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Ländliche Bauten
Aus einer spezifischen Art zu leben, zu denken, zu handeln, die uns noch teilweise vertraut ist, entstanden die Emmentalerhäuser. Natürlich spielten wesentlich auch Faktoren wie Klima, Wirtschaft, Nutzungund verwedete Materialien eine Rolle (gerade diese Faktoren haben heute fast alle geändert!), um die verschiedenen Typen des Emmentalerhauses entstehen zu lassen. Im 19. Jahrhundertwurden Strassen in die Täler gebaut und das Emmental an das Eisenbahnnetz angeschlossen – und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Emmentals in der Landwirtschaft tätig.
Können aus den noch vorhandnene Beständen Prinzipien abgeleitet werden, um damit in dieser Landschaft, indiesem kulturellen Kontext zu bauen? Könnte sich daraus vielleicht sogar eine Minimalanforderung ableitenlassen, die zu erfüllen wären, um im ländlichen Raum des Emmentals zu bauen?
Die Einflussfaktoren auf das Emmentaler Haus
Im Emmental fallen grosse Niederschlagsmengen in Form von Regen, Gewittern, Hagel und Schnee –zudem gibt es viel Wald: Niederschläge und reiche Holzvorkommen beeinflussen das Haus und seine Situierung.
-Der Wohnteil nimmt die Süd- und Ostseite ein, grosse Türen, Tore und Öffnungen werden seitlich angebracht; die wetterexponierte Westwand wird häufig bis zum Boden verschindelt – durch die südliche Schaufassadeerhält der Bau ein Gesicht und dadurch eine eindeutige Orientierung.
-Die Vorder- und Seitenfassaden sind durch Lauben und Vordächer geschichtet und so geschützt. Das Dach ist ziemlich steil und natürlich unversehrt, damit das Regenwasser schnell abliessen und der Schnee abrutschenkann.
-Das Haus wird in der Ebene oder am Hang auf eine (natürliche oder künstliche) Geländeterrasse gestellt, selten sieht man einen Sockel (den man ja nicht aus Holz machen kann).
-Die Häuser werden in die Landschaft eingebettet und stehen nie exponiert (zB. auf einer Kuppe) und so Wind und Wetter erbarmungslos ausgesetzt.
Prinzipien des Emmentaler Haus
Prinzipen des Emmentalerhauses – es geht nicht um das Konservieren von Relikten früherer Zeiten: Tradition heisst weitergeben von Bewährtem – Neues kann dazukommen, Altes kann verschwinden, wenn es sich nichtmehr bewährt. Es geht zudem nicht um das Kopieren von Versatzstücken und Motiven (perzeptionell), um sich an Altes anzugleichen – den Weg, auf dem die früheren Lösungen gefunden worden sind können wir heute nicht mehr gehen! Deshalb braucht es „den Umweg über Prinzipien“, das Konzeptionalisieren: es soll mit heutigen Mitteln und nach heutigen Bedürfnissen gebaut werden, aber unter Berücksichtigung der „emmentalischen Einflussfaktoren“ wie zB. Materialvorkommen, Klima und Kultur. Es ist nicht die Meinung, dass zB. allen Häusern ein grosses Dach verpasst werden soll, das dann nicht genutzt werden kann! Es geht nicht, eine Form/ein Volumen zu wählen, das man dann nicht mehr füllen kann – oder mit etwas ganz Fremdem füllt, zB. mit einem Zweispänner – Funktion und Form gehören zusammen (natürlich könnte unter einem grossen Dachein „plan libre“ eingebaut werden, wie bei der Fondation Heidi Wenger von LC in Zürich). Das Einfache sollteauch nicht aus Gründen der Anpassung und der Form kompliziert gemacht werden – es soll einfach undselbstverständlich und intelligent bleiben.
Prinzipien abgelesen an bestehenden Emmentaler Bauten:
-Schmuck, Verzierung vorallem an konstruktiven Bauteilen (Stützen, Büge, Pfetten, etc.) und an Bauteilen, mit denen der Benutzer dauernd in Kontakt kommt (Fenster, Türen). Es werden nur einige wenige Motiveangewandt, die einzeln oder in zusammenhängenden Reihen verwendet werden.
-Fassaden, Lauben, Öffnungen; Fensterweden oft gekuppelt (zu horizontalen Bändern aneinander gereiht); Lauben (und Traufen) bilden ebenfalls horizontale Elemente. Die Fassaden wirken durch die Lauben (undweitere Verblendungen wie bei der Ründi) geschichtet. Dort findet sich auch die
-Erschliessung (also oft aussen). Äussere Rampen erschliessen den Dachraum.
-Konstruktion und Material: Holz, die Konstruktion wird (in den geschichteten und dadurch geschützten Fassaden) oft gezeigt (und eben verziert). Sie erfolgt (natürlicherweise) mit stabförmigen Elementen (kein mitHolz verkleideter Massivbau). Nach unten erfolgen Rückstaffelungen (Dach, Laube, Wand – als Regenschutz). Es gibt kaum andere Materialien (auch Geländer – oft noch Dachrinnen sind in Holz ausgeführt). Ziegel oder Etrenit für die Dächer.
