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Keine andere Mannschaft hat neben Davos so viel zur Popularität des Spengler Cups beigetragen wie Team Canada. Ohne die Kanadier wäre es vielleicht nicht gelungen, den Status des Turniers im 21. Jahrhundert zu wahren.
Die Auftritte der Kanadier beim Spengler Cup sind so selbstverständlich geworden, dass kaum mehr jemand daran denkt, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass die kanadische Nationalmannschaft jedes Jahr nach Davos kommt. Die Kanadier nominieren sonst nur noch für die WM-Turniere jedes Jahr ihr Nationalteam. Es ist an der Zeit wieder einmal die Geschichte zu erzählen, wie die Davoser zu den Kanadiern gekommen sind.
Wir müssen genau 30 Jahre, bis ins letzte Jahrhundert zurückgehen. Alfred «Buzz» Gfeller ist ein ehemaliger HCD-Spieler und steht als Assistent an der Bande, als Spielertrainer Paul-André Cadieux den HCD im Frühjahr 1979 in die NLA zurückführt. Er wird schliesslich mit der Organisation des Spengler Cups betraut.
Der Bankfachmann ahnt, dass die Zeiten ändern werden. Dass die russischen und tschechoslowakischen Teams auf Dauer dem Turnier zu wenig Glanz und Gloria und Medienpräsenz bringen. Und hat die Lösung: Es muss gelingen, die Nordamerikaner fest in den Spengler Cup zu integrieren. Kanada ist das Mutterland des Hockeys. Die Kanadier sind die traditionellen Rivalen der Russen, sie pflegen einen spektakulären Stil, sind bei den Fans populär und können das Turnier ins 21. Jahrhundert retten.
Aber wie den kanadischen Amateurverband (Hockey Canada) davon überzeugen, jedes Jahr ein Team nach Davos zu entsenden? Es scheint unmöglich. Fast drei Jahre lang arbeitet Alfred Gfeller beharrlich an jener Verpflichtung, die dem Spengler Cup bis heute Schub verleiht: 1982 fragt er erstmals offiziell an. Er bekommt Absage um Absage. Aber er lässt einfach nicht locker. Bis die Kanadier irgendeinmal denken, dass es sich beim Spengler Cup wohl doch um eine ganz besondere Sache handeln muss. Am 14. Juni 1984 bekommt Alfred Gfeller den Telex aus dem Hauptquartier des kanadischen Amateurverbandes in Calgary: «We are prepared to send Team Canada 1984.»
Der Weg der kanadischen Invasion nach Davos ist damit frei und bereits bei ihrer ersten Teilnahme gewinnen die Kanadier 1984 unter Cheftrainer Andy Murray das Turnier durch ein sensationelles 4:3 gegen Chimik Woskresensk. Die Kanadier haben den Spengler Cup bisher 1984, 1986, 1987, 1992, 1995, 1996, 1997, 1998, 2002, 2003, 2007 und 2012 gewonnen.
1989 wird Fredi Pargätzi Alfred Gfellers Nachfolger und managt das Turnier bis heute. Er ist das pure Gegenteil seines Vorgängers. Ihm fehlt der Hang zur freundlichen Selbstdarstellung, das Charisma des grossen Machers, das «Buzz» Gfeller erst die Entwicklung des Turniers, die Verpflichtung der Kanadier ermöglichte. Aber diese Qualitäten sind ihm im Dorf in gewisser Weise zum Verhängnis geworden. Die Zahl der Neider wurde zu gross. In den Bergen ist der Neid neben dem Föhn die stärkste Naturgewalt.
Deshalb ist es nicht ganz so überraschend, dass Alfred Gfeller für seine historische Leistung nicht die Anerkennung geerntet hat, die er verdienen würde. Er ist vielmehr in einer Dorfintrige allen Hockey-Ämtern enthoben worden und hat dann sein Glück als Bankdirektor im Kanton Bern gefunden. Inzwischen hat er mit der Vergangenheit längst Frieden geschossen und lebt seit seiner Pensionierung wieder in seiner alten Heimat Davos.
Bald zeigt sich, dass der Pragmatiker Fredi Pargätzi genau die richtige Persönlichkeit ist, um diesen Grossanlass im Spannungsfeld zwischen HC Davos und Liga, Dorf- und Hockeypolitik, Kommerz und Sport, Provinz und grosser weiter Welt zu entwickeln. Der Spengler Cup ist in der Hand des HC Davos geblieben, die Gesamtzuschauerzahl hat sich bei über 70'000 eingependelt, das Turnier bringt jedes Jahr einen siebenstelligen Betrag in die Klubkasse und ermöglicht inzwischen auch einem zweiten NLA-Team die Teilnahme. Ab 2015 übernimmt der HC Davos die Vermarktung wieder selber. Jahrelang hatten verschiedene grosse Agenturen (APG, IMG) dem HC Davos einen Pauschalbetrag bezahlt und das Turnier auf eigene Rechnung vermarktet.
In zähen, langwierigen Verhandlungen ist es gelungen, die NLA-Meisterschaftspause während der Altjahrswoche und damit die Live-TV-Übertragungen zu sichern. Zwar nicht ganz gratis: Der HCD muss seit 2012 die zehn nicht am Spengler Cup teilnehmenden Klubs während den zehn Jahren mit durchschnittlich 50'000 Franken pro Saison entschädigen. Aber der Spengler Cup ist inzwischen sowohl in der Schweiz als auch im internationalen Hockeybusiness des 21. Jahrhunderts als Sportanlass etabliert. Dank der Kanadier und inzwischen auch dank den exzellenten Beziehungen zur grossrussischen KHL.
Team Canada sichert dem Spengler Cup die TV-Präsenz in Kanada. Die Live-Übertragungen haben das Turnier in Kanada enorm populär gemacht. Die Einsätze beim Spengler Cup zählen für die Kanadier als Länderspiele, Team Canada ist die kanadische Nationalmannschaft. Beim Transfer eines kanadischen Spielers verpflichten sich die Klubs für die Freigabe für Länderspiele. Die NLA Klubs müssen also die kanadischen Spieler für den Spengler Cup freigeben.
Einige verzichten freiwillig auf die Teilnahme, andere beharren darauf, und so muss beispielsweise Langnau in den NLB-Meisterschaftspartien während der Spengler-Cup-Pause ohne seinen Topskorer Chris DiDomenico auskommen. Team Canada besteht grösstenteils aus Nationalliga-Kanadier, den Kern bildet diesmal die bernische Leibgarde von Coach Guy Boucher. Der SCB-Trainer bringt Torhüter Nolan Schaefer und die drei SCB-Kanadier nach Davos. Ergänzt wird die Mannschaft aus ein paar Spielern aus anderen europäischen Ligan und der nordamerikanischen Farmteamliga AHL.