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Eine aktuelle und interdisziplinäre Studie der UZH untersuchte die verschiedenen Emotionen, die von Kindern beim Verlust der ersten Milchzahns erlebt und berichtet werden. Die Studie kommt zu dem erfreulichen und für Eltern wie Zahnärzte beruhigenden Schluss, dass für die meisten Kinder der Verlust des ersten Milchzahnes ein emotional positives Erlebnis ist.
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- Syntax ist auch in Handlungen wichtig.
In unserer sozialen Umwelt begegnen wir häufig Regeln, die definieren, wie man Dinge sagt oder tut. Zum Beispiel hat jeder Satz eine Struktur, die es einzuhalten gilt, damit er auch verstanden wird (in der Fachsprache nennt man das «Syntax»). Aber auch in Handlungsabfolgen finden wir ähnliche Regeln. So müssen wir zuerst den Deckel einer Flasche öffnen, um Saft in ein Glas zu giessen, den wir später trinken wollen. Frühere Forschung konnte zeigen, dass Syntax in der Sprache und in der Handlung im Gehirn von Erwachsenen ähnlich verarbeitet wird. Aber wieso ist dies der Fall? Ist dies nur so, weil Erwachsene Handlungen verbalisieren, das heisst, Handlungsschritte im Gehirn in sprachliche Einheiten umwandeln?
In einer aktuellen Studie des Lehrstuhls «Entwicklungspsychologie: Säuglings- und Kindesalter» der Universität Zürich, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Developmental Science, haben Laura Maffongelli und KollegInnen untersucht, ob Kinder bereits im Alter von sechs bis sieben Monaten Handlungssequenzen ähnlich verarbeiten, wie es aus der Fachliteratur für Sprache bekannt ist. In diesem Alter produzieren Kinder noch keine Sprache und können Handlungsschritte dementsprechend nicht verbalisieren. Die Kinder beobachteten Fotosequenzen von einfachen Handlungen. Die Hälfte dieser Sequenzen zeigte die Handlungsschritte in der korrekten Abfolge. In der anderen Hälfte wurden zwei wesentliche Handlungsschritte vertauscht, so dass das Ziel der Handlung eigentlich nicht mehr erreichbar war. Ob die Kinder bereits zwischen den beiden Bedingungen unterschieden, wurde über die Gehirnaktivierung während der Beobachtung der Handlungssequenzen ermittelt. Gemessen wurde diese mittels Elektroenzephalographie. Die Resultate zeigten, dass die Kinder die Veränderung der Handlungssyntax wahrnahmen. Interessanterweise war das Aktivitätsmuster im Gehirn dabei ähnlich, wie es aus Studien mit Erwachsenen bekannt ist. Die ähnliche Verarbeitung von Syntax in Sprache und Handlung weist auf eine fundamentale Ähnlichkeit der Verarbeitungsprozesse von Handlung und Sprache hin: Bei beiden kommt es auf strukturelle Regeln an. Somit, scheinen Sprache und Handlung schon viel früher und viel enger verknüpf als bisher angenommen.
Referenz: Maffongelli, L., Antognini, K., & Daum, M. M. (2018). Syntactical regularities of action sequences in the infant brain: When structure matters. Developmental Science. http://dx.doi.org/10.1111/desc.12682
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Medienmitteilung
Mit dem Begriff „Soziale Kognition“ werden verschiedene mentale Prozesse zusammengefasst, welche wir für alltägliche soziale Interaktionen benötigen. Ein wichtiger Aspekt der sozialen Kognition ist die sogenannte „Theory of Mind“ (auf Deutsch etwas umständlich mit „Theorie des Geistes“ übersetzbar). Die Theory of Mind beschreibt die Fähigkeit, seinen Mitmenschen mentale Zustände, Emotionen und Ziele zuzuschreiben und zu wissen, dass diese sich von den eigenen unterschieden können. Ich weiss, dass Person X etwas weiss oder etwas nicht weiss. Diese Fähigkeit ist die Grundlage dafür, Andere zu verstehen und ermöglicht es uns zum Beispiel auch, Andere zu täuschen.
