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Als Informatik bezeichne ich den spezifischen Teil der Technik, in welchem programmierbare Automaten entwickelt werden. Mit der Wortendung "-ik" verweise ich im Falle von Techn-ik und Informat-ik auf eine relative Indifferenz zwischen Gegenstand und Widerspiegelung, die ich beispielsweise durch die Wortendung "-logie" in Technologie aufhebe, weil ich damit im Sinne eines re-enrtys eine Lehre zur Technik bezeichne, die im Ausdruck Technik mitgemeint ist. Letzeres zeigt sich umgangssprachlich invers darin, dass oft von Technologie gesprochen wird, wo Technik gemeint ist.
Die Informatik hat - wenn man von der relativ technikabstrakten Kommun-ik-ologie absieht - keine eigene Logie, ihr Gegenstand wird gemeinhin in der Technologie behandelt.
Ich unterscheide
Hier behandle ich die Geschichte der Disziplin "Informatik", oder anders gesagt, die Institutionalisierung der Informatik als Beruf mit zugehörigen Geschäftsfeldern und mit einer spezifischen Ausbildung, die in Lehrplänen von Ausbildungsinstituten bestimmt ist.
Die Ausbildungen zeigen die Differenzierung am deutlichsten, in der Berufspraxis wird die Differenzierung weitgehend aufgehoben oder entdifferenziert. Die Ausbildung sehe ich als Differenzierung der Disziplinen Elektrotechnik und Mathematik, die beide in einer Art re-entry aufgehoben werden.
Es gibt verschiedene Ausbildungen vom Anwenderkurs bis zum Hochschulstudium. Ich beobachte hier die akademische Entwicklung (oder die Autopoiese des Funktionssystems "Informatik").
Die Disziplin hat verschiedene Ursprünge, weil Computer in verschiedenen Zusammenhängen entwickelt und verwendet wurden. Es gibt verschiedene Wörter und verschiedene Begriffe (von den verschiedenen Sprachkulturen ganz abgesehen)
Hier behandle ich die Geschichte der Informatik unter dem Gesichtspunkt der Programmierung, weil ich in der Programmierung das ausdifferenzierte Wesen der - hier gemeinten - Informatik sehe. Als Informatik bezeichne ich die Institution des Programmierens, es ist das Entwickeln von Programmiersprachen oder Programmierumgebungen, die ihrerseit programmiert werden. Bei den Programmen gibt es quasi sichtbare und hintergründige, im Internet etwa den Browser und die Protokolle.
Wenn ich von einer Autopoiese spreche, bezeichne ich in gewisser Hinsicht einen spezifischen Moment einer dort geteilten Entwicklung. Wenn ich beispielsweise von der Entwicklung des Menschen spreche, unterscheide ich in diesem Sinne eine naturhistorische Entwicklung innerhalb des Tierreiches, die mit dem Auftreten des Menschen abgeschlossen ist, und eine sozialhistorisch Entwicklung des Menschen, die mit dem Auftreten des Menschen beginnt und in welcher sich nicht mehr der Mensch, sondern dessen Lebensverhältnisse als Kultur entwickeln. Menschen kann ich beispielsweise - wenn mir das gefällt - als toolmaking animals sehen. Dann beobachte ich im Tierreich eine Entwicklung hin zur Verwendung von Objekten, welche am Schluss den Menschen als Herstellenden hervorbringt, und eine zweite Entwicklung, in welcher sich die Menschen dadurch entwickeln, dass sie ihre Werkzeuge entwickeln" (Todesco, Geld, 2013, S. 127).
Wenn ich die Entwicklung der Informatik in diesem Sinne beobachte, unterscheide ich eine Entwicklung innerhalb der Elektrotechnik zu programmierbar geregelten Maschinen, die mmit der Erfindung des "Computers" abgeschlossen ist, und eine Entwicklung der Programmierung, die mit dem (auf der Welt sein des) "Computer" beginnt.
Wenn ich die Entwicklung der Programmierung beobachte, unterscheide ich eine Entwicklung innerhalb der Elektrotechnik, in welcher die Programmierung - quasi tacit - als Teil der Entwicklung des Computers gesehen wurde, und eine Entwicklung, in welcher die Programmierung durch die Erfindung der sogenannten Programmiersprachen zu einer eigenen Disziplin ausdiffernzierte.
