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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

VII. Rede
8.
Nachdem er seine Seele mit allen möglichen Tugenden und Kenntnissen beladen hatte, gleich einem großen Frachtschiffe, das alle möglichen Waren aufnimmt, und er in die Vaterstadt zurückgekehrt war, um auch anderen von seiner schönen geistigen Fracht mitzuteilen, da ereignete sich etwas Merkwürdiges. Weil mich die Erinnerung daran außerordentlich freut und eine Erwähnung auch euch angenehm sein dürfte, ist es das beste, kurz davon zu sprechen. In mütterlicher Art und aus Liebe zu den Kindern flehte die Mutter im Gebete, daß sie uns, die wir gemeinsam von ihr [S. 216] ausgeschickt worden waren, auch gemeinsam heimkehren sähe. Sah man uns beisammen, so wurden wir, wenn auch nicht von anderen, so doch von der Mutter als ein Zweigespann angesehen, des Gebetes und des Anblickes wert; nun allerdings hat uns ein neidisches Geschick böswillig getrennt. Nicht infolge eines gemeinsamen Planes oder einer Verabredung, sondern weil Gott, der auf gerechte Bitten hört und auf die Liebe der Eltern zu wohlerzogenen Kindern achtet, es gefügt hatte, kamen wir, der eine von Alexandrien, der andere aus Griechenland, der eine zu Land, der andere zu Wasser, zu gleicher Zeit in der gleichen Stadt an. Die Stadt war Byzanz, nunmehr die Hauptstadt Europas. Hier erwarb sich Cäsarius in kurzer Zeit solchen Ruhm, daß ihm öffentliche Ämter, eine vornehme Heirat und ein Sitz im Senate angeboten wurden und daß man einstimmig eine Gesandtschaft an den Kaiser schickte, um ihn zu bitten, er möge die erste Stadt durch Aufnahme des ersten Gelehrten ehren und auszeichnen, soferne ihm daran gelegen sei, daß sie in der Tat die erste ist und ihren Namen verdient, ferner möge er allen Berichten über sie noch den beifügen, daß sie sich mit dem Arzte und dem Bürger Cäsarius geschmückt habe, obwohl es natürlich ― abgesehen von anderem Glanze ― noch viele, in der Philosophie und in anderen Wissenschaften hervorragende Männer sind, welche ihr zu Ansehen verhelfen sollten. Doch genug davon! Anderen schien in dem erwähnten Zusammentreffen blinder Zufall gespielt zu haben, wie es oft im Leben vorkommt; den Frommen aber war es völlig klar, daß es nur das Werk der gottesfürchtigen Eltern war, welche ihre Kinder zu Wasser und zu Lande einzig durch die Wirkung des Gebetes zusammengeführt hatten.