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selbst niedergelassene Geschäfte und 885 auf auswärtige Geschäfte) und gegen Taxe 90 (68 auf im Kanton selbst niedergelassene Geschäfte und 22 auf auswärtige Geschäfte) ausgegeben. Eine 1865 gegründete, vom Staate Genf subventionierte, aber von den Genfer Kaufleuten unterhaltene Handelskammer vertritt die Interessen der Kaufmannschaft den Behörden gegenüber und studiert alle in ihren Geschäftskreis einschlagenden Fragen. Seit 1888 besteht auch eine Handelsschule, die rasch zu grosser Blüte gelangt ist und jungen handelsbeflissenen die ihnen nötigen Kenntnisse vermittelt; ausserdem besteht noch je eine Handelsabteilung auch an der Sekundar- und Höhern Töchterschule.
Der Kanton Genf ist von einer in Zollangelegenheiten neutralen Zone umgeben, deren Grenzen über die politische Landesgrenze hinaus in französisches Gebiet verlegt sind. Das Rechte Ufer des Kantons grenzt an die Zone des Pays de Gex, die sich bis zur Valserine erstreckt und 1814 vom Pariser Kongress geschaffen worden ist. Das neutrale Gebiet hinter dem Linken Ufer des Kantons, die Zone von Savoyen, datiert aus dem Jahre der Vereinigung dieser Landschaft mit Frankreich (1860); ihre Schaffung ist damals durch Volksabstimmung der Bewohner Savoyens beschlossen worden.
Vom übrigen Frankreich ist diese neutrale Zone Savoyens durch eine unregelmässige Linie abgetrennt, die zunächst bis Seyssel dem Rhonelauf folgt, dann den Bach Les Usses hinaufgeht und weiterhin über Évire, Saint Jean de Sixt, La Giétaz und Flumet die italienische Grenze erreicht; die Zone umfasst die französischen Arrondissemente Thonon und Bonneville ganz, und Saint Julien und Annecy zu einem Teile. Diese Einrichtung der zollfreien Zonen erleichtert die Versorgung Genfs mit Lebensmitteln und gestattet den Bewohnern des Pays de Gex und Savoyens die bequeme Abfuhr ihrer Landesprodukte nach derjenigen Stadt, die deren natürlicher Absatz- und Ausfuhrmarkt ist. Diese zollfreie Zonen sind also für beide Länder vorteilhaft, ganz besonders aber für Savoyen und das Pays de Gex, die sich beide immer gegen ihre Einreihung in das allgemeine französische Zollsystem gewehrt haben.
Verkehrswege.
Seiner geographischen Lage entsprechend ist Genf das Verbindungslied zwischen der Schweiz einerseits, dem südl. Frankreich, Algerien und Spanien andererseits. Drei Eisenbahnlinien stellen die Verbindung Genfs mit seinen Nachbargebieten her, nämlich die Linien der Jura-Simplonbahn, Paris-Lyon-Méditerranée und Les Vollandes-Annemasse. Die zwei erst genannten gehen vom Bahnhof Cornavin aus, die andere verbindet Genf mit dem Bahnnetz der Haute Savoie, ist von weit geringerer Bedeutung, mündet in den Bahnhof von Les Eaux Vives ein und wird - obwohl Eigentum des Staates Genf - von der Paris-Lyon-Méditerranée-Bahn betrieben. Es ist für den Handel Genfs und auch für den internationalen Verkehr ein grosser Nachteil, dass diese Linien auf Genfer Boden nicht mit einander verbunden sind und in zwei verschiedene Bahnhöfe einmünden.
Obwohl schon verschiedene Projekte einer Verbindungsbahn zwischen den beiden Bahnhöfen Cornavin und Eaux Vives ausgearbeitet worden, ist doch die ganze Angelegenheit heute noch immer in der Schwebe. Das Gesamtgewicht der in beiden Bahnhöfen angekommenen Güter belief sich 1900 auf ungefähr 600000 Tonnen. Die Gesamtlänge der normalspurigen Bahnen auf Genfer Boden beträgt 30 km. Von grosser Bedeutung ist für den Kanton Genf daneben noch sein ausgedehntes Netz von Schmalspurbahnen, die 1887 mit der Eröffnung der Linie Genf-Veyrier ihren ersten Anfang nahmen und heute alle als elektrische Bahnen eingerichtet sind.
