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Die neuen sozialen Bewegungen in der Schweiz
Teil 4
Margrit Knobel. 1997
Für die Organisationen sind Quantität und Qualität der ihr zur Verfügung stehenden primären und sekundären Ressourcen fundamental.
Bei den primären Ressourcen handelt es sich um konkrete, quantifizierbare Entitäten, die von dreifacher Art sind: 1. Finanzielle Ressourcen, wobei nebst der blossen Quantität der Ressourcengrundlage mittels zweier Kriterien auch deren Qualität untersucht wird, nämlich 1.1. deren Institutionalisierungsgrad, und zwar aufgrund des Unterschieds zwischen institutionalisierten, auf sicheren, regelmässigen Beitragszahlungen oder ebensolchen, auf öffentlichen oder privaten Subventionen basierenden finanziellen Ressourcen und unsicheren, unregelmässigen, von Ad-hoc-Beitragszahlungen oder von besonderen Kampagnen abhängigen finanziellen Ressourcen, und 1.2. deren - an der Anzahl der Geldquellen einer Organisation gemessene - Grad an Diversifikation, wobei zwei verschiedene Geldquellen der tiefste Diversifikationsgrad und die tiefste - diesbezügliche - Autonomie einer Organisation bedeuten; 2. Angestelltes, professionelles wie nicht-professionelles Personal; 3. Mitwirkende Personen (AktivistenInnen wie PartizipantenInnen).
Resultate:
In Tabelle 4.5 (unten) sind die drei Arten von Ressourcen einiger Organisationen der - untersuchten - neuen sozialen Bewegungen wiedergegeben. Innerhalb der Oekologie-Bewegung unterscheiden sich die - auf zwei differente Industrien von sozialen Bewegungen sich beziehenden - zwei Gruppen von Organisationen sehr klar: Die Organisationen der Anti-Atomenergie-Bewegung einerseits sind klein, diejenigen der restlichen Oekologie-Bewegung andererseits können als gross bezeichnet werden. Gewisse, wie WWF und VCS, verfügen insgesamt über viel Ressourcen, andere, wie z.B. Greenpeace, verfügen über hohe finanzielle Ressourcen, haben aber wenig Mitglieder, wieder andere - zwar nicht bei den untersuchten Organisationen - weisen eine hohe Mitgliederanzahl auf, aber nur geringe finanzielle Mittel. Ueber eine institutionalisierte Basis an finanziellen Ressourcen verfügen die grossen nationalen Organisationen, von welchen drei - nämlich WWF, SBN, VCS - auch öffentliche Subventionen erhalten (für diese drei resultiert ein höhere Grad an Institutionalisierung, wenn letzterer Begriff im strengen Sinne angewandt wird), wie auch die Anti-Atomenergie-Bewegung ausser der CSAN, die eine unsichere und unregelmässige Geldgrundlage aufweist. Bis auf die APAG weisen alle untersuchten Organisationen einen - und zwar verschieden hohen - Diversifikationsgrad auf, der bei den grossen nationalen Organisationen höher ist als bei den übrigen Organisationen der neuen sozialen Bewegungen und höher selbst auch als derjenige der andern neuen sozialen Bewegungen.
Tab. 4.5: Mitgliederanzahl, fixes Personal und finanzielle Ressourcen einiger Organisationen von fünf untersuchten neuen sozialen Bewegungen per 1989
Quelle: Giugni 1995, S. 224-226
Auch bezüglich primärer Ressourcen lässt sich die strukturelle Aehnlichkeit zwischen Friedensbewegung und Anti-Atomenergie-Bewegung und der grössere Unterschied zwischen letzterer und der restlichen Oekologie-Bewegung ermitteln: Erstere beiden sind - bezogen auf ihre Ressourcen (Geld, Mitglieder, Personal) - kleine Organisationen, weisen jedoch allgemein einen - zwar verschieden - hohen Institutionalisierungsgrad auf, aber eine limitierte Diversifikation, die bei zwei Organisationen einheitlich ist.
Bei der Autonomen Städtischen Bewegung gibt es entsprechend den beiden bereits erwähnten Bereichen Wohnen und Kultur zwei Gruppen, die - aufgrund staatlicher Subventionen - grossen und zu Kulturunternehmungen avancierten Organisationen IGRF und QZK, die auch einen höheren Grad an Institutionalisierung haben als die drei sehr kleinen Organisationen mit geringen Ressourcen, deren finanzielle Mittel, die bei den Genfer Organisationen EU und Intersquatt unsicher und unregelmässig sind, einen geringen Institutionalisierungsgrad aufweisen wie auch einen sehr geringen - und einheitlichen - Diversifikationsgrad.
Die Organisationen der Homosexuellen-Bewegung zeigen untereinander, was die primären Ressourcen anbelangt, ähnliche Merkmale: Alle sind klein und haben begrenzte Mitglieder wie Geldmittel, von letzteren bilden die staatlichen - sich nicht durch höhere Beträge auszeichnenden - Subventionen eine institutionalisierte finanzielle - mehr oder weniger diversifizierte - Ressourcengrundlage, wobei die Organisation Dialogai - dank der ihr aufgrund ihres AIDS-Engagements gewährten Subventionen - über etwas mehr Geldmittel verfügt als die andern beiden Organisationen.
