Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03464.jsonl.gz/784

Bürgenberg consists mainly of limestone which was deposited in a flat, tropical sea around 100 million years ago. Today, the stones vary depending on where and under what conditions they were deposited.
Abb. 1: Kalksteine kommen am Bürgenberg in verschiedensten Variationen vor.
Der Bürgenberg besteht aus Kalksteinen unterschiedlicher Variation. Diese sehen auf den ersten Blick grau und eintönig aus. Beim genauen Hinschauen erzählen sie jedoch eine faszinierende Geschichte: Versteinerungen von Muscheln, Schnecken, Seeigeln und mikroskopisch kleinen Meeresbewohnern beweisen, dass diese Gesteine in einem seichten, warmen Meer entstanden sind. Zusammen mit Korallen und Schwämmen bauten diese Lebewesen in flachem Wasser kleinere Riffe auf (Abb. 2). Schwimmende Tiere wie Ammoniten und Haie lebten ebenfalls in diesem flachen Meer.
Bei Frage 3 stehen wir an der sogenannten Schrattenkalk-Formation. Die hellgrauen Kalke sind reich an Versteinerungen. Querschnitte von Muschelresten sind hier als Versteinerungen sogar von blossem Auge sichtbar (Abb. 3).
Welche Gesteins-Formationen bauen den Bürgenberg auf?
Fachleute unterteilen Schichtabfolgen in sogenannte Formationen. Eine Formation fasst Schichten mit gleichen Ablagerungsbedingungen zusammen. Wichtige Formationen am Bürgenberg sind von unten (Seespiegel) nach oben (Gipfel des Bürgenbergs) bzw. von alt nach jung die Kieselkalk-Formation, die Drusberg-Formation, die Schrattenkalk-Formation, die Garschella-Formation und die Seewenkalk-Formation (Abb. 4).
Abb. 4: Die Gesteins-Formationen am Bürgenberg
Bei den Gesteins-Formationen des Bürgenbergs handelt es sich ohne Ausnahme um verfestigte Sedimente. Die Ablagerungsbedingungen änderten sich jedoch im Verlaufe der Zeit mehrfach. Folglich entstanden am Meeresgrund verschiedene Schichten, die sich farblich und von der Form her unterscheiden (Abb. 5).
Sämtliche Schichten bestehen aus einer Mischung von Tierskeletten mit kalkhaltigen Gehäusen und kleinsten, direkt aus dem Meerwasser ausgefällten Kalkpartikeln. Je nach Nähe zum Festland gelangten auch Ton, Sand und Skelette von Lebewesen mit einem Gehäuse aus Siliziumdioxid zur Ablagerung. Werden ältere von jüngeren Schichten überdeckt, verfestigen sich die unteren allmählich: Aus den lockeren Ablagerungen wird ein festes Gestein.
Abb. 5: Muscheln und Schnecken im massiven Schrattenkalk (links) und Tonhäute im Seewenkalk (rechts)
Welche Gesteine sind entlang des Felsenwegs sichtbar und wie unterscheiden sie sich?
Das Gestein bei Frage 3 besteht aus Schrattenkalk, einem hellgrauen, feinkörnigen Kalkstein. Sein faszinierender Aufbau wird erst unter dem Mikroskop sichtbar (Abb. 6). Er besteht nämlich aus vielen kleinen fossilen Meerestieren wie Einzellern, Algen, Muscheln und Schnecken sowie kleinen Kalkkügelchen (= Ooide). Letztere entstehen, wenn die Gezeitenströmung untiefes, sehr kalkhaltiges Wasser dauernd hin- und her bewegt. Typisch für den Schrattenkalk sind steile, schroffe Felswände wie z. B. die Gipfelpartien des Pilatus und der Rigi Hochflue.
Abb. 6: Mikroskop-Bild eines Schrattenkalks
Der weitere Felsenweg in Richtung Osten verläuft bis zur Frage 11 (Hammetschwand-Lift) im Schrattenkalk. Start- und Endpunkt des Felsenweges (Fragen 1 und 12) hingegen liegen im Seewenkalk, der jüngsten und topographisch höchsten Gesteinsschicht des Bürgenbergs. In diesem dichten, hellen Gestein sind mit blossem Auge keine Bestandteile erkennbar. Es wird jedoch durch charakteristische schmale Tonhäute in dünne Schichten zerlegt (Abb. 7).
