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Vom Mangel zum Genug
Lynne Twist schreibt in ihrem Buch Buch „The Soul of Money“ (dt. „Die Seele des Geldes“) von unserer kulturellen Lüge der Knappheit bzw. des Mangels (engl. scarcity). Diese macht uns glauben: „Ich habe nicht genug“. Interessanterweise ist das verknüpft mit dem Glaubenssatz: „Ich bin nicht genug“. Ich selbst würde nicht von Lüge sprechen, sondern von einer Geschichte. Es ist eine Geschichte, die wir uns erzählen. Eine andere Geschichte ist möglich.
Unsere Geschichte des Mangels
Diese Geschichte des Mangels ist wie eine Brille, die wir tragen. Sie ist also tief verwurzelt in der Art und Weise, wie wir uns selbst und die Welt wahrnehmen. Es ist ein gesellschaftliches Muster, das jeden Einzelnen prägt.
Lynne Twist nennt drei Mythen, welche in dieser Geschichte der Knappheit enthalten sind:
- „Es ist nicht genug (für alle) da“
- „Mehr ist besser“
- „Es ist so, wie es ist – da kann man halt nichts machen“
Mythos 1: „Es ist nicht genug (für alle) da“
Wir wachen in der Früh auf mit dem Gedanken: „Ich habe nicht genug geschlafen“, gehen ins Badezimmer „Ich bin nicht schlank genug“ oder „Ich bin nicht jung genug“, um dann im Laufe des Tages permanent von einem Gefühl des „Ich habe nicht genug Zeit“ begleitet zu werden. Am Abend fallen wir erschöpft ins Bett, in unserem Kopf schwirrt „Ich habe heute nicht genug erledigt.“ Wir nehmen uns als Mängelwesen wahr, mit dem etwas nicht stimmt und das es zu verbessern gilt. Mit dieser Mangelhaltung gehen wir durch den Alltag.
Der Glaubenssatz „Es ist nicht genug (für alle) da“ erzeugt eine Angst, die uns dazu treibt, mit den Anderen um das, was da ist, zu konkurrieren. Wir wollen nicht diejenigen sein, die wenig oder gar nichts abbekommen.
Lynne Twist erzählt von einem Wendepunkt in ihrem Leben. Sie hörte den Architekten und Visionär Buckminster Fuller bei einem Vortrag. Er sprach in den 70-er-Jahren des 20. Jahrhunderts davon, dass nun genug für alle Menschen vorhanden ist, um ein erfülltes Leben zu führen. Wir seien an der Schwelle von einer „Ich-oder-Du-Welt“ zu einer „Ich-und-Du-Welt“. Allerdings würde es 50 Jahre dauern, um die notwendigen Änderungen in unseren Systemen, v.a. unserem Wirtschafts- und Geldsystem vorzunehmen.
Wie wäre es, wenn wir den Glauben an eine „Ich-und-Du-Welt“ bereits heute wählen?
Mythos 2: „Mehr ist besser“
„Es ist nicht genug da“ treibt uns zum zweiten Mythos, dass ein mehr von allem besser ist. Wir häufen Dinge und Geld an. Was wir bereits haben, können wir gar nicht genießen. Wir sind fokussiert auf das, was als nächstes kommt: Der nächste Urlaub, der nächste Karrieresprung...und sind gar nicht richtig da bei dem, was im Moment passiert. Wir laufen immer dem nächsten Ziel hinterher und können das Erreichte – wenn überhaupt – nur kurz auskosten.
Wenn wir glauben „Mehr ist besser“, dann kommen wir nie an. Wir sind nie wirklich zufrieden. Und wir definieren uns über finanziellen Erfolg oder Leistungen, die wir erbringen.
Was brauchen wir wirklich? Wie viel brauchen wir? Wann ist genug genug?
Mythos 3: „“Es ist so, wie es ist – da kann man halt nichts machen“
Das ist die Haltung des: „Wir zerstören unsere Umwelt durch unser Konsumverhalten. Wir laufen mit unserem Wirtschaftssystem an die Wand. Die Einkommens- und Vermögensunterschiede sind immens. Aber so läuft es auf der Welt, das kann und wird sich nicht ändern.“
Wir resignieren. Resignation macht uns hiflos und hoffnungslos. Wir geben es auf, an unser eigenes menschliches Potenzial zu glauben und die Möglichkeit, selbst etwas beitzutragen zu einer lebenswerten Welt.
„Es ist so, wie es ist – da kann man halt nichts machen“ ist ein Glaubenssatz. Wir können ihn hinterfragen.
Haltung des Genug
Die Alternative, die Lynne Twist vorstellt ist eine Haltung des Genug:"Hört man auf, mehr bekommen zu wollen von dem, was man nicht wirklich benötigt, so setzt man enorme Mengen von Energie frei, um anders mit dem umzugehen, was man hat.“
Mit Genug meint Lynne Twist nicht einen bestimmten Geldbetrag. Es ist eine Haltung, die wir einnehmen. Eine neue Weise wahrzunehmen. Es heißt nicht, dass Geld dann plötzlich keine Bedeutung mehr spielt. Aber wir sind uns unseres inneren Reichtums bewusst, der uns innewohnenden Kraft. Wir leben in dem Bewusstsein, dass wir bereits mit dem, was und wer wir sind, wertvoll sind.
Unsere Handlungen haben dann mit dem zu tun, was uns wirklich wichtig ist. Sie drücken unsere Werte aus. Wir möchten mit dem, was wir haben und was uns ausmacht – unseren finanziellen Mitteln, unseren Träumen, Visionen, Hoffnungen, Erfahrungen, Stärken, unserer Verletzlichkeit und Menschlichkeit -, etwas bewirken.
Eine Haltung des Genug ermöglicht uns Dankbarkeit für das, was wir bereits haben und was wir sind.
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