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In der schottischen Kleinstadt Carnoustie wird schon seit dem frühen 16. Jahrhundert Golf gespielt und die öffentliche Anlage umfasst heute die drei 18-Lochplätze „Burnside Course“, „Buddon Links Course“ und „The Championship Course“. Letzterer gehört weltweit zu den schwierigsten Plätzen überhaupt und diesem Renommee wurde er vor knapp zwei Wochen einmal mehr gerecht. Die Spannung war selbst für hartgesottene Spieler und Zuschauer manchmal kaum zu ertragen und das Leaderboard wurde in den vier Tage mehrfach tüchtig durchgerüttelt, auch wenn diesmal nur schon beim Zuschauen schmerzhafte Abstürze à la Jean van de Velde (1999) oder Sergio Garcia (2007) glücklicherweise ausblieben.
Auf dem knochentrockenen Platz – er hatte unter der europaweiten, wochenlangen Hitzewelle genauso gelitten wie viele unserer Heimplätze – wurde einer zum grossen Sieger, den beim Turnierstart kaum jemand zu den engeren Favoriten zählte: Francesco Molinari holte sich als erster Italiener überhaupt einen Majortitel und bestätigte seinen tollen Lauf (drei Siege und zwei zweite Plätze) der letzten zwei Monate. Der 35jährige Turiner ist gewiss nicht einer der spektakulärsten Spieler im Profizirkus, aber wohl einer der härtesten Arbeiter. Jordan Spieth: „Francesco schuftet wie ein Ochse. Ich sehe ihn täglich im Fitnessraum und auf dem Trainingsgelände. Er hat sich den Erfolg redlich verdient.“ Vor allem versteht Molinari aber auch, das „Prozentgolf“ manchmal mehr bringt als Schönheit. Er verzeichnete an 37 Löchern vom Freitagabend bis Sonntag nicht ein einziges Bogey und blieb auch unter Druck bei seinem Spielplan.
Die vor Beginn der Finalrunde führenden Jordan Spieth, Xander Schauffele und Kevin Kisner schienen hingegen den Hauch des Tigers im Nacken zu spüren, mussten einige Schlagverluste hinnehmen und plötzlich erschien der Name Tiger Woods ganz oben auf dem Leaderboard. Er schien das Rad der Zeit um zehn Jahre zurückzudrehen und hatte gute Chancen auf einen 15. Majortitel. Doch ausgerechnet am 11. Loch, das Tiger in allen drei Runden mit einem Birdie beendet hatte, kassierte er ein ärgerliches Doppelbogey, gleich gefolgt von einem weiteren Schlagverlust an der Zwölf. Der Rückkehrer des Jahres kämpfte zwar verbissen weiter, dürfte sich aber mit seinem Schlag auf dem Doppelgreen 4/14 zumindest bei den Greenkeepern keine Freunde gemacht zu haben:
https://www.youtube.com/watch?v=JvYWPlES6TQ (bei 9:25)
Ganz gereicht hat es schliesslich dann doch nicht. Tiger wurde am Ende mit drei Schlägen Rückstand geteilter Sechster – sein bestes Resultat an einem Major seit fünf Jahren – aber nach der Vorstellung in Carnoustie dürften auch die grössten Skeptiker begriffen haben, dass er noch das Zeug für grosse Erfolge hat.
Eine grosse Geschichte schrieb auch Justin Rose der am Schluss seiner Freitagsrunde dank einem Birdie mit Ach und Krach noch den Sprung über die Cutlinie schaffte und am Samstag mit einer 64er Runde eine grandiose Vorstellung gab. Sieben Birdies und kein Schlagverlust katapultierten den Olympiasieger von Rio mitten in die Spitzengruppe. Rose landete schliesslich, zusammen mit Rory McIlroy der wieder einmal etwas Mühe auf den Greens bekundete und Kevin Kisner auf dem geteilten zweiten Rang, nur zwei Schläge hinter Molinari. Warum der 38jährige mit dem eleganten Schwung, der an Majors bisher nicht weniger als 15 Mal unter den Top 10 klassiert war nicht längst ein halbes Dutzend grosse Titel einfahren konnte, ist eines der grossen Rätsel im Profigolf.
Das lässt sich auch über den unverwüstlichen Bernhard Langer sagen. Die Open hat er zwar bei 30 Anläufen nie gewinnen können – zwei zweite Plätze 1982 und 1984 waren seine besten Platzierungen – doch der Dominator der letzten Jahre auf den Senioren-Circuits wurde mit sieben Schlägen Rückstand hervorragender 24. und liess dabei Cracks wie Danny Willett, Patrick Reed, Rickie Fowler, Henrik Stenson und sogar US Open Sieger Brooks Koepka hinter sich.
Highlights aus der 4. Runde: https://www.youtube.com/watch?v=pcmo44I_2KU
Text: Peter Hodel
Foto: P. Morrison / AP