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Sulpice(Kt. Neuenburg,
Bez. Val de Travers).
757 m. Gem. und industrielles Pfarrdorf, in dem rings von Fels- und
Waldhängen umrahmten Erosionszirkus, der sich nach O. öffnet und in dem die Stromquelle der
Areuse entspringt; 2 km wnw.
Fleurier. Station der Regionalbahn
Travers-SaintSulpice. Postbureau, Telegraph, Telephon. Gemeinde, mit der
Montagne Giroud
und einem Teil von
Le Pont de
la Roche: 125
Häuser, 1234 reform. Ew.; Dorf: 95
Häuser, 1071 Ew. Die Kirche
Sancti Sulpicii wird 1218 zum erstenmal erwähnt; 1835 ist
Buttes als eigene Pfarrei davon abgetrennt worden. Die Reformation
wurde 1545 eingeführt und die Kirche nach einem
Brande 1820 neu erbaut. Die gleich als fertiger Fluss
aus dem
Felsen springende
Areuse treibt eine Reihe von industriellen Betrieben: die einstige Papierfabrik und
Schmiede ist gleich
den
Mühlen verschwunden und hat einer 1879 gegründeten und über 200 Arbeiter beschäftigenden Zementfabrik, einer Holzstofffabrik,
einer Uhrenschalenfabrik, mehreren
Sägen, Edelsteinschleifereien und mechanischen Werkstätten
Platz gemacht. Ackerbau und
Viehzucht, Waldwirtschaft. DerOrt wird zum erstenmal 1218 urkundlich erwähnt. Eine feste Burg, die westl.
vom
Ort stehende sog.
Tour Bayard, wird 1476 genannt, d. h. zu der Zeit, da Karl der Kühne vergeblich versuchte, den durch
eine mächtige Kette (heute im Museum zu
Fleurier aufbewahrt) gesperrten Engpass gewaltsam zu öffnen. Die letzten Reste der
Burg sind 1838 verschwunden.
Obwohl das Juragebirge eine Reihe von Erosionszirken aufweist, hat es doch nur wenige, die so regelmässig gestaltet sind
wie derjenige von Saint Sulpice. Er ist im Gewölbe des
Malmont ausgewaschen, der sich sw. Saint Sulpice im
Mont des Verrières
fortsetzt. Am Eingang in den Zirkus (Engpass des
Pont de la Roche) springt der Malm oder obere
Jura mit
senkrecht stehenden Schichten vor, um sich dann in majestätischem
Bogen zu heben und die
Leisten zu bilden, die rechts und
links des
Laufes der
Areuse die auf Argovienmergeln ruhenden Gehänge krönen.
Mitten in der
Sohle des Zirkus sieht man unter einer wenig mächtigen Decke von Oxfordmergeln und Eisenoolith
die Echinodermenbreccie des untern Callovien und die sog. Furcilmergel (oberes Bathonien) anstehen. Die tiefern Gehänge
des riesigen Amphitheaters sind unter einer mächtigen Decke von Glazialschutt vergraben. Damit ist zugleich auch gesagt,
dass die Glazialerosion an der Bildung des Zirkus ihren bestimmten Anteil hat, sei dies zu der Zeit gewesen,
da ein Arm des
Rhonegletschers noch das ganze
Val de Travers bis zum Thal von
Verrières bedeckte, oder damals, als nach dem
Rückzug dieses alpinen Eisstromes lokale jurassische
Gletscher über den
«Saut», d. h. die Felsschwelle zwischen dem Zirkus
vonSaint Sulpice und dem Thal von
Verrières, herunter geflossen sind.
Andererseits hat wahrscheinlich auch die unterirdische Erosionsarbeit der grossen Stromquelle der
Areuse (La Doux) zur Entstehung
dieser Hohlform das ihrige beigetragen. Obwohl man versucht hat, die Furcilmergel zur Zementfabrikation zu benutzen, verwendet
doch die grosse
Fabrik der Aktiengesellschaft
«Fabrique suisse de ciment Portland» heute zu ihrem Betrieb
ausschliesslich die Argovienmergel, denen man noch Kalke zusetzt. Vergl. auch die Artikel
Areuse, Doux,Travers (Val de). Siehe
Quartier La Tente: LeCantondeNeuchâtel. III: LeVal de Travers.
Neuchâtel 1893.
Sulpice(Kt. Waadt,
Bez. Morges).
395 m. Gem. und Dorf, auf einem Landvorsprung am N.-Ufer des
Genfersees und
zwischen dem
See und der Strasse
Lausanne-Genf; 4,5 km ö.
Morges und 3,5 km ssw. der Station
Renens der Linien von
Lausanne nach
Genf,
Pontarlier und Neuenburg.
