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Wir konzentrieren uns in unserer Forschung auf die häufigsten Arthritis-Formen, nämlich der rheumatoiden Arthritis, der axialen Spondyloarthritis und der Psoriasisarthritis.
Die rheumatoide Arthritis (RA), früher chronische Polyarthritis genannt, ist eine chronische entzündliche Systemerkrankung, welche primär die Gelenke befällt. Sie betrifft ca. ein Prozent der Bevölkerung, mit einem Altersgipfel zwischen dem 40. bis 60. Lebensjahr. Frauen sind drei Mal so häufig betroffen wie Männer. Die Ursachen der Erkrankung sind unbekannt. Sowohl genetische Faktoren, wie auch Umweltfaktoren (insbesondere Rauchen) sind bei der Krankheitsentstehung mitbeteiligt. Es kommt zu einer Aktivierung des Immunsystems, welche eine Entzündung im Bereich der Gelenke zur Folge hat (Synovitis). Unbehandelt führt die Entzündung zu einer Destruktion der Gelenke mit entsprechender Einschränkung der Funktion.
Die Frühdiagnose der rheumatoiden Arthritis (RA) trägt wesentlich zum Erfolg der Behandlung bei. Die Verzögerung vom Beginn der Symptome bis zur Diagnose im Raum Zürich ist etwa 20 Wochen. Ein wesentlicher Faktor, welcher zur Verzögerung beiträgt, ist die Tatsache, dass Patienten oft zu lange warten, bevor sie sich wegen Schmerzen in den Gelenken beim Hausarzt melden. Mit einem kurzen Online-Test auf unserer Homepage (Links über Google-Suche, Facebook und Twitter) möchten wir Patienten mit einer Früharthritis identifizieren und bieten eine kurze Voruntersuchung der Gelenke, welche gratis ist und jede Woche am Donnerstag zwischen 18h00-19h00 stattfindet. Patienten mit diagnostizierter Arthritis werden nach Einverständnis in die SCQM-Kohorte eingeschlossen.
Parallel zur frühen Erkennung einer rheumatoiden Arthritis können Patientinnen und Patienten mit Gelenkschmerzen identifiziert werden, welche noch keine Arthritis haben, aber ein erhöhtes Risiko aufweisen, später eine RA zu entwickeln. Diese Patienten werden über 2 Jahre verfolgt. Die Faktoren welche zur Entwicklung einer RA führen könnten werden erforscht.
Diese vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte und schweizweit durchgeführte Studie hat sich zum Ziel gesetzt, direkte Verwandte von Patienten mit rheumatoider Arthritis vor dem Auftreten von Beschwerden zu untersuchen und langfristig zu verfolgen. Während 1% der Schweizer Bevölkerung von einer rheumatoiden Arthritis betroffen ist, sind Verwandte 3-6 mal häufiger betroffen.
Mehr Informationen unter: www.arthritis-checkup.ch
The prevalence of anticitrullinated protein antibodies increases with age in healthy individuals at risk for rheumatoid arthritis. Alpizar-Rodriguez D, Brulhart L, Mueller RB, Möller B, Dudler J, Ciurea A, Walker UA, Von Mühlenen I, Kyburz D, Zufferey P, Mahler M, Bas S, Gascon D, Lamacchia C, Roux-Lombard P, Lauper K, Nissen MJ, Courvoisier DS, Gabay C, Finckh A. Clin Rheumatol. ;36:677-82, 2017.
Female hormonal factors and the development of anti-citrullinated protein antibodies in women at risk of rheumatoid arthritis. Alpizar-Rodriguez D, Mueller RB, Möller B, Dudler J, Ciurea A, Zufferey P, Kyburz D, Walker UA, von Mühlenen I, Roux-Lombard P, Mahler M, Lamacchia C, Courvoisier DS, Gabay C, Finckh A. Rheumatology (Oxford). 56:1579-85, 2017.
Das SCQM Programm wurde 1997 in Zürich als Qualitätskontrollinstrument zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis gegründet. Die Dateneingabe über Krankheitsaktivität, Funktion, Schaden, Lebensqualität usw. erlaubt eine zielgerichtete individualisierte Therapie der Erkrankung und erleichtert die Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Die Daten werden in anonymisierter Form auch für Studienzwecke verwendet.
Evolution of radiographic joint damage in rituximab-treated versus TNF-treated rheumatoid arthritis cases with inadequate response to TNF antagonists. Finckh A, Möller B, Dudler J, Walker UA, Kyburz D, Gabay C; physicians of the Swiss Clinical Quality Management for Rheumatoid Arthritis; physicians of SCQM-RA. Ann Rheum Dis. 71(10):1680-5, 2012
The long-term impact of early treatment of rheumatoid arthritis on radiographic progression: a population-based cohort study. Kyburz D, Gabay C, Michel BA, Finckh A; physicians of SCQM-RA. Rheumatology (Oxford). 50:1106-10, 2011.
