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Klappentext:
50 Jahre Heyne-Taschenbücher
Eine Schachtel Schokotrüffel ist schuld daran, dass Maggie Walsh plötzlich vor den Trümmern ihrer Ehe steht. Als sie dann auch noch ihren Job verliert, lässt sie kurz entschlossen alles hinter sich. Bei ihrer Freundin Emily in Hollywood entdeckt sie, angeregt durch Sonne, Glamour und zahlreiche Martini-Cocktails, was das Leben sonst noch zu bieten hat. Nach "Sushi für Anfänger" der neue Bestsellerroman von Marian Keyes.… mehr
Informationen zum Autor:
Marian Keyes, 1963 im irischen Cork geboren, wuchs in Dublin auf und jobbte nach dem Abbruch ihres Jurastudiums einige Jahre in London, bevor sie mit ihrem Debütroman "Wassermelone" einen phänomenalen Erfolg landete. Alle folgenden Romane wurden zu internationalen Bestsellern. Zuletzt bei Heyne erschienen: "Erdbeermond".
EXCERPT: Prolog
"In Kürze landen wir in Los Angeles International Airport. Bitte versichern Sie sich, dass Ihre Rückenlehne senkrecht steht, dass Sie nicht über fünfzig Kilo wiegen und dass Sie ausgezeichnete Zähne haben."
1
Ich hatte immer ein ziemlich untadeliges Leben geführt. Bis zu dem Tag, als ich meinen Mann verließ und nach Hollywood abhaute, hatte ich kaum je einen Fehltritt begangen. Keinen jedenfalls, von dem viele gewusst hätten. Und als sich eines Tages aus heiterem Himmel alles auflöste wie nasses Papier, konnte ich mich des schleichenden Verdachts, dass dies längst überfällig war, nicht erwehren. Ein derart mustergültiges Leben ist einfach nicht normal.
Ich bin natürlich nicht einfach eines Morgens aufgewacht und habe mich aus dem Staub gemacht, während mein Ehemann, der arme, verschlafene Dummkopf, zurückblieb und sich wunderte, was der Briefumschlag auf seinem Kopfkissen zu bedeuten habe. Ich mache alles viel dramatischer, als es war - seltsam, denn ich hatte noch nie ein Faible für Dramatisierungen. Oder ein Faible für Wörter wie "Faible", um ehrlich zu sein.
Doch seit der Geschichte mit den Kaninchen - möglicherweise fing es auch schon vorher an - war irgendetwas an meinem Leben mit Garv unbehaglich und befremdlich. Dazu kam dann das, was wir Rückschläge nannten, doch statt unsere Ehe zu stärken - wie es den glücklicheren, von Rückschlägen Betroffenen beschieden ist, wenn man den Frauenzeitschriften meiner Mutter glauben kann -, bewirkten unsere Rückschläge genau das, was auf der Dose stand: Es waren Schläge, die uns zurückwarfen. Sie drängten sich zwischen mich und Garv und entzweiten uns. Obwohl Garv nie etwas sagte, wusste ich, dass er mir die Schuld gab.
Dagegen war nichts einzuwenden, denn das tat ich auch.
Garv heißt eigentlich Paul Garvan, aber als ich ihn kennen lernte, waren wir beide Teenager, und niemand wurde bei seinem richtigen Namen genannt. "Micko" und "Macker" und "Toolser" und "du Trottel" waren die Namen, unter denen unsere Freunde bekannt waren. Er war Garv, unter einem anderen Namen kannte ich ihn nicht, und ich nenne ihn nur Paul, wenn er mir schrecklich auf die Nerven geht. Was mich betrifft, so heiße ich Margaret, aber er nennt mich Maggie, außer wenn ich mir sein Auto leihe und damit an einem Pfosten im Parkhaus entlangschramme. (Und das kommt häufiger vor, als man gemeinhin annehmen würde.)
