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Grundlagen
Die Pflicht zum religiösen Fasten ist ein göttliches Gebot und direkt im Koran (Sure 2, Vers 183-187) geregelt.
Das islamische Jahr richtet sich nach dem Mond und ist somit 11 Tage kürzer als das Gregorianische Sonnenjahr. Aus diesem Grund verschieben sich die Daten des Ramadans jedes Jahr - aktuell findet er im Frühling statt, in einigen Jahren wird er dann in den Winter gerutscht sein.
Beginn und Ende des Ramadans werden nicht astronomisch berechnet, sondern der Tradition gemäss durch Beobachtung des Neumonds ermittelt und sind somit im Voraus nur auf ein, zwei Tage genau vorhersagbar.
Die Fastenzeit dauert von Sonnenauf- bis -untergang - je nach Jahreszeit dauert der Verzicht auf Nahrung und Getränke also unterschiedlich lange.
Ursprünglich hat der Ramadan den Charakter einer Bussübung (und wurde als solche vom Christen- und Judentum übernommen), und insbesondere für praktizierende Muslime ist er auch heute noch eine besonders fromme Zeit, in der beispielsweise vermehrt gebetet wird oder Koranrezitationen in der Moschee besucht werden.
Für viele Muslime ist der Ramadan aber auch einfach eine Auszeit für Körper und Geist, eine Zeit der Rückbesinnung auf das Wesentliche und des bewussten Verzichts (der wiederum das Verständnis für die Mitmenschen wecken und solidarisches Handeln während des restlichen Jahres fördern soll).
Fastenregeln
Fasten bedeutet, dass tagsüber auf Lebens- und Genussmittel (z.B. Zigaretten) sowie auf Geschlechtsverkehr verzichtet wird. Es wird also auch auf jegliche Flüssigkeitsaufnahme verzichtet. Nachts gibt es hingegen keine Einschränkungen. Viele Muslime stehen während des Ramadans sehr früh auf, um vor Sonnenaufgang noch eine zweite Mahlzeit zu sich nehmen zu können.
Aus nachvollziehbaren Gründen waren und sind Kranke, Reisende, Schwangere, Alte und schwer Arbeitende dispensiert, sie sind aber dazu angehalten, als Kompensation ein Almosen zu leisten oder das Fasten nachzuholen.
Das gemeinsame Fasten und das abendliche Festen sowie insbesondere das besonders grosse Fest zum Abschluss des Ramadans (Eid al Fitr) betonen den familiären und gemeinschaftsfördernden Aspekt. Viele Muslime, welche ihre Religion sonst eher passiv bis gar nicht ausüben, fasten trotzdem.
Aufgrund der körperlichen Belastung durch das Fasten sind vielerorts die Arbeitszeiten während des Ramadans reduziert.
Reisen im Ramadan
Restaurants, Märkte, Läden und Sehenswürdigkeiten sind teilweise geschlossen bzw. haben eingeschränkte Öffnungszeiten - dies ist für Reisende die grösste Einschränkung während des Ramadans. Gleichzeitig geht dies auch mit mehr Ruhe in der Öffentlichkeit und tendenziell weniger Verkehr und weniger Touristen einher, was an gewissen sonst überlaufenen Orten durchaus auch eine Wohltat sein kann.
Von Touristen wird nicht erwartet, dass diese ebenfalls fasten. Reisende sollten sich aber ein Stück weit rücksichtsvoll verhalten und das mitgebrachte Picknick und das eisgekühlte Getränke eher diskret geniessen. Niemand wird Ihnen übel nehmen, dass Sie Ihren Durst nach einer heissen und womöglich staubigen Besichtigung einer antiken Stätte stillen, aber das sollte nicht öffentlichkeitswirksam inmitten von durstigen, aber fastenden Menschen erfolgen.
Restaurants, welche tagsüber geöffnet haben, richten sich an Touristen oder an vom Fasten befreite Muslime, und dort darf man sich selbstverständlich auch ohne schlechtes Gewissen tagsüber verpflegen. Hotelrestaurants sind meistens normal geöffnet.
Sie sollten Verständnis dafür aufbringen, dass es teilweise zu leichten Einschränkungen bei der Servicequalität kommen kann. Der Geduldsfaden ist vielleicht etwas kürzer als sonst, die Bereitschaft des Guides zu einer ungeplanten spontanen Zusatzschlaufe vielleicht etwas weniger gross, und möglicherweise gibt sich der Fahrer etwas weniger Mühe, die (aus arabischer Sicht eh völlig übertriebenen) europäischen Pünktlichkeitsvorstellungen ganz penibel einzuhalten. Ich möchte an dieser Stelle aber erwähnen, dass ich persönlich während des Ramadans selber noch nie negative Erfahrungen solcher Art gemacht habe!
Nach Sonnenuntergang erwacht das öffentliche Leben so richtig, und das bedeutet gerade in den grösseren Städten eine einmalige Atmosphäre, die man einmal erlebt haben sollte. Abends sind auch im Sommer die Temperaturen angenehm, die Menschen treffen sich auf den Strassen zum gemeinsamen Fastenbrechen, viele Restaurants sind mit Lichterketten geschmückt. Dieses ausgelassene Feiern dauert bis in die Morgenstunden, damit sich jede und jeder vor dem Sonnenaufgang auch noch einmal gründlich verpflegen kann. Gerade im Moment des Fastenbrechens zeigt sich die gelebte Solidarität besonders deutlich: So kann ein Busfahrer, der noch "im Dienst" ist, damit rechnen, dass ihm jemand eine Flasche Wasser mitbringt, oder ein Taxifahrer bekommt vielleicht an einem Rotlicht von einer wildfremden Person durchs Fenster einen Becher gekühlten Fruchtsaft zugereicht.
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