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In den letzten Wochen erreichten mich einige Meldungen, die ich kommentieren möchte. Nachfolgend einige Standpunkte in Kurzform:
Der Eidgenoss
Eine junge Dame, Janine Vollenweider von der Uni Zürich, schreibt eine Dissertation über die Geschichte des Schweizer Armeepferdes mit dem Untertitel «Veterinärmedizin im Dienste des Militärs». Sie wollte von mir wissen, woher der Name «Der Eidgenoss» kommt. Als ich nach der Abschaffung der Kavallerie vor 45 Jahren die Geschichte der Schweizer Kavallerie mit dem Buchtitel «Der Eidgenoss» schrieb, haben wir uns darüber auch Gedanken gemacht. Aber die Herkunft dieser volkstümlichen Bezeichnung für das Armeepferd konnten wir nicht klären. Wir nahmen an, der Name sei, wohl zu Anfang des 20. Jahrhunderts, entstanden, weil das Bundespferd auch nach der Übernahme durch den Dragoner Eigentum der Eidgenossenschaft blieb. Bei der Steigerung zahlte der Dragoner nur den halben Schätzwert – er war nur Halter, nicht Eigentümer. Mehr weiss ich auch heute nicht. «Der Eidgenoss» kommt in die Sammlung der ungeklärten Eigenheiten des Pferdesports, wie die Erfindung der Buchstaben im Dressurviereck oder die Einführung der Flots.
Fussball in Spruce Meadows
Fussballrasen und Pferdehufe: Für die Besitzer und Betreiber der grossen Fussballstadien geht das nicht zusammen. Der gepflegte Rasen erträgt wohl die Stollen der Fussballschuhe, aber weniger die Hufe der Pferde. Als um 1974 die Betreiber des gloriosen Wembley Stadions in London den Organisatoren der «Royal International Horse Show» erlaubten, ihren CSI auf dessen «heiligen» Rasen auszutragen, ging eine Welle der Empörung durch die englische Fussballwelt. Als dann, nach Turnierende, der von Hunderten von Pferdehufen benützte Wembley-Rasen inspiziert wurde, kam es fast zum Aufstand. Nie mehr seither galoppierten Pferde auf Englands Fussballrasen. Nun wird Spruce Meadows, der grossartige Turnierplatz im Westen Kanadas, fussballfähig gemacht. «Soccer Canada», der Kanadische Fussballverband, hat «Spruce Meadows Sports and Entertainment» eine Lizenz erteilt. Man kann erwarten, dass ab Frühjahr nächsten Jahres ein kanadisches Profiteam der höchsten Liga auf dem Pferderasen von Spruce Meadows spielen wird.
Jimmy Williams
Die erschreckendste und deprimierende Nachricht betraf die seither mehrfach bestätigte Meldung, dass der 1993 verstorbene US Trainer, Jimmy Williams, sich über 40 Jahre lang des mehrfachen sexuellen Missbrauch seiner Schüler schuldig gemacht hat. «The Chronicle of the Horse» machte die Anschuldigungen erstmals im April öffentlich. Zu den Dutzenden von ehemaligen Schülern gehörte auch die mehrfache olympische Medaillengewinnerin Anne Kursinski. Sie sei von Williams als Elfjährige vergewaltigt worden, teilte sie der New York Times mit. Gerüchte über die sexuellen Übergriffe des genialen Trainers soll es seit Langem gegeben haben – aber nichts geschah. In der Zwischenzeit wurde Jimmy Williams‘ Name aus der «Hall of Fame» entfernt und der 1988 eingeführte und nach ihm vom Verband benannte «Lebenswerk-Award» trägt nicht mehr seinen Namen. Aber was er den jungen Mädchen angetan hat, bleibt ungesühnt.
Athletenvereinbarung/Schiedsvereinbarung
Die deutschen Spitzenspringreiter Christian Ahlmann und Daniel Deusser – beides Weltcupfinalsieger – werden nicht bei den WEG in Tryon starten: Sie haben sich geweigert, die vom Deutschen Pferdesportverband vorgelegte «Athleten- und Schiedsvereinbarung» zu unterschreiben. Das ist, aus sportlicher Sicht, äusserst bedauerlich und wirft die Frage auf: Wie kann man aus dieser Situation herauskommen? Das Problem liegt offensichtlich darin, dass die Doppelvereinbarung zu viel miteinander verbindet. Die Athletenvereinbarung nimmt Bezug auf eine Vorbildfunktion der Kaderreiter, auf das Einhalten von Richtlinien und Regelwerken. Sie regelt die Dopingbekämpfung, inklusive unangekündigte Trainingskontrollen, wie sie sonst in keinem andern Land vorgesehen sind. Neben den Pferden unterliegen auch die Reiter Anti-Doping-Regeln, wie sie für alle Spitzensportler in aller Welt gelten. All das Obige ist vernünftig, ja notwendig. Die Probleme liegen in der Schiedsvereinbarung. Denn mit seiner Unterschrift ist der Reiter damit einverstanden, dass er eventuelle Dispute, die sich aus der Athletenvereinbarung ergeben, nicht vor ein ziviles Gericht bringen darf. Er muss damit vor dem Deutschen Sportschiedsgericht und, als nächste und letzte Instanz, vor den CAS, den Internationalen Sportgerichtshof. Das ist aus zwei Gründen fragwürdig. Der Sport war wohl nie unschuldig – gelogen und betrogen wurde auch vor über 100 Jahren. Aber die heutigen diesbezüglichen Vergehen in Bezug auf Doping, Absprachen, Vertuschen, Missbrauch sind vielfach keine Einzelfälle mehr. Sondern können flächendeckend sein, mit bedeutenden finanziellen Interessen. Solche Fälle einem Sportsgericht zu unterbreiten, ist nicht mehr zeitgemäss. Dies nicht zuletzt auch, weil die Mitglieder dieser sportrichterlichen Gremien, ob national oder der internationale CAS, vielfach, direkt oder indirekt, mit den Sportsverbänden verbunden sind.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 31/2018)
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