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Der Wirt des «Central» sorgte in seinem «Garten-Kino» für Stummfilmvergnügen
Historisches Vor 110 Jahren betrieb das Oltner Restaurant «Central» in seiner Gartenwirtschaft ein Open-Air-Kino. Unter schattigen Bäumen am Aareufer konnten die Gäste des «Central» einen Abend lang Stummfilme ansehen.
Open-Air Kinos sind keine neue Erfindung. Noch vor dem ersten Weltkrieg war der Garten-Kinematograph des «Café Central» die grosse Attraktion im sommerlichen Olten. Sobald im Frühjahr 1913 die Abende wärmer wurden, zeigte der Wirt Hans Glanzmann jeweils an den Wochenenden eine bunte Mischung von Stummfilmen an der frischen Luft.
Hans Glanzmann führte ursprünglich den kleinen Laden im Hammerquartier weiter, wo seine Eltern Milch, Butter und Käse verkauft hatten. Bald aber weitete der junge, 1880 geborene Hans sein Geschäftsfeld aus, indem er neu auch auf die Fabrikation von Limonade sowie auf den Handel mit Mineralwasser und Wein setzte. Da lag es auf der Hand, dass er bald zusammen mit seiner Frau Maria Ida, geborene Friedli, auch ein Restaurant übernahm. Am Samstag, den 24. Mai 1913, machte er deshalb in einem Inserat bekannt, dass er bereits ab dem 2. Mai den Wirtschaftsbetrieb «Café Central» übernommen habe.
Kino im «gutgedeckten Garten»
Das «Central» lag am Anfang der Aarburgerstrasse, auf der Aareseite, Haus Nummer 2 direkt bei der alten Holzbrücke. Es besass eine ansehnliche Gartenwirtschaft mit einem prächtigen Baumbestand. Zur Gartenwirtschaft gehörte auch eine kleine Bühne, wo Orchester wie beispielsweise 1913 «die Prima Mailänder Kapelle» aufspielten oder wo sich Kleinkünstler produzierten. So lud denn Hans Glanzmann-Friedli auf den kommenden Sonntag zu einem «Konzert bei guter Musik» in den «Central»-Garten ein. Gleichzeitig kündigte er «über den Sommer jeden Samstag und Sonntag» den «Garten-Kinematograph» an, «erstmals am 31. Mai». Die Wirtsleute des «Café Central» vergassen nicht zu betonen, dass sie über einen «gutgedeckten Garten» verfügten.
Die vielen Bäume der Gartenwirtschaft schützten gegen Regen und spendeten reichlich Schatten, doch auch bei den Filmvorführungen war die Überdachung sicher nützlich. Denn die Vorstellungen begannen jeweils abends um acht Uhr oder halb neun Uhr. Das Kinobillet kostete je nach Programm 20 oder 30 Rappen.
Das Unternehmen startete erfolgreich. Schon Ende Juni konnte Hans Glanzmann einen neuen Projektor in Betrieb nehmen. Und fürs 1914 plante er den Bau einer Kinohalle. Allerdings waren die Sicherheitsvorschriften – zurecht – sehr streng, so dass er das Vorhaben aufgab.
Varieté-Programm auf der Leinwand
Das Programm mit den kurzen Stummfilmen in Schwarz/Weiss war äusserst abwechslungsreich und bunt. Es gab Naturaufnahmen, Berichte aus fernen Ländern, kurze Dramen, Humoresken, Zirkusnummern und Wild-Westfilme. Auf der Leinwand erschienen sogar Aktuelles, eine «Lebende Zeitung (neueste Berichte aus aller Welt – Mode, Sport, Aktualitäten)», eine Art Filmwochenschau also. Am letzten Wochenende des Monats Juni engagierte Hans Glanzmann zudem die Volksmusikanten «D‘Innthaler» für Frühschoppen- und Abend-Konzerte mit Musik und Humor. Für die Filme galt: «An beiden Tagen von 8½ Uhr an spielt der Garten-Kino! extrem prächtiges Programm, vorgeführt mit neuem Apparat». Im betreffenden Inserat listete der Central-Wirt die Streifen auf, die er mit seinem neuen Kinematograph vorführte.
Der Abend begann mit der Aktualitätenschau «Bilder des Tages». Es folgte ein Film über die Naturschönheiten am westenglischen «Tamar-Fluss». Danach wurde das Publikum mit dem schwergewichtigen Wrestler und Artisten Emil Naucke als Jongleur und mit dem dummen Augustin als Garderobier zum Staunen und Lachen gebracht. «Mucki sucht Stellung» – gemeint eine Arbeitsstelle – war eine 1913 in Italien gedrehte Filmkomödie, welche auch in Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien gezeigt wurde. Der Central-Wirt muss gute Beziehungen gehabt haben, um diesen Blockbuster programmieren zu können. Hauptact im Glanzmanns Affiche war «Das Gesetz der Prärie», laut Inserat ein «erstklassiger Schlager in 2 Akten» über das « Leben und Treiben im wilden Westen». Diese auf zwei Filmrollen verteilte Schau dürfte ohne Pause gut zwanzig Minuten gedauert haben. Alle diese Filme funktionierten sehr gut auch ohne Sprache. Sie waren in Schwarz/Weiss gedreht. Es gab aber Ausnahmen wie das «als Schlager-Film» beworbene Porträt «Die Spitzenklöpplerin», welches farbig «coloriert» im Oltner Garten-Kino vorgeführt wurde.
Hans Glanzmanns «Central» war nicht die einzige Gelegenheit für ein Kinovergnügen. Als Ende Juni 1913 das Schweizerische Grütli-Turnfest in Olten stattfand, gastierte der Zürcher Schausteller und Filmpionier Philipp Leilich mit seinem Wanderkino «Riesen-Kinematograph» auf dem Munzingerplatz. Und an der Kilbi führte Alexander Dahlmann-Fasold aus Yverdon mit seinem «Kinematograph Royal» Filme vor.
Wiedereröffnung 1914
Auch im Folgejahr führte Glanzmann sein Lichtspieltheater im Garten weiter. Er feierte die Wiedereröffnung der Gartenwirtschaft mit einem Auftritt «der rühmlichst bekannten Luzerner Juxbrüder». Das «neu eingerichtete» Kino Central startete mit «grossen Eröffnungs-Vorstellungen» je abends um 8 Uhr. Die Eintrittspreise betrugen 70 Rappen für den 1. Platz und 40 Rappen für den 2. Rang, ein Konsumationszwang bestand nicht. In seinem Open-Air-Kino hatte Hans Glanzmann total sechs Kurzfilme programmiert. Zuoberst auf der Affiche erschien das Kriminal-Schauspiel «Die schwarze Maske. Ein äusserst tollkühn gespieltes Drama; in den Hauptrollen das elegante Künstlerpaar Olga und Charles Benetti» (Originaltitel «Il club delle maschere nere»).
Zwei Jahre später gab Glanzmann das Wirten auf und widmete sich ganz dem Getränkehandel. Mit dem Ende von Hans Glanzmanns «Garten-Kinos» im Oltner «Café Central» war auch diese Episode wieder Geschichte.
Quellen: Stadtarchiv Olten, Stadtbibliothek Olten.