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Arbenz Peter, lic. rer. publ., HSG, *1937
Von 1977 bis 1986 war Peter Arbenz (FDP) Stadtrat von Winterthur (Departement Bau). Danach folgte der Sprung auf die eidgenössische Ebene: Er wurde der erste Delegierte des Bundesrates für das Flüchtlingswesen und ab 1990 Direktor des Bundesamts für Flüchtlinge. Er war viele Jahre tätig für Helvetas und das IKRK. Peter Arbenz lebt in Winterthur, ist verheiratet, Vater von drei erwachsenen Söhnen und Grossvater von sieben Enkeln.
Peter Arbenz wuchs im Neuwiesenquartier auf, besuchte dort die Primarschule und anschliessend die Kantonsschule im Lee, Typ A. Nach der Matura studierte er ab 1956 an der damaligen HSG, der heutigen Universität St. Gallen, sowie während eines Auslandsemesters an der London School of Economics. Im Frühjahr 1961 schloss er als lic.rer.publ.HSG ab. Sein Berufsleben begann bei Gebr. Sulzer AG als Mitarbeiter einer Studiengruppe, die zur Gründung der Organisationsabteilung führte.
Bereits 1963 wechselte er als Auslandsekretär auf die Geschäftsstelle von Helvetas, damals noch SHAG und übernahm 1964 interimistisch die Teamleitung im einem Berufsbildungsprojekt in Haffouz (Tunesien).
Im Herbst des gleichen Jahres reiste Peter Arbenz mit seiner Familie für drei Jahre nach Nepal, wo er im Auftrag des Bundes die Projekte zur Wiedereingliederung der tibetischen Flüchtlinge leitete. Es ging dabei darum, für die Flüchtlinge Siedlungen zu erstellen, die medizinische Betreuung und die Einschulung der Kinder sicherzustellen sowie die Flüchtlinge beim Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz zu unterstützen. Dazu wurden in verschiedenen Orten handwerkliche Zentren errichtet, in denen hauptsächlich Tibeter Teppiche geknüpft, lokal verkauft und später weltweit exportiert wurden. Nach seinem Einsatz in Nepal wurde Arbenz Mitarbeiter des damaligen Delegierten für technische Zusammenarbeit.
Mitte 1969 kehrte er als Geschäftsleiter zu Helvetas zurück und übte diese Funktion bis Mitte 1973 aus. In dieser Zeit veränderte sich einiges bei Helvetas: Mit Elan und Begeisterung machte sich Peter Arbenz an die Reorganisation. Dazu gehörten eine Statutenrevision, die Neuformulierung der Helvetas Politik, die Einführung organisatorischer Richtlinien sowie die Straffung der Vereinsfunktionen. Ferner galt es, die Auslandaktivitäten geografisch zu erweitern, die sich Anfang der 70er-Jahre im Wesentlichen noch auf Tunesien, Nepal und Kamerun beschränkten. Als neue Projektländer wurden mit Paraguay und Guatemala erstmals zwei lateinamerikanische Staaten auserkoren. Als zweites Land in Afrika kam 1973 Kenia hinzu.
1974 wechselte Arbenz in die Privatwirtschaft als Delegierter des Verwaltungsrates der Hasler Handels AG Winterthur, gleichzeitig war er Mitglied der FDP Fraktion im Grossen Gemeinderat. 1977 wählten ihn die Winterthurer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in die Exekutive der Stadt. Dieses politische Amt übte er als Vorsteher des Baudepartements rund 9 Jahre aus. Während dieser Zeit standen die regionale und kommunale Richtplanung und die vollständige Revision der Winterthurer Bau- und Zonenordnung an. Unter seiner Führung wurde auch die autofreie bzw. verkehrsarme Altstadt schrittweise realisiert. So wurden die Marktgasse und das Obertor mit ihren Seitengassen neu gepflastert und der Kirchplatz und der Graben umgestaltet. Gleichzeitig konnten verschiedene grössere Bauvorhaben wie das neue Stadttheater, drei Alters- und Pflegeheime, verschiedene Schulhausbauten realisiert und die beiden Bahnunterführungen Wülflinger- und Zürcherstrasse baulich erweitert werden. Neu gebaut wurden auch die sogenannte Spange mit der verlängerten General-Guisan-Strasse und die Umfahrung Reutlingen.
1986 folgte der Sprung auf die eidgenössische Ebene: Peter Arbenz wurde der erste Delegierte des Bundesrates für das Flüchtlingswesen. Seine neue Funktion stellte ihn vor äusserst schwierige Aufgaben. Dabei ging es u.a. darum, die Flüchtlings- und Asylpolitik gesamtheitlich zu betrachten, eine tragfähige Strategie zu entwickeln und diese umzusetzen. Die kontroversen Meinungen zur Migrationsproblematik führten zwangsläufig zu teils harten Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit, mit denen der Delegierte des Bundesrates konfrontiert wurde. 1990 entstand im EJPD das Bundesamt für Flüchtlinge, dessen erster Direktor Peter Arbenz wurde.
Mitte 1993 verliess er den Bund und machte sich selbständig als Berater für Strategieentwicklung und Unternehmensführung. In dieser Eigenschaft war er Mitglied und Präsident verschiedener Verwaltungsräte von grösseren Unternehmen und KMU und erhielt bedeutsame Mandate von Seiten kommunaler, kantonaler und nationaler Behörden. Sein grösstes Mandat war die Reorganisation der Eidgenössischen Versicherungskasse und die Gründung der Publica im Auftrag von Bundesrat Kaspar Villiger.
1996 war Arbenz persönlicher Berater des OSZE-Präsidenten, des damaligen schweizerischen Bundespräsidenten Flavio Cotti, für die OSZE Mission in Bosnien-Herzegowina. Im Rahmen dieses Mandats hatte er zusätzlich die Wahlen für rund 500'000 ausserhalb ihrer Heimat lebende Bosnierinnen und Bosnier zu organisieren.
Nach dem Arbenz in den Jahren zuvor zweimal während 4 Jahren Mitglied des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) war, übernahm Peter Arbenz 2001 bis 2012 das Präsidium von Helvetas Swiss Intercooperation. 2012 bis 2015 präsidierte er die Beratende Kommission des Bundes für internationale Zusammenarbeit. In all diesen Jahren unternahm er zahlreiche Reisen in ärmste Länder, Konfliktgebiete und fragile Staaten.
Als Milizoffizier hat Arbenz auch Karriere im Militär gemacht. In den 80er-Jahren kommandierte er das Winterthurer Mot Inf Rgt 25 und anschliessend die Grenzbrigade 6. Während dieser Zeit war er gleichzeitig Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft und 1994 Generalinspektor der UNO-Blauhelme im ehemaligen Jugoslawien (UNPROFOR). Militärisch pensioniert wurde er Ende 2002 als Kdt Stv des Feldarmeekorps 4.
Weit über sein ordentliches Pensionsalter hinaus, arbeitet er als Berater für Strategieentwicklung und Unternehmensführung. Während dieser Zeit amtete er u.a. als Verwaltungsratspräsident der Asyl-Organisation Zürich (AOZ) und einiger Winterthurer KMU ebenso wie als Mitglied des Stiftungsrates des UNESCO-Welterbes Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.
Über alle Jahre war Peter Arbenz immer ein grosser Pferdefreund und geniesst weiterhin Geländeritte in seinem als Andelfinger-Bürger vertrauten Weinland mit der temperamentvollen Holsteiner Stute, Amidala von Habsburg, alias Alibaba.