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Inhaltsverzeichnis
- 1 ADHS – das Wichtigste
- 2 ADHS ohne Hyperaktivität
- 3 Häufigkeit
- 4 Verlauf
- 5 Folgen der ADHS
- 6 ADHS – Modediagnose?
- 7 Ursachen der ADHS
- 8 Diagnose
- 9 Multimodale Therapie
Habe ich ADHS? Hat mein Kind ADHS? Was heisst überhaupt ADHS?
Wie zeigt sich dieses Syndrom? Was kann helfen?
Lesen Sie hier kurz und bündig das Wichtigste über die ADHS!
ADHS – das Wichtigste
Die Bezeichnung ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist die Abkürzung für eine psychiatrische Diagnose, welche im Kern durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist:
Kernmerkmale der Unaufmerksamkeit (obligatorisch für die Diagnose)
- Übersieht Details, macht viele Flüchtigkeitsfehler
- Grosse Probleme mit der Daueraufmerksamkeit
- Hört häufig nicht zu
- Bringt oft Sachen nicht zu Ende
- Häufige Probleme mit der Selbstorganisation
- Grosse Abneigung beziehungsweise Widerwillen, sich länger geistig anzustrengen (Anm. PR: bezieht sich auf subjektiv langweilige Situationen)
- Häufiges Verlieren und Verlegen von Gegenständen
- Ist oft leicht ablenkbar
- Übermässige Vergesslichkeit
Kernmerkmale Hyperaktivität und Impulsivität
- Ständige Unruhe, Zappeln mit Händen oder Füssen
- Häufiges Aufstehen; Unfähigkeit, sitzen zu bleiben
- Häufiges, unangepasstes Umhergehen
- Grosse Schwierigkeit, ruhig zu spielen
- Innerlich wie „von einem Motor angetrieben“
- Übermässiges Reden
- Antwortet oft, bevor die Frage vollständig gestellt wurde
- Kann nur schwer warten, bis er/sie an der Reihe ist
- Häufiges Stören und Unterbrechen Anderer
Die Symptome der ADHS müssen mit klinisch bedeutsamen Beeinträchtigungen einher gehen, das Kind in seiner Entwicklung massgeblich ausbremsen, über einen längeren Zeitraum anhalten und in verschiedenen Lebensbereichen auftreten. Zudem dürfen sie nicht eine Folge anderer Erkrankungen oder sonstiger Probleme darstellen.
ADHS ohne Hyperaktivität
Auch ohne Hyperaktivität kann eine ADHS vorliegen. Im Vordergrund stehen Konzentrationsschwächen, Ablenkbarkeit, Zerstreutheit, Vergesslichkeit, Unordnung, Langsamkeit und ein schlechtes Zeitgefühl.
Häufigkeit
Vier bis fünf Prozent aller Kinder und rund zwei Prozent aller Erwachsenen sollen von der ADHS betroffen sein.
Verlauf
Oft schon im Kindergarten, sicher aber ab der ersten oder zweiten Klasse zeigen sich als Folge der ADHS-Kernsymptome zunehmende Probleme in der Entwicklung von zwischenmenschlichen und schulischen Kompetenzen.
Bei einigen Mädchen sowie überdurchschnittlich intelligenten Kindern können sich ADHS-Symptome gelegentlich auch erst später manifestieren. Die Symptome der ADHS und ihre Auswirkungen sind sehr einschränkend. Sie behindern die persönliche Entwicklung des Kindes in allen Lebensbereichen nachhaltig.
Für das betroffene Kind und dessen Familie geht eine ADHS mit Leidensdruck, Schuldgefühlen und Verzweiflung einher.
Etwa die Hälfte aller von einer ADHS betroffenen Kinder leiden auch als Erwachsene unter den Folgen dieser Störung. Die hyperaktive Symptomatik – sofern vorhanden – verschwindet oftmals. Die Aufmerksamkeitsprobleme (Zerstreutheit, Planungsprobleme, Ungeduld, schlechtes Zeitgefühl usw.), die emotionalen Störungen (Stimmungsschwankungen, innere Unruhe) und die Impulsivität halten hingegen an.
