Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03292.jsonl.gz/527

Die Schweiz vertritt seit 1952 die britischen Interessen im Iran. General Zahedi fragt den Schweizer Gesandten an, wie Teheran Verhandlungen mit London betreffend die Ölfrage aufnehmen könnte.
Printed in
Wie ich Ihnen am gleichen Tage kurz telegraphisch mitgeteilt habe, hat General Zahedi mich am 27. Oktober in Gegenwart von Herrn Entezam – der gleichzeitig als Dolmetscher fungierte, da Zahedi nicht geläufig französisch spricht – empfangen, um den genauen Wortlaut der Deklarationen entgegenzunehmen, die Mr. Eden am 20. Oktober im Unterhaus über die britischen Beziehungen zu Iran abgegeben hat2. Der Regierungschef würdigte gebührend den freundschaftlichen Ton dieser Erklärungen und teilte mir mit, dass, da das Parlament zur Zeit nicht tage, in Aussicht genommen sei, in einer Pressekonferenz darauf zu antworten. Diese Pressekonferenz ist gestern um 12 Uhr durch Aussenminister Entezam einberufen worden; ich schreibe Ihnen darüber noch separat.
General Zahedi brachte das Gespräch alsdann auf die am 11. Oktober an Entezam übermittelte erste Botschaft Mr. Eden’s und wollte meine Ansicht darüber wissen, in welcher Weise die persische Regierung darauf antworten sollte. Ich gab der Meinung Ausdruck, dass der Vorschlag Mr. Eden’s auf jeden Fall eine grundsätzlich positive Antwort verdiene; falls, wie mir Entezam zu wiederholten Malen erklärt hatte, Bedenken wegen der öffentlichen Meinung beständen, die diplomatischen Beziehungen ohne Rücksicht auf das Ölproblem3 wieder aufzunehmen, so scheine es mir angezeigt, dies in Form eines Vorbehalts betreffend den Zeitpunkt der gleichzeitig zu veröffentlichenden Erklärung zu berücksichtigen. Falls von iranischer Seite eine solche zeitliche Verkoppelung der beiden Fragen für notwendig erachtet werde, sei es die Sache der persischen Regierung, ihren Willen, Verhandlungen betreffend die Ölfrage raschmöglichst einzuleiten, zum Ausdruck zu bringen. Auf die Frage Zahedi’s, in welcher Form dies geschehen könnte, erklärte ich, meines Erachtens bestände die Möglichkeit jemanden nach London zu delegieren, ein Zusammentreffen von Vertretern beider Parteien auf neutralem Boden zu veranlassen, London um die Entsendung eines Experten nach Teheran zu ersuchen, oder endlich London zu bitten, einen geeigneten Vorschlag zu unterbreiten. Zahedi erklärte mir darauf, dass er über keine geeignete Persönlichkeit verfüge, die er nach London oder zu einem Treffen auf neutralem Boden delegieren könne, weswegen die beiden ersten Möglichkeiten ausfielen. Hingegen wäre er damit einverstanden, einen englischen Vertreter hier zu empfangen oder London um einen anderen Lösungsvorschlag zu bitten.
Zum Schluss ersuchte mich der Regierungschef, ein Projekt für eine Antwort an Mr. Eden auszuarbeiten. Dieses Projekt habe ich tags darauf Herrn Entezam vorgelegt; dieser teilte mir schon zwei Stunden später bei einem von uns zu seinen Ehren organisierten Mittagessen mit, dass der Entwurf, abgesehen von einer minimen Änderung – «croit opportun» anstatt «vous propose» – die volle Zustimmung Zahedi’s gefunden habe. Entezam bat mich, die Absendung bis Donnerstagmorgen zu verschieben, um den Schah und eventuell auch das Kabinett noch konsultieren zu können4. Den Herrscher hat er am Mittwochnachmittag noch gesprochen; ich glaube aber zu wissen, dass der Text, wohl aus Gründen der Geheimhaltung, dem Kabinett nicht vorgelegt worden ist, da ein Mitglied der Regierung, das ich tags darauf traf, von der Anregung betreffend die Entsendung eines britischen Experten keine Kenntnis zu haben schien.
Zur Illustrierung der Tatsache, dass die Regierung mit der öffentlichen Meinung noch einige Schwierigkeiten hat, übersende ich Ihnen in der Beilage eine französische sowie eine für London bestimmte englische Übersetzung eines offenen Briefes, den Hossein Maki an den Regierungschef gerichtet und am 26. Oktober im «Chahed» veröffentlicht hat5. Maki wird zwar in weiten Kreisen nicht mehr sehr ernst genommen und dürfte über keinen grossen Einfluss mehr verfügen, doch werden die in diesem offenen Brief zum Ausdruck kommenden Gedanken immerhin noch von vielen Leuten geteilt.
Ich bin soeben in den Besitz Ihres Telegrammes6 gelangt, mit welchem Sie mir den Empfang der Botschaft durch Mr. Eden bestätigt und weitere Nachrichten für die nächsten Tage in Aussicht gestellt haben, und werde Herrn Entezam noch heute entsprechend unterrichten7.
P. S. Der Ihnen letzte Woche noch kurz gemeldete Ausweisungsfall des Herrn Walker, Korrespondent des «New Chronicle»8 konnte anlässlich meines Besuches bei General Zahedi ebenfalls geregelt werden. Da Walker bereit war, freiwillig am gleichen Tage nach Amman abzureisen, gab General Zahedi meinem Wunsche nach, die Atmosphäre nicht durch eine Ausweisung zu trüben und zog seinen Beschluss trotz einigen Bedenken zurück. Ein detaillierter Bericht darüber geht heute an die Abteilung für Internationale Organisationen ab9.
- 1
- Schreiben: E 2001(E)1969/121/86.↩
- 2
- Die iranische Regierung brach am 22. Oktober 1952 die diplomatischen Beziehungen zu Grossbritannien ab. Vgl. das Telegramm Nr. 23 der schweizerischen Gesandtschaft in Teheran an das Politische Departement vom 22. Oktober 1952, E 2200.141(-)1971/104/1.Die Schweiz übernahm gleichentags die Verantwortung für die Wahrung der britischen Interessen im Iran. Vgl. das Telegramm Nr. 49 des Politischen Departements an die schweizerische Gesandtschaft in London vom 23. Oktober 1952. Nicht abgedruckt. Vgl. die Notiz einer internen Konferenz des EPD vom 27. Oktober 1952, E 2001-02(-)-/19/6 (dodis.ch/9553) und den Bericht Nr. 1 von M. König an A. Zehnder vom 4. November 1952, ibid. (dodis.ch/10085). Vgl. auch E 2200.40(-)1967/128/41.↩
- 3
- Zur Ölproblematik vgl. E 2001(E)1969/121/254.↩
- 4
- Im August gelangte der Schah an A. Escher, um mit ihm über die Wiederanknüpfung der Beziehungen mit Grossbritannien zu sprechen. Vgl. das Schreiben von A. Escher an M. Petitpierre vom 27. August 1953. Nicht abgedruckt (dodis.ch/9549).↩
- 5
- Nicht abgedruckt.↩
- 6
- Vgl. das Telegramm Nr. 108 des Politischen Departements an die schweizerische Gesandtschaft in Teheran vom 31. Oktober 1953. Nicht abgedruckt.↩
- 7
- Zur Würdigung der Vermittlung von A. Escher zwischen Iran und Grossbritannien vgl. das Schreiben von H. de Torrenté an M. Petitpierre vom 1. Dezember 1953. Nicht abgedruckt (dodis.ch/10086).↩