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cash: Herr Jafar, Sie sind Chef bei Crescent Petroleum – einer Erdölfirma mit Domizil in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wie wird sich der Ölpreis entwickeln?
Badr Jafar: Gute Frage (lacht). Auf der einen Seite fährt die USA dank der Cracking- und Fracking-Methode die Ölproduktion hoch. Die USA fluten den Markt täglich mit etwa mit drei Millionen Barrel. Auf der anderen Seite wurde die Produktion in Libyen, Iran, Sudan und Syrien wegen politischer Turbulenzen in etwa demselben Umfang gedrosselt. Dies lässt die Preise seitwärts laufen.
Wird dies so bleiben?
Nein, in Zukunft wird das Angebot die Nachfrage überbieten und somit auf die Ölpreise drücken. In den kommenden fünf Jahren sehe ich Preise zwischen 70 bis 80 Dollar pro Barrel. Dies wird in etwa die Minimallimite sein. Denn die Erdöl produzierenden Staaten knüpfen ihr Budget an einen bestimmten Ölpreis. Saudi Arabien zum Beispiel kalkuliert mit 80 Dollar. Längerfristig erwarte ich aber erneut steigende Preise.
Die Nachfrage wird somit auf lange Sicht wieder zunehmen?
Während die Nachfrage in der OECD stagniert, hat sie in den übrigen Staaten deutlich zugenommen. Und dies dürfte anhalten. Allein in Asien wird für das laufende Jahr eine Zunahme von 1,5 Millionen Barrel pro Tag prognostiziert. Und sobald die Wirtschaft in Schwellenländern wie China wieder spürbar anzieht, gehen auch die Ölpreise wieder hoch.
Experten sagen, Erdgas könnte Öl allmählich verdrängen. Wie ist das zu verstehen?
Das könnte in der Tat der Fall sein. Wenn Erdgas verstärkt für den Transport von Waren und Personen eingesetzt wird, dann kann dies den Ölpreis empfindlich treffen. Derzeit werden 60 Prozent des Öls für den Transport von Waren und Personen verbraucht. Falls dieser Paradigmawechsel eintritt, droht dem Ölpreis eine grosse Gefahr.
Was müsste passieren, damit dieser Paradigmawechsel eintritt?
Derzeit sind die Technologie und die Infrastruktur noch nicht soweit, damit das Gas dem Öl den Rang ablaufen könnte. Man muss aber auch sehen, dass es für energieintensive Firmen reizvoll ist, auf Gasbetrieb umzusatteln. Denn Gas ist in den USA fünfmal billiger als Öl. Dies wiederum ist ein grosser Anreiz für Technologiefirmen, die Gastechnologie weiterzuentwickeln und massentauglich zu machen.
Wie sich der Ölpreis entwickelt, ist stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängig. Wie lautet Ihr Ausblick?
Ich bin zuversichtlich. Es gibt aber Destabilisierungfaktoren. Am meisten vermisse ich eine echte Kooperation zwischen den Regierungen. Die Alphatiere dieser Welt reden zwar miteinander, aber viel kommt dabei nicht raus. Ich sehe zu wenig der Sache dienliche und bindende Abmachungen.
Sie nehmen zum dritten Mal am Word Economic Forum teil. Wie erleben Sie diesen Event?
Davos bringt die Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zur selben Zeit am selben Ort zusammen, mit dem Ziel, die Herausforderungen der kommenden Jahre zu diskutieren und Lösungen anzudenken. Zudem bietet Davos eine fantastische Plattform, um Entscheidungsträger aus dem privaten und öffentlichen Bereich zusammenzubringen.
Was sind den die drängendsten Herausforderungen Ihrer Heimatregion, dem Mittleren Osten?
Die Volkswirtschaften jener nordafrikanischen Staaten, die eine Revolution durchmachten - wie zum Beispiel Libyen – sind noch sehr fragil. Diese gilt es zu stärken. Zudem hat der Mittlere Osten inklusive Nordafrika die grösste Jugendarbeitslosenrate der Welt. Wir müssen in den kommenden zehn Jahren 100 Millionen Jobs schaffen, um die Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit zu stoppen. Dies ist eine der grössten Herausforderung für die Stabilität der Volkswirtschaften in der Region.
Wie steht es um die Ressource Wasser?
Dies ist die dritte Herausforderung. Nirgends in der Welt ist die Wasserknappheit grösser als bei uns. Zwar leben nur 7 Prozent der Weltbevölkerung im Mittleren Osten, aber auch nur 1 Prozent der globalen Wasservorkommen befinden sich hier. Hinzu kommt noch eine weiteres ernst zu nehmendes Problem.
Dies ist...?
Dafür muss ich etwas ausholen. Im Mittleren Osten werden 90 Prozent des Anteils am BIP – ohne Miteinbezug der Erdölwirtschaft, durch Familienunternehmen erwirtschaftet. Die meisten dieser Unternehmen werden von der zweiten Generation geführt und sind daran, die Führung der dritten Generation zu übergeben. In Zahlen ausgedrückt: Allein in den kommenden zehn Jahren wechseln Vermögenswerte im Umfang von einer Billion Dollar die Hände.
Solche Übergansphasen gelten in der Regel als heikel - auch im Westen.
Dem ist so. Die Misserfolgsrate in dieser Phase beträgt global gesehen etwa 70 Prozent. Insofern besteht ein Risiko, das in den kommenden Jahren im Mittleren Osten Vermögenswerte von gegen 700 Milliarden vernichtet werden. Dies, weil Transparenz- und Zurechenbarkeitsstandards fehlen.
Und wie lautet Ihr Rezept, diese enorme Wertvernichtung zu verhindern oder möglichst klein zu halten?
Ich habe zusammen mit der UNO die Pearl-Initiative lanciert. Hierbei geht es um die Ausarbeitung von Transparenz- und Zurechenbarkeitsstandards. Firmen, die diese Standards adaptieren, meistern diese Phase besser als andere. Allerdings gibt es diesbezüglich noch viel zu tun. Was bislang erreicht worden ist, reicht nicht aus.
Badr Jafar (34) ist Geschäftsführer der Crescent Group, CEO von Crescent Enterprises und Präsident der Crescent Petroleum. Cresent Petrolium ist auf die Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen spezialisiert. Das Unternehmen ist auf vier Kontinenten präsent, mit Schwerpunkt Mittlerer Osten und Nordafrika. Cresent Enterprises managet alle Aufgaben ausserhalb des Öl- und Gasgeschäfts. Zusammen mit den Vereinten Nationen gründete Jafar die Pearl-Initiative, um bei Unternehmen im Nahen und Mittleren Osten Standards im Bereich Transparenz und Rechenschaftspflichten zu fördern.