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Auf dieser Seite "Traumatherapie" möchte ich Ihnen einen Überblick geben, was ich unter einer psychischen Traumatisierung verstehe, und wie ich in meiner psychotherapeutischen Praxis mit Traumafolgestörungen arbeite.
Was ist ein psychisches Trauma?
Ein Ereignis bekommt einen traumatischen Charakter, wenn zu viele Eindrücke in zu kurzer Zeit so erfolgen, dass das psychische Verarbeitungssystem überlastet wird. Ein wichtiger Faktor ist dabei, dass die Situation auf physischer oder psychischer Ebene als existenzbedrohlich erlebt wird, gepaart mit Gefühlen von Angst, Kontrollverlust und Handlungsunfähigkeit. Die Selbstregulationsfähigkeit der menschlichen Psyche kann also durch massive traumatische Überstimulation gestört werden. Aber auch das Gegenteil ist möglich: Traumatisch und damit negativ auf die psychische Integrität wirken lang dauernde Unteraktivierungen, wie sie beispielsweise durch chronische emotionale Vernachlässigung durch wichtige Bezugspersonen entstehen.
Eine traumatische Situation kann in der Vergangenheit liegen oder in der Gegenwart präsent sein. Sie kann ein Einzelereignis darstellen oder fortdauernd sein. Beispiel: Ein Verkehrsunfall ist ein vergangenes Einzelereignis. Danach auftretende chronische Schmerzen können als fortdauernde Traumatisierung wirken.
In meiner psychotherapeutischen Praxis arbeite ich häufig mit folgenden traumatisierenden Situationen:
- Belastende Kindheitserlebnisse (physische oder psychische Gewalt, Vernachlässigung, heftige Konflikte der Eltern, Ausgrenzung in der Gruppe der Gleichaltrigen)
- Psychologische und physische Gewalt
- Ausgrenzung und Beschämung
- Mobbing
- Situationen, die mit der Zeit zu einem Burnout-Zustand führen, haben häufig einen traumatisierenden Charakter, da diese chronisch das psychische Verarbeitungssystem überlasten (beispielsweise hoher, fremdbestimmter Arbeitsdruck).
Traumafolgen und Symptome
Traumatische Ereignisse können schwerwiegende Folgen für die Psyche und die Neurobiologie des Gehirns haben. So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass Menschen Auffälligkeiten in der Hirnaktivität zeigen, wenn sie an das Trauma denken. Häufig wird während eines traumatischen Geschehens ein psychisches "Notfallprogramm" aktiviert, welches im Sinne eines Flucht- oder Angriffsverhaltens die traumatische Situation beenden soll. Werden solche Handlungsimpulse unterbrochen oder sonst behindert, wird die dabei entstehende körperliche Aktivierung im Körper wie "eingefroren". Solche traumabedingte körperliche Aktivierungen werden später – wenn ein Schlüsselreiz oder Erwartungsangst die innere Traumastruktur aktiviert – als unangenehmes Körpererleben mit entsprechenden Gefühlen der Hilfslosigkeit, Überforderung oder Angst wahrgenommen.
Nicht nur die körperlichen Reaktionen, sondern auch die Eindrücke auf den anderen Wahrnehmungsebenen (fühlen, sehen, hören) werden im Sinne eines "Traumagedächtnisses" abgespeichert. Das Erlebnis wird fragmentiert und nicht zusammenhängend abgespeichert. Dies bewirkt, dass solche Erinnerungen nicht genügend weiter verarbeitet werden (z. B. in den nächtlichen Traumphasen). Damit wird die Erinnerung an ein traumatisches Ereignis nicht in das Langzeitgedächtnis eingeordnet, sondern es wird immer wieder, manchmal schon fast zufällig, durch Alltagsreize ausgelöst.
Menschen mit traumatischen Erlebnissen erleiden deshalb in der Folge immer wieder sich aufdrängende Erinnerungen ("Flashbacks"). Sie beschäftigen sich zwanghaft mit dem Trauma und erleben wiederkehrende Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Auch medizinisch nicht diagnostizierbare Schmerzen und Stresssymptome gehören zum Erlebensspektrum von Traumafolgesymptomen.
Im Alltag einschränkende Symptome sind Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Gefühllosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven und chronische Müdigkeit.
Aus dieser Auflistung sehen Sie, dass Traumafolgen sich nicht nur als sogenannte "Posttraumatische Belastungsstörung" manifestieren, sondern sich häufiger als Angststörung oder depressiven Zustand ausdrücken. Angststörungen und depressive Störungen werden aber oft nicht als Traumafolgestörung erkannt und deshalb nicht als solche behandelt. Phobien sind häufig auf einzelne traumatische Ereignisse zurückzuführen.
