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Leibrenten garantieren ein jährliches Einkommen. Das ist komfortabel, hat aber seinen Preis. Selbst das Sparheft verspricht höhere Renditen.
Rentenversicherungen haben nicht den besten Ruf: Finanzexperten bemängeln die Rendite. Und die Versicherer haben dem Produkt geschadet, indem sie die Überschüsse massiv gekürzt haben. Und doch gibt es Fälle, bei welchen der Abschluss einer Leibrentenversicherung durchaus Sinn macht.
Angenommen, eine 64-jährige Frau hat 300000 Franken zur Verfügung, mit denen sie neben der AHV und einer kleinen Pension ihren Lebensabend finanzieren will. Sie könnte dem Marktleader Swiss Life die 300000 Franken überweisen und erhielte dann bis ans Lebensende 12712 Franken im Jahr, garantiert. Inklusive der nicht garantierten Überschüsse gäbe es 14536 Franken. Da die Rente nur zu 40 Prozent versteuert werden muss, verbliebe der Frau nach Abzug der Steuern je nach Steuersatz ein garantiertes Renteneinkommen von rund 11500 Franken pro Jahr. Inklusive der nicht garantierten Überschüsse verblieben nach Steuern rund 13500 Franken.
Statt das gesparte Geld der Versicherungsgesellschaft anzuvertrauen, könnte die Frau die 300000 Franken auf ein Sparkonto legen und monatlich 1000 Franken abheben. Damit würde sie jährlich 12000 Franken verzehren und hätte immer noch 500 Franken mehr zur Verfügung als mit der garantierten Rente.
Legt die Frau die 300000 Franken zu einem Zins von 2 Prozent an, könnte sie während 34 Jahren und sechs Monaten davon zehren, wenn sie monatlich 1000 Franken abheben würde. Die heute 64-jährige Frau wäre dann über 98 Jahre alt. Erst in diesem stolzen Alter müsste sie von der AHV und der Pension allein leben und allenfalls Ergänzungsleistungen beantragen.
Die Frau könnte monatlich sogar 1200 Franken abheben. Damit hätte sie unter dem Strich etwa gleich viel wie mit der Leibrente inklusive Überschüsse, sofern die Überschüsse dann auch wirklich ausbezahlt werden. In diesem Fall reichte das Geld immer noch bis ins 91.Lebensjahr – und erst noch garantiert.
Noch mehr herausholen könnte die Frau mit Wertschriften. Gerade bei den heutigen tiefen Kursen könnte sie eine ansehnliche Rendite erzielen. Wie man aber weiss, ist das Aktiensparen nicht jedermanns Sache.
Die Beispiele zeigen: Leibrenten sind nicht rentabel. Das hat seine Gründe. Bei Einmalprämienversicherungen gehen 2,5 Prozent Stempelsteuer an den Fiskus. Ferner kalkulieren die Versicherer bei den privaten Leibrenten mit deutlich tieferen Umwandlungssätzen als in der beruflichen Vorsorge. Und schliesslich sind Versicherungsagenten nicht karitativ unterwegs: Auch die Verkaufsprovision geht zu Lasten der Rendite.
Das Wohlbefinden zählt
Wenn nicht rentabel, so sind Leibrenten wenigstens komfortabel. Sie haben gegenüber dem Vermögensverzehr einen psychologischen Vorteil. Leute im Alter tun sich oft schwer, ihre Ersparnisse aufzuzehren. Zudem haben ältere Leute oft Existenzängste, auch wenn solche Ängste rational nicht zu begründen sind. Für solche Fälle haben Leibrenten ihr Gutes: Man bekommt Monat für Monat die Rente überwiesen und braucht sich nicht zu fragen, wie lange das Vermögen noch ausreicht und ob es auch gut angelegt ist. Frei nach dem Motto: Das Wohlbefinden ist wichtiger als die Rendite.
Rentenversicherungen gibt es in den verschiedensten Varianten: aufgeschoben oder sofort beginnend, mit oder ohne Rückgewähr, einmalig oder periodisch finanziert, auf ein oder zwei Leben.
Aufgeschoben: Man zahlt heute die Prämie und bezieht die erste Rente in ein paar Jahren.
Sofort beginnend: Man zahlt heute die gesamte Prämie auf einen Schlag, eine sogenannte Einmalprämie, und bezieht danach die vereinbarte Rente.
Mit Rückgewähr: Beim Tod des Versicherten wird das noch nicht verbrauchte Kapital an die Erben ausgezahlt.
Ohne Rückgewähr: Das noch nicht verbrauchte Kapital bleibt bei der Versicherung. Dafür erhöht sich die Rente um bis zu 20 Prozent.
Einmalprämie: Man bezahlt die gesamte Prämie auf einen Schlag.
Periodische Prämie: Man bezahlt die Prämie monatlich, quartalsweise oder jährlich.
Zwei Leben: Wird die Versicherung auf zwei Leben abgeschlossen, wird die Rente beim Tod des einen Partners weiterbezahlt, bis der zweite Partner auch verstorben ist.
Erschienen in der BZ am 3. März 2009