Ein grosser Teil der bisherigen Forschung zur Theory of Mind beschäftigt sich mit der Frage, ab wann Kinder über diese verfügen. Während einige grundlegende Aspekte der ToM, wie die Repräsentation von Grundemotionen, bereits in Säuglingsalter überraschend gut entwickelt sind, dauert die Entwicklung von anderen Aspekten, wie dem Verständnis von Emotionen im sozialen Kontext oder das Erkennen von sozialen ‘Fauxpas’ (also Situationen in welchen eine Person unbeabsichtigt gekränkt wurde), bis ins junge Erwachsenenalter an. Ungelöst ist dabei die Frage, welche Informationen für die Zuschreibung von Gedanken und Emotionen benötigt werden und welche kognitive Prozesse dabei beteiligt sind. Oder anderes gesagt: Wie wissen wir, was Andere fühlen und denken?
Dieser Frage hat sich ein Forscherteam um Bozana Meinhardt-Injac von der Universität Mainz in Zusammenarbeit mit Moritz Daum von der Universität Zürich angenommen. In einer umfassenden Testbatterie, bestehend aus 15 Tests, wurden unterschiedliche sozial-kognitive Prozesse bei insgesamt 343 Personen im Alter zwischen 17 und 40 Jahren gemessen. Die Aufgaben waren so ausgesucht, dass sie einerseits individuelle Unterschiede in dem expliziten Wissen über das Denken und die Emotionen Anderer erfassten (z.B. aus der Stimme oder dem Gesichtsausdruck). Zusätzlich wurden weitere kognitive und Wahrnehmungsprozesse erfasst.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass sich Menschen in ihrer Fähigkeit, die Gefühle und das Befinden Anderer zu erkennen, stark unterscheiden. Es wurden zwei Faktoren identifiziert, die einen Teil dieser individuellen Unterschiede erklären. Einerseits stehen die Sprachkenntnisse im engen Zusammenhang mit der Theory of Mind. Der Einfluss von Sprache auf die Theory of Mind und ihre Entwicklung in der Kindheit ist ein etablierter Befund. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass diese Verbindung zwischen Sprache und Theory of Mind selbst im Erwachsenenalter noch erhalten ist. Ausserdem zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Theory of Mind und Wahrnehmungsprozessen (zum Beispiel die Wiedererkennung von Gesichtern).
Zusammenfassend lässt sich auf Basis der Daten sagen, dass sich Menschen in ihrer Fähigkeit, Mitmenschen mentale Zustände, Emotionen und Ziele zuzuschreiben, unterscheiden. Um diese komplexe kognitive Aufgabe zu meistern, ist es wichtig, relevante Information wahrzunehmen (z.B. aus dem Gesicht oder der Stimme) und die Informationen sprachlich zu repräsentieren (z.B. Nuancen in der Bedeutung zwischen den mentalen Zuständen wie "nachdenklich" und "besorgt" - siehe Abbildung 1). Je besser diese beiden Fähigkeiten waren, desto besser ist die Theory of Mind.
Originalpublikation: Meinhardt-Injac, B, Daum M. M., Meinhardt, G., & Persike, M. (2018). The Two-Systems Account of Theory of Mind: Testing the links to social- perceptual and cognitive abilities. Frontiers in Human Neuroscience 12. https://doi.org/10.3389/fnhum.2018.00025.
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Medienmitteilung
18.12.2017
Soziale Interaktion basiert auf der Wahrnehmung, dem Verständnis und der Vorhersage von Handlungen anderer. Es hat sich gezeigt, dass diese Wahrnehmung und Vorhersage von Handlungen anderer mit unserer Fähigkeit, die entsprechende Handlung auszuführen, zusammenhängt. Handlungswahrnehmung und –ausführen beeinflussen sich gegenseitig und tun dies umso mehr, wenn sie gleichzeitig ausgeführt werden sollen. Unklar war bis anhin, wie sich das Zusammenspiel von Handlungswahrnehmung und Handlungsausführung über die Lebensspanne entwickelt.
