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Seit 1974 setzt sich die Schweizer Menschenrechtsorganisation Incomindios für die Rechte der Indigenen Völker weltweit ein. Wobei ein besonderer Fokus auf Nord-, Mittel- und Südamerika gelegt wird. Seit 2003 hat Incomindios den Beraterstatus an der UNO (ECOSOC).
Die Frage, welche ethnische Gruppen als indigen bezeichnet werden können beziehungsweise sich selbst dieser Kategorie zuordnen, gibt weiterhin Anlass für Kontroversen. Letztlich enden alle Debatten immer wieder bei einer Arbeitsdefinition, die der ecuadorianische Anwalt und Diplomat José Martínez Cobo in seiner von den Vereinten Nationen in den 1970er Jahren in Auftrag gegebenen Studie zur Diskriminierung indigener Bevölkerungen formulierte.
Sie basiert auf verschiedene objektive Kriterien und einer subjektiven Selbstidentifikation. Zu den Gemeinsamkeiten indigener Gruppen zählt er die historischen Erfahrungen von Kolonialismus und Eroberung, die kulturelle Differenz von der nationalen Mehrheitsgesellschaft sowie die gegenwärtige Marginalisierung und Benachteiligung. Indigenität geht also nicht zwingendermassen mit einer bestimmten Lebensweise einher.
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Juli Porträt: Dr. Dawn Lavell-Harvard
Dr. Dawn Lavell-Harvard ist Mitglied der Wikwemikong und zur Zeit Präsidentin der Ontario Women’s Association wie auch Vizepräsidentin der Native Women’s Association von Kanada.
Das Wikwemikong Unceded Reservat ist eines der zehn grössten Indigenen Gemeinden in Kanada. Es liegt am westlichen Ende der Insel Manitoulin in Ontario im Osten des Landes. Die Wikwemikong sind bekannt für ihre lebendige Indigene Gemeinde mit einer langen und reichen Geschichte. Die einmalige Tradition geht aus dem Zusammenschluss dreier indigener Stämme hervor – der Odawa, der Pottawottomie und der Ojibway. Heutzutage sind die Wikwemikong die schnellst wachsende Indigene Gemeinde auf der Insel Manitoulin.
Dawn Lavell-Harvard wuchs auf Manitoulin Island auf bis ihre Familie in den Süden der Provinz Ontario zog, um ihrem Bruder, welcher an einer leichten Lernschwäche litt, die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen. Lavell-Harvard war also noch jung als sie mit einer der grossen Probleme der Indigenen in Kanada konfrontiert wurde: Das Fehlen einer adäquaten Bildung. Bis heute macht sie auf die Umstände aufmerksam und kämpft für eine gute Schulbildung für Indigene in Kanada.
Der Zugang zu einer guten Bildung ist für Indigene in Kanada im Allgemeinen schwierig. Lavell-Harvard weist darauf hin, dass es nicht genügend Bildungseinrichtungen für Indigene in Kanada gib – falls sie überhaupt vorhanden sind. In Kanada erhalten öffentliche Schulen doppelt so viel Geld vom Staat wie private. Leider werden Indigene Schulen als private Institutionen angesehen, was zu einem klaren Nachteil für indigene Kinder führt, die zum Teil fernab der Zivilisation in Reservaten aufwachsen. Noch schlimmer ist die Tatsache, dass öffentliche Schulen indigene Schüler als „Kinder mit speziellen Bedürfnissen“ zu klassifizieren versuchen, um mehr Gelder vom Staat zu erhalten. So werden diese Kinder von Anfang an diskriminiert und als dumm angesehen. All diese Nachteile und Probleme im kanadischen Bildungssystem für Indigene verstärkten Lavell-Harvard jedoch nur noch mehr in der Idee ihr Karriereziel zu verfolgen. weiterlesen
Die Evaluation des Abschlussdokumentes der Weltkonferenz zu indigenen Völker, die Verantwortung von multinationalen Unternehmen im Bereich Rohstoffabbau, sowie die Erhaltung und Wahrung der Kulturen und Traditionen von indigenen Völker standen unter anderem im Fokus der diesjährigen Tagung des EMRIPS (Expert Mechanism on the Rights of Indigenous Peoples, dt: UN-Expertenmechanismus für die Rechte indigener Völker).
