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Kreuzung Schönenberg- Oberdorfstrasse: Tor zum Dorfkern
Die locker-dörfliche Bautengruppe bei der Kreuzung der Schönenberg- mit der Oberdorfstrasse bildet gleichsam das Schönenberger-Tor zum alten Dorfkern. Zwei bekannte Wirtschaften – das Volkshaus und die Schmiedstube – stehen sich diagonal gegenüber. Der dominierende Bau ist die Schmiedstube (Schönenbergstrasse 24); nach ihm ist auch die vor der «Hohlen Eich» (Nr. 22) platzierte Bus-Haltestelle bezeichnet. Der Name weist aufs Schmiedehandwerk, ebenso wie der des gegenüberstehenden Hauses an der Schönenbergstrasse 23: «Eisenhammer».
1 Schmiedstube (Schönenbergstrasse 24) 2 Zur Hohlen Eich (Schönenbergstrasse 22) 3 Haus Scheidweg (Schönenbergstrasse 18) 4 Stadtbibliothek (Schönenbergstrasse 21) 5 Zum Adlerberg (Kirchweg 13) 6 Eisenhammer (Schönenbergstrasse 23) 7 Volkshaus (Schönenbergstrasse 25) 8 „Molki“-Areal (Schönenbergstrasse 26, 28 und Oberdorfstrasse 11)
Hört man in Wädenswil den Namen «Schmiedstube», denkt man an die gleichnamige, tradionelle Wirtschaft. Der Name steht aber auch für den Bau als Ganzes: ein massiger Satteldachbau, mit braunem Sichtfachwerk im Giebelfeld, mit einer Gaststube und mit einem Laden – früher eine Metzgerei, seit einigen Jahren ein Thai-Imbiss. Fernost begegnet Heimatnostalgie: der Bau stammt nämlich erst aus den Jahren des zweiten Weltkriegs.
An der Stelle der Schmiedstube stand, wie die zwei nachfolgenden Fotografien zeigen, ein Haus mit traufständigem Satteldach. Es ist 1675 erstmals erwähnt; das grosse Dachhaus, der Vorbau und der Verputz sind im 19. Jahrhundert zugefügt worden.
Seit 1738 wohnte der Dorflehrer Hans Hofmann in der Liegenschaft; einer seiner Söhne – Rudolf – richtete später im oder nahe beim Haus eine Schmiede ein. Daher rührt der Name der 1860 erstmals erwähnten Weinschenke: «Schmiedstube» (PZ 1962, 43; Info PZ 2017). 1944 brannte das Haus, das nebst der Wirtschaft auch eine Metzgerei beherbergt hatte, ab. 1945-46 erstellte Albert Kölla (1889-1988) für Metzger E. Gubelmann einen Neubau. Er habe sich, meint der Architekt, «an die ländlichen Formen des Nachbarhauses zur ‚Hohleneich‘ angelehnt, «um der Gruppe am Strassenkreuz [...] eine betonte Wirkung zu verleihen» (Kölla in Jb Zürichsee 1947/48, 56).
Kölla war eng mit dem Heimatschutz verbunden. Seine «Schmiedstube» mit ihrem giebelständigen Satteldach und dem Riegelwerk ist denn auch ein typischer Vertreter jener zweiten, konservativen Phase des Heimatstils, in der regionale Bauformen – im vorliegenden Fall das Zürcher Weinbauern-Riegelhaus – wiederbelebt werden (> Stilgeschichte). Ziemlich sicher war der Bau auch als Manifest gegen die Formen des Volkshauses (Schönenbergsrase 25) gedacht: Diese wurden damals von Vielen als unbodenständig und fremd empfunden.
2 Haus Zur Hohlen Eich (Schönenbergstrasse 22) Unterhalb der Schmiedstube steht das Haus Zur hohlen Eich. Von den alten Wädenswiler Riegelhäusern, die vom Selbstbewusstsein der dörflichen Oberschichten des Barock zeugen, ist es nicht das grösste, aber dank seiner Lage eines der Augenfälligsten. Die zur nachmaligen Schönenbergstrasse (damals noch Strasse nach Einsiedeln) gerichtete Giebelfassade ist als Hauptfassade ausgebildet. Grosse Wein- und Mostkeller bilden ein hohen, massiven Sockel. Entsprechend hoch liegt das Portal: eine steile, einläufige Treppe mit Schmiedeisengeländer führt zu ihm empor.
