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The Books of Esther: an exegetical commentary
Exegetischer Kommentar über die Esther-Bücher
Das biblische Buch Esther handelt davon, wie dank des Engagements der Protagonistin, der jüdischen Gemahlin eines persischen Königs, das jüdische Volk der Gefahr der Ausrottung entrinnen konnte. Die hebräische Fassung der legendarischen Erzählung hat im Judentum als Festrolle des Purimfests bis heute große Bedeutung. Neben dieser Textform, auf die sich in der christlichen Tradition die protestantischen Kirchen beziehen, existiert jedoch seit der Antike eine deutlich längere, griechische Textfassung ebenfalls jüdischer Herkunft, die für die altkirchliche (katholisch und orthodox rezipierte) Tradition kanonischen Status erlangt hat. Vier mittelalterliche Handschriften bezeugen zudem eine kürzere griechische Textform.
Die drei Textformen weichen nicht nur hinsichtlich der literarisch-narrativen Bearbeitung des Themas voneinander ab, sie setzen auch theologisch unterschiedliche Akzente. Seit den 1980er-Jahren sind die einzelnen Fassungen und ihr Verhältnis zueinander insbesondere im angelsächsischen Raum Gegenstand intensiver Diskussionen geworden. In der exegetischen Kommentarliteratur werden diese Debatten aber nur ungenügend reflektiert. Die Kommentare stellen entweder allein den hebräischen Text ins Zentrum; oder sie widmen sich den „Zusätzen“ der griechischen Langfassung, ohne diese in ihrem genuinen literarischen Zusammenhang zu kommentieren. Beide Darstellungsweisen können den aktuellen Forschungsstand nicht angemessen wiedergeben.
Das vorliegende Projekt will demgegenüber neue Wege gehen. Dem Programm der renommierten Reihe „Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament“ entsprechend wird der Fokus auf die Endtexte und deren Rezeptionen gerichtet, damit auch die jüdischen und christlichen Auslegungstraditionen in den Blick genommen. Die Interpretation soll den unterschiedlichen Profilen der verschiedenen Estherbücher Rechnung tragen und sie intertextuell zueinander in Beziehung setzen. Für die hebräische Textfassung wird der Kommentar der jüdischen Exegetin Adele Berlin zugrunde gelegt, für die griechischen Textfassungen ein eigener Kommentar verfasst.
Neue Akzente sollen zudem durch die Berücksichtigung feministisch-exegetischer Fragestellungen gesetzt werden. Dass in der Estherliteratur Sexismus und die Idealisierung einer Königin Hand in Hand gehen, hat schon früh zu feministischen Auseinandersetzungen mit den Texten Anlass gegeben. Der Kommentar soll auch die Lesarten und Erkenntnisse dieser neueren Auslegungstradition zur Sprache bringen.