Vom 20 bis 24 Juli 2015 fand in Genf die achte Tagung des EMRIP statt, an der Vertreter und Fachleute von indigenen Völker, der Staaten, der Zivilgesellschaft, den internationalen Organisationen und der Akademie gemeinsam über die Rechte von indigenen Völker diskutierten. Zu Beginn wurde erneut darauf hingewiesen, dass der EMRIP als Plattform für einen Dialog zwischen indigenen Völkern und Staaten dient, in welchem die unabhängigen Experten als Gesprächspartner agieren.
Evaluation des Abschlussdokumentes der Weltkonferenz zu indigenen Völker und Prüfung des Mandats des EMRIPs
Im Abschlussdokument der Weltkonferenz zu indigenen Völker beteuern die Staaten noch einmal ihre Unterstützung für indigene Völker, welche durch die Planung und Umsetzung von nationalen Aktionsplänen gefördert werden sollte. Ein wichtiges Thema das bereits im Caucus (Vorbereitungstreffen an der UNO für indigene Vertreter) aufgegriffen wurde, ist die notwendige Umsetzung der Geschlechterparität auf verschiedenen Ebenen und die Einbeziehung von indigenen Personen mit Behinderungen.
Des Weiteren stand das neue Mandat des EMRIP zur Diskussion. Indigene Vertreter fordern die Entstehung eines Kontroll- und Implementierungsorganes, welches die Staaten in der Umsetzung der ILO-Konvention 169 zum Schutz der indigenen Völker assistiert und beobachtet. Stellungsnahmen von Staaten blieben aus und es wird angenommen, dass die Zustimmung von Staaten für ein solches Organ zurückhaltend ausfallen wird.
Wirtschaft und Menschenrechte
Aufgrund der immer steigenden Anzahl von Megaprojekten in indigenen Territorien, insbesondere im Bereich Rohstoffabbau, wächst auch die Verantwortung von Unternehmen gegenüber indigenen Völkern. Die Experten des EMRIP empfehlen den Staaten sich an die „UN Guiding Principles On Business and Human Rights (deutsch: Richtlinien der Vereinten Nationen in Bezug auf die Wirtschaft und Menschenrechte) zu orientieren. Dieser konzeptuelle Rahmen basiert auf drei Pfeilern: „The state duty to protect“, d.h., die Aufgabe des Staates, Menschen durch Regulierungen und Richtlinien vor der Verletzung ihrer Rechte durch Unternehmer zu schützen; „The corporate responsibility to respect“, d.h., die Pflicht der Unternehmen, die Menschenrechte zu respektieren und die dazu nötigen Strukturen und Abläufe zu schaffen; „Access to remedy“, d.h., neue und verbesserte juristische und ausser-juristische Mechanismen, und den Opfern von Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen zu ihrem Recht zu verhelfen. weiterlesen
Festivalgast Frank Waln (Lakota), Hip Hop-Künstler aus Chicago, USA
In Tomorrow We Believe – unter diesem Motto findet vom 21. bis 24. Januar 2016 das sechste Nordamerika Filmfestival in Stuttgart statt. Im Treffpunkt Rotebühlplatz, Volkshochschule (vhs), werden Filme gezeigt, in denen Indigene als Regisseure, Schauspieler und Drehbuchautoren ihre Kulturen und Lebenswirklichkeiten selbst vorstellen. Mit inhaltsstarken, humorvollen und faszinierenden Filmen setzen sie Gegenwart und Geschichte in Szene. In Tomorrow We Believe will den beispielhaften Ideen nachgehen, welche die indigenen Völker in ihren Lebensweisen, in ihrem einzigartigen Verständnis für die Natur, für den Menschen und für den Zusammenhang der Dinge entwickelt haben. Indigene sind das Gedächtnis der Menschheit. Ihre Ideen könnten zu Lösungen beitragen, unsere gemeinsame Welt von morgen lebenswert zu gestalten.
