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Daniel Peter, seit zehn Jahren an Parkinson erkrankt, liegt wegen eines Handgelenkbruchs auf einer orthopädischen Station. Er läutet in den frühen Morgenstunden und berichtet über Schmerzen im linken Fuss, worauf ihm die Pflegefachfrau eine Schmerztablette verabreicht. Nach einer halben Stunde meldet er eine massive Zunahme des Schmerzes, worauf die Pflegende ihm die zweite Reserve verabreicht. Doch der Schmerz, der sich inzwischen zu einem Schmerzzustand mit Krampf im ganzen Unterschenkel entwickelt hat, nimmt weiter zu. Die Pflegefachfrau ist ratlos.
Pflegende begegnen dem Schmerz im Berufsalltag oft mehrmals täglich. Wenn ein Patient über Schmerzen klagt, wird ihm in der Regel ein Schmerzmedikament aus der verordneten Reserve verabreicht. Doch bei Parkinsonbetroffenen wirkt dies nicht immer, denn die Ursachen der Schmerzen sind vielseitig. Manche Schmerzen sind unabhängig von der Parkinsonkrankheit, andere stehen jedoch im Zusammenhang mit Parkinson, insbesondere bei fortgeschrittener Krankheit. Oft ist ein dopaminerges Defizit die Ursache und die Schmerzen treten vor allem in Off-Zeiten auf, wenn die Parkinsonmedikamente nicht genügend wirken. Doch Schmerzen können auch während On-Zeiten auftreten. Vereinzelt sind Schmerzen auch ein Symptom in der Frühphase von Parkinson.
Es ist daher wichtig, dass die Pflegenden ihre Patienten beobachten, ihnen zuhören und nachfragen, wenn sie über Schmerzen berichten. Denn je präziser sie ihre Beobachtungen dem Arzt oder der Ärztin kommunizieren, desto eher kann die Therapie optimiert werden (vgl. Parkinson-Befindlichkeitsspiegel, Parkinson-Tagebuch). Zentrale Fragen sind: In welchem Körperteil tritt der Schmerz auf? Wie stark ist er? Wie fühlt er sich an? Ist der Schmerz lokalisierbar oder strahlt er aus? Falls der Schmerz nicht dauerhaft ist, wann tritt er auf und wie lange hält er an? Grundlegende Kategorien sind Schmerzdauer, Intensität, Lokalisation und Ursache, ebenso die Umstände, unter welchen der Schmerz auftritt, sowie der Auslöser eines Schmerzes.
Schmerz ist eine stark individuell geprägte Sinneswahrnehmung. Manche Menschen sind sensibel, andere weniger. Zudem wird durch Gabe von Levodopa die Empfänglichkeit für Schmerz vorübergehend herabgesetzt. Während Off-Phasen sinkt hingegen die Schmerzschwelle und die Betroffenen empfinden Schmerz intensiver. Daher gilt: Schmerz ist immer das, was ein Patient oder eine Patientin als solchen empfindet. Gerade bei Missempfindungen und Schmerzen ist die Kommunikation oft schwierig, weil es sich um subjektive Empfindungen handelt, die nicht quantitativ gemessen, sondern nur qualitativ erfasst werden können. Wichtig ist, dass Pflegende ihre Parkinsonpatienten nach nicht-motorischen Symptomen befragen, auch nach Schmerzen. Schmerzfragebögen oder Schmerzskalen können dabei unterstützend wirken. Bei chronischen Schmerzen kann auch ein Schmerztagebuch eingesetzt werden.
Fazit: Aufmerksame Pflegefachpersonen tragen zu wirksamen Massnahmen und somit zu einer besseren Lebensqualität von Parkinsonbetroffenen bei.
Elisabeth Ostler
Elisabeth Ostler ist Leiterin des Fachbereichs Pflege und Weiterbildung bei Parkinson Schweiz. Die Pflegefachfrau HF hat sich zur Parkinson-Nurse weitergebildet. Sie berät Betroffene, Angehörige und Pflegefachleute zum Thema Parkinson im Alltag.
«Schmerz ist immer das, was ein Patient oder eine Patientin als solchen empfindet.»