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- Familie: Libellulidae – Segellibellen
- Gattung: Orthetrum – Blaupfeile
- Art: Orthetrum albistylum (Selys, 1848)
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- DE: Östlicher Blaupfeil
- FR: Orthétrum à stylets blancs
- IT: Orthetrum a stili bianchi
- EN: White-tailed Skimmer
Wissenswertes
Die Art ist bei uns selten und nicht überall verbreitet. Sie ist weitgehend auf Pioniergewässer angewiesen und verschwindet mit fortschreitender Sukzession. Ein guter Ort, sich mit der Art vertraut zu machen, ist das Aargauer Reusstal, wo sie an einzelnen Gewässern zahlreicher ist als die sonst häufigere Orthetrum cancellatum.
MerkmaleGesamtlänge: 45-50 mm
Schlank, Hinterleibsanhänge weiss (bei älteren Tieren schlecht sichtbar), Flügelmale schwarz. Thoraxseiten mit hellen Längsstreifen. Thorax-Oberseite mit hellem Band zwischen Flügelansätzen. Männchen und Weibchen sind sehr unterschiedlich gefärbt.
Männchen
Hinterleib mit heller blauer Bereifung (S3-S7), Ende schwarz (S8-S10). Im Alter dunkler blau und mehr schwarz. Gesicht hell-bläulich, Augen grün-blau-grau.
Weibchen
Hinterleib gelblich (später dunkler) mit schwarzen, gebogenen Längslinien. S10 und Hinterleibsanhänge weiss (deutlich sichtbares weisses Schlusslicht).
Jungtiere
Selbe Merkmale wie Weibchen, heller, weisser Streifen auf dem Thorax sehr prominent. Seitenflecken der Abdomensegmente fast weiss, kontrastieren zur gelben Mittellinie.
Belegfoto
M: Sicht von oben auf Abdomen, Hinterleibsanhänge, Thoraxoberseite.
W: Sicht von oben auf Abdomen, Hinterleibsanhänge.
Verbreitung
In Europa mit zwei Hauptverbreitungsgebieten: Das grössere liegt im Osten und umfasst Norditalien, Österreich und den Balkan. Das kleinere liegt in Mittel- und Südfrankreich.
In der Schweiz wurden erste Beobachtungen 1970 gemeldet, seit 1980 konnte sich die Art in der Zentralschweiz und im Mittelland ausbreiten. Zudem gibt es Vorkommen im Jura und im Kanton Tessin. Die meisten Standorte liegen unter 700 m, das höchste Entwicklungsgewässer befindet sich im Jura auf 860 m.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Mitte Mai bis Ende Juli.
Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte September (Höhepunkt: Juni bis Mitte August).
Lebensraum
Orthetrum albistylum ist wärmebedürftig und kommt häufig an Tümpeln und Weihern mit Pioniercharakter vor. Zur Fortpflanzung werden kleine, untiefe, stehende oder langsam fliessende Gewässer mit Flachufern und offenen, gut besonnten Stellen bevorzugt. Die Art kommt aber auch in steilufrigen vegetationsreichen Fischteichen vor. Gewässer mit weit fortgeschrittener Sukzession werden wenig besiedelt.
Lebensweise Imagines
Die Reifungsphase verbringt Orthetrum albistylum auf offenen Wiesen in Gewässernähe. Die Art hat ein grosses Ausbreitungspotenzial und kann geeignete Gewässer schnell besiedeln.
Reife Männchen fliegen meist über dem offenen Wasser oder entlang des Ufers. Dazwischen setzen sie sich häufig auf den Boden oder auf niedrige Pflanzenstängel. Manchmal verteidigen sie Reviere. Die Paarung wird im Flug eingeleitet und wird sitzend auf niedriger Vegetation oder auf dem Boden beendet.
Bei der Eiablage streifen die Weibchen die Eier an der Wasseroberfläche oder an Wasserpflanzen ab. Häufig werden sie dabei vom Männchen bewacht.
Der Schlupf findet nahe am Ufer, meist wenig hoch (ca. 5 cm) in der Vegetation statt. Die Exuvien werden darum meist nur bei expliziter Suche in dichter Vegetation wie Seggenbulten entdeckt.