Wie immer werden außergewöhnliche Gäste erwartet. In verschiedenen Genres werden Preise für den besten Film ausgelobt. Weitere Infos
Wie bereits angekündigt führt Incomindios am Samstag 10. Oktober 2015 ein Freiwilligentreffen in Zürich durch. Sinn und Zweck dieses Treffens liegt darin, die neuen Projektideen zu präsentieren und weitere Freiwillige zu begeistern sich aktiv bei Incomindios zu beteiligen. Das Ziel der Freiwilligenarbeit ist, die Öffentlichkeit über die Indigenen Völker zu sensibilisieren und Unterstützung zu bewirken. Wie schon der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano sagte: „Viele kleine Leute, an kleinen Orten, mit kleinen Taten, können die Welt verändern“.
Diverse Projekte in unseren Dossiers „Rechte“, „Ressourcen“ und „Kultur und Bildung“ stehen in folgenden Bereichen voran:
- Pädagogik/Ethnologie: der Ausbau der Module an den Schulen für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sowie deren Durchführung in der ganzen Schweiz
- Wissenschaftliche Mitarbeit in rechtlicher, ethnologischer und/oder politischer Hinsicht: regelmässige Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen, Umweltverschmutzung und Rohstoffabbau im Zusammenhang mit indigenen Völker sowie Studien über indigene Völker
- Germanistik und Publizistik: Reportagen und Übersetzungsarbeit
- Organisatorisches / öffentliches Auftreten / Campaigning: Organisation und Durchführung von Standaktionen und Kampagnen, auch mit Partnerorganisationen (unter anderem betreffend Atomausstieg oder Gewalt an indigenen Frauen )
- Verschiedenes: UNO-Repräsentation in Genf mit Relevanz für indigene Völker
Nachfolgend die Eckdaten des Freiwilligentreffens:
Datum: 10. Oktober 2015
Ort: Cafe Gloria, Josefstrasse 59, 8005 Zürich
Zeit: 17:00 Uhr
Wir freuen uns auf ein zahlreiches Erscheinen!
Patricia Miranda Wattimena wurde 1990 in der Küstenregion der Maluku Provinz in Indonesien geboren und ist eine Angehörige der Haruku. Sie absolviert zur Zeit ein Studium der Rechtswissenschaften an der Pattimura University in Ambon und arbeitet nebenher für die Indigenous Peoples Alliance of the Archipelago (IPAA), der Dachorganisation aller Indigenen Völker Indonesiens.
Ein Interesse für Menschenrechte war bei Patricia schon früh vorhanden. Bereits als 14- Jährige engagierte sie sich in der Drogen- und Aidsprävention in ihrer Gemeinschaft und setzte sich für Kinderrechte ein. Mit dem Erreichen des Erwachsenenalters verschob sich ihr Fokus mehr und mehr in Richtung Rechte von Indigenen.
Auf die Menschenrechtslage in Indonesien angesprochen, weist Patricia auf das widersprüchliche Verhalten der Regierung hin, die zwar internationale Verträge und Rechtsabkommen ratifiziert, sich innerhalb der Landesgrenzen jedoch kaum an diese hält. Die junge Aktivistin zweifelt daran, dass die UNO-Deklaration über die Rechte Indigener Völker (UNDRIP) in Indonesien tatsächlich umgesetzt wird und betont die Wichtigkeit der Teilnahme von Repräsentanten indigener Gemeinschaften an UNO-Konferenzen. Es ginge darum sicherzustellen, dass die auf internationaler Ebene existierenden Menschenrechtsinstrumente ihre Wirkung auch auf nationaler und lokaler Ebene entfalten und in die Rechtssprechung des Landes aufgenommen würden. Weiterlesen
Am 5. Juni war internationaler Umwelttag. Die Geschäftsleitung, zusammen mit zwei Freiwilligen des Dossiers Rechte, haben einen Photo Booth über die Wichtigkeit des Schutzes der Umwelt und der indigenen Völker als Hüter unserer Regenwälder und Biodiversität, aufgestellt. Um einen Photo Booth aufzustellen benötigt man drei Dinge: tolle Ideen für die Umsetzung der farbigen, selbstgebastelten Schilder, eine gute Kamera und viel Energie. Incomindios hatte die Möglichkeit, mit einem Photo Booth an einer der grössten lateinamerikanischen Feste der Schweiz anwesend zu sein und Sensibilisierungsarbeit zu leisten. Die Fiesta Candela, welche über sechs Tanzflächen mit diversen Rhythmen verfügt und dreimal im Jahr in Zürich stattfindet, war mit über 800 Personen gut besucht.
