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Die jugoslawische Küstenartillerie Batterie

Letzte Aktualisierung: 02. November 2012
Kernelement der Verteidigung bilden geschützte Artilleriestellungen. In der Schweiz waren dies die grossen und kleinen Artilleriewerke - und auch wenige Artilleriebunker - in den Bergen.
Im früheren Jugoslawien war dies nicht anders, wenn es um die Verteidigung der Küsten ging.
Prinzip einer jugoslawischen Küstenartillerie-Batterie
Eine Küstenartillerie-Batterie an der Jugoslawischen Küste bestand in der Regel aus den folgenden Elementen: Kern war die geschützte oder offen Feuerstellung für vier oder zwei Kanonen. Jede
geschlossene Feuerstellung verfügte über eine eigene Lüftungseinrichtung für die Frischluftzufuhr und ein vorgeschobenes Munitionsmagazin. Zur Feuerleitung ist ein Beobachtungsstand vorhanden
sowie ein Stand für einen optischen Entfernungsmesser eingerichtet. Alle Stände sind über ein Tunnelsystem miteinander verbunden. Als Infrastruktur verfügt ein Küstenartillerie-Werk
über ein zentrales Munitionsmagazin für Artillerie und Infanteriemunition, spartanische Unterkunftsräume, eine Zentrale für die Feuerleitung, einen Generatorraum sowie eine Ambulanz. Das Werk verfügt
über einen Haupteingang und einen Nebeneingang. Vereinzelt sind auch Stände zur Aussenverteidigung vorhanden.

Bild: geschützte Küstenartillerie Batterie "Velje More" auf der Insel Lastovo
Bild: Schema einer jugoslawischen Küstenartillerie Batterie
Bild: offene Küstenartillerie Batterie "Rt Nova Posta" auf der Insel Vis

Neben den ortsfesten Küstenartillerie Batterien gab es auch zahlreiche Stellungen für mobile Artillerie. Diese verfügten teilweise auch über unterirdische geschütze Anlagen für die
Unterkunft der Truppen, welche direkt über Tunnels mit den Stellungen verbunden waren.

Zur Aussenverteidigung sind zahlreiche Schützenstellungen errichtet, welche teilweise mit Unterständen verbunden sind. Die Stellungen sind grossteils offen und nur selten abgedeckt. Bei den
abgedeckten Stellungen kann aber wegen der leichten Bauweise nicht von Bunkern gesprochen werden. Daneben sind auch Stellungen für Fliegerabwehrkanonen und Minenwerfer vorhanden. Rund um das
Werk sind Minenfelder verlegt worden.
In spätern Jahren wurden die Küstenartillerie-Batterien um Stellungen für mobile Artillerie-Radare (auf Lastwagen oder Schützenpanzer) erweitert, welches zur Feuerleitung eingesetzt wurde. Für die
Besatzung der Batterie gab es ausserhalb des Werks eine Friedenskaserne. Die Besatzung bestand aus rund 100 Mann und setzte sich aus Artillerie-, Infanterie- und Fliegerabwehrsoldaten
zusammen. Die Küstenartillerie-Batterie und deren Besatzung gehörten zur jugoslawischen Kriegsmarine und unterstanden deren Kommando.
Die Anlagen wurden ab Anfang der 50er Jahre im Rahmen des damaligen Ausbauprogramms "Neptun" erstellt. Gebaut wurden die Anlagen durch Soldaten oder zivile Baufirmen die zu 100% der Armee
gehörten. Es war unüblich, dass solche Bauwerke durch zivile Firmen errichtet wurden.

Radar 1. Generation
mobiles Radar auf LKW

Vergleich zu Schweizerischen Festungsanlagen

Soviel zur Theorie wie solche Anlagen aufgebaut sind. Beim Durchlesen wird sicher die Ähnlichkeit zu Artilleriewerken in der Schweiz aufgefallen sein. Diese Ähnlichkeiten sind aber sehr klein
und sehr eingeschränkt. Im Vergleich zu schweizerischen Anlagen ist der Kampfwert einer jugoslawischen Küstenartillerie-Batterie sehr klein. Warum dies so ist wollen wir kurz erläutert.

