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Geschichte
Aus Wilas Vergangenheit
Über Lage und Bau der malerischen, mitten im Dorf auf einer Anhöhe stehenden Kirche erzählt die Sage, dass ein frommer, von seinem wilden Bruder ermordeter Landenberger im Testament die Erbauung einer Kirche auf der Höhe angeordnet habe. Als man mit dem Bau begann, wurde das Baumaterial Nacht für Nacht von "nebelhaften Gestalten" auf den Hügel getragen, auf welchem der Verstorbene sein Grab in seinem Lieblingsgärtchen hatte.
Bei den umfassenden archäologischen Grabungen anlässlich der 1978-1980 erfolgten Kirchenrenovation stiess man auf Pfostenspuren einer frühmittelalterlichen Holzkirche aus der Zeit um 700. Erstmals urkundlich verzeichnet findet man den Namen der Gemeinde Wila 1275 in einem Steuerrodel des Bistums Konstanz. 1288 wurde die Wallfahrtskapelle Wila erstmals auf einer in Rom ausgefertigten Pergamenturkunde erwähnt.
Eine fast 21 Meter lange, 19 Zentimeter breite Pergamentrolle, so dick wie eine Telefonstange, mit den Zeugenaussagen eines Prozesses gibt Zeugnis von einem langen Streit im Jahre 1383 um die Frage, ob die Galluskirche in Turbenthal oder die Marienkirche in Wila die Mutterkirche sei. Der Entscheid des bischöflichen Gerichts musste zu ungunsten von Wila ausgefallen sein, denn in der Folge wurde Turbenthal als Sitz der Mutterkirche erklärt.
Nach unablässigen Anstrengungen erreichte Wila 1466, sich von Turbenthal zu lösen und eine selbstständige Pfarrkirche zu besitzen. Bis 1706 gehörte allerdings fast das ganze Gebiet des heutigen Sternenberg zu Wila.
Bei der Schilderung der Geschichte von Wila kommt man nicht um die Erwähnung des Landenberggeschlechts herum, das nicht nur im mittleren Tösstal - mit den drei Stammburgen Alt-, Breiten- und Hohenlandenberg sondern weit in den heutigen Thurgau hinaus einen grossen Einfluss ausübte. Davon zeugt auch das heutige Gemeindewappen, das mit dem Schild der Breitenlandenberger übereinstimmt und deshalb noch in zahlreichen Burgen der Ostschweiz anzutreffen ist.
Man hat die vier Landenbergzweige auch schon charakterisiert und Altlandenberg die tragische, Hohenlandenberg die kriminelle, Breitenlandenberg die langlebige und Landenberg-Greifensee die erfolgreiche Linie genannt. Auf heutigem Gebiet der Gemeinde Wila lag die Burg Hohenlandenberg, die allerdings schon 1344 zerstört wurde, weil deren Besitzer, Beringer II., bekannt war für seine kriegerische Art und auch Falschmünzerei betrieb.
Weiter brachte es eine Nebenlinie der Hohenlandenberger, deren bedeutendster Vertreter wohl Hugo IV, von Hohenlandenberg, Bischof von Konstanz während der Reformationszeit war.
Heute ist die Burgstelle ein beliebtes Wanderziel und gehört dem Verkehrsverein, der die vom Talgrund hinauf und zur Ruine Altlandenberg ob Bauma weiterführenden Guyer-Zellerwege betreut.
Das Leben in der zweiten Hälfte des Neunzehnten Jahrhunderts schildert Olga Meyer sehr anschaulich in ihrem Jugendbuch "Sabinli". Während das wohl bekanntere "Anneli" in Turbenthal wohnte, lebte "Sabinli" im Flarz "Schönau", der heutigen Brenggau am Eingang des Steinenbachtals.
Der Hof ist leider in einer kalten Februarnacht des Jahres 1986 niedergebrannt.
An "Sabinli" erinnert in unserer Gemeinde der Brunnen auf dem Pausenplatz vor dem Oberstufenschulhaus mit der Sabinlifigur.
Im "Sabinli" lesen wir von den Verkehrswegen im letzten Jahrhundert, vom Bau der Tösstalbahn, von Heimarbeit, von einer Hochzeitsgesellschaft, die mit ihrem Break beim Durchqueren der Töss ins Wasser kippte, wobei die mitgenommenen Würste flussabwärts schwammen...
Zum Jubiläum "500 Jahre selbstständige Kirche Wila", hat die Kirchenpflege 1966 die "Geschichte der Kirchgemeinde Wila", verfasst vom damaligen Pfarrer Peter Trüb herausgegeben. Sie ist in 2. erweiterter Auflage bei der Kirchenpflege erhältlich.
Verkehr
Es ist heute kaum mehr vorstellbar, dass eine durchgehende Talstrasse erst zwischen 1830 und 1840 gebaut worden ist und vorher bis Winterthur keine einzige befahrbare Tössbrücke existierte. Sämtlicher Wagenverkehr musste entweder beschwerliche Wege auf den oft steilen Strassen über die beidseitigen Bergketten suchen oder das Tössbett benutzen. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts erlebten die Bewohner des Tösstales schwere Zeiten, denn die ehemals florierende Heimindustrie wurde stark von den aufkommenden Fabriken be- und verdrängt. Bessere Verkehrswege bildeten eine erste Voraussetzung, wieder Verdienste ins Land zu bringen. Unter erheblichen finanziellen Opfern der Tösstalgemeinden, der Stadt Winterthur und privaten Geldgebern realisierten rührige Pioniere den Bau der Tösstalbahn, wel-che am 4. Mai 1875 von Winterthur bis Bauma den Betrieb aufnehmen konnte und in den vielen Jahrzehnten einen gewichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Erschliessung des Tales leistete. Im Juni 1876 beschädigte ein katastrophales Hochwasser die Bahnanlagen schwer und zerstörte die Linie an dreizehn Stellen mit einer Gesamtlänge von über zwei Kilometern. Finanzielle Schwierigkeiten führten dazu, dass die ur-sprünglich selbständige Tösstalbahn-Gesellschaft per 1. Januar 1918 an die SBB überging.
