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Abschied ist der Moment, wo uns klar und bewusst wird, wer unseren Kreis verlässt. Klar, weil unvermittelt Bilder des gemeinsam Erlebten auftauchen, an Schärfe gewinnen und sich in unseren Erinnerungen verankern, bewusst, weil wir die Bedeutung erkennen, die der lieb gewonnene Mensch für uns alle bekommen hat.
Ein solcher Moment ist jetzt, da wir uns zusammen an Ernesto Winkler erinnern, der am 23. Januar 2020 im Alter von 92 Jahren auch von uns rotarischen Freunden und Freundinnen gegangen ist.
Das Leben von Ernesto ist wie ein Fächer. Wenn wir ihn aufschlagen, drehen sich alle Blätter letztlich um den einen Drehpunkt: Familie, Arbeit und Dienen.
Ernesto wurde am 20. September 1927 in Bellinzona geboren. Sein Vater war Braumeister in der Brauerei «Birra Bellinzona SA» in Bellinzona. Hier besuchte er die Primarschule und das Gymnasium. 1942 entschloss sich Ernesto, Baumeister zu werden und besuchte während 4 Jahren die «Scuola capimastri» in Lugano. Im Jahre 1946 diplomierte er und wurde zur Belohnung für seinen aussergewöhnlichen Einsatz zum besten Diplomanden erkoren und als «Premio Maraini» ausgezeichnet.
Nach 2 Jahren praktische Tätigkeiten als Bauleiter in einem Architekturbüro kam sein grösster Wunsch, sich beruflich weiterzubilden und nach der erfolgreichen Maturitätsprüfung begann er sein Studium an der ETH Zürich in der Abteilung Bau Engineering. 1955 legte er das Diplom als Bauingenieur ab. Im gleichen Jahr verehelichte sich Ernesto mit Liliana Steinmann, die ihm zwei Töchter, Paola und Francesca, schenkte.
Als frischgebackener Ingenieur verdiente Ernesto seine ersten Sporen bei der Firma Locher & Cie. In Zürich, wo er für statische Berechnungen und Konstruktion im Hoch- und Industriebau eingesetzt wurde. Die berufliche Tätigkeit seines Schwiegervaters, der als Stellwerkmeister der SBB im Kanton Tessin arbeitete, bewegte ihn, im Jahr 1957 eine Stelle bei der Generaldirektion der SBB in Bern anzutreten. Nach der Einführungsphase lernte er die Probleme eines Bahnhofbetriebes kennen, die Abfertigung der Züge im Bahnhof, um im Anschluss an diese Etappe sich mit der Bearbeitung von Bahnanlageprojekten zu befassen.
Mit dieser ausgiebigen Erfahrung bei der SBB wurde Ernesto 1960 beim Ingenieurbüro Hickel & Werffeli angestellt. Zu seinen Aufgaben gehörte die Leitung der Abteilung für Projektierung im Zusammenhang mit der Nationalstrasse Zürich-Winterthur, einschliesslich Umfahrung Winterthur, sowie der neu gegründeten Abteilung «Brückenbau». Schon 1964 wurde er als Teilhaber in die Firma aufgenommen und nach dem Austritt von Herrn Hickel im Jahre 1973 wurde er Mitinhaber. Das Unternehmen erhielt darauf den Namen «Werffeli + Winkler».
In diesem Moment übernahm Ernesto die Leitung der Fachbereiche Hoch- Tief- und Brückenbau sowie Wasser- und Abwasserbau. Zusätzlich leitete er als Personalchef das gesamte Unternehmen und überwachte alle Auslandsaktivitäten. Als Anerkennung für seine hervorragenden Dienste während vielen Jahren in seinem Unternehmen «Ernst Winkler und Partner AG» ernannte der Verwaltungsrat ihn zum Ehrenpräsidenten des VR.
Auch die Armee profitierte von den Kenntnissen und Führungseigenschaften des jungen Ingenieurs. Er wurde in die Rekrutenschule der Geb TF Pionieren einberufen, beschritt die Offizierslaufbahn und schloss seine militärische Karriere im Rang eines Obersten Chef Uem D eines grossen Armeeverbandes ab.
Für eine aktive Betätigung in der Politik blieb ihm neben seinem ausserdienstlichen militärischen Engagement nur wenig Zeit. Aus diesem Grund stellte sich Ernesto für die Arbeit in den verschiedenen Kommissionen zur Verfügung und war beispielsweise für die Dauer von 4 Jahren in der Stadt Illnau-Effretikon in der «Kommission für das Alter» tätig.
Ernesto kam 1979 zu Rotary Illnau-Effretikon. Seine Klassifikation war Tiefbau Ingenieur. Rotary hatte in Ernesto's Leben immer einen grossen Stellenwert. Er hat von Rotary viel bekommen in Form von Freundschaften aber auch viel zurückgegeben in seinen Chargen. 1990/1991 war Ernesto Präsident. In diesem Jahr wurde in der Schweiz «700 Jahre Helvetia» gefeiert und Ernesto organisierte als Patriot (jemand, der sein Vaterland liebt) für seinen RC ein Wochenende in der Innerschweiz mit einer Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee, Besuch der Rütliwiese und am Abend die Tellspiele im Festspielhaus.
Unvergesslich ist seine Amtsübergabe im Juni 1991 auf seinem Maiensäss im Tessin. Die Aussicht auf die Talebene von Bellinzona, die kulinarischen Köstlichkeiten aus der Tessiner Küche, die Tessiner Musik mit der Mandoline und der süffige Nostrano im Boccalino bleiben in unseren schönsten Erinnerungen.
Diese Werte hat Ernesto mit seiner Familie, die immer im Mittelpunkt in seinem Leben war, immer wieder mit seinem angestammten Humor und seiner Lebensfreude des Südens genossen. Wenn in den langen Wintermonaten eine dichte, undurchdringbare Nebeldecke über dem Mittelland lag, war die Sehnsucht nach dem Süden besonders gross.
Ernesto war als Person nie extrem, hat sich immer zurückgenommen und war einfach da. Jetzt ist Ernesto nicht mehr da. Er fehlt. Aber es bleiben als Geschenk die Erinnerungen an ihn erhalten.
PDG Peter Paul Rey
13. Februar 2020