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| Hieronymus († 420) - Briefe

II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
117. An Mutter und Tochter in Gallien
12.
Diesen Brief habe ich in kurzer Nachtarbeit rasch diktiert; am gleichen Tage klopfte bereits in aller Frühe der Bruder, der sich schon reisefertig gemacht hatte, an die Tür. Ich wollte dem Wunsche des Bittenden nachkommen und habe die Angelegenheit schulgemäß nach den Regeln der Rhetorik behandelt. Aber ich [S. 347] gedachte auch, bei dieser Gelegenheit meinen Verleumdern zu zeigen, daß auch ich etwas ohne weitere Vorbereitung zu Papier bringen kann. Deshalb habe ich auch von der Hl. Schrift keinen so reichlichen Gebrauch gemacht wie sonst. Im Gegensatz zu meinen anderen Schriften habe ich diese Ausführungen nicht mit Blumen, gesammelt auf dem Gefilde der Schrift, durchwoben. Es ist ein improvisiertes Diktat, flüchtig beim Scheine eines kleinen Lämpchens hingeworfen, so daß die Zunge den Händen der Schreiber vorauseilte und das flotte Diktat nur so über die Wortzeichen und Abkürzungen dahineilte. Dies sei bemerkt für jene Leser, die an den Ausführungen allerhand zu bemängeln haben. Mögen sie wenigstens in etwa die knappe Zeit als Entschuldigung gelten lassen!