Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03576.jsonl.gz/2383

Eine Herausforderung des Klimaschutzes sind dessen negative externe Effekte. Die Lösung dafür ist die Bepreisung von Kohlenstoff. In diesem System werden die wahren Kosten aller Arten von Gütern, sogar von Supermarkt- und Lifestyleprodukten, in Form einer CO2-Steuer berücksichtigt. Indem die negativen externen Auswirkungen auf diese Weise in die Kosten einbezogen werden, wird der Preis fair. Deshalb hat der 27. Kanton dieses Thema angepackt – auch auf die Gefahr hin, seinen Status als Einkaufsparadies zu beschädigen. Aber jemand musste damit beginnen, die wahren Kosten praktisch zu berücksichtigen.
Bei der Einführung führte das sofort zu einem allgemeinen Konsumrückgang: Es wurden weniger Ananas gekauft (sie kosteten plötzlich 12 Franken pro Stück) und es wurde weniger Mode gekauft (kein T-Shirt kostete weniger als 70 Franken). Mehrere Einzelhändler im 27. Kanton mussten ihr Geschäft aufgeben. Viele Einwohner des Kantons wichen aus und kauften im Nachbarkanton ein. Doch unser Kanton blieb hartnäckig; die flüchtigen Käufer kamen bald zurück, und zwar nicht nur, weil sie begannen, die Idee der Kostenwahrheit zu unterstützen. Sie stellten auch fest, dass sie seit der Einführung der Kohlendioxidsteuer bewusster einkauften, weniger in Restaurants gingen, mehr kochten, saisonal assen und ein neues Gefühl der Begeisterung für eine Ananas oder ein Steak erlebten. Sie kleideten sich auch viel kreativer, weil sie weniger Kleidungsstücke besassen. Einige wenige Produkte wurden gar günstiger, da sie zuvor aufgrund der hohen Nachfrage teuer waren, man sie nun aber weniger konsumierte.
Auf einer grossen Konferenz im Herbst, die in unserem weltberühmten «Grossen Gebäude» stattfinden wird, soll die philosophische Frage diskutiert werden, ob dieses neue System noch Kapitalismus sei oder ob es ihn untergrabe oder stärke. Ausserdem steht die Frage im Raum, ob es gerecht sei, dass die Reichen jeden Tag Ananas essen könnten, die Armen nur ab und zu. Ich werde bei der Veranstaltung anwesend sein und fragen, ob dies eine unzulässige Bevormundung à la Nudging sei. Warten Sie auf meinen Bericht an dieser Stelle.