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Die Tonträgerproduktion
Das wichtigste und genaugenommen auch fast einzigste Produkt der Musikindustrie ist der Tonträger. Also das Medium, das die Musik in einer markttauglichen Qualität beinhaltet und vom Endkonsumenten abgespielt werden kann. Um einen Tonträger herzustellen, brauchts natürlich nicht nur den Song selbst und die Band, die ihn spielt, sondern noch einige weitere Stellen und Personen, bis die Musik schlussendlich beim Hörer landet. Im folgenden ein Überblick der Begriffe und Funktionsweisen.
Was ist eine Plattenfirma?
Eine Plattenfirma, auch genannt Tonträgerunternehmen oder Musiklabel, stellt Tonträger her und vertreibt und vermarktet sie. Eigentlich gäbe es einen Unterschied zwischen dem Begriff «Plattenlabel» und «Plattenfirma»: Das Label ist nur der Unterbereich der gesamten Plattenfirma, der sich um Werbung, Vertrieb und Promotion eines Acts kümmert. Im allgemeinen Verständnis, und da alle von den «Major-Labels» sprechen, ist dieser Unterschied jedoch nicht wahrnehmbar.
Der Name «Label» kommt von den Etiketten, die auf den Schallplatten aufgeklebt waren und sind (englisch «Label» = «Etikette»). Dort ist jeweils aufgeführt, welches Label die Platte verlegt. Bei den CDs ist diese Information ebenfalls vorne aufgedruckt, zusätzlich mit dem Labelcode. Auch wenn inzwischen die Schallplatten nicht mehr topaktuell sind, hält sich der Name «Plattenlabel» immer noch, auch bei «Plattenvertrag», da jahrzehntelang die Schallplatte das hauptsächlich vermarktete Tonträgermedium war.
Ein Label kümmert sich aber nicht nur um die Vermarktung des Produkts, sondern auch um die Betreuung der Musiker. Wenn immer möglich, wird eine langjährige Zusammenarbeit angestrebt.
Was ist ein Labelcode?
Anhand des Labelcodes kann ein Tonträger eindeutig einem Plattenlabel zugeordnet werden. Er ist vier- bis fünfstellig und sieht in der Regel so aus: LC 12345. Der Labelcode und die damit verknüpfte Labelliste ist die Grundlage zur Abrechnung der Tantiemen. Die Plattenlabels ihrerseits drucken zusätzlich einen mehrstelligen Code auf, um zu wissen, um welchen Tonträger es sich handelt.
Die erweiterte Form davon ist der zwölfstellige ISRC (International Standard Recording Code), der Herkunftsland, Plattenlabel, Veröffentlichungsjahr und Tonträgernummer beinhaltet. Dieser Code wird auch auf den Datenbereich einer CD geschrieben, so dass Radiostationen, wenn sie diesen Song abspielen, gleich die richtigen Tag-Informationen erhalten. Daraus leitet sich auch der EAN-Strichcode ab, welcher auf der Hüllen-Rückseite und oft auch auf der CD selbst aufgedruckt ist. Ein Pendant dazu ist die ISBN (International Standard Book Number), die auf allen kommerziell verkauften Büchern aufgedruckt ist und so ein Buch eindeutig identifiziert, an der Ladenkasse wie auch im Online-Shop.
Auf einer CD findet man noch weitere Codes, auf der Rückseite rund ums Innenloch. Hier ist zum Beispiel eingraviert, welches Presswerk die CD produziert hat.
Was ist ein Plattenvertrag?
Etwas, wovon fast alle Bands träumen. Träumen, weil nicht ganz einfach erreichbar; ausserdem entpricht die Business-Realität oft nicht den malerischen Vorstellungen von Musikern.
Ein Plattenvertrag ist, wie der Name schon sagt, eine vertraglich geregelte Bindung zwischen der Band und dem Label. Der Vetrag und weitere Abmachungen beinhalten in der Regel folgendes:
• Das Serviceangebot des Labels. Dies beinhaltet nebst der Durchführung auch die ganze Finanzierung der Projekte und das Bereitstellen der notwendigen Infrastruktur.
• Die Verpflichtung des Labels, innerhalb eines bestimmten Zeitraums mindestens einen Tonträger am Markt zu veröffentlichen und zu promoten.
• Das Einverständnis der Band, dass das Label sie und ihre Werke bei der Suisa anmelden und am Markt veröffentlichen darf. Ebenso, dass die Entscheidungsgewalt über die Auswahl und Aufnahmen der Songs beim Label respektive bei derem Produzenten liegt, und Songs auch im Sinne der Markttauglichkeit angepasst werden dürfen.
