Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03573.jsonl.gz/1715

"Die Geschichte der Bienen"
Erzählt wird diese spannende und faszinierende Geschichte aus der Perspektive dreier Menschen, die mit Bienen zu tun haben.
Der Roman ist in kurze Kapitel gegliedert. Jeweils am Anfang steht, wer die Hauptperson dieses Kapitels ist. Die drei Stränge sind auf raffinierte Weise miteinander verwoben.
Im England von 1852 ist die Bienenzucht ein aktuelles Thema. William, Oberhaupt einer kinderreichen Familie, studierte Biologie mit Schwerpunkt Bienen und arbeitet nun als Samenhändler. Er machte bislang keine grossen Entdeckungen und sein Mentor Ist enttäuscht von ihm. Darauf verfällt er der Schwermut und verlässt sein Bett nicht mehr. Seine Familie steht vor grossen existentiellen Nöten. Mit der Zeit rafft er sich wieder auf, begibt sich in seinen Laden und fährt mit der Forschungsarbeit fort. Edward, der einzige Sohn führt, ein liederliches Leben, ist Alkoholiker und interessiert sich überhaupt nicht für das Geschäft seines Vaters und die Imkerei. William entwickelt einen neuartigen Bienenkorb und wird dabei von seiner Tochter Charlotte unterstützt. Er nahm sie nie für voll, merkt aber, dass er sich auf sie verlassen kann. Charlotte liebt die Bienen und teilt die Leidenschaft ihres Vaters. Haben die beiden Erfolg?
George ist Bienenzüchter, verheiratet mit Emma, ihr gemeinsamer Sohn Tom studiert an einem College. George ist mit Leib und Seele Bienenzüchter. Leider wendet sich Tom lieber der Literatur und dem Schreiben zu als auf der Farm mitzuarbeiten. Die Mutter versucht zu vermitteln, George verlangt jedoch ein Mindestmass an Engagement von seinem Sohn um auf der Farm zu helfen. Er baut alle Bienenstöcke selbst und beobachtet mit wachsendem Unbehagen, wie andere Imker mit Pestiziden arbeiten und ihre Schwärme durchs Land karren. Es kommt zu einem landesweiten Bienensterben, auch George ist davon betroffen und er muss noch härter arbeiten und für sein Überleben kämpfen.
In China sind seit 2007 alle Bienen ausgestorben! Deshalb arbeitet Tao als «menschliche Biene» und bestäubt Blüten 12 Stunden pro Tag. Tao und ihr Mann leben als einfachste Arbeiterfamilie, ihr ganzes Glück ist ihr Sohn Wei-Wen. Leider dürfen die Kinder nur kurze Zeit die Schule besuchen, danach beginnt das Arbeitsleben! Als die kleine Familie einer ihrer seltenen freien Tage geniesst, passiert etwas Schreckliches!
Dieser Roman las ich äusserst gerne, er ist sehr spannend geschrieben und für Liebhaber komplexer Geschichten ein Genuss. Im Buch wird auf den ausgezeichneten Dokumentarfilm "more than honey" verwiesen. Dass es in China keine Bienen mehr gibt, ist bereits traurige Realität!
Beat Studer
Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen, München: Goldmann, ISBN: 978-3-442-75684-1