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Wenn aus Liebe Prostitution wird ‒ die Opfer der Loverboy-Methode
Risikofaktoren und Handlungsmöglichkeiten für die Soziale Arbeit
Loverboys sind Menschenhändler und Zuhälter, die Mädchen und jungen Frauen eine Liebesbeziehung vorspielen, um sie gezielt von ihrem sozialen Umfeld zu isolieren und von sich abhängig zu machen. Ziel der Loverboys ist es, die Opfer in die Prostitution zu zwingen, um viel Geld mit ihnen zu verdienen.
Der Forschungsdiskurs zur Loverboy-Methode steht noch am Anfang, insbesondere opferspezifisches Wissen ist kaum vorhanden. In der Schweiz wird dem Loverboy-Phänomen erst seit 2018 vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt, seit erste Fälle von einheimischen minderjährigen Mädchen bekannt geworden sind. Auffällig ist, dass sich die Opfer der Loverboys selten Hilfe suchen. Die Loyalität gegenüber den Zuhältern bleibt über eine Trennung bestehen, teilweise gehen die Opfer sogar wieder in die Prostitution zurück. Das Ziel der vorliegenden Bachelor-Arbeit ist es, Erklärungswissen über das Viktimisierungsrisiko und das fehlende Hilfesuchverhalten der Opfer zu erarbeiten. Daraus werden Handlungsmöglichkeiten für die Praxis der Sozialen Arbeit abgeleitet. Dazu wird folgende Forschungsfrage beantwortet: Warum sind besonders Mädchen und junge Frauen gefährdet, Opfer eines Loverboys zu werden, warum suchen sie sich keine Hilfe und was kann die Soziale Arbeit dagegen unternehmen?
Die Forschungsfrage wird mittels der Auswertung aktueller Fachliteratur bearbeitet. Es wird untersucht, in welcher Entwicklungsphase sich die Opfer befinden und welche Risikofaktoren diese mit sich bringt. Zudem werden bereits bekannte Risikofaktoren theoretisch erarbeitet. Eine Antwort, warum Opfer sich keine Hilfe suchen, wird in der spezifischen Abhängigkeitsbeziehung zwischen dem Loverboy und seinen Opfern gesucht sowie in den Folgen, die die Ausbeutung mit sich bringt. Es wird analysiert, inwiefern die rechtliche Lage der Opfer und der gesellschaftliche Diskurs Einfluss auf das fehlende Hilfesuchverhalten haben. Daraus wird abgeleitet, welche Aufgabe die Soziale Arbeit mit Loverboy-Opfern hat und Anschlusspunkte in der bestehenden sozialarbeiterischen Praxis sowie Lücken ermittelt. Es wird festgestellt, dass während der Phase der Adoleszenz das Viktimisierungsrisiko erhöht ist. Ein geringer Selbstwert, fehlende Anerkennung durch Peers, ein risikoreicher Lebensstil sowie eine riskante Nutzung von sozialen Medien stellen zentrale Risikofaktoren dar. Das Opfer keine Hilfe suchen, liegt vor allem in der Abhängigkeitsbeziehung sowie in den schweren Traumafolgestörungen begründet.
Die Opferhilfe sowie Soziale Arbeit im Prostitutionsmilieu bieten wichtige Unterstützung für die Loverboy-Opfer. Hier fehlt es noch an Fachwissen, um die Hilfeleistungen zielgerechter an die Bedürfnisse der Opfer auszurichten. Lücken bestehen vor allem in der Präventionsarbeit sowie im Opferschutz.