Die Fenster sind asymmetrisch. Auf dem Sturz des talseitigen Kellerportals steht die Zahl «1685»; mindestens der Unterbau dürfte damals entstanden sein.
In diesem Jahr wurde der Komponist Johann Sebastian Bach geboren, und in Frankreich verbot Louis XIV den Protestantismus – womit er vielen umliegenden Ländern zu Flüchtlingen verhalf, die die Wirtschaft ankurbelten, so in der Schweiz unter anderem das Textilgewerbe. In diesem Wirtschaftszweig war der 1715 als Hausbesitzer der Hohlen Eich bezeugte Weinbauer Rudolf Diezinger tätig. Aus der Barockzeit dürfte auch der klingende Name des Hauses stammen. Die halb abgestorbene und doch unverwüstliche Eiche (vielleicht stand eine in der Nähe) galt als Sinnbild für einen Bauern, der trotz Hinfälligkeit des Körpers für die Grundbedürfnisse der Menschen sorgte. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert verlor das Haus an Glanz und Rang, gewann dafür an dörflichem Leben. Die Keller wurden für Gewerbe genutzt (Metzgerei, Küferwerkstatt, Schuhmacherwerkstatt), die Grossbauern durch Handwerker abgelöst. Der als bäurisch geltende Riegel wurde irgendwann verputzt, die Fassade 1907 durch einen Vorbau teilweise verdeckt. 1944 und 1946 erwarb die Gemeinde den zernutzten Bau, um diesen Vorbau entfernen zu können – nachdem die Fassadenflucht des Schmiedstuben-Neubaus zurückversetzt worden war, stand er störend in den Strassenraum vor. Man wollte aber auch das Quartier «verschönern». Mittlerweile wurden alte Riegelhäuser wieder geschätzt, und so legte der Architekt der benachbarten Schmiedstube, Albert Kölla, das Fachwerk frei. Ausserdem liess er Ornamente aufmalen und bei der Jahrzahl ein Hauszeichen meisseln.
Diese vor Allem im 19. Jahrhundert gängige Verstärkung des «Typischen» wurde noch weitergetrieben, als das Haus 1968-1969 zu einem Ortsmuseum umgebaut und eingerichtet wurde.
Als Architekt fungierte Hans Helbling; die Hauptregie aber führte der Agrar- und Kulturhistoriker Albert Hauser (1914-2013). Die originale Haustür wurde in den Kellereingang versetzt, an ihre Stelle trat ein Türblatt aus der Giessenmühle, mit dazu passendem Sandsteingewände.
Im Inneren wurden – ähnlich wie seinerzeit im Landesmuseum und in zahlreichen anderen Museen – Raumausstattungen aus abgebrochenen Häusern eingebaut, zur Dokumentation nicht verschiedener Stile, sondern des Wohnens und Arbeitens im alten Wädenswil. Im Kontext neoliberaler Spar- und Privatisierungspolitik wurde das Museum 2002 geschlossen und das Haus 2006 an einen Privaten verkauft, so dass es – wie die Kantonale Denkmalpflege formulierte – «wieder Wohnzwecken zugeführt und unter Schutz gestellt» werden konnte.
3 Haus Scheidweg (Schönenbergstrasse 18) Die «Hohle Eich» ist Teil einer Gruppe von drei giebelständigen Satteldachhäusern, die talwärts kleiner werden. Das unterste, bescheidenste – ein Putzbau - ist das Haus «Scheidweg». So heisst es, weil es in der Gabelung von Schönenbergstrasse und Rotweg steht. Erwähnt ist es erstmals 1568; der Baubestand dürfte aber zur Hauptsache aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen. 1702 gehörte es derselben Familie Diezinger, die die Hohle Eich besass. Später erlebte es zahlreiche Besitzerwechsel. 1989 stellte es die Stadt Wädenswil - mittlerweile Besitzerin des Baus - unter kommunalen Schutz.
4 Stadtbibliothek (Schönenbergstrasse 21) Gegenüber von der Hohlen Eich steht das ehemalige Feuerwehrgebäude, seit 2011 Stadtbibliothek. Für diese wurde das Feuerwehrgebäude 2009(???)-2010 von atool Architekten(??) für die Stadt Wädenswil umgebaut.
