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An den Nidwaldner Primarschulen wird nach Englisch ab der dritten Klasse weiterhin Französisch ab der fünften Klasse unterrichtet. Der Souverän hat mit einem Stimmen-Anteil von knapp 62% Prozent entschieden, dass der Kanton im Sprachenunterricht keinen Sonderweg gehen soll.
Bei einer Stimmbeteiligung von 50,2 Prozent haben die Nidwaldner mit 9165 zu 5684 Stimmen eine Initiative der Schweizerischen Volkspartei (SVP) abgelehnt. Diese hatte verlangt, dass an der Primarschule nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden solle. Bei einer Annahme wäre der Französischunterricht ganz auf die Oberstufe verschoben worden.
Mit dem Nein votierten die Nidwaldner gegen die Empfehlung des Regierungsrates, der sich für die SVP-Initiative ausgesprochen hatte. Das Parlament dagegen lehnte das Volksbegehren ab.
Irritation in der Romandie
Nidwalden hält somit das in der Mehrheit der Kantone umgesetzte Sprachenmodell "3/5" bei. Dieses sieht in der Primarschule den Unterricht zweier Fremdsprachen vor, darunter einer Landessprache.
Die Gegner der Initiative hatten neben pädagogischen vor allem auch staatspolitische Argumente angeführt. Nidwalden dürfe in der Frage des Fremdsprachenunterrichts keinen Sonderweg gehen und müsse sich mit den anderen Kantonen absprechen.
In der Romandie hatte die Initiative in den vergangenen Wochen eine heftige und emotionale Debatte über den nationalen Zusammenhalt ausgelöst. Die Romands wehren sich gegen die Bevorzugung des Englischen und fürchten einen Bedeutungsverlust des Französischen.
Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat den Entscheid Nidwaldens, das Frühfranzösisch nicht abzuschaffen, zur Kenntnis genommen. Die Kantone könnten damit den Weg zur Harmonisierung des Bildungswesens weitergehen, sagte Anne Weibel, Sprecherin des BAK, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.
Verfassungsmässiger Auftrag
Das Modell 3/5 und damit der Französischunterricht sind aber nicht nur in Nidwalden in Frage gestellt worden. Auch in anderen Kantonen waren bereits Volksinitiativen abgelehnt worden, in Luzern und Graubünden sind Fremdspracheninitiativen hängig. Dazu kommen Vorstösse in diversen Kantonen gegen den Deutschschweizer Lehrplan 21, mit denen teils auch das Fremdsprachenmodell 3/5 bekämpft wird.
Mehrere Kantone haben das zur Diskussion gestellte Modell 3/5 nicht oder noch nicht umgesetzt. In Uri ist die zweite Landessprache (Italienisch) ab der 5. Klasse nur ein Wahlpflichtfach. Appenzell Innerrhoden unterrichtet Französisch erst ab der 7. Klasse. Im Thurgau hatte 2014 das Parlament entschieden, das Frühfranzösisch aufzugeben. Noch nicht umgesetzt ist das Standardmodell im Aargau.
Die Kantone haben den verfassungsmässigen Auftrag, den Unterricht zu harmonisieren. Kommt der Bund zum Schluss, dass dieses Ziel nicht erreicht wird, kann er die Kantone verpflichten, dass sie in der Primarschule eine zweite Landessprache unterrichten. Der Bundesrat will die Bilanz dazu Mitte Juni ziehen.
swissinfo.ch