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Die geraubten Leben
Schulabbruch, Zwangsheiraten, frühe Schwangerschaften, Gewalt und früher Tod. Das sind die Auswirkungen der durch die COVID-19-Pandemie ausgelösten Krise für Millionen von Mädchen, die der Anfang Oktober präsentierte Global Girlhood Report 2020 auflistet. Eine halbe Million Mädchen wird allein in diesem Jahr wegen der Corona-Krise gewaltsam gezwungen zu heiraten. Das ist die Schätzung des am 1. Oktober veröffentlichten Global Girlhood Report 2020 der Organisation Save the Children. Gerechnet wird auch mit einer Million mehr Frühschwangerschaften, die für Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren die Haupttodesursache darstellt.
Denn die Pandemie treibt immer mehr Familien in die Armut. Die Ernährungsunsicherheit führt dazu, dass Eltern von Mädchen kaum Alternativen zur Zwangsheirat sehen. Häufig werden sie dann mit Männern verheiratet, die vom Alter her ihre Väter sein könnten. Dieses Phänomen stellt eine schwerwiegende Verletzung der Rechte von Jugendlichen dar. Die Mädchen sind ständiger Gewalt ausgesetzt und drohen bei der Geburt ihres Kinds zu sterben, weil ihr Körper dazu einfach noch nicht bereit ist. Andere Folgen sind Depressionen und sexuelle Gewalt. Die grösste Zahl solcher Eheschliessungen erfolgt in Südasien, gefolgt von West- und Zentralafrika, Lateinamerika und der Karibik.
Weitere Themen im Heft
Riesenkürbisse: Fragwürdige Rekorde und wer sie aufstellt
Kirche und Pornos: Offene Worte über ein Tabuthema
Autofreie Städte: Die Strategien der Verkehrsplaner
Natur: Das Geheimnis um die Farben Blau und Grün
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Hinterfragen ist eine Lebensaufgabe
Liebe Leserin, lieber Leser
Mit Sicherheit wurde auch Ihnen der Satz von Pythagoras eingetrichtert, die berühmte Gleichung a² + b² = c². Der Überlieferung nach war Pythagoras Mathematiker, Philosoph, politischer Reformer und vieles mehr. Aber er hat keine Schriften hinterlassen, die das belegen. Die mathematischen Entdeckungen, die Pythagoras zugeschrieben werden, basieren nur auf Vermutungen. Dennoch: Alle Schüler auf der Welt lernen den berühmten Pythagoras-Satz. Es geht dabei um die Tatsache, dass bei einem rechtwinkligen Dreieck das gebildete Quadrat aus dem a-Schenkel plus das gebildete Quadrat aus dem b-Schenkel immer dem Quadrat aus dem c-Schenkel entsprechen. Diese Tatsache war jedoch den Babyloniern viele Jahrhunderte zuvor schon bekannt, ebenso den Chinesen und Indern. Es war Vitruv, der die Entdeckung dieser Gleichung Pythagoras in seinem Werk «De architectura libri decem» einige Jahrhundert später zugeschrieben hatte. Das Werk war die erste lateinische Darstellung der Architektur sowie des damaligen Kenntnisstandes des Ingenieurwesens. Und es war Kaiser Augustus gewidmet. Aufgrund dieser Bedeutsamkeit war Pythagoras als Urheber der Gleichung a² + b² = c² der Nachwelt lanciert.
Laut Pythagoras-Experte Walter Burkert, der von 1969 bis 1996 an der Universität Zürich lehrte, hat Pythagoras sehr wahrscheinlich keinen einzigen Beitrag zur Arithmetik, Geometrie, Musiktheorie und Astronomie geleistet und dies auch gar nicht beabsichtigt. Das zeigt einmal mehr: Vieles ist anders als es erscheint. Hinterfragen ist deshalb eine Lebensaufgabe.
Herzliche Grüsse
Anton Ladner
Redaktionsleiter
Das Wochenmagazin für Kopf…
In den USA erkranken junge Männer häufiger an Darmkrebs als früher. Über die Ursachen wird noch gerätselt. Aber es gibt Hinweise auf neue Auslöser von Darmkrebs. Heute haben dreissigjährige Männer ein doppelt so hohes Risiko wie 70-jährige Männer.
Am Mittwoch vor einer Woche hat Russland über eine Verfassungs-Änderung abgestimmt. Die Revision hat nur einen Zweck: die Amtszeit von Präsident Putin zu verlängern. Was einen demokratischen Anschein hat, war ein Regierungsmanöver. Jeder, der die Opposition unterstützt, bekam das zu spüren. Die Porträts dreier Menschen, die nicht auf der Putin-Linie leben.
