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Jünglingsverein Zürich, gegr. 1850
Die Anfänge des CVJM Zürich 1 Mitte des 19. Jahrhunderts liegen in einer bewegten Zeit. Nach der Überwindung der Sonderbundwirren 1847 war die Festigung unseres Bundesstaates mit der Bundesverfassung von 1848 zum Abschluss gelangt. In Zürich wurden Politik und Kirche von einer liberalen Grundhaltung geprägt. Dies führte zu einer Schulreform und zu einer liberalen Kirchenreform. Die soziale und geistige Not der Jugend war damals gross.Im Zuge der Gegenbewegung zum politischen und religiösen Liberalismus und bewegt von der Not der Jugend sammelten sich besorgte Zeitgenossen und gründeten in verschiedenen Städten und Ortschaften der Schweiz Mitte des 19. Jahrhunderts Jünglingsvereine. So entstand 1850 auch in Zürich ein Jünglingsverein, der religiöse Versammlungen, Bibelstunden, Jugendgottesdienste und Gebetsstunden veranstaltete. Er war der Träger des Sonntagsschulgedankens und setzte sich für die Verbesserung der äusseren Lebensverhältnisse ein, indem er eine Wohnungsnachweiskommission betrieb, Lesezimmer und Bibliotheken einrichtete, Unterrichtsstunden im Lesen und Schreiben und andern Fächern anbot, seine Mitglieder zu Krankenbesuchen aufrief und eine Gesellenherberge betrieb.In den ersten Jahren breiteten sich die Jünglingsvereine stark aus und schlossen sich zu einem internationalen Verband zusammen, aus dem später der Weltbund des CVJM entstand. Der CVJM Zürich 1 schloss sich dem Bund schweizerischer Jünglings und Männervereine an, blieb aber unabhängig und selbständig und orientierte sich weiterhin an den amerikanischen und englischen Jugendvereinen, die sich als CVJM bezeichneten, aber im Weltbund mit den Jünglingsvereinen zusammengeschlossen waren.
YMCA-CVJM-Bewegung weltweit, 1844
Bereits 1844 hatte George Williams in London versucht, junge Männer anzusprechen, die der Kirche fern standen und hatte einen CVJM gegründet. Er wollte den ganzen Menschen nach Körper, Seele und Geist und auch in sozialer Hinsicht erfassen.
CVJM Zürich 1, gegr. 1887
Inspiriert von George Williams und der Weltkonferenz der Christlichen Jungmänner und Jünglingsvereine 1884, entschlossen sich einige Mitglieder des Jünglingsvereins Zürich 1 im Jahr 1887 einen CVJM nach den aus Amerika und England stammenden neuen Vereinsideen zu gründen. Manche Pfarrer und andere Verantwortliche der Landeskirche, die dem Jünglingsverein ablehnend gegenüberstanden, liessen sich für die Idee des CVJM begeistern.Schon im ersten Vereinsjahr konnte der junge CVJM die Bevölkerung von Zürich zu einem vielfältigen Programm einladen: öffentliche Vorträge zu geschichtlichen, politischen und naturwissenschaftlichen Themen, Familienabende, Abendunterhaltungen, Gesangssektion, Orchester, literarische und Theatersektion, Turnsektion. Den Kern aller Aktivitäten bildeten die Bibelabende, denn auf dem in der Bibel bezeugten Grund, Jesus Christus, stand und steht die Tätigkeit des CVJM.Es ist interessant, dass der CVJM aber von den verschiedensten Kreisen in Frage gestellt wurde. Sehr vereinfacht könnte man sagen: Den einen war der CVJM zu weltoffen und weit, den andern zu bekenntnishaft und zu missionarisch. Seit der Gründungszeit hat der CVJM diese beiden grundverschiedenen Vorwürfe immer wieder zu hören bekommen Diese Vorwürfe beinhalten und beschreiben in negativer Form einen Teil des Grundgedankens der CVJMBewegung, denn der CVJM versucht zeitgemässe und ganzheitliche Lebens und Glaubensformen zu verwirklichen, indem er sich an den biblischen Grundlagen orientiert und sich mit dem wirtschaftlichen und sozialen Spannungsfeld auseinandersetzt. Es war und ist dem CVJM ein besonderes Anliegen, junge Menschen anzusprechen, die ausserhalb der Kirche stehen. Der CVJM sollte und will keine Kirche sein, sondern ein jedem jungen und älteren Menschen offen stehender Verein.
