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Arthrose / Degenerative Gelenkerkrankung
Degenerative Gelenkerkrankungen können als eine Gruppe von Erkrankungen angesehen werden, die zu einer zunehmenden Verschlechterung des Gelenkknorpels, verbunden mit Veränderungen des Knochens und der Weichteilgewebe des Gelenkes, führen. Häufig besteht gleichzeitig eine Entzündung der Gelenkkapsel (Synovialitis) und ein Gelenkerguss. Klinisch zeigt sich die Erkrankung durch Schmerzen am betroffenen Gelenk.
Wissenswertes zu Arthrose
Welche Formen gibt es?
In der Regel leiden ältere Pferde unter Arthrose.
In einigen Fällen tritt Arthrose schon bei jungen Pferden vor, zum Beispiel bei Rennpferden, und betrifft Gelenke mit grosser Beweglichkeit, wie das Carpalgelenk und das Fesselgelenk. Hierbei bestehen akute entzündliche Veränderungen (Synovialitis und Kapsulitis), die den degenerativen Prozessen gewöhnlich vorausgehen.
Bei stark belasteten Gelenken, die eine geringe Beweglichkeit aufweisen, wie z.B. das Krongelenk, entwickelt sich die Arthrose meistens schleichend.
Eine dritte Form der degenerativen Gelenkerkrankungen sind Veränderungen, die sich sekundär nach anderen primären Gelenkproblemen entwickeln, wie z.B. nach intraartikulären Frakturen, Osteochondrose, Seitenbandriss oder Infektionen.
Was passiert im betroffenen Gelenk?
Die Zerstörung des Gelenkknorpels ist die wichtigste pathologische Komponente in einer Reihe von Veränderungen, die teilweise degenerativ und teilweise regenerativer Natur sind und letztendlich alle Gewebe und Strukturen eines Gelenkes betreffen. Zu den Veränderungen, die mit Gelenkknorpelschäden einhergehen, gehören die Osteophytenbildung (Randzackenbildung) und die Sklerosierung (Verdichtung) des Gelenknahenknochens.
Was ist das Ziel der Therapie?
Das Fortschreiten der degenerativen Erkrankung zu verzögern und möglichst einen funktionellen und schmerzfreien Zustand zu erreichen. Stellungskorrekturen und orthopädische Beschläge haben dabei ihren festen Platz. Weitere (berechtigte) therapeutische Möglichkeiten müssen fallweise den erkennbaren pathologischen Veränderungen angepasst werden. Bei der Wahl des therapeutischen Konzeptes sind der Verwendungszweck des Pferdes, Dopingbestimmungen, finanzielle Aspekte, persönliche Erfahrungen und praktische Überlegungen zu berücksichtigen. In jedem Fall muss der Besitzer oder die Besitzerin ausreichend über alle Aspekte der Erkrankung und über die Erfolgsaussichten der Therapie informiert werden.
Krankheitsbilder verschiedener arthrotischen Gelenke
Die Hufgelenksarthrose
Das Hufgelenk ist ein komplexes Gelenk, welches in enger Verbindung mit dem Strahlbein steht. Die häufigste Ursache für Schmerzen im Hufgelenk ist eine Entzündung. Seltener kommt es zu arthrotischen Veränderungen im Hufgelenk.
In den Anfangszeiten sind nur geringe Knorpelveränderungen vorhanden, die im Röntgen nicht sichtbar sind und nur mittels MRI dargestellt werden können. Mit der Zeit werden auch im Röntgen Veränderungen sichtbar.
Die Lahmheit kann leicht- bis mittelgradig sein, und eine Füllung des Hufgelenkes ist meistens vorhanden. Die Anästhesie des Hufgelenkes ist nach wenigen Minuten positiv. Bei der Therapie soll man eine grosse Aufmerksamkeit auf Hufstellung und Hufbeschlag schenken, und eventuelle Fehlstellungen sollen korrigiert werden. Weiter ist eine direkte Behandlung des Gelenkes indiziert und vor allem bei reinen Gelenkentzündungen mit einer guten Prognose verbunden.
