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Bei einem Besuch auf dem Monte Verità in der Nähe von Locarno ist im Museum Casa Anatta die als Kunstinstallation behandelte Dauerausstellung aus dem Jahr 1978 «MONTE VERITÀ - Le mammelle della verità» von Harald Szeemann sehr empfehlenswert. Sie wurde gemäss den ursprünglichen Absichten des Kurators wiederaufgebaut und erzählt die utopische Geschichte des Monte Verità und seiner Umgebung ab dem 19. Jahrhundert.
Im Frühjahr 1917 besuchte Ernst Kreidolf seinen Freund Hermann Hesse in Montagnola (TI). Hesse war eng mit einem wichtigen Protagonisten des Monte Verità befreundet. Gusto Gräser, der „Vater der Alternativbewegungen“, hatte diesen in die Weisheitslehren des Ostens eingeführt. Gräsers monumentales Gemälde "Der Liebe Macht" (1898/99) ist in der Ausstellung zu sehen. Seine Zivilisationskritik kommt hier auf geradezu exemplarische Weise zum Ausdruck: Es zeigt eine Landschaft, deren rechte Hälfte in ein höllenartiges Licht getaucht ist und von rauchenden Fabrikschloten und sich bekriegenden Menschen dominiert wird; links ist die unberührte Natur zu sehen, Mensch und Tier sind in friedlichem Einklang dargestellt.
Diese Weltanschauung dürfte auch Kreidolf geprägt haben, als er sein drittes, nie publiziertes Zwergenmärchen (ca. 1918) malte.