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- Veröffentlicht: 20. August 2018
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Die 120jährige Geschichte der Wirtschaft zum Salmen
Karl Bischoff, Artikel im Muttenzer Anzeiger vom 6. Juni 1997
1683 war die Liegenschaft Nr. 19 (mit der Jahreszahl 1651 am Scheunentor) zusammen mit der Liegenschaft Nr. 21, dem «Salmen», noch eine einzige Liegenschaft [1]. Jedenfalls findet man auch 1763 unter der Nummer 63 [2]:
Eine Hofstatt, darauf zwei Häuser, zwo Scheunen, zwo Stallungen, zwei Kraut und zwei Baumgarten, einersits Jakob Stingelin, andersits Jacob Brodbecks Erben, vorn die Allmend, hinten auf den Fussweg stossend. Besitzer waren nacheinander der Geschworene Hans Tschudin und sein Sohn Friedrich, genannt Weinberts.
Die Trennung in zwei Liegenschaften erfolgte vor 1807. Im Brandlagerbuch aus diesem Jahr ist nämlich als Besitzer der heutigen Liegenschaft Hauptstrasse Nr.19 (bewertet mit 2400 Fr.) der Küfer Jakob Stohler verzeichnet und als Besitzer der Nr.21 (mit 1000 Fr. bewertet) Hans Tschudin aufgeführt.
Im Jahr 1810 erscheinen im Katasterbuch die Erben eines Johann Jauslin, Küfer, als Besitzer der damaligen Liegenschaften Nr. 604 bis 607, deren Flächen mit Ruthen und Fuss angegeben wird. Diese wurden 1875 versteigert. Käufer waren Alphons und Esther Pfirter-Itin. Das Haus wurde mit der Nr. 201 angegeben (Das Haus ist die Nr. 201 im Unterdorf, wie die heutige Hauptstrasse damals noch genannt wurde). Der nächste Kaufvertrag ist mit dem 22. Februar 1878 datiert und erstmals ist das Ausmass der Parzellen auch in Quadratmetern angegeben:
Nr. 604: 189 m2 21 Rth. 02 Fuss Gebäulichkeit, und Hofplatz.
Nr. 605: 15 m2 1 Rth. 74 Fuss Gässlein.
Nr. 606: 167 m2 18 Rth. 56 Fuss Krautgarten.
Nr. 607: 636 m2 70 Rth. 72 Fuss Baumgarten.
Katasterplan Section A von Philipp Jacob Siegfried, 1831
Museen Muttenz
Käufer war 1878 Adolf Jauslin-Balsiger, Bäckermeister, von und in Muttenz. Dieser erscheint im kantonalen Verzeichnis der Wirtschaften [3] 1892 und 1893 als «Jauslin Adolf, Bäcker». Dass schon sein Vorgänger Alphons Pfirter wirtete, ist eher unwahrscheinlich, denn sein Beruf war Mechaniker.
Wer war dieser Adolf Jauslin? In den vom Familienforscher Werner Hug aufgestellten Stammtafeln Jauslin [4] sind zwei Adolf Jauslin als Bäcker und Wirt zum Salmen verzeichnet, welche nicht der gleichen Jauslin-Linie angehören. Der 1847 geborene Adolf Jauslin, als Bäcker und Wirt auf Restaurant Salmen verzeichnet, war ein Sohn von Hans Jakob Jauslin (Wegmacher und Landwirt in Muttenz) und der Maria Magdalena Brodbeck.
Adolf Jauslin war mit Emma Balsiger, von Muttenz verheiratet, hatte 6 Kinder und lebte bis 1893. Nachdem er erst 46jährig beim Baden im Rhein ertrunken war, übernahm offensichtlich seine Witwe die Wirtschaft. In den Jahren 1893-95 ist nämlich als Inhaberin der Wirtschaft eine «Frau Jauslin, Bäckers» aufgeführt im Jahr 1896 ist «Jauslin-Balsinger Wwe» zu lesen.
Die Witwe Emma Jauslin-Balsiger hat mit ihren noch lebenden Kindern Emma, Adolf, Valerie und Frieda die Liegenschaft 1896 weiterverkauft an den Heinrich Ehrsam, Schneider, von Ramlinsburg, in Muttenz.
Im Kaufvertrag vom 10. Dezember 1896 ist u.a. sämtliches Wirtschaftsmobiliar inbegriffen, geschätzt auf 500 Fr. Der Käufer verpflichtete sich aber, die Vorräte an Wein, Spirituosen, Zigarren etc. bei Antritt zum Selbstkostenpreis zu übernehmen. «Das auf dieser Liegenschaft berechtigte Wirtschaftspatent wird dem Käufer unentgeltlich abgetreten. [5]»
Es folgte im Oktober 1908 der Verkauf an Emil-Meyer-Künzli, von und in Muttenz, ging aber bereits zwei Monate später aus unbekannten Gründen zurück an Heinrich Ehrsam.
