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Die Weihnachtszeit kommt mit grossen Schritten näher. Wahrscheinlich steht die Dekoration in den schweizer Geschäften bereits seit Anfang September zum Kauf bereit. Nicht zu vergessen die Weihnachtslieder, die einem ständig um die Ohren gehauen werden. Auch das Fernsehprogramm ändert sich. Dieses Jahr werden wir das zur Tradition gewordene Märchen, „drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, leider verpassen. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen, heissts da. In Tibet kommt es uns ziemlich ähnlich vor.
Vor ein paar Tagen sind wir auf dem Dach der Welt angekommen. In zwei Tagen erkunden wir Tibets Hauptstadt Lhasa und dessen Leben in der Unterdrückung Chinas. In den nächsten Tagen stehen diverse Kloster- und Palastbesuche auf unserem Programm. Allen voran der Potalapalast, dem ehemaligen Sitz des Dalai Lamas. Jedem verflossenen religiösen und politischen Führer ist hier ein separater Raum gewidmet. Während der König von Tibet im 6. Jahrhundert den ersten Palast erbaute, wurde der weisse Palast im Jahr 1648 durch den 5. Dalai Lama fertig gestellt. Knapp 50 Jahre später wurde der Palast um den roten Teil erweitert. Der Potalapalast überstand die chinesische Kulturrevolution nur deshalb praktisch unversehrt, weil er als Unterkunft der chinesischen Besetzungsarmee dienen musste.
Die Unterdrückung der Tibeter durch die chinesische Regierung stimmt uns sowieso immer wieder nachdenklich, ja schon fast traurig. Hier nur einige Beispiele:
- Seit Jahrzehnten reden Chinesen den Tibetern ein, dass ihre Kultur, Religion und Sprache wertlos sei. Den Profit welcher der Tourismus bringt, nehmen die Chinesen jedoch gerne an.
- Nach einem Aufstand im Jahr 1959 flüchtete der 14. Dalai Lama nach Indien wo er Asyl beantragt und erhalten hat. Das Aufhängen seines Porträts ist im Tibet seither verboten. Seit 1997 ebenso das Feiern seines Geburtstages.
- Sämtliche Schilder in Tibet müssen zweisprachig sein. Während die chinesischen Schriftzeichen unübersehbar sind, können die tibetischen kaum erkannt werden.
- Mönch kann nur werden, wer sich bei der chinesischen Regierung dafür bewirbt.
- Überall sind Polizeiposten, überall Überwachungskameras. Während unserer Reise halten wir häufig an Checkpoints.
- Tibeter dürfen sich in ihrem eigenen Land nicht frei bewegen. Wenn sie sich ausserhalb der Einwohnerregistrierung bewegen möchten, benötigen sie eine offizielle Genehmigung.
- Obwohl die buddhistischen Kloster traditionellerweise nur Gebetsflaggen gehisst haben, werden sie gezwungen auch die chinesische Flagge zu zeigen.
Wir wissen jedoch nicht immer genau, inwiefern die Geschichten Tibets wirklich stimmen, so darf doch unser Guide alle kritischen Fragen in Bezug auf China nicht beantworten. Andere Fragen müssen nach der offiziellen chinesischen Propaganda beantwortet werden. Sie stehen unter ständiger Beobachtung der chinesischen Behörde. Es wird versucht die Guides und Fahrer nach und nach durch Chinesen zu ersetzen. Kritische Fragen werden überhört oder weggelächelt. Schliesslich könnte ihnen eine falsche Antwort den Job kosten.
Nicht selten stellt sich uns die Frage: Ist das jetzt die offizielle Version Chinas, oder war es wirklich so? Dürfen die Tibeter gewisse Feste wirklich nicht feiern, weil die Angst einer Menschenansammlung zu gross ist?
So hinterlassen viele Geschichte einen fahlen Nachgeschmack während wir uns nach diversen Klostern auf den Weg Richtung Himalayamassiv machen.
In einer bunt zusammengewürfelten Truppe mit Franzosen, Briten, Australiern, Mexikanern, Deutschen und Singapurern verlassen wir Lhasa. Kurz vor dem ersten Checkpoint steigt ein Polizist ein, der uns auf der Tour begleiten wird. Unter anderem sollte er die Geschwindigkeit des Autos überwachen. Diese beachtet er aber kaum, zu gängig sind die Fahrweisen hier. Es gibt wie bei uns Radarfallen, jeder Fahrer scheint aber zu wissen, wo diese positioniert sind. Bei Streckenabschnitten, bei welchen die Geschwindigkeit mittels Zeitmessung kontrolliert wird, werden Fotostops und Pinkelpausen eingelegt. So einfach lassen sich die Tibeter dann doch nicht unterkriegen.
Während unsere Fahrt zum Mount Everest knacken wir zweimal die 5000er Marke. Ein eindrückliches Gefühl, wenn man bedenkt, dass der höchste Berg der Schweiz gerade mal 4637 Meter hoch ist.
Und dann liegt er vor uns. Majestätisch und riesig. Der König der Berge – der Mount Everest. Der letzte Teil bis zum Base Camp gehen wir zu Fuss. Eine 6 Kilometer lange Wanderung auf über 5000 Metern. Wir bemerken nun doch die Höhenluft. Der Kopf fühlt sich schwammig an, die Augen ziehen manchmal etwas träge mit, das Atmen fällt schwer. Wir werden jedoch mit einem herrlichen Blick auf den Gipfel belohnt, welcher langsam in der einbrechenden Nacht verschwindet.
Wie da wohl der Sonnenaufgang sein muss? Da die Tibeter aufgrund der trockenen Luft eine Heizung im Zimmer vermeiden, verbringen wir eine weitere Nacht im Kalten. Geschlafen haben wir trotz der Höhe erstaunlich gut. Bewaffnet mit Thermounterwäsche, Shirt, Faserpelz, Daunen- und Windjacke stehen wir also da und warten auf den Sonnenaufgang. Und frieren. Und warten. Doch irgendwie scheint es schon zu fest Winter zu sein. Nach einer 3/4 Stunde in der Kälte müssen wir uns eingestehen, dass die Sonne nun so ungünstig aufgeht, dass nur die Kanten des Bergs schön beleuchtet werden. Durchgefroren versuchen wir uns im kalten Zimmer etwas aufzuwärmen, bevor es mit dem Bus wieder zurück nach Lhasa geht.
Hätten wir drei Haselnüsse und somit drei Wünsche offen, wir würden den Tibetern ein selbstbestimmtes Leben ohne Diskriminierung wünschen. Und uns warme Füsse in Myanmar.