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Krankheiten: Akne

|Klassifikation nach ICD-10|
|L70||Akne|
|ICD-10 online (WHO-Version 2006)|
Die Akne (von griechisch ακμη, akmḗ, wörtlich die Reife, Akme, Zenith, Näheres siehe unten) ist eine Erkrankung hauptsächlich des Talgdrüsenfollikels, die zunächst nichtentzündliche Komedonen hervorbringt, im späteren Verlauf aber auch eine Reihe entzündlicher Effloreszenzen wie Papeln, Pusteln und Knoten entstehen lassen kann. Bei einigen Akneformen können Terminal- und Vellushaarfollikel betroffen sein.
Akne als Begriff für die Hautkrankheit wurde im 19. Jahrhundert aus dem Englischen ins Deutsche entlehnt.[1] Dort bezog man sich auf eine spätlateinische Quelle, die ihrerseits durch einen Transkriptionsfehler aus dem griechischen Akkusativ Plural (mit m) lateinisch acnas machte.[2] Laut Kluge erfolgte die Einführung im Englischen im Sinne von Blüte bei ursprünglich englisch rosy-drop[1], dem Online Etymology Dictionary zufolge, abgeleitet von der spitzförmigen Erscheinung der Akne-Effloreszenzen Papel und Pustel.[2] Ακμη ist verwandt mit griechisch ακρος, ákros, spitz (vergleiche im deutschen medizinischen Gebrauch die Akren, auch Akrobat) sowie urverwandt mit lateinisch acutus, akut und deutsch Ecke.[1]
Akne ist weltweit die häufigste Hauterkrankung. 70 bis 87 Prozent aller Jugendlichen weisen Akne-Hautveränderungen auf, 10 bis 30 Prozent davon benötigen eine medikamentöse Therapie.
Akne wird nach Ursache, Ausprägung bzw. Schweregrad und Lebensalter systematisiert.
Am bekanntesten und verbreitetsten ist die Acne vulgaris oder gewöhnliche Akne. Gewöhnlich bedeutet hier, dass die Akne bedingt durch verstärkten Androgeneinfluss während der Pubertät auftritt und spätestens zum Anfang des dritten Lebensjahrzehnts abklingt. Weil ihre Ursachen in Veränderungen des Körperstoffwechsels liegen, gehört die Acne vulgaris zu den endogenen Akneformen.
Nach Lebensalter werden im weiteren unterschieden:
Die Akne endogener Ursache ist prinzipiell in jedem Lebensalter möglich. Insbesondere präpubertär und im fortgeschrittenen Erwachsenenalter kommen als Hintergrund Stoffwechselerkrankungen in Betracht.
Akne kann aber auch von aussen verursacht werden. Bekannte exogene Akneformen sind:
Die Acne inversa ist eine häufig schwere Entzündung der Talgdrüsen und Terminalhaarfollikel, vorzugsweise in intertriginösen Arealen wie z. B. Achselhöhle, Leistenregion und Gesässfalte. Die Pathogenese ist nicht vollständig geklärt, als besonderer exogener Faktor scheint oft Nikotinmissbrauch (Rauchen) eine Rolle zu spielen.[3]
Nach Ausprägung bzw. Schweregrad unterscheidet man die Acne comedonica von der Acne papulo-pustulosa und der Acne conglobata. Das Hautbild der Acne comedonica ist von Komedonen und höchstens wenigen, sehr leichten Entzündungen (Papeln) geprägt. Narbenbildung ist nicht zu befürchten. Bei der Acne papulo-pustulosa dominieren Papeln und Pusteln, Narbenbildung infolge der Entzündungsprozesse ist möglich. Die Acne conglobata bezeichnet das zusätzliche Auftreten von Fistelkomedonen und Knoten, in der Folge droht erhebliche Vernarbung.
Aufgrund verstärkter Talgproduktion (Seborrhoe) und einer Verhornungsstörung im Ausgang des Talgdrüsenfollikels bilden sich Komedonen. Entzünden sich diese, entwickeln sich Papeln, Pusteln oder Knoten. Untersuchungen an ein- und zweieiigen Zwillingen haben gezeigt, dass es eine starke genetische Prädisposition für die endogene Akne gibt.
