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(Linnaeus, 1758)
- DE: Blauflügelige Ödlandschrecke
- EN: Blue-winged Grasshopper
- FR: L' Oedipode turquoise
- IT: Edipoda celeste
- Syn.: Acrydium coeruleipenne De Geer, 1773 | Ctyphippus caerulescens coerulescens Seoane, 1878 | Oedipoda fasciata Stål, 1873
Morphologie
Die Grundfarbe von Oedipoda caerulescens ist der Farbe des Untergrunds angepasst, auf dem die Art aufwächst. Häufig sind es helle oder dunkle Grautöne. Es kommen aber auch braune, ockerfarbene, fast weisse oder schwarze Individuen vor. Die Flügel weisen 2-3 dunkle und helle Querbinden auf. Die Oberfläche des Halsschilds ist rau und unterschiedlich stark gerunzelt. Der Halsschild-Mittelkiel ist mässig hochgewölbt und wird durch die tiefe Naht in zwei Hälften geteilt. Der Halsschild-Mittelkiel ist auch in der hinteren Zone deutlich und läuft in den spitz vorspringenden Halsschild-Hinterrand aus. Charakteristisch und auffällig sind die an der Basis blau gefärbten Hinterflügel. Das Blau wird gegen aussen von einem breiten, dunklen Band begrenzt. Die Flügelspitze ist transparent und kann einige dunkle Flecken aufweisen. Der Kiel auf der Oberseite der Hinterschenkel fällt hinter der Mitte abrupt ab. Die Hinterschienen sind bläulich und tragen unterhalb des Hinterknies einen hellen Ring.
Gesang
Meistens bewegt Oedipoda caerulescens die Beine lautlos synchron oder asynchron auf und ab. Dieses Verhaltensmuster wird unentwegt von beiden Geschlechtern wiederholt. Selten lassen die Männchen auch ein leises, wenig stimmhaftes Schwirren ertönen. Die Männchen gehen umher und singen da und dort bei einem Halt auf einer erhöhten Position (Spontangesang). Dabei wird ein längerer Schwirrlaut von 0,3-0,9 s erzeugt. Dieser wird vermehrt bei grösseren Ansammlungen von Artgenossen oder bei der Werbung geäussert (Rivalen- und Werbegesang). Häufig sieht man zwei Männchen, die mit einer Art Ritual aus Gesang und Beinbewegungen scheinbar ihre Kräfte messen. Kurz vor der Paarung äussert das Männchen kürzere, reinere Laute. Im Flug erzeugen beide Geschlechter ein leises Schnarren.
Werbegesang von Oedipoda caerulescens vor einem ♀ - CH, GR, Tomils, 28 °C, sonnig.
Werbegesang von Oedipoda caerulescens vor einem eben gelandeten ♀ - CH, VS, Salgesch, 23 °C, sonnig.
Werbegesang von Oedipoda caerulescens vor einem ♀. Diese Laute sind kürzer und stimmhafter - CH, GR, Tomils, 27 °C, sonnig.
Einzelner Vers aus dem Werbegesang von Oedipoda caerulescens vor einem eben gelandeten ♀ - CH, VS, Salgesch, 23 °C, sonnig.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Oedipoda caerulescens reicht von Nordafrika über Westeuropa bis in den Süden von Schweden, wo die nördlichsten Vorkommen bekannt sind. Im Mittelmeerraum ist Oedipoda caerulescens teilweise häufig. Das Areal reicht ostwärts bis in die Mongolei. In der Schweiz ist die Art vor allem im Wallis und im Tessin häufig. In der Nordschweiz ist sie nur an wärmebegünstigten Stellen zu finden. Die Höhenverbreitung reicht von der Ebene bis über 2000 m ü. M. im Süden. Auch in Deutschland ist Oedipoda caerulescens im Süden häufiger als im Norden, ist jedoch im das ganzen Land lokal anzutreffen.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Oedipoda caerulescens findet man ab Juni. Sie können bis im November aktiv sein.
