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Der StV wurde 1841 in Schwyz gegründet. Vorläufer waren regionale und kant. Studentenverbindungen wie der 1816 gegr. St. Galler Verein. Ziel war es, alle konservativ denkenden Studenten kath. und zunächst auch ref. Konfession zu sammeln. Aufgrund der in den 1840er Jahren einsetzenden Konfessionalisierung der Politik sowie als Folge der Niederlage des Sonderbunds organisierten sich im StV nach 1848 junge Publizisten, Juristen und Theologen als neue kath. Elite, die sich im Gegensatz zur sog. altkonservativen Richtung um Philipp Anton von Segesser von Brunegg auf den Boden der neuen Bundesverfassung stellte und das kath.-konservative Zeitungs-, Vereins- und Parteiwesen wieder aufbaute. Die alljährlich in versch. katholischen Kleinstädten organisierten Zentralfeste stärkten den nationalen Zusammenhalt dieser neuen Elite nachhaltig. Als Folge des Kulturkampfs bekannte sich der StV 1873 zur röm.-kath. Kirche. Im Unterschied zum Schweiz. Zofingerverein und zur Helvetia besass der StV von Anfang an Sektionen an ausländ. Universitäten wie etwa in Freiburg i.Br., Tübingen oder München. Der Verein war von Beginn weg mehrsprachig, 1845 entstand am Jesuitenkollegium St. Michael in Freiburg die erste französischsprachige Sektion, in den 1880er Jahren eine italienischsprachige im Tessin. Seit 1857 besitzt der StV mit der "Civitas" eine eigene Zeitschrift.
Der StV war bis in die 1990er Jahre Sammelpunkt der kath.-konservativen und christlichdemokrat. Elite der Schweiz. 1968 erreichte der Verein mit 1'817 Aktiven und 7'338 Altherren den höchsten Mitgliederbestand. In den eidg. Räten zog der StV bis 1875 mit dem Schweiz. Zofingerverein zahlenmässig gleich, bevor er ihn 1917 überholte. 1881 sassen 24, 1920 38, 1944 33 und 1968 30 Mitglieder des StV im Bundesparlament. Mit wenigen Ausnahmen gehörten alle kath.-konservativen bzw. christlichdemokrat. Bundesräte dem StV an. Trotz der engen personellen Verbindung mit dem polit. Katholizismus hielt sich der Verein in der Regel aus der Tagespolitik heraus. In den 1950er und 60er Jahren befasste er sich mit Bildungs- und Universitätspolitik, 1968 publizierte er das progressive „Freiburger Manifest“. Im Anschluss an die 1968er-Bewegung büsste der StV wie die anderen traditionellen Studentenverbindungen seine Bedeutung in der Politik ein. Weltanschaulich grenzte sich der Verein zunächst vom Freisinn, später v.a. vom Sozialismus ab, bevor er sich 1971 gesellschaftspolitisch öffnete. In den Kriegs- und Krisenzeiten des 20. Jh. nahm der StV stets eine nationalpatriot. Haltung ein und vertrat in der Periode des Kalten Kriegs eine prononciert antikommunistische, auf die innenpolit. Konkordanz ausgerichtete Haltung. Im Zeichen des 2. Vatikan. Konzils 1962-65 öffnete sich der Verein erneut Studierenden evang.-ref. Konfession und gab 1977 das konfessionelle Prinzip auf. 1841 als nichtfarbentragender polit. Verein gegründet, führte der StV 1851 das rot-weiss-grüne Band und 1860 die rote Mütze ein. Der Verein beschloss 1968, Studentinnen als Vollmitglieder aufzunehmen, sofern die einzelnen Sektionen zustimmten.
Literatur
– „Den Riesenkampf mit dieser Zeit zu wagen …“: S. 1841-1991, hg. von U. Altermatt, 1993
– Der kleine Riesenkampf, 2002
– U. Altermatt, Die Univ. Freiburg auf der Suche nach Identität, 2009
Autorin/Autor: Urs Altermatt