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Forschungsarbeiten im Hölloch im Muotatal
Winter 1950/1951Von Hugo Mit 6 Bildern ( 73—78 ) und 1 GrundrißskizzeLuzern ) Die Forschungsergebnisse sind wiederum reichhaltig. Eine verwirrende Menge Stollen ergänzen den letztjährigen Plan. Gar manche Nacht hindurch haben wir gearbeitet, an Silvester während 28 Stunden. Anhand der Pläne lassen sich stets neue Möglichkeiten erkennen, so dass nicht einmal die topographische Erforschung erschöpft ist.
In kurzen Zügen erläutern wir den beigefügten Plan, der Ansporn zu weitern Forschungen bietet. Durch die Anstrengungen der welschen und unserer Gruppe sind wissenschaftliche Kreise aufmerksam gemacht worden, dass die Dissertation Paul Eglis eine Unsumme von Fragen unbeantwortet lässt.
1. Der alte Plan, erstellt von Dr. Paul Egli. Mit Bestürzung fanden wir darin Fehler. Doch vergesse man nicht, welche Aufopferung vor fünfzig Jahren erforderlich war, um auch nur den Riesensaal zu erreichen. Es bleibt eine grosse Leistung, sich aufgerafft zu haben, einen Plan zu zeichnen. Der Hauptgang ist im wesentlichen richtig eingetragen. Der Seengang zeigt aber starke Knickungen. Der Riesengang streicht bedeutend mehr nach Norden, der Äolsgang mehr östlich als südöstlich und der Nordgang nach Norden, nicht nach Osten 1.
Beim Vermessen dieser Gänge erlebten wir folgendes: Im Seengang überkriecht man auf zwei Drahtseilen einen Teich. Dieser Drahtsee war am 8. Oktober randvoll, drei Wochen später leer und dann wieder angefüllt. Zwischen Wegscheide und Aquarium trafen wir am 29. Oktober eine Nebelwand an. In der Alligatorenschlucht rauschte am 5. November der Kleine Höllbach herab, überschüttete die Metalleiter und durchnässte uns. Der regenreiche Monat liess den Höllbach anschwellen und trieb ihn durch den Hauptgang ins Tal, was zu dieser Zeit selten ist. Die Forschungen wurden unterbrochen.
2. Der Plan von 1951 beginnt erst am Ende des ausgebauten Teils, also bei der Sandhalde ( 600 m im Berginnern ), enthält die Verbesserungen des alten Plans, ferner den Plan von 1950 und die seither erforschten Abzweigungen, nämlich:
a ) Der Vogelgang mündet ins Aquarium ( 1260 m vom Eingang, Höhe 720 m ) und verläuft westlich, leicht aufwärts. Nach 20 m durchwatet man einen Weiher. Aus dem Hintergrund flog ein Vogel über die Wasserfläche und kehrte vor uns um. Er wiederholte dies dreimal bei gelöschtem Licht. Meine Lampe blitzte auf und beleuchtete graugrünes Gefieder mit hell-gestreiften Flügeln. Eine Blaumeise, eine Bachstelze? Trotz unserm Piepsen blieb das arme Geschöpf verschwunden. Wie gern hätten wir ihm den Weg zum Licht verraten I Der Vogelgang schwingt sich zuletzt über schlüpfrige 1 Vermessungen von Mitgliedern der Sektion Pilatus, JO Pilatus, Ortsgruppe Surental. Die Alpen - 1951 - Les Alpes14 Platten steil über dem Hauptgang hinan. Nach 20 m mühsamen Kletterns blieb das Gefälle ungebrochen 1.
bDas Höllbachtal ist kurvenreich, ebenfalls mannshoch, mit tiefer Rinne versehen und endet im Teufelssee, den mein Gefährte nackt über- wand. Für Menschen keine Fortsetzung. Aus zwei Löchern strömt jeweils der Kleine Höllbach zum Vogelgang und zur Alligatorenschlucht2.
