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Die Stechmücken (Culicidae) oder Moskitos (in Teilen der Schweiz und Süddeutschlands: Schnaken oder Staunsen, im größten Teil Österreichs: Gelsen) bilden eine Familie der Insekten, die der Ordnung der Zweiflügler angehören. Der Name Moskito ist abgeleitet vom spanischen oder portugiesischen Begriff Mosquito, der kleine Fliege bedeutet. Sein Gebrauch reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Im zoologischen Sinne werden unter dem Begriff Schnaken (Tipulidae) die Arten einer völlig anderen Familie der Zweiflügler zusammengefasst, siehe dort.
Die Familie umfasst etwa 35 Gattungen, die sich auf etwa 2.700 Arten aufteilen. Es gibt Stechmücken seit etwa 170 Millionen Jahren.
Vorkommen
Abgesehen von den Polargebieten, Wüsten und Höhenlagen über 1500 m kommen sie insgesamt gesehen weltweit meist in der Nähe von Wasserstellen jeder Größe vor. Allerdings haben die verschiedenen Arten auch sehr unterschiedliche Verbreitungsgebiete.
Merkmale
Stechmücken verfügen über zwei häutige, teilweise beschuppte Flügel, zwei Schwingkölbchen oder Halteren, lange, vielgliedrige Fühler, einen etwa ebensolangen Stechrüssel (nur die Weibchen), haben einen schlanken Körper und lange Beine; die Größe ist unterschiedlich, aber selten größer als 15 mm. Stechmücken wiegen nur etwa 2 bis 2,5 mg.
Flugeigenschaften
Sie können mit einer Geschwindigkeit von etwa 1,5 bis 2,5 km/h fliegen. Die Flughöhe einer Stechmücke ist im Allgemeinen abhängig von der jeweiligen Art, von der Höhe des Aufenthaltsortes über Meeresspiegel, vom Wetter, Luftdruck, der Temperatur und den Lichtverhältnissen. Bei warmem, windstillem Wetter mit leichter Bewölkung ohne starke, direkte Sonneneinstrahlung kann von einigen Arten eine große Flughöhe erreicht werden, denn sie benutzen auch thermische Aufwinde und können so an manchen Orten in Höhen von über 100 m über Boden gelangen. Bei kühler, windiger oder gar regnerischer Witterung fliegen viele Stechmücken, wenn überhaupt, nur kurze Distanzen und verbleiben eher in Bodennähe.
Ernährung
Bei den meisten weiblichen Stechmücken bilden die Mundteile einen langen Rüssel (Proboscis), um die Haut von Säugetieren (oder in manchen Fällen von Vögeln, Reptilien oder Amphibien) zu durchdringen und deren Blut zu saugen. Die Männchen unterscheiden sich dadurch von den Weibchen, dass sich ihre Mundteile nicht zum Saugen von Blut eignen. Die Weibchen müssen nach der Befruchtung durch die Männchen eine Blutmahlzeit zu sich nehmen, da sie Protein benötigen, um Eier zu bilden und ihre sonstige Nahrung nur aus Nektar und Fruchtsaft besteht und kein Protein enthält. Somit ist die Aufnahme von Blut unverzichtbar für die Fortpflanzung der Stechmücken.
Eine Ausnahme hierbei bilden die Weibchen der Gattung Toxorhynchites. Sie besitzen einen gebogenen Stechrüssel und saugen kein Blut. Sie ernähren sich daher wie die Männchen von Pflanzensäften.
Auffindung der Nahrungsquelle
Durch Laborexperimente hat man herausgefunden, dass Stechmücken durch Abstrahlung von Körperwärme (Temperatur), ausgeatmeten Wasserdampf, ausgeatmetes Kohlendioxid, Schweißgeruch (also andere chemische Lockstoffe wie u.a. verschiedene Aminosäuren, Ammoniak, Milchsäure, Buttersäure) und andere von der menschlichen Haut ausgeschiedene Stoffe zu ihren Nahrungsopfern gelenkt werden. Mit anderen Worten gesagt, folgen Stechmücken dem von ihnen geliebten Geruch ihres Wirtes und fliegen immer in die Richtung, in welcher dieser Geruch am stärksten ist. Im direkten Nahbereich benutzen sie für Zielanflug und Landung auch ihre Facettenaugen zur Orientierung und Gefahrenerkennung.