Viele der Gäste liessen sich mit Schildern wie „ich liebe meinen Planeten“, „Wasser ist wertvoller als Gold“ oder „die indigenen Völker garantieren mehr Regenwald, mehr Leben“ abblitzen. Einige Schilder waren auch Bilder von typischem indigenen Schmuck aus dem Amazonasgebiet oder von sogenannten „Chuyos“, traditionelle Mützen aus der Andenregion. Die Aktivität hat nicht nur Spass gemacht, sondern die Gäste auf die Wichtigkeit des Schutzes und der Erhaltung der indigenen Völker für uns alle hervorgehoben. Die nächste Fiesta Latina Candela findet am 5. September in Zürich statt und Incomindios plant dafür wieder eine spannende Aktivität. Nicht verpassen!
Text: Cristina Ruiz-Gonzalez
Der Advanced Planning Visit zur Vorbereitung der Training Week im Mai war bereits ein voller Erfolg.
Nach wie vor stehen Indigene auf der ganzen Welt Problemen und Herausforderungen von Marginalisierung und Diskriminierung gegenüber. In den letzten Jahren hat es sich als äussert erfolgreich herausgestellt, Synergien untereinander zu bilden, um so die Möglichkeit zu bekommen gemeinsam auf die Missstände aufmerksam zu machen.
Mit dem Youth in Action Program wird jungen Indigenen aus Schweden, Finnland, Russland, Algerien und der Schweiz zwischen 16 und 30 ermöglicht, sich untereinander auszutauschen und Konzepte zu erarbeiten, wie man auf Missstände und Forderungen hinweist und sich auf dem internationalen Parkett Gehör verschafft.
Ziel dieser Durchführung ist es den jungen Indigenen einen Überblick über die allgemeinen Menschenrechte und die Mechanismen der UNO mit einem speziellen Fokus auf Indigene und Minderheiten zu geben.
Hauptaktivitäten des Youth in Action Program
An der Training Week (13.7-21.7.2015) in Genf treffen sich rund 30 Teilnehmer. Jeweils am Morgen stellt eine Gruppe sich selber und ihre Probleme und Herausforderungen ihrer Gemeinschaft vor. So sollen Themen wie die Erhaltung der Indigenen Sprache, soziale Probleme und allgemeine Probleme mit dem Staat vorgestellt und diskutiert werden. Am Nachmittag gibt es jeweils praktische Workshops, welche dazu dienen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu zeigen wie sie ihre Rechte einfordern und ihre Kultur schützen sowie sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen können, um eine Verbesserung der Situation zu erhalten. Ebenfalls werden verschiedene Menschenrechts- und UN-Organisationen wie das OHCR und die WIPO besucht.
Im zweiten Teil der Woche haben die jungen Erwachsenen die Möglichkeit an einer UNO Konferenz, dem Expert Mechanism on the Rights of Indigenous Peoples (EMRIP) teilzunehmen, welches ihnen ermöglicht ihre Kompetenzen, die sie in den bisherigen Workshops gelernt haben auch im wahren Leben anzuwenden. So wird ein Side Event durchgeführt und ein offizielles Statement der jungen Indigenen an der UNO abgegeben.
Ziel dieses Programmes ist es die Kenntnisse über die Menschenrechte zu vergrössern. Es wird erwartet, dass sich die jungen Indigenen durch das neu angeeignete Wissen mehr aktiv in der politischen Entscheidungsfindung für ihre Gemeinde einsetzen werden. Ebenfalls sollten sie durch das Youth in Action Program lernen, welches die speziellen Rechte der Indigenen sind und wie man diese auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene einfordern kann. Mit der Einbindung von jungen Schweizern, soll auch hier vor Ort über die Umstände von Indigenen aufmerksam gemacht und das Thema der Sprachminderheit und dessen Erhalt diskutiert werden.
