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FOSSIL GALLERY
Mit dem Kauf unseres grossen Hauses in Reinach eröffneten sich ganz neue Perspektiven. Mein Sohn Christoph studierte noch und half tatkräftig bei der Renovation des Hauses mit und er bekam von mir den gleichen Stundenlohn wie meine jugoslawischen Schwarzarbeiter was ihm ein schönes Taschengeld einbrachte. Die Schwarzarbeiter hatte mir eine Freundin besorgt. Ich hatte grosse Pläne mit dem Haus. Das Haus wurde vorher zum Bürogebäude umfunktioniert und dem entsprechend sah es innen auch aus. Die sieben geschmacklos eingerichteten Büros konnte ich nicht brauchen und somit hatte ich die Absicht, das Haus komplett auszuhöhlen und zu renovieren.
Ich hatte zum Glück ein bisschen Geld geerbt, für meine bescheidenen Verhältnisse eigentlich ziemlich viel. Ich wollte einen Teil des Geldes " sinnvoll" investieren und so kaufte ich zuerst sieben schöne Glasvitrinen mit Doppeltüre. Unter dem Dach im obersten Stock gab es einen riesigen Raum welcher fast die ganze Grundfläche des Hauses einnahm und dessen Giebel getäfert war mit hellem Fichtenholz. An der Frontseite befand sich ein grosses Panoramafenster.
Der ideale Platz für meinen geliebten Flügel. Meine Mutter hatte ihn mir zu meinem zwanzigsten Geburtstag geschenkt. Er war damals schon in die Jahre gekommen aber ein neues Instrument hätte meine Mutter nicht bezahlen können. Der Klang dieses Instruments war jedoch umwerfend. In diesen Raum wuchteten wir also unsere schweren Vitrinen. Vier Stück platzierten wir an der linken Längsseite, drei Stück an der rechten. Die Vitrinen hatten bereits eine eingebaute Lampe aber diese reichte nicht aus um alle Regale auszuleuchten. Ich fuhr zu einem renommierten Händler für Beleuchtungen und kaufte eine professionelle Beleuchtung mit Spotlampen welche ich verschiebbar an der Decke aufhängte.
So, nun sah es schon aus wie in einem richtigen Museum. Inzwischen hatte ich mir auch einiges an Fachliteratur gekauft. Ich begann nun eine professionelle Fossiliensammlung aufzubauen. Jedes Fossil bekam eine Karteikarte mit einer Nummer, Namen, Alter und Fundort. Am meisten faszinierten mich die Stachelhäuter, genannt Echinodermen. Von diesen wiederum die Seeigel und die Seelilien. Durch meine Börsenbesuche lernte ich viele Sammler kennen. Ich abonnierte auch eine Fossilienzeitschrift und fand manches Verkaufsangebot welches ich nutzte um in den Besitz weiterer fossiler Seeigel zu kommen. An der Basler Börse lernte ich einen Italiener kennen Namens Garonetti. Er war Italiener, pensionierter Professor und ein profunder Kenner der Fossilien und lebte vom Handel mit ihnen und so bekam ich jeweils automatisch ein Exemplar der Neuzugänge per Post zugeschickt. Meine Sammlung wuchs und wuchs und nach einigen Jahren hatte ich die wohl grösste Sammlung der Schweiz und eine der grössten Sammlungen weltweit. Es kamen Besucher aus dem In-und Ausland um meine Sammlung zu besichtigen. Von den derzeit bekannten siebenhundertachzig Arten waren über siebenhundert in meinem Besitz. Das war nicht so schlecht wenn man bedenkt, dass es von manchen Arten weltweit nur ein oder zwei Exemplar gibt und dieses irgendwo in einem Museum hinter Panzerglas unter Verschluss liegen. Oder noch schlimmer. So wie die kleinen Sauriere vom Monte San Giorgio welche von Instituten ausgegraben und in irgendeiner Schublade verschwanden. Und dies aus reiner Habgier und Eigennutz damit ja kein privater Sammler je ein Exemplar kaufen kann. Das alles unter dem Deckmantel der Wissenschaft und Forschung.
Als wir fast fertig waren mit der Renovation des Hauses kam Christoph auf die geniale Idee wir könnten doch einen Laden einrichten und unsere überzähligen Fossilien aus unserer Sammlung verkaufen. Zuerst tat ich den Gedanken als Spinnerei ab aber dann nahm die Idee immer mehr Form an und ich war schlussendlich einverstanden damit. Vor meinem geistigen Auge tat sich ein grosser schöner Laden auf in Form einer Vision. Bei zwei kleinen Zimmern im Erdgeschoss rissen wir also die Zwischenwand heraus. Zur angrenzenden Garage schafften wir einen Durchgang in Form eines Rundbogens und entfernten die Türe samt Leibung. In der angrenzenden Garage machten wir ein Loch in die Wand zum Parkplatz hin für eine Eigangstüre und ein sehr grosses Loch daneben für ein Schaufenster. Der Schreiner baute uns Tür und Schaufenster ein, der Maurer versah den neuen Laden mit einem neuen Kunststoffverputz, mein Sohn und ich versahen den ganzen Boden mit schönen roten Klinkerplatten und die Decken bekamen ein gekalktes weisses Holztäfer. Die Bauverwaltung erteilte mir einen Rüffel weil ich den Umbau nicht angemeldet hatte. Ihr Chefspitzel hatte dummerweise von aussen das Loch für das Schaufenster gesehen. Ich musste auf dem Bauamt antreten, den einzigen Satz Pläne holen den es gab und Schaufenster und Türe einzeichnen. Ich rächte mich für die Schikane indem ich gleich alle Pläne so änderte, dass sie meinem gewünschten Gesamtumbau im Haus entsprachen und sparte mir das somit Baugesuch. So, nach meinen Wünschen geändert, gab ich die Pläne wieder zurück. Ich bezahlte einen lächerlichen Betrag an Gebühren und das wars dann. Jetzt fehlte nur noch die Inneneinrichtung. Für teures Geld kaufte ich zwei schwarze Vitrinen und ein Pult als Ladentisch bei Ikea in Pratteln. Wir stellten den Ladentisch ins neue Geschäft und füllten die zwei Vitrinen mit den überzähligen Fossilien aus unserer Sammlung, schrieben alle an mit lateinischem Namen und lächerlich niedrigen Preisen. Gleichzeitig machte ich ein Inserat in unserem Käseblatt genannt Anzeiger und im Gewerbeblatt. Irgendwie war mir ein bisschen mulmig mit meinem neuen Geschäft da in meiner Firma niemand etwas wusste von meiner bevorstehenden Nebentätigkeit. Um so mehr hoffte ich insgeheim, dass nie ein Kunde kommen würde denn wenn ich an diesen Moment dachte wurde ich so nervös dass ich Magen- schmerzen bekam.
Als am Samstag darauf der erste Kunde in den Laden trat bekam ich vor Aufregung fast einen Herzinfarkt. Er kaufte zwei oder drei Steinchen für ein paar Franken. So ging es von nun an weiter und die Verkäufe lagen im ein- oder zweistelligen Frankenbereich. An den Tagen an welchen Christoph keine Vorlesungen besuchen musste betreute er den Laden, am Samstag war ich gefordert. Ich begann langsam, das Sortiment zu vergrössern indem ich bei Börsen und von Sammlerkollegen neue Exponate, sprich Fossilien einkaufte.
Von einer alten Frau in der Nachbarschaft der Mann verstorben war konnte ich für wenig Geld eine ganze Sammlung kaufen und mein Lagerbestand wuchs. Das Geschäft dümpelte so vor sich hin, da ein Steinchen dort ein Steinchen. Inzwischen war nun ein Jahr um und der Verkauf war nicht rosig. Im Gegenteil, es gab immer wieder Leute welche Mineralien kaufen wollten und enttäuscht umkehrten weil wir nur Fossilien hatten. Ich war sowieso der einzige hier welcher an dieses Geschäft glaubte, selbst Johanna, meine Frau, meinte der Laden habe keine Zukunft. Es ging mir aber nicht mehr aus dem Kopf, dass Leute immer wieder nach Mineralien fragten. Da ich als „Unternehmer“ nun auch oft Mineralienbörsen besuchte um nach zahlbaren Fossilien zu forschen, lernte ich langsam die Händler kennen welche zur damaligen Zeit das Sagen hatten. Ich lernte so auch Camillo und seine Frau Amaya kennen welche fast an jeder Börse Mineralien verkauften. Da ihre Ware für uns zu teuer war gaben sie mir die Adresse eines Grosshandels in der Nähe von Brugg, schön gelegen an der Aare.
