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Gegen Morgen merkte ich im Halbschlaf, dass sich irgend etwas in meinem Haar befand. Ich durchfuhr es mit einer Hand - und konnte eine Nacktschnecke aus den Haaren pulen - lecker! 0o :( -.- bläx Das kommt davon, wenn man bei feuchtem Wetter mit einem Tarp campt und wegen der nicht vorhandenen Mücken auf das Moskitonetz verzichtet. Um sieben Uhr wurde ich langsam richtig munter. Das Frühstück bestand wie an den meisten Tagen aus Müsli, das mit Schokolade verzehrt wurde, als Getränk gab es Wasser. Nein, nicht aus dem Tümpel! =) Als ich nach dem Packen wieder rollte, war es neun Uhr durch.
Da ich der 602 nicht weiter nach Südwesten folgen wollte, fuhr ich über ein paar Wege durch Feld und Wald nach Osten, bis ich wieder auf die nach Süden führende 38 stieß, deren Verlauf ich folgte.
Znojmo als letzte Stadt vor der Grenze sah nett aus, könnte man später noch einmal besuchen. *vormerk*
Auf der tschechischen Seite waren Teile der Grenzanlage gesperrt. Durch das bis auf den Boden gezogene Dach des Kontrollpunktes wäre dies durchaus eine gute Möglichkeit zum Übernachten.
Im Niemandsland zwischen tschechischer und österreichischer Grenze waren Kasinos und andere Geldgeschäfte in ziemlichem Umfang aus dem Boden gestampft worden - ich hatte den Eindruck, eine der hässlichen Varianten der Marktwirtschaft zu sehen.
In Österreich wurde die Straße einige Kilometer nach der Grenze einfach als mautpflichtige Autostraße beschildert - sehr radlerfreundlich. Die Alternative war ein unbeschilderter Feldweg. Ich verspürte keine Lust auf abenteuerliche Irrfahrten, also befuhr ich die Autostraße mit dem Fahrrad, was keinen der zahlreichen Autofahrer zu Unmutsäußerungen animierte. Als ich - mittlerweile geübt - am Ortsausgang von Hollabrunn auf der Autostraße weiterfahren wollte, kam aus der anderen Richtung leider ein Polizeitouran. Der Fahrer hupte, ich fuhr lieber gleich hin, worauf er mich belehrte, dass diese Straße nicht mit Fahrräder zu befahren ist, ich solle doch die Nebenstraße nehmen. Er zählte die Dörfer auf, die in Richtung Stockerau lagen. Durch die langsame Kleckerei über die Dörfer kam ich an diesem Tag nicht so weit wie geplant - dafür sah ich ein paar schöne Landstriche. Dieser reizende Teil Österreichs, das Weinviertel, trägt seinen Namen nicht ohne Grund. Man sieht viele Weinberge, auch andere Agrarprodukte werden in großer Zahl kultiviert.
Allerorten sieht man Schilder, die auf Verkauf direkt vom Bauernhof hinweisen, wofür ich immer zu haben bin. Auf einem Hof kaufte ich etwa ein Pfund mageres Gselchtes, dazu einen Weichkäse und ein Brot. Alles dreis schmeckte hervorragend.
Ich hatte mir als Belohnung für das Durchfahren des regnerischen Tages eine trockene Übernachtung versprochen - in Göllersdorf nahm ich ein Zimmer im Gasthof "Zur weißen Rose". Das Zimmer mit Frühstück kostete angemessene 28 Euro. Obwohl es gegen neun war, bereitete man mir noch eine leckere warme Mahlzeit, während ich meine Kleidung und mich in der Dusche säuberte. Als ich auf den Hof des Gasthauses gefahren war, standen dort zwei Fahrräder, die den Eindruck machten, weit gereist zu sein. Beim Abendessen sah ich ein wettergegerbtes Paar hereinkommen, das dazu passte. Wir beäugten uns interessiert gegenseitig. Nachdem wir ein paar Worte über zwei Tische hinweg gewechselt hatten, setzte ich mich zu den beiden. Sie waren in den Niederlanden losgefahren, den Rhein aufwärts, dann die Donau abwärts bis Wien, von dort sollte es Richtung Norden weiter nach Deutschland gehen. Ich bestaunte ihre bisherige Leistung und bedauerte sie wegen des Gegenwindes, der seit Beginn der Reise mein Rückenwind war. Ich hoffe nur, dass ich nicht zu plump auftrat, denn bevor mein Essen kam hatte ich, durstig wie ich war, auf leeren Magen ein großes Bier getrunken.