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so in die Erscheinung treten kann wie in dem etwa 10 m langen Film mit seinen 550 Einzelbildern.
Abb. 10 zeigt eine Aufnahme der Grobstraße im Kupferwalzwerk.
Die für das Befördern und Aufstellen der umfangreichen Hülfseinrichtungen der Lampen und Widerstände erforderlichen Monteure und Arbeiter wurden dem die Aufnahmen
leitenden Ingenieur un-
Das häufige Umstellen und die lange Brenndauer wirken natürlich auf die Bogenlampen ungünstig; ein ansehnlicher Betrag für Ausbesserkosten und für die Abnutzung der Lampen ist deshalb gleichfalls auf die Kosten zu schlagen. Sodann sind auch die Kosten für die Bogenlampenkohlen, von denen genügend Vorrat bereitzuhalten ist, die Arbeitslöhne für die Hülfskolonne, die Stromkosten und schließlich die durch die Behinderung der Fabrikation mittelbar entstehenden Verluste bei der Aufstellung des Voranschlages zu berücksichtigen. Um einen Anhalt für die Zeitdauer der Aufnahmen zu geben, sei erwähnt, daß die Monteure und Hülfsarbeiter bei den Aufnahmen im Kabelwerk je 140 st beschäftigt waren, eine Arbeitzeit, die sich bei einem kürzeren Film natürlich entsprechend verringert. Der Regisseur der Aufnahmen kann diese mittelbaren Kosten durch zweckmäßige Aufstellung des Arbeitsplanes leicht einschränken; vor allem aber muß er darauf achten, daß keine überflüssigen Aufnahmen gemacht werden oder daß die Einzelszenen, insbesondere weniger wichtige, nicht zu sehr ausgedehnt werden; bei sechs Umdrehungen an der Kurbel des Apparates wird 1 m Film belichtet und verbraucht!
Abb. 9.
Filmstück der nach Abb. 8 in Stellung 3 des Apparates gemachten Aufnahme.
Sind alle Aufnahmen beendet, so bleibt noch eine wichtige Arbeit übrig: Der Regisseur muß den ganzen entwickelten Film bei
Probevorführungen sorgfältig daraufhin prüfen, welche Szenen brauchbar und wirksam sind, und unbarmherzig alle überflüssigen und ermüdenden oder mißlungenen Bilder ausschneiden; auch hier zeigt sich der Meister in der Beschränkung.
Die Vorbereitungen für die Kinoaufnahmen sind, wie diese Ausführungen zeigen, immerhin etwas umständlich und mühsam. Sollte der eine oder andre Werkleiter beabsichtigen, auch seine Fabrik wie den modernen Arbeitsverfahren so auch der neuzeitlichen Kinoreklame zu öffnen, so möge er sich jedoch durch die hier skizzierten Erfahrungen nicht abschrecken lassen. Die Mühe und die Unkosten lassen sich durch ein wenig Umsicht und durch planmäßiges Vorgehen leicht bewältigen oder verringern, und sie werden reichlich wieder mittel- oder unmittelbar aufgewogen. Mittelbaren Nutzen bringt die Vorführung der Films in technischen Vereinen und die Ueberweisung an die eigenen Vertreter und Zweiggeschäfte des In- und Auslandes. Die Reklame hat die Hülfsmittel der Druckerei und Buchtechnik fast erschöpft. Warum soll sie nicht neue Wege einschlagen? Als Nebenzweck nicht von der Hand zu weisen ist der Vertrieb der Positivfilms falls sie gut ausgefallen sind an Filmverleiher, ein Geschäft, das gegen Lizenz der Kinofirma übertragen werden kann, welche die Aufnahmen ausgeführt hat. Die Fabrik wird die Films für diesen Zweck allerdings erst freigeben, wenn sie nicht mehr von den technischen Vereinen und von den Vertretern gebraucht werden, meist also erst nach 1 bis 2 Jahren. Da zu befürch
ten ist, daß bei der Vorführung des Films durch Laien unsachgemäße Erklärungen die belehrende Wirkung der Bilder zunichte machen, so muß die Fabrik, die ihren Film weiter verleiht, einen gedrängten schriftlichen Text dazu herausgeben. Die allmähliche Verdrängung der scheußlichen Schauerdramen durch gute technische und wissenschaftliche und dabei zugkräftige Films würde vom Publikum und auch von den Filmfabrikanten mit Freuden begrüßt werden.
