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Im AKW Mühleberg gab es schon vor der Inbetriebnahme Probleme. Mit der Nachrüstung liess man sich Zeit.
«Muhleberg? Oh yes, I was there», erinnert sich Dale Bridenbaugh: «Lovely countryside you got there.» Irgendwann im Verlauf des Jahres 1973 müsse das gewesen sein, sagt der heute 80-Jährige: «Soweit ich mich erinnere, lief das AKW damals gut.»
Der Besuch des damaligen Managers von General Electric (GE) muss jedoch einen Grund gehabt haben, denn Bridenbaugh war beim AKW-Bauer für Kundenreklamationen zuständig: «I was the complaints department.» Tatsache ist: Ein paar Monate vor Bridenbaughs Visite gab es in Mühleberg Grund zu Reklamationen – und zu Besorgnis: Bei einem Inbetriebnahmeversuch begann der Torus, der mächtige, unterhalb des Reaktorkerns gelegene Stahlring, der zur Kühlung des Reaktors dient, wegen einer zu hohen Wassertemperatur zu vibrieren. Kurz zuvor war ein ähnliches Problem bereits im deutschen AKW Würgassen aufgetreten. «Damit hatte man nicht gerechnet», sagt Dale Bridenbaugh: «Es war ein Fehler im Design der Anlage.» Die Folgen dieser Vibrationen erläutert Bridenbaugh in der aktuellen Titelgeschichte des «Beobachters» («Die Akte Mühleberg»): «Wenn diese Vibrationen zum Bruch des Torusrings führen, besteht die Gefahr, dass das ganze Containment nicht mehr hält.»
Bei der US-Atomaufsicht, der Atomic Energy Commission (AEC), war wegen des Problems jedoch schon längst Feuer im Dach. Schon 1971 – das AKW Mühleberg war da noch im Bau – zeigten sich Experten besorgt darüber. Am 20. September 1972 schrieb Stephen A. Hanauer, Sicherheitsverantwortlicher bei der AEC, in einem Memorandum: «Ich empfehle, dass (…) die AEC vom weiteren Gebrauch von Druckabbau-Containments abrät und dass dieses Design nicht mehr bewilligt wird.» Die Empfehlung kam bei Hanauers Kollegen nicht gut an: Die Idee sei zwar «irgendwie attraktiv», schrieb Joseph M. Hendrie, der spätere Chef der amerikanischen Atomaufsicht: «Aber sie könnte das Ende der Atomenergie bedeuten. Das würde den Weiterbetrieb der bewilligten Werke in Frage stellen (…) und würde ganz generell mehr Aufruhr verursachen, als ich mir vorzustellen wage.»
Erst 1975 packte man das Problem bei General Electric an. Allerdings nicht so, wie es sich Dale Bridenbaugh und zwei Kollegen vorgestellt hatten: «Unserer Ansicht nach hätte man die Reaktoren sofort vom Netz nehmen und umbauen müssen», erinnert sich Bridenbaugh. Davon wollte man in den USA jedoch nichts wissen, «und die europäischen Betreiber dieser Anlagen richteten sich mehrheitlich nach dem Vorgehen in den USA». Sprich: Die Anlagen wurden weiterbetrieben und erst nach und nach so umgebaut, dass die gefährlichen Vibrationen im Torus nicht mehr vorkommen können.
Dale Bridenbaugh und seine Kollegen wollten das nicht verantworten und traten zurück – was zumindest in den USA für einigen Wirbel sorgte. Die «GE Three» galten fortan als Whistleblower der ersten Stunde in Sachen Atomkraftwerke. Auf das Tempo, mit dem die dringend benötigten Nachbesserungen vorgenommen wurden, hatten ihre öffentlichen Warnungen jedoch kaum Einfluss. Die Atomindustrie liess sich reichlich Zeit, um die Torusringe sicherer zu machen. Nicht nur in den USA, auch in Mühleberg: Die letzten Massnahmen zur Vermeidung der Vibrationen im Torus wurden 1982 ausgeführt – zehn Jahre, nachdem die Probleme aufgetreten waren.
Alles weitere erfahren Sie in Beobachter Nummer 11/2011. Lesen Sie dazu auch, wie es in Mühleberg brannte – und wie simple Pumpen-Umschaltungen zu «Glücksspielen» wurden. Alles in Otto Hostettlers Blog.