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Elektro- oder Verbrennungsmotor? Der Treibstoffpreis beeinflusst die Entscheidung. (Bild: Keystone)
Im Jahr 2022 verzeichnete der Verkehrssektor in der Schweiz einen Energieverbrauch von etwa 224,4 Petajoule. Dies bedeutet, er ist für rund ein Drittel der Gesamtenergiemenge des Landes verantwortlich, wobei innerhalb des Verkehrssektors der Strassenpersonenverkehr mit etwa zwei Dritteln massgeblich zum Energieverbrauch beiträgt. Gleichzeitig sind der Güter- und der Personenverkehr mit gut 30 Prozent die wichtigsten Emittenten von Treibhausgasen in der Schweiz. Insgesamt sind noch immer 97,5 Prozent der Fahrzeuge in der Schweiz mit Verbrennungsmotoren ausgestattet. Diese stossen CO2 und andere Schadstoffe aus.
Wie lassen sich die hohen Treibhausgasemissionen reduzieren? Ein vertieftes Verständnis der dahinterliegenden Zusammenhänge und Triebkräfte ist von entscheidender Bedeutung für eine nachhaltige Energie-, Klima- und Mobilitätspolitik. Aus ökonomischer Sicht besonders wichtig sind dabei zwei Fragen: Wie reagiert das Verkehrsvolumen auf Änderungen des Treibstoffpreises? Und führen höhere Treibstoffpreise auch zu einer Erneuerung der Fahrzeugflotte durch effizientere Modelle? Im Rahmen der Ressortforschung (siehe Kasten) des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) hat die Fachhochschule Graubünden dies untersucht.[1]
Reagieren Konsumenten auf Preisanstiege?
Im Zeitraum von 2010 bis 2019 schwankten die durchschnittlichen Preise für Benzin und Diesel in der Schweiz zwischen 1.40 und 2 Franken pro Liter. Höhere Treibstoffpreise müssten gemäss ökonomischer Theorie dazu führen, dass einerseits der Treibstoffkonsum zurückgeht, da die Haushalte weniger Auto fahren. Andererseits müsste der Preisanstieg den Haushalten Anreize geben, Fahrzeuge mit tieferem Treibstoffverbrauch zu kaufen – beispielsweise ein Elektro- oder ein Hybridfahrzeug, einen Wagen mit geringerem Hubraum – oder sogar gänzlich auf den Kauf eines Fahrzeugs zu verzichten.
Es wird allerdings nicht erwartet, dass sich das Fahrverhalten der Haushalte unmittelbar und gänzlich ändert, wenn sich die Treibstoffpreise verändern. Weitere Faktoren beeinflussen die Reaktionen der Haushalte. In der kurzen Frist können sie den Effekt der Treibstoffpreise auf das Verhalten der Haushalte überlagern. So werden einerseits Pendler, die ein Auto und Parkmöglichkeiten haben, kaum innerhalb kurzer Frist auf den öffentlichen Verkehr wechseln. Wer andererseits regelmässig öffentliche Verkehrsmittel nutzt, ist oft an ein Abonnement gebunden, sodass er oder sie wegen vorübergehend tiefer Treibstoffpreise vermutlich nicht das Auto nimmt.
Wenig Einfluss auf Verkehrsvolumen
In unserer Studie verwenden wir für den Zeitraum 2010 bis 2019 monatliche Benzin- und Dieselpreise aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. Diese verknüpfen wir mit Daten aus den drei Ländern, die das Verkehrsvolumen messen. Konkret wird die wöchentliche Anzahl der Fahrzeuge an spezifischen Messstationen erfasst. Mithilfe dieser Daten können wir untersuchen, inwieweit der Treibstoffpreis das Verkehrsvolumen beeinflusst.
Die Daten zeigen, dass das Verkehrsvolumen von 2010 bis 2019 in der Schweiz um etwa 8,5 Prozent und in Deutschland um 13 Prozent gestiegen ist. In Österreich nahm es zwischen 2012 und 2019 um rund 17,5 Prozent zu.
