Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03253.jsonl.gz/248

Das Schauspiel „Der kleine Gatsby – ein Luzerner Grounding“ basiert auf der Lebensgeschichte eines Luzerner Bankiers, Ernst Brunner. Es verwebt sowohl biografische Daten wie auch fiktive Geschehnisse.
Die Hauptfigur wurde am 30. Juni 1917 in Luzern geboren. Seine Mutter war eine lebensbejahende, an Kunst interessierte Frau, aus Sizilien stammend. Sein Vater war Standesbeamter. Nach dem Handelsdiplom gründete Ernst Brunner eine Agentur für Veloversicherungen, später eine allgemeine Versicherung und schliesslich ein Treuhandbüro. 1946 eröffnete er eine eigene Bank. Die florierte nicht zuletzt wegen seiner Tochterfirma, der Panchemie. Diese verkaufte Insulin in die vom Krieg zerstörten Länder. 1958 wurde die Bank vergrössert und 1965 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Als die Bank 1964 ihren 20. Geburtstag feierte, wies sie eine Bilanzsumme von acht Millionen Franken aus und war damit zu einem kleinen, aber feinen Finanzinstitut geworden.
Einige Jahre bewohnte der Bankier mit seiner Familie das Schloss Schauensee in Kriens, bevor er die Villa Annamaria in Kastanienbaum kaufte.
Nebst seinen Firmen und der Bank betrieb er auch eine Konzertagentur und eine Galerie in den Räumen der Bank. Ende der Sechzigerjahre waren die Geschäfte jedoch heillos verstrickt, in einem Geflecht von Firmen, die sich gegenseitig Luft, Aufträge und Geld gaben, bis nichts mehr davon übrig war. Doch die schillernde Fassade musste um jeden Preis aufrechterhalten werden.
Bis zu jenem 7. Dezember 1970 als sich der Bankier das Leben nahm. Ein Schlusspunkt, mit grosser Geste „inszeniert“, genauso wie das Leben zuvor.
Lokale Stoffe sind spannend, weil sie an den eigenen Wurzeln rühren. Die Hauptfigur ist interessant, schillernd. Aber auch die Mitstreiter an seiner Seite sollten im Theaterstück zu Wort kommen. Interessant sind die Mechanismen, die zu spielen begannen, als das Umfeld von Brunner gemerkt hat, dass da irgendetwas nicht stimmen kann.
Der Luzerner Fotograf Ruedi Hopfner schrieb über die vermeintlichen Freunde des Bankiers: „Nein, es war keine homogene Gesellschaft, die ihn umgab. Sie war nur durch ihn definiert. Als er starb, zerstob sie in Nullkommanichts“. –Spannender Stoff für die Bühne!