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Zunft Witikon
Am 14. November 1980 im Alten Kirchlein gegründet, ist sie die jüngste Zunft Zürichs. Das erste Sechseläuten, an dem die Zunft Witikon teilgenommen hat, fand am 27. April 1981 statt. Die Zunftgründung erfolgte knapp 50 Jahre nach der Eingemeindung (1934), nachdem sich das einstmalige 800-Seelen-Dorf zu einem modernen Stadtteil mit rund 10 000 Einwohnern entwickelt hatte.
Witikon – ein Dorf
Witikon liegt auf einem Hochplateau am Adlisberg, ungefähr 200 m über dem Wasserspiegel des Zürichsees, am Passübergang von Zürich-Hirslanden nach Fällanden am Greifensee. Umgeben und abgegrenzt von tief eingeschnittenen Tobeln und dichten Wäldern, wirkt es wie eine natürliche Bastei an der Südostflanke der Stadt Zürich .
Als Hof des Alemannen Wito im 7. Jahrhundert erstmals besiedelt, ist es seit 946 urkundlich erwähnt. Die erhaltene Urkunde regelt einen Zehntenstreit zwischen der Kirche St. Peter und dem Stift St. Felix und Regula (Grossmünster) zugunsten des letzteren. Von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 14. Jahrhunderts ist ein Geschlecht «von Witikon» bekannt. Witos Turm dürfte südlich der Passstrasse am Oetlisberg gestanden haben, doch sind keine Überreste bekannt. Das Witiker Wappen in seiner heutigen Form erschien erstmals 1493 im Wappenbuch Gerold Edlisbachs. Quartier- und Zunftwappen sind identisch mit dem Wappen derer von Witikon. Das Wappen zeigt auf rotem Grund ein silbernes Beschläg, d.h. die Eisenteile, mit denen die Schildplanken verschraubt sind.
1358 verkaufte der Ritter Götz Müllner seine von Kaiser Ludwig von Bayern 1333 als Reichslehen verliehenen Hoheitsrechte an die Stadt Zürich. Witikon gehörte nun zur so genannten «Inneren Vogtei» und war - zusammen mit Küsnacht, Zollikon, Hirslanden und Goldbach - direkt einem Obervogt unterstellt, der im Haus «zur Haue» am Limmatquai (dem heutigen Zunfthaus der Zunft zum Kämbel) seinen Amtssitz hatte. Die Witiker waren damals dem Grossmünster kirchen- und zehntenpflichtig. 1270 wurde das Kirchlein Witikon als Filialkapelle des Grossmünsters erstmals erwähnt. Da die Messe in Witikon nur von Zeit zu Zeit gelesen wurde, mussten die Witiker für den sonntäglichen Gottesdienst zum Grossmünster pilgern. Mit der Reformation erhielt Witikon erstmals einen eigenen Pfarrer, der jedoch in der Stadt wohnte. Der erste Witiker Pfarrer, Wilhelm Röubli, stammte aus Rottenburg am Neckar. Er sorgte für eine Sensation in der ganzen Eidgenossenschaft, als er sich, nachdem die Reformation das Zölibat abgeschafft hatte, als erster Geistlicher verehelichte. Er liess sich 28. April 1523 im Kirchlein Witikon mit Adelheid Leemann aus Hirslanden trauen.
1798 wurde Witikon - nach dem Einmarsch der Franzosen und nach dem Untergang des Ancien Régime – vorübergehend eine selbständige Gemeinde. Das «Proticol der Gemeind Wytikon A. 1799» erwähnt als Gemeindepräsidenten den «Bürger President Hs. Rud. Weber». Von 1873 bis 1925 verkehrte täglich eine Pferdepost von der Fraumünsterpost in Zürich über Witikon nach Maur und zurück. Witikons Bevölkerung wuchs in den Jahren 1799 bis 1934 von 261 auf 787 Personen.
Witikon wird Stadtteil von Zürich
Bedingt durch die Wirtschaftskrise, geriet die Gemeinde Witikon am Ende der zwanziger Jahre in finanzielle Bedrängnis. Man war unverhofft auf Hilfe von aussen angewiesen und nahm Kontakt mit der Stadtverwaltung in Zürich auf. Dies lag seit der sogenannten «Stadtvereinigung», der 1. Eingemeindung von 1893, bei der im Witiker Südostzipfel Hottingen, Hirslanden, Fluntern und Riesbach zur Stadt gekommen waren, auf der Hand.
