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«Bereite mir zuerst einen kleinen Kuchen» (1. Kön 17,13).
Die Zeiten waren trübe. Wegen der Sünden Ahabs, des Königs von Israel, wurde das Land von einer Hungersnot heimgesucht. Der Prophet des HERRN verbarg sich, so wie hundert andere, während siebentausend, die ihre Knie nicht vor dem Baal gebeugt hatten, nur von Gott gekannt waren.
Die Hilfsquellen fehlten überall; doch in einer Familie, ausserhalb der Grenzen des Landes, gab es jeden Tag Speise für das ganze Haus. «Das Mehl im Topf soll nicht ausgehen, und das Öl im Krug nicht abnehmen bis auf den Tag, da der HERR Regen geben wird auf den Erdboden.» Woher kam diese Fülle? Zweifellos eine materielle Segnung, die wir aber nach den Belehrungen des Wortes gewiss in ihrer geistlichen Bedeutung betrachten dürfen: das Mehl erinnert uns an die Vollkommenheiten des Herrn Jesus selbst, – das Öl ist ein Bild des Heiligen Geistes.
Weshalb gab es in jenem Haus, im Gegensatz zu so vielen anderen, Speise und Segnung? Eines Tages war der Mann Gottes dieser Witwe begegnet und hatte von ihr ein wenig Wasser und einen Bissen Brot erbeten. Sie war bereit, von dem so raren Wasser zu geben, aber das Brot fehlte ganz. Sie hatte nur noch eine Handvoll Mehl und ein wenig Öl, dann aber erwartete sie nur noch der Tod, sie und ihren Sohn. Doch der Prophet sagte ihr: «Bereite mir zuerst einen kleinen Kuchen davon und bringe ihn mir heraus.» Wie? Von dem wenigen, das ihr geblieben war, von ihren letzten Hilfsquellen zuerst dem Propheten einen Kuchen bereiten und dann nichts mehr für sich selbst und für ihr Kind übrig haben? Dazu brauchte es Glauben, Glauben an das Wort des HERRN durch seinen Knecht. «Und sie ging hin und tat nach dem Wort Elias.» Das war das Geheimnis der Segnung.
«Bereite mir zuerst einen kleinen Kuchen.» Hat der Herr nicht schon oft dieses Verlangen an uns gerichtet? Reserviere bei der Morgendämmerung des Tages zuerst einen Augenblick, um dich zu meinen Füssen niederzusetzen und meine Stimme zu hören, still zu sein und wie einst der junge Samuel zu sagen: «Rede, HERR, denn dein Knecht hört.» Und hast du im Lauf der gewohnten Beschäftigungen nicht oft eine Stimme sagen hören: denke zuerst an den Herrn? Da mag es sich um die Frage der Geradheit oder der wohlverrichteten Arbeit handeln, oder darum, jemandem einen Dienst zu erweisen, ein Wort zu äussern oder zu schweigen. Oder vielleicht stellt sich die Wahl: berufliche Arbeit oder sich zum Herrn hin versammeln; überflüssige Ausgabe für sich selbst oder Verwendung des Geldes für seinen Dienst, seine Diener oder die Bedürftigen.
«Bereite mir zuerst einen kleinen Kuchen», nichts Grosses, scheint es, und doch viel. Für die Witwe war es nur eine Handvoll Mehl, ein wenig Öl im Krug, aber wie hat der Prophet und vor allem der HERR selbst dies gewürdigt! «Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht» (Lk 16,10). Vielleicht ist es nur eine Broschüre, ein Wort, ein Gebet, was man zuerst auf dem Herzen hat, für Ihn auszuteilen oder zu sagen. Und welch ein Verlust, wenn man versäumt, dies zu tun!
«Bereite mir zuerst einen kleinen Kuchen.» – «Ich werde dir meinen Glauben aus meinen Werken zeigen» (Jak 2,18). Es ist ohne Zweifel gut, sein Vertrauen auf Gott auszusprechen, mit Begeisterung Lieder zu singen, die seine Güte und seine Treue preisen. Aber der Glaube besteht nicht nur in Worten; er wirkt sich in Taten aus. Da ist ein junger Mann, ganz mit seinem Studium beschäftigt; die Examen sind vor der Tür. Wird er den Tag des Herrn dem Herrn weihen oder seinem Studium? Wenn er seinen Glauben dadurch beweist, dass er Gott den ersten Platz gibt, indem er seine Arbeit an den übrigen Wochentagen tut, so wird ihm gewiss entsprochen werden. Auf den ersten Blick erscheint dies als ein Verlust, wie für die Witwe ihr Mehl und ihr Öl, aber kann Gott ein Examen oder eine Arbeit nicht ebenso gut oder noch besser gelingen lassen, wenn man aus Liebe zum Herrn die Zeit, die Er beansprucht, für Ihn reserviert hat, selbst wenn diese Stunden für das Studium «verloren» gegangen sind?
«Bereite mir zuerst einen kleinen Kuchen.» Hören wir aus den Worten des Propheten nicht die Stimme des Herrn und seinen Wunsch, dass wir etwas für Ihn tun möchten? Die Versammlungen Mazedoniens «gaben sich selbst zuerst dem Herrn» (2. Kor 8,5). Ist dies nicht der Kern der ganzen Frage: «Mein Sohn, gib mir dein Herz?» Eine Handvoll Mehl und etwas Öl war wenig, doch waren es alle Hilfsquellen der Witwe. Indem sie diese zuerst dem Propheten gab, hatte sie nur noch den Tod vor sich … oder die Befreiung Gottes. Wenn wir uns ganz dem Herrn zur Verfügung stellen, im Bewusstsein, dass wir «zu einem Preis erkauft worden sind», scheint es, als ob wir unser Leben «verlören». Aber «wer sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.» Und diese «Gabe» seiner selbst, (die ja keine ist, sondern einfach das dauernde zur Verfügung stellen dessen, was Ihm gehört), wird nicht durch Augenblicke der Begeisterung und durch Träume von fernen Missionen zum Ausdruck kommen, sondern durch diesen «ersten Platz», den wir am Herzen haben, Ihm in den Einzelheiten unseres Tageslaufes zu geben. Ein «kleiner Kuchen» vielleicht aber das Geheimnis des Segens, der uns Tag für Tag begleiten wird, bis zum Augenblick, an dem die «Hungersnot» ein Ende nimmt und wir in das Vaterhaus eintreten werden. «Damit Er in allen Dingen den Vorrang habe.»