Abb. 7: Gelbbraune Tonhäute im Seewenkalk
Der Felsenweg zurück von Frage 3 in westliche Richtung (Bürgenberg Resort) ist in immer jünger werdenden Schichten angelegt. Kurz vor Frage 2 verläuft die Grenze zwischen Schrattenkalk- und Garschella-Formation. Letztere besteht aus Sandsteinen und Tonschiefern. Dem angereicherten Kalium, Eisen und Phosphor verdankt diese Schicht ihren Nährstoffreichtum, was eine üppige Vegetation ermöglicht (Abb. 8).
Abb. 8: Überwachsene Garschella-Formation mit wenige Zentimeter breiter Bankung
Am Fuss des Bürgenbergs hat es einen Steinbruch. Was wird hier abgebaut und weshalb?
Die Basis des Bürgenbergs besteht aus Kieselkalk (vgl. Abb. 9). Der Begriff „Kiesel“ wird in der Geologie für die chemische Verbindung Siliziumdioxid (SiO2 – z.B. Quarz) verwendet, die im Kieselkalk zu mindestens 20 Gewichtsprozenten vorkommt. Kalkschlamm sowie Skelettteile von Meeresschwämmen und Seeigelstacheln aus SiO2 sind das Ausgangsmaterial von Kieselkalk. Auf dem Meeresboden abgelagert löste sich der Quarz unter Druck auf und kristallisierte in den Schlamm-Hohlräumen zu einem stabilen Gerüst aus.
Siliziumdioxid macht den Kieselkalk besonders widerstandsfähig. Als Hartgestein ist der Kieselkalk robust gegen hohen Druck, Schläge, Abrieb und Frost. Zudem verbindet er sich gut mit Teer und Bitumen. Man verwendet deshalb Kieselkalk in grossen Mengen für den Bahn- und Strassenbau, als Zusatz für besonders harten Beton, als Mauerstein und Füllmaterial für Steinkörbe. Es handelt sich um das mengenmässig wichtigste Hartgestein der Schweiz. Abgebaut in wenigen Steinbrüchen, die gut erreichbar sind (z. B. Zingel bei Kehrsiten/Stansstad), kann damit ca. 65 % des nationalen Bedarfs an Hartgestein gedeckt werden.
Abb. 9: Der Steinbruch Zingel am Fuss des Bürgenbergs, vom Vierwaldstättersee aus gesehen
Ist am Bürgenberg Karst sichtbar?
Wo Kalkstein vorkommt, da ist auch mit Karstphänomenen zu rechnen (Abb. 10). Unter „Karst“ fasst man sämtliche Erosions- und Landschaftsformen zusammen, die als Folge der Lösung (Korrosion) von Kalk- oder Gipsgestein durch Regenwasser entstanden sind. Korrosiv wird Regenwasser, wenn es sich mit CO2 zu Kohlensäure verbindet. Zu den typischen Karstphänomenen zählen aufgeraute Oberflächen mit Rillen und Löchern, sogenannte Karren (bzw. Schratten, vgl. Abb. 11), Höhlen und Mangel an Oberflächenwasser. Karren befinden sich an den Südhängen des Bürgenbergs vor allem dort, wo Seewenkalk an der Oberfläche ansteht.
Abb. 10: Typische Karstphänomene
Abb. 11: Ähnliche Karren sind auch am Bürgenberg sichtbar.
Ein Blick auf die Landeskarte offenbart ein weiteres charakteristisches Karstphänomen: Auf dem Bürgenberg gibt es kaum Oberflächengewässer. Das Regenwasser versickert nämlich und wird unterirdisch abgeleitet, bspw. über verschiedene Unterwasserquellen in den Vierwaldstättersee oder direkt in das Grundwasser der Ebene Stansstad-Ennetbürgen.
Die Franzosenhöhle am Bürgenberg ist allerdings keine Karsthöhle. Es handelt sich vielmehr um eine tektonische Höhle, die durch Entlastungsbewegungen nach dem Rückgang der eizeitlichen Gletscher gebildet wurde. Während der Eiszeiten übten die Gletscher durch Auflast einen enormen Druck auf das Gestein aus, der sich nach dem Abschmelzen abbaute. Die Eingänge der Franzosenhöhle säumen den Weg vom Hammetschwand zum Chänzeli. Von einer Begehung ohne einschlägige Kenntnisse wird jedoch dringend abgeraten!