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Chronologie der Sammlung
1920
Beginn der Korrespondenz mit dem Tänzerpaar Alexander und Clotilde Sacharoff-von Derp. Karl Im Obersteg verfolgt und fördert mit grossem Interesse die Karriere der zu Weltruhm gelangenden Tänzer, die mit ihrer Kunst den modernen Tanz mitbegründen.
1920 ca.
Emil Nolde, Herr und Dame (Dame im Pelz), 1918; Ankauf vermutlich in Berlin, wo der Künstler in den Wintermonaten arbeitet und in dieser Zeit die Mehrheit seiner Werke verkauft.
1920 ca.
Emil Nolde, Gelehrter und Mädchen, um 1919; Ankauf vermutlich in Berlin. Das Gemälde wurde verkauft. Seit 1957 im Besitz des Museum Kunst Palast Düsseldorf.
1921
Beginn der jahrelangen Korrespondenz mit Alexej von Jawlensky. Auf Bitten Jawlenskys bemüht sich Karl Im Obersteg um den Verkauf und Transport von Werken von Amiet, van Gogh, Gauguin und Hodler aus Jawlenskys Sammlung.
1921
Cuno Amiet, Variation nach Jawlensky, 1921; Geschenk des Künstlers.
1922
Georges Rouault, Portrait de femme, 1904; Ankauf bei der Galerie Marseille, Paris.
1923
Pablo Picasso, Arlequin assis, fond foncé, 1923; Ankauf bei Paul Rosenberg, Paris, zwischen dem 22. Oktober 1923 (Datum der von Picasso an Rosenberg ausgestellten Quittung) und anfangs November 1923. Mit Einwilligung seines neuen Besitzers Karl Im Obersteg wird das Bild in der am 17. November 1923 bei Wildenstein in New York eröffneten Ausstellung «Recent Works by Picasso» und in einer daran anschliessenden Station im Arts Club in Chicago (Dezember 1923/Januar 1924) gezeigt. Für den Rücktransport wurde das Werk mit 75‘000 französischen Francs versichert, was dem Kaufpreis entsprochen haben dürfte. Das Bild zeigt den spanischen Maler Jacinto Salvado (1892-1983) in einem Harlekinkostüm und in sinnierend-melancholischer Gemütsstimmung. In der Sammlung Im Obersteg bildet das Porträt lange Zeit den grossartigen Anfang einer bedeutenden Reihe von Menschenbildern mit teilweise tragischem Ausdruck, die den melancholischen Klang dieser Privatsammlung besonders eindringlich charakterisieren. Nach dem Tod Karl Im Oberstegs 1969 ist es dieses Gemälde, dessen Verkauf den Erhalt der Sammlung als ein Ganzes ermöglicht. Heute befindet es sich in Privatbesitz.
1925
Ferdinand Hodler, Stehender Landsknecht. Studie zur «Schlacht von Marignano», 1898; Ankauf aus der Sammlung Paul Linder, Basel.
1925
Pablo Picasso, Buveuse d’absinthe / Femme dans la loge, 1901; Ankauf am 19. Juni bei der Galerie Bollag, Zürich. Das Bild ist am 10. März von Justin Thannhauser, München nach Zürich in die Galerie Bollag gelangt. Im Eingangsbuch der Galerie Bollag wird nur die Absinthtrinkerin erwähnt, nicht die Femme dans la loge, die sich auf der Rückseite der Leinwand befindet. Femme dans la loge weist noch heute Reste einer schwarzen Farbschicht auf, die eventuell auf eine frühere Übermalung hindeutet. Die beiden Seiten der Leinwand unterscheiden sich stilistisch, obwohl sie nur wenige Wochen auseinander liegen.
1925
Alexej von Jawlensky, Weiblicher Kopf; Postkarte mit aquarelliertem Kopf an Marianne Im Obersteg. Auf der Rückseite der Karte schildert Jawlensky die sich verschlechternde Marktsituation in Deutschland und seine damit verbundenen Schwierigkeiten als Künstler: «Liebe gnädige Frau! Ach wie möchte ich zu Ihnen kommen wie voriges Jahr! Wie war es schön bei Ihnen! Aber, leider, es ist unmöglich jetzt. Alle diese Jahre habe ich immer ganz gut meine Bilder verkauft und darum konnte ich mir erlauben nach der Schweiz zu fahren. Deutschland hat jetzt so wenig Geld, dass die Kunst ist zu grosser Luxus, und man kauft überhaupt nichts. Danke innigst für so eine liebe Einladung. Ich küsse Ihre Hand und schicke meine herzlichsten Grüsse an Ihren lieben Mann».
