Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03619.jsonl.gz/787

Die Redensart «Das kommt mir Spanisch vor» geht auf den Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. Bevor wir aber ins Spätmittelalter reisen, möchte ich einen kurzen Zwischenstopp in den 80er-Jahren einlegen. Seit ich angefangen habe, diesen Artikel zu schreiben, geht er mir nämlich nicht mehr aus dem Kopf: Ich muss Maja Brunners grössten Hit mit Ihnen teilen.
Mit diesem Ohrwurm geht es jetzt zurück zur Redensart. Für die ist angeblich Kaiser Karl V verantwortlich. So richtig sicher sind sich die Geschichtsbücher nicht, doch der gebürtige Spanier sorgte am deutschen Hof für ordentliche Verwirrung. Im Jahre 1519 wurde er, trotz seiner Herkunft, zum deutsch-römischen Kaiser gekrönt und verkündete, er rede mit seinem Beichtvater Lateinisch, mit seinem Hofstaat Spanisch und mit seinem Pferd Deutsch.
Spanisch wurde also offiziell zur Verkehrssprache. Plötzlich eine andere Sprache sprechen zu müssen – das war für die Untertanen ungewohnt. Neue spanische Hofzeremonien trugen ebenfalls ihren Teil dazu bei: Die Sitten des Kaisers kamen ihnen wortwörtlich «Spanisch» vor.
Und in Spanien?
Hätte sich die Redewendung im deutschsprachigen Raum nicht bis heute durchgesetzt, dann wäre sie bestimmt früher oder später in Kombination mit einer anderen Sprache aufgetaucht. Während man sich in Sprachen wie Tschechisch, Kroatisch und sogar Isländisch ebenfalls auf Spanisch beruft, sagen die Italiener «mi sembra tedesco» – das scheint mir Deutsch zu sein. Und die Spanier? Das spanische Gegenstück ist «esto me suena a chino» – das kommt mir Chinesisch vor.