Am Samstag in der kommenden Woche bestieg ich mit Johanna das Auto, mit zweitausend Franken in der Tasche und wir rauschten nach Brugg. Nach längerem suchen und fragen fanden wir endlich die Firma Meier. Wir standen vor zwei grossen Lagerhallen mit der Aufschrift „KEIN PRIVATVERKAUF“ . Wir traten durch die Türe in die grösste der Hallen. Was wir da sahen war unglaublich. So weit das Auge reichte, das heisst bis ans Ende der Halle, grosse Kisten mit Rosenquarz, Bergkristall, Achat und vieles mehr das ich gar nicht kannte. Weiter sicher über hundert Tische mit Schmuck, Halsketten und Edelsteinen, eben eine unabsehbare Fülle. Wir standen da wie die Deppen und wussten nicht, was wir kaufen sollten. Da kam uns Gott sei Dank die Besitzerin Frau Meier zu Hilfe und konnte uns einn paar Tipps geben. Frau Meier war eine ältere Blondine, sah mehr wie eine Bardame aus, war aber total nett und hilfsbereit. Wir fragten sie, was die Geschäfte so einkaufen und im nu waren unsere zweitausend Franken weg, zwanzigtausend wären wohl besser gewesen aber wer konnte das vorher ahnen. Wir verabschiedeten uns von der freundlichen Frau und ihren zwei knusprigen Gehilfinnen und luden unsere drei gut gefüllten Schachteln ins Auto und fuhren heimwärts. Zu Hause angekommen breitete ich meinen Kauf auf dem Boden aus, bewunderte ihn noch einmal und begann sofort, mit kleinen Klebebettiketten die Namen der Steine anzuschreiben und die Preise zu verdoppeln. Das nächste Problem folgte auf den Fuss, Platzmangel. Nun, es blieb mir nichts anderes übrig als am darauffolgenden Samstag nochmals zwei Vitrinen zu kaufen. Diese zwei Vitrinen füllten wir nun ansprechend mit den neu erworbenen Mineralien. Einige der Mineralien wanderten auch ins Schaufenster um den Kunden zu zeigen, dass sich unser Sortiment erheblich erweitert hatte. Und siehe da, hatte es vorher in der Kasse nur getröpfelt floss nun schon ein kleines Rinnsal und unser Umsatz verdoppelte sich von sehr wenig auf wenig, aber genug um mich bei Laune zu halten und mich beim Gewerbeamt als Kleinfirma einzutragen. Was ich zuletzt brauchen konnte waren Schwierigkeiten mit den Behörden sprich mit dem Gewerbeamt oder noch schlimmer mit der Steuerbehörde. Ich kaufte mir im Schreibwarengeschäft ein paar Quittungsblöcke und nun hatte alles seine Ordnung. Jeweils am Monatsende übertrug ich die Quittungen auf meinen Computer in eine Excel- Tabelle wobei ich acht gab, dass die Ausgaben die Einnahmen wenn möglich immer übertrafen. Von nun an ging es stetig bergauf, meine Umsätze stiegen und stiegen, nicht zuletzt dank der teuren Werbung welche ich regelmässig in verschiedenen Zeitungen machte. Ab und zu kamen auch Lehrer, Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen und wollten Speckstein zum Schnitzen kaufen, den hatte ich natürlich auch nicht. Es dauerte nicht lange da wurde mir die Fragerei zu blöd und ich suchte mir einen Lieferanten für Speckstein den ich auch in Form eines mageren Männchens in einem Schuppen am Bahnhof Wettingen fand. Der Mann mit Namen Alfred hatte ein grosses Lager mit Speckstein und Alabaster und war scheinbar der richtige Ansprechpartner für mich da er auch entsprechende Kurse gab. Auch das Passende Werkzeug dazu verkaufte er. Wir diskutierten über Speckstein und seine Bearbeitung und mein Gehirn saugte alles auf wie ein ausgetrockneter Schwamm. Zwei Stunden später trat ich die Heimreise an mit sechshundert Kilo Speckstein im Kofferraum meines alten Geländewagens in diversen Farben und Härten und einer Handvoll Raspeln sowie ein paar Fläschchen Imprägnieröl. In einem anschliessenden Lagerraum des Ladens stapelte ich alles fein säuberlich in Plastikkisten, schön nach Farben getrennt. Dieser Raum war der Lagerraum für einen grossen Öltank gewesen. Von einer Baufirma liess ich den riesigen Tank zerschneiden und abtransportieren, installierte Licht und zwei Lagergestelle für meinen Speckstein. Da die Kunden nicht gerade auf mich warteten musste ich wieder überlegen, wie ich wohl meine Ware an den Mann oder an die Frau bringen konnte. Ich erweiterte mein regelmässiges Zeitungsinserat um den Vermerk „ Speckstein in allen Farben“ ,das war natürlich gelogen denn so viele Farben gibt es nicht. Auch verfasste ich gleichzeitig ein Rundschreiben an alle Schulen und Kindergärten in der näheren und weiteren Umgebung. Nun konnte ich nur noch warten und auf Kunden lauern.
Meine Werbeaktion hatte scheinbar Erfolg. Nach und nach kamen die Specksteinkunden und der Verkauf liess sich sehen. Waren es am Anfang jeweils ein paar Kilogramm pro Bestellung so kamen nun schon die ersten Künstler und Bildhauer welche grössere Stücke für ihre Skulpturen wollten. Da Speckstein und weisser Alabaster schwer waren kam bei den Bestellungen jeweils schon etwas zusammen, nicht selten hundert Kilogramm und mehr. Gut, mit einem Gewinn von zwei Franken pro Kilogramm verdiente ich mir keine goldene Nase aber bei grösseren Mengen rechnete sich das Ganze schon. In guten Zeiten verkaufte ich so an die fünfhundert Kilogramm pro Monat, nicht schlecht für den Anfang und als zusätzliches Standbein für einen kleinen Laden durchaus wünschenswert.
Ich baute mir als nächsten Schritt auf dem Computer eine Excel- Datenbank, gesondert nach Produktegruppen und konnte so Ende Monat schauen wie die Geschäfte wirklich liefen und sie liefen erstaunlicherweise immer besser. Vor allem die Mineralien fanden regen Zuspruch darunter auch die Heilsteine in Kieselform und als Donuts. Viele Kundinnen kamen inzwischen mit dem Pendel in der Hand um sich die passenden Steine auszusuchen. Die Esoteriker vermehrten sich wie die Karnickel, wie mir schien. Mit dem erwirtschafteten Geld kaufte ich mir einen grossen Stahlschrank mit zweihundert passenden Plastikbehältern. Meine liebe Frau meckerte zwar dauernd wenn ich wieder etwas kaufte aber da es nicht ihr Geld war liess ich mich nicht mehr beirren denn ich hatte eine klare Vision vor Augen. Ich langte noch einmal tief in meine Hosentasche und besorgte mir eine komplette Sammlung Heilsteine, fast hundertvierzig verschiedene Arten in verschiedenen Grössen, für welche ich wieder ein paar tausend Franken hinlegen musste, denn ich konnte ja nicht nur zwei oder drei Stück pro Sorte bestellen. Um die Leute auch beraten zu können bestellte ich bei einem deutschen Verlag gleich noch einen Stapel Fachbücher und Büchlein welche ich auf Verlangen gleich mitverkaufte. So wuchs mein Laden langsam aber stetig. Heilsteine waren zwar nicht teuer aber wenn man sie für den doppelten und dreifachen Einkaufspreis verkaufen konnte war das immerhin ein Gewinn von ein– bis zweihundert Prozent. Man kann also durchaus auch mit kleinem Mist gutes Geld verdienen. Immer öfter musste ich auf die Reise gehen um Nachschub zu kaufen. Es gibt schon ein paar grosse Händler und Importeure aber die waren zum Teil teuer und die Preise lagen in keinem Verhältnis zu meinen Preisen und Einnahmen. So hielt ich mich vorerst an die Börsen und an Privatsammler.
