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(Hier mein längst angekündigter Blogeintrag zum Eid al-Adha Festival in Dhaka. Viel hat sich seither in Bangladesch und bei mir ereignet. Über die Gründe für die lange Schreibpause, werde ich aber ein anderes Mal berichten. s. Bericht: «Pechsträhne in Lalmonirhat»)
Eid Mubarak! Diesen Gruss hörte ich oft in den Tagen rund um den 15. Oktober. Er ist mit unserem «fröhliche Weihnachten» gleichzusetzen, und bezieht sich auf das muslimische Opferfest Eid al-Adha.
In diesen Tagen machen weissgekleidete Imame mit langen Messern die Runde. Sie gehen von Tür zu Tür und schlachten Kühe und Ziegen. Der Brauch geht auf eine Geschichte aus dem Koran zurück (eine ähnliche Erzählung existiert auch in der Bibel), in der der Prophet Ibrahim (Abraham) von Allah aufgefordert wird, als Zeichen seiner Hingabe zu ihm sein Wertvollstes zu opfern. Ibrahim war daraufhin bereit seinen Sohn zu opfern, welcherer aus Liebe zu Allah seinem eigenen Tod zustimmte. Ihre Bereitschaft dieses Opfer darzubringen, genügte Allah und er bewahrte Ibrahim’s Sohn vor dem Tod. Stattdessen wurde ein Tier geopfert.
Und so opfern bis heute an Eid al-Adha alle Familien, die es sich leisten können, ein Tier (hier in Dhaka meist eine Kuh oder eine Ziege). Das Tier wird von mehreren Leuten zu Boden gedrückt und seine Haut wird am Hals gestrafft. Mit einem Messer wird ihm danach die Halsschlagader durchschnitten. Das Blut spritzt und die Glieder zucken. Doch was brutal tönt und aussieht ist ein schneller Tod. Das tote Tier wird noch an Ort und Stelle gehäutet, ausgenommen, in kleine Stücke geschnitten und aufgeteilt. Ein Drittel behält die opfernde Familie für sich. Ein Drittel verschenkt sie an Verwandte und Nachbarn und ein Drittel geht an die Armen, die es sich nicht leisten können, ein Tier zu opfern.
Nicht mit einem Messer aber mit der Kamera bewaffnet ziehe ich am Morgen des 15. Oktobers durch die Strassen meines Quartiers. Ich brauche nicht weit zu gehen, um meiner ersten Opferung beizuwohnen. Die Tiere werden auf offener Strasse oder in den Innenhöfen der Häuser geschlachtet (Bei meinem Freund Helal wurde die Kuh sogar die Treppe rauf bis auf die Dachterrasse im vierten Stock geführt, wo sie schliesslich geopfert wurde). Die Strassen sind schon bald von roten Rinnsalen und Kuhscheisse überzogen. Der Geruch davon hängt noch Tage später über der Stadt. Das Opferfest hat aber auch eine schöne Seite. Die Leute ziehen sich neue Kleider an und die Frauen bemalen ihre Hände und Arme mit kunstvollen Henna-Tattoos, sogenannten Mehndis. Alt und Jung kommt nach draussen, um dem Treiben zuzuschauen. Niemand scheint sich zu ekeln. Es ist der normale Lauf der Dinge. Hier weiss jedes kleine Kind, dass für ein Stück Fleisch auf dem Teller, ein Tier getötet werden muss. Sie kennen den ganzen Prozess und sehen nicht wie wir, bloss das am Ende von Fett und Knochen befreite und abgepackte Filet im Migrosregal.
Ich werde von mehreren Familien in ihre Häuser eingeladen. Und ich, die sonst kaum Fleisch isst, bekommt Rind, Rind und nochmals Rind vorgesetzt. So frisches Fleisch habe ich wohl noch nie gegessen. Die Leute können nicht verstehen, dass nach dem dritten Festmahl am gleichen Tag mein Magen voll ist und ich keinen weiteren Bissen mehr herunterbringe. Und so kämpfe ich mich weiter durch die verschiedenen Teile eines Rindes, verschiedene Arten von Reis, Gemüse, Süssspeisen und Getränke. Die Entdeckung des Tages: Shemai. Dünne Fadennudeln die in einer Mischung aus Zucker und Milch gekocht und serviert werden.
Hier ein paar Impressionen von Eid al-Adha in Dhaka (Achtung: Alle Hindus, Vegetarier, Tierschützer, Islamgegner und Leute, die kein Blut sehen können, sollten sich die folgenden Bilder besser nicht anschauen):