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Obwohl sie bereits seit über 200 Jahren bekannt ist, steckt die blutrote Schneealge (Chlamydomonas nivalis) noch voller Rätsel. Fast überall auf der Erde färbt die Alge den ewigen Schnee rosa bis rötlich; von der Antarktis über die Alpen, den Himalaya und Spitzbergen bis in die Rocky Mountains. Das Phänomen wird auch als Wassermelonen- oder Blutschnee bezeichnet.
Über die Entwicklung und die Verbreitung der Alge ist bisher jedoch nur wenig bekannt: «Wir wissen zwar, wie Roter Schnee aussieht, aber wir wissen nicht wirklich, wie diese mikroskopische Alge es schafft, im Frühsommer, wenn noch mehrere Meter Neuschnee liegen, die Massen an Zellen hervorzubringen, die es für das Phänomen des Roten Schnees benötigt», meint Schneealgenexperte Thomas Leya. Bis heute ist es nicht gelungen, die Alge im Labor zu kultivieren, doch für die weitere Forschung spricht einiges: «Wir erhoffen uns Erkenntnisse über kälteaktive Enzyme, die sich zum Beispiel für medizinische und diagnostische Zwecke oder in der Lebensmittelprozesstechnik sowie Kosmetik einsetzen lassen», sagt Leya.
Der Klimawandel wirkt mit
Die rote Alge ist eine mikroskopisch kleine, einzellige Grünalge. Im Normalfall ist sie, wie die meisten anderen Pflanzen, durch das Chlorophyll grün gefärbt. Wenn sie sich jedoch stark vermehrt und gleichzeitig extremer Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, produziert die Alge rot gefärbte Pigmentmoleküle, sogenannte Carotinoide. Mit Hilfe dieser Carotinoide schützt die Pflanze ihre lichtempfindliche Photosynthese-Maschinerie vor der starken UV-Strahlung, wie sie besonders in extremen Höhen und in Polargebieten auftritt. Forschende vermuten, dass der Farbstoff das Erbmaterial im Zellkern vor der Sonneneinstrahlung schützt.
Seit einigen Jahren wird das Phänomen des Blutschnees immer häufiger gesichtet. Biologinnen und Geologen der Universität Grenoble Alpes vermuten, dass der Blutschnee ein direktes Zeichen des Klimawandels ist und auf lange Sicht die Biodiversität der Alpen beeinflussen könnte. Bisher kam der rot gefärbte Schnee in einer Höhe von 2000 und 2400 Metern besonders häufig vor, da die klimatischen Bedingungen in diesen Gebieten optimal für die Algen sind. Da die Schneeschmelze jedoch immer früher einsetzt und die Sonneneinstrahlung in den Alpen intensiver wird, vermehrt sich die Alge schneller und bildet mehr Farbstoff. Der Beginn eines Teufelskreises: Die roten Pigmente verdunkeln die Schneeoberfläche und reduzieren somit die Licht- und Wärmemenge, welche in den Weltraum zurückreflektiert wird. Der sogenannte Albedo-Effekt wird verringert. Durch die Absorption von mehr Sonnenwärme schmilzt der Schnee noch schneller und die Algen können sich weiter vermehren.
Quellen und weitere Informationen:
SAC: Roter Schnee
Welt: Darum ist der Schnee in den französischen Alpen immer häufiger rot
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