Schmerzempfindung beim Stich
Beim Stich einer Stechmücke kommt eine wenn auch in der Regel nur geringfügige Schmerzempfindung zustande, wenn der in die Haut eindringende Stechrüssel (Proboscis) auf einen Schmerznerv trifft oder ihn in der Haut auch nur streift und das betreffende Nahrungsopfer den Stich bewusst mitbekommt. Allerdings spielen beim Menschen hinsichtlich der dabei dann empfundenen Schmerzintensität diesbezüglich im Gehirn (Zentralem Nervensystem) abgespeicherte Vorerfahrungen und emotionale Bewertungen des miterlebten Stichs eine nicht unwesentliche Rolle.
Juckreiz nach dem Stich
Nach dem Stich tritt häufig ein Juckreiz auf. Dieser wird von den Proteinen ausgelöst, welche die Stechmücke in die Saugstelle einspritzt, um das Blut vor dem Gerinnen zu bewahren. Diese Proteine werden jedoch in der Regel bei Temperaturen ab 45° Celsius zerstört. Als Hausmittel soll es genügen, eine nicht zu heiße Tasse Tee oder Kaffee für etwa eine Minute an die betroffene Stelle zu halten. Danach ist lediglich der Einstich noch zu sehen, doch der Juckreiz soll verschwinden und der Stich innerhalb von ein bis zwei Tagen verheilen.
Entwicklung
Das Leben einer Stechmücke gliedert sich in vier verschiedene Stadien: Ei, Larve, Puppe und Imago (das ausgewachsene Tier).
Die Dauer der ersten drei Stadien ist art- und temperaturabhängig. Culex tarsalis können ihren Lebenszyklus bei 20 °C in 14 Tagen abschließen und in 10 Tagen bei 25 °C. Ein paar Arten haben einen Lebenszyklus von vier Tagen bis zu einem Monat. Die Larven finden sich oft in Teichen oder wassergefüllten Behältern. Sie atmen mittels eines Rüssels am hinteren Ende des Körpers Sauerstoff aus der Luft ein. Die Puppe ist beinahe so aktiv wie die Larve, atmet aber mittels kleiner „Hörner“ am Thorax. Die meisten Larven ernähren sich von Mikroorganismen, ein paar aber auch von anderen Stechmückenlarven.
Stechmückenlarven wie die der Wyeomyia leben in ungewöhnlichen Situationen, wie etwa im Wasser, das sich in epiphytischen Bromelien oder in fleischfressenden Pflanzen gesammelt hat. Larven der Gattung Deinocerites leben in Krabbenhöhlen entlang der Meeresküste.
Mit ihren veränderten Mundbürsten leben die Larven der Gattung Toxorhynchites wiederum räuberisch von anderen Stechmückenlarven. Bei Nahrungsknappheit kommt es bei diesen Larven sogar zu Kannibalismus, weshalb sich in den engen Brutplätzen - meist Bambusstümpfen - selten mehr als eine vollständig ausgewachsene Larve einer Art der Toxorhynchites befindet.
Die Stechmücke als Krankheitsüberträger
Bevor die Stechmücke, wie alle anderen blutsaugenden Insekten, ihre Nahrung aufnimmt, spritzt sie durch ihren Stechrüssel (Proboscis) ein Drüsensekret (allgemein: Speichel) in ihr Opfer hinein. In diesem Sekret befindet sich hauptsächlich ein Wirkstoff, der eine mögliche Blutgerinnung in ihrem Rüssel während der Nahrungsaufnahme verhindern soll, damit er nicht verstopft. Außerdem wird der Blutfluss zur Einstichstelle hin verstärkt. Für das "Opfer" (z.B. Mensch) ist der eingespritzte Mückenspeichel ein Fremdkörper, das Abwehrsystem reagiert darauf, es juckt und brennt mehr oder minder lange, und die Haut an der Einstichstelle schwillt an. Es bildet sich eine sogenannte Quaddel.
In dem Speichel können auch Krankheitserreger (Viren, Bakterien, einzellige oder mehrzellige Parasiten) enthalten sein, die die Mücke bei einer vorangegangenen Nahrungsaufnahme bei einem infizierten Opfer zusammen mit dem Blut aufgenommen hat. Wenn diese Krankheitserreger in der Mücke nicht nur überleben, sondern sich auch noch in ihr vermehren und oder wandeln, dann ist die Mücke ein Wirt bzw. Zwischenwirt für diese Krankheitserreger und infiziert in schon beschriebener Weise ihr nächstes Nahrungsopfer. Einige Stechmückenarten können daher als Vektoren auf biologischem Wege bei Mensch und Tier Krankheiten übertragen, die durch einzellige Plasmodien (Malaria), durch Parasiten (Filariose) oder durch Viren (Gelbfieber, Dengue-Fieber, West-Nil-Fieber, Rift-Valley-Fieber, Blauzungenkrankheit, u.a.) oder Bakterien (Tularämie) ausgelöst werden.
