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Schweizer Geschichte
Hungersnot
Wie 1770 litt die Bevölkerung schon 1529, 1571 und 1692 unter einer grossen Hungersnot. Schlechte Ernten, eine starke Zunahme der Bevölkerung eine Verteuerung der Nahrungsmittel führten zu den verheerenden Hungersnöten. Die Getreideversorgung der Eidgenossenschaft war durch die Inlandsproduktion schon lange nicht mehr zu decken. Als Reaktion auf die neuerliche Hungersnot wurde die bis dahin nur vereinzelt angebaute Kartoffel überall eingeführt.
Die Kartoffel
Wann, wie und durch wen die Kartoffel von Amerika nach Europa kam, ist bis auf den heutigen Tag nie ganz genau geklärt worden. Sicher ist, dass sie ihren Anfang vor mindestens 6000 Jahren in Südamerika nahm, genauer in den Hochebenen der Anden. Möglicherweise ist die Kartoffel noch älter, denn Forscher fanden Spuren der Knolle in 8000 Jahre alten Gräbern im Andenhochland.
Als die Spanier im 16. Jahrhundert das Inkareich eroberten, suchten sie zwar nach dem Edelmetall Gold, lernten dabei aber auch die Kartoffel kennen. Für den ersten Transport nach Europa soll allerdings der englische Freibeuter Sir Francis Drake gesorgt haben. In Irland, England und Spanien wurden die „Erdäpfel“ dann auch bereits Mitte des 17. Jahrhunderts angebaut, während es noch einige Zeit dauerte, bis die Knolle in ganz Europa als vollwertiges Nahrungsmittel akzeptiert wurde.
Kartoffelanbau in der Schweiz
Die ersten Kartoffeln tauchten um 1590 in der Schweiz auf. Schweizersöldner brachten sie aus Irland mit. Allerdings hatte es die neue Bodenfrucht in der Schweiz besonders schwer. Hartnäckig hielt sich nämlich das Gerücht, die Pflanze aus den Anden sei giftig. Denn in ihrer Unkenntnis hatten einige brave Bürger statt der Knollen die grünen Beeren, also die ungeniessbaren Früchte der Kartoffelpflanze, gegessen und sich so schwere Vergiftungen zugezogen. Erst angesichts der Hungersnot kam die Bereitschaft, Kartoffeln anzubauen, die dann langfristig zu einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten führte.
In Deutschland griff König Friedrich II. zu einer List, um die Bevölkerung zum Kartoffelanbau zu bewegen. Die Geschichte erzählt, dass er während der Hungersnot von 1770 in der Nähe von Berlin Kartoffelfelder anlegen liess, die von Soldaten streng bewacht wurden, um Diebe abzuhalten. Friedrich zählte dabei in seiner Weisheit vertrauensvoll auf die menschliche Neugier, die die Bauern alsbald veranlasste die heimlich entwendeten, königlichen Knollen selber anzubauen. Historisch belegt ist in jedem Fall, dass Friedrich der Grosse per Dekret den Anbau verordnen musste, um sein Volk vor Hungersnöten zu bewahren.
Hungersnot 1845/46
Im Winter 1845/46 kam es ähnlich wie 1817 zu einer schweren Hungersnot. Missernten haben das Nahrungsmittelangebot drastisch reduziert und die Kartoffelkrankheit vernichtete einen Grossteil der Ernte. Die Folge waren Preisanhebungen bei den wichtigsten Nahrungsmitteln. So kam es, dass vor allem die arme Bevölkerung entweder an Hunger oder an dessen Folgeerscheinungen starb.
Besonders dramatisch wirkte sich die Hungersnot in Irland aus. Als Folge der Kartoffelfäule, die als „Potato famine“ bekannt wurde, starben mindestens 700’000 Menschen!
Die aus den USA eingeschleppte Kartoffelkrankheit vernichtete das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung. Der ausschliessliche Anbau der Erdfrüchte ohne überwachte Sortenzucht des Saatgutes begünstigte die Ausbreitung der Kartoffelfäule. Ein nasser Frühling machte 1846 zusätzlich einen grossen Teil der Ernte zunichte.
Vor dem drohenden Hungertod flohen Hunderttausende Irländer ins Ausland, vor allem in die USA, nach Kanada und Grossbritannien. Durch den Hungertod und die Massenemigration verringerte sich die Zahl der Einwohner in Irland von 8,2 Millionen im Jahre 1841 auf 6,5 Millionen im Jahr 1851. Allein in einer Januarwoche 1847 verliessen 130’000 Menschen das Land.