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Während den Sommermonaten reisen ausländische Roma in 500 bis 800, in den Spitzenmonaten sogar 1500 Wohnwagen durch die Schweiz. Hierzulande stehen ihnen jedoch lediglich vier Halteplätze zur Verfügung. Dies ist klar zu wenig und führt immer wieder zu Konflikten zwischen fahrenden Roma-Gruppen, Polizei und der sesshaften Mehrheitsbevölkerung. Eine Schlüsselperson beim Abbau von solchen Spannungen ist Andreas Geringer, Präsident des Verbandes Sinti und Roma Schweiz (VSRS) und Mediator der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Er vermittelt zwischen Roma und Behörden und trägt so zu einem friedlicheren Zusammenleben von Fahrenden und Sesshaften bei.
Andreas Geringer, unter den Fahrenden „Panscho“ genannt, ist halb Sinto, halb Jenischer und in der Kultur der Fahrenden aufgewachsen. Seine Mutter, geborene Jenische, wurde in den 50er-Jahren im Rahmen des Programmes „Kinder der Landstrasse“ der Pro Juventute von ihrer jenischen Familie getrennt. Obwohl sie sesshaft aufgewachsen ist, identifizierte sie sich später mit der fahrenden Sinti- Kultur ihres Mannes. Fahrend unterwegs, hat Panscho als Kind das Messer- und Scherenschleifen gelernt – statt zur Schule zu gehen. Erst mit sechzehn lernte er das Lesen und Schreiben und begann auf Empfehlung seiner Mutter eine Lehre als Lebensmittelverkäufer bei der Migros. „Anschliessend absolvierte ich eine Ausbildung zum Koch und konnte auf grossen Messen wie Basel World und OLMA das Essen liefern“, erzählt Panscho. Später führte er sogar einen Catering- und einen Schaustellerbetrieb. So habe er sowohl die fahrende wie auch die sesshafte Lebensweise kennengelernt. Er kennt die Bedürfnisse Fahrender, aber ebenso gut die Regeln und Sichtweisen der Schweizer Mehrheitsbevölkerung. So wird auch er immer wieder mit den Vorurteilen gegenüber Fahrenden konfrontiert. „Solange nicht erkennbar ist, dass ich ein Fahrender bin, werde ich „normal“ behandelt, wie jeder Schweizer“, erzählt Andreas Geringer. „Doch wenn ich in meinem Wohnwagen unterwegs bin, so werde ich ein Problem. Und da merke ich: Die Umgangsformen sind nicht dieselben. Ich werde dann praktisch schon vorverurteilt: Sofort die Ausweise her, sofort wird man kontrolliert, ob man ausgeschrieben ist, ob da irgendwo noch Bussen offen sind, und dann merkt man eigentlich, wie schlecht man als Fahrender dasteht.“
Interkultureller Vermittler für die Fahrenden in der Schweiz
Als interkultureller Vermittler kommuniziert Panscho zwischen Sesshaften und Fahrenden, um für mehr gegenseitiges Verständnis beizutragen. Dabei sind ihm die Interessen beider Seiten wichtig. „Einerseits müssen Fahrende gewisse Regeln beachten und formale Prozesse durchführen, bevor sie zum Beispiel einen Platz übernehmen können. Anderseits ist es empörend, wie viel Unwissen, Diskriminierung und Unverständnis für die Bedürfnisse und Rechte der Fahrenden in der Schweiz immer noch vorhanden ist.“ So ist bei der Polizei Ethnic Profiling verbreitet und Fahrende werden aufgrund ihrer Lebensweise willkürlich kontrolliert. „Das ist diskriminierend“, bedauert Panscho. Um Konflikte zu vermeiden, wäre gerade bei Polizei und Behörden mehr Wissen besonders über die Kultur der fahrenden Roma hilfreich. Zum Beispiel können Schweizer Hygiene-Standards viel besser eingehalten werden, wenn Polizisten und Behörden über die Reinheitsvorstellungen der Roma Bescheid wissen. Wenn sie auf einen Mediator zurückzugreifen können, der Verständnis für beide Seiten aufbringt, kann das äusserst hilfreich sein. Gemeinsam mit der GfbV plädiert Panscho für mehr Respekt und Anerkennung der fahrenden Minderheiten in der Schweiz und wünscht sich, „dass wir auch wieder die Möglichkeit für spontane Halte haben.“