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Die Regierung von St. Helena verkündete diese Woche, dass ab ca. Ende März 2022 die Flüge mit der südafrikanischen Fluggesellschaft AIRLINK von Johannesburg nach St. Helena wieder aufgenommen werden. In einer ersten Phase ist ein Flug alle zwei Wochen geplant.
Die Flüge ab Südafrika wurden im März 2020 aufgrund der COVID-Pandemie eingestellt und durch Charterflüge der Regierung ab London ersetzt. Diese London-Flüge wurden in einer ersten Phase alle sechs Wochen durchgeführt und in einer zweiten Phase und noch bis Anfang März 2022 alle drei Wochen. Für viele Saints und Expats ging mit den Direktflügen England - St. Helena ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Die Charterflüge nach/von England kosten den immer klammen Schatzmeister der Insel jedoch viel Geld, so dass diese Flugverbindung ab März 2022 eine Fussnote in der Geschichte der Insel St. Helena sein wird.
Ob im Zusammenhang mit der wieder hergestellten Flugverbindung von Südafrika auch die zehntägige Quarantänefrist auf St. Helena aufgehoben wird, ist noch nicht bekannt.
Die regulären Airlink-Flüge ab Südafrika nach St. Helena sind seit mehr als 1 1/2 Jahren suspendiert. Im Moment ist die einzige direkte Verbindung zwischen Südafrika und St. Helena mit dem Frachtschiff HELENA. Während meines Aufenthaltes auf St. Helena erhielt ich die Gelegenheit, das Schiff während seiner Liegezeit an der Kai in Ruperts Bay zu besuchen. Der südafrikanische Kapitän Rudolph van Schalkwyk begrüsste mich an der Gangway und führte mich zur auf dem Hauptdeck gelegenen Passagierkabine. Die helle Kabine besteht aus insgesamt vier Etagenkojen, einer kleinen Sitzecke mit Schreibtisch und Dusche/WC. Die Kabine wirkt sehr hell und in einwandfreiem Zustand. Gemäss Kapitän van Schalkwyk nutzen im Moment vor allem Südafrikaner, die einen temporären Arbeitsvertrag auf St. Helena haben, die Möglichkeit, mit dem Frachtschiff nach oder von St. Helena zu reisen. Gemäss den lokalen Nachrichten war auf dieser Reise Major Wendy von der Salvation Army als Passagierin an Bord.
Die HELENA ist ein kleines Frachtschiff, deshalb sind auch die öffentlichen Räume beschränkt. Die ebenfalls auf dem Hauptdeck gelegene Messe, wo die Mannschat wie auch die Passagiere die Mahlzeiten einnehmen, wirkt ebenfalls sehr gepflegt und hell. Ich bin positiv überrascht, da auf kleinen Frachtschiffen, diese Räume oft relativ wenig Tageslicht zulassen. Der Kapitän führt mich auf den Aussentreppe noch in Richtung Kommandobrücke. Wie heutzutage üblich sind die Aufbauten ohne übermässig grosse Decksflächen ausgestattet. Trotzdem gibt es auf jedem Deck etwas Platz um sich die Beine zu vertreten. Sogar ein Fitnessfahrrad war bei meinem Besuch auf einem Deck sicher verstaut, falls ein Passagier sich sportlich betätigen will. Von einem der Nocks hat man einen guten Blick über das Frachtdeck und - wenn auf See - auf die unendliche Weite des Südatlantiks.
Der Kapitän wie auch die Crew war zuerst etwas skeptisch als er hörte, dass die HELENA Passagiere akzeptieren wird. Aber die Erfahrungen seien durchwegs positiv meint er. Er verstehe es zwar nicht, was die Passagiere an einer Frachtschiffreise so faszinierend finden. Aber das versteht eigentlich kein Frachtschiffkapitän, wieso man sich das freiwillig antut, auf einem Frachtschiff mitzureisen. Aber für Landratten ist es eine neue Welt, in die man sonst kaum Einblick erhält. Die HELENA fährt alle paar Wochen ab Kapstadt nach St. Helena und - je nach Bedarf - weiter nach Ascension Island. Die einfache Fahrt nach St. Helena dauert ca. sechs Tage, eine gesamte Rundreise inkl. Ascension ungefähr drei Wochen. Da auf St. Helena zum Zeitpunkt dieses Beitrags eine zehntägige Quarantäne gilt ist ein besonderer Vorteil der HELENA dieser, dass die Seetage an die Quarantänezeit angerechnet wird und man normalerweise nur noch vier Tage in Quarantäne muss, bevor man sich auf St. Helena frei bewegen kann. Weitere Informationen zur Frachtschiffreise mit der HELENA erhalten Sie von unserem Schiffsreisepartner Ship'N'Train Travel.
