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Zu einem Theaterwettkampf gehören mindestens zwei Mannschaften, ein Schiedsrichter, eine Fangemeinde und ein sportbegeistertes Publikum. Alles war im Kunstraum Riss da. Der Theatersport-Wettkampf musste aber mit leichter «Verspätung» beginnen, wobei die Zuspätgekommenen gleich einmal die rote Karte sahen… Sportlich gekleidet informierte Schiedsrichter Lorenzo Polin, ein professioneller Schauspieler aus Samedan, die Anwesenden zunächst einmal über die Spielregeln. Der roten und der blauen Mannschaft wurde jeweils eine Regieanweisung gegeben, aus dem Zettelkasten mit den Ideen des Publikums zog der Schiedsrichter ein Stichwort, gab das Startzeichen und los ging’s.
Von der Krokodiljagd…
Die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen gingen auf Krokodiljagd, vergnügten sich beim Fischen, verwandelten sich in Marionetten, die sogar von den Zuschauenden geführt wurden oder übten sich im Gebärdenspiel. In einer der vielen improvisierten Szenen musste ein Wettkämpfer gar hinter der Kollegin sitzen und mit seinen Armen ihre Rede kommentieren.
Einen Höhepunkt des Abends bildete das Auftreten des Erfinders aus Nordkorea; dessen koreanisch vorgetragenen Werbespots – gekonnt übersetzt – sollten den Einheimischen im Engadin eine Gasmaske schmackhaft machen, eine sensationelle Neuerfindung, die vor allen schädlichen Ausdünstungen und Bakterien schützen und möglichst Tag und Nacht getragen werden sollte.
Eine andere Szene entpuppte sich als währschafter Krimi und drehte sich um «die weisse Hand». Die Suche nach dem Mörder durfte da nicht fehlen…
… zum Heugabelflamenco
Welche spontanen Einfälle kommen bei Stichworten wie «heulende Wölfe» und «Krokodile», und was wird gespielt, wenn einem die Stichworte «Flamenco» und «heuen» gegeben werden? – Es war köstlich zu erleben, wie zunächst jeder für sich mit der Heugabel hantierte und den Flamencotanz übte, bis sich schliesslich alle tanzend in den Armen lagen. Das Ganze musste dann noch im Zeitraffertempo durchgespielt werden, was seine Wirkung nicht verfehlte.
Das Publikum als Jury
Während beim improvisierten, leicht clichéhaften Spiel «im Irrenhaus» gleich auch einige der bereitgestellten Tomaten in Form von Kugeln auf die Bühne flogen, bedankte sich das Publikum in der Regel mit Applaus und Schokoladen, die auf die Stühle gelegt worden waren. Jede der Szenen wurde bewertet und die Siegermannschaft ermittelt.
Dies einige Eindrücke vom ersten Engadiner Theatersportabend. Er war ein voller Erfolg und amüsierte durch die multitheatralischen Leistungen das zahlreich versammelte Publikum. Dieses bedankte sich denn auch mit langem Applaus bei dem einheimischen Bündner Team Claudia Aerni und Reto Bass, bei der Gastmannschaft Manon Pfrunder und Erik Denz sowie beim «Schiri» Lorenzo Polin.
Nachdem auch schon im alten Griechenland, der Heimat der Olympischen Spiele, das Theater eine wichtige Rolle spielte, darf man gespannt sein, ob die neue Sportart des Theatersportes nicht bald auch olympiawürdig wird. Die Frage wäre dann nur noch, ob er den Winter- oder Sommerspielen zugeteilt würde.
Lorenzo Polin organisiert im Herbst in der Academia Improvisationskurse für alle, die in diese neue Sportart eingeführt werden möchten.
Autor: Romedi Arquint
Foto: Lorenzo Polin