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Weitere Luftaufnahmen von Hallwil
Am Ausfluss des Hallwilersees ist eines der schönsten Wasserschlösser der Schweiz erhalten geblieben. In einer der ersten Schleifen, die der Aabach bildet, der den Hallwilersee entwässert, entstand kaum tausend Meter vom Seeufer entfernt das Schloss Hallwil. Westlich der von der Natur geschaffenen Insel konnte durch den Aushub eines hufeisenförmigen Grabens ein zweites, künstliches Eiland gewonnen werden, auf dessen Kuppe sich die Gebäude der Feste erheben. Die erste Burg hat man sich als Holz- und Erdburg vorzustellen. Die auf den zwei ungleich grossen Inseln errichtete Anlage entspricht dem Typ der Niederungsburg des 11. Jahrhunderts. Auf der hinteren Insel erhob sich die Kernburg, die im 11. Jahrhundert aus einem Erdhügel sowie aus hölzernen Wohngebäuden und Palisaden bestand. Auf der grösseren Insel lagen die Ökonomiebauten, die gewerblichen Betriebe und die Dienstunterkünfte. Im Lauf des 12. Jahrhunderts wurde diese Holzbauten nach und nach durch Steinbauten ersetzt, wobei man zuerst mit dem Bering begann und erst später auch die Wohn- und Ökonomiebauten aus Stein errichtete. Der nun noch in den unteren Partien erhaltene Wohnturm mit seinem mächtigen Megalithmauerwerk wird als der älteste Teil des Schlosses bezeichnet und ins 11. Jahrhundert datiert. Seine Form und vor allem sein Mauerwerk fügen sich in die bekannte reihe der sogenannten Megalithtürme ein, die nicht vor dem Ende des 12. Jahrhunderts auftreten. Wir vermuten deshalb, dass der steinerne Wohnturm von Hallwil um 1200 einen Vorgängerbau aus Holz ersetzte. Der Turm beschrieb im Grundriss ein Rechteck von 15 auf 18 Meter Seitenlänge. Das etwa drei Meter dicke Mauerwerk besteht aus Findlingen, die an den Ecken einen schmalen Randschlag aufweisen. Dieser Kantenschlag kann erst nach der Einmauerung des Ecksteins angebracht worden sein. Östlich des Turms wurde ein zweigeschossiger Palas mit Eckquadern aus Tuff erstellt, der in einen Küchen- und Wohntrakt unterteilt war. Die vordere Insel war mit Ausnahme der beiden Ökonomiegebäude unbebaut. Ein stellenweise als Damm ausgebildeter Knüppelweg führte durch den Sumpf. Der Zugang zur hinteren Insel war durch eine hölzerne Brücke gewährleistet. Später wurde dem Palas auf der hinteren Insel an der Schmalseite ein Torhaus angefügt. Das erweiterte Gebäude ist durch Mauern mit Wehrgängen mit dem Bergfried verbunden worden. Dadurch entstand der Burghof.
Im 13. Jahrhundert wurde die vordere Insel in das Befestigungssystem der Wasserburg einbezogen: Ein gezinnter Bering mit befestigtem Tor wurde um die vordere Insel, ein zweiter um die hintere geführt. Das dort abfallende Gelände zwischen Mauer und Turm wurde aufgefüllt, wodurch eine Art Schanze entstand. Die vordere Insel ist zusätzlich mit einem hölzernen Rostbett mit Lehm ausgekleidet worden. Mit dieser baulichen und verteidigungstechnischen Verbesserung drängte sich eine Erweiterung der Burganlage auf. Nach 1350 entstanden auf der vorderen Insel ein dreigeschossiger, hofseitig offener Torturm und an der gefährdetsten Stelle des Eilands ein Rundturm. Dieser wird heute wegen des üppigen Pflanzenwuchses an seinem Mauerwerk auch „Efeuturm“ genannt. Das unterste Geschoss dieses Turms ist als Gefängnis eingerichtet worden. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurden die Arbeiten für den Bau einer Schlosskapelle vorangetrieben. Diese war über einen eigenen Steg mit dem hinteren Palas verbunden. Die Wohngebäude wurden mehrmals vergrössert, aufgestockt und ausgemalt. Ferner errichtete man neue Wohnbauten zwischen Tor- und Rundturm auf der vorderen Insel und südlich des Torturms. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts erstellte man auf der hinteren Insel an den beiden ostseitigen ecken Rundtürme, die „Archiv-“ und „Verliesturm“ genannt wurden. In den nächsten Jahrhunderten wurden die Gebäude der Burg von ihren Bewohnern nach Wohnlichkeit und Komfort mehrmals angepasst. Grössere Fenster wurden ausgebrochen, Gebäude erhöht und Treppentürme aufgebaut. Die Besitzer gestalteten die Innenräume nach ihrem Geschmack aus. Ein grossangelegter barocker Umbau, wie ihn beispielsweise das Schloss Wildegg erlebte, unterblieb allerdings. Die Kapelle, die nach der Reformation als Trotte gedient hatte, wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts abgetragen. Zwischen 1800 und 1820 musste aus Sicherheitsgründen der dreigeschossige Bergfried bis auf das unterste Geschoss niedergelegt werden. Das Bauwerk hatte grosse Risse im Mauerwerk und begann sich schlecht tragfähigen Grund bedrohlich zu neigen. Die heutige Mauerabdeckung stammt aus dem Jahr 1916.
