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|AACZ - Expedition Aksay 1998|
Das eigentliche Expeditionsziel liegt auf 38,5° bis 39° Nord und 74° bis 75,5° Ost, ungefähr auf der geographischen Breite von Lissabon. Mehrere Varianten für die Benennung der Kette sind bekannt: Auf einer US-Aeronautik-Karte und im Times-Weltatlas heisst sie "King Ata Tagh". Laut den uns zur Verfügung stehenden sowjetischen Generalkarten wird der westliche Teil "King Tau", der östliche "Ulug Artagh" genannt. Die chinesische Karte des Nachbargebiets nennt den Namen "Kungey Mountain" für unsere Kette. Die Rekognoszierungsgruppe konnte trotz Kontakten mit der örtlichen Bevölkerung keinen Namen für die ganze Gebirgsgruppe feststellen. Die kirgisischen Gewährsleute nennen den oberen, westlichen Teil des Hochtals, das durch den Fluss Mushi gebildet wird, "Aksay", was weisse Ebene oder weisse Einöde bedeutet. Entsprechend wird der Gipfel, der das Tal im Nordwesten abschliesst, "Aksaybax" (ausgesprochen "Aksaybasch") genannt, kirgisisch für "Ende der weissen Ebene". Aus Respekt gegenüber den Bewohnern haben wir uns entschlossen, unserer Unternehmen nach der Aksay-Hochebene zu benennen.
Das zur Verfügung stehende brauchbare Kartenmaterial ist ausschliesslich sowjetischen Ursprungs. Diese Karten sind zur Zeit, wenn auch nur unter Schwierigkeiten, über den einschlägigen Fachhandel erhältlich. Es handelt sich um die Blätter UdSSR-Generalstabskarte 1:500000, Blatt J-43-a "Murgab" 1978, Blatt J-43-b "Kashgar" 1983; UdSSR-Generalkarte 1:200000, Blatt J-43-IX (ohne Jahrgang). Das Blatt 1:200000 erwies sich auf der Erkundung als grundsätzlich detailgenau; die reduzierten Gletscherstände weisen auf die 50er/60er Jahre als Entstehungszeit. Die angegebenen Namen entsprachen in der Regel nicht den Angaben der lokalen (kirgisischen) Bevölkerung. Die amerikanische aeronautische Karte ist nicht sehr detailliert und nennt kaum Namen, und wenn, keine richtigen (TPC G-7A, 1: 500 000. Defense Mapping Agency, Aerospace Center, St. Louis, Missouri. Compiled March 1974, Revised December 1984). Eine brauchbare chinesische Karte existiert vom südlichen Nachbargebiet, in dem Kongur und Mustagh Ata liegen (The map of snow mountains in China. Kongur Tagh - Muztagh Ata, 1: 100000, Mi Desheng, Lanzhou Institute of Glaciology und Geology, Chinese Academy of Sciences. The Xi'an Cartographic Publishing House. o. J.).
Die folgenden Angaben beruhen in erster Linie auf den sowjetischen Karten, ergänzt durch die Beobachtungen der Erkundungsgruppe. Benützt wurde ausserdem ein Werk aus chinesischer Literaturproduktion (Zhou Zheng and Liu Zhenkai. Footprints on the Peaks: Mountaineering in China. [Cloudcap] 1995).
Das Expeditionsziel liegt im Übergangsbereich des Pamir zum Kunlun. Die Kette zieht sich von der Ghez-Schlucht über etwa 100 Kilometer gegen Nordwesten. Die Gipfelhöhen bewegen sich in der Regel auf knapp 6000 Meter, Ausnahme ist der Chakragil im äussersten Osten der Kette mit 6760 Metern.
Wenige Kilometer südöstlich - auf der anderen Seite der Ghez-Schlucht und des Karakorum Highway - befinden sich die bekannten Gipfel Kongur (7719 m) und Mustagh Ata (7546 m), die zum Kunlun-Gebirge zu zählen sind, das sich von da aus 2500 Kilometer gegen Osten hinzieht und die nördliche Begrenzung des Hochlands von Tibet darstellt. Südwestlich unseres Gebiets verläuft die chinesisch-tadschikische Grenze. Westlich, im tadschikisch-kirgisischen Grenzgebiet, liegen die bekannten Pamir-Gipfel Pik Kommunismus und Pik Lenin. Es dürfte ein Streitpunkt sein, ob die Kette noch dem Pamir zuzurechnen ist oder der Kunlun-Kette. Zheng/Zhenkai zählen sie zum Kunlun. Nimmt man die Ghez-Schlucht als geographische Grenze zwischen den Gebirgszügen an, ist das Expeditionsgebiet zum östlichen Teil des Pamir zu zählen, was auch dem Charakter der Landschaft entspricht.
