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Dies war das Jahr, in dem Neymar sich in den grössten, aktiven brasilianischen Fussballer verwandelte. Und das berechtigt seine Fans zu noch grösseren Hoffnungen, nämlich, dass er es in wenigen Jahren zum weltbesten Fussballspieler schaffen könnte. Er war es, der seinen Verein ”FC Santos“, fast 50 Jahre nach dem letzten Sieg, wieder zum Titel der ”Libertadores“ führte.
Diese letzte Sportsaison zeigte ausserdem Barcelona als europäischen Meister mit einem Fussball, der den Menschen auf unserem Planeten den Mund offen stehen liess – geführt von dem Argentinier Lionell Messi. Und in Südamerika, nach den beschämenden Auftritten von Brasilien und Argentinien, hat nur Uruguay als Champion bestanden.
2011 war auch das Jahr, in dem die ”Gemischten Kampfkünste“ (englisch: Mixed Martial Arts MMA) wieder zu Ruhm und Ehren in Brasilien gelangten. Anderson Silva, der sensible Riese, ist die charismatischste Figur dieser Sportart im Land. Es war auch ein gutes Jahr für Thiago Pereira, der sich als grösster Medaillen-Gewinner Brasiliens in der Geschichte der Panamerikanischen Spiele entpuppte.
Rückblick auf brasilianische sportliche Sieger 2011
Anderson Silva
2011 geht in die Sportgeschichte ein als das Jahr, in dem UFC (Ultimate Fighting Championship) in Brasilien populär wurde. Die bedeutendsten Kämpfe werden ähnlich stark besucht wie entscheidende Endspiele im Fussball. Und wenn UFC in Brasilien ein Gesicht hat, dann ist es das von Anderson Silva.
Sensibel, wenn er mit Worten umgeht, aber ein Panzer auf der Tatame-Matte – Silva hat Vitor Belfort im Februar besiegt und wurde zur Berühmtheit. Dieser Kampf schlug so grosse Wellen, dass er den UFC im August nach Rio de Janeiro holte – ein Event, der auch finanziell ein Erfolg wurde. Und dahinter stand die ”9ine“, das Unternehmen von ”Ronaldo Fenômeno“, wie die Brasilianer ihr ehemaliges Fussballidol nennen, sein Name garantiert den Fernsehkanälen Zuschauer – und auch ihren Internet-Portalen. Ronaldo ist heute Werbe-Model und vom GLOBO als Kommentator engagiert, der die Kämpfe des UFC übertrug.
Anderson Silva füllt eine Lücke als Idol des brasilianischen Kampfgeistes, eine Lücke, die schon seit 20 Jahren klafft – seit Adilson Maguila davon träumte, der grösste Boxer der Welt zu werden.
Neymar
Neymar, der Crack aus Santos begann im Jahr 2009 professionellen Fussball zu spielen. Ein Jahr später qualifizierte er sich als ”Craque nacional“ (nationaler Spitzenspieler) – er kam nicht mit nach Südafrika, weil der ehemalige Trainer Dunga ihm nicht gut gesinnt war.
Und 2011 war das Jahr seiner internationalen Bestätigung und Anerkennung. Wenige Fussballer dieser Welt haben so viele Partien in einer Saison bestritten, wie Neymar. Bereits als paulistanischer Champion im Club Santos, war er der herausragende Spieler seines Clubs beim Gewinn des ”Libertadores-Cup“, was seinem Club seit 1963 nicht mehr gelungen war. Dieses Spiel war einer der wenigen Höhepunkte der schwachen brasilianischen Auswahlmannschaft (Seleção). Neymar begann als Werbe-Model umworben zu werden und wurde sogar innerhalb der europäischen Presse berühmt – so schnell kletterte sein Image, dass er sofort von den zwei besten Clubs der Welt Angebote bekam: Barcelona und Real Madrid. Am Ende überraschte er mit seiner Entscheidung, seinem Club Santos bis 2014 die Treue zu halten.
Und zu allem Überfluss wurde auch noch sein erster Sohn geboren – Davi Lucca. Neymar ist gerade mal 19 Jahre alt, aber wenn er mal später in Rente geht, wird er das Trikot 2011 beim Abschiedsspiel tragen können.
Ronaldinho Gaúcho
Für Ronaldinho sind die Sachen am Anfang der Saison nicht so gut gelaufen. Nachdem er sich die Finger verbrannt hatte, weil er sich Ende 2010 selbst zwischen Flamengo, Grêmio und Palmeiras zur Versteigerung angeboten hatte, spielte er beim Gewinn des ”Estadual“ durch die Rot-Schwarzen (Flamengo) nicht einmal eine Hauptrolle.