c ) Der Steigbügel ist niedrig und verbindet den Hauptgang mit dem Seengang unter Umgehung der Wegscheide. Nicht empfehlenswert3.
d ) Der Trauergang. Nach der zweiten Felsstufe jenseits der Nordkammer gelangt man zur Windpfeife, die, nur 20 cm hoch, keinen Durchschlupf erlaube, berichtet Egli. Luft brause durch die Öffnung. Bei Windstille krochen wir gleich an drei Orten in einen unbekannten Gang, der bald in einen stotzigen, mit Pflaster verschmierten Schacht übergeht und nach 20 m aufgegeben wurde 4.
e ) Der Krebsgang ( 243 m lang, 1,5 m hoch ) verbindet Punkt 1750 des Seengangs ziemlich waagrecht mit dem Riesengang. Beim Koboldsee ist ein Tor, die Krebszange, heikel zu erzwingen, östlich davon finden sich Tropfsteine vor, ausserdem ein 2,8 m tiefer Strudeltopf mit rötlichem Wasser 6.
fDer Dolinengang liegt zwischen Seen- und Riesengang. Ein 10 m breiter Rachen führt seitlich hinein. Fels- und Kiesboden, Gewölbe mannshoch. Auf halbem Weg ein seltsamer Kessel, der gefährlich auf abschüssigem Band überlistet wird.
g ) Der Mäanderstollen. Im Seengang, vor dem Tor des Dolinengangs, sichteten wir drei Löcher. Eins leitet nur 20 m weiter. Die andern vereinigen sich zu einem misslichen Schleichstollen, der in Windungen leicht abwärts zum Riesengang strebt. Zuletzt Wasserlachen 6.
h ) Der Domgang '. Egli kehrte beim Faulen Dom um. Spätere Besucher stiessen in den Himmelsgang vor; denn die Welschen fanden Spuren vor. Der Domgang gewährt einen bequemen Anmarsch. Hinter dem Faulen Dom durch ein Schuttloch zum Schwarzen Dom und zur Domkanzel. Der Grund ist nun lehmbedeckt, der Gang mächtig und ansteigend. Er endet bei Punkt 2350 in einem Seitenbecken. Hernach waagrechter Kriechstollen zu den Katakomben, wo wir ein Jahr zuvor angesichts eines Abbruches aufgaben. Dieser mündet in den Domgang. Im Labyrinth zündeten wir in eine herrliche Tropfsteinkammer, vermochten aber nicht einzudringen. 1 Erstmals begangen von Jeger Hans ( Sektion Pilatus ) und dem Verfasser am 31. Dezember 1950.
2 Gleichfalls.
3 Erstmals von Baur Bruno ( JO Pilatus ), Hegnauer Otto jun. ( Zug ) und Brun Ferdi ( JO Pilatus ) am 31. Dezember 1950.
4 Jeger H. und der Verfasser am 31. Dezember 1950.
5 Erstmals von Baur B. und Dr. Hans Moser ( Ortsgruppe Surental ) am 7./8. Dezember 1950.
6 Erstmals von Jeger H. und dem Verfasser am 31. Dezember 1950.
7 Vermessen durch Schwyzer Georg ( Sektion Uto ), Schneider Otto ( Sektion Uto ) und dem Verfasser.
Vogelgang V= Vogelweiher Höllbachtal T= Teulelssee Krebsgang 1Rondell 2Krebszange 3Koboldsee Katakomben 1Kriechstollen 2Schlucht 3Sattelgang 4Labyrinth 5Pilai ussee ( Höllen tal ) Spiralstollen 1Schere 2 — Rotsee Pilatusstollen 1 = Klufilöcher Grundriss Forschungen 1950/51Fortsetzung leichtFortsetzung schwierigOhne Fortsetzung Kiestunnel w.
