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Das wilde Saxophon ist verstummt
Geboren wurde der R&B Saxophonist Cecil James (Big Jay) McNeely am 29. April 1927 in Los Angeles. Seine grosse Zeit begann in den Vierzigerjahren. Es war die Zeit, als afroamerikanische Musik noch race music genannt wurde und bevor die elektrische Gitarre die Bühnen erobert hatte und das Saxophon das dominierende Instrument war. McNeely entwickelte den Saxophonstil, den man «Honking» nannte und war massgeblich an der Entwicklung des Rock’n’Rolls aus dem R&B beteiligt. Bei seinen theatralischen Auftritten spielte er auf dem Rücken, auf den Tischen, oder führte eine Prozession durch das Lokal und prägte damit einen Showstil, der bis heute Musiker beeinflusst. Man nannte ihn deswegen auch «The Wild Man of the Saxophone».
Er stammte aus einer Familie, die zwar nicht aus Musikern bestand, jedoch spielte beide Eltern Piano und auch seine beiden älteren Brüder Dillard Jr. und Robert spielten Instrumente. Bereits in der High School gründete er seine eigene Band, The Earls of ’44. Später arbeitete er in der Reifenfabrik Firestone, wie er in einem Interview verriet, dachte aber, es müsse einen angenehmeren Weg geben, sein Leben zu bestreiten und entschied sich für eine Karriere als Berufsmusiker.
Bald wurde er von Johnny Otis, dem Musiker, Bandleader, Songwriter, Impresario, Discjockey und Talent Scout, der oft als «der Pate von Rhythm and Blues» bezeichnet wurde, entdeckt und spielte 1948 mit ihm sechs Singles unter dem Titel Johnny Otis featuring Jay McNeely ein. Seine erste Single, die er im gleichen Jahr unter eigenem Namen veröffentlichte, hiess The Deacon’s Hop und erreichte den ersten Platz in der R&B Hitparade. Sein grösster Umsatzerfolg war There Is Something On Your Mind mit dem Sänger Little Sonny Warner.
Er feierte mit seinen exaltierten und extrovertierten Bühnenauftritten grosse Erfolge und verstand es, das Publikum so sehr zu begeistern, dass die Besitzer von weissen Nachtclubs, die Polizei riefen, um die von ihnen befürchteten Ausschreitungen durch hysterische Teenager abzuwenden. Seine grenzenlose Showkunst inspirierte Little Richard, Jerry Lee Lewis und Generationen von Künstlern.
Anfangs der Sechzigerjahre wurde es ruhiger um ihn und er wurde Pöstler, aber im Zuge des R&B Revival inszenierte 1983 er ein Comeback und tourte intensiv, vor allem in Europa. Nur wenige Monate vor seinem neunzigsten Geburtstag veröffentlichte er das Album Blowin' Down the House. Er tourte bis zum Juni 2018 und bot seine Show, inklusive des Spiels auf dem Rücken. 2014 wurde er in die Blues Hall Of Fame aufgenommen.
Am 16. September 2018 starb er an den Folgen eines Krebsleidens.