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| Salvianus von Massilia († nach 480) - Briefe

VIII. Salvian an Eucherius, seinen Herrn und trauten Freund
Der Adressat ist der gleiche wie von Ep. II (S. o. S. 385). Eucherius hatte dem Salvian wohl seine zwei Bücher „Instructionum ad Salonium filium" geschickt und wohl auch die an seinen Sohn Veranus gerichteten „Formulae spiritalis intelligentiae", denen in der handschriftlichen Überlieferung unser Brief vielfach als Praefatio vorausgeht. Die Ausführungen Salvians scheinen allerdings besser auf jenes Werk zu passen als auf die Formulae, ein Lexikon biblischer Fremdwörter. Der Brief setzt voraus, daß die beiden Söhne des Eucherius wie ihr Vater schon Bischöfe sind. Nun kann aber z. B. Salonius nicht gut, bevor er 25/26 Jahre alt war, also vor 437/38 Bischof geworden sein; Eucherius starb aber um 450 (vielleicht 449); Brief VIII müßte demnach zwischen 437 und 450 geschrieben sein. Dem steht allerdings entgegen die Bemerkung des Gennadius, De vir ill. 67, daß die beiden Söhne zur Zeit der Abfassung der Instructiones noch nicht Bischöfe waren.
Die Bücher, die du mir gesandt hast, habe ich gelesen; knapp in der Sprechweise, reich an weiser Lehre; flüssig zu lesen, vollkommen nach ihrem Inhalt, ganz deinem Geist und deiner Frömmigkeit entsprechend! Es ist gar nicht zu verwundern, daß du gerade zur Belehrung deiner beiden heiligmäßigen, ehrwürdigen Söhne ein so schönes, nützliches Werk verfaßt hast. Hast du doch schon mit ihnen Gott einen prächtigen Tempel erbaut, und nun hast du durch diese neue Lehre und Unterweisung deinem Bau gewissermaßen eine reichgeschmückte Bekrönung verliehen und hast deine heiligmäßigen Kinder, die du schon durch sittliche Unterweisung erzogen hast, nun auch mit den Lehren des Geistes ausgestattet, auf daß sie sich in Lehre und Leben in gleichem Maße auszeichnen könnten. Nun erübrigt es sich nur noch, daß unser Herr, durch dessen Gnade die beiden bewundernswerten Jünglinge so geworden sind, sie ganz deinen Büchern angleiche, das heißt; was deine Bücher in einem Mysterium enthalten, das sollen beide in ihrem Herzen tragen. Und da sie nach göttlichem Willen und göttlicher [S. 403] Fügung auch schon Lehrer in ihren Kirchen geworden sind, gebe es Gottes mildreiche Güte, daß ihre Lehre eine schöne Frucht werde für ihre Kirchen wie für dich und daß sie durch herrliche Erfolge ebenso den auszeichnen, von dem sie gezeugt sind, wie diejenigen, die sie selbst wiederum durch ihre Lehrtätigkeit zeugen.1 Und mir möge - zwar nicht gleichzeitig mit all diesem, aber doch nach all diesem! - der barmherzige Gott verleihen, daß sie, die einst meine Schüler waren, nunmehr täglich meine Fürbitter seien! Lebe wohl, du mein Herr und mein trauter Freund!
1: S. Anmerkung auf vorhergehender Seite.