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Die luftfahrtgeschichtliche Bedeutung Dübendorfs
Die Flugplatz Dübendorf AG fühlt sich der über 100-jährigen Geschichte des ältesten ständigen Flugplatzes der Schweiz verpflichtet und beabsichtigt mit einem attraktiven Besucherzentrum und Gastronomiebetrieb, der „Wiege der Schweizer Luftfahrtgeschichte“ und der „Drehscheibe der Pionierjahre des europäischen Luftverkehrs“ Rechnung zu tragen. Das Verkehrshaus der Schweiz hat seine Unterstützung bei der Realisierung zugesagt und wird das Projekt inhaltlich und didaktisch begleiten sowie seine Kompetenz für publikumswirksame interaktive Ausstellungen einbringen. Für die Finanzierung wird die Errichtung einer unabhängigen Trägerschaft angestrebt. Diese wird neben der Finanzierung die Einrichtung, Pflege und Präsentation der im Besucherzentrum angedachten Ausstellung sicherstellen.
Fühlen Sie sich mit dem Flugplatz Dübendorf und seiner faszinierenden Geschichte verbunden und möchten in irgend einer Form einen Beitrag leisten? Zögern Sie nicht mit uns Verbindung aufzunehmen.
Dübendorf, der wichtigste Schweizer Zivilflugplatz der Zwischenkriegszeit (VA-51735)
Dübendorf – Pioniergeist und glanzvoller Anfang
1910 eroberten die Aeroplane ausländischer und schweizerischer Konstrukteure und Piloten definitiv den Schweizer Luftraum. Diese Flugtage zogen Zehntausende von Begeisterten auf die stadtnahen Allmenden und Wiesen. Es entstanden auch erste „Flugplätze“, wie beispielsweise in Bern, Luzern und in Dübendorf. Schon Ende 1909 war der französische Ingenieur Reynold Jaboulin zum Schluss gekommen, dass sich in der Umgebung Zürichs nur das Gelände zwischen Dübendorf und Wangen für ein Flugfeld eigne. Die Finanzierung erwies sich allerdings als schwierig aber am 28. Juli 1910 konstituierte sich letztlich die „Schweizerische Flugplatzgesellschaft“ mit einem Kapital von 100‘000 Franken.
Obwohl das erste Flugmeeting in Dübendorf ein grosser Erfolg war, zeigten sich die nicht direkt betroffenen Gemeinden und die öffentliche Hand an einer finanziellen Unterstützung nicht interessiert. Als Ereignisse sind erwähnenswert:
- 1911 vollführte der Luzerner Max Bucher über Dübendorf den ersten erfolgreichen Nachtflug und eine erste Fliegerschule unter der Leitung von Hauptmann Jucker kümmerte sich um fliegerischen Nachwuchs.
- 1912 startete Attilio Maffei zu einem „Überlandflug“ nach Luzern und wieder zurück nach Dübendorf, was im selben Jahr auch dem in Luzern stationierten Parseval-Luftschiff in umgekehrter Richtung gelang.
- 1913 ereilte Ernst Rech, Fluglehrer von Hans Wanneck, der Fliegertod und so war es den Piloten Kunkler und Wanneck vorbehalten, mutigen und zahlungskräftigen Passagieren die Lufttaufe über Dübendorf zu ermöglichen.
- 1914 mussten es Loopings, Vrillen und Rückenflug sein, welche von den Franzosen Montmain und Poulet einem immer verwöhnteren Publikum dargeboten wurden. Auch die erste Frau startete in Dübendorf, die Französin Madame Richer auf Blériot.
Der Schweizer Flugpionier Oskar Bider besuchte im Juni 1914 erstmals Dübendorf, um dann bereits am 3. Dezember 1914 auf den „eidgenössisch“ gewordenen Militärflugplatz zurückzukehren.
Dübendorf – Wiege der Militäraviatik
Dem ersten Kommandanten Hauptmann Theodor Real standen 9 Spitzenpiloten und 8 selbstmitgebrachte oder requirierte Flugzeuge zur Verfügung. Erste selbstgebaute Doppeldecker „Wild“ und „Häfeli“ wurden ab 1916 als Schul- und Aufklärungsflugzeuge eingeführt. Das erste wirkliche Kampfflugzeug wurde die 1917 in fünf Exemplaren beschaffte Nieuport 23, mit einem durch den Propellerkreis schiessenden Synchron-MG. Am Ende des 1. Weltkrieges 1918, standen 62 brevetierten Militärpiloten 50 Flugzeuge zur Verfügung. Fehlende Mittel liess die Zahl rasch auf 30 Piloten und 20 Beobachter schrumpfen. Der „Ausverkauf der Sieger und Besiegten“ erlaubte trotz der bescheidenen Mittel einen grosszügigen Ankauf moderner Flugzeugtypen verschiedenster Hersteller, sowie den Bau eigener Militärflugzeuge (Wild und Häfeli). 1924 umfasste die Fliegertruppe sechs Abteilungen mit insgesamt 234 Flugzeugen.
