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Die Schweiz hat eine wertvolle Tradition bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Um die Jahrhundertwende zum Beispiel fanden viele verfolgte Anarchisten Zuflucht in der Schweiz. Das Gesetz fordert, Verfolgten Schutz zu gewähren. Doch heute ist die Solidarität mit Flüchtlingen weitgehend weggefallen.
Viele Ausländerinnen leben seit Jahrzehnten in der Schweiz, sie wurden von der Wirtschaft gerufen und sind hiergeblieben, weil heute auch ihre Kinder hier geboren sind.
Jetzt können wir grosse kulturelle Unterschiede beobachten. Menschen aus dem Balkan zum Beispiel sind durch das traditionelle Recht geprägt. Dies ist für sie zweifellos eine Hürde, die westlich-rational geprägten Normen und Werte zu akzeptieren. In der östlichen Mentalität wird Rationalismus als etwas Gefährliches wahrgenommen, denn die Grundsätze der Erziehung, Ausbildung, Politik und Moral sind im Osten ganz anders ausgestaltet. Hier ist Geschichte wichtig, und man bewegt sich langsam. Oft erscheint Geschichte auch als Paradox, Wunder und Drama.
Das Problem ist nun, dass wir über keine gültige Definition darüber verfügen, wie die notwendigen Beziehungen zwischen den östlichen und westlichen Mentalitäten aussehen könnten. Es herrscht ein Spannungsfeld, nämlich zwischen den Anpassungswünschen der SchweizerInnen, die von den Ausländerlnnen oft als Assimilation verstanden werden, und den Bedürfnissen der AusländerInnen, die trotz konstruktiver Integration nicht ihre eigene Identität verlieren wollen.
Viele SchweizerInnen beklagen sich darüber, dass AusländerInnen nicht anpassungsfähig seien. Doch die Schweiz hat sich nur auf eine einzige Situation vorbereitet, nämlich die, dass die AusländerInnen eines Tages wieder nach Hause zurückkehren. Die Betroffenen haben damit Mühe. Ausserdem muss man festhalten, dass über 90 Prozent der AusländerInnen aktive Arbeitskräfte sind. Sie verhalten sich ordnungsgemäss und grenzen sich von Delinquenten ab. Doch es gibt niemanden, der ihre Interessen vertritt.
Dazu einige Bemerkungen. So sagt ein bekannter St.Galler Spezialarzt: «Ich bin Serbe, aber gleichzeitig bin ich ein glücklicher Schweizer.» Für mich persönlich ist Integration eine Last, weil sie mit einem teilweisen Verlust der eigenen Identität verbunden ist. Aber zugleich ist sie auch eine Bereicherung. Für mich bedeutet Integration, dass aktive Massnahmen getroffen werden, zum Beispiel Investitionen in Kulturprojekte, im Erziehungs- und Schulbereich, das Wahl- und Stimmrecht sowie eine gezielte Medienarbeit auf allen Ebenen.
Von den AusländerInnen ist zu fordern, dass sie Toleranz, Sparsamkeit, Verantwortung und Kompromissbereitschaft akzeptieren. Umgekehrt muss die einheimische Bevölkerung ein Bewusstsein für die Werte entwickeln, welche die AusländerInnen in die Schweiz mitbringen. Es braucht aber auch ein Bewusstsein darüber, dass die reichen Länder des Westens die Ressourcen der Armen angezapft und dabei manche Länder auch ruiniert haben. Es ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig.
Heute müssen wir entscheiden, ob wir eine vielfältige multikulturelle Gesellschaft mit einem dominierenden christlichen Fundament sein wollen oder eine gespaltene Gesellschaft, die sich in Richtung Ausgrenzung, Apartheid und Ghettoisierung entwickelt. Wir müssen eine neue Solidarität auf breiter Basis entfalten, Familie und Nachbarschaft allein genügen nicht. Die Einheimischen müssen die Notwendigkeit akzeptieren, dass Fremdsprachige anwesend sind. Vom Erfolg der Integrationsbestrebungen wird ganz wesentlich das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft abhängen.
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