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Kanton Luzern will Rachmaninows Villa in Hertenstein kaufen
Der Luzerner Regierungsrat will die Villa Senar des russischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten Sergej Rachmaninow in Hertenstein für 8 Millionen Franken kaufen, obwohl der Kanton als Erbe vorgesehen ist. Mit dem Kauf des denkmalgeschützten Baus will der Regierungsrat allfälligen Erbstreitigkeiten vorgreifen.
Der 1873 bei St. Petersburg geborene Rachmaninow verliess 1917 das revolutionäre Russland für immer. Im Exil war er ein gefeierter Tastenvirtuose, doch verlor er zunächst die Inspiration zum Komponieren. Zu diesem fand er erst in seiner Villa in Hertenstein bei Weggis zurück, wo er von 1932 bis 1939 den Sommer verbrachte.
Die Villa Senar hat aber nicht nur einen musikgeschichtlichen Wert. Rachmaninow liess das direkt am Vierwaldstättersee in einem 20'000 Quadratmeter grossen Park gelegene Haus von den Architekten Alfred Möri und Karl Friedrich Krebs im Stil des Neuen Bauens erbauen. Die Villa sei ein aussergewöhnliches Bauwerk für Luzern an einer einmaligen Lage, sagte die kantonale Denkmalpflegerin Cony Grünenfelder am Mittwoch an einer Medienorientierung.
Exklusives Interieur
Speziell an der Villa ist, dass die originale Ausstattung weitgehend erhalten ist. Das Arbeitszimmer mit dem übergrossen Flügel sehe aus, als hätte es Rachmaninow eben verlassen, sagte Grünenfelder.
Zudem ist das Gebäude mit damals exklusiver Technik ausgerüstet: so hat es einen Lift und beheizbare Badewannen. Keinen Aufwand scheute Rachmaninow auch für den Park: Um diesen zu realisieren, liess er einen Fels, den die Bevölkerung Gibraltar nannte, wegsprengen.
Während des Zweiten Weltkriegs konnte Rachmaninow nicht nach Hertenstein kommen, er starb 1943 in den USA. Sein Enkel Alexandre schuf eine Stiftung, welche die Villa als kulturelles Erbe erhalten und auch erben soll. Die vier gesetzlichen Erben wurden auf den Pflichtteil gesetzt; sie halten zusammen 11/16 der Erbschaft.
Kanton soll einspringen
Das Testament des Rachmaninow-Neffen sieht aber auch den Kanton Luzern als Erben vor für den Fall, dass die Stiftung die gesetzlichen Erben nicht auszahlen kann. Dieser Fall sei nun eingetreten, führte Bildungs- und Kulturdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) aus.
Allerdings ist das Testament unklar abgefasst. Sowohl die Annahme der Erbschaft oder deren Ausschlagung ist für den Kanton mit rechtlichen Unsicherheiten verbunden. Schlägt er die Erbschaft aus, könnte die Villa zum Spekulationsobjekt werden. Der Regierungsrat entschied sich deswegen dafür, die Villa aus der Erbschaft zu erwerben und die gesetzlichen Erben auszuzahlen.
Der Kanton kann damit nicht nur mögliche juristische Auseinandersetzungen verhindern. Er kann auch, ohne an testamentarische Vorgaben gebunden zu sein, im Sinne des Erblassers handeln und die Villa als kulturelles Erbe und als Kulturzentrum erhalten. «Wir tun dies freiwillig», sagte Schwerzmann.
Vorverhandlungen mit Erben
Mit den gesetzlichen Erben hat sich der Kanton in einer Vorverhandlung auf einen Kaufbetrag von 8 Millionen Franken geeinigt. Inklusive Kaufgebühren, Sanierung sowie Unterhaltskosten während zehn Jahren beantragt der Regierungsrat dem Kantonsrat einen Kredit von 15,45 Millionen Franken. Entscheiden soll das Parlament schon am 6. Dezember, denn das Teilungsamt Weggis erwartet einen baldigen Entscheid in dieser Sache.
Mit dem Kauf verliert Luzern aber auch den Anteil an den Tantiemen, der ihm als Erbe zustehen würde. Allerdings laufen diese Tantiemen in der Regel nach 70 Jahren eh aus.
Kulturellen Begegnungsort geplant
Das Kulturzentrum in der Villa soll von der heutigen Stiftung geführt werden, das Programm soll selbsttragend sein. Stiftungsratspräsident Urs Ziswiler sagte, geplant sei ein öffentlich zugängliches Kulturdenkmal und ein Begegnungsort. Die Villa werde ein neues Element für das Musikcluster Luzern.
Auf der anderen Seeseite, auf Tribschen bei Luzern, lebte von 1866 bis 1872 Richard Wagner. Ziswiler geht deswegen auch von einem Nutzen vor allem für Individualtouristen aus.
An der Villa war nach dem Tod von Rachmaninows Enkel auch der russische Staat interessiert. 2013 wurde der Luzerner Regierungsrat bei einem Besuch in Moskau über entsprechende Pläne informiert.
rl, sda