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In den letzten Jahrzehnten hat die Körpergrösse von Milchkühen wegen der Zucht auf hohe Milchleistung deutlich zugenommen. Dies führt dazu, dass grossrahmige Kühe in Laufställen mit Liegeboxen gehalten werden, die für Tiere mit einer kleineren Widerristhöhe gebaut wurden. Eine Agroscope-Studie veranschaulicht, dass zu kleine Liegeboxen das Abliegen, Aufstehen und Liegeverhalten von grossen Kühen beeinträchtigen und zu Schäden an den Sprunggelenken führen können. Neubauten sollten daher vorausschauend auf die zukünftige Körpergrösse der Kühe ausgerichtet werden.
Aktuell enthält die Tierschutzverordnung Mindestabmessungen für Kühe bis zu einer Widerristhöhe von 150 cm. Immer häufiger enthalten Milchviehherden heute aber Kühe, die noch grösser sind. Diese Kühe werden üblicherweise in Laufställen mit Liegeboxen gehalten, die für Tiere mit einer Widerristhöhe von 145 ± 5 cm gebaut wurden. Die Liegeboxengrösse ist wesentlich, denn sie hat einen grossen Einfluss auf die Leistung und das Wohlergehen der Kühe. Diese verbringen etwa die Hälfte des Tages in den Liegeboxen mit Ruhen, Schlafen und Wiederkauen.
Problemverhalten erkennen
In Ställen mit knapp bemessenen Liegeboxen ist am Verhalten der Kühe ersichtlich, dass sie vor dem Abliegen unsicher sind. Sie treten vorne häufiger wiederholt von einem Bein aufs andere und pendeln mehrmalig mit gesenktem Kopf hin und her, um den Platz zu kontrollieren, auf dem sie sich hinlegen wollen. Hat eine Kuh genügend freien Raum vor sich, führt sie zum Aufstehen einen gerade nach vorne gerichteten Kopfschwung aus, um damit die Hinterhand zu heben, bevor sie die Vorhand aufrichtet. Wenn die Abmessungen der Liegeboxen im Verhältnis zur Grösse der Tiere zu klein sind, ist beim Aufstehen ein stockender oder seitlicher Kopfschwung zu beobachten. Liegt eine Kuh mit der Hinterhand auf dem Rand der Liegeboxe, ist dies ebenfalls ein Zeichen von zu engen Platzverhältnissen.
Zu diesen Resultaten kommt eine von Agroscope am Zentrum für tiergerechte Haltung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV durchgeführte Studie. Für ungestörte Bewegungsabläufe beim Abliegen und Aufstehen sind insbesondere die Länge der Liegefläche, aber auch die des Kopfraumes entscheidend.
Daten der Studie mit grossen Tierzahlen
Die Agroscope-Studie beobachtete auf acht Betrieben insgesamt 144 Milchkühe, wovon je die Hälfte eine Widerristhöhe zwischen 140 und 150 cm beziehungsweise über 150 cm hatte. Bei rund der Hälfte aller Beobachtungen berührten die Kühe im Liegen die Steuerungselemente wie Bugkante, Boxentrennbügel oder Kotkante. War die Liegefläche im Verhältnis zur Körpergrösse grosszügig bemessen, lagen die Kühe jedoch häufiger frei. Beim Abliegen und Aufstehen schlugen die Kühe bei rund ein Drittel aller Beobachtungen an den Steuerungselementen wie Boxentrennbügel, Nackenrohr oder Frontrohr an und dies umso häufiger, je kleiner die Liegeboxen relativ zur Körpergrösse waren. Ähnlich häufig führten die Kühe vor dem Abliegen eine Platzkontrolle mit mehrmaligem Kopfpendeln und Umtreten mit den Vorderbeinen durch. Dies nahm bei grösseren Liegeflächen ebenfalls deutlich ab. Bei mehr als 40% der Aufstehvorgänge führten die Kühe den Kopfschwung seitlich aus. Je kürzer der Kopfraum der Liegeboxen gestaltet ist, desto häufiger führen die Kühe den Kopfschwung seitlich aus. Obwohl die Untersuchung auf Betrieben mit eingestreuten Tiefboxen durchgeführt wurde, waren Sprunggelenkschäden häufig, aber seltener, wenn die Liegeflächenlänge im Verhältnis zur Körpergrösse der Kühe grosszügig gestaltet war.
Diese Resultate zeigen, dass bei Neubauten von Ställen für Milchkühe die Abmessungen der Liegeboxen grosszügig geplant werden sollten, da die Kühe wegen der Zucht auf hohe Milchleistung noch grösser werden dürften.