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Über meinem Beitrag "Eltern und ihre erwachsenen Kinder" hat sich eine Diskussion ergeben. Ich skizzierte schemenhaft folgende Ausgangslage:
Mütter mit erwachsenen Söhnen
Modell 1 (ausgeprägt): 80-jährige Mutter geht eingehängt bei ihrem 50-jährigen Sohn; er mit gebeugtem Rücken und der Einkaufstasche; trägt Buntfaltenhosen
Modell 2 (mittlere Ausprägung): Mutter übernimmt Regiment, "betreut" Enkel und entmüdigt die Schwiegertochter
Modell 3 (verdeckte Ausprägung): Sohn lebt unbewusst nach den Wünschen der Mutter; verweigert einen Teil seiner eigenen Verantwortung und überlässt sie der eigenen Mutter
Mütter mit heranwachsenden Söhnen
Ausgeprägt: Chaufferdienste und Rundum-Service 7*24 Stunden, sprechen auch für Lehre und Universität vor
Mittel: Der Sohnemann muss zu Hause zu gut wie nichts tu ausser zu dirigieren (Rollenumkehr)
Verdeckt: Sohn muss nur pseudomässig etwas tun fürs Gewissen der Mutter, entwickelt jedoch seine eigenen Fähigkeiten nie in dem Ausmass, wie es nötig wäre.
Die m. E. entscheidende Frage ist grundsätzlicher, motivationaler Natur. "Investiere" ich für den eigenen emotionalen Zugewinn oder langfristig zugunsten des Kindes?
K. M. aus Hamburg, Jg. 1960, verheiratet seit 1982, zwei erwachsene Kinder (Jahrgang 1987 und 1990), beide verheiratet, drei Enkelkinder (2015, 2016), schreibt über ihre eigenen Erfahrungen (Hervorhebungen von mir):
Wichtig ist schon die Vorarbeit während der Kinder- und besonders Jugendzeit. Das baut die Grundlage für das Verhältnis zu den erwachsenen Kindern. Wir haben versucht, den Kindern/Jugendlichen viel Gemeinschaft mit anderen Gleichaltrigen zu ermöglichen, auch wenn das für uns mit Fahrerei verbunden war und damit Aufwand bedeutete. Das war es uns wert. Natürlich haben wir immer für unsere Kinder gebetet und mit ihnen Andachten gemacht und nicht über die Gemeinde negativ geredet. Bei uns in der Gemeinde gibt es neben der Kinderarbeit Royal Ranger Arbeit, die wir sehr geschätzt haben, da sie den Kindern/Jugendlichen das Gemeinschaftsgefühl und das Naturerleben verbunden mit dem geistlichem Aspekt geboten haben. Man muss in der Pubertät aufpassen, dass man die Jugendlichen nicht mit theologischem Input überfrachtet, sondern ihnen viel Gemeinschaft mit anderen Jugendlichen mit christlichem Inhalt bietet. Unsere beiden Kinder sind durch diese Zeit durch Gebete hindurchgetragen worden und haben mit 18 Jahren bzw. mit 16 ihre jeweiligen Ehepartner kennengelernt. Auch das ist ein wichtiges Gebetsanliegen: Für die zukünftigen Ehepartner zu beten. Unsere beiden haben dann mit jeweils 20 Jahren geheiratet, beide gläubige Ehepartner. Wir sind sehr dankbar für unsere Schwiegerkinder.
Inzwischen haben beide Kinder selber Kinder, Jahrgang 2015 und zweimal 2016. Ich hatte eine Mutter, die sich erst vier Jahre nach mir bekehrt hat. Sie hat sich besonders in ihrer Rentenzeit – die begann bei ihr schon mit 60 Jahren- sehr intensiv um unsere Kinder gekümmert, viel Zeit mit ihnen verbracht und sie z. B. auch wöchentlich zu einem MusicalChor gefahren, weil ich an dem Tag gearbeitet habe. Dieses ist mir ein großes Vorbild. Wir beten weiterhin für unsere Kinder und Enkelkinder, das ist Priorität.
Wir sehen auch, dass sie weniger Zeit und auch weniger sonstige Ressourcen als wir zur Verfügung haben. Inzwischen arbeiten mein Mann und ich beide Vollzeit. Das heißt, wir haben zwar mehr Geld als früher zur Verfügung, leider aber auch nicht so viel Zeit in der Woche. Wir versuchen uns an den Wochenenden möglichst zur Verfügung zu halten, um mit den Enkelkindern z. B. auf den Spielplatz zu gehen oder sonstige Aktivitäten zu machen. Wir leisten uns eine Putzfrau, um mehr Zeit mit den Enkelkindern zu haben. Wir laden unsere Kinder zu einem gemeinsamen Urlaub ein. Zurzeit wohnen unsere Kinder noch in unserer Nähe. Sie bereiten sich aber auf eine Gemeindegründung in Leipzig vor, was dann ca. vier Stunden entfernt sein wird. Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Menschlich vermisse ich sie jetzt schon alle, und der Trennungsschmerz ist hoch. Geistlich und dann auch wieder menschlich freue ich mich für die Vier, dass sie gemeinsam diese Vision haben, dass sie sich so Gott hingeben. Wir unterstützen sie so gut es geht zeitlich und finanziell. Wie dann konkret die zeitliche Unterstützung aussehen wird, wenn sie erst alle in Leipzig wohnen, müssen wir dann sehen. Zum Glück sind es nur vier Stunden. Denn ich möchte nicht unsere Enkelkinder nur zweimal im Jahr sehen.
Zum Thema Geschenke: Man kommt natürlich in Versuchung, auch etwas für sie zu kaufen. Unsere sind nun noch sehr klein. Dadurch dass wir quasi gleich drei auf einen Schlag hatten, müssten wir um der Gerechtigkeit willen immer drei Geschenke kaufen. Das ist dann doch zu teuer, d. h. wir überlegen schon sehr gut, was wir schenken. So hoffen wir, unsere Kinder in dieser für sie herausfordernden Lebensphase zu unterstützen. Kleinkinderphase, Gemeindegründung, Berufstätigkeit und Einleben in einer neuen Stadt – ohne vertrauten Freundeskreis – sind sehr anstrengend. Wir werden sehen, was wir tun können, auch aus der Ferne.
Auch ist uns klar, dass wir älter und evtl. mal hilfebedürftig werden. Das haben wir mit meiner Mutter auch erlebt, die leider dement wurde und von uns dann viel Unterstützung benötigte. Aber das war zu einer Zeit, als unsere Kinder dann schon erwachsen waren und ich zeitweilig in Teilzeit gearbeitet habe, um alles zu schaffen. So freue ich mich, ein sehr gutes Verhältnis zu unseren erwachsenen Kindern zu haben- und weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist, sondern Gottes Geschenk an uns.
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