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design process; parfum; boundary objects; epistemic objects; organizational knowledge and knowing; visual representation; artistic research; practice
Endrissat Nada, Noppeney Claus (2013), Materializing the immaterial: relational movements in a perfume’s becoming, in Nicolini Davide, Langley Ann, Tsoukas Hari, Carlile Paul (ed.), OUP, Oxford, 58-91.
Noppeney Claus (2012), Customers Who Bought This Item Also Bought... – Associations Across the Senses, in Sebastian Fischenich & Tobias Müksch (ed.), 76-79.
Krohn Tim (2012), Und was erzählt ihr Parfüm? – Acht Geschichten von Tim Krohn, in Sebastian Fischenich & Tobias Müksch (ed.), 56-65.
Im vorliegenden Projekt soll anhand des Entstehungsprozesses eines Parfums untersucht werden, welcheepistemische Qualitäten die am Designprozess beteiligten Objekte aufweisen. Hierzu wird die Neuentwicklungzweier Parfums beobachtet, durch ein interdisziplinäres Team analysiert und ausgewertet.Die Forschungsthese ist: Eine Analyse der am Prozess beteiligten Objekte als boundary objects, epistemicobjects und technical objects (Ewenstein und Whyte 2009) lässt sich auch an Düften vornehmen.Damit wird erstmals die epistemische Funktion von Düften im Designprozess beforscht.AusgangslageDerzeit verändern aussergewöhnliche Düfte den Markt hochwertiger Parfums: Zunehmend stehen Bilderoder narrative Medien, poetische Texte oder Farben am Anfang der Duftentwicklung. Die Düfte der MarkeHumiecki & Graef beispielsweise gehen zurück auf Affekte wie beispielsweise „Wut“ oder „Euphorie“ undentstehen in einem kollaborativen Entwicklungsprozess: Das von einem Creative Director entwickelteDuftkonzept - vier bis sechs emotionsgeladene/Emotionen vermittelnde Bilder (Fotografien, Collagen etc.)- wird von den Parfumeuren in einem mehrstufigen Prozess in einen Duft umgesetzt, welcher wiederumverbal mit den Auftraggebern verhandelt und in einem letzten Schritt durch (neue) Bilder gebrandet wird.Ende 2010 werden zwei weitere Düfte in diesem Verfahren entstehen. Bei der Parfumentwicklung handeltes sich insgesamt um eine Praxis, die bislang kaum theoriebildend beforscht wurde. Die Analyse derParfumentwicklung ist zudem sowohl technisch als auch verbal schwer zugänglich, da der Duft selbsteinfacher Molekülkombinationen nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann.Designprozesse und ObjektpraxisDie der Parfumentwicklung zugrunde liegenden bildhaften Objekte sind derzeit noch nicht erforscht. ErsteAnsätze der neueren Design- und Organisationsforschung zum Architekturprozess (Ewenstein und Whyte2009) liefern jedoch Anhaltspunkte dazu, wie eine solche Objektpraxis in Designprozessen analysiertwerden kann. Das hier skizzierte Projekt versucht somit einen doppelten Schritt: Erstmals wird der Designprozessin der Entwicklung von affektbasierten Düften explorativ untersucht. Gleichzeitig soll die Objektpraxis,d.h. die Rolle und Bedeutung der emotionalen Bilder für die Entwicklung eines affektbasiertenParfums beobachtet werden. Ziel der Praxispartner ist es, einen im Tagesgeschäft entstandenen speziellenProzess der Parfumentwicklung wissenschaftlich und künstlerisch zu analysieren und auf einer Reflexionsebeneweitere Entwicklungsmöglichkeiten zu identifizieren.Interdisziplinäres VorgehenDas Projekt gliedert sich in drei Arbeitsschritte:1. In einem ersten Schritt wird während des Entwicklungsprozesses qualitatives Datenmaterial zumProzess und den beteiligten Objekten generiert. Das methodische Vorgehen dabei ist qualitativrekonstruierend.2. In einem zweiten Schritt werden die Daten systematisch von einer interdisziplinär zusammengesetztenForschergruppe aus Organisationsforschung (WGS), Designforschung und Kunst (HKB)analysiert: Zwei praktische Experten aus den künstlerischen Disziplinen Musik und Literatur bringendabei ihre Erfahrungen in gestalterischen Prozessen auf der Grundlage von Bildern ein.3. Die Analyseergebnisse werden in einem dritten Schritt mit den Praxispartnern ausgewertet undvalidiert.In einem Folgeprojekt sollen weitere mit Düften verbundene Wissensprozesse (z. B. Vertrieb, Produktion)unter dem Gesichtspunkte ihrer Objektpraxis untersucht werden.