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In Japan stehen Buchausstellungen hoch im Kurs, und die Schweizer Verlage nehmen in den 1950er und 1960er Jahren mehrere Male an solchen Veranstaltungen teil. Zunächst unterstützen weder Pro Helvetia noch die Schweizer Diplomatie diese Anstrengungen.
Seit seiner Ernennung zum Botschafter in Japan 1957 spielt der Diplomat Max Troendle eine entscheidende Rolle in der Einrichtung von Kulturbeziehungen zwischen dem Reich der aufgehenden Sonne und der Schweiz. In seiner von wirtschaftlichen Interessen geleiteten Diplomatie will sich der versierte Jurist auf das Buch stützen, um die Schweiz in Japan bekannt zu machen. Er bedauert, dass der Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband wenig Interesse für Buchausstellungen zeigt, begrüsst aber die Teilnahme von Pro Helvetia an mehreren Veranstaltungen Ende der 1950er Jahre. So sendet die Kulturstiftung im November 1958 einen umfangreichen Bestand an Kinderbüchern nach Japan, der an einer vom japanischen Erziehungsministerium veranstalteten internationalen Ausstellung präsentiert wird. Mit viel Einsatz gelingt es dem Botschafter, die Schweizer Verlage mit den japanischen zusammen zu bringen, um eine Schweizer Ausstellung zu organisieren, die 1960 stattfinden soll.
1961 schliesslich stellt der Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband eine Buchausstellung auf die Beine, die von Pro Helvetia unterstützt wird. Die Ausstellung ist umfassend. Ihr Hauptteil präsentiert 1000 Bände aus den Bereichen Kunst, Wissenschaft und Literatur. Neben den Büchern werden auch passende Fotos ausgestellt. Ebenfalls zu finden sind eine Grafikausstellung mit Plakaten und geografischen Karten sowie Glimpses of Switzerland.
Glimpses of Switzerland ist eine aus 75 Tafeln bestehende und von Pro Helvetia gestaltete mobile Ausstellung. Sie zeigt die Schweiz unter geografischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Gesichtspunkten. Jede Tafel besteht aus drei oder vier Fotos, begleitet von einer Kurzbeschreibung der helvetischen Sitten und Gebräuche. Die zum ersten Mal 1958 in den USA gezeigte Ausstellung kann leicht an einen anderen Ort transportiert werden.
In seiner Eröffnungsansprache betont der neue Schweizer Botschafter, Jean de Rham, die traditionellen Werte des Landes: vom Geburtsort Jean-Jacques Rousseaus über das Rote Kreuz bis zur bewaffneten Neutralität verzichtet er auf kein Klischee, um deutlich zu machen, wie komplex und reich die Schweiz ist, wie stolz sie auf ihre Wurzeln sein kann... und auf ihre Verlage, in deren Vielfalt sich die Innovationskraft und die Dynamik der Volkswirtschaft genauso spiegelt.
Die Ausstellung kann in acht Städten gezeigt werden. Die Schweizer Botschaft besorgt die Verteilung des Katalogs Introduction to Switzerland, der auf Englisch und Japanisch veröffentlicht wird. Der Botschafter will Nutzen aus dem Erfolg ziehen und bemüht sich, von Bern die Einrichtung eines Postens für einen Kulturattaché und spezifische Kredite für die Entwicklung der kulturellen Beziehungen zwischen der Schweiz und Japan zu erhalten, allerdings erfolglos.
Trotzdem verstärken sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Davon zeugen beispielsweise die Tournee des Orchestre de la Suisse romande 1968 und die regelmässigen Bücherschenkungen von Pro Helvetia an die Tokyo Library of Switzerland. Ein Jahr später stehen die Schweizer Plakate im Rampenlicht, dank einer am 2. April 1969 in Tokio in Anwesenheit von vierhundert Personen aus kulturellen und diplomatischen Kreisen eröffneten Ausstellung.
Max Troendle verlässt die Botschaft 1960, bleibt aber ein wichtiger Akteur der japanisch-schweizerischen Kulturbeziehungen. 1970 begegnen wir ihm wieder als Generalkommissar der Weltausstellung von Osaka. (pm)
Quellen:
BAR: e2003(a), 1971/44, Bd. 146, 0.342
Jean de Rham, „Les relations culturelles nippo-suisses depuis 1945“, in Patrick Ziltener (Hrsg.), Manuel des relations nippo-suisses, Zürich: Chronos, Bd. 2, S. 671-675.