Mein Quarantäne-Quartier ist inkl. Veranda rund 60 Quadratmeter gross und hat alles, was man braucht. Ich platziere das obligatorische Quarantäneschild gut sichtbar beim Eingang und beginne meine 10 Tage Einsiedlerei.
Meine zweitgrösste Sorge, ob der Kühlschrank/das Tiefkühlfach mit den bestellten Einkäufen gefüllt war, war grundlos. Auch meine grösste Sorge, dass der bestellte Internetanschluss nicht funktioniert, zerstreute sich schnell. Einzig mit meiner E-Mail-Adresse hatten sie Mühe und dachten wohl, dass mein Vorname "Urs" entweder ein Titel oder ein Verschrieb war und liessen diesen ganz einfach weg. Aber ich kann auch mit nur meinem Nachnamen in der temporären Mailadresse gut leben.
Während den zehn Tagen habe ich mich strikt an meine Tagesroutine gehalten, eine Art "Home office light", einfach in einer anderen Umgebung, etwas späterem Arbeitsbeginn, einer längeren Mittagspause fürs Kochen und ein Nickerchen, und pünktlichen Feierabend um 17 Uhr. Jeden Tag zwischen 9 und 12 rief die Gesundheitsverantwortliche an um nachzufragen, ob ich irgend welche Symptome habe und ob alles ok war. Pünktlich um 17 Uhr gab es dann auf der Veranda mein Feierabendbier.
Am Tag 2 klingelte das Telefon und ich wurde ultimativ aufgefordert, mich vor dem Bungalow zu zeigen. Von der Veranda der Vermieterin winkte mir dann ein Sicherheitsbeauftragter des Gesundheitsamtes zu und gab mir ein "Daumen hoch", als er mich bei seinem Kontrollbesuch pflichtbewusst vor meinem Häuschen sah. Anschliessend wurde ich anscheinend als vertrauenswürdig eingestuft und es folgten keine weiteren Kontrollbesuche mehr.
Das kulinarische Fazit nach zehn Tagen darf als "zufriedenstellend" taxiert werden: kein dramatischer Gewichtsverlust (zugegebenermassen allerdings auch keine Zunahme). Es gab nicht nur Spaghetti sondern, im Rahmen der verfügbaren Lebensmittel, eine - sagen wir es mal so - nicht komplett ungesunde Ernährung. Die guten Ansätze, auch Kartoffeln zu essen und gewisse Gänge mit Zwiebeln zu verfeinern scheiterten nicht am guten Willen, sondern an der fehlenden Verfügbarkeit auf der Insel. Diese kamen erst wieder mit dem nächsten Schiff von Kapstadt nach meiner Quarantäne.
Nachdem ich am 9. Tag wieder von einem Fahrer in voller Pandemiemontur zu einem weiteren Test in die zentrale Quarantänestation gefahren wurde und der Test negativ ausfiel, wurde mir am 10. Tag mitgeteilt, dass ich um 19 Uhr aus der Quarantäne entlassen sei. Als die zwei Damen vom Gesundheitsamt, die mir die "Entlassungsurkunde" übergaben, mich mit meinem Kurzhaarschnitt und doch eher maskulinen Aussehen entdeckten, mussten sie sich dafür entschuldigen, dass ich im Brief als "Mrs Urs Steiner" angesprochen werde. Ein weitere Spätfolge meines von meinen geschätzten Eltern gutgemeinten Vornamen-Wahl.
