Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03136.jsonl.gz/3368

Gabriel Walser (Kartograf), Verlag der Homännischen Erben
Nürnberg, 1767
Kupferstich, koloriert
H. 51,8 cm, B. 61 cm
Inv. 1980.267.
Diese genordete Karte ist eine von 20 Karten aus dem 1769 in Nürnberg erschienenen «Atlas novus reipublicae Helveticae». Sie basieren auf Arbeiten des in Berneck im Rheintal tätigen Pfarrers Gabriel Walser (1695–1776), der als Historiker und Kartograf tätig war. Dabei sind die kartografischen Details nicht durch Vermessung gewonnen, sondern richten sich nach Aufzeichnungen, Schätzungen und mündlichen Überlieferungen. Dementsprechend gibt der Massstab unterhalb der Inschriftkartusche auch keine konkrete Länge an, sondern eine Kombination aus Strecke und Zeit, die Wegstunde. Trotzdem waren die Walserschen Karten von einiger Zuverlässigkeit und erfreuten sich wegen des Fortschritts gegenüber früheren Kartenwerken rechter Beliebtheit und Verbreitung; auch verkleinernde Nachstiche sind bekannt. Auf allegorische Zufügungen wie in früheren Karten ist verzichtet; die mit Rocaillen verzierte Inschriftkartusche mit Baselstab und die rankengerahmte Zeichenerklärung sind die einzigen dekorativen Elemente.
Die Kolorierung in hellem Ockerton setzt das Kantonsgebiet von den umgebenden Regionen ab und verdeutlicht seine Form. Dadurch wird die dezentrale Position der Stadt Basel offenkundig und die sich daraus ergebende grosse Entfernung zu den Randbezirken des Kantons, die durch die langgezogene Form des Kantonsgebietes noch verstärkt wird. Die von einem mächtigen Mauerkranz umgebene Stadt Basel sticht deutlich hervor; Liestal und die Sitze der anderen Landvogteien (Farnsburg, Waldenburg, Homburg, Münchenstein, Riehen und Kleinhüningen) sind im Vergleich zu Basel verschwindend klein. Das Kantonsgebiet erscheint nur locker besiedelt, und die summarisch angegebenen Höhenzüge kennzeichnen die gebirgigere Struktur der Landschaft. Die Lage der Stadt Basel in der Rheinebene erleichterte deren Wachstum, und die Rheinbrücke, die einzige auf Kantonsgebiet, potenzierte diesen Entwicklungsvorteil. Wegen des Rheinübergangs war Basel auch Ausgangs- bzw. Zielpunkt bedeutender Fernhandelsstrassen von und nach Strassburg, Freiburg, Belfort, Schaffhausen und von und nach Süden.
Über Belfort oder Strassburg führte der Weg nach Le Havre am Atlantik, von dessen Hafen bis ins 20. Jahrhundert hinein die grossen Auswanderungsschiffe ablegten; der andere Weg zum Atlantik führte rheinabwärts zu den Überseehäfen von Amsterdam und Rotterdam.
Deutlich sind im Kartenbild die natürlichen und strukturellen Unterschiede zwischen der Stadt und ihrem Umland sichtbar.