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Der AB-Bahnhof Gossau
Mehr Zufall als Planung: die zeitliche Koordination
Die AB fuhr gleichzeitig mit der SBB-Verlegung ab 1. Oktober 1913 mit der Inbetriebnahme ihrer neuen Strecke von Herisau in ihren neuen Gossauer Bahnhofteil ein, welcher auf der Südseite der SBB liegt.
Grosszügig von Beginn weg
Die AB erstellte in Gossau eine viergleisige Anlage und sie konnte an die gleichzeitig erstellte Personenunterführung der SBB anknüpfen. 1992 erhielt auch der Schmalspurteil seinen vollen, 140 m langen Mittelperron mit Rampe und zweiter Einstiegkante.
Ebenso gab es einen Schuppen (heute vermietet) samt Längs- und Stirnrampe für den Umlad der Stückgüter sowie einen Bockkran mit 10 t Tragfähigkeit. Man versprach sich einen namhaften Güterverkehr durch die vielen Industriebetriebe in Herisau. Gossau als Ausgangsbahnhof der AB hat genügend Abstellgleise für den bei Spitzenverkehr erhöhten Wagenbedarf. Der Gepäckverkehr zwischen AB und SBB wurde mittels Elektroschlepper besorgt. Die direkt neben dem Bahnhof liegende «Butterzentrale» (seit 1927, heute Wohn- und Geschäftsüberbauung «Perron 3») war Empfängerin von Rahmtransporten aus dem Appenzellerland. Dieses Unternehmen stellte bis zu seiner Schliessung im Jahre 2001 unter anderem den bekannten Tafelbutter der Marke «Floralp» her.
Ein eingleisiger Wagenschuppen stand (und steht noch heute) in der Südwestecke der Anlage; dagegen war keine Lokremise vorhanden. Eine Drehscheibe mit 9 m Durchmesser lag ebenfalls am Westende der schmalspurigen Anlage. Die Gleisbenützung war so dimensioniert, dass auf AB-Gleis 1 der abfahrbereite Zug nach Herisau stand und auf Gleis 2 ein zweiter Zug einfahren konnte. Gleis 3 galt als «Maschinengleis» zum Umfahren der Lokomotive, Gleis 4 (und allenfalls 5, als Option gedacht) als Abstellgleis.
1992 erhielt auch der Schmalspurteil seinen vollen, 140 m langen Mittelperron mit Rampe und zweiter Einstiegkante.
Der Güterverkehr kommt nie richtig in Fahrt
Während der Personenverkehr der Appenzeller Bahn sich stets einigermassen befriedigend entwickelte, kränkelte der Güterverkehr von Anfang an vor sich hin. Ein Hauptgrund für diese wenig erfreuliche Entwicklung dürfte wohl der zeitraubende Warenumlad von der Normalspurbahn auf die schmalspurige AB in Winkeln gewesen sein. So ist bekannt, dass viele Geschäftsleute es vorzogen, mangels speditiver Beförderung ihrer Fracht ihre Waren per Fuhrwerk nach Gossau - und nicht nach Winkeln! - zu befördern oder von dort abzuholen. Das wurde leider auch nach der Verlegung des Anschlusses nach Gossau nicht wesentlich besser. Jedenfalls blieb der Güteverkehr stets unter dem gesamtschweizerischen Mittel.
Nach der Elektrifikation wurde die Drehscheibe auf der Westseite überflüssig. Dagegen wurden die Güteranlagen auf der Ostseite erweitert. 1978 wurde die bis 2003 benützte Rollbockanlage System Vevey errichtet. Hier übernahmen 8 Paare sowie 4 zunächst gemietete, dann gekaufte BDWM- Rollbock-Paare die normalspurigen Güterwagen. Deren Traktion erfolgte zunächst mit dem ABe 4/4 43 der AB, später mit einem oder (lasthalber) zwei ABDeh 4/4 1-5 der SGA und zuletzt mit der Lok Ge 4/4 1 der AB. Bis zur Reduktion der nicht mehr benützten Gütergleise hatte die Rollbockanlage eine eigene signalmässige Ein- und Ausfahrt. Nachdem die Einrichtung seit 2003 unbenützt und eingemottet blieb, wurde sie 2011 umgebaut zur Übergangsanlage für Fahrzeuge 1000 / 1435 mm.