Der Talgrund des durch den Fluss Mushi gebildeten Tales liegt auf rund 3400 bis 3900 Metern über Meer. Das Tal zieht sich, ebenfalls rund 100 Kilometer lang, vom Karakorum Highway oberhalb der Ghez-Schlucht beim Bulun Kul (Bulun-See) in nordwestlicher Richtung zur chinesisch-tadschikischen Grenze. Auf den ersten rund 50 Kilometern Strecke ist der Talboden maximal 5 Kilometer breit, im Nordosten begrenzt durch den östlichen Teil der Kette (Ulug Artagh). Es folgt ein Engnis, dass sich dann zur Aksay-Ebene hin öffnet. Die Ebene auf 3500 bis 3900 Metern über Meer ist rund 50 Kilometer lang und misst an der breitesten Stelle wohl rund 20 Kilometer. Ihr Abschluss ist der nordöstliche Teil der Kette. Eine Siedlung rund 60 km vom Bulun Kul, dem Bulun-See, heisst ebenfalls Mushi. Das Dorf bildet so etwas wie das Verwaltungszentrum des Tales. Die offiziellen Stellen der chinesischen Polizei und Armee befinden sich hier.
Der Ulugart-Pass auf 5109 Metern Höhe führt aus der Aksay-Hochebene nach Nordosten in das Trockengebiet, das bis nach Kashgar reicht. Der Pass ist den Einheimischen als Verkehrsweg nach Upal und Kashgar bekannt. Er teilt die Kette in eine südöstliche und eine nordwestliche Hälfte. Die beiden etwa gleich grossen Gebirgsteile entsprechen der Unterteilung auf der sowjetischen Karte in die Ketten King Tau und Ulug Artagh.
Entsprechend der geographischen Lage und der Höhe über Meer ist die Landschaft in der Aksay-Hochebene trocken und karg. Es dominieren baumlose Erosions- und Schwemmlandformen. Weisse Rückstände, offenbar von stark mineralhaltigen Quellen, sind an vielen Stellen gut sichtbar und haben der Ebene möglicherweise den Namen gegeben. Grün sind - wenigstens im Juli - nur ein schmaler Streifen entlang des Flusses Mushi und ein paar wenige oasenartige Grünflächen, auf denen sich zahllose Mücken tummeln und den Einheimischen und Besuchern das Leben schwer machen. Praktisch alle Flüssigkeit kommt im Sommer als Schmelzwasser von den umliegenden Schnee- und Eisbergen.
Am Fluss Mushi befinden sich abgesehen von der ausgebauten Ortschaft mit demselben Namen zahlreiche Siedlungen aus Lehmhütten und Jurten. Gemäss uneinheitlichen Angaben von Einheimischen bewohnen mehrere tausend Menschen das Tal. Es sind offenbar ausnahmslos Kirgisen, entsprechend gehört das Gebiet zum sogenannt autonomen kirgisischen Teil Xinjiangs. Die Kirgisen leben hier noch immer teilweise als Nomaden. Nach Angaben von Einheimischen ziehen sie im Jahr viermal um. Daher rühren auch die scheinbar verlassenen Lehmhüttensiedlungen auf der Ebene: Es handelt sich um die im Jahreslauf wechselnd besiedelten Dörfer. Die Kirgisen halten sich Reitpferde, Schafe, Ziegen und Jaks, die auf dem Gras am Flussufer weiden. Frei auf der steinigen Ebene bewegen sich Kamele, die offenbar aber auch zum Haustierbestand der Kirgisen gehören. Die Tierfalle, die wir beim Aufstieg zum Aksaybax gefunden haben, und die Begegnung mit einem bewaffneten Einheimischen zeigt, dass auch die Jagd zu den Beschäftigungen der Bevölkerung gehört. Ein Dorfbewohner erzählte, dass er mit Schafwolle Handel betreibt. Für den Handel verfügen die Einheimischen über Fahrzeuge, zumeist alte chinesische Militärlastwagen. Wohl auf Grund der Militärpräsenz, die sich durch die Grenznähe erklärt, und einer kleinen Mine führt eine einigermassen gut erhaltene Schotterstrasse in das Tal; eine Telefonleitung stellt die Verbindung von Mushi zur Aussenwelt sicher.
