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IPMS Oberwallis
International Plastic Modellers' Society Schweiz - Sektion Oberwallis
Bauberichte - Unterstände.
Flugzeugunterstand U43 der Schweizer Fliegertruppe. (1/72)
Bis Anfang des 2. Weltkriegs wurden die Flugzeuge meist neben der Landepiste offen abgestellt, bestenfalls in Schuppen oder Zelten untergestellt. Tarnung oder Schutz der Flugzeuge wurde noch wenig praktiziert. Dies änderte sich, als die deutsche Luftwaffe bei ihren Angriffen auf Polen andere europäische Länder direkt die gegnerischen Flugplätze bombardierte und damit dem Gegner wesentlichen Schaden zufügen konnte.
Der Schweizer Armee verfolgte das Kriegsgeschehen im Ausland sehr genau und entwickelte daraus Strategien für die eigene Armee. Für die Fliegertruppe wurden ab dem Jahr 1943 an den meisten damals benutzen Flugplätzen die heute noch vielerorts sichtbaren halbrunden Unterstände gebaut.
Wo möglich wurden aber auch bereits Stollen in Felswände gegraben, welche aber eher als sogenannte „Retablierstolllen“ dienten.
Da seit 1994 viele Militärflugplätze aufgegeben und einige der halbrunden Unterstände baufällig wurden, entschloss sich das zuständige Bundesamt zum Abbruch vieler dieser U-43. Höchste Zeit also, dieses für die Schweizer Fliegertruppe lange Zeit prägende Bauwerk im Modell Maßstab 1:72 nachzubilden! Dazu benötigte ich zuerst mal die genauen inneren und äußeren Abmessungen, sowie die Ausrichtung der Unterstände entlang einem Flugplatz und deren zugehörigen Rollwege. Als große Hilfe diente „Goggle Earth“ oder „Maps“, entsprechend heran gezoomt. Um einen Unterstand in 1:72 mit etwas Vorplatz und Rollweg dazustellen, ist bereits eine Grundplatte von 60 x 60 cm nötig! Auf dieser Grundplatte zeichnete ich den Grundriss des U-43 sowie den Vorplatz und Rollweg ein.
Da die U-43 auch heute noch von Sportfliegergruppen verwendet werden, war es nicht sehr schwierig, einen U-43 mittels Messband und Laserdistanzmesser genau zu vermessen und damit einen maßstabsgetreuen Plan zu zeichnen. Durch Vergleiche von U-43 auf mehreren Schweizer Militärflugplätzen (Raron, Turtmann, Ulrichen, St. Stephan, Interlaken, Zweisimmen, Mollis) kann ich bestätigen, dass sich die Grundform der U-43 schweizweit kaum unterscheiden.
Abmessungen des U-43 im Original:
Breite Frontseite (Betonbogen Außenkante): 23.80 m
Betonbogen Stärke: 0.50 m
Höhe Außenseite (mit Betonbogen): 5.10 m
Höhe Innen: 4.60 m
Länge (Tiefe) Innenseite: 11.00 m
Länge Aufschüttung hinter Unterstand: 10 – 16 m
Für den Bau des U-43 benutzte ich eine Holzspanplatte, wo ich die Rückseite (Kreissegment, Innenseite des U-43) und halbrunde Bögen aufzeichnete (1:72 Bogenradius außen 19.1 cm, innen 18.4 cm) und so sauber als möglich aussägte.
Die Bögen sind damit 7 mm dick, was dem Original von 50 cm Dicke des Betonbogens entspricht. Ich begann mit dem Ankleben der Rückseite auf der Grundplatte und danach der Bögen, womit schon die charakteristische Grundform entsteht.
Die Rückwand und die drei „Betonbögen“ stabilisierte ich mit Kartonstücken an den Fußenden und in der Mitte der Bögen.
