Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03378.jsonl.gz/2140

In dem gestalterischen Werk von Arne Jacobsen spiegelt sich seine Persönlichkeit wieder: Professionell, rational, modern, perfektionistisch – und zur selben Zeit naturverbunden mit einem unerschütterlichen Witz und Selbstironie. Er war einer der großen Vorreiter skandinavischen Designs.
„Das Wichtigste sind die Proportionen. Erst die Proportionen verleihen den griechischen Tempeln ihre klassische Schönheit“ – Arne Jacobsen
Arne Jacobsen: Leben
Arne Jacobsen wurde 1902 in Kopenhagen geboren. Sein Vater war ein Großhändler von Sicherheitsnadeln und Druckknöpfen. Seine Mutter, gelernte Bankangestellte, malte in ihrer Freizeit gerne, und auch Arne Jacobsen wollte zuerst Maler werden. Doch sein Vater überzeugte ihn, anstatt eines Künstlerdaseins den immerhin einigermaßen bürgerlichen Beruf des Architekten zu ergreifen.
Bis 1924 ließ sich Arne Jacobsen zum Steinmetz ausbilden, und wurde dann in die Königlich Dänische Kunstakademie in Kopenhagen aufgenommen, wo er sein Architekturstudium 1927 abschloss. Außerdem reiste er in seinen Zwanzigern, unter anderem nach Deutschland, wo er erste Erfahrungen mit moderner Architektur machte, und nach Italien, das ihn mit Design in Berührung brachte.
1925, noch während seines Studiums und mit 23 Jahren, gewann er die Silberne Medaille für den Entwurf eines Stuhls für die Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris. Von da an verfolgte Arne Jacobsen seine Liebe zum aufkommenden modernen Design.
Bis 1929 war Arne Jacobsen zuerst beim städtischen Bauamt eingestellt, bis er zusammen mit Flemming Lassen einen Wettbewerb des Vereins dänischer Architekten gewann. Das kreisrunde „Haus der Zukunft“ wurde für die Ausstellung im Forum Kopenhagen gebaut. Für dieses Haus entwarf Arne Jacobsen auch die passenden, futuristischen Möbel – sein Einstieg in die Welt des Interior Designs.
1930, mit seinem eigenen Büro, begann Arne Jacobsen, Häuser, Wohnanlagen, Freizeitresorts und sogar eine Tankstelle zu bauen. Außerdem entwarf und baute er öffentliche Gebäude in Dänemark, die mit ihrem radikal modernen Design die traditionellen Stadtkerne kontrastierten und Gegenstände hitziger Diskussionen wurden, wie beispielsweise die 1942 fertiggestellten neuen Rathäuser von Århus und Søllerød.
Während dem zweiten Weltkrieg musste Arne Jacobsen wegen seiner jüdischen Abstammung vor den Deutschen fliehen, die Dänemark besetzt hielten. Er ruderte mit einem Boot nach Schweden, wo er nur begrenzt seiner Arbeit als Architekt nachgehen konnte. Deshalb widmete sich Arne Jacobsen, für den Erholung nur kreative Tätigkeit in einem anderen Feld war, der Ausarbeitung von Motiven für das Interior Design.
Nach Ende des zweiten Weltkriegs kehrte Arne Jacobsen nach Dänemark zurück und half mit dem Bau von Wohnungen und Schulen beim Wiederaufbau. 1955 baute er die berühmte Reihenhaussiedlung in Søholm, in der er selbst bis zu seinem Tod lebte.
1956 begann Arne Jacobsen mit dem wichtigsten Projekt seiner Karriere: Dem SAS Royal Hotel und Flugterminal für das Scandinavian Airlines System. Sein Perfektionismus trieb ihn nicht nur zu dem außergewöhnlichen Design, sondern auch dazu, jedes einzelne Detail selbst zu entwerfen – von der Treppe über die Stühle bis hin zu den Vorhängen und dem Besteck. Dieses Gesamtkunstwerk, wie es genannt wird, ist ein beeindruckender Beweis seiner Fähigkeiten und die Möbel und Einrichtungsgegenstände aus dem SAS Royal Hotel, vor allem die Stühle Egg und Swan, sind heute noch Designklassiker.
