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Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse tritt erneut in die Diskussion um den Benzinpreis ein. Verbandsdirektor Pascal Gentinetta sieht wegen des geplanten Nuklearausstiegs markant höhere Treibstoffpreise auf die Schweiz zukommen, verlangt aber auch, dass Bahnfahrer mehr für ihre Billette bezahlen.
Economiesuisse trage die vom Bundesrat eingeleitete Energiewende mit, sagte Geninetta im Gespräch mit dem "SonntagsBlick". Allerdings verschleiere die Regierung die Kosten für die Abkehr von Atomkraftwerken.
Der Stromverbrauch lasse sich kaum stabilisieren, solange die Bevölkerung und die Wirtschaftsleistung wüchsen. Eine angestrebte Lenkung der Energienutzung durch mehr Steuern führe zu höheren Treibstoffpreisen: "Eine Erhöhung des Benzinpreises um rund drei Franken pro Liter auf fünf Franken wäre nötig", sagte Gentinetta.
Vor drei Wochen hatte Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli mit ähnlichen Aussagen zu einem höheren Benzinpreise für Schlagzeilen gesorgt. Wehrli habe aber nur über die mögliche künftige Zusammensetzung der Kosten im Privatverkehr nachgedacht und nicht die Erhöhung des Benzinpreises gefordert, sagte der Verband damals.
Aus Economiesuisse-Sicht ist die Mobilität generell zu billig, auch das Bahnfahren: "Bahnbenutzer sollten vermehrt ihre Vollkosten selbst decken", sagte Gentinetta. Die Autofahrer müssten heute auch für den grössten Teil der Kosten aufkommen, die sie verursachten.
Zugreisende bezahlten selbst nur etwa die Hälfte der Kosten, was eine "massive" Subventionierung der Bahn zur Folge habe. Daraus ableiten, dass sich Ticketpreise verdoppeln müsste, wollte der Economiesuisse-Geschäftsführer aber nicht. Die Preispolitik sei Angelegenheit der SBB, sagte Gentinetta.
Abkommen mit EU
Economiesuisse will in den nächsten Monaten mit eigenen Vorschlägen zur Energiezukunft Alternativen zur Haltung des Bundesrates präsentieren. Um die Stromversorgung ohne Atomkraftwerke sicherzustellen, brauche es entweder Gaskombikraftwerke oder einen Stromimport im grösseren Stil, sagte Gentinetta.
Für den Stromimport brauche es ein Energieabkommen mit der EU. "Klar ist: Die Schweiz muss einen Teil ihrer strategischen Unabhängigkeit und einen Teil ihrer Bemühungen in Sachen Umweltschutz dem Atomausstieg opfern - oder einen hohen volkswirtschaftlichen Preis bezahlen", sagte Gentinetta.
SDA-ATS