Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03571.jsonl.gz/1368

Am 28. September wäre der frühere Solothurner Bundesrat Willi Ritschard 100 Jahre alt geworden. Der Sozialdemokrat sass von 1974 bis 1983 in der Landesregierung. Am 16. Oktober 1983 verstarb Ritschard auf einer Wanderung im Solothurner Jura, kurz nach seinem 65. Geburtstag, im Amt.
Willi Ritschard war am 5. Dezember 1973 in den Bundesrat gewählt worden – als erster «Arbeiter». Ritschard war gelernter Heizungsmonteur. Seine politische Laufbahn startete er 1943 im Gemeinderat seiner Wohngemeinde Luterbach. Dort wirkte er auch als Gemeindepräsident. 1945 wurde der Gewerkschaftssekretär in den Solothurner Kantonsrat gewählt, 1955 in den Nationalrat. Ab 1963 amtete er als Regierungsrat im Kanton Solothurn.
In seiner Bundesratszeit von 1974 bis 1983 hatte Ritschard zuerst das Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement geleitet und ab 1980 das Finanzdepartement. Er war bekannt für seine träfen Sprüche. Zum Defizit in der Staatsrechnung 1979 meinte er: «Wem es jetzt, angesichts der roten Zahlen unserer grünen Staatsrechnung, nicht schwarz vor den Augen wird, der ist entweder blind – oder dann kann man ihm auch sonst nicht mehr helfen».
Der SP-Mann Willi Ritschard war ein Befürworter der Atomenergie. Einer seiner Sprüche im Zusammenhang mit Energie: «Was nützt der Tiger im Tank, wenn ein Esel am Steuer sitzt?» Als Sozialdemokrat kämpfte er für einen Staat, der seinen sozialen Pflichten nachkommen kann.
Auf einem Ausflug des Bundesrats erleidet Ritschard einen Herzanfall. Er erholt sich davon bei einer Kur im Tessin. «Ich habe mich mit Gymnastik, Schwimmen, Wandern und auch Merlot sehr gut erholt», meinte er nach dem Aufenthalt.
Am 3. September 1983 erklärte Willi Ritschard seinen Rücktritt aus dem Bundesrat auf Ende Jahr (zusammen mit FDP-Bundesrat Georges-Andre Chevallaz). Als nach seinem Tod im Bundeshaus ein Kondolenzbuch aufgelegt wurde, trugen sich innert drei Tagen über 10'000 Menschen ein. Auch der offiziellen Trauerfeier in der Solothurner St.-Ursen-Kathedrale wohnten viele Gäste bei.