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Weiteres zu BP 14.06.2010 01:18

Was die Ölpest im Golf von Mexiko betrifft, deren ökologische Folgen für die US-Küstenregionen nicht abschätzbar sind,
so stehen BP wie auch die Obama-Regierung noch immer schwer unter Druck. Hierzu schreibt der bekannte Autor F. William Engdahl u.a. folgendes:
Durch Explosion der von der Ölgesellschaft BP betriebenen Bohrinsel ›Deepwater Horizon‹ vor der Küste von Louisiana am 20. April wurde die bislang größte Ölpest der Geschichte ausgelöst, die wahrscheinlich um Größenordnungen schlimmer ist als die bei der Havarie der »Exxon Valdez« 1989 entstandene. Wie BP beteuert, seien die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend gewesen, der Fehler müsse an anderer Stelle liegen. Eine genauere Untersuchung fördert hingegen einige sehr bezeichnende Dinge im Zusammenhang mit der Ölpest zutage. Bemerkenswert ist zunächst einmal die Doppelzüngigkeit von BP, eine der großen vier angloamerikanischen Ölgesellschaften, die zusammen mit Goldman Sachs und den Wall-Street-Banken de facto den gesamten weltweiten Ölmarkt beherrschen. Der Chef von BP-Amerika, Lamar McKay, hatte die Sicherheitsvorkehrungen seines Unternehmens im US-Fernsehen zunächst öffentlich verteidigt und erklärt, der »Ausfall eines einzelnen Bauteils« habe zu der massiven Ölpest an der Golfküste geführt. Laut einem Sprecher habe es sich von dem von McKay erwähnten defekten Bauteil, welches das Desaster verursacht habe, um einen Bohrlochschieber, einen sogenannten Blow-Out-Preventer, gehandelt. Während also der BP-Chef solches erklärte, sprach Salvin, der offizielle Unternehmenssprecher von BP, davon, daß die Ursache der Explosion ungeklärt sei und betonte: »Wir schließen nichts aus.«
Könnte es sein, daß es bei der schlimmsten Ölpest der Geschichte einen politisch brisanten Hintergrund gibt? Es stellte sich nämlich heraus, daß die BP - vormals British Petroleum, ein Unternehmen mit engen Verbindungen zum ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair, das diesen 2003 darin bestärkt hatte, George W. Bushs Irakkrieg zu unterstützen – seit Jahren mit den amerikanischen Aufsichtsbehörden im Streit liegt, und zwar genau bezüglich der Frage, wie viele Sicherheitsstufen erforderlich sind, um einen Unfall bei einer Tiefseebohrung wie in diesem Fall zu verhindern. In einem Brief an das US-Innenministerium, das für die Aufsicht über Ölbohrungen vor der amerikanischen Küste verantwortlich ist, erhob BP 2009 Einwände gegen neue Bestimmungen, die die Regierung zur Verbesserung der Sicherheitsstandards auf Ölplattformen vorgeschlagen hatte. BP schrieb damals an die US-Regierung: »Wir sind der Ansicht, daß die derzeitige Sicherheits- und Umweltstatistik der Ölindustrie beweist, daß die freiwilligen Programme … auch weiterhin erfolgreich sind.« Was wohl so viel heißen sollte wie: »Vertrauen Sie uns ..…«
BPs dubiose Geschichte seit dem Ersten Weltkrieg
Wie ich in meinem Buch ›Mit der Ölwaffe zur Weltmacht‹ darlege, durchziehen Intrigen, Bestechung und kriminelle Machenschaften die gesamte Geschichte von BP. Als die britische Elite im Jahre 1914 die Entwicklung in Gang setzte, die direkt zum Ersten Weltkrieg führte, hatte das Unternehmen die Hand im Spiel. Das Deutsche Reich und die deutsche Industrie standen zusammen mit der Deutschen Bank kurz vor der Vollendung des ambitioniertesten Eisenbahn-Infrastrukturprojekts der damaligen Welt: einer Eisenbahn-Verbindung von Berlin nach Bagdad. Die britische Royal Navy, deren Marineminister ein junger Politiker namens Winston Churchill war, betrachtete diese Bagdad-Bahn, die 2003 von amerikanischen und britischen Bomben endgültig zerstört worden ist, als tödliche Bedrohung für Großbritanniens neue Ölquellen in Persien (Iran) und Kuwait. BP war ursprünglich unter dem Namen Anglo-Persian Oil Company als staatliches britisches Unternehmen gegründet worden. Churchill hatte die Marine soeben vom Kohlebetrieb auf die effizientere und leichtere Ölbefeuerung umgestellt; London betrachtete die Bagdad-Bahn als Bedrohung für die »nationale Sicherheit« des Empires.
