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Wie gut sind fondsgebundene Einmalprämienversicherungen? Am einfachsten lässt sich diese Frage mit konkreten Beispielen beantworten.
Im Jahr 2000 hat E.H. aus Münchenbuchsee 63'386 Franken in eine Einmalprämienversicherung gesteckt. Zehn Jahre später sollte er dann 122'879 Franken ausbezahlt erhalten, versicherte ihm die Verkäuferin der Winterthur. Dieser Betrag ergibt sich, indem man jährlich eine Rendite von 6,84 Prozent erwirtschaftet. Doch die Winterthur hat es geschafft, in all den Jahren eine Minusrendite zu erzielen. E.H. kann mit einem Kapital von 45'000 Franken rechnen. Fast 20'000 Franken muss er sich ans Bein streichen. Das Geld wurde offensichtlich in Fonds mit einer miserablen Rendite investiert.
Mangelhafte Produkte
Das Problem liegt nicht nur bei der Winterthur, die damals noch der Credit Suisse und noch nicht der französischen Axa gehörte. Das Problem liegt beim Produkt, den fondsgebundenen Einmalprämienversicherungen. Das zeigt auch das Beispiel von H. A. aus Köniz. Auch sie hatte im Jahr 2000 eine Einmalprämienversicherung abgeschlossen. Auch sie hat zehn Jahre später weniger erhalten als ursprünglich einbezahlt: Für eine Prämie inklusive Stempelsteuer von 51 250 Franken betrage das «voraussichtliche Erlebensfallkapital» 97 966 Franken, hatte ihr die Valiant Bank im Januar 2000 geschrieben. Erhalten hat Frau A. zehn Jahre später 48'459 Franken.
Auf Anfrage erklärt die Valiant Bank, man habe Frau A. auch ein anderes Produkt mit geringeren Risiken angeboten. Doch indirekt gesteht Paul Wüthrich, Leiter Vorsorge, dass fondsgebundene Einmalprämienversicherungen nicht über jeden Zweifel erhaben sind: Die Valiant Bank hat nämlich diese Produkte aus dem Sortiment entfernt.
Fondsgebundene Einmalprämienversicherungen sind mit zwei Mängeln behaftet: die hohen Kosten und die unrealistischen Renditeerwartungen.
Zu den Kosten: Bei einer Einmalprämienversicherung von zum Beispiel 50'000 Franken werden nicht 50'000 Franken angespart, sondern irgendein Betrag zwischen 40'000 und 45'000 Franken. Den Rest sackt die Versicherung für die Risikoprämie, die Administration, die Marge und vor allem für die Entschädigung des Maklers ein. Die Risikoprämie deshalb, weil solche Produkte noch eine bescheidene Todesfallversicherung enthalten. Niemand schliesst eine Einmalprämienversicherung wegen des Todesfallschutzes ab. Doch die Versicherung muss einen solchen einschliessen, weil sonst das Produkt steuerlich nicht begünstigt würde. Stichwort Steuern: Beträgt die Laufzeit mindestens zehn Jahre und wird das Kapital nicht vor Alter 60 ausbezahlt, erfolgt die Auszahlung steuerfrei.
Zu der Rendite: Versicherungsmakler malen zwar für die AHV eine düstere Zukunft an die Wand. Sie sagen, die AHV sei nicht gesichert, und deshalb sollte man eine Sparversicherung abschliessen. Weniger pessimistisch geben sie sich bezüglich der Renditen an den Finanzmärkten: Sie versprechen verlockende Renditen, weil sich sonst das Produkt nicht verkaufen liesse. Wobei die Lebensversicherer zu optimistische Renditeversprechen nur bei Sparversicherungen abgeben. In der beruflichen Vorsorge – das zeigte die zurückliegende Abstimmung über den Umwandlungssatz – geben sich die Versicherer vorsichtiger.
Die teuren Garantien
Einige Versicherer haben nun reagiert: Sie bieten fondsgebundene Einmalprämienversicherungen mit Garantien an. Hier weiss man im Voraus, wie viel bei Ablauf des Vertrages im Minimum ausbezahlt wird. Doch die genannten Mängel werden dadurch nicht aus der Welt geschafft: Es wird nach wie vor nicht der einbezahlte Betrag, die Einmalprämie, angespart, sondern nur 80 bis 90 Prozent davon. Dies etwa im Unterschied zum Sparkonto, welches zumindest in den genannten Fällen eine deutlich höhere Rendite abgeworfen hätte. Und zweitens wird auch die Rendite solcher Garantiefonds nicht berauschend sein. Garantien kosten und schmälern die Rendite.
Einmalprämienversicherung: Die Prämie wird auf einen Schlag bezahlt. Das ist untypisch. Normalerweise werden Prämien monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich überwiesen. Einmalprämienversicherungen sind Sparprodukte; der Versicherungsschutz ist marginal.
Erlebensfallkapital: Sparversicherungen setzen sich aus einem Todesfallschutz und einem Sparprozess zusammen. Stirbt der Versicherungsnehmer, erhalten die Begünstigten die Todesfallsumme. Stirbt er nicht, erhält er das Erlebensfallkapital. Bei der Einmalprämienversicherung ist das Todesfallkapital nur unwesentlich höher als die Einmalprämie.
Fondsgebunden: Die Sparprämie fliesst nicht ins Wertschriftenportefeuille des Versicherers, sondern in Anlagefonds. Damit kann der Versicherte die Wertentwicklung ständig mitverfolgen.
Sparprämie: Jener Teil der Prämie, der effektiv angelegt wird. Bei Einmalprämienversicherungen beträgt sie zwischen 80 und 90 Prozent.
Erschienen in der BZ am 17. August 2010