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Jeden Tag ein Ei, diese einfache Massnahme könnte Mangelernährung bekämpfen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie aus Ecuador, bei der wenige Monate alte Kinder Eier-Menüs verordnet bekamen.
Er war gross, er war stark, er hatte Muskeln. Und er war das beste Argument, das Eltern für Gemüsekonsum hatten: die Comicfigur Popeye. Viele heute Erwachsenen sind noch im Glauben aufgewachsen, dass ihnen Spinat durch einen hohen Eisengehalt zu Superkräften verhilft. Mittlerweise wissen wir, dass es sich dabei leider um einen Mythos handelt.
Stattdessen hätte ein Lebensmittel den guten Ruf verdient gehabt, das oft nur zum Spinat-Begleiter degradiert wurde: das Ei. Schon länger ist klar, dass Eier vor allem in Kombination mit Kartoffeln die Muskeln nach dem Sport spriessen lassen. Jetzt haben Forscher bei einer Studie in Ecuador gezeigt, dass die Lebensmittel auch das Wachstum von Kleinkindern fördern und sogar körperlicher Unterentwicklung entgegenwirken können.
Auf die Idee für ihre Studie kamen die Forscher rund um Lora Iannotti von der Washington University aufgrund der vielen Nährstoffe, die Eier unter ihrer Schale bündeln. So enthalten sie zum Beispiel Cholin – eine Stickstoffverbindung, die Wissenschaftler bei Tierversuchen mit Wachstum in Verbindung gebracht haben. Hinzu kommen Vitamine und tierische Eiweisse, die Bausteine für Muskeln liefern.
Um die Wirkung der Eier auf das Kinderwachstum zu überprüfen, suchten die Wissenschaftler Teilnehmer unter der indigenen Bevölkerung im Hochland von Ecuador. In der Gegend sind rund 42 Prozent der Kinder unter fünf Jahren unterentwickelt, was mit einer Mangelernährung verknüpft ist. Zum Vergleich: Der Durchschnitt liegt in Ecuador bei rund 25 Prozent, bei uns ist kaum ein Kind in diesem Alter betroffen.
Insgesamt gewannen die Forscher rund 160 Kleinkinder für ihr Projekt, zu Beginn der Studie waren die Kinder zwischen sechs und acht Monate alt. Um den Effekt der Eier auf das Wachstum zu überprüfen, teilten die Forscher sie nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein:
Während der gesamten Zeit besuchten Helfer einmal wöchentlich alle Familien, guckten, ob die Kinder krank waren, Ausschläge entwickelt hatten, Fieber, oder andere Anzeichen einer Allergie. Bei den Eierfamilien überprüften die Helfer zusätzlich, ob die Lebensmittel gegessen worden waren. Ausserdem wurden die Kinder am Anfang und am Ende des halben Jahres vermessen.
Die Ergebnisse waren deutlich, wie die Forscher in der Fachzeitschrift Pediatrics berichten:
Auch bei den Wachstums- und Gewichtskurven konnten die Forscher beobachten, wie sich die Kinder in der Eiergruppe innerhalb der sechs Monate einer normalen Entwicklung annäherten. Allergische Reaktionen dokumentierten die Helfer nicht. Nur unter Durchfall litten die Eierkinder häufiger, was an Hygienemängeln liegen könnte.
Für Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung für Stoffwechsel und Ernährung am Haunerschen Kinderspital in München, ist das Ergebnis schlüssig. «Die Kinder waren zu Beginn der Studie chronisch mangelernährt», sagt er. Für sie sei jede Art der Intervention gut. «Bislang haben Studien jedoch vor allem den Effekt von angereicherten Lebensmitteln wie Milchpulver getestet, die vor Ort nur schwer verfügbar sind», sagt er. «Dass die Forscher jetzt Eier ausprobiert haben, ist neu, und sicherlich eine gute Idee.»
Die Studie hat aus Sicht des deutschen Experten jedoch einen Schönheitsfehler: «Die Kinder in der Eiergruppe waren zu Beginn der Zeit noch schlechter ernährt als die Kinder in der Kontrollgruppe», sagt er. Daran, dass die Eier gewirkt haben, gebe es aber trotzdem keinen Zweifel.
Auf das wohlgenährte Deutschland (wie auch die Schweiz) lässt sich das Ergebnis zwar nicht einfach übertragen. Trotzdem empfiehlt Koletzko, ähnlich wie die Forscher der Studie, zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat mit der Gabe von Eiern zu beginnen. «Eier gehören zu den Lebensmitteln, die oft Allergien auslösen», sagt er. Studien sprechen dafür, dass das Allergierisiko sinkt, wenn die Kinder möglichst früh mit ihnen in Kontakt kommen.
Aus Sicht des Mediziners reichen für Kinder hierzulande jedoch zwei bis drei Stück pro Woche aus. Bis auf eine Ausnahme: Vegane Kinder zählen hier zu den wenigen Gruppen, die von Mangelernährung gefährdet sind. Ihnen würde der Arzt am liebsten ein Ei pro Tag verordnen, «weil sie so viele wichtige tierische Nährstoffe enthalten». Genauer gesagt: Mehr als 50 Prozent vieler Nährstoffe, die Kleinkinder neben dem Stillen noch benötigen.