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Franz Josef Hugi
|Franz Josef Hugi|
|* 23. Januar 1791 in Grenchen|
|† 25. März 1855|
Franz Josef Hugi war einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler und Alpinisten der Schweiz. Am 25. März 1855 verstarb der Gletscherforscher und Entdecker der nach ihm benannten versteinerten Riesenschildkröten[1]. Wer war Hugi, der internationale Auszeichnungen erhielt und der selbst nach seinem Tode kaum beachtet wurde?
Es geschah am 3. März 1798. Mutter Hugi kehrte mit ihren Kindern nach Grenchen zurück. Am Tag zuvor war sie vor den aus der Richtung Lengnau einfallenden Franzosen geflohen und hatte die Nacht bei Freunden in St. Niklaus bei Solothurn verbracht. Unter den Kindern war auch ihr fünfjähriger Sohn Franz Josef. Auf ihrem Weg zurück nach Hause fand die Familie auf einem Feld zwischen Grenchen und Bettlach die Leiche ihres Mannes und Vaters Andreas Hugi und nicht weit davon entfernt auch den toten Knecht. Mutter Hugi hielt an und hiess die Kinder für das Seelenwohl des getöteten Vaters beten.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Jugend- und Studienjahre
- 2 Hugi entdeckt die Riesenschildkröten
- 3 Gründer der „Naturforschenden“
- 4 Die Reisen in die Alpen
- 5 Er verstiess gegen Konventionen
- 6 Die Erde als Organismus
- 7 Experte Franz Josef Hugi
- 8 Die wichtigsten Werke von Franz Josef Hugi
- 9 Literatur zu Franz Josef Hugi
- 10 Bemerkung zum Geburtsdatum von Franz Josef Hugi
- 11 Dank
- 12 Einzelnachweise
- 13 Quellen
- 14 Weblinks
Jugend- und Studienjahre
Franz Josef Hugi wurde am 23. Januar 1791 in Grenchen als Sohn des Müllers Andreas Hugi geboren. Erste Lateinstunden erhielt er vom Kaplan von Oberdorf, und am 1. November 1807 trat er als Studierender ins Kollegium von Solothurn ein, wo er in die Klasse der Grammatik aufgenommen wurde. In jedem Jahr veröffentlichte die Schulleitung eine Rangfolge der Schülerleistung. Hugi figurierte auf dieser Liste jeweils in der vordern Mitte. Hugi interessierte sich für die Politik, die im Kanton und in der Schweiz betrieben wurde und beteiligte sich am 2. Juni 1814 als Einundzwanzigjähriger am Aufstand der Liberalen, welche die Mediations Verfassung wieder herstellen wollten, welche knapp ein halbes Jahr zuvor von den Konservativen mittels eines Putsches ausser Kraft gesetzt worden war. Dieser Aufstand misslang, und die Regierung bestrafte die Aufständischen, obwohl sie ihnen zuvor eine Amnestie versprochen hatte. Seit dieser Zeit blieb Franz Josef Hugi dem liberal-demokratischen Denken verbunden. Hugi entzog sich der drohenden Strafe und floh ins Ausland. Er setzte seine Theologiestudien an der Uni Landshut fort. Dort belegte er auch Vorlesungen über Physik, Botanik und Anatomie. 1818 studierte Hugi der Familientradition entsprechend während eines Semesters in Wien. 1819 wurde Franz Josef Hugi in Solothurn zum Priester geweiht, doch vorher schon wurde er als Nachfolger von Abbé Cochac Lehrer an der Waisenhausschule in Solothurn. Sein Biologieunterricht stiess, obwohl er Geistlicher war, bei den Patriziern von Solothurn auf erheblichen Widerstand. „Ist es nicht gottlos, dem Herrgott mit Fernrohren in die Milchstrasse hineinzugucken?“ jammerten sie und meinten, wer Tiere, Pflanzen und gar Steine in die Schulstube schleppe verstosse gegen die Ideale einer klassischen Bildung.
