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HIV und AIDS:
Anzeichen und Übertragung
Bei HIV handelt es sich um eine erworbene Virusinfektion, die das Immunsystem schwächt. Die HI-Viren zerstören die Helferzellen des Immunsystems, so dass dieses Seine Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen kann und z.B. Krankheitserreger leicht in den Körper eindringen und diesen schädigen können. Das äussert sich zunächst in grippeähnlichen Symptomen, später auch in Gewichtsverlust oder einer Lungenentzündung. AIDS bezeichnet die Endphase der Infektion. Lesen Sie, welche Symptome ausserdem typisch für HIV sind, wie das Virus übertragen und behandelt wird.
HIV (humanes Immundefizienzvirus) ist eine Viruserkrankung, die zu einer Immunschwäche führt. Das Virus attackiert die Abwehrzellen (T-Helferzellen) des Immunsystems, so dass diese ihrer Funktion, der Bekämpfung von Krankheitserregern, wie etwa Bakterien, aber auch der Eliminierung entarteter körpereigener Zellen nicht mehr nachkommen können. Infolgedessen steigt das Risiko für Infektionen und andere Krankheiten, wie etwa Krebs. AIDS – Acquired Immunde Deficiency Syndrome (erworbenes Immundefizienzsyndrom) ist die Bezeichnung für die Endphase der HIV-Erkrankung, in der die Leistungsfähigkeit des Immunsystems unter eine bestimmte Schwelle fallen und deshalb zum Teil lebensbedrohende Krankheiten auftreten. Ohne Behandlung verläuft eine HIV-Infektion immer tödlich.
Je nach Stadium der Erkrankung treten unterschiedliche Indikatoren auf. Anfangs verursacht das HI-Virus keine Beschwerden. Erst nach zwei bis sechs Wochen zeigen sich Symptome, die denen einer Erkältung oder Grippe ähneln. Daher bleibt die HIV-Infektion zu Beginn vielfach unbemerkt, vor allem auch, weil diese Symptome nach einigen Wochen wieder von allein abklingen.
Erste Anzeichen sind:
- Fieber
- Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen
- geschwollene Lymphdrüsen im Halsbereich, geschwollene Mandeln
- Müdigkeit/Abgeschlagenheit
- Nachtschweiss
- Hautausschlag mit kleinen, roten Pusteln, überwiegend auf Brust und Rücken
Mit der fortschreitenden Schwächung des Immunsystems wird die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten immer grösser. Es können folgenden Symptome in Erscheinung treten:
- Fieber über 38,5 Grad
- Störungen der Nerven mit Taubheitsgefühlen, Kribbeln in den Gliedmassen, Muskelschwäche
- Durchfall, der über mehrere Wochen anhält
- Gürtelrose
- Pilzinfektionen im Mund- und Genitalbereich
Spätestens dann sollte man rechtzeitig daran denken, einen HIV-Test durchzuführen.
Nach durchschnittlich sieben bis 12 Jahren (manchmal sogar erst nach 20 Jahren) treten die für AIDS charakteristischen Infektionskrankheiten auf (AIDS definierende Erkankungen). Das das Immunsystem ist zu diesem Zeitpunkt bereits stark geschädigt, die Helferzellen sind unter einen definierten Schwellenwert abgesunken.
Typisch sind im AIDS-Stadium neben dem bereits erwähnten folgenden Erkrankungen:
- bakterielle Lungenentzündung
- Infektionen mit seltenen Erregern (Toxoplasmose, Kryptokokken)
- verschiedene Krebsarten, z. B. Kaposi-Sarkom (Hautkrebs)
- Entzündung des Gehirns bis hin zu Demenz
- chronische Herpesvirus-Infektionen
- Wasting-Syndrom: Fieber und Müdigkeit, starker Gewichtsverlust, langanhaltender Durchfall (über 30 Tage)
AIDS lässt sich auf eine HIV-Infektion zurückführen. Die äussere Schicht des HI-Virus besteht aus einer Eiweisshülle, die sich aufgrund seiner besonders beschaffenen Oberfläche leicht an menschliche Zellen anhaften kann (Schlüssel-Schloss Prinzip). Das ist überwiegend der Fall bei den T-Helferzellen, die durch das Virus zusammen mit anderen Immunabwehrzellen zerstört werden. Infolgedessen wird das Immunsystem geschwächt und uns sonst ungefährliche Erreger können leichter eindringen und Infektionen auslösen. Organe können ebenfalls von einer Schädigung durch die Hi-Viren betroffen sein.
HIV ist relativ schwer übertragbar. Im Alltag kann das Virus nicht übertragen werden. Eine Ansteckung ist nur möglich, wenn Viren in ausreichender Menge in den Körper gelangen. Das passiert vor allem beim Sex oder Drogenkonsum. Vor einer Übertragung kann man sich gut schützen.
Übertragen werden kann das HI-Virus über das Blut, also auch Blutkonserven bei einer Transfusion (bei uns in der Schweiz kontrolliert und darum ohne Risiko). Eine Ansteckung über Tröpfcheninfektion (z. B. beim Husten oder Niesen) ist nicht möglich.
Am häufigsten wird HIV beim ungeschützten Vaginal- oder Analverkehr übertragen. Ein Schutz bieten Kondome und Femidome und die PrEP. Eine Verletzung der Schleimhaut oder eine Geschlechtskrankheit (z. B. Syphilis oder Gonorrhöe) erhöhen das Risiko (nicht intakte Hausbarriere). Bei einer erfolgreichen HIV-Therapie ist das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar. HIV kann dann selbst beim Sex nicht übertragen werden.