Gute Films mit technischen Aufnahmen werden schließlich auch einen kulturgeschichtlichen Wert erlangen, wenn jede Fabrik, die derartige Aufnahmen machen läßt, z. B. dem Deutschen Museum in München einen Positivfilm überweist. Spätere Geschlechter werden dann den heutigen Stand der Technik nicht nur aus Büchern kennen lernen, sondern mit eigenen Augen die heutige Herstellungsweise sehen, und, wenn sie sich vielleicht im Bewußtsein ihrer technischen Fortschritte auch darüber erhaben dünken, doch manches daraus lernen.
Ueber die Entstehung der Risse in der Rohrwand von Lokomobil- und ähnlichen Kesseln. 1)
Von C. Bach.
(Mitteilung aus der Materialprüfungsanstalt der Königl. Technischen Hochschule Stuttgart.)
Durch frühere Mitteilungen an dieser Stelle (Z. 1910 S. 362; 1912 S. 1890 u. f.) ist festgestellt worden, daß der Entstehung von Nietlochrissen in Flußeisenblechen Vorschub geleistet wird durch Anwendung starken Druckes beim Nieten. Das hierbei über die Streckgrenze angestrengte Material der Lochwandung hat bedeutend an Zähigkeit verloren; dazu tritt der Einfluß der Er
Abb. 1. Lochrisse in der Rohrwand eines Lokomobilkessels.
wärmung des Lochwandmateriales auf des letzteren Festigkeitseigenschaften und auf das Wachrufen von Spannungen.
Zweck der jetzigen Mitteilung ist, darauf aufmerksam zu machen, daß die Risse, welche in der flußeisernen Rohrwand von Lokomobil- und ähnlichen Kesseln auftreten, dann, wenn das Material zu Bean
1) Sonderabdrücke dieses Aufsatzes (Fachgebiete: Dampfkessel und Materialkunde) werden an Mitglieder des Vereines und Studierende bezw. Schüler technischer Lehranstalten gegen Voreinsendung von 15 postfrei abgegeben. Andre Bezieher zahlen den doppelten Preis. Zuschlag für Auslandporto 5. Lieferung etwa 2 Wochen nach dem Erscheinen der Nummer.
Zusammenfassung.
Der Zweck und die Ausführung kinematographischer Aufnahmen in Fabriken werden erläutert. Der Film mit technischen Aufnahmen dient als Lehrmittel und zur Reklame, hat aber auch erzieherischen und kulturgeschichtlichen Wert. Der Grund für die geringe Anwendung der Kinematographie in der Industrie war bisher die ungenügende Vorbereitung und infolgedessen das Mißlingen vieler Aufnahmen. Auf Grund der im Kabelwerk Oberspree gemachten Erfahrungen wird die Kostenfrage, die Aufstellung eines Programmes für die Aufnahmen und die Wahl der Objekte besprochen. Für das Gelingen der Aufnahmen ist eine gute Vorbereitung durch die Fabrik und die Beschaffung lichtstarker elektrischer Scheinwerfer erforderlich, deren Aufstellung vor den aufzunehmenden Maschinen und deren Anschluß an das Netz an Beispielen erläutert wird. Aus dem fertigen Film sind weniger gute Teile auszusondern. Ratschläge für die Vorführung der Films werden gegeben.
standungen keine Veranlassung gibt, in der Regel darauf zurückzuführen sind,
Je mehr Dampf von dem Kessel verlangt wird, um so stärker werden die unter Ziffer 2 hervorgehobenen Wirkungen sich geltend machen können. Bei einem Kessel, der unter mäßiger Beanspruchung keine Lochrisse zeigt, können solche unter starker Beanspruchung
1) Was bei dem Nieten die Pressung, unter welcher das glühende, weiche Eisen des Nietschaftes steht, gegen die Lochwandung tut, das besorgt hier der Druck, unter welchem die Rohrwand aufgeweitet wird.
eintreten. Das wird von den Umständen abhängen, die Einfluß nehmen.
