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Wurde der grüne Rasen früher noch von einfachen Tribünen umsäumt, dominieren heute modernste Arenen mit Mantelfunktion die Stadionlandschaft. Einkaufszentren sowie Kongressräume beleben die normalerweise unter der Woche leer stehenden Stadien und ergänzen das herkömmliche Fussballerlebnis.
Erstes Stadion mit Mantelfunktion in der Schweiz
Das schweizweit erste Stadion mit Mantelfunktion war der 2001 fertiggestellte St. Jakobs Park in Basel von den Architekten Herzog & de Meuron. Shoppingcenter, Warenhaus, Restaurants, diverse Dienstleistungsbereiche und die Seniorenresidenz „Tertianum“ gehören zu dieser Multifunktionsarena. Das Solarkraftwerk auf dem Dach mit 4'400 Modulen und einer Leistung von 1'050 kWp liefert einen jährlichen Ertrag von rund 900'000 kWh. Mit der Münchner Allianz Arena, dem als Vogelnest betitelten Olympiastadion in Peking und dem für die Europameisterschaft 2016 fertiggestellten Stadion Matmut Atlantique in Bordeaux planten die Architekten unter anderem weitere Stadien.
Auch die Hauptstadt erzeugt Energie
Auf dem Grundstück des ehemaligen Stadion Wankdorf wurde 2005 das Stade de Suisse fertiggestellt und erhielt 2007 eine Leistungserweiterung um weitere 499 kWp auf die noch heute bestehenden 1'354 kWp. Der damit erzielte Stromertrag von 1'200'000 kWh/a könnte rund 250 Haushalte versorgen. Die Einspeisung erfolgt in das neutrale Netz und wird von dort an Dritte weitergegeben. Weitere energieerzeugende Stadien in der Schweiz sind unter anderem der Letzigrund Zürich, die Arena in St. Gallen und die Tissot Arena in Biel.
Erneuerbare Energien auch in den unteren Ligen
Das Stadion Esp in Baden zählt zu den kompakteren Stadien ohne Mantelfunktion. Energie erzeugt es dennoch. Aus dem ganzjährigen Trainings- und Spielbetrieb resultiert ein hoher Warmwasserbedarf. Eine bestehende 40jährige Schlauchsolaranlage wurde bereits 2013 mithilfe von Fördermitteln der Stadt Baden und des Kantons Aargau durch eine Vakuum-Röhrenkollektoranlage ersetzt. Zusammen mit einer Erdgasheizung erzeugt sie Wärme für das Duschwasser. Zwei bestehende Speicher konnten problemlos in das System integriert werden. Auf 44 m2 erzielen die Kollektoren einen jährlichen Wärmeertrag von rund 4'0000 kWh. Mithilfe einer Thermokompression wird zwischen der Glasröhre und dem Anschlussdeckel in den Kollektoren ein Vakuum erzeugt, was vor allem in den Wintermonaten einen Wärmeverlust verhindert. Das Borosilikat-Glas der Röhren besitzt zudem eine hohe Hagelwiderstandsfähigkeit. Die überschüssige Wärme wird mithilfe der Lüftungsanlage zur Trocknung der Dusch- und Garderobenräume genutzt, was die Erdgasheizung deutlich entlastet und Schimmelbildung in den Duschkabinen verhindert. Neben der solaren Energieerzeugung mit Photovoltaikanlagen nehmen auch die thermischen Solaranlagen eine bedeutende Rolle ein, wie das Beispiel in Baden beweist.
Öko-Rechner für Fussballfans
Zur Fussball-Europameisterschaft 2016 kann jeder Fan seinen Klima-Fussabdruck messen. Denn neben den vielen Unterstützern beim Public Viewing in den heimischen Städten verfolgen eine Menge Zuschauer aus ganz Europa die Sportveranstaltung in den Stadien vor Ort. Egal wie die Anreise erfolgt, alle erzeugen dabei Belastungen für die Umwelt. Mit Hilfe eines Ökorechners können diese auf einfache Weise ermittelt werden können. Damit es nicht nur bei der Aufklärung bleibt, können die verursachten Emissionen ausserdem gleich durch die Unterstützung des Prony & Kafeate Wind Projects kompensiert werden. Hier geht's ohne grossen Anreiseweg zum Ökorechner: de-ecocalculator.uefa.com
Bestehende und geplante Multifunktionsstadien
Stade de Suisse, Bern
Vorrangig wird die erzeugte Energie vor Ort verbraucht. Über eine Aussichtsplattform mit Informations- und Meetingcenter kann das Kraftwerk aus der Nähe betrachtet werden. Das Stade de Suisse besitzt neben dem Fussballerlebnis für rund 32'000 Zuschauer auch Dienstleistungsangebote und ein Shopping Center, das sich zu einem Grossteil unter dem Spielfeld befindet. Weitere Informationen sind zu finden unter: https://www.tritec.ch/de/referenzanlagen/1001-fussballstadion-stade-de-suisse-bern/
Neubau in Schaffhausen
Auch in Schaffhausen entsteht derzeit eine moderne Multifunktionsarena, die sich auch für Veranstaltungen ausserhalb des Fussballs eignen soll. Fachmarkt- und Dienstleistungseinrichtungen sind für die Mantelnutzung auf 5'500 m2 vorgesehen. Weiterhin sind Verkaufs-, Büro- und Gastronomieflächen im Erd- und 1. Obergeschoss geplant. Ein mehrzweckfähiger Saal mit 700 m2 ist zudem für private und geschäftliche Anlässe verfügbar. Die Indach-Photovoltaikanlage soll nach Fertigstellung das Dreifache der in der Arena benötigten Strommenge erzeugen. Der Überschuss wird den übrigen Stromkonsumenten zur Verfügung gestellt. Die Eröffnung der Multifunktionsarena ist für 2017 geplant. Über die aktuellen Bauarbeiten geben unter anderem eine Turmkamera und eine Gerüstkamera Auskunft und sind zu finden unter: https://www.lipopark.ch
Der Neubau in Schaffhausen soll 2017 fertiggestellt werden.
Tissot-Arena, Biel
Das 2015 eröffnete Stadion ist als Fussball- und Eishockeystadion sowie als Curlinghalle nutzbar. Die Arena enthält unter anderem auch ein Kino sowie diverse Einkaufsmöglichkeiten. Fakten zum Stadion:
- Leistung Solarkraftwerk: 2'106 kWp pro Jahr
- 7'000 Solarmodule
- Fläche des Solarkraftwerkes: 16'500m2
- Fussballstadion mit Naturrasen und mit 5'100 Zuschauerplätzen, davon 2'900 Sitzplätze
- multifunktionales Eisstadion mit 6'500 Zuschauerplätzen, davon 4'400 Sitzplätze
- Curlinghalle mit 6 Rinks
Weitere Informationen sind zu finden unter: https://www.tissotarena.ch