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Mikaela Shiffrin gilt als einzige Fahrerin, die Titelverteidigerin Lara Gut den Gesamtweltcup streitig machen kann. In Lake Louise wird sich erstmals zeigen, ob das US-Girl Shiffrin, die überragende Alpin-Technikerin, bei den Speed-Disziplinen reüssieren kann. Und die Tessinerin Gut reflektiert ihren bisherigen Karriereweg.
Vier Rennen ist dieser Winter gerade einmal alt, doch schon jetzt läuft alles auf einen Zweikampf um die grosse Kristallkugel hinaus. Lara Gut gegen Mikaela Shiffrin, dieses Duell wird diese Saison wohl prägen.
Auf der einen Seite die Weltcup-Triumphatorin aus dem Tessin, die standesgemäss mit einem Riesentorlauf-Sieg beim Weltcupauftakt in Sölden in die Mission Titelverteidigung gestartet ist; auf der anderen Seite die Miss Slalom, die beide Bewerbe in ihrer Spezialdisziplin gewinnen konnte und in keinem der bisherigen vier Saisonrennen schlechter als Fünfte war.
«Es wird zum Duell geschrieben, aber das stimmt nicht», entgegnet Lara Gut zwar vor den ersten Speedbewerben von Freitag (20.30 Uhr, SRF 2 live) bis Sonntag im kanadischen Lake Louise. «Denn im Skirennsport führst du zuerst einen Kampf gegen dich selbst», sagt Gut, «und nicht gegen andere.»
Tatsache ist, dass wohl nur Mikaela Shiffrin in diesem Winter Lara Gut den Gesamtweltcupsieg streitig machen kann. Oder umgekehrt. Denn viele Allrounderinnen und potenzielle Champions sind nicht mehr dabei, Lara Gut ist derzeit sogar die einzige Gesamtweltcupsiegerin, die im Weltcup am Start ist.
US-Superstar Lindsey Vonn, stolze Besitzerin von vier grossen Kristallkugeln (2008, 2009, 2010 und 2012), wird nach einem Oberarmbruch in diesem Kalenderjahr vermutlich kein Rennen mehr fahren. Anna Veith, die unter dem Mädchennamen Fenninger 2014 und 2015 den Gesamtweltcup gewann, kämpft nach einer komplizierten Knieverletzung, die sie im Oktober 2015 erlitten hatte, verzweifelt um ein Comeback.
Gut, Shiffrin – und Wendy Holdener
Vor den ersten Abfahrten in Lake Louise ist Lara Gut bereits ins Hintertreffen und unter Zugzwang geraten. Nach vier von 37 Saisonrennen ist der Rückstand der 25-Jährigen auf Shiffrin bereits auf beachtliche 225 Punkte angewachsen, derzeit ist sogar Teamkollegin Wendy Holdener die erste Verfolgerin der jungen US-Amerikanerin. Die 23-jährige Technikspezialistin aus dem Kanton Schwyz kann bereits zwei Podestplätze vorweisen.
Lara Gut reiste mit einer Portion Wut im Bauch nach Lake Louise. Ihr Ausfall am vergangenen Wochenende im Riesenslalom von Killington wog schwer, da die Tessinerin gerade in diesem Winter in den technischen Disziplinen auf jeden Weltcuppunkt angewiesen ist. Denn Shiffrin wird sich künftig nicht mehr nur mit Slalom und Riesentorlauf begnügen, sondern hat auch Starts in den schnellen Disziplinen angekündigt. In Lake Louise gibt die 21-jährige Weltcupleaderin nun ihr offizielles Abfahrtsdebüt.
Die bisherigen Leistungen bestätigen sie in ihrem Optimismus. Denn durch das Abfahrtstraining und die Konditionsschichten ist ihre Leichtigkeit in ihrer Paradedisziplin Slalom keineswegs auf der Strecke geblieben. In Killington feierte Mikaela Shiffrin bereits den zehnten Slalomsieg in Serie, seit Dezember 2012 ist der Jungstar im Slalom nicht mehr ausgefallen.
Shiffrin: «Daheim bin ich noch der Durchschnitts-Joe»
Man muss kein Hellseher sein, um in der 21-Jährigen eine künftige Gesamtweltcupsiegerin zu sehen. Experten halten es sogar für nicht unwahrscheinlich, dass Shiffrin einmal sogar ihre Landsfrau Lindsey Vonn (76 Weltcupsiege) aus den Rekordbüchern verdrängen könnte. Die nackten Zahlen sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache – und für Shiffrin. Mit ihren 21 Jahren hat sie bereits 22 Weltcupsiege auf dem Konto, ist eine Doppelweltmeisterin ihres Faches und besitzt auch schon eine olympische Goldmedaille.
«Natürlich habe ich viel erreicht und schon einige Rekorde, aber es dauert, bis ich so weit bin wie Lindsey», sagt Shiffrin, der es gar nicht so unangenehm ist, dass sie vor allem in den USA noch im Schatten ihrer prominenten Teamkollegin steht. Vonn ist seit ihrer Liaison mit Golfstar Tiger Woods in den Vereinigten Staaten eine kleine Berühmtheit. «Mich kennt man in Europa», erzählt Mikaela Shiffrin, «aber daheim in den USA bin ich immer noch der Durchschnitts-Joe.»
|Alle Termine und Ergebnisse im Weltcup im Überblick|
|Der alpine Weltcup-Kalender der Frauen und die Siegerinnen|

|22.10.||Riesenslalom||Sölden/AUT||Gut||SUI|
|12.11.||Slalom||Levi/FIN||Shiffrin||USA|
|26.11.||Riesenslalom||Killington/USA||Worley||FRA|
|27.11.||Slalom||Killington/USA||Shiffrin||USA|
|2.12.||Abfahrt||Lake Louise/CAN|
|3.12.||Abfahrt||Lake Louise/CAN|
|4.12.||Super G||Lake Louise/CAN|
|10.12.||Riesenslalom||Sestriere/ITA|
|11.12.||Slalom||Sestriere/ITA|
|16.12.||Kombination||Val d’Isère/FRA|
|17.12.||Abfahrt||Val d’Isère/FRA|
|18.12.||Super G||Val d’Isère/FRA|
|20.12.||Riesenslalom||Courchevel/FRA|
|28.12.||Riesenslalom||Semmering/AUT|
|29.12.||Slalom||Semmering/AUT|