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08.09.2015 Mutter-Kind-Gesundheit in der Migrationsbevölkerung stärken
Prekäre Gesundheit von Müttern und Kindern mit Migrationshintergrund. Mehr Kinder mit einem geringen Geburtsgewicht, erhöhte Säuglings- und Müttersterblichkeit, mehr Schwangerschaftsabbrüche: Mütter und Säuglinge mit Migrationshintergrund haben mehr gesundheitliche Probleme als Schweizer Mütter und Neugeborene. Dies bestätigt der Bundesratsbericht, den das Bundesamt für Gesundheit zur Erfüllung des Postulats der Ständerätin Liliane Maury Pasquier erstellt hat.
Babys ausländischer Mütter weisen im Vergleich zu Babys von Schweizer Müttern öfter ein Geburtsgewicht unter 1500 Gramm auf; bei Müttern aus der Türkei, Subsahara-Afrika oder Ex-Jugoslawien besteht eine höhere Totgeburten- und Säuglingssterblichkeitsrate als bei Schweizer Müttern; verfügbare Daten weisen darauf hin, dass die Abtreibungsrate bei Migrantinnen mehr als doppelt so hoch ist als bei den Schweizerinnen. Dies sind einige der Ergebnisse der Studien zum Gesundheitsstatus von Müttern und Kindern mit Migrationshintergrund, die im Rahmen des Bundesratsberichts durchgeführt wurden. Innerhalb der Migrationsbevölkerung bestehen zwar zum Teil grosse Unterschiede, aber im Gesamtbild zeigen sich klare Differenzen: Schweizer Schwangere und Mütter sind durchschnittlich gesünder als ausländische, und Schweizer Babys haben oft einen besseren Start ins Leben als Babys ausländischer Mütter.
Hauptfaktor sozialer Status
Die soziale und ökonomische Lage von Migrantinnen ist einer der zentralen Faktoren für diese Ungleichheiten. Migrantinnen in der Schweiz haben oft ein tieferes Bildungsniveau als Schweizerinnen, arbeiten unter schwierigeren Arbeitsbedingungen und leben häufiger in belastenden Situationen, zum Beispiel wegen mangelnder sozialer Unterstützung oder wegen eines prekären Aufenthaltsstatus. Hinzu kommen spezifische Gesundheitsrisiken wie die weibliche Genitalverstümmelung bei einigen Gruppen von Migrantinnen oder ein erhöhtes Risiko für HIV bei Migrantinnen aus HIV-Hochprävalenzländern.
Sprachbarrieren
Eine weitere grosse Hürde zur gesundheitlichen Chancengleichheit sind Verständigungsschwierigkeiten. Mangelnde Sprachkenntnisse führen mitunter dazu, dass Migrantinnen präventive und medizinische Dienstleistungen weniger nutzen, obwohl sie wie alle in der Schweiz lebenden Personen grundsätzlich Zugang zu einer guten Versorgung hätten. Eine Studie hat zum Beispiel gezeigt, dass manche Empfehlungen wie die Einnahme von Folsäure in der Schwangerschaft bei Migrantinnen weniger gut bekannt sind und ungenügend befolgt werden. Kommunikationsprobleme mit medizinischen Fachpersonen können dazu führen, dass das Vertrauensverhältnis beeinträchtigt ist, was wiederum eine geringere Qualität der medizinischen Behandlung zur Folge haben kann.
Bund bekräftigt sein Engagement
Bereits 2013 hat die Tripartite Agglomerationskonferenz (TAK) den Integrationsdialog «Aufwachsen – gesund ins Leben starten» lanciert. Die TAK ist die politische Plattform von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden. Am Integrationsdialog beteiligen sich Akteure aller politischen Ebenen und jene Fachleute, die Eltern und Kinder während Schwangerschaft, Geburt und der ersten Lebensjahre betreuen und beraten. Angesichts der Ergebnisse des Berichts bekräftigt der Bundesrat sein Engagement im TAK-Integrationsdialog. Handlungsbedarf besteht gemäss den beteiligten Fachpersonen zum Beispiel beim Abbau von Sprachbarrieren, bei der Schulung der Gesundheitsfachpersonen im Umgang mit Migrantinnen und Migranten oder bei der Sicherstellung der Betreuungs- und Förderketten im Frühbereich. Die TAK wird im Laufe des Jahres 2017 Bilanz ziehen und aufzeigen, in welchen Bereichen weiterhin Massnahmen nötig sind.
Chancengleichheit für alle
Neben dem Integrationsdialog ist der Bund auch mit weiteren Projekten aktiv, um die Mütter- und Säuglingsgesundheit in der Migrationsbevölkerung zu verbessern. So setzt das Bundesamt für Gesundheit im Rahmen des Nationalen Programms Migration und Gesundheit verschiedene Massnahmen um, die auch Müttern und Kindern zugute kommen, beispielsweise die Sensibilisierung des Gesundheitspersonals für den Umgang mit Diversität. Gesundheitliche Chancengleichheit ist auch ein Ziel der bundesrätlichen Strategie «Gesundheit 2020».
Kontakt
Karin Gasser, Nationales Programm Migration und Gesundheit, <email-pii>