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Bislang gibt es nach unserem Wissensstand keine genauen Untersuchungen der Farben der roten Unterdrucklinien bei den Zürcher Marken. Gnägi schreibt in seinem Buch «Die Zürcher Kantonalmarken von 1843» auf Seite 24, dass die Farbe vom hellen Rosa über karmin bis braunrot, dunkelbraun und grau vorkomme. Er kannte also verschiedene Nuancen. Auch Max Hertsch
schrieb mir zu diesem Thema Ende der 70er Jahre, dass ihm ein Stück mit braunen Unterdruck - linien zu Gesicht gekommen sei. Da aber von beiden keine Studien dazu zu Papier gebracht worden sind, war dies für uns eine der noch nicht geklärten und kaum besprochenen Fragen bei den klassischen Schweizer Marken. Dem wollten wir einmal auf den Grund gehen. Dazu verhalf der Erwerb von zwei Zürich 6, die diesem Thema dienlich sein könnten:
2 W, Type II, 92. Marke: Unter dem Binokular kann man hier Spuren von roter Farbe in der grauen Farbe drin erkennen. Mit der blossen Lupe betrachtet, ergibt dies den Eindruck eines braunen Unterdrucks. Als Mischfarbe sozusagen. Die roten Farbspuren erscheinen mehrheitlich am Rande der grauen Linien, sozusagen als «Schattierung» derselben. Man könnte daraus schliessen, dass
der Druckstein für den roten Unterdruck nicht sauber gereinigt und einfach mit grauer Farbe neu eingefärbt worden sei. Die (eingetrockneten) roten Farbspuren druckten teilweise noch mit,
wenngleich wesentlich schwächer als die graue Grundfarbe.
2 W, Type IV, 94. Marke: Die Marke weist klar graue Unterdrucklinien auf. Kaum Spuren von roter Farbe. Man könnte dies als späteren Zustand der oben beschriebenen Type II, 92. Marke bezeichnen. Hier waren die noch merklich sichtbaren Spuren von roter Farbe durch wiederholte Abdrucke oder aber neue Einfärbung mit grauer Farbe praktisch gänzlich verschwunden.
Nun wissen wir, dass man schon seit Reuterskjöld (seit 100 Jahren also!) gesehen hat, dass es in den Unterdrucklinien Unterschiede gibt. Man hat dies zu erklären versucht, indem man dies
meistens als Verblassung bezeichnet hat (zuviel Licht, allenfalls gar durch «Reinigung» bis zu chemischer Behandlung). Wir kennen diese Usanz beispielsweise auch von der 3. Auflage
der Zürcher Marken, die original ohne Unterdrucklinien gedruckt worden ist. Auch dort hat man solche Marken jahrzehntelang einfach als verblasst bezeichnet und attestiert.
Wir wollen nicht ausschliessen, dass diese Uraltmeinung auch heute noch etwas für sich haben könnte, aber nach unserem Dafürhalten ist sie wenig wahrscheinlich. Man müsste sich sonst die
Frage stellen, warum dann immer nur die Zürcher Marken bei zuviel Sonnenlicht verblassen sollten. Diese Spätdrucke wurden auf einem schlechten, porösen Papier gedruckt mit grauer, nicht schwarzer Farbe. Deshalb neigten sie sozusagen «von Haus aus» dazu, als «verblasst» bezeichnet zu werden. Bei den frühen senkrechten Marken werden Sie kaum Stücke ohne Untergrundlinien finden!
Uns scheint es angezeigt zu sein, dass heute, 175 Jahren nach Ausgabe der ersten Zürcher Marken, interessierte Sammler, Händler oder Prüfer sich dem Thema zuwenden. Die klassischen
Schweizer Marken stellen wohl eines der interessantesten philatelistischen Sammelgebiete dar. Wenn man nach 175 Jahren nach der Ausgabe immer noch neue Gebiete erforschen kann, ist
dies nicht gerade ein Beweis dafür?
Studieren Sie zu diesem Thema die Nummern 12 und 13 dieses Kataloges.