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Wenn „Meiner“ sehr sehr müde ist, hat er die Angewohnheit, sich spät abends, bevor er ins Bett geht, etwas ins Gesicht zu malen. Einen blauen Streifen auf die Nase zum Beispiel, oder schwarze Linien am Kinn, oder einen grossen, grellroten Punkt zwischen die Augenbrauen. Weshalb er dies tut, habe ich auch nach mehr als elf Ehejahren noch nicht herausgefunden, aber das ist nicht weiter schlimm. Die kleinen Mysterien sind es ja, die eine Partnerschaft auch nach Jahren noch spannend halten. Und so habe ich mich eben daran gewöhnt, ab und zu mal neben einem Indianer in voller Kriegsbemalung einzuschlafen.
Die Sache hat nur einen Haken: Weil „Meiner“ die Bemalung jeweils in Halbtrance anbringt, erinnert er sich nächsten Morgen nicht immer daran, sie wegzumachen. Und so kam es, dass er heute früh, als er Luise zu einem Ferienkurs bei der Feuerwehr brachte, noch immer einen grellroten Punkt zwischen den Augenbrauen hatte. Und zwar einen riesigen, unübersehbaren. Von seiner Kriegsbemalung nichts ahnend, unterhielt sich „Meiner“ angeregt mit diversen Müttern und Vätern, und weil diese „Meinem“ nicht zu nahe treten wollten, machten sie ihn auch nicht darauf aufmerksam. Diese Aufgabe blieb mir überlassen. Mal sehen, ob die anderen Eltern ihre Kinder je wieder bei uns spielen lassen, wenn „Meiner“ zu Hause ist.