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Zen-Lehre chinesischen Meisters Huang-Po
- Zen-Lehre chinesischen Meisters Huang-Po
- Erster Teil
- Zweiter Teil
Erster Teil
BERICHT DES CHÜN CHOU ÜBER DEN ZENMEISTER HUANG PO (TUAN CHI)
Eine Sammlung von Reden und Dialogen, berichtet von P’ei Hsiu während seines Aufenthaltes in der Stadt Chün Chou
Übertragung des Geistes (Text) – 1. Der Meister sagte zu mir: Alle Buddhas und alle lebenden Wesen sind nichts anderes als der Eine Geist, neben dem nichts anderes existiert. Dieser Geist, der ohne Anfang ist, ist ungeboren und unzerstörbar. Er ist weder grün noch gelb, hat weder Form noch Erscheinung. Er gehört nicht zu den Kategorien von Dingen, die existieren oder nicht existieren. Auch kann man nicht in Ausdrücken — wie alt oder neu — von ihm denken. Er ist weder lang noch kurz, weder groß noch klein, denn er überschreitet alle Grenzen, Maße, Namen, Zeichen und Vergleiche, Du siehst ihn vor dir, doch sobald du über ihn nachdenkst, verfällst du dem Irrtum. Er gleicht der unbegrenzten Leere, die weder zu ergründen noch zu bemessen ist. Der Eine Geist allein ist Buddha, und es gibt keine Unterscheidung zwischen Buddha und den Lebewesen, nur, daß diese an Formen gebunden sind und im Außen die Buddhaschaft suchen.
Durch eben dieses Suchen aber verlieren sie sie. Denn sie benutzen Buddha, um Buddha zu suchen und benutzen den Geist, um den Geist zu erfassen. Selbst wenn sie ein Äon lang ihr äußerstes leisten würden, sie könnten ihn doch nicht erreichen. Sie wissen nicht, daß ihnen in dem Augenblick, in dem sie das begriffliche Denken aufgeben und ihre Unruhe vergessen, Buddha erscheinen wird; denn dieser Geist ist Buddha, und Buddha ist alle Lebewesen. Er ist nicht kleiner, wenn er sich in gewöhnlichen Dingen, noch größer, wenn er sich als Buddha manifestiert.
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2. Da ihr im Grunde in jeder Hinsicht vollkommen seid, solltet ihr nicht durch Vollbringen der sechs paramitas, oder einer Anzahl ähnlicher nutzloser Übungen, noch durch Sammeln von Verdiensten -und wären diese auch zahllos wie der Sand des Ganges – versuchen, diese Vollkommenheit zu ergänzen. Wenn Gelegenheit für Übungen vorhanden ist, führt diese aus; wenn die Gelegenheit vorüber ist, gebt Ruhe. Wenn ihr nicht vollkommen überzeugt seid, daß der Geist Buddha ist, sondern noch an Formen, Übungen und verdienstvollen Taten hängt, ist eure Art zu denken falsch und völlig unvereinbar mit dem Weg. Der Geist ist Buddha.
Es gibt keine anderen Buddhas, oder irgend einen anderen Geist. Er ist herrlich und fleckenlos wie die Leere und hat überhaupt keine Form noch Erscheinung. Den Geist für begriffliches Denken zu benutzen, bedeutet die Substanz lassen und sich an Formen binden. Der Ewig Seiende Buddha hat keine Gestalt und ist kein Gegenstand der Bindung. Die Übung der sechs paramitas und Myriaden ähnlicher Übungen, die dazu führen solen, ein Buddha zu werden, bedeutet ein stufenweises Voranschreiten. Der Ewig Seiende Buddha aber ist kein Buddha der Stufen. Das Erwachen zum Einen Geist schließt jedes andere Ziel aus. Dies ist der wirkliche Buddha. Der Buddha und alle lebenden Wesen sind der Eine Geist und nichts anderes.
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3. Der Geist gleicht der Leere, in der es keine Verwirrung und kein Böses gibt, wenn die Sonne sie durchkreist und in die vier Ecken der Welt hineinscheint. Denn wenn die Sonne aufsteigt und die ganze Welt erleuchtet, nimmt die Leere nicht an Glanz zu, und wenn sie niedergeht, wird die Leere nicht dunkler. Die Erscheinungen von Licht und Dunkel wechseln ab, die Natur der Leere aber bleibt unverändert. Das gleiche gilt für den Geist des Buddha und der Lebewesen. Wenn du Buddha für eine reine, strahlende oder erleuchtete Erscheinung hältst, die Lebewesen aber für faule, dunkle oder totenähnliche Gestalten, so werden dich diese Vorstellungen, die aus deinem Haften an Formen entstammen, von der höchsten Erkenntnis fernhalten, auch dann noch, wenn du so viele Äonen durchschritten hast, wie es Sand am Ganges gibt.
Es existiert nur der Eine Geist und kein Teilchen von irgend etwas anderem, an das man sich klammem könnte. Denn dieser Geist ist Buddha. Wenn ihr Schüler auf dem Weg nicht zu dieser Geistsubstanz erwacht, werdet ihr den Geist mit begrifflichen Gedanken überlagern, den Buddha außerhalb von euch selbst suchen und gebunden bleiben an Formen, fromme Übungen und anderes, was schädlich und keineswegs der Weg zur höchsten Erkenntnis ist.
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4. Alle Opfer, die den Buddhas des Weltalls gebracht würden, glichen nicht jenem Opfer, das dem Einen gebracht wird, der dem Weg folgt und das begriffliche Denken aufgegeben hat. Warum? Weil dieser keinerlei Begriffe mehr formt. Die Substanz des Absoluten gleicht im Inneren einem Holz oder Stein. In diesem Innern ist sie unbewegt. Äußerlich gleicht sie der Leere ohne Grenzen und Hemmungen. Sie ist weder objektiv noch subjektiv, hat keine bestimmte Lage, ist ohne Form und kann nicht vergehen. Wer dorthin eilt, wagt nicht, in sie einzugehen, da er Angst hat, in die Leere herabgeschleudert zu werden, ohne sich an etwas klammern zu können oder vorm Fallen bewahrt zu werden. So starren sie auf den Abgrund und ziehen sich zurück. Dies bezieht sich auf alle, die solches Ziel durch Überlegung zu erreichen suchen. Es sind dies die Vielen, während nur wenige die intuitive Erkenntnis des Weges erlangen.
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5. Manjusri verkörpert das grundlegende Gesetz, Samantabhadra die Tätigkeit. Ersteres bedeutet das Gesetz der wirklichen und unbegrenzten Leere, letzteres die unerschöpflichen Tätigkeiten jenseits der Sphäre der Formen. Avalokitesvara repräsentiert grenzenloses Erbarmen; Mahasthama grenzenlose Weisheit; Vimalakirti fleckenlose Namen.
Fleckenlos bezieht sich auf die wahre Natur der Dinge, während Name Form bedeutet. Die Form aber ist in Wirklichkeit eins mit der wahren Natur. Daher die Verbindung: „fleckenloser Name“. Alle Eigenschaften, die von den großen Bodhisattvas typisch dargestellt werden, wohnen dem Menschen inne und sind nicht von dem Einen Geist zu trennen. Erwache zu ihm, und er ist da. Ihr Schüler des Weges, die ihr in eurem eigenen Bewußtsein nicht zu diesem Geist erwacht, und die ihr an äußeren Erscheinungen hängt oder etwas Objektives außerhalb eures eigenen Geistes sucht, ihr alle habt dem Weg den Rücken gekehrt.
Sandkörner des Ganges! Von diesen sagte Buddha: „Würden alle Buddhas und Bodhisattvas zusammen mit Indra und allen Göttern über ihn schreiten, der Sand würde sich nicht freuen. Wenn Ochsen, Schafe, Reptile und Insekten auf ihn treten, der Sand empfindet keinen Ärger, der sehnt sich nicht nach Schmuck und Wohlgerüchen und hat auch kein Verlangen nach dem Gestank von Urin und Mist.“
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6. Dieser Geist ist nicht an begriffliches Denken gebunden und völlig frei von jeder Form. So unterscheiden sich Buddhas und Lebewesen in keinerlei Weise. Könntet ihr euch nur freimachen von begrifflichem Denken, dann hättet ihr alles erreicht. Aber wenn ihr Schüler auf dem Weg euch nicht blitzartig von dem begrifflichen Denken löst, werdet ihr niemals Vollkommenheit erlangen, auch wenn ihr von Äon zu Äon danach strebt. Versunken in den verdienstvollen Übungen der Drei Fahrzeuge werdet ihr niemals imstande sein, Erleuchtung zu erlangen. Die innere Erfahrung des Geistes aber kann nach einer kürzeren oder längeren Periode eintreten.
Es gibt solche, die nach dem Vernehmen dieser Lehre in einem Aufleuchten sich von dem begrifflichen Denken befreien, andere/ nachdem sie den Zehn Glaubensformeln, den Zehn Stufen, den Zehn Tätigkeiten und den Zehn Verdienstbringenden Gaben gefolgt sind, andere erlangen Befreiung, nachdem sie die Zehn Stufen einer Bodhisattva-Entwicklung durchquert haben. Aber ob sie das begriffliche Denken auf einem längeren oder kürzeren Weg beschreiten, das Ergebnis ist ein Zustand des Seins. Es gibt keine fromme Übung oder Handlung, die zu innerer Erfahrung führt. Daß es nichts gibt, was zu erreichen wäre, ist keine leere Rede. Es ist die Wahrheit. Auch wird die Vollendung die gleiche sein, ob du dein Ziel in einem einzigen blitzartigen Gedanken oder nach Durchschreiten der Zehn Stufen der Bodhisattva-Entwicklung erreichst. Da dieser Zustand des Seins keine Grade kennt, bedeutet die andere Methode nur Äonen unnötiger Leiden und Mühen.
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7. Das Bewirken des Guten wie des Bösen schließt Haften an Erscheinungsformen ein. Wer an Formen gebunden Böses tut, muß unnötigerweise vielfältige Wiedergeburten durchlaufen, während jene an Formen Gebundenen, die Gutes tun, sich gleicherweise nutzlos Mühen und Entsagungen unterwerfen. In beiden Fällen ist es besser, plötzliche Selbstverwirklichung zu erlangen und den grundlegenden Dharma zu erfassen. Dieses ist der Geist. Jenseits von ihm besteht kein Dharma. Dieser Geist ist der Dharma.
Jenseits von diesem besteht kein Geist. Geist an sich ist kein Geist, ebenso wenig ist er Nicht-Geist. Die Aussage, der Geist sei Nicht-Geist, setzt etwas Existierendes voraus. Mögen wir in schweigendem Verstehen verharren — weiter nichts. Fort mit allem Denken und Erklären. Dann ist der Weg der Worte abgeschnitten, die Bewegungen des Geistes sind ausgeschaltet. Dieser Geist ist reine Buddha-Quelle, die allen Menschen innewohnt. Alle sich bewegenden Wesen, die vom Leben durchpulst sind, alle Buddhas und Bodhisattvas bestehen aus dieser einen Substanz und unterscheiden sich nicht voneinander. Verschiedenheiten entstehen nur durch falsches Denken und bewirken vielfältiges Karma.
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8. Unsere ursprüngliche Buddha-Natur ist in Wahrheit ohne das geringste Teilchen von Gegenständlichkeit. Sie ist leer, allgegenwärtig, schweigsam, rein. Sie ist herrlich und geheimnisvoll friedliche Freude — nichts anderes. Dring tief in sie ein, indem du selbst zu ihr erwachst. Sie liegt vor dir in all ihrer Fülle und Vollkommenheit. Es gibt nichts neben ihr, auch wenn du alle Stufen der Bodhisattva-Entwicklung — eine nach der anderen — zur Buddhaschaft hin durchschreitest. Wenn du endlich in einem ein zigen blitzhaften Aufleuchten die vollkommene Verwirklichung erreichst, wirst du nur die Buddha-Natur erfahren, die alle Zeit bei dir war. Auf allen vorangegangenen Stufen wirst du ihr nichts hinzugefügt haben.
Diese Äonen des Erarbeiteten und Bewirkten werden dir dann wie unwirkliche Traum-Handlungen erscheinen. Darum sagt der Tathagata: „Ich habe wahrlich nichts von der vollkommenen unübertroffenen Erleuchtung empfangen.“ Wäre irgend etwas zu erreichen gewesen, hätte Dipamkara Buddha über mich nicht die prophetischen Worte der Buddhaschaft gesprochen. Auch solches sprach er: „Dieser Dharma ist völlig ohne jede Unterscheidung, weder hoch noch niedrig. Sein Name ist Bodhi.“ Es ist reiner Geist, die Quelle von allem. Mag er als ein Lebewesen oder als Buddha, unter der Gestalt von Flüssen und Bergen, in der Welt oder ohne Form, erscheinen, mag er das ganze Weltall durchdringen — er ist vollkommen unterschiedslos. Denn es gibt kein Selbst und kein Anderes.
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9. Dieser reine Geist, die Quelle von allem, scheint für immer und auf alle mit dem Glanz seiner eigenen Vollendung. Aber die Menschen in der Welt werden sich dessen nicht bewußt, da sie nur für Geist halten, was sieht, hört, fühlt und weiß. Durch ihr eigenes Sehen, Hören, Fühlen und Wissen geblendet, erkennen sie nicht die geistige Herrlichkeit der Quellsubstanz. Doch würden sie endlich alles begriffliche Denken in einem Aufleuchten ausschalten, dann würde sich diese Quellsubstanz manifestieren, wie die Sonne, die in der Leere aufsteigt und das ganze Weltall ohne Hindernis oder Schranken erleuchtet.
