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Epidemiologie
Im Jahr 2015 lebten weltweit ungefähr 37 Mio. Personen mit HIV, 69 % davon in Afrika südlich der Sahara. Es wurden in diesem Jahr 2 Mio. Personen neu mit HIV infiziert, 95 % davon in Ländern mit tiefen oder mittleren Einkommen und 1.2 Mio. Menschen starben an den Folgen von HIV und AIDS.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schätzt, dass in der Schweiz 13'000 – 20'000 Menschen mit HIV/AIDS leben. Dies ergibt eine Prävalenz von 2.7 – 3.6 pro 1000 Einwohner. Die Prävalenzzahlen des BAG ähneln den Berechnungen der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie (SHCS), welche die Zahl HIV infizierter in der Schweiz auf 15'000-20'000 schätzt.
Symptome
Es gibt keine Symptome oder Zeichen, welche eine HIV Infektion sicher ausschliessen oder diagnostizieren lassen. Bei Patienten welche sich frisch mit HIV infizieren, tritt in ca. zwei Drittel der Fälle ein sogenanntes akutes retrovirales Syndrom auf, welches gemeinhin als Grippe-artig beschrieben wird (siehe auch die akute HIV-Infektion). Da die Symptome sowohl in der akuten als auch in der chronischen Phase sehr unspezifisch sind und sich die HIV Infektion auch symptomlos oder unerwartet manifestieren kann, wird die Diagnose häufig verpasst oder verkannt. Es ist deshalb unerlässlich, auch bei Fehlen von Symptomen oder bei atypischen Symptomen an eine HIV Infektion zu denken, wenn die Vorgeschichte (vorangegangene sexuelle Risikokontakte) beziehungsweise die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe (Männer die Sex mit Männern haben, wechselnde Sexualpartner) hinweisend sind. In diesem Fall sollte niederschwellig ein HIV-Test veranlasst werden.
Diagnostik
Für das HIV-Screening werden kombinierte Tests (sog. Combotests) eingesetzt, die sowohl HIV-Antikörper gegenüber HIV-1 und HIV-2 als auch HIV-1 p24 Antigen erkennen. Bei der Hälfte der neu HIV-infizierten Patienten zeigen die kombinierten Tests innerhalb von etwa 16 Tagen nach Ansteckung die HIV-Infektion an, bei der anderen Hälfte dauert es allerdings zum Teil wesentlich länger. Deshalb gilt immer noch, dass eine HIV-Infektion erst mit einem negativen HIV-Test 3 Monate nach HIV-Exposition ausgeschlossen werden kann. Bei äußerst besorgten Personen und bei Personen, die nachweislich sexuellen Kontakt mit unbehandelten HIV-infizierten Patienten hatten, kann allenfalls ein HIV-Test schon vier bis sechs Wochen nach Risikokontakt Sinn machen. Ein negativer Test zu diesem Zeitpunkt ist jedoch nicht beweisend für den Status „HIV-negativ"; ein abschließender Test ist drei Monate nach potentiellem Risiko absolut indiziert. Combotests sind auch als Schnelltests für Arztpraxen oder HIV-Teststellen erhältlich; die Sensitivität dieser Schnelltests ist bei Patienten mit akuter HIV-Infektion jedoch deutlich weniger gut als die Sensitivität der Labortests.
Therapie
Der Erfolg der antiretroviralen Therapie gegen HIV-1 ist einzigartig in der modernen Medizingeschichte. Eine zuvor fast 100 % tödliche Erkrankung konnte in eine chronisch behandelbare Krankheit umgewandelt werden. Wird heute gemäß internationaler Empfehlungen früh mit einer antiretroviralen Therapie begonnen, können die negativen Effekte des HIV-1 Virus auf den menschlichen Organismus minimiert werden. Dies führt bei sonst gesunden HIV-infizierten Menschen zu einer nahezu normalen Lebenserwartung. Zusätzlich sind Patienten unter erfolgreicher Therapie nicht mehr infektiös, was für die Eindämmung der Pandemie von entscheidender Bedeutung ist. Die International Antiviral Society–USA (IAS-USA) empfiehlt in der aktuellsten Version ihrer Guidelines, dass eine antiretrovirale Therapie (ART) allen HIV-infizierten Patienten angeboten werden sollte, unabhängig von deren CD4-Zellzahlen. Die Guidelines stützen sich dabei auf die Ergebnisse der Daten aus Kohorten Studien, welche zeigen konnten, dass der Nutzen einer Therapie im Vergleich zu den Risiken heute eindeutig überwiegt. Da die ART zudem ein hochwirksames Element der Prävention ist, macht es Sinn so viele Patienten so früh wie möglich zu behandeln. Zur Prävention von Resistenzen und Verbesserung der Wirksamkeit ist die ART meistens eine Kombination der verschiedenen Substanzklassen. Welche Kombination eingesetzt wird, ist eine komplexe Entscheidung, bei der Therapievorgeschichte, Nebenwirkungs- und Resistenzprofil, Begleiterkrankungen und Medikamenteninteraktionen beachtet werden müssen.
www.eacsociety.org
www.iasusa.org