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Der Begriff „sexuell übertragbare Krankheiten“ (englische Bezeichnung STD, Sexually Transmissible Diseases) fasst durch Mikroorganismen hervorgerufene infektiöse Erkrankungen zusammen. Das Wort „übertragbar“ weist bereits darauf hin, dass auch andere Infektionswege (zum Beispiel Stich mit einer Nadel oder einem anderen Instrument) möglich sind. Die Bezeichnung sagt ausserdem nichts darüber aus, wo im Körper sich die Erkrankung abspielt.
Die Krankheit kann am Ort der Infektion, also den Geschlechtsorganen, ihren Ausgangspunkt haben und später auf andere übergreifen. Beispiele dafür sind die „klassischen Geschlechtskrankheiten“ im engeren Sinn: Gonorrhoe (Tripper) und Lues (Syphilis oder harter Schanker), ferner Lymphogranuloma venereum und andere Chlamydieninfektionen, Herpes genitalis, spitze Kondylome (Feigwarzen), Ulcus molle (weicher Schanker) sowie andere seltenere.
Es gibt indessen viele Krankheiten, die zwar durch sexuelle Kontakte übertragen werden, sich aber nicht in erster Linie an den Sexualorganen, sondern anderswo im Körper abspielen. Virusinfektionen wie Hepatitis B und C sowie HIV lassen sich hier einordnen.
Wie weit der Ausdruck „Geschlechtskrankheit“ gefasst werden soll, ist manchmal Ermessensfrage. So wird man die Hodenentzündung eines Mannes mit Gonorrhoe ohne weiteres dazu zählen. Entsteht die Hodenentzündung aber durch einen Infekt ohne sexuellen Kontakt (etwa als Folge von Mumps), wird niemand sie als Geschlechtskrankheit bezeichnen. In die Grauzone gehören unter anderem
Im Folgenden geht es in erster Linie um Tripper und Syphilis. Weitere der oben angeführten Geschlechts- oder sexuell übertragbaren Krankheiten sind unter separaten Stichworten zu finden (s. Links).
Erreger sind Bakterien: beim Tripper Gonokokken, bei Syphilis Treponema pallidum. Das Letztere ist – wie auch das Hepatitis-B-Virus – hoch infektiös, so dass bei einer grossen Menge von Erregern im Körper die Infektion auch durch Küssen oder gemeinsames Benutzen der Zahnbürste erfolgen kann. Der hauptsächliche Ansteckungsweg führt aber über sexuelle Kontakte. Ein Mensch kann von mehr als einer sexuell übertragbaren Krankheit befallen sein, was namentlich bei HIV-Infizierten nicht selten ist.
Durch Beschaffungsprostitution bei Drogenabhängigen, Sex-Tourismus und Sorglosigkeit (Verzicht auf Präservative) sind Tripper, Syphilis und Chlamydieninfektionen auch in der Schweiz wieder vermehrt zum Thema geworden. Steigende Zahlen (Quelle: BAG) belegen dies eindrücklich:
|Jahr||Bestätigte Fälle von Tripper|
|2006||777|
|2008||829|
|2010||1173|
|2012||1517|
Sexuell übertragbare Krankheiten verursachen nicht bei allen Infizierten Beschwerden, oder erst längere Zeit nach der Ansteckung. Viele wissen nicht, dass sie angesteckt sind, geben die Krankheitserreger jedoch an ihre Sexualpartner weiter.
Gemeinsame Symptome, die unmittelbar am Ort der Infektion vielfach in Erscheinung treten, sind Juckreiz im Genitalbereich, Brennen beim Wasserlösen, schleimiger oder weisslicher, manchmal eitriger und übel riechender Ausfluss, Rötung, bisweilen kleine Geschwüre oder Bläschen, die später aufbrechen können, und Lymphknotenschwellungen in der Leiste.
