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Dann war die Reihe an Martina. Sie spürte, wie ihr das Blut ihn den Kopf stieg und starrte auf ihre Turnschuhspitzen. Da war ein schwarzer Fleck. Sie befeuchtete ihren rechten Zeigefinger, um den Spritzer wegzurubbeln. Dann verharrte ihr Finger in der Luft. Übersprungshandlung nannte man das bei Tieren. Wenn Hühner nach Körnern pickten, obwohl sie eigentlich ihre Küken vor dem Fuchs schützen und gleichzeitig flüchten wollen.
Der Turnlehrer räusperte sich. "Los gehts, Martina". Er sah sie dabei nicht an, sondern blickte auf seine Uhr. Die dicke Sportuhr mit Handgelenkpulsmessung und Skifahrfunktion. Eine von denen, die den Notruf alarmiert, wenn man zu schnell fährt, dachte Martina und musste grinsen.
Sie stand von der Bank auf und ging an den blauen Turnmatten entlang. Vor der ersten Matte blieb sie stehen und streckte ihre Hände in den Metallbehälter mit dem Magnesium. Sie hasste das Gefühl des Pulvers an den Händen. So als würden sie sich zusammenziehen. Zu Echsenhaut werden. Staub wirbelte durch die Turnhalle, als sie die Hände gegeneinander schlug und ihren Kopf nach links und nach rechts Richtung Schulter beugte. Das machten die im Fernsehen vor dem Karatewettkampf auch immer.
Sie holte Luft und lief los. Zuerst die Sprungrolle, dann der Handstand mit Abrollen. Ihre Beine kippten zu schnell, doch sie nahm den Schwung mit auf den Barren. Ein Bein über die Stange, kopfüber drehen, Feldaufschwung, Sitz, Stand und Absprung. Die Landung gelang. Martina stand wie eine griechische Säule auf der letzten Matte. Sie warf den Kopf in den Nacken und ging zurück zur Bank, wo ihre Mitschülerinnen mit den Füssen scharrten und ihre Hände an den Lycra-Leggings rieben.
"Nicht schlecht", hörte sie ihren Turnlehrer sagen. Er notierte etwas auf seinem Klemmbrett, steckte dann den Bleistift hinter sein Ohr und putzte sich die Nase. "Nadia, du bist dran."
Ein blondes Mädchen löste sich von der Bank und schlurfte zum Anfang des Parcours. Martina blies ihre Backen auf und lehnte den Kopf gegen die Holzwand. In Gedanken war sie wieder im Handstand, hielt ihn dieses Mal fünf Sekunden, rollte sich ab und rannte wie eine Gazelle zum Barren. Ein Poltern, gefolgt von einem Stöhnen liess sie Aufblicken. Nadia war beim Handstand gekippt und auf der Seite gelandet. Dort, wo keine Matte lag. Sie rollte sich in Embryostellung zusammen, ihre Schultern zuckten. Der Turnlehrer sah von seiner Uhr auf und eilte zu Nadia. Er legte ihr die Hand auf den Rücken und blickte abwechselnd zu den Schülerinnen, die immer noch auf der Bank sassen und zu Nadia. "Alles okay? Kannst du aufstehen?" Er stützte das Mädchen, als es sich unter Stöhnen aufrichtete und begleitete es zur Bank. "Du machst den Parcours nächste Woche nochmal. Bis dahin kannst du an deinem Handstand arbeiten."
Der Turnlehrer blickte auf sein Klemmbrett, dann auf seine Uhr. "Wir machen nächstes Mal weiter." Martina sprang auf und eilte Richtung Umkleide. Schade, die nächste Stunde würde langweilig werden. Sie war ja nun schon dran gewesen. Kurz vor der Garderobentür bückte sie sich, um an dem schwarzen Fleck auf ihrem Turnschuh zu reiben. Er ging nicht ab. Sie beobachtete von unten, wie Nadia auf sie zutrottete. Sie hinkte leicht, ihre Wangen waren nass. Na ja, nicht jeder ist ein Wettkampftyp, dachte Martina und warf beim Aufstehen ihren Pferdeschwanz in den Nacken. Sie öffnete die Tür, glitt durch den Spalt und liess sie hinter sich zufallen.