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des Geschäftsbetriebes erzielen, oder den Zweck haben, der größeren Entfaltung und der räumlichen Ausdehnung des Vereines mehr, als bisher geschehen, Rechnung zu tragen, oder sie betreffen das Arrangement der Artikel in der Zeitschrift. Ich glaube, m. H., ich kann es hierbei bewenden lassen, indem ich mir für die spätere Discussion das Wort vorbehalte, stelle aber anheim, ob Sie es für nöthig erachten, überhaupt in die Generaldiscussion einzutreten. Ehe wir die einzelnen Paragraphen selbst berathen, möchte ich den geehrten Hrn. Vorsitzenden bitten, die Versammlung zu befragen, ob sie, nachdem wir uns über die Redactionsänderungen verständigt haben, noch eine Generaldiscussion vornehmen will.“ Vorsitzender: Es ist ein Antrag von dem Hrn. Perels gestellt auf en bloc - Annahme der Statuten, wie sie vorgeschlagen
sind. Hr. Kankelwitz aus Chemnitz schließt sich diesem Antrage, jedoch mit Ausnahme des § 61, an. Da sich Hr. Perels hiermit einverstanden erklärt, wird die Debatte nur über den § 61 eröffnet. Hr. Dittmar aus Eschweiler : „ Gestatten Sie, m. H., daß ich den § 61 Ihnen vorlese, wie er ursprünglich in den Statuten gestanden hat, und wie er anderentheils in dem neuen Entwurfe gefaßt ist. In dem § 61 der alten Statuten heißt es: „ Die Beiträge zur Zeitschrift werden honorirt nach Grundsätzen, welche von der Hauptversammlung jährlich festgestellt werden. In der neuen Fassung heißt es ebenso, nur mit Einschaltung des einzigen Wörtchen „nicht“ (Heiterkeit); also: „ Die Beiträge zur Zeitschrift werden nicht honorirt“, und dann ist noch ein Zusatz gemacht worden: „ nur für die Herstellung von Zeichnungen in solchem Maßstabe, in welchem sie zu den Tafeln der Zeitschrift verwendet werden können, wird betreffender Liquidation gemäß Ersatz geleistet.“ Ich wende mich da an den Hrn. Director Grashof und
bitte denselben, die Grundsätze, welche den Vorstand geleitet haben,
zu erörtern." Hr. Dr. Grashof aus Carlsruhe : „ Es ist dieser Gegenstand in der Hauptversammlung zu Dresden zur Erörterung gekommen*). Damals war der Antrag gestellt, die Beiträge zur Zeitschrift zu honoriren, und es war auch von Seiten des Vorstandes damals dem Antrage nicht entgegengetreten worden und zwar deswegen nicht, weil das Material für die Zeitschrift nur mäßig vorhanden, und die Betheiligung der Mitglieder an der Herstellung der Zeitschrift nur sehr gering war; auch hatte man den Wunsch, dadurch, daß Honorar gezahlt würde, eine größere Betheiligung herbeizuführen. Trotzdem daß diese Motive damals wesentlich zu Gunsten des Antrages sprachen, wurde doch nicht die Absicht geltend gemacht, den § 61 in Betreff der Freiwilligkeit der Beiträge (was eine sehr specifische Eigenschaft unserer Zeitschrift ausmacht, wodurch ihr gewissermaßen ein nobler Charakter aufgeprägt wird) zu ändern, und es nahm damals die Versammlung mit großer Majorität den Grundsatz an, daß die Artikel nicht honorirt werden sollten. Nachdem diese Praxis seit der Dresdener Versammlung 5 Jahre immerfort innegehalten ist, und der Grund, welcher uns damals bestimmte, nur vorläufig auf die Aenderung dieses Paragraphen zu verzichten, in Wegfall gekommen ist, nachdem wir eher an dem entgegengesetzten Uebel laboriren, wie früher, daß wir nämlich zu viel Material haben, so haben wir geglaubt, daß wir nun vorschlagen sollten, diese Bestimmung auch ausdrücklich in die Statuten aufzunehmen und die Hinterthüre zu beseitigen.“ Hr. Kankelwitz aus Chemnitz: „Zunächst eine factische Erklärung. Ich war auch in der Dresdener Versammlung, aber, wenn ich mich recht erinnere, so lag der Grund der Ablehnung der Honorirung wesentlich in der Rücksicht auf die Vereinscasse, welche damals eine Honorirung nicht gestattete.“ Hr. Dr. Grashof aus Carlsruhe: „ Es war, wenn ich den Hrn. Redner unterbrechen darf, das bekannte Mitglied, Hr. Guttmann, welcher den eigenthümlichen Charakter der Zeitschrift hervorhob. Seine Darstellung schlug damals durch.“ Hr. Kankelwitz aus Chemnitz: „Für meine Person kann ich versichern, daß diese Rücksicht nicht bestimmend war bei der
*) Vergl. Bd. IV, S. 193 d. Z. D. Red. (L.)
