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Gründer Jean-Paul Gaillard verlässt Nespresso-Rivale Ethical Coffee Company. Er will seine Energie nun auf ein neues Kaffeekapsel-Projekt verwenden.
Der Westschweizer Kaffeekapselproduzent Ethical Coffee Company wechselt den Chef aus. Gründer Jean-Paul Gaillard ist als Chef und Präsident zurückgetreten, wie er gegenüber der «Handelszeitung» sagt. Philipp Nicolet führt seit Februar die Geschäfte beim Nespresso-Konkurrenten. Olivier Adam ist der neue Präsident des Unternehmens.
Gaillard will seine Energie nun auf ein neues Kaffeekapsel-Projekt verwenden. Der Romand spricht von einem «Quantensprung» im Markt für Kapselkaffee. Der Westschweizer Firma Ethical Coffee Company bleibt er als Aktionär verbunden. «Ich bin nach wie vor einer der grössten Einzelaktionäre», so Gaillard.
Der Rücktritt des Westschweizers mit Wohnsitz in Freiburg ist eine Zäsur. Gaillard leitete von 1988 bis 1997 das Business von Nespresso. Er legte in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren den Grundstein für den heutigen Erfolg. Ihm gelang das Kunststück, aus Plastikkapseln ein Luxusgut zu machen.
Nach seiner Zeit bei Nespresso machte er sich auf, das Kapsel-Monopol der Nestlé-Tochter zu brechen. 2008 gründete Gaillard die Firma Ethical Coffee Company. Das Unternehmen lancierte 2010 das erste Konkurrenzprodukt zur Nespresso-Kapsel. Heute gibt es laut Branchenkennern bis zu 400 Kopien der berühmten Kapsel, für die George Clooney wirbt.
«Kaffeekrieger»
Gaillard avancierte in den Folgejahren zu einem der grössten und ärgsten Rivalen von Nespresso. Die Presse bezeichnete ihn als den «Mann, der Nestlé Angst macht». Als «Angreifer» und als «Kaffeekrieger». Nestlé soll einst sogar mit dem Gedanken gespielt haben, die Firma von Gaillard für fast 200 Millionen Franken zu kaufen, um die Konkurrenz vom Markt zu nehmen. Der seinerzeitige Nestlé-Chef Peter Brabeck-Letmathe soll den Deal in letzter Minute zurückgezogen haben.
Nestlé wählte stattdessen den Gerichtsweg. Nespresso und Ethical Coffee Company deckten sich gegenseitig mit Klagen zu. Zahlreiche Rechtsfälle sind bis heute offen. Ethical Coffee Company fordert mehr als 2 Milliarden Franken von Nespresso, weil das Unternehmen versucht haben soll, seine Maschinen für Kapselkopien inkompatibel zu machen. In den USA wird das Unternehmen unter anderem von jenem Anwalt vertreten, der Volkswagen im Dieselgate niedergerungen hat.
Kapselproduktion mittlerweile stark reduziert
Der Rechtsstreit mit Nespresso ist nunmehr aber primär die Sorge des neuen Chefs von Ethical Coffee Company. Nicolet stieg im November 2010 als Chief Operating Officer (COO) bei der Firma ein. Gaillard holte Nicolet einst selbst an Bord. Er spricht in besten Tönen von seinem langjährigen Weggefährten.
Als Nicolet bei Ethical Coffee Company began, wuchs die Firma kräftig und produzierte millionenfach Kapseln. Mittlerweile hat sich das Kaffee-Business fast erledigt. Ethical Coffee Company hat seine Kapselproduktion stark reduziert. «Wegen ungünstigen Preisbedingungen», sagt Gaillard. Das Nespresso-Format sei «tot», sagt er. Man könne nur noch Geld mit sehr hohen Volumen machen. Die Marge sei wegen des Preiskampfs aber «bescheiden».
Nach seinem Ausscheiden bei Ethical Coffee Company plant Gaillard nun den nächsten Coup. Projektname: «NextGen». Es handelt sich dabei um eine neuartige Kapselmaschine, die mit dem etablierten Nespresso-Modell bricht. Das Umsatzpotenzial soll mittelfristig bei bis zu 10 Milliarden Franken liegen, schätzt Gaillard. «Nach einigen Jahren und wenn ein strategischer Partner gefunden ist.»
Geld für Markttests
Ein «Quantensprung» sollen die neue Maschine und die dazugehörigen Kapseln sein, verspricht der umtriebige Unternehmer, der einst drei Packungen Marlboro pro Tag rauchte und trotzdem mit 60 Jahren noch den Schnauf hat, ein weiteres Unterfangen anzugehen. Es ist die vielleicht letzte Schlacht des «Kaffekriegers».
Im neuen System sollen zwei Kapseln für den optimalen Geschmack sorgen. Eine grosse für längeren Kaffee, der in den USA und bei jüngeren Generationen beliebt sei. Und eine kleinere für den italienischen Espresso. «Das ganze System ist IP-geschützt», verspricht Gaillard. «Keine anderen Kapseln können verwendet werden. Es ist ein geschlossenes System.» Dies garantiere eine «sehr starke Profitabilität», die dem Niveau von Nespresso oder Keurig von vor 15 bis 20 Jahren entsprechen soll.
Diverse Prototypen der Maschine sind bereits entwickelt. Für weitere Markttests sammelt Gaillard aktuell Geld in seinem privaten Umfeld. Er will den neuen Kapselkaffee im zweiten Quartal 2019 in Europa und den USA lancieren.