Zuvor war die Bibliothek von der Lesegesellschaft (gegründet 1790) betrieben worden; 1964 war sie in der Turnhalle Eidmatt 1 installiert worden – ein Zeichen für ihre Verbundenheit mit dem Schulwesen.
Anstelle des heutigen Gebäudes und seiner Umgebung hatten bis 1906/07 eine Schmiede und drei Schöpfe gestanden; sie wurden abgebrochen, ein Feuerwehrweiher zugeschüttet – dies, um ein Feuerwehrhaus bauen zu können, als Ersatz für ein abzubrechendes Spritzenhaus gegenüber der Sonne.
Das neue Feuerwehrhaus wurde 1907-1909 nach Plänen von Paul Hürlimann (?) erstellt (unten links). Es bot Platz nicht nur für Spritzen und Geräte, sondern auch für den Leichen- und den Krankenwagen sowie für eine Gefängnis- und Ausnüchterungszelle. Der charakteristische Schlauchtröckneturm befand sich auf der Rückseite.
Bei späteren Umbauten wurden das Fachwerk verputzt, die Fenster- und Türeinteilung verändert und die Lücke zum Haus Kirchweg 10 durch einen eingeschossigen Annex ausgefüllt. Nach dem Umzug der Feuerwehr in ein neues Gebäude an der Seestrasse 158-160 im Jahre 2009 war das Gebäude für die Stadtbibliothek frei. Oben rechts der Zustand kurz vor dem Umbau, im Mai 2010.
4 und 5 Zum Adlerberg und Eisenhammer
Im Bild unten ist links die bergseitige Schmal- und Eingangsseite der Stadtbibliothek zu sehen. Davor – im Dreieck von Schönenbergstrasse und Kirchweg – liegt ein kleiner Platz mit einem Baum und Hecken-Grün. Die Rückwand formen zwei Häuser mit den interessanten Namen Adlerberg (Kirchweg 13, mit Turm) und Eisenhammer (Schönenbergstrasse 23). 1981 sorgte das Stadtparlament für die Erhaltung dieser zwei liebenswürdigen Bauten, indem es das stadträtliche Projekt zu einem Neubau ablehnte.
1976 wurde der Bau umgebaut und erweitert; dabei wurden das Fachwerk verputzt, die Fenster- und Türeinteilung verändert und die Lücke zum Haus Kirchweg 10 durch einen eingeschossigen Annex ausgefüllt. Nach dem Umzug der Feuerwehr in ein neues Gebäude an der Seestrasse (Nrn. 158-160) im Jahre 2009 war das Gebäude für die Stadtbibliothek frei.
5 und 6 Zum Adlerberg und Eisenhammer Im Bild unten ist links die bergseitige Schmal- und Eingangsseite der Stadtbibliothek zu sehen. Davor – im Dreieck von Schönenbergstrasse und Kirchweg – liegt ein kleiner Platz mit einem Baum und Hecken-Grün. Die Rückwand formen zwei Häuser mit den interessanten Namen Adlerberg (Kirchweg 13, mit Turm) und Eisenhammer (Schönenbergstrasse 23). 1981 sorgte das Stadtparlament für die Erhaltung dieser zwei liebenswürdigen Bauten, indem es das stadträtliche Projekt zu einer Gesamtüberbauung der Liegenschaften ablehnte.
Das ältere der zwei Häuser ist der Adlerberg, mündlich als Adlerburg bekannt: Es wurde 1836-1838 erbaut. Es handelt sich um einen schlichten Biedermeierbau mit traufständigem Satteldach und Treppenhaus-Risalit gegen den Kirchweg. Dieser Risalit hat nun dank eines Aufbaus mit Mansardsatteldach ein turmartiges Aussehen. Der Hausname und die einst auf dem Turm angebrachte Adlerfigur lassen vermuten, dass das Dachkämmerchen als Belvedere gedacht war. Vielleicht befand sich hier auch ein Taubenschlag; ein solcher ist für den Verbindungs-Aufbau zum Hauptdach überliefert. An der «Adlerburg» wird deutlich, wie wichtig naiv-skurrile Architekturmotive für das Ortsbild sein können.
Wie die nebenstehende Aufnahme zeigt, war der Turm der Adlerburg einst besser sichtbar. Anstelle des bergseitigen Teils des Feuerwehrgebäudes befand sich bis 1907 bloss ein niedriges Werkstattgebäude mit einer Wagen- und Hufschmiede. Es dürfte sich um eine Werkstatt handeln, die der Schmied Rudolf Hofmann auf einem 1826 erworbenen Grundstück erstellt hat.