Und wie war Tag 11, der erste Tag meiner neu gewonnen Freiheit, ohne Maske, ohne Social Distancing, ohne die dauernde Präsenz von COVID-19? Nach einem Rasiereinsatz, den mein Rasierapparat nach zehn Tagen Ferien an sein Limit brachte, ging es präsentabel auf zum ersten Einkauf ins Zentrum von Jamestown. Erstaunlicherweise gewöhnt man sich sehr schnell wieder daran, sich ohne Einschränkungen/Vorschriften bewegen zu können, wohl auch darum, weil wir in der Schweiz verhältnismässig lockere Einschränkungen hatten im Vergleich zu anderen Ländern. Ein während des strengen Lockdowns in England lebender Bekannter brauchte nach seiner Rückkehr auf die Insel eine gute halbe Stunde nach seiner Ankunft in Jamestown, bevor er sich traute, loszumarschieren, wo er während seines Einkaufs wie im "old normal" von seinen zahlreichen Bekannten herzlichst und ohne social distancing begrüsst wurde.
Überall, wo die Konversation über einen Satz hinaus ging, war die zweite Frage meistens, ob man gerade aus der Quarantäne kam. Und dass St. Helena mit 4'500 Einwohnern ein Dorf ist wurde mir spätestens im Postamt klar, wo ich mir eine Landkarte kaufte. Als ich für die Quittung meinen Namen buchstabierte kam aus der zweiten Reihe die Frage, ob ich derjenige sei, der jeweils um 17 Uhr sein Feierabendbier geniesse.
Die rund 21 Jahre alte Boeing 757 landete pünktlich und ohne allzu grosse Turbulenzen auf dem Flughafen von St. Helena. An Bord rund 100 Passagiere. Alle, die nicht auf ein Schiff anmusterten (rund 1/4 der Passagiere war Royal Navy Personal, das auf ein Eispatroullienschiff transferiert wurde) oder am Folgetag nach Ascension weiterflogen, mussten 10 Tage in Heimquarantäne.
Immigration wurde schnell und unbürokratisch erledigt mit dem Hinweis, die £ 20.-- könne man dann nach der Quarantäne bei der Immigraton in Jamestown bezahlen. Angst, dass man ungesehen abhauen könnte von der Insel, muss die Behörde ja nicht wirklich haben.
Anschliessend anstehen für einen Antigen-Test und Weiterleitung zur nächsten Schlange. Dort, mit gut drei Metern Abstand getrennt, konnte man das überreichte Couvert öffnen mit allen möglichen Hinweisen zu Quarantäne. Unter anderem eine Vereinbarung, dass man sich konsequent zehn Tage selbst isoliert und bei Nichteinhaltung eine Strafe von £ 5'000.-- oder sechs Monate Knast drohen. Damit das auch jeder versteht, wurde die Vereinbarung jedem Passagier einzeln vorgelesen, man musste abnicken, dass man das verstanden habe und unterschreiben. Anschliessend konnte man sein Gepäck holen und in der Ankunftshalle (die gleichzeitig auch Abflughalle ist) Platz nehmen, bis der Transport zum Quarantänequartier bereit war.
"Ähh Steiner" (mein Vorname Urs ist nicht wirklich auslandtauglich...) wurde aufgerufen. Ich könne mitkommen. Draussen stand ein Minibus mit einem Fahrer, eingekleidet als ob auf der Insel die Ebola-Epidemie wütet und wir gleichzeitig noch die Pest hätten. Fünf von uns wurden zu einem der Busse geführt, der uns zu den einzelnen Quarantäne-Wohnungen bringen würde in Jamestown. Noch eine letzte, knapp halbstündige Fahrt, bevor die Bewegungsfreiheit für die nächsten zehn Tage massiv eingeschränkt sein würde. Ich hoffe, die Vermieterin hat nicht vergessen, meine vorbestellten Einkäufe in den Kühlschrank und den Tiefkühler zu legen.
Am 13. Oktober 2021 wurde auf St. Helena nicht nur eine neue Regierung gewählt, nein, auch ein neues Regierungssystem mit verantwortlichen Minister wird das aktuelle Gemeinschaftsgremium "Executive Council" (ExCo) ablösen. So wird jeder Minister neu für einen Teilbereich innerhalb seiner Budgetrahmens eigenständig verantwortlich sein und nicht mehr nur die "ExCo" als gesamtes. In einem ersten Schritt wurde das gesetzgebene "Legislative Councel" gewählt, aus dessen Reihen dann die Minister und der oder die Ministerpräsident/in gewählt wird.
