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Was war denn das? Eben knickste mir die Amsel dort auf dem umspülten Stein im munter sprudelnden Bach noch aufgeregt zu - und nun ist sie verschwunden, fort! Weggeflogen? Nein, das hätte ich doch gesehen.
Ein tauchender Singvogel? Das gibt es tatsächlich! (Foto: Annegret Schnider)
Komisch. Aber da ist sie ja schon wieder, etwas weiter unten, eben aufgetaucht aus der reissenden Strömung, schwimmt sie wendig ihrer steinigen Sitzwarte entgegen, hüpft hinauf und knickst mir wieder zu als ob nichts passiert wäre. Ein tauchender Singvogel? Unglaublich!
Ich beobachte also ganz offensichtlich eine Wasseramsel (Cinclus cinclus), die sich eben auf der Suche nach Nahrung in die Strömung gestürzt und unten im Flussbett zwischen den Steinen ein paar Sekunden lang nach Larven von Wasserinsekten gestochert hat.
Was für ein beeindruckender Vogel, der fliegen, schwimmen und tauchen kann. Gibt es eine andere Singvogelart, die das der Wasseramsel nachmacht? Nein - keine!
Wasseramseln gehören deshalb zu einer eigenen kleinen Vogelfamilie, den Wasseramseln Cinclidae. Diese Familie umfasst nur 5 Arten. Ihre Vertreter sind über Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien verbreitet. Sie alle leben ausschliesslich an Fliessgewässern, Ihre Gefieder sind sehr ähnlich gefärbt und sie haben auch alle ein ähnliches Verhalten.
Amseln und Wasseramseln sind nicht näher verwandt
Amseln hingegen gehören zur viel grösseren Familie der Drosseln Turdidae, die weltweit gegen 150 Arten umfasst. Ihre Vertreter leben in vielen verschiedenen Lebensräumen, vorwiegend auf Bäumen und Futter suchend am Boden, aber nie ganzjährig ausschliesslich an Gewässern. Eine nähere Verwandtschaft zwischen den beiden Familien, auch wenn die deutschen Artnamen verwirrend ähnlich klingen, besteht nicht.
Wasseramseln haben sich in vielerlei Hinsicht perfekt an den Lebensraum Fliessgewässer angepasst. Der häufige Aufenthalt im und unter Wasser bedingt zum Beispiel ein speziell dichtes, pelzdunenreiches Gefieder und eine grosse Bürzeldrüse, die genügend Sekret zur wichtigen Gefiederpflege liefert.
Ein kräftiger, schwerer Knochenbau ermöglicht den Vögeln leichteres Eintauchen und Jagen am Bachgrund. Hornschienen an den Laufknochen schützen sie vor Verletzungen im Gewirr der vielen oft scharfkantigen Steine im Gewässerbereich, und starke Zehen mit extrem spitzen Krallen erleichtern ihnen sichere Fortbewegung unter Wasser und Herumklettern im steinigen, glitschigen Uferbereich.
Weiter gibt ihnen eine kräftige Augenmuskulatur die Fähigkeit über und unter Wasser scharf zu sehen; eine halbtransparente Nickhaut (Taucherbrille) schützt zusätzlich das Auge. Und schliesslich machen Verschlusshäute an der Nasenöffnung und eine Hautfalte an der Ohröffnung beim Tauchen die beiden Organe dicht.
Wasseramseln haben im Lebensraum Wasser aber auch ihr Verhalten angepasst. Dazu gehört das bereits erwähnte ständige Knicksen, oft verbunden mit Flügelzucken und Schwanzstelzen, und das häufig zu hörende muntere Liedlein mit trillernden aber auch knirschenden Lauten, das von Männchen und Weibchen das ganze Jahr über zu hören ist.
Man nimmt heute an, dass beide Verhaltensweisen, Knicksen und häufiger singender und rufender Stimmeneinsatz, in der lauten Umgebung schnellfliessender, rauschender Bäche sowohl einer guten Verständigung unter den einzelnen Bachbewohnern als auch der Feindabwehr bei Störung und Bedrohung gilt.
Nebst der geschilderten Futtersuche am Bach- oder Flussgrund, die man auch in unserer Gemeinde an der Birs regelmässig beobachten kann, schafften Wasseramsel-Paare eine noch ganz andere staunenswerte Leistung. Sie zogen in den vergangenen Jahren mehrmals an der Staumauer des Kraftwerks Birseck-Münchenstein eine Brut hoch und zwar in Kugelnestern, die sie in die Wand hinter dem oft beträchtlich rauschenden Wasserfall einbauten! Das hiess also, während dem Nestbau, der mehrwöchigen Brut- und späteren Versorgungszeit der Küken, vielmals täglich durch die herabstürzenden Wassermassen hindurchzufliegen!
Wie haben es diese unerschrockenen, mutigen Vögel immer wieder geschafft, schadlos das nasse Hindernis zu überwinden und das dahinterliegende Nest präzise zu erreichen? Es scheint, dass sie den auf sie einwirkenden Wasserdruck während des Durchflugs geschickt "verrechneten", weil sie beim Anflug das verdeckte Nest stets etwas höher anflogen. Meiner Vereinskollegin Annegret Schnider ist es in tollen Schnappschüssen gelungen, dies gekonnt zu dokumentieren.
Welche Vögel sonst noch in Münchenstein vorkommen, erfährst du hier.
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Text: Peter Jascur*
Fotos Wasseramsel: Annegret Schnider.
Foto Amsel: Andi Meier.
*Peter Jascur ist der Kopf hinter den "Ornithologischen Steckbriefen".
Dieses ausführliche und doch handliche Taschenlexikon stellt die 234 häufigsten in der Schweiz be-obachtbaren Vogelarten vor. In 2-seitigen Portraits vermittelt es eine Fülle von Informationen zu Bestim-mungsmerkmalen, Verbreitung, Bestand, Zugstrategie, Gefährdung, Nahrung, Stimme, Verhalten und Fort-pflanzung jeder beschriebenen Art.
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