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a) Vorhandene Schriften.
1. „Über das Schöpfungswerk Gottes“ (De opificio Dei), um 304 verfaßt. In den zwanzig Kapiteln dieses Werkes sucht Laktantius den Organismus des menschlichen Leibes, der anatomisch und physiologisch beschrieben wird, gegen Epikur und die übrigen Tadler der Vorsehung als Werk Gottes, als kunstreiches Gebilde einer zweckbewußten und erhabenen Intelligenz darzustellen. Eine Übersetzung in der folgenden Auswahl.
2. „Die göttlichen Unterweisungen“ (Institutiones divinae), das Hauptwerk des Laktantius. Dasselbe verfolgt den doppelten Zweck, den ganzen heidnischen Götterglauben als falsch und nichtig zu erweisen und an seiner Stelle das christliche Lehrgebäude aufzurichten. Benannt ist es nach den Lehrbüchern der Rechtswissenschaft, Institutiones juris civilis.
[S. 015] Das erste und zweite Buch handelt von den griechischen und römischen Gottheiten, die nach dem Verfasser alle aus Menschenvergötterung entstanden sind, und an denen sich genug des Lächerlichen, Seltsamen und Schandbaren findet. Das dritte Buch wendet sich gegen die gepriesene heidnische Weisheit, die über keine der Fragen, die für das menschliche Leben Bedeutung haben, mit sich einig war, und deren Vertreter meist so wenig in ihrem Leben mit ihren Lehren übereinstimmten. Im vierten Buche legt der Verfasser die wahre Weisheit dar, die in Christus, dem Sohne Gottes, gemäß den Weissagungen der Propheten auf Erden erschienen ist; Christus hat allen die wahre Weisheit, d. h. die rechte Gotteserkenntnis, gelehrt, alle durch seinen Opfertod mit Gott versöhnt und in der katholischen Kirche seine Gnade und Wahrheit hinterlegt. Das fünfte Buch hat zum Gegenstande die Gerechtigkeit, die für die menschliche Gesellschaft notwendigste Tugend; diese sei aber jetzt, wo schuldlose Menschen um ihres Glaubens willen hingemordet und ärger als Räuber und Mörder behandelt würden, von der Erde gänzlich verschwunden und werde nicht eher wiederkehren, als bis der ruchlose Götterdienst ausgerottet sei. Das Buch schöpft aus dem Erlebten und ist von eigentümlicher Kraft und Schönheit der Gedanken und der Sprache. Das sechste Buch handelt von der wahren Gottesverehrung, die in der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott und in der Billigkeit und Gerechtigkeit gegen den Nebenmenschen bestehe. Im siebenten und letzten Buche ergeht sich der Verfasser in den für die Gläubigen jener Zeit besonders lieblichen Vorstellungen vom tausendjährigen Reiche, wo der Satan gebunden ist und die Frommen, von keiner Ungerechtigkeit mehr bedrängt, mit Christus in Glück und Freude auf Erden herrschen. Dann wird der Satan wieder losgebunden, die Gläubigen geraten von neuem in die schwersten Bedrängnisse, aber in kurzem erfolgt die Wiederkunft Christi und die Vollendung der Dinge, und mit der allgemeinen Auferstehung und der entgültigen Ausscheidung der Guten und Bösen schließt die Weltgeschichte ab.
[S. 016] 3. Um das Jahr 315 hat Laktantius auf Ansuchen des „Bruders Pentadius“ einen„Auszug“ aus den Institutionen in zweiundsiebzig Kapiteln verfaßt, in welchem er in selbständiger Bearbeitung und besonders in weiterer Ausführung der christlichen Tugenden im allgemeinen dem Gange der Institutionen folgt. Dieser „Auszug“ ist den „Ausgewählten Schriften“ beigegeben.
4. Das Buch „Vom Zorne Gottes“ (De ira Dei) ist nach den Institutionen verfaßt und sucht gegen Epikureer und Stoiker den Nachweis zu liefern, daß in Gott Zorn und Gnade sein müsse, d. h. Strafe gegen die Bösen und Belohnung für die Guten, weil sonst alle Religion, ja die ganze Wesenheit Gottes aufgehoben würde. Das Buch ist in die „Auswahl“ aufgenommen.
5. Das Werk „Von den Todesarten der Verfolger“ (De mortibus persecutorum), das jetzt allgemein dem Laktantius zugeschrieben wird, ist 314 oder 315 verfaßt und schildert in lebhafter Sprache die miterlebten Schrecknisse der diokletianischen Verfolgung und die Strafgerichte Gottes gegen die Verfolger. Das für die Zeitgeschichte überaus wertvolle Buch ist ebenfalls in die Sammlung aufgenommen.
6. Laktantius gilt auch als Verfasser des aus fünfundachtzig Distichen bestehenden Gedichtes über den „Vogel Phönix“ (De ave Phoenice), der aus seiner eigenen Asche wieder ersteht.
b) Verlorene Schriften.
1. „Das Gastmahl“ (Symposium).
2. „Die Reise von Afrika nach Nikomedien“ (Hodoeporicum).
3. „Der Sprachlehrer“ (Grammaticus).
4. „Zwei Bücher an Asklepiades“.
5. „Vier Bücher Briefe an Probus“.
6. „Zwei Bücher Briefe an Severus“.
7. „Zwei Bücher Briefe an Demetrianus, seinen Zuhörer“.
Der Inhalt dieser Schriften gehört fast ausschließlich dem Gebiet der Berufswissenschaft des Verfassers an. Die Schriften finden sich sämtlich bei Hieronymus im Buche De vir. ill. c. 80 aufgeführt.