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Der Tag ist perfekt für eine Reise in die Vergangenheit: Sean Hepburn Ferrer, 58, besucht nach Jahren den Ort seiner Kindheit. Am grossen Opening des Bürgenstock Resort erzählt der erste Sohn von Hollywood-Ikone Audrey Hepburn († 1993) und US-Schauspieler Mel Ferrer († 2008), wieso er 1960 ausgerechnet hier oben geboren wurde.
Mister Hepburn, wie ist es, wieder hier zu sein?
Simply wonderful! Als ich heute Morgen mit dem Schiff von Luzern hierher und dann mit der Standseilbahn hochfuhr, wurde ich von meinen Emotionen überwältigt. Ich habe so viele schöne Erinnerungen an diesen Ort. Es fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen.
Sieht es noch so aus wie damals?
Wenn ich in die Berge schaue, hat sich nichts verändert. Richtung See und Bürgenstock Resort jedoch ist nichts mehr, wie es war.
Haben Sie damals im Hotel gewohnt?
Nein, meine Eltern und ich lebten in der Villa Bethania, gleich hinter der Kapelle.
Ihre Mutter Audrey war britischholländischer Abstammung und ein gefeierter Hollywood-Star. Warum wählte sie die Schweiz als Wohnort?
Eigentlich war es die Idee meines Vaters. Meine Mutter musste während des Zweiten Weltkriegs viel erdulden, sie war stark unterernährt. Danach arbeitete sie wie verrückt. Sie stand unter enormem Druck. Mein Vater wollte sie beschützen und suchte für sie einen Ort des Friedens und der Ruhe.
Warum gerade der Bürgenstock?
Mein Vater war befreundet mit dem damaligen Hoteldirektor Fritz Frey. Darum kamen sie hierher und blieben neun Jahre. Meine Mutter liebte den Sommer. Doch die harten Winter machten ihr immer mehr zu schaffen. Es hatte unglaublich viel Schnee. Ich habe noch ein Foto, das mich als kleiner Knirps mit meiner Mutter auf einem Holzschlitten zeigt, wie wir den Weg vom Haus zur Kapelle runterfahren.
Ihre Eltern haben 1954 in dieser Kapelle geheiratet.
Ja, hier wurden viele Versprechen gemacht.
Haben Sie selber auch hier geheiratet?
Ich habe mehrmals geheiratet, aber nie hier (lacht).
Meine Mutter wollte unbedingt in der Schweiz bleiben
Warum ist die Familie 1963 an den Genfersee zogen?
Meine Mutter liebte die Schweiz und wollte unbedingt hier bleiben, aber meine Eltern wünschten sich ein milderes Klima. Also machte sie eines Tages einen Haufen Sandwichs, füllte eine Thermoskanne mit warmem Tee, und wir fuhren mit unserem weissen Peugeot 605 nach Tolochenaz am Genfersee.
Wenn Sie das neue Resort mit vier Hotels, neun Restaurants und Bars sehen – überkommt Sie da Wehmut?
Für mich sind die royale Familie aus Katar – die Mäzene – die Medicis des 21. Jahrhunderts. Wenn man mehr als 500 Millionen in ein Projekt investiert, das sich niemals auszahlen wird, dann nur, weil man etwas Einzigartiges und Wunderschönes erhalten will.
Haben Sie je daran gedacht, wieder auf dem Bürgenstock zu leben?
Meine Mutter verbrachte hier die glücklichste Zeit ihres Lebens! Ich erinnere mich genau, wie meine Eltern – sie im langen Hausmantel, bei Kerzenlicht im Wohnzimmer – zu Bossa-nova-Rhythmen der 60er-Jahre tanzten. Doch sie waren beide starke Charaktere, und der Rest ist Geschichte. Nach der Scheidung meiner Eltern heiratete meine Mutter einen italienischen Arzt, und wir zogen nach Rom. Später, in den 70er-Jahren, war ich im Internat, weil sie Angst vor einer Entführung hatte. Danach bekam ich ein Angebot als Produktionsassistent für einen Film und blieb in Los Angeles hängen – bis zum Tod meiner Mutter.
Meine Mutter wollte zum Sterben zurück in die Schweiz
War es eine Bürde, Sohn einer so berühmten Mutter zu sein?
Ich habe lange über diese Frage nachgedacht. Ich fühlte mich nie als Sohn eines Filmstars oder einer Berühmtheit. Der Hauptgrund für die Beliebtheit meiner Mutter ist, dass sie für die Menschen nicht der Hollywood-Star war, sondern das Mädchen von nebenan, das ihr kleines Schwarzes anzog und in die Welt hinauszog. Sie war eine von uns. Und genauso bodenständig war sie auch im wahren Leben. Die Wahrheit ist, dass sie sehr sparsam und zurückhaltend war. Ich war der Unterhalter in der Familie, und heute ist es für mich die schönste Erinnerung, dass ich meine Mutter immer zum Lachen brachte. Als Unicef-Botschafter führe ich ihr humanitäres Werk weiter und sehe so viel Elend. Umso mehr weiss ich die Schönheit eines so traumhaften Ortes wie diesen hier zu schätzen.
Audrey Hepburn starb mit nur 63 Jahren an einer sehr seltenen Krebserkrankung …
Sie kam mit furchtbaren Bauchschmerzen von einer Somalia-Reise zurück. Die Ärzte fanden die Ursache lange nicht. Als klar war, dass meine Mutter sterben würde, wollte sie unbedingt zurück in die Schweiz. Dahin, wo sie zu Lebzeiten am glücklichsten war.