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Gold sowie Goldforderungen
Eine seriöse Schätzung der Totalmenge an Gold, welches weltweit von den Nationalbanken verliehen wurde, kann leider nicht abgegeben werden, da diese eine einfache, aber wirkungsvolle Buchhaltungsmethode eingeführt haben: In der SNB-Bilanz findet man die Goldposition unter Gold sowie Goldforderungen. Andere Nationalbanken haben diese beiden Positionen zusammengefasst unter Gold und Goldforderungen, so dass die verliehene Menge Gold nicht bestimmt werden kann. Sowohl die SNB wie auch die andere Notenbanken führen das Gold als Forderung auf, welche das Goldpreisrisiko beinhaltet (Gewinn oder Verluste laufen nach wie vor auf ihre Rechnungen). Da die Käufer (z.B. andere Notenbanken) des verliehenen Goldes logischerweise ihre erworbenen Bestände auch in die Buchhaltung aufnehmen, entsteht eine aussergewöhnliche Situation, man darf sogar von einem handfesten Wunder sprechen: Steigt der Goldpreis, können beide Besitzer desselben Goldes den entsprechenden Aufwertungsgewinn verbuchen, als wäre die doppelte Goldmenge vorhanden! Die Geschäftsbank, welche das geliehene Gold am Markt verkauft hat, macht keinen Verlust, solange sie das Gold nicht retournieren und damit zum Marktwert zurückkaufen muss. Durch die Verlängerung der Goldleihe kann sie den absehbaren Verlust zeitlich aufschieben. Auf Seite 81 des SNB-Jahresberichtes 2006 wird übrigens unbeirrt von einem Gesamtbestand von 1290 Tonnen Gold gesprochen, obschon über 119 Tonnen verleiht sind.
Internationale Finanzmarkt-Stabilität
Tatsache ist und bleibt: wenn die involvierten Notenbanken ihr Gold in Materialform zurückfordern, steigt der Goldpreis in Preisbereiche, welche die kühnsten Vorstellungen der meisten Menschen übertrifft. Dass damit die beteiligten Geschäftsbanken, allesamt bekannte Grossbanken, Verluste in Grössenordnungen erleiden würden, welche den Gebrauch von unliebsamen Ausrücken wie Insolvenz oder Konkurs nötig mache würde, wäre eine logische Folge. Dies hätte selbstverständlich weltweite Auswirkungen auf das Finanzsystem mit schwindendem Vertrauen ins Papiergeldsystem - alles Szenarien, welche nicht im Interesse der Notenbanken sein können. Was liegt nun also näher, als den Fisch von der Angel zu lösen, indem das geliehene Gold einfach verkauft wird, so dass es nicht noch zusätzlich auf dem Markt beschafft werden muss? Es muss leider auch vermutet werden, dass nach dem Debakel um den Hedge Fond Long-Term Capital Management (LTCM), welcher ebenfalls in solche Transaktionen verwickelt war, die Notenbanken von England und der Schweiz als Erste dazu gezwungen wurden, Falschsignale auszusenden und Gold zu verschleudern, natürlich immer im Interesse einer für alle Erdenbürger wichtigen internationalen Finanzmarktstabilität.
Das hier mit dem Vermögen der Schweizer Bevölkerung internationale Papiergeld-Politik betrieben wurde, ist leider zu befürchten. Schlimmer noch: Die Schweiz und mit ihr die SNB gilt weltweit als der Inbegriff von Stabilität und Sicherheit, was liegt also näher, diesen Werbeträger, im Interesse eines stabilen Finanzsystems, effizient einzusetzen? Welch schönes Signal, wenn man der ganzen Welt zeigen kann, dass sogar die klugen und reichen Schweizer endlich begriffen haben, dass Gold nur noch ein sentimentales Souvenir aus längst vergangenen Zeiten darstellt, welches sich zur Kaufkraftsicherung nun wirklich nicht eignet. Auffallend dabei ist die Tatsache, dass in den Medien meist nur von Verkäufern die Rede ist, die ihr zinsloses Gold loswerden wollen. Tatsache jedoch ist: Für jedes verkaufte Kilo Gold ist auch ein Käufer gefunden worden. Fast müsste man sich Sorgen um die Urteilskraft dieser unkundigen und naiven Marktteilnehmer machen: Die heutige SNB-Führung erweckt den Eindruck, dass sie einen unglaublichen Umstand nutzen darf: es existieren immer noch Marktteilnehmer, welche nicht begreifen wollen, dass das Zeitalter des Goldes längst abgelaufen ist und es keinen plausiblen Grund mehr gibt, dieses Industriemetall zu einem solch überrissenen Preis zu kaufen.
Nur übergeordnete Interessen hindern verantwortungsbewusste Menschen am Innehalten und einer etwelchen Neueinschätzung einer Situation, denn sonst könnten folgende Tatsachen den Verantwortlichen allenfalls den Schlaf rauben: Nationalbanken von aufstrebenden Nationen wie Russland oder China stocken die Goldreserven auf, zum Teil massiv. Als untrügliches Alarmzeichen wäre im Weiteren der Umstand zu werten, dass die amerikanische Fed kein Gold verkauft und dementsprechend angeblich immer noch die weltweit grösste Goldbesitzerin ist.