Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03094.jsonl.gz/1541

Russlandfeldzug 1812
Napoleons Russlandfeldzug von 1812 (im Französischen Campagne de Russie, im Russi- schen auch Vaterländischer Krieg – stellt die erste Phase des Sechsten Koalitionskriegs dar, in dem sich Frankreich und Russland mit ihren jeweiligen Verbündeten gegenüberstanden.
Der Feldzug endete nach anfänglichen franzö-sischen Erfolgen in einer der grössten militä-rischen Katastrophen der Geschichte. Nach der vollständigen Vertreibung der Grande Armée von russischem Territorium mündete der Feld- zug Anfang 1813 in die zweite Kriegsphase: In den Befreiungskriegen wechselten zunächst Preußen und Österreich, später auch die von Frankreich dominierten deutschen Rheinbund-staaten auf die russische Seite und trugen zur Niederlage und Abdankung Napoleons im Jahr 1814 bei.
Beresina
Der Russland-Feldzug von 1812 endete mit dem Debakel von Beresina. In dieser Schlacht spielten die Schweizer eine wichtige Rolle. Das Ereignis jährt sich zum 200. Mal und hat zur Identitäts-Findung der Schweiz beigetragen. Das Thema bleibt umstritten.
Eigentlich hätte es ein leichter, dreiwöchiger Feldzug werden sollen: Im Juni 1812 führte Napoleon seine "Grande Armée" von mehr als einer halben Million Männern nach Russland. Aber Ende Jahr traten weniger als 5 Prozent des einst gewaltigen Heeres den Rückweg an.
Von den rund 9000 Schweizern, die aufgrund eines Vertrags zwischen der Schweiz und Frankreich am Feldzug teilnahmen, kehrten nur 400 heim, welche über die Ereignisse berichten konnten.
Es war ein Feldzug mit wenigen offenen Schlachten; viele Soldaten starben an Kälte, Hunger und Krankheit und bei russischen
Guerilla-Attacken.
Aber die dreitägige Schlacht an der Beresina im heutigen Weiss-russland, bei welcher 1300 Schweizer Soldaten mithal- fen, die Russen zurückzuhalten, bis die zurückweichende französische Armee den Fluss überqueren konnte, hat sich ins kollektive Bewusstsein der Schweiz eingebrannt. Nur 300 Soldaten überlebten.
Napoleon und die Schweiz
Französische Truppen besetzten 1798 die Schweiz. Unterstützung fanden sie bei einigen Radikalen in der Schweiz, die sich der alten Herrschaft entledigen wollten.
Aber Versuche, das Land zu restrukturieren, führten zu Konflikten zwischen den Föderalisten und den Zen- tralisten.
1803 erliess Napoleon eine Mediationsakte, welche die Kantonsordnung wieder herstellte und den früheren Ländereien Kantonsstatus verlieh.
Unter dem neuen System waren die Eidgenossen gezwungen, Frankreich Truppen zur Verfügung zu stellen.
Das war sehr unpopulär. Die Zahl der zur Verfügung gestellten Soldaten wurde kontinuierlich von 18'000 auf 12'000 reduziert.
Zwischen 1805 und 1815 dienten insgesamt rund 30'000 Mann – aus einer Bevölkerung von damals 1,5 Millionen - in der französischen Armee.
Normalerweise hatten sie Verträge über vier Jahre, die oft verlängert wurden – nicht zuletzt, weil die Soldaten meistens weit weg von zuhause waren, als diese ausliefen.
Quelle: swissinfo