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Die Fähigkeit, die Farben Rot und Grün erkennen und unterscheiden zu können, haben nicht alle Menschen. Fast zehn Prozent aller Männer, aber nur rund 0,8 Prozent der Frauen sind von der Fehlsichtigkeit betroffen. Mit dem umgangssprachlichen Ausdruck „Rot-Grün-Blindheit“ bezeichnet der Volksmund genau genommen mehrere Phänomene: Es können verschiedene Formen der Rot-Grün-Sehschwäche bis hin zur Rot-Grün-Blindheit gemeint sein. Bei den Betroffenen fehlen auf der Netzhaut des Auges die farbempfindlichen Zellen. Der Grund dafür: Ein defektes X-Chromosom im Genmaterial. Die Normalsichtigkeit, also die Fähigkeit, Farben unterscheiden zu können, ist also genetisch bedingt. Übrigens gibt es auch eine – sehr seltene – Blauschwäche: Betroffene können blaue Farbtöne schlecht oder gar nicht voneinander unterscheiden.
Das Spektrum zwischen Normalsichtigkeit über die Rot-Grün-Sehschwäche bis hin zur Rot-Grün-Blindheit ist vielfältig. Dass Menschen farbenblind sein können, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe. Mit seinen naturwissenschaftlichen Texten dazu beschäftigte sich der japanische Chirurg und Augenfacharzt Ishihara Shinobu Anfang des 20. Jahrhunderts. Er entwickelte für die Armee Farbtafeln für einen Test, der verschiedene Farbschwächen bei den Rekruten aufzeigen sollte. Die bunt gepunkteten Farbtafeln werden noch heute verwendet, um Art und Ausprägung von Farbsehschwächen zu bestimmen.
Kinder können den Sehfehler grundsätzlich von beiden Eltern mitbekommen. Er wird auf dem X-Chromosom vererbt. Weil er nicht dominant vererbt wird, „verbirgt“ sich bei Frauen die Sehschwäche trotz Normalsichtigkeit, falls sie nur auf einem X-Chromosom vorhanden ist. Die ausgeprägte Fehlsichtigkeit ist tatsächlich eine Männerdomäne, wie der Volksmund weiss. Doch vererben können beide Elternteile die genetische Information. Daraus ergibt sich folgende Besonderheit: Haben beide Eltern keine Rot-Grün-Schwäche, aber die Mutter ein X-Chromosom mit diesem Genfehler, tritt er bei den Töchtern nicht auf. Gibt die Mutter aber das X-Chromosom mit dem Defekt an einen Sohn weiter, kommt er mit der Fehlsichtigkeit zur Welt. Ein Vater mit Rot-Grün-Schwäche und eine Mutter ohne bedeutet: Töchter haben nun einen versteckten Defekt in ihren Genen. Die Chance, dass sie wiederum ihren Söhnen die Rot-Grün-Schwäche weitergeben, liegt bei 50 Prozent. Eine Mutter mit Rot-Grün-Sehschwäche hat sie auf beiden Chromosomen: Ihre Söhne bekommen die Fehlsichtigkeit auf jeden Fall, die Töchter vielleicht nur als „schlafende Information“ auf dem zweiten X. Feststellen lassen sich die Fehlsichtigkeiten übrigens schon im Kindesalter mit entsprechenden Seh-Checks.
Die Rot-Grün-Fehlsichtigkeit ist eine Männerdomäne: Mehr als zehnmal so viele Jungen wie Mädchen kommen mit dieser Chromosomenveränderung zur Welt. Der genetische Fehler, der zu einer unterschiedlich starken Fähigkeit, rot oder grün zu sehen, führt, liegt auf dem X-Chromosom. Dieses Chromosom haben Männer einmal, Frauen dagegen zweimal. Bei ihnen treten Rot-Grün-Schwächen und Farbenblindheit nur dann auf, wenn beide X-Chromosomen denselben Defekt tragen. Weil das extrem selten vorkommt, tritt die Sehstörung entsprechend weniger in der Damenwelt auf.
Im Alltag macht eine Sehschwäche dieser Form wenig Probleme. Schwierigkeiten treten, je nach Ausprägung der Schwäche, bei bestimmten Berufen auf, in denen volle Sehkraft wichtig ist. Dazu gehören Berufsgruppen wie
In manchen Fällen wird die Befähigung zur Ausübung eines Berufs mit Sehtests geprüft – hier fallen Sehdefizite in den Testergebnissen auf. Wer den Verdacht hat, an einer Rot-Grün-Schwäche zu leiden, kann dies beim Augenarzt oder Augenoptiker prüfen lassen. Der Augenfacharzt stellt auch die nötige Bescheinigung aus, die dir die Ausbildung in bestimmten Berufen möglich macht.
Es gibt verschiedene Formen der Rot-Grün-Schwäche, die unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
Eine Therapie oder Behandlungsmöglichkeit gegen die Rot-Grün-Schwäche gibt es bis heute nicht. Einige Hilfsmittel wie bestimmte Brillen oder Sehlinsen sollen die Fähigkeit, Farben zu unterscheiden, verbessern. Sie filtern bestimmte Wellenlängen aus dem Licht heraus und verstärken so gewisse Wahrnehmungen. Das hat allerdings den Nachteil, dass du durch diese Hilfsmittel andere Farben ebenfalls verändert wahrnimmst. Weil im Alltag durch die Sehdefizite kaum Probleme entstehen, ist eine Behandlung dieser speziellen Genveränderung medizinisch nicht nötig. Auch Vorbeugemassnahmen über die ersten Seh-Checks hinaus gibt es nicht, weil das Phänomen genetisch bedingt ist. Die Ausprägung der Fehlsichtigkeit bleibt übrigens das ganze Leben über gleich stark – du musst also nicht befürchten, dass sich deine Fähigkeit, bestimmte Farben zu unterscheiden, weiter verschlechtert. Zusätzliche Sehtests sind später also auch nicht nötig.