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Wimbledon bleibt für Rafael Nadal die schwierigste sportliche Herausforderung in den letzten Jahren. Mit seinem Ausscheiden gegen Gilles Muller hatte niemand gerechnet - auch er selber nicht.
"Ich habe eine gute Möglichkeit verpasst", bekannte Nadal nach dem 4:48 Stunden dauernden Fünfsatzkrimi gegen Gilles Muller, den der Aussenseiter aus Luxemburg kurz vor Einbruch der Dunkelheit mit dem fünften Matchball zum 15:13 beendete. Er habe besser als in anderen Jahren gespielt und sei bereit gewesen für "grossartige Dinge", sagte Nadal. "Es ist nicht das Resultat, das ich erwartet habe."
Experten wie der frühere Wimbledon-Sieger Goran Ivanisevic hatten den Spanier nach den Eindrücken der ersten Woche bereits als Topfavoriten auf den Titel gehandelt. Doch einmal mehr reiste Nadal vorzeitig aus dem Südwesten Londons ab. Seit 2011 und der Finalniederlage gegen Novak Djokovic erreichte er an der Church Road nie mehr die Viertelfinals, nachdem er zuvor bei fünf Teilnahmen in Folge den Final erreicht hatte. Lukas Rosol, Steve Darcis, Nick Kyrgios, Dustin Brown und nun eben Gilles Muller hiessen seither die Bezwinger des Champions von 2008 und 2010 auf dem "heiligen" Rasen. "Es ist die Hölle für Nadal", schrieb die Boulevardzeitung "The Sun".
Die auf dem Court 1 angesetzte Partie hatte für Nadal bereits schmerzhaft begonnen. Als er und Muller vor der Partie in den Katakomben auf den Einmarsch auf den Platz warteten, knallte Nadal bei einem Hüpfer mit dem Kopf heftig gegen einen Türrahmen. Der Zwischenfall erwies sich als schlechtes Omen, fünf Stunden später verliess er den Court nach einem epischen Duell als Verlierer.
Nadal zeigte sich als fairer Verlierer. "Im fünften Satz hatte er mehr Chancen als ich, darum hat er den Sieg wahrscheinlich auch mehr verdient." Beim Verlassen des Courts wartete er geduldig auf seinen Bezwinger und nahm sich danach auch noch die Zeit, ein paar Autogrammwünsche der Fans zu erfüllen. Einzig die wiederholte Frage nach seinem Onkel Toni, der ihn ab dem neuen Jahr nicht mehr auf der Tour begleiten wird, brachte Rafael Nadal leicht in Rage. Diese Frage habe er schon mehrmals beantwortet. "Mein Onkel wandert nicht nach China aus. Er ist in der Academy, und wir wohnen zwei Minuten voneinander entfernt."
Spätzünder Muller
Während Nadal, der auch nach Wimbledon das Jahresranking anführen wird, eine weitere bittere Niederlage im Südwesten Londons kassierte, feierte Gilles Muller vor den Augen von Prinz Felix von Luxemburg seinen grössten Erfolg der Karriere - mit 34 Jahren und 2 Monaten. Vor zwölf Jahren hatte Muller in Wimbledon Nadal bereits einmal besiegt, der Erfolg am Montag schlug aber wesentlich höhere Wellen, hatte Nadal doch seit seiner Fünfsatzniederlage im Australian-Open-Final in Melbourne gegen Roger Federer an einem Grand-Slam-Turnier keinen Satz mehr abgegeben.
Muller befindet sich in der besten Phase seiner Karriere. Zu Beginn des Jahres gewann er in Sydney sein erstes Turnier - in der 17. Saison als Profi. Zu Beginn der Rasensaison doppelte er in 's-Hertogenbosch nach. "Seit drei Jahren kann ich die Saisons jeweils durchspielen, was mir zuvor aufgrund von Verletzungen nicht möglich war", begründete Muller seine jüngsten Erfolge. Seine letzte Verletzung sei womöglich das Beste gewesen, was ihm habe passieren können. "Weil ich Probleme mit dem Ellbogen hatte, konnte ich kein Racket in die Hand nehmen. Ich konnte nur an meiner Fitness arbeiten und bin seither in so guter körperlicher Verfassung wie noch nie."
Vor Beginn seiner Profi-Karriere hatte Muller als grosses Talent gegolten. 2001 erreichte er in Wimbledon den Final der Junioren, den er gegen den Schweizer Roman Valent verlor, später beendete er das Jahr nach dem Sieg am US Open als Nummer 1 der Junioren. Nun, knapp 16 Jahre später, bietet sich dem einstigen Viertelfinalisten am US Open (2008) die Chance zum ganz grossen Durchbruch doch noch. Am Mittwoch wartet in den Viertelfinals der Kroate Marin Cilic.
SDA-ATS