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Die 1650 km lange Strecke bis zum KapComorin an der Südspitze der Halbinsel (zuerst Konkan-, dann Malabarküste
genannt) verläuft ohne einen bedeutendern Vorsprung oder Einschnitt. Im südlichsten Teil ziehen sich Strandseen hinter schmalen
Nehrungen hin. Gute Häfen gibt es wenige. Karatschi wurde erst mit großen Kosten zu einem Hafen geschaffen und ist mühsam zu
erhalten. Dann folgen Mandawi, Diu, Gogo und Bhawnagar, Barotsch, Surate, Daman, die alle Bombay weit überflügelt,
dessen vortreffliche Reede freilich noch mancherlei Einrichtungen für den Schiffsverkehr bedarf; dann Pandschim, Karwar, Kananor,
Mahi, Beypur und Kotschin.
Häfen sind hier: Mergui, Tavoy, Maulmain, Rangun,
[* 17] Bassein, Akyab und Tschittagong. Viel mannigfacher als die horizontale ist
die vertikale GliederungOstindiens. Man kann in Vorderindien fünf Gebiete unterscheiden, zu denen als
sechstes das hinterindische hinzutritt. Diese sind: das Himalajagebirge mit seinen vorgelagerten Ketten, die große Ebene,
die sich von den Mündungen des Indus bis zu denen des Ganges ausdehnt, die Ebenen an der Meeresküste, ein nördliches und
ein südliches Plateau, endlich das hinterindische Gebiet.
Den Himalaja begleiten Längsketten, welche ziemlich schroff in die sich anschließend große Ebene abfallen. Dies ist die
Region, die, noch des reichsten Anbaues fähig, in klimatischer Beziehung dem Europäer am meisten zusagt, weshalb die Engländer
hier ihre Gesundheitsstationen (Simla, Dardschiling u. a.) für Truppen und Beamte angelegt haben. Am Südrand
ziehen sich noch Parallelzüge von niedrigen Sandsteinhügeln hin, welche die fruchtbaren Längsthäler, die Duns, von der
Ebene trennen.
Der Südfuß des Himalaja ruht auf der indischen Tiefebene, die nach Bodencharakter und klimatischen Verhältnissen in zwei
ganz verschiedene Teile zerfällt. Der Westen, mit dem Flußgebiet des Indus zusammenfallend, ist im wesentlichen
ein Steppen- und Wüstenstrich; doch zieht sich im N. ein von zahlreichen Flußadern durchfurchter, hochkultivierter Landstrich
hin. Den äußersten Nordosten nimmt dagegen das Salzgebirge ein, wo das reine Steinsalz in mächtigen Lagern auftritt.
Östlich vom Indus breitet sich die nur in einzelnen Oasen bewohnte indische Wüste, der Thar, aus, deren
südlichen Raum das Ran bildet, ein mächtiger, durch die InselKatsch vom Meer getrennter Salzsumpf. Das östliche indische Tiefland
wird fast in seiner ganzen Länge durch einen wenige Kilometer breiten Streifen sumpfiger Waldlandschaft vom Gebirge getrennt,
das Tarai. Hart daran stößt die große Ebene von Hindostan, die, soweit der Einfluß des fließenden Wassers
reicht, von unerschöpflicher Fruchtbarkeit, leider aber äußerst ungesund ist. Am Rande des Gangesdelta bilden die Sanderbands
ein Gewirr zahlloser entstehender und vergehender Inseln voll dichten Urwaldes.
Das vorderindischeHochland, welches den größern Teil der Halbinsel umfaßt, ist eine ringsum isolierte Bergmasse. Gewöhnlich
wird es als Dekhan bezeichnet, doch beginnt dies eigentlich erst beim Durchbruch der Tapti im W. Dort erheben sich steil die
Westghats, eine Reihe in der Richtung des Meridians aneinander gesetzter Ketten, die, im Mittel bis 1500 m hoch, nur im S. höher
aufsteigen, wo die Nilgiri den Abschluß bilden und sich bis 2546 m erheben. Hier sind die Gesundheitsstationen
Mahabaleschwar und Puna.
Die östliche Küstenebene wird begrenzt durch die Ostghats. Zwischen beiden Ghats breitet sich eine große, 600-700 m hohe,
größtenteils trockne und steppenartige Plateaumasse aus. Das nördliche zentralindische Plateau beginnt im S. mit dem Satpuragebirge;
im W. ist die waldreiche Hochebene durch die schmale und steile Arawalikette begrenzt, die zugleich das
Bollwerk gegen den Sand der indischen Wüste bildet; an der Nordseite des Thals der Narbada zieht sich die langgestreckte Windhyakette
hin. Die Ebenen an der Meeresküste, im Osten der Halbinsel viel breiter als im W., sind wohlbewässert
und haben eine üppige Vegetation; zwischen KapComorin im S. und der Godaweri im N. sind sie durch ihre Reisernten die Kornkammer
Indiens. Hier treten regelmäßig die Monsune auf; die Bai vonBengalen und ihre Uferländer sind von Drehstürmen (Cyklonen)
stark heimgesucht. Der in Hinterindien gelegene Teil
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Dahin ziehen auch die Flüsse des Dekhan, wie Kistna, Pennar und Kaweri. Die kurzen Küstenflüsse der Westküste stürzen über
die Westghats in jähem Lauf zur schmalen Randebene. Als Wasserstraßen sind nur Ganges, Brahmaputra, Indus und Irawadi von Wert;
auf die Schiffbarmachung der Godaweri wurden nahezu 1½ Mill. Pfd. Sterl. vergebens verwandt. Von den
Flüssen Südindiens ist keiner schiffbar; doch sind die meisten von vielen Flüssen ausgehenden Bewässerungskanäle so angelegt,
daß sie zugleich der Schiffahrt dienen können. An Seen ist das Land äußerst arm. Der größte ist der 891 qkm (16
QM.) umfassende Tschilkasee in Orissa, der nächst größte der SalzseeSambhar in Radschputana; in Kaschmir
[* 19] liegt der 260 qkm
(5 QM.) große Wularsee. Durch Querdämme in Thälern hat man zumeist in Südindien große künstliche Seen hergestellt, darunter
den 30 qkm großen Radschnagarteich.
Das KlimaIndiens ist, wenn man von dem hohen Gebirgswall des Himalaja absieht, eins der heißesten der
Erde. Die mittlere Temperatur ist natürlich am höchsten im S., die höchsten Temperaturgrade überhaupt kommen aber im trocknen
Nordwesten vor. Auf die Gesundheit der Bewohner wirken die klimatischen Einflüsse periodisch im höchsten Grad verderblich
ein. Das Ausbleiben der Regen zu rechter Zeit hat wiederholt Hungersnöte zur Folge gehabt, welche große
StreckenIndiens heimsuchten und Millionen von Menschen hinrafften.
Cyklone vernichteten durch die über die flache Küste getriebenen Meeresfluten wiederholt die Ortschaften ganzer Gegenden
mit ihren Bewohnern, während Cholera und Fieber fast unaufhörlich das Menschenmaterial Indiens schwächen. Für Europäer
ist ein längerer Aufenthalt nur unter Beobachtung größter Vorsicht möglich; europäische Kinder aber müssen schon früh
in ein kühleres Klima
[* 20] geschickt werden. Die Errichtung zahlreicher Gesundheitsstationen im Himalaja und in den Nilgiri hat
sich namentlich für die europäischen Soldaten sehr wohlthätig erwiesen.