Weitere Ursachen sind:
Aknebedingte Entzündungen können mit Rötung, Schwellung, Juckreiz und Druckschmerz einhergehen. Bei grösseren Entzündungen drohen zusätzlich Lymphknotenschwellungen, Kopfschmerz, Fieber und Sepsis. Auf dem Wege der Schmierinfektion kann der Ausbruch einer Follikulitis/Furunkulose begünstigt werden. Schwere, d. h. stark entzündliche Akneformen sind mit Narbenbildung verbunden. Des Weiteren kann die Akne zu psychischen und sozialen Problemen beim Betroffenen führen, da sie als stigmatisierend empfunden wird. Phobien, Neurosen, Beziehungsstörungen, Mobbing des Betroffenen durch seine soziale Umwelt, Depressionen und Suizidalität sind möglich.[5]
Ausser in leichten Fällen von Akne ist die Behandlung durch einen Hautarzt (Dermatologen) anzuraten. Es stehen mehrere Wirkstoffe und unterstützende Therapie-Methoden zur Verfügung. Die medikamentöse Therapie versucht, die Talgproduktion zu reduzieren, den Verhornungsvorgang im Ausführungsgang des Talgdrüsenfollikels zu normalisieren, Bakterien zu bekämpfen und die Entzündungsreaktion günstig zu beeinflussen.
α-Hydroxycarbonsäuren, die zu den natürlichen Fruchtsäuren zählen, wirken komedolytisch. Zur Aknetherapie werden neben Glykolsäure noch Milchsäure, Apfelsäure, Zitronensäure und Mandelsäure eingesetzt. Mit Hilfe 10-15%iger Cremezubereitungen erfolgt eine Reduktion der Kohärenz follikulärer Korneozyten in den unteren Schichten des Stratum corneum und eine Komedolyse. Es ergibt sich eine Prophylaxe gegen Komedonenneubildung. Im Unterschied zur Therapie mit Benzoylperoxid, Retinoiden oder Salicylsäure kommt es beim Einsatz von Alpha-Hydroxy-Säuren nicht zum epidermalen Wasserverlust.
Antibiotika sollen jene Bakterien bekämpfen, die die Talgdrüsenfollikel und im weiteren Verlauf die entzündlichen Effloreszenzen der Akne besiedeln. Antibiotika können ausserdem entzündungshemmend wirken und indirekt der Verhornungsstörung entgegenwirken.[6] Man unterscheidet zwischen topisch (lokal) und systemisch (körperweit) wirksamen Antibiotika-Präparaten. Über den Verdauungstrakt zugeführte Antibiotika können Darmprobleme (etwa Durchfall) zur Folge haben. Die Verhütungswirkung der Antibabypille kann hiervon beeinträchtigt werden.
Benzoylperoxid wirkt als potentes Oxidationsmittel antibakteriell und keratolytisch. Es gibt BPO-Präparate in Anteilen von 2,5 % bis 10 %, als Gel, Creme oder Waschsuspension. Ein höherer BPO-Anteil muss nicht unbedingt bessere Wirkung bedeuten, verstärkt aber in einigen Fällen die Hautirritationen. Kontaktallergische Reaktionen treten in etwa 10 % der Fälle auf, das Medikament sollte dann abgesetzt werden.
Die hormonelle Therapie von Frauen beinhaltet die Gabe von antiandrogen wirkenden Substanzen; sie beeinflusst Talgproduktion und Verhornungsvorgänge im Talgdrüsenfollikel. Meist wird hierzu das synthetische Estrogen Ethinylestradiol, kombiniert mit einem antiandrogen wirkenden, synthetischen Gestagen (etwa Cyproteronazetat, Drospirenon), eingenommen. Entsprechende Hormonpräparate dienen gleichzeitig der Empfängnisverhütung.
Linolsäurehaltige Creme kommt als Grundlage magistraler Rezepturen zum Einsatz. In einer Studie aus dem Jahre 1998 konnte gezeigt werden, dass äusserlich angewendete Linolsäure die Grösse von Mikrokomedonen innerhalb eines Monats um fast 25 % reduziert.[7]
Bei Akne leichter und mittlerer Ausprägung bietet sich die äusserliche (topische) Anwendung von Retinoiden an. Hierzu gehören Tretinoin, Isotretinoin, Motretinid, Adapalen und Tazaroten. Retinoide wirken bei topischer Anwendung hauptsächlich komedolytisch. Als Nebenwirkungen können Juckreiz, Brennen und Rötungen der Haut auftreten. Adapalen, ein synthetisches Derivat der Naphthoesäure, zuzuordnen den Retinoiden der dritten Generation (polyaromatische Retinoide), zeigt in schwacher Konzentration (0,1 %) gute Ergebnisse bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen.