Was Ronaldinho gebraucht hätte, war Motivation: Flamengo schlug sich tapfer im ersten Turnus des ”Brasileirão“ und er war in jenen Momenten eine der Hauptfiguren. Er nahm teil an der brasilianischen Seleção beim Freundschaftsspiel gegen Ghana und war dort einer der Besten auf dem Platz. Und der Höhepunkt war das grösste Spiel des Jahres: Santos 4 x 5 Flamengo – in einem spektakulären Duell zwischen ihm und Neymar.
Mit anderen Worten: Einer der Weltbesten des letzten Jahrzehnts gegen einen Jungen, der verspricht, einer der Weltbesten dieses Jahrzehnts zu werden. Eine Partie, an die man sich erinnern wird als Beispiel für den schönen brasilianischen Fussball.
Cesar Cielo
Der grösste brasilianische Schwimmer der Geschichte wurde beim Antidoping-Test erwischt, nachdem er an der Maria-Lenk-Trophy im Juli dieses Jahres, in Rio de Janeiro, teilgenommen hatte. Der Bericht gab an, dass man die Substanz ”Furosemid“ gefunden habe, ein Diuretikum, welches andere Substanzen im Körper des Athleten zu verbergen vermag. Cielo erklärte, dass sich das ”Furosemid“ in einer Nahrungsergänzung befunden habe, die er in einer Apotheke seiner Heimatstadt Santa Bárbara d’Oeste (Bundesstaat São Paulo) in Auftrag gegeben habe.
Die bewusste Substanz befand sich in der manuell zusammengestellten Mixtur infolge eines Irrtums. Der brasilianische Schwimmer erhielt lediglich eine Verwarnung der Brasilianischen Wassersport-Konföderation (CBDA), was zu einem ausgiebigen Getuschel zwischen seinen internationalen Gegnern führte.
Noch im gleichen Monat kam dann für ihn die Wendung: Gold im 50-Meter Schmetterling bei der Weltmeisterschaft im Schwimmen in Shanghai (China). Und im Oktober beim ”Pan de Guadalajara“ (Mexiko) wusch er sich erneut den Gram von der Seele: 4 Goldmedaillen!
Fabiana Murer
Eins der grossen Sportereignisse Brasiliens im Jahr 2011 war die Goldmedaille von Fabiana Murer im Stabhochsprung bei der Weltmeisterschaft in Daegu (Südkorea) im August. Dies war die erste brasilianische Goldene bei einer Weltmeisterschaft in der Leichtathletik. Sie übersprang 4,85 Meter, dieselbe Höhe des südamerikanischen Rekords, den sie ebenfalls hält.
Ausser ihrer persönlichen Kompetenz, hatte Fabiana das Glück, dass ihre Gegnerin, die zweifache russische Olympiasiegerin Yelena Isinbayeva nicht in bester Verfassung antrat, weil sie sich noch von einer Verstauchung erholte und deshalb schlecht sprang. Isinbayeva feierte den Sieg der Brasilianerin – beide sind eng befreundet.
Das Ergebnis war eine Überraschung für Fabiana Murer – bei ihren Vorbereitungen hatte sie Ergebnisse, die unter den Erwartungen jener Weltmeisterschaft lagen.
Thiago Pereira
Es ist vier Jahre her, und es geschah bei den Panamerikanischen Spielen in Rio de Janeiro, dass Thiago Pereira 6 Goldmedaillen gewann und ein Jahr später als grosse Hoffnung des brasilianischen Schwimmsports zu den Olympischen Spielen nach Peking reiste.
Er büsste dann gegen Cesar Cielo an Ruhm ein, hielt sich aber stets unter den brasilianischen Spitzenschwimmern. 2011 in Guadalajara verwandelte er sich in den ”Senhor Pan“: Weitere 6 Goldmedaillen, eine Silberne und noch eine Bronzene. Insgesamt 18 Medaillen in zwei Pan-Veranstaltungen – ein historischer brasilianischer Rekord.
2015 in Toronto wird er versuchen, den Rekord brasilianischer Podien beim Schwimmsport einzustellen – der vom brasilianischen Schwimmer Gustavo Borges aufgestellt wurde – er stand insgesamt 19mal auf dem Siegerpodium.
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