Stadt und Dorf waren interessante Partner füreinander. Die Stadt hatte Geld und das Dorf hatte Landreserven, die weitsichtige Stadtplaner gern in ihr Kalkül aufnahmen. Witikons Steuerfuss war höher als derjenige der Stadt, und dennoch reichten die Steuereinnahmen nicht aus, um auch nur die dringendsten öffentlichen Aufgaben zu erfüllen. Durch eine Eingemeindung versprach man sich in Witikon unter anderem auch eine Senkung des Steuerfusses.
In jahrelangen, zähen Verhandlungen wurde die 2. Eingemeindung von 1934 vorbereitet. Durch die Volksabstimmung vom 5. Juli 1931 kam sie rechtlich zustande und trat am 1.1.1934 in Kraft. Heute ist Witikon in den Augen des Steueramtes eine Perle.
1934 gab es im ländlichen Witikon niemand, der die Gründung einer Zunft vorschlug. Erst mit der Verstädterung wurde die Voraussetzung für die Zunftgründung geschaffen.
Kostüm erinnert an Schlacht
Die Zunft Witikon wählte als Thema für ihre Kostümierung die Zeit des «Empire», weil die Franzosenzeit (1798-1814) für Witikon eine besondere Rolle spielte. Damals wurde das kleine Dorf durch kriegerische Ereignisse unsanft aus dem Schattendasein herausgerissen.
An dieser Stelle sei die 1. Schlacht von Zürich (4.-6. Juni 1799) erinnert, als die Österreicher unter Erzherzog Karl die französischen Besatzungstruppen aus Zürich und aus dem Raum Ostschweiz vertrieben. In der Folge wurde das Régime der Helvetischen Republik in Zürich gestürzt und durch ein alteingesessenes zürcherisches ersetzt. Der Kirchenhügel von Witikon war damals eine Artilleriestellung. Nach dem spektakulären Sieg wurde die österreichische Armee in süddeutsches Gebiet abgezogen und durch eine russische Armee unter General Korsakow ersetzt, denn im Kampf gegen Frankreich waren Österreich und Russland Verbündete. Überraschend griffen die Franzosen unter General Masséna die Russen unter Korsakow in Zürich an und vertrieben sie in der 2. Schlacht von Zürich (26.-27. September 1799) bis über den Rhein endgültig aus zürcherischem Gebiet. Der Fluchtweg der Russen führte über Witikon hinunter ins Glatttal, so dass das Dörfchen Witikon Schauplatz von Rückzugsgefechten wurde.
Nach diesen dramatischen Ereignissen blieben Zürich und die Ostschweiz im harten Griff der Franzosen, der sich erst mit der Mediationsakte 1803 etwas lockerte.
Die Kostüme der Zunft Witikon umfassen Bürgerkostüme aus der Zeit um 1810 und Uniformen der Helvetischen Husaren (Ordonnanz 1801). Diese Helvetischen Jäger zu Pferd waren weniger Kampf- als Repräsentationstruppen des Helvetischen Direktoriums, das seinen Sitz in Aarau hatte. Sie waren der erste aus der ganzen Schweiz zusammengezogene und einheitlich uniformierte Truppenverband der Schweizer Geschichte. Das Zunftspiel, die Grenadiermusik Zürich, trägt Uniformen, wie sie die Schweizer Grenadiere 1812 an der Beresina getragen haben.
Der Elefantenwagen
Witikon hat eine enge Beziehung zu einem Elefanten, dem Elefanten im Stöckentobelbach. So wundert es nicht, dass die Zunftstube in Witikon auch «Restaurant zum Elefanten» heisst. Jumbo, der Elefant im Elefantenbach, steht mitten im Bach und spritzt aus seinem hohlen Rüssel Tag und Nacht in kühnem Bogen Wasser. Im September 1999 stand an der Witikonerstrasse vor einem neu renovierten Haus plötzlich ein wunderschöner Elefant aus Eisen. Geschaffen wurde dieser vom Künstler Daniel Schwarz aus Effingen. Der Dickhäuter passt sich laufend der aktuellen Mode an und stellt sich während des Jahres in verschiedenen Kleidungsstücken dar: Beispielsweise am Dreikönigstag als König mit Krone oder als Samichlaus mit Zipfelmütze am 6. Dezember. Es ist das Verdienst eines langjährigen, treuen Witiker Freundes und
Gönner, dass dieser 400 Kilogramm schwere Elefant nun seit zehn Jahren am Sechseläuten mitfahren darf.
