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Wirtschaft
In allen tierischen Produkten steckt auch ein Wasserfussabdruck.
Im Allgemeinen muss für die Produktion von Fleisch mehr Wasser eingesetzt werden als für Nahrungsmittel auf pflanzlicher Basis, also etwa Getreide oder Hülsenfrüchte.
So ist der durchschnittliche Wasserfussabdruck pro Kalorie bei Rindfleisch zwanzigmal grösser als bei Getreide. Doch Fleisch ist nicht gleich Fleisch, je nach Tierart und Haltung unterscheidet sich der Wasserbedarf erheblich.
So verbraucht die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch im Schnitt 15.415 Liter Wasser, die des gleichen Gewichtes an Schaf- oder Ziegenfleisch fast 9.000, bei Schweinefleisch sind es 6.000 und bei Huhn 4.300 Liter Wasser. Insgesamt entfallen 92 Prozent des globalen Wasserfussabdrucks auf die Landwirtschaft, 29 Prozent davon gehen in die Tierproduktion. Nach anderen Berechnungen nutzt die Landwirtschaft 70 Prozent des verfügbaren Süsswassers, dreimal mehr als vor 50 Jahren.
Allerdings ist auch ein Stück Rindfleisch nicht unbedingt mit einem anderen zu vergleichen. Der genaue Wasserfussabdruck hängt von dem Produktionssystem ab, aus dem das Fleisch stammt. Stand das Tier auf der Weide, in einem gemischten System mit Pflanzenanbau, oder befand es sich in einem industriellen System mit hohen Tierzahlen pro Hektar, in denen über 90 Prozent des Futters zugekauft wurden? Ebenso wichtig sind die Zusammensetzung und die Herkunft des Futters.
Ein Beispiel: Bei der Berechnung für das Kilogramm Steak, das 15.455 Liter Wasser benötigt, wird davon ausgegangen, dass ein Rind etwa drei Jahre alt ist, wenn es geschlachtet wird. In dieser Zeit hat es 1.300 Kilogramm Kraftfutter aus verschiedenen Getreiden und Soja gefressen, dazu 7.200 Kilogramm Raufutter (Gras, Heu, Silage), und 24.000 Liter Wasser getrunken. Sein Stall musste gesäubert und ausgespritzt werden.
Das allermeiste Wasser aber, 94 Prozent, ist der Futterproduktion zuzurechnen. Bei dieser Berechnung muss allerdings bedacht werden: Ein Fleischrind, das sein Leben in einer feuchten Region auf einer Weide verbracht hat, wird einen vergleichsweise grossen Wasserfussabdruck hinterlassen, denn die häufigen Niederschläge auf seiner Weide werden dem Tier angerechnet. Zudem verwendet es sein Weidefutter wenig effizient und benötigt eine lange Zeit bis zur Schlachtreife. Daher muss der Blick auf den Wasserfussabdruck präzisiert werden.
Fachleute unterscheiden zwischen grünem, blauem und grauem Wasser. Grünes Wasser bezeichnet Regenwasser, das den Pflanzen durch Niederschlag zur Verfügung steht. Blaues Wasser ist jenes, das im Bewässerungsanbau eingesetzt wird. Graues Wasser meint das Volumen, das rein rechnerisch benötigt würde, um eingetragene Schadstoffe auf ein unschädliches Mass zu verdünnen, sodass es die Grenzwerte für die Wasserqualität einhalten könnte.
Bei dem Blick auf den Fussabdruck bei der Fleischproduktion ist also entscheidend zu wissen, ob er durch grünes, blaues oder graues Wasser erzeugt wird, um beurteilen zu können, ob die begrenzten Wasserressourcen übernutzt wurden. Zwar sind zwei Drittel der Erde mit Wasser bedeckt, aber das meiste davon ist Salzwasser in den Meeren. Nur ein winziger Anteil von 0,4 Prozent ist Trinkwasser. Diese 0,4 Prozent zirkulieren in lokalen, regionalen und globalen Wasserkreisläufen und versorgen Pflanzen, Tiere und Menschen.
Weil Rinder in industrieller Haltung ihr Kraftfutter effizienter verwerten, ist ihr Wasserfussabdruck in der Regel kleiner als der der Rinder aus den anderen Haltungsformen, etwa aus einer ökologischen Produktion, in der die Tiere viel Zeit auf der Weide verbringen. Allerdings stammt ihr Futter häufig aus Ackerkulturen, die gewässert, gedüngt und mit Ackergiften behandelt werden. Das heisst, der Fussabdruck der Futterproduktion für die industrielle Tierhaltung enthält grosse Anteile blauen und grauen Wassers. Der Fussabdruck des blauen Wassers ist beim Kraftfutter 43-mal so gross wie beim Raufutter, beim grauen Wasser gar 61-mal so hoch. Daher ist Fleisch aus Weidehaltung dem aus industrieller Haltung auch deswegen in der Regel vorzuziehen, weil es die Wasserressourcen schont.
Problematisch für die Ökosysteme und die Böden wird es, wenn in trockenen Regionen blaues Wasser für den Anbau von Futtermitteln genutzt und den regionalen Kreisläufen entzogen wird. Wiederkäuer, deren Futter aus Bewässerungsanbau stammt, werden vor allem in den USA, China und Indien aufgezogen. Schweine aus industrieller – und damit bewässerungsintensiver – Tierhaltung stammen vor allem aus dem Nordosten der USA, Europa und China.
Die Folgen für Flüsse, Feuchtgebiete und den Grundwasserspiegel in diesen Regionen sind verheerend. Der UN-Welternährungsorganisation zufolge leiden beispielsweise die Mitte der USA und der Westen Chinas wegen des Bewässerungsanbaus mit Grundwasser unter versalzenden Böden. Und wenn auch noch Wasserspeicher wie Brasiliens Wälder oder Moore rund um die Welt in Ackerland umgewandelt werden, ist die Übernutzung der Wasserressourcen besonders schwerwiegend.
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