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18.05.2017
Vorgeschichte
Im Grundwasserpumpwerk Farbschachen erfolgt momentan die Wassergewinnung für einen Grossteil der Bevölkerung von Lützelflüh. Vom Pumpwerk wird das Wasser in das Reservoir Buchegg gepumpt und von dort aus zu den Haushaltungen geleitet.
Aus diversen Gründen muss die Grundwasserfassung Farbschachen abgelöst werden. Einerseits liegen in der Schutzzone der Grundwasserfassung, aus welcher das Wasser gefasst wird, diverse grosse Gewerbebetriebe und ein Baugebiet. Weiter führt eine stark befahrene Kantonsstrasse am Rande der Schutzzone vorbei. Die Konzession für die Grundwasserfassung Farbschachen des Amtes für Wasser und Abfall (AWA) läuft im Jahr 2030 aus. Dies ist der späteste Zeitpunkt, bis die Grundwasserfassung Farbschachen abgelöst werden muss.
Bereits vor ca. 20 Jahren wurde erstmal darüber diskutiert, ob die Grundwasserfassung Farbschachen in Ramsei abgelöst werden müsse. Bei der Planung der neuen Gohlhausbrücke wurde seitens Kanton erkannt, dass die Grundwasserschutzzone Farbschachen nicht konform (Kantonsstrasse, Industrie, Wohnbauten) sei. In diversen Projektschritten wurden viele Alternativstandorte gesucht oder Zusammenschlüsse mit anderen Wasserversorgungen wurden geprüft. Es fanden Feldversuche (z.B. Sondierbohrungen, Pumpversuchen, Qualitätskontrollen, etc.) statt, um alle Möglichkeiten zu prüfen.
Im Oktober 2002 hat ein Ingenieurbüro sieben Variantenstudien erarbeitet und der Gemeinde vorgelegt. In Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro und dem Kanton (AWA) wurde schlussendlich das Projekt „Zusammenschluss der Wasserversorgungen Lützelflüh, Sumiswald und Rüegsau“ ausgewählt und weiterverfolgt. Seit dem Jahr 2005 liegt eine Vorprojektstudie vor.
Nach Abgabe der Vorprojektstudie war es in der Zeitspanne von 2006 bis 2012 ruhig um den Zusammenschluss der Wasserversorgungen, dies aufgrund fehlendem Aktivismus aller Beteiligten (Gemeinde, Kanton, Ingenieurbüro). In dieser Zeitspanne wurden lediglich verschiedene Umfragen durch den Kanton ausgeführt und Stellungnahmen der einzelnen Wasserversorgungen eingereicht. Zusätzlich wurde der OSTAG Ingenieure AG der Auftrag zur Ausarbeitung der Generellen Wasserplanung GWP erteilt. Die GWP wurde anschliessend am 02.09.2012 dem Gemeinderat vorgestellt und am 14.10.2013 genehmigt. Aufgrund des offenen Zusammenschlusses konnte die GWP jedoch noch nicht genehmigt werden und ist bis auf weiteres zurückgestellt.
Im Jahr 2013 hat der Gemeinderat Lützelflüh beschlossen, das Projekt nun voranzutreiben und umzusetzen. Diverse Diskussionen mit den Partnern aber auch personelle Wechsel bei den verantwortlichen Stellen haben dazu geführt, dass das Projekt zwischenzeitlich wieder etwas verzögert wurde. In der Zwischenzeit kann nach intensiven Verhandlungen mit zwei Nachbarwasserversorgungen und dem Amt für Wasser und Abfall ein Projekt umgesetzt werden.
Andreas Meister vor dem Reservoir der Gemeinde Lützelflüh
Projekt Zusammenschluss der Wasserversorgungen Lützelflüh und Rüegsau
Nach intensiven Verhandlungen mit der WVG Sumiswald wurde klar, dass mit dem reinen Zusammenschluss der beiden Wasserversorgungen die Versorgungssicherheit für die Gemeinde Lützelflüh nicht lückenlos gelöst werden können. Die Schwandbachquelle in Sumiswald versiegt teilweise gänzlich, und mit dem Pumpwerk Weiersmatt kann die Versorgungssicherheit für Lützelflüh auch nicht sichergestellt werden. Aus diesem Grund wurde entschieden in einem ersten Schritt den Zusammenschluss mit der Wasserversorgungsgenossenschaft Rüegsau (WVG Rüegsau) zu realisieren. In einem zweiten Schritt wird die Gemeinde prüfen, ob die Wasserversorgungen Lützelflüh und Rüegsau organisatorisch zusammengeschlossen werden sollen. Anschliessend muss die Versorgungssicherheit geregelt werden. Hier bieten sich momentan zwei Möglichkeiten an: Entweder der Zusammenschluss zu einem Primärverbund mit der WVG Sumiswald oder der Anschluss an die Wasserversorgung Vennersmühle.
Der Zusammenschluss der beiden Wasserversorgungen Lützelflüh und Rüegsau erfolgt mit einer Verbindungsleitung (Pumpwerk Schlossberg – Anschlusspunkt Lützelflüh) und dem Ausbau des Pumpwerkes Schlossberg (zweite Pumpe).
Zeitplan
Die Wasserversorgungsgenossenschaft Rüegsau (WVG Rüegsau) erarbeitet momentan ein neues Schutzzonenreglement.
Bericht Wochenzeitung vom 18. Mai 2017
Das Wasser, das im Farbschachen in Ramsei gefasst werde, sei qualitativ einwandfrei und in ausreichender Menge vorhanden, sagt Lützelflühs Gemeindepräsident Andreas Meister. Trotzdem sind die Tage dieses Grundwasserpumpwerks gezählt. «Wir können die gesetzlich vorgeschriebene Schutzzone aufgrund der nahen Kantonsstrasse, Gewerbebetrieben und Wohngebieten nicht einhalten.» Zwar laufe die Konzession noch bis 2030, aber das Amt für Wasser und Abfall (AWA) des Kantons dränge seit Jahren auf eine Lösung, erklärt Andreas Meister. Auch die Gemeinde sei über die jetzige Situation nicht glücklich, da sie das Gewerbe einschränke (siehe Kasten). Seit rund 20 Jahren würden sich die Behörden immer wieder mit diesem Thema befassen, so Meister. Lange sei die Sache nicht prioritär behandelt worden. Dann habe man probiert, auf Gemeindegebiet einen neuen Standort zu finden – vergeblich. Gerade wegen der Schutzzonen sei dies schwierig.
Mit Nachbarn verhandelt
Schliesslich nahm der Gemeinderat Verhandlungen mit der Nachbarwasserversorgung Sumiswald auf. Diese bezieht ihr Wasser aus der Schwandbachquelle und dem Grundwasserpumpwerk Weiersmatt. «Dieses Wasser würde im Normalfall reichen», sagt Andreas Meister. «Doch infolge des Klimawandels ist die Schwandbachquelle in den letzten Jahren ein- oder mehrmals jährlich versiegt.» Sumiswald könne die eigene Versorgung jederzeit gewährleisten, nicht aber auch noch jene der Nachbargemeinde. Somit musste eine andere Lösung gesucht werden. Diese fand der Gemeinderat nun mit der Wasserversorgungsgenossenschaft Rüegsau. Das Wasser vom Pumpwerk Schlossberg nach Lützelflüh zu leiten, sei ohne grössere Probleme machbar, führt Andreas Meister aus. Nötig sei eine neue Leitung von rund einem Kilometer, welche rund 400’000 Franken kosten werde. Mit den Landeigentümern sei man bereits am Verhandeln, so der Gemeindepräsident. «Unser Ziel ist es, 2018 zu bauen.» An der Gemeindeversammlung vom 29. Mai wird über das Projekt noch näher informiert.
Bei der Wasserfassung Schlossberg brauche es ausser einer zweiten Pumpe keine Investitionen, sagt Hans Grunder, Präsident der Wasserversorgungsgenossenschaft Rüegsau. Der Kostenpunkt liege bei rund 200’000 Franken. Die Zusammenarbeit werde von ihrer Seite begrüsst, zumal sie schon heute das Gebiet Neufeld auf Lützelflüher Boden mit Wasser versorgen würden.
Ein zweiter Standort muss her
Die Verbindungsleitung nach Lützelflüh könnte sich auch für die Wasserversorgungsgenossenschaft Rüegsau als Chance herausstellen. Denn, so Hans Grunder, verlange der Kanton eine hohe Versorgungssicherheit. Das gehe über die bisherige Notversorgung hinaus. «Wenn bei einer Wasserversorgung ein Bezugsort ausfällt, muss man über eine Alternative verfügen, die nicht nur einige Tage, sondern über Wochen oder Monate genug Wasser liefern kann», erklärt Grunder. Eine solche zweite Wasserfassung besitze ihre Genossenschaft nicht. Mit der neuen Verbindung nach Lützelflüh bestünde aber die Möglichkeit, sich einer der beiden grossen Wasserleitungen anzuhängen, die bei der Gohlhausbrücke durchführten. Die eine versorgt von Aeschau aus die Stadt und Region Bern, die andere bringt das Wasser aus Rüderswil in den Raum Kirchberg–Bätterkinden–Jegenstorf. «Damit hätten sowohl wir als auch Lützelflüh einen zweiten Bezugsort und könnten die Vorgaben des Kantons erfüllen», so Grunder. Eine weitere Möglichkeit, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sei ein Zusammenschluss mit Sumiswald.
Silvia Ben el Warda-Wullschläger
Grosses Interesse an einer Lösung für die Wasserversorgung von Lützelflüh hat die Kühni AG aus Ramsei. Vor zwei Jahren hat sie vis-à-vis ihres Standortes eine Gärtnerei gekauft mit dem Ziel, dort ein Kompetenzzentrum Holz zu errichten. «Damals hat niemand beachtet, dass sich das Grundstück in der Schutzzone 2 befindet, was einem Bauverbot gleichkommt», sagt Ernst Kühni. Sie hofften nun auf eine rasche Aufhebung der Schutzzone, damit sie Ende Jahr mit den Baumaschinen auffahren könnten.
Gemeindepräsident Andreas Meister ist erleichtert, wenn durch die geplante Verbindungsleitung mit der Wasserversorgung Rüegsau das Bauvorhaben der Firma Kühni realisiert werden kann. Mit dem Neubau müsse nicht gewartet werden, bis die Schutzzone aufgehoben sei. Könne das Projekt für die Verbindungsleitung aufgelegt werden und sei der Kredit dafür gesprochen, habe die Gemeinde die Auflagen des AWA erfüllt. „Somit sollte der Ausnahmebewilligung zum Bauen in der Schutzzone von Seiten AWA nichts mehr im Wege stehen“, führt Andreas Meister aus. Natürlich müssten auch noch die ordentlichen Baubewilligungsauflagen erfüllt werden.