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“Wie eine Ausstellung gemacht wird” (Hatje Cantzchen, 2021) ist ein farbenfrohes Bilderbuch, das Einblick in die Entstehung einer Ausstellung gibt. Von den Künstler*innen, ihren Inspirationen, ihren Ateliers, dem Weg der Kunst ins Museum und all den Arbeiten, die im Museum im Hintergrund einer Ausstellung passieren, bevor es die große Eröffnung geben kann.
Super ist, dass die Entstehung einer Gruppenausstellung erzählt wird und dabei eine Künstlerin und ein Künstler vorgestellt werden und beide namentlich benannt werden. Immerhin sind in Museen immer noch weit mehr Männer ausgestellt als Frauen (es sei denn, man zählt die Frauen in Bildern mit…). Schade ist, dass bei der deutschen Übersetzung dennoch das generische Maskulinum verwendet wurde, wenn beispielsweise über den Prozess der Künstler*innen gesprochen wird.
“Um eine große Ausstellung zu machen braucht es viele Menschen.”
Als Person, die selber schon einige Jahre in Museen gearbeitet hat finde ich großartig, wie die vielen Beteiligten vorgestellt werden, die notwendig sind, um eine Ausstellung zu organisieren, zu bewerben und zu vermitteln.
Viele von ihnen werden namentlich vorgestellt und ihnen werden einzelne Doppelseiten gewidmet. Bei den anderen wird zumindest in einem kurzen Satz anschaulich beschrieben, was ihre Tätigkeit ist und warum es diese zum Gelingen einer Ausstellung braucht.
“Ein Museumstag” von Susanna Mattiangeli und Vessela Nikolova (erschienen 2020 bei Bohem, übersetzt von Lucia Zamolo) erzählt einen Tag einer Kindergruppe im Museum aus der Sicht eines kleinen Mädchens mit knallgelber Jacke. Wobei man die Erzähler*innenstimme ebenso als allwissende*r Erzähler*in interpretieren kann.
Bereits das Coverbild ist großartig. Zu sehen sind eine Frau mit grauen Haaren, elegantem weiß-blauen Sommerkleid, die vermeintliche Protagonistin mit ihrem weiß-blau gestreiften T-Shirt, der knallgelben Jacke und Zopf und eine Frau in einem simplen schwarzen Kleid, rotem Lippenstift und jede Menge Tattoos. Die Komposition ist aus einer Doppelseite des Buches entnommen. Im Hintergrund sind jede Menge porträtierte Männer zu sehen, die alle, leicht vorwurfsvoll, auf die Frauen bzw das Mädchen blicken. Jedoch scheint keine der drei die Männer zu beachten.
“Es ist nicht ganz einfach, all die Geheimnisse zu lüften. Du musst deine Augen nutzen, aber auch deinen Rücken: Museumsgymnastik.”
Zwar sind im Buch jede Menge Klassiker der Kunstgeschichte zu sehen, Gemälde die man vermeintlich kennen muss und deren Namen und Künstler bekannt sein sollten, dennoch werden diese gar nicht thematisiert. Stattdessen konzentrieren sich die Autorin und Illustratorin auf das Erlebnis als Ganzes und das spielerische Erkunden. Ebenso wie die Kunstvermittlung über das Herauspicken von Gemeinsamkeiten – etwa, ob im Ausstellungsraum Personen gefunden werden können, die Personen in Gemälden oder Skulpturen ähneln.
“Immer, wenn sich ein Saal ändert, kommen auch neue Rätsel: Wieso wurde die Figur so gebaut? Könnte ich das auch? Wer weiß das schon? Aber ich möchte es wirklich gerne ausprobieren.”
Insgesamt hat das Buch auch einen Wimmelbuchcharakter und lädt dazu ein, einzelne Personen immer wieder zu suchen und eigene Geschichten zu erzählen. Dies kann sowohl Kindern, als auch Vorleser*innen entgegenkommen. Museumsbesuche sind, auch wenn es Familienkarten und Aktionen gibt, mitunter teuer und somit nichts, das alle einfach so als Freizeitaktivität machen können. Dazu kommt eben dieses Verständnis von “Klassikern” und “Allgemeinwissen”, das eine weitere Hürde darstellen kann, sich in Museen zu trauen und Angst zu haben, es nicht zu “verstehen”
In diesem Sinn ist das Buch ein wichtiger Beitrag eben dieses “Ich muss alles wissen und verstehen, um ins Museum zu gehen” zu überwinden.
“Ganz am Ende gibt dir das Museum ein paar Hinweise. Zumindest probiert es das. […] Ein paar Geheimnisse aber behält es aber für sich. Die musst du selber herausfinden.”
“Ein Museumstag”, Susanne Mattiangeli und Vessela Nikolova, Bohem (2021), 15,50 Euro
“Wie eine Ausstellung gemacht wird”, Doro Globus und Rose Blake, Hatje Cantz (2021), 18 Euro