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Mandarinente
Aix galericulata
© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)
Das Männchen der Mandarinente (Aix galericulata) gilt als eine der schönsten Enten der Welt. Besonders auffällig sind der in verschiedenen Farben metallisch glänzende Scheitel, der leuchtend orangefarbene «Backenbart», die violett schillernde Brust, die schwarzweisse Bänderung der Flanke und die hellorangen, verlängerten Innenfahnen der Schulterfedern, die wie Segel über dem Rücken aufgerichtet sind. Diesem prächtigen, von Schwarz und Orange geprägten Gefieder verdankt die Mandarinente denn auch ihren Namen: Es erinnert an die reich verzierte traditionelle Kleidung der hohen chinesischen Staatsbeamten, der Mandarine.
Im Gegensatz zum farbenprächtigen Männchen weist die weibliche Mandarinente ein ziemlich schlichtes Federkleid auf, in welchem stumpfe Braun- und Grautöne vorherrschen. Diese bemerkenswerte Verschiedenheit im Aussehen der beiden Geschlechter ist Ausdruck der Aufgabenverteilung zwischen Männchen und Weibchen: Das Männchen ist «zuständig» für die Partnerfindung sowie für die Verteidigung des Nestplatzes und trägt darum ein möglichst auffälliges und eindrucksvolles Gefieder zur Schau. Dem Weibchen hingegen fällt die Aufgabe des Brutgeschäfts zu, für welches ein möglichst unauffälliges, tarnendes Kleid am sinnvollsten ist. Wie die meisten Entenvögel leben die Mandarinenten übrigens monogam: Männchen und Weibchen gehen eine lebenslange Verbindung ein, die oftmals so stark ist, dass sich verwitwete Vögel bis zu ihrem Tod nicht mehr verpaaren.
Die Heimat der Mandarinente sind die zu Russland gehörenden Kurileninseln und die russische Insel Sachalin, ferner Japan, Nord- und Südkorea und die nordöstlichen Provinzen Chinas. Hier verbringen die Vögel das Sommerhalbjahr und ziehen ihre Jungen auf. Die Winterquartiere befinden sich weiter südlich auf der zu Japan gehörenden Riukiu-Inselkette, auf Taiwan und in den südöstlichen Provinzen Chinas.
Wie alle Entenvögel ist die Mandarinente vorzüglich an das Leben am und im Wasser angepasst. Sie bewohnt Flüsse, Bäche, Seen und Weiher jeglicher Art und Grösse. Als eher scheuer Vogel hält sie sich vorzugsweise an Uferstrecken mit dichtem Pflanzenwuchs auf und verschwindet schon bei der geringsten Beunruhigung unauffällig in der überhängenden Vegetation.
Den Tag über ruht die Mandarinente gewöhnlich an einem schattigen Ort in Ufernähe. Auf Nahrungssuche geht sie vorwiegend in der Morgen- und in der Abenddämmerung. Dabei erweist sich die hübsche Ente als überhaupt nicht wählerisch: Sie nimmt so ziemlich alles, was sie an Essbarem aufzustöbern vermag - von Sämereien, Nüssen und Getreidekörnern über Würzelchen, Schösslinge und Wasserpflanzen bis hin zu Insekten, Würmern und Fischlaich. Auch hinsichtlich der Art und Weise des Nahrungserwerbs ist die Mandarinente wenig spezialisiert: Im Wasser schwimmt sie eifrig seihend umher oder gründelt mit untergetauchtem Vorderkörper; an Land spaziert sie weidend umher, pickt nach Nahrungsdingen im Gebüsch oder hascht nach Kleintieren.
In Ostasien machen der Mandarinente heute in erster Linie die krassen Veränderungen ihres natürlichen Lebensraums zu schaffen. In allen Bereichen ihres Verbreitungsgebiets werden Wasserläufe begradigt, Feuchtgebiete trockengelegt und ufernahe Wälder und Dickichte gerodet, um neues Kulturland zu gewinnen. Der scheuen Ente wird so auf breiter Front die Lebensgrundlage entzogen. Ihre Bestände sind darum in den letzten Jahrzehnten ständig zurückgegangen. In Japan gab es 1985 nur noch schätzungsweise 8000 bis 9000 der schmucken Vögel. In China umfasste die Brutpopulation 1983 sogar höchstens noch 500 Vögel. Über die Bestände in Russland und auf der Korea-Halbinsel ist nichts Näheres bekannt, doch dürften auch sie stark gelitten haben.
Um den Fortbestand der Mandarinente in der freien Wildbahn zu gewährleisten, bedarf es dringend einer genauen Abklärung der derzeitigen Bestandssituation und der Erarbeitung eines realistischen Schutzkonzepts. Eine wesentliche Massnahme dürfte die Ausweisung grossflächiger Schutzgebiete sein. Man darf allerdings nicht vergessen, dass es mit dem Schutz der Brutgebiete der Mandarinente allein noch nicht getan ist. Wie bei allen Zugvögeln müssen die Tiere auch entlang ihrer Zugrouten und in ihren Winterquartieren den nötigen Schutz erhalten. Internationale fernöstliche Zusammenarbeit ist also unabdingbar, wenn die Mandarinente eine Chance haben soll.
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