Die Hypothese von McCarthy und Zald (1977: 1234), eine Organisation sei um so professioneller, je grösser ihre finanziellen Mittel seien, scheint sich - zwar mittels einer relativ kleinen Anzahl von untersuchten Organisationen - für alle Bewegungen klar zu bestätigen. Die meisten der untersuchten Organisationen verfügen über eine institutionalisierte Basis an finanziellen Ressourcen.
Sekundäre Ressourcen bestehen aus den Beziehungen zu den politischen Systemen und zum Entscheidungsvollzugs-System, bei denen sich zwei Arten, die zugleich die Kriterien zur Festlegung der sekundären Ressourcen bilden, unterscheiden lassen, nämlich 1. politische Unterstützung durch die Alliierten, die eine Organisation hat oder nicht und die sich teilweise mit externen Beziehungen der inter-organisationellen Struktur (s. Punkt <ip-pii>.2) deckt wie auch die Struktur der politischen Opportunitäten (POS) betrifft, und 2. Zugang zu den Entscheidungsgremien, welcher Zugang wiederum dreifacher Art sein kann: 2.1. ein institutionalisierter Zugang, bei welchem die Organisation durch die Autoritäten konsultiert oder zur regelmässigen Teilnahme an Komitees und Debatten eingeladen wird; 2.2. ein Ad-hoc-Zugang; 2.3. kein Zugang.
Das von J.W. Meyer und B. Rowan 1977 in "Institutional organisations; formal structure as myth and ceremony" und von L.G. Zucker 1987 in "Institutional theories of organisation" formulierte Argument, professionelle und formale Organisationen tendierten mehr auf Zugang zu Entscheidungsgremien als nicht-professionelle und informale, da die Regierungsbürokratie Verhandlungen mit Organisationen, die ihnen ähnliche Arbeitsprozeduren aufweisen, bevorzugten (Giugni 1995: 229), wird bei dieser Untersuchung als Hypothese geprüft.
Resultate:
Der Studie gemäss lassen die - mittels beider Kriterien gewonnenen - Resultate wiederum je eine Teilung oder Gruppierung der Oekologie-Bewegung in Anti-Atomenergie-Bewegung und nationale Organisationen der Oekologie-Bewegung zu (Giugni 1995: 229). Von ersterer hat nur die Contratom politische Unterstützung durch die Alliierten und nur die zwei institutionalisiertesten und gemässigteren Organisationen NWA und APAG gegebenenfalls einen begrenzten Ad-hoc-Zugang, von der restlichen Oekologie-Bewegung haben alle Organisationen ausser Greenpeace, die weder das eine noch das andere Kriterium erfüllt, politische Unterstützung durch die Alliierten wie auch einen Zugang zu den Entscheidungsgremien, die grossen nationalen einen institutionalisierten; VCS und SES sind wirkliche Experten auf ihrem Gebiet Verkehr und Energie und werden regelmässig zu Interpellationen konsultiert. Die oben erwähnte Hypothese bestätigt sich somit ausser bei Greenpeace, die wahrscheinlich ihres radikalen und individualistischen Charakters wegen abweicht (Giugni 1995: 229).
Alle Organisationen der Friedensbewegung - ausser FFF und vielleicht GSoA - scheinen durch ihre Alliierten politisch unterstützt zu werden. Zu den politischen Entscheidungsgremien scheint nur CSSC einen Ad-hoc-Zugang zu besitzen. Die Friedensbewegung ist somit ziemlich homogen und bezüglich sekundärer Ressourcen lässt sich keine Aehnlichkeit feststellen zwischen ihr und der Anti-Atomenergie-Bewegung. Da es sich allgemein um wenig formale und wenig professionelle Organisationen handelt, findet die erwähnte Hypothese auch hier ihre Bestätigung (Giugni 1995: 229).
Von den Organisationen der Autonomen Städtischen Bewegung hat nur die IGRF politische Unterstützung durch die Alliierten. Erklärt wird dieses Faktum dadurch, dass die Organisationen des im Kulturbereich agierende Teils der Bewegung - infolge Modifikation zu Kulturunternehmungen - nun ohne im eigentlichen Sinne politisch aktives Engagement sind und politische Unterstützung durch Alliierte nicht mehr brauchen. Alle Organisationen - ausgenommen RL - verfügen über einen Ad-hoc-Zugang zu den Entscheidungsgremien, welches Resultat - der Studie gemäss - eine Bestätigung sein könnte für die Idee der Kooptierung mindestens des Kulturbereichs dieser Bewegung seitens verschiedener lokaler Autoritäten durch einen - aufgrund des konterkulturellen Charakters der Bewegung - eben nicht institutionalisierten Zugang.
Die Präsenz oder Absenz politischer Unterstützung durch die Alliierten folgt bei der Homosexuellen-Bewegung logischerweise aus derjenigen externer Beziehungen: So hat die - durch Parteien und Syndikate unterstützte - HAZ politische Unterstützung durch die Alliierten, OSH und Dialogai nicht. Ueber einen Ad-hoc-Zugang zu Entscheidungsgremien verfügen HAZ und - wahrscheinlich des schon erwähnten - AIDS-Engagements wegen - Dialogai (die AIDS-Problematik betrifft jetzt alle Organisationen). Die diesbezügliche Situation der beiden andern Organisationen ist - so die Studie weiter - schwieriger und - aus im folgenden miterwähnten Gründen - nur hypothetisch erklärbar: Die OSH hat keinen Zugang zu Entscheidungsgremien, da sie eine relativ schwache Organisation ist, Priorität auf interne Aktivitäten setzt und politische Forderungen bei ihr nebensächlich sind. Der Zugang der HAZ dagegen könnte einerseits daraus resultieren, dass diese Organisation sich als wichtigste Gesprächspartnerin ergeben hat für die Autoritäten der Stadt Zürich, könnte aber andererseits eine durch die Behörden gemachte Konzession bedeuten an sie als eine - aufgrund ihres politischen Engagements - für die soziale Ordnung möglicherweise gefährlich werdende Bewegung.
