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Bei der sogenannten idiopathischen Skoliose ist der Auslöser unbekannt. Das heisst, man weiss nicht, warum sich die Skoliose im Laufe des Wachstums plötzlich entwickelt. Mädchen sind deutlich häufiger betroffen als Jungen. Man findet Skoliose auch gehäuft in Familien. Das deutet darauf hin, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten.
Skoliose ist keine Krankheit, sondern eine Diagnose. Sie beschreibt eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule, bei welcher sich das Rückgrat zusammen mit den Rippen dreidimensional verformt. Während des Hauptwachstumsschubes kann dies sehr rasch geschehen. Es wird (ggf. mit Korsett) versucht, den Cobbwinkel unter 30° zu halten. Bei Erwachsenen werden die Bögen dann deutlich steifer, was den Vorteil hat, dass die Skoliose nicht mehr so einfach zunehmen kann.
Um eine (schwere) Skoliose aufzurichten, muss eine Operation in Betracht gezogen werden. Mit einer leichten oder mittelgradigen Skoliose kann man gut leben und ist lediglich angehalten, vor allem
bei auftretenden Beschwerden ein skoliosespezifisches Trainingsprogramm durchzuführen.
Der Cobbwinkel ist der Krümmungswinkel der Skoliose. Er wird vom Orthopäden auf dem Röntgenbild ausgemessen und in Grad angegeben. Ab 10° spricht man von Skoliose. Wenn eine Skoliose mehrere Bögen hat, hat man auch mehrere Cobbwinkel. Der Hauptbogen einer Skoliose hat in der Regel den grössten Cobbwinkel. Anhand des Cobbwinkels ist es möglich, den Verlauf einer Skoliose über die Jahre zu verfolgen.
Während der Wachstumsphase haben gewisse Skoliosen die Tendenz, sich zu verschlechtern. Deshalb ist es sehr wichtig, bis das Wachstum abgeschlossen ist von einem kompetenten Team (spezialisierter Orthopäde und PhysiotherapeutIn, bei Korsettversorgung zusätzlich Orthopädietechniker) betreut zu werden.
Nach Wachstumsabschluss ist das Risiko, dass eine Skoliose sich verschlechtert grundsätzlich ab 30° Cobb gegeben. Je grösser der Cobbwinkel, desto grösser auch das Risiko, dass eine Skoliose über
die Jahre langsam zunimmt. Es wird empfohlen, dass bei Skoliosen über 30° auch nach Wachstumsabschluss im Abstand von mehreren Jahren Kontrollen durch den Orthopäden erfolgen und Physiotherapie
bei Bedarf durchgeführt wird.
Das Korsett ist eine wachstumslenkende Funktion. Es wird nötig, wenn der Cobbwinkel 20-25° (oder mehr) beträgt und die Hauptwachstumsphase noch bevorsteht. In vielen Fällen kann das Korsett eine
Verschlechterung der Skoliose verhindern, sofern es konsequent, das heisst in den meisten Fällen 23 Stunden pro Tag, getragen wird. Nach Abschluss des Wachstums, grob gesagt mit ca. 16 Jahren,
hat das Korsett keine Wirkung mehr.
In der Physiotherapie lernt man die eigene Skoliose kennen und wie man seinen Rücken in die sogenannte Korrekturhaltung (die Haltung entgegen der Skoliose) bringt. Der Rumpf wird mit spezifischen
Übungen gekräftigt. Es werden Tipps für das Verhalten im Alltag gegeben. Falls ein Korsett getragen wird, schaut sich die Physiotherapeutin dieses regelmässig an, unterstützt einem bei
Schwierigkeiten und kommuniziert gegebenenfalls mit dem Orthopäden sowie dem Orthopädietechniker. Die spezialisierte Physiotherapeutin kennt sich mit der Diagnose Skoliose aus und kann viele
Fragen und Unsicherheiten klären.
Die Physiotherapeutin wird mit Ihnen ein individuelles Heimprogramm erarbeiten, welches 20-30min dauert. Dieses gilt es regelmässig zu Hause durchzuführen, idealerweise 5 Mal pro Woche.
Ausserdem ist es für Skoliosepatienten jeden Alters wichtig, regelmässig Sport zu treiben.
Der Zeitraum, in dem die Physiotherapie durchgeführt werden soll, umfasst die gesamte Korsettzeit, als Begleitmassnahme. In der Regel findet die Therapie einmal pro Woche statt für 30-45min. Während der Wachstumsphase ohne Korsett wird das gleiche empfohlen.
Erwachsene besuchen die Physiotherapie bei Bedarf, um ebenfalls ein Heimprogramm zu erarbeiten und evtl. eine medizinische Trainingstherapie durchzuführen.
Die Skoliosetherapiewoche der Universitätsklinik Balgrist jeweils im Sommer ist eine gute Möglichkeit, sich intensiv mit Skoliose zu befassen, zu trainieren und andere Betroffene
kennenzulernen.
Die Skoliosetherapie bei Erwachsenen hat nicht zum Ziel, die strukturelle Skoliose bleibend aufzurichten, denn dies ist leider nicht möglich. Umso wichtiger ist es, sich der ungünstigen skoliotischen Alltagshaltungen und –gewohnheiten bewusst zu werden und ihnen entgegenzuwirken. Ein wichtiger Inhalt der Therapie ist es, allfällige individuelle Beschwerden anzugehen und den Rumpf zu kräftigen.
Aus unserer Erfahrung verläuft die Schwangerschaft nicht problematischer als bei anderen Frauen. Wir empfehlen, nach der Rückbildung eventuell eine skoliosespezifische Physiotherapie
durchzuführen, um die Rücken- und Bauchmuskulatur wieder aufzubauen und einer Überlastung durch das Heben und Tragen des Kindes vorzubeugen.
Auf dieser Homepage stellen sich die spezialisierten Physiotherapeutinnen der Skoliose-Arbeitsgruppe Zürich vor. Sie alle haben eine oder mehrere Zusatzausbildungen in Skoliosetherapie absolviert und haben eine grosse Erfahrung in der Behandlung von Skoliosepatienten. Wir sind der Meinung, dass es sinnvoll ist, dass Jugendliche mit Skoliose von Therapeutinnen mit Zusatzausbildung behandelt werden. Wenn der Weg zu einem Skoliosetherapeuten zu weit ist gibt es die Möglichkeit, zum Beispiel einmal pro Monat den Skoliosetherapeuten zu sehen, dort in der Therapie ein Übungsbuch zu erstellen und die übrigen Wochen mit einem Physiotherapeuten nahe am Wohnort daran zu arbeiten.
Die Krankenkasse, sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt. Auf der Verordnung sollte „Skoliosetherapie“ stehen. Während der Korsettbehandlung bezahlt die IV die Therapie.