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Blasinstrumentenbauer/in
Blasinstrumentenbauer* stellen Blasinstrumente her. Da zu den Blasinstrumenten eine grosse Vielfalt vollkommen verschiedenartiger Instrumente zählt, ist der einzelne Blasinstrumentenbauer in der Regel auf eine Instrumentenfamilie spezialisiert.
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Das bauliche Grundprinzip, das allen Blasinstrumenten gemeinsam ist, ist ein Hohlraum in einem bauchigen oder länglichen Objekt. Der Ton entsteht durch die Resonanz in diesem Hohlraum, wenn ein eintretender Luftstrom Schwingungen verursacht. Drei grosse Gruppen von Blasinstrumenten lassen sich unterscheiden:
- Flöten (Kanteninstrumente)
Bei Flöten wird der Ton dadurch erzeugt, dass der Luftstrom auf eine scharfe Kante oder eine Schneide gelenkt wird, an der er sich bricht.
→ Flötenbauer
- Blechblasinstrumente
Zu den Blechblasinstrumenten zählen neben typischen Vertretern wie Trompete und Posaune auch einige nicht metallene Instrumente, darunter das Alphorn. Gemeinsam ist allen ein metallenes, kessel- oder trichterförmiges Mundstück, das gegen die Lippen gepresst wird.
→ Blechblasinstrumentenbauer
- Rohrblattinstrumente
Rohrblattinstrumente sind gekennzeichnet durch eine flexible, schwingende Zunge. Zwei Typen von Rohrblättern werden unterschieden: Beim einfachen Rohrblatt schlägt eine einzelne Zunge auf einen Rahmen auf, beim doppelten Rohrblatt schlagen zwei Zungen gegeneinander.
Die Bohrung des Rohrs kann ebenfalls zwei verschiedene Formen aufweisen: Sie ist entweder konisch oder zylindrisch. Sowohl die Art des Rohrblatts wie auch die Art der Bohrung spielen eine wesentliche Rolle für Klang und Spielverhalten des Instruments. Vier verschiedene Kombinationen sind möglich:
- Doppelrohrblatt, konische Bohrung → z.B. Oboe, Fagott, Englisch Horn
- Doppelrohrblatt, zylindrische Bohrung → z.B. Krummhorn
- einfaches Rohrblatt, konische Bohrung → z.B. Saxophon
- einfaches Rohrblatt, zylindrische Bohrung → z.B. Klarinette
Die Herstellung von Blasinstrumenten
Je nach verwendetem Material bestehen erhebliche Unterschiede in der Herstellung von Blasinstrumenten:
Hölzerne Blasinstrumente entstehen hauptsächlich an der Drechslerbank. Als klassisches Beispiel mag die Blockflöte dienen: Die Arbeitsschritte, die von einem Stück Holz zur fertigen Blockflöte führen, sind beschrieben im Eintrag Flötenbauer, Die Herstellung einer Blockflöte.
Ausgangsmaterial von metallenen Blasinstrumenten ist dünnes Blech, welches um eine Stange zu einem Rohr gebogen wird. Die Herstellung eines metallenen Blasinstruments ist exemplarisch beschrieben im Eintrag Blechblasinstrumentenbauer, Grundzüge der Herstellung von Blechblasinstrumenten.
Die Herstellung von Rohrblättern
Rohrblätter werden typischerweise aus Schilfrohr hergestellt. Seltener werden andere natürliche Materialien verwendet, bei einzelnen Instrumenten (z.B. Saxophon) heute gelegentlich auch Kunststoff.
Eine der frühesten Formen des einfachen Rohrblattes ist das sogenannte idioglotte Rohrblatt. Ein idioglottes Rohrblatt kann auf einfache Weise aus einem Stück Schilfrohr hergestellt werden: Man entfernt das Mark, stopft das offene Ende zu und schneidet an einer Seite eine Zunge dergestalt ein, dass sie bei Anblasen entweder gegen innen oder aussen vibrieren kann. Diese Art von Rohrblatt findet man heute noch bei Bordunpfeifen der Sackpfeife und bei vielen Volksinstrumenten.
Um ein einfaches Rohrblatt zu erhalten, teilt man als erstes ein Stück Schilfrohr senkrecht in drei oder vier Streifen. Die Innenseiten werden gerade geschnitten, die Aussenseiten von der Mitte zur Spitze hin mit feinem Sandpapier ausgedünnt. Das fertige Rohrblatt wird anschliessend über der sogenannten Bahn, einer länglichen Öffnung, am Mundstück des Instruments befestigt.
