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Ich liebe es, auf Inseln zu reisen – insbesondere auf abgelegene, unentdeckte Inselchen. Inseln haben aber einen grossen Nachteil: In aller Regel haben sie keine Grenzübergänge; im besten Fall einen internationalen Flughafen mit Grenzkontrolle.
Auf der Insel Timor ist das erfreulicherweise anders: Sie gehört zu den wenigen geteilten Inseln dieser Welt. Timor ist aber nicht einfach in zwei Hälften geteilt, wie zum Beispiel Neuguinea oder St. Martin. In Timor hat die seit 1999 unabhängige Osthälfte der Insel, Timor-Leste, sogar eine Exklave im Westen.
Willkommen in Ost-Ost
Schon der Name der Insel ist eine Grenzerfahrung: Der offizielle Name Timor-Leste setzt sich nämlich zusammen aus „Leste“, das auf Portugiesisch „der Osten“ bedeutet, sowie „Timor“ – die indonesische Bezeichnung für den Osten. Timor-Leste (oder auch Osttimor) ist also der Osten vom Osten. Entsprechend hiess die Osthälfte der Insel während der indonesischen Besatzungszeit auch „Timor Timur“, oder kurz TimTim. Diese Bezeichnung ist heute stark in Ungnade gefallen.
Ständiger Krach um Timor
Obwohl Indonesien eigentlich genügend andere Inseln zu bieten hätte, kamen sich ausländische Mächte immer genau in Timor in die Quere. Dabei wäre es schon ohne Ausländer ganz schön kompliziert: In Timor spricht man etwa 30 Sprachen aus zwei Sprachfamilien. Und dann geschah dies:
Kolonialzeit: Zuerst landen die Portugiesen in Lifau an, später die Holländer in Koepang. Natürlich geraten sie sich in die Haare, sodass schliesslich im „Vertrag von Lissabon“ die Insel aufgeteilt wird.
2. Weltkrieg: Die Japaner wollen im Pazifik ein Grossreich errichten und marschieren zu diesem Zweck in Timor ein. Die Alliierten in Form australischer Guerilla-Truppen wollen dagegenhalten und rücken ebenfalls ein. Die beiden Kolonialmächte halten sich zurück.
Entkolonialisierung: Das zuvor holländische Indonesien wird zuerst unabhängig. Als der portugiesische Diktator endlich stirbt, scheint es auch für Osttimor so weit zu sein. Aber gefehlt: Nach einigen Wirren marschiert Indonesien ein und macht „Timor Timur“ zur indonesischen Provinz.
Unabhängigkeit: Erst nach einem UN-organisierten Referendum 1999 konnte sich Osttimor von Indonesien lösen und ist seither unabhängig.
Die Umrisse von Oecussi-Ambeno in einer Wandmalerei in Pante Macassar
Die Exklave Oecussi
Speziell an der Grenzziehung auf Timor ist, dass Osttimor im Westen eine Exklave hat: Der Bezirk Oecussi-Ambeno. Grund dafür ist, dass sich dort Lifau befindet – der Ort, wo die Portugiesen ihren ersten Standort errichtet hatten. Den wollten sie bei der Teilung der Insel unbedingt behalten, und so schnitt man rund um Lifau herum einen Schnitz aus dem niederländischen Territorium. Als internationale Grenze kommt dieser seit 1999 wieder zum Tragen. Von Osttimors Hauptstadt Dili aus kann man Oecussi-Ambeno darum nur per Schiff, Flugzeug oder via Indonesien erreichen.
Die Grenzübergänge
Osttimor und Indonesien haben in den letzten Monaten ihre Visumvorschriften gelockert. Grenzreisen auf Timor sind so nicht nur möglich, sondern drängen sich angesichts der Exklave direkt auf. Indonesien hat eine Liste mit 169 Staaten herausgegeben, deren Angehörige für kürzere Aufenthalte visumfrei einreisen dürfen. Und Osttimor hat mit der Europäischen Union ein Abkommen geschlossen, wonach alle Bürger der EU und anderer Schengen-Staaten neu kein Visum mehr benötigen. Die Grenzübergänge sind aber nach wie vor nicht so gut erschlossen. Deshalb hier eine Übersicht:
Landschaft beim Grenzübergang Wini/Sacato