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Aus rein finanzieller Sicht profitieren geschiedene Frauen vom Tod ihres Ex-Mannes. Das beschrieb ich am 19. Juli an dieser Stelle.
Der Grund dieses Kuriosums liegt darin, dass die Renten aus der ersten und der zweiten Säule für die geschiedene Witwe und insbesondere für die Kinder in den meisten Fällen höher ausfallen als die Unterhaltszahlungen des verstorbenen Mannes.
Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob nun aufgrund jener Kolumne gewisse geschiedene Männer nur noch mit einem Bodyguard herumlaufen. Sagen kann ich aber, dass ich aufgrund dieser Zeilen viele Reaktionen erstaunter Leserinnen und Leser erhalten haben. Die meisten finden das nicht in Ordnung. Eine Leserin wollte darauf wissen, ob das auch für verheiratete Frauen gilt. Ob auch bei verheirateten Paaren das Familieneinkommen steigt, wenn der Vater stirbt.
Zu dieser Frage kann ich Entwarnung geben. Die Antwort lautet nein. «Die Vorsorgeeinrichtung kann die Hinterlassen- und Invalidenleistungen kürzen, soweit sie zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 Prozent des mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen», steht in Artikel 24 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvororge (BVV2) zu lesen. Und gemäss dem Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts darf «das Zusammentreffen von Leistungen verschiedener Sozialversicherungen nicht zu einer Überentschädigung der berechtigten Person führen». Zählt man nämlich die Witwen- und all die Kinderrenten aus der ersten und zweiten Säule zusammen, so ergibt das häufig eine höhere Summe als das Einkommen des verstorbenen Mannes. Je mehr Kinder, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass also eine sogenannte Überentschädigung vorliegt. In solchen Fällen wird die Pensionskasse die Rentenzahlung so weit kürzen, dass all die Renten 90 Prozent des Lohns des verstorbenen Mannes nicht übersteigen. In Anbetracht der Tatsache, dass mit dem Tod des Vaters ein Kostgänger weniger das Haushaltbudget belastet, wäre sogar noch eine grössere Kürzung vertretbar.
Erschienen am 16. August 2011