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Münchenwiler
Schlosskirche
Historisch, romantisch, schlicht. Mit diesen Worten kann die alte Schlosskirche, am Fusse des Schlosshügels gelegen und nicht weit vom Zähringerstädtchen Murten entfernt, beschrieben werden. Das ehemalige Cluniazenser-Priorat bildet das historische Zentrum der Ortschaft Münchenwiler. Zahlreiche An- und Umbauten dokumentieren die lebhafte Vergangenheit des Anwesens mit seiner langen und wechselhaften Bau- und Besitzergeschichte. Seit dem 19. Jahrhundert ist das malerische Schloss von einer grosszügigen Parkanlage umgeben.
Die Geschichte der ehemaligen Klosterkirche Münchenwiler geht bis weit in das frühe Mittelalter zurück. Lange bevor die Stadt Murten ihre eigene Stadtkirche errichtet hat, befand sich am Fusse des Schlosshügels von Münchenwiler bereits eine Kirche. Diese wurde vermutlich an der Stelle eines heidnischen Heiligtums erbaut, was Steinfunde wie das Kruzifix von Münchenwiler bezeugen. Schriftliche Quellen sind für diesen Zeitpunkt noch keine vorhanden. Das Kruzifix von Münchenwiler befindet sich heute im Original im Historischen Museum Freiburg.
In den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts entstand an der Stelle der früheren Dreifaltigkeitskirche das Cluniazenser-Priorat Vilare monachorum. Heute bezeugen die Wände aus handgrossen Quadern und römische Spolien aus Avenches den Ursprung des Baus. Trotz verheerender Brände während der Laupenkriege (1339), der Savoyerkriege (1444) und der Burgunderkriege (1476) hatte das Tochterkloster über mehrere Jahrhunderte Bestand. Neben der Liturgie und den täglichen Gebeten nahmen die Mönche Pilgerreisende auf und sorgten für die seelsorgerische Betreuung der Bevölkerung von Münchenwiler. Die Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes waren im Gegenzug verpflichtet, das Dach des Klosters instand zu halten.
Nach der Übernahme mehrerer Klöster durch das neu geschaffene Berner St. Vinzenzen-Stift im Jahr 1484 wurde das Priorat aufgehoben und dem letzten Prior, Ulrich Stör, zur Nutzung übergeben. Im Zuge eines Umbaus zu einem herrschaftlichen Landsitz in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das siebenjochige Langhaus abgetragen und das Abbruchmaterial für die Errichtung von Umfassungsmauern wiederverwendet. Heute sind von der einstigen Kirche, welche nun als Sakral- und Schulungsraum genutzt wird, nur noch der Vierungsturm, das Querhaus und Teile der Apsis erhalten. Die letzte umfassende Renovation fand zwischen 1986 und 1990 statt.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 421-422.
- Der Achetringeler: Chronik für das Amt Laupen, Artikel von Ulrich Nissen aus dem Jahr 1955 sowie von Jakob Schluep in der Ausgabe von 2013.
- Gutscher, Daniel und Jürg Schweizer, Schloss Münchenwiler. Ehemaliges Cluniazenser-Priorat Kanton Bern [Schweizerische Kunstführer GSK, 702], Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, 2002.
- Eggenberger, Peter, Gabriele Keck et al., Schloss Münchenwiler. Ehemaliges Cluniazenser-Priorat. Bericht über die Grabungen und Bauuntersuchungen von 1986–1990, Bern: Berner Lehrmittel- und Medienverlag, 2000.
- Schmalz, Karl Ludwig, Münchenwiler. Dorf, Kirche, Kloster, Schloss, Erwachsenenbildungszentrum, Bern: P. Haupt, 1994.