Die Hofmanns betrieben ja in der nachmaligen «Schmiedstube» eine Schmiede: Offenbar wurde diese erweitert oder über die Strasse hinweg gezügelt. 1855 bis 1879 befand sich die Schmiede im Besitz der Familie Huber. Einer von ihnen, Jakob, liess 1864 das Wohnhaus Schönenbergstrasse 23 bauen und nannte es «Eisenhammer». Während die Schmiede 1907 verschwand, ist das schlichte, aber gediegene Spätbiedermeier-Wohnhaus mit seinem auffälligen Hausnamen erhalten.
7 Volkshaus Das Gebäude in der bergseitigen Ecke Oberdorf-/Schönenbergstrasse unterscheidet sich architektonisch wie farblich markant sowohl vom nahen «Eisenhammer» als auch von der schräg gegenüberstehenden Schmiedstube. Es handelt sich um einen ausgesprochen städtisch wirkenden Blockrandbau mit Erkertürmchen an der abgeschrägten Ecke.
Die Formgrammatik liegt zwischen deutscher Renaissance (Quergiebel gegen die Schönenbergstrasse) und Jugendstil. Obwohl abgeblasst, fällt auch der rote Putz auf. Er ist politisch gemeint: auf der Fassade liest man die Beschriftung «Volkshaus». «Volkshäuser» entstanden ab dem späten 19. Jahrhundert, als sozialkulturelle und als politische Zentren der Arbeiterschaft. Das 1909-1910 von Streiff & Schindler erstellte Volkshaus Zürich etwa enthielt eine preiswerte Gaststätte, Bäder, Veranstaltungssäle und Büros für Arbeiterorganisationen und wurde bald zu einem Zentrum der Arbeiterbewegung.
Auch das Wädenswiler Volkshaus war mit der Arbeiterbewegung verbunden – aber nicht von Beginn an.
Die Geschichte des nachmaligen Volkshauses beginnt 1900. Damals erwarb der Zimmermeister Marzell Küttel vom Weinhändler Jakob Hauser zur Krone das (nicht mehr bestehende) Haus «Zur Weinburg» an der Oberdorfstrasse und erstellte auf dem dazugehörigen Land an der Schönenbergstrasse gleich drei Häuser, wozu noch Nutzbauten abgebrochen werden mussten. Während die zwei bergseitigen Häuser von der gleichen spätbiedermeierlich-schlichten Art waren wie der Eisenhammer, gab sich der Eckbau – wie wir gesehen haben – grosstädtisch. Im Hochparterre wurde eine Wirtschaft namens «Zum Löwen» betrieben, zu der auch eine Metzgerei gehörte. Küttner konnte sich seines Besitzes nicht lange erfreuen: Schon im September 1902 machte er Konkurs. Nach zweimaligem Besitzerwechsel gelangte das Haus 1919 an die Volkshausgenossenschaft Wädenswil. Schon während des Ersten Weltkriegs war der «Löwen» Treffpunkt der Linken gewesen; 1918 hatte hier das örtliche Streikkomitee getagt. Da der Wirt seine Gäste ungnädig behandelte, gründeten Vertreter der sozialdemokratischen Partei, der Gewerkschaften und des Arbeiter-Sportvereins die besagte Genossenschaft. Diese liess die Wirtschaft von Pächtern als «Volkshaus» betreiben.
8 Molki-Areal Wer die Schönenbergstrasse hochgeht oder -fährt, hat auf der Höhe des Stadtbibliothek-Vorplatzes eine Gruppe von Bauten vor sich, die ein Kleinquartier formen, platziert zwischen der Oberdorfstrasse und dem höher liegenden Schulkomplex Fuhrstrasse-Rotweg. Es ist als «Molki»-Areal bekannt. Ein Stangenwald zeigt zurzeit – es ist Mai 2017 – an, dass Neubauten geplant sind: drei 10 Blöcke mit 47 Mietwohnungen, Gewerberäumen, Läden und einer Tiefgarage. Bauherrin ist die Baugenossenschaft Landi Zimmerberg, Architekt die Leutwyler Partner AG, die aus einem Studienwettbewerb unter fünf Teilnehmern als Sieger hervorgegangen ist. Realisiert werden soll das Projekt 2018-2019.
