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Unterwegs zu KARIN B. (16)
In der Vorbereitung zu „Unterschlupf“ hatte Paul Steinmann im Herbst 2016 sieben (!) verschiedene Stückideen unterbreitet; alle mit den Prämissen „grosses Ensemble (aber dennoch Einzelrollen für alle)“ und „darf gerne in der Früherheit spielen“.
Die Skizze eines Stückes, das in einem Ferienlagerhaus spielt, hat die Regisseurinnen Barbara Schüpbach und Claudia Rüegsegger schon damals angesprochen; trotzdem fällten sie dann den Entscheid zugunsten der Geschichte im Landdienst während des Zweiten Weltkrieges – „Unterschlupf“.
Als sich abzeichnete, dass das Ensemble 2018 nicht kleiner, sondern noch grösser wird, und zudem die Möglichkeit winkte, erstmal mit einer Band zu arbeiten, wurde Paul Steinmann angefragt, ob er seine damalige Idee wieder hervorholen und weiterentwickeln könnte und möchte. Er konnte und wollte.
Als Zeitpunkt wurde das Jahr 1967 gewählt, der berühmte „Summer of love“.
Aus Amerika drang die Kunde von den ersten Hippies; sie protestierten gegen den Vietnam-Krieg und rigide Moralvorstellungen („Make love not war“), liessen sich die Haare wachsen und ernährten sich vegetarisch.
In der Schweiz hängten einige Wirte in ihren Gaststuben Schilder „Langhaarige werden nicht bedient“ auf.
Im April spielten die Rolling Stones im Hallenstadion Zürich (das durchgehend mit Klappstühlen bestuhlt wurden – die Fotos in den Zeitungen von den demonierten und durcheinandergeworfenen Stühlen schockierten anderntags die Bürger).
Die Zeitschrift „Annabelle“ schrieb die Wahl zur „Idealen jungen Frau 1967“ aus. Die Gewinnerinnen aus mehreren Kantonen mussten im Finale in 45 Minuten ein Puppenkleid schneidern, in 30 Minuten ein Geschnetzeltes zubereiten, einen Blumenstrauss zusammenstellen und sich Fragen zu hausfraulichen Themen unterziehen.
Das Zürcher Café Odeon verbot Frauen im Minirock den Zutritt (dieweil im oberen Stock Striptease angeboten wurde). Einige junge Menschen begannen sich auch in der Schweiz gegen verkrustete Normen wie Polizeistunde und Konkubinatsverbot aufzulehnen.
Die aufkommende Musik – neben den Marktführern Rolling Stones und Beatles brachte gerade das Jahr 1967 eine Reihe herausragender Bands und Alben hervor – wurde vom Schweizer Radio und Fernsehen kaum gespielt. Die angesagte Musik konnte man fast ausschliesslich in den Jukeboxes der Bars und Cafés abspielen. Ab 1965 bildeten sich landauf landab zahlreiche Bands, die die Songs der grossen Vorbilder nachspielten.
Dies ist der Nährboden für die Geschichte einiger jungen Mädchen in einem Ferienlagerhaus auf dem Land.
Für den weiteren Verlauf spielen auch eine Beiz und eine Beat-Band, die in deren Keller probt, eine wichtige Rolle. Und eine Lagerteilnehmerin – Karin B. (16) –, die plötzlich verschwunden ist.
22 Jugendliche erzählen mit Humor, Ernsthaftigkeit und viel Live-Musik aus einer fernen, nahen Zeit.
Diese geballte Energieladung sollte man nicht verpassen …!