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Gestatten Sie mir, liebe Premieren-Gäste, einige Worte an einen Mann zu richten, der mehr Oscars als irgendein anderer Filmproduzent der Welt gewonnen hat.
Und lassen sie mich gleich mit einer Anekdote beginnen, die die besondere Verbundenheit des Hauses Ringier mit Arthur Cohn aufzeigt!
Jahrzehntelang nahm man den Basler Produzenten in unserem Land kaum zur Kenntnis. Woran dies lag - ich weiss es nicht.
1984 jedenfalls, als Arthur Cohn seinen dritten Oscar für DANGEROUS MOVES erhielt, wurde dies von einer Zürcher Tageszeitung vermeldet, aber aus Arthur Cohn wurde Albert Cohen – ein Schriftsteller, der Jahre zuvor in Genf verstorben war!
Bekannt wurde Arthur Cohn bei uns mit folgender wahren Geschichte:
Liebe Maria Walliser, Du bist Schuld, dass Arthur Cohn in der Schweiz erstmals so richtig gross in die Schlagzeilen kam. Und das ging so:
Arthur Cohn sass per Zufall im gleichen Flugzeug wie Serge Lang, dem legendären Ski-Journalisten von BLICK und SonntagsBLICK.
Es war die Zeit, in der Maria Walliser von einem Sieg zum nächsten fuhr und ganz Europa über sie sprach.
Arthur Cohn sagte spontan, dass Maria ein ganz besonderes Charisma habe und er sich vorstellen könne, dass sie Talent hat, Schauspielerin zu werden.
Serge Lang nahm dies still zur Kenntnis.
Als Arthur Cohn am nächsten Morgen an einem Kiosk in Basel vorbeikam, stand da auf dem gelben BLICK-Plakat in grossen schwarzen Buchstaben:
HOLLYWOOD WILL MARIA WALLISER
So wurde Arthur Cohn zum ersten Mal richtig gross erwähnt in seiner Heimat!
LIEBER ARTHUR
6 Oscars hast Du im Laufe Deiner Karriere bekommen - mehr als irgend ein anderer Filmproduzent der Welt. Auf dem Hollywood Boulevard trägt ein «Star of Fame» für immer Deinen Namen.
Du bist mit der Ehrendoktorwürde der berühmten Boston University ausgezeichnet worden. Als einziger Filmschaffender überhaupt.
Das französische Kulturministerium ehrte Dich mit dem Orden des «Comanndeur des Arts et des Letters», dem höchsten Orden, den Frankreich einem Ausländer vergeben kann.
Und die Universität Basel verlieh Dir für sein Schaffen das Ehrendoktorat.
Als ich Arthur Cohn zum ersten Mal begegnete, ich war damals junger Chefredaktor der Schweizer Illustrierten, trafen wir uns in Beverly Hills, dort, wo er viele Monate des Jahres verbringt, im Beverly Hills Hotel.
Nach dem langen Flug war ich endlich im Hotelzimmer und es klopfte.
In Hemd und Hose stand Arthur Cohn da, beladen mit Zeitungen für mich und setze sich in meinem Zimmer hin!
Wann essen wir morgen Frühstück fragte er.
Wann soll ich am Pool die Liegestühle reservieren? (So in etwa, geschätzte Damen und Herren, müssen Sie sich das Leben eines Chefredaktors der Schweizer Illustrierte vorstellen).
Und wo wollen wir morgen Abend essen?
Mit den Worten «ich bin in Zimmer 108» verabschiedete er sich. Und fügte beim Hinausgehen hinzu: NUR FALLS OEPPIS ISCH.
Beiläufig habe ich Dir dann beim Frühstück erzählt, dass am Wochenende nach meiner Heimkehr aus Los Angeles meine Tochter Coralie Geburtstag hat.
Als ich, wieder in Zürich, zu Hause ankam, stand ein brauner Karton im Hauseingang. Drinnen ein riesiger Teddy-Bär.
Absender: Arthur Cohn. Los Angeles.
So bist Du.
