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Belinda Bencic trifft im Olympia-Final auf Marketa Vondrousova (WTA 42). Die Tschechin hat sich auf umstrittenem Weg für die olympischen Spiele qualifiziert. Nun zeigt sie sich aber im Turnier als grosser Favoritenschreck.
Der Stern von Vondrousova ging bei den French Open 2019 auf. Die damals 19-Jährige erreichte ohne Satzverlust den Final. Dort scheiterte die Linkshänderin, die in Biel 2017 ihren bisher einzigen WTA-Titel gewonnen hatte, dann klar an Ashleigh Barty. Doch die Zukunft der früheren Weltnummer 1 bei den Juniorinnen sah rosig aus. Keine Spielerin auf der Tour hatte da seit Beginn 2019 eine bessere Bilanz vorzuweisen.
Doch dann folgte der jähe Absturz der Teenagerin. Sie verlor in der Startrunde von Wimbledon und musste sich kurz darauf am Handgelenk operieren lassen. Die Saison war gelaufen. Zwar kehrte sie Anfang 2020 wieder auf die Tour zurück, ein Exploit wie in Paris gelang ihr aber seither nicht mehr.
Teamkollegin muss über die Klinge springen
So schien für sie auch eine erstmalige Teilnahme an den Olympischen Spielen ausser Reichweite. Dies, weil jeweils nur vier Athletinnen pro Land an den Start dürfen. Das starke tschechische Damen-Team hatte mit Karolina Pliskova, Petra Kvitova, Barbora Krejcikov und Karolina Muchova allesamt besser klassierte Spielerinnen in den Reihen. Doch Vondrousova nützte eine Regelung des internationalen Tennis-Verbands aus.
Durch eine Aktivierung des «Protected Ranking» (dt: geschützter Listenplatz) aufgrund ihrer sechs monatigen Verletzungspause konnte sie ihre frühere Weltranglistenposition (WTA 14) geltend machen und verdrängte Muchova (WTA 22) aus dem Team. Dass sie mit diesem Kniff – das geschützte Ranking hatte sie seit über einem Jahr nicht aktiviert – die Träume ihrer Teamkollegin (und auch häufige Doppel-Partnerin!) platzen liess, sorgte in der Heimat für viel Gesprächsstoff.
Keine Reue – folgt nun nach starken Auftritten die Krönung?
Vondrousova verteidigte sich: «Es wäre eine Schande, das nicht zu benutzen, wenn es möglich ist.» Sie habe Muchova auch im Vorfeld informiert, dass sie von der Regel profitieren werde. «Manche mögen sagen, ich sei egoistisch, aber ich habe den Platz im vorletzten Jahr gewonnen, und daran ist nichts auszusetzen.»
Zumindest aus sportlicher Sicht hat sich ihre Haltung ausgezahlt. In der Startrunde musste sie gegen die frühere Weltnummer 4 Kiki Bertens noch über drei Sätze, danach gab sie keinen Satz mehr ab. Dies, obwohl sie auf dem Weg ins Endspiel mit Topfavoritin Naomi Osaka (WTA 2) und zuletzt Jelina Switolina (WTA 6) gleich auf zwei Top-Ten-Spielerinnen traf.
Die 22-Jährige überzeugte dabei mit ihrem variantenreichen Spiel. Selbst am Netz taucht Vondrousova gerne auf. Falls sie auch Bencic besiegen sollte, wäre sie die erste tschechische Olympiasiegerin im Tennis. Und die Kritik am Umgang mit ihrer Teamkollegin sicher verstummt. Ihr Weg wäre dann ganz getreu dem Motto, welches ihren Ellbogen ziert: «Kein Regen, keine Blumen.»