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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

15. Vortrag.
12.
Nun höre zuletzt noch, wer zu trinken verlangt. "Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes wüßtest und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, so hättest du ihn vielleicht gebeten, und er würde dir lebendiges Wasser gegeben haben." Er verlangt einen Trunk und verspricht einen Trunk. Er leidet Mangel, um zu empfangen, und ist reich, um zu sättigen. "Wenn du die Gabe Gottes wüßtest", sagt er. Die Gabe Gottes ist der Heilige Geist. Aber noch redet er unbestimmt mit dem Weibe und dringt erst allmählich ins Herz. Vielleicht lehrt er schon. Denn was ist lieblicher und freundlicher als jene Ermahnung: "Wenn du die Gabe Gottes erfaßtest und wüßtest, wer der ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so würdest du vielleicht bitten, und er würde dir lebendiges Wasser geben"; bis hierher redet er noch unklar. Lebendiges Wasser heißt gewöhnlich jenes, das von der Quelle herauskommt. Denn das, welches vom Regen in Gräben und Zisternen sich sammelt, heißt nicht lebendiges Wasser. Und wenn es aus einer Quelle fließt und an einem Orte gesammelt stehen bleibt, und das, woraus es entsprungen ist, zu sich nicht heranläßt, sondern mit Unterbrechung des Laufes gleichsam vom Pfade der Quelle abgeschnitten ist, so heißt es nicht lebendiges Wasser; vielmehr heißt jenes Wasser lebendig, welches in fließendem Zustande aufgefangen wird. Ein solches Wasser war in jener Quelle. Wie nun versprach er, was er verlangte?