Eine von Stechmücken gepeinigte Hand
Potentiell ist, wie bei allen Vektoren, auch eine mechanische Übertragung aller möglichen Erreger hier durch die äußere und innere Kontamination der Proboscis (des Stech-, Saugrüssels) der Stechmücke möglich, wenn das Insekt während der Nahrungsaufnahme bei einer infizierten Person gestört wird und alsbald auf einer anderen nicht infizierten Person weitersaugt. Nach heutigem Kenntnisstand ist zu erwarten, dass diese Übertragungsmöglichkeit, wenn überhaupt, nur in Populationen mit sehr hoher Erregerverbreitung gelegentlich auftreten kann[1][2]. Dieser Übertragungsweg entspricht dem der Infektion per Nadelstichverletzung bzw. mehrfach hintereinander genutzter Injektionskanülen ohne zwischenzeitliche Sterilisation, jedoch in einer anderen Größenordnung. Rein theoretisch kann die Übertragung eines einzigen Erregers auf diesem Wege eine Infizierung bewirken. In der Praxis ist jedoch eine ausreichende Mindestmenge von Erregern für eine Infektion erforderlich. Ob diese Mindestmenge z.B. bei einer Kontamination der Stechmückenproboscis allein erreicht werden kann, ist fraglich. Epidemiologisch gibt es auch bis heute zumindest bei den Stechmücken für diese Übertragungsart keine eindeutigen Anzeichen.
Bekämpfung von Stechmücken
Seit 1987 wird entlang des Oberrheins das Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (BTI) zur Bekämpfung von Stechmücken (vor allem der Wiesenmücke, die in dieser Gegend auch Rheinschnake genannt wird) eingesetzt. Das Mittel wird großflächig mit Hubschrauber als Eisgranulat ausgebracht und führt zu einem Absterben der Mückenlarven durch Schädigung des Verdauungstrakts. Naturschutzfachlich ist BTI umstritten [3], da es nicht, wie oft behauptet, ausschließlich auf Culiciden wirkt, sondern beispielsweise auch die harmlosen Chironomidae und die als Grundlage der aquatischen Nahrungskette überaus bedeutsamen Grünalgen abtötet. Die Artenzusammensetzung, auch bei Tieren, die von BTI nicht unmittelbar betroffen scheinen, kann sich durch dessen Einsatz in wenigen Jahren drastisch verändern.
Es gibt verschiede Einzelmaßnahmen des Insektenschutzes, mit denen man sich vor Mückenstichen schützen kann.
Wichtigstes Vorgehen in normalen Wohnsiedlungen ist das regelmäßige Leeren von Regentonnen oder kleinen Wasseransammlungen oder sie abzudecken.
Arten und Gattungen (Auswahl)
- Malariamücken (Anopheles)
- Gambische Malariamücke (Anopheles gambiae)
- Stephens Malariamücke (Anopheles stephensi)
- Fiebermücke (Anopheles maculipennis)
- Anopheles claviger
- Anopheles plumbeus
- Aedes
- Wiesenmücke (Aedes vexans)
- Auwaldmücke (Aedes sticticus, seit neuerem auch Ochlerotatus sticticus)
- Gelbfiebermücke (Aedes aegypti, seit neuerem auch Stegomyia aegypti)
- Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus, seit neuerem auch Stegomyia albopicta)
- Aedes mariae
- Aedes pullatus
- Aedes punctor
- Aedes leucomelas
- Aedes annulipes (seit neuerem Ochlerotatus annulipes)
- Aedes cantans (seit neuestem Ochlerotatus cantans)
- Aedes cinereus
- Aedes rossicus
- Aedes geniculatus
- Culex
- Gemeine Stechmücke oder Nördliche Hausmücke (Culex pipiens)
- Südliche Hausmücke (Culex quinquefasciatus)
- Culex modestus
- Culiseta
- Ringelschnake (Culiseta annulata)
- Culiseta morsitans
- Haemagoggus
- Mansonia
- Ochlerotatus
- Psorophora
- Sabethes
- Toxorhynchites
- Verralina
- Verralina Harbachius
- Verralina Neomacleaya
- Verralina Verralina
- Wyeomyia
- Zeugnomyia