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Clésinger,
Jean Baptiste Auguste, franz. Bildhauer, geb. zu Besançon, war anfangs Schüler seines Vaters, der ebenfalls Bildhauer war, und bildete sich dann in Italien durch das Studium der Werke älterer Meister aus. Nach seiner Rückkehr begann er mit Porträtbüsten (z. B. Scribes, 1844) und brachte dann, dem Geschmack seiner Landsleute huldigend, vorzugsweise graziöse weibliche Figuren von einer gewissen Weichheit in der Behandlung des Marmors, z. B.: eine junge Nereïde, eine von einer Schlange gebissene Frau, eine Bacchantin und eine Statue der Luise von Savoyen, Mutter Franz' I. (1847, im Garten des Luxembourg).
Gebilde ernstern oder gar heroischen Inhalts gelangen ihm viel weniger, z. B.: die Kolossalstatue der Brüderlichkeit für das Eintrachtsfest 1848, die Pietà (1851), die Tragödie im Foyer des Théâtre français und die Schauspielerin Rachel in mehreren Rollen; er stieg daher in der Gunst immer höher, je mehr er sich in seinen Gebilden der koketten und lüsternen Seite zuneigte, z. B.: Sappho, Zingara, eine ruhende Diana (1861), Bacchantin, sitzender Faun, Kleopatra vor Cäsar, Phryne vor ihren Richtern, Europa auf dem Stier und derartige pikante Stoffe. Ebenso sind auch seine weiblichen Porträtbüsten beliebter als die männlichen. Auf der Ausstellung von 1878 hatte er unter anderm zwei Marmorgruppen: Entführung der Deïanira vom Kentauren Nessus und Befreiung der Andromeda durch Perseus. Auch in der Malerei versuchte er sich und stellte 1859 und 1864 eine Versuchung der Eva sowie einige landschaftliche Bilder aus. 1849 wurde er Ritter und 1864 Offizier der Ehrenlegion.