Anschaulich wird die kritische Phase dieser Autopoiese etwa bei K. Zuse thematisiert, der sich als Erfinder seines Computers natürlich mit dessen Programmierung befassen musste, aber dafür noch keine "Informatik" zur Verfügung hatte. Er bezeichnete seine Programmierlogik - erst relativ spät - als Plankalkül und meinte noch später, dass er mit diesem Plankalkül die Programmiersprache erfunden habe - was ja ganz unerheblich ist.
Solange die Maschinenkonstrukteure die Programme selbst konstruierten, hatten sie keinen Bedarf das Programmieren speziell zu beschreiben, sie "schrieben" Programme, wobei auch das Schreiben lange nur in einem metaphorischen Sinn ein Schreiben war. Praktisch war es ein Stöpseln von Kabelverbindungen oder ein Lochen von Karten. Das war in der Terminologie von K. Zuse ein "geplantes" und "logisches" Handeln, weshalb er von einem "Plan.." und einem "..Kalkül" gesprochen hat.
Das bewusste Programmieren hat seinen Anfang darin, dass bestimmte Tätigkeiten der ersten Computerkonstrukteure - arbeitsteilig - ausgelagert wurden. Die Grundlage dazu hatte der Mathematiker G. Prony geschaffen, der die "geistige" Arbeit von teuren Mathematiker bei Erstellen von Logarithmentabellen so zerlegt hatte, dass einfache Teile von billigen Arbeitskräften ausgeführt werden können, was schon für C. Babbage eine entscheidende Inspiration war. Natürwüchsigerweise gab es Hilfspersonal für allerlei Aufgaben, die Computerräume wurden ja kaum von den Mathematikern geputzt. Die dafür zuständigen Mitarbeiterinnen konnten auch wiederkehrende Aufgaben des Programmierens übernehmen, etwa wenn bei der Eniac die Kabelverbindungen einem fixen Schema folgend nue gesteckt werden mussten. Auf diese Weise entwickelte sich auch bei der Programmierung eine Teilarbeit, die von Handlangern und von Handlangerinnen, die zunächst Sekretärinen waren, ausgeführt wurde. Am Anfang waren dem entsprechend ein beachtlicher Teil der Programmier Frauen.

Einigen dieser Frauen wird nachgesagt --- prgrammierten und ihr Wissen weiter vermitteln sollten - schafften sie eine neue Erklärungsebene und damit die Grundlage für ein Compiliren - das genau deshalb auch so heisst ...

Programmiererin Betty Jennings (links) und Frances Bilas Spencer (rechts) arbeiten am ENIAC-Bedienfeld an der Moore School of Electrical Engineering
Die ersten Programmiersprachen wurden mit dem expliziten Anliegen entwickelt, dass auch relative Idioten programmieren konnten. Da sich dieses Anliegen rasch als idiotisch erwies, begann die Entwicklung von Programmierumgebungen zum eigentlichen Thema der daraus entstehenden Informatik zu werden. Ab 1970 gibt es eine eigenständige Ausbildung zum Informatiker, in welcher Mathematik und Elektrotechnik nicht mehr im Zentrum stehen.
Informatik wurde an der ETH - immerhin ein weltweit führende technische Hochschule - erst 1981 zu einer eigenständigen Abteilung. Die Uni Zürich war mit dem Ifi etwas schneller.
Am 1. September 1969 begann die Technische Universität Dresden als erste Hochschule der DDR mit der Ausbildung von Dipl.-Ing. für Informationsverarbeitung. Ebenfalls 1969 begann die Ingenieurschule Furtwangen (später Fachhochschule Furtwangen) mit der Ausbildung, hier noch Informatorik genannt. Im Wintersemester 1969/70 begann die Universität Karlsruhe (heute Karlsruher Institut für Technologie) als erste bundesdeutsche Hochschule mit der Ausbildung von „echten“ Diplom-Informatikern. Im Wintersemester 1970/71 folgte die Technische Universität Wien mit der Studienrichtung Informatik und der Ausbildung zum Diplomingenieur. Wenige Jahre darauf gründeten sich die ersten Fakultäten für Informatik, nachdem bereits seit 1962 an der Purdue University ein Department of Computer Science bestand. Heute wird die Informatik weder eindeutig als Ingenieurwissenschaft noch als Strukturwissenschaft klassifiziert, sondern als eine Disziplin, die sowohl über ingenieurwissenschaftliche als auch strukturwissenschaftliche Seiten verfügt.
C. Prony 1755-1839
C. Babbage 1792-1871
F. Taylor 1856-1915
G. Hopper 1906-1992