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Die Urca ist ein traditioneller Stadtteil von Bürgern der Mittel- und Oberklasse in der Südzone von Rio de Janeiro. Hier befindet sich eines der weltberühmtesten Geschenke der Natur an die Postkartenindustrie: der Zuckerhut (Pão de Açucar), welcher von einem etwas niedrigeren Berg, dem “Morro da Urca“ von Touristen aus aller Welt per Seilbahn angesteuert wird. Aber dieser, auf einer Halbinsel der Guanabara-Bucht gelegene Stadtteil hat auch einige bedeutende Einrichtungen zu bieten, wie zum Beispiel: die “Escola de Guerra Naval“ (die Schule der Marine), die “Escola Superior de Guerra“ (die Schule der Kriegsführung), das “Instituto Militar de Engenharia“ (das Militärinstitut zur Ingenieursausbildung) das “Centro Brasileiro de Pesquisas Físicas“ (das Brasilianische Zentrum für physikalische Forschung), das “Instituto Benjamin Constant“, die “Universidade Federal do Estado do Rio de Janeiro“ (die Uni von Rio) das “Fort São João“, das “Museu de Ciências da Terra“ (Museum der Wissenschaften der Erde), die “Companhia de Pesquisa de Recursos Minerais“ (Forschungsgruppe für Mineralien vorkommen) und das antike “Casino da Urca“ (Casino der Urca), welches nach dem Verbot der Glücksspiele in Brasilien, in den Sitz des TV-Kanals Tupi verwandelt wurde.
Historisches
Die Geschichte der Besetzung jenes Gebietes, das heute als Stadtteil Urca bekannt ist, geht zurück bis in den Anfang der Stadt “São Sebastião do Rio de Janeiro“ selbst. Im Jahr 1555 liessen sich französische Kolonisten unter dem Kommando von Nicolas Durand de Villegagnon in der Guanabara-Bucht nieder und zwangen Portugal dazu, eine Expedition zu entsenden, um sie zu vertreiben (1560).
Weil jedoch weiterhin Franzosen die Guanabara-Bucht besetzten, wurde eine neue Expedition unter dem Kommando des “Capitão-mor“ Estácio de Sá entsandt. Dieser richtete 1565 eine befestigte Siedlung am Eingang zur Bucht ein und erklärte am 1. März 1565 die Stadt “São Sebastião do Rio de Janeiro“ als gegründet (zu Ehren des Sebastião von Portugal). Der Ort seiner Landung und Stadtgründung war jener kleine Erdstreifen in der Senke zwischen den Bergen „Cara de Cão“ (dem Hundskopf) und dem “Pão de Açucar“ (Zuckerhut) – den man heute “Praia de Fora“ nennt, und der zu dem Terrain des Forts São João gehört. Nach der Landung errichtete man eine Kapelle aus Häcksel und Lehm, um dort die Statuette des São Sebastião aufzustellen. Der Gründer, Estácio de Sá, der 1567 starb, wurde in derselben Kapelle bestattet – und dort verblieb er bis ins Jahr 1583, als seine sterblichen Überreste zum “Morro do Castelo“ verbracht wurden, wo die Stadt bereits definitive Formen angenommen hatte.
Die ersten Häuser und Kirchen der Stadt gruppierten sich in dem Gebiet, wo sich heute das Fort São João und die Gymnastik-Schule des Heeres befinden. Nach dem Umzug der Stadt zum “Morro do Castelo“ wurde das “Dörfchen“ oder die “Alte Stadt“, wie sie von nun an hiess, nurmehr zur Verteidigung der Guanabara-Bucht benutzt.
Die ersten Gebäude, welche an der “Praia Vermelha“ errichtet wurden, waren wegen ihrer Lage nur als militärische Verteidigungsposten gedacht. Und gleich zu Beginn des 18. Jahrhunderts baute man auch ein Fort dorthin. Ab 1856 installieren sich an der “Praia Vermelha“, der Reihe nach, das Bataillon der Ingenieure und die Militär-Akademie. Erst ab dem Jahr 1938 wurde dieser schöne kleine Strand für die Bewohner der Stadt freigegeben – zusammen mit der Eröffnung des Platzes “Praça General Tibúrcio“.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existierte der Stadtteil Urca als solcher nicht, weil die Wellen der Guanabara-Bucht direkt bis an den Fuss des “Morro da Urca“ und des Zuckerhutes klatschten. Um damals zur “Praia de Fora“ und dem Fort São João zu gelangen, ging das nur auf dem Wasserweg per Boot.
