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Das Sutra
Vimalakirti Sutra: Vorbemerkungen – Das Vimalakirti Nirdesa Sutra, kurz Vimalakirti-Sutra genannt, ist eines der bedeutendsten Sutras des Mahayana-Buddhismus. Wörtlich bedeutet der Titel: Das von Vimalakirti verkündete Sutra. Es ist auch bekannt unter dem Titel: Ein Dharma-Tor zur unbegreiflichen Befreiung.
Das Original existiert nicht mehr. Es entstand vermutlich im 2. Jh. u.Z, etwa zur gleichen Zeit, wie das Herz-Sutra und das Diamant-Sutra. Zusammen mit diesen beiden sowie dem Lotus-Sutra und dem Shurangama-Sutra gehört das Vimalakirti-Sutra zum Grundstock der Zen-Literatur.
Seine Besonderheit liegt darin, dass der Protagonist namens Vimalakirti ein sogenannter Haushälter oder Laienschüler war, im Gegensatz zu den der Hauslosigkeit verpflichteten Mönchsschüler des Buddha. Vimalakirtis tiefe Einsicht in das Wesen aller Dinge und deren Verwirklichung im Alltag war den höchstangesehenen Schülern Buddhas ebenbürtig oder gar überlegen.
Inhaltsangabe
Die Rahmenhandlung des Sutra berichtet, dass Buddhas bekannter Laienanhänger Vimalakirti krank zu Hause liegt. Der Buddha beauftragt Shariputra, Vimalakirti zu besuchen, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Doch Shariputra weigert sich, diesen Besuch zu machen. Auch die anderen Schüler getrauen sich nicht, dem Wunsch des Buddha nachzukommen, weil sie sich Vimalakirti unterlegen fühlen. Sie finden alle möglichen Ausreden und behaupten, sie seien es nicht würdig, dem kranken Vimalakirti unter die Augen zu treten. Schliesslich willigt Manjushri ein, den Krankenbesuch zu machen.
Nun wollen plötzlich alle anderen Schüler des Buddha auch mitgehen; diese Begegnung will sich keiner entgehen lassen. Und so versammeln sich zahllose Mönche und Bodhisattvas unter der Führung von Manjushri im Krankenzimmer von Vimalakirti.
Nach der Ursache seiner Krankheit befragt, stellt sich heraus, dass Vimalakirti krank ist, weil alle Wesen dieser Welt krank sind. Denn als Bodhisattva macht er das Leiden anderer zu seinem eigenen Leiden.
Es folgt ein langes Gespräch, in dem Vimalakirti diverse Aspekte des Buddha-Weges erklärt.
Dann lädt Vimalakirti alle anwesenden Bodhisattvas ein, ihre Sicht der letztendlichen Wirklichkeit darzulegen. Nachdem alle gesprochen hatten, forderte Manjushri Vimalakirti auf, dasselbe zu tun. Vimalakirti antwortete mit Schweigen.
(Anmerkung: Dieses Schweigen des Vimalakirti ist der Drehpunkt des ganzen Zen. Wer dieses Schweigen hört, versteht und praktiziert, ist Vimalakirti gleich und kann in seinem kleinen Zimmer sämtliche Wesen willkommen heissen. Doch dazu braucht es eine geistige Reife, die nicht von einem Tag auf den anderen zustandekommt.)
Hintergrund
Das Sutra war bis Mitte des 20. Jahrhunderts nur auf Chinesisch bekannt. Der ursprüngliche indische Text war in Sanskrit verfasst und ist verschollen. Die erste publizierte Übersetzung in englischer Sprache erschien 1972 im Shambala Verlag unter dem Titel The Vimalakirti Nirdesa Sutra, translated and edited by Charles Luk. Der in Honkong lebende Charles Luk basierte seine Übersetzung auf dem überlieferten Text von Kumarajiva und seines chinesischen Schülers Seng Chao.
In den Jahren 1998 – 2001 hielt Agetsu am Zentrum für Zen-Buddhismus eine Reihe von Dharma-Vorträgen, die sich auf die Arbeit von Charles Luk stützten. Nun, gut 30 Jahre danach, möchten wir die Betrachtung dieses Sutras wieder aufnehmen und fortführen, in Übereinstimmung mit Charles Luk, der sagte: «Meine einziges Motiv ist es, so viele buddhistische Texte wie möglich, zu bewahren und zu verbreiten.» Die ausgewählten Ausschnitte und Schwerpunkte können jedoch niemals die ganze Fülle dieses Sutras wiedergeben, geschweige denn, der Tiefe aller angesprochenen buddhistischen Konzepte gerecht werden. Es gibt jedoch viele Links zu anderen Texten in der ZZB-Website, die manche Lücke füllen können. Die vollständige englische Fassung ist unter Vimalakirti-Sutra einzusehen oder kann in Buchform in mehreren Übersetzungen gelesen werden.
Die präsentierten Texte sind gedacht als Anregung und Unterstützung zum eigenen Entdecken der uns allen innewohnenden Weisheit auf dem eigenen Lebensweg. Es versteht sich von selbst, dass die Worte nur Vehikel der Übermittlung sind, ihre Essenz kann nur durch tiefgründige, meditative Beschäftigung damit herausdestilliert werden.
Möge dies auch in der heutigen turbulenten Zeit gelingen.