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mit Anne Schmid (Alt), Jonathan Rubin (Laute, Theorbe)
und Magdalena Oliferko (Orgel und Programm)
Die Geschichte des Kolonialismus beginnt in der Zeit der Antike. Im Mittelalter wurde er im Mittelmeerraum weiterentwickelt und schliesslich bis Ende des 15. Jahrhunderts von italienischen Republiken dominiert. Es folgten die spektakulären Entdeckungen Amerikas (Christoph Kolumbus, 1492) und Indiens (Vasco da Gama, 1498) und, als Krönung dieser Entwicklung, die erste Weltumsegelung durch Ferdinand Magellan (1519-1522).
Die Entdeckungen zeigten neue, alternative Handelswege auf, öffneten die Tür für die Expansion Europas in die Neue Welt und läuteten das Zeitalter der Kolonialismus ein. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichteten die zwei grössten Kolonialmächte Europas auf Kosten der unterdrückten und annektierten Länder ihre Übersee-Imperien: zunächst unter der Führung Portugals, das bald aber von Spanien überholt wurde, dem Imperium, in dem «die Sonne niemals untergeht». Vom 17. Jahrhundert an folgten andere Grossmächte dem iberischen Beispiel: England, die Niederlande und später auch Frankreich. Von den besetzten Ländern profitierten sie einerseits, indem sie Rohstoffe ausbeuteten und die Bevölkerung versklavte und anderseits, indem sie europäische Kultur, Architektur und Musik auf die Inseln des pazifischen Ozeans und nach Amerika importierte und damit die Geschichte dieser Länder prägte.
Das Programm «Auf den Spuren Magellans. Kolonialreiche und Ihre Musik» stellt die Klangwelt der grössten Kolonialmächte Europas vom 15. bis 18. Jahrhundert vor. Als Präludium erklingt die Musik der Kolonialmächte vor Magellans Weltumseglung: venezianische Musik des frühen 16. Jahrhunderts (Andrea Antico, Bartolomeo Tromboncino), also aus der Zeit der Herrschaft der Republik Venedig im Mittelmeer, sowie Werke der spanischen und portugiesischen Meister bis 1522 (unter anderem Juan del Encina, Pedro de Escobar). Der Schwerpunkt des Programms bildet spanische Musik aus der Zeit Magellans, der mit seiner Entdeckung die Epoche des spanischen Imperiums eröffnete. Es kommen unter anderem Werke von Alonso Mudarra, Luis de Milán, Cristóbal de Morales und der in dieser Zeit mit den Spaniern konkurrierenden portugiesischen Meister zur Aufführung.
Schliesslich wird auch die Klangwelt der weiteren Kolonialreiche präsentiert: das elisabethanische England mit John Dowland und Thomas Campion, die Niederlande mit Jan Pieterszoon Sweelinck und Frankreich mit Jean-Philippe Rameau. Letzteres eröffnete erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts Kolonien in Übersee. Der grosse Faden der Liedtexte wird durch les passions de l’âme, Sehnsucht, Leiden, Liebe und die Suche nach dem Unbekannten gesponnen und mit Ausschnitten aus den Chroniken der Weltumsegelung ergänzt.
Anne Schmid (Alt) studierte Sologesang an der Hochschule für Musik und Theater Bern bei Elisabeth Glauser und besuchte Meisterkurse bei Horst Günter, Stefan Haselhoff sowie Kurse für zeitgenössische Musik bei Younghi Pagh-Paan, Frederic Rzewsky, Urs Peter Schneider und Peter Streiff. Nebst ihrer Konzerttätigkeit in den Bereichen Kirchenmusik und Oratorium tritt die Bieler Altistin mit unorthodoxen Musik-Sprach-Kreationen auf. Mit dem Duo Stimme&Oboe, dem Trio Synfloreszenz und weiteren Formationen bietet sie einem neugierigen Publikum regelmässig zeitgenössische Musik, Performances und Lied- Text-Programme an mit Themen wie Fremdsein, Liebesklage, lange Weile – Monotonie und Landschaft im Lied.
