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März 1979. Vor 40 Jahren versammelte sich auf Michel Ritters Initiative hin eine Bande von Freund:innen in Fribourg. Er wollte das 500-jährigen Jubiläum des Beitritts von Fribourg zur Eidgenossenschaft zum Anlass nehmen, um eine grosse Ausstellung zeitgenössischer Kunst mit der Unterstützung der lokalen Behörden, des Kantons und des Bundesamts für Kultur zu organisieren. Michel Ritter wurde von Walter Tschopp, Christoph von Imhoff, Jacques Sidler, Paul Jacquat, Jean Pythoud, Hafis Bertschinger, Charles Descloux, Michel Gremaud und Geneviève Renevey unterstützt und gemeinsam stürzten sie sich in dieses Abenteuer, das zur ersten Manifestation von Friart werden sollte.
Am 15. Juni 1980 erläutert Michel Ritter in einem von der Arbeitsgruppe für Zeitgenössische Kunst “Expression et Recherche” unterzeichneten Brief an Laurent Butty, dem Präsidenten des Organisationskomitees für die 500-Jahrfeier, ihre Absichten: Die Idee sei es, “Künstler:innen der ganzen Schweiz einzuladen, um vor Ort in geeigneten Räumen Arbeiten zu realisieren, die dem Ort und den gegebenen Kapazitäten entsprechen. Mit einem Wort: Environments”.
Der Gruppe wurde die Nutzung des Gebäudes des Priesterseminars gestattet, das im Quartir d’Alt leer stand und demnächst abgerissen werden sollte. Michel Ritter liess sich dabei von der Ausstellung Rooms inspirieren, die Alanna Heiss 1976 im MoMA PS1, im New Yorker Stadtteil Bronx organisiert hatte. Er hatte diesen neuen Ort für kreatives Schaffen während einem seiner Aufenthalte in der amerikanischen Hauptstadt der zeitgenössischen Kunst besucht. Zusammen mit Walter Tschopp stellte er 17 Künstler:innen zusammen und lud sie dazu ein, ihrerseits jemanden einzuladen, wobei Fri Art’81 ihnen dabei die Freiheit liess, die Räume nach ihren Wünschen zu gestalten.
Die Ausstellung fand vom 21. August bis zum 18. Oktober 1981 statt. Das gesamte Gebäude war besetzt: die Zimmer, der Keller, die Korridore, die Bibliothek, der Speisesaal und die Fassade. Die Künstler:innen arbeiteten vor Ort; so bezogen sich einige Werke direkt auf das Priesterseminar. Andere waren autonomer und erforschten die Sprache der Sinne, individuelle oder kollektive Mythologien. In diesem Labyrinth der Experimente fanden sich Werke, die Stile und Techniken vermischten und versuchten, die Besucher:innen herauszufordern.
Die Ausstellung war ein öffentlicher Erfolg und lockte zwischen 6’000 und 7’000 Leute an. In der entsakralisierten Kapelle fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, die den Rhythmus der Ausstellung bestimmten: Aufführungen, Videos, Performances, Tanz, experimentelles Theater, Punk-Konzerte. Insgesamt 31 Veranstaltungen ermöglichten es einer ganzen Generation, sich zu versammeln und den Grundstein für eine alternative Kultur zu legen, die in den 1980er-Jahren in Fribourg aus dem Boden spriessen sollte: Das Belluard Festival, das Fri-Son und La Spirale sind aus dieser Zeit hervorgegangen. Friart wurde zu einem verbindenden Label für eine Schweizer Gegenwartskunst, die gleichzeitig provokativ und anspruchsvoll war!
Text in Zusammenarbeit mit Eleonora Mariotta, veröffentlicht im Rahmen der Ausstellung Friart ist aus einem Vakuum heraus entstanden. Geist einer Kunsthalle, MAHF Museoscope, (27.08 - 17.10.2021).