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Hepatologie
Beat Müllhaupt
Nicht-alkoholtoxische Lebererkrankung
Zur nicht-alkoholtoxischen Fettlebererkrankung ergab eine Erhebung bei 5'780 Einwohnern einer italienischen Stadt, dass die Prävalenz dieser Erkrankung in der allgemeinen Bevölkerung ungefähr 20 Prozent beträgt. Dabei stellten erhöhte Transaminasewerte keinen Risikofaktor für die nicht-alkoholtoxische Fettlebererkrankung dar, wogegen für gewisse mit dem metabolischen Syndrom assoziierte Parameter eine starke Korrelation mit dem Auftreten der Fettlebererkrankung beobachtet wurde [1]. Ausserdem zeigte eine US-amerikanische Studie, dass die Umstellung der Lebensgewohnheiten mit einer dauerhaften Gewichtsreduktion und regelmässigen körperlichen Aktivität bei Personen mit erhöhten Transaminasewerten eine Verbesserung oder sogar Normalisierung dieser Werte bewirkt [2].
Virale Hepatitiden
Bezüglich der notwendigen Dauer der Standardtherapie der chronischen Hepatitis C zeigte eine Studie mit 153 Patienten mit einer Infektion vom Genotyp 2 oder 3, dass bei Patienten mit einem virologischen Ansprechen nach 4 Wochen eine insgesamt 16-wöchige Behandlung mit pegyliertem Interferon-alfa und Ribavirin ausreichend sein könnte [3]. Demgegenüber ergab eine grosse amerikanische Studie, an der 1'469 Patienten mit einer Infektion vom Genotyp 2 oder 3 teilnahmen, für die 16-wöchige Therapie mit pegyliertem Interferon-alfa und Ribavirin eine signifikant niedrigere virologische Ansprechrate als für die 24-wöchige Behandlung [4]. Diese abweichenden Studienergebnisse sind schwierig zu erklären, könnten aber auf eine unterschiedliche Patientenpopulation zurückzuführen sein.
In einer Studie mit 235 Patienten mit einer chronischen Hepatitis C vom Genotyp 1 und niedriger Viruskonzentration war die Ansprechrate bezüglich dauerhafter Viruselimination unter der 24-wöchigen Therapie mit pegyliertem Interferon-alfa und Ribavirin deutlich geringer als diejenige bei historischen Kontrollen mit einer 48-wöchigen Behandlung [5]. Allerdings wurde gemäss einer Subgruppenanalyse bei den Patienten, deren Virustiter nach 4 Wochen unter die Nachweisgrenze gefallen waren, mit der 24-wöchigen Behandlung eine ähnliche Ansprechrate bezüglich anhaltender Viruselimination erzielt wie mit der 48-wöchigen Standardtherapie, so dass die Behandlungsdauer bei dieser Patientengruppe allenfalls verkürzt werden kann. Zur Frage, ob bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis C vom Genotyp 1 durch eine Verlängerung der Therapiedauer eine höhere Ansprechrate zu erreichen ist, ergab eine Studie für die 48-wöchige Therapie bei einem ähnlichen Patientenanteil eine dauerhafte Viruselimination wie für die auf 72 Wochen verlängerte Behandlung. Lediglich in einer Subgruppenanalyse konnte gezeigt werden, dass Patienten, bei denen nach 12-wöchiger Therapie mit pegyliertem Interferon-alfa und Ribavirin immer noch Hepatitis-C-Virus-RNS nachweisbar war, die Verlängerung der Behandlungsdauer eine signifikante Verbesserung der Ansprechrate bezüglich anhaltender Viruselimination bewirkte [6].
Im Zusammenhang mit den neuen Nukleosid-Analoga zur Behandlung der chronischen Hepatitis B zeigten neuere Studien, dass unter der Therapie mit Entecavir beziehungsweise Telbivudin sowohl bei einer HBeAg-positiven als auch bei einer HBeAg-negativen Infektion ein signifikant grösserer Anteil der Patienten eine histologische, virologische und auch biochemische Verbesserung erfuhr als unter der Behandlung mit Lamivudin [7–9]. Nach einer unkontrollierten Studie mit 74 Patienten mit einer chronischen Hepatitis B kann ein signifikant besseres Ansprechen erreicht werden, falls die Umstellung von der Therapie mit Lamivudin auf eine Behandlung mit Adefovir bereits bei Vorliegen einer genotypischen Resistenz und nicht erst bei Erreichen einer phänotypischen Resistenz vorgenommen wird [10]. Bei 46 Patienten mit einer HBeAg-positiven Hepatitis B, die eine Chemotherapie erhielten, wurde nach Beendigung der präemptiven Lamivudintherapie in 23,9 Prozent der Fälle eine Reaktivierung der Hepatitis-B-Viren festgestellt, wobei ein hoher prächemotherapeutischer HBV-DNA-Spiegel der wichtigste Risikofaktor für eine Reaktivierung war [11]. In zwei prospektiven Kohortenstudie mit 3'582 und 3'653 Taiwanesen mit einer Hepatitis-B-Infektion konnte über eine Nachbeobachtungsdauer von 11 Jahren gezeigt werden, dass das Risiko für eine Progression zu einer Zirrhose beziehungsweise zu einem hepatozellulären Karzinom mit zunehmender Viruskonzentration signifikant ansteigt [12, 13].
Lebertumoren
Gemäss einer prospektiven Studie mit 180 Patienten, die an einem einzelnen hepatozellulären Karzinom litten, war die Überlebensrate nach einer Radiofrequenzablation ähnlich wie nach einer chirurgischen Resektion, wobei aber die Häufigkeit von postoperativen Komplikationen nach der Ablation geringer war als nach dem chirurgischen Eingriff [14].
Leberzirrhose und portale Hypertonie
Zur diagnostischen Zuverlässigkeit der transienten Elastographie zeigte eine prospektive Studie mit 711 Patienten mit einer chronischen Lebererkrankung, dass die gemessene Steifigkeit der Leber signifikant mit dem Fibrosestadium korreliert war und dass der negative und positive Vorhersagewert dieser neuen Methode für den Nachweis einer Zirrhose je 90 Prozent betrug [15]. Bei Patienten mit einer Zirrhose und einer portalen Hypertonie wurde die Häufigkeit der Entwicklung von gastroösophagealen Varizen und von Varizenblutungen unter der Behandlung mit dem nichtselektiven Betarezeptorenblocker Timolol im Vergleich zu Plazebo nicht verringert, so dass Betarezeptorenblocker zur Prävention von Varizen nicht empfohlen werden können [16]. Die Injektion von N-Butyl-2-cyanoacrylat führte in einer Studie bei einem ähnlichen Anteil der Patienten mit einer Zirrhose oder einer akuten Magenvarizenblutung zu einer Kontrolle der akuten Blutungen wie die Ligatur, wobei aber nach der N-Butyl-2-cyanoacrylat Injektion weniger Rezidivblutungen auftraten als nach der Ligatur [17].
Bezüglich der protektiven Wirkung von Koffein konnte anhand der Daten von 9'849 Teilnehmern des «National Health and Nutrition Examination Survey» gezeigt werden, dass die kumulative Inzidenz der chronischen Lebererkrankungen nach einer Nachbeobachtungsdauer von 19 Jahren 1,4 Prozent betrug und durch den regelmässigen Konsum von Koffein gesenkt werden konnte [18]. Im Einklang mit diesen Resultaten war bei den 125'580 Personen ohne Lebererkrankungen, die im Rahmen eines Gesundheitsplans über 14 Jahre untersucht wurden, das relative Risiko für eine alkoholische Zirrhose bei einem regelmässigen Koffeinkonsum signifikant verringert [19].
PD
Dr. med. Beat Müllhaupt
Literatur