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Mit 183 Quadratkilometern und 2.5 Millionen Einwohnern ist Brooklyn der bevölkerungsreichste Stadtteil New Yorks. Hier liegen China und Arabien, Afrika und Mexiko, Westindien und Russland nur ein paar Strassenzüge auseinander.
Bis zum Zusammenschluss der New Yorker Boroughs 1898 war Brooklyn die viertgrösste Stadt der USA. Benannt nach der holländischen Gemeinde Breuckelen. Brooklyn ist so lebhaft wie kein
anderes der Quartiere. Dazu hat nicht nur das multikulturelle Flair beigetragen, auch der Vergnügungspark Coney Island oder das trendige Williamsburg mit seinen kleinen Shops und Manufakturen befinden sich hier.
Die Brooklyn Bridge
Schon die Anreise nach Brooklyn mit einem Gang über die legendäre Brooklyn Bridge ist beeindruckend. Auf dem höher gelegenen Gehweg überquert man den East River und kann dabei die beeindruckende Skyline von Manhattan bewundern. Aber auch die Brücke selbst ist ein kleines Wunderwerk der Technik. Sie wurde 1883 vollendet und war zur damaligen Zeit die längste Hängebrücke der Welt. Konstruiert wurde sie vom deutschen Ingenieur Johann August Roebling, der im Jahre 1841 die erste Drahtseilfabrik Amerikas gründete. Sein Plan war es, die längste und höchste Hängebrücke der Welt zu bauen. 16 Jahre sollten jedoch vergehen, bevor seine Pläne genehmigt waren. Aufgrund eines Unfalls während der Bauarbeiten verstarb er jedoch plötzlich und erlebte die Fertigstellung der Brücke nicht mehr. Sein Sohn Washington übernahm die Leitung der Bauarbeiten und setzte die sogenannte Caisson-Technik ein. Hierbei wurden Kästen als Fundamente unter Wasser verankert. Pressluft verhinderte das Eindringen des Wassers. Die Arbeitsbedingungen waren grauenvoll und viele Arbeiter erkrankten an einer seltsamen Krankheit. Heute weiss man, dass es sich um die Caisson-Krankheit – auch bekannt als die Taucherkrankheit – handelte, die auftritt, wenn Menschen Überdruckkammern zu schnell verlassen. Auch Roebling erkrankte daran, litt unter starken Schmerzen und blieb gelähmt. Er wollte den Bau jedoch nicht stoppen und beobachtete den Fortgang vom Rollstuhl aus. Seine Frau Emily Roebling übernahm die Leitung der gigantischen Baustelle. Sie verhandelte, setzte die Qualitätsansprüche der Roeblings durch und wandte zahlreiche Intrigen ab. Selbst in unserer heutigen Welt wäre diese Leistung noch höchst beachtlich; im ausgehenden 19. Jahrhundert war dies für eine Frau schier unglaublich. Am 24. Mai 1883 wurde die gigantische Brücke mit einem riesigen Fest eröffnet. Heute passieren täglich mehr als 120’000 Fahrzeuge, 5 000 Fussgänger und 3 100 Radfahrer die Brücke.
Kunst im Fokus
Doch auch in Sachen Kunst lohnt sich auf jeden Fall immer ein Ausflug nach Brooklyn. In diesem Stadtbezirk haben sich in den letzten Jahren viele Künstler etabliert. So manche alte Lagerhalle oder Werkstatt ist heute ein lebendiges Atelier oder eine angesehene Galerie. Mit der Subway gelangen Sie zum Beispiel problemlos von Manhattan nach Brooklyn in den Stadtteil Williamsburg, wo Sie den ganzen Tag durch Galerien schlendern können. Zwischendurch laden viele kleine Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Am Abend gibt es zahlreiche Clubs und Restaurants mit Live-Musik unterschiedlichster Stilarten. Ebenfalls interessant ist Dumbo. Dort finden Sie zum Beispiel die BAC Gallery, die A.I.R. Gallery und das Dumbo Arts Center sowie eines der produktivsten Theater New Yorks, das St. Ann’s Warehouse. Dumbo steht übrigens für Down Under the Manhattan Bridge Overpass und liegt zwischen Brooklyn Bridge und Manhattan Bridge.
Hipster & Künstler
Brooklyn zog schon immer Künstler und Schriftsteller in seinen Bann. Die Anzahl bekannter Persönlichkeiten, die in Brooklyn geboren wurden oder zeitweilig dort lebten, ist gross. Unter anderen zählen zu ihnen Henry und Arthur Miller, Truman Capote, Woody Allen, Norman Mailer, George Gershwin, Barbra Streisand, sowie der Gangster Al Capone. Regisseur Spike Lee nutzt Brooklyn als lokalen Standort seiner Film-Produktionsfirma. Und Amerikas bekanntestes Schriftsteller-Ehepaar Paul Auster und Siri Hustvedt lässt sich von Brooklyn für seine Bestseller inspirieren. Brooklyn ist einfach anders: Hier wird auf Fabrikdächern Gemüse angebaut, finden die coolsten Partys der Stadt statt, hier gibt es Tausende von kleinen Start-ups und individuellen Stores. Nichts erinnert mehr an James Agees Reisebericht von 1938, in dem er von einer verruchten Gegend voller Immigranten schreibt. Heute ist Brooklyn einfach nur noch hip und cool. Hier bekommt man selbstgebrautes Bier aus Kleinstbrauereien, handgeschöpfte Schokolade, selbstgemachten Käse und Miniaturgärten in Einmachgläsern. So kommen aus Brooklyn nicht nur sogenannte Hipster, sondern auch der digitale Haustürschlüssel, selbst eingelegte Gurken, Schnaps und ein Lebensgefühl, das immer mehr Menschen sich selbstständig machen lässt. Brooklyn, der Kiez, in dem sich die Macher und die neue Bohemia treffen.