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Ende Juli wanderte Nicolas Zogg zusammen mit seinen zwei Kindern oberhalb des Dischmatals. Als sie eine Abkürzung über ein Geröllfeld zwischen dem Scalettapass und der Fuorcla da Grialetsch genommen hätten, seien sie plötzlich zwischen Munitionsresten und mehreren Dutzend Geschossen gestanden.
«Wir konnten nicht ausweichen», erinnert sich der Familienvater. Eine unangenehme Situation, weil unklar gewesen sei, ob sich unter dem nächsten Stein ein Blindgänger befinde. Zogg meldete seinen Fund per Mail an die Blindgängermeldezentrale, seither warte er auf eine Rückmeldung zur Gefährlichkeit der Geschosse.
Über 6300 Flugabwehrgeschosse
Wie Daniel Reist, Sprecher der Armee, erklärt, habe danach just letzte Woche eine Aufräumaktion in diesem Gebiet stattgefunden. Dieser Einsatz sei schon seit längerem geplant gewesen, jedoch «beschleunigt» worden durch die Meldung des Familienvaters.
Eine 24-köpfige Truppe habe fünf Tage lang alte Munition eingesammelt. Die Bilanz: Insgesamt 3,5 Tonnen. Der allergrösste Teil davon rund 6330 Flugabwehrgeschosse. Die Geschosse, die die Familie entdeckt habe, seien wahrscheinlich vor 2000 verschossen worden und nun durch Bewegungen in der Geröllhalde zutage gekommen, sagt Daniel Reist. Ein explosiver Blindgänger sei bei der Räumungsaktion nicht gefunden worden.
Abfall von bald 80 Jahren
Laut dem Armeesprecher werden vom Schiessplatz S-Chanf aus jährlich 10'000 Geschosse in das Gelände geschossen. Dies geschieht während einiger Wochen im Frühling und im Herbst, dann ist das ganze Gebiet Sperrzone. Gefährlich dürfte vor allem ältere Munition sein. Der Waffenplatz in S-Chanf existiert seit 1940. Früher wurde laut der Blindgängermeldezentrale auch mit scharfer Munition geschossen.
Die heutigen Flab-Geschosse seien massiv und aus Metall, sollten jedoch wegen einer allfälligen Treibladung nicht berührt werden, sondern wie alle Blindgänger markiert und bei der Blindgängermeldezentrale gemeldet werden.
Die Armee habe in den letzten 20 bis 30 Jahre Fortschritte gemacht, findet Hanspeter Reiss, Hüttenwart in der Grialetsch-Hütte. Seine SAC-Hütte befindet sich in der Sperrzone. Die Armee räume heute konsequenter auf als früher.
Wir machen soviel, wie möglich ist.
Doch im teilweise unwegsamen Gelände dürften noch viele Überreste liegen. Armeesprecher Daniel Reist sagt dann auch punkto aufräumen nicht, man mache genug, seine Antwort ist: «Wir machen soviel, wie möglich ist». Konkret führe die Armee alle eins bis drei Jahre eine Aufräumaktion in diesem Gebiet durch.
Meldungen Blindgänger 2016
|Schweiz total||573|
|Bern||126|
|Graubünden||84|
|Wallis||81|
|St. Gallen||69|
Quelle Tabelle: http://www.vtg.admin.ch
SRF 1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr; habs
Politische Diskussionen
Bereits 2013 gab es im Davoser Parlament einen Vorstoss wegen Munitionsabfällen am Scalettapass. Die Exekutive bilanzierte damals, dass die Armee genügend in der Landschaft Davos aufräumen würde.