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Spitzenlastkappung mit Stromspeicher um 1902
Zwischen 1902 und 1929 wurde ein Stromspeicher zum Betrieb der Bremgarten Dietikon Bahn eingesetzt. Die Bahn bezog damals die Energie aus dem Wasserkraftwerk Bruggmühle. In den Wintermonaten lag der Wasserstand der Reuss für eine ausreichende Stromproduktion oft zu tief. In der Nacht wurde der 123Ah 1C Speicher geladen, um am Tag die Bahn über den Mutschellen zu befördern. Die Stromkosten lagen damals bei 4.5 Rp/kWh.
Der Bau der Bahn
Die erste Teilstrecke wurde in nur 2 Jahren geplant und gebaut. Die Bahnlinie über den Mutschellen wurde als Schmalspurbahn praktisch durchwegs auf der Strasse erstellt, was erheblich zur kurzen Bauzeit beitrug. Ab 1912 folgte dann die Verbindung der BDB nach Wohlen über die neue Eisenbahnbrücke. So schrieb die Schweizerische Bauzeitung 1902 zur Erstellung der Bahn über den Mutschellen:
„Die Vorbedingungen für den Bau der neuen Bahnverbindung waren auch insofern günstig, als in Bremgarten die Wasserkraft der Reuss zur Gewinnung des elektrischen Stromes herangezogen werden konnte und als die schön angelegte Staatsstrasse über Rudolfstetten es ermöglichte, ohne nennenswerte Arbeiten für einen eigentlichen Bahnkörper den Schienenweg zu erstellen.“
Quelle: Schweizerische Bauzeitung, Nov 1902
Stromspeicher
Damit untertags auch bei geringer Wasserführung der Reuss ausreichend Energie für den Bahnbetrieb verfügbar war, erstellte die Bahn auf dem Inseli eine grossen Stromspeicher (Akkumulatoranlage). Die Batterie speicherte den überschüssigen Strom zu Randzeiten und in der Nacht. In einem Riegelbau hinter dem Maschinenhaus wurde diese „Pufferbatterie“ untergebracht. Sie bestand aus zwei Halbbatterien von je 200 Zellen und hatte eine Kapazität von 123Ah bei 123A Entladestromstärke. Die Kapazität erhöhte man bald auf 196Ah und später auf 444Ah.
Die von der Akkumulatorenfabrik Oerlikon gelieferte Speicherbatterie diente von 1902 bis Mitte 1929 zur Nutzung der überschüssigen Nachtenergie, während die Stromerzeugung mit der von Escher Wyss gelieferten Dampfmaschine bereits 1917 aus Kostengründen aufgegeben wurde.
1909 - Verstärkung der Akkumulatorenbatterie von 123 auf 148 Ampèrestunden zum Abdecken der sonntäglichen Verkehrsspitzen.
1911 - Verstärkung der Akkumulatorenbatterie von 148 auf 196 Ampèrestunden, Instandstellung der Gleichstromgeneratoren
1917 - Die Dampfmaschine wird abgestellt und stillgelegt. Die Bahngleichstromgeneratoren werden durch 380V Drehstromgeneratoren ersetzt.
1923 - Verstärkung der Akkumulatorenbatterie von 196 auf 444 Ampèrestunden in der Bruggmühle
1929 - Abbruch der alten Anlagen der BDB und Verkauf des Speichergebäudes an das EW Bruggmühle
Quelle: Inäbnit, 100 Jahre Bremgarten-Dietikon-Bahn; Verlag Prellbock 2002
Energielieferung
Der Betrieb der Bremgarten Dietikon Bahn (BDB) basierte auf der Stromlieferung der Bruggmühle AG. Das Elektrizitätswerk zur Bruggmühle engagierte sich für das Zustandekommen der neuen Bahn und erwarb 10 Aktien à Fr. 500.- von der BDB. Ein Vertrag regelte die Lieferung von 70 bis 90 PS und die gegenseitigen Beziehungen. Schalttafel, Generatoren, Stromspeicher und Leitungen erstellte die BDB. Der Energiepreis ab Turbinenwelle lag bei 4,5 Rp/kWh.
Als Kraftzentrale installierte man in der Bruggmühle für die BDB zwei Gleichstrom-Generatoren, geliefert von der Maschinenfabrik Oerlikon mit der dazugehörenden Schaltanlage.
Kraftzentrale der BDB in der Bruggmühle – erbaut durch die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO). Im Hintergrund beidseitig der Riemenscheibe die beiden Generatoren und die Marmor-Schaltanlage. (Bild MFO).
Die BDB war der grösste und wichtigste Kunde des Elektrizitätswerks zur Bruggmühle AG. Die Wasserkraftenergie der Bruggmühle erleichterte damals die Realisierung der elektrischen Bremgarten-Dietikon-Bahn. Die anfänglich garantierte Leistung erhöhte man 1911 werktags auf 100 PS und an Sonntagen auf 170 PS ab Turbinenwelle.
Dampf-Genset (Dampfmobil)
Früh bezogen auch erste Bremgarter Haushalte Strom für Licht und für Bügeleisen. Industriebetriebe belieferte man mit dreiphasigem „Kraftstrom“. Das Dampfmobil diente zur Sicherung der Versorgung. Das mit Holz oder Kohle beheizte Dampfmobil, mit einer Leistung von 50 kW, wurde von 1900 bis 1917 eingesetzt.
Das Museum Reusskraftwerk in Bremgarten
Im Reusskraftwerk Bruggmühle im aargauischen Bremgarten nutzte man die Wasserkraft für erste industrielle Pionierleistungen. Ein Museumsbesuch der sich lohnt: Museum Reusskraftwerk Bremgarten.
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Die damaligen Blei-Akkumulatoren der Speicher-Frühzeit erreichten durch eine gut abgestimmte Steuerung eine erstaunlich lange Lebensdauer. Dank vieler Innovationen sind die modernen Stromspeicher von heute im Vergleich wesentlich fortschrittlicher.
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