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Bundespräsident Schneider-Ammann
wirkte im Ständerat müde, unkonzentriert. Er sprach
im Ständerat häppchenweise mit langen Pausen. Er wirkte
abwesend, als führe er einen Dialog mit seinem Notizblock.
Der wirre Auftritt irritierte die Anwesenden. Angenommen er war
übermüdet. Er hätte so nicht vors Publikum treten
dürfen. Wenn ein Politiker nicht einige Minuten voll konzentriert
und präsent sprechen kann, sollte er sich besser krank melden.
Das Bundespräsidium sei kein leichter Job, sagte der Tessiner
Nationalrat und FDP-Fraktionspräsident Ignazio Cassis in der
"Samstagsrundschau" von Radio SRF. Zudem habe Schneider-Ammann
in den vergangenen Jahren viel reisen müssen und zu Beginn
des Sommers einen Unfall mit Rippenbruch erlitten. "Er ist
einfach müde wie jeder Mensch müde ist, wenn man zu viel
macht": FDP-Fraktionspräsident Ignazio Cassis über Johann
Schneider-Ammann. "Er ist einfach müde wie jeder Mensch müde
ist, wenn man zu viel macht":
"Er ist tatsächlich müde", sagte Cassis. In seinen letzten
Auftritten im Parlament habe er aber den Eindruck erweckt, voller Kraft
zu sein. "Ich glaube, es geht ihm wirklich gut - er ist einfach müde,
wie jeder Mensch müde ist, wenn man zu viel macht."
Der Gesundheitszustand des 64-jährigen freisinnigen
Bundespräsidenten hat in den vergangenen Tagen zu einigen
Spekulationen geführt. Parlamentarier und Medien teilen Cassis'
Einschätzung von Schneider-Ammanns kraftvollem Auftritt nicht.
So berichtete etwa die Westschweizer Zeitung "La Liberté" am
Mittwoch, der Bundespräsident habe am Vortag im Ständerat
extrem müde gewirkt und Aussetzer gehabt. Der "Blick" fragte am
Samstag, ob er "einfach müde oder amtsmüde" sei und zitierte
besorgte Parlamentarier.
"Ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit, aber er muss selbst wissen,
wie er damit umgehen will", sagt SVP-Ständerat Peter Föhn im
"Blick". Der Bundespräsident wirke "sehr erschöpft", das
Präsidialjahr beanspruche ihn offenbar sehr. Andere Parlamentarier
glauben, dass Schneider-Ammann unter einem dauernden Jetlag leide. "Er
nimmt sein Amt überaus ernst und gönnt sich womöglich zu
selten ein Time-out", so ein CVP-Ständerat.
Viele denken auch laut über einen frühzeitigen Rücktritt
des bis 2019 gewählten Wirtschaftsministers nach. Er könnte
bereits 2017 - nach Ende seines Präsidialjahrs - aufhören,
so die These. "Mir kommt er hin und wieder wie ein Mitarbeiter vor,
der innerlich schon gekündigt hat", sagt Föhn in der Zeitung.
Noé Blancpain, Schneider-Ammanns Pressechef, beschwichtigt und
macht einen hartnäckigen Husten, den sich der Bundespräsident
nach einem Rippenbruch geholt hat, sowie die dichte Agenda und die
vielen Auslandreisen für die Erschöpfung seines Chefs
verantwortlich. "Die lange Rekonvaleszenz bringt auch eine gewisse
Müdigkeit mit sich, wie dies am Dienstag der Fall war", sagt
Blancpain im "Blick", "ein Rücktritt auf Ende Jahr ist überhaupt
kein Thema."
Schneider-Ammann trifft sich am Montag in Zürich mit
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Beim Treffen dürfte
es unter anderem um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative gehen.