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Psychopathie – Eine tiefgreifende und meist nicht heilbare Persönlichkeitsstörung
Psychopathie ist eine Zusammensetzung von Persönlichkeitsmerkmalen, zu denen unter anderem oberflächlicher Charme, Egozentrismus, mangelnde Empathie, Unzuverlässigkeit, Aggressivität und Impulsivität gehören. Psychopathen zeigen ein antisoziales Verhalten, das sich beispielsweise in Manipulation, mangelnde Reue sowie mangelnde Sorge um andere zeigt. Bei Psychopathie wird von einem chronischen Verlauf ausgegangen, deren Ausprägungen sich ab dem 40. Lebensjahr abschwächen können (aber nicht müssen).
Psychopathie nach DSM-5
Psychopathie gilt nach DSM-5 (Falkai et al., 2015) als Synonym für Soziopathie oder dissoziale Persönlichkeitsstörung und ist als eine besondere Form der antisozialen Persönlichkeitsstörung zu betrachten. Als Hauptmerkmal sowie charakteristisches Verhaltensmuster der antisozialen Persönlichkeitsstörung gilt „ein tiefgreifendes Muster von Missachtung und Verletzung der Rechte anderer, das in der Kindheit oder frühen Adoleszenz beginnt und bis in das Erwachsenenalter fortdauert“. Gemäss dem DSM-5 kennzeichnet sich Psychopathie zusätzlich „durch mangelnde Angst oder Furcht und durch einen dreisten interpersonellen Stil aus, der maladaptive Verhaltensweisen (z. B. Betrügerei) verdecken kann“. Diese psychopathische Variante einer antisozialen Persönlichkeitsstörung ist für die Diagnose zusätzlich charakterisiert „durch ein geringes Ausmass an Ängstlichkeit […] und an sozialem Rückzug […] sowie durch ein hohes Ausmass an Suche nach Aufmerksamkeit […]“.
Psychopathen fallen in der Regel bereits in der Kindheit auf
Es kann davon ausgegangen werden, dass die für Psychopathie typischen Persönlichkeitsmerkmale relativ stabil (unveränderbar) sind und in der Regel bereits im frühen Lebensalter vorliegen. Diagnostiziert wird Psychopathie, resp. eine antisoziale Persönlichkeitsstörung erst nach Vollendung des 18 Lebensjahres, wobei Anzeichen dafür bereits vor dem 15 Lebensjahr vorliegen. Das Gehirn entwickelt sich bis ins Erwachsenenalter bedeutsam weiter und dies kann unter anderem einen Einfluss auf Impulskontrolle sowie Emotionsregulation haben.
Wie viele Menschen sind von Psychopathie betroffen?
Glücklicherweise weisen schätzungsweise nur 1% bis 5% der Allgemeinbevölkerung psychopathische Persönlichkeitsmerkmale auf. In Gefängnissen darf von einer höheren Prozentzahl ausgegangen werden. Psychopathen weisen zudem eine ca. 20-mal höhere Wahrscheinlichkeit auf, mindestens einmal im Leben straffällig und inhaftiert zu werden. Die Rückfallquote ist bei Psychopathen ebenfalls um ein Vielfaches höher als bei Personen, die keine psychopathische Persönlichkeitsstörung haben.
Psychopathen können grossen Schaden anrichten
Trotz dem kleinen Anteil an Psychopathen unter uns, sind die Auswirkungen auf die Gesellschaft nicht zu unterschätzen. Diese können weitreichend und schwerwiegend sein, da Psychopathen grossen persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Schaden anrichten können. Zudem bleiben Psychopathen für ihre Taten nicht selten unbestraft, da sie gekonnt manipulieren und es verstehen, ihren Charme und ihre opportunistische Anpassungsfähigkeit einzusetzen, um andere zu täuschen. So kann es beispielsweise Führungskräften mit psychopathischen Merkmalen gelingen, trotz negativer Leistungsbeurteilungen, auf der Karriereleiter immer höher zu kommen. Dies vor allem in Unternehmen, die primär auf kurzfristige und monetäre Ziele ausgerichtet sind. Dies lässt sich mit den Vorstellungen von so manchem Psychopathen gut vereinbaren, da diese eher ungeduldig sind und eher bereit sind, ihre Ziele auch sehr rücksichtlos zu verfolgen. Längerfristig muss jedoch von negativen Auswirkungen ausgegangen werden, da gerade Vorgesetzte mit psychopathischen Merkmalen einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden und die berufsbezogenen Einstellungen von Mitarbeitenden haben können.
Psychopathen erkennen mit den 16 Kriterien von Hervey M. Cleckley (1941)
Der moderne Begriff der Psychopathie geht auf den amerikanischen Psychiater Hervey M. Cleckley zurück und wurde vor allem von Robert D. Hare weiterentwickelt und geprägt. Cleckley sah 16 Kriterien als Grundlage zur Erfassung von Psychopathie (Tress, Wöller, Hartkamp, Langenbach & Ott, 2002, S. 95):
- Oberflächlicher Charme und durchschnittliche bis überdurchschnittliche Intelligenz
- Keine Wahnvorstellungen oder andere Anzeichen irrationalen Denkens
- Abwesenheit von Nervosität oder anderen psychoneurotischer Symptomen
- Unzuverlässigkeit
- Falschheit und Unaufrichtigkeit
- Mangel an Reue und Schuldgefühlen
- Antisoziales und unzureichend motiviertes Verhalten
- Schlechtes Urteilsvermögen und Unfähigkeit, aus Erfahrung zu lernen
- Pathologische Egozentrik und Liebesunfähigkeit
- Mangel an tiefen und dauerhaften Emotionen
- Fehlen jeglicher Einsicht
- Unverantwortlichkeit in allgemeinen zwischenmenschlichen Beziehungen
- Launisches und anstössiges Verhalten, sowohl unter Alkoholeinfluss wie auch manchmal nüchtern
- Geringe Neigung zum Selbstmord
- Unpersönliches, triviales und schlecht integriertes Sexualleben
- Nichteinhaltung eines Lebensplans
Psychopathie wird bei Frauen weniger oft diagnostiziert
Obschon die Diagnose Psychopathie bei Frauen seltener gestellt wird, ist es nicht erwiesen, dass es tatsächlich mehr Psychopathen als Psychopathinnen gibt. Bei der Diagnose wird in der Definition von antisozialem Verhalten ein starkes Gewicht auf aggressive Kriterien gelegt. Dies könnte ein Grund dafür sein, weshalb Psychopathie öfters bei Männern als bei Frauen diagnostiziert wird.
Risikofaktoren für Psychopathie
Als Haupt-Risikofaktoren gelten genetische Faktoren. Das heisst, dass im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung Psychopathie bei biologischen Verwandten 1. Grades häufiger auftritt. Jedoch spielen auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle und somit die Bedingungen, in denen ein Mensch aufwächst. Das Risiko für die Entwicklung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung steigt, wenn ein Kind Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Substanzemissbrauch ausgesetzt ist. Dies bedeutet, dass ein Mensch auch zu einem Psychopathen werden kann und nicht zwingend bereits als Psychopath zur Welt kommt. Auch in diesem Fall zeigt sich, wie entscheidend die Kindheit und die Umstände und Bedingungen, in denen wir aufwachsen, unser Leben und unser Sein massgeblich beeinflussen und sogar bestimmen.