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Soja, so weit das Auge reicht. Fast die Hälfte des Ackerlandes in Argentinien dient dem Anbau von Soja. Damit bedient das südamerikanische Land die stetig steigende Nachfrage im asiatischen Raum – nicht zuletzt für Viehfutter. Soja-Exporte nach China haben die Weizen- und Rindfleischexporte nach Europa von Platz 1 verdrängt.
Laut New York Times hat Argentinien im letzten Jahr rund 17 Milliarden Dollar mit Sojaexporten nach China verdient. Das ist mehr als ein Viertel der gesamten Exporteinnahmen. Es gibt noch eindrücklichere Zahlen, wie sich China im traditionellen Einflussgebiet der USA eingenistet hat:
- Chinas Handel mit Lateinamerika und der Karibik verdoppelte sich in den letzten zehn Jahren auf 244 Milliarden Dollar, was das Land nach den USA zum wichtigsten Handelspartner macht.
- China finanziert grossflächige Infrastrukturprojekte wie Staudämme oder Eisenbahnen, investiert in Öl und Bergbau – so etwa in den Abbau von Lithium im Norden Argentiniens und Chiles. 2017 wurde dort fast die Hälfte des weltweiten Verbrauchs des Elements gefördert, das vor allem in Batterien genutzt wird.
- Im Dezember letzten Jahres unterzeichneten der chinesische Staatschef Xi Jinping und der argentinische Präsident Mauricio Macri mehr als 30 neue Landwirtschafts- und Investitionsabkommen, einschliesslich eines 8,6 Milliarden Dollar schweren Währungs-Swaps. Damit wird China zum grössten nicht institutionellen Geldgeber in Argentinien. Der Swap ist im Grunde nichts anderes als ein zinsloses Darlehen, das die Regierung am Leben erhalten und die Inflationsrate von nahezu 50 Prozent dämpfen soll.
- In der Antarktis verfolgt China die klare Strategie, sich Zugang zu den Öl- und Mineralienvorkommen zu verschaffen. Zudem sollen Stützpunkte geschaffen werden, von wo aus modernste GPS-Technologie entwickelt wird – ein Vorteil im weltallbasierten Wettrüsten. Die Vorhut der chinesischen Invasion bilden Touristen: 2018 stammten schon 16 Prozent der Touristen in der Antarktis aus China.
Macri wollte vergeblich mehr Distanz zu China
Zu Beginn seiner Amtszeit Ende 2015 versuchte der argentinische Präsident Mauricio Macri, den Einfluss Chinas auf sein Land zurückzudrängen. Doch als China kurzerhand seine Sojaimporte um 30 Prozent reduzierte und drohte, sich vom vereinbarten Bau von Staudämmen und Eisenbahnen zurückzuziehen, war der Widerstand schnell gebrochen. Die einheimische Währungskrise und die Wahl von Donald Trump, dessen «America first» alle Hoffnungen auf ein Handelsabkommen mit den USA zunichte machte, führten zum Einlenken der Regierung unter Macri.
Seit Anfang 2017 wandte sich Macri wieder aktiv China zu. Der argentinische Soziologe Maria Jose Haro Sly, ein Experte für chinesisch-lateinamerikanische Landwirtschaftsbeziehungen, sagte in der New York Times: «Macri hat jetzt mehr Deals mit China geschlossen als die zwei vorherigen Regierungen zusammen.» Nach einem Treffen mit Trump prangerte dessen Pressesprecher die «raubtierhaften chinesischen Handelspraktiken» an. Darauf sah sich einer von Macris Stellvertretern zu einer Richtigstellung genötigt: «Wir schätzen unsere Beziehungen mit China sehr.»
Sojabohnen sind zum eigentlichen Symbol für das Hick-Hack zwischen den Supermächten geworden: Der Handelskrieg mit den USA führte dazu, dass China im letzten November keine einzige Sojabohne mehr aus den Vereinigten Staaten einführte. Brasilien und Argentinien sprangen in die Lücke.
Trotz einer Dürre, die grosse Teile der Ernte vernichtete, exportierte Argentinien 2018 sieben Millionen Tonnen Sojabohnen. Heuer sollen es doppelt so viele Tonnen werden. Fast alles geht nach China. Argentinien verarbeitet die Sojabohnen nicht selber. Die Sojasauce, die in den immer zahlreicheren chinesischen Lebensmittelläden und Restaurants in argentinischen Städten im Angebot steht, stammt – wen wundert’s – aus China.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine