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Carlos Ruiz Zafón
Noch einmal ins Barcelona um 1930 eintauchen, nochmals durch elende Gässchen schleichen und über die eleganten Ramblas schlendern und nochmals die ehrwürdige Buchhandlung Sempere besuchen und natürlich auch den Friedhof der vergessenen Bücher (s. dazu Buchbesprechung "Der Schatten des Windes") und schon sind wir mittendrin im Leben des jungen David Martin.
Dieses beginnt jämmerlich, die Eltern leben getrennt, der Vater, ein trunksüchtiger Kriegsveteran, einst Kanonenfutter, heute ausgestossen aus der Gesellschaft stirbt bei einem Mordanschlag, der eigentliche einem anderen gegolten hätte, dem reichen Lebemann Pedro Vidal. Vidal nimmt sich Davids an, unterstützt ihn, David arbeitet in einer kleinen Zeitungsredaktion und schwingt sich unter einem Pseudonym zum erfolgreichen Groschenromanautoren und Ghostwriter auf. Erfolglos beleiben hingegen die Bücher, die er unter seinem eigenen Namen veröffentlicht, erfolglos und unerfüllt ist auch seine Liebe zu Vidals Assistentin Cristina, die schliesslich Pedro Vidal heiratet.
Gezeichnet von enttäuschter Liebe und einer schweren Krankheit geht David Martin einen folgenschweren Pakt mit dem geheimnisvollen Verleger Corelli ein. Zwar gehören gesundheitliche und finanzielle Sorgen der Vergangenheit an, doch David gerät in einen immer unheimlicheren Strudel von Geld und Macht und seltsamen Todesfällen, dem er nicht entfliehen kann. Wäre da nicht die bodenständige, junge Isabella, der hin- und hergerissene Schriftsteller würde zerbrechen.
Immer wilder werden die Ereignisse, immer absurder die Anschuldigungen der Polizei, die jetzt den Autoren wegen Mordverdacht jagt. Das Finale ist mir etwas zu reisserisch geraten, doch der schöne, versöhnliche Epilog entlässt den Leser in eine positive Vision.
Siebenhundert Seiten atemberaubendes, aber anspruchsvolles Lesevergnügen.
Peter Maibach (2009)
Und hier ist die Buchbesprechung von Teddy Buser (2011)David Martin muss als jüngster Mitarbeiter in der Redaktion die „niederen“ Arbeiten verrichten. Kurzmeldungen über unbedeutende Ereignisse verfassen beispielsweise. In seiner knappbemessenen Freizeit schreibt er aber Geschichten, die eines Tages Pedro Vidal, ein Abkömmling einer der reichsten Familien Barcelonas, zu lesen bekommt. Er ist fasziniert von der Begabung Davids und rät dem Chefredaktor, ihn Fortsetzungsgeschichten verfassen zu lassen. Diese werden zu einem grossen Erfolg und David wird abgeworben von einem Verlag, für den er monatlich einen Groschenroman verfassen muss. Das missfällt ihm zwar bald einmal, aber er verdient wesentlich mehr.
Eines Tages kontaktiert ihn ein geheimnisvoller Verleger namens Andreas Corelli, der von Davids Schreibkünsten begeistert ist. Er gibt ihm den Auftrag, für ihn das „Buch der Bücher“ zu schreiben, eine Art neue Religion, die „Religion der Religionen“ zu erfinden. David erliegt der Versuchung, obwohl ihm Corelli, den er den Patron nennt, nicht ganz geheuer ist. Sein Misstrauen trügt ihn nicht, und er gerät in eine Reihe von furchterregenden Ereignissen. Irgendetwas zwingt ihn, ein altes verwunschenes Haus zu beziehen, das seit Jahren leer steht. Unheimliche Dinge hätten sich darin ereignet, heisst es, deshalb will niemand mehr darin leben. David begegnet auf der Suche nach Inhalten für sein Buch immer seltsameren, geheimnisvolleren Gestalten. Obendrein verliebt er sich in Cristina. Doch die Liebe bleibt unerfüllt, was seine Situation noch einmal viel komplizierter macht.
„Das Spiel des Engels“ ist eine weitere spannungsgeladene Geschichte des spanischen Erfolgsautors Carlos Ruiz Zafon. Er fesselt seine Leserschaft mit gruseligen Geschichten voller schwer vorstellbarer Ereignisse. „Das Spiel des Engels“ hat Parallelen zu seinem anderen Beststeller, „Der Schatten des Windes“. Beide Romane spielen im alten Barcelona und drehen sich um die Magie der Bücher, um die Geheimnisse, die aus ihnen sprechen und um die Tatsache, dass Menschen ihnen regelrecht verfallen können.
Buchinformationen
Das Spiel des Engels
Carlos Ruiz Zafón
711 Seiten, gebundene Ausgabe
Verlag: Fischer
ISBN 978-3-10-095400-8