Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/947

Darĭen,
Golf von,
Busen des
Antillenmeers zwischen
Cartagena und Puerto
Belo in Columbia.
[* 3] Derselbe
heißt im südl.
Teil Golf von
Uraba oder von
Darien del
Norte (im Gegensatz zum Golf
San
Miguel oder von
Darien del
Sul, einer
Bucht des
Golfs von Panama),
[* 4] dringt zwischen der
Punta-Garibana und
Kap Tiburon in südsüdöstl.
Richtung tief ins
Land ein und bietet auf seiner
Süd- und Westseite bis zur
Bai von
Caledonia das ganze Jahr hindurch sichere Ankerplätze, während
die Westseite in der Regenzeit nur kleinen Schiffen an einigen
Stellen Schutz gewährt.
Die Umgebungen sind flach und meist sumpfig.
Außer mehrern kleinern
Flüssen nimmt er den
Atrato (s. d.)
auf. Der Isthmus von
Darien, lange als die zweckmäßigste stelle zur Ausführung eines interoceanischen
Kanals angesehen, wird
von einer aus
Syenit und Gneis bestehenden, 300 m hohen, bis 1000 m ansteigenden Cordillere durchzogen; der niedrigste Punkt
liegt zwischen Rio
[* 5] Tuira und dem Caquirri, Nebenfluß des
Atrato, in 142-146 m Höhe. Gewaltige
Wälder
bedecken die Abhänge. - Als die
Spanier die
Landenge betraten, wurde diesseit und jenseit der Cordillere nur eine einzige,
die
Cueva-Sprache gesprochen.
Auch fand man dort noch nicht den Gebrauch vergifteter Waffen [* 6] (wie bei den karibischen Stämmen am Golf von Uraba), sondern nur Holzkeulen und Wurfspieße, die mit großer Sicherheit mittels eines Wurfbrettes geschleudert wurden. Auf dem Fischfange beruhte an der Küste, auf dem Ackerbau im Binnenlande die Ernährung der Eingeborenen. Die Frauen trugen eine Schnürbrust aus Goldblech mit getriebenen [* 1] Figuren und baumwollene Gewänder, die abwärts bis zu den Knöcheln fielen.
Die Männer dagegen, vollständig nackt, versteckten nur ihre Blöße in Muschelgehäuse oder, wenn sie reich waren, in goldene Cylinder, welche an die Leibschnuren befestigt wurden. Ihre Wohnungen unterschieden sich wenig von denen der Antillenbewohner. Nur in den Sümpfen des Atrato, Ähnlich wie noch heute am Orinoco, baute man geräumige Behausungen in die Wipfel der Mauritia-Palmen. Die Landschaften gehorchten kleinen Dynasten, Quebi oder Tiba geheißen, auf welche in verschiedenen Abstufungen untergeordnete Häuptlinge folgten. Man fand bei ihnen einen Kultus der Sonne [* 7] und des Mondes und eine Art Priesterschaft. Die Eingeborenen waren, gleich denen des benachbarten Costa-Rica, zur Zeit der Entdeckung reich an goldenen Schmucksachen. [* 8] Funde aus neuerer Zeit sind nicht bekannt. Entdecker des Landes ist Vasco Nuñez de Balboa, der zuerst mit einer kleinen Schar Spanier die Landenge überschritt und als erster Europäer das Gestade des Stillen Oceans sah. -
Vgl. Davis, Interoceanic railways and canals (Washingt. 1866);
Pouchet und Sautereau,
Examen comparatif
des divers projets de canaux interocéaniques par l’isthme de
Darien (Par.
1876);
Wyse, A. Reclus und Sosa, Rapports sur les études de la commission internationale d’exploration de l’isthme américain (ebd. 1879).