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January 14, 2010 / erstellt am: January 18, 2010

teo jakob, Einladung / Bewertung: 4
Was heisst schon sexy?
Sexy ist sehr relativ. Ein Mann zum Beispiel empfindet etwas anderes sexy als eine Frau. Ist sexy eigentlich Synonym zu erotisch? Wo sind die Grenzen zwischen sexy und vulgär oder billig? Sind diese Grenzen nicht sowieso sehr individuell? Wie soll man das Wort sexy darstellen, dass es zu teo jakob passt?
Ich hätte nie gedacht, dass ich mich bei teo jakob mit solchen Fragen beschäftigen muss, was ich natürlich als äusserst amüsant empfinde. Es geht um eine Einladungskarte für eine Sonderausstellung bei teo jakob in Genf. Dieselbe Ausstellung zum Thema Betten, Bettwäsche und schlafen war bereits in Bern zu sehen. Den Verantwortlichen in Genf gefiel die Berner Einladungskarte mit der schwarzweiss Foto eines zerknautschten Bettlackens jedoch nicht. Sie war ihnen zu brav (zu verschlafen). Für Genf wollen sie eine andere Einladungskarte, die eben mehr sexy wirkt, weil dies besser zu ihrer geplanten Schaufenstervideoinszenierung passen sollte.
Nach den grundlegenden Gedanken zur Frage «was ist eigentlich sexy?», bin ich auf die bekannte Fotografie von Marilyn Monroe als Pin-up-Girl gestossen.
Die Fotografie zeigt Marilyn im Alter von 19 Jahren, vor Beginn ihrer Schauspielkarriere, im Studio des Fotografen Tom Kelley in Los Angeles. Das ausgewählte Foto von Marilyn nahm eine Heftseite des Playboy ein und das war's auch schon: ein einziges Aktfoto im ganzen Heft! In der ersten Ausgabe hieß das noch «Sweetheart of the Month». Marilyn posiert vor rotem Samthintergrund, auf dem Boden sitzend, die Beine angezogen, den rechten Arm hoch gereckt, die Hand im Nacken, mit der linken stützt sie sich auf. Sie hat nichts an als das Rot des Lippenstifts («und Chanel Nummer fünf», wie sie später sagte). Das Foto sollte zum bekanntesten Pin-up der Welt werden.
Eine Fotografie also, die weltbekannt ist. Von einer Frau, die ebenfalls weltbekannt ist und die allgemein als sexy gilt. Durch die Verfremdung mit dem groben Punkteraster wollte ich diese Anspielung etwas verschleiern. So räkelt sich Marilyn auch nicht auf rotem Samt, sondern auf schwarzem Hintergrund. Will man die nackte Frau genauer betrachten und erkennen können, sieht man nur die einzelnen Rasterpunkte. Also nichts für Lüstlinge. Und dennoch erkennt man sofort die bekannte Pin-up-Fotografie aus den 50er Jahren und somit die Anspielung zum Thema der Sonderausstellung.
Ich bin sehr gespannt, wie auf meinen Vorschlag reagiert wird. Ist er zu provokativ? Ist er zu provokativ für teo jakob? Als Alternative gibt es auch noch die Variante mit dem schwarzglänzenden Satinstoff. Schon dieser Stoff alleine weckt erotische Assoziationen. Dennoch ist dieser Vorschlag natürlich weniger prickelnd als der erste.
Bereits einen Tag später: Aus organisatorischen, hierarchischen und finanziellen Gründen, wird nicht weiter auf meine Vorschläge eingegangen. Es wird für die Sonderausstellung in Genf, dieselbe Einladungskarte wie in Bern verwendet.