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Japan Radio Company Ltd., Tokyo
NRD - 545: Testbericht © kurier 8 / 1998

überarbeitet am 19.10.2010

Ich gebe es gerne zu: Als begeisterter Kurzwellenhörer und Funkamateur ist es schon eine tolle Sache, wenn man die Gelegenheit erhält, bereits zu einem frühen Zeitpunkt interessante neue Empfänger zu testen und mit anderen Geräten zu vergleichen. Der dafür notwendige Zeitaufwand spielt dann auch kaum noch eine Rolle, wenn sich Hobby und Beruf in einer derart angenehmen Weise miteinander verbinden lassen; eine dankenswerter Weise zumeist sehr verständnisvolle "weitaus bessere Hälfte" (in meinem Fall namens Claudia) einmal vorausgesetzt. Ebenfalls zu danken ist Charly H. Hardt vom Technischen Clubdienst der ADDX e.V., dem es einmal mehr gelungen ist, ein interessantes Gerät zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu beschaffen, und dieses für einen intensiven Test zur Verfügung stellte. Beim getesteten JRC NRD-545 DSP handelte es sich wohlgemerkt um ein Gerät aus der Serie -wahrscheinlich eines der ersten in Europa -, so daß sich die nachfolgend beschriebenen Erfahrungen mit anderen im Handel erhältlichen Exemplaren decken sollten.
Ausstattung
Das derzeit vielfach große Interesse an den DSP-Empfängern begründet sich primär auf die immense Zahl der realisierbaren Bandbreiten mit einerjeweils extrem hohen Flankensteilheit, die dem Empfangsgerät bereits ab Werk mit auf den Weg gegeben werden können; eine zumeist kostenintensive Nachrüstung von Filtern wie bei analogen Empfängern entfällt somit. Der NRD-545 kommt diesem Wunsch nach einer möglichst flexiblen Filterwahl sehr entgegen: In Schritten von 10 bzw. 100 Hz kann die Bandbreite zwischen minimal 10 Hz und maximal 9.9 kHz (außer in FM/WFM und AMS) frei gewählt werden. Darüber hinaus stehen drei Bandbreiten-Tasten ("wide", "inter'', "narrow") bereit, über die per Tastendruck die für die Betriebsarten AM, USB/LSB und RTTY/CW einzeln vorprogrammierten Bandbreiten aufgerufen werden können (2.4,4.5 und 6.0 kHz bei AM; 1.8, 2.4 und 2.7 kHz bei USB/LSB; 0.5, 1.0 und 2.4 kHz für RTTY/CW). Die ab Werk auf den Bandbreitentasten ("wide", "inter", "narrow") vorprogrammierten Werte lassen sich leicht ändern.
Zur Unterdrückung von unerwünschten Signalen und Störungen sowie allgemein zur Meisterung auch schwierigster Empfangssituationen stellt der NRD-545 neben der bereits erwähnten Möglichkeit der quasi stufenlosen Bandbreitenwahl, mit deren Hilfe sich bereits so manche Störung vom Nachbarkanal reduzieren läßt, dem ehrgeizigen DXer das gesamte bekannte Handwerkszeug zur Verfügung: Passband Tuning bzw. Pass Band Shift (verschiebbar um +/- kHz in Schritten von 50 Hz), digitales Notchfilter (manuell einstellbar auf einen einzelnen Störton im Bereich +/- 2.5 kHz in Schritten von 10 Hz; bei Aktivierung der Funktion "Tracking" folgt das Notchfilter einem sich in seiner Höhe verändernden Störton), zwei Noise Blanker (Störaustaster gegen Zündstörungen oder andere pulsierende Signale), Noise Reduction (zur Unterdrückung von Hintergrundrauschen und gleichzeitiger Hervorhebung von Sprachsignalen) und Beat Canceler (zur Beseitigung stabiler Störtöne; quasi eine automatische Notchfunktion). Die Funktion ECSS läßt sich wie erwähnt in der Betriebsart AM aktivieren und erlaubt die Unterdrückung eines gestörten Seitenbands. Bei Bedarf läßt sich die AGC ab- und auf Handregelung umstellen, um auch die schwachen Signale noch neben einem starken Sender ein wenig hörbarer zu machen. Darüber hinaus läßt sich in den Betriebsarten USB/LSB und RTTY/CW die Abfallzeit der AGC im Bereich 0.04 und 5.1 Sekunden in Schritten zu 20 Millisekunden einstellen, so daß man sehr flexibel auf die jeweilige Empfangssituation reagieren kann. Der Empfängermarkt'' sich für SSB, RTTY und CW die jeweils eingestellten Werte der AGC und ruft diese nach einem Wechsel der Betriebsart automatisch wieder auf. Schließlich muß in diesem Zusammenhang noch der Regler "Tone" erwähnt werden, mit dessen Hilfe sich der Durchlassbereich des Kopfhörer- bzw. Lautsprecherausgangs an die bestehenden Gegebenheiten anpassen läßt, um z.B. beim AM-Empfang auch die Tiefen durchzulassen oder beim Empfang von SSB-Stationen die Sprachinformationen zu betonen. Es bleibt also kaum ein Wunsch offen, um sich durch ein Signalknäuel bis zum gewünschten Sender hindurchzuarbeiten.