• Die Verpflichtungen der Band zur Exklusivität. Dass also alles, was kreiert und veröffentlicht wird, über dieses Label läuft.
• Die Verpflichtung der Band, für Aufnahmen, Fotos, Promotionsmassnahmen und Konzerte (falls nicht durch eine Konzertagentur geregelt) zur Verfügung zu stehen.
• Der Verteilschlüssel der Einnahmen und Tantiemen. Und davon unabhängig ein allfälliger «Lohn» für die Musiker während eines bestimmten Zeitraums, falls die zeitliche Anwesenheit dies erfordert.
• Die Regelung der Eigentums- und Verwendungsrechte der Werke.
• Eine Mindestlaufzeit.
• Allfällige Konsequenzen bei Nichteinhaltung des Vetrags, und natürlich, was in Verträgen an Rechtstexten sonst noch so drin ist.
Uiuiui. Aber: die der träumerischen Seite gegenteilige Vorstellung, ein Plattenvertrag beschneide alle persönlichen Freiheiten, ist ebenso falsch. Es ist natürlich nicht so, dass die Band mit einem Plattenvertrag gleich alle Rechte abgibt und nur noch als hirnlose Marionette des Labels fungiert (obwohl das bei gewissen Deals durchaus der Fall zu sein scheint). Nein, ein Vertrag ist immer gegenseitig. Und ein gutes Label kümmert sich um seine Musiker und vergräult sie nicht. Im Idealfall ist es ein prima Teamwork zwischen der Band, dem Produzenten und dem Label. Nur so entsteht eine wirklich gute Produktion, und damit die Chance auf ein längerfristiges Engagement und einen möglichen Erfolg.
Es gibt auch Varianten davon, zum Beispiel den Vertriebsvertrag. Da ist die Band selbst für die Produktion und die Finanzierung der CD zuständig, und das Label kümmert sich anschliessend um den Vertrieb und allenfalls die Promotion.
Was ist Promotion?
Musikpromotion, auch genannt Promo, bezeichnet sämtliche Massnahmen, die zur Bekanntmachung der Band, des Albums oder des Songs beitragen; es ist quasi die erste Phase einer Veröffentlichung. Und eigentlich auch die wichtigste; denn ist anschliessend die Band bereits bekannt, können folgende Singles mit viel weniger Promotionsaufwand gewinnbringend veröffentlicht werden. Es gibt verschiedene Promotionskanäle und -möglichkeiten, wobei sich der eine Teil an den Profi im Musikmarkt richtet und der andere Teil an den Konsumenten. Natürlich ist Promotion am effektivsten, wenn möglichst viele Kanäle möglichst gleichzeitig genutzt werden.
Zum einen ist Promo die sogenannte «Bemusterung» der Radiosender, und bei Discomusik auch der entsprechenden DJs in Clubs. Also Gratis-CDs, die inklusive Beschreibung und, viel wichtiger noch, persönlichen Empfehlungen an die erhofften Abspielmedien verteilt werden. Des weiteren beinhaltet Promo das Verfassen und Versenden der PR-Texte, für Musikredaktionen und Musikjournalisten, Musik- und Jugendmagazine und andere Printmedien. Und es gibt Promotionsauftritte der Künstler (Vorband, Konzert an einer TV-Show, Gratiskonzert, Radiointerview etc.).
Die erste Single eines Albums hat meistens eine Doppelrolle: nebst dem Song an sich ist sie auch gleichzeitig der Promosong fürs Album und wird entsprechend aufwändig beworben. Eine sehr wichtige Promotionsmassnahme ist natürlich auch: der Videoclip zum Song. Songs auf Sampler-CDs sind grösstenteils ebenfalls Promo. Weitere Promoaktionen können sein: Wettbewerbe, Gratis-Downloads, klassische Werbung (Flyer, Inserate, Plakate), POS-Material für CD-Läden (so nennt man die Schaufenster- und Ladenverkaufsplakate und -kartonagen), Give-Aways (vom Feuerzeug bis zum T-Shirt), Spezial-Aktionen etc.
Bei der Promotion wird dem Song oder der Band nebst dem musikalischen auch noch ein visuelles Bild gegeben: meistens ein Bandfoto, das entweder am Albumcover anlehnt oder mindestens stilmässig durchdacht daherkommt. Idealerweise kombiniert mit dem passenden Videoclip oder anderen stimmigen Bild- und Grafikwelten. Heutzutage ist die visuelle Präsentation bei der Promo mindestens so wichtig wenn nicht sogar in vielen Fällen wichtiger als die Musik selbst. Für die Planung und Umsetzung der Promotion ist das Plattenlabel zuständig; für die Band selbst ist das aber ebenfalls eine sehr intensive Zeit, da sie für alle Promotionsmassnahmen zur Verfügung stehen müssen (Fotoshooting, Interviews, Promoauftritte, Videodreh etc.).
