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Autorin: Seraina Gartmann
Lernziele
Die Epoche des Absolutismus wird von den beiden Eckdaten Westfälischer Friede 1648 und Ausbruch der Französischen Revolution 1789 umrahmt. Allgemein wird unter Absolutismus eine Regierungsform verstanden, in der ein Monarch mit unbeschränkter und ungeteilter Gewalt über seine Untertanen und Untertaninnen herrscht. In der modernen Forschung versucht man in den letzten Jahren (mit mehr oder weniger Erfolg), den Begriff Absolutismus zu ersetzen, beispielsweise mit «Vorgang zur Verdichtung von Herrschaft».
In vielen Geschichtslehrmitteln wird der Absolutismus häufig am Beispiel des sog. Sonnenkönigs mit seiner aus heutiger Sicht leicht kuriosen Form der Herrschaftsausübung vorgeführt und eventuell noch mit der Begründung des modernen, zentral und rational verwalteten Staates des alten Fritz und seinem «Aufgeklärten Absolutismus» fortgesetzt.
Diese Unterrichtseinheit, die sich mit dem «Klassischen Absolutismus» auseinandersetzt (Informationen zum «Aufgeklärten Absolutismus» finden Sie in der Unterrichtseinheit zur Aufklärung), versucht nun, einige neue Perspektiven auf das «Phänomen Absolutismus» zu werfen, ohne dabei die traditionellen und bewährten Themen wie Ständegesellschaft, Sonnenkönig, Merkantilismus etc. ganz aus den Augen zu verlieren. Im Zentrum der Unterrichtseinheit stehen Menschen: von Ludwig XIV. über den Festungsbaumeister Vauban, die Mätressen Madame de Pompadour und Athénais bis hin zu Ulrich Bräker, der sich selbst als «armer Mann aus dem Tockenburg» bezeichnet hat.
Lag die Blütezeit des Absolutismus für Frankreich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, so befand er sich zu dieser Zeit in den deutschen Staaten gerade erst in seiner Entstehungsphase, während er in England mit der Revolution von 1688/89 bereits als überwunden galt. 13.1 versucht, sozusagen aus der Vogelperspektive, wesentliche Themen des Absolutismus aufzugreifen. Mit 13.1 können Sie den Absolutismus im Unterricht im Blitzverfahren behandeln, denn 13.2 und 13.3 sind Vertiefungen zu speziellen Themen und 13.4. eine Exkursion.
Drei Personen stehen als Beispiele für das (alltägliche) Leben und Denken von Angehörigen verschiedener Stände zur Zeit des Absolutismus bzw. des Ancien Régime in der Schweiz. In dieser alltagsgeschichtlichen Vertiefungseinheit können die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in die beiden Themenkreise Kindheit und Ehe erhaschen und anhand von Lesetexten und eines Rollenspiels problematisieren.
Kein Absolutismus ohne Sonnenkönig! Ludwig XIV. gilt nach wie vor als Inbegriff des absolutistischen Herrschers. In dieser zweiten Vertiefungseinheit wird versucht, den Sonnenkönig samt Hof aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.
Wenn es Ihnen nicht möglich ist, mit Ihrer Klasse nach Paris bzw. Versailles zu reisen, um dort die bezaubernden Barockanlagen des Sonnenkönigs zu studieren, dann dienen Ihnen vielleicht die Unterlagen zu einer Exkursion nach Neuf-Brisach (mit ÖV ca. 1.5 Stunden von Basel gut zu erreichen). Ihre Klasse erhält so einen Einblick in die Überreste absolutistischer Herrschaft in der Form des Städtebaus und der Verteidigungsanlagen seiner Zeit.
Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich in Form einer Tour d’Europe einen Überblick über den Absolutismus in Europa im 17. und 18. Jahrhundert.
Mit verschiedenen Darstellungen von Ständegesellschaften (Diagrammen, Karikaturen etc.) gehen die SchülerInnen den gesellschaftlichen Gegebenheiten und Problemen auf den Grund.Mit Hilfe zweier staatsgeschichtlicher Aufgaben lernen die Schülerinnen und Schüler – nebst der absoluten Monarchie – verschiedene Staats- und Regierungsformen kennen und vergleichen schliesslich die Funktionen des absoluten Staates im 17. Jahrhundert mit denjenigen des modernen Staates im 21. Jahrhundert. Den Abschluss bildet ein Begriffsgerüst über die wesentlichen Eigenschaften des Merkantilismus.
Kapitel 1: Begriff
Die kurze theoretische Umschreibung in den Begriff des Absolutismus ist vor allem für eine leistungsfähige Klasse gedacht. Sie nähert sich im Gegensatz zum Kapitel 13.1.2 dem Thema theoretisch an.
