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Die Erfahrungen daraus führten zum wechselseitigen Bedürfnis der Supermächte, direkter miteinander reden zu können. Der heisse Draht wurde eingerichtet. Die Linie führte über London, Kopenhagen, Stockholm und Helsinki. Parallel dazu wurde eine Funkverbindung über Tanger erstellt. Zum Einsatz kam die Verbindung aber erst vier Jahre später während des Sechstagekrieges. Robert McNamara, damals Aussenminister der USA, wusste offensichtlich nicht, dass der heisse Draht in sein Büro führte und war entsprechend überrascht, als er einen Anruf über diese Leitung bekam und ihm mitgeteilt wurde, dass der sowjetische Ministerpräsident Kossygin gerne mit dem amerikanischen Präsidenten Johnson sprechen wolle. McNamara musste den Präsidenten erst wecken lassen, bevor das Gespräch stattfinden konnte.
Auch später diente der heisse Draht dazu, dass die Supermächte sich schnell gegenseitig abstimmen bzw. informieren konnten, wenn ausserordentliche Situationen eintraten. Nur rot war das Telefon, das Moskau mit Washington verband, nie. Dennoch denken wir beim heissen Draht gerne an das «Rote Telefon». Da haben die Bond-Filme sehr prägend gewirkt.
Übrigens: Heisser Draht wird im Englischen mit «hotline» übersetzt. Hotlines sind heute Gegenstand des täglichen Gebrauchs. Sie sollen für den Konsumenten allerlei Probleme lösen, Fragen klären, Produkte zugänglich machen etc. Nur – bei den Hotlines des täglichen Gebrauchs muss man zuweilen unendlich lange warten, bis man am anderen Ende gehört wird. Das ist beim heissen Draht nicht der Fall. Ausser, man muss zuerst noch den Präsidenten wecken.