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Die ausschlüpfende Raupe ist schwarzbraun, wird aber nach der ersten Häutung perlgrau, ins Bräunliche
oder Gelbliche neigend. Einige Rassen sind schwärzlichgrau oder samtschwarz oder am ganzen Körper dunkel quer gestreift.
Der elfte Körperring besitzt auf der Rückenseite einen Hautzapfen (Sporn), und vom Kopf bis zu diesem Zapfen
[* 8] verläuft ein
bläulichgraues Band,
[* 9] dem Rückengefäß oder Herzen entsprechend. Auf der Rückenseite des dritten und achten Ringes
finden sich zwei halbmondförmige Flecke, welche aber bei einigen Rassen fehlen. Die Spinndrüsen der Raupe (Textfig. 1) bestehen
aus einem vielfach gewundenen Schlauch, dessen hinterer Teil die Seidenmaterie absondert, welche durch dünne Ausführungsgänge
zu der im Kopf gelegenen Spinnwarze und von da aus dem Körper geleitet wird.
Die Raupe häutet sich viermal, und 30-35 Tage nach dem Ausschlüpfen ist sie spinnreif (s. Tafel). Indem
sie die an der Luft sofort zu einem Faden
[* 10] erhärtende Spinnmaterie austreten läßt und dabei mit dem KopfeBewegungen ähnlich
einem ∞ macht, legt sie um sich herum Fadenwindung an Fadenwindung, und in kurzer Zeit ist sie von
einem dichten Seidengespinst (Kokon), bestehend aus einem einzigen langen Faden, eingeschlossen. Der Kokon (s. Tafel) ist länglich-oval,
bei den einheimischen Rassen strohgelb, bei den japanischen Rassen grünlich, bei den Weißspinnern weiß.
Durch Kreuzungen erhält man goldgelbe und andre Nüancen. AchtTage nach dem Einspinnen verpuppt sich die Raupe
[* 3]
(Fig. 2 u. 3), und nach weitern acht Tagen schlüpft der Schmetterling aus, indem er denKokon durchbohrt. Sehr bald darauf beginnt
die Paarung, welche 6-8 Stunden dauert, und nach derselben legt das Weibchen in wenigen Tagenca. 400 Eier,
[* 11] worauf die Schmetterlinge
[* 12] sterben. Die gelben Eier werden bald dunkler und schließlich grau, unbefruchtete Eier bleiben gelb und
trocknen aus. Bei den sogen. Zweispinnern kriechen die Räupchen noch in demselben Sommer aus u. machen eine zweite Generation
durch. Man kann solches außerzeitige Ausschlüpfen künstlich
Bei der Seidenraupenzucht werden im Frühjahr wenige Tage vor dem Grünwerden der Maulbeerbäume die Eier (Grains, Samen)
[* 15] zur
Ausbrütung ausgelegt. KleinereQuantitäten trägt man wohl zu dem Zweck am Leib oder legt sie unter die
Bettmatratze; größere werden in Zimmern ausgebreitet, in welchen man die Temperatur von 0°, täglich um ½-1°, auf 18-20°
R. steigert. Man benutzt auch Brutöfen, wie den von Haberlandt-Bolle, welcher aus einem an der einen Seite offenen Kasten
aus Zinkblech, der von einem hölzernen Kasten umgeben ist, besteht.
Der Zwischenraum zwischen beiden Kasten dient zur Zirkulation eines warmen Luftstroms, der aus einer Petroleumlampe aufsteigt
und durch ein Rohr entweicht. Durch ein Glasthürchen schiebt man die Rahmen mit den Eiern, Thermometer
[* 16] und Wassergefäß ein;
die Lufterneuerung im Brütraum geschieht durch besondere Röhren.
[* 17] In 10-15 Tagen schlüpfen die Raupen
aus und werden mittels junger Maulbeerblätter abgehoben und im Aufzuchtslokal auf Hürden gelegt. Dies Lokal und alle Geräte
müssen vorher gut gereinigt und womöglich mit Chlor geräuchert werden.
Zur Aufzucht der Raupen aus 25 g Samen (35-40,000 Eier) bedarf man 70 cbmRaum. In demselben werden eine Temperatur
von 17° und beständiger Luftwechsel unterhalten. Jede zweite oder dritte Stunde, mit Ausnahme der Häutungsperioden, wird
gefüttert. Das Laub nimmt man vom weißen Maulbeerbaum; es muß frisch und nicht von Regen oder Tau naß sein. Zweckmäßig
reicht man bis zur vierten Häutung mit der Laubschneidemaschine zerschnittenes Laub. Man verbraucht auf 25 g
Samen bis zum Einspinnen 780 kg und erhält von 1000 kg Laub 60 kg Kokons.
