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Meine Frau erwartet ihr erstes Kind. Wir sind sehr nervös im Hinblick auf die Geburt, wann springt normalerweise die Fruchtblase? Kommt dann gleich das Kind? S. L. aus D.
Als Blasensprung bezeichnet man das Reissen der Eihäute mit danach abfliessendem Fruchtwasser. Damit das möglich ist, braucht es mütterliche und kindliche Hormonausschüttungen, welche eine Bereitschaft zur Geburt signalisieren und die Stabilität der Eihäute herabsetzen. Dies kann zu verschiedenen Zeitpunkten geschehen, entweder vor dem Einsetzen von Wehen oder aber zu jedem anderen Zeitpunkt unter der Geburt. In seltenen Fällen kommen die Kinder sogar mit intakter Fruchtblase, einer sogenannten Glückshaube, zur Welt. Die Eihäute werden dann sofort nach der Geburt eröffnet, damit das Kind atmen kann. In manchen Situationen kann es sinnvoll sein, die Fruchtblase mithilfe eines kleinen Hakens aus Plastik künstlich zu eröffnen, dadurch können beispielsweise die Wehen angeregt werden.
Bis zur Geburt des Kindes spielt die Fruchtblase eine wichtige Rolle. Sie besteht aus zwei sehr stabilen, aber dünnen Eihäuten und ist gefüllt mit Fruchtwasser. Dieses ist wichtig für die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Durch das Schwimmen im Wasser kann es sich frei bewegen und dadurch können sich vor allem die Arme und Beine gleichmässig entwickeln. Das Schlucken des Fruchtwassers fördert die Entwicklung des Verdauungstraktes. Zusätzlich übt das Kind im Fruchtwasser Atembewegungen, was wiederum die Entwicklung der Lunge fördert. Es bildet zudem eine dämpfende Schicht rund um das Kind, welche es vor Stössen von aussen schützt.
Das Fruchtwasser besteht zu 99% aus Wasser, daneben enthält es Elektrolyte, Fette und Eiweisse. Die Farbe ist meist klar oder rosa oder es kann auch grün sein, durch Beimengung von kindlichem Stuhl. Das Fruchtwasser wird durch die Plazenta und die kindliche Lunge und Nieren ständig neu gebildet und umfasst am Termin ca. 1 Liter.
Ist die Fruchtblase gesprungen, sollten sie sich bei der Hebamme oder im Spital melden. Diese werden eine Kontrolle durchführen, um zu sehen, wie es dem Kind geht und ob es Anzeichen für eine beginnende Infektion gibt, da die schützende Hülle der Fruchtblase nun durchlässig ist. Haben die Wehen bis dahin noch nicht eingesetzt, beginnen sie meist in den nächsten Stunden. Sollte dies nicht geschehen, würde man nach 24 Stunden mit einer Einleitung beginnen.
Es kann auch mehrere Wochen vor dem Geburtstermin zu einem Blasensprung kommen, wofür meist eine lokale Entzündung die Ursache ist. In dieser Situation steht die Erhaltung der Schwangerschaft im Vordergrund.
Machen Sie sich keine Sorgen, wenn die Fruchtblase springt. Es wird eine kleine bis grössere Überschwemmung geben, aber erst durch eine regelmässige Wehentätigkeit kann das Kind auf die Welt kommen.
Dann schicken Sie eine E-Mail mit Betreff «Hebammenbriefkasten» an <email-pii>. Eine Auswahl der gestellten Fragen erscheint anonym in den Büwo-Ausgaben und hier auf dem Blog – beantwortet werden aber alle eingegangenen E-Mails.