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Bereits im 18. Jahrhundert wurde in Schwarzenmatt Kohle abgebaut – Quellen zum damaligen Kohleabbau gibt es leider fast keine. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges markierte jedoch eine Kehrtwende. Die Schweiz wurde mit einer Kohlenknappheit konfrontiert und sah sich gezwungen, einheimische Kohlevorkommen aufzuschliessen. Diesen Arbeiten verdanken wir bessere Einblicke in die Arbeit in den Stollen, die im Folgenden beleuchtet werden.
Bereits 1764 erhielt der Schmied Matthäus Messerli die Bewilligung der Berner Regierung, an einem Berg in Schwarzenmatt Kohle abzubauen. Anders als im späteren Stollenbau wurde damals ausschliesslich im TagebauDer Tagebau ist eine Methode des Bergbaus. Dabei wird nur oberflächennah Kohle abgebaut und auf die Anlegung von unterirdischen Stollen, wie es beim Untertagebau der Fall ist, verzichtet. gegraben. Dadurch ging der frühe Kohleabbau nur mit geringen Investitionen einher, erzielte aber auch nur kleine Mengen an Kohle. Dennoch hielt damals die Nachfrage kaum Schritt mit der Produktion.
Nachdem alle Unternehmen den Betrieb beim Kohlebergwerk Schwarzenmatt mit bedeutendem Verlust aufgeben mussten, sah die Bergwerkskommission ein, dass unter den gegebenen Umständen kein Kohleabbau rentieren konnte. Um 1801 wurde die Konzession vom Staat an die Lauterbrunnische Bergwerksgesellschaft übertragen, die mit wechselndem Erfolg während der nächsten 32 Jahren beim Bergwerk Kohleabbau betrieb. 1832 wurde der Betrieb aufgegeben, da zu wenig Gewinn erarbeitet wurde. In den folgenden zwei Jahren wurde am Kohlebergwerk Klus ein ungeordneter, raubbauartigerDer unsachgemässe Raubbau führte zu Verlustgeschäften, mangelnder Sicherheit und sogar zu Todesfällen. Nicht selten bestand dadurch auch eine grosse Einsturzgefahr im Bergwerk. Abbau betrieben.
1834 erhielten Emanuel Stocker und David Karlen, ein Steinkohlegräber aus Schwarzenmatt, eine Abbaukonzession. Von der Kohleausbeutung aus dieser Zeit zeugt das ehemalige Kohlemagazin auf der Klusalp. Im Sommer wurde die Kohle abgebaut und im Magazin gelagert. Im Winter wurde die Kohle in Fässern auf Schlitten, die von Männern gezogen wurden, nach Reidenbach transportiert. Dort wurde die Kohle auf Karren geladen, nach Thun transportiert und von dort aus mit dem Schiff auf der Aare nach Bern befördert.
Mit wechselnder Intensität und unterschiedlichem Ertrag dauerte die erste Periode des Kohleabbaus bis zum Jahr 1860. In der Anfangsphase wurden verschiedene Konzessionen erteilt. Es gelang jedoch keinem Unternehmen längere Zeit zu bestehen, da es ihnen an bergmännischen Kenntnissen und an Geld mangelte. Zudem wurde der Kohleabbau durch die geringe Dichte der Kohleschichten von lediglich 15 bis 20 Zentimetern erschwert.
Der Kohleabbau beim Bergwerk Klus wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fortgeführt. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn wurde die Arbeit beim Bergwerk jedoch vorläufig beendet, da ausländische Kohle billiger war.
1917/1918 wurde die Kohleförderung infolge der Kohleknappheit während des Ersten Weltkriegs zwischenzeitlich erneut aufgenommen. Nach einigen Unterbrüchen markierte der Zweite Weltkrieg die längerfristige Wiederaufnahme des Kohleabbaus im Bergwerk Klus. 1941 wurde die behördliche Zuteilung von Kohle so klein, dass viele Unternehmen mit einer Einschränkung des Betriebes rechnen mussten. Um dies vorzubeugen, wurde die Arbeit am Bergwerk wieder aufgenommen. Durch die eigene Kohlengewinnung konnte zusätzliches Brennmaterial beschaffen werden, das einen rentablen Betrieb der Fabriken während des Zweiten Weltkriegs sicherstellte. Die Abbaubewilligung ging an einen Zusammenschluss der Basler Chemie, wobei die Ciba AGDie Ciba AG geht auf die 1859 von Alexander Clavel gegründete Fabrikationsstätte in Basel zurück. Bereits Ende der 1880er Jahre begann die Ciba AG mit der Herstellung von Pharmazeutika – eines der ersten war der fiebersenkende Wirkstoff Antipyrin. 1970 fusionierte die Ciba AG mit der J.R. Geigy AG und wurde als Ciba-Geigy AG zum zweitgrössten Schweizer Pharmakonzern. 1996 führte der Zusammenschluss von Ciba-Geigy und Sandoz zur Gründung von Novartis. federführend war. Die Kohle wurde in Basel chemisch genutzt und danach zur Verfeuerung an die Ziegeleien Allschwil (BL) geliefert. Die Bewilligung war bis zum Kriegsende, resp. bis zum Ende der Mangelperiode begrenzt.
