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Unpolitischer geht es nicht, denkt man beim Betrachten des Trailers zu Greta Gerwigs «Barbie». Falsch gedacht, denn der Film ist jetzt in Vietnam verboten worden – aus politischen Gründen.
Warner Brothers hat eine Grenze überschritten, indem es eine zog: die «Neun-Striche-Linie», eine höchst umstrittene Grenze im Südchinesischen Meer.
Barbies kontroverse Weltkarte
Barbies Weltkarte ist in einer Szene zu sehen, als Barbie (Margot Robbie) einen Abstecher in die «echte Welt» machen soll. Die Karte eben dieser «echten Welt» ähnelt einer Kinderzeichnung: Die hingekritzelten Kreise sind angeschrieben mit Afrika, Australien und Asien – und genau bei diesem Kontinent ragt die gestrichelte Linie ins Meer.
Grosses geopolitisches Gezänk wegen acht Strichen – ja, die «Neun-Striche-Linie» hat in Barbies Karte nicht mal deren neun.
Chinas Vormachtstellung
Warum erhitzt diese Linie dermassen die Gemüter? Es geht um die Vormachtstellung im Südchinesischen Meer.
China verwendet die «Neun-Strich-Linie» in seinen Karten, um seinen Anspruch auf mehr als 80 Prozent dieses Gebiets zu markieren. Vietnam sowie die Philippinen, Malaysia und Taiwan sind damit nicht einverstanden. Die internationale Gemeinschaft gibt ihnen Recht – so auch ein Urteil aus Den Haag.
«Barbie» kommt nun doch auf die Philippinen
Wie das philippinische Nachrichtenportal PhilStar mitteilte, dürfen Kinos auf den Philippinen den neuen «Barbie»-Film nun doch zeigen. Einzige Bedingung: Die Karte mit der umstrittenen «Nine-Dash-Linie» muss ausgeblendet werden.
«Barbie» ist kein Einzelfall
Weil auf Barbies Weltkarte die verhasste Linie zu sehen ist, verbot der vietnamesische Filmprüfungsausschuss gleich den ganzen Film. Ein Einzelfall? Mitnichten, «Barbie» befindet sich in guter «zensierter» Gesellschaft:
- Der Actionfilm «Uncharted» (2022) wurde letztes Jahr von den philippinischen und vietnamesischen Behörden gestoppt. Der Grund: eine Weltkarte mit der Neun-Striche-Linie.
- Die Serie «Pine Gap» (2018) fiel aus dem gleichen Grund der Zensur zum Opfer. Netflix entfernte sie aus seinem vietnamesischen Stream, als sich die Behörden über die Verletzung «der Gefühle des vietnamesischen Volkes und seiner Souveränität» beschwerten.
- Im Animationsfilm «Abominable» (2019) ist die umstrittene Karte ebenfalls zu sehen. Vielleicht, weil der Film von DreamWorks Animation und dem in China ansässigen Pearl Studio koproduziert wurde? Malaysia, die Philippinen und Vietnam weigerten sich folglich, den Film zu zeigen.
- Ein No-Go für die Vietnamesen war auch die Designertasche, die in «Crazy Rich Asians» (2018) zu sehen war. Die Tasche ist mit einer Weltkarte und der chinesischen Neun-Striche-Linie bedruckt. Die Szene wurde herausgeschnitten.
Mutmassungen im Netz
In den sozialen Medien wird nun wild spekuliert, was eine solch umstrittene Karte in einem Feel-Good-Film verloren hat. Wozu muss Barbie wissen, wo das Südchinesische Meer ist?
Es sei eigenartig, dass es ein scheinbares Detail wie die Neun-Striche-Linie auf eine solch vereinfachte Karte geschafft hat.
War es einfach ein Fauxpas, weil die Macherinnen des Films schlicht nichts vom geopolitischen Rattenschwanz wussten, den die gestrichelte Linie nach sich ziehen würde – trotz ähnlicher Fälle? Oder will Warner Brothers der chinesischen Regierung den Inhalt schmackhaft machen, um sich so Zugang zum lukrativen chinesischen Markt zu sichern? Warner Brothers hat sich bis anhin nicht geäussert.
Reaktion von Warner Brothers
Ein paar Tage nach der Verbotsmeldung aus Vietnam hat sich das US-Filmstudio Warner Bros. zu Wort gemeldet: «Die Karte in Barbieland ist eine kindliche Buntstiftzeichnung», sagte ein Sprecher dem Branchenmagazin «Variety». «Die Kritzeleien stellen Barbies fiktive Reise in die ‹reale Welt› dar. Es war nicht beabsichtigt, irgendeine Aussage zu machen.» (sda/scch)
Auf Twitter plädieren vietnamesische «Barbie»-Fans aber dafür, die Szene rauszuschneiden. Damit auch sie ins pinkfarbene Universum von Barbie, die derzeit für rote Köpfe sorgt, eintauchen können – ohne umstrittene Weltkarte.
Kinostart
Der «Barbie»-Film (Regie: Greta Gerwig) mit Margot Robbie und Ryan Gosling in den Hauptrollen kommt am 20. Juli 2023 in die Schweizer Kinos.
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