegria
O progressio não rasgou
A nossa fantasia
Cascunduns, can, cans, cans, laiulás, ô ô ô
O trem das onze ainda apita na estação
Saudade da maloca, maloca do meu coração!
Sonhos, eternas melodias
Embalam a freguesia
Nesta homenagem a vocês
Rosas de Ouro dá o tom à poesia
Nas ondas do sucesso… olha aí!
Ói nóis aqui traveis
Ihr gebt immer noch Konzerte. Wer in der Stadt São Paulo ist, der kann euch in einem der traditionellsten Restaurants São Paulos sehen und hören, der Bar Brahma… Erzählt mal wann…
Jeden Donnerstag ab 22.30 Uhr präsentieren wir uns auf den Bühnen der berühmtesten Ecke der Stadt São Paulo: zwischen Avenida Ipiranga und der Avenida São João, in der traditionellen Bar Brahma, wo wir im September mit viel Stolz unserem 500stes. in diesem Haus gegebenes Konzert feiern werden.
Gibt es Pläne für eine neue CD? Konzerte durch Brasilien?
Ja, sind wir am Arbeiten für eine neue CD und DVD, welche eine schöne Überraschung unserer Fans wird. Gott sei Dank ist unser Terminkalender für nationale Auftritte voll und es gibt auch Pläne für internationale Konzerte.
Was hörtet ihr denn? Welche Art Musik hört ihr gerne?
Jeder von uns hat seinen eigenen Geschmack. Wir mögen nicht nur Samba, sondern auch noch eine Palette Musik-Stile, welche uns auch etwas beibringen und inspirieren. Unsere Gruppe besteht aus Menschen verschiedener Generationen, die mit der Musik der Beatles, der Jovem Guarda und so vieler anderen Künstler aufgewachsen sind. Mit der Musik dieser Künstler, die so viele junge Menschen durch ihre Musik zum Träumen geführt haben…
In euren Konzerten – inklusiv auf der DVD – präsentierten sich die Demônios da Garoa immer mit viel Bescheidenheit und Zärtlichkeit, nicht nur gegenüber den eingeladenen Künstlern, sondern auch gegenüber dem Publikum. Dazu, natürlich, viel Professionalismus. Wäre es das Geheimnis für sechs Jahrzehnte Erfolg?
Diese Vorbilder der Bescheidenheit, Liebe und Zärtlichkeit wurden uns von meinem Vater, Arnaldo, gegeben. Er hat uns mit seiner Weise, mit seiner Freundschaft und mit seiner Liebe für die Musik immer gefördert. Die grösste Belohnung für unsere Arbeit ist sicherlich die Zärtlichkeit der Fans am Ende jedes Konzertes, dem Applaus, unsere Harmonie mit dem Publikum, welche unsere Auftritten mit Freude, Echos des Glücks und mit dem im Laufe unserer Karriere erworbenen Respekt gegenüber unseren Berufs Mitmenschen… Wir haben nur zu danken für das alles und uns vor diesem Gottes Geschenk zu beugen. Dieses Geschenk heisst: Freude und Hoffnung durch unserer Musik den vieren Ecken Brasiliens hinzubringen…
Welche ist die soziale Rolle des Künstlers, besonders des brasilianischen Künstlers?
Jeder Künstler hat in seinen Händen eine sehr grosse soziale Rolle, weil es die Möglichkeit gibt, zu einem Idol von jemandem zu werden. Und als Idol wird er bewundert und imitiert. Seine Attitüden, sein Verhalten im Leben, sein Charakter sind immer öffentlich. Deswegen müssen wir Vorbilder sein, wir müssen echt sein und bewusst unserer Taten und Worten. Nicht nur weil wir Künstler sind und deswegen die ganze Zeit beobachtet werden könnten, sondern weil wir Bürger sind, die das Güte wünschen, ohne zu bestimmen wem wir es wünschen. Oder weil wir das Verhalten vieler Fans beeinflussen können, nur weil sie unsere Arbeit bewundern. Immer wenn wir den Menschen helfen können, das tun wir sehr gerne und wir geben auch viele Benefizkonzerte, die nicht von den Medien bekanntgemacht zu werden brauchen, weil wir es aus dem ganzen Herzen tun. Wenn jeder von uns allen ein bisschen für den Nächsten macht, nach und nach werden wir alle eine grosse Menge getan haben…
Möchtet ihr noch etwas dazu hinfügen?
Ich möchte mich nochmals für die Chance bedanken, an dieser wunderschönen und lohnenden Arbeit teilnehmen zu dürfen und euch viel Erfolg, Frieden und Gesundheit wünschen. Und allen, die unsere Arbeit begleiten und die Daumen drücken. Ich sende auch eine besondere Umarmung unserem geliebten Publikum, welches uns jeden Tag mehr dazu motiviert, nie von unseren Träumen aufzugeben. Vielen Dank euch allen, und eine riesige Umarmung inklusiv dem deutschsprachigem Publikum von Serginho, Ricardinho, Canhotinho, Simbad und Izael.
Als Paulistana, Tochter einer im Stadtteil Mooca lebenden italienischen Familie, die mir als eure Fans auch eure Arbeit gezeigt hat, bekomme ich dieses Interview als ein sehr besonderes und wertvolles Geschenk. Euch, meine liebe “Teufel des Nieselregens” und dir, Joel Alves, die schönsten Sonnenblumen der Welt!
Das Interview führte Tânia Gabrielli-Pohlmann