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Dunkel und golden schimmernd im Glas pur genossen, oder scharf und jung als weisse Basis für einen Cocktail - was Kolumbus um 1500 durch den Import des Zuckerrohrs erst möglich machte, bauten französische und englische Seefahrer zu einem lukrativen Geschäft auf. Und wer kennt nicht die Mythen um das Seefahrer-Getränk aus dem Dreieckshandel der Karibik? Bis Mitte des 17. Jahrhunderts wurde nur „Feuerwasser“ oder „aguardiente“ erwähnt, von dem sogar Matrosen eine tägliche Dosis genossen. Danach finden sich Einträge mit dem Begriff „rhum“ in den Handelsunterlagen der grossen Seemächte, die die schönsten Inseln der Welt bevölkerten und teils unter grausamen Bedingungen und Sklavenhandel zu eigen machten.
Seither sind alle Trauminseln von der Zuckerproduktion und Rumherstellung geprägt. Cubanischer Rum und der „Cuba Libre“, der angeblich 1872 seinen Einzug in europäische Bars hielt, wurden zum Symbol für die Insel. Auch Traumdestinationen wie die Fidji Inseln oder Ecuador stellten eigene Rumfabriken auf. Das Getränk führte einen Siegeszug: von Panama bis Haiti, von Guyana bis Peru. Ob auf den französischen Antilleninseln Martinique und Guadeloupe, La Réunion oder Mauritius – Rum war ein allgegenwärtiger sehr erfolgreicher Exportschlager.
Die Herstellungsbasis war dabei überall die gleiche: Weißer Rum hat in seiner ursprünglichen Form ungefähr 70% und wird aus mit Wasser fermentiertem, destillierten Zuckerrohr hergestellt. Auch Produktionsvarianten aus Melasse oder Zuckerrohrsaft (Rhum Agricole) sind üblich. Erst mit der weiteren Zugabe von Wasser kommt man auf die üblichen 37-38 Volumsprozent, die es bei uns im Handel bei einfachem Rum gibt. Danach wird mit Sorgfalt ein Holzfass ausgewählt, in dem der Rum weiterreifen darf um sein mildes, weiches Aroma zu erreichen – je länger, als desto wärmer beschreiben Kenner den Geschmack. Das breite Spektrum der Reifegrade reicht von V.O. - drei Jahre gereiften Rum über V.S.O.P. (4 Jahre - „very special old pale”) bis zu 6 Jahre X.O. (“extra old”) und älter. Spezialisten setzen aber auf noch älteren Rum, der oft über 10 oder 15 Jahre an Reifung im Eichenfass hinter sich hat und dem entsprechend kostspielig ist.
Heute ist Rum ein trendiges und vielfältig einsetzbares Getränk – ob pur oder von geschmackgebenden Zutaten wie zerstossener Minze, Orangenblättern und süssen Säften begleitet ist nur eine Frage des Gusto und vielleicht des Zeitpunkts. Denn wo er herkommt, gibt es anscheinend immer eine gute Stunde, um Rum zu trinken. So spricht man dort zum Beispiel ab fünf Uhr Früh von einem guten Schluck als Starter-Getränk für den Arbeiter. Zum hiesigen Znüni, also ab neun Uhr, könnte man auf den Antillen ebenfalls Rum geniessen – angeblich um die Eidechsen zu verjagen, die sich in der immer heisser werdenden Sonne an den Wänden räkeln. Manche Rezepte nennen dazu die Empfehlung, eine Zitronenzeste und eine bestimmte Anzahl an Zuckerkörnchen ins Getränk zu geben. Uns schon bekannter, und vergleichbar mit den Destillaten, die am Digestifwagen gehobener Restaurants angeboten werden, ist das um zehn oder elf Uhr vormittags konsummierte „Tröpfchen“. Dieses wird mit Soda aufgespritzt oder pur genossen und dient als Erfrischung – das ist bei uns allerdings eher zu späterer Stunde und nach dem Essen üblich.
Mittags findet man sich in der Karibik zum berühmten „Ti Punch“- eine Abkürzung für Petit Punch ein. In seiner Urform war dies ein Drink aus weissem, trockenen Rhum Agricole (aus Zuckerrohrsaft) mit Limettensaft und Rohrzucker. Die Ingredienzien wurden mit der Empfehlung „chacun se prépare sa propre mort“ (jeder bereite sich seinen eigenen Tod selbst zu) separat zum selber Mischen auf den Tisch gestellt. Heute werden für diesen „Sour“ zum Beispiel 1-2 cl Rohrzuckersirup, 4-6 cl Rum und der Saft einer halben Limette auf Eis verrührt und mit Limettenscheibe serviert. Statt dem Sirup kann auch Honig oder Rohrzucker verwendet werden.
Am Nachmittag um drei und um fünf ist ebenfalls eine gute Zeit für Rum-Mischgetränke aus Zitrone, Rum und Sirup. Vielleicht entspricht unserem Klima zu diesem Zeitpunkt ein guter Mojito – ein leichterer Drink, der mit crushed Eis, zerstossenen Minzeblättern, 2-4 cl Zuckersirup, 4-6 cl Rum und mit Soda aufgegossen nicht nur unter weissen Schirmen oder Palmen schmeckt.
Zu später Stunde gustiert man einen Abschiedsdrink. Da sich Rum gut zum Purtrinken eignet und einen stark individuellen Geschmack – je nach Produktion, Reifung und Lagerungsart – hat, muss man ihn einfach probieren um den Lieblingshersteller respektive die Lieblings-Ruminsel zu finden.
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