Sehr bald kriechen dann die Raupen hervor und können leicht auf neue Hürdenübertragen werden. Das alte Lager wird aufgerollt
und hinausgeschafft. Nach 30-35 Tagen hören die Raupen auf, zu fressen, und man stellt nun die Spinnhütten
auf, welche aus losen, zwischen zwei Hürden aufgerichteten Bündeln von trocknem Stroh oder Reisig bestehen. AchtTage, nachdem
die letzte Raupe in die Spinnhütte übertragen wurde, kann man letztere zerlegen und die Kokons sammeln. Bevor man diese zu
Markte bringt oder in eignen Öfen
[* 19] mit Dampf
[* 20] oder heißer Luft tötet, muß man sorgfältig die schwachen
oder fleckigen und die sogen. Doppelkokons auslesen.
kreidig und bedeckt sich mit den Sporen, die durch das Futter in andre Raupen gelangen, so daß sich die Krankheit sehr schnell
verbreitet. Geräte und Räume, die mit dem Pilz verunreinigt worden sind, dürfen im nächsten Jahr nicht wieder benutzt werden,
damit die Sporen ihre Keimkraft verlieren. Die Fett- oder Gelbsucht verursacht selten größern Schaden u.
tritt meist zur Zeit der Spinnreife auf. Die kranke Raupe nimmt an Körperumfang zu, die Haut wird opak, färbt sich und zerreißt
leicht, wobei trübes gelbliches oder milchiges Blut ausfließt. Die charakteristische Trübung rührt von im Blut verteilten
kleinen polyedrischen Körnchen
[* 23]
(Fig. 11) her, welche sich auch in den Geweben vorfinden, über deren
Natur aber nichts Näheres bekannt ist.
Die tote Raupe wird schwarz und breiig. Die Ursache der Krankheit ist unbekannt; in gut ausgeführten Aufzuchten tritt sie sehr
schwach auf. Bei der sehr langsam verlaufenden Schwindsucht verschmähen die Raupen das Futter und unterliegen
einer Art Auszehrung. Sie werden durchscheinend bräunlich, und im Magen
[* 24] findet sich eine helle alkalische Flüssigkeit voll
Mikrokokken. Die tote Raupe trocknet aus. Die Krankheit erscheint meist nach der dritten oder vierten Häutung und kann größere
Zuchten langsam vernichten.
Die Krankheiten der Seidenraupen sind nicht heilbar; man kann nur ihre Wirkung vermindern, ihrem Auftreten
vorbeugen, indem man die Aufzucht rationell betreibt und vor allem guten Samen verwendet. Für die Samengewinnung (Grainierung)
wählt man gesunde Raupen, breitet die daraus erzielten Kokons auf Hürden aus oder spannt sie auf harfenartige Gestelle ein.
Die Eier läßt man auf Leinwand oder Karton ablegen und hebt sie über Winter in luftigen, kühlen Räumen
auf (Industrialgrains).
Sicherer ist die vonPasteur vorgeschlagene Zellengrainierung, bei welcher man jedes einzelne Schmetterlingspaar nach dem
Ausschlüpfen in einem kleinen Tüllsäckchen isoliert. In diesem erfolgen die Begattung und das Ablegen der Eier. Nach dem
Absterben der Schmetterlinge wird jedes Paar mikroskopisch auf Körperchen untersucht, so daß man nun ganz
sicher die gesunden Eier von den infizierten trennen kann. Erstere liefern Aufzuchten, welche der Körperchenkrankheit nicht
unterliegen und gegen andre Krankheiten sich sehr widerstandsfähig erweisen. Die Eier der gesund befundenen Schmetterlinge
(Zellengrains) werden von den Säckchen abgewaschen. Durch diese Methode, welche gegenwärtig allgemein
verbreitet ist, wurde Europa
[* 25] von einem Tribut erlöst, welchen es vorher an Japan für die minder wertvollen Grünspinnerrassen
entrichten mußte.
Außer Bombyx mori liefern noch viele andre SpinnerKokons, deren Faden als Seide benutzbar ist und zum Teil seit langer Zeit
benutzt wird. Man bezeichnet diese Seidenarten als wilde Seide, weil die betreffenden Spinner im Freien
gezüchtet werden, sie sind dauerhafter, stärker im Faden und erleiden beim Färben keinen Verlust, weil sie keinen Seidenleim
enthalten. Mit einigen dieser S. sind in Europa gelungene Zuchtversuche angestellt worden. Zu den wichtigsten gehören der
Tusserspinner Indiens (Antheraea mylitta, A. paphia), der Eichenspinner Nordchinas (A. Pernyi, s.
Tafel,
[* 23]
Fig. 3), dessen Seide fälschlich Tussah genannt wird, der Eichenspinner Japans (A. Yamamai), der Ailanthusspinner Chinas
und Japans (Attacus [Saturnia] Cynthia, s.
Tafel,
[* 23]
Fig. 4), der südamerikanische S. (Attacus
Cecropia, s. Tafel,
[* 23]
Fig. 2) u. a.