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Für den gut besuchten Herbstvortrag konnte der ausgewiesene Historiker Dr. Walter Troxler verpflichtet werden. Er hielt ein lebendiges Referat zum Thema „Passt Jomini zum hybriden Krieg?“
Zunächst zog der Referent einen erstaunlichen Vergleich zwischen dem Philosophen Clausewitz und dem Praktiker Antoine-Henri Jomini. Obwohl Zeitgenossen, wirkten sie auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Für Chlausewitz war die Politik wichtig und Strategie-Operation-Taktik in abnehmendem Masse. Für Jomini hingegen war Taktik das Hauptthema, gefolgt von Operation und Strategie und Politik kümmerte ihn kaum. Clausewitz wird oft zitiert. Jomini ist weniger bekannt. Immerhin ist ihm in seinem Geburtsort Payerne ein Denkmal gesetzt worden. Er sollte mehr gewürdigt werden. Neben dem bekannten Clausewitz hat Jomini ungleich mehr geleistet bezüglich Publikationen für die Ausbildung in Kriegführung. Beiden gemeinsam ist ihr Wirken in Russland an Kriegsschulen und –Akademien. Beide erlebten den Russlandfeldzug 1812, beide standen in französischen Diensten.
Das Lebenswerk des Schweizers umfasst eine ganze Bibliothek an Schriften. Er verfasste die Werke über die Feldzüge seiner Zeit mit über 50 Bänden, und das ohne Textverarbeitungssystem. Jominis Schriften wurden immer wieder aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt. Noch im 21. Jahrhundert hat sein Werk „Abriss der Kriegskunst“ nichts an Aktualität eingebüsst, denn es wurde 2001 nochmals neu aufgelegt. Moderne Länder berufen sich an ihren Militärakademien für die Ausbildung „Kriegskunst“ auf Jomini.
Walter Troxler geht ins Detail der von Jomini beschriebenen Themen, die dieser eingehend abhandelt und dabei weit voraus blickt. Im Krieg konventionell bis hybrid nehmen Akteure und eingesetzte Mittel zu, die Regeln nehmen dabei ab. Ein bekanntes Gesicht: Valery Vasilevich Gerasimov, nach welchem die Gerasimov-Doktrin benannt ist, eine aktuelle Doktrin. Beinahe muss man lächeln beim Anblick der Dokumentation 52.15d, die nur älteren Zuhörenden noch bekannt ist: Streitkräfte Ost, Band 1, Einsatz, (1983). Wenn man es nochmals zur Hand nimmt, dann scheint vieles sehr aktuell zu sein: Russische Soldaten „ohne Kennzeichen“. Man lächelt nicht mehr.
Der Referent zieht ein Fazit zu Jomini mit fünf Punkten, die jener im 19. Jahrhundert beschrieben hat, die aktueller sind denn je. Nur zwei Beispiele: „Kampf dem Fanatismus in äusseren Kriegen entsetzlich, abscheulich im inneren Zwist, immer beklagenswert“ oder: „Erkundung: wie soll man wissen, was man selber machen soll, wenn man nichts über den Feind weiss?“ Hybrider Krieg des 21. Jahrhunderts. Für unsere Armee heisst das konkret: Informiert sein, eine hohe Bereitschaft haben, Führungsnetz schützen, robuste Mittel besitzen. Und zu guter Letzt gilt immer noch das Bild der ineinander greifenden Rädchen aus dem Behelf für Gesamtverteidigung von 1980. Alter Kaffee? Es geht um Militärische Landesverteidigung, Wirtschaftliche Landesverteidigung, Information, Psychologische Abwehr, Staatsschutz, Zivilschutz und Aussenpolitik. Wir sind beim Sicherheitspolitischen Bericht des Bundesrates von 2016, bei einer Schrift des MND „Beschreibung des theoretischen Bedrohungsmodells für die Ausbildung“ und für die aktuellen Bedrohungen, für den hybriden Krieg gilt immer noch Jominis Wort: „Der Angriffskrieg ohne tatsächliche Gründe ist ein Attentat gegen die Menschheit.“
Der von der UBS gesponserte Apéro darf genossen werden, denn zur Erkenntnis Jominis gibt es nichts mehr zusagen. Alles klar.
Four aD Ursula Bonetti