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1922 eröffnete der aus Basel stammende Rudolf Lehni senior (1885–1956) unweit des Kunsthauses Zürich eine Bauspenglerei. Schon in seiner Wanderzeit hatte der kulturinteressierte Handwerker Kontakte zur künstlerischen Avantgarde in Berlin gepflegt. Seine Werkstatt wurde bald auch zur Anlaufstelle für Kunstschaffende. Nach seiner Niederlassung in Zürich Hottingen entwickelte sich seine Bude zu einem renommierten Betrieb mit 40 Angestellten. Lehni führte gelegentlich auch Metallarbeiten für das Schauspielhaus Zürich aus.
Der international tätige Künstler, Grafiker und Architekt Max Bill liess 1932 sein berühmtes «Wellrelief» bei Lehni anfertigen. Auch der Architekt Willy Boesiger war ein Kunde: Für die Schachspieler in seinem «Café Select» entwarf er 1935 einen Klapptisch, der bei Lehni produziert wurde. Rudolf Lehni junior, ein regelmässiger Gast im Treffpunkt der Zürcher Nonkonformisten, nahm den Tisch später in die Lehni Kollektion auf.
1956 starb Rudolf Lehni senior, und kurz darauf übernahm sein Sohn die Leitung des Betriebs. Rudolf Lehni junior (1927–1981) baute die Firma in den folgenden Jahren stark aus und verlagerte die Produktion in Richtung industrielle Fertigung. So entwickelte er beispielsweise einen neuen Falztyp für Bleche, der eine präzise Verarbeitung ermöglichte, was den Betrieb auch in Architekturkreisen bekannt machte. Lehni arbeitete regelmässig mit dem befreundeten Architekten Ernst Gisel zusammen. Die beiden lernten sich kennen, da ihre Familien in derselben Nachbarschaft wohnten.
Neben der Arbeit in der Spenglerei unterrichtete Rudolf Lehni Materialkunde und Metallverarbeitung an der Kunstgewerbeschule Zürich. Dort lernte er den Künstler und Gestalter Andreas Christen (1936–2006) kennen, der schon früh mit dem Material Aluminium experimentierte. Das bekannte Aluminium-Regal entstand 1964 für die Expo in Lausanne über die Vermittlung von Max Bill und wurde in der Folge ins Sortiment aufgenommen. Danach entwickelte sich eine Zusammenarbeit zwischen Lehni und Christen, die über 40 Jahre andauerte. Bis zu seinem Tod im Jahr 2006 entwarf Christen den Hauptteil der Lehni-Möbelkollektion.
In den siebziger Jahren wurde der Handel mit Möbeln zu einem wichtigen Standbein der Firma. Lehni entschied sich, die Produktion nach Dübendorf zu verlegen. Er beauftragte Ernst Gisel Architekt mit dem Entwurf des neuen Werkgebäudes, das 1975 fertiggestellt wurde. Mit dem Umzug wurde der Schritt in die serielle Fertigung intensiviert und die Kollektion kontinuierlich erweitert.
Lehnis Kontakte zur Zürcher Kunstszene begünstigten neue Kollaborationen mit Künstlern - unter anderem mit Sol LeWitt, für den Lehni mehrere Kunstwerke wie etwa «Cubes with Hidden Cubes» realisierte. Nach dem frühen Tod von Rudolf Lehni im Jahr 1981 übernahm seine Frau Doris Lehni Quarella (1944 – 1998) die Firmenleitung. Die Fotografin prägte mit ihrer Arbeit die Geschicke der Firma wesentlich mit. Zusammen mit Andreas Christen entwickelte sie das Möbelprogramm weiter; es entstanden Klassiker wie der Kleiderschrank oder das Bett 1.
Einen Sonderfall bildeten dabei die Möbelobjekte des Künstlers Donald Judd, welche dieser ab 1984 bei Lehni herstellen liess. Es entstanden 15 verschiedene Möbeltypen, wahlweise in pulverbeschichtetem Aluminium, Kupferblech oder Messing. Alle Stücke sind nummeriert und gestempelt.
Die wachsende Kollektion dokumentierte Doris Lehni-Quarella in bildstarken Fotografien. Die schlichten Entwürfe reflektieren zugleich den industriellen Fertigungsprozess. In den neunziger Jahren wurden auch Sitzmöbel ins Sortiment aufgenommen – etwa das Stuhl- und Sesselprogramm «Elox», das sowohl für den Innen- als auch für den Aussenraum gedacht war.
Der unerwartete Tod von Doris Lehni-Quarella im Jahr 1998 bedeutete einen weiteren Schnitt in der Geschichte des Betriebs.
Doris Lehni-Quarella hinterliess die Firma ihrem Neffen Antonio Monaci, der zunächst als Künstler und dann als Architekt an der Universität von Florenz ausgebildet wurde. Er hat das Unternehmen seither unter der Leitung von Heinz und Ursula Menet, bereits vertraute Mitarbeiter von Doris Lehni-Quarella, in die von der vorherigen Generation vorgegebene Richtung weitergeführt. Der designinteressierte Architekt hat mehrere Stücke für Lehni entworfen, wie zum Beispiel das Sofa (2008). Unter der Führung der Geschwister Menet ist auch das spezifisch auf die Bedürfnisse von Büros zugeschnittene «Office-Regal» entstanden oder der letzte Entwurf von Andreas Christen, der Modulschrank (2005). Die Zusammenarbeit mit neuen Designern führt zu gradlinigen Stücken im Geiste der Lehni Kollektion.
Seit 2014 stellt Lehni auch massgefertigte Küchen aus Aluminium her. Diese werden in enger Kooperation mit Architekten und führenden Küchengeräteherstellern ausgeführt.
Das Jubiläumsjahr 2022 markiert einen Neubeginn: Der Inhaber Antonio Monaci und seine Frau Benedetta Agostini führen das Unternehmen seither gemeinsam.