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Bürgerkriege und andere Auseinandersetzungen führen zu einer Spaltung der kaiserlichen Macht. Unter dem Schutz der Ashikaga-Shôgune, die sich im Muromachi-Viertel niederlassen, bleibt der nördliche Kaiserhof in Kyôto, der südliche wechselt nach Yoshino. Die Ashikaga erzwingen bald eine abwechselnde Regierung der beiden auf zeremonielle Aufgaben beschränkten Kaiserhöfe und erreichen so eine breitere Legitimierung. Trotzdem führen Bauernaufstände, Hungersnöte und Kriege zwischen den Feudalherren zu einer «Zeit der kämpfenden Provinzen» und zu einem Verfall der shôgunalen Macht. Die vom politischen Leben abgeschirmten Kaiserhöfe führen ein zugleich kunstförderndes und prunkvolles Dasein. Dabei erfährt die kaiserliche Schule der Yamato-e-Malerei, die einen farbigen und detailbewussten Stil pflegt, ab dem 15. Jahrhundert einen bereichernden Kontrast. Sowohl der von chinesischem Einfluss geformte Zen wie auch die erneute Aufnahme von Kontakten zum Festland führen zu einer deutlichen und vollständig neuen Ausrichtung in der japanischen Malerei, Philosophie und Dichtung.
Die bedeutende Kanô-Schule, die sozusagen als offizielle Stelle die in Themen und Stil vom klassisch chinesischen Vorbild bestimmte Tuschmalerei der Zen-Künstler etabliert, bringt eine Reihe von Künstlern hervor, die mit kraftvoller und sparsamer Strichführung Kompositionen und Landschaften stiller Grösse schaffen; schwarze Tuschmalereien, die mit braunen, grauen und grünen Tönen ergänzt werden. Diese Malerei auf Schiebetüren und Stellschirmen, später auch als Rollbilder (Inv. 1904.266.601.1-3), schmückt die Herrschaftssitze der Shôgune, Landsitze und Fürstenhöfe. Kanô Masanobu und sein Sohn Kanô Motonobu sind die führenden Künstler dieser Schule. Besonders Motonobu versucht, durch Anlehnung an die Zen-Philosophie das Naturgefühl dieser Lehre in seine Malerei aufzunehmen. Sein Einfluss geht so weit, dass er durch Heirat zum Amtsvorsteher für Malerei am Hofe, also der Tosa-Schule wird, die den nationalen japanischen Stil vertritt und im Gegensatz zum Kanô-Stil steht.
Auch ab dem 14./15. Jahrhundert schaffen Zen-Künstler mit präzisem, der Kalligraphie verwandtem Pinselstrich eine Tuschmalerei (sumi-e, suiboku), die von asketischer und naturnaher Lebensanschauung und nüchterner Ästhetik geprägt ist. Zen kommt vom chinesischen Schriftzeichen Chàn, das eine Verkürzung des Sanskritwortes dhyâna ist und «Kontemplation oder Versenkung» bedeutet. Im Buddhismus umreisst das Wort die religiöse Bemühung, sich dem Wesenskern der Dinge und dem eigenen Selbst zu öffnen und die in allen Wesen existente Buddha-Natur zu erkennen, ein für Japan nicht unwesentlicher Aspekt, der dem emanativen Shintô entspricht.
Weitere im 15./16. Jahrhundert entstandene Stilrichtungen wie die Shûbun-, die Soga- und die Sesshû-Schulen kennen chinesischen Einfluss. Ekkei Shûbun, ein Tuschmaler aus dem Shôkoku-ji-Tempel in Kyôto, wurde an den Hof der Ashikaga-Shôgune gerufen und half mit, die Tuschtechnik als bedeutende Malerei zu etablieren. Auch aus dem Shôkoku-ji-Tempel in Kyôto kommt im 15. Jahrhundert der Tuschmaler Sesshû Tôyô, der noch heute als bedeutendster Tuschmaler Japans gilt. Die Themen der Tuschmalerei sind in der Regel der Natur entnommen. Es sind Landschaftsmalereien, die auch in Klöstern und Tempeln Schiebetüren (shôji), Stellwände (byôbu) und oft ganze Räume schmücken. Oft werden nur einzelne Pflanzen dargestellt, wie etwa die sowohl im Shintô wie im Buddhismus äusserst beliebte Kiefer, das Symbol für ein langes Leben. Obwohl die Tuschmalerei aus China stammt und Shûbun wie Sesshû den Austausch mit China suchten, dabei die manieristische Ming-Kunst aber klar ablehnten, machten sie die Tuschtechnik in Japan zu einer bedeutenden und eigenständigen Kunst.
Thomas Psota
Die grosse Stille
Malerei und Skulptur aus Japan
Bernisches Historisches Museum
Katalog zur Ausstellung 11.11.99-12.03.00
ISBN 3-9520537-2-4