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Ohne Zweifel, die Zweifels sind nicht ohne
|700 Jahre Familienname Zweifel – Spurensuche nach einem in der Region weit verbreiteten Geschlecht|
Der Familienname Zweifel ist in der Region Gaster weit verbreitet. Die erste urkundliche Erwähnung des Geschlechts liegt rund 700 Jahre zurück. Ahnenforscher Franz Zweifel aus Zürich bekletterte den Stammbaum «seiner stolzen Sippschaft».· VON FRANZ ZWEIFEL
In einem Beitrag zur Werdenberger Geschichte steht geschrieben: «Zweifel ist ein angesehenes Geschlecht in Glarus. In Werdenberg regierten von 1695 bis 1779 sechs verschiedene Landvögte namens Zweifel, und ohne Zweifel haben dieselben rechtschaffen gehandelt, zumal keine Klagen gegen sie erhoben wurden.»
Rund 3000 Zweifels
In der vierten Kirchenbank hatten die Frauen der Brunnerig (Brunner), Roosig (Roos) und Zwiflig (Zweifel) Platz zu nehmen. So verlangte dies die Kirchenordnung aus dem Jahre 1756 in Kaltbrunn. Fraglos gehören die «Zwiflig», genauer genommen der Name «Zweifel», zum Urgestein der Familiennamen in der Schweiz. Herleitend von der Anzahl der Telefonabonnenten tragen etwa 3000 Schweizer diesen Namen, und in den USA sollen es laut Halberts Register gut halb soviele sein. Die Schreibweise des Namens hat sich im Laufe der Jahrhunderte oft verändert. In den Urkunden kann man folgende Arten lesen: Zwivel, Zwieval, Zwifalt, Zwifel, Zwyfel, Zwiffel, Zweiffel und Zweifel.
Das untere Linthtal, woher die Zweifel stammen, war vor der Versumpfung ein fruchtbares Gebiet. Die Anwohner wurden zahlreicher, und es wurde notwendig, sich Vor- und Nachnamen zuzulegen. Die Namensgebung richtete sich nach der Herkunft, dem Aussehen, dem Ansehen, den Eigenschaften, dem früheren Vornamen, nach den Fähigkeiten, nach dem Beruf oder nach anderen Kriterien.
Die zweifelhafte Herkunft zieht bei den Zweifel nicht mehr. Die Familienforscher sind überzeugt, dass die Ur-zweifel, die während Jahrhunderten zu den angesehenen Geschlechtern des Linthgebietes gehörten, zu den Walsern zu zählen sind. Zusammen mit andern Walsern, wie Giger, Glaus, Steiner, Jud und anderen wanderten sie vom Sarganserland weiter nach Westen und liessen sich sonnenseits im Gaster nieder.
Verschiedene Wappen
Über die Bedeutung des Namens gehen die Meinungen auseinander. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts existieren Familienwappen, nämlich in Blau ein silberner oder goldener Querbalken, belegt mit drei roten Herzen. Die Glarner haben den Balken schräg gelegt, und die Zürcher erkühnten sich, das Wappen von oben nach unten zu teilen, in das linke gelbe Feld die drei roten Herzen und im rechten roten neu ein Rebmesser zu führen.
Der Wappengestalter hat sich vor 500 Jahren mit dem Symbol des Herzens, der Treue, einige Gedanken gemacht. Man weiss bis heute noch nicht, haben da zwei Frauen um ein männliches oder zwei Männer um ein weibliches Herz gebuhlt.
Heute, Anfang des dritten Jahrtausends, sind Leute mit Zivilcourage gefragt. Die etwas fragwürdigen Herzen im Wappen sollten mit Münzen ausgewechselt werden, denn die Zweifel haben einen Auftrag. Wir dürfen und müssen kritisch sein und haben einen Namen, der verpflichtet, nämlich nicht alles für bare Münzen hinzunehmen, und die Medaillen auch von den andern Seiten anzusehen.
Kaltbrunner als Geschichtsforscher
Es ist dem im Jahre 1953 verstorbenen Amtsschreiber Johann Fäh aus Kaltbrunn zu verdanken: Durch sein nimmermüdes Forschen in verschiedenen Archiven hat er den Geschichtsfreunden viele historische Daten vermittelt. Er war ein zuverlässiger und fleissiger Mitarbeiter am siebenbändigen Historisch-Biographischen Lexikon der Schweiz. Durch ihn weiss ein breiteres Publikum, wann die ersten Zweifel beurkundet sind.
Der erste Namensträger hiess Ulrich Zweifel von Rufi bei Schänis, der im Jahre 1301 als Zeuge in einem Rechtsstreit auftrat und damit urkundlich bekannt wurde. Im gleichen Jahr traten die ersten Zweifel in zürcherischen Landen auf und zwar in Goldbach bei Küsnacht. 50 Jahre später wurde Heinrich Zwivel von Höngg mit 41 andern Hönggern ins Bürgerrecht der Stadt Zürich aufgenommen. Rudolf Brun amtierte damals als Bürgermeister.
Was aus den Zweifels wurde
Die Zweifel waren tüchtige Leute. Lorbeerkränze wurden allerdings bestenfalls an Schwing- oder Schützenfesten errungen. Zu Sockelehren brachte es keiner. Viele Frauen hätten das wahrscheinlich verdient, aber von ihnen schweigt die Geschichte. Die Zweifel waren Richter, Landammänner, Landesseckelmeister, Grossräte und Gemeindammänner, Stadträte, Baumeister, Pfarrer, Landvögte, Fabrikanten oder Ärzte.
