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Wie sieht die derzeitige Pensionskassenlandschaft aus und welche Modelle gibt es am Markt? Welchen Einfluss haben die Finanzmärkte auf die Kapitalien der Pensionskassen sowie deren Versicherten (Unter-/Überdeckung)? Was kann ich als CFO oder Unternehmer «selbst» in die Hand nehmen, um die Vorsorgeeinrichtung meiner Firma zu optimieren und für Mitarbeiter noch attraktiver zu werden?
Pensionskassen/Sammelstiftungen lassen sich grundsätzlich in zwei Hauptkategorien einteilen. Einerseits gibt es sogenannte teilautonome Sammelstiftungen, andererseits Sammelstiftungen, die das Vollversicherungsmodell anbieten.
Teilautonome Sammelstiftungen sind meistens von grösseren Versicherungsgesellschaften oder Berufsverbänden gegründete und betriebene Stiftungen. Teilautonom bedeutet, dass diese Stiftungen die Altersguthaben, die sich mittels der jährlichen Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern äufnen, selbst an den Kapitalmärkten anlegen. Die Risiken Tod und Invalidität werden jedoch bei einer Versicherungsgesellschaft rückversichert. Im Vollversicherungsmodell tätige Stiftungen, die von einer Versicherungsgesellschaft betrieben werden, haben auch die Anlage der Spargelder an eine Versicherungsgesellschaft (in der Regel die Stifterin) delegiert. Im Gegenzug garantiert die Versicherungsgesellschaft, dass alle Risiken, die sich in der Stiftung ergeben, jederzeit zu genau 100% gedeckt sind; also auch das Anlagerisiko.
Der Deckungsgrad einer Pensionskasse
Der Deckungsgrad bezeichnet das Verhältnis zwischen dem vorhandenen und dem benötigten Vermögen zur Finanzierung der Leistungen. Bei einem Deckungsgrad von 100% sind die Verpflichtungen vollständig gedeckt. Der Deckungsgrad einer Pensionskasse hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Altersstruktur der Versicherten, dem technischen Zinssatz, der Anlagestrategie und der allgemeinen Marktsituation.
Dieser Deckungsgrad ist also eine entscheidende Kennziffer, um die finanzielle Verfassung einer Pensionskasse zu beurteilen. Für die Definition von deren Risikofähigkeit stellt er einen entsprechend wichtigen Faktor dar und bildet den eigentlichen Gradmesser der Sicherheit bei teilautonomen Sammelstiftungen.
Sind die Verpflichtungen einer Pensionskasse also höher als ihr Vermögen, befindet sie sich in einer Unterdeckung und muss saniert werden – zum Beispiel über Sanierungsbeiträge. Geringe Unterdeckungen sind nicht unbedingt kritisch: Der Fall, dass sämtliche Verpflichtungen zu einem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig eintreten, ist in der Praxis so gut wie ausgeschlossen. Trotzdem muss jede Unterdeckung ernst genommen und beobachtet werden, um nötigenfalls rechtzeitig stabilisierende Massnahmen ergreifen zu können.
Die Vollversicherungen weisen zu jederzeit einen Deckungsgrad von 100% aus, da die dahinterstehende Versicherungsgesellschaft die Deckung der Leistungen zu jeder Zeit garantiert.
Pensionskassenperformance in den Jahren 2011 bis 2022
Die letzte Dekade verlief für die verschiedenen Vorsorgeeinrichtungen sehr erfreulich, wobei die Jahre 2019 sowie 2021 deutlich herausstachen. Über die letzten zehn Jahre endeten lediglich die Jahre 2018 und 2022 im Minus, wobei im Jahr 2022 vor allem die Bonds aufgrund der gestiegenen Zinsen Mühe hatten.
2021 war, wie bereits erwähnt, für die Pensionskassen und ihre Versicherten ein überdurchschnittlich gutes Jahr. Der Grund dafür war die positive Entwicklung an den Finanzmärkten, die die Pensionskassen zu nutzen wussten. Leider konnte diese positive Entwicklung kurzfristig nicht fortgesetzt werden. Die Folgen des Krieges in der Ukraine und vor allem die steigende Inflation haben im Jahr 2022 zu Kursrückgängen an den Finanzmärkten geführt, die bei den Pensionskassen zu negativen Anlagerenditen führen.
