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Busquin, der in Physik, Philosophie und Umweltwissenschaften abschloss und als Mitglied der Sozialistischen Partei verschiedenen belgischen Regierungen angehörte, ist seit September 1999 bei der EU-Kommission für Forschung, technologische Entwicklung und Innovation zuständig. Busquin hält es für äusserst wichtig, den Nachwuchs an kompetenten Menschen zu sichern, damit Kernkraftwerke sicher zu betreiben sind, die Kerntechnik sich weiter entwickelt und der Abfall entsorgt werden kann. Er ist überzeugt, dass ein attraktives Forschungs- und Entwicklungsprogramm wesentlich zur Förderung des Nachwuchses beiträgt. Das sechste Rahmenprogramm der EU für Forschung und Entwicklung von 2003-2006 berücksichtige diesen Punkt ausdrücklich. Empfohlen werde die Vernetzung von Studienprogrammen mit der Lehre und Forschung, eine Erhöhung der Marie-Curie-Stipendien auf dem Nukleargebiet und die Berücksichtigung junger Forscher bei der Vergabe. Ansätze habe schon das fünfte Rahmenprogramm geboten, so die Unterstützung des European Nuclear Engineering Network (ENEN) von 14 Universitäten und 8 Forschungsanlagen. Das ENEN sei der erste Schritt zum gemeinsamen Lehrgang und europäischen Hochschulabschluss in Kerntechnik.
Auf die Frage nach der weiteren Unterstützung der Fusionsforschung konnte Busquin auf die Führungsrolle Europas beim International Thermonuclear Expérimental Reactor (Iter) hinweisen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Auslegungsarbeiten im letzten Jahr gehe es jetzt um den Kostenteiler- und den Standortentscheid. Ein entsprechendes Abkommen dürfte noch vor Mitte 2003 vorliegen, wobei Europa eine echte Chance habe, den Standortzuschlag zu erhalten. Neben den bestehenden Partnern - Europa, Japan, Kanada und Russland - hätten auch China und Korea ihr Interesse für eine Mitarbeit angemeldet, und es scheine, dass auch die USA ihren Rückzug aus dem Projekt überdenken wollten.
Nachdem in mehreren EU-Mitgliederländern die Endlagerung der schwach und mittel radioaktiven Abfälle eine Routineangelegenheit sei, konzentriere die EU ihre Forschungsunterstützung gemäss dem Grünbuch 2001 über die Sicherheit der Energieversorgung auf die hoch radioaktiven und langlebigen Abfälle. Dank dem geringen Volumen könne für deren sichere Beseitigung ein hoher Aufwand getrieben werden, ohne die Wirtschaftlichkeit der Kernenergie in Frage zu stellen. Die EU-Unterstützung fördere die erwünschte Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten auf diesem Gebiet. Am vor einem Monat lancierten Net.Excel-Projekt nähmen Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Schweden, die Schweiz und Spanien teil.
Eine weitere EU-Initiative sei die am 10. Oktober 2002 gegründete Gruppe für Wasserstofftechnologie. Sie bereite bis Mitte 2003 einen Bericht vor, wie Wasserstoff als Energieträgerin den kommenden 20-30 Jahren zu einer nachhaltigen Energieversorgung beitragen könne. Zur Herstellung ausreichender Mengen Wasserstoff komme auch die Kernenergie in Frage: Neben der Elektrolyse mit Strom aus Kernkraftwerken sei der Einsatz von Wärme aus innovativen Hochtemperaturreaktoren für die direkte Wasserzersetzung viel versprechend. Es gehe darum, Lösungen zu finden, die wirtschaftlich seien und die CO2-Ziele der EU erfüllten. Europa verfüge über vielfältige Entwicklungskompetenzen. Sie seien aber fragmentiert, und die EU wolle zur Integration der verschiedenen Programme beitragen.
Zur Forschungsförderung durch den Privatsektor erinnerte Busquin an den wachsenden Rückstand Europas gegenüber Japan und den USA. Forschung und Entwicklung seien Schlüsselfaktoren für einen langfristigen wirtschaftlichen Erfolg. Die EU setze sich daher zum Ziel, den Anteil von Forschung und Entwicklung von heute 1,9% bis 2010 auf 3% des Bruttoinlandprodukts zu heben. Zur Erhöhung der privatwirtschaftlichen Förderung seien vor allem die rechtlichen und fiskalischen Rahmenbedingungen zu verbessern. Europa habe hier Nachholbedarf.
Was die Forschungsförderung durch die Nuklearindustrie anbelangt, meint Busquin, sie werde von der Öffentlichkeit nach wie vor als wenig transparent empfunden. In der Tat habe dieser Sektor noch vor 20 Jahren Schwierigkeiten im Umgang mit der Kommunikation gezeigt. Heute sei dies radikal besser. Eine Schwierigkeit bleibe allerdings: Wenn sich die Öffentlichkeit von einem Thema nicht direkt berührt fühle, nehme sie die Anstrengungen einfach nicht wahr.
Quelle
P.B. nach NucNet, 10. Dezember 2002