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Gamma-Hydroxybutyrat - oder kurz: GHB - heisst die Substanz, und sie wird «das menschliche Verhalten revolutionieren». So verspricht es zumindest Claude Rifat in einem Traktätchen auf dem Internet. GHB mache nicht nur Depressionen den Garaus, sondern unterdrücke auch die Aggressionsbereitschaft. Deshalb, so der Genfer Biologe, sollte es auch in der Politik und in Kriegsgebieten verwendet werden, denn: «Plötzlich möchtest du mit Menschen kommunizieren, die du normalerweise als Feinde anschaust.»
GHB - die neue Glücksdroge? «Liebe, Friede, Grosszügigkeit und Toleranz» - so lautete auch das Leitmotiv der Zürcher «Street Parade». Wahrscheinlich hat sich am 8. August der eine oder die andere ab und zu einen Schluck der farblosen Flüssigkeit genehmigt. Eine riskante Sache, denn GHB ist alles andere als harmlos. Je nach Dosierung kann der Konsum zu Euphorie, Entspannung, Erbrechen oder Koma führen.
Gamma-Hydroxybutyrat ist eine körpereigene Substanz, eng verwandt mit der Gamma-Aminobuttersäure, einem Botenstoff im Gehirn. Die Substanz wurde in den sechziger Jahren entdeckt und für medizinische Zwecke künstlich hergestellt. Wegen unerwünschter Nebenwirkungen verlor GHB jedoch bald seine Bedeutung als Schlaf- und Narkosemittel sowie Wirkstoff bei Alkohol- und Opiatentzug.
Vergiftungsfälle mehren sich
Anfang der neunziger Jahre entdeckte die Technoszene in den USA die psychoaktiven Wirkungen von GHB - und toxikologische Zentren und Intensivstationen meldeten erste Vergiftungsfälle. US-Filmstar River Phoenix starb 1993 vermutlich an einer Uberdosis GHB, was das Interesse an der Droge förderte. Vergiftungsfälle werden inzwischen auch aus England, Australien und den skandinavischen Ländern gemeldet.
Obwohl die Substanz unter dem Namen «Liquid Ecstasy» gehandelt wird, hat GHB nichts mit dem weitverbreiteten Amphetaminderivat Ecstasy zu tun. Es ist ein weisses Pulver, das - in Wasser aufgelöst - als farb- und geruchlose Flüssigkeit mit leicht salzigem Geschmack konsumiert wird. Raver schätzen an GHB vor allem die beruhigende Wirkung. Die Droge wirkt allerdings nur sehr kurz, je nach Dosis eine bis drei Stunden lang.
Deutsche Drogenfahnder halten GHB für wesentlich gefährlicher als Ecstasy, was die Dosierung wie die chemische Zusammensetzung betrifft. Riskant wird es vor allem für Raverinnen und Raver, die verschiedene Substanzen gleichzeitig konsumieren: Drogen wie Cannabis oder Alkohol verstärken die Wirkung von GHB.
Experten warnen
In der Schweizer Technoszene ist GHB erst unter Insidern bekannt. Doch die Fachleute sind alarmiert. So haben sich der Wissenschaftliche Dienst der Zürcher Stadtpolizei, der Schweizerische Apothekerverband wie auch das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) bereits vorsorglich über die neue Droge und ihre Wirkungen informiert.
GHB untersteht noch nicht dem Betäubungsmittelgesetz, aber es wurde in die «Zusätzliche Warnliste» aufgenommen, die von der Schweizerischen Gesellschaft für Chemische Industrie, dem BAG, Apothekern und Drogisten erstellt wird. Die Substanz wird nur gegen eine Deklarierung des Verwendungszwecks abgegeben.
Doch diese Massnahmen sind nur bedingt tauglich, denn GHB gelangt auch über andere Kanäle zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Nebst Kontrolle wäre deshalb auch mehr Prävention nötig.
Um so besser, wenn diese gleich von Szenenkennern betrieben wird. In der Schweiz einen Namen gemacht haben sich die Leute von «Eve&Rave», dem «Verein zur Förderung der Technokultur und Minderung der Drogenproblematik». «Da der Konsum von Partydrogen in einem Schattenbereich abläuft, lernen die wenigsten, wie man damit umgeht», sagt Vorstandsmitglied Andreas Jakob. Der Verein propagiert die «konsumakzeptierende Prävention», denn geschluckt werde sowieso. Jakob: «Wir können den Ravern nur Hilfe anbieten, indem wir die Substanzen für sie untersuchen.»