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Zuallererst muss geklärt werden: Was will die Ausstellung Gefeiert & verspottet eigentlich? Wie der Zusatz des Titels bereits vermuten lässt, geht es um französische Malerei zwischen 1820 und 1880. Es geht um den Pariser Salon. Um Künstler wie Ernest Meissonier, Jean-Auguste-Dominique Ingres und Camille Corot. Doch lernen wird man vor allem über das Teufelsdreieck Macht, Kunstkritik und Hypes.
Der Salon in Paris war bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein die einzige offizielle Ausstellungsplattform, auf der Künstler (und die wenig zugelassenen Künstlerinnen) ihre Werke regelmässig präsentieren konnten. Bereits 1667 durch die Académie royale de peinture et de sculpture gegründet, wurde die Ausstellung im Laufe der Zeit zu der wichtigsten Kunstveranstaltung Frankreichs und zu einem festen Bestandteil des Pariser Gesellschaftslebens. Der Salon fand mindestens alle zwei Jahre statt, anfangs im Grand Salon du Louvre (daher der Name Salon) und später im Elysées-Palast. In der Regel bestimmte eine Jury über die Zulassung der eingesandten Werke. Da die Jury mehrheitlich aus akademischen Malern und Vertretern einer konservativen Kunstauffassung zusammengesetzt war, hatten Künstler, die einen einen anderen Weg gingen und von dieser Auffassung abwichen, einen schweren Stand. Der Salon war also – kurzum – höchst elitär.
Salon des Refusés
Der Schriftsteller, Maler und Kunstkritiker Émile Zola hatte keine wohlwollenden Worte für die Institution des Salon de Paris übrig. Ein Zitat von ihm bringt die gesamte Ausstellung Gefeiert & verspottet auf den Punkt:
Unsere Väter haben über Courbet gelacht, und wir geraten bei seinem Anblick in Verzückung; wir lachen über Manet, und unsere Söhne werden vor seinen Bildern in Verzückung geraten. – Émile Zola, 1866
Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich zeigt, wie eine kleine Elite in Paris des 19. Jahrhunderts bestimmte, was damals als “gute” und was als “schlechte” Kunst galt. Sie prägte den Geschmack einer ganzen Generation und war dabei tonangebend. Zeitgenössische Kritiker wie etwa Émile Zola denunzierten dieses Verhalten. Während Künstler und Künstlerinnen aus der Akademie gehyped (oder eben: gefeiert) wurden, waren die impressionistischen Kollegen und Kolleginnen verspottet. Denn als eines der wichtigsten Kriterien für die Annahme von Werken am Salon galt: Eine glatte, präzise Feinmalerei mit viel Liebe zum Detail. Ernest Meissonier galt als einer der gefeiertsten Künstlern seiner Zeit. Besucher des Salons mussten seine Werke mit der Lupe betrachten, um auch wirklich kein Detail zu übersehen. Eine abstrakte Landschaft von Claude Monet oder ein Lichterspiel von Pierre-Auguste Renoir passten da also so gar nicht rein. Künstler und Künstlerinnen wie sie wurden zurückgewiesen und mussten in einer inoffiziellen Parallelausstellung – dem Salon des Refusés – ihre Werke zeigen. Und während die Meissoniers im 19. Jahrhundert steinreich wurden, verendeten die meisten Impressionisten unter bitterarmen Verhältnissen. Doch heute wissen wir alle: Das Blatt hat sich gewendet, wie von Émile Zola vorausgesagt.
Neuentdeckung durch das Kunsthaus Zürich
Das Kunsthaus Zürich will mit seiner Ausstellung nun aber einen Schritt weiter gehen und die mittlerweile in Vergessenheit geratenen Künstler und Künstlerinnen in ein neues Licht stellen: Es gilt, die Werk, die einst gefeiert wurden, wieder neu zu entdecken. Denn nichtsdestotrotz waren die Künstler und Künstlerinnen des Pariser Salons höchst innovativ. Eines der Highlights ist darum das Werk Le bal de l’Opéra von Eugène Giraud, das erst vor wenigen Jahren (gemäss Kunsthaus rein zufällig) wieder aufgetaucht ist und seit dem Salon von 1867 nun erst zum dritten Mal wieder ausgestellt ist.
Highlights
Die Ausstellung ist in drei Teile aufgeteilt: Der Erste widmet sich Gemälden, die Geschichte(n) erzählen. Das sind zum einen Historienbilder, in denen Ereignisse aus der Geschichte und biblischen Szenen dargestellt werden. Zum anderen sind das Genrebilder mit narrativen Szenen aus dem Alltag.
Der zweite Teil widmet sich Menschen in Pose und arrangierten Dingen: Also Porträts, Akte, Figurenbilder und Stillleben. Spannend zu erfahren war hier vor allem die Tatsache, dass aufgrund der idealisierten Wiedergabe nackter Frauenkörper keine Verletzung des moralischen Empfindens bestand. Da es sich bei den Nackten um mythische Figuren oder griechische Dichterinnen handelte, wurde das Sujet wegen des Kontextes entschuldigt. Wurde der nackte Frauenkörper aber nicht idealisiert und ohne mythische Vorwände gezeigt, war dies Anlass für einen Skandal – so wie in Gustave Courbets Werk La source. Der Realist wurde übrigens seinerzeit als Maler des Hässlichen verpöhnt.
Im dritten und letzten Teil stehen Naturdarstellungen, also Landschaften, im Fokus.
Ganz im Sinne des Medallienspiegels des Kunsthauses Zürich zeige ich noch zuletzt meine drei Ausstellungs-Highlights.
Bei einem Besuch in der Ausstellung kann man die drei Lieblingswerke angeben und als Stimmzettel abgeben. Der Medaillenspiegel wird regelmässig aktualisiert und auf Facebook gepostet.
Besuch planen
Die kostenlosen Audioguides haben sich auf jeden Fall gelohnt. Dort finden sich nämlich zusätzliche, spannende Informationen über die ausgestellten Werke. Mittwochs von 18 bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 12 Uhr finden zudem öffentliche Führungen statt. Der Eintrittspreis kostet regulär 23 CHF. Der Kaffee im herzigen Pop-Up Café Sophie Rideaux in der Eingangshalle verströmt noch ein bisschen Paris-Flair.
Die Ausstellung läuft noch bis am 28. Januar. Die Öffnungszeiten sind folgendermassen:
Fr–So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do 10–20 Uhr
Feiertage: 24./26. Dezember, 31. Dezember 2017 sowie 1./2. Januar 2018: 10–18 Uhr