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«Das macht man hier so.», «Es wurde schon immer so gemacht» oder «Das ist historisch so gewachsen.» Wer kennt diese Sätze nicht aus angestammten Unternehmen, die in unterschiedlichen Bereichen zu hören sind. Oft sind sich die Sender:innen der prägenden Tragkraft solcher Aussagen nicht bewusst. Oft sind diese Mitarbeitenden (latent) unzufrieden mit ihrer Arbeitssituation, jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht bereit, etwas zu verändern. Innerlich zuckt es mich bei diesen Aussagen. Weshalb muss es so bleiben, wie es ist und wie es immer war?
Antwort auf diese Fragen liefert ein evolutionärer Ansatz: Die Geschichte des sogenannten «Affenexperiments». Es handelt von einer Gruppe von fünf Affen. Im Gehege wird auf einer Leiter eine Banane platziert. Rasch entdeckt sie einer, klettert hoch und holt sie sich. Sofort startet die installierte Sprinkleranlage und bestraft alle fünf mit einer eiskalten Wasserdusche. Die Affen bestrafen den einen Artgenossen für diese Aktion mit einer Tracht Prügel. Dann wird ein Affe aus der Gruppe durch einen Neuen ersetzt. Auch der Neuling entdeckt die leckere Banane auf der Leiter und möchte sie sogleich ergattern, wird dann aber ebenfalls von seinen Kollegen verprügelt. Dasselbe Vorgehen widerfährt dem zweiten ausgetauschten Affen, ehe er die Banane holen kann. Interessanterweise unterstützt auch der erste ausgetauschte Affe die Bestrafung, ohne die Eisdusche je erlebt zu haben. Das Spiel wird so lange fortgesetzt, bis die gesamte Affengruppe durch neue ausgetauscht ist. Jeder Versuch, die Leiter hochzuklettern, wird mit Gewalt bestraft ohne jegliche Eis-Dusche-Erfahrung. Der Clue an der Geschichte: Obwohl die Sprinkleranlage schon längst demontiert wurde, wirkt die kulturelle Vererbung dennoch: Es traut sich kein einziger mehr, die Leiter hochzuklettern. Keiner weiss weshalb, aber von allen wird gesagt: «Das macht man hier nicht.»
Die Geschichte basiert auf einem wahren Experiment: G.R. Stephenson führte 1967 das Experiment mit Rhesusaffen durch. Mit seinem Versuch konnte er zeigen, dass die Affen fähig sind, kulturell Handlungen ihren Nachfahren weiterzugeben, die aktiv darauf abzielen, Dinge nicht zu tun.
Blinde Flecken in der Unternehmenskultur – Aussensicht fördern
In Firmen, in denen es niemand mehr wagt, ‘die Banane zu holen’, beobachte ich oft fehlendes Vertrauen zwischen Mitarbeitenden und zu Vorgesetzten. Vielen fehlt das Wissen über blinde Flecken in der Unternehmenskultur. Gewisse Dinge werden einfach so gemacht, ohne zu wissen, weshalb; sie sind «historisch so gewachsen». Oft fehlt der entscheidende unbefangene und wertvolle Aussenblick. Neue Mitarbeitende erkennen eingerastete, irritierende Verhaltensweisen oder lähmende Prozesse sofort. Ihr frischer Blick, ihre Idee für eine Lösung und ihre hohe Motivation zeichnet sie aus. Sie möchten eine Veränderung am System anzustossen.
Die heutige Zeit erfordert ein hohes Mass an Anpassungsfähigkeit und Offenheit. Erfolgreiche Unternehmen nehmen diese Rückmeldungen und Beobachtungen der «Neulingen» ernst und ermöglichen ihnen sogar, die Veränderung aktiv mitzugestalten.
Wie beschreiben Sie Ihre Unternehmenskultur? Was hält Sie oder Ihre Peers davon ab, ‘die Banane’ zu ergattern? Was tun Sie in Ihrem Unternehmen gegen blinde Flecken? Wie gehen Sie mit den Ideen ihrer neuen Mitarbeitenden um?
Wir von pragmatic solutions unterstützen Sie gerne in der Begleitung bei der Weiterentwicklung Ihres Unternehmens mit einer vertrauensvollen, externen Aussensicht.