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Was ist überhaupt Moral?
Unter dem Begriff Moral versteht man Wertvorstellungen oder gesellschaftliche Richtlinien, die unser Verhalten beeinflussen. Lawrence Kohlberg, ein amerikanischer Psychologe, machte es sich zur Aufgabe, herauszufinden, in welchem Alter der Mensch zu welchen moralischen Ansichten tendiert.
In einem Experiment stellte er Versuchspersonen vor ein Dilemma. Egal, wie sie sich entscheiden würden, zu einem zufriedenstellenden Ergebnis würden sie nicht kommen. Dies weil in die beschriebene Konfliktsituation unterschiedliche moralische Prinzipien zueinander im Widerspruch standen.
Das Heinz-Dilemma
Das berühmteste Beispiels Kohlbergs ist das sogenannte Heinz-Dilemma:
Heinz‘ Frau ist schwer krank und darum versucht dieser, ein Medikament für sie zu erhalten. Ein örtlicher Apotheker hat ein Medikament entdeckt, jedoch verlangt er dafür das Zehnfache vom Herstellungspreis. Das ist mehr, als Heinz besitzt. Und trotz der Hilfe von Freunden bringt er nur etwa die Hälfte zusammen. Er bittet den Apotheker, das Medikament billiger zu verkaufen oder ihm eine spätere Bezahlung zu ermöglichen. Aber dieser geht darauf nicht ein. Der verzweifelte Heinz weiss nicht mehr weiter und stiehlt schlussendlich das Medikament für seine Frau.
Die Stufen des moralischen Urteils nach Kohlberg
Kohlberg unterschiedet drei Ebenen des moralische Urteils, die alle nochmals in eine oder zwei Stufen unterteilt werden.
1. Das präkonventionelle moralischesDenken: es ist selbstbezogen und im Zentrum stehen Strafe und Belohnung.
1.1 Orientierung an Strafe und Gehorsam: Es ist wichtig, gut zu gehorchen, die Macht bestimmt, was richtig ist.
1.2 Orientierung an der Bedürfnisbefriedigung: Als richtig angesehen wird, was im eigenen Interesse liegt.
2. Das konventionelle moralische Denken: es ist an sozialen Bindungen orientiert. Zuerst ist das engste Umfeld von Bedeutung, später auch die Gesellschaft.
2.1 Orientierung an wechselseitigen zwischenmenschlichen Erwartungen. Gutes Verhalten bedeutet, das zu tun, was andere von einem erwarten.
2.2 Orientierung an Recht und Ordnung. Richtiges Verhalten bedeutet, dass man seine Pflicht erfüllt und die Gesetze achtet.
3. Das postkonventionelle moralische Denken: es ist an Idealen ausgerichtet und konzentriert sich auf moralische Prinzipien.
3.1 Orientierung am sozialen Vertrag oder an individuellen Rechten. Personen, die auf dieser Stufe argumentieren, erkennen die Notwendigkeit sozialer Regeln und Gesetzen, wissen jedoch auch, dass diese ungerecht sein können.
In Übereinstimmung mit Kohlbergs Theorie findet sich, dass Menschen mit besser ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten moralische Urteile auf höherer Ebene abgeben.