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Amphibien können an zahlreichen weiteren Krankheiten leiden, welche durch Viren wie die Herpesviren, Bakterien, verschiedene Würmer (Saug-, Platt- und Fadenwürmer), Pilze, Parasiten wie z.B. Amphibiocystidium oder Parasitoide wie die Larve der Krötengoldfliege verursacht werden. Diese Erkrankungen erreichen nicht das gleiche Ausmass wie die Chytridiomykose oder Ranaviren. Sie können aber manchmal mit lokalen Populationsabnahmen in Zusammenhang stehen. Nachfolgend beschreiben wir einige Krankheiten, welche in der Schweiz beobachtet wurden.
Chytridiomykose
Die Chytridiomykose ist eine Pilzerkrankung der Amphibien und für das globale Amphibiensterben mitverantwortlich. Sie ist intensiv erforscht und wir haben umfassende Informationen auf einer separaten Seite zusammengetragen: Chytridiomykose.
Ranavirus
Mitte der 1980er Jahre wurden Ranaviren als Verursacher von Massensterben von Fischen und später von Amphibien erkannt. Ranaviren können zahlreiche Arten der Amphibien, Reptilien und Fische befallen und wurden in der Zwischenzeit auf 6 Kontinenten nachgewiesen. Die Ranaviren wurden möglicherweise mit der Einschleppung des Ochsenfrosches (Rana catesbeiana) oder durch Goldfische (Carassius auratus) für den Zoofachhandel von Nordamerika nach Europa gebracht. Eine Verschleppung durch den Menschen scheint oft vorzukommen.
Der globale Handel von ektothermen Wirbeltieren und weitere Stressfaktoren können zum Auftauchen von Ranaviren beitragen. Die Anfälligkeit gegenüber Viren beziehungsweise der Ausbruch einer Erkrankung scheint durch Stress ausgelöst zu werden.
Die Krankheitssyndrome bei Grasfröschen sind charakterisiert durch Hautgeschwüre und Blutungen in den Eingeweiden und Skelettmuskeln. Begleitende Symptome sind ein Verlust an Muskelmasse der Extremitäten, Lethargie und Abmagerung.
Der Virus befällt alle Stadien der Amphiben, d.h. Larven, Metamorphlinge und Adulte. Epidemien werden überwiegend in den Sommermonaten beobachtet. Die Übertragung der Ranaviren geschieht durch Kontakt mit infizierten Individuen oder deren Konsumation.
Die Auswirkungen eines Ranavirus-Befalls auf Amphibienpopulationen sind unterschiedlich. Das Mortalitätslevel kann hoch sein (über 90 %), aber es beschränkt sich oft auf ein kleines Areal (z.B. ein Weiher). In Spanien wurden heftige Bestandeseinbrüche beobachtet. Studien aus England zeigen, dass bei Populationen mit wiederholtem Auftreten eines Massensterbens die Populationsgrösse um rund 80 % abnahm. Wissenschaftler beobachteten, dass in Folgejahren von Massensterben kein respektive kaum Nachwuchs vorhanden war. Isolierte Populationen mit geringer Arealausdehnung und geringer genetischer Variabilität scheinen ein erhöhtes Aussterberisiko zu haben.
In der Schweiz wurden Ranaviren nachgewiesen, aber noch keine Massensterben dokumentiert.
Zurzeit sind keine praktikablen Gegenmassnahmen bekannt. Die Einhaltung von Hygienemassnahmen bei Feldaufnahmen (Stiefel, Netze und Fanggefässe desinfizieren) kann dazu beitragen, dass die Viren nicht an neue Standorte verschleppt werden.
Herpesviren
Es gibt verschiedene Herpesviren, welche bei Kröten und Fröschen auftreten. Das am besten untersuchte Herpesvirus ist Lucke’s Herpesvirus (RHV1), welches Tumoren in den Nieren induziert und letal verläuft. Die Infektion mit den Viren RHV1 oder einem weiteren Herpesvirus RHV2 weist in Abhängigkeit der Temperatur einen jahreszeitlich alternierenden Zyklus auf: in den Wintermonaten können die Viren gut nachgewiesen werden, während die pathologischen Veränderungen erst während der Aktivitätsperiode entstehen. Diese beiden Viren wurden bis anhin noch nicht in der Schweiz nachgewiesen.
