Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/492

Katheter geführter Aortenklappenersatz (TAVI)
Bei 3% der über 65 jährigen und bei 5% der über 75jährigen Menschen kommt es zu einer Verengung der Aortenklappe, welche ein Ventil zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta) darstellt.
Bei einer schweren Verengung der Aortenklappe, muss die linke Herzkammer fortan gegen einen sehr grossen Widerstand das Blut aus der linken Herzkammer pumpen. Diese permanente „Marathonarbeit“ führt zuerst zu einer Verdickung der Herzwände (Hypertrophie) und im Verlauf zu einer Erschöpfung des Herzmuskels mit einer Einschränkung der Pumpleistung.
Die Patienten verspüren häufig eine Leistungseinschränkung, Brustschmerzen oder Schwindel bei Anstrengung, dies kann sogar bis zu einer Bewusstlosigkeit führen.
Sobald Symptome auftreten oder die Pumpleistung eingeschränkt ist, ist Eile geboten. In diesem Fall muss die Aortenklappe ersetzt werden; eine gleichwertige medikamentöse Behandlung gibt es nicht!
Für den Aortenklappenersatz gibt es zwei alternative Behandlungsmethoden:
Chirurgischer Aortenklappenersatz:
Dieser wird bereits seit mehreren Jahrzehnten mit grossem Erfolg durchgeführt. Hierbei wird der Brustkorb entweder seitlich oder durch das Brustbein eröffnet und die Aortenklappe unter Zuhilfenahme der Herz-Lungenmaschine durch einen Herzchirurgen mit einer Klappenprothese ersetzt.
Der Vorteil liegt in der grossen Erfahrung mit dieser Methode. Zudem kann bei sehr jungen Patienten eine mechanische Herzklappe eingebaut werden, welche in der Regel ein Leben lang nicht mehr ausgetauscht werden muss. Der Nachteil besteht darin, dass es bei mechanischen Klappen zu Auflagerungen von Blutgerinnseln kommen kann, sodass eine permanente Blutverdünnung mit Marcoumar durchgeführt werden muss. Um die Blutverdünnung zu umgehen, wurden biologische Aortenklappenprothesen entwickelt, welche eine Lebensdauer von 10-20 Jahren aufweisen, bevor sie wiederum ersetzt werden müssen.
Ein weiterer Nachteil besteht darin das der Brustkorb eröffnet werden muss; dies führt in der Regel zu einer längeren Erholungszeit im Vergleich zum Katheter geführtem Aortenklappenersatz (= perkutaner Aortenklappenersatz oder TAVI).
TAVI:
Bei dieser modernen Technik zum Aortenklappenersatz wird durch einen wenige Millimeter langen Schnitt in der Leiste eine biologische Aortenklappenprothese über die Hauptschlagader eingeführt und am Ort der verengten Klappe eingepflanzt.
Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Möglichkeit, diesen Eingriff sogar in Lokalanästhesie durchzuführen. Dies wiederum führt zu einer sehr raschen Erholung.
Dieser Eingriff wird routinemässig erst seit 2007 durchgeführt, sodass die Erfahrung mit dieser Technik nicht so gross ist wie mit dem herzchirurgischen Aortenklappenersatz. Entsprechend ist die TAVI älteren und sehr kranken Patienten vorbehalten, für die eine offene Herzoperation zu riskant wäre.
Ein anderer Nachteil ist, dass in ca. 15% der Fälle ein Herzschrittmacher nach der TAVI implantiert werden muss.
Insgesamt nehmen die TAVI Eingriffe mit >200.000 implantierten Klappen in den letzten Jahren deutlich zu. Auch die Forschung in diesem Bereich schreitet rasch voran, sodass mittlerweile bereits die 3. optimierte Generation dieser Klappenprothesen mit exzellenten Ergebnissen implantiert wird (Abb. 1).
Sobald eine schwere Aortenklappenstenose mit dem Herzultraschall festgestellt wurde, werden weitere notwendige Untersuchungen eingeleitet. Diese umfassen einen Herzkatheter zur Darstellung der Herzkranzgefässe, die Lungenfunktionsprüfung, eine Untersuchung der Halsschlagader sowie eine Computertomografie der Hauptschlagader. Wenn alle Informationen zusammengetragen wurden, kann mit dem Patienten besprochen werden, welches Verfahren am besten für ihn geeignet ist.
Wenige Wochen nach den Vorabklärungen wird der Patient für den Aortenklappenersatz hospitalisiert. Bei der TAVI tritt der Patient am Vortag ins Spital ein, am nächsten Tag erfolgt der Eingriff und danach verbleibt der Patient noch für 1-3 Tage auf einer Überwachungsstation. Nach ca. 3-5 Tagen kann der Patient bereits wieder entlassen werden. Häufig wird noch eine Anschlussheilbehandlung zur Rehabilitation für 2-3 Wochen in Anspruch genommen.
Klicken Sie auf den folgenden Link und sehen Sie sich Videos zur besseren Veranschaulichung der TAVI an:
Informieren Sie sich über weitere Details bei Ihrem Herzspezialisten!
Abbildung 1. Modell einer Edwards Sapien 3 und einer CoreValve
Evolute R Aortenklappenprothese