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Liebe Kollegen,
beim Nachbearbeiten meiner rund 50 alten Kodak PhotoCD voller gescannter Dias (und dem Konvertieren der nicht mehr unterstützten PCD-Dateien in TIFFs, um sie vor der endgültigen Unleserlichkeit des Formats zu bewahren) bin ich über ein paar Sujets aus MIA von 1999 "gestolpert" und habe mir dabei überlegt, wieviel sich zwischen damals, 1999, und heute, 2015, so alles geändert oder eben nicht geändert hat im Spotter-Eldorado (das nicht nur wegen des ebenso genannten Photopunktes diesen Titel verdient).
Dabei stellte sich die Idee ein, mal ein paar ausgewählte Helgen von damals dem passenden Gegenstück von heuer gegenüber zu stellen. Anbei mein rein subjektiver, fern von aller Vollständigkeit bleibender Vergleich...
Der Platzhirsch
Fangen wir mal an mit dem unangefochtenen Platzhirsch in Miami. Schon 1999 ging dieser Titel ohne Zweifel an American Airlines (wegen ihrer Dominanz vor Ort vom einen oder anderen Spotter auch schon mal ironisch als "Aeroflot America" bezeichnet), nachdem die traditionellen Platzhirsche Eastern Airlines und PanAm beide schon beim Irak-Krieg Nr. 1 von 1991 das Handtuch werfen mussten. Daran hat sich auch 2015 nichts geändert: AA dominiert den Airport als grösster Carrier, und ihr Terminal an der Nordseite des Flughafens wird von den Einheimischen mittlerweile "American Mile" genannt, weil das Fingerdock eine Meile (!) lang ist und nur AA und ihre One World-Partner beherbergt.
1999 war das Arbeitspferd bei AA noch die B727-200, obwohl ihre Tage damals eindeutig schon gezählt waren und erste B737-800 schon ausgeliefert waren. Diese kamen allerdings noch kaum bis MIA, und im Karibik- und Lateinamerika-Verkehr störte sich eh niemand an den alternden "Three Holers" mit ihren melodischen Pratt & Whittney JT8D-Triebwerken. Am 2. März 1999 liniert die B727-223 Adv. N715AA auf Piste 12 auf.
Am 14.1.2015 steuert die B737-823 N853NN die Piste 30 des Flughafens von Miami an. Die traditionelle Bemalung aus den 1970er Jahren ist inzwischen ein Auslaufmodell: Anfangs 2015, so haben die lokalen Spotter erzählt, tragen nur rund 15 Monate nach Einführung der neuen Bemalung schon mehr als 50% der AA-Flieger die neuen Farben, und auch die N853NN wird ihr Silberkleid wohl bald verlieren.
Dass sich AA inzwischen bei der Flottenerneuerung mit Airbus eingelassen hat, ist gar keine junge Entwicklung. Schon 1999 gab es AA-Airbusse zu bestaunen: Im Verkehr zwischen der US-Ostküste und der Karibik sowie Mittelamerika setzte der Legacy-Carrier aus Dallas eine Flotte von A300-605R ein, darunter auch die N7082A. Auch andere grosse US-Carrier nutzten übrigens die A300 gerne und ausgiebig, so etwa Continental, Eastern Airlines und PanAm, doch waren bei diesen, im Gegensatz zu AA, ältere Exemplare der Gattung A300B-4 im Dienst, und nicht etwa die vergleichsweise modernen -600er wie bei AA.
2015 sind Airbusse bei AA die kommende Norm: Im Kurz- und Mittelstreckennetz kommen am Laufmeter Flieger der A320-Familie zur Auslieferung, wie hier die A319-112 N93003, die am 17.1.2015 am Eldorado-Möbelhaus vorbei zur Landung auf Rwy 9R einschwebt. Zudem stossen durch die US Airways-Übernahme paralell zu den Neuablieferungen noch zahlreiche weitere Baby-Busse gebraucht zu AA.
A propos AA-Übernahmen: 1999 gab es noch TWA (heute: auch AA) ebenso wie US Air...
Ein damals ganz heisser Feger: Die B727-231 Adv. N64347 der TWA in St. Louis Rams Sonderbemalung, zugleich eine der ganz wenigen TWA B727, die es überhaupt noch in die neue Bemalung geschafft haben.
Auch eine Schönheit von 1999: B737-301 N354US in der damals aktuellen nachtblauen Bemalung der US Airways.
Zur Abwechslung mal etwas, das sich seit 1999 kaum geändert hat. Schon damals flogen bei American Eagle die Embraer 145RJ Zubringerflüge ab Miami, hier in Form der N602AE.
2015 hat zwar auch bei "Eagleflight" die traditionelle Bemalung den neuen Farben Platz gemacht, doch die eingesetzten Emby's sind nach wie vor dieselben: Die hier gezeigte N613AE stammt aus der gleichen Lieferung wie die obige N602AE und hat inzwischen etliche Flugstunden im feuchtwarmen Klima Floridas hinter sich.