Die Krongelenksarthrose
Bei Arthrose des Krongelenkes beobachtet man häufig die Bildung der sogenannten „Schale“. Schale wird definiert als Knochenzubildung, welche am unteren Ende des Fesselbeines bzw. am oberen Ende des Kronbeines auftritt.
Schale kann im Gelenk selber vorkommen, oder in der unmittelbaren Nähe der Gelenke, nicht auf der Gelenkfläche. Diese Knochenzubildungen entstehen nach einer Entzündung der Knochenhaut infolge eines Zuges an den Seitenbändern des Krongelenkes, durch Zug an den Ansatzstellen des Zehenstreckers am Kronbein und durch direkt einwirkende Trauma auf die Zehe. Übermässiger Zug an diesen Strukturen schädigt die Knochenhaut mit nachfolgender Entzündung und Knochenzubildungen.
In manchen Fällen kann ein Bruch des Fesselbeines oder des Kronbeines oder ein Seitenbandriss eine Arthrose des Krongelenkes verursachen Weiter können Stellungsfehler zu einer vermehrten Belastung der Seitenbänder, der Gelenkskapsel und der Sehnenansätze führen.
Betroffene Pferde zeigen eine mittelgradige Lahmheit und, bei fortgeschrittene Stadien und deutliche Knochenzubildungen, eine Auftreibung im Bereich des Krongelenkes. Die Beugeprobe ist meistens positiv. Eine radiologische Untersuchung ist meistens diagnostisch.
Als Therapie können entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden. Eine Gelenksbehandlung mittels Kortikosteroide und Hyaluronsäure ist nur bei Anfangsstadien indiziert: Bei fortgeschrittene Knochenzubildungen bleibt sie meistens erfolglos. Die einzige Therapie bei chronischen und fortgeschrittenen Veränderungen ist eine chirurgische Gelenksversteifung. Bei der Operation wird as Fesselbein und das Kronbein mittels einer Patte fixiert.
Die Fesselgelenksarthrose
Lahmheiten, die im Fesselgelenk lokalisiert sind, sind häufig durch eine akute Gelenkentzündung verursacht, welche im Zusammenhang mit Hyperextensionstrauma vorkommen. Betroffen sind häufig junge Sportpferde, die eine leichtgradige Lahmheit zeigen. Das Gelenk ist vermehrt gefüllt, warm, und eine deutliche Schmerzreaktion kann durch Hyperflexion erzeugt werden. Diese Pferde sollen mittels Ruhe und systemische Entzündungshemmer behandelt werden und haben eine gute Prognose.
Mit einer zunehmenden Überbelastung kommt es zur Schädigung des gelenknahen Knochens und zu einer progressiven degenerativen Veränderung.
Eine radiologische Untersuchung des Fesselgelenks ist meistens diagnostisch. Mittels Ultraschall kann die Dicke der Gelenkkapsel gemessen werden. Eine Arthroskopie des Fesselgelenks kann durchgeführt werden, um eventuelle kleine Fragmente zu entfernen und um den Gelenkknorpel zu beurteilen.
Die direkte Gelenkbehandlung mittels Kortikosteroiden und Hyaluronsäuren oder ähnlichen Präparaten führt meisten zu einer Besserung der Lahmheit, vor allem wenn die Veränderungen nur geringgradig sind.
Tarsalgelenksarthrose, Spat
Beim Spat handelt es sich um die weitaus bekannteste Lahmheitsursache an den Hintergliedmassen des Pferdes. In den letzten Jahrzehnten sind viele verschiedene Therapien beschrieben worden, von denen nur die wichtigsten erwähnt werden sollen. Die meisten gebräuchlichen Behandlungen weisen jedoch rein symptomatischen Charakter auf.
- Konservative Therapie: Aufgrund der Entzündung ist bei einer akuten Entzündung eine reduzierte Bewegung für ca. 3 Wochen erforderlich.
- Beschlagskorrektur: Die lateralen Ruten werden verdickt (Spatbeschlag).
- Entzündungshemmende Medikamente: Verschiedene Medikamente wie Kortison oder Phenylbutazon können die Entzündung wirksam hemmen. Diese werden systemisch (ins Futter) oder lokal (ins Gelenk) verabreicht. Sehr gute Resultate können durch die örtliche Verabreichung von Kortison erzielt werden. Dazu werden Depotkortisone direkt in die straffen Sprunggelenke injiziert.
