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Johannes Oekolampad: Ausgewählte Abendmahlsschriften
«Das Werk Oekolampads ist eine eindrucksvolle Verbindung seiner Gelehrtenarbeit mit der Arbeit eines Predigers und Kirchenorganisators», erklärt Sven Grosse, Professor für historische und systematische Theologie an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) Basel. Er verfasste die historische Einführung der Edition und war Koordinator des Buchprojekts.
1482 in Weinsberg geboren, einem Städtchen nicht weit von Heilbronn entfernt, studierte Johannes Oekolampad ab 1499 an der Universität Heidelberg. «Oekolampad ist ein typischer Vertreter des Humanismus Anfang des 16. Jahrhunderts», sagt Grosse. «Damals liebten es die Kenner der griechischen Sprache, ihren Namen – durchaus etwas fantasievoll – ins Griechische zu übersetzen.»
Ursprünglich hiess Oekolampad «Hüsschen» – es gibt verschiedene Schreibweisen. Diesen Namen las man aber als «Haus-Schein», und Oekolampad übersetzte diese beiden Worte ins Griechische: oikos, das Haus, lampas/lampados, die Lampe, die einen Schein wirft, macht zusammen: Oekolampad.
Johannes Oekolampad, 1531. Mit dem Editionsband über Oekolampad
wird sowohl der Gründer der reformierten Kantonalkirche geehrt
als auch an das 50-Jahr-Jubiläum der Leuenberger Konkordie erinnert.
Mönchskutte 1522 abgeworfen
Durch die Kontroversen um Luthers reformatorische Theologie beunruhigt, zieht sich Oekolampad 1520 ins abgelegene Kloster Altomünster zurück, um in Ruhe über diese Themen nachzudenken. «Das Ergebnis von Oekolampads innerlich ausgefochtenen Kämpfen war, dass die Kirche die grösste und heiligste res publica – öffentliche Sache – von allen sei und neu geordnet werden müsse», erklärt Sven Grosse.
Im Januar 1522 entschliesst sich Oekolampad, die Mönchskutte abzuwerfen und aus Altomünster zu fliehen. Im Herbst kommt er wieder nach Basel – und dort sollte er bleiben. An Ostern 1523 beginnt Oekolampad mit Vorlesungen an der Universität. Im selben Jahr wird Oekolampad auch Prädikant, später Leutpriester, also Gemeindepfarrer an der Martinskirche. «Die Martinskirche darf – im Gegensatz zum Münster, das lange von Rom-treuen Priestern gehalten wurde – als Hauptherd der Basler Reformation bezeichnet werden», erklärt Sven Grosse. «Oekolampad selbst machte sich als Wortführer der reformatorischen Fraktion in Klerus und Universität einen Namen. Kein Wunder, dass man ihn später den Reformator von Basel nannte.»
Erfolgreiche Reformation
In dieser Position konnte er ab 1529 die Basler Kirche und die Basler Universität im reformatorischen Sinne neu gestalten. Allerdings: Zuvor war die Stadt Basel keineswegs eindeutig auf der Seite der Reformation. Der Rat der Stadt ergriff zwar immer wieder reformationsfreundliche Massnahmen, aber er liess auch die Rom-treue Fraktion im Klerus und an der Universität gewähren. So standen sich bis Anfang 1529 zwei Fraktionen gegenüber, die miteinander rangen, bis schliesslich die reformatorische Fraktion den Sieg errang. Nach dem reformatorischen Umbruch von 1529 zogen die Rom-orientierten Professoren nach Freiburg. Oekolampad baute die theologische Fakultät neu auf, die damals nur zwei Lehrstühle hatte: einen alttestamentlichen und einen neutestamentlichen.
Wibrandis Rosenblatt
Kirchenpolitische Brisanz geschah 1528. Der Priester Oekolampad heiratet die 1504 in Säckingen geborene Wibrandis Rosenblatt. «Sie muss eine ganz bemerkenswerte Frau gewesen sein», sagt Sven Grosse. Nach Oekolampads Tod am 24. November 1531 heiratet sie den Strassburger Reformator Wolfgang Capito, der schon in jungen Jahren mit Oekolampad eng verbunden war. Nach dessen Tod 1541 folgt die Heirat mit Martin Bucer, dem Führer der Strassburger Reformation. Als dieser nach England ins Exil muss, begleitet sie ihn. Nach Bucers Tod 1551 kehrt Wibrandis Rosenblatt zuerst nach Strassburg, dann nach Basel zurück, wo sie 1564 stirbt.
Johannes Oekolampad. Ausgewählte Abendmahlsschriften, 420 Seiten. Leipzig, April 2023.
Buchvernissage mit einem Vortrag des Kirchenhistorikers Sven Grosse: Donnerstag, 11. Mai, 18 Uhr, Münstersaal, Rittergasse 1, Basel. Mit Musik aus der Zeit Oekolampads und anschliessendem Apéro. Eintritt frei.
Erstmalige Edition
Oekolampads Werk hat bereits zu dessen Lebzeiten grosse Beachtung gefunden. Allerdings hat es seit dem Ende des 16. Jahrhunderts keine Neuauflagen mehr gegeben. Nur einige Nebenwerke sind in den vergangenen Jahrzehnten modern ediert worden. «Die vorliegende Edition umfasst die wichtigsten Abendmahlstraktate Oekolampads, weil diese für den Fortgang der Theologiegeschichte von grosser Bedeutung sind», erklärt Sven Grosse.
Mit seinen Schriften über das rechte Verständnis des Abendmahls sei Johannes Oekolampad einer der Initiatoren des ersten innerreformatorischen Abendmahlsstreits gewesen. Da er die Realpräsenz von Christi Leib und Blut bestritt, nahm er eine gemeinsame Stellung mit Zwingli gegen Johannes Brenz und Martin Luther ein. Mittlerweile sind die damaligen innerprotestantischen Kontroversen zum Abendmahl aufgelöst. Formell wurde diese Spaltung aber erst vor 50 Jahren mit der Leuenberger Konkordie überwunden.