Ab da nahm Arne Jacobsen immer größere und internationale Aufträge an, unter anderem auch in Deutschland (für die Hamburgischen Elektrizitätswerke, heutige Vattenfall-Zentrale) und England (in Oxford das St. Catherine’s College), wurde selbst Professor an der Königlich Dänischen Kunstakademie, und brachte mit dem dänischen Hersteller Fritz Hansen viele seiner Produkte als Industriedesigns auf dem Markt.
In 1971 starb Arne Jacobsen unerwartet, seine unvollendeten Projekte wurden von seinen Mitarbeitern zu Ende geführt. Er hinterließ die dänische Architektur als etwas anderes, als was sie zuvor gewesen war.
Arne Jacobsen: Werk
Arne Jacobsen verlieh dem Modernismus seiner Zeit eine typisch skandinavische Form. Seine private Liebe zur Botanik versöhnte die strengen Linien der Moderne mit der Natur. Das spiegelt sich in den organisch geschwungenen Formen und den an Tiere oder Pflanzen angelehnten Designs wider, die besonders seine Stühle zu so eleganten und zeitlos gefälligen Designermöbeln machen.
Dass er sich selbst vornehmlich als Architekt begriff, obwohl er heute hauptsächlich durch seine Werke aus dem Interior Design bekannt ist, und die Bezeichnung „Designer“ strikt ablehnte, ist Zeichen seiner rationalen, holistischen und funktionalistischen Herangehensweise. Arne Jacobsen war aber nicht nur besonders feinfühlig im Hinblick auf die detaillierte Ausarbeitung seiner Konzeptionen, sondern auch auf deren Gesamtheit. Sein Blick für gefällige Proportionen, und wie sie auf den Menschen wirken, war legendär. Arne Jacobsen verlangte sich und bisweilen seinen Mitmenschen alles ab, um Skandinavisches Design auf den Stand zu heben, den es bis heute einnimmt.
Arne Jacobsen: Most Loved
Arne Jacobsens Möbel und Accessoires entstanden aus dem Wunsch heraus, die perfekten Partner für seine architektonischen Entwürfe bereitzustellen. Trotzdem sind sie auch außerhalb ihres ursprünglichen Kontextes wunderschön.
Der dreibeinige Stuhl Ant bei Fritz Hansen von 1952 war Jacobsens erster großer Erfolg im Industriedesign und wurde für eine Kantine entworfen und passt perfekt für alle gehobenen Firmenräume.
Die Stühle der Serie 7 kamen 1955 bei Fritz Hansen heraus. Die Kopie eines Stuhls der Serie 7, hinter der sich Christine Keeler für ihr berühmtes Nacktportrait von Lewis Morley verbarg, machte die Stuhlreihe berühmt und begehrt.
Die Stühle Egg und Swan, aus dem SAS Royal Hotel, kamen 1958 durch Fritz Hansen auf den Markt und werden bis heute in geschmackvollen modernen Hotels, Botschaften und Firmen eingesetzt.
Das Flatware Besteck, das ebenfalls für das SAS Royal Hotel entworfen wurde, und von Georg Jensen auf den Markt gebracht wurde, wurde in dem Stanley Kubrik Film 2001: A Space Odyssee verwendet, weil es so futuristisch aussieht.
Arne Jacobsen hat modernes Design mit Gefühl geschaffen und bewiesen, dass man etwas schaffen kann, das von seinen Proportionen bis hin zum kleinsten Detail perfekt ist. Seine Arbeit war nicht nur vielfältig und hochwertig, sondern auch wegweisend.