Lebensweise Larven
Orthetrum albistylum überwintert im Larvenstadium, die Entwicklung dauert 1 Jahr. Larven halten sich auf oder im schlammigen Grund auf, zur Überwinterung graben sie sich ein. So können sie auch kurzzeitiges Austrocknen überleben.
Gefährdung und Schutz
In der Schweiz ist Orthetrum albistylum stark gefährdet (EN) und hat mittlere nationale Priorität (3). Sie besiedelt hauptsächlich Sekundärgewässer. Ohne Pflege verwachsen und verlanden diese mit der Zeit und Orthetrum albistylum verschwindet. In der Schweiz sind deshalb viele Vorkommen erloschen. Zudem schadet Intensivierung, Nutzungsänderung und lange Trockenlegung in besiedelten Fischgewässern. In den Hauptverbreitungsgebieten ist die Art nicht gefährdet.
Wichtigste Fördermassnahmen sind der Erhalt und die Erschaffung von Pioniergewässern. Periodisches Ausbaggern, Gehölzschnittt und regelmässige Mahd sind unerlässlich. Bei mehreren Gewässern wird am besten das Rotationsprinzip angewendet. Zudem soll bei der Entleerung von Fischteichen jeweils ein wenig Wasser zurückgehalten werden.
- Rote Liste: EN - Stark gefährdet
- Nationale Priorität: 3 - Mittlere Priorität
- NHV: -
Ähnliche Arten
Am ähnlichsten ist Orthetrum cancellatum, welche in ähnlichem Habitat oft in grösserer Anzahl vorkommt. Orthetrum albistylum muss aber auch gegen die anderen beiden Blaupfeile (Orthetrum spp.) abgegrenzt werden. Die Männchen sind zudem leicht mit den blau bereiften Arten der Gattung Leucorrhinia zu verwechseln, welche ebenfalls weisse Hinterleibsanhänge und ein helles Gesicht haben. Auch kann es zu Verwechslungen mit Libellula fulva kommen. Frisch geschlüpfte Individuen mit hellgelb-schwarzer Zeichnung erinnern beim Auffliegen allenfalls auch noch an Gomphus spp. Wichtig für die Bestimmung von Orthetrum albistylum sind bei beiden Geschlechtern die weissen Hinterleibsanhänge und die hellen Streifen am Thorax.
Orthetrum cancellatum – Grosser Blaupfeil
Deutlich häufiger, gleich gross, aber mit etwas breiterem Abdomen. Hinterleibsanhänge dunkel. Thoraxseiten ohne helle Längsstreifen, Thoraxoberseite ohne helles Band zwischen den Flügelansätzen.
M: Abdomen ebenfalls blau-weisslich bereift, frisch geschlüpfte Individuen mit gelben Flecken an den Segmentseiten, Ende schwarz. Augen meer-grün.
W: Abdomen gelblich mit schwarzen, geraden Längslinien. S10 und Hinterleibsanhänge dunkel.
Orthetrum brunneum, Orthetrum coerulescens – Südlicher, Kleiner Blaupfeil
Beide Arten deutlich kleiner und heller. Flügelmal braun/gelblich.
M: Abdomen komplett blau bereift. Augen blau.
W: S10 und Hinterleibsanhänge gelb-braun. Hinterleib ohne schwarze, gebogene Längslinien.
Leucorrhinia albifrons, Leucorrhinia caudalis – Östliche, Zierliche Moosjungfer
M: Ebenfalls mit blau/weiss bereiftem Abdomen, weissen Hinterleibsanhängen und weissem Gesicht. Unterschied: schwarze Flecken an Flügelbasis.
Libellula fulva – Spitzenfleck
M: Abdomen breiter und flacher, Bereifung dunkler blau. Schwarzes Dreieck an Hinterflügelbasis. Augen blaugrau.
Gomphus spp. – Flussjungfern
Gelbe Mittellinie auf dem Abdomen schmaler, schwarze Linien nicht gewellt. Abdomenende meist keilförmig verbreitert und nie mit weissen Anhängen. Augen berühren sich nicht.