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Naturschutz hat in der Schweiz eine lange Tradition. Seine Anfänge lassen sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts verfolgen. Für den nationalen und internationalen Naturschutz hat Basel durch die wegweisenden Aktivitäten der Privatgelehrten Fritz und Paul Sarasin aus der finanzkräftigen Basler Oberschicht anfangs des 20. Jahrhunderts eine Pionierrolle gespielt.
Fritz und Paul Sarasin – Die Anfänge des Naturschutzes in der Schweiz lagen in Basel
Auf die Initiative von Fritz Sarasin, damals Präsident der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (SNG), wurde 1906 die Schweizerische Naturschutzkommission gebildet. Ziel dieser Kommission war es, ein Inventar schon bestehender, geschützter Naturdenkmäler zu erstellen und weitere schützenswerte Objekte als Arbeitsinstrument für zielgerichtete Schutzmassnahmen zu erfassen.
Zur Deckung der Pachtkosten des Val Cluozza, des ersten Teils des späteren Schweizerischen Nationalparks, wurde 1909 auf die Initiative von Fritz Sarasin der Schweizerische Bund für Naturschutz (SBN) gebildet. Mitglied des SBN konnte jedermann werden, der Mitgliederbeitrag betrug 1 Franken. Durch die Initiative der Schweizerischen Naturschutzkommission konnte dann 1914 der Schweizerische Nationalpark gegründet werden. Damit hatte der Naturschutz in der Schweiz richtig Fuss gefasst.
Durch das Engagement von Universitätsprofessoren in der Schweizerischen Naturschutzkommission war schon von Anfang an eine Verbindung von Naturschutzaktivitäten und Universitäten angelegt. Allerdings wurde Naturschutz über viele Jahrzehnte grösstenteils von Laien betrieben und führte an Universitäten bestenfalls ein Schattendasein. Erst seit der zunehmend intensivierten Landnutzung in den Nachkriegsjahren fanden verschiedene Aspekte des Naturschutzes auch in universitären Kreisen grössere Beachtung. So widmete der Basler Zoologe Prof. A. Portmann 1971 der Thematik immerhin ein kleines Bändchen (4), ohne allerdings forschungsmässig im Naturschutz tätig gewesen zu sein.
1986 – Erfolgreiche studentische Initative zur Stärkung des Natur- und Umweltschutz im Jahr der Umweltkatastrophen
Bestrebungen, die wissenschatlichen Grundlagen des Naturschutzes an der Basler Universität zu unterrrichten, fallen erst in die frühen 1980iger Jahre. Verschiedene Dozenten versuchten, Lehrveranstaltungen in Natur- und Umweltschutz zu halten. Damals wurde allerdings noch nicht klar zwischen Ökologie und Naturschutzbiologie unterschieden, sondern Natur- und Umweltschutz als Teil einer allgemeinen Ökologie verstanden. Im Jahr 1985 stellte dann der Zoologe Prof. S. C. Stearns einen Antrag für einen 4-stündigen Lehrauftrag für Natur- und Umweltschutz (damals als ‘NUS' abgekürzt) und in der Folge fand vom Wintersemester 1986/87 bis zum Wintersemester 1988/89 ein Ringkolloquium ‘Natur- und Umweltschutz' statt.
Die grosse Zäsur für die Basler Bevölkerung bildete allerdings der Sandoz Unfall in Schweizerhalle im November 1986, welcher kurz nach der Kernkraftwerk-Katastrophe von Tschernobyl im April 1986 Ängste und Betroffenheit auslösten. Nach diesen Unfällen formierten sich in Basel die Studierenden und forderten von der Universitätsleitung einen Lehrgang für Natur- und Umweltschutz.
