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Wie ein einziger Mann die Währung seines Landes ruinieren konnte
Wenn ein Land in eine Krise schlittert, sind normalerweise viele Kräfte am Werk. So etwa auch bei der jüngsten US-Finanzkrise: Es waren nicht nur die Hypothekarbanken oder die Investmentbanken, sondern auch die Aufsichtsbehörden und Ratingagenturen, die für den Schlamassel verantwortlich waren.
Es gibt aber auch Fälle, in denen einzelne Personen besonders viel Schaden anrichten können. Natürlich werden sie getragen von einem Umfeld, das zu lange zuschaut oder gar nicht erst merkt, was für ein Spiel gespielt wird. Aber es bleibt dabei: Die Entscheidungen dieser Einzelpersonen haben weitreichende Konsequenzen.
Das eindrücklichste Beispiel für die Macht von Einzelpersonen ist vermutlich die schwedische Währungskrise von 1931. Jedenfalls ist mir kein anderer Fall bekannt, wo ein einziger Mann die Währung seines Landes ruinieren konnte. Allenfalls lassen sich die jüngsten Bankenkrisen Irlands, Islands und Zyperns auf einen kleinen Personenkreis in Politik und Wirtschaft zurückführen. Aber ein einzelner Mann?
Im schwedischen Beispiel war es Ivar Kreuger. Heute kennt ihn kaum einer mehr, aber in den späten 1920er-Jahren war er einer der bekanntesten Wirtschaftskapitäne der Welt. Die Aktien und Obligationen seiner Unternehmen befanden sich im Portfolio jedes grösseren Investors, auch bei Schweizer Grossunternehmen. 1929 war er auf dem Cover von «Time».
Kreuger begann seine Karriere als lokaler Bauingenieur, hatte dann aber den grossen Traum, die globale Zündholzproduktion zu kontrollieren. Der Ausgangspunkt war der schwedische Markt, in dem er bald eine beherrschende Stellung einnahm.
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Kreuger die Idee, den finanzschwachen Ländern Kredite im Austausch gegen ein Zündholzmonopol zu geben. Nach und nach übernahm er einen Markt nach dem andern. 1929 gelang es ihm sogar, einen Vertrag mit der deutschen Regierung abzuschliessen. Zu diesem Zeitpunkt dominierte er etwa zwei Drittel der Weltproduktion.
Finanziert wurde die Expansion mit Aktienemissionen, die für die Anleger hohe Renditen abwarfen. Kreuger entwickelte immer wieder neue Ideen. Ende der 1920er-Jahre führte er auch an der Zürcher Börse drei Emissionen durch. Das Publikum überzeichnete sie jedes Mal.
Doch dann kam alles anders. 1930 trockneten die Kapitalmärkte aus. Kreuger brauchte dringend Geld, um seine Verpflichtungen einzuhalten. So wandte er sich an seine alten Geschäftspartner in Schweden, insbesondere an den Chef einer grossen schwedischen Geschäftsbank (Skandinaviska Kreditaktiebolag). Er wurde nicht im Stich gelassen. Die Bank nahm im Ausland kurzfristige Gelder auf, um Kreuger langfristige Kredite zu geben.
Folgende Grafik zeigt, wie durch die Kreditvergabe an Kreuger die kurzfristige Nettoverschuldung des Bankensystems gegenüber dem Ausland wuchs (gestrichelte Linie).
Es brauchte nur noch einen grösseren Unfall und schon würde das Ganze zusammenbrechen. Diese Krise kam im Juni/Juli 1931. Eine Kettenreaktion kam in Gang:
- Deutschland erklärte sich für zahlungsunfähig.
- Die Anleger wurden nervös und zogen ihr kurzfristiges Geld vom schwedischen Bankensystem ab.
- Die schwedischen Banken holten bei der Zentralbank die notwendigen Devisen, um den Verlust auszugleichen.
- Die Devisenreserven der Zentralbank schmolzen wie der Schnee an der Sonne (durchgezogene Linie). Von Juni bis September 1931 gingen sie um 200 Millionen Kronen zurück.
Wenn eine Zentralbank in so hohem Tempo Devisenreserven verliert, kann sie nichts anderes tun, als die Währung abzuwerten. Am 27. September 1931 war es so weit: Schweden verliess den Goldstandard und gab den Wechselkurs frei.
Im Frühling 1932, als die Gläubiger immer skeptischer wurden, nahm sich Ivar Kreuger in Paris das Leben. Die Nachricht erschütterte die Welt. Die «New York Times» brachte die Nachricht gross auf der Titelseite: «THE MATCH KING IS DEAD»