Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03345.jsonl.gz/3075

Grünenberg zwischen Bern und Habsburg
Die Familie von Grünenberg – die Teilung der Familie in zwei Zweige
Von den beiden Erben Eberhards haben wir nun schon gehört: Heinrich II. und Markwart I., die Söhne Ulrichs I. Mit diesen beiden trennt sich die Familie in zwei Zweige auf. Dies äussert sich darin, dass einerseits Markwart umzieht und fortan die Burg Langenstein gleich nebenan bewohnt, andererseits die Güter auf die beiden Familien aufgeteilt werden: Bei Heinrich, dem älteren der beiden, verbleibt der Nordteil der Herrschaft Langenstein-Grünenberg.
Doch trotz dieser formalen Aufteilung betonen die beiden Grünenberger Brüder immer wieder ihre Unzertrennlichkeit, indem sie häufig zusammen auftreten und auch gemeinsam siegeln (im Bild: Siegel Heinrichs II. mit einem umgekehrten Sechsberg – in der richtigen Orientierung das Wappen der Familie2). Und diese Einigkeit der beiden Ritter ist nötig in einer Zeit der Unsicherheit und des Faustrechts: Wir befinden uns mitten im 13. Jahrhundert. Sie alle kennen den Begriff «Interregnum» für die königslose Zeit von 12543 bis 1273.4 Ohne die Macht eines Königs zu spüren, entstehen andere machtpolitische Tendenzen: parlamentaristische,5 demokratisierende und genossenschaftliche,6 dazu kommen zahlreiche Städtegründungen.7. Und das Raubrittertum blüht.
Für die Freiherren von Grünenberg gibt es diese Strategien:
- den Schulterschluss mit den grossen Dynasten Habsburg, Kyburg und Savoyen – und der Hochzeitstag in Moudon von 1218 zeigt dies – oder
- die Annäherung an das aristokratische Bern, das sich etwa ab 1300 ins Umland vorzutasten beginnt
- Ein weiteres Rezept besteht darin, mit dem Adel und den geistlichen Stiften der Region zusammenzuarbeiten und das Verhältnis zu den Untertanen zu überprüfen.
Besonders Heinrich II. versteht es, die verschiedenen Ansprüche seiner Zeit – wir würden heute sagen: unter einen Hut zu bringen. August Plüss, im Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern, Band 16, würdigte den Grünenberger vor 100 Jahren so: «Er verstand es, sein Gut und sein Haus zusammenzuhalten und zu sichern in einer Zeit, wo eine grosse Zahl von Dynastien durch Schenkungen an Gotteshäuser, durch das Sinken des Geldwertes und durch andere Ursachen ökonomisch ruiniert wurden und den Städten zu Opfer fielen oder in gedrückten Verhältnissen ausstarben.»8
1 Website des Historischen Vereins des Kantons Bern: http://www.hvbe.ch/.
2 Jufer 1994: 132.
3 Tod König Konrads IV. von Staufen.
4 Wahl König Rudolfs I. von Habsburg.
5 In Bern nachvollzogen 1294 mit der Schaffung des Grossen Rates. Feller, Richard: Geschichte Berns, Band I. Bern, 1946. Seite 76.
6 Wie der Bund der Waldstädte 1291.
7 Mitteleuropäische Gründungswelle 1150–1250. Isenmann, Eberhard: Die deutsche Stadt im Spätmittelalter. Stuttgart, 1988. Seite 27.
8 Kuert, Simon: 1200 Jahre Madiswil. Langenthal, 1995. Seite 61.