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02.06.2019 Söll-Melk
Bereits um sieben Uhr früh fahre ich in Söll ab. Das Wetter ist wunderschön, doch noch ist es ziemlich kalt. Weiss verschneite Berge rundherum. Ueber Zipfel Deutschland gelange ich nach Salzburg, wo ich nachtanke. In Wels tanke ich nochmals nach. In Mauthausen esse ich ganz schnell etwas im Mac Donalds und fahre danach gleich zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Diese wirkt bedrohlich wie eh und je. Durch das Eingangstor, dessen Reichsadler und Hakenkreuz bereits 1945 heruntergerissen worden waren, gelangt man in den Garagenhof, an dessen Ende das SS-Kommandaturgebäude, alles währschafte Steingebäude, während die Häftlinge in Holzbaracken hausten. Zwischen den Baracken und dem Steinbruch haben die verschiedenen Nationen Denkmäler erstellt, so Italien, Frankreich, DDR, Russland. Israel hat am Rand des Steinbruchs eine stilisierte Menorah installiert. Durch den bronzenen stylisierten Stacheldrahtzaun des Denkmals der DDR erhascht man einen Blick auf den Steinbruch “Wiener Graben”, der tief unten liegt. Von hier aus wurden manchmal Häftlinge in den Abgrund gestossen. Nach unten kann man nicht mehr. Ich laufe zurück Richtung Lager und gelange zu den Baracken. Die meisten Baracken waren in einen überfüllten Schlafraum und einen gleich grossen, geheizten Aufenthaltsraum geteilt, wobei der Aufenthaltsraum nur den Capos diente. Isolation gab es keine. Das aus Stein gebaute Krankenrevier beherbergt heute eine Ausstellung; im Keller gibt es den Raum der Namen sowie zwei Kremationsöfen und eine Gaskammer. Gleich daneben steht der Gefängnistrakt, “Bunker” genannt. Links neben dem Lagertor (von den Baracken aus gesehen) gibt es die “Klagemauer”, an der sich die Neuankömmlinge stellen mussten. Nach dieser deprimierenden Besichtigung fahre ich weiter nach Grein, wo ich gegenüber des Schlosses kurz anhalte. In Melk begrüsst mich von weitem die von der Sonne beschienene Fassade des Stiftes. Ich checke in der Jugendherberge ein und fahre zum Stift Melk – die Einfahrt des Parkplatzes ist viele Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Leider ist es unterdessen zu spät für eine Besichtigung des Stifts. Noch offen sind die kostenlose Ausstellung „unter der Haut“ von Krassimir Kolev. Es mag ja Leute geben, die dies als Kunst ansehen, für mich ist es purer Kitsch, gewissermassen die zeitgenössische Variante des weinenden Zigeunerknaben. Nachdem der Park noch eine halbe Stunde länger offen ist, löse ich ein Ticket dafür und besichtige diesen Künstlergarten mit seinen verschlungenen Wegen. Es begrüsst einem die Skulptur von Miguel Horn, Affenliebe (1979). Interessant ist der Kräutergarten. Ganz hinten ist ein Werk des Schweizers Christian Pilipp Müller, „die neue Welt, eine Art Locus amoenus“ (2006), eine Insel im Teich mit Früchten und Gemüsen aus der neuen Welt. Beim Herausgehen fällt mir auf, dass die Skulptur „Die Feuerteufel“ tatsächlich mitten in der Feuerstelle steht und schon ganz ausgeglüht ist. Ein Benediktiner-Pfad versucht – viel zu wortreich – einem die Kultur der Benediktinermönche nahezubringen. Erst jetzt fallen mir die witzigen Holzraben auf, die die ganze untere Mauer säumen. Ich fahre den Scooter wieder ins Stadtzentrum und stelle ihn dort ab. Dann mache ich einen Stadtumgang, durch die Wiener Strasse ins Zentrum, wo ein Peugeot-Signet-ähnliches Stadtwappen steht. Am Ufer eines Nebenarmes der Donau stehen der Salzhof, das Schiffsmeisterhaus und das Haus auf dem Stein, das in die Felsblöcke hineingebaut worden ist. Auf dem Hauptplatz wird das Denkmal für den Märtyrer Johannes Nepomuk von der Sonne beschienen, daneben steht die im Vergleich zum Stift bescheidene Pfarrkirche, wie überall sind die Gefallenen der beiden Weltkriege an der Aussenwand verewigt. Als ich zu meinem Motorrad zurücklaufe kann ich dem Geruch von Döner nicht widerstehen und genehmige mir einen mit viel „Scharf“. Es fällt auf, dass die üblichen Fahrradtouristen dieses Jahr fast vollständig ausgeblieben sind, die Innenstadt ist wie ausgestorben.