Wenn ihr Schüler des Weges durch Sehen, Hören, Fühlen und Erkennen Fortschritte zu erreichen sucht, der Wahrnehmungen aber entbehrt, dann werdet ihr nirgends Eintritt finden. Ihr müßt gewahr bleiben, daß der reine Geist, auch wenn er sich in diesen Wahrnehmungen ausdrückt, weder Teil von ihnen, noch von ihnen getrennt ist. Ihr dürft aus diesen Wahrnehmungen keine Schlüsse ziehen, noch begriffliche Gedanken entstehen lassen. Aber ebensowenig solltet ihr den Einen Geist außerhalb dieser Wahrnehmungen suchen, oder sie auf eurer Suche nach dem Dharma aufgeben. Behaltet sie nicht, gebt sie auch nicht auf, wohnt nicht in ihnen und haftet nicht an ihnen. Über, unter und um euch ist alles unmittelbares Sein. Nirgends ist etwas außerhalb des Buddha-Geistes.
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10. Wenn die Menschen der Welt hören, daß Buddha die Lehre des Geistes übermittelt hat, dann nehmen sie an, es gäbe etwas, das jenseits des Geistes erlangt oder erfahren werden kann. Sie benutzen den Geist, um den Dharma zu suchen, unwissend, daß der Geist und das Ziel ihrer Suche eins sind. Der Geist kann nicht benutzt werden, um etwas vom Geist zu suchen. Auch wenn Millionen Äonen vergangen wären, der Tag des Erfolges würde nicht aufdämmern. Eine solche Methode ist nicht zu vergleichen mit dem plötzlichen Fortwerfen aller begrifflichen Gedanken, das der grundlegende Dharma ist. Stell dir einen Krieger vor, der vergessen hat, daß er seine Perle auf der Stirn trägt und sie überall sucht. Er könnte die ganze Welt durcheilen und würde sie doch nicht finden.
Würde ihm aber jemand, der Bescheid wüßte, seinen Irrtum aufklären, würde er sogleich erfassen, daß die Perle alle Zeit dort war. Ebenso werdet ihr Schüler des Weges, die ihr euren wirklichen Geist nicht als Buddha erkennt, diesen überall suchen, euch in verschiedenste Handlungen und Übungen einlassen, und durch solche stufenweise Versuche das Ziel zu erreichen suchen.
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Aber selbst nach Äonen eifrigster Suche werdet ihr nicht imstande sein, den Weg zu finden. Diese Methoden lassen sich nicht vergleichen mit dem plötzlichen Ausmerzen aller begrifflichen Gedanken, im sicheren Wissen, daß es überhaupt nichts gibt, was absolute Existenz besitzt, nichts an das man sich klammern kann, nichts dem man vertrauen, nichts in dem man verweilen kann, nichts was Subjekt oder Objekt ist. Nur indem du verhinderst, daß begriffliches Denken entsteht, wirst du Bodhi erfahren. Dann wirst du auch Buddha erfahren, der immer in deinem eigenen Geist existierte.
Alle Äonen eifrigen Suchens werden sich nur als nutzlose Anstrengungen erweisen. Ebenso wie der Krieger, der seine Perle fand, nur entdeckt, was er all die Zeit auf seiner Stirn trug, und dieses Entdecken nichts zu tun hatte mit seinen Anstrengungen, die Perle anderswo zu finden. Darum sprach Buddha: „Ich habe wirklich nichts von der vollkommenen unübertreffbaren Erleuchtung gewonnen.“ Nur in der Befürchtung, daß die Menschen dieses nicht glauben würden, wendet er ihren Blick auf das mit den fünf Arten der Schau Wahrzunehmende und mit den fünf Arten der Rede Auszusprechende. Dieser Satz ist keineswegs leeres Gerede, sondern drückt die höchste Wahrheit aus.
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11. Schüler des Weges sollten überzeugt sein, daß die vier Elemente, die den Körper aufbauen, nicht das „Selbst“ sind und dieses eine Einheit bildet, folglich auch weder der Körper noch die fünf Faktoren, die den Geist ausmachen — im gewöhnlichen Sinn — ein „Selbst“ oder eine Einheit sind. Hieraus folgt, daß auch der (sogenannte individuelle) Geist weder „Selbst“ noch eine Einheit ist. Die sechs Sinnesorgane (einschließlich des Gehirns), die zusammen mit ihren sechs typischen Arten von Wahrnehmungen und ihren sechs Arten von Gegenständen der Wahrnehmung die Welt der Sinne ausmachen, müssen in gleicher Weise verstanden werden. Diese achtzehn Aspekte der Sinne sind gesondert wie zusammen leer. Es gibt nur die Geist-Quelle, die in ihrem Umfang unbegrenzt und von vollkommener Reinheit ist.
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12. So gibt es sinnenhaftes und weises Essen. Wenn der Körper, der aus den vier Elementen (Hrsg: Erde, Wasser, Luft und Feuer) besteht, an Hungerqualen leidet und du ihm ohne Gier Nahrung verschaffst, dann ist dies weises Essen. Wenn du dich aber gierig an Reinheit und Wohlgeschmack ergötzest, dann läßt du die Unterscheidungen zu, die aus falschem Denken erwachsen. Nur Befriedigung der Geschmacksorgane suchen, ohne zu wissen, wann man genug hat, heißt sinnenhaftes Essen.
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13. Sravakas erlangen Erleuchtung durch Hören des Dharma. Darum die Bezeichnung Sravakas. Sie verstehen nicht ihren eigenen Geist, erlauben aber, daß Begriffe aufsteigen, wenn sie der Lehre zuhören. Doch mögen sie auch von der Existenz des Bodhi und des Nirvana durch übernatürliche Kräfte, durch Glück oder Predigt erfahren, sie werden Buddhaschaft nur nach drei Äonen endloser Dauer erreichen. Dies alles gehört zum Weg der Sravakas. Darum heißen sie Sravaka-Buddhas. Plötzlich aber der Tatsache bewußt werden, daß dein eigener Geist der Buddha ist und nichts zu erreichen, keine einzige Handlung zu vollbringen ist, das ist der höchste Weg. Dies ist wirklich einem Buddha gleich sein.
Die einzige Befürchtung besteht nur darin, daß ihr Schüler auf dem Weg durch Aufkommen eines einzigen Gedankens eine Schranke zwischen euch und dem Weg errichtet. Vom Aufkommen eines Gedankens zum Aufkommen eines nächsten hin, darf keine Form, keine Tätigkeit entstehen, — das ist Buddha-Sein. Wenn ihr Schüler des Weges Buddha werden wollt, braucht ihr keinerlei Lehre zu studieren, ihr müßt nur lernen, wie ihr es vermeidet, nach etwas zu suchen und euch an irgend etwas zu binden. Wo nichts gesucht wird, ist der Geist ungeboren. Wo keinerlei Gebundenheit besteht, ist der Geist unzerstörbar.
Was weder geboren ist noch zerstört wird, ist Buddha. Die 84 Tausend Methoden, die den 84 Tausend Formen der Täuschung gegenüberstehen, sind nur Sprechweisen, um die Menschen zum Tor hinzuziehen. In Wirklichkeit hat keine von ihnen wahren Bestand. Alles Aufgeben ist Dharma. Wer dies versteht, ist ein Buddha. Das Aufgeben aller Täuschungen aber läßt keinen Dharma zurück, auf den man sich stützen kann.
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14. Wenn ihr Schüler des Weges dieses Geheimnis erkennen wollt, dann vermeidet die Bindung an irgendetwas jenseits des Geistes. Sagt man, der wirkliche Dharmakaya des Buddha ähnelt der Leere, so ist dies nur ein anderer Ausdruck für die Feststellung, daß Dharmakaya die Leere und daß die Leere Dharmakaya ist. Oft wird behauptet, Dharmakaya sei in der Leere und die Leere enthalte Dharmakaya, während beide ein und dasselbe sind. Beschreibst du aber die Leere als etwas Existierendes, dann ist sie nicht Dharmakaya, und beschreibst du Dharmakaya als etwas/das existiert, dann ist dies nicht die Leere. Siehst du dagegen von jedem objektiven Begriff der Leere ab, dann ist sie Dharmakaya, und wenn du jeden objektiven Begriff des Dharmakaya ausschaltest— dann eben ist er die Leere.
Sie unterscheiden sich nicht voneinander, auch gibt es keinen Unterschied zwischen Lebewesen und Buddhas, zwischen Samsara und Nirvana, oder zwischen Täuschung und Bodhi. Wenn alle diese Formen aufgegeben sind, dann ist Buddha da. Gewöhnliche Menschen blicken auf ihre Umgebung, während Schüler des Weges auf den Geist blicken. Der wahre Dharma aber ist/ daß man beides vergißt. Ersteres ist leicht genug, das Zweite sehr schwer. Die Menschen haben Angst, ihr geistiges Bewußtsein auszuschalten , denn sie fürchten, haltlos in die Leere zu fallen.
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Sie wissen nicht, daß die Leere nicht wirkliche Leere ist, sondern der Bereich des wirklichen Dharma. Diese geistig erleuchtende Natur ist anfangslos und so zeitlos wie die Leere, weder Geburt noch Zerstörung unterworfen, nicht existierend, aber ebensowenig nichtexistent, nicht unrein, noch rein, nicht geschwätzig noch schweigend, weder alt noch jung. Sie nimmt keinen Raum ein und hat weder Innen noch Außen, weder Gestalt noch Erscheinung, weder Farbe noch Ton. Man kann sie nicht sehen noch suchen, nicht mit Weisheit oder Erkenntnis verstehen, nicht mit Worten erklären, nicht materiell erfassen oder durch verdienstvolle Handlungen erreichen. Alle Buddhas und Bodhisattvas, gemeinsam mit allen sich bewegenden, vom Leben durchpulsten Dingen, haben Anteil an dieser großen Nirvana-Natur, die Geist ist. Geist aber ist Buddha, und Buddha ist Dharma.
Jeder Gedanke außerhalb dieser Wahrheit ist vollkommen falsch. Du kannst nicht den Geist benutzen, um Geist zu suchen, nicht Buddha benutzen, um Buddha zu suchen, oder den Dharma, um diesen zu suchen. So solltet ihr Schüler des Weges sofort das begriffliche Denken lassen. Schweigendes Verständnis sei alles! Jeder Denkvorgang muß zu Irrtum führen. Es besteht nichts — und das ist das allein Ausschlaggebende — als die Vermittlung des Geistes durch den Geist. Sei sorgfältig bemüht, nicht nach außen auf die materielle Umwelt zu blicken. Diese mit dem Geist zu verwechseln, hieße einen Dieb für den eigenen Sohn halten.
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15. Enthaltsamkeit, Ruhe und Weisheit existieren nur im Gegensatz zu Begierde, Ärger und Unwissenheit. Wie könnte es ohne Täuschung Erleuchtung geben. Darum sprach Bodhidhanna:
„Buddha verkündet alle Dharmas, um jede Spur begrifflichen Denkens auszuschalten. Wenn ich mich vollkommen vom begrifflichen Denken enthalte, was wäre dann der Nutzen aller Dharmas?“ Binde dich an nichts jenseits der reinen Buddha-Natur, der ursprünglichen Quelle aller Dinge. Nimm an, du solltest die Leere mit zahllosen Juwelen behängen; woran könnten sich diese festhalten? Die Buddha-Natur gleicht der Leere.
Wenn du sie auch mit unschätzbarem Verdienst und Weisheit schmückst, wo könnten diese sich festsetzen? Sie würden nur die ursprüngliche Buddha-Natur verbergen und unsichtbar machen.
Die sogenannte Lehre „Geistiger Ursprünge“ (der bestimmte andere Sekten folgen) setzt voraus, daß alle Dinge im Geist geformt sind und sich durch Berührung mit der äußeren Umwelt manifestieren, ihre Manifestation aber verlieren, wenn diese Umgebung nicht vorhanden ist. Es ist aber falsch, eine Umwelt gesondert von der reinen unveränderlichen Natur aller Dinge anzunehmen.
Der sogenannte „Spiegel der Konzentration und Weisheit“ (betrifft wieder eine Nicht-Zen-Mahayana-Lehre) verlangt den Einsatz von Sehen, Hören, Fühlen und Erkennen, die zu einander ablösenden Stufen der Ruhe und Bewegung führen. Diese aber schließen Vorstellungen ein, die auf Objekten der Umwelt beruhen und vergänglich sind, da sie einer der niedrigen Kategorien der „Wurzeln des Gutseins“ zugehören. Diese Kategorien befähigen die Menschen nur zum Verständnis dessen, was ihnen gesagt wird. Willst du Erleuchtung selbst erfahren, dann verweile nicht in solchen Vorstellungen. Es sind alles Dharmas der Umweit. Sie betreffen Dinge, die sind und Dinge, die nicht sind. Sie sind auf Existenz und Nicht-Existenz gegründet. Wenn du die Begriffe von Existenz und Nicht-Existenz auf jedem Gebiet vollkommen vermeidest, dann wirst du den Dharma wahrnehmen.
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16. Am ersten Tag des neunten Mondes sprach der Meister zu mir: Von der Zeit an, wo der Große Meister Bodhidharma in China ankam, sprach er nur von dem Einen Geist und übermittelte nur den Einen Dharma. Er benutzte Buddha, um Buddha zu übertragen und sprach niemals von einem anderen Buddha. Er benutzte den Dharma, um den Dharma zu übermitteln und sprach niemals von einem anderen Dharma. Dies war der Dharma ohne Worte; und dieser Buddha war der unberührbare Buddha, denn beide waren in Wahrheit jener Eine Geist, der die Quelle aller Dinge ist. Dies ist die einzige Wahrheit, alles andere ist falsch. Prajna ist Weisheit. Weisheit ist die formlose ursprüngliche Geist-Quelle.