Ich war vierundzwanzig und er fünfundzwanzig, als wir heirateten. Er war mein erster Freund, und meine arme Mutter wird nie müde, das zu erzählen. Ihrer Meinung nach ist das ein Beweis dafür, dass ich ein anständiges Mädchen war und keine von denen, die mit jedem ins Bett hüpfte.(Die Einzige ihrer fünf Töchter, die nicht missraten war; wer konnte es ihr da verdenken, dass sie mit meiner vermeintlichen Tugendhaftigkeit hausieren ging?) Aber was sie geschickterweise unter den Tisch fallen lässt, wenn sie mit mir angibt, ist die Tatsache, dass Garv zwar mein erster Freund war, doch keineswegs mein einziger.
So viel dazu.
Wir waren seit neun Jahren verheiratet, und es wäre schwierig, den genauen Zeitpunkt festzustellen, als ich anfing, mir das Ende unserer Ehe auszumalen. Nicht, um das gleich zu sagen, weil ich das Ende wollte, sondern weil ich dachte, wenn ich mir das Allerschlimmste vorstellte, war es in gewisser Weise eine Versicherung dagegen, dass es eintrat. Statt jedoch eine Versicherung zu sein, bewirkte es nur,dass es sich bewahrheitete. Da kann man mal wieder sehen.
Das Ende kam plötzlich und überraschend. In einem Moment war meine Ehe eine intakte Angelegenheit - auch wenn ich komische Sachen machte und zum Beispiel meine Kontaktlinsen trank - und im nächsten war sie komplett finito. Das erwischte mich völlig unvorbereitet, weil ich immer davon ausging, es gäbe eine vorschriftsmäßige Phase,in der die Beteiligten das Geschirr zerteppern und sich mit Beschimpfungen überhäufen, worauf dann das Hissen der weißen Fahne folgt. Doch stattdessen kam es zum vollständigen Zusammenbruch, ohne dass ein einziges böses Wort gewechselt worden wäre, worauf ich schlicht und einfach nicht vorbereitet war.
Dabei hätte ich weiß Gott darauf vorbereitet sein können. Kurz zuvor war ich nachts aufgewacht, um mir ein paar Sorgen zu machen. Das tat ich oft, und meistens hatte es mit Arbeit oder mit Geld zu tun. Das Übliche also. Von dem einen zu viel und nicht genug von dem anderen. Aber seit kurzem - wahrscheinlich schon länger als seit kurzem - machte ich mir stattdessen Sorgen um mich und Garv. Würde es zwischen uns je besser werden? War es schon besser, und ich hatte es nicht gemerkt?
Meistens kam ich zu keinem Schluss und schlief, keineswegs beruhigt, wieder ein. Doch in diesem Fall war es mir plötzlich und unfreiwillig möglich, die Dinge wie mit Röntgenaugen zu durchschauen. Ich konnte durch die Polsterung der alltäglichen Routine, der Privatsprache und der gemeinsamen Vergangenheit sehen, bis hinein in das Herz von dem, was Garv und mich verband, hinein in alles, was in letzter Zeit passiert war. Der ganze Rest war wie weggefegt, und ich hatte nur den einen schrecklichen, allzu klaren Gedanken: Wir haben enorme Probleme.
Das jagte mir einen kalten Schauer durch den Leib. Alle Härchen auf meiner Haut richteten sich auf, und zwischen meinen Rippen spürte ich ein Frösteln. Entsetzt versuchte ich, mich mit ein paar Sorgen über den Berg Arbeit, der vor mir lag, aufzuheitern, aber es gelang mir nicht. Also dachte ich an meine Eltern und daran, dass sie älter wurden und ich eines Tages diejenige sein würde, die sich um sie kümmern müsste, und bemühte mich, mir damit Angst zu machen.
Nach einer Weile schlief ich wieder ein, kratzte mir den rechten Arm wund, knirschte ausgiebig mit den Zähnen und wachte mit dem vertrauten Gefühl von Zahnstaub im Mund auf - und machte so weiter wie immer.
Meine Erkenntnis - Wir haben enorme Probleme - sollte mir genau in dem Moment wieder in den Sinn kommen, als sich herausstellte, wie Recht ich damit hatte.
An dem fraglichen Abend wollten wir mit Elaine und Liam, Freunden von Garv, essen gehen. Und wer weiß, wenn Liams neues Flachbildschirm-Fernsehgerät nicht von der Wand auf seinen Fuß gefallen wäre, was zur Folge hatte, dass er sich den großen Zeh brach, und wenn wir tatsächlich ausgegangen wären, statt zu Hause zu bleiben, vielleicht wären Garv und ich dann heute noch zusammen.
