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Das hätte Alexei Paschitnow am 6. Juni 1984 wohl kaum gedacht: Sein kleines Spielchen «Tetris» wurde zum erfolgreichsten und meistkopierten Computerspiel. Dabei war dieser Erfolg gar nie geplant. Paschitnow arbeitete als Programmierer an der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften in Moskau. Über die damalige Zeit sagte er später in einem Interview: «Da waren alles ernsthafte Wissenschaftler. Wir arbeiteten an Raketentechnik und komplexen Rechenaufgaben.»
Wobei das mit der Arbeit schon bald der Vergangenheit angehörte. In der BBC-Dokumentation «'Tetris' - From Russia with Love» sagte Paschitnow: «Zwei Wochen nach dem ersten Test lief das Spiel auf jedem Rechner in Moskau.» Und verbreitete sich von dort weiter im ganzen Ostblock.
Konkurse und fehlende Lizenzen
Über die Geschichte der Lizenzierung für den kommerziellen Markt wurden ganze Bücher geschrieben. Atari, Maxwell und Nintendo besassen zeitweise zeitgleich die Rechte am Spiel - oder waren zumindest dieser Meinung. Die damals riesigen Firmen Atari Games und Maxwell gingen daran zu Grunde. Für Nintendo wurde «Tetris» der grösste Erfolg. Einige Vermittler und Firmen verdienten am kleinen Spiel grosses Geld. Nur einer ging bis 1996 leer aus: Alexei Paschitnow.
Paschitnow wanderte 1991 in die USA aus, gründete eine Firma. Er wollte den Erfolg von «Tetris» kopieren, offenbar hatte er ein Talent für Puzzle-Spiele. «Ich hatte mal versucht, ein besseres Spiel als 'Tetris' zu machen. Das hat aber nicht geklappt, Tetris konnte einfach nicht mehr verbessert werden», sagte er. Später heuerte er deshalb bei Microsoft an und geniesst heute sein Rentnerleben: «Die Microsoft-Aktien stehen gut und ich kann mir die frühe Rente erlauben.»
Dass Paschitnow mit «Tetris» nie reich geworden ist, bereut er nicht: «Für mich ist es das Grösste, zu wissen, dass mein Spiel heute überall auf der Welt gespielt wird.»
Das Erfolgsrezept
Was macht den «Tetris»-Erfolg aus? Psychologen der damaligen Sowjetischen Akademie der Wissenschaften hätten Paschitnow einmal erklärt, dass es «die Darstellung der Fehler und nicht des Geleisteten ist, das den Spieler immer weiter anspornt». Paschitnow: «Du erledigst ständig Aufgaben. Was übrig bleibt, sind nur deine Fehler. Die hässlichen Löcher auf dem Spielfeld.»
Wir alle kennen den «Tetris»-Effekt nach einigen Stunden spielen: Bei geschlossenen Augen sehen wir die Spielsteine und spielen in Gedanken weiter. Dieser Effekt wurde sogar schon mehrfach wissenschaftlich untersucht. Psychologen der Universität von Oxford konnten nebst dem Verbessern der kognitiven Fähigkeiten noch eine weitere Nebenerscheinung des «Tetris»-Effekts messen: Das Spiel hilft Menschen, Erinnerungen an traumatische Erlebnisse besser zu verarbeiten.
Deshalb lassen wir zum Geburtstag nochmals Paschitnow zu Wort kommen: «Geniesst das Spiel, schämt euch nicht zu spielen, egal was eure Eltern oder Freunde oder Verwandte oder sonstwer sagt: Geniesst jede Minute, die ihr spielend verbringt!»