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Lebenswende in Arosa
Erwin Schrödinger & Thomas Mann
Manchmal kann ein Ferienaufenthalt eine Existenz in ganz neue Bahnen lenken. So geschehen bei den beiden Nobelpreisträgern Erwin Schrödinger und Thomas Mann, deren Aufenthalte in Arosa ihr Leben grundlegend verändert haben.
Der Physiker Erwin Schrödinger fährt über die Weihnachts- und Neujahrstage 1925/26 für ein paar Tage nach Arosa um auszuspannen und Ski zu fahren – in weiblicher Begleitung, während seine Frau in Zürich bleibt. Wegen «einiger Berechnungen» sei er kaum zum Skifahren gekommen, berichtet er bei seiner Rückkehr nach Zürich einem Kollegen. Schrödinger ist zu dieser Zeit Professor für Theoretische Physik an der Universität Zürich.
Schrödingers «Berechnungen» betreffen eine neue Atomtheorie, die ihn schon seit ein paar Monaten beschäftigt. In Arosa gelingt ihm der Durchbruch: Er formuliert erstmals seine so genannte «Wellengleichung», die als «Schrödingergleichung» in die Geschichte der Physik eingegangen ist. Mit seiner Gleichung revolutioniert Schrödinger die Atomphysik. Sie bringt ihm Weltruhm und wird 1933 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Thomas Mann ist bereits Literatur-Nobelpreisträger (1929), als er im Februar 1933, kurz nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland, nach Arosa in die Ferien kommt. Hier fällt er zusammen mit seiner Familie den Entscheid, nicht nach Deutschland zurückzukehren, sondern ins Exil zu gehen. Dieses verbringt er zuerst in der Schweiz, bevor er 1938 in die USA emigriert. 1936 wird er von Nazideutschland ausgebürgert.
Nach dem Krieg besucht Thomas Mann ein paarmal seine Heimat, um Vorträge zu halten und Ehrungen entgegenzunehmen. Doch das zerrüttete Verhältnis ist nicht mehr zu kitten. Als er schliesslich 1952, 77jährig, nach Europa zurückkehrt, wählt er erneut die Schweiz als Wohnsitz. Hier, in Kilchberg am Zürichsee, stirbt er 1955 im Alter von 80 Jahren.