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Abgefahren!
Mit Christoph
Diesen Sonntag im Zug von Scuol nach Landquart. Christoph tritt in jenes Abteil, in dem du sitzt, und fragt, ob da noch frei sei. Die Art, wie du «Ja sicher» antwortest, berührt ihn. Man sieht dir an: Du bist eine Frau, die es im Leben nicht leicht hat. Christoph setzt sich und packt ein Sandwich aus. Du wünschst ihm «en Guete». Dann ziehst du dir Kopfhörer über und isst selber etwas. Kurz vor Landquart erreicht dich eine Whatsapp-Nachricht. Du liest sie, drehst den Kopf zum Zugfenster und beginnst zu weinen. Christoph sollte dir die Hand auf die Schulter legen und fragen, was passiert ist. Stattdessen tut er nichts. Er ist schüchtern und auf die Schnelle leider manchmal nicht so «lebenspraktisch», wie er selber sagt. Dann schaust du ihn an. Du hast immer noch die Kopfhörer auf den Ohren. Wie wendet man sich an einen fremden Menschen, der weint und Kopfhörer trägt? Christoph fühlt mit dir und hofft, dass sein Blick etwas Empathisches hat. In Landquart steigt ihr beide aus. Du gehst Christoph nicht mehr aus dem Kopf. Das nächste Mal, das schwört er sich, wird er dir ein Papiertaschentuch anbieten, ganz sicher. Dann will er lebenspraktisch sein. Und mutig. Damit du nicht alleine traurig sein musst.