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Short description
(German)

Das adaptive Management ist eines der geeignetsten Instrumente bei der Bewirtschaftung der Wald-bestände. Dieser Ansatz erfordert die Zusammenarbeit von verschiedenen Interessengruppen (Förster, Jäger, Waldbesitzer, öffentliche Verwaltungen etc.). Dabei werden die zu erreichenden Ziele, Steuerungsmassnahmen und Monitoringmethoden ermittelt und falls nötig mit neuen Interventionen korrigiert.
Einer der wichtigsten Parameter, der bei dieser Art von Waldbewirtschaftung zu berücksichtigen ist, ist die Dichte und Zusammensetzung wildlebender Huftierpopulationen. Gegenüber einfacheren Methoden, wie die Erhebung von relativen Häufigkeitsindizes, die ohne Kalibration nur den relativen Trend der Population aufzeigen können, stehen Methoden zur Verfügung, die die Möglichkeit bieten, absolute Zahlen der Wildtierbestände und die Variabilität der Ergebnisse zu schätzen. Unter diesen Methoden haben sich in jüngster Zeit das Random Encounter Model (REM) und das Distance Sampling mit Fotofallen (FDS) etabliert. Mit unserem Projekt wollten wir diese neuen Methoden in einem repräsentativen ökologischen Kontext des Schweizer Mittellandes und des Juras testen, um die Ergebnisse im Hinblick auf einen zukünftigen Einbezug und eine Umsetzung in Programmen des Wildtiermanagements zu beurteilen. Die Untersuchung fand in 2 Phasen in 5 verschiedenen Gebieten statt: 3 im Kanton Zürich (Guegenhard, Hardwald, Strassberg) und 2 im Kanton Basel-Landschaft (Liestal und Liesberg). In einer Phase 1 testeten wir die Methoden im Gebiet Guegenhard, um nützliche Informationen für die Optimierung dieser Methoden in der Phase 2 zu erhalten, die in 4 Untersuchungsgebieten (Hardwald, Strassberg, Liestal und Liesberg) erfolgte. Hinsichtlich der in der Phase 2 nachgewiesenen wildlebenden Huftiere (Rehe und Wildschweine) verwendeten wir einen umfassenden Ansatz, indem wir die notwendigen Parameter für die Schätzungen mit REM und FDS im Feld in jedem Untersuchungsgebiet ermittelten. Für die anderen Arten (Fuchs und Dachs) haben wir zur Verringerung des Aufwandes einen vereinfachten Ansatz gewählt, indem wir die Parameter teilweise aus der Bibliographie und den technischen Beschreibungen der Fotofallen entnahmen.
Insgesamt erhielten wir für alle Arten, die gleichzeitig mit den beiden Methoden ermittelt wurden, homogene Schätzungen zwischen REM und FDS, so dass wir keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Dichte-Schätzungen fanden. Beim Rehwild fanden wir Dichten zwischen 10,7 und 28,5 Tiere/km2, während bei Wildschweinen die Dichten zwischen 0,2 und 11,9 Tiere/km2 schwankten. Die von uns ermittelten Rehdichten sind mit den Jagdstatistiken vergleichbar und ziemlich hoch im Vergleich zu den geschätzten Dichten in anderen europäischen Gebieten mit ähnlichen ökologischen Merkmalen.
In den Untersuchungsgebieten mit den höchsten Wildschweindichten (Strassberg, Liestal und Liesberg) waren diese ähnlich hoch wie die höchsten jemals in der Schweiz verzeichneten Dichten. Für Fuchs und Dachs wurde die Dichte auf zwischen 1,8 und 10,9 Exemplare/km2 bzw. zwischen 1,4 und 1,9 Exemplare/km2 geschätzt.
Insgesamt war die geschätzte Präzision mit dem REM etwas genauer als mit dem FDS. So betrug die durchschnittliche Präzision der Dichte-Schätzungen (Variationskoeffizient CV%) von Rehen, Wildschweinen und Füchsen bei REM ~23%, ~28% bzw. ~17%, während sie bei FDS bei ~27%, ~31% bzw. ~26% lag.