Im allgemeinen suchen Menschen nicht den Weg, sondern folgen ihren sechs Sinnen, die sie in die sechs Daseinsbereiche zurückführen. Ein Schüler des Weges, der sich einen einzigen Samsara-Gedanken erlaubt, fällt in die Hände der Teufel. Erlaubt er sich nur einen einzigen Gedanken, der zu gesonderten Begriffen führt, verfällt er der Häresie, der Ketzerei. Der Gedanke, daß etwas geboren ist, und der Versuch, dieses auszuschalten, bedeutet unter die Sravakas fallen. Nimmt man an, daß Dinge nicht geboren sind, aber zerstört werden können, gehört man zu den Pratyekas. Nichts ist geboren, nichts ist zerstört. Fort mit eurem Dualismus, mit euren Vorlieben und Abneigungen. Jedes einzelne Ding ist eben der Eine Geist. Hast du dies erkannt, hast du den Wagen Buddhas bestiegen.
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17. Gewöhnlich sind die Menschen dem begrifflichen Denken verfallen, das auf den Erscheinungen der Umwelt beruht. Daher stammen ihre Begierden und ihr Haß. Um die Erscheinungen, die euch umgeben, loszuwerden, müßt ihr dem begrifflichen Denken ein Ende setzen. Hört dieses auf, so sind die Erscheinungen der Umwelt leer. Sind diese leer, hört das Denken auf. Aber wenn ihr versucht, die Umwelt auszuschalten, bevor ihr das begriffliche Denken aufgegeben habt, werdet ihr keinen Erfolg haben, vielmehr ihre Macht stärken, die euch zerstört. Wenn also alle Dinge nichts sind außer Geist, unzerstörbarer Geist, was hofft ihr dann zu erreichen? Die Schüler des Prajna glauben, daß überhaupt nichts greifbar ist.
Darum hören sie auf, an die Drei Fahrzeuge zu denken. Es gibt nur die eine Wirklichkeit, die nicht zu erfahren und nicht zu erlangen ist. Hochmütig, wer von sich sagt, er sei fähig, etwas zu erfassen oder etwas zu erlangen. Die Menschen, die ihre Kleider herunterrissen und die Versammlung verließen, wie es in dem Lotus Sutra heißt, sind solche Hochmütigen. Darum sagt Buddha: „Ich habe in Wahrheit nichts von der Erleuchtung empfangen.“ Es gibt eben nur ein geheimnisvoll schweigendes Verstehen und nichts anderes.
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18. Könnte der gewöhnliche Mensch, wenn er im Sterben liegt, die fünf Elemente des Bewußtseins in ihrer Leere sehen und ganz erfassen, daß die vier physischen Elemente nicht ein „Ich“ bilden, der wahre Geist ohne Form ist und weder kommt noch geht— daß seine Natur weder mit der Geburt beginnt noch mit dem Tod vergeht, sondern ganzheitlich und unbeweglich in ihren Tiefen ist, und daß der Geist eins ist mit den Erscheinungen der Umwelt, dann würde er blitzartig Erleuchtung erlangen. Er würde nicht mehr in der Dreifachen Welt verstrickt sein. Er würde die Welt übersteigen und nicht mehr die geringste Neigung zur Wiedergeburt besitzen.
Würde er den herrlichen Anblick aller Buddhas wahrnehmen, die, von prächtigsten Manifestationen umgeben, zu seiner Begrüßung erscheinen, so würde er doch nicht den Wunsch haben, sich ihnen zu nahen. Würde er alle Arten schrecklicher Gestalten um sich gewahren, so würde er doch keinen Schrecken empfinden. Er würde einfach er selbst sein, ohne jeden begrifflichen Gedanken und eins sein mit dem Absoluten. Er hätte den Zustand des unbewußten Seins erlangt. Dies ist der grundlegende Ursprung.
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19. Am achten Tag des zehnten Mondes sprach der Meister zu mir: Die sogenannte Stadt der Täuschung enthält die Zwei Fahrzeuge: die Zehn Stufen einer Bodhisattva Entwicklung und die Zwei Formen der vollkommenen Erleuchtung. Sie beide sind machtvolle Lehren, um das Interesse der Menschen zu erwecken, gehören aber noch zur Stadt der Täuschung. Der sogenannte Ort der Kostbaren Dinge ist der wahre Geist, die ursprüngliche Buddha-Wesenheit, der Schatz unserer eigenen wirklichen Natur.
Diese Kostbarkeiten können nicht bemessen oder gesammelt werden. Wo kann es aber eine Stadt der Kostbaren Dinge geben, wenn es weder Buddha noch Lebewesen, weder Subjekt noch Objekt gibt? Wenn solches für die Stadt der Täuschungen gilt, magst du nach dem Ort der Kostbaren Dinge fragen. Doch seine Lage ist nicht anzugeben. Wäre dies möglich, dann läge dieser Ort im Raum und wäre nicht der wirkliche Ort der Kostbaren Dinge. Alles was wir sagen können, ist, daß er ganz nahe ist. Man kann ihn nicht genau angeben, aber wenn du schweigend in seine Substanz eindringst, dann ist er da.
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20. Icchantikas heißen jene, die einen unvollkommenen Glauben besitzen. Alle Wesen innerhalb der sechs Daseinsbereiche, einschließlich der Schüler des Mahayana und Hinayana , werden, wenn sie nicht an die Kraft ihrer Buddhaschaft glauben, Icchantikas mit abgeschnittenen Wurzeln des Gutseins genannt. Bodhisattvas, die stark an den Buddha-Dharma glauben, ohne die Teilung in Mahayana und Hinayana mitzumachen, die aber nicht die eine Natur der Buddhas und aller Lebewesen erfahren haben, sind gleicherweise Icchantikas mit Wurzeln des Gutseins. Diejenigen, die ein großes Maß von Erleuchtung besitzen, weil sie die gesprochene Lehre empfingen, werden Sravakas (Hörer) genannt. Die durch die Erkenntnis des Karma-Gesetzes-Erleuchteten heißen Pratyeka-Buddhas. Wer Buddha wird, jedoch nicht aus eigener geistiger Erleuchtung, wird Hörender Buddha genannt.
Die meisten Schüler des Weges sind durch den Dharma erleuchtet, der in Worten gelehrt wird, nicht durch den Dharma des Geistes. Selbst nach vielen aufeinanderfolgenden Äonen der Bemühungen werden sie nicht eins mit der ursprünglichen Buddha-Wesenheit. Denn diejenigen, die nicht aus dem eigenen Geist heraus erleuchtet sind, sondern durch Hören des mit Worten gelehrten Dharma, machen den Geist zum Licht und messen der Lehre Bedeutung zu. So schreiten sie nur Stufe für Stufe voran und vernachlässigen ihren ursprünglichen Geist. Hast du aber das schweigende Verständnis des Geistes erfahren, brauchst du nach keinem Dharma mehr zu suchen. Dann ist der Geist Dharma.
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21. Oft hindern die Erscheinungen der Umwelt die Menschen, den Geist wahrzunehmen, hindern persönliche Ereignisse, die zugrunde liegenden Ursachen zu erkennen; darum versuchen sie, den Erscheinungen/ die sie umgeben, zu entrinnen, um ihren Geist zu befriedigen oder Ereignisse zu verdunkeln, um die Ursachen zu erfassen. Sie begreifen nicht, daß dies nur eine Verdunkelung der Erscheinungen durch den Geist, der Ereignisse, durch die Ursachen ist. Laß einfach deinen Geist leer werden. Dann entleeren sich auch die Erscheinungen der Umwelt. Laß die Ursachen bewegungslos werden, und die Ereignisse werden von allein aufhören sich zu bewegen. Verwende nicht den Geist in diesem verkehrten Sinn. Viele haben Angst, ihren Geist leer zu machen. Sie fürchten in die Leere zu fallen und wissen nicht, daß ihr eigener Geist die Leere ist. Der Unwissende meidet die Erscheinungen, aber nicht den Gedanken, der Weise entflieht dem Gedanken, nicht aber den Erscheinungen.
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22. Der Geist des Bodhisattva gleicht der Leere: denn er verzichtet auf alles und sucht nicht einmal Verdienst zu sammeln. Es gibt drei Arten des Verzichtes: wenn alles Innere wie Äußere, Körperliche wie Geistige aufgegeben wird, wenn keine Bindungen, wie in der Leere, zurückbleiben, wenn jede Handlung allein von Ort und Umständen diktiert wird: die höchste Form des Verzichtes ist das Vergessen von Subjekten und Objekten. Die mittlere Form des Verzichtes ist das Beschreiten des Weges durch Vollbringen tugendhafter Handlungen, ohne Verdienst zu erwarten und auf Belohnung zu hoffen.
Die niedrigste Form des Verzichtes leisten jene, die tugendhafte Handlungen in der Hoffnung auf Belohnung vollbringen, aber dennoch durch Vernehmen des Dharma von der Leere wissen und deshalb nicht gebunden sind. Der erste Verzicht gleicht einer leuchtenden Fackel, die vorangehalten wird und den Weg nicht verfehlen läßt, der zweite gleicht der Fackel, die nur eine Seite beleuchtet, sodaß es manchmal hell und manchmal dunkel ist, der dritte jener, die nach hinten gehalten wird, sodaß Fallen auf dem Weg nach vorn nicht gesehen werden.
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23. Der Geist der Bodhisattvas gleicht der Leere, in der nichts besteht. Wenn Gedanken aus der Vergangenheit nicht festgehalten werden, bedeutet dies Aufgabe der Vergangenheit. Wenn Gedanken der Gegenwart nicht festgehalten werden können, ist dies Verzicht auf die Gegenwart. Werden Gedanken der Zukunft nicht festgehalten, bedeutet das Verzicht auf die Zukunft. Dies ist der äußerste Verzicht auf die Dreifache Zeit. Nachdem Tathagata Kasyapa bis zu unseren Tagen mit dem Dharma betraute, wurde der Geist durch den Geist übertragen; es war immer der gleiche Geist. Die Übertragung der Leere kann nicht durch Worte geschehen.
Eine Übermittlung durch Worte kann nicht Dharma sein. Geist wird durch Geist übertragen, und zwischen ihnen besteht keine Unterscheidung. Übermittlung und Empfang des Übertragenen sind eine schwer verständliche Art geheimnisvoller Verständigung, sodaß tatsächlich nur wenige sie empfangen konnten. In Wahrheit: Geist ist nicht Geist und die Übermittlung nicht wirklich Übermittlung.
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24. Ein Buddha hat drei Körper. Dharmakaya heißt der Dharma von der allgegenwärtigen Leere der wahren selbstexistierenden Natur aller Dinge. Sambhogakaya ist der Dharma der allen Dingen zugrunde liegenden Reinheit. Nirmanakaya ist der Dharma der sechs Übungen und aller anderen solcher Wege, die zu Nirvana führen. Der Dharma des Dharmakaya kann nicht durch Wort, Schrift, oder durch Hören gefunden werden. Es gibt nichts, das gesagt oder offensichtlich gemacht werden könnte. Es gibt nur die allgegenwärtige Leere der wirklichen, selbst existierenden Natur jeden Dinges, nichts anderes. Sagt man, daß es keinen Dharma gibt, der mit Worten erklärt werden kann, so heißt dies: predigen des Dharma. Sambhogakaya und Nirmanakaya entsprechen Erscheinungen, die für bestimmte Umstände zutreffen. Gesprochene Dharmas, die mit Sinnen oder in den verschiedensten Verkleidungen wahrgenommenen Ereignissen entsprechen, sind nicht der wirkliche Dharma. Darum heißt es, daß Sambhogakaya oder Nirmanakaya nicht der wahre Buddha oder Lehrer des Dharmas sind.
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25. Der Ausdruck Einheit bezieht sich auf die gleiche geistige Herrlichkeit, die sich in sechs harmonisch zusammengefaßte „Elemente“ teilt. Die gleichartige geistige Herrlichkeit ist der Eine Geist, während die sechs harmonisch zusammengerügten „Elemente“ die sechs Sinnesorgane sind. Diese stehen in enger Verbindung mit Gegenständen, die sie beflecken: die Augen mit der Erscheinung, das Ohr mit dem Ton, die Nase mit dem Geruch, die Zunge mit dem Geschmack, der Körper mit der Berührung, der Verstand mit Wesenheiten. Zwischen diesen Organen und ihren Gegenständen stehen die sechs Sinneswahrnehmungen.
So gibt es zusammengenommen achtzehn Sinnesbereiche. Begreifst du, daß diese achtzehn Bereiche keine objektive Existenz besitzen, dann verbindest du die sechs harmonisch zusammengefügten „Elemente“ zu einer einzigen geistigen Herrlichkeit, die der Eine Geist ist. Alle Schüler des Weges wissen dieses, können aber nicht ablassen, Begriffe über „einen einzigen geistigen Glanz“ und über die „sechs harmonisch zusammengefügten Elemente“ zu bilden. So hängen sie an Wesenheiten und erreichen das schweigende Verständnis des ursprünglichen Geistes nicht.
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26. Als sich der Tathagata in dieser Welt manifestierte, wollte er ein einziges Fahrzeug der Wahrheit predigen. Aber die Menschen hätten ihm nicht geglaubt, hätten ihn verhöhnt und wären in das Meer der Leiden (samsara) verstrickt worden. Andererseits wäre sein Schweigen Selbstsucht gewesen und er hätte nicht die Erkenntnis des geheimnisvollen Weges zum Segen der Lebewesen verbreiten können. So griff er zum Notbehelf — der Lehre von den Drei Fahrzeugen. Da diese Fahrzeuge relativ größer und kleiner sind, mußten unvermeidlich oberflächlichere und tiefere Lehren entstehen. Keine davon aber ist der ursprüngliche Dharma.
