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Erste Retrospektive der Künstlerin Eva Aeppli in Frankreich
Das Centre Pompidou-Metz widmet der Schweizer Künstlerin Eva Aeppli ab diesem Samstag eine Retrospektive. Es ist die erste in Frankreich, die dieser für ihre Textilfiguren bekannten Bildhauerin gewidmet ist.
Die 1925 geborene Künstlerin zog 1952 mit ihrem Mann Jean Tinguely nach Paris, wo das Paar mit anderen Grössen der Kunstszene, Daniel Spoerri und Niki de Saint Phalle, verkehrte. Sie habe jedoch nie «ihren grossen Moment» gehabt, man hat sich nie auf ihr Werk konzentriert habe, sagt Anne Horvath, eine der Kuratorinnen der Ausstellung «Le Musée sentimental d'Eva Aeppli».
Umso wichtiger sei es, das «ausufernde Werk dieser rätselhaften und radikalen Künstlerin» aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nun auszustellen, fügt sie hinzu.
Aepplis bemerkenswerteste Werke, ihre lebensgrossen Textilskulpturen mit ihren ausdrucksstarken Gesichtern, werden im Dialog mit den Werken ihrer Zeitgenossen ausgestellt. Darunter «La Table», eines ihrer Hauptwerke aus den 1960er Jahren, in dem dreizehn Personen um einen Tisch sitzen, der an Leonardo da Vincis Abendmahl erinnert und es gleichzeitig neu erfindet.
In der Mitte wird die Figur Christi durch die des Todes ersetzt, «um die Verbrechen darzustellen, die im 20. Jahrhundert begangen wurden», wie Aeppli 1999 in einem Brief an eine Studentin erklärt hatte, dem einzigen Schriftstück ihrer Karriere, in dem sie ihre Kunst erläuterte.
Im Angesicht von Andy Warhol
Gegenüber, wie ein Spiegel, stellt das Museum ein riesiges Gemälde von Andy Warhol aus: «The Last Supper». Es gehört zu einer der letzten Serien, die der Pop-Art-Künstler produziert hat. Er hat darin das berühmte Gemälde von Da Vinci in Schwarz-Weiss neu interpretiert und mit zwei Logos amerikanischer Zigarettenmarken versehen.
Aeppli, die durch den Zweiten Weltkrieg nachhaltig geprägt wurde, drückte in mehreren ihrer Werke «ihre Verwirrung angesichts des Unerklärlichen» aus, wie Anne Horvath weiter sagt. Dafür steht etwa die «Groupe de 13». 13 Textilfiguren, die auf Stühlen sitzen, drei leer gelassen, «um die Dramatik der Installation zu betonen». Das Werk war eine Hommage an Amnesty International, wo sie Mitglied war.
Und mit «Les sept juges», sieben in einer Reihe sitzenden Skulpturen, die direkt aus ihrem Gemälde «L'Aube» zu stammen scheinen, stellt sie diejenigen dar, die über Verbrechen gegen die Menschlichkeit geurteilt haben, so Chiara Parisi, Direktorin des Centre Pompidou-Metz und ebenfalls Kuratorin der Ausstellung.
Neben den Skulpturen der 2015 in Honfleur verstorbenen Schweizer Künstlerin zeigt das Centre Pompidou-Metz Zeichnungen und Gemälde, Gegenstände, an denen sie hing, und ihre berühmten «Livres de vie». Das sind grosse Notizbücher, in die sie Briefe von Verwandten, Zeichnungen ihrer Kinder oder auch Fotos ihrer Werke klebte.
Die Ausstellung läuft vom 7. Mai bis zum 14. November.