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40 an der Zahl sind sie, die Mitglieder der altehrwürdigen Académie française. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1635. Seither wachen ihre Mitglieder – auch «les immortels», «die Unsterblichen», genannt – über die französische Sprache.
Eine revolutionäre Wahl
Trotz langer Geschichte: Die Académie bewies immer wieder, dass sie progressiv sein kann. Als sie beispielsweise Wörter wie «le kitsch», «le plexiglas» oder «le knödel» ins Französische übernahm.
Eine richtige Revolution, wenn auch eine späte, war aber die Wahl von Marguerite Yourcenar in die Académie française 1980. Gut ein Jahr später, am 22. Januar 1981, wurde sie als erste Frau in die Reihen der «Unsterblichen» aufgenommen.
Der Vorschlag, Marguerite Yourcenar in die Académie aufzunehmen, kam vom Autor Jacques D’Ormesson. Das aus einem ganz einfachen Grund: «Marguerite Yourcenar ist eine der grössten lebenden Autorinnen. Es ist eine Ehre für sie, in die Académie aufgenommen zu werden. Und für die Académie ist es eine Ehre, sie als Mitglied zu haben.»
Yourcenar machte lieber Urlaub
Die Wahl 1980 fiel knapp aus. Mit nur einer Stimme mehr, als für das absolute Mehr nötig war, wurde Yourcenar gewählt.
Die Autorin selbst zeigte sich wenig beeindruckt. Sie verfolgte die Wahl nicht etwa direkt in Paris, sondern genoss schlicht und einfach die frische Luft auf hoher See – und machte Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff.
Samt inmitten von grünem Ornat
Eine neue Ära brach mit ihrer Wahl an. Das zeigte sich dann auch bei der offiziellen Zeremonie am 22. Januar 1981. Marguerite Yourcenar zog in einem schwarzen Samtkleid und mit einem weissen Schleier in die Académie ein. Das Kleid war extra für sie entworfen worden – von Yves Saint Laurent.
Damit stach sie aus der Masse heraus. Ihre männlichen Kollegen trugen alle «l’habit vert» – das grüne Ornat: ein Frack, bestickt mit Ölzweigen aus Seide. Dazu gehört auch ein Degen. An dessen Stelle trug Marguerite Yourcenar einen Dolch am Gürtel – «zur Abtötung des Egos», wie sie scherzhaft sagte.
Messieurs? Madame et messieurs!
Dann war es soweit. Zum ersten Mal fiel in den alten Gemäuern ein ganz spezielles Wort, wie Jean d’Ormesson in seiner Würdigung sagte:
«Ein Wort wird hier endlich ausgesprochen: Madame! Es ist eine grosse Freude für mich, Madame Yourcenar in diesem illustren Haus willkommen zu heissen. Sie sind nicht hier, weil Sie eine Frau sind, sondern weil sie eine grosse Schriftstellerin sind. Es reicht nämlich nicht, nur eine Frau zu sein. Aber eine Frau zu sein, reicht auch nicht mehr aus, um kein Mitglied zu werden.»
Keine Frauenfeindlichkeit
Und was sagte sie dazu? Sie, die als Erneuerin des französischen historischen Romans gilt, und unter anderem mit den «Mémoires d' Hadrien» bekannt wurde, den imaginären Memoiren des römischen Kaisers.
Man könne der Académie nicht vorwerfen, dass sie besonders frauenfeindlich sei: «Es entspricht dem Brauchtum, Frauen in der Académie française eher als Statue auf einen Sockel zu stellen, als sie in einem der 40 Stühle Platz nehmen zu lassen.»
Endlich gab es zwei Toiletten
Es war eine Revolution, dass erstmals eine Frau unter den Unsterblichen der Académie war. Es werde sich aber wenig verändern, meinte damals Jean d’Ormesson. Die einzige Neuerung: «Es gibt neu zwei Toiletten: Männer und Marguerite Yourcenar.»
Doch Yourcenar blieb nicht die einzige Frau unter den Unsterblichen. Bisher sind sieben weitere Frauen in die Académie française gewählt worden.