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Fotos : ©Loris von Siebenthal
Mit sieben von acht möglichen Siegen beendete Alinghi die D35 Trophy 2017 mit einem Rekordergebnis. Noch nie seit der Gründung der Meisterschaft im Jahr 2004 hatte ein Team eine solche Punktzahl erreicht.
Das historische Endergebnis von Alinghi an der diesjährigen D35-Meisterschaft lässt nicht den geringsten Zweifel: Ernesto Bertarelli und sein Rennstall haben vorsätzlich gehandelt, sie sind mit festen Siegesabsichten an den Start gegangen und wollten von Anfang an nur eins: die Konkurrenz dominieren. Bereits beim Saisonauftakt geriet der rot-weiss-schwarze Katamaran in Verdacht. Er hatte dem Zweitplatzierten am Grand Prix BMW Emil Frey Genève Acacias ganze neun Punkte abgenommen. In den dreizehn gesegelten Läufen klassierte er sich acht Mal auf dem Podest. Die übrige Flotte legte ihre Karten an dieser ersten Begegnung ebenfalls auf den Tisch. Dabei zeigte sich, wie eng die Teams beieinander lagen. Sieben der acht Boote gewannen mindestens einen Lauf und nur zwei landeten nicht mindestens einmal auf dem letzten Platz. Das Fehlen von Ladycat und Tilt, die 2016 beide auf dem Podest gestanden waren, erleichterte dem Leader die Aufgabe zwar, dennoch merkte er schnell, dass niemand gekommen war, um Däumchen zu drehen und er sich den Gesamtsieg erkämpfen musste.
Machtdemonstration von Alinghi
Zwei Wochen später trafen die Teams zur zweiten Runde in Versoix aufeinander. Auch dort übernahm Alinghi das Kommando und fuhr in den insgesamt neun Läufen dreimal unter die ersten drei. Zen Too, Ylliam – Comptoir Immobilier, Mobimo und Racing Django konnten aber zumindest je eine Wettfahrt für sich entscheiden. Den anderen Teams blieb an diesem Maiwochenende bei wechselhaftem Wind nur eins: Sie mussten versuchen, den Schaden zu begrenzen.
Anfang Juni trug die durch den Neuzugang Phaedo2 verstärkte Flotte am Freitag und am Sonntag den Grand Prix Realstone de Versoix und am Samstag die Genève-Rolle-Genève aus. Am ersten Regattatag wurden bei einer etwas verspäteten Thermik sechs Läufe ausgetragen. Fest entschlossen, sich nicht einfach so überfahren zu lassen, übernahm Ylliam – Comptoir Immobilier mit drei Punkten Vorsprung die Führung.
Am Samstag stand dann bei sengender Hitze und wenig Wind der Genferseeklassiker auf dem Programm. Alinghi und Swisscom schafften es als erste, sich auf Höhe von Rolle von der Führungsgruppe abzusetzen und lieferten sich bis in die Einfahrt in den unteren Genfersee einen heissen Kampf. In einen Fotofinish nahmen Julien Monnier und Matthieu Souben auf Swisscom ihren Gegnern schliesslich eine winzige Sekunde ab.
In der Woche danach raste Arnaud Psarofaghis am Steuer von Alinghi an einer erinnerungswürdigen Bol d’Or Mirabaud in 5 Stunden und 11 Minuten nach Le Bouveret und wieder zurück. Zen Too wurde 2., Okalys 3.
Nicht zu halten
In der zweiten Saisonhälfte wurde die Beweislage immer erdrückender. Alles sprach gegen Alinghi. Mit Ausnahme eines Ablenkungsmanövers in Crans, wo der Leader mit nur einem Punkt Vorsprung vor Ylliam – Comptoir Immobilier gewann, dominierte er auf geradezu unverschämte Weise. Am Saisonfinale war er mit fünf Zählern um Längen besser als der Zweitplatzierte mit 16 Zählern. Niemand zweifelte mehr daran: Alinghi war definitiv schuldig, zumal das Team schon vor der letzten Regatta als Sieger feststand. Zu seiner Verteidigung berief sich Alinghi auf die Erfahrung und die Qualität seines Teams: „Wir segeln seit drei Jahren in dieser Konfiguration“, erklärte Ernesto Bertarelli. „Wir haben uns von Saison zu Saison gesteigert und segeln heute wirklich sehr gut.“ Dass der Sieg reine Formsache gewesen sei, davon wollte er aber nichts wissen. „Auch wir machen Fehler und bezahlen dafür, man konnte das im letzten Lauf sehen. Genau das macht die D35 interessant. Die Rechnung für Patzer kommt sofort. Aber wenn alles rund läuft, ist das natürlich sehr erfreulich.“
Enger Kampf hinter dem Leader
Die direkten Zeugen versuchten Alinghi zur Vernunft zu brinNicht zu haltengen. Sie begriffen aber schnell, dass sie auf verlorenem Posten standen und beschlossen, die Sache untereinander auszufechten. Dabei kam es zu hochintensiven Kämpfen. Die Entscheidung fiel erst im letzten Rennen. Nach dem zweitletzten Event lag Zen Too noch zwei Punkte vor Ylliam – Comptoir Immobilier, wurde dann aber noch um einen Punkt auf den dritten Schlussrang verwiesen. Racing Django, Swisscom, Okalys und Mobimo, die kurz vor Schluss nur drei Punkte trennten, erfuhren ihre Schlussposition erst nach dem letzten Leichtwindlauf. Für Realteam und Phaedo2 war der Rückstand zu gross, um noch Plätze gutzumachen. Ihre Mittäterschaft sowie die Beihilfe der anderen Teams waren jedoch entscheidend für den Erfolg der Meisterschaft. Das Urteil ist somit unwiderruflich. An der D35 Trophy 2018 wollen die geschlagenen Teams aber Berufung einzulegen.
Zahlen und Fakten
D35 Trophy 2017: acht Regatten, sechs Grands Prix (oder Open), zwei grosse Genferseeklassiker, darunter die Bol d’Or Mirabaud. Insgesamt haben die neun Teams während 18 Regattatagen zwischen Mai und September 53 Wettfahrten absolviert. Schlussrangliste: Alinghi (7 Punkte), Ylliam – Comptoir Immobilier (21 Punkte), Zen Too (22 Punkte), Racing Django (33 Punkte), Swisscom (34 Punkte), Mobimo (38 Punkte), Okalys (39 Punkte), Realteam (41 Punkte), Phaedo2 (62 Punkte)