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អង្គរ Angkor
Die vergessene Tempelstadt im Urwald
Photos und Text R.Wening
Silva-Verlag Zürich
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Veröffentlicht Khmer Kulturzentrum
Keo Chhun
Samstag, 29.October 2022. 8:10
Wie so oft in der Geschichte kennen wir die Herrscher eines Landes und ihre Taten nicht aber die Künstler, die ihnen unvergängliche Werke in Stein und Bronze geschaffen haben. 'Wir wissen nur, dass im Volke der Khmer ein starker Einfluss von den Brad manen ausging und diese Inder die geistige führende Klasse bildeten. Somit dürfte auch die Architekten Brahmanen oder deren Nachkommen gewesen sein. Was überrascht und auffällt, das sind die Grundrisse der Bauten; es bestand immer ein einheitlicher Plan, eine Grundidee.
In der Architektur der Khmer waren die Zahlen drei und fünf im Rhythmus der Anlage oberstes Gesetz. Drei Terrassen, drei Umfassungsmauern, drei oder fünf Türme Mitunter waren die Terrassen stark überhöht wie Terrassenpyramiden, dann aber kennen wir auch wieder Anlagen auf ebenem Boden, nur mit Umfassungsmauern. Da Einbeziehen des Wassers spielte eine Hauptrolle. Oft war der Wassergraben auch als Schutzgraben gedacht, meist aber als Badegelegenheit oder als beruhigenden Element in der Architektur. Der Verbindungskanal, der das nötige Wasser brachte, diente gleichzeitig als Transportader für das Baumaterial, kamen doch die Steine aus dem vierzig Kilometer entfernten Bruch per Boot nach Angkor. Sie konnten somit bis zur Baustelle verschifft werden.
Als Fundament verwendeten die Khmer Laterit steine, die an vielen Orten zu linde waren. Frisch aus dem Bruch ist dieses Material sehr weich und kann mit der Axt bearbeitet werden, .doch es erhärtet an der Luft zu hartem Gestein. Dann wurden auch Backsteine verwendet, besonders in der Prä-Khmer-Periode, also im 6. bis 9. Jahrhundert. Hernach war das Baumaterial immer Sandstein.
Die Türme, wie auch deren Vorbauten, weisen einen sehr komplizierten Grundriss auf, und ihre Profilierung verjüngt sich mit grösster Präzision nach oben. Trotz der überaus reichen Formgestaltung dieser Architektur wirken die Bauten ruhig und erhaben Der Aufstellungsort der Plastiken wird vom Architekten bestimmt und genau im Plan eingezeichnet. Mörtel gab es beim Steinbau nicht, nur in den früheren Perioden, bei den Bauten in Backstein, wurde mit Pflaster aufgemauert.
«Von der zweiten Terrasse zum Mittelbau führen sehr steile Treppen. Auch hier musste gerodet werden, alles war überwuchert, als man Angkor Vat entdeckte » «GedecktenTreppenaufgang von der ersten zur zweiten Terrasse. Im Vordergrund eine Badestelle, jedoch ohne Wasser. »
Allee Bausteine sind mit horizontalen Fugen aufeinandergeschichtet; bei Kuppeln und Gewölbe sind die Steine waagrecht nach innen verschoben, jede Schicht greift weiter vor, bis die Spannweite überbrückt wird. Sehr geschickt ist für den Abfluss des Regens gesorgt; oft werden Bäder mit diesem Wasser gefüllt. Wer hier einen richtigen Tropenregen erlebt hat, ist überrascht, wie Gross das Wasserquantum sein kann, das abfliessen muss. Auch die Tropensonne hat ihren Einfluss auf diese Bauten. In der sengenden Sonne können die Steine sehr heiß werden. Daher sind auf der Südseite nur kleinere Steine verwendet worden, so dass möglichst viele Dilatationsfugen entstehen. Frost ist in Angkor unbekannt, nur Erdbeben sprechen die Sprache der Dämonen.
Die Architektur und besonders die Plastik änderten ihr Aussehen im Laufe der Jahrhunderte(85). Daher haben die Kunstgelehrten die Khmer-Bauten in verschiedene Stile eingeteilt, doch dürfte hier noch eine einfachere Klassifizierung zu erwarten sein.
|STIL||EPOCHE||TEMPELBAUTEN|
|Roluos||9, Jahrhundert||Preah Ko, Bakong, Lolei|
|Bakheng||10.Jahrhundert||Bakheng, Chuamkrong|
|Koh Ker||Ende 10. Jahrhundert||Koh Ker|
|Banteay Srrei||Ende 10. Jahrhundert||Mebon, Pre Rup, Banteay Srei|
|Kleang||Beginn 11 Jahrhundert||Kleang Phimeanakas, Takeo|
|Baphuon||Mitte 11 Jahrhundert||Baphuon, Mebon|
|Angkor Vat||Beginn 12 Jahrhundert||Pimai, Angkor Vat, Thomanon, Banteay Samre|
|Bayon||Ende 12 Beginn 13 Jahrhundert||Banteay Kdei, Ta Prohm, Preah Khan, Ta Som, Stadtmauer Angkor Tom, Banteay Chmar, Bayon, Königliche TerrasseEPOCHE|
Alle diese Stile haben eines gemeinsam: sie überraschen durch ihre schönen Proportionen. Die Ruhe und Erhabenheit dieser Bauwerke zeigt das grosse Können der Khmer-Architekten. Auch die Verwendung der Plastik in der Architektur ist hervorragend gelöst, die architektonische Form wird nie zerstört. Was wir heute nicht mehr sehen, das sind die Farben. Nicht nur sind die Innenräume bemalt gewesen, auch die Aussenwände zeigten polychrome Behandlung. Vor allem wurde viel Blattgold verwendet, und auch mit Goldblech sollen ganze Kuppeln beschlagen gewesen sein.
Überraschend ist die Tatsache, dass in ihrer Steinarchitektur oft Holzkonstruktionen imitiert worden sind, auch Verbindungen oder Verzapfungen sind in Stein zu finden. Ganze Holztüren wurden in Stein nachgebildet, ja sogar die grazilen Säulen in den Fensteröffnungen wurden in Sandstein auf der Drehbank gedreht.
Trotz diesen Schwächen sind die Grundformen der Bauten edel. Diese Architekten hatten das Glück, ebenso grosszügige Bauherren zu haben, die es ihnen ermöglichten, nach ihren Entwürfen Prachtbauten zu errichten. Auf dem Grundriss von Angkor Vat (Skizze nebenan) kann auch der Laie sehen, wie grosszügig solche Bauaufgaben ausgeführt wurden. Zeigt doch die Distanz von Brücke zu Brücke dieselbe Länge wie die Bahnhofstrasse in Zürich. Zeit und Geld schienen überhaupt keine Rolle zu spielen. Jedoch ein Fachmann erkennt auf diesem Plan die schönen Proportionen, wie abgewogen und ausgedacht alles angeordnet ist, Portale, Pförtnerhäuser, Bäder, Strassen und Treppen, alles zeigt Harmonie und klare Gestaltung. Vor allem ist der Mittelbau, der Tempel mit seinen drei Terrassen, ohne seinesgleichen. Dieser Grundriss ist das Werk eines gottbegnadeten Architekten, ein Meisterwerk der Khmer-Architektur. (89)
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