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Poker um die Internet-Vorherrschaft
Vor Beginn des Weltgipfels der Informationsgesellschaft (WSIS) vom 16. - 18. November in Tunis sind kontroverse Diskussionen um die “Internet Governance” entbrannt.
Ein kürzlich publizierter Beitrag des Guardian nährt Befürchtungen, dass Entwicklungs- und Schwellenländer die Kontrolle über das Internet übernehmen wollten. Länder wie China, Russland, Brasilien und einige arabische Staaten könnten eigene Internet-Versionen aufbauen, sollten sich die Teilnehmer am Weltgipfel über die Zukunft des Internets nicht einig werden.
Obwohl die technischen Möglichkeiten eine Aufspaltung (bzw. Dezentralisierung) des Internets grundsätzlich erlauben, ist nach Ansicht von Experten nicht damit zu rechnen, dass Teile des Internets abgespalten werden und damit nicht mehr für alle erreichbar sind.
Vielmehr wird erwartet, dass Regierungsvertreter und verschiedene Interessengruppen am Gipfel neben verwaltungstechnischen Aspekten um die Bestimmungsmacht über Inhalte und den Zugang zum Internet verhandeln werden.
Seit sich das Internet über die letzten 10 Jahre von einer wissenschaftlichen zu einer globalen Einrichtung mit Zugang für die Öffentlichkeit entwickelt hat, gibt es ein gemeinsames Verständnis, was das Internet ist, aber keine gemeinsame Vorstellung darüber, wie es geleitet werden soll.
Die USA haben eine historisch bedingte Vormachtstellung über das Internet:
Zum einen liegen Verwaltung und Kontrolle der Root Systeme in einem einzigen Land, den USA. Dieser Umstand verhindert gleichrangige Mitspracherechte und verursacht Ländern, die weit vom Basisnetz entfernt sind, hohe Kosten für die internationalen Internetverbindungen.
Zum andern hat die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), die weltweit für die Namensvergabe zuständig ist, ihren Sitz in den USA.
Der zensorische Umgang der Regierung Chinas mit dem Internet und jüngste Versuche der amerikanischen Regierung, die Einführung einer neuen Top-Level-Domain aus ethisch-moralischen Gründen zu verhindern, zeigen, dass die Kernaufgabe des ICANN, die Stabilität des Internets zu wahren und keinen politischen Einfluss auf Inhalte zu nehmen, nicht mehr genügt.
Die Working Group on Internet Governance (WGIG) schlägt in ihrem Abschlussbericht 2005 ein Gouvernanz-Modell vor und definiert eine Liste zentraler Aspekte zur Debatte am Gipfel.
Die WGIG hat die Vision eines multilateralen, transparenten, demokratischen und nachhaltigen Internets.
“Internet governance includes more than Internet names and addresses, issues dealt with by the Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN): it also includes other significant public policy issues, such as critical Internet resources, the security and safety of the Internet, and developmental aspects and issues pertaining to the use of the Internet.”
Schöne Worte. Man darf auf die Resultate der Verhandlungen gespannt sein.
Quellen:
Domain-Newsletter 283
Poker um Internet-Vorherrschaft
Guardian
Schlussbericht der WGIG 2005