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Am 19. Juli 1980 wurden die Olympischen Spiele in Moskau eröffnet. Sie standen im Zeichen des von den USA initiierten Boykotts vieler Länder. Aus der Schweiz fehlten Reiter, Fechter, Schützen und Turner. Deren Verbände hatten sich gegen eine Teilnahme ausgesprochen.
Nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele fiel der Sport politischen Ränkespielen zum Opfer. Nie zuvor warf ein Sportanlass aber so hohe Wellen wie die Spiele in Moskau.
Es gehört sich nicht, die sowjetische Invasion in Afghanistan auch noch olympisch abzusegnen.
Die Boykott-Diskussionen im Vorfeld lösten gesellschaftliche Grundsatzdebatten aus. Das Pro und Contra wurde zu einer Frage der politischen Gesinnung und der Ideologie jedes Einzelnen im Kalten Krieg. «Es gehört sich nicht, die sowjetische Invasion in Afghanistan auch noch olympisch abzusegnen», schrieb die NZZ am 20. April 1980.
Boykott als politisches Statement
Der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan vor Weihnachten 1979 war der Auslöser für die weltweite Boykottbewegung. Am 12. April entschloss das Amerikanische Olympische Komitee mit einer Zweidrittelmehrheit, die Spiele zu boykottieren.
West-Deutschland unterstützte wie Kanada, Japan oder Kenia die Haltung der USA. Und auch China, das kurz zuvor wieder in die olympische Familie aufgenommen worden war, verzichtete auf eine Teilnahme.
Frankreich dagegen sprach sich gegen einen Boykott aus, das NOK Grossbritanniens ebenfalls – entgegen der Meinung des britischen Unterhauses.
Schweizer Verbände entscheiden selbst
In der Schweiz waren die Meinungen in der Bevölkerung und innerhalb der Sportverbände gespalten. Konservative Kräfte sprachen sich für, progressive gegen einen Boykott aus. Den Verbänden und Athleten war es selbst überlassen, ob sie in Moskau antreten wollten.
Schon früh hatten die Reiter der Top-Nationen ihren Verzicht erklärt, auch die Schweizer – trotz aussichtsreicher Kandidaten. Auch der Schiess-, Turn- und Fechtverband verzichteten auf eine Teilnahme – gegen den Willen vieler Athleten.
Letztlich trat die Schweiz Delegation unter neutraler Flagge mit 82 Athleten an, unter ihnen die späteren Olympiasieger Jürg Röthlisberger und Robert Dill-Bundi. Auf den Einmarsch bei der Eröffnungsfeier verzichteten sie. Insgesamt nahmen 4485 Sportler und 1220 Sportlerinnen aus 80 Nationen an den erstmals in einem sozialistischen Land durchgeführten Spielen teil, 16 davon aus Afghanistan.