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25.01.2012
Ausserordentliche Umstände ergaben Umschlags-Minus von knapp 13% - gute Aussichten für 2012
Mit einem Gesamt-Umschlag von 5,68 Mio. t mussten die Schweizerischen Rheinhäfen 2011 einen Rückgang um knapp 13% verbuchen. Verantwortlich war eine Kette von ausserordentlichen Umständen mit einer fast einmonatigen Rhein-Sperre und zwei Niederwasser-Perioden. Weniger stark betroffen ist der Containerverkehr: dank anhaltenden Wachstums in diesem Bereich sanken die Umschläge nur um 5.7%. STabil war zudem der Import an Agrargütern.
5'677’988t (2010: 6'518'276 t) wurden im vergangenen Jahr in den Schweizerischen Rheinhäfen gelöscht. Auf die Zufuhr entfielen 4'713’752 t (5'541'484 t), auf die Abfuhr 964’236 t (976'792 t). Das Total der ankommenden Ladungen nahm damit ab (-14,94%), während die Exporte auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Das 2011- Ergebnis liegt damit auch klar unter demjenigen des «Krisenjahr» 2009 (6,44 Mio. t).
Die Gründe für das enttäuschende Ergebnis sind leicht ersichtlich. Mitte Januar kenterte die „Waldhof“ vor der Loreley. Rund vier Wochen war der Rhein gänzlich gesperrt bzw. nur stark eingeschränkt befahrbar. Der Wasserweg zwischen Basel und den sogenannten ARA-Häfen (Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) war damit längere Zeit unterbrochen. Dies hatte massive wirtschaftliche Auswirkungen, auch wenn aufgrund von Kapazitätsengpässen bei den Transport-Alternativen Schiene und Strasse viel Ladung in den Häfen liegen blieb und nach Aufhebung der Sperre verschifft wurde.
In der zweiten Jahreshälfte behinderte eine enorm lange Periode mit Niedrigwasser die Schifffahrt. Die Schiffe konnten teilweise weniger als einen Drittel der normalen Ladungsmenge aufnehmen. Erst im Dezember sorgte der auftretende Niederschlag dafür, dass sich die Schifffahrt auf dem Rhein wieder normalisierte. Negativ wirkten sich auch Unternehmensentscheide in für die Schifffahrt wichtigen Industriezweigen aus. So wurde eine Papierfabrik in der Schweiz geschlossen, was für den Verlust von grösseren Mengen an normalerweise via Rhein transportiertem Zellstoff sorgte. Eine Schweizer Brauerei verlagerte die Produktion von alkoholfreiem Bier von Rheinfelden nach Strassburg, was ebenfalls für einen Ladungsverlust sorgte.
Auch im Containerbereich ist ein Rückgang um 5,7% zu verzeichnen. Im Hinblick auf die Verluste beim Gesamtumschlag ist dieser jedoch vergleichsweise gering ausgefallen, da die Containerverkehre weltweit weiterhin zunehmen.
Containerverkehr
93'371 TEU wurden im Berichtsjahr über die Schweizerischen Rheinhäfen umgeschlagen, was gegenüber dem Ergebnis von 2010 (99'048 TEU) einer Verminderung um 5,7% gleichkommt. Trotzdem ist dies das drittbeste je erzielte Ergebnis; das Rekordergebnis stammt aus dem Jahr 2007, als mit 104'366 TEU bislang erstmals die 100’000er-Grenze geknackt worden war.
Stark verringert hat sich die sogenannte Unpaarigkeit der Verkehre, da die bisher stärkeren Exporte ab- und die Importe zunahmen. Im Einzelnen sieht das so aus, dass 47'029 TEU (2010: 53'701 TEU) aufs Schiff verladen wurden, was einer Verringerung um 12,4% entspricht. Die Zahl der ankommenden Container nahm um 2,2% auf 46'342 TEU (2010: 45'347 TEU) zu.
Dass das Container-Ergebnis trotz widriger Umstände „nur“ um knapp 6% fiel, ist nicht zuletzt auch dem Verkehr mit leeren Behältern zuzuschreiben. 40'119 TEU entsprechen gegenüber dem Vorjahr (36'189 TEU) einem Zuwachs um 10,9%. Umgekehrt ist das Ergebnis bei den vollen Behältern, das mit 53'252 TEU gegenüber 2010 (62'859 TEU) eine Verminderung um 15,3% zeigt.
Die Prognose für 2012 ist vorsichtig optimistisch. Die „Sonderfaktoren“ aus 2011 werden sich kaum wiederholen. Einerseits ist zwar mit einer Abschwächung der Wirtschaftsentwicklung zu rechnen, aber anderseits nimmt der Containerisierungsgrad im Gütertransport weiter zu. Zudem wird der Bahnhinterlandverkehr der Schifffahrt für die Verteilung in der Schweiz ab 2012 tarifarisch dem Bahndirektimport gleichgestellt.