1926
Maurice Utrillo, L’église Saint-Séverin à Paris, 1925; Ankauf bei der Galerie Bernheim-Jeune, Paris.
1926
Chaïm Soutine, L’enfant au jouet, um 1919; Ankauf bei der Auktion Paul Guillaume im Hôtel Drouot, Paris. Soutine ist erst wenige Jahre zuvor aus dem Schatten seiner Armut getreten und zu einem gesuchten Maler der Gegenwart geworden. 1923 «entdeckt» ihn der amerikanischen Sammler Albert Barnes, welcher auf einen Schlag 52 seiner Werke erwirbt und eine Nachfrage nach Soutines Bildern auslöst. 1927 richtet Henri Bing-Bodmer dem Maler seine erste Einzelausstellung in Paris aus. Danach stellt Soutine regelmässig in der französischen Hauptstadt und auch in den USA aus.
1926
Robert Genin, Balinesin I, 1926 und Balinesin II (Legontänzerin), 1926; Ankauf beim Künstler
1927
Marc Chagall, Die Hochzeit, 1910; Ankauf bei Léopold Zborowski, Paris. 1936 tauscht Karl Im Obersteg das Bild beim Künstler gegen den Juden in Grün, 1914. Chagall lebte seit 1923 wieder in Paris, nachdem er die Jahre 1914-22 kriegsbedingt in seiner Heimat in Witebsk verbringen musste. Der Maler hat im Krieg fast sein gesamtes Oeuvre verloren. Karl Im Obersteg kauft mit der Hochzeit eines der seltenen Frühwerke.
1927
Aristide Maillol, Le printemps, 1910/11; Ankauf beim Künstler.
1927
Cuno Amiet, Die Obsternte, 1926; Ankauf beim Künstler. Das Bild verbrannte 1931 im Münchner Glaspalast.
1928
Alexej von Jawlensky, Abstrakter Kopf: Abend, 1927; Ankauf beim Künstler als Weihnachtsgeschenk für seine Frau Marianne Im Obersteg.
1928
Alexej von Jawlensky, Selbstbildnis, 1911; Ankauf beim Künstler an Weihnachten. Die Jahre 1911 und 1912 sind für Jawlenskys Selbstfindung und seinen beruflichen Erfolg entscheidend. In dieser Zeit malt der Künstler auch gleich vier expressionistische Selbstbildnisse in denen es ihm nicht um psychologische Differenzierung sondern um die Emotionalität und Ausdruckskraft der Farbe geht, wie das Beispiel der Sammlung Im Obersteg besonders deutlich zeigt.
1928 ca.
André Derain, Nature morte au broc, 1912; Ankauf bei der Galerie Willi Raeber, Basel.
1929
Cuno Amiet, Maske, 1929; Geschenk des Künstlers an Marianne Im Obersteg. Das kleine Gemälde auf Holz gehört zu einer Gruppe von Werken Amiets mit asiatischen Motiven.
1929
Paul Klee, Stadt mit den drei Kuppeln, 1914; Ankauf bei der Galerie Neue Kunst Hans Goltz, München.
1929
Paul Klee, Ruinen von Oi, 1926; Ankauf bei der Galerie Neue Kunst Hans Goltz, München.
1929
Paul Klee, Jagdpavillon, 1926; Ankauf bei der Galerie Neue Kunst Hans Goltz, München. Hans Goltz hat von 1919 bis 1924 die Gesamtvertretung von Klee inne. Die strenge zur Geometrie tendierende Malerei Klees hat der Sammler vermutlich über Alexej von Jawlensky schätzen gelernt, der mit Klee befreundet war. Zwischen beiden Künstlern, die sich gemeinsam mit Kandinsky und Feininger seit 1924 zur Künstlergruppe «Die Blaue Vier» zusammengeschlossen haben, fand immer wieder auch ein Austausch von Werken statt.