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Epilepsie, ein Rätsel, das wir nun lösen können
von Agnese Codignola
Epilepsie, aus dem Griechischen „überraschend überfallen werden“, aber auch „angegriffen werden“: Eine Etymologie, die bereits viel über einen Begriff aussagt, der im Laufe der Jahrhunderte die offensichtliche Manifestation zahlreicher Krankheiten beschrieben hat, die aufgrund ihrer manchmal beunruhigenden Symptome stark stigmatisiert und in der Antike mit den bizarrsten Glaubensvorstellungen in Verbindung gebracht wurde, die immer wieder auf den mysteriösen Charakter dieser so atypischen Symptome hinwiesen.
Heute ist die Situation glücklicherweise völlig anders, ausgehend von der Vorstellung der Natur der epileptischen Anfälle. Tatsächlich hat die Forschung in den letzten Jahrzehnten ebenso wie die Pharmakologie erhebliche Fortschritte gemacht, und das Bild ist heute viel vollständiger und facettenreicher als das, was man lange Zeit für gültig hielt. Pamela Agazzi, Oberärztin am Neurocentro della Svizzera Italiana für Epileptologie, erklärt, was es heute bedeutet, an epileptischen Anfällen zu leiden und die beste Behandlung zu finden: «Es gibt viele Formen von Epilepsie, neben den einstmals als „idiopathisch“ definierten Formen, die heute als genetisch angesehen werden, gibt es in der Tat zahlreiche andere, die mit den unterschiedlichsten Krankheiten verbunden sind: Von Tumoren bis Demenz, von Traumata bis zu Infektionen. Manchmal können wir jedoch den Ursprung nicht eindeutig identifizieren und in diesen Fällen sprechen wir von Formen mit unbestimmter Ursache. Es gibt zwei wesentliche Anfallsformen: Eine eher lokalisierte, fokale, die in nur einer Gehirnhälfte beginnt und möglicherweise mit Bewusstlosigkeit einhergeht, und eine generalisierte, die von Anfang an beide Gehirnhälften betrifft (die bekannteste Form ist der generalisierte tonisch-klonische oder „konvulsive“ Anfall)».
Die Anfälle sind vorübergehende Phänomene, die Sekunden bis wenige Minuten andauern und meist von selbst enden (wenn dies nicht geschieht – selten – spricht man von „Status epilepticus“). Wenn der Verdacht auf einen epileptischen Anfall besteht, ist der erste wesentliche Schritt der, zu verstehen, was passiert ist, und zu bedenken, dass der Anfall sehr oft bei der Ankunft im Behandlungszentrum vorbei ist und der Vorfall genau rekonstruiert werden muss. Aus diesem Grund wird eine Differentialdiagnose erstellt, die nach und nach mögliche andere klinische Ereignisse ausschliesst, die den Anfall vortäuschen können und parallel dazu wird versucht, die Ursache mithilfe von Laboruntersuchungen und instrumenteller Diagnostik, wie Elektroenzephalogramm und Gehirn-MRT, zu identifizieren. An diesem Punkt, fährt Pamela Agazzi fort – ein Studium in Italien, in Mailand, gefolgt von einigen Erfahrungen in Italien und bereits seit vielen Jahren im Tessin – wird entschieden, welche Therapie die Beste ist, um das Risiko zu verringern, dass der Anfall erneut auftritt (online gibt es auch ein Video in dem sie erklärt, worin die Therapie besteht). «In dieser Hinsicht – betont Agazzi erneut – haben wir bereits viele pharmakologisch aktive Moleküle, von denen jedes bestimmte Besonderheiten und Kontraindikationen hat, die eine sorgfältige Bewertung des Einzelfalls erfordern. Spricht der Patient dann nicht angemessen an, weil er gegen die medikamentöse Therapie resistent ist (was in etwa jedem dritten Fall vorkommt), können in ausgewählten Zentren, wie in unserem, innovativere medikamentöse Ansätze der neuesten Generation, die noch untersucht werden, diskutiert werden. Natürlich hängt die Entscheidung über das am besten geeignete Medikament neben eventuell anderen vorhandenen Erkrankungen auch von anderen Bedingungen ab, wie bei Frauen vom gebärfähigen Alter und allgemein von der Art der festgestellten Ursache. Und es gibt nicht nur Medikamente: Bei manchen Patienten, die nicht angemessen darauf ansprechen, werden chirurgische Eingriffe oder der Einsatz von Neurostimulatoren, wie die Vagusnervstimulation, in Betracht gezogen. Schliesslich kann in einigen ausgewählten Fällen eine ketogene Diät, also fettreich und zuckerarm, eine Option darstellen».
