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Welche Erinnerungen hast du an die Startphase des Breitsch-Träffs Anfang der 80er Jahre?
Romy Gasser: Auf Initiative des Überparteilichen Komitees zur Erhaltung des Wohnquartiers Bern-Nord (UeKo) entstand bei einer geplanten Umgestaltung des Breitenrainplatzes die Idee eines zentral gelegenen Quartiertreffpunkts. Dafür bot sich die leerstehende Schreinerei Küenzi mit ihrem Garten am Breitenrainplatz an – heute steht dort das Gebäude der UBS-Filiale. Weil dies langer Verhandlungen bedurfte und der Druck der Strasse enorm war, erreichte das UeKo mit Hilfe der Stadt, dass die ebenfalls leerstehende Druckerei Rickli an der Moserstrasse 52, heute Coiffeurhaus, als Provisorium zur Verfügung gestellt wurde. Die Bemühungen um die Schreinerei Küenzi waren übrigens vergeblich. Als bekannt wurde, dass der Abbruch bevorstand, besetzten die Benützer*innen und Anhänger*innen der ursprünglichen Idee das Gebäude, das jedoch nach ein paar Tagen polizeilich geräumt und abgerissen wurde.
Wie ging es an der Moserstrasse 52 weiter?
Obwohl es sich um ein Provisorium handelte, wurden die Räumlichkeiten mit viel Herzblut umgestaltet und im November 1980 eröffnet. Geführt wurde der Träff von drei Teilzeitangestellten. Aber ohne die unzähligen Freiwilligen wäre der Aufbau des Träffs nicht möglich gewesen.
Wie gross war der Einfluss der 80er-Jugendbewegung?
Die Reitschule wurde erst im Oktober 1981, nach massiven Protesten auf der Strasse, der «Bewegig» übergeben, und im April 1982 für lange Zeit geschlossen. Für den Breitsch-Träff ergaben sich deshalb einige Probleme, weil viele Jugendliche, die in der Bewegung aktiv waren, den Breitsch-Träff als ihr Wohnzimmer benutzten, was die aktiven BenützerInnen des Träffs immer wieder in Rage versetzte. Zum Beispiel, weil sie am Sonntagmorgen, bevor sie den Sonntagsbrunch vorbereiteten, zuerst abwaschen und putzen oder die Hunde aus der Küche vertreiben mussten...
1985 konnte der Breitsch-Träff am heutigen Standort, wo zuvor eine chemische Reinigung war, einziehen. Wie gut ging das über die Bühne?
Das Provisorium an der Moserstrasse 52 endete im Mai 1982. Bis die neuen Räumlichkeiten am heutigen Standort am Breitenrainplatz 27 bezogen werden konnten, standen dem Breitsch-Träff keine Räumlichkeiten zur Verfügung. Der Betrieb wurde mit dem «Fahrenden Breitsch-Träff», einem Anhänger mit Infrastruktur wie Tische, Bänke, Gaskocher, einigermassen aufrechterhalten. Es brauchte eine gewisse Zeit, bis die Quartierbewohnenden die neuen Räume, die kleiner waren als diejenigen im Provisorium und vielleicht auch weniger Charme aufwiesen, in Beschlag nahmen. Der Standort jedenfalls war und ist ideal, zentraler geht's nicht. Später hat die Stadt das Haus gekauft.
Du warst von 1985 bis 1990 angestellte Mitarbeiterin. Das gibt es heute nicht mehr. Was hast du so gemacht den ganzen Tag?
Wir waren ein 3er-Team mit je einem 50%-Pensum. Später konnten wir um weitere 50% aufstocken, die wir auf uns drei aufteilten. Unser Pflichtenheft war sehr umfangreich und kaum zu bewältigen. Wir waren sowohl träff-intern zuständig für den ganzen Betrieb, als auch für die Begleitung der verschiedenen Gruppen, welche im Träff aktiv waren. Zudem hatten wir den Auftrag, Quartierarbeit zu leisten. Dieser Bereich war mir als Sozialarbeiterin ein besonderes Anliegen. Die Lancierung verschiedener Projekte im Quartier bedingte die Vernetzung mit anderen lokalen Institutionen. So gründeten wir unter anderem die Arbeitsgruppe «Wohnungsnot im Nordquartier». Dort waren etliche Quartierbewohner*innen aktiv, welche von Wohnungskündigungen betroffen waren.
Was waren aus deiner Sicht die Highlights des Breitsch-Träffs?
Zum Beispiel die regelmässig vom Team organisierten Podiumsdiskussionen mit allen Parteien des Nordquartiers. Oder die legendäre monatliche Breitsch-Disco. Träff-intern möchte ich besonders unser Projekt «Sozialarbeit in der Cafeteria» erwähnen. Es hatte zum Ziel, psychisch Kranke und Benützer*innen in Krisensituationen zu stützen und in den Träff-Betrieb zu integrieren. Dieses Projekt wurde auch von der Fürsorgedirektion unterstützt und brachte uns die zusätzlichen, dringend benötigten 50 Stellenprozente. 2012 wurden dem Breitsch-Träff die Subventionen fast gänzlich gestrichen. Dies kam faktisch einer Schliessung gleich. Eine Welle der Solidarität – die entsprechende Petition fand über 4000 Unterschriften – setzte ein, was politischen Druck auslöste. Das Schulamt der Stadt Bern mietete die Räumlichkeiten als Provisorium für die Tagesschule Spitalacker, und es gelang, für den Breitsch-Träff einen Untermietvertrag auszuhandeln. Seither werden die Räumlichkeiten tagsüber von der Tagesschule, am Abend und an Wochenenden vom Breitsch-Träff genutzt.
Und was waren die Tiefpunkte?
Ganz klar die Streichung fast sämtlicher Subventionen. Dies bedeutet, dass der heutige Betrieb ausschliesslich mit Freiwilligenarbeit läuft – einerseits erfreulich, aber als Perspektive für den Träff-Betrieb fragwürdig. Steigen die paar Wenigen, welche die meiste Arbeit leisten, aus, ist die Existenz des Träffs meines Erachtens erneut bedroht. Freiwillige zu finden, die über längere Zeit verlässliche Gratisarbeit leisten, ist nicht erst seit heute schwierig, sondern wurde bereits in den 80er-Jahren immer wieder beklagt.
Wie sieht die Situation heute aus?
Es läuft erstaunlich viel im Breitsch-Träff. Sowohl öffentliche Veranstaltungen als auch Privatanlässe. Vom Breitsch-Träff selber werden nur noch wenige Veranstaltungen initiiert. Schade, aber nur mit Freiwilligenarbeit nicht anders zu erwarten. Es bräuchte dringend neue Leute im Vorstand und auch eine Verjüngung der Benützer*innen, welche neue Ideen und Energie einfliessen lassen.
Du hast jetzt viel Material gesichtet im Hinblick aufs Jubiläum. Gibt es eine Gesamtbilanz für dich?
Es hat sich wahnsinnig viel verändert in den letzten 40 Jahren. Der Zeitgeist der wilden 80er-Jahre ist längst vorbei. Vielleicht bringt uns ja die Klimajugend etwas davon zurück... Wenn die Idee von Quartierzentren weiterleben soll, braucht es zwar nach wie vor viel Freiwilligenarbeit, aber nicht nur. Alle diese Gruppen und Einzelpersonen, welche im Breitsch-Träff sind, bräuchten Unterstützung durch eine bezahlte Koordinator*in.