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erhebende aristokratische Regiment gerichteten sog. oberländischen Unruhen. Schon im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts
machen sich in Thun die Anfänge des Fremdenverkehrs bemerkbar: Besuch Goethes 1779, des Grossfürsten und spätern Kaisers
Paul 1782, Heinrichs von Kleist 1801-1802. Zum Bekanntwerden der landschaftlichen Schönheit
Thuns und seiner Umgebung hat
das seinerzeit in Basel
aufgestellte Rundgemälde des
Malers M. Wocher († 1825) vieles beigetragen.
Seit 1833 nahmen vornehme englische Familien ihren Aufenthalt in dem später zu dem bekannten Gasthof
Bellevue umgewandelten
Landsitz der Familie Knechtenhofer. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts hielten sich der spätere Kaiser
Napoleon III.,
der die Militärschule in Thun besuchte, und seine
Mutter Hortense längere Zeit in Thun auf. Die Einführung
der Dampfschiffahrt im Jahr 1835 brachte der Stadt grossen Aufschwung. 1840 wurde die englische
Kapelle erbaut.
Unter den Gästen
Thuns seien ausser
Napoleon III., der die Stätte seiner Jugend 1865 als Kaiser nocheinmal besuchte, erwähnt
die Herzoge von Aumale, Chartres und Joinville, die Könige von Schweden, Preussen und Holland, Prinz
Eduard von Wales, Alexander von Humboldt, der Komponist Brahms u. a. 1875 wurde das Hotel Thunerhof und kürzlich der Kursaal
erbaut. Für Hebung des Fremdenverkehrs sorgt ein Verkehrsverein, der Konzerte, Pferderennen, Seefeste etc. veranstaltet
und ein während der Saison wöchentlich erscheinendes Fremdenblatt herausgibt. Gegenwärtig weist Thun 12 für
den Fremdenbetrieb eingerichtete Gasthöfe mit 1200
Betten auf.
In kirchlicher Hinsicht gehörte die schon im 13. Jahrhundert bestehende Pfarrei Thun in das Dekanat Münsigen des Bistums
Konstanz, umfasste aber nur den Stadtteil auf dem rechten Ufer. Das linke Ufer und die Aareinsel
Bälliz,
deren Name von palatiolum abgeleitet wird, gehörten zur Pfarrei
Scherzligen und ins Bistum
Lausanne. Das Patronatsrecht kam 1271 an
das Kloster
Interlaken und ging zur Reformationszeit mit diesem an Bern
über, das die Pfarrei Thun mit
Scherzligen vereinigte. 1738 wurde
das Schiff der Kirche neu erbaut. Gegenwärtig umfasst die protestantische Kirchgemeinde Thun die Einwohnergemeinden
Thun,
Goldiwil,
Schwendibach und
Strättligen mit zusammen 10334 Ew. Je eine römisch- und christkatholische Pfarrei, sowie
mehrere religiöse Privatgenossenschaften.
Von hervorragenden
BürgernThuns seien genannt: Johann Rudolf Rebmann (1566-1604), Pfarrer in Thun und Verfasser des topographisch
wichtigen Lehrgedichtes Poetisch Gastmahl undGespräch zweierBerge, desNiesensund desStockhorns(Bern
1606);
Dekan Joh. Fädminger († 1586);
Pfarrer Joh.
Erb (1635-1702), einer der hervorragendsten Vertreter der
Berner Geistlichkeit
seines Jahrhunderts;
Joh.
Rubin (1648-1720), Arzt und dramatischer Dichter;
der Theologe und Pädagoge August Hopf (1807-1888);
die Historiker Pfarrer
Gottlieb Schrämli (1792-1841) und Landammann Karl
Lohner (1786-1863).
Bibliographie:Rubin, J. Handveste der Stadt Thun.Bern
1779. - König, Fr. Nikl. Beschreibung von Thun und Umgebung.Basel
1815. - Studer,
G. Fr. Zwei Tage in Thun.Bern
1822. - Burgener, Chr. «Thun»
im 2. Band von DieSchweizin ihren Ritterburgen.Bern
1830. - Burgener, Chr. Thun und seine Umgebung. Thun 1840. -
Roth, A. Thunund seine Umgebung.Bern
1873. - Thun undThunersee. (Europ. Wanderbilder. 6). - Führer durch Thun; herausgeg. vom Verkehrsverein.
- Eine
Fülle von bis jetzt noch ungedrucktem geschichtlichen Material über die Stadt Thun enthalten
die umfangreichen und gründlichen Kollektaneen der Historiker Schrämli und
Lohner, die in der Stadtbibliothek Thun aufbewahrt
werden.
Stickerei. 888: Tuomsdorf. 1093 und
1116: Tuondorf.
Kaiser Karl der Grosse schenkte dem
Bischof Gedolt von Novara ausser
Frauenfeld (Eschingen) noch die
Huben in
Thundorf.
Das Patronatsrecht der Pfarrei
Kirchberg ging seit 1460 bei der Eroberung des
Thurgaues durch die
Eidgenossen an den
jeweiligen Landvogt über. 1488 war es in den Händen des konstanzischen Vogtes Caspar Hofmeister in
Frauenfeld, der es an seinen Gläubiger Rothengatter in Konstanz abzutreten genötigt war. 1495 erwarb es die Gemeinde
Thundorf.
(Kt. Bern,
Amtsbez. Thun).
565-575 m. Grosse
Ebene westl.
Thun auf dem linken Aareufer. Bildet ein landfest gewordenes
einstiges Delta der
Kander und war von dieser bis zum Jahr 1714 in der Richtung nach N. durchflossen.
