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Verbindungsstudenten pflegen ganz eigene Rituale und benutzen dafür Sprache und Symbole, die von Aussenstehenden in der Regel nicht verstanden werden. Viele Begriffe stammen aus dem Lateinischen und Französischen und haben ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Wir erklären die Wichtigsten.
Aktivitas
Die Aktivitas besteht aus den Mitgliedern einer Verbindung, die ihr Studium noch nicht beendet haben. Eine Verbindung benötigt mindestens drei aktive Mitglieder. Aktive, die sich in einem höheren Semester befinden, können zu Inaktiven werden, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllt haben. Dies geschieht meist, um sich in der lernintensiven Schlussphase ganz auf das Studium konzentrieren zu können.
Altherr
Ein Altherr ist ein Verbndungsmitglied, der sein Studium abgeschlossen hat und im Berufsleben steht. Er nimmt weiterhin an Veranstaltungen seiner Verbindung teil und unterstützt diese durch finanzielle Zuwendungen. Davon werden verschiede Aktivitäten finanziert. Das weibliche Gegenstück bei Damen- oder gemischten Verbindungen heisst Hohe Dame.
Chargierte
Die Chargierten der Verbindung sind Präses (Erstcharg.), Kontrapräsidium (Zweitcharg.) und der Aktuar (Drittcharg.). Die Wahlen dieser Chargierten sowie des FM, des Kantusmagisters und des Fechtmeisters werden am Schluss des Semesters durchgeführt.
Die Chargierten und Ämter werden an der Ex-Kneipe den Neugewählten übergeben. Die drei Chargierten nehmen an der Generalversammlung des Alt-Herren-Verbandes als Fahnendelegation teil.
Comment
Der Comment (französisch für Regelwerk) legt Verhalten und Abläufe bei bestimmten Anlässen in Verbindungen genau fest. Wer gegen ihn verstösst, muss mit Bestrafungen rechnen; auch diese sind vorgeschrieben. Anfangs wurde der Comment mündlich überliefert, inzwischen liegt er meist in geschriebener Form vor. Es gibt Comments für den allgemeinen Umgang, für Feiern und Veranstaltungen, für das Tragen der Verbindungsfarben und für das Fechten.
Convent
Zusammenkunft der Mitglieder einer Verbindung. Dies geschieht aus verschiedenen Anlässen und in verschiedenen Zusammensetzungen. Es gibt den Convent der Aktiven, der Chargierten, der Altherren, den Generalconvent und bei schlagenden Verbindungen den Mensurconvent.
Couleur
Mit Couleur bezeichnet man alle Kleidungsstücke und Accessoires, mit denen ein Student seine Zugehörigkeit zu einer farbentragenden Verbindung demonstriert. Wichtigste Bestandteile sind Band und Mütze. Das Band, das die Farben der Verbindung zeigt, wird über die rechte Schulter gelegt und unter dem linken Arm zusammengehalten.
Fechten
Fechten gehört zu den ältesten sportlichen Wettbewerben der Menschheit. Die Studentenverbindung Zähringia Burgdorf pflegt das Säbelfechten.
Ursprung in Frankreich
Schon in der Antike duellierten sich Männer mit Schlagwaffen. Im Mittelalter dann wurden Streitigkeiten gern mit Säbel und Degen ausgetragen - oft bis zum bitteren Ende eines der beiden Duellanten. Einen "Streit ausfechten" sagt man deshalb heute noch. Parallel dazu entwickelte sich bei Hofe die Fechtkunst. Der Grundstein für das moderne Fechten wurde im 16. Jahrhundert in Frankreich gelegt. 1570 führte Henri Saint Didier die französischen Begriffe ein, die noch heute gültig sind. Zum Beispiel Planche (Planke), Touché! (Berührt!) oder En garde! (Achtung). Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit war Fechten als Gründungssportart mit dabei.
Die Grundlagen des Fechtsports
Beim Fechten geht es darum, dem Gegner mit der eigenen Waffe möglichst viele gültige Treffer zuzufügen und dessen Angriffe abzuwehren. Gefochten wird auf einer Fechtbahn, der sogenannten Planche. Sie ist 14 Meter lang, bis zu zwei Meter breit und aus einem Metallgeflecht hergestellt. Auf ihr ist für jeden Fechter eine Startlinie im Abstand von zwei Metern von der Mittellinie eingezeichnet. Ausserdem gibt es noch je eine hintere Grenzlinie, sieben Meter von der Mitte entfernt.
Die Schutzkleidung
Obwohl beim Fechten mittlerweile keine scharfen Waffen mehr verwendet werden, ist eine Schutzkleidung nötig. Diese besteht meist aus Baumwolle, Nylon oder dem Faserkunststoff Dyneema und ist immer weiss. Die Fechtmaske hat einen Halsschutz sowie ein feines Stahlgitter zum Schutz des Gesichts. Ausserdem gibt es eine Fechtjacke, eine Schutzweste, eine Fechthose, sowie spezielle Handschuhe und Socken. Je nachdem, in welcher Waffengattung man kämpft, zählen andere Bereiche des Körpers als Trefferzone.
Säbel
Anders als beim Florett und Degen zählen beim Säbelfechten auch seitliche Hiebe als Treffer. Er ist nur 105 Zentimeter lang und wiegt maximal 500 Gramm. Die Klinge ist sehr flach und meist etwas gebogen. Die Kämpfe sind hier in der Regel schneller als beim Florettfechten. Neben der Glocke schützt ein Bügel am Degen die Hand vor Hieben. Als Trefferfläche zählt der gesamte Oberkörper ab der Gürtellinie, inklusive Arme und Kopf.
