Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03438.jsonl.gz/228

Justine Ruchat
EnQuête
Was versteht man unter einem Gedankenführer? Wie funktionieren die Mechanismen von Einfluss und Zwangsgedanken? Wie weit ist man bereit zu gehen, um seine Utopien zu verfolgen? Um wem zu folgen? Welchen Theorien? Wie weit?
EnQuête baut auf diesen Fragen auf, die mittels der Person von Guy-Claude Burger, Schweizer Musiker und Wissenschaftler, angegangen werden. In den Sechzigerjahren stellt er eine Ernährungstheorie auf und schart eine Gruppe von Anhängern um sich. Er begründet die Ernährungsmethode Instinctotherapie, bei der man sich ausschliesslich von Rohkost ernährt und dabei seinem Instinkt über den Geruch folgt. Anschliessend stellt er als Pendant zur Ernährungstheorie die auf die sexuelle Ebene bezogene Theorie Metapsychoanalyse auf, die Pädophilie und Inzest legitimiert. Guy-Claude Burger wurde 1978 vom Gericht Cossonay wegen Missbrauch von Minderjährigen verurteilt, 2001 wegen Vergewaltigung von Minderjährigen vom Schwurgericht Seine-et-Marne. Seine Vereinigung Orkos/Montramé oder Fédération internationale pour le développement de l’alimentation instinctive (FIDALI) wurde 1995 als Sekte eingestuft.
EnQuête vermischt Autofiktion und Dokumentationstheater. Das Stück basiert auf dem Bericht der persönlichen Nachforschungen von Justine Ruchat. Im April 2016 folgte sie diesem Mann bis nach Portugal, um die Fragen zu klären, die sie seit ihrer Kindheit beschäftigen. Die Projektion und die Verwendung von Archivdokumenten, Zeitungsausschnitten, Ausschnitten aus wissenschaftlichen Dokumentarfilmen und anderem Material bilden den visuellen Teil des Stücks. Dieses Werk untersucht den menschlichen Wunsch, das Element zu finden, das als universelle Antwort für alle Probleme verwendet werden kann. Die einzige Antwort auf alle Fragen, die magische Lösung, die verlässlich Glück und Gesundheit verspricht.
Théâtre EnQuête ist eine junge, von Justine Ruchat gegründete und geleitete Compagnie; EnQuête ist ihr erstes Werk. Ab 2007 arbeitete Justine Ruchat als Schauspielerin, Regieassistentin und Dramaturgin mit verschiedenen Gruppen zusammen und war Mitbegründerin des Brüsseler Strassentheaterkollektivs La Cour des Possibles. Nun möchte sie in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kunstschaffenden ihre eigene Theaterwelt erforschen, in der sich Dokumente und physisches Theater vermischen. Für dieses erste Werk arbeitet sie mit Naïma Arlaud, die soeben einen Master in Inszenierung an der Manufacture abgeschlossen hat, und mit der zypriotischen Regisseurin Lefki Papachrisostomou, die seit 2011 auf den Genfer Bühnen anzutreffen ist.