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In der Welt der Entschuldigungen existiert offenbar eine Diskrepanz zwischen den Geschlechtern.
Ich habe Männer kennengelernt, die sich nach einem Fehlverhalten partout nicht entschuldigen; ein monströses Ego führt dazu, dass sie stets glauben, im Recht zu sein, selbst wenn sie komplett falschliegen. Aber auch Frauen haben Mühe, sich zu entschuldigen – aus anderen Gründen.
«Warum Frauen sich nicht entschuldigen – den Ursprung des Problems verstehen», erklärt der Psychologe Orion Taraban auf seinem Youtube-Kanal. «Ich bin vierzig und kann an einer Hand abzählen, wie viele Entschuldigungen ich von einer Frau in meinem Leben gekriegt habe.» Taraban beschreibt schon mal einen markanten Unterschied darin, wie Männer und Frauen Probleme überhaupt wahrnehmen: Ein Mann betrachtet das Problem oft als das Verhalten, von dem er überzeugt ist, dass die Frau dafür verantwortlich ist. Dies führt zu seiner Wut und Verärgerung. «Das Verhalten ist das Problem, und seine emotionale Reaktion ist die Konsequenz», erklärt der Psychologe. Der Mann sieht die Lösung des Problems in der Anerkennung des Fehlers seitens der Frau und in der Veränderung ihres Verhaltens. Hingegen liegt aus der Sicht einer Frau das Problem nicht im von ihm identifizierten Verhalten, sondern vielmehr darin, dass der Mann wütend und verärgert ist.
Anders ausgedrückt: Für sie besteht der Schaden in seiner Wut und seinem Ärger, und als Lösung wird sie versuchen, seine emotionale Reaktion zu verändern, und sich bemühen, seine Gefühle zu beeinflussen. Darum würden viele Frauen anstelle von direkten Entschuldigungen und dem Übernehmen von Verantwortung oft zu emotionalen Bewältigungsstrategien neigen. Beispielsweise versuchen sie, den Mann aufzumuntern, schicken lustige Memes oder bereiten sein Lieblingsessen zu. Oder verführen ihn.
Der Mann sieht die Lösung des Problems in der Veränderung ihres Verhaltens.
Interessant ist das, denn eigentlich beschreibt er die klassische Appeasement-Strategie samt Ablenkungsmanöver. Böse Zungen würden es Manipulation nennen. Angenommen, sie hat ihn in der Öffentlichkeit blossgestellt. Zu Hause spricht er sie wütend darauf an und findet, dass ihr Verhalten nicht hinnehmbar sei. Sorry, but not sorry: Anstatt sich zu entschuldigen und die Schuld anzuerkennen, zielt sie darauf ab, die Stimmung zu verbessern und eine positive Atmosphäre zu schaffen, denn – und es ist eigentlich amüsant – als Problem identifiziert sie seinen Wutanfall.
Gut, Frauen sind häufig harmoniebedürftiger als Männer, eine empfindlich gestörte Balance muss schnellstmöglich wiederhergestellt werden. Nur strebt er in diesem Moment natürlich nicht nach blosser Beruhigung, sondern nach ihrer Einsicht – alles andere macht ihn noch rasender. Was sich also ereignet, ist eine Verschiebung des eigentlichen Problems; ihr Fehlverhalten tritt in den Hintergrund, und das ermöglicht ihr, sich abseits ihrer Verfehlung zu behaupten, indem sie lediglich darauf abzielt, seinen emotionalen Zustand zu modifizieren. Soll noch einer behaupten, Frauen seien nicht clever.
Natürlich können auch individuelle Eigenschaften wie Selbstwertgefühl oder Kommunikationsstil eine Entschuldigungskultur beeinflussen. Hier zeigt sich aber deutlich, wie weit Auslegungen zwischen männlichem und weiblichem Denken bisweilen auseinandergehen. Wenn schon der Ausgangspunkt bezüglich des Problems stark abweicht, ist es nicht verwunderlich, dass eine Lösung schwierig wird und dies eine Beziehung langfristig belasten kann.
Jedenfalls, Taraban empfiehlt, auf solches Verhalten sachlich zu reagieren und nicht den emotionalen Turbo zu zünden, um sie nicht zu triggern. Gut möglich, dass das wie ein Knopfdruck funktioniert, der ihren Fehler-Feueralarm verhindert: Wenn keine offensichtliche Problematik besteht, die als sofortige Lösung die Beruhigung seiner Gefühle erfordert, klingelt bei ihr vielleicht eher das Telefon zur Selbsterkenntnis, und sie hört genauer hin. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein mea culpa flötet und ihr dafür Vergebung zuteilwird, erhöht sich.
Denn am Ende ist eine Entschuldigung ja ein recht günstiger Gutschein für seelische Reparaturen: ein simpler Akt des Friedensangebots, der die Luft reinigt, das Chaos beseitigt und, in den meisten Fällen jedenfalls, grosse Wirkung zeigt.
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