Untersucht wird die Gesamtheit der durchgeführten Aktivitäten einer Organisation, wobei fünf Arten von Aktivitäten möglich sind: 1. Mobilisation, 2. Lobbying, 3. Dienstleistung, 4. Soziale Aktivitäten, 5. Kontrolle der Mitglieder. Als - willkürlich gewähltes - Kriterium figuriert die Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Organisation, welches Kriterium zur Feststellung der Anzahl und des Aktivitätstyps eine dynamische Analyse erforderlich macht. Aufgrund fehlender Angaben lässt sich nur das Aktivitätsniveau ermitteln und nicht auch die Art der Durchführung einer Aktion. Nicht mitberücksichtigt werden mit diesen Unterscheidungskriterien unsichtbare Aktivitäten von Organisationen wie Konsens-Bildung innerhalb der Bewegung, deren - bei den Ressourcen betrachtetes - Wachstum wie auch der Typ einer Bewegung, zu dem eine Organisation gehört. Jenes Konzept muss daher mit den drei - zur Erklärung der verschiedenen Reaktionen auf Aenderungen in der Struktur der politischen Opportunitäten (POS) wichtigen - Bewegungstypen in Beziehung gebracht werden.
Resultate (Angaben sind aus Tab. 4.6 ersichtlich):
Die Oekologie-Bewegung und Friedensbewegung als instrumentelle und deshalb strategie-orientierte Bewegungen zeigen Organisationen mit stärkerer Tendenz zur Durchführung einer grösseren Quantität von Aktionen als sich an der Identität orientierende Organisationen wie die konterkulturellen und subkulturellen Bewegungen, die - letztere noch verstärkt - mehr interne Aktivität aufweisen. Die im folgenden erwähnten Bezeichnungen "aktiv" und "passiv" müssen - je nach Typ der Bewegung - verschieden interpretiert werden.
Tab. 4.6: Das Aktivitätsniveau einiger Organisationen von fünf untersuchten neuen sozialen Bewegungen per 1989
Quelle: Giugni 1995, S. 232
Alle grossen nationalen Organisationen der Oekologie-Bewegung scheinen, die eher passive, aber - wie aus Punkt <ip-pii>.1 bekannt - finanzstarke Greenpeace wiederum ausgenommen, sehr aktiv zu sein in der - mittels gemässigter Aktionsformen vollzogenen - Mobilisation, in der Dienstleistung und im - hauptsächlich angewendeten - Lobbying. Letztere Charakteristik hat zur Annahme geführt, es handle sich hier nicht mehr um Organisationen, sondern um Interessenverbände. Die Organisationen der Anti-Atomenergie-Bewegung sind etwas weniger und gänzlich durch politische Mobilisation aktiv, wobei sich - der Studie gemäss - dieser differente und radikalere Aktionstyp klar ersichtlich als hemmend für sie auswirkt (Giugni 1995: 231).
Passiver als die grossen nationalen Organisationen der Oekologie-Bewegung sind auch diejenigen der Friedensbewegung: CSSC und FFF sind besonders passiv und die traditionellen Organisationen haben ihre höchste Aktivität zwischen 1981 und 1983 gehabt.
Bezüglich Mobilisation sind - die im Wohnbereich agierende Organisation Intersquatt ausgenommen - alle untersuchten Organisationen der Autonomen Städtischen Bewegung passiv, im Kulturbereich hingegen sind sie sehr aktiv, v.a. was deren fast ausschliessliche Aktivität, kulturelle Manifestationen, anbelangt.
Massgebend für die Resultate der Homosexuellen-Bewegung ist das Verhältnis von Strukturen und Ressourcen einer Organisation sowie deren Aktivitätsniveau. OSH und Dialogai sind - im Gegensatz zur aktiven HAZ - passiv. Die HAZ als aktivste Organisation verfügt auch über die zur Durchführung von regelmässiger Mobilisation notwendigen Strukturen und Ressourcen und ist im weiteren auch politisch stärker engagiert als die beiden andern Organisationen. Die HAZ zieht die Mobilisation internen Aktivitäten auch vor.
Entsprechend dem Modell von Kriesi werden zur Beschreibung einer Organisationsentwicklung fünf Prozesse in Erwägung gezogen:
1. Die Bildung und der Aufbau, die Konstitution, 2. das Wachstum und die Abnahme, 3. Zentralisierung, Formalisierung und Professionalisierung (Oligarchisierung), 4. Aenderung der Ziele und des Aktions-Repertoires, 5. Institutionalisierung.
