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Hispano-Suiza H6C - der Rennwagen aus Tulpenholz
Kein Wunder, dass es diesen Hispano-Suiza H6C nur einmal gibt – sein Aufbau besteht aus Tulpenholz.
Selbstverständlich war Holz früher bei den Karosseriebauern sehr beliebt, die meisten von ihnen kamen ja aus dem Kutschenbau und kannten nichts anderes. Auch frühe Automobile kamen oft mit Holzaufbauten, doch spätestens in den 20er Jahren war es vorbei damit, denn Holz hatte einige entscheidende Nachteile. Es verrottete bei unsachgemässer Behandlung schnell. Und es knirschte und brach in den Fugen, wenn man zu flott über die damals noch nicht besonders guten Strassen fuhr - ein Problem, das es bei Kutschen nicht gab.
Tulpenbaum?
Dass André Dubonnet, Erbe und Verwalter eines grossen französischen Schnapsimperium, trotzdem auf die Schnapsidee kam, einen Hispano-Suiza H6C 1924 trotzdem in Holz einkleiden zu lassen, war nicht übermässigem Alkoholgenuss zuzuschreiben, sondern seinen Ambitionen, grosse Rennen zu gewinnen. Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht glauben mag: der von Dubonnet beim französischen Flugzeug-Hersteller Nieuport in Auftrag gegebene Aufbau in Tulpenbaum-Holz war extrem leicht.
Tulpenbaum? Nein, das ist keine besonders grosse Tulpe, sondern wirklich ein Baum, der in Nordamerika verbreitet ist und bis zu 40 Meter hoch werden kann. Sein Holz, das auf Deutsch auch gern als Rosenholz bezeichnet wird, ist leicht, sehr leicht, was die Flugzeugbauer von Nieuport natürlich wussten, denn darum geht es ja auch in der Aviatik. Nieuport war im 1. Weltkrieg berühmt geworden mit den Modellen 11 und 17, die damals zu den besten Jagdfliegern überhaupt gehörten.
Und dann noch Dubonnet
Hispano-Suiza, 1902 mitbegründet vom Schweizer Marc Birkigt, hatte zwar auch Erfahrung mit Flugzeugen, doch hier geht es um den H6C, also die vierte Variante des ab 1919 gebauten H6, der von einem halben V12-Flugzeug-Motor angetrieben wurde. Im H6C waren es 8 Liter Hubraum, die zu etwa 170 PS fähig waren; diese Variante war mit 3,39 und 3,69 Meter Radstand erhältlich.
Nun haben wir also Hispano-Suiza H6C, Nieuport, Tulpenholz - fehlt noch André Dubonnet (1897-1980). Er war Sohn reicher Eltern, Jagdflieger im ersten Weltkrieg - und wurde 1921 als Autorennfahrer berühmt, weil er irgendwie Teil des legendären Duesenberg-Teams war, das den Grossen Preis von Frankreich gewann. Danach trat er meist auf für ihn gebauten Hispano-Suiza an, gewann 1923 das Rennen Paris-Nizza (mit voer Personen samt Gepäck an Bord), 1924 gleich nochmals, diesmal aber allein und in seinem «Tulpenbaum»-Hispano. Mit diesem trat Dubonnet dann auch bei der Targa Florio an, wo er in seiner Klasse den sechsten Rang schaffte.
Nachdem der wohl berühmteste aller Hispano-Suiza lange Jahre in der Blackhawk-Sammlung ausgestellt gewesen war, kommt er nun am 19./20. August in Monterey bei RM Sotheby’s unter dem Hammer. Was in diesem Fall bitte nicht wörtlich zu verstehen ist; einen Schätzpreis gibt es noch nicht.
Text: pru.; Photos: RM Sotheby’s