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Weinbau Chile – Geschichte
Kleiner Exkurs in die Geschichte des Weinbaus in Chile
Wein auf Schiffen zu transportieren ist nicht einfach und bedeutet viel Platz und Gewicht. Doch ohne Wein konnte keine Messe gefeiert werden – also brachte ein spanischer Pater 1548 die ersten Reben nach Chile, um vor Ort Wein anzubauen. Drei Jahre später legte der ehemalige Eroberer Francisco de Aguirre bei Copiapó den ersten Cabernet-Sauvignon Weinberg an – andere Güter folgten rasch. Bis zur Unabhängigkeit Chiles im Jahr 1830 produzierte Chile vorwiegend Wein für den Eigenbedarf, denn der Export scheiterte häufig an Freibeutern sowie an den spanischen Zollgesetzen, die mit einem Exportverbot die Weinbauern im eigenen Land vor Konkurrenz schützen wollten. Mit der Unabhängigkeit Chile wurde 1830 die erste Agrarforschungsanstalt gegründet, die bald 70 internationale Rebsorten anpflanzte. Doch bis Mitte des 19.Jahrhunderts war chilenischer Wein im Ausland weitgehend unbekannt, denn weder Menge noch Qualität konnten mit europäischen Weingütern mithalten. Doch die Nachfrage nach edleren Tropfen wuchs und so führte 1851 der chilenische Diplomat Silvestre Ochogavía aus Frankreich u.a. Cabernet-, Pinot-, Merlot- und Rieslingreben ein – Sorten, aus denen bis heute die Qualitätsweine Chiles gekeltert werden. Gleichzeitig kamen französische Weinspezialisten ins Land.
Die grossen bekannten chilenischen Weingüter wurden alle überwiegend in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts gegründet und wurden schnell erfolgreich, was allerdings nicht nur an der Weinqualität lag, sondern auch der Reblaus zu verdanken war. Dieses kleine Insekt zerstörte Ende des 19.Jahrhunderts die meisten Reben in Europa und Übersee, verschont aber Chile bis heute. Chile ist das einzige Land auf der Erde, wo noch die alten, wurzelechten Rebklone wachsen, die sonst nirgends mehr angebaut werden können. Überall sonst werden veredelte Reben auf fremde Wurzelstöcke aufgepfropft, was Kennern zufolge die geschmacklichen Qualitäten unvorteilhaft verändert.
Die Prohibition bremste das Wachstum der chilenischen Weinwirtschaft (1938) – doch der endgültige Niedergang nahm seinen Lauf mit den Landreformen der christdemokratischen Regierung 1965 und später mit den Enteignungen durch die sozialistische Regierung unter Salvador Allende (1980). 1982 brach der Weinmarkt zusammen. Doch drei Jahre später begann mit Hilfe ausländischer Investoren der Neuanfang mit moderner Keltertechnik. Zudem wurde auf Klasse statt Masse gesetzt. Seit den 90iger Jahren erlebt der chilenische Weinbau einen rasanten Aufschwung. Die Rebflächen haben sich inzwischen verdoppelt, der Produktionsmenge stieg um 70% und der Export legte um 300% zu. Dank der Tatsache, dass es in Chile vorwiegend grosse Weingüter gibt, war der schnelle Umschwung relativ problemlos möglich.
Heute* exportiert Chile jährlich rund 800 Millionen Liter Wein im Wert von 1,7 Mrd. Euro, wovon rund 40% die Europäer trinken. Damit nimmt Chile weltweit die vierte Stelle der Wein exportierenden Länder ein.
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*Daten von 2014