Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03464.jsonl.gz/1614

Der Final zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei war der Endpunkt hinter ein schlichtes Final-Four-Turnier, wie es aus heutiger Sicht eigentümlich anmutet. Die acht Gruppensieger der Qualifikation ermittelten die Halbfinalisten in Hin- und Rückspielen.
Für das eigentliche EM-Turnier verblieben die Tschechoslowakei, die Niederlande, Jugoslawien und die BRD. Erst nach den Viertelfinals wurde überhaupt das Gastgeberland für das EM-“Turnier” gewählt. Die Wahl konnte zwei Jahre nach der WM nicht schon wieder auf die Bundesrepublik fallen, also entschied man sich für Jugoslawien. Halbfinals in Zagreb und Belgrad, Spiel um Platz 3 in Zagreb, Final in Belgrad. Fertig. Die Deutschen setzten sich in ihrem Halbfinal in bekannter Manier gegen Jugoslawien durch, nämlich 4:2 nach Verlängerung – mit drei Toren von Dieter Müller – nach einem 0:2-Rückstand.
Für den Final gegen die CSSR waren die Deutschen als Weltmeister die Favoriten. Auch hier lief alles auf ein gewohntes deutsches Spiel hinaus. Bernd Hölzenbein glich in der 90. Minute zum 2:2 aus. Die Verlängerung verlief ereignislos, dafür wurde das Penaltyschiessen legendär. Uli Hoeness drosch den Ball beim Stand von 3:4 aus deutscher Sicht über die Latte. Er griff sich an den Kopf, raufte sich die Haare und wäre, wie er später sagte, am liebsten im Boden versunken.
Jetzt konnte Antonin Panenka, der damals 27-jährige Mittelfeldspieler von den Bohemians Prag, alles klarmachen. Er täuschte einen Schuss in die rechte Ecke an und verleitete Goalie Sepp Maier zum Versuch einer Parade. Panenka sah jetzt die Mitte des Tores frei vor sich. Es lupfte den Ball unglaublich lässig und schier in Zeitlupe dorthin. Diese Variante des Penaltys fand viele Nachahmer, aber längst nicht alle hatten damit Erfolg.
Wer immer mit diesem Penalty scheitert, macht sich lächerlich. Denn der Torhüter, der sich nicht bewegt, kann den Ball mühelos in Empfang nehmen. Für Panenka und seine Mannschaft hingegen war der Penalty das i-Tüpfelchen eines riesigen Erfolgs.
Die Deutschen haben seit jenem Juni 1976 an Welt- oder Europameisterschaften fünf Penaltyschiessen bestritten – und alle gewonnen.
Weitere Beispiele für spätes und untypisches deutsches Scheitern an Europameisterschaften sind das Kopfballtor nach 89 Minuten von Spaniens Libero Antonio Maceda, das Deutschland aus dem EM-Turnier 1984 in Frankreich warf, oder das Tor nach 88 Minuten von Niederlandes Stürmer Marco van Basten im EM-Halbfinal 1988 in Hamburg.
(SDA)