Darum heißt es, daß es nur den Weg des Einen Fahrzeuges gibt. Gäbe es mehr, wäre dies nicht die Wirklichkeit. Außerdem gibt es absolut keinen Weg, der den Dharma des Einen Geistes beschreiben könnte. Darum rief der Tathagata den Kasyapa zu sich und ließ ihn niedersitzen auf den Sitz, von dem das Gesetz verkündet wird. Hier vertraute er ihm allein den wortlosen Dharma des Einen Geistes an. Dieser unverzweigte Dharma sollte gesondert geübt werden. Die schweigend Erleuchteten erlangten den Zustand der Buddhaschaft.
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F: Wenn es sich so verhält, sollten wir dann überhaupt etwas suchen?
A: Wenn du dies zugibst, würdest du dir eine Menge geistiger Anstrengungen sparen.
F: Auf diese Weise aber würde alles ausgeschaltet. Es kann do ch nicht einfach nichts geben?
A: Wer nennt es Nichts? Wer ist der Bursche? Du wolltest doch nach etwas suchen.
F: Wenn kein Suchen notwendig ist, warum behauptest du dann zugleich, daß nicht alles ausgeschaltet ist?
A: Nichts suchen, heißt ruhig bleiben. Wer lehrt dich alles auszuschalten? Blick auf die Leere vor deinen Augen. Wie kannst du sie hervorrufen oder ausschalten?
F: Wenn ich diesen Dharma erreichen würde, gliche er der Leere?
A: Ich habe euch morgens und nachts erklärt, daß die Leere beides ist: Einheit und Vielfalt. Ich habe euch dies als vorübergehendes Hilfsmittel gesagt, aber ihr macht Begriffe daraus.
F: Meinst du damit, daß wir keine Begriffe bilden sollten, wie dies die Menschen gewöhnlich tun? .
A: Ich habe euch nicht daran gehindert, aber Begriffe sind mit den Sinnen verbunden. Und wenn Gefühle eintreten, ist die Weisheit ausgeschlossen.
F: Dann sollten wir alle Gefühle in Bezug auf den Dharma vermeiden?
A: Wenn keine Gefühle entstehen, wer kann dann behaupten, du habest recht?
F: Warum redest du, irrte ich mich in allen Fragen, die ich euer Ehrwürden stellte?
A: Du bist ein Mensch der nicht versteht, was man ihm sagt. Was bedeutet all dieses Gerede um Mißverständnisse.
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28. F: Bisher hast du alles widerlegt, was gesagt wurde, aber nichts getan, um den wahren Dharma aufzuzeigen. A: Im wahren Dharma gibt es keine Verwirrung, du aber rufst solche durch deine Fragen hervor. Was für einen „wahren Dharma“ kannst du suchen wollen?
F: Da meine Fragen zu Verwirrung führen, was würde die Antwort euer Ehrwürden sein?
A: Beobachte die Dinge so, wie sie sind, und beachte nicht die anderen Menschen. Es gibt solche, die wie wilde Hunde alles anbellen, was sich bewegt, die selbst bellen, wenn der Wind Gras und Blätter berührt.
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29. Niemals hat unsere Zenlehre, seit sie zuerst übermittelt wurde, gelehrt, daß die Menschen etwas lernen oder Begriffe bilden sollten. „Den Weg erforschen“ ist nur eine Redensart. Es ist ein Mittel, um auf frühen Entwicklungsstufen das Interesse der Menschen zu wecken. Tatsächlich ist der Weg nichts, das gelernt werden kann. Lernen führt zum Festhaken von Begriffen, und dies ist ein völliges Mißverständnis des Weges. Überdies ist der Weg nicht etwas, das besondere Existenz besitzt. Er heißt der Mahayana-Geist, der Geist, der nicht im Inneren, Außen oder in der Mitte zu finden ist.
In Wahrheit hat er nirgends einen Ort. Der erste Schritt ist das Fernhalten auf Wissen gegründeter Begriffe. Dies bedeutet, daß du, selbst wenn du dem Weg der empirischen Methode bis zum äußersten Ende folgen würdest, auch dort noch immer nicht imstande wärst, den Geist festzulegen. Der Weg ist geistige Wahrheit, ursprünglich ohne Namen und Bezeichnung. Nur weil die Menschen in ihrer Unwissenheit auf empirische Weise nach ihm suchten, erschien Buddha und lehrte sie, diese Methode der Annäherung aufzugeben. In der Befürchtung, daß niemand dies verstehen würde, wurde die Bezeichnung „Weg“ gewährt.
Diese aber darf euch nicht zum gedanklichen Begriff eines Weges führen. So heißt es: „Wenn der Fisch gefangen ist, beobachten wir die Falle nicht mehr.“ Wenn Körper und Geist Unmittelbarkeit erreicht haben, ist der Weg gefunden und der Geist erfaßt. Sramana wird genannt, wer in die ursprüngliche Quelle aller Dinge eingedrungen ist. Die Frucht der Sramana-Stufe ist das Ende aller Angst. Sie wird nicht durch Bücherwissen erlangt.
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30. Wenn ihr eure Gedanken jetzt darauf richtet, den Geist zu suchen, indem ihr den Lehren anderer zuhört und dieses Ziel allein durch Lernen zu erreichen hofft, wann werdet ihr dann jemals Erfolg haben? Einige unter den Alten hatten einen scharfen Verstand. Sobald sie die Lehre hörten, waren sie auch schon dabei, alles Lernen auszuschalten. So wurden sie „die Weisen“ genannt, „die durch Aufgeben des Lernens zum Verweilen im Unmittelbaren gelangten“. In unseren Tagen suchen die Menschen nur, wie sie sich vollstopfen können mit Wissen und Schlußfolgerungen und verlangen überall nach Buchwissen. Dies nennen sie „Dharma-Übung“.
Sie wissen nicht, daß so viel Wissen und Schlußfolgerungen genau den entgegengesetzten Erfolg haben und Hindernisse aufrichten. Wenn du nur Wissensmengen anhäufst, gleichst du einem Kind, das durch zu viel Essen von Süßigkeiten Verdauungsstörungen bekommt. Alle, die den Weg entsprechend den Drei Fahrzeugen lernen, gleichen solchen Kindern. Man könnte sie Menschen nennen, die unter Verdauungsstörungen leiden. Werden sogenanntes Wissen und Schlußfolgerungen nicht verdaut, dann werden sie zu Giften/ denn sie gehören nur zur Ebene des Samsara. Im Absoluten gibt es nichts dergleichen. Darum heißt es: „In der Waffenkammer meines Herrn gibt es kein Schwert der Soheit“. Alle Begriffe, die du in der Vergangenheit gebildet hast, müssen ausgerissen und durch die Leere ersetzt werden. Wo der Dualismus aufhört, dort ist die Leere des Schoßes der Tathagatas. Der Ausdruck: „Schoß der Tathagatas“ besagt, daß dort nicht die leiseste Haaresbreite von irgend etwas existieren kann.
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F: Nach allem, was du eben gesagt hast, ist der Geist Buddha; aber es ist nicht klar, welcher Geist gemeint ist mit diesem „Geist der Buddha ist.“
A: Wieviele Arten Geist hast du?
F: Aber ist Buddha der gewöhnliche Geist oder der erleuchtete?
A: Wo in aller Welt hast du deinen „gewöhnlichen“ oder deinen „erleuchteten Geist“?
F: In der Lehre der Drei Fahrzeuge heißt es, daß es beide gibt. Warum leugnet dies euer Ehrwürden?
A: In der Lehre der Drei Fahrzeuge wird deutlich erklärt, daß der gewöhnliche wie der erleuchtete Geist Täuschung sind. Du verstehst dies nicht. Alles solches Haften am Gedanken von der Existenz der Dinge ist ein Verwechseln der Leere mit der Wahrheit. Wie sollten solche Begriffe nicht Täuschung sein? Da sie dies sind, verstecken sie den Geist vor dir. Würdet ihr euch nur von Begriffen wie „gewöhnlich“ und „erleuchtet“ frei machen, dann würdet ihr sehen, daß es keinen anderen Buddha als jenen in eurem eigenen Geist gibt. Als Bodhidharma aus dem Westen kam, wies er nur darauf hin, daß die Substanz, aus der alle Menschen gebildet sind, Buddha ist. Ihr aber mißversteht dies noch immer. Ihr haftet an Begriffen wie „gewöhnlich“ und „erleuchtet“, indem ihr eure Gedanken nach außen richtet, wo sie wie Pferde herumspringen. Dies alles führt zur Verdunklung eures Geistes. Darum sage ich euch, daß der Geist Buddha ist. Sobald Gedanken oder Gefühle aufsteigen, verfallt ihr dem Dualismus. Anfangslose Zeit und der gegenwärtige Augenblick sind das gleiche. Es gibt nicht dieses oder jenes. Diese Wahrheit verstehen, ist die vollkommene und unübertreffliche Erleuchtung.
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32. F: Täuschung kann den eigenen Geist vor uns verstecken, aber bisher hast du uns nicht gelehrt, wie wir die Täuschung loswerden können.
A: Entstehen wie Beseitigen der Täuschung ist Täuschung. Diese wurzelt nicht in der Wirklichkeit, sondern besteht durch euer dualistisches Denken. Wen n ihr nun aufhört, entgegengesetzten Begriffen wie „gewöhnlich“ und „erleuchtet“ anzuhängen, würde die Täuschung von allein aufhören. Wolltet ihr sie dann noch – wo auch immer – zerstören, werdet ihr entdecken, daß auch nicht eine Haaresbreite von irgendet was zurückgeblieben ist, das ihr erfassen könnt. Dies ist die Bedeutung von: „Ich will mit beiden Händen loslassen. Dann werde ich gewiß Buddha in meinem Geist entdecken.“
F: Wenn es nichts gibt, was ich fassen kann, wie ist dann der Dharma übermittelt worden?
A: In der Übertragung des Geistes durch den Geist auf den Geist.
F: Wenn der Geist zur Übermittlung benutzt werden kann, warum sagst du dann, daß auch der Geist nicht existiert?
A: Kein Dharma — welcher Art auch — empfangen, heißt geistige Übertragung. Das Verständnis dieses Geistes schließt keinen Geist und keinen Dharma ein.
F: Wenn es keinen Geist und keinen Dharma gibt, was bedeutet dann Übertragung?
A: Du hörst, daß Menschen von Geist-Übertragung sprechen und meinst, sie sprächen von etwas, das man halten kann. Bodhidharma aber sprach: Wenn die Natur des Geistes verstanden ist, Erfaßt sie nicht mehr Menschenwort. Erleuchtung ist nicht zu erlangen, Und wer sie findet, sagt nicht: sie ist dort.
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33. F: Sicher ist die Leere, die sich vor unseren Augen ausbreitet, objektiv. Weist du nicht auf etwas Gegenständliches hin und nimmst darin den Geist wahr?
A: Welche Art Geist könnte ich dir in deiner objektiven Umwelt aufzeigen? Auch wenn du ihn sehen könntest, wäre er nur der in einem objektiven Bereich widergespiegelte Geist. Du gleichst einem Mann, der sein Gesicht in einem Spiegel betrachtet. Wenn du auch deine Züge genau darin unterscheiden kannst, so betrachtest du doch nur eine reine Widerspiegelung. Was hat dies mit dem Anliegen zu tun, das dich zu mir führte?
F: Wenn wir nicht mit Hilfe von Widerspiegelungen sehen, wann können wir dann überhaupt sehen?
A: Solange du dich mit Hilfen beschäftigst, wirst du immer von etwas Falschem abhängen. Wann wirst du jemals verstehen? Anstatt auf die zu achten, die dir sagen, du solltest beide Hände weit aufmachen, wie jemand der nichts zu verlieren hat, verschwendest du deine Zeit, indem du mit allen möglichen Dingen prahlst.
F: Bedeuten denen, die das Verständnis besitzen, auch die Widerspiegelungen nichts?
A: Wenn feste Dinge nicht existieren, wieviel weniger können uns dann Widerspiegelungen nutzen? Geh nicht schlafwandelnd herum wie ein Träumer mit offenen Augen. Während er in die Versammlungshalle trat, sagte Seine Ehrwürden: „Der Besitz vieler Arten von Kenntnissen kann nicht mit dem Aufgeben der Suche nach irgend etwas verglichen werden. Das ist das beste aller Dinge. Es gibt nicht verschiedene Arten von Geist, und es gibt keine Lehre, die in Worte gefaßt werden kann. Da nichts weiter zu sagen ist, ist die Versammlung aufgehoben.“
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34. F: Was bedeutet relative Wahrheit?
A: Was soll man mit einem solchen Parasiten wie diesem anfangen? Wirklichkeit ist vollkommene Reinheit. Warum eine Diskussion auf falschen Begriffen aufbauen? Vollkommen ohne Begriffe sein, ist die Weisheit des Nichthaftens. Bleibe jeden Tag, im Gehen oder Stehen, im Sitzen oder Liegen, und in allen deinen Reden ungebunden von allen Dingen im Bereich der Erscheinungen. Ob du redest, oder nur mit den Augen blinzelst, tue dies mit völliger Ungebundenheit. Wir treten ein in das Ende der dritten Periode von fünfhundert Jahren seit den Tagen Buddhas, und die meisten Schüler des Zen hängen noch an aller Art von Tönen und Formen. Warum ahmen sie mir nicht nach, indem sie jeden Gedanken gehen lassen, als wäre er nichts oder als wäre er ein Stück faules Holz, ein Stein, oder die kalte Asche eines ausgegangenen Feuers? Oder warum geben sie nicht die schlichte Antwort, die gerade die Umstände verlangen? Wenn du nicht so handelst, dann wirst du am Ende deiner Tage hier von Yama gepeinigt werden.