-Form: es wird eine geschlossene Form gesucht (gross oder kleiner), welche durch das unversehrte Dach ingrossem Mass gebildet wird. Dies wird aber nach Bedarf an- und ausgeschnitten. Das Gebäude ist nie gestaffelt und Gebäudeteile sind nie versetzt angeordnet: also Nutzungspaket = Volumenpaket. Das Haus ist ein Solitär (wie ein Baum auf dem Feld oder in der Hofstatt – nicht wie einer im Wald – auch sind mehrere Häuser niezusammengebaut). Dem Haus ist oft südseitig ein Garten vor- und seitlich ein mächtiger Platzbaum angelagert.
-Situierung: in der Ebenen oder auf flachen Terrassen, der Typ bleibt immer der selbe (er ändert nicht, ob inder Ebene, am Hang oder auf einer Egg angewendet), er wird nicht ans Terrain angepasst (selten auf einen Sockel gestellt). Bei grossen Höfen, im Weiler oder in Dörfern werden die Bauten nach klaren Regeln (geometrisch oder funktional) zueinander gestellt (um einen Platz, oder entlang einer Strasse, eines Wegs), abernie „zufällig“ (irgendwie versetzt) oder in „rechtwinkliger Parzellierung“ (wie Einfamilienhausquartiere) gesetzt. Die Häuser sind in die Landschaft eingebettet und nIcht exponiert (und so Wind und Wetter ausgesetzt).
-Ausnahmen: Ofenhäuser (spezifische Nutzung) und Landsitze (oder Schlösser der Herren) wurden in Steinaufgeführt, letztere deshalb manchmal ohne Vordächer; dort sind auch Gärten auf Plattformen an den Hang oder ins Terrain gefügt werden.
Mögliche «Anforderungen» an Neubauten im ländlichen Raum
Mögliche Anforderungen an Neubauten im ländlichen Raum, immer im Hinblick auf eine gute Einordnung in bestehende ensembles – denn ausserhalb der Bauzonen sollen ja keine neuen Siedlungen entstehen, höchstens bestehende verdichtet oder ergänzt werden, wenn das aus Notwendigkeiten der landwirtschaftlichen Produktion nötig wird; mögliche Anforderungen können sein: Einbinden in bestehende Siedlungen, daraus folgt, dass neue Gebäude auf ebenen Landstücken gebautwerden (nicht in Abhängen) sollen; dann sollen keine Neubauten an Weg- und Waldrändern, entfernt von landwirtschaftlichen Siedlungen und Bauten oder auf der anderen Strassenseite erstellt werden – und zudem, sollen die Geometrien der bestehenden Gebäude übernommen werden und ebenfalls die Korngrösse (die Gebäudegrösse soll auf die bestehenden Strukturen abgestimmt werden). Das bis anhin dominante Bauernhaus (Wohnen, Stall und Lager unter einem Dach) muss/soll dominant blieben. Hinzu kommt, dass die Formder Gebäude (Solitär, grosses Dach mit grossen Überständen, Fassade oft im Schatten, und so kaumsicht bar, Symmetrie) und die Materialisierung dem Bestand angeglichen werden soll. Als weiterer Punkt mussdie Detaillierung sorgfältig ausgeführt sein und den Standard der bestehenden Zimmermannsbaukuns tübernehmen (und nicht von Industriebauten! – daher sollen zB. keine Klein-Anbauten für Giftschränke, Transformatoren, etc. einfach angebaut werden, wo gerade benötigt!)
Beispiel grosse Häuser, parallel ausgerichtet
, Zubau: rot übernimmt die Geometrie des Bestandes ,ergänzt ihn, steht auf nahezu flachem Feldund hat wie der Bestand eine (natur) Holzfassade, doch etwa doppelt so gross wie das grosse Bauernhaus; das Satteldach des Neubaus (Walmdächer bei den Altbauten) ist hell (Fotovoltaikanlage, Aufdachlösung auf Etrenit) und die Überstände relativ klein.
Das grosse Haus, Zubau: rot übernimmt die Geometrie des Bestandes nicht, steht abseits, steht auf Abhang (siehe Höhenkurven) und hat eine rostrot gestrichenen Holzfassade, ist etwa doppelt so gross wiedas Bauernhaus; das Sattelach des Neubaus (der Bestand hat ein Walmdach) ist braun(Metalldach) und die Überstände sind relativ klein.
Detailbetrachtungen
Walmdächer geben den Bauten eine Geschlossenheit (zumal wenn sie dann noch so steil und dadurch für den Baukörper so dominant werden – die Häuser «sind Dächer»). Satteldächer wirken bei langen Gebäuden (wie den 2 Neubauten) «potentiell unabgeschlossen», da sie optisch problemlos verlängert werden könnten; die Giebelfassaden werden dominant.
Sockel stellen die Bauten aus, neue Materialien isolieren sie zusätzlich
Um eine Mulde zu überbrücken kann z.B. nur die Fassade «herunter gezogen werden» (hier mit seitlicher Zufahrt in den Keller) – damit entsteht kein volumetrischer, geschlossenenr Sockel.
Der Sockel könnte «hohl» ausgebildet werden – und bei übergrossen Gebäuden diese in (im Emmental atypische) Einzelvolumen aufgelöst werden, die eine bescheidenere Korngrösse suggerieren…
Nicht unbedingt gelungener Stall : das Gebäude wird 3-geteilt, die Dachneigungen sind unterschiedlich,es hat eine irgendwie auf das Blechdach gefügte Fotovoltaikanlage, der Elektroraum wird in Sichtstein angebaut so wie weitere nötige Kästen…