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Am 20. Dezember 2023 schloss sich der Lebenskreis des Clowns Gaston. Er erlag einem unheilbaren Krebsleiden im Alter von 72 Jahren. Mit ihm ist nicht nur ein grossartiger «Dummer August», sondern auch ein liebenswerter Mensch für immer abgetreten. Er hinterlässt seine Partnerin Eveline und seine drei Kinder Natacha, Gaston jun. und Michael. Ihnen gilt unser Mitgefühl. Wir werden Gaston ein ehrendes Andenken bewahren.
Gaston erblickte am 7. April 1951 das Licht der Welt. Seine Mutter Carola war eine circensische Allrounderin bereits in fünfter Generation. Sein Vater Gaston war ein talentierter Trapezartist. Somit wuchs Gaston automatisch ins Circusleben hinein und verbrachte seine Kindheit in Spanien und Frankreich. Auch wenn er als Kind durchaus andere Berufsabsichten hegte, hat es sich einfach so ergeben, dass er im Circus blieb. Auch wenn ihn sein Vater in jungen Jahren das eine oder andere Mal aufs Trapez mitnahm, zog es Gaston vor, sich in den Garderoben der Clowns aufzuhalten.
Im Alter von vier Jahren stand Gaston zum ersten Mal in der Manege. Im Circo Americano in Spanien verpasste man ihm ein Kostüm, auf das er ganz stolz war, und schminkte ihn. Beim Taxi-Entrée durfte er Ballons verteilen und war dabei wahnsinnig aufgeregt. Mit vierzehn begann er dann in der elterlichen Arena mitzuarbeiten. Seine ersten Engagements bestanden aus je zwei Saisons Nock und Royal, wobei er zwischendurch immer wieder im kleineren Rahmen auftrat. Sein grösstes Vorbild war sein Grossonkel, der Clown Andreff.
1972 begann für Gaston die Knie-Ära. Rolf Knie jun. mimte dabei den seriösen Sprecher. Im Jahr darauf traten Gaston und Rolf mit fünf weiteren Artisten als «The Jumping Internationals» auf. 1974 bestritt das Duo dann die Reprisen. Nach einem Jahr Kreativpause blieb Gaston dann bis 1983 bei Knie. Wie jeder andere Clown brauchte Gaston Jahre, bis er seine Künstlerfigur vollendet hatte: Unbeholfen, ungeschickt und ein wenig langsam im Denken, aber dennoch sehr liebenswert. Unvergesslich sind die Entrées von Gaston mit Rolf Knie jun. und Pipo Sosman. Parallel dazu betätigte sich dieses eingespielte Trio auch als Filmschauspieler in «Hotel», «Die Grafen» oder «Die Schokoladenschnüffler».
Als Rolf Knie jun. Ende der Saison 1983 entschied, den Circus zu verlassen, folgte ihm Gaston mit dem Bühnenstück «Wir machen Spass» ins Theater. 1986, nach 14 Jahren, trennte sich schliesslich das Erfolgsduo in Freundschaft. Während sich Rolf Knie jun. der Malerei widmete, arbeitete Gaston mit Pipo zwei Saisons im Circus Nock. Nachdem Gaston dann für drei Jahre pausiert hatte, konnte man ihn in Deutschland im Duo mit Pipo und im Trio mit Bernhard Paul bei Roncalli sehen. Auch Frithjof Gasser war ein Langzeit-Partner von Gaston, mit dem er das Publikum im Circus Conelli und Royal zum Lachen brachte.
1999 im Circus Royal fand Gaston in Roli Noirjean einen neuen Manegenpartner. Die Beiden waren derart gut eingespielt, dass es nicht selten vorkam, dass sie sich vor Publikum gegenseitig herausforderten, bis sie kaum mehr konnten vor Lachen. Ab 2001 waren Gaston & Roli die Publikumslieblinge im Circus Conelli, 2010 gar im Trio mit Gaston’s Sohn, Gaston jun. 2015 absolvierte Gaston seine letzte Sommersaison mit dem Circus Nock, bevor er sich in sein Haus in Arbon zurückzog. Mitte November 2022, nach fast dreijähriger pandemiebedingter Pause, waren Gaston und Roli für das Jubiläumsprogramm des Circus Conelli engagiert. Doch wenige Wochen vor der Première ereilte Gaston eine schwere Lungenkrankheit, die ihn ans Spitalbett fesselte. Es folgten Zeiten des Hoffens und Bangens, bis ihn seine Lebenskraft am 20. Dezember 2023 verliess.
Grock war bekannt für sein «Nit möööglich». Charlie Rivel machte sich mit seinem «Akrobat schöööön» unsterblich. Mit seinem unvergleichlichen «Mir isch glich» reiht sich Gaston unter die ganz grossen Clowns dieser Welt ein.
Lieber Gaston. Du hast so viele Menschen zum Lachen gebracht. Wir sind unendlich traurig über Deinen Tod und gleichzeitig dankbar für die vielen heiteren, lustigen und unbeschwerten Momente unter der Circuskuppel, die wir mit Dir verbringen durften. Ruhe in Frieden!
Filip Vincenz
Der Filmemacher Oliver M. Meyer hat das Leben und die Karriere von Gaston auf Film festgehalten. 2024 wird der Dokumentarfilm "Gaston - Last Clown standing" fertiggestellt sein.