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Datierung
1959
Bildmasse
100 x 32 cm
Technik/Material
Aluminium, Sprühlack
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Sammlung Rolf und Friedel Gutmann
Inv.-Nr.
SK08096
Spiral
Edition MAT
Zu den zweifellos aufregendsten Schauplätzen in der europäischen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts gehört das Paris der 20er Jahre: Künstler und Literaten wie Marcel Duchamp, André Breton, Gertrude Stein, Pablo Picasso, Salvador Dalí, James Joyce, Luis Buñuel oder Ernest Hemingway tummelten sich hier, trafen und inspirierten einander. Mitten unter ihnen: der 1921 aus den USA eingetroffene Foto-, Film- und Objektkünstler Man Ray (1890, Philadelphia, USA – 1976, Paris, FR).
Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, hatte der Sohn jüdisch-russischer Einwanderer bereits in jungen Jahren entschieden, Künstler zu werden. Sein Studium am freiheitlich ausgerichteten Ferrer Center in New York bestärkte ihn darin, eine genuin eigene Ausdrucksform zu entwickeln, und die Begegnung mit dem New Yorker Galeristen Alfred Stieglitz öffnete ihm den Zugang zur Bild- und Ideenwelt der europäischen Avantgarde. Entscheidend für seinen Umzug nach Paris und seinen weiteren künstlerischen Werdegang war auch Man Rays Freundschaft mit Marcel Duchamp, den er vermutlich 1915 in New York kennengelernt hatte und dessen Readymades ihn zu eigenen Objektarbeiten anregten. Parallel dazu experimentierte er weiterhin erfolgreich mit den Medien Fotografie und Film.
In der Pariser Kunstszene sollte sich Man Ray rasch etablieren. (Woody Allen hat diese bewegte Zeit in seiner Komödie «Midnight in Paris» 2011 zum Leben erweckt – und auch Man Ray taucht darin auf.) Viele seiner berühmten Zeitgenossen liessen sich von ihm ablichten: Duchamp selbstverständlich, ebenso Picasso, Joyce, Stein und Dalí. Neben der Porträtfotografie sind es jedoch vor allem seine surrealistischen und dadaistischen Arbeiten, die Man Ray einen festen Platz in der Kunstgeschichte gesichert haben.
Berühmt ist z. B. sein «Cadeau» [Geschenk] betiteltes, mit Reissnägeln besetztes Bügeleisen aus dem Jahr 1921. Die «Spiral», die sich in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv befindet, knüpft formal an ein früheres Readymade an: einen derangierten Lampenschirm. Die «Spiral» wurde als Auflagenobjekt für die Edition MAT produziert, die Daniel Spoerri 1959 begründet hatten: MAT steht für Multiplication d'Art Transformable, d. h. für Multiples, die sich bewegen oder (wie im vorliegenden Fall) bewegen lassen.
Britta Schröder