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Der gewählte künftige Präsident der USA hat bekannt gegeben, dass die Indigene Deb Haaland Innenministerin werden soll. Erstmals in der Geschichte der USA könnte damit eine indigene Frau Teil der Regierung werden. Für die 5.5 Millionen indigenen US-Amerikaner bedeutet dies Hoffnung auf mehr Gelder des Kongresses, wie Heike Bungert von der Universität Münster sagt.
Heike Bungert
Professorin für Neuere und Neuste Geschichte an der Uni Münster (D)
Bungert ist seit 2010 Professorin für Neuere und Neuste Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Nordamerikanischen Geschichte an der Universität Münster in Deutschland.
SRF News: Wer ist Deb Haaland?
Heike Bungert: Deb Haaland ist bekannt, weil sie 2018 in den Kongress als eine von zwei ersten Indianerinnen im Kongress gewählt wurde. Sie ist durch ihre Mutter eine Laguna Pueblo. Sie hat Englisch und Jura studiert. Sie kennt die Problematik von Armut und Benachteiligung. Sie war beim Volk der Laguna Pueblos zuständig für wirtschaftliche Entwicklung. Seit ungefähr zehn Jahren ist sie stark in der Demokratischen Partei involviert.
Wofür steht sie als Politikerin?
Sie hat während des Wahlkampfes Joe Bidens und Kamala Harris' «Plan for Tribal Nations» entwickelt. Sie steht einerseits für Entwicklung, aber auch für Anerkennung von Souveränität indigener Nationen. Haaland steht andererseits aber auch für Umweltschutz und Klimaschutz ein.
Als Innenministerin wäre sie unter anderem für die Nationalparks und die Reservate zuständig. Was heisst das für die indigene Bevölkerung?
Das ist eine ideale Besetzung, weil Haaland damit sowohl für die Reservatsländer als auch für die Länder in Treuhänderschaft, die der Bundesregierung gehören, zuständig wäre. Gegen die Länder in Treuhänderschaft ist Donald Trump vorgegangen. Sie würden wieder geschützt.
Jeder einzelne Amerikaner und jede einzelne Amerikanerin muss bereit sein, Indigene als Teil der US-amerikanischen Gesellschaft anzuerkennen.
Andererseits wäre sie zuständig für das Bureau of Indian Affairs, das dem Innenministerium untersteht. Sie könnte beim Kongress mehr Gelder aushandeln und dadurch die Situation für Indigene verbessern.
Es gibt über fünf Millionen Indigene in den USA. Wie ist ihr Stellenwert?
Es geht ihnen zwar besser als Afroamerikanern, aber ob man das positiv sehen will, ist die Frage. Sie haben eine doppelt so hohe Arbeitslosigkeit. Das heisst, sie haben definitiv nicht die gleichen Chancen. In Gebieten, in denen viele Indigene leben, in den Bundesstaaten North und South Dakota zum Beispiel, sind sie noch diskriminiert in Form von strukturellem Rassismus.
Wo müsste Haaland ansetzen, um die Lage der Indigenen zu verbessern?
Das geht vor allem über Geld. Das braucht es für die Infrastruktur und für die wirtschaftliche Entwicklung. Diese ist problematisch, weil viele Reservate sehr abgelegen sind. Da will sich die Wirtschaft nicht ansiedeln, beziehungsweise ist sie dort nicht kompetitiv. Es braucht auch Geld fürs Gesundheits- und Bildungssystem, das wurde in den letzten Jahren wieder stark zurückgefahren. Auch eine stärkere Umweltpolitik ist wichtig.
In den Reservaten gibt es Umwelt-Rassismus: Giftmüll wird dort abgeladen. Sie haben so wenig Geld, dass sie solches annehmen müssen. Auch der Schutz von heiligen Stätten von Indianerinnen und Indianern, die etwa durch den Bau der Mauer zu Mexiko zerstört worden sind, ist ihr ein Anliegen.
Was bedeutet es für die Indigenen, wenn Haaland Innenministerin wird?
Ihr Status in der US-amerikanischen Gesellschaft wird sich verbessern. Aber jeder einzelne Amerikaner und jede einzelne Amerikanerin muss bereit sein, Indigene als Teil der US-amerikanischen Gesellschaft anzuerkennen, und zwar Indigene in ihrer eigenen Kultur, und nicht als assimilierte Amerikaner.
Das Gespräch führte Manuel Ramirez.