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Wie viel Staat braucht der Mensch?
Zogen die Frühmenschen in Horden umher, merken ihre Nachkommen irgendwann, dass der Staat die effizientere Form der Vergesellschaftung darstellt. Wo sich der Wille des Einzelnen dem der Gesamtheit unterordnet, werden monumentale Vorhaben durchführbar. So triumphieren die Sesshaften über die Nomaden, Reiche erblühten und zerfielen. Lange blieb der König der Staat. Erst unter den Bedingungen der Moderne, wo alles immer komplexer wurde und nach Steuerung rief, setzte sich das Prinzip des Nationalstaates durch, das heute noch regiert. Der Staat schafft Sicherheit und Wohlergehen, Vertrauen und Gerechtigkeit, beschneidet jedoch die Freiheit des Einzelnen in erheblichem Ausmass. Die Kunst der Staatsführung besteht darin, die Bedürfnisse des Individuums mit denen der Allgemeinheit in Einklang zu bringen. Wie die Mischung genau aussehen soll, darüber streiten sich seit jeher die Ideologien.
Einleitungsreferat von Konrad Paul Liessmann