Vereinshaus Glockenhof
Der Grundsatz des CVJM, den Menschen ganzheitlich, d.h. nach Leib, Seele und Geist, sowie in sozialer Hinsicht zu erfassen, wirkte sich nicht nur im Programmangebot sondern auch bei der Planung des 1911 eingeweihten CVJM Vereinshauses (heute: Cevi Zentrum) aus. In den ersten 25 Vereinsjahren zog der CVJM dreimal um, bis er in ein eigenes, auf das Vereinsleben zugeschnittenes Vereinshaus, den Glockenhof, einziehen konnte. Die Idee der Erbauer war es, nicht nur Räumlichkeiten für die verschiedenen Vereinsaktivitäten bereitzustellen: Sie sahen auch die Heimatlosigkeit der heranwachsenden Zürcherjugend. Zudem beschäftigte sie die schwierige Situation der vielen ortsfremden jungen Männer, die in Zürich eine Ausbildung oder Arbeitsstelle fanden, aber oft keine geeigneten Wohn und Freizeitmöglichkeiten hatten. Das Vereinshaus sollte ein Stück Heimat für junge Leute werden. Dies versuchte der CVJM zu erreichen, indem er neben verschiedenen allgemeinen Räumen auch Zimmer für 40 junge Männer, Bäder, eine Turnhalle, eine Bibliothek, ein alkoholfreies Restaurant, kleinere und grössere Säle und ein vielfältiges Vereinsprogramm anbot. Trotz den vielen Vereinsaktivitäten, von der Turn und Gesangssektion über die Handelsabteilung, den allgemeinbildenden Vorträgen, der Stellenvermittlung und dem Kost und Logiernachweis bis zur Knaben und Pfadfinderabteilung, blieben doch die Bibelabende das Herzstück der Vereinsarbeit. Obwohl sich die Situation im Verlaufe der Zeit veränderte, haben dank der zentralen Lage in der City immer neue Gruppen, Vereine und Veranstalter das Cevi Zentrum zur Durchführung ihrer Anlässe entdeckt. Im Verlauf der 100jährigen (heute: 120Jährigen) Vereinsgeschichte veränderte sich das gesellschaftliche und wirtschaftliche Umfeld immer wieder und einstmals wichtige Dienste des Cevi waren nicht mehr gefragt und wurden aufgegeben. Die Nachkriegsgeneration kann sich die Not in der Zwischenkriegszeit 1919 – 1939 kaum vorstellen. Die Arbeitslosen wohnten in den billigsten unheizbaren Mansarden und wenn sie nicht mehr bezahlen konnten, verkrochen sie sich in die Ziegelhöfe am Fusse des Üetliberges und in leerstehende Möbelwagen. Während einigen Jahren dienten die Säle und der Lesesaal des Vereinshauses als Wärmestuben für Arbeitslose und ein Vereinssekretär organisierte interessante Nachmittagsprogramme. Dank der Hilfe der Bevölkerung konnten jeden Tag am Mittag einfache warme Mahlzeiten und Kaffee abgegeben werden. Vom 6. Oktober 1932 bis 31. März 1933 wurden 34300 Tassen Kaffee ausgeschenkt. Die Wärmestuben wiesen eine Höchstfrequenz von 240 Besuchern pro Tag auf. In den ersten Jahren stammten viele Mitglieder aus kaufmännischen und Handelsberufen. Damals bot der Staat noch keine kaufmännische Aus und Weiterbildung an. Schon im Gründungsjahr wurden Unterrichtskurse für Handelsangestellte eingeführt und eine Bibliothek eingerichtet. Die Kurse zählten anfänglich 60 – 70, später im neuen Vereinshaus, dem Glockenhof, bis 160 Teilnehmer. Als neben dem Kaufmännischen Verein auch die Gewerbeschule ihre Sprachstunden mit staatlicher Subvention aufnahm, war diese Aufgabe, die der CVJM während ca. 35 Jahre durchgeführt hatte, überflüssig geworden.
