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Sie sind laut, tragen schillernde, äusserst knappe Kostüme und hauen sich gegenseitig Klappstühle über den Schädel. Professionelle Wrestler sind als Entertainer in einer Klasse für sich. Das hält aber einige nicht davon ab, Karrieren als Schauspieler und sogar Politiker anzustreben zu wollen.
Vom Wrestler zum erfolgreichen Filmstar: Dwayne «The Rock» Johnson
Dwayne Johnsons Filme wie «Jumanji: Willkommen im Dschungel» oder «Fast & Furious: Hobbs & Shaw» haben weltweit über 10 Milliarden Franken an den Kinokassen eingespielt und machen ihn zu einem der erfolgreichsten Filmstars in Hollywood. Nur noch schwach ist die Erinnerung an seine Anfänge als «The Rock», sein launenhaftes Wrestler-Alter Ego, das mit hochgezogener Augenbraue und dem «People’s Ellbow», dem Ellbogen des Volkes, seine Gegner im Ring triezte.
Eigentlich wollte Johnson ja Profi in der American Football Liga werden, aber schon zwei Monate nachdem er für die kanadischen Calgary Stampeders zu spielen anfing, wurde er gefeuert. Also stieg er ins Familiengeschäft ein, denn sein Vater und Grossvater waren schon Wrestler und seine Grossmutter war eine der berüchtigtsten Wrestling-Veranstalter der USA. Johnson ist vielleicht der erfolgreichste, aber bei weitem nicht der einzige Wrestler, der es in Hollywood geschafft hat.
In «Fighting with My Family» spielt Johnson gar sich selbst. In der Filmbiografie über die Wrestlerin Saraya-Jade Bevis, zeigt Regisseur Stephen Merchant den harten Weg an die Wrestling-Spitze. Die Tragikomödie ist am 4. Februar 2022 auf SRF zwei zu sehen.
Kein Einzelphänomen: Wrestling-Stars in Hollywood und in der Politik
Einer, der schon mit Dwaynes Vater Rocky Johnson im Ring stand, war der französisch-bulgarische Wrestler André René Roussimoff, besser bekannt als André The Giant. Zunächst machte er sich mit Gastauftritten in TV-Serien wie «Der sechs Millionen Dollar Mann» als liebenswerter Riese einen Namen, bevor er 1987 als Fezzik in «Die Braut des Prinzen» besetzt wurde und damit internationalen Ruhm erlangte. Der Glanz Hollywoods war ihm jedoch egal. André sagte in Interviews, dass das beste an der Filmarbeit sei, dass ihn niemand anstarre, als wäre er eine Zirkusattraktion.
Auch die Frauen im Wrestling-Sport liebäugeln mit Hollywood. Während sich Stacy «Miss Hancock» Keibler vor allem durch Gastauftritte in TV-Serien wie «Psych», «How I Met Your Mother» und der amerikanischen Version von «Let´s Dance» einen Namen machte, war die Wrestlerin Chyna sowohl im als auch ausserhalb des Rings erfolgreich. Sie hielt als einzige Frau den Titel der WWF International Championship und landete in den 90er-Jahren als Joanie Laurer Rollen in TV-Serien wie «Sabrina – total verhext» oder «Hinterm Mond gleich links». Ihre Memoiren «If They Only Knew» schafften es sogar auf die Bestseller-Liste der «New York Times». Aber, eine alte Verletzung liess Chyna tablettensüchtig werden und sie starb 2016 an einer Kombination von Alkohol und Medikamenten.
Heute sind vor allem MME Kämpferinnen wie Ronda Rousey («The Expendables 3», «3 Engel für Charlie») oder Gina Carano, die in der Star-Wars Serie «The Mandalorian» eine Hauptrolle landen konnte, erfolgreich. Als Carano jedoch auf ihren sozialen Medien rechtsradikale Rhetorik verbreitete, wurde ihre Rolle aus der dritten Staffel herausgeschrieben. Bereits davor spielte Carano im Marvel-Film «Deadpool» die Mutantin Angel Dust.
Als sich seine Wrestling-Karriere dem Ende zuneigte, trat Jesse «The Body» Ventura in den 90er-Jahren eine politische Karriere an. Zunächst bewarb er sich für das Amt des Bürgermeisters von Brooklyn Park in Minnesota, das er bis 1995 inne hatte und 1998 kandidierte er als Gouverneur von Minnesota. Als Repräsentant der dubiosen Reformpartei stach er sowohl den demokratischen als auch den republikanischen Kandidaten aus. Im April 2020 trat Ventura Minnesotas Grüner Partei bei und liebäugelte mit einer Präsidentschaftskandidatur, die sich dann aber nicht materialisierte.
Auf den Spuren von «The Rock»: Wrestler John Cena und Dave Bautista
Heute treten vor allem John Cena und Dave Bautista in The Rocks Fussstapfen. Cenas Karriere ist mit Action-Filmen wie «The Suicide Squad» oder «Fast & Furious 9» gepflastert. Es ist aber sein Humor, den der Wrestler in Filmen wie Amy Schumers «Dating Queen» oder als Helikopter-Vater in «Der Sex Pakt» beweist, der ihn so erfolgreich macht. Bautista begann seine Karriere als Bösewicht in der TV-Serie «Smallville» und ist seither sowohl in renommierten Dramen wie «Dune», «Spectre» oder «Blade Runner 2049» als auch Action-Filmen wie «Guardians of the Galaxy» und Komödien wie «Stuber» zu sehen. Damit hat Bautista seine Kritiker Lügen gestraft und sich als der vielseitigste Charakterdarsteller, den die WWE je hervorgebracht hat, etabliert.
Zum Schluss bleibt natürlich die Frage, ob der einzige Schweizer im amerikanischen Wrestling-Zirkus eine Hollywood-Karriere ins Auge gefasst hat. Der Luzerner Claudio Castagnoli ist in der WWE als «Cesaro», «Swiss Superman» oder «The King of Swing» bekannt, was auf seine gute Technik als Ringer hinweist. Obwohl er 2008 im Oscar-nominierten Film «The Wrestler» als Statist mitgewirkt hat, hat Castagnoli bisher noch keine schauspielerischen Ambitionen, wie er in einem Interview mit der Luzerner Zeitung erklärte. «Wenn sich etwas ergeben würde, wäre ich zwar offen dafür», meint der in Florida lebende Schweizer. «Aber Los Angeles ist mir etwas zu anstrengend als Stadt.»