Dampfschiffstation. Postablage, Telegraph, Telephon. Gemeinde, mit einer Anzahl von Einzelsiedelungen: 55
Häuser, 295 reform.
Ew.; Dorf: 42
Häuser, 224 Ew. Acker- und Weinbau. Nahe der Mündung der
Venoge eine
Mühle und eine
Säge.
Zahlreiche Kiesgruben, aus denen man 1904 15000 m3Sand und
Kies nach
Renens und
Lausanne verfrachtet hat. Unterhalb des Dorfes
stehen am Seeufer ein Landhaus,
L'Abbaye genannt, und eine Kirche. Von dieser, die einst zu einem Priorat
gehörte, steht nur noch das seine Front dem
See zukehrende Chor, während das Schiff, vermutlich zu Ende des 18. Jahrhunderts,
einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen ist. Dieser im romanischen Stil gehaltene Ueberrest des ehemaligen Gotteshauses ist
in mehr als einer Beziehung bemerkenswert, namentlich auch durch seinen etwas jüngeren Glockenturm,
dessen Bedachung eine etwas schwerfällige vierseitige Pyramide bildet. Die Kirche stammt in ihren ältesten Teilen aus dem 10. oder
dem Anfang des 11. Jahrhunderts, muss aber im
Lauf des 12. Jahrhunderts zu einem grossen Teil umgebaut worden sein. Sie ist
während der letzten Jahre restauriert worden, wobei man ihr ihren altertümlichen Charakter möglichst
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mehr
gewahrt hat. Hier bestand schon früh im 11. Jahrhundert eine Benediktinerpropstei, die vom h. Robert, Abt von Molesmes (in
der Champagne), 1098 in ein Zisterzienserkloster umgewandelt wurde. 1135 bestätigte der Bischof von Lausanne die Rechte der
Abtei Molesmes auf das Kloster Saint Sulpice. Zur Zeit der Reformation wurde dieses Priorat 1536 aufgehoben
und sein Grundbesitz der Stadt Lausanne zugesprochen, die aber erst nach dem Tod des letzten Propstes, Aymon von Gingins, Abt
von Bonmont, das Erbe wirklich antreten konnte.
Als Gegenleistung lag der Stadt ob, die Kosten für den Gottesdienst in den einst vom Priorat versehenen Pfarreien zu bestreiten.
Bis 1798 übte die Stadt Lausanne über Saint Sulpice, wo sie einen besondern Burgvogt unterhielt, die
Gerichtshoheit aus. Der ziemlich beträchtliche Grundbesitz der einstigen Propstei wurde 1597 an den Notar Peter Secretan
verpachtet. 1469 erlitt in Saint Sulpice ein der Ketzerei und des Unglaubens angeklagter Mann, Peter Terraz, den Feuertod.
Zu Ende des 17. Jahrhunderts war die 1,4 km w. Saint Sulpice über die Venoge führende Brücke der Genferstrasse
(wie diejenige bei Allaman und die Umgebung des Chalet à Gobet) der Schauplatz zahlreicher Raub- und Mordanfälle, deren Urheber,
wahrscheinlich Bewohner der benachbarten Ortschaften, mit dem Tod durch das Rad bedroht werden mussten.
In der Umgebung von Saint Sulpice haben Karl der Kühne vor der Schlacht bei Murten im Mai 1476 und der erste Konsul Bonaparte
vor dem Uebergang über den Grossen St. Bernhard im Mai 1800 eine Musterung ihrer Truppen vorgenommen.
Zwei Pfahlbaustationen (w. Les Pierrettes und vor der Spitze der Halbinsel) unbekannten Alters und eine
Station (ö. der Mündung der Venoge) aus der Bronzezeit. 1802 hat man in Saint Sulpice eine grosse Anzahl von Gräben aus
römischer Zeit aufgedeckt, in denen sich Tränenkrüge, Perlen, Spangen und andere Gegenstände vorfanden, und auf den Aeckern
sind Münzen aus der Zeit des Titus und Commodus zum Vorschein gekommen. Unter dem Seespiegel und nur
bei Niedrigwasser sichtbar stehen schief geschichtete Bänke von Molasse der aquitanischen Stufe mit Fossilien an. Die Propstei
und damit die Ortschaft haben ihren Namen nach einem der zwei h. Sulpicius († 29. Januar 591 bezw. 17. Januar 644) erhalten, die
beide Bischöfe von Bourges waren. Vergl. L'Égliseromane de Saint Sulpice (Vaud) et sa restauration; études histor. et archéolog.Lausanne 1888; Naef, A. L'Églisede Saint Sulpice et sa restauration; étude architecturale et archéolog.Lausanne 1896.