Das Youth in Action Program wird zum grössten Teil von der CH-Stiftung finanziert und von Incomindios organisiert und durchgeführt. Die finanziellen Mittel sind äusserst knapp. Um einen erfolgreichen Besuch und Austausch der Indigenen zu garantieren sind wir auf ihre Spenden angewiesen und danken Ihnen schon im voraus!
Spendenkonto INCOMINDIOS Schweiz, Zürich
Postfinance – Die Post
BIC/SWIFT: POFICHBEXXX
IBAN: <iban-pii>
Clearing Nummer: 09000
Kontonummer: 87-4360-6
Inhaberin: INCOMINDIOS Schweiz, Zürich
Vermerk: Youth in Action
Vivi Vold wurde 1981 in Nuuk geboren, ihr Vater ist Norweger und ihre Mutter Inuk. Sie ist Teil des Inuit Circumpolar Council (ICC) sowie einer internationalen Inuit-Jugendgruppe, bestehend aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Alaska, Kanada, Russland und Grönland. Vivi repräsentiert die Inuit regelmässig an UN-Konferenzen, so beispielsweise am diesjährigen UN-Permanent Forum on Indigenous Issues (UNPFII) und an der World Conference on Indigenous Peoples 2014.
Die ersten vierzehn Jahre ihres Lebens verbrachte Vivi im südlichen Teil Grönlands, dann zog die Familie nach Dänemark. Heute leben ca. 18500 grönländische Inuit im Land der ehemaligen Kolonialherren, als Folge eines seit den 1950ern anhaltenden Migrationsstroms. 1953 wurde der Kolonialstatus Grönlands aufgehoben, die Insel ins dänische Königreich integriert und den Bewohnern der dänische Pass verliehen. 2008 wurde ein Gesetz zur Selbstverwaltung per Volksbeschluss angenommen, was dazu führte, dass Dänemark fortan nur noch die Verantwortung für die Aussen- und Verteidigungspolitik obliegt.
Für das Gymnasium kehrte Vivi nach Grönland zurück, ihr Studium in Multimedia Design absolvierte sie jedoch wieder in Dänemark. Nach dem Studium arbeitete sie 5 Jahre in Nuuk als IT-Beraterin, eine Zeit, über welche Vivi im Nachhinein sagt: „Ich tat was die Gesellschaft und meine Eltern von mir verlangten“. Den Drang, mehr für ihr Volk zu tun, verspürte sie immerzu.
Im Jahr 2010 zog Vivi mit ihren zwei Kindern von 6 und 8 Jahren zurück nach Dänemark, damit diese näher bei ihren Grosseltern waren und sie selber eine Ausbildung zur Berufsberaterin und Stresscoach machen konnte. In der Kofoeds Schule in Aarhus, welche Vorlesungen und Berufskurse für arme und sozial isolierte Menschen anbietet, arbeitete sie mit der lokalen Inuit-Gemeinschaft.
Viele Inuit, die ihre Heimat verlassen haben, leiden unter dem Kulturschock und den negativen Vorurteilen, welche die Dänen über sie haben. Mangelnde Dänischkenntnisse und grosse kulturelle Unterschiede führen dazu, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe marginalisiert wird. Als dänische Staatsbürger werden Grönländer nicht als „Immigranten“ klassifiziert und haben somit keinen Zugang zu Migrationsberatung. Die dänische Regierung investiert zwar Gelder in Projekte wie die „Greenlandic Houses“ in Kopenhagen und Aarhus, in welchen Studenten aus Grönland billig wohnen können. Diese Hilfe kommt aber nicht jenen zu Gute, welche am meisten darauf angewiesen sind, nämlich die vielen Obdachlosen und Alkoholkranken unter den Inuit in Dänemark. Es sind vor allem Inuit-Männer, von denen traditionell erwartet wird für die Familie zu sorgen, welche an der Arbeitslosigkeit und dem Gefühl, nicht gebraucht zu werden, zerbrechen. Frauen fällt es oftmals weniger schwer, sich in die neue Gesellschaft zu integrieren.
„Ich bin überzeugt, dass unser Volk nur wieder stark werden kann, wenn wir den historischen und sozialen Kontext unserer Situation begriffen haben.“ Weiterlesen