Du mußt dich freimachen von den Lehren der Existenz und Nicht-Existenz. Denn der Geist ist wie die Sonne, die für immer in der Leere unmittelbar und absichtslos scheint. Dies ist nicht ohne Anstrengung möglich, aber wenn du den Punkt erreicht hast, an dem du überhaupt an nichts mehr haftest, dann wirst du den Buddhas gleich handeln, entsprechend den Worten: „entfalte ein Denken, das an gar nichts hängte.“ Dies ist dein reiner Dharmakaya, die vollkommene höchste Erleuchtung. Wenn du dies nicht verstehst, dann magst du durch Lernen noch so tiefes Wissen erlangen, die mühsamsten Anstrengungen machen und die strengste Enthaltsamkeit üben: du wirst doch deinen eigenen Geist nicht erkennen. Alle deine Anstrengungen werden falsch geleitet sein und du wirst dich mit Sicherheit der Anhängerschaft Maras zugesellen. Welchen Vorteil kannst du von solchen Übungen gewinnen?
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So sagte Chih Kung einmal: „Buddha, ist in Wahrheit die Schöpfung deines eigenen Geister Wie kann er dann in den Schriften gesucht werdend Wenn du auch lernst, wie die Drei Grade der Bodhisattvaschaft, die Vier Grade der Heiligkeit und die Zehn Stufen auf dem Weg zur Bodhisattva-Erleuchtung erreicht werden, du wirst, solange dein Geist nicht von innen erfüllt ist, nur zwischen „gewöhnlich“ und „erleuchtet“ hin – und herpendeln. Nicht sehen, daß alle Methoden, diesem Weg zu folgen, vergänglich sind, ist der Dharma des Samsara.
Ist deine Kraft erschöpft, dann fällt der Pfeil zu Boden Das Leben, das du schaffst, nicht deiner Hoffnung gleicht Wieweit bleibst du entfernt vom Tor, das jenseits aller Dinge, Von dem ein Sprung nur, Buddhas Land erreicht.
Weil ihr nicht solche Menschen seid, beharrt ihr auf einem eingehenden Studium der Methoden, die seit altersher ausgearbeitet wurden, um Erkenntnis auf der Ebene des begrifflichen Denkens zu erlangen. Von Chih Kung stammt auch der Ausspruch: „Wenn du nicht einem vortrefflichen Lehrer begegnest, wirst du die Mahayana-Arzenei vergebens geschluckt haben.“
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35. Würdest du alle deine Zeit — im Gehen, Stehen, Sitzen oder Liegen — dazu verwenden, die begriffebildenden Tätigkeiten deines eigenen Geistes zum Stillstand zu bringen, dann würdest du mit Sicherheit am Ende das Ziel erlangen. Da deine Kraft nicht ausreicht, bist du vielleicht nicht fähig, Samsara mit einem einzigen Sprung zu überspringen, nach fünf oder zehn Jahren aber hast du einen guten Anfang genommen und wirst imstande sein, unmittelbar weiteren Fortschritt zu machen. Da du nicht ein solcher Mensch bist, fühlst du dich verpflichtet, deinen Geist zum „Studium des Dhyana“ und zum „Studium des Weges“ zu verwenden.
Was aber hat dieses alles mit Buddhismus zu tun? Darum heißt es, daß alles, was Tathagata lehrte/ nur die Verwandlung des Menschen bewirken sollte — so wie man einem Kind vorredet, die gelben Blätter seien wirkliches Gold, damit es nicht mehr weint. Es darf aber keineswegs als höchste Wahrheit angesehen werden. Hältst du es dafür, bist du kein Glied unserer Sekte. Was könnte dies auch für deine ursprüngliche Substanz bedeuten? Darum sagt das Sutra: „Was höchste vollkommene Weisheit genannt wird, schließt in sich, daß wirklich nicht das geringste vorhanden ist, das erlangt werden kann.“ Wenn du dies zu verstehen vermagst, wirst du erfahren, daß der Weg der Buddhas und der Weg der Teufel weit vom Ziel entfernt ist.
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Das ursprüngliche, reine, strahlende Weltall ist weder viereckig noch rund, weder groß noch klein. Es ist ohne solche Unterscheidungen wie lang und kurz, ist jenseits von Bindung und Bewegung, von Unwissenheit und Erleuchtung. Du mußt ganz klar sehen, daß es wirklich nichts gibt — keine Menschen, keine Buddhas. Der große tausendfältige Kosmos und seine Wesen, zahllos wie der Sand, sie alle sind nur wie kleine Blasen. Alle Weisheit und alle Heiligkeit ist nur ein Blitzstrahl. Sie alle haben nicht die Wirklichkeit des Geistes. Der Dharmakaya, seit altersher bis zum heutigen Tag, und die Buddhas und Patriarchen sind alle nur Eins. Wie kann ihm auch nur ein einziges Haar von irgend etwas fehlen? Selbst wenn du dies verstehst, bedarf es noch mühevoller Anstrengungen. Du kannst dein Leben lang nicht sicher sein, ob du lange genug lebst, um einen anderen Atemzug zu tun.
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36. Der Sechste Patriarch war ohne Bildung. Wie kam es, daß ihm das Gewand gegeben wurde, das ihn zu diesem Amt erhöhte? Der ältere Shen Hsiu (ein Rivale) war fünfhundert anderen in seiner Stellung überlegen und war als lehrender Mönch imstande, 32 Bände der Sutras zu erklären. Warum bekam er nicht dieses Kleid?
A: Weil er noch in begrifflichen Gedanken — in einem Dharma der Bewegung verstrickt war. Ihm galt als Wirklichkeit: Du wirst erreichen/ was du übst. Deshalb übermittelte der Fünfte Patriarch den Geist an Hui Neng (Wei Lang). Im gleichen Augenblick erhielt dieser das wortlose Verständnis und empfing im Schweigen den tiefsten Gedanken des Tathagata. Darum wurde ihm der Dharma übermittelt. Ihr versteht nicht, daß die grundlegende Lehre des Dharma ist, daß es keine Dharmas gibt, dennoch diese Lehre des Nicht-Dharmas in sich selbst ein Dharma ist. Jetzt aber, nachdem die Lehre des Nicht-Dharma übertragen worden ist, wie kann die Lehre des Dharma ein Dharma sein? Wer die Bedeutung dieses Ausspruches versteht, verdient Mönch genannt zu werden, ein Meister der „Dharma-Übung“.
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Wenn du solches nicht verstehst, mußt du die folgende Geschichte erklären: Der ältere Wei Ming kletterte auf den Gipfel des Ta Yü Berges, um den Sechsten Patriarchen zu besuchen, dieser fragte ihn, warum er gekommen sei. Um des Kleides oder um des Dharma willen? Der ältere Wei Ming antwortete, er sei nicht des Kleides wegen gekommen, sondern nur um des Dharma willen. Darauf sprach der Sechste Patriarch: „Vielleicht magst du deine Gedanken einen Augenblick konzentrieren und nicht in Begriffen von Gut und Böse denken.“ Ming tat wie ihm geheißen, und der Sechste Patriarch fuhr fort: „Eben in dem Augenblick, in dem du nicht Gutes und nicht Böses denkst, kehre zu dem zurück, was du warst, ehe dein Vater und deine Mutter geboren wurden.“ Bei diesen Worten ge langte Ming zu einem plötzlichen schweigenden Verstehen.
Er verneigte sich bis zur Erde und sprach: „Ich bin wie ein Mensch, der Wasser trinkt und in sich selbst erfährt, wie kalt es ist. Dreißig Jahre habe ich bei dem Fünften Patriarchen und seinen Schülern gelebt, aber erst heute bin ich fähig, die Fehler meines früheren Denkens zu verbannen.“ Der Sechste Patriarch antwortete: „Genau das. Nun verstehst du endlich/warum der Fünfte Patriarch, als er aus Indien kam, unmittelbar auf den Geist der Menschen deutete, durch den sie ihre wirkliche Natur zu erfassen vermochten und zu Buddhas wurden. Warum er niemals etwas anderes sagte.
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Wissen wir nicht, daß Kasyapa, als er von Ananda gefragt wurde, was der von aller Welt Verehrte mit dem goldenen Kleid zusammen übermittelt habe, ausrief: „Ananda!“ Und als Ananda ehrfurchtsvoll antwortete, fuhr er fort: „Wirf die Fahnenstange am Eingang des Klosters zu Boden.“ Dies war das Zeichen, das der Erste (indische) Patriarch ihm gab. Dreißig Jahre lang hatte Ananda dem Buddha persönlich gedient. Da er aber zu sehr auf das Ansammeln von Erkenntnissen bedacht war, tadelte ihn Buddha: „Wenn du auch tausende von Tagen Erkenntnis suchst, so wird dir dies weniger nützen, als wenn du einen Tag lang den Weg richtig erforschst. Erkennst du ihn nicht, wirst du nicht imstande sein, auch nur einen einzigen Tropfen Wasser zu verdauen.“
Zweiter Teil
BERICHT DES WAN LING ÜBER DEN ZENMEISTER HUANG PO (TUAN CHI)
Eine Sammlung von Dialogen, Reden und Anekdoten, berichtet von P’ei Hsiu, während er Präfekt von Wan Ling war.
1. Einst fragte ich den Meister: Wieviele der vier- bis fünfhundert Menschen die auf diesem Berg versammelt sind haben die Lehre Euer Ehrwürden ganz verstanden? Der Meister antwortete: Ihre Zahl ist nicht zu kennen. Warum nicht? Weil meine Lehre Erwecken des Geistes ist. Wie kann dieses durch Worte vermittelt werden? Worte haben nur ein wenig Erfolg wenn sie in die ungelehrten Ohren von Kindern fallen.
2. F: Was ist Buddha?
A: Buddha ist Geist. Der Weg ist das Aufhören des begrifflichen Denkens. Wenn du nicht mehr Begriffe und Gedanken aufkommen läßt wie Existenz und Nicht-Existenz, lang und kurz, Anderheit und Selbstheit, aktiv und passiv und ähnliches, dann wirst du finden, daß dein Geist im eigentlichen Sinn Buddha, daß Buddha im eigentlichen Sinn Geist ist und daß der Geist der Leere ähnlich ist. Darum steht geschrieben, daß „der wahre Dharmakaya der Leere ähnelt“. Suche nichts außer diesem, damit deine Suche nicht in Leiden endet. Wenn du auch die sechs Paramitas so viele Äonen lang übst, wie es Sandkörner am Ganges gibt, und noch andere Arten von Tätigkeit zur Erlangung der Erleuchtung hinzufügst, so wirst du das Ziel doch nicht erreichen! Warum nicht? Weil dies Karma bewirkende Tätigkeiten sind und du, wenn das gute Karma, das sie schaffen, erschöpft ist, wiedergeboren wirst in der vergänglichen Welt. Darum steht auch geschrieben: Der Samboghakaya ist nicht ein wirklicher Buddha, noch ein wirklicher Lehrer des Dharma. Nur wenn du die Natur deines eigenen Geistes kennen lernst, in der es kein Selbst und kein Anderes gibt, wirst du tatsächlich ein Buddha sein.
3. F: Zugegeben, daß der Erleuchtete, der das Anhalten des begrifflichen Denkens erreicht hat, Buddha ist, gerät dann nicht der Unwissende, der mit dem begrifflichen Denken aufhört, in Vergessenheit ?
A: Es gibt keine Erleuchteten und keine Unwissenden, und es gibt kein Vergessen. Wenn auch im Grunde die Dinge ohne objektive Existenz sind, so darfst du doch nicht denken, sie seien nicht-existent, und wenn sie nicht ohne Existenz sind, darfst du sie nicht als existierend denken. „Existenz“ und „Nicht-Existenz“ sind empirische Begriffe und nichts anderes als Illusionen. Darum steht geschrieben: „Was immer die Sinne wahrnehmen, einschließlich gedanklicher Begriffe bis hin zu den Lebewesen, gleicht einer Illusion.“ Der Gründer unserer Sekte predigte seinen Schüler nichts anders als vollkommene Abstraktion, die zum Ausschalten der Sinneswahrnehmung führt. In dieser vollkommenen Abstraktion entfaltet sich der Weg Buddhas, während aus der Unterscheidung zwischen diesem und jenem ein Heer von Dämonen aufbricht.
4. F: Wenn Geist und Buddha im Innersten eins sind, sollen wir dann fortfahren mit der Übung der sechs Paramitas und mit den anderen strenggläubigen Vorschriften zur Erlangung der Erleuchtung?
A: Erleuchtung kommt aus dem Geist, gleichgültig ob du die sechs Paramitas und anderes übst. Alle solche Übungen sind nur Notbehelfe zur Behandlung der „konkreten“ Materie im Umgang mit den Fragen des täglichen Lebens. Selbst die Erleuchtung, das Absolute, die Wirklichkeit, das plötzlich Erreichte, der Dharmakaya, und alles andere bis hinab zu den zehn Stufen der Entwicklung, den vier Belohnungen eines tugendhaften und weisen Lebens und dem Zustand der Heiligkeit und Weisheit, sind — jedes einzelne — nichts als Begriffe, um uns durch Samsara hindurchzuhelfen. Sie haben nichts zu tun mit dem wirklichen Buddha-Geist. Da der Geist Buddha ist, ist der ideale Weg der Vollendung das Entfalten dieses Buddha-Geistes. Nur vermeide begriffliches Denken, das zu Werden und Vergehen führt, zu dem Elend in der empfindenden Welt und zu vielem anderen. Dann brauchst du keine Wege zur Erleuchtung und ähnliches mehr. Darum steht geschrieben: Was Buddha lehrt, hat nur das eine Ziel Des Denkens Raum zu überqueren. Ist still geworden der Gedanken Spiel, Was nützt dann noch des Buddha Lehren?