Die Wahlbeteiligung von 60 % war die Höchste seit langem. Aus 29 Kandidaten und Kandidatinen wurden 12 in das gesetzgebende "Legislative Council" gewählt. Wie die lokale Wochenzeitung The St. Helena Independent feststellt, ist das Geschlechterverhältnis mit sieben Männern und fünf Frauen ausgewogener als vorher, das Durchschnittsalter etwas tiefer und die praktische Erfahrung aus Anstellungen im privaten Sektor ist stärker vertreten. Das, so der Independent, nähre die Hoffnung, dass die neue Regierung effizienter, kommunikativer und volksnaher sei als die bisherige.
Dass in der Bevölkerung ein gewisser Unmut über die lokale Regierung herrscht ist daran abzusehen, dass nur drei wieder zu Wahl antretende Räte wieder gewählt wurden und vier abgewählt wurden. Die Hoffnung, dass mit der neuen Regierungsform und zum Teil neuen Kräften, die Regierung in diesen für St. Helena schwierigen Zeiten schlagkräftiger wird, ist gross.
Die Regierung von St. Helena (SHG) hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, so soll die Energie schlussendlich zu 100 % aus erneuerbarer Energie lokal produziert werden. Verschiedene Regierungsstellen geben dazu Auskunft:
Inselwelten: Im 10-Jahres-Plan 2017-2027 erklärt die Regierung von St. Helena, dass eines der Ziele darin besteht, grüner zu werden, indem der CO2-Fussabdruck verringert, Fauna und Flora besser geschützt, Abfall reduziert und die Wasserversorgung für die Zukunft gesichert wird. Wie zufrieden ist die Regierung insgesamt mit den Fortschritten des Projekts "Grüner werden" nach vier Jahren des 10-Jahres-Plans?
Regierung St. Helena: Wir machen stetige Fortschritte bei der Verringerung unseres CO2-Fussabdrucks, aber eine Herausforderung bleibt die Koordinierung grüner Initiativen, die für St. Helena geeignet sind und mittel- und langfristig zu nachhaltigen CO2-Reduktionsgewinnen für die Insel führen werden, sowie die Beschaffung angemessener Finanzmittel für deren Umsetzung.
Wichtige Entwicklungen der letzten Jahre:
- St. Helena-Klimaschutzstrategie, die 2019 angenommen wurde, um die Massnahmen zur Reaktion auf Klimaschwankungen und -veränderungen auf der Insel in eine Gesamtstrategie einzubinden.
- St. Helena-Aktionsplan zum Klimawandel), der 2020 angenommen wurde und Anpassungs- und Abschwächungsmassnahmen für die nächsten fünf Jahre enthält
- Unterzeichnung eines Vertrags mit Connect / PASH über erneuerbare Energien im Jahr 2020
- St. Helena Government Garage Pilotprojekt zur Umstellung der regierungseigenen Fahrzeuge auf eine elektrische Flotte.
- Umstellung der Abfallentsorgungsdienste auf emissionsfreie, lithiumbetriebene Kleinmaschinen im Jahr 2020.
- SHG-Netto-Null-Emissions-Scoping-Studie wird in Kürze vorgelegt. SHG wird gemeinsam mit der jetzt im Oktober gewählten Regierung prüfen, welche Massnahmen auf der Grundlage dieser Studie ergriffen werden können.
- Das von der Uk Conflict Stability & Security (CSSF) finanzierte Abfallbewirtschaftsprojekt zur Entwicklung einer kommerziellen Recyclinganlage auf der Horse Point Deponie wurde 2021 begonnen, um die gegenwärtigen und zukünftigen Abfallmengen zu reduzieren, die nicht mehr deponiert sondern recylet werden müssen.
- Das CSSF-finanzierte Projekt "Umwelt, natürliche Ressourcen und Planung" zur Installation einer Fotovoltaik-Anlage und von Sonnentunneln im Hauptquartier der Umweltbehörde wird 2021 in Angriff genommen.
