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Nach der möglicherweise verpassten Chance des Bundesrates, eine schweizerische Impfproduktion zu fördern, macht Albert Baehny, Verwaltungsratspräsident bei Lonza, Hoffnung: Die Tür für eine Investition des Bundes sei noch immer offen.
Albert Baehny
Verwaltungsratspräsident bei Lonza
Albert M. Baehny ist seit 2018 Verwaltungsratspräsident bei der Lonza-Group. Zwischenzeitlich hatte er 2020 auch noch den CEO-Posten von Lonza übernommen. Neben Lonza ist Baehny auch noch als VR-Präsident bei Geberit engagiert.
SRF News: In der Schweiz hoffen wir, dass alle Impfwilligen bis Ende Juli geimpft sind. Würden wir heute besser dastehen, wenn der Bund bei der Lonza investiert hätte?
Albert Baehny: Das ist eine hypothetische Frage – und ich will keine Hypothesen machen.
Sie hatten am 1. Mai 2020 ein Treffen mit dem Bund. Sie sagen, Sie hätten da die Option ins Spiel gebracht, dass die Schweiz sich eine ganze Produktionsstrasse sichern könnte.
Ich möchte leicht korrigieren. Ich habe gefragt: Ist der Bund allenfalls interessiert, in Kapazitäten zu investieren? Jetzt kann man streiten: Sind das Kapazitäten, ist es eine Produktionsstrasse? Das ist ein Wortspiel – es spielt für mich keine Rolle. Wichtig war mir, die Möglichkeit, früh zu investieren und Kapazitäten zu reservieren, anzubieten.
Die Frage war: Ist die Schweiz bereit zu investieren in Kapazitäten?
Der Bundesrat sagt aber, die Möglichkeit einer Produktionsstrasse für die Schweiz sei nie diskutiert worden.
Ich vermute, es gibt ein Missverständnis über die Begriffe Kapazität und Produktionsstrasse. Aber das ist unter dem Strich egal. Die Frage war: Ist die Schweiz bereit zu investieren in Kapazitäten? Ob das eine Strasse oder eine Teilstrasse ist, ist sekundär.
Dieser Impfstoff wäre dann der Schweiz privilegiert zur Verfügung gestanden?
Man hätte mit Moderna weiter verhandeln müssen, denn wir besitzen den Impfstoff ja nicht, der gehört Moderna. Aber ich habe das Gespräch auch mit Moderna initiiert.
Produktion bald unter Volllast
Lonza hat in Visp inzwischen alle drei geplanten Produktionsstrassen für den Moderna-Impfstoff in Betrieb genommen. Gearbeitet wird rund um die Uhr in vier Schichten. Es werde aber noch zwei bis drei Monate dauern, bis alle Strassenlinien unter Volllast liefen, sagt Torsten Schmidt, Head Biologics Operations bei Lonza.
Sorgen bereitet dem Produktions-Verantwortlichen der Nachschub mit den nötigen Inhaltsstoffen. Es läuft ein erbittertes globales Wettrennen um Inhaltsstoffe und Materialien: «Wir müssen um jeden einzelnen Stoff kämpfen», sagt Schmidt. Der Export mancher Güter aus den USA werde streng kontrolliert durch die dortigen Behörden und danach direkt per Privatjet eingeflogen.
Die Impfstoffproduktion bringt Lonza neben viel Renommée und Knowhow auch Profit. Laut Verwaltungsratspräsident Albert Baehny ist die Marge beim Moderna-Auftrag allerdings tiefer als im übrigen Lonza-Geschäft.
Sie sahen die Möglichkeit, dass Moderna einem solchen Deal zustimmt?
Ich hatte die Gewissheit, dass Moderna an einer solchen Möglichkeit interessiert wäre.
Was geschah nach der Sitzung mit dem BAG?
Dann hat leider keine Kommunikation mehr stattgefunden.
Der Dialog hat nicht richtig stattgefunden, dafür bin ich mitverantwortlich.
Warum haben Sie nicht insistiert?
Ja, das ist mein Fehler. Ich habe den ersten Schritt gemacht, ich hätte einen zweiten und sogar dritten machen können – und ich hätte insistieren können. Darum sage ich: Der Dialog hat nicht richtig stattgefunden, dafür bin ich mitverantwortlich.
Die «schlechte Kommunikation» über Investitionsmöglichkeiten hat dazu geführt, dass das Parlament im Eiltempo die Möglichkeit ins Gesetz geschrieben hat, dass der Bund in die Impfstoffproduktion investieren kann. Gibt es noch eine zweite Chance, bei der Lonza einzusteigen?
Es gibt immer eine Chance, gemeinsam offen über Möglichkeiten, Alternativen zu diskutieren – und dann, gegebenenfalls, gemeinsam die beste Alternative auszuwählen.
Ganz konkret: Wäre es möglich, eine zusätzliche Produktionsstrasse zu eröffnen, bei der der Bund an Bord wäre?
Natürlich, eine weitere Produktionsstrasse aufzubauen, ist theoretisch möglich. Aber man darf eins nicht vergessen: Es dauert! Es wäre unmöglich, eine neue Produktionslinie in unter zehn Monaten aufzubauen. Aber das ist für mich hypothetisch.
Aber wenn Herr Berset Sie anrufen würde, wären Sie offen?
Ich wäre nicht nur offen, ich würde mich freuen.
Wir werden sehen, wer schneller ist.
Sie könnten auch anrufen.
Das werde ich tun. Und wir werden sehen, wer schneller ist. (Lacht)
Es wird wegen der Mutationen wohl eine Weiterentwicklung des Impfstoffs brauchen. Kann der Bund vielleicht da etwas nachholen?
Das Jahr 2021 ist für mich gelaufen – wir müssen jetzt Arbeitshypothesen entwickeln für die nächsten drei Jahre. Und das sollten wir gemeinsam mit dem Bund tun.
Sie öffnen die Türe sehr weit für den Bund. Haben Sie Ihr Angebot mit Moderna abgesprochen?
Die Pandemie ist nicht vorbei, das Problem nicht gelöst und wir müssen uns intensiv Gedanken machen über die Zukunft. Diese Gespräche führen wir mit Moderna. Und Moderna ist hoch interessiert an solchen Gesprächen.
Das Gespräch führte Dominik Meier.