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Es war einmal das Hohmad…
Emma Kern wurde 1882 geboren. Der Vater war Banquier in Paris und die Mutter war eine Nachfahrin der berühmten Spiezer Familie von Bubenberg.
1908 heiratete sie Dr. jur. Karl Horber, welcher u. a. Initiant zur Gründung der Stiftung Pro Juventute war. Das kinderlose Ehepaar Horber–Kern zog drei Pflegekinder auf und wohnte ab 1916 im Berner Oberland.
1923 gründete sie das Mütter- und Kinderheim Hohmad, mit dem Ziel, dass ledige, schwangere Frauen, welche damals von der Gesellschaft geächtet und verstossen wurden, in Sicherheit gebären konnten. Dies verringerte die Säuglingssterblichkeit deutlich. Nach der Geburt wurde ihnen der richtige Umgang mit Säuglingen gelehrt und sie wohnten oft längere Zeit gemeinsam mit ihrem Kind im Hohmad, wo sie tatkräftig mithalfen und ihr Wissen an weitere junge Frauen weitergaben. Emma Horbers wichtigstes Anliegen war, dass Mutter und Kind zusammen aufwuchsen. Für ledige Mütter in ihrer schwierigen Lage sollte das Hohmad eine ruhige und sichere Zufluchtsstätte werden.
Später gebaren dort auch viele verheiratete Schwangere ihre Kinder, weil sich das Hohmad zu einer Geburtsstätte mit ausgezeichnetem Ruf entwickelte. Es arbeiteten dort Krankenschwestern und es wurden Schülerinnen zu Pflegerinnen ausgebildet. Die Geschichte des Hohmads ist eine Erfolgsgeschichte privaten Engagements.
Foto Grundbuchplan um 1900
Die Liegenschaft Hohmad war ursprünglich ein Bauernhaus, welches 1907 vom Besitzer Paul Thomann an den Möbelfabrikanten Friedrich Zwahlen verkauft wurde. Dieser baute das Gebäude um und betrieb es als Sommerpension «Jungfraublick». 1923 erwarb Emma Horber das Hohmad und gründete das Mütter- und Kinderheim.
Foto von Emma Horber mit Dr. med. Adeline Wyss
Adeline Wyss, treue Freundin von Emma Horber, war ab 1923 als Ärztin im Hohmad tätig. Nachdem sie sich mit Krankenpflege beschäftigt hatte, begann sie das Medizinstudium und schloss als eine der ersten schweizer Frauen das Studium erfolgreich ab. Die tüchtige, durchsetzungsstarke und mutige Medizinerin verlor 1940 durch einen tragischen Autounfall ihr Leben.
- Weltkrieg: 1940 wurde das Hohmad wegen befürchteter Bombardierungen (Nähe zur Kaserne und Bahnhof) ins Ferienheim Bärg–Sunneschyn ins Eriz evakuiert.
Während dieser Zeit wurden einige Räume des Hohmads als Offiziersmesse vermietet. Die Waschküche benützte der Frauenverein als Wäscherei für die Armeeangehörigen.
Ansichten des alten Hohmad…
1926 musste der Dachstock ausgebaut werden, um zusätzlichen Raum zu gewinnen.Ausserdem wurden noch drei Liegenschaften dazu erworben: ein Schülerinnenhaus,
ein Chalet für 8-10 Kinder mit Hausmutter, das Tannenheim für das “Höckli“ und die Schneiderei.
Die Freiwilligenarbeit, die damals für das Hohmad geleistet wurde, war enorm: Unzählige ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, Vereine, Organisationen und Unternehmen halfen mit, das Heim zu tragen. Man unterstützte finanziell, beim Organisieren wie z.B. den Wegglitag, den Bazar und den “Rosenball“ und packte allerlei Arbeiten an.
Die elektrische Waschmaschine und der Avro-Dry-Tumbler, die während der Kriegsjahre angeschafft wurden, vereinfachten die mühsame Wäsche von Hand.
Emma Horber: «So ne Mönscheliebi zündet wie ne Stärn ir dunkle Nacht».
Die letzten 69 Jahre…
1950 nahm der Kinderarzt Dr. Ammann seine Tätigkeit im Hohmad auf, was dazu führte, dass hier nun auch viele kranke Kinder hospitalisiert wurden.
1952 befanden sich ständig 30 Kinder in Pflege, hinzu kamen 90 Geburten pro Jahr. Der Platz wurde eng und die Entbundenen mussten mühsam auf einer Trage vom 1. in den 2. Stock getragen werden. Weil ein Umbau des Altbaus zu kostspielig geworden wäre, entschloss man sich zum Abriss und Neubau.
1956 beschloss der Bernische Grosse Rat sich am Neubau zu beteiligen.
1957 Einweihung des Neubaus. Das Haus war gut belegt, pro Tag wurden im Durchschnitt 40 Säuglinge und 14 Mütter versorgt.
1972 kam es zu einem massiven Einbruch der Belegung. Die Gründe dafür waren eine bessere Stellung der alleinstehenden Mütter, Verhütung durch die Pille, erleichterter Schwangerschaftsabbruch und Verlegungen in das Spital Thun.
1975 wurde aus finanziellen Gründen der leerstehende Raum zur Errichtung einer chirurgischen Klinik mit 20 Betten und einer Arztpraxis vermietet.
1976 Eröffnung der chirurgischen Klinik Hohmad, welche von einer Thuner Ärztegruppe um den Chirurgen Dr. Oleg
von Känel gegründet wurde.
1978 musste das Kinder- und Mütterheim Hohmad wegen mangelnder Nachfrage definitiv geschlossen werden. Der Verein Kinder- und Mütterheim Hohmad blieb weiter bestehen und vermietete und verwaltete das Gebäude.
Ab 1979 befanden sich 3 Mieter im Hohmad:
– Chirurgische Klinik mit Arztpraxis
– Übergangsheim der Kirchgemeinde Thun für Pflegebedürftige
– Hämodialysestation für die Region
1980 wurde der Verein Kinder- und Mütterheim Hohmad in die Stiftung Hohmad Thun umgewandelt. Die Stiftung verwaltet seither das Vermögen und unterstützt bedürftige Mütter und passende Institutionen.
2004 Kauf der Liegenschaft durch die Klinik Hohmad AG
ab 2006 nach Auszug von Übergangsheim und Dialysestation wurde der leerstehende Raum für den stetigen Ausbau einer modernen Klinik genutzt. U.a. für eine Augen- und Hausarztpraxis. Die Fachgebiete wurden weiter ausgebaut und ein neuer Operationssaal wurde eröffnet.
2017 Die Medaxo hat den Betrieb der Klinik Hohmad übernommen und weiter ausgebaut. In Planung ist ein Praxiszentrum mit verschiedenen Praxen.