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Die ersten Staatsarchivare und ihre Arbeit
Gerold Meyer von Knonau
Der erste Staatsarchivar, Gerold Meyer von Knonau (1804–1858), aus einer altzürcherischen Familie stammend, leitete in seiner langen Amtszeit (1837–1858) manches in die Wege und konnte dem Staatsarchiv namentlich die ersten grossen Sonderarchive einverleiben: 1838 das Antistitialarchiv, 1840 das Finanzarchiv, 1848 das Stiftsarchiv des Grossmünsters, in den 1840er-Jahren das Archiv des Kaufmännischen Direktoriums und 1853 das Schularchiv des Karolinums. Die seit dem Mittelalter in der Sakristei des Grossmünsters aufbewahrte Urkundenabteilung „Stadt und Landschaft“ mit den Rechtstiteln und Verträgen des alten Stadtstaats signierte und verzeichnete er neu. Ausserdem erstellte er für Teilbestände 1839 und 1850 die ersten gedruckten Archivpläne, die allerdings durch neue Ablieferungen bald obsolet wurden.
Johann Heinrich Hotz
Sein Nachfolger, der Jurist und Advokat Johann Heinrich Hotz (1822–1883), der 1858 aus nicht-fachlichen Überlegungen dem weitaus besser qualifizierten Historiker Georg von Wyss vorgezogen wurde, war nicht in der Lage, die Aufbauarbeit seines Vorgängers adäquat fortzusetzen. Seine Amtszeit (1858–1870), in der 1864 das Archiv des aufgehobenen Benediktinerklosters Rheinau übernommen wurde, endete – nach dem politischen Umschwung zugunsten der demokratischen Bewegung – in der Entlassung.
Johannes Strickler
Als dritter Staatsarchivar nahm Johannes Strickler (1835–1910), Geschichtslehrer von Hirzel, in seiner Amtszeit (1870–1881) eine eigentliche „Reorganisation“ bzw. „Revision“ des Archivs in Angriff, nachdem in einem Gutachten von Basilius Hidber grosse Mängel in der Archivorganisation festgestellt worden waren. Die Reorganisation führte unter anderem zum ersten Archivreglement von 1877, das neben der Dokumentation des Ist-Zustands und einem ersten Plan für das Gesamtarchiv einen eigentlichen Aufgabenkatalog für die nähere Zukunft enthielt. Nachdem sich Meyer von Knonau noch vornehmlich mit der Erschliessung der Urkundenbestände befasst hatte, beschäftigte sich Strickler schwergewichtig mit den Aktenbeständen, die er nach dem Pertinenzprinzip und nach zeitbedingten Vorstellungen neu zu ordnen bzw. neu zu bilden begann und dabei selbst gebundene Bestände auflöste oder einzelne Stücke aus Bänden herausschnitt. Im Fall der Zwingli-Autographen vereinigte er Stücke aus den Archivbeständen der politischen Behörden mit solchen der kirchlichen Behörden zu einer künstlichen „Sammlung der bisher zerstreuten (sic) Handschriften von Zwingli“. Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten publizierte Strickler 1878–1881 (Nachtragsband 1884) die „Actensammlung zur schweizerischen Reformationsgeschichte in den Jahren 1521–1532“, parallel dazu veröffentlichte Emil Egli 1879 die „Actensammlung zur Geschichte der Zürcher Reformation in den Jahren 1519–1533“. An grösseren Archivbeständen hatte Strickler 1876 das Spitalarchiv zu übernehmen.