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1. Seit wann gibt es die japanische Kaiserdynastie?
Noch-Kaiser Akihito ist der 125. Kaiser Japans. Laut Legenden begann die Dynastie bereits 600 Jahre vor Christus, mit dem Kaiser Jinmu, einem Nachkommen der Sonnenkönigin.
Historisch belegt ist die Dynastie seit rund 500 Jahren nach Christi. Auch so ist sie immer noch die älteste ununterbrochene Erbmonarchie der Welt.
2. Wie mächtig ist der Kaiser?
Die politische Macht des japanischen Kaisers veränderte sich über die Jahrhunderte. So lag die eigentliche Macht über lange Zeit bei den Samurai-Clans, mit der Modernisierung im 19. Jahrhundert erlangte der Kaiserhof politische Macht zurück.
Während des Zweiten Weltkriegs galt der Kaiser gar als göttlich und unfehlbar. Mit Japans Niederlage entzogen die USA dem Kaiserhof die Macht und setzten durch, dass der Kaiser als Normalsterblicher gilt.
So besitzt der Kaiser in Japan heute keine politische Macht mehr, und darf sich auch nicht politisch äussern. Deshalb deutete Kaiser Akihito zum Beispiel seinen Rücktrittswunsch nur indirekt an.
3. Weshalb tritt Kaiser Akihito zurück?
Aus gesundheitlichen Gründen. Er musste sich in den letzten Jahren unter anderem einer Bypass-Operation unterziehen, und wurde wegen einer Lungenentzündung ins Spital eingeliefert. Um ihm den Rücktritt zu ermöglichen, verabschiedete das Parlament ein einmalig anwendbares Gesetz. Dieses gilt nur für Akihito und nicht für nachfolgende Kaiser.
Es kommt äusserst selten vor, dass ein Kaiser zurücktritt. Das letzte Mal liegt rund 200 Jahre zurück. Kaiser Kokaku trat im Jahr 1817 zurück, um seinem Sohn Platz zu machen.
4. Was hat es mit Japans eigener Zeitrechnung auf sich?
In Japan schreibt man – wie bei uns – das Jahr 2019. Zusätzlich haben die Japaner eine zweite Zeitrechnung. Die Jahreszahl der Amtszeit des jeweiligen Kaisers.
So schreiben die Japaner bis zum 30. April das Jahr 31 von «Heisei». Heisei ist die Zeitrechnung oder die Ära des aktuellen Kaisers. Es bedeutet so viel wie «Friede nach Innen und Aussen».
Wenn am 1. Mai der neue Kaiser den Thron besteigt, beginnt das Jahr 1 einer neuen Ära. Sie wird «Reiwa» heissen, «schöne Harmonie».
Die separate Zeitrechnung ist mehr als nur Folklore: Der Ära-Name wird von den Japanern sehr ernst genommen und etwa auch zur Nennung des eigenen Geburtsjahres verwendet. Denn: Der Name begleitet das Leben der Japaner meist mehrere Jahrzehnte lang – so lange wie ein Kaiser an der Macht ist.
Eine Umstellung bedeutet auch viel Arbeit: Computersysteme müssen an die neue Zeitrechnung angepasst werden. Der neue Name gilt auch für Kalender, Dokumente, Zeitungen und sogar Geldmünzen.
5. Wie geht es jetzt weiter?
Der 59-jährige Kronprinz Naruhito besteigt als ältester Sohn am 1. Mai den Chrysanthemen-Thron. Er ist mit Kronprinzessin Masako verheiratet, die vor ihrer Ehe als Diplomatin tätig war. Zusammen haben die beiden eine Tochter – Prinzessin Aiko.
Ihr bleibt die Thronfolge jedoch vorbehalten, da bislang nur männliche Nachkommen den Thron besteigen dürfen. Die ganze Hoffnung ruht nun auf dem zwölfjährigen Sohn von Naruhitos jüngerem Bruder, dem Neffen des zukünftigen Kaisers.
Laut Umfragen hat eine Mehrheit der Japanerinnen und Japaner nichts gegen eine Frau auf dem Chrysanthemen-Thron. Dazu müssten aber die Regeln des Kaiserhofs geändert werden. Vor allem konservative Wähler von Abes Basis sind gegen eine solche Änderung, sie befürchten ein Ende der männlichen Erbfolge.