Kapitel 2: Gruppenpuzzle
Auf einer als Gruppenpuzzle organisierten «Tour d’Europe» reisen die Schülerinnen und Schüler durch verschiedene europäische Staaten. Sie lernen, die wichtigsten selbst erarbeiteten Ergebnisse festzuhalten und anderen zu vermitteln.
Kapitel 3: Ständesystem
Die Ständegesellschaft wird für eine leistungsfähige Klasse mit zwei Texten beschrieben (Sie können das Material auch für eine Erklärung durch Sie verwenden). Danach befassen sich die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen grafischen Darstellungen des Ständesystems und versuchen selbst eine zu entwickeln. Auf die Unzufriedenheit mit dieser Ordnung kommt die im dritten Arbeitsblatt im Zentrum stehende Karikatur zu sprechen.
Kapitel 4: Monarchie
In einer Partner- bzw. Gruppenarbeit lernen die Schülerinnen und Schüler die Regierungsform der absoluten Monarchie in einen staatskundlichen Zusammenhang einzuordnen. Im zweiten Lesetext wird der absolute Staat beleuchtet: Welches sind seine Stützen der Macht? Worin unterscheidet er sich von einem modernen Staat?
Kapitel 5: Merkantilismus
Ein Lese- und Lerntext macht die Schülerinnen und Schüler mit dem Merkantilismus vertraut. Mittels einer Begriffsaufgabe ordnen sie das Wirtschaftssystem des Absolutismus in einer Zeitspanne Mittelalter bis heute ein.
Die Schülerinnen und Schüler machen sich mit verschiedenen Lebensphasen und Lebenssituationen (Kindheit, Söldnerdienst und Ehe-Brauchtum) der Menschen zur Zeit des Absolutismus vertraut.
Zur Konkretisierung folgt diese Themeneinheit (in Anlehnung an die Historische Anthropologie) den Spuren zweier Zeitgenossen: Ulrich Bräker (1735–1798) und Madame de Pompadour (1721–1764).
Ulrich Bräker hat sich selbst programmatisch als «armen Mann aus dem Tockenburg» bezeichnet. Sein atemberaubendes Werk ist mittlerweile von der Forschung aufgearbeitet und publiziert worden. Ihre SchülerInnen haben hier die Gelegenheit, Einblicke in Bräkers Kindheit, in seine Zeit als Söldner im Heer Friedrichs II. und in seine Ehe zu erhalten.
Madame de Pompadour, die langjährige Mätresse Ludwigs XV, ist eine Aufsteigerin par excellence und soll für einmal eine Frau aus dieser Zeit porträtieren, die gesellschaftlich nicht benachteiligt, sondern geradezu bevorzugt wurde.
Der Regiogeschichte wird in Form einer Gerichtsverhandlung vor dem Basler Ehegericht zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Rollenspiel Rechnung getragen.
Kapitel 1: Bräker und Pompadour
Zwei Texte porträtieren Bräkers und Madame de Pompadours Kindheit. Im Anschluss an die Lektüre dieser Texte können die Schülerinnen und Schüler in Partner- oder Einzelarbeit ein Aufgabenblatt dazu lösen.
Kapitel 2: Erinnerungen
Ulrich Bräker, ein Waadtländer Söldner und die Mätresse Athénaïs berichten von ihren Motiven und Erfahrungen als Söldner in fremden Diensten bzw. als königliche Mätresse. Beiden Erinnerungsberichten liegt jeweils ein Arbeitsauftrag bei.
Kapitel 3: Rollenspiel Ehegerichstverhandlung
Den Auftakt bildet eine genealogische Aufgabe, bei der die Schülerinnen und Schüler in ihrer eigenen Familie nachfragen, wie sich ihre Vorfahren kennen gelernt haben. Es folgt ein längerer Lesetext über das Nachtleben und die Eheanbahnung im frühneuzeitlichen Baselland inklusive Frageteil. Anschliessend verfügen die Schülerinnen und Schüler über genügend Wissen, um eine Ehegerichtsverhandlung als Rollenspiel durchführen zu können.
Kapitel 4: Ehen Bräker / Pompadour
Anhand der Ehen von Ulrich Bräker und Madame de Pompadour können die Schülerinnen und Schüler abschliessend über das Thema Ehe zur Zeit des Absolutismus nachdenken
Kein Mensch wird eindeutiger mit dem Begriff «Absolutismus» verknüpft als Ludwig XIV., der als «Sonnenkönig» in geradezu mythischer Weise in den Geschichtsbüchern figuriert. Diese Themeneinheit beschäftigt sich aus mehrere Perspektiven mit dem König, versucht ihn einmal aus der Nähe, ein anderes Mal aus der Ferne zu betrachten. In einem selbst zu erarbeitenden Hörspiel lernen die Schülerinnen und Schülern nebst der produktiven Umsetzung verschiedene Facetten dieser Figur und der Geschichte Frankreichs zur Zeit des Absolutismus kennen. Sie lernen auch, Texte und Bilder bzw. Karikaturen von und über Ludwig XIV. kritisch zu betrachten. Am Schluss schwenkt der Fokus von Ludwig XIV. auf sein zahlreiches höfisches Personal und auf seine Untertanen.
