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Am UniversitätsSpital Zürich (USZ) wurde die erste Lebendlebertransplantation im Jahr 2000 durchgeführt. Bis Ende 2014 konnten im USZ 44 Lebertransplantationen von Lebendspendern durchgeführt werden.
Der Empfänger/die Empfängerin braucht bei einer Lebendleberspende nicht auf unbestimmte Zeit auf der Warteliste auf ein Organ zu warten. Dadurch kann die Transplantation zu einem früheren Zeitpunkt durchgeführt werden, bevor der Empfänger durch ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium geschwächt ist. Dadurch dass der Operationszeitpunkt exakt geplant werden kann, ist der Empfänger/die Empfängerin optimal auf die Operation vorbereitet.
- Was sind die Voraussetzungen?
- Potentielle Spender sollten in einem guten gesundheitlichen Zustand sein, der durch ein unabhängiges, interdisziplinäres Team aus Psychologen/Psychiatern, Hepatologen und Chirurgen beurteilt werden muss.
- Potentielle Spender müssen über die Operation und die damit verbundenen Risiken vollständig informiert sein.
- Potentielle Spender müssen die Volljährigkeit erreicht haben und intellektuell in der Lage sein, das Vorgehen zu verstehen.
- Potentielle Spender müssen mit dem Empfänger verwandt oder mit ihm über eine längere Zeit freundschaftlich verbunden sein.
- Potentielle Spender müssen gewillt sein, an der Langzeit-Nachsorge teilzunehmen.
- Die Blutgruppen sollten kompatibel, müssen aber nicht identisch sein. Der Rhesusfaktor spielt für die Lebertransplantation keine Rolle.
- Welche Risiken bestehen?
Die Lebendlebertransplantation zeigt weltweit sehr gute Ergebnisse. Diese sind mit jenen der Lebertransplantation von hirntoten Spendern gleichwertig.
Trotzdem besteht sowohl für den Empfänger als auch den Spender ein geringes Restrisiko.
Die Spenderoperation, welche von sehr erfahrenen Transplantationschirurgen durchgeführt wird, ist heute als eine sehr sichere Operation anzusehen. Wie auch bei anderen Leberoperationen können jedoch auch hier Komplikationen auftreten.
Die Lebendleberspende ist mit einer Sterblichkeit (Mortalitätsrisiko) von 0,3 %-0,5 % verbunden. Durch ausführliche präoperative Abklärungen wird dieses Risiko so gering wie möglich gehalten. Bei 1%-3% der Patienten kommt es zu Blutungen, die allenfalls eine erneute Operation notwendig machen. Bei ca. 5% der Patienten entwickelt sich ein Gallenleck oder eine Infektion im Operationsgebiet, wodurch sich der Krankenhausaufenthalt verlängert. In der Regel werden diese Komplikationen durch eine unter örtlicher Betäubung eingebrachten Ableitung (Drainage) behandelt. Des Weiteren tritt bei ca. 7% der Patienten eine vorübergehende Leberfunktionsstörung auf. Weitere seltene Komplikationen sind Blutgerinnsel in den Beinvenen (Thrombosen), welche zu Lungenembolien führen und selten tödlich verlaufen können.
Die Leber besitzt als einziges solides Organ im Körper die Fähigkeit sich zu regenerieren. Bereits nach etwa vier Wochen hat die Leber bei Spender und Empfänger wieder ihr normales Gewicht erreicht. Eine halbe Leber ist zum Leben ausreichend und bereits nach wenigen Tagen wird sich die Leberfunktion beim Spender normalisiert haben. Beim Empfänger kann die Normalisierung der Leberfunktion mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Entsprechend der Erfahrungen bei Leberresektionen, die bei Patienten wegen Lebertumoren durchgeführt werden müssen, wissen wir, dass 25% bis 30% verbleibendes Lebervolumen für den Spender problemlos toleriert werden.
- Warum die Freiwilligkeit so wichtig ist
Eine Lebendorganspende ist wohl eines der bedeutsamsten Geschenke, das ein Mensch einem anderen machen kann. Da viel zu wenige Organe von Verstorbenen zur Verfügung stehen, kann die Lebendleberspende Leberkranken helfen, schneller ein Organ zu erhalten. Die Leberspende muss aus juristischen Gründen auf einer freiwilligen Basis und ohne finanzielle Abgeltung beruhen. Die Kosten für die ausgiebigen Vorabklärungen und den Eingriff sowie die Nachsorge gehen vollständig zu Lasten der Versicherung des Leberempfängers.
