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Ein zentrales Werk für die Geschichte des Protestantismus. Ein prägendes Bild für das protestantische Selbstverständnis.
August 1572. Das Datum der Bartholomäusnacht steht für ein Blutbad in Paris, das sich eigentlich über drei Tage hinzieht. Tausende von Protestanten werden ermordet, in der Stadt mit ihren geschlossenen Toren sitzen sie in der Falle. Das Massaker ist trauriger Höhepunkt der jahrelangen Religionskriege.
Das Gemälde, das heute im MCBA, dem Kantonalen Kunstmuseum in Lausanne hängt, wurde kurz nach den Ereignissen von François Dubois gemalt, einem protestantischen Künstler, der zwischen 1572 und 1584 in Genf Zuflucht gesucht hatte. Es ist insofern einzigartig, als der Künstler, auch wenn dies historisch nicht mit Sicherheit belegt ist, bei dem blutigen Geschehen wohl zugegen und damit Augenzeuge einer oder mehrerer der dargestellten Szenen war. Damit wird das Werk zur “Arbeit eines Zeitzeugen, eine Seltenheit für jene Epoche”, wie die Kulturvermittlung des MCBA erklärt.
Tatsächlich gibt es nur wenige Darstellungen des Massakers, die so zeitnah wie diese entstanden sind. Dies erklärt, warum das doch sehr subjektive Werk im Laufe der Zeit zur emblematischen Darstellung der Bartholomäusnacht und der Religionskriege im sechzehnten Jahrhundert überhaupt wurde. Seit Jahrzehnten wird es in den meisten Geschichtsbüchern, die sich mit diesem Thema befassen, abgedruckt.
Kulisse und Bühne
Was sieht der Betrachter? Zunächst eine Kulisse, die das damalige Paris mit einigen wiedererkennbaren Elementen in Szene setzt: Die Seine, rechts der Faubourg Saint-Germain, links die heute nicht mehr existierende Kirche der Grands-Augustins, das absichtlich verschlossene Stadttor Porte de Buci, der Louvre, das Haus des Admirals de Coligny, Führer der protestantischen Partei, und einige mehr. Natürlich geht es nicht um eine wirklichkeitsgetreue, sondern um eine symbolische Darstellung, um die Kulisse für das Geschehen auf der Bühne, vor welcher der Zuschauer platziert wird. Auf dieser Bühne wird brutal gemordet, um Erbarmen gefleht, stehen wehrlose Opfer einer Horde schwer bewaffneter Schergen gegenüber, quillt die Seine von Leichen über. Im Mittelpunkt steht die Ermordung des Admirals de Coligny durch den Herzog von Guise, in drei Akten: Fenstersturz, Enthauptung, Entmannung. Im Hintergrund Katharina de Medici höchstpersönlich, wie sie einen Leichenhaufen betrachtet. Die Frage nach der Verantwortung dieser so entscheidenden Figur des Königshauses und der Politik gab in der Folge Anlass zu einer breiten hagiographischen Diskussion.
In der vorderen Bildmitte ragt eine Gestalt heraus: Ein adliger Herr in Rot, mit Umhang und Hut, er wirkt entsetzt. Manche sehen in ihm einen Katholiken, den der Künstler hier platziert hat, um daran zu erinnern, dass der Konflikt vor allem auf politischen Feindseligkeiten beruhte, und dass bei weitem nicht alle Gläubigen hasserfüllt waren…
Quelle: www.reformes.ch
François Dubois (1529-1584), Le massacre de la Saint-Barthélemy, um 1572-1584.
Faksimile des Originals (Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne), ausgestellt im Internationalen Museum der Reformation, Genf.