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Rotes Trikot, rote Hosen, rote Stulpen, so empfängt Liverpool jeweils seine Gäste. Das war jedoch nicht immer so. Das erste Dress - der Verein wurde 1892 gegründet - war blau-weiss mit dunkelblauen Shorts und Socken. Nach vier Jahren wurde oben zu Rot gewechselt, der Rest des Tenues war mehrheitlich weiss.
Am 24. November 1964, einen Tag bevor die Liverpooler zum Achtelfinal-Hinspiel im Europacup der Landesmeister gegen Anderlecht antraten, ging der damalige Trainer Bill Shankly in die Garderobe und warf Captain Ronnie Yeats rote Shorts zu: «Zieh diese an und lass uns sehen, wie du aussiehst», sagte er. Shankly war beeindruckt, fand, dass Yeats aussehe, wie wenn er 7 Fuss (2,13 m) gross wäre.
Der Wechsel zu ganz Rot war beschlossene Sache und wurde dadurch gefestigt, dass Liverpool am folgenden Tag den belgischen Gegner mit 3:0 vom Platz fegte. Shankly sprach danach von «einer Nacht der Meilensteine. Gott, die Spieler sahen aus wie Riesen, und wir spielten wie Riesen.»
Rot für Gefahr, Rot für Macht
Wieso aber kam er auf die Idee, ganz in Rot zu spielen? Shankly erhoffte sich psychologische Auswirkungen - Rot für Gefahr, Rot für Macht. Und daran soll etwas dran sein. Jedenfalls schnitten in einer britischen Studie, die Resultate in England seit dem zweiten Weltkrieg untersucht hat, die Teams mit rotgekleideten Spielern am besten ab. Die Forscher erklären dies damit, dass Spieler in einem roten Shirt auf ihre Gegner einschüchternd wirken. Da man rot anlaufe, wenn man wütend sei, werde die Farbe unbewusst mit Aggression in Verbindung gebracht.
Vorteil hin oder her: Jedenfalls gewann Liverpool gut ein halbes Jahr nach der «Rot-Premiere» mit einem 2:1-Finalsieg gegen Leeds United zum ersten Mal den FA Cup. Unter Shankly triumphierte der Verein 1973 auch erstmals im UEFA-Cup (heute Europa League).
Shanklys Asche im Stadion
Hatte Liverpool vor dem Wechsel zu ganz Rot erst sechs Meistertitel geholt, kamen seither zahlreiche weitere Erfolge dazu. Ende Juni wurden die Reds zum 19. Mal englischer Meister, nachdem sie in den ersten 27 Saisonspielen nur zwei Punkte abgegeben hatten. Sie triumphierten sechsmal im Europacup der Meister, respektive der Champions League - zuletzt 2019. Den UEFA-Cup gewannen sie 1976 und 2001 nochmals, den FA Cup haben sie insgesamt siebenmal für sich entschieden. Diese Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig.
Der inzwischen verstorbene Shankly trat im Juli 1974 nach 15 Jahren als Trainer von Liverpool zurück. Ihm zu Ehren errichtete der Verein vor der legendären Stehplatztribüne an der Anfield Road eine lebensgrosse Bronzestatue. Auf dieser steht: «He made the people happy» (Er machte die Menschen glücklich). Nach seinem Tod wurde die Asche auf dem Rasen des Stadions verstreut. Schliesslich war er für «einen der wichtigsten Entscheide in der Vereinsgeschichte» verantwortlich, wie auf der Liverpooler Homepage zu lesen ist - die Geburtsstunde der Reds.