Die Konstitution mehrerer - möglicherweise aufgrund der im statischen Teil erwähnten Kriterien verschiedener Typen von - Organisationen einer sozialen Bewegung vollzieht sich während einer Mobilisationswelle. Zur Festlegung der verschiedenen Konstitutionstypen werden folgende Kriterien verwendet:
1. Unterscheidungskriterium: Es unterscheidet zwischen von Anfang an mit Formalisierung und von Anfang an ohne Formalisierung konstituierten Organisationen, letztere anschliessend an eine Kampagne von Aktionen gegründet werden, auf präexistenten informalen Kommunikationsnetzen basieren und einem weit verbreiteten Modell gemäss als Konstitutionsart bei den neuen sozialen Bewegungen sehr stark vertreten sein sollen, was mit nachfolgenden Resultaten widerlegt werden kann. Erstere, die mit Formalisierung konstituierten Organisationen, können ihren Anfang durch Spaltung oder durch Fusion bereits existierender Organisationen nehmen oder aber durch eine - sie von aussen sponsernde - Organisation.
2. Unterscheidungskriterium: Mittels der Beziehung Gründung und Entwicklung einer Organisation lässt sich - dreifach - unterscheiden zwischen 2.1. "pioneers", die zusammen mit der Entstehung einer Bewegung auftreten, 2.2. "joiners", die auf eine Protestwelle folgen und ziemlich spät auftreten, und 2.3 "latecomers", die sich in einer späten Phase der Bewegung konstituieren. Eine dieser Unterscheidung zugrundegelegten Hypothese gemäss tendieren "pioneers" zur Nicht-Formalisierung, "joiners" und "latecomers" jedoch mehr zu Formalisierung, da sie von aussen gesponsert werden.
Resultate:
Die grossen nationalen Organisationen der Oekologie-Bewegung sind mit - die jüngste, der VCS, sogar mit einem hohen Grad an - Formalisierung konstituiert worden, die Organisationen der Anti-Atomenergie-Bewegung und der Friedensbewegung jedoch ohne Formalisierung. Von der Autonomen Städtischen Bewegung ist ein Teil mit, ein Teil ohne Formalisierung konstituiert. Die Homosexuellen-Bewegung kann möglicherweise nach dem - in Punkt <ip-pii> bereits erwähnten - alten und neuen Teil unterschieden werden (die Dichotomie lässt sich nicht klar ermitteln): Ersterer weist eine mehr oder weniger formale Konstitution auf, letzterer eine informale.
Infolge einer begrenzten Anzahl von Daten erweist sich die Auswertung der mittels des zweiten Kriteriums gewonnen Resultate als schwierig. Die zugrundegelegte Hypothese scheint sich nicht zu bestätigen: Ueber Indikatoren einer frühzeitigen Formalisierung, über gesetzmässige Statuten, über eine Beitrittsregelung und Funktionen scheinen alle formalen Organisationen der Oekologie-Bewegung von Anfang an verfügt zu haben wie auch - ausser der ziemlich jungen und nicht im geringsten formalen GSoA - diejenigen der Friedensbewegung und - ausser der jungen und informalen Intersquatt - diejenigen der Autonomen Städtischen Bewegung. Die jüngeren Organisationen der Homosexuellen-Bewegung haben ebenfalls weniger formalen Charakter als die in der Initialphase gegründeten.
Die - oben erwähnte - Hypothese bestätigt sich somit bei den ohne Formalisierung konstituierten Organisationen der Anti-Atomenergie-Bewegung und der Friedensbewegung und teilweise bei denjenigen der Autonomen Städtischen Bewegung und Homosexuellen-Bewegung, wird aber widerlegt teilweise eben bei den Organisationen der letzteren beiden wie bei denjenigen der grossen nationalen Organisationen der Oekologie-Bewegung. Nicht dies, so kommt die Studie zum Schluss, sondern andere - und in Betracht zu ziehende - Faktoren, v.a. der historische Kontext und die Strukturen der politischen Opportunitäten (POS), scheinen bei einer Bewegung Moment der Konstitution zu sein.
Bezüglich dieses Entwicklungsprozesses werden die Organisationen der sozialen Bewegungen (SMO), erweiternd diejenigen der Industrien (SMI) und des Sektors der sozialen Bewegungen (SMS) betrachtet, und zwar mittels zweier Dimensionen, mittels Ressourcen und mittels Aktivitäten und - der leichteren Quantifizierung wegen - nur die primären Ressourcen mittels der Indikatoren Ausmass der Entwicklung der finanziellen Mittel, Anzahl Mitglieder und Personal.
Resultate:
Die aus Graphik 4.1, S. 39, ersichtliche Entwicklung des Aktivitätsniveaus zeigt eine starke Zunahme mit einem Höhepunkt 1983 beim institutionalisierten Teil der Oekologie-Bewegung und eher eine stabil verlaufende Entwicklung bei den andern Bewegungen, auch wenn diejenige der Friedensbewegung - aufgrund der Entstehung der GsoA - in den letzten Jahren etwas zugenommen hat. Die - zu - schwache Entwicklung der Autonomen Städtischen Bewegung und der Homosexuellen-Bewegung lässt keine weiteren Angaben machen.
