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Früherkennung
Früherkennung von Dyslexie (Legasthenie)
Die frühe Diagnose einer Legasthenie war früher nicht möglich,
weil der Beurteilungsbereich der Symptomatik (Buchstaben und Zahlen) noch nicht vorhanden ist. Oft kam dann die Diagnose im Schulalter viel zu spät.
Inzwischen haben wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Würzburg ergeben, dass es Vorläufermerkmale gibt, die für den späteren Erfolg beim Lesen- und Schreibenlernen ausschlaggebend sind. Insbesondere aufgrund von Merkmalen der so genannten phonologischen Bewusstheit kann dieser Erfolg schon im Vorschulalter bedeutsam vorhergesagt werden (vgl. Schneider & Näslund, 1993).
Darauf beziehen sich die Tests, die im Vorschulalter durchgeführt werden.
Zielgruppe des Verfahrens sind Vorschulkinder, die zu zwei verschiedenen Testzeitpunkten überprüft werden können.
Allerdings gibt auch dieser Test nur Hinweise auf mögliche Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb.
Mögliche Hinweise sind
▪ kein Interesse für Buchstaben, z.B. Autokennzeichen
▪ kein Interesse, den eigenen Namens schreiben zu können
▪ längere Wörter wie Feuersalamander, Polizeibericht, Organisation u.a. können noch nicht richtig nachgesprochen werden
▪ Noch zu Beginn der Schulzeit sprechen die Kinder wie ein Kleinkind: "Tinder" statt "Kinder", "detommen" statt "gekommen"
▪ Abneigung Domino, Memory oder Puzzle zu spielen
▪ Vertauschung der Anfangsbuchstaben bei zusammengesetzten Wörtern z.B. Schühlkrank stattt Kühlschrank
▪ Verwendung von ähnlichen oder Ersatzwörtern
▪ Verwendung von falschen Bezeichnungen, z.B. Lampenschirm für Laternenpfahl
▪ Problem beim Herausfinden eines nicht passenden Wortes
▪ Probleme mit „Abläufen" (Reihungen), z.B. farbige Perlen aneinanderreihen
▪ Durcheinanderbringen von richtungweisenden Wörtern, z.B. hinauf/hinunter (dr)innen/(dr)aussen
▪ Durcheinanderbringen von Zeitangaben "Viertel vor" - "Viertel nach"
▪ das Kind geniesst es, wenn ihm vorgelesen wird, zeigt aber selbst kein Interesse am Erlernen von Buchstaben und Wörtern
▪ Unfähigkeit, die Bezeichnung für bekannte Objekte zu behalten, z.B. Farben
▪ Schwierigkeiten, die Masche an den Schuhen zu binden
▪ Kinder haben z.B. im Alter von zwei immer noch einen Wortschatz unter 100 Wörtern und sprechen noch nicht in Mehrwortsätzen
▪ sie haben Schwierigkeiten beim Erkennen von Reimen und Silben
▪ Eltern oder Geschwister haben ebenfalls Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben, da Vererbung eine große Rolle spielt
▪ sie können einzelne Buchstaben nicht aussprechen und weisen eine allgemeine Verzögerung bei der Sprachentwicklung auf.
▪ Sie sprechen in Sätzen, bei denen man das Gefühl hat, die Wörter sind zusammengewürfelt. "Da draussen Baum grün ist." (Dysgrammatismus)
An dieser Stelle soll hervorgehoben werden, dass Probleme im sprachlichen oder motorischen Bereich nicht zwangsläufig Anzeichen einer möglichen Legasthenie sind - beziehungsweise auch nicht, dass jedes Kind mit diesen Problemen zwangsläufig zum Legastheniker wird.
Eine gesicherte Diagnose der Legasthenie ist aber trotz allem im Vorschulalter nicht möglich, da der Beurteilungsbereich der Symptomatik - also die Schrift und das Lesen - noch nicht vorhanden ist.
Lese- und Schreibprobleme treten erst dann auf, wenn die Kinder zum ersten Mal mit Schrift in Berührung kommen.
Eine Legasthenie kann - wie bereits erwähnt - nur sicher festgestellt werden, wenn das Kind mit Buchstaben in Kontakt kommt, und dies erfolgt in der Regel in der Schule oder in der Grundstufe.