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Film „Silence“ von Martin Scorsese:
Dieser Film wühlt auf und fasziniert: Mit seinem neuen Werk „Silence“ realisiert Starregisseur Martin Scorsese („Taxi Driver“, „Raging Bull“, „the Last Temptation of Christ“, „the Departed“) ein Vorhaben, das ihn seit 20 Jahren umtreibt. Der 160-Minuten-Film – mit Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson prominent besetzt – handelt von der Christenverfolgung und von Jesuiten-Märtyrern um 1640 in Japan. In stillen und zugleich sehr bewegenden Bildern fragt er, ob Christen ihren Glauben an Jesus Christus verraten dürfen, um andere Menschen zu retten, und warum Gott in allem Leiden schweigt. Der Film kam am 2. März in der Deutsch-Schweiz in die Kinos.
Unter der Leitung von Pater Franz-Xaver Hiestand SJ wurden im Februar und Anfang März drei Podiumsdiskussionen im Anschluss an Filmvorführungen in Zürich, Bern und Luzern veranstaltet. Pater Hiestand ist Leiter des aki, der Katholischen Hochschulgemeinde in Zürich, und Superior der dortigen Jesuitengemeinschaft.
Zur Person des Pater Ferreira im Film
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Shusaku Endo und spielt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er erzählt die Abenteuer von zwei Jesuiten, die nach Japan gesendet werden, nachdem in Rom die Nachricht angekommen war, dass P. Cristovao Ferreira (im Film dargestellt von Liam Neeson), ein portugiesischer Missionar, nachdem er gefoltert wurde, seinem Glauben abgeschworen hat. Die beiden Jesuiten – P. Sebastiao Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garupe (Adam Driver) – werden an ihrem eigenen Leibe die Verfolgung und die Leiden erfahren, denen damals zahlreiche japanische Christen ausgesetzt waren.
Der Film spielt in einem realen historischen Kontext: „sakoku“ oder „geschlossene Nation“. Eine Epoche der Landesgeschichte, die durch die Schliessung des Landes gegenüber jedem äußeren Einfluss gekennzeichnet war. Diese Phase dauerte von der Mitte des 16. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Jahrhunderte, in denen die Wirtschaftsbeziehungen mit der Aussenwelt minimal und die Verfolgung der Christen absolut war.
Ferreira wurde 1580 in Portugal geboren und trat 1596 in Coimbra in die Gesellschaft Jesu ein. Vier Jahre später schiffte er sich in Lissabon als Missionar in Richtung China und Japan ein. Nach Studienjahren in Macao (China) arbeitete er von 1609 bis 1633 als Missionar in Japan und nahm Führungsaufgaben wahr. 1632 wird er von Rom zum Vice-Provinzial ernannt, auch wenn ihn diese Ernennung niemals erreichen wird. Zu diesem Zeitpunkt waren die Christenverfolgungen in Japan zu an einem Höhepunkt angelangt. Man hatte einen neuen Märtyrertod geschaffen, „die Grube/das Grab“ genannt. Die Liste der Ordensleute und Christen, die unter dieser Foltermethode starben, ist lang. Am 18. Oktober 1633 wird Ferreira zusammen mit einer Gruppe von Priestern und Ordenschristen festgenommen, unter ihnen andere Jesuiten und Dominikaner. Nach fünf leidvollen Stunden in der „Grube“ gibt er nach und schwört seinem Glauben ab (Apostasie). Er war zu jenem Zeitpunkt 53 Jahre alt und seit 37 Jahren Jesuit.
Die japanischen Autoritäten brachten ihn nach Nagasaki. Dort heiratet er eine Japanerin, wurde Buddhist, nahm den Namen Sawano Xhuan an und erhielt vom Gouverneur eine jährliche Rente.
Am 27. Juni 1643 kam eine Gruppe von Jesuiten, unter denen sich auch Giuseppe Chiara befand (im Roman und im Film: P. Sebastiao Rodrigues), auf der Insel Oshiva an mit dem Ziel, mit Ferreira Kontakt aufzunehmen. Sie wurden umgehend festgenommen. Obwohl es weder ein offizielles Dokument noch ein bestätigtes Datum gibt, hat man die Version zugelassen, die er erzählt, nach der Ferreira am Ende seines Lebens, im Alter von 70 Jahren, seine Apostasie zurückgenommen habe, in der Grube gefoltert wird und stirbt. Anderen Quellen zufolge nahm auch Giuseppe Chiara seine Apostasie zurück und beendete seine Tage in einer unmenschlichen Einzelhaftzelle.
Ferreira starb in jedem Fall 1650. Er ist eine der kontroversesten Figuren in der Geschichte der jesuitischen Japanmission. Sein Glaubensabfall 1633 hatte eine enorme Wirkung auf den katholischen Teil von Europa.
Die Jesuiten in Japan
Der Jesuit Franz-Xaver und seine Gefährten brachten 1549 das Christentum nach Japan. Die Mission verlief bis zum Beginn der Christenverfolgungen sehr erfolgreich. Es wurden Kirchen, Kollegien und Krankenhäuser in Kyoto, Osaka, Yamaguchi und in der Region Kyushu gebaut. Der Glaube verbreitete sich unter dem Feudaladel, den Samurai und im Volk im Allgemeinen. 1567 soll es rund 50‘000 Getaufte in Japan gegeben haben. Zu jenem Zeitpunkt hatte die Gesellschaft Jesu dort 75 Mitglieder, Ausländer und Einheimische. Im Januar 1582 erhob die Gesellschaft Jesu die Japanmission (zu der auch Macao gehörte) zu einer Vize-Provinz.
Doch vom Verbot des Christentums 1614 waren natürlich auch die Jesuiten betroffen, sie wurden ausgewiesen, getötet oder zumindest – wie viele Christen – in den Untergrund gedrängt. Die hermetische Abschliessung Japans endete erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Erst 1873 schaffte die japanische Regierung auf internationalen Druck die Anti-Christen-Gesetze ab und garantierte in der Verfassung von 1889 Religionsfreiheit. 1908 betraten die ersten Jesuiten wieder japanischen Boden.
Auf Bitten Papst Pius’ X. gründeten im Jahre 1913 die drei Jesuitenpatres Joseph Dahlmann, Henri Boucher und James Rockliff in Tokio die Hochschule Jchi Daigaku. Sie firmiert heute unter dem offiziellen Namen Universitas Sedes Sapientiae oder Sophia University und hat 13‘000 Studierende. Noch immer befindet sich diese Privatuniversität, die weltweit einen ausgezeichneten Ruf geniesst, in der Trägerschaft der Societas Jesu.
Heute leben etwa 250 Jesuiten in Japan.