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Eine Flugstunde südöstlich der Amazonasmündung treibt das Landesinnere – der trockene „Sertão“– die unglaublichen Kontraste Brasiliens ad absurdum: Während vollklimatisierte Busse mit dösenden Touristen über die Schnellstrassen donnern, trotten auf der glühendheissen Piste Familien dahin, deren Gesichter der Hunger geformt hat, ihre bescheidene Habe auf den Schultern. Zu Hunderttausenden ziehen sie jährlich gegen Süden um in den verheissungsvollen Grossstädten irgendeine Arbeit zu finden. Vergeblich haben sie den Horizont ihrer vor Trockenheit aufgeplatzten Heimat nach Wolken abgesucht. Hier regnet es über Jahre manchmal keinen Tropfen. Die Saat ist verdorrt und die Vorräte sind zu Ende. Als Analphabeten sind sie froh, wenn sie schliesslich in São Paulo an einem Fliessband landen, um dort sinnentleerte Handgriffe zur Produktion eines Autos auszuführen, von dem sie selbst nur ein Leben lang träumen können.“
Das hier gezeichnete Bild des trockensten Teils des „Sertão“ und seiner ärmsten Bevölkerungsschicht ist durchaus immer noch realistisch, ebenso die Abwanderung dieser verzweifelten Menschen. Nicht nur in Ceará, sondern auch in Piauí, Rio Grande do Norte und Pernambuco, überall dort, wo sich die Halbwüste des „Sertão“ ausbreitet.
DER SERTÃO CENTRAL
Dasselbe Gebiet ist aber auch, zumindest in seinen Ausläufern, ein interessantes Territorium für den Ökotourismus: im Zentrum des Bundesstaates gelegen, präsentieren die 20 Distrikte (Municípios) des Sertão von Ceará einige der schönsten und überraschendsten Felsformationen des Landes wie zum Beispiel den „Pedra da Galinha Choca“ (Stein), in Quixadá, oder das „Vale Monumental“, zwischen Quixeramobim und Quixadá.
Das genannte Tal (Vale) von 3,8 km Länge, gilt als das wichtigste geschützte Ökosystem des halbtrockenen Sertão, im ganzen Nordosten! Die aussergewöhnlich schöne Landschaft des Tals wird in erster Linie durch seine original „Caatinga“-Vegetation bestimmt, mit ihren verschiedenen Kakteen- und Bromelienarten.
Nur eine einzige kurze Wanderung, auf den schmalen Pfaden der Einheimischen, überrascht die Teilnehmer bereits mit Höhlen, Seen, Canyons und riesengrossen Felsbrocken, wie zum Beispiel der „Pedra do Letreiro“, auf dem man Inschriften und Zeichnungen von archäologischem Wert erkennen kann. Ideal für Wanderungen, besitzt das Tal eine Unzahl von Pfaden, auf denen man seine 100 Hektar kreuz und quer kennen lernen kann.
Die in dieser Region vereinzelt auftretenden Berge prädestinieren sie ebenfalls für den Drachenflug. Und der religiöse Tourismus ist in diesem Gebiet eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Komponente für die Bevölkerung.
Die „Região Sertaneja“ (Sertão-Region) beansprucht in Ceará 57% des Bundesstaates – einem Landesteil, in dem die jährliche Niederschlagsmenge zwischen 500 und 700 mm liegt – manchmal aber auch darunter oder ganz ausfällt. Die Trockenheit dauert mindestens 8 Monate pro Jahr. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 32und 33o C, nachts bis auf 23o C fallend. Wegen der niedrigen Luftfeuchtigkeit – weniger als 70% – empfindet man die Hitze stärker als an der Küste.
QUIXADÁ (168 km südwestlich von Fortaleza)
Ist ein wichtiger Pol für den Ökotourismus. Seine Nähe zum „Vale Monumental“ bietet dem Besucher eine Reihe interessanter Aktivoptionen, wie Trekking, Bergsteigen, Reiten, Mountain-Biking und Drachen-Fliegen. Die Mehrzahl der Wanderungen und anderer Aktivitäten starten in „Quixadá“. Ein besonderes Erlebnis ist immer der Erstkontakt mit der unbekannten Flora und Fauna der „Caatinga“.
Man findet hier mehr als 400 identifizierte und katalogisierte Tiere – Vögel, Reptilien und Säugetiere. Das Wahrzeichen des Ortes ist der „Pedra de Galinha Choca“ (Stein der gackernden Henne), ein Monolith, der wirklich genauso aussieht – man kann ihn von jedem Punkt der Stadt sehen! Im Distrikt gibt es ein paar gute Kunsthandwerker und eine wirklich interessante Küche, in der so exotische Rezepte wie „Baião-de-dois“ (Tanz zu zweit) mit Frischkäse garniert, oder „Buchada de Carneiro“ (Hammelinnereien) und „Galinha caipira no molho“ (Bauernhuhn im eigenen Blut), vorkommen.
CANINDÉ (120 km südwestlich von Fortaleza)
Neben „Juazeiro do Norte“ ist die Stadt zweitgrösster Wallfahrtsort von Ceará. Seit 1775 kommen grosse Pilgerströme hierher, die zur „Basilica de São Francisco de Chagas“ ziehen, um dort dem „heiligen Franz“ Opfer zu bringen und Versprechen abzuringen. Sie kommen per Auto, Omnibus, auf der Ladefläche von LKWs und auch zu Fuss, hierher. Das alljährliche Fest beginnt am 29.September: mit der Feier für die Landarbeiter, gefolgt von der Feier für die „Vaqueiros“ (Kuhtreiber), für die Musiker usw. Am 4.Oktober wird das Fest mit 9 Messen beendet.