Camillo war zwar ein schräger Vogel, von Beruf Gärtner und dazu noch Anthroposoph. Seine Frau war eine umwerfende Schönheit aber total manisch depressiv. An einem Tag war für sie alles wunderbar und grenzenlos, am andern Tag war alles furchtbar und sie wollte sich umbringen, was sie später auch nach ein paar misslungenen Versuchen fertig brachte. Wir waren bald befreundet und Camillo kannte die Mineralien wie kein zweiter. Es hatte nur vom Feinsten aber zum Teil astronomische Preise. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus wie er die teuren Exponate welche zum Teil mehrere tausend Franken kosteten pro Stück an den Mann oder die Frau brachte. Aber mit seinem Hundeblick kriegte er wohl an den Börsen vor allem die Frauen weich. Camillo machte nur Geschäfte an Börsen, so gab es keine Kontrolle und er bezahlte keinen Rappen Steuern, auch heute noch nicht.
Kurz darauf wurden wir bei Camillo und Amaya das erste mal eigeladen und sie zeigten uns auch ihre Schätze, alles fein säubrlich in Kartonboxen verstaut, immer bereit für die nächste Börse. Besonder hatte es mir der Bergkristall angetan, gross und wasserklar. Ich kaufte Camillo ein paar kleinere Stücke ab und fragte nach deren Herkunft. Arkansas USA war seine Antwort. Er erzählte mir, dass er jeden Januar nach Tucson in Arizona fliege um einzukaufen. In Tucson und in Denver waren die zwei grössten Mineralienbörsen der Welt mit gigantischen Ausmassen. Ich war so beeindruckt von seinen Erzählungen dass ich gleich einen Entschluss fasste. Ende Jahr war Christoph mit seinem Studium fertig und hatte auch schon eine Stelle bei einer Bank in Olten. Ich bot ihm an für mich nach Tucson zu fliegen um einzukaufen. Er war nicht abgeneigt eine „kleine“ Reise zu machen wenn ich das Ticket und das Hotel bezahlen würde und so begannen wir, eine Liste zu schreiben was wir denn gebrauchen könnten.
Mein Lädelchen wuchs immer noch und ich bekam Platzprobleme mit meinen kleinen Räumen. Ich fand, ein Quantensprung sei fällig, meine Angetraute fand das nicht und ermahnte mich ich soll mich mit dem erreichten endlich zufrieden geben. Wäre es immer nach ihr gegangen hätte ich heute noch einen Laden im Taschenformat und das entsprach nicht meiner Vision. Kleinkariert war noch nie mein Ding.
Mein Helfersyndrom an dem ich leide, hat mir auch schon manches Bein gestellt, so auch im folgenden Fall. Ein jüngerer Mann und seine Freundin kamen oft in meinen Laden und kauften kleinere Mineralien und Heilsteine. Sie seien total begeistert von meinem Laden erzählten sie mir und sie würden auch gerne Mineralien verkaufen in Muttenz aber sie hätten nicht genug Geld um ein kleines Lager anzulegen. Ich hatte Mitleid mit den jungen Leuten und dachte über die Möglichkeiten nach und erinnerte mich wie ich mit wenig begonnen hatte. Als die zwei das nächste mal wieder kamen, schnitt ich das Theme wieder an. Ich machte den beiden den Vorschlag, ihnen leihweise einen Grundstock zu liefern und wir vereinbarten einen Uebergabetermin. Ich bereitete eine Ladung Fossilien und Mineralien vor, darunter ein paar schöne Schaustücke für ihr Schaufenster. Die beiden kamen also zum anberaumten Termin und wir luden die Sachen in das Auto von Herrn Borer, denn so hiess er. Ich hatte zuvor einen Lieferschein mit einer langen Liste aller Exponate erstellt welche Herr Borer unterschreiben musste. Ich fragte ihn auch nach dem Namen seiner Firma und notierte diesen ebenfalls. So weit so gut, ich harrte der Dinge die da kommen sollten, vor allem des Geldes. Wir hatten abgemacht, dass Herr Borer jeden Monat abrechnete und ich seinen Bestand auffüllen werde. Die Zeit verging und ich hörte nichts von der Fa. NewFashion und auch nichts von Herr Borer. Nach mehreren vergeblichen Anrufen erwischte ich ihn endlich und frage ihn was los sei. Er teilte mir mit dass sein Partner noch am Kleider einkaufen sei für den Laden, von einem Partner wusste ich bis anhin allerdings nichts. Also wartete ich weiter aber mir wurde langsam mulmig bei der Sache. Kurzerhand fuhr ich in der darauffolgenden Woche nach Muttenz um nach dem ominösen Laden zu schauen. Ich fand den Lden auch, halb eingerichtet mit Klamotten und meine Steine lagen auch in dem Laden herum. Da der Laden geschlossen war zog ich unverrichteter Dinge weiter. Es verstrich wieder ein halbes Jahr, meine Telefonanrufe wurden jetzt auch nicht mehr beantwortet, ich hatte genug. Ich fuhr wieder nach Muttenz und der Laden war immer noch geschlossen. Im Hotel nebenan fragte ich nach dem Hausbesitzer. Der Wirt erzählte mir, dass es der Besitzer sei und ebenfalls seit sechs Monaten auf seine Miete wartete. Zornentbrannt ob solch einer Frechheit fur ich wieder nach Hause und schrieb dem Herrn einen eingeschriebenen Brief und teilte ihm mit, dass ich alle meine Sachen innerhalb von dreissig Tagen zurückhaben wolle. Keine Antwort. Im Internet besuchte ich das Handelsregister und verlangte einen Auszug aus dem Betreibungsregister, immer gegen Gebühren natürlich. Was ich drei Tage später mit der Post zugestellt bekam gefiel mir gar nicht. Der saubere Herr hatte scheinbar noch andere Gläubiger welche zusammen fast achtzigtausend Franken vermissten. Ich war der Meinung, etwas tun zu müssen und so suchte ich das Betreibungsamt auf und liess den sauberen Herrn betreiben. Wie erwartet tat sich wieder nichts auf der Gegenseite, ja sogar die Polizei musste Herrn Borer die Urkunde bringen, da sich dieser zu fein war selbige auf der Post abzuholen. Als die Bedenkzeit verstrichen war stellte ich einen Antrag auf Weiterführung der Betreibung. Natürlich musste ich wieder einen Kostenvorschuss leisten. Der Staat hatte es nicht eilig, es war ja nicht sein Geld, also musste ich wieder über sechs Monate warten bis die Anhörung bei Gericht anberaumt wurde. An einem schönen Herbstmorgen betrat ich also das Gerichtsgebäude und fand auch das richtige Büro. Ein netter Herr erwartete mich, wühlte ein wenig im Papier und meinte....ja wissen sie, da ist nichts zu holen denn der arme Mann hat ja nichts. Wenn sie das Verfahren weiterziehen wollen, müssen sie eine neue Klage einreichen. Er fragte mich, ob ich dem eigentlichen Gerichtsverfahren beiwohnen wolle, was ich bejahte. Nun, ich bekam nie eine Einladung und die Verfahrenskosten von Herrn Borer wurden von der Staatskasse übernommen während ich als der Geschädigte alle Kostenvorschüsse und Spesen selber bezahlen musste. Rechtsstaat Schweiz.......da kann ich nur noch lachen. War es früher doch so, dass der Staat dazu da war um die Bürger zu schützen ist es heute scheinbar so, dass die Bürger vor der Willkür des Staates geschützt werden müssten. Ich schrieb also Herrn Borer einen Brief und teilte ihm mit, dass ich, wo auch immer er sich verstecken werde, ihn finden und mein Geld zurückholen werde. Nach fünf Jahren schickte ihm mein Anwalt einen Brief und teilte ihm mit, dass wir ihn wegen betrügerischem Konkurs verklagen werden. Es ging vier Wochen und ich hatte mein Geld. Der Anwalt bekam achthundert Franken, aber die bezahlte ich gerne denn ich bekam über viertausend zurück von dem Galgenvogel.
Meine Mutter war vor nicht all zu langer Zeit im Alten- und Pflegeheim an Alzheimer gestorben. Sie hinterliess mir einen schönen Batzen Geld in Form ihres Hauses und eine Drittelbeteiligung an unserem alten Bauernhaus und unserem Mehrfamilienhaus. In den beiden war ich ja aufgewachsen.
