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Studie: Enthalten Lebensmittel aus regenerativen Kulturen mehr Nährstoffe?
Aktualisiert: 12. Juni 2022
Im Januar 2022 veröffentlichte die Universität Washington eine Vergleichsstudie, bei welcher Feldfrüchte von benachbarten regenerativ und herkömmlich bewirtschafteten Feldern in Bezug auf die Dichte der enthaltenen Nährstoffe untersucht wurden.
Die Einflussfaktoren für die Nährstoffdichte in Lebensmitteln sind sehr zahlreich und vielfältig, so dass es äusserst schwierig ist, die Wirkung von regenerativen Praktiken auf die nachweisbaren Nährstoffe schlüssig nachzuweisen. Die Daten dieser Fallstudie sind nur zum Teil reproduzierbar und relevante Korrelationen und Faktoren werden nicht genügend berücksichtigt, weshalb die Resultate wohl eine Tendenz zeigen, aber keine Beweiskraft besitzen.
Weitere und differenziertere Forschung zu diesem Thema ist dringend erwünscht und nötig. Wir verfolgen die Entwicklung in diesem Gebiet eng und mit grossem Interesse. Stephanie Morris hat für uns den Artikel aus World-Grain.com aus dem Englischen übersetzt.
Studie zeigt verbesserte Nährwerte bei Lebensmitteln aus regenerativem Anbau
Von Jeff Gelski (aus dem Englischen von Stephanie Morris) Original-Artikel: https://www.world-grain.com/articles/16547-study-shows-nutritional-benefits-in-regenerative-agriculture-crops?
SEATTLE, WASHINGTON, USA – Landwirtschaftsbetriebe, die regenerative Anbaumethoden wie Direktsaat, Bodenbedeckung und vielfältige Fruchtfolgen einsetzen, produzieren Lebensmittel mit einem höheren Gehalt an bestimmten Vitaminen, Mineralstoffen und Phytochemikalien als Betriebe, die herkömmliche Methoden verwenden – das ergab eine Studie der Universität Washington.
Die Studie erschien am 27. Januar 2022 in PeerJ. Verglichen mit konventionellem Anbau, enthielten Feldfrüchte aus regenerativen Betrieben 34 % mehr Vitamin K, 15 % mehr Vitamin E, 14 % mehr Vitamin B1 und 17 % mehr Vitamin B2. Sie enthielten ausserdem 11 % mehr Kalzium, 16 % mehr Phosphor und 27 % mehr Kupfer.
„Wir fanden keine Studien, die direkt den Zusammenhang zwischen Bodengesundheit und dem Nährstoffgehalt der Ernte untersuchten“, sagt Dr. David R. Montgomery, Leiter der Studie und Professor für Geo- und Weltraumwissenschaften an der Universität Washington. „Also führten wir das Experiment, das wir sehen wollten, selber durch.“
Die Dillon Family Foundation hat die Studie finanziell unterstützt. Zwei Verfasser*innen der Studie, Dr. Washington und seine Frau Anna Biklé, arbeiten für Dig2Grow.com, wo sie über Umweltthemen schreiben. Zwei weitere Autor*innen, Paul Brown und Jazmin Jordan, halten Rinder und Schafe auf Brown’s Ranch in Bismarck, North Dakota, USA, einer Farm, die regenerative Landwirtschaft betreibt und an der Studie beteiligt war.
In die Studie einbezogen wurden Produkte von Betrieben, die seit mindestens fünf Jahren bodenschonende, regenerative Methoden einsetzen. Die Forscher untersuchten den Einfluss von Bodengesundheit auf die Nährstoffdichte der Feldfrüchte. Dazu verglichen sie je zwei Betriebe in den Bundesstaaten North Carolina, Pennsylvania, Ohio, Iowa, Tennessee, Kansas, North Dakota und Montana – also insgesamt 8 Paare, von denen eine Farm regenerative Methoden, die andere herkömmliche Methoden verwendete. Jede regenerative Farm wurde mit einem konventionellen Betrieb in der Nähe gepaart, der dieselbe Kulturpflanze anbaute, entweder Erbsen, Hirse, Mais oder Sojabohnen.
„Das Ziel war einen direkten Vergleich herzustellen, in dem wir mehrere Schlüsselvariablen kontrollieren konnten: dieselbe Kulturpflanze, dasselbe Klima, dasselbe Wetter, da die Betriebe ja nebeneinanderliegen, und derselbe Bodentyp, nur wurden die Felder seit mindestens fünf Jahren unterschiedlich bewirtschaftet“, sagte Montgomery.
Auch Weizenkulturen wurden in der Studie verglichen. Sie wurden in einer Fruchtfolge aus Sommergerste, Zwischenfrüchten und Winterweizen angebaut. Die Weizenproben enthielten 41 % mehr Bor, 29 % mehr Magnesium, 48 % mehr Kalzium und 56 % mehr Zink als die herkömmlichen Proben. Beim Vergleich der Futterpflanzen wurden ungesättigte Fettsäuren in Rindfleisch und Schweinefleisch gemessen. Die regenerativen Kulturen wiesen höhere Mengen von Omega-3-Fettsäuren und ein gesünderes Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren auf. Fleisch von Rindern, die Futtermittel aus regenerativem Anbau bekamen, wies mehr als 50 % mehr Omega-3-Fettsäuren auf im Vergleich zu Rindern, die mit herkömmlichen Futtermitteln gefüttert wurden. Fleisch von Schweinen, die Futter aus regenerativem Anbau bekamen, enthielt mehr Omega-3-Fettsäuren, unter anderem elfmal mehr Alpha-Linolensäure und zweimal mehr Eicosapentaensäure im Vergleich zu Fleisch von Schweinen, die herkömmliches Futter bekamen.
„Der grösste Kritikpunkt, den ich in Bezug auf die Studie anführen würde, ist der kleine Stichprobenumfang“, sagt Montgomery. „Deshalb enthält der Titel auch das Wort ‚vorläufig’. Ich wünsche mir viele weitere Studien, die messen, wie sich Bodengesundheit in der Qualität der geernteten Lebensmittel niederschlägt.“