Anfang Juni zog die Europäische Polizeibehörde Europol Bilanz über ihre Massnahmen des vergangenen Semesters gegen den Schmuggel von Aalen. Denn der schlüpfrige Fisch ist akut vom Aussterben bedroht, noch bevor wir mit Sicherheit wissen, wie er sich überhaupt vermehrt.
Die psychische Widerstandskraft ist für einen Drittel aller Menschen genetisch gegeben. Die andern müssen bei kleinen und grossen Krisen mehr Energie aufwenden, um über die Runden zu kommen. Aber Resilienz kann man unabhängig vom Alter auch lernen und üben, vor allem im Berufsalltag. Es ist nie zu spät dafür.
Während der COVID-19-Pandemie mussten die Kirchen schliessen, was bei der öffentlichen Wahrnehmung der Seelsorge zu grossen Unterschieden führte. Einige Experten sprechen jetzt von verpassten Chancen, andere glauben derweil, dass die Kirchen verändert aus der Corona-Krise herausgehen. Christian Cebulj, Theologieprofessor in Chur, sieht in der Corona-Krise einen Katalysator für theologische und kirchliche Entwicklungen – im Positiven wie im Negativen. Er plädiert deshalb für eine Theologie der Hoffnung. Warum das neue Wachstumschancen eröffnet, begründet Christian Cebulj im folgenden Text.
Der kommerzielle Flugverkehr kam durch die COVID-19-Pandemie nahezu zum Erliegen. Das nährte den Traum vom Fliegen an schöne Ferienorte. Nun wird es wieder möglich, aber jetzt macht sich Angst breit. Die Fluggesellschaften sperren sich aus Rentabilitätsgründen gegen leere Sitze als Sicherheitsmassnahme.
Die COVID-19-Pandemie hat in öffentlichen wie in privaten Bereichen zu erheblichen Zumutungen und leidvollen Erfahrungen geführt. Inwiefern daraus aber auch neues Wachstum entstehen kann, beleuchtet Hanspeter Schmitt, Professor an der Theologischen Hochschule Chur, anhand entscheidender ethischer Stichworte. Ein Text mit klaren Perspektiven.
Flachs oder Leinen hat in der Schweiz als Kulturpflanze eine sehr lange Geschichte. Ganz verschwunden ist die vielseitige Pflanze hierzulande nie und heute erlebt sie als ökologische Alternative zu Baumwolle eine schüchterne Renaissance.
Brot backen ist in. Anschliessend postet man die Bilder auf Instagram, damit die Follower sehen, was man Tolles geschaffen hat. Der Versuch einer Erklärung des Phänomens, das mal harmlos, mal infantil und manchmal kulinarisch bemerkenswert ist.
Seit sich die Glarnerinnen und Glarner am 1. Januar 2011 in drei Einheitsgemeinden neu organisiert haben, kommen europaweit kein Zeitungsartikel und keine wissenschaftliche Arbeit zum Thema Gemeindefusionen mehr ohne Verweise auf die Glarner Gemeindereform aus. Dabei ist die wichtigste Einsicht aus der ersten Dekade des Glarner Experiments eine uralte: Gut Ding will Weile haben.
Die Wirkung der Versöhnung wird in der Gesellschaft unterschätzt. Das will die Konferenz «versöhnt leben» ändern. Im Februar hat sie zum ersten Mal in Bern stattgefunden, um die Chancen und Grenzen von Versöhnungsprozessen zu vertiefen. Die Resonanz war so gut, dass «versöhnt leben» zur Institution werden soll.
Auf einer einsamen Insel der Bahamas leben wilde Hausschweine, die sich über Besucher freuen. Sie schwimmen ihnen jeweils entgegen, weil sie sich von ihnen Futter erhoffen. Der Pig Beach ist deshalb ein beliebter Ausflugort geworden, was nun die Tiere gefährdet.
Vor rund 19 Jahren steckte Portugal mit 100 000 Heroinsüchtigen in einer ausweglos scheinenden Situation. Die Regierung sah in einer Entkriminalisierung des Drogenkonsums die Lösung. Heute steht Portugal mit dieser Politik als Vorbild da, denn die portugiesische Jugend konsumiert im Vergleich zur europäischen bedeutend weniger Drogen.
… und Herz
«Überall auf der Welt helfen tagtäglich Menschen einander, bereiten sich Freude, teilen miteinander und schenken − einfach so»
«Nur eine Globalisierung in Solidarität ist akzeptabel»
«Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und ewig neu, spät habe ich dich geliebt!»
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