Abb. 1 zeigt die Risse in der aus weichem Flußeisen bestehenden Rohrwand
(Zugfestigkeit rd. 3400 kg/qcm) eines Lokomobilkessels 1). Sie verlaufen radial, ganz wie bei den Nietlochrissen, es handelt sich also nicht bloß um Steglochrisse, d. h. um Risse, die von
Abb. 3. Zugstab aus der Rohrwand nach dem Zerreißen.
deutscher Ingenieure.
Einheitsfarben zur Kennzeichnung von Rohrleitungen in industriellen Betrieben").
(hierzu Tafel 3)
2) Z. 1911 S. 2019/20; Stahl und Eisen 1911 S. 1949/51; Glückauf 1911 S. 1882/84; Sozial-Technik 1911 S. 439/41.
gearbeitet und der Zugprobe unterworfen. Der Bruch erfolgte an der in Abb. 2 bezeichneten Stelle und ergab eine Zugfestigkeit von 3348 kg/qcm. Der zerrissene Stab, in Abb. 3 darge
stellt, läßt verschiedene Einschnürungen, also auch zu- und abnehmende Querschnittsverminderungen erkennen. Diese Querschnittsverminderungen des ursprünglich prismatischen Stabes wurden für 21 je um 10 mm voneinander abstehende Querschnitte bestimmt; sie sind im oberen Teil von Abb. 2 als Ordinaten aufgetragen und ergeben den Linienzug CDEFGHJKL. Die größte Querschnittsveränderung in der Höhe von 67,4 vH tritt natürlich an der Bruchstelle auf. Wie ersichtlich, entspricht den Stellen, wo die Wandung der Rohrlöcher I, II und III dem Stab am nächsten kommt, ein Mindestwert der Querschnittsverminderung, also auch ein Mindestwert an Zähigkeit. Ueberaus anschaulich tritt damit der auf Verminderung der Zähigkeit des Wandmateriales hinwirkende Einfluß des Rohreinwalzens in die Erscheinung.
In Wirklichkeit ist der Einfluß noch größer, als diese Zahlen erkennen lassen; schon deshalb, weil die Stabbegrenzung nicht ganz an die Löcher heranreicht.
Abb. 4 zeigt das photographische Bild der Rohrwand eines andern Lokomobilkessels, die gleichfalls infolge von Lochrissen ersetzt werden mußte.
Für den Kesselbau ergibt sich aus den oben unter Ziffer 1 und 2 gemachten Feststellungen die Forderung: Verwendung der Rohrwand in ausgeglühtem Zustand und mäßiges Rohraufwalzen, d. h. tunlichste Schonung des Materiales der Rohrwand beim Aufwalzen im Sinne der vorstehenden Darlegung, also Inanspruchnahme nur in solchem Maße, wie zur Erreichung des Zweckes nötig ist. Einen Kessel, der unter Beachtung dieser Forderungen hergestellt worden ist, wird man unter sonst gleichen Verhältnissen im Betriebe stärker beanspruchen dürfen, ohne damit das Eintreten von Rissen herbeizuführen.
Weiter wird man, wenn auf das Verhältnis des Rohrmateriales zum Material der Rohrwand eingegangen werden. soll, schließen können, daß die Verwendung weicher Rohre in nicht zu weicher Rohrwand angezeigt ist, d. h. daß die Streckgrenze des Rohrwandmateriales erheblich höher liegen soll, als diejenige des Materiales der Rohre, die durch Einwalzen in der Wand zu befestigen sind.
