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Die China Construction Bank (CCB) ist eine der größten Banken Chinas und der Welt. Nun gibt das Unternehmen eine Anleihe heraus, die ein Token auf der Ethereum-Blockchain ist – und mit Dollar und Bitcoin gekauft werden kann. Wie passt das zur ansonsten restriktiven Kryptopolitik Chinas?
Stellen Sie sich vor, die Deutsche Sparkasse würde auf einer Börse in der Schweiz Anleihen auf Blockchain-Basis gegen Bitcoin verkaufen. Das ist weitgehend undenkbar – aber etwa das passiert in China:
Die China Construction Bank (CCB), 2015 von Forbes zur zweitgrößten Bank der Welt gekürt, gibt eine 3-Milliarde-Dollar-Anleihe auf der Ethereum-Blockchain heraus, die man mit Bitcoins kaufen kann. Die CCB ist mehr oder weniger in Staatsbesitz, wird aber auf Börsen gehandelt.
Wie die South China Morning Post berichtet, wird die Anleihe als Sparbrief herausgegeben, die gewöhnlich in Portionsgrößen von mehreren zehntausend Yuan bzw. mehrere tausend Euro verkauft werden, üblicherweise an andere Banken und professionelle Investoren. Mit 0,75 Prozent im Jahr ist der Zinssatz nicht üppig, aber höher als die übliche Verzinsung von Sparbriefen, die auch in China mit 0,25 Prozent ziemlich gering ist.
Ein langweiligeres Finanzprodukt ist kaum vorstellbar. Aufregend ist jedoch das Drumherum: Es ist „das erste digitale Wertpapier, das eine chinesische Bank auf Basis dieser Technologie herausgibt.“ Indem die Sparbriefe als Token gehandelt werden, können auch nicht-professionelle Investoren sie in kleinen Portionen ab 100 Dollar kaufen.
Das Angebot richtet sich offenbar weniger an chinesische als an ausländische Investoren: Man kann die Sparbriefe auf Fusang, einer Börse mit Sitz in Malaysia, kaufen – und zwar mit Dollar und Bitcoin.
Tatsächlich ist die CCB nicht der unmittelbare Herausgeber der Sparbriefe bzw. Anleihen. Stattdessen ist dies die Firma Longbond LTD, ein „Special Purpose Vehicle“, eine Firma, die eigens für einen Zweck – die Herausgabe einer Anleihe – aufgesetzt wurde.
Die Anleihe wird durch die CCB beworben, gesponsort und durch ihre Bankeinlagen gedeckt. Allerdings nicht unmittelbar durch die CCB, die ihren Hauptsitz in Beijing hat, sondern durch die Filiale in Labuan in Malaysia. Dort hat auch die Börse Fusang ihren Sitz, die dem gleichnamigen, aber in Hongkong registrierten Unternehmen gehört. Fusang bewirbt sich als der erste große Herausgeber von Security Token in Asien und gibt selbst ein Token heraus, durch das man in das Startup investieren kann.
Wie die South China Morning Post erklärt, handelt es sich um Offshore-Dollar-Einlagen der Bank, weshalb die Sparbriefe nicht durch den chinesischen Einlagenschutz gesichert werden. Damit fehlt dem Produkt also nicht nur eine attraktive Verzinsung, sondern auch jene Sicherheit, die Bankeinlagen gewöhnlich mit sich bringen. Andererseits – erwartet jemand wirklich, dass die CCB pleite geht?
Fusang betreibt eine Börse für digitale Assets. Auf ihr werden neben den Security Token der CCB und von Fusang selbst die Token von zwei Investmentgesellschaften gehandelt sowie US-Dollar, Bitcoin, Ether und die Dollar-Token USDC. Neben den US-Dollar scheint Bitcoin die zweite Basiswährung der Börse zu sein. Dies zeigt, dass Bitcoin es tatsächlich geschafft hat, sich als internationale Währung neben dem Dollar aufzustellen.
Die tokenisierten Wertpapiere selbst sind als Security Token in Form eines ERC-20 auf der Ethereum-Blockchain. Der Smart Contract wird in den Infos zu den Assets verlinkt, wodurch eine Transparenz gegeben ist, die herkömmliche Wertpapiere nicht erreichen. Theoretisch kann das Token auch überwiesen werden; ob Fusang dies jedoch zulässt, ist mir ebensowenig bekannt, wie ob die CCB den Sparbrief anerkennt, wenn er nicht von ihrem Partner Fusang gehalten wird.
Trotz dieser Windungen, die die CCB und das Security Token sowie Bitcoin trennen, ist die Meldung aufsehenserregend – viel aufsehenserregender als das Finanzprodukt selbst. Sie zeigt, wie groß die Kluft zwischen der offiziellen Politik in China und dem Agieren der staatlichen Institutionen sein kann.
In China ist es seit 2014 offiziell verboten, Bitcoin als Zahlungsmittel anzunehmen, und seit einigen Jahren ist es auch verboten, Bitcoin und andere Token auf Börsen zu handeln. Die CCB bleibt diesen Geboten formal treu – nicht sie, sondern ein anderes Unternehmen gibt das Token heraus, nicht sie selbst, sondern ihre Filiale in Malaysia deckt es mit Bankeinlagen, und nicht in China selbst, sondern in Malaysia wird das Token gehandelt, und dort nicht gegen Yuan, sondern gegen Dollar und Bitcoin.
Anders ausgedrückt: Auch ein staatliches Unternehmen in China kann sich dem Sog, den Bitcoin als globales Zahlungsmittel und die Blockchain als Plattform für Wertpapiere entfalten, nicht entziehen – und nutzt jede Lücke im Gesetz, um die Technologie entschlossener zu nutzen als Unternehmen in irgendeinem anderen Land.