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Grünstadt (Rheinland-Pfalz/D), um 1935
Hersteller: Steingutfabrik Grünstadt, Grünstadt
Steingut mit Aufglasurspritzdekor
Dm. 34 cm
Inv. 2012.213.
„Revolution der Muster“ - so lautet der treffende Titel eines Kataloges über diese interessante Spielart der Gebrauchskeramik der späten 1920er und frühen 1930er Jahre. In den farbigen Dekoren spiegeln sich die Tendenzen der zeitgenössischen Malerei wider, wie sie seit 1913/15 durch Kasimir Malewitch, Piet Mondrian und andere geprägt worden waren. Es waren vor allem Gegenstände aus Steingut, die mit geometrisch-abstrakten Dekoren in mechanisierter Dekortechnik geschmückt wurden: Die Verwendung von Schablonen sorgte für die Regelmässigkeit, die Spritztechnik für einen belebten Farbauftrag. So dekorierte Steingutobjekte waren bei weitem nicht so teuer wie handbemaltes Porzellan und daher auch in weniger wohlhabenden Haushalte zu finden. Zahlreiche Zierobjekte wie Vasen und Schalen deuten auf den hohen Stellenwert der Wohnkultur, und die in zahlreichen Varianten und neuartigen Formen überlieferten Kaffeeservices, Tortenplatten und Keksdosen belegen den hohen Stellenwert der Kaffee- und Teekultur jener Zeit. Besonders gepflegt wurden diese Dekore in den deutschen Steingutfabriken der Weimarer Zeit, von wo aus sie auch auf den Schweizer Markt kamen. Die anti-moderne Grundhaltung und die naturalistische Formsprache der nationalsozialistischen Kunstpolitik brachten diese revolutionären – und gelegentlich als kommunistisch empfundenen – Dekore in Misskredit und führten bald zum Ende dieses fantasievollen Zwischenspiels. MR