Warum ist Promotion so wichtig? Ganz einfach: weil es noch hunderte anderer Labels gibt, die ihre Bands ebenfalls bewerben und hoffen, dass der Markt darauf anspricht. Natürlich hilft es dabei, wenn es sich schon mal um einen guten Song und eine gut produzierte Aufnahme handelt. Schliesslich kann auch eine aufwändige Promotion keine Scheisse zu Gold machen. Aber sie kann Scheisse zum Glänzen bringen.
Wie funktioniert eine Plattenfirma?
Natürlich gibt es je nach Grösse und Art eines Labels gewisse Unterschiede. Abgesehen von allgemeinen unternehmensinternen Bereichen wie Finanzen, Sekretariat und Chefetage ist ein Musiklabel im Prinzip aber jeweils ungefähr so aufgeteilt:
Die A&R-Abteilung
Der wichtigste und erste Ansprechpartner für Musiker in einer Plattenfirma ist der «Artist & Repertoire-Manager». Er sind zuständig für das Entdecken und Fördern neuer Talente mit kommerziellem Potenzial. Hier sind die Leute, die sich die ganzen Demo-CDs anhören, an Konzerte gehen, Medien durchforsten und dann entscheiden, welche Künstler sie unter Vertrag nehmen möchten. Und dann auch zuständig sind für die Betreuung der Musiker, die Produzentensuche und was weiter mit der Herstellung eines Tonträgers alles zusammenhängt, und für das musikalische Gesamtbild des Labels insgesamt. Dies sind also die Personen, von denen so manche Band sich erhofft, entdeckt zu werden (Lustig: Manchmal wird «A&R» von Musikern auch übersetzt mit «Ablehnen und Rücksenden».).
Die Promotions-/Marketingabteilung
Diese Abteilung, darunter der Produktmanager, kümmert sich um die Vermarktung des Produkts, also der Band und des Songs. Dies beinhaltet zum einen das Planen und Organisieren der Verkaufskanäle, aber auch den ganzen Bereich der Werbung und Public Relation (PR) in Radio, Fernsehen und den Printmedien, und ausserdem das Merchandising und die visuelle Präsentation generell. Diese Leute sind also insgesamt zuständig dafür, wie die Band, abgesehen von der Musik an sich, beim Publikum wahrgenommen wird. Dazu werden auch externe Agenturen und Freelancer beigezogen.
Das Presswerk
Logisch: presst die CDs. Stellt also das Endprodukt her, mitsamt Cover und Verpackung. Dabei gibt es Presswerke, die einem Label angeschlossen sind, und unabhängige mit eigenem Labelcode.
Der Vertrieb
Sorgt dafür, dass die fertigen CDs auch mit der richtigen Auflage termingerecht an die richtigen Verkaufsstellen geliefert werden. Nicht jedes Label hat seine eigene Vertriebsabteilung; in diesem Fall übernehmen externe Vertriebsfirmen und Grossverteiler diesen Part.
Externe Stellen
Der Handel
Die CD-Läden und Online-Shops sorgen dafür, dass die Konsumenten den produzierten Tonträger kaufen und die Musik dann geniessen können. Dabei werden neue Produkte speziell promotet und in die vorderen Regale gestellt. Nebst den Tonträgern erhalten die Läden von den Labels auch die potenzielle respektive gewünschte Hitliste und das entsprechende Promomaterial. Aus den gemeldeten Verkaufszahlen des Handels werden dann die Hitparaden erstellt.
Der Produzent
Er gehört nicht zwingend einem Label an, sondern wird von einem Label jeweils pro Band oder auch dauerhaft engagiert. Er ist verantwortlich für die künstlerische und kommerziell verwertbare Umsetzung des Tonträgers. Dabei muss er einen Spagat machen können zwischen den Vorstellungen und Budgetvorgaben der Plattenfirma und der musikalischen Qualität und der kreativen Freiheit der Band. Er organisiert und leitet die Aufnahmen, bezieht allenfalls zusätzliche Studiomusiker und Songwriter mit ein und ist zusammen mit dem Toningenieur für den Mix und das Mastering verantwortlich. Seine Funktion lässt sich vergleichen mit dem Regisseur eines Films (Im Filmbusiness bezeichnet «Produzent» hingegen eher meistens den Auftraggeber/Financier). Ein Musikproduzent hat im Idealfall eine sehr genaue Vorstellung davon, wie ein Song am Schluss als Ganzes klingen soll, und steuert alle kreativen Elemente, Fähigkeiten und Emotionen der Beteiligten so, dass dieses Ziel auch erreicht wird. Produzenten geben nicht selten dabei auch ihren persönlichen kreativen Input, oder greifen sogar selbst in die Tasten oder Saiten, oder steuern Text- und Songideen bei etc.
