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In manchen Kategorien lässt sich viel zu einfach vorhersagen, wer an den 82nd Academy Awards eine Auszeichnung erhalten wird. Anders ist das bei den kurzen Spiel-, Animations- und Dokumentarfilmen. Das liegt einerseits daran, dass in diesen Kategorien, wie auch für die langen Dokumentarfilme und die fremdsprachigen Filme, nur die Mitglieder wählen dürfen, die an speziellen Vorführungen anwesend waren. Dadurch lässt sich nicht erahnen, ob sich das Instrument des einmittelnden Massengeschmacks anwenden lässt. Andererseits wird über die Kurzfilme nicht so viel berichtet. Immerhin lassen sich die nominierten Werke aus der Kategorie «Short Film (Animated)» hier betrachten.
Weil die Aufschaltung auf den verschiedenen Videoportalen vermutlich nicht in jedem Fall legal ist, sollte man sich die Filme so schnell wie möglich anschauen, bevor der eine oder andere früher oder später wieder verschwindet. Nach der Betrachtung muss ich ehrlich gesagt zugeben, dass ich immer noch so schlau bin wie vorher. Ich habe im vergangenen Jahr dutzende kurze Animationsfilme, die mir formal, künstlerisch und erzählerisch deutlich besser gefallen haben als die fünf nun für einen Oscar nominierten Beiträge. Den fünf Werken mangelt es vor allem an Subtilität. Besonders die ballernden Werbefiguren und eine kreischende Oma strapazieren die Nerven. Ein so stimmungsvoller und poetisch inszenierter Beitrag wie der letztjährige Preisträger «Tsumiki no ie» findet sich auf jeden Fall nicht in dieser Gruppe.
Da ich nun wirklich keine Ahnung habe, welcher Trickfilm die besten Aussichten auf eine Auszeichnung hat, stelle ich sie hier einfach nach meiner eigenen Präferenz sortiert vor. Gewohnt amüsant und technisch perfekt animiert sind die beiden Stop-Motion-Figuren Wallace und Gromit in «Wallace and Gromit in ‹A Matter of Loaf and Death›» von Nick Park. Wallace und Gromit betreiben eine Bäckerei. Da verliebt sich Wallace in das ehemalige Werbe-Modell für eine Brotmarke, die aber womöglich mörderische Absichten hegt. Die Trotteligkeit von Wallace nützt sich langsam ein wenig ab, aber Gromit ist wie immer grandios. Der halbstündige Film ist in manchen Abschnitten eine nette Hommage an Alfred Hitchcock und die klassischen Hammer-Filme.
Amüsant ist auch der spanische Kurzfilm «The Lady and the Reaper (La Dama y la Muerte)» von Javier Recio Gracia. Eine alte Dame, die schon lange ihren verstorbenen Gatten vermisst, segnet endlich das Zeitliche. Der Sensemann ist zwar schnell zur Stelle, doch ein Arzt bemüht sich ebenfalls um das Leben der Verstorbenen. Im Stil von Tex Avery entwickelt sich ein temporeiches Duell zwischen Tod und Mediziner.
Der französische Beitrag «French Roast» von Fabrice Joubert gefällt vor allem durch die Atmosphäre, die aber fast schon ein wenig zu dick aufgetragen ist. In einem Café sitzt ein Zeitungsleser, der genüsslich seinen Kaffee schlürft und sich über einen Bettler nervt. Bis ihm auffällt, dass ihm die Brieftasche fehlt.
Überzeugend ist das Konzept und die Technik des irischen Films «Granny O’Grimm’s Sleeping Beauty» von Nicky Phelan. Doch die erzählerische Ausführung ist einfach ärgerlich. Eine frustrierte Grossmutter erzählt ihrem Enkel ein fürchterliches Märchen. Dabei schreit sie vor allem, und ihre Übellaunigkeit ist allzu sarkastisch.
Ein witziges Konzept kann auch «Logorama» von François Alaux, Herve de Crecy und Ludovic Houplain vorweisen. Sie erzählen eine Geschichte in einer von Logos überfüllten Landschaft und ihre Darsteller sind Werbefiguren. Doch die Geschichte ist penetrant primitiv. Fans von Quentin Tarantino sind womöglich begeistert.
Hier als Vergleich noch «Tsumiki no ie» von Kunio Katô:
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