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Eine Gewalttat, eine Katastrophe oder ein Krieg: Ereignisse, die das eigene Leben oder das von Angehörigen bedrohen oder zu körperlichen Verletzungen führen, können ein Trauma auslösen. Die betroffene Person erlebt dabei einen akuten Stress.
Die Schutzschicht ihres Ichs wird durchbrochen, ihre Integrität angegriffen. Das Bewusstsein der Sicherheit kommt ihr abhanden. Sie wird in ihren Grundfesten erschüttert.
Der Körper reagiere auf solche Situationen, indem er eine Kampfposition annehme, fliehe oder erstarre, sagt Daniel Schechter, Psychiater am Universitätsspital Lausanne: «Das Herz rast, die Atmung wird schneller, es geht ums Überleben. Wenn wir über solche Erfahrungen nicht mit anderen sprechen können, dann entwickelt der Körper Störungen wie Muskelspannungen, Kopfschmerzen, Magenkrämpfe oder Übelkeit bis hin zu Erbrechen.»
Komplexe Eltern-Kind-Beziehungen
Personen, die ein Trauma erlebt haben und seither unter solchen Störungen leiden, sind oft nicht in der Lage, angemessen auf Probleme ihres Gegenübers zu reagieren.
Welche Folgen das besonders auf die Beziehung zwischen Eltern und Kind hat, untersucht Daniel Schechter mit einem Forschungsteam an den Universitäten Lausanne und Genf im nationalen Forschungsschwerpunkt «Synapsy» zu Neurobiologie und psychischen Krankheiten.
Im Zentrum der Studie stehen Frauen, die früher häusliche Gewalt erlebten, körperlich oder sexuell missbraucht wurden und jetzt Kinder haben. Anhand von 64 Mutter-Kind-Paaren wird analysiert, wie sich die posttraumatischen Belastungsstörungen der Frauen auf ihre Kinder in unterschiedlichen Altersphasen auswirken.
Belastungen der Mutter werden weitergegeben
Eine erste Veröffentlichung Anfang Jahr hat gezeigt: Den betroffenen Frauen fällt es schwerer als Müttern ohne solche Belastungen, die Gefühle ihrer Kleinkinder zu erkennen. In diesem Alter drücken sie Gefühle weitgehend nonverbal aus. Belastete Mütter sind oft nicht in der Lage, angemessen darauf einzugehen.
Dies wiederum wirkt sich auf die Fähigkeit der Kinder aus, ihre Gefühle selbst wahrzunehmen und zu regulieren, etwa sich selbst zu beruhigen.
Störungen zeigen sich nicht nur bei den Müttern, sondern auch bei den Kindern oft in körperlichen Symptomen.
Eine weitere Analyse dieser Mutter-Kind-Gruppen zeigt auf, wie sich die Belastungen von traumatisierten Frauen später auf die Gesundheit ihrer Kinder auswirkt, wenn diese mit rund sieben Jahren in die Schule kommen.
Dafür wurde deren gesundheitlicher Zustand mithilfe eines Fragebogens erhoben, der von den Müttern ausgefüllt wurde. Zudem haben die Forschenden mit den Kindern Interviews geführt.
Früherkennung von Familientraumata ist notwendig
Die Auswertung zeigt nun, dass das Trauma der Mutter in direktem Zusammenhang mit dem Schweregrad der psychischen Beeinträchtigung ihres Kindes steht.
Die Belastung werde damit also auf die nächste Generation übertragen, sagt Daniel Schechter: «Solche Störungen zeigen sich nicht nur bei den Müttern, sondern auch bei den Kindern oft in körperlichen Symptomen, ohne dass dafür eine medizinische Ursache gefunden wird.»
Es sei ein Problem, so Daniel Schechter weiter, dass das ärztliche Personal oft übersehe, dass manche Familien von grossem Stress belastet seien, der die Beziehungen beeinträchtige. Es sei wichtig, ein familiäres Trauma zu erkennen, das sich auch in der Folgegeneration oft nicht durch Worte, sondern durch den Körper ausdrücke.
Das Forschungsteam hofft, dass erlittenen Traumata in Zukunft mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Dies könnte dazu beitragen, unnötige Besuche in der Notaufnahme und belastende medizinische Eingriffe zu vermieden.