Die männlichen Dorfbewohner sind ausnahmslos nach türkischem Vorbild gekleidet. Anzug mit Jackett und Bundfaltenhose in einem Wollstoff sind schon bei Halbwüchsigen üblich, oft mit westlich aussehenden Strohhüten kombiniert. Viele Einheimische tragen den traditionellen kirgisischen Hut, den "Kalpak" aus weissem, besticktem Filz. Vor allem ältere Männer tragen traditionelle Fellmützen und lange schwarze Reitermäntel mit ebensolchen Stiefeln. Die Frauen tragen Röcke und Kleider, in denen die Farbe Rot dominiert, dazu Kopftücher und Silberschmuck.
Expeditionsberichte aus dem uns speziell interessierenden Gebiet sind rar. Vor allem die nahe gelegenen Gipfel Mustagh-Ata (Erstbesteigung 1956, erste Skibesteigung 1980) und Kongur (Erstbesteigung 1981, Chris Bonington) sind das Ziel zahlreicher auch kommerzieller Expeditionen. Der Mustagh-Ata gilt als "leichtester Siebentausender" und wird oft mit Ski bestiegen. Die beiden Berge haben die Region berühmt gemacht. Eric Shipton hat 1948 einen Besteigungsversuch des östlichsten Gipfels "unserer" Kette, des Chakragil (6760 m), von Norden unternommen. Laut Zheng/Zhenkai wurde der Chakragil 1988 von einer japanischen Expedition erstbestiegen. 1995 wagte sich nach Angaben von XMA eine japanische Expedition aus Fukuoka an den Chakragil, ohne allerdings den Gipfel erreicht zu haben. Näheres war nicht in Erfahrung zu bringen. Die einschlägigen alpinistischen Archive bestätigen lediglich die Besteigung des Chakragil, erwähnen allenfalls noch den Aksaybax, aber ohne Besteigungsversuche oder Besteigungen zu nennen.
Mit Ausnahme des Chakragil weist der östliche Teil der Kette (Ulug Artagh) laut Karte keine Gipfel über 6000 m auf. Auf der Rekognoszierung erwies er sich auch optisch als weit weniger interessant als der westliche Teil (King Tau). Die Rekognoszierung konzentrierte sich denn auch auf diesen Gebirgszug, der die nördliche Begrenzung der Aksay-Hochebene bildet, namentlich auf die Kette zwischen Budunseltau (6220 m) und den Talabschluss beim Aksaybax (6146 m).
Das Rekognoszierungsteam konnte mit Hilfe von Urslup Arslan, Verbindungsoffizier der XMA, die folgenden Gipfel am Hauptkamm der Kette identifizieren. Die Namenangaben beziehen sich auf die russische Generalkarte bzw. sind mündlich durch die Einheimischen mitgeteilt und von Urslup Arslan in seine Skizze aufgenommen worden.
|Nr.||Kote||Russisch (Umschrift)||Kirgisisch|
|1.||5620 m||Kondschilsatau||Margantao|
|2.||5620 m|
|3.||5470 m|
|4.||6146 m||Aksaybasch||Aksaybax|
|5.||6084 m||Kukjlga|
|6.||5245 m|
|7.||5925 m||Tschon-Seltau||Kukseltao|
|8.||5608 m||-|
|9.||5824 m||-|
|10.||6026 m||-||Kaltasal|
|11.||Ohne Kote||-|
|12.||Ohne Kote||-||Kartax|
|13.||5847 m||-||Sartax|
|14.||5570 m||-|
|15.||Ohne Kote||-|
|16.||5847 m||-||Kuxbulak|
|17.||Ohne Kote||Kiakmintschitau||Kumnazertala|
|18.||Ohne Kote||-||Kepax|
|19.||5954 m||-||Tikjaylu|
|20.||5940 m||-||Aylanix|
|21.||Ohne Kote||-||-|
|22.||Ohne Kote||-||-|
|23.||5998 m||-|
|24.||Ohne Kote||-||-|
|25.||5135 m||-|
|26.||Ohne Kote||-||-|
|27.||6220 m||Budunseltau||Budunseltao|
Edgar Schuler

Akademischer Alpen-Club Zürich

AACZ / 15. Apr. 2005 (ab)
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