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| Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Neunundfünfzigstes Hauptstück.
Da gelehrt wurde, daß der Sohn nicht durch den Willen (Gottes), wie die übrigen Dinge, das Daseyn habe, damit er nicht vermöge des Willens allein, sondern auch vermöge seiner Natur die Wesenheit hatte, glaubten die Irrlehrer, es sey ihnen eine Gelegenheit dargeboten, Gott dem Vater die Nothwendigkeit, den Sohn aus sich zu zeugen, zuzuschreiben, als wenn er durch ein Gesetz der Natur gezwungen denselben gegen seinen Willen geboren hätte. Aber dieser gebrechliche Zustand findet bei Gott dem Vater nicht Statt; weil bei der unerklärbaren und vollkommenen Geburt des Sohnes weder der Wille allein den Sohn gezeugt hat, noch die Wesenheit durch das Gebot eines Naturgesetzes verändert oder gezwungen worden ist. Es wurde zum Zeugen keine Substanz gesucht; es ist die Natur des Zeugenden in dem Gezeugten nicht verschieden; es gibt keine Zeit, in welcher der Vater ohne Sohn gewesen wäre; sondern vor allen Zeiten hat der Vater aus der Wesenheit seiner Natur, indem er ohne Nöthigung wollte, dem Sohne seine göttliche Wesenheit durch Geburt gegeben.
XXVI. „Wenn Jemand behauptet, daß der Sohn ungeboren und ohne Anfang sey, und zwei Götter macht, indem er sagt, daß es zwei Wesen ohne Ursprung, zwei Wesen, die nicht geboren werden konnten und nicht geboren wurden, gebe; so sey er verflucht. Denn das Haupt, welches der Ursprung aller Dinge ist, ist der Sohn; das Haupt aber, welches der Ursprung Christi ist, ist Gott; denn so führen wir auf den Einen, welcher ohne Ursprung ist, den [S. 11] Ursprung aller Dinge, so auf ihn durch den Sohn alle Dinge zurück.“