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Für die meisten Leute ist klar: Eine attraktive Frau muss schlank sein. Kein Wunder, dass sich die meisten Frauen zu dick finden und abnehmen wollen.
Doch so selbstverständlich uns dieses Ideal ist − historisch gesehen ist es ziemlich neu und völlig ungewöhnlich. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts galten Frauen mit üppigen Rundungen als “schön”. Dieses Ideal der “Rubens-Frau” haben Künstler in zahlreichen Gemälden über Jahrhunderte hinweg fest gehalten.
Attraktivitätsforscher erklären den Wandel des Schönheitsideals damit, dass Fett in früheren Zeiten als Statussymbol galt: Nur die Wohlhabenden konnten es sich leisten sich satt zu essen, während die Armen aus Nahrungsmangel zwangsläufig schlank blieben.
Das Wort “Diät” ist eine Erfindung der Neuzeit: In den reichen Industrienationen der westlichen Welt ist heute die Versorgung mit Nahrungsmitteln für alle gesichert, weshalb niemand Hunger zu leiden braucht. Dadurch hat Fett seinen Informationswert als Zeichen von Wohlstand verloren. Teilweise hat sich dieser Zusammenhang sogar umgekehrt (Sobal & Stunkard, 1989): In den USA beispielsweise ist starkes Übergewicht vor allem ein Problem der sozialen Unterschicht.
Eine weltweite Studie, in der 62 verschiedene Kulturen untersucht wurden, zeigte, dass Schlankheit vor allem in den Ländern bevorzugt wird, in denen sich die Menschen um ihr tägliches Brot keine Gedanken machen müssen. In armen Ländern hingegen gelten weiterhin “üppigere” Frauen als schön.
Auch die gesellschaftliche Stellung der Frau scheint eine Rolle zu spielen: In traditionellen Kulturen, in denen Frauen in erster Linie Hausfrauen und Mütter sind, werden fülligere Figuren bevorzugt. In Kulturen hingegen, in denen Frauen mehr politische Macht und einen höheren Anteil an der Erwerbstätigkeit haben, werden schlanke Figuren bevorzugt. Barber (1998) konnte nachweisen, dass während des 20. Jahrhunderts auch in der westlichen Welt dieser Zusammenhang bestand: Je traditioneller die Rolle der Frau, desto kurvenreicher das Figur-Ideal. Je größer das Wirtschaftswachstum und je größer der Anteil der Frauen am Bildungssystem und Erwerbstätigkeit, desto weniger kurvenreich war das Ideal.