Angesichts der Gefahr eines erneuten Krieges gelang eine sukzessive Erneuerung des Flugmaterials und 1936 wurden die „Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr“ einem eigenen Waffenchef unterstellt. 1938 konnten sogar modernste Kampfflugzeuge des Typs Me-109E beschafft werden, welche die Militärflugzeuge eigener Fertigung („K+W C-35“ und „Morane 406“) wirkungsvoll ergänzten. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde aus Sicherheitsgründen die Infrastruktur von Dübendorf in die Innerschweiz verlegt. Erst nach der Schaffung eines Überwachungsgeschwaders erfolgten wieder Starts ab Dübendorf. In den letzten Kriegsjahren landeten fast 200 ausländische Flugzeuge auf Schweizer Boden oder wurden zur Landung gezwungen, die meisten davon in Dübendorf.
Nach dem Kriegsende wurden erste Düsenflugzeuge erprobt und aufgrund der positiven Erfahrungen auch in grösseren Stückzahlen beschafft (De Havilland DH-100 „Vampire“ und DH-112 „Venom“). 1974 waren mehr als 3000 Mitarbeiter in 10 Betrieben und ca. 30 Anlagen für den Betrieb von Flugzeugen, Flugsicherung und Bodeneinrichtungen tätig. 2005 erklärt die Armeeführung auf den Standort Dübendorf inskünftig zu verzichten und letztmals startete dort im Dezember eine F/A 18.
Dübendorf – Europas Drehscheibe im zivilen Luftverkehr
Nach dem Ersten Weltkrieg waren es insbesondere ehemalige Militärpiloten, welche an eine zivile Nutzung des Flugzeuges glaubten. Dafür waren zu Beginn Wasserflugzeuge besser geeignet, denn mit diesen konnten die Flugtouristen in Stadtnähe und ohne grosse Infrastruktur direkt bedient werden. So war das Interesse an Dübendorf gering, hätte da nicht schon 1919 der damalige Kommandant der Fliegertruppe und spätere Direktor des eidgenössischen Luftamtes, einen ersten fahrplanmässigen Luftpostdienst mit Passagierbeförderung zwischen Dübendorf, Bern, Lausanne und Genf eingerichtet. Mit der Erklärung zum Zollflugplatz 1. Klasse konnten ab 6. November 1920 wieder Zivilflugzeuge starten und landen. Bis 1939 entwickelte sich Dübendorf bezüglich Zahl der Linien und Kurse, der beförderten Passagiere, Post, Fracht und Gepäck zum wichtigsten Flugplatz der Schweiz. Als Meilensteine dieser Entwicklung sind erwähnenswert.
- 1922 Erste internationale Luftverkehrslinie Genf-Zürich-Nürnberg der „Ad Astra“.
- 1926 Vertragsabschluss zwischen dem eidgenössischen Militärdepartement und dem Kanton Zürich über die Mitbenützung von Militärflugplatz und Funkstation.Im gleichen Jahr Erteilung einer Konzession für den Betrieb eines Zivilflugplatzes durch das eidgenössische Post- und Eisenbahndepartement.
- 1930 Das Zürcher Volk lehnt einen Ausbaukredit von 3,6 Millionen ab, obwohl der Kanton bereits fast eine Million für Landerwerb, Planie und Entwässerung ausgegeben hatte. 1931 fusionierten die beiden Gesellschaften Balair und Ad Astra zur Swissair.
- 1932 wird der Zivilflugplatz Zürich dem Betrieb übergeben, nachdem die Gründung einer gemischtwirtschaftlichen Flugplatzgenossenschaft eine Grossflugzeughalle mit Werft, eine Sportfliegerhalle und ein Stationsgebäude erstellen liessen.
- 1935 beginnt die Swissair zweimotorige Douglas-Flugzeuge einzusetzen, welche erstmals eine Direktverbindung nach London erlauben. Dank verbesserter Navigationsmethoden und radioelektrischer Schlechtwetterlandehilfen wird ein Ganzjahres-Flugbetrieb Wirklichkeit und die Luftfahrt zu einem vollwertigen Verkehrsmittel.
Furore macht aber insbesondere die Eröffnung der ersten Expresslinie Zürich-München–Wien mit amerikanischen Schnellflugzeugen Lockheed „Orion“ durch die Swissair.
Dübendorf – im Spiegel der Weltgeschichte
Neben seiner Bedeutung als Militärflugplatz und wichtigster Zivilflugplatz der Schweiz wurde Dübendorf auch zu einem führenden Zentrum des Flugsportes und der Lufttouristik. Dazu trugen insbesondere die 1922, 1927, 1932 und 1937 vom Aero-Club der Schweiz durchgeführten internationalen Flugmeetings bei, anlässlich derer die besten Piloten in sportlichem Wettbewerb das jeweils neueste Flugmaterial vorführten und so Hunderttausende von Zuschauern, aber auch eine internationale Fachwelt nach Dübendorf lockten. Eine Weltsensation bildete der am 18. August 1932 in Dübendorf erfolgte Start des Stratosphärenballons von Auguste Piccard. Anlässlich dieser zweiten Fahrt erreichte er dabei die damals kaum vorstellbare Höhe von 17‘000 Metern.
