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Der französische Dominikaner Jean-Claude Lavigne erinnerte beim Gottesdienst die Ordensleute daran, dass Gott sie zum religiösen Leben auserwählt habe. Regula Scheidegger, die Frau Mutter der Spitalschwestern-Gemeinschaft von Solothurn, ermunterte die Ordensfrauen, die Botschaft Jesu weiterzutragen und nicht zu warten. Die Frauen sollten ihre Zweifel und Wünsche zurücklassen und die «Männer, welche Jesus gekreuzigt haben», in ihrem Einsatz für das Evangelium «übersteigen».
Die vierte «Tagsatzung der Ordensleute» stand unter dem Motto «Fürchtet euch nicht». Viele Orden stehen vor der gleichen Situation. Lavigne umschrieb diese in einem Vortrag an der Universität Freiburg mit «Angst». In den Klöstern komme es zu geschwisterlichen Begegnungen, und das Gebet habe seinen Platz. Aber die Angst habe verschiedene Formen: die Angst vor dem Ende, dem anderen, vor sich selbst und dem Neubeginn.
Die Angst überwinden
«Wir sind keine Helden, aber wir sind Leute, die ihre Angst bewältigen», erklärte Lavigne. Man brauche nicht «super» zu sein, um für die anderen offen zu sein. Er mahnte: «Es gibt noch viel zu tun, um zu zeigen, dass das religiöse Leben fröhlich machen kann. Und dass wir dieses Leben aus diesem Grund gewählt haben.» Er prägte die Aussage: «Die Angst ist das Leben. Das Leben ist die gelebte, akzeptierte und überwundene Angst.»
Um seine Worte zu illustrieren, wählte er das Beispiel des Kindes, das lernt, Velo zu fahren. Es könne die Angst verstärken, wenn man sich ständig bemühe, sie zu verdrängen, sie nicht auszusprechen oder sie mit einer ausschliesslich positiven Haltung zu verwischen. Ein Christ dürfe das Beispiel des Kreuzes, die Angst, die es zum Ausdruck bringe, nicht gering achten. «Die Zeichen des Todes können im Leib des auferstandenen Christus nicht beseitigt werden.» Für das Leben könne die Angst eine Triebfeder sein, denn Wagemut und Kühnheit seien dann nicht weit.
Angesichts des Endes von vielen Ordensgemeinschaften lud der Dominikaner die Ordensleute zu einer «befreienden Rückkehr ins Jetzt» ein. Jeder Augenblick müsse zu einer Erfahrung der Ewigkeit werden. Lavigne legte ihnen ans Herz, ihr Leben an der «Bewunderung der Schöpfung» zu orientieren, dem Gebet und der Liturgie ihren Platz zu gewähren sowie das Wort Gottes als Nahrung zu verstehen.
Ohne Angst in die Zukunft
Lavigne mahnte, allen Menschen, die aus fernen Ländern in die Schweiz kämen, nicht mit Angst, sondern mit Wohlwollen zu begegnen. Auch vor dem Altern sollten die Ordensleute keine Angst haben. Er selber lege viel Wert auf das persönliche und das gemeinschaftliche Gebet. Der 60-Jährige zeigte sich überzeugt, dass das religiöse Leben über den «Personen in den Institutionen» stehe. Diese Lebensform sei in Europa über 1500 Jahre alt und habe schon viele Wechsel erfahren.
Der Dominikaner wies auf die neuen Gemeinschaften in der Kirche hin und machte einen Vergleich mit Computern. Diese Geräte, welche die Distanzen in Zeit und Raum aufheben, machten ein Umdenken nötig bezüglich der «Vision des Menschen». Die neuen Gemeinschaften verunsicherten die traditionsreichen. Ordensleute sollten als Warner und Frager in einer Welt wirken, «die vorgibt, alles zu kennen». Der Dominikaner rief sie auf, neue Formen zu erarbeiten, um ihren Glauben zu leben. Das sei jederzeit möglich: «In jedem Alter kann man hinhören, trösten, teilen.»
«Wir sind keine Helden, aber wir sind Leute, die ihre Angst bewältigen.»
Jean-Claude Lavigne
Dominikaner und Prior
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Zurückgehende Zahlen
Die «Tagsatzung» wird von der Konferenz der Vereinigungen der Orden und Säkularinstitute organisiert. Ihr gehören 175 Gemeinschaften an. In der Schweiz leben rund 1250 Ordensmänner, um 1960 waren es 3000. Ordensfrauen werden 4000 gezählt, 1700 weniger als noch vor zehn Jahren.kipa