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Schneeglöckchen: Mutige kleine Blumen
Die weissen Blüten sind immer ein einladender Anblick im Winter: Keine Fragen, Schneeglöckchen sind mutige kleine Blumen. Je kälter das Wetter, desto länger halten sie – einige Sorten blühen auch noch im März. Wir zeigen unsere Favoriten der kleinen Wilden.
Die ersten Frühlingsboten sind mutige kleine Blumen. Das am frühsten blühende Schneeglöckchen streckt seine Triebe bereits im Herbst aus der Erde: Aus Griechenland stammen die Arten, die Herbst-Schneeglöckchen oder «Oktoberglöckchen» (Galanthus reginae-olgae) genannt werden. Dann folgen die «Weihnachtsglöckchen» mit Sorten wie ‘Gabriel’ oder ‘Three Ships’. Galanthus unterscheidet man am Laub: Das heimische Kleine Schneeglöckchen (G. nivalis) weist schmale Blättchen auf, während das Grossblütige Schneeglöckchen (G. elwesii) deutlich breiteres graugrünes Laub besitzt. Dann gibt es die ‘Scharlockii’-Gruppe: die «Eselsohren»-Schneeglöckchen mit ihren verdrehten Hüllblättern. Galanthus woronowii zeichnet sich durch grasgrüne Blätter aus, G. plicatus ist eher graugrün.
Intensive Züchtung
Ursprünglich stammt die Wildform der Schneeglöckchen vom Kaspischen oder Schwarzen Meer, also aus Georgien, Griechenland und der Türkei. Nach dem Krim-Krieg (1853–1856) nahmen die Engländer die Pflanze mit nach Hause. Es war die Stunde der britischen Galanthophilie, denn obwohl Schneeglöckchen im Vereinigten Königreich sehr gut gedeihen, handelt es sich dort nicht um eine heimische Pflanze. Zwar wurden sie in Grossbritannien seit dem 15. Jahrhundert kultiviert, doch erst in der Viktorianischen Ära um 1850 begann eine Zeit intensiver Züchtung, die durch den Krim-Krieg ausgelöst wurde.
Pure Leidenschaft
Die englische Liebe für Schneeglöckchen ist pure Leidenschaft: Es gleicht einem kollektiven Fieber, wenn Ende Winter auf der Insel das «Dirty Knee»-Syndrom ausbricht und unzählige Briten vor der kleinen weissen Blume auf die Knie gehen. Besonders in den letzten Jahren ist ein regelrechtes «Galanthusfieber» ausgebrochen. Für einzelne Exemplare werden unvorstellbare Summen geboten: Im Februar 2015 wurde auf Ebay eine einzelne Pflanze der Sorte ‘Golden Fleece’ für 1390 Pfund (CHF 1700) verkauft.
Was brauchen Schneeglöckchen?
Der botanische Name Galanthus ist aus den griechischen Wörtern «gála» für Milch und «ánthos» für Blüte abgeleitet. Die Gattung umfasst 22 bekannte Arten, deren geografische Verbreitung vom Kaspischen Meer bis zu den Pyrenäen reicht. Es gibt weltweit über 4000 benannte Sorten, wovon etwa die Hälfte käuflich zu erwerben ist. Während Grossbritannien, das weitherum als Heimat der Schneeglöckchen gilt, keine eigenen Naturstandorte aufweist, gibt es in der Schweiz wilde Bestände: Die mutige kleine Blume ist im Tessin und im Jura zu finden. Folgende Tipps hat uns Andrea Carlo Mazzocco, Präsident des Vereins Galanthophile Schweiz, verraten:
• Im Winter halten Galanthus eine Menge aus. Wie Christrosen legen sie Laub und Blüten bei Frost ab und stellen sie wieder auf, sobald es wärmer wird. Frostschäden sind ganz selten. Allenfalls kann man seine Zöglinge bei sehr niedrigen Temperaturen mit Vlies schützen.
• Im Frühling mögen es Schneeglöckchen feucht und sonnig. Im Sommer benötigen sie Schatten bei nicht zu feuchten, aber auch nicht zu trockenen Bodenverhältnissen. Dazu am liebsten eine luftige und humose, mit etwas Perlit versehene Erde.
• Andrea Carlo Mazzocco schwört auf Mikroorganismen aus Mykorrhiza-Pilzen. Zusätzlich verwendet er biologischen Zwiebeldünger (erhältlich beim deutschen Züchter Michael Camphausen, www.michaelcamphausen.de) sowie flüssigen Bio-Tomatendünger – denn: «Blumendünger in Form eines Granulats eignet sich nicht bei Kälte.»
• Galanthus gehören zur Familie der Amaryllisgewächse. Grosse Pulks können nach dem Verblühen geteilt und umgepflanzt werden.
• Die empfindlichen Zwiebeln müssen sofort nach dem Kauf eingepflanzt werden, weil sie sonst austrocknen. Die Samen werden durch Ameisen transportiert – allerdings muss man dann 3 bis 4 Jahre auf die ersten Blüten warten.
Galanthus ‘Richard Ayres’
Eine tolle gefüllte Sammlersorte mit auffälliger Zeichnung auf den inneren Petalen. Durch die spitzen äusseren Blütenblätter sieht ‘Richard Ayres’ fast aus wie ein Edelweiss.
Text: Stefanie Stäuble Fotos: Bettina Haefliger Photography
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