Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03508.jsonl.gz/726

Gestern fand in Los Angeles die grosse Oscar-Night statt – in real life. Die 93. Verleihung des wichtigsten Filmpreises fiel aufgrund der Pandemie allerdings etwas überschaubarer aus: Statt wie üblich im Dolby Theatre wurden die Preise im historischen Bahnhofsgebäude der Union Station vergeben. Während kaum Masken getragen wurden, setzten die Stars auf Social Distancing und internationale Gäste wurden per Video zugeschaltet. Wir haben für euch zusammengetragen, was an den diesjährigen Oscars für Gesprächsstoff sorgte:
Chloé Zhao gewann als erste Asian-American Woman den Oscar für «Beste Regie»
In China geboren, verbrachte Chloé Zhao ihre Kindheit und frühe Jugend in Peking, bevor sie mit 15 Jahren nach England kam und sich später dazu entschloss, nach Amerika auszuwandern. Mit ihrem Filmdrama «Nomadland» gewann die 38-jährige Filmemacherin bei den diesjährigen Oscars als erste asiatisch-amerikanische Frau die Auszeichnung als beste Regisseurin. Überhaupt ist sie nach Kathryn Bigelow, die 2010 mit «The Hurt Locker» abstaubte, erst die zweite Frau, die mit diesem Titel zu Ehren kommt. So schrieb Zhao gestern mit dem goldenem Männchen in der Hand wertvolle Oscar-Geschichte.
Frances McDormand heulte wie ein Wolf
Mit Tränen mag man bei Dankesreden ja noch rechnen – mit Wolfsgeheul hingegen eher weniger: Frances McDormand bedankte sich in ihrer Rede für den «Besten Film»-Gewinn für «Nomadland» mit einem lauten Jauler. «Wir widmen diesen Preis unserem Wolf», sagte sie. Der Grund dafür ist traurig: Mit dem Wolf, dem der Heuler galt, ist der Production Sound Mixer des Films Michael Wolf Snyder gemeint, der im März Suizid beging.
Frances McDormand wurde für ihre Rolle in «Nomadland» als «Beste Hauptdarstellerin» ausgezeichnet und gewann damit ihren dritten Oscar.
Glenn Close twerkte im Armani-Kleid
Glenn Close tanzte sich in die Zuschauerherzen. Comedian und Co-Moderator Lil Rel Howery fragte Close, ob sie den Namen des Songs kenne, der zu hören ist. Die 74-jährige Schauspielerin – elegant im Giorgio-Armani-Dress – antwortete nicht nur richtig, sondern performte den Tanz zu «Da Butt» von E.U. aus Spike Lees Film «School Daze» (1988) gleich noch. Der Auftritt der Schauspielerin verbreitete sich schnell auf Social Media. Mittlerweile ist bekannt: So spontan war die Aktion nicht. Laut «Los Angeles Times» war die Twerk-Einlage vorher abgesprochen.
Glenn Close war für ihre Rolle in «Hillbilly Elegy» als «Beste Nebendarstellerin» und für ihren Part in «The Wife» als «Beste Hauptdarstellerin» nominiert – und ging leer aus. Für sie war es bereits die achte Oscar-Nominierung, bei der sie verlor. Close ist damit die Schauspielerin mit den meisten Oscarnominierungen, ohne je einen der Preise gewonnen zu haben.
Anthony Hopkins brach einen Rekord – und verschlief seinen Sieg
Anthony Hopkins wurde für seine Rolle eines demenzkranken Mannes in «The Father» als «Bester Hauptdarsteller» geehrt. Der 83-Jährige ist damit der älteste Oscar-Gewinner aller Zeiten. Der Brite nahm den Preis allerdings nicht selbst entgegen. Stattdessen lag er zuhause in seinem Bett in Wales und schlief. «Er war in Wales, wo er aufgewachsen ist. Er schlief, es war vier Uhr morgens, als ich ihn anrief, um ihm die Neuigkeiten mitzuteilen», so sein Agent zu «People». Hopkins habe sich sehr über die Auszeichnung gefreut. Der Schauspieler habe endlich nach Wales zurückkehren können, nachdem er ein Jahr in Quarantäne verbracht habe und nun endlich geimpft sei.
