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Die US-Wertpapieraufsicht SEC will von Hedge-Fonds die Offenlegung ihrer Leerverkaufspositionen verlangen. Sowohl Abgeordnete wie Christopher Dodd, der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, als auch hochrangige Manager wie der Morgan-Stanley-Vorstandschef John Mack haben den Leerverkäufern vorgeworfen, die Krise am Aktienmarkt durch die Verbreitung von Falschinformationen und durch missbräuchliche Angriffe auf Unternehmen verschärft zu haben. Hedge-Fonds machen dagegen schlechte Geschäftsstrategien für die Krise verantwortlich.
Notfallmassnahme Offenlegung
«Viele Hedge-Fonds mögen es gar nicht, dass sie ihre Aktienpositionen offenlegen müssen, daher werden sie das auch nicht mögen», kommentiert Sean O’Malley, früher Anwalt bei der SEC und jetzt Partner in der Kanzlei Goodwin Procter in New York. Die neuen Regelungen müssen von den fünf SEC-Kommissaren genehmigt werden. Eingeführt würden sie als Notmassnahme. Hedge-Fonds halten ihre Positionen bei Aktien möglichst geheim, um zu verhindern, dass andere Investoren ihre Strategien kopieren. Die SEC machte keine Angaben, ob die Regelung nur auf Leerverkäufe bei Stammaktien angewendet werden soll. Wenn die Wertpapieraufsicht die Unterlagen der Hedge-Fonds anfordert, wäre es bereits das zweite Mal innerhalb von drei Monaten. Im Juni forderte die SEC Informationen von Hedge-Fonds-Managern und grossen Investmentbanken der Wall Street, da sie Beweise für Kursmanipulationen bei Finanzaktien suchte.
In Grossbritannien schrieb die Finanzmarktaufsicht Financial Services Authority bereits im Juni Hedge-Fonds vor, Leerverkaufspositionen offenzulegen, wenn diese im Verlauf eines Bezugsrechtsangebots mindestens 0,25% des Aktienkapitals eines Unternehmens ausmachten.
Bei einem Leerverkauf setzen die Händler auf sinkende Kurse. Dazu leihen sie sich Aktien, verkaufen diese und decken sich später mit den Titeln wieder ein. Eine Sonderform sind die sogenannten «nackten» Leerverkäufe, bei denen sich die Händler die Aktien nicht mehr borgen. Damit könnten sie extrem viele Aktien leerverkaufen und die Kurse nach unten treiben.
Für diese «nackten» Leerverkäufe hat die SEC jetzt die Regeln verschärft und drei neue Vorschriften erlassen. Zwei neue Vorschriften sehen vor, dass Händler und Broker verliehene Aktien tatsächlich ausliefern müssen. Einer dritten Vorschrift zufolge wird es als Wertpapierbetrug unter Strafe gestellt, als Verkäufer den Broker über die Auslieferung geborgter Aktien an den Käufer zu täuschen.
Im Juli hatte die SEC bereits Leerverkäufe in insgesamt 19 Finanzwerten, darunter Lehman, Fannie Mae und Freddie Mac, über eine Notmassnahme beschränkt. Die Vorschrift, die Händler zwang, Aktien zu leihen bevor sie sie leerverkauften, lief im August aus.
Unverantwortliches Handeln
Die Aktie der zweitgrössten US-Investmentbank Morgan Stanley verzeichnete am Mittwoch den stärksten Kurseinbruch der Geschichte. In einem Memo an seine Mitarbeiter erklärte Bankenchef John Mack, der Vorstand ergreife jede mögliche Massnahme, um «dieses unverantwortliche Handeln am Markt zu stoppen». «Es gibt keine rationale Basis für die Kursbewegungen unserer Aktie», kommentierte Mack: «Wir sind mitten in einem von Ängsten und Gerüchten getriebenen Markt, und Leerverkäufer treiben unseren Aktienkurs nach unten.»
Morgan Stanley und Goldman Sachs bemühen sich derzeit, einen Ausverkauf ihrer Aktien zu stoppen, der einer der Gründe für die Notverkäufe von Merrill Lynch, Bear Stearns und die Insolvenz von Lehman Brothers Holdings war.
Den beiden demokratischen Senatoren Charles Schumer und Hillary Clinton geht die Massnahme der SEC nicht weit genug. Sie forderten die Behörde auf, ein vorübergehendes Verbot von Leerverkäufen aller Finanzaktien zu erlassen. Das würde «dazu beitragen, wieder ein gewisses Mass an Stabilität in unsere Finanzmärkte zu bringen».
Auch die SWX Swiss Exchange hat ihre Marktteilnehmer letzte Woche in einer Mitteilung daran erinnert, dass ungedeckte Leerverkäufe verboten sind. Damit will die Börse Spekulationen auf fallende Kurse unterbinden. Gedeckte Leerverkäuf bleiben grundsätzlich erlaubt.