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Die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien nahm mit ACTARES Kontakt auf, weil Nestlé eine Delegation von kolumbianischen Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern in Vevey vor der Tür stehen liess – und dies gleich zweimal, im Herbst 2002 und im Frühling 2003.
Nestlé produziert in Kolumbien in drei Betrieben: Cicolac, Comestibles La Rosa SA und Nestlé de Colombia SA die vom Hauptsitz in Bogota geführt werden. Zunächst hatte jeder Produktionsort eine eigene Gewerkschaft; 1982 vereinigten sich diese zum SINALTRAINAL (Sindicato Nacional de Trabajadores de la Industria Alimentaria). Die Mitarbeitenden verfüg-ten bis Februar 2002 über einen Kollektivvertrag, der einen korrekten Lohn und weitere Vor-teile garantierte. Nestlé Colombia wollte diesen nicht weiterführen und schlug eine neue Ver-einbarung vor, welche jedoch von der Gewerkschaft abgelehnt wurde. Ein Mitglied von SI-NALTRAINAL, welches im Frühling anwesend war, berichtete, dass sich bei jedem Treffen mit den lokalen oder regionalen Vertretungen von Nestlé deren Position verhärtete. Deshalb beschloss die Gewerkschaft, die Generaldirektion in Vevey zu treffen.
ACTARES nahm diese Anfrage an der Generalversammlung von Nestlé am 3. April 2003 wieder auf. Carlos E. Represas, Generaldirektor für Nord- und Südamerika, gab folgende Kurzantwort: Eine Woche vor der Generalversammlung habe eine Delegation aus der Schweiz in Kolumbien Gespräche geführt. Um Arbeitsplätze zu erhalten, wolle Nestlé über eine grössere Flexibilität der Produktion und über entsprechende Massnahmen zu ver-handeln versuchen. Diese Verhandlungen seien immer noch aktuell, müssten aber aus rechtlichen Gründen in Kolumbien stattfinden und nicht in der Schweiz.
Votum der ACTARES Geschäftsführerin für die Suisse Romande, Sophie de Rivaz an der Nestlé Generalversammlung 2003
Herr Präsident,
meine Damen und Herren,
Ich ergreife das Wort im Namen von ACTARES, AktionärInnen für nachhaltiges Wirtschaften, und von rund 30 unserer Mitglieder, welche bei Nestlé Aktien besitzen und uns ihre Vollmacht erteilt haben. ACTARES wurde unter anderem durch die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien über den Konflikt zwischen den kolumbianischen Gewerkschaften und den lokalen Direktionen unseres Unternehmens informiert. Es geht um die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden (Lohn, Kollektivarbeitsvertrag) und die Garantie ihrer gewerkschaftlichen Rechte.
Unsere Mitglieder machen sich ebenfalls Sorgen über den fehlenden Schutz der Gewerkschaftsmitglieder in Kolumbien. Ich rufe in Erinnerung, dass in diesem Land etliche Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter mit dem Tode bedroht werden oder getötet wurden. Einige arbeiteten in Produktionseinheiten von Nestlé. Weiter entrüsten sich unsere Mitglieder darüber, dass in einer Nestlé-Filiale Produkte verwendet worden seien, deren Verfallsdatum abgelaufen war – es handelt sich um Milchpulver. Nestlé soll deswegen durch die kolumbianischen Behörden gebüsst worden sein.
Die Vertretungen der Gewerkschaften von Nestlé in Kolumbien sind durch die endlosen Verhandlungen mit der lokalen Direktion von Nestlé zermürbt. Deshalb hat eine Delegation aus Kolumbien zweimal versucht, die Direktion in Vevey zu treffen (im Herbst 2002 und diesen Frühling). Beide Male wurde sie abgewiesen.
Im Nachhaltigkeitsbericht von Nestlé, der letztes Jahr erschienen ist und den ACTARES sehr begrüsst, hat Herr Brabeck im Vorwort den Wunsch in Erinnerung gerufen, dass das Unter-nehmen sich weiterhin um Offenheit und Transparenz bemühen und fremde Meinungen hören wolle. Die Situation in Kolumbien ist sehr ernst. Unserer Ansicht nach wäre es in diesem Fall besonders angebracht, sich um Offenheit zu bemühen und andere Meinungen anzuhören.
Die formulierten Ziele des Unternehmens und die Absage, Firmenangehörige zu empfangen, passen für uns nicht zusammen. Wir bitten die Generaldirektion von Nestlé deshalb um Er-klärungen zuhanden ihrer Aktionärinnen und Aktionäre. Es geht um den guten Ruf von Nestlé.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit