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Die heutige Welt ist sehr komplex und verändert sich schnell. Neue Technologien werden verfügbar und verändern die Art und Weise wie wir arbeiten, kommunizieren und unser Leben leben.
Komplexe sozio–ökonomischen und sozio-politischen Systeme machen es schwierig, die Bedürfnisse und Anforderungen von morgen vorauszusehen. In diesem Artikel erörtere ich Probleme, mit denen sich Organisationen befassen müssen, und die Vorteile eines stärkeren Fokus auf den Menschen mithilfe eines Frameworks, das darauf abzielt, Organisationen auf strategischer Ebene zu beeinflussen.
Eine sich verändernde Welt
Die Einführung neuer Technologien, insbesondere der Automatisierung, hat die Art der Arbeit verändert und bestimmte durch Personen ausgeführte Aufgaben überflüssig gemacht. Dies wird deutlich, wenn wir uns ansehen, wie sich die Aufgaben im Laufe der Zeit verändert haben. Die routinemässige kognitive und manuelle Arbeit hat abgenommen. Die nicht routinemässige Arbeit beider Kategorien, insbesondere aber die kognitiven nicht routinemässigen Aufgaben, haben in den letzten 30 Jahren stark zugenommen, wie in der folgenden Grafik dargestellt wird.
Die Fähigkeit sich auf eine nachhaltige Art und Weise anzupassen und weiterzuentwickeln, erfordert verschiedenartige und qualifizierte Mitarbeitende, die in der Lage sind, komplexe Probleme zu bewältigen. Um dies zu ermöglichen, sind Rahmenbedingungen erforderlich, die Hinweise geben, wie Organisationen ihre Arbeitskräfte in einer besseren und stärker menschenzentrierten Art und Weise nutzen können.
Management
Ziel des Managements ist es, die Gewinne der Firma zu maximieren, was wiederum den Shareholder Value steigert. Dies gilt heute genauso wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Arbeitswissenschaft (Taylor, 1911) erstmals in der Fertigung, insbesondere in der Stahlindustrie, eingeführt wurde, um die Produktivität zu steigern und die Kosten zu senken.
Die Industrie muss sich den Veränderungen in der Nachfrage und der immer rasanteren Entwicklung neuer Technologien anpassen. Dies schafft komplexe Probleme, die jeden Tag aufs Neue angegangen werden müssen (Page, 2011).
Die ständige Anforderung an Unternehmen, mit Komplexität umzugehen, macht es erforderlich, bessere Strategien zu entwickeln und intelligenter zu werden. Allerdings hängen Entscheidungen, in vielen Fällen vom Wissen und der Erfahrung weniger Personen mit potenziell begrenztem Verständnis des Problems und wenig Zeit, weitere Informationen zu sammeln, ab. Expertenwissen wird oft nicht eingeholt, oder ist in der Organisation verteilt und schwer zugänglich und somit den Entscheidungsträgern unbekannt.
Grund dafür könnte der Selektionsprozess sein, und dass die Kriterien für die Einstellung häufig auf eine Reihe von spezifischen Anforderungen reduziert werden, ohne die Fähigkeiten und Kenntnisse auf den gesamten Aufgabenbereich zu beziehen, und den Wert des Kandidaten für das ganze Team unter sich ständig verändernden Umständen zu betrachten. Weiter werden Mitarbeitende, welche aktiv ihr Know-how ausserhalb ihrer definierten Stellenbeschreibung zur Verfügung stellen, oft als Rebellen oder Störenfriede gesehen und in ihrer Mitarbeit entmutigt.
«Frederick Winslow Taylor beschrieb den guten Arbeiter Anfang des 20. Jahrhunderts als jemanden, dessen Aufgabe es war, ‘einfach das zu tun, was ihm gesagt wurde, ohne zu widersprechen’.»
James Surowiecki, aus The Wisdom of the Crowds, 2004
Mitarbeitende
Der Kampf einer Organisation sich ständig Veränderung anzupassen wird häufig ihren Mitarbeitenden angelastet. Die meisten Manager wissen, wie schwierig es ist, diese von der Notwendigkeit einer Veränderung zu überzeugen.