- Operationen: Die Versteifung (=Arthrodese) der arthrotischen Gelenke. Dies geschieht einerseits durch eine chirurgische Entfernung des Knorpels und andererseits durch eine Stabilisierung mittels Schrauben und Platten. Durch diese Operation wird das Zusammenwachsen der Gelenke gefördert und die geringe Beweglichkeit weiter reduziert. Es gibt verschiedene Techniken, wie diese durchgeführt werden kann. Einmal kann der Knorpel mechanisch zuerstört werden. Dabei werden die Gelenksspalten lokalisiert und dann mittels einem Bohrer aufgebohrt. Es kann aber auch chemisch gemacht werden. Mittels bestimmten chemischen Substanzen z.b. steriler Alkohol kann der Knorpel rasch zerstört werden. Dies führt zu einer starken Entzündung, die zu einem raschen Zusammenwachsen der nun knorpelfreien Knochen führt.
Die Prognose ist abhängig von der Stärke und der Lokalisation der Arthrose und auch dem Alter des Pferdes. Wenn die Spaterkrankungen bereits bei sehr jungen Pferden auftreten, ist die Prognose meistens schlechter als bei den älteren Pferden. Auch ist die Prognose von der Ausdehnung der Veränderung abhängig. So ist die Prognose schlechter, wenn mehrere Gelenke betroffen sind.
Die Carpalarthrose, „Spat Carpus“
Die Carpalgelenksarthrose kommt bei Rennpferden, Araber und Quarter Horses häufig vor, kann aber bei allen Rassen vorkommen.
Klinisch zeigen die Pferde Carpalbeugeschmerzen und eine vermehrte Füllung der Carpalgelenke. Häufig zeigen betroffene Pferde eine Fehlstellung im Carpus. Die Anästhesie des Carpalgelenks ist positiv. Die radiologische Untersuchung des Carpalgelenkes ist diagnostisch.
Eine diagnostische Arthroskopie kann hilfreich sein, allerdings kann nur das Mediocarpalgelenk und das Antebrachiocarpalgelenk arthroskopiert werden, während das Carpometacarpalgelenk ein straffes Gelenk ist. Eine Gelenkbehandlung mittels Kortikosteroiden und Hyaluronsäure oder ähnlichen Präparaten kann zu der Besserung der klinischen Symptome führen. Eine Teilarthrodese (Gelenksversteifung) ist möglich, wenn die Veränderungen an den unteren beiden Gelenken gelegen sind.
Die Schultergelenksarthrose bei Minishetties
Die Schultergelenksarthose kommt meistens bei kleinen Rassen wie Minishetty, Falabella ponies und Miniature Horses vor. Als Ursache wird vermutet, dass eine Dysplasie (Fehlbildung) des Gelenkes zur Instabilität führt, zur Zerstörung des Gelenkknorpels und zur Bildung von Arthose.
Die Lahmheit fängt häufig plötzlich an, ohne bekannte Traumata. Die Manipulation des Schultergelenkes ist schmerzhaft und die Anästhesie des Gelenkes ist postitv. Bei der radiologischen Untersuchung können meistens deutliche Veränderungen am Schulterblatt festgestellt werden.
Therapie der Wahl ist eine intraartikuläre Behandlung des Schultergelenkes mittels Kortikosteroide, Hyaluronsäure oder ähnlichen Präparaten. Allerdings kann in fortgeschrittenen Arthrosestadien nur eine kurzzeitige Besserung erzeugt werden, mit folgender schlechten Prognose.
Lahmheitsuntersuchung
Als Lahmheiten bezeichnet man Störungen in der regelmässigen Bewegung der Gliedmassen, die meistens durch krankhafte Zustände hervorgerufen werden. Durch die Lahmheitsuntersuchung wird die Ursache der Bewegungsstörung eruiert.
Regenerative Therapien
Regenerative Therapieformen haben in den letzten Jahren in der Pferdmedizin immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ziel dieser Therapieform ist es, durch Injektion von biologischen Therapeutika wie Wachstumsfaktoren oder Stammzellen die Regeneration von geschädigtem Gewebe zu fördern.