Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03229.jsonl.gz/1454

Robert Redford hat sich seine eigenen Projekte gerne mit lukrativen Auftritten in nicht immer gelungen Filmen finanziert, das ist durchaus legitim. THE LAST CASTLE (2001), eine DreamWorks Produktion unter der Regie von Rod Lurie, zählt da zweifellos dazu. Zwar mag der Film dann und wann auf darstellerischer Ebene überzeugen – nebst Redford spielen ein fies agierender James Gandolfini und «Hulk» Mark Ruffalo – doch eine gewisse patriotische und vorhersehbare Note, gekoppelt mit einer lauen, manipulativen Story, kann man dem Streifen nicht abschreiben. Die Geschehnisse von 9/11 reichten in die Produktionszeit von THE LAST CASTLE hinein und die Macher sahen sich gezwungen, Änderungen, vor allem im Finale des Films und im Marketing vorzunehmen. Das ursprüngliche Filmposter, das eine umgekehrt aufgehängte Flagge zeigt (ein Notsignal), wurde vom Studio zurückgezogen. Die Angst der Produzenten, damit dem geschockten US-Bürger zu nahe zu treten und ein möglicher Misserfolg in den Kinos war zu gross. Dem Film half es dennoch nicht: Das Budget von satten 75 Mio. $ konnte THE LAST CASTLE auch weltweit nicht einspielen.
Redford spielt einen hochdekorierten General, der wegen Befehlsverweigerung in das von Colonel Winter (Gandolfini) geführte, berüchtigte Militärgefängnis überführt wird. General Irwin hinterfragt die Machenschaften Winters im Umgang mit den Gefangenen. Unter anderem müssen diese als Strafmassnahme 25-Pfund-Steine schleppen, um eine Mauer zu errichten. Irwin führt schlussendlich eine Revolte gegen den Gefängnisleiter an.
Jerry Goldsmith bekam es in seiner langen Karriere immer wieder mit militärischen Themen und «höheren Rängen» zu tun, allen voran natürlich in Filmen wie PATTON (1970), TORA! TORA! TORA! (1970) und MACARTHUR (1977) aber auch IN HARM’S WAY (1965), VON RYAN’S EXPRESS (1965) oder der RAMBO-Serie. Es schien also nur logisch, dass Goldsmith auch die Geschichte General Irwins musikalisch begleiten sollte, jedenfalls war er der Wunschkomponist von Regisseur Lurie.
Der Score beginnt in «The Castle» mit Synthesizerklängen, ehe das für eine Trompete geschriebene Hauptthema, gespielt von Malcolm McNab, einsetzt. Es versprüht einen durchaus patriotischen, noblen und gleichzeitig Einsamkeit suggerierenden (Einzelgänger-)Touch, ganz ähnlich wie von Goldsmith in RAMBO III angewendet – und in diversen anderen Scores, in denen er gerne die Solotrompete verwendete und Helden begleitete. Auch «Irwin Arrives» beginnt mit Synthesizer ehe das Hauptthema von Hörnern und Trompeten intoniert und schliesslich von den Streichern übernommen wird, darunter setzt Goldsmith einen Bass aus dem Synthie.
Das Thema ist omnipräsent, mal mehr, mal weniger variiert («The Cell Block») oder in eine andere musikalische Umgebung gesetzt wie in «Rain». Die erste Hälfte von «The Rock Pile» ist als Fanfaren-Variation konzipiert und baut sich auf bis zum Gesamtstatement des Orchesters. Noch einen Schluck patriotischer fühlt sich «My Mission» an. In ein Actiongefilde führt Goldsmith sein Thema in «Let’s Go Ladies» mit einem vorantreibenden Synthie-Rhythmus und Herunterbrechen des Motivs in kurze, einzelne Teile und Weiterführung daraus resultierend. In «Full Alert» verwendet Goldsmith dieses Material in erhabenem Actionmodus, ebenso wie in den letzten Tracks «The Count Down/Hold Them», «Taking Command» und vor allem «Battle for the Castle», die ins dramatische und actiongespickte Finale münden, wenn General Irwin und seine Männer das Kommando zu übernehmen versuchen. Wir wissen es, Goldsmith und Action, das funktioniert meistens besonders gut. Hier ist es nicht schlecht, aber im besten Fall als «routiniert» zu bezeichnen.
«The Flag» war schwieriger zu scoren, insgesamt schrieb Goldsmith davon drei Versionen, auch hier wollten die Macher die patriotische Dosis treffen und dem Zuschauer nach 9/11 nicht zu viel des Guten zumuten. THE LAST CASTLE schliesst mit «September 11, 2001 – Theme from The Last Castle», das Goldsmith für ein Hollywood-Konzert nach den Geschehnissen von 9/11 zur Verfügung stellte.
Nun ich gebe zu, bereits mit dem Originalalbum von 2001 hatte ich ein wenig Mühe. Der Unterschied zur neu aufgelegten, vollständigen 55 Minuten Version liegt vor allen Dingen darin mehr Variantenreichtum des Hauptthemas und mehr Tracks aus der ruhigeren, ersten Hälfte des Films präsentieren zu können. Allerdings muss man hier schon konzentriert lauschen, um die manchmal recht feine Diversität wirklich mitzubekommen. Einfach so nebenbei gehört, ergibt sich rasch der Eindruck eines eher monotonen, simpel gestrickten Scores.
CD 1 schliesst mit 20 Minuten Material aus Alternates bestehend. CD 2 präsentiert einerseits mehrere klassische Source music Stücke, die in Colonel Winters Büro zu hören sind und das alte 2001er Decca Album mit 43 Minuten Laufzeit (inklusive des fast 6minütigen Songs «Get Behind the Mule» aus dem John Hammond Album «Wicked Grin»). Somit ergibt sich für die neue CD ein Plus von rund 18 Minuten Filmscore. Intrada hat dieses Doppelalbum mit einem 24 Seiten Booklet mit guten Liner Notes von Jeff Bond und Douglass Fake ausgestattet.
Phil, 26.11.2020
THE LAST CASTLE
Jerry Goldsmith
Intrada Special Collection
CD 1: 74:35 Min. / 26 Tracks
CD 2: 64:41 Min. / 20 Tracks