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Beim «heimlichen Lehrplan» handelt es sich um implizite Lerninhalte, die im Laufe der Jahre unbewusst angeeignet werden: Die Schülerinnen und Schüler lernen, nicht formell vorgesehene Kompetenzen und damit vor allem auch Sozialkompetenzen zu entwickeln. So können sich Schülerinnen und Schüler beispielsweise genderstereotypische Einstellungen und Verhaltensweisen aneignen.
Die Schülerinnen und Schüler begreifen implizit, was ein Mädchen oder ein Junge zu sagen oder nicht zu sagen, zu tun oder zu lassen hat. Die Gruppendynamik kann in den Beziehungen unter Schulkameradinnen und -kameraden eine wesentliche Rolle spielen – vor allem in Bezug auf das gesellschaftlich konstruiert Bild von Weiblichkeit und Männlichkeit, das in der Jugend noch verstärkt wird.
Weiblichkeit und Männlichkeit können verschiedene und sich ständig wandelnde Formen annehmen. Der Druck auf eine Form von eindeutiger und unerschütterlicher Männlichkeit beeinflusst nicht nur die Beziehungen zwischen Mädchen und Jungen, sondern auch unter Jungen, wobei wenig Raum für diejenigen gelassen wird, die sich mit diesem «Männlichkeits-Standard» ihrer Kultur und Epoche nicht identifizieren können.
Die Grundlage für die Rollen und Verhaltensweisen, die von den Kategorien «Frau» und «Mann» erwartet werden, wird also durch soziale Konstrukte geschaffen. Diese Attribute reduzieren die Männer, die Frauen, die Personen, die sich nicht mit solchen Etiketten identifizieren lassen, auf Pflichten, die vordefiniert und einzuhalten sind.
Auszug und Übersetzung aus Caroline Dayer, Eclairages théoriques et pratiques in L’Ecole de l’égalité, cycle 1, 2019; und Nicos Puppe und Sophies Lastwagen, 2013.
Veröffentlicht am 28. April 2021