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Die zehn kleinen Negerlein müssen gehen und auch der Negerkönig muss sich von der Pippi Langstrumpf verabschieden. Der Mohr im Hemd rettet sich vor dem sprachlichen Zugriff in den Farbigen im Hemd. Wohin soll der Mohrenkopf hin? Der Spitzbub? Der Frankfurter? Der Negerkuss versteckt sich neu im Schaumkuss. Ein Weisser darf vermutlich bald nicht mehr Weisser genannt werden, auch wenn er sonnen und braun gebannt daher kommt. Die lange Nase wird ihm aber möglicherweise noch lange anhaften, es sei denn, dass die Sprachpuristen in Asien dem Weissen seine grosse Nase kürzen. Gründer Schnaptepüräs Beispiel der Streichkunst lässt sich auch auf die Hexen anwenden, die früher auf dem Scheiterhaufen endeten. Diese sollen aus Kinderbüchern und Märchen verschwinden und auf dem Scheiterhaufen der Sprache ihre letzte Ruhe finden. In Büchern und Sprache wird nicht akribisch mathematisch linear gekürzt und gestrichen, sondern punktuell, messerscharf mit dem Skalpell der Political correctness. Eine Apartheid-Politik, welche alles von ihr weist, was ihr nicht passt, bahnt sich ihren Weg in die Gefilde, welche bisher der Phantasie und ihren künstlerischen Werkzeugen vorbehalten waren. Der Einheitsbrei greift um sich.
Sicher, es ist die feinere Art, mit einer Tastenkombination punktuell, messerscharf Wörter aus einem Text heraus zu schneiden und durch andere zu ersetzen, als gemäss der Regeln Gründer Schnaptepüräs in einen Text hinein zu fahren und diesen auf solche Weise zu verstümmeln.
Der all gemein verbreiteten und praktizierten Streichkunst, welche nicht Wände anmalt, sondern mit dem Löschstift durch die Sprache fährt, ist kaum Einhalt zu gebieten. Die Newspeak, auch N-speak genannt, verleibt sich als nächstes den Zigeuner und auch bald den Indianer ein, um ihnen den Hals abzudrehen. Statt aufzuklären wird der Bückling vor der vulgären Sprache gemacht, die das Wort auf eine einzige Bedeutung reduziert, und schwupp ist das Verb wichsen aus dem Märchenschatz getilgt. Ob der dumme Augustin und der Räuber Hotzenplotz noch lange durch die Literatur geistern dürfen, bleibt fraglich. Einzug halten die Raumpflegerin und für den Holzfäller der Brennholzingenieur. Der Weg erweist sich als gar nicht mehr so weit, bis das Ziel erreicht ist und der Mensch doppelplusgut quakspricht.
Es gemahnt an jene Epoche, als aus ideologischen Gründen gezielt die nichtarischen Wörter aus dem traditionellen Wortschatz, der aus der Geschichte einer Gesellschaft seine Kraft zog und seine Wurzeln in ganz verschiedenartigen Humus schlug, gestrichen wurden und so der Weg zu ungeheuren Verbrechen geebnet wurde. Welcher Ideologie folgt die heutige Streichkunst?
Was geschieht mit dem Wort Völkermord, welches Regierungen aus dem internationalen Wortschatz gestrichen haben möchten? Was mit dem Wort Tienanmen oder Tahrir?
Die aus einem Text gestrichenen Wörter nehmen einem Roman seine Schlagkraft und betrügen die Menschheit um ihre Geschichte. Die Puristen klittern sie um. Die Sklaverei kann von neuem beginnen.