Manche Produzenten haben auch ihre eigenen Künstlerprojekte, die sie selbsttätig umsetzen und dann mit einem «Bandübernahmevertrag» an die Musiklabels zu verkaufen oder zu lizenzieren versuchen (Wobei «Band» hier für «Tonband» steht). Produzenten haben in der Regel insgesamt einen guten Durchblick im ganzen Musikbusiness-Dschungel und verfügen über entsprechende Kontakte und Erfahrungen, um nebst der Produktion auch im Bereich Promotion ihren Input zu geben. Nicht zuletzt wegen der «Austauschbarkeit» und «Vereinheitlichung» vieler Künstler und Bands ist die Bedeutung des Produzenten in vielen Musiksparten in den letzten Jahrzehnten markant gestiegen. Wichtig war seine Funktion schon immer, doch wird inzwischen vermehrt der Produzent eines Acts sogar teilweise mit höherem Stellenwert kommuniziert als der Act selbst. Und auch, wenn es in den meisten Fällen nicht kommuniziert wird: wer hinter die Kulissen schaut, stellt fest, dass hinter vielen unterschiedlichen gerade angesagten Sternchen oft dieselben Songwriter und Produzenten stehen.
Es besteht manchmal die Befürchtung bei Künstlern, dass ein Produzent sich zu sehr «einmischen» oder die eigene Kreativität beschneiden würde. Das kann schon sein, ist aber eine reine Entscheidungsfrage. Der Job des Produzenten ist es, einen marktfähigen und erfolgsversprechenden Tonträger herzustellen. Wenn man das möchte, sollte man dem Profi auch die Arbeit und die Kompetenzen überlassen. Es ist aber sicher vorteilhaft, wenn man sich als Künstler mit einem Produzenten einigermassen gut versteht und ihn vielleicht sogar sympatisch findet. Kommunikation heisst das Zauberwort. Es gibt ausserdem zahlreiche Bands, die ihr Album gleich selbst produzieren.
Die Bookingagentur
Sie vermittelt Bands und Solokünstler an Konzertveranstalter. Von der Konzertgage erhält die Agentur dann einen ausgehandelten Anteil für ihre Dienstleistung; üblich sind 15 bis 20 Prozent. Einer Konzertagentur tritt man vertraglich bei und meistens auf längere Zeit; je nachdem kann auch ein Exklusivvertrag abgeschlossen werden – die Agentur hat dann das alleinige Recht, die Band zu vermitteln.
Diese Agenturen unterhalten ein weites Beziehungsnetz zu Festival-/Konzertveranstaltern und Livemusik-Locations und treten dann und wann auch mal selbst als Organisator eines Events auf. Meistens sind sie, wie auch ein Independent- oder Sublabel, auf wenige Stilrichtungen spezialisiert, da natürlich auch die meisten Festivals und Konzertlokale ein bestimmtes Stammpublikum oder Stilvorstellungen haben. Eine Bookingagentur ist ebenfalls nicht zwingend einem Label angeschlossen, arbeitet je nach Grösse aber natürlich teilweise sehr eng mit deren Promotionsabteilungen zusammen.
Es gibt auch noch den Überbegriff: die Künstleragentur. Sie kümmert sich nicht nur um Konzerte, sondern auch um das Marketing generell, also Werbung und Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit der Band.
Der Konzertveranstalter
Der Veranstalter betreibt eine dauerhafte Konzertlocation oder ein Festival und hat natürlich Interesse daran, dort regelmässig qualitativ hochwertige und publikumswirksame Bands auftreten zu lassen, um seine Infrastruktur auszulasten und sein Image als guten Veranstaltungsort zu pflegen. Dazu arbeiten die Veranstalter eng mit Bookingagenturen zusammen. Oft sind die Agenturen stilmässig fokussiert und machen sich einen Namen in einer bestimmten Szene. Ebenso die meisten Veranstalter, welche sich so ein Stammpublikum schaffen und ihr Lokal auch dem Musikstil entsprechend einrichten können.
