Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03354.jsonl.gz/1788

Damit die Schweizerinnen und Schweizer auch nach dem Erwerbsleben genug Geld zum Leben haben, gibt es das System der Altersvorsorge. Dieses ist in der Schweiz in drei Teile, die drei sogenannten Säulen, aufgeteilt.
Die drei Säulen
Die erste Säule ist die AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung). Sie dient zur Existenzsicherung. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen zu je 50 Prozent in die AHV ein, der Staat organisiert und verwaltet diese Versicherung. Hier gilt das Prinzip, dass aktive Arbeitnehmer die Renten der jetzigen Rentnerinnen und Rentner finanzieren. Es herrscht also eine stetige Umverteilung: das Geld, das jetzt einbezahlt wird, wird auch jetzt für eine Rente wieder ausgegeben und nicht angespart.
Die zweite Säule ist die Berufliche Vorsorge (BVG). Sie ermöglicht es, nach der Pensionierung den Lebensstandard fortzusetzen. Auch hier zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte ein. Die Renten werden durch Pensionskassen verwaltet. Der Arbeitnehmer ist in jener Pensionskasse, welche sein Arbeitgeber für sein Unternehmen ausgesucht hat. In der Schweiz gibt es rund 2’500 Pensionskassen.
Viele kleine Pensionskassen können sich zu einer Stiftung zusammenschliessen und sich einer Versicherung angliedern, beispielsweise bei der SwissLife oder der Zurich Versicherung. Bei der Pensionskasse spart jeder, der einzahlt, seine Rente selbst an – im Gegensatz zur AHV. Nach der Pensionierung wird das angesparte Alterskapital in jährliche Renten umgewandelt. Die Formel, mit der diese jährlichen Renten berechnet werden, nennt man Umwandlungssatz. Momentan liegt dieser bei 6.8 Prozent. Das bedeutet, dass Pensionierte jedes Jahr 6.8 Prozent des angesparten Alterskapitals als Rente erhalten. Nehmen wir an, ein Arbeitnehmer hat bis zu seiner Pensionierung 100’000 Franken in die Pensionskasse einbezahlt, dann erhält er bis zu seinem Tod jährlich 6’800 Franken aus der zweiten Säule.
Die dritte Säule ist die private Vorsorge. Sie ist die einzige freiwillige Säule. Diese kann jeder, der will und es finanzieren kann, in Eigenverantwortung errichten. Hierzu gibt es Banken- und Versicherungslösungen.
Die Vorlage
Im Dezember 2008 hat nun das Parlament beschlossen, den Umwandlungssatz der zweiten Säule schrittweise auf 6.4 Prozent zu senken. Diese Massnahme wurde einerseits dadurch begründet, dass die Leute immer älter werden und so das Alterskapital länger reichen muss. Zweitens hat die Wirtschaftskrise auch Folgen für die Schweizer Pensionskassen: Die Pensionskassen legen unser eingespartes Geld an, das heisst sie investieren in Anlagen, um Gewinne erzielen zu können. Da nun viele dieser Anlagen – unter anderen auch die riskanten Hedgefonds – an Wert verloren haben, könnten die Pensionskassen in wirtschaftliche Probleme geraten.
Gegen den Parlamentsbeschluss zur Senkung des Umwandlungssatzes ergriffen Gewerkschaften und linken Parteien das Referendum. Das bedeutet, dass am 7. März die Schweizer Bevölkerung darüber entscheidet, ob der Umwandlungssatz gesenkt werden soll oder nicht.
Die Argumente
Wie bereits erwähnt, argumentieren die Befürworter vor allem mit der fehlenden Rendite auf den Kapitalmärkten. Sie sagen, dadurch würden die Pensionskassen gezwungen werden, noch höhere Risiken einzugehen, was wiederum Verluste zur Folge haben könnte. Zudem müsse der steigenden Lebenserwartung Rechnung getragen werden. Bleibt der Umwandlungssatz bestehen, müssten aktive Arbeitnehmer die Renten der Pensionierten zahlen. Dieses Prinzip ist aber nur für die AHV und nicht für die zweite Säule vorgesehen. Deshalb sprechen die Befürworter hier von Beitragsklau.
Die Gegner antworten, dass diese Tatsache bereits 2005 berücksichtigt wurde, als der Umwandlungssatz von 7.2 auf 6.8 Prozent gesenkt wurde. Dass jetzt schon wieder eine Senkung gefordert wird, ist für sie unverständlich oder sogar Rentenklau. Zudem werden verschiedene Punkte am bisherigen System kritisiert. Die Verwaltungskosten in der zweiten Säule seien viel zu hoch, nämlich 700 Franken pro Versicherten pro Jahr – im Gegensatz zur AHV, bei der sie nur 25 Franken ausmachen. Ein weiterer Punkt ist die Intransparenz bezüglich der wirtschaftlichen Situation der Pensionskassen. Solange diese Punkte nicht geklärt seien, wäre eine Rentenkürzung nicht verantwortbar.
Schwierige Abstimmung
Wie so oft geht es bei der Abstimmung vom 7. März nicht nur um das eigentliche Thema. Es geht generell auch um das ganze Vorsorgesystem. Für die Bürgerinnen und Bürger ist eine Meinungsfindung aber äusserst schwierig, weil nicht alle Fakten klar sind, weil das Thema äusserst komplex ist und zudem emotional aufgeblasen wird. Geht es am 7. März um faire Renten oder doch um Rentenklau? Deine Stimme zählt.