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1. Definition
Definition
Mit Schüttelfrost bezeichnet man ein Kältegefühl, bei dem der gesamte Körper unkontrolliert zittert, damit die Körpertemperatur schnell ansteigt. Das Zittern entsteht da sich die Skelettmuskulatur schnell und wiederholt zusammenzieht (kontrahiert) und wieder erschlafft.
Plötzlicher Schüttelfrost ist ein Allgemeinsymptom bei Infektionskrankheiten, die mit heftigem Fieber einhergehen. Dabei ist das Muskelzittern massgeblich am Fieberanstieg beteiligt: Der Zweck der Muskelkontraktionen beim Schüttelfrost liegt darin, Wärme zu erzeugen. Daher kann Schüttelfrost in der Anfangsphase des Fieberanstiegs auftreten, bevor Fieber besteht. Er ähnelt in seinem Erscheinungsbild dem Zittern bei grosser Kälte.
Fieber und starker Schüttelfrost treten vor allem im Verlauf von Infektionen auf, bei denen der gesamte Körper in die Entzündungsreaktion miteinbezogen ist. Die ursächlichen Erreger (häufig Bakterien) führen dazu, dass der Körper im Rahmen der Immunreaktion Zytokine ausschüttet, von denen einige als fiebererzeugende Stoffe (sog. Pyrogene) fungieren. Diese Stoffe gelangen wahrscheinlich über den Blutweg ins Gehirn und lösen dort eine Fieberreaktion aus.
Für diese Fieberreaktion ist der als Hypothalamus verantwortlich: Er verstellt den Sollwert der Körperkerntemperatur nach oben. Daraufhin sorgen die Mechanismen der Wärmeregulierung, die sonst die Körpertemperatur (mehr oder weniger konstant) auf 37 Grad Celsius halten, für eine zunehmende Temperatur – zum einen über eine verringerte Wärmeabgabe (durch eine verminderte Durchblutung der Haut, weshalb die Haut abkühlt) und zum anderen über eine erhöhte Wärmeerzeugung (durch Muskelzittern = Schüttelfrost). Dieser Fieberanstieg dauert so lange an, bis der neue Temperatursollwert erreicht ist – dann verschwindet der Schüttelfrost.
Die einen Schüttelfrost kennzeichnenden Muskelzuckungen betreffen vor allem die Oberschenkel- und Rückenmuskulatur sowie die Kaumuskulatur. Typisch für Schüttelfrost ist, dass man das Zittern nicht willentlich beeinflussen kann. Meist dauert ein Schub einige Minuten und geht häufig direkt in den Schlaf über.
2. Ursachen
Schüttelfrost hat seine Ursachen vor allem in Infektionskrankheiten mit heftigem Fieber: Bei fieberhaften Erkrankungen bewirken fiebererzeugende Stoffe (sog. Pyrogene), dass sich der Sollwert der Körperkerntemperatur (die normalerweise bei etwa 37 °C liegt) erhöht. Daraufhin sorgt das Wärmeregulationssystem des Körpers durch Muskelzittern (Schüttelfrost), einen veränderten Stoffwechsel und eine verminderte Hautdurchblutung dafür, dass die Körpertemperatur ansteigt.
Fieber und Schüttelfrost können ihre Ursachen in vielen verschiedenen Erkrankungen haben. So kann Schüttelfrost zum Beispiel ein Anzeichen sein für:
- Grippe
- Lungenentzündung (Pneumonie)
- Scharlach
- Wundrose (Erysipel)
- Blutvergiftung
- Nierenbeckenentzündung
- Nebenhodenentzündung
- Wundstarrkrampf (Tetanus)
- Pilzvergiftung
- allergische Reaktionen
Wenn nach Reisen, besonders in tropische Länder, plötzlich Schüttelfrost und Fieber auftreten, ist es wichtig, als Ursachen in der Schweiz selten oder nicht vorkommende Erkrankungen in Betracht zu ziehen, wie:
- Malaria
- Milzbrand
- Pocken
- Gelbfieber
- Schistosomiasis
- Fleckfieber
- Pest
Plötzlicher Schüttelfrost kann seine Ursachen auch in einer langen oder übermässigen Sonneneinstrahlung und grosser Hitze haben, die zu einem Sonnenstich oder Hitzschlag führen. Eine sehr seltene Ursache für Schüttelfrost ist das akute Glaukom, das eine sofortige Behandlung erfordert.
3. Diagnose
Bei Schüttelfrost besteht der erste Schritt zur Diagnose in einer Befragung, wobei sich der Arzt unter anderem nach Folgendem erkundigt:
- Wann ist der Schüttelfrost das erste Mal aufgetreten?
- Welche anderen Beschwerden liegen vor?
- Sind andere Grunderkrankungen bekannt?
- Liegt eine Reise erst kurz zurück?
Anschliessend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt unter anderem die Lymphknoten abtastet, die Lunge abhört und den Körper auf offensichtliche Entzündungsherde untersucht. Meist ist es dann bereits möglich, auf die Ursache für den Schüttelfrost zu schliessen.
Wenn alles darauf hindeutet, dass eine Infektionskrankheit hinter dem Schüttelfrost steckt, kann ein Erregernachweis die Diagnose sichern. Um den genauen Erreger zu bestimmen, ist eine Blutprobe oder ein Abstrich nötig.
Je nach vermuteter Ursache für den Schüttelfrost können zur weiteren Diagnose zusätzliche Untersuchungen zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs, eine Bronchoskopie, eine Urinuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung der Nieren oder eine Augeninnendruckmessung.
4. Therapie
Bei Schüttelfrost hängt die Therapie von der Ursache für das Zittern ab und kann darum von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein. Die Kombination aus Schüttelfrost und Fieber ist ein wichtiges Allgemeinsymptom bei vielen Infektionskrankheiten. Dabei tritt der Schüttelfrost in der Phase des Fieberanstiegs auf. In solchen Fällen gilt es, dem Körper Wärme zuzuführen. Bei Kindern sollte einen Arzt verständigt werden, wenn neben Fieber und Schüttelfrost weitere Symptome (z.B. Übelkeit, Durchfall) hinzukommen, das Fieber trotz Zäpfchen nicht sinkt, länger als einen Tag dauert oder ein Fieberkrampf entsteht. Kalte Wadenwickel sind zwar ein wirksames Mittel zur Fiebersenkung – gegen Schüttelfrost sind sie aber kein geeignetes Hausmittel, da die Muskelzuckungen Wärme erzeugen und zum Fieberanstieg beitragen.
Ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit der Grund für den Schüttelfrost, kommen zur Therapie (am besten nachdem der Erreger bestimmt ist) Antibiotika zum Einsatz. Liegt dem Schüttelfrost eine andere Erkrankung zugrunde, wie zum Beispiel Grippe, Gelbfieber, eine Pilzvergiftung oder ein akutes Glaukom, ist eine gezielte Behandlung dieser Krankheit notwendig.
Wenn der Schüttelfrost seine Ursache in einem Sonnenstich oder Hitzschlag hat, besteht die Sofortmassnahme darin, den Körper mit kalten Tüchern oder Bädern zu kühlen. In manchen Fällen ist es zur Therapie notwendig, den Kreislauf zu stabilisieren. Wichtig ist in jedem Fall eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, um den Wasser- und Elektrolytverlust auszugleichen.