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Classement thématique série 1848–1945:
XIII. QUESTIONS ÉCONOMIQUES GÉNÉRALES
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In Ihrem Brief vom 29. November2 sprechen Sie den Wunsch aus, über die Industrie-Krisis der Schweiz so rasch und so vollständig als möglich unterrichtet zu werden und speziell auch das Wichtigste der Verhandlungen des Industrie-Kongresses zu erfahren.
Die Krisis, die in der schweizerischen Industrie zum Ausbruch gekommen ist, hat ihre Gründe bis zu einem gewissen Grade in den selben Ursachen, die in ändern Industriestaaten wie Amerika, England und auch Deutschland und Frankreich ähnliches bewirken. Es ist der unbestreitbar vorhandene Unterkonsum infolge der hohen Preise. Dazu kommt für die Schweiz das spezielle Moment, das im hohen Kursstand der schweizerischen Valuta begründet ist. Die in der hohen Valuta zu zahlenden Löhne und Unkosten bedingen verhältnismässig hohe Gestehungskosten. Das hemmt den Abfluss der schweizerischen Produkte vor allem nach den Staaten mit niedriger Valuta. Unter dieser mangelnden Absatzfähigkeit leiden unsere speziellen Exportindustrien wie Seidenindustrie, Stickereiindustrie, Uhrenindustrie, zum Teil auch Maschinenindustrie, Schuhindustrie u.s.w.
Die billigeren Gestehungskosten des valutaschwachen Auslandes führen anderseits zu der bekannten Überschwemmung unseres Wirtschaftsgebietes mit billiger Auslandware. In dieser Beziehung haben wir ganz besonders unter der Konkurrenz Deutschlands zu leiden. Diese Verhältnisse sind Ihnen aus den jeweiligen Rapporten unseres Generalsekretariates an die Expertenkommission für Einfuhrbeschränkungen und die Protokolle der Sitzungen dieser Kommission3 bekannt. Eine Reihe von Industrien, die so in ihrem Absatz gehemmt sind, haben die Produktion dadurch ganz oder teilweise aufrecht erhalten, dass sie auf Lager arbeiten. Die hohen Zinsen und die gespannte Lage des Kreditmarktes lassen das aber nur innerhalb gewisser Grenzen zu. Die Unternehmungen helfen sich auch durch Verkürzung der Arbeitszeit, um so Arbeiterentlassungen in grösserem Masstabe vermeiden zu können. Trotzdem herrscht in einzelnen Branchen schon ein bedeutender Grad von Arbeitslosigkeit.4
Was die Verhandlungen des Industrie-Kongresses anbetrifft, so wurde, wie Sie den Tagesblättern entnommen haben werden, weniger auf die eigentlichen Einfuhrbeschränkungen hingewiesen. Es hängt das damit zusammen, dass die Teilnehmer zum grossen Teil Vertreter der Exportindustrien waren, denen auf diese Weise nur unwesentlich entgegengekommen werden kann. Betont wurde vor allem das Moment der Erhöhung der Zollsätze, das imstande wäre, eine allgemeine Wirkung im Sinne einer etwelchen Protektion zu haben. Zu Ihrer Orientierung möchten wir noch beifügen, dass die Frage der Zolltarif-Revision von den beiden in Frage stehenden Departementen, dem Volkswirtschaftsdepartement und dem Zolldepartement, unverzüglich in Angriff genommen werden soll.
Im übrigen muss konstatiert werden, dass der Kongress verhältnismässig schwach besucht wurde und dass ihm deswegen keine übermässig grosse wirtschaftliche Bedeutung zugesprochen werden darf.
- 1
- Lettre (Copie): E EVD 20/21+22.↩
- 2
- Non reproduite.↩
- 3
- Pour les procès-verbaux de cette commission, cf. E EDV 20/86+87.↩
- 4
- Cf. Rapport sur l’état actuel du chômage et son développement antérieur, FF, 1920, vol. V, p. 699 ss; selon FF, 1921, vol. I, p. 120, «les relevés de l’office d’assistance en cas de chômage accusent, au 10 janvier 1921, 21 900 chômeurs totaux et 53 500 chômeurs partiels».↩