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Im Jahr 1723 kauft der reiche Bankier Louis Guiger die Herrschaft Prangins. Hier lässt er ein neues Gebäude im französischen Stil der Zeit errichten. Von Anfang an dient der Saal im Erdgeschoss als Ess- und Empfangsraum. Guigers Neffe und Erbe Jean-Georges baut, wahrscheinlich in den 1760er-Jahren, den grossen Saal in einen Prunksaal um. Der Raum erhält eine Holzvertäfelung sowie einen Brunnen und Fussboden aus Marmor. In dieser Umgestaltung spiegelt sich der Gresellschaftswandel im Zeitalter der Aufklärung, bei dem Tischkultur und Tanz immer wichtiger werden.
Die grossen Festmahle im 18. Jahrhundert unterscheiden sich von den früheren Anlässen durch ihr Raffinement und ihre ausgeklügelte Inszenierung. Für ein Festessen wurde der Tisch dreimal gedeckt, vergleichbar einem Theaterstück, in dem jeder Akt seine eigene Dramaturgie hat, die zusammen aber ein Ganzes bilden. Der erste Gang umfasst Suppen, Hors d’Oeuvres und die Vorspeisen. Prinzipiell wurde hier noch kein Braten serviert. Dieser steht im Mittelpunkt des zweiten Gangs und wird von Salaten und den Entremets – gezuckerte Cremes, Kompotte, oder auch Fisch in Gelée – begleitet. Der dritte Gang schliesslich entspricht dem Dessert.
Der gedeckte Tisch der Elite im 18. Jahrhundert ist ein Kunstwerk. Tischaufsätze, Geschirr und Gedecke bilden das Gerüst, die Speisen erfreuen Gaumen und Auge. Stets wird nach Symmetrie gesucht. Ausser dem Hauptgang mit Fleisch oder Fisch, werden alle Speisen paarweise aufgetragen. Der Esssaal bildet dazu den würdigen Rahmen. Im Zeitalter der Aufklärung wird Luxus nicht mehr als Sünde angesehen. Der Marmorsaal in Prangins diente auch für Bälle und Theateraufführungen. Hatte die Reformation den Tanz noch strikte verboten, so werden 1766 öffentliche Bälle erlaubt und um 1770 erobert mit dem Walzer ein neuer Tanz Europa. Das Theaterspielen wurde zu einem beliebten Zeitvertreib der guten Gesellschaft. Auch im Waadtland, wie im Château de Prangins zu sehen ist.
Bild: Schweizerisches Landesmuseum, Zürich