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Genf setzt ein Zeichen gegen Diskriminierung
Rosen für Bartholomé Tecia: Am 17. Mai fand in Genf eine kleine Zeremonie statt.
Es geschah vor 453 Jahren: In Genf wurde Bartholomé Tecia wegen seiner Homosexualität zum Tod durch Ertränken verurteilt. An der Stelle, wo Tecia ertränkt wurde, fand am 17. Mai eine viel beachtete kleine Gedenkveranstaltung statt.
Am 10. Juni 1566 wurde das Todesurteil über den 15-jährigen Student Bartholomé Tecia in Genf vollstreckt. Sein Verbrechen: Er war ein Sodomit. Als «Sodomie» bezeichnete man im Mittelalter und in der frühen Neuzeit alle Sexualpraktiken, die nicht der Fortpflanzung dienten und somit «widernatürlich» waren. Bartholomé Tecia wurde in der Rhone ertränkt.
Auf Initiative von Network Genf wurde 2013 am Place Bel-Air eine Gedenktafel eingeweiht: Sie soll an Bartholomé Tecia erinnern und an alle Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität Opfer von Diskriminierung wurden und werden. Am Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie (IDAHOT), am Freitag, 17. Mai, fand an der Stelle, an der Bartholomé Tecia ertränkt wurde, eine kleine Zeremonie statt: Redner waren nebst den beiden Networkern Etienne Francey – er erwähnte die Homophobie in der Arbeitswelt und das Swiss LGBTI-Label – und Jaime Coghi Arias, der die Geschichte der Tecia-Gedenktafel in Erinnerung rief – zum Beispiel auch André du Plessis, Executive Director von ILGA World. In seiner Rede sprach er im Namen der rund 1500 weltweiten LGBTIQ-Organisationen, die bei ILGA angeschlossen sind. Er erwähnte, wo es in Bezug auf Diskriminierung von LGBTIQ-Personen auf der Welt schlecht steht, zeigte aber auch die Fortschritte auf: Wie zum Beispiel, wo überall gleichgeschlechtlicher Sex seit kurzem nicht mehr strafbar ist oder dass in Taiwan eben die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt wurde.
Network und Vertreter der Stadt Genf hielten eine Ansprache.
Auch Vertreter aus der Politik liessen es sich nicht nehmen, an der Zeremonie teilzunehmen und unterstrichen die Wichtigkeit dieses Tages. So sprachen sowohl die Genfer Regierungsrätin Nathalie Fontanet als auch Genfs Stadtpräsident Sami Kanaan. In seiner Ansprache betonte er, dass die Antirassismusstrafnorm unbedingt auch auf Homo- und Transphobie ausgeweitet werde müsse. Er freue sich, dass auf dem Pont du Mont Blanc und dem Palais Eynard an diesem Tag die Regenbogenfahne wehen und der weltberühmte Jet d’eau ebenfalls in den Regenborgenfarben erstrahlen würde.
Am Schluss dieser kurzen aber eindrucksvollen Zeremonie streuten alle Anwesenden an der Stelle, an der Bartholomé Tecia ertränkt wurde, Rosen in die Rhone.
Text: Michel BossartZurück