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Heinrich VIII. und der Ziegelboden
Der englische König Heinrich VIII. ist vor allem wegen seiner vielen Ehefrauen bekannt, von denen mehr als eine ihren Kopf verlor. Ein nun entdeckter Ziegelboden im Hampton Court Palace bei London zeugt vom wechselvollen Liebesleben des Monarchen.
Heinrich VIII. war von 1509 bis 1547 König von England und der zweite Herrscher aus dem Haus Tudor. In all diesen Jahren heiratete er insgesamt sechs Mal. Und jede seiner Ehefrauen bewohnte prächtige Räume im Hampton Court Palace im äussersten Südwesten Londons am linken Ufer der Themse. Wie Spiegel online berichtet, haben kürzlich Arbeiter beim Tausch einiger knarrender Planken unter dem Holzboden der Royal School of Needlework einen Ziegelboden aus der Zeit Heinrichs des VIII. entdeckt. Hier wohnte Anne Boleyn. Sie war des Königs Geliebte, denn dieser war mit Katharina von Aragon verheiratet. Da sie ihm jedoch keinen männlichen Erben schenken konnte, strebte er die Scheidung an. Der Papst verweigerte ihm diesen Wunsch. Darum nahm Heinrich Anne Boleyn im Jahr 1533 heimlich zur Frau. Nun hatte der gute Mann jedoch ein Problem: Da war eine Königin zu viel im Haus – denn Katharina dachte nicht im Traum daran, ihren Platz zu räumen. Deshalb gab der Herrscher eine ganze Reihe neuer, prächtiger Räume für Anne in Auftrag. Am Hampton Court Palace wurde angebaut. „Aus den umliegenden Dörfern kamen 45 Handwerker, die Annes Appartement so schnell wie möglich fertigstellen sollten“, erklärte Schlossverwalter Dan Jackson gegenüber dem Spiegel. Sie verfüllten einen Teil des Schlossgrabens und fügten dem Gebäude neue Türme mit hohen, eleganten Fenstern hinzu.
Wechsel in den Königinnen-Zimmern
Doch geniessen konnte Englands zweite Königin ihre Räume nur so lange, wie ihre Ehe mit Heinrich hielt. Denn auch sie bekam keinen Sohn, obwohl sie vermutlich mindestens zweimal schwanger war, nachdem sie ihre Tochter Elisabeth geboren hatte; die spätere Königin Elisabeth I, nach der ein ganzes Zeitalter benannt ist. Heinrich war so enttäuscht, dass er Anne Boleyn 1536 hinrichten liess – vorgeblich wegen Ehebruch und Hochverrat.
Im selben Jahr starb auch Katharina von Aragon an Krebs, sodass der Heinrich jetzt offiziell einmal ganz ohne Ehefrau war. Aber nicht lange, denn nur wenige Tage nach Annes Hinrichtung heiratete er zum dritten Mal. Die neue Königin von England hiess Jane Seymour. Wie Spiegel online schreibt, ist die Hochzeit mit Ehefrau Nummer 3 und der Besitzerwechsel der Königinnen-Zimmer deutlich auf dem Ziegelboden markiert: mit einer neuen Schicht Backsteine. Diese Königin gebar dann endlich den ersehnten Jungen, starb aber zwölf Tage später im Kindbett. Eduard VI. bestieg als Neunjähriger den englischen Thron, starb aber schon im Alter von 15. Ihm folgte Maria I., Katharinas Tochter. Diese Maria kennt man heute als Maria die Katholische oder Maria die Blutige. Sie hatte brutal versucht, England wieder zu einem katholischen Land zu machen, nachdem sich ihr Vater Heinrich VIII. wegen der verweigerten Scheidung von der römisch-katholischen Kirche losgesagt und die Kirche Englands gegründet hatte.
Annullation und Hinrichtung
Heinrich heiratete übrigens nach Jane Seymours Tod noch drei Mal: Ehefrau Nummer 4 war im Jahr 1540 die deutsche Anna von Kleve, von der er sich aber schon nach wenigen Monaten wieder trennte. Die Ehe wurde annulliert. Seine nächste Frau war eine Hofdame der Anna von Kleve, Catherine Howard (eine Cousine von Anne Boleyn). Zwei Jahre später wurde sie wegen Ehebruchs enthauptet. Heinrichs letzte Frau war Catherine Parr. Ihr Standpunkt in religiösen Fragen und ihr Widerspruchsgeist weckten das Misstrauen des Lordsiegelbewahrers Bischof Stephen Gardiner, der ein Verfahren gegen sie einleitete und Heinrich davon zu überzeugen suchte, dass ihr als Ketzerin der Prozess gemacht werden müsse. Kurz vor Heinrichs Tod gelang es ihr aber, den König zu beschwichtigen, der daraufhin von seinem Plan, sie zu inhaftieren, Abstand nahm. (mt)