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Die letzten 11 Tage war ich in Marrakesch, um die Final Stage der Qualifying School für die Ladies European Tour zu spielen. Das Turnier wird über fünf Tage und auf zwei verschiedenen Plätzen ausgetragen.
Ich vergleiche diese schwierige Woche gerne mit Olympia. Der Trainings- und Turnierplan wird genau darauf ausgerichtet, dass man bestmöglich vorbereitet am Start steht. Der psychische Druck ist enorm, denn es geht um alles oder nichts. Spielt man nicht gut, hat man keine Spielberechtigung für das nächste Jahr, ist sozusagen arbeitslos. Bei Olympia geht es um Medaillen. Der existenzielle Druck und damit auch der psychische Druck einer Qualifying School sind somit höher als bei dem berühmtesten und prestigeträchtigsten Sportevent aller Zeiten, Oympia. Nur um eine Vorstellung zu bekommen, was sich im Kopf eines Golfers während dieser Woche abspielt.
Nachdem ich mich Ende Oktober in der Pre Qualifikation für die Final Qualifikation qualifiziert hatte, habe ich mich in Florida auf diese vorbereitet und bin am 10. Dezember nach Marrakesch geflogen. Die vier Trainingstage auf den beiden Plätzen verliefen gut und ich wusste, dass ich technisch und mental gut auf das Turnier vorbereitet war.
Ich habe mit einer +3 Runde begonnen. Das Minimalziel war den Cut für die top 60 nach vier Runden zu überstehen, um eine Spielberechtigung für die Ladies European Tour zu bekommen. Nach dem ersten Tag lag ich auf Rang 68. Der Druck stieg.
Aber danach habe ich vier Runden solide gespielt (-1), den Cut gemacht und das Turnier mit +2 abgeschlossen. Dies sind 5 Schläge hinter den top 25, was die volle Spielberechtigung bedeutet und somit das Hauptziel war. 5 Schläge klingen nach viel, aber das ist nur einen Schlag pro Runde. Und jeder weiss, dass es immer möglich ist einen Schlag pro Runde zu sparen. Es ist nicht möglich, eine Runde ohne Fehlschläge zu spielen. Das gehört dazu. Dann überlegt man sich wieder, was habe ich falsch gemacht, wo hätte ich die 5 Schläge sparen können? Mir kommen ein paar Situationen in den Sinn. Der Drive, der etwas rechts ging, einen riesen Kick bekam und hinter einem Baum zur Ruhe kam, das Eisen, das auf dem Green im Abhang landete und unspielbar im Bunker zur Ruhe kam…aber habe ich vor diesen Schlägen alles mögliche getan? War ich konzentriert? War ich bei der Sache? Ja- also können diese Schläge passieren. Es gab nicht viele von diesen Schlägen, also was war das Problem? – Das Wettkampfglück fehlte. Der Drive, der rechts ging hätte auch 20 cm vorher zur Ruhe kommen können, das Eisen hätte 2 m weiter fliegen und neben der Fahne liegen können. Vor allem aber auf den Grüns war ich nicht vom Glück begünstigt. Ich hatte über die fünf Tage 30 Putts aus einer Distanz von über 10 m, von denen einer rein ging. Und ich hatte 32 Putts zwischen 4 und 9 m, von denen auch nur einer rein ging. Es lief harzig und obwohl ich gut spielte, wurde ich nicht dafür belohnt.
Bin ich enttäuscht? Ja, es enttäuscht mich, nicht die top 25 erreicht zu haben. Bin ich zufrieden? Ja, ich bin mit mir, meiner Einstellung, meinem Kampfgeist, meiner mentalen Stärke und meinem Spiel zufrieden. Was ist es denn jetzt…Enttäuschung oder Zufriedenheit? Alles, was ich beeinflussen konnte habe ich gemacht. Ich war gut vorbereitet, positiv und konzentriert. Also lasse ich nicht die Enttäuschung über die Dinge, die ich nicht beeinflussen kann überhand nehmen.
Mein Ziel war es immer, wieder dorthin zu kommen, wo ich vor der Verletzung war. Und genau da bin ich jetzt…mein Spiel ist wieder auf diesem Niveau und ich habe die Karte für die Ladies European Tour wieder zurück. Zwei Jahre nach der ersten Operation kann ich sagen, dass ich das Comeback geschafft habe.
Jetzt freue ich mich auf Weihnachten mit meiner Familie und sonnige Skitage im Flumserberg.
Ich wünsche euch ganz schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins 2019!
Eueri Melanie