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Ich bin in einer Wolke geboren» schrieb Arp im Gedicht Strassburgkonfiguration (1932), einem seiner zahlreichen, dem Wolkenthema gewidmeten Texte. Diente in vorangehenden Kunstepochen – man denke an die Himmel der Barockmalerei oder der Romantik – die Wolke als Hintergrund in der Landschaftsmalerei, wird sie im 20. Jahrhundert dank KünstlerInnen wie Arp, Calder, Magritte oder Oppenheim zu einem eigenständigen Motiv. Für Arp sind Wolken ein zentrales Thema, eine Erscheinung, welche wie sein Werk ständig in Verwandlung ist.
Von der Dichtkunst (eine seiner berühmtesten Gedichtsammlungen aus dem Jahr 1920 trägt den Titel Die Wolkenpumpe) bis zu den Kunstwerken ist die Wolke seinem Werk eingeschrieben. Als freies schwereloses Gebilde nimmt sie die vielfältigsten Formen an, erweist sich als wandelbar und hybrid und ruft die unterschiedlichsten Assoziationen hervor. So entstehen Skulpturen, Reliefs und Grafiken mit den Titeln Wolkenschale, Wolkenscheiben oder Wolkengeschöpf.
Ein Teil der Ausstellung ist der Wolke als Metapher für das Leben Arps gewidmet, geprägt von der Präsenz seiner zwei Frauen, Sophie Taeuber-Arp und Marguerite Arp-Hagenbach. In diesem Jahr erinnern wir den hundertsten Hochzeitstag von Hans und Sophie, auch wäre Marguerite, die Gründerin der Fondazione, 120 Jahre alt geworden: Eine accrochage gegenseitiger Widmungen beleuchtet die tiefe Verbindung zwischen diesen drei ausserordentlichen Persönlichkeiten, welche die Kunstgeschichte und die Kunstsammlertätigkeit im 20. Jahrhundert geprägt haben.
Werke von: Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp, sowie von Alexander Calder, Marcel Jean, Frederick Kiesler, Hans Richter.
Die Arps
Hans Arp (16.9.1886 Strassburg – 7.6.1966 Basel)
Von 1901 bis 1908 besucht er Kunstschulen in Strassburg und Weimar sowie die Académie Julian in Paris. Veröffentlicht erste Gedichte. 1909 zieht er nach Weggis, wo er Mitbegründer der Malergruppe Der Moderne Bund ist. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs flüchtet er nach Paris. 1915 findet er in der Schweiz Zuflucht, zuerst in Ascona, dann in Zürich, wo er Sophie Taeuber begegnet, die er 1922 heiratet. 1916 ist er Mitbegründer der Dada-Bewegung in Zürich. 1925 stellt er bei der ersten Ausstellung der Surrealisten in Paris aus; ein Jahr später wird er französischer Staatsbürger. 1929 ziehen die Arps nach Clamart bei Paris. In den 30er Jahren lernen sie Marguerite Hagenbach kennen und sind zu Gast in ihrem Ferienhaus in Ascona. Der Tod von Sophie Taeuber-Arp 1943 stürzt Arp in eine tiefe Krise, aus der sich nur allmählich wieder löst. Marguerite ist ihm eine entscheidende Hilfe und 1959 wird sie seine zweite Ehefrau. In den 50er Jahren steht er auf dem Höhepunkt seines Ruhms als Plastiker, Maler und Dichter. 1966 stirbt er an Herzinfarkt in Basel.
