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Zürich feiert den Tag der Arbeit, obwohl es in der Stadt Arbeiter im Sinn des Fabrik-Büezers nur noch wenige gibt. Das war nicht immer so. Bevor Löhne und Bodenpreise ins Unermessliche stiegen, wurden hier allerlei Verbrauchsgüter des täglichen Bedarfs produziert: Bier, Zigaretten, Joghurt, Waschpulver, Batterien, aber auch grössere Kisten wie Schiffe, Motoren und Turbinen.
Von dieser grossen industriellen Vergangenheit zeugen heute Areale wie «Hürlimann», «Schiffbau» und «Maag». Dass ihre Namen noch immer klingen und ihre Ziegelstein-Architektur gefällt, zeigt: Die Bankenstadt empfindet so etwas wie Ehrfurcht vor harter Arbeit.
watson hat 12 historische Aufnahmen aus über 80 Jahren Zürcher Industriegeschichte gesammelt und die gleichen Orte in der Gegenwart erneut abgelichtet. Viel Spass beim Schiebern.
1939/2014
Als im Schiffbau noch Schiffe gebaut wurden, hiess die Halle Kesselschmiede und gehörte zur Maschinenfabrik Escher, Wyss & Cie. Von den hier gebauten Schiffen verkehren heute noch die «Stadt Zürich» (Baujahr 1909) und die «Stadt Rapperswil» (Baujahr 1914) auf dem Zürichsee. Nach dem Niedergang des Industriesektors im Kreis 5 wurde die Kesselschmiede auf Druck der Bevölkerung unter Denkmalschutz gestellt und 1996-2000 saniert und erweitert. Heute beherbergt der Schiffbau ein Restaurant, einen Jazzclub und eine Theaterbühne.
1979/2014
Löwenbräu produzierte seit 1898 Bier im Kreis 5. Das Ende des Bierkartells und die damit verbundenen Marktveränderungen überlebte die Brauerei aber nicht. Sie wurde 1984 vom Konkurrenten Hürlimann übernommen, welcher die Betriebsstätte an der Limmatstrasse zwei Jahre später schloss. Das denkmalgeschützt Areal wurde ab 2010 um zwei Hochhäuser ergänzt und beherbergt heute Raum für Kunst sowie Büros und Wohnungen. Im ikonischen Stahlsilo soll ein Restaurant entstehen.
1996/2014
Die Brauerei Hürlimann, die seit 1867 in der Enge Bier produzierte, war einst die grösste der ganzen Schweiz. Wie erwähnt schluckte sie den innerstädtischen Konkurrenten Löwenbräu, musste 1996 aber selbst mit Branchenprimus Feldschlösschen fusionieren. Die Produktion in Zürich wurde ein Jahr später eingestellt, Hürlimann als Marke aber weiter geführt. Seit dem Umbau gibt es in der Brauerei ein schickes Thermalbad und in den neu entstandenen Büroräumen hat sich Google eingemietet.
1909/2014
Wichtiger Standort der Maschinenfabrik Escher, Wyss & Cie. war die Giesserei, wo Eisen gegossen und weiterverarbeitet wurde. 1975 wurde der Kupolofen ausgeschaltet und die Halle während fast 30 Jahren als Lager- und Werkstätte genutzt. Während den Umbauarbeiten wurde der Kupolofen entgegen den ausdrücklichen Wünschen des Stadtrats zerstört. 2004 öffnete der Puls 5 seine Tore, dessen neue Gebäudeteile die alte Halle umschliessen.
1986/2014
Die Friedrich Steinfels AG produzierte seit 1880 Seife und später Waschmittel in Zürich-West. Die Marken Floris, Niaxa und Maga und vor allem die 1968 eingeführte Werbefigur «Bio» gelten heute als Ikonen. In den 1980er-Jahren erging es dem Betrieb wie den anderen im Quartier, die Anlagen wurden zum Teil stillgelegt. Nach Zwischennnutzungen wie dem Glacé-Garten und dem Club Rohstofflager eröffnete 1993 das Kino Cinemax (heute Abaton). Später kamen die Wohn- und Geschäftshäuser West-Side und ZKB dazu.
1962/2014
1913 übernahm der Unternehmer Max Maag an der Hardstrasse den Standort der liquidierten Automobilfabrik Safir und begann Zahnräder, Pumpen und Rotoren herzustellen. Sein Name stand weltweit als Garant für höchste Präzision und Qualität. Anfang der 1990er Jahre wurde das Unternemen radikal umstrukturiert und der Standort in Zürich-West aufgegeben. Heute ist das Areal vor allem für die Maag EventHall und den Prime Tower, das höchste Gebäude der Schweiz, bekannt.
1977/2014
Bei ihrer Einweihung 1977 war sie die grösste Milchverarbeitungsfabrik der Schweiz, in der sogar Prince Charles ein Toni-Joghurt probierte. Nach ihrer Stilllegung 1999 wurde die Toni-Molkerei zum Standort legendärer Klubs wie Rohstofflager, Tonimolkerei und Dachkantine. Seit dem Umbau befinden sich darin die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) sowie Mietwohnungen. Erhalten geblieben ist die ikonische Rampe.
1930/2014
In Oerlikon liegt das zweite grosse ehemalige Industriegebiet der Stadt. Hier siedelte sich Ende des 19. Jahrhunderts die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) an, die später in der BBC und anschliessend in der ABB aufging. Das Unternehmen stellte vor allem Werkzeuge, Maschinen, Waffen sowie Elektrolokomotiven her. Mitte der 1990er-Jahre wurde die Produktion in Zürich-Nord eingestellt. Der bekannteste Bau aus jener Zeit ist das MFO-Direktionsgebäude, das 2012 der Durchmesserlinie hätte weichen sollen. Besitzerin Swiss Prime Site liess sich erweichen und verschob das wunderbare Gebäude in einer aufwändigen Aktion um 60 Meter.
1980/2014
Die 1896 gegründete Accumulatorenfabrik Oerlikon bezog 1910 ihre Fabrikationsräume an der Binzmühlestrasse in Oerlikon. Im Schicksalsjahr 1973 fielen die Zollschranken und der Schweizer Markt wurde mit ausländischen Batterien überschwemmt. 1996 wurde die Produktion in Zürich-Nord eingestellt und die Anlage anschliessend vollständig abgetragen. Seit 2006 steht an ihrer Stelle das neue Geschäfts- und Wohnhaus «Accu», das unter anderem das Hotel Marriott beherbergt.
Ende 1920er Jahre/2014
1910 nahm die Firma Nyffenegger & Co. AG in Oerlikon die Arbeit auf. In der Giesserei wurden von Hand Metalllegierungen zu Armaturen verarbeitet. 1996 zog der Betrieb in einen Neubau um. Nach einer Zwischennutzung mit illegalen Partys erfolgte 2003 der Umbau, der einen professionellen Restaurations- und Eventbetrieb in der Giesserei erlaubte.
Undatiert/2014
Jawohl, sogar Kippen wurden einst in Zürich hergestellt. Wie lange Sullana in Zürich produzierte, lässt sich gemäss «Tages-Anzeiger» nicht mehr genau eruieren. Laut Stadtarchiv existierte die Cigarettenfabrik Sullana AG mindestens bis Ende der 1960er-Jahre am Sihlquai. Nach dem Auszug am Sihlquai zog dort die Firma Restomat ein, die Zigaretten- und Musikautomaten vertrieb. Heute ist im Gebäude ein Designstudio eingemietet. Das Erdgeschoss kann zudem für Events gemietet werden. Geblieben ist eine Wandreklame.