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Was haben Peter Deplazes Befunde über das Leben der Stadtfüchse, Remo Largos Erkenntnisse über die Schlafdauer von Säuglingen und Hugo Kellers Einsichten in die Eigenschaften von Magnesiumdiborid gemeinsam? Sie erregten besonders viel wissenschaftliches Aufsehen. Die entsprechenden Studien gehören in ihrem jeweiligen Fachgebiet zu den am meisten zitierten Publikationen der Universität Zürich in den vergangenen Jahren.
Ermittelt hat dies eine bibliometrische Benchmark-Studie, in welcher die Universität Zürich (UZH) mit allen Universitäten der League of European Research Universities (LERU) und einigen grossen aussereuropäischen Hochschulen verglichen wurde. Das Center for Science and Technology Studies (CWTS) der Universität Leiden untersuchte unter anderem, welches in ausgewählten Fachgebieten die fünf meistzitierten Veröffentlichungen der UZH im Zeitraum von 2001 bis 2006 waren.
Viele Faktoren spielen eine Rolle
Wie erzielt man Resonanz in der Scientific Community? Was alles trägt dazu bei, dass ein interessantes, innovatives Forschungsergebnis eine möglichst grosse Wirkung erzielt? Die Frage geht zunächst an den Hochschulforscher, Bibliometrie-Experten und Leiter der Evaluationsstelle der Universität Zürich, Hans-Dieter Daniel. Der zählt gleich mehrere Faktoren auf: Zunächst den Zeitpunkt der Veröffentlichung, die Reichweite und den Bekanntheitsgrad des Journals, in dem der Artikel platziert wird, sowie die Prägnanz, in der die Ergebnisse dargestellt werden.
Eine indirekte Rolle kann auch die Reputation der Autorin oder des Autors spielen. Reputation hat zwar nur wenig Einfluss darauf, wie häufig ein publiziertes Forschungsergebnis anderswo zitiert wird, kann aber ein Kriterium dafür sein, ob ein Artikel von einem Journal überhaupt angenommen wird.
Wenig Einfluss auf den Impact hat laut Daniel die Salamitaktik, die darin besteht, Forschungsergebnisse scheibchenweise in mehreren Artikeln zu veröffentlichen, um auf hohe Publikationszahlen zu kommen und das neu gewonnene Wissen möglichst breit zu streuen. Zusammen mit Lutz Bornmann hat Daniel die Effekte dieser Strategie kürzlich in einer Studie empirisch untersucht. Das Ergebnis: Mehrere Publikationen von geringem Umfang erzielen per saldo weniger Resonanz als abgerundete Arbeiten von hoher Dichte und Substanz.
Einmaleins der Bibliometrie
«Es gehört zum Einmaleins der Bibliometrie», sagt Daniel, « dass man die Zitationshäufigkeit von Veröffentlichungen in den richtigen Bezugsrahmen setzt.» Originalartikel gilt es von den in der Regel öfter zitierten Review-Artikeln zu unterscheiden. Wer die Resonanzstärke von Artikeln verschiedener Disziplinen vergleicht, muss die Grössenverhältnisse der Fächer im Auge behalten, denn mit der Grösse der Scientific Community steigt auch die Wahrscheinlichkeit, hohe Zitationszahlen zu erreichen.
Wenn einer Fachrichtung ein hohes Zukunftspotenzial zugesprochen wird – wie heute beispielsweise den Neurowissenschaften oder der Systembiologie – wirkt sich dies statistisch ebenfalls positiv auf die Zitationen aus.
Kontroversen bündeln Aufmerksamkeit
Eine entscheidende Rolle im Hinblick auf die Resonanz kommt laut Daniel dem Thema einer Studie zu. Publikationen zu Fragen, die in der Luft liegen oder fachübergreifend von Interesse sind, werden durchschnittlich häufiger zitiert als Arbeiten zu Nischenthemen – was natürlich nicht bedeutet, dass letztere qualitativ schlechter wären.
Ein Nachteil, den die Beschäftigung mit «heissen» Feldern der Wissenschaft mit sich führt, ist das Risiko, überhaupt nichts veröffentlichen zu können. Konkurrenz und Zeitdruck sind grösser, andere Forschungsgruppen können schneller sein und Prioritätsansprüche auf neu gewonnene Erkenntnisse anmelden, so dass die eigenen Forschungsergebnisse mangels Neuartigkeit nicht mehr als Originalarbeit publiziert werden können.
Debatte um den Hirsch-Index
Gute Chancen auf ein starkes Echo hat, wer im Rahmen eines viel diskutierten Themas gängige Positionen auf überraschende Weise in Frage stellt. Daniel spricht hier auch aus eigener Erfahrung: Die meistzitierte Studie seiner Arbeitsgruppe der letzten Jahre galt dem sogenannten Hirsch-Index, einem bibliometrischen Mass, das die Bewertungen von Forschungsleistungen einfacher und genauer abbilden soll, indem das Publikationsvolumen und die Anzahl der Zitationen in einer einzigen Zahl zusammengefasst werden.
Der Physiker Jorge Hirsch erregte mit dieser Idee im Jahr 2005 viel Aufmerksamkeit. Es entbrannte eine lebhafte Debatte über Vor- und Nachteile dieser Messmethode. Vom Sog dieser Debatte, an der sich breite Kreise der Wissenschaft beteiligten, profitierte auch der Zürcher Beitrag. «Kontrovers diskutierte, konfliktträchtige Themen sind Aufmerksamkeitsattraktoren», sagt Daniel. In dieser Hinsicht spielen in der Welt der Wissenschaft ganz ähnliche Mechanismen wie in der Medienöffentlichkeit.
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