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Hintergrund
Nepal ist seit den 1960er Jahren stark von internationalen Entwicklungs- und Hilfsgeldern abhängig. Ein knapper Viertel seines Jahresbudgets wird noch heute von Geberländern und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) finanziert. Die Schweiz war eines der allerersten Länder, das Nepal bereits in den frühen 50er Jahren mit Finanzspritzen und konkreten Entwicklungsprojekten unterstützt hat. In den Anfangszeiten beschränkte sich die Unterstützung vorerst auf den Aufbau einiger Molkerei- und Käsereibetriebe und die Realisierung von Brückenprojekten. Heute unterstützt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA Nepal jährlich mit rund 45 Millionen Franken. Die Gelder fliessen in Infrastrukturprojekte (Strassen- und Brückenbau, Unterhalt von Verkehrswegen), in Projekte zur Unterstützung der ländlichen Bevölkerung (nachhaltige Landwirtschaft, Emanzipationsprojekte, Massnahmen gegen die Diskriminierung von niederen Kasten) und in good governance-Projekte. Die Schweiz versucht, der jungen nepalesischen Republik auf ihrem Weg zu einer föderalistischen Demokratie mit Rat und Tat (etwa im Bereich der Verfassungsarbeit) zur Seite zu stehen.
Tipp
Einen guten Überblick über das Schweizer Engagement in Nepal verschafft einem die Homepage der DEZA in Nepal: www.swiss-cooperation.admin.ch/nepal/. Das Koordinationsbüro der DEZA ist im gleichen Gebäude untergebracht wie die Schweizer Botschaft (Ekantakuna, Kathmandu). Wer sich für Projektbesuche interessiert oder Genaueres wissen will über die Schweizer Entwicklungsprojekte in Nepal, kann sich via kathmandu(at)sdc.net direkt an das DEZA-Büro in Kathmandu wenden.
Vom Luxus des nachhaltigen Denkens
Das erste Bild von Familie Bailkoti. Dambar und seine Frau Hem mit ihrer Enkelin Sumshmita. Noch nie hat jemand ein Foto von ihnen gemacht. Und jetzt, wo sich Gelegenheit für ein Familienportrait böte, sind die vier Söhne nicht hier. Der Jüngste arbeitet als Taglöhner auf einem nahen Feld. Der Zweitjüngste hat einen Hilfsjob in einer Garage in Kathmandu. Und die beiden Ältesten sind in Qatar. Jäno, dann halt zu dritt. Die Bailkotis sitzen vor ihrer Lehmhütte. An der Wand hängt noch das Wahlplakat der Maoisten. Die haben vor ein paar Wochen hier im Dorf Sanitar vorbeigeschaut, sogar bei ihnen, den Dalits, den Unwürdigen, den Unberührbaren. Neben der Tür lehnt der geflochtene Sitzuntersatz, auf den sich Hem jeden Tag hockt, um Kartoffeln zu schälen. Auf dem kleinen Holzpflock davor köpft Dambar alle paar Wochen ein Huhn. Die Familie hat nicht viel zum Leben. Ein wenig Mais, ein paar Kartoffeln, Hirse. Im letzten Jahr verdienten sie knapp 10’000 Rupien, weniger als 100 Franken.
In meinem Portemonnaie, das ich in meiner Umhängetasche mit mir herumtrage, sind die 25’000 Rupien, die ich vor meiner Reise hierhin in den ländlichen Okhaldhunga-Distrikt abgehoben habe. Knapp 250 Franken. Dambar und Hem müssten dafür gut zweieinhalb Jahre lang arbeiten. Zweieinhalb Jahre lang, jeden Tag, lange, harte Stunden auf dem Feld und in ihrem winzigen Gemüsegarten. Soll ich ihnen das Geld schenken? Ich brauchs ja nicht wirklich. Soll ich es Dambar mit dem stolzen Gestus des guten Gebers überreichen? Oder soll ich es einfach aus Versehen vor ihrer Hütte vergessen, wenn ich in ein paar Minuten von dannen ziehe, aus ihrem elenden, perspektivenlosen Leben wieder verschwinde? Nein, denke ich. Das wäre unvernünftig. Sie wüssten doch nicht, was sie damit anfangen sollten. Das wäre doch alles andere als nachhaltige Entwicklungshilfe.
Auf dem Weg hinunter nach Rumjatar denke ich nach. Nachhaltigkeit. Was für ein privilegiertes Konzept. Wer nachhaltig denken will, muss planen können, muss eine Perspektive haben. Er muss wissen, dass es eine Zukunft gibt, in die es sich zu investieren lohnt. Nachhaltiges Denken: Eigentlich ein purer Luxus.