Folgen der ADHS
Eine unbehandelte ADHS geht durch die Symptomatik selbst sowie deren Folgen (Selbstwertprobleme, Frustration, Aggressionen etc.) immer mit Problemverhalten in Schule, Familie und Freizeit einher.
Die ADHS führt zu Lernstörungen, erwartungswidrigen schulischen Minderleistungen, Minderwertigkeitsgefühlen und mündet in einigen Fällen auch in delinquentes Verhalten. Später kann eine ADHS Suchterkrankungen, Depressionen, Angststörungen und andere Beziehungs- und Verhaltensstörungen hervorrufen.
ADHS – Modediagnose?
ADHS-Verhaltensweisen wurden bereits im vorletzten Jahrhundert vom Frankfurter Arzt Dr. H. Hofmann im berühmten „Struwwelpeter” dargestellt. Der englische Kinderarzt G. Still hat zu Beginn des letzten Jahrhunderts dieses Störungsbild erstmals wissenschaftlich beschrieben: Nicht eine schlechte Erziehung oder ungünstige Umweltbedingungen sind für diese Störung verantwortlich, sondern eine angeborene neurobiologische Konstitution, postulierte er.
Bei der ADHS handelt es sich um ein seit Jahrzehnten weltweit und intensiv erforschtes Störungsbild. Sie gilt heute als häufigste Ursache von Verhaltensstörungen und schulischen Leistungsproblemen im Kindes- und Jugendalter.
Ursachen der ADHS
Das Wichtigste: Als Ursache für die ADHS wird gegenwärtig eine genetisch bedingte neurobiologische Funktionsstörung angenommen (Wissensstand 04/2017). Betroffen sind diejenigen Hirnabschnitte, welche übergeordnete Steuerungs- und Koordinationsaufgaben übernehmen.
Das Gehirn vermag unwichtige innere und äussere Reize und Impulse schlecht auszufiltern beziehungsweise zu hemmen. Dies führt zu den bekannten Symptomen wie Ablenkbarkeit, Impulsivität und Zappeligkeit.
Vor allem in monotonen und subjektiv langweiligen Situationen machen sich die Schwächen der Impulshemmung und der Reizfilterung bemerkbar. Bei subjektiv spannenden Tätigkeiten oder interessanten Themen in der Schule hingegen können sich betroffene Kinder oftmals erstaunlich gut konzentrieren.
Auch das Belohnungssystem ist bei ADHS-Betroffenen nicht altersentsprechend entwickelt. Kinder ohne ADHS können, wenn sie wollen, auch bei Unlust Hausaufgaben erledigen. Die Aussicht auf ein gutes Gefühl oder die Erleichterung nach dem Erledigen der Hausaufgaben setzt in ihnen genügend neuronale Energie frei, um auch ohne sofortige Belohnung und Bestätigung mehr oder weniger motiviert und konzentriert an den Aufgaben dran bleiben zu können.
Ein unbehandeltes ADHS-Kind hingegen kann – selbst wenn es wirklich will – selbst mit kurzfristigen Bestätigungen und Belohnungen oder engmaschige Begleitung und Kontrolle nicht immer an den Hausaufgaben dran bleiben.
Ob sich eine ADHS-Disposition bei einem Individuum zu einer ernsthaften psychischen Störung entwickelt, hängt wesentlich von familiären, schulischen und anderen und psychosozialen Bedingungen ab.
Familiär gehäuftes Auftreten
Überzufällig viele Geschwister, Väter oder Mütter von ADHS betroffenen Kindern leiden ebenfalls unter dieser Problematik. Dies bestätigt, dass es sich bei der ADHS im Kern um eine genetisch bedingte Störung handelt. Erziehungsfehler können ADHS-Probleme verstärken, aber niemals eine ADHS verursachen.
Diagnose
Die Diagnose wird durch die Erhebung der Problematik in allen Lebensbereichen sowie der persönlichen und familiären Lebensgeschichte vor allem klinisch gestellt. Einen „ADHS-Test“ gibt es nicht. Nicht nur die ADHS, sondern auch viele andere Entwicklungsstörungen, körperliche und psychische Erkrankungen sowie psychosoziale Belastungsfaktoren können mit Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität einhergehen.