Die Eier werden in lockeren, sandigen oder erdigen Boden abgelegt. Die Larven schlüpfen in der Schweiz gegen Ende April, Anfang Mai des Folgejahrs. Der Schlupfzeitpunkt ist je nach klimatischen Bedingungen unterschiedlich. Die Larven durchlaufen 4-5 Stadien und passen sich mit jeder Häutung farblich an den Untergrund an. Gegenüber Hitze und Trockenheit scheinen sowohl die Eier als auch die Larven mässig tolerant zu sein. Aus diesem Grund kommt einer minimalen Krautschicht für die erfolgreiche Fortpflanzung der Art eine wichtige Funktion zu.
Lebensraum
Oedipoda caerulescens besiedelt gut besonnte, trockene und warme Lebensräume mit einer lückigen Vegetationsdecke. Man findet die Art in Kiesgruben, auf Flussschotterflächen, in Felsensteppen, entlang von Eisenbahnlinien, in lückig bewachsenen Wiesen und Weiden, auf Ruderalflächen, in Sanddünen und Heiden. Im Gegensatz zu Oedipoda germanica, die vorwiegend auf steinigem Untergrund lebt, ist ein Deckungsgrad der Krautschicht von 30 bis max. 70 % für Oedipoda caerulescens von grosser Bedeutung.
Gefährdung & Schutz
Oedipoda caerulescens gilt in der Schweiz als potenziell gefährdet und ist gesetzlich geschützt. Die Gefährdungsursachen sind einerseits in der Nutzungsaufgabe (fehlende Beweidung oder Mahd) spärlich bewachsener Hanglagen und Böschungen zu suchen. Andererseits führen Nutzungsintensivierung, Zersiedlung, Auffüllen von Kiesgruben, Verbau von Erosionshängen und die fehlende Geschiebedynamik der Fliessgewässer zu bedeutenden Lebensraumverlusten. Fördermassnahmen zielen auf den Erhalt bzw. die Schaffung von grossflächigen Pionierflächen mit einem Deckungsgrad der Krautschicht von 30-70 %. Aufkommende Gebüsche sind periodisch zu entfernen. Wichtig dabei ist eine strukturreiche Oberfläche mit offenen, vegetationslosen Stellen sowie dichteren Vegetationshorsten. Durch extensive Beweidung können die für die Art wichtigen vegetationslosen Stellen geschaffen werden. Bei lokalen Vorkommen ist das Auslichten der Krautschicht durch ein partielles Abschieben des Oberbodens eine bewährte Methode, um den Lebensraum aufzuwerten. Auf kiesigem Untergrund kann das partielle Aufrauen der Oberfläche z.B. mit einem Federzinkengrubber oder ähnlichem zielführend sein. Erschwerend für die Förderung der Art kommt ihre geringe Wanderfreudigkeit hinzu. Oedipoda caerulescens gilt als standorttreu und besiedelt im Gegesatz zu Sphingonotus caerulans nur selten neue Gebiete auf natürlichem Weg.
- CH: NT (Potenziell gefährdet)
- DE: 3 (Gefährdet)
- AT: NT (Potenziell gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Oedipoda caerulescens kann leicht mit Oedipoda germanica verwechselt werden. Der auffälligste Unterschied liegt in der Farbe der Hinterflügel, die bei letzterer leuchtend rot sind. Zudem ist der Halsschild-Mittelkiel bei Oedipoda germanica in der hinteren Hälfte nur schwach ausgeprägt und kaum erhaben. Sphingonotus caerulans ist zierlicher, ihr Halsschild ist glatt und hinter dem Kopf deutlich eingeschnürt. Der Halsschild-Mittelkiel ist nur im hinteren Bereich leicht ausgebildet und nicht erhaben. Die Hinterflügel sind zwar an der Basis ebenfalls bläulich, es fehlt jedoch ein dunkles Querband. Die Schwirrlaute von Oedipoda caerulescens sind denjenigen anderer Ödlandschrecken ähnlich. Sie können auch mit dem Gesang von Chorthippus brunneus verwechselt werden, wobei dessen Verse lauter und kürzer sind.