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Fahrradtour USA: Titelseite: Vorwort
Die etwas speziellen Umstände meiner Fahrradtour
Für Franziska
In der Zeit vom 6. Mai bis zum 28. Juni 1999 fuhr ich mit dem Fahrrad durch die USA von New York nach San Francisco. Diese gut 6000 km lange Tour hat eine lange Geschichte.
"Ich komme Dich dann mal besuchen in San Francisco, mit dem Fahrrad, von New York aus." Das sagte ich im Frühling 1997 zu Franziska, die damals noch nicht meine Frau, sondern meine Freundin war. Franziska plante damals einen 2-Jahres-Aufenthalt als Postdoc an der University of California in San Francisco (USCF) von 1998 bis 2000. Ich entschied mich, nicht mitzugehen, aber Franziska sicher einmal zu besuchen - mit dem Fahrrad. Die Idee einer Velotour quer durch die USA war geboren. Lange Zeit blieb es nur eine Idee, die ich munter verkündete.
Erst mit der Zeit begann ich mich konkret damit zu befassen. Ich begann ein bisschen zu trainieren, mich nach Reiseführern umzusehen und Karten auszubreiten. Zuerst wollte ich die Tour im Herbst 1998 machen, doch erkannte ich bald, dass für eine Coast-to-Coast-Tour von Ost nach West aus klimatischen Gründen nur der Frühling in Frage kommt. So wurde aus der Idee langsam ein fester Plan und Entschluss: im Frühling 1999 mit dem Fahrrad von New York nach San Francisco zu radeln. Meine Familie und Freunde begannen mich ernst zu nehmen. Zu Weihnachten 1997 erhielt ich bereits die ersten Geschenke im Zusammenhang mit der Tour.
Am 22. Januar 1998 reiste Franziska für zwei Jahre nach San Francisco ab. Es dauerte nicht lange, bis es mich erstmals nach Westen zog; bereits an Ostern besuchte ich sie erstmals. Und wie hier vielleicht bereits zu spüren ist, zeichneten sich bald weitreichende Entscheidungen ab.
Im Sommer 1998 entschied ich mich, zu Franziska nach San Francisco zu ziehen - natürlich per Fahrrad. Im Herbst 1998 beschlossen wir, im Frühling 1999 in der Schweiz zu heiraten. Weihnachten und den Jahreswechsel verbrachte ich besuchsweise in San Francisco; Franziska und ich bereiteten nicht nur die Hochzeit vor, wir unternahmen auch eine längere Reise durch Arizona - unter anderem damit ich mir für meine Fahrrad ein Bild der einsamen Weiten der USA machen könne.
Meine Vorbereitungen für die Tour machten gute Fortschritte. Ich hatte die Route festgelegt, trainierte regelmässig und befasste mich mit dem Kauf eines neuen Fahrrad; vor meinem geistigen Auge sah ich mich durch die USA pedalen. Zudem hatte ich auch meinen Beruf und meine Wohnung gekündigt.
Am 27. März heirateten Franziska und ich im Berner Münster. Kein Wunder, dass Zweifel geäussert wurden, ob ich auch nach der Hochzeit als frisch gebackener Ehemann meine Fahrradtour machen wolle. Ich wollte, und ich genoss dabei die Unterstützung von Franziska. Sie reiste zehn Tage nach der Hochzeit wieder nach San Francisco zurück, und ich bereitete mich für den Start der Tour vor. Geplant war, am 26. April zu starten, aber dann zwang mich eine Angina mit anschliessender Scharlach, den Abflug auf den 6. Mai zu verschieben.
Danach hielt mich aber nichts mehr davon ab, endlich zu Franziska zu fahren - zwei Jahre nach der Geburt dieser Idee, aber unter ganz anderen Umständen, als ich mir damals denken konnte.
Die meisten Biker aus Europa starten ihre USA-Radtour unter anderen Voraussetzungen. Sie kommen mit einem 3-Monats-Visum an und müssen danach wieder nach Hause. Sie machen eine Radtour in den USA, weil sie dieses Land fasziniert und weil sie es selber entdecken und erleben wollen.
Das wollte ich natürlich auch. Aber ich wusste von Anfang an, dass mein Amerika-Erlebnis sich nicht auf die Fahrradtour beschränken, sondern dass die Tour nur ein Teil davon sein wird, da ich danach in San Francisco bleiben würde. Zudem war für mich klar, dass ich spätestens Mitte Juli in San Francisco sein wollte; ich hatte ja nicht geheiratet, um möglichst lange alleine unterwegs zu sein.
Das hatte für meine Tour zur Folge, dass ich einen Kompromiss finden musste zwischen landschaftlichen Attraktionen und möglichst direkter Strecke. Die Route, die ich schliesslich wählte, berücksichtigte Highlights wie die Nationalparks (Yellowstone) so weit wie möglich; die direkteste Strecke (allerdings durch die Wüste Nevadas) wäre um rund 1000 km kürzer gewesen. Auf meiner Route bin ich dafür jeden Tag möglichst weit gefahren, und ich hätte mir für bestimmte Regionen mehr Zeit genommen oder manchmal einen Abstecher gemacht, wenn ich "nur als Tourist" unterwegs gewesen wäre.
Franziskas Unterstützung war für mich eine ausserordentlich grosse Hilfe sowohl bei den Vorbereitungen als auch während der Tour. Sie organisierte mir in den USA Karten- und Informationsmaterial, das man in der Schweiz nur mit viel Aufwand und zu einem höheren Preis erhalten hätte, und half mir beim Kauf der Ausrüstung in günstigen Outlet-Läden in San Francisco. Während der Tour telefonierte wir jeden Abend zusammen; diese Gespräche waren meine tägliche Moral- und Motivationsspritze. Auf diese Unterstützung müssen die meisten Tourenradler verzichten.
Diese Coast-to-Coast-Tour war für mich eine sehr grosse Herausforderung. Dass es körperlich anstrengend werden würde, jeden Tag im Schnitt wie geplant 100 km zu fahren, war mir klar; das machte mir aber auch kaum Sorgen. Die eigentliche Anstrengung liegt, vor allem wenn man alleine unterwegs ist, im psychischen Bereich: Man muss jeden Tag radfahren wollen, und das während mehrerer Wochen, und man muss eine Formbaisse oder einen Stimmungsabfall aushalten können. Ich glaubte daran, dass ich das schaffen würde, aber ich wusste es nicht, da ich auf keine entsprechenden Erfahrungen zurückgreifen konnte. Von Anfang an gestand ich mir deshalb das Recht zu, die Tour abzubrechen oder abzukürzen, wenn ich dieser Herausforderung nicht gewachsen sein sollte. Dass es mir schliesslich gelungen ist, den amerikanischen Kontinent alleine und aus eigener Kraft mit dem Fahrrad zu durchqueren, verdanke ich allen guten Geistern, die mich begleitet haben, den Vorbereitungen, die mehr Zeit und Aufwand brauchten als die Tour selbst, und vor allem Franziska, ohne die ich weder auf die Idee für diese Fahrradtour quer durch die USA gekommen wäre noch sie umgesetzt hätte.