Dieser Eindruck spiegelt sich in den zahlreichen Zuschriften wieder, die dem Verein deutscher Eisenhüttenleute in Düsseldorf, der geschäftsführenden Stelle des Ausschusses, von den verschiedensten industriellen Seiten zugegangen sind. Darunter befinden sich die Aeußerungen einer großen Zahl von Fachschulen und höheren technischen Lehranstalten, die für die Angelegenheit ein besonderes Interesse bekundet haben.
Neben vielen zustimmenden Ausführungen brachten diese Zuschriften aber auch verschiedene Wünsche nach Aenderungen und Ergänzungen der vorgeschlagenen Uebersicht, die der Ausschuß einer eingehenden Prüfung unterzogen hat. Daraus ergab sich, daß die für verschiedene Industriezweige geäußerten weitgehenden Sonderwünsche keine Berücksichtigung finden konnten; denn um ihnen in vollem Umfange Rechnung zu tragen, hätte der in erster Linie aufgestellte Grundsatz, durch eine möglichst geringe Zahl von Grundfarben und Einzelbezeichnungen die Einfachheit und Uebersichtlichkeit der Zusammenstellung zu wahren, verlassen werden müssen, und bei einer zu ausgedehnten Ausgestaltung des Farbenschemas für alle möglichen beson
4) Sauerstoff durch Benutzung blauer Grundfarbe und weißer Punktierung.
Auch hier lassen sich die Unterschiede in der Höhe der Spannung bis 10 at und über 10 at durch einen oder zwei rote Streifen ersichtlich machen.
Sollen ferner z. B. verschiedene Säuren, Laugen usw. enthaltende Rohrleitungen besonders kenntlich gemacht werden, so lassen sie sich durch entsprechend gewählte Buchstaben oder andre geeignete Zeichen, die auf der Grundlage aufgetragen werden, kennzeichnen.
Für die praktische Anbringung der Farbenbezeichnungen im Betriebe sind in der früheren Veröffentlichung bereits eingehende Vorschläge gemacht worden. Als zweckmäßigste Art wurde die Benutzung von Blechbändern von etwa 10 bis 15 cm Breite empfohlen, die in den betreffenden Farben emailliert oder lackiert sind und an den Kreuzungspunkten der Rohrleitungen oder an andern wichtigen Stellen um die Rohre gelegt werden. Als Ergänzung dazu sei die Anregung gegeben, die Farbenstreifen nicht unmittelbar auf die Rohrleitungen aufzulegen, sondern durch die Anbringung von Rippen einen gewissen Abstand zu schaffen, um dadurch eine schädliche Einwirkung der Rohrtemperatur auf die Farbenstreifen zu verhüten.
Ferner möge die von Fr. Böhme in Görlitz gegebene Anregung erwähnt werden, Porzellanschilder zu verwenden, die mit Draht an den Leitungen befestigt werden sollen, unempfindlich gegen Temperatur und Feuchtigkeit sind und durch Abwaschen leicht von Schmutz befreit werden können.
Die Erzeugung von Zusatzwasser zur Kesselspeisung durch Verdampferapparate
im Betriebe ortfester Anlagen.1)
Von Dipl.-Ing. A. Höpfl in Berlin.
Zum Schluß sei nochmals betont, daß die vorgeschlagene Uebersicht nicht den Anspruch erhebt, ohne weiteres für jeden Betrieb vollständig zu sein. Sie soll vielmehr in jedem Falle nur die unveränderliche Grundlage abgeben, die nach den besondern Verhältnissen und Bedürfnissen weiter auszugestalten ist. Ebenso wie die in Tafel 3 wiedergegebene Farbenübersicht je nach der Eigenart des Betriebes eine Einschränkung oder weitere Abstufung erforderlich machen kann, läßt sich auch die zweckmäßigste Ausführung der Farbenbezeichnung im einzelnen Fall erst auf Grund genauer Kenntnis der betreffenden Betriebsverhältnisse feststellen.
