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Sommerserie "Klingt gut!":
Die Harfe ist ein altes Musikinstrument, das sich im Laufe der Zeit entwickelt hat.Mahalia Kelz, Harfenistin im Luzerner Sinfonieorchester, gibt Auskunft über das Instrument und wischt einige Klischees vom Tisch.
Spielte David nicht die Harfe, als er die Sorgen von König Saul vertrieb? Und war es nicht Orpheus’ Saitenspiel, das die Steine zum Weinen brachte? Kein Instrument, scheint es uns, ist von so vielen Sagen umwoben wie die Harfe. Entsprechend gespannt blicken wir dem Besuch bei der Harfenistin Mahalia Kelz in Schüpfheim entgegen. Die Erfindung Doppelpedalharfe
In der Mitte des Arbeitszimmers, wo die Harfenistin übt und unterrichtet, steht ein grosses Instrument. Unser Blick bleibt an den vielen Saiten hängen. Die Saiten sind unterschiedlich lang. Die 47 Saiten bilden eine Durtonleiter, die über sechs Oktaven reicht. «Da die Saiten diatonisch und nicht chromatisch gestimmt sind, konnte man früher nur eine Tonart auf der Harfe spielen», beginnt Mahalia Kelz zu erklären. «Das war ein grosser Nachteil. Ein neues Instrument, die Doppelpedalharfe, die 1811 in Frankreich patentiert wurde, schaffte Abhilfe. Mit Hilfe von Pedalen liess sich jeder Ton der Tonleiter (C bis H) um einen oder zwei Halbtöne erhöhen; die gleiche Saite konnte also, je nach Pedalstellung, zum Beispiel Des oder D oder Dis sein.» Unser Blick wandert nach unten. Tatsächlich, am Fusse des Resonanzkastens sehen wir sieben kleine Pedale, die wir vorher nicht bemerkt haben. «Dank dieser Erfindung hat die Harfe Eingang ins klassische Musikleben gefunden», freut sich Mahalia Kelz, die seit 16 Jahren Harfenistin im Luzerner Sinfonieorchester ist.
«Im Vergleich zu anderen Instrumenten besitzt die Harfe in der klassischen Musik ein kleines Repertoire», fährt die Harfenistin zu erzählen fort. «Deshalb bin ich froh, im Orchester zu spielen, wo ich mit grossen Komponisten in Kontakt komme. Die Romantik, allen voran die französischen Komponisten, die Musik des 20. Jahrhunderts, die zeitgenössische Musik, sie alle haben ausgiebig von der Harfe Gebrauch gemacht,» sagt die Berufsmusikerin. Falsche Vorstellungen
Mit dem Nimbus, der der Harfe anhaftet, kann Mahalia Kelz nichts anfangen. «Verzaubern können alle Musikinstrumente», stellt sie klar und holt aus: «Oft werden Instrumente irrtümlicherweise Harfen genannt, die gar keine sind.» Weder David noch Orpheus hätten Harfe gespielt, sondern das Instrument sei ein Kinnor gewesen, ein kleineres Zupfinstrument, das man auf dem Arm getragen habe. «Bis heute werden Instrumente falsch bezeichnet», ärgert sich die Musikerin, «so zum Beispiel die «Veeh-Harfe» in der Musiktherapie.» Das Instrument habe absolut gar nichts mit einer Harfe zu tun, sondern sei eine Art Zither. Bei der Nennung des Worts Harfe schwinge offensichtlich für viele Menschen etwas mit, meint die Harfenistin.
«Und wie steht es mit dem sagenhaften Alter der Harfe?», fragen wir schüchtern, «ist das auch eine falsche Vorstellung?» Mahalia Kelz nickt und antwortet: «Ich weiss nicht, woher dieses Klischee mit dem angeblich alten Musikinstrument kommt: Perkussionsinstrumente, Flöten, Hörner gibt es seit über 40’000 Jahren, die ersten belegten Formen von Harfen stammen jedoch erst von zirka 3000 vor Christus.» Das Saitenspiel
Jetzt ist der Moment gekommen, dass sich die Harfenistin an die Harfe setzt und zu spielen beginnt. Vorher jedoch stimmt sie ein paar Saiten mit einem sogenannten Schlüssel. «Das Stimmen benötigt Zeit und muss vor jeder Probe und jedem Konzert gemacht werden. Deshalb bin ich immer die erste im Orchester, die vor Ort ist», sagt sie. Mahalia Kelz neigt das Instrument gegen die Schulter und beginnt rechts eine Melodie und links die Begleitung zu spielen. «Schülerinnen und Schüler können von der ersten Stunde an einfache Melodien zupfen», erklärt sie. Zur besseren Orientierung des Spielers ist jede C-Saite rot und jede F-Saite blau eingefärbt. Blitzschnell huscht die Hand von einer Saite zur anderen. Das Zupfen besorgen die einzelnen Finger, der Daumen, der Zeigefinger, der Mittelfinger und der Ringfinger. Der kleine Finger jedoch wird nicht gebraucht, der sei zu schwach zum Mitspielen. Die Saiten sind zum Teil dick. Um sie in Schwingung zu bringen, braucht es einen gehörigen Impuls. Mahalia Kelz zeigt ihre kräftig ausgebildeten Hände. «Vom täglichen üben und Spielen habe ich eine dicke Hornhaut an den Fingerspitzen» sagt sie.
Ein Arpeggio, ein gebrochener Akkord, setzt den Schlusspunkt unseres Gesprächs. Mit beiden Händen greift die Harfenistin in die Saiten und spielt einen Durdreiklang von ganz unten bis ganz oben. Eine Kaskade aus Tönen rauscht die Luft und verklingt, ehe wir uns versehen.
Klingt gut – Wir stellen nicht ganz alltägliche Instrumente vor. Bereits erschienen sind Beiträge über die Oboe, das Cajon, die Bambusflöte und den Dudelsack, nachzulesen unter: wochen-zeitung.ch/klingtgut. Mit diesem Beitrag über die Harfe beenden wir die Serie.