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Geschichte
Die älteste erhaltene Urkunde, die das Dorf Seewis nennt, stammt aus dem Jahr 1291. Der Churer Bischof exkommuniziert darin zwei Freiherren von Aspermont, weil sie sich in den Dörfern des Domkapitels Schiers unrechtmässig bereichert haben.
Zwei markante Burgruinen auf Seewiser Gemeindegebiet sind Zeugen mittelalterlicher Machtausübung. Die Burganlage Fracstein, an die nördlichen Felswände der Chlus geschmiegt, sperrte um 1200 mit einer Letzimauer und einem Eisentor den Talzugang ab. Über Erbauer und Besitzer ist wenig bekannt. Besser belegt ist die Geschichte der Burg Solavers, erstellt auf dem dreiseitig fast senkrecht abfallenden Felssporn oberhalb der Fraktion Seewis-Schmitten. Vorerst wahrscheinlich als Kirchenburg genutzt, wurde sie im 11./12. Jahrhundert durch die Grafen von Bregenz zu einer Feudalburg ausgebaut. Spätere Besitzer waren die Herren von Vaz, von Aspermont, von Matsch und Toggenburg. Heute erhalten sind die bergseitige wuchtige Wehrmauer und Mauerteile der «Marienkirche».
Seewis war bis ums Jahr 1550 ein romanisches Dorf; von allen Prättigauer Gemeinden hatte sich hier das rätoromanische Idiom am längsten gehalten. Die Seewiser Flurnamen lassen den romanischen Ursprung noch heute erkennen. Der Zuzug walserischer Bauern hat den Sprachwechsel gefördert.
Die Reformation hielt gegen Ende des 16. Jahrhunderts Einzug. In der Folge verkauften die Seewiser ihre Heiligenbilder für 300 Gulden nach St. Gallenkirch im Montafon.
Während den «Bündner Wirren» erlebte das Prättigau seine schlimmsten Zeiten. Ein blutiger Truppeneinfall vom Montafon verwüstete Klosters. Im selben Jahr durchzog ein österreichisches Heer das Prättigau, um dessen unbotmässige Bevölkerung zu Gehorsam und wieder zum alten Glauben zu zwingen. Prominente Reformationsbefürworter mussten fliehen, das Tal blieb militärisch besetzt. Es kam zum Aufstand am Palmsonntag, 24. April 1622. Mit improvisierten Waffen kämpfend, gelang es den Prättigauern, die Truppen zu vertreiben. Bei harten Kämpfen in Schiers geriet die Kirche in Brand. Dieser Brand führte auch in Seewis zu dramatischen Szenen. Die Einwohner waren in die Kirche beordert worden, wo Pater Fidelis versuchte, sie zum alten Glauben zurückzubringen. Als Wachsoldaten das Feuer in Schiers entdeckten und Alarm schlugen, kam es zum Aufruhr. Die Kirchenbesucher stürmten ins Freie, die Soldaten wurden angegriffen und ergriffen die Flucht. Es gab Tote, unter ihnen Pater Fidelis, der sich den Flüchtenden angeschlossen hatte.
Der Dorfbrand 1863 war eine Katastrophe, die in Seewis unvergessen bleibt. Der Hauptteil des Dorfes, 96 Häuser und 116 Ställe, brannten am 13. Juli innert Stunden nieder. Weil die meisten Einwohner auf entfernten Gütern mit der Heuernte beschäftigt waren, kam jede Brandbekämpfung zu spät. Rasches Handeln der Kantonsregierung und Spenden aus der ganzen Schweiz linderten die erste Not. Unverzüglich plante man den Wiederaufbau. Das rechtwinklige Strassennetz und die Massivbauweise für die Wohnhäuser sollten verhindern, dass es je wieder zu einem ähnlichen Flächenbrand kommt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Seewis zum Kurort im modernen Sinn. Damals empfahlen Ärzte eine Akklimatisation in mittlerer Höhenlage, bevor die Patienten den Luftheilkurort Davos aufsuchten. Diesem Umstand verdankt der Kurort Seewis eine Blütezeit, die bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 anhielt.
Dank dem Ausbau der Strassen (breitere Bergstrasse und Chlustunnel) und der Eisenbahn (RhB-Bahnstation) konnte sich Seewis an das Wirtschaftleben der Region anschliessen. In Seewis-Pardisla hat sich Industrie angesiedelt. Hier und in der weiteren Region findet ein grosser Teil der Seewiser Erwerbstätigen heute ihren Verdienst. Seewis hat sich vom einstigen Bauerndorf zum Wohn- und Feriendorf gewandelt. Im Verlauf der 1994 abgeschlossenen Gesamtmelioration wurden 37 km Flurstrassen erstellt; die bäuerlichen Siedlungen rund ums Dorf zeigen, dass auch der Bergbauer den technischen Fortschritt nutzt.