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Das Buch stellt den Wandel der Zahnmedizin vom peripheren Wissensgebiet zum renommierten Bestandteil des Medizinstandorts Bern dar.
Die Gründung des ersten Zahnärztlichen Instituts der Universität Bern im Jahr 1921 bezweckte die Versorgung der Bevölkerung mit einer Zahnmedizin, die mehr konnte, als kranke Zähne zu extrahieren. Die Berufsorganisation der Zahnärzte hatte eine Vermehrung der Ausbildungsplätze gefordert, nachdem ein Streit mit Zahnbehandlern ohne universitäre Ausbildung um das Behandlungsmonopol im Mund eskaliert war.
Die Entwicklungsmöglichkeiten waren in den ersten Jahrzehnten begrenzt. Das Institut war in ehemaligen Büroräumen untergebracht, die wenig Spielraum zum Ausbau der Infrastruktur liessen. In der Medizinischen Fakultät hatten sich die Zahnmediziner erst noch als Wissenschaftler zu beweisen. Mit der Verlegung des Instituts auf das Areal des Inselspitals im Jahr 1954 kamen neue Rahmenbedingungen. Nach einer Neuorganisation der Fakultät Ende der 1960er-Jahre wandelte die Kantonsregierung die Institutsabteilungen in fünf eigenständige Kliniken um und beförderte deren Chefs zu ordentlichen Professoren. An der Jahrtausendwende steigerte eine Reorganisation im Zeichen des New Public Management die Bedeutung des Dienstleistungsbereichs der Kliniken.
Waren immer wieder neue Anstrengungen nötig, um der Zahnmedizin an der Universität Bern eine Zukunft zu geben, traten auch Fragen mit grundsätzlicher Bedeutung für die Medizin und die Wissenschaften auf: Darf der Staat in die persönliche Freiheit eingreifen, um ein «Volksübel» wie die Karies einzudämmen? Welche Werte sollen eigentlich (zahn-)ärztliches Tun anleiten? Und: Wie lässt sich die Unabhängigkeit der Hochschulforschung gewährleisten, wenn zusammen mit Industriebetrieben an neuen Therapien geforscht wird?
Niklaus Ingold: Die Berner Zahnmedizin 1921–2021. Aufschwung eines Fachgebiets, hrsg. v. den Zahnmedizinischen Kliniken der Universität Bern, Bern: Stämpfli 2022.