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Ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine genetisch bedingte Krankheit, die den Enzymhaushalt des menschlichen Körpers betrifft. Sie kann verschieden schwere Schädigungen von Lunge, Bronchien und Leber hervorrufen.
Von keinen oder leichten Beschwerden reicht die Schwere der Symptome bis zu lebensbedrohlichen Zuständen. Eine Heilung ist nur durch eine Lebertransplantation möglich. Diese birgt jedoch hohe Risiken und wird nur bei lebensbedrohlichen Zuständen in Erwägung gezogen. Durch ein angepasstes Verhalten und medikamentöse Behandlung lässt sich heutzutage gut mit dieser Störung des körpereigenen Stoffwechsels umgehen.
Alpha-1-Antitrypsin ist ein Eiweissstoff, der die Aktivität verschiedener körpereigener Enzyme hemmt. Wird durch eine ungünstige, von den Eltern vererbte Genkombination nicht genügend Alpha-1-Antitrypsin gebildet, kann die Wirkung verschiedener Enzyme in zahlreichen Körpergewebepartien nicht mehr kontrolliert werden. Dadurch entstehen vor allem Schäden an der Lunge, manchmal ist auch die Leber betroffen. Ein Risikofaktor von höchstem Ausmass ist Rauchen. Möglicherweise leidet eine betroffene Person an Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, jedoch in milderer Form, sodass unter normalen Umständen keine Gewebeschäden und damit Einschränkungen des Lebens auftreten würden. Durch eine Vielzahl ungünstiger Faktoren, unter denen das Rauchen der massivste ist, kann nun der ursprünglich wenig belastende Eiweissmangel zu verschiedenen, teils drastischen Krankheitszeichen führen.
Eine Mutation (also eine dauerhafte Veränderung) im Erbgut an der Stelle, die den Alpha-1-Antitrypsin-Haushalt beeinflusst, ist nicht selten. Gleichwohl muss eine solche genetische Abweichung nicht immer zu merklichen körperlichen Einschränkungen oder Krankheitsbildern führen. Vielmehr können Mutationen auch ein echter evolutionärer Vorteil sein. Veränderung des Erbguts ist nicht immer Veränderung zum Schlechten. Untersuchungen legen nahe, dass Mutationen im Erbgut des Menschen, die Alpha-1-Antitrypsin betreffen, bereits seit der Eisenzeit (also seit über 2000 Jahren) die menschliche Entwicklung begleiten. Ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel kann auch kurzfristig positive Aspekte für die betroffene Person haben. Seit die Lebenserwartung der Menschen durch verschiedene Faktoren erheblich gesteigert wurde, beschäftigt sich die Medizin mit dem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel als Erkrankung, die im längeren Verlauf erhebliche Schäden mit sich bringt.
Alpha-1-Antitrypsin ist ein sogenannter Proteinasen-Inhibitor (Enzymhemmer). Eine Proteinase ist ein Enzym, ein vom Körper gebildeter Stoff, der bestimmte Vorgänge unterstützt, beschleunigt oder überhaupt ermöglicht. Alpha-1-Antitrypsin hemmt die Funktionsweise von Enzymen, vor allem von Trypsin und Neutrophiler Elastase. In der Lunge werden Fremdkörper (z.B. Staubteilchen oder Keime) durch weisse Blutkörperchen bekämpft, indem beispielsweise Neutrophile Elastase freigesetzt wird, um den Fremdkörper zu eliminieren. Die Menge und Lebensdauer dieser im Grunde nützlichen Enzyme wird durch Alpha-1-Antitrypsin reguliert.
Mittlerweile steht eine fehlerhafte Gensequenz fest, die den Mangel verursacht, verschiedene Arten dieser Abweichungen lösen verschiedene Krankheitsverläufe aus. Bekommt ein Kind von beiden Eltern den Gendefekt vererbt (homozygote Form) sind die Folgen des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels schwerer als wenn nur der Vater oder die Mutter den Gendefekt weitergegeben hat (heterozygote Form).
