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Die Geschichte des Instituts
Seit über 150 Jahren bekannt: die Gasnarkose
Anästhesie in einem moderneren Sinne gibt es schon über 150 Jahre: seit dem „Ether day" am 16.Oktober 1846, als der Zahnarzt William Thomas Green Morton in Boston/Massachusetts die erste erfolgreiche Äthernarkose durchführte und dieses Verfahren einen wesentlichen Fortschritt der Chirurgie ermöglichte. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Anästhesie hat auch in Zürich Tradition: Schon 1901 veröffentlichte hier der Biologe und Pharmakologe Charles Ernest Overton seine wesentlichen Theorien zur Wirkungsweise der Narkose („Studien über die Narkose").
Späte Selbständigkeit der Anästhesie in Zürich
Fachliche und institutionelle Selbständigkeit haben die Anästhesie und ihre Wissenschaft, die Anästhesiologie, in Zürich aber erst verhältnismässig spät erlangt. Das Institut für Anästhesiologie gehört zu den jüngeren Institutionen am Universitätsspital Zürich. Für diese Entwicklung sind verschiedene Gründe verantwortlich.
Anders als in den angelsächsischen Ländern bildete sich im deutschen Sprachraum erst spät ein eigenständiges medizinisches Fach Anästhesiologie heraus; die Chirurgen führten die Anästhesie selbst durch oder übertrugen sie jüngeren Assistenzärzten und Pflegepersonal. Bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg führte dieser Zustand zu einem wesentlichen Rückstand in der Narkosetechnik.
Anfänge
Initiativen zur Gründung eines eigenständigen Anästhesieinstituts
Eine Wende in dieser Entwicklung ist nicht zuletzt der Initiative von verschiedenen Chirurgen zu verdanken, beispielsweise dem Neurochirurgen Professor Hugo Krayenbühl. Er hatte in England die Vorteile einer verbesserten Narkosetechnik kennen gelernt. Auch in Zürich setzte sich die Einsicht durch, dass eine wenig professionelle Narkosetechnik mit einem hohen Komplikationsrisiko den Fortschritt der Chirurgie behindern würde.
Ein Assistenzarzt der chirurgischen Klinik, Georg Hossli, widmete sich mit besonderem Interesse der Anästhesie. Er stellte fest, dass ein Teil der damals noch häufigeren Narkose-Komplikationen darauf zurückzuführen war, dass die mit der Narkose beauftragten chirurgischen Assistenzärzte und Pflegenden zu wenig Erfahrung in den Narkosetechniken besassen. Er konnte seinen Vorgesetzten, Professor Alfred Brunner, davon überzeugen, dass eine eigene Abteilung für Anästhesie aufgebaut werden müsse, sammelte zu diesem Ziel während eines Studienaufenthaltes in den USA weitere Anästhesiekenntnisse und erwarb den neu geschaffenen Spezialarzttitel für Anästhesiologie.
Institutsgründung
Institutionelle und akademische Selbständigkeit So kam es durch Regierungsratsbeschluss auf den 1. November 1953 zur Schaffung einer Anästhesieabteilung der Chirurgischen Klinik, auf 1. Februar 1954 wurde Georg Hossli zum Leitenden Arzt der Abteilung ernannt. Erst 1966 wurde die Anästhesiologie institutionell unabhängig und bekam den Status eines eigenständigen Instituts.
Georg Hossli übernahm 1954 vom Chirurgen Karl Eduard Mülly den Lehrauftrag für Anästhesie an der Universität Zürich. 1960 habilitierte er sich für das Fach und wurde 1966 vom Regierungsrat gleichzeitig zum Direktor des neuen Instituts und zum Inhaber des ebenfalls neuen Extraordinariates gewählt. 1971 wurde dieses in ein Ordinariat (ordentliche Professur) umgewandelt, womit auch die akademische Verselbständigung des Faches an der Universität Zürich vollendet war. 1987 trat Georg Hossli altershalber zurück, sein Nachfolger wurde Thomas Pasch.
Die Zunahme der Anästhesien war in den ersten Jahren ausserordentlich gross. Während 1958 noch 2870 Narkosen durchgeführt worden waren, stieg diese Zahl 1966 bereits auf über 15000 an! Die Arbeitsbelastung war enorm. Die Stellenzahl wurde diesem raschen Leistungszuwachs nur langsam angepasst.
Spezialisierungen
Anästhesie für Operationen an Herz und grossen Gefässen
Mit Einführung und Aufbau der Herzchirurgie am Kantonsspital Zürich durch Professor Ake Senning 1961 wurde eine spezialisierte Herzanästhesie notwendig. Die Oberärztin und spätere Leitende Ärztin Ruth Gattiker bildete sich auf diesem Gebiet weiter und übernahm die Leitung der Herzanästhesie.
