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Fortsetzung und Schluss im Fall Rylander - Die Universität Genf zieht ihre Lektion
Im Dezember 2002, zu einem Zeitpunkt, da sie sich schon öffentlich von der Haltung des Professors Rylander distanziert hatte, beauftragte die Universität Genf die Integritätskommission der medizinischen Fakultät mit der Untersuchung der angefochtenen wissenschaftlichen Arbeiten von Prof. Rylander. Am vergangenen 6. September lag dem Rektorat der Universität das Resultat der Ermittlung vor. Das Rektorat nahm das Ergebnis zur Kenntnis, übermittelte es an die interessierten Parteien und will nun, nachdem die Einspruchsfrist abgelaufen ist, seinen Inhalt bekanntmachen.
Die aus den Professoren Alex Mauron, Alfredo Morabia, Thomas Perneger und Thierry Rochat bestehende Ermittlungskommission kam auf der Grundlage ihrer Untersuchungen zu der Schlussfolgerung, dass Prof. Rylander nicht als ein von der Tabakindustrie unabhängiger Forscher betrachtet werden kann, da er in seiner Rolle als Consultant dauerhafte und weitestgehend geheim gehaltene Verbindungen mit ihr unterhielt.
So geht aus zahlreichen Unterlagen hervor, dass Prof. Rylander in diesem Gebiet kaum je eine Initiative ergriff, ohne die Tabakindustrie, und vor allem den Philip Morris Konzern ausführlich darüber zu unterrichten. Zu seinen Ansprechpartnern gehörten nicht nur vom Konzern beschäftigte Wissenschaftler sondern auch die Juristen einer mit der Verteidigung der Interessen der Industrie beauftragten Anwaltskanzlei. Ausserdem entsprachen die von Prof. Rylander durchgeführten epidemiologischen Studien über das Passivrauchen Initiativen der Tabakindustrie, die im Einklang mit ihrer allgemeinen Strategie von diesen Untersuchungen eine Infragestellung der Folgen des Passivrauchens erwartete.
Die Universität zieht ihre Lektion
Ausgehend von diesen Schlussfolgerungen wird die Universität Genf die wissenschaftliche Gemeinschaft auf den schweren Verdacht hinweisen, der auf den Arbeiten des Prof. Rylander über die gesundheitlichen Folgen des Umgebungsrauchs lastet. So werden die Zeitschriften European Journal of Public Health, Archives of Environmental Health und International Journal of Epidemiology schriftlich informiert. Die Universität ist sich der mangelnden Wachsamkeit, die zum Zeitpunkt dieser Verstösse gegen die wissenschaftliche Integrität herrschte, bewusst und wird deshalb ausserdem vertiefte Überlegungen über die Beziehungen zwischen Hochschullehre und Privatsektor in Gang setzen, damit das unvoreingenommene Streben nach der wissenschaftlichen Wahrheit weiterhin das oberste Ziel der Alma Mater bleibt.
In diesem Sinne ruft das Rektorat all seinen Mitgliedern die bereits solide verankerten Verhaltensregeln über Transparenz und Offenlegung von Interessenskonflikten in Erinnerung, die ihre Beziehungen zur Universität, den Hochschuldepartements, den Organismen zur Finanzierung der Forschung und den wissenschaftlichen Zeitschriften betreffen. Eine spezifische Information soll sich überdies an junge Forscher richten, um sie in die Lage zu versetzen, bewusst ihrer Berufung nachzugehen und ohne Naivität und in genauer Kenntnis ihrer Rolle, ihre Zusammenarbeit mit der Industrie zu regeln.
Schliesslich hebt die Universität im Einklang mit den Empfehlungen des Berichts der Kommission hervor, dass die Verstösse des Prof. Rylander gegen die wissenschaftliche Integrität sich nur im Rahmen der Strategie verstehen lassen, die von der Tabakindustrie vor allem mit Blick auf die Nichtraucher entworfen wurde, um Zweifel an der Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens zu erwecken. Über das Schicksal einer Einzelperson darf nicht vergessen werden, dass die schwerste Schuld bei dem institutionellen und kommerziellen Riesen der Tabakindustrie liegt, dessen Ziele und Interessen in Widerspruch mit der öffentlichen Gesundheit und der medizinischen Wissenschaft liegen. In diesem Sinne soll es von nun an allen Universitätsmitgliedern untersagt sein, bei der Tabakindustrie eine Forschungsbeihilfe oder eine direkte oder indirekte Konsulentenfunktion zu beantragen.
Gleichzeitig ergreift sie die Gelegenheit, um auf politischer Ebene erneut die Notwendigkeit einer soliden öffentlichen Finanzierungsgrundlage für die biomedizinische Forschung zu bekräftigen. Der Finanzierungsmangel stellt sonst eine Gefahr für ihre ethischen Prinzipien dar, da aufgrund der steigenden Kosten in der Spitzenforschung die Kluft zwischen den Interessen der Allgemeinheit und gewissen Privatinteressen häufig unüberbrückbar scheint.
Abschliessend möchte die Universität Pascal Diethelm, Dr. Jean-Charles Rielle und den Professoren Anthony Hedley und Martin McKee, die eine wesentliche Rolle bei der Aufklärung dieses Falles spielten, ihren Dank aussprechen.
Der Ermittlungsbericht zum Fall Prof. Ragnar Rylander findet sich unter der folgenden Adresse: http://www.unige.ch/rectorat/pdf/Rapport_Rylander.pdf
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