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Der neue Film des italienisch-schweizerischen Doppelbürgers Silvio Soldini folgt einer ausgesprochen offenen Dramaturgie. Dies unterscheidet ihn von der erfolgreichen Seniorenkomödie Pane e tulipani (2000), in deren Windschatten er insofern steht, als dort ebenfalls Licia Maglietta die Hauptrolle und Giuseppe Battiston eine wichtige Nebenrolle innegehabt hatten. Während sich die Heldin von Pane tulipani aus familiären Zwängen aber erst lösen musste, besitzt die temperamentvolle Agata im neuen Film von allem Anfang an jene Qualitäten einer emanzipierten Frau, die ihre Vorgängerin im Verlauf eines Abenteuers erst erwerben musste.
Die offene Dramaturgie geht zwar auf Kosten der Stringenz und der dramatischen Spannung, von der Pane e tulipani zum guten Teil lebte, erlaubt aber das Einbringen spontaner Einfälle und ephemerer Themen sowie das komödiantische Spiel mit ihnen. «Ich hatte von Anfang an die Absicht, mich vom Erzählerischen zu entfernen und mich in eine eher surreale Welt zu begeben», erklärte Soldini in einem Gespräch über seine neue Arbeit. Entscheidend für Agata e la tempesta ist die Selbstverständlichkeit, mit der Soldini surreale Elemente in die Handlung einfügt, ohne sie dominieren zu lassen. So verleiht er seiner weiblichen Hauptfigur die manchmal lästige Eigenschaft, in erregtem Zustand Glühbirnen zum Durchbrennen zu bringen, wenn sie in deren Nähe kommt. So kommt einmal durch Agatas blosse Anwesenheit eine Verkehrsampel zum Erlöschen, was einen Unfall zur Folge hat, für den sie sich in der Folge verantwortlich fühlt. Doch solche Szenen bleiben launiges Beiwerk. Agata e la tempesta ist in erster Linie eine unterhaltsame Charakterkomödie.
Agata ist Leiterin einer Buchhandlung, in der sich ein wichtiger Teil der Handlung abspielt. Witzige Details und gelegentliche Irrtümer ergeben sich aus den Verkaufsgesprächen, denn Agata liebt die Bücher, die sie verkauft. Weitere amüsante Missverständnisse entstehen durch tatsächliche oder eingebildete verwandtschaftliche Beziehungen. So glaubt etwa der in Agata verliebte Gustavo, sie sei seine Schwester. Und der mit einem Auto voller Kleider durch die Gegend fahrende Romeo, der seine Frau verehrt, aber immer wieder betrügt, ist der Meinung, er habe überhaupt keine Geschwister, was sich als Irrtum herausstellt. Nebensächlichkeiten werden vorübergehend zur Hauptsache, und ein verwirrendes Quiproquo lässt sogar den Zuschauer daran zweifeln, ob er sich jeweils auf der richtigen Fährte befindet. Dies spielt letztlich aber auch keine Rolle, denn was zählt, sind die Reaktionen der beteiligten Figuren.
In einem unkonventionellen Sinn ist Agata e la tempesta ein «Beziehungsfilm» wie schon Soldinis dritter Spielfilm, Le acrobate, aus dem Jahr 1997, in dem es um die Beziehung zwischen vier Frauen unterschiedlichen Alters ging. Bereits im Zusammenhang mit jenem Film (in dem übrigens Licia Maglietta ebenfalls mitspielte) hatte Soldini von seiner «Offenheit für das Magische» gesprochen. Diese hat Soldini auch in seinen weiteren Filmen beibehalten. In Pane e tulipani vielleicht nur am Rande, in Brucio nel vento (2002), einer Verfilmung von Agota Kristofs schwerblütigem Roman «Hier», in Form surrealer Traumsequenzen. Und nun in Agata e la tempesta als wahrnehmbares Element der äusseren Realität.
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