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Jesus hatte kein Haustier
Ein paar prominente Tiere sind bis heute in Erinnerung und in unserem Sprachschatz geblieben. Wir kennen die «listige Schlange» aus der Geschichte vom Sündenfall, die Taube aus Noahs Arche mit dem Ölzweig im Schnabel ebenso wie die Taube bei der Taufe von Jesus, das Opferlamm und den Sündenbock, die Säue, vor die man keine Perlen werfen soll, das verlorene Schaf, das gesucht wird.
Prominente Tiere der Bibel
Bekannt sind natürlich auch Ochse, Esel und Schafe, die bei keiner Weihnachtskrippe fehlen dürfen, aber in Tat und Wahrheit nie dort waren, sondern aufgrund einer Aussage aus dem Buch des Propheten Jesaja (1,3: «Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn») später in der Darstellung in der Kunst dazugesetzt wurden. Die Hunde kommen zur Zeit von Jesus nicht besonders gut weg, denn normalerweise waren das keine gezähmten Haustiere, sondern wild streunende, herrenlose Gassenhunde, die auch herumliegende tote Tiere frassen und damit für die Juden kultisch unrein wurden. Darum wurden auch Nichtjuden öfter als «Hunde» bezeichnet (so wie wir heute bei uns jemanden als «Schwein» bezeichnen).
Und schliesslich ist da noch das berühmte Kamel, das durch ein Nadelöhr gehen soll – und den Bibelauslegern einiges Kopfzerbrechen bereitet. (Siehe Kasten)
Text: Marcel Wildi | Fotos: pixabay – Kirchenbote SG, September 2018
Kamel und Nadelöhr
«Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.» Diese prägnante bildhafte Aussage von Jesus in Markus 10,25 regt die Menschen seit jeher an, darüber nachzudenken, wie das zu verstehen ist. Die wichtigsten drei Erklärungsversuche:
Seil statt Kamel
Manche vertreten die Meinung, dass es schon früh einen kleinen Kopier- bzw. Lesefehler gab. Jesus habe demnach nicht das «kamelos» (Kamel) gemeint, sondern das «kamilos» (Seil). Beide Schreibweisen kommen in den alten Handschriften vor. Es ist aber schwierig zu sagen, in welcher Richtung und aus welchem Grund die Anpassung gemacht worden ist.
Stadttor statt Nadelöhr
Andere sagen, es habe in der Stadtmauer in Jerusalem ein kleines, niedriges Stadttor gegeben, das nur nach Feierabend offen war und wo die Kamele der verspäteten Händler nur stark gebückt durchschlüpfen konnten. Dieses Tor soll im Volksmund «Nadelöhr» geheissen haben. Der archäologische Nachweis dieses Tores fehlt allerdings bis heute.
Kamel und Nadelöhr
Die dritte These geht davon aus, dass Jesus bewusst etwas ausdrücken wollte, das physisch völlig unmöglich ist. Immerhin heisst es im Markusevangelium: «Da sagte Jesus zu seinen Jüngern: ‹Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.› Sie erschraken noch mehr: ‹Wer kann dann noch gerettet werden?› Jesus sah sie an und sagte: ‹Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.›»
Text: Marcel Wildi