Montmüchtoch 4 = SAC-Halle 5Sinterstollen 6Tropfsteinhalle 7Lehmrohr 8Tomliwand Schlossgang 1Abseilwand 2Kerkersee 3Klagemauer Baurstollen Z = Zwerggrotte Stgxgang 1Styxsee 2Sehne 3Suhle 4Plulosee 5Lochsee Bogentunnel T = Tropfsteine G = Geisterschlund ladulöhrChâtiera Himmelsgang Irrgang uffrosenseo 2NymphenteichJochgang 3 " PochS« = Sisyphus ( oberer iïeinschllucJeu des Joch- Blindganggangs ) Hölloch im Muotatal Im Hexenkessel diente eine Holzleiter zum Überwinden eines Überhangs 1; die anschließende Kletterrinne ist über dem Wasserfall unerforscht. Der Todesschlund, eine schuttbedeckte Doline, weist keine sichtbare Verbindung mit dem Höllental auf. Nun die Abzweigungen des Domgangs:
i ) Der Chorgang. Von der Empore im Schwarzen Dom gelangt man in einen gewaltigen Lehmgang, der schwach abwärts und 180 m nordwestlich verläuft, aber unvermutet in einer feuchten Lehmgrotte endet. Im Schlotdom müssen einst Wassermassen herabgestürzt sein. Von der Empore aus streicht er nach Osten weiter, parallel zum Domgang, durchbricht die Decke und fällt zum Faulen Dom ab 2.
k ) Der Wasserdom, ein Prunkstück der Höhle, etwa 15 m hoch und 45 m lang. Man steigt von der Domkanzel über Felswülste zum Lehmgrund ab. Im Südteil sprudelt ein Wasserstrahl, Saxerfall genannt, von schwarzer Kuppel mitten auf einen Teich und erfüllt mit dumpfem Ton den geheimnisvollen Raum. Man fühlt den Pulsschlag der Ewigkeit. Auf der Anhöhe ein Tropfsteingarten, im Weiher Krebse ( Nyphargus ). Der ausfliessende Bach mündet in einen Tümpel, der uns Halt gebot, und zielt wohl zur Quelle im Seengang. Der Wasserdom stellt wahrscheinlich die verstopfte Fortsetzung des Domgangs dar. Wir wechseln jetzt in das Gebiet des Pilatusstollens.
l ) Der Spiralstollen. Eine Bodenspalte öffnet sich auf eine wunderliche Kluft, die von den Westschweizern entdeckt und sicher bis zur Gabel begangen wurde. Stotziges Abwärtsklettern zu einer Gabelung oder Schere. Eine Tropfsteinwarze lässt uns durch Abseilen zum Rotsee vordringen. Blanker Grund, Höhe 1 m. Zwei Umgehungsstollen 3.
m ) Die Kluftlöcher gestatten einen heiklen Zugang zum Pilatusstollen, der sich am Nordende dreizackig verzweigt: südlich zum Sumpfloch, in der Mitte zum Tropfsteinschlauch und nördlich zum Blindstollen.
n ) Der Sinterstollen entwässert den Nymphenteich zur SAC-Halle, wo wir nach Mitternacht, am B. Oktober, ein unheimliches Poltern vernahmen.
o ) Die Lehmgruft. Nur 40 m waagrecht einzudringen.
p ) Der Gespensterstollen. Zwei Schlitze gewähren zum brusthohen Kriechstollen Zutritt. 80 m winden wir uns beinvoran und jäh hinab zu glattem, schlicküberzogenem Plattenschuss mit Zwischenwand. Ohne Seil unmöglich zu bewältigen. Deckenhöhe bereits 80 cm. Kräftiger Gegenwind verrät uns bereits das Gebiet der Silberngänge. Kleiderreibung und Deckenkerben ermöglichen den Rückweg4.
q ) Der Pilatusstollen wurde bis ans Ende verfolgt. Drei Zweige:
r ) Der Trugstollen geht nach 25 m in einen Schlammpfuhl über. Luft-einbruch 4.
s ) Das Lehmrohr ist hinter der Windegg nach 20 m in Lehm erstickt.
t ) Die Tomliwand stösst von der Windegg aus im Zickzack als Kletter-schacht aufwärts. Griff arme Sinterklamm schwierig; hernach flacher Kriech- 1 Baur und Hegnauer.