Abstimmung, und ich setze voraus, daß auch für andere Mitglieder nur die Rücksicht auf die damaligen unzureichenden Cassenverhältnisse des Vereines leitend war. Was die Honorarzahlung betrifft, so bin ich principiell dafür, und daß, wie der Hr. Director mittheilte, momentan eine Ueberhäufung an Material stattfindet, ist kein Grund dagegen. Wenn nämlich der Verein auch honorirt, so kann die Redactionscommission wohl die einzelnen Mitglieder aufmerksam machen, daß einzelne Stellen, ja ganze Abschnitte von Artikeln kürzer gefaßt werden können, und sie können es vielleicht indirect dadurch motiviren, daß dafür bezahlt wird. Bei einzelnen Aufsätzen in der Zeitschrift tritt das ganz charakteristisch hervor, daß Etwas ganz unverhältnißmäßig breit getreten wird, und besonders in Fachaufsätzen, wo wir in den Fehler der französischen Journale verfallen. Ich will nicht sagen, daß der Verein die Aufsätze vollständig honoriren soll; die Casse kann es vielleicht nicht; aber ich möchte doch darauf dringen, daß das Princip gewahrt wird, damit später geschehen kann, was ich sowohl für die Pflicht, als auch für das Interesse des Vereines halte.“ Hr. Ludewig aus Zürich (gegen Honorirung): „ Es spricht jetzt eine 11jährige Erfahrung dafür, daß wir bei dem bisherigen Verfahren Artikel in genügender Zahl erhalten haben; es wird entschieden nicht abgeleugnet werden können, daß viele gute darunter gewesen sind, so daß wohl Niemand im Vereine im Allgemeinen mit dem Resultate des bisherigen Verfahrens selbst nicht zufrieden wäre. Also die Erfahrung spricht dafür, daß wir mit diesem Systeme durchkommen. Was die Praxis der Durchführung betrifft, so bin ich vielfach durch Anfragen angeregt worden, Mittheilungen über die Principien zu geben, welche der Verein in dieser Beziehung bisher aufrecht erhalten hat, und dieselben zu motiviren, und in den meisten Fällen ist es mir leicht geworden, die Zustimmung unserer Mitarbeiter zu erhalten. Es wurde mir vor Allem leicht klar, daß das Princip, einen Artikel zu honoriren, nicht die Gewähr biete, daß der Artikel nun darum besser sei, als ein nicht bezahlter; im Gegentheile läßt sich annehmen, daß viele und zwar von den besseren Arbeiten nicht eingeliefert worden wären, wenn bezahlt würde. Man kann doch nicht wohl behaupten, daß unsere Zeitschrift den anderen gleichartigen deutschen Journalen gegenüber, welche die aufgenommenen Artikel honoriren, in ihrem Werthe zurückstehe. Es sollte mir sehr leid thun, wenn dieses gute Princip umgestoßen würde. Wenn dasselbe verletzt wird, so fällt ein Fundament der freien Zusammengehörigkeit des Vereines dahin. Es würde dann zwar immer noch Mitglieder geben, welche von der Lieenz, das Honorar nicht zu nehmen, Gebrauch machen würden, aber viele, welche jetzt eine Ehre darin sehen, für unsere Zeitschrift zu schreiben, würden sich zurückziehen. Darum bitte ich Sie, im Interesse unseres Vereines an diesem Paragraphen, welcher jetzt erst in das Statut eingeführt werden soll, aber bisher factisch gegolten hat, nicht zu rütteln.“ Hr. Perels aus Berlin erklärt sich im Principe für Honorirung der Aufsätze, glaubt aber, daß nach den Beschlüssen in Bezug auf die Redactionsführung und nach den Erklärungen
der HHrn. Grashof und Ludewig, nach welchen kein Mangel
an brauchbarem Material vorliege, zur Zeit von der Honorirung abgesehen werden kann. Sollte sich dies späterhin nicht bewähren, so könne ja immer wieder eine Aenderung eintreten. Hr. Kankelwitz aus Chemnitz: Das Ideal der Zeitschrift ist noch nicht erreicht; es fehlt derselben noch Manches, was nur Schablonenarbeit ist, aber eine geschickte Hand erfordert; es fehlt gewissermaßen ein Resumé der verschiedenen Erscheinungen auf den speciellen Gebieten der Technik. Dergleichen kann nicht von dem Redacteur gemacht werden, sondern von Fachleuten, welche dafür honorirt werden müssen. Nach einigen Gegenbemerkungen des Hrn. Ludewig – daß auch die Redaction die Mängel der Zeitschrift wohl erkenne und zu ihrer Abhülfe nach Kräften bemüht sei – stellt Hr. Kesseler den Antrag, den ersten Satz des §. 61 dahin zu ändern: „die Beiträge zur Zeitschrift werden in der Regel nicht honorirt.“ Durch Einschiebung der Worte „in der Regel“ werde, wie Hr. Kesseler ausführt, dem Hauptredacteur überlassen, in einzelnen Fällen Honorar zu zahlen. Hr. Dittmar aus Eschweiler erklärt, daß der Vorstand mit dem Kesseler’schen Amendement einverstanden ist. «Nach einigen gegen das Kesseler’sche Amendement gerichteten Bemerkungen des Hrn. Kankelwitz wird zur Abstimmung geschritten. Gr Der Antrag des Hrn. Kankelwitz: „Die Beiträge für die Zeitschrift werden honorirt“ . erhält keine Unterstützung, ist somit gefallen. Hierauf kommt der Antrag des Vorstandes mit dem Kesseler'schen Amendement (vergl. oben) zur Abstimmung, und wird angenommen.
Schließlich geht der Vorsitzende zur Abstimmung über den gedruckt vorliegenden Statutenentwurf mit den vorher zu § 17a und § 61 angenommenen Modificationen über, welcher einstimmig angenommen wird.
Es erhält das Wort
Hr. Dr. Grashof: „ M. H. Nachdem das Statut mit den betreffenden Modificationen en bloc angenommen ist, habe ich mir das Wort erbeten, um noch eine bestimmte Auslegung des § 5 durch die Versammlung herbeizuführen. so Es ist bisher die Praxis von Seiten des Geschäftsführers und auch meine eigene Praxis gewesen, daß wir einige polytechnische Gesellschaften gewissermaßen als einzelne Mitglieder in unseren Verein aufgenommen haben, vertreten durch die jeweiligen Vorsitzenden. Wir haben uns an die auch bei anderen Vereinen gültige Praxis gehalten. Wir sind aber doch dabei auf einige widerstreitende Gesichtspunkte gekommen: Im Interesse des Vereines liegt es die Verbreitung der Zeitschrift möglichst weit auszudehnen, möglichst viele technische Mitglieder heranzuziehen und sie mit den Bestrebungen des Vereines in Einklang zu setzen. Dies würde erreicht, wenn wir allen Personen, welche mit der Technik im Zusammenhange stehen, es leicht machen, von unserer Zeitschrift Kenntniß
zu nehmen. Dagegen findet auf der anderen Seite der Wunsch
Statt, möglichst viele Mitglieder für den Verein heranzuziehen, und man könnte einwenden, daß gerade deswegen Mancher Unterläßt, Mitglied des Vereines zu werden, weil es ihm auf andere Weise bequemer und billiger wird, unsere Zeitschrift zu erlangen, Wir haben deshalb nur solche Vereine aufgenommen, welche nicht gerade als Special- oder Bezirksvereine von unseren Vereine hätten gelten können. Dagegen kommt ein anderer Grund zur Sprache und dieser ist es, welcher den Vorstand veranlaßt, die bisherige Praxis fallen zu lassen. Es handelt sich nämlich hier eigentlich nur um die Umgehung des buchhändlerischen Abonnements. Wir benachtheiligen unseren Commissionsbuchhändler, wenn wir Vereine in die Lage setzen, die Zeitschrift für 5 Thlr. zu halten, statt für 7 Thlr, und es kann doch einem solchen Vereine ziemlich leichgültig sein, ob er für das Eremplar 5 Thr oder 74. Thlr. Ä Deswegen möchten wir von jetzt an die Praxis einführen, solche Gesellschaften oder Vereine irgendwelchen Namens nicht durch ihren Vorstand, welcher sie zu repräsentiren hat, aufzunehmen, sondern nur einzelne Männer als solche. Nachdem die bisherige Praxis aber in Geltung gewesen ist, muß ich wünschen, daß diejenigen Vereine, welche einmal als Mitglieder aufgenommen sind, als solche behalten werden. Ich schlage aber vor, diese Praxis jetzt aufzugeben, so o z Ich bemerke noch, daß von Seiten des Chemnitzer Bezirksvereines die Anregung gegeben worden ist, diesen Gegenstand hier zu besprechen.“ p Nach kurzer Diseussion erklärt die Versammlung sich mit der von Hrn. Grashof vorgetragenen Ansicht ein verstanden. –
Der folgende Gegenstand der Tagesordnung ist der von Hrn. Schmelzer vorgetragene
Bericht über die Thätigkeit des Bureaus des Vereines deutscher Ä. auf der allgemeinen Ausstellung zu Paris 1867.
