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Dass der Engländer Peter Ackroyd in Deutschland vielen ein Unbekannter geblieben ist, läßt sich aus zwei Indizien schließen: einerseits ist mit dem jetzt bei btb erschienenen Band "Das Haus des Magiers" ein Roman in deutscher Erstveröffentlichung erschienen, der im Original schon 1993 auf den Markt kam und anderseits ergab ein Suchlauf bei amazon.de, dass einige der ins Deutsche übertragenen Titel Ackroyds nicht mehr erhältlich sind. Deshalb zunächst einige Worte zum Autor:
Peter Ackroyd wurde 1949 geboren und ist der führende Kritiker für Literatur bei der renommierten britischen Times. Seine eigenen zahlreichen Bücher stammen aus den Genres Lyrik, Roman, Biografie und Literaturwissenschaft. Für den Roman "Hawksmoor" erhielt er 1985 mehrere Preise, darunter den "Prix Goncourt". Literarischen Ruhm erntete Ackroyd insbesondere für seine Arbeit als Biograf literarischer Größen wie T. S. Eliot oder Charles Dickens. Auch in seinen Romanen beschäftigt sich Ackroyd gerne mit bekannten historischen Persönlichkeiten. In einem literaturkritischen Werk setzte er sich mit der zeitgenössischen englischen Literatur auseinander und kritisierte darin das konventionelle realistische Erzählen als nicht mehr zeitgemäß. In Konsequenz seiner eigenen Forderung sind in den Romanen Ackroyds die traditionellen Erzählstrukturen aufgehoben, so auch im "Haus des Magiers".
Dieser Roman beschäftigt sich mit einer historischen Figur des elisabethanischen Englands, nämlich John Dee, dem Alchemisten und Mathematiker, der von 1527 bis 1608 lebte. Dee, Astrologe der Königin Mary Tudor, wurde als Magier verhaftet, 1555 aber wieder entlassen. Im Roman nun erbt der Historiker Matthew Palmer von seinem Vater ein Haus, von dem Matthew zuvor nicht einmal wusste, dass es im Besitz des Vaters war. Er spürt sofort, mit dem Haus hat es etwas auf sich, es muss eine Geschichte haben und er beginnt dieser nachzuspüren. Bald findet er heraus, es gehörte in früheren Zeiten dem Magier Dr. Dee. Die Zeitebenen und Perspektiven im Roman vermischen sich dann immer mehr. Anfangs wechselt die historische Perspektive des Dr. Dee noch mit der zeitgenössischen des Matthew Palmer, bis beide Protagonisten sich auf einer nicht definierbaren zeitlichen Ebene treffen, denn nichts vergeht wirklich, weil in der Gegenwart auch die Vergangenheit enthalten ist. Doch ist dies nicht nur die Geschichte von Dr. Dee, auch Matthew findet zu seinem Innersten.
Versucht man diesen Roman mit Schlagworten zu beschreiben, ist es ein Roman über den Begriff der Zeit, über Menschen mit und ohne Liebesfähigkeit. Es ist aber auch ein Roman über London, nämlich das London des Dr. Dee. Ackroyd ist es gelungen, das Milieu der elisabethanischen Zeit nicht nur im Sprachduktus, sondern auch in der Beschreibung der Straßenszenen wieder auferstehen zu lassen. Besonders gelungen scheint mir aber die elisabethanische Sprachgewalt des John Dee zu sein, die Ackroyd mit einer Leichtigkeit benutzt, als sei sie seine eigene Sprache. Nie erscheint sie gequält oder gekünstelt, sondern wirkt auch im Kontrast zu der modernen Sprache des Matthew Palmer echt.