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Imperias Busen ist üppig und wird nur knapp verhüllt vom Umhang, unter dem ein nacktes Bein lasziv hervortritt und so einen grossen Teil des Schosses freilegt. Die provozierende Schönheit steht am Hafeneingang von Konstanz, ist 10 Meter hoch und wiegt 18 Tonnen. Die Statue wurde vom deutschen Bildhauer Peter Lenk in Beton gegossen und 1993 aufgerichtet. Sie löste sofort eine grosse Kontroverse aus. Ihr Name stammt von der Erzählung «La Belle Impéria» von Honoré de Balzac, einer scharfen Satire gegen den katholischen Klerus, in welcher der französische Schriftsteller von der Kurtisane Imperia erzählt, die Kardinäle und Fürsten verführt. In der Tat hält unsere kolossale Imperia auf ihren erhobenen Händen zwei nackte Männlein, die man aufgrund ihrer Machtattribute leicht als Papst und Kaiser identifizieren kann. Es handelt sich um Kaiser Sigismund, der das Konzil von Konstanz einberief, und den im Konzil gewählten Papst Martin V. Wir befinden uns demnach in der Zeit des Abendländischen Schismas, der grossen Krise, in der Päpste und Antipäpste die Kirche tief spalteten und den Konflikt bald auch auf die diplomatische und politische Ebene hoben. 1414 regierten sogar drei Päpste: einer in Rom, einer in Avignon und einer in Pisa. Um die Krise zu beenden, berief der Kaiser ein Konzil ein, das schliesslich zwei Päpste absetzte, den dritten abdanken liess und dann eben die Wahl eines vierten durchführte. Zusätzlich verurteilte das Konzil den böhmischen Reformator Jan Hus zum Tod auf dem Scheiterhaufen, obwohl dieser einen Schutzbrief des Kaisers besass. Das Konzil dauerte von 1414 bis 1418 und verwandelte Konstanz in eine regelrechte europäische Hauptstadt. Mit den Kaisern und Päpsten, den etwa 30 Kardinälen und mehr als 300 Bischöfen, die natürlich alle mit ihrem Gefolge angereist waren, werden die Besucher des Konzils auf über 50’000 geschätzt. Dass sich in der Stadt ausserdem mindestens 700 Kurtisanen und Prostituierte aufhielten, sollte also nicht erstaunen. Mit seiner Statue ruft uns Peter Lenk auch die Geschichte dieser Frauen in Erinnerung. Das Konzil von Konstanz wurde genau heute vor 604 Jahren, am 5. November 1414, eröffnet.
[Datum der Erstausstrahlung: Radiotelevisione Svizzera RSI, Rete Due, 5. November 2014, 07:05 Uhr]