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|Eieraufleset Dintikon|

Es wird angenommen, dass sich der Wettkampf zwischen den beiden "Weissen", nämlich den beiden Hauptfiguren des ganzen Geschehens, früher um die Gunst eines Mädchens drehte, das sich weder für den einen noch den andern Jüngling als Liebhaber entscheiden konnte. Dies kann aber urkundlich nicht nachgewiesen werden. Möglich ist auch, dass das Brauchtum seinen Ursprung im symbolischen Kampf zwischen Winter (Läufer) und Frühling (Eieraufleser) hat. Das Schlagen mit Schweineblasen auf den Boden könnte dabei das Vertreiben der bösen Wintergeister symbolisieren. Das Ei als Symbol einer fruchtbaren Ernte macht bei diesem Versuch zur Deutung des Brauchtums ebenfalls einen Sinn.
Der eigentliche Eieraufleser begibt sich, nachdem er sich von seinem Kameraden verabschiedet hat, sofort an den Kopf der Eierreihe. Er beginnt, die Eier der Reihe nach in ein aufgespanntes Tuch (Grösse 170 cm x 250 cm) zu werfen. Sobald ein Ei das Ziel verfehlt, muss der Eieraufleser unter dem ständigen tollen Herumtreiben der übrigen maskierten und kostümierten Eieraufleset-Teilnehmer mit Laufen beginnen, d.h. er läuft pro Ei einmal vom nächst liegenden bis zum hintersten Ei. Wenn er das sechste Mal hinten ankommt, kann er dort sechs Eier aufnehmen und mit diesen zum Spreukorb eilen. So wird seine Laufstrecke immer kürzer. Derjenige "Weisse", der zuerst seine Aufgabe erledigt hat, gilt als Sieger und geht seinem Kameraden mit einem Stuhl entgegen, bzw. hilft ihm die restlichen Eier einsammeln.
Auf dem Festplatz gelangt regelmässig eine "Schnitzelbank" zum Verkauf, welche das Dorfgeschehen des vergangenen Jahres in gereimter Form glossiert.
Nachdem der Läufer auf der Strecke nach Hendschiken in den letzten Jahren vom grossen Strassenverkehr zunehmend gefährdet war und immer wieder durch längere Zeit geschlossene Bahnschranken behindert wurde und zudem die einzige im Dorf Hendschiken liegende Gaststätte am Sonntag geschlossen ist und somit dem Läufer keine "Stärkung" anbieten konnte, musste man sich dazu entschliessen, die Läuferstrecke nach Villmergen umzulegen. Hier steht eine weitgehend verkehrs- und schikanenfreie Strasse zur Verfügung. Weiter galt es, den immer mehr vom Anstösserverkehr beeinträchtigten Festplatz beim Gasthof zum Bären zu überdenken. Auf Antrag des Brauchtumspflegers wurde beschlossen, den Festbetrieb erstmals im Jahre 1999 auf den abseits vom Verkehr liegenden Schulhausplatz zu verlegen, wo in der Nähe auch genügend Parkmöglichkeiten und übrige Infrastruktur-Einrichtungen zur Verfügung stehen.
|Chlauschlöpfe|

Es war einmal.........
vor ewigen Zeiten, als der St. Nikolaus jedes Jahr an seinem Namenstag von seiner Wohnung im Goffersberg (Gofi genannt) zu Lenzburg die vielen Treppen zur Stadt hinunterstieg. Zweck seines jährlichen Ausfluges war es, die Leute froh und zufrieden zu machen, indem er ihnen gute Dinge und Ratschläge bescherte. Doch eines Jahres war es mit der Herrlichkeit vorbei, denn böse Buben streuten Erbsen auf die Treppe, die zur Wohnung des Samichlaus führte. Als dieser müde und langsam zu später Stunde heimkehrte, rutschte er aus, kollerte die Treppe hinunter und tat sich an allen Gliedern weh. Verärgert und voller Groll schlug er donnernd die Türe hinter sich zu und gelobte, bis zum jüngsten Tage nie mehr Wohltätigkeitsbesuche machen zu wollen. Den Buben tat ihr Streich leid und sie wollten den St. Nikolaus um Verzeihung bitten. Sie fanden jedoch den Eingang zu seiner Wohnung nicht mehr. Um ihn hervorzulocken, machten Sie grossen Lärm mit Geisseln und sie tun dies heute noch jedes Jahr.