Ursprünglich reichte die
Ebene nur bis zum
Wald des sog.
Kandergrien, der sich dem Laufe des Flusses entlang zog. Seit aber
vor mehrere Jahrzehnten der mittlere Teil dieses
Waldes abgeholzt und die auf dem linken Ufer der
Kander sich
ausdehnende Thierachernallmend mit derjenigen von
Thun vereinigt wurde, erstreckt sie sich bis an den Moränenwall der
Mühlematt.
Ihre Länge beträgt von der
KaserneThun bis zu den
Scheiben südl. der
Mühlematt 3,5 km, ihre Breite
¶
Denkstein zur Erinnerung an die in Thun verstorbenen internierten Franzosen von 1871. Die sog. Grosse Allmend südl. der Allmendstrasse
dient als Schiessplatz des Artilleriewaffenplatzes Thun. Die Ziele befinden sich etwa 3 km vom gewöhnlichen Standort der Geschütze
entfernt auf dem linken Ufer des die Allmend an ihrem Ende durchquerenden Glütschbaches am Abhang der
Mühlematt. In deren Nähe ein Beobachtungsturm. Anfang und Ende des Schiessens wird durch Aufziehen und Herablassen
eines weithin sichtbaren Fesselballons angezeigt.
Prächtige Aussicht auf die Stockhornkette und die Hochalpen. Standort mehrerer Alpenpflanzen, namentlich längs dem
Wald, welcher den einstigen Lauf derKander bezeichnet und die Allmend nach NW. begrenzt. Wenn nicht geschossen wird und des
Nachts wird die Allmend von Ende Mai bis September mit Jungvieh bezogen. Sonntags wird sie häufig zu Schiessübungen der
Schützengesellschaften aus den umliegenden Ortschaften benutzt. Beim Zollhaus befindet sich der Schiessplatz
der Schützenvereine von Thun. Von Zeit zu Zeit finden auf dieser hiezu vorzüglich geeigneten Ebene Pferderennen statt.
1824 und 1825 wurde auf der Allmend beim Dorfe Allmendingen eine römische Niederlassung entdeckt. Die hauptsächlichsten Funde
waren 1200 Münzen, Gebäudefundamente, Torsen von Statuen und Basreliefs, Opferbeile und eine treffliche weibliche Büste
von guter Erhaltung. Beim Beginn der Allmend gegen die Stadt hin befand sich das ehemalige Hochgericht. Als Eigentum der Stadt
Thun wurde die 1200 Jucharten umfassende Ebene schon früh zur Viehweide benutzt und von Anfangs Mai an von etwa 700 Stück
Vieh befahren.
Allerdings wurde sie bei Hochwasser öfters von der Kander überschwemmt und bildete jeweilen einen grossen
See. Die Ableitung der Kander im Jahr 1714 legte ihr ehemaliges Bett, das sich quer über die Allmend zog, trocken und hob die
Ertragsfähigkeit des ausgedehnten Weidelandes. 1692 versuchte man in Thun die Einführung der Seidenindustrie und pflanzte
auf der Allmend eine grosse Zahl von Maulbeerbäumen, die aber nicht gediehen. Ende des 17. Jahrhunderts
fanden auf ihr wiederholt grosse
Volksschauspiele statt. 1788 mass hier der Mathematiker Tralles eine Grundlinie von 6464 Fuss
Länge, um auf sie die Dreiecke zu seinen geodätischen Arbeiten über die Höhen der Gebirge zu messen. 1807 wurde die den
Verkehr Thuns mit den Gemeinden des linken Aareufers und dem Gürbethal vermittelnde Allmendstrasse neu angelegt und mit Bäumen
bepflanzt.
Schon früh hat man diese Ebene als Schauplatz für militärische Uebungen gewählt. Uebungslager bernischer Truppen fanden
auf ihr u. a. statt in den Jahren 1668, 1682, 1741 und 1760, das letztgenannte unter der Leitung des
Generals Lentulus. 1798 fand hier auch eine grosse Revue französischer Truppen unter General Schauenburg statt. 1817 wurde
eine Zentralschule für Offiziere der Artillerie und des Genie in Thun gegründet. Seit 1820 hielt man auf der Allmend die
eidgenössischen Uebungslager ab, als deren Leiter sich namentlich der spätere General Dufour auszeichnete. 1834 nahm
der spätere Kaiser Napoleon III. als eidg.
Artilleriehauptmann an diesen Uebungen teil. 1849 wurde die Allmend um die Summe von 200000 Fr. von der Gemeinde Thun käuflich
an die Eidgenossenschaft abgetreten, um als Schiessplatz zu dienen. Dieser reichte aber nur bis zum Wald des
Kandergrien, so dass mit der Verlängerung der Flugbahn, die sich infolge der Verbesserungen der Geschütze steigerte,
ein grösseres Schiessfeld gewonnen und zu diesem Zweck der mittlere Teil des Kandergrien abgeholzt werden musste.
Trotzdem erweist sich der Raum als zu klein, und da Geschosse oder Sprengstücke fortwährend das hinter denZielen
gelegene Gelände bestrichen, musste die Strasse Thierachern-Amsoldingen durch eine 700 m lange Mauer geschützt und nach und
nach das Terrain bis über den Uebischisee hinaus von der Eidgenossenschaft angekauft werden. Eine abermalige Erweiterung
des Schiessplatzes ist in Aussicht genommen. Die 505 ha messende Liegenschaft der Thuner Allmend wird durch die
in Thierachern befindliche eidgenössische Liegenschaftsverwaltung bewirtschaftet.