Für ein Doppelrohrblatt wird Schilfrohr in Stücke der doppelten Länge des fertigen Blattes geschnitten, die dann wie oben in Streifen geteilt werden. Der Streifen wird an der Innenseite ausgehöhlt und gegen die Enden zu schmaler geschnitten. Dann wird er in Wasser eingeweicht und anschliessend mit der ausgehöhlten Seite nach innen in der Mitte umgebogen. Die freien Enden werden an eine Metallhülse gebunden. Das gefaltete Rohrstück wird an der Faltstelle aufgeschnitten, wodurch ein Doppelrohrblatt entsteht. Aus der ehemaligen Faltstelle wird der Mundspalt. Die Mundspalt-Enden der beiden Blätter werden soweit ausgedünnt, bis bei Anblasen der gewünschte Ton erzeugt wird.
Das Doppelrohrblatt antiker Blasinstrumente, zum Beispiel des Aulos (s. unten, Rohrblattinstrumente im Altertum), wurde hergestellt, indem man ein Ende eines frischgeschnittenen Schilfrohrs zusammenpresste. Die beiden flachgedrückten Seiten wurden nicht voneinander getrennt.
Ausbildung
Das Handwerk des Blasinstrumentenbauers ist heute als eine von fünf Fachrichtungen in den Beruf „Musikinstrumentenbauer“ integriert. Die Ausbildung dauert vier Jahre und schliesst mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis. Zu den Anforderungen gehören nicht nur handwerkliches Geschick und eine ausgeprägte Feinmotorik, sondern insbesondere auch Musikalität. Dass der zukünftige Blasinstrumentenbauer das Spielen eines Blasinstrumentes beherrscht, wird vorausgesetzt.
Geschichte
Steinzeit
Muscheln, Schilfrohr, hohle Tierknochen und -zähne und ähnliche in der Natur vorgefundene Formen, welche bei Anblasen einen Ton erzeugen, gehören zu den frühesten Musikinstrumenten überhaupt. Aus diesen Urformen entwickelten die Menschen überall auf der Erde verschiedenste Arten von Blasinstrumenten. Während das verwendete Material vom lokalen Angebot abhing und in den verschiedenen Regionen stark variieren konnte, waren die Grundprinzipien überall mehr oder weniger dieselben. Es verwundert deshalb nicht, dass viele Blasinstrumente an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten unabhängig voneinander auftauchen. Ein Beispiel ist die Panflöte, die beinahe in allen Kulturen schon sehr früh zu finden ist, und deren Erfindung, als weitere kulturübergreifende Gemeinsamkeit, überall gerne mit einem Gott oder einer anderen mythologischen Figur in Verbindung gebracht wird.
Geschichte der Flöten → Flötenbauer
Geschichte der Blechblasinstrumente → Blechblasinstrumentenbauer
Rohrblattinstrumente im Altertum
Die frühesten erhaltenen Darstellungen von Rohrblattinstrumenten werden auf ca. 3000 v. Chr. datiert. Auf dem Königsfriedhof bei Ur (Mesopotamien) wurde eine Doppeloboe aus Silber gefunden, die ca. 2800 v. Chr. hergestellt wurde. Abbildungen von Oboen finden sich auch auf ägyptischen Grabmalereien aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Die ägyptischen Oboen bestanden aus Holz und hatten drei Grifflöcher.
Das bedeutendste Blasinstrument der griechisch-römischen Antike war der Aulos (lat. Tibia), ein meist aus zwei Einzelpfeifen bestehendes Doppelrohrblattinstrument mit Grifflöchern.
Rohrblattinstrumente vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert
Mit dem Untergang Roms Ende des 5. Jahrhunderts ging in Europa auch die antike Musikkultur verloren. Als deren Bewahrer fungierten das Byzantinische und das Islamische Reich. Von hier aus wurde sie in Europa allmählich wiedererweckt.
