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Mühlegasse 4
Datiert aus dem Jahr 1311
Das Haus Mühlegasse 4 datiert aus dem Jahr 1311. Die früheren Besitzer führten hier im 20. Jh. einen Verkaufsladen und ehemals wohl auch das Restaurant Sonne.
Der heutige Eigentümer ist mindestens die 30. Generation, welche in diesem Haus lebt. Natürlich, das Haus sah damals anders aus, hatte ein «Tätschdach» und war mit der Giebelseite zur Mühlegasse ausgerichtet. Der Hauptraum war die Rauchküche, welche nicht nur für die Verpflegung zuständig war, sondern auch für die Wärme. Von der Rauchküche aus wurden die daneben liegende Stube und Nebenstube beheizt. Im 1. Obergeschoss befanden sich die Schlafkammern.
Vor einigen Jahre wollte der Besitzer die Strominstallation erneuern und stiess dabei auf eine schwarze Holzwand. Die daraufhin durchgeführten dendrochronologischen Untersuchungen ergaben ein überraschendes Ergebnis: Der älteste in diesem Haus verbaute Stamm war 1311 geschlagen worden. Holz wurde damals üblicherweise sofort verbaut. Das Haus Mühlegasse 4 begann also sein Leben 1311.
1880 wurden in zwei Separatzimmern im Treppenhaus zwei einfache, blaue Kachelöfen eingebaut. Gleichzeitig ist wahrscheinlich das ganze Treppenhaus ans Haus angebaut worden. Der Anbau zeugt von der Aufbruchstimmung der 1880er-Jahre und den neuen Bedürfnissen: ein bequemes Treppenhaus, wärmende Kachelöfen, weitere Separatzimmern - wahrscheinlich für Arbeiter, welche an der Gotthardbahn bauten - und zwei Etagen-WCs.
Ab den 1970er-Jahren wurden die angebauten Separatzimmer mit den Wohnungen verbunden. Die Kachelöfen wurden stillgelegt, aber nicht ausgebaut, und die anderen Öfen verschwanden im Estrich. Karl Scheiwiller und sein Schwiegervater Hans Stauss-Welti bauten die Zentralheizung selbst ein. Man holte die überflüssig gewordenen Radiatoren aus einem Abbruch beim Kloster Ingenbohl.
Die mittelalterlichen Häuser wurden – kaum fertig – bereits wieder nachgerüstet, repariert und angebaut. Die meisten Änderungen können nicht mehr datiert werden – nicht einmal, wann der Giebel zur Traufseite umgebaut wurde. Dass das Haus einmal ein Gasthaus war, vermutlich das historisch belegte Gasthaus «Sonne», das scheint unbestritten. Davon zeugt unter anderem eine Durchreiche in einem Holzbuffet, das von ca. 1820 datiert. Ältere Steiner können sich auch an den kleinen Laden für Dinge des täglichen Bedarfs erinnern, der hier ab den 1930er- bis in die 1960er-Jahre geführt wurde.
Aus der Bauzeit sind interessante Spuren vorhanden: Die «Schatten» einer Treppe ins Obergeschoss zum Beispiel oder Geisterbanndübel, die geheimnisvolle Löcher verschliessen. Die Novelle «Die Schwarze Spinne» von Jeremias Gotthelf lässt grüssen. Auch Zahlen und andere Notizen sind ablesbar. In der heutigen Küche muss einmal ein Geschäftsraum gewesen sein. Alles Holz aus dem 14. Jahrhundert ist schwarz, vermutlich ein Schutzanstrich der damaligen Zimmerleute. Alle mittelalterlichen Häuser der Gegend sind so behandelt worden.
Nicht alle alten Hausteile wurden bisher erforscht. Es gibt immer noch «neuere» Täfer, welche alte Wände und Decken verbergen. Ausbauten in späteren Jahrhunderten bestehen aus holzsparendem Fachwerk das verputzt wurde. Das Holz diente nur noch der Formgebung der Wand und der Statik. Die Nischen in den Fachwerkkonstruktionen wurden mit allem möglichen gefüllt: Steine aus der Steineraa, Backsteinreste. In den Zwischenböden, auf Kellerhurden und an anderen schwer zugänglichen Orten fand man viele Objekte: Plakate für Veranstaltungen, ein SOB-Fahrplan von 1895, geschmiedete Nägel, Schlittschuheisen, Holzskis. Eine «Güllebucki», deren Lage noch sichtbar ist, nahm die Abwässer auf. Sie wurde regelmässig durch Bauern oder Transportunternehmer geleert, welche die Abwässer auf Feldern ausbrachten. Konnte die «Güllebucki» einmal nicht zurzeit geleert werden, so gab es einen Überlauf in die Steineraa.
Das Haus Mühlegasse 4 ist ein spannendes Haus, das wohl noch viele Geheimnisse verbirgt.