Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03213.jsonl.gz/1230

Herrn Dr A. Escher, Zürich. 1
Florenz, 9 Dec. 65.
Hochgeachteter Herr,
Nachdem ich von dem Entwurfe der Konzession Hudson-Genazzini Kenntniß erhalten, und zugleich die Mitwirkung von Straussberg erfahren hatte, so mußte sich meine Meinung über Hudson ändern, u ich mußte zum wenigsten annehmen, daß derselbe sich sehr leicht mit zweideutigen oder schlechten Menschen einlasse.
Ich unternahm dagegen zwei Schritte: Ich sandte eine Vergleichung der beiden Concessionsentwürfe (Gotthardausschuß u Hudson ) die ich durch Ducoster hatte aufstellen lassen, als eine konfidentielle Mittheilung zu beliebigem Gebrauch an Herrn Staatsrath Pioda ; und ich machte Herrn Usedom einen Besuch, um ihm meine Meinung über die Verbündeten von Hudson u über die Natur des ganzen Versuchs auseinanderzusetzen mit der Ermächtigung das Wesentliche an Hudson zu übermitteln.
Ich bin nämlich in der Überzeugung noch bestärkt worden, daß der geschickte, unternehmende, in Italien u England einflußreiche Hudson unserer Gotthardsache von großem Nutzen sein könnte; und ich glaubte das | Meinige thun zu sollen, um Hudson in's Klare zu setzen oder über ihn in's Klare zu kommen.
Bei dem erwähnten Besuche las mir Herr v. Usedom die letzten Schreiben von Berlin vor. Dieselben bestätigten u ergänzten die Depesche, die Herr Jaccini erhalten hatte. Wie es scheint hat der italienische Gesandte in Berlin ein wenig zudringlich ein Versprechen in Betreff der Subvention verlangt u nun hat Herr v. Usedom den Auftrag dem hiesigen Ministerium gelegentlich mitzutheilen, daß man von Preussen, namentlich bei der jetzigen Stimmung des Finanzministers, vor dem Zusammentritt (im Februar) der Kammern keine sachbezügliche Erklärungen zu erwarten habe.
Herr v. Usedom beharrt in seiner vortrefflichen Stimmung u billigt sehr das Bestreben von unserer Seite bei Baden oder Preussen eine Iniative herbeizuführen.
Unsere Sachen stehen hier nicht schlecht. Ich habe den gestrigen Abend bei Herrn Rombaux zugebracht, der mir den Entwurf seines Endberichtes u seinen kommerziellen Zonen für die Kommission den Grundzügen nach vorlegte. Das Ergebniß ist vollständig günstig, und was noch von mehr Bedeutung ist, es steht auch im Einklang mit den Formeln von Ruva, so daß der Gotthard eine sehr starke Mehrheit auf sich vereinigen würde. Jaccini betrachtet ebenfalls die Entscheidung der Kommission als gesichert, u wirft seine Zweifel nun gegen die deutschen u schweiz. Subventionen, und mit etwas Schein, da wirklich seit einiger Zeit keine erheblichen Beschlüsse gefaßt worden sind. Ich vertröste ihn so gut als möglich auf einen guten, aber langsamen Fortgang wie in seinem eigenen Reiche.
Herr Rombaux hält eine Vertagung wegen der Kommission von Seiten des Gotthard ausschußes nicht mehr für nothwendig. Und indem ich dieser Meinung beipflichte u an meine vorangehenden Briefe erinnere, erlaube ich mir die Frage vorzulegen, ob der Ausschuß eine ununterbrochene Vertretung in Florenz zu haben wünscht, oder ob er dieselbe erst im Laufe des Januars wieder herzustellen wünscht. |
Im erstern Falle ersuche ich die Auffordung zum Ersatz an Herrn Koller in der Art ergehen zu lassen, daß meine Abreise von Florenz spätestens am 19ten oder 20sten Dec. erfolgen könnte, im zweiten Falle hingegen würden wir, insofern der Minister nicht einen gegentheiligen Wunsch ausspricht, bald, doch in keinem Falle vor dem 13ten Dec. abreisen. Ihre telegraph. Weisungen erreichen uns also auch nach dem Empfange dieses Briefes noch zeitig genug.
Ich füge noch bei, daß ich auch bei dem Minister Nichts voraussehe, was die Anwesenheit von Herrn Koller oder von mir während dieses Monats noch nothwendig machen könnte. Selbstverständlich ist auch, daß ich bis zum 19ten oder 20sten auch ohne die Ankunft von Herrn Koller, bleiben würde, insofern irgend ein Werth darauf gelegt wird.
Ich bin also bereit meine Abreise, je nach den Wünschen des Ausschußes zwischen den 13ten u 20 Dec. zu legen.
So eben erhalte ich noch durch Herrn Bossi die telegr. Anzeige von der Abstimmung im Tessiner großen Rathe.
Mit vorzüglicher Hochschätzung
W. Schmidlin
Bitte um Mittheilung an Herrn Schultheiß Zingg, dem heute Herr Pf.. geschrieben hat.