- Die Abfallbewirtschaftsdienste beschaffen 2021 einen emissionsfreien Elektrostaubsauger, um den Übergang der SHG zu emissionsfreien Kleinmaschinen zu unterstützen, wo dies sinnvoll ist.
2021 wurde eine Wasserressourcenstrategie verabschiedet.
Inselwelten: Das sind ganz viele Studien, die der Regierung nun bei der Entscheidungsfindung helfen. Ist der Energieverbrauch auf der Insel in den letzten Jahren übrigens gestiegen oder gesunken?
Regierung St. Helena: Der Verbrauch ist in den letzten drei Jahren konstant geblieben.
Inselwelten: Eines der Hauptziele im Kapitel "Grüner werden" ist es, sich zu 100 % mit erneuerbaren Energien selbst zu versorgen. Das ist ein grosses und anspruchsvolles Ziel. Wie hoch ist der derzeitige Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch?
Regierung St. Helena: Der derzeitige Anteil der aus erneuerbaren Quellen erzeugten Energie liegt bei etwa 25 %.
Inselwelten: Das ist schon beachtlich. Bis zu welchem Jahr hoffen Sie, das Ziel zu erreichen, die Insel zu 100 % mit erneuerbarer Energie zu versorgen?
Regierung St. Helena: Ursprüngliches Zieldatum war 2022. Dieses Ziel wird derzeit aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie überprüft.
Inselwelten: Alles, was auf St. Helena importiert werden muss, ist für den Verbraucher teuer. Ich nehme an, das gilt auch für die Einfuhr von Brennstoffen für den Betrieb der Generatoren zur Stromerzeugung. In den meisten Ländern ist erneuerbare Energie immer noch teurer als Energie, die mit Benzin oder Kohle erzeugt wird. Werden die Kosten für Energie - aufgrund der besonderen geografischen Lage von St. Helena - mit der Umstellung auf erneuerbare Energien steigen, stabil bleiben oder sogar im Vergleich zu den heutigen Preisen sinken?
Regierung St. Helena: Die Strompreise auf der Insel haben sich seit 2016 nicht verändert, obwohl sie als sehr hoch empfunden werden. Mit der Umstellung auf erneuerbare Energien sollen die Einheitspreise stabilisiert und die Kosten für den Verbraucher hoffentlich im Laufe der Zeit gesenkt werden können.
Inselwelten: Ich gehe davon aus, dass die beiden wichtigsten Quellen für die Erzeugung erneuerbarer Energie auf St. Helena Solarenergie und Windkraftanlagen sind. Wie wird Ihrer Meinung nach der Mix aus Solarenergie und Windturbinen letztendlich aussehen?
Regierung St. Helena: Ja, der Vertrag über erneuerbare Energien ist so konzipiert, dass Wind- und Solarenergie genutzt werden. Es ist vorgesehen, dass die Solarenergie etwa 1,5 MW erzeugt und der restliche Bedarf durch Windenergie gedeckt wird.
Inselwelten: Zurück zu den Windkraftanlagen: In Europa wehren sich Umweltgruppen und Anwohner von geplanten Windkraftanlagen oft jahrelang gegen die Projekte, weil sie sich über Lärm, den Tod von Vögeln durch die rotierenden Flügel und die Verschandelung der Landschaft Sorgen machen. Gibt es einen starken Widerstand gegen die Errichtung von Windturbinen oder werden sie im Allgemeinen von den Betroffenen gut angenommen?
Regierung St. Helena: Die Öffentlichkeit wurde zu den Plänen für den Bau von drei grösseren Windturbinen auf der Insel konsultiert. Die Baugenehmigung wurde erteilt. Die Öffentlichkeit wartet sehnsüchtig darauf, dass diese Anlagen gebaut werden, weil sie für sie Vorteile bringen werden.
Inselwelten: Themenwechsel zu den Finanzen. Vor zwei Jahren haben Sie den Zolltarif für Kraftfahrzeuge dahingehend geändert, dass sich der Zoll nicht mehr nach dem Wert des Fahrzeugs richtet, sondern nach dem CO2-Ausstoss des importierten Fahrzeugs. Wie hat sich das auf die Einfuhr von Neu- und Gebrauchtwagen ausgewirkt?