Daniel Kaluuya begeisterte mit seiner Dankesrede
Daniel Kaluuya bekam für seine Rolle in «Judas and the Black Messiah» den Oscar für «Bester Nebendarsteller» – und dankte seinen Eltern, dass er auf der Welt ist. Der Brite gedachte in seiner Rede unter anderem dem US-Bürgerrechtler und Aktivisten der Black Panther Party Fred Hampton und rief die Zuschauer auf, für die Einheit einzustehen. «Es gibt noch so viel zu tun da draussen», so Kaluuya. Der Schauspieler forderte, dass man feiern und das Leben zelebrieren sollte. «Wir atmen, wir gehen. Es ist unglaublich. Meine Mutter und mein Vater hatten Sex – das ist amazing! Ich bin hier. Ich bin so glücklich, am Leben zu sein, und ich werde das heute Abend feiern.» Die Kamera zeigte derweil die verwunderten Gesichter von Kaluuyas Schwester und Mutter. Letztere murmelte: «Worüber spricht er da?».
Daniel Kaluuya gewann gestern seinen ersten Oscar. Zuvor war er 2018 als «Bester Hauptdarsteller» für seine Rolle in «Get Out» nominiert.
Fashion, Fashion, Fashion!
Während in den vergangenen Monaten Events vor allem virtuell stattfanden, zeigten sich die Stars endlich wieder auf einem echten roten Teppich. Einige Looks stachen dabei besonders hervor: In knallrotem Tüll-Traum von Armani Privé zog Schauspielerin Amanda Seyfried alle Blicke auf sich. Andra Day (in Vera Wang), Carey Mulligan (in Valentino Couture) und Leslie Odom Jr. (trug Versace) setzten auf die Farbe Gold, während Margot Robbie den Floral Dress von Chanel red-carpet-fähig machte.
Ob Zendaya im knallgelben Dress von Valentino, Vanessa Kirby in einer altrosa Robe von Gucci oder Regina King in sanftem Hellblau von Louis Vuitton – sie alle verzauberten mit ihren Looks von Kopf bis Fuss.
… und Looks, die besonders für Gesprächsstoff sorgten:
Die Stars zeigten sich auf dem roten Teppich nicht nur elegant: So kam The-Roots-Schlagzeuger Questlove in goldenen Crocs, während im Netz alle über Brad Pitts schicken Man Bun diskutierten.
«Ich habe heute eine Haarmaske gemacht und ein Glow-Vitamin genommen und ich glaube noch immer nicht, dass meine Haare so gut und shiny aussehen wie Brad Pitts Low Key Man Bun», twitterte jemand. Ein anderer User ergänzte: «Das ist der offizielle Kampagnen-Start für Brad Pitt, den Man Bun zu behalten und uns einige Brad-Looks aus den 90ern zurückzubringen.»
Halle Berry überraschte mit einer neuen Frisur: Die Schauspielerin trägt nun einen Bob mit kurzem Pony – bei Twitter kam ihr neuer Look alles andere als gut an. «Hat Halle Berry ihren Coiffeur schon verklagt?», schreibt etwa eine Userin. «Der Hairstylist, der Halle Berry die Haare gemacht hat … Zeig dich! Ich will nur reden», lautet ein anderer Kommentar.
Unter den Nominierten gab es mehr Diversity
Generell fiel dieses Jahr eines besonders auf: Diversity. So glänzte die 73-jährige Südkoreanerin Youn Yuh-jung mit ihrer Rolle in «Minari» als beste Nebendarstellerin und ist damit die erste Südkoreanerin, die jemals für diesen Oscar nominiert, geschweige denn zur Gewinnerin gewählt wurde. Anthony Hopkins gewann im stolzen Alter von 83 Jahren seine zweite Goldstatue als bester Hauptdarsteller und Daniel Kaluuya, Sohn ugandischer Immigranten, überzeugt in seiner Nebenrolle in «Judas and the black Messiah». Auch andere Oscar-Kategorien geniessen dieses Jahr mehr Kultur- und Geschlechtervielfalt: Wie etwa mit den Gewinnerinnen Sergio Lopez-Rivera, Mia Neal und Jamika Wilson.
Im vergangenen Jahr wurde die Academy einmal mehr für die mangelnde Diversität unter den Nominierten kritisiert. Im vergangenen September wurde bekannt, dass die Oscar-Akademie künftig mehr auf Inklusion in der Rubrik «Bester Film» achten wolle. Ab 2024 müssen Filme demnach zwei Kriterien der Vielfalt erfüllen, um überhaupt nominiert werden zu können.
Wie gefällt dir dieser Artikel?