Damit sind wir bei Leuten angelangt, welche heute noch in Muttenz bekannt sind, bei den Ehrsams. Von der Familie Ehrsam-Iselin war namentlich der Sohn Hans Ehrsam-Lehmann allgemein bekannt als mehrfacher Präsident des Musikvereins Muttenz.
Die Erben des Heinrich Ehrsam-Iselin verkauften 1924 an Hermann und Emilie Leuenberger-Meier, die Witwe Emilie Leuenberger an ihre Tochter Emilie Häsler-Leuenberger, in Güterverbindung mit Kaspar Häsler, von Gsteigwiler BE, in Basel-Augst.
Mit dem Tode der langjährigen Wirtin Emilie Häsler-Leuenberger ging am 2. Mai 1968 der «Salmen» an deren Tochter Hedwig Leu-Häsler über.
Während bisher die Wirtschaft immer von den Eigentümern geführt worden war, gab es ab 1965 Änderungen: Das Restaurant Salmen wurde nacheinander verpachtet: u. a. an Josef Sauter-Götz, an Rudolf Guggisberg-Schumacher, und an Brigitte Wiesner.
Der Parzelle 129 bestehend aus Hofraum, Garten, Wohn- und Geschäftshaus, Restaurant zum Salmen an der Hauptstrasse sowie einem Wegrecht zugunsten der nördlichen Nachbarparzelle 130 fehlte ein eigener Keller. Der Keller gehörte nämlich zur Nachbarparzelle 128. Der einstige Weinkeller musste gemietet werden, bis er endlich 1975 gekauft werden konnte.
Am 11. März 1997 zog die Besitzerfamilie ein. Scarlett und Konrad Leu-Hoffmann übernahmen die Führung des bald 120jährigen Gastwirtschaftsbetriebes.
Natürlich wurden im Laufe der Jahre immer wieder Erneuerungen vorgenommen. Schon vor 1933 ist der Vorplatz zur Hauptstrasse erhöht und eingezäunt worden. Das Restaurant hatte, wie andere Wirtschaften auch, im Hinterland eine offene Kegelbahn [6] Sie wurde1933 überdacht, 1950 erneuert und mit einem Kegelstellautomat versehen.
Und 1988/92 wurde der «Salmen» vollständig umgebaut: In der Gaststube wurde das Täfer neu konserviert und die Deckenbalken freigelegt. Vom neuen mittleren Teil mit einer Spiegelwand führte eine geschwungene Treppe in den neuen gewölbten «Salmenkeller» mit 32 Plätzen für Bankette und Versammlungen. Im hinteren Teil, wo sich die nun aufgehobene Kegelbahn befunden hatte, standen einige weitere Wirtstische und das Buffet sowie anschliessend die neue Küche. Auch ein neues Wirtshausschild kam dazu: ein mächtiger goldener Fisch an der Hausecke. Die drei neugestalteten Wohnungen hatten vom Gässlein aus einen besonderen Zugang.
[2] Präsenzberein von 1763. Bereine sind Verzeichnisse der Grundstücke und Güter, von deren Erträgnissen der Lehensnehmer dem Eigentümer Abgaben, namentlich Zehnten und Bodenzinse, zu entrichten hatte.
[5] Das Wirtschaftspatent wurde damals nicht einer Person erteilt, sondern auf eine Liegenschaft ausgestellt, und zwar weil diese gewisse Bedingungen erfüllen musste. So berichtete Landjäger H. Baier 1901 der Polizeidirektion in Liestal: Vor zirka 3 Jahren seien 3 neue Patente erteilt worden: Wilh. Müller-Eglin, Jakob Lüscher-Gisin und Karl Meier-Ehrsam. Die ersten zwei haben nach Vorschrift je 2 Aborte und 1 Pissoir erstellen lassen, Meier nicht. Die Polizeidirektion wies darauf am 6. 9. 1901 den Wirt Karl Meyer-Ehrsam an, für bessere Aborteinrichtungen zu sorgen, und drohte im Unterlassungsfall mit Entzug bzw. Verweigerung des Patentes für 1902. Übrigens gab es bei einem Gesuch um Übertragung eines Patentes wegen dieser Regelung bis ins 20. Jahrhundert hinein immer wieder Schwierigkeiten und unnötige Umtriebe.
[6] Das waren einfache gehobelte Eichenbretter, die mit Wasser «geglättet» wurden. Nach jedem Schuss wurden die Kegel von den «Chaigelbuben» wieder aufgestellt, welche als Lohn ein Paar Batzen erhielten. Später konnte man sich ein gutes Sackgeld damit verdienen.