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Goldmännchen-Radar: Ist das Rennen beim besten Film schon gelaufen?
"La La Land" gewinnt momentan fast alle Kritikerpreise und hat bei den Golden Globes sieben Nominationen erhalten. Wer will Damien Chazelles Musical den Oscar für den besten Film noch entreissen?
Ryan Gosling und Emma Stone © Ascot Elite
Es muss momentan schön sein, bei Lionsgate zu arbeiten. Das Studio hat mit La La Land einen Film produziert, der momentan fast alles gewinnt und am vergangenen Wochenende fast für einen Box-Office-Rekord gesorgt hat. Auf gerade einmal fünf Leinwänden hat der Streifen sensationelle 855'000 Dollar eingespielt. Dies gibt einen Schnitt von 171'000 Dollar pro Leinwand. Knapp besser war vor zwei Jahren nur Wes Andersons The Grand Budapest Hotel. La La Land wird in den kommenden Wochen expandieren. Nächstes Wochenende kommen 200 Leinwände in den USA dazu, bevor der Film danach an Weihnachten in den "Wide Release" gehen wird. Ob der Film bei der grossen Masse einschlagen wird, bleibt abzuwarten. Doch die Kritiker, das Festivalpublikum und scheinbar ganz Hollywood haben den Film schon ins Herz geschlossen.
Die Auszeichnungen verschiedener Kritikergruppen, begeisterte Academy-Screenings und der Publikumspreis beim Toronto Filmfestival zeigen auf, dass das Goldmännchen im kommenden Jahr nur über La La Land zu holen ist. Doch der Streifen scheint nicht zu schwächeln. Da müsste jetzt wirklich noch ein Skandal kommen, um den Film aus der Bahn zu werfen. So verwundert es auch nicht, dass das Musical beim Grossteil der Wettanbieter vorne ist. Dahinter platzieren sich Filme wie Moonlight und Manchester by the Sea, denen die Oscar-Nomination wohl kaum noch zu nehmen ist.
Die Bekanntgabe der Golden-Globes-Nominationen liess jetzt erahnen, wohin die Reise für die anderen Filme gehen wird. Dazu muss jedoch gesagt werden, dass die Globes von etwa 100 Journalisten bestimmt werden, während die Oscarjury aus über 6'000 Leuten besteht. Aus diesem Grund werden die Globes von einigen als nicht zu aussagekräftig eingeschätzt. Trotzdem kann ein Boost von den Globes hilfreich sein. Der Preis wird als der zweitwichtigste der Award-Saison angesehen, und wenn man ein paar goldene Kugeln auf das Oscar-Kampagnen-Poster drucken kann, ist dies definitiv kein Nachteil.
So dürften ab der Bekanntgabe von heute Morgen sicher bei Warner Bros. und Parmount die Alarmglocken geläutet haben. Weder Sully noch Silence wurden berücksichtigt. Dabei sah Sully lange als sicherer Kandidat für eine Nomination aus. Doch die 90-minütige Produktion scheint schneller in Vergessenheit zu geraten, als das dies Clint Eastwood und Co. lieb ist. Bei Silence stellt sich die Frage, ob der Film rechtzeitig für die Globes-Jury fertig war. Dass Martin Scorseses Religions-Drama jedoch die Oscars aufmischen wird, ist fraglich. Erste Kritikerstimmen sprechen von einem guten, aber nicht überragenden Film. Scorseses Passionsprojekt, für welches er 28 Jahre gekämpft hat, wird ihm also eher keine weiteren Oscars bringen.
Im Aufwind befinden sich jetzt hingegen Hell or High Water sowie Mel Gibsons Hacksaw Ridge, die beide für mehrere Globes nominiert wurden. Die Frage bei Letzterem ist, ob die Academy dem Regisseur für seine wüsten Äusserungen vor ein paar Jahren schon vergeben hat. Eine Nomination beim Regisseur dürfte wohl eher weniger für Gibson drinliegen. Dafür sind die Chancen in der Hauptkategorie gestiegen. Dasselbe gilt für den Neo-Western von David Mackenzie. Dabei könnte Jeff Bridges zur Geheimwaffe werden. Seine Performance wird von allen Seiten gelobt und könnte noch mehr Stimmberechtigte animieren, sich Hell or High Water anzusehen.
Einen kleinen Schubs in Richtung Nomination hat auch Lion erhalten, wobei dieser auf der Kippe zu sein scheint. Denn die Academy kann zwischen fünf und zehn Filme nominieren. Wenn sie das "Stängeli" nicht voll machen will, könnte das etwas berechnende Drama da zum Opfer fallen. Bessere Chancen auf eine Nomination hat derweil Fences von und mit Denzel Washington. Die Verfilmung eines hochgelobten Theaterstückes sei grossartiges Schauspielerkino und dürfte laut verschiedenen Kritikern Viola Davis ihren ersten Oscar bringen. Auch Washington sei grossartig. Die Frage hier bleibt einfach, ob zwei tolle Performances für eine Nomination beim besten Film ausreichen werden?
Die Prognose
Quelle: OutNow.CH