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Angesichts der zahlreichen potenziellen Risiken überrascht es nicht, dass die Firmen in der Überwachung der Risiken eine hohe Kompetenz entwickelt haben. Sie verfügen über so viele Informationen zu den Risiken, dass man meinen könnte, es sei kein Problem, diese zu analysieren und daraus einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Leider vertreten viele Firmen die Grundhaltung, dass Risiken möglichst zu meiden oder zu reduzieren sind. Zusätzliche Risiken gehen sie nur ungern ein, obwohl sie sich dadurch einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz erarbeiten könnten.
Worst-Case-Szenario testen
Im heutigen sich wandelnden Risikoumfeld sollten Unternehmen in der Lage sein, ihre Risikosituation zu beurteilen und zu quantifizieren. Mögliche negative Auswirkungen der Schadensereignisse gilt es zu erfassen, auch unter Berücksichtigung von Worst-Case-Szenarien. Eine solche systematische, wirtschaftliche Analyse zeigt auf, ob ein Unternehmen die Risiken, mit denen es konfrontiert ist, verkraftet und auch im schlimmsten Fall seine Geschäftstätigkeit fortsetzen kann. Aufgrund dieser Analyse wissen die Firmen auch, wie viel Potenzial für weitere Risiken vorhanden ist, vor denen Wettbewerber zurückschrecken. Die aktuelle Finanzkrise zeigt auf, wie wichtig es ist, sich über alle potenziell bedrohlichen Risiken bewusst zu sein.
Die Fokussierung des Top-Managements ist der einflussreichste Faktor, um den Umgang mit Risiken und Kontrollen in einer Firma weiterzuentwickeln. Ein unternehmensweites Riskmanagement bildet die Basis für einen systematischen Umgang mit Risiken.
Es ist aber auch anzumerken, dass fast keine Beziehung zwischen der Anwendung eines guten Riskmanagement-Ansatzes und dem Risiko eines Misserfolgs besteht. Viele institutionelle Investoren und Ratingagenturen vermitteln jedoch den Eindruck, dass sie genau an einen solchen Zusammenhang glauben. Daher drängen sie darauf, diesen methodischen Ansatz zu verbessern. Riskmanagement ist letztendlich ein Mechanismus, der sicherstellen soll, dass Risiken in einem globalen Unternehmen effizient und effektiv überwacht werden.
Richtige Prozesse überprüfen
Eine Gesellschaft kann ein beeindruckendes Riskmanagement-System haben und am Ende trotzdem durch falsche, übermässig riskante Entscheidungen in den Ruin getrieben werden. Zwischen den für Risiko und Kontrolle zuständigen Managementteams und der internen Revision eines Unternehmens wird strikt getrennt. Die interne Revision kann dem Verwaltungsrat versichern, dass alle Risiko- und Kontrollprozesse vorhanden sind und ordnungsgemäss funktionieren. Doch es stellt sich die Frage, wer überhaupt entschieden hat, dass man die richtigen Prozesse überprüft und ob man die richtigen Risiken überwacht. Solange diese Trennung besteht, liegt möglicherweise ein sehr reales Problem vor, und zwar direkt im Zentrum der Unternehmensführung. Wenn eine Firma ihr Riskmanagement in einen stärker zukunftsorientierten, wertsteigernden Prozess verwandeln will, muss die interne Revision ihre Rolle darin suchen, den Verwaltungsrat beim Gesamtrisikoprofil des Unternehmens zu unterstützen.
Zweifellos gibt es im Bereich Risiko und Kontrolle noch immer Probleme, die gelöst werden müssen. Dank der enormen Investitionen in diesen Bereich ist die Situation heute besser als in der Vergangenheit. Immer mehr setzt sich auch die Erkenntnis durch, dass im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld der geringste Anschein von Defiziten im Riskmanagement zu einer schweren Belastung für das Unternehmen führen kann.