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Kommission stellt sich hinter «künstliches Leben»
Die Synthetische Biologie verfolgt die Idee, Lebewesen kontrolliert und zielgerichtet umzubauen oder von Grund auf zu konstruieren, hält die EKAH in ihrer Medienmitteilung von Montag, 10. Mai fest und fragt: Ist es möglich, neue Lebewesen herzustellen? Die Kommission antwortet: Wenn ja, ist es auch ethisch vertretbar? Nach Ansicht der Mehrheit der Ethikkommission müssen künftige Entwicklungen im Auge behalten werden. Es gebe aber kein grundsätzliches Veto gegen die Synthetische Biologie.
Synthetische Biologie bezeichne ein relativ neues Forschungsgebiet, das Elemente der Molekularbiologie (Gentechnologie), der Chemie, der Computerwissenschaften und der Ingenieurswissenschaften verbinde, heisst es weiter. Im Vordergrund der Synthetischen Biologie stehen das Entwerfen und Herstellen nicht schon natürlicherweise vorkommender biologischer Bestandteile und Systeme sowie die Rekonstruktion und der Nachbau bereits existierender biologischer Systeme. Der Synthetischen Biologie liegt die Idee zugrunde, dass sich Lebewesen kontrolliert und zielgerichtet umbauen beziehungsweise konstruieren lassen.
Kein grundsätzlicher EinwandMit dieser Idee könne auch der Gedanke verbunden sein, die entstandenen Produkte weiterhin kontrollieren zu können. Ob dies möglich ist, ist insbesondere von risikoethischer Relevanz. Es lägen plausible Risikoszenarien vor, aber zu wenige empirische Daten, um eine Risikobeurteilung vornehmen zu können, schreibt die Kommission. Die Entwicklungen der Synthetischen Biologie sind aus Sicht der EKAH aufmerksam zu beobachten, aufgrund geäusserter Bedenken lasse sich jedoch kein grundsätzlicher Einwand gegen die Synthetische Biologie ableiten.
Was ist Leben?Unabhängig von den risikoethischen Aspekten müsse der Anspruch, Lebewesen in einem kontrollierten Prozess herstellen zu können, geprüft werden. Dies könne nicht geschehen, ohne die Frage zu beantworten, was Leben ist. Die Mehrheit der Kommissionsmitglieder geht davon aus, dass sich das, «was wir als Leben bezeichnen, auf rein physikalisch-chemische Eigenschaften bezieht». Für Vertreter dieser «monistischen Position» gebe es keine prinzipiellen Gründe, weshalb der Ansatz der Synthetischen Biologie nicht erfolgreich sein könne und Leben herstelle.
Eine Minderheit vertrat gemäss Communiqué die Auffassung, dass Organismen nicht allein durch physikalisch-chemische Eigenschaften erklärbar seien und vertrat nicht-monistische Lebenskonzepte. Auch diese Konzepte liessen die Möglichkeit offen, dass als Produkt der Synthetischen Biologie Lebewesen entstehen können. Allerdings müsse auf Grundlage dieser Positionen dem Gedanken, dass die Prozesse und Produkte der Synthetischen Biologie in dem Grade kontrollierbar seien, wie dies die Synthetische Biologie annehme, mit einiger Skepsis begegnet werden.
Moralischer StatusDie Mitglieder der EKAH seien sich einig, dass die Art und Weise, wie Lebewesen entstehen, ob in einem natürlichen Prozess oder auf andere Weise, keinen Einfluss auf ihren moralischen Status habe. Langfristig rückten, zumindest aufgrund bestimmter Visionen der Synthetischen Biologie, zwar alle Lebewesen ins Blickfeld. Derzeit habe die Synthetische Biologie jedoch ausschliesslich zum Ziel, Mikroorganismen herzustellen. Die Mehrheit der Mitglieder vertrat einen biozentrischen Ansatz in der Ethik, wonach auch Mikroorganismen über einen Eigenwert verfügten, weil sie leben. Allerdings weise die Mehrheit diesem Eigenwert in einer Güterabwägung ein so geringes Gewicht zu, dass er vernachlässigbar bleibe.
Die Minderheiten innerhalb der Kommission vertraten aus verschiedenen Gründen die Auffassung, dass Mikroorganismen keinen Eigenwert haben, heisst es in der Medienmitteilung. Es habe Konsens in der Kommission bestanden, dass Eigenwertsüberlegungen kein Veto gegen die derzeitige Forschung der Synthetischen Biologie begründen.
Datum: 14.05.2010
Quelle: Kipa