1942 begann der erneute Abbau im Kohlebergwerk Schwarzenmatt. Das Kohlebergwerk wurde durch einen Mineningenieur geleitet, dem ein Geologe beratend zur Seite stand. Rund 140 Arbeiter sowohl aus der nahen Umgebung als auch aus der ganzen Schweiz arbeiteten im Kohlebergwerk. Auf einer Länge von rund 1 Kilometer und fast 150 Höhenmetern wurde das KohleflözAls Kohleflöz wird die Lagerstätte von Kohle bezeichnet. Die Kohleschichten sind meist unterschiedlich dick und durch Sand, Ton und Kies voneinander getrennt. Während Steinkohleflöze bis zu 5 Meter dick sein können, können Braunkohleflöze eine Mächtigkeit von bis zu 70 Metern erreichen. während der nächsten sechs Jahre abgebaut. Beim Abbau bildeten die Hauptstollen die Grundstrecken, die als Verkehrsadern des Bergwerks fungierten. Von dort aus erfolgte der Abbau entlang der Kohleschichten, die teilweise fast senkrecht im Berg verliefen. Die abgebauten Stellen wurden wieder mit Geröll aufgefüllt – sowohl, weil dies billiger war als der Abtransport auf die Schutthalde als auch, um die Einsturzgefahr der Gruben vorzubeugen. Über die Jahre hinweg entstanden mehrere Hauptstollen, die alle unter sich verbunden waren. Dies sorgte für eine ausreichend gute Lüftung, die eine wichtige Voraussetzung für einen sicheren Abbau bildete.
Für die finanzielle Situation der Talbewohner brachte das Bergwerk viele Vorteile. Vor dem Krieg gab es in Boltigen wenig Arbeit und die Familien hatten kaum Geld. Die Wiederaufnahme des Kohleabbaus brachte eine willkommene Arbeit. Die Entlöhnung bewegte sich zwischen Fr. 1.20 zu Kriegsbeginn und Fr. 1.80 gegen Ende des Krieges. Für die auswärtigen Arbeiter wurde eine Wohn- und Schlafbaracke und ein Duschenhaus eingerichtet. Es wurde in zwei Schichten à 11 Stunden gearbeitet – die Tagschicht dauerte von 7.00 bis 18.00 Uhr, die Nachtschicht von 19.00 bis 6.00 Uhr, inklusive einer Stunde Essenspause.
Während sich die Arbeiter den Gefahren im Bergwerk bewusst waren, ahnten sie jedoch nicht, dass die Arbeit verheerende Spätfolgen für ihre Gesundheit haben könnte. Die Arbeit im Bergwerk war lang und hart. Die unregelmässigen Stollen verengten sich oftmals und die Kohle befand sich in gestörtem Schichtverlauf. Ihr galt es, mühsam zu folgen. Kohlenstaub rieselte von der Decke – dem Staub war man vor allem beim Bohren ausgesetzt. Mit der Arbeitshygiene und mit der Sicherheit wurde nicht sehr sorgsam umgegangen. Es wurde trocken und ohne Mund- und Nasenschutz gebohrt, wodurch der mineralische Staub ungefiltert in die Lunge dringen konnte. Dies führte zu SilikoseDie Silikose wird auch als Staublunge bezeichnet. Sie wird durch das Einatmen von Feinstaub hervorgerufen und führt zu einer Lungenfibrose. , an deren Folgen viele ehemalige Bergarbeiter gestorben sind. Schutzhelme waren den Chefs vorbehalten, alle anderen arbeiteten im Filzhut. SchlagwetterAls Schlagwetter wird ein Gasgemisch aus Grubengas (Methan) und Luft bezeichnet, das durch eine Zündquelle explosiv reagieren kann. führten zu schweren Verbrennungen. Auch kam es immer wieder zu Todesfällen durch Stürze und Verstürze.
Im Dezember 1948 wurde das Kohlebergwerk Schwarzenmatt stillgelegt. Die Stollen dienten später als Wasserreservoir und wurden von der Armee genutzt. Zwischen 1941 und 1948 wurde im Kohlebergwerk Schwarzenmatt insgesamt 22'965 Tonnen Kohle gefördert. Damit hat das Bergwerk von allen Gruben im Simmental die grösste Menge und auch die beste Qualität Kohlen geliefert.
Heute – 70 Jahre nach der Schliessung – will der 2018 gegründete Verein «Freunde der Kohlenbergwerke Boltigen» die Stollen erneut mit Licht und Leben füllen. Das Stück industrielle Geschichte soll für Interessierte wieder zugänglich gemacht werden, das Bergwerk soll für die Nachwelt erhalten und die enormen Strapazen und extremen Arbeitsbedingungen der Vorfahren gewürdigt werden. Momentan wird mit viel Elan und Energie daran gearbeitet, einen Teil des Kohlebergwerks für Besucher zugänglich zu machen.