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Alteingesessene Schötzerinnen und Schötzer werden in diesem Jahr des öftern den Kopf schütteln. Da feiert doch die Theatergruppe ihres Dorfes das 35-Jahr-Jubiläum. 35jährig? Erst 35jährig? Dabei hat man in Schötz doch schon immer Theater gespielt. „Uf jede Fau e so lang, wie mer sech öbbe mag zroggbsenne“, wie mir eine ältere Frau erklärte.
Die Frau hat natürlich recht. Theater wurde in Schötz schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts gespielt. „Damals, als noch keine so modernen Verkehrsmittel Theaterliebhaber rasch und bequem in die Städte zum Kulturgenuss entführten, ergötzte sich das Landvolk an seinen Landtheatern, die mit grosser Liebe und Hingabe geboten wurden“, wie es in der Schötzer Dorfgeschichte von Caspar Meyer nachzulesen ist und wo im weiteren festgehalten ist, dass Theaterspielen bis weit über die Jahrhundertwende sehr beliebt und geschätzt gewesen sei. Sogar zur Fasnachtszeit, bei Jubiläen und Festanlässen von Vereinen, soll damals im Freien Theater gespielt worden sein.
In Schötz wurde am 11. Januar 1888 eine Theatergesellschaft gegründet und ein Protokoll weiss darüber zu berichten, dass Josef Graf erster Präsident des Vereins war. Noch im gleichen Jahr wurde Albert Meyer für den abtretenden Josef Graf neuer Vereinsvorsitzender. 1890 traten der jungen Gesellschaft als neue Mitglieder bei: Eduard Muri (Richter), Anton Frei (Schulmeister), Josef Meyer, Isidor Felber (Wirt) und Johann Frey.
1892 liess Jakob Stöckli-Studer den ersten Saal bauen, der ostwärts quer zum Wirtshaus St. Mauritz erstellt wurde, unter der klaren Bedingung allerdings, dass die Gesellschaft wenigstens alle zwei Jahre ein grösseres Theater biete.
Wie aus den Protokollen hervorgeht, war die Schötzer Theatergesellschaft sehr regsam und hatte bald einen guten Ruf und entsprechenden Besuch.
Verbrieft ist, dass die Schötzer Theaterspieler 1888 mit dem Stück „Der Korporal oder die Heimatlosen“ und ein Jahr später mit „Die Rose vom Oberland“ vors Publikum im Mauritz-Saal traten. Heimat- oder Volksstücke nannte man die Geschichten, welche zu jener Zeit von den auch in der Schötzer Umgebung wie Pilze aus dem Boden schiessenden Theatergruppen in den verschiedenen Dörfern gespielt wurden.
Die Laien- oder Amateur-Ensembles hoben sich, ganz anders als heute, klar von den grossen Bühnen in der Stadt ab, was die Stückwahl betraf. Gespielt wurde, was beim Publikum ankam. Stücke also, die sich in anderen Dörfern bereits bewährt hatten, die man kannte, von denen man wusste, dass die Lacher programmiert waren. Und klar war ferner, dass sich auch die Theatergruppe Schötz vornehmlich aus eigenen Leuten, also aus Schötzerinnen und Schötzern rekrutierte. Etwas, was sich übrigens bis heute nicht geändert hat. Aus den Protokollen geht hevor, dass die Produktionen in den Anfängen der Schötzer Spielzeit ausgezeichnet besucht waren.
1890 „Der Schweizer in Neapel“
1891 „Die Blüemlisalp“ von Th. Arnet
1892 „Struthan Winkelried“
1894 „Der Bauernkrieg oder Niklaus Leuenberger“
1895 „Das Wichtel oder ein guter Hausgeist“
1896 „Schweizerherz“, Schauspiel von Heimann
1897 „Der Loder“
1904 „S’Nunnerl“, Volksstück von Karl Morre
1907 „Die Elsa vom Erlenhof“
1908 „Die beiden Reichenmüller“
1910 „Deborah“, Volksschauspiel von Hospental
1911 „Die Räuber“, Drama von Friedrich Schiller
1912 „Bajazzo und Familie“, Schauspiel von Ennery und Fournier
Am 2. August 1913 verlor die Theatergruppe Schötz ihren damaligen Regisseur und Schauspieler Josef Graf, Schlossermeister, im Alter von erst 36 Jahren. Auf der Strasse zwischen Nebikon und Schötz fiel er einem Motorradunfall zum Opfer. Josef Graf, der wiederholt für erste Rollen an auswärtigen Theatern zugezogen wurde, war das erste eigentliche Aushängeschild der Schötzer Theatergruppe. Ein „Theatergenie“, das weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus für seine Schauspielkunst, aber auch für seine ausgezeichneten Inszenierungen bekannt war. Er war es, der die Schötzer Spielleute zu beeindruckenden Leistungen führte und schon damals versuchte, Theater nicht nur zu spielen, sondern zu „leben“, dem Publikum immer wieder etwas ganz Spezielles zu bieten.
