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Ein weiterer Vertreter des Chicago Blues der 50er Jahre ist gestorben. Joseph Leon Williams, der sich Jody Williams nannte, kam am 3. Februar 1935 in Mobile, AL zur Welt, kam jedoch schon als Fünfjähriger nach Chicago. Es war Bo Diddley, sein Schulfreund, der ihn dazu brachte, die Harmonika gegen die Gitarre zu tauschen. Mit ihm und Roosevelt Jackson zusammen spielte war anfangs der Fünfzigerjahre als Strassenmusikant unterwegs. Später wurde man auf sein aussergewöhnliches Gitarrenspiel aufmerksam und er wurde zu einem der begehrtesten Studiomusiker Chicagos, der mit allen Grössen jener Blütezeit des Chicago Blues zusammenarbeitete.
Er erzählte immer wieder gerne die Geschichte seiner ersten Begegnung mit Tina Turner, die ihn für einen Schwarzen gehalten hatte, bevor sie ihn zum ersten Mal traf. Immerhin coverte sie gleich vier seiner Titel auf ihrem 1990 erschienenen Album Foreign Affair, nämlich neben dem titelgebenden Song Foreign Affair die Titel Undercover Agent of the Blues, You Know Who und Steamy Windows. Ausserdem ist er auf dem Album mit Gitarre und Harp zu hören. Aus seinem reichhaltigen Oeuvre stammen auch Rainy Night In Georgia und der Smash Hit Polk Salad Annie, der ebenfalls zahlreiche Musiker zu Covers anregte, vor allem aber durch Elvis Presleys Version bekannt wurde. Der Song war lange Zeit ein Teil von Presleys Standard Konzertrepertoire in seinem Programm. Polk Salad Annie war authentisch, weil White wusste, wovon er sprach. Er wuchs im Milieu der armen Leute auf, die man in den USA «White Trash» nennt.
Am Samstag, 29.9.2018 ist Otis Rush an den Spätfolgen eines Schlaganfalls verstorben, den er 2003 erlitten hatte. Damit endete das Leben eines grossartigen Bluesman und einer in bedeutendem Mass prägenden Person in der Chicago Bluesszene. Seine feurige, aber dennoch spärliche Gitarre und sein emotionsgeladener Gesang waren über Jahrzehnte eine stete Grösse im Blues, wenn in erster Linie auf der Live-Bühne, weniger im Studio. Der Mann schrieb Songs, die rauf und runter gecovert wurden und beeindruckte Mike Bloomfield nachhaltig. Stevie Ray Vaughan nannte sein Trio nach einem seiner Songs, aber Rush blieb dennoch aufgrund einer Menge Pech und vielleicht ignoranten Musikverlagen weit unter seinen Möglichkeiten. Der Mann, der aufgrund seiner Qualitäten ebenso wie seine Kollegen aus der West Side Szene, Buddy Guy oder Luther Allison, relativ grosse Berühmtheit hätte erlangen sollen, blieb ein Geheimtipp, und seine Veröffentlichungen waren allzu wenige. Bluesnews.ch erinnert an sein Schaffen.
Geboren wurde der R&B Saxophonist Cecil James (Big Jay) McNeely am 29. April 1927 in Los Angeles. Seine grosse Zeit begann in den Vierzigerjahren. Es war die Zeit, als afroamerikanische Musik noch race music genannt wurde und bevor die elektrische Gitarre die Bühnen erobert hatte und das Saxophon das dominierende Instrument war. McNeely entwickelte den Saxophonstil, den man «Honking» nannte und war massgeblich an der Entwicklung des Rock’n’Rolls aus dem R&B beteiligt. Bei seinen theatralischen Auftritten spielte er auf dem Rücken, auf den Tischen, oder führte eine Prozession durch das Lokal und prägte damit einen Showstil, der bis heute Musiker beeinflusst. Man nannte ihn deswegen auch «The Wild Man of the Saxophone».
Aretha Franklin ist gestorben! Eine Meisterin der Soulmusik, eine Wegbereiterin der Funkmusik und eine unglaublich begabte Sängern, die als «Mutter aller Diven» ebenso erinnert werden wird wie als «Queen of Soul». Ihre Stimme getränkt von der kirchlichen Gospel-Tradition des Schwarzen Kirchen, hat die Tochter des landesweit bekannten Predigers C.L. Franklin 1968 bei der Beerdigung von Dr. Martin Luther King gesungen, 1980 für die Blues Brothers gesungen und 2009 für Präsident Obama. Ihre erste Veröffentlichung datiert aus dem Jahr 1956, da war sie gerade mal 14 Jahre alt. Sie hat 20 Grammies gewonnen und hatte Nummer 1-Hits in den meisten Hitparaden der Welt. Das Magazin «Rolling Stone» führt sie in der Liste der 100 besten Sänger auf Platz eins (vor Ray Charles und Elvis Presley). Duane Allman hat sie auf The Weight unterstützt, sie sang Musik der Sparten Gospel, Disko, Soul und R&B, allerdings kaum richtigen schmutzigen Blues. Jetzt ist mit Aretha Franklin eine der grossen Stimmen des 20. Jahrhunderts verstummt. Bluesnews.ch unternimmt den Versuch einer Würdigung.
Vor allem die Rolle als Aretha Franklins Ehemann, der von den Blues Brothers im gleichnamigen Kultfilm zur Aufgabe seines Ruhestandes überredet wurde, hat den Gitarristen Matt «Guitar» Murphy zu Weltruhm verholfen. Der am 29. Dezember 1929 in Sunflower, MS geborene Gitarrist war allerdings bereits in den Fünfzigerjahren zusammen mit seinem Bruder Floyd ein bekannter Musiker in Memphis. Später war er als Gitarrist Memphis Slims in Chicago bekannt, diese Zusammenarbeit dauerte über zwanzig Jahre. 1963 gehörte er zu den Musikern, die mit dem American Folk Blues Festival durch Europa tourten.