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Ein Antiepileptikum von Sanofi kann zu schweren Missbildungen führen. Tausende Kinder sind betroffen. Der Konzern wird mit Klagen eingedeckt. Eine Strafanzeige kommt auch aus der Schweiz.
Bis zu 4100 Kinder sind in Frankreich wegen des Antiepileptikums Valproate mit schweren Missbildungen auf die Welt gekommen. Zu diesem Ergebnis kommt die französische Arzneimittelaufsicht ANSM in einer am Donnerstag in Paris vorgelegten ersten Schätzung.
Demnach haben Frauen, die während der Schwangerschaft Valproate zu sich nehmen, ein vierfach erhöhtes Risiko, ein Kind mit schweren Missbildungen auf die Welt zu bringen. Untersucht wurden Geburten seit der Einführung des Medikaments Depakine mit dem Wirkstoff Valproat im Jahr 1967. Das vom französischen Pharmariesen Sanofi hergestellte Medikament wird gegen Epilepsie verschrieben. Der Wirkstoff wird auch gegen bipolare Störungen eingesetzt.
Lange bekannt
Seit Anfang der 1980er Jahre ist die Gefahr von Missbildungen bei Babys bekannt. Betroffene Familien gehen in Frankreich mit juristischen Mitteln gegen Sanofi vor. Sie werfen dem Pharmakonzern vor, schwangere Frauen nicht hinreichend informiert zu haben.
Seit 2015 darf Valproat schwangeren Frauen oder Frauen in gebärfähigem Alter nur noch verschrieben werden, wenn andere Medikamente nicht anschlagen.
Strafanzeige in der Schweiz
Auch in der Schweiz hat eine Frau Strafanzeige gegen Sanofi und das Unispital Lausanne gestellt, da diese die Behinderung ihrer Kinder mitverschuldet hätten. Die Frau hatte jahrelang das Epilepsiemedikament Depakine eingenommen, auch während ihrer Schwangerschaft. Depakine enthält ebenfalls den Wirkstoff Valproat.
Nach Angaben ihrer Anwältin, nimmt die betroffene Frau Depakine seit ihrer Jugend ein. Ihre in den Jahren 2002 und 2004 geborenen Kinder litten an «schweren kognitiven Beeinträchtigungen und Autismus und müssen die Schule in einer spezialisierten Einrichtung besuchen», sagte Anwältin Jessica Jaccoud der Nachrichtenagentur sda.
Nur Zivilklagen
Als ihre Klientin schwanger gewesen sei, habe sie sich auf «spina bifida» und die sogenannte Nasen-Gaumen-Spalte testen lassen. Dass aber auch das Risiko bestehe, dass ihre Kinder wegen Depakine schwer geistig beeinträchtigt sein könnten, darüber habe sie kein Mediziner aufgeklärt.
Stattdessen hätten ihre Ärzte während der Schwangerschaft die Depakine-Dosis noch erhöht. Dabei seien auch diese Risiken zum Zeitpunkt der Schwangerschaft bereits bekannt gewesen. Es sei die erste Strafanzeige wegen Depakine in der Schweiz, sagte Jaccoud. Bislang gebe es nur Zivilklagen.
(sda/ise)