Der Verdienst des Veranstalters ist, grob gesagt, der Ticketeintritt plus der Gewinn aus Essen und Getränken, plus ein allfälliges Sponsoring, minus die Gage für die Band und deren Bookingagentur. Und natürlich minus der ganzen technischen Anlagen, der Infrastruktur, der Einkäufe, des Personals und des Werbeaufwandes. Ausserdem ist es der Veranstalter eines Konzerts, der der Suisa die 10 % der Einnahmen abgeben muss.
Ein Veranstalter ist in der Regel keinem Label exklusiv angeschlossen, sondern engagiert seine Acts über die Bookingagenturen. Mit zunehmender Grösse der Konzerthalle oder des Festivals wird aber ein direkter Kontakt mit den Labels entsprechend wichtiger, da nur kommerziell erfolgreiche Bands, also solche mit vielen verkauften Tonträgern, genügend Publikum anzulocken vermögen.
Der Musikmanager
Viele Bands haben nicht selbst den Kontakt zu Labels und Bookingagenturen, sondern lassen sich durch einen Bandmanager vertreten, der sich im Business auskennt, die nötigen Kontakte knüpft, die Band aktiv für Engagements und Konzerte bewirbt, Termine und Abmachungen koordiniert und den ganzen administrativen Kram erledigt. Er arbeitet in der Regel ebenfalls mit Gewinnbeteiligung, hat also selbst grösstes Interesse daran, die Band zum Erfolg zu führen. Im Prinzip ist seine Funktion ähnlich wie die des A&R-Managers eines Labels, arbeitet jedoch meistens selbständig oder gehört gleich zur Band, und kümmert sich nicht nur um Tonträger, sondern gleichzeitig auch um PR und Auftritte.
Wenn man professionell und erfolgreich im Musikbusiness einsteigen oder weiterfahren möchte und sich lieber aufs Musikmachen als auf Administratives konzentrieren möchte, ist ein Bandmanager quasi Pflicht, nur schon wegen der anfallenden Menge an Informationen. Aber natürlich auch, weil es so EINEN verantwortlichen Ansprechpartner gibt für alle Kontakte. Denn Bandmanager sind auch diejenigen Leute, die den Kopf hinhalten müssen, wenn der Tonträger oder das Konzert nicht erfolgreich war; und bei Erfolg sagen müssen, es sei der Verdienst der Band.
Die gute Zusammenarbeit einer Band mit ihrem Manager ist essenziell, da er unter Umständen für die Band die einzige Kontaktperson des ganzen Zirkus ist. Im Idealfall ist der Manager ein Symbiont, im schlechtesten Fall ein Parasit (sorry wegen der Fremdwörter).
Die grossen Plattenfirmen
Im weltweiten Musikmarkt dominieren drei grosse Plattenfirmen, die «Big Three» (= die grossen Drei) oder auch genannt «Major-Labels», die 74 % – 80 % des gesamten Musikbusiness unter sich aufteilen, im Popbereich gar etwa 90 %.
Der Rest gehört den kleineren «Independent Labels». Die Majors sind zu dieser Grösse herangewachsen, indem sie während der letzten Jahrzehnte immer mehr kleine Labels aufgekauft haben oder mit anderen grossen fusioniert sind.
Die «Big Three» sind:
• Universal Music Group
– ca. 26 % Marktanteil, plus seit 2011 der Anteil von EMI
– ehemals MCA, Seagram, Polygram
– gehört zu 100 % Vivendi, dem grössten französischen Medienkonzern
• Sony Music Entertainment
– ca. 22 % Marktanteil, plus seit 2011 der Anteil von EMI
– ehemals Columbia Records, Bertelsmann Music Group (BMG), Ariola
– gehört zu 100 % Sony, dem japanischen Elektronikkonzern
• Warner Music Group
– ca. 12 % Marktanteil
– ehemals Time Warner, Warner Music International (WMI), Elektra, Atlantic
– gehört zu 100 % dem US-russischen Milliardär Blavatnik
EMI Group (bis 2011)
– ca. 14 % Marktanteil
– ehemals UK Columbia Records, Gramophone Company, Virgin Group, United Artists Records
– wurde erst übernommen von Citigroup, ist nun aber aufgeteilt worden zwischen Universal und Sony
Majors: immer weniger immer grössere
Von 1988 bis 1998 waren es noch sechs Major-Labels, die den Markt dominierten. Bis 2004 waren es dann noch fünf, bis vor kurzem vier, seither sind es drei: EMI wurde Ende 2011 aufgekauft von Universal; die Musikrechte von EMI gehen an Sony.