Sehr interessant für den Besucher ist die enorme Sammlung von Exvotos der Kirche. Hier zeigt sich in manchem künstlerisch wertvollen Stück die Kreativität der Volkskunst.
„Canindé“ besitzt eine Reihe von interessanten Trekking-Pfaden, mit denen man die „Serra do Tamanduá“ oder den „Serrote Amargoso“ näher kennen lernen kann.
Das brasilianische „Monument Valley“, im „Sertão Central“ von Ceará, steckt voller überraschender Entdeckungen. Eine einfache Wanderung wird zum Abenteuer in diesem Gebiet, das für den Naturliebhaber ein ganzes unterirdisches Netz von Höhlen bereithält. Landschaftlich reizvolle Wege, kristallklare Flüsse und Seen, Canyons und Wasserfälle, Felsentunnel und Hochplateaus und Klettertouren an von der Erosion phantastisch geformten, kolossalen Monolithen. Sogar Entdeckungen prähistorischer Felsmalereien und Inschriften kommen vor.
Hier eine Auswahl:
TRILHA DAS ANDORINHAS
Diese Strecke führt ein Stück durch das „Tal der Monumente“, entlang am Fuss der „Serra do Padre“, und bietet unterwegs unvergleichliche Panoramablicke auf Bergkämme, Höhlen, Felsenbögen und auch auf Fauna und Flora. Auf diesem Weg überrascht die Natur die Besucher mit einem Farbenspiel auf den Steinen, das andauernd wechselt, je nach der Perspektive aus der man sie betrachtet und der Sonnenuntergang hat hier etwas magisches. Wenn die Nacht anbricht, offenbart sich dem Betrachter ein mit Sternen übersäter Himmel. Glühkäfer leuchten wie fallende Sterne in der Weite des dunklen Tals, ein Nachtvogel schickt uns einen klagenden Ruf entgegen, und ein unbestimmbarer Duft weht von den Felsen herüber, als wir den Bach überqueren, der uns von der Pousada trennt.
Strecke: 1.450 m in rund 2 Stunden für Hin- und Rückweg.
TRILHA DO LETREIRO
Diese Strecke führt die Teilnehmer durch typische Teilstücke des „Sertão“, über mit „Caatinga-Vegetation“ bestandene Plateaus, die sich im trockenen Sommer anders gestalten als im regenreichen Winter. Aber was sogar Wissenschaftler hierher lockt und die Inspiration der Laienbesucher anregt ist eine noch nicht lange entdeckte archäologische Fundstätte.
Strecke: 3.800 m in rund 3 Stunden für Hin- und Rückweg.
TRILHA DO BOQUEIRÃO
Die Landschaft auf dieser Strecke ist eine völlig andere als bei den Wegen zuvor: Höhepunkt ist ein tiefblauer, natürlicher See, der niemals austrocknet, vor einer Reihe von gezackten Bergkämmen. Das Wasser ist recht kalt, wird aber die Badelustigen sicher nicht abschrecken. Auf diesem feuchten Boden vor den Berghängen hat sich eine dichte immergrüne Vegetation ausgebreitet, die in jeder Jahreszeit vorhanden ist. Wer an der Vielfalt von Pflanzen und Tieren seine besondere Freude hat, der sollte diesen Weg machen.
Strecke: annähernd 1.500 m in 3 Stunden für Hin- und Rückweg.
TRILHA DO OLHO D’AGUA
Interessant an diesem Weg ist die Möglichkeit, aus ihm zwei verschiedene Strecken zu machen. Der erste führt bis hinauf zu einer Quelle in der „Serra“ und dann wieder zum Ausgangspunkt zurück. Der zweite führt von der Quelle weiter bis zum Gipfel der „Serra do Caboclo“ – von dort hat man einen unglaublichen Ausblick auf die schöne Umgebung – und im Anschluss führt der Weg zurück an ein paar interessanten Inschriften in einem Felsen am Ufer des Flusses „Quixeramobim“.
Strecke: entweder 3.200 m oder (verlängert) 5.200 m für Hin- und Rückweg.
TRILHA DA BARRIGUDA
Dieser Weg erstreckt sich entlang des Tals und bietet ausser der Wanderung auch Bademöglichkeiten und andere Aktivitäten in der freien Natur. Besonders beeindruckend die Waldabschnitte und die riesigen Monolithen, aus denen Wind und Wetter abstruse und phantastische Plastiken geformt haben.
Strecke: 1.280 m in 3 Stunden für Hin- und Rückweg.
TRILHA CABEÇA DO GIGANTE
Hier kann der Teilnehmer eine Klettertour machen, die sowohl für Profis als auch für Amateure ausgelegt werden kann und auch diejenigen, welche sich noch niemals trauten zu klettern, werden in diesem Fall ihren Spass haben, denn ein Hauptbestandteil der Tour sind die Höhlen unterwegs und die unvergleichlich reizvolle Szenerie der umgebenden „Serras“, denen der Sonnenuntergang eine unvergessliche Schönheit verleiht – ein Geschenk der Natur, dass man nicht mehr vergisst.
Strecke: 1.600 m in 2 Stunden für Hin- und Rückweg.