Liv Ullmann nennt Dich EIN HERZ AUF ZWEI BEINEN
Und sie weiss, wovon sie spricht.
Du hast sie, angerufen, eines Nachmittags. Du in Zürich. Sie in Boston.
Sie hat Dir gesagt, es gehe ihr nicht besonders gut. Sie müsse morgen früh ins Spital.
Und was hast Du getan?
Du bist aus Deinem Büro geeilt, direkt auf den Flughafen. Nachtflug via London nach Boston. Ankunft 0700.
Von dort direkt zu ihr nach Hause.
Sie öffnet die Tür, völlig verblüfft, umarmt Dich und sagt:
Aber Arthur, ich muss doch jetzt ins Spital.
Eben, sagst Du, ich wollte Dir nur alles Gute wünschen.
Und dann bist Du wieder zurück nach Zürich geflogen.
Johannes-Mario Simmel, der grosse Bestseller-Autor sagt über Arthur Cohn: «Der Mann verschenkt sich ein Leben lang an uns. Er liebt die Menschen. Er sagt, dass es wichtiger ist zu lieben, als geliebt zu werden.»
Aber wie ist er, Arthur Cohn, der Film-Produzent?
Er dreht erst, wenn das Drehbuch perfekt ist. Das kann manchmal 4 und mehr Jahre dauern.
Er sagt: Ein gutes Drehbuch kann auch ein mittelmässiger Regisseur nicht zerstören.
Aber mit einem schlechten Drehbuch kann der beste Regisseur keinen guten Film machen.
Das braucht Zeit und Geduld – ein Markenzeichen von Arthur Cohn in einer so schnelllebigen Branche.
Arthur Cohn will sein Publikum nachdenklich und glücklich zugleich machen, er will unvergessliche Geschichten erzählen.
Sinnlose Filme, Crime und Special Effects sind seine Sache nicht. Sie verpuffen in der Erinnerung wie der Sprengstoff in den Szenen.
Eine wesentliche Grundlage ist und bleibt für immer sein Elternhaus in Basel:
«Alles was ich bin, habe ich meinen Eltern zu verdanken», sagst Du.
Dein Vater war ein angesehener Anwalt, Deine Mutter schrieb Texte für das legendäre Cabaret Cornichon.
«Wurzeln und Flügel» sagst Du immer wieder.
Die Wurzeln des Elternhauses bewahren und die Kraft der Flügel zu nutzen, um Neues zu entdecken.
Und Neues zu schaffen.
LIEBER ARTHUR
Ich habe Dir vor einigen Jahren in der chinesischen Provinz, sechs Stunden ausserhalb Shanghai, versprochen, einmal eine grosse Premiere zu Deinen Ehren zu organisieren.
In der Schweiz. Dort, wo Du viel zu lange nicht so zur Kenntnis genommen worden bist, wie Du und Dein Werk es verdienen.
Heute Abend ist es soweit.
Viele Deiner Freunde sind hier. Viele Menschen, die in den vergangenen Jahren für Dich wichtig geworden sind.
Es ist die Europa-Premiere von THE YELLOW HANDKERCHIEF.
Es ist die Premiere eines Filmes, der, typisch für Dich, eine ganz wesentliche Botschaft hat:
Man darf NIE AUFGEBEN.
Das Leben hält für jeden von uns EINE ZWEITE CHANCE BEREIT.
Und nun, bevor ich schliesse, lieber Arthur, noch etwas ganz Privates:
Meine Frau Susanne und mich verbindet etwas sehr Persönliches mit Dir.
Es war vor knapp 8 Jahren.
Es war in München, an der Deutschland-Premiere von BEHIND THE SUN, einem wunderschönen Film von Dir.
Es war an diesem Abend, im Kinosaal, als die grosse Liebe zwischen meiner Frau und mir begann.
Nun wünsche ich Ihnen, liebe Gäste, einen unvergesslichen Kino-Abend mit THE YELLOW HANDKERCHIEF
und mit dem Mann mit den Träumen.
Mit jenem Mann, der einmal sagte:
Wer aufhört zu träumen, hört auf zu leben.
Ich danke Ihnen.