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Recherche (Sommer-Tagebuch)
Tramlektüre: Die Abhandlung des als Salonliterat sich gefallenden Chirurgen, der über "Proust aus medizinischer Sicht" schreibt. Weitschweifig, redundant und entsprechend unergiebig, ausser der Bemerkung über P`s Zeugungsdatum, einer simplen Ueberlegung folgend, die mich darauf bringt, dass mein Zeugungsdatum der 28. Januar gewesen sein könnte, ja ich überzeugt bin davon sofort, der 29. Geburtstag meines Vaters.
Der Tod von M. vorgestern. Die Limmat, eben noch Badeparadies, nach dem Regen eine braune, reissende Brühe, jetzt schon wieder glatt und blau. Nach fünf Stunden Schlaf Balkonfrühstück.
Staubsaugertransport, Katzenfutter, Leinwände - das Lebensnotwendige.
Weiterarbeit an dem grünen Teil, das lang sich jetzt in einer Pose der Unantastbarkeit verweigert und dadurch vor meinem Zugriff geschützt hat.
Auslöser einmal mehr Proust, bezw. das, wozu sich Oskar Loerke nach seiner Lektüre der Recherche geäussert hat, einer der vielen, wie ich anfänglich meinte, in Herz und Hirn Getroffenen, Infizierten, Beglückten.
So etwa zur "Gesellschaft", zur Familie derer, die reich geboren oder reich geworden, die, strebsam emporgekommen und sich behauptend oder im gemachten Bett sitzend, alle "ihren Posten in der grossen Welt einnehmen" (und diesen um keinen Preis je aufs Spiel setzen wollen), wo, anders als im ausserhäuslich geführten Krieg der Ausbeutung und Geschäftemacherei, "Besitz, Geschmack, Tradition, Geist, Melancholie alle Regungen des Schmerzes und der Freude überstrahlen und wo selbst der private Charakter zu einer Rolle wird, die man mit Anstand darstellt und mit Wachsamkeit durchführt.