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Erste Einsichten in die Bildungsverläufe von 530'000 Lernenden und Studierenden
Unterschiedliche Repetitionsquoten
Zwischen 2012 und 2013 haben durchschnittlich 5 Prozent der Lernenden des ersten Jahres der Sekundarstufe II, d.h. nach der obligatorischen Schule, repetiert. An gymnasialen Maturitätsschulen lag die Repetitionsquote im ersten Jahr bei 9 Prozent und ging mit fortschreitendem Bildungsjahr kontinuierlich zurück (5% im 3. Jahr).
Die berufliche Grundbildung, d.h. Ausbildungen mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder eidgenössischem Berufsattest (EBA), unterschied sich durch eine vergleichsweise tiefe Repetitionsquote im ersten Jahr (rund 3%). Diese stieg jedoch im Abschlussjahr systematisch an (auf durchschnittlich 6% bei den EFZ-Ausbildungen); ein häufiger Grund dafür ist das Nichtbestehen der Lehrabschlussprüfung.
Unterbrüche von mehr als einem Jahr auf Sekundarstufe II
Die Quote der temporären Austritte aus dem ersten Jahr der Sekundarstufe II beliefen sich zwischen 2012 und 2013 auf 6 Prozent. 59 Prozent dieser Unterbrüche dauerten länger als ein Jahr. Bei den Austrittsquoten waren zwischen den einzelnen Bildungswegen erhebliche Unterschiede auszumachen: Sie reichten von 4 Prozent an gymnasialen Maturitätsschulen bis hin zu 14 Prozent bei den EBA-Ausbildungen. Mit fortschreitendem Bildungsjahr gehen die Quoten deutlich zurück.
Erfolgsquote von 80 Prozent auf Bachelorstufe an den Hochschulen
Die Umorientierungen sind eine wesentliche Komponente der Bildungsverläufe auf Tertiärstufe und die Ermittlung des Studienerfolgs ist eine Frage der Perspektive. Beschränkt man sich ausschliesslich auf die Studierenden, die ihr Bachelorstudium im selben, zu Studienbeginn gewählten Bildungsfeld und Hochschultyp abgeschlossen haben, so belief sich die Erfolgsquote auf Bachelorstufe bei den Eintritten von 2006 mit Wohnsitz in der Schweiz vor Studienbeginn auf 70 Prozent.
Diese Quote lag bei 80 Prozent, wenn man nur die Studierenden betrachtet, die ihr Bachelorstudium innerhalb des gleichen Hochschultyps absolviert haben (UH: 76%; FH: 81%; PH: 87%). Werden schliesslich auch noch jene Studierenden berücksichtigt, die ihren Bachelorabschluss beispielsweise aufgrund einer Umorientierung an einem anderen Hochschultyp erlangt haben, betrug die Erfolgsquote 84 Prozent.
Tertiärstufe: Auf einen Unterbruch folgt oft eine Umorientierung
Die UH unterscheiden sich von den anderen Schultypen in Bezug auf die Bildungsverläufe zu Studienbeginn und insbesondere nach einem Unterbruch im ersten Jahr. Während dieser Unterbruch bei 78 Prozent der Studierenden aller Hochschulen und höheren Fachschulen über ein Jahr dauerte, lag dieser Anteil an den UH bei 63 Prozent. An den UH setzten nur 4 Prozent der Studierenden ihr Studium im selben Bildungsfeld fort.
Soziales Umfeld beeinflusst eingeschlagenen Ausbildungsweg
Auf Sekundarstufe II bestehen in Bezug auf den sozialen Hintergrund und den Migrationsstatus deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bildungswegen. Während an gymnasialen Maturitätsschulen bei 62 Prozent der Lernenden mindestens ein Elternteil über einen Tertiärabschluss verfügte, belief sich dieser Anteil an Fachmittelschulen auf 40 Prozent, in vierjährigen EFZ-Ausbildungen auf 33 Prozent, in dreijährigen EFZ-Ausbildungen auf 25 Prozent und in EBA-Ausbildungen auf 12 Prozent.
Die EBA-Ausbildungen unterscheiden sich zudem durch den deutlich höheren Anteil im Ausland geborener ausländischer Lernender (20% gegenüber 5% bis 8% in den anderen Ausbildungen). Unterschiede in Bezug auf den sozialen Hintergrund und den Migrationsstatus sind auch bei den einzelnen Bildungsfeldern auszumachen.
