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|4.3.2. Suonen -
Unterhalt und Betrieb

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|Ein Gemeinschaftswerk|
|Suonen
waren immer Werke einer Gemeinschaft, einer Gemeinde, einem
Dorf, oder einer Eigentümergruppe. Nur einige wenige, in ihrer
Bedeutung untergeordnete Suonen, waren in Privatbesitz.

Suonen waren meist in einer Art Genossenschaft organisiert. In dieser Genossenschaft hatte jeder Bewohner eines Dorfes seine Rechte, aber auch seine Pflichten - die es zu erfüllen galt. Der Gemeinschaft wichtigstes Ziel war es, die lebensnotwendige Wasserleite zu errichten und auch zu erhalten. Um zu verhindern dass Personen von ausserhalb des Dorfes, Kontrolle über die wichtigen Wasserrechte bekamen, mussten zum Beispiel Töchter, die ausserhalb des Dorfes heirateten, Ihre Wasser- und Alprechte an andere Dorfbewohner verkaufen.
Um in diesem komplizierten Netzwerk von Beteiligungen und Verpflichtungen die Übersicht zu behalten, wurden schon früh genaue Reglemente erstellt, welche die Modalitäten des Unterhaltes, des Heranführen des Wassers und die Verteilung der Wässerzeit festlegte. Trotzdem kam es recht häufig zu Streitigkeiten um das kostbare Nass.
Bild rechts: Segnung der Suon, Foto von Charles Paris
|Der Unterhalt und die Kontrolle|

Die Wasserleitungen mussten ständig kontrolliert und unterhalten werden. Die Arbeiten begannen jeweils einige Wochen vor der Inbetriebnahme im Frühjahr und dauerten bis in den Herbst.
Im Herbst, wenn die Wasserfassungen unterbrochen und die heiklen Teile geschützt waren, wurde die Suone stillgelegt und war winterbereit.
Sobald es die Schneeschmelze im Frühjahr erlaubte, wurde mit den Arbeiten für die Instandhaltung begonnen. Die Besitzer der Wasserführe beteiligten sich im Verhältnis ihrer Wasserrechte, am Fron- oder Handlangerdienst.
Schutt und Ablagerungen müssen aus der Rinne entfernt werden. Leitungselemente, welche vor dem Winter zum Schutz vor Lawinen oder Steinschlägen entfernt wurden, werden neu eingesetzt, beschädigte Teile ausgebessert oder wiedererrichtet.
In einem Dokument aus Savièse heisst es beispielsweise: "Zwei Wochen lang sind 200 Arbeiter vor Ort beschäftigt, derweil rund fünfzig Frauen und Kinder Säcke mit Weisstannenzweigen und Moos herbeischaffen. Damit werden Lücken zwischen den Brettern gestopft...."
Bild links: Reinigung der Wasserführe, Foto von Charles Paris
|Die
Inbetriebnahme einer Suone im Frühjahr war oft eine "feierliche"
Angelegenheit, die von einem gewissen Zeremoniell geprägt war. Der
Tag begann mit dem Segen für die Arbeiter an der Wasserfassung.