Auch beim Konsumieren von Drogen können sich Suchtkranke über verunreinigte Spritzen und Nadeln anstecken. Schwangere Frauen können bei der Geburt oder anschliessssend beim Stillen HIV auf das Neugeborene übertragen, allerdings gibt es mittlerweile gute Möglichkeiten, dies zu verhindern.
Bei Verdacht auf eine HIV-Ansteckung sollte der erste Gang zum Hausarzt führen. Dieser kann dann gegebenenfalls weiter zu einem HIV-Experten (Infektiologen) überweisen. Im Anamnese-Gespräch werden Fragen zum Lebenswandel, z. B. zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr, Drogenkonsum durch Spritzen und zu möglichen Symptomen gestellt. Anschliessend folgt die körperliche Untersuchung, bei der Lymphknoten auf Schwellungen abgetastet werden.
Weiterhin wird geschaut, ob ein Hautausschlag zu finden ist. Schliesslich folgt ein HIV-Bluttest (AIDS-Test). Dafür wird meist Blut aus der Armvene entnommen und im Labor überprüft. Es gibt aber auch einen Schnelltest, bei dem das Blut aus der Fingerkuppe entnommen wird. Werden Antikörper im Blut gefunden, erfolgt ein zweiter Test, um das Ergebnis zu bestätigen.
HIV und AIDS sind bis heute nicht heilbar. Allerdings lässt sich die Infektion gut behandeln. Bei einer medikamentösen Therapie geht es primär darum, die Viruslast im Blut unter die Nachweisgrenze zu reduzieren und damit das Immunsystem zu schützen – das Virus infiziert keine weiteren Zellen mehr und das Immunsystem kann sich erholen. Eine frühzeitige medikamentöse Behandlung kann die Symptome nicht nur in Schach halten, sondern auch AIDS verhindern. Personen unter einer wirksamen HIV-Therapie sind für ihre Partner nicht mehr ansteckend.
Damit ist auch die Möglichkeit auf ein weitestgehend unbeschwertes Leben mit durchschnittlicher Lebenserwartung gegeben. Die Arzneimittel ein Leben lang eingenommen werden, doch verhindern sie den Übergang in ein höheres Krankheitsstadium und verhindern eine Ansteckung anderer.
Es gibt mehrere Möglichkeit, sich vor einer HIV-Ansteckung zu schützen. Das Praktizieren von geschütztem Sex, also die Verwendung eines Kondoms beim Vaginal- oder Analverkehr oder eines Femidoms (spezielles Frauenkondom) reduziert das Risiko einer Übertagung. Auch ist es möglich, zur Prävention ein spezielles Medikament in Tablettenform einzunehmen, die sogenannte Prä-Expositions-Prophylaxe (HIV-PrEP). Nichtinfizierte können vor einem intimen Kontakt mit einem HIV-Positiven diese Methode anwenden. Bereits HIV-positive sollten ihre Partner durch eine wirksame HIV-Therapie vor einer Übertragung schützen – in diesem Fall ist auch einen PrEP durch den HIV-negativen Partner nicht mehr nötig.
Welche Option im Einzelfall am meisten Sinn macht, wird am besten mit einer HIV-Spezialistin oder einem HIV-Spezialisten besprochen.
Drogensüchtige sollten darauf achten, sterile Nadeln und Spritzen zu verwenden und sich diese nicht mit anderen teilen.
Da die medizinischen Standards in Entwicklungsländern meist nicht denen von westlichen Industrienationen entsprechen, sollte bei Reisen an solche Orte auf medizinische Behandlungen wenn immer möglich verzichtet werden, bei denen eine Person in Kontakt mit Spritzen oder Blut kommen könnte.
Die Chancen auf ein normales Leben mit einer HIV-Infektion stehen heute so gut wie nie. Dank guter Behandlungsmöglichkeiten erreichen Betroffene meist ein höheres Alter und Ansteckungen können rechtzeitig verhindert werden, so dass eine Partnerschaft oder Schwangerschaft problemlos bestehen kann. Wichtig ist eine gute medizinische Betreuung durch einen kompetenten HIV-Experten. Wenden Sie sich daher an eine entsprechende Fachperson und halten Sie sich an die Therapiemassnahmen.
Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse ist, wie bei allen anderen Personen auch, sicher von Nutzen. Schutzimpfungen, etwa gegen Influenza oder Pneumokokken, können schwere Krankheiten zusätzlich abwehren.
Auskunft zu rechtlichen und anderen Fragen erhalten Sie ausserdem bei der AIDS-Hilfe Schweiz.
Weitere Informationen und unterstützende Angeboten finden Sie bei:
- Beise, Uwe und Kronenberg, Andreas. Guideline zu HIV/AIDS Schweiz (Stand: November 2020), unter: https://www.medix.ch/wissen/guidelines/infektionskrankheiten/hiv-aids/ Abrufdatum: 25.11.2022)
- Universitätsspital Zürich. HIV, unter: https://www.usz.ch/krankheit/hiv (Abrufdatum: 25.11.2022)
- AIDS-Hilfe Schweiz, unter: https://aids.ch/de/haeufigste-fragen/hiv-aids/ (Abrufdatum: 25.11.2022)
- Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten. Was ist HIV & AIDS?, unter: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/hiv-aids/was-ist-hiv-aids.html (Abrufdatum: 25.11.2022)
- Robert Koch Institut. HIV Infektion/AIDS, unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HIV_AIDS.html (Abrufdatum: 25.11.2022)
- Bundesamt für Gesundheit BAG. AIDS, unter: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/aids.html (Abrufdatum: 25.11.2022)