Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03435.jsonl.gz/2138

Zu Beginn des 19. Jh. werden diverse Wissenschaftler auf die Existenz und Funktion der Atmosphäre aufmerksam, worauf erste Vermutungen über einen Zusammenhang mit der Erdtemperatur entstehen. Dem Mathematiker Joseph Fourier fällt 1824 auf, wie die von der Sonne kommende Energie in Form von sichtbarem und ultraviolettem Licht die Erdoberfläche erwärmt, dass aber die anschließend von der Oberfläche der Erde abgestrahlte Infrarotwärme länger in der Atmosphäre verbleibt.
Somit begründet er die These vom Treibhauseffekt, die vorerst unbewiesen erst 40 Jahre später vom Briten John Tyndall wieder aufgenommen wird. Dieser bezeichnete Wasserdampf als hauptverantwortlich für den Effekt und nannte weiter die Beiträge der Gase Kohlenstoffdioxid (CO2) und Ozon (O3) als schwächere, aber nicht zu vernachlässigende Faktoren. Ihnen folgt der Schwede Svante Arrhenius der um die Jahrhundertwende erste Berechnungen veröffentlicht, die bereits eine globale Erwärmung aufgrund der vom Menschen verursachten CO2 Emissionen bestätigen. Der Begriff vom Klimawandel etabliert sich durch ihn und wird Forschungsgeschichte, an der bis heute intensiv und umstritten geschrieben wird.
Skepsis und Ablehnung
Aufgrund ungenauer Messdaten generierter Auseinandersetzungen der Befürworter wie auch der Gegner der Theorie einer globalen Erwärmung durch Treibhausgase bildete sich erst in den 60er Jahren politischer wie wissenschaftlicher Konsens darüber. Die These verfestigt sich dann ab den 80er Jahren zur wissenschaftlichen Theorie. Die Diskussion um den menschlichen Einfluss auf die Erwärmung wird noch immer geführt, da nur etwa ein Drittel der Treibhausgase direkt wärmenden Effekt haben. Der grösste Teil geht als Folge auf nicht genau quantifizierbare Rückkopplungsvorgänge zurück.
Über die Effekte der kommenden Klimaerwärmung kann nur spekuliert werden, da sie historisch einzigartig in einer eigentlichen erdgeschichtlichen Phase der Abkühlung auftreten. Dieser Wandel verändert die seit etwa 10 000 Jahren andauernde klimatische Stabilität, die unsere menschliche Zivilisation erst ermöglichte.
Ein Begriff im Wandel
Schlug der genannte Svante Arrhenius noch zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts die massenhafte Verbrennung von Kohlebeständen an, um die Temperaturen zugunsten besserer Ernten zu steigern, stehen wir klimatischen Veränderungen heute weniger euphorisch gegenüber. Zu Recht, da unbekannte Risiken mit weitreichenden Konsequenzen drohen. Jedoch darf eine gewisse Gelassenheit dazu nicht fehlen. Das globale Klima kann als ewig andauernde Achterbahnfahrt bezeichnet werden, heftige Schwankungen in erdgeschichtlich kurzen Intervallen sind die Regel. Spätestens seit Fukushima verändert sich unsere Haltung zum Wandel in zaghaft pragmatischer Weise. Wir beginnen zu begreifen, wie uns konkrete Lösungsansätze weiter bringen als diffuse apokalyptische Ängste, die weltweit kulturell tief verankert sind (Sintflut).
Klimawandel als Chance
Vermehrt wird heute unsere Anpassungskapazität betont, den Gebrauch von Ressourcen dank innovativer Mittel aus Technik und Wissenschaft favorisiert, obschon wir wohl mit Reduktion nachhaltiger fahren würden. Der Klimawandel als Begriff materialisiert sich nun zunehmend in umgesetzten Erkenntnissen aus fortschrittlicher Forschung. Gerade jüngere Generationen bemühen sich um Alternativen zu den fossilen Energieträgern und um die Verringerung ihres Kohlenstoffausstosses. Aber auch Senioren aus der Nachbarschaft ersetzen unlängst das Mofa mit einem E-bike. Wachsende Akzeptanz gegenüber dem Problem lässt uns die globale Erwärmung mehr und mehr als Aufforderung zu Neuerungen begreifen. Der Klimawandel als Test für unsere Überlebensfähigkeit, als Auslöser für eine Rückbesinnung auf alte Pioniertage. Da der Klimawandel uns nicht als einziges langfristiges Umweltproblem beschäftigen wird, ist eine Begriffsveränderung von grosser Bedeutung. Gerade auch im Hinblick auf die Verschmutzung der Meere oder die Stabilität unserer Ökosysteme müssen wir mit ehrgeizigem Mut neue Strategien voranbringen. Daher sind wir gut beraten, nicht zu resignieren. Die Ziele sind gesetzt – wagen wir es, sie umzusetzen!