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Nein, in der Modus-Frage sind sicher nicht alle gleicher Meinung.bild: keystone
Kommentar
Die Super League erhält aller Voraussicht nach einen neuen Modus. Sie wird von zehn auf zwölf Teams aufgestockt und ermittelt den Meister in Playoffs. Macht das Sinn? Unsere Sport-Redaktoren sind sich nicht einig.
05.04.2022, 16:5805.04.2022, 18:17
Der mögliche neue Modus der Schweizer Super League steht: Ab der Saison 2023/24 soll die Super League zwölf statt zehn Klubs umfassen und die in drei Phasen unterteilte Saison mit Playoffs zu Ende gehen. Am 20. Mai wird über den Vorschlag des SFL-Kommitees in einer ausserordentlichen Generalversammlung abgestimmt.
Kommt das Vorhaben durch, muss allerdings auch noch der Verbandsrat des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) den Plänen zustimmen.
So funktioniert der neue Modus:
- Phase 1: Die 12 Klubs bestreiten eine Qualifikationsrunde mit Hin- und Rückspiel. Nach diesen 22 Runden wird die Tabelle in zwei Hälften geteilt.
- Phase 2: Die jeweils sechs Klubs in den beiden Gruppen tragen in einer zweiten Phase erneut ein Hin- und Rückspiel gegeneinander aus (10 Runden).
- Phase 3: Nach total 32 Runden für alle Klubs stehen Playoffs zur Diskussion: Ein Duell zwischen dem Ersten und Zweiten um den Meistertitel sowie Playoffs zwischen den acht folgenden Klubs um die europäischen Plätze und eine Barrage zwischen dem Zweitletzten der Super League und dem Zweiten der Challenge League. Der letztplatzierte Klub soll direkt absteigen, der Meister der Challenge League direkt aufsteigen.
Damit der neue Modus ab der Saison 2023/24 eingeführt werden kann, benötigt es allerdings eine Übergangssaison. 2022/23 soll es keinen direkten Absteiger geben. Stattdessen wird der Zehnte der Super League gegen den Dritten der Challenge League eine Barrage austragen.
Alle Details zum neuen Modus:
Ein ähnlicher Modus ohne Playoffs um den Meistertitel kommt aktuell in Österreich zur Anwendung. Macht er also auch für die Schweiz Sinn? Zwei Sport-Redaktoren, zwei Meinungen.
Ralf Meile (Pro):
«Die Leute gehen ins Stadion, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.» Eines der berühmtesten Zitate des deutschen Weltmeister-Trainers Sepp Herberger trifft gefühlt immer weniger zu. Besonders die wichtigste Frage war in der Schweiz in den letzten Jahren immer seltener umstritten: jene, wer Meister wird. Dass ein Team den Pokal mit grossem Vorsprung in die Höhe stemmen kann, ist zur Regel geworden.
Ob Playoffs tatsächlich die richtige Wahl sind, um den Meister einer Saison zu bestimmen, ist umstritten. Wir waren uns im Fussball halt nie etwas anderes gewohnt. Die Mischform – Vorrundenspiele mit anschliessender K.o.-Phase – war den WM- und EM-Turnieren vorbehalten. Ansonsten wurde zwischen der Liga und dem Cup getrennt, der schon immer wie Playoffs funktionierte.
Ganz sicher steigern Playoffs zur Ermittlung des Schweizer Meisters die Spannung am Ende der Saison. Die Spiele werden ein Quoten-Garant sein und darum geht es letztlich. Der Profisport ist ein Geschäft, er ist wahrscheinlich mehr denn je ein Teil der Unterhaltungsindustrie. Mit dem Sport sollen Stadien gefüllt und Zuschauer vor den Fernseher gelockt werden. Wir gehen ins Kino, an ein Konzert oder ins Theater und wir gehen ins Fussballstadion, weil wir Unterhaltung suchen, Emotionen, ein Erlebnis, das wir mit anderen teilen können.
Der Schweizer Fussball ringt im eigenen Land um Anerkennung. Die Bundesliga erdrückt in der Deutschschweiz schon seit Jahrzehnten die heimische Liga, und seit die Premier League und die Spiele der spanischen oder italienischen Spitzenteams nur einen Knopfdruck entfernt sind, lockt die dort oft höhere Spielqualität noch mehr. Mit Playoffs künstliche Spannung zu erzeugen, ist der Versuch der Super League, sich wieder mehr Gehör zu verschaffen.
Es ist zumindest den Versuch wert. Denn wie wir aus der Vergangenheit wissen: In Sachen Modus ist im Schweizer Fussball nichts in Stein gemeisselt.
Philipp Reich (Contra):
Geld regiert die Welt und offenbar auch den Schweizer Fussball. Das Produkt «Super League» soll künstlich spannender und damit besser vermarktbar gemacht werden. Wegen der aktuell zu hohen Abstiegsgefahr und der offenbar fehlenden Planungssicherheit stimmen auch die SFL-Teams dem neuen Modus zu. Ein fataler Fehler.
Playoffs können die wahren Stärkeverhältnisse im schlimmsten Fall komplett auf den Kopf stellen, was weder im Sinn der Zuschauer, noch in dem der Liga sein kann. Schliesslich sollen die stärksten Klubs das Land europäisch vertreten und nicht die Teams, die Ende Saison gerade einen Lauf hatten. Und noch wichtiger: Meister soll werden, wer über eine komplette Saison am konstantesten gespielt hat.
Zwar können Playoffs durchaus attraktiv sein. Doch gerade im Schweizer Eishockey zeigt sich, dass sich für den Rest der Saison nur noch die eingefleischten Fans interessieren. Die Qualifikation wird nur noch als mühsames Vorgeplänkel wahrgenommen.
Mehr Zuschauer würden Playoffs auch nicht generieren – vor allem nicht bei den Teams aus der unteren Tabellenhälfte. Dort fehlen ab Januar die attraktiven Gegner und die sportlichen Herausforderungen. Die halbe Liga würde sich monatelang auf die Playoff-Spiele am Ende der Saison vorbereiten.
Auch eine Aufstockung der Liga ist nicht nötig. Das Leistungsgefälle zwischen den Klubs würde wegen der Liga-Halbierung zur Saisonhälfte eher grösser als kleiner werden und auch das Argument neuer Gegner sticht nicht, denn spätestens nach der Winterpause sind die Grossen und die Kleinen ja ohnehin wieder unter sich.
Zugegeben, die Spannung im Titelkampf hat in der Super League in den letzten Jahren etwas gelitten. Das hat aber nichts mit dem aktuellen Modus zu tun – dieser ist für die Schweiz nämlich perfekt und kann durchaus Spannung generieren. Das haben die Finalissimas von 2006, 2008 und 2010 ja eindrücklich gezeigt.
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