„In der Conferenz des Vorstandes vom 28. bis 30. December a. p. ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden, Bericht über die Thätigkeit Ihres Bureaus auf der Allgemeinen Ausstellung zu Paris zu erstatten. Ich erledige mich gern dieses Auftrages, indem ich mich zunächst auf das in jenen Tagen geführte Protokoll beziehe und hervorhebe, wie das Bureau im Allgemeinen sehr spät constituirt worden ist, so daß von seinen Mitgliedern eine forcirte, sowie kostspielige Thätigkeit entwickelt werden mußte, um sich bekannt zu machen und Auftraggeber zu gewinnen.
Anfänglich erfolgten die Anmeldungen spärlich; jedoch nachdem von Seiten der Königl. Centralcommission im Circulare vom 17. Januar das Bureau in erster Reihe als Repräsentant bezeichnet worden war, Hr. Geheimrath Herzog, sowie Hr. Berg
rath Wedding persönlich so manchem Aussteller unser Bureau empfohlen hatten, steigerte sich die Anzahl der Auftraggeber. Ganz gewiß haben wir aber auch der warmen Empfehlung unserer Vereinsmitglieder es mit zu verdanken, wenn in der Mitte Februar die Anzahl der Anmeldungen bis auf 200 gestiegen war, Wenngleich diese Zahl zu gering war, um 5 Mitglieder des Bureaus während einer Zeit von 10 Monaten in Paris zu erhalten, so trugen wir doch kein Bedenken, das angefangene Werk weiter fortzusetzen, und begab sich unser Freund und ehrenwerthes Mitglied des Bureaus, Hr. Kesseler, bereits am 16. Februar nach Paris, um das Bureau daselbst zu constituiren. In kurzen Zeiträumen folgten die anderen Mitglieder. Da mit dieser Zeit der Endpunkt des Termines, an welchem die Ausstellungsgegenstände an die Spediteure abgeliefert werden mußten, zusammenfällt, so mehrten sich auch gerade jetzt die Anmeldungen, denn viele Aussteller mögen erst in letzter Zeit daran gedacht haben, einen Repräsentanten zu wählen, obgleich von Seiten der Kaiserl. franz. und der Königl. preuß. Commission von vornherein auf die Nothwendigkeit, einen Repräsentanten zu haben, hingewiesen war. Die Anmeldungen stiegen in solcher Weise, daß die Zahl derselben jetzt ca. 350 beträgt. Wenn es wünschenswerth gewesen war, daß von Seiten des Bureaus des Vereines deutscher Ingenieure den Industriellen schon früher Benachrichtigung von seiner Constituirung gegeben sein möchte, so war doch das Bureau rechtzeitig in Paris constituirt, um die Ängssensonde in Empfang nehmen und aufstellen zu ONNEN. Von Seiten des Bureaus war hierbei vorausgesetzt worden, wie wahrscheinlich auch von allen Ausstellern und auch von Ihnen, m. H., daß die Baulichkeiten des Ausstellungspalais und des landwirthschaftlichen Anneres beendet, und Schränke und Vitrinen an Ort und Stelle waren. Dem war indessen nicht so; das Gebäude war in einem sehr rohen Zustande, den Wänden fehlte meistens der Anstrich, die Dächer waren an vielen Stellen durchlässig, durch das ganze Gebäude wehten die kalten Frühjahrswinde, welche sich in unangenehmster Weise fühlbar machten. Nur in wenigen Sälen waren Schränke und Tische aufgestellt, in sehr vielen fehlte noch der Fußboden, und manche Säle waren zu Werkstätten für Tischler, Glaser, Maurer c. eingerichtet. Täglich brachte die Eisenbahn Güterwagen, aus denen die Kisten und Kasten mit den Ausstellungsobjecten, sowie die Schränke und Tische ausgeladen und im Ausstellungsgebäude, wenn möglich, nach den betreffenden Sälen gebracht wurden. Bald häuften sich aber die Güter in solcher Weise, daß an eine planmäßige Vertheilung derselben nicht mehr zu denken war, zumal aüch viele Säle eben zu Werkstätten benutzt oder mit angekommenen Kisten bereits überhäuft waren. Es blieb daher nichts anderes übrig, als die Kisten abzuladen und abzusetzen, wo eben Platz war. Von Seiten der Königl. Commission war für einen jeden Aussteller in den Plan der Ausstellung ein Platz eingezeichnet worden, und würde es mit Hülfe dieser vorher getroffenen Dispositionen nicht schwer gewesen sein, in wenigen Wochen eine Ausstellung zu Stande zu bringen, sofern die Baulichkeiten beendet, die Schränke und Tische aufgestellt waren. Unter den gegebenen Verhältnissen traten wir an eine mühselige Arbeit heran, und wenn es nicht gerade der Zweck unserer Aufgabe gewesen wäre, die Interessen der deutschen Industriellen auf der Ausstellung zu wahren, und wir es als Ehrenpunkt erachteten, die übernommene Aufgabe zu Ende zu führen – wahrlich, so lagen viele Motive vor, die bisher gebrachten Opfer zu verschmerzen und einen Ort zu verlassen, welcher der Gesundheit höchst nachtheilig sein mußte, aus einer Situation herauszugehen, welche voraussichtlich uns vielen Hader und Streit zuführen konnte, wenn unsererseits Gewünschtes erstrebt und Nothwendiges beschafft werden sollte. Gegen Ende März war es der unermüdlichen Ausdauer der Königl. preuß. Commission gelungen, den größten Theil der Kisten, Kasten und Güter unter Dach und Fach zu bringen; die Baulichkeiten waren aus dem Gröbsten heraus, es entstand eine gewisse Ordnung, da die Kisten nach den Sälen, wo deren Inhalt aufstellt werden sollte, geschafft wurden, und die überall rastlos wirkende Thätigkeit der Kaiserl. franz, der Königl. preuß. und anderer Staatscommissionen Unglaubliches leistete. Zwar fehlten uns zu manchen Ausstellungen noch Kisten, öfters solche, welche die unentbehrlichsten Sachen, oftmals sogar die Declarationen und Anweisungen enthielten, indessen konnten ja auch manche Haufen von
