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Nach dem Reaktorunfall in Fukushima beschlossen mehrere Bundesstellen, einheitliche Grundlagen für die Beurteilung der Gefährdung durch Extremhochwasser im Einzugsgebiet der Aare zu erarbeiten. Beteiligt waren das Bundesamt für Umwelt (Bafu), das Bundesamt für Energie (BFE), das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz), das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) sowie das Ensi.
Laut einer ersten Einschätzung des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) beherrschen alle Kernkraftwerkseinheiten der Schweiz durch die vorhandenen Sicherheitsmargen die von der Studie für das 10’000-jährliche Ereignis ausgewiesenen Überflutungshöhen. Detailabklärungen seien insbesondere zu morphologischen Prozessen erforderlich. Das Ensi betonte jedoch, dass bereits vor der Studie moderne und umfassende Gefährdungsanalysen zu extremen Hochwasserereignissen die Kernkraftwerke vorlagen.
Extremhochwasser: Gefährdungsanalyse für fünf Standorte
Die Überflutungshöhen des Areals bei den Kernkraftwerken beziehen sich laut Studie auf die Standorte der Notstandsgebäude, die sich in der Nähe des Reaktorgebäudes befinden.
Kernkraftwerk Mühleberg (abgeschaltet 2019): Bei einem 1000-jährlichen Hochwasser bleibt das Areal trocken. Bei einem Hochwasserereignis mit einer Wiederkehrperiode von 10ʼ000 Jahren steht der Anlagenbereich 18 cm unter Wasser. Dagegen würde ein 100ʼ000-jährliches Hochwasser das Gelände knapp einen Meter hoch überfluten.
Kernkraftwerk Gösgen: Für das 1000- wie das 10ʼ000-jährliche Hochwasser ist die Verklausung des Fussgängerstegs in unmittelbarer Nähe, also dessen teilweise Verstopfung durch Schwemmholz, relevant. Die Überflutungshöhen beim Notstandsgebäude betragen 5 bzw. 65 Zentimeter. Bei einem 100ʼ000-jährlichen Hochwasser beträgt die Wassertiefe ca. 1,15 Meter.
Kernkraftwerk Beznau: Ein massgebender Faktor, der zu einer Überflutung des Kraftwerkareals beiträgt, sind auch hier Verklausungen durch Schwemmholz. Beim 1000-jährlichen Hochwasser bleibt das Areal trocken. Das 10ʼ000-jährliche Hochwasser führt beim Notstandsgebäude zu einer Überflutung von 38 Zentimetern und das 100 000-jährliche Hochwasser zu einer Überflutung von ca. 1,1 Metern.
Gelände des Paul Scherrer Instituts (PSI) in Villigen: Alle niederschlagsbedingten Hochwasserereignisse können durch die Aare abgeführt werden, ohne dass das Gelände überschwemmt wird. Zu einer Überflutung kommt es nur, wenn die gut 200 m lange PSI-Stahlbetonbrücke bei einem 100ʼ000-jährlichen Hochwasserabfluss durch Schwemmholz verstopft würde. Dann ist damit zu rechnen, dass das Areal 20 bis 25 Zentimeter hoch überflutet wird.
Kernkraftwerk Leibstadt: Leibstadt wurde in der Studie nicht betrachtet, weil es am Rhein liegt. Da sich das Leibstadt rund 22 m über dem Normalpegel des Rheins befindet, ist es besonders überflutungssicher.
Das Ensi wird auf Basis dieser Studie von den Kernanlagen an der Aare (Kernkraftwerke Beznau, Gösgen und Mühleberg sowie PSI und Zwilag) die Aktualisierung der Sicherheitsnachweise zu Hochwasser verlangen.
Aktualisierte Erdbebensicherheits-Standards erbracht
Das Ensi hatte Anfang Februar 2021 bereits mitgeteilt, dass die Kernkraftwerksbetreiber zum zweiten Mal nach dem Reaktorunfall von Fukushima nachgewiesen haben, dass sie einem extrem seltenen, starken Erdbeben standhalten. In diesem Zusammenhang wurde auch die Sicherheit bei einem durch ein Erdbeben ausgelösten Hochwasser überprüft. Laut Ensi konnten für alle vier Kernkraftwerke die Ergebnisse der Nachweise im Nachgang von Fukushima bestätigt werden.
Quelle
M.A. nach Bafu und Ensi, Medienmitteilungen, 22. Februar 2021
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