Es begab sich dann.........
dass der Brauch des Chlauschlöpfens von Lenzburg her auch in die andern Bezirksgemeinden und so auch nach Dintikon kam. Buben und auch Mädchen und gelegentlich sogar jung gebliebene Erwachsene suchten anfangs November, wenn die goldgelb und rot gewordenen Blätter von den Bäumen fielen und die ersten Spätherbststürme übers Land fegten und so das Nahen des Winters ankündigten, nach Zwick und Geissel. Es begann dann - ganz nach dem Motto "Übung macht den Meister" - das vorerst nur "heisere" später aber beherztere Üben. Gar nicht so leicht, mit dem kurzen Geisselstiel und dem Hanfzwick am Ende des langen Seiles einen "trockenen" Peitschenhieb in die nächtliche Landschaft zu knallen.
in unserer Gemeinde der Chlauschlöpfer-Brauch wieder auflebt und dies zur Freude der einen oder aber zum Ärger der andern. In diesem Jahrzehnt hat sich aber auch in unserer Gemeinde - wie uns durch das Wiederaufleben des Chlauschlöpfens erst so richtig bewusst wird - so manches verändert. Erstens hat sich die Bauweise verdichtet und das macht das Chlöpfen erst recht interessant, verliert sich doch dadurch der Peitschenknall nicht einfach auf offenem Feld, sondern wiederhallt in den Gassen. Zweitens kennt ein Teil der erst in den letzten Jahren zugezogenen EinwohnerInnen die geschichtlichen Hintergründe des im ganzen Bezirk Lenzburg üblichen Chlauschlöpfens nicht oder zu wenig. Der Gemeinderat möchte hier insbesondere bei allen (Neu) EinwohnerInnen und allen ChlauschlöpferInnen diesen offensichtlichen Informationsmangel beheben.
Es will der Gemeinderat.........
den Brauch des Chlauschlöpfens, wie wir ihn im Bezirk Lenzburg kennen (in anderen Gegenden kennt man die Fasnacht, deren Treiben gelegentlich auch nicht ganz leise verläuft, das Treicheln, das Silvesterschiessen oder andere meistens laute Bräuche) pflegen und innerhalb geordneter Abwicklungen gar fördern. So unterstützt der Gemeinderat, dass sich gelegentlich eine lose Vereinigung finden lässt, welche die Jungen im Chlauschlöpfen schult und alle ChlauschlöpferInnen am Ende der Chlauszeit ihr Können in einem Wettbewerb (örtliche Ausscheidung mit Berechtigung zur Teilnahme am Regionalwettbewerb) beweisen können.
Es will der Gemeinderat aber auch.........
eine gewisse Lenkung des Chlauschlöpfer-Betriebes erreichen. Deshalb nachstehend einige Regeln , die es als verantwortungsbewusste Chlauschlöpfer/in zu beachten gilt:
• Die Chlauschlöpfer-Geisel ist tagsüber stumm und wird erst mit dem Einnachten aus dem Kasten hervorgeholt. Um 21.00 Uhr wird sie dahin zurückgebracht. Einzig am Vorabend des Lenzburger Chlausmarktes und am Chlausmarkttag selber (Zweiter Donnerstag im Dezember) darf das Chlauschlöpfen abends etwas länger andauern.
den sich vom Chlauschlöpfen "geplagt" fühlenden EinwohnerInnen einige Tipps abgeben.
Tipp 1: Wie ich mich mit den ChlauschlöpferInnen sicher zerstreite und sie anziehe, ihren Uebungsbetrieb dauernd vor meinem Haus abzuwickeln
• ich öffne das Zimmerfenster und werfe einen Schwall Schimpfworte oder gar einen Kessel kalten Wassers auf die Strasse
• ich telefoniere oder schreibe dem Gemeindeammann, der Gemeindekanzlei oder gar der Polizei, und verlange, dass das Chlauschlöpfen, das ich als "Unsitte" bezeichne, unterbunden wird
• ich telefoniere den Eltern eines Chlauschlöpfer-Kindes, das ich in der Dunkelheit im Scheine der Strassenlampen zufälligerweise erkannt habe und beschimpfe diese Eltern
• ich gehe zur Chlauschlöpfer-Gruppe auf die Strasse, interessiere mich für das "Werkzeug" d.h. die Geissel und für den Brauch des Chlauschlöpfens
• ich überreiche der Gruppe einen Chlaussack (Chrömli, Mandarinli o.ä.m) und freue mich, dass unsere Dorfjugend den Chlauschlöpfer-Brauch pflegt statt irgendwo anders (wenn möglich beim Drogenkonsum) "herumzuhangen"
Der Gemeinderat freut sich, dass jedes Jahr ein Programm für die interessierten ChlauschlöpferInnen durch den Brauchtumspfleger organisiert wird und viele Kinder und auch Erwachsene mitmachen.
Die Höhepunkte für alle ChlauschlöpferInnen sind jeweils die Ausscheidung in Hendschiken sowie der regionale Chlauschlöpf-Wettbewerb . Dieser findet jedes Jahr in einer anderen Chlauschlöpfer-Gemeinde statt.
GEMEINDERAT DINTIKON