Weniger schön ist heute der wachsende Durchgangsverkehr auf der Tösstalstrasse. Im Rahmen einer Sanierung der Hauptstrasse trug der Kanton diesem Problem Rechnung und gestaltete den Strassenraum nach modernen Sicherheitsaspekten mit Eingangspforten und Inseln. Der Gemeinderat hat ein Verkehrskonzept ausgearbeitet, nach dem er sich bei Bauvorhaben und Sanierungen richtet.
Gewerbe
Während im übrigen Tösstal die Textilindustrie zumeist die Töss als Wasserkraft nutzte und sich vorwiegend dem Flusslauf entlang ansiedelte, mussten sich in Wila angehende Fabrikanten auf Seitenbäche beschränken und das kostbare Nass in weit verzweigten Kanalsystemen an den Hängen des Tales sammeln. Übrig geblieben sind davon lediglich noch einige Stauweiher, welche heute teilweise wieder instand gestellt sind und viel zur Bereicherung der Landschaft beitragen. Die früher dominierenden Textilbetriebe wie die Seidenweberei Rosenberg oder die Jacquardweberei Haeberlin haben seit langem ihre Produktion eingestellt. Auch die Korbwarenfabrik, welche früher viele Korbflechter in Heimarbeit beschäftigte, gibt es nicht mehr. In der Nachkriegszeit war bis in die 90er-Jahre die Werkzeug- und Apparatefabrik Bosshard der wichtigste Arbeitgeber der Gemeinde. Heute haben sich in ihren Gebäuden zusätzlich verschiedene KMU eingemietet. Auch die beiden grossen Baugeschäfte haben in den letzten Jahren ihre Tätigkeit in Wila eingestellt.
Die grössten Arbeitgeber sind heute Betriebe wie eine Sägerei, eine expandierende Schreinerei und Metallwerkstätten. In jüngerer Zeit siedelten sich zudem einige neue Gewerbe des Maschinenbaus, der Autobranche, Mechanik, Sprengtechnik, Steuerungstechnik und ein florierendes Brockenhaus an.
Bevölkerung
Manchmal scheint es, die einheimische Bevölkerung habe sich dem Charakter der Töss angepasst: meist ruhig, und manchmal trocken, mit gelegentlichen überbordenden Ausbrüchen, so etwa früher zu Wahlzeiten. Seit 1950, als noch 913 Personen in der Gemeinde Wila wohnten, hat sich das Dorf kontinuierlich entwickelt. Der Schwerpunkt verlagerte sich jedoch zunehmend ins Tal, was dazu führte, dass die früheren Gesamtschulen im Schuppis und Talgarten aufgehoben wurden. Nachdem die Oberstufe bereits 1964 eine neue, inzwischen erweiterte Schulanlage beziehen konnte, verfügt auch die Primarschule seit 1977 über eine Mehrzweckanlage mit Gemeindesaal, Kindergarten, Bibliothek und Turnhalle. Gerade der Saal hat sich inzwischen zu einem über die Gemeindegrenzen hinaus wirksamen Kulturzentrum entwickelt, in dem nicht nur einheimische Kräfte - der Musiker Toni Vescoli wohnte hier, sondern immer wieder andere bekannte Künstler auftreten. Zum festen Programm gehört ein alljährliches Gastspiel des "Theater für den Kanton Zürich".
Wila heute
Gesamthaft gesehen ist Wila eine Gemeinde, in der es sich gut leben lässt – was man eigentlich nicht weitersagen sollte. Ein zunehmender Siedlungsdruck aus der Agglomeration Winterthur und aus dem Zürcher Oberland führte Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre zu einem eigentlichen Bau-Schub; doch hat die Gemeinde mit relativ engen Bauzonen einer Expansion Grenzen gesetzt. In den nächsten Jahren wird aber ein grösseres Gebiet im Ghöngg überbaut.
Nebst der Sanierung der in die Jahre gekommenen Wasser- und Abwasseranlagen ist der Hochwasserschutz eine der grössten (finanziellen) Aufgaben der nächsten Jahre. Es gilt mit den nötigen baulichen Massnahmen die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen und das Siedlungsgebiet sicher zu machen.
Ein weiteres Thema ist die Zusammenlegung von Gemeinden. Wila ist mit seinen rund 2000 Einwohnern zwar nicht sofort in Zugszwang, viele Aufgaben wie Altersheime, Spitex, Feuerwehr, Zivilschutz, Betreibungsamt, Schwimmbad, Sozialdienst, Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung etc. werden heute schon im Verbund mit andern Gemeinden in der Region organisiert. Trotzdem stellt sich Wila mit den andern Tösstaler Gemeinden die Frage, ob die heutigen Strukturen noch zeitgemäss sind.