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Milch ist nicht lagerfähig und fällt täglich an. Absatzsicherheit ist für den Milchproduzenten besonders wichtig. Wie kann die produzierte Milch optimal verkauft werden?
Der Milchmarkt
Der Milchmarkt weist Besonderheiten auf:
- Viele Anbieter (Produzenten) stehen relativ wenigen Abnehmern (Verarbeitern) gegenüber (asymmetrischer Milchmarkt). Die Abnehmer versuchen, den Druck des Markts auf den Milchpreis abzuwälzen. Die Produzenten versuchen, sinkende Erlöse mit Mehrmengen zu kompensieren.
- Die Milchproduktion zeichnet sich kostenseitig dadurch aus, dass der Anteil der Fixkosten relativ hoch ist. Investitionen in die Milchproduktion erfolgen mittel- bis längerfristig. Dies hat zur Folge, dass es für den Einzelbetrieb aus betriebswirtschaftlicher Sicht Sinn macht, das einzelbetriebliche Produktionspotenzial innerhalb der gegebenen Strukturen auszuschöpfen, auch wenn aus Zusatzmengen nur noch ein geringer Deckungsbeitrag resultiert.
- Milch ist nicht lagerfähig und fällt täglich an. Absatzsicherheit ist für den Milchproduzenten besonders wichtig. Bei einem Überangebot an Milch versucht der einzelne Milchproduzent oder die Produzentengruppierung, mit Preiskonzessionen einen Abnehmer zu finden.
- Natürliche Bedingungen verursachen Produktionsschwankungen, auf die der Produzent nur bedingt Einfluss hat. Der Markt reagiert mit Preisänderungen. Die Milchproduzenten können darauf kurzfristig nur bedingt reagieren.
- Der einzelne Milchproduzent und auch kleinere Produzentengruppierungen haben oft nicht alle Marktinformationen und sind nicht in der Lage, umfassende Marktabklärungen und Dispositionen vorzunehmen.
Milchverkauf mit Vertrag
Seit dem 1. Mai 2009 gibt es keine öffentlich-rechtlichen Kontingente und Lieferrechte beziehungsweise Basismengen mehr. Erforderlich ist ein Milchkaufvertrag von mindestens einem Jahr Dauer, der eine Vereinbarung über Milchmenge und Milchpreis für die einzelnen Produzenten enthält (Art. 36b Abs. 2 des Landwirtschaftsgesetzes). Die Verträge und die vereinbarten Mengen werden erfasst (Art. 43 Abs. 3 des Landwirtschaftsgesetzes). Seit Mai 2009 lassen sich keine Forderungen für "ehemalige" Kontingente mehr begründen.
Vom öffentlichen Recht her sind die Verarbeiter (Molkereien und Käsereien) frei, wie viel Milch sie bei welchen Milchproduzenten oder Verkaufsorganisationen einkaufen wollen. Die Milchproduzenten sind öffentlich-rechtlich frei, welchen Milchverwertern, Produzentengemeinschaften oder Produzentenorganisationen sie wie viel Milch verkaufen wollen.
Inhalt Milchkaufverträge
Wichtige Vertragspunkte sind:
- Rechts- und Vertragsverhältnisse
- Lieferbare und zu übernehmende Milchmengen
- Definition der Standardmilch, für welche der Basispreis gilt
- Preis für Vertragsmengen und darüber hinaus gelieferte Mengen
- Bezahlung der Milch nach Qualität und Gehalt sowie Saison
- Mess- und Zahlungsmodalitäten
- Erfüllungsort
- Silofreie Produktion
- Rapport- und Gesuchspflicht des Käufers
- Gehaltsermittlung bei Gehaltsbezahlung
- Probenahmen und Untersuchungen der Milch
- Haftung bei Mängeln
- Sicherheiten für das Milchgeld
- Vertragsanpassungen
- Vertragsdauer
Die Milchbranche publiziert Eckwerte für die Milchkaufverträge. Für Käsereimilch hat die SMP einen Mustermilchkaufvertrag erstellt. Relevant sind weitere Grundlagen der Milchverkaufsorganisationen.
Transparenz
Die SMP ruft die Marktpartner dazu auf, die Eckwerte umzusetzen und über transparente Verträge die Partnerschaft zwischen Milchproduzenten und Milchverarbeitern zu fördern. Das Milchpreismonitoring der SMP zeigt auf, dass mehrere Rappen Milchpreis von den Nebenkriterien der Milchkaufverträge bestimmt sein können.
Kontrolle der Abrechnungen und Vergleiche
Die Milchgeldabrechnungen sind regelmässig zu prüfen. Bei Vereinbarung unterschiedlicher Preise nach Verarbeitungsart der Milch müssen die Anteile auf der Abrechnung auch ausgewiesen werden. Bei wesentlicher Änderung der Verarbeitungsanteile müssen die Produzenten im Voraus informiert werden. Mit Teilnahme am Milchpreismonitoring der SMP können Vergleiche zu anderen Marktpartnern gemacht werden.
Qualitätsbezahlung
Die Grundanforderungen an die Milchqualität sind in der Milchprüfungsverordnung festgehalten. Die Untersuchungsmethoden, die Beanstandungsgrenzen und die Milchliefersperren sind öffentlich-rechtlich vorgeschrieben (Verordnung über die Hygiene bei der Milchproduktion vom 23. November 2005). Die Qualitätsbezahlung ist privatrechtlich in den Milchkaufverträgen zu regeln (vgl. Auszug der Vereinbarung der Dachorganisationen der Milchwirtschaft). Für Käsereimilch kommen zusätzliche Kriterien wie vorbebrütete Reduktase, Säureprobe oder Gehalt an Buttersäuresporen zur Anwendung. Auf das Jahr 2011 hin wurde die Qualitätskontrolle neu ausgerichtet und die Branche hat ein neues Qualitätsbezahlungssystem umgesetzt.
Ausblick
- Die Milchpreise werden zukünftig stärker schwanken.
- Das Umfeld ändert rasch. Deshalb ist es wichtig, sich laufend über die Veränderungen zu orientieren und allenfalls auch Beratung beizuziehen.
- Die privaten Akteure, die Organisationen wie auch der Bund sind weiterhin gefordert, mit optimalen Rahmenbedingungen eine prosperierende und qualitativ hochstehende Milchwirtschaft in der Schweiz zu ermöglichen.
Für Investitionen in Betriebe und Käsereien muss vorsichtig kalkuliert werden. Wo immer möglich müssen Massnahmen zur Kostenreduktion ergriffen werden. Bei Käsereien sind zur Risiko- und Wertschöpfungsverteilung neue Organisationsformen mit Beteiligung von Milchproduzenten und Käsern zu prüfen. Die Organisationen der Milchproduzenten bieten Hilfestellungen an.