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Anfang Dezember hat die Europäische Kommission erstmals einen Koordinator zur Bekämpfung von Antisemitismus gewählt. Einige Tage später gab die neu ernannte Koordinatorin, Katharina von Schnurbein, ihre erste offizielle Rede auf einem Symposium der European Coalition for Israel (ECI) im Europäischen Parlament in Brüssel zum Thema „jüdische Beiträge zu Kultur und Werten Europas“.
In ihrer Rede verglich sie die Situation der Juden in Europa mit der des Kanarienvogels in einer Kohlegrube. „Wenn der Kanarienvogel nicht mehr singt, ist Europa in der Krise“, warnte sie.
Der Ausdruck bezieht sich auf die historische Rolle der Kanarienvögel in der Bergbauindustrie. Solange der Vogel sang, wussten die Bergleute, dass die Luftzufuhr für die Atmung sicher war. Wenn der Kanarienvogel starb, wurde die Mine sofort evakuiert.
Auf dem Symposium sprach von Schnurbein über die Bedrohung des jüdischen Lebens in Europa und die Notwendigkeit eines Frühwarnsystems. Sie wird direkt an den ersten Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Frans Timmermans, berichten, der seine Entscheidung, zwei Koordinatoren, einen für Antisemitismus und einen anderen für anti-muslimischen Hass, zu ernennen, auf einem EU-Kolloquium in Brüssel Anfang Oktober angekündigt hatte.
Das neue Büro soll eine EU-Kontaktstelle für alle sein, die antisemitische Angriffe erfahren, und das Büro wird auch Strategien entwickeln zur Bekämpfung von Antisemitismus in Europa. Von Schnurbein erinnerte daran, dass das Problem nicht bei der EU läge. Sie wies darauf hin, dass „obwohl die EU die Leugnung des Holocaust verboten hat, nur 13 Mitgliedstaaten von 28 die Richtlinie umgesetzt haben“.
In anderen Reden gaben EU-Beamte und Mitglieder des Europäischen Parlaments zahlreiche Beispiele jüdischer Beiträge zu Kultur und Werten Europas.
Der Gastgeber der Konferenz und Mitglied des Europäischen Parlaments (MEP) Hannu Takkula, warnte davor, dass, wenn Juden in Europa Angst haben, dies nicht mehr Europa sei. Er bat um besseren Schutz für die jüdischen Gemeinden in Europa, ebenso um gute und starke Beziehungen mit dem modernen Staat Israel.
Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, MEP Ryszard Czarnecki, erinnerte an die lange Geschichte des jüdischen Lebens in seinem Heimatland Polen. Einigen Quellen zufolge bedeutet der Name „Polen“ auf Hebräisch „sichere Wohnung“, und dies helfe, die Tatsache zu erklären, dass zu einem Zeitpunkt mehr als 80% der weltweiten jüdischen Bevölkerung in Polen lebte. Während der Nazi-Besatzung und dem Holocaust verlor Polen 90% seiner jüdischen Bevölkerung. Doch nach dem Krieg war Polen das einzige Land, das Juden Aliyah nach Israel ermöglichte, ohne dass sie ein spezielles Visum dafür benötigten. Seit diesen frühen Tagen haben Polen und Israel starke Bindungen, unabhängig von Parteizugehörigkeit, und jüdisches Leben ist nach Polen zurückgekehrt, erklärte Czarnecki.
Auch Botschafter Felix Klein von der deutschen Bundesregierung konnte bezeugen, dass sein Land eine Wiederkehr jüdischen Lebens und jüdischer Kultur erlebt. Nach dem Krieg glaubten die meisten Juden, dass ein Leben in Deutschland nicht mehr für sie möglich wäre, aber heute leben mehr als 200 000 Israelis in Deutschland, und neue Synagogen werden alle zwei Monate eröffnet, erklärte er. Er hoffte, dass diese einzigartige Erfahrung der erfolgreichen Migration auch von Nutzen in der heutigen Migrationskrise sein könnte.
Der neue EU-Referatsleiter für den Mittleren Osten, Raoul Fuentes Milani, sprach über jüdische Geschichte in Spanien. Er räumte ein, dass Spanien viel von seinem früheren Glanz und Identität verloren hatte, als die Juden im Jahre 1492 vertrieben worden waren. Spanien hat vor kurzem beschlossen, sephardischen Juden die Staatsbürgerschaft zu gewähren, die ihre spanischen Vorfahren aus dieser Zeit nachweisen können. Er zitierte den König von Spanien, der bei seiner Ansprache an die vertriebenen Juden auf der ganzen Welt sagte: „Wir haben euch vermisst.“
Obwohl alle Redner sich einig waren, dass Europa mit blühenden jüdischen Gemeinden und freundschaftlichen Beziehungen mit dem Staat Israel reicher ist, gab es klare Meinungsverschiedenheiten darüber, ob Israel von der EU heute fair behandelt wird, wie die Kennzeichnungsrichtlinie zeigt, die vor zwei Wochen veröffentlicht wurde. Während der Direktor des Europäischen Auswärtigen Dienstes für den Mittleren Osten und Nordafrika, Christian Berger, die Entscheidung „eine Formsache“ nannte, beschuldigte die stellvertretende israelische Botschafterin, Shuli Davidovich, die EU, dass sie mit zweierlei Mass messe.
Der Veranstaltungsleiter, ECI Director Tomas Sandell, äusserte seine Enttäuschung über die Kennzeichnungsrichtlinie und versprach, dass sich ECI beizeiten mit Regierungen der Mitgliedstaaten zum nächsten Meeting des Rates in Brüssel am 14. Dezember treffen wird mit der Forderung, die Entscheidung zu revidieren.
„Als Europa von dem Terroranschlag in Paris vor drei Wochen gelähmt wurde, waren israelische Geheimdienstoffiziere die Ersten, die uns zu Hilfe kamen und weitere Angriffe in Hannover und anderswo in Europa verhinderten“, sagte er.
„Europa ist immer besser dran mit guten Beziehungen zu Israel und den jüdischen Gemeinden. Dies gilt nicht nur für unsere Geschichte, sondern auch für unsere gemeinsame Zukunft“, schloss er.