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Hochgeachteter Herr Bundespräsident!
Indem ich Ihnen Ihre gef. Mittheilungen bestens verdanke & Ihrem Wunsche gemäß die Abschriften der beiden Erlasse des Norddeutschen Bundes vom 16. & vom 27. August in der Beilage an Sie zurückge[langen?] zu lassen die Ehre habe, kann ich nicht verhehlen, daß die [Fassung?] auch des neuen Erlasses mich wenig befriedigt. Ich vermag nicht einzusehen, wie die internationale Conferenz ohne ein Eingehen des Norddeutschen Bundes in die Verhandlungen über die Hauptfrage ein Resultat haben kann, & ich hatte, nachdem einmal Bismark selbst in die Angelegenheit eingegriffen hat eine der gegenwärtigen Situation entsprechendere Instruction erwartet. Item, wenn Hr. von Röder sich dazu versteht, aus der ihm ertheilten Instruction mehr zu machen, als sie enthält, so kommen wir vielleicht doch vorwärts. Hr. v. Sybel wird am Rheine rührig Zeitungsartikel & Petitionen der Handelskammern an das Ministerium veranlassen & dadurch die Sympathie für die Gotthardbahn, welche nach allen Bereichen in der Bevölkerung in reichlichem Maaße vorhanden ist, auch zu äußerlichem Ausdrucke bringen. |
Am letzten Montage sind die Statuten des Consortium's in zäher Verhandlung mit den Basler banquiers definitiv festgestellt worden. Ich hätte gewünscht, daß die Leute à la RR. Weber von Bern diesen Discussionen hätten beiwohnen können: sie würden dann vielleicht eine etwas günstigere Ansicht von unsereinem gewonnen haben! Sobald die Statuten gedruckt sind, werde ich nicht verfehlen, Ihnen ein Exemplar derselben zuzustellen. Künftigen Montag wird sich das Consortium wieder versammeln, um die statutenmäßigen Wahlen vorzunehmen.
Berichte, die Hr. Director Stoll & ich über die Stimmung der Finanzwelt in Deutschland, mit der wir in Unterhandlung sind, erhalten haben, lauten günstig.
Letzten Freitag hat mich der Sindaco von Genua Podesta besucht. Die Italiener mit der ehrenvollen Ausnahme Melegari's benehmen sich, was den Geldpunct der Gotthardfrage anlangt immer etwas zurückhaltend, hoffend, dadurch desto mehr aus der Schweiz herauszupressen!
Ich habe das instinctive Gefühl, daß die Splügisten gegenwärtig namentlich auch in Mailand daran arbeiten, das Gotthardproject zu untergraben. Ich habe auf verschiedenen Wegen Maaßregeln ergriffen, um hierüber ganz in's Klare | zu kommen. Wenn meine Vermuthung sich bestätigt, so werde ich dem Ausschusse der Gotthardvereinigung vorschlagen, durch persönliche Einwirkung [...?] [...?] [...?] Machinationen entgegenzuarbeiten.
In ausgezeichneter Hochachtung
Ihr ergebener
Dr A Escher
Zürich
2 September 1869.