Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03341.jsonl.gz/1793

Die Jahreszeiten
Nach Peter Bichsel
Uraufführung
Kurzbeschrieb
Ein baufälliges Haus, das so tomatenfarbig angestrichen ist, dass jemand gesagt hat, man könne darin nicht wohnen, ist ein Zentrum dieser Geschichte. Darin wohnt der Ich-Erzähler mit seiner Familie und darin wohnen andere Menschen, die er beim Ein- und Auszug ebenso akribisch beobachtet wie er die Hausordnung studiert und die Farbschichten an den Wänden bestaunt. Auch die Hauptfigur, Kieninger, ein Wiener, wohnt in diesem Haus. Er ist das zweite Zentrum der Geschichte. Mit ihm hadert der Ich-Erzähler, weil Kieninger nicht so viel von sich preisgeben möchte. Beide Geschichten – die des Hauses und die Kieningers – werden vom Erzähler gelenkt. So sind wir seinen Launen hoffnungslos unterworfen und werden allmählich Teil eines komplexen Systems. Im tomatenfarbigen Haus, in dem man nicht wohnen will, wohnen wir längst.
Peter Bichsel (*1935) thematisiert in «Die Jahreszeiten» den Prozess des Schreibens selbst. Liebevoll richtet der Meister der Sprachkunst dabei seinen Blick auf das zu leicht zu Übersehende, Banale. Mit seinem Geschichtenband «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen» wurde er 1964 schlagartig berühmt. Für «Die Jahreszeiten», erhielt Peter Bichsel 1965 den Preis der Gruppe 47.
Mit freundlicher Unterstützung von
Elisabeth Bachtler-Stiftung