In einer aktuellen, in der Zeitschrift Experimental Brain Research veröffentlichten,
Studie wurde die Handlungsausführung von 157 Personen zwischen 20 und 80 Jahren während der Wahrnehmung verschiedener Handlungen gemessen. Die Versuchspersonen beobachteten eine Zeige- oder Mittelfingerbewegung, während sie gleichzeitig mit einem dieser beiden Finger eine von zwei Tasten drücken sollten (Abbildung 1). Ihre Aufgabe war es dabei, entweder auf das erscheinen eines Kreuzes (Bedingung Kreuz) oder auf die Fingerbewegung (Bedingung Bewegung) zu achten. In kongruenten Durchgängen zeigten Kreuz und Fingerbewegung den gleichen Reaktionsfinger an, in den inkongruenten Durchgängen nicht. Dies führte dazu, dass in inkongruenten Durchgängen entweder ein inkompatibles Kreuz (Bedingung Bewegung) oder eine inkompatible Fingerbewegung (Bedingung Kreuz) ignoriert werden sollte. In den inkongruenten Durchgängen der Bedingung Kreuz wurde daher ein Interferenzeffekt von der inkompatiblen Handlungswahrnehmung auf die gleichzeitige Handlungsausführung erwartet.
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Medienmitteilung
Zürich, 11.12.2017
Der erste Zahnverlust ist für Kinder ein einschneidendes Erlebnis. Er geht einerseits einher mit dem Verlust eines - wenn auch kleinen - Körperteils, er bedeutet andererseits einen qualitativen Schritt in die Welt der Erwachsenenwelt. Diesen Entwicklungsschritt und die damit einhergehenden Gefühle und Ängste der Kinder sowie die begleitenden Massnahmen der Eltern untersuchten Forscher der Universität Zürich. In einem interdisziplinär angelegten Forschungsprojekt (Zentrum für Zahnmedizin, Psychologisches Institut, Kinderspital, Schulzahnärztlicher Dienst, Stadt Zürich) wurde eine Fragebogenstudie durchgeführt. Die Eltern von insgesamt 3617 Kindern, die mindestens einen ihrer Milchzähne bereits verloren hatten, wurden gebeten, Auskunft darüber zu geben, wie ihr Kind diesen Zahnverlust erlebte. In der Studie, die gerade in der Weihnachtsausgabe des Medical Journal of Australia erschienenen ist, stand dabei der elterliche Einsatz von magischen Figuren, wie zum Beispiel der Zahnfee im Vordergrund.
Die Ergebnisse zeigen eine Reihe interessanter Aspekte auf. Insgesamt stiess die Studie auf reges Interesse bei den Eltern, was sich an der vergleichsweise hohen Rücklaufquote von über 35% ablesen lässt. Der Zahnverlust der eigenen Kinder lässt Eltern also nicht kalt. Die Auswertung der Fragen ergab, dass ein sehr grosser Teil der Kinder (>70%) Besuch von der Zahnfee bekommt und dies sogar, obwohl nur etwa die Hälfte der Kinder tatsächlich an die Zahnfee glaubt. Dabei ist der Glaube an die Zahnfee bei Kindern ähnlich verbreitet wie der Glauben an religiöse Fantasiefiguren wie den Weihnachtsmann, Engel oder den Osterhasen. Im Vergleich glauben Kinder viel häufiger an die Zahnfee als an andere magische Figuren wie Einhörner, Hexen und Monster. Meist tauscht die Zahnfee den verlorenen Milchzahn gegen Geld ein. Dabei zeigt sich die Zahnfee unterschiedlich grosszügig. Während sie im Durchschnitt CHF 7.19 unter das Kopfkissen legt, ist sie in manchen Fällen (CHF 0,-) eher geizig, während sie sich zumindest bei einem Kind (CHF 70,-) als überaus grosszügig erweist. Die Ergebnisse der Studie zeigen weiter, dass die Zahnfee bei ihren Besuchen gewisse Kinder bevorzugt, also durchaus parteiisch ist: Sie besucht häufiger Knaben, ältere Kinder und jene, die an sie glauben. Keinen Einfluss auf die Besuche der Zahnfee hat die Häufigkeit des Zähneputzens.
