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Berufsportraits: vom Astrologen zur Zivilstandsbeamtin
Über achtzig Jahre, nachdem August Sander seine «Stände» in Deutschland fotografiert hatte, und mehr als dreissig Jahre nach Fred Mayers «Zürcher Panoptikum» fand ich es an der Zeit, am Anfang des neuen Jahrtausends eine weitere Serie mit Berufsportraits aufzunehmen. Einerseits aus Interesse an der Portraitfotografie und am Umgang mit meiner über dreissig Jahre alten Sinar Fachkamera, andererseits, weil ich wissen wollte, ob und wie sich der gewählte Beruf am Menschen zeigt – oder eben nicht!
Um der Arbeit einen Rahmen zu geben, stellte ich mir die Aufgabe, für jeden Buchstaben im Alphabet mindestens eine Frau und einen Mann als Vertreter ihres Metiers zu fotografieren, also einen Hirten und eine Hebamme oder einen Isoleur und eine Informatikerin. Dabei sollten klassische Männerberufe manchmal durch einen Mann, manchmal durch eine Frau vertreten werden, ebenso die typischen Frauenberufe. Jedem Buchstaben von A bis Z einen Frauen- und einen Männerberuf zuzuordnen, war eine echte Herausforderung. Einfacher war es in der Regel, Menschen zu finden, welche diese Berufe ausüben; hingegen brauchte es oft viel Überzeugungskraft des Fotografen, um sie vor die Kamera zu locken. Manchmal wurde auch die Seriosität des Unternehmens in Zweifel gezogen oder ein üppiges Honorar verlangt. Für einige Berufe gelang es mir nicht, jemanden zu finden, der sich portraitieren liess. So durfte beispielsweise der Berufsverband der Dachdecker aus Datenschutzgründen keine Dachdeckerin vermitteln, und Dominas wollten wohl ebenso ihre Daten schützen.
Die ganze Serie wurde im Atelier, jeweils unter den selben Bedingungen, aufgenommen: gleiche Perspektive, gleiche Beleuchtung, gleiches Objektiv, gleicher Hintergrund. Bewusst habe ich für jede Aufnahme nur zwei Planfilme belichtet. Innerhalb von zwei Jahren (2005/2006) entstanden über siebzig Schwarzweiss-Portraits .
Hier einige Beispiele: