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Mildenberg Leo
Dr. Leo Mildenberg hat über 40 Jahre lang das numismatische Umfeld der Schweiz geprägt.
Leo Mildenberg wurde am 14. Februar 1913 in Kassel geboren; seine Jugendjahre verbrachte er in Bad Mergentheim und Schwäbisch Hall. Es folgte das Studium von Alter Geschichte und Semitistik an der Universität Frankfurt, das aber 1933 mit dem Kommen der Nazis ein jähes Ende fand. Leo Mildenberg zog nach Estland und setzte seine Studien an der Universität Dorpat fort, wo er auch doktorierte und später als Dozent tätig war.
Mit dem russischen Einmarsch im Baltikum im Jahr 1941 wurde Leo Mildenberg als Deutscher nach Sibirien deportiert, wo er die nächsten fünf Jahre verbrachte. Hier lernte er seine erste Frau kennen, die Zürcherin Elsi Brunner, die es unter ähnlich abenteuerlichen Umständen nach Sibirien verschlagen hatte: sie war die Witwe eines deutschen Arztes und wurde, wie Leo, als Deutsche deportiert. Mit Hilfe des Roten Kreuzes konnten sie 1946 ausreisen; sie kamen nach Zürich, wo zwei Jahre später der Sohn Michael geboren wurde.
In Zürich lernte Leo Mildenberg im Landesmuseum Dietrich Schwarz kennen, der ihn sowohl mit dem New Yorker Kunsthändler Jacob Hirsch bekannt machte - Leo Mildenberg verwaltete später dessen Nachlass - wie mit J.H. Pfeiffer, dem damaligen Direktor der Bank Leu. Beide erkannten die Fähigkeiten des damals 35-jährigen Mildenberg. Nun hatte sich die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs zu einem florierenden Zentrum des Münz- und Kunsthandels entwickelt, da zahlreiche jüdische Firmen hieher geflohen waren. Dies mochte J.H. Pfeiffer bewogen haben, am 1. Juni 1949 die Numismatische Abteilung der Bank Leu zu gründen.
1954 veranstaltete Leo Mildenberg zusammen mit seinem Freund Hermann Rosenberg die erste gemeinsame Auktion Hess-Leu, auf die später, nach Rosenbergs Tod, ab 1972 die Auktionen Leu in Zürich folgten.
Daneben setzte Mildenberg seine Studien in altjüdischer Numismatik fort, die 1984 im monumntalen Corpus "The Coinage of the Bar Kokhba War" gipfelten. Auch mit der Schweizerischen Numismatischen Gesellschaft war er eng verbunden. Während Jahren war er in deren Vorstand und als Alleinredaktor der Schweizerischen Numismatischen Rundschau tätig. Leo Mildenberg war Ehrenmitglied der International Association of Professional Numismatists (1980), Ehrendoktor der Universität Tübingen (1995) und Ehrenmitglied der Royal Society, London (1999).
Ein anderer Aspekt seiner Persönlichkeit war seine Liebe zu Tieren. Er sammelte sie aus allen antiken Kulturen des Mittelmeeres. Die Sammlung war in verschiedenen Museen in Europa, USA und Israel, in Zürich im Archäologischen Institut. Nach dem Tod von Leo Mildenberg wurde die Sammlung grösstenteils in den Jahren 2004/2005 bei Christie's in London versteigert.
Leo Mildenberg starb am 14. Januar 2001.
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