Kisten, welche noch nicht umgepackt waren, das Fehlende enthalten; auch waren noch viele Güterwagen auf den Bahnhöfen, welche bald das bisher mit Mühe und Zeitverlust Gesuchte bringen konnten – da kam der bestimmte Befehl: Am 1. April soll die Ausstellung eröffnet werden, und müssen bis zum 31. Abends alle vorhandenen Kisten ausgepackt, alle Kisten fortgeschafft sein. Gegen einen solchen Befehl war von uns nicht anzukämpfen; wir requirirten Mannschaften und Hülfe so gut es anging, verließen angefangene, halb fertige Arbeiten und suchten Raum und Reinlichkeit herzustellen, so weit es möglich war; allein die Arbeit ging über unsere Kräfte, um so mehr, als oft mühsam geschaffener Raum von der Manutention ohne Weiteres besetzt und zu anderen Zwecken benutzt wurde, als wozu wir ihn bestimmt hatten. Die Kisten wurden entleert, wo wir es nicht thaten, thun konnten oder wollten; es wurden die Sachen herausgelegt, ob in reine oder schmutzige Schränke, ob auf fertige oder halbfertige Tische; es wurden die vorhandenen Kisten entleert und mit einer großen Haft aus den stets geöffneten Thoren herausgeschafft, um auf einen Haufen geworfen zu werden, von wo aus die Spediteure das Weitere zu besorgen hatten. Es leuchtet ein, wie es unmöglich war, bei einem solchen Verfahren nach dem ursprünglichen Systeme zu arbeiten, nach welchem die Königl. Commission es übernommen hatte, die Kisten bis an den Platz des Ausstellers zu liefern und aus den geöffneten Kisten dem Repräsentanten dann die Waren zu übergeben. Ebenso wenig war es möglich, die ausgepackten Waren an den Orten zu placiren, welche für sie bestimmt waren. An die Stelle der früheren Vorschriften war die Parole getreten: Kisten öffnen, auspacken, entfernen. Als wir uns weigerten, schon jetzt die Tuche in dem unfertigen Tuchsaale in Empfang zu nehmen, da der Saal baulich noch nicht vollendet, die Schränke nicht fertig, überhaupt ein Schmutz vorhanden sei, welcher die Tuche benachtheiligen müsse, wurde uns die Antwort, daß Befehl sei, die Kisten zu leeren, und wollten wir die Kisten nicht leeren, so geschähe es mit Hülfe der Kaiserl. Manutention. So entwirrte sich der 1. April, und die Ausstellung wurde eröffnet. Wie bei uns, so war auch an anderen Orten die Ausstellung noch nicht halb fertig; auch dort waren Baulichkeiten noch nicht fertig, auch dort fehlten Schränke und Tische; nur wurde dort mit weniger Eifer und geringerer Hast auf die Fortschaffung der leeren Kisten gedrängt. Nach Eröffnung der Ausstellung hatten wir in den ersten Tagen daran zu arbeiten, ausgepackte, verkramte, öfters von uns selbst versteckte Sachen hervorzuholen und nach den angewiesenen Plätzen oder nach den Sälen, zu welchen sie gehörten, zu schaffen. Erst allmälig konnten wir zu einer systematischen Arbeit und zu einer geordneten Aufstellung übergehen. Eine natürliche Folge des übereilten Auspackens und Aufstellens der Gegenstände in den baulich noch nicht fertigen Räumen war es, daß viele Plätze von ganz anderen Gegenständen besetzt worden waren, als von denen, für welche sie bestimmt waren; zusammengehörige Sachen waren zerrissen worden, schon gesehene Kisten verschwunden. Das Ordnen, das Zusammensuchen der Gegenstände raubten uns unendliche Zeit; noch kostspieliger und zeitraubender wurde die Reinigung der Sachen, da die kaum abgeputzten Waren von den Bauleuten wieder beschmutzt wurden. Der Wind und die feuchte Luft, welche ungehindert den Palast durchstrichen, brachten Schmutz und Staub massenhaft herein, und der Rost, kaum abgerieben, erzeugte sich schnell von Neuem. Höchst mühsam war es, für manche Ausstellungssachen einen geeigneten Platz zu gewinnen, da die Disposition, wie bereits erwähnt, nicht inne gehalten werden konnte, von manchen Ausstellern eine größere Collection, als angemeldet, geschickt war, von anderen wiederum weniger zum Vorschein kam, und manche Aussteller gar Nichts einsandten. Auch ließ sich bei vielen Posten gar nicht übersehen, ob alles Gut ausgepackt sei, denn die Frachtbriefe konnten nur mit vielem Zeitverluste eingesehen werden, fehlten auch oftmals; von manchen Ausstellern angemeldete Schränke kamen nicht, und auch die von der Königl. Commission zu beschaffenden Schränke und Tische waren noch nicht sämmtlich vorhanden. Zu allen diesen Unannehmlichkeiten kam noch hinzu, daß das Verschwinden mehrerer gesehenen Colli mit Bestimmtheit darauf schließen ließ, wie bei der überstürzten Aufstellung vor dem 1. April mehrere noch gefüllte Kisten wahrscheinlich als leere Kisten fortgeschafft sein möchten.
