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Hierbei wirken diese Oberflächen ganz allgemein als einarmige Hebel,
[* 8] und dieser Umstand ist deshalb von
hervorragender Bedeutung, weil schon eine geringe Bewegung an dem am Tierkörper befestigten einen Ende des Hebels (Grund des
Flügels) einen sehr bedeutenden Ausschlag des andern Endes (Flügelspitze) bewirkt. Bei den Insekten ist das Flugvermögen am
großartigsten entwickelt. Die Muskeln
[* 9] dieser Tiere besitzen eine Leistungsfähigkeit, welche in der ganzen
Tierwelt unerreichbar dasteht; in einer einzigen Sekunde vermögen sie sich viele hundert Male zu kontrahieren.
Durch diese außerordentliche Muskelthätigkeit wird es bewirkt, daß der im übrigen mit einer bedeutenden spezifischen
Schwere begabte Insektenkörper mit unglaublicher Geschwindigkeit dahinschießen kann. Jeder Reiter weiß, daß Fliegen
das schnellfüßigste Pferd
[* 10] überholen; während der Eisenbahnfahrt kann man beobachten, wie Insekten den in vollster Bewegung
befindlichen Zug
verfolgen und in die Eisenbahnwagen fliegen. Durch die schnelle Flügelbewegung der Insekten wird vielfach ein
deutlich wahrnehmbarer Ton erzeugt, der um so höher liegt, je größer die Zahl der Flügelschläge ist.
Aus der Höhe des Tons läßt sich daher die Zahl der Flügelschwingungen berechnen, und man hat auf diesem
Weg ermittelt, daß die Brummfliege 350, die Biene
[* 11] aber 440 Flügelschläge in einer einzigen Sekunde auszuführen vermag.
Nach Marey vermag man auch auf graphischem Weg die Zahl der Flügelschläge direkt zu bestimmen. Eine
mit einem berußten Papiermantel versehene kleine Metalltrommel dreht sich mit gleichmäßiger und genau bekannter Geschwindigkeit
um ihre Achse.
Das Insekt, welches auf die Zahl seiner Flügelschläge untersucht werden soll, wird derartig gehalten, daß die Flügelspitzen
bei ihrer Bewegung das berußte Papier ganz leicht streifen. Jeder Flügelschlag erzeugt so einen hellen
Punkt auf dunklem Grund, und aus der Zahl dieser Punkte läßt sich dann sehr leicht die Zahl der Flügelschläge bestimmen.
Marey fand auf diesem Weg, daß die Fliege 240-321 Flügelschläge in der Sekunde ausführt, je nachdem die Flügelspitze
das
Papier stärker oder schwächer berührt und er glaubt, daß die letztgenannte Zahl annähernd der
in der Freiheit ausgeführten Bewegung entspricht. Für andre Insekten wurden folgende Werte ermittelt: Hummel 240, Biene 190,
Wespe 110, Libelle 28, Kohlweißling 9 Flügelschläge in der Sekunde.
Bei den Vögeln wird das Fliegen durch den Bau des Knochengerüstes und die außerordentliche Entwickelung der Brustmuskeln ungemein
begünstigt. Hinsichtlich des erstern Punktes sei darauf hingewiesen, daß die Schulter nicht allein durch
die sehr stark entwickelten Schlüsselbeine, sondern auch durch die Gabelbeine eine feste Verbindung mit dem Rumpf erhält.
Früher hat man auch den Lufträumen in den Knochen
[* 12] der Vögel
[* 13] einen bedeutenden Einfluß auf das Fliegen zugeschrieben, und man
hat sich gedacht, die mit den Lungen in Verbindung stehende wärmere Luft dieser Räume wirke nach Art der
Montgolfieren.
Thatsächlich ist indessen der Inhalt der Lufträume so gering und der durch die Erwärmung der Luft bedingte Gewichtsunterschied
so winzig, daß von einer derartigen Einwirkung gar nicht ernstlich geredet werden kann. Marey ist es
gelungen, mit Hilfe eines photographischen Revolverapparats ähnlich demjenigen, welchen Muybridge zum Studium der Gangarten des Pferdes
benutzte, fliegende Vögel zu photographieren. ExakteAufnahmen dieser Art werden eine Analyse der Flugbewegungen ermöglichen,
wie sie bisher mit Hilfe von andern Methoden nicht zu erzielen war.
[* 3] Insektenordnung, s. v. w. Zweiflügler,
[* 18] dann die arten- und formreichste Familie dieser Ordnung Muscariae),
überwiegend nützliche Tiere mit dreigliederigen Fühlern, deren Endglied meist zusammengedrückt ist,
meist mit fleischigen Endlippen versehenem Rüssel, verkümmertem Unterkiefer, in der Regel hervortretenden eingliederigen Tastern
und häufig stark entwickelten, die Schwinger überdachenden Flügelschuppen. Die Larven, welche teils parasitisch im Körper
andrer Insekten, besonders der Schmetterlingsraupen, teils in faulenden tierischen und pflanzlichen Stoffen leben und diese
schnell beseitigen, sind walzig, die Puppen tonnen- oder eiförmig. Die Larven mancher Gruppe entwickeln
sich äußerst schnell und werden zum Teil schon als solche geboren. Daher sind viele Arten in sehr großer Individuenzahl
und vom ersten Frühjahr bis spät in den Herbst anzutreffen. Man teilt die Familie in acht Gruppen: Bies- oder Dasselfliegen,
Bremen
[* 19] (Oestridae);
die blaue Schmeißfliege (Brechfliege, Brummer, Aas-, Fleischfliege, M. vomitoriaL., s. Tafel »Zweiflügler«),
bis 13 mm
lang, mit graustriemigem Rückenschild, schwarzen, rothaarigen Backen und lebhaft stahlblauem Hinterleib;
die Goldfliege (M.CaesarL.), glänzend smaragdgrün, mit schwarzen Beinen und silberweißem Gesicht.
Besonders die beiden
ersten Arten sind ungemein fruchtbar. Die Stubenfliege legt die fast walzenförmigen Eier
[* 22] in Klümpchen von 60-70 Stück an Mist,
verdorbenes Brot,
[* 23] auch an Fleisch, tote Tiere etc. Die Schmeißfliege legt ihre etwas gebogenen Eier, gleichfalls
in Häufchen von 20-100 Stück, besonders an Fleisch, auch an alten Käse und Aas. Nach 24 Stunden kriechen die weißen, kegelförmigen,
hinten gestutzten, augenlosen Larven aus, arbeiten sich schnell in die von ihnen bewohnten Gegenstände hinein und durchwühlen
dieselben, wobei der von ihnen ausgesonderte flüssige Unrat die Fäulnis zu befördern scheint.
Vögel und Spinnen
[* 26] sind ihre Hauptfeinde. In denZimmern schützt man sich gegen Fliegen durch Vorsetzfenster
von Gaze, mit klebrigen Stoffen überzogene Stöcke, Abkochung von Quassienholz (Fliegenholz), welche, mit etwas Zucker
[* 27] vermischt,
die in Menge herbeilockt, aber nur betäubt, und durch Fliegenpapier (s. d.). Die Fliegen verlassen Räume, welche mit Lorbeeröl
gestrichen sind, oder in denen trockne Kürbisblätter auf glühende Kohlen geworfen wurden. Man hängt
auch einen Büschel von Beifußstengeln an der Zimmerdecke auf und zieht abends, wenn die Fliegen sich darin gesammelt haben,
einen Sack von unten über den Büschel.