2 Schluchter Hans ( Sektion Pilatus ), Jeger H. und der Verfasser.
3 Baur, Jeger, Schluchter und der Verfasser am 29. Oktober 1950.
4 Baur und der Verfasser am B. Oktober 1950.
Stollen zum Himmelsgang! Wir hatten die Hoffnung aufgegeben; denn im Stollen zeigte der Höhenmesser 1020 m an, im Himmelsgang fiel er auf 1000 m. Durch Himmelsgang, Schlange und Spinne eilten wir zur SAC-Halle zurück1.
u ) Der Schlossgang enttäuschte uns, weil die ersehnte Verbindung Riesen-gang—Nordkammer noch ausblieb. Aufrechtes Gehen, eine Abseilstelle, das Kerkerseelein. Keine Spuren. Zuletzt die grifflose, verschlammte Klagemauer mit Luftzug und sichtbarer Fortsetzung 2.
v ) Im Jochgang liegen die Tore zur Silbern verborgen! Der erste Besuch brachte uns zum halb verstopften Ende mit Inschrift: 9. I. 04 s. Der zweite Vorstoss, durch den aufreibenden Baurstollen, gedieh bis unter den 20 m hohen Tantalusschacht. Wasser hörbar, Luftzug. Bruno Baur seilte sich dort ab und betrat erstmals das unerforschte Gebiet der Silberngänge 4.
w ) Die dritte Erkundung erfolgte wieder durch den Tantalusschacht zum 450 m langen Schrattengang ( 3-8 m breit, 2 m hoch ) und vom Polypen ( ein unterhöhlter Knotenpunkt ) noch 120 m durch den Schlufschacht, wo ein abgebrochener Stalagmit 60 m vom Rumpf entfernt lag b. östlich des Tantalusschachtes wurden Spuren 200 m weit verfolgt. Wo waren die Welschen am 11. Januar eingedrungen? Wohl beim Styxsee, der nur im Boot gequert werden kann. Beim vierten Besuch kam nur wenig Neues hinzu: das 10 m breite, 70 cm hohe, verschüttete Ende des Schlundgangs und weitere 100 m des Innominatagangs B. Jetzt versuchten wir den Styxgang.
x ) Der Styxgang. Auf Gummischläuchen schwammen wir über den Styxsee, dessen unterirdischer Zufluss ( vom Höllental her ?) eine Strömung erzeugt. Alljährlich Stauung bis zur Decke, die verschlammt ist. Schlamm-linien zeigen sich auch im Jochgang, Baurstollen, im Tantalus, Schratten-und Innominatagang. Am Seeufer Krebse und Würmer, östlich des Styxsees führt die Sehne zum Baurstollen! Nasser Lehm zur Suhle, wo man knietief versinkt. Spuren im Schlamm zum Pluto- und Lochsee, woraus der Styxbach zur Totenmühle lärmt. Es handelt sich überall um Seitengänge. Die Schlagader des Höllbachs muss irgendwo dahinter auftauchen '.
y ) Der Innominatagang liegt zwischen Lochsee und Osirisgang. 3-5 m breit, 2 m hoch. Am Felsensee schöne Tropfsteingebilde ( Stalagmiten ). Sauberer Boden geleitet zur ersten grossen Abzweigung: zur steilen Lehmnadel, die nach 120 m einen seltsamen Querbruch aufweist, der den Stollen entzwei-schneidet. Undankbare Fortsetzung. Wir befinden uns neben dem Schlufschacht, ohne ihn zu berühren 8.
z ) Der Bogentunnel vereinigt sich mit dem Innominatagang. 5 m breit, 2 m hoch, später weniger geräumig, ansteigender sauberer Boden. Der Tunnel 1 Erstmals Baur, Schluchter, Jeger und der Verfasser am 29. Oktober 1950.
