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Projekt Theater / Musik
Der erste Liederabend von Herbert Fritsch ist visuell inspiriert von Barnett Newmans Kunstwerk „Who’s afraid of red, yellow and blue?“ aus dem Jahr 1966. Dieses überdimensional grosse, antikompositionelle Ölgemälde, von dem Newman drei weitere Versionen malte und bezüglich dessen er ausdrücklich gefordert hat, es aus grösster Nähe zu betrachten, um eine physische Erfahrung der Desorientierung zu evozieren – die Adaptionsfähigkeit des Auges wird bewusst überfordert – hat zu Staunen, Erregung, Erschütterung, Überwältigung und sogar zu schweren Beschädigungen durch Messerstiche im Amsterdamer Stedelijk Museum geführt. In Berlin erhielt der Direktor der Nationalgalerie Morddrohungen und „das Werk dieses Anstreicherlehrlings“ wurde ebenfalls tätlich attackiert. Die jeweils höchst aufwendigen Restaurierungen der Bilder lösten wiederum überregional eine Debatte über Vandalismus aus, die andere Künstler inspirierte. „Ich bin ein Mensch, der in allem nur nach Impulsen handelt und wenn sich in mir die gehörige Menge Elektrizität angesammelt hat, geschieht etwas“, hat der österreichisch-slowenische Komponist der Spätromantik Hugo Wolf seine Arbeitsweise beschrieben. Seiner Erfahrung nach liegt „etwas Grausames in der innigen Verschmelzung von Poesie und Musik, wobei eigentlich nur der letzteren die grausame Rolle zufällt. Die Musik hat entschieden etwas Vampyrartiges in sich“. „Theater ist immer Oper“, sagt Herbert Fritsch; er unterscheidet nicht zwischen Sprech- und Musiktheater. Was passiert nun, wenn die antikompositionelle Visualisierung der drei Grundfarben auf die Liedkompositionen von Hugo Wolf zu den Dichtungen Eichendorffs, Mörikes und Goethes trifft? Newman bezieht sich in seinem Bildtitel „Wer hat Angst vor Rot, Gelb und Blau?“ auf den Theatertitel „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Edward Albee. Albee wiederum variiert im Grunde den Titel „Wer hat Angst vorm grossen, bösen Wolf?“ – eine Komposition von Frank Churchill aus dem Jahr 1932. Herbert Fritsch fragt 84 Jahre später mit sieben singenden Frauen: Wer hat Angst vor Hugo Wolf? Herbert Fritsch, 1951 in Augsburg geboren, absolvierte seine Schauspielausbildung in München. Danach arbeitete er zunächst als Schauspieler, u.a. viele Jahre an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz bei Frank Castorf. Parallel arbeitete Fritsch als Medien-Künstler, drehte erste Filme auf 16mm/35mm und zeigte Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz mit Fotoarbeiten und Computeranimationen. Seit 2007 ist er fast ausschliesslich als Regisseur tätig und inszeniert u.a. am Residenztheater München, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Opernhaus Zürich, an der Komischen Oper Berlin, am Wiener Burgtheater und an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Seine Berliner Inszenierungen „Ohne Titel Nr. 1“ (2014) und „der die mann“ (2015) wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen, wo er in den vergangenen Jahren regelmässig vertreten war. Dem Zürcher Publikum hat sich Herbert Fritsch in der Saison 2013/14 mit Dürrenmatts „Die Physiker“ vorgestellt, 2014/15 inszenierte er „Der schwarze Hecht“ von Emil Sautter und Jürg Amstein mit der Musik von Paul Burkhard.