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Unsere Geschichte
Ein Streifzug durch die Geschichte
Im Jahr 1138 gründete der Konstanzer Bischof Ulrich II. in seinem Herrschaftsgebiet am Oberlauf der Murg ein bischöfliches Eigenkloster und besiedelte es mit Benediktinermönchen aus dem konstanzischen Kloster Petershausen. Nach einer anfänglichen Blütezeit zählte der Fischinger Konvent bis ins 17. Jahrhundert hinein kaum mehr als 10 Mönche. Diesen oblag nebst der Pflege des klösterlichen Lebens die Seelsorge in den inkorporierten Pfarreien Dussnang (mit Au), Bichelsee, Sirnach und Bettwiesen sowie in Fischingen. Die Reformation führte zu einem mehrjährigen Erlöschen des Klosterlebens in Fischingen. Der aus Zürich stammende Abt Heinrich Stoll trat 1526 zur neuen Lehre über und heiratete; seinem Beispiel folgten bald auch die noch übrigen vier Mönche.
Es waren die katholischen Orte der Tagsatzung, die eine Wiedererrichtung des Klosters bewirkten, indem sie im Juli 1540 an der Tagsatzung in Baden den Statthalter des Abtes von St. Gallen, P. Markus Schenkli, als neuen Abt von Fischingen postulierten. Nach anfänglichen personellen und finanziellen Schwierigkeiten setzte sich der Reformgeist in Fischingen durch, und das Kloster erlebte in der gesamten Barockzeit seine lange Blüte mit durchschnittlich 30 Mönchen. Unter dem heiligmässigen Abt Joachim Seiler von Wil (1672–1688), einem fruchtbaren geistlichen Schriftsteller und begehrten Prediger, erreichte die klösterliche Spiritualität einen solchen Höhepunkt, dass sie in einem Visitationsbericht mit den Worten "eher zu empfehlen als noch zu verbessern" gelobt wurde. In die Zeit Abt Joachims fällt auch der Bau der neuen Klosterkirche (1685–1687).
Abt Franz Troger von Altdorf (1688–1728) förderte besonders die philosophisch-theologische und musikalische Bildung der Mönche und liess ab 1705 die prachtvolle Iddakapelle erbauen.
Abt Nikolaus Degen von Lachen (1747–1776) gilt als der grosse barocke Bauabt Fischingens. Er erweiterte die Kirche um den Oberen Chor im gezierten Rokoko-Stil und liess die symmetrisch durchdachten, formschönen Klosterbauten im Osten und Süden des Gevierts aufrichten. Im Westen blieben, wegen der hohen Schuldenlast des Klosters, die früheren Bauten von 1577 und 1635 bestehen. Abt Augustin Bloch von Oberbuchsiten (1776–1815) führte das Kloster geschickt durch die Wirren der Französischen Revolution und liess den Unteren Chor der Kirche im frühklassizistischen Stil umformen. Eine grosse Wende brachten die liberal-radikale Staatsumwälzung von 1831 und das verhängnisvolle Klostergesetz von 1836. Trotz vereinter und kluger Gegenwehr wurden schliesslich sämtliche Thurgauer Klöster am 27. Juni 1848 vom Thurg. Grossen Rat aufgehoben. Im Zeichen der Aufklärung und eines überspitzten Rationalismus erachtete man damals die Klöster als auszumerzende Überbleibsel vergangener Zeiten.
Die hl. Idda von Toggenburg
Kurz nach der Gründung des Klosters lebte die heilige Idda. Sie war Herrin auf der nahen Toggenburg und führte nach dem frühen Tod ihres Gatten Diethelm IV. ein gottgeweihtes Leben, zunächst bei der Kirche Au und später in einer Klause beim Kloster Fischingen. Nach ihrem Tod ums Jahr 1200 wurde sie in der Toggenburger Kapelle neben der Klosterkirche begraben und als Heilige verehrt. Die Toggenburger Kapelle wurde zur Iddakapelle und musste mehrmals erweitert werden. Im Jahr 1496 liess Abt Heinrich Schüchti das spätgotische Grabmal über der Grabstätte Sankt Iddas errichten, welches heute das älteste Monument in Kirche und Kloster darstellt.
Die Zeit zwischen Aufhebung und Wiedererrichtung des Klosters
Fast vier Jahre nach der Klosteraufhebung, im Januar 1852, verkaufte der thurgauische Staat die Klostergebäude an den evangelischen Fabrikanten Imhof aus Winterthur, der sie zur Fabrikation von gefärbten Baumwollstoffen mit Jacquard-Weberei benützte. Nach Jahren eines guten Geschäftsganges haperte es mit der Rendite. Im Herbst 1875 kaufte der kath. Advokat August Wild aus Sirnach das Kloster, um darin eine internationale Handelsschule zu errichten, die jedoch nicht florierte und schon im Frühjahr 1879 geschlossen werden musste.
Im Herbst 1879 gründeten engagierte katholische Männer den Verein St. Iddazell, welcher die Klostergebäude mit Grund und Boden erwarb und darin am 3. November 1879 , am Festtag der hl. Idda, die kath. Waisenanstalt St. Iddazell eröffnete. Diese entwickelte sich in der Folge zur Erziehungsanstalt und zum Kinderheim mit interner Sekundarschule. Der aus Sirnach stammende Basler Bischof Franz von Streng konnte vom Kloster Engelberg erreichen, dass dieses im Herbst 1943 in P. Paul Haag und P. Ulrich Bulgheroni zwei Benediktiner nach Fischingen sandte und sie mit der Leitung des Kinderheims beauftragte. In den folgenden Jahren kamen einige weitere Engelberger Patres als Lehrer und Erzieher nach St. Iddazell.
Man dachte schon damals an eine eventuelle Wiedererrichtung des aufgegebenen Klosters. Als dann in der Volksabstimmung vom 20. Mai 1973 der sog. Ausnahmeartikel über die Errichtung neuer und die Wiederherstellung aufgehobener Klöster in der Bundesverfassung gestrichen wurde, erschien das einstige Fernziel in greifbare Nähe gerückt. Erspriessliche Verhandlungen mit dem Verein St. Iddazell, dem zuständigen Diözesanbischof, dem Thurg. Kath. Kirchenrat, der Kirchgemeinde Fischingen und dem Mönchskonvent von Engelberg führten dazu, dass am 28. August 1977 die rechtliche Wiedererrichtung des Klosters Fischingen in feierlicher Form vorgenommen werden konnte. In sichtlicher Freude leitete Bischof Anton Hänggi den Festgottesdienst. Abt Leonhard Bösch von Engelberg hielt die Festpredigt und setzte P. Florin Cavelti als ersten Prior des wiederhergestellten Klosters Fischingen ein.
(Textquelle: Verein Kloster Fischingen, alter Internetauftritt.)