Die in Graphik 4.2, S. 39, dargestellte Entwicklung der Mitgliederanzahl weist weniger Schwankungen auf als diejenige des Aktivitätsniveaus. Ohne Mitberücksichtigung des grossen Unterschiedes zwischen Oekologie-Bewegung und den andern Bewegungen zeigt sich bei jener eine praktisch kontinuierliche Zunahme, bei der Anti-Atomenergie-Bewegung eine in zwei verschiedenen Phasen ablaufende Entwicklung, wobei die erste durch eine merkliche und kontinuierliche Zunahme, die zweite - ab 1980 eintretende - jedoch durch Stagnation gekennzeichnet ist. Die Organisationen der Friedensbewegung - ohne Mitberücksichtigung der SFR und SFB - scheinen ebenfalls eine Erhöhung zu zeigen, diejenigen der Autonomen Städtischen Bewegung (die Zahlenermittlung sei nicht immer leicht gewesen, erklärt die Studie hier) praktisch eine perfekte Stabilität. Auch bei den Organisationen der Homosexuellen-Bewegung bleibt die Entwicklung der Mitgliederanzahl stabil mit einer leichten Tendenz zur Zunahme einerseits infolge der bis 1977 fehlenden Mitglieder der OSH und andererseits aufgrund des Eintritts der Dialogai in die Bewegung.
Graphik 4.1: Entwicklung des Aktivitätsniveaus einiger Organisationen der NSB 1975-1989
Quelle: Giugni 1995, S. 237
Graphik 4.2: Entwicklung der Mitgliederanzahl Graphik 4.3: Entwicklung der finanziellen
einiger Organisationen der NSB 1975-1988 Ressourcen einiger Organisationen der NSB 1975-1988
Quelle: Giugni 1995, S. 238-239
Die aus Graphik 4.3 ersichtliche Entwicklung der - fundamentalen - finanziellen Ressourcen zeigt
- wie diejenige der Mitgliederanzahl - allgemein eine Tendenz zur Zunahme. Die finanziellen Ressourcen der Oekologie-Bewegung nehmen gleich stetig zu wie deren Mitgliederanzahl, entwickeln sich aber viel weniger stabil als diejenigen der ihr zwar ähnlichen, aber auf tieferem Niveau liegenden Anti-Atomenergie-Bewegung, die in den letzten drei Jahren eine Erhöhung erfahren. Die Zunahme der finanziellen Ressourcen der Friedensbewegung (wiederum ohne SFR und SFB) ist hauptsächlich auf die GSoA zurückzuführen. Die Autonome Städtische Bewegung wie die Homosexuellen-Bewegung zeigen - bei beiden verursacht durch Gewährung von Staatssubventionen - eine zweiphasige Entwicklung: Die Stabilität dauert bei der ersteren bis 1983, dann erfolgt der nach der Protestwelle von 1980-1981 erhaltenen Subventionen wegen eine merkliche Zunahme; bei der Homosexuellen-Bewegung wird die Stabilität durch die in den letzten Jahren einsetzende Erhöhung infolge öffentlicher Subventionen aufgehoben.
Allgemein betrachtet lässt sich bei den untersuchten neuen sozialen Bewegungen von 1975 bis 1989 eine Zunahme der Ressourcen auf verschiedenen Niveaus feststellen: Der institutionalisierte Teil der Oekologie-Bewegung ist viel reicher als die andern Bewegungen, die Zunahme ist je Bewegung verschieden und erweist sich je Ressource (Aktivitätsniveau, Mitgliederanzahl, finanzielle Ressourcen) als verschieden.
Nach dem Modell von Max Weber und Robert Michels ist die Entwicklung einer Organisation im allgemeinen durch drei Prozesse gekennzeichnet, 1. durch Oligarchisierung, die sich ihrerseits wiederum durch die drei Entwicklungen Zentralisierung, Formalisierung und Professionalisierung vollzieht,
2. durch Aenderung der Ziele und 3. durch Aenderung der Aktionsformen.
Auf dem eben erwähnten Modell beruhend ergibt sich bezüglich des ersten Prozesses die Hypothese, dass die drei Entwicklungen Zentralisierung, Formalisierung und Professionalisierung zusammengehören und unausweichlich zu einer Oligarchisierung führen, letztere sich definieren lässt als Machtkonzentration in den Händen einer Minderheit von Mitgliedern einer Organisation (Giugni 1995: 240) und durch drei Prozesse gekennzeichnet ist: Als erster erfolgt eine Zentralisierung der Macht, der Entscheidungsprozesse, der Ressourcen und Aktivitäten, als zweiter folgt ein durch Einführung formaler Beitrittsregelungen sowie von Funktionen und formalen Differenzierungen sich vollziehender Formalisierungsprozess, und als dritter setzt sich - aufgrund der sich erhöhenden Anzahl entlohnten Personals - eine Zunahme der Professionalisierung durch. Untersucht wird, ob die Bewegungen diese drei Eigenschaften schon bei ihrer Entstehung aufgewiesen oder sich diese erst im Laufe der Jahre angeeignet haben. Die Operationalisierung erfolgt mittels folgender Indikatoren: Die Zentralisierung mittels vorhandener Differenzierung bezüglich territorialer Kriterien, mittels vier - den Grad an Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit zwischen zentraler und lokaler Ebene repräsentierenden - Variablen (zwei für die Entscheidungsbefugnis, eine für die Verwaltung finanzieller Mittel, eine weitere für die Aktivitäten), der Formalisierungsgrad aufgrund des Vorhandenseins einer rechtsgültigen Organisationsform und interner Statuten, formaler Beitrittsregelungen, formaler Funktionen und funktioneller interner Differenzierungen, der Professionalisierungsgrad aufgrund der Entwicklung der Anzahl des entlohnten, in einer Organisation arbeitenden Personals. Die verfügbaren Daten lassen klare Resultate zu.
