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Wer sich mit Filmmontage beschäftigt, stösst früher oder später auf den Kuleschow Effekt, ein Experiment, mit dem der sowjetrussische Regisseur Lev Kuleschow die Wirkung der Montage vor Augen führte: Er klebte die gleiche Grossaufnahme des Schauspielers Mosju- kin zwischen drei verschiedene Einstellungen — ein Teller Suppe; ein toter Mann; eine nackte Frau drei mal dieselbe Aufnahme Mosjukins, und doch wirkte er jedesmal anders.
Gesehen hat dieses in praktisch allen Filmlexika zitierte Experiment freilich niemand. Diesem Missstand hilft nun L’effet K ab, indem er die wundersame Geschichte dieses bahnbrechenden Kurzfilms nachzeichnet. So ganz stimmt das angeblich wiederentdeckte Material dann aber doch nicht mit dem oft beschriebenen Original überein: L’effet K ist eine geistreiche Spielerei, die geschickt die Clichés der internationalen Filmproduktion aufs Korn nimmt und produktiv mit Zitaten aus der Filmgeschichte umzugehen weiss. So kommt Kuleschows Film ein erstes Mal „in den Wirren der russischen Revolution“ ausgerechnet dadurch abhanden, dass er die berühmten Treppenstufen von Odessa hinunterrollt. Später erschwindelt ein ausländischer Produzent die Rechte an besagtem Film, und damit setzt die internationale Vermarktung ein. Die Amerikaner bringen, wen wundert’s, eine erweiterte Fassung als The Kouleshov Romance in Umlauf, die Franzosen bauen die Aufnahme der nackten Frau zu breitangelegten Bettszenen aus, und die Japaner zelebrieren, selbstverständlich im Cinemascope-Verfahren, eine Variation der Suppen-Einstellung in Form eines mehrgängigen Mahls, in dessen Verlauf ein japanischer Mosjukin in Samuraigestalt wutentbrannt seine Essstäbchen knickt. Augenzwinkernd verabschiedet sich L’effet K von seinem Publikum: Der Abspann kommt erst ins Bild, nachdem der Film ein erstes Mal gerissen ist, nun aber seitenverkehrt und natürlich mit asynchron laufendem Ton.