Josef Grafs Tod war ein herber Verlust für die Kulturszene der Gemeinde. Fast schon verständlich also, dass sich nach seinem Ableben eine Lethargie breitmachte. Niemand wollte oder konnte vorerst Grafs Arbeit fortsetzen.
1921 wurde eine neue Gesellschaft, ein neuer Verein konstituiert. Unter dem Präsidium von Karl Frey, Armenpfleger und Aktuar Alfred Schlüssel wurden 1921/22 „Das Wichtel“ (zum zweitenmal) und 1923 „Marianne, das Weib aus dem Volke“ aufgeführt.
Doch schon bald befriedigte der Saal im Gasthof St. Moritz nicht mehr. Das Publikum stellte immer höhere Ansprüche. Es wurde still um die Theatergruppe Schötz. Das Vereinsvermögen, so ist es überliefert, reichte immerhin 1934 noch zu einer gemeinsamen Reise ins Bündnerland aus. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass die Theaterkunst in Schötz erloschen war. Vielmehr übernahmen nun andere Dorfvereine die Aufgabe, das Publikum mit Theaterkost zu unterhalten. Die beiden Musikgesellschaften, der Cäcilienverein und auch der Jodelklub Bärgglöggli, erfreuten nun während längerer Zeit das Publikum mit Theaterstücken, welche in die Produktionen des jeweiligen Vereins eingebettet waren.
Schötz war diesbezüglich kein Einzelfall. In vielen Gemeinden war die Theatergruppe eine Abteilung eines bereits bestehenden Vereins. Das Theater, meistens Zweiakter, damit genügend Zeit für Konzert und Tanz nach den Aufführungen blieb, war vielerorts nicht mehr eigenständig, sondern war eingebettet in andere kulturelle Gruppierungen im Dorf. Es waren erfolgreiche Theaterzeiten. Auch für die Schötzer.
Im Jahre 1946 liess Jakob Stöckli im Gasthof St. Mauritz einen neuen, sehr schönen Saal bauen, der mit einer gediegenen Bühne wohl eine dreifache Dimension des alten Saales erreichte. Dennoch: In Schötz liess sich vorerst (noch) niemand begeistern, eine eigene, neue Theatergesellschaft zu gründen. Was wenig verwunderlich war, denn Theater wurde auch in diesen und den folgenden Jahren gespielt. Gutes, vornehmlich heiteres Theater. Es war die Zeit der Lustspiele und Schwänke. Und die vorgenannten Vereine, zuletzt der Jodelklub, boten dem Publikum das, was es sehen wollte. Und zwar in beeindruckender Qualität. Wer fragte da schon nach einer eigenständigen Theatergruppe?
Bis in die frühen 70er Jahre dauerte dieser Zustand, mit dem eigentlich alle zufrieden waren. Das Publikum, weil es fast jedes Jahr eine Schötzer Produktion vorgeführt bekam, und die Spielerinnen und Spieler, weil ihnen Gelegenheit geboten wurde, in traditionellen und beliebten Stücken ihre Kunst zu zeigen
Erst als Gerda Lütolf und ihr vom Theater „angefressener“ Ehemann Josef Lütolf von Biel ins Luzerner Hinterland nach Schötz zogen, begann das, was später, im Jahre 1973, zu Gründung der heutigen Theatergruppe Schötz führte. Josef Lütolf war damals beim „Willisauer Boten“ angestellt und besuchte im Gasthof Adler von Nebikon eine Presseorientierung. Er erkundigte sich irgendeinmal an diesem denkwürdigen Abend beim Tischnachbarn, wie es sich denn in Schötz mit dem Theaterspielen verhalte. Ob es einen entsprechenden Verein gebe. Der Tischnachbar musterte den „Fremden“ scharf und sagte ihm, dass er ihn, wenn er denn wirklich Theater spielen wolle, in einem halben Jahr aufbieten werde. Er bräuchte nämlich einen Regisseur. Die Spieler würden selber gestellt. Dabei hatte es sich.
