Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03581.jsonl.gz/2056

Geschichte
Gründung
Am 7. August 1975 trafen sich einige Schmiedemeister aus den Kantonen Thurgau und Zürich, sowie mehrere sympathisierende Persönlichkeiten aus der Wirtschaft der Region im Restaurant „Kreuz“ in Alt-Paradies beim thurgauischen Schlatt. Diese insgesamt 13 Personen gründeten dort die Schmiedezunft „Eligius“ mit den folgenden
Zielsetzungen
· Schutz und Pflege des Schmiedehandwerks.
· Bewahrung von berufskulturellen Werten.
· Förderung eines tüchtigen Berufs-Nachwuchses.
· Pflege der Geselligkeit.
Namensgebung
Namensgeber der Zunft ist Eligius (lat. der Auserwählte), der Schutzpatron der Schmiede. Er wurde um 588 in Chaptelat bei Limoges in Frankreich geboren und starb am 1. Dezember 660 in Noyon (F). Vorerst wirkte er am fränkischen Hof als Münzmeister und Goldschmied, war ein grosser Wohltäter, kaufte Sklaven frei und gründete einige Kirchen. 639 wurde er zum Priester und nur zwei Jahre darauf zum Bischof von Noyon geweiht. Von den zahlreichen überlieferten Legenden wird über eine besonders häufig berichtet: Eligius soll, bevor er das Goldschmiedehandwerk erlernte, ein ausgezeichneter Hufschmied gewesen sein. Eines Tages, nachdem er ein Pferd beschlagen hatte, kam ein Fremder zu ihm. Dieser lobte seine Arbeit, schlug ihm aber eine andere Methode vor. Man brachte also dem Fremden ein Pferd, dessen Bein er abschnitt, auf dem Amboss mit einem neuen Hufeisen beschlug und anschliessend wieder ansetzte. Eligius wollte es ihm gleichtun, aber natürlich gelang es ihm nicht, das Bein wieder anzusetzen. Als der Fremde wieder erschien, erkannte Eligius Gott den Schöpfer in ihm und begriff, dass ihm eine Lehre der Demut erteilt wurde. Zu Ehren ihres Schutzheiligen und Namensgebers treffen sich die Zünfter mit ihren Partnerinnen jeweils an einem Samstag Ende November zur traditionellen „Eligius-Feier“
Aktivitäten
Es war der Schmiedezunft Eligius stets ein grosses Anliegen, das Schmiedehandwerk und sein weitgefächertes Umfeld mit gezielten Aktivitäten einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen.
1976
Die Ausstellung „Eisen, Schmiedehandwerk, Kunsthandwerk, Kunst“ im Klostergut Paradies bei Schlatt TG wurde mit Unterstützung der Georg Fischer AG und dem Museum Allerheiligen in Schaffhausen realisiert. Nicht zuletzt dank vieler Exponate von namhaften Künstlern und Eisenplastikern aus der ganzen Schweiz erlangte diese erste Aktivität der Schmiedezunft Eligius in weiten Kreisen hohe Anerkennung.
1978
Meilerköhlerei am Cholfirst, unweit des Klostergutes Paradies. Was hat die Meilerköhlerei mit dem Schmiedehandwerk zu tun? - Ganz einfach: „Ohne Kohle, kein Eisen - ohne Eisen, kein Schmied“. Rund 15‘000 Besucher, davon über 120 Schulklassen aus der ganzen Schweiz und dem süddeutschen Raum, strömten zum Cholfirst. Aus dem drei Wochen dauernden Betrieb des Kohlemeilers resultierten sechs Tonnen beste Holzkohle, die einen reissenden Absatz fanden.
1981
Nagelschmieden in der Ziegelei Neu-Paradies TG. Rund 12‘000 Besuchern wurde ein tieferer Einblick in die Herstellung von handgeschmiedeten Nägeln und in das vom Aussterben bedrohte Handwerk des Nagelschmieds vermittelt. Als besondere Attraktion konnten sich die Besucher auch selbst im Nagelschmieden versuchen - so wurden unzählige Nägel als selbstgeschmiedete Andenken stolz mit nach Hause getragen.