Aufseher und Arbeiter folgen dann dem vorrückenden Wasser, kontrollieren den Zustand der Konstruktionen, stopfen Ritzen und entfernen letzte Hindernisse.
Um die Suone so gut als möglich abzudichten, benutzte man feinste Schwebepartikel. Frauen und Kinder haben Moos und Humus aus dem Wald geholt und damit hier und dort Häufchen angelegt.
Von der Strömung mitgerissen, bilden sie zuvorderst eine schlammige Masse - den béra - wie ihn die Savièser nennen. Damit sollen allerfeinste Spalten abgedichtet werden. Man muss allerdings den Schwebestoffen Zeit lassen, sich in diesen Ritzen abzulagern. Diese Aufgabe übernahmen die "Vouasseurs" (Schwimmer).
Bild rechts: Reperatur der Suon in der Sapin-Felswand, Foto von Charles Paris.
|"...während
sich einer der "Schwimmer" an der Staustelle
zusammenkauert, um den ersten zähflüssigen Schwall
aufzuhalten,
springen die andern drei ins eiskalte Wasser, um die braune Walderde
unters Wasser zu mischen. [...] Die Masse setzt sich am Tannenreisig
fest, mit dem die Risse ausgelegt wurden und dichtet innert Minuten
alle Lecks ab. Die Suone darf aber nicht überlaufen. Sobald daher
das
Wasser auf die richtige Höhe gestiegen ist, gibt der
"métral"
(Aufseher) einen Befehl und das lebende Stauwehr hüpft aus dem
Kanal.
Ein anderer "Schwimmer" ist auf dem Steg bereits vorausgegangen und
rennt mit den ersten Wellen der Flut um die Wette, bis zur
nächsten
Staustelle. [...]"

Bild links: Raclette der "Schwimmer"-Männer, die das Schlammwasser stauen.
Foto von Charles Paris
|Patschnass,
im eiskalten Wasser stehend, dichten die
"Vouasseurs" so, sich abwechselnd, die Suon auf der ganzen Länge
ab.
Bei der Mündung am Hang, segnet der Pfarrer dann das ausfliessende
Wasser.

Ist die Suon einmal in Betrieb, werden die Unterhaltsarbeiten und die einfachen Reperaturen durch die Hüter, oder abwechselnd, durch die Besitzer selber ausgeführt. Meistens wird die Suon jeden Tag einmal abgelaufen. Bei einer längeren Suon werden für diesen "Überwachungsdienst" mehrere Personen eingesetzt. Die Überwachung der "Bisse de Saxon", wird durch eine Gruppe von drei Hütern ausgeführt, die der Autorität eines Chefhüters unterstellt und in Hütten entlang der Suone einquartiert sind.
Bild rechts: Abdichten des Wasserkanals durch die Vouasseurs. Foto von Charles Paris
|Die
Kontrolle der Suon hat selbstverständlich das Hauptziel,
eine regelmässige Wassermenge zu sichern, so dass jeder Besitzer
seine
Fläche - im Rahmen der Zeit die ihm zusteht - ausreichend
bewässern
kann. Es muss auch verhindert werden, dass ein Bruch des Kanals,
Schäden in den tiefer liegenden Gemeinden anrichtet. Die
Geschichte der
"Bisse du Levron" ist beispielsweise durchzogen von Konflikten mit den
Bagnards, weil die überlaufende Suon immer wieder Schäden auf
dem
Gebiet von Sarreyer verursacht haben soll.

Ebenso muss Visperterminen den Eyholzern enorme Summen zahlen, um die Schäden zu beheben, welche durch die Brüche seiner drei Suonen entstanden waren.
Zusätzlich wacht der Hüter auch darüber, dass niemand das kostbare Nass unerlaubt ableitet.
Bild links: Begutachten der durchgeführten Arbeiten. Foto von Charles Paris.
|Der
in den Suonenlauf gebaute Wasserschlegel, das Symbol der
Überwachung schlechthin, ist das bekannteste Hilfsmittel des
Hüters:
Die Strömung treibt ein Schaufelrad an, dieses hebt einen Hammer
an und
lässt wieder auf ein hohles Brett fallen. Sinkt der Wasserstand
ab, setzten die Hammerschläge ab und der Hüter ist alarmiert.

Bild rechts: Schlegelrad der Bisse d`Herémence, um 1935. Foto von Charles Paris.

©
Seitenlayout by Reinhard Dietschi

Die Texte, sowie die Fotos wurden grossteils aus dem Buch "Die Suonen des Wallis" entnommen und durch den Autor der Homepage angepasst.
Vielen Dank an den Herausgeber des Buches - den Rotten-Verlag in Visp.