Der Gesamtaufwand für das Monitoring war bei FDS etwas geringer als bei REM, insbesondere wenn nur die Feldarbeit berücksichtigt wird. Das FDS erwies sich auch als leichter vermittelbar in Bezug auf die Feldarbeit und die statistische Datenverarbeitung.
Im Hinblick auf die Optimierung der Methoden konnten wir für jede beobachtete Huftierart einen guten Kompromiss zwischen Präzision der Ergebnisse und Aufwand für die Fotofallen ermitteln. So war es möglich abzuschätzen, wie viele Fallentage in etwa ausreichen, um eine gute Präzision zu erzielen (d.h. ähnlich der Präzision, die bei uns mit maximalem Aufwand erreicht wurde). In Bezug auf Rehe und Wildschweine schätzten wir bei den von uns gemessenen durchschnittlichen Dichten einen guten Kompromiss zwischen Aufwand und Präzision bei 240 bzw. 300 Fallentagen. Diese Durchschnittswerte entsprechen einer durchschnittlichen Verringerung des Aufwands um etwa zwei Drittel, was im Vergleich zu unserem maximalen Aufwand sehr hoch ist.
Was die Parameter von REM und FDS betrifft, so ergaben sich grosse und signifikante Unterschiede zwischen den im Feld gemessenen Werten und den theoretischen Werten, die aus der Bibliographie oder aus den technischen Spezifikationen der Fotofallen entnommen wurden. Insbesondere waren die Werte für die Erfassungsreichweite und den Erfassungswinkel viel niedriger als die theoretischen Werte der Fotofallen. In ähnlicher Weise wurde festgestellt, dass ein anderer kritischer Parameter für das REM, die von uns ermittelte Durchschnittsgeschwindigkeit der Tiere, viel höher war als der Durchschnitt der aus der Bibliographie ermittelbaren Geschwindigkeiten. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung eines umfassenden Ansatzes bei der Anwendung dieser Dichte-Schätzmethoden.
Ein Limit der Methoden liegt vor, wenn eine unzureichende Anzahl von Beobachtungen gemacht werden kann. Dieses Problem kann besonders relevant sein bei Arten, die in sehr geringen Dichten vorkommen. Unter solchen Umständen ist es notwendig, den Monitoringaufwand erheblich zu erhöhen.
Insgesamt konnten wir das REM und FDS als sehr gute Methoden einstufen. Diese beiden Methoden haben bemerkenswert konsistente Ergebnisse in Bezug auf Dichte, Präzision der Ergebnisse und Arbeitsaufwand geliefert. Daher kann die Entscheidung, eine Methode statt der anderen zu verwenden, je nach spezifischem Forschungsbedarf oder wirtschaftlich-logistischen Möglichkeiten getroffen werden. Wenn etwas präzisere Ergebnisse gewünscht werden, kann das REM die beste Wahl sein. Wenn andererseits ein geringerer Monitoringaufwand oder eine grössere Benutzerfreundlichkeit besonders wichtig sind, kann die Wahl auf das FDS fallen. Ein wichtiges Merkmal von REM und FDS ist die Möglichkeit, alle Arten gleichzeitig zu überwachen. Dies könnte im Hinblick auf die Optimierung des Zeit- und Kostenaufwands für ein Monitoring mehrerer Arten in derselben Umgebung entscheidend sein. Zudem scheinen diese Methoden besonders interessant bei Untersuchungen zu Wildschweinpopulationen zu sein, da es für diese Art kaum Dichte-Schätzungen gibt.