In der ganzen Reihe der Patriarchen von Gautama Buddha bis zu Bodhidharma hinab, lehrte keiner etwas anderes, als den Einen Geist, auch das einzige Fahrzeug zur Befreiung genannt. Darum wirst du, wenn du auch das ganze Weltall durchsuchst, niemals ein anderes Fahrzeug finden. Diese Lehre hat nirgends Zweige noch Blätter, ihre einzige Eigenschaft ist die ewige Wahrheit. Deshalb ist es eine Lehre, die schwer anzunehmen ist. Als Bodhidharma nach China kam und das Königreich von Liang und Wei erreichte, erlangte nur der ehrwürdige Meister Ko einen schweigenden Einblick in unseren eigenen Geist. Sobald ihm dies erklärt wurde, verstand er, daß dieser Geist Buddha ist, und der persönliche Geist und Körper nichts sind. Diese Lehre heißt der Große Weg. Die wahre Natur des Großen Weges ist das Leersein von Gegensätzen. Bodhidharma glaubte fest daran, daß er in diesem Leben Eins war mit der wirklichen „Substanz“ des Weltalls. Geist und diese Substanz haben nicht die geringste Spur von Unterscheidung. Diese „Substanz“ ist Geist. Beide sind unmöglich zu trennen. Um dieser Offenbarung willen erhielt er den Titel: Patriarch unserer Sekte. Darum steht geschrieben:
„Der Augenblick, in dem die Einheit von Geist und Substanz, die die Wirklichkeit ist, erfahren wird, übertrifft jede Beschreibung.“
5. F: Befreit Buddha wirklich jedes Lebewesen? A: In Wirklichkeit gibt es keine Lebewesen, die der Tathagata befreien könnte. Wenn sogar das Selbst keine objektive Existenz hat, wieviel weniger hat sie das, was anders ist als das Selbst. Deshalb existieren objektiv weder Buddha noch Lebewesen.
6. F: Und doch wird berichtet, daß „wer die 32 charakteristischen Merkmale eines Buddha besitzt, die lebenden Wesen zu befreien vermag.“ Wie kannst du dies leugnen?
A: Irgend etwas, das irgend ein Merkmal besitzt, ist Täuschung. Nur wenn du erkennst, daß alle Zeichen nichts sind, kannst du den Tathagata erkennen. „Buddha“ und „Lebewesen“ sind beide deine eigenen irrtümlichen Vorstellungen. Weil du nicht deinen wirklichen Geist kennst, täuschst du dich durch solche objektiven Begriffe. Willst du Buddha begreifen, dann wird dich dieser Buddha daran hindern. Wenn du die Lebewesen begreifen willst, werden diese dich daran hindern. Alle solchen dualistischen Begriffe wie „unwissend“ und „erleuchtet“, „rein“ und „unrein“ sind Hindernisse. Weil euer Geist durch sie gehemmt wird, muß das Rad des Gesetzes im Kreislauf bleiben. Ebenso wie Affen ihre Zeit damit verbringen, unaufhörlich Dinge fortzuwerfen und wieder aufzuheben, so ist es mit euch und eurem Lernen. Alles, wessen ihr bedürft, ist das Aufgeben eures „Lernens“, eures „unwissend“ und „erleuchtet“, „rein“ und „unrein“, „groß“ und „klein“, eurer „Bindung“ und eurer „Tätigkeit“. Solche Dinge sind reine Bequemlichkeiten, reine Ausschmückungen innerhalb des Einen Geistes. Ich höre, daß ihr die Sutras der zwölf Untergliederungen der Drei Fahrzeuge studiert habt. Sie alle sind rein empirische Begriffe. Ihr müßt sie wirklich aufgeben.
Verwirf alles, was du erworben hast, als wäre es nur ein Bett, das für dich während einer Krankheit aufgestellt wurde. Nur wenn du alle Wahrnehmungen aufgegeben hast, wenn nichts Objektives mehr wahrzunehmen ist, und keine Erscheinungen mehr dir im Wege stehen; nur wenn du dich von der ganzen Folge dualistischer Begriffe befreit hast, wie es jene Kategorien von „unwissend“ und „erleuchtet“ sind, wirst du endlich den Namen „Übersinnlicher Buddha“ erlangen. Darum steht geschrieben:
„Deine Ehrfurchtsbezeugungen sind umsonst. Vertraue nicht solchen Zeremonien. Laß ab von solch falschem Glauben.“ Da der Geist keine Teilung in gesonderte Wesenheiten kennt, müssen gleicherweise auch die Erscheinungen ohne Unterschiede sein. Da der Geist jenseits aller Tätigkeit ist, muß dies auch für die Erscheinungen gelten. Jede bestehende Erscheinung ist eine Schöpfung des Gedankens. Ich brauche nur meinen Geist leer zu machen, um zu sehen, daß alle leer sind. Das gleiche gilt für alle Gegenstände der Sinneswahrnehmung, welcher der tausend Kategorien sie auch angehören mögen. Die gesamte Leere, die sich nach allen Seiten hin erstreckt, ist von gleicher Substanz wie der Geist. Und da der Geist im Grunde ohne Unterscheidung ist, muß dies auch für alles andere zutreffen. Verschiedene Wesenheiten erscheinen dir nur, weil deine Wahrnehmungen verschieden sind — so wie es heißt, daß die Kostbarkeiten die die Devas genießen, verschiedenartig sind, entsprechend ihrem persönlichen Verdienst. Anuttara-samyak-sambodhi ist eine Bezeichnung für die Erfahrung, daß die Buddhas des ganzen Weltalls tatsächlich nicht das kleinste wahrnehmbare Merkmal besitzen. Es gibt eben nur den Einen Geist. In Wirklichkeit gibt es keine Vielfalt an Formen, keinen himmlischen Glanz und keinen ruhmreichen Sieg (über Samsara), auch keine Unterwerfung unter den Sieger. Wenn aber niemals ein ruhmreicher Sieg gewonnen wurde, kann es auch keine tatsächliche Wesenheit wie Buddha geben. Und da niemals eine Unterwerfung stattfand, kann es keine solchen tatsächlichen Wesenheiten geben wie die Lebewesen.
7. F: Wenn der Geist auch gestaltlos ist, warum leugnest du die 32 charakteristischen Merkmale eines Buddha oder die Achtzig Vollkommenheiten, die den Menschen die Überfahrt ermöglichen?
A: Die 32 Merkmale sind geprägte Formen, und alles Geformte ist Täuschung. Die achtzig Vollkommenheiten gehören dem Benimmt, ist auf dem falschen Weg. Er kann auf diese Weise den Tathagata nicht erfassen.
8. F: Unterscheidet sich dann die Wesenssubstanz des Buddha überhaupt von jener der Lebewesen, oder sind sie identisch?
A: Wesenhafte Substanz hat weder Teil an Gleichheit noch an Verschiedenheit. Nimmst du die rechtgläubige Lehre der Drei Fahrzeuge des Buddhismus an, die zwischen der Buddha-Natur und der Natur der Lebewesen unterscheidet, dann schaffst du dir das Karma der Drei Fahrzeuge; Gleichheiten wie Verschiedenheiten werden daraus folgen. Nimmst du aber das Buddha-Fahrzeug an, die Lehre, die von Bodhidharma übertragen wurde, dann wirst du nicht über solche Dinge sprechen. Du wirst nur auf den Einen Geist zeigen, der ohne Identität oder Verschiedenheit ist, ohne Ursache oder Wirkung. So steht geschrieben: „Es gibt nur den Weg des Einen Fahrzeuges. Es gibt weder ein zweites noch ein drittes, mit Ausnahme jener Wege, die Buddha nur als relative Hilfsmittel (upaya) zur Befreiung der in Täuschung verstrickten Wesen benutzte.“
9. F: Warum war der Bodhisattva der Unendlichen Umfassung nicht imstande, das heilige Merkmal auf dem Scheitel von Buddhas Haupt zu erblicken.
A: Es gab wirklich nichts für ihn zu sehen. Warum nicht? Weil der Bodhisattva der Unendlichen Ausdehnung der Tathagata war. So konnte gar nicht die Notwendigkeit bestehen, auf etwas hinzublicken. Die Parabel soll euch davor bewahren, Buddha und die Lebewesen als Wesenheiten wahrzunehmen und dadurch irrtümlicherweise getrennt zu betrachten. Es ist eine Warnung an uns, nicht Wesenheiten als existierend oder als nicht existierend zu betrachten und dadurch dem Irrtum räumlicher Gesondertheit zu verfallen, oder Individuen als unwissend oder erleuchtet zu unterscheiden und dadurch den gleichen Irrtum zu begehen. Nur wer vollkommen frei ist von Begriffen, kann einen Körper unendlicher Ausdehnung besitzen. Alles begriffliche Denken ist eine irrtümliche Meinung. Wer solche falschen Lehren vertritt, erfreut sich einer Vielzahl von Begriffen; der Bodhisattva aber verharrt unbeweglich inmitten einer solchen Fülle. Tathagata bedeutetSoheit aller Erscheinungen. Darum steht geschrieben: „Maitreya ist so. Heilige und Weise sind so,“ Soheit bedeutet, dem Werden und Vergehen nicht unterworfen zu sein, Soheit besteht darin, nicht gehört und nicht gesehen zu werden. Die Krone auf Tathagatas Haupt ist ein Begriff für Vollkommenheit, aber auch für nicht zu erfahrende Vollkommenheit. Darum verfalle nicht der Vorstellung einer objektiv wahrzunehmenden Vollkommenheit. Da der Buddhakaya jenseits aller Tätigkeiten ist, mußt du dich hüten, Myriaden von gesonderten Formen zu unterscheiden.
Das Flüchtige mag den Eindruck von Leere erwecken. Die große Leere aber ist Vollkommenheit, in der es weder Mangel noch Überfluß, sondern nur eine gleichförmige Ruhe gibt, in der alle Bewegung stillsteht. Wende nicht ein, daß es noch andere Bereiche außerhalb der großen Leere gibt, denn solcher Einwand würde zu Unterscheidungen führen. Darum steht geschrieben: „Vollkommenheit ist Weisheit; Samsara gleicht dem kreisenden Chaos. Wenn wir von der Erkenntnis sprechen, die „Ich“ gewinnen, von dem Lernen, daß „Ich“ vollbringen kann, von „meinem“ Verständnis, „meiner“ Befreiung von Wiedergeburt, von „meinem“ moralischen Lebensweg, so scheinen unsere Erfolge diesen Begriffen eine erfreuliche Seite abzugewinnen. Unsere Fehler aber lassen sie bedauernswert erscheinen. Ich gebe euch den Rat, ganz unbewegt zu bleiben, ohne jede Tätigkeit. Betrügt euch nicht mit begrifflichem Denken und sucht nicht irgendwo nach der Wahrheit. Das einzig Notwendige ist das Zurückhalten aufsteigender Begriffe. Es ist offensichtlich, daß gedankliche Begriffe und äußere Erscheinungen in gleicher Weise irreführen, und daß der Weg der Buddhas für euch ebenso gefährlich ist wie der Weg der Dämonen. So fand sich Manjusri, der eine Zeitlang dem Dualismus verfiel, von zwei eisernen Bergen eingeschlossen, die ihm Jeden Ausgang versperrten. Manjusri aber hatte das wahre Verständnis, während Samantabhadra nur vorübergehendes Wissen besaß. Wenn aber wahres Verständnis und vorübergehendes Wissen in rechter Weise vereint werden, existieren beide nicht mehr. Es gibt nur den Einen Geist, der weder Buddha noch ein Lebewesen ist, denn er enthält keinen Dualismus. Sobald du dir Buddha vorstellst, bist du auch gezwungen, dir Lebewesen vorzustellen oder Begriffe und Nicht-Begriffe, wesentliche wie oberflächliche, die dich mit Sicherheit zwischen diese beiden eisernen Berge einzwängen. Um der aus dualistischem Denken entstehenden Hindernisse willen, wies Bodhidharma darauf hin, daß der ursprüngliche Geist und die Substanz von uns allen, in Wahrheit Buddha ist. Er bot keine falschen Hilfsmittel zur Selbst-Vollendung an, er gehörte zu keiner Schule, die stufenweisen Fortschritt lehrt. Seine Lehre läßt keine Eigenschaft wie Licht und Dunkelheit zu. Da sie kein Licht ist, gibt es kein Licht. Da sie nicht dunkel ist, gibt es keine Dunkelheit. Hieraus folgt, daß es keine Finsternis gibt, auch kein Ende der Dunkelheit. Wer durch das Tor unsrer Sekte tritt, darf nur die Mittel des Intellektes einsetzen. Diese Art des Begreifens ist als ein tiefes Meer von Dharma bekannt. Dharma erkennen, heißen wir Buddha wahrnehmen. Erkennen wir, daß tatsächlich weder Dharma noch Buddha existieren, dann gehen wir in den sogenannten Sangha ein, das heißt, wir werden „die Mönche, jenseits aller Bewegung“. Diese ganze Reihe mag Triratna oder „Drei Kleinode in einer Substanz“ genannt werden.
Wer den Dharma sucht darf nicht vom Buddha oder Dharma, noch vom Sangha aus suchen. Er sollte von nirgends her suchen. Wenn Buddha nicht gesucht wird, ist kein Buddha zu finden. Wenn der Dharma nicht gesucht wird, ist kein Dharma zu finden. Wenn der Sangha nicht gesucht wird, existiert kein Sangha.
10. F: Du selbst bist jetzt ein Sangha-Mitglied, offensichtlich beschäftigt, den Dharma zu predigen. Wie kannst du dann erklären, daß keines von beiden existiert?
A: Wenn du annimmst, es gäbe ein Dharma, der gepredigt werden kann, dann wirst du mich naturgemäß um seine Erklärung bitten. Setzt du aber ein „mich“ voraus, dann schließt dies eine räumliche Wesenheit ein. Der Dharma ist kein Dharma — er ist Geist ! Darum sagt Bodhidharma: „Gebe ich weiter auch des Geistes Dharma, Wie kann Dharma Dharma sein? Weder Geist noch Dharma haben Objektiv Vorhandensein Nur auf diese Art es heißt: Dharmas Weg von Geist zu Geist.“
Das Wissen, daß wirklich nicht ein einziges Ding existiert, das erreicht werden könnte heißt: in einem Bodhimandala sitzen. Dies ist ein Zustand, in dem keine Begriffe aufsteigen, in dem du zur inneren Leere der Erscheinungen erwachst, die auch die höchste Leere des Schoßes der Tathagatas genannt wird.
