Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03328.jsonl.gz/911

Vor etwas mehr als hundert Jahren war der Rhein der grösste Lachsfluss in Europa. Rund eine Million Lachse schwammen im Rhein. Ihre Laichgründe erstreckten sich bis in die Voralpen. Seit über 500'000 Jahren steigen Lachse in den Rhein und seine Nebengewässer bis in die Schweiz auf. Aufgrund von Verbauung und dem darauffolgenden Verlust von Lebensraum, dem Verlust von Laichgebieten durch den Bau von Kraftwerken, Wehren und Dämmen und der sich fortschreitend verschlechternden Wasserqualität im Verlauf des 20. Jahrhunderts gilt der Lachs seit 1958 bei uns leider als ausgestorben.
Lachse wandern über lange Strecken
Sobald der Lachs ein bis zwei Jahre alt ist und sein Schuppenkleid silbrig wird, macht er sich von seinem Geburtsort, meist einem kleinen Fluss, auf Wanderschaft in die Weltmeere. Diese Reise kann bis zu mehreren tausend Kilometern lang sein. Bis zu seiner Geschlechtsreife lebt er im Meer und kehrt dann im Alter von etwa fünf, sechs Jahren zurück an seinen Geburtsort, um dort zu laichen. Die freie Fischwanderung flussauf- und -abwärts ist daher von grundlegender Bedeutung für die Erhaltung gesunder Lachsbestände.
Hindernisse
Wasserkraftwerke sind die grössten Hindernisse für eine Rückkehr des Lachses. Heute verhindern noch wenige Wehre französischer Kraftwerke zwischen Strassburg und Basel die Rückkehr des Lachses in die Schweiz. Bis 2027 müssen in Frankreich die Kraftwerke Rhinau, Marckolsheim und Vogelgrün (im Besitz der Electricité de France) und in der Schweiz das Kraftwerk Birsfelden für Lachse passierbar gemacht werden, damit den Atlantischen Lachsen der Weg in die Schweiz uns besonders auch nach Luzern in die Reuss offensteht.
Der WWF fordert die Kraftwerkbetreiber auf, auch die Abwärtswanderung der Fische zu berücksichtigen, Lösungen zu erarbeiten und diese insbesondere bei baulichen Veränderungen mit in die Planung einzubeziehen. Fischtreppen ermöglichen es dem Lachs hinaufzuwandern. Den Fluss hinunterwandern kann der Lachs durch Leiteinrichtungen oder einen «Bypass», einen separaten Durchgang neben dem Kraftwerk.
Lachs als Indikator für den Zustand der Flüsse
Ist der Lachs in der Lage sich in der Schweiz wiederanzusiedeln, so indiziert dies auch den guten Zustand der hiesigen Gewässer. Wenn der Lachs in der Lage ist zu gedeihen, so geht es dem ganzen Ökosystem im und ums Wasser gut.
Mehr Kiesflächen müssen her
Damit der Lachs laichen und sich vermehren kann, braucht er genügend lockere, von sauerstoffreichem Wasser durchströmte Kiesflächen. Der WWF initiiert und koordiniert im Einzugsgebiet des Hochrheins und den wichtigsten Zuflüssen im Mittelland Projekte mit dem Ziel, die potenziellen Lebensräume des Lachses mit genügend Kies aufzuwerten.
Jährlich werden im Flusseinzugsgebiet des Rheins in den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Aargau bis zu 30'000 Junglachse ausgesetzt. So starten wir die Entwicklung einer neuen Lachs-Population in der Schweiz. Dank den Aufwertungen und Kiesflächen entstehen neue Lebensräume, wo sich Lachse vermehren können.
Der Lachs in Luzern
Auch in der Zentralschweiz war der Lachs heimisch. Er schwamm bis in die Reuss und umliegende Fliessgewässer. Durch die Sanierung des Kraftwerks Emmenweid soll auch die Kleine Emme wieder fischgängig gemacht werden. Davon dürften nicht nur der Lachs, sondern auch andere Arten wie die Seeforelle und Äsche profitieren.