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Leben mit defekten Venen
Schwache Venenklappen erklärt
Entgegen den Arterien, in denen das Blut mit jedem Herzschlag und hohem Druck in die Peripherie gepresst wird, muss das Blut in den Venen ohne Unterstützung einer starken Pumpe zurück ins Herz fliessen. Während der Evolution des Menschen zum aufrechten Gang hat die Natur dieses Problem ideal gelöst, indem Klappen (Rückschlagventile) in die Venen eingebaut wurden, um einen Rückstrom zum Herz zu garantieren. Dank dem intakten Venenklappen Apparat fliesst das venöse Blut träge von Klappe zu Klappe zurück zum Herz. Bewegte Gelenke und aktivierte Muskeln unterstützen den venösen Rückstrom, indem sie das Venenblut beschleunigen. Sind die Venenklappen dicht, sprechen wir von einem suffizienten Venenklappen Apparat. Ist der Klappenapparat schwach bzw. undicht, werden solche defekten Venenabschnitte als Krampfadern bezeichnet.
Beim Krampfaderleiden fliesst das Venenblut nicht von Klappe zu Klappe gegen die Schwerkraft zum Herz, sondern aufgrund der schwachen oder defekten Klappen zurück in die Periphere. In den allermeisten Fällen die Klappenschwäche genetisch bedingt und betroffen ist in den meisten Fällen nur das oberflächliche Venensystem.
Worauf muss man bei schwachen Venenklappen verzichten?
Prinzipiell können bei einem Krampfaderleiden alle Tätigkeiten ausgeführt werden, welche ein Wohlbefinden auslösen wie zum Beispiel Saunagänge, warmes Duschen, warme Bäder, Sonne usw. Treten jedoch Symptome wie Schweregefühl, Müdigkeitsgefühl, schmerzhafte Schwellungen, Wadenkrämpfe usw. auf, sollten diese vermieden werden, bis die Krampfadern entfernt wurden.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, um diese bei einem Venenspezialisten (Phlebologe) abzuklären?
Sind die Krampfadern gross ausgebildet und gut sichtbar, sollten diese auch bei Beschwerdefreiheit bei einem Venenspezialisten abgeklärt werden. Denn praktisch alle Krampfadern nehmen im Laufe des Alters an Grösse zu. Ausnahme ist die Schwangerschaftskrampfader, welche in vielen Fällen nach der Geburt deutlich rückgängig ist. Sind Krampfadern nach der Geburt nicht spontan und rasch rückgängig oder bleiben auch grosse, nicht schmerzhafte Krampfadern bestehen, sollten diese vor einer weiteren Geburt entfernt werden. Die Empfehlung, dass Krampfadern erst nach der abgeschlossenen Familienplanung entfernt werden sollen, ist grundsätzlich falsch.
Gibt es Berufe, die beim Venenleiden mehr oder weniger geeignet sind?
Aufgrund der Tatsache, dass bei schwachen, defekten Venenklappen das Blut in der Peripherie gestaut wird, sind stehende Berufe und Berufsausübung in warmer Umgebung ungeeignet. Vermehrte aktive Muskelaktivität am Arbeitsplatz wie Laufen, fördert den venösen Rückstrom trotz Krampfaderleiden positiv und die Patienten spüren trotz ausgedehnten Krampfadern über lange Zeit keinerlei Beschwerden. Sobald das nur auf die oberflächliche Venen beschränkte Krampfaderleiden therapiert ist, kann und soll jede berufliche Tätigkeit ausgeübt werden.
Wiederauftreten von Venenbeschwerden nach Therapie von Krampfadern
Bei der Therapie von Krampfadern werden immer nur die krankhaften Venenabschnitte und deren grösseren Füllungsquellen angegangen. Alle oberflächlich normalen Venenabschnitte werden belassen und können sich aufgrund der genetischen Veranlagung im Laufe der Zeit zu Krampfadern ausbilden und erneut typisch venöse Beschwerden auslösen. Oft werden Beschwerden in den Beinen fälschlicherweise als Folge von „schwachen Venen“ interpretiert. Der Grund der Beinbeschwerden ist dann ein ganz anderer, wie zum Beispiel eine Problematik der Muskeln, Sehnen, Nerven usw.
Was verhindert ein Krampfaderleiden?
Weder der Verzicht auf Sauna, Massagen, warme Bäder als auch die vermehrte Ausübung von Sport, ein Idealgewicht, kalte Duschen usw. können die Ausbildung oder die Verzögerung vom Krampfaderleiden verhindern. Entscheidend ist allein die genetische Veranlagung. Eine Prophylaxe ist deshalb nicht möglich, auch wenn immer wieder darüber berichtet wird. Der Verzicht auf manche Tätigkeiten bringt lediglich eine Erleichterung der typischen Venenbeschwerden. Eine Verzögerung oder Rückgang der Krampfadern wird dadurch trotz vieler Ratschlägen und Meinungen nicht verzögert.
Welche Krankenkasse ist die Beste beim Krampfaderleiden?
Alle Therapiekosten der Therapie vom Krampfaderleiden, welche vom Facharzt als medizinisch indiziert diagnostiziert werden, werden von den Krankenkassen übernommen. Ausnahmen sind die modernen, ambulant endovenösen Katheter Verfahren (Laser, Radiofrequenz, VNUS – Closure, Kleber usw.), welche von den meisten Grundversicherungen bisher abgelehnt wurden. Keine Krankenkasse übernimmt die Therapie von kosmetisch störenden, kleinen Krampfadern, den sogenannten Besenreiser- und Retikulären Krampfadern. Die Wahl der geeigneten Krankenkasse ist somit aufgrund anderer Kriterien zu treffen.
Welche Präparate lindern das Krampfaderleiden?
Primär muss die Ursache, das heisst das Krampfaderleiden, behoben werden, bevor mit einer medikamentösen Therapie begonnen wird. Venentabletten sind nur dann sinnvoll, wenn keine chirurgischen, kathetertechnischen Verfahren, Kompressionsstrümpfe oder Verödungstherapie Erfolg versprechend sind. In diesen Fällen können Venenmittel zur Linderung der venös bedingten Beschwerden eingesetzt werden. Manchmal ist die Kombination von medizinischen Kompressionsstrümpfen während den kalten Monaten und das Einnehmen von Venenmitteln in den warmen Sommermonaten sinnvoll.
Dr. med. Bruno P. Schwarzenbach 30. September 2015
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