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Es wäre eigentlich eine Meldung, die den US-amerikanischen Traum befeuern würde. Eine junge College-Schwimmerin gewinnt ihr erstes Rennen auf der höchsten College-Stufe, besiegt dabei gar eine Olympia-Silbergewinnerin von Tokio und träumt selbst von einer Teilnahme bei den nächsten Sommerspielen.
Doch in diesem Fall ist es nicht der amerikanische «Tellerwäscher-Traum», sondern der Höhepunkt einer grossen Kontroverse. Denn der Schwimmerin mit dem Namen Lia Thomas wurde bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen. Sie fühlt sich aber als Frau. «Die sehr einfache Antwort ist: Ich bin kein Mann. Ich bin eine Frau, also gehöre ich ins Frauenteam. Trans Menschen verdienen den gleichen Respekt, den jede andere Athletin bekommt», sagt sie gegenüber «Sports Illustrated».
Während des ersten Studienjahrs an der University of Pennsylvania erzählte Thomas ihrer Familie, wie sie sich fühlt und startete wenig später eine Hormontherapie, die das Testosteron in ihrem Körper unterdrückt. Zwölf Monate danach konnte sie als trans Frau bei den Frauen-Wettkämpfen am US-College teilnehmen, so erlauben es die Regeln.
Zuerst bremst die Coronavirus-Pandemie Thomas noch aus, doch für die aktuelle Saison ist sie Mitglied des Frauenschwimmteams. Die 22-Jährige sagt, sie schwimme längst nicht mehr so schnelle Zeiten wie vor der Therapie. Dennoch nimmt sie ihren Konkurrentinnen teilweise mehrere Sekunden ab. Bei den nationalen College-Meisterschaften lässt sie eben auch Tokio-Silbergewinnerin Emma Weyant über 500 Meter Freistil um 1,75 Sekunden hinter sich. Thomas schwimmt aber auch mehr als 9 Sekunden langsamer als Überschwimmerin Katie Ledecky bei ihrem College-Rekord. Und sie gewinnt längst nicht jedes Rennen, beendet das Jahr auf Rang 36 der College-Schwimmerinnen.
Längst entbrannte um Thomas' Teilnahme an den Wettbewerben eine öffentliche Debatte, die über den College-Sport hinausgeht. Kritiker monieren, die Schwimmerin habe einen körperlichen Vorteil, sie sei kräftiger und athletischer. Besonders aus der rechtskonservativen Ecke schiesst man sich auf Lia Thomas ein. Selbst der nationale TV-Sender «Fox News» berichtet darüber. Rechte Plattformen sind geradezu besessen, nennen Lia Thomas absichtlich einen Mann und beim Namen, den sie vor ihrer Transition gebraucht hatte. Ein solches «Deadnaming» wird als transfeindlich angesehen, weil es einem Fremd-Outing für betroffene Personen gleichkommt.
Nicht nur im College-Sport stehen die Rechte von trans Menschen zur Diskussion. Vergangenen Donnerstag hat Arizona ein Gesetz verabschiedet, dass es trans Frauen verbietet, in der Highschool in den Mädchen-Teams mitzumachen.
Unterstützer von Lia Thomas und anderen trans Menschen führen ins Feld, dass bei allen Menschen immer physische Unterschiede gebe und deshalb nie komplette Fairness herrsche. Das sei kein Grund, Thomas und andere Frauen vom Sport auszuschliessen.
Thomas selbst will auch als Vorbild dienen: «Ich möchte trans Kindern und jüngeren trans Athleten einfach zeigen, dass sie nicht allein sind», erklärt sie. «Sie müssen sich nicht entscheiden zwischen wer sie sind und dem Sport, den sie lieben.»
International wird längst hitzig über ähnliche Fälle diskutiert. Der Leichtathletik-Weltverband führte im Zuge der Debatte um Mittelstreckenläuferin Caster Semenya eine Testosteron-Obergrenze für Frauen ein. 2021 startete mit der neuseeländischen Gewichtheberin Laurel Hubbard erstmals eine offen lebende trans Frau bei den Olympischen Sommerspielen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte eine Richtlinie festgelegt, die «Diskriminierung verhindern» soll und das Recht auf Teilnahme von allen Sportlerinnen und Sportlern heraushebt. Die Umsetzung dieser Richtlinie überlässt das IOC aber den zuständigen Sportverbänden.
Berichten zufolge, arbeite auch der Welt-Schwimmverband derzeit an einer eigenen Richtlinie für die Teilnahme von trans Menschen an Wettkämpfen. Das Ziel sei, die richtige Balance zwischen «Inklusion und Fairness». Das wäre auch für Lia Thomas relevant. Ihre College-Karriere endete in den vergangenen Tagen. Sie sagt: «Ich weiss nicht genau, wie meine Zukunft im Schwimmen aussehen wird nach diesem Jahr, aber ich würde liebend gern weitermachen. Ich möchte schwimmen und an Wettkämpfen teilnehmen als die, die ich bin.» (abu)
Manchester City hat die Vorentscheidung im Titelkampf mit dem FC Liverpool verpasst und bei West Ham United nur 2:2-unentschieden gespielt. Die «Hammers» gingen im ersten Durchgang durch einen Doppelpack von Jarrod Bowen mit 2:0 in Führung.