Während wir nun alle Hände voll Arbeit hatten, wir uns aber schon der an mehreren Orten hergestellten Ordnung erfreuen konnten, an der Beendigung der Bauarbeiten tüchtig und rastlos gearbeitet wurde, so daß wenigstens aus dem Gröbsten heraus Ordnung entstand, kam ein nicht weniger die geordnete Aufstellung behindernder Umstand zur Geltung: es wurden nämlich die Preisrichter angemeldet. Durch Maueranschläge oder auch durch specielle Benachrichtigungen wurde uns mitgetheilt, daß an bestimmt bezeichnetem Tage zu bestimmt bezeichneter Stunde die Preisrichter Saal so und so besuchen würden. Natürlich lag es durchaus im Interesse unserer Auftraggeber, der Jury beste Auskunft über die Ausstellungsobjecte zu geben, in den bezeichneten Sälen trotz Staub und Schmutz die Sachen zur Ansicht aufgelegt zu halten u. s. w. und uns selbst an den bezeichneten Saal zu fesseln. Mit vielen Ausstellern, welche persönlich nach Paris gekommen waren, theilten wir nun gleiches Schicksal; wir warteten mit bereit gehaltenen Papieren und Acten, um beste Auskunft ertheilen zu können. Recht oft haben wir aber lange warten müssen, ehe die angemeldete Jury kam, und wenn wir sogar mehrere Tage in dieser Erwartung verharren mußten, so haben wir dadurch manchen Zeitverlust zu beklagen, welcher uns um so mehr benachtheiligte, da wir noch sehr viele nützliche, nothwendige und dringende Arbeiten auf uns lasten hatten. Leider fehlten zu dieser Zeit noch sehr vielen Ausstellern die Firma; es fehlten häufig Nummern und sonstige Bezeichnungen, daher wir somit erkennen konnten, wie wichtig und nützlich unsere persönliche Anwesenheit war und zwar um so mehr, als auch die Cataloge nur mangelhaft vorhanden waren, von vielen Staaten die Specialcataloge, welche specifisch für die Preisrichter angefertigt sein sollten, noch nicht vorlagen. Bei dieser Sachlage war es oftmals Zufall, wenn wir die Preisrichter trafen und denselben Auskunft geben konnten; mancher Gegenstand mag gar keine Beurtheilung erfahren haben, wenn vielleicht der Aussteller den Moment verpaßte, an welchem die Jury zu seiner Ausstellung herantrat, insbesondere aber dann, wenn die Aufstellung eben noch nicht erfolgt war, oder die Gegenstände noch in Kisten verpackt außerhalb der Ausstellung auf der Eisenbahn laaerten. g Da die meisten dieser Uebelstände in den Zeitungen und auch in unserer Ausstellungszeitung ausführlich besprochen worden sind, so kann ich hier wohl von einer ausführlichen Besprechung dieser Angelegenheit absehen; nur möchte ich noch gern constatiren, daß diese Zeit, in welcher die Preisrichter arbeiteten, uns viele Zeitopfer gekostet hat, manche Ausstellung provisorisch gemacht werden mußte, damit überhaupt nur eine Besichtigung erreicht werden konnte, wir also viele unnütze Arbeiten zu machen hatten, überhaupt aber viele Aufstellungen erst nach Beendigung der Juryarbeiten erfolgt sind, namentlich die der Spirituosen, der Biere, Liqueure, der Chocoladen c., deren Loeale baulich noch nicht fertig waren, wie es denn auch im preußischen Anner ebenso war. Wenn einmal eine Jury beliebt wird, so sollten die Arbeiten derselben nur erst dann beginnen, wenn die Ausstellung durchaus fertig ist, und ein jedes Ausstellungsobject sich dieser obersten Instanz in bester Façon präsentiren kann. Nach einer ruhelosen Zeit verschwanden die Preisrichter; auch die Bauten, die Maler, die Glaser und endlich die Tapezirer wurden fertig, so daß jetzt die Ausstellung im vollsten Schmucke und Glanze dasteht. Ich kann nicht umhin, noch eine Schattenseite unserer Mission darzustellen, welche uns manche trübe und unruhige Stunde brachte. Ich meine die Differenz zwischen Frankreich und Preußen in der Luxemburger Frage, welche nach den Mittheilungen der Zeitungsschreiber zu einem Kriege zwischen Frankreich und Deutschland führen konnte. Wenn nun unsere Personen auf dem internationalen Boden auch nicht gefährdet waren, so konnten unsere pecuniären Verhältnisse sehr leicht gefährdet werden, und um so mehr, da wir bedeutende Vorschüsse für unsere Auftraggeber gemacht hatten. Um daher in möglichst kurzer Zeit einen Theil unserer Vorschüsse einziehen zu können, beeilten wir uns, so schnell als möglich Rechnungen aufzustellen und dieselben den bezüglichen Adressen zuzusenden, indem wir die Bitte hinzufügten, die von uns ausgeschriebenen Anweisungen in Schutz zu nehmen. Hierbei war es erfreulich, daß die meisten werthen Firmen unsere Anweisung honorirten und nur wenige Firmen es waren, welche diesen einfachen Geschäftsweg, welcher uns durch die vorher entwickelten Verhältnisse geboten schien, als ihnen unpassend bezeichneten und unsere Anweisungen zurückwiesen. Bei diesen Firmen kann meistens wohl nur eine Verkennung der äußerst schwierigen Verhältnisse vorgewaltet haben, welche Veranlassung gab, unsere Anweisungen nicht zu honoriren, da wir ja für irgend welche Versehen, welche bei der sehr schnellen Aufarbeitung der Rechnungen unterlaufen sein konnten, den resp. Firmen eine ausreichende Garantie in jeder Beziehung gewähren. Ein erfreuliches Zeichen, daß von mancher Seite und zwar von recht angesehenen Industriellen der Thätigkeit des Bureaus Anerkennung gezollt wird, glaube ich darin finden zu können, daß dem Bureau die Vertretung hochgeachteter Firmen noch vor wenigen Tagen übertragen worden ist, unter Anderen von der Königl. Eisengießerei in Berlin. Zur Zeit ist nun die Ausstellung als vollendet zu betrachten; der Besuch derselben ist