Dieses Netz dient vor allem den ländlichen Gebieten des Kantons und setzt sich noch über die Kantonsgrenzen hinaus bis zu wichtigen Ortschaften des Département de l'Ain (Fernex-Gex) und Hoch Savoyens (Saint Julien, Étrembières, Douvaine, Collonges sous Salève) fort. Endstationen dieser von Genf nach allen Seiten hin ausstrahlenden Linien sind Versoix, Fernex, Vernier, Saint Georges, Chancy, Lancy, Saint Julien, Collonges sous Salève, Jussy, Douvaine und Hermance. Gesamtlänge 117 km. Mit Ausnahme der von einer besonderen Gesellschaft betriebenen Linie Genf-Veyrier-Collonges sous Salève sind alle diese Bahnen Eigentum der Compagnie Genevoise des Tramways Électriques.
Die beiden Flussläufe des Kantons Genf sind nicht schiffbar. Die Arve ist hierfür zu seicht und hat zu sehr Wildbachcharakter, und die Rhone unterbricht ihren Lauf bei Bellegarde (Département de l'Ain) in der von ihr ausgewaschenen sog. Perte du Rhône. Ausserdem ¶
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sperrt 6 km unterhalb der Stadt Genf der Staudamm des Elektrizitäts- und Wasserwerkes Chèvres den Rhonelauf seiner ganzen Breite nach. Von Bedeutung als Verkehrsweg ist dagegen der Genfersee, auf dem die Compagnie générale de Navigation 16 Dampfboote unterhalt, die beide Ufer regelmässig bedienen und fast ausschliesslich nur Personen befördern. Den Waarenverkehr vermitteln zahlreiche Segelschiffe, die dem Hafen von Genf die Erzeugnisse der Ufergebiete, vor Allem die Bausteine der Brüche von Meillerie (Hoch Savoyen) zuführen. Den Verkehr im Hafen selbst und in seinen nächsten Umgebungen besorgen endlich eine Anzahl von kleinen Motorbooten.
Staat und Verwaltung.
Der Kanton Genf wird nach der Verfassung vom verwaltet, die ihre Ausarbeitung der nach dem Aufruhr vom eingesetzten provisorischen Regierung verdankt und seither zu verschiedenen Malen abgeändert worden ist. Ihre Hauptbestimmungen sind: Verminderung der Mitgliederzahl des Staatsrates und des Grossen Rates, Verkürzung ihrer Amtsdauer, Beseitigung der Bürgermeister (syndics), Gewährleistung der Glaubensfreiheit, Wahl der ausübenden Behörde durch das Volk, Ausdehnung des Stimmrechtes auf die Almosengenössigen und die im Kanton niedergelassenen Schweizer aller Kantone, Unentgeltlichkeit des Volksschulunterrichtes, Gründung der Banque de Genève und der Hypothekarkasse, Aufhebung der Oekonomischen Gesellschaft (einer aristokratischen Einrichtung, deren Mitglieder blos alteingesessene Genfer Patrizier werden konnten und die aus ihrem beträchtlichen Vermögen bisher gewisse Ausgaben für die Volksschule und den reformierten Kultus bestritten hatte).
Diese Verfassung von 1847 ist später in manchen wichtigen Bestimmungen abgeändert worden, so besonders mit Bezug auf die Amtsdauer der Mitglieder des Staatsrates und Grossen Rates, die Einführung des Referendums und andere Punkte. Die Staatsform des Kantons Genf ist die einer repräsentativen Demokratie. Der Gesamtheit der Wähler (Conseil général) stehen folgende Rechte zu: Wahl der ausübenden und gesetzgebenden Behörden und der Vertreter des Kantons in den eidgenössischen Räten, Gewährleistung der Verfassung, fakultatives Referendum;
ferner das Hecht der Initiative, die aber, um in Kraft treten zu können, von mindestens 2500 stimmberechtigten Bürgern unterstützt werden muss, während das Referendum zu seiner Vollziehung die Unterschrift von mindestens 3500 Bürgern verlangt. 1899 zählte der Kanton 22189 stimmberechtigte Bürger, von denen 7431 auf die Stadt, 5770 auf das Rechte Ufer und 8988 auf das Linke Ufer entfielen.
