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Das BGer hat in 1B_191/2018 vom 16. Oktober 2018 das Einsatzprinzip von IMSI-Catchern in verständlichen Worten wie folgt umschrieben:
3.5. Seit dem 1. März 2018 ist Art. 269bis StPO in Kraft, der den Einsatz des sogenannten IMSI-Catchers regelt. Dieses technische Gerät zur Überwachung des Fernmeldeverkehrs simuliert, vereinfacht gesagt, eine Mobilfunkantenne. Es steuert die in der näheren örtlichen Umgebung des Catchers betriebenen Mobiltelefone in der Weise, dass sie sich statt an der nächstgelegenen Mobilfunkantenne beim IMSI-Catcher anmelden. Die Daten werden dann vom Catcher an die nächste Mobilfunkantenne weitergeleitet. Der Benutzer merkt also nicht, dass sein Datenverkehr über den Catcher geleitet wird. Er kann normal telefonieren und auch Daten übermitteln und empfangen. [Hervorhebungen und Link zum Gesetzestext durch mich eingefügt.]Urteil vom 16. Oktober 2018 1B_191/2018, E. 3.5
Indem der IMSI-Catcher die Mobilfunkgeräte in seiner Umgebung quasi einfängt (to catch) und dann deren Kommunikation – nach eingehender Analyse – an die Funkzelle des Mobilfunkanbieters weiterleitet, wendet er ganz klassisch eine Man-in-the-middle-Strategie an. Wir sprechen da von einer typischen Einsatzdistanz von 200m. In diesem Umkreis spannt der IMSI-Catcher seine fake cell auf.
IMSI steht für International Mobile Subscriber Identity, zu deutsch internationale Mobilfunkteilnehmerkennung. Diese Kennung wird weltweit einmalig pro SIM-Karte festgelegt; in der Schweiz ist das BAKOM zuständig (vgl. entsprechende Verordnung unter SR 784.101.113).
Etwas unscharf ist die Formulierung des Bundesgerichts, der IMSI-Catcher “simuliere” eine Mobilfunkantenne. In Tat und Wahrheit ist er eine Mobilfunkantenne. Einfach eine falsche, die so tut, als wäre sie eine Antenne eines offiziellen Anbieters.
Technisch
nicht ganz richtig (Korrektur & Update vom 18.12.2018 in diesem Post) ist weiter die Angabe des Bundesgerichts, dass der IMSI-Catcher die in der näheren örtlichen Umgebung des Catchers betriebenen Mobiltelefone “steuert”. Der Catcher selbst kann nichts steuern, solang sich die Geräte nicht selbst bei ihm eingewählt haben. Er steuert also die Mobilfunkteilnehmer nicht zu sich. Wie aber funktioniert es, dass dem Catcher die Mobilfunkteilnehmer in die Falle gehen? Ganz einfach: Er übertönt die Funkzellen in der Nähe und hat damit das stärkste Signal. Er schreit quasi lauter als alle anderen und wird so am ehesten gehört.
Er macht sich dabei das
sog. Roaming sog. Handover (Korrektur vom vom 18.12.2018; siehe oben) zunutze, das client-seitig betrieben wird. Damit der Kommunikationskanal stabil bleibt, wechselt der Client in aller Regel zum stärksten Signal. Das ist eine client-seitige Tätigkeit und keine catcher-seitige Tätigkeit.
Eine kleine Gesamtschau mit Preisangaben zu den verschiedenen Überwachungstechnologien hat The Intercept hier publiziert: Überwachungskatalog. Sehr spannend! Übrigens gibt es mittlerweile auch low cost (CHF 1500.00) do it yourself IMSI Catcher auf open source-Basis für jedermann mit etwas technischem Know How (siehe dazu arstechnica.com).
Rechtsanwalt Roman Kost ist Spezialist für Informationssicherheit und Datenschutz. Als Anwalt vertritt er Sie unter anderem im Bereich des Hackerstrafrechts, sämtlichen Belangen der IT und der Informationssicherheit sowie des Datenschutzes.