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Die unterschiedlichen Ergebnisse in Bezug auf Transfereffekte von den unzähligen Gehirnjogging-Anbietern wie z.B. Neuronation.de zeigen, dass es wohl auf die genaue Art der Übungen und Aufgabenstellungen ankommt wenn auch nahe oder ferne Transfereffekte entstehen sollen.
Im Jahr 2010 führte Florian Schmiedek mit einigen Kollegen eine Studie durch, um die Transfereffekte von Gedächtnistraining genauer zu untersuchen. Hierzu nahmen 204 Teilnehmer und Teilnehmerinnen drei Mal wöchentlich für eine Stunde an einem Übungsprogramm teil. Eine der Aufgaben ähnelte dem bereits erwähnten Merken einer Ziffernfolge. Doch nicht nur die Ziffernfolge sollte eingeprägt und wiedergegeben werden, sondern es sollten stets Additions- und Subtraktionsaufgaben gelöst werden, die die Ziffernfolge selbstredend veränderten.
Benchmark Tests zum Nachweis von Transfereffekten
Hierdurch sollte das Arbeitsgedächtnis aktiviert werden, um nicht nur Informationen abzuspeichern, sondern diese auch zu verarbeiten. Um im Anschluss an die Trainingseinheit fundierte Ergebnisse zu den Transfereffekten aufweisen zu können, wurden vor und nach dem Training Benchmark Tests durchgeführt. Diese sahen folgendermaßen aus: Den Probandinnen und Probanden wurden auf einem Bildschirm nacheinander Ziffern gezeigt. Diese sollten entscheiden, ob diese Ziffer identisch mit jeder Ziffer war, die drei „Runden“ zuvor gezeigt wurde. Allerdings können die Ergebnisse irreführend sein, da die Übung dem Benchmark Test natürlich bei jeder Wiederholung besser ausgeführt werden kann.
Von daher könnte so nicht eindeutig nachgewiesen werden, ob eine Leistungsverbesserung im Benchmark Test nach der Trainingseinheit auf den Übungseffekt der Wiederholung oder auf das Gedächtnistraining zurückzuführen ist. Aus diesem Grund wurde eine zufällige Kontrollgruppe eingerichtet, die zwar an den Benchmark Tests teilnahm, aber kein Training erhielt. Nach der Auswertung stellte das Forscherteam fest, dass die Trainingsgruppe ihre Leistungen im abschließenden Benchmark Test wesentlich deutlicher verbessern konnte als die Kontrollgruppe ohne Gehirntraining. Das Alter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer spielte bei diesem Ergebnis übrigens keine Rolle, die Verbesserungen betrafen alle Altersgruppen.
Ergebnis: Das Arbeitsgedächtnis kann trainiert werden
Außerdem wurde herausgefunden, dass gerade bei Jüngeren aus der Trainingsgruppe auch verbesserte Leistungen im Vergleich zur Kontrollgruppe in Bereichen, die mit dem Arbeitsgedächtnis in Verbindung stehen, zu beobachten waren.
Als Hauptergebnis dieser Studie ging hervor, dass unabhängig vom Alter mit effektiven Aufgaben das Arbeitsgedächtnis trainiert werden kann und Hinweise auf Transfereffekte auf „benachbarte“ geistige Fähigkeiten vorliegen.
Funktionen des Arbeitsgedächtnisses und deren Training
In einer weiteren Studie wurde nun von Forschern der Universität Zürich untersucht, welche Funktionen des Arbeitsgedächtnisses trainiert werden müssen, um positive Effekte auf das Arbeitsgedächtnis herbeizuführen. Die Funktionen des Arbeitsgedächtnisses wurden auf Grundlage eines Modells eines beteiligten Forschers in drei Kategorien unterteilt:
- Paralleles Speichern und verarbeiten (etwas merken, während gerade eine andere Aufgabe durchgeführt wird)
- Verbindende Vervollständigung (einzelne Gedächtnisinhalte miteinander verknüpfen)
- Überwachungsfunktion (auf Wichtiges konzentrieren, Unwichtiges ausblenden)
Alle Studienteilnehmerinnen und –teilnehmer wurden nun in vier Gruppen eingeteilt, drei dieser Gruppen trainierten vier Wochen lang eine der eben genannten Funktionsbereiche des Arbeitsgedächtnisses, während die vierte Kontrollgruppe Aufgaben zu visuellen Vergleichen trainierte, die nicht auf das Training vom (Arbeits-) Gedächtnis abzielte. Dass die Kontrollgruppe aktiv an der Studie teilnahm, also auch trainierte und nicht nur passiv als Vergleich diente, ist positiv zu bewerten, da Erwartungen und das soziale Miteinander in solchen Studie zu einer verbesserten Leistungsfähigkeit führen können.
Bei allen Gruppen konnte die Leistungsfähigkeit in den trainierten Bereichen gesteigert werden. Bezogen auf die Transfereffekte konnten jedoch nur zwei Gruppen – nämlich die Überwachungsfunktion sowie Speichern & Verarbeiten) eine Leistungssteigerung bei neuen, untrainierten Aufgaben zeigen. Aber es kam noch ein weiterer Effekt zum Vorschein: Je höher der Trainingserfolg in diesen beiden Gruppen, desto höher war der Zuwachs an Intelligenz! Und diese Intelligenz konnte auch noch – zwar in geringerem Maße – ein halbes Jahr nach dem Studienende nachgewiesen werden. Mehr zur Wirkung von Gehirntraining auch hier.
Die Art der Übung ist wichtig
Wir wissen nun, dass es auf die Art der Übungen ankommt, um unser Gehirn bzw. unser Arbeitsgedächtnis zu trainieren. Jedoch ist auch die Dauer des Trainings zu berücksichtigen. Das erscheint auch mehr als logisch, den auch beim körperlichen Muskeltraining steigen die Erfolge, wenn wir lange am Ball bleiben und das Training kontinuierlich durchführen.
Um Ihnen die Unterschiede zwischen Strategietrainings und Prozesstrainings noch einmal zu veranschaulichen, möchte ich Ihnen abschließend noch ein kleines Beispiel nennen. Stellen Sie sich doch bitte einmal vor, Sie liegen an einem schönen Sommertag an einem See. Der See ist ruhig, ziemlich in der Mitte befindet sich eine kleine Insel. Genau zu dieser Insel möchte Sie. Sie haben die Wahl: Sie können dort hin schwimmen, der Weg ist nicht weit, oder Sie leihen sich das motorisierte Schlauchboot, dass am Ufer liegt.
Das Schlauchboot steht im übertragenen Sinne für die Strategietrainings, denn in beiden Fällen haben Sie ein Hilfsmittel zur Hand, das Ihnen das Erreichen Ihres Ziels einfacher erscheinen lässt. Allerdings fehlt bei der Benutzung von Hilfsmitteln der persönliche Entwicklungsprozess. Schwimmen Sie, tun Sie etwas für Ihre Gesundheit und Kondition, und zwar nachhaltig. Das Schwimmen steht hierbei für die Prozesstrainings, die für eine nachhaltige Weiterentwicklung sorgen.
Also, Sie haben immer die Wahl. Den bequemen Weg können Sie immer wählen. Aber bringt er Sie persönlich auch weiter? In den meisten Fällen leider nicht. Bezogen auf ein effektives Training heißt das: Achten Sie darauf, dass es nicht um reines Abspeichern von Informationen geht (auch wenn es vielleicht Spaß macht). Von zentraler Bedeutung ist das Zusammenspiel von Speicherung und Verarbeitung!