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Um sechs stand ich auf und ging zu Rinaldos Haus. Nach einer Tasse Kaffee und einem Glas Raki brachen wir auf. An der Bektaschi-Tekke sollten wir die Kühe in Empfang nehmen, die der Onkel dorthin treiben würde. Bis dahin zeigte mir Rinaldo die Tekke.
Mit den Kühen kletterten wir dann Pfade bergauf, die ich zuvor nur von Ziegen für erkletterbar gehalten hätte. Auf der unteren Weide namens Kazani ließen wir die Kühe weiden und setzten uns in den Schatten einiger Haselnusssträucher. Wir unterhielten uns ein wenig, ich schreib Tagebuch. Nach einer Stunde stiegen wir ohne Kühe auf die nächste Weide. Ich wurde ein wenig herumgeführt und nachdem wir noch einmal nach den Kühen geschaut hatten, aßen wir an der Quelle. Das leckere Essenspaket bestand für jedem aus einem Viertel eins runden Brotes, das in Abständen mit Spiegelei und kleinen Würsten gefüllte Einschnitte hatte. Dazu gab es Dhallë, den wir an der Quelle verdünnten.
Dann stiegen wir Richtung Gipfel. Unterwegs kletterten wir über einen Felsen, von dem ein Mann bei der Jagd tödlich gestürzt war. Oben gab es eine gute Rundumsicht über 180°, aber leider war es sehr diesig. Der hier stehende Funkmast wurde von einem lärmenden Dieselaggregat mit Strom versorgt. Auf dem Rückweg fanden wir eine Planierraupe abseits der Straße. Im Winter hatte sie den Weg verfehlt, nun hat wohl niemand Zeit oder Lust, sie zu bergen. Die Kühe waren nicht auf die obere Weide gegangen – aber auch nicht auf der unteren zu finden, sondern im Gestrüpp weiter nördlich. Rinaldo rief per Handy daheim an und meinte: der Onkel kommt, wir sollen warten.
Ich habe die Kühe dann recht erfolgreich in die richtige Richtung getrieben, es war nur etwas langwierig. Dann kamen Onkel und Cousin, halfen beim Rest und fragten ob ich müde oder hungrig sei. Ich musste verneinen mit der Begründung, dass ich heute nur die Hälfte der letzten Tagesstrecke und ohne Gepäck gewandert war. Dann vertrieben wir uns die Zeit mit Rumgealber, Kühehüten und mit Grashalm-Pfeifen.
Mit Rinaldo stieg ich wieder zur Tekke ab. Unterwegs erklärt er, dass eigentlich er die Kühe heruntertreiben sollte und sein Onkel nun sauer ist. Das Hauptgebäude der Tekke war nun offen – so dass ich mich ein wenig darin umschauen konnte. Später schimpfte die Wärterin mit der etwa 6jährigen Cousine von Rinaldo, weil sie in der Tekke gerufen habe, was nicht gestattet ist. Dabei war die Zurechtweisende selbst nicht gerade leise. Das Mädchen weinte und schluchzte deshalb die ganze Zeit. Ich sollte ein Foto von der Frau und den Kindern machen. Die Frau wies das Mädchen grob zurecht, dass es nicht mehr weinen sollte… Den Erfolg kann man sich denken.
Es gab für alle Kaffee von M., Rinaldos Tante, gekocht im Hauptgebäude. Dann trieben R. und ich die Kühe durch das Flusstal in den Stall. Das heißt, die Kühe liefen in den Stall und wir hinterher. Im Stall wurden die Tiere vom Onkel angekettet und von Hand gemolken Danach wurde ein Kalb in den Stall gelassen, damit es auch etwas von der Milch bekam. Dann ging es nach Hause, wo Dhallë und Raki gereicht wurden. (Ich solle doch das Glas mit Raki doch in einem Zug austrinken...) Wir unterhielten uns und schauten Fotos auf der Kamera an.
Für mich gab es einzeln Abendbrot, die anderen aßen wohl etwas später und ohne mich, nachdem sie mich zum Museum begleitet hatten. Es gab Wurst und Ei, dazu Brot, Pommes Frites, Suppe, Brot und ein Glas warme Milch. Die Hausfrau bat ich darum, mir für morgen ein ähnliches Essenspaket wie für den heutigen Mittag zu machen.
In der Nacht wurde ich von im Wind knarrenden und schlagenden Türen geweckt.→ nächster Tag →