Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03217.jsonl.gz/2446

Zur Beruhigung und Behandlung
- Freitag, 19. April 2013, 8:11 Uhr
Psychopharmaka spielen in der Akutpsychiatrie eine wichtige Rolle. Je nach Situation und Ausgangslage werden andere Medikamente eingesetzt – die je nach Dosierung auch erhebliche Nebenwirkungen haben können.
-
Umstrittene Psychopharmaka
9:25 min, aus Puls vom 15.4.2013
-
Nebenwirkungen von Psychopharmaka
1:45 min, vom 16.4.2013
-
Psychopharmaka im Alltag (1974)
17 min, vom 7.3.1974
Psychopharmaka
Medikamente mit Wirkung auf das Zentralnervensystem und auf psychische Funktionen. Dazu zählen im engeren Sinne Antidepressiva, Neuroleptika, Stimulanzien und Tranquilizer; im weitere Sinne auch Lithium, Schlafmittel und Sedativa. (Quelle: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch)
Wird eine Person auf die Stationäre Abteilung eingewiesen liegt es im Ermessen des diensthabenden Arztes, ob zur Beruhigung zwangsweise ein Medikament verabreicht wird. In solchen Fällen werden Medikamente mit dem Arzneistoff Diazepam eingesetzt. Diazepam ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine; bekanntestes Medikament mit diesem Wirkstoff ist das 1962 in der Schweiz zugelassene «Valium».
Da es bei einer Langzeittherapie mit Diazepam zu einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit kommen kann, wird der Wirkstoff vorrangig in der Akuttherapie eingesetzt – also nicht länger als vier bis sechs Wochen. Vorteil: es wirkt schnell angstlösend, sedierend, krampflösend, antiepileptisch, muskelentspannend.
Medikamentöse Langzeitbehandlung bei Depression
Leidet der Patient an einer Depression wird häufig ein Medikament mit dem Wirkstoff Citalopram gegeben. Citalopram gehört zu der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI, «Selektive Serotonin Reuptake Inhibitoren»). SSRI sind Antidepressiva, die am Serotonin-Transporter ihre Wirkung entfalten und dabei die Serotonin-Konzentration im Gehirn erhöhen. An den anderen Monoamin-Transportern wirken sie nicht oder nur schwach. Darin unterscheiden sie sich von den älteren trizyklischen Antidepressiva und werden deshalb als selektiv bezeichnet. Man geht davon aus (es ist jedoch nicht erwiesen), dass Leute mit einer Depression zu wenig Serotonin ausschütten. Deshalb wird mit SSRI-Medikamenten die Resorption blockiert – es fliesst weniger Serotonin zurück in die Synapse. Das wirkt für den Patienten stimmungsaufhellend und antriebssteigernd.
Citalopram wird bei Angsterkrankungen, Phobien und Personen mit einer Essstörung angewendet. Wird das Medikament von einem Tag auf den anderen abgesetzt, entsteht ein Absetz-Phänomen mit Entzugssymptomen wie starker Angst und Unruhe.
Nebenwirkungen von SSRI-Medikamenten:
- Bei Beginn der Einnahme starke Unruhe
- Magen-Darm-Trakt: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Risiko für Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt steigt um das Zweieinhalbfache
- Sexuelle Funktionsstörungen
- Emotionale Abstumpfung
Eine Studie brachte bestimmte, bei Depressiven besonders häufige, genetische Merkmale in Verbindung mit Selbstmordgedanken unter Behandlung mit Citalopram. Zwei Marker auf den Genen (GRIA3 und GRIK2) sind möglicherweise mit einem um das Fünfzehnfache erhöhten Suizidrisiko assoziiert. Die Studie war jedoch nicht Placebo-kontrolliert, so dass die Kausalität unklar bleibt. Es gibt verschiedene Studien, die das Suizidrisiko belegen oder bestreiten. Bei Kindern und Jugendlichen dürfen keine SSRI-Medikamente gegeben werden. Es ist erwiesen, dass durch ihre Einnahme die Suizidgefahr massiv steigt.
SSRI mit anderen Wirkstoffen als Citalopram: Fuvoxamin, Fuoxetin, Paroxetin, Sertralin, Escitalopram
Medikamentöse Langzeitbehandlung bei Psychosen/Schizophrenie
Bei Schizophrenie, manischen und depressive Episoden oder bipolaren Erkrankungen kommen in der Regel Medikamente mit dem Wirkstoff Quetiapin zum Einsatz. Quetiapin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der atypischen Neuroleptika. Quetiapin wirkt wie alle Neuroleptika psychisch dämpfend. Das bedeutet, es lindert durch die Blockade von Dopamin-Rezeptoren die Angst- und Erregungszustände des Patienten. Neuroleptika hemmen den Botenstoff/Neurotransmitter Dopamin an den Nervenenden im Gehirn. Da Quetiapin zu den atypischen Neuroleptika gehört, hat es noch eine zweite Wirkung: Es hemmt Serotonin-Rezeptoren. Dies hat zur Folge, dass Apathie und Depression gemildert werden, sowie die Gedächtnisleistung wieder zunimmt.
Die Medikamente, die am häufigsten gegeben werden sind «Seroquel» und «Haldol». Die beiden wirken wie eine Zwangsjacke.
- Haldol wirkt effizienter als Seroquel, hat jedoch mehr Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Schluck- und Schlundkrämpfe, Müdigkeit und gleichzeitige Bewegungsunruhe/Sitzunruhe, Sprachstörungen, motorische Bewegungsstörungen (Parkinson-ähnliche Bewegungen).
- Seroquel macht weniger motorische Störungen, hat aber folgende Nebenwirkungen: Geistige Schwäche, Konzentrationsprobleme, Benommenheit, Gewichtszunahme (mehr als Haldol) Bluthochdruck (Herzkreislauf-Probleme), Diabetes.
Sendung zu diesem Artikel
-
15.04.2013 21:05
15.04.2013 21:05
Gegen den Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden: Das passiert täglich und hierzulande mindestens 12'000 Menschen im Jahr.
4 Kommentare
Kommentarfunktion deaktiviert
Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.