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Solingen, um 1940
Stahl, z.T. verchromt und vergoldet,
Kupferlegierungen zum Teil gegossen und
vergoldet, Holz, Email
L. 37,4 cm (Gesamt inkl. Scheide)
L. 34,5 cm (Dolch gesamt)
L. 22,2 cm (Klinge max.); B. 3,39 cm (Klinge Wurzel)
B. 7,75 cm (Parierbalken); B. 4,02 cm (Scheide Mundblech);
L. 6,3 cm (Griffbalken); L. 25,1 cm (Scheide);
H. 19,5 cm (Scheide inkl. Gehänge); Gewicht 499,4 g (Gesamt)
Gewicht 248,3 g (Scheide inkl. Gehänge)
Gewicht 251,1 g (Dolch)
Inv. 2008.436.
Mit der Rückbesinnung auf (vermeintliche) Werte des Schweizertums wollte die Geistige Landesverteidigung die Annäherung der Bevölkerung an die totalitären Ideologien des Nationalsozialismus und Faschismus verhindern. Man griff unter anderem auf die alte schweizerische Sachkultur zurück.
Als man während des Zweiten Weltkrieges den Offizieren und höheren Unteroffizieren der Armee einen Dolch nach dem Vorbild alter Schweizerdolche des 16. Jahrhunderts abgeben wollte, stellten schweizerische Militärkreise mit Schrecken fest, dass dieser Dolchtyp mit der zungenförmigen Klinge, dem bauchigen Griff und den halbmondförmig zueinander gebogenen Knauf- und Parierbalken mittlerweile eine international bekannte Insignie der Nationalsozialisten war und von Angehörigen der Sturmabteilung (SA), der Schutzstaffel (SS), des Kraftfahrkorps (NSKK) und der National-Politischen Erziehungsanstalten (NPEA oder NAPOLA) getragen wurde. Ausgerechnet der bedrohliche Nachbar im Norden hatte das Symbol bereits besetzt. Die Einführung des Schweizerdolchs bei den Nationalsozialisten hatte auf einer im 19. und 20. Jahrhundert weit verbreiteten Verwechslung deutscher Landsknechte mit eidgenössischen Reisläufern beruht. Für die Nationalsozialisten waren die Landsknechte des 16. Jahrhunderts «die erste deutsche Reichstruppe» gewesen.
Der schweizerischen Armee blieb nichts anderes übrig, als den Dolch stark abzuändern. Das Protokoll der Bekleidungskommission der Armee vom 8. August 1941 hält fest: «Nachdem nun dieses Dolch-Modell [Schweizerdolch] von den Deutschen eingeführt worden ist, müssen wir danach trachten, ein neues eigenes Dolchmodell herauszubringen und es wird daher von der Durchführung von Versuchen mit Dolchen nach diesem deutschen, bzw. alten schweizerischen Muster Umgang genommen.» Der Dolch, der von 1943 bis 1990 zum Dienstanzug der Offiziere und höheren Unteroffiziere der schweizerischen Armee gehörte, erinnerte denn auch nur noch entfernt an den alten Schweizerdolch. Trotz der starken Modifikation geriet der schweizerische Armeedolch Ordonnanz 43 in das Umfeld nationalsozialistischer Symbolik. Für viele Zeitgenossen stellte er eine offenkundige Nachahmung des deutschen Vorbildes dar. Diese Wirkung war umso peinlicher, als man mit dem Armeedolch ja gerade ein Symbol kultureller Eigenständigkeit und schweizerischer Wehrhaftigkeit hatte wiederbeleben wollen. Obwohl er bis 1990 Bestandteil des Dienstanzugs der Offiziere und höheren Unteroffiziere war, wurde er kein nationales Symbol; er stärkte aber die kollektive Identität der Offiziere, visualisierte deren Autorität und unterschied sie von den Soldaten. Unbeabsichtigt machte ein anderes Messer der Armee Karriere: das schweizerische Armeetaschenmesser, 1890 eingeführt, steht für Solidität, Präzision und schweizerische Qualität.