In den 1950er Jahren überredete die BP den US-Geheimdienst CIA, sich an einem Putsch zum Sturz des demokratisch gewählten iranischen Premierministers Mohammed Mossadegh, der BP im Iran verstaatlicht hatte, zu beteiligen. BP ist auch die wichtigste Ölgesellschaft bei dem Ölprojekt Kaspisches Meer - Baku. Dieses Projekt ist wesentlicher Bestandteil der amerikanisch-britischen Strategie, die Vorherrschaft russischer Pipelines in den ehemals zur Sowjetunion gehörenden zentralasiatischen Republiken durch den Bau der neuen westlichen Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan zu brechen. Um zu gewährleisten, daß diese Pipeline ausschließlich über Territorien von anti-russischen Staaten verläuft, inszenierte der US-Geheimdienst 2003 in Tiflis einen Regimewechsel, die sogenannte Rosen-Revolution. Dadurch wurde Washingtons Marionette Michail Saakaschwili an die Macht gebracht: dieser hatte zuvor versprochen, Georgien in die NATO zu führen, eine echte Provokation für Moskau und die Sicherheit Russlands. Georgien bedeutete für Washington und London die einzige Option, die nicht unter potentiellem Einfluß Russlands stand, sofern ein neues amerikafreundliches Regime errichtet werden konnte. 2008 stiegen Öl-Futures auf den Rekordpreis von 147 $ pro Barrel, bevor sie dann im Gefolge der Nachrichten über einen weltweiten Finanz-Tsunami nach dem Bankrott der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 wieder abstürzten. Nach Aussagen gut informierter Händler am Ölmarkt war BP zusammen mit Goldman Sachs hinter den Kulissen maßgeblich an der Manipulation des Ölpreises auf 147 $ beteiligt, um den britischen und den Wall-Street-Banken sowie auch BP einen massiven finanziellen Gewinn zu verschaffen, während sich der Finanzkrach weiter verschärfte.
Spielt Halliburton eine Rolle?
Der wahre Grund dafür, daß eine ganze Ölbohrinsel gesunken ist - immerhin ein riesiges, hochentwickeltes Ingenieursbauwerk von der Größe eines Häuserblocks in einer Großstadt, ist noch nicht ermittelt, doch inzwischen ist ein höchst beunruhigendes Element bekannt geworden, nämlich jenes, welche Rolle die Halliburton Corp., eines der korruptesten Unternehmen auf der ganzen Welt, bei der ganzen Sache spielt. Die Firma Halliburton, die noch bis vor kurzem ihren Hauptsitz in George Bushs Heimatstaat Texas hatte, ist der größte Öl-Dienstleister der Welt und eines der größten Bauunternehmen weltweit. Ermittler der US-Regierung werfen Halliburton vor, Milliarden vom Dollars, welche die Firma ab 2003 für den Wiederaufbau des Iraks erhalten hatte, »verloren« zu haben. Ermittler, die die mögliche Ursache der massiven Ölpest im Golf von Mexiko untersuchten, konzentrieren sich auf die Rolle der Firma Halliburton, die dafür verantwortlich war, die Rohre unter Wasser einzubetonieren. Die Firma hat bestätigt, daß das Zementieren des Bohrlochs und der Rohre 20 Stunden vor der Explosion am 20. April abgeschlossen worden sei.
Am 7. 5. verlangten die Abgeordneten Henry A. Waxman, Vorsitzender des Ausschusses für Energie und Handel im US-Repräsentantenhaus, und Bart Stupak, Vorsitzender des Unterausschusses für Aufsicht und Untersuchungen, in einem an David J. Lesar, den Vorstandsvorsitzenden von Halliburton gerichteten Brief, Vertreter von Halliburton sollten bis zu diesem Datum sämtliche Dokumente bezüglich »der Möglichkeit oder des Risikos einer Explosion oder eines Ausbruchs auf der Bohrinsel ›Deepwater Horizon‹ sowie den Status, die Adäquatheit, Überwachung und Inspektion der Zementierungsarbeiten« offenlegen. »Halliburton hatte die Zementierungsarbeiten an der letzten Bohrlochauskleidung plangemäß beendet«, hieß es in einer äußerst vage formulierten Antwort. »Gemäß der anerkannten Praxis der Branche … wurden Test durchgeführt, die die Unversehrtheit der Bohrlochauskleidung bestätigten.« Seit der Explosion - zum Zeitpunkt des Unglücks auf der Bohrinsel waren vier Angestellte des Unternehmen auf der Bohrinsel stationiert - sind mehr als zwei Dutzend Sammelklagen gegen BP, gegen den Eigentümer der Bohrinsel Transocean Ltd. und gegen Halliburton eingereicht worden. BP »übernimmt die volle Verantwortung« für die Ölpest, man werde die Betroffenen angemessen entschädigen, teilte das Unternehmen mit. Als es im August 2009 in der Timor-See vor Australien zu einem großen sogenannten Blowout kam, wurde Halliburton mangelnde Sorgfalt bei den Betonierungsarbeiten vorgeworfen. Eine entsprechende Untersuchung vor Ort ist noch im Gang. Nach Ansicht von Experten verweist die zeitliche Nähe der Zementierungsarbeiten durch Halliburton zur Explosion - nur ca. 20 Stunden danach - und die früheren Zementierungs-Probleme bei anderen Blowouts »auf die Firma als möglichen Schuldigen«. Der ehemalige Ölingenieur Robert MacKenzie erklärt: »Es ist wahrscheinlich, daß das Ausströmen des Gases an die Oberfläche etwas mit dem Zement zu tun hatte.« Genau dieses Gas hat wohl zu der gewaltigen Explosion geführt, die die Plattform zum Sinken brachte.
