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Gangpferde in der Geschichte
Die Familien der Equiden kennt schon seit Urzeiten laterale Gangveranlagung. Auch vom Urpferd Hipparion in Afrika vor 3,5 Millionen Jahren hat man Spuren von Viertaktgangarten gefunden.
Kamele, Dromedare und Giraffen gehen nur laterale Gänge und Galopp, der Elefant nur Schritt und Tölt und das bis zu 40 km/Std.
Einige Carnivoren und Hunde zeigen auch passartige Bewegungen, besonders alte oder schwere Tiere.
Im Altertum werden, von den Assyrern, Persern, Indern, Chinesen, Griechen und Römer Pferde häufig in Lateralgängen abgebildet. Es tauchen immer wieder neue Namen für die speziellen Bewegungsmuster in der Geschichte auf.
3. Jh v. C
Erste Skulpturen von Rennpassern, den fliegenden Pferden in China. Die laterale Gangart wird als Blumengangart oder in Persien als Windfuss beschrieben.
993 n. C
In Island, der kleinen Insel im Nordatlantik, begründet durch ihr 1000jähriges striktes Einfuhrverbot für Pferde, entsteht die wahrscheinlich älteste reingezogene Gangpferderasse der Welt, das Islandpferd.
1.-4. Jh
Germanen und römische Equisones benützen Stricke und Gewichte zum Anlernen der lateralen Gangart und um die Hufe höher zu heben. Man nennt Tölter Totonarios oder Tjeldos und ein trabendes Pferd ist ein Succussator also ein Rüttler.
4.-15. Jh.
Im Mittelalter heissen die töltenden Pferde Zelter.
11. Jh.
Die Eroberung Englands durch die Normannen wird auf dem 70 Meter langen «Teppich von Bayeux» festgehalten. Man nennt diesen berühmten Teppich, der einige Pferde in lateralen Gangarten zeigt, den altertümlichsten und ältesten Comic der Welt.
12. Jh.
Das römische Reich hat durch den Postdienst starken Einfluss auf die britische Pferdezucht, die Postpferde sind mehrheitlich Passer, ob geritten oder gefahren.
Zum ersten Mal wird die Existenz von gangveranlagten Pferden in England schriftlich bezeugt und diese Tölter werden Palfreys oder Palfridis benannt.
15. Jh.
Spanische Genetten haben ihre Blütezeit in ganz Europa. Für den Einsatz in Kriegen, Reitschulen und als Reisepferde sind sie hervorragend geeignet.
Der Hippologe Thomas Blundeville schreibt „der Pass der Genetten aus Spanien ist weder Trott noch Amble, aber eine ähnliche Gangart wie bei den Türkenpferden“.
Kolumbus bringt 1493 die ersten Pferde in die Neue Welt, der Grundstein für die Paso-Fino Zucht und weitere 20 Paso Rassen in Südamerika ist gelegt.
16. Jh.
Töltende Falknerpferde werden in Europa schwer gesucht und mit goldenen Münzen teuer bezahlt.
In Peru entsteht die naturtöltende Rasse des Paso-Peruano.
17. Jh.
Der Engländer Roger Williams und sein Gefolge gründet die Rhode-Island Kolonie in Massachusetts und bringt britische Passgänger mit. Durch die selektive Inselzucht entsteht der Narragansett-Pacer.
Der Passerhengst Snip wird zum Stempelhengst dieser Rasse, die Vorfahren der heutigen amerikanischen Vollblut-Pacer.
Das Erschliessen des Wegenetzes und der Bau von Brücken in Europa, lassen das was einst von wohlhabenden Leuten geschätzte wurde, das Töltpferd, zugunsten des trabenden Wagenpferdes vergessen.
18. Jh.
Zu tausenden werden die Narragansett-Pacer auf die West-Indies, nach Kanada und Frankreich exportiert. Kubanische Plantagenbesitzer kaufen viele Narragansett Pacer, da Spanien keine gangveranlagten Pferde mehr sendet. Vielleicht der Zeitpunkt wo das Gangpferd in Europa langsam ausstirbt!
