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Gegen Ende des Mittelalters fanden sich mit Ausnahme der Städte Basel, Liestal, Waldenburg, Rheinfelden oder Laufen nur ländliche Siedlungen in der Region. Diese waren dicht gebaut. Sie bestanden zu einem grossen Teil aus Bauernhäusern und waren von Feldern umgeben, die nach dem Prinzip der Dreizelgenwirtschaft genutzt wurden. Die Felder und Allmend waren räumlich durch Flechtzäune, die sogenannten Etter, vom Dorf getrennt. Bauen war nur innerhalb der Umzäunung erlaubt. Dadurch wurde die bauliche Entwicklung des Dorfs stark eingeschränkt.
Die klare Trennung von Siedlungs- und Landwirtschaftsland schonte die landwirtschaftlich nutzbare Fläche, die zur Selbstversorgung benötigt wurde. Mit der Aufhebung des Flurzwangs im 18. Jh. begann der Strukturwandel in der Landwirtschaft. Die Bevölkerungszunahme im selben Jahrhundert führte dazu, dass in den Dörfern enger gebaut wurde: Baulücken wurden aufgefüllt und Anbauten errichtet. Die Industrialisierung Mitte des 19. Jh. liess die Bevölkerung vor allem in den Städten ansteigen. Dies führte zu Platznot und zum Bau neuer Quartiere vor den Stadttoren. Nach dem 2. Weltkrieg führte der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu einer bisher nicht gekannten Mobilität in die Vororts- und Landgemeinden. Allerdings ist seit Beginn des 21. Jh. auch eine vermehrte Rückkehrwanderung in die Stadt festzustellen.
Von der Zersiedelung zur Verdichtung
Die Folge der Stadtflucht ins Grüne und in den Privatgarten war die Verhäuselung der Landschaft und die Ausdehnung der Siedlungen. Mit der Überbauung der vormaligen Obstbaumgärten, Äcker und Weiden begann auch der Verlust natürlicher Lebensräume sowie der Natur- und Artenvielfalt. Heute sind städtische und ländliche Gebiete oft kaum mehr voneinander unterscheidbar. Das gesichtslose Niemandsland zwischen Stadt und Land wird als Agglomeration bezeichnet.
Um den grossflächigen Verlust von Ackerland zu stoppen, forderte die Raumplanung bereits in den 1970er-Jahren: Landschaft schützen, Zersiedlung vermeiden, den Boden haushälterisch nutzen. Dies ist nicht gelungen, zahlreiche Gemeinden haben zu grosse Baulandreserven eingezont und viele Ausnahmebewilligungen erteilt. Mit der Annahme des revidierten Raumplanungsgesetzes (RPG) 2013 (in Kraft 2014) setzte sich jedoch in der Bevölkerung die Erkenntnis durch, dass sich die Rahmenbedingungen in der Raumplanung ändern müssen. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Bevölkerungszunahme in der Schweiz auf 10 Millionen Einwohner bis 2035 schreibt das RPG vor, dass in der Stadt und in der Agglomeration verdichtet gebaut werden muss, und macht dies zum zentralen Thema der Stadt- und Agglomerationsentwicklung.
Szenarien mit hoher Wachstumsrate – auch im Kanton Baselland
Allerdings sieht die Realität anders aus. Trotz revidiertem Raumplanungsgesetz tun sich die Kantone – sie müssen ihre Richtpläne und Baugesetze bis 2019 dem RPG anpassen – schwer mit der Umsetzung. Sie müssen in ihren Richtplänen vorgeben, wie stark ihre Städte und Agglomerationen wachsen sollen. Für die Anpassung der Richtpläne schlägt das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) den Kantonen das Szenario «mittleres» Bevölkerungswachstum vor. Fast alle Kantone gehen in ihren Raumentwicklungsstrategien jedoch von einem starken Bevölkerungswachstum aus, damit sie ihre überdimensionierten Bauzonen nicht zurückzonen müssen, wie dies bei kleineren Wachstumsannahmen nötig wäre. Mit den neuen Bestimmungen des RPG können weitere Bauzonen nur noch unter sehr restriktiven Bedingungen ausgeschieden werden.
Auch im Kanton Baselland ist der Richtplan in die Kritik geraten. Besonders Naturschutzkreise befürchten Konflikte zwischen zunehmender Urbanisierung und Landschaftsschutz. Im Rahmen seiner umstrittenen Richtplanung rechnet der Kanton Basel-Landschaft bis 2035 mit 10 000 bis 12 000 Zuzügern und 8 000 bis 10 000 neuen Arbeitsplätzen. Das Wachstum soll in den heutigen Siedlungsgebieten entlang der Entwicklungsachsen Birstal, Ergolztal und Leimental stattfinden. Im Kanton Basel-Stadt heisst das Wachstumsziel bis 2035: 30 000 neue Arbeitsplätze und 20 000 neue Einwohner. Für grosse Stadtentwicklungsprojekte stehen stillgelegte Industrie- und Hafenareale im Fokus. Für kleinere Überbauungen werden Lücken in der Blockrandbebauung genutzt oder auch stillgelegte Gewerbebauten in Innenhöfen zu Wohngebäuden umgebaut. Besonders begehrt für neue Wohnbauten bei Investoren sind grüne Innenhöfe in der Stadt. Insbesondere dort birgt die Verdichtung Konfliktpotenzial mit der Nachbarschaft, zeigen sich so auch die Grenzen der Verdichtungsmöglichkeiten.
Verdichtung oder Erhalt der Lebensqualität?
In der Diskussion um Verdichtung geht es zum einen darum, wie Verdichtung aussehen soll. Zum anderen geht es um den Erhalt der Lebensqualität. Wegen Befürchtungen vor einem Verlust von Lebensqualität stösst Verdichtung auch auf Skepsis. Eine allgemein gültige Strategie für hochwertige Verdichtung gibt es noch nicht.
Kernstädte verfügen bereits über eine dichte Infrastruktur, Verdichtung macht dort Sinn. Trotzdem stellt die Verdichtung Städte und auch Agglomerationsgemeinden vor planerische Herausforderungen und Fragen müssen gestellt werden: Wo kann verdichtet werden, wenn die Stadt bereits dicht bebaut ist? Wie soll Verdichtung – auch in Vorortsgemeinden aussehen –, damit die Lebensqualität erhalten oder verbessert wird? Zum einen wird vermehrt in die Höhe gebaut zum anderen werden grosse, nicht mehr oder nur wenig genutzte Gewerbe- und Industrieflächen, z. B. Dreispitz, Rheinhafen oder Van Baerle in Münchenstein umgenutzt. Allerdings lässt sich Verdichtung in der Stadt oft nur auf Kosten von grünen Innenhöfen erreichen.
MJ