Aber sind wir mal ehrlich: Wegen AA und Konsorten reist ja niemand nach MIA, oder? Also, schauen wir mal auf die Lateinamerikaner...
Damals wie heute mehrmals pro Nachmittag schwebt Aeromexico in MIA ein. 1999 war da aber noch die altgediente DC-9-32 XA-DEM zu bestaunen...
...während es 2015, nach wie vor exakt um 14:45 Uhr Nachmittags, die B737-83N N861AM ist, die auf dem selben Kurs der Landung entgegen schwebt.
Auch bei Copa aus Panama hat 'nur' das Gerät, nicht aber der traditionelle Nachmittagskurs, gewechselt: 1999 ist es die B737-2H6 Adv. HP-1245CMP, die das Auge des Betrachters erfreut (und seinen Zeigefinger auf dem Auslöser in Zuckungen versetzt)...
...während es 2015 die B737-8V3 HP-1716CMP ist, deren Farbgebung einst für ein Zwischenspiel internationaler Zusammenarbeit in diejenige der Continental Airlines angepasst worden ist.
Noch so ein Nachmittagsklassiker im Flugplan war und ist Avianca. Hier der Medellin-Kurs 1999, durchgeführt mit der DC-9-83 EI-CEQ.
2015 fliegt derselbe Kurs zu derselben Zeit mit der A320-214 N562AV, in der aktuellsten Bemalungsvariante der Airline.
Den Bogota-Kurs von 1999 führte die B757-2Y0 N987AN durch, der die einst für die B707 und B727 der Airline entwickelte Bemalung ebenfalls sehr gut stand.
Auch 2015 wird der Bogota-Kurs mit grösserem Gerät durchgeführt. Inzwischen ist das aber die A330-243 N974AV, die netterweise noch die wesentlich farbigere "vorletzte" Bemalung der AV trägt. Mjam, sieht doch einfach immer gut aus, so ein rotes Dacherl...
Immer gern gesehen waren die elegant bemalten B747-287B der Aerolineas Argentinas, wie hier am 1.3.1999 die LV-MLO. Ältere Spotter erinnern sich, dass Aerolineas und ihre B747 einst am Sonntag Nachmittag auch in ZRH ein regelmässiger Besucher waren (allerdings noch in der ganz alten Bemalung mit den breiten Streifen). Tempi passati, leider.
Man darf aber 2015 noch guten Gewissens behaupten: Ein glückliches Händchen beim Design ihrer Bemalungen haben diese Argentinier schon. Es ist inzwischen zwar "nur" noch die Airbus A330-223 LV-FNI, und keine B747 mehr, die kurz vor 17:00 aus EZE einschwebt, aber sie zieht immer noch Blicke und Teleobjektive en masse auf sich!
Schauen wir weiter ganz weit in den Süden: Die "echten" Südamerikaner kamen und kommen in MIA nach wie vor mehrheitlich am frühen Morgen an, doch traditionellerweise gab es schon länger einen Nachmittagskurs aus Brasilien. 1999 flog ihn Varig mit ihrer B767-241 ER PP-VNO.
2015 ist es immer noch eine B767, aber Varig ist längst Geschichte. Und auch TAM wird bald nicht mehr so heissen und aussehen wie hier auf der B767-316 ER PT-MSW: Ab 2016 treten die zusammen geschlossenen LAN und TAM gemäss Ankündigung unter der neuen Marke LATAM auf.
A propos LAN Chile. Schauen wir doch 1999 mal beim Beladen der Cargo DC-8-71F CC-CDS zu, wenigstens solange wie uns der übereifrige Security auf dem Dach des Frachthof-Parkings gewähren lässt. Für ein paar Stimmungsbilder reicht es jedenfalls.
Auf der privaten Terrasse des eigenen Hotelzimmers im Airport Hilton stört sich dagegen niemand daran, wenn man dem Geschehen mit der Kamera in der Hand zuschaut. LAN Cargo bringt inzwischen die B777F-216 N776LA vorbei, aber sonst hat sich gar nicht mal soviel verändert am Erscheinungsbild...
Ein weiterer Fracht-Unternehmer mit langem Schnauf: 1999 flog ABSA aus Brasilien regelmässig, d.h. rund alle 26 Stunden, mit der DC-8-71F PP-ABS nach Miami.
2015 dauern die ABSA-Umläufe immer noch etwa 26 Stunden, auch wenn inzwischen die B767-316F ER PR-ABD und ihre Schwester zum Einsatz kommen.
Noch so ein Frachtklassiker aus MIA: 1999 kamen uns Spottern die DC-8-71F der Tampa Colombia, hier die HK-4176X, geradezu modern vor, nachdem sie die altgedienten B707-300C ersetzt hatten.
Inzwischen hat mit der N330QT auch bei Tampa Colombia die Neuzeit in Form einer A330-243F Einzug gehalten.
Päcklifrachter gabs 1999 ebenso wie heute. DHL damals mit der DC-8-73F N806DH, leicht verflimmert aber meine einzige "dizzy eight" in der klassischen braunen Bemalung...
