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|Negusgesellschaft Addis-a-Seeba (1936 2005)
Karnevalskulturen zeigen in ihrer Performanz oft eigene lokale Traditionen, volkstümliche Bräuche und lokale historische Ereignisse auf.
Im Rahmen der thematischen Projektreihe Lustprinzip, Spektakel oder das Karnevaleske? wurde bisher der Modus des Karnevalesken in Abgrenzung zum Karneval untersucht. Im 3. Kapitel soll nun auch der Bezug zu dem eigentlichen Brauchtum genommen werden. Das Beispiel der "Negusgesellschaft Addis-a-Seeba" bezieht sich in seinen Ursprünge auf eine politische Gegebenheit und überführt diese in ein Ritual, das Vorstellungen von fremder Kultur mit einem regionalen Erfahrungshorizont verknüpft und in dieser hybriden Kombination das Verhältnis von dem Eigenem und Anderem verdeutlicht.
Die Negusgesellschaft in Seewen in der Innerschweiz, die zur Fastnachtszeit aktiv wird, hat eine vielschichtige Geschichte, die einerseits durch den Gebrauch und Reproduktion vereinfachender Rollenzuschreibungen exotistisch erscheint, sich aber andererseits auf eine historische, völkerverständigende Geste bezieht. Der Brauch feiert den Negus Negesti, den König der Könige. Negus Negesti war der Titel des äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Der Herrscher Abbesiniens (heutiges Äthiopien) wurde zur Zeit der faschistischen Besetzung unter Mussolini verbannt. Haile Selassie trat vor dem Völkerbund in Genf auf um auf die unrechtmäßige Besetzung zu verweisen, seine Forderungen fanden aber kein Gehör bei der Mehrzahl der Abgeordneten. In Seewen brachte man dem unterdrückten Herrscher mehr Sympatie entgegen: Die Figur des «Negus Negesti» und sein Hofstaat wurden 1936 zu Protagonisten in den örtlichen Karnevalsritualen. In den 60er Jahren wurde der Brauch revitalisiert und verstärkt zur Aufführung gebracht. Seit den 30er Jahren feiert Seewen zu Karneval den Neguskult. Fotos und Texte aus dem Archiv des Vereins der Negusgesellschaft, welche die Geschichte dokumentiert, sind hier zusammmengetragen.
(Archivmaterial: Negusgesellschaft, Seewen; Dank an Karl Weber)
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