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Das menschliche Auge kann verschiedene Farben als absolut identisch empfinden. Beispielsweise können gleiche Farbtöne durch verschieden anteiliges Mischen von Spektralfarben entstehen. Derartige Farben, die zwar für das Auge gleich aussehen, jedoch anders zusammengesetzt sind, bezeichnet man als metamere oder bedingt-gleiche Farben.
Betrachten wir ein weißes Papier zusammen mit einem leicht rotgefärbten bei rotem Dunkelkammerlicht, so sehen beide Papiere gleich aus. Diese Erscheinung, nach der die verschieden gefärbten Papiere bei Betrachtung mit rotem Licht gleich aussehen, wird als Metamerie bezeichnet. Dass bei Beleuchtung mit farbigem Licht unterschiedliche Körperfarben gleich aussehen können, wissen wir alle aus Erfahrung, und so haben wir mit dieser Form der Metamerie kaum Probleme. Problematischer sind zwei Körperfarben, die beispielsweise bei einem bestimmten Tageslicht absolut identisch aussehen, die aber bereits bei geringfügiger Änderung der spektralen Zusammensetzung des Lichts ihr Aussehen verändern und verschiedenfarbig werden. Solche metamere Farbabweichungen treten nur dann eklatant und störend auf, wenn die zu vergleichenden Farben mit verschiedenen Pigmenten (oder generell mit verschiedenen farbgebenden Mitteln) hergestellt worden sind.
Definitionsgemäß versteht man unter metameren Farben Farbvalenzen, die zwar zu verschiedenen Farbreizen gehören, aber unter bestimmten Bedingungen für das menschliche Auge gleich aussehen. Bei bedingt-gleichen Körperfarben ist die spektrale Zusammensetzung des beleuchtenden Lichts eine der wichtigsten Voraussetzungen für gleiches Aussehen. Ändert man die relative spektrale Strahlungsverteilung des Betrachtungslichts, wird die visuelle Gleichheit im Allgemeinen aufgehoben.
Von UGRA gibt es eine Metameriekarte nach DIN 6172. Dabei handelt es sich um eine Karte, die ein in zwei verschiedenen metameren Pigmenten gedrucktesWort «Metamerie» enthält. Beim Betrachtungslicht D50 (normiertes Licht mit 5000 K) sehen alle Buchstaben gleich aus. Bei anderer Beleuchtungsart erscheinen die Buchstaben unterschiedlich gefärbt. Das einfache Hilfsmittel erlaubt rasch und unkompliziert herauszufinden, ob ein vorhandener Leuchttisch oder ein vorhandenes Betrachtungslicht für die farbliche Abmusterung geeignet ist oder nicht. Ebenfalls von UGRA gibt es den Farbtemperatur-Indikator mit sechs nebeneinander liegenden Feldern. Wird dieser Indikator unter dem Normlicht von 5000 K betrachtet, weisen alle Farbfelder dieselbe Farbe auf. Wird der Indikator dagegen unter einer nichtstandardisierten Lichtquelle betrachtet, erscheinen mehr oder weniger deutliche Farbunterschiede. Zum farbverbindlichen Betrachten eines Proofs muss daher eine Lichtquelle verwendet werden, bei welcher der Farbtemperatur-Indikator in allen Feldern das gleiche Grün anzeigt.
In der Farbfotografie und im Farbdruck können metamere Farben – selbst bei gleichem Licht – unterschiedlich erscheinen. Typisch dafür ist das Blau von bestimmten Blumen (zum Beispiel Astern, Clematis), das einen beträchtlichen Anteil von langwelligem Rot reflektiert, welches vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen wird.
Im Gegensatz zu metameren (bedingt-gleichen) Farben gibt es isomere, das heißt, unbedingt-gleiche Farben mit gleichen Farbreizfunktionen, die immer und unter allen Umständen für das Auge identisch aussehen und die daher in der Fotografie und im Farbdruck problemlos darstellbar sind.
Auszug aus PHOTOKOLLEGIUM Band 6 von Jost J. Marchesi