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Bürgerkrieg in Osttimor, Mitte der 70er Jahre: Indonesische Soldaten beladen ihre Militärflugzeuge mit Brandbomben. Auf den Geschossen prangt die Aufschrift «Opalm». Opalm – so heisst die von den Chemiewerken in Ems 1952 patentierte Napalm-Variante. «Die Ems verkaufte in den sechziger Jahren dieses Opalm an Indonesien», sagt die Historikerin Regula Bochsler im Beitrag der «Rundschau». Diese Vorgänge beschreibt Bochsler in einem neuen Buch.
Lieferungen an Bürgerkriegsländer
Doch die in der Schweiz entwickelten Opalm-Bomben töteten nicht nur in Osttimor. Auch im Jemen, wo die ägyptische Luftwaffe in den 60er Jahren Dörfer bombardierte. Zu den Opalm-Kunden zählten weiter die Militärs in Burma oder die algerische Befreiungsfront FLN.
Diese Napalm-Geschäfte wurden zur Zeit von Werner Oswald, dem Gründer der Emser Werke, abgewickelt. Die Fabrik in Ems wurde 1941 gebaut und fabrizierte mit Subventionen des Bundes bis 1956 einen Ersatztreibstoff, der nach dem Krieg dem importierten Benzin beigemischt wurde. Nach Kriegsende begann sich Oswald nach Synergien für sein Treibstoffwerk umzuschauen. Bisher war bekannt, dass er in die Kunstfaser-Produktion einstieg. Bochslers Buch liefert jetzt erstmals Informationen zur Herstellung von Napalm und zur Entwicklung einer Flugabwehrrakete.
Hitlers Raketentechniker als Projektleiter
Dazu setzte Werner Oswald auch auf Know-How aus Nazi-Deutschland: Er stellte den Nationalsozialisten Heinz Stoelzel an, der im 2. Weltkrieg in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde diente. An diesem Ort war, unter Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen, Hitlers «Wunderwaffe» V2 entstanden, mit der er London und Antwerpen beschiessen liess.
Ab 1949 leitete in Ems ein weiteres NSDAP-Mitglied das Rakete-Entwicklungs-Team: Friedrich Halder. Er war in Peenemünde für die Flak-Raketenentwicklung zuständig gewesen. «Die Entwicklung von Raketen und Zündern in Ems wäre ohne die deutschen Rüstungsspezialisten nicht möglich gewesen», sagt Historikerin Bochsler.
Schwierige Vergangenheit
Werner Oswalds Nachfolger als Konzernchef war Christoph Blocher. Er erzählte Historikerin Bochsler, er hätte noch nie von der Emser Rakete gehört. Auch vom Emser Napalm wisse er erst seit kurzem. Blocher trat 1969 in die Ems ein und stieg 1972 zum Direktionsvorsitzenden auf. Gegenüber der «Rundschau» wollte er sich nicht äussern, bevor er das Buch gelesen habe.
Die offizielle Firmengeschichte der Ems-Chemie ist 2011, anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums, erschienen und in einer historischen Ausstellung dokumentiert, die im Emser Werk zu besichtigen ist. Doch Emser Napalm und Emser Raketentechnologie kommen darin nicht vor. Für ihr Buchprojekt hat Regula Bochsler die Ems-Chemie Chefin Magdalena Martullo-Blocher zweimal um Zugang zum Emser Firmenarchiv gebeten – umsonst. Auch gegenüber der «Rundschau» wollte sich Magdalena Martullo-Blocher zu den Recherchen der Historikerin nicht äussern.