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Saber (14) ist an diesem Nachmittag auf der Weide und hütet die Schafe. Die kleine Herde sichert das knappe Einkommen der siebenköpfigen Familie, die in der Nähe von Aleppo äusserst bescheiden auf einem Bauernhof lebt. Immerhin: Niemand leidet Hunger und ein Dach über dem Kopf bietet Schutz.
Der Vater ist in Damaskus, um Futter für die Schafe zu besorgen. Die vier jüngeren Geschwister von Saber sitzen zu Hause am Esstisch und warten darauf, dass die Mutter ihnen Brot und Wasser bringt. Alles ist so wie immer, seit der Bürgerkrieg ausgebrochen ist. Doch dieser Nachmittag wird sein ganzes Leben verändern.
Plötzlich erschüttert ein grauenhafter Knall die vermeintlich friedliche Stille. Die Schafe fliehen vor Schreck in alle Himmelsrichtungen und Saber starrt ungläubig auf sein Zuhause. In diesem Moment rennt seine schwangere Mutter schreiend aus dem Haus und bricht zusammen. Für Saber bricht in diesem Moment die Welt zusammen: Eine Bombe hat alle seine Geschwister in den Tod gerissen und sein Zuhause grösstenteils zerstört.
Wie ein Film läuft in diesem Augenblick vor seinem inneren Auge die Szene ab, wie die Geschwister jeweils gemeinsam das Tal hinunter in die Schule gingen. Sie sangen zusammen Lieder und rauften sich freundschaftlich, während ihre Mutter sie vom kleinen Fenster aus beobachtete und heimlich für sie betete, bis sie aus ihrem Sichtfeld verschwunden waren.
Saber’s Mutter kann nach diesem tragischen Verlust keinen Tag länger in Aleppo bleiben. Die übrig gebliebenen Familienmitglieder fliehen nach Damaskus. Dort leben Vater, Mutter, Saber und das Ungeborene im Vorort Jaramana in einem Zimmer ohne Fenster. Die hochschwangere und von Trauer gezeichnete Mutter kann in ihrem Zustand nicht arbeiten. Saber kann nicht mehr zur Schule gehen, sondern muss jetzt mithelfen, für das Familieneinkommen zu sorgen. Er bekommt einen Job als Lieferjunge in einem nahen Supermarkt. Sein Vater geht ab und zu einer Gelegenheitsarbeit nach, was niemals alleine ausreicht, um die Familie zu ernähren.
«Es ist für mich unerträglich zu arbeiten anstatt zur Schule zu gehen. Ich habe keine Freunde und keine Zeit für mich, weil ich 12 Stunden am Tag arbeite. Und ich bin zum Umfallen müde», erzählt der Junge.
Das Anti-Kinderarbeitsteam von SOS-Kinderdorf sprach den erschöpften Teenager eines Tages an. Er schilderte den SOS-Mitarbeitenden seine Situation und kurze Zeit später wurde die Familie in das SOS-Programm aufgenommen. Die Familie erhält seither finanzielle und psychologische Unterstützung, so dass Saber wieder die Schule besuchen kann. Konkret heisst das: SOS unterstützt Saber’s Familie mit monatlichen Zuschüssen, Schuluniform und Schreibwaren, Mietkosten und Heizkostenzuschüssen. Diese Massnahmen steigern den Komfort der Familie und damit kann sich Saber wieder voll und ganz seinen Leistungen in der Schule widmen. Auch die medizinische Behandlung der Mutter und des ungeborenen Kindes ist sichergestellt. Um Saber und seinen Eltern zu helfen, das Trauma vom tragischen Verlust der Familienmitglieder zu überwinden, unterstützt sie SOS-Kinderdorf Syrien mit psychosozialen Aktivitäten.
«Als SOS-Kinderdorf Saber half, spürte ich, dass ein tiefer Riss in meinem Herzen teilweise geheilt wird», sagt Saber’s Mutter.
Bisher hat SOS-Kinderdorf in Jaramana 184 Familien geholfen, ihre Kinder wieder in die Schule einzuschreiben, um ein Grundrecht zu wahren, das allen Kinder zusteht. Helfen Sie und spenden Sie für Kinder in Syrien.