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Der Kriton ist ein in Dialogform verfasstes Werk des griechischen Philosophen Platon. Den Inhalt bildet ein fiktives, literarisch gestaltetes Gespräch. … Sokrates ist wegen Asebie (Gottlosigkeit) und Verführung der Jugend zum Tode verurteilt worden. Er befindet sich im Gefängnis, wo er auf seine bald bevorstehende Hinrichtung wartet. Kriton besucht ihn, um ihn zur Flucht zu bewegen. Sokrates lehnt jedoch den Vorschlag ab. Er erläutert seine Entscheidung ausführlich. … Das Gespräch, dessen literarische Darstellung möglicherweise auf einer historischen Begebenheit fußt, findet 399 v. Chr. im Gefängnis von Athen statt. Dort ist Sokrates in Haft, seit vor rund vier Wochen das Todesurteil gegen ihn verhängt wurde. Die Hinrichtung wird für den nächsten oder übernächsten Tag erwartet.
Diese Haltung von Sokrates wird geschildert – ob ich wohl im Schutz des Allerhöchsten eine ähnliche, wenngleich nicht eine stoisch-gleichgültige, entwickeln darf?
(Kriton über Sokrates) Das wäre mir selbst nicht angenehm, in so trüber Lage zu sein wie du und nicht einmal schlafen zu dürfen! Ich habe dir eine ganze Zeit verwundert zugesehen. Wie sanft du doch schläfst! Mit voller Absicht habe ich dich nicht geweckt, damit dir die Zeit angenehm vergeht. Schon oft im Leben habe ich dich wegen deiner Gleichmut glücklich gepriesen, aber jetzt besonders. Wie leicht und milde du das bevor stehende Unglück erwartest!
… (Kriton) Wenn du sterben solltest, ist das für mich nicht einfach ein Unglück. Erstens verliere ich einen Freund, wie ich nie wieder einen finden werde, außerdem aber werden viele glauben, die mich und dich nicht genau kennen, daß ich für deine Rettung kein Geld aufwenden wollte, obwohl ich es gekonnt hätte. … Dann noch, o Sokrates, scheint es mir auch nicht gerecht zu sein, daß du darauf bestehst, dich selbst preis zu geben, obwohl du dich retten kannst.
… nicht nur jetzt, sondern schon immer habe ich die Gewohnheit gehabt, keinem anderen Gedanken zu gehorchen, als demjenigen, der sich mir bei der Untersuchung als der beste zeigt. Ich kann das, was ich seit langem als Überzeugung habe, nicht einfach über Bord werfen, nur weil es mir jetzt als Schicksal begegnet.
… Also auf keinen Fall, o Bester, müssen wir auf das achten, was die Leute über uns sagen, sondern was der Eine sagt, der sich auf Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit versteht, und auf die Wahrheit selbst. … Nicht einfach nur zu leben, ist entscheidend, sondern gut zu leben.
… Auch hast keine Reisen gemacht wie andere Menschen, noch auch hast du jemals Lust gehabt, andere Städte und andere Gesetze zu sehen, sondern wir genügten dir und unsere Stadt, [52c] so sehr hast du uns vorgezogen.