Hugi entdeckt die Riesenschildkröten
In seiner Freizeit befasste sich Franz Josef Hugi intensiv mit der Geologie und durchstreifte unermüdlich den Jura auf der Suche nach Versteinerungen. Auf einem dieser Streifzüge entdeckte er in einer Solothurner Steingrube fossile Riesenschildkröten, die damals wie auch heute noch für Aufsehen sorgten. Sie tragen seinen Namen „Protosaurus Hugii“ und „Thalassemys Hugii“. Der Forscher Hugi fand aber auch Überreste von Seeigeln, Haifischen und eine Krokodilschnauze. Mir seinen Funden bewies er den Solothurnern, dass vor Jahrmillionen diese Tiere unter Palmen am Strande des Jurameers tummelten. Seine Sammlung trat er aus Platzmangel gegen eine jährliche Rente von 900 Franken an die Stadt Solothurn ab. Hugis Sammlung bildet die Grundlage des heutigen Naturmuseums am Solothurner Klosterplatz.
Gründer der „Naturforschenden“
Den Zweck der Naturforschenden Gesellschaft umschrieb Hugi so „nach und nach sich selbst zu bilden.“ Mitgründer waren der Apotheker Anton Pfluger, derStadtphysikus Johann Kottmann, Ingenieur Josef Walker, Chirurgus Peter Felber und neben weiteren Interessierten schloss sich auch Stadtrat Ludwig von Roll, Gründer der Eisenwerke, der Gesellschaft an. Die gemeinsam erarbeiteten neuen Erkenntnisse sollten für die Bevölkerung nutzbringend angewendet werden. Hugi setzte sich unter anderem für die Torfgewinnung in Lommiswil und die Seidenraupenzucht ein. Letztere misslang, doch dafür konnte der Naturforscher mit den Mitgliedern seiner Gesellschaft auf dem Pausenplatz des Kollegiumschulhauses in Solothurn einen botanischen Garten einrichten. In einem Zeitungsbericht wurde aufgezählt, dass man hier unter anderem auch chinesischen Riesenhanf, südkarolinischer Mais, einen Kafeestrauch, Zuckerrohr und Ingwer-Gewächse angetroffen habe. Der botanische Garten verschwand 1881 nach der Uebersiedlung der Kantonsschule in den Ambassadorenhof.
Die Reisen in die Alpen
In der Naturforschenden Gesellschaft mussten die Mitglieder reihum über ihre Spezialgebiete und ihre Erkentnisse berichten. Es fanden pro Jahr bis zu 33 gelehrte Sitzungen und Veranstaltungen statt, was zeigt, mit welch persönlichem Einsatz die Mitglieder sich für die Erforschung ihrer Umgebung engagierten. Hugi berichtete über seine Alpenreisen und veröffentlichte die gewonnen Erkenntnisse 1830 in der Schrift „Naturhistorische Alpenreise.“ 1955 erschien der Faskimiliendruck dieses Buches. Hugis Expeditionen wurden mit einem unglaublichen Personal- und Materialaufwand betrieben. Bis zu zwölf Begleiter umfasste jeweils der Tross aus Künstlern (wie Martin Disteli und Friedrich Dietler), Naturinteressierte wie der spätere Oberlehrer und Kaplan von Oberdorf, Jakob Roth sowie die Bergführer und Träger. Hugi beschrieb, was alles er mit sich führte (hier folgt eine unvollständige Auswahl): Reiseapotheken, Augenbalsam, Blaue Brillen, Bleiextrakt, Hoffmannstropfen, Fusssalben aus verbranntem Alkohol, Kölnerwasser, Schuhschmiere aus Fischtran und Fett, Säuren, Binden, Weingeistblasen, Spanische Weinsäcke und dazu jede Menge wissenschaftlicher Geräte. Wein wurde stets in reichlichen Mengen und von hervorragender Qualität mitgeführt. Es konnte schon mal vorkommen, dass der La Côte gefroren war. – 1832 unternahm Hugi sogar eine Winterreise ins Gebirge. Er wollte die Veränderungen der Gletscher während der Winterzeit beobachten. Eine eigene spannende Geschichte ist jene von der Erstbesteigung des Finsteraarhorns und der nachfolgende erbitterte Streit der Alpinisten Hugi und Meyer, die beide diese Erstbesteigung dieses Berges für sich reklamierten. Eine markante Stelle im Aufstieg zum Finsteraarhorn heisst heute noch „Hugisattel“. Seine Expeditionen finanzierte Hugi selber. Sein Lohn als Lehrer betrug rund tausend Franken pro Jahr, und jede Expedition kam auf etwa 1'600 Franken zu stehen. Der Forscher schreckte auch vor grossen körperlichen Leistungen nicht zurück. So waren er und seine Begleiter auf dem Marsch aus dem Lötschental über den Märjelensee bis nach Fiesch rund 20 Stunden unterwegs. Es konnte auch vorkommen, dass er kurzerhand auf seinen Socken die Gletscher überwand.
