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Recensione
di Liliane Studer
Pubblicato il 06/05/2013
Sie ist jung, sie ist zufrieden, sie schreibt an ihrem Bestseller. Die Ich-Erzählerin im vierten Roman von Isabelle Flükiger mit dem selbstredenden Titel Bestseller fühlt sich auf der richtigen Bahn und wohl dabei. Ihr Leben mit dem Teuersten, wie sie ihn nennt, und dies nicht ironisch meint, erfüllt sie, die Arbeit als Sekretärin in einer staatlichen Kultureinrichtung lässt ihr den Freiraum zum Schreiben. Vom Leben erwartet sie nicht mehr. Dass sich innert kurzer Zeit alles ändert, hätte sie selbst am wenigsten gedacht an diesem Abend, als sie – schon beinahe zu Hause – von einem Betrunkenen angerempelt wird, der nach Gabriel sucht. Und weil sie auch durch Nachfragen nicht weiterkommt, lässt sie ihn vor dem Haus im Regen sitzen. Dass Gabriel ein Hund ist, erfährt sie am nächsten Tag, als sie einen solchen im Garten entdeckt, auf dessen Halsband steht: »Ich heiße Gabriel.« Und dass Gabriel ein anhänglicher Hund ist, der schon bald nicht mehr von ihrer Seite weicht, ein Hund, den man einfach gernhaben muss, erkennt sie sofort.
Mit dem Auftauchen von Gabriel ändert sich so etwa alles in diesem vorgespurten Leben: Said taucht auf, der kurdische Flüchtling, den die Ich-Erzählerin auf der Straße antrifft und der ihr erzählt, dass er nicht länger in seiner Bude bleiben könne, weil ihm von den Gerüchen aus der Küche übel werde – und sie bietet ihm ungehend ihr Gästezimmer an. Mathieu, ein überzeugter und ehrlicher Französisch- und Lateinlehrer, gerät in Konflikt mit einflussreichen Eltern, die nicht dulden werden, dass ihr Sohn die Klasse wiederholen muss. Die Ich-Erzählerin selber sieht auch ihre Stelle zunehmend in Gefahr, denn die Subventionen werden gekürzt, der Kulturbetrieb, in dem sie arbeitet, muss sparen – und schon ist sie ihren Job los.
Wenn die Protagonistin zu Beginn des Romans erklärt: »Wir haben Geisteswissenschaften studiert wie alle Welt, jetzt arbeiten wir wie alle Welt. Wir lieben uns, wie junge Paare in dem Alter das tun; später werden wir Kinder haben. Der Weg ist abgesteckt«, schließt diese köstliche Erzählung mit den Worten: »Wir lieben uns, und der Weg wird länger dauern als ein Jahr. Bis zur Langeweile vielleicht; wir haben uns gesagt, bis zum Tod. (…) Wir lieben uns; wir harren der Wunder, die da kommen werden. Wir sind frei.« Die Geschichte, die Isabelle Flükiger zwischen diesen zwei Punkten im Leben eines Paares erzählt, ist zum einen so normal und durchschnittlich wie nur irgendwas, und gleichzeitig voller Überraschungen, eine Geschichte, die salopp-oberflächlich daherkommt und doch gleichzeitig in die Tiefe geht. Leicht könnte passieren, dass die vielen aufgeworfenen Themen – Verlust der Arbeit in Folge von Sparmaßnahmen im Kulturbereich, Fremdenfeindlichkeit direkt nebenan, die bis zur Brandstiftung in einem AsylbewerberInnenheim führt, Liebe zwischen einer Schweizerin und einem Kurden, glückliches Leben in der Zweisamkeit, mächtige Eltern, die gegen den Lehrer agieren und vom Rektor unterstützt werden, da in der gleichen Partei –, die zweifelsohne brisant sind, im lockeren Ton, den die Autorin für ihren Bestseller anschlägt, untergehen und zur seichten Unterhaltung verkommen. Doch gerade diese Gratwanderung gelingt Isabelle Flükiger, sie erzählt leicht, witzig, einnehmend, und sie lässt uns nachdenklich zurück. Dass dies auch auf Deutsch zum Tragen kommt, ist der jungen Übersetzerin Lydia Dimitrow zuzuschreiben, die diese Arbeit im Rahmen eines Mentoringprojekts Young-Translators-Relationship der Pro Helvetia ausführen konnte, als Mentorin stand ihr Claudia Steinitz zur Seite.