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Stellen Sie sich vor, Sie bekommen fünf Dollar, die haben Sie sicher. Oder Sie können das Geld in einer Mini-Lotterie einsetzen, bei der 20 Dollar zu gewinnen sind - oder eben gar nichts. Was wählen Sie? Das hängt sicher davon ab, wie groß die Wahrscheinlichkeit von Gewinn oder Totalverlust ist.
Mit einer langen Reihe solcher Entscheidungen, insgesamt 320, hat ein internationales Forscherteam 135 Studienteilnehmer konfrontiert. Ihr Ziel: herauszufinden, ob und wie sich die Entscheidungen abhängig vom Lebensalter verändern.
Die jüngsten Teilnehmer waren zwölf, die ältesten 90 Jahre alt. Jeder Proband sollte 160-mal entscheiden, ob er fünf Dollar behält oder sie in einer Lotterie einsetzt, wobei die Gewinnwahrscheinlichkeiten manchmal bekannt waren, manchmal aber nicht.
In weiteren 160 Entscheidungen ging es darum, möglichst wenig Verlust zu machen. Hier wählten die Teilnehmer entweder fünf Dollar Verlust oder eine Lotterie, in der sie den Verlust eventuell reduzieren konnten - mit dem Risiko eines noch größeren Verlustes.
Das Ergebnis veröffentlichte das internationale Forscherteam im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Die ältesten Studienteilnehmer:
Besonders der letzte Punkt trat deutlich zutage. Die Forscher hatten quasi Fangfragen mit in die Testreihen eingebaut, bei denen eine Wahlmöglichkeit eindeutig richtig ist und die andere falsch. Beispielsweise, wenn man als Alternative zum sicheren Gewinn von fünf Dollar eine Lotterie gibt, bei der man maximal fünf Dollar einstreicht oder eben gar nichts.
Die ältesten Probanden wählten in einem von vier Fällen das Falsche. Zum Vergleich: Den Jugendlichen passiert das in zehn Prozent der Fälle, den jüngeren Erwachsen in gut fünf Prozent der Fälle. Das Verhalten hatte klare Folgen.
Die 65- bis 90-Jährigen Probanden hatten nach dem Experiment deutlich weniger Geld in der Tasche als die Teilnehmer anderer Altersgruppen. Ihre älteren Teilnehmer litten nicht an Demenz, betonten Agnieszka Tymula von der University of Sydney (Australien), Ifat Levy von Yale School von Medicine in New Haven (US-Bundesstaat Connecticut) und ihre Kollegen.
Allerdings schnitten die Senioren in einem Test, der das Zahlenverständnis auf die Probe stellte, im Schnitt etwas schlechter ab als die Jüngeren, insbesondere beim Kopfrechnen hatten sie Probleme. Das kann ihr schlechteres Abschneiden in der Studie zumindest zum Teil erklären.
Der Neurowissenschaftler Björn Schott vom Magdeburger Leibniz Institut für Neurobiologie hält das Studienergebnis für plausibel. "Das passt sehr gut zu früheren Studien", sagt er. Es sei bereits bekannt, dass im Alter die Fähigkeit schwindet, Erwartungswerte zu berechnen - also mit welchen finanziellen Gewinn oder Verlust man im Durchschnitt rechnen muss.
Senioren würden einerseits Erwartungswerte bei Gewinnen tendenziell zu niedrig ansetzen und andererseits das Risiko von Verlusten unterschätzen. Woher diese Probleme rühren, sei noch nicht genau geklärt, möglicherweise spielt der im Alter verminderte Dopaminspiegel in Gehirn dabei eine Rolle.
Michael Falkenstein vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund lobt die Arbeit. "Die Studie ist methodisch wasserdicht und hochrelevant für den Alltag", sagt er. Wie er erklärt, nehmen einige mentale Funktionen, darunter das logische Denkvermögen, schon relativ früh stetig ab, etwa ab 45.
Darunter litten eben auch komplexe Entscheidungen, die auf diesen Funktionen basieren. Das Ergebnis passe auch dazu, dass Ältere leichter auf Betrüger und windige Finanzprodukte hereinfallen "Schade ist allerdings, dass die Forscher die interessanteste Gruppe ausgeklammert haben: die 50- bis 65-Jährigen. Viele Entscheidungsträger in der Wirtschaft sind schließlich in diesem Alter", sagt der Wissenschaftler, der Veränderungen durch normales Altern sowie altersbedingte Krankheiten und ihre Auswirkungen in der Arbeitswelt erforscht.
Tymula, Levy und Kollegen weisen ebenfalls darauf hin, wie die veränderten Entscheidungsprozesse das Leben beeinflussen könnten. Senioren würden beispielsweise ungünstigere Kredite aufnehmen, zu viel Geld an Finanzinstitute zahlen oder auch nicht die optimalen Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen.
So lief die Studie ab Teilnehmer: Die 135 Probanden wurden nach Alter eingeteilt. Die Gruppen sahen wie folgt aus:
Insgesamt machen 65 Männer und 70 Frauen mit. Die ältesten Probanden absolvierten einen Standardtest, mit dem ausgeschlossen wurde, dass sie an Demenz leiden.
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