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Beschwerden
Der Bing-Horton Kopfschmerz ist ein Synonym zu Cluster headache und zur Erythroprosopalgie und wird manchmal auch Horton'sche Neuralgie genannt, obwohl es sich streng genommen nicht um eine Neuralgie handelt. Er ist nicht zu verwechseln mit der Horton'schen Arteriitis temporalis, welche eine Entzündung der Schläfenarterien (und anderer) mit Verschluss dieser Gefässe darstellt (was manchmal bis zur Erblindung führt). Der Schmerz, der dabei entsteht, ist aber ähnlich lokalisiert, nämlich im Bereich der Schläfen und der Augen.
Im Gegensatz zu allen anderen Kopfschmerzformen, die mehrheitlich bei Frauen auftreten, "gehört" der Bing-Horton Kopfschmerz dem männlichen Geschlecht. Die Patienten sind meist zwischen dreissig und fünfzig Jahren alt. Die Schmerzen kommen in "Büscheln" (engl. Cluster), d.h. in Episoden, während welchen die Patienten von Schmerzen geplagt sind, während sie in der übrigen Zeit keinerlei Kopfschmerzen haben. Die Schmerzen treten auf, wie ein plötzlicher Schlag mit einem Beil in die Stirne, hinter das Auge und die Schläfe, und sie wechseln praktisch nie die Seite. Sie treten praktisch täglich (oder nächtlich) zur gleichen Zeit auf. Auf der schmerzenden Gesichtsseite ist oft folgendes zu beobachten: Das Auge und die Pupille verkleinert sich, das Auge rötet sich und tränt, die Nase wird verstopft oder läuft, der Patient schwitzt an der Stirne (oder am ganzen Kopf oder sogar am ganzen Oberkörper) und diese kann sich röten. Die Schmerzen sind so stark, dass es der Patient nicht aushält, im Bett zu liegen. Er muss aufstehen und herumgehen und sich sogar an den Kopf schlagen. Die Schmerzen dauern zwischen zehn Minuten und zwei Stunden. Nach einer gewissen Zeit (einem oder zwei Monaten) klingt eine solche Kopwehepisode ab, um erst wieder in einigen Monaten oder sogar Jahren erneut aufzutreten. Wegen des anfallsartigen Schmerzbeginns und der relativ kurzen Schmerzdauer wird der Bing-Horton Kopfschmerz gerne mit der Trigeminusneuralgie verwechselt. Das Kranheitsbild ist selten. Es kann sich chronifizieren.
Eine seltene Form von chronischen und nur einseitig auftretenden Kopfschmerzen, ähnlich wie ein chronischer Bing-Horton Kopfschmerz, der aber hauptsächlich bei Frauen auftritt, ist wahrscheinlich spondylogenen Ursprungs. Er spricht spezifisch auf nicht steroidale Antirheumatica, speziell Indomethazin, an.
Die Schilderung des Bing-Horton Kopfschmerzes ist so typisch, dass die Diagnose am Telefon (oder über das Internet) gestellt werden kann - vorausgesetzt man kennt die Krankheit und denkt daran.
Es gibt kein technisches diagnostisches Hilfsmittel, welches die Diagnose eines Bing-Horton Kopfschmerzes zu stellen erlaubt. Es empfiehlt sich aber die Durchführung einer Blutsenkungsreaktion, um eine Arteriitis temporalis auszuschliessen. Ich habe versucht, elektrische Veränderungen der sympathischen Hautreaktion im Stirnbereich festzustellen, bisher erfolglos.
In den allermeisten Fällen gibt es eine wirksame Behandlung. Im schmerzfreien Intervall müssen und können allerdings keine speziellen therapeutischen Massnahmen getroffen werden. Vielleicht sollte Rotwein gemieden werden, der (wie manchmal auch Nüsse, Käse oder Meeresfrüchte) einen erheblichen Auslösefaktor darstellt. Da sehr spezifisch wirksame und nicht ganz nebenwirkungsfreie Medikamente zum Einsatz kommen, sollte die Behandlung in jedem Fall unter engmaschiger ärztlicher Ueberwachung stattfinden.
Die Standardbehandlung besteht in der Gabe von Methysergid. Vasokonstrikorische oder auch psychische Nebenwirkungen können auftreten. Das Medikament sollte nicht länger als drei Monate lang gegeben werden, vielleicht sogar mit einer Pause, da es zu endovaskulären oder retroperitonäalen Fibrosen führen kann.
Wenn Methysergid wegen Nebenwirkungen nicht gegeben werden kann, oder weil sich der Kopfschmerz chronifiziert hat, können Steroide in höherer Dosierung verabreicht werden. Lithiumkarbonat und möglicherweise auch Valproat oder Verapamil sind Alternativen.
Da sich der Schmerz einerseits sehr schnell aufbaut und andererseits meist in kurzer Zeit, meistens weniger als einer halben Stunde, wieder abklingt, ist eine orale Verabreichung irgendeines Medikaments in jedem Fall sinnlos. Das Mittel sollte stattdessen subkutan gespritzt oder inhaliert werden. Beide Verabreichungsarten kann der Patient selber durchführen.
Sumatriptan ist sehr wirksam. Ebenfalls Ergotamin, wenn es inhaliert wird (z.B. Ergotamin Medihaler Riker©). Der vasokostriktorische Effekt dieser Medikamente ist zu berücksichtigen, wenn der Patient gleichzeitig prophylaktisch Methysergid einnimmt. Eine gute alternative Massnahme ist die Inhalation von reinem Sauerstoff (6-8 Liter pro Minute).
Periphere oder zentrale Schmerzmittel wie Metamizol oder Morphiumderivate sollten nicht verwendet werden, da sie beim Bing-Horton Kopfschmerz unwirksam sind.
Die andere Horton'sche Erkrankung, nämlich die Arteriitis temporalis, muss mit Steroiden behandelt werden. Manchmal genügt auch die einfache Probeexision des betroffenen Gefässes (die zur Sicherung der Diagnose ohnehin nötig ist).
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