2 Baur und Camenzind Beno ( JO Pilatus ) am 17. Dezember 1950.
3 Baur, Camenzind am 17. Dezember 1950.
4 Baur und Hegnauer am 31. Dezember 1950.
5 Baur, Hegnauer, Brun Ferdi am 14. Januar 1951.
6 Baur, Hegnauer, Jeger, Schneider O. und Gredel Thomas ( Geolog, Zürich ) am 27./28. Januar 1951. Hin- und Rückweg durch den Tantalusschacht.
7 Baur, Hegnauer und der Verfasser am 3./4. Februar 1951.
8 Die Obigen erstmals am 3./4. Februar 1951.
verläuft eigenwillig unter dem Polypen durch, dann neben dem Schrattengang und nähert sich zielbewusst dem Gespensterstollen als vierter Verbindung mit dem Silberngebiet. Nach 400 m ein Abbruch von 2 m. Der Tunnel setzt sich 3 m breit fort. Luftzug von oben, indessen strich die Luft am B. Oktober von unten her in den Gespensterstollen 1. Weitere Besonderheiten: Stalak-titengrotte, Geisterschlund als senkrechtes Bodenloch, Korrosionsrinne im obern Teil2.
a ' ) Der Titanengang 3 endet beim gewaltigen Osirisgang. Überall liegen Steine umher. Zeitweise ist er 8 m breit und 3 m hoch. Eine Knickung zeigt auf dem Grundriss einen Obelisken, wo der Gang wieder ansteigt. Halbwegs zur Sphinx bewunderten wir meterhohe Stalagmiten in der Schatznische. Der Titanengang zieht sich über Senken und Böschungen zum Stalagmitental, wo ein Bächlein wundersame Tropfsteinfinger umschmeichelt. Eine rechtwinklige Biegung lenkt den Gang zum zweiten Obelisken, der einen Teich aufweist und den Kiestunnel ausstrahlen lässt. Hier fanden wir die letzten Spuren der welschen Besucher. Entfernung vom Jochgang 1415 m. Höhe 805 m.
Der Titanengang, breit und wie gemeisselt, ohne Geröll noch Sand, drängt nun stets hinan zum dritten Obelisken, wobei wir über mächtige Seitenäste staunten. Auch dieser Obelisk hat auf der Spitze einen Gang, der nordwärts flieht. Nach weitern 30 m ein Doppeltor mit prachtvoll gelb-versintertem Bach, der aus dem Montmilchloch rieselt. Da und dort abgebrochene Tropfsteine am Rand; kein Mensch hatte dies verschuldet. Wir stiegen bequem hinan zum Silbernkreuz4. Höhe 895. Entfernung vom Jochgang 1770 m. Wohin wendet sich der Titanengang? Wir begaben uns vorerst in den Isisslollen, immer aufwärts und immer gebückter. Lehm und Kies erscheinen. Wir schwitzten im niedrigen Stollen. Ich kroch noch 20 m hinter eine Kurve. Flaches Gelände. Höhe über 950 m. Keine Spuren. Gelingt es, den Himmelsgang zu erreichen?
Vom Silbernkreuz wanderten wir zum Tuffrosensee. Ein kristallklarer Weiher, worauf Wasser plätschert. Ich möchte hier stundenlang lauschen. Nach 20 m eine eindrucksvolle Halle: die Engelsburg, 2 m hoch, rund 10 m breit. Dahinter vereinigen sich zwei Geröllstollen zu einem Abbruch. Nach Errichtung eines Steinmanniis auf einem Felsentisch traten wir den endlosen Rückmarsch an. Nach 24 Stunden Aufenthalt gab uns das Hölloch wieder frei. Ein Föhnsturm fegte durch das Tal, als wir beim Wärter nachts eintrafen.
b ' ) Der Osirisgang senkt sich gleichmässig von der Höhe 815 und fällt zum Schluss stotziger ab. Länge 640 m. Höhe des Fjords 665 m. Nordkammer, 1 Luftströmung im Sommer bis Ende Oktober bergauswärts, im Winter bergeinwärts.
