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Boden ist ein knappes Gut. Und in der Schweiz gilt dies ganz besonders – so das landläufige Gefühl. Gemäss dem Bundesamt für Statistik leben in der Schweiz 208 Bewohner pro Quadratkilometer. Im internationalen Vergleich landet die Schweiz damit auf dem 20. Platz von insgesamt 75 im Ranking aufgeführten Ländern hinter Deutschland, Luxemburg, Belgien, Grossbritannien und den Niederlanden. Während die Schweiz als ganzes Land also relativ dicht besiedelt ist, sieht es bei den Schweizer Städten im internationalen Vergleich anders aus: Die Bevölkerungsdichte in Zürich, der grössten Schweizer Stadt, liegt bei 70 Personen pro Hektare. Dies ist im internationalen Vergleich moderat, die Bevölkerungsdichte in vergleichbaren europäischen Städten und Agglomerationen bewegt sich meist zwischen 100 und 200 Personen pro Hektare. In Paris sind es beispielsweise 212 Personen.
Das 2012 revidierte Raumplanungsgesetz (RPG) sieht vor, dass sich die Siedlungen nicht immer weiter ausbreiten sollen. «Siedlungsentwicklung nach innen» ist das neue Motto. Das bedeutet, dass Dörfer und Städte kompakter beziehungsweise dichter bewohnt werden sollen. In Zukunft dürfen Gemeinden nur noch Bauzonen für den Bedarf der nächsten 15 Jahre vorsehen. In einigen Gemeinden hat dies sogar dazu geführt, dass bestehende Bauzonen zurückgestuft werden mussten.
Gemäss der letzten verfügbaren Bauzonenstatistik (2012) bieten die momentan unüberbauten Bauzonen, unter der Annahme einer gleichartigen Überbauung wie bis anhin, noch Platz für 1 bis 1,7 Millionen zusätzliche Einwohner. Genügend Platz also für das Bevölkerungswachstum der nächsten Dekaden.
Eine vom HEV Zürich in Auftrag gegebene Studie des Beratungsunternehmens Wüest & Partner weist für den Kanton Zürich ein Potenzial in den bestehenden Bauzonen für 500 000 zusätzliche Bewohner aus. Verdichtungspotenzial verorten die Autoren vor allem in den beiden Städten Winterthur und Zürich sowie in den Gemeinden im inneren Agglomerationsgürtel (Opfikon, Uster, Regensdorf, Dübendorf). Die Studie zeigt allerdings auch auf, dass der Grossteil der Grundstücke in den bestehenden Bauzonen kleiner als 10 000 m2 ist und einer Vielzahl von einzelnen Eigentümern gehört.
Die Herausforderung der Zukunft wird es sein, die vielen einzelnen Grundstücke gezielt zu überbauen und solche, die noch zu wenig ausgenutzt sind, zu verdichten. Grosse Überbauungen auf der grünen Wiese werden mit dem revidierten Raumplanungsgesetz nur noch vereinzelt realisierbar sein.
Gleichzeitig soll die Wohnqualität durch die Verdichtung nicht leiden. Verschiedene Gemeinden haben schon Modellprojekte mit diesem Ziel durchgeführt, und das Amt für Raumentwicklung (ARE) hat die dabei gemachten Erfahrungen in einem Bericht zusammengetragen. Die Stadt Schaffhausen hat beispielsweise ein Projekt zur Aufwertung und Verdichtung von Liegenschaften der 50er- und 60er-Jahre in Kooperation mit privaten Eigentümern durchgeführt. Im Kanton Jura gab es in zwei Gemeinden Projekte zur Förderung des Wohnens in historischen Zentren. Damit sollte erreicht werden, dass die Menschen weiterhin im Zentrum wohnen und nicht immer weiter in die Aussenquartiere ausweichen. Eine zentrale Erkenntnis der Modellvorhaben ist, dass der Einbezug von privaten Eigentümern und Grundstückbesitzern für das Gelingen essenziell ist. Die Sensibilisierung für das Thema sowie entsprechende Handlungsanreize für Eigentümer unterstützen die Zielerreichung.
Grosses Potenzial schlummert auch in der sanften Verdichtung von Einfamilienhausquartieren. In ihrem Buch «Weiterbauen» sowie auf der Website www.weiterbauen.info beschreibt die Architektin Mariette Beyeler vielfältige Projekte, bei denen Einfamilienhäuser so aufgestockt, erweitert oder umgebaut wurden, dass ein zusätzlicher Haushalt darin Platz hat. Meist handelt es sich bei den Bewohnern um zwei Generationen der gleichen Familie. Somit ist der Ansatz sowohl ein Beitrag zum generationenübergreifenden Wohnen wie auch zur Verdichtung von Quartieren.
Wer als Besitzer eines Ein- oder auch Mehrfamilienhauses erfahren möchte, welches Potenzial in seinem Grundstück schlummert, kann prüfen, ob dessen maximal zulässige Ausnützung bereits erreicht ist. Falls dies noch nicht der Fall ist, lässt sich vielleicht auf dem verbleibenden Platz ein spannendes und auch finanziell lohnenswertes Ausbauprojekt realisieren. Gleichzeitig sind die Gemeinden aufgefordert, die Ausnützungsziffern zu überdenken. Eine bessere Ausnützung von Grundstücken, gerade auch an zentralen, schon gut erschlossenen Lagen, ist eines der zielführendsten Instrumente, um der Zersiedelung entgegenzuwirken.