Erste Belege von europäischen Rohrblattinstrumenten stammen aus Sizilien, wo hölzerne Oboen-artige Instrumente gegen Ende des 12. Jahrhunderts nachweisbar sind. Sie verbreiteten sich schnell und waren vermutlich bereits hundert Jahre später in ganz Europa bekannt. Aus den frühesten Formen entwickelte sich bald die Schalmei, aus dieser wiederum allmählich unsere heutige Oboe.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts tritt in Europa mit dem Dulcian der Vorläufer des Fagotts in Erscheinung. Der einteilige Dulcian bestand aus einem langen Stiefel, in welchen die U-förmig verlaufende Röhre gebohrt wurde. Auf das eine Ende der Röhre wurde eine dünne, S-förmige metallische Röhre gesetzt, welche im Mundstück mit Doppelrohrblatt mündete. Das andere Ende trug das Schallstück. Im Lauf des 17. Jahrhunderts verändert sich die Bauweise: Der Stiefel wird stark verkürzt, die beiden parallel verlaufenden Rohre werden separat hergestellt und aufgesetzt. Diese Entwicklung führt schliesslich zur Schaffung des eigentlichen Fagotts, das aus S-Rohr, Flügel (Oberstück), Stiefel, Bassröhre und Stürze (Schallstück) besteht. Die Grösse des Instruments führte bereits früh zum Bau von Klappen.
Ungefähr um 1700 ging aus volkstümlichen Vorläufern die Klarinette hervor. Mit ihrem einfachen Rohrblatt und der zylindrischen Bohrung stellt die Klarinette einen vollkommenen anderen Typus als Oboe und Fagott dar. Weitere bauliche Kennzeichen des Instruments sind sein komplizierter Klappenmechanismus – heute sowie eine birnenförmige Erweiterung zwischen Röhre und Schnabel.
1840 kombinierte der Belgier Adolphe Sax Elemente der Klarinette mit Elementen der Oboe und schuf das Saxophon: Ein klarinettenartiger Schnabel mit einfachem Rohrblatt auf einer Röhre mit oboenartiger konischer Bohrung. Neu war das Material: Während der Korpus der älteren Rohrblattinstrumente typischerweise aus Holz bestand, wird das Gehäuse des Saxophons aus Metall hergestellt.
Rohrblattinstrumentenbau
Hölzerne Blasinstrumente wurden in Mittelalter und Renaissance üblicherweise nicht von spezialisierten Instrumentenbauern, sondern von Drechslern als Nebenprodukt hergestellt. Die einteiligen Instrumente waren meist schlicht und schmucklos und bestanden aus Holz aus dem nahegelegenen Wald. Erst im Barock beginnt eine allmähliche Spezialisierung. Einige Städte werden zu eigentlichen Zentren des Instrumentenbaus; im Holzblasinstrumentenbau nehmen Nürnberg, Paris, Amsterdam und London eine herausragende Stellung ein.
Vor dem 18. Jahrhundert wurden Holzblasinstrumente vor allem aus Buchsbaum und Ahorn hergestellt. Kleinere Instrumente konnten auch aus kostbaren Materialien wie Elfenbein oder Ebenholz bestehen. Im 18. Jahrhundert entdeckte man die tropischen Hölzer für den Instrumentenbau. Häufig verarbeitet wurden – und werden bis heute – zum Beispiel Rosenholz und Grenadill.
Zu allen Zeiten waren Instrumentenbauer vielfach auch bedeutende Musiker. Entsprechend war es meist deren eigener Wunsch nach klanglichen Verbesserungen ihres Instruments, welcher zu Erfindungen und Neuerungen im Instrumentenbau führte. Die Vereinigung von Künstler, Erfinder und Handwerker in einer Person war äusserst fruchtbar und resultierte in der baulichen wie klanglichen Perfektion vieler heutiger Instrumente.
Der Blasinstrumentenbau ist bis heute ein hochspezialisiertes Kunsthandwerk geblieben. Ein qualitativ hochwertiges Instrument, das höchsten musikalischen Ansprüchen genügt, lässt sich nicht am Fliessband herstellen. Während einzelne Fabrikationsschritte zwar durchaus ohne Schaden automatisiert werden können, bleiben für viele andere das geübte Auge, das geschulte Ohr und die erfahrene Hand des Blasinstrumentenbauers unersetzlich. Die Nachfrage nach Qualitätsinstrumenten nimmt seit einigen Jahren stetig zu, so dass ein gut ausgebildeter Blasinstrumentenbauer auch heute noch von seinem Handwerk leben kann.
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet.
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Literatur
Baines Anthony: Lexikon der Musikinstrumente, Stuttgart 2010.
Joppig Gunther: Oboe & Fagott. Ihre Geschichte, ihre Nebeninstrumente und ihre Musik, Bern 1981.
Matzke Hermann: Unser technisches Wissen von der Musik. Einführung in die musikalische Technologie, Lindau im Bodensee 1949.
www.berufsberatung.ch → Eintrag Musikinstrumentenbauer/in EFZ, https://www.berufsberatung.ch/dyn/show/1900?lang=de&idx=12&id=7365, abgerufen am 11.02.2017.
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