Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03561.jsonl.gz/1742

Im Weiler Hangen der Gemeinde Michelwinnaden (heute Bad Waldsee) am 18. März 1655 als Sohn des Schussenriedener Lehenbauers Michael Mangold geboren, erhält er den Taufnamen Andreas. Seine Ausbildung erhält er im Kloster Schussenried, wo er 1674 mit dem Klosternamen Tiberius das Gelübde ablegt. Er studiert im Kloster Theologie und geht nach der Priesterweihe 1679 für zwei Jahre an die Jesuitenuniversität Dillingen. In Schussenried ist er anschliessend Beichtvater, Lehrer der unteren Klassen und Rektor. Am 10. Mai 1683 wird er, erst 28 Jahre alt, zum Nachfolger des zur Resignation gezwungenen Abtes Vinzenz Schwab. Tiberius ist von diesem Abt gefördert worden, scheint aber dessen Absetzung durch ungünstige Berichte an den Generalvikar Nikolaus Wierieth von Marchtal gefördert zu haben. Die Absetzung des Abtes Vinzenz, dem eine viel zu hohe Pension zugestanden wird, ist aber für Schussenried dank der nun energischen Führung durch den neuen Abt Tiberius ein Segen. Er fördert vorerst den internen Nachwuchs, in seiner Amtszeit wächst der Konvent von 25 auf 33 Mitglieder. Die jungen Kleriker werden zu Studien nach Dillingen, Prag und an das Collegium Germanicum in Rom gesandt. Er ist ein guter Verwalter, vergrössert die Klosterherrschaft durch Käufe und kann dank der wirtschaftlichen Blüte im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts das Klostervermögen vermehren. Kein Wunder, dass sich der selbstbewusste Reichsprälat nun auch mit umfassenden Neubauplänen für die Abtei beschäftigt, wie er sie von Marchtal und wahrscheinlich auch von Salem und Einsiedeln kennt. 1700 lässt er vom Vorarlberger Baumeister Christian Thumb ein Projekt ausarbeiten, dessen symmetrische Klosteranlage mit vier Höfen Ähnlichkeiten mit Obermarchtal aufweist. Kirchturm und Chor der alten Kirche werden beibehalten. Das Projekt muss beim Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges auf die Seite gelegt werden. Am 21. November 1703 hält sich der verantwortungslose Auslöser des Kriegsgeschehens in Schwaben und Bayern, der Kurfürst von Bayern, mit einer französisch-bayrischen Armee von 50 000 Mann in Schussenried auf. Der Kurfürst logiert in der Prälatur, während Abt Tiberius nach Weissenau flüchtet und das Archiv und die Wertsachen in Sicherheit bringen lässt. 1704, nach den Niederlagen des bayrischen Kurfürsten in Höchstädt, beruhigt sich die Lage. Das Kloster hat unter den Einquartierungen und Kontributionszahlungen finanziell gelitten. Das Neubauprojekt wird von Abt Tiberius nicht weiter verfolgt, im Gegenteil. 1704 bestellt er Nussbaumholz für das neue Chorgestühl und später lässt er eine neue Kanzel und ein neues Kirchengestühl errichten, eine Haltung, die dann sein Nachfolger konsequent mit der Barockisierung der mittelalterlichen Stiftskirche fortsetzt.
Abt Tiberius ist wegen seiner Ordenszucht, die ihm auswärts Anerkennung einbringt, im Konvent immer mehr umstritten. Selbst sein langjähriger Mitarbeiter und Prior, Pater Innozenz Schmid, wird allmählich zum Gegner. 1710 müssen sich die Äbte von Weissenau, Marchtal und Rot mit den Spannungen in Schussenried beschäftigen und suspendieren Abt Tiberius Mangold von seinem Amt. Prior Innozenz Schmid wird als Administrator eingesetzt. Nach dem endgültigen Gerichtsspruch in Anwesenheit des Nuntius von Luzern resigniert Abt Tiberius am 27. Oktober 1710. Er zieht sich mit einer kleinen Pension in die Pfarrei Eggmannsried zurück und stirbt dort am 14. Mai 1716 im Alter von 61 Jahren. Er wird in der alten Kapitelsaal-Kirche von Schussenried, die 1840 abgebrochen wird, beerdigt.
Von Abt Tiberius Mangold ist ein Bild aus der Äbtegalerie vorhanden, das er noch selbst in Auftrag gegeben hat. Die Bildunterschrift lautet:
TIBERIUS Mangoldt ex Hangen, Abb: Soreth: XVII. Elect: A: 1683. Resignavit 1710. Obyt 1716.
Sepult: in cap: ad lat: sinist. (Sepultus in capitulo ad latus sinistrum).
Das Bild zeigt ihn mit 40 Jahren. Mit der rechten Hand weist er auf das Gnadenbild der «Muttergottes von Steinhausen auf der Saul» hin. Die Wallfahrt zur Muttergottes auf der Säule ist vom Abt Augustin Arzet (1656−1666) gefördert worden. Dessen Wappen befindet sich auf dem Gnadenbild, wahrend das Wappen des Abtes Tiberius oben neben dem Klosterwappen und den Herrschaftsinsignien dargestellt ist. Es zeigt in Silber das Brustbild eines schwarzen Mannes mit Hut, der in den Händen grüne Pflanzen hält.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Kasper, Alfons: Das Prämonstratenser-Stift Schussenried, Teil 1 und 2, Schussenried 1960.
Kaufmann, Karl: Die Äbte des Prämonstratenser-Reichsstifts Schussenried 1404–1803, Schussenried 1985.
|Tiberius Mangold (1655–1716), Abt in Schussenried 1683–1710|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|18. März 1655||Michelwinnaden Baden-Württemberg D||Reichsabtei Schussenried|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Pämonstratenser-Reichsabtei Schussenried||1683–1710|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|16. Juni 1753||Eggmansried Baden-Württemberg D||Grafschaft Waldsee|
|Kurzbiografie|

Mit 28 Jahren wird Tiberius Mangold zum Abt von Schussenried gewählt. Er ist ein guter Verwalter, vergrössert die Klosterherrschaft durch Käufe und kann dank der wirtschaftlichen Blüte im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts das Klostervermögen vermehren. Schnell befasst er sich auch mit Neubauplänen, kann diese aber wegen des Spanischen Erbfolgekrieges nicht weiter verfolgen, auch wegen einer internen Rebellion gegen ihn. Diese führt schliesslich 1710 zu seiner Resignation. Trotzdem kann man Abt Tiberius mit seinen Vorbereitungsarbeiten als Initiant der hoch- und spätbarocken Bauphase in Schussenried betrachten.
|PDF (nur Text)||Bildlegende|