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Sidewalk Stories (1989) ist ein in schwarz-weiss gedrehter, Low-Budget- und beinah-Stummfilm von und mit Charles Lane. Der Film ist ein Remake von Charlie Chaplins Hit The Kid (1921) und erzählt die Geschichte eines afrikanischen Mannes, der ein Kind grosszieht, nachdem dieses seinen Vater verloren hat. Nachdem Sidewalk Stories in den 1990er Jahren von der Kino- und Videobildfläche verschwunden ist, wurde der Film im Oktober 2014 neu auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.
Damit einhergehend erschien auch ein Soundtrack-Album, welches die Musik von Marc Marder präsentiert. Hier eröffnet sich dem Hörer ein Kuriosum: während der Film 1989 produziert wurde und scheinbar von Beginn an mit Musik versehen war, sind auf dem Album zahlreiche Kompositionen von Marder enthalten, deren Copyright gemäss Booklet-Credits auf die Jahre 2002 bis 2014 fallen. Das spärliche Booklet, das lediglich die Copyright-Informationen und eine Musiker-Liste beinhaltet, erklärt nicht, ob es sich hierbei um eine Neuaufnahme der Musik aus 1989 handelt oder ob es eine nachträglich entstandene Inspired-By-Kollektion ist. Gemäss IMDB hat Marder diese Musik jedoch im Jahr 1989 komponiert, womit es sich um die Originalfilmmusik handeln sollte.
Sei’s wie’s will: Die Musik von Marc Marder wartet mit einer grossen Stil- und Gefühlsbreite auf. Hier erklingen mal leichtfüssige, mal sehr melancholische, mal folkloristisch angehauchte und mal avantgardistische, überwiegend kurze Kompositionen für Klein- bis Kleinstbesetzungen. Dabei zeichnen sich die Stücke jeweils mit einer aufgeprägten Eigenständigkeit aus. Stücke wie David and Goliath, Love Theme und Child’s Theme laden zum Schmunzeln und Verweilen ein, während bspw. das Concerto for Piano and Bibliophiles eine interessante bis fordernde Kombination aus lyrischen Passagen und grässlichen Klavier-Dissonanzen präsentiert – eine Mischung, die eine Affinität für Avant-Garde-Musik voraussetzt. Das Eröffnungsstück, Fine Tuning, porträtiert das Einstimmen eines Orchesters; nicht gerade ein einvernehmlicher Einstieg in ein Musikalbum, jedoch einer der neugierig macht.
Marc Marders Musik zu Sidewalk Stories ist ein interessantes Hörerlebnis, das jedoch fordert und eine Kohärenz anhand bspw. eines tragenden Hauptthemas oder einer anhaltenden Stilrichtung vermissen lässt. Damit erscheint das Album letztlich mehr als eine Art Rundschau durch das Marder’sche Schaffen, statt als eigentliche Filmmusik im zeitgenössischen Verständnis. Der Hintergrund und die Entstehungsgeschichte dieser Musik erschliesst sich einem nicht wirklich als schlüssig, was schade ist. In diesem Falle hätte man über die Umstände der Musik gerne einige Details im Booklet nachgelesen.
Marc Marder
Milan Records
41:07 / 17 Tracks