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Atombetriebene U-Boote in der Arktis hatten immer einen militärischen Aspekt, besonders während der Zeit des Kalten Krieges und jetzt mit der steigenden Militarisierung innerhalb der arktischen Staaten. Doch es existiert auch eine friedliche und wissenschaftliche Nutzungsmöglichkeit nach Angaben von russischen Ingenieuren. Überraschenderweise stammt der Vorschlag von demselben Entwicklungsbüro, welches auch für die Entwicklung und das Design der russischen U-Bootflotte verantwortlich war.
Wissenschaftler des Central Design Bureau for Marine Engineering RUBIN pusten zurzeit den Staub von alten Ideen zur zivilen Nutzung von atombetriebenen U-Booten runter. Auf der Arktisforum-Konferenz in Archangelsk erklärte Projektleiter Viktor Litvinenko, dass ein solches Atom-U-Boot zukünftigen Generationen helfen könnte, die ernsthaften Probleme in der Erforschung und Entwicklung des arktischen Schelfgebietes zu überwinden. „Wir sprechen von einem zivil genutzten Atom-U-Boot. Statt Raketen wird das Boot Robotersysteme tragen und ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge für seismische Untersuchungen und die Suche nach Mineralien,“ erklärte er in einer Präsentation. RUBIN weiss, wie man nuklearbetriebene U-Boote baut, denn die Firma hat alle russischen U-Boote mit ballistischen Raketen in seinem Portfolio, von den frühen „Hotel“-Klasse aus den 60er Jahren über die berühmte Typhoon-Klasse bis hin zur neuen Borei-Klasse. Auch andere Bootsklassen wie beispielsweise die konventionellen Echo- und Oscar-Klassen. Litvinenko erklärte, dass die neuen Boote die ersten zivil genutzten Nuklearboote weltweit sein werden. Sie sollen 135 Meter lang sein, 40 Mann Besatzung aufweisen und bis zu 400 Meter tief tauchen können. Sowohl die Barents- wie auch die Karasee sind jedoch weniger als 400 Meter tief. Dasselbe gilt für die Schelfgebiete der Nordmeerroute entlang der russischen Küste.
„Die Idee ist nicht überraschend. Die ehemalige UdSSR hatte genügend Erfahrung im Bau und dem Betrieb von Atom-U-Booten. Es ist eher überraschend, dass wir nicht schon früher so was gebaut haben,“ erklärt der ehemalige Mitarbeiter Andrey Zolotkov gegenüber IBO. Zolotkov ist ein Experte nuklearer Sicherheit und hat früher für die zivile Atomeisbrecherflotte in Murmansk gearbeitet. Er meint, dass die Ankündigung im Zusammenhang mit dem Präsentationsort zu sehen ist, dem Arktisforum, wo sie sehr viel Aufmerksamkeit erhalten wird. „Die Autoren der Ankündigung verbinden absichtlich ihre Idee mit der Arktis hier, um ihre Pläne publik zu machen,“ sagt Zolotkov. Er ist der Meinung, dass ein solches U-Boot machbar ist. „Sicher, die arktischen Gewässer sind nicht so tief. Aber es ist auch noch zu früh, um über Rohstoffabbau unter dem Meer zu sprechen. Doch wenn man die Ankündigung am Arktisforum in Archangelsk liest, scheint es, als ob man nichts anderes zu meistern hat, als eine breite Entwicklung in der Arktis. Das heisst, die Wirtschaft muss sich darum kümmern,“ meint Zolotkov. Weiter erklärt er, dass es aus seiner Sicht besser wäre, sich um die Boote auf dem Grund der Karasee zu kümmern, als für neue zivile Atom-U-Boote zu buhlen. „Wir müssen die entsorgten Reaktoren mit dem ganzen radioaktiven Material heben, die über in der russischen Arktis liegen.“ In den vergangenen Tagen der Sowjetunion wurden Ideen präsentiert, nuklear betriebene Unterseeöltransporter und Unterwasserfrachtschiffe zu bauen. Ausserdem präsentierte RUBIN 1997 Pläne, bis zu 170 Meter lange U-Boote der Typhoon-Klasse für den Gütertransport zu bauen. Zwei Atomreaktoren treiben diese Boote an, die seit dem Hollywood-Erfolg „Jagd auf Roten Oktober“ bekannt sind. Im Portfolio der Gesellschaft ist auch die neugebaute und eisverstärkte Ölplattform „Prirazlomnoye“, die zurzeit in der Pechorasee nach Öl bohrt. RUBIN hat noch weitere Ideen für die zivile Nutzung von Atomkraft, darunter eine 95MW Kernkraftwerkplattform und besitzt auch technische Vorschläge für Atomkraftwerke unter dem Boden. Im letzten Jahr präsentiert die Idee, kleine Unterwasserkernkraftwerke für die Stromproduktion für einen Bohrkomplex unter Wasser im Arktischen Ozean.
Quelle: Thomas Nilsen, The Independent Barents Observer
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