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(Linnaeus, 1764)
- DE: Ägyptische Wanderheuschrecke
- EN: Egyptian Grasshopper | Egyptian Locust
- FR: Criquet égyptien
- IT: Locusta egiziana
- Syn.: Acridium albidiferum Walker, 1870 | Podisma campanum Costa, 1836 | Gryllus lineola Fabricius, 1781 | Gryllus nubecula Thunberg, 1815 | Flamiruizia stuardoi Liebermann, 1943
Morphologie
Anacridium aegyptium ist eine der grössten Kurzfühlerschrecken. Grosse Weibchen erreichen eine Flügelspannweite von rund 14 cm. Die Grundfarbe ausgewachsener Individuen variiert von gelblich über ocker und braun bis grau. Die Larven sind im Gegensatz dazu meist intensiv grün, selten gelblich bis ockerfarben. Von der Stirn verläuft ein heller, meist orange-brauner Streifen über den Kopf und das Halsschild. Die Augen sind charakteristisch hell-dunkel gestreift. Dieses Merkmal ist auch bei den Larven bereits ausgebildet. Das Halsschild verfügt über einen deutlich erhabenen Mittelkiel mit drei Querfurchen. Die sehr langen Flügel überragen den Hinterleib deutlich und sind meist mit dunklen Punkten und Flecken gesprenkelt. Die Hinterflügel sind glasig und weisen eine mehr oder weniger kräftige, braune Binde auf. Die Oberseite der Hinterschenkel ist mit drei schwarzen Flecken gezeichnet, die Unterseite ist orange bis rot gefärbt. Die Unterseite der Hinterschienen ist blaugrau.
Gesang
Bei der Balz erzeugt das Männchen von Anacridium aegyptium im Flug oder auf einem Zweig sitzend mit den Flügeln ein knatterndes Geräusch. Ein Singen, wie man es von anderen Kurzfühlerschrecken kennt, konnten wir nicht beobachten.
Verbreitung
Im Mittelmeerraum ist Anacridium aegyptium sehr häufig. Das Verbreitungsgebiet ist aber wesentlich grösser und reicht von Portugal über Nordafrika bis in den südwestasiatischen Raum. Bei den Nachweisen nördlich der Alpen handelt es sich um verschleppte Tiere. Bekannt sind Verschleppungen durch den Gemüsetransport aus dem Mittelmeerraum. Die einzigen dauerhaften Vorkommen in der Schweiz befinden sich im Südtessin im Gebiet der Dörfer Morbio und Castel-San-Pietro.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Anacridium aegyptium können während des ganzen Jahres beobachtet werden, da sie den Winter überdauern können. Adulte Individuen der neuen Generation findet man ab August.
Die Eier werden in den Boden abgelegt und die Larven schlüpfen im Frühsommer. Anacridium aegyptium ist trotz ihrer Grösse sehr gut getarnt und drückt sich meist hinter einen Ast oder ein Blatt. Oft wird man erst durch davonfliegende Tiere auf die Anwesenheit der Art aufmerksam. Aufgrund der Grösse und der gezielten Flugmanöver erinnert Anacridium aegyptium im Flug an einen kleinen Vogel.
Lebensraum
Anacridium aegyptium ist besonders wärmeliebend und bevorzugt Lebensräume mit einer hohen Strukturvielfalt an niederen Gehölzen. Meistens hält sie sich in Gebüschen oder in den Baumkronen auf. Im Südtessin besiedelt sie sonnenexponierte Gärten mit mediterranem Charakter, verwaiste Steinbrüche, Weinberge, Hecken und Gehölze im Vorwaldstadium. Schon oft konnten wir sie in Steinbrüchen auf Sommerflieder antreffen.
Gefährdung & Schutz
Aufgrund der geringen Anzahl an Beobachtungen im Südtessin und der damit verbundenen Ungewissheit, ob sich die Art im Tessin fortpflanzt, wurde Anacridium aegyptium in der Roten Liste der Schweiz nicht beurteilt. In den letzten Jahren konnten wir an mehreren Standorten im Südtessin sowohl Larven als auch ausgewachsene Tiere beobachten, was eindeutig für eine reproduzierende Population spricht. Trotz ihrer Grösse ist Anacridium aegyptium sehr heimlich und wird oft übersehen. Die Art profitiert von strukturreichen Vorwaldstadien, Hecken oder anderen Gebüschgruppen an gut besonnten, steinigen Stellen.
- CH: NE (Nicht beurteilt)
- DE: Abwesend
- AT: Abwesend
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Im Flug kann Anacridium aegyptium für einen kleinen Vogel gehalten werden. Sie lässt sich im Flug nicht von Locusta migratoria unterscheiden. Durch ihre Grösse und die gestreiften Augen ist sie allerdings unverkennbar. Auch die Larven lassen sich an diesen Merkmalen schon gut erkennen.