Begeistert reagierte das Publikum auf ihre Altsolo-Kantaten mit dem Ensemble London Baroque, das barocke Kabinett-Stück «du&ich/klipp&unklar» mit dem Schauspieler Stefan Suske, Neville Tranters Inszenierungen von Händels «Acis und Galatea» und Purcells «Dido and Aeneas» zusammen mit dem Berner Barockensemble Die Freitagsakademie.
Anne Schmid war Gast an Musikfestivals in Europa und Amerika: Sächsisch Böhmisches Musikfestival, Savannah Music Festival, Expo.02, Festival Cultures–capes, Musikfestspiele Dresden, Grazer Galerie kunst.wirtschaft. Sie wirkte mit bei Konzertaufzeichnungen (Radio DRS, Deutschlandradio Kultur) und CD-Einspielungen: Peter Streiff Vokal/Instrumental (Wandelweiser Nov. 2013); Berthold Hipp Heliotropium Mysticum 1671 (Müller&Schade, 2001); Tomás Luis de Victoria Tenebrae Responsories (Dorian, 2006). In freien Opernproduktionen sang sie in Francesca Caccinis «La Liberazione di Ruggiero dall’Isola d’Alcina» (Melissa), Purcells «Dido and Aeneas» (Dido und Sorceress), Benjamin Brittens «Noye’s Fludde» (Frau Noah), Vivaldis «Juditha triumphans» (Juditha).
Der in Bern lebende und schaffende Musiker Jonathan Rubin (Laute & Theorbe) wurde in Sydney geboren. Er begann seine Musik-Kariere als Gitarrist, bevor er sich der Laute zuwendete. Mit einem Stipendium vom australischen Staat studierte er frühe Musik an der Schola Cantorum Basiliensis, wo er 1977 sein Diplom erwarb. Seither hat er sich auf Basso continuo aus der Laute und der Theorbe spezialisiert und hat an unzähligen Produktionen mit Nikolaus Harnoncourt, Michel Corboz, Jean-Claude Malgiore und anderen teilgenommen.
1986 begann er mit «Les Arts Florissants» unter William Christie zu arbeiten und spielt in vielen ihrer Aufnahmen von Barokopern mit. Dieses Ensemble erhielt kürzlich den «Critics Award». Seit 1980 unterrichtet Jonathan Rubin Laute am Konservatorium in Genf und gab Meisterklassen in Israel, Deutschland, Hong Kong und Australien. Er hat mehrere Publikationen für Laute heraus gegeben. Neben über 60 Continuo-Aufnahmen bei Harmonia Mundi, Phillips, Teldec, Erato und anderen hat er auch ein Soloalbum mit Musik für Laute und Viola da Gamba (Gallo CD.540) aufgenommen.
Magdalena Oliferko, geboren 1981 in Warschau, Organistin und Musikwissenschaftlerin. Sie absolvierte ein Masterstudium für Musikwissenschaft an der Universität Warschau (2005) und studierte Orgel an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg (2005-2010), wo sie, in der Klasse von Prof. Wolfgang Zerer, das Konzert- und Lehrdiplom erwarb.
2011 schloss sie ihren Master für historische Tasteninstrumente an der Hochschule für Alte Musik in Basel (Schola Cantorum Basiliensis) mit dem Solistendiplom ab. Ihre Kompetenzen konnte sie dabei auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis, Ensemblespiel und Dirigieren erweitern. Zu ihren Lehrern gehörten unter anderem Lorenzo Ghielmi (Orgel), Andrea Marcon (Maestro al Cembalo), Menno van Delft (Cembalo) und Rudolf Lutz (Improvisation). Sie hat an zahlreichen Meisterkursen in Deutschland, Polen, Österreich, Niederlanden, Spanien und Schweiz teilgenommen und war Stipendiatin mehrerer Stiftungen, unter anderem Oscar und Vera Ritter-Stiftung. Seit 2012 ist sie Organistin an der Johanneskirche in Bern. Neben reger Konzerttätigkeit ist sie auch als Musik-wissenschaftlerin intensiv tätig: Sie ist Autorin eines Buches und mehrerer Artikel und promoviert derzeit an der Université de Genève.