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Auswirkungen des demografischen Wandels nach Branche und Kompetenzniveau
Um die Auswirkungen des demografischen Wandels in der Schweiz zu erforschen, hat die Universität Basel in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Infras ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt wird. Insgesamt wurden 5000 Unternehmen aus allen Branchen des sekundären und tertiären Sektors kontaktiert, die ihren Sitz in der französischen, deutschen und italienischen Schweiz haben. Am Forschungsprojekt beteiligt haben sich 695 Unternehmen, was einem Prozentsatz von 14 Prozent entspricht.
Die im Rahmen des Forschungsprojektes befragten Unternehmen wurden, abhängig von der Branchenzugehörigkeit, in diesen Kategorien zusammengefasst:
- Baugewerbe
- Gesundheitswesen
- IT-Branche
- Industrie
- Handel, Verkehr und Lagerei
- Sammelkategorie "sonstige Dienstleistungen"
Eine weitere Differenzierung wurde nach dem Kompetenzniveau der Arbeitskräfte vorgenommen:
- Kompetenzniveau 1: Akademische Fachkräfte
- Kompetenzniveau 2: Spezialisierte Fachkräfte mit Schwerpunkt auf praktischen Tätigkeiten
- Kompetenzniveau 3: Einfachere praktische Tätigkeiten mit mehrjähriger Ausbildung
- Kompetenzniveau 4: Hilfsarbeitskräfte mit kurzer oder keiner spezialisierten Ausbildung
Das Ausmass der durch den demografischen Wandel bedingten Betroffenheit wurde unter Berücksichtigung der nachfolgenden sechs Komponenten in einem Index abgebildet. Der Indexwert liegt zwischen 0 und 100, wobei 100 die höchste Betroffenheit bedeutet.
Ergebnisse des Forschungsprojektes
- Aktueller Mangel: Besteht bereits heute ein Mangel an Fachkräften, oder wird dieser für die nächste Zukunft erwartet?
- Alter der Beschäftigten: Wie hoch ist der Anteil der Beschäftigten über 50 Jahre?
- Nachwuchs: Werden in der Schweiz ausreichend Nachwuchskräfte ausgebildet, um die Lücke der durch die in Pension gehenden Babyboomer zu schliessen?
- Digitalisierung: Ist es möglich, die jeweils wegfallenden Arbeitskräfte durch Digitalisierung oder Automatisierung zu ersetzen?
- Abhängigkeit vom Ausland: Wie hoch ist der Anteil der Arbeitskräfte, die bereits heute aus dem Ausland rekrutiert werden? Wie gross ist das Potenzial, um entstehende Lücken durch ausländische Arbeitskräfte zu schliessen?
- Substituierbarkeit: Wie gross ist der Aufwand, um interne, auf einem tieferen Kompetenzniveau befindliche Arbeitskräfte intern zu qualifizieren, um unternehmensinterne Lücken zu schliessen?
Am schlechtesten schneidet das Baugewerbe mit einem Indexwert von 49 Punkten ab, gefolgt vom Gesundheitswesen mit einem Wert von 47 Punkten. Verantwortlich für das schlechte Ergebnis im Baugewerbe sind die dem Kompetenzniveau 3 zugeordneten einfacheren praktischen Berufe, die besonders vom demografischen Wandel betroffen sind. Vor allem die Nachwuchssituation macht dem Baugewerbe zu schaffen. Für viele junge Arbeitskräfte haben die klassischen Handwerksberufe an Attraktivität verloren. Sie entscheiden sich stattdessen für höhere Ausbildungen an Fachhochschulen oder für eine andere Branche. Und ausländische Arbeitskräften haben entweder keine Ausbildung oder eine, die in der Schweiz nicht anerkannt ist.
Anders sieht es im Gesundheitswesen aus, wo die Indexwerte vor allem das Kompetenzniveau 1 betreffen. Das bedeutet, dass vor allem Ärzte und Chirurgen fehlen, gefolgt von Fachangestellten im Bereich Gesundheit und Medizintechnikern, die dem Kompetenzniveau 2 zugeordnet werden. Erst an dritter Stelle stehen die Pflegeberufe, die durch den demografischen Wandel ein Defizit an Arbeitskräften aufweisen.
Tiefere Indexwerte weisen die Branchengruppen Industrie sowie Handel, Verkehr und Lagerei auf. In beiden sind die Indexwerte 1 und 3, also bei den Hoch- und Mittelqualifizierten, am höchsten. Nur leicht durch den demografischen Wandel bedroht ist die IT-Branche, die insbesondere bei den Kompetenzwerten 3 und 4 sehr gute Werte erzielt. Einer der Gründe ist das relativ junge Durchschnittsalter sowie die Flexibilität, die diese Branche auszeichnet. Sie macht es möglich, dass durch interne Weiterbildung und durch die Digitalisierung ein Arbeitskräftemangel besser ausgeglichen werden kann als in anderen Branchen. Die Zukunft der sonstigen Dienstleistungen ist als Sammelkategorie nur schwer zu bewerten. Insgesamt scheint sie weniger vom demografischen Wandel betroffen zu sein.
Als Fazit aus der Unternehmensbefragung ist festzuhalten, dass der demografische Wandel den Arbeitsmarkt in der Schweiz vor grosse Herausforderungen stellt. Vor allem die Politik ist gefragt, die die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen muss, um verstärkt Fachkräfte im eigenen Land auszubilden, zum Beispiel durch die Erhöhung von Studienplätzen im Bereich Medizin.