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Wann darf man nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden?
Normalerweise wird Ihnen nach einer Fehlgeburt geraten, rund drei Monate zu warten, bis Sie wieder ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, vor allem, wenn eine Ausschabung (Curettage) vorgenommen werden musste. Die WHO empfiehlt gar, ein Minimum von sechs Monaten zwischen einer Fehlgeburt und dem nächsten Versuch einzuhalten. Eine solche Empfehlung kann für ein Paar mit Kinderwunsch sehr belastend sein, denn es bedeutet, verhüten zu müssen anstatt der Natur ihren Lauf zu lassen.
Zwei neuere Studien widersprechen dieser Empfehlung: Paare, die wieder schwanger werden möchten, können dies versuchen, sobald sie sich emotional dafür bereit fühlen.
US-Forscher analysierten Daten von rund 1.000 Paaren, bei denen die Frau im frühen Schwangerschaftsstadium eine Fehlgeburt erlitten hatte. Die Frauen, die innerhalb der nächsten drei Monate versuchten, erneut schwanger zu werden, hatten eine deutlich höhere Chance, schwanger zu werden und ein gesundes Baby zu bekommen als Frauen, die länger abwarteten.
Eine zweite Studie der University of Aberdeen untersuchte, ob eine Schwangerschaft innerhalb von weniger als sechs Monaten nach einer Fehlgeburt ein höheres Risiko für eine erneute Fehlgeburt oder andere Komplikationen mit sich bringt. Ausgewertet wurde fast eine Million Schwangerschaften. Das Ergebnis: Erneute Fehlgeburten und Frühgeburten waren seltener, wenn das Intervall weniger als ein halbes Jahr betrug.
Aus ärztlicher Sicht ist es also nicht zwingend notwendig, nach einer Fehlgeburt eine Wartezeit zu beachten, wenn Sie sich körperlich und seelisch bereit fühlen, wieder schwanger zu werden. Eine Ausnahme stellen natürlich individuelle medizinische Gründe dar, die Ihr Frauenarzt/ Ihre Frauenärztin mit Ihnen ausführlich besprechen wird.
Eine erneute Fehlgeburt ist selten, aber sie kann leider wieder passieren – aber ist nicht unwahrscheinlicher, wenn man ein paar Monate oder länger abwartet. Jede fünfte Schwangerschaft endet mit einer Fehlgeburt, die meisten unbemerkt als Frühstabort. Erst wenn eine Frau mehrere Fehlgeburten hatte, werden genauere Untersuchungen durchgeführt.
Grundsätzlich gilt: Es müssen sich beide Partner sicher sein, dass sie wieder emotional gefestigt sind. Manchen hilft bei der psychischen Aufarbeitung des Verlustes gerade eine neue Schwangerschaft. Andere müssen das Erlebte erst einmal verarbeiten und ausgiebig trauern, um nicht zu verdrängen. Dabei spielen neben Persönlichkeit, Qualität der Partnerschaft und Umfeld weitere Faktoren eine Rolle, z.B. das Alter der Frau, ob die Fehlgeburt die erste Schwangerschaft war oder schon gesunde Kinder da sind, wie früh der Spontanabort stattgefunden hat und ob eine Ausschabung (Curettage) durchgeführt werden musste, wie stark der Kinderwunsch ist und wie lange es beim letzten Mal bis zum positiven Test gedauert hat.
Quellen:
Wong LF, Schliep KC, Silver RM, Mumford SL, Perkins NJ, Ye A, Galai N, Wactawski-Wende J, Lynch AM, Townsend JM, Faraggi D, Schisterman EF: The effect of a very short interpregnancy interval and pregnancy outcomes following a previous pregnancy loss. Am J Obstet Gynecol. 2015 Mar;212(3):375.e1-11. doi: 10.1016/j.ajog.2014.09.020. Epub 2014 Sep 20.
Kangatharan C, Labram S & Bhattacharya S: Interpregnancy interval following miscarriage and adverse pregnancy outcomes: systematic review and meta-analysis. Human Reproduction Update (2016) doi: 10.1093/humupd/dmw043
Interview
Letzte Aktualisierung: 11.2017, BH