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Seit etwas mehr als 80 Jahren sind in Luzern und Umgebung Militärjets eine alltägliche Sache. Die in Emmen stationierten Flieger sind immer wieder Ziel von Einsprachen und Volksbegehren, um deren Gedröhne und Gejaule einzuschränken oder gar ganz zu verbannen. Doch der 1939 eingeweihte Flugplatz ist – und bleibt wohl auch – ein Stück Emmer Geschichte.
Der Flugplatz in Emmen hat eine relativ kurze, aber dafür umso intensivere Vorgeschichte. Seinen Anfang nahm die Luftfahrt im Kanton Luzern im Jahr 1910 mit dem Bau einer Luftschiffhalle im Tribschenmoos.
Das allzeit defizitäre Unternehmen bot täglich Rundfahrten mit dem Luftschiff Ville de Lucerne an, ein Dienst, der jedoch wegen Pannen, Sicherheitsbeschwerden und fehlenden Einkünften schon zwei Jahre später wieder eingestellt wurde. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 wurden im Tribschenmoos noch Rundflüge mit Wasserflugzeugen angeboten.
Im 1914 beginnenden Weltkrieg wurde der militärische Nutzen von Kampfflugzeugen – und damit auch die Wichtigkeit von Flugbasen – deutlich aufgezeigt. Darum richtete das Militär 1918 auf der dazumal noch als Exerzierplatz genutzten Allmend einen Fliegerstützpunkt ein, der die Flugroute Zürich-Thun und Zürich-Tessin absichern sollte.
Ein eigener Flugplatz muss her
In den Zwischenkriegsjahren erkannte man immer mehr auch den wirtschaftlichen Nutzen von Flugzeugen. 1924 erklärte der Luzerner Stadtrat den Bau eines Zivilflugplatzes zum Ziel seiner Verkehrs- und Wirtschaftspolitik. Es lag nahe, den Fliegerstützpunkt der Armee auf der Allmend entsprechend umzubauen und zu vergrössern.
Doch damit fingen die ersten Probleme mit der von der Fliegerei betroffenen Bevölkerung an. Die auf der Allmend startenden Flugzeuge flogen oft in geringer Höhe über die Luzerner Wohnquartiere, welche unter Lärm und regelmässig herunterfallenden Ölspritzern zu leiden hatten. Zudem kam es auch immer wieder zu kleineren Unfällen.
Schon 1928 kam das Eidgenössische Luftamt in einer Expertise zum Schluss, dass Luzern einen Flugplatz brauche, aber die Allmend wegen der Platzverhältnisse ungeeignet sei. Allerdings wurde die Idee eines eigenen Flugplatzes beerdigt, nachdem es 1931 zu einem schweren Unfall kam: Beim Absturz eines Sportdoppeldeckers während eines Flugmeetings wurden drei Knaben getötet und 32 weitere Personen zum Teil schwer verletzt.
In den Folgejahren verlor der Flugplatz auf der Allmend wegen der Réduit-Strategie zunehmend an Bedeutung. 1946 wurde er zum Notlandeplatz deklariert und 1955 zog sich das Militär endgültig vom Flugplatz zurück.
In Emmen wird aufgerüstet
Während Luzern seinen Flugplatz verlor, kam es beim Nachbarn in Emmen zu einer umgekehrten Entwicklung: 1934 präsentierte das Eidgenössische Luftamt zwei Projektvorschläge für einen Zollflugplatz 1. Klasse auf dem Emmerfeld. Dies überzeugte weder Emmer noch Luzerner, jedoch wurde auch der Gegenvorschlag – der Bau eines Flugplatzes südlich von Inwil – vom Luftamt verworfen. 1936 wurde auch ein zweiter, überarbeiteter Projektvorschlag aus Kostengründen abgelehnt.
Ab 1936 nahm die Gefahr eines weiteren grossen Krieges in Europa zu. Auch in der Schweiz wurde entsprechend aufgerüstet, und die Flugplätze in Dübendorf, Payerne und Thun platzen aus allen Nähten. Ein neuer Trainingsflugplatz musst her, und zwar schnell.
Das Eidgenössische Militärdepartement (EMD) konnte mittels Wehranleihen die für einen Militärflugplatz erforderlichen Mittel zusammenbringen und 1937 dem Gemeinderat Emmen den Bau eines ständigen Militärflugplatzes inklusive Flugfabrik vorschlagen.
Dieser sprach sich einstimmig dafür aus. An der sich damit befassenden Gemeindeversammlung im Folgejahr wurde ein finanzieller Beitrag zum Bau des Militärflugplatzes mit einem Ja-Anteil von 89 Prozent beschlossen. 1938 begann der Bau der Pisten und der Flugzeughalle 1.
Das Ende der Diskussion?
Am 7. Juli 1939 landete erstmals ein Trainingsflugzeug – eine Bücker Bü-131 Jungmann – auf dem neuen Flugfeld in Emmen. «Die erste Landung steht symbolisch für den Start eines erneuten wirtschaftlichen Umschwungs von Emmen», schreibt der Gemeindepräsident Rolf Born (FDP) im Vorwort zur Jubiläumsschrift 80 Jahre Militärflugplatz Emmen.
In den Folgejahren wurden die Pisten mit einem Hartbelag versehen sowie die Flugzeughallen 2 und 3 errichtet. Zudem wurden auch eine Flugzeugmontagehalle und eine Flugabwehrkaserne errichtet. Mit dem Bau des Militärflugplatzes erübrigte sich der Wunsch der Luzerner Stadtregierung nach einem zivil nutzbaren Flugplatz jedoch nicht.
1948 wurde ein Antrag zur zivilen Mitbenutzung des Militärflughafens eingereicht, allerdings wurde dieser vom EMD kurzum abgelehnt. In den Folgejahrzehnten kam die Idee eines eigenen Zivilflugplatzes immer wieder auf. Der stetige Ausbau des Flughafens in Kloten sowie die ständig steigenden projizierten Kosten zum Bau und zur Aufrechterhaltung eines Flughafens zeigten jedoch auf, dass ein eigener, ziviler Flugplatz nicht (mehr) nötig und zudem kaum realisierbar ist.
Ja
Nein