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Oft werde ich per E-Mail nach Argumenten gefragt, um die Eltern dazu zu überreden, einem ein eigenes Pferd zu kaufen oder Reitstunden nehmen zu dürfen. Zu Ersterem möchte ich euch keine Argumente geben, weil es genug Leute gibt, die eigene Pferde haben, obwohl sie von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Ich kenne euch nicht, und weiss daher auch nicht, ob ihr genug Erfahrung für ein eigenes Pferd hättet. Aus eigener Erfahrung kann ich euch aber ein paar Ideen geben, wie ihr eure Eltern vielleicht dazu bringt, euch Reitstunden nehmen zu lassen.
Die meisten Eltern haben ihre Gründe, weshalb sie dir das Reiten nicht erlauben. Hier sind ein paar davon:
«Deine Schulnoten werden darunter leiden.» –> Gegenargument
«Reiten ist zu gefährlich.» –> Gegenargument
«Reitstunden sind zu teuer.» –> Gegenargument
«Wenn wir dir Reitstunden bezahlen würden, müssten wir deinen Geschwistern genauso viel für ihre Hobbys zahlen.
So viel Geld haben wir aber nicht.» –> Gegenargument
«Ach, das ist nur eine typische Phase in deinem Alter. In einem halben Jahr willst du schon wieder etwas Anderes machen.» –> Gegenargument
«Reiten ist nur etwas für ‹Mehr-Bessere›.» –> Gegenargument
«Beim Reiten wird man schmutzig und kann Krankheiten auflesen.» –> Gegenargument
«Wir können dich nicht jede Woche in die Reitstunde fahren.» –> Gegenargument
«Jemand aus der Familie ist allergisch auf Pferde. Wenn du mit den Reitkleidern heimkommst, leidet sie / er darunter.» –> Gegenargument
Versprich deinen Eltern, die Hausaufgaben schon vor der Reitstunde zu machen und zu lernen. Sag ihnen aber auch, dass es unfair ist, dich mit Sprüchen wie «Wenn du keine 5 schaffst darfst du nicht reiten gehen!» zu erpressen. Wenn du Math nun mal auch nach zwei Stunden lernen nicht kapierst, helfen Nachhilfestunden mehr als ein Reitverbot und weitere zwei Stunden büffeln.
Reiten ist gefährlich. In einer guten Reitschule lernst du aber, mit Pferden richtig umzugehen, sodass das Unfallrisiko kleiner wird. Wenn du ausserdem einen Helm und eine Sicherheitsweste trägst, passiert dir auch weniger, wenn du mal vom Pferd fällst.
Wenn es ums Geld geht, musst du oft wohl oder übel selbst ans Werk gehen. Biete deinen Eltern an, gegen mehr Taschengeld im Haushalt zu helfen. (Bei mir gabs immer 5 Fr. pro Stunde helfen. Ich hab Morgende lang Wäsche gebügelt und das Badezimmer geputzt, um mir meine Reitstunden zu verdienen.) Oder geh arbeiten und schlage deinen Eltern vor, dass du einen Teil der Reitstunden mit dem Geld, das du verdienst, selber zahlst. Auch ein Kompromiss wäre, dass deine Eltern dir je zum Geburtstag und zu Weihnachten eine Zehnerkarte schenken und du die übrigen Reitstunden (evtl. mit dem Geld von Paten und Grosseltern) selber zahlst.
Wenn deine Eltern glauben, dein Interesse für Pferde sei nur vorübergehend, hilft nur eines: hartnäckig bleiben. Ich habe mir zwei Jahre lang zum Geburtstag, zu Weihnachten und sowieso Reitstunden gewünscht und sie schliesslich auch bekommen.
Manche Eltern haben das Gefühl, Reiten sei nichts für «normale Leute» sondern nur für solche, die zeigen müssten, wie viel Geld sie hätten. Vielleicht hilft es, wenn du ihnen mal ein paar nette Reiter vorstellst, die ganz normal sind, in schlabbrigen Kleidern ausmisten und nicht mit weissen Handschuhen und Lederstiefeln reiten.
Klar wird man schmutzig, wenn man mit Pferden zu tun hat, aber das schadet normalerweise nicht! Ein gewisses Mass an Schmutz ist sogar gesund, denn es stärkt das Immunsystem. Viele Allergien kommen davon, dass heutzutage viele Kinder zu sauber aufwachsen. Wenn du dich nach dem Reiten wäschst und allfällige Wunden reinigst, sollten Krankheiten kein Problem sein.
Nicht jeder hat das Glück neben einem Reitstall zu wohnen. Damit dich deine Eltern nicht bringen müssen, könntest du auch mit dem Fahrrad, Bus oder Zug zum Stall fahren, wenn der Weg nicht zu weit und zu gefährlich ist. Ihr könnt auch im Stall fragen, ob es noch andere Reitschüler aus deiner Umgebung gibt, mit denen du fahren könntest. Eure Eltern könnten sich ja abwechseln, dann haben alle etwas davon.
Wenn jemand aus deiner Familie allergisch auf Pferdehaare ist, musst du zwar Rücksicht auf ihn oder sie nehmen, aber das verunmöglicht Reiten nicht. In vielen Reitschulen gibt es Garderoben, wo du oft auch einen Spind mieten kannst. Deine Reitkleider kommen dann nur nach Hause, wenn du sie waschen musst. Du kannst dir auch zeigen lassen, wie man die Waschmaschine bedient. Dann müssen nicht deine allergischen Eltern die Kleider waschen.
Versprich dein Zimmer in Zukunft aufzuräumen, mehr im Haushalt zu helfen usw., wenn du reiten gehen darfst. Wichtig: Egal was du deinen Eltern versprichst – Du musst dein Verprechen auch einhalten!
Es ist erwiesen, dass der Kontakt mit Tieren positive Auswirkungen auf Kinder hat. Gerade beim Reiten lernen sie Rücksicht zu nehmen, andere Lebewesen zu akzeptieren und so zu respektieren, wie sie sind, Meinungsverschieden-heiten ohne Gewalt zu lösen und Verantwortung zu übernehmen. Viele Kinder, die in der Schule, in der Familie oder mit sich selbst Probleme haben, finden in einem Pferd einen Freund, der ihnen zuhört, sie nicht auslacht und zu ihnen hält. Schüchterne Kinder blühen in der Reitschule oft richtig auf und gewinnen an Selbstbewusstsein. Auf dem Pferd lernen Kinder ausserdem, ihre Koordination und ihr Gleichgewicht zu verbessern. Deshalb wird Reiten auch zu Therapie-zwecken für geistig und körperlich Behinderte angeboten.
Die meisten Reitschüler schliessen untereinander schnell Freundschaft. Diese Freundschaften und die Liebe zum Pferd führen oft dazu, dass sie soviel Zeit wie nur möglich im Stall verbringen wollen. Für die Eltern ist es nicht immer leicht zu akzeptieren, dass ihr Kind so oft ausser Haus ist. Andererseits sind die Kinder und Jugendlichen im Stall meist gut aufgehoben und beschäftigen sich sinnvoll, anstatt dass sie mit anderen auf der Strasse herumhängen, mit Rauchen, Alkohol und Drogen in Kontakt geraten und auf dumme Ideen kommen.