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«Jahrzehntelange Tradition», «Anstand» und «Fairness»: Die Liga-Vertreter brauchen grosse Worte, um klar zu machen, was auf dem Spiel steht. Im Hintergrund werkeln einige reiche Clubs an der Umgestaltung der Champions League. Sogar Spiele am Wochenende, traditionell den heimischen Ligen vorbehalten, sollen möglich sein.
Die Ligen bekämpfen die vorgeschlagenen Änderungen für die Champions League, die weitere Hindernisse für kleinere Clubs vorsehen. Sie befürchten, dass ihre eigenen Wettbewerbe in die Bedeutungslosigkeit verdrängt werden und damit auch nicht mehr gut vermarktet werden könnten.
Reiche Clubs setzen sich über Liga
Beim Kampf um die Zukunft der Champions League geht es auch um einen Machtkampf zwischen den grössten Clubs Europas und der übermächtigen Uefa gegen die Länderverbände.
Nick Noble, der Sprecher der Premier League, sagt: «Wir müssen entscheiden können, welches Format und welche Anspielzeiten in unserer Liga und unseren Cup-Wettbewerben gelten. Die Uefa und die reichen Clubs dürfen keine Entscheide treffen, welche die Grundstruktur des englischen Fussballs verändern.»
Mehr CL-Startplätze für wenige Clubs
Die mächtigsten Clubs Europas wie Real Madrid, Barcelona, Bayern München, Manchester United, Juventus und Paris Saint-Germain planen zum Beispiel, dass nur noch acht der 32 Champions-League-Startplätze über die Liga erkämpft werden können. Die restlichen 24 Mannschaften würden den grossen Vereinen zustehen.
Juve-Präsident Andrea Agnelli, der Präsident der mächtigen Europäischen Club-Vereinigung (E. C. A.), wollte sich nach dem Treffen der Clubs von letzter Woche nicht dazu äussern. Die Änderungen würden frühestens in einem Jahr beschlossen werden können. Allerdings hat er sich in der Vergangenheit schon mehrmals positiv zu solchen Zukunftsplänen geäussert.
Es geht ums Geld
Auch wenn über 200 Fussballvereine in der E. C. A. vertreten sind, geben einige wenige dort den Ton an. Es geht um sehr viel Geld – und damit Planungssicherheit. Haben die mächtigen Teams einen (fast) sicheren Platz in der Champions League, kann es ihnen zumindest aus finanzieller Sicht egal sein, wie sie in der heimischen Liga abschneiden. Sogar ein komplettes Loslösen davon wäre denkbar, mit einer eigenen europaweiten Liga für die Top-Vereine.
Führerlose Ligen-Vertreter
Die Liga-Vertreter sind in der Defensive. Und sie haben einen schweren Stand, da sie keine gemeinsame Linie in der Zukunftsfrage präsentieren können. E.-C.-A.-Präsident Agnelli und Uefa-Boss Aleksander Ceferin sind seit Jahren enge Freunde und bilden eine starke Lobby. Die Vereinigung der europäischen Ligen hingegen ist geschwächt, der Posten des Premier-League-Chefs ist seit Monaten vakant, Lars-Christer Olsson, der Präsident der europäischen Ligen, eben erst nach einer schweren Krankheit zurück in seinem Amt.
Ob sich die Ligen am Freitag auf eine gemeinsame Stimme und einen schlagkräftigen Plan für «die jahrzehntelange Tradition, «den Anstand» und «die Fairness» einigen können, ist unklar. Auch wenn ihrer Ansicht nach die Zukunft des Fussballs davon abhängt.