1982
Einrichten einer Schmiede im Technorama in Winterthur ZH. In der Folge fanden dort während vieler Monate regelmässig am Sonntag Schmiedevorführungen von Eligius-Zünftern statt.
1983
Die Schmiedezunft Eligius repräsentierte den westlichen Teil des Gastkantons Thurgau am OLMA-Umzug in St. Gallen. Die eigens für diesen Anlass gebaute fahrbare Dorfschmiede, in der während des ganzen Umzugs pausenlos unter zwei und mehr Hämmern geschmiedet wurde, löste bei Tausenden von Zuschauern entlang der Umzugsroute grosse Begeisterung und spontanen Beifall aus.
1985
Rennfeuer - Frühe Eisenherstellung in Alt-Paradies TG. Die Verhüttung von Eisenerz durch ein Rennfeuer, einer Technik zur Gewinnung von Eisen, welche bis ins vorchristliche Zeitalter zurückreicht, war das Hauptthema im zehnten Zunftjahr. Nach langen Vorbereitungen und zahlreichen Versuchen mit verschiedenen Modellen von Rennöfen gingen Ende August drei Rennöfen in Betrieb. Das Resultat war sehr zufriedenstellend und fand auch in der Fachwelt grosse Beachtung.
1988
Sonderausstellung „Heisses Eisen“ im Technorama. Die Ausstellung sollte von Mai bis Juli dauern, musste dann aber wegen aussergewöhnlichem Publikumsinteresse bis in den Oktober hinein verlängert werden. Während dieser langen Zeitspanne waren die Eligius-Zünfter bei vielen fachbezogenen Vorführungen aktiv engagiert, vor allem in dem im Freigelände des Technoramas aufgebauten Schmiededörfchen mit zwei voll eingerichteten Schmieden. Auf Wunsch einer interessierten Gruppe von Metallurgie-Studenten der ETH Zürich wurde dort für wissenschaftliche Studien auch noch einmal ein Rennofen aufgebaut und betrieben.
1993
Holzköhlerei im Hostbach bei Andelfingen ZH. Gegen 20‘000 Besucher pilgerten während drei Wochen nach Andelfingen um den aus 65 Ster Holz aufgebauten Kohlemeiler zu sehen, der eine Ausbeute von über acht Tonnen hochwertiger Holzkohle ergab. Auch die grosse „Köhlerbeiz“ wurde rege besucht. Mit total 3‘600 geleisteten Arbeitsstunden war dies die bisher grösste Veranstaltung der Schmiedezunft Eligius.
2000
Kettenschmieden war das Thema des 25. Zunftjahres. Der Schwerpunkt des Jubiläums wurde in das Weinländer Herbstfest in Berg am Irchel integriert. In einem grossen Rundzelt demonstrierten die Eligius-Zünfter an zwei Feuern, wie Ketten entstehen. Die im Zelt installierte Schmiede war während beiden Festtagen in voller Aktion und von der Beiz zur „Chetteschmitte“ aus konnte das Publikum das aktive Geschehen direkt mitverfolgen.
2011
Schmiedefestival „Feuer & Eisen“ in Unterstammheim ZH. Während drei Tagen wurde ein sehr vielfältiges Programm geboten: Vorführungen von Schmieden aus dem In- und Ausland, Schmieden unter einem 100kg-Lufthammer, Nagelschmieden für Jung und Alt, Schmiedeausstellung, und sicher als einer der Höhepunkte - das Nachtschmieden unserer Schmiedeweltmeister. Als bleibende Erinnerung wurde ein Pavillon fertiggestellt, welcher mit Kunstobjekten von zahlreichen Zünftern und befreundeten Schmieden geschmückt ist und heute neben unserer Zunftschmiede steht.
Überdies bereicherte die Zunft unzählige weitere Anlässe durch ihre Auftritte mit praktischen Schmiedevorführungen.
Zunftmeister
Das Amt des Zunftmeisters wurde bis heute immer von gelernten Schmiedemeistern bekleidet.
1975 - 1977 Max Wäny, Schlatt TG
1978 - 1986 Jacob Strasser, Benken ZH
1987 - 1995 Heiri Blaser, Andelfingen ZH
1996 - 2004 Hermann Graber, Winterthur ZH
2005 - heute Albert Farner, Unterstammheim ZH