Resultate:
Der institutionalisierte Teil der Oekologie-Bewegung ist ziemlich, sogar sehr formal, der sich für alternative Kulturzentren einsetzende Teil der Autonomen Städtischen Bewegung ist auch eher formal und professionell. Entgegen dem Weber-Michels-Modell scheint - der Studie gemäss - der Prozess der Zentralisierung nicht zusammen mit demjenigen der Formalisierung und Professionalisierung abzulaufen: Drei der sechs grossen Organisationen der Oekologie-Bewegung sind sehr formal und professionell, aber dezentralisiert. Als Ursache dieser Abweichung werden externe Faktoren genannt, der Föderalismus der Schweiz wie der letzteren sprachliche Spaltung. Der Prozess der Formalisierung und derjenige der Professionalisierung scheinen statisch zusammen abzulaufen, je formaler eine Organisationen ist, desto professioneller ist sie. Dynamisch betrachtet jedoch ändert sich die Sachlage: Eher als von einem Oligarchisierungsprozess - so erklärt die Studie - müsse hier einerseits von mit einer formalen Basis entstandenen institutionalisierten Organisationen, die ihren Personalbestand ständig erhöht haben, gesprochen werden, wie dies der Fall ist z.B. bei der Organisation WWF, die von Beginn an mehrere formale Funktionen und eine Zunahme ihres Personals von 1970 bis 1989 von 2 auf 86 Personen aufweist, oder beim VCS mit formalen Funktionen und einer funktionellen Differenzierung seit seiner Gründung 1979 und starker Zunahme des Personal in den letzten Jahren, und andererseits von informalen Organisationen, die ihren Professionalisierungsgrad in Grenzen halten.
Im Weber-Michels-Modell muss die Aenderung der Ziele notwendigerweise und einheitlich in Richtung eines stärkeren Konservativismus erfolgen, welcher letztere sich in den - infolge Wiederspiegelung des herrschenden sozialen Konsens - immer gemässigter werdenden Zielen einer Organisation äussert, und aus der Aenderung der Aktionsformen, dem dritten und letzten Typ von Aenderung, muss primär eine für ihre - durch die Ressourcen gewährleistete - Existenz aktive Organisation resultieren. Die in diesem Modell als autodynamisch ablaufend verstandene, immer stärker werdende Mässigung der Ziele einer Organisation ist - der Studie gemäss - aufgrund externer Prozesse, die die Zieländerung beeinflussen, absolut nicht einsehbar. Ferner weisen auch andere Theorien Differenzen zu diesem Modell auf: Statt jener Mässigung wird eine Radikalisierung festgestellt oder aber auch die Bedeutung der Konkurrenz für letztere in einer grossen Mobilisationsphase hervorgehoben: Diese Konkurrenz leitet eine zunehmende Radikalisierung der Aktionsformen und Themen ein wie auch eine Veränderung der Ziele in Richtung zunehmender Institutionalisierung. In verschiedenen Kontexten getestet - so stellt die Studie dann fest - riskiert diese Hypothese eine Widerlegung.
Aus der Struktur der politischen Opportunitäten (POS) lassen sich ferner vier, die strategische Wahl im allgemeinen limitierende Elemente ermitteln (Giugni 1995: 243):
1. Die - als der erwartete Gewinn oder Nutzen der kollektiven Aktion bezüglich der erstrebten Ziele definierten - Erfolgschancen, die die Art der Forderung und die Strategien beeinflussen; eine Erhöhung der Erfolgschancen kann durch Anpassung oder Aenderung des Zieles in ein für die Oeffentlichkeit akzeptables Ziel oder durch Anwendung konventionellerer Strategien erreicht werden.
2. Die Beeinflussung der Wahl der Ziele wie der Aktionsformen durch - insbesondere durch die von politischen Autoritäten ausgeübte - Repression, wobei letztere definiert ist als Gesamtheit der Aktionen anderer Gruppen, die eine Erhöhung der Kosten und eine Reduktion des Gewinns oder Nutzens einer Aktion verursachen; die z.B. durch Autoritäten ausgeübte Repression kann Veranlassung zu schwächerem oder stärkerem Radikalismus sein.
3. Die Begünstigung, die strategisch der Repression entgegengesetzt und demzufolge definiert ist als die Gesamtheit der Aktionen anderer Gruppen, die die Kosten der Aktion einer Bewegung reduzieren und deren Nutzen oder Gewinn erhöhen, die sich ergeben kann durch z.B. Gewährung von Subventionen, die die Aktivitäten einer Organisation erleichtern und fördern und konsequenterweise eine Modifikation ihrer Aktivitäten und Ziele zur Folge haben.
4. Der aus dem Gegensatzpaar Reform und Drohung bestehende, bei einer sich nicht mobilisierenden Bewegung eine Situationsverbesserung oder -verschlimmerung bewirkende externe Faktor, der die strategische Wahl einer Organisation determiniert, welche Situation sich ergibt z.B. durch Einführung eines - in Richtung der Ziele der Bewegung gehenden - neuen Gesetzes, welche Reform eine gänzliche Aufgabe des Zieles oder gemässigtere Strategien zur Zielerreichung bewirken kann.
