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Eine thematische Residenz zur Rolle des Kollektivs im aktuellen künstlerischen Umfeld im Arc in Romainmôtier (Schweiz).
In einer Gesellschaft, die von individualistischen Werten geprägt und auf den materiellen Besitz ausgerichtet ist, ist die Kunst zu einem Investitionsgut geworden. In diesem neoliberalistischen Kontext scheinen sich unter den Kunstschaffenden drei Gruppen zu bilden: eine kleine Gruppe von Stars mit weltweitem Renommee, eine grössere Gruppe von Kunstschaffenden mit relativer Bekanntheit in einem bestimmten Kreis und die grösste Gruppe von aufstrebenden Kunstschaffenden am Rande der Szene, die sich nach irgendeiner Form von Anerkennung sehnen. Gleichzeitig und möglicherweise als Reaktion auf diesen Zustand lancieren Kunstschaffende Initiativen zur Bildung von Kollektiven, angetrieben vom Bedürfnis gemeinsam mit anderen zu arbeiten, wenn auch nur vorübergehend.
Führt die aktuelle Situation in der Kunstszene zu diesen Kollaborationen? Bringt sie Kollektive auf Kosten der Arbeit der Einzelnen hervor? Die Frage bezüglich des Kunstkollektivs ist jedoch nicht neu: Auch in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts findet man Kollaborationen, die verschiedene künstlerische Sprachen vereinen. Diese Sprachen werden von Kunstschaffenden unterschiedlicher Hintergründe angewendet, die neue Herstellungsprozesse erfinden und folglich eine sozioökonomische Kritik an der Kunstwelt üben. Kann der Blick in die Vergangenheit helfen, den aktuellen kollektiven Kreativitätsprozess zu überdenken, um ihn anzuregen und zu verbreiten? Welche Strukturen müssen noch geschaffen werden, wenn man Kunstschaffende unterstützen möchte, die sich manchmal punktuell zusammenschliessen, um das kollektive künstlerische Schaffen zu stärken und den kreativen Dialog zu fördern, rund um heute vor allem vernetzt entwickelte Praktiken?
Art Babel und das Arc laden im Oktober 2017 Kunstschaffende, Kuratorinnen und Kuratoren sowie Referentinnen und Referenten aus kunstfremden Bereichen ein, um eine Woche lang gestützt auf die konkrete Erfahrung von Art Babel als Fallstudie gemeinsam über die grundlegenden, den Praktiken der Kollaboration und der Co-Kreation inhärenten Fragen zu diskutieren. Das Ziel dieser Woche ist, zu einem Entschluss zu gelangen: «eine Handlung, durch die nach reiflicher Überlegung entschieden wird, etwas zu erreichen».
Art Babel ist ein Kunstprojekt, das im September 2016 von Julien Babel ins Leben gerufen wurde. Er begann das Projekt ohne spezifische Absichten – wie wenn man Freunde zum Essen nach Hause einlädt, um sich am Tisch auszutauschen. Daraus entstand wie von selbst, wie um dem Markt ein Schnippchen zu schlagen, ein messeähnliches Ausstellungsformat mit kurzfristigen und heterogenen Arbeiten. Bisher kamen anlässlich von vier Ausstellungen Kunstschaffende aus unterschiedlichen Bereichen an mehreren Orten in der Schweiz und in Frankreich zusammen.
Die thematische Residenz wird koordiniert von Julien Babel, Gründer von Art Babel, und Sally De Kunst, Leiterin für das Arc, in Zusammenarbeit mit Martial Mingam und Iris Gallarotti.
Teilnehmende: Julien Babel (Art Babel, Künstler, CH), Sally De Kunst (Leiterin Arc), Arrachetesyeux – Maude Sprumont Cosandey & Florian Duffey (Kunstschaffende, CH), Heike Cavallo-Swift (Künstlerin, CH), Iris Gallarotti (Künstlerin, FR), Nicolas Joos (Künstler, ES), Enric Llorach (Architekt und Künstler, ES), Martial Mingam (Künstler und Kurator, FR-CH) und Pierre-Olivier Schenk (Musiker und Künstler, CH).