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Der Mensch ist ein Partikularist. Auch wenn er sich einer Gruppe zugehörig fühlt, vergisst er seine Sonderinteressen nicht. Beim Katholiken ist das nicht anders. Das ist nicht negativ, denn was der einzelne leistet, kommt (un)mittelbar auch den anderen zugute. In einer Organisation wie der katholischen Kirche, die sich − wie das Adjektiv sagt − als weltumfassend versteht, sind jedoch starke Kohäsionskräfte nötig, um die zentrifugalen Kräfte zu kanalisieren und sie auf das Gedeihen der Glaubensgemeinschaft auszurichten. Denn sonst hätten 2000 Jahre mehr als ausgereicht, um diesen «Global Player» zu atomisieren in Nationalismen und Partikularismen aller Art.
Wenn man verstehen will, wie die katholische Kirche seit der Zeit der Römer überlebt hat und heute Menschen aller Kontinente sowie fast aller Kulturen umfasst, kommt man nicht umhin, einerseits ihr Gründungscharisma und andererseits handfeste «Management-Tools» zu bedenken, welche die Kohäsion fördern.
Grundlegend für die Kohäsion der Kirche ist der Glaube, dass Jesus Christus eine Kirche gegründet hat. Deren Leitung hat er zwar dem Kollegium der Apostel übertragen und damit die menschliche Vielfalt eingebunden. Aber zugleich hat er an die Spitze dieses Gremiums eine Person, Petrus, gestellt. Ebenfalls fundamental ist die Überzeugung der Kirche, dass ihre Botschaft von Jesus Christus stamme und damit im Kern der Kirche selbst nicht zur Disposition stehe. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Lehre nicht interpretierbar wäre. Dies zeigte sich bereits in biblischer Zeit, als die Einheit der Kirche durch eine Frage, zu der es keine direkte Anweisung von Jesus Christus gab, auf die Probe gestellt wurde: Sollte die Kirche nur Juden aufnehmen oder auch Heiden (Römer, Griechen)? Das Instrument, welches die Kirche damals gefunden hat, um angesichts strittiger Fragen ihre Einheit zu wahren, nennt man Konzil.
Der Leib
Ein Konzil ist die Versammlung aller Bischöfe. Dessen Aufgabe hat der Theologe Vinzenz von Lérins im 5. Jahrhundert mit dem Bild des Leibes erklärt. Dieser trägt von der Zeugung an bereits alles in sich, was er später ist. Er entfaltet sich, ohne dass etwas qualitativ Neues hinzukäme. Ebenso differenziert sich die Botschaft Jesu Christi unter der Führung des Heiligen Geistes im Verlauf der Jahrhunderte immer mehr aus, ohne dass sie dadurch in ihrer Substanz verändert würde. Nicht die Sache ändert sich, sondern nur das Verständnis darüber wird vertieft. 21 Konzilien hat die Kirche in diesem Sinn bisher abgehalten, um das, was immer gilt, differenzierter zu verstehen und es in die jeweilige Zeit hinein neu zu sagen.
Mit dem Wachstum der Kirche und ihrer globalen Verbreitung erwuchsen der Kirche auch organisatorische Knacknüsse. Es stellte sich die Frage, wie die Kohäsion, die Einheit der Kirche, aufrechterhalten werden konnte innerhalb einer immer weltumspannenderen Organisation: Wie war der Stellenwert der vielen Teilkirchen (Bistümer), die gegründet wurden, zu bewerten? Als selbständige Kirchen? Oder als Filialen der Weltkirche?
Was hierzu im Auf und Ab der Jahrhunderte gelebt wurde in Konzilien und Synoden (lokalen Treffen von Bischöfen eines Landes oder einer Region), hat das II. Vatikanische Konzil (1965) schliesslich auf eine einfache Formel gebracht: Die katholische Kirche besteht in und aus den einzelnen Teilkirchen (Bistümern). Das heisst: einerseits ist die katholische Kirche, ähnlich einem Puzzle, aus den einzelnen Teilkirchen zusammengesetzt. Das allein ergäbe aber nur eine Art Föderation, deren Einheit und Zusammenhalt stets prekär wäre. Deshalb gilt vor allem und zuerst: die katholische Kirche besteht in den einzelnen Teilkirchen. Und das heisst: jede einzelne Teilkirche muss im wesentlichen diese Einheit widerspiegeln in bezug auf die Glaubenslehre, die Feier des Gottesdienstes, das Recht, die Struktur und die Leitung, was die Gesamtkirche ist. Denn diese geht den Teilkirchen nicht nur geschichtlich (Apostelkollegium in Jerusalem), sondern auch wesensmässig (Gründung einer Kirche durch Jesus Christus) voraus.
Es ist klar,…