Zusatz: Der Mann mit der eisernen Maske: alternative Erzählung
Kapitel 1: Hörspiel
Als Einstieg in die Thematik dient Ihnen ein Hörspiel, das die wichtigsten Ereignisse während der Herrschaft Ludwigs XIV. und dessen biografische Eckpunkte berührt. Sie können das Hörspiel entweder direkt im Unterricht abspielen (mp3-Format, z. B. Media-Player) oder eine CD hierbestellen; oder aber es in mehreren Gruppen in einer gekürzten Version von den Schülerinnen und Schülern selbst als Hörspiel inszenieren und aufnehmen lassen. In beiden Fällen dient Ihnen zur Ergebnissicherung ein Arbeitsblatt
Kapitel 2: Tagesablauf
Das königliche Alltagsleben war keine Privatangelegenheit, sondern ein stark ritualisierter Ablauf, welchen die Schüler und Schülerinnen anhand des berühmten Tagesablaufs des Sonnenkönigs kennenlernen und inszenieren können.
Kapitel 3: Text- und Bildaufgabe
Wer hat was über Ludwig XIV. geschrieben? Und warum? Wie hat sich Ludwig XIV. abbilden lassen? Wie wurde er in der Karikatur festgehalten? Eine Text- und Bildaufgabe beschäftigt sich mit der Vielschichtigkeit des Blicks auf den Sonnenkönig.
Kapitel 4: Mode
Die Beschäftigung mit der Damen- und Herrenmode am Hof zeigt den Schülerinnen und Schülern die ganz fremde Welt und die andern Massstäbe des Absolutismus, aber das Diktat der Mode.
Kapitel 5: Strukturlegetechnik
Zunächst versetzen sich die Schüler und Schülerinnen in die Lage eines oder einer Angehörigen des 3. Standes. Anschliessend repetieren sie mittels Strukturlegetechnik (Anleitung vorhanden!) die Grundlagen der Ständegesellschaft.
Sie möchten zusammen mit Ihren Schülerinnen und Schülern ein Stück Absolutismus-Geschichte hautnah erleben? Dann sei Ihnen die Exkursion ins elsässische Neuf-Brisach sehr empfohlen.
Die Fahrt mit dem Zug ab Basel dauert ca. 1.5 bis 2 Stunden (je nach Verbindung), bis Sie im Stadtzentrum von Neuf-Brisach sind, dürfen Sie einen kleinen Fussmarsch miteinberechnen. Bedenken Sie bitte auch, dass das spannende Vauban-Museum (hier können Sie für Ihre Klasse kostenlos Führungen in französischer und deutscher Sprache buchen) nur vom 1. Mai bis 31. Oktober geöffnet ist (ausser dienstags).
Es gibt im überschaubaren Städtchen zahlreiche günstige und regionale Verpflegungsmöglichkeiten.
Vaubans Biografie und ein kurzer Abriss über die Geschichte Neuf-Brisach können Sie vor der Exkursion im Unterricht behandeln. Der Stadtrundgang ist so konzipiert, dass Sie die gelösten Aufgaben nachträglich im Unterricht wieder aufgreifen und vertiefen können. Die Detektivaufgabe kann im Sinne eines Wettbewerbs im Anschluss an den Stadtrundgang gelöst werden.Wichtig: Identitätskarte oder Pass! Bei Schülerinnen und Schülern mit Flüchtlingsstatus allenfalls Visumsfrage klären.
Kapitel 1: Vauban
Eine Kurzbiografie über Vauban macht die Schülerinnen und Schülern mit den Eckpunkten des Lebens dieses wichtigen Militärkopfs und Baumeisters vertraut. Dazu gehören zwei Bilder von Hyacinthe Rigaud, dem berühmten Porträt-Maler des Sonnenkönigs.
Kapitel 2: Stadtgeschichte
Den historischen Abriss über die Geschichte der Festungsstadt Neuf-Brisach können die Schülerinnen und Schüler z.B. während der Anfahrt in das Städtchen lesen. Die Luftaufnahme zeigt den achteckigen Grundriss besonders eindrücklich.
Kapitel 3: Stadterforschung
Während ca. 2 Stunden können die Schülerinnen und Schüler in 2er- bis 3er-Gruppen die Stadt gezielt und selbstständig erforschen. Als Unterlagen erhalten sie eine Karte und Aufgabenmaterial.
Kapitel 4: Detektivisch
Diese Aufgabe kann lösen, wer während des Stadtrundganges besonders aufmerksam war…