Josef Lütolf vergass dieses Gespräch sehr schnell. Aber eines Tages wurde er tatsächlich von jenem Tischnachbarn aufgeboten und staunte nicht schlecht, als er merkte, dass er nicht in einer Theatergruppe, sondern in einem Jodelklub gelandet war. Der Tischnachbar entpuppte sich nämlich als Präsident des dörflichen Jodelklubs. Doch Josef Lütolf wollte eine „richtige“, eine eigenständige Theatergruppe. „In einem Vereinstheater“, so sagt Josef Lütolf heute, „wollte ich nicht mehr mitmachen. Ich kannte diese Art von Theater von früher her, als ich als Mitglied eines Männerchors an den Theaterproduktionen mitmachen durfte. Mir schwebte etwas anderes vor. Ich wollte einen Verein gründen, der nur Theater spielte und nicht eingebettet war in Gesang, Tanz und Musik.“
Die damaligen Spielerinnen und Spieler waren von Josef Lütolfs Idee, einen eigenständigen Verein zu gründen, angetan. Und ab 1973 spielte die Theatergruppe Schötz für den Jodelklub Schötz nach deren Konzerten zum Schwanke auf. Fast müssig zu bemerken, dass Josef Lütolf auch gleich zum ersten Präsidenten des neuen Vereins gewählt wurde.
Gut, dass Publikum und Mitwirkende die erste Produktion nicht zu wörtlich nahmen. Josef Lütolf und seine Crew entschieden sich nämlich den Schwank „S’letschte Stündli“ 1973 als erste Produktion ins Programm zu nehmen. Und klar war auch, dass Lütolf nicht nur als Spieler, sondern auch als Regisseur Verantwortung übernahm. Josef Lütolf, Marc Pante, Lydia Amberg und Alice Hügi waren bis 1987 jene Personen, die abwechslungsweise den Produktionen als Regisseure vorstanden, wobei der Präsident mit 17 Aufführungen den Hauptteil bestritt. „Wir haben“, erinnert sich Josef Lütolf, „immer wieder versucht, uns zu verbessern. Nicht nur, was die spielerischen Leistungen betraf, sondern auch in Sachen Bühnenbau und Beleuchtung. Aber das Publikum wollte auch in jenen Jahren nur Schwänke und Lustspiele sehen. Es wollte lachen, nicht zu viel studieren. Wir haben, so gut es ging, uns nach dem Geschmack des Publikums gerichtet, wobei wir uns 1977 unter der Regie von Marc Pante mit dem Oberamtmann Effinger zum erstenmal an ein Stück wagten, das nicht alle zwei Minuten einen programmierten Lacher beinhaltete und die Pointen bei den Zuschauern abgeholt werden konnten. Es war unser bisher grösste Inszenierung. Viele rümpften damals die Nase, als ich dieses Stück vorschlug. Doch am Schluss waren die meisten zufrieden.“
Und es war für Josef Lütolf auch ein Signal, dass in einem Dorf wie Schötz nicht a priori nur Schwänke und Lustspiele gezeigt werden müssen. „Ich spürte, dass langsam aber sicher ein Umdenken stattfand. Schliesslich wurden seit längerem auch am Fernsehen die gängigsten Theater gezeigt. Und zwar von Profis wie Ruedi Walter oder Margrit Rainer gespielt. Das Publikum wurde anspruchsvoller. Man ging nicht einfach nur ins Theater, weil es zum guten Ton gehörte, und weil man doch den eigenen Dorfverein unterstützen wollte. Wir waren gefordert. Das“, sagt Lütolf, „hat mich gereizt. Und mit Freude und Genugtuung stellte ich fest, dass wir langsam aber sicher einen guten Namen bekamen.“
1984, vor 14 Jahren also, entschieden sich die Schötzer Spielleute um Josef Lütolf, für einmal die Heimbühne im Gasthof St. Mauritz zu verlassen und auf der kleinen Bühne im Keller des Ronmühle-Museums von Paul Wyrsch zu spielen. „S’Mareili vo Wissehuuse“ wurde in diesem Jahr zu einem der grössten Schötzer Theatererfolge. Noch heute schwärmen Schötzerinnen und Schötzer von dieser Produktion, welche über 20 Mal aufgeführt wurde und auch in den Medien lobende Erwähnung fand.
Mit Godi Huser übernahm 1988 ein sehr beliebter eigener Schauspieler, der vor allem in lustigen Rollen brillierte, die Regiearbeit. „Ich brauchte ganz einfach eine Pause“, sagt Josef Lütolf, der aber 1993 das Ruder wieder übernahm und in der Ronmühle Markus Köbelis „Holzers Peepshow“ inszenierte. Es war gleichzeitig der Beginn einer neuen Theater-Ära. „Wir spürten, dass die Spielerinnen und Spieler für die sattsam bekannten Schwänke nicht mehr restlos zu begeistern waren. Und Holzers Peepshow wurde ein so grosser Erfolg, dass wir in der Stückwahl auch in den folgenden Jahren frecher und unternehmungslustiger wurden“, sagt Josef Lütolf.
