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Als Ausdruck seiner Stellung als Nationalkünstler gilt bis heute Amiets grösstes Werk überhaupt: das „Apfelernte“-Wandbild für den Berner Museumserweiterungsbau der Architekten Karl Indermühle und Otto Rudolf Salvisberg. Die «Apfelernte» von 1936 ist «das» Programmbild der Geistigen Landesverteidigung, jener nationalistisch-konservativen Rückorientierung auf die eigene Werte, mit der sich die offizielle Schweiz in den dreissiger Jahren von ihren totalitären Nachbaren kulturell abzugrenzen suchte. Das Motiv: die stämmigen Berner Bäuerinnen bei der Apfelernte. Keinem anderen Künstler ist es so überzeugend gelungen, die damaligen Schlüsselbegriffe helvetischer Identität – rurale Arbeit, ländliche Ursprünglichkeit, nationale Selbstgewissheit – in einer derart daseinsnahen Paradiesbeschwörung malerisch veranschaulichen zu können.
Amiet auf einen volksverbundenen Heimatmaler zu reduzieren, wäre aber zu einseitig. Nicht zufällig verbrachte er in den 1930er Jahren, erstmals wieder seit seiner Studienzeit, regelmässig Zeit in München und Paris. Er suchte im Ausland neue Anregungen für seine Kunst und pflegte mit einem regen Gesellschaftsleben ein weit geknüpftes Beziehungsnetz, um seinen Anspruch, ein internationaler Künstler zu sein, zu demonstrieren. Dies bestätigt der Schweizer Kunsthistoriker und Schriftsteller Gotthard Jedlicka in seinen Worten im Juni 1938, als Cuno Amiet sich in seinem 71. Altersjahr befand: «Die künstlerische Unbefangenheit und Unbekümmertheit Amiets ist eigentlich das Gegenteil dessen, was man von der schweizerischen Kunst, was man von der schweizerischen Malerei erwartet. Er hat dadurch auf die schweizerische Malerei der letzten dreißig Jahre einen großen Einfluss ausgeübt.» Die Stellung, die Amiet innerhalb der Schweizer Kunst der frühen Moderne einnahm, wurde schon zu seinen Lebzeiten als überaus bedeutend eingeschätzt. Davon zeugen die dem Künstler gewidmeten Ausstellungen und Beiträge wichtiger Kunstpublizisten der Zeit.
Zahlreiche Studien, Drucke und Gemälde zeugen von Amiets fast lebenslanger Beschäftigung mit dem Thema der Obst- und Apfelernte. Auch in eigenen Worten äussert sich der Künstler über seine immerwährende Faszination: «Obsternten haben mich immer angezogen, so wie die frühen Maler immer Madonnen malten.» (Cuno Amiet in einer Ansprache im Kunstmuseum Bern, 14. Juni 1928)