Diese vier ermittelten Faktoren können somit die Entwicklung der sozialen Bewegungen auf drei verschiedenen Ebenen folgendermassen beeinflussen:
1. Zu- oder Abnahme der gesamten Aktivität einer Bewegung; 2. Modifikation der Ziele hin zu mehr oder weniger ausgeprägtem Radikalismus; 3. Die Strategien und Aktionsformen können ebenfalls wechseln und radikaler oder weniger radikal werden.
Ferner ist der Effekt dieser Faktoren je nach dem, ob eine Bewegung sich an der Strategie oder an der Identität orientiert, verschieden, wodurch die Differenzierung zwischen instrumentellen, subkulturellen und konkulturellen Bewegungen berechtigt ist.
Das Konzept der - zur Analyse einer Organisationsstruktur ebenfalls wichtigen - Institutionalisierung beschreibt die Entwicklung der Beziehungen einer Organisation zum politischen System. Institutionalisierung ist in diesem Teil in einem engeren Sinn gefasst als im ersten Teil und definiert als Integrationsprozess einer Organisation in das etablierte Interessenvermittlungs-System. In diesem Sinn kann sich eine Organisation in eine politische Partei oder in einen Interessenverband umwandeln (Giugni 1995: 244).
Die vorhandenen Daten lassen keine genauen Angaben darüber machen, ob die untersuchten Organisationen sich institutionalisiert haben oder nicht. Es scheint, so erklärt die Studie, dass die zum Zeitpunkt der Durchführung der Analyse über einen hohen Institutionalisierungsgrad verfügenden Organisationen der Oekologie-Bewegung WWF, SBN, SGU, VCS und SES sich in der vorhergehenden Zeitperiode zu diesem entwickelt haben, auch wenn sie bereits zum Zeitpunkt ihrer Entstehung einen gewissen Institutionalisierungsgrad aufgewiesen haben. Die stark ausgeprägte Formalisierung und Professionalisierung dieser Bewegung, die deren Zugang zu den Entscheidungsvollzugs-Systemen erleichtern, sind an ihre Institutionalisierung liiert. Bei den andern drei untersuchten Bewegungen kann von Institutionalisierung nicht gesprochen werden, da sie zu sehr ausserhalb der traditionellen Politik agieren.
Zuerst wird das Modell der Studie kurz wiedergegeben, dann erfolgt die Darlegung der zusammengefassten Resultate der untersuchten Bewegungen anhand dieses Modells.
Dem Modell gemäss kann eine Organisation von je zwei zueinander in Opposition stehenden Aktivitäten, Kontrolle und Partizipation einerseits sowie Dienstleistung und Repräsentation andererseits, die eine zum Schaden der andern bevorzugen: Privilegiert eine Organisation die Mitgliederkontrolle zum Nachteil anderer Aktivität, so wird sie - mit zunehmendem Grad dieser Bevorzugung - immer mehr eine oder - im Extremfall - zu einer Verwaltung, privilegiert sie die Partizipation, so macht sie einen Involutionsprozess durch und hat - im Extremfall - gar keine Interaktionen mehr mit externen Gruppen, sondern nur Aktivitäten innerhalb der Bewegung und wird zur Subkultur, zum Klub, bei fehlender Manifestation in der Oeffentlichkeit zur religiösen Bewegung oder zur Sekte; legt eine Organisation - zum Nachteil wieder anderer Aktivität - ihren Akzent auf Dienstleistung, so weist sie die Tendenz zur - gradmässig auch verschieden stark möglichen - Transformation in eine Handelsunternehmung auf, hat - im Gegensatz dazu - die Repräsentation der Interessen ihrer Mitglieder Primat, so wird sie - gradmässig ebenfalls verschieden stark möglich - hauptsächlich durch Lobbying aktiv und vernachlässigt andere Aktivitäten.
Eine offene, insbesondere eine mittels integrativer Strategie seitens der Autoritäten ausgestattete Struktur der politischen Opportunitäten (POS) hat bei neuen sozialen Bewegungen eine Bedeutungszunahme der Mitgliederanzahl wie des Ressourcenniveaus zur Folge.
Bezüglich der Organisationen lassen sich folgende Merkmale wie auch allgemein - entsprechend dem eben dargelegten Modell - vier verschiedene Entwicklungsrichtungen feststellen:
Punkt 1:
Das - sich durch gemässigte Aktionen, Formalisierung, Professionalisierung, Zentralisierung, Zunahme primärer Ressourcen und politischen Zugang kennzeichnende - "Institutionalisierungs-Syndrom" der Oekologie-Bewegung ohne Anti-Atomenergie-Bewegung, das die Oekologie-Bewegung von letzterer wie von den andern, sich mit Umweltproblemen befassenden neuen sozialen Bewegungen unterscheidet, welche eher sozialen Bewegungen, deren Protest als ausserhalb politischer und institutioneller Regeln ablaufend definiert wird (s. Punkt 1.3), entsprechen als jene; der institutionalisierte Teil der Oekologie-Bewegung scheint auch die Repräsentation, das Lobbying, der Partizipation vorzuziehen.
Punkt 2 :
Eine, von der eben besprochenen aber verschiedene, durch Kooptierungspolitik seitens lokaler Autoritäten (Gewährung von Staatssubventionen wie eines gewissen Zugangs zu Befragungsprozeduren) erfolgte Institutionalisierung des sich mit alternativen Kulturzentren befassenden Bereichs der Autonomen Städtischen Bewegung, welcher Teil auf lokaler Ebene agiert, sich durch kleine Mitgliederanzahl kennzeichnende Organisationen umfasst und konterkulturelle Charakteristiken beibehält.