1998 wurde die Theatergruppe Schötz 25-jährig. Mit dem „Polenliebchen“, einem Werk des Münchensteiner Autors Paul Steinmann, wagte man sich zum erstenmal an eine Freilichtproduktion. Gespielt wurde auf dem Zivilschutzareal der Gemeinde Schötz. Die Geschichte handelt von polnischen Internierten, die in den Jahren des zweiten Weltkrieges in unseren Land und auch in unserer Region, im Wauwiler Moos, interniert waren. Über 20 Spielerinnen und Spieler und unzählige Helfer hinter der Bühne waren für diese bisher grösste Schötzer Produktion am Werk. Josef Lütolf führte noch einmal Regie, nachdem er dieses Amt 1996 an Renato Cavoli übergeben hatte, der mit „Hans-Joggeli der Erbvetter“ von Jeremias Gotthelf debütierte. 1997 inszenierte Renato Cavoli das von ihm selbst geschriebene Bühnenstück „Dällebach Kari“.
Die Theatergruppe Schötz hat bisher auf einen Profiregisseur verzichtet. „Wir hatten das grosse Glück, dass wir immer aus dem eigenen Personal-Fundus schöpfen konnten“, sagt Josef Lütolf.
Im vergangenen Jahr wurde die Theatergruppe Schötz 35 Jahre alt und feierte diesen Geburtstag mit der Eigenproduktion des Gotthelf-Klassikers „Geld und Geist“. 11 mal spielte die TGS vor „vollem Haus“ in der Scheune von Lisbeth Bossart. Ein tolles Theatererlebnis, ein grossartiges Stück, das dem Verein nicht nur berechtigte Geburtstagsgratulationen, sondern auch viel Lob für die stimmige und intensive Bühnenproduktion einbrachte.
Heuer, im Jahr 2009, macht die TGS Pause. Dies auch, weil in Alberswil (Burgrain) in den Monaten August/September der bekannte Regisseur und Dramaturg Louis Naef mit seiner „Puureoperette“ eine Grossproduktion mit über 100 Beteiligten auf die Beine stellen wird.
2010 wird die TGS wieder auf die Bühne zurückkehren. Stück, Autor und Regisseur sind zum heutigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Wir halten Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.
(Quellenangabe: „Schötzer Dorfgeschichte“ von Caspar Meyer).
Auch im Jahr 2010 legte die TGS eine Pause ein. Doch im Jahr 2011 beherbergte die Theaterscheune viele Hotelgäste. „Im Mandarinenzimmer“ von Robert Thomas ereigneten sich in diesem speziellen Hotelzimmer vier verworrene Schicksalsgeschichten. Für die Regie konnte glücklicherweise Lukas Bühler verpflichtet werden. Allen wird das Bild der Mandarine, welches hell orange an der schwarzen Bühnenwand leuchtete, in Erinnerung bleiben. Aber auch die besonderen Geschichten liessen den Zuschauer erahnen, dass sich wohl in jedem Hotelzimmer solche und noch ganz andere Szenen abspielen können.
Im Jahr 2012 fand keine Aufführung statt. Für das 40. Jubiläumsjahr stellte sich die TGS nun neue Ziele: sie wollte einmal etwas ganz anderes ausprobieren. Renato Cavoli sorgte dafür, dass wir uns mit Herbert Marberger aus Sempach treffen konnten. Dieser "neue" Regisseur Herbert Marberger inszenierte mit uns sein Esstheater „Gift und Gloria“ im St. Mauritzsaal. Wir feierten 2013 wirklich ein berauschendes Geburtstagsfest. Dieser neue Wind, diese Aufbruchsstimmung, zeigte Wirkung. In der nächsten Produktion 2014 spielten 13 Personen mit, davon standen 7 junge Personen zum ersten Mal auf der Theaterbühne. Die Uraufführungim "Im Paradies" (von und mit Herbert Marberger) wurde ein voller Erfolg. Mit viel Freude und Enthusiasmus führten wir in 9 Vorstellungen die Zuschauer in der Theaterschüür von der Erde in den Himmel und wieder zurück. Nun geht diese Geschichte weiter – wir sind glücklich: Herbert Marberger wird auch in diesem Jahr, im 2015, wieder Leben auf diese atmosphärischen Bühne in der Theaterschüür bringen. Er versteht es sehr gut, die Jungen und jungen Mittelalterlichen für das Theaterspiel zu begeistern.