Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03565.jsonl.gz/1538

Eines Tages sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Ich möchte, dass ihr einen Stein für mich trägt.“ Eine Erklärung für diese besondere Bitte gab es keine. So dachte Petrus bei sich selbst. „Ich nehme den kleinsten, Jesus hat ja nichts über die Grösse gesagt.“ Als es Zeit für das Mittagessen wurde, bat Jesus die Jünger sich zu setzen. Er winkte mit seinen Händen und alle Steine wurden zu Brot. „Guten Appetit!“, rief Jesus den Jüngern zu. Die Mahlzeit von Petrus aber ging nur wenige Sekunden.
Nachdem alle fertig gegessen hatten, sagte Jesus wieder: „Ich möchte, dass ihr für mich einen Stein trägt.“ Petrus war jetzt aber gewarnt. Er hob den grössten Kempen auf, den er noch so knapp tragen mochte, und trug diesen Stein mit sich. Petrus konnte dem Tempo der anderen Jünger fast nicht folgen. Aber der Gedanke ans Znacht liess ihn immer weiter gehen. Als es Zeit dazu wurde, führte Jesus die Jünger an einen Fluss und sagte: „Nun werft all eure Steine ins Wasser!“Das taten die Jünger. Jesus sagte danach: „Folgt mir!“, und lief weiter. Petrus und die anderen Jünger schauten ihn sprachlos an. Jesus seufzte und fragte sie: „Wisst ihr denn nicht, worum ich euch gebeten habe? Für wen habt ihr den Stein getragen?“
(Eine Geschichte von Elisabeth Elliot, entnommen: Timothy Keller „Der verschwenderische Gott“)
Wenn mich jemand um etwas bittet, wieso helfe ich? Wieso tue ich meiner Frau einen Gefallen? Wieso diene ich Gott?
Klar, weil ich Gott liebe und weil ich meine Frau liebe. Aber ganz ehrlich: Manchmal ist es auch eine andere Motivation.
Ich helfe, weil ich selbst einen Vorteil erwarte. Vielleicht nicht so direkt. Aber irgendwo ist es mir doch noch bewusst, von dieser Person habe ich dann noch etwas zu gut. Zum Beispiel, wenn ich meiner Frau ohne Grund einfach einen Strauss Rosen schenke. Auch bei Gott können wir dieses Gefühl haben, dass er uns etwas schuldet. Vielleicht weil wir treu den Zehnten geben, oder weil wir im Gottesdienst mithelfen.
Dass dies die Motivation hinter unserem Tun ist, dass sehen wir in dem Moment, wenn etwas in unserem Leben nicht läuft wie erhofft. Die Ehefrau sagt vielleicht nicht (nach meiner Meinung) angemessen danke, sondern klagt: „Wieso hast du heute morgen schon wieder den Joghurtbecher einfach stehen lassen???“ Und schon reagieren wir zornig. „Der schenke ich nicht so schnell wieder Rosen!“ Und auch über Gott können wir zornig werden, wenn es nicht so läuft wie erhofft, wenn Gott unsere Gebete nicht erhört oder wir das Gefühl haben Gott bevorzuge Menschen, die es doch viel weniger als wir verdient hätten.
Die Motivation hinter meinem Tun war in diesem Fall nicht Liebe zu meiner Ehefrau, nicht Liebe zu Gott sondern Egoismus. Denn die Liebe sucht nicht den eigenen Vorteil. Wieso werde ich zornig über andere? Über Gott? Vielleicht, weil mein Motiv nicht Liebe sondern Egoismus war?
Diese Geschichte ist für mich so oft ein Spiegel. Ich bin oft genau so ein Petrus. Hier möchte ich das Gebet des Psalmisten aus Psalm 139, 23 – 24 (NGÜ) beten:
Erforsche mich, Gott, und erkenne, was in meinem Herzen vor sich geht; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Sieh, ob ich einen Weg eingeschlagen habe, der mich von dir wegführen würde, und leite mich auf dem Weg, der ewig Bestand hat!