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Das gute Herz genügt nicht
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Beschreibung
Dieses Buch ist prall gefüllt von Geschichten. Regina Kägi erzählt von ihrer Kindheit im dörflich anmutenden Zürich Ende des vorigen Jahrhunderts, von ihrer Jugend im geistigen Umbruch der Jahrhundertwende, da sie von ihrer Mutter noch eine Ohrfeige erhielt, weil sie fragte, was «sinnliche Lippen»
seien, von ihrer ersten Fahrt nach Italien, als sie sich krampfhaft wach zu halten versuchte, um gegen alle möglichen Gefahren gefeit zu sein, und an der Brust eines Matrosen erwachte. Sie erzählt von ihrem jugendlichen Glauben an eine gerechtere Welt, mit dem sie sich um die Besserstellung der Kleinreisenden und der Heimarbeiterinnen und um die Schulung der Frauen bemühte.
«Ich dachte: So kann das nicht weitergehen». Dieser Satz –
man liest ihn oft in diesem Buch – ist typisch für diese Frau, die von 1936 an, als sie Geschäftsführerin des Schweizer Arbeiterhilfswerks wurde, Tausenden Bedrängten das Leben rettete. Aber nur wer Schmerz an sich selbst erlebt hat, erfasst zutiefst den Schmerz anderer. Regina Kägis Sohn Peter war geisteskrank. Im Kapitel über Peter, dem Dokument einer herzensstarken, klugen Mutter, wird die Kraft manifest, die sich später entfaltete.
«Ist Geschichte», so fragt Regina Kägi, «nicht letzten Endes ein unendlicher, meist blutiger riesiger Teppich von einzelnen Schicksalen? » Eine Frau, die so fragt, weiss, dass der Einzelne selten Einfluss auf die geschichtlichen Ereignisse hat. Trotzdem sah Regina Kägi ihre Aufgabe darin, «zuzugreifen, mit Verstand und Überlegung zuzugreifen, wo Not und Elend war».
Darum hat das Buch dieser Schweizerin und Weltbürgerin die Bedeutung eines Vermächtnisses.