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Wenn der Tod und die Steuern die einzigen zwei Dinge sind, auf die ein Mensch sich verlassen kann, warum dann nicht auch Steuern für Roboter erheben, wenn sie Arbeit übernehmen, die traditionell von Menschen erbracht wird? Diese Frage wirft ein Schweizer Universitätsprofessor auf.
Weil Roboter mehr und mehr Arbeit übernehmen – vor allem im Industrie- und im Dienstleistungssektor – werde die Arbeitslosigkeit zunehmen, argumentiert der Genfer Universitätsprofessor und Steueranwalt Xavier Obersonexterner Link. Dies werde bei Regierungen weltweit zu einem Rückgang der Einnahmen aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen führen. Oberson ist der Ansicht, eine Besteuerung der Roboterarbeit könnte dazu beitragen, diese Verluste auszugleichen.
Logistisch, erklärt Oberson, könnte dies bewältigt werden, indem eine "rechtliche Einheit" für Roboter geschaffen werde, so wie dies heute auch bei Unternehmen der Fall sei (diese gelten im Steuerrecht als "juristische Personen").
"Dazu braucht es aber einen globalen Ansatz, das ist nicht etwas, das ein Land allein einführen könnte. Es könnten Wettbewerbsprobleme entstehen, und natürlich gibt es viele rechtliche Fragen", sagt Oberson gegenüber swissinfo.ch.
Eine der drängendsten rechtlichen Fragen ist: Wie definiert man, welche Arten von Robotern zu besteuern wären? Muss er gehen und reden können, oder könnte auch ein hoch entwickelter Computer in diese Kategorie fallen?
"Wir müssten uns über das Konzept klar sein. Und es sollte objektive Gründe für die Besteuerung von Robotern gegenüber anderen Maschinen geben", sagt Oberson. "Ich würde versuchen, mich auf die grossen Unterschiede zu konzentrieren, die einen Roboter mit künstlicher Intelligenz von anderen Maschinen trennen: Autonomie und die Möglichkeit, sich selber weiter zu entwickeln, Entscheide fällen und aus früheren Erfahrungen lernen zu können."
Durch Maschinen ersetzt?
Was die potenzielle Steuerbelastung von Unternehmen angeht, die Roboter nutzen: Diese könnte dadurch ausgeglichen werden, dass die Firmen weniger Sozialversicherungsbeiträge einzahlen müssten, argumentiert Oberson. Vor allem weil man erwarten dürfe, dass ein Roboter mehr als einen menschlichen Arbeiter ersetzen würde. Der Professor schlägt vor, dass die Einnahmen einer solchen Robotersteuer in die Finanzierung des Sozialversicherungssystems und die Ausbildung von Arbeitslosen fliessen könnten.
Gemäss einer Analyse der Beratungsfirma Deloitte Schweizexterner Link könnten in der Schweiz in den nächsten Jahren und Jahrzehnten fast 50% der Beschäftigten durch Automatisierung ersetzt werden. Aktuelle Zahlen zur Beschäftigungslage zeigen jedoch auch, dass in den letzten 25 Jahren insgesamt mehr Stellen geschaffen als verdrängt wurden.
Wie Deloitte schreibt, sind Tätigkeiten, die ein geringes Risiko ausweisen, durch Automatisierung ersetzt zu werden, in den letzten 25 Jahren in der Schweiz stark gewachsen, während Tätigkeiten mit einer hohen Automatisierungswahrscheinlichkeit kaum gewachsen sind oder gar abgenommen haben. Stellen, bei denen Kreativität, soziale Interaktion und Kundenservice wichtig sind, haben die besten Zukunftschancen. Insgesamt schätzt Deloitte, dass in der Schweiz nicht zuletzt dank der Automatisierung bis ins Jahr 2025 rund 270'000 neue Stellenexterner Link entstehen dürften.
Doch obwohl Oberson mit der Einschätzung einverstanden ist, dass dank Robotern neue Stellen entstehen können, argumentiert er, die Anzahl der Stellen, die aufgrund der Automatisierung verloren gehen, werde in Zukunft noch grösser sein. Vor allem angesichts der Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz, die es Robotern möglich machen werde, zu lernen und sich an neue Situationen anzupassen.
Neben der Herstellungsindustrie, die bereits hoch automatisiert ist, sei es wahrscheinlich, dass in Zukunft auch Stellen im Dienstleistungssektor, sowie medizinische Bildanalyse oder Rechtsrecherchenexterner Link zunehmend von Robotern übernommen werden dürften.
In der Tat berichtete die Wirtschaftsagentur Bloombergexterner Link, dass die traditionell hohen Löhne und die hohen Kosten in Verbindung mit dem starken Franken Schweizer Unternehmen wie Firmenich und Ricola zwingen, statt auf Menschen vermehrt auf Roboter zu setzen.