Zwei bis zehn Tage nach der Infektion kommt es zu einer eitrigen Entzündung der Harnröhre (Urethritis) mit Brennen beim Wasserlösen, Jucken und eitrigem Ausfluss aus Penis oder Vagina. Tripper ist sehr ansteckend und je nach sexuellen Praktiken entstehen auch an anderen Eintrittspforten der Bakterien akute Entzündungen.
Bei Frauen bleibt die Krankheit anfänglich oft unbemerkt. Aber ohne Therapie kann sie sich in die inneren Geschlechtsorgane ausbreiten. Dann entstehen akute oder chronische Entzündungen der Gebärmutter (Endometritis), der Eileiter (Salpingitis), der Eierstöcke und des Bauchfells. Spätfolgen sind vielfach verklebte Eileiter, was Sterilität oder Eileiterschwangerschaft nach sich ziehen kann.
Beim Mann ist ein Reizzustand der Harnröhre das Hauptsymptom. Typischerweise ist eitriger Ausfluss besonders frühmorgens bemerkbar, unerwünschte Erektionen sind möglich. Unbehandelt greift die Krankheit auf Nebenhoden, Prostata und Samenblasen über, die sich schmerzhaft entzünden. Sterilität ist gelegentlich auch beim Mann eine Spätfolge; eine weitere äussert sich als narbige Schrumpfung der Harnröhre (Urethrastriktur) – unter Umständen erst nach Jahren.
Bei beiden Geschlechtern sind Lymphknotenschwellungen in der Leistengegend typische Folgen von Tripper.
In unbehandelten Fällen können sich die Gonokokken auf dem Blutweg weiter im Körper ausbreiten. Es entsteht dann eine Allgemeinerkrankung mit Fieber, eitrigen Hautbläschen (Pusteln), Arthritis in einzelnen grossen Gelenken, besonders im Knie; seltener sind Herzklappen- und Leberentzündung.
Schwangerschaft und Tripper: Das Kind kann während der Geburt infiziert werden und an einer eitrigen Augenentzündung erkranken, die mitunter zu Erblindung führt.
Das Krankheitsbild bei Chlamydieninfektionen ähnelt jenem der Gonorrhoe. Die Ausbreitung der Krankheit auf innere Geschlechtsorgane kommt ebenfalls vor; desgleichen ist eine Infektion der Bindehaut des Auges möglich.
Es wird zwischen Frühsyphilis (Stadien I und II) und Spätsyphilis (Stadium III) unterschieden; in adäquat behandelten Fällen kommt es jedoch nicht zur Spätsyphilis.
Schwangerschaft und Syphilis: Eine Infektion der werdenden Mutter überträgt sich auf das ungeborene Kind. Wenn die Ansteckung in der Frühschwangerschaft erfolgte, kommt es zum Abort oder zur Totgeburt. Erkrankt die Frau in der zweiten Schwangerschaftshälfte, kommt das Kind zwar lebend, aber bereits angesteckt zur Welt (angeborene Syphilis) – allenfalls mit charakteristischen Symptomen und Missbildungen.
Generell gelten nach wie vor die Safer Sex Regeln:
Zusätzlich gilt:
Ärztliche Diagnose und Therapie sind bei Geschlechtskrankheiten unerlässlich. Ein HIV-Test gehört zur Abklärung. Die Untersuchung und gegebenenfalls das Mitbehandeln aller Partnerinnen und Partner sind obligatorisch. Während der Schwangerschaft ist die korrekte Therapie für das Wohlergehen des Kindes entscheidend.
Die Antibiotikatherapie hat die meisten Geschlechtskrankheiten heilbar gemacht – jedoch nicht AIDS –, was den einzelnen Menschen aber nicht von seiner Eigenverantwortung entbindet.
Antibiotikatherapie
Wesentlich ist, sich genau an die Dosierungsrichtlinien zu halten; zum einen, damit das Medikament seine volle Wirksamkeit erlangt, zum anderen wegen der stets drohenden Gefahr, dass Krankheitserreger dem Medikament gegenüber unempfindlich werden (Resistenzbildung).