Bis ca. 1914 war der Jungtrupp des CVJM die einzige evangelische Gruppe für Schulentlassene und Konfirmanden. An Sonntagnachmittagen versammelten sich jeweils bis zu 150 Jugendliche. Nach dem ersten Weltkrieg bildeten sich viele neue Jugendgruppen und später Sport und Turnvereine. Der Jugendliche konnte nun aus einem breiten Angebot auswählen. Die Mitglieder des Jungtrupps brachten häufig ihre jüngeren Brüder mit ins Vereinshaus. Der CVJM erkannte schon 1900, dass eine weitere Aufgabe auf ihn zukam. Die Knabenabteilung (bis 15 jährige), später Jungschar genannt, versammelte sich jeweils am Sonntagnachmittag. 100 bis 200 Buben hörten in der ersten halben Stunde eine packend erzählte biblische Geschichte. Danach wurde der grosse Kasten geöffnet und die Tischspiele kamen zum Einsatz. Auch für Pfand und Bewegungsspiele liessen sich die jungen Gäste begeistern. 1912 beschlossen die CVJMKommissionen des Welschlandes, für ihre Knabenarbeit das Pfadfindersystem zu übernehmen. In Zürich bekam Emil Dändliker, ein Helfer im CVJM Zürich 1 und von der Pfadfinderidee fasziniert, grünes Licht, mit einigen Jungen aus der Knabenabteilung einen Versuch zu starten.
CVJM-Jungschar und Pfadfinder
Am 1. August 1912 trafen sich zum ersten Mal junge Leute aus dem Glockenhof zu einer Pfadiübung. Relativ früh schon wuchs die Pfadiabteilung aus der Stadt in die Region. Sie expandierte ins Glatttal und wenig später ins Wehntal. 1958 besetzte sie das «letzte freie Stück Zürichs», den See und gründete die erste Seepfadfinderabteilung der Schweiz, deren Ziel es ist, «normalen» Pfadfinderbetrieb am und auf dem Wasser durchzuführen. Nach dem zweiten Weltkrieg bewohnten immer weniger Familien mit Kindern den Stadtkreis 1 und die Umgebung des Glockenhofs. In den umliegenden Quartieren bestanden schon damals CVJMJungscharabteilungen. So wurde die Jungscharabteilung Glockenhof in den Siebzigerjahren aufgelöst.Während Jahrzehnten beherbergte das Cevi Zentrum vor allem Anlässe und Gruppen für Knaben und junge Männer. Ab 1962 trafen sich Töchter und junge Frauen regelmässig zu einem eigenen Programm im Glockenhof. Die ersten Leiterinnen waren Elsbeth WiesendangerBeck und Hanni Hui. Schon bald fanden Lager und andere Anlässe für Männer und Frauen statt, und die Frage nach einer gemischten Vereinsarbeit tauchte auf. Im Sinne einer gemischten Arbeit veranstalteten Mitarbeiter des Cevi einmal im Monat einen offenen Abend, wo zeitgemässe und für die Jugend interessante Fragen diskutiert wurden. Die Programmformen waren verschieden. Vorträge, Dias, Filme u.a. wurden eingesetzt. Bald danach entstand eine gemischte Gruppe, die sich «Foyer» nannte und die offenen Abende ablöste. Dem Foyerteam schwebte vor: Bei Gebäck, Getränken und Musik eine ungezwungene Atmosphäre zu schaffen, in der ernsthafte Lebens und Glaubensfragen angesprochen werden können. In den ersten Jahren war der Andrang am Samstagabend so gross, dass der Foyerraum aus allen Nähten platzte und der Programmabend ins Vereinshauscafé verlegt werden musste. Nach den Jugendunruhen von 1968 fanden junge Menschen aus der Rockerszene den Weg ins Foyer. Auch einsame und fragende junge Menschen fühlten sich im Foyer geborgen. Im Vereinsjahr 1975/76 wurde die bisherige Bezeichnung «Christlicher Verein Junger Männer» ergänzt und lautete nun im Sinne der neuen Vereinshaussituation «Christlicher Verein Junger Männer und Frauen».Im Leiterbrief der Jungen Kirche steht in der Ausgabe vom August 1986: «Heute holen sich die Jugendlichen diese andern Erlebnisse in ihrer Freizeit bei den Medien, in Beizen, Discos und anderen, vor allem kommerziellen Angeboten. Die Kirche überlässt dieses Feld völlig andern Anbietern. So entwickeln sich diese Jugendlichen in diesem Alter von der Kirche mit ihren Möglichkeiten weg und wollen später auch nichts mehr von ihr wissen».
