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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Sechstes Buch
XII. Kapitel
96.
[S. 303] 1. Damit ist die Frage beantwortet, die uns von den Irrlehrern vorgelegt wird, ob Adam vollkommen geschaffen wurde oder unvollkommen; wenn aber unvollkommen, wie kann, so fragen sie, das Werk des vollkommenen Gottes unvollkommen sein und ganz besonders der Mensch? Wenn aber vollkommen, wie kann er dann die Gebote übertreten?
2. Sie werden nämlich als Antwort auch von uns hören, daß er seiner Gestaltung nach nicht vollkommen geschaffen wurde, aber fähig, sich die Tugend anzueignen; denn es ist doch wohl ein Unterschied, ob man fähig für die Tugend geschaffen ist oder ob man sie bereits besitzt; Gott will aber, daß wir auf Grund eigener Entscheidung gerettet werden. Das ist daher das Wesen der Seele, daß sie sich aus eigener Kraft bewegt. Sodann haben wir, da wir selbst vernünftige Wesen sind und die Philosophie etwas Vernünftiges ist, eine gewisse Verwandtschaft mit ihr; die Eignung zur Tugend aber ist zwar ein Antrieb dazu, sie zu erwerben, aber Tugend selbst ist sie nicht.
3. Es sind also alle, wie ich sagte, von Natur zum Erwerb der Tugend geschaffen, aber der eine macht mehr, der andere weniger Fortschritte durch Lernen und Üben; deshalb gelangen auch die einen bis zur vollkommenen Tugend, die anderen kommen nur bis zu einem gewissen Punkt, und wieder einige, denen keine Fürsorge zuteil geworden ist, geraten ins Gegenteil, auch wenn ihre Naturanlage im übrigen gut war.1
4. Noch weit mehr, ja überaus schwierig ist es aber, die Erkenntnis zu gewinnen, die an Bedeutung und Wahrheit alle Wissenschaften übertrifft; sie wird nur durch große Anstrengung gewonnen.
1: Vgl. Plut Moral. p. 2 C.