Gewaltige Menschenmengen brachten auch die beiden Landungen des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ (bezüglich umbautem Volumen bis heute das grösste je in der CH gelandete Luftfahrzeug) und die vielen Starts und Landungen von Walter Mittelholzer anlässlich seiner verschiedenen Pionierflüge, welche das Interesse breiter Kreise immer wieder nach dem Heimatflughafen der Swissair und damit nach Dübendorf lenkten. Aufgrund der Kriegsmobilmachung im September 1939 wurden die Flüge ab Dübendorf weitgehend eingestellt und die Swissair verlegte kurzzeitig einen Teil ihrer Flotte ins Tessin nach Locarno. Die auf den zeitweise in Betrieb kommenden Strecken nach Barcelona, Rom, München und Berlin eingesetzten Flugzeuge erhielten 1940 einen rot-weisse „Neutralitätsanstrich“ und auch das Flughafengebäude in Dübendorf wurde mit dunkelgrüner Farbe getarnt.
Die Kriegsjahre erwiesen sich als eine schwierige Zeit für Dübendorf und für die Swissair! So wurden in den Werfthallen im Rahmen von Dritt-Aufträgen teilweise aufwändige Reparaturen an Douglas-Maschinen der Lufthansa aber auch Revisionsarbeiten an Armeeflugzeugen durchgeführt. Eher kurios muten heute die „Keuchhustenflüge“ als Therapie für kleine Patienten an, welche Linderung in der reinen, kalten Höhenluft auf 4000 Metern Höhe bringen sollte.
Unter den in der Schweiz gelandeten ausländischen Kampfflugzeugen war die in den letzten Kriegstagen internierte Messerschmitt Me-262 das erste Düsenflugzeug auf Schweizer Boden. Ab August 1945 wurde der zivile Flugbetrieb wieder aufgenommen.
Wurde bei der Swissair ein Flugbetrieb mit grossen Passagiermaschinen noch 1944 ins Reich der Utopie verwiesen, bewiesen Bund und Kanton Zürich 1945 mehr Zukunftsglauben. Ein neuer Flughafen zwischen Kloten, Rümlang und Oberglatt wurde zum „Interkontinentalen Flughafen Schweiz“ erklärt und bereits 3 Jahre später wurde der zivile Flugverkehr von Dübendorf nach Kloten verlagert, Dübendorf damit wieder zum reinen Militärflugplatz.
Epilog – der Zukunft verpflichtet
Dübendorf immer wieder im Fokus der Luftfahrtgeschichte, so 1956 im Rahmen des Zürcher Flugmeetings gemeinsam mit dem neuen Zivilflugplatz Kloten. Am 26. Mai waren auf dem Gelände des Flughafens Zürich-Kloten erstmals aus nächster Nähe zu bewundern:
- Der amerikanische Überschalljäger North American F-100 „Super Sabre“
- Der grösste Truppentransporter der Welt C-124 „Globemaster“
- englische Düsenjäger Hawker „Hunter“ und französische „Mystère IV A“
- Das russische Düsenverkehrsflugzeug „Tupolev „Tu 104“ und der schwedische Düsenjäger SAAB „J-29“, nebst weiteren 50 Zivil- und Militär- Flugzeugen aus der Schweiz, Frankreich, Grossbritannien, Holland, Italien, Schweden, den USA und der USSR!
Am Sonntag 27. Mai wurden in Dübendorf nach dem Start des Ballons „Helvetia“ im Rahmen einer grandiosen Flugschau modernste Segel- Sport- und Touristikflugzeuge sowie Helikopter vorgeführt und danach die am Vortag in Kloten gezeigten Flugzeuge demonstriert. Durch den bekannten Testpiloten Neville Duke wurde auch erstmals die Schallmauer vor Publikum durchbrochen! 1982 konnten im Rahmen einer beispiellosen nationalen Spendenaktion die drei von den Fliegertruppen ausgemusterten Junkers gerettet und in einen mittlerweile über 30-jährigen äusserst erfolgreichen zivilen Flugbetrieb überführt werden, der Dübendorf als Heimatflughafen hat.
2010 reihte sich mit dem Zusammenbau und den ersten Versuchsflügen des Solarflugzeuges „Solar-Impulse“ von Bertrand Piccard und André Borschberg die vorläufig letzte Pioniertat in die beeindruckende Liste. Es ist sehr zu wünschen, dass diese fortgesetzt werden kann.
Bildquellen: Dokuzentrum Verkehrshaus der Schweiz, Luzern
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