TEN SING und Cevi in der Stadt
Aus der beschriebenen Situation entstand in Norwegen die TEN SING Jugendarbeit des CVJM/F. Im Sommer 1986 hat der CVJM Glockenhof mit dem Aufbau eines solchen TEN SING (Teenager singen) Chors begonnen. Nach einer ermutigenden Startphase konnte der TEN SING Chor im Dezember bereits an einer Weihnachtsfeier für alleinstehende Männer und in einem Jugendgottesdienst mitwirken. Der CVJM/F Zürich 1 ist schon ein recht alter Jugendverein, 100jährig bereits (heute: 120 Jahre). Aber wir engagieren uns immer wieder in zeitgemässer Form für die christliche Jugendarbeit. Ergänzungen zum Jubiläumsbericht von Markus Leuenberger: Um die Administration zu vereinfachen, fusionierten im Jahre 1998 der Cevi Stadtverband und der Cevi Zürich 1, Glockenhof, zum heutigen Cevi Zürich. Nebst den Angeboten im Cevi Zentrum Glockenhof vertritt der Cevi Zürich alle Cevi Stadtvereine und –abteilungen gegen aussen. Es werden auch Events verschiedenster Art für alle Cevi der Stadt angeboten, damit werden Bedürfnisse abgedeckt, die eine Cevi-Stadtabteilung alleine nicht lösen könnte.
Jubiläumsbericht «100 Jahre CVJM/F Zürich 1» von Markus Leuenberger, Jugendsekretär 1987.
Erinnerungen an die Fünfziger und Sechzigerjahre im Glockenhof
Im Jahre 1956 bin ich in die Jungschar Glockenhof eingetreten und bis heute dem Verein treu geblieben. Mein Leben ist durch die missionarische Arbeit im Cevi wesentlich geprägt worden. Aus Dankbarkeit stelle ich meine Kraft zur Verfügung. In den Fünfziger und Sechzigerjahren prägten folgende Gruppen und Feste das Programm: Knappenabteilung für 9 – 12jährige Knaben, Jungscharabteilung für 12 – 15 Jährige, Jungtrupp für 15 – 20 Jährige, Jungmännerabteilung für 20 – 30 Jährige, Männerabteilung für über 30 Jährige, Turngruppe für Jugendliche und junge Männer, Männerriege für die älteren. Jeden Monat, später jedes Quartal gab es eine Mitgliederversammlung, an der Referate von verschiedenen Rednern mit Themen aus der Bibel, Dias von Reisen usw. geboten wurden. Im Jahresablauf gab es drei Feste: Den Familienabend mit Theater und anderen Aufführungen, den Vereinssonntag im Ferienhaus Greifensee und den Basar im November. Auf diese Weise konnten viele Kontakte gepflegt werden, man hörte Interessantes, tauschte sich aus und schöne Erinnerungen sind geblieben. Immer noch treffen sich einige ehemalige Jungschärler aus dieser Zeit im Gloggi alle paar Jahre an einem Samstag zum Mittagessen. Im Ferienhaus Greifensee in Mitarbeiterschulungswochen lernte ich den lebendigen Glauben an Jesus Christus kennen. Mit grosser Dankbarkeit denke ich an die beiden verstorbenen Cevi-Sekretäre Hans Güttinger und Thomas Brefin. Sie haben durch ihre missionarische Tätigkeit eine entscheidende Linie in mein Leben gebracht.
Erinnerungen von Paul Roth, Präsident Cevi Zürich 2000 – 2008.