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In Thun feiert am 22. September Fritz Reimann seinen 90. Geburtstag. Fritz Reimann war eine prägende Figur in der Schweizer Gewerkschaftsgeschichte. In den 80er Jahren war er sowohl Präsident des SGB wie des SMUV.
Fritz Reimann, 1924 in Oberhof (Fricktal) geboren, repräsentiert eine Generation von Schweizer Gewerkschaftern. Sein Vater war Förster und Kleinbauer. Nach Schulabschluss hatte er das Glück, wie er es selbst formulierte, eine Lehre als Werkzeugmacher absolvieren und damit in eine neue Welt eintreten zu können. Als Berufsarbeiter tritt er dem SMUV bei, wird bald Präsident einer Betriebskommission. 1951 wird er Profigewerkschafter. Acht Jahre arbeitet er als SMUV-Funktionär in Aarau, 1959 wird er SMUV-Sekretär in Thun, wo das Militärpersonal dominiert, 1973 wird er zum SMUV-Zentralsekretär gewählt, wo er für das Metallgewerbe und das Militärpersonal zuständig ist, aber auch in der Maschinenindustrie eine zentrale Rolle spielt. 1980 bis 1988 wirkt er als SMUV-Präsident, 1982 – 1990 präsidiert er auch den SGB. Dieses Amt übernimmt er nicht aus Leidenschaft, eher aus Loyalität gegenüber seinem Verband, der in der SGB-Leitung seine Linie gesichert haben will. Parallel dazu entwickelt Fritz seine SP-Karriere, die über den Stadtrat von Thun (1962 bis 1976), den Grossrat im Kt. Bern (1974 bis 78) und den Nationalrat (1979 bis 1991) führt. Ironie der Geschichte: In der Politik hätte er, der Mann der Verhandlungen und der traditionellen Sozialpartnerschaft, denn auch seinen grössten Triumpf feiern können. Wenn er gewollt hätte – aber er wollte nicht. Des Rätsels Lösung? Die Bürgerlichen wollten Fritz Reimann als Nachfolger von Willi Ritschard in die Landesregierung wählen; er aber erteilte entschlossen allen Avancen eine Absage. Seine Rolle sei und bleibe die des terrainverbundenen Gewerkschafters!
Fritz Reimann verkörpert in vielem die Goldenen Jahre der Schweizer Gewerkschaftsgeschichte. Sein Wirken und seine Überzeugung stehen exemplarisch für den Glauben in die Vertragspolitik, für die friedliche Pflege einer kompromissorientierten Sozialpartnerschaft, die der Arbeiterklasse jedoch auch steten materiellen Fortschritt sichert. Vielen Jungen galt dies ab 1968 als zu konsensorientiert. Mit diesen Jungen focht Reimann auch manchen Strauss aus. Wobei dann später, Ironie der Geschichte nach Thatcher nunmehr, die gleichen Jungen, ein bisschen älter geworden, für eine Sozialpartnerschaft zu kämpfen hatten, die von der anderen Seite aufgekündigt worden war. So eint sich, was verschieden war.
Fritz Reimann war in seiner Freizeit gerne Bergwanderer. Er gehe nicht mit Pickel und Seil, er folge Pfaden, aber auf diesen strebe er dann mit Beharrlichkeit den Gipfel an, sagte er einmal. In seinem Leben hat Fritz Reimann die angestrebten Gipfel auch erreicht. Wir wünschen Fritz, dass noch manches Gipfelglück im Schoss der Zukunft lagert.