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Credit Suisse leistete sich dieses Jahr Rekordvergütungen. Zu den – bereits hohen – Zahlungen für 2009 kam noch ein Mehrfaches davon an Boni aus früheren Jahren. In krassem Gegensatz dazu stehen die mageren Leistungen im Nachhaltigkeitsbereich.
Für 2009 stiegen die Vergütungen bei Credit Suisse (CS) in ungeahnte Höhen. Fast 150 Millionen Franken wurden der Konzernleitung ausbezahlt. Dazu kamen 642 Millionen, welche im Rahmen des fünfjährigen Motivationsprogramms «PIP» verteilt wurden. Aus diesem Programm erhielt allein der Konzernchef Brady Dougan 71 Millionen. Kein Argument reicht aus, um diese enormen Summen zu rechtfertigen.
Extreme Boni und Loyalität passen nicht zusammen
ACTARES fragte an der Generalversammlung, was das für Leute seien, die nur mit Millionen im Unternehmen gehalten werden können. Liegt diesen wirklich das Wohl des Unternehmens am Herzen oder ist Loyalität für sie ein Fremdwort? Ist das enorme Reputationsrisiko, das aus diesen astronomischen Vergütungen entsteht, der Credit Suisse egal? ACTARES lehnte den Vergütungsbericht 2009 ab und verweigerte dem Vorsitzenden des Vergütungsausschusses, Aziz Syriani, die Wiederwahl.
Lorbeeren zum Ausruhen bei der Umwelt?
Im Bereich Umwelt und besonders bei den Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels glaubt Credit Suisse offenbar, sich auf den Lorbeeren ausruhen zu können, weil sie in Nachhaltigkeitsratings meist eine gute bis sehr gute Note erhält. In der Tat ist CS in der Schweiz klimaneutral und will dieses Ziel in den nächsten Jahren weltweit durchsetzen. Dies ist natürlich lobenswert, es ist aber nur ein Teil der Wahrheit.
Erdöl, Kohle, Minen, Abbau von Ölsand
Über direkte Investitionen, Finanzierungen, Börsengänge oder andere Arten von Transaktionen ist CS stark im Minengeschäft, in der Erdölindustrie, in der Kohlegewinnung und seit Kurzem im Abbau von Ölsand engagiert. Es ist offensichtlich, dass die Auswirkungen dieser Tätigkeiten hoch klimaschädlich sind. Die Klimawirkung der Bürotätigkeit und der Geschäftsreisen sind im Vergleich verschwindend klein.
ACTARES fordert einen schrittweisen Ausstieg aus diesen nicht zukunftsfähigen Branchen und ihren sofortigen Einbezug in die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Erst wenn jegliche Geschäftstätigkeit berücksichtigt wird, ergibt sich ein realistisches Gesamtbild. Auf unsere Frage an der Generalversammlung, wann CS mit der vollständigen Berichterstattung beginne, erhielten wir keine Antwort. CS-Präsident Hans-Ulrich Doerig meinte nur, er sei der Grünste auf seinem Stock, weil er jeweils abends die Lichter lösche …
Nachhaltigkeit als Grundlage
Im Gespräch mit Hans-Ulrich Doerig fiel ACTARES auf, dass für Credit Suisse die Nachhaltigkeit lediglich ein Faktor ist, den man, unter vielen andern, auch noch berücksichtigen muss. Das ist klar der falsche Ansatz. Die Nachhaltigkeit muss die Grundlage jeder Geschäftstätigkeit bilden. Dann verschwindet das gefürchtete Reputationsrisiko, kommen die Vergütungen von selbst auf ein verträgliches Mass zurück und CS würde einen grossen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ein Unternehmen dieser Grösse verfügt über die Mittel, die Macht und das Prestige, eine solche Neuausrichtung einzuleiten.