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Zusammenfassungen der Veröffentlichungen aus dem Forschungsprojekt in wissenschaftlichen Fachzeitschriften (Stand 4.2021)
Projektteam Dr. Johanna Schröder, Susanne Nick, Pia Behrendt, Ann-Kathrin Kraus, Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt und Prof. Dr. Peer Briken; Durchführung in Kooperation mit dem Institut für Sexualforschung, Sexualmedizin und Psychiatrie und der Spezialambulanz für Traumafolgestörungen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Betroffene von ORG (Organisierter ritueller Gewalt) wurden bisher nur selten systematisch befragt. Die Anzahl der Studienteilnehmer:innen und die umfangreichen Angaben in den offenen Antwortformaten zeigten, dass zumindest ein Teil der Betroffenen von ORG bereit und in der Lage ist, an solch detaillierten Befragungen teilzunehmen.
Alle befragten Betroffenen berichteten Gewalterfahrungen ab dem frühen Kindesalter, die oft bis ins Erwachsenenalter anhielten. Ihre Angaben zur erlebten Gewalt bestätigten, dass der Kinder-und Gewaltschutz in Fällen von ORG zumeist versagt hat.
Die häufige Beteiligung von Mitgliedern der eigenen Familie mache die sexuelle Ausbeutung bereits im Kindesalter möglich, da diese als Verwandte unauffällig agieren. Ein Schwerpunkt der Gewalt liege in den Bereichen der organisierten Kriminalität, besonders der kommerziellen sexuellen Ausbeutung von Kindern, in der Zwangsprostitution und der Herstellung von Missbrauchsabbildungen.
Die enge Verbindung von diesen Gewaltformen und ritueller Gewalt bestätigen auch andere Studien (Bottoms et al. 1996). Die ursprünglich gehegte Annahme, dass ORG vor allem in satanistischen Sekten erfolgt, konnte nicht bestätigt werden. Die psychische Symptomatik weist neben komplexen posttraumatischen Störungen auch spezifische Varianten der DIS auf. Die Psychotraumatologie hat durch Täter:innen absichtlich erzeugteFormen von DIS bisher kaum zur Kenntnis genommen, während die Fachliteratur zu ORG sehr genaue und differenzierte Beschreibungen dieser charakteristischen Persönlichkeitsanteile liefert (Miller 2014, Fliss 2013).
Die Ergebnisse der Studie zeigten auch, dass Betroffene über Jahre in der Regelversorgung behandelt werden und mit ähnlich schweren Versorgungsmängeln zu kämpfen haben, die bei sexualisierter Gewalt und komplexen Traumafolgen bereits bekannt sind.Sie finden oft keinen Therapieplatz oder müssen lange darauf warten, weil es zu wenige Plätze gibt. Zudem müssen sie sich häufig mit einem Defizit an traumaspezifischen Angeboten abfinden. Die beschriebene komplexe Symptomatik der Betroffenen überfordert meist auch das Hilfesystem und das psychosoziale Fachpersonal, zumal dieses auf besondere Probleme wie spezifische dissoziative Aufspaltungen, den Einsatz von Ideologien und anhaltende Gewalterfahrungen kaum vorbereitet ist.
Die Studienergebnisse zeigten, dass Schulungen und Aufklärung als alleinige Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von ORG- Betroffenen nicht ausreichen. Es fehlt an Psychotherapieplätzen und Schutzunterkünften für Betroffene, die sich in anhaltenden Gewalterfahrungen befinden. Es sind zu dem grundlegende strukturelle Veränderungen im Versorgungssystem notwendig, um für Betroffene dieser Gewaltform bedarfsgerechte und nachhaltige Unterstützung zu gewährleisten.