Es ist schon früher ausgesprochen worden, daß sich die Vorschläge des Ausschusses bei gutem Willen und ernstlichem Bemühen zum Nutzen unserer industriellen Anlagen verwirklichen lassen, ohne ihnen eine nennenswerte Belastung aufzuerlegen. Dieser Umstand läßt in Verbindung mit dem lebhaften Interesse, das den Vorschlägen allenthalben entgegengebracht worden ist, die Erwartung berechtigt erscheinen, daß die Einheitsfarben demnächst in den meisten Betrieben der Industrie eine immer weiter gehende Verwendung finden werden.
einem Kessel unterzubringen, hat aber inzwischen zur Entwicklung verfeinerter Kesselbauarten geführt, welche in viel höherem Maße als die mehr und mehr verdrängten Großwasserraumkessel auf die Verwendung einwandfreien Wassers angewiesen sind, wenn sie die Vorteile bieten sollen, die man von ihnen erwartet. Damit haben sich auch die Ansprüche an die Wasserreinigungsanlagen verschärft.
In den großen Betrieben, um die es sich hier zunächst vornehmlich handelt, kommen nur Dampfturbinen als Kraftmaschinen in Frage, die aus ihren Oberflächenkondensatoren den ihnen zugeführten Dampf als reines, vollkommen ölfreies Kondensat wieder zurückliefern. Deshalb ist bei diesen Anlagen die Menge des neu zu beschaffenden Speisewassers im Verhältnis zur ganzen im Kreislauf befindlichen Wassermenge sehr klein gegenüber Dampfmaschinenanlagen mit Einspritzkondensationen. In diesen Betrieben sind also nur
die fortlaufenden, betriebsmäßigen Verluste an Speisewasser durch unvermeidliche kleine Undichtigkeiten, Abblasen der Sicherheitsventile und dergleichen, ferner die zufälligen Verluste bei Gelegenheit von Störungen, Reinigungen usw. zu decken; trotzdem erfordert gerade hier die Erzeugung des Zusatzwassers besondere Aufmerksamkeit, weil mangelnde Sorgfalt bei der Wasseraufbereitung sehr leicht nicht nur Störungen im Kesselbetriebe verursacht, sondern häufig auch schwere Schäden an den Turbinen und eine stark fühlbare Beeinträchtigung der Wirtschaftlichkeit der ganzen wärmeumsetzenden Einrichtungen zur Folge hat.
Von den Verfahren zur Gewinnung von brauchbarem Kesselspeisewasser aus Rohwasser sind in ortfesten Anlagen das der Filterung und das der chemischen Aufbereitung seit langem bekannt und in ausgedehntem Maße, fast ausnahmslos, in Anwendung, wenn auch nicht immer mit dem erwünschten vollen Erfolg. Da durch Filter nur die im Wasser schwebenden Verunreinigungen zurückgehalten werden können, die im Wasser gelösten Stoffe aber nicht beeinflußt werden, so kann die Filterung als alleiniges Verfahren nur in den seltenen Fällen erfolgreich in Frage kommen, wo es sich lediglich um die Beseitigung mechanischer Verunreinigungen eines im übrigen einwandfreien weichen Wassers handelt. Sind dagegen aus dem verfügbaren Rohwasser schädliche gelöste Beimengungen auszufällen, so wird das Wasser gewöhnlich chemischen Einwirkungen und zur Nachreinigung einer Filterung unterworfen. Zahlreiche Vorkehrungen sind ersonnen und ausgeführt worden, welche die erforderlichen Fällmittel unter möglichster Ausschaltung von Handarbeit selbsttätig zumessen sollen und die zum Teil unter nicht allzu ungünstigen Verhältnissen wohl genügen können. Viele von ihnen, auf deren Bauart und Arbeitsweise ich hier nicht näher eingehen kann, leiden an einer Reihe von Uebelständen. Zunächst macht eine reinliche Bedienung und Instandhaltung dieser Einrichtungen infolge der Eigenart der Fällmittel einige Schwierigkeit; dann ist eine möglichst häufige Untersuchung des Roh- und Reinwassers und im Zusammenhange damit eine häufige Neueinstellung der Zumeßvorrichtungen nötig, aber nicht immer ohne Schwierigkeiten möglich, namentlich dann, wenn das Rohwasser infolge wechselnder Einwirkung unterirdischer Zuflüsse seine Zusammensetzung öfter ändert und die Fällmittel trotzdem stets so zugemessen werden sollen, daß die Kesselsteinbildner gerade gebunden werden. Als der schwerstwiegende Mangel dieser Reiniger wird aber im Betriebe von Hochleistungskesseln namentlich Steilrohrkesseln und von Dampfturbinen der Umstand empfunden, daß sie die vielfach von Natur aus im Rohwasser vorhandenen Beimengungen von Kochsalz oder Soda nicht zu beseitigen vermögen, daß im Gegenteil gerade bei den meisten der chemischen Aufbereitverfahren Soda oder Kochsalz durch Umsetzungen gebildet wird.