Der Deal ist inzwischen über die Bühne: erst müssen jeweils die Wettbewerbshüter dazu ihren Segen geben. In erster Instanz (Juli 2012) hatten sie die Fusion abgelehnt respektive einen langen Katalog an Auflagen erstellt, damit ging es in die nächste Runde. Letztes Jahr (September 2012) haben dann die Kartellbehörden unter gewissen Auflagen grünes Licht gegeben. Nun ist die Umstrukturierung der EMI-Labels im Gange.
Sub- und Indie-Labels
Zu den Majors gehören jeweils die Sublabels (= Unterlabel), die im Laufe der Jahre hinzugekommen (= aufgekauft worden) sind und noch unter ihrem Namen agieren, aber eben nur als Tochtergesellschaft des Majors. Die Sublabels sind dann jeweils auf einzelne Musikstile oder unterschiedliche Preislagen/Konsumentenbereiche spezialisiert.
Die Major-Labels beherrschen den weltweiten Markt und sämtliche wichtigen Absatzkanäle, sind aber aufgrund ihrer Grösse und des dadurch hohen marktwirtschaftlichen Drucks recht unflexibel und nicht fähig, neue Musiktrends zu setzen; aber umso mehr, sie zu übernehmen und zu verbreiten.
Die Independent Labels verfügen nicht über ein so grosses Netzwerk, sind aber dadurch eben unabhängiger und meistens auch diejenigen, die neue Bands entdecken und neue Trends setzen.
Übrigens: der Begriff «Indie-Label» (= Independent Label) ist nicht dasselbe wie der Musikstil «Indie-Rock» (= undefinierbarer, seichter, emotionsloser Schwachsalzer-Pseudorock, für den keine andere Bezeichnung passte).
Liste der «Big Three» und ihrer Sublabels und Musiker
(Natürlich unvollständige Liste, da dies ja immer wieder ändert. Gewisse Musiker sind doppelt aufgeführt, da sie vielleicht irgendwann zu einem anderen Label gewechselt haben. Gewisse Musiker sind auch gar nicht aufgeführt, da diese Listen nicht einzeln recherchiert, sondern 1:1 von den Labelseiten übernommen wurden.)
Von wem das Album einer Band produziert, und von welchem Label es herausgegeben wurde, steht jeweils auf der Rückseite einer CD, kleingedruckt bei den Copyright-Informationen.
Universal
Sublabels
Motown Record Company, Verve Music Group, Mercury Nashville, Interscope Records, Island Def Jam Records, Polydor, Urban, Koch International, Verve, Deutsche Grammophon und weitere
Musiker
ABBA, A-ha, Louis Armstrong, Count Basie, Chuck Berry, Jeanette Biedermann, James Brown, Mariah Carey, The Carpenters, Johnny Cash, Owl City, Eric Clapton, Patsy Cline, John Coltrane, Sarah Connor, Def Leppard, Dire Straits, Ella Fitzgerald, The Four Tops, Serge Gainsbourg, Marvin Gaye, Johnny Hallyday, Jimi Hendrix, Billie Holiday, Buddy Holly, The Jackson Five, The Jam, Elton John, Herbert von Karajan, Kiss, K.I.Z., Lady Gaga, Lena Meyer-Landrut, Andrew Lloyd Webber, Lynyrd Skynyrd, The Mamas and the Papas, Bob Marley, Nirvana, Luciano Pavarotti, Tom Petty, Edith Piaf, The Police, Queen (ab 2011), Rammstein, Smokey Robinson, The Rolling Stones, Michel Sardou, Sido, Cat Stevens, Rod Stewart, The Supremes, Tokio Hotel, Unheilig, Caetano Veloso, Volbeat, Wisin y Yandel, Muddy Waters, Barry White, Hank Williams, Wise Guys, The Who etc.
EMI (bis 2011)
Inzwischen verkauft: Die Labels und Bands gehören neu zu Universal, die bestehenden Musikrechte hingegen hat Sony gekauft.
