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Das Projekt
Studie über das Zugverhalten und die Jugenddispersion von Rotmilanen
In den letzten 15 Jahren konnten mit Hilfe der Satellitentelemetrie grundlegend neue Erkenntnisse über das Wanderverhalten verschiedener Grossvögel gewonnen werden. In den Jahren 1999 und 2000 wandten wir die Methode zur Untersuchung des Zugverhaltens und zum Schutz der Schweizer Weissstörche an.
Bis etwa 1950 wurde die einst häufige Art durch Abschuss, Vergiftung und Horstplünderung stark dezimiert. In der Folge verschwand der Rotmilan als Brutvogel in weiten Gebieten. In den letzten Jahrzehnten war hingegen mancherorts (z. B. in Frankreich, in Polen und in der Schweiz) eine Zunahme und eine Ausdehnung des Verbreitungsgebietes zu verzeichnen. Im Südwesten und im Osten Europas hält der Rückgang weiterhin an. Man schätzt, dass zwischen 1970 und 1990 etwa 20% der Teilpopulationen in Europa eine Abnahme aufwiesen.
Wie schnell die Art auf Umweltveränderungen reagieren kann, zeigte sich z. B. in Sachsen-Anhalt (Deutschland), wo der Bestand nach Veränderungen im Kulturland (Rückgang der Grünlandwirtschaft und Zunahme des Maisanbaus) ab 1990 sehr schnell und stark abnahm.
In den drei für den Rotmilan wichtigsten Ländern (Spanien, Deutschland, Frankreich) musste seit 1995 eine starke Abnahme verzeichnet werden. Auch die Anzahl durchziehender Vögel sowie die Anzahl Ueberwinterer in Spanien hat markant abgenommen.
Der Rotmilan gehört zur Zeit nicht zu den stark bedrohten Vogelarten. Wenn es aber grossflächig zu landschaftlichen Veränderungen kommt, kann infolge des kleinen Brutareals der Bestand ziemlich schnell abnehmen.
In Deutschland wiesen zwischen 1953 und 1993 gelegte Eier zudem signifikant geringere Schalendicken und Schalenmassen auf als Eier, die zwischen 1854 und 1943 gelegt wurden.
Als Gefährdungsursachen werden mehrere Faktoren angegeben:
- Lebensraumverlust durch Verbauungen und Flurbereinigungen
- Rückgang der Nahrung infolge Ausräumung der Landschaft und Intensivierung der Landwirtschaft.
- Vergiftung durch Pestizide und durch Auslegung vergifteter Köder
- Verluste durch Stromleitungen
- Verluste durch Strassenverkehr
- Bejagung
- Störungen an den Brutplätzen durch Freizeitnutzung und Forstarbeiten
Zur Behebung vorhandener Kenntnislücken werden für zukünftige Forschungen am Rotmilan neben der grossflächigen Bestandsüberwachung auch Untersuchungen zu Adaptationen an Nahrungsressouren sowie zur Herkunft und Zusammensetzung der Winterschlafgesellschaften angeregt. Gerade über die Winterquartiere Schweizer Rotmilane, über die Ortstreue, über den zeitlichen Ablauf des Zuges von Alt- und Jungvögeln, über die Jugendispersion nach dem Selbständigwerden, über den Verbleib der Jungvögel in den ersten 2 bis 3 Lebensjahren (bis zum ersten Brutbeginn im Alter von 2 oder 3 Jahren) sowie zu den Orten, an denen sich Jungvögel später ansiedeln, kann die Satellitentelemetrie Auskunft geben.
Ziele der Untersuchung
Mit der Verfolgung von Rotmilanen über weite Distanzen und mehrere Jahreszeiten sollen der zeitliche Ablauf der Wanderung und die Zugroute der Vögel verfolgt sowie die Überwinterungsquartiere ermittelt werden. Wir gehen davon aus, dass wir dabei neue Erkenntnisse zur Zugstrategie des Rotmilans gewinnen werden.
Die Verfolgung der Vögel mittels Sender soll u.a. Aufschluss geben über:
Zugbeginn
Zugrouten
Tagesetappen
Zugdauer und -geschwindigkeit
Rastplätze und Rastdauer
Überwinterungsplätze
Brutorts-, Geburtsorts- und Überwinterungsortstreue
Zudem profitieren wir von dieser Untersuchung, um mit einer breiten Informationskampagne (Internet, Schulen, Presse, Radio usw.) während Monaten möglichst viele Menschen über das Leben und den Schutz von Greifvögeln sowie über den Vogelzug zu unterrichten. Die Reise der besenderten Vögel kann direkt auf Internet verfolgt werden. Regelmässig werden die Positionen auf Karten aktualisiert. Schüler können die jeweilige Lage der verschiedenen Vögel abrufen und auf Karten übertragen, die zurückgelegten Strecken berechnen usw. Der Kontakt zu Schulklassen wird gezielt gesucht.
Wir hoffen auch, mit der Initiierung dieses Projektes weitere Organisationen anzuspornen, die Arbeiten zu unterstützen oder selber ähnliche Vorhaben zu verwirklichen - wie dies schon bei den Weissstörchen der Fall war.