bedeutend, und nicht wenige Tage sind es, an denen 100,000 Besucher auf dem Champ de Mars waren. Es sind die Räumlichkeiten übrigens groß genug, um einer doppelten Menge Raum zu gewähren. Eine eigentliche Geschäftszeit zur Vermittelung von Verkäufen ist noch nicht gekommen; aber nach den verschiedenen Anfragen und einigen bedeutenden Verkäufen, welche wir vermittelt haben, zu urtheilen, ist ein ganz bedeutendes Geschäft in Sicht. Wenn je eine internationale Ausstellung Mittel zur Belehrung geboten hat, so ist es wohl die gegenwärtige in Paris. Wem irgend die Mittel zur Hand sind, rathe ich entschieden, den Besuch dieses großartigen Industriepalastes nicht zu versäumen. Der Industrielle, der Landwirth, der Kaufmann, der Künstler, der Producent, der Consument gewinnen viele neue Anschauungen; die Völker lernen sich kennen und achten, sie werden bemüht sein, den angebahnten freundschaftlichen Verkehr zu erhalten, zu vermehren und nutzenbringend auszubeuten. Die segensreichsten Folgen dieses industriellen Wettkampfes werden alle Völker reichlich empfinden. Indem ich hiermit meinen Bericht über die Thätigkeit Ihres Bureaus schließe, bitte ich Sie, dessen Erstlingsarbeit mit Milde freundlichst beurtheilen zu wollen, und da, wo von dem Bureau nicht allen gewünschten Anforderungen Genüge geleistet worden ist, bitte ich die vorerwähnten Umstände mit in Rechnung bringen zu wollen.“ d In Folge einiger Bemerkungen der HHrn. Perels aus Berlin und Kankelwitz aus Chemnitz erklärt Hr. Schmelzer: „Es sollte durch meine Mittheilungen den einzelnen Mitgliedern der Jury kein Vorwurf gemacht werden; dieselben haben geleistet, was unter den schwierigen Verhältnissen möglich war.“ Hr. Kesseler aus Greifswald macht auf die von ihm in Paris herausgegebene „Deutsche Ausstellungszeitung“ aufmerksam und ersucht die Mitglieder, sich für dieselbe durch Abonnement zu interessiren. Hiermit war die Tagesordnung der zweiten Sitzung erledigt, und wurde dieselbe von dem Vorsitzenden geschlossen.
Nach dem um 4 Uhr beginnenden gemeinschaftlichen Diner wurden wiederum von den Festtheilnehmern Partieen in die nächste Umgebung von Alexisbad gemacht, und fand Abends der Schluß der Theatervorstellung des Vereines „Hütte“ und darauf ein festlicher Commers Statt, welcher die Theilnehmer bis zum frühen Morgen in ungetrübtem Frohsinne zusammenhielt. Eine Reihe humoristischer Vorträge über technische Fragen erhöhte die gute Laune der Versammlung und trug wesentlich zu der recht langen Dauer des Zusammenseins bei.
Am dritten Sitzungstage, Sonnabend, dem 15. Juni, fand zunächst eine Sitzung des Vereines „ Hütte“ Statt, in welcher namentlich innere Angelegenheiten dieses Vereines zur Berathung kamen. »
Hieran schloß sich um 10 Uhr die gemeinschaftliche Sitzung beider Vereine, welche vom Vorsitzenden des Ingenieurvereines, Hrn. Peters, geleitet wurde.
Derselbe gab der Versammlung zunächst Mittheilung von zwei aus Essen und Berlin eingegangenen Telegrammen, welche den Verein zu seinem Stiftungsfeste beglückwünschten, und theilte sodann mit, daß auf dem Tische des Vorstandes einige technische
Gegenstände ausgestellt seien, auf welche er die Aufmerksamkeit der Anwesenden lenken wolle. Es seien dieses 1) Prospecte des Glasmalerei-Etablissements von Dr. Oidtmann & Co. in Linnich; 2) Äragen aus der Fabrik von E. Ditmar in Heilronn; 3) Verzeichnisse und Preiscourante der Maschinenfabrik von Sondermann & Stier in Chemnitz. – l
Der erste Gegenstand der Tagesordnung war der
Bericht über die Gutachten der Specialvereine, betreffend die deutschen Mittelschulen. hinsichtlich ihrer Bedeutung als Vorbereitung für die technische Hochschule. Berichterstatter Hr. Dr. Grashof aus Carlsruhe: „M. H. Meiner unter dem 3. December 1865 in Ausführung eines Be
gerichteten Aufforderung, obige Frage in den Kreis ihrer Berathungen ziehen und über deren Ergebniß Mittheilung machen zu wollen, ist nur von einigen unserer Specialvereine entsprochen worden. Der Vorsitzende des Aachener Bezirksvereines sprach d. d. 2. März 1866 die Meinung desselben dahin aus, daß, da diese Frage nur in Verbindung mit der Schulorganisation im Allgemeinen zu behandeln sei, sie wohl die Competenz unseres Vereines überschreiten möchte; der dortige Bezirksverein fühle wohl das Bedürfniß, sich darüber zu unterrichten, sei aber gerade Ä nicht im Stande, ein irgendwie maßgebendes Urtheil abU (N(') ('N. ZUg Der oberschlesische Bezirksverein war laut Mittheilung seines Vorsitzenden vom 16. März 1866 der Ansicht, daß den Erfordernissen einer geeigneten Vorbildung für die technische Hochschule in Preußen am besten durch die Realschulen I. Ordnung entsprochen werde, in zweiter Reihe durch die Gymnasien bei Ergänzung der realwissenschaftlichen Bildung durch den Besuch einer Provinzialgewerbeschule; die Letztere allein, hauptsächlich für das praktische Leben vorbereitend, könne eine ausreichende Vorbildung für das höhere technische Studium und die höhere technische Carrière nicht gewähren. Das Gutachten des Bezirksvereines an der Lenne, festgestellt in der Versammlung desselben vom 12. Januar 1866, ist im 5. Hefte des vorigen Jahrganges der Zeitschrift mitgetheilt worden. Es läuft im Wesentlichen darauf hinaus, daß als Aufgabe der Gewerbeschule vorwiegend die wissenschaftliche Ausbildung für einen mittleren technischen Beruf zu betrachten sei, welche mit passender Vorbildung für das höhere technische Studium nicht wohl vereinigt werden könne; zu letzterem Zwecke