Kein noch so kleines Ding besteht,
So wie des Staubes Spur verweht,
Dringst du ins Tiefste dieser Wahrheit ein,
Suchst Jenseits du nicht mehr ein Selig sein.
11. F: Wenn es niemals auch nur ein einziges Ding gab, können wir dann die Erscheinungen als nicht existierend bezeichnen? A: Nicht existierend ist eben so falsch wie das Gegenteil. Bodhi bedeutet, daß man keine Vorstellung von Existenz oder Nicht-Existenz besitzt.
12. F: Was ist der Buddha?
A: Dein Geist ist der Buddha. Buddha ist Geist. Geist und Buddha sind nicht zu trennen. Darum steht geschrieben: „Was Geist ist,
ist Buddha. Ist es anderes als Geist, ist es sicherlich anderes als Buddha.“
13. F: Wenn unser eigener Geist Buddha ist, wie hat dann Bodhidharma seine Lehre übermittelt, als er aus Indien kam? A: Als er aus Indien kam, übertrug er nur den Geist-Buddha. Er deutete allein auf die Wahrheit, daß vom allerersten Augenblick an eines jeden Geist identisch ist mit dem des Buddha und in keiner Weise vom anderen unterschieden. Darum nennen wir ihn unseren Patriarchen. Wer ein unmittelbares Verständnis dieser Wahrheit besitzt, überspringt in einem Augenblick die ganze Hierarchie von Heiligen und Meistern, die einem der Drei Fahrzeuge angehören. Du bist immer eins mit dem Buddha gewesen. So gib nicht vor, du könntest diese Einheit durch verschiedene Übungen erreichen.
14. F: Wenn sich dies so verhält, welchen Dharma lehren dann alle Buddhas, wenn sie sich in der Welt manifestieren?
A: Alle in der Welt sich manifestierenden Buddhas verkünden nichts anderes als den Einen Geist. So übermittelte Gautama Buddha schweigend dem Mahakasyapa die Lehre, daß der Eine Geist, der die Substanz aller Dinge ist, sich mit der Leere zusammen ausbreitet und die ganze Welt der Erscheinungen durchdringt. Dies wird das Gesetz aller Buddhas genannt. Wenn du dies auch in jeder Weise erörterst, brauchst du doch nicht zu hoffen, der Wahrheit durch Worte näher zu kommen. Auch ist sie weder subjektiv noch objektiv zu begreifen. Volles Verständnis kann nur durch ein unausdrückbares Geheimnis kommen. Der Zugang zu ihm heißt der Torweg der Stille jenseits aller Tätigkeit. Willst du dies verstehen, dann wisse, daß ein plötzliches Begreifen aufblitzt, wenn der Geist vom Gewirr der begrifflichen und unterscheidenden Denktätigkeit gereinigt ist. Wer die Wahrheit mit Hilfe des Intellektes und des Lernens sucht, wird sich nur immer weiter von ihr entfernen. Bis nicht deine Gedanken alle Verzweigungen nach hierhin und dorthin abbrechen, bis du nicht alle Gedanken der Suche nach etwas aufgegeben hast, bis nicht dein Geist so bewegungslos geworden ist wie Holz oder Stein, bist du nicht auf dem rechten Weg zu diesem Tor.
15. F: In diesem Augenblick selbst schwirren die vielfältigen irrtümlichen Gedanken durch unseren Geist. Wie kannst du dann behaupten, wir haben keine?
A: Irrtum hat keine Substanz, er ist ausschließlich das Ergebnis deines eigenen Denkens. Wenn du begreifst, daß dein Geist Buddha ist und daß dieser vollkommen ohne Irrtum ist, wirst du, sobald Gedanken aufsteigen, überzeugt sein, daß s i e verantwortlich für die Irrtümer sind. Könntet ihr alle begriffbildenden Gedanken zurückhalten und euren Denkvorgang zur Ruhe bringen, dann würde naturgemäß kein Irrtum in euch zurückbleiben. Darum heißt es: „Wenn Gedanken aufsteigen, dann erheben sich alle Dinge. Wenn Gedanken gehen, dann schwinden alle Dinge.“
16. F: Wo ist in diesem Augenblick, in dem irrtümliche Gedanken in meinem Geist aufsteigen, der Buddha?
A: In diesem Augenblick bist du dir dieser irrtümlichen Gedanken bewußt. Nur dein Bewußtsein ist Buddha. Vielleicht könntest du solches verstehen, wenn du frei wärest von diesen trugvollen Gedankenvorgängen, daß es dann keinen Buddha gäbe. Warum? Wenn du einer Regung deines Geistes erlaubst, eine Vorstellung von Buddha zu bilden, dann erweckst du ein objektives Wesen, das der Erleuchtung fähig ist.
Ähnlich erschafft jede Vorstellung eines Lebewesens, das der Befreiung bedarf, solche Wesen als Objekte der Gedanken. Alle Denkvorgänge und Gedankentätigkeiten stammen aus deinen Vorstellungen. Würdest du dir überhaupt nichts mehr vorstellen, wo könnte Buddha dann noch existieren? Du bist in der Lage von Manjusri, der von allen Seiten von diesen zwei eisernen Bergen erdrückt und eingezwängt wurde, als er Vorstellungen von Buddha als einer objektiven Wesenheit in sich Raum gewährte.
17. F: Wo ist Buddha im Augenblick der Erleuchtung? A: Woher stammt deine Frage? Woher entsteht dein Bewußtsein? Wenn die Rede schweigt, alle Bewegung zum Stillstand kommt, jede Sicht, jeder Ton vergeht, dann schreitet Buddhas Werk der Befreiung wahrhaft voran. Wo willst du Buddha suchen? Du kannst nicht einen Kopf auf deinen stellen, oder Lippen auf deine tun. Du solltest besser jede dualistische Unterscheidung zurückhalten. Hügel sind Hügel, Wasser ist Wasser, Mönche sind Mönche, Laien sind Laien. Aber diese Berge, diese Flüsse, die ganze Welt mit Sonne, Mond und Sternen — sie alle existieren nicht außerhalb deines Geistes. Der ganze tausendfältige Kosmos existiert nur in dir. Wo sonst ließen sich die verschiedenen Kategorien von Erscheinungen finden? Außerhalb des Geistes ist nichts. Die grünen Hügel, die überall deinem Blick begegnen, und dieser leere Himmel, den du über der Erde glitzern siehst — keine Haaresbreite von diesen existiert außerhalb der Vorstellungen, die du für dich selbst gebildet hast. Jeder einzelne Anblick, jeder einzelne Ton ist nichts als Weisheit. Erscheinungen entstehen nicht aus sich selbst, sondern hängen von ihrer Umgebung ab. Weil sie als Gegenstande erscheinen, machen sie alle möglichen individuellen Kenntnisse notwendig. Du magst den ganzen Tag lang reden, aber was ist damit gewonnen? Du magst von morgens bis zur Abenddämmerung zuhören — was hast du damit gehört? So wurde, wenn auch Gautama Buddha 49 Jahre lang predigte, in Wahrheit kein Wort gesprochen.
18. F: Angenommen, dies verhalte sich so, welcher besondere Zustand wäre dann mit dem Wort Bodhi bezeichnet? A: Bodhi ist kein Zustand, Buddha hat ihn nie erreicht. Den Lebewesen fehlt er nicht. Er kann auch nicht mit dem Körper erlangt noch mit dem Geist gesucht werden. Alle Lebewesen sind schon einer Gestalt mit dem Bodhi.
19. F: Wie aber erreicht man den Bodhi-Geist? A: Bodhi ist nicht etwas, was erreicht werden kann. Könntest du dich in diesem Augenblick davon überzeugen, daß er unerreichbar ist, und tatsächlich überhaupt nichts jemals erlangt werden kann, dann hättest du den Bodhi-Geist. Da Bodhi kein Zustand ist, kann man ihn nicht erreichen. Deshalb steht von
Gautama Buddha geschrieben: „Als ich noch im Reich der Dipamkara Buddhas weilte, konnte ich nicht das geringste Körnchen von irgend etwas erlangen. Damals machte Dipamkara Buddha die Prophezeiung, daß auch ich ein Buddha würde“ Wenn du wirklich erkannt hast, daß alle Lebewesen eins mit Bodhi sind, dann wirst du nicht mehr denken Bodhi sei zu erreichen. Du magst von anderen über dieses „Erreichen des Bodhi-Geistes“ gehört haben, doch ist dies ein intellektueller Weg, der Buddha vertreibt. Auf diesem wirst du nur scheinbar Buddhaschaft erlangen. Würdest du auch Äonen um Äonen auf diesem Weg ausharren, du würdest nur den Sambhogakaya und Nirmanakaya erreichen. Was aber würde dies für deine ursprüngliche und wirkliche Buddha-Natur bedeuten? Darum steht geschrieben: „Den Buddha außerhalb von dir in einer Gestalt suchen, hat nichts mit dir zu tun.“
20. F: Wenn wir immer eins mit Buddha (dem Absoluten) waren, warum gibt es dann noch Wesen, die durch die vier Arten von Geburt Existenz erlangen und in die sechs Daseinszustände eintreten, von denen jeder seine eigene charakteristische Gestalt und Erscheinung hat?
A: Die wahre Buddha-Substanz ist eine vollkommen einheitliche, ohne Überfluß oder Mangel. Sie durchdringt die sechs Zustände der Existenz und ist dennoch überall ganzheitlich. So ist jede einzelne der Myriaden von Erscheinungen im Weltall Buddha (das Absolute). Diese Substanz mag mit einer Menge von Quecksilber verglichen werden, die nach allen Seiten verstreut, immer wieder zu einer Ganzheit zusammenfließt. Ungeteilt ist sie ein Stück, das das Ganze umfaßt; das Ganze umschließt das Eine. Die verschiedenen Formen und Erscheinungen können andererseits mit Wohnungen verglichen werden. So wie man eine Hütte aufgibt, um in einem Haus zu wohnen, so wechselt man einen physischen Körper für einen geistigen und so fort bis zu den Bereichen der Pratyeka-Buddhas, der Bodhisattvas und Buddhas hinauf. Sie alle aber sind in gleicher Weise Dinge, die du suchst oder aufgibst. Das ist ihr einziger Unterschied. Wie aber wäre es möglich, daß die ursprüngliche und wesenhafte Natur des Weltalls dieser Unterscheidung unterliegt?
21. F: Auf welche Weise predigen die Buddhas in ihrem unendlichen Erbannen und Mitleid den Lebewesen den Dharma (das Gesetz)?
A: Wir sprechen von ihrem unendlichen Erbarmen und Mitleid, weil diese ohne Ursache und Wirkung sind. Erbarmen heißt in Wirklichkeit, daß man keine Vorstellung von einem Erleuchteten Buddha besitzt, und Mitleid, daß man sich kein Lebewesen der Befreiung be dürftig vorstellt.
In Wirklichkeit wird der Dharma weder mit Worten gepredigt noch auf andere Weise bezeichnet. Die Zuhörenden hören nichts und erlangen nichts. Man könnte meinen, ein erfundener Lehrer hätte erfundenen Schülern gepredigt. Was aber alle diese Dharmas (Lehren) betrifft, so werdet ihr sicher verstehen können, was ich sage, wenn ich um des Weges willen aus meiner tiefen Erkenntnis zu euch spreche und euch vorwärts führe. Und was Erbarmen und Mitleid betrifft: Ihr werdet, auch wenn ich mir um euretwillen Dinge ausdenke und anderer Leute Vorstellungen studiere, dadurch in keinem Fall eine wahre Erfahrung der wirklichen Natur eures eigenen Geistes in eurem eigenen Inneren erlangen. Darum werden letztlich diese Dinge keine Hilfe für euch sein.
22. F: Was bedeutet „eifriges Bemühen“? A: Die vollkommenste, erfolgreichste Form eifrigen Bemühens ist, daß ihr aus eurem Geist Unterscheidungen wie „mein Körper“, „mein Denken“ ausschaltet. Sobald ihr nach etwas außerhalb eures eigenen Geistes sucht, gleicht ihr Kaliraja, dem Jäger. Hindert ihr aber eure Gedanken auf Reisen zu gehen, dann seid ihr schon ein Ksantirishi. Keine Körper und keine Gedanken – das ist der Weg der Buddhas.
23. F: Wenn ich diesem Weg folge und mich von begrifflichen Gedankenvorgängen zurückhalte, werde ich dann mit Sicherheit das Ziel erlangen?
A: Solches Nicht-Denken ist Befolgen des Weges. Warum über Erreichen und Nicht-Erreichen sprechen? Tatsache ist folgendes: Indem ihr an etwas denkt, schafft ihr eine Wesenheit; durch Nicht-Denken erschafft ihr eine andere. Laßt solches irrtümliche Denken vollkommen vergehen. Dann wird nichts zum Suchen übrig bleiben.
24. F: Was ist mit „Überschreiten der Drei Welten“ der Begierde, Form und Formlosigkeit gemeint?
A: Überschreiten der Drei Welten bedeutet Überwinden des Dualismus von Gut und Böse. Buddhas erscheinen in der Welt, um der Begierde, der Form und den formlosen Erscheinungen ein Ende zu bereiten. Auch für euch werden die Drei Welten vergehen, wenn ihr den Zustand jenseits des Denkens erreichen könnt. Wenn ihr andererseits noch an dem Begriff festhaltet, daß irgend etwas, sei es auch noch so klein wie der hundertste Teil eines Staubkornes, objektiv existieren könnte, dann wird selbst eine vollkommene Beherrschung des gesamten Mahayana-Kanons euch nicht den Sieg über die Drei Welten ermöglichen. Nur wenn ihr jedes der noch so kleinen Teilchen als nichts erachtet, kann der Mahayana diesen Sieg für euch erringen.