2 Jeger, Schluchter erstmals am 24./25. Februar 1951. Zugang: Tantalusschacht.
8 Styxgang, Innominatagang und Titanengang erstmals von der welschen Gruppe unter Leitung von A. Grobet am 11. Januar 1951 begangen. Im Höhlenbuch steht für alle drei Gänge die Bezeichnung Titanengang, was unhaltbar ist; denn dieser setzt sich im Osirisgang fort. Die beiden andern sind Nebengänge.
4 Baur, Hegnauer und der Verfasser erstmals am 3./4. Februar 1951.
Riesengang und Osirisgang berühren dieselbe Verwerfungslinie! Länge, Gefälle und Fusspunkt hatten wir zum voraus berechnet; der Fjord aber gibt das Rätsel der Verbindung mit dem Riesengang nicht preis. Der Osirisgang muss als Schlagader zu ihm führen. Besonderheiten des Ganges: Der Pylon ist eine schräge Steilwand wie die eines Eckturmes. Ein kleiner Sprung führt zum hochgewölbten Mausoleum ( 7 m breit, 10 m hoch ), wo eine bedeutende Abzweigung gesichtet wurde, ebenfalls bei der Tempelhalle ( rund 15 m breit, 6-9 m hoch ). Würmer. Die Quelle ist ein kräftiges Gewässer und heisst wohl Styxbach, der zum Fjord hinabstürmt1.
Wichtige Ziele sind errungen. Die genauere Erforschung des alten Plan-gebietes ermöglichte neue Theorien, nämlich: Der Höllbach muss den Riesengang herauf-, nicht hinabfliessen2. Folglich liegen nordöstlich des Riesen-gangs dicke Zuführstränge, die nur auf Umwegen erreichbar sind und unbekannte Gegenden erschliessen. Ferner: Es besteht ein hoher Schichtbruch nördlich des Pilatusstollens; Trug-, Gespenster- und Spiralstollen sowie der Tantalusschacht verraten deutliche Luftströmung, starke Neigung und Wasserführung. Und wir hatten Erfolg. Die Welschen setzten beim Styxgang an und gewannen das gleiche Gebiet, das Wunder an Wunder birgt; denn von der Silbern her muss ja der Höllbach seinen rätselhaften Lauf durch die Klüfte nehmen und den Riesengang speisen, der sonst ohne Zusammenhang wie sinnlos in das Berginnere zeigt. Die nördlichen Zweige des Titanengangs werden darnach trachten, das Wasser zum Riesengang zu leiten. Nachdem die Schlüsselstellen, Styxsee, Sehne und Tantalusschacht, überwunden sind, keimt auch die alte Hoffnung wieder auf, dereinst in den Karfeldern der Silbern die Oberfläche zu betreten.
Und die Forschungen haben noch eins geoffenbart: junge Bergsteiger fanden ein anstrengendes Betätigungsfeld, das nicht nur Abenteuer bringt, sondern auch Mut und Entbehrungen erfordert und nachhaltige Bergerlebnisse vermittelt.
Unsere Gruppe kennt nun 14 500 m Gänge, 7000 m mehr als letztes Jahr. Bruno Baur hat an die 250, der Verfasser nahezu 200 Arbeitsstunden in der Unterwelt mit ausdauernden Gefährten verbracht, denen wir von ganzem Herzen für die wertvolle Mitwirkung danken. Noch ist kein Ende abzusehen; bestimmt werden bald 20 km begangen sein. Jetzt will ich aber wieder einmal an jene andere Welt denken, die rein und farbig über Land und Täler schaut: an das Reich der Berge, das so anders auf die Seele wirkt als die düstern Stollen und finstern Hallen im schwarzen Raum unter der Erde.
1 Jeger, Schluchter erstmals am 24./25. Februar 1951.
2 Bruno Baur hat darüber eine eingehende Schrift verfasst.