wird die Realschule I. Ordnung als am besten geeignet erachtet, dabei indessen eine weitere Ausdehnung des Unterrichtes im Zeichnen und in der Chemie Seitens dieser Schule, welcher ja nicht für Ä obligatorisch zu sein brauche, für sehr wünschenswerth gehalten. Der oberschlesische Bezirksverein hat sich wiederholt mit der Frage beschäftigt und noch ganz vor Kurzem am 1. d. M. dem Gutachten einer von ihm erwählten Commission seine Zustimmung gegeben. Die Commission hatte den „ Entwurf für die Begründung resp. Umgestaltung der Lehranstalten zur Vorbildung für höhere polytechnische Schulen“ von Hrn. Dr. Grothe (Jahrgang 1866 d. Z., S. 535 u. ff.) ihren Berathungen zu Grunde gelegt, woran sie Mehreres auszusetzen findet. Auf das ausführliche Gutachten hier näher einzugehen, würde zwecklos sein, da Ihnen der Entwurf von Hrn. Dr. Grothe weder zur Hand, noch auch wohl genügend erinnerlich ist; es soll durch die Zeitschrift unter „Mittheilungen aus den Sitzungsprotokollen des oberschlesischen Bezirksvereines“ veröffentlicht werden, wie es mit den Gutachten des Bezirksvereines an der Lenne und des Zweigvereines für Eisenhüttenwesen geschehen ist. Uebrigens tritt die Commission nicht principiell dem Entwurfe von Hrn. Dr. Grothe entgegen, dessen Grundgedanke darin besteht, daß keine der seither bestehenden Schulen eine genügende Vorbildung für die technische Hochschule gewähre, sondern dazu eine neue Schulgattung zu gründen sei, welche, an eine gewisse Classe des Gymnasiums oder der Realschule sich anschließend, in 2- bis 3jährigem Cursus Schüler von 15 bis 17 resp. 18 Jahren theils für den technischen Beruf wissenschaftlich ausbilde, theils für das Polytechnicum vorbilde. Noch mehr tritt diese Auffassung der Commission in dem beigelegten Protokolle einer anderen Sitzung hervor, welches indessen zur Zustimmung dem Bezirksvereine nicht vorgelegen hat; es wird darin die Meinung ausgesprochen, daß es zweckmäßig sein würde, Realschulen, Provinzialgewerbeschulen und verwandte Schulen sämmtlich zu vereinigen der Art, daß die solcher Weise combinirten Lehranstalten bis zu einem gewissen Grade alle Schüler gemeinschaftlich fördern, von welchem ab dann eine Gliederung einzutreten habe in eine Kunstschule, Handelsschule und Gewerbeschule; von letzterer wird angenommen, daß sie zu «gleicher Zeit tüchtige Gewerbetreibende wissenschaftlich ausbilden und eine passende Vorbildung für höhere technische Studien gewähren solle. Der technische Verein für Eisenhüttenwesen hat die in Rede stehende Frage einer Commission zur Begutachtung überwiesen, deren eingehendes Referat, im letzterschienenen Hefte unserer Zeitschrift (Bd. XI, S. 359 u. ff.) enthalten, Ihnen wohl in frischer Erinnerung ist. Es läuft darauf hinaus, als Vorbereitung für das höhere technische Studium zunächst die Erwerbung des nöthigen Grades allgemeiner Bildung durch den Besuch einer Realschule oder eines Gymnasiums etwa bis zur Secunda (15. bis 16. Lebensjahr) zu empfehlen, zur Ergänzung derselben in den Realdisciplinen (Mathematik, Naturwissenschaften, Zeichnen) aber eine Reform der vorhandenen Lehranstalten zu befürworten, und zwar entweder die Hinzufügung technischer Oberclassen mit Ausschluß des Lateinischen zu dem Lehrplane der Realschulen, oder eine entsprechende Reorganisation der Provinzialgewerbeschulen unter Verweisung ihres bisherigen Lehrzweckes der wissenschaftlichen Ausbildung für eine mittlere Sphäre des technischen Berufes an verschiedenerlei technische Special- oder Werkmeisterschulen. Uebrigens läßt die Commission es dahin gestellt, ob nicht jener combinirte Studiengang auch zweckmäßig ersetzt werden könne durch besondere Schulen, nach den Principien der von Director Zehme in Barmen neu organisirten Gewerbeschule eingerichtet, welche sowohl in allgemeiner als in technischer Beziehung, mit Ausschluß des lateinischen Unterrichtes, für die technische Hochschule vorzubereiten hätten. Nach einem vom westphälischen Bezirksvereine so eben erst mir zugestellten Gutachten vom 4. März 1866 einer von ihm niedergesetzten Commission wird keine der vorhandenen Schulen als dem Bedürfnisse der Vorbildung für das höhere technische Studium völlig entsprechend erachtet, sondern dafür eine besondere Lehranstalt empfohlen, welche in erster Reihe deutsche Sprache, Mathematik, Naturwissenschaften und Zeichnen, und zwar mit mannigfacher Anwendung auf die technische Praxis, in zweiter Reihe neuere Sprachen, Geschichte und Geographie, in mäßigem Umfange auch die lateinische Sprache als obligatorisch in ihr Programm aufzunehmen hätte, wobei es ferner für wichtig gehalten wird, daß die Lehrer, welche für die Technik speciell vorbereitende Hülfswissenschaften und Fertigkeiten zu behandeln haben, vorzugsweise durch polytechnische Schulen ausgebildet seien. In wiefern eine so organisirte Schule zugleich den anderen Zweck wissenschaftlicher Ausbildung für den mittleren Gewerbestand zu erfüllen geeignet sein würde, wurde dahingestellt gelassen. Auch dieses Gutachten soll vollständig unter den Sitzungsberichten des westphälischen Bezirksvereines demnächst durch die Zeitschrift mitgetheilt werden. In der Versammlung des Pfalz-Saarbrücker Bezirksvereines vom 19. December vorigen Jahres hielt Hr. Director Dr. Bothe einen Vortrag über den fraglichen Gegenstand, ohne daß jedoch die Versammlung daraus Veranlassung zu einer Resolution genommen hätte. Der Vortrag gipfelte darin, für den künftigen Studirenden der polytechnischen