Fuchs
Ein Fuchs (seltener: Fux) ist ein Neuling in einer Verbindung, der sich um eine Aufnahme bemüht. Seine Probezeit beträgt ein bis drei Semester, in der er sich mit Geschichte, Bräuchen und Zielen seiner Verbindung vertraut machen muss. In fechtenden Verbindungen erlernt er ausserdem das Fechten.
Ein Fuchs ist oft Ziel des Spotts und muss niedere Dienste verrichten. Erst nachdem er in einer Burschenprüfung seine Kenntnisse nachgewiesen hat und von den Bundesbrüdern für würdig erklärt worden ist, wird er mit den vollen Rechten und Pflichten ausgestattet und als Vollmitglied in die Aktivitas aufgenommen.
Fuchsmajor
Der Fuchsmajor betreut die Füchse. Er leitet die wöchentliche Fuchsenstunde, in der den Anwärtern das Wissen vermittelt wird, das nötig ist, um die Burschenprüfung zu bestehen. Ausserdem ist er zuständig für das Werben neuer Mitglieder. Er gehört in der Regel einem höheren Semester an und kann unter Umständen auch ein Inaktiver oder Alter Herr sein.
Kneipe
Die Kneipe ist eine verbindungsstudentische Feier, die nach festgelegten Regeln abläuft. Es werden Reden gehalten, Lieder gesungen, Diskussionen geführt, mitunter kommt es auch zu kleinen Aufführungen. Oft teilt sich die Kneipe in einen offiziellen und einen inoffiziellen Teil auf.
Das Leibburschentum
Ein Fuchs sucht sich in einer Verbindung einen älteren Studenten, zu dem er viel Vertrauen hat und Sympathie verspürt, als Mentor. Dieser, Leibbursche genannt, steht seinem Leibfuchs zur Seite, berät ihn und setzt sich für ihn ein. Aus diesem Leibverhältnis entstehen oft besonders enge Freundschaften. Wenn ein Leibfuchs später selbst zum Leibbursch wird, wird dessen Leibfuchs Teil der Leibfamilie und somit zum Leibenkel des ursprünglichen Leibburschen. Manchmal spricht man auch von der Bierfamilie, entsprechend gibt es einen Biersohn, Biervater und Bieropa.
Mensur
Mensur (lateinisch mensura = Mass, Abmessung) bezeichnet im Sportfechten den Abstand zwischen zwei Kontrahenten. Bei schlagenden Studentenverbindungen ist damit der Fechtkampf an sich gemeint. Hervorgegangen ist er aus dem Duellwesen.
Schon im Mittelalter griffen Studenten bei Streitigkeiten schnell zur Waffe. Im Laufe der Zeit wurde das studentische Duell mehr und mehr zu einem formalisierten Zweikampf, um tatsächliche oder vermeintliche Kränkungen der Ehre beizulegen.
Ab 1850 setzte sich bei den Verbindungen immer mehr die Bestimmungsmensur durch. Diese hat keinen Duellcharakter. Es geht nicht um Ehrstreitigkeiten, stattdessen soll sie die Persönlichkeit des Fechtenden festigen und die Verbundenheit mit seiner Korporation zeigen.
Schläger
Als Schläger bezeichnet man die Fechtwaffe, mit der gefochten wird. Je nach Region werden Korbschläger oder Glockenschläger benutzt.
Schmiss
Ein Schmiss ist eine Verletzung sowie die Narbe, die durch einen Fechthieb bei der Mensur entstanden ist. Bis in die 1930er Jahre galten Schmisse als Statussymbole unter Akademikern, sie standen für Mannhaftigkeit und Entschlossenheit. Manche Studenten zogen sogar ihre Wunden immer wieder auseinander, damit größere Narben zurückblieben.
Inzwischen sieht man kaum noch Studenten mit Schmiss. Zum einen ist die Zahl der scharfen Partien, die ein Student in seiner akademischen Laufbahn austrägt, stark gesunken. Andererseits wird heute bei der Mensur mehr Wert auf Deckung und Defensive gelegt. Einen Schmiss, der mindestens ein Zoll lang war und blutete, bezeichnete man früher als Anschiss. Hier hat die Redewendung "einen Anschiss erteilen" ihren Ursprung.
Stiftungsfest
Mit dem Stiftungsfest wird der Tag der Verbindungsgründung gefeiert. Es ist in den meisten Verbindungen das größte und wichtigste Fest des Jahres, zu dem auch viele Alte Herren mitsamt Familien anreisen.
Das Stiftungsfest geht meist über mehrere Tage und besteht aus Festball, Kommers und diversen anderen Veranstaltungen. Wenn ein rundes Jubiläum gefeiert wird oder die Zahl der bestehenden Jahre auf fünf endet, wird ein sogenanntes großes Stiftungsfest begangen.
Vollwichs
Als Vollwichs bezeichnet man die Kleidung des Verbindungsstudenten zu besonders festlichen Anlässen wie grossen Stiftungsfesten, Universitätsjubiläen oder Hochzeiten. Er besteht aus Uniformjacke (Pekesche), schräg getragener Kopfbedeckung (Cerevis, Töneli), Schärpe, Handschuhen, Gamaschen und Paradeschläger.