Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03166.jsonl.gz/2680

Vier Jahre lang bereisten Hugo Gantert und seine Frau Alice Europa mit dem Wohnmobil. Der ehemalige Berufs-Chauffeur genoss es, ohne festen Plan verreisen zu können. Doch nach vier Jahren bot sich eine Gelegenheit auf einem Campingplatz im Entlebuch ein Chalet zu kaufen und sich niederzulassen. Dafür musste er sein geliebtes Wohnmobil verkaufen.
Der Verkäufer drückte den Preis massiv
Hugo und Alice Gantert schrieben ihr Wohnmobil im Internet aus, darauf meldete sich die Firma Womo Welt AG. Sie bot an, das Mobil in ihrem Auftrag zu verkaufen. Die Firma machte einen seriösen Eindruck, verkauft im Internet viele Wohnmobile per Inserat und hat ihren Sitz im thurgauischen Münchwilen. Im Vertrag vereinbarte Womo Welt mit Hugo Gantert, er soll für sein Wohnmobil 35'000 Franken erhalten.
Kurz darauf erfuhr er: Es gebe einen Interessenten, dieser bezahle jedoch weit weniger, so dass Gantert nicht mit 35'000 Franken rechnen könne. «Er bot mir 20'000 Franken, aber ich sagte, das ist mir zu wenig, dann hole ich das Wohnmobil wieder.» Der Verkäufer antwortete darauf, das Maximum, das er herausholen könne, seien 26'000 Franken. 25'000 für Hugo Gantert, 1000 Franken für sich selber.
Was Hugo Gantert nicht wusste: Zwei Tage zuvor hat die Womo Welt sein Wohnmobil bereits weiterverkauft. «Kassensturz» kennt den neuen Besitzer. Markus Bachmann bezahlte für die Occasion nicht 26'000 sondern 39'900 Franken. Das war ihm das Wohnmobil wert. «Wir haben uns verschiedene Wohnmobile angeschaut, bei diesem stimmte das Preis-Leistungsverhältnis.»
Beim Verkauf sicherte Womo Welt AG ihm zu, kleinere Reparaturen zu erledigen. Doch daran hielt sich die Firma nicht. Deshalb rief Markus Bachmann den Vorbesitzer Hugo Gantert an, um sich zu erkundigen, wie es ihm mit Womo Welt ergangen sei. Dieser fragte ihn als erstes nach dem Preis, den er bezahlt hatte: «39'900 Franken! Da fiel ich aus allen Wolken.»
Die Staatsanwaltschaft ermittelt
Verantwortlich für diesen fiesen Handel ist Murat Haydar. Ein illustrer Geschäftsmann mit türkischen Wurzeln, der auch schon verschiedene Coiffeurgeschäfte betrieb und im Immobiliengeschäft tätig war. Er steckt hinter Womo Welt AG, die inzwischen umgetauft wurde – in Mobi-Cars AG. Der Betreibungsregisterauszug der Firma Mobi-Cars ist lang. Es sind Rechnungen von rund 200'000 Franken offen. Viele Forderungen betreffen nicht – oder mangelhaft – gelieferte Wohnmobile.
Der Kanton Thurgau ermittelt gegen Haydar wegen Verdachts auf Veruntreuung und eventuell Betrug. Es gilt die Unschuldsvermutung. Ein Kunde hat in Appenzell Ausserrhoden Mobi-Cars erfolgreich betrieben. Ob er sein Geld je sehen wird, ist unklar. Der Sitz von Mobi Cars liegt heute laut Handelsregister im Innerrhoder Schachen bei Reute. Doch dort findet sich keine Spur von Mobi Cars. «Kassensturz» weiss: Die Post wird an eine Firma im thurgauischen Münchwilen weitergeleitet. Zum Sitz der Firma Womo AG, unter diesem Namen verkauft Murat Haydar heute Wohnmobile.
Motorschaden verschwiegen
Auch Patrick Bieri fiel auf die Masche von Murat Haydar herein. Mit seiner Freundin wollte er einen Traum realisieren und kaufte bei Womo Welt einen VW-Bus. Das junge Paar wollte nach Lust und Laune verreisen können. Doch daraus wurde nichts. Denn der Verkäufer verschwieg ihm, dass der Bus einen Motorschaden hat. Patrick Bieri machte die Vorbesitzer ausfindig und bemerkte, dass diese den Bus ursprünglich für 10'000 Franken verkaufen wollten. Die Womo Welt AG bezahlte dafür wegen des Schadens nur 3500 Franken. Von Patrick Bieri verlangte Womo Welt jedoch trotzdem 16'000 Franken.
Im Vertrag stand: «reparaturbedürftig», aber von einem Motorschaden war nie die Rede. Im Gegenteil: «Ich bin davon ausgegangen, dass das nur Kleinigkeiten sind», erzählt Patrick Bieri. Der Verkäufer habe bei Vertragsunterzeichnung gesagt, der Motor sei in einem guten Zustand. Auch die Fahrzeugpapiere wiegten ihn in falscher Sicherheit: Darin steht, der Motor sei erst vor kurzem ausgetauscht worden. Unbeschwert machten sich die beiden auf die Reise in Richtung Italien. Doch bald schon blinkte die Motorleuchte und sie mussten immer wieder Kühlerflüssigkeit nachfüllen. So entdeckten sie den Motorschaden.
Kosten von mehreren tausend Franken
Patrick Bieri bat seine Rechtschutzversicherung um Hilfe und liess den Motor von einem Experten begutachten. Dieser stellte fest, dass der Motor undicht ist, Abgas ins Kühlwasser kommt und dieses somit aufheizt. «Diesen Schaden muss man beheben. Denn wenn es ganz schlimm kommt, blockiert der Motor und dann kann man alles wegwerfen», sagt Experte Roland Herzog. Die Reparatur kostete Patrick Bieri noch einmal 3500 Franken.
Der Verantwortliche Murat Haydar weist gegenüber «Kassensturz» alle Vorwürfe von sich. Er schreibt, die Betroffenen hätten keinen Anspruch auf Entschädigungen. «Daher werde ich auch nichts machen.»