In der Schweiz wurden zwei weitere Herpesviren nachgewiesen, RHV3 und BfHV1 (Bufonid herpesvirus). RHV3 führt beim Grasfrosch zu starken Hautvergrösserungen, Hautödemen, einer reduzierten Entzündungsreaktion und verschiedenen Schleimhautdegenerationen. BfHV1 führt bei der Erdkröte zu einer wuchernden Hauterkrankung mit schweren Hautläsionen und fleckiger Braunfärbung der Haut. Bei Grasfröschen sind die weiss bis schwarzen Flecken (Vesikel) auf der Haut relativ gut sichtbar, bei Erdkröten sind die Flecken etwas weniger auffällig. Der Befall innerer Organe oder Tumorbildungen wurde nicht beobachtet. Die Infektion mit Herpesvirus RHV3 scheint in der Regel nicht letal zu verlaufen, obwohl in der Schweiz auch tote infizierte Amphibien gefunden wurden.
Zurzeit sind keine praktikablen Gegenmassnahmen bekannt. Die Einhaltung von Hygienemassnahmen bei Feldaufnahmen (Stiefel, Netze und Fanggefässe desinfizieren) kann dazu beitragen, dass die Viren nicht an neue Standorte verschleppt werden.
Krötengoldfliege / Krötenfliege
Die Krötengoldfliege (Lucilia bufonivora) ist eine in Mitteleuropa lebende Art, deren Larven obligate Amphibienparasitoide sind, d.h. sie sind für ihre Entwicklung zwingend auf Amphibien angewiesen und führen schlussendlich zum Tod ihres Wirtes. Die Krötengoldfliege kommt vor allem in blütenreichen Staudenfluren an Doldenblütlern vor. Die Fliegen setzen im Sommer ihre Eier auf den Kopf von Amphibien. Die geschlüpften Larven kriechen in die Nasenlöcher und dringen in den Kopf vor, wo sie die Knochen, Muskeln und Bindegewebe des noch lebenden Tieres zerstören. Der Schnauzen- und Kopfbereich wird dadurch deformiert, sodass sie erweiterte Nasenlöcher, ein geschwollen erscheinender Kopf und Fassspuren aufweisen. Die Amphibien verenden im Laufe des Befalls.
Befallen werden vor allem Erdkröten, manchmal auch andere Kröten- oder Froscharten oder der Feuersalamander. Der Befall ist besonders hoch in den Monaten Juni bis August in warmen und trockenen Jahren. In kühlen und feuchten Sommermonaten ist der Befall geringer.
Werden die Eier oder Larven frühzeitig entfernt, können kleinere Läsionen abheilen.
Amphibiocystidium Infektionen
Bei der Amphibiocystidium-Infektion, welche auch unter Dermocystidium-Infektion bekannt ist, handelt es sich um einzellige Parasiten, die zahlreiche Amphibienarten (Frösche, Kröten, Molche, Salamander) befallen.
Eine Infektion zeigt sich häufig in knötchenartigen, von Auge erkennbaren Hautläsionen. Diese Zysten können überall auf dem Körper auftreten. Der Parasit kann auch die Leber befallen, in welcher er tumorähnliche Läsionen verursacht.
Die Auswirkungen scheinen nicht eindeutig zu sein. Je nach Quelle scheint eine Infektion mit dem Parasit den Wirt kaum zu beeinträchtigen, je nach dem kann es auch zum Tod kommen. Die befallenen Amphibien scheinen aber anfälliger gegenüber bakteriellen Sekundärinfektionen zu sein.
Zurzeit gibt es keine wirksamen Behandlungen der Amphibiocystidium-Krankheit.
Haben Sie kranke Amphibien beobachtet?
Wenn Sie Amphibien mit einem hier beschriebenen Krankheitsbild beobachtet haben, nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Benedikt Schmidt
Wenn immer möglich, bitte frisch tot aufgefundene Tiere aufbewahren. Eine Ferndiagnose ist meist nicht möglich, aber besonders interessante Fälle können vom FIWI im Auftrag von info fauna karch untersucht werden.
Wenn die Tiere nicht frisch tot aufbewahrt werden können, dann bitte in Ethanol einlegen oder einfrieren.
Prävention der Ausbreitung von Infektionskrankheiten
Hygienemassnahmen bei Feldaufnahmen helfen, dass Pathogene nicht an weitere Standorte verschleppt werden. Deshalb muss jegliches Feldarbeitsmaterial (Gummistiefel, Netze, Fanggefässe etc.) „sicher“ gemacht werden durch eine der folgenden Massnahmen:
- Material und Stiefel ganz austrocknen lassen (auch Dreck an der Schuhsohle muss völlig durchgetrocknet sein!).
- Auskochen (5 min bei 60 °C reichen bereits aus).
- Desinfizieren: z.B. unverdünntes Javel-Wasser, 70 % Alkohol oder Virkon S (Desinfektion nicht in Gewässernähe durchführen)