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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

XVIII. Rede
15.
[Forts. v. [S. 364] ] Wozu soll ich alle jene aufzählen, welche von Gott berufen und gleich meinem Vater durch Wunder für den Dienst Gottes gewonnen worden waren? Nach diesen so unglaublichen, wunderbaren Anfängen hat aber nicht etwa das spätere Verhalten des Vaters das frühere Leben zuschanden gemacht, wie es bei manchen der Fall ist, welche gar rasch vom Guten übersättigt werden und darum nicht mehr an die Zukunft denken oder welche sogar wieder vollständig in Sünden zurückfallen. Solche Vermutung ist hier nicht am Platze. Im Gegenteil, er blieb sich in allem ganz konsequent: Das, was er vor der Priesterweihe tat, entsprach der Würde eines Priesters, und das, was er als Priester wirkte, stand im Einklang mit seinem früheren Leben. Man darf nicht anders anfangen, als man endet, und nicht anders enden, als man angefangen hat. Er empfing die Priesterweihe nicht mit jener Leichtfertigkeit und Gleichgültigkeit, die heute üblich ist, sondern erst nach einiger Zeit, um ― wie es die geistliche Ordnung fordert ― nicht nur gereinigt zu werden, sondern auch Erfahrung und Befähigung zum Reinigen zu gewinnen. Nach dem Empfang wurde die Gnade noch mehr geehrt und zwar als wahrhaft göttliche Gnade, nicht als solche, die von Menschen kommt, und nicht ― wie der Prediger sagt1 ― als etwas Ungestümes und Stürmisches.
1: Vgl. Ekkle. [= Pred.] 1, 17.