Sublabels
Alphabeat Music Group, APPLE Records, Astralwerks, Blue Note Records, Capitol Records, China Record Co. (China), Chrysalis Music, Columbia Nipponophone (Japan), Columbia Records (Großbritannien), Deluxe Records, Electrola (Deutschland), Elevator Entertainment, EMI Classics, Fundamental Records, Gooom, GramCo (Indien), His Master‘s Voice, Kent (Türkei), Kling-Klang, Labels Music, Mary Jane, Monitor (Tschechien), Mute Records, Nobody‘s Bizzness, Odeon, Palm Pictures, Parlophone, Path Orient (China), Pathé Records, Pomaton (Polen), Racing Junior, Regal-Zonophone, Rhingtön, Roxette Recordings, Source, Tellé Records, Virgin Music, We Love You, ZAPPLE Records
Musiker
BAP, Blue Note, Coldplay, David Fray, David Guetta, Depeche Mode, Disney, Helene Fischer, Herbert Grönemeyer, Höhner, Katy Perry, Kylie
Minogue, Lafee, Matthias Reim, Philippe Jaroussky, Robbie Williams, Roxette etc.
Sony
Sublabels
Artista Nashville, Arista Records, Bluebird Jazz, BNA Records Label, Burgundy Records, Columbia Nashville, Columbia, Epic, J Records, Legacy Recordings, Provident Label Group, RCA Records, RCA Records Label Nashville, RCA Victor, CBS Masterworks, U.S. Latin, Windham Hill und Zomba Label Group, 105 Music (als Joint Venture), Ariola, Columbia, Europa, Four Music, Renew Rec., Sony Classical, Spassgesellschaft!, 313music JWP AG
Vertriebsverträge: ersguterjunge, TeeAge-Beatz, Metal Blade Records, Repertoire Records, Tunnel Records, Tropical Music, Drakkar Entertainment, Na klar! und Gloriella Music
Musiker
AC/DC, Adam Lambert, Apollo 3, Alexandra Burke, Andrea Berg, Angela Wiedl, Die Ärzte, Backstreet Boys, Beyoncé Knowles, Bob Dylan, Jasmine Villegas, Sean Kingston, Lenka, Boney M., Britney Spears, Bushido, Bruce Springsteen, Christina Aguilera, Clueso, Donots, Edita Abdieski, Eko Fresh, Elvis Presley, die Eurythmics, Falco, Gregorian, Die Prinzen, die Goombay Dance Band, Hansi Hinterseer, Heino, Helloween, Jennifer Lopez, Joe Cocker, Johnny Cash, Jonesmann, Justin Timberlake, Kelly Clarkson, Ke$ha, Kool Savas, Laith Al-Deen, Lorie, Louis Armstrong, Luciano Pavarotti, maNga, Massiv (Rapper), Michael Jackson, Michelle, Modern Talking, Money Boy, Nena, Oasis, Peter Maffay, Pink, Rage Against the Machine, Roger Whittaker, Sade, Santana, Shakira, Silbermond, The Sweet, Tokio Hotel, Udo Jürgens, Usher, Van Morrison, Whitney Houston, Wolfgang Ambros, Yvonne Catterfeld, Ozzy Osbourne, Trackshittaz etc.
Warner
Sublabels
Asylum Records, Atlantic Records, Curb Records, Downbeat Records, EastWest, Elektra Records, Harder Entertainment, Heiress Records, Lava Records, London Records, Maverick Records, Nonesuch Records, Popsicle Records, Rare Records, Reprise Records, Rhino Records, Roadrunner Records, Rykodisc, Same Same But Different, Starwatch Music, Sire Records, Warner Music Australia, Warner Bros. Records, Word Entertainment, 679 Recordings
Musiker
A-ha, Heinz Rudolf Kunze, Muse, Salsa Club Havanna, Beatsteaks, HIM, My Chemical Romance, Seal, Biffy Clyro, James Blunt, Nabiha, Sean Paul, Bruno Mars, Jan Sievers, Neil Young, Serj Tankian, Cee Lo Green, Janelle Monae, Nek, Sharon Corr, Charlotte Gainsbourg, Jason Derulo, Nena, Shinedown, Chris Isaak, Jason Mraz, New Order, Steve Reich, Compilations, Jay Kay, Nirvana, Stevie Nicks, Crosby, Stills & Nash, Jay-Z, OST - Soundtracks, T.I., Daniel Barenboim, Johnny Cash, Panic! At The Disco, The Baseballs, David Garrett, Josh Groban, Pantera, The Doors, Deftones, Kerstin Merlin, Paramore, The Grateful Dead, Ella Endlich, Kid Rock, Peter Fox, The Smiths, Enya, Laurie Anderson, Peter Heppner, The Streets, Eric Clapton, LaVive, Phil Collins, Tom Petty, Faith No More, Led Zeppelin, Philip Glass, Travie McCoy, Fleetwood Mac, Linkin Park, Placido Domingo, Udo Lindenberg, Flo Rida, Lykke Li, Plan B, Uncle Kracker, Frida Gold, Madonna, R.E.M., Wanda Jackson, Gilberto Gil, Manu Chao, Red Hot Chili Peppers, Westernhagen, Graziella Schazad, Max Mutzke, Regina Spektor, Wilco, Green Day, Michael Bublé, Rival Schools, Wynter Gordon, Halestorm, Mick Jagger, Roger Cicero, Zac Brown Band, Haudegen, Monrose, Rumer etc.