Das Haus meiner Mutter verkaufte ich wie gesagt unserem Malermeister im Dorf zu einem guten Preis und bekam obendrein noch ein Bündel Scheinchen unter dem Tisch zugeschoben. Die Anteile am Bauenhaus und am Mehrfamilienhaus verkaufte ich meinen beiden Onkels, Eduard und Arnold. Weit unter dem Marktpreis denn meine Onkels waren echte Sparschweine. Aber totzdem sie den Preis massiv drückten brachten sie es nie zu etwas. Ich war aber froh, dass ich mich nicht mehr mit den Liegenschaften herumschlagen musste und heimste mein Geld ein. Ich hatte wieder neues Betriebskapital.
Ich rief einen Innenarchitekten an welcher einen teuren aber guten Geschmack hatte, er hatte vorgängig gerade unsere Wohnung ein bisschen verschönert mit Vorhängen und ein paar neuen Möbelstücken. Und so liessen wir uns eine Offerte für einen schönen Laden machen. Die Offerte kam relativ schnell und mich traf schier der Schlag als ich die nicht enden wollenden Zahlenreihen sah. Das musste ich zuerst einmal verdauen. Rund dreissigtausend Franken waren zur damaligen Zeit viel Geld aber ich musste mich nun entscheiden auf kleiner Flamme weiterzukochen oder ein richtiges Feuer zu machen, aber ich bin kein Mensch der scheibchenweise lebt. Ich werfe das Geld nicht aus dem Fenster heraus, aber wenn ich denke die Ausgabe ist gerechtfertigt kaufe ich grosszügig ein.
Andentags rief ich den Innenarchitekten an und erteilte ihm den Auftrag, ich wollte es nun wissen. Gut, es war viel Geld aber ich bekam dafür einen superschönen Laden. Sechs Wände erhielten weisse Vitrinen vom Boden bis zur Decke, mit Innenbeleuchtung und staubdichten Schiebetüren. Allein die staubdichten Glastüren waren schon ein Segen und ersparten viel Putzerei. Die zwei noch vorhandenen Wände wurden mit den vorhandenen Vitrinen bestückt. Das Schaufenster bekam einen ansprechenden modernen Design und meine neue Verkaufstheke war in silbergrau gehalten, ich kannte meinen Laden nicht mehr. Ich montierte an den Decken lange Schinen mit Spotlampen, so dass auch der kleinste Winkel dezent ausgeleuchtet war. Von der Wohnung im ersten Stockwerk legte ich nun noch eine Netzwerkleitung in den Laden und mietete ein Terminal, so dass die Kunden von nun an mit Kreditkarte bezahlen konnten. Es gab viele Kunden welche nichts kauften weil wir keine Kreditkarten nahmen. Ich sah schnell ein, dass das für mein Geschäft sehr schlecht war. Jetzt waren wir bereit. Ich machte sofort ein Inserat und kündigte für das übernächste Wochenende eine Vernissage an. Ich bot diverse Helfer auf. Meinen Sohn, meine Tochter, meine Frau war sowieso dabei, eine Nachbarin und unsere Freundin Marlis. Dann sattelte ich mein Auto und besuchte den Grossverteiler Aldi. Ich kaufte je ein dutzend Flaschen Rotwein und Weisswein, Orangensaft und Mineralwasser und Knabberzeug, dann harrte ich der Dinge die da kommen sollten und siehe da sie kamen. An besagtem Wochenende bauten wir vor dem Laden mit Hilfe zweier Tische eine Bar auf, ein weiteres Tischchen war für Paul, den Opalschleifer reserviert. Am nächsten Morgen früh bestückten wir die Bar mit den Getränken und dem Knapperzeug und es war noch nicht zehn Uhr, da kamen schon die ersten Neugierigen und Durstigen. Am kleinen Tischchen war schon Paul am arbeiten. Ja, wer war Paul. Paul war ein echter Australischer Opalschleifer den ich an einer Börse kennengelernt hatte. Er folgte meiner Einladung und machte bei mir nun ein Schauschleifen mit seinen Opalen, in der Hoffnung, etwas verkaufen zu können was auch der Fall war. Es war kein schönes Wetter aber es regnete nicht und die Leute drängten sich im Laden so, dass man sich zeitweise kaum bewegen konnten und mit jedem Gläschen Wein das eine Kundin oder ein Kunde trank wurde die Stimmung fröhlicher. Wir hatten alle Hände voll zu tun mit erklären und vor allem mit einschenken. Auch die gesalzenen Erdnüsse und die Bretzen verschwanden wie von Geisterhand. Um vier Uhr am Nachmittag war die Tortur vorläufig zu Ende. Die meisten Flaschen leer und die diversen Schüsselchen mit dem Knabberzeug auch. Die Besucher verschwanden wie sie gekommen waren, schnell und leise, und wir räumten auf und putzten. Todmüde aber zufrieden schloss ich den Laden. Reich geworden war ich nicht aber die Unkosten waren bereits gedeckt wie ich nach kurzer Kontrolle des Kassenbuchs feststellen konnte und morgen Sonntag war ja auch noch ein Tag. Pünktlich um zehn Uhr morgens öffnete ich den Laden wieder, wir stellten unsere Restbestände an Tranksamen und Salzbrezeln bereit und die ersten Besucher liessen nicht lange auf sich warten. Gut, es war schönes Wetter und der Besucherstrom war wesentlich dünner aber immer noch reichlich. Paul verkaufte ziemlich viel seiner Opale und ich freute mich für ihn, denn ich wusste, dass er das Geld gut gebrauchen konnte, hatte er doch eine Frau und zwei kleine Kinder zu versorgen und die ganze Familie war erst mit fast nichts von Australien in die Schweiz gekommen. Da wir soeben ein paar neue Möbel gekauft hatten, stifteten wir Paul und seiner Familie unseren riesigen antiken Eichentisch und die sechs passenden Stühle dazu.
Man kann schon sagen, die Vernissage war ein Erfolg. Wir hatten ein bisschen etwas verdient und vor allem sehr viele neue Kunden gewonnen.
Die nächste Hürde aber Stand bereits vor der Türe in Form von Kunden welche Schmuck haben wollten, sei es in Form von geschliffenen Steinen, Ringen oder Halsketten. Anfangs wehrte ich mich dagegen mit dem Argument wir hätten einen Stein- und Fossilienladen und keinen Schmuckladen, aber das interessierte niemanden ausser mich. Es war wieder Neuland für mich und ein Mehraufwand. Ich begann also, geschliffene Steine, Ringe und Steinketten einzukaufen, bedachte aber nicht, was meine Sortimentserweiterung so alles mit sich bringen würde. Die Ketten waren zu lang oder zu kurz, aber selten passend und mussten somit laufend geändert werden. Mit den Ringen war es noch schlimmer, zu gross oder zu klein und die geschliffenen Steine wollten die Leute oft mit einer Fassung haben, sei es als Ring oder denn als Anhänger.
In Dornach gab es eine Goldschmiede welche von drei Damen betrieben wurde.
Die Damen waren sehr gute Goldschmiedinnen, hatten aber ihren Preis.