Die positive Seite des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels ist, dass Enzyme Infektionen der Atemwege ungehindert und damit effektiv bekämpfen können. Die Gefahr ist allerdings, dass sie auch gesundes Gewebe zerstören und ungehindert über lange Zeit den Körper selbst schädigen. Dies führt vor allem in der Lunge zu Einschränkung und Abbau der Lungenbläschen. Daraus folgt möglicherweise ein Lungenemphysem, welches durch gestörten Gasaustausch und darauffolgenden Sauerstoffmangel im Körper entsteht. Ähnliche Vorgänge können zu einer Leberzirrhose führen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein vererbter Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zu erheblichen Schäden führt, steigt mit den Belastungen, denen der Körper zusätzlich ausgesetzt wird, wie beispielsweise Rauchen, häufige Infekte, schlechte Luftqualität und eine allgemein ungesunde Lebensweise.
Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel betrifft Stoffwechselvorgänge im gesamten Körper. Besonders schwere Symptome entstehen jedoch in erster Linie in der Lunge und auch in der Leber. Die Anzeichen bei einer geschädigten Lunge treten zunächst bei Anstrengung auf, später ebenso im Ruhezustand. Typische Merkmale sind:
Diese Symptome werden auch unter dem Begriff chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zusammengefasst; ähnlich wie Asthma ist eine COPD ein Zusammentreffen verschiedener Merkmale, deren Ursachen vielfältig sein können. Im schlimmsten Fall kann sich eine solch schwerwiegende Lungenerkrankung soweit steigern, dass Atemversagen, Herzschwäche oder sogar ein Multiorganversagen eintreten können. Ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel macht sich meist nach dem 30. Lebensjahr bemerkbar und die Beschwerden werden fortschreitend häufiger und gravierender. Neben der hauptsächlich betroffenen Lunge kann auch die Leber durch das Fehlen von genügend Enzymhemmer Schaden nehmen.
Bereits nach der Geburt erleiden ca. zehn Prozent der Neugeborenen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel eine Entzündung der Leber mit Ikterus (Gelbsucht). Glücklicherweise heilt diese nach wenigen Wochen häufig von selbst aus. Im höheren Lebensalter kann neben der massiven Lungenschädigung mit Lungenemphysem und nachgeburtlicher Leberentzündung eine chronische Hepatitis bis hin zu einer Leberzirrhose auftreten. In etwa 15 Prozent einer chronischen Entzündung der Leber entwickelt sich Leberkrebs. Noch seltener können sich schmerzhafte Knoten im Fettgewebe der Unterhaut bilden. Ausserdem führt ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel möglicherweise zu Nierenversagen, Gefässentzündungen oder Entzündungen oder Vernarbungen der Bauchspeicheldrüse.
Obwohl die Erkrankung nach Rauchen die zweithäufigste Ursache für ein Lungenemphysem ist, ist die Diagnose nicht einfach zu stellen. Die Mehrdeutigkeit der vorliegenden Lungen-Symptome lässt zunächst nicht an eine schwerere Erkrankung denken. Bei Rauchern und Raucherinnen gehen wir erst einmal davon aus, dass die Sucht der Auslöser für die Lungenprobleme ist, was bei einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel nur zum Teil zutrifft.
Sollten Sie die beschriebenen Symptome bei sich feststellen, können Sie uns einen ersten Hinweis geben. Wir können dann eine Blutuntersuchung veranlassen, bei der die vorhandene Menge des Alpha-1-Antitrypsins gemessen wird. Die normale Konzentration des Enzymhemmers beträgt zwischen 150 und 300 mg/dl (Milligramm pro Deziliter). Liegt der Wert unter 90 mg/dl spricht man von einem eindeutigen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, bei unter 50 mg/dl sind oft schon schwere Lungenschäden vorhanden. Wenn bei der oder dem Betroffenen zum Messzeitpunkt eine Infektion mit beispielsweise dem Influenza-Virus vorliegt, kann der Alpha-1-Antitrypsin-Spiegel kurzfristig höher liegen, da das Immunsystem die akute, von aussen verursachte Entzündung bekämpft. Eine gleichzeitige Beobachtung des CRP-Wertes (ein Entzündungsanzeiger) ist daher sinnvoll.
