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Sie sorgten wieder einmal für Schlagzeilen. Nick Kyrgios und Bernard Tomic, einst die Hoffnungsträger der stolzen Tennis-Nation Australien, die mit Rod Laver, Roy Emerson, Ken Rosewall oder John Newcombe so viele Ikonen wie kaum ein anderes Land in der Geschichte dieses Sports hervorgebracht hat.
Während sich Tomic mit seiner Dreisatz-Niederlage in nur 58 Minuten gegen Jo-Wilfried Tsonga einmal mehr nicht mit Ruhm bekleckerte, sorgte Kyrgios während und nach dem Fünfsatz-Erfolg gegen Landsmann Jordan Thompson für reichlich Unterhaltung. Mal schlug er von unten auf, mal drehte er vor Freude eine halbe Ehrenrunde, mal legte er sich auf den Rasen oder er ass zwei Bananen gleichzeitig. An der Pressekonferenz warf er einem Journalisten mangelnde Recherche vor. Und auf die Frage, über wen oder was er sich während der Partie beim Schiedsrichter beklagte hatte, schüttelte er nur den Kopf und sagte ironisch: «Eine sehr gute Frage, sehr interessant.»
An Kyrgios scheiden sich die Geister. Die einen lieben ihn, die anderen werfen ihm mangelnden Respekt und verschleudertes Talent vor. «Ich werde mich nicht ändern», sagte Kyrgios auch in London. Er habe schon als Teenager so gespielt. «Ich gehe raus, habe Spass und spiele so Tennis, wie ich spielen will.» Klar sei es nicht angenehm, wenn die Leute seinen Spielstil kritisieren oder ihm fehlende Klasse vorwerfen würden. «Aber letztlich weiss ich, dass sie mir trotzdem zuschauen - auch wenn das irgendwie keinen Sinn macht.»
In den letzten Monaten hatten sich die negativen Schlagzeilen über Kyrgios wieder gehäuft. Am Turnier in Rom wurde er in der 2. Runde disqualifiziert, nachdem er sein Racket auf den Boden geschmissen, eine Trinkflasche weggekickt und einen Stuhl auf den Platz geworfen hatte. Auf die Teilnahme am French Open in Paris verzichtete er, nachdem er sich zuvor abschätzig über das Turnier geäussert hatte.
Roger Federer, der Kyrgios grundsätzlich positiv gegenübersteht, äusserte sich differenziert zum Verhalten des 24-Jährigen aus Canberra: «Er bewegt sich auf einem schmalen Grad und muss aufpassen.» So lange er probiere zu gewinnen, sei alles in Ordnung, sobald er aber nicht mehr alles gebe, könne ihn niemand mehr in Schutz nehmen. «Und wenn er mit Gegnern, Fans und Turnier-Verantwortlichen in den Clinch gerät, ist das auch nicht so cool.»
Vor allem mit Novak Djokovic und Rafael Nadal legte sich Kyrgios zuletzt an. In einem Podcast Mitte Mai, der in der Szene für Wirbel sorgte, unterstellte er Djokovic eine «krankhafte Obsession», auch so beliebt sein zu wollen wie Federer. Nadal nannte er einen «schlechten Verlierer», dessen Onkel und langjährigen Trainer Toni einen «Idioten». Die Weltnummer 2 aus Mallorca hatte ihm nach der Niederlage am Turnier in Acapulco Ende Februar mangelnden Respekt vorgeworfen, Toni Nadal sprach von «fehlender Erziehung».
Vor dem Aufeinandertreffen am Donnerstag wollten weder Kyrgios noch Nadal Öl ins Feuer giessen. «Ich bin zu alt für solche Dinge», sagte Nadal. Er stehe zu dem, was er gesagt habe, aber er werde sich deswegen nicht mit jemanden streiten. Kyrgios lobte den 18-fachen Grand-Slam-Sieger als «einen der grössten Spieler aller Zeiten».
Die Nummer 43 des Rankings weist als einer der wenigen Spieler auf der Tour keine negative Bilanz gegen Nadal auf. «Aber ich gehe als absoluter Aussenseiter in die Partie», so Kyrgios. Als solcher hatte er Nadal in Wimbledon schon einmal überrascht, als er diesen 2014 als Teenager in den Achtelfinals in vier Sätzen ausschaltete. Jener Sieg sei einer der speziellsten Momente gewesen, die er je erlebt habe. Auf das neuerliche Duell freut sich Kyrgios deswegen seit der Auslosung: «Ich kann es kaum erwarten.»