An sie wendete ich mich oft wenn es galt etwas anzupassen, zu fassen oder zu reparieren. Die Damen hatten nicht so viele Aufträge und waren froh, wenn ich Arbeit brachte. Was die Damen aber herstellten war eine andere Preisklasse als die meine und so konnte ich froh sein, wenn ich bei meinen Aufträgen nicht noch draufzahlte was leider hin und wieder vorkam. Dann murrte ich zwar, aber ich wollte meine Kunden nicht verlieren und Kundendienst hat bei mir immer erste Priorität. Eine zeitlang werkelte ich so vor mich hin, dann war ich es aber bald leid den kostenlosen Boten zu spielen. Ich hatte auch keine Hilfe mehr, denn Christoph hatte die Uni verlassen und arbeitete ja bei einer Bank in Olten. Ich hatte plötzlich sehr viel Arbeit, keine Freizeit mehr und somit Stress. Ich jammerte bei meinen drei Goldschmiedinnen in Dornach und diese besorgten mir eine Goldschmiedin welche mir bei der Arbeit helfen sollte. Es war eine kleinere, hübsche blonde Frau, fünfundzwanzig Jahre alt und hörte auf den Namen Ilona. Ich wollte ihr auch gleich einen passenden Arbeitsplatz gestalten und dazu räumte ich, wieder einmal unter Protest meiner Frau, den zweiten Keller aus, bestellte drei Werkbänke und passendes Werkzeug und Maschinen. Dachte ich zuerst, ich hätte mit Ilona das grosse Los gezogen wurde ich im Laufe der Zeit eines besseren belehrt. Wir standen eigentlich drei Jahre lang im Kriegszustand. Ilona war eine Künstlerin welche ursprünglich Bildhauerei studiert hatte. Die Goldschmiedelehre hatte sie in Deutschland gemacht wo sie aber bei ihrem Meister fast nur Reparaturen machen durfte. Sie wäre als Goldschmiedin gar nicht so schlecht gewesen aber ihr fehlte jeglicher Ehrgeiz und so arbeitete sie auch. Ja nichts überstürzen war ihre Devise. Die Kunden sahen das anders, leider. Sie hatte einen Ossi- Freund der war auch Bildhauer und zu höherem Berufen, aber keinesfalls zum Arbeiten. Da die beiden nie Geld hatten und er keine Arbeit, wollte ich ihm einen schönen Auftrag vermitteln und bat ihn, mir eine geschwungene Verkaufstheke in Granit zu machen. Die Woche darauf kam Ilona und teilte mir mit dass ihr Freund keine Theke machen wolle sondern lieber Skulpturen. Es war halt einfacher das Geld beim Sozialamt zu holen. Das war mein letzter Versuch den beiden Schmarotzern zu helfen. Sie lebten beide von Zuwendungen des Staates und ihren alten Eltern und liessen den Herrgott einen lieben Mann sein. Eigentlich waren es nicht wirkliche Lebenskünstler sondern sie lebten wie die Zecken, eben von fremden Wirten. Am liebsten machte Ilona Reparaturen, das war zwar gut aber das nicht was ich wollte und dringend brauchte. Mit viel Zureden und lauterer Stimme brachte ich sie dazu, ein paar Schmuckstücke herzustellen welche auch gut gelangen und bei der Kundschaft guten Anklang fanden, aber sie arbeitete so langsam, dass die meisten Kunden das Ende ihres Schmuckes nicht mehr erlebten. Ja nun, die liebe Ilona werkelte so ein Jährchen bei mir herum bis sie plötzlich einen dicken Bauch bekam. Genau, sie war schwanger aber das kratzte sie nicht gross und ihren Freund schon gar nicht, denn der war ja nicht schwanger. Sie hatte einen felsenfesten Glauben, dass der deutsche Staat schon für sie sorgen würde und so war es ja schlussendlich auch. Wir arbeiteten also zusammen weiter und eines Tages war es dann so weit, ihr Kind, der kleine Jonas kam zur Welt. Für ein paar Wochen Babypause in denen ich nun ganz allein auf mich gestellt war musste ich wieder die Hilfe meiner drei Goldschmiedinnen in Dornach in Anspruch nehmen, welche mich Gott sei Dank fast selbstlos unterstützten, so dass ich mit einem blauen Auge davonkam und die wichtigsten Arbeiten erledigen konnte.
Nach eben dieser Babypause trat Ilona ihren Dienst wieder an, meine Tochter besorgte ihr noch eine Ladung Kleider für Säuglinge und den noch vorhandenen schönen Kinderwagen. Der Kleine hatte ein kräftiges Organ und schrie meisten lauthals mit sich selbst um die Wette, so dass an arbeiten nicht zu denken war. Ich löste das Problem so, dass ich mir den Kinderwagen schnappte und mit dem Schreihals spazieren ging. Bereits nach hundert Meter schlief er normalerweise ein und Ilona konnte in Ruhe arbeiten bis ich wieder zurück war. Ich konnte natürlich in dieser Zeit nichts tun und da ich aus gesundheitlichen Gründen nun nur noch halbtags arbeitete, kochte ich meistens auch noch Mittagessen für uns alle. Meine Frau Johanna speiste ja in der Firmenkantine. Ilona hatte wieder einen Dummen gefunden in Form von mir.
Die Glodschmiedinnen hatten auch einen Lieferanten, ein kleines Kerlchen welches aus Indien kam. Sein Name war Mansoor Khan und er kam aus Jaipur. Eines nachmittags tauchte er bei mir auf weil die Goldschmiedinnen ihm meine Adresse gegeben hatten.
Anfangs war ich sehr skeptisch. Er zeigte mir seine Ketten welche er verkaufte und mir liefen die Augen über, als ich sah was er alles aus seinen Plastiktüten hervorzauberte. Dutzende von Ketten mit Rubin, Saphir, Smaragd, Labradorit und vieles mehr, was meine Begierde weckte. Anfangs versuchte er auch, mir billigen Schrott anzudrehen aber als er merkte, dass ich etwas von Edelsteinen verstand liess er das bleiben bis auf ein paar wenige Versuche und ich begann bei ihm einzukaufen.
Es kamen auch immer mehr Kunden welche rohe und auch geschliffene Edelsteine wollten. Inzwischen kannte ich nun schon diverse Lieferanten aber das Problem bei diesen Steinen war immer die Frage sind sie echt, unecht oder behandelt das heisst auch, ob sie geschönt waren. Ich war mir nie ganz sicher, welche der drei Varianten ich nun vor mir hatte. Es gab für mich nur eine Lösung und die hiess wohl Weiterbildung. Der Zufall kam mir wieder einmal zu Hilfe in Form der Basler Schmuckmesse.
Die Basler Schmuckmesse ist wohl eine der grössten und schönsten Messen für Uhren und Schmuck weltweit. Da dort auch regelmässig zwei Lieferanten von mir ausstellen, besuche ich jedes Jahr diese gigantische Messe mit den gigantischen Eintrittspreisen. Bei meinem letzten Messebesuch kam ich an einem Stand vorbei mit der Ueberschrift SSEF. Bald fand ich heraus, dass das SSEF das Schweizerische Gemmologische Institut in Basel war. Angezogen auch durch die Mikroskope und andere mir unbekannte Geräte kam ich mit dem anwesenden Herrn ins Gespräch und erfuhr, dass es in Basel ein Gemmologisches Labor gab, welches Edelsteine und Perlen prüfte. Ich liess mir auch einen schönen Prospekt geben welchen ich, kaum zu Hause wieder angekommen, durchstöberte. Ich stellte bald fest, dass das Labor auch Kurse veranstaltete, aber sehr sehr teuer. Nun, der Prospekt liess mich nicht mehr los und so meldete ich mich bald darauf an für den Kurs Edelsteine. Wie gesagt, der Kurs dauerte eine ganze Woche. Vorträge und Uebungen lösten sich ab. Teuer war die ganze Aktion, sehr teuer, aber ihr Geld wert. Ich lernte, echte und falsche Steine zu unterscheiden, manipulierte Edelsteine zu erkennen und auch sonst noch vielerlei, so dass mein Wissen einen Quantensprung machte und ich nun die Kunden im Laden kompetent beraten konnte. Ich war allerdings bald erschüttert, als ich bei Reparaturarbeiten feststellen musste, was den Kunden zum Teil für falsche Steine und Ramsch verkauft wurde, für teures Geld und das zum Teil von namhaften Goldschmieden. Da waren bei Reparaturen falsche Diamanten in Ringe eingesetzt worden, falsche Rubine und Saphire. Da ich ein paar wichtige Messinstrumente gekauft hatte war ich nun nicht mehr auf Mutmassungen angewiesen sondern hatte harte Fakten vorzuweisen.