Von den Stimmberechtigten sind 8600 oder 38,8% Schweizerbürger aus anderen Kantonen (3100 deutscher und 5500 französischer Zunge). Die Zunahme dieser Klasse von Stimmberechtigten macht sich weit mehr als in der Stadt in den ländlichen Gemeinden des Kantons bemerkbar.
Gesetzgebende Behörde ist der Grosse Rat (Grand Conseil), der sich aus 100 je für 3 Jahre von den drei Kreiswahlkörpern (Stadt, Rechtes Ufer, Linkes Ufer) proportional zur Zahl ihrer Bevölkerung gewählten Mitgliedern zusammensetzt. Die Wahl der Grossräte erfolgt vermittels des Listenskrutiniums nach dem durch Gesetz vom aufgestellten Prinzip der Proportionalvertretung. In den Geschäftskreis des Grossen Rates fallen die Beratung von Gesetzesvorschlägen, die Aufsicht über die kantonale Verwaltung, das Begnadigungs- und Amnestierecht, die Bestimmung des Steuerfusses, die Beschlussfassung über Ausgaben und Anleihen, Ratifikation von Konkordaten und Verträgen, Ernennung der richterlichen Behörden, Bürgerrechtsgesuche.
Die ausübende Behörde, der ebenfalls auf eine Amtsdauer von 3 Jahren ernannte Staatsrat (Conseil d'État) besteht aus 7 Mitgliedern, die den einzelnen Verwaltungsabteilungen (Erziehungswesen, Finanz- und Steuerwesen, Oeffentliche Arbeiten, Justiz und Polizei, Handel und Volkswirtschaft, Inneres, Landwirtschaft und Kultus, Militärwesen) vorstehen. Der Gesamtbehörde liegen ob die Bekanntmachung und Durchführung der Gesetze, die kantonale Verwaltung, die Aufsicht über die Gerichte, den Kultus und das Schulwesen, die Vermittlung der Beziehungen zu den eidgenössischen und übrigen kantonalen Behörden etc.
Der Kanton Genf ordnet in den Nationalrat 7 Mitglieder ab, die wie auch die beiden Ständeräte direkt vom Volke gewählt werden.
Die heutige Justizorganisation des Kantons beruht auf dem Gesetz vom das durch dasjenige vom in einigen Punkten abgeändert und ergänzt worden ist. Die richterlichen Funktionen werden ausgeübt durch Schiedsgerichte, Friedensgerichte, einen Gerichtshof erster Instanz, ein Zivil-, Straf- und Korrektionsgericht, den Staatsanwalt und den Untersuchungsrichter, eine Untersuchungskammer, eine Vormundschaftskammer und ein Kassationsgericht.
Alle richterlichen Behörden werden auf eine Amtsdauer von 4 Jahren vom Grossen Rate ernannt, mit Ausnahme der Schiedsgerichte, die von den Arbeitsgebern und Arbeitern nach Berufsgruppen getrennt bestellt werden. Diese gewerblichen Schiedsgerichte entscheiden in allen zwischen Prinzipalen und Angestellten entstehenden Streitigkeiten, wie z. B. Lohnfragen, Arbeitsausführungen und Lehrverträgen. Der Kanton ist in 4 Friedensgerichtsbezirke eingeteilt: Genf, Carouge, Chêne Bourg und Petit Saconnex, von denen die drei letztgenannten wieder in je vier Kreise gegliedert sind. Es gibt 3 Friedensrichter u. 4 Stellvertreter. Der Gerichtshof erster Instanz setzt sich zusammen aus 5 Richtern, 10 Beisitzern, 6 stellvertretenden Richtern u. 6 stellvertretenden Beisitzern; er gliedert sich in 5 Kammern (vier für Zivilsachen und ¶