Auch die Regierung Obama verhält sich merkwürdig
Immer häufiger wird kritisiert, daß die Regierung Obama gemeinsam mit BP mehr zur Eindämmung der Katastrophe unternehmen müssen hätte. Um der offenen Kritik zu begegnen, sie habe zu spät adäquat reagiert, hatte die Obama-Regierung dann zwei Kabinettsmitglieder in die Sonntag-Talkshows im Fernsehen geschickt. Janet Napolitano, die Heimatschutzministerin, sagte in Fox News Sunday, die Regierung habe »alle Mann an Deck« beordert, um die Ölpest zu bekämpfen. Was das allerdings konkret bedeutet, darüber äußerte sie sich nicht. BP hatte im Februar 2009 bei der US-Regierung einen Plan zur Erkundung und eine Analyse der Auswirkungen auf die Umwelt eingereicht und dabei versichert, man könne ein Katastrophenszenario, ein »worst case scenario«, am Bohrort beherrschen. Als »worst case scenario« wurde in dem Dokument das Austreten von 162.000 Barrel pro Tag bei einem unkontrollierten Blowout bezeichnet: das sind etwa 25 Millionen Liter pro Tag. Derzeit treten deutlich mehr als 200.000 Barrel täglich aus. Öl an der Oberfläche ist nur ein Teil des Problems. Professor Ed Overton von der Louisiana State University, Chef des Risiko-Einschätzungsteams für den Fall einer Ölpest, befürchtet, das in das Bohrloch eingeführte Rohr könnte völlig einbrechen. Wenn das geschähe, gäbe es keine Warnung, die resultierende Springquelle könnte noch weit verheerender sein. »Wenn so etwas passiert, also das Ding einbricht, dann haben wir einen wirklich großen Schlag.« BP verweigert Angaben darüber, wieviel Öl sich unter der Plattform befindet, dies sei Firmengeheimnis. Immerhin wurde angedeutet, es seien mindestens »einige zehn Millionen Barrel«. Als wolle er der wachsenden Kritik begegnen, hat der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, einen Blog mit dem Titel ›Die Reaktion auf die Ölpest‹ eingerichtet, in dem er beschreibt, was die Regierung seit der Explosion Tag für Tag unternommen hat 1.
Öl- und Gasvorkommen in Südamerika
Dieses ist inzwischen zu einer der vielversprechendsten Öl- und Gasregionen der Welt geworden. 7 der 10 größten im Jahre 2008 entdeckten Öl- und Gasvorkommen liegen in Lateinamerika. Zu diesen 7 gehören 5 in Brasilien sowie je eines in Peru und Bolivien. Zu diesen kommt jetzt das neue Gasfeld in Argentinien hinzu. Diese Vorkommen sind insbesondere für Brasilien äusserst wichtig, denn wenn diese Felder erschlossen und entwickelt werden, können sie das Land zum größten Produzenten in ganz Lateinamerika machen und Venezuela und Mexiko von der Spitze verdrängen. Brasilien könnte dann zu den zehn größten Produzenten der Welt gehören. Nach dem Bericht der Geologen verfügte Argentinien im Januar 2008 nachweislich über Gasreserven in Höhe von 1,8 Billionen Kubikfuß (Tcf; rund 51 Milliarden Kubikmeter; d. Redaktion) Gasreserven, und damit über die drittgrößten Gasreserven in Lateinamerika. Die Erdgasproduktion des Landes ist in den letzten zehn Jahren beständig gestiegen: 2006 hat Argentinien fast das Doppelte der Menge von 1996 produziert 2.
Quellen:
1http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/oelpest-im-golf-von-mexiko-eine-halliburton-connection.html 7. 5. 2010 Ölpest im Golf von Mexiko: eine »Halliburton«-Connection – Von F. William Engdahl
2http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/neu-entdeckte-oel-und-gasvorkommen-machen-suedame.html 25. 2. 10
Neu entdeckte Öl- und Gasvorkommen machen Südamerika zum Faktor in der Geopolitik
F. William Engdahl