Der Molki-Komplex besteht (bald wird man sagen müssen: bestand) aus sechs baulichen Teilen. (1) Haus Farbhof: ein bescheiden-biedermeierliches Häuschen, entstanden in mehreren Phasen, zur Hauptsache im mittleren Drittel des 19. Jahrhunderts. Der eingeschossige Zinnenvorbau in der Ecke Schönenberg-/Oberdorfstrasse stammt von 1899. (2) Haus Freudenberg: Ein zweiteiliger Baukomplex des 19. Jahrhunderts, geprägt von Erweiterungen und Aufstockungen. (3) Molkereigebäude mit ausladendem Satteldach, erbaut 1896. (4) Scheune: aus der gleichen Zeit, später umgebaut. (5) Futtermittel- und Müllereigebäude mit Käsekeller, erbaut 1909, umgebaut und verlängert 1949/50: Langgestreckter Nutzbau mit Heimatstil-Mansard-Satteldach (6) Neuer Farbhof: Eingeschossiger Ladenvorbau, erbaut 1955-1956 von Architekt Heinrich Kübler.
Ist das Volkshaus ein Erinnerungsort für die Emanzipation der Arbeiter, so das Molkiareal einer für die wirtschaftlich-politische Modernisierung der Bauernschaft. In den 1870er und vor Allem in den krisenhaften 1880er Jahren schlossen sich viele Schweizer Bauern zu Genossenschaften zusammen, um gemeinsam ein- und zu verkaufen und um die Verarbeitung von Produkten zu zentralisieren. 1886 schlossen sich eine Anzahl dieser Genossenschaften zum Verband Ostschweizerischer Landwirtschaftlicher Genossenschaft (Volg) zusammen, der bald auch ins Konsumgeschäft einstieg. Auch der Wädenswiler «Molki»-Komplex enthät einen Volg-Laden; im Neubau – wo er weiterbestehen soll – wird er die einzige Erinnerung an die alte Molki sein. Deren Geschichte begann 1896. Damals kaufte der Besitzer des Bauernhofes Himmeri, Walter Stocker-Hauser (1859-1947), das Haus Freudenberg (2) und ein Stück Wiesland am Töbelibach. Hier erbaute er ein Molkereigebäude (3) und eine Scheune (4). Das erste war mit einem Dampfkessel und einer Turbine ausgerüstet – was zeigt, dass Stockers Unternehmen im Kontext der schon in den 1870er Jahren einsetzenden Mechanisierung der Milchverarbeitung steht. 1907 verkaufte er den Betrieb an die im gleichen Jahr gegründete Milchgenossenschaft Wädenswil; 1908 erwarb diese auch den Farbhof (1) dazu. Hauptinitiant und erster Präsident der Genossenschaft war ein bedeutender Wädenswiler Bauernpolitiker: Emil Rellstab (1853-1922) vom Lehmhof. 1890 hatte er die Eidg. Versuchsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Wädenswil und 1895 die Obst- und Einbaugenossenschaft mitbegründet; später, 1917, war er einer der Initianten der Zürcher Bauernpartei. Eineinhalb Jahre nach dem Erwerb des Stockerschen Betriebs wollte die Molkereigenossenschaft Wädenswil ein modernes Betriebsgebäude erstellen, musste sich dann aber – 1909 - auf den Bau eines Futtermittel- und Müllereigebäudes mit Käsekeller beschränken (5). Gleichzeitig erfolgte der Umstieg von Dampf- auf elektrische Kraft. 1955-1956 baute die Genossenschaft gegen die Oberdorfstrasse einen Flachdachanbau, den Farbhof (6); diesen vermietete sie an den Konsumverein, später Coop. Als der 1971 auszog, betrieb die Genossenschaft im Gebäude einen Volg-Laden. Als sie 1983 ihren 75jährigen Bestand feierte, war sie die letzte selbständige Genossenschaftsmolkerei der Nordostschweiz, die Grossverteiler mit Pastmilch und pasteurisierten Milchdrinks zu beliefern imstande war. 1991 stellte sie die Milchproduktion ein (???) und betrieb nun im Areal einen Landi-Laden – bis dieser 2002 in einen Neubau an der Industriestrasse 15 verlegt wurde.
JBSW 2008: wann Teil Volg? 1993 fenaco. 2010 Zusammenschluss Molki Wä/Horgen mit Hirzel > Landi Zimmerberg