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Als Beispiel: Caritas Baby Hospital
Seitdem Gregor Schubiger als junger Kinderarzt 1979 für ein halbes Jahr im Kinderspital in Bethlehem gearbeitet hat, ist er mit dieser Institution eng verbunden. Noch heute geht der pensionierte ehemalige Chefarzt des Kinderspitals des Luzerner Kantonsspitals regelmässig mit seiner Frau Elisabeth als Berater nach Bethlehem. Hier hat er nicht nur eine sinnvolle Aufgabe, sondern auch viele Freunde gefunden.
Bis heute ist das Caritas Baby Hospital in Bethlehem ein «Zeichen der Hoffnung» und eine «Säule der Kindergesundheit» in dem seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Seit 1964 nehmen die Schweizer Katholiken an Weihnachten ein Opfer auf, um den Weiterbestand dieses Kinderspitals zu sichern.
Heute sind die meisten Ärztinnen/Ärzte und das Pflegepersonal im Kinderspital Einheimische. Europäische Ärzte weilen nur noch für kürzere Zeit dort, als Ausbildner oder zur Qualitätssicherung, wie zum Beispiel Gregor Schubiger: «Ich freue mich noch heute jeweils, meine engagierten palästinensischen Kollegen wieder zu sehen, aber auch meine Bekannten in der Altstadt von Bethlehem», meint er schmunzelnd; etwa jenen Friseur, der ihm seit bald 40 Jahren in einem kargen Kellergewölbe in der Altstadt von Bethlehem auf dem immer gleichen klapprigen Stuhl das Haar schneidet und der ausser «Hello» kaum ein Wort Englisch spricht.
Ernst Schnydrig – der «Vater» des Caritas Baby Hospital
Entstanden ist das Kinderspital aus einer Initiative von Pater Ernst Schnydrig, nachdem dieser mit ansehen musste, wie an Heiligabend ein Vater in der Nähe eines palästinensischen Flüchtlingslagers sein Kind im Morast beerdigte. Schnydrig mietete für die medizinische Betreuung kranker Flüchtlingskinder in Bethlehem ein Gebäude, stellte 14 Betten hinein und geboren war das «Caritas Baby Hospital». 1963 wurde der Verein «Caritas Kinderhilfe Bethlehem» gegründet, die spätere «Kinderhilfe Bethlehem» mit Sitz in Luzern.
Heute ist das Kinderspital als einziges auf Kleinkinder spezialisiertes Kinderkrankenhaus im Westjordanland und dem Gazastreifen Anlaufstelle für rund 300’000 bis 500’000 Eltern von Babys und Kleinkindern. Es verfügt über eine Neugeborenenstation, zwei Pflegestationen, eine Intensivstation, eine Mütterschule sowie ein grosses Ambulatorium. Insgesamt beschäftigt das Spital 230 Angestellte und ist damit ein wichtiger privater Arbeitgeber im Westjordanland.
Gefälle zwischen staatlichen und privaten Spitälern
Seitdem die Schubigers 1979 mit ihren drei Kindern erstmals in Bethlehem weilten, hat sich das Gesundheitswesen im Westjordanland rasant entwickelt. Trotz der generellen Verbesserung der medizinischen Versorgung besteht aber immer noch ein grosses Gefälle zwischen staatlichen und von privaten Trägern geführten Spitälern, wie Gregor Schubiger betont. Das hat nicht zuletzt mit der chronischen Geldnot der palästinensischen Gesundheitsbehörden zu tun.
«Ja, das Caritas Baby Hospital ist meiner Meinung nach die mit Abstand beste Klinik im Westjordanland, aber es ist kein Luxusspital», betont Gregor Schubiger. Man arbeite nach dem Beat-Richner-Prinzip (dem Kinderarzt und Gründer der Kantha Bopha-Spitäler in Kambodscha): «Wir machen nicht alles, aber was wir machen, machen wir gut und richtig.» – Für Gregor Schubiger ist das Caritas Baby Hospital darum eine Kinderklinik mit einer Infrastruktur und Behandlungskonzepten, die heutigen internationalen Standards entspricht. Trotzdem ist er sich des Balanceaktes bewusst, «unsere Mission für die Ärmsten der Armen zu erfüllen und gleichzeitig ein hohes kindermedizinisches Niveau zu halten.»
Neue Ideen sind gefragt
Gregor Schubiger wird auch in Zukunft seine Erfahrung und seinen Sachverstand für die weitere Entwicklung des Caritas Baby Hospitals zu Verfügung stellen. Denn es tut sich eine Schere auf zwischen steigenden Betriebskosten auf der Ausgaben- und sinkenden Spendenerträgen auf der Einnahmenseite. Ideen sind gefragt, wie man den Selbstbeteiligungsgrad der Patienten ihren finanziellen Verhältnissen entsprechend erhöhen kann, welche die finanzielle Abhängigkeit vom Ausland vermindern, wie sich reiche emigrierte Palästinenser als Sponsoren für das Spital gewinnen lassen und das Spital einen sicheren Platz im palästinensischen Gesundheitssystem findet. Und dann gibt es auch ganz konkrete Projekte wie die Anschaffung eines MRI-Gerätes – «wenn wir die dringend nötige Neurologie auf den neusten Stand bringen wollen» – oder die Schaffung der Möglichkeit einfacher chirurgischer Behandlungen – «leider nur ein Fernziel». Bis jetzt nämlich werden Kinder, die operiert werden müssen, an andere Spitäler weitergeleitet, für schwierige Operationen auch nach Israel: «Zum Glück klappt auf fachlicher Ebene die Zusammenarbeit mit den Israelis sehr gut.»
Gregor Schubiger ist sich bewusst, dass das Caritas Baby Hospital auch in Zukunft nie finanziell völlig auf eigenen Beinen stehen wird. «Das hat auch sein Gutes, denn das Kinderspital wird im Westjordanland bewusst als Zeichen christlicher Präsenz wahrgenommen. Andererseits ist es für Menschen in der Schweiz ein konkretes Beispiel christlicher Caritas.»
Beat Baumgartner
Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem
Finanziert und betrieben wird das Caritas Baby Hospital von der Kinderhilfe Bethlehem in Luzern. Das Spital führt keine Operationen durch, sondern konzentriert sich auf die Behandlung von Kinderkrankheiten und auf die Gesundheitsprävention. Es bindet dazu die Mütter eng in den Heilungsprozess ihrer Kinder mit ein und verfügt auch über einen gut ausgebauten Sozialdienst. Alle Kinder erhalten Hilfe, unabhängig ihrer sozialen Herkunft und Religion.
Die meisten Behandlungen werden heute ambulant durchgeführt (2015: 35‘311), stationäre Behandlungen gab es 2015 noch 4‘654, mit einer mittleren Hospitalisationsdauer von 3.6 Tagen (1979: 14.2 Tage).
Das Fortbildungszentrum des Spitals bietet Kurse für Mitarbeitende wie Externe an. Palästinensische Ärztinnen und Ärzte können zwei Jahre ihrer Ausbildung zum Facharzt für Kinderheilkunde im Caritas Baby Hospital absolvieren. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligen sich die Eltern an den Behandlungskosten ihrer Kinder. 90 % der Betriebskosten werden allerdings bis heute durch Spenden aus der Schweiz, Deutschland, Italien, den USA und Österreich gedeckt.