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„Du hast wirklich eine blühende Fantasie Sami“ Amalia drehte sich plätschernd ihm zu. „Weisst Du denn was ein Konuko ist?“
„ Nein,
wieso, das ist doch Spanisch, oder.“
„Nein das ist venezolanisch und heisst kleine, wie sagt man, wenn die Leute die Bäume wegtun, um anzupflanzen?“
Sami
betrachtete sie nach denklich: „roden, eine Rodung.“
„Roden, ja richtig roden, also eine Feld zum anzupflanzen. Das heisst Konuko auf Spanisch, äh, auf Venezolanisch, das sagt man hier so.
„Was der Konuko heisst in Wirklichkeit „kleine gerodete Anbaufläche“? Das darf doch nicht wahr sein.“
„ Doch, doch,“ antwortete sie
ernsthaft.
Konuko hatte zugehört. Er versuchte die Beiden zu verstehen. Er konnte ja ein bisschen Englisch, das was er so mit den Fremden aufgeschnappt hatte. Er hörte immer seinen Namen, das gefiel ihm
gar nicht. Er drehte sich ihnen zu.
„ Alles OK“ fragte er Sami.
«Ja, ja alles OK», antwortete Sami auf Spanisch, „ ausser, dass ich
mich langsam wie frisch gekochtes Suppenfleisch fühle.“.
„Was meinst du?“
„Nicht, nichts, war nur ein Witz“.
„Falls ich euch störe, sagt es ruhig“, fuhr Konuko weiter in gestochenem Spanisch. Sami war erstaunt: „Nein nein, ich habe nur ein Wort falsch verstanden und Amalia
hat darüber gelacht. Wieso heisst Du denn Konuko?“
„ Sooo,hm,“ eine länger Pause „ so habe ich immer geheissen.“
„
Ist das Dein Familiennamen?“
„ Nein ich heisse Majora mit Familienamen, und Antonio mit Vornamen, aber alle nennen mich Konuko seit ich klein war.“
„
Und warum ?“
„Als ich noch klein war und mein Vater noch lebte, habe ich immer überall mitgehen wollen. Und als ich dann schon richtig gehen konnte, nahm er mich mal in die Berge mit, und er zeigte
mir ein kleines Stück Land, dass er bebauen wollte. Ich sollte ihm dabei helfen, das wäre jetzt meines, hatte er gesagt. Ich war so glücklich als wir nach Hause kamen und erzählte es allen. So hänselten mich alle und fragten mich immer
wo denn mein Konuko sei. So blieb es. Als ich zwölf war, ist mein Vater einmal vom Fischen nicht mehr zurückgekommen, so habe ich alleine mein Konuko angepflanzt, und unserer Familie so geholfen. Wenn die Leute fragten wo ich sei, dann war ich im
Konuko, das war die allgemeine Antwort.“
„Bist du denn nicht zur Schule gegangen?“ fragte Sami.
„ Was, welche Schule, hier in Sepe gibt es keine
Schule.“
Es folgte ein betroffenes Schweigen, und Sami traute sich nicht ihn zu fragen, wo oder ob er denn lesen und schreiben könne. Amalia, die neugierig mitgelauscht hatte, wälzte
sich um ihre eigene Achse auf den Bauch.
„ In Wirklichkeit bin aus Sepe und nicht aus Choroni, wo ich jetzt lebe.“
„ Aha ,“ antwortete Sami
erleichtert.
„ Ich habe noch ein Haus hier beim Strand. Es ist verlassen seit meine Mutter gestorben ist. Keiner meiner Brüder interessiert sich dafür, die haben alle ihre eigenen. Möchtest
Du mitkommen, um es anzuschauen?“
Mittlerweile weichgekocht, fand Sami diesen Vorschlag recht erfrischend. Er fragte Amalia, ob sie den nicht mitkommen wolle, es sei ein bisschen heiss hier. Nein,
sie bliebe lieber hier, das sei Männersache. Er solle aber ruhig gehen.
Neugierig erhob er sich und folgte Konuko. Dieser wechselte ein paar Worte mit dem Polizisten, als sie bei einem jungen Mann, Konukos
Bruder Felipe, eintrafen, der wartend neben einer Palme stand, drückte man ihm einfach eine Machete in die Hand. Der Polizist humpelte hinterher, Amalia schmachtete weiter im Teich.
Das Haus verbarg sich im
tropischen Dickicht. Sie begannen sich einen Weg zu schlagen. Ein Hauch von Piratenabenteuer umgab Sami. Die Anderen warfen sich heimlich belustigende Blicke zu, der Ungeschicklichkeit des Gringos wegen, sie hatten ihm einfach eine der Macheten in die
Hand gedrückt, und jetzt musste er beweisen, ob er ein Mann sei. Er traf aber meistens daneben, oder schlug vier oder fünf Mal auf die gleiche Stelle und richtete nichts aus. Die Anderen hielten Abstand vor dem wild um sich schlagenden Gringo, bis
Konuko eingriff, Sami vorsichtig am Schlagarm aufhielt, bevor er wieder zu einem seiner furchteregenden Schläge ausholte, ihm sanft die Machete aus der Hand nahm, und ihm vormachte wie er sich ihrer zu bedienen sollte.
„ Aus dem Handgelenk, immer aus dem Handgelenk, - so.“ Jeder Schlag sass.
Nach einer kurzen Weile gemeinsamen Lichtens, hatten sie erfolgreich sämtliches Ungeziefer aufgescheucht. Es trieb
mit hämischer Freude, seine feinen Stacheln ins frei dargebotene, schwitzende Fleisch der muskulösen Oberkörper, der Beine, der Arme, der Nacken und der Gesichter. Besonders fleissig waren die „ Chenchen- Mücken“ am Werk. Diese
kleinen Biester waren nur so gross wie Stecknadelköpfe. Sie hinterliessen jedoch kleine rote Hügelchen, mit wild beissendem Schmerz. Noch Tage darauf konnte Sami den Einstich spüren. Er meldete sich einfach unangemeldet wieder zurück.