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«Amstad knattert, knistert, rauscht, krächzt, flüstert, wimmert, wummert, brummt, röchelt, hechelt, stöhnt, schreit und flüstert.» Die Aufzählung von Publizist Peter Rüedi ist beileibe nicht vollständig für das, was Bruno Amstad mit seiner Stimme anstellen konnte.
Noch im vergangenen Sommer war Bruno Amstad am Festival Alpentöne im Projekt «L’Aur Blau» von Corin Curschellas zu hören. Diesen Sommer hätte er die Musik für das Einsiedler Welttheater schreiben sollen.
Nun wurde er abrupt aus dem Leben gerissen. Die Schweizer Musiklandschaft hat einen ihrer kreativsten und experimentierfreudigsten Stimmkünstler verloren: Bruno Amstad wurde 59 Jahre alt.
Lange Entwicklung
Bis aus Amstads Gesang seiner frühen Jahre die Lautäusserungen zwischen Flüstern und Schreien wurden, legte er einen weiten Weg zurück.
Geboren 1964, war er ein Kind des Rockzeitalters. Erste Bands, in denen Bruno Amstad sang, lehnten sich an Bands wie Led Zeppelin an. Das Outfit des Rocksängers behielt Amstad bei: Er war ein Bär von einem Mann mit langen Haaren, oft schwarz gekleidet mit T-Shirt und Jeans.
Seine Musik allerdings nahm irgendwann die Abzweigung weg vom Rock hin zu improvisierter Musik, zu Experimentellem und Ungehörtem.
Experimentieren bis zum Exzess
Gleichermassen kam Bruno Amstad von gesungenen Texten weg. Oder anders gesagt: Die Wörter, die er als Rocksänger noch gesungen hatte, lösten sich auf in ihre Einzelteile, aus Wörtern wurden Silben und aus Silben Buchstaben und Laute.
Fortan waren sie oft das Material, aus dem Amstad seine Improvisationen baute. Der Inhalt des Gesungenen verlor seine Bedeutung, dafür wurde die Stimme zum Forschungsfeld. Bruno Amstad lotete ihre Möglichkeiten bis zum Exzess aus.
Die Stimme ist das älteste Musikinstrument auf dieser Welt, in vielen Kulturen wurde mit ihren Möglichkeiten gespielt. Amstad hat vieles davon in seine Kunst integriert – so auch den Obertongesang.
Zu den uralten Techniken hinzukamen aber auch die Möglichkeiten der Elektronik, beispielsweise das Arbeiten mit Loops. Amstad war hierzulande einer der Ersten, der die Möglichkeiten erkannte und sie anwendete. Seine Virtuosität im Umgang damit war erstaunlich.
Schwyzerörgeli und Saxofon
Von Bruno Amstad als Sänger zu reden, greift also ziemlich zu kurz. Stimmkünstler wäre richtiger. Amstad selber zog es vor, sich einfach Musiker zu nennen. Denn das ist es, was er machte: Musik. Die Schublade interessierte ihn nicht.
Im Duo mit dem Schwyzerörgelispieler und Saxofonisten Albin Brun war es alpenländische Musik ohne Scheuklappen, bei Christy Doran's New Bag, wo Amstad jahrelang dabei war, war es Jazz mit Rockeinflüssen. In seinen Soloprojekten war es – ja, was eigentlich?
Mit eigenen Projekten und als vielbeschäftigter Sideman war Bruno Amstad bis zu seinem Tod unermüdlich am Erkunden dieses Riesenkontinents Stimme.