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54 Jahre hat Disneys beliebte Mary-Poppins-Verfilmung bei der Veröffentlichung dieser Fortsetzung schon auf dem Buckel. Der Grund für diese Wartezeit hat vornehm mit Autorin P.L. Travers zu tun. Der passte die Umsetzung im Jahre 1964 gar nicht - unter anderem missfielen ihr die Musik, die (tollen) Trickfilmsequenzen und Dick Van Dyke. So lehnte sie weitere Disney-Adaptionen ihrer acht Mary-Poppins-Bücher strikte ab. 13 Jahre nach der Premiere gab sie in einem Interview jedoch zu Protokoll, dass sie mit der Umsetzung inzwischen leben könne. Es sei für sich alleine gesehen ein guter Film, welcher aber nicht viel mit ihren Büchern gemein habe. Travers starb schliesslich 1996 - übrigens zehn Monate vor der ersten Ausstrahlung der witzigen Simpsons-Parodie. Mit ihrem Nachlass verhandelten die neuen Disney-Bosse dann Jahre später zuerst über das Biopic Saving Mr. Banks und dann auch über Mary Poppins Returns. Beides wurde - ziemlich offensichtlich - genehmigt.
Unter der Regie von Musicalspezialist Rob Marshall (Chicago) ist Mary Poppins Returns eine herzensgute und kuschelige Fortsetzung geworden, die nicht nur durch ihr London-Setting (sogar das Disney-Schloss zu Beginn befindet sich in Englands Hauptstadt) an den ersten Film sowie die tollen Paddington-Werke erinnert. Neben schönen Lebensweisheiten gibt es verspielte Musicalnummern von Marc Shaiman und Scott Wittman sowie eine erneut fantasievolle Trickfilmsequenz - letztere schön klassich in 2D und auch wieder mit Pinguinen.
Locker leicht über allem (egal ob mit oder ohne Schirm) schwebt Emily Blunt. Die Engländerin ist als Mary Poppins schlichtweg perfekt. Sie überzeugt nicht nur, wenn sie mit kindlicher Freude ihre magischen Fähigkeiten zeigen darf, sondern auch in Szenen, in denen sie etwas strenger sein muss. Letzteres muss sie aber selten zeigen. Denn Mary Poppins Returns kommt deutlich leichter als der Vorgänger daher. Wirkliche "Downer" gibt es nicht. Selbst wenn es zwischendurch für die Figuren düster aussieht, herrscht fast immer gute Laune vor. Einen grossen Anteil daran hat Lin-Manuel Miranda, der den munteren Laternenanzünder Jack spielt. Wann immer der New Yorker auftaucht, gehen die Mundwinkel nach oben. Der mit Preisen überhäufte Komponist (Musical "Hamilton") singt und tanzt dermassen sensationell, dass man sich wünscht, dass er nun doch in jedem Musical (wenn nicht sogar in jedem Film) auftreten soll.
So viel gute Stimmung kann jedoch auch mal zu einer Überzuckerung führen. Das passiert auch hier. Eine Szene mit Meryl Streep als exzentrische Cousine Topsy ist zu viel des Guten und auch im Ganzen gesehen ziemlich unnötig. Diese Süsslichkeit ist jedoch nur ein erster Vorgeschmack auf das Ballon-Ende mit Angela Lansbury, wo es die Macher dann definitiv übertreiben - Travers hätte wohl gar keine Freude daran gehabt. Doch wirklich böse kann man dem Film nicht sein. Wie Mary Poppins selbst bringt Marshalls Film Magie ins Kino, die verzaubert und einen träumen lässt. Wie schon der 1964-Film ist auch Mary Poppins Returns supercalifragilisticexpialigetisch.