Hochschule als zweckmäßig zu empfehlen, daß er seine sprachlich-humanistische Bildung durch den Besuch eines Gymnasiums (nicht einer Realschule) wenigstens bis zur Secunda einschließlich erwerbe und dann die nöthige Ergänzung seiner Vorbildung in Mathematik, Naturwissenschaften und Zeichnen durch den etwa zweijährigen Besuch einer mathematischnaturwissenschaftlichen Lehranstalt suche. Zu letzterem Zwecke wird die preußische Provinzialgewerbeschule bei geringer Abänderung ihres Lehrplanes für geeignet gehalten, ohne dadurch ihren anderen Zweck der wissenschaftlichen Ausbildung für einen mittleren technischen Beruf zu beeinträchtigen. Endlich sind als hierher gehörig noch zu erwähnen ein zweiter Aufsatz von Hrn. Dr. Grothe im 2. Hefte und ein größerer Aufsatz von Hrn. Dr. Breidenstein im 3. und 4. Hefte des laufenden Jahrganges 1867 unserer Zeitschrift. Das ist es, m. H., was zur Aufklärung der Frage seit der Breslauer Hauptversammlung innerhalb unseres Vereines meines Wissens geleistet worden ist. Ich erachte es nicht als meine Aufgabe, die verschiedenen Ansichten hier kritisch zu erörtern; ich
würde dadurch nur eine Discussion herausfordern, welche voraussichtlich ein bestimmtes Resultat nicht zur Folge hätte und deshalb mit Rücksicht auf die übrigen ihrer Erledigung harrenden Gegenstände der Tagesordnung in diesem Augenblicke uns nicht erwünscht sein könnte. Die Frage ist zunächst nur die, ob und eventuell auf welche Weise der Verein sich weiter mit der Sache beschäftigen solle, um zur Formulirung eines Gesammturtheiles zu gelangen und dadurch auf die Entschließungen in maßgebenden Kreisen vielleicht einen Einfluß auszuüben. Zweierlei muß dabei wesentlich unterschieden werden: die wissenschaftliche Ausbildung für mittlere Sphären des technischen Berufes, und die Vorbildung für das Studium an der technischen Hochschule. Hinsichtlich der ersteren Frage würde unser Verein ohne Zweifel ebenso unmittelbar betheiligt und zur Abgabe eines Urtheiles competent sein, wie in Betreff der wünschenswerthen Organisation polytechnischer Schulen; denn hier wie dort handelt es sich um einen unmittelbaren Uebertritt von der Schule in die technische Praxis. Jedoch ist ein darauf abzielender Antrag weder gestellt, noch finde ich selbst ihn zu stellen zur Zeit eine genügende Veranlassung. Anders verhält es sich mit der zweiten, zunächst allein in Rede stehenden Frage passendster Vorbildung für das Studium an der technischen Hochschule. Hier handelt es sich nicht um einen unmittelbaren Uebertritt in die Praxis, und bin ich deshalb auch der Meinung, daß hier zunächst die Männer betheiligt, competent und zur Initiative berufen sind, welchen es obliegt, als Lehrer die Bildungszwecke der technischen Hochschule zu fördern; sie müssen, nachdem diese Zwecke und die ihnen entsprechende Organisation der Schule unter Berücksichtigung des Urtheiles der ausübenden Techniker einmal festgestellt sind, am besten, ja fast ausschließlich beurtheilen, welcher Vorbildung sie bedürfen, um die ihnen zugewiesene Aufgabe vollständig zu lösen. Obgleich ich nun selbst diese Frage in meinem Heidelberger Vortrage gelegentlich berührt habe, was ich mit Rücksicht auf die dadurch gegebene Anregung auch nicht bedauere, so geht mein Antrag dennoch dahin: der Verein wolle mit dieser Anregung unter Anerkennung des von einigen Mitgliedern und Specialvereinen dafür bethätigten förderlichen Interesses sich begnügen und auf eine weitere Verfolgung der Frage verzichten. Für die Annahme dieses Antrages spricht besonders auch der Umstand, daß die Mehrzahl unserer Bezirksvereine theils stillschweigend durch Zurückhaltung eines Urtheiles, theils ausdrücklich ihre mangelnde Competenz zu erkennen gegeben hat.“ Hr. Köhler aus Bielefeld: „ Hr. Director Grashof hat allerdings ganz richtig hervorgehoben, daß die Lehrer der polytechnischen Schulen, sobald die Organisation der vorbereitenden Anstalten zur Sprache käme, das entscheidende Wort zu reden haben. Allein ich glaube doch, daß die Unterlage, das Material für die Entschließung dieser Herren gerade von den Technikern geliefert werden muß, von Männern, welche aus eigener Erfahrung sprechen können, welche an sich selbst erprobt haben, was vielleicht bei ihrem Bildungsgange hätte besser sein können, was bei einer neuen Organisation vorzugsweise ins Auge zu fassen ist, und es würde daher darauf ankommen, das Material soviel als möglich zu mehren, und daher unsererseits die Frage noch nicht fallen zu lassen. Man kann eine derartig wichtige Frage, welche mit der Zukunft unserer gesammten Technik und Industrie in Verbindung steht, nicht oft genug hervorholen. Es müssen sich die Ansichten erst klären. Daß von verschiedenen Zweigvereinen keine Resolutionen in dieser Angelegenheit eingegangen sind, das weist darauf hin, daß das Interesse für diese wichtige Sache noch nicht zu einem allgemeinen geworden ist, und daß gerade von unserem Hauptvereine die weitere Anregung ausgehen muß. Redner stellt hierauf den Antrag: die Sache heute noch nicht zum Abschlusse zu bringen, sondern, wenn eine Discussion heute nicht beliebt werden sollte, die ganze Angelegenheit auf eine folgende Versammlung zu vertagen, und während dessen in der Ansammlung des Materiales weiter fortzufahren. Da keine Discussion über diesen Antrag stattfindet, so kommt derselbe zur Abstimmung. Derselbe wird abgelehnt, und ist somit der Antrag des Hrn. Grashof: die Angelegenheit fallen zu lassen, angenommen. –