Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03611.jsonl.gz/2773

Strandbad Biel in Nidau – ein Glanzstück der „Bieler Moderne“
Biel, französisch Bienne, ist nicht nur die grösste zweisprachige Stadt in der Schweiz. Mit dem Strandbad aus den 1930er Jahren verfügt der Ort auch über ein besonderes Juwel moderner Architektur, dass nach langer Vernachlässigung und unschönen Ergänzungen seit einiger Zeit wieder nahezu im Originalzustand zu sehen und zu nutzen ist.
Das Strandbad Biel am Bielersee nordwestlich von Bern entstand zwischen den Jahren 1929 und 1932 im Rahmen einer umfassenden Neugestaltung des Seeufers, die von der Stadtverwaltung initiiert wurde. Die Pläne dazu stammten von dem Architekten Ernst Berger, die Leitung des Projekts hatte der damalige Stadtbaumeister Otto Schaub. Ausser dem Bad wurden auf dem Gelände der Gemeinde Nidau noch eine neue Uferpromenade, eine Schiffländte und ein Hafen für Kleinboote angelegt. Die Realisierung erfolgte durch Arbeitslose, die einem der zu der Zeit nicht ungewöhnlichen Arbeitsbeschaffungsprogramme zugeordnet waren.
Das Strandbad wurde im Stil der Moderne errichtet und gilt als ein für die Zeit typisches Volksbad mit einem eleganten und markanten Sprungturm, einem ausgedehnten Sandstrand in Form einer Sichel sowie einer Liegewiese. Darüber hinaus gab es einen lang gestreckten, flachen Bau mit Restaurant samt Terrasse und einen Anbau für die Garderoben, der die Biegung des Ufers nachahmte. Die offizielle Bezeichnung damals lautete „Sonnen-, Luft-, See- und Flussbad“.
In den späteren Jahrzehnten kam es durch verschiedene Eingriffe und planlos wirkende Hinzufügungen zu einer Entstellung der ursprünglichen Architektur, die dem Gesamtbild der Anlage schwer schadete und den harmonischen Eindruck zunichte machte. Eine Änderung des Zustandes sollte sich erst in der Vorbereitungsphase zur 6. Schweizer Landesausstellung, der Expo.02, ergeben, an der Biel sich beteiligte. In dieser Zeit fiel der Entschluss, den originalen Zustand unter Beibehaltung der alten Substanz wiederherzustellen. Das durch die beteiligten Organisationen erarbeitete Konzept sah vor, dass neue Komponenten als zeitgenössisch erkennbar sein, aber im Geist der Entstehungsjahre entwickelt werden sollten, um die Harmonie und ehemaligen Charme wieder sichtbar zu machen.
Während der Dauer der Expo.02 nutzten die Macher der Schweizer Landesausstellung das Gebäude als Veranstaltungssaal, Kinderhort und Medienzentrum. Die Sanierung des Strandbads wurde deshalb in mehrere, zeitlich versetzte Abschnitte unterteilt, um die temporäre Nutzung zu ermöglichen. Das Areal kam im Jahr 2002 unter den Schutz der Kantonalen Denkmalpflege, die Arbeiten dauerten insgesamt von 2002 bis 2004. Zuerst kam der Trakt mit Restaurant und Garderoben an die Reihe, seine fein gegliederte Konstruktion aus Beton wurde gesichert und repariert.
Danach wurde das unproportionale Dach über der Terrasse des Restaurants abgetragen, ebenso die Plattenverkleidung der Fassade. Grundlegende Voruntersuchungen des ursprünglichen Zustands wurden zum Teil mit Hilfe von altem Fotomaterial vorgenommen. Das betraf die alte Fenstereinteilung ebenso wie die gemauerten Ausfachungen am Garderobentrakt, der wieder mit Holzelementen bestückt wurde. Die Geländer erhielten ihre Füllung mit Maschendraht zurück.
Nach dem Ende der Expo.02 und der Beseitigung der Provisorien erfolgte der endgültige Innenausbau mit einer vollständig neuen, den zeitgenössischen Stil der 1930er Jahre treffenden Ausstattung. Der zweite Sanierungsabschnitt unter der Beratung der Denkmalpflege wurde in den Jahren 2003 und 2004 ausgeführt und betraf die Uferanlagen. Auch hier mussten zuerst die Einrichtungen der Ausstellung abgebaut werden, bevor mit den eigentlichen Arbeiten begonnen werden konnte. Die Planer wollten die ursprüngliche Ausdehnung und Weite des Strandareals wiederherstellen. Dazu wurde am Anfang eine Strandmauer aus den 1960er Jahren abgerissen, damit das Gelände wieder durchgängig von der Liegewiese über den Strand zum See verlaufen konnte.
Mit einem vergleichsweise minimalen Aufwand erreichten die Planer und die Mitarbeiter der Denkmalpflege ihr Ziel, die einzelnen Nutzungszonen auf dem Gelände sichtbar zu machen, aber auch optisch eindeutig zu trennen. Am Nidauer Barkenhafen wurde in umittelbarer Nachbarschaft die alte Bebauung durch eine neue Treppe für die Badenden errichtet, andere Aussenanlagen aus der Entstehungszeit, darunter der Sprungturm wurden saniert.
Das Strandbad ist auch nach achtzig Jahren seines Bestehens immer noch eine beliebte Freizeit- und Erholungsstätte für die Bevölkerung Biels und der näheren Umgebung. Die Massnahmen zur Erneuerung unter den Aspekten der Denkmalpflege haben der Architektur und dem Erscheinungsbild sichtlich gut getan.
Oberstes Bild: Strandbad Biel. (Urheber: kaf1 / Wiki / Lizenz: CC)