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Etrit Hasler kennt ein Hobby für Möchtegerntrainer
Es ist eine alte Binsenwahrheit, dass der durchschnittliche Sportfan davon ausgeht, er wisse grundsätzlich alles besser als die TrainerInnen und PräsidentInnen seiner Lieblingsvereine. Um dieses Potenzial auszuloten, hat sich in den USA bereits in den sechziger Jahren eine Spielform entwickelt, die sich inzwischen zu einem Millionengeschäft entwickelt hat: Fantasy Sport.
Das Prinzip könnte nicht einfacher sein: Die TeilnehmerInnen stellen sich zu Beginn einer Saison ein eigenes Fantasieteam aus real existierenden SportlerInnen zusammen und sammeln während der Saison Punkte, die sich an den realen Leistungen ihrer SpielerInnen orientieren, also beispielsweise wenn ein Stürmer ein Tor erzielt oder ein Torhüter eines verhindert, um die simpelsten Situationen zu nennen.
Zum Schluss der echten Saison werden die Punkte verglichen, und der oder die Teilnehmende mit den meisten Punkten ist MeistertrainerIn.
Erfunden wurde das Spiel angeblich 1962 in einem Hotelzimmer von zwei Footballfans, seit den siebziger Jahren erfreute es sich einer kleinen, aber treuen Fangemeinde, die teils beim gemeinsamen Football-Fernsehwochenende, teils via Post ihre Resultate austauschte. Mit der Ankunft des Internets und den damit verbundenen technischen Möglichkeiten wurde Fantasy Sport vom Nerdhobby zur Industrie: Inzwischen bietet kaum eine Sportwebsite weltweit nicht irgendeine Form von Tippspiel auf der Basis von Fantasy Sport an – von ESPN über die Fifa bis hin zu SRF, in jeder erdenklichen Sportart von American Football über Fussball bis hin zu Rugby Union, Darts und Sumoringen.
In den USA geht man inzwischen von 56 Millionen SpielerInnen insgesamt aus. Da bei den meisten Websites ein Startgeld ausgerichtet werden muss, das zum Schluss unter den GewinnerInnen aufgeteilt wird, kommen schnell gigantische Summen zusammen – in den USA sind das eineinhalb Milliarden Dollar jährlich. Und bei so vielen Angeboten ist es auch plötzlich möglich, in grossem Stil gewinnbringend zu spielen: In der «Washington Post» wurde vor kurzem ein gewisser Dave Loughran porträtiert, ein Profispieler, der bis zu 80 000 US-Dollar an einem einzigen Spieltag verdient.
Dass es bei solchen Beträgen auch zu Manipulationen kommt, liegt nahe. Im Oktober wurde bekannt, dass das FBI eine Untersuchung zu Fantasy Sport eröffnet hat. Ähnlich wie bei den Wettskandalen in den europäischen Fussballigen soll es nämlich zu Handel mit Insiderinformationen gekommen sein.
Dies rief nicht zuletzt auch das US-Parlament auf den Plan. Dort soll demnächst darüber diskutiert werden, ob die Industrie (analog zu Onlinepoker beispielsweise) reguliert werden muss. Wobei sich nicht zuletzt die juristische Frage stellt, ob Fantasy Sport ein Geschicklichkeits- (auf den Fähigkeiten der Spielenden basierend) oder eben ein reines Glücksspiel sei.
Das mag alles danach klingen, als ob das ganz weit weg wäre. Die Diskussion ist aber durchaus auch für die Schweiz spannend. Im Entwurf zu einem neuen Glücksspielgesetz hat der Bundesrat erstmals die Tür zur Konzessionierung von Onlineglücksspielen geöffnet. Gerade Onlinepoker soll erstmals auch in der Schweiz erlaubt werden, falls die BetreiberInnen der entsprechenden Websites über eine Bewilligung des Bundes verfügen. Allerdings sollen auch ausländische Websites gesperrt werden können, wenn dies eben nicht der Fall ist – eine relativ drastische Massnahme, wie sie bisher nur im Kampf gegen die Kinderpornografie möglich war.
Dass das wohl dazu führen wird, dass nicht nur die «klassischen» Onlinespiele wie Poker gesperrt werden, sondern wahrscheinlich auch Fantasy Sport, mag hierzulande wenige Menschen stören. Persönlich finde ich es ein bisschen bedrohlich.
Etrit Hasler ist passionierter Möchtegerntrainer und Internetfetischist und steht nicht auf Zensur in irgendwelcher Form.