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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

II. Rede
6.
Was ist es, das ich erfahren mußte? Welches ist der Grund meines Widerstrebens? Denn der Masse schien ich damals nicht konsequent zu verfahren, nicht der zu sein, für den man mich hielt, von Grund aus mich verändert zu haben und mehr als billig zu widerstreben und eigene Wege zu gehen. Da ihr schon längst darnach verlangt, sollt ihr nunmehr die Gründe meines Betragens vernehmen.
Vor allem geriet ich, weil mich der Schlag unerwartet traf, außer Fassung gleich denen, die durch plötzlichen Lärm verwirrt werden; so verlor ich den Respekt, an den ich ständig gewöhnt war. Ferner überkam mich Liebe zum teuren Gut der Einsamkeit und Zurückgezogenheit. Da ich mich wie kaum ein anderer von den Gebildeten früh darnach sehnte, sie Gott in recht großen und schweren Gefahren versprach, bereits daran nippte, so daß ich dem Ziele nahe war, und das Kosten die [S. 9] Sehnsucht noch mehr anfachte, konnte ich es nicht ertragen, daß man mich tyrannisierte, mitten in das Weltgetümmel hineinstieß und mit Gewalt aus dem heiligen Asyle dieses Lebens wegschleppte.