Punkt 3:
Die zahlreicheren Verbindungen zwischen Anti-Atomenergie-Bewegung und restlicher Oekologie-Bewegung und die weniger zahlreichen Aehnlichkeiten der Organisationen der Friedensbewegung und Anti-Atomenergie-Bewegung bezüglich Fehlens von Formalisierung, Professionalisierung, bezüglich begrenzter primärer Ressourcen und beschränktem politischem Zugang; letztere beiden, die Friedensbewegung und die Anti-Atomenergie-Bewegung, kennzeichnen sich durch die eigentliche Aufgabe der sozialen Bewegungen, durch Repräsentation und Partizipation, und deren Organisationen entsprechen immer noch wirklichen Organisationen.
Punkt 4:
Die - sich durch fehlende Verbindungen unter sich wie auch zu andern neuen sozialen Bewegungen äussernde - Isolation der Autonomen Städtischen Bewegung innerhalb des interorganisationellen Beziehungsnetzes, v.a. der - in Punkt 2 schon erwähnten - Organisationen des Kulturbereichs, letztere ihrer zunehmenden Kommerzialisierung wegen eher als kulturelle Unternehmungen denn als Organisationen bezeichnet werden können; der - alternative - Kulturbereich der Autonomen Städtischen Bewegung spezialisiert und entwickelt sich zu einem Dienstleistungsbetrieb, was mit einem Verlust seiner Protest-Rolle einhergeht.
Punkt 5:
Die - aus dem subkulturellen Charakter - resultierende Isolation der Homosexuellen-Bewegung; diese Bewegung bevorzugt die Partizipation, wird zu einer Subkultur, die sich nicht durch Protestaktionen, sondern durch interne Aktivität, durch Aktivität in der Bewegung kennzeichnet, die der kollektiven Identitätsfindung innerhalb der Gruppe dient.
APAG Association pour l'Appel de Genève
ARW Arbeitsgemeinschaft für Rüstungskontrolle und ein Waffenausfuhrverbot
CSAN Conférence Suisse des Anti-nucléaires
CSSC Conférence Suisse pour le Service Civil
CVP Christlich-Demokratische Volkspartei
EU Etat d'urgence
FDP Freisinnig-Demokratische Partei
FFF Frauen für den Frieden
GAGAK Gewaltfreie Aktion gegen das Atomkraftwerk Kaiseraugst
GAK Gewaltfreie Aktion Kaiseraugst
GSoA Gruppe Schweiz ohne Armee
HAZ Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich
IG Velo Interessengemeinschaft Velo
IGRF Interessengemeinschaft Rote Fabrik
NATO North Atlantic Treaty Organisation; Nordatlantik-Pakt
NSB Neue soziale Bewegungen
NWA Nord-Westschweizerische AKW-Gegner
NZZ Neue Zürcher Zeitung
OSH Organisation Suisse des Homosexuels
PdA Partei der Arbeit
POCH Progressive Organisationen Schweiz
POS political opportunity structure
QZK Quartierzentrum Kanzlei
RL Radio Lora
SB Soziale Bewegungen
SBN Schweizerischer Bund für Naturschutz
SES Schweizerische Energie-Stiftung
SFB Schweizerische Friedensbewegung
SFR Schweizerischer Friedensrat
SGU Schweizerische Gesellschaft für Umweltschutz
SP Sozialdemokratische Partei
SVP Schweizerische Volkspartei
VCS Verkehrsclub der Schweiz
WWF World Wildlife Fund
J.D. McCarthy und M.N. Zald. Resource mobilization and social movements: a partial theory. In: American Journal of Sociology 82, 1977: 1212-1241.
Giugni, Marco. La mobilisation des nouveaux mouvements sociaux en Suisse 1975-1989. Travaux et communications 2. Université de Genève, Département de Science Politique: 1991.
Giugni, Marco. Entre stratégie et opportunité; les nouveaux mouvements sociaux en Suisse. Zürich: Seismo 1995
Kriesi, Hanspeter. Aktivierungsthemen. In: Politische Aktivierung in der Schweiz 1945-1978, Hg. von Hanspeter Kriesi, René Levy, Gilbert Ganguillet, Heinz Zwicky, S. 67-204. Diessenhofen: Rüegger 1981
Kriesi, Hanspeter. Die Zürcher Bewegung: Bilder, Interaktionen, Zusammenhänge. Frankfurt a/Main, New York: Campus 1984
Kriesi, Hanspeter. New social movements and the new class in The Netherlands. In: American Journal of Sociology 94, 1989: 1078-1116
Kriesi, Hanspeter. Le fédéralisme; la démocratie directe; le secteur des mouvements sociaux. In: Le système politique suisse, p. 44-116, 276-310. Paris: Economia 1995
Zald, M.N. und J.D. McCarthy. Social movement industries: competition and conflict among SMO's. In: Social movements in an organizational society, hg. von M.N. Zald und J.D. McCarthy, p. 161-179. New Brunswick: Transaction Books 1987
zusätzlich auch v.a. Fachliteratur zur Politik
Last update: 06 Mrz 17

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