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Ein unfertiges Kapitel
Der japanische Premierminister Naoto Kan gedachte diese Woche in einer Zeremonie in Tokio den Opfern der Schlacht um Iwo Jima im Zweiten Weltkrieg. Spätestens seit den Filmen Flags of Our Fathers und Letters from Iwo Jima von US-Regisseur Clint Eastwood ist die Insel im Pazifik auch einer jüngeren Generation im Westen ein Begriff.
Auf einem winzigen Eiland im Pazifik, 1100 Kilometer vor Tokio, fand zwischen dem 19. Februar und 26. März 1945 eine der blutigsten Schlachten zwischen japanischen und amerikanischen Soldaten statt. Das Foto, auf dem US-Marines auf dem Berg Suribachi die amerikanische Flagge hissten, wurde zu einem der meist verwendeten Symbolbilder des Zweiten Weltkrieg. Sein Sujet wurde auf dem Soldatenfriedhof in Arlington in Form einer Statue verewigt.
Strategisch wichtige Insel
Angeführt von General Tadamichi Kuribayashi verschanzten sich die japanischen Soldaten in einem komplexen Höhlensystem der Insel. Am Ende verloren die Japaner 21’570 Soldaten, lediglich 216 Männer überlebten und begaben sich in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Die Amerikaner andererseits hatten 6821 Verluste zu beklagen.
Die Bereitschaft zu diesem hohen Blutzoll war mit der strategisch wichtigen Bedeutung der Insel zu erklären. Die Japaner auf Iwo Jima konnten die amerikanischen Bomberflotten, die von Saipan aus Richtung japanisches Festland flogen, früh erkennen und Tokio entsprechend vorwarnen. Mit der US-Eroberung von Iwo Jima kehrten sich die Vorzeichen. Nun konnten die USA ihren B-52-Bombern beim Luftangriff auf Tokio Jagdflugzeuge als Begleitschutz zur Verfügung zu stellen. Damit war der Weg frei für den ungehinderten Luftangriff auf die japanische Hauptstadt.
Japans Bemühungen
66 Jahre später werden noch immer die Überreste von 13’000 gefallenen japanische Soldaten auf Iwo Jima vermisst. Inspiriert durch Clint Eastwoods Filmreihe, er erhielt in Japan dafür eine Ehrung (Asienspiegel berichtete), startete die Regierung Kan im letzten Juli, in Zusammenarbeit mit den Amerikanern, eine Mission zur Entdeckung aller vermissten japanischen Todesopfer.
Die Arbeit hat innert weniger Monate erste Erfolge eingebracht. Mit der Aushebung von 2 Massengräbern konnten im letzten Jahr rund 822 sterbliche Überreste von japanischen Soldaten repatriiert werden. Premierminister Kan versprach den Angehörigen an der Zeremonie in Tokio, die Mission bis zum Ende weiterzuführen: «Es ist die Pflicht unseres Landes, die Arbeit mit aller Gründlichkeit fortzusetzen», zitiert ihn die Yomiuri Shimbun.
Eine Geste an das Wahlvolk
Kans Bemühungen werden gerade von der älteren Bevölkerungsschichten mit viel Wohlwollen betrachtet. Selbst die regierungskritische konservative Sankei Shimbun lobte in einem Leitartikel Naoto Kans Mitgefühl in der Akte Iwo Jima. Die Demokratische Partei des Premiers pflegt ansonsten eine eher distanzierte Beziehung zu den sensiblen Angelegenheiten des Zweiten Weltkriegs. So haben bislang beide Premierminister der Demokraten einen Besuch im umstrittenen Yasukuni-Schrein tunlichst vermieden (Asienspiegel berichtete). Die Mission in Iwo Jima stellt für Naoto Kan mithin den Versuch dar, das konservativere Wahlvolk für sich zu gewinnen.
Auf der kleinen Insel selbst gibt es im übrigen keine Wählerstimmen zu gewinnen. Iwo Jima dient heute als kleiner Militärstützpunkt für die japanische Selbstverteidigungstruppe. Noch bis 1943 lebten rund 1100 Einwohner auf dem Eiland. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Iwo Jima bis 1968 im Besitz der USA. Heute untersteht die Insel wieder der japanischen Souveränität. Als militärisches Sperrgebiet braucht es zum Betreten von Iwo Jima eine Sondergenehmigung.
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