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Murmeltier
Obwohl es den Schneehasen an Körperfülle weit übertrifft, ist das Murmeltier nicht unser grösster Nager. Diese Ehre fällt dem Biber zu. Das Murmeltier lebt unter extremen klimatischen und ökologischen Bedingungen an der Grenze zum ewigen Schnee. Dass es dabei auf vier bis fünf Kilogramm kommt, ist eine beachtliche Leistung. Wie gelingt es ihm überhaupt, auf den letzten Rasenplätzen zwischen zwei Felsblöcken auf oft mehr als 3000 m zu überleben und dabei so dick zu werden?
Seine Körpergrösse erlaubt es ihm nicht, in gleicher Weise wie die Wühlmäuse aktiv in Gängen unter dem Schnee von Vorräten, die im Herbst angelegt wurden, zu leben. Es trägt keine Schneeschuhe wie der Schneehase. Das Murmeltier "stirbt" immer wieder ein wenig und kennt nur die schöne Jahreszeit im Gebirge. Im September und Oktober entleeren die wohlgenährten Murmeltiere, nachdem sie sich den ganzen Sommer über mit Gras vollstopften, ihren Darm und verschwinden zwei bis drei Tage später in einem grossen Erdbau zum Überwintern. Der Eingang zum Bau wird mit einem Zapfen aus Erde, Gras und Steinen verschlossen. Da verbringen sie im Familienkreis den Winter, indem sie auf einer "Matratze" aus 12 bis 16 Kilogramm Heu schlafen. Nur einmal im Monat erwachen sie, um sich in einer separaten Kammer im Bau zu entleeren. Die Familiengruppe aus drei bis 20 Murmeltieren reguliert die Temperatur im Bau ähnlich wie Kühe im Stall. Bei etwa 12 °C verzögert sich der Herzrhythmus auf zwei bis drei Schläge pro Minute; auch der Atmungsrhythmus wird schwächer, sodass der Fettverbrauch drastisch reduziert wird.
Ob der Schnee im Herbst spät fällt oder im Frühling nicht weichen will, beeinflusst die Länge der Winterruhe nicht. An starkexponierten Südhängen kann man höchstens einen leichten Vorsprung von 15 Tagen feststellen. Während der sechs bis sieben Monate Winterschlaf verlieren die Murmeltiere etwa einen Drittel ihres Körpergewichtes. Das kann für Jungtiere gefährlich sein. Neue Untersuchungen haben ergeben, dass kleine Familien nicht in der Lage sind, die Temperatur so zu halten, dass die noch zarten jungen Tiere des Jahres überleben können. Dieser Selektionsdruck könnte die Ursache eines sozialen Verhaltens sein, das man bei den Murmeltieren der Ebenen Amerikas und Russlands nicht kennt: in den Alpen bleiben Jungtiere mehrere Jahre bei der Familie und der Patriarch erlaubt Paarungen der jungen Männchen mit dem einzigen gebärfähigen Weibchen.
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