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Im Juli 2015 verursachte der sintflutartige Monsunregen gefolgt vom heftigen Wirbelsturm Komen grosse Schäden in Myanmar. Besonders betroffen war der Bundesstaat Rakhine im Westen des Landes. Zahlreiche Dörfer wurden überschwemmt. Hunderte Schulen wurden zerstört oder mussten aufgrund der Schäden geschlossen werden. Die Katastrophe verschärfte die humanitäre Lage der Menschen in dieser von Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen gezeichneten Region, namentlich zwischen der buddhistischen Mehrheit und der muslimischen Minderheit der Rohingyas.
Die myanmarischen Behörden erstellten nach der Katastrophe einen Wiederaufbauplan, bei dem die Schulen im Vordergrund standen. Ziel war es, sicherere und stabilere Gebäude zu bauen. Die Humanitäre Hilfe der DEZA beschloss, die Bemühungen zu unterstützen. Bereits früher hatte die DEZA über hundert Schulen in Myanmar gebaut, in Regionen, die von Konflikten und den Folgen des Wirbelsturms Nargis von 2008 betroffen waren. Ausserdem ist die DEZA im Vorsitz einer Arbeitsgruppe, in der verschiedene am Wiederaufbau von Schulen beteiligte Ministerien vertreten sind. Diese Gruppe hat einschlägige Richtlinien erarbeitet, die für das ganze Land gelten.
Im Dezember 2015 begann die DEZA in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mit dem Wiederaufbau von sechs zerstörten Schulen im Bundesstaat Rakhine. Die IOM führt in der Region bereits Projekte zur Verringerung des Katastrophenrisikos durch. Sie leitet die Bauarbeiten und wird von der DEZA finanziell und fachlich unterstützt.
Von Hass geprägtes Klima
Zu Beginn des Projekts wurden die Schulen bestimmt, die wiederaufgebaut werden sollten. Um eine Verschärfung der interethnischen Spannungen zu vermeiden, achtete die DEZA auf eine ausgeglichene Auswahl: drei Schulen für die buddhistische Gemeinschaft und drei für die muslimische.
«Mit diesem Projekt wollten wir Akteure, die sich mit Hass begegnen, zusammenbringen, um an gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Konkret ging es darum, künftige Katastrophen zu verhindern und den Kindern die Rückkehr in die Schule zu ermöglichen», sagt Björn Schranz, Programmbeauftragter Südostasien und Pazifik der Humanitären Hilfe der DEZA. «Es ging aber nicht nur um die Gebäude. Wir wollten im Rahmen unserer Möglichkeiten auch dazu beitragen, die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen abzubauen», fügt er hinzu.
2017 war das Projekt der DEZA und der IOM mit ausserordentlich gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Bevölkerungsgruppen konfrontiert. Mehrere Dörfer wurden in Brand gesteckt, Tausende Menschen mussten fliehen. Während die Bauarbeiten weitergingen, wurden zwei der sechs Dörfer, in denen die Schulen gebaut werden, angezündet, beide im Gebiet der Rohingyas. Diese Zwischenfälle zeigen, wie angespannt die Lage in der Region ist.
Eine Wiederholung vermeiden
Allen Widrigkeiten zum Trotz konnten vier Schulen fertig gebaut werden, die den Anforderungen an Sicherheit und Stabilität gerecht werden. Thierry Umbehr, Chef Humanitäres in der Schweizer Botschaft in Yangon zieht folgende Bilanz: «Die Dorfbevölkerung beteiligte sich an der Einrichtung und Ausstattung der Schulen. Mit der Ausführung der Bauarbeiten wurden vor allem lokale Unternehmen beauftragt. Im Fokus standen die Stabilität der Gebäudestruktur, eine bessere Wasserversorgung und sanitäre Anlagen. Dank Massnahmen bezüglich Belüftung der Klassenzimmer, Licht und Sicherheit wurden auch die Bedingungen für den Unterricht verbessert. Die Gebäude sind bestens für den Primarschulunterricht geeignet und bieten der Bevölkerung gleichzeitig Schutz bei Unwetter, Wirbelstürmen und Überschwemmungen.»
Rund 600 Kinder gehen nun in brandneuen Klassenzimmern wieder zur Schule. Der Wiederaufbau der beiden anderen Schulen steht noch aus. Die Bauarbeiten können erst wieder aufgenommen werden, sobald sich die Sicherheitslage im Bundesstaat Rakhine verbessert hat und die Dorfbevölkerung zurückkehren kann. Seit Sommer 2017 sind zahlreiche Dörfer unbewohnt, weil die Menschen vor der Gewalt fliehen mussten. Die meisten fanden im benachbarten Bangladesch Zuflucht.
Vorbild für weitere Projekte im Land
Bei diesem Projekt konnte ausserdem die Praktikabilität der Baunormen getestet werden, welche die Humanitäre Hilfe der DEZA nach dem Wirbelsturm Nargis 2008 erarbeitet hatte. Die Erfahrungen aus dem Projekt im Bundesstaat Rakhine fliessen in die neuen Richtlinien für den Bau von Schulen ein. Diese treten im Sommer 2018 in Kraft und sind für Schulbauten im ganzen Land gültig.