Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03152.jsonl.gz/2404

1977-1993
HACH-Publikationen
Zeitschriften und Infos
Im Oktober 1977 stellte die HACH fest, dass der Informationsaustausch unter den HA-Gruppen ungenügend war, worauf das Projekt einer HACH-Zeitung erneut zur Diskussion stand.
Im Februar 1978 erschien die erste reguläre Ausgabe dieser Zeitung (Nr.1). Sie trug den Namen Anderschume aktuell und das Logo ihres Titels war sozusagen vom Tages-Anzeiger kopiert; das Wappen allerdings war nicht das zürcherische, es zeigte einen Mittelstreifen mit drei biologischen Zeichen für männlich. Im Untertitel hiess es: "Mitteilungen aus den Homosexuellen Arbeitsgruppen" und als verantwortliche Redaktion zeichnete die Info-Gruppe der HAZ. Das Format entsprach dem einer Tageszeitung, denn schon für das HAZinfo (ab Nr. 10) war dieses Format gewählt worden, weil es weniger kostete.
Aus dem Editorial:
"Was wir bieten wollen, ist Information. Und zwar nicht nur trockene Dokumentation, sondern auch kritische Reflexion. Vorschläge, wie man die jetzige Situation verbessern kann. Information darüber, was der einzelne tun kann, und vor allem auch, was man gemeinsam tun könnte. Dies alles aufgezeigt anhand täglicher Ereignisse, die wir Aktualitäten nennen. Deshalb auch die Namensänderung von HAZinfo zu Anderschume aktuell. [...] Eine Zeitung, die nicht gelesen wird, hat keine Existenzberechtigung. Wir sind also auf den Leser angewiesen. In welcher Form kann sich denn der Leser an unserer Zeitung beteiligen? Indem er uns schreibt! Artikel. Briefe. [...] Auf die Reaktionen sind wir gespannt."
Von 1979 bis 1983 erschien Anderschume aktuell unregelmässig, ab Nr. 2 mit neutralem Titel (ohne Anlehnung an den Tages-Anzeiger). Die späteren Jahrgänge waren meist als Themennummer konzipiert; so informierte die letzte Ausgabe vom Oktober 1983 über Aids. Beat Gerber zu diesen sporadischen Ausgaben:1
"Die Funktion als gesamtschweizerisches Informationsorgan der Schwulenbewegung konnte die Zeitschrift daher nicht mehr wahrnehmen."
Beat Gerber fuhr fort:
"Überregionale Bedeutung hatte 1983 jedoch das HAB-Info erlangt. Das Info wurde nicht zuletzt darum weit über Bern hinaus gelesen, weil es die Berner Gruppe geschafft hatte, ihre Zeitschrift vier Jahre lang regelmässig und ohne Unterbruch erscheinen zu lassen. Als sich die Macher des HAB-Info 1983 zurückzogen, drohte der Bruch dieser Kontinuität [zu diesen Machern gehörte auch Daniel Wiedmer]. Wiederum wurde die Schaffung eines HACH-Infos traktandiert. Das neue Konzept sah eine vierteljährlich erscheinende Zeitschrift vor, in welcher der Hauptteil der Texte von den Lesern selber geschrieben werden sollte."
Die Funktion als gesamtschweizerisches Informationsorgan der Schwulenbewegung spielte längst - allerdings nicht für die HA-Gruppen, wohl aber gesamtschweizerisch - das "Konkurrenzheft" hey der SOH.
Bereits im Frühling 1984 erschien ein erstes anderschume intern. Doch das nächste, die Nummer zwei, kam erst im August 1987 heraus, mehr als drei Jahre später. anderschume intern wurde nun unregelmässig publiziert bis zur letzten Ausgabe 1/1988. In den drei Jahren dazwischen (1984-1987) nannte die HACH ihr internes Organ Anderschume HACH-Info.
Ab Herbst 1988 gab die HACH - ebenfalls unregelmässig - ihr neues Info, das HACH Bulletin heraus und ergänzte es ab 1990 zusätzlich mit dem HACH Rundbrief . Beide Publikationen erschienen bis 1993, als die HACH in die neue gesamtschweizerische Dachorganisation Pink Cross überging.
Ernst Ostertag, April 2007
Quellenverweise
- 1
Beat Gerber, Lila ist die Farbe des Regenbogens, Schwestern, die Farbe der Befreiung ist rot, 1997, Seite 42