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Manon – Biografie
Manon, geboren 26. Juni 1940 in Bern, Tochter eines renommierten Ökonomieprofessors und eines Mannequins, verbringt ihre Kindheit in einem ablehnenden und distanzierten Elternhaus in St. Gallen. Sie verlässt es bereits mit 15 Jahren, besucht die Kunstgewerbeschule, lebt allein in einem Hotelzimmer und heiratet verfrüht mit 16 Jahren. Die Erfahrungen ihrer Kindheit führen zu einem mehrmonatigen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, wo Manon die Künstlerin Sonja Sekula kennenlernt, was zu einer positiven Wende führt. Sie beginnt ein neues Leben in Zürich, besucht das Bühnenstudio, arbeitet als Grafikerin, Dekorateurin, Stilistin, Modezeichnerin und Fotomodell.
1967 begegnet sie ihrem zweiten Ehemann, dem Künstler Urs Lüthi. Sie wird Teil der Zürcher Subkultur, im Kreise von Luciano Castelli, H.R. Giger, Walter Pfeiffer, Sigmar Polke und Markus Raetz. Treffpunkt ist der legendäre Club Platte 27.
1972 eröffnet Manon mit ihren Einzelkreationen, die von der Welt des Varietés inspiriert sind, einen trendsetzenden Modeladen in der vibrierenden Altstadt von Zürich.
Nach der Trennung von Urs Lüthi beginnt die künstlerische Karriere von Manon mit der Installation Das lachsfarbene Boudoir, 1974 und Manon presents Man, 1976, die zu den wichtigsten Werken feministischer Kunst der Schweizer Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts gehören.
Es kommt zu einer Zäsur: Die plötzliche immense mediale Aufmerksamkeit lässt die menschenscheue Künstlerin 1977 nach Paris flüchten. Als Zeichen eines Neuanfangs und in Auflehnung gegen die traditionellen Frauenbilder schert sie sich den Kopf kahl. Mit diesem neuen Selbstbild bestimmt die Künstlerin das Medium Fotografie als ihre künstlerische Ausdrucksweise und erschafft ihre international bekannten Serien La dame au crâne rasé, 1977-78, Elektrokardiogramm 303/304, 1979, Die graue Wand oder 36 schlaflose Nächte, 1979 und Ball der Einsamkeiten, 1980. In diesen Werken zeigt Manon spielerisch unterschiedlichste Frauenbilder.
1982 folgt ihre dritte Heirat mit dem 18 Jahre jüngeren Sikander von Bhicknapahari, der bis heute ihre technischen Installationen errichtet. Zeitgleich beginnt die Künstlerin einen Entzug, der eine überlebenswichtige Schaffenspause von sieben Jahren einleitet.
1990, in der Lebensmitte, findet die Rückkehr in die Kunstwelt mit der Einzelausstellung Künstler Eingang im Kunstmuseum St. Gallen statt. Die Arbeiten Künstler Eingang und Das Damenzimmer, 1990, sind jetzt auf das Thema der Vergänglichkeit ausgerichtet. Weitere wichtige Arbeiten folgen: La stanza delle donne, 1996, Einst war sie MISS RIMINI, 2003, Borderline, 2008, Hotel Dolores, 2008-2011 und Selbstporträt in Gold, 2012, allesamt Werke, die national und international ausgestellt wurden (Kunsthaus Zürich, Aargauer Kunsthaus, Fotostiftung Schweiz, Museum der Moderne Salzburg, Centre Culturel Suisse Paris, Swiss Institute New York, Palazzo Ducale Genua).
Manon erhält mehrere nationale Preise und Stipendien, u.a. 1975 das Kiefer- Hablitzel-Stipendium für ihr Buch Manonomanie; 1980 das Eidgenössische Kunststipendium; 2008 den Prix Meret Oppenheim; 2013 den Grossen Kulturpreis der St. Gallischen Kulturstiftung.
Aktuell arbeitet die 83-jährige Künstlerin an Werken für die Gruppenausstellung ZEIT im Kunsthaus Zürich (22. September 2023 – 14. Januar 2024). Zeitgleich verfasst sie zwei neue Kunstbücher.