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Quelle: Otto Sigg, Geschichte der Gemeinde Ossingen, 1988
Der Gemeindeverein begründete sich am 27. Januar 1971. Er setzt sich zum Ziel, mittels Veranstaltungen das kulturelle Leben zu fördern.
Regelmässig werden so in seinen Reihen Kindertheater, Tanz und Show-Abende für die Jungen, Theater, Matinees und Ausstellungen betreut. Jährlich wird ein Bannumgang durchgeführt. Zusammen mit der Kirchenpflege organisiert man den Altersausflug. Schliesslich nimmt der Verein die Koordination innerhalb der Dorfvereine wahr.
Die Mitglieder setzen sich auch mit den aktuellen politischen Angelegenheiten auseinander und können an ihren Versammlungen Wahl- und Abstimmungsparolen beschliessen. Der Verein ist keiner bestehenden Partei verpflichtet und konfessionell neutral. Seine Mitglieder beteiligen sich als gewählte Behördenvertreter überall mit an der Verantwortung.
Wohl nicht mehr bekannt ist, dass schon im 19. Jahrhundert in Ossingen ein «Gemeindeverein» bestanden hatte. Wir können allerdings vermuten, dass es sich dabei lediglich um ein Synonym für den Leseverein handelte. Solche Namengebungen wandelten sich im Volksmund oft, und «Leseverein» konnte durchaus das gleiche wie «Gemeindeverein» oder «Landwirtschaftlicher Verein» usw. sein. Die politische Ausrichtung des Lesevereins haben wir ja beispielsweise für das Jahr 1909 feststellen können. Wie auch immer, wir begegnen dem Gemeindeverein Ossingen im Vorfeld der neuen Kantonsverfassung des Jahres 1869. Damals wurde das in der liberalen Verfassung des Jahres 1831 verankerte mehr repräsentative System in eine direkte Demokratie mit sozialen Elementen umgewandelt.
Der Verfassungsrat rief zu Eingaben aus der Bevölkerung auf, und am 10. Mai 1868 versammelten sich nicht weniger als 97 Mitglieder unseres Gemeindevereins, um eine Petition auszuarbeiten. Die in sechs Punkten vorgebrachten Begehren zeigen deutlich, wo der Schuh unsere bäuerlich-handwerkliche Bevölkerung drückte.
Als erstes wünschte man das Referendum für Gesetze und «tiefeingreifende, insbesondere finanzielle Beschlüsse».
Zweitens: «Es möchte die Zahl der Beamten vermindert und in erster Linie das Schuldenschreiberamt abgeschafft werden.»
Drittens forderte man ein durchsichtigeres Notariatswesen. insbesondere dass die Gemeinden als Notariatskanzleien wirken könnten.
Das «Sportelwesen» (Gebühren, die der direkten Belohnung der Beamten dienten) müsse im notariellen Bereich «im Sinne der Erleichterung für das Publikum» gründlich revidiert werden.
Sodann seien das Strassengesetz zu überarbeiten und die staatlichen Beiträge an Bau und Unterhalt der Strassen gerechter zu verteilen.
Ein neues Militärgesetz habe «dem gemeinen Mann in ökonomischer Beziehung» Erleichterung zu bringen und die Soldunterschiede zwischen den militärischen Graden und Waffengattungen zu verringern.
Beim sechsten und letzten Punkt heisst es kurz und bündig: «Wir wünschen endlich Beibehaltung der Staatskirche.»
Tatsächlich hatten damalige Bestrebungen, die zwinglianische Landeskirche vom Staat zu trennen, zu einer Welle der Empörung vor allem auf der Landschaft geführt.