In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass der Weihnachtsmann nicht immer gerecht vorgeht, und schon gar nicht zu berücksichtigen scheint, wie nett oder bösartig Kinder sich im Laufe des letzten Jahres verhalten haben. Die Daten der aktuellen Studie zeigen, dass diese nicht immer gerechte Vorgehensweise auch auf die Zahnfee zuzutreffen scheint und dass auch sie klare Präferenzen hat, wen sie für den Verlust eines Milchzahns wie grosszügig belohnt.
Originalpublikation: Patcas, R., van Waes, H. J. M., Daum, M. M., Landolt, M. A. (2017). Tooth Fairy guilty of favouritism! The Medical Journal of Australia.
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Ein Kindergarten wurde für die aussergewöhnliche Dokumentation mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet. Elf fünfjährige Kinder werden von erfahrenen Erzieherinnen betreut, die die Kleinen spielerisch in neue Situationen versetzen. Die Eltern befinden sich in einem Nebengebäude und können das Sozialverhalten der Kinder später auf einem Bildschirm verfolgen. Moritz Daum und Sabina Pauen (Universität Heidelberg) bringen spannende wissenschaftliche Tests mit, um den Eltern die Welt ihrer Kinder näher zu bringen.
"Die wunderbare Welt der Kinder“ zeigt ein Lebensalter, das Entwicklungspsychologen mit grosser Neugierde betrachten, weil hier schon wesentliche Grundlagen für die spätere Persönlichkeit gelegt werden.
Vox zeigt "Die wunderbare Welt der Kinder – Wir sind 5!“ am 9. und 16. Januar sowie "Die wunderbare Welt der Kinder – Wir sind 6!“ am 23. Januar 2018 jeweils dienstags um 20:15 Uhr.
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Medienmitteilung
20.11.2017
Eine neue Publikation von uns ist erschienen, dieses Mal geht es um die gesamte Lebensspanne.
In einer aktuellen Studie haben wir untersucht, wie sich der Zusammenhang von Handlungsvorhersage und Handlungsausführung über die Lebensspanne entwickelt.
Hierzu wurde die Handlungsvorhersage von 181 Personen zwischen 20 und 80 Jahren während dem Ausführen verschiedener Zweitaufgaben (kognitiv und motorisch) gemessen. Es zeigte sich, dass die Handlungsvorhersage am meisten durch die motorische Zweitaufgabe gestört wurde. Zudem nahm diese motorische Interferenz mit dem Alter zu. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass motorisch kompetente Personen – unabhängig von ihrem Alter - eine flexiblere Handlungsvorhersage zeigen. Das Verständnis von Handlungen anderer ist demnach beeinflusst von unseren eigenen motorischen Fähigkeiten.
Das ganze Paper gibt es hier zu lesen:
https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00426-017-0941-z
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Medienmitteilung
20.09.2017
In unserer kürzlich veröffentlichten Studie haben wir untersucht, wie Kinder aus verschiedenen Kulturen auf Normverletzungen reagieren.