Ich bekam Spass an der Messerei und an der Begutachterei so dass ich gleich noch einen Kurs für Perlen machte. Der war auch teuer aber auch sein Geld wert. Ich kannte nun alle gängigen Perlen im Salz- und Süsswasser und konnte die Kunden auch in Perlen kompetent beraten. Da brachten doch viele ihre Superperlen welche sonst im Safe lagen zur Reparatur und ich musste ihnen oft sagen, dass leider nur die Schachtel echt war, der Rest sei Plastik und Keramik. Ich erntete jeweils viele böse Blicke ob meiner Nachricht aber ich verkaufte auch viele neue Perlenketten. Hatte ich viel Geld für die Kurse ausgegeben, bekam aber auch wieder viel Geld zurück. Bei den Halsketten kam mir auch Johanna, meine Frau sehr zu Hilfe auch wenn sie sich sonst nicht gross für mein Geschäft engagierte. Sie war gerade auf der Suche nach einem Hobby und ich konnte sie dazu verleiten einen Perlenknüpfkurs zu machen. Sie machte also einen Perlenknüpfkurs in Basel bei einer Goldschmiedin und lernte die verschiedenen Knüpfarten kennen und wie man die Verschlüsse befestigt. Sie reparierte auch zwei oder drei Ketten von Kundinnen, verlor aber das Interesse sehr schnell an dieser Arbeit da sie bei Novartis einfach zuviel arbeiten musste. Ich dagegen hatte fleissig zugeschaut wie dieses Handwerk von statten ging und übte auch fleissig. Ich kaufte die nötigen Kleinteile und Verschlüsse und bald beherrschte ich auch dieses Gewerbe ganz gut. Im Lauf der Zeit bekam ich Uebung und meine Ketten wurden genau so schön wie die von den Godschmieden, nur viel billiger.
Ilona und ich hatten oft Meinungsverschiedenheiten aber meistens rauften wir uns wieder zusammen. Ich ermahnte sie immer wieder Nachschub zu bestellen wenn etwas ausgegangen war seien es Kettenverschlüsse, Gas für die Löteinrichtung und dergleichen. Als wieder einmal keine Knüpfseide für Ketten da war und ich diese dringend gebraucht hätte fragte ich sie, warum sie nicht nachbestellt hätte. Es ist ja nicht mein Laden...... meinte sie lakonisch. Nun platzte mir aber endgültig der Kragen. Wenn du an meinem Geschäft nicht mehr Interesse hast dann verschwinde sofort. Ich entliess sie fristlos und fühlte mich total erleichtert. Sie zog heulend von dannen aber diesmal war es mir bitter ernst. Ich tat eben was ich schon lange hätte tun sollen.
Noch erleichterter fühlte ich mich als ich den Zettel wieder sah welcher innen an meiner Theke hing und auf dem eine Telefonnummer stand. Ich erinnerte mich, dass mal eine blonde Fau, etwa zehn Jahre jünger als ich in den Laden kam und fragte ob ich nicht Hilfe brauchen könnte. Sie wollte ein bisschen arbeiten, weil ihr zu Hause manchmal die Decke auf den Kopf fiel. Ich vertröstete sie auf später, versprach aber dass ich sie anrufen würde. Nun war der Zeitpunkt gekommen und ich rief sie an. Nach einigen fruchtlosen Versuchen erreichte ich sie und sie wollte sofort vorbei kommen und erschien auch bald darauf. Sie machte einen guten Eindruck und wir waren uns bald einig, dass sie die Nachfolgerin von Ilona werden sollte. Sie war Hobbygoldschmiedin und besuchte eine Goldschmiedeschule. Ihr Mann war Landrat und Präsident des Schweizerischen Kirchenrates, politisch sehr engagiert und selten zu Hause. Wie sich später herausstellte war Rita, so hiess sie, sehr fleissig und zuverlässig. Wie ich auch erfuhr, brauchte sie Abwechslung weil vor einem Jahr ihr jüngerer Sohn mit achzehn Jahren tödlich verunglückt war. Er war in Basel auf einer Traminsel im Winter ausgerutscht und ein Tram hatte ihn überfahren, er war auf der Stelle tot. Noch zwei Jahre später musste sie jeweils weinen wenn sie auf ihren Sohn zu sprechen kam, so sehr hatte sie der Unfall mitgenommen. Es war also nicht verwunderlich, dass sie eine Abwechslung suchte. Rita, so hiess sie, konnte sehr gut mit Kunden umgehen, sie war es gewöhnt mit Leuten zu reden und da ihr Mann ein bekannter Politiker war brachte sie auch ab und zu eine neue Kundin in den Laden und diese Kundinnen mussten meistens nicht sehr aufs Geld schauen. Es war schön mit Rita zusammen zu arbeiten. Wollte eine schöne Kundin von mir bedient werden, wurde Rita schnell eifersüchtig und ich musste im Geheimen immer lachen. Manchmal provozierte ich sie auch ein wenig. Fast jeden Nachmittag tranken wir Kaffee zusammen und wir gingen auch oft zusammen Steine und Schmuck einkaufen. Der Eintritt an der Basler Schmuckmesse war nun kostenlos da der Herr Landrat immer zwei Dauerkarten geschenkt bekam. Ich bezahlte dafür unsere konsumierten Getränke.
Mit dem Aufschwung der Goldschmiede , der Finanzkriese, ausgelöst durch die USA und den steigenden Goldpreisen rückte auf einmal der Handel mit Altgold in den Vordergrund. Ich erkundigte mich bei meinen befreundeten Goldschmiedinnen wie sie das so mit dem Altgold handhaben und musste erstaunt feststellen, dass ihr Geschäftsmodell sehr konservativ und für die Kunden total unattraktiv war. Sie bezahlten für Altgold nur den halben Goldpreis und sie kauften nur Gold, wenn der Kunde oder die Kundin etwas bei Ihnen bestellte, das heisst, dem Kunden wurde das Geld angerechnet aber nicht ausbezahlt. In meinen Augen war das Erpressung oder mindestens Nötigung und es bestand ein dringender Handlungsbedarf, ich wollte die Lücke schliessen.
Ich machte ein neues Konzept, das heisst der Kunde bekam fünfzig Prozent des Goldpreises und zwar in bar, das hiess, ohne Kaufzwang. Gleichzeitig bot ich auch den Kauf von Silber und Platin an. Beim Silber war nicht viel zu verdienen, aber die Menge macht es aus. Ich startete also wieder einmal ein Inserat.....Kaufe Altgold und Silber zu Toppreisen....und harrte wieder der Dinge die da bald kommen sollten.
Ich harrte nicht lange. Da ich auch am Schaufenster und an meiner Stellwand draussen einen entsprechenden Hinweis und ein ansprechendes Plakat von der Scheideanstalt hatte kamen die Kunden. Zuerst nur spärlich aber als die Goldpreise immer mehr stiegen regnete es sozusagen Gold und Silber. Ich wurde lansam Experte im Goldprüfen, es war ja auch keine Kunst mit dem Prüfset welches ich gekauft hatte und dessen Handhabung mir die drei Damen in Dornach beibrachten aber jeder Fehler kam mich teuer zu stehen. Nun kam mir der absolvierte Kurs beim SSEF zu gute, denn die Damen begannen langsam ihre Banksafes zu leeren und ungenutzten Schmuck zu verscherbeln. Der teure Designerschmuck enthielt meistens auch Diamanten und andere wetvolle Edelsteine. Die grossen Diamanten kaufte ich billig zum halben Grosshandelspreis, nachdem ich sie auf Echtheit geprüft hatte, die anderen Steine gab ich zurück oder behielt sie, je nach Wunsch. Die klitztkleinen Diamanten grübelte ich des Abends jeweils auch aus dem Schmuck und verkaufte sie für zehn Franken per Stück an Hobbygoldschmiede. Die meisten Kunden wollten die Steine nicht mehr haben sobald sie ein Bündel Geldscheine in der Hand hielten. Ich gewöhnte mir an, immer zehn- oder zwanzigtausend Franken für Goldankäufe zu Hause zu haben, aber das reichte bald nicht mehr aus und ich musste immer öfter auf die Post oder die Bank hetzen um Nachschub zu holen. Es kam auch schon vor, dass ich meinen Freund Kurt anrufen und ihn um Geld bitten musste da meine Kasse leer war und ich das Geschäft nicht verlassen konnte.
Hatte ich mindestens zweihundert Gramm Gold zusammen hängte ich mich ans Telefon und bestellte den Herrn von der Scheideanstalt welcher mir das Edelmetall abkaufte. Ich hatte immer ein mulmiges Gefühl und ein schlechtes Gewissen, da ich elegant am Steueramt vorbei wirtschaftete. Das heisst, ich betrieb regen Schwarzhandel mit dem Gold. Ich hatte mit dem Herrn eine Vereinbarung. Ich bekam das Geld jeweils bar ausbezahlt und nichts lief über mein Geschäftskonto. Es waren keine Kleinigkeiten und ich hätte zeitweise den Laden schliessen können denn allein mit dem Goldhandel machte ich mindestens den doppelten Umsatz und sehr viel Gewinn im Jahr war möglich. Nun, mit dem Goldhandel kamen auch die zwielichtigen Gestalten in den Laden um Gold zu verkaufen. Dass das Gold aus dunklen Kanälen kam war mir schnell klar als immer dieselben Gestalten kamen um Gold zu verkaufen. Es kamen viele junge Leute um Gold zu verkaufen welches sie eindeutig irgendwo geklaut hatten, sei das nun zu Hause oder bei der Oma. Wo denn hätten sie sonst eine schier unerschöpfliche Quelle gefunden. Aber wenn sie jeweils mein Formular unterschrieben hatte auf welchem stand dass der Verkäufer volljährig war und dass er das Gold rechtmässig erworben hatte, konnte mir der Rest egal sein. Kontrolliert habe ich die Angaben allerdings nie.
