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(Ivanov, 1888)
- DE: Pannonische Strandschrecke
- EN: Small Blue-legged Grasshopper
- Syn.: Aiolopus tergestinus chinensis Karny, 1907
Morphologie
Die Gestalt von Epacromius coerulipes erinnert stark an Aiolopus thalassinus. Die Grundfarbe ist ein helles bis bräunliches Grau. Eine grüne Färbung ist selten und höchstens bei grauen Individuen im Subcostalfeld des Vorderflügels vorhanden. Der ganze Körper und die Flügel sind mehr oder weniger stark dunkel gefleckt. Es fehlen jedoch dunkle Querbinden. Die Scheitelgrübchen sind länglich-dreieckig. Die einzelnen Glieder der kräftigen Fühler sind maximal 2x so lang wie breit. Oft verläuft eine ockerfarbene Längsbinde in der Körpermitte vom Kopfgipfel über den Halsschild. Die Flügel weisen an der Knickkante oft einen hellen, glasigen Bereich auf. Beim Männchen überragen die Flügel leicht die Hinterknie, beim Weibchen sind sie sogar etwas länger als beim Männchen - was bei Kurzfühlerschrecken selten vorkommt. Die Hinterschenkel sind besonders auf der Innenseite kontrastreich hell-dunkel gezeichnet und auf der Aussenseite unten leicht rötlich angehaucht. Die Hinterschienen sind hell bis bläulich. Die schwarzen Hinterknie sind durch einen hellen Ring deutlich vom Hinterschenkel und der Hinterschiene abgesetzt. Das Arolium zwischen den Krallen ist lappenförmig und mindestens halb so lang wie die Krallen. Die männlichen Cerci sind ungewöhnlich lang und leicht nach innen gebogen.
Gesang
Wie bei den Aiolopus-Arten und bei Epacromius tergestinus erzeugen auch die Männchen von Epacromius coerulipes beim Aufeinandertreffen mit anderen Männchen und bei der Werbung leise Schwirrlaute.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Epacromius coerulipes ist in Europa in drei Regionen gegliedert: Die westlichsten Vorkommen befinden sich an der nördlichen Adriaküste in Nordostitalien und Istrien, wobei die Art hier in weiten Teilen verschwunden ist. Einen zweiten Verbreitungsschwerpunkt stellt der pannonische Raum dar, wo die Art aus Ostösterreich und Ungarn bekannt ist. Das grösste Verbreitungsareal erstreckt sich schliesslich von Rumänien und Moldawien nördlich des Schwarzen Meeres über die Ukraine und Russland bis China und Korea. In Österreich ist Epacromius coerulipes fast ausschliesslich aus der unmittelbaren Umgebung des Neusiedler Sees im Burgenland bekannt.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Epacromius coerulipes ist eine der spätesten Kurzfühlerschrecken und kann ausgewachsen ab Ende Juli bis Mitte Oktober nachgewiesen werden.
Die meisten ausgewachsenen Individuen findet man von Mitte August bis Mitte September.
Lebensraum
Epacromius coerulipes besiedelt leicht verschilfte Feuchtwiesen mit meist salzhaltigem Untergrund. Im Lebensraum findet man oft nicht viele Heuschreckenarten, dazu gehören Aiolopus thalassinus, Conocephalus fuscus, Eumodicogryllus bordigalensis und Chorthippus dichrous. Am Neusiedler See bevorzugt Epacromius coerulipes die feuchten Uferbereiche und die bewachsenen Randbereiche der Lacken. Der Lebensraum ist charakterisiert durch eine leichte Verschilfung und viele offene Bodenstellen. Entgegen den Angaben in der Literatur konnten wir die Art auf vegetationslosen Flächen nicht beobachten. Die Art scheint sich an vertikalen Strukturen zu orientieren.
Gefährdung & Schutz
Trotz des Rückgangs an der Adriaküste in Nordostitalien gilt Epacromius coerulipes in Europa lediglich als potenziell gefährdet. In Österreich gilt die Art jedoch als vom Aussterben bedroht. Grund dafür sind einerseits die geringen Individuendichten an den Fundorten und andererseits der Verlust an Lebensräumen. Es fielen nicht nur grosse Flächen der landwirtschaftlichen Nutzbarmachung zum Opfer, sondern auch der grossflächigen Ausbreitung dichter Schilfbestände. Zudem deuten Beobachtungen darauf hin, dass die relativ intensive Beweidung zur Zurückdrängung des Schilfs im Lebensraum von Epacromius coerulipes problematisch ist.
- CH: Abwesend
- DE: Abwesend
- AT: CR (Vom Aussterben bedroht)
- Europa: NT (Potenziell gefährdet)
Ähnliche Arten
Epacromius coerulipes wird oft mit Aiolopus-Arten verwechselt, da besonders Aiolopus thalassinus nicht selten syntop vorkommt. Als eindeutiges Unterscheidungsmerkmal dienen die Scheitelgrübchen. Bei Epacromius sind diese dreieckig, diejenigen der Aiolopus-Arten sind länglich viereckig (oft trapezförmig). Die Vena intercalata im Medialfeld nähert sich bei Aiolopus zur Flügelspitze hin der Medialader deutlich an. Aiolopus thalassinus ist schlanker, weist oft grüne Farbtöne auf, hat längere Fühler und die Vorderflügel sind deutlicher hell-dunkel quer und breit gebändert. Zudem sind die Hinterschienen bei dieser Art nicht hellblau, sondern rot gefärbt. Sehr ähnlich ist auch die Schwesterart Epacromius tergestinus, die jedoch grösser ist und längere Fühlerglieder hat (2,5-3x so lang wie breit). Die Flügel überragen die Hinterknie deutlicher als bei Epacromius coerulipes. Die beiden Epacromius-Arten unterscheiden sich am besten anhand des Aroliums zwischen den Fusskrallen. Dieses ist bei Epacromius tergestinus kurz und sehr schmal.