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Derjenige Teil des Tiers,
welcher die innern Organe enthält, der sogen. Eingeweidesack, wölbt sich in vielen Fällen auf der
Rückenfläche beträchtlich vor und ist dann auch meist spiralig aufgerollt. Ganz allgemein wird eine Schale (Gehäuse) gebildet
und zwar während der Entwickelung auch bei Formen, welche später nackt sind. Die Absonderung der äußern
Schale erfolgt zuerst von der ganzen den Eingeweidesack bedeckenden Haut,
[* 5] ihr Wachstum geschieht aber nur vom Mantelrand aus.
Das Gehäuse bildet in der Regel eine feste Kalkschale von ähnlicher Struktur wie die Perlmutterschicht der Muschelschale
und wird auch noch von einer rauhen, manchmal haarigen Epidermis
[* 6] überzogen. In andern Fällen ist die
Schale zart, hornig, biegsam, gallertartig bis knorpelig; sie bedeckt zuweilen nur die Mantelhöhle mit dem Respirationsorgan
oder liegt in der Mantelhaut verborgen; häufiger wird sie frühzeitig abgeworfen, meist aber wiederholt sie einigermaßen
die Form der Wandungen des Eingeweidesacks und vermag auch Kopf und Fuß beim Zurückziehen des Tiers vollständig
in sich aufzunehmen.
Stets ist die Schale einfach und zwar flach oder napfförmig oder in sehr verschiedener Weise spiralig gewunden. Viele S. besitzen
am hintern Ende des Fußes einen bleibenden hornigen oder kalkigen, geringelten oder spiralig gewundenen
Deckel, der beim Zurückziehen des Tiers die Schalenöffnung schließt. Viele Landschnecken sondern dagegen regelmäßig vor
dem Eintritt des Winter- (in heißen Gegenden des Sommer-) schlafs einen Kalkdeckel ab, welcher im nächsten Frühling wieder
abgeworfen wird.
Die von Lippenrändern umgrenzte Mundöffnung führt in eine Mundhöhle
[* 9] mit muskulöser Wandung (Schlundkopf), an welche sich
die lange Speiseröhre und der Magen
[* 10] anschließen. Der meist lange, mehrfach gewundene und von einer sehr
umfangreichen Lebermasse umhüllte Darm
[* 11] mündet in der Nähe der Atemorgane, zuweilen aber auch auf der Rückenfläche weiter
nach hinten durch den After aus. Im Schlundkopf befindet sich meist ein Kauapparat in Gestalt eines oder mehrerer horniger
Kiefer an der obern Schlundwand und einer teils muskulösen, teils knorpeligen Zunge, auf deren horniger
Membran (Reibplatte oder Radula) höchst charakteristisch gestaltete, in Querreihen angeordnete
¶
Plättchen, Zähne
[* 14] und Haken sich erheben. Größe, Zahl und Form derselben variieren ungemein und werden für die Systematik
verwertet. Das Herz liegt, wie bei allen Mollusken, auf der Rückenseite, ist bei einigen niedern S., ähnlich dem der Muscheln,
[* 15] doppelt und vom Darm durchbohrt, gewöhnlich jedoch einfach, d. h. mit zwei oder einem
Vorhof und nur einer Kammer versehen. Die von ihm ausgehende Aorta führt in ihren zwei großen Zweigen, einem vordern und einem
hintern, das Blut durch den Körper.
Die Niere ist nur bei ganz wenigen Formen noch doppelt, wie bei den Muscheln, und unterhält dann auch noch
dieselben engen Beziehungen zu den Geschlechtsorganen, indem sie deren Produkte (Eier,
[* 19] Samen)
[* 20] aufnimmt und nach außen befördert;
gewöhnlich hingegen ist sie unpaar und besitzt eine innere Mündung in den Herzbeutel. Die Geschlechtsorgane sind meist
sehr kompliziert gebaut, zumal bei den Zwitterschnecken, welche außerordentlich zahlreich vertreten sind.
Man unterscheidet alsdann eine Zwitterdrüse, in der Eier und Samenfäden gebildet werden, eigne Eiweißdrüsen, Samenbehälter,
vielfach Penis mit Anhangsorganen etc. Zur Brunstzeit schwellen alle diese Teile so an, daß sie
die übrigen Organe des Tiers in den Hintergrund drängen. Die Eier sind meist klein und werden fast immer
abgelegt. Die in ihnen sich entwickelnden Embryonen drehen sich mittels ihres Flimmerkleides in dem flüssigen Eiweiß umher
und schlüpfen entweder schon nahezu in der Gestalt der Erwachsenen aus (Lungenschnecken), oder kommen als Larven hervor, die
noch eine bedeutende Metamorphose durchzumachen haben. Sie besitzen dann zwei große, an Stelle des noch
rudimentären Fußes als Bewegungsorgane dienende Wimpersegel und eine kleine, flache Schale mit erst beginnenden Windungen,
die häufig abgeworfen und durch eine neue ersetzt wird. Seltener sind in spätern Stadien die Larven wurmförmig und mit
Wimperkränzen versehen (Pteropoden).
