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Jannik Sinner sieht zwar unschuldig aus, aber der 18-jährige Südtiroler lehrt seine Gegner das Fürchten. Viele Tennis-Experten trauen ihm eine grosse Karierre zu. Auch Rafael Nadal und Roger Federer zeigen sich beeindruckt.
Sinner ist der jüngste Profi im Teilnehmerfeld, welcher sich für die Australian Open qualifizieren konnte. Nach dem überzeugenden Dreisatz-Sieg gegen den Einheimischen Max Purcell steht er sogar erstmals bei einem Grand Slam in der zweiten Runde. Sein Major-Debüt gab Sinner bei den letzten US Open, wo er immerhin einem gewissen Stan Wawrinka in der Startrunde einen Satz abnehmen konnte.
Spätestens seit seinem Triumph bei den Next Gen ATP Finals der besten Jungprofis im letzten November gehört er zu den heissesten Aktien im Tennis-Zirkus. Der 18-jährige Südtiroler hatte als Weltranglisten-95. mit einer Wildcard Aufnahme ins Jahresend-Turnier der besten U21-Spieler gefunden und setzte sich im Final gegen Australiens Nummer 1 Alex de Minaur durch.
Damit trat er in die Fussstapfen eines gewissen Stefanos Tsitsipas, der im Vorjahr das Turnier gewann. Der Stern des Griechen ging letztes Jahr bei den Australian Open auf, als er Roger Federer in den Achtelfinals eliminierte und bis ins Halbfinal stürmte. Danach spielte sich Tsitsipas in der Weltspitze fest.
Mitglied in einem exklusiven Klub
Noch nicht ganz so weit vorne in der Weltrangliste ist aktuell Sinner, welcher früher auch ein vielversprechender Skifahrer war – als 7-Jähriger wurde er sogar italienischer Meister im Riesenslalom – ehe er später seinen Fokus auf Tennis legte. Doch weil er neben dem Titel in Mailand wenige Tage später auch ein Challenger-Turnier gewann, beendete er das Jahr 2019 unter den Top 80.
Damit gehört er einem illustren Kreis an: Nur Rafael Nadal (er sogar als 17-Jähriger), Novak Djokovic, Andy Murray und Denis Shapovalov schlossen ein Tennisjahr im Alter von nur 18 Jahren unter den besten 80 Profis der Welt ab. Mit seinem kometenhaften Aufstieg sicherte sich der Teenager den «ATP Newcomer-of-the-Year Award».
Auch Tennis-Legende John McEnroe schwärmt: «Jannik ist einer der talentiertesten Spieler, die ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe. Er wird nun in den nächsten Monaten ein wenig gejagt werden, denn die anderen wollen nicht gegen einen 18-Jährigen verlieren. Ich glaube, in zwei, drei Saison werden wir ihn in den Top 10 sehen. Jannik scheint physisch sehr gute Voraussetzungen zu haben – dieser Junge ist ein Ausnahmetalent.»
Die Anerkennung von Federer und Nadal
Rafael Nadal streicht vor allem seine Persönlichkeit hervor: «Er scheint ein bescheidener Typ zu sein, dazu ein harter Arbeiter. Er hat einen guten Charakter auf dem Platz und ist positiv. Er hat alles, um eine grosse Tenniskarriere zu machen. Jetzt muss er nur die richtigen Leute um sich herum haben und hart arbeiten.» Mit dem Landsmann Riccardo Piatti hat er sicher gute Voraussetzungen. Unter Piatti trainierten schon Novak Djokovic, Ivan Ljubicic, Richard Gasquet, Milos Raonic und Garbine Muguruza, aktuell trainert er auch Borna Coric.
Auch Roger Federer stimmt Lobgesänge auf Sinner an: «Was mir vor allem gefällt, dass sowohl Rück- wie Vorhand gleich schnell sind. Ausserdem hat er für seine Grösse (1,88 Meter) eine gute Beinarbeit.» Und ergänzt: «Ich glaube, wir werden in Zukunft noch viel von diesem Jungen hören.»
Sinner selbst hebt nicht ab, seine Ziele für die Saison: «Ich will einfach Woche für Woche besser werden. Und danach wird mein Ranking automatisch besser werden.» Aktuell steht Sinner auf Rang 82. Man muss kein Prophet sein, wenn man ihn bald in den vorderen Rängen antreffen wird. Vielleicht schon nach den Australian Open. Sein nächster Gegner in Melbourne ist Shapovalov-Bezwinger Marton Fucsovics.