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Alexander Heimann
Muttertag
Cosmos Verlag, 2001
Aus: Alexander Heimann. Muttertag. Cosmos Verlag, 2001
Kammermann erreichte das jetzt verlassene und abgesperrte Flussbad, das bereits für den Winter eingemottet worden war. Die mit Graffiti aller Art besprühte Bretterwand, welche das Bad längsseits gegen den Fluss abschloss, deckte nun sämtliche vor-hin noch ab und zu vernehmbaren Geräusche ab, nur vom in der Höhe gelegenen Bahndamm drang das sich rasch entfernende Rasseln eines gegen Norden fahrenden Zuges.
Und wie Kammermann nun dem knapp einen Kilometer entfernten Stauwehr entgegenging und linker Hand bloss noch das eiserne Geländer und die schwarze Masse des hier fast stillstehenden Flusses neben sich hatte, überkam ihn eine grosse Verlassenheit und es dünkte ihn, jenseits der Bretterwand marschiere der Tod mit ihm.
Doch am unteren Ende des Bades tat sich die Landschaft wieder auf, wurde gegenwärtig sozusagen. Obschon Kammermann jetzt hätte aufatmen können, plagte ihn weiterhin ein ungutes und bedrückendes Gefühl. Er hörte nun bereits das Rauschen des nahen Wehrs, das sich hinter vom Wasser aufsteigenden Dunstschwaden verbarg und eine Art Abschluss darzustellen schien, ein grau verhangenes Tor, hinter dem gar nichts oder auch eine schicksalsschwere Überraschung auf ihn warten mochte.