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Über eine Million Unterschriften: Benetton sagt endlich zu, Rana Plaza-Opfer zu entschädigen
26. Februar 2015
Am 24.4. jährt sich der Einsturz des Rana Plaza-Fabrikgebäudes in Bangladeschs Hauptstadt zum zweiten Mal. 2013 kamen dabei 1‘138 Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt. Seither sind zahlreiche Firmen ihrer Verantwortung zumindest teilweise nachgekommen und haben einen Beitrag zur Entschädigung der Betroffenen geleistet über den offiziell vereinbarten Entschädigungsfonds, dem Rana Plaza Arrangement. Benetton, welche nachweislich in Rana Plaza produzieren liess, ging nach der Tragödie jedoch einen anderen Weg. Anfänglich gewillt, einen Beitrag zu leisten, stieg Benetton nach wenigen Wochen wieder aus den Verhandlungen aus.
Am 20. Februar 2015 gab Benetton nun endlich nach grossem öffentlichem Druck bekannt, dass das Unternehmen in den Kompensationsfonds einzahlen würde, als letzte der grossen Modefirmen mit Geschäftsbeziehungen zu Rana Plaza. Die Clean Clothes Campaign hatte zur Mailänder Fashionweek Ende Februar gemeinsam mit Avaaz eine Petition initiiert, bei der in kürzester Zeit weit über eine Million Unterschriften zusammenkamen.
Während die Clean Clothes Campaign das Umschwenken Benettons begrüsst, ist sie dennoch besorgt, dass nicht alle Betroffenen vor dem zweiten Jahrestag im April 2015 angemessen entschädigt werden. Einerseits gab Benetton seit ihrer Ankündigung noch nicht bekannt, in welcher Höhe und wann ihr Beitrag ausgeführt wird. Dies, so Benetton, würde momentan noch intern ausgehandelt. Angesichts der Tatsache, dass der Entschädigungsfonds seit über einem Jahr besteht und die Höhe des von Benetton geforderten Beitrag von mindestens 5 Millionen USD längst bekannt ist, ist diese weitere Verzögerung nicht nachvollziehbar. Die Höhe der von den Unternehmen geforderten Beiträge richtet sich jeweils nach dem Umfang der Geschäftsbeziehungen zu Rana Plaza, dem Geschäftsvolumen in Bangladesch sowie dem Profit der Unternehmen.
Andererseits haben Unternehmen wie Walmart, Children’s Place, Mango, Robe di Kappa und Inditex (Zara) viel zu niedrige Beiträge geleistet. Auch die bangladeschische Regierung sowie der Arbeitgeberverband der bangladeschischen Textilindustrie sind angehalten, einen höheren finanziellen Beitrag zu leisten. Dem Entschädigungsfonds fehlen nun noch 9 Millionen USD der geforderten 30 Millionen USD.
Sollte der Fonds bis zum zweiten Jahrestag tatsächlich gefüllt werden, wäre dies ein historisches Ereignis. Zum ersten Mal würden damit alle Betroffenen eines Industrieunglücks gemäss ILO-Standards für Lohnausfälle und medizinische Kosten entschädigt. Die Clean Clothes Campaign fordert nun ein schnelles und konsequentes Handeln aller Beteiligten, um dieses Ziel zu erreichen.