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Höhere Risiken
Kinder sind im Strassenverkehr verletzlicher als Erwachsene. Doch die Unfallstatistik der Kinder ist nur eine Seite des Problems; man muss auch das Unsicherheitsgefühl der Eltern berücksichtigen, das dazu beiträgt, dass Kinder seltener alleine unterwegs sind.
Kinder sind im Strassenverkehr verletzlicher
Ein 5- bis 9-jähriges Kind ist viermal stärker gefährdet als eine Person zwischen 10 und 69 Jahren.
2014 erlitten 442 Fussgänger und 369 Velofahrer unter 15 Jahren in der Schweiz einen Verkehrsunfall; das sind mehr als zwei verunfallte Kinder pro Tag und mehr als zwei schwer verunfallte Kinder jeden dritten Tag.
Obwohl die Zahlen hoch bleiben, zeigt die Statistik, dass sich die Zahl der unter 15-jährigen Kinder, die auf der Strasse schwer verletzt oder getötet wurden, seit 2003 halbiert hat. Diesem Rückgang liegen drei Faktoren zugrunde: eine höhere Verkehrssicherheit dank neuer Infrastrukturen, strengere Sicherheitsregeln und die Tatsache, dass Kinder immer weniger Zeit draussen verbringen und immer häufiger von ihren Eltern begleitet werden.
Die Abnahme sieht jedoch je nach Fortbewegungsart unterschiedlich aus: Während die Unfälle mit Kindern im Auto stark zurückgegangen sind (-56%), haben sie bei Kindern als Fussgänger nur um 34% abgenommen. Heute sind 86,7% der unter 15-jährigen Kinder, die schwer verunfallen, zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs.
Für Kinder, die zu Fuss unterwegs sind, ist das Risiko, bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt oder getötet zu werden, bis zum Alter von 7 Jahren stark erhöht, nachher nimmt es langsam ab. Ein vergleichbar hohes Risiko wird erst wieder nach 70 Jahren erreicht. Bei den als Fussgänger schwer verunglückten Kindern war 2014 das Gehen oder Springen auf der Strasse der Hauptgrund (31% der Fälle), mit grossem Abstand vor unvorsichtigen Strassenüberquerungen (17% der Fälle).
Eine Untersuchung von 2010 zeigt, dass in der Schweiz bei den Eltern ein hohes Unsicherheitsgefühl besteht und die Angst vor dem Verkehr weit vor der Furcht vor schlechten Begegnungen rangiert. So halten 29,2% der Eltern den Schulweg wegen des Autoverkehrs für «sehr gefährlich» oder «eher gefährlich», nur 13,1% wegen möglicher schlechter Begegnungen. In der Westschweiz sehen die Eltern den Strassenverkehr etwas weniger als Gefahr an (28,7%), dafür schätzen sie das Risiko für schlechte Begegnungen leicht höher ein (16,5%).
Nur 9,8% der in der repräsentativen Umfrage befragten Eltern sagten aus, dass sie ihr Kind sicherheitshalber zu Fuss auf dem Schulweg begleiteten. Daneben begleiten 3,7% ihr Kind aus Sicherheitsgründen im Auto, bei den 6- bis 9-jährigen Kindern steigt diese Zahl auf 6,1%. Obwohl es nur wenige Eltern zugeben, konnten verschiedene Studien den direkten Zusammenhang zwischen dem Gefühl der Unsicherheit und dem Phänomen der «Elterntaxis» nachweisen. Eine Studie von 2007 mit 1245 Schweizer Kindern zeigt, dass Eltern, die den Schulweg als gefährlich einstufen, ihre Kinder regelmässiger begleiten als die andern. Das Ergebnis wurde durch eine weitere Studie von 2010 und die Analyse der vom VCS im Rahmen der Schulwegpläne verschickten Fragebogen bestätigt. Diese zeigen, dass das Gefühl von Unsicherheit 22,6% der Eltern dazu bringt, ihre Kinder manchmal zur Schule zu begleiten.