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25. August 1875: Matthew Webb berührt nach einer 22-stündigen Schwimm-Odyssee französischen Boden. Mit dieser Leistung wird Webb zum Helden im viktorianischen Zeitalter. Doch die Liebe zum Abenteuer wird dem Engländer schliesslich zum Verhängnis.
Matthew Webb, Sohn eines Doktors und eines von acht Kindern, kommt am 19. Januar 1848 in einem vom Bergbau geprägten Dorf namens Dawley, das in der Nähe von Birmingham liegt, zur Welt.
Webb ist schon früh ein unglaublich starker Schwimmer. Seine Fähigkeiten stellt er in den starken Strömen des Severn, dem längsten Fluss Grossbritanniens, in dessen Nähe die Familie Webb lebt, auf die Probe. Bei einem Schwimm-Ausflug rettet er seinem jüngeren Bruder Henry gar das Leben.
Schon in frühen Jahren hegt Webb den Wunsch – wie viele andere Jugendliche zu dieser Zeit auch – zur See zu fahren.
Mit zarten zwölf Jahren verlässt er sein Zuhause, um eine zweijährige Lehre als Matrose in der Handelsmarine zu absolvieren.
Es ist eine Zeit, in der die meisten Matrosen noch nicht schwimmen können – anders als Webb: Als ein Kollege bei der Überfahrt zwischen New York und Liverpool über Bord fällt, springt Webb todesmutig in die Fluten. Obwohl er den Mann in den tosenden Wellen des Atlantiks nicht finden kann, bekommt Webb danach eine stattliche Belohnung von 100 Pfund.
1873 liest Webb ein Buch von J.B. Johnson, einem Rettungsschwimmer, der über den fehlgeschlagenen Versuch, den Ärmelkanal schwimmend zu durchqueren, schreibt.
Webb fasst ein Ziel: Er kündigt seinen Job als Captain auf einem Dampfschiff und siedelt nach London über, wo er im kalten Wasser der Themse das Training aufnimmt.
Am 12. August 1875 wagt er sich an seinen ersten Versuch. Nach sieben Stunden im Wasser zieht ein heftiger Sturm auf und Webb muss sein Vorhaben abbrechen.
Zwölf Tage später nimmt er zum zweiten Mal Anlauf. Webb lässt sich von den Gezeiten ins offene Meer tragen, eingeschmiert mit Walfischöl, begleitet von drei Schiffen.
Nach acht Stunden schwimmen sticht eine Qualle zu. Ein Schluck Brandy hilft, die Schmerzen zu vergessen und weiterzuschwimmen. Starke Strömungen machen ihm derweil zu schaffen.
Doch Webb lässt sich von allen Widrigkeiten nicht unterkriegen. Am 25. August 1875 um 10:41 Uhr berührt er erstmals französischen Boden. 21 Stunden und 45 Minuten ist er im Wasser unterwegs gewesen und hat eine Gesamtstrecke von 64 Kilometern absolviert – und ist dabei offensichtlich immer wieder im Zick-Zack geschwommen. Der direkteste Weg zwischen England und Frankreich beträgt nämlich «nur» 34 Kilometer.
Diese aussergewöhnliche Leistung macht Captain Matthew Webb über Nacht zu einer der berühmtesten Persönlichkeit im viktorianischen Zeitalter. Bald gibt es Tafelservice, Bücher oder Töpferwaren mit seinem Konterfei darauf zu kaufen. Webb nimmt an verschiedenen Schwimm-Shows teil. Beim spektakulärsten Vorhaben bleibt Webb für 128 Stunden in einem Wassertank.
Auch seinen Tod sollte Webb im kühlen Nass finden. Beim Versuch, die gefährlichen Whirlpool Rapids des Niagara-Flusses zu durchschwimmen – bis heute eines der rausten Wildwasser der Welt – stirbt der Langstreckenschwimmer im Jahr 1883.
Seine Leiche wird vier Tage später flussabwärts gefunden. Der Captain wird auf dem Friedhof von Oakward in der Nähe der Niagarafälle begraben.