Die Anfänge des Wasserschlosses Hallwil reichen sicher ins 11. Jahrhundert zurück. Das Geschlecht der Herren von Hallwil wird erstmals 1113 in den Urkunden erwähnt, die Burg selbst erst im Jahr 1256. die Gründung der Anlage erfolgte durch Kolonisation. Ein edelfreies Geschlecht machte den sumpfigen Talgrund bewohnbar, betrachtete das Gebiet als Allodgut und baute es zu einer Grundherrschaft aus. Eine Feste gehörte dazu, waren doch an die Burg die grundherrlichen Rechte geknüpft. Die Burg gab dem Geschlecht den Namen. Im 12. Jahrhundert begegnen uns die Herren von Hallwil als Ministerialen des Grafenhauses Lenzburg. Die zur Burg Hallwil gehörenden Güter behielten sie aber als Eigenbesitz und konnten sich so eine gewisse Unabhängigkeit bewahren. Auch unter den Grafen von Kyburg blieb die Herrschaft Hallwil Eigengut der Hallwiler, obwohl diese wiederholt in der Gefolgschaft der Grafen auftraten. Das Geschlecht gelangte zu hohem Ansehen. Walter II von Hallwil amtete 1223 gar als Bürge für seinen Lehnsherrn, den Grafen von Kyburg. Durch geschicktes Verhalten gelang es den Hallwilern, ihrem beträchtlichen Eigengut verschiedene Lehen der Kyburger und später der Habsburger anzugliedern. 1369 schlossen die vier Söhne von Johann I von Hallwil miteinander einen sogenannten Ganerbenvertrag ab. Im Stammbrief, der Niederschrift des Abkommens, setzten die Söhne sich und ihre männlichen Nachkommen als Erben des Familienbesitzes ein, während für die Töchter eine Abfindung festgelegt wurde. Diese Vereinbarung sollte eine Teilung des Stammgutes verhindern. Im Lauf der Jahrhunderte wurde dieser Vertrag mehrmals erneuert, so dass Burg und Herrschaft Hallwil tatsächlich bis ins 20. Jahrhundert im Besitz der gleichen Familie blieben.
Im 14. Jahrhundert lehnten sich die Hallwiler politisch stark an das Haus Habsburg-Österreich an, wodurch sie im Sempacherkrieg grosse Verluste zu beklagen hatten. Die Burg Hallwil wurde im 14. und 15. Jahrhundert mehrmals von Bränden verwüstet. Auch als die Eidgenossen 1415 den Aargau eroberten, wurde Hallwil ein Raub der Flammen. Der damalige Besitzer der Burg, Thüring von Hallwil, leistete den Bernern auf Wildegg erbitterten Widerstand. Johannes VII von Hallwil, der bei der Schlacht von Murten die Vorhut angeführt hatte, erwarb 1486 Burg und Herrschaft Trostburg, während seine Verwandten andere Sitze kauften.
Im 17. Jahrhundert schwächte ein langer Erbstreit um die weibliche Erbberechtigung das hallwilsche Vermögen. Erst 1742 gelangte die Stammburg wieder in den Besitz des Geschlechts. Die Familie verzweigte sich bis ins Ausland, doch gingen die Beziehungen zur alten Heimat nicht verloren. 1925 sicherten die Eigentümer mit der Errichtung einer Familienstiftung die dauernde Erhaltung des bedeutenden Wohn- und Wehrbaus. Der Unterhalt des Wasserschlosses wird aus den Erträgen der Stiftung bestritten.
Herrliberger (18. Jahrhundert)
Bibliographie