19. Jh.
Der Spanische Altér-Real-Hengst Sublime wird in Brasilien zum Stammvater der Mangalarga Marchadores.
In Kentucky wird Tom, einer der letzten und vielbewunderte Narragansett-Pacer, zum Begründer der American-Saddlebred Horses.
Abkömmlinge der Narragansett-Pacer werden in allen zivilisierten Teilen Amerikas die Gangpferdezucht beeinflussen und später unter dem Namen Spanische Genetten wieder als exklusive Damenreitpferde zurück in die Alte Welt exportiert.
Black Allen wird geboren und die komfortablen Tennessee-Walker entstehen.
1904
In Afrika wird ein Register für das fünfgängige Burenpferd der holländischen Kolonialisten eingerichtet, die direkten Nachkommen amerikanischer Saddlebred-Horses.
1918
In Kentucky entsteht das farblich attraktive Rocky-Mountain-Horse.
1958
Die Filmreihe „Immenhof“ löst ein unglaubliches Interesse für die Islandpferde aus. Die unbekannten Kleinen von der Insel aus „Feuer und Eis“ halten in der eintönigen klassischen Reitweise der Europäer Einzug. Islandpferdereiter, die Pioniere der Freizeitreiterei, machen die Wörter «Freizeitreiten, Robustpferde, Offenstallhaltung und Ponies für Erwachsene» salonfähig!
1964
Schweiz und Deutschland gründet die erste Vereinigung für Islandpferde ausserhalb ihres Ursprungslandes.
1970
Die ersten Vollblut-Traber, direkte Nachkommen der Narragansett-Pacer, werden in Recken DE, bei Ursula Bruns und Jochen Schumacher eingetöltet und nennen sich ab nun Töltende Traber.
Die erste Europameisterschaft der Islandpferde findet statt.
1973
Dr. Ewald Isenbügel vom Tierspital Zürich und der Schweizer Western Reiter Jean Claude Dysli bringen die erste Zuchtgruppe von Paso-Pferden nach Europa.
1977
Eine 7köpfiges Reiter-Team aus Deutschland und der Schweizer Max Indermaur fliegt mit 9 Islandpferden nach Amerika und nimmt erfolgreich am 6000km Pony Express Rennen quer durch Amerika teil.
1980
Die ersten ausserkontinentalen Gangpferderassen werden nach Europa importiert.
Europa und auch die Schweiz kommt ins Gangpferdefieber und die anerkannte Rasse der Aegidienberger entsteht.
1985
Die erste Islandpferde Weltmeisterschaft findet in Schweden statt. 12 FEIF Länder nehmen daran Teil.
In Deutschland gibt es erste Paso Turniere und auch einige Schweizer zählen zu den Startenden.
1989
Die IGV Internationale Gangpferde Vereinigung wird in Deutschland gegründet. Zu den Mitgliedern zählen auch etliche Schweizer.
1992
Erstes internationales Gangpferdeturnier in der EMPFA / NPZ in Bern.
1993
Erste Weltmeisterschaften der Islandpferde finden in Schweden statt.
1995
Erste Europäische Gangpferdemeisterschaft wird in Reken DE ausgetragen.
An der EQUITANA in Essen sind viele Gangpferderassen aus aller Welt anwesend. Aus Amerika werden American-Saddlebreds und Tennessee Walkers vorgeführt und zum ersten Mal präsentieren sich die griechischen Arravanis.
Ab 2000
Fast alle Gangpferderassen aus allen Kontinenten der Erde sind nun in Europa vertreten.
2008
Die Schweiz beherbergt unterdessen eine recht grosse Anzahl an Gangpferden.
Die OdA Pferdeberufe ermöglicht eine eidgenössische Berufsausbildung als „EFZ Pferdefach Gangpferdereiten“ und die höhere Berufsprüfung.
2018
In Planung ist die Gründung eines Gangpferde-Zusammenschlusses "Gangpferde Schweiz" und die "Gala der Gangpferde" vom 27.-29. April 2018 im NPZ Bern mit internationalen Gangpferde-Sportprüfungen, Rassenschauen, eine Gangpferde Gala-Nacht und vieles mehr . . . . . .