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Die Systematik der asiatischen Wildesel ist noch nicht restlos geklärt. So gehen die einen Forscher davon aus, dass die acht heute über den Kontinent verstreuten, sich unterscheidenden Wildesel-Populationen allesamt Unterarten einer einzigen Art sind, des Equus hemionus; andere wiederum teilen die asiatischen Wildesel in bis zu drei Arten ein, den Equus hemionus, den Equus khur und den Equus kiang.
Auf der Roten Liste der IUCN (International Union for the Conservation of Nature) gelten der persische Onager (E. h. onager) und der turkmenische Kulan (E. h. kulan) als stark vom Aussterben bedroht ("critically endangered“), der indische Khur (E. h. khur) als bedroht ("endangered“), während die restlichen Unterarten, der mongolische Dziggetai (E. h. hemionus), der östliche Kiang (E. h. holdereri), der südliche Kiang (E. h. polyodon) und der westliche Kiang E. h. kiang) als gefährdet ("vulnerable“) eingeschätzt werden.
Der syrische Wildesel (E. h. hemippus) ist bereits ausgestorben.
Die Situation in der Wildbahn
Die Wildpopulation des Onagers ist heute auf zwei geographisch von einander isolierte Regionen im Iran reduziert. Eine Population befindet sich im Reservat Bahram-e-Goor südöstlich von Shiraz in der Provinz Fars, die andere im Reservat Touran im Nordosten der Provinz Semnan. Schätzungen im Jahr 2002 ergaben in den zwei Reservaten 96 und 471 Tiere.
Die grössten Gefahren für den Onager sind die Wilderei, die zunehmende Zerstörung des Habitats, die Konkurrenz durch Haustiere und Störungen während der Fortpflanzungsperiode.
Je kleiner die Population umso gravierender wirken sich Verluste durch Krankheit oder Dürre aus. Zusätzlich droht eine genetische Verarmung.
Die Zoo-Population
Zwischen 1954 und 1973 wurden 55 Onager im Iran gefangen und in verschiedene Zoos gebracht. Am 1.1.2009 waren im seit 1954 geführten Internationalen Zuchtbuch weltweit 103 (41.62) Onager registriert. Der bisher grösste Halter dieser Tierart mit 47 Tieren, das "Canyon Colorado Equid Sanctuary“ ist daran, seine Onager an andere Institutionen abzugeben und hat sich 2007 vom gemeinsamen Zuchterhaltungsprogramm offiziell zurückgezogen. Somit verbleiben weltweit 21 Institutionen, die diese stark gefährdete Tierart züchten
Auch in Europa zogen sich einige ursprüngliche Halter von der Onagerzucht zurück, was die Unterbringung überzähliger Tiere und die Schaffung von Junggesellengruppen sehr erschwert. Schliesslich erfährt die Zoo-Population eine Überalterung mit einer schleichenden Abnahme der Fertilität. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) werden Onager in 16 Institutionen gehalten. Die europäische Zoo-Population besteht zurzeit aus 79 Tieren, 30 Hengsten und 49 Stuten.
Seit 2004 ist ein Artkomitee unter der Leitung vom Tierpark Hagenbeck aus Hamburg daran, die Zuchtbemühungen des Onagers zu koordinieren. Die Werner Stamm-Stiftung wirkt seit Anfang 2010 in diesem Gremium mit.
Erhaltungswert der Art
Alle asiatischen Wildesel - darunter der am stärksten vom Aussterben bedrohte Onager - haben einen hohen kulturellen und biologischen Wert. In ihren historischen Verbreitungsgebieten überlappt sich ihr Vorkommen mit dem der Wildpferde, sie besiedeln aber als einzige auch die unwirtlichsten und kargsten wüstenartigen Gegenden.
Die nötigen physiologischen Adaptationen, die es braucht, damit ein so grosser Herbivore mit so spärlicher Vegetation überleben kann, sind bis heute unverstanden. Auch ihre unglaubliche Ausdauer ist ein ungeklärtes Phänomen.
Empfehlungen der EAZA Equid TAG (Taxon Advisory Group)
Das Europäische Zuchtprogramm (EEP, European Endangered Breeding Programme) muss dringend intensiviert werden. Die Zoo-Population muss rasch vergrössert werden, um eine genetisch lebensfähige und gesunde Population zu etablieren.
Es braucht dringend neue Halter, die weitere Zuchtgruppen oder Junggesellen-Gruppen ins Leben rufen. Die genetischen Grundlagen der europäischen Zoo-Population sind erarbeitet worden; nun gilt es die Erkenntnisse konsequent und schnell umzusetzen!
Der Onager an der Werner Stamm-Stiftung
Die Werner Stamm-Stiftung züchtet diese Unterart asiatischer Wildesel schon seit über 30 Jahren. Die erste Geburt erfolgte 1976, und bis heute kamen 54 Jungtiere auf die Welt.
Trotz dem guten Zuchterfolg stagniert die Entwicklung dieser seltenen Tierart. Die schwierige Situation der weltweiten Zoo-Population spiegelt sich auch in unseren Gehegen wieder. Ein knappes Drittel der Neugeborenen starb kurz vor oder nach der Geburt.
Das Geschlechterverhältnis der Jungtiere war mit 37 Hengsten und lediglich 17 Stuten sehr ungünstig. Entsprechend schwierig war es dann auch, die überzähligen Hengste an andere Institutionen abzugeben. Mit diesem Problem hatten auch andere Zoos zu kämpfen, was die Zuchtanstrengungen nicht gerade förderte.
Durch Vermittlung des Artkomitees konnten im Jahr 2010 2 junge, von der Genetik her wertvolle Stuten aus Augsburg resp. Montpellier nach Oberwil geholt werden. Mit dieser bereichernden Aufstockung unserer Zuchtgruppe hoffen wir neue Impulse in unseren Zuchtbemühungen dieser Art zu bekommen. Unsere Onager-Zuchtgruppe besteht neu aus einem Hengst und 4 Stuten.
Die Werner Stamm-Stiftung setzt grosse Hoffnungen in die koordinierenden Bemühungen des Artkomitees und wird weiterhin ihre Ressourcen und ihre Erfahrung zu einem verbesserten Verständnis dieser noch ungenügend erforschten Tierart in den Dienst der vom EEP formulierten Erhaltungsziele stellen.