Er verstiess gegen Konventionen
Franz Josef Hugi war als herausragender und mutiger Wissenschafter international geachtet und wurde mit Ehrentiteln überhäuft. In Solothurn war er Professor an der Kantonsschule. Alles schien in bester Ordnung zu sein. Doch 1837 verstiess Hugi gegen alle Solothurner Konventionen, trat zum evangelischen Glauben über und heiratete Anna Gassmann, die seine Bücher setzte. Mit ihr zusammen hatte er sechs Kinder. Dieser Bruch mit der Kirche wurde ihm sehr übel genommen, und in Solothurn verlor er sofort sämtliche Ämter. Einzig die Rente von 900 Franken im Jahr als Direktor des Naturwissenschaftlichen Museums blieb ihm erhalten. Die Gemeinde Grenchen bescheinigte ihm, dass er, seine Frau und alle Kinder für immer Grenchner Bürger blieben. Der Pfarrer von Grenchen hingegen weigerte sich, die vom reformierten Pfarramt Solothurn ausgestellten Taufscheine der Kinder zu akzeptieren und ins Pfarrbuch einzutragen. Die Familie Hugi hatte kein leichtes Leben und musste sich nach einer gar dünnen Decke strecken. Das Mädchen wird später Schriftstellerin, der älteste Sohn Uhrmacher, der zweite Optiker und der jüngste Pfarrer
Die Erde als Organismus
„Das Universum ist ein grosser Gottesgarten; alle Pflanzen darin, so unterschiedlich sie auch sein mögen, entwickeln sich nach der gleichen Norm!“ – Hugi war überzeugt, dass alles lebt, selbst die Gesteine. Seine letzten Lebensjahre widmete er voll und ganz seiner Naturtheorie und suchte einen gangbaren Weg, naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit der Schöpfungsgeschichte und der Heilslehre in Einklang zu bringen. In seinem Aufsatz über Hugi schreibt Rolf Maegli: „Seine Theorien erlangen heute wieder Aktualität: die Chaosforschung und Rupert Sheldrakes Thesen stehen mit Hugis Organismuslehre in einer gewissen Verwandtschaft.“ – Hugi litt an einem Herzleiden, dem er am 25. März 1855 erlag. Von seinen „Freunden“ der Naturforschenden Gesellschaft wollte keiner einen Nekrolog schreiben, derart hart wurde Hugis „Fehltritt“ verurteilt!. Erst 1923 wurden anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Naturforschenden Gesellschaft Hugis Verdienste in der Festschrift gewürdigt. Bereits 1865, zehn Jahre nach Hugis Tod, errichtete Grenchen seinem berühmten Bürger einen Gedenkstein südlich der Schulhäuser I und II. Eine Strasse allerdings ist auch nach ihm nie benannt worden. Erst fünfzig Jahre nach seinem Tod vermochten sich die Solothurner mit Hugi auszusöhnen und stifteten ihm einen Ehrenstein in der Einsiedelei.
Experte Franz Josef Hugi
Immer wenn man in Grenchen, aber auch anderswo, glaubte, da oder dort Spuren eines Schatzes entdeckt zu haben, wurde Franz Josef Hugi gerufen, damit er beurteile, um was es sich hier handle. Dabei musste er sehr oft nicht nur gegen krasse Unkenntnisse naturwissenschaftlicher Phänomene ankämpfen, sondern vor allem auch gegen uralten Geisterlauben. Hugi beschäftige sich bei seinen Expertisen auch mit den Menschen und ihren Einstellungen, die sich als Schatzgräber betätigten und kam zu folgenden Einsichten:
„Ich machte seit Jahren die Beobachtung, dass bei den Protestanten mehr der Geisterglauben herrschte. Sie fürchteten sich vor diesen Geistern und suchten sie mit heiligen Büchern zu bannen. Sie fahndeten nach Goldschätzen, meist in eisernen Kisten und bei alten Schlössern. Die Katholiken waren mehr geneigt, nach Erzen zu graben. Sie hatten eine Menge eigener Gebetsformeln, auf die sie oft zu viel Vertrauen setzten.“
Die wichtigsten Werke von Franz Josef Hugi
- Hugi, Franz Josef, Naturhistorische Alpenreise : (Mit Titelkupfer und Vignette, 2 Kärtchen, 16 Tafeln, 9 Tabellen) / Franz Joseph Hugi. Solothurn ; Leipzig, 1830. Ill. ; 8'
- Hugi, Franz Josef, Ueber das Wesen der Gletscher und Winterreise in das Eismeer / Franz Joseph Hugi. Stuttgart ; Tübingen, 1842. 8'
- Hugi, Franz Josef, Grundzüge zu einer allgemeinen Naturansicht für höhere Schulen und das gebildete Publikum. Abth. 1 : Die Erde als Organismus. Solothurn, 1841. 8'
- Hugi, Franz Josef, Die Gletscher und die erratischen Blöcke / Franz Joseph Hugi. Solothurn, 1843. 8'
Literatur zu Franz Josef Hugi
- „Naturhistorische Alpenreise“ 1830 – Nachdruck 1995 im Rothus Verlag Solothurn, Herausgeber Rolf Maegli, Vorwort Dr. René Monteil.
