Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03550.jsonl.gz/2083

Der Deutsch-Französische Sender ARTE sendet seit über zwanzig Jahren ein zweisprachiges Programm. Die Sendungen werden entweder auf Deutsch oder Französisch produziert und dann in die jeweils andere Sprache übersetzt. Somit können die Bürger der beiden wichtigsten Europäischen Länder ein gemeinsames Fernsehprogramm schauen.
Für die mehrsprachige Schweiz ist dieses Modell eigentlich wie geschaffen. Ein allen Landesteilen gemeiner Sender würde den nationalen Zusammenhalt stärken. Es würde dazu führen, dass die Landesteile nicht länger eigentlich von einander getrennte Öffentlichkeiten darstellten und es würde ein Diskurs über die Sprachgrenzen hinaus ermöglicht. Die politische Debatte würden nicht mehr getrennt in der Deutschschweiz in der Arena und in der Französischen Schweiz in Infrarouge, sondern in einer Diskussionssendung, die die ganze Schweiz erreicht, stattfinden.
Natürlich hätte man es in der Schweiz nicht nur mit zwei sondern mit vier Sprachen zu tun. Eine gleichmässige Aufteilung der Produktionssprachen macht aufgrund der unterschiedlichen Bevölkerungszahlen wenig Sinn. Ich würde deshalb einen Verteilungsschlüssel vorschlagen, bei dem zwar die Anzahl Sprecher der einzelnen Sprachen berücksichtigt werden, den Minderheiten aber verhältnismässig viel Platz eingeräumt wird. Zum Beispiel könnte man 40% der Sendungen auf Deutsch, 30% auf Französisch, 25% auf Italienisch und 5% auf Romanisch produzieren.
Zusätzlich zu diesem nationalen Sender könnte man natürlich, sofern das gewünscht wird, weiterhin auf die Sprachregionen begrenzte öffentliche Sender anbieten. So könnte ich mir zum Beispiel ein Modell vorstellen, bei dem ein nationaler Informationssender durch jeweils einen weiteren Sender in den Landesteilen ergänzt wird, welcher sich hauptsächlich auf regionale Nachrichten und Unterhaltung konzentriert.
Neben den weiter oben schon genannten Vorteilen für den nationalen Zusammenhalt, liessen sich mit einem solchen Modell vielleicht auch Kosten sparen. Einerseits könnte die Anzahl Sender (derzeit 8) reduziert werden, andererseits könnten bei einem gemeinsamen Sender auch viele Redaktionen zusammengeführt werden. Dies sollte allerdings nicht unser Hauptbeweggrund sein. Denn ganz unabhängig von allfälligen finanziellen Überlegungen, würde ein nationaler Fernsehsender eine Bereicherung für die Schweizer Medienlandschaft darstellen.