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In dem Blog-Artikel: "In 6 Schritten angemessen auf die Fehler Ihrer Mitarbeiter reagieren." haben wir uns bereits mit der Frage beschäftigt, wie wir richtig tadeln und dem Mitarbeiter helfen, damit er sein Tun nicht nur einsieht, sondern auch selbst verurteilt. In diesem Impuls geht es nun um die Frage, wann denn überhaupt getadelt werden sollte.
Dazu zunächst drei unterschiedliche Beispiele und bevor Sie dann weiterlesen, entscheiden Sie bitte, ob Sie jeweils tadeln würden (ja oder nein):
- Einer Ihrer Mitarbeiter berichtet Ihnen, dass einer seiner Kollegen (also ein anderer Mitarbeiter von Ihnen) mit Ihrer Sekretärin ein Verhältnis hat. Tadeln sie ihn dafür? (Gemeint ist derjenige, der das geheime Verhältnis haben soll)
- Die Ihnen bekannte Ehefrau eines Außendienstlers ruft Sie unerwartet an und sagt mit weinerlicher Stimme: "Wussten Sie, dass mein Mann in letzter Zeit jeden Abend betrunken nach Hause kommt? "Werden Sie ihn dafür tadeln?
- Im Büro haben Sie einen 17-jährigen Auszubildenden. Heute früh kommt er schon zum 2. Mal in dieser Woche mit einer Alkoholfahne ins Büro. Es fiel Ihnen persönlich auf, als Sie ihm eine Aufgabe erklärten. Tadeln Sie ihn?
Im 1. Fall
würden wir keinen Tadel aussprechen, da (bisher) kein negatives Resultat festzustellen war. Falls es tatsächlich eine Liebschaft gibt, ist diese an sich doch nichts Negatives, folglich kein Anlass zu Tadel. Außerdem sind die Motive des Meldeläufers unklar: Ist er eifersüchtig? Möchte er auch gern? - Ihn würde ich das fragen und das käme dann auch einem Tadel gleich.
Der 2. Fall
scheint mir besonders delikat, aber sicher kein Anlass zu einem Tadel, da auch hier (noch) kein negatives Resultat durch Sie beobachtet wurde. Man müsste vorsichtig die Motive der Frau herausfinden. Könnte es nicht auch sein, dass ihr Mann in letzter Zeit (Sie konnten ja keine Umsatzeinbuße feststellen) besonders aktiv war und deshalb abends etwas später nach Hause kam und unterwegs noch ein Bierchen trank? Es gibt auch Frauen, die nicht den Mut haben zu sagen, was Sie wirklich sagen möchten. Nicht wahr? Stellen Sie sich nun vor, Sie würden diesen Mann kommen lassen und fragen ob es stimmt, was seine Frau behauptet, dass er jeden Abend betrunken nach Hause komme. Was, wenn er daraufhin nach Hause geht und seiner Frau etwas antut?
Der 3. Fall
ist schon ein Tadel wert. Die Jugend, die Wiederholung, die Sorge um seine Gesundheit, seine Kolleginnen und Kollegen usw., aber, und das ist hier wichtig: Sie selbst haben es festgestellt, es ist keine Zweitehandinformation, die selten gesichert ist, sondern eine Tatsache und eine negative dazu.
Das allein kann Anlass zu Tadel sein:
Erhärtete Tatsachen, tatsächlich negative Resultate und sonst gar nichts!
Und noch etwas sollten wir bedenken:
Den Menschen als Ganzheit sollten wir nicht ablehnen, höchstens einzelne Verhaltensweisen. Nehmen Sie einen Baum zum Beispiel. Es ist Frühling, er ist in voller Blüte, wunderschön zum Ansehen. Gehen Sie ganz nah heran, betrachten Sie (durch das Mikroskop) einzelne Blättchen, Blüten oder Ästchen, werden Sie schon ein paar braune Flecken oder leicht gebrochene Ästchen oder Blattläuse entdecken. Das wird Ihnen möglicherweise wenig gefallen. Treten Sie aber wieder ein paar Meter zurück und betrachten denselben Baum in seiner Ganzheit, kommen Sie nicht umhin zu sagen: Wunderschön!
Also bevor wir wirklich tadeln:
Den Menschen als Ganzes betrachten. Ist es bei dieser Optik immer noch den Tadel Wert, dann tun Sie es, aber bitte richtig. Also um zu motivieren. Ansonsten: Vergessen Sie es!
Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen dazu mit mir teilen und einfach einen Kommentar zu diesem Beitrag hier hinterlassen. Oder schreiben Sie mir direkt eine Mail.