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Im Seminarraum der Zentralbibliothek wartete am Nachmittag ein ganzer Rollwagen mit zentnerschweren Büchern auf uns. Behutsam durchblättern wir sie und bestaunen die kostbaren Schätze längst vergangener Zeiten. Unter den alten Brocken sind seltene Bücher wie eine Kompilation von Hartmann Schedel aus dem Jahre 1544, Sebastian Münsters Kosmografie von 1528 und ein Zweitdruck von Stadens warhaftiger historia. Was ist denn das? Einer der alten Drucke hat durchlöcherte Seiten und Buchdeckel. „Dann gibt es also tatsächlich Buchwürmer?“, fragt einer. Offensichtlich. Und diese haben keine Brillen getragen. Das lädierte Werk bleibt aber die Ausnahme. Allgemein sind die Folianten in einem erstaunlich guten Zustand. Daran ändert auch unser neugieriges Blättern nichts. In der Froschauer Bibel von 1531 untersuchen wir verschiedene Figurenalphabete und Zierinitialen, welche die dazugehörigen Bibelpassagen illustrieren oder auf den Anfangsbuchstaben einer berühmten Person anspielen. Beim „W“ etwa schiesst im Hintergrund Willhelm Tell auf den Apfel.
Eine Initiale sowie eine Druckermarke oder ein Namenswappen zur Kennzeichnung der Autorschaft dürfen wir in der letzten Stunde des Nachmittags in einer simulierten Deutschlektion zur Buchgeschichte selbst herstellen. 20 Minuten wird eifrig geschnippelt, geklebt und gezankt. Am Ende bestimmte eine demokratische Abstimmung drei Gewinner. Statt eines Preises erhielten diese die Ehre, ihr Kunstwerk zu erläutern.