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Köhler/in
Köhler[1] bezeichnet die Ausübung eines heute in der Schweiz hochgefährdeten Handwerks, bei der es sich um die Gewinnung von Holzkohle handelt.
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Holzkohle wurde seit dem Altertum zumeist in Meilern verkohlt[2] (auch Meilenverkohlung genannt): Dabei wurde gesundes Holz zunächst in kegelförmige Haufen um Pfähle positioniert[3] und mit Gras, Laub, Moos und feuchter Walderde bedeckt. Daraufhin wurde der rund um den Pfahl frei gelassene und mit leicht brennbarem Material (trockenem Reisig, dürren Blättern und Kienspänen) gefüllte Feuerschacht angezündet. Bis der ganze Meiler kochte waren in der Regel sechs bis acht Tage und eine Temperatur von dreihundert bis dreihundertfünfzig Grad Celsius von Nöten. Der Kohlungsprozess von grossen Meilern konnte sich auch über mehrere Wochen hinstrecken. In dieser Zeit bestand die Aufgabe des Köhlers darin, Tag und Nacht das Feuer im Auge zu behalten und den Windzug so zu beeinflussen, dass das Feuer weder erlosch noch durfte der Meiler in helle Flammen geraten. Es überrascht daher nicht, dass die Köhler für gewöhnlich unter Schlafmangel litten und durch Brandwunden gekennzeichnet waren. Es wird auch von einer armseligen und mühsamen Lebensweise der Köhler berichtet, obschon Holzkohle bis ins 18. Jahrhundert der wichtigste Brennstoff für die Eisenverhütung- und Verarbeitung war. Je nach Erz- und Verhüttungsverfahren war der Kohleverbrauch allerdings unterschiedlich; ein besonders eindrückliches Zahlenbeispiel wurde für die Silbergewinnung im Oberharz berechnet: Im 18. Jahrhundert wurden für die Produktion eines Silbertalers von 16.7 Gramm Gewicht 26 Kilogramm Holzkohle benötigt.
Einen enormen Bedarf an Holzkohle hatte zudem der Bergbau, der Holz darüber hinaus in grossen Mengen auch als Bau- und Stützmaterial in den Gruben und Förderanlagen brauchte. Dem Holzschlag in den Bergbauregionen fielen oft ganze Wälder zum Opfer, denn die Holzkohle wiegt lediglich ein Neuntel des Holzes, aus dem sie hervorgegangen ist. Mit der verstärkten Nutzung von Steinkohle ab dem 18. Jahrhundert ging die Köhlerei schliesslich fortdauernd zurück.
[1] Für bessere Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Köhlerin.
[2] Verkohlung fand auch in Gruben und ab dem Ende des 18. Jahrhunderts in Öfen statt.
[3] Im östlichen Europa und in Skandinavien waren liegende Meiler gebräuchlich, bei denen das Holz horizontal um die Achse geschichtet wurde.
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Literatur
Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2010, S. 114-116.
Neukirchen Florian: Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden. Eine kurze Geschichte der Metalle, Berlin/Heidelberg 2016.
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