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21.09.2018 – Die ausgeprägte Niedrigwassersituation in den Schweizer Gewässern hält auch im September noch an. Einzelne Regentage haben die Flüsse und Seen kurzfristig ansteigen lassen, die Situation aber nicht grundsätzlich entschärft. Während einige Gewässer im Osten des Landes wieder etwas mehr Wasser führen, ist nun auch die Westschweiz zunehmend von tiefen Wasserständen betroffen, wie das Beispiel vom Lac des Brenets zeigt.
Grosse Teile des Lac des Brenets im Jura sind Mitte September trockengefallen. Die Schifffahrt musste eingestellt werden. Der Wasserstand war über mehrere Tage hinweg 16 cm pro Tag gesunken. Die Messung des niedrigen Pegels wurde an der BAFU-Messstation bei Les Brenets schwierig bis unmöglich, da die Messinstallation nicht auf ein so tiefes Niveau eingestellt ist. Ein Beispiel dafür, dass nun auch in vielen Gewässern der Westschweiz Niedrigwasser herrscht, während im Sommer noch vor allem Flüsse und Seen der Ost- und Zentralschweiz betroffen waren.
Die Schweiz erlebte gemäss Angaben von MeteoSchweiz den niederschlagsärmsten Frühling und Sommer seit fast 100 Jahren. Zudem war es im Sommerhalbjahr von April bis September sogar wärmer als in der gleichen Periode im Jahr 2003. Die Niederschlagsarmut kombiniert mit den rekordhohen Temperaturen seit April und der dadurch verstärkten Verdunstung sind die Ursache für die aktuell immer noch herrschende Trockenheit.
Weiterhin Niedrigwassersituation in den Flüssen
Auch Mitte September waren die Abflüsse der Fliessgewässer in fast der ganzen Schweiz immer noch klar unterdurchschnittlich: Im Jura, in den westlichen Voralpen und in weiten Teilen des Mittellandes herrscht weiterhin eine Niedrigwassersituation vor. An vielen kleinen und mittelgrossen Flüssen werden für die Jahreszeit sehr tiefe Abflüsse beobachtet. Aber auch einige grosse Flüsse wie die Aare unterhalb des Bielersees, der Alpenrhein oder der Hochrhein weisen deutlich unterdurchschnittliche Wasserstände auf. Hier liegen die Abflussmengen zurzeit nahe der langjährigen saisonalen Tiefststände. Auch im Tessin haben die Flüsse sehr tiefe Wasserstände.
Reiht man die bis Mitte September beobachteten Messwerte in die Niedrigwasserstatistik ein, so werden an vielen Flüssen des westlichen und zentralen Mittellands sowie des Juras Abflussmengen gemessen, wie sie nur alle zwei bis zehn Jahre auftreten. An zahlreichen Flüssen liegt die Jährlichkeit des Niedrigwassers auch deutlich höher. So zum Beispiel an der Lorze bei Zug, an der Luthern bei Nebikon oder an der Glatt bei Rheinsfelden, aber auch an der Allondon in Dardagny nahe bei Genf. Immer noch normale bis deutlich überdurchschnittliche Abflüsse verzeichneten die Flüsse in den hochalpinen vergletscherten Einzugsgebieten. Dort führte die sehr warme erste Septemberhälfte weiterhin zu starker Gletscherschmelze.
Seewasserstände bleiben tief
Bei den Seen liegt nicht nur der Pegel des Lac des Brenets sehr tief: Am Greifen- und Lauerzersee wurden im August so tiefe Pegelstände verzeichnet, wie sie seit Messbeginn noch nie beobachtet wurden. Seitdem haben sich die Pegelstände etwas erholt, sie sind aber immer noch sehr tief.
An einigen regulierten Seen (z.B. Thuner- und Bielersee) werden zum Teil durchschnittliche Wasserstände gemessen. Tiefe Wasserstände werden immer noch am Zugersee und am Lago Maggiore verzeichnet. Im Mittelland werden am Baldegger-, Hallwiler- und Sempachersee zurzeit so niedrige Pegelstände gemessen, wie sie nur alle 10 bis 30 Jahre vorkommen.
Nicht reguliert sind der Boden- und der Walensee. An beiden Seen sind die Wasserstände für September auf tiefem Niveau.
Grundwasserstände normal bis tief
Infolge der unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen im Juli und August gingen Grundwasserstände und Quellabflüsse weiter zurück. Durch kurzfristige Starkniederschläge stiegen oberflächennahe Lockergesteins- und Karst-Grundwasserleiter vorübergehend an. Anfang September fielen in der Zentral- und Ostschweiz ausgiebige Niederschläge, welche Grundwasserstände und Quellabflüsse lokal ansteigen liessen. Derzeit sind normale bis tiefe Grundwasserstände und Quellabflüsse mit uneinheitlicher Tendenz zu verzeichnen.
Hohe Wassertemperaturen für September
Die geringe Wasserführung in Kombination mit der immer noch starken Sonneneinstrahlung und den hohen Lufttemperaturen hat die Wassertemperatur in vielen Flüssen des Schweizer Mittellands seit anfangs September wieder ansteigen lassen. Deshalb sind die Wassertemperaturen der Flüsse weiterhin noch stark erhöht. Sie erreichen aber – saisonbedingt - nicht mehr die kritisch hohen Werte, die für Wasserlebewesen gefährlich werden können. So werden an einigen Flüssen für die zweite Septemberhälfte neue Maxima gemessen. An der Aare in Bern liegt die Wassertemperatur immer noch bei rund 20 Grad, an der Rhone in Genf bei 22 Grad oder bei der Tresa (Seeausfluss aus dem Lago di Lugano) bei 24 Grad.
Die Stationen mit neuen Rekordwerten im Sommer sind im Webdossier „Niedrigwasser und hohe Wassertemperaturen im Sommer 2018“ zusammengestellt.
Wie lange braucht es für eine Normalisierung der Lage?
Wann sich die Lage wieder normalisieren wird, hängt von der Wetterentwicklung ab. Gemäss den neusten zur Verfügung stehenden Wettermodellen sind bis Ende September keine grösseren Niederschläge zu erwarten. Deshalb kann kurzfristig nicht mit einer Entspannung der Niedrigwassersituation im Jura und im Mittelland gerechnet werden. Zudem führen die sinkenden Temperaturen sowie die abnehmende Sonneneinstrahlung zu einer reduzierten Gletscherschmelze, so dass vor allem an der Aare und der Reuss die Abflüsse tendenziell weiter leicht sinken.
Generell braucht es eine längere Phase mit regelmässigen, ergiebigen Niederschlägen, um ein Wasserdefizit in den Böden und im Grundwasser wieder auszugleichen und damit sich die Abflussmengen in den Fliessgewässern wieder normalisieren. Im langjährigen Vergleich weisen die Abflüsse im Herbst generell sinkende Tendenz auf. Dies vor allem in alpinen und voralpinen Flüssen.
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Letzte Änderung 26.09.2018