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Die Sorge, dass unseren Kindern etwas zustossen könnte, begleitet uns jeden Tag. Wir wittern Gefahren selbst da, wo keine sind. Wie unfassbar gross muss die Verzweiflung sein, wenn wir uns für einen Weg entscheiden, bei dem wir ihr Leben aufs Spiel setzen?
Gibt es eine Mutter, die in den letzten Tagen nicht um ein Kind geweint hat, von dem sie noch nicht einmal den Namen weiss? Gibt es Mütter, die diese Bilder gesehen haben, ein kleines Gesichtchen, vornüber in den Sand gedrückt, ein hochgerutschtes T-Shirt, Windeln, mit Meerwasser vollgesogen, und sich dabei nicht vorgestellt haben, dass es ihr Kind sein könnte?
Wie muss es sein, eingepfercht in einem Schlauchboot zu sitzen und in den Augen seines Kindes zu sehen, dass es immer noch an das unausgesprochene Versprechen glaubt, dass wir es immer und vor jeder Gefahr beschützen werden? Gibt es einen Moment, in dem es begreift?
Kann man weiterleben, wenn man einen solchen Blick einmal gesehen hat? Wie lange krallt es sich an einem fest, in der Hoffnung, dass alles gut wird? Hat seine Mutter ihm immer und immer wieder dasselbe Lied ins Ohr gesummt, leise seine Lieblingsgeschichte erzählt und ihm ein Eis versprochen, um das allerletzte bisschen Normalität aufrechtzuerhalten? Wie oft hat sie noch an ihm gerochen? Musste sie zusehen, wie es ertrinkt?
Wie kann es noch irgendjemanden auf dieser Welt geben, der daran zweifelt, nein, der es wagt, an der unbeschreiblichen Not zu zweifeln, die eine Mutter, die einen Vater dazu zwingt, das eigene Kind dem Risiko auszusetzen, dass es irgendwann an den Strand gespült wird wie eine verdammte Glasflasche, die jemand achtlos ins Meer geworfen hat?
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