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Im 19. Jahrhundert empfahlen die Ärzte das Baden und Schwimmen als Gesundheitsvorsorge, doch konnten viele Leute damals nicht schwimmen. Es kam häufig zu Ertrinkungsunfällen, gerade auch in Thun, wo der See und die Aare viele Bademöglichkeiten boten. Deshalb wurde Mitte des 19. Jahrhunderts der Wunsch laut, eine Badeanstalt zu errichten, wo die Jugend schwimmen lernen konnte. Anfang 1860 gründeten einige Stadtbürger eine Badeanstalt-Aktiengesellschaft, welche schon im Juni desselben Jahres das erste Thuner Schwimmbad, das Flussbad Schwäbis, eröffnete. 1869 erbaute hier Architekt Friedrich Hopf (1818–1887) das heute denkmalgeschützte Flussbad im Schweizer Holzstil, das 1884 von der Stadt gekauft wurde. Es gilt als bedeutendes Beispiel der Badehaus- und Tourismusarchitektur. 2006 wurde es umfassend renoviert. Bis 1939 badeten Männer und Frauen im Flussbad Schwäbis nicht wie in vielen anderen Bädern in geschlechtergetrennten Abteilen, vielmehr regelte ein Stundenplan, wann die Männer beziehungsweise die Frauen baden durften. So waren die Frauen in den Anfangszeiten morgens von fünf bis sieben Uhr und nachmittags – mit Ausnahme des Sonntags – von halb drei bis vier Uhr zugelassen; alle übrigen Zeiten waren dem männlichen Geschlecht vorbehalten.23
Werbeplakat für die Stadt Thun, gestaltet vom Thuner Kunstmaler und Grafiker Etienne Clare (1901–1975). Das Plakat aus dem Jahr 1942 wirbt sowohl für die Stadt Thun wie auch für das Strandbad.
Von Clare stammen auch einige Kunstwerke im öffentlichen Raum, so zum Beispiel das Wandgemälde «Thuner Ausschiesset» beim Knabenschützenhaus am Berntorplatz.
Auch ein Seebad sollte Thun erhalten. Die Suche nach einem geeigneten Standort war schwierig, doch 1922 entstand schliesslich am Lachenkanal im Dürrenast die erste öffentliche Seebadeanstalt. Für Männer und Frauen galten auch hier vorerst verschiedene Öffnungszeiten, ab 1924 war jeweils am Wochenende das gemeinsame Baden erlaubt. Das Seebad erwies sich bald als zu klein und die Stadt beabsichtigte den Ausbau der Anlage. Ziel war ein modernes Freibad mit Restaurant, grosszügiger Liegewiese und wettkampftauglichen Schwimmbecken – also eine Anlage, wie sie von vielen anderen Schweizer Städten in der Zwischenkriegszeit errichtet wurde. Im Herbst 1932 nahmen die Thuner Stimmbürger die Strandbadvorlage klar an. Das Projekt stammte von den Thuner Architekten Jacques Wipf (1888–1947) und Edgar Schweizer (1894– 1977). Der Bau – eine flach gedeckte Eisenbetonkonstruktion – folgt der Formensprache des Neuen Bauens.
Für die Bauarbeiten setzte die Stadt Arbeitslose als Notstandsarbeiter ein, eine in den Jahren der Wirtschaftskrise verbreitete Massnahme. So wurde etwa auch das Strandbad Biel mithilfe von Arbeitsbeschaffungsprogrammen errichtet. Im Juli 1933 nahm das Strandbad den Betrieb auf. Es war stets gut besucht, sodass die Stadt in den 1960er-Jahren die Liegefläche vergrösserte, das Restaurant ausbaute und drei neue Schwimmbecken sowie den Zehnmeter-Sprungturm erstellte. Anlässlich der Inbetriebnahme der neuen Becken im Juni 1967 tummelten sich so viele Badegäste in den Bassins, dass das Wasser überlief. Neben verschiedenen technischen Erneuerungen liess die Stadt 2002 eine 35 Meter lange Wasserrutschbahn und eine Beachanlage für Ballspiele errichten. Dennoch: Der «Strämu», wie die Thunerinnen und Thuner ihr Bad nennen, ist in die Jahre gekommen. Die Anlage mit prächtigem Blick auf die Alpen wird deshalb in den nächsten Jahren saniert und den heutigen Gästebedürfnissen angepasst werden.24
Im Thuner Strandbad herrschte seit seiner Eröffnung im Jahr 1933 an schönen Sommertagen stets Hochbetrieb. Deshalb wurde es in den 1960er-Jahren durch die Aufschüttung der seichten Uferzone vergrössert und ausgebaut.
Thuner Strandbad, undatierte Postkarte, wahrscheinlich kurz nach 1970.