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Ingrid Babendererde hält auf der Schulversammlung nicht die Rede, die von ihr erwartet wird. Sie steht fest auf der Erde (Babendererde, oder Bavender Erde, wie es im Niederdeutschen heisst), steht zu ihrer Meinung und äussert sich zum Thema Meinungsfreiheit, kritisiert das Sozialismusverständnis ihres Lehrers. Sie ergreift Partei für ihre Mitschülerin Elisabeth Rehefelde, die sich in der christlichen Jungen Gemeinde engagiert und exponiert. Das gefällt weder der Schulleitung noch den Parteifunktionären. Auch innerhalb der Abiturklasse, die kurz vor der Reifeprüfung steht, beginnt sich die Zeit zwischen lernen und den unbeschwerten Stunden am See und beim Segeln zunehmend zu verdüstern. Die SchülerInnen müssen sich für oder gegen die FDJ (Freie Deutsche Jugend) entscheiden, Freundschaften zerbrechen, andere festigen sich.
Das Erstlingswerk von Uwe Johnson (1934-1984) spielt in einer Kleinstadt im südöstlichen Mecklenburg, in einer Landschaft reich an Seen. An «Ingrid Babendererde - Reifeprüfung 1953» begann Johnson als neunzehnjähriger Gymnasiast zu schreiben und beendete die vierte Fassung drei Jahre später, als Student der Germanistik. Er hat «Ingrid Babendererde» seit 1957 erfolglos verschiedenen Verlagen in Ost (DDR) und West (BRD) angeboten. Der Roman wurde erst 1985 postum veröffentlicht.@ «Ingrid Babendererde» ist eine literarische Chronik aus dem geteilten Deutschland, kurz vor dem Aufstand vom 17. Juni 1953. Sie entführt in ungewohnten Bildern und mit einem - auch sprachlich - mecklenburgischen Touch in eine entschwundene Welt. Die verschlungenen Wege von Ingrid Babendererde und ihren FreundInnen entwickeln und verknoten sich, lassen dabei einiges offen und enden in der Flucht mit ihrem Freund Klaus Niebuhr über Seen und Flüsse in den Westen - wohl wissend, dass sie - wie Johnson - eigentlich in die dicht umwaldete Seenplatte Mecklenburgs gehören.