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Was ist Akademisches Ghostwriting?
Ghostwriting bedeutet, dass jemand ein Werk für sich schreiben lässt, wobei der eigentliche Verfasser geisterhaft im Hintergrund bleibt, indem er nicht genannt wird. Akademisches Ghostwriting bezieht sich speziell auf Texte für den wissenschaftlichen Bereich, mit denen der Ghostwriter dem Kunden eine Mustervorlage für einen möglichen Text zum jeweiligen Thema gibt. Genau das ist der entscheidende Aspekt in der moralischen Beurteilung des Ghostwriting: es bedeutet eben nicht, dass ein anonymer Verfasser für andere die Arbeiten schreibt und diese dann 1:1 abgegeben werden als wären es die eigenen. In diesem Zusammenhang muss ein gesellschaftlicher Konsens näher beleuchtet werden: nämlich dass man als individueller, eigenverantwortlicher Bürger sein Leben selbst in die Hand nimmt, eigene Entscheidungen trifft und später Verantwortung im Beruf und für die Familie übernimmt. Es wäre sehr widersprüchlich, wenn man einerseits von einem Menschen so viel Verantwortung erwartet, ihm dann aber nicht zutraut, mit einem nur als Vorlage und keinesfalls zum wörtlichen Übernehmen gedachten Werk auch so verantwortlich umzugehen. Gerade auch die Auseinandersetzung mit anderen Werken kann fruchtbar für die Entwicklung eigener Gedanken sein und so anregen, sich aus ganz anderen Perspektiven mit einem Thema zu beschäftigen.
Ist Ghostwriting moralisch verwerflich?
Natürlich muss eingeräumt werden, dass in der Praxis Ghostwriting nicht als Mustervorlage, sondern als fertiges Werk genutzt wird. Deswegen ist aber nicht das Ghostwriting an sich moralisch verwerflich, denn wie die Vorlage genutzt wird, hängt letztendlich von der individuellen Verantwortung des Auftraggebers und nicht des Verfassers oder des Betreibers einer Ghostwritingplattform ab. Für die moralische Bewertung ist es zudem wichtig, individuelle Hintergründe für das Nutzen von Vorlagen als fertiges Werk zu beleuchten. Prinzipiell kann jeder von einer plötzlichen langwierigen Krankheit kurz vor Abschluss des Studiums oder einem Trauerfall im engsten Familienkreis betroffen sein, die eine Konzentration auf wissenschaftliches Arbeiten unmöglich machen. In einem solchen Fall ist es nicht moralisch verwerflich, auf professionelle Schreibhilfen zurückzugreifen, zumal eine einzelne Seminararbeit nur den Bruchteil der späteren Abschlusszeugnisnote ausmacht. Anders verhält es sich, wenn man auf diese Weise zum Doktortitel, der ja nur von einem wissenschaftlichen Werk abhängt, gelangt. Dann ist aber das individuelle Verhalten und nicht das Ghostwriting moralisch verwerflich, schließlich sind Ghostwriter keine Eltern, die für das Verhalten ihrer minderjährigen Kinder verantwortlich sind.