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Begegnung
Peter Marko: Spannende Memoiren
Award Peter Marko hat etwas zu erzählen seine Autobiographie wurde soeben bei meet-my-life.net prämiert.
Neben Peter Marko liegt eine Lupe. Seine Augen sind nicht mehr so gut wie früher Schreiben geht besser als Lesen. Der 81-Jährige sitzt im Restaurant Burgwies in Zürich. Auf den Tischen stehen Ostereier, daneben Aromat, Salz und Pfeffer, aus der Küche scheppert das Besteck, das Radio spielt Charts. In die Burgwies ist Marko bereits in den Siebzigern eingekehrt. Der Arzt erinnert sich an einen Fondueabend und an viele Mittagessen mit den Kollegen aus dem Hirnforschungsinstitut der Universität Zürich.
Seine Memoiren, für die er Anfang dieser Woche den ersten Autobiographie-Award (siehe Box) entgegennehmen durfte, beginnen jedoch in einer slowakischen Kleinstadt, in Martin. An die Geburt, schreibt Marko darin, erinnere ich mich nicht, behaupte aber, meine Abneigung gegen den Geschmack frischer Tomaten komme davon, dass es mich an den Geschmack vom Fruchtwasser erinnerte, wovon ich nach neun Monaten in der Gebärmutter genug hatte und mit freudigem Hurra in die Welt schlüpfte.
Es sind der Schalk, die Feinfühligkeit und die Bescheidenheit, die immer wieder in der Schreibe von Marko durchdrücken. Er schreibt schon seit Langem: Ich verfasste bereits vor über vier Jahrzehnten Kurzgeschichten über mein Leben, meint er so leise, als hätte er nicht viel zu sagen. Das behielt er bis heute bei; er verschriftlicht Erinnerungen und sammelt sie, einen Teil davon in jährlichen Weihnachtsbriefen.
Die Jahre in Martin waren auch die Zeit, in der der kleine Marko mit Verwandten die Synagoge besuchte. Während des Krieges liessen sich alle jüdischen Familien christlich taufen, was sie vor der Deportation nach Auschwitz rettete. Später wurde Marko sogar konfirmiert.
Sein Vater hatte ohnehin nie viel für Religion übrig. Er war ein Pragmatiker, wie Marko sagt. Das war auch der Grund, weshalb er mich nicht wollte. Es sei der falsche Zeitpunkt für ein Kind so kurz vor dem Krieg, befand der Vater. Spüren habe er ihn das aber nie lassen, fügt Marko an, als möchte er ihn entschuldigen. Und zu entschuldigen gibt es bei seinem Vater noch mehr. Er war streng und schlug die Kinder oft. Ich habe aber immer gewusst, dass er mich lieb hat, sagt Marko.
Geprägt hat ihn dieses Verhältnis dennoch: Er hasst, wie er sagt, jede Form von Autorität.
Abneigung gegen Autoritäten
Auch der Krieg hinterliess seine Spuren: In die Kirche geht er heute genauso wenig wie in die Synagoge und parteilos ist er ebenfalls geblieben. Für mich ist einzig die Freiheit wichtig, sagt Marko leise es ist einer der Momente, in denen seine Augen leicht feucht werden.
Die starke Abneigung gegen Autoritäten hat ihn im Leben oft in neue Richtungen gelenkt. So arbeitete er etwa nach seinem Medizinstudium in Freiburg im Breisgau. Und obwohl er hätte aufsteigen können, zog er es vor, weiterzuziehen. Der Chef war eine Autoritätsperson und neurotisch, erklärt Marko.
Dies ist nicht zuletzt der Grund, weshalb er in Zürich landete. Drei Jahre arbeitete er im Hirnforschungsinstitut rund 200 Meter oberhalb des Restaurants Burgwies. Es waren prägende Jahre für Marko. Er lernte seine Frau Silvia kennen. Dazu steht in seiner Biographie: Wir trafen uns während der Arbeit und sie gefiel mir immer mehr. Ihre Haltung und Bewegungen waren anmutig, die Stimme angenehm, melodisch. Heute sagt er dazu, bevor er seinen Tee sachte umrührt: Sie hat mein Leben sehr beruhigt. Vorher sei das mit den Frauen schwierig gewesen. Ja geradezu kompliziert.
Von nun an zogen sie zu dritt durchs Leben Silvia brachte einen Sohn in die Ehe mit. Und es sollten noch viele Stationen folgen: Nach den Jahren in der Forschung lockte es Marko in die Praxis. Er arbeitete in der Chirurgie, der Gynäkologie, der Anästhesie, als Hausarzt. In Zweisimmen BE, Romanshorn TG und als Praxisvertretung in der ganzen Schweiz. Und er wurde Vater einer Tochter. Immer an seiner Seite: seine Frau, die als Arztfrau das Administrative erledigte, aber auch fürs Wohl der Patienten sorgte. So eröffneten sie, nachdem er seine Praxistätigkeit als Arzt mit 63 niedergelegt hatte, zusammen eine Praxis für Kinesiologie und Ernährungsberatung, in der er bis vor sechs Jahren arbeitete.
Heute wohnt das Paar in St.Gallen. Und doch, sagt er, sei Zürich bedeutender für sein Leben. Es ist der Ort, an dem er die Liebe fand, nach der er lange suchte. Der Ort, an dem er seine Enkel hütet. Und nun ist es auch der Ort, an dem er mit dem Biographie-Award geehrt wurde.
Marko ist ein ruhiger und nachdenklicher Mensch. Er hat sich intensiv mit seinem Leben beschäftigt, nicht erst in der Biographie. Auf die Frage, was er heute anders machen würde, sagt er: Ganz vieles.
Das Wichtigste: Er würde versuchen, gleich über Probleme zu reden und sie nicht in sich hineinzufressen. Das ist denn auch sein Rat an jüngere Generationen. Obwohl sie ohnehin nicht auf mich hören werden, sagt er kaum hörbar mit einem Schmunzeln.
Autobiographie-Award
Wer sein Leben aufschreiben möchte, kann dies auf www.meet-my-life.net tun. Das mithilfe der Universität Zürich entwickelte Schreibkonzept ermöglicht es, Erinnerungen geordnet aufzuschreiben und auf Wunsch online zu veröffentlichen. Der erste Monat ist kostenlos zur Probe, bei Gefallen bezahlt man einen einmaligen Betrag von Fr. 39.50. Die beste abgeschlossene Autobiographie wird jedes Jahr unter dem Patronat von Coop mit dem Schweizer Autobiographie-Award ausgezeichnet und als Buch in einer Auflage von bis bis zu 50 Exemplaren gedruckt.Zu meet-my-life.net