Which subgroup of patients with rheumatoid arthritis benefits from switching to rituximab versus alternative anti-tumour necrosis factor (TNF) agents after previous failure of an anti-TNF agent? Finckh A, Ciurea A, Brulhart L, Möller B, Walker UA, Courvoisier D, Kyburz D, Dudler J, Gabay C; Arthritis. Ann Rheum Dis. 69:387-93, 2010.
Es bleibt unklar, inwieweit die zusätzliche Erfassung von entzündlichen Veränderungen mittels Ultraschall (Sonographie) einen zusätzlichen Benefit zur klinischen Untersuchung bei der Diagnose, Prognosebestimmung und bei der Therapie-Anpassung aufweist. Eine validierte sonographische Untersuchung wurde im SCQM-Programm aufgenommen, um diesen Fragen in der Forschung nachzugehen.
Can Ultrasound Be Used to Predict Loss of Remission in Patients with RA in a Real-life Setting? A Multicenter Cohort Study. Zufferey P, Scherer A, Nissen MJ, Ciurea A, Tamborrini G, Brulhart L, Blumhardt S, Toniolo M, Möller B, Ziswiler HR; SONAR Group and the SCQM Foundation. J Rheumatol. 45:887-894, 2018.
Persistence of ultrasound synovitis in patients with rheumatoid arthritis fulfilling the DAS28 and/or the new ACR/EULAR RA remission definitions: results of an observational cohort study. Zufferey P, Möller B, Brulhart L, Tamborrini G, Scherer A, Finckh A, Ziswiler HR. Joint Bone Spine. 81:426-32, 2014.
Die UPEDRA-Studie (Prediction of erosive disease in early RA by ultrasound and cartilage biodegradation markers) ist eine Kollaboration der Rheumakliniken an den Universitätsspitälern Zürich und Basel. Neu diagnostizierte RA-Patienten werden klinisch sowie mittels Röntgen, Ultraschall und MRI zu Beginn und im Verlauf untersucht. Die Studie wird in enger Zusammenarbeit mit der Clinical Trials Unit RUZ durchgeführt.
Die axiale Spondyloarthritis (axSpA; Morbus Bechterew) gehört zur Erkrankungsgruppe der Spondyloarthritiden, zu denen unter anderen auch die Psoriasisarthritis (s.u.) und Arthritisformen bei entzündlichen Darmerkrankungen gehören. Der entzündliche Befall betrifft das Achsenskelett (Wirbelsäule und Iliosakralgelenke) wie auch die peripheren Gelenke. Hauptmerkmal ist jedoch die Entzündung im Bereich der Ansätze von Sehnen und Bändern, als Folge einer Aktivierung des Immunsystems. Sowohl genetische Faktoren (z. B. Assoziation mit dem Erbmerkmal HLA-B27) wie auch Umweltfaktoren sind bei der Krankheitsentstehung mitbeteiligt. Unkontrollierte Reparaturvorgänge nach Rückgang der Entzündung können schliesslich zu einer vermehrten Knochenbildung und zu Knochenbrücken zwischen den einzelnen Wirbelkörpern führen. Im Verlauf kann es zu einer erheblichen Verminderung der Beweglichkeit der Wirbelsäule kommen.
Seit 2005 werden schweizweit Patienten mit axSpA in die SCQM-Kohorte eingeschlossen. Mit >4500 Patientinnen und Patienten ist es damit die grösste Kohorte von Bechterew-Patienten weltweit. Hauptanliegen ist die Erfassung von validierten Parametern zur Krankheitsaktivität, Funktion, Schaden an der Wirbelsäule und Lebensqualität, damit eine individualisierte, zielgerichtete Behandlung angeboten werden kann (Treat-to-target-Prinzip). Die SCQM-Teilnahme und die zusätzliche Benutzung der SCQM-App verbessert die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten. Die erhobenen Daten haben eine Vielzahl von Erkenntnissen zur Behandlung mit Biologika, Geschlechterunterschiede, Rauchen, Übergewicht und Verknöcherung an der Wirbelsäule geführt. Viele weitere Analysen sind in Bearbeitung.
TNF blockers inhibit spinal radiographic progression in ankylosing spondylitis by reducing disease activity: results from the Swiss Clinical Quality Management cohort. Molnar C, Scherer A, Baraliakos X, de Hooge M, Micheroli R, Exer P, Kissling RO, Tamborrini G, Wildi LM, Nissen MJ, Zufferey P, Bernhard J, Weber U, Landewé RBM, van der Heijde D, Ciurea A. Ann Rheum Dis. 77:63-69, 2018.