Diese Forderung wurde wiederum von Prof. S. C. Stearns mit einem Brief im Januar 1989 an den Basler Regierungsrat Prof. H. Striebel aufgegriffen. In der Folge forderte im März 1989 der Rektor der Universität, Prof. C. Pfalz, den Dekan der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Prof. W. Galluser, auf, eine Kommission zur Vorbereitung eines naturwissenschftlichen Umwelt-Studiengangs zu bestimmen. Die Kommission stellte in ihrem Schlussbericht fünf Anträge:
- Schaffung eines Studiengangs für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz (NLU) als Wahlfach für Studierende der Biologie- und Geographie sowie als Nachdiplomstudium.
- Neuschaffung von zwei Hauptdozentenstellen (Extraordinariate) für die NLU-Ausbildung, je eine Stelle für Geographie und Biologie.
- Schaffung weiterer Stellen und Geldmittel für die Lehre: 12 Stunden Lehraufträge, 4 Assistentenstellen, 2 Stellen für technische Mitarbeiter, 2 Sekretariatsstellen und eine Koordinatorenstelle sowie erforderliche Mittel für eine angemessene Infrastruktur.
- Schaffung geeigneter Räumlichkeiten für die NLU-Ausbildung.
- Angemessene Erhöhung der Betriebskredite der Institute, denen NLU angegliedert wird (ohne Nennung von Zahlen!).
Diese Anträge wurden von der Regierung übernommen und mit einigen Einschränkungen finanzieller Art gutgeheissen. Das Aussergewöhnliche an der Einrichtung dieser zwei Professuren ist, dass sie durch die Initiative von Studierenden zustande kam.
Die Wandlungen des Fach –Vom disziplinübergreifenden Nebenfach bis Bologna
Im Wintersemester 1992/93 startete der interdisziplinäre Studienlehrgang Natur-, Landschafts- und Umweltschutz (NLU) als Wahl- oder Nebenfach für Studierende der Biologie und Geographie sowie für weitere Hauptfächer der philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät. Studierende aus anderen Fakultäten konnten nach Absprache ebenfalls NLU als Nebenfach belegen.
Als ergänzende universitäre Ausbildung im Umweltbereich mit Praxisbezug stiess der neue Lehrgang bei den Studierenden auf grosses Interesse. Zwischen 1995 und 2003 schlossen insgesamt 206 Studierende (ca. 26 Studierende pro Jahr) erfolgreich ihr Nebenfach im Bereich NLU ab.
Mit der Studienreform im Jahr 2003 und den damit verbundenen Anpassungen an das Bologna-System wurde auch der NLU-Studiengang neu organisiert. Zwar ging der Status eines vollwertigen Nebenfachs verloren, die Kernveranstaltungen konnten aber in die neuen Bachelorstudiengänge (Bachelor of Science in Biologie, Bachelor of Science in Geowissenschaften, Bachelor of Science in Molekularbiologie) als verpflichtend integriert werden.
So müssen beispielsweise alle Biologie-Studierenden im 2. Semester zwei Kreditpunkte in der Lehrveranstaltung "Oekologie und Naturschutzbiologie" erwerben. Zudem können andere Lehrveranstaltungen aus dem NLU-Bereich gewählt werden. Auch besteht weiterhin die Möglichkeit, die frei wählbaren Lehrveranstaltungen so zu gruppieren, dass sie zusammen ein Modul NLU bilden (insgesamt 10–15 Kreditpunkte).
Die neugestalteten Masterprogramme (Master of Science in Ecology, Master of Science in Umweltgeowissenschaften, Master of Science in Geographie) beinhalten auch wesentliche Aspekte aus dem NLU-Bereich.
Die Studienreform brachte also eine Gewichtsverlagerung mit sich: Im Rahmen des Grundstudiums werden alle Studierenden der Biologie und Geowissenschaften mit den Grundlagen des Natur-, Landschafts- und Umweltschutzes konfrontiert. Die erworbene Fachkompetenz kann auf freiwilliger Basis sowohl auf der Bachelor- wie auch auf der Master-Stufe noch erweitert werden. Im Gegensatz dazu existiert das disziplinenübergreifende Nebenfach NLU nicht mehr.