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Berchtold Bischof
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 5. Oktober 1911
Priesterweihe: 21. April 1915
Primiz: 16. Mai 1915
Lehrer an der Stiftsschule: 1915–1925, 1928–1952
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Johann Bernhard Bischof und der Maria Anna Bischof.
Lebensbeschreibung[1]
P. Berchtold wurde am 21. Mai 1890 als Sohn des Johann Bernhard Bischof und der Maria Anna Bischof im Dorf Grub (SG) geboren und auf den Namen Meinrad getauft. Er war das erste Kind seiner Familie, drei weitere folgten, von denen zwei bereits im Kindesalter verstarben. Die Wahl eines Studienortes für seinen Sohn fiel dem Vater nicht schwer. An der Klosterschule Engelberg hatte schon sein eigener Bruder studiert, der später als P. Gebhard SVD in der Steylermission Südshantung (China) wirkte.[2] P. Berchtold blieb mit seinem geistlichen Onkel bis zu dessen Tod 1934 in regem Briefwechsel. Daher rührte wohl die stille Hoffnung des jungen Paters, das Kloster möchte einmal in China eine Klostergründung unternehmen.
Meinrad Bischof trat im Herbst 1903 in die zweite Klasse der Engelberger Schule ein. Er zählte stets zu den besten Schülern seiner Klasse. Neben den obligaten Fächern konnte er im Laufe der Studienzeit auch manches Freifach belegen, wobei er den musikalischen den Vorzug gab. Er war zuerst als Tenor, dann als Bass Mitglied des Kirchenchores. In der Blechmusik blies er zeitweise die Posaune, zeitweise das Helikon. Seine Leidenschaft waren schon damals die Bücher in seiner Freizeit. Meinrad stand im fünfzehnten Lebensjahr, als er seine Mutter verlor, die bei der Geburt des vierten Kindes starb. Muttermotive waren später vielmals Gegenstand seiner Gedichte.
Nach der im Sommer 1910 vorzüglich bestandenen Maturität trat Meinrad Bischof in Engelberg ins Kloster ein. Zum Verlangen nach dem Priestertum war der Ruf zum benediktinischen Mönchtum gekommen, auf das er am 5. Oktober 1911 als Fr. Berchtold die Profess ablegte. Der Profess folgten die theologischen Studien im Kloster, die mit den Gnadentagen der Priesterweihe am 21. April 1915 und der Primiz am darauffolgenden 16. Mai ihren Abschluss fanden.
Dann begann P. Berchtolds jahrzehntelanges Wirken an der Schule. Von 1915 bis 1925 war er Klassenlehrer an den unteren und mittleren Klassen mit Latein, Griechisch, Deutsch, Religion und Mathematik. Gleichzeitig war ihm im Kloster das Amt eines Subkustos anvertraut. Für die Jahre 1925 bis 1928 sandte ihn Abt Basil Fellmann an die Universität Fribourg zum Studium der deutschen Literaturgeschichte, das er mit dem Doktorat abschloss. Der Gegenstand seiner Dissertation war eine textgeschichtliche Untersuchung des lateinischen Barockspieles "Jakob Bidermanns Johannes Calybita (1618)".
Im Herbst 1928 kehrte P. Berchtold an die Schule zurück und war seither fast ausschliesslich als Deutschlehrer in den oberen vier Klassen tätig, bis er im Sommer 1952 aus Gesundheitsrücksichten um die Entlassung aus dem Schuldienst nachsuchen musste. Neben der Schule betreute P. Berchtold viele Jahre als Protektor die Rhetorikerakademie, leitete eine Zeit lang das Schultheater und verwaltete mit Umsicht und Klugheit die Studentenbibliothek. Schliesslich bediente er jahrzehntelang die für den Unterricht fast unentbehrlich gewordene Vervielfältigungsmaschine. Bei den meist unvorhergesehenen und dringenden Aufträgen kam es öfters vor, dass der nimmermüde Arbeiter bis tief in die Nacht hinein an der Maschine stand, um auf den folgenden Morgen dem lieben Kollegen das Hilfsmanuskript, den Schülern aber die "mit Sehnsucht" erwarteten Skriptionenblätter bereitstellen zu können.
P. Berchtold war ein ausgesprochener Mann des Geistes und hat sowohl sein er Lehrtätigkeit wie auch seinem dichterischen Schaffen den persönlichen Stempel seines Geistes aufgeprägt. Er besass vor allen für den Unterricht in der Muttersprache ein hervorragendes Lehrtalent. P. Berchtold erblickte das Ziel des Literaturunterrichtes nicht im Anhäufen auswendiggelernten Stoffes. Das Lehrbuch blieb ihm immer ein Unterrichtsmittel. Das Ziel seines Unterrichts stand höher: die Bildung des literarischen Urteils, und dies mittels einer Schau auf die verschiedenen Literaturperioden und ihre Wichtigsten Geisteserzeugnisse. P. Berchtold war lange Jahre Beichtvater im Kloster und bei den Studenten. Manchem Studenten hat er in seiner verständnisvollen Art einen Rat fürs Studium und manchem den Weg ins Berufsleben gezeigt.
