Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/156364

<h2>SubmittedText<h2><p>Am 9. März 2015 hat der Ständerat unter anderem aufgrund der Haltung des Bundesrates die finanzielle Beteiligung des Bundes an der Erstellung von Erschliessungen ausserhalb des Schutzwaldes abgelehnt.</p><p>1. Wo liegen die in der Debatte angeführten 30 000 Kilometer Waldstrassen mit hohen Unterhaltskosten? Wie hoch ist das Holznutzungspotenzial in diesen vermeintlich erschlossenen Gebieten?</p><p>2. In welchem Ausmass gehören die erschlossenen und die unerschlossenen Gebiete ausserhalb des Schutzwaldes denselben Waldeigentümern, sodass eine Einsparung durch Rückbau den unerschlossenen Gebieten zugeführt werden könnte?</p><p>3. Wer finanziert heute den Unterhalt der bestehenden Waldstrassen in welchem Ausmass (eine detaillierte Darstellung nach Akteur und Ausmass wird erwartet)?</p><p>4. Mit welchen technischen Verfahren stellt sich der Bundesrat die Realisierung des Holznutzungspotenzials vor?</p><p>5. Gegner der Walderschliessung führen Betriebsstatistiken als Argument an. In welchem Ausmass liegt das noch zu realisierende Holznutzungspotenzial in Gebieten mit solchen betrieblichen Strukturen? Wie viel davon ist Privatwald, der durchaus wirtschaftlich genutzt wird?</p><p>6. Welche und wie starke Auswirkungen hat der Verzicht auf die Realisierung der Hauptzielsetzung in der Waldpolitik (Nutzung des einheimischen Rohholzpotenzials) auf die übrigen Zielsetzungen der Waldpolitik 2020? (Es wird eine Einschätzung zu jeder einzelnen anderen Zielsetzung erwartet.)</p><p>7. Ist er bereit, auf die Umsetzung der übrigen Zielsetzungen der Waldpolitik 2020 ebenfalls zu verzichten, wenn die Hauptzielsetzung (Realisierung des einheimischen Holznutzungspotenzials) nicht erfüllt werden kann?</p><p>8. Welche Hinweise hat er, dass die Kantone ihren Beitrag zur Realisierung des Holznutzungspotenzials leisten können und wollen?</p><p>9. Teilt er die Auffassung dass seine Waldpolitik 2020 ein realitätsfernes Lippenbekenntnis bei der Realisierung des Holznutzungspotenzials darstellt?</p><p>10. Welche negativen ökologischen Effekte hat der Verzicht auf die Realisierung des Holznutzungspotenzials im In- und Ausland (eine detaillierte Darstellung des Ausmasses wird erwartet)?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die in der Debatte zur Ergänzung des Waldgesetzes (14.046) im Ständerat genannten Zahlen stammen nicht aus der Verwaltung, und die genaue Herleitung ist dem Bundesrat nicht bekannt. Die Verwaltung ist dabei, die bestehenden Daten des Landesforstinventars diesbezüglich zusammen mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) soweit möglich auszuwerten. Aus übergeordneter Sicht lassen sich allerdings keine pauschal gültigen Aussagen zur Höhe der Unterhaltskosten herleiten, da unter anderem die lokale Topografie, die Bodenbeschaffenheit und die Waldfunktionen zu berücksichtigen sind, welche die erforderliche Erschliessungsdichte und die Unterhaltskosten stark beeinflussen. Die Daten des Landesforstinventars zeigen, dass das Holznutzungspotenzial in Gebieten mit einer hohen Erschliessungsdichte besser genutzt wird als in unzureichend erschlossenen Gebieten.</p><p>2. Das Landesforstinventar erhebt die Erschliessungsdichte im Generellen bezüglich Waldeigentümerkategorien, nicht aber parzellenscharf für einzelne Waldeigentümer. Aus nationaler Sicht kann die Frage daher nicht beantwortet werden.</p><p>3. Der Wegunterhalt ist grundsätzlich Sache der Werkeigentümer, welche grossmehrheitlich Waldeigentümer sind. Sie finanzieren diesen vollständig aus eigenen Mitteln; bei multifunktionalen Erschliessungen werden auch Kostenteiler eingesetzt. Gemäss dem forstwirtschaftlichen Testbetriebsnetz betragen die durchschnittlichen Kosten für den Strassenunterhalt rund 11 Franken pro geerntetem Kubikmeter Holz.</p><p>4. Moderne und sichere Holzernteverfahren sind heute voll- respektive hochmechanisiert (Vollernter/Harvester, Forwarder). Im steilen Gelände (über 40 Prozent Gefälle) erfolgt die Holzernte mittels Seilkrannutzung, welche eine zeitgemässe Basiserschliessung erfordert (insb. genügende Breite und Tragfähigkeit der Waldstrassen).