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m Jahr 1547 veröffentlichten Pierre Attaingnant (Attaignant) und Antonio Gardano jeweils eine Reihe von Stimmenbüchern mit Instrumentalmusik. Der Druck von Attaingnant enthält einige Tänze, die zu den kürzesten Musikstücken der damaligen Zeit gehören, während die Ricercars von Jacques Buus zu den längsten zählen.
Zusammen mit den ebenfalls 1547 erschienen Madrigalen von Francesco Corteccia bieten diese Extreme der Instrumentalmusik eine Momentaufnahme dessen, was ein Gambenconsort in der Mitte des 16. Jahrhunderts gespielt haben könnte.
Die «venezianischen Gamben» (allesamt ohne Stimmstock) erzeugen einen Klang, der die Mehrstimmigkeit hervorhebt und perfekt mit der Laute verschmilzt.
Filipa Meneses – Discantus; Leonardo Bortolotto – Altus; Alexandra Polin – Tenor; Ryosuke Sakamoto – Quintus (Laute); Elizabeth Rumsey – Bassus (Leitung)
Einführung zum Thema «Viola da Gamba» durch Caroline Ritchie um 17:30 Uhr.
Und schauen Sie nach: Bei Entdecken/Workshop finden Sie ein Quiz zu 1547
Vlog September 2022 von Grace Newcombe zu «Über kurz oder lang» – Consort 1547
O sacrum convivium – Tallis
Aus «Paper, Ink, and Pen», Februar 2021
Filipa Meneses – Gambistin
Thomas Christ (TC): Wie kommt man von Portugal an die Schola Cantorum nach Basel? Mit welchem Instrument hat ihre musikalische Vita begonnen?
Filipa Meneses (FM): Meine gesamte Kindheit und Jugendzeit widmete ich dem Studium des klassischen Klaviers. Das Klavier war das Wichtigste in meinem Leben und liess keinen Raum für andere Beschäftigungen. Ich studierte dann am Konservatorium in Amsterdam Klavier und dort entdeckte ich zum ersten Mal die Gambe. Es ist schon erstaunlich, dass ich als Musikstudentin dieses Instrument vorher nicht kannte. Ich denke, das sagt viel über die damalige Alte-Musik-Szene in Portugal aus. Vielleicht war ich aber auch nur zu sehr in mein Klavierstudium vertieft 🙂
Bei der Gambe spürte ich sofort, dass es kein Zurück mehr gab – vom ersten Moment an hatte ich einen unaufhaltsamen Drang, dieses Instrument und diese Musik zu spielen. Ich ging nach Hause, suchte im Internet nach allem, was ich über das Instrument finden konnte, erwarb ein Instrument, gab mein letztes Klavierkonzert und nahm am nächsten Tag die Gambe in die Hand, um mit dem Üben zu beginnen. In den ersten sechs Monaten übte ich allein, erforschte das Instrument für mich und dachte darüber nach, wie eine entspannte Haltung auf diesem Instrument aussehen sollte, wie der Bogen gehalten werden sollte usw. Dieses halbe Jahr war eine der poetischsten Perioden in meinem Leben. Kein Druck, nur ich und die Entdeckung dieses wunderschönen, klangvollen Instruments.
Schließlich fand ich einen Lehrer, begann mit dem Bachelor-Studium am Konservatorium in Den Haag und erwarb einen Masterabschluss an der Schola Cantorum Basiliensis.
TC: Existiert in Lissabon oder in Porto eine Szene für Alte Musik – sie manifestiert sich wahrscheinlich eher im Barock als in der Renaissance?
FM: Nun ja, ich würde sogar sagen, eine sehr lebendige Szene. Sowohl in Lissabon als auch in Porto gibt es Barockorchester, und es gibt mehrere Festivals mit speziellen Konzerten für Alte Musik. Im Bereich der Renaissancemusik findet sich eine erstaunliche Forschungsabteilung an der Universität Coimbra, in der die Musik des alten Klosters Santa Cruz aufbewahrt wird: etwa 22 Bücher warten darauf, dass ihre Musik wieder zum Leben erweckt wird. Auf diesem Gebiet wird in neuen Projekten wie «Bando do Surunyo» und «Capella Sanctae Cruz» unglaubliche Arbeit geleistet: Die Forschungsgruppen studieren die Manuskripte und bringen diese Musik wieder zur Aufführung.
TC: Die Gambe entstand ja ungefähr im 15. Jahrhundert in Spanien, und mir fällt auf, dass die Gambenspieler:innenr grossen Wert darauf legen, zu betonen, dass das Instrument mit dem späteren Violoncello wenig zu tun hat. Können sie uns dazu etwas erzählen?
FM: Es stimmt, dass das Cello in der Tat aus der Geigenfamilie stammt, was die Form, die Anzahl der Saiten und so weiter angeht, und die Gambe andererseits ist eher eine Entwicklung aus der Vihuela da mano, einem lautenähnlichen Instrument.
TC: Viele Renaissance-Musiker beherrschen auch noch ein zweites oder drittes Instrument oder sind auch in der Klassik oder im Jazz zu Hause – wo liegen ihre Vorlieben neben der Gambe?