Die Ironie des Schicksals wollte es, dass ich regelrecht darum betete, Elaine und Liam möchten absagen. Die Chancen standen gut - die letzten drei Male, als wir verabredet waren, war das Treffen geplatzt. Das erste Mal hatten Garv und ich abgesagt, weil unser neuer Küchentisch geliefert werden sollte. (Nein, er kam natürlich nicht.) Das nächste Mal musste Elaine, die eine wichtige Stellung bei der Rentenversicherung bekleidet, nach Sligo fahren und eine Menge Leute arbeitslos machen. ("Gut, dass der neue Jaguar gerade angekommen ist!") Beim letzten Mal war mir eine fadenscheinige Entschuldigung eingefallen, mit der Garv sofort einverstanden war. Diesmal waren die beiden wieder an der Reihe.
Ich kann nicht sagen, dass ich sie nicht mochte. Oder doch - ich mochte sie nicht. Wie schon erwähnt, sie hat eine wichtige Stellung bei der Rentenversicherung, und er ist Börsenmakler. Sie sehen gut aus, verdienen haufenweise Geld und sind zu Kellnern unfreundlich. Sie gehören zu den Leuten, die dauernd neue Autos kriegen und in Urlaub fahren.
Die meisten von Garvs Freunden waren richtig nett, aber Liam war eine krasse Ausnahme. Das Problem lag darin, dass Garv einer von denen ist, die in allen Menschen das Gute sehen - also, in den meisten. Theoretisch ist das eine tolle Eigenschaft, und ich habe nichts dagegen, wenn er das Gute in den Menschen sieht, die ich auch mag, aber es war ein bisschen irritierend, dass er auch bei denen darauf bestand, die ich nicht mochte. Er und Liam waren seit der Hauptschule befreundet, damals war Liam viel netter als heute, und obwohl Garv sich meinetwegen riesige Mühe gab, konnte er doch den Rest Zuneigung, die er für Liam empfand, nicht abschütteln.
Doch selbst Garv stimmte mir zu, dass Elaine furchterregend war. Sie redet es so schnell. Feuerte Fragen wie mit dem Maschinengewehr. Wie geht s denn so? Wirst du bald befördert? Wann geht ihr an die Börse? Ihr dynamischer Glanz machte aus mir ein stammelndes Häufchen der Unfähigkeit, und wenn ich endlich eine Antwort zusammengestoppelt hatte, war ihr Interesse erloschen und ihre Aufmerksamkeit woanders.
Doch selbst wenn ich Liam und Elaine gemocht hätte, wäre ich an dem Abend nicht gern mit ihnen ausgegangen - Glück und Zufriedenheit auszustrahlen ist viel schwieriger, wenn Leute um einen herum sind. Und zu Hause lagen noch etliche braune Umschläge, die bedrohlich wirkten und um die ich mich kümmern musste.(Außerdem gab es im Fernsehen zwei Seifenopern, die um meine Gunst buhlten, und eine Couch, die mir zu Diensten sein wollte.) Die Zeit war zu kostbar, als dass ich sie damit verschwenden konnte, einen ganzen Abend auszugehen.
Dazu kam, dass ich unglaublich müde war. Meine Arbeit war sehr anstrengend - so wie die anderer Menschen auch. Eigentlich deutet schon die Bezeichnung "Arbeit" darauf hin. Schließlich sagt man nicht: "Entspannung auf einem Liegestuhl" oder "Anwendung von Tiefenmassage". Ich "arbeitete" in einem Anwaltsbüro, das geschäftlich viel mit den Staaten zu tun hatte, insbesondere mit der Unterhaltungsindustrie. (Nachdem wir geheiratet hatten, wurde Garv aufgrund seiner enormen Talente von seiner Firma für fünf Jahre in die Dependance nach Chicago geschickt. Ich habe in der Zeit in einer der großen Anwaltskanzleien gearbeitet. Als wir vor drei Jahren wieder nach Ir weniger