25. Eines Tages begann der Meister, nachdem er seinen Sitz in der großen Halle eingenommen hatte, mit folgenden Worten:
„Da der Geist Buddha (das Absolute) ist, umfaßt er alle Dinge, die Buddhas (Erleuchteten) an dem einen äußersten Ende bis zu den niedrigsten auf dem Bauch kriechenden Reptilien und Insekten an dem anderen. Sie alle haben in gleicher Weise teil an der Buddha-Natur, und alle sind von der Substanz des Einen Geistes. Deshalb übermittelte Bodhidharma, als er aus dem Westen kam, nichts anderes als den Dharma des Einen Geistes. Er deutet unmittelbar auf die Wahrheit hin, daß alle Lebewesen seit jeher von der gleichen einen Substanz waren wie Buddha. Er folgte keiner der mißverstandenen „Methoden zur Vollendung“. Könntet ihr dieses Verständnis eures eigenen Geistes erlangen und dadurch eure wirkliche Natur entdecken, dann gäbe es gewiß nichts anderswo mehr für euch zu suchen.
26. F: Wie kommt der Mensch zum vollendeten Verständnis seines eigenen Geistes?
A: Diese Frage stellt euer eigener Geist. Würdet ihr aber in Ruhe verharren und auch die geringste gedankliche Tätigkeit ausschalten, würdet ihr seine Substanz als Leere erkennen. Ihr würdet erkennen, daß sie formlos ist, keinen noch so punktförmigen kleinen Raum besitzt und weder unter die Kategorie des Seins noch des Nicht-Seins fällt. Da der Geist nicht wahrnehmbar ist, lehrte Bodhidharma: „Der Geist, der unsere eigene wahre Natur ist, ist der ungezeugte und unzerstörbare Schoß. Als Antwort auf bestimmte Umstände verwandelt er sich in Erscheinungen. Wir haben uns daran gewöhnt, den Geist als Verstand zu bezeichnen. Wenn er aber den Umständen nicht antwortet, darf man nicht von solchen dualistischen Begriffen wie Existenz und Nicht-Existenz sprechen. Auch wenn der Geist das Erschaffen von Gegenständen bewirkt, als Antwort auf das Gesetz von Ursache und Wirkung, ist er nicht wahrzunehmen. Wenn ihr dies wißt und ruhig im Nichts verharrt, dann folgt ihr tatsächlich dem Weg Buddhas. Darum sagt das Sutra: „Entwickelt ein Denken, das auf keinem irgendwie gearteten Ding beruht.“
Jedes Lebewesen, das an das unaufhörlich kreisende Rad von Geburt und Tod gebunden ist, wird wiedergeboren von dem Karma seiner eigenen Wünsche. Endlos bleibt sein Herz an die sechs Stufen der Existenz gebunden, verstrickt in alle Art von Sorgen und Leiden. Ch’ing Ming sagt: „Es gibt Menschen, deren Geist dem der Affen gleicht. Diese sind schwer zu belehren. Sie brauchen allerlei Vorschriften und Lehren, um ihr Herz zur Unterwerfung zu zwingen. Wenn Gedanken entstehen, folgen die verschiedensten Dharmas; diese vergehen wieder, wenn die Gedanken aufhören. Hieraus können wir ersehen, daß jede Art von Dharma nur eine Schöpfung der Gedanken ist. Alle Arten von Lebewesen — Menschen, Devas, in der Hölle Leidende, Asuras und jeder, der in den sechs Daseinsformen lebt — ist vom Geist geschaffen. Würdet ihr nur lernen, einen Zustand des Nicht-Denkens zu erlangen, dann würde sofort die Kette von Ursache und Wirkung abbrechen.
Gebt diese irrtümlichen Gedanken auf, die zu falschen Unterscheidungen führen. Es gibt kein „Selbst“ und kein „Anderes“. Es gibt keinen „falschen Wunsch“ und keinen „Ärger“, keinen „Haß“, keine „Liebe“, keinen „Sieg“, keine „Niederlage“. Verzichtet nur auf den Irrtum der gedanklichen oder begrifflichen Denkvorgänge, und eure Natur wird ihre ursprüngliche Reinheit ausstrahlen. Dies allein ist der Weg zur Erleuchtung, zum Befolgen des Dharma, zum Buddha-Sein und allem übrigen. Bis du nicht dieses verstanden hast, wird dir alles — das ganze Lernen, die mühevollen Anstrengungen des Fortschrittes, die Enthaltsamkeit im Essen und Kleiden — nicht zur Kenntnis des eigenen Geistes verhelfen. Alle solche Übungen werden sich als Fehler herausstellen, denn jede kann dich zur Wiedergeburt unter „Dämonen“ — den Feinden der Wahrheit — oder unter unentwickelten Naturgeistern führen. Welches Ziel wird hierdurch erlangt? Chih Kung sagt: „Unsere Körper sind die Schöpfung unseres eigenen Geistes.“ Wie aber kann man solche Erkenntnis aus Büchern erlernen? Könntet ihr nur die Natur eures eigenen Geistes verstehen und das unterscheidende Denken beenden, dann gäbe es naturgemäß keinen Raum, selbst nicht das geringste Körnchen Irrtum. Ch’ing Ming drückte dies in einem Vers aus:
Flach auf den Boden den Körper gebettet,
Gedanken wie Kranke ans Lager gekettet,
Karma dann endet,
Trug nicht mehr blendet,
Bodhi wird dieses genannt.
Solange euer Geist der geringsten Denkbewegung unterworfen ist, werdet ihr dem Irrtum unterliegen, „unwissend“ und „erleuchtet“ als gesonderte Zustände zu betrachten. Dieser Irrtum wird bleiben, unabhängig von eurer umfassenden Kenntnis des Mahayana oder eurer Fähigkeit, die „Vier Grade der Heiligkeit“ und die „Zehn Stufen des zur Erleuchtung führenden Fortschrittes“ zu durchschreiten. Denn alle diese Bemühungen sind vergänglich, ebenso wie ein noch so hoch in die Luft geworfener Pfeil unvermeidlich auf den Boden zurückfallen muß. Trotz dieser Anstrengungen wirst du wieder an das Rad von Geburt und Tod gebunden. Hängst du solchen Übungen nach, wird dir die Erkenntnis der wahren Bedeutung Buddhas versagt bleiben. Das Ertragen von so vielen unnötigen Leiden ist nur ein gewaltiger Irrtum — oder nicht? Chih Kung sagt an anderer Stelle: „Wenn du nicht einem Lehrer begegnest, der die Welten zu überschreiten vermag, wirst du weiter vergebens die Arzneien des Mahayana-Dharma schlucken.“
Würdest du jetzt üben, deine Gedanken bewegungslos zu jeder Zeit zu bewahren, sei es beim Gehen, Sitzen oder Liegen, und dich vollkommen auf das Ziel konzentrieren, keine Gedanken, keine Dualität zu schaffen, nicht auf andere zu vertrauen, an nichts zu haften, einfach den Dingen den ganzen Tag hindurch ihren Lauf zu lassen, als seiest du zu krank, dich um sie zu kümmern, der Welt unbekannt, zu unwissend, um andere zu lehren was nötig oder nicht nötig ist, den Geist gefestigt wie ein Felsblock ohne Hohlraum, dann würden alle Dharmas dein Verständnis ganz durchdringen. In kürzester Zeit wärst du an nichts gebunden. Du würdest nun zum ersten Mal entdecken, daß deine Reaktionen den Erscheinungen gegenüber abnehmen, und du würdest endlich die dreifache Welt überschreiten. Dann würden die Menschen sagen, ein Buddha wäre in der Welt erschienen. Reine und leidenschaftslose Erkenntnis bedeutet ein Beenden des unaufhörlichen Flusses der Gedanken und Bilder. Auf diese Weise schafft ihr kein Karma mehr, das zur Wiedergeburt führt, weder als Gott, noch als Mensch, noch als Leidende in der Hölle.
Wenn jede Art von Denkvorgang zum Stillstand gebracht ist, wird auch nicht mehr die geringste Spur von Karma geschaffen. Dann wird euer Geist und Körper schon in diesem Leben zu einem vollkommen befreiten Wesen gehören. Sollte dies nicht schon zur unmittelbaren Befreiung von weiteren Wiedergeburten führen, so könnt ihr zumindest versichert sein, daß die Wieder, geburt nach euren Wünschen geschieht. Das Sutra führt aus: „Bodhisattvas werden wiedergeboren in welcherlei Gestalt sie wollen.“ Würden sie aber plötzlich die Kraft verlieren, ihren Geist von begrifflichem Denken frei zu halten, dann würde die Bindung an Formen sie zurück in die Welt der Erscheinungen drängen, und jede dieser Formen würde ihnen das Karma eines Dämonen schaffen.
Dies bezieht sich auch auf die Übungen der Buddhisten des „Reinen Landes“. Denn alle diese Übungen schaffen Karma. Deshalb können wir sie nur Hindernis für die Buddhaschaft nennen. Da sie euren Geist verdunkeln, würde euch die Kette von Ursache und Wirkung festbinden und zurückführen in den Zustand der noch nicht Befreiten.
So kommt allen Dharmas, die zum Erlangen von Bodhi führen sollen, keine Wirklichkeit zu. Die Worte des Gautama Buddha sollten nur als wirksame Hilfsmittel dienen, um die Menschen aus der Dunkelheit der schlimmsten Unwissenheit herauszuführen. So sagt man, die gelben Blumen seien aus Gold, um die Tränen des Kindes zu trocknen.
Samyak-Sambodhi ist ein anderer Name für die Erfahrung, daß es keine gültigen Dharmas gibt. Wozu solche Kindereien, wenn ihr dies einmal begriffen habt? In harmonischer Übereinstimmung mit den Bedingungen eures jetzigen Lebens solltet ihr, wenn sich die Gelegenheiten bieten, das aus früherem Leben Aufgespeicherte abbauen und vor allem vermeiden, neues Material zur Vergeltung aufzuhäufen.
Der Geist ist mit strahlender Klarheit erfüllt. Darum werft die Dunkelheit eurer alten Begriffe fort. Ch’ing Ming sagt: „Befreit euch von allem.“ Die Stelle im Lotus Sutra, die von dem zwanzig Jahre langen Fortschaufeln des Schmutzes spricht, ist Symbol für die Notwendigkeit, jeden Drang nach Begriffsbildungen aus dem Geist zu vertreiben. An einer anderen Stelle vergleicht das Sutra den Dunghaufen, der fortgeräumt werden soll, mit Metaphysik und Sophisterei. So ist „der Schoß des Tathagata“ im Innersten Leere und Stille, die keinerlei Art seines gesonderten Dharmas enthält. Darum sagt das Sutra: „Die gesamten Bereiche aller Buddhas sind von der gleichen Leere“.
Mögen auch andere von dem Weg Buddhas sprechen, als sei dieser durch verschiedene fromme Übungen und Sutra-Studien zu erreichen, so darfst du doch nichts mit solchen Ideen zu tun haben. Die plötzlich aufblitzende Wahrnehmung, daß Subjekt und Objekt eins sind, führt dich zu einem tiefen geheimnisvollen, wortlosen Verständnis, und durch dieses Verständnis wirst du zur Wahrheit des Zen erwachen. Triffst du jemanden, der solches Verständnis nicht besitzt, dann behaupte, du wüßtest nichts. Er mag durch seine Entdeckung eines „Weges der Erleuchtung“ beglückt sein. Doch wenn du dich von ihm überzeugen läßt, so wirst du überhaupt keine Freude, sondern Leid und Enttäuschung erfahren. Was haben solche Gedanken, wie du sie hast, mit dem Studium des Zen zu tun? Auch wenn du von ihm eine geschickte „Methode“ übernimmst, so ist dies nur ein gedanklich aufgebauter Dharma, der nichts mit Zen zu tun hat. Darum saß Bodhidharma in Meditation vor einer Mauer und trachtete nicht danach, die Menschen zu irgend einer Meinung zu führen. Es steht auch geschrieben: „Die wahre Lehre Buddhas besteht darin, aus dem Bewußtsein selbst den Ursprung der Tätigkeiten zu entfernen, während der Dualismus dem Bereich der Dämonen zugehört“
Eure wahre Natur ist euch niemals verlorengegangen, selbst nicht in den Augenblicken der Täuschung, noch wird sie im Augenblick der Erleuchtung gewonnen. Es ist die Natur des Bhutatathata, in der weder Täuschung noch rechtes Verständnis liegt. Sie füllt die ganze Leere aus und ist innerlich von der Substanz des Einen Geistes. Wie können dann diese vom Denken erschaffenen Objekte außerhalb der Leere existieren?
Die Leere ist von Grund auf ohne räumliche Ausdehnung, ohne Leidenschaften, Tätigkeiten, Täuschun gen oder rechtes Verstehen. Du mußt klar erfassen, daß in ihr keine Dinge sind, weder Menschen noch Buddhas. Denn diese Leere enthält nicht die geringste Haaresbreite von irgend etwas, das räumlich gesehen werden kann. Sie hängt von nichts ab und ist an nichts gebunden. Sie ist allesdurchdringende fleckenlose Schönheit. Sie ist das aus sich selbst existierende und nicht geschaffene Absolute. Wie kann dann noch in Frage gestellt werden, daß der wirkliche Buddha keinen Mund hat und kein Dharma predigt, oder daß wirkliches Hören keine Ohren verlangt. Wer könnte denn hören? Dies ist ein Kleinod von unschätzbarem Wert.