FM: Wie ich schon sagte, stand für mich lange das klassische Studium des Klaviers im Zentrum, daher habe ich immer noch eine gewisse Sehnsucht nach dem romantischen Klavierrepertoire und der Kammermusik, besonders nach dem Quintett-Repertoire, das ich lernen und regelmässig aufführen konnte. In meinem Alltag höre ich diese Musik nicht mehr, aber jedes Mal, wenn sie auftaucht, ist es, als wäre ich wieder ein Kind, fasziniert von der Entdeckung dieser Harmonien. In meiner Heimatstadt war es nicht möglich, Schallplatten mit klassischer Musik zu kaufen, also sparte ich mein Geld und wählte jedes Mal, wenn ich nach Porto reiste, sorgfältig eine CD aus, die ich kaufte und monatelang immer wieder hörte.
Diese Beschreibung klingt heute so veraltet, in einem Zeitalter, in dem wir die Möglichkeit haben, praktisch alle diese Aufnahmen mit einem Klick von zu Hause aus abzurufen. Aber ich kann nicht beschreiben, was für ein Glück es war, diese eine CD mit nach Hause zu nehmen.
TC: In der Renaissance, aber auch im Barock war die Kunst der Improvisation sehr beliebt und alle grossen Musiker:innen schienen diese Disziplin zu beherrschen. Ist diese Art des Musizierens heute etwas verloren gegangen oder wagt man sich hier nur in engen Mustern ins notenfreie Spiel?
FM: Ich denke, es hängt von den Instrumenten ab. Wenn wir an Zink- oder Violine denken, ist die Improvisation in der täglichen Praxis präsent. Wenn man hauptsächlich ein Bassinstrument spielt, dann vielleicht nicht so sehr. Aber ich glaube, dass die Improvisation in unserer Forschungsarbeit sehr präsent ist, ja.
Ich finde die Praxis der spontanen Improvisation im Konzert eine ziemliche Herausforderung, aber das Konzert «Über kurz oder lang» wird eine gute Gelegenheit sein, zu sehen, welche Teile improvisiert und welche geschrieben sind. Alle sollen kommen und zuhören!
Diese Art Konzert strahlt für mich aus mehreren Gründen einen besonderen Reiz aus. Einer davon ist die etwas banale Tatsache, dass sämtliche Musik des Programms im Jahr 1547 gedruckt wurde. Natürlich könnte man ein ähnliches musikalisches Spektrum erhalten, wenn man den Zeitraum von 1537 bis 1557 angesetzt hätte; aber auf diese Weise bekommt das Programm automatisch einen gewissen Zusammenhang. Ein weiterer Grund ist, dass man sich auf zwei Komponisten und eine Reihe anonymer Tänze beschränkt, die von Attaingnant in Paris gedruckt wurden: Im Grunde werden wir drei Musikstile zu hören bekommen, die klare Kontraste anbieten ohne dabei die Konzentration abzulenken.
Eine weiterer Grund ist, dass fast alles auf einem Gambenconsort gespielt wird: Die verschiedenen Klänge, die aus dieser Ensemblezusammenstellung hervorgehen können, sind offensichtlich von zentraler Bedeutung für das Hörerlebnis. Und schliesslich wurde das Druckjahr als wunderbarer Vorwand genutzt, um Jacobus Buus zu präsentieren, der Mann, den man als den «Bruckner des Consort-Repertoires» bezeichnen könnte: gewaltige Stücke, tadellos zusammengesetzt mit einem Minimum an Aufhebens und einem Minimum an neuem Material. Die Art und Weise, wie er seine musikalischen Einfälle stets wiederverwendet, ist erstaunlich. Die Entscheidung, nur zwei seiner Werke zu spielen, ist äusserst klug: Mit all den kleineren Leckerbissen rund um diese zwei, werden wir diese beiden herrlichen Hauptgänge mit erfrischtem Gaumen geniessen können.
Why I’ll be there …
David Fallows
This is the kind of concert that especially appeals to me, for several reasons. One is the slightly bland reason that all the music was printed in 1547. You could of course get a similar range of music if you stretched it from 1537 to 1557; but there is an inbuilt coherence to the programming this way. Another is that you are confined to two composers and a set of anonymous dances printed by Attaingnant in Paris: basically, we are to hear three styles of music, offering neat contrasts without destroying the concentration. Yet another is that they are playing almost everything on a consort of viols: the different sounds that can emerge from that group are obviously central to the experience here. And yet another is that they use this basically as an excuse to present Jacobus Buus, the man you could call the Bruckner of the consort repertory: enormous pieces, impeccably assembled with the minimum of fuss and the minimum of new material. The way he keeps re-using his musical subjects is quite astonishing. Their decision to play just two of these works is eminently wise. With all the other froth around those two, we shall have nicely refreshed palates for these two magnificent mountains.
M. D. XVIII
Gedruckt im Jahr 1547
1. Vattene almo riposo – Francesco Corteccia (1502-1571)
2. Pavane / Galliarde – anonym
3. Recercar Sexto – Jacques Buus (c1500-1565)
4. Bransle – anonym
5. Fantasia de mon triste – Francesco da Milano (1497-1543)
6. Con molt’ altere gratie / Se stella sangue spirto / Nessun visse
già mai – Francesco Corteccia
7. Basse danse / Tourdion – anonym
8. Recercar Settimo – Jacques Buus
9. Pavane / Galliarde – anonym
10. Vienten’ almo riposo – Francesco Corteccia
Barfüsserkirche
Historisches Museum Basel
Barfüsserkirche Historisches Museum Basel
Barfüsserkirche, Historisches Museum Basel
Ort noch offen
Barfüsserkirche
Historisches Museum Basel