Zu den Zielen unseres Projekts gehörte auch ein einfacher Vergleich zwischen den lokalen Rehdichten und den Verbissraten der wichtigsten Baumarten, die in unseren Untersuchungsgebieten vorkommen. In unserem Vergleich fanden wir keinen positiven Zusammenhang zwischen Rehdichten und Verbissintensität. Dies führte uns zu der Annahme, dass andere Faktoren eine wichtigere Rolle bei der Bestimmung unserer Ergebnisse spielten als die Wilddichte alleine. In diesem Zusammenhang haben wir die Hypothese aufgestellt, dass alternative Nahrungsquellen eine wichtige Rolle bei der Erklärung unserer Ergebnisse gehabt haben könnten, wie in verschiedenen in Europa durchgeführten Studien festgestellt wurde. Insbesondere kann es sein, dass Gebiete mit einem höheren Anteil an Strauch- und Krautschichtvegetation weniger anfällig für Schäden an Bäumen sind. Darüber hinaus vermuten wir, dass andere nahrungsunabhängige Faktoren zu solch ausgeprägten Unterschieden in der Verbissrate geführt haben könnten, wie zum Beispiel anthropogene Störungen.
Aus der Beobachtung, dass es in natürlichen Wäldern selten Probleme mit der Waldverjüngung gibt und die von uns untersuchten Wälder weit von einem Zustand der «Natürlichkeit» entfernt zu sein scheinen, haben wir die Hypothese aufgestellt, dass eine Waldbewirtschaftung, die näher an der natürlichen Dynamik des Waldes liegt, zur Schadensbegrenzung nützlich sein könnte. Erschwerend wirkt, wenn der Weg dahin einen Wechsel zu heute schwach oder gar nicht vertretenen Baumarten, die zudem noch verbissempfindlich sind, erfordert. Das adaptive Management muss auch dafür eine Lösung finden. Ein wichtiger Beitrag könnte dabei durch die Rückkehr natürlicher Raubtiere geleistet werden.
Wir weisen jedoch darauf hin, dass der Vergleich zwischen der Rehwilddichte und den Waldverjüngungsschäden auf einer begrenzten Anzahl von Untersuchungsgebieten durchgeführt wurde, so dass es in naher Zukunft wichtig wäre, diese Anzahl zu erhöhen. Wichtig wäre auch die Durchführung von Studien zur Bewertung der Nahrungsverfügbarkeit, der Störungsquellen und anderer nahrungsunabhängiger Faktoren in den verschiedenen Untersuchungsgebieten. Dieser Ansatz ist wichtig, weil die Beziehung zwischen der Huftierdichte und den Waldschäden aufgrund unzähliger Faktoren, die sie beeinflussen können, sehr komplex ist und die Faktoren ihrerseits von der lokalen Situation abhängig sein können.
Trotz der fehlenden Korrelation zwischen Dichte und Verbiss bleibt die Jagdaktivität besonders wichtig, da wir im Vergleich zu den in Europa in ähnlichen ökologischen Kontexten vorkommenden Dichten von Rehen und Wildschweinen recht hohe Dichten gefunden haben. Daher sollte die Bejagung zusammen mit der Wald- und sonstigen Bewirtschaftung ein wesentlicher Aspekt bleiben, um die vereinbarten Bewirtschaftungsziele zu erreichen.
Zusammenfassend sind wir der Meinung, dass ein adaptives Management des Waldes weiterhin ein wichtiges Instrument zur Festlegung von Bewirtschaftungszielen, zur Bewertung von Interventionen und für das Monitoring der Auswirkungen ist. In diesem Zusammenhang ist es von grundlegender Bedeutung, dass sich alle Stakeholder aktiv an der Problemlösung beteiligen, in dem Bewusstsein, dass es keinen Konflikt zwischen Wildtieren und Wald gibt, sondern zwischen den Interessen verschiedener Kategorien. In unserem Projekt haben wir gute Ergebnisse der Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Planung der verschiedenen Projektphasen und bei der Akzeptanz der Ergebnisse erzielt. Wir glauben daher, dass wir eine gute Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen direkt oder indirekt an der Waldbewirtschaftung beteiligten Stakeholder geschaffen haben. In diesem Zusammenhang stellen REM- und FDS-Methoden ein hervorragendes Instrument zum Monitoring der Wildpopulationsdichten dar.