Musikbusiness international
So wenige Major-Labels den Musikmarkt dominieren, so wenige Länder spielen eine entscheidende Rolle im Business. Gemessen wird die «Grösse» am Absatzmarkt, also am Umsatz mit verkauften Tonträgern. Natürlich steht diese Zahl auch in engem Zusammenhang mit den produzierten Tonträgern und den musikschaffenden Künstlern. Generell kann man sagen: je grösser der landspezifische Absatzmarkt, umso mehr Künstler aus diesem Land wirken beim Musikbusiness mit. Allerdings ist diese Aussage wirklich nur grob – tatsächlich gibt es einige Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Ebenfalls verwandt mit diesen «Grössen» ist die Länderliste, wo jeweils die entscheidenden Erfindungen und technischen Neuerungen entwickelt wurden, welche die Geschichte der Tonträger bestimmen.
Nummer Eins quasi von Beginn weg waren ganz klar die vereinigten Staaten von Amerika. Hier wurde der Pop, so wie wir ihn heute kennen, «erfunden». Dann folgt «die ewige Nummer 2» Japan, wovon wir in Europa allerdings nicht viel mitkriegen. Japan ist aber massiv am aufholen und übertrumpft zur Zeit sogar die USA. Grossbritannien war lange Jahre auf Platz drei, seit einiger Zeit Kopf an Kopf mit Deutschland. Im Jahr 2011 wurde die Insel sogar knapp überholt. Richtig gelesen: unser grosser nördlicher Nachbar ist der dritt- beziehungsweise viertwichtigste Musikmarkt weltweit und gleichauf mit
England der grösste in Europa. Entsprechend zahlreich sind auch deutsche Produktionen, und entsprechend erfolgreich sind deutsche Produzenten und Bands.
Weltweiter Umsatz der Musikindustrie 2012:
ca. 16,5 Milliarden Franken
(Anzahl Beschäftigte, geschätzt: 200’000)
Weitere Zahlen/Ränge:
11. Südkorea 1,1 %, 12. Schweden 1,1 %, 13. Spanien 1,0 %, 14. Indien 0,9 %, *Schweiz 0,8 %, *Belgien 0,8 %, 18. Norwegen 0,7 %, *Österreich 0,6 %, 20. China 0,6 %, *Dänemark 0,5 %, *Südafrika 0,5 %, *Polen 0,5 %, *Türkei 0,4 %, *Taiwan 0,3 %, *Irland 0,3 % *Hong Kong 0,2 %
Weitere nennenswerte Märkte*: Mexiko, Russland, Finnland, Argentinien, Thailand, Portugal, Neuseeland.
* Genauer aktueller Umsatz oder Ranking nicht bekannt; Schätzung.
Fast 94 % des weltweiten Umsatzes wird in den «Top 20» erwirtschaftet; drei Viertel des Umsatzes in den «Top 5». Vor allem in den Schwellenländern steigt der Umsatz kontinuierlich, während er in den Industriestaaten im Schnitt stagniert oder sogar rückläufig ist. Nicht relevant für den Umsatz ist praktisch ganz Ost-/Südosteuropa, Afrika und grosse Teile Asiens und Südamerikas. Die Schweiz ist über Jahre gesehen immer irgendwo zwischen Rang 10 und 20.
Beitrag an die Musikindustrie pro Einwohner und Jahr, in Franken
Beitrag an die Musikindustrie pro Einwohner, im Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen, in Promille
Es scheint, als seien die Japaner besonders musikbegeistert: sie geben für Musik dreimal so viel aus wie US-Amerikaner, und hundertmal soviel wie Chinesen. Heisst dass, dass in den Ländern mit weniger «Beitrag» auch weniger Musik gehört und gespielt wird? Natürlich nicht. Diese Zahlen beinhalten halt einfach nur die Umsätze, die von den «offiziellen» Musiklabels im konventionellen Musikmarkt mit Tonträgern und Tantiemen erwirtschaftet werden. Aus Sicht der globalen Musikindustrie sieht die Welt etwa so aus:
Diese Grafiken relativieren auch den Begriff des sogenannten «Welthits».