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Die Liebhaber des Schaffens von Nizami Ganjavi, der aserbaidschanischen Kultur, der Philosophie und der orientalischen Poesie studieren die literarischen, kulturellen, moralischen und gesellschaftspolitischen Ansichten von Ganjavi mit großem Interesse, in Aserbaidschan ebenso wie in der ganzen Welt, insbesondere in Europa.
Nizami lebte im 12. Jahrhundert in Ganja, heute Aserbaidschans zweitgrößte Stadt im Nordwesten des Landes. Dort befindet sich auch Nizamis Grablege, die erstmals in Schriften des frühen 17. Jahrhunderts erwähnt wurde. Über Jahrhunderte war das Mausoleum des Poeten ein beliebter Wallfahrtsort und wird auch heute noch viel besucht.
Nizami ist nicht einfach nur ein Philosoph. Der war übrigens nicht nur Dichter, sondern auch Mathematiker, Mediziner, Astronom und nicht zuletzt Astrologe. Seine Schüler verliehen ihm den Beinamen Hakim (deutsch Weiser, Arzt).
Nizami gilt als der größte epische Poet der romantischen persischen Literatur. Manche behaupten gar, sein Werk hätte William Shakespeare zu seinem Stück “Romeo und Julia” inspiriert. Angeblich hat sich sogar der Guitarist Eric Clapton für seinen Hit “Layla” an Nizamis Gedichten bedient.
Stefan Weidner: ”Literatur kann Völker und Länder näher zusammenbringen als Politik und neue Medien.“
Einer der internationalen Forscher des Schaffens von Nizami Ganjavi ist der deutsche Orientalist Dr. Stefan Weidner. Er ist ein renommierter deutscher Islamwissenschaftler, Autor und Übersetzer. Seine Übersetzungen arabischer Gedichte ins Deutsche sowie sein Beitrag zur Erforschung der Verbindungen zwischen den Werken von Nizami Ganjavi und den Werken von Schiller und Goethe machten ihn in den literarischen Kreisen Europas und des Orients bekannt.
Der deutsche Forscher interessiert sich für die Literatur des Orients, weil er sie sehr spannend und interessant findet und weil er glaubt, dass sie die europäischen Literaturen und sein eigenes Literaturverständnis bereichern kann. Das heißt, die orientalische Literatur ist in vieler Hinsicht größer oder anders als die europäische Literatur. Sie eröffnet mir neue Horizonte, neue Vorstellungswelten. Viele Dinge, die er in den europäischen Literaturen nicht findet, findet er in der orientalischen Literatur.
Dr. Stefan Weidner sagte, als er zu Besuch in Aserbaiidschan war: “Nizami Ganjavi ist in allen diesen Aspekten wichtig. Er ist ein wichtiger aserbaidschanischer Dichter, einer der größten Dichter des Orients und einer der größten Dichter der ganzen Welt. Er hat uns heute sehr viel zu sagen. Ich würde vielleicht sogar sagen, dass er uns heute noch mehr zu sagen hat als früher. Denn früher waren viele Ideen, die Nizami hatte, jedenfalls im Orient sehr verbreitet und bekannt. Nizami hat sie in eine besondere Gestalt gebracht. Er hat sie sehr schön ausgedrückt. Aber heute sind viele diese Ideen vergessen oder an den Rand gedrängt. Deswegen finde ich es besonders heute noch wichtiger, dass wir Nizami lesen, dass wir ihn wieder entdecken, dass jemand uns Ideen und Vorstellungen nahe bringt, die wir vielleicht sonst vergessen hätten.
Die Literatur kann die Völker und Länder viel näher bringen als die Politik und die neuen Medien. Warum? Weil es in der Regel so ist, dass die Politik die Völker trennt und nicht zusammenbringt. Mit einem Wort, die Literatur viel fortschrittlicher als die Politik. Und dann ist es so, dass auch die neuen Medien zwar eine neue intensive Kommunikationform sind, aber selten etwas Neues beitragen. Das heißt, wir finden die wirklich wertvollen Ideen eher in der Literatur, und auch bei den Medien ist es auch oft so, dass sie die Menschen mehr trennen als zusammenbringen. Oder, dass die Menschen in den Medien, vor allen Dingen erst einmal streiten.
Nizami Ganjavi gilt als Vorbote von Frieden und sozialer Gerechtigkeit. Seine Ansichten zu Frieden und Gerechtigkeit sind auch heute relevant. Wir sind zuversichtlich, dass die besondere Leistung von Nizami Ganjavi eine wichtige Rolle für ein vertieftes Wissen über die Kultur Aserbaidschans sowohl in Europa als auch in der Welt spielen kann”.
Quelle: Dasfazit.at