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Niki de Saint Phalle (1930-2002)
"La Grande Lune", 1985/92
Polyester, Glas und Keramik
Park des Museums für Kunst und Geschichte, Freiburg
(Foto: A. Wider)
Niki de Saint Phalle war eine international bekannte französisch-schweizerische Künstlerin. Sie gehörte, wie auch ihr Partner Jean Tinguely, der Bewegung des New Realism an. Neben ihren provokativen Schiessbildern, welche sie als Teil einer Aktionskunst produzierte, zählen die „Nana“-Figuren zu ihren berühmtesten Werken. Diese Figuren sind zum Teil gigantische, aus Polyester geformte und mit knallbunten, reinen Farben bemalte Plastiken, welche auf öffentlichen Plätzen grosser Städte wie Hannover, Paris oder Zürich vorzufinden sind. Die Nanas haben weder Ecken, noch Kanten und ihre voluminösen, korpulenten Körper mit glatter Oberfläche beeindrucken durch die flüssige Bewegung ihrer Konturen. Der Name „Nana“ bezieht sich wohl auf die „Dada“-Kunstbewegung, deren Einflüsse in ihren Werken nicht zu übersehen sind.
Die Plastik, die im Garten des Museums für Kunst und Geschichte ausgestellt ist, folgt zum Teil der Gestaltungsweise der „Nana“-Figuren. Sie unterscheidet sich jedoch von ihnen durch eine mosaikhafte, mit glänzend-farbigen Keramikstücken beschichtete Oberfläche. Auf einem grüngefärbten und mit Mosaik besetzten Sockel stehen zwei tierähnliche Figuren, die wie eine Mischung aus Schildkröte und Hund aussehen. Diese sind mit mehreren bunten Farben bemalt, oder mit glänzenden Keramikstücken versehen. Sie tragen gemeinsam einen überdimensionalen, aufgerichteten Käfer, dessen Körper fast vollends mit leuchtend roten Keramikscherben bestückt ist. Dieser trägt wiederum das ihm übergeordnete Element mit seinem Geweih. Gekrönt wird die Skulptur von einem Frauengesicht im Profil, dessen Haare durch zwei nebeneinander stehende Mondsicheln dargestellt werden. Auch diese sind mit schillernden, silbernen Keramikstücken beschichtet. Das Gesicht selbst besteht nur in seinen Konturen, denn es ist, anders als die darunterliegenden Figuren, nicht als voluminöses Objekt gestaltet. Lediglich die rotgefärbten Lippen sind farblich hervorgehoben. Der im Profil wiedergegebenen Gesichtskontur ist ein Auge angefügt, das selbst nicht im Profil steht, sondern dem Betrachter frontal präsentiert wird, - eine Darstellungsweise, die an die Kunst der alten Ägypter oder auch an Bilder Picassos erinnert.
Der Aufbau der Plastik erinnert mit seinen aufgetürmten Tiermotiven an einen Totempfahl der Indianer an der Westküste Nordamerikas. Mit dem Mond an der Spitze, personifiziert als Frau, könnte La Grande Lune aber auch eine Art mystische Referenz der Künstlerin an unseren Erdtrabanten darstellen. (AW/bf)
Quelle: http://www.artfribourg.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=73:grandelune&catid=34:sculptures&Itemid=64 (09.02.12, 08:15)
Fragen und Anregungen für den Unterricht
- Werde selbst zur Statue: Imitiere die einzelnen Elemente der Skulptur mit deinen Klassenkameraden (4er-Gruppen).
- Überlege dir eine kurze Geschichte über die Entstehung und Bedeutung der Skulptur.
- Stell dir ein fiktives Gespräch zwischen den Tieren und dem Mond vor.
- Betrachte die Skulptur von Nahem und berühre sie. Wie wurden die Mosaikstücke wohl auf die Figuren übertragen?
- Besuche das Espace Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle und entdecke weitere Werke der Künstlerin.
- Welche Mondphase ist dargestellt? Erkunde das Phänomen der Mondphasen.
- Zeichne oder modelliere mit Ton eine Tierpyramide. Welche Tiere wählst du dafür aus und warum? Am Schluss kann die Klasse versuchen, eine Totempyramide als Gemeinschaftswerk zu gestalten.
- Beachte folgende Werke als Referenzen zur Skulptur: „Parc Güell“ von Gaudi in Barcelona, der „Parco dei Mostri“ in Bomarzo, den „Palais Idéal du Facteur Cheval“ in Hauterives, sowie die „Watts Towers“ in Los Angeles. Als Alternative mit direktem Bezug eignet sich auch Niki de Saint Phalles „Tarot-Garten“ in der Toskana.
- Welche anderen Tierpyramiden kennst du? Lese wieder einmal das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten.
Beachte weitere Plastiken im Skulpturenpark des Museums für Kunst und Geschichte.