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Bewegungskunst, Kampfkunst und Meditation in Bewegung
Taichi ist Bewegungskunst, Kampfkunst und Meditation in Bewegung. Mit der Übung des Taichi lernt man den Körper auf natürliche, sanfte Weise zu bewegen. Die Bewegungen sind langsam und die einzelnen Körperhaltungen so konzipiert, dass die Energie in einem unaufhörlichen Kreisen im Körper fliessen kann. Dies wiederum bewirkt, dass sich mit der Praxis des Taichi unsere Körperkräfte vermehren. Dadurch erhalten wir unsere Gesundheit, Geschmeidigkeit und Vitalität. Die langsamen Bewegungen wirken sich auch auf unseren feinstofflichen Körper aus. Sie bewirken eine tiefgreifende Harmonie für Körper, Geist und Seele.
"Wer Taichi regelmässig übt, erlangt die Geschmeidigkeit eines Kindes, die Gesundheit eines Holzfällers und die Gelassenheit eines Weisen."
Taichi wurzelt in der ganzheitlichen Sicht des Taoismus. Das Tao wird oft mit dem Wasser verglichen: Es ist fliessend, geheimnisvoll und tief. Es bietet keinen harten Widerstand, es ist weich, aber von beständiger Kraft, die sich letztlich durchsetzt.
Yang Luchan (1799-1872) - Der Begründer des Yang-Stils
Eine Geschichte aus dem frühen China erzählt von einem Taichi-Meister namens Yang Luchan, der ein Meister der äusseren Kampfkünste war.
Des harten Kämpfens überdrüssig wollte er bei einem Taichi-Meister Taichi lernen. Als Aussenstehender hatte er jedoch keine Möglichkeit als Taichi-Schüler in einer Taichi-Familie aufgenommen zu werden. Früher wurde Taichi nur innerhalb von Familien weitergegeben und auch dort nur an die Söhne, da die Töchter in andere Familien einheirateten. Diesem Meister gelang es schliesslich als taubstummer Diener in eine solche Familie aufgenommen zu werden, wo er heimlich den Unterricht mitverfolgte. Nachts übte er, was er gesehen hatte. Als er dann nach zehn Jahren bei seinen Übungen entdeckt wurde, konnte er bereits so gut Taichi, dass er als Schüler aufgenommen wurde. Später reiste er dann durch China und besiegte viele berühmte Meister mit nicht mehr als zwei Bewegungen. Er erhielt den Beinamen "Yang, der nicht kämpft". Von diesem Meister stammt der Yang-Stil.
Bei uns im Westen ist dieser Stil der wohl bekannteste. Vor allem wird die 24er-Form gelehrt, die sogenannte Pekingform. Diese Kurzform wurde 1955 von der Regierung verbreitet, damit möglichst viele Menschen in kurzer Zeit Taichi erlernen konnten. Sie wurde als sehr wirksame Gesundheitsübung propagiert.
Weniger gelehrt wird hingegen die lange Yang-Form, die 108er-Form, die vollständig ausgeführt bis zu dreissig Minuten und deren Erlernen zwei bis drei Jahre dauern kann. Ausser dem Yang-Stil werden gelegentlich auch andere Stile unterrichtet, so der Sun-Stil, der Chen-Stil und der Wu-Stil, um nur wenige zu nennen.
Die Taichi-Schule Salvenach unterrichtet in ihren Kursen u.a. die 24er-Taichiform, die sogenannte Pekingform, sowie die authentische 108er-Taichiform des Yang-Stils nach TUNG Ying-Chieh, der ein Schüler von Yang Chen Fu war. Die 24er-Form ist eine ideale Übungsform und kann in ca. einem Jahr erlernt werden. Sie basiert auf der langen Form des Yang-Stils.
Das Taichiquan der Wudangberge - Der Wudang-Stil
Der Wudang-Stil ist der Oberbegriff für die sogenannten inneren oder auch weichen Kampfkünste: Taichiquan, Xingyiquan und Baguazhang. Ausserdem werden in ihm Waffenformen, Push Hands und zahlreiche innere, daoistische Übungen vermittelt. Allen zugrunde liegen die daoistischen Prinzipien vom Wandel aller Dinge.
Der legendäre Begründer des Taichiquan, Zhang Sanfeng, daoistischer Einsiedler und Alchimist, lebte in den Wudangbergen. Dort entwickelte er auf Grundlage der daoistischen Philosophie des Wandels von Yin und Yang die 13 Grundbewegungen des Taichiquan: die 5 Schritte und die 8 Handbewegungen. Aus diesen entstand die Taichiquan-Form der Wudangberge, bestehend aus 64 Bewegungen. Lange wurde diese Taichiquan-Form nur in Geheimtradition (Michuan) weitergegeben. Alle anderen Taichiquan-Stile und inneren Kampfkünste entstanden auf der Basis seiner Erkenntnisse.
Das Taichiquan der Wudangberge ist von überraschender Natürlichkeit. Die Bewegungen sind rund und fliessend
und lassen die Prinzipien von Yin und Yang allzeit erkennen. Wie ziehende Wolken und fliessendes Wasser bewegt man sich
und kultiviert dabei im Innern Essenz, Qi und Geist und äusserlich die Muskeln, Knochen und Haut.
Die Leitbahnen werden durch das regelmässige Training geöffnet und belebt, Geist und Körper sind gleichzeitig beteiligt.
Der von Meister Tian Liyang vermittelte Stil, Wudang Xuanwu Pai oder auch Wudang Pai, bezeichnet die klösterliche Linie des Wudang-Stils. Die Besonderheit des Wudang Pai nach Meister Tian Liyang ist die Tiefe, die Betonung des Inneren sowie die grosse Bandbreite seines Systems. Alle Formen und Übungen sind miteinander verbunden und folgen den gleichen Prinzipien.
Meister Tian Liyang praktiziert seit seiner frühesten Kindheit Taichiquan und andere chinesische Kampfkünste.
Mit 14 Jahren verliess er seine Eltern auf der Suche nach einem spirituellen Meister der Kampfkünste.
Nach Umwegen über das Shaolin-Kloster und die Emei-Berge gelangte er schliesslich in die Abgeschiedenheit der Wudangberge,
dem legendären Ursprungsort des Taichiquan. Hier fand er in Meister You seinen Meister und konvertierte 1988 zum Daoismus.
Als Hauptvertreter der 15. Generation der berühmten Wudangschule wurde er ein erstklassiger Kampfkünstler und erwarb sich
gleichzeitig tiefgreifende Erfahrungen in Meditation und Qigong. Meister Tian liegt das Vermitteln der Grundlagen besonders am Herzen.
In seinem Bestreben nach Tiefe erinnert er seine Schüler immer wieder an das Wesentliche: "Loslassen und Entspannen".
Mit Ruhe und Sanftheit und einer gehörigen Prise Humor vermittelt er die daoistischen Künste in ihrer Ganzheit als Lebensphilosophie,
Meditation, Gesundheitsübung und Kampfkunst.
Seit 2014 unterrichtet die Taichi-Schule Salvenach vermehrt den Wudang-Stil nach Meister Tian Liyang.
Waffenformen