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Die königlich-schwedische Akademie der Wissenschaften hat den Wirtschaftsnobelpreis an Paul Krugman vergeben, einen Princeton-Professor, dessen bahnbrechende Studie zum Handel in der Öffentlichkeit weniger bekannt ist als seine harsche Kritik an der Politik der Regierung Bush. Das Nobelkomitee sagte, Krugman werde für seine «Analyse von Handelsmustern und die Zuordnung wirtschaftlicher Aktivitäten» geehrt.
Als Kolumnist und Blogger der «New York Times» geisselt der 55-Jährige die Regierung wegen des Irak-Kriegs und des Verhaltens bei der Sanierung des Finanzsystems. Die Entscheidung des Nobelkomitees gerade einmal drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl lässt den Verdacht aufkommen, sie sei nicht nur durch Krugmans Leistungen, sondern auch politisch motiviert. Viele Wirtschaftswissenschaftler sagten jedoch, es sei nur noch eine Frage der Zeit gewesen, wann Krugman einen Nobelpreis bekäme, und nicht ob.
In einem Interview mit der «New York Times» sagte der Geehrte: «Wenn ich ganz ganz ehrlich bin, habe ich schon erwartet, dass das einmal passieren wird, aber ich war absolut sicher, dass es nicht heute sein würde.» Gregory Mankiw, früherer Wirtschaftsberater unter Präsident Bush und heute Professor in Harvard, sagte: «Ich sehe keinen Anhaltspunkt dafür, dass das Nobelkomitee politisch motiviert handelt. Es ist ganz unparteiisch.»
Andere Theorie als David Ricardo
Jahrhundertelang war die ökonomische Auffassung von Handel, dass Länder Güter exportierten, die sie aufgrund eines Produktionsvorteils herstellen, und Güter importieren, die sie nicht selbst produzieren. So legte der englische Ökonom David Ricardo 1817 dar, dass es zum Beispiel für Portugal leichter sei, Wein zu produzieren als Bekleidung. In England verhalte es sich genau umgekehrt. Folglich wird Portugal Wein nach England exportieren und von dort Kleidung importieren – und das wird das Land auch tun, wenn es Bekleidung mit weniger Aufwand produzieren kann als England.
In der modernen Welt folgt der Handel nicht mehr den Spezialisierungswegen, die Ricardos Theorie nahe legt. Vielmehr dominiert eine Hand voll Staaten den Handel, und ähnliche Güter werden sowohl im- als auch exportiert. Seit den 1970er Jahren versuchen Krugman und andere Wissenschaftler, darunter Elhanan Helpman aus Harvard und Avinash Dixit aus Princeton, herauszufinden, warum das so ist. 1979 stellte Krugman eine Handelstheorie auf, die die Wünsche der Verbraucher nach Diversifizierung ihrer Einkäufe berücksichtigt. Zum Beispiel wollen manche Amerikaner in Europa hergestellte BMW-Motorräder, während Europäer in Amerika hergestellte Harley-Davidsons wollen. Also werden die USA Motorräder im- und exportieren. Beide, BMW und Harley- Davidson, werden von den Vorteilen der Massenproduktion profitieren und die Kosten senken können, sodass Verbraucher in den USA und in Europa eine preisgünstige Auswahl zur Verfügung haben.
Viele Standardwerke verfasst
Krugman promovierte 1977 am MIT und arbeitete von 1982 bis 1983 als Wirtschaftsberater Ronald Reagans. Im Jahr 2000 holte Ben Bernanke – heute Fed-Vorsitzender, damals der Vorsitzende der Wirtschaftsfakultät in Princeton – Krugman vom MIT. Krugman begann in den 90er Jahren Artikel und Bücher zu schreiben, die rasch zu Standardwerken wurden.