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Ar 599
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Ar 599
1925-2014
0.15 m
Dokumentation von Peter F. Kopp zur Geschichte der Lebensreform bzw. der Lebensreformbewegung.
Peter F. Kopp, geboren 1938, studierte Kulturgeschichte, Kunstgeschichte und Archäologie in Zürich und Neuenburg. 1969 schloss er seine Dissertation über schweizerische Ratsaltertümer ab. Kopp amtete als Museumskonservator in Basel und Solothurn und ist Autor zahlreicher Publikationen, hauptsächlich zur Schweizer Kulturgeschichte.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand aus der Naturheilbewegung und der Badekultur die Freikörperkultur. Ihre Vertreter wandten sich gegen die als verknöchert betrachtete Gesellschaft und setzten dagegen eigene Entwürfe, mit denen sie insbesondere den Wert der "natürlichen" Nacktheit im Gegensatz zu den rigiden bürgerlichen Kleidungsvorschriften betonten. Sonne, Licht, Luft und Nacktheit gehörten auch zur Ideenwelt der Gründer des Monte Verità in Ascona, die in ihrem Sanatorium 1900-20 ein Aufsehen erregendes Sonnenbad betrieben. Ebenfalls noch vor dem Ersten Weltkrieg bestanden in der Schweiz Ableger des deutschen "Treubunds für aufsteigendes Leben", der eine sexualfeindliche Linie verfolgte und sich zur Idee der Rassenhygiene bekannte. Auf Anregung des Lebensreformers Werner Zimmermann gründete Eduard Fankhauser 1927 mit Gleichgesinnten den konfessionell und politisch neutralen Schweizer Lichtbund (ab 1938 Organisation der Naturisten in der Schweiz, ONS). Er strebte umfassende Gesundheit durch Alkohol- und Tabakabstinenz, Vegetarismus, die Pflege des Geistes und Gesundheitssport an. Der Lichtbund sorgte für Publizität, u.a. mit zwölf Prozessen (1926-1944), die Fankhauser für das "Recht auf den nackten Körper" führte. 1937 richteten Eduard Fankhauser und Elsa Fankhauser-Waldkirch das Naturistengelände in Thielle am Neuenburgersee ein. Der Mitgliederbestand wuchs bis 1948 auf 2'500 an, wozu die erstmals 1928 erschienene Zeitschrift "Die neue Zeit" wesentlich beitrug. Auch die 1961 gegründete gleichnamige Stiftung verfolgte das Ziel der Förderung einer gesunden Freizeitgestaltung im Sinne der Lebensreform. Infolge ideologischer und persönlicher Differenzen trennte sich 1956 ein Teil der Mitglieder unter der Leitung von Carl Frank von der ONS und gründete die Schweizer Naturisten-Förderation. Beide Organisationen sind in der Schweizer Naturistenunion zusammengefasst, die 2003 rund 10'000 Aktivmitglieder zählte und Mitglied der Internationalen Naturisten-Föderation ist.
Die Akten wurden dem Schweizerischen Sozialarchiv am 27.11.2015 von Peter F. Kopp durch Vermittlung von Hansruedi Widmer, Chronos Verlag Zürich, übergeben.
Der Bestand enthält Unterlagen zu Werner Zimmermann, Eduard und Elsi Fankhauser, Unterlagen zur Lebensreformbewegung, Texte von Peter F. Kopp zur Geschichte der Lebensreformbewegung und diverse Drucksachen.
Kassiert wurden Dubletten und Mehrfachexemplare, sowie Drucksachen (Zeitschriften), die im Schweizerischen Sozialarchiv bereits vorhanden sind.
Nachlieferungen werden nicht erwartet.
Es bestehen Nutzungsbeschränkungen; davon ausgenommen sind die Drucksachen (Monographien, Broschüren, Zeitschriften). Nicht bestellbare Dossiers sind ohne Bestellsignaturen verzeichnet. Einsichtnahme zu wissenschaftlichen Zwecken ist möglich. Interessentinnen und Interessenten sind gebeten, sich an die Leitung des Schweizerischen Sozialarchivs zu wenden.
Andreas Schwab: Sinnsuche und Sonnenbad. Experimente in Kunst und Leben auf dem Monte Verità, Zürich 2001; Signatur: 109083
Der Bestand wurde im Dezember 2015 von H. Villiger bearbeitet.