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Es begann vor rund 11 Jahren: Oracle kündigte unerwarteterweise an
, keine Softwareversionen für Itanium-basierte Server mehr entwickeln und supporten zu wollen. Hewlett-Packard (HP), damals der letzte Hersteller von Itanium-Servern, protestierte und reichte einige Monate später eine Gerichtsklage gegen Oracle
ein. Oracle wehrte sich heftig, wurde aber 2016 dazu verpflichtet, 3 Milliarden Dollar Schadenersatz
an das nach der Aufspaltung aus Hewlett-Packard hervorgegangene Unternehmen Hewlett Packard Enterprise (HPE) zu zahlen.
Oracle bestritt die Vorwürfe von HPE, Vertragsbruch begangen zu haben, weiterhin kategorisch und legte Berufung ein. Verschiedene Instanzen entschieden gegen Oracle, und zuletzt landete der Fall beim US-Supreme Court. Der oberste Gerichtshof der USA hat nun entschieden, dass Oracle keine plausiblen Gründe für einen allfälligen Widerruf der früheren Urteile vorgelegt hat. Deshalb hat er es abgelehnt, sich mit diesem Fall weiter zu befassen.
Für Oracle dürfte es damit kaum mehr eine Möglichkeit geben, den Gerichtsstreit noch einmal zu verlängern.
Die Vorgeschichte
Itanium? Zur Erinnerung: Intel hatte seine Itanium-CPU-Linie im Jahr 2001 lanciert, um damit in den Markt für High-end-Unix-Server einzudringen, der von Sun, IBM und HP dominiert wurde. Diese produzierten für diesen Markt Server mit selbst entwickelten, auf der RISC-Architektur basierenden CPUs. Intels Idee war es nun, CPUs anzubieten, welche viele Serverhersteller verwenden konnten, ähnlich wie dies im Markt der Standardserver mit den x86-CPUs schon lange der Fall war. Standardisierte CPUs sollten die High-End-Server, eine Klasse von Computern, die von der Zuverlässigkeit und Leistung her zwischen Standard-Servern und Mainframes lag, deutlich kostengünstiger machen. Zudem sollten sie neuen Herstellern den Markteintritt ermöglichen.
Die Nachfrage nach Itanium-Servern blieb aber gering, unter anderem, weil Kunden dafür ihre Applikationen neu schreiben mussten. Anfang des letzten Jahrzehnts zeichnete sich ab, dass die Itanium-CPUs keine erfolgreiche Zukunft mehr haben würden.
Oracle hatte dann Anfang 2011 angekündigt, keine Itanium-Versionen seiner Software mehr auf den Markt bringen zu wollen. Gleichzeitig hatte Oracle den Itanium-Chip von Intel für sozusagen tot erklärt. Öffentlich werde dies zwar nicht zugegeben, aber sowohl Intel als auch HP, der schon damals einzige verbliebene Hersteller von Servern mit Itanium-CPUs, würden selbst keine Zukunft mehr für Itanium-Server sehen.
HP argumentierte, dass sich Oracle, unter anderem als eine Bedingung des Wechsels des früheren HP-CEOs Mark Hurd zum Softwareriesen, vertraglich dazu verpflichtet habe, weiterhin Itanium-Versionen seiner Produkte anzubieten. HP verklagte Oracle deshalb wegen Vertragsbruch, und verlangte, dass Oracle weiterhin Itanium-Versionen entwickeln müsse, zumindest so lange wie HP noch solche Server anbot.
Intel hat 2012 die letzte Itanium-Generation auf den Markt gebracht. Ein Nachfolger wurde zwar angekündigt, erschien aber nie. HPE supportete und verkaufte noch einige Jahre lang Itanium-Systeme, stieg dann aber auf Xeon-CPUs für seine High-End-Server-Familie Integrity um.
Die 3 Milliarden Dollar, die HPE nun von Oracle erhält, dürften eines der besten Geschäfte sein, welche der Serverhersteller je mit Itanium-Servern gemacht hat.