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Es ist eine Kinderzeichnung, die alles ins Rollen bringt. Die kleine Cata zeichnet in der Schule ihre Familie. Auf dem Bild zu sehen sind sie selbst, ihre grosse Schwester Sara, ihre Mutter Paula und deren Freundin Lía. Daraufhin muss die Mutter bei der Schulleitung antraben, und auch Sara wird in die Pflicht genommen. Ob sie gehänselt werde wegen der abnormalen sexuellen Orientierung ihrer Mutter, will der Schulleiter wissen. Als Sara verneint, meint er, jedes Kind habe ein Recht auf normale Verhältnisse, auch sie.
Allerdings sind für Sara und Cata die Verhältnisse zu Hause normal. Seit längerem leben sie mit ihrer Mutter und deren Freundin in einem Haus, zwischendurch gehen sie zum Vater und dessen Frau. Doch als die bald dreizehnjährige Sara zu realisieren beginnt, dass ihre Familienkonstellation ihr Umfeld irritiert, fängt sie an, sich zu schämen. Und sie schärft ihrer Schwester ein, sie soll nicht überall erzählen, wie sie lebten.
«Rara», der Erstlingsfilm von Pepa San Martín, ist aus der Perspektive der Kinder erzählt. Auch was die Bildsprache angeht: Die Kamera ist häufig auf Kinderhöhe eingestellt, sodass die Köpfe der Erwachsenen abgeschnitten sind. Und meistens klebt sie an Sara. Diese steht im Zentrum des Films und wird grossartig dargestellt von Julia Lübbert: eine eher verschlossene Dreizehnjährige, die sich in einen Schulkollegen verguckt und gegen die Mutter rebelliert. Allerdings sind die Konsequenzen dieser harmlosen Streitereien fatal: Der homophobe Vater nutzt sie für sich und beginnt einen Prozess, um der Mutter das Sorgerecht zu entziehen. San Martín hat sich für «Rara» von einem tatsächlichen Fall in Chile inspirieren lassen: Der Anwältin Karen Atala wurde nach einer Klage ihres Exmanns das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen, weil sie mit einer Frau zusammenlebte.
Dass sich Pepa San Martín nicht auf den Gerichtsfall, sondern auf den unspektakulären Alltag der Kinder konzentriert, erweist sich als Glücksfall. Das liegt auch an den Kinderdarstellerinnen, die mit überzeugendem Spiel und starken Dialogen brillieren: Neben Lübbert ist Emilia Ossando als Cata eine Entdeckung. In ihrer verbohrten Eigenwilligkeit und liebevollen Verschrobenheit erinnert sie an Abigail Breslin als Olive in «Little Miss Sunshine». Man möchte unbedingt mehr von ihr sehen.
Läuft zurzeit im Kino.