Mein erstes Ziel war die Nachbildung eines U-43 aus der Anfangszeit im 2. Weltkrieg. Diese waren nach vorne offen, links und rechts mit ca. 2m hohen Splitterschutzhügeln aus Steinen versetzt. Basierend auf den historischen Fotos sind die Abmessungen wie folgt:
Höhe der Splitterschutzhügel: 1.80 – 2.00 m
Länge von Vorderkante U-43: 4.00 m
Lichte Breite Frontseite (zwischen Hügeln): 16.50 m
Nicht ganz einfach war herauszufinden, was denn 1943 an Installationen im U-43 fix eingebaut war, da es nicht sehr viele Bilder aus der Anfangszeit der U-43 gibt. Ich entschied mich für eine Lampe an der Rückseite, einen kleinen Holzschrank sowie einen Stromanschlusskasten auf einer Halbrundseite.
Die Nummer des Unterstands sollte auch bereits jetzt auf der bemalten Rückwand platziert werden, da dies nachher fast nicht mehr möglich ist. Da Beton im 2. Weltkrieg Mangelware war, war der Boden es U-43 nicht komplett betoniert, sondern links und rechts der Abstellfläche mit Schottersteinen aufgefüllt. Dies bildete ich mit einem Sand-und Leimgemisch nach, welches ich so gut es ging links und rechts auftrug und danach bemalte.
Die Innenseiten des U-43 bestehen aus rohem armiertem Beton, wo noch gut die Abdrücke der damals verwendeten Schalungsbretter sichtbar sind. Um dies nachzubilden, erstellte ich Stempel aus Karton. Die Unterseite der halbrunden Konstruktion entstand durch Ankleben von dünnen Karton, bzw. dickeren Papierstreifen, die ich vorgängig bemalte.
Als Grundfarbe nahm ich ein mittleres Grau, das ich dann mit den Kartonstempeln und verschiedensten Farbtönen so anpasste, dass es am Ende möglichst realitätstreu war. Diese bemalten Papierstreifen klebte ich dann auf die Unterseite der Bögen, womit der Innenraum bereits fast fertig war.
Um den 50cm dicken Betonbogen darzustellen, ist auf der offenen Vorderseite des U-43 der erste Spanholzbogen installiert. Um später auf dem U-43 auch Bäumchen aufstellen zu können, füllte ich diesen ca. 7 mm hohen Raum zwischen Innenseite und Außenkante der Bögen mit Isoliermaterial und überzog diese mit einer ca. 5 mm dicken Folie, um die ca. 40cm dicke Erdschicht auf dem Unterstand nachzubilden.
Nun folgte der Erdhügel hinter der Rückseite des U-43, wo ich sehr viel Styropor verklebte! Mit einem scharfen Messer stylte ich die aufgeklebten Styroporblöcke so, dass die typische Aufschüttung an der Hinterseite des U-43 entstand.
Es ist sehr von Vorteil, dabei die Styropor-Oberfläche und das Messer ständig mit Wasser zu benetzen, damit sich das Styropor beim Zuschneiden nicht zu stark statisch auflädt. So oder so, der Staubsauger war bei diesem Schritt immer zugegen, ansonsten würden sich die Styroporkügelchen in der ganzen Wohnung ausbreiten!
Ebenso aus Styropor entstanden die beiden „Splitterschutzhügel“ links und rechts auf der Vorderseite.
Diese sind auf der Außenseite mit Gras bewachsen, auf der Innenseite sind aber die rohen Steinblöcke sichtbar.
Nun folgte die Bemalung des Vorplatzes und des Rollwegs, welche entweder wie Asphalt bemalt oder dann als Steinplatten nachgebildet werden sollten, was bei mir aber erst später geschah. Dann folgte die „Begrünung“ des Unterstands und der gesamten Umgebung.
Als Basis nahm ich normalen Eisenbahn-Grasteppich, den ich dann mit Farbe, Büschen und Bäumchen solange bearbeitete, bis das Ganze naturnah und nicht mehr einheitlich grün aussah.
Diese Arbeit ist eigentlich nie fertig und kann auch später nach Belieben weitergeführt werden. Nach ca. einem halben Jahr intensiver Bauarbeit war der Unterstand fertig und wurde an der Ausstellung „Historia Sion“ im November 2013 ein erstes Mal präsentiert.
Mein nächstes Ziel ist die Realisierung eines U-43 mit den typischen Wellblechtoren, wie sie ab den 1950er Jahren umgerüstet und für die Vampire und Venom benutzt wurden. Fortsetzung folgt.
Rolf Bürki - IPMS-Oberwallis.
2013