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Beschreibung
Reto Marti: Die Birseck bei Arlesheim BL – Bischofsresidenz, Erdbebenburg, Landvogteisitz
Michael Schmaedecke: Die Burg Birseck als Element des englischen Gartens der Arlesheimer Eremitage
Die Birseck bei Arlesheim BL – Bischofsresidenz, Erdbebenburg, Landvogteisitz
Der Teileinsturz der Ringmauer gab Anlass zu einer umfassenden Sicherung der Burgruine Birseck bei Arlesheim BL. Als Grundlage diente eine detaillierte Aufnahme des Baubestands durch die Archäologie Baselland. Diese Arbeiten – wie auch die anschliessenden Sanierungen – erfolgten unter grösstmöglicher Schonung der historischen Substanz. Eingriffe in den Boden oder das Mauerwerk wurden deshalb weitgehend vermieden.
Trotz dieser Einschränkung gelang es, wichtige Daten zu Baugeschichte der Anlage zu gewinnen: Der Grundriss der Burg mit Ringmauer und Rundturm geht auf den Gründungsbau unter Bischof Lüthold von Basel zurück. Er wurde Dendrodaten zufolge 1243/44 begonnen. Das Erdbeben von Basel 1356 zerstörte grosse Teile dieser Anlage. Einzig der Turm scheint die Katastrophe mehr oder weniger unbeschadet überstanden zu haben.
Für den Wiederaufbau gibt es ein einzelnes Dendrodatum um oder kurz nach 1373: In jenem Jahr verpfändete der in Geldnöten steckende Bischof die Burg an die Herren von Ramstein mit der Auflage, sie wiederherzustellen. Diese investierten in den folgenden Jahren die beträchtliche Summe von 800 Gulden in einen Wiederaufbau, der sich archäologisch ziemlich genau bestimmen lässt. 1435 löste Johann von Fleckenstein das Pfand (die Burg) wieder aus. Sein Nachfolger Friedrich zu Rhein modernisierte sie weiter. Sie wurde zum Landvogteisitz; öfters residierten aber auch die Bischöfe selbst auf der Burg.
Die jüngere Baugeschichte wird besser durch zeitgenössische Ansichten der Birseck dokumentiert als durch die in dem Bereich nur eingeschränkt möglichen Bauuntersuchungen. 1679 zog das Basler Domkapitel nach Arlesheim, was der Birseck nochmals eine gewisse Aufwertung gebracht haben dürfte. 1762 jedoch weigerte sich Landvogt Franz Karl von Andlau, weiterhin auf dem baufälligen Schloss zu wohnen. In den Wirren der Revolution ging die bereits nicht mehr bewohnte Anlage schliesslich in Flammen auf und wurde danach als Steinbruch genutzt. Einige Jahre später erfolgte die Integration der Ruine in den Landschaftsgarten der Eremitage.
Die Burg Birseck als Element des englischen Gartens der Arlesheimer Eremitage
Die oberhalb der Arlesheimer Eremitage gelegene Burg Birseck – ehemals «Dienstwohnung» des Basler Bischofs und seiner Vögte – war ursprünglich nicht den Park einbezogen, bildete jedoch als «point de vue» ein wichtiges Element der Anlage. Beim Wiederaufbau des Parks nach dessen Zerstörung 1792/1793 integrierte der neue Besitzer Konrad von Andlau, der Sohn des vormaligen bischöflichen Vogtes und der Mitinitiantin des Gartens, die ebenfalls beschädigte Burganlage in den Park.
Konrad von Andlau, der hoffte, in der Region Fuss fassen zu können, versuchte die Kulissenarchitektur der Burg als Familienstammsitz zu etablieren und nannte sich fortan nach der Burg «von Andlau-Birseck». Er liess einen «Rittersaal» errichten und mit «Familienreliquien» ausstatten. Die Burgkapelle wurde neu eingewölbt und im neugotischen Stil, die Familientradition inszenierend, ausgemalt. Als sich die Hoffnung, nach Arlesheim zurückzukehren, zerschlagen hatte, trennte sich die Familie von dem Besitz.
Nach mehreren Handänderungen erwarb ein Seidenfabrikant aus Basel die Burg, mit der er seinen wirtschaftlichen Erfolg repräsentativ demonstrieren konnte. Wohl sein Erbe liess an der Innenwand des Mauerberings Wappenschilder des Schweizer Wappens, der Schweizer Kantone und die Jahreszahlen 1308 und 1848 anbringen, mit denen er ein Bekenntnis zum neu entstandenen demokratischen Staatsgebilde der Schweiz ablegte.