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Was uns wirklich passen könnte, das wäre ein Gott, der zu allem, was wir gerade gern täten, sagen würde: ‘Was macht es schon, solange sie nur zufrieden sind?’ In der Tat, wir möchten nicht so sehr einen Vater im Himmel als vielmehr einen Grossvater im Himmel – einen greisen Wohlmeiner, der es, wie man sagt, ‘gerne sieht, wenn die jungen Leute sich amüsieren’, und dessen Plan für das Universum einfach darauf hinausläuft, dass am Abend eines jeden Tages gesagt werden kann: ‘Es war alles wundervoll.’ Nicht viele Leute, das gebe ich zu, würden ihre Theologie mit genau diesen Worten formulieren; aber eine Vorstellung ungefähr dieser Art verbirgt sich im Hintergrund nicht weniger Köpfe. Und ich erhebe nicht den Anspruch eine Ausnahme zu sein: Ich würde sehr gern in einer Welt leben, die nach solchen Grundsätzen regiert würde. Aber da dies ohne jeden Zweifel nicht der Fall ist, und da ich Grund habe, nichtsdestoweniger zu glauben, dass Gott die Liebe ist, so komme ich zu dem Schluss, meine Vorstellung von Liebe ist vielleicht korrekturbedürftig.
Wenn das Christentum sagt, dass Gott den Menschen liebe, so ist gemeint, dass Gott den Menschen liebe – nicht dass Er sich auf irgendeine ‘desinteressierte, unbeteiligte Weise mit unserm Wohlergehen befasse, sondern dass wir, eine schauerregende und überraschende Wahrheit, der Gegenstand seiner Liebe sind. Du verlangst nach einem ‘lieben’ Gott. Du hast ihn. Der grosse Geist, den du so leichtfertig beschworen hast, der ‘Herrscher schrecklichen Anblicks’ ist anwesend; nicht ein greisenhafter Wohlmeiner, der dir schläfrig wünscht, nach deiner eigenen Facon glücklich zu sein; nicht die kalte Philanthropie einer gewissenhaften Obrigkeit, noch auch die Sorge eines Gastgebers, der sich für das Wohlbefinden seiner Gäste verantwortlich fühlt. Sondern: das verzehrende Feuer selbst, die Liebe, welche die Welten erschuf, beharrlich wie des Künstlers Liebe zu seinem Werk, herrisch wie eines Menschen Liebe zu seinem Hund, fürsorglich und ehrwürdig wie eines Vaters Liebe zu seinem Kind, eifersüchtig, unerbittlich, streng wie die Liebe zwischen den Geschlechtern.
C. S. Lewis. Über den Schmerz. Brunnen: Giessen, 2012 (8. TB-Auflage). (37-38; 44-45)