Response to Tumor Necrosis Factor Inhibition in Male and Female Patients with Ankylosing Spondylitis: Data from a Swiss Cohort. Hebeisen M, Neuenschwander R, Scherer A, Exer P, Weber U, Tamborrini G, Micheroli R, Wildi LM, Zufferey P, Nissen MJ, Villiger PM, Bernhard J, Finckh A, van der Horst-Bruinsma IE, Sieper J, Landewé R, van der Heijde D, Ciurea A. J Rheumatol. 45:506-512, 2018.
Tumor necrosis factor α inhibition in radiographic and nonradiographic axial spondyloarthritis: results from a large observational cohort. Ciurea A, Scherer A, Exer P, Bernhard J, Dudler J, Beyeler B, Kissling R, Stekhoven D, Rufibach K, Tamborrini G, Weiss B, Müller R, Nissen MJ, Michel BA, van der Heijde D, Dougados M, Boonen A, Weber U. Arthritis Rheum. 65:3096-106, 2013.
Es gibt Hinweise, dass ein entzündlicher Befall der Hüftgelenke (Coxitis) mit einer schlechteren Prognose bei axSpA assoziiert sein kann. Insbesondere wird auch eine verstärkte Verknöcherung der Wirbelsäule (Ankylosierung) bei Patienten mit Coxitis diskutiert. Dieser Frage wird mit einer regelmässigen ultrasonographischen Untersuchung der Hüftgelenke bei allen Patienten im Rahmen des SCQM-Programmes nachgegangen. Der potentielle Zusammenhang mit einer schlechteren Prognose und einer Ankylosierung der Wirbelsäule wird im langfristigen Verlauf analysiert werden können.
Alle Bechterew-Betroffene wissen es: Bewegung tut gut! Die wissenschaftliche Untersuchung des Effektes von regelmässigen Übungen ist jedoch sehr schwierig. Zudem scheinen nicht nur Beweglichkeitsübungen, sondern auch ein kardiovaskuläres Training wichtig. Schwere berufliche Tätigkeiten sind jedoch mit einer schlechteren Prognose assoziiert. Welche Arten von Bewegungen die Verknöcherung der Wirbelsäule verhindern oder im Gegenteil allenfalls verstärken könnten ist Teil unserer Analysen. Die Studien erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften; Prof. K. Niedermann) und der Schweizerischen Vereinigung Morbus Bechterew (SVMB).
Effect of cardiovascular training on fitness and perceived disease activity in people with ankylosing spondylitis. Niedermann K, Sidelnikov E, Muggli C, Dagfinrud H, Hermann M, Tamborrini G, Ciurea A, Bischoff-Ferrari H. Arthritis Care Res (Hoboken). 65:1844-52, 2013.
Im Jahr 2016 hat die Schweizerische Vereinigung Morbus Bechterew (SVMB) eine grosse Online-Umfrage bei über 1000 Bechterew-Betroffenen durchgeführt. Die grossen Datenmengen werden nun im Rahmen einer Masterarbeit wissenschaftlich analysiert.
Eine Kohorte von Patienten mit axialer Spondyloarthritis und gleichzeitig einer entzündlichen Darmerkrankung ist in enger Zusammenarbeit mit den Kollegen der Klinik für Gastroenterologie am Universitätsspital Zürich am Entstehen.
Ein Zusammenschluss von 11 europäischen Registern (darunter SCQM) soll die Anzahl untersuchter Patienten erheblich erhöhen um auch schwierigere Fragestellungen untersuchen zu können.
Die Psoriasisarthritis (PsA) tritt bei etwa 20-30% der von einer Schuppenflechte (Psoriasis) betroffenen Personen. Das Ausprägungsmuster ist im Unterschied zur rheumatoiden Arthritis viel heterogener. Neben einem entzündlichen Befall der peripheren Gelenke kann auch eine Entzündung im Bereich der Sehnenansätze (Enthesitis), Wurstfinger- oder Zehen (Daktylitis) oder auch ein Befall der Iliosakralgelenke und der Wirbelsäule vorkommen (Spondyloarthritis). Die Zusammenarbeit mit den Hautärztinnen und Hautärzten ist bei der Betreuung essentiell.
Die Psoriasisarthritis-Kohorte ist die Jüngste im Rahmen des SCQM-Programmes. Wie bei RA und axSpA geht es hier einerseits um ein Qualitätsmanagement der Behandlung mit einem individualisierten, zielgerichteten Ansatz. Verschiedene PsA-Studien sind derzeit in Bearbeitung.
Link zu www.scqm.ch
Im Rahmen einer grossen schweizweiten Anstrengung wird derzeit die Möglichkeit einer grossen randomisiert-kontrollierten Studie bei PsA im Rahmen des SCQM-Programmes evaluiert.