Die Nachteile, die das Vorhandensein dieser beiden Stoffe im Speisewasser mit sich bringt, sind mannigfacher Art. Beiden gemeinsam ist die höchst unangenehme Eigenschaft, das Wasser im Kessel, namentlich wenn es durch Schlamm aus mangelhafter Filterung oder durch Nachwirkungen der Fällmittel verunreinigt ist, zum Schäumen und Ueberkochen zu bringen, was zu Schmutzablagerungen in den Ueberhitzern, den Rohrleitungen, den Turbinen und Kondensatoren, ferner zu gefährlichen Wasserschlägen und Anfressungen (auf Grund rein chemischer und elektrochemischer Vorgänge) in den Turbinen führen kann. Es ist erwiesen, daß von diesen schädigenden Einflüssen schlechten Speisewassers keine Turbinenart verschont bleibt, ob sie nach der Gleichdruck- oder Ueberdruckbauart, mit Druck oder Geschwindigkeitstufen arbeitet und aus welchem Stoff auch die Schaufeln bestehen mögen.
Angesichts dieser Verhältnisse, die sich nicht immer schon beim Bau einer Anlage vorhersehen lassen, kann es als ein großer Fortschritt bezeichnet werden, wenn die auf Seeschiffen zur Gewinnung von Süßwasser aus Seewasser längst bekannten Verdampfer (Evaporatoren, Destillatoren) in ortfesten Anlagen zur Erzeugung des Kesselspeise-Zusatzwassers allmählich Eingang finden, WO sie, richtig angewandt und dem ganzen Betrieb in geeigneter Weise
eingegliedert, die vollkommenste Lösung der Frage der Zusatzwasserbeschaffung darstellen dürften. Sie lassen auch in wirtschaftlicher Beziehung nichts zu wünschen übrig, wenn den beiden Hauptbedingungen entsprochen wird, daß nämlich erstens mit dem Kesselspeisewasser sparsam verfahren und somit durch geeignete Vorkehrungen die Zusatzwassermenge auf das denkbar kleinste Maß eingeschränkt wird, und daß zweitens die Wärme, welche dem in den Verdampfern erzeugten Dampf innewohnt, bei seiner Kondensation in nutzbringender Weise verwertet wird.
Der Erläuterung, wie diese Vorrichtungen in eine neuzeitliche Dampfkraftanlage zweckmäßig einzufügen sind, sei eine Beschreibung ihrer Wirkungsweise und einer vorbildlichen Ausführungsform, derjenigen der Atlaswerke A.-G., Bremen, vorausgeschickt.