Flüssige Treib- und Brennstoffe
Eine seit längerem anhaltende Tendenz bei den flüssigen Treib- und Brennstoffen setzte sich auch 2011 fort: Die Umschlagszahlen fallen gegenüber dem Vorjahr negativ aus. 2,22 Mio. t wurden über die Schweizerischen Rheinhäfen importiert. Dies sind knapp 21% weniger als im Vorjahr (2,83 Mio. t). Der Grund für diese Entwicklung ist neben den erwähnten nautischen Umständen eine nach wie vor extreme Zurückhaltung bei den Endverbrauchern von Heizöl. Laut den statistischen Erhebungen nehmen die Bevorratungen bei den Konsumenten laufend ab und haben Ende September einen «historischen Tiefstand» von gerade noch 25% erreicht. Dass zum Ende des Jahres auch kein besonders harter Winter bemerkbar war, tat sein übriges.
„Nur“ um 6% abgenommen hat die Menge der Ausfuhren in diesem Bereich. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Schweröl, das in den Schweizer Raffinerien anfällt und im Inland kaum mehr Verwendung findet. Die Gesamtmenge liegt mit 264'800 t (2010: 281'700 t) im durchschnittlichen Rahmen.
Anderseits dürfte aufgrund der Schliessung der Inlandraffinerie in Cressier die Importmenge über die Schweizerischen Rheinhäfen im Jahr 2012 stark ansteigen. Der auf dem Markt verfügbare Tankschifffahrtsraum und die Umschlags- /Lagerkapazitäten in den Rheinhäfen vermögen die fehlende Inlandproduktion mit entsprechenden Importen im Dienste der Landesversorgung hinreichend zu ersetzen.
Landwirtschaftliche Erzeugnisse / Nahrungs- und Futtermittel
Insgesamt wurden bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen im 4. Quartal fast 83‘000 t umgeschlagen dies entsprach exakt der Vorjahresmenge welche als sehr hoch einzustufen ist. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Jahresmenge erneut um 35 % gesteigert werden, was einem Mengenzuwachs von 90‘000 t entspricht. Im Bereich Nahrungs- und Futtermittel konnte kein Mengenzuwachs verzeichnet werden. Zwar steigerte sich die Importmenge im Vergleich zum Vorjahr um 32‘550 t, jedoch reduzierte sich die Exportmenge um 51‘123 t, was unter dem Strich einem Rückgang um 18‘573 t oder 3.53 % gleich kommt.
Insgesamt ist das Jahr 2011 in diesem Bereich zufriedenstellend. Trotz Rheinsperre im Januar und langen Niederwasserperioden konnte eine Mengensteigerung von 71‘000 t verzeichnet werden, was im Vorjahresvergleich einer erneuten Zunahme von 9.17 % entspricht.
Feste mineralische Brennstoffe
Die Einfuhr von festen Brennstoffen erreichte im Jahre 2011 einen Tiefstand. Mit nur 83‘534 t wurde ein Drittel weniger importiert als im Jahre 2010. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der Substitution durch alternative Brennstoffe ist auch in Zukunft keine Belebung abzusehen. Einen wesentlichen Einfluss wird dabei die Preisentwicklung bei den Rohstoffen spielen. Sollten die Preise weiter steigen, wird vermehrt Alternativbrennstoff zum Tragen kommen. Schliesslich ist auch die Baukonjunktur entscheidend, da der Grossteil der Importe für die schweizerischen Zementwerke bestimmt ist.
Eisen und Stahl
Beim Import in die Schweiz und beim Transitverkehr nach Italien sind Mengenrückgänge von 30 Prozent zu verzeichnen. Die Menge sank von 624‘017 Tonnen im Jahre 2010 auf 438‘210. Die Exporte der schweizerischen Stahlwerke blieben mit 76‘000 t trotz des starken Frankens erfreulicherweise konstant.
Infolge der global tiefen Lagerbestände und der Preiserhöhungen beim Stahl wurde 2011 mit steigenden Mengen gerechnet. Dass dieser Aufschwung nicht stattfand, ist der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa – hier speziell Italien – und dem starken Schweizer Franken zuzuschreiben.
Zellstoff und Chemische Produkte
Die Fabrikschliessungen und Auftragsrückgänge bei der schweizerischen Papierindustrie hatten Einbrüche von 33% zur Folge. Aufgrund der zusätzlich angekündigten Schliessung von Fabrikstandorten in der Schweiz wird im 2012 mit einem weiteren Rückgang der Importmengen in diesem Güterbereich gerechnet.