Die S. leben meist im Wasser und zwar vorzugsweise im Meer; Landbewohner sind nur einige Gruppen der Lungenschnecken.
Ein sehr großer Teil der S. nährt sich von tierischen Stoffen; die übrigen sind vorwiegend oder ausschließlich Pflanzenfresser.
Versteinerte S. treten schon in den ältesten Schichten auf; so findet man bereits im SilurPteropoden (Tentaculites),
Heteropoden (Bellerophon)
[* 21] etc. Am spätesten erscheinen die Lungenschnecken und erreichen, obwohl
einige Arten schon in den frühern
Perioden auftauchen, erst in der Tertiärzeit größere Entwickelung. Man kennt über 22,000 Arten S., von denen etwa 7000 ausgestorben
sind. Man teilt die S. in mehrere meist sehr umfangreiche Klassen, über deren Abgrenzung und gegenseitige
Beziehungen jedoch bei den Zoologen keine Übereinstimmung herrscht.
1) Die niederste Gruppe, die der Solenoconchae oder Röhrenschnecken (auch Scaphopoda oder Kahnfüßer), steht zwischen den
Muscheln und den eigentlichen S. und wird daher auch vielfach nicht zu den letztern gerechnet, sondern als eine ihnen gleichwertige
Gruppe hingestellt. Sie wird durch nur wenige Gattungen (Dentalium etc.) vertreten, welche im Schlamm versenkt
leben. Ihr Gehäuse bildet eine etwas gekrümmte, zugespitzte offene Röhre, in welcher das Tier, durch einen Muskel dem Schalenrand
angeheftet, steckt.
Der Mantel ist sackförmig, der Fuß dreilappig. Ein besonderer Kopf fehlt, dagegen findet sich im Mantelraum ein eiförmiger
Aufsatz, an dessen Spitze die von acht blattähnlichen Lippenanhängen umstellte Mundöffnung liegt. Der Mund hat zwei Kieferrudimente
und eine Zunge mit fünf ReihenZähnen. Ein Herz fehlt, die Atmung erfolgt durch den Mantel und wohl auch durch die Tentakeln;
Augen fehlen. Die Tiere sind getrennten Geschlechts und lassen Eier und Samenfäden durch eine hintere Mantelöffnung
nach außen gelangen. Die Jungen schwärmen als Larven mit Wimperbüschel und Wimperkragen im Meer umher, erhalten dann eine
fast zweiklappige Schale, Segel und Fuß; später wird das Gehäuse röhrenförmig.
Doch läßt sich diese Einteilung nicht scharf durchführen. Ferner hat man die Ordnungen der Kiemenlosen (Abranchier), welche
durch die ganze Haut atmen und keine besondern Respirationsorgane besitzen, der Nacktkiemer (Gymnobranchier),
deren Kiemen offen zu Tage treten, der Seitenkiemer (Pleurobranchier), mit Kiemen an der Seite des Körpers unter dem Mantelrand,
der Kreiskiemer (Cyklobranchier) und Kammkiemer (Ktenobranchier), deren Kiemen blatt-, resp. kammförmig sind. In zweiter
Reihe wird die Kiefer- und Zungenbewaffnung in der Systematik verwertet.
Zeugungsdrüsen (zu einer Zwitterdrüse) und ihrer Leitungsapparate und durch mannigfache accessorische Drüsen und Anhänge
aus (s. auch Lungenschnecken). Die äußern Geschlechtsteile liegen meist rechtsseitig in der Nähe des Kopfes in einer gemeinsamen
Geschlechtskloake. Die Begattung der hermaphroditischen S. führt häufig nur zur Befruchtung
[* 24] des einen Individuums, so daß
das eine Tier nur als Männchen, das andre nur als Weibchen fungiert. In dieser Weise bildet sich zuweilen
bei der Begattung sogar eine Kette von mehreren Individuen, in der jedes Glied
[* 25] gegen das frühere als Männchen, gegen das spätere
als Weibchen fungiert.