Über Jahrzehnte betätigte sich P. Berchtold auch als Dichter. Inhaltlich lassen sich seine Gedichte in Gruppen zusammenfassen. Zum Teil hat er sie selbst in kleinere und grössere Manuskriptbändchen zusammengeheftet, zum andern Teil sind sie noch fliegende Blätter. Ein Grossteil der Gedichte sind religiösen Inhaltes. Eine andere Gedichtgruppe sind Liebesgedichte. P. Berchtold äusserte sich zu diesem "genre litteraire" gelegentlich selbst: "Wenn man wüsste, dass ich, ein Mönch, Liebesgedichte schreibe!" Einen weiteren Raum unter P. Berchtolds Gedichten nehmen die Engelberger Gedichte ein. Nicht nur in dem Sinn, dass er über bestimmte örtliche Themen geschrieben hat wie "Titlis und Rigidal"oder "Herrenrüti" oder "Bei unserer lieben Frau im Horbis", noch mehr in dem Sinne, dass die Poesie des Bergtales über die vier Jahreszeiten irgendwie in sein ganzes Dichten eingegangen ist.
Neben dem Lehrer und dem Dichter P. Berchtold darf auch der Musiker eine kurze Erwähnung finden. Der junge Pater war ein eifriger und guter Musikant. Er blies im Stiftsorchester zuerst die Posaune, dann die Oboe und wurde schliesslich Fagottist. Auch Klavier spielte P. Berchtold und erteilte jahrelang Klavierunterricht. Wie schon als Student, so gehörte er auch als Pater dem Kirchenchor an. Doch wegen Herzasthma konnte er Gesang und Instrumente nicht weiterpflegen. Er bedauerte es sehr, dass er viele Jahre am Mönchschor keinen aktiven Anteil mehr nehmen konnte. Doch blieb P. Berchtold Gesang und Musik treu bis in seine letzten Lebenstage gerade auch in seinen Texten. Und manches seiner Gedichte ist auch Ton und Lied geworden. Die musikalische Einfühlungsgabe befähigten ihn, zu mehreren Werken von P. Emanuel Bucher die Texte zu schreiben. 1935 und 1940 unternahm er den Versuch, für das eine und andere Gedichtbändchen einen Verlag zu finden. Beide Male wurden ihm die eingesandten Proben zurückgeschickt, von einem Verleger - bei aller Bewunderung der Gedankentiefe und Kunst - mit dem Vermerk "verlegerisch unmöglich".
Wenn sich P. Berchtold im Laufe der Jahrzehnte einen weiten Kreis von Freunden und Bekannten erworben hat, so verdankte er das nicht zuletzt der liebenswürdigen Art, wie er mit jedermann umgehen und verkehren konnte. Bei allem Hang zum einsamen stillen Sinnieren, besass er doch ein starkes gesellschaftliches Bedürfnis und die Kunst zu fabulieren. Sein reiches Wissen und gutes Herz verleiteten ihn hierzu freilich oft länger, als er selbst beabsichtigte.
Mitte März 1954 begab sich P. Berchtold auf Wunsch seiner Obern nach Fischingen, um den dortigen Mitbrüdern, soweit es seine Kräfte erlaubten, behilflich zu sein. P. Berchtold war schon seit vielen Jahren ein kranker Mann, wenn man es ihm äusserlich auch nicht immer ansah. Er konsultierte seit dem Jahr 1936 regelmässig den Arzt. Dieser konstatierte eine Herzmuskelschädigung, von der sich P. Berchtold nie erholte, so dass er zeitlebens ein herzkranker Mann blieb. Dazu kam später eine chronische Gastritis. Der Kranke litt häufig an Herzasthma, an Schwindelanfällen und von Zeit zu Zeit an schweren Herzattacken. Er starb an einer Herzlähmung am 16. April 1954.
Werke
- Dem Andenken Pater Augustins (Benziger), in: Titlisgrüsse 17, 1930/1931, S. 15-20.
- Jakob Bidermanns Johannes Calybita. Textgeschichtliche Untersuchung. (Diss.) Engelberg 1932.
- Festspiel zur Glockenweihe in Sirnach. Sirnach 1937.
- Der Blindgeborene, ein Sang des Lichtes. Musik v. P. Emanuel Bucher, Engelberg 1939.
- Der heilige Kreuzweg. Bilder v. Beat Gasser, Engelberg 1940.
- Greifenfeder. Spiel mit drei Aufzügen, Engelberg 1949.
- Die Strasse des Tarcisius. Kantate. Musik v. P. Emanuel Bucher, Engelberg 1950.
- Der Rosenkranz. Gedichte, Engelberg 1955.
- Gedichte in Titlisgrüsse u.a.
Professnummer
- Nr. 706
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 40, 1953/54, S. 54-69, übernommen.
- Vgl. Titlisgrüsse 21, 1935, S. 53ff.
Bibliographie
- Nachruf P. Berchtold Bischof, in: Titlisgrüsse 40, 1953/54, S. 54-69.