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Auf Merians Stadtansicht erkennt man deutlich Felix Platters Hof, dessen Areal sich von der Ecke Hebelstrasse/Petersgraben bis zum Petersplatz erstreckte. Man sieht das Haupt- und Wohngebäude "zum Samson" am Petersgraben mit dem daran anstossenden Treppenturm, den Stallungen, den Gärten, dem Brunnen, sowie das Haus "zum Engel" am Petersplatz 15. Wenige Meter vor dem Haus verlief einst der Graben der inneren Stadtbefestigung. Merian kannte diese Gebäudegruppe sehr gut, wahrscheinlich auch Platters im Hauptgebäude aufgestellte reiche Sammlung, bestehend aus Herbar, Hausapotheke, botanisch-naturwissenschaftlicher Sammlung sowie Kunst- und Raritäten-Kabinett.
Der Hausname "zum Samson" leitet sich von einer als Fragment erhaltenen zweifigurigen Plastik ab, die einen athletischen Samson in siegreichem Kampf mit einem Philister darstellt. Diese bestellte Felix Platter wohl damals beim bekannten Bildhauer Hans Michel, als er den Hof kaufte und ausbaute. Wir wissen nicht, wo die Skulptur zu Platters Zeit aufgestellt war, möglicherweise in einer heute leeren Nische an der Hofseite des Hauses; später befand sie sich im hinteren Parterre-Saal des "Obern Samson" (Nr. 20). Der Hausname "zum Samson" lässt sich leider erst für das 19. Jahrhundert nachweisen, doch verwenden wir ihn im Folgenden trotzdem.
Erstmals urkundlich erwähnt ist das Haus um 1300, wo als Eigentümer ein Cunradus de Lörrach dictus Lallo genannt wird. Das Haus erscheint daher unter dem Namen "domus Lalle", später "zem schönen Ort" (= Ecke). In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war es im Besitz der Herren von Bärenfels, zuerst Arnolds des Jüngeren, Sohn des Bürgermeisters Arnold von Bärenfels. Er war zuerst Domherr, dann Ritter und selbst Bürgermeister. Nach seinem Tod besass sein Sohn, der von 1457 an abwechselnd mit Peter Roth das Bürgermeisteramt bekleidete und mit diesem die Loslösung der Stadt vom Kaiser und vom Bischof förderte. In dieser Zeit trug der Hof den Namen "Bärenfelserhof". Vom späten 15. Jahrhundert bis mindestens 1816 waren der "Untere Samson" (Nr. 18) und der "Obere Samson" (Nr. 20) in einer Hand vereinigt und verfügten später auch über eine gemeinsame Hausnummer. Daher wird für jene Zeit die Geschichte beider Häuser hier behandelt. Dazu gehörte stets das benachbarte, durch eine schmale Einfahrt getrennte namenlose Haus (Nr. 22), das oberhalb vom "König David" (Nr. 24) und vom prächtigen Eckhaus zum Petersplatz, dem "Grabeneck" flankiert wird. Es diente lange als Gärtnerhaus. Im Jahre 1524 wurde der gesamte Komplex an die Erben des Kaufmanns Hans Bär verkauft. Eine Tochter Hans Bärs, Salome, übernahm 1532 den Hof mit ihrem Mann Wolfgang Stölli aus Solothurn. Jedenfalls erzählt Felix Platter, er sei etwa 1544 mit einem Tischgänger seines Vaters namens Stelli, alle Sonntage in dessen Hof, "den ich hernoch besessen", zum Morgenbrot gegangen, und "die frauw, so eine Berin was", habe den Jungen wegen seiner Unsauberkeit rauh angefahren. Platter hat den Junker Stölli noch kurz vor dessen Tod 1565 selber als Patient beraten.
Der Besitz der Liegenschaft durch wohlhabende Basler Bürger führte im frühen 16. Jahrhundert zu einer baulichen Aufwertung. Die Fachwerkfassade auf der Rückseite vom "Oberen Samson" wurde durch eine massive Fassade ersetzt, die heute im Innern noch vollständig erhalten ist. Die neue Rückfassade wies auf allen Geschossen Fenster auf und im Erdgeschoss zusätzlich zwei Türöffnungen. Den Raumhöhen entsprechend waren auch diese Fenster von beträchtlicher Höhe. Es gab einen oder mehrere Türdurchbrüche zum repräsentativen "Unteren Samson", wodurch der obere Bau die Funktion eines Flügeltraktes erhielt - allerdings einer mit beträchtlichen, reich dekorierten Innenräumen.