Bei den getrennt-geschlechtlichen S. sind die Geschlechtsorgane allgemein einfacher gestaltet. Bei wenigen
S. durchlaufen die Eier im Uterus die Embryonalentwickelung, meist werden sie nach der Begattung abgelegt und zwar einzeln oder
als Laich, in gallertartigen Klumpen oder Schnüren oder in hornigen Kapseln,
[* 26] welche zu unregelmäßigen Massen vereinigt werden
oder sehr regelmäßig aneinander liegen und in einer Eiweißmasse eine gewisse Zahl von Dottern enthalten.
Die Kiemenschnecken durchlaufen bei der Entwickelung eine Metamorphose und verlassen das Ei
[* 27] als Larve mit Wimpersegel, während
die Lungenschnecken sich ziemlich direkt, jedoch mit mehrfachen Überresten von Larvenorganen, entwickeln. Bei weitem die
meisten S. leben im Meer, die Wasserpulmonaten und einige Prosobranchier im Süßwasser; Landbewohner sind die
Landpulmonaten und Cyklostomiden. Fast alle kriechen mittels der Fußfläche, einige (Strombus) springen, andre schwimmen
vortrefflich; wenige, wie die Wurmschnecken (Vermetus), sind mit ihren Schalen festgewachsen, einzelne leben parasitisch.
Viele S. sind gefräßige Raubtiere,
[* 28] andre leben von toten Tieren; fast alle Lungenschnecken und viele Kiemenschnecken sind
vorwiegend Pflanzenfresser. Man teilt die eigentlichen S., wie erwähnt, in a) Hinterkiemer (Opisthobranchia,
hermaphroditische, meist nackte Kiemenschnecken), hierher: Elysia (Samtschnecke, s. Tafel »Schnecken«),
Ancula (Griffelschnecke),
Aeolis (Fadenschnecke, s. d.), Aplysia (Seehase, s. d.) etc.; b) Vorderkiemer (Prosobranchia, beschalte, getrenntgeschlechtliche
Kiemenschnecken),
3) Die Flossenfüßer oder Ruderschnecken(PteropodaCuv.) sind durchweg kleine Tiere mit nicht immer deutlich abgesetztem Kopf
und haben unterhalb des Mundes zwei große seitliche Flossen, welche als Teile des Fußes aufzufassen sind und durch
flügelartige Schläge die meist lebhafte Bewegung des Tiers im Meer bewirken. Der Körper bleibt entweder nackt, oder sondert
ein horniges, gallertig-knorpeliges oder kalkiges, fast immer symmetrisches Gehäuse ab. Die Mundöffnung ist zuweilen mit
mehreren armförmigen oder mit Saugnäpfen besetzten
Fortsätzen umstellt.
Die Atmung erfolgt durch die gesamte Haut, durch äußere blattartige Kiemenanhänge oder durch innere
Kiemen. Augen fehlen gewöhnlich oder bleiben sehr rudimentär, entsprechend der nächtlichen Lebensweise. AllePteropoden sind
Zwitter; sie legen ihre Eier in langen, frei im Meer schwimmenden Schnüren ab. Die rotierenden Embryonen erhalten Segellappen
und Schale und werden als schwärmende Larven frei. Während der Rückbildung der Segel treten die Flossen
hervor.
Sie erscheinen oft auf hoher See in allen Meeren, zum Teil massenhaft, wie die arktischen Limacina arcticaCuv. und ClioborealisBrug., von denen hauptsächlich die Wale
[* 31] sich nähren. Man kennt nur etwa 250 Arten, von denen mehr als 130 fossil vorkommen.
Als versteinerte Pteropoden werden auch wohl die Tentakuliten (s. Tafel »Silurische Formation«)
[* 32] angesehen.
Man teilt sie in Thecosomata Blainv.,
mit Schale, verkümmertem Kopf, rudimentären Tentakeln und mit dem Fuß verwachsenen Flossen (hierher Hyalaea, s. Tafel »Schnecken«),
4) Die Kielfüßer(HeteropodaLam.) besitzen einen glashellen, gallertigen Körper, einen rüsselartig hervortretenden Kopf,
große Augen, Fühler, sehr deutliche Gehörbläschen und eine kräftige, ausstülpbare Zunge. Vom Fuße sind Vorder- und Mittelteil
zu einer häufig mit einem Saugnapf versehenen Flosse umgestaltet, während das Hinterende mehr wie eine
Verlängerung
[* 33] des Rumpfes erscheint. Sie sind entweder nackt oder besitzen eine oft äußerst zierliche und zerbrechliche Schale.