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27 sept. 2019
LUDOK hat im August-Newsletter Studien zusammengestellt, welche kurz- und langfristige Wirkungen der Luftbelastung auf die Herz-/Kreislaufgesundheit, auf die Entwicklung von Kindern und Missbildungen untersucht haben.
LUDOK testet ausserdem eine Minimalerfassung von Studien, um der Informationsflut zu begegnen, so dass die Studien immerhin in der Datenbank auffindbar sind (Referenzliste).
Herz-/Kreislaufgesundheit
Neu publizierte Studien bestätigen einen Zusammenhang zwischen Herz-/Kreislaufkrankheiten und der kurz- und langfristigen Schadstoffbelastung. Die vielbeachtete Studie von Liu et al. (2019) über 500 Städte weltweit - inklusive Schweizer Städten - fand ein erhöhtes Sterberisiko bei kurzfristig erhöhter Feinstaubbelastung unterhalb der Kurzzeitgrenzwerte von 25 µg PM2.5/m3 und 50 µg PM10/m3. Ein amerikanisches Forscherteam um Lim (2019) fand ausserdem ein erhöhtes Sterberisiko in Abhängigkeit der langfristigen NO2- und Feinstaubbelastung. Unter Verwendung einer alternativen Belastungsabschätzung, fanden Alexeeff und Kollegen (2018) ebenfalls eine signifikant erhöhte Sterblichkeit wegen Herz-/Kreislaufkrankheiten in Abhängigkeit der langfristigen NO2-Belastung.
Herzrhythmusstörungen
Die Evidenz für einen Zusammenhang zwischen dem Risiko für Herzrhythmusstörungen hat zugenommen, war jedoch nicht konsistent (Link 2010 ID 6489). Eine gemeinsame Auswertung von vier Studien berichtet aber von einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern in Abhängigkeit der kurzfristigen Schadstoffbelastung (Shao 2016). Darüber hinaus war in einer dänischen Kohorte das Risiko für Herzrhythmusstörungen auch in Abhängigkeit der langfristigen Stickstoffdioxidbelastung signifikant erhöht (Monrad 2017). Zugleich wurde aber eine Übersichtsarbeit publiziert, wonach die Aktivierung von implantierten Kardioverter-Defibrillatoren bei Herzpatienten nicht von der kurzfristigen Schadstoffbelastung beeinflusst wurde (Yang 2017).
Missbildungen
Eine aktuelle Übersichtsarbeit untersuchte das Risiko für Missbildungen des Herzens mit der Feinstaubbelastung mit PM2.5 und kam zum Schluss, dass die Ergebnisse sehr gemischt seien, aber doch jede Studie einen Zusammenhang fand mit einer Unterart von Missbildungen des Herzens. Somit sollte die Möglichkeit für ein erhöhtes Missbildungsrisiko nicht ausser Acht gelassen werden (Hall 2019). Gegebenenfalls liegt es daran, dass Missbildungen des Herzen nur bei höherer Feinstaubbelastung wie in Taiwan auftreten (Huang 2019) oder wie in Kanada mit einer anderen Feinstaubfraktion wie den ultrafeinen Partikeln (Lavigne 2019) oder mit anderen Schadstoffen wie der Stickoxidbelastung (Zhang 2018) zusammenhängen. Aktuellere europäische Studien hingegen konnten keinen Zusammenhang von Missbildungen des Herzens mit der NO2- und Lärmbelastung (Pedersen 2017) oder weiteren Schadstoffen (Salavati 2018) finden.
Zur Rolle der Luftschadstoffe für die Gesundheit
Wir haben bereits im Februar über die Expertise der Internationalen Gesellschaft für Umweltepidemiologie (ISEE) zusammen mit der Europäischen Gesellschaft für Pneumologie (ERS) zur Infragestellung der gesundheitlichen Effekte der Luftschadstoffe durch Prof. Köhler und Konsorten berichtet. Gerne machen wir auf die Publikation der Expertise in der Schweizerischen Ärztezeitung aufmerksam, die nun auch ins Französische übersetzt wurde.