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Rio de Janeiro, 27. Februar 2006
Im mit 88.500 Zuschauern prall gefüllten Sambodrómo von Rio de Janeiro glänzten gestern die ersten sieben Schulen der Grupo Especial. Eingeleitet wurde die gigantische Parade von der Sambaschule Salgueiro, eine undankbare Position, auf der noch nie in der Karnevalgeschichte der Stadt eine Schule gewonnen hat. So hatte Salgueiro auch einige Probleme mit den allegorischen Wagen bei ihrer futuristischen Parade zu überwinden, die den Ablauf beeinträchtigten.
Die zweite Schule, Acadêmicos da Rocinha, die gerade wieder in der Grupo Espeical aufgestiegen war, hatte Pech mit ihrem Thema der Glückseligkeit, die nicht mit Geld gekauft werden kann. Ein starker Regenguss störte den Ablauf ebenso wie die Pannen von zwei allegorischen Wagen, die mitten in der Avenida stehen blieben und von diversen Gruppen umtanzt werden mussten. Die Unordnung sorgte schliesslich für ein Überschreiten der Höchstzeit von 80 Minuten pro Schule und dürfte die Acadêmicos da Rocinha erneut zum Abstieg in die Zweite Liga führen.
Die dritte Schule, Imperatriz Leopoldinense, Sieger der Jahre 1999, 2000 und 2001, zeigte eine technisch perfekte, luxuriöse Parade über Garibaldi und gilt auch durch seine hervorragende Percussiongruppe bisher als einer der diesjährigen Titelanwärter. Kreativ zeigte sich die vierte Schule, Caprichosos de Pilares, mit ihrem Umzug über den Bundesstaat Espírito Santo. In der Percussiongruppe gaben 36 Índios aus Aracruz einen besonderen Ton an, während eines der typischen Produkte der Region den Zuschauern das Wasser im Mund zusammenlaufen liess.
Ein Springbrunnen, aus dem flüssige Schokolade lief, verbreitete das Schoko-Aroma im Sambódromo. Applaudiert wurde vor allem auch die neue Königin der Percussiongruppe, Mel Britto, die die schwierige Aufgabe, eine der grössten Musen des Karnevals, Luma de Oliveira, zu ersetzen mit Bravour bestand. Anschliessend sorgte die Schule Vila Isabel für Furore in der Avenida mit ihrem lateinamerikanischen Thema. Die vom venezolanischen Erdölunternehmen PDVSA gesponserte Schule brachte unter anderem Simon Bolivar als Puppe ins Sambódromo, Befreier Südamerikas und Idol von Hugo Chávez, dessen Anwesenheit bei der Parade vergeblich erwartet wurde.
Die Zuschauer jubelten mit den Schreien “É Campeã!“, dass die Schule bereits gewonnen habe. Die sechste Sambaschule, Grande Rio, brachte zu ihrem Amazonas-Thema gigantische allegorische Wagen in die Avenida, die die Parade verzögerten, und überschritt die Höchstzeit. Schon nach Sonnenaufgang beschloss die Sambaschule Beija-Flor die Umzüge der ersten Nacht in Rio. Beija-Flor zeigte auch diesmal wieder eine perfekte, durchweg choreographierte Parade und gilt erneut als Favorit auf den Titel. Sollte die Schule aus Nilópolis mit ihrem Umzug über die Stadt Poços de Caldas in MinasGerais den Sieg gelingen, würde sie vierfacher Meister in aufeinanderfolgenden Jahren.
Annette Runge für BrasilienPortal