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Die Entwicklung der „Postkarte“ hat sich als hoch erfolgreiche Innovation im Bereich der postalischen Fernkommunikation erwiesen. Das Muster einer nicht nur les-, sondern auch betrachtbaren Karte hat sich insbesondere mit der massenhaften Verbreitung desVerreisens als touristisches Fernmedium par excellence bewährt („Urlaubsansichtskarte“). Als solches enthält es auf der Bildseite eine zumeist fotographische Abbildung des Urlaubsortes (die „Ansicht“) und auf der Schriftseite neben dem Adress- und Stempelfeld auch ein Schreibfeld für Mitteilungen aller Art („Urlaubsgrüsse“). Noch am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dieses Mitteilungsfeld nicht. Stattdessen wurde die Bildseite häufig mit ein paar Zeilen beschriftet. Mit dem Mitteilungsfeld auf der Anschriftseite haben diese ‚Parasiten‘ der Postkarte dann schnell ein eigenes Zuhause gefunden. Die sprachlichen Erscheinungsformen dieses Mitteilungsfeldes stehen im Zentrum des Forschungsprojektes. Auf der Grundlage eines Korpus von rund 10‘000 Ansichtskarten (von 1898 bis 2014) soll die Musterhaftigkeit dieser „Mitteilungen“ und ihr Wandel über die Jahrzehnte empirisch untersucht werden: Was schreibt man auf eine Ansichtskarte? Welche kommunikativen Aufgaben werden hier gelöst und wie sehen die charakteristischen sprachlichen Formulierungen aus?
Das textlinguistisch ausgerichtete Projekt nutzt korpuslinguistische Verfahren der maschinellen Auswertung grosser Datenmengen, um eine gesellschaftlich weit verbreitete Alltagspraxis privater Schriftlichkeit in ihren sprachlichen wie kommunikativen Implikationen zu erfassen.