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Anfang März 2022 hat Finnland ein umfassendes nationales Programm für die Entsorgung der ausgedienten Brennelemente und radioaktiven Abfälle vorgelegt. In diesem Bericht zeigen das Ministry of Economic Affairs and Employment und das Ministry of Social Affairs and Health in Zusammenarbeit mit der Nuklearaufsichtsbehörde Stuk auf, dass sie verantwortungsvoll mit allen Abfällen umgehen und diese sicher entsorgen. Das Programm muss gemäss Richtlinie 2011/70/EURATOM des Rates der Europäischen Union erstellt werden und informiert Behörden, Abfallverursacher, Gemeinden und Bürger über die Situation und die Pläne für die Entsorgung ausgedienter Brennelemente und radioaktiver Abfälle in Finnland. Das nationale Programm ist das zweite seiner Art; das erste wurde im Jahr 2015 erstellt.
Das nationale Programm gibt einen Überblick über die Aktivitäten und befasst sich eingehend mit den verschiedenen Aspekten der Entsorgung ausgedienter Brennelemente und radioaktiver Abfälle. Es enthält Mengen und Standorte der ausgedienten Brennelemente und radioaktiven Abfälle sowie allgemeine Ziele, Grundsätze, eine Kostenschätzung und einen Zeitplan für die Abfallentsorgung. Auch Informationen zu notwendigen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und zur Umweltverträglichkeitsprüfung sind enthalten.
Finnland wird sein geologisches Tiefenlager für ausgediente Brennelemente voraussichtlich 2025 in Betrieb nehmen. Ende 2021 hat die Betreiberfirma Posiva Oy den Antrag auf Betriebsbewilligung für die Verpackungsanlage Onkalo und das Tiefenlager im Südwesten des Landes eingereicht. «Die Verantwortung für die Entsorgung ausgedienter Brennelemente und radioaktiver Abfälle und deren Kosten liegt beim Betreiber, der die Abfälle erzeugt», spricht der Bericht das Verursacherprinzip an und präzisiert: «Die Verantwortung … liegt letztlich beim finnischen Staat … Es ist Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass angemessene Mittel für die Entsorgung ausgedienter Brennelemente und radioaktiver Abfälle aus der Nutzung der Kernenergie zur Verfügung stehen. Der Staat stellt dies sicher, indem er Mittel für den Fonds aufbringt.» Für den Fonds für finanzielle Rücklagen sammle der Fonds jährlich Mittel von den Kernenergiebetreibern, so der Bericht.
Programm wird angepasst und weiterentwickelt
«Das nationale Programm … wird im Laufe der Zeit revidiert und weiterentwickelt. Diese Änderungen können auf eine Reihe von Gründen zurückzuführen sein», heisst es im Bericht. Mögliche Gründe, die zu veränderten Rahmenbedingungen führen könnten, seien technische Fortschritte bei Abfallentsorgungsmethoden, Änderungen bei den Plänen zur Inbetriebnahme kerntechnischer Anlagen oder der Eintritt neuer Betreiber in den Markt. Dies könne sich auf die Menge der zu entsorgenden Abfälle und damit auf den Umfang des nationalen Programms auswirken. «Eine solche Änderung könnte zum Beispiel die Einführung kleiner, modularer Reaktoren (SMR) in Finnland sein», so der Bericht.
Zudem lasse man neue wissenschaftliche und technische Erkenntnisse einfliessen und gehe auf allfällige Unzulänglichkeiten ein. Auch wesentliche Änderungen bei der öffentlichen Akzeptanz und wichtige Entwicklungen im Ausland könnten sich auswirken. Selbst- und Fremdbewertungen seien ebenfalls Teil der Weiterentwicklung. So werden internationale Experten das Programm Ende 2022 in Form einer Artemis-Bewertung begutachten. «Auf der Grundlage dieser Überprüfung kann festgestellt werden, ob das nationale Programm für die Entsorgung ausgedienter Brennelemente und radioaktiver Abfälle sofort aktualisiert werden muss», betonen die finnischen Behörden.
Das Entsorgungsprogramm der Nagra für die Schweiz
Auch in der Schweiz gibt es ein Entsorgungsprogramm. Es wird alle fünf Jahre von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), erstellt – sie entsorgt die Abfälle im Auftrag der Entsorgungspflichtigen (Abfallverursacher). Die Nagra schreibt zu ihrem Programm: «Gegenstand und Ziel des Entsorgungsprogramms ist es, eine gesamtheitliche übergeordnete Darstellung der für die Entsorgung aller radioaktiven Abfälle der Schweiz notwendigen Arbeiten zu geben (strategisches Arbeitsprogramm) und die konzeptuellen Vorgaben, Annahmen und deren Umsetzung für die Auslegung der Anlagen und deren schrittweise Realisierung aufzuzeigen.» Als wichtiger Bestandteil halte das Programm den Fortschritt im Verfahren des Sachplans geologische Tiefenlager seit seiner Vorgängerversion (Entsorgungsprogramm EP16) fest, so die Nagra.
Gemäss Nagra richtet sich das Programm primär an die Behörden, es ist aber so abgefasst, dass sich die breite Öffentlichkeit über das Generationenprojekt (YouTube-Video) informieren kann. Wie die Vielzahl ihrer Berichte und Forschungsergebnisse stellt die Nagra auch das Entsorgungsprogramm EP 21 (Bericht NTB 21-01) auf ihrer Website zum Herunterladen bereit.
Quelle
B.G. nach Ministry of Economic Affairs and Employment, Bericht «Management of spent nuclear fuel and radioactive waste in Finland», 1. März 2022 und Nagra, «Technischer Bericht 21-01, Entsorgungsprogramm 2021 der Entsorgungspflichtigen», Dezember 2021