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Seriöse Investoren, die den sozialen Ansatz der Ursprungsidee vertreten, können nun die Uno-Richtlinien «Principles for Investors in Inclusive Finance» (Piif) unterzeichnen und sich damit von profitorientierten Investoren abgrenzen.
Seriöse von nicht seriösen Kreditgebern unterscheiden
Die Unterzeichnenden verpflichten sich unter anderem dazu, ihre Vergabekonditionen transparent zu machen, Schuldnerinnen und Schuldner fair zu behandeln, sie zu beraten und die Schulden mit fairen Mitteln einzutreiben. Die Uno überprüft jährlich, ob die Unterzeichnenden die Richtlinien einhalten. Mehrere Hundert Investoren haben sie bereits unterzeichnet. Tor Gull, Geschäftsführer der ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit, sagte gegenüber dem «Standard»: «Wir hatten uns wie andere Organisationen zuvor freiwillig Transparenzregeln auferlegt. Mit den Uno-Richtlinien haben wir nun endlich ein internationales Instrument, das seriöse Investoren mit sozialer Ausrichtung von jenen unterscheidet, die nur auf Profit aus sind.»
Eine ausgezeichnete Idee wurde teilweise pervertiert
Mikrokredite sollten es ursprünglich armen Frauen ermöglichen, Unternehmerinnen zu werden und damit ein eigenes Einkommen zu erzielen. Die Kreditnehmerinnen sollten sich zu Selbsthilfegruppen zusammenschliessen, deren Mitglieder für die Mikrokredite solidarisch haften. Die Gläubiger sollten nicht profitorientiert sein und die Projekte der Kreditnehmenden regelmässig überprüfen. Seit Muhammad Yunus 2006 den Nobelpreis für diese Idee bekam, hat sich die Branche jedoch grundlegend verändert.
Kommerzielle Kreditgeber kamen auf den Markt. Im Unterschied zu nicht profitorientierten Gläubigern wollten sie Umsätze und Gewinne steigern. Sie vergaben Kredite leichtfertiger und zu erhöhten Zinsen. Sie begannen auch, Mikrokredite für Konsumzwecke zu vergeben. Viele mittellose Menschen finanzierten damit ihr Überleben und überschuldeten sich. Die profitorientierte Vergabe von Kleinstkrediten habe mit seiner Idee nichts mehr gemeinsam, sagte Muhammad Yunus. Wichtigstes Motiv eines Geldgebers müsse es sein, Menschen zu helfen, nicht möglichst viel Gewinn zu machen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Herausgeberin und Redaktorin der «FrauenSicht»