Wie auf Sekundarstufe II zeigen sich auch auf Tertiärstufe je nach Schultyp grosse Unterschiede bezüglich des sozialen Hintergrunds. Der Anteil der Eintritte mit mindestens einem Elternteil mit Tertiärabschluss betrug an den FH 45 Prozent, an den PH 51 Prozent und an den UH 61 Prozent. An den HF, für die der soziale Hintergrund der Studierenden erstmals ermittelt wurde, lag dieser Anteil lediglich bei einem Drittel.
Das Programm «Längsschnittanalysen im Bildungsbereich» (LABB)
Die Einführung eines eindeutigen Identifikators - der neuen AHV-Nummer (AHVN13) - in den verschiedenen Personenregistern der Bundesverwaltung im Rahmen des Registerharmonisierungsgesetzes vom 23. Juni 2006 war für die öffentliche Statistik ein sehr wichtiger Schritt. Im Rahmen des Projektes «Modernisierung der Erhebungen im Bildungsbereich» wurde die AHVN13 im Jahr 2012 in sämtlichen Erhebungen des Bildungsbereichs eingeführt.2014 initiierte das BFS das Programm «Längsschnittanalysen im Bildungsbereich» mit dem Ziel, neue Möglichkeiten auszuschöpfen und die vielfältigen Bedürfnisse in diesem Bereich abzudecken.
Die Publikation zur Sekundarstufe II deckt sämtliche Übertritte der rund 315'000 Lernenden in den zertifizierenden Ausbildungen der Sekundarstufe II (berufliche Grundbildung, gymnasiale Maturitätsschule, Fachmittelschule, Berufsmaturität und Fachmaturität) ab, während sich die Publikation zur Tertiärstufe mit den rund 215'000 Studierenden der Stufen Bachelor, Master und Doktorat der Hochschulen sowie der Stufe Diplom der höheren Fachschulen befasst.
Abkürzungen
EBA: eidgenössisches Berufsattest
EFZ: eidgenössisches Fähigkeitszeugnis
FMS: Fachmittelschule
GMS: gymnasiale Maturitätsschule
HF: höhere Fachschule
PH: Pädagogische Hochschule (inkl. PH, die in FH integriert sind)
FH: Fachhochschule (ohne PH, die in FH integriert sind)
UH: Universitäre Hochschule
Quellen und Beobachtungszeitraum
Die beiden Publikationen stützen sich auf die folgenden verknüpften Quellen:
Statistik der Lernenden (SDL), Statistik der beruflichen Grundbildung (SBG),
Statistik der Bildungsabschlüsse (SBA), Schweizerisches Hochschulinformationssystem (SHIS),
Statistik der Bevölkerungen und der Haushalte (STATPOP) und Strukturerhebung (SE).
Die hier präsentierten Analysen beziehen sich grösstenteils auf die Jahre 2012 und 2013.Ausnahmen bilden die Analysen zur Erfolgsquote an den Hochschulen (2006-2014) und zurStudienrückkehr nach einem Unterbruch (2011-2013).
Methoden
Die vorgestellten Ergebnisse resultieren aus der Verknüpfung der obengenannten Quellen, deren Harmonisierung und einer Längsschnittverarbeitung. Zwei Ansätze wurden herangezogen: Der erste konzentriert sich auf die Übergänge zwischen dem letzten Ereignis des laufenden Jahres und dem letzten Ereignis des Folgejahres. Er wurde für die Übergänge zwischen 2012 und 2013 verwendet. Bei diesem ersten Ansatz werden den Ereignissen Prioritäten zugeordnet, wenn im selben Jahr mehrere Ereignisse auftreten. Der zweite Ansatz befasst sich mit den Laufbahnen nach einem bestimmten Ereignis, zum Beispiel einem Eintritt auf einer bestimmten Stufe oder einem ersten Bildungsunterbruch. Dies verlangt, dass eine bestimmte Anzahl von Entscheidungen zu treffen sind und bestimmten Ereignissen im Hinblick auf einen für das gesamte untersuchte System kohärenten Ansatz Priorität einzuräumen ist. Dieser Ansatz wurde für die Erfolgsquote oder die Studienrückkehr verwendet.
Definitionen
Austritt/Unterbruch: Studierende oder Lernende, die zur Analysepopulation gehörten, im Folgejahr jedoch ausscheiden.
Anmerkung
Studierende mit ausländischer Nationalität, im Ausland geborene Studierende und Studierende mit vorhergehendem Wohnsitz im Ausland werden in den Analysen zur Studienrückkehr oder zur Erfolgsquote auf der Tertiärstufe nicht berücksichtigt. Die Analysen zur Erfolgsquote beschränken sich aufgrund der verfügbaren Daten auf die Hochschulen.