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Wappenstein an Emil-Angst-Strasse 24

Frau A. / 15. Mai 2011:
Am Ende der Emil-Angst-Strasse gibt es einen alten Mehrfamilienblock. Am Treppenhaus hängt aussen an der Fassade ein Stein. Auf dem sind die Initialen TR und GB und die Jahrszahl 1612 eingemeisselt. Darüber sind zwei Wappen. Hat der Stein mit einem alten Haus an dem Platz zu tun?.
Antwort von altbasel.ch:
Ich kenne den Stein zufällig selber gut. Er lag früher auf meinem Schulweg ins Gundeli, der mich zur Tramlinie 16 auf dem Jakobsberg führte. Schon damals hatte der uralte und rätselhafte Stein ohne jedes kommentierende Hinweisschild meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Daher kann ich Ihnen präsentieren was ich selbst vor einigen Jahren in dieser Frage zusammenbekommen habe. Der Stein gibt mit seinen beiden Familienwappen, den Initialen und der Jahreszahl Aufschluss über seine Herkunft.
Der Stein am Mehrfamilienhaus an der Emil-Angst-Strasse. Ursprünglich waren der Teil mit Jahreszahl und Initialen so wie jener mit Wappen zwei einzelne Steine die jedoch zusammengehörten. Eventuell stammen sie vom heute verschwundenen Schlösschen Grossgundeldingen.
Die Liegenschaft Emil-Angst-Strasse 24, an welcher der Wappenstein angebracht ist, gehört zur Wohngenossenschaft Jakobsberg 1943. In jenem Jahr erwarb die Landgenossenschaft die Gebäude des sogenannten Hofguts Jakobsberg. Es lag auf diesem Areal am Rand des Jakobsberger Holzes und bestand um 1807 aus einem Wohnhaus, einer Scheune, einem Stall und einer Remise. An dieser Stelle entstand der erwähnte Wohnblock, der zu einer Gruppe Mehrfamilienhäusern gehörte die Ende 1945 bezugsbereit war.
Der Stein mit Wappen und Jahreszahl hingen über der Einfahrt der Ökonomiegebäudes. Das Gebäude verschwand mit dem Hof zum Bau der erwähnten Mehrfamilienhäuser. Die Wappen auf dem Stein sind jene der Basler Familien Ryff und Burkhardt. In die Jahreszahl 1612 sind die Initialen TR und GB eingearbeitet, die eine Zuordnung des Steins zum Schlösschen Grossgundeldingen erlauben. Dieses diente ab 1610 Theobald Ryff (1582-1629) und seiner Gattin Getrud Burckhardt (1584-1661) als Sommersitz.
Dieses ehemalige Weiherhaus im Bereich der heutigen Gundeldingerstrasse 440/442 wurde um 1955 abgerissen. Erbaut wurde es laut dem Historiker Werner Meyer (geboren 1937) im späten 14. Jahrhundert. Die Bauherren könnten dem Geschlecht der Basler Achtburger Zer Sunnen angehört haben. In deren Besitz befand sich jedenfalls das Schloss 1414. Theobald Ryff und Gertrud Burckhardt hatten im Jahr 1602 geheiratet. Die Ehe brachte zehn Kinder hervor. Einer der Söhne verkaufte das geerbte Schloss 1660.
Der Stein an dem Wohnhaus stammt aus Theobald Ryffs Zeit. Er ist wohl Zeuge eines Aus- oder Umbaus. Eventuell gehörte er zum Umfeld des Schlosses und kam später an das Ökonomiegebäude beim Jakobsberg. Da über dieses Gebäude wenig erforscht ist, kann aktuell nicht gesagt werden ob es effektiv 1612 zu Ryffs Zeiten erbaut wurde. Persönlich vermute ich dass der Stein erst später dort hinauf gebacht und erst in das Ökonomiegebäude und danach um 1945 in das Mehrfamilienhaus eingemauert wurde.
Beitrag erstellt 23.05.11 / Korrektur Quellen 09.01.17
Quellen:
Eugen Anton Meier, Beitrag "Das Weiherschlösschen Grossgundeldingen", publiziert in Basel in der guten alten Zeit, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1972, ISBN 3-7643-0641-6, Seite 94
Werner Meyer, Burgen von A bis Z - Burgenlexikon der Regio, herausgegeben von den Burgenfreunden beider Basel, Druckerei Klingental AG, Basel, 1981, Seiten 145 bis 146 (Zur Geschichte des Schlosses Grossgundeldingen)
Carl Roth, Abschnitt "Gundeldingen", publiziert in Die Burgen und Schlösser der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft, Teil 1, Verlag Emil Birkhäuser & Cie, Basel, 1932, Seiten 112 bis 115
Peter Ryff, Stammbaum der Familie Ryff, publiziert in Basler Chroniken, Band 1, herausgegeben von Wilhelm Vischer und Alfred Stern, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1872, Seite 196
Eugen Stoll, Die Siedlung Jakobsberg in Basel, herausgegeben von der Landgenossenschaft Jakobsberg, Buchdruckerei VSK, Basel, 1956, Seiten 7 (zum Hofgut Jakobsberg), 17 (zu den Mehrfamilienhäusern Emil-Angst-Strasse) und 22 (zum Wappenstein)
Johannes Tonjola, Grabgedicht auf Theobald Ryff, publiziert in Basilea Sepulta retecta continuata, Tonjola, Basel, 1661, Seite 69