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Stefan Keller, der mit seiner Partnerin in Bellikon lebt, gehört dazu. Sein Spielkönnen ist heute so vollendet, dass Stefan Keller zu den innovativsten Flötisten (und Musikern) in der Schweiz zählt. Die von ihm geschaffene elektronische Querflöte ist bisher einzigartig, das Publikum und die Fachwelt haben nun die Möglichkeit, den "Erfinder" persönlich im Einklang mit seiner umgesetzten Idee (nicht nur) in Frankfurt erleben zu können.
Was ist das nun - eine elektronische Querflöte ?
Um sich davon ein genaueres Bild machen zu können, empfiehlt es sich, einen kleinen Exkurs in die grobe Geschichte der Entwicklung der Querflöte zu unternehmen. Das erste Exemplar, an seiner typischen Seitwärtshaltung erkennbar, wurde vor etwa 25000 Jahren unter anderem in der Schweiz gefunden. Es handelte sich um ein einfaches Knochenstück mit einem Loch. Im Mittelalter zählte der Vorläufer der heutigen Querflöte bereits 6 Löcher. Im Zeitalter des Barock gehörte diese Flöte mit zu den beliebtesten und am meisten eingesetzten Instrumenten; jeder der damaligen Komponisten schrieb entsprechende musikalische Werke. 1832 war das Geburtsjahr der heutigen Querflöte. Theobald Böhm (Musiker, Komponist und Goldschmied) verfeinerte das Instrument und löste das Problem, wie man 16 Löcher mit nur 9 Fingern decken kann. Das "Böhm-System" ist heute noch aktuell. Was hat nun die Elektronik mit der eigentlichen Querflöte zu tun? Der vielseitige Musiker Stefan Keller hat seine Grundidee auf faszinierende Weise umgesetzt: Durch Mikrofone, die in der Flöte eingebaut sind, werden die gespielten Tonfolgen übernommen und können elektronisch bearbeitet werden. Die nachfolgend gespielten Klänge werden durch "Live Sampling" wieder dazu gemixt, bis ein abgerundetes, harmonisches Klangbild entsteht. Unter anderem können so auch bisher nur schwer, manchmal sogar überhaupt nicht erkennbare Töne hörbar gemacht und beeinflusst werden. Durch diese elektronischen Effekte bieten sich dem Musiker auch erweiterte Ausdrucksmöglichkeiten; es kann auf einer höheren und vielfältigeren Ebene gearbeitet werden. Stefan Keller kombiniert die Flöte am liebsten mit nicht alltäglichen, weniger bekannten Instrumenten wie beispielsweise dem Kontrabass oder dem Vibraphon.
Besser spät als nie - der interessante Werdegang des Stefan Keller
Stefan Keller ist eher spät zur berufsmässigen Musik gekommen. Im Laufe seiner Schulzeit in Bremgarten war er Blockflöten- und Violine-Schüler an der Musikschule. Während einer Unterrichtsstunde hörte er im Nebenzimmer die Töne einer Querflöte. "Das möchte ich auch spielen!" stand für ihn fest. Von Anfang an war musikalische Improvisation ein fester und wichtiger Bestandteil für ihn und früh hat er mit Kollegen verschiedenste Variationen der Musik ausprobiert. Stefan Keller absolvierte eine Berufslehre als Radio- und Fernsehelektriker. Er ist aber nicht von seinem eigentlichen Berufsziel abgewichen; er beendete 28-jährig das Musikstudium mit dem Konzert- und Lehrdiplom am Konservatorium in Schaffhausen. Er bildete sich an der Jazzschule in Luzern und an Kursen im elektronischen Studio am Konservatorium Basel weiter. Der sympathische Musiker, der sich in seiner eher knappen "nichtmusikalischen" Freizeit mit Lesen, Reisen und anderen Kulturen beschäftigt, erhielt 1997 eine Auszeichnung vom Kuratorium des Kantons Aargau für sein innovativ künstlerisches Schaffen. Dem Experimentieren und Improvisieren ist Stefan Keller treu geblieben. Die ersten Kompositionen waren zwar noch an gewisse Gesetzmässigkeiten gebunden; dies änderte sich aber, als Stefan Keller zum erstenmal mit der Avantgarde konfrontiert wurde. Er stand einer neuen Herausforderung gegenüber. Neue Klangvorstellungen konnten umgesetzt werden. Sein erstes effektiv ausgearbeitetes Solowerk trägt den Titel "Worldtour", eine musikalische, klangvolle Reise um die Erde. Die 1993 erschienene CD "Flute Trends" enthält alles Werke, die von Stefan Keller selbstkomponiert und gespielt sind. Zu hören sind Solos und Duos mit Musik von Klassik über Avantgarde bis Jazz, New Age und Ethno.
Berufsmusiker - eine Berufung ?
Das Leben eines Musikers gestaltet sich sicher anders als das sogenannt "normale" Leben. Um Erfolg zu haben, muss Stefan Keller hart arbeiten und eine grosse Disziplin zeigen. Gleichzeitig muss ein gewisser Idealismus beibehalten werden. Stefan Keller ist grundsätzlich für viele Musikrichtungen offen, betont aber: "Es muss gut, perfekt gespielt sein." Mit dem Trio "Trisonic", das er gegründet hat, hat er gemeinsam mit Beat Ramseier (Kontrabass/E-Bass) und Andi Pupato (Percussion) die Möglichkeit gefunden, eigene Kompositionen und musikalischen Vorstellungen und Ideen umzusetzen. So kann "Weltmusik" entstehen. Mit dem "TrioVano" spielt er vorwiegend Klassik.
Für viele hat Stefan Keller musikalisches Neuland betreten. Die Klänge der Flöte können mutiert werden, vielfältige Klangfolgen und opulente Möglichkeiten bieten sich. Entstehen muss ein Stück aber im Kopf, im Herz - und dann ist es immer ein zwar sehr vielseitiger, aber manchmal auch langer Weg, bis ein musikalisches Werk fertiggestellt ist - zur absoluten Zufriedenheit des Komponisten und Musikers. Voraussichtlich im nächsten Winter, vielleicht früher, sollte eine weitere CD mit neuen Werken herauskommen. Der geplante Name "Elan" verspricht einiges...