Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03419.jsonl.gz/1177

In der aktuellen Pandemie liegt eine der grössten Herausforderungen für den EuroAirport darin, die Liquidität zu sichern. Dieses Ziel verfolgt der binationale Flughafen unter anderem mit drastischen Investitionskürzungen. Nicht betroffen davon sind hingegen Investitionen in den Umweltschutz und insbesondere in die Reduktion des Fluglärms. Diese Themen haben während der Pandemie sogar noch an Priorität gewonnen.
Vordringliches Umweltthema jedes Flughafens ist die Reduktion des Fluglärms. Dies ist auch beim EuroAirport nicht anders. 2018 wurde ein entsprechender Massnahmenplan festgelegt. Der pandemiebedingte drastische Einbruch des Flugverkehrs und der signifikante Rückgang des Fluglärms führten zu keinen Anpassungen der ambitiösen Pläne.
Verbot von Starts zwischen 23 und 24 Uhr und Verschärfung der lärmtechnischen Anforderungen
Unter der Federführung der Aufsichtsbehörden lancierte der Flughafen letztes Jahr das Verfahren des «Ausgewogenen Ansatzes» (Approche équilibrée) und gab eine entsprechende Studie in Auftrag. Dabei geht es darum, mögliche Massnahmen zur Verringerung der nächtlichen Lärmbelastung zu evaluieren. Das Resultat aus diesen umfangreichen Abklärungen sind zwei konkrete Anträge an die französische Zivilluftfahrtbehörde DGAC (Direction Générale de l'Aviation Civile): Das Verbot aller geplanten Starts zwischen 23 und 24 Uhr und die Verschärfung der heute geltenden lärmtechnischen Anforderungen an Flugzeuge zwischen 22 und 6 Uhr. Der Stand der Arbeiten fasst Flughafendirektor Matthias Suhr wie folgt zusammen: «Bis am 11. Mai dauert die dreimonatige Anhörung in Frankreich, der Schweiz und in Deutschland. Danach wird die französische Aufsichtsbehörde DGAC die Rückmeldungen zusammenstellen, analysieren und mögliche Anpassungen am Betriebsreglement des Flughafens vornehmen. Dann wird der definitive Erlass im Gesetzesblatt Frankreichs veröffentlicht und der Europäischen Kommission für eine Dauer von sechs Monaten zur Stellungnahme vorgelegt. Sofern keine Rechtsmittel ergriffen werden, könnte der Erlass zu Beginn des Jahres 2022 in Kraft treten.»
Einführung einer Obergrenze für den Fluglärm
Als zweite wichtige Massnahme zur Reduktion des Lärms plant der Flughafen, eine sogenannte begrenzende Lärmkurve im Jahr 2022 einzuführen. Damit möchte der EuroAirport den Anwohnern und den Gemeinden eine langfristige Planungssicherheit geben. Matthias Suhr dazu: «Mit dieser Deckelung des Fluglärms sichern wir unseren Stakeholdern eine verlässliche Obergrenze für den Fluglärm zu; sie darf nicht überschritten werden.» In Zusammenarbeit mit den verschiedenen betroffenen Parteien ist der EuroAirport daran, diesen maximalen Lärmwert zu definieren. Damit soll auch die im französischen Lärmvorsorgeplan PPBE für 2022 vorgesehene Massnahme zeitgerecht umgesetzt werden.
Zum Massnahmenbündel des PPBE zählt auch die Einführung von TraVis (kurz für «Track Visualisation»). Mit diesem Online-Tool bietet der Flughafen seinen Stakeholdern ein transparentes Monitoring des Flugbetriebs an. Seit Oktober 2020 können die Flugspuren und Lärmdaten von an- und abfliegenden Flugzeugen online verfolgt werden. Der Flughafen verfügt über fest installierte Lärmmessstationen und eine mobile Lärmmessstation sowohl am Flughafen als auch in den umliegenden Gemeinden. Vor verschiedenen Kartenhintergründen liefert die Software Informationen zu Flugbewegungen, Messstellen und Lärmdaten.