Die durch Abklärung, Operation und Nachsorge des Spenders anfallenden medizinischen Kosten werden durch die Versicherung des Empfängers übernommen. Verdienstausfälle werden ebenfalls kompensiert, nicht jedoch Reisekosten, Prämien von Risikoversicherungen oder Haushaltshilfen.
- Welche Abklärungen sind nötig?
Um die Risiken für eine Lebendleberspende zu minimieren, ist eine gründliche Abklärung erforderlich:
- Eine psychologische Untersuchung, um die Freiwilligkeit der Leberspende zu prüfen. Die Eignung des möglichen Spenders wird von einem unabhängigen Team von Leberspezialisten, Internisten und Psychologen beurteilt. Bestehen keine Einwände gegen eine Lebendleberspende, wird der mögliche Spender für ca. drei Tage stationär aufgenommen.
- Im Rahmen eines kurzen Spitalaufenthaltes erfolgen Untersuchungen von Herz und Lungenfunktion. Zudem wird die Leberdurchblutung in einer Angiographie exakt dargestellt und mit einer Leberbiopsie eine Lebererkrankung ausgeschlossen. Die Leber wird mittels einer Computer-Tomographie genau vermessen.
- Zudem wird der Spender während des Aufenthaltes von den verschiedenen Spezialisten aus den Bereichen Anästhesie und Intensivmedizin untersucht.
Alle Untersuchungen haben vor allem das Ziel, das Operationsrisiko für den Spender so klein wie möglich zu halten.
Nach Entlassung des Spenders wird in einem Transplantationskolloquium gemeinsam über die Möglichkeit einer Lebendlebertransplantation entschieden. Bestehen Bedenken für die Sicherheit des Spenders, wird die Lebendlebertransplantation abgelehnt.
- Was passiert bei der Operation?
Einen Tag vor der Operation wird der Spender in der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie des USZ stationär aufgenommen.
Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. In einer ca. 6-stündigen Operation wird entweder die linke oder rechte Leberhälfte einschliesslich der zugehörigen Blutgefässe und Gallenwege entnommen. Die verbleibende Leberhälfte mit Ihren Gallenwegen und Blutgefässen wird dabei nicht beeinträchtigt. Sie werden anschliessend auf die Intensivstation gebracht. Entsprechend Ihres Erholungsgrades werden Sie baldmöglichst wieder auf eine Abteilung verlegt.
- Wie werden Lebendspender nachher betreut?
Die Operationswunde kann in den ersten Tagen noch schmerzen, dies kann aber mit Schmerzmitteln behandelt werden. Innerhalb von 2–3 Tagen sind die Patienten wieder mobil. Der Lebendleberspender kann sich nach der ersten Erholungsphase normal ernähren und benötigt keine Medikamente. Bei komplikationslosem Verlauf dauert der Spitalaufenthalt ca. 7–10 Tage. Nach vollständiger Erholung von der Operation wird der Spender aus dem Spital entlassen. In der ersten Woche nach der Entlassung wird der Spender in unserer Transplantationssprechstunde nachuntersucht. Für insgesamt 6 bis 12 Wochen nach der Operation dürfen Spender nicht schwer heben. 6 Monate nach der Operation wird die Leberregeneration mittels Ultraschall bzw. CT/MRI nachkontrolliert. Bei problemlosem Verlauf sind danach jährliche Kontrollen am UniversitätsSpital geplant.
Die Erfahrungen zeigen, dass nach zwei bis drei Monaten fast alle Leberspender wieder arbeitsfähig sind.
- Wie sind die Resultate?
Die Leberlebendtransplantation weist weltweit sehr gute Ergebnisse auf. Die Resultate der Lebendtransplantation und der Lebertransplantation von hirntoten Spendern sind als gleichwertig anzusehen.
Das 1-Jahresüberleben beträgt weltweit für beide Formen der Transplantation ca. 90%.
Die Lebendlebertransplantation hat folgende Vorteile:
- Nur kerngesunde Menschen werden zur Lebendspende zugelassen, was in diversen Untersuchungen sehr genau abgeklärt wird.
- Die Leberteilentnahme und Transplantation finden zeitlich direkt nacheinander statt, so dass das Organ nur sehr kurze Zeit ausserhalb des Körpers ist.
- Der Eingriff ist planbar und findet unter optimalen Bedingungen statt.
- Die Lebendspende ist eine Lebenschance für den Empfänger.