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Kleintiere Schweiz
Die Fasane unter den Hühnern
Die Form und die Charakterzüge ähneln einem Fasan. Hamburger und Zwerg-Hamburger bestechen durch ihre Eleganz und das aparte Farbbild. Trotzdem werden sie in der Schweiz nur selten gezüchtet.
Die Drohnen von einst BEA 2019
Die Papageien in der Freiflughalle An der BEA 2019
Ein Küken schlüpft aus seinem Ei
Die Geschichte der Hamburger ist zu grossen Teilen noch rätselhaft. Die Rasse, die nichts mit dem beliebten Burgerfleisch zu tun hat, wurde Aufzeichnungen zufolge in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erzüchtet. Ursprungsrassen sollen verschiedene Sprenkelhuhn-Rassen und sogenannte «Alltagsleger» gewesen sein. Ob die Rasse tatsächlich in Norddeutschland erzüchtet worden ist oder doch in England, darüber streitet sich die Fangemeinde. Über die Wirtschaftlichkeit war man sich jedoch von
Beginn an einig. Beim Hamburgerhuhn handelt es sich um eine Rasse, die hervorragend legt und wenig Ansprüche an die Umwelt stellt. Mittlerweile sind sieben Farbenschläge bei der Grossrasse anerkannt.
Die Zwerg-Hamburger wurden dann in England erzüchtet. Dieser Prozess begann Ende des 19. Jahrhunderts. Für die Verzwergung sollen grosse Hamburger, Bantam und Sebright mitgespielt haben. Schon 1908 soll man gute Zwerge an englischen Ausstellungen gesehen haben. Ebenfalls wurden sie Anfang des 20. Jahrhunderts in Holland mit grossem Engagement gezüchtet.
Von edlen Linien und runden Tupfen
Nach und nach kamen sie so auch nach Deutschland. Dort gab es noch einen weiteren Verzwergungsversuch mit grossen Hamburgern und schwarzen Bantams. Dieser soll von grossem Erfolg gewesen sein. Schon früh konnte man Zwerg-Hamburger mit unterschiedlichen Zeichnungsbildern erwerben. 1947 sollen sie bereits in sieben Farbenschlägen gezüchtet worden sein. Die Anzahl der Farbenschläge hat sich bis heute nicht verändert, es kommen zurzeit jedoch nur zwei in der Schweiz vor: Silber- und Goldlack.
Bei den Hamburgern und deren Zwergen verlangt man einen lang gestreckten Körper mit edler Linienführung. So haben sie eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Fasan. Die Brust soll gut gerundet sein und nicht zu hoch getragen werden. Der Schwanz, der nur wenig über die Waagerechte ragt, weist beim Hahn viele Sicheln auf. Bei der Henne werden leicht gebogene, obere Schwanzdeckfedern angestrebt. Die Flügel sollen fast waagerecht, am Körper anliegend, getragen werden. Insgesamt zeigt der Hahn ein volles Schmuckgefieder.
Die Hamburger weisen eine Spezialität auf. Bei den Sprenkelfarben gibt es Zuchtlinien, bei denen die Hähne hennenfiedrig sind. Sie zeigen so, ausser dem kräftigeren Körper und den grösseren Kopfpunkten, kaum noch Unterschiede zu Hennen gleicher Farbe. Die feinknochigen, mittellangen Läufe und die deutlich sichtbaren Schenkel lassen die Tiere noch eleganter wirken. Die häufigste Farbe ist Silberlack. Jede Feder ist silberweiss mit einem runden Tupfen am Federende. Der mittelgrosse Kopf wird durch einen Rosenkamm und kleine runde Kehllappen geziert. Der Rosenkamm soll in gerader Linie in einem Dorn auslaufen. Die runden Ohrscheiben werden von glattem Gewebe und weisser Farbe verlangt.
Eifrige Futtersucher und gute Leger
Doch nicht alle Länder teilen dieselbe Meinung zum Aussehen der Rasse. So streben die Holländer Tiere an, deren Flügel gesenkt, aber nicht hängend getragen werden. Weiter wird erwartet, dass die Brust hoch getragen wird. In Dänemark will man einen Schwanzanstieg von 40 Grad. Auch beim Gewicht gibt es
Unterschiede. Ein Austausch von Tieren zwischen diesen Ländern gestaltet sich aus diesem Grund nicht immer problemlos.
Hamburger und Zwerg-Hamburger eignen sich bestens für einen Freilauf. Sie suchen fast ununterbrochen nach Fressbarem. Hält man sie in Gehegen, muss man sicherstellen, dass die Ausläufe mit einem Netz überspannt sind. Die Tiere sind durch ihr geringes Gewicht relativ gute Flieger. Gegenüber Fremdem sind sie misstrauisch. So wie viele andere leichte Hühnerrassen sind auch Hamburger relativ scheue Tiere. Es braucht einiges an Zeit und Geduld, bis die Tiere aus der Hand fressen.
Die Zucht gestaltet sich relativ einfach. Die Hennen legen sehr zuverlässig und die Hähne befruchten gut. Auch der Schlupf verläuft im Normalfall problemlos, sodass man sich nicht um genügend Jungtiere sorgen muss. In der Aufzucht gilt es jedoch etwas zu beachten: Jungtiere leichter Rassen brauchen vergleichsmässig viel Platz. Werden sie in beengten Ställen mit mangelnder Beschäftigung aufgezogen, neigen sie zu Fehlverhalten. Dies fängt meist mit Federpicken an und kann bis zu Kannibalismus führen.
In der Schweiz kaum noch Zuchten
Nach wenigen Wochen zeigen Hamburger schon ein relativ gut entwickeltes Federkleid. Selektionieren kann man sie dann noch nicht definitiv. Die Zeichnung verändert sich im Laufe der Entwicklung, weshalb nur Deformationen, Kammfehler und grobe Formfehler früh ausselektioniert werden sollten. Die Rasse, die früher wegen ihrer Wirtschaftlichkeit beliebt war und auch mit diesem Hintergedanken gezüchtet wurde, brütet kaum noch. Deshalb benötigt man für die Nachzucht eine Brutmaschine.
An einer Ausstellung 2012 in Solothurn zeigten Züchter noch vier der sieben Farbenschläge bei der Zwergrasse, 51 Tiere wurden ausgestellt. Heute werden nur noch Silber- und Goldlack von einer Handvoll Züchtern nachgezogen, der Farbenschlag Goldlack gar nur von zwei Züchtern. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Blutauffrischung. In Deutschland sind die Tiere zwar von anständiger Qualität, meist aber zu schwer. Interessenten für das Zwerg-Hamburger-Huhn können sich bei Simon Zehnder aus Ruswil melden (www.kleintiere-schweiz.ch > IG Meerschweinchen > Kontaktadressen).
Bei der Grossrasse sieht es noch dramatischer aus. Ungefähr drei Züchter ziehen Hamburger in den Farben Silberlack, Schwarz und Blau noch nach. Die Farben Silber- und Goldsprenkel sind bei der Gross- sowie der Zwergrasse nicht verbreitet in der Schweiz.