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Die eigene in der Familie erlebte Armut und die religiöse Sozialisierung haben Sepp Riedener für die Hilfe am Nächsten sensibel gemacht. Er gründete als «Seelsorger auf der Gasse» die ökumenische kirchliche Gassenarbeit Luzern. Heute Donnerstag (10. November 2016) hat er den Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Universität Luzern erhalten.
Riedener wurde 1943 in Kreuzlingen im Kanton Thurgau geboren. Damals herrschte in Europa Krieg. Sein Vater erlitt als 45-Jähriger einen Hirnschlag und starb drei Jahre später. Die Mutter blieb allein mit ihren vier Kindern. «Die Armut hält Einzug», schreibt Riedener in seiner Biographie lakonisch über seine Jugend. Die Biographie ist im Buch «Kirchliche Gassenarbeit Luzern» abgedruckt, das im Sommer dieses Jahres erschien.
Trotz der Armut konnte der Junge studieren und zwar Theologie bei den Redemptoristen. Er trat dem Orden bei und feierte 1969 seine Primiz. 1974 wurde er vom Vatikan laisiert und heiratete. In seiner Arbeit verwirklichte er daraufhin die «Grundbotschaft Jesu, den Armen eine frohe Botschaft zu verkünden», wie er in seiner Biographie schreibt, indem er sich in Luzern um Randständige kümmerte.
Riedener gründete mehrere karitative Organisationen
1977 gründete er mit Gleichgesinnten den «Verein Drogen Forum Innerschweiz», dem er sieben Jahre vorstand. 1993 rief er den «Verein Kirchliche Gassenarbeit» ins Leben. 1996 folgte die Gründung des Vereins «Hôtel Dieu», der in Luzern ein Gasthaus führt. Dort können Menschen, die einsam sind, psychische Schwierigkeiten haben oder unter dem Existenzminium leben, auftanken.
2005 erhielt Riedener «für seine menschenwürdige Drogenpolitik» den Herbert Haag-Preis. Auch nach seiner Pensionierung arbeitet Riedener in einem 30-Prozent-Pensum als «Seelsorger auf der Gasse» weiter, wie er in seiner «Biographie» schreibt. Nun hat er den Ehrendoktor der Theologischen Fakultät Luzern als «Gründer und Pionier der kirchlichen Gassenarbeit Luzern» erhalten, wie die Hochschule mitteilt. Neben Riedener mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet wurden Prof. em. Dr. Mieke Bal, Prof. em. Dr. Peter Locher und Prof. Dr. Iris Bohnet.