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Man begann als Lizenznehmer, baute dann Busse und schliesslich eigene Geländewagen. Kooperationen und Konkurs folgten, Ssangyong wurde abgeschrieben. Heute steht der Hersteller besser da denn je Nein, wir wissen von keinem Ssangyong, der schon einmal an einer Oldtimer-Rallye teilgenommen hat. Oder der bei einer Auktion versteigert worden wäre. Auch ist uns kein Automobilmuseum ausserhalb des Werkes bekannt, in dem einer stehen würde. Doch die Wahrscheinlichkeiten steigen, denn der südkoreanische Fahrzeughersteller existiert bereits seit Anfang 1954. Damals noch unter dem Namen Ha Dong-Hwan zur Lizenzproduktion amerikanischer Militär-Jeeps gegründet, geht die Marke also stramm auf die 60 zu.
Aufbauphase 1962 fusionierte man mit der Marke Dongbang zur Ha Dong-Hwan Motor Company und stellte parallel zu den Geländewagen zusätzlich Busse und Lastwagen her, die ab 1966 in kleineren Volumina auch exportiert wurden. 1974 kam es zu einer Kooperation mit der Shinjin Jeep Motor Company, die den US-Jeep ebenfalls herstellte, aber unter der Typenbezeichnung Korando auch an Privatkunden verkaufte. Ha Dong-Hwan firmierte ab 1977 unter der Bezeichnung Dong-A Motor und schluckte 1984 schliesslich auch den Rivalen Shinjin, der inzwischen Geohwa hiess. Von nun an produzierte man «eigene» Geländewagen unter der Modellbezeichnung Korando. Damit war die Basis für den Weg zu einem der bedeutendsten Allrad-Hersteller im asiatischen Raum gelegt.
Partnerschaften
Ende 1984 kam es zur bisher letzten Transformation, als der Mischkonzern Ssangyong die Anteilsmehrheit übernahm. Notiz am Rande: Ssangyong entstand im Dezember 1962 und damit vor genau 50 Jahren. Die Koreaner wollten wachsen und übernahmen 1987 zusätzlich den britischen Sportroadster-Produzenten Panther Westwinds, der 1972 gegründet worden war und sich bereits seit 1980 in koreanischer Hand befand. Das bekannteste Panther-Modell ist der Kallista, von dem zwischen 1982 und 1990 rund 1400 Einheiten in England gebaut worden sind; danach wurden Panther-Modelle in Südkorea hergestellt. Hinter dem Ssangyong-Schachzug steckte eine bewusste Image-Aufwertung in der Heimat, was auch gelang: Ab 1988 nannte sich der Hersteller Ssangyong Motor Company, exportierte erstmals auch nach Nordeuropa (Korando) und ging 1991 eine prestigeträchtige Entwicklungspartnerschaft mit Mercedes-Benz ein, die beiden Partnern neue Märkte erschliessen und Kosten sparen sollte. Aus dieser Zeit stammt auch der Ssangyong Chairman, eine knapp fünf Meter lange Luxuslimousine, die auf der Mercedes E-Klasse W124 basierte, 1997 vorgestellt wurde und nach zwei Überarbeitungen immer noch die Speerspitze des Pw-Angebots darstellt. Und die einzige koreanische Luxuslimousine ist, die mit Allradantrieb angeboten wird. Es gibt auch eine chinesische und sogar eine nordkoreanische Version namens Pyeonghwa Zunma, doch das sind andere Geschichten. Parallel zum Chairman-Deal trug der Ssangyong-Kleintransporter Istana einige Komponenten des MB100 in sich – und auch den Mercedes-Stern im Kühlergrill.
Ssangyong fand lange unter Ausschluss der breiten europäischen Öffentlichkeit statt. Die Allianz mit Mercedes änderte das und brachte zudem eigenständige Produkte hervor – zum Beispiel den ab 1993 gebauten Fullsize-Offroader Musso mit Benz-Motoren (Benzin oder Diesel); später gab es auch eine Pick-up-Variante. Weitere gemeinsame Entwicklungen waren die zweite Korando-Generation (1996–2006) oder der erste Rexton (2001 – 2006). Letzterer kam 2003 auch nach Europa, womit das Export-Volumen beträchtlich wuchs.