Lärmmessstation (Foto: EuroAirport)
10 Lärmmessstationen sind im Umkreis des Flughafens aufgestellt und dienen dem Lärmmonitoring, 5 befinden sich auf der Flughafenplattform. Ausserdem verfügt der Flughafen über eine mobile Lärmmessstation.
CO2-Neutralität soll bereits 2030 erreicht werden
Auch in Bezug auf den eigenen CO2-Fussabdruck verfolgt der EuroAirport laut Matthias Suhr ehrgeizige Ziele: «Wir haben 2020 entschieden, dass wir für den Flughafen die CO2-Neutralität bereits 2030 erreichen wollen.» Letztes Jahr hat der EuroAirport die Rezertifizierung «Airport Carbon Accreditation» (ACA) der Stufe 2 erhalten. ACA ist ein durch den europäischen Flughafenverband ACI Europe eingeführtes, unabhängiges Zertifizierungssystem für Flughäfen zur Erfassung und Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Das Programm besteht aus vier Zertifizierungsstufen. Die Stufe 2 bedeutet, dass ein Managementplan mit konkreten Reduktionszielen vorhanden ist und die Einhaltung dieser Ziele überprüft wird. Der Flughafen arbeitet nun daran, die Stufe 3 zu erreichen.
Station, um die Luftqualität zu messen (Foto: EuroAirport)
Seit Mai 2020 kauft der EuroAirport nur noch erneuerbare Elektrizität, sowohl für sich selbst als auch für seine Partner auf der Plattform, die den Strom über den EuroAirport beziehen. Es handelt sich um «zertifizierten» Strom, der auf erneuerbare Weise und ohne Kohlenstoffemissionen erzeugt wurde, also beispielsweise durch Wasserkraft, Windkraft- oder Photovoltaikanlagen. Zudem soll die Gas-Heizungsanlage des Flughafens bis 2025 durch den etappenweisen Anschluss an eine Fernwärmenetz, welches durch eine Biomasse-Heizzentrale betrieben wird, ersetzt werden. Diese beiden Massnahmen werden den CO2-Ausstoss um rund 90 % verringern.
Geplante Biomasse-Heizzentrale des Fernwärmenetzes (Fotomontage: Ville de Saint-Louis)
Wo sich Fuchs und Hase «Gute Nacht» sagen
Die meisten kennen das Flughafengelände nur aus weiter Distanz – aus der Sicht der Flugzeugkabine während eines Starts oder einer Landung. Es lohnt sich aber mal näher hinzuschauen, denn die biologische Vielfalt ist für eine Gelände, das nicht als Naturschutzgebiet gilt, erstaunlich gross. Anlässlich der Zertifizierung des EuroAirport durch zwei Biodiversitäts-Vereinigungen – der Schweizer Stiftung «Natur & Wirtschaft» und deren Pendant im Elsass, der französischen Vereinigung «Biodiversité pour tous» – wurden im Untersuchungsgebiet 112 Insekten-, 6 Amphibien-, 9 Fledermaus-, 59 Vogel- und 259 Pflanzenarten gezählt.
Klatschmohn auf dem Flughafengelände (Foto: EuroAirport)
Zwischenzeitlich zählen auch Hasen zu den Bewohnern des Flughafengeländes. Da Hasen eine Gefahr für den Flugverkehr darstellen können, werden sie regelmässig von der Flughafenfeuerwehr mittels Fallen eingefangen und in einem Gebiet mehrere Kilometer nördlich des Flughafens wieder freigelassen. In dieser Zone wurde ein Jagdverbot erlassen, damit sich die Tiere in Ruhe wiederansiedeln und fortpflanzen können. Seit Beginn der Aktion konnten so bereits mehr als ein Dutzend Hasen sich in ihrer neuen Heimat ansiedeln.
Hase, der auf dem Flughafengelände eingefangen wurde (Foto: EuroAirport)
"Dies zeigt, dass sich eine intakte Ökologie und der Flughafenbetrieb keineswegs ausschliessen müssen. Mit den richtigen Massnahmen ist beides möglich", betont Dr. Sebastian Deininger, Leiter Verkehr, Raumplanung, Energie und Umwelt bei der Handelskammer beider Basel.