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Nairy Baghramian wurde 1971 in Isfahan, Iran geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Ausstellung „Es ist ausser Haus“ in der Kunsthalle Basel, ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin in einer öffentlichen Kunstinstitution. Die Arbeiten von Nairy Baghramian sind komplexe mise-en-scènes, die sich aus neu bearbeiteten Elementen aus Bereichen, wie Möbel-Design, Bühnenbild und Mode zusammensetzen. Ihre Stillleben im Raum beziehen Referenzen zur Material-Geschichte mit ein, die re-kontextualisiert und so zu politischen Aussagen werden. Klassische modernistische Objekte des Begehrens, altmodische Kleidung und Fotografien sind in eine Ordnung gebracht und in scharf-kantige Rahmen fixiert. Diese hybriden Konstruktionen können als Stellvertreter für imaginäre Machtspiele gelesen werden, aber auch als Kommunikatoren, die sich auf Themen aus Literatur und Theater beziehen.
Die spröde, grafische und geometrische Form von Baghramians seltsam körperlichen Skulpturen generieren fesselnde visuelle Szenarien — ein mechanisches und optisches Ballettstück, indem der Blick einer Szene nach der anderen begegnet, dirigiert von der vorgeschriebenen Bewegung der BetrachterInnen im Raum.
Baghramian interessiert sich für exzentrische und dunkle Persönlichkeiten der Moderne, wie die Schriftstellerin Jane Bowles oder den Designer Jean-Michel Frank. In Baghramians Arbeit wird die Reflektion auf die obskuren, visuellen und textuellen Codes der Moderne zurück projiziert, auf die scheinbar sehr unterschiedlichen Realitäten des Mittleren Ostens, wo die Moderne eine längst vergangene Episode zu sein scheint. Die Künstlerin fokussiert sich im besonderen auf Themen des emanzipatorischen Gender-Diskurses gegen eine aktuelle konservative und partriachale Politik in Baghramians Heimatland Iran und anderswo.
„Es ist ausser Haus“ ist eine Installation, die Spiegel-Strukturen, Fotografie und Architektur verbindet, was zu einer neuen Definition der beiden grossen Räume im Erdgeschoss der Kunsthalle führt, indem sie sich an beiden Seiten der Wand, die sie trennt einnistet. Die Arbeit kontrolliert den Blick der BesucherInnen, indem sie eine ganze Reihe von günstigen Ausgangspunkten einrichtet, die zum Überlegen einladen, wie die beiden Hocker, die in den Türöffnungen zwischen den Räumen installiert sind.
Exzentrische Eleganz und Oberflächenschönheit, stilsichere Auswahl von unterschiedlichsten Materialien und Farben kennzeichnen alle Arbeiten von Baghramian, überstrahlen aber nicht eine darunter liegende kritisch-politische Haltung. So findet sich an der Stirnseite des letzten grossen Raumes eine Fotografieskulptur: Eine Farbfotografie gezeigt hinter Glas und integriert in einen Betonquader, der sich aus der Wand stülpt. Darauf ist ein pompös eingerichtetes Empfangszimmer zu sehen, mit mondänen rotsamtenen Diwans und einem kleinen hölzernen Beistelltischchen, auf dem gerahmte Porträts von Staatsmännern stehen: Eine vorgefundene Inszenierung in einem Palast, Teheran 2005. Vermeintliche Gastgeschenke an Reza Schah Pahlavi. Die freundliche Harmlosigkeit des Interieurs bricht sich erst beim genauen hinsehen. So findet sich auf dem Beistelltisch eine Zusammenstellung von Porträts, die u.a. Mustafa Kemal Atatürk, Mao Tse-tung, Konrad Adenauer und Adolf Hitler neben einander zeigt. Durch diese Zusammenstellung von grundverschiedenen politisch-ideologischen Richtungen, wird die generelle Konstruktion politischer Wahrheitsansprüche in Frage gestellt.
Einzelausstellungen (Auswahl): 2005 „Die Geister mögen das Flanieren“, Galerie Christian Nagel, Köln / 2004 „voluptuous panic“, Galerie Christian Nagel, Berlin
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2005/06 „Time Lines“, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf / 2004 „Splendor Geometrik“, Galerie Gisela Capitain, Köln / 2003 „Villa Romana 2003“, Museum Morsbroich, Leverkusen / 2003 „Hausordnungen“, kuratiert von Katharina Menzel, Stadthaus Ulm / 2002 „here and now“, Büro Friedrich, Berlin
Projekte: 2004 Gestaltung des Foyers der Kunsthalle Basel, mit Julian Göthe / 2002 „Der Internationalismus der 70er Jahre I: mouvement des femmes iraniennes-annee zero“ / „Bewegung iranischer Frauen – Jahr Null“, Frankreich /Iran 1979, vorgestellt von Nairy Baghramian, b_books, 2002
Die Ausstellung von Nairy Baghramian wird grosszügig unterstützt von Martin Hatebur