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Die Finanzierung gewisser muslimischer Verbände in der Schweiz durch Länder, die einen fundamentalistischen Islam befürworten, führt regelmässig zu Diskussionen. Für Mallory Schneuwly Purdie, Verantwortliche für Forschung am Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg, kann nur eine grössere staatliche Anerkennung dieser Institutionen ermöglichen, sich von ausländischer Vormundschaft zu befreien.
Ein Museum der "Zivilisationen des Islams" wird diesen Freitag, 27. Mai 2016, in La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg eröffnet. Im Vorfeld war ein Streit über die Herkunft der für den Betrieb erforderlichen Mittel ausgebrochen, weil ein Teil davon aus Stiftungen der Golfregion stammte. Diese werden bezichtigt, einen fundamentalistischen und militanten Islam zu fördern.
swissinfo.ch: Was halten Sie von der Eröffnung eines Museums der Zivilisationen des Islams in La Chaux-de-Fonds?
Mallory Schneuwly Purdie: Es ist schwierig, sich dazu zu äussern, ohne es gesehen zu haben, doch die Idee finde ich aus verschiedenen Gründen interessant: Einerseits, weil es ein Projekt ist, das von Frauen getragen wird und so die passive Rolle der muslimischen Frauen aufbricht.
Andererseits, weil die Muslime entschieden haben, selber das Image zu prägen, das sie von ihrer Religion in die Öffentlichkeit tragen wollen. Sie möchten nicht länger nur mit dem oft negativen Bild in Verbindung gebracht werden, das die Medien von ihnen zeichnen.
swissinfo.ch: Ist die Finanzierung durch Mäzene aus der Golfregion in ihren Augen ein Problem?
M.S.P.: Das Projekt ist völlig privat. Falls der Verein, der das Museum führt, frei ist, den Islam so darzustellen, wie er das wünscht, Nuancen zu zeigen und andere Strömungen zu präsentieren, die nicht jenen der Spender entsprechen, dann sehe ich kein Problem.
Vorausgesetzt natürlich, dass die Mittel aus legalen Quellen stammen. Aber ich zweifle nicht daran, dass die Aufsichtsbehörden ihre Prüfungsarbeit geleistet haben.
swissinfo.ch: Politikerinnen und Politiker wie die christdemokratische Aargauer Nationalrätin Ruth Humbel verlangen mehr Transparenz bei der Finanzierung der muslimischen Institutionen in der Schweiz. Ist das eine legitime Forderung?
M.S.P.: Heute werden die muslimischen Verbände durch das Privatrecht geregelt. Deshalb müssen sie ihre Buchhaltung nicht offenlegen. Man kann aber nicht einfach ohne jegliches Entgegenkommen Transparenz verlangen.
Wenn man künftig verhindern will, dass diese Verbände von Geldgebern aus dem Ausland abhängig sind, muss man ihnen die Möglichkeit geben, sich in der Schweiz zu finanzieren. Dies würde aber erfordern, dass diese Verbände als Organisationen von öffentlichem Interesse anerkannt werden. Dieser Status würde ihnen ermöglichen, von ihren Mitgliedern eine "Kirchensteuer" zu erheben.
(Übertragen aus dem Französischen: Christian Raaflaub)