Geteilte Meinungen
Obersons Vorschlag mag bizarr tönen, aber die Idee, dass der Umgang mit Roboter-Arbeitskräften – vor allem mit solchen, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sind – eine Neubewertung und mögliche Revision der aktuellen Sozial- und Arbeitspolitik nötig machen könnten, gewinnt langsam aber sicher an Boden.
Ende 2016 stufte das Weltwirtschaftsforum (WEF) künstliche Intelligenz und Robotik als Nummer Eins unter den neuen Technologien ein, die eine stärkere Regulierung brauchten. Kurze Zeit darauf schlug der französische Politiker Benoit Hamon eine Robotersteuer als Methode zur Finanzierung eines universellen Grundeinkommens vor. Und im Februar erklärte Microsoft-Gründer Bill Gates in einem Interview mit dem Magazin Quartzexterner Link seine Unterstützung für eine Robotersteuer – als Mittel, um den raschen Abbau der Belegschaft durch Automatisierung etwas zu mässigen.
Politiker und Gesetzgeber müssten jetzt damit anfangen, über diese Themen zu diskutieren, bevor der Austausch von Menschen durch Roboter noch weiter verbreitet sein werde als heute. Was, so Oberson, sehr plötzlich und rasch geschehen könnte.
Doch nicht alle sind überzeugt von seinen Ansichten. "Roboter-Einrichtungen haben Menschen in Fabrikhallen in den letzten 50 Jahren auf der ganzen Welt ersetzt, um bessere Waren in grösseren Mengen und zu erschwinglicheren Preisen zu produzieren. Es gibt keinen Grund, warum fortschrittlichere Roboter aus steuerlicher Sicht anders behandelt werden sollten", erklärt Dario Floreanoexterner Link, Direktor des Labors für Intelligente Systeme der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) und Mitglied des Global-Agenda-Rats des WEF für Robotik und intelligente Geräte.
Und Thomas Pletscher, Leiter Wettbewerb und Regulatorisches bei Economiesuisseexterner Link, dem Dachverband der Schweizer Wirtschaft, erklärt, die Besteuerung von spezifischen Produktionsmitteln wie Robotern könnte eine "verzerrende Wirkung" auf die Wirtschaft haben.
"Die durch Roboter erzeugte Wertschöpfung ist wie alle anderen Produktionsmittel in der Besteuerung des Unternehmenseinkommens eingeschlossen. Eine Sondersteuer auf Roboter hätte eine schädliche Auswirkung auf die Innovation und damit auf die Schweiz insgesamt", sagt Pletscher.
Ivo Zimmermann ist Kommunikationschef von Swissmem, dem Dachverband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie. Er erklärt, die Roboterbesteuerung könnte auch neue geschäftliche Möglichkeiten hemmen.
"Die Besteuerung von Robotern hätte aus unserer Sicht negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Industrie. Bei der Digitalisierung, die wir zurzeit erleben, geht es auch um neue Geschäftsmodelle. Und wir denken, dass Schweizer Industrie und Wirtschaft die Chancen ergreifen müssen, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben."
Dennoch beharrt Oberson darauf, dass man eine Steuermethode entwickeln könnte, die den Firmen keine unfaire Belastung aufbürden würde, zum Beispiel eine Mehrwertsteuer für Dienstleistungen, die von Robotern erbracht werden. Eine derartige Steuer würde auch das künftige Wachstum der Schweizer Wirtschaft nicht bedrohen.
In einem voll besetzten Hörsaal an der Universität Genf erklärte Oberson am 21. Februar: "Der Einsatz von Robotern zeigt positive Aspekte – ein neues Gesellschaftsmodell wird ausgearbeitet. Besteuerung darf nicht als Innovationsbremse verstanden werden."
Eine Woche später lud der Schweizer Nationalrat Mathias Reynard von der Sozialdemokratischen Partei die Regierung ein, eine Besteuerung von Robotern in der Schweiz in Betracht zu ziehen. Er erklärte, ein solches Vorgehen scheine mit Blick auf die erwarteten Arbeitsplatzverluste eine "geeignete Lösung" zu sein, und könnte helfen, "den Übergang von [der] aktuellen zu einer mehr und mehr automatisierten Wirtschaft abzusichern".
Debatte auch im EU-Parlament
Im Januar rief der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments die EU-Kommission dazu auf, einen robusten europäischen Rechtsrahmenexterner Link zu entwickeln, um die wachsenden Auswirkungen von Robotern – fahrerlose Autos eingeschlossen – auf die Gesellschaft zu regulieren.
Am 16. Februar verabschiedete das EU-Parlament einen Berichtexterner Link, welcher der Kommission unter anderem empfiehlt, langfristig einen speziellen rechtlichen Status für Roboter zu schaffen, "um zu klären, wer im Schadensfall haftet", wie es in einer Presseerklärung hiess. Ein konkreter Vorschlag für eine Robotersteuer wurde hingegen abgelehnt.Infobox Ende
Was ist Ihre Meinung: sollten Unternehmen Steuern für den Einsatz von Robotern entrichten, die Angestellte ersetzen? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch)