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Frauen haben mehr vom Sport
Trainieren Frauen und Männer in gleichem Ausmass, haben Frauen den höheren Gesundheitsnutzen. Das legt eine neue Studie nahe. Sie zeigt: Sport jedweder Art lässt das Risiko für Gesamt- und kardiovaskuläre Mortalität bei Frauen stärker sinken.
Frauen, die regelmässig Sport treiben, können ihr Risiko für einen frühzeitigen Tod dadurch deutlich stärker senken als Männer. Und das selbst dann, wenn sie sich weniger anstrengen.
Das ist das Ergebnis einer Beobachtungsstudie im Journal of the Americal College of Cardiology (1). Sie zeigt, dass Frauen, die über zwei Jahrzehnte hinweg regelmässig Sport trieben, ein um 24 Prozent geringeres Risiko für einen vorzeitigen Tod hatten – verglichen mit einem um 14 Prozent reduzierten Risiko bei Männern. Gleichzeitig sank das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko bei Frauen um 36 Prozent, bei Männern um 14 Prozent.
20 Prozent geringeres Mortalitätsrisiko durch einmal wöchentliches Krafttraining
Für ihre Studie schlossen die US-amerikanischen Forscher 412.413 Erwachsene im Alter von 27 bis 61 Jahren ein (55 % Frauen, medianes Alter 44 Jahre). Über rund 20 Jahre hinweg untersuchten sie deren Freizeit-Sportverhalten.
Sie konnten zeigen, dass jedweder Sport, den die Teilnehmer trieben, die Gesamtsterblichkeit senkte. Und das durchwegs bei Frauen in höherem Ausmass als bei Männern. Sportarten, bei denen es etwa eine Geschlechtsdifferenz gab, umfassten sowohl mässige aerobe Aktivitäten wie zügiges Gehen, als auch intensives Training (z.B. Spinning, Seilspringen) und Krafttraining.
Allein die Tatsache, dass Frauen gelegentlich Kraftsport durchführten, senkte ihre Gesamtmortalität bereits um 19 Prozent, ihr kardiovaskuläres Sterberisiko um 30 Prozent (verglichen mit einer 11 % Reduktion sowohl bei Gesamt- als auch kardiovaskulärer Mortalität bei Männern).
Den höchsten Nutzen hatten sowohl Männer als auch Frauen bei einem Ausmass von 300 Minuten wöchentlicher mässiger bis intensiver körperlicher Betätigung. Aus diesem Aktivitätsniveau zogen Frauen aber wesentlich grösseren Nutzen als Männer, mit einer Reduktion der Gesamtsterblichkeit um 24 Prozent bzw. 18 Prozent bei Männern. Das galt aber auch für sportliche Betätigung in geringerem Ausmass.
Nur ein Drittel der Frauen treibt regelmässig Sport
Ungeachtet der gesundheitlichen Vorteile schafften es in der Studie nur 33 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer, ein regelmässiges aerobes Training durchzuführen. Ausserdem absolvierten nur 20 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer ein wöchentliches Krafttraining.
«Frauen bleiben historisch und statistisch gesehen hinter den Männern zurück, wenn es darum geht, sich zu bewegen», sagt auch Studienautorin, Dr. Martha Gulati, vom Smidt Heart Institute am Cedars-Sinai, Los Angeles (2). «Das Schöne an dieser Studie ist die Erkenntnis, dass Frauen aus jeder Minute mässiger bis intensiver Bewegung mehr herausholen können als Männer. Das ist ein Ansporn, den sich die Frauen hoffentlich zu Herzen nehmen werden.»
Frauen wenden für die gleiche Bewegung mehr Anstrengung auf
Die Hintergründe hinter den beobachteten geschlechtsspezifischen Unterschieden sind vermutlich multifaktoriell, wie die Autoren schreiben. Möglich sind etwa anatomische und physiologische Unterschiede. So haben Männer im Vergleich zu Frauen häufig eine grössere Lungenkapazität, ein grösseres Herz, mehr fettfreie Körpermasse und einen höheren Anteil an schnell zuckenden Muskelfasern (F-Fasern).
Infolgedessen können Frauen für die gleiche Bewegung eine höhere Atmungs-, Stoffwechsel- und Kraftanforderung aufwenden. Das könnte erklären, warum sie einen grösseren gesundheitlichen Nutzen erzielen.