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Denn die sind alle nur gekauft
Hereinspaziert zum Festival der Korruption, besser bekannt als amerikanische Wahlen. Hier kann sich der Milliardär, dem sonst nichts fehlt, einen Politico kaufen, vom Präsidenten bis hinunter zum Abgeordneten in einem Staatsparlament auf der hintersten amerikanischen Pampa. Die Preisklassen entsprechen dem gekauften Amt: Ein Präsidentschaftskandidat ist selbstverständlich teuerer als ein Senator, unter dem der Abgeordnete im Repräsentantenhaus rangiert und darunter die Meute der Staatsparlamentarier, Stadträte, Richter und so weiter.
Dass jeder Mensch seinen Preis hat, erfüllt sich hierbei auf wunderbare Weise und zur Freude der Sponsoren. Allerdings müssen die Gekauften nicht wie die Fahrer der Formel 1 oder die stets im Oval rasenden und deshalb besonders begabten Piloten amerikanischer Nascar-Rennen auf ihrer Bekleidung die Logos und Patches der Sponsoren tragen. Die bleiben unerkannt, was eine handfeste Sauerei ist. Als honoriger Kontrast bietet sich der Formel-1-Chauffeur Sebastian Vettel an, auf dessen Jacke die Logos der Sponsoren um die Aufmerksamkeit der Zuschauer wetteifern: Rauch, Red Bull, Pepe Jeans, Infiniti.
Auf Nico Rosbergs Flickenteppich sind Mercedes, Petronas, Bose und Puma vereint, beim Nascar-Ass Kyle Bush leben M&Ms friedlich mit Snickers, Goodyear und Toyota. Nicht nur ist die Berufsbekleidung der Rennfahrer exotisch bunt und durchaus geschmackvoll. Sie verrät zudem sofort, woher der kommerzielle Wind weht.
Geht es nach dem kalifornischen Geschäftsmann John Cox, soll es künftig nicht anders sein mit der Berufsbekleidung von Politikern: Cox möchte in Kalifornien ein Volksbegehren anschieben, wonach Politicos auf ihren Jacketts die Logos ihrer Sponsoren tragen müssen. Damit der Bürger sofort sieht, wer den Abgeordneten Bobby Joe Ham oder die Senatorin Juanita Cerveza im kalifornischen Staatsparlament gekauft hat. Setzen sich ein Prozent oder 365’000 Kalifornier für die Idee ein, wird der Populus im November bei den Wahlen darüber abstimmen können.
Cox ist Republikaner und ärgert sich seit langem wie viele andere auch über die korrupte amerikanische Wahlkampffinanzierung. Er meint, zuerst hätte die Idee ein amerikanischer Komiker propagiert, vielleicht der verstorbene Robin Williams. Wie auch immer: Man stelle sich nur das buntscheckige Plenum des kalifornischen Staatsparlaments in der Hauptstadt Sacramento vor mit den vielen Patches und Logos, den Slogans und den Farben auf den Anzugsjacken der Parlamentarier.
Hier der Demokrat Jackie Jackson von Exxon und Walmart, dort sein republikanischer Kollege Miles Van Der Bort, den neben den Koch-Brüdern sowohl General Motors als auch die Genossenschaft kalifornischer Milchbauern sponsort. Nicht auszudenken, wie es in Washington aussähe, falls das kalifornische Beispiel Schule machte: Präsidentin Hillary Clinton bei der TV-Ansprache an das amerikanische Volk mit Goldmann-Sachs-Patch auf dem Hosenanzug oder Präsident Ted Cruz mit Boeing-Werbung auf dem Revers.
Nur Donald Trump fiele aus der Rolle, der seinen Wahlkampf bislang selber finanziert. Er hätte keine Patches auf der Jacke, aber wahrscheinlich hielte er die TV-Rede in einem grell violetten Sakko. Das gäbe auch etwas her, oder?