- Keller, J.V.: "Geschichtlicher Ueberblick über die Entstehung und die Tätigkeit der Naturforschenden Gesellschaft Solothurn in der Zeit von 1823-1923". Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Solothurn, 7. Heft. Solothurn, 1923.
- Werner Strub „Heimatbuch Grenchen“ 1949[2].
- Hans R. Stampfli "Geschichte der wissenschaftlichen Sammlungen in Solothurn". Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons Solothurn, 33. Heft 1988. 125 S.[3]
- W. Moser, «Die barometr. Höhenbestimmung und ihre Grundlagen», in Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons Solothurn 34. Heft, 1989, S. 145-184.</ref>
- Rolf Maegli „Franz Josef Hugi – Gletscherforscher und Alpinist“ in der Festschrift „50 Jahre SAC Grenchen“ 1995.
Bemerkung zum Geburtsdatum von Franz Josef Hugi
Das Geburtsdatum Hugis ist der 23. Januar 1791. In der Literatur trifft man oft auf den 19. September 1793 oder andere Datierungen als Geburtsdatum. Der 19. September 1793 entspricht dem Geburtstag seines gleichnamigen Bruders, der in Solothurn den Beruf eines Uhrmachers ausübte und im Jahre 1825 starb. Eine nachträgliche Kontrolle von Hans R. Stampfli im Pfarrbuch von Grenchen und im Totenbuch der Stadt Solothurn belegt diese Tatsachen[4]
Dank
Die kleine Dokumentation über den Naturforscher Franz Josef Hugi ist dank dem Text von Rainer W. Walter entstanden. Er verfasste diesen Text zum 150. Todestag von Franz Josef Hugi, der am 25. März 1855 in Solothurn im Alter von 64 Jahren verstorben war.
Herzlichen Dank an
- Rainer W. Walter für die Überlassung des Hugi-Texts zur Veröffentlichung im Internet.
- der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons Solothurn und ihrem Präsidenten, Herrn Dr. Peter Berger, für die Erlaubnis, Bilder und Textausschnitte aus den Publikationen der Gesellschaft in dieser Dokumentation zu verwenden.
- Herrn Peter Probst, Zentralbibliothek Solothurn, für die Nachforschungen im handschriftlichen Nachlass von Franz Josef Hugi.
- der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern für die Benutzung der Werke von F. J. Hugi aus dem 19. Jahrhundert.
- Herrn Peter Lüchinger, Präsident des Schweizer Alpenclubs, Sektion Grenchen, für die Kopien aus der Jubiliäumsfestschrift „50 Jahre SAC Grenchen“.
Einzelnachweise
- Informationen für Lehrer und Lehrerinnen Naturmuseum Solothurn, Ausgabe April 2005 (PDF Version)
- Auszug aus dem Heimatbuch von Werner Strub, 1949 (PDF Version)
- Auszug aus Stampfli, Hans R. "Geschichte der wissenschaftlichen Sammlungen in Solothurn", Kapitel 7, S. 100-111 Mitteilung der Naturforschenden Gesellschaft des Kanton Solothurns. 33. Heft 1988, Solothurn 1988 (PDF Version)
- Stampfli, Hans R.: Geschichte der wissenschaftlichen Sammlungen in Solothurn. - (Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons Solothurn, 33. Heft 1988). Solothurn, 1988. s.S. 103
Quellen
(Dieser Artikel ist Eigentum des Autors / der Autorin und kann deshalb nicht editiert werden.)
- Franz Josef Hugi auf Wikipedia
- Franz Josef Hugi im Historischen Lexikon der Schweiz