Die Mitarbeitenden sind möglicherweise bereits darauf konditioniert, einfach die Arbeit auszuführen, für die sie eingestellt wurden, und in vielen Fällen sind sie froh, genau zu wissen, was von ihnen erwartet wird, ohne dass sie ihre Fähigkeiten weiterentwickeln und sich weiterbilden müssen. Andere sehen Probleme, die ihre Arbeit erschweren, aber ihre Vorschläge werden nicht berücksichtigt, und sie werden zunehmend frustriert.
Die Ansicht, dass ein guter Arbeitnehmer ohne Widerrede genau das tut, was ihm gesagt wird, ist in der heutigen Arbeitsumgebung unabhängig von der Art der Arbeit noch immer verbreitet.
Wenn von den Mitarbeitenden jedoch plötzlich erwartet wird, dass sie eine neue Arbeitsweise annehmen, ist es nicht verwunderlich, wenn sie darauf mit Skepsis reagieren und anfangs apathisch und unwillig erscheinen.
Tatsächlich wurde genau dieses Problem von Frederick Winslow Taylor während der Einführung der Arbeitswissenschaft (Taylor 1911) im frühen 20. Jahrhundert beobachtet, und dies war eine Zeit, in der der Wandel weniger schnell war als heute.
«In sich schnell ändernden Umgebungen wird es umso schwieriger, Rollen und Verantwortlichkeiten für eine Vielzahl von Aufgaben genau festzulegen.»
Royal & Agnew, The Enemy of Engagement, 2012.
ISO 27500 – Human-Centered Organization
Wie bereits dargestellt, ist die Notwendigkeit, sich ständig an ein sich änderndes Umfeld anzupassen, für Unternehmen in einem immer dynamischeren wirtschaftlichen Umfeld von entscheidender Bedeutung. Oft ändert sich Arbeitsweise, was bedeuten kann, dass neue Technologien eingeführt werden müssen. Diese führen dazu, dass sich die Mitarbeitenden anpassen müssen, was enorme Auswirkungen nicht nur auf sie, sondern auch auf die Kunden hat. Daher ist es wichtig, die Auswirkungen neuer Technologien auf das menschliche Verhalten zu antizipieren und einen menschenzentrierten Ansatz nicht nur für deren Design, sondern auch für die gesamte Organisation in Betracht zu ziehen.
Zahlreiche Standards wurden entwickelt, um den Anforderungen an ergonomische und menschliche Faktoren gerecht zu werden. Diese befassen sich hauptsächlich mit spezifischen Themen und konzentrieren sich auf die technische Seite der menschlichen Interaktion mit technischen Systemen. Das rasante Tempo der technologischen Entwicklung macht es jedoch schwierig, mit den Standards auf dem neuesten Stand zu bleiben. Dies führte zur Entwicklung von menschenzentrierten Design-Standards, die nicht technologiespezifisch sind, sondern sich darauf konzentrieren, für wen das Design bestimmt ist und welche Anforderungen diese Akteure an das Produkt und die Systeme stellen (Tom Stewart 2017). 2016 wurde ein neuer ISO-Standard eingeführt, der auf die menschenzentrierte Organisation fokussiert.
ISO 27500 ist ein „Herz und Verstand“-Standard, der sich an Unternehmensvorstände richtet und Unternehmensrichtlinien beeinflussen soll. Er besteht aus sieben Top-Level-Prinzipien, die von erfolgreichen Unternehmen angewandt werden. Es legt die Grundlage für die Anwendung von Ergonomie und menschlichen Faktoren, die nicht nur das Sicherheitsrisiko vermindern, sondern auch die Qualität und Effizienz sowie das Wohlbefinden verbessern können.
ISO 27500 – Die menschenzentrierte Organisation bietet Grundsätze, die dem Management helfen können, menschlicher zu werden. Nachfolgend einige nützliche praktische Vorschläge:
Nutzen Sie individuelle Unterschiede als organisatorische Stärke
Eine vielfältige Belegschaft sollte nicht als ein Muss angesehen werden, das durch Gesetze oder von Interessengruppen vorgeschrieben wird, sondern als Chance, die Resilienz und Leistung innerhalb der Organisation zu verbessern. Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund denken anders und machen eine Organisation intelligenter. Dies sollte sich in der Personalpolitik des Unternehmens widerspiegeln.
Verwenden Sie einen Gesamtsystemansatz
Wenn Sie verstehen, wie die Organisation aus Systemsicht funktioniert, können Sie ihr Verhalten besser verstehen. Dies erfordert, dass sich die Organisation die Rückkopplungsschleifen genauer ansieht und sicherstellt, dass der Informationsfluss auch von unten nach oben verläuft. Die Anwendung des Systemdenkens kann dazu beitragen, bessere Modelle für die relevanten dynamischen Prozesse der Organisation zu erstellen.