Zwischen 1870 und 1880 träumte der portugiesische Geschäftsmann Domingos Fernandes Pinto davon, den Ort in einen neuen Stadtteil zu verwandeln – oder besser: in eine neue Stadt – “mit Gebäuden in einem neuen Stil – elegant und künstlerisch“. Am 2. März 1895 unterzeichnete er einen Vertrag mit der Stadt, in dem er sich verpflichtete, einen Kai zu konstruieren, der die “Praia da Saudade“, vor dem Institut Benjamin Constant, mit der “Escola de Aprendizes de Artilheiros“ (Schule für Artillerie-Eleven) verbinden würde. Jedoch wurde seine Absicht von der Heeresführung zunichte gemacht, die anführte, dass dieses Werk die Verteidigung vom Fort aus behindern würde (Später sah man ein, dass eine entsprechende Erdaufschüttung einen schnelleren Zugang zum Fort erlauben würde und liess 1919 einen neuen Vertrag von Domingos Fernandes Pinto unterzeichnen – aber das war zu spät, denn dieser stab dann kurz danach.
1921 gründete der Ingenieur Oscar de Almeida Gama die anonyme Gesellschaft “Empresa da Urca“, um einen Kai zu bauen, welcher dieselben Termini jenes Vertrags von 1919 zugrunde legte. Unter den vielen Klauseln des Schriftstücks zur Konstruktion des Stadtteils Urca befand sich auch eine, die verlangte, eine Schule für 200 Schüler einzubegreifen – das ist die heutige “Escola Minas Gerais“.
Die “Avenida Portugal“ wurde offiziell vom Präsidenten Epitácio Pessoa eingeweiht, und in derselben Epoche erhielt die antike “Praia da Saudade“ den Namen Avenida Pasteur“. Gleich darauf verteilte die Präfektur Grundstücke des aufgeschütteten Meeresufers entlang der Küste an Sportvereinigungen – damals entstand, unter anderen, der “Fluminense Yachting Club“, der heute “Yachte Clube do Rio de Janeiro“ heisst.
Der Bebauungs- und Strassenplan der Urca wurde 1922 abgesegnet. Das Terrain war ab sofort bereit zur Bebauung, und weil das Gebäude des “Hotel Balneário“ dringend eines verbesserten Schutzes gegen die anbrandenden Wellen bedurfte, vergrösserte man den Sandstreifen und errichtete Dämme – der Strand bekam seine heutige Form. Demnach liegt der effektive Anfang des Stadtteils Urca am Ende des Jahres 1922 und am Anfang von 1923, als dort die ersten Gebäude entstanden.
Einwohner
“Die Urca“ beherbergte am Anfang des 20. Jahrhunderts einen Teil der Aristokratie – und etwas später eines der meist frequentierten Casinos mit etlichen Casion Spielen der Stadt: das “Casino da Urca“. Und wegen seiner Nähe zum Casino residierten grosse Namen des Show-Biz in diesem Stadtteil, wie zum Beispiel Dalva de Oliveira und die bekannte Carmen Miranda, die Brasilianerin, der die Eroberung Hollywoods gelang.
Der Stadtteil Urca setzt sich aus kleineren Gebäuden zusammen – ehemalige Häuser der Militärs, wegen der Nähe zum Fort São João und dem Militärischen Ausbildungszirkel – sowie einigen historisch bedeutsamen Gebäuden. Der Journalist und Gründer der GLOBO-Organisation, Roberto Marinho, und die grosse Dame der Carioca-Gesellschaft, Lourdes Catão, brachten den Stadtteil in Bewegung während jener Jahre, die sie dort wohnten. Andere illustre Persönlichkeiten residierten in der Urca, und die waren für das gesellschaftliche Ansehen, welches dieser Stadtteil noch heute geniesst, verantwortlich. Hier steht zum Beispiel auch das Haus des Sängers Roberto Carlos, des Musikkritikers Ricardo Cravo Albin, des Unternehmers Nazir João Cosac, des Bankiers Guilherme Arinos Lima Verde de Barroso Franco und des Komponisten Herivelto Martins.