1.000 Speicherplätze stehen bereit, in denen neben Frequenz und Betriebsart auch jeweils die Werte für Bandbreite, AGC, Stellung des Abschwächers und Schrittweite der Frequenzabstimmung abgelegt werden können. Es ist möglich, Gruppen von Speicherplätzen oder einen bestimmten Frequenzbereich, dessen Eckfrequenzen in bestimmten Speicherplätzen abgelegt werden müssen, automatisch auf eventuelle Aktivitäten absuchen zu lassen. Wie schon NRD-525 und NRD-535 verfügt auch der NRD-545 über eine eingebaute Schaltuhr-Funktion, mit deren Hilfe der Empfänger zu festlegbaren Zeiten ein- und ausgeschaltet sowie ein entsprechend ausgelegter Recorder für den automatischen Mitschnitt (fern)gesteuert werden kann. Will man diese Funktion regelmäßig zu wiederkehrenden Zeiten nutzen, kann man den Speicherplätzen 0- 19 jeweils eigene Ein- und Ausschaltzeiten zuordnen.
Weitere Ausstattungsdetails umfassen Rauschsperre, Dimmer für das Display, eine "Lock"-Taste zur Sperrung von sämtlichen Tasten, Reglern(!) und der Hauptabstimmung, sowie Anschlußmöglichkeiten auf der Frontplatte für Kopfhörer und Mitschnitt. Zusätzliche Anschlußmöglichkeiten finden sich auf der Rückseite des NRD-545: Stromzufuhr für 230 Volt aus dem Netz oder 13,8 Volt aus einem externen Netzgerät oder einer (Auto-)Batterie; ein zwischen hochund niederohmig umschaltbarer Antenneneingang für den Bereich unterhalb von 30 MHz; ein Antenneneingang für den Empfang oberhalb von 30 MHz; Anschlüsse für Erdung, Line und externem Lautsprecher. Außerdem findet sich eine Mute-Buchse, die den Empfänger bei Verwendung mit einem Sender bzw. Transceiver stummschaltet, ein Ausgang für 10.8 Volt/ 30 mA, sowie ein Schaltausgang zur Fernsteuerung eines Recorders im Zusammenhang mit der Schaltuhr-Funktion (s.o.). Schließlich findet sich eine 25-polige Buchse für den Anschluß eines RS-232C-Kabels, über das sich der Empfänger über das serienmäßig integrierte Interface per Computer steuern läßt. Über letzteres gibt der ebenfalls bereits in den NRD-545 integrierte RTTY-Demodulator (170,425 oder 850 Hz Shift; 37-75 Band für Amateur- und Wetterfunk) auch seine Signale an einen PC zur Darstellung auf dessen Monitor weiter. Zum erfreulich kompletten Lieferumfang gehören eine ausführlichen Bedienungsanleitung, Stromkabel für Netz- und Batteriebetrieb, eine Ersatzsicherung, und diverse Stecker. Insgesamt läßt die Ausstattung des Empfängers im Prinzip keine brennenden Wünsche mehr offen.
Bedienung
Auf den ersten Blick ungewöhnlich für ein Gerät dieser Preis- und Leistungsklasse scheint die Tatsache, daß nicht sämtliche Funktionen bzw. Regelmöglichkeiten in allen Betriebsarten zur Verfügung stehen. Dies betrifft insbesondere die in der Betriebsart AM aktivierbare ECSS-Funktion: Die gleichzeitige Nutzung der Noise Reduction oder des Beat Cancelers ist nicht möglich. Generell bei AM-Empfang nicht möglich ist die Feinabstimmung der (zu schnellen) AGC, wohl aber deren Abschaltung und der Wechsel auf Handregelung ("RF Gain"). Aus rein empfangspraktischer Sicht macht diese Einschränkung keinen Sinn, läßt sich jedoch vermutlich mit der begrenzten Leistungsfähigkeit des verwendeten Prozessors erklären, der seine Arbeit ja immerhin bereits ab der zweiten Zwischenfrequenz zu verrichten hat. Angesichts der Gesamtleistung des NRD-545 mag man diesen Punkt jedoch als nicht übermäßig kritisch betrachten, der die DX-Leistung des Empfängers kaum schmälert. Denn in wirklichen Grenzfällen wird man sich ohnehin überwiegend in den Betriebsarten USB oder LSB bewegen, in denen dann das gesamte Arsenal zur Verfügung steht.
Empfangspraxis
Fazit
© Harald Kuhl Fotos. - Charly H. Hardt, kurier 8/98
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