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Wie eine Beteiligung von Fritz Mühlenweg an der 2. Deutschen Kunstausstellung in Dresden (1949; DDR) zustande kommen konnte, fand ich immer verwunderlich. In den Jahren nach 1946 waren einzelne Bilder von ihm allenfalls in Freiburg, Singen und Konstanz in Ausstellungen zu sehen. Reisen oder die Beförderung von Bildern durchs geteilte Nachkriegsdeutschland waren außerordentlich schwierig und sehr teuer.
Und wen konnte er in Sachsen kennen? Das in Dresden ausgestellte Bild „Bahnübergang“ ist inzwischen, dem Netz sei Dank, in einer Fotografie zu sehen: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/30121035
Im gerade erschienenen Buch „Otto Dix, Briefe“; hrsg. von Ulrike Lorenz, bearbeitet und kommentiert von Gudrun Schmidt (Wienand 2013) ist nun eine Spur zu finden. In einem Brief vom 30. 5. 1949 aus Hemmenhofen an seinen Meisterschüler (in der DDR/SBZ) Ernst Bursche schreibt Dix: „Die Maler hier sind alle bereit, an der Ausstellung in Dresden mitzumachen.“
Man hätte hier Namen nennen können wie: Heckel, Bissier… die beide am Bodensee lebten, und die mit Dix zusammen im Beiprogramm des „Ingenieurstags“ in Konstanz ausgestellt hatten; (Julius Bissier und Dix trafen sich im Mühlenwegschen Haus am 23. Juni 49.)
In der Anmerkung der verdienstvollen Brief-Edition wird erläutert: „Die Bereitschaft der westdeutschen Maler, sich an der Ausstellung zu beteiligen, bezieht sich wohl auf die Zweite deutsche Kunstausstellung in Dresden, bei der Dix Jurymitglied war.“ So also kam das Bild nach Dresden. Der politische Hintergrund war dramatisch: Der Kalte Krieg hatte schon im Jahr zuvor den zweiten und letzten Schriftstellerkongress scheitern lassen, an dem sich Autoren der getrennten deutschen Zonen beteiligt hatten. Die einzige Zeitschrift, die von der SBZ / DDR aus den kulturpolitischen Zusammenhalt versuchte, Alfred Kantorowicz’ “Ost und West” wurde Ende 1949 eingestellt. Otto Dix, der 1949 noch in der Jury der Dresdner Ausstellung mitentschied, erlebte 1951, dass seine eigenen Bilder in Ostdeutschland ausjuriert wurden.
Mühlenweg war in jenem Frühsommer – als sein Freund Dix ihm die Beteiligung in Dresden vorschlug – mehr am Schreiben interessiert. Im Juni 1949 gab er in einem Brief an Nelly Dix in Hemmhofen die Fortschritte in seinem mäandernden ersten Roman durch, ohne zu ahnen, dass er noch ein weiteres Jahr an Schreibarbeit (oder auch: Schreibvergnügen) vor sich hatte. Ein Zitat aus seinem Brief ist inzwischen im Mühlenweg-Museum Allensbach auf seinem Schreibtisch zu sehen:
„Uns geht es unbeschrieen gut und zu tun haben wir auch, und Großer Tiger ist endlich am Edsingol angelangt, aber ach, wann wird er endlich in Urumtschi eintreffen? Ich habe einen neuen (alten) Schreibtisch gekriegt, nicht weil ich Geburtstag hatte, aber weil sich die Ziehmutter eine besser Arbeitsleistung davon versprach. Er ist prachtvoll mit Lederbänden und Goldschnitt, aber es ind keine Bücher obgleich „Gil Blas Vol I und Vol II“ draufsteht, sondern das sind geheime Schubladen und darum musst Du Dir das selbst betrachten.“
Als “In geheimer Mission durch die Wüste Gobi” 1950 erschien, kürzte Mühlenweg im Vorwort von Sven Hedin eine Stelle, die ihm politisch unklug vorkam und von der er annahm, dass sie das Erscheinen des Buchs in der ostdeutschen Zone erschweren würde. Er wollte sich, wie schon bei seiner Beteiligung an der Dresdner Kunstausstellung, aus den harschen kulturpolitischen Weichenstellungen des Kalten Kriegs heraushalten. Eine Ausgabe seines Romans in einem DDR-Verlag kam dennoch nicht zustande.