Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03565.jsonl.gz/1078

Der Anfang
Dass die Oberdorfer am Fusse des Hohen Kastens seit jeher ein sangesfreudiges und frohes Völklein waren, die über ein vortrefflich gutes Stimmenmaterial verfügten, war längstens bekannt. So ist es absolut nicht verwunderlich, wenn die mit Musikgehöhr begabten Jungmänner im Jahre 1921 mit dem im Vorjahr neugewählten HH. Pfarrer Alois Hogg zusammentrafen, um über die Gründung einer Blechmusikgesellschaft zu beraten.
Am 27. April 1921 traten 15 Jungmänner mit dem Pfarrherrn zusammen, um den Verein zu gründen, wobei sich der Pfarrer als Lehrer und Leiter der Gesellschaft anerbot. Schon bald vollzog sich eine
Mutation, indem sechs Mitglieder den Dienst quittierten, während nur ein Neueintritt zu verzeichnen war. Damit zählte die erste Bläsergruppe 10 Mitglieder.
Dass sich zu Anfang Schwierigkeiten in den Weg legen würden, verschwieg der Musiklehrer keineswegs. Ein nicht leicht zu lösendes Problem stellte die Finanzfrage. Für Instrumente und Notenmaterial wurde damals ein Betrag von Fr. 1500.- vorgesehen. Wie diesen Betrag aufbringen? Nachdem durch die Harmonie Appenzell zwei Lerninstrumente leihweise zur Verfügung standen, erwies es sich bald, dass nur eine Gesamtinstrumentierung zu Erfolg führen könne.
Eine Sammlung durch die Musikanten in der Gemeinde ergab etwas über Fr. 300.-. Dennoch wurden im Jahre 1922 bei der Firma Wolf in Frauenfeld die nötigen Instrumente beschafft, deren Betrag auf
Fr. 1'046.70 lautete. So wurde mit den obligatorischen Proben begonnen, als auch zu Hause fleissig geübt, so dass bald einige Lieder und leichte Märsche gespielt werden konnten.
Die erste öffentliche Produktion fand am heiligen Abend 1922 vor dem Kirchenportal statt, mit den Beiträgen „Trittst im Morgenrot daher“ und „Stille Nach, heilige Nacht“.
Die erste Fahne
Zur Zeit der Vereinsgründung und insbesondere während der wirtschaftlich schwierigen Zwischen-kriegsjahre war es nicht üblich, dass Landvereine im Besitze einer Vereinsfahne waren. Es war auch in Brülisau nicht anders. Die spärlich verfügbaren Finanzmittel wurden dringendst für die Beschaffung von Instrumenten und Notenmaterial gebraucht. Trotzdem hegte man den geheimen Wunsch nach Fahne und Uniform, und nach 25 Jahren war das Traktandum reif für die Realisierung.
An der Hauptversammlung 1946 wurde endlich dem langersehnten Fahnenwunsch zugestimmt. Das Finanzierungskonzept schien genügend solide zu sein. Es wurde eine ahnenkommission beauftragt Entwürfe zu erarbeiten. Mit beratender Unterstützung von kompetenten Fachleuten wurde aus über 20 Vorschlägen der vom Heraldiker Signer ausgearbeitete Entwurf der Firma Kurer in Wil zur Ausführung gegeben.
Die Einweihe der Fahne erfolgte am 7. September 1947. Das Einweihungsfest wurde begleitet durch die Musikgesellschaft Harmonie Appenzell als Patensektion, sowie Benedikta Manser als Fahnengotte und J.B. Neff, Waldschaft, als Fahnengötti. Seither hatten die Brülisauermusikanten ein Banner, ein Symbol der Zusammengehörigkeit.
Die Uniform
Aus demselben Grund, dem mageren Vereinssäckel, wurde die Anschaffung einer Uniform anfänglich als nicht höchst prioritär eingestuft und deshalb vorerst adacta gelegt. Um das einheitliche Erscheinungsbild nach aussen sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl der Musikanten trotzdem einigermassen zu wahren, hatte man sich 1925 zum Kauf einer einheitlichen Kopfbedeckung, einer Mütze, entschieden. Doch mit den zunehmenden Teilnahmen an Musikfesten und Musiktagen beschlich die Brülisauer allmählich ein Minderwertigkeitsgefühl, vor allem als man am Kantonalen 1946 in Appenzell als einziger Verein ohne Banner und Uniform antreten musste.
Die ausserordentliche Hauptversammlung am 21. Januar 1947 beschloss die langersehnte Anschaffung der Uniform. Bereits am 7. September 1947 durfte die Brülisauer Musik anlässlich eines zu diesem Zweck organisierten Dorffestes zum ersten mal im neuen Gewand, aus währschaftem, dunkelblauem Stoff geschnitten, vor die Öffentlichkeit treten. Damit waren zumindest die dekorativen Voraussetzungen erfüllt zum Gleichzug mit anderen Musikvereinen in der Region. 25 Jahre hielt die Kleidung den Strapazen stand. Dies ist um so erstaunlicher, als während der fünfziger und sechziger Jahre praktisch ohne Autos zu Festanlässen disloziert werden musste und dies bei allen möglichen Wetterverhältnissen. Zudem kommt, dass die jeweils anschliessenden sogenannten geselligen Stunden die Uniform oft zusätzlich strapazierten.
Seither wurden die Musikanten zweimal neu eingekleidet. 1971 anlässlich ihres 50jährigen Bestehens wurde eine Uniform in Anthrazit beschafft. Zwanzig Jahre später, 1991 entschied man sich für eine zweifarbige – Kittel dunkelrot, Hose hellgrau -, modern geschnittene Uniform.