In unserer Studie kommen wir allerdings zum Schluss, dass das Verkehrsvolumen nur geringfügig vom Treibstoffpreis abhängig ist. Wenn der Treibstoffpreis um 10 Prozent steigt, dann sinkt das Verkehrsvolumen um nur 0,67 Prozent. Das bestätigt die Vermutung, dass Haushalte, welche auf den Gebrauch von Autos angewiesen sind, ihr Fahrverhalten innerhalb Monatsfrist nur begrenzt anpassen.
Kauf von Elektro- und Hybridfahrzeugen nimmt zu
Elektro- und Hybridfahrzeuge sind in der Regel energieeffizienter als herkömmliche Benzin- und Dieselfahrzeuge. Sie nutzen Elektrizität oder eine Kombination aus Elektrizität und konventionellem Kraftstoff, was zu einem geringeren Verbrauch führt und oft zu niedrigeren Emissionen von Treibhausgasen. Um den Einfluss des Treibstoffpreises auf den Anteil neu zugelassener Elektro- und Hybridfahrzeuge an den gesamten Neuzulassungen zu untersuchen, verwenden wir Daten aus den oben genannten Untersuchungsländern.
Die drei Länder unterscheiden sich nicht gross hinsichtlich des Anteils an neu zugelassenen Elektro- und Hybridfahrzeugen und deren Veränderung über die Zeit. Ihr Anteil lag 2010 durchschnittlich bei weniger als 2 Prozent und stieg bis 2019 auf durchschnittlich 8 bis 9 Prozent pro Land (siehe Abbildung).
Der Anteil Elektro- und Hybridfahrzeuge an den gesamten Neuzulassungen nimmt immer stärker zu (2010–2019)
INTERAKTIVE GRAFIK
Unsere Schätzungen zeigen, dass der Treibstoffpreis einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Kaufentscheidung hat. Wenn der Treibstoffpreis um 10 Prozent steigt, dann steigt der Anteil von Elektro- und Hybridneuzulassungen im Durchschnitt der Jahre 2010–2019 um 0,7 Prozentpunkte von 3,2 auf 3,9 Prozent.
Bepreisung führt zu effizienterer Ressourcenallokation
Die Neigung der Haushalte, die Treibstoffkosten beim Erwerb eines Fahrzeugs zu berücksichtigen, ist ein Indiz dafür, dass die Bepreisung von Emissionen im Verkehrssektor zu einer effizienteren Ressourcenallokation führen kann, indem sie Anreize für eine umweltfreundlichere Mobilität setzt.
Eine Bepreisung von Emissionen – beispielsweise eine CO2-Lenkungsabgabe – führt bei Verbrennungsmotoren zu einer Verteuerung der Treibstoffkosten pro gefahrenen Kilometer. Dies kann das Marktversagen bei den externen Kosten beheben oder reduzieren, indem Marktmechanismen genutzt werden, um die Umweltbelastung zu internalisieren und eine effizientere Ressourcenallokation zu erreichen. Insgesamt fördert dies die Nachfrage nach umweltfreundlicheren Mobilitätsalternativen – sei es durch den verstärkten Einsatz von Elektro- oder Hybridfahrzeugen, sowie mittel- bis langfristig das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel oder andere emissionsarme Verkehrsträger. Gleichzeitig werden Anreize für die Entwicklung von emissionsärmeren Technologien gesetzt, da die Autohersteller bestrebt sind, wettbewerbsfähig zu bleiben. Insgesamt trägt dies zu einer nachhaltigen Entwicklung mit effizienter Nutzung von Ressourcen im Verkehrssektor und langfristig reduzierten Umweltauswirkungen bei.
- Die vollständige Studie finden Sie auf Seco.admin.ch.
Zitiervorschlag: Adhurim Haxhimusa, Werner Hediger (2024). Hohe Treibstoffpreise unterstützen umweltfreundliche Mobilität. Die Volkswirtschaft, 22. Februar.
Dieser Artikel ist im Rahmen der Ressortforschung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) entstanden. Dafür hat das Seco fünf Studien zum Themenbereich «Effiziente Ressourcennutzung» in Auftrag gegeben und publiziert. Die Erkenntnisse aus den übrigen Studien finden Sie in unserem Schwerpunkt «Effizientes Wirtschaften ist nachhaltig».