Sophie Taeuber-Arp (19.1.1889 Davos – 13.1.1943 Zürich)
Ausbildung an der Zeichnungsschule des Industrie- und Gewerbemuseums St. Gallen und an der Debschitz-Schule in München. 1914 zieht sie nach Zürich, wo sie 1915 Hans Arp kennenlernt, der sie 1916 in Berührung mit der Dada-Bewegung bringt. Sie besucht Rudolf von Labans Schule für Bewegungskunst in Zürich und auf dem Monte Verità. Von 1916 bis 1929 arbeitet sie als Lehrerin für Entwerfen und Sticken an der Gewerbeschule in Zürich. 1922 heiraten die Arps in Pura; 1926 nehmen sie in Strassburg die französische Staatsangehörigkeit an. In den 20er Jahren widmet sie sich der Innenarchitektur und im Jahr 1929 zieht sie mit Arp nach Clamart bei Paris in das von ihr entworfene Haus. In Frankreich etabliert sie sich als anerkannte Malerin, Bildhauerin, Designerin und Herausgeberin der Kunstzeitschrift plastique plastic. Vor der Einnahme von Paris durch deutsche Truppen fliehen die Arps nach Südfrankreich. Während eines Aufenthaltes in der Schweiz, stirbt Sophie Taeuber-Arp 1943 bei einem häuslichen Unfall in Zürich.
Marguerite Arp-Hagenbach (22.8.1902 Basel – 23.8.1994 Locarno)
Sie absolviert eine Ausbildung an der Handelsschule in Basel (1921-22). Nach einem Sprachaufenthalt in London kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück und ist dort von 1924 bis 1946 Bezirkssekretärin der Pro Juventute. Gleichzeitig nimmt sie Klavierunterricht. 1937 beginnt sie, zeitgenössische Kunst zu sammeln mit einer Vorliebe für konkrete und konstruktive Kunst. Ihre Sammlung wurde Ende der 60er Jahre von Franz Meyer, dem damaligen Direktor des Kunstmuseums Basel, als “eines der herrlichsten Privatmuseen moderner Kunst” bezeichnet. 1959 kauft sie zusammen mit Hans Arp, der im selben Jahr ihr Ehemann wird, das Anwesen Ronco dei Fiori in Locarno-Solduno. Im Jahr 1977 gründet sie in Rolandseck bei Bonn die Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e. V. und 1979 in Clamart bei Paris die Fondation Arp. Im Jahr 1988 gründet sie die Fondazione Marguerite Arp. 1965 schenkt das Ehepaar Arp einen Teil ihrer Kunstsammlung der Stadt Locarno. Marguerite Arp-Hagenbach stirbt 1994 und ist auf dem Friedhof von Locarno neben Arp und Taeuber-Arp begraben.
Installation Wolken, Studio Nephos
- April – 30. Oktober 2022 im Garten der Fondazione Marguerite Arp
Während der Ausstellungssaison kann man im terrassierten Teil des Gartens – einem Grundstück, das sich in Richtung der Berge Brè und Cardada erhebt – eine ephemere Kunstinstallation bewundern, die von Nicola Colombo und Monica Sciarini vom Studio Nephos (Autoren ähnlicher international erfolgreicher Installationen) konzipiert wurde. Wolken aus natürlichem Nebel bilden die landschaftliche Kulisse und den roten Faden der Events dieses besonderen Jahres. Während im Ausstellungsraum die Bewegung der Wolken in Kunstwerken und poetischen Texten festgehalten wird, steht im Aussenraum das Ephemere im Mittelpunkt. https://www.nephos.ch/DE/Selected-Gallery-61597600
Die Fondazione Marguerite Arp
Die Fondazione Marguerite Arp wurde 1988 von der Witwe Hans Arps, Marguerite Arp-Hagenbach, gegründet. Die Stiftung hat ihren Sitz im ehemaligen Wohn- und Atelierhaus des Künstlers in Locarno-Solduno und beherbergt einen grossen Teil der Sammlung Hans und Marguerite Arps sowie ein Archiv und eine Bibliothek; sie definiert sich als Zentrum zur Erforschung des Werkes von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp.
Das historische Ensemble aus Atelierhaus und Skulpturenpark hat im Jahr 2014 eine wesentliche Erweiterung erfahren: mit dem Projekt der Architekten Annette Gigon und Mike Guyer wurde ein Bau errichtet, der ein Kunstdepot gemäss modernstem konservatorischen Standard mit angeschlossenem Ausstellungsraum zur Verfügung stellt.
Beitragsbild: ©fondazionearp