Kinder im Alter von 3.5 Jahren beobachteten eine Person beim Durchführen einer neuartigen Handlung. Anschliessend durfte die Handpuppe Max damit spielen und machte die Handlung auf eine andere Weise. Es zeigte sich, dass die kulturellen Werte der Eltern vorhersagen konnten, ob die Kinder das Verhalten von Max duldeten und abwarteten, Max erklärten, wie es richtig ginge ("dä druff neh") oder ganz klar auf die Normverletzung hinwiesen ("Nei, so macht mers nöd"). Wir konnten mit dieser Studie zeigen, dass unser Verhalten schon sehr früh kulturell beeinflusst wird.
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Medienmitteilung
23.08.2017
In einer Studie, die wir soeben in der internationalen Fachzeitschrift „Neuropsychologia“ publiziert haben, haben wir die Gehirnaktivität von Kinder im Alter von 18 bis 24 Monaten gemessen, während sie verschiedene Verben hörten und die dazugehörigen Handlungen beobachteten. Die Ergebnisse zeigen, dass sich eine motorische Aktivierung während des Hörens von Verben bereits in diesem jungen Alter zeigt. Dies gilt allerdings nur für die Verben, die die Kinder bereits kennen. Hören sie ein unbekanntes, zum Beispiel ein erfundenes Verb, zeigt sich diese motorische Aktivierung im Gehirn nicht.
Die Ergebnisse zeigen, dass das motorische System schon ganz früh im Leben eine wichtige Rolle für die Verarbeitung von Verben spielt. Unterschiedliche Bereiche, wie die Sprache und die Motorik, arbeiten bereits früh im Leben nicht unabhängig voneinander, sondern sind eng miteinander vernetzt. Das motorische System des menschlichen Gehirns scheint eine Schnittstelle zu sein, die an der Verarbeitung von Handlungen, unabhängig von der Modalität beteiligt ist. Das bedeutet, dass es Handlungen verarbeitet unabhängig davon, ob die Handlungen gesehen, gehört oder selbst ausgeführt werden.
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Medienmitteilung
15.02.2017
Bereits von klein auf wissen Kinder, was es braucht, um Interaktionen erfolgreich zu gestalten. In einer gerade veröffentlichten Studie konnten wir zeigen, dass zweisprachig aufwachsende Kinder dabei einen Vorteil haben. Ausserdem reicht bereits der Input eines zweiten Dialektes, um die kommunikativen Fähigkeiten von Kleinkindern zu verbessern. In unserer neusten Publikation haben erforscht, wie Kleinkinder auf Situationen reagieren, in denen sie missverstanden werden. Da bisherige Forschung einen Vorteil zweisprachiger Kinder in anderen kommunikativen Aufgaben gezeigt hat, wurden auch in diese Studie einsowie
zweisprachige Kinder aufgenommen. Von besonderem Interesse war dabei, ob sich das Verhalten von Kindern mit zwei sehr ähnlichen Sprachen (oder Dialekten: Schweizerdeutsch und Hochdeutsch) von demjenigen von Kindern unterscheidet, die mit Schweizerdeutsch und einer anderen Sprache aufwachsen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Fähigkeit der Kinder ein Missverständnis zu erkennen und zu reparieren von der Erfahrung mit solchen Situationen abhängt. Da zweisprachige Kinder im ihrem Alltag häufiger mit Missverständnissen konfrontiert werden - z.B. wenn die falsche Sprache mit einem bestimmten Interaktionspartner gewählt wird - haben sie auch mehr Gelegenheit zu üben. Dies gilt im geringeren Masse auch für Kinder, die mit Schweizerdeutsch und Hochdeutsch aufwachsen, da beispielsweise einige Dialektworte von hochdeutschen Sprechern nicht so einfach verstanden werden. In diesem Sinne erkannten die zweisprachige Dreijährigen in unserer Studie das Missverständnis häufiger als ihre einsprachigen Gleichaltrigen und zeigten zudem adaptive Reparaturstrategien. Währenddessen lag das Reparaturverhalten von Kindern, die mit Schweizerdeutsch und
Hochdeutsch aufwuchsen zwischen demjenigen der anderen Sprachgruppen (Abb. 1).