Nützlich ist die Unterscheidung in primäre und sekundäre Traumafolgestörungen: Während die oben beschriebene Symptomatik hauptsächlich als primäre Traumafolgestörung – die unmittelbare Auswirkung eines Traumas auf psychischer und neurobiologischer Ebene – bezeichnet werden, sind mit den sekundären Traumafolgestörungen die psychischen Langzeitreaktionen auf die traumatische Erfahrung gemeint.
Sekundäre Traumafolgestörungen entwickeln sich oft auf dem Boden eines "traumakompensatorischen Schemas", als die bewusste oder unbewusste Absicht, die Wiederholung der traumatischen Erfahrung zu vermeiden. Auf physiologischer Ebene besteht dabei eine chronische Überaktivierung, aus dem Bestreben heraus, die Umwelt ständig auf gefährliche, traumabezogene Schlüsselreize zu überprüfen. Der Organismus ist fortwährend in einem Alarmzustand. Der davon betroffene Mensch erlebt eine chronische innere Nervosität und Reizbarkeit, die wegen der mangelnden Erholungsmöglichkeiten verbunden ist mit Erschöpfungszuständen und Schlafstörungen. Um diese Spannungszustände zu mildern, greifen Menschen häufig zu Beruhigungs- und Schlafmitteln. Dies ist zwar verständlich und nachvollziehbar, hält aber den Wirkkreis der Störung aufrecht und führt zu weiteren Problemen.
Traumakompensatorische Schemata zeigen sich auch auf der geistigen Ebene. Häufig sind Schuld- und Schamgefühle: Da das Schicksalhafte und Zufällige eines traumatischen Ereignisses schlecht ertragen wird, wird die Ursache des traumatischen Ereignisses bei sich selber gesucht. Damit entsteht eine illusorische Kontrolle, man hätte, beispielsweise indem man besser aufgepasst hätte, nicht so naiv gewesen wäre usw., das traumatische Ereignis verhindern können. Das Unerträgliche des Zufälligen wird zwar so eingedämmt, aber der Preis sind Schuld- und Schamgefühle. In der Folge ergeben sich häufig Probleme mit dem Selbstwert. Kinder sind dabei sehr anfällig für diesen Mechanismus: Es muss doch einen Grund geben, warum die Eltern schlagen, sexuellen Missbrauch betreiben, das Kind ablehnen etc. Die innere Antwort ist immer dieselbe: Ich hätte braver sein müssen, besser sein müssen usw. Dieser Mechanismus wird von Tätern und Täterinnen häufig schamlos ausgenutzt, um sich selber zu entlasten, und ist als täterorientiertes Denken in der Gesellschaft und Jurisprudenz leider verbreitet.
Traumatherapie
Traumatherapie ist die psychotherapeutische Arbeit an der traumatischen Erinnerung und den Auswirkungen einer traumatischen Erfahrung auf das gegenwärtige Erleben. Grob gesagt besteht die Zielsetzung darin, dass die Erinnerung an ein traumatisches Ereignis keine gegenwärtige Belastung mehr produziert und damit die Lebenseinschränkungen reduziert werden. Damit lösen traumaassoziierte Reize im Alltag keine traumatische Stressreaktion mehr aus. Häufig zeigt sich, dass mit einer erfolgreichen Traumabearbeitung sich negative Selbstüberzeugungen spontan verändern, weil sich traumakompensatorische Schemata verändert haben.
Damit der Inhalt eines Traumagedächtnisses transformiert werden kann, ist es wichtig, den Gedächtnisinhalt gezielt zu aktivieren. Erst durch die Aktivierung ist eine traumatische Erinnerung so "aufgeweicht", dass sie veränderbar wird.
Diese Traumaaktivierung ist allerdings für die betroffenen Menschen äusserst belastend. Zudem weiss man aus der Therapieforschung, dass eine zu hohe Belastung während der therapeutischen Traumaarbeit nicht nur nichts nützt, sondern kontraproduktiv ist. Deshalb wird in der professionellen psychologischen Traumatherapie darauf geachtet, dass die Therapie innerhalb eines "Toleranzfensters" der psychischen Belastungsfähigkeit abläuft. Eine zu geringe Belastung aktiviert den Gedächtnisinhalt zu wenig, ist somit therapeutisch wirkungslos, eine zu hohe Belastung überfordert die integrativen Funktionen des Gehirns und der Psyche.
