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Dialog für Kindersprache besser als Vorlesen
Kindern ein Buch vorlesen ist gut, mit ihnen ein Gespräch führen ist jedoch weitaus besser für die Sprachentwicklung. Das behaupten Forscher der University of California im renommierten Journal of Pediatrics.
Die Wissenschaftler beobachteten mit kleinen Aufnahmegeräten, wie viele Wörter 275 Babys und Kleinkinder bis vier Jahren täglich von ihren Eltern zu hören bekommen, selbst sprechen oder im Fernsehen hören. Ein Vergleich mit der späteren Sprachentwicklung zeigte, dass häufige Unterhaltungen mit Erwachsenen, bei denen Kinder auch selbst zu Wort kommen, die spätere Sprachentwicklung am meisten fördert. Reden allein die Erwachsenen, was etwa beim Vorlesen eines Kinderbuches der Fall ist, war der Lerneffekt sechsmal geringer. Völlig unbeeindruckt zeigte sich der Sprachfortschritt durch das Fernsehen, und zwar weder im positiven noch im negativen Sinn.
"Kinderärzte ermutigen Eltern immer wieder, ihren Kindern Spracherfahrungen durch Vorlesen, Geschichtenerzählen oder die einfache Erzählung des Tagesgeschehens zu ermöglichen. Bei diesen Formen des Inputs kommt jedoch die Rolle der Kinder in der Sprachentwicklung zu kurz. Kinder müssen selbst so viel wie nur möglich sprechen", so Forschungsleiter Frederick J. Zimmerman. Ein Mehr an Unterhaltungen bedeute auch eine höhere Anzahl von Möglichkeiten, Fehler zu machen und dabei wertvolle Korrekturen zu erhalten. Ausserdem könnten die Kinder dabei neu gelernte Wörter üben.
Um ihrem Nachwuchs grösstmögliche Chancen fürs Leben zu sichern, spielen manche Eltern bereits Säuglingen spezielle DVDs vor. Doch die Wirkung ist fragwürdig: Statt zu fördern könne eine übermässige Nutzung der Videos gar den Erwerb von Vokabular im Alter bis zu 16 Monaten verlangsamen, so die Wissenschaftler. Jede Stunde, die ein Baby pro Tag mit einer DVD verbringe, verringere die Zahl der Vokabeln, die es verstehe, um sechs bis acht. Dies gelte im Vergleich zu anderen Kindern im Alter bis zu 16 Monaten, die keine Lernvideos schauten. Bei Kindern im Alter zwischen 17 und 24 Monaten fand das Forscherteam weder positive noch negative Effekte des Videokonsums.
"Die Ergebnisse haben uns überrascht, erscheinen aber logisch", sagte Andrew Meltzoff von der University of Washington, Koautor einer Studie, die schon vor zwei Jahren zu diesem Thema erschienen ist. Es gebe nur eine begrenzte Zeitspanne, in der junge Babys wach und aufnahmefähig seien. Wenn diese Zeit vor dem Fernseher verbracht werde statt mit den Eltern, dann machten die Kinder nicht dieselben sprachlichen Erfahrungen. "Eltern und Babysitter sind die ersten und besten Lehrer für Kinder", erklärte Meltzoff. Sie passten intuitiv Sprache und Mimik so an, dass die Kinder besonders leicht Zugang zur Sprache bekämen. DVDs ermöglichten dies nicht - auch weil es keine Interaktion gebe. "Bei grösseren Kindern mag das anders sein, aber kleine Babys scheinen Sprache am besten von Menschen zu lernen", so das Fazit.
Nach Meinung der Sprachforscher sei es nun Sache der DVD-Hersteller, die angeblich positiven Effekte ihrer Videos auf die geistige Entwicklung von Kindern zu belegen. Eltern empfehlen die Forscher jedenfalls, den Fernsehkonsum ihrer Kinder so klein wie möglich zu halten.
Quelle: Frederick J. Zimmerman et a.: Pediatrics 2009; 124, S. 342-349.
Stand: 7/09, BH