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07.12.2022 23:39:55
|Beschreibung|
Handwerk erlernt
Den Unterricht während seiner Schulzeit beim Maler und Farb-Theoretiker Jakob Weder in Langenthal, bezeichnet Roman Candio als wichtigen Einfluss. Nach dem Lehrerseminar in Solothurn (1951-1955) arbeitet er während dreier Jahre als Primarlehrer. 1958 entschliesst er sich für die Künstlerlaufbahn. Es folgen die Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Luzern bei Werner Andermatt (1958-1959) und an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Georg Meistermann. Danach hilft er dem Kirchenmaler Ferdinand Gehr bei der Ausführung grosser Wand- und Deckengemälde. Nach Studienaufenthalten in Italien lebt und arbeitet er seit 1961 in Solothurn.
Kunst am Bau
Neben den freien Werken entstehen seit Mitte der 60er Jahre über 50 Arbeiten im öffentlichen Raum, die dem Künstler Bekanntheit und Anerkennung in weiten Teilen der Schweiz sichern: farbige Fenster, Wand- und Deckenmalereien, Bildteppiche und Wandreliefs für Kirchen, Spitäler, Verwaltungsgebäude und Schulen. 1968 erhielt er den Förderpreis des Kantons Solothurn und 1991 den Kunstpreis des Kantons Solothurn für sein malerisches Schaffen und für seine Arbeiten im Bereich der Kunst am Bau. In Fulenbach kann man das 1967 entstandene Chorfenster der katholischen St.-Stephans-Kirche und die später geschaffenen Wandmalereien und farbigen Fenster in der Friedhofskapelle bewundern.
Farben, Farben, Farben...
Candios Werk wird hauptsächlich durch die Farbe bestimmt. Seine ersten zwischen 1957 und 1960 entstandenen Bilder sind noch vorwiegend abstrakt: Farbfelder, Punkte oder geometrische Formen in nüchternem Schwarz, Weiss und warmem Grau. Ab 1963 wandelt sich Candios Stil. Es entstehen zunächst Collagen aus Heft- und Zeitungsillustrationen. Die Zeitungsfotos und Reklameanzeigen werden später in gemalte, flächig gehaltene, nunmehr leuchtende Farbkompositionen umgesetzt, die stark von der amerikanischen Pop Art, besonders von Tom Wesselmann geprägt sind. Requisiten des Alltags und Reklameschriften stehen in den breiten Formaten neben monumentalen weiblichen Aktfiguren. Kühne Farbkombinationen aus Lila, Grün, Blau, Gelb und Rosa werden zuweilen hart von einer geometrischen, schwarzweissen Musterung unterbrochen. Seit den 70er Jahren malt Candio vor allem auch Blumen- und Landschaftsbilder, die in ihrer flächigen Gestaltung an Farbholzschnitte erinnern. Mit den reinen, leuchtenden Farben und klaren Abgrenzungen kontrastieren nun sanft auslaufende, verschwommene Töne. In diesen Werken ist ihm immer wieder die heimatliche Landschaft Quelle der Inspiration. So entstanden einige schöne Bilder seines Heimatdorfes Fulenbach.
Neben Zeichnungen, in denen der ornamentale Charakter seiner Kunst ebenfalls deutlich wird und die er erstmals 1985 in einem Buch veröffentlicht, sowie Aquarellen und Acrylbildern, die zu einer wandbildartigen Ästhetik tendieren, entsteht ein sehr umfangreiches Werk im Bereich von Kunst am Bau. Candio gestaltet Wandgemälde, farbige Verglasungen, bemalte Flachreliefs und Textilien, Webereien, Textilcollagen sowie seltener dreidimensionale Arbeiten. Es führt hier zu weit, alle seine Werke in der Region, im Kanton Solothurn und der Schweiz einzeln aufzulisten.
Mit Farben und Formen Antworten geben
Hinter all diesen Aktivitäten steht eine gleiche künstlerische Haltung, die mit Farbe und Formen Antworten zu geben versucht, auf unsere sichtbare Umwelt und die in dieser Umwelt ein Zeichen jenes Denkens und Fühlens zum Ausdruck bringen will, das für den Künstler Sinnlichkeit, ja umfassendes Leben bedeutet.
Hier finden Sie eine detaillierte Biografie von Roman Candio
Quelle: Biographisches Lexikon der Schweizer Kunst, 1998
Redigiert von Urs Roland Berger
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