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In der von den Männern entworfenen sozialen Ordnungen gibt es keine Formen symbolischer Verbindung der Frau mit der grösseren Frau, die ihre Mutter ist. Zwischen ihnen gibt es nur eine natürliche Beziehung, die mit den verschiedensten Gefüheln besetzt und mit Emotionen beladen ist, die aber keine Umsetzung auf symbolischer Ebene erfährt, das heißt, sie ist ohne Form und Regeln.
Von einer Sache, die niemand frei wählt – auf die Welt zu kommen -, scheint es für diejenigen, die als Frau geboren werden, keine mögliche Erlösung zu geben. Als Frau geboren zu werden, ist in der von den Männern entworfenen symbolisch-sozialen Ordnung ein Zufall, der das ganze Leben bestimmt. In dieser Ordnung hat die Frau keinen eigenen Lebensentwurf; für sie können Freiheit und Notwendigkeit nie zusammenfallen, denn ihre Notewendigkeit besteht darin, sich dem gesellschaftlichen Einsatz ihrer Anatomie (Mutterschaft, Jungfräulichkeit, Prostitution, das „körperliche Gebundensein“, von dem Teresa von den 150 Stunden spricht) zu fügen, und ihre Freiheit besteht darin, sich dem zu entziehen,
Jenseits der aus der weiblichen Anatomie abgeleiteten Rollen hängt das Schicksal einer Frau in der Luft; es hängt von persönlichen Entscheidungen ab, die man den Frauen heutzutage problemlos zugesteht, die jedoch nicht durch das Bewußtsein aufgewertet sind, daß sie irgendeiner objektiven Notewendigkeit entsprechen. Das führt dazu, daß die weiblichen Lebensläufe in den Gesellschaften, in denen Frauen nicht hart in die Forpflanzungsarbeit eingespannt sind, meist recht chaotisch und von den zufälligsten Umständen abhängig sind. Das menschliche Wesen weiblichen Geschlechts bindet sich an nichts, wenn es nicht für die Fortpflanzung sorgen muß. Wenn die Frau von der Knechtschaft ihres anatomischen Schicksals befreit ist, wird sie nicht automatisch frei, sondern überflüßig.
Einige Frauen erblicken in der Tatsache, daß sie überflüßig sind, einen Hinweis seitens der Gesellschaft, daß sie zu neutralen, geschlechtlosen menschlichen Subjekten werden sollten, und machen das zu ihrem Schicksal. Ihre Lebensläufe sind auch ganz konsequent. Um sich einen persönlichen Lebensentwurf zu ermöglichen, entledigen sich die Frauen der „zufälligen“ Tatsache, Frauen zu sein. Von ihnen sagt man, sie seien wie Männer, aber das ist falsch, denn die Männer haben ein Geschlecht, das sie sowohl in dem, was sie sind, als auch in dem, was sie als gesellschaftliche Subjekte tun, determiniert.
Text: Libreria delle donne di Milano, wie weibliche Freiheit entsteht, S. 153
Foto: villagevoice.com/2018/02/12/Sally Potter, compassion and her love of actors/