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Keine Frage, der Mittvierziger Matthew McConaughey ist in Hollywood der Mann der Stunde. Seit er 25 Kilo abnahm, um in «Dallas Buyers Club» einen an AIDS erkrankten Südstaatler zu spielen, gilt er als ernstzunehmender Charakterdarsteller und heissester Anwärter auf einen Oscar 2014 als bester Schauspieler.
Viele Kritiker hat man sagen hören, sie hätten dem gebürtigen Texaner ein solches Talent vor einigen Jahren nicht zugetraut. Damals war McConaughey auf romantische Komödien abonniert und wurde in Interviews eher nach seinem Aussehen als nach seinen schauspielerischen Leistungen befragt.
RomComs als Stolpersteine
Doch diese Geschichte stimmt nur halb: In McConaugheys Filmografie, die mittlerweile über drei Dutzend Werke umfasst, finden sich nur gerade fünf dieser ominösen RomComs, verteilt auf acht Jahre in einer bald zwanzigjährigen Karriere: «The Wedding Planner», «How to Lose a Guy in 10 Days», «Failure to Launch», «Fool's Gold» und «Ghosts of Girlfriends Past».
Es ist auch nicht so, dass McConaughey erst in der Zeit nach diesen Filmen schauspielern gelernt hat: Das konnte er bereits 1996, als er in «Lone Star» einen Sheriff mit dunklen Geheimnissen mimte. Zudem hatte er sich bereits 1993 in der Klamotte «Dazed and Confused» als physischer Vollblutkomiker bewiesen.
Dass sein Image trotz diesem mannigfachen Leistungsweis auf den Sonnyboy und Herzensbrecher in den genannten Filmen reduziert wurde, hat insgesamt drei Gründe: 1) Diese Filme waren erfolgreich, 2) McConaughey brachte darin seinen attraktiven Körper zur Geltung, 3) McConaughey überzeugte in diesen Rollen so sehr, dass seine restlichen Fähigkeiten vergessen gingen und 4) Romantische Komödien haften generell an Schauspielerkarrieren wie Kaugummis an Schuhsohlen – siehe Hugh Grant.
Ausbruch aus der Sackgasse
Wie hat nun aber McConaughey den Aufstieg in die A-Liga geschafft? Ganz einfach: Als sich die ihm zugesandten Drehbücher alle zu gleichen begannen, sagte er trotz interessanten Gagen alles ab, und gönnte sich eine zweijährige Pause. Gleichzeitig beauftragte er seinen Agenten damit, nach interessanten Stoffen und atypischen Rollen in Low-Budget-Projekten Ausschau zu halten.
Das Ergebnis dieser Taktik war ein furioses Comeback im Arthouse- und Independent-Bereich: In nur zwei Jahren reihte er die Kritiker- und Publikumserfolge «The Lincoln Lawyer», «Bernie», «Killer Joe», «The Paperboy», «Mud» und «Magic Mike» aneinander. Neulich spielte er in «The Wolf of Wall Street» eine Szene lang Leonardo DiCaprio an die Wand, und jetzt wird ihm für «Dallas Buyers Club» der Oscar prophezeit. Daraus lernen wir: Es lohnt sich, in Hollywood manchmal «nein» zu sagen und die Kunst über den Kommerz zu stellen.
Überzeugend auch als TV-Darsteller
Doch wie geschickt McConaughey sich seine Rollen in letzter Zeit ausgesucht hat, zeigt sich nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in einer neuen TV-Serie, die in nur wenigen Folgen zum absoluten Renner und zum Süchtigmacher des Moments avanciert ist: «True Detective». Auch hier spielt McConaughey wieder einen südstaatlichen Gesetzeshüter mit Schattenseiten: Eine Familientragödie und Drogenprobleme machen ihm zu schaffen, während er gemeinsam mit einem von Woody Harrelson gespielten Inspektor Jagd auf einen Ritualmörder macht, der er gar selbst sein könnte.
In der Nacht auf Montag wird auf HBO die siebte und zweitletzte Folge der ersten Staffel von «True Detective» ausgestrahlt – zeitgleich zur Oscar-Verleihung auf ABC. Und wahrscheinlich läuft irgendwo auf einem auf Romantik spezialisierten Satellitensender auch noch «The Wedding Planner». Planung ist eben alles.