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Wie aus einer Handvoll Open-Source-Software eine Linux-Distribution wird.
Ich bin immer wieder erstaunt wie viele Programmierer auf der Welt tagtäglich Programme schreiben, die uns die Arbeit oder das Leben erleichtern sollen. Einige davon erzielen dabei erstaunliche Resultate und schreiben äusserst gute Software. Andere wiederum stänkern lieber über jeden und alles was anders denkt. Diese sogenannten Trolle sind in den wenigsten Fällen wirklich hilfreich, gehören zur Open-Source-Szene aber leider dazu. Neben den typischen Nerds (mit dicken Brillengläsern und bleichen Gesichtern) die vor den Bildschirmen ihre Software schreiben, werden aber auch viele Personentage benötigt, die vorhandene Software zu einer Linux-Distribution zusammenzutragen, die dann unter dem Logo des Pinguin als Schirmtier verteilt werden kann.
Die immense Vielfalt aller erhältlichen Software lässt fast keinen anderen Ansatz zu als das Ausprobieren. Man muss mit einer Software praktische Erfahrung sammeln, um sie für einen möglichen Einsatz eingehend testen zu können. Mit den entsprechenden Rückmeldungen an den Programmierer kann dieser die Software dann weiter verbessern. RedHat zum Beispiel macht genau das mit Fedora Linux. Fedora wurde von RedHat ins Leben gerufen, um als "Spielwiese" neue Software und neue Konzepte auszuprobieren. Was innerhalb von Fedora als praktisch und vielversprechend heraussticht, wird von Zeit zu Zeit in die neuste RedHat Enterprise Linux-Version überführt und ab dann komplett unterstützt und gepflegt. Wenn eine Software nach kurzer Zeit wieder verschwindet oder nicht mehr weiterentwickelt wird, wird sie nie in die Enterprise Distribution aufgenommen.
Ein grosser Teil der Zeit wird für das Testen der einzelnen Komponenten und deren Zusammenspiel benötigt. Keine der aktuellen Linux Distributionen kann und will es sich leisten, eine unstabile und zusammengeflickte Version zu veröffentlichen. Da werden lieber Erscheinungstermine verschoben, anstatt den Benutzer mit einer unfertigen Version zu enttäuschen.
Die Test-Distribution erscheint meist viel häufiger als die "stabile" Enterprise-Version, ein Update erscheint in regelmässigen Abständen von vielleicht einem halben Jahr. Im Enterprise Bereich will man aber nicht alle paar Monate eine neue Version testen und auf den Entwicklungs-, Test- und Produktionsplattformen einspielen. Hier entscheiden Stabilität und Kontinuität über Erfolg oder Misserfolg.
Die grösste Herausforderung eines Open-Source-Projektes ist, eine gemeinsame Richtung und Fahrplan zu erarbeiten. Oftmals wird extrem viel Zeit mit endlosen Diskussionen über wenige Details verloren, oder ein Teil des Teams entscheidet sich eine andere Richtung einzuschlagen und ein neuer Fork (Abkömmling) einer Software entsteht. Das schwächt die Entwicklungsteams und macht es für den Benutzer extrem kompliziert sich für genau eine Variante der z.T. sehr ähnlichen Software zu entscheiden.
Jede noch so gute Software muss angepriesen werden. So verwenden auch Open-Source-Projekte immer mehr Zeit darauf, ihre Produkte zu bewerben und im Internet, in Zeitschriften oder auf Messen zu vermarkten. Firmen bieten hier immer wieder die Möglichkeit zu Unterstützung und Sponsoring, wenn z.B. aufgezeigt wird, dass die neuste Hardware dieser Firmen mit der Software performant und stabil zusammenläuft. Oftmals führen aber genau diese Zusammenarbeiten innerhalb der Community zu endlosen Grundsatzdiskussionen, in denen sich die Trolle dann wieder lautstark melden.
Firmen können einen entscheidenden Vorteil ausspielen, da sie den Mitarbeitern die Gangrichtung diktieren können. Kompliziert wird es nur, wenn die Mitarbeiter sich dann gegen die Firma entscheiden und das gesamte Know How in kurzer Zeit verloren geht. Oftmals wird die Software dann unter einem anderen Namen weiterentwickelt, wie man am Beispiel MySQL und Maria DB sieht.
Es gibt keine perfekte Software, keine Perfekte Linux Distribution und schon gar keine perfekten Menschen. Doch trotzdem ist es ein paar wenigen Enthusiasten in jahrelanger Arbeit gelungen, Open Source Software für den geschäftskritischen Einsatz als wirkliche Konkurrenz zu kommerzieller Software zu etablieren und eine riesige Community zu motivieren, diese Arbeit weiterzuführen.