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Er hat in London an der Royal Academy of Music studiert, ist heute Organist an der Universität in Glasgow und bestreitet Auftritte auf der ganzen Welt. Diverse internationale Preise hat er im Verlauf seines Lebens erhalten, am 10. September kommt ein weiterer dazu: Im Rahmen seines Konzerts in St.Gallen wird der 62-jährige Kevin Bowyer mit dem Ehrenpreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Dieser wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Musikaufzeichnung besonders verdient gemacht haben. «Ich selbst habe den Überblick über die Anzahl meiner CD’s verloren», sagt Kevin Bowyer am Telefon. «Es sind sicher über 100.» Sämtliche Orgelwerke von Bach, Brahms, Alkan und vielen weiteren Komponisten habe er aufgenommen.
Dass er den genannten Ehrenpreis nun ausgerechnet in St.Gallen entgegennehmen darf, ist kein Zufall. Er sei von der zuständigen Vergabestelle um eine Auswahl an Konzerten gebeten worden, bei denen die Preisübergabe möglich wäre. Die deutschen Städte Magdeburg und Arnstadt wären dabei ebenso in Frage gekommen wie das Brucknerhaus in Linz. Der Künstler selbst hat sich jedoch prioritär für St.Gallen ausgesprochen.
Achtstündige Orgelsymphonie
Einer der bedeutendsten Erfolge von Kevin Bowyer ist, dass er sich früh für die Orgelwerke des britischen Komponisten Kaikhosru Sorabji interessierte, der drei sehr grosse Orgelsymphonien mit einer Länge von jeweils acht Stunden geschrieben hat. Kevin Bowyer ist weltweit der Einzige, der es geschafft hat, die ersten zwei dieser mehrstündigen Symphonien zu spielen. «Es ist, als würde man bei einem solchen Werk einen Berg besteigen und auf der anderen Seite, wo noch nie jemand zuvor gewesen ist, wieder herunterkommen.» Der Schotte ist überzeugt, dass er den genannten Ehrenpreis auch für sein Spiel dieser Kompositionen bekommt. Er könne nie etwas loslassen, bis es fertig sei, sagt er am Telefon weiter. Deshalb sei er auch entschlossen genug gewesen, die Arbeit mit diesen Werken durchzuziehen.
Der Auftritt von Kevin Bowyer am 10. September im Rahmen der internationalen Orgelkonzerte in der Kathedrale St.Gallen ist zugleich sein erster Besuch in der Gallusstadt: «Ich war noch nie da und freue mich sehr auf den Besuch.». Bevor er auftritt, wird er sich ausgiebig Zeit nehmen, die Orgel in St.Gallen kennenzulernen. «Jede klingt anders. Selbst Stücke, die ich sehr gut kenne, können auf einem neuen Instrument ziemlich fremd wirken.» Im Durchschnitt seien es um die zehn Stunden, die er brauche, um mit einer neuen Orgel vertraut zu werden.
Als Jugendlicher Orgelverbot erhalten
Erstmals auf einer Orgel gespielt hat Kevin Bowyer im Alter von 14 Jahren. Als er damals einem Kirchenchor beitrat, hat er zugleich angefangen, sich für die Orgel zu interessieren. Das Instrument hat ihm dermassen gefallen, dass er auch ausserhalb der Chorproben darauf spielte. Einer der Kirchenverantwortlichen hatte überhaupt keine Freude daran, zumal die Kirche die entsprechende Stromrechnung zu bezahlen hatte. Folglich stand Kevin Bowyer fortan vor verschlossener Tür. Eines Tages jedoch, als er an einer Hochzeit spielen musste, schnappte er sich den Schlüssel und liess ihn in einem Geschäft vor Ort kopieren. «Und so habe ich fortan wieder geübt», erinnert sich der Starorganist heute lachend. Kurz darauf wurde er sogar zum Organisten der entsprechenden Kirche ernannt.
Nun: In St.Gallen wird sich Kevin Bowyer keine Sorgen über ein allfälliges Spielverbot machen müssen. Im Gegenteil: Aus Insiderkreisen ist zu vernehmen, dass es einer der Höhepunkte der diesjährigen Dom-Orgelkonzerte sein wird, wenn der Schotte am 10. September, 17.30 Uhr, an den Orgeln der Kathedrale St.Gallen zu hören sein wird.
Text: Roger Fuchs
Telefongespräch: Matthias Jud
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