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Vollelektrische Polizeiautos, ein brandneuer Grossraumrettungswagen, leistungsstarke Feuerwehrfahrzeuge: Basel besitzt unzählige Blaulichtvehikel. Doch bis vor rund 100 Jahren sorgten fremde Pferde für Mobilität – auch bei Polizei, Feuerwehr und Sanität.
Julius Settelen, Gründer der bis heute an der Türkheimerstrasse 17 in Basel domizilierten Firma Settelen, beförderte ab 1883 und bis zum Start der Basler Strassenbahn anno 1895 mit von Pferden gezogenen Tramomnibussen rund
10 Millionen Menschen durch die Strassen der Rheinmetropole. Doch am 14. Juni 1891, einem wunderbaren Frühsommersonntag, warteten viele Menschen vergebens auf ihr «Rösslitram». Der Grund war ein fürchterliches Bahnunglück in Münchenstein.
Rösslitrams als Rettungswagen
Dort war die 1874/75 von Gustave Eiffel errichtete Eisenbrücke über die Birs unter der Last des rappelvollen Nachmittagszugs der Jura-Simplon-Bahn kollabiert – und zwei Lokomotiven, Personen-, Post- und Gepäckwagen stürzten in den Fluss, wobei 171 Reisende verletzt und 72 getötet wurden. Julius Settelen erreichte als einer der Ersten den Unfallort – und stellte sogleich seinen Fuhrpark in den Rettungsdienst, um Verletzte ins Bürgerspital zu bringen.
Inwieweit dieses beherzte Handeln dazu beitrug, dass Settelens Firma in der Gunst der Stadt Basel zum Höhenflug ansetzte, ist nicht überliefert. Gesichert ist indes: Settelen war von 1882 bis in die 1920er-Jahre hinein ein wichtiger Mobilitätspartner – sowohl der Stadt Basel als auch von deren Einsatz- und Rettungsorganisationen.
Ein Leichenwagen für die Stadt Basel
Während sich lange Zeit nur Betuchte die Miete eines von Pferden gezogenen Leichenwagens leisten konnten, wurde dieses Vorgehen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts fast zum Standard. Ab 1868 erwarb die Basler Regierung selbst mehrere Pferdeleichenwagen – und schloss für deren Wartung und Unterhalt Verträge mit Fuhrhaltern ab, auch mit Julius Settelen. Der «Vertrag betreffend das Leichenfuhrwesen im Kanton Basel-Stadt zwischen den Herren Gebrüder Settelen und dem Sanitäts-Departement Basel-Stadt» von 1894 hielt fest, dass Settelen «einen oder zwei dem Staat gehörende Leichenwagen aufzubewahren und dazu wie zu ihren eigenen Fuhrwerken Sorge zu tragen und sie gehörig zu reinigen und nach Bedürfnis zu schmieren hat». Für eine Bestattung mit dem Zweispänner gab es sieben, für eine mit dem Einspänner fünf Franken – allerdings nur bis Anfang der 1920er-Jahre. Denn mit zunehmender Verbreitung des Automobils wurden die Aufträge seltener – bis sie ganz ausblieben. Dennoch stand der «städtische Leichenwagen No. 5» mit Pferdebespannung bis in den Herbst 1933 bei Settelen. Heute steht er prominent im Eingangsbereich des Friedhofsmuseums Hörnli.
Pferde für die Basler Feuerwehr
1892 erwarb Julius Settelen von der Witwe des Fuhrhalters Louis Herdener die Basler Droschkenanstalt – und übernahm damit auch deren Dienste für die 1882 gegründete Berufsfeuerwehr Basel. In einem entsprechenden Vertrag verpflichtete sich Settelen, «die zur Bespannung der in den Feuerwehrmagazinen der 1. Kompanie Schneidergasse und 3. Kompanie Petersplatz untergebrachten Löschgerätschaften nötigen Pferde im Brandfall rechtzeitig zu liefern – und zwar unter persönlicher Leitung oder unter der Leitung von zuverlässigen Knechten».
Pro Ausrücken wurden für je zwei Pferde 20 Franken vergütet. Zudem erhielt Settelen aus dem Feuerdepot einige Mäntel und Mützen für die Führer der Löschgerätschaften –
leihweise. Bis wann der Vertrag mit der Basler Feuerwehr lief, ist nicht dokumentiert. Aber als diese 1926 ihre erste Benzin-Automobilspritze anschaffte, dürften Settelens Pferde wohl kaum noch ausgerückt sein.
Die Lohnhof-Droschke für Missetäter
Von 1893 bis 1925 betrieb die Basler Droschkenanstalt Settelen im Auftrag des Polizeidepartements die Lohnhof-Droschke. Mit dieser brachte ein Settelen-Fuhrmann, stets begleitet von einem Landjäger, jährlich an die 3’000 Diebe, Einbrecher, Schwindler, Hochstapler und Raubmörder ins Gefängnis Lohnhof. Dabei gab es in 33 Betriebsjahren keinen nennenswerten Unfall. Einzig als die Droschke in der Steinenvorstadt einmal ein Hinterrad verlor, mussten der Gefangene und der Landjäger den Rest des Weges zum Lohnhof auf Schusters Rappen absolvieren.
Laut dem ersten Vertrag von 1893 erhielt Settelen für Wagen, Fuhrmann und Pferde 17 Franken pro Tag – bei einer Zusicherung von 305 Arbeitstagen im Jahr. Im letzten Dienstjahr erhielt Settelen sogar eine Halbtagesentschädigung von 35 Franken. Doch 1925 schaffte das Polizeidepartement ein «Gefangenenautomobil» an – und die Lohnhof-Droschke verschwand aus dem Basler Stadtbild.
Basels erster Krankenwagen
Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts kamen in Basel dann auch für Krankentransporte Pferdefuhrwerke zum Einsatz. Laut dem Verwaltungsbericht des Sanitätsdepartements gab es 1911 drei «mit allem Komfort ausgestattete und mit Pferden bespannbare Krankenwagen» in der Stadt, wovon einer bei der Fuhrhalterei Settelen an der Türkheimerstrasse stationiert war.
Dort parkierte ab 1916 zusätzlich auch ein komfortabler, dunkelgrüner, 1911 vom Genfer Unternehmen Piccard-Pictet & Cie aufgebauter Krankenwagen. Zwei Jahre zuvor hatte zudem das Bürgerspital bereits den Betrieb eines elektrischen Krankenautomobils aufgenommen. Dennoch blieben Pferdekrankenwagen weiterhin im Einsatz – bis der Regierungsrat 1922 die Übernahme des Krankentransportdienstes durch das Sanitätsdepartement beschloss. Daraufhin stellte Settelen die Sanitätsfahrten ein und verkaufte auch den Pic-Pic-Krankenwagen.
Taxi- statt Blaulichtfahrten
Getrieben vom um 1900 beginnenden Siegeszugs des Automobils sattelte auch Settelen um – von der Pferde- auf die Motordroschke. Am 1. August 1908 wurde Basels Motordroschke Nr. 1, ein Settelen-Taxi von Renault, dem Verkehr übergeben. Mit ihr begann eine neue Ära in der Firmenhistorie. Mehr dazu finden Interessierte auf www.settelen.ch
unter Settelen Stories.