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Beteiligte (Kernmannschaft)
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Friedrich Balke, Matthias Bickenbach, Lars Friedrich, Markus Krajewski, Ethel Matala de Mazza, Harun Maye, Armin Schäfer, Leander Scholz, Bernhard Siegert, Joseph Vogl, Niels Werber, Burkhardt Wolf
Moby-Dick Kommentar
Jagd nach dem weißen Wal
Herman Melvilles Roman Moby-Dick; or, the Whale aus dem Jahre 1851 war zu Lebzeiten seines Autors kein großer Erfolg beschieden. Heute gilt die Geschichte der Jagd nach dem weißen Wal nicht nur als herausragender Beitrag zur Weltliteratur, sondern als Zeugnis einer geradezu seismographischen kulturellen Selbstbeobachtung, die auch an unsere Gegenwart noch entscheidende Fragen stellt: Fragen der Geopolitik und Globalisierung, der Versicherung und Technik, der kulturellen Identität und ihrer transnationalen Auflösung, des Kolonialismus und Imperialismus, der Territorialisierung und Deterritorialisierung; Fragen nach den Gegensätzen von Staat und Wirtschaft, von Land und Meer, von Universalismus und Partikularismus, von Macht und Norm, von Geld und Moral. Geprägt von den Wissenschaften und Künsten, Konflikten und Hoffnungen seiner Zeit, hat Moby-Dick Autoren wie Deleuze und Guattari, Hardt und Negri, Carl Schmitt und Rainald Goetz beeinflusst, Codenamen für die RAF geliefert (Starbuck Holger Meins, Ahab Andreas Baader usw.), große Regisseure zu Verfilmungen (John Huston) und Künstler (Laurie Anderson) zu Adaptionen inspiriert. Dreizehn Übertragungen ins Deutsche und zahlreiche Editionen belegen das große Interesse am weißen Wal, der inzwischen längst in das kollektive Gedächtnis unserer Kultur eingegangen ist. Dieser Mythos ist omnipräsent, aber alles andere als konsistent: Der weiße Wal kann sowohl als Symbol für die globale Hegemonie einer Supermacht gelten als auch für die leere Besessenheit einer von Gott verlassenen Welt einstehen, als letztes Aufbäumen einer von der Ausrottung bedrohten Gattung oder als Metapher der Totalerschließung der Welt durch Verkehrstechniken verstanden werden.
Spuren des Wals: Historisch-spekulativer Kommentar
Cetologie: Seit 2006 trifft sich eine Gruppe von Wissenschaftlern einmal im Jahr mit einem ehrgeizigen Ziel: es gilt, jedes der 135 Kapitel von Moby-Dick (einschließlich der Paratexte wie etwa die Exzerpte zu Beginn des Romans, den Klappentext etc.) einem historisch ebenso gründlichen wie kulturwissenschaftlich aufschlußreichen Kommentar zu unterziehen. In intensiven Diskussionen und Stellenkommentaren, in Sondierungen der Quellen und kulturtheoretisch wie medienwissenschaftlich erhellenden Lektüren geht es darum, nach den Gründen für die enorme Bedeutung von Moby-Dick für die Selbstbeschreibungen unserer Kultur und den Ambiguitäten und der Zerrissenheit des Symbols zu fragen.
Eine erste Zwischenbilanz der bisherigen Forschungen ist in einem Themenheft der Neuen Rundschau (2/2012) veröffentlicht worden. Ab Sommer 2012 (Heft 3/2012 und nachfolgende) werden sukzessive alle weiteren Kapitelkommentare gruppiert zu verschiedenen Themen, den Wal betreffend, erscheinen. Das könnte 12 Jahre dauern.