Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03271.jsonl.gz/2104

Endometriose und gynäkologische Onkologie
Endometriose und Inflammation (Group Leader: Prof. Dr. A. Nick Bersinger, PhD)
Die Endometriose ist eine stark verbreitete Erkrankung, die oft mit chronischen Schmerzen, reduzierter Fruchtbarkeit und einem erhöhten Ovarialkarzinom-Risiko einhergeht, was alles auf eine Entzündungspathologie zurückgeführt werden kann. Durch retrograde Menstruation gelangen Endometrium-Zellen in die Bauchhöhle, haften dort am Gewebe und proliferieren unter hormoneller und inflammatorischer Stimulation. Da aber eine Mehrheit der Frauen retrograde Menstruation zeigen, müssen weitere Faktoren an der Pathogenese beteiligt sein.
Wir untersuchen die Rolle pro- und anti-inflammatorischer Cytokine sowie angio- und neurogener Wachstumsfaktoren im Peritoneum auf der Ebene der Genexpression und der funktionellen Proteinsekretion. Transkriptionelle Untersuchungen (RT-PCR) werden mit RNA aus frischen Endometriumgewebe durchgeführt. Auf der Proteinebene werden immuno-histochemische und Western Blot Analysen mit eutopischem (intrauterinen) und ektopischem (extrauterine Endometriose-Läsionen) Gewebe durchgeführt und die Marker werden in der beim laparoskopischen Eingriff aus dem Cul-de-sac gewonnenen Peritonealflüssigkeit (PF) immuno-analytisch quantifiziert. Dazu bedienen wir uns manueller ELISA Methoden (kommerziell oder in unserem Labor entwickelt) oder moderner, auf Doppel-Fluoreszenz basierender Multiplex-Technologie. Die Ergebnisse werden mit dem Schweregrad der Endometriose, der Intensität verschiedener Schmerzen (Dysmenorrhoe, Dyspareunie, chronische Unterbauchschmerzen) und anderer Parameter (Fruchtbarkeit, eingenommene Medikamente) in Relation gesetzt. Kulturen von Endometrium- und Ovarial-Zelllinien und von primären Endometrium-Zellen (Drüsenepithel und Stroma) werden als Modelle zur Untersuchung der Produktion von Cytokinen und neuro- oder angiogenen-stimulierenden Faktoren unter in vitro nach Stimulation durch Hormone und Medikamente verwendet. Mit archiviertem Endometriose-Gewebe untersuchen wir die Aktivierung eines neu identifizierten mTOR-Signalpathways, der eine wichtige Verbindung zwischen den in diesen Pathologien relevanten Mechanismen der Inflammation und Angiogenese bei der Entstehung endometriotischer und maligner Läsionen darstellen könnte.
Gynäkologische Onkologie (Group leader: Dr. Brett McKinnon, PhD)
Das Ovarialkarzinom ist das letalste gynäkologische Karzinom und die fünfthäufigste Todesursache aller Krebserkrankungen. Aufgrund ineffizienter Screeningmethoden und nur sehr wenig klinischer Frühsymptome werden 75% aller Ovarialtumore erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert, weshalb weniger als 20% der Frauen ein gutes Langzeitüberleben haben. Wenn ein Tumor dennoch früh erkannt wird, kann die Überlebensrate bis auf 90% ansteigen. Ein Zusammenhang zwischen Endometriose und dem Ovarialkarzinom wurde identifiziert. Obwohl das Risiko klein ist, bleibt nach wie vor unklar, warum eine Endometriose maligne entarten kann. Ein besseres Verständis über die Mechanismen, welche zu dieser Progression führen, könnte Anhaltspunkte liefern zur früheren Diagnosestellung. Wir sind deshalb daran interessiert die entzündliche Umgebung zu verstehen, welche durch die Endometriose geschaffen wird und die Signaltransduktionswege, welche dadurch aktiviert werden. Damit soll eruiert werden, ob diese Bedingungen die Progression von benignen zu malignen Läsionen stimulieren können.
Das Endometriumkarzinom ist der häufigste gynäkologische maligne Tumor und der vierthäufigste maligne Tumor der Frau. Bei früher Detektion ist die Prognose gut, aber bei einem Rezidiv ist die Überlebenszeit jedoch bei knapp 12 Monaten. Das Endometriumkarzinom wird vor allem chirurgisch therapiert. Die Ausdehnung des chirurgischen Eingriffes wird jedoch kontrovers diskutiert. Ab wann müssen die Lymphknoten entfernt werden? Es besteht jedoch die Gefahr entweder einen Hochrisikotumor zu untertherapieren oder einen Tumor mit tiefem Risiko zu übertherapieren. Um metastasiertes Gewebe besser identifizieren zu können, möchten wir eine verbesserte Technik zur chirurgischen Lymphknotenbiopsie kombiniert mit molekularbiologischen Methoden entwickeln. Zudem möchten wir das Screening für Risikopatientinnen verbessern mittels Identifikation spezfischer genetischer Risikofaktoren, welche zum Rezidiv des Endometriumkarzinoms prädisponieren.