Versuchen Sie, die Beziehung zwischen den verschiedenen Akteuren und Komponenten der gesamten Organisation zu verstehen. Dies kann durch die Anwendung von Methoden erreicht werden, die in der Lage sind, dynamische sozio-technische Systeme zu modellieren.
Machen Sie Benutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit zu strategischen Geschäftszielen
Die Anwendung des menschenzentrierten Designprozesses hilft, die Bedürfnisse der Benutzer zu verstehen, und bietet Rahmenbedingungen für das Engineering, um benutzerfreundlichere und zugänglichere Produkte zu entwerfen.
Sind Systeme benutzerfreundlich, und unterstützen sie eine optimale menschliche Leistung, wird nicht nur die Zuverlässigkeit erhöht, sondern auch die Frustration innerhalb der Belegschaft verringert. Besonderes Augenmerk sollte auf die Verbreitung von Informationen und deren Darstellung gelegt werden. Schriftliche Informationen sind möglicherweise nicht ideal für einen erheblichen Teil der Belegschaft.
Stellen Sie sicher, dass Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden geschäftliche Prioritäten sind
Da mehr Arbeit kognitiver Natur ist, sollte der Schwerpunkt nicht nur auf der konventionellen Sicherheit liegen, sondern auch auf der Arbeitsbelastung und der psychischen Gesundheit der Mitarbeitenden. Das Verständnis des Systems und seiner Einschränkungen hilft dabei, Engpässe zu identifizieren und proaktiv psychische Gesundheitsprobleme zu verhindern.
Zeigen Sie dem Personal Wertschätzung und schaffen Sie sinnvolle Arbeit
Betrachten Sie Mitarbeitende nicht als eine austauschbare Komponente des Prozesses und erkennen Sie ihren Beitrag an. Ihr Feedback könnte für die Organisation von entscheidender Bedeutung sein.
Versuchen Sie, die Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter zu verstehen, und führen Sie eine „Was ist bereits vorhanden?“–Analyse durch, um die Vielfalt der Fähigkeiten und Kompetenzen zu verstehen, die bereits in der Organisation verfügbar sind.
Die Suche nach einem Weg, wie Kreativität gedeihen kann, erhöht die Innovationsfähigkeit des Unternehmens und Resilienz gegenüber Veränderungen.
Hören Sie den «Rebellen» gut zu. Was sie zu sagen haben, kann von entscheidender Bedeutung sein. Schaffen Sie eine Umgebung, in der Gedanken und Ideen ausgetauscht werden können und kritische Stimmen geschätzt werden.
Seien Sie offen und vertrauenswürdig
Kommunizieren Sie Entscheidungen offen und transparent, und geben Sie organisatorische Mängel zu. Akzeptieren Sie unterschiedliche Ansichten und kritisches Feedback von Mitarbeitenden. Stellen Sie sicher, dass Sie eine effektive Möglichkeit haben, Meinungen von Stakeholdern zu sammeln.
Handeln Sie sozial verantwortungsvoll
Dieses Prinzip ist mit ISO 26000 verknüpft, das Leitlinien zur sozialen Verantwortung enthält.
Wie die soziale Verantwortung wahrgenommen wird, kann vom kulturellen Kontext abhängen, in dem die Organisation agiert. Wenn eine Organisation ihren Betrieb von einer regionalen oder nationalen zu einer internationalen Tätigkeit entwickelt, können sich die Anforderungen schnell ändern.
Fazit
ISO 27500 ist derzeit kein zertifizierbarer Standard, dies bedeutet jedoch nicht, dass er ignoriert werden sollte. Die genannten Grundsätze können einen Handlungsrahmen für die Politik bilden und den Grundstein für eine nachhaltigere Nutzung der Arbeitskräfte legen.
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Literaturnachweis
Frederick Taylor; The Principles of Scientific Management, 1911
James Surowiecki; The Wisdom of the Crowds 2004
Scott E Page; Diversity and Complexity, 2011
Mark Royal/ Tom Agnew; The Enemy of Engagement, 2012
ISO 27500 The Human Centered Organisation, 2016
Tom Stewart (2016) https://www.youtube.com/watch?v=MRTgqi7fin8&t=445s