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DispersionsdistanzenDie Auswertung erfolgte mit Daten von 5 699 adulten und 21 831 juvenilen Waldkäuzen. Der Modus sowie das Minimum liegen bei beiden Altersklassen bei 0 km. Der Median der adulten (0.00 km) unterscheidet sich von demjenigen der juvenilen Waldkäuze (8.00 km). Die maximal zurückgelegte Distanz bei den adulten liegt bei 785 km und bei den juvenilen Waldkäuzen bei 917 km. Der Vergleich der beiden Mittelwerte (Altvögel: 5.36 km; Jungvögel: 19.58 km) zeigt deutlich, dass die meisten Altvögel unweit des Beringungsortes kontrolliert wurden. Auf Grund der hohen Standorttreue dürften viele Kontrollfänge am Ort der Beringung, respektive am gleichen Brutplatz erfolgt sein. Kleinere Distanzen der Altvögel sind dadurch erklärbar, dass die Altvögel zwar immer noch im Revier sesshaft sind, aber der Kontrollort abweichend vom Beringungsort ist. Dies kann unter anderem dann der Fall sein, wenn innerhalb des Revieres der Brutplatz gewechselt wird. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Erinnerungen an Störungen durch den Menschen oder Raubtiere veranlassen das Brutpaar zum Wechseln des Brutplatzes. Da vielerorts die Forstarbeiten in der kalten Jahreszeit erfolgen, tangieren grosse forstliche Eingriffe die Brutaktivität beim Waldkauz. Störungen durch Raubtiere am Brutplatz gehen meistens einher mit dem Verlust des Geleges, der Jungvögel oder des Weibchens. Durch den Verlust des Weibchens kann die Brutplatzwahl des neuen Weibchens durchaus auf eine andere Bruthöhle im gleichen Revier fallen. Ebenfalls könnten Parasiten, welche in den Frassresten am Boden der Bruthöhle zahlreich auftreten, ein Entscheidungsfaktor sein für den Brutplatzwechsel. Ob der Wechsel des Brutplatzes in Folge eines mangelhaften Bruterfolges stattfindet, ist spekulativ und nicht wissenschaftlich belegt.
Dispersionsdistanzen von juvenilen (links) und adulten (rechts) Waldkäuzen innerhalb 100 km. (Quelle: Studler, 2017)Wie verhalten sich die Distanzen der Jungvögel im Ländervergleich? Für den Vergleich wurden nur die Jungvögel aus den sieben Ländern mit den meisten Stichproben betrachtet. Der Median liegt zwischen vier und acht, ausser in Finnland beträgt er 17 km. Auffällig ist, dass in den fennoskandischen Ländern grössere Distanzen vorkommen, insbesondere im 3. und 4. Quartil. Ebenfalls fällt auf, dass in England sehr viele Entfernungen unterhalb von 4 km vorkommen. Diese könnte mit der Struktur des Waldes und dessen Anteil zu tun haben. Finnland hat zwar einen sehr hohen Waldanteil, doch dominieren bei den Baumarten Kiefern, Fichten und Birke. Während die Nadelholzgewächse nicht besonders geeignet sind für grosse Bruthöhlen, benötigt es bei den Birken doch Stämme mit grossem Stammdurchmesser. Dies könnte dazu führen, dass die Waldkäuze gezwungen sind weiter zu dispersieren. Eine mögliche Erklärung für die kurzen Distanzen in England basiert ebenfalls auf dem Waldanteil und der Struktur. In England gibt es viele kleinere und nahe beieinanderliegende Wälder mit Altholzbeständen und möglichen Brutplätzen. So wäre es möglich, dass die Dispersionsdistanz wesentlich geringer ausfällt als in anderen Ländern. Es scheint nicht zwingend der Waldanteil, sondern vielmehr die Qualität des Waldes entscheidend sein für eine Besiedelung. Für eine Beantwortung dieser Vermutungen müssten aber weitere Daten der Waldzusammensetzung und Vernetzung hinzugezogen werden.
Die Dispersionsdistanzen (km) juveniler Waldkäuze verglichen mit den sieben Ländern mit grösster Stichprobe. Die Länder sind sortiert nach dem Median: Niederlande (n = 2 099), England (n = 1 706), Schweiz (n = 2 264), Deutschland (n = 1 524), Schweden (n = 2 341), Norwegen (n = 1 596) und Finnland (n = 7 317). Mit einem ° markierte Werte stellen Ausreisser dar, welche zwischen dem 1.5 und 3-fachen der Boxlänge entfernt sind. Mit einem * markierte Werte sind Extremwerte, welche über dem 3-fachen der Boxlänge liegen. (Quelle: Studler, 2017)
DispersionsrichtungNach zwei guten Brutjahren folgte 2016 ein schlechtes Brutjahr. Dies zeichnete sich durch einen späten Brutbeginn, kleine Gelege sowie viele Singvogelfedern im Nistkasten aus. Insgesamt 8 Bruten mit total 22 Eiern wurden begonnen. Drei Bruten wurden mit den Eiern oder den Jungen aufgegeben, respektive ausgeraubt. Aus den verbleibenden fünf Bruten gingen 15 Jungvögel hervor, welche alle beringt werden konnten. Bei der Gelegegrösse gab es lediglich 2-er und 3-er Gelege, wovon aber meistens ein bis zwei Jungvögel eingingen.
Häufigkeit der Richtung von juvenilen (n = 7 279) und adulten (n = 1 542) Waldkäuzen in Sektoren zu 5 °. Sowohl die Verteilung der juvenilen als auch der adulten Waldkäuze weicht von einer uni-formen Verteilung ab. Es konnte bei beiden Altersgruppen keine signifikante Hauptrichtung bestä-tigt werden. Es wurden nur Daten¬sätze verwendet, welche eine Distanz > 14 km aufweisen. (Quelle: Studler, 2017)Bei der Unterscheidung von juvenilen und adulten Waldkäuzen konnte zwar nachgewiesen werden, dass sich die Verteilung der Richtungen unterscheiden, jedoch konnte keine entsprechend signifikante Hauptrichtung ermittelt werden. Die Hypothese, dass die Richtung unabhängig vom Alter erfolgt, kann somit widerlegt werden. Die Richtungen bei den juvenilen Waldkäuzen erscheint zwar auf den ersten Blick mehrheitlich uniform, zeigt aber mehrere Sektoren mit einer deutlichen Gewichtung. Eine Berechnung eines Hauptwinkels ist deshalb nicht möglich. Bei den adulten Waldkäuzen dürfte die multimodale Verteilung eine Berechnung des Hauptwinkels ebenfalls ausschliessen. Die Richtungen von juvenilen und adulten Waldkäuzen sind zwar unterschiedlich, weisen aber trotz Widerlegung der Uniformität keine signifikante Hauptrichtung auf.