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Heute denken wir mit Lichtern an alle von Wölfen leidvoll getöteten Haustiere in Europa. Aber wieviele Opfer sind es ? Wie immer, wenn es um die negativen Aspekte der Grossraubtiere geht, wird eine grosse Geheimniskrämerei gemacht. Erst nach längerem Recherchieren sind wir auf zwei EU-Dokumente gestossen, die wenigstens teilweise Antworten geben [1, 2]. Anhand dieser und weiterer Quellen berichten wir im folgenden darüber, wo wieviele Wölfe leben, und wieviele Haustiere den Raubtieren zum Opfer fallen.
Wieviele Wölfe leben auf dem europäischen Festland ?
2016 lebten gemäss der älteren Studie mehr als 17‚000 Wölfe, 9’000 Luchse, 16’000 Bären (!) und 1’200 Viefrasse in Europa – den europäischen Teil Russlands, sowie Weissrusslands nicht eingeschlossen [1].
Im Jahr 2020 waren es mindestens 22’000 Wölfe, siehe Abbildung 1. Die Wolfspopulation wuchs gemäss dieser Zahlen innerhalb von 2 Jahren um den Faktor 1.14. D.h., heute, im Jahr 2022 sind es rund 25’000 Wölfe. Diese Zahl wurde letzthin übrigens auch von Kurt Kotrschal in einer Diskussion im österreichischen ServusTV genannt.
Die Population im europäischen Teil der ehemaligen UdSSR nicht miteingerechnet.
Folgende Abbildung zeigt die Situation in den einzelnen Ländern für das Jahr 2020.
Abbildung 1: Anzahl Wölfe (blau) und Anzahl Risse (rot) in Europa im Jahr 2020 gemäss [2] und weiterer Quellen.
Wieviele Haustieropfer sind zu beklagen?
In den 13 europäischen Staaten, die Risszahlen publizieren, wurden 2020 offiziell 42’500 Risse erfasst. Diese Zahlen werden in der Regel viel zu tief angegeben. U.a., weil die DNA-Analysen des öfteren falsche Resultate liefern, die Opfer von anderen Tieren fertiggefressen wurden, die Todesursache nicht mehr eruierbar ist, Tiere vermisst, oder Risse gar nicht mehr gemeldet bzw. erfasst werden. Daher wird bei den Opferzahlen jedes Jahr massivst untertrieben.
Etliche EU-Staaten dokumentieren die Risszahlen überhaupt nicht, so u.a. Bulgarien, Italien, Griechenland oder Polen (siehe Abbildung 1). Gleichzeitig leben in diesen Ländern sehr viele Wölfe und Schafe [1, 2]. Das deutet auf hohe Risszahlen hin, wie u.a. die Daten aus Frankreich oder Spanien zeigen. Aufgrund dieser mangelhaften Datenlage schätzen wir die tatsächlichen europaweiten Risszahlen wie folgt ab:
1. Für jedes Land, das beide Zahlen (die Anzahl Wölfe und Haustierrisse) nannte, haben wir die durchschnittliche Anzahl Risse pro Wolf für das Jahr 2020 ermittelt. Dieser Wert lag in den EU-Staaten aus [2] zwischen 0.08 (Litauen) und 19 (Frankreich). In Norwegen waren es 31.6 Risse / Wolf, und in der Schweiz 7.7 Risse / Wolf.
2. Wir erachten Werte, die unter 7 liegen als unglaubwürdig. Dies, weil in Frankreich trotz maximalem Herdenschutzaufwand jeder Wolf im Schnitt 19 Haustiere tötete, und in der Schweiz, wo ebenfalls grosse Herdenschutzanstrengungen unternommen werden, lag der Wert bei 7.7.
3. Unter der äusserst konservativen Annahme, der Wert in Europa betrage durchschnittlich 7 Haustierrisse pro Wolf, ergibt die Schätzung für alle Länder zusammen 22’000 *7= 154’000 Rissopfer im Jahr 2020, und unglaubliche 175′000 getötete Haustiere im Jahr 2022.
Bei dieser horrenden Anzahl toter Haustiere muss einem bewusst sein, wieviele Tierhalter und ihre Familien von dieser Katastrophe betroffen sind, und traumatisiert werden. Und welch gigantisches Ausmass die Tierquälerei angenommen hat.
Wir fordern die Verantwortlichen auf, dieses sinnlose Elend, und das unsägliche Unrecht, das an Mensch und Haustier begangen wird, sofort zu beenden.
Exkurs: Wieviele Wölfe sind in Europa aus Artenschutzgründen gerechtfertigt?
Gemäss IUCN würden 1000 Tiere auf dem europäischen Festland völlig genügen, um den Fortbestand der Art bzw. ihres Genpools hier zu gewährleisten [3, Abschnitt „Population genetics criteria“]. Wir können diese hohe Zahl nicht nachvollziehen, und haben auch keine einzige wissenschaftliche Studie gefunden, welche sie stützt (siehe auch Bemerkung 1 unten). Die Wolfsbefürworter bleiben hier einmal mehr den wissenschaftlichen Beleg zu ihren Behauptungen schuldig. Aber lassen wir das einmal so stehen.
Die überzähligen rund 24’000 Wölfe können somit problemlos entnommen werden (siehe Bemerkung 2), ohne die Art auch nur ansatzweise zu gefährden. Nur so lassen sich die absolut inakzeptabel hohen Risszahlen senken. Die in Europa geduldeten 1000 Grauwölfe müssen in Gebieten leben, wo möglichst keine oder nur sporadisch Haustiere vorkommen – also in einer Wildnis. Das restliche europäische Festland muss – wie zuvor – wieder wolfsfrei werden und bleiben, die Population ist künftig konstant bei 1000 zu halten.
Alle, die mit dieser Lösung nicht einverstanden sind, und mehr Wölfe bzw. den Status Quo fordern, demonstrieren mit ihrer Haltung, dass es ihnen nicht um den Artenschutz, sondern um eine Kontroverse und Machtdemonstration geht, um eine sinn- und zwecklose Wolfszucht auf Kosten der Weidetiere und ihrer Halter.
Referenzen
[1] Linnell, J., Cretois, B., (2018), The revival of wolves and other large predators and its impact on farmers and their livelihood in rural regions of Europe, European Parliament, Policy Department for Structural and Cohesion Policies, Brussels.
Bemerkungen
- Pro Specie Rara hat beispielsweise die vom Aussterben bedrohte Art der Stiefelgeiss mit Hilfe von 31 Exemplaren wieder auf eine stabile Bestandesgrösse gebracht.
- All die Wolfsfreunde die jetzt lautstark reklamieren, sollten daran denken: alleine 2022 haben 7 mal mehr Haustiere einen äusserst qualvollen Tod erlitten. Die 24’000 Wölfe werden nicht gequält, sondern abgeschossen, das ist ein tierschutzkonformer Tod! Leider wird es wohl Jahrzehnte dauern, bis all diese unnötig vielen Raubtiere entnommen sind.