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Die junge Journalistin Hannah will Karriere machen und verlässt dazu ihre Heimat und ihren Freund. Aber nichts funktioniert in der großen Stadt Berlin so, wie sie es sich erhofft hatte. Das Buch beschreibt ganz wunderbar ein Jahr im Leben dieser jungen Frau, ihre Träume, Bemühungen, Verzweiflungen und Sehnsüchte. Ich... Die junge Journalistin Hannah will Karriere machen und verlässt dazu ihre Heimat und ihren Freund. Aber nichts funktioniert in der großen Stadt Berlin so, wie sie es sich erhofft hatte. Das Buch beschreibt ganz wunderbar ein Jahr im Leben dieser jungen Frau, ihre Träume, Bemühungen, Verzweiflungen und Sehnsüchte. Ich habe besonders den präzisen Schreibstil der Autorin genossen. Geschrieben ist diese Geschichte für junge Frauen um die 30 Jahre, aber auch für Leute, die wie ich doppelt so alt sind, ist diese Lektüre interessant.
Eine junge Journalistin muss sich entscheiden zwischen Karriere oder Liebe. Soll sie das angebotene Praktikum bei einer Zeitung in Berlin annehmen oder soll sie bei ihrem Freund in der Kleinstadt bleiben? Sie entscheidet sich für die Unabhängigkeit und verlässt ihren Freund, der als angehender Arzt nicht nach Berlin mit... Eine junge Journalistin muss sich entscheiden zwischen Karriere oder Liebe. Soll sie das angebotene Praktikum bei einer Zeitung in Berlin annehmen oder soll sie bei ihrem Freund in der Kleinstadt bleiben? Sie entscheidet sich für die Unabhängigkeit und verlässt ihren Freund, der als angehender Arzt nicht nach Berlin mit kann und auch keine Distanzbeziehung will. Immerhin kann Hannah bei ihrer Freundin Miriam in Berlin in einer kleinen Wohnung einziehen, da Miriam selber eine Stelle als Auslandskorrespondentin in Moskau angeboten erhält. Aber nach dem Praktikum bieten sich Hannah keine weiteren Möglichkeiten an um als Journalistin zu arbeiten. Ihre Entscheidung erweist sich als Sackgasse und sie schlittert je länger desto mehr in eine Lebenskrise. Alles scheint ihr zu entgleiten, Karriere und feste Verhältnisse lassen auf sich warten, bis eine zufällige Begegnung sie neuen Mut fassen lässt. Da sitzen sie nun also: Nicola Steiner, Hildegard Keller, Martin Ebel und Thomas Sparbücher. Im Literaturclub des Schweizer Fernsehens und besprechen unter anderen das Buch «Traurige Freiheit» von Friederike Gösweiner, welches ihr erster Roman ist. Hildegard Keller: «Mich hat das Thema weniger interessiert. Ja, sie bemüht sich, kommt aber nicht vom Fleck. Auch innerlich. Privat nicht, in der Liebe nicht. Im Beruf nicht. Sie wendet sich aber auch nicht ab. Das ist so ein unentschiedener Zustand. Ein Limbus-Zustand.» Nicola Steiner: «Also selber schuld?» Martin Ebel: «Debüt schön und gut. Aber es gibt keinen Welpenschutz bei der Literatur. Ich glaube, dass Hannah nicht die richtige Protagonistin ist für diese These der traurigen Freiheit. Es geht um eine traurige Freie, die die Freiheit nicht nutzt. Denn das einzige, was sie werden will, ist Journalistin. Und offenbar ist sie keine gute Journalistin. Es fehlt ihr alles was eine gute Journalistin ausmacht. Neugier, Biss, Aktivität, Hartnäckigkeit, Leidenschaft, Kreativität. Ich würde die als Personalchef auch nicht einstellen. Wahrscheinlich ist sie als Kellnerin geeigneter oder soll einen ganz anderen Beruf wählen.» Nicola Steiner: «Das heisst, sie müsste besser sein um diese Freiheit auch leben zu können?» Thomas Sparbücher: «Ich bin auch der Meinung, die hat sich den falschen Beruf ausgesucht.» Kein Wunder urteilen die Literaturkritiker derart hart über das Schicksal der Protagonistin. Sie zählen eben zu den Gewinnern, sonst würden sie nicht in dieser Runde sitzen. Es sind genau die Leute, die andere Karrieren verhindern. Die entscheiden, was gut ist und was nicht. Vielleicht haben sie Recht, wenn sie kritisieren, dass Hannah den falschen Beruf gewählt hat, weil sie scheinbar nicht dafür geeignet ist. Aber auch im Journalismus gibt es verschiedene Bereiche, die verschiedene Anforderungen stellen, wo Hannah ihren Platz finden könnte, wenn sie nur lange genug am Ball bleibt, sich bewirbt und sich von den vielen Absagen nicht frustrieren lässt. «Alles war möglich, immer wieder hatte sie das gehört. Aber nie hatte sie daran gedacht, dass das auch das Scheitern implizierte. Niemand dachte daran, dass auch das Scheitern eine Möglichkeit war. Wie hatte sie nur nicht daran denken können? Wenn alles möglich war, war eben auch das Verlieren möglich. Wie konnten das alle nur vergessen? Wie konnte man denken, dass es immer nur die anderen treffen würde?» Es wird den jungen Menschen vorgegaukelt, dass sie alle Möglichkeiten hätten. Die absolute Freiheit zu wählen, was man in seinem Leben machen will. Aber es beginnt schon damit, dass nicht alle die Ausbildung machen können, die sie gerne machen würden. Und hat man dann eine Ausbildung gemacht, ist nicht sicher ob man auf diesem Gebiet eine Arbeit finden wird. Nur die besten werden erfolgreich sein und die anderen müssen schauen wo sie bleiben. «Ein vortreffliches Portrait einer Generation, die theoretisch alle Möglichkeiten hat, sie aber praktisch nicht umsetzen kann.» (Stephanie Krawehl, Deutschlandradio) Über die Rolle der Frau wurde in dieser Runde nicht diskutiert. Mir ist aber aufgefallen, dass Hannah auch diesbezüglich in der Klemme steckt. Heute wird von jungen Frauen erwartet, dass sie emanzipiert sind. Das heisst, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen, eine Ausbildung machen um später selbständig und unabhängig arbeiten und leben zu können. Dies will Hannah aber nicht gelingen, obwohl sie sich für diesen Weg entscheidet. Sie hätte gerade so gut bei ihrem Freund bleiben können, der als angehender Arzt genügend verdienen wird, obwohl auch er natürlich scheitern könnte. Damit hätte sie sich in eine Abhängigkeit gegeben, was sie als emanzipierte Frau nicht will. Aber im Denken und Handeln ist Hannah viel weniger emanzipiert, als sie vorgibt. Sie erwartet, dass ihr geholfen wird, statt selber Initiative zu ergreifen. Sie befreundet sich mit einem älteren, etablierten Journalisten und erwartet, dass er ihr hilft. Sie erhofft sich eine Chance um der Armut und Einsamkeit zu entfliehen. Von einem Generationen-Roman zu sprechen ist vielleicht etwas überzogen. Aber es beschreibt dennoch gut ein mögliches Leben in der heutigen Zeit.