Alle nach dem Vorstehenden zur Erzeugung von Kesselspeise-Zusatzwasser geeigneten Verdampfer sind kleine Dampfkessel, in denen Rohwasser von beliebiger Zusammensetzung durch Dampf von mindestens etwa 0,5 at oder beliebig böherem Ueberdruck durch Vermittlung metallischer Wandungen geheizt und zum langsamen Verdampfen gebracht wird. Der hierbei entwickelte und von etwa mitgerissenen Wassertröpfchen, Schlamm und Salzstaub befreite Dampf wird unter möglichst vollkommener Ausnutzung seines gesamten Wärmeinhaltes kondensiert und ergibt so das gewünschte destillierte Zusatzwasser. Die Kesselsteinbildner fallen dabei zu Boden oder setzen sich an den Wänden der Heizkörper an, wo sie niemals eine gefährliche Wirkung ausüben und bei geeigneter Bauart der Verdampfer viel leichter entfernt werden können als von den weitläufigen und vielfach gegliederten Wandungen der eigentlichen Dampfkessel. Um eine unzulässige Anreicherung des Verdampferinhaltes mit Schlamm und löslichen Stoffen hintanzuhalten, wird ein Teil desselben in angemessenen Zwischenräumen abgelassen und ebenso wie das verdampfte Wasser am besten mittels einer selbsttätig arbeitenden Speisevorrichtung durch frisches Rohwasser ersetzt. Das sich aus dem Heizdampf bildende Kondensat wird durch einen selbsttätigen Kondensationswasserableiter dem Kesselspeisewasser wieder zugeführt.
Der Verdampfer der Atlaswerke A.-G., Bremen (vormals Norddeutsche Maschinen- und Armaturenfabrik), besteht aus einem gußeisernen Gehäuse a, Abb. 1 bis 4, an dessen unterem Teil, dem Wasserraum, seitlich die Heizdampf-Verteilkammer b und die Kondensationswassersammler cı und C2 angegossen sind. Die kupfernen, bei Verwendung hochüberhitzten Dampfes stählernen Heizrohre d sind in rückkehrenden Spiralen gewunden, ruhen innerhalb des Gehäuses auf den Lappen e auf und sind mit ihren nur teilweise hohlen Endansätzen f durch die Kammern b, c1 und c2 hindurch mit dem Gehäuse dicht verschraubt. Die Bohrungen g und h (s. auch Abb. 5 bis 8) verbinden die Heizschlangen mit den Dampf- und den Kondensationswasserkammern, so daß einerseits der durch das Dampf-Eintrittsventil zugeführte Heizdampf zu allen Rohrschlangen mit Ausnahme der untersten Zutritt hat, während anderseits das Kondensat, das sich durch Wärmeabgabe an das zu destillierende Rohwasser bildet, aus dem Sammler c durch die unterste Heizschlange über die Kammer c2 und das Austrittventil k einem Kondenstopf zugeführt wird, der es selbsttätig und stetig ableitet. Die in Abb. 5 bis 8 dargestellte Heizrohr-Verschraubung ermöglicht es, die Rohre in einfachster Weise zum Abklopfen der Steinablagerungen aus- und wieder einzubauen und damit gleichzeitig die nur metallisch dichtenden Dampf- und Wasseranschlüsse zu lösen und wieder herzustellen. Die große Oeffnung, deren Deckel mit dem drehbaren Ausleger m, s. Abb 1 bis 4, leicht gehandhabt werden kann, macht das ganze Gehäuse zum gleichen Zwecke bequem zugänglich. Der Wasserstand im Verdampfer wird im Betrieb dauernd in geringer Höhe über dem zweiten Heizrohr (von oben her) gehalten, so daß dem obersten Rohr nur die Rolle eines Dampftrockners zufällt. Da die verdampfende Wasseroberfläche im Verhältnis zur Heizfläche und Leistung reichlich groß ist, geht die Verdampfung ruhig vor sich, vorausgesetzt, daß sie nicht durch zu hohen Druck in den Heizröhren gewaltsam übermäßig gesteigert wird.
Der Dampfraum nimmt reichlich die Hälfte des Gehäuses