Deshalb pendelt eine Traumatherapie häufig zwischen den Ansätzen "Stabilisierung ⁄ Ressourcenorientierung" und "Traumakonfrontation". Damit kann die Belastung während eines therapeutischen Prozesses gesteuert werden. Dies hat auch den therapeutischen Effekt, dass sich für den betroffenen Menschen in der therapeutischen Auseinandersetzung mit den traumatischen Erfahrungen ein Gefühl der Selbstkontrolle, Kompetenz und Einflussnahme einstellt. Dies ist genau das Gegenteil des Traumagefühls von Ohnmacht und Hilflosigkeit.
Stabilisierung und Ressourcenarbeit in der Traumatherapie
Wichtige Pfeiler der Traumatherapie sind also stabilisierende und ressourcenorientierte Ansätze. Hier geht es in erster Linie darum, die Überaktivierung des Nervensystems zu reduzieren, eine allgemeine psychische Beruhigung zu erreichen. Wenn so der "Alarmmodus" verringert ist, können die traumaverarbeitenden integrativen Funktionen der Psyche und des Gehirns aktiviert und genutzt werden.
Die Methodenvielfalt ist hier riesig. Ich selber arbeite vorwiegend mit bewährten Verfahren aus dem Bereich des EMDR, der Hypnosetherapie und Klopftherapie PEP. Egal ob man mit Hypnose oder EMDR arbeitet, es werden Ressourcen und Fähigkeiten mental und gefühlsmässig aktiviert und somit erfahrbar gemacht, die zur Stabilisierung, Beruhigung, Traumadistanzierung und Selbstfürsorge führen. Oft erlebe ich dabei, dass schon diese nur zur Vorbereitung der Traumaarbeit gedachten Methoden eine deutliche Entlastung vom Druck innerer Traumaschemata bringen, gepaart mit einer entsprechenden Symptomreduktion.
Traumabearbeitung und traumakonfrontative Verfahren
In der direkten Traumabearbeitungsphase wird entweder mit der Erinnerung der vergangenen traumatischen Erfahrung gearbeitet, oder mit der aktuellen Symptomatik. Oft ist auch die Arbeit an vergangene Erlebnissen wichtig, die in einem inneren, gefühlsmässigen Zusammenhang mit dem traumatischen Erlebnis stehen.
Die Grundidee der Traumatherapie ist, dass das Traumagedächtnis bzw. Traumaschema mit dem inneren Ressourcennetzwerk verbunden wird. Dadurch ergeben sich emotional direkt erlebte neue Verarbeitungsmöglichkeiten. In der Traumaverarbeitung, egal ob mit EMDR oder Hypnosetherapie, geschieht diese Ressourcenverbindung weitgehend spontan, natürlich auch immer wieder von bewussten, willentlichen Kompetenzen unterstützt.
Auch in der eigentlichen Traumabearbeitung besteht häufig ein fliessender Wechsel zwischen der Traumakonfrontation, Ressourcen- und Kompetenzaktivierung und Reflexion über das in der Traumaarbeit erlebte. So wird die Vernetzung von emotionalen und kognitiven Hirnbereichen gefördert, die sog. Fragmentierung des Traumagedächtnisses reduziert und damit die Heilung des Traumaschemas unterstützt.
Besteht eine bewusste Erinnerung an traumatische Erfahrungen, so arbeite ich hier vorwiegend mit EMDR und den sogenannten Screen- bzw. Bildschirmtechniken aus der Hypnosetherapie. Immer wieder sind auch gute Ergebnisse mit der Klopftherapie PEP zu erreichen.
Manchmal haben Menschen flashbackartige Symptome (auf allen Sinnesebenen möglich) oder diffuse belastende Empfindungen und Gefühle, die mit einem belastenden Erleben assoziiert sind, ohne dass dieses bewusst präsent ist (meistens, weil es aufgrund des Traumacharakters oder Traumazeitpunktes gar nicht zu einer bewussten Erinnerungsabspeicherung gekommen ist). Hier bieten sich hypnotherapeutische Arbeiten an, in der die Symptomatik hypnotherapeutisch auf einer metaphorischen oder symbolischen Ebene beabeitet wird.
Keine aufdeckenden Arbeit bei nur vermuteten Traumata
Traumaaufdeckende psychotherapeutische Aufträge bei nur vermuteten "verdrängten" Traumata führe ich als solche nicht durch (weder mit Hypnose noch mit EMDR). Belastende Symptome können etwas mit Traumata zu tun haben, können aber auch eine besondere "Sprache der Seele" darstellen, der es in der Therapie nachzugehen gilt. Dies ist der grosse Bereich des psychosomatischen Ausdrucks.