Einer von den Herren Doktoren wanderte aus und wurde später Direktor der gynäkologischen Universitätsklinik in Leipzig. Einer seiner Söhne arbeitete ebenfalls mit Professorenwürden in München auf demselben Fachgebiet. Vinzens Zweifel ist im Künstlerlexikon als Kunstmaler erwähnt. Ein Josua Zweifel erforschte das Quellgebiet des Niger. Von den vielen Legionären schweigt des Sängers Höflichkeit. Immerhin sind über zehn Offiziere aufgeführt, die von unsern Söldnerobersten an fremde Heere verschachert wurden und dort Kopf und Kragen riskierten.
Pommes-Chips-Geschlecht
Bezirksgerichtsschreiber Johannes Zweifel und Oberst Gmür verhalfen an der in Schänis abgehaltenen Bezirksgemeinde vom 2. Mai 1847 der liberalen Partei zum Siege. Die dadurch erzielte Mehrheit der Liberalen im Grossen Rat liess St. Gallen zum «Schicksalskanton» und damit zum Wegbereiter unseres Bundesstaates werden. 1816 wurde ein Glarner Zweifel in Lenzburg sesshaft. Er befasste sich mit Kolonialwaren. Sein Sohn Alfred fabrizierte Schnupftabak und handelte als spanischer Konsul mit Wein.
Mit Wein befassten sich auch die bekanntesten Namensträger, Hansheinrich und Paul Zweifel in Höngg. Hansheinrich gilt als Pionier in der Pommes-Chips-Fabrikation. Seine Produkte sind allgemein bekannt und geschätzt. Im Jahre 1998 konnte die Firma ihr 100-Jahre-Firmenjubiläum feiern.
Schänis als Zweifel-Herd
Von Schänis aus verbreiteten sich die Zweifel nach Maseltrangen, Kaltbrunn und Rieden. Spätestens im 15. Jahrhundert zogen sie nach Tuggen und nach Weesen sowie in verschiedene Glarner Gemeinden (Linthal). Die Glarner Zweifel stammen also von den Gasterländern im unteren Linthtal ab, nicht umgekehrt. Die Vermutung liegt nahe, dass ein Zweig der Walser-Zweifel das Gasterland nur als Durchzugsstation benutzte und direkt flussabwärts in zürcherische Lande weiterzog.
Diese Meinung vertritt nach eingehendem Studium unser aktueller Zweifelforscher Paul Zweifel, ehemals Vizedirektor im Bundesamt für Justiz. Verursacht durch die zerstörerischen Brände von Glarus (1477 und 1861) weist die Glarner Siedlungsgeschichte leider Lücken auf. Im eingangs erwähnten Lexikon sind 49 Glarner Zweifel als erwähnenswerte Persönlichkeiten beschrieben. Das Gasterland bringt es nur auf zwölf. Das obere Linthtal hat eine bedeutend grössere politische und wirtschaftliche Bedeutung als das Gasterland erlangt. Das Glarnerland war eben schon früh ein regierender Stand in der Schweiz, währenddem das Gasterland stets Untertanenland war und durch die Versumpfung beeinträchtigt wurde.
Zweifel an der Richtigkeit
fzw.- Wir Zweifel sind stolz auf unseren Namen, er hat Charakter. Auch alphabetisch sind wir ja nicht ganz am Anschlag. Bevor uns die Hunde als Letzte beissen sind vorher die Zwickys, Zwinglis und die Zwyssigs dran. Ob allerdings noch eine Spur von dem aus Rufi stammenden Erbgut vorhanden ist, ist ungewiss. Die Anzahl der biologischen Vorfahren verdoppelt sich mit jeder Generation. Millionen Erbträger sind seither gekommen und gegangen, und mit jeder Heirat wurden 50 Prozent fremdes Erbgut aufgenommen.
Stammbaumforscher sehen schwierigen Zeiten entgegen. Die Suche nach den Wurzeln landet oft im Sumpf, weil da plötzlich ein Vorfahre auftauchen kann, den man sich niemals wünscht. Die Bildung moderner Familienformen kann für das Recherchieren von Vorfahren dereinst heikel werden. Oder Ehegatten dürfen ihre Namen heute vertauschen, was für einen späteren Familienforscher mühsam und verhängnisvoll sein kann. Das ist das eine. Zum andern ist zu bedenken: Männer und Frauen waren in früheren Zeiten nicht braver als heute. Ein einziger amouröser Ausrutscher konnte die Erblinie hundertprozentig zunichte machen. Nachdem mit neuen genetischen Methoden die biologische Vaterschaft exakt festgestellt werden kann, wird über Stammbäume und Ahnenforschung geschmunzelt.
Genetiker haben – beiläufig bei Untersuchungen hinsichtlich Erbkrankheiten – Erstaunliches festgestellt. Über fünf Prozent der Kinder haben mit dem auf dem Zivilstandsamt eingetragenen Vater abstammungsmässig nichts zu tun. Überträgt man diese Tatsache auf die Ahnenforschung, so müssten alle Stammbäume und Forschungsergebnisse mit dem Risikovermerk «fünf Prozent Vorbehalt» versehen werden.
Der Stolz auf einen saftstrotzenden Stammbaum erleidet manchmal auch beim Feststellen von Adoptionen beträchliche Einbussen. Das alles mag hart und herzlos klingen, ist aber Wirklichkeit, die sogar etwas Tröstliches in sich birgt und zur Menschlichkeit mahnt. Zuneigung zu den lebenden Verwandten ist naheliegender als diejenige zur Gruft. Oben auf dem Berge sind wir ja alle gleich.
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