Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03624.jsonl.gz/1239

Neue Dozierende im Porträt: Maja Naef
Maja Naef im Gespräch über Kunst als Medium, amerikanische Experimentalfilme der 1960er und 1970er und was sie an anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besonders schätzt.
Wie Sind Sie zur Medienwissenschaft gekommen?
Maja Naef: Von der Kunstgeschichte kommend, beschäftige ich mich mit visuellen Formen und ihren Aufführungs- oder Ausstellungsmedien.
Welchen Fragen gehen Sie aktuell in Ihrer Forschung nach?
Maja Naef: Ich untersuche das Porträt im amerikanischen Experimentalfilm der 1960er und 1970er Jahre (u.a. Andy Warhol, Gregory J. Markopoulos, Chantal Akerman, Edward Owens, Robert Beavers): Warum und auf welche Weise wird ausgerechnet das filmische Porträt ein wichtiges Format in einer Kunstform, die sich der Befragung und Auflösung filmischer sowie auch sozialer Konventionen verschrieben hatte? In diesem Projekt interessiere ich mich dafür, wie Filmporträts von Menschen – aber auch von Schauplätzen – als ein soziales Bildmedium begriffen werden können, und wie diese Filme mit den ökonomisch wie institutionell prekären Produktions- und Aufführungsbedingungen des experimentellen Kinos dieser Zeit zusammenhängen.
Was sind Ihre Aufgaben im Fachbereich Medienwissenschaft?
Maja Naef: Im aktuellen Semester vertrete ich – zusammen mit Anne-Katrin Weber – die Professur Medienästhetik. Ich unterrichte, nehme am Seminarleben teil und bin gerne Ansprechperson für Studierende.
Gibt es einen Text, der Sie besonders fasziniert und warum?
Maja Naef: Maya Deren, An Anagram of Ideas on Art, Form and Film (1946). In diesem frühen Text diskutiert die Filmemacherin ihre Filmkunst im Dialog mit kulturtheoretischen und -wissenschaftlichen Überlegungen. Gerne möchte ich hier noch einen weiteren Text einer Filmemacherin erwähnen: Chantal Akerman, My Mother Laughs (2019; Ma mère rit, 2013). In einer assoziativen Weise und lose zusammengefügten Gedanken ähnlichen Form schreibt Akerman über ihre kranke Mutter. Die Reflexion über ihre ambivalente Beziehung zur Figur der Mutter ermöglicht einen Eindruck über die Bedeutung, die diese Beziehung für Akermans Kunst und Leben mit sich brachte.
Maja Naef: Was schätzen Sie an anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am meisten?
Starke und eigenständige Interessen an Themen, zusammen mit Neugierde, Engagement und Offenheit sowie auch einem Bewusstsein für ein – nicht in jeder Hinsicht zeitgemässen – Verständnis für Arbeitsprozesse, die es aber braucht, um Fragestellungen entwickeln, erforschen und schliesslich vermitteln und zur Diskussion stellen zu können.