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Verdingkinder --- Heimkinder --- Pflegekinder
Kinder, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen, leben in vielen armen Ländern als Strassenkinder; es gibt aber auch in den westlichen Grosstädten der Gegenwart Kinder und Jugendliche, die auf der Strasse leben.
In vielen Ländern werden auch heute noch Kinderarbeiter, teilweise auch Kindersklaven, ausgebeutet, so in Indien, Brasilien und andern Ländern.
Das war auch früher schon so, und zwar auch in Zentraleuropa. Bis ins 19. Jahrhundert, im Mittelalter und in noch früheren Zeiten waren bettelnde Kinder ohne festes Obdach, die sich oft zu Gruppen zusammenschlossen, nichts Seltenes. Vor allem im Lauf des 19. und 20. Jahrhunderts wurden solche Kinder, aber auch Kinder, die man Eltern wegnahm, die nicht den herrschenden Normen entsprachen, in so genannte "Rettungsanstalten", Kinder- und Erziehungsheime platziert. Billiger aber war es stets, Kinder, sobald sie als Arbeitskräfte einsetzbar waren, als sogenannte Kostkinder, Verdingkinder oder Hütekinder bei Bauern und Gewerbetreibenden zu platzieren. Niemand sah genau hin, wie lange sie dort zu arbeiten hatten, wie sie genährt und gekleidet wurden, ob sie misshandelt und missbraucht wurden. War das der Fall, hatten sie, isoliert und ohne verwandtschaftlichen Background, wenig Chancen, sich zu wehren. Liefen sie weg, folgte Bestrafung und Umplatzierung.
Die Realität der Verdingkinder in der Schweiz ist zwar von Albert Bitzius (Jeremias Gotthelf) in seinem bekannten Buch "Der Bauernspiegel" schon 1837 thematisiert worden, und es gab auch immer wieder Betroffene, die ihre meist traurige Jugendgeschichte aufschrieben und publizierten, fast immer im Selbstverlag.
Die Wissenschaft hat sich bis vor kurzem kaum für die Thematik der Verdingkinder interessiert, und auch die Geschichte der Heim- und Pflegekinder ist erst sehr lückenhaft aufgearbeitet. Das gilt nicht nur für die Schweiz, sondern auch für andere Länder. In der Schweiz erstellte ein zurzeit laufendes Nationalfondsprojekt 300 Interviews mit Betroffenen, auch wurde die Wanderausstellung "Verdingkinder reden" an verschiedenen Orten unter grossem Publikumsinteresse gezeigt.
Die folgenden Links dokumentieren einige weiterführende Informationen zur Thematik Verdingkinder, Heimkinder, Pflegekinder:
Der als Heimkind aufgewachsene Grafiker Clément Moreau (Carl Meffert) stellte 1929 die Kernsituationen seiner Heimzeit in einer Serie von 19 Linolschnitten dar. Der Titel dieser Serie von sprechenden Bildern lautet "Fürsorgeerziehung"
Ein grundsätzlicher Artikel betreffend die ausstehende Rehabilitation von Zwangssterilisierten, Heim- und Verdingkindern im Beobachter vom 3. September 2010 mit mehreren Fallgeschichten
Der heute 61jährigen Madeleine Ischer wurde ihr Kind weggenommen, und sie kam in Administrativhaft. Ein Artikel aus dem Sonntags-Blick vom 5. September 2010
Artikel mit Berichten Betroffener aus schweizerischen Kinderheimen im Beobachter vom 12. Mai 2010
1,2 Milliarden Euros als Entschädigung für ehemalige Heimkinder in Irland: Ein NZZ-Artikel, ein Leserbrief sowie die Links zum gründlichen offiziellen irischen Kommissionsbericht.
Bericht der Tagung ehemaliger Verdingkinder am 28. November 2004 in Glattbrugg
Vortrag zu Geschichte und Stand der Thematisierung der Geschichte von Verdingkindern, Schwabengängern, Spazzacamini, Heim- und Pflegekindern in der Schweiz, gehalten am 13. Dezember 2006 an der Universität Zürich
Tod eines elfjährigen Verdingkinds in Rorschach 1919
Informationen zur Geschichte fermdplatzierter Kinder in der Schweiz. (Aus dem diesbezüglichen Rapport an das Amt für Bildung und Wissenschaft vom August 2004)
Lebensgeschichte eines ehemaligen Verdingkinds aus dem Berner Oberland
Friedrich Glauser über Verdingkinder, Erziehungsanstalten, Arbeitsanstalten und Armenanstalten
Website der Aktionsgemeinschaft Verdingkinder und des Nationalfondsprojekts über Verdingkinder, Schwabengänger, Spazzacamini der Universität Basel
Website des Vereins netzwerk verdingt, Bern
Website Verdingkinder suchen ihre Spur
Wikipedia-Seite Verdingung
Website eines ehemaligen Heimkinds in Deutschland
Arbeit an der Universität Bern über Verdingkinder und Verdinglichung