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Bei dieser Seuche gab es in Einsiedeln nicht schulfrei
Wiederholt hat die Maulund Klauenseuche auch unsere Gegend heimgesucht. So zum Beispiel im Sommer 1956, als entlang der Gotthardlinie innerhalb kurzer Zeit 1264 Rinder und 894 Schweine an der Seuche erkrankten.
VICTOR KÄLIN
Erstmals Erwähnung im Einsiedler Anzeiger findet die Maul- und Klauenseuche (MKS) in der Ausgabe vom 22. Mai 1956. Der Kantonstierarzt teilte mit, dass am 19. Mai in einem Viehbestand der Gemeinde Steinerberg bei elf Tieren die Seuche festgestellt wurde. Die Tiere wurden umgehend geschlachtet. Die Bevölkerung wird «ersucht, sich den behördlichen Anordnungen zu unterziehen». Direkt betroffen waren die Gemeinden Steinen, Steinerberg und Lauerz. Selbst die Schule wurde dort umgehend und bis auf Weiteres geschlossen.
Die Ansteckung, so die damalige Vermutung, soll durch den Transitverkehr von belgischen und luxemburgischen Schweinen nach Italien erfolgt sein.
Am 29. Mai veröffentlichte das Polizeidepartement die «Bestimmungen betreffend Alpauffahrt ». Für die Bezirke Gersau, March, Einsiedeln und Höfe «wird für Vieh aus diesen Bezirken die Alpauffahrt ohne vorherige Schutzimpfung auf Mittwoch, 30. Mai 1956, freigegeben.» Viele Anlässe verschoben
Am 5. Juni 1956 wendet sich das kantonale Polizeidepartement mit einer Bekanntmachung auch im Einsiedler Anzeiger an die Bevölkerung. Auslöser waren neue Seuchenfälle in Richterswil und Küssnacht. Per sofort verboten waren demnach im Kanton Schwyz alle Veranstaltungen, namentlich erwähnt wurden Tagungen, Festanlässe, Schiessen, der Viehhandel sowie Vieh- und Warenmärkte, der Haustierhandel sowie «jegliche Reisetätigkeit auf Landwirtschaftsbetrieben ». Bereits am 23. Mai wurden im Bezirk Schwyz der Kirchen- und Schulbesuch verboten, ebenso lokale Versammlungen und Anlässe. Diese Massnahmen konnten allerdings am 5. Juni bereits wieder aufgehoben werden; sie galten ohnehin nicht für die «diesseitigen » Gemeinden Alpthal, Unter- und Oberiberg.
In derselben Ausgabe berichtete der Einsiedler Anzeiger, dass sich «die Seuche auch auf das Leben in unserem Gebiet nachteilig auswirkt». So musste bereits in der Vorwoche der Bittgang nach der Biberegg ausfallen; verschoben werden mussten das kantonale Schwingfest, die GV des kantonalen Gewerbeverbandes sowie das kantonale Sängerfest. Die Jahrgängerinnen und Jahrgänger 1916 jedoch trafen sich am Wochenende zu einem gemütlichen Zusammensein in der Waldstatt, wie der EA zu berichten wusste. Die Anmeldungen jedenfalls seien recht zahlreich gewesen und «niemand soll es bereut haben ». Derweil waren am selben Wochenende immer wieder grosse Viehtransporte auf den Strassen zu sehen. Weil in Samstagern ein neuer Fall der Maulund Klauenseuche festgestellt wurde, verbrachten unsere Landwirte ihr Vieh sofort auf die Alpen. Dort droht den Viehbeständen weniger die Gefahr einer Ansteckung.
Das kantonale Schwingfest, die GV des kantonalen Gewerbeverbandes sowie das kantonale Sängerfest mussten verschoben werden
Auf Schulreisen verzichten
Eine Zwischenbilanz veröffentlichte der Kanton im EA vom 19. Juni, nachdem auf der Alp Linderegg ob Gersau ein neuer Seuchenfall zur Notschlachtung von 22 Stück Vieh geführt hatte. Im Kanton Schwyz mussten von insgesmat sieben Seuchenfällen 29 Kühe, 82 Stück Jungvieh und 7 Schweine geschlachtet werden. Am 26. Juni empfiehlt der kantonale Lehrerverein, bis auf Weiteres auf Schulreisen und Lehrausgänge zu verzichten. Die Schulen zu schliessen war indes kein Thema. Am 10. Juli konnte auch der EA berichten, dass die Maul- und Klauenseuche in der Schweiz zurückgehen würde.
Abgeschlossen werden soll der kurze Rückblick über die Maul- und Klauenseuche in unserer Region mit dem kantonalen Schwingfest. Nachdem dieser Anlass aus seuchenpolizeilichen Gründen und Wetterpech mehrmals (!) hatte verschoben werden müssen, konnte er am 2. September 1956 dann doch noch auf dem Brüel durchgeführt werden. Immerhin: «Es war ein schönes Fest, ein wirklicher Ehrentag der starken Männer», wie unsere Zeitung am 4. September zu berichten wusste.
Nachtrag: Am 25. September berichtet der EA ausführlich über die «bedrohliche Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche im Ausland». Das vermehrte Auftreten der Seuche gegen den Herbst hin «mahnt zur Vorsicht, weil sich in dieser Jahreszeit ein grosser Markt- und Viehverkehr abwickelt. Es wäre ausserordentlich zu bedauern, wenn sich wie in früheren Jahren wieder ein Seuchenzug entwickeln würde».
Aller Warnungen zum Trotz wurde die Schweiz 1965/66, 1968 sowie 1980 erneut von der Seuche heimgesucht. Doch seit 1980 gilt die Schweiz amtlich als MKS-frei.