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Eine der ersten Testfahrten mit dem ehemaligen Berner Prototypen Be 4/4 701. Noch befindet sich der Wagen weitgehend im Originalzustand. Alle Fahrten auf dem Netz der BVB/BLT wurden ohne Fahrgäste durchgeführt (Aufnahme am 27. Juli 1990 zwischen Muttenz Dorf und Rothausstrasse).
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 802.56)
Die Entwicklung der heute in grösserer Stückzahl in Zürich vorhandenen Niederflur-Multigelenkwagen Be 5/6 «Cobra» geht auf Ende der Achtzigerjahre zurück. Das erste fertige «Cobra» konnte allerdings erst im Juni 2001 der Öffentlichkeit präsentiert werden. Technische Schwierigkeiten und die grundlegenden Veränderungen bei der schweizerischen Rollmaterialindustrie führten zu dieser langen Entwicklungszeit.
Für die Entwicklung und Erprobung der beim «Cobra» verwendeten Fahrwerke mit angelenkten Losradpaaren, den Gelenkpartien sowie weiteren Fahrzeugkomponenten kauften die beteiligten Firmen Schindler Waggon AG (SWP) und Schweizerische Industriegesellschaft (SIG) einen ausgedienten Gelenkwagen aus Bern.
Der Be 4/4 701 wurde 1966 von der Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG (SWS) als Prototyp erbaut. Es handelte sich um einen dreiteiligen Gelenkwagen mit Einzelachs-Einzelfahrgestellen und schwebendem Mittelteil. Die durch die Wagenkasten entsprechend dem Kurvenradius angelenkten Räder versprachen einen ruhigen Kurvenlauf mit weniger Fahrwiderstand und ohne lästiges Kurvenquietschen. Die vierachsige Bauart des Prototypen führte allerdings zu hohen Raddrücken, so dass es zu keiner Serienfertigung kam. Aufgrund seiner verhältnismässig hohen Motorenleistung wurde der Wagen, der ursprünglich die Nummer 401 trug, im Volksmund «Muni» genannt.
Erste Messfahrten mit dem Be 4/4 701 führte SWP während zwei Wochen im Oktober 1989 zwischen Muttenz und Pratteln auf der Linie 14 der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) durch. Die Entwicklungsingenieure konnten so wichtige Erkenntnisse über das Laufverhalten und die Spurführung der Einzelachs-Einzelfahrgestelle gewinnen. Anschliessend kehrte der Wagen wieder nach Bern zurück.
Im Frühjahr 1990 übernahm das Entwicklerkonsortium den «Muni» definitiv. Bis im Herbst 1990 wurden vorwiegend Profilmessfahrten zur Optimierung der Wagenbreite und des Grundrisses eines zukünftigen, mit Einzelradantrieb ausgerüsteten Niederflurfahrzeuges durchgeführt. Besonderes Augenmerk legten die Ingenieure auf den unteren Fahrzeugbereich. Die Befürchtungen, dass aussenliegende Antriebe mit Bordsteinkanten oder Bahnsteigen kollidieren könnten, erwiesen sich als nicht unbegründet. Viele Fahrten fanden wiederum zwischen Muttenz und Pratteln statt. Das Basler Stadtnetz wurde im Oktober 1990 in zwei Nächten komplett abgefahren. Die Linien 10 und 11 der Baselland Transport AG (BLT) folgten kurze Zeit später tagsüber.
Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Messfahrten und dem Beschluss, die Entwicklung eines schweizerischen Niederflurfahrzeuges unter dem Namen «Cobra» 1) intensiv voranzutreiben, wurde der «Muni» zum Erprobungsträger «Munico» 2) weiterentwickelt. Dabei wurden die beiden Endwagen für die Aufnahme neu entwickelter Niederflur-Fahrwerke mit angelenkten Einzelrädern hergerichtet. Das neu gebaute Mittelteil und die beiden Gelenkpartien entsprachen bereits weitgehend der Ausführung des geplanten Niederflurwagens «Cobra». Die elektrische Ausrüstung stammte aus dem Drehstrom-Prototypen Be 4/6 2016 der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) und wurde von ABB Verkehrssysteme AG beigesteuert.
In aufffälligem Hellgrün und mit der neuen Wagennummer 3000 absolvierte der Versuchsträger nun ein intensives Testprogramm. Erste Gehversuche absolvierte man im März 1993 wieder zwischen Muttenz und Pratteln, bevor im Sommerhalbjahr 1993 in Zürich 6’000 Testkilometer unter Realbedingungen abgespult wurden. Im Frühjahr 1994 folgten 18’000 km auf den Strecken der BLT. Den vorläufigen Abschluss bildeten rund 10’000 km auf dem Basler Stadtnetz, bevor im Herbst 1995 noch eine Netzbefahrung in FI-Helsiniki folgte, wo eine grössere Fahrzeugbeschaffung bevorstand.
Einige Zeit nach Beendung der Testfahrten wurde der «Munico» abgebrochen. Die elektrische Ausrüstung ging an die VBZ über.