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Tink.ch: Lara, wie bist du dazu gekommen, an der Philosophie-Olympiade in Litauen teilzunehmen?
Lara Gafner: Mein Philosophie-Lehrer gab uns Schülerinnen und Schüler die Hausaufgabe, ein Essay zu den Themen der Qualifikationsrunde zu schreiben. Einzelnen empfahl er anschliessend, diesen einzuschicken und wenig später bekam ich die Nachricht, dass ich am Halbfinal in Thun teilnehmen darf.
Wie hat sich das abgespielt?
Gleich zu Beginn schrieben wir ein zweistündiges Essay. Zur Auswahl standen vier Themen aus unterschiedlichen Bereichen der Philosophie. Ich entschied mich für ein Zitat zum Thema, wieso Philosophie wichtig ist. Am Nachmittag konnten wir an verschiedenen Workshops teilnehmen. Auch wenn diese keinen Einfluss auf die Qualifikation für den nationalen Final hatten, kam es oft zu stürmischen Diskussionen.
Du konntest dich für den schweizweiten Final in Luzern qualifizieren. Wie hast du diese Erfahrung erlebt?
Erneut nahmen wir an verschiedenen Workshops teil und bekamen eine Vorbereitung, wie man ein gutes Essay schreibt. Dabei konnte ich viele andere Teilnehmende aus der ganzen Schweiz kennenlernen. Am zweiten Tag mussten wir den Essay schreiben, der vier Stunden dauerte. Die Themen wurden wieder für uns ausgesucht und wir konnten aus drei verschiedenen auswählen. Diesmal habe ich darüber geschrieben, ob eine von Geburt an blinde Person wissen kann, was rot bedeutet.
Deine präzisen Argumente und gedankliche Originalität überzeugten die Jury und du konntest den Final gewinnen. Wie hast du die Frage ohne Recherche beantwortet?
Meine Überlegung bestand darin, dass ein Blinder keine Farben wahrnehmen kann und sich deshalb auch nicht vorstellen kann, was rot ist. Trotzdem könnte er wissen, was rot bedeutet, vorausgesetzt ein Sehender weist auf die Existenz von Farben hin. Ein Blinder weiss nämlich durch seine anderen Sinne, dass Gegenstände Eigenschaften haben und so würde er wissen, dass rot eine weitere Eigenschaft von Gegenständen ist, die aber nur visuell wahrnehmbar ist.
Hast du dich vor der internationalen Philosophie-Olympiade in Litauen speziell vorbereitet?
Ich bekam ein Buch von meinem Philosophie-Lehrer über Methoden der Philosophie, zudem hat er mir Links zum Nachlesen gegeben und viele Ausdrücke, die mir beim Schreiben halfen. Er hat mich tatkräftig unterstützt und ist schliesslich auch mit nach Litauen gekommen.
Erzähl uns von der IPO in Litauen.
Gleich wie im schweizerischen Finale war ein vierstündiges Essay der Hauptteil der Olympiade. Workshops gab es keine, dafür besuchten wir verschiedene Vorlesungen. Ausserdem wurden wir mit Führungen besser mit der Stadt Vilnius vertraut gemacht. Dank der Philosophie-Olympiade habe ich auch viele Leute aus der ganzen Welt kennen gelernt.
Wie hast du deine Chancen an der Olypmiade eingeschätzt?
Eine “Honorable Mention” (Anm. d. Red.: zu Dt. “Ehrenmeldung”) war das Höchste, worauf ich gehofft habe. Aber ich wusste von Anfang an, dass ich gegen die anderen keine Chancen haben würde. Denn während die Teilnehmenden aus anderen Ländern ganze Arbeiten schreiben und Debatten gewinnen mussten, um sich für die IPO zu qualifizieren, konnte ich bereits nach drei Essays teilnehmen.
Im Sommer 2015 wirst du die Matur abschliessen, hast du vor, in Zukunft mit Philosophie weiterzufahren?
Möglicherweise. Ich überlege mir momentan, Philosophie zu studieren. Es ist aber noch nichts sicher.