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Newsletter 15: Vergessen & auf vorhandenes Wissen und Können beim Klavierspielen zurückgreifen
Es ist mir schon öfter begegnet, dass erwachsene Schüler konkret EIN ZIEL vor Augen hatten und dann versuchten, dieses mit größter Konsequenz zu verfolgen. Beim Klavier spielen handelt es sich natürlich um ein bestimmtes Stück, welches der Schüler dann Note-für-Note erlernen möchte. (Meistens sind es Männer, welche ein solches Vorgehen bevorzugen.)
Wichtig ist, dass man auf vorhandenes Wissen und Können beim Klavierspielen zurückgreifen kann.
Meistens passiert jedoch folgendes wenn jemand ein Stück am Klavier erarbeitet: Zuerst werden die Bewegungsabläufe langsam geübt, Ton für Ton, dann wird es viele, viele Male wiederholt, bis ein Stück zu erkennen ist. Und so arbeitet man sich durch das ganze Stück hindurch. Am Schluss hört sich das Ganze dann nicht wirklich musikalisch an, aber vermutlich irgendwie “richtig”.
Eine kleine Analogie dazu:
Stell dir vor, du müsstest ein Gedicht auf japanisch lernen. Du hast bis anhin keine Ahnung von japanisch und hörst dir 1000x mal die Laute an und probierst diese wiederzugeben. Silbe-für-Silbe. Irgendwann, wenn du es genug oft repetiert hast, wirst du das ganze Gedicht herunterrattern können.
- Wenn du dies einem Japaner vortragen würdest, wie würde diese Person reagieren?
- Würde sie applaudieren oder etwas verdutzt dreinschauen oder sogar etwas amüsiert sein?
- Hast du nach dieser Übung japanisch gelernt?
Die Antwort liegt auf der Hand. Natürlich hättest du keinen blassen Schimmer von dem, was du getan hast. Und vielfach stelle ich fest, dass Pianisten/Pianistinnen genau ein solches Vorgehen wählen. Und erzielen dann entsprechende Ergebnisse. Sie merken selber, dass es “noch nicht so gut” ist und repetieren dasselbe nochmals und nochmals. Doch Klavier spielen ist viel mehr, als nur Finger & Hände, die sich bewegen.
Es gibt offensichtlich ein Problem dabei: Was wenn plötzlich die Finger nicht mehr mitmachen resp. wenn der Kopf ein sog. Blackout hat? Ist die Person einfach nur vergesslich? Oder sogar dumm oder nicht talentiert? Wohl kaum, das Vorgehen war einfach nicht effektiv. Vermutlich kennst du die Situation mit dem Blackout von früher, wo du vielleicht mal einen Vortrag halten solltest über ein Thema, welches du rein verstandesmäßig erarbeitet hast, ohne emotionale Verbindung.
An vorhandenes Wissen und Können beim Klavierspielen zurückgreifen
Tatsache ist, wir lernen dann am effektivsten, wenn wir an vorhandenes Wissen & Können anknüpfen können. Wenn ich innerhalb von 2 Wochen eine Fuge von Bach lernen sollte, hätte ich vermutlich meine größte Mühe. Vielleicht würde ich es schaffen – aber nicht wirklich, denn ich kenne die Wesensmerkmale einer Fuge zu wenig und es ist nicht die Musik, die ich wirklich “gut im Ohr” habe. Anders dagegen ein Pop oder Jazzstück – dieses kann ich viel rascher lernen.
Darum ist es so wichtig, dass du die Basics des PianoStarters 120% beherrschst, dann kannst du wirklich auf dieses vorhandene Wissen & Können aufbauen.
Mit musikalischen Grüssen
Sven