In schweren oder ansonsten therapieresistenten Fällen von Akne kann das Retinoid Isotretinoin systemisch eingesetzt werden. Im Idealfall wird hierdurch die Talgproduktion dauerhaft reduziert. Die Nebenwirkungen können unter anderem starke Schälung der Haut, trockene Haut, Haarausfall, Nasenbluten, Depressionen und Gelenkschmerzen sowie eine Schädigung der Leber sein (abhängig von der verschriebenen Dosis). Eine Schwangerschaft muss in jedem Fall für die Zeit der Therapie und dazu mit einem einem nachfolgenden Sicherheitsabstand ausgeschlossen sein, da beim Ungeborenen schwere Fehlbildungen auftreten könnten. Zur Sicherstellung der Empfängnisverhütung wird Frauen unter systemischer Isotretinoin-Therapie meist die Pille verschrieben.
Die Therapie mit Sonnenlicht bzw. Ultraviolettstrahlung ist umstritten. Zwar vermag UV-Strahlung antibakteriell zu wirken, gleichzeitig kann jedoch die Proliferationshyperkeratose angeregt werden. In der Folge droht die Neubildung von Komedonen. Ausserdem kann es zu phototoxischen Effekten kommen, insbesondere bei Benutzung äusserlich aufzutragender Medikamente, Sonnenschutzmittel und Kosmetika.
Die aromatische ss-Hydroxycarbonsäure Salicylsäure wirkt keratolytisch und antibakteriell. In Konzentrationen bis 2 % ist Salicylsäure in Kosmetika enthalten, erzielt so aber nur eine oberflächliche Schälwirkung. Erst Konzentrationen ab 5 % erreichen einen komedolytischen Effekt. Bei grossflächiger Anwendung in höherer Dosierung, wie etwa zur Behandlung von Aknenarben erforderlich, besteht die Gefahr der Nierenschädigung.
Zink ist ein essentielles Spurenelement für den menschlichen Körper. Der Pathomechanismus der Akne und Wundheilungsprozesse können den physiologischen Bedarf des Erkrankten erhöhen. Kann dieser Mehrbedarf nicht allein aus der Nahrung gedeckt werden, erscheint es sinnvoll, unterstützend zur Aknetherapie Zinksupplemente einzusetzen. Chronische Überdosierung sollte dabei jedoch vermieden werden, es drohen Kupfermangel und in der Folge das Auftreten einer hypochromen Anämie. Für die topische Aknetherapie werden Zinkverbindungen in der Regel mit den Antibiotika Erythromycin und Clindamycin kombiniert. Das antiseptisch wirksame Zinkoxid ist Bestandteil der Zinksalbe, welche allein oder in Kombination mit einem Antibiotikum für die Wundbehandlung eingesetzt werden kann.
Die Impfung mit homologen Autovakzinen ist eine alte, im westlichen Europa nur noch wenig bekannte Therapieform gegen die Entzündungen der Akne. Hierfür muss ein Punktat aus einer infizierten Läsion entnommen und an ein Labor eingeschickt werden. Die Herstellung des Autovakzins dauert etwa drei Wochen. Das Präparat wird dann über einen Zeitraum von acht bis zehn Wochen einmal wöchentlich subkutan injiziert. Klinische Versuche ergaben bislang nur Hinweise auf mögliche immunologische Effekte.[8] Nachweise für Unbedenklichkeit und Wirksamkeit bei Akne wurden bislang nicht erbracht, eine entsprechende placebokontrollierte Doppelblindstudie fehlt bis heute.[9]
Bis jetzt ist ein allgemeiner Zusammenhang zwischen der Ernährungweise und dem Auftreten von Akne wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Einige Befürworter dieser These bemängeln das Fehlen wirklich aussagekräftiger Studien zum Thema, ohne jedoch selbst eine derartige Studie präsentieren zu können.
Bekannt sind bestimmte Stoffwechselerkrankungen, die fehlernährungsbedingt auftreten und eine Akne entweder verursachen oder zumindest ungünstig beeinflussen können. Hierzu zählen fehlernährungsbedingte Fälle des PCOS, deren Hyperandrogenismus Akne zur Folge hat. Krankhaft erhöhter Blutzucker, wie er in Fällen unbehandelten Diabetes mellitus auftritt, vermag die bakterielle Besiedlung der Haut und nachfolgende Entzündungen zu begünstigen, was sich ungünstig auf die Ausprägung einer bereits bestehenden Akne auswirken dürfte.
Eine retrospektiv-statistische, nicht placebo-kontrollierte Studie aus dem Jahre 2005 von Clement Adebamowo (Boston/USA) behauptet, mittels Auswertung der Fragebögen von über 47.000 Krankenschwestern einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Konsum bestimmter Milchprodukte und dem Auftreten der Akne bei jungen Frauen gefunden zu haben.[10]
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