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Unter Bulat Tschagajew ist der Fussballclub Neuchâtel Xamax 2012 innerhalb von nur acht Monaten Konkurs gegangen. Nächste Woche müssen sich der Tschetschene und seine rechte Hand Islam Satujew dafür vor Gericht verantworten. Ob sie vor Gericht erscheinen ist unklar.
Auch knapp eine Woche vor Prozessbeginn am kommenden Dienstag ist nicht bekannt, ob Bulat Tschagajew zum Prozess auf dem Neuenburger Schloss erscheinen wird. Der Angeklagte hatte stets beteuert, dass er kommen werde, um seine Version der Vorgänge zu präsentieren.
Vorübergehend dürfte Tschagajew einreisen
Wo sich der Tschetschene befindet, ist laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft unklar. Er war nach dem Konkurs des Fussballclubs Ende Januar 2012 für 121 Tage in Untersuchungshaft gesetzt worden.
Nachdem die Waadtländer Behörden ihm eine Verlängerung des Visums verweigert hatten, verliess er die Schweiz im August 2013 mit unbekanntem Ziel. Tschagajew erhielt für den Prozess eine vorübergehende Aufhebung des Einreiseverbots in die Schweiz.
Schwere Vorwürfe
Falls er und Satujew nicht vor Gericht erscheinen sollten, wird eine neue Verhandlung angesetzt. Erst im zweiten Anlauf kann die erstinstanzliche Hauptverhandlung gemäss der Schweizerischen Strafprozessordnung in Abwesenheit der Angeklagten durchgeführt werden.
Der ehemalige Präsident von Neuchâtel Xamax muss sich vor dem Regionalgericht des Littoral und des Val-de-Travers wegen Misswirtschaft, ungetreuer Geschäftsführung sowie Hinterziehung der Quellensteuer in der Höhe von 1,5 Millionen Franken verantworten.
Falsche Vermögensgarantie
Er ist zudem wegen einer mutmasslich gefälschten Garantie der Bank of America des versuchten Betruges sowie der Urkundenfälschung angeklagt. Die Garantie liess glauben, dass Tschagajew über ein Vermögen von 35 Millionen Franken verfüge.
Die Klubführung sei Verpflichtungen eingegangen, ohne dass sie über die notwendigen Gelder für ihre Ambitionen verfügt hätte, heisst es in der Anklageschrift. Sie habe sich auch an den Fonds der Sponsoren und Unterstützungsclubs bedient.
20 Millionen Franken Schulden
In der Anklageschrift werden als Beispiel drei Flüge von Tschagajew zwischen Genf und Grozny aufgeführt, die nichts mit der geschäftlichen Tätigkeit des Fussballclubs zu tun hatten. Die Anklage wird im Prozess durch den Neuenburger Oberstaatsanwalt Pierre Aubert vertreten.
Nach der Übernahme im Mai 2011 durch Tschagajew ging der Club am 26. Januar 2012 in Konkurs. Zurück blieb ein Schuldenberg von 20,1 Millionen Franken, 359 Gläubiger gingen leer aus und mussten sich nach Abschluss des Konkursverfahrens mit Verlustscheinen zufrieden geben.
Gleiche Anklage für Ex-Vize
Der Tschetschene bestritt stets alle Vorwürfe. Neben ihm muss sich der frühere Vize-Präsident des Fussballclubs, Islam Satujew, wegen Misswirtschaft, ungetreuer Geschäftsführung sowie wegen Hinterziehung der Quellensteuer verantworten.
Auch Satujew verliess im Oktober 2013 die Schweiz, sein derzeitiger Wohnort ist ebenfalls unbekannt. Im Gegensatz zu Tschagajew wurde Satujew nur drei Tage in Untersuchungshaft gesetzt und kam gegen eine Kaution von 5000 Franken wieder frei.
Geblendet und enttäuscht
Der katastrophale Absturz des Traditionsvereins Neuchâtel Xamax prägte die ganze Region. Sowohl Sport-Verantwortliche wie auch Politiker hatten die Übernahme der Mehrheit durch Tschagajev vom vorherigen Clubpräsidenten Sylvio Bernasconi zunächst begrüsst.
Sie liessen sich von den Versprechen von Tschagajew blenden und wurden bitter enttäuscht. Auf den Konkurs folgte ein Zwangsabstieg in die zweite Liga interregional. Mittlerweile hat sich Neuchâtel Xamax in der zweithöchsten Liga, der Challenge League, etabliert.
Dort schloss der Club die vergangene Saison auf Platz zwei hinter Aufsteiger Lausanne ab. In der laufenden Saison liegt Xamax ebenfalls auf dem zweiten Platz hinter dem letztjährigen Absteiger, dem FC Zürich.
(sda/jfr/mbü)