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- Emmert-Fees KMF et al. (2023) Projected health and economic impacts of sugar-sweetened beverage taxation in Germany: A cross-validation modelling study. PLoS Med 20(11): e1004311.
Grundsätzlich lässt sich der Genuss von gesüßten Getränken wie folgt begrenzen: entweder durch höhere Preise pro Liter – dieses Modell nutzen die USA, Mexiko und Chile. Oder in Form einer gestaffelten Steuer je nach Zuckergehalt, wodurch der Industrie Anreize gegeben werden, den Zuckergehalt von Softdrinks zu reduzieren. Auf dieses Prinzip setzt Großbritannien.
Beide Verfahren haben die Forscher in ihrer Modellierung untersucht, indem sie drei Szenarien entwarfen:
Durchgespielt wurden sie anhand der deutschen erwachsenen Bevölkerung im Alter von 30 bis 90 Jahren über einen Zeitraum von 20 Jahren (2023 bis 2043). Dabei wurden die Demografie, Risikofaktoren sowie die Epidemiologie von Typ-2-Diabetes (T2DM), koronarer Herzkrankheit (KHK) und Schlaganfall in der deutschen Bevölkerung berücksichtigt. Für jedes Szenario schätzte das Team der TUM die daraus resultierenden Veränderungen im Zuckerkonsum, die verhinderten bzw. hinausgezögerten Fälle von kardiometabolischen Erkrankungen und schließlich die wirtschaftlichen Auswirkungen.
Die Ergebnisse der Untersuchung: Der Zuckerkonsum ließe sich mit der erweiterten Steuer (Szenario 2) um fast 6 g/Tag am deutlichsten reduzieren. Den größten Gesundheitsgewinn brächte aber wohl die gestaffelte Steuer (Szenario 3) mit einer Bilanz von 3.400 verhinderten/verzögerten Schlaganfällen, 69.800 Fällen weniger für KHK, 244.100 für T2DM und 72.300 für Adipositas. Insgesamt waren die Maßnahmen bei Männern am effektivsten, was auf ihren höheren Konsum an Softdrinks zurückzuführen ist, insbesondere in jüngeren Jahren. Die meisten Fälle von Schlaganfall, KHK und Diabetes ließen sich in den Altersgruppen unter 70 Jahren verhindern.
Und nun zum Finanziellen: Über einen Zeitraum von 20 Jahren ließen sich mit einer 20-%-Steuer 9,6 Milliarden Euro einsparen, inklusive Fruchtsäfte wären es 11,8 Milliarden. Die höchsten Einnahmen würde jedoch die gestaffelte Steuer mit einer satten Ersparnis von 16 Milliarden Euro erzielen.
Ein Manko hat die Studie allerdings, wie die Autoren offen einräumen. Aufgrund fehlender Daten wurden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nicht in die Analyse einbezogen. Damit fehlt die Hauptgruppe der Konsumenten von Softdrinks, die mit den stärksten gesundheitlichen Konsequenzen rechnen muss und dahingehend die größten Kosten verursachen dürfte. Die tatsächlichen Folgen des Genusses von Cola, Fanta, Sprite & Co sind also wohl noch deutlich gravierender.
Kluge fiskalpolitische Maßnahmen könnten Volkskrankheiten wie Diabetes und Schlaganfall reduzieren und einen erheblichen Teil der gesellschaftlichen Kosten einsparen. Dabei schreiben die Autoren einer gestaffelten Steuer mit Anreizen für die Industrie nach dem Vorbild Großbritanniens das größte Potential zu. Beim Tabakkonsum hat es bereits geklappt – allerdings nach Jahrzehnten. Bei den Softdrinks könnte es ähnlich langwierig werden.