Nach einigen kurzen Besitzerwechseln erwarb Felix Platter den Komplex im Jahre 1574, nachdem er 1570 Stadtarzt und Rektor geworden war und seine Einnahmen entsprechend gestiegen waren. Er verkaufte sein Haus Rothenfluh an der Freien Strasse 90 und konnte es sich leisten, den Adelssitz am Petersgraben zu kaufen. Es ging ihm nicht wie seinem Vater Thomas, der infolge seines Häuserfimmels nie aus den Schulden herauskam. Er beabsichtigte seinen Besitz zu erweitern, um eine direkte Verbindung zum Petersplatz zu erhalten. Darum kaufte er zwei Jahre später das Haus zum Engel (Petersplatz 15). Insgesamt vierzig Jahre hat er im "Samson" gewohnt, man könnte sogar sagen residiert. In den ersten zwanzig Jahren nahm Platter Umbauarbeiten an Haus und Garten vor; dazu zählte ein einachsiger, zweigeschossiger Anbau im Winkel zum Eckhaus (den Platter als Werkstätten und Labors gedient haben mag) sowie die Erneuerung des Treppenturms von Nr. 18. Diese Erneuerung ersetzte das Helmdach mit einer Aussichtsplattform; das mit drei gotischen Fenstern geschmückte oberste Turmgeschoss ist das Prachtsstück des "Samson". Das eigentliche Juwel ist die relativ kleine, mit einem wundervollen Netzgewölbe versehene Turmstube, die einen weiten Ausblick gewährte. Ein weiterer, viereckiger Turm stand am oberen Ende der Gartenfront von Nr. 20 und diente als Abortturm. Hinter den Häusern erstreckte sich zudem ein Garten, in dem Platter einheimische und exotische Pflanzen, wie etwa Orangen- oder Zitronenbäume, kultivierte sowie Tiere hielt, darunter Seidenraupen und allerlei Vögel. Für die Erneuerung und vornehme Ausstattung seines Besitzes mag der reiche Nachbar d'Annone einen verlockenden Anreiz gegeben haben. Haben doch damals gerade die reichen Refugianten aus Italien und Frankreich eine neue Wohnkultur gebracht, indem sie mehrere Häuser zu einem Komplex zusammenfassten und stattlich ausbauten (als Beispiel diene hier der Spiesshof oder der vornehme Seidenhof). Die d'Annone waren Spediteure und besassen das prächtige Doppelhaus Petersplatz 13 und das gegenüber stehende Haus an der Hebelstrasse samt den dazwischen liegenden Gärten.
Das Herz von Platters "Samson" bildete sein Naturalien- und Kunstkabinett, das sich wohl aus Sicherheitsgründen im 1. Stock befand. Die Sammlung war in zwei Sälen untergebracht, was alleine schon darauf hindeutet, dass ihn neben dem Interesse an Medizin und Wissenschaft auch eine Sammelleidenschaft begeisterte. Mineralien, Objekte der Botanik und Zoologie, ein grosses Herbarium, Kunstgegenstände, Antiquitäten, Münzen und Musikinstrumente bildeten eine Sammlung, die bald zu den grossen Sehenswürdigkeiten Basels gehörte. Eine Studierstube gehörte ebenso zu den Sammlungsräumlichkeiten wie zwei Werkkämmerlein und Laboratorien mit allerlei Werkbänken, Schreiner- und Drechslerwerkzeug oder Destillieröfen und Gläsern.
Der Gebäudekomplex blieb bis 1677 im Besitz der Familie Platter, danach ging er an den Handelsmann Jeremias Mitz über, in dessen Familie das Anwesen bis 1805 verblieb. In diese Zeit fiel ein Umbau der Strassenfassade in klassizistischem Stil: die Fenster erhielten eine neue Form und Anordnung, was darauf schliessen lässt, dass auch die Räume neu unterteilt wurden. Auch der rückseitige Abortturm wurde erneuert. 1863/64 erhielt der Obere Samson unter seinem Besitzer, Lohnkutscher Leopold Oswald einen letzten grossen Ausbau: Hofseitig wurde das Haus auf allen Geschossen erweitert, wodurch die Hoffassade aus dem frühen 16. Jahrhundert im Innern zu liegen kam. Ihre Fenster wurden zugemauert oder zu Türen umgewandelt. Schlicht gehaltene Mittelgänge erschliessen jeweils die Wohnräume zu beiden Seiten. Der Treppenturm wurde schliesslich 1932 abgerisse. In jüngster Zeit dienten die historischen Räumlichkeiten des Oberen Samson als kostengünstiger Wohnraum für Studenten, und für Furore sorgte im Juni 2013 eine Besetzung der Liegenschaft durch eine Gruppe junger Menschen. Man befürchtete, durch die Besetzung würden wertvolle historische Kunstwerke beschädigt, doch glücklicherweise verlief die Aktion glimpflich.
Quellen:
Hausurkunden 171 Petersgraben 18 (alt 256), zum Samson, 1823-1853 (Dossier) ID=334443
Jaggi, Bernard und Nagel, Anne: "Wo Felix Platter wohnte und wirkte. Zur Geschichte und baulichen Entwicklung des Oberen Samson, Petersgraben 20" in: Jahresbericht der Basler Denkmalpflege 2012, S. 78-83