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Kurz:
Madeleine und Neil wollen bei ihrem Freund Beaumont heiraten. Blöderweise ist Beaumont aber selbst maximal in Madeleine verliebt, so sehr, dass er sie vom Dorfmagier in einen gehorsamen Zombie verwandeln lässt.
Lang:
Wir schreiben das Jahr 1932. Mahatma Gandhi wird festgenommen und tritt in den Hungerstreik, Adolf Hitler erlangt die deutsche Staatsbürgerschaft, der Irak wird unabhängig von Großbritannien und in Los Angeles werden die Oscars zum fünften Mal verliehen. (Der Preis ging damals an „Grand Hotel“, wobei „White Zombie“ durchaus auch seine Chancen verdient hätte. Nicht.)
Bela Lugosi, bürgerlich mit dem knackigen Namen Béla Ferenc Dezsö Blaskó ausgestattet und noch auf der Erfolgswelle seiner Count Dracula Interpretation surfend, versuchte in „White Zombie“ den Kinogängern als Zombie-Leader ‚Murder‘ Legendre das Fürchten zu lehren. Die Welt schien aber noch nicht bereit für willenslose Kadaver und entsprechend schnell verschwand der Streifen vom Radar. So kam es, dass George A. Romero mit seinem „Night of the Living Dead“ als Godfather des Zombie-Genres gilt, obwohl eigentlich Regisseur Victor Halperin mit „White Zombie“ bereits 30 (!) Jahre vorher den ersten Zombie-Spielfilm aller Zeiten inszenierte. Da aber 1932 die Welt noch nicht ready für hirngeile Untote war, sind die Zombies in „White Zombie“ alles andere als gefährliche Killermaschinen. In diesem Streifen sind sie nur emotionslose Sklaven, welche primär mit weit aufgerissenen Augen herumglotzen und auf die Befehle ihres Masters (Lugosi) warten.
Ist „White Zombie“ ähnlich grandios wie „Night of the Living Dead“? Nein. Während NOTLD auch heute noch mit einer beklemmenden, düsteren Grundstimmung und pessimistischem Storytelling heraussticht, ist „White Zombie“ übertrieben und zu Teilen auch richtig lächerlich. Gut so. Finden wir.
Das Schauspiel ist von der ganz üblen Sorte, flankiert von einem Plot, welcher komplett übers das Ziel ausschiesst. Ein bisschen 30er-Romanze, ein bisschen Sklaven-Thematik und ein bisschen Voodoo, fertig ist der Zombie-Eintopf. Gemessen an seinem Alter, sogar „Plan 9 From Outer Space“ erschien 27 Jahre später, ist der Streifen wohl der erste Film, welcher dermassen schlecht ist, dass er wieder gut ist. (Auf jeden Fall ist er der älteste Streifen, welchen wir bisher im Rahmen der KULTMOVIEGANG rezensiert haben). Auch dank den üblen Schauspiel-Leistungen ist „White Zombie“ ein veritabler „Best Worst Classic“. Besonders Madge Bellamy als willenloses Braut-Zombie und John Harron als verzweifelter Neo-Wittwer toppen vieles, was wir unseren Augen schon zugemutet haben. #nichtwenig. Doch nicht alle Darstellungen sind aus der untersten Schublade. Besonders die Performance von Lugosi macht „White Zombie“ sehenswert. Sein unterkühltes, übertriebenes Schauspiel als dämonischer Ver- und Anführer macht Spass. (Und sein doppelter Ziegenbart ist ein unwiederstehlicher Hingucker). Lugosi, welcher heute zwar als Horror-Ikone gilt und 1994 von Martin Landau in Tim Burtons „Ed Wood„ verkörpert wurde, und Landau notabene einen Oscar einbrachte, wurde zu seinen Lebzeiten nie auch nur annähernd ein Star. Was irgendwie noch zu der ganzen „White Zombie“-Geschichte passt, oder?
Weil 1932 die Filme noch nicht mindestens 120 Minuten dauern mussten, erzählt „White Zombie“ seine Geschichte in ganzen 67 Minuten. Für viel mehr hat wohl das Geld nicht gereicht. Das Budget des Films wird nämlich heute auf $5000 geschätzt. Gedreht wurde der Streifen in satten 11 Tagen. Beides Tatsachen, die dem Film zu jedem Zeitpunkt angesehen werden können. Gut so. Sogar das Krähen der Krähen musste aus Kostengründen von Menschen übernommen werden. #kräächts.
Aber ACHTUNG: trotz des minmalen Budgets war „White Zombie“ seiner Zeit voraus. Der Film benutzte bereits Splitscreen-Darstellungen und führte sogar den Point-of-View-Shot ein! Hut ab. Zudem benannte Rob Zombie („The Devil Rejects“, „31“, „Halloween – The Bad One“) und Bela B. von den Ärzten borgt sich seinen Künstlernamen von Bela Lugosi. Noch Fragen?
Fazit:
Klar ist „White Zombie“ in die Jahre gekommen. Doch ein debiler Plot, komplett übertriebenes Schauspiel, ein Bela Lugosi in Hochform und eine technische Vielseitigkeit machen aus dem Streifen einen waschechten Klassiker, welcher noch heutzutage unverdientermassen ein Schattendasein fristet. Rise „White Zombie“. Rise!
„White Zombie“ gehört aufgrund seines Alters schon länger zur Public-Domain und kann hier entsprechend gratis und franko angeschaut werden. Enjoy!