Spezielle Aspekte stellten anfänglich die Kühlung der Patienten mittels Oberflächenhypothermie sowie die Anästhesie an der Herz-Lungen-Maschine dar. Ruth Gattiker habilitierte sich 1970 auf dem Gebiet der Herzanästhesie. Nach ihrer Pensionierung 1986 übernahm Edith R. Schmid, seit 1993 nebenamtliche Extraordinaria, die Leitung der Herzanästhesie und seit 1994 auch der herzchirurgischen Intensivstation. 2002 wurde sie Leiterin einer neu geschaffenen Abteilung Kardioanästhesie.
Anästhesie für Organtransplantationen
Während in Zürich seit 1964 regelmässig Nieren transplantiert werden und die anästhesiologische Betreuung der Empfänger quasi zur Routine wurde, machte die Einführung von Lebertransplantationen (1986) und Lungentransplantationen (1992) und die dafür notwendigen Anästhesietechniken und Monitoringverfahren eine weitere Spezialisierung der Anästhesie nötig.
Von Andreas Zollinger, später Privatdozent und Leitender Arzt am IfA und ab 1999 Chefarzt am Stadtspital Triemli, wurde 1990 ein anästhesiologisches Tranplantationsteam initiiert. Während 1986 die erste Lebertransplantation am USZ noch ohne spezifischere Einbindung der Anästhesie in die perioperative Betreuung stattfand, wurde das Transplantationsteam in der Folge für Leber- und Lungentransplantationen fest in die Evaluation und das perioperative Management einbezogen.
Wachstum und Ausbau
Professor Georg Hossli trat altershalber 1987 zurück. Neuer Institutsdirektor wurde Thomas Pasch. Unter seiner Leitung ist im Rahmen immer noch zunehmender operativer Aktivität das Institut noch weiter gewachsen und umfasst heute etwa 100 Ärztinnen und Ärzte sowie über 100 Pflegefachleute. Das Institut betreibt sowohl klinische wie auch Grundlagenforschung.
2006 trat Thomas Pasch altershalber zurück, seither steht das Institut unter der Leitung von Donat R. Spahn.
Spezielle Tätigkeitsgebiete
Neben Anästhesien für herkömmliche chirurgische Eingriffe wurde die Aktivität des Institutes auch bald in spezialisierte und über die reine Narkoseführung hinausgehende Bereiche ausgedehnt. Ein Bereich stellte schon früh Notarztmedizin und Reanimation dar. Für die Helikoptereinsätze der REGA-Basis Zürich stellte das Institut von Anfang an die Ärzte. Ein Notarztsystem der Sanität Zürich wurde ebenfalls mit wesentlicher ärztlicher Beteiligung des Institutes eingeführt.
Zu einem weiteren Betätigungsfeld des Institutes wurde die Schmerztherapie. Auf Initiative von Professor Eli Alon wurde 1995 ein Ambulatorium speziell für Patienten mit chronischen Schmerzsyndromen eingerichtet. Für Patienten mit postoperativen Schmerzen wurde ein Akutschmerzdienst eingerichtet.
Ausblick
Viele wichtige Entwicklungsschritte der Institutsarbeit sind in diesem Überblick aus Gründen des Umfangs nicht berücksichtigt. Die weiteren Seiten unserer Homepage informieren über spezielle Aspekte und weitere Entwicklungen in einzelnen Fachbereichen des Institutes.
Zeittafel
1846
16. Oktober: „Ether Day" in Boston/Massachusetts. Erste erfolgreiche Äthernarkose
1901
Charles Ernest Overton veröffentlicht in Zürich seine „Studien über die Narkose"
1934
Hugo Krayenbühl, Neurochirurge in Zürich, erlernt in England modernere Narkosetechniken
1953
1. November: durch Regierungsratsbeschluss wird eine Anästhesieabteilung der Chirurgischen Klinik geschaffen, Leiter: Dr. Georg Hossli
1954
Georg Hossli wird zum Leitenden Arzt der Abteilung ernannt. Er erhält einen Lehrauftrag für Anästhesiologie
1960
Georg Hossli habilitiert sich für das Fach Anästhesiologie
1966
Das Institut für Anästhesiologie wird eine selbständige, von der Chirugischen Klinik unabhängige Institution. Georg Hossli wird zum Direktor des Institutes und zum ausserordentlichen Professor ernannt
1971
Georg Hossli wird ordentlicher Professor
1987
Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Georg Hossli wird Thomas Pasch
2001
Drei Jubiläen werden mit einem Jubiläums-Symposium gefeiert: 35 Jahre IfA, 80. Geburtstag Professor Hossli, 100 Jahre „Studien über die Narkose" von Overton
2006
Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Thomas Pasch wird Donat R. Spahn