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Student Nelson Paco Chipana berichtet über die Ausbildungswege und das Studentenleben in Peru. Dank dem grossen Einsatz in seinem Studium konnte er für einen weltweiten Robotik-Wettbewerb erstmals ins Ausland reisen.
In meinem Land gibt es zwei Typen von Universitäten, die privaten und die staatlichen. Die typische Frage dazu ist, welche besser sind, doch da ist die Antwort kompliziert. Was ich machen kann, ist die Vor- und Nachteile der beiden Varianten zu erklären:
Private Universität
- Es gibt sehr viele dieser Universitäten, aber man muss sich bewusst sein, dass nicht alle diese Universitäten eine Lizenz haben und so der Berufstitel am Ende eines Studium eigentlich keinen Wert hat.
- Die anerkannten und prestigeträchtigen Privatuniversitäten sind sehr teuer. Ein Beispiel: An der Pontificia Universidad Católica del Perú (PUCP) betragen die Kosten für 20 Credits, wofür man ungefähr einen Monat benötigt, 3970 Soles, das sind ungefähr 1198 Dollar.
- Die berühmten Universitäten haben meist eine sehr gute Infrastruktur und kümmern sich sehr um ihr Ansehen.
Staatliche Universität
- Die Bildung ist grundsätzlich gut an diesen Universitäten, wo das Selbsstudium sehr gefördert wird. Das Problem ist, dass es fast permanent irgendwelche Streiks oder Proteste gibt, so dass die Studierenden Unterrichtsstunden verlieren und länger benötigen, um ihr Studium zu beenden.
- Je nach Universität ist die Infrastruktur nicht sehr gut.
- Diese Universitäten sind kostenlos und bieten auch kostenlose Services an, wie beispielsweise der Zugang zur Universitätskantine.
Vorlesungen bis spät am Abend
Die Mehrheit der studentischen Karrieren dauert fünf Jahre. Um den Titel Bachelor zu erhalten, müssen wir eine Abschlussarbeit schreiben. Ich werde mein Studiums mit einem Bachelor in Mechatronic Ingeneering abschliessen. Um diesen Titel zu erhalten, muss ich in einer Forschungsarbeit mitwirken.
Mein Stundenplan variiert von Jahr zu Jahr. Im ersten Jahr hatte ich meine Vorlesungen am Morgen, normalerweise haben sie um 7.30 Uhr begonnen. Ich hatte durchschnittlich vier verschiedene Möglichkeiten pro Kurs, von denen ich auswählen konnte. Zudem gab es Workshops, die zwar keine zusätzlichen Credit-Punkte ergaben, die aber vollkommen kostenlos waren für alle Studenten der Universität. Im zweiten Jahr hatte ich meine Vorlesungen am Nachmittag, normalerweise begannen sie um 13.30 Uhr. Im dritten Jahr waren die Vorlesungen dann am Abend. Sie begannen um 17 Uhr und endeten um 21.30 Uhr. Aktuell bin ich im fünften Jahr, wo die Vorlesungen ebenfalls am Abend sind wie im dritten Jahr.
Die Stundenpläne meiner Schwester sind ähnlich, der einzige Unterschied ist, dass sie neun Ergänzungskurse besuchen muss, die unabhängig bezahlt werden müssen und nicht der monatlichen Gebühr enthalten sind.
Ernährung ohne eigene Küche
Die Mehrheit der Studenten in Arequipa kommt von anderen Städten, deshalb ist es üblich, dass die meisten keine Küche in ihren Zimmern oder Wohnungen haben. In dieser Situation war auch ich. Zum Frühstück nahm ich immer eine Flasche „7 Getreide“ (Leinsamen, Weizen, Gerste, Cañihua (peruanisches Korn), Kiwicha, Mais und Erbsen) mit einem Avocado- oder Käsehamburger. Zum Mittagessen ass ich jeweils ein klassisches Menu. In Arequipa serviert man eine Tagessuppe und einen zweiten Gang nach Wahl, wobei jeweils festgelegt ist, was es an den Wochentagen gibt. Am Abend ernährte ich mich meist von Junk Food, da es in der Gegend, in der ich wohnte, am Abend nichts mehr zu essen gab und ich auch nicht die Möglichkeit hatte, so viel Geld auszugeben und an andere Orte zu gehen. Meistens kaufte ich einfach Brot und Joghurt.
Als meine Schwester kam, um ebenfalls hier zu studieren, suchten wir eine Wohnung mit Küche, denn so konnten wir beim Essen mehr sparen. Das bedeutet aber auch, Verantwortung zu übernehmen, weil wir nicht viel Zeit haben, um zu kochen.
Wir nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel, um zur Universität zu gelangen. Es gibt kein Tram in Arequipa, nur Busse. Mit unserem Universitätsausweis haben wir Zutritt zur Universität. Dort gibt es eine Cafeteria, wo man Frühstück, Mittag- und Abendessen kaufen kann.
Fussballspiel mit den Dozenten
An der Universität haben wir viele Freiheiten, die Anwesenheit ist nicht obligatorisch. Trotzdem bewertet die Mehrheit der Dozenten die Anwesenheit und rechnet sie wie als Note gemeinsam mit den Prüfungen und Arbeiten in die Endnote ein. In meiner Studienrichtung ist es üblich, dass einige Dozenten Fussballspiele zum Ende einer Phase organisieren. Ein Semester hat drei Phasen und die finale Note entspricht dem Durchschnitt der drei Phasen. In diesen Fussballspielen können wir gemeinsam mit den Dozenten Spass haben und uns entspannen, es ist wie eine Pause nach den Prüfungen.
Arbeiten oder Forschen in den Ferien
In den Ferien suchen die meisten Studenten eine Arbeit. So können sie die Familienkasse etwas unterstützen. In unserem Fall war das auch so in den ersten Jahren. In den vergangenen Jahren haben wir aber beschlossen, Forschungsprojekte zu machen, jeder in seiner Studienrichtung. Eines dieser Projekte hat mir diesen Sommer den ersten Aufenthalt ausserhalb von Peru ermöglicht: Ich durfte als Mentor eines Teams am Robotik-Wettbewerb Global First in Mexiko teilnehmen. An diesem Wettbewerb haben insgesamt 161 Länder teilgenommen, ich durfte Peru vertreten, das war ein unglaubliches Erlebnis. Auf unserer Facebook-Seite geben wir Einblick in das, was wir gemacht haben: Team Perú – First Global