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Die Zeit, als im Südatlantik und in den antarktischen Gewässern Wale mit Harpunen gejagt worden waren, sind glücklicherweise lange vorbei. Doch die Zahlen einiger damals stark bejagter Arten steigen trotzdem nur langsam an. Dazu zählt auch der Seiwal, die drittgrösste der Walarten. Vor einem Jahr konnten Forscher zeigen, dass die Falklandinseln, früher ein traditioneller Walfangort, heute wieder ein Hotspot für die verbliebenen Seiwale im Südatlantik sind. In einer neuerschienenen Studie finden zwei Forschende Hinweise auf eine mögliche Erklärung für die Beliebtheit des Archipels bei Seiwalen.
Nahrung und paarungswillige Partner könnten die Gründe sein, warum die Falklandinseln bei den immer noch stark gefährdeten Seiwalen beliebt sind und den Archipel zum bisher einzig bekannten Hotspot der Art weltweit machen. Das ist eine mögliche Interpretation einer Studie von Dr. Salvatore Cerchio, dem Leiter der Walabteilung beim Africa Aqautic Conservation Fund und Dr. Caroline Weir von der Falklands Conservation, die beiden Autoren der Studie. Darauf weisen aufgenommene Gesänge von männlichen Seiwalen hin, die von den Experten als Paarungsgesänge interpretiert werden und zum ersten Mal überhaupt aufgenommen worden sind. «Die Art wurde bereits andernorts erforscht, aber über den Gesang wurde noch nie berichtet, was zeigt, wie besonders die Falklandinseln für diese Art sind,» erklärt Dr. Caroline Weir. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die beiden Experten in der Fachzeitschrift Royal Society Open Science.
Die Aufnahmen der Gesänge erhielten die beiden Forschenden dank dreier Bojen, die in der Berkeley-Bucht, einem tiefen Einschnitt der Westfalklandinsel nördlich der Hauptstadt Port Stanley, eingesetzt worden waren und während zweier Jahre Daten lieferten. Das Ziel der Studie war es eigentlich, Rufe von Seiwalen zu entdecken, um mehr darüber zu erfahren, warum der Archipel so wichtig für die Art ist. Als Ruf definierten Dr. Weir und Dr. Cerchio diejenigen Töne, die als «konsistente, rhythmisch repetitive Muster» zu hören waren.
Die Gesänge der Seiwale sind einfach die bizarrsten und ungewöhnlichsten Töne, die ich je von einem Wal gehört habeDr. Salvatore Cerchio, African Aquatic Conservation Fund
Dabei entdeckte Salvatore Cerchio, der Hauptautor der Studie, eine enorme Vielfalt an verschiedenen Rufen, mehr als 2’000 insgesamt. Einige davon waren bereits bekannt, doch eine genauere Analyse brachte Überraschendes an den Tag: gewisse Rufe stellten sich als Gesänge von Seiwal-Bullen heraus. Dabei handelt es sich aber nicht um die melodischen Rufe wie bei Buckelwalen, sondern um beinahe ausserirdische Tonmuster. «Die Gesänge der Seiwale sind einfach die bizarrsten und ungewöhnlichsten Töne, die ich je von einem Wal gehört habe,» sagt Dr. Cerchio. Und Dr. Weir erinnert sich: «Ich erhielt einen aufgeregten Anruf von Sal, der scherzte, dass es sich bei den Geräuschen um Ausserirdische handeln könnte und ich mich darauf vorbereiten sollte, hochgebeamt zu werden!»
Wir haben jetzt auch Beweise dafür, dass die Gewässer der Falklands eines der wenigen Gebiete weltweit sind, in denen das Brutverhalten der Seiwale dokumentiert ist.Dr. Caroline Weir, Falklands Conservation
Durch den Vergleich der Frequenzen und Muster der bekannten Seiwal-Geräusche und mit anderen verwandten Walarten wie Blau- und Finnwal, sind sich Cerchio und Weir sicher, dass es sich um Gesänge von Seiwall-Bullen handelt, die zwischen Februar bis Ende April potentielle Partnerinnen rufen: «Aufgrund der Merkmale der Gesänge und ihres saisonalen Zeitpunkts – im Herbst, wenn die Wanderungen in wärmere Brutgebiete beginnen – ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich bei diesen Gesängen um eine männliche Paarungsdarbietung handelt,» meint Dr. Cerchio. Für Dr. Weir ist nun klar: «Wir haben jetzt auch Beweise dafür, dass die Gewässer der Falklands eines der wenigen Gebiete weltweit sind, in denen das Brutverhalten der Seiwale dokumentiert ist.» Und das würde bedeuten, dass die Falklandinseln in die Schutzüberlegungen und -massnahmen noch stärker eingebaut werden müssen, fügt Dr. Weir an. Denn eines der Probleme, die Seiwale und auch andere Arten betreffen, ist die zunehmende Lärmbelastung durch Schiffsverkehr und Ressourcenförderung, beides rund um den Archipel stark vertreten. «Es sollten Studien durchgeführt werden, um die potenziellen Risiken und Auswirkungen des allgemein verbreiteten Lärms zu bewerten und anschliessend Empfehlungen für das Management des anthropogenen Lärms abzugeben, um die Störung der lokalen Walpopulationen zu begrenzen», fordern die beiden Autoren in ihrer Arbeit. Nur so kann auch in Zukunft gewährleistet werden, dass diese Walart in den Gewässern des Archipels weiterhin singt.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal
Beitragsbild: (C) Dr. Caroline Weir, Falklands Conservation