Regierung St. Helena: Es gab einige Verhaltensänderungen: Es wurden mehr Fahrzeuge der mittleren Klasse eingeführt, für die ein niedrigerer Zollsatz galt. Man hatte gehofft, dass mehr Fahrzeuge mit niedrigeren Emissionen und sogar mehr Elektrofahrzeuge importiert würden, aber es ist bekannt, dass wir mehr unterstützende Infrastrukturen wie Ladestationen benötigen, um letztere zu unterstützen. Im Rahmen der neuen Regelung wurden mehr neuere und sparsamere Fahrzeuge eingeführt, für die nach der vorherigen Regelung ein höherer Zollsatz gegolten hätte. Diese Entwicklung wird weiter beobachtet.
Inselwelten: Ein Aspekt ist die Energieerzeugung, ein anderer die Energieeinsparung. Eine 30 Jahre alte Waschmaschine braucht mehr Energie für einen Waschgang als eine moderne (das Thema graue Energie, die für den Bau/Entsorgung benötigt wird, blenden wir hier mal aus). Wie können Sie den Menschen auf St. Helena helfen, den Strombedarf zu senken?
Regierung St. Helena: Die Entwicklungsstrategie unterstützt die Einführung und Platzierung von Fotovoltaik- und Solarprojekten für Unternehmen und Haushalte auf der ganzen Insel. Es gibt ermässigte Einfuhrzölle für Haushaltsgeräte der Klasse A+.
Inselwelten: Es geht immer ums Geld, auch bei der letzten Frage. Es ist kein Geheimnis, dass die Regierung von St. Helena ein sehr knappes Budget hat und stark von Subventionen der britischen Regierung abhängig ist. Wie werden all die notwendigen Schritte finanziert, um eine Insel zu werden, die zu 100 % erneuerbare Energie nutzt?
Regierung St. Helena: Der Stromabnahmevertrag, den Connect Saint Helena (Anmerkung Inselwelten: der Strom- und Wasserversorger der Insel) mit dem Investor Sustainable Energy One unterzeichnet hat, bedeutet, dass weder für SHG noch für Connect Saint Helena Kapitalkosten anfallen. Diese werden vom Investor finanziert werden.
Inselwelten: Wir danken Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten, und wünschen Ihnen alles Gute bei der Verwirklichung Ihres ehrgeizigen Ziels.
Seit 2017 kann das britische Militär aufgrund von Schlaglöchern in der Landebahn auf dem Flughafen von Ascension Island seine Versorgungsflüge nach Falkland nicht mehr nutzen und muss stattdessen auf den Kapverdischen Inseln einen Tankstopp einlegen. Ursprünglich sollte die renovierte Landebahn nach - je nach Quelle - 24 bis 28 Monaten Bauzeit im 2022 wieder für alle Militärflüge geöffnet werden. Gemäss einem Report im St. Helena Independent drohen Verzögerungen, wurde doch mit dem Bau erst im Herbst 2020 begonnen und laut einem in der St. Helena Independent zitierten Arbeiter sind die Arbeiten zeitlich deutlich im Rückstand. Es wird wohl kein zweites Berliner Flughafendebakel, aber für alle auf Ascension stationierten Engländer dürften die praktischen direkten Flüge von Ascension Island zum englischen Militärflughafen Brize Norton in der Nähe von Oxford für die absehbare Zukunft weiter ausfallen.
Im November 2020 wurde im Rahmen des Projekts "Blue Belt" von der britischen Regierung mehr als vier Millionen Quadratkilometer Ozean unter britischem Einfluss unter Schutz gestellt. Nun ist auch der entsprechende Massnahmenplan für 2021 - 2026 bekannt, wo genau definiert wird, was in welcher Region gemacht werden darf.
In der Strategie soll mehr als 90 % des Gebietes als komplett geschützte Zone belassen werden und die Fischerei nur in einem klar definierten, jeweils in der Nähe der Inseln befindlichen Zone, erlaubt sein. Dabei soll nur nachhaltige Fischerei von den lokalen Fischern und von wenigen auswärtigen kommerziellen Fischereibooten erlaubt sein.
