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In Politik und Wirtschaft gibt es zwei Begriffe, um die sich (fast) alles dreht: Die Menge und ihre Verteilung. Darum geht es auch beim Streit um den Fluglärm rund um Zürich-Kloten. Die Schweizer Verkehrsministerin Doris Leuthard will die Menge der Flüge nicht begrenzen. Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer wünscht sich möglichst wenig Fluglärm über seinem Land.
Dem trägt der neue Staatsvertrag, den die beiden aushandelten, jetzt Rechnung: Die Zahl der Flüge bleibt nach oben offen wie die Richterskala. Aber der Teil, der in den besonders störenden Randzeiten lärmt, wird über Deutschland kleiner, über der Schweiz grösser.
Damit bleibt nur noch die Frage, wie man die grössere Menge an Flugzeugen, die über die Schweiz an- und abfliegen, künftig verteilen soll. Bei einer Volksabstimmung wäre das Resultat absehbar: Die Mehrheit der Stimmberechtigten, die im Süden des Flughafens wohnt, würde alle An- und Abflüge in die ländlicheren Gebiete im Norden, Westen und Osten verbannen, die schon heute mehr Starts und Landungen ertragen.
Doch das widerspricht dem Verursacherprinzip. Denn nach diesem Prinzip müssten die meisten Flieger dort lärmen, wo es am meisten Flugpassagiere gibt. Das ist erstens über dicht besiedelten Gebieten. Denn wo mehr Menschen wohnen und arbeiten, gibt es tendenziell auch mehr Fluggäste. Besonders zu berücksichtigen sind zweitens steuerstarke Gemeinden oder vornehme Stadtquartiere, weil Reiche mehr fliegen als Arme.
Aus dem ethisch und ökonomisch anerkannten Verursacherprinzip ergibt sich die folgende Anflugroute: Sie beginnt im Schwyzer Steuerparadies Wollerau, führt über die Zürcher Goldküste sowie die dicht besiedelte Stadt Zürich und endet im Tiefflug über Opfikon-Glattbrugg, wo sich viele globale Holdings mit vielfliegenden Managern angesiedelt haben. Die Abflüge erfolgen auf der gleichen Route in umgekehrter Richtung. Die Warteschlaufe wird über dem Zürichberg eingerichtet, wo sich die Villen ballen und der einstige Verkehrsminister Moritz Leuenberger residiert.
Diese ultimative An- und Abflugroute sorgt sowohl für eine verursachergerechte Verteilung des Lärms als auch für eine nachhaltige Eindämmung des energieintensiven Luftverkehrs. Eine bessere gibt es nicht.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine