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Die Klagelieder umfassen fünf poetisch gestaltete Kompositionen. Sie beklagen die Zerstörung Jerusalems und seines Tempels und versuchen, das Geschehene in Bezug auf Gott und sein Handeln zu verstehen und theologisch zu bewältigen.
Klagelieder besingen den Verlust eines geliebten Menschen oder Objektes. Klagelieder als Trauergesänge oder Totenlieder sind eine gestaltete Form der Totenklage. Schmerz und Trauer stehen neben der Verherrlichung des Toten oder Verlorenen.Die fünf Klagelieder sind von hochstehender hebräischer Dichtkunst. Sie sind im Versmass der jüdischen Totenklage abgefasst, die ersten vier als alphabetisches Lied. Jeder Vers beginnt mit dem nächsten der insgesamt 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Dieses „von A bis Z“ dient nicht nur als Gedächtnisstütze, sondern zeigt sinnenfällig auch die Grenzenlosigkeit der Trauer. Die Klagelieder verwenden eine reiche Zahl von Bildern, um das Leid und die Trauer plastisch darzustellen. Am auffälligsten ist die PersonifikationJerusalems als „Tochter Zion“, klagende Mutter, vergewaltigte und entehrte Geliebte und verlassene Witwe.
Nach alter jüdischer Tradition gilt der Prophet Jeremia als Verfasser. Es ist anzunehmen, dass der Verfasser Augenzeuge der Zerstörung Jerusalems im Jahr 586 v. Chr. war und damit ein Zeitgenosse Jeremias. Einige Forscher gehen davon aus, dass Jeremia nach dem Exil eine Zeit in Juda blieb, um sich um die Zurückgebliebenen zu kümmern. In dieser Zeit seien die Klagelieder entstanden
Orthodoxe Juden rezitieren die Klagelieder wöchentlich an der Klagemauer in Jerusalem im Gedenken an die beiden Zerstörungen des jüdischen Tempels durch die Babylonier und die Römer. Fromme Juden lesen die Klagelieder auch heute jeweils in der Trauerzeit nach dem Tod eines Angehörigen. In der Liturgie der Kirche werden die Klagelieder frühmorgens in der Karwoche gesungen. Berühmte Komponisten aus der Renaissance bis in unsere Tage haben die starken Texte vertont. Wir haben uns deshalb vorgenommen, die fünf Klagelieder in einer Predigtreihe während der Fasten- und Passionszeit 2021 zu Gehör zu bringen und Ihnen auszulegen.
Pfr. Friedrich Sommer, Pfn Pamela Wyss und Pfr. Roland Diethelm