Nur einmal gab es eine sehr prekäre Situation. Ein junger Türke kam in den Laden und verkaufte eine goldene Halskette und ein Armband. Es dauerte nicht sehr lange da kam seine Mutter in den Laden und lamentierte. Der junge Türke hatte ihr übers Wochenende die Sachen geklaut und bei mir am Montag verkauft. Sie wollte nun ihre Sachen wieder haben welche ich aber schon zerlegt hatte. Da sie meine Quittung mitbrachte hatte, konnte ich nicht kneifen und wir suchten die Teile wieder zusammen. Sie wollte diese auch wieder mitnehmen. Da sie aber angeblich kein Geld hatte gab ich ihr die Sachen nicht zurück, stellte sie aber beiseite. Nun, die nette Mutter verklagte ihren minderjährigen Sohn beim Jugendanwalt und prompt rief andentags die Polizei bei mir an und teilte mir mit, dass das Gold beschlagnamt sei und ich es bei der Polizei gegen Quittung abliefern müsse. Aufgeregt brachte ich anderntags das Gold zur Polizei aber diese nahmen kaum Kentnis davon, da sie scheinbar andere Sorgen hatten. Ich rief den zuständigen Jugendanwalt in Liestal an an und dieser Teilte mir mit, das das Gold an die Besitzerin zurückging. Mein Verlust von über tausend Franken interessierte kein Schwein. Man riet mir, einen Anwalt zu nehmen um mein Geld zurückzuerhalten. Auch eine mail an den Ombudsman des Gerichts zeitigte keinen Erfolg, den diese fühlte sich nicht zuständig. So hatten nun die Türken mein Geld und den Schmuck dazu, der Teufel soll sie holen.
Es zeigte sich wieder einmal, dass in der Schweiz die Gauner viel besser geschützt sind als die Bürger. Ein wenig bemittelter Bürger hat gar keine Chance in der Schweiz zu seinem Recht zu kommen den bevor das Gericht auch nur einen Finger krumm macht, muss man einen Kostenvorschuss leisten und am besten noch einen teuren Anwalt bezahlen und dieses Geld sieht man meistens nie mehr, also soll man nun noch gutes Geld schlechtem nachwerfen ? Das heisst eben dass man in diesem Rechtsstaat am besten auf sein Recht verzichtet, will man denn nicht das was einem geblieben ist auch noch verlieren. Also habe ich die ganze Gelegenheit auf sich bewenden lassen, die Faust im Sack gemacht und mir vorgenommen, mein verlorenes Geld bei Gelegenheit vom Staat via Steueramt wieder zurückzuholen was mir eigentlich ganz gut gelungen ist.
Nun, mit Rita lief es sehr gut, wenigstens als Verkäuferin. Nachdem ich mir aber eingestehen musste, dass sie eben eine Hobbygoldschmiedin war und ab und zu auch ein Stück verschlimmbesserte, sah ich ein dass Goldschmiedin schon ein bisschen mehr bedeutet.
In meiner Verzweiflung startete ich wieder ein Inserat in dem ich eine selbstständige Goldschmiedin suchte, welche auf eigene Rechnung, aber auch für mich arbeitete. Ich musste nicht all zu lange warten, da rief mich eine Dame an, dass sie an der Stelle Interesse hätte und sie wolle ihre Bewerbungsunterlagen schicken. Die Unterlagen erhielt ich zwei Tage später und was ich lass liess mein Herz höher schlagen. Monica, so hiess die Dame, war nicht nur ausserordentlich hübsch sondern auch diplomierte Goldschmiedin welche bei renommierten Goldschmieden in Basel gelernt hatte. Ich rief sie also gleich an und wir vereinbarten einen Termin.
Als ich an besagtem Termin die Türe öffnete verschlug es mir die Sprache. Eine grosse, elegante und junge Frau mit einer freundlichen Ausstrahlung stande vor der Türe. Unsicher bat ich sie herein und zeigte ihr meinen Laden und entschuldigte mich, dass die Werkstatt nicht besser eingerichtet war. Ilona sagte mir immer, dies sei keine richtige Werkstatt um Schmuck zu machen. Ganz anders Monica. Sie meinte, das sei ein schöner Arbeitsplatz und gut eingerichtet. Ich äusserte zaghaft meine Erwartungen. Sie zeigte mir ein paar von ihr angefertigte Schmuckstücke und ich traute meinen Augen nicht. Die Ringe und Anhänger waren vom Feinsten was ich je gesehen hatte, absolute Topqualität. Moderner Design und sehr präzise gearbeitet. Mir war klar, eine bessere Goldchmiedin würde ich im Leben nie mehr finden. Selbst der Schmuck der drei Anthroposophinnen in Dornach konnte da keineswegs mehr mithalten.
Monica gefiel der Laden, mir gefiel Monica, sie war flexibel, ich war flexibel, also machten wir einen Vertrag welcher für alle von Vorteil war. Nun war die Fossil Gallery auch eine Goldschmiede und zwar vom Feinsten, welche keine Wünsche mehr offen liess. Später, wenn ich Monica beim Arbeiten zu sah und sah, wie schnell und präzise sie arbeitete, konnte ich mir nur noch auf die Schulter klopfen dass ich Ilona zum Teufel gejagt hatte. Wir hatten nun Schmuck in allen Preisklassen, aber niemals billigen Schrott. Monica brachte natürlich auch ihre alten Kunden und Bekannten mit und das tat meinem Laden gut. Monica machte zwar super Schmuck aber meist konnte ich ein auch ein paar Edelsteine beisteuern, so war es auch für mich ein durchaus rentables Geschäft. Es war eine verrückte Zeit der Gold-und Silberhandel, gespickt mit vielen Ueberraschungen. Habe ich doch gemerkt, dass die vermeintlichen Stahlnägel in den Goldzähnen reines Platin waren und habe ich doch für ein altes Silberfünffrankenstück welches mich fünf Franken gekostet hat dreieinhalb tausend Franken bekommen dank meiner Recherche im Internet.
Es kamen auch mal zwei Ausländer die viele Goldringe mit grossen Diamanten verkaufen wollten. Ich habe die Steine gemessen, nicht einer war echt. Anderntags las ich in der Zeitung dass sie die beiden Ganoven an der Grenze verhaftet hatten. Auch ein jüngerer Kunde mit fettigem Haar und einem grossen Mercedes fuhr vor um ein schweres goldenes Armband zu verkaufen. Der Mann sah aus wie ein Zuhälter. Ich schätzte das Armband auf etwa dreitausend Franken Altgold da es mit 18 Karat gestempelt war. Als vorsichtiger Mensch machte ich noch die Feilenprobe und siehe da es war nur Kupfer, dick vergoldet. Die Mafia lässt grüssen. Es kamen noch mehrere solche falschen Fünfziger aber ich entlarvte sie alle. Ich machte auch viele Schätzungen von Erbschaften damit der Schmuck gerecht verteilt werden konnte und so bekam ich im Lauf der Zeit einen ziemlich guten Ruf, die Schätzungen waren bei mir kostenlos.
Mit dem Ende des Goldbooms wird es nun auch in der Fossil Gallery ruhiger. Rita hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen und so werkle ich nun mit Monika herum und der Laden macht sich. Die meisten Kunden sind begeistert von Monicas Schmuck......ich auch, nicht nur vom Schmuck. Mir wurde klar, ich war in Monica hoffnungslos verliebt. Sie war die schönste und aufregendste Frau für mich welche ich je getroffen hatte, aber ich konnte es ihr leider nicht sagen, denn sie war verheiratet.
