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Zürich, den 26. Februar 1876.
Hochverehrter Herr!
Es drängt mich recht eigentlich, Ihnen für die so werthvolle Unterstützung, welche Sie dem Unternehmen der Gotthardbahn vor einiger Zeit im Schooße des Deutschen Reichstages1 und neulich wieder in Ihrem geschätzten Blatte2 zu Theil werden ließen, meinen warmen Dank auszusprechen.
Das Unternehmen hatte von seinen ersten Anfängen an ohne Unterlaß mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen und die Situation, in der es sich gegenwärtig befindet, wäre beinahe als eine verzweifelte zu bezeichnen, wenn nicht zu hoffen stünde, es werde in den verschiedenen betheiligten Ländern und vor Allem in Deutschland das von Ihnen gegebene schöne Beispiel Nachahmung finden und so zu allgemeinem Bewußtsein gebracht werden können, daß man ein Werk, wie die Gotthardbahn, nicht beginnt, um es nachher unvollendet liegen zu lassen.
Die Unterstützung, welche Sie der Gotthardbahn angedeihen ließen, hat auch mich persönlich in hohem Grade erfreut. Die mancherlei Erfahrungen, die ich in meiner bewegten Vergangenheit zu machen im Falle | war, haben die Ueberzeugung in mir hervorgerufen, daß Männer, welche sich der öffentlichen Thätigkeit widmen, ihre Genugthuung vor Allem in den großen Zielen zu suchen haben, welche sie sich vorsetzen. Nichts desto weniger gereicht es mir jedesmal zu lebhafter Ermunterung, wenn Männer, die ich um ihres Geistes und um ihres Charakters willen hochachte und verehre, mein Streben ihrer Anerkennung werth halten. Und so hat denn auch die Würdigung, die Sie, Hochverehrter Herr! meiner Thätigkeit, wenn auch weit über Verdienen hinaus, zu Theil werden zu lassen die Gewogenheit hatten, mich in hohem Grade ermuthigt, den dornenvollen Pfad unbeirrt fortzuwandeln, auf welchem die Verwirklichung der Gotthardbahn angestrebt werden muß.
Erlauben Sie mir noch, nur im Vorbeigehen darauf aufmerksam zu machen, daß die in Ihrem geschätzten Blatte aufgeworfene Frage, «ob man bei der Begründung der Gotthardbahnunternehmung nicht mehr Aktien (34 Millionen Franken) und weniger Obligationen (68 Millionen) hätte ausgeben sollen» auf Seite 9 des Entwurfes zu einem Schreiben an den Schweiz. Bundesrath in erschöpfender Weise beantwortet ist.3
Annehmend, daß es Werth für Sie haben dürfte, die in dem eben erwähnten Entwurfe zu einem Schreiben an den Schweizerischen Bundesrath aufgezählten Beilagen jetzt schon zu besitzen, beehre ich mich, Ihnen dieselben angebogen zu übersenden. 4 Ich bitte Sie jedoch, | diese Sendung so lange als eine konfidentielle behandeln zu wollen, bis die offizielle Uebergabe der fraglichen Aktenstücke an den Schweizerischen Bundesrath erfolgt sein wird.5 Dieselbe kann erst nach der auf den 3ten. März anberaumten Sitzung des Verwaltungsrathes stattfinden und dürfte etwa am 6. März bewerkstelligt werden können.
Genehmigen Sie, Hochverehrter Herr! mit meinem wiederholten Danke die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung und vollkommener Ergebenheit.
Dr A. Escher. 6
Herrn Dr. Elben
Abgeordnetem zum deutschen Reichstage
Stuttgart.