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Heute beginne ich meine Kolumne mit einer kurzen Denkaufgabe:
Ein Schläger und ein Ball kosten 1.10 Franken. Der Schläger kostet 1 Franken mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball?
Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die – zumindest in diesem Fall – ihrer Intuition (zu) viel Bedeutung schenken. Dann nämlich, wenn Ihr Ergebnis 10 Rappen lautete. Ihre Antwort ist zwar verlockend, aber falsch. Die richtige Lösung ist 5 Rappen (ja, rechnen Sie ruhig nach!).
Keine Sorge, Sie gehören zum erlauchten Kreis von einer Mehrheit von Harvard-Studenten. Sie haben sich vom schnellen Denken leiten lassen. Sie haben Ihr intuitives System genutzt, Ihrem Gefühl vertraut. Im Gegensatz zum rationalen, «nachdenkenden» Vorgehen, das abwägt, prüft und vergleicht, das eine «Willensleistung» erfordert und Zeit beansprucht. Nobelpreisträger Daniel Kahnemann nennt es das langsame Denken.
Es gibt eine Reihe von Gründen, warum unser schnelles Denken unser langsames Denken ständig überrumpelt. Eine davon ist der Priming-Effekt. Forscher haben Versuchspersonen sehr kurz das Bild eines Objektes (zum Beispiel eines Brotes, eines Briefkastens oder einer Trommel) gezeigt, das sie in 40 Prozent der Fälle korrekt identifiziert haben. Hatten sie jedoch zuvor das Bild einer Küche gesehen, stieg die korrekte Identifizierung des Brotes auf 80 Prozent, jedoch nicht von den Objekten, die nicht in das Küchenbild passten.
Ein weiterer Grund, warum auf unser intuitives System nicht immer Verlass ist, ist der Halo-Effekt. Wenn Sie ein Vorurteil gegenüber jemandem haben, werden Sie alles, was diese Person tut, genauso bewerten, wie es Ihr Vorurteil verlangt. Finden Sie etwa den US-Präsidenten sympathisch, dann werden Sie auch seine Politik und seine Entscheidungen sympathisch finden. Sie wollen daran glauben, dass Ihre Erwartungen erfüllt werden.
Ein drittes Beispiel für eine verzerrte Wahrnehmung ist der sogenannte Wahrheitseffekt. Er sagt, dass Aussagen, die zuvor bereits gehört oder gelesen wurden, ein grösserer Wahrheitsgehalt zugesprochen wird als solchen, die erstmals gehört werden. Das häufige Wiederholen einer Tatsache, welche nicht überprüft werden kann, verleitet demnach zu falschen Schlüssen. Weil sich Vertrautheit nicht leicht von Wahrheit unterscheiden lässt.
Intuition und rationale Entscheidungen brauchen sich allerdings keineswegs auszuschliessen. Im Gegenteil, sie können einander sinnvoll ergänzen. Es wäre ein Irrtum anzunehmen, eine Entscheidung wäre nur richtig, wenn das Bauchgefühl möglichst unbeteiligt bliebe. Intuitive Entscheidungen sind dann besonders wertvoll, wenn wir in einem bestimmten Bereich auf viel Erfahrung zurückgreifen können.
Müssen Sie bald eine wichtige Entscheidung treffen? Dann tauschen Sie sich vorher mit einer Person aus, welche anders «funktioniert» als Sie. Fügen Sie schnelles und langsames Denken zusammen. Vergleichen Sie das Bauchgefühl mit einer Liste rationaler Kriterien.
Wenn Sie sich danach immer noch nicht entscheiden können, dann hilft nur noch der legendäre Münzwurftrick: Werfen Sie eine Münze. Kopf steht für Entscheidung A, Zahl für Entscheidung B. Sind Sie mit dem Resultat des Münzwurfs, beispielsweise B, zufrieden, dann treffen Sie Entscheidung B. Zweifeln Sie jedoch am Resultat des Münzwurfes, entscheiden Sie sich besser für A.
Philipp Schütz (40) ist Trainerausbildner am Bundesamt für Sport in Magglingen. Am 18./19. November haben sich in Magglingen im Rahmen der Magglinger Trainertagung 2015 rund 300 Schweizer Spitzentrainer/-innen getroffen, um sich während zweier Tage intensiv über das Thema «Entscheiden» auszutauschen.