Da mir ein reicher „Freund“ meine erste Frau ausgespannt hatte wollte ich diese fiese Tour nicht auch versuchen. Aber ich litt unsäglich. Ich stand oft im Laden und zählte die Minuten bis Monica eintraf, nur damit ich sie ansehen konnte. Manchmal stritten wir uns furchtbar und ich warf ihr Dinge an den Kopf die mir nachher sofort leid taten. Ich wollte einfach dass sich Monica mit mir beschäftigte, wollte sie um mich haben und das so oft wie auch nur möglich. Aber es ging eben selten und so versuchte ich sie immer zum Kaffeekränzchen im oberen Stockwerk zu überreden.Ich fütterte sie mit Süssigkeiten vom Bäcker so oft es eben ging. Sie wollte die Zeit manchmal lieber zum arbeiten nutzen, aber das war mir egal. Es war ein nie endender Kampf zwischen Traum und Realität und somit auch ein Grund für mich um auszuwandern nach Thailand.
Nun, nach fast 25 Jahren Fossil Gallery sahen wir erstmals der Schliessung des Geschäfts entgegen. Nachdem klar war, dass ich nach Thailand ziehen werde wollte ich meine Firma liquidieren. Ich kam nun in Zugzwang.
Es ist gar nicht so einfach eine bestehende Firma zu liquidieren, musste ich feststellen. Erstens war das Lager noch voll mit Schmuck, Mineralien und Fossilien und zum andern wieherte der Amtsschimmel laut als ich kund tat, dass ich meine Firma schliessen wolle. Da kam dann gleich die Steuerbehörde mit all ihren Freunden von diversen Aemtern und spuckten mir tüchtig in die Suppe. So einfach es war, eine Firma zu gründen, so schwierig schien es zu sein, diese kurzfristig zu liquidieren und ich sah bald ein, dass das vor meinem Abflug nach Thailand nicht mehr zu bewerkstelligen war.
Wieder einmal kam mir der Zufall zu Hilfe. Die Frau meines früheren Arbeitskollegen Egon wurde pensioniert. Ich fragte also Christine, ob sie den Laden in meiner Abwesenheit betreuen würde. Zuerst war sie gar nicht begeistert, da sie von Schmuck und Steinen nicht viel verstand. Ich wusste aber, dass sie gelernte Buchhalterin und ein Ass im organisieren war, ich wollte sie unbedingt für meinen Laden gewinnen. Schlussendlich liess sie sich breitschlagen als ich ihr versprach sie noch zu schulen und alles genau zu erklären und wenn nötig auch aufzuschreiben. Ich hielt mein Versprechen, lehrte sie Ketten knüpfen und reparieren, Steine erkennen und Altgold prüfen.
Ich gab ihr ein paar Tipps, etwa wie folgt lauteten :
Perlen
Perlen gibt es echte und falsche, vor allem falsche.
Test
Mit den vorderen Zähnen ganz FEIN draufbeissen und hin und her bewegen.
Fühlt sich die Perle rauh an, ist sie echt.
Im Zweifelsfall:
Ein Tropf 10 Prozentige Salzsäure auf die Perle mit einem gespaltenen Zahnstocher und schnell mit der Lupe schauen ob es köchelt. Wenn ja ist sie echt. Säure sofort wieder abwaschen.
Die Majorica-Perlen (teuer) sind immer falsch da sie synthetisch hergestellt werden.
Südseeeperlen sind selten aus der Südsee, es ist kein geschützter Name und kein seriöses Labor macht dafür ein Zertifikat.
Naturperlen ohne Kern lassen sich nur mit Röntgenanalyse bestimmen.
Perlen ankaufen lohnt sich nie, es sei denn ein antikes Collier mit Naturperlen. Alte Quittungen sind bei Schmuck meist wertlos da sich die Goldschmiede mit Steinen auch auf das verlassen müssen was ihnen der Händler sagt und dies ist selten die Wahrheit.
Altgold
NICHT ALLES WAS GLÄNZT IST GOLD
Schnelltest mit dem elektronischen Tester machen, aber das Resultat ist nur für geübte Experten eindeutig.
Bei Ketten : Test mit einem starken Magnet. Kette aufhängen und von der Seite prüfen. Bewegt sie sich, hat sie eine Stahlseele, dann aufschneiden oder zurückgeben.
Die meisten Verschlüsse haben Stahlfedern, so auch Uhrenbänder (entfernen oder Preisreduktion berechnen)
Am besten bei Gold ist der Säuretest mit dem Testset wie folgt:
Prüfling immer gut anfeilen, viele Teile sind nur dick vergoldet
Testplatte immer gut putzen vorher (Wasser und feines Schleifpapier geht gut)
Immer 3 Abstriche testen auf dem Plättchen
Im Zweifelsfall den niederen Goldgehalt auszahlen oder das Altgold zurückgeben denn Fehler beim Goldhandel sind teuer.
Der Stempel auf dem Schmuck ist nicht massgebend. Ich hatte schon Schmuck aus vergoldetem Messing und Kupfer der mit 18 Karat gestempelt war (siehe: die Mafia lässt grüssen).
Steine mit dem Hammer entfernen, aber zuerst den Kunden fragen, sonst die Fassung mit dem Stein absägen und zurückgeben.
Will der Kunde die Steine zurück, dann vorsichtig ausfassen und die Arbeitszeit verrechnen.
Kleine Farbsteine ausfassen lohnt sich nicht, da diese im Grosshandel für ein paar Franken zu haben sind.
Diamanten immer prüfen mit Referenzmuster, zum Beispiel einem Ring oder einem zertifizierten losen Stein. Manchmal ist die Batterie vom Tester fast leer, dann ist das Messresultat falsch. Goldschmiede können oder konnten echte Diamanten von Moissanit d.h. synthetischen Diamanten nicht unterscheiden da sie selbst vom Händler oft betrogen wurden, also muss der Tester unbedingt auch Moissanit messen können.
DIE MEISTEN FARBSTEINE SIND FALSCH ODER GETÜRKT. Ich habe anfangs viel Glas gekauft und viel Geld verloren. Auch echte Steine werden bestrahlt, gebrannt, Risse mit Kunstharz gefüllt oder im Vakuum beschichtet. Zertifikate sind wertlos ausser sie stammen von einem anerkannten Labor. Viele Goldschmiede betrogen die Kunden was das Zeug hält, manchmal wissentlich aber meistens unwissentlich da sie beim Kauf auch betrogen wurden.
Bei grossen Diamanten ab 0.5ct würde ich den halben Einkaufspreis der schlechteren Qualität bezahlen. Vorher gut auf Defekte prüfen mit der Lupe.
Für die kleinen Diamanten von Broschen und Anhängern würde ich nichts bezahlen. Ich habe sie in flauen Zeiten ausgefasst und für wenig Geld an Hobby-Goldschmiede verkauft.
Den Kunden immer das „Goldblatt“ unterschreiben lassen auf dem steht, dass der Verkäufer volljährig ist und dass er das Gold legal erworben hat, sonst ist Aerger vorprogrammiert. Immer bar bezahlen dann ist das Geschäft perfekt.
Nicht zu kleine Mengen schmelzen lassen, sonst sind die Spesen zu hoch.
Das Geld lasse ich mir von der Scheideanstalt immer bar auszahlen dann gehts nicht über die Buchhaltung. Einkauf ohne Quittung, Betrag erhalten auf dem Goldblatt genügt.
Altsilber
Altsilber gibt es von 600/1000 bis 925/1000
Besteck sollte man nicht kaufen, dieses ist fast immer nur versilbert, man sieht es am Stempel der immer 2 Zahlengruppen hat 90/100/120 usw., das Internet gibt erschöpfend Auskunft darüber. Für Münzen nur den Silbergehalt bezahlen. Sehr alte Münzen im Internet nachschauen und einzeln verkaufen (lohnt sich).
Alte Münzen nie putzen oder polieren sonst verlieren sie ihren Wert.
Altsilber verkauft man per 10 kg. Ich habe gedacht, soviel bringe ich nie zusammen, aber das hat man erstaunlich schnell beisammen.
Nach all diesen mehr oder weniger guten Ratschlägen war ich der Meinung, dass ich nun die Reise nach Thailand wagen konnte und schnürte mein Bündel.
Ich hatte nun ja wieder eine attraktive Dame in meinem Laden welche meine Interessen bestens vertrat und nun äusserst kompetent war.