Eine ärztliche Untersuchung muss das Vorliegen von somatischen Erkrankungen, welche für das Störungsbild verantwortlich sein könnten, ausschliessen (zum Beispiel Mangelsyndrome, Funktionsstörungen der Schilddrüse). Zusätzlich ist eine neuropsychologische Untersuchung erforderlich, da Aufmerksamkeitsstörungen Anzeichen verschiedenster Hirnfunktionsstörungen sein können.
Wenn nicht konsequent auf andere mögliche Ursachen von ADHS-typischen Beschwerden geachtet wird, besteht das Risiko, dass Patientinnen und Patienten fälschlicherweise eine ADHS-Diagnose erhalten. Oder es werden behandlungsbedürftige Begleitprobleme übersehen, unter welchen vier von fünf ADHS-Betroffenen zusätzlich leiden (zum Beispiel Angstprobleme, Minderwertigkeitsgefühle oder Teilleistungsstörungen wie etwa die Legasthenie).
Eine Abklärung bei Verdacht auf eine ADHS erfolgt durch spezialisierte klinische Psychologinnen und Psychologen, Kinderpsychiater/-innen oder erfahrene Pädiater/-innen.
Multimodale Therapie
Das Wichtigste: Verständnis und Wohlwollen vonseiten der Eltern und der Lehrkräfte sind die wichtigsten Faktoren für einen Behandlungserfolg. Meistens ist eine Medikation mit Stimulanzien erforderlich, begleitet von einer Psychotherapie (bewährt hat sich vor allem die Verhaltenstherapie). Die medikamentöse Therapie kann im Kindes- und im Erwachsenenalter eingesetzt werden. Bei Kindern wird die Therapie zudem durch eine Beratung der Eltern ergänzt.
Die ADHS-Medikamente können die neuronale Aktivität in den betroffenen Hirnregionen normalisieren und verbessern dadurch die Filter- und Hemmfunktionen des Gehirns. Die medikamentöse Behandlung ist bei Kindern in circa siebzig, bei Erwachsenen in rund fünfzig Prozent der Fälle erfolgreich.
Sie verbessert die fokussierte Aufmerksamkeit, die Selbststeuerung und die Regulation der Emotionen. Die medikamentöse Behandlung der ADHS hat sehr individuell abgestimmt zu erfolgen, muss regelmässig auf ihre Wirksamkeit überprüft und gegebenenfalls angepasst werden und kann sich über mehrere Jahre erstrecken.
Alternative Therapien
Bis heute existiert keine bewährte, alternative Basistherapie der ADHS, deren Wirksamkeit und Verträglichkeit sich in der Praxis bewährt hat und in wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen werden konnte.
Schulische Fördermassnahmen
Die ADHS führt immer zu erwartungswidrigen schulischen Minderleistungen und ist häufig mit Teilleistungsstörungen verknüpft. Daher sind schulische und teilweise auch heilpädagogische Fördermassnahmen meist unerlässlich. Dies erfordert eine Zusammenarbeit zwischen den behandelnden Psychologinnen und Psychologen, Psychiaterinnen und Psychiatern und den Lehrkräften, den Eltern, den schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen und anderen involvierten Fachpersonen.
DSM-5
Informationen zum Update des DSM-IV zum DSM-5 finden Sie hier.
Lesen Sie hier weiter, wenn diese Informationen für Sie hilfreich waren.
Lesen Sie hier das Wichtigste zur ADHS bei Erwachsenen!
Wie man einen Satz oder einen Abschnitt aus diesem Text korrekt zitiert
Rossi, Piero: „ADHS – Das Wichtigste auf einen Blick“. In: Internetseite: www.ADHS.ch. Stand: [Datum der letzten Aktualisierung]. Abgerufen am: [Datum der Textentnahme]. Online im Internet URL: http://www.adhs.ch/adhs-das-wichtig…uf-einen-blick-2/
Dieser Text wurde letztmals am 18.04.2017 aktualisiert.
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© 1999 – 2017 Piero Rossi
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