</p><p>5. Bezüglich der ersten Frage in Ziffer 5 liegen auf nationaler Ebene keine Daten vor. Hingegen ist bekannt, dass ein Grossteil des Holznutzungspotenzials in den Voralpen liegt, in welchen der Anteil Privatwald mit durchschnittlich 50 Prozent deutlich höher ist als in den übrigen Regionen.</p><p>6. Der Bundesrat gedenkt nicht, auf die Nutzung des einheimischen Rohholzpotenzials zu verzichten. Auf Bundesebene wurden wichtige Massnahmen in diesem Bereich bereits umgesetzt (Aktionsplan Holz, Unterstützung von Machbarkeitsstudien und Innovationsprojekten im Bereich der angewandten Forschung und Entwicklung, Marktstudien zum Absatz von Laubholz, Bereitstellung von fachlichen Entscheidgrundlagen usw.). Mit der Vorlage zur Änderung des Waldgesetzes (Waldpolitik 2020) beantragt der Bundesrat, diese Massnahmen fortzusetzen. Auch die Erschliessung des Waldnutzungspotenzials ist eine wichtige Massnahme. Im Bereich des Schutzwaldes unterstützt der Bund diese Aufgabe. Der Erhalt und Ausbau von Erschliessungsanlagen ausserhalb des Schutzwaldes wurde im Rahmen des neuen Finanzausgleichs (NFA) den Kantonen zugeteilt.</p><p>Ein Verzicht auf die Holznutzung ausserhalb des Schutzwaldes steht somit nicht zur Diskussion. Er hätte folgende Auswirkungen: reduzierter Beitrag zur Minderung des Klimawandels, verzögerte Anpassung an den Klimawandel durch das Ausbleiben der Waldpflege, Verlust an Strukturvielfalt und lichten Waldbeständen sowie Rückgang der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Waldwirtschaft durch Schliessungen von Forstbetrieben und eine Schwächung der Baum- und Waldvitalität durch das Ausbleiben von Pflegemassnahmen.</p><p>7. Nein. Der Bundesrat möchte alle gesetzten Ziele der Waldpolitik 2020 erreichen. Da etliche Ziele der Waldpolitik 2020 waldbauliche Massnahmen oder gezielte Pflegeeingriffe erfordern (siehe oben), bleibt die Ausschöpfung des Holznutzungspotenzials weiterhin ein prioritäres Ziel.</p><p>8. Die Kantone waren in die Erarbeitung der Waldpolitik 2020 einbezogen und tragen deren Zielsetzungen mit. Auf Anfrage der UREK hat sich die Konferenz der kantonalen Forstdirektorinnen und -direktoren klar für eine vermehrte Förderung der Walderschliessung ausgesprochen und als Begründung auf die wichtige Bedeutung zur Sicherstellung der Holznutzung und der übrigen Waldleistungen hingewiesen.</p><p>9. Nein. Wichtige Massnahmen des Bundes konnten in diesem Bereich bereits umgesetzt werden (Unterstützung von Machbarkeitsstudien und Innovationsprojekten im Bereich der angewandten Forschung und Entwicklung, Marktstudien zum Absatz von Laubholz, Bereitstellung von fachlichen Entscheidgrundlagen usw.). Mit der Vorlage zur Änderung des Waldgesetzes, welche sich zurzeit in der parlamentarischen Beratung befindet, beantragt der Bundesrat, diese Massnahmen fortzusetzen.</p><p>10. Ein für den Bundesrat nicht zur Diskussion stehender Verzicht auf eine stärkere Ausschöpfung des nachhaltigen Holznutzungspotenzials im Schweizer Wald würde einen Verzicht auf die Nutzung einer nachwachsenden und ökologisch hochwertigen Ressource darstellen. Baumaterial aus Holz aus dem Schweizer Wald würde durch andere, nichterneuerbare Materialien wie z. B. Beton, Stahl, Backsteine oder durch Holz aus weiter entfernten Regionen (z. B. Holz aus Nord-/Nordosteuropa; Tropenholz) ersetzt. Die Ökobilanzen der Bauwerke sowie des ökologischen Fussabdruckes der Schweiz würden sich dadurch entsprechend verschlechtern. Wie unter Antwort 6 angesprochen, hätte ein Verzicht auf die Holznutzung auch negative Effekte auf weitere von der Waldbewirtschaftung abhängige Waldleistungen. Aus diesen Gründen erachtet der Bund die Ausschöpfung des Holznutzungspotenzials als wichtig. Er fördert diese bereits heute mit mehreren Massnahmen und gedenkt, dies auch weiterhin im Rahmen der Umsetzung der Waldpolitik 2020 zu tun (siehe dazu Antworten 7 und 9).</p>  Antwort des Bundesrates.