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Die Erlenkapelle in Emmenbrücke.
Corona im Alltag (12):
Ostern machen
Man marschiert am Rand der Wege, zwei Meter sollen es sein bis zum nächsten Gesicht, wenn überhaupt eines erscheint. Dieses Gehen lenkt auf Dinge, die am Wegrand harren und meist schnell hinter sich gelassen wurden.
Von Markus Ineichen* (Text und Bild)
Ich habe eine frühe fromme Tour gemacht und die vier Wegkapellen auf Emmer Boden besucht. Fast.
In der Kapelle in den Erlen sieht man eine Frau mit einem Bart. Die Legende berichtet: Eine Königstochter hat sich zum Christentum bekehrt, ihr Vater, ein Heide, wollte sie zwangsverheiraten, sie wollte aber nicht und hat den Herrgott gebeten, er solle sie verunstalten; der liess ihr einen tüchtigen Bart wachsen, der Vater wurde fuchsteufelswild und schlug sie ans Kreuz. Die Kümmernis, so heisst die Frau, wurde nie heiliggesprochen. Im 16. Jahrhundert wurde sie zwar in einer Kandidatinnenliste geführt, dann aber gelöscht. (Ich finde das nicht gerade eine grosszügige österliche Haltung: zuerst akquirieren, dann verunstalten und am Schluss hindertschi druus.) Eine weltliche Ausstrahlung in die Jetztzeit hat die Geschichte allerdings, und zwar in den Eurovision Song Contest mit Conchita Wurst.
Von der Wegkapelle an der Neuenkirchstrasse heisst es, dass ganz in der Nähe das Siechenhaus gestanden habe und die Kapelle als Dank für die Gesundung gebaut wurde. Sie hatte lange den Beinamen «Geisterkapelle», weil dort viele Reisende und Warenzüge überfallen wurden. Wahrscheinlich wurde sie deshalb dem Hl. Nepomuk geweiht, dem Patron der Reisenden, Flösser und Schiffer.
Die Schosswaldkapelle lasse ich aus. Die kennt man ja, da sag ich nichts. – Die Sankt Wendelin-Kapelle am Sonnenplatz hinter der ehemaligen Metzgerei Bühlmann habe ich vergebens gesucht. Da standen nur ein schwarzer Subaru mit Spoiler und ein verbogenes Kicki. Die Kapelle wurde 1914 aufgegeben, also profanisiert und um 1950 ausgeräumt. Bis 1999 diente sie den Frauen Bühlmann, Metzgers, als Waschküche für all die Lumpen und Schürzen aus dem Schlachthaus. Alles wahr. - 9. April 2020
*Markus Ineichen war Dozent an der Hochschule Luzern Wirtschaft. Reden, Schreiben, Verhandeln und all die möglichen Wirkungen, das waren seine Themen. Er wohnt in Emmenbrücke.