Liegt ein gemessener Alpha-1-Antitrypsin-Mangel vor, so werden wir zur endgültigen Sicherstellung gegebenenfalls eine genetische Untersuchung veranlassen. Dafür genügen schon wenige Bluttropfen. Eine solche Diagnose mittels Genotypisierung wird empfohlen für:
Bei einer erkrankten Person mit Symptomen, die unter anderem auf einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel schliessen lassen, kommen auch einige andere Erkrankungen in Frage. Um die verschiedenen Krankheitsbilder gegeneinander abzuwägen, müssen möglichst viele Hinweise gesammelt werden. Eine körperliche Untersuchung kann Verfärbungen der Haut ergeben. Eine bläuliche Färbung zeigt Sauerstoffmangel durch Lungenemphysem, gelbliche Färbung deutet auf Leberschäden hin. Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall offenbaren den genauen Zustand der inneren Organe, ergänzend kann bei einer Biopsie Gewebe zur weiteren Analyse entnommen werden. Der Gentest ist im Fall eines Alpha-1-Antitrypsin-Mangels die aufschlussreichste und sicherste diagnostische Methode.
Da dem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel eine Mutation des Erbmaterials zugrunde liegt, kann der Erkrankung nicht vorgebeugt werden. Einen immensen Einfluss auf die Auswirkung des Mangels des Enzymhemmers hat jedoch die oder der Betroffene selbst. Schwerste Krankheitsverläufe mit Organschäden und lebenseinschränkenden bis lebensbedrohlichen Zuständen lassen sich unter anderem so vermeiden:
Eine Früherkennung durch einen Gentest ist jederzeit möglich. Den Alpha-1-Antitrypsin-Mangel können Sie über diesen Test diagnostizieren lassen, auch wenn Sie keine Symptome haben. Vorbeugend können Sie einen gesunden und immunstärkenden Lebensstil führen und versuchen Infekten vorzubeugen. Durch eine Stärkung von Lunge, Leber und Immunsystem unterstützen Sie Ihren Körper bei der Ausbildung einer guten Gesamtgesundheit und erhalten sich im Optimalfall – trotz eines genetischen Alpha-1-Antitrypsin-Mangels – eine hohe Lebensqualität.
Je nachdem wie schwer die Veränderung des Erbguts ist, sind auch die Folgen eines Alpha-1-Antitrypsin-Mangels:
Ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel macht sich vor allem nach dem 30. Lebensjahr bemerkbar und die Beschwerden werden fortschreitend häufiger und gravierender. Die häufigste Folge des Enzymhemmer-Mangels ist eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung mit folgendem Lungenemphysem, einer Aufblähung der Lunge durch gestörte Funktion der Lungenbläschen. Dies kann sich im schlimmsten Fall soweit steigern, dass Atemversagen, Herzschwäche oder sogar ein Multiorganversagen eintreten können. Neben der hauptsächlich betroffenen Lunge kann auch die Leber Schaden nehmen.
Im höheren Lebensalter entwickelt sich möglicherweise eine chronische Hepatitis (Leberentzündung) bis hin zu einer Zirrhose, in etwa 15 Prozent der Fälle erkranken die Betroffenen an Leberkrebs. Selten können sich schmerzhafte Knoten im Fettgewebe der Unterhaut bilden, ausserdem führt ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel möglicherweise zu Nierenversagen, Gefässentzündungen oder Entzündungen oder Vernarbungen der Bauchspeicheldrüse. Eine lange andauernde chronisch-obstruktive Lungenerkrankung oder eine schwerste Schädigung der Leber kann eine jeweilige Organtransplantation erforderlich machen. Wird die Leber ersetzt, so ist damit der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel geheilt, da die Bildung von Alpha-1-Antitrypsin in der neuen Leber aufgrund des anderen Erbguts ganz normal abläuft.
Die Behandlung eines Alpha-1-Antitrypsin-Mangels setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Ob sie erfolgreich ist, hängt auch vom Verhalten der betroffenen Person ab. Nur wenn diese ihre Situation ernst nimmt, kann sie durch einen angepassten Lebensstil den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Wenn Sie einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel und dessen Folgen entgegenwirken wollen, dann müssen Sie selbst aktiv werden. Andernfalls können die von uns getroffenen Massnahmen nicht wirken.