Übernahme
Die deutsch-koreanische Ehe hielt allerdings nicht lange; 1997 wurde Ssangyong im Zuge der asiatischen Wirtschaftskrise dem selbst erst 19 Jahre alten Automobilproduzenten Daewoo Motors untergeordnet. Es blieb bei den Mercedes-Motoren, doch Ssangyong-Modelle trugen jetzt das Daewoo-Logo. Allerdings nur für kurze Zeit, denn auch der Daewoo-Konzern geriet in finanzielle Schwierigkeiten, stiess Ssangyong im Jahr 2000 wieder ab und verkaufte Anteile von Daewoo Motors Ende 2002 an General Motors: Die koreanischen Werke stellten nun auch Export-Autos mit Chevrolet-Logo her; 2005 übernahm GM die Mehrheit, kurz darauf wurde die Marke Daewoo ausserhalb Asiens komplett eingestellt.
Metamorphose
Doch zurück zu Ssangyong Motor, wo die Odyssee mit der Selbstständigkeit nicht beendet war. Nachdem man 2001 die zweite, von Giugiaro in Italien gestylte Rexton-Generation lanciert und den Namen Panther zurück nach England veräussert hatte, kam 2004 die, nun ja, unverwechselbar gestaltete Grossraumlimousine Rodius auf den Markt. Ende Jahr gingen knapp 50 Prozent der Ssangyong-Motor-Anteile an die chinesische SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation), welche umfangreiche Investitionen versprach, die aber ausblieben. Parallel waren neue Ssangyong-Modelle entwickelt worden – 2005 debütierte der Musso-Erbe Kyron, 2006 der Korando-Nachfolger Actyon als Crossover-SUV und Pick-up: Der Actyon war etwas breiter, deutlich sparsamer und konnte auch mehr ziehen. Während die Fliessheck-Variante 2010 in Europa eingestellt wurde, gibt es den Pritschenwagen bis heute – und in Südamerika demnächst mit Hybrid-Antrieb. Parallel arbeitet man an Plug-in-Lösungen.
Mit Anteilseigner
SAIC hatte Ssangyong keinen guten Lauf: Stattdessen kam es zu Streitigkeiten, weil sich die Koreaner um wichtige Technologien bestohlen sahen. Anfang 2009 war Ssangyong zahlungsunfähig und musste vorübergehend die Produktion einstellen. Der Schweizer Import wurde aufrechterhalten, aber auf ein Minimum reduziert. Ein neuer Importvertrag zwischen Ssangyong und dem Schweizer Importeur seit 2004, der belgischen Alcopa-Tochter Alcadis, beinhaltete zusätzlich auch den Vertrieb in Deutschland, Benelux und Polen. Damit waren die Voraussetzungen für einen Neustart im September 2010 geschaffen; die Weltpremiere des aktuellen Korando fand denn auch im November auf der Auto Zürich statt.
Neustart
Bereits im Sommer 2010 hatte das indische Konglomerat Mahindra & Mahindra bekannt gegeben, den hoch verschuldeten Hersteller übernehmen zu wollen, was im Februar 2011 gegen eine Summe von 522,5 Millionen Won (rund 450 Millionen Franken) auch geschah. Seither geht es mit Ssangyong wieder aufwärts und Hinweise auf eine lange vermisste Kontinuität mehren sich. In der Schweiz verfügt Ssangyong derzeit über 50 Händler und will das Netz mittelfristig verdoppeln. Denn die Pläne für kommende Baureihen – bis 2017 soll es jährlich ein neues Modell geben – sind vielversprechend. Und dass es künftig noch günstiger gehen soll (siehe Box), dürfte der Konkurrenz kaum gefallen. Zumal Ssangyong endlich das biedere 80er-Styling abgestreift hat und mit der aktuell vierten Korando-Generation zu überzeugen versteht.
Fairness und Ausdauer
Nicht zuletzt formuliert der viertgrösste Autoproduzent Südkoreas neben dem technischen auch einen moralischen Anspruch, welcher bereits im Markennamen und Firmenlogo zu finden ist: Der Begriff «Ssangyong» kommt aus der koreanischen Mythologie und bedeutet so viel wie «Zwillingsdrachen». Der Sage nach warteten zwei unzertrennliche Brüder tausend Jahre vor der Pforte des Drachenhimmels auf Einlass. Es durfte jedoch nur einer aufgenommen werden, und so wollten beide jeweils darauf verzichten, um dem anderen diesen Eintritt zu ermöglichen. Diese Standhaftigkeit beeindruckte den Herrscher des Himmels so sehr, dass er schliesslich beide einliess.