Was Medikamente betrifft, so erklärt Agazzi, gibt es leider keine echten definitiven Heilmittel, die auf den Mechanismus der Epileptogenese einwirken, da die Medikamente „symptomatisch“ sind und daher Anfälle kontrollieren. Dies hängt auch von der Tatsache ab, dass trotz der Fortschritte in der Forschung in den letzten Jahren die komplexen Mechanismen, die zur Entstehung der Anfälle bei einer bestimmten Person führen, noch vollständig verstanden werden müssen. «Unser Gehirn funktioniert auf der Grundlage der Übertragung elektrischer Impulse, die wiederum biochemische Substanzen, Neurotransmitter, einsetzen – erklärt die Neurologin – Bei einem epileptischen Anfall läuft etwas schief, mit der Folge, dass eine Neuronengruppe beginnt, synchron und unkontrolliert elektrische Entladungen abzugeben, wodurch das Gleichgewicht momentan zerstört wird».
Ein solche kompliziertes Bild lässt uns verstehen, dass die Interpretation eines Anfalls alles andere als einfach ist, insbesondere in bestimmten Altersgruppen wie älteren Menschen, die unter Umständen kurze Verwirrtheitszustände oder Bewusstseinsverluste haben, die auch von anderen Ursachen abhängen. Unter anderem sind ältere Menschen heute am stärksten von epileptischen Anfällen betroffen. «Epilepsie kann in jedem Alter beginnen, vom Kind bis zum älteren Menschen – sagt Agazzi – und mit der Alterung der Bevölkerung beobachten wir eine Zunahme neuer Fälle von Epilepsie mit Beginn im Alter. Bei Kindern wurden einige Formen, die mit Infektionen im Kindesalter verbunden sind, glücklicherweise durch Impfstoffe reduziert, während sich bei älteren Menschen aufgrund des Alters eine Reihe von Hirnschäden häufen und altersbedingte Hirnerkrankungen wie Schlaganfall und Demenz, die potenzielle Ursachen für Epilepsie sind, wahrscheinlicher werden. Die Epilepsie bei älteren Menschen stellt eine neue Herausforderung dar, sowohl diagnostisch, da ältere Menschen verletzlicher sind, als auch therapeutisch».
Und es sind nicht nur ältere Menschen: Die Anfälle treffen besonders häufig Menschen, die an genetisch bedingten Erkrankungen leiden, die die Entwicklung des Gehirns betreffen. Diese Menschen sind nicht immer in der Lage zu berichten, was passiert. «Sie benötigen – so Agazzi weiter – ganz besondere Hilfe und Fürsorge, und mehr als andere können sie auch heute noch unter sozialer Stigmatisierung leiden, die diese Krankheit seit Jahrhunderten begleitet. Die Bemühung ist daher auch kultureller und semantischer Natur (man neigt dazu eher von Syndromen und epileptischen Anfällen als von Epilepsie zu sprechen), um jene negative Aura, die die Kranken seit Jahrhunderten ausgegrenzt hat, und die zu dem nicht unerheblichen medizinischen Schaden noch einen sozialen Schaden hinzufügt, vollständig zu beseitigen».
Schliesslich fehlt es am Zentrum für Epileptologie auch nicht an klinischer Forschung, denn auch dank der Patienten ist es hier möglich, mit neuen Behandlungsmethoden und innovativen Therapien zu experimentieren und spezifische Eigenschaften der einzelnen Anfallsformen zu erkennen. So ist das Zentrum beispielsweise an einer Schweizer Studie zur Frühbehandlung eines ersten epileptischen Anfalls beteiligt, deren oberstes Ziel es ist, anhand einiger Elemente des Elektroenzephalogramms und durch spezifische MRT-Sequenzen des Gehirns mögliche Veränderungen zu identifizieren, die helfen können, das Risiko neuer Ereignisse in der Zukunft des Patienten festzustellen. Es besteht auch ein spezifisches Interesse an einer individuellen Betreuung, die die geschlechtsspezifischen Unterschiede und die spezifischen Bedürfnisse in verschiedenen Lebensphasen berücksichtigt.
Auch wenn die Anfälle den Betroffenen weiterhin überraschend überfallen, versucht man in dem von Agazzi geleiteten Zentrum jeden Tag genau das Gegenteil: Sich nicht überraschen zu lassen und für jeden Patienten die am besten geeignete Lösung zu finden, und weiter nach besseren zu suchen.