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22. Februar 2022 – Das erste Schweizer Lied, das zu einem internationalen Hit wurde, war «Nach em Räge schint Sunne». Geschrieben hat es 1944 der in Zollikon lebende Komponist Artur Beul (1915–2010). Hören Sie sich diese wunderbaren Tondokumente an.
Beul bot sein Lied mehreren Interpreten an, die es jedoch alle ablehnten; auch das Trio Schmid, für das Beul hauptsächlich schrieb, wollte nichts davon wissen. 1945 schlugen die bekannten Schweizer Jodlerinnen Marthely Mumenthaler und Vrenely Pfyl vor, man könne das Lied ja für die Rückseite ihres beliebten «Brunnenhofliedes» verwenden.
So wurde es 1945 vom Jodelduo Mumenthaler / Pfyl zusammen mit dem Brunnenhoflied als Single aufgenommen. Handorgel spielte Walter Wild, der Name des Bassisten ist nicht bekannt. Entgegen den Erwartungen wurde das Lied sofort zu einem Grosserfolg. Es erschien auch in Italien, Österreich, Frankreich und in den USA; 1945 wurden 60’000 Exemplare davon verkauft.
Den Text der englischen Version «Toolie Doolie (The Yodel Polka)» schrieb der amerikanische Komponist und Musiker Vaughn Horton (1911–1988). Seine Version erzählt, dass ein Schweizer Bursche jodeln lernen müsse, um bei einem Mädchen Erfolg zu haben: «When a fellow meets a girl in Switzerland, there’s a certain thing his got to do, he can never never take her by the hand, til he learns the Toolie Doolie Do».
Das Lied wurde von manchen englischsprachigen Interpreten gesungen. Der amerikanische Jazzpianist Joe Turner spielte eine kurze witzige Version: «Näch em Räge schint Sunne, wänn i hei chumm, gits Krach» und der Bandleader Lou Preager spielte mit seinem Orchester eine Instrumentalversion ein.
Platz 3 in der US-Hitparade
Am erfolgreichsten wurde die Version der Andrew Sisters, die in den USA in die Charts gelangte. Auf welcher Stelle und wie lange sie dort verblieb, ist nicht klar, die Angaben widersprechen sich. Gemäss einer Diskographie der Andrew Sisters erreichte das Lied 1948 Platz 3 in der US-Hitparade. Da in den 1940er Jahren die musikalischen Rechte zwischen den USA und der Schweiz noch nicht geregelt waren, entging Beul ein Vermögen.
Die französische Version heisst dem Originaltitel entsprechend «Après la pluie le beau temps»; den Text schrieb Henri Kubnick. Bekannte Interpreten waren etwa Jacques Hélian, Les Sœurs Étienne oder Ray Ventura.
Die meisten Versionen gibt es von «Nach Regen scheint Sonne» in deutscher Sprache. Zu den Interpreten gehören neben Beuls Gattin Lale Andersen, Michael von der Heide, Will Höhne, Rita Paul und Gerhard Wendland.
2005 spielte die Schweizer Mundartband «Smashing Potatoes» eine Reggae-Fassung ein, die heute auf Spotify zu hören ist.
Einen leicht geswingten Mix aus Englisch und Schweizerdeutsch singen die Geschwister Pfister. Auch eine schwedische Version eines unbekannten Sängerduos entstand.
Weitere grosse Hits von Artur Beul waren Lieder wie zum Beispiel «Am Himmel staht es Sternli», «Stägeli uf, Stägeli ab» oder «Übre Gotthard flüged Bräme». Die ersten Takte seines grössten Erfolges sind auf Beuls Grabstein auf dem Friedhof von Lachen eingraviert.