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Kann die Schweiz beim Wiederaufbau in Irak eine Rolle spielen? Und wie läuft die Zusammenarbeit Schweiz – USA im Kampf gegen den Terrorismus? - Die US-Botschafterin in Bern, Pamela Willeford, im Gespräch.
Am 20. März ist es ein Jahr her, seit die USA ihren Krieg gegen Irak begonnen haben.
Washington begrüsse den kürzlichen Besuch von Schweizer Beamten zur Beratung darüber, wie der Schweizer Föderalismus als Modell für den Irak dienen könne, sagte Pamela Willeford, Botschafterin der Vereinigten Staaten, im Gespräch mit swissinfo.
Washington hat der Schweiz zudem Beifall gezollt für ihre Anstrengungen im Kampf gegen die Finanzierung des Terrorismus und dafür, dass sie Informationen weiterleitete, die 2002 zur Verhaftung eines hohen Mitglieds von Al Kaida führte.
swissinfo: Kann der Schweizer Föderalismus wirklich in ein Land wie Irak übertragen werden, um dort die Demokratie wieder aufzubauen?
Pamela Willeford: Wir begrüssen das Interesse der Schweiz am Wiederaufbau und der Wiederentwicklung des Irak.
Die Schweiz hat sehr erfolgreich verschiedene Kulturen in einem Staat vereinigt, und sie ist ein wunderbares Modell für Demokratie.
Ich glaube, dass die Menschen in Irak das Beispiel der Schweiz gern genauer studieren würden. Es gibt viele Demokratiemodelle, und das irakische Volk wird bestimmen, welche Form für ihre Regierung die richtige ist.
swissinfo: Wie weit kann die Schweiz sich am Wiederaufbau in Irak beteiligen? Kann sie zum Beispiel Verträge mit der US-Regierung abschliessen, nachdem sie sich der Krieg führenden Allianz nicht angeschlossen hatte, sondern immer neutral blieb?
P.W.: Es gibt einige Verträge, bei denen die Schweiz nicht an erster Stelle stehen kann. Das sind jene, für die der US-Kongress spezifisch Geld gesprochen hat.
Die Schweiz kann und darf aber bei diesen spezifischen Verträgen Sub- oder Sekundärunternehmerin sein.
Natürlich gibt es viele andere Möglichkeiten und Verträge, bei denen sich die Schweiz beteiligen kann. Neben den Regierungsverträgen versuchen wir auch, Privatfirmen aus der ganzen Welt zu helfen, Möglichkeiten zur Mitwirkung an der wirtschaftlichen Entwicklung in Irak zu finden.
swissinfo: Im internationalen Kampf gegen den Terrorismus scheint es eine enge Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und den USA gegeben zu haben. Wie geht es mit der Arbeitsgruppe vorwärts, die zur Koordinierung der Aktivitäten eingesetzt wurde? Und könnte die Schweiz mehr tun?
P.W.: Ich denke, wir könnten alle mehr tun. Wir hatten sicher viel Hilfe aus der Schweiz – von Regierung, Banken, Gesetzesvertretern –, und wir suchen laufend neue Wege, um diese Zusammenarbeit auszuweiten.
Das aktive Vorgehen der Schweiz war natürlich wichtig, so wie damals, als sie im Januar acht Personen festnahm, die verdächtigt werden, an terroristischen Aktivitäten beteiligt zu sein.
Ich denke, wir alle – die Schweiz, die USA und alle Nationen der Welt – müssen uns auf das Wichtigste konzentrieren. Wir müssen uns bewusst sein, dass es Terrorismus gibt, dass er irgendwo zuschlagen kann, dass niemand dagegen gefeit ist.
swissinfo: Wie stehen die USA zu der von der Schweiz unterstützten Genfer Initiative, die am 1. Dezember letzten Jahres offiziell lanciert wurde?
P.W.: Wenn Menschen miteinander reden, die Ideen haben, am Friedensprozess interessiert sind und zu diesem beitragen können, sind wir, also die US-Regierung, natürlich immer auch interessiert daran.
Ich denke, das zeigte auch die Tatsache, dass US-Aussenminister Colin Powell sich im Januar mit zwei der Architekten der Genfer Initiative traf.
Wir bleiben der Road Map verpflichtet. Präsident Bush glaubt fest daran, dass wir versuchen müssen, Lösungen zu finden für regionale Konflikte. Und dieser ist natürlich einer der wichtigsten.
Es muss etwas geschehen, damit es mit der Road Map weitergeht. Was die Genfer Initiative angeht, denken wir, dass diese Art Dialog sehr fruchtbar, hilfreich und produktiv ist.
swissinfo: Werden wir etwas persönlicher. Was wussten Sie von der Schweiz, bevor Sie hierher kamen?
P.W.: Ich wusste, was man in der ganzen Welt weiss, nämlich, was für ein schönes Land die Schweiz ist. Ich war schon früher hier und hatte es auch so in Erinnerung.
Was ich gelesen, gelernt und jetzt in Wirklichkeit gesehen habe, ist, wie die Schweiz viele ethnische, religiöse, sprachliche und sonstig unterschiedliche Gruppen in eine erfolgreiche Demokratie integriert hat.
swissinfo: Gibt es etwas, das Sie überrascht hat?
P.W.: Ich war eigentlich von nichts überrascht. Es gibt hier viel zu lernen, es geschieht viel.
Einige Leute mögen denken, die Schweiz sei nicht interessant für die internationale Gemeinschaft und für die USA. Aber das stimmt nicht.
Das Mitmachen der Schweiz in der internationalen Gemeinschaft wurde von den USA begrüsst, insbesondere die Vollmitgliedschaft bei den Vereinten Nationen.
Die Schweiz geniesst grosses Ansehen in der Welt. Sie gilt als Land mit wichtigen Werten und Moralvorstellungen, und ich denke, sie kann eine wichtige Rolle spielen.
Wenn wir über bestimmte US-Politikbereiche sprechen, mit denen die Schweiz vielleicht nicht einverstanden ist, wird oft vergessen, dass wir sehr grundlegende Werte teilen: der Glaube an die Demokratie, die Menschenrechte, die Autorität des Gesetzes, das Verbreiten von Frieden und Wohlergehen in der ganzen Welt, an eine offene Gesellschaft.
Ich denke, die Schweiz und die USA werden dafür bewundert, dass sie diese wichtigen fundamentalen Werte teilen.
swissinfo-Interview: Jonathan Summerton
(Übertragung aus dem Englischen: Charlotte Egger)
In Kürze
Pamela Willeford ist seit dem 25. November 2003 US-Botschafterin in der Schweiz.
Sie ersetzte den früheren Botschafter Mercer Reynolds.
Bevor sie in die Schweiz kam, war Willeford acht Jahre lang Mitglied des Texas Higher Education Coordinating Board.
Willeford widmete ihre Karriere der Entwicklung der Erziehung und der Förderung des Gemeinschaftsdiensts in ihrem Heimatstaat Texas.