Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03256.jsonl.gz/678

Der Schlussbericht umfasst die wissenschaftliche Synthese, die Empfehlungen der Unabhängigen Expertenkommission Administrative Versorgungen sowie Texte von betroffenen Personen. Die wissenschaftliche Synthese präsentiert in knapper und verständlicher Form die Forschungsergebnisse der Kommission und situiert sie im Kontext der neueren Schweizer Geschichte. Sie bildet eine fundierte und differenzierte Grundlage, um die aktuelle politische Diskussion der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und der Anerkennung historischen Unrechts fortzuführen.
Die Synthese fokussiert auf Fragestellungen und Aspekte, die aus Sicht der betroffenen Personen für die Anerkennung des begangenen Unrechts von zentraler Bedeutung sind. Ziel ist es – unter Berücksichtigung von Aussagen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und der zeitgenössischen Kritik –, die rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Versorgungspraxis offenzulegen und zu bewerten, verantwortliche Akteure und Akteurinnen zu benennen, die Gruppen der Betroffenen zu charakterisieren und deren Verarbeitungsformen zu dokumentieren. Die Synthese ist entlang zentraler Fragestellungen aufgebaut: Was waren administrative Versorgungen und wie wurden sie politisch und rechtlich begründet? Welches waren die Zielgruppen und das Ausmass der Versorgungspraxis? Welche Akteure, Verfahrenswege und sozialen Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozesse waren für den Entzug der persönlichen Freiheit ausschlaggebend? In welchen Anstalten und unter welchen Bedingungen wurden die Massnahmen vollzogen? Welches waren die Wirkungen auf die Betroffenen und wie gingen diese mit den Langzeitfolgen des staatlichen Unrechts um?
Die Synthese wird in vier Sprachen publiziert.
Der Bundesrat beauftragte Ende 2014 eine unabhängige Expertenkommission (UEK) mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der administrativen Versorgungen in der Schweiz vor 1981. Dazu gehörten insbesondere die Auseinandersetzung mit der Perspektive von Betroffenen und Opfern sowie die Analyse staatlicher Interventionen und behördlichen Handelns. Die UEK sollte dabei auch die Bezüge zu allen anderen fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen berücksichtigen. Die Kommission veröffentlicht ihre Forschungserkenntnisse in neun Monografien sowie einem Synthesebericht zuhanden des Bundesrates.
Die UEK Administrative Versorgungen wurde interdisziplinär zusammengesetzt: Sie besteht aus neun Mitgliedern, hauptsächlich Historikerinnen und Historiker, aber auch aus Vertreterinnen und Vertretern der Sozialwissenschaften, der Psychiatriegeschichte/Psychiatrie und der Rechtswissenschaften.