Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03287.jsonl.gz/366

Entlastungsfaktor Arbeitsklima
Ein weiterer wichtiger Entlastungsfaktor ist ein gutes Arbeitsklima. Dazu zählt gegenseitige Unterstützung zwischen Arbeitskollegen und -kolleginnen. Zweiundachtzig Prozent der Erwerbstätigen erhalten häufig, immer oder fast immer Unterstützung. Dies bedeutet jedoch auch, dass 18 Prozent der Befragten nicht über die benötigte Unterstützung verfügen. Die Studie zeigt, dass das Fehlen von kollegialer Unterstützung mit Burnout zusammenhängt. Ein Schlüssel zur Burnoutprävention könnte daher in der Verbesserung des Arbeitsklimas durch Teamentwicklungsmassnahmen (z.B. gegenseitige Unterstützung als Teamaufgabe) und Training sozialer Kompetenzen liegen.
Das Verhalten von Vorgesetzten kann ein wichtiger Entlastungsfaktor für die Erwerbstätigen sein. Gutes Führungsverhalten trägt dazu bei, dass Erwerbstätige weniger unter Stress leiden. Abbildung 5 zeigt die in der Stress-Studie 2010 gemessenen Aspekte des guten Führungsverhaltens. Fünfundneunzig Prozent der Erwerbstätigen fühlen sich von ihrem bzw. ihrer direkten Vorgesetzten respektiert. 81 Prozent erhalten Rückmeldungen. Sechsundsiebzig Prozent beurteilen die Konfliktmanagementkompetenzen ihrer bzw. ihres Vorgesetzten als gut. Drei Viertel der direkten Vorgesetzen ermutigen die Erwerbstätigen, mitzuentscheiden. Je 73 Prozent der direkten Vorgesetzten unterstützen/helfen, planen und organisieren gut. Obwohl die Mehrzahl der Erwerbstätigen berichtet, dass ihre direkten Vorgesetzten in verschiedenen Aspekten gut führen, bleiben zwischen 5 und 27 Prozent, denen diese entlastenden Aspekte fehlen. Daher werden Trainings in gesundheitsförderlichem Führen als Präventionsmassnahme (Verhältnisprävention) empfohlen.
Präventionen abstimmen
Voraussetzung für den Erfolg von Stresspräventionsmassnahmen wie Arbeitsgestaltung und Qualifizierung von Führungskräften und Managern ist an erster Stelle das Commitment des oberen Managements. Nur dann, wenn die oberste Führungsebene erkennbar hinter einer Massnahme steht, dies wiederholt kommuniziert und auch langfristig danach handelt, können Erfolge erzielt werden. Zentral ist ausserdem, jede Massnahme mit anderen, bereits laufenden oder geplanten betrieblichen Massnahmen abzustimmen. Führungskräften sollte ermöglicht werden, organisationale Bedingungen und die unmittelbare Arbeitsumgebung in ihrem Verantwortungsbereich zu verändern, wenn dies für das Erreichen von Präventionszielen zentral ist.
Stress managen
Schliesslich soll abschliessend noch erwähnt werden, dass die Schaffung guter Arbeitsbedingungen von Verhaltensprävention begleitet werden sollte. Gerade weil die Stress-Studie 2010 zeigt, dass der Anteil derer, die sich völlig in der Lage fühlen, ihren Stress zu bewältigen, geringer geworden ist. Vor zehn Jahren waren es noch 31 Prozent, die sich völlig zur erfolgreichen Stressbewältigung befähigt sahen (Ramaciotti & Perriard, 2000), 2010 sind es nur noch 20 Prozent der Erwerbstätigen. Je besser eine Person mit Stress umgehen kann, desto erfolgreicher kann sie berufliche und andere Stresssituationen meistern.
Zahlreiche Studien zeigten, dass zur guten Stressbewältigung eine genaue Problemanalyse, das Suchen nach Informationen und Unterstützung, die Überprüfung eigener Ziele, das Setzen von Prioritäten, das Dazulernen, das Delegieren, das Ändern der Situation, sich ablenken, sich entspannen, sich bewegen und sich beruhigen gehören. Fehlende Stressbewältigungs- kompetenzen sind mit stärkeren Stressreaktionen (z.B. mehr Ärger) und beeinträchtigtem Befinden (z.B. stärkere Erschöpfung) verknüpft. Zudem tragen fehlende Stressbewältigungskompetenzen zur Krankheitsentstehung und zu einem verzögerten Heilungsprozess bei bestehenden Krankheiten bei. Kognitiv-behaviorale Stressmanagementtrainings haben nachgewiesenermassen die grösste Wirkung auf persönliche Bewältigungskompetenzen (z.B. Stressimpfungstraining nach Meichenbaum) und können daher nachdrücklich empfohlen werden.
Fazit
Stress trägt zu persönlichem Leid und Gesundheitsproblemen bei. Die Ergebnisse haben daher eine grosse Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft. Unternehmen sollten betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) einen höheren Stellenwert einräumen. Investitionen in Präventionsmassnahmen sind dringend angezeigt. Zentral für den Abbau unnötiger Belastungen und den Ausbau von Entlastungsfaktoren ist, Arbeitsbedingungen gesundheitsförderlich zu gestalten, wozu auch zählt, Manager und Führungskräfte in gesundheitsförderlichem Führen und Entscheiden zu qualifizieren.