...und heute mit der ebenfalls fast schon historischen B767-281SF N792AX, operated by ABX Airborne Express.
Ein Frachtklassiker aus Miami von damals war Challenge Air Cargo, hier mit ihrer DC-10-40F N140WE, die eine aus drei B757F bestehende Flotte eben erweitert hatte.
Einige Reorganisationen und Namenswechsel später heisst das lokale Speditionsunternehmen inzwischen zwar Centurion Air Cargo, aber irgendwie lassen Bemalung, die Initialen CAC und die Treue zum Dreistrahler aus dem Hause Douglas erahnen, dass die heutigen Eigentümer der MD-11F N986AR ihrem damaligen Standort und ihrem Konzept treu geblieben sind...
Eine andere Spielart der lokalen Fracht ab MIA ist das Geschäft mit dem Übergepäck im Karibik-Verkehr. Da heimkehrende Expats ab Miami tonnenweise für Übergepäck sorgen, lebten Nischencarrier wie Florida Air Cargo schon 1999 davon, mit der Convair 340-70 N41626 "excess baggage" (in der Regel in Form von Waschmaschinen, TV-Sets, Möbeln usw.) in der ganzen Karibik "nachzuliefern".
Dieser Nischenmarkt blüht auch 2015 noch munter weiter. Und selbst die Convairs kommen dabei immer noch zum Einsatz, auch wenn es sich bei der Convair 580 N181FL der IFL Group mittlerweile um ein "moderneres" Modell mit Allison Turbinen handelt.
A propos Karibik. 1999 gab es 'Air Jam' noch, und ihre A321-211 6Y-JMD mit der teuflischen Baunummer 666 war damals gerade "Hot News", die selbst eingesessene Miami-Spotter zu einem Spurt bewegen konnte.
2015 ist Air Jamaica ebenso wie BWIA Geschichte, und ihre Stammstrecken sind von Caribbean Airways übernommen worden. Immerhin machen deren B737-8Q8 wie die 9Y-BGI dank ihres fotogenen Heckdesigns immer noch "eine gute Falle", auch wenn sie natürlich nie an die Buntheit einer Air Jamaica heranreichen...
Nochmals was aus der Karibik: Die B737-275 Adv. C6-BGL der Bahamasair 1999 in der klassischen Bemalung - damals waren "Donnerschweinchen" ja noch was Alltägliches, heute würden wir für eine B737-200 durchaus bis Miami reisen, nicht wahr?
Doch auch Bahamasair hat inzwischen modernisiert: Nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch die B737. Nun ja, eine B737-505 wie die C6-BFC gehört inzwischen langsam zu den Auslaufmodellen, so freuen wir uns wahrscheinlich in wenigen Jahren auch über diesen seltenen Vogel...
Zum Schluss noch ein paar Europäer. Iberia ist ein nachmittäglicher Stammgast in MIA. 1999 erfreute die B747-256B EC-GAG die Spotterschaft regelmässig mit Anflügen im schönen Abendlicht.
2015 hat weder das Licht noch die Ankunftszeit gewechselt, nur ist es diesmal die A340-313 EC-GUQ, die aus Madrid kommend durch den lauen Abendhimmel kreuzt.
1999 sorgte die B747-246B I-DEMS der Alitalia für einen netten Adrenalinschub, als sie am Fotopunkt vorbei zum Standplatz rollte. Für die Basel World hatte sie die Bulgari-Werbefarben erhalten, doch leider herrschte dann beim angekündigten Charter nach BSL trübes Wetter. Da nahm ich sie doch gerne nochmals unter der Sonne Floridas auf, bevor sie wieder ihr grünes Kleidchen erhielt...
Nun, auch die Alitalia B777-246 ER EI-ISA macht sich im Januar 2015 gut in der Sammlung, besonders bei einem derart dramatischen Himmel (der glücklicherweise im Westen ziemlich klar war!).
So, zum Abschluss noch dies: 1999 war die Dominikanische Republik gerade mal wieder auf der Schwarzen Liste der FAA, und deshalb mussten deren Airlines in die Trickkiste greifen, um weiter nach den USA fliegen zu können. Aeromar, ein Urgestein im Miami-Verkehr, engagierte eine relativ junge, 1995 gegründete Airline namens Falcon Air damit, den Verkehr zwischen Santo Domingo und Miami in ihrem Auftrag, aber unter Falcon Lizenz, abzuwickeln. Hierfür wurde die ex Avianca B727-259 Adv. N203AV in Aeromar-Farben eingesetzt, mit Falcon Stickern bei der vorderen Türe.
2015 gibt es Falcon Air immer noch, und sie spielen auch im Januar 2015 immer noch den Nischencarrier. Hier kehrt ihre DC-9-83 N120MN gerade von einer Rotation nach Kuba zurück. Inzwischen hat die Airline aber bekannt gegeben, auf Ende Jahr ihre Tätigkeiten einzustellen. Schade, ein bunter Vogel mit interessanten Geschichten weniger...
So, das war mein Pot-Pourri MIA 1999 vs MIA 2015. Vielen Dank für's Anschauen,
Lukas