Prüfung der bestehenden Pensionskassenstrategie
Unternehmen können verschiedene Massnahmen ergreifen, um Ihre Pensionskassensituation zu verbessern und sich somit als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Eine Möglichkeit besteht darin, die Beiträge zu erhöhen oder die Anlagestrategie zu ändern. Eine weitere Option ist es, Ihre Pensionskassenlösung einem unabhängigen Review unterziehen zu lassen.
Auf dem Vorsorgemarkt gibt es eine Vielzahl von Anbietern von Pensionskassen und Vorsorgeeinrichtungen, darunter Versicherungsgesellschaften, Banken und Pensionskassenfonds. Die Wahl des Anbieters hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. den Kosten, der Qualität der Anlagestrategie sowie dem damit verbundenen Mitspracherecht sowie der Flexibilität bei der Gestaltung der Pensionskassenpläne.
Individuelle und flexible Kadervorsorgelösung – 1e
In der Schweiz gibt es für Führungskräfte und leitende Angestellte eine spezielle Vorsorgelösung, welche 1e-Vorsorgelösungen genannt werden. Diese Vorsorgelösung ermöglicht es dem Arbeitgeber sowie den Mitarbeitern, ihre Vorsorge individueller zu gestalten und sich von den Einschränkungen des obligatorischen BVG (Berufliche Vorsorge) zu befreien.
Konkret bedeutet dies, dass die angeschlossenen Mitarbeiter entscheiden können, wie die regelmässigen Sparbeiträge sowie das vorhandene Deckungskapital angelegt werden sollen. Den Destinatären (versicherten Personen) steht dabei eine breite Palette an Anlagelösungen, abgestimmt auf die persönliche Risikofähigkeit und Risikobereitschaft, zur Verfügung. Der Anbieter der 1e Lösung kann dabei bis maximal 10 Anlagestrategien anbieten wovon mindestens eine risikoarm sein muss. Die am Markt erzielte Nettorendite wird dabei 1:1 dem Vorsorgeguthaben des einzelnen Destinatärs (Versicherten) zugeschrieben womit die seit Jahren stattfindende Quersubventionierung von Aktivversicherten zu Rentnern grösstenteils eliminiert werden kann.
Im Gegensatz zu anderen Vorsorgelö- sungen erhält der Versicherte bei einem 1e-Plan die erzielte Performance seiner gewählten Anlagestrategie 1:1 seinem Vorsorgeguthaben gutgeschrieben, trägt aber konsequenterweise auch ein Anlagerisiko. Daher ist es sehr wichtig, dass sich jeder Versicherte bei der Wahl der Anlagestrategie beraten lässt und sein Portfolio zusammen mit seinem Berater regelmässig überprüft.
Eine solche 1e-Lösung wird in Ergänzung zu einer neuen oder bestehenden Basisvorsorgelösung angeboten. Der Schwellenwert für die Aufnahme in einen 1e-Plan beträgt derzeit mindestens CHF 132'300. Abb. illustriert ein Modell mit zwei Pensionskassen (Basis- und Zusatzvorsorge 1e).
Nach Aufsetzung einer solchen Kadervorsorgelösung sollte die Strategie regelmässig überprüft werden. Die Entscheidung, ob jemand eine konservative oder eine dynamischere Strategie mit höheren Renditechancen wählt, muss mit der persönlichen Gesamtsituation abgestimmt werden. So bietet sich möglicherweise kurz vor der Pensionierung der Wechsel in risikoärmere Anlagen an. Das Interessante aber ist: Die Strategie kann regelmässig gewechselt werden, sollte sich beispielsweise die private Vermögenslage ändern.
Fazit: Mit der Kadervorsorge 1e wird/ bleibt die Firma attraktiv, individuell und garantiert ohne Umverteilung.
(Erstpublikation: Organisator Nr. 5-6, Juni 2023)
Manuel Romer leitet den Bereich Pension Solutions bei der Bank Julius Bär & Co und berät Privatkunden und Unternehmer rund um das Thema Vorsorge.