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Kostümgruppen
Die Hochwachten (auch Chutzen oder Signal genannt) waren auf Schweizer Berggipfeln oder markanten Punkten stehende Signalpunkte, welche dazu benutzt wurden, Meldungen oder einen Alarm weiterzugeben. Die Hochwachten bestanden in der Regel aus einer Wachthütte und einer schwenkbaren Harzpfanne an einem galgenartigen Gerüst. Mit dieser Pfanne wurden optische Signale von Hochwacht zu Hochwacht weitergegeben. Damit war es möglich, Truppen zu organisieren oder auf Gefahren aufmerksam zu machen. Bei Tag geschah dies durch Rauch, in der Nacht durch Feuer und bei Nebel durch Mörser.
Dieser allgemeine Beschrieb der Funktionsweise von Hochwachten aus dem Internetlexikon „Wikipeida“ trifft auch auf die ehemalige Hochwacht auf dem Zürichberg oberhalb der Batteriestrasse zu. Sie wurde 1639 während des Dreissigjährigen Krieges eingerichtet und bis 1840 betrieben. Die Wachtmannschaft bestand jeweils aus vier Hochwachtsoldaten und einem Wachtmeister. Der Dienst dauerte 24 Stunden, dann wurde die Mannschaft für zwei Tage abgelöst. Der Wachtdienst war streng, es wurde Nüchternheit, Mässigung im Tabaktrinken (Rauchen) und „ehrbares Verhalten“ verlangt. Ziel war, die Alarmierung bei guten Wetterverhältnissen innerhalb einer Viertelstunde weiterzugeben.
Im Kanton Zürich gab es 23 Hochwachten. Die Hochwacht auf dem Zürichberg hatte Sichtkontakt mit den Hochwachten auf dem Zimmerberg, der Schnabelburg, dem Uetliberg, der Kyburg, der Schauenburg bei Elgg und dem Tanneberg.
Zusätzlich zur Kostümgruppe Hochwacht erinnert auch der am Sechseläuten mitgeführte Hochwachtwagen an die ehemalige Hochwacht auf dem Zürichberg.
Klein aber fein, bereichert seit 1957 die Truppe der Stadtbürger das Bild der Zunft Fluntern. In farbenprächtige Rokoko-Gewänder gekleidet, lässt diese Kostümgruppe die heitere Stimmung der Aufklärung aufleben. In der Mitte des 18. Jahrhunderts steht ganz Europa unter dem Einfluss der französischen Kultur, die unter Louis XV. ihren Höhepunkt erreichte.
In modischer Hinsicht umfasste das Herrenkleid jener Zeit den Justaucorps (frz.: eng am Körper) oder Überrock, ferner die Culotte (Kniebundhose) sowie eine Weste. Der schon bisher beliebte dreiteilige Anzug blieb also aktuell, Schnitt und Ausstattung wurden allerdings graziler und feiner:
Der Überrock der Fluntermer Stadtbürger ist dem Stil jener Zeit entsprechend nur leicht tailliert, hinten geschlitzt, kragenlos und reicht bis zu den Knien. Die Ärmel sind aufwändig umgeschlagen. Die Spitzenbesetzung an den Manchetten imitiert die frühere Machart der Hemdsärmel. Auffällig ist auch die reiche Anzahl (27) an Knöpfen, früher je nach Stand aus Zinn, Messing, Edelmetall, Email oder Holz geschaffen und allenfalls sogar mit Edelsteinen veredelt. Viele der Knöpfe sind rein dekorativ.
Die Kniebundhose der Stadtbürger wird seitlich unter dem Knie geknöpft. Sie ist modisch eng geschnitten und wird farblich dem Überrock angepasst. Später, mit der französischen Revolution, wurde die Kleidung funktionaler: im 19. Jahrhundert verschwand die Culotte, und die Hosen wurden lang.
Unter dem Überrock trug der Herr die Weste, das Gilet. Hierfür verwendete man vorzugsweise edle Seide. Die Länge der Weste der Stadtbürger weist zeitlich auf die Mitte des 18. Jahrhunderts hin. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Westen kürzer.
Abgerundet wird die Kostümierung der Stadtbürger durch verschiedene Acessoires: das Jabot, eine weisse Spitzen- oder Rüschenkravatte, separat getragen oder am Hemd angenäht. Die Strümpfe werden höfisch weiss getragen. Der Schuh lässt den Knöchel frei und wird mit einer Schnalle verziert. Adelig wäre es, die Absätze rot zu tragen. Der Hut ist schwarz und wird an drei Seiten hochgeschlagen (sog. Tricorne oder Dreispitzhut). Die Stadtbürger sind degenbewehrt. Zuguterletzt tragen die Stadtbürger, historisch korrekt und für Glatzköpfe ein Segen, eine (weisse) Perücke, die hinten mit einem schwarzen Band zum Zopf zusammen gebunden wird. Angefertigt werden unsere Kostüme gekonnt bei Hch. Baumgartner AG, Kostümverleih&Fabrikation in Luzern.
Der dreiteilige Herrenanzug wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts sowohl in der Stadt als auch von Teilen der Landbevölkerung getragen (vgl. z.B. die Ausruferbilder von David Herrliberger) und folgte keinem festen Farbschema. Die Ausführung in Samt, wie sie die Stadtbürger von Fluntern tragen, die farbliche Übereinstimmung von Justaucorps und Culotte, die in Edelmetall angedeuteten Knöpfe sowie die betont prächtig gestalteten Westen sind indes eindeutig inspiriert von der Gewandung des vornehmen, gar höfischen, Herrn jener Zeitepoche.
Es ist insbesondere Dr. Oskar Stocker zu verdanken, dass sich unsere Zunft an das stadtbürgerliche Motiv aus der Geschichte von Fluntern erinnert. Im Jahr 1127 stiftete Rudolf von Fluntern, ein Stadtbürger, der wohl aus Fluntern zugezogen ist, das Augustinerkloster St. Martin auf dem Zürichberg. Bereits 1401, lange vor der Abschaffung (1798) des Stadtstaates Zürich und der Eingemeindung von Fluntern (1893) besassen 41 Fluntermer das Bürgerrecht der Stadt. Der Degen der Stadtbürger könnte ein Hinweis darauf sein, dass sie, falls notwendig, der Stadt zu Hilfe eilten. Die Stadt versprach sich davon, auf dem Land ausserhalb der Stadtmauern Fuss zu fassen. Ebenfalls schon früh bauten reiche Stadtbürger ihre Landsitze in Fluntern, so zum Beispiel der Apotheker Anton Klauser das „Schlössli Susenberg“ (1513).
Stolzer Stadtbürger der ersten Stunde ist übrigens unser Mitzünfter Nino Mattenberger.
Dani Widmer, Oktober 2006