Zum Schutz von Hafenzufahrten und Meerespassagen zwischen Inseln wurden diese durch Küstenartillerie-Batterien in den Küstenhängen und Kaps (kroatisch "Rt") gesichert. Die geschlossenen Feuerstellungen
kann man aber bestenfalls als geschützt bezeichnen. Der Frontbereich ist offen und Scharten wie bei Schweizer Artilleriewerken sind nicht vorhanden. Auch ist die Überdeckung der Stellungen
bestenfalls 2 Meter. Bedingt durch diesen Umstand sind die Stellungen und die Besatzungen extrem verwundbar. Bereits Treffer vor die Stellung reichen aus, um die Besatzung kampfunfähig zu
machen. Die offenen Feuerstellungen verfügen über keinerlei Schutz.

Die Bewaffnung der Werke war alles andere als einheitlich. In die Werke wurden Beutewaffen aus dem 2. Weltkrieg eingebaut. Meistens handelte es sich um ehemalige deutsche und italienische
Fliegerabwehrkanonen mit den unterschiedlichsten Kalibern. Es sind aber auch Waffen aus anderen Ländern verbaut worden. Übliche Kaliber waren 80mm, 85mm, 88mm, 90mm und 100mm. Selbst Anlagen
auf derselben Insel verfügten nicht über eine einheitliche Bewaffnung.
Bedingt durch die uneinheitliche Bewaffnung war auch die Logistik ein Albtraum. Der Munitionsvorrat für die einzelnen Batterien ist im Vergleich zu Schweizer Werken sehr minimal.
In der Regel bewegte sich die Munitionsdotation pro Batterie (nicht pro Geschütz) auf 2000 bis 3000 Schuss).

Die Infrastruktur der Werke war absolut spartanisch. Fliessend Wasser ist keines vorhanden, Wasser wird nur in speziellen Wassertanks aufbewahrt, welche in Nischen im Verbindungsgang des Werkes
gelagert waren. Toiletten, Waschbecken oder gar Duschen waren keine vorhanden.

Die Werke verfügten zwar über eine Lüftung. Diese diente aber nur der Frischluftzufuhr. Eine Luftfilterung fand nicht statt. Auch waren die Anlagen nicht gegen die Verseuchung mit ABC-Waffen
geschützt. Die Stollen waren nicht luftdicht abgeschottet und Luftschleusen gab es keine.
Die Stromversorgung wurde über einen kleinen Generator mit minimalem Treibstoffvorrat sichergestellt. Die interne Kommunikation lief über Drahtleitungen. Alle Leitungen waren einfach und
ungeschützt an den Stollendecken befestigt und dadurch leicht zu beschädigen. Die Qualität in der Ausführung der Küstenartillerie-Werken entspricht in keiner Art und Weise dem Standard,
welcher in Schweizer Werken zu finden ist.
Auch ist die Innen- und Aussenverteidigung der Werke eher behelfsmässig organisiert. Nur die Werkzugänge verfügten über eine kleine Eingangsverteidigung. Die wenigen "Bunker", welche teilweise
um das Werk erstellt wurden, sind schwach geschützt und haben keinerlei Infrastruktur. Es gibt keine Bunker oder Stellungen, welche den gesamten Aussenbereich schützen und sich gegenseitig
abdecken können. Einzig die Tarnung entspricht bei einigen Werken dem Standard, den wir in der Schweiz kennen. Die Anlagen sind wegen ihrer Kompaktheit aus der Ferne nur schwer zu erkennen.
Einige Batterien sind auch mit Tarnaufbauten versehen worden.
Eigentlicher Schwachpunkt war der Schutz vor Flugzeugen. Eine weitreichende Fliegerabwehr mit Lenkwaffen war auf den Inseln nicht vorhanden. Fliegerabwehrstellungen für die Nachbereichsabwehr
sind nur wenige vorhanden.
Einen wesentlichen Vorteil hatten die Anlagen welche mit Feuerleitung ab Artillerie Radar ausgerüstet waren. Dies erlaubte es das Feuer bereits auf grössere Distanzen präzise zu eröffnen. Dies
war aber nur möglich weil das Meer den EInsatz solcher Technologien erlaubte. In der Schweiz mit ihren Bergen und Tälern war nur eine rein optische Feuerleitung möglich.
Fotos: Gefunden auf div. Seiten im Internet

Mobile Küstenartillerie Batterie
Art Radar Pz SNAR-10 für mobile Artillerie

Bunker und Anlagen in Kroatien
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