Bei allen Bewilligungen wird die Grundschleppnetze im Umfeld von Tiefseebergen grundsätzlich verboten. Im Rahmen dieser Strategie sollen auch Frachtschiffe mindestens 25 Seemeilen Abstand von den Inseln halten.
Die Überwachung des Meeresschutzgebietes erfolgt per Satellit um z.B. illegale Fischfabriken vor allem an den Rändern des Meeresschutzgebietes ausfindig zu machen. Die Zusammenfassung der Massnahmen finden Sie hier:
Ein Meilenstein für ein schnelleres Internet auf der Insel St. Helena wurde am 29. August 2021 erreicht, als der Kabelleger TELIRI das Ende des Glasfaser-Unterwasserkabels in der Bucht von Ruperts Bay an Land brachte. Von da aus fuhr das Schiff mit durchschnittlich 2 bis 4 Knoten die 717 Seemeilen bis zur Verbindungsstelle zum Hauptkabel, das von Südafrika nach Portugal läuft. Während das Hauptkabel von Google finanziert wird unterstützt die EU die Verzweigung nach St. Helena mit 21,5 Millionen Euro. Am 1. Januar 2023 wird (vielleicht) ein neuer Provider die Internetdienstleistungen auf der Insel St. Helena übernehmen und dann mit neuen, attraktiveren Bedingungen die Insel St. Helena internettechnisch ins 21. Jahrhundert befördern.
Also alles gut? So einfach ist das nicht. Der aktuelle Provider SURE South Atlantic ist ein kommerziell denkendes Unternehmen und das bestehende Kupfernetzkabel auf St. Helena durch ein Glasfasernetz zu ersetzen rechnet sich für die 4'500 Bewohner von St. Helena wirtschaftlich nicht. Laut einem Artikel im St. Helena Independent vom 3. September habe die Regierung von St. Helena mit SURE einen äusserst unvorteilhaften Vertrag abgeschlossen, der anscheinend gravierende finanzielle Konsequenzen vorsieht, sollte der Vertrag mit SURE am 1. Januar 2023 nicht verlängert werden. Die Gefahr ist also gross, dass mit dem Glasfasernetz von Google grosse Datenmengen bis zur Ruperts Bay gelangen, dieses Datenmengen aber nicht mehr mit hoher Geschwindigkeit durch das Kupfernetzkabel auf der Inseln verteilt werden können. Ob die Hoffnung der Regierung von St. Helena erfüllt wird, mit dem Google-Glasfaserkabel die Insel internettechnisch konkurrenzfähig machen zu können und so auch der Wirtschaft Impulse zu geben, darf zum aktuellen Zeitpunkt bezweifelt werden.
Alle Details zur Ankunft des Glasfaserkabels und ein kritischer Kommentar von Kolumnist Vince Thompson im St. Helena Independent findet man hier
Nach St. Helena zu gelangen war noch nie ganz einfach. Früher war mal das Königliche Postschiff defekt und dann wurde es halt - im besten Falle - einige Tage später, im schlechteren Falle einige Wochen später, bis das Schiff St. Helena erreichte. Ganz so unwägbar ist es heute zwar nicht mehr, aber gerade zur Winterzeit (also dem europäischen Sommer), kann das Wetter dem Reisewilligen auch heute noch Geduld abverlangen. Die exponierte Lage des Flughafens mit seinen schwierigen Windverhältnissen zwingt die Fluggesellschaft immer wieder, Flüge zu verschieben - und zwar um Tage, nicht um Stunden. Zuletzt geschehen für den geplanten Charterflug von London nach St. Helena. Statt am 21. August konnte der Flug erst am 24. August 2021 durchgeführt werden. Als spezielles Bonus-Ärgernis: Alle Passagiere mussten nochmals zum PCR-Test anrücken, da der erste durch die Flugverschiebung bei der Ankunft auf St. Helena nicht mehr gültig gewesen wäre. Aber immer noch besser, als an den Klippen von St. Helena zu zerschellen.

Author
Urs Steiner
Archives
November 2021
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