ZH Zürich Hotel Restaurant Schweizerhof
Um näher am Geschehen zu sein, hat die Zunft Witikon mit dem Hotel Schweizerhof ein Innenstadtlokal als Zunfträumlichkeiten während des Sechseläuten gewählt. Am diesjährigen Sechseläuten-Mittagessen wartet ein Saurer Mocken auf die hungrigen Zünfter.
Zutaten: (6 bis 8 Personen)
2 Huftdeckel vom Rind
1 Sellerieknolle
2 Lauchstängel
2 Karotten (alles in feine Streifen geschnitten)
2 Knoblauchzehen
2 Gewürznelken
10 Wachholderbeeren, leicht andrücken
6 Kardamonenkapseln
6 Korianderkörner
20 Pfefferkörner
Thymian
2 l Rotwein
2 dl Bratensauce
2 EL Mehl
2 EL Butter
Salz
Pfeffer aus der Mühle
1 Brotanschnitt
Zubereitung:
Das Gemüse und die Gewürze sowie 1,25 Liter Rotwein ganz kurz aufkochen. Das Fleisch in eine tiefe Schüssel geben, und mit dem heissen Wasser übergiessen. (Tipp: Wenn der Sud erkaltet ist, in einen wasserdichten Tiefkühlsack umgiessen und knapp über dem Fleisch zubinden). Das erübrigt das tägliche Wenden und nimmt weniger Platz im Kühlschrank. 5 Tage an einem kühlen Ort ruhen lassen.
Nach dieser Zeit Fleisch herausnehmen, und mit saugfähigem Küchenpapier abtupfen. Salzen und pfeffern. Die Rotweinbeize absieben und auffangen. Gemüse und Gewürze beiseite Stellen. Die gesiebte Beize in der Pfanne aufkochen lassen und das sich bildende Eiweiss abschöpfen und entsorgen. Die Beize beiseite stellen.
Anschliessend in einem Bräter 2 EL Bratbutter heiss werden lassen, das Fleisch allseitig gut anbraten. Das Gemüse, die Gewürze sowie den Brotanschnitt beigeben und kurz mitdünsten. Mit der Beize ablöschen und restlichen Wein zugeben. Ein wenig einkochen lassen.
Der Braten sollte bis 2/3 in der Flüssigkeit sein, damit er Flüssigkeit aufnehmen kann. Ganz mit Flüssigkeit bedeckt, werden die Braten immer trocken.
Zugedeckt auf kleiner Hitze 2 bis 2 ½ Stunden schmoren lassen.
In der Zwischenzeit den Backofen auf 80° C vorheizen und eine Fleischschüssel dazu.
Den Braten und das Brot ausziehen und in die vorgewärmte Schüssel geben.
Mit Alufolie abdecken und in den Ofen stellen.
Den Bratenjus in eine Pfanne absieben, Gemüse gut ausdrücken und absieben.
Den Jus zum Kochen bringen. Die aufgelöste Bratensauce zugeben und etwas eindicken lassen. Mehl und restliche Butter zusammen verarbeiten (beurre manié) und die Mischung unter Rühren in die Pfanne geben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit dem Sauerrahm verfeinern. Auf kleinem Feuer ca. 15 Minuten sämig köcheln lassen.
Das Fleisch in Tranchen schneiden, mit ein wenig Sauce nappieren. Die restliche Sauce separat dazu servieren.
Dazu gehört unbedingt Kartoffelstock und ein Blauburgunder aus der Kellerei Landolt. Der Adliker Pinot noir-Dornfelder ist der Wein der Zunft Witikon. In Adlikon bei Andelfingen werden 8 Aren grossen Versuchsrebberg gepflegt. Die Weinkeller Landolt bewirtschaftet die Reben nach der Integrierten Produktion (IP). Zwischen den Rebreihen wachsen abwechslungsweise Gras und Blumen, damit die Balance zwischen
Nützlingen und Schädlingen gewährleistet ist. Intensives, tiefes Rubinrot zeigt sich im Glas. Intensive, schwarzbeerige Frucht mit dezenten Gäraromen strömen in die Nase und ein weicher Auftakt mit einem markanten und kraftvollen Körper zeigen sich im Gaumen. Die Witiker Zunftleute sind Geniesser.