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Die Duchenne Muskeldystrophie (DMD) ist eine seltene, fortschreitende Muskelerkrankung, die mit zunehmendem Muskelschwund einhergeht. Die Erkrankung beginnt im Kindesalter, schreitet langsam voran und verkürzt die Lebenserwartung erheblich. Sie ist genetisch bedingt und bislang nicht heilbar. Man kann aber dank Langzeitbeatmung und strukturierter Betreuung das Überleben um viele Jahre verlängern und die Lebensqualität stark verbessern.
Die Duchenne Muskeldystrophie (DMD) ist die häufigste von mehr als 30 chronischen, genetisch bedingten Muskelerkrankungen, die unter dem Begriff „Muskeldystrophie“ zusammengefasst werden. Bei all diesen Erkrankungen geht sukzessive immer mehr funktionstüchtige Muskelsubstanz verloren.
Die Duchenne Muskeldystrophie beginnt im Kleinkindesalter und schreitet über Jahre langsam voran. Zudem führt sie ohne regelrechte Behandlung durch Übergreifen auf die Atem- und Herzmuskulatur unbehandelt meist schon im frühen Erwachsenenalter zum Tod.
Eine günstiger verlaufende Form ist die Becker-Kiener-Muskeldystrophie. Sie beginnt ebenfalls mit einer Schwäche der Becken- und Oberschenkelmuskulatur, verläuft aber milder und schreitet viel langsamer voran, sodass einige Patientinnen und Patienten die Gehfähigkeit bis in ein höheres Alter beibehalten können.
Die Duchenne Muskeldystrophie ist selten, aber die weitaus häufigste Form von Muskeldystrophie: Sie tritt bei etwa einem von 3‘500 neu geborenen Knaben auf. Die Variante Becker-Kiener-Muskeldystrophie (BMD) ist deutlich seltener.
Erste Anzeichen der DMD zeigen sich im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Die BMD bricht nach dem 7. Lebensjahr aus, oft bis zum 20. Lebensjahr, selten kann die Krankheit aber erst im mittleren bis höheren Erwachsenenalter erste Symptome zeigen.
Die DMD beruht auf einem Gendefekt im sogenannten Dystrophin-Gen. Dieser hat zur Folge, dass der Körper kein Dystrophin-Eiweiss mehr produzieren kann. Dabei handelt es sich um ein Eiweiss, das für eine stabile Zellmembran der Muskelfasern notwendig ist. Durch den Dystrophinmangel bei Menschen mit Duchenne-Muskeldystrophie werden daher zunehmend Muskelfasern abgebaut.
Der milder verlaufenden BMD liegt ebenfalls ein Defekt im Dystrophin-Gen zugrunde. Er bewirkt, dass die Betroffenen Dystrophin zwar herstellen können, aber nur in verkürzter Form mit eingeschränkter Funktionsfähigkeit, sodass auch hier allmählich Muskelfasern abgebaut, aber viel langsamer als bei der DMD.
Das Dystrophin-Gen, das bei der DMD und BMD defekt ist, liegt auf dem X-Chromosom, also dem Geschlechtschromosom. Frauen erkranken deshalb in der Regel nicht an einer Muskeldystrophie, weil sie in ihren Körperzellen je zwei X-Chromosomen haben. Das bedeutet: selbst wenn eines davon defekt ist (also das defekte Dystrophin-Gen trägt), ist noch ein zweites, gesundes X-Chromosom vorhanden. Es übernimmt dann in der Regel das „Kommando“, während das defekte X-Chromosom inaktiv bleibt. Selten kann es aber zu einer funktionellen Inaktivierung des gesunden X-Chromosoms kommen, sodass ungefähr 5-10% der weiblichen Genträgerinnen Symptome einer, meist milde verlaufenden, Muskeldystrophie oder auch einer Herzmuskelstörung entwickeln können.
Frauen, welche das mutierte Dystrophin-Gen in sich tragen, können das defekte X-Chromosom an ihren Sohn weitergeben: Jungen (bzw. Männer) besitzen in den Körperzellen jeweils ein X-Chromosom von der Mutter und ein Y-Chromosom – das männliche Geschlechtschromosom, das sie vom Vater geerbt haben. Weil es also kein zweites X-Chromosom als gesunde „Alternative“ gibt, bricht die DMD bei Jungen immer aus, wenn sie den zugrundliegenden Gendefekt von ihrer Mutter geerbt haben.
Der fortschreitende Muskelschwund bei der DMD betrifft in erster Linie die Becken- und Oberschenkelmuskulatur. Mit zunehmendem Alter sind folgende Symptome typisch für die Erkrankung:
Der Symptomverlauf bei der BMD ist milder und viel langsamer als bei der DMD. Beispielsweise behalten die meisten Betroffenen ihre Gehfähigkeit meist bis ins Erwachsenenalter, bei spätem Beginn kann die Gehfähigkeit sogar zeitlebens erhalten bleiben. Die Schwächung der Skelettmuskulatur im Schulter- und Beckenbereich ist im Gegensatz zur DMD manchmal nicht symmetrisch, sondern auf den beiden Körperseiten unterschiedlich stark ausgeprägt. Außerdem stehen bei den Betroffenen statt motorischer Einschränkungen häufiger Herzprobleme im Vordergrund. Manchmal beobachtet man auch nur eine isoliert auftretende Herzmuskelerkrankung.
Das USZ betreut als spezialisiertes Zentrum die grösste Schweizer Kohorte von Erwachsenen mit Muskeldystrophie und verfügt als interdisziplinäres Neuromuskuläres Zentrum über ein Expertenteam aus den Fachbereichen der Pneumologie, Neurologie und Therapierenden, die eng mit weiteren Fachdisziplinen wie Kardiologie, Gastroenterologie und Orthopädie/Paraplegie zusammenarbeiten. Ausserdem besteht eine enge Kooperation mit dem Mathilde-Escher-Heim, welches auf die Pflege und Betreuung von Duchenne Muskeldystrophie spezialisiert ist und dessen Betreuungskonzept in Zusammenarbeit mit dem USZ ausgezeichnet funktioniert.
Dem Gendefekt, der einer DMD zugrunde liegt, lässt sich nicht vorbeugen. Wenn Sie als Frau bereits einen Sohn mit DMD haben und weitere Kinder planen, könnten eine genetische Beratung sowie eine genetische Untersuchung noch während der Schwangerschaft sinnvoll sein. Denn die Hälfte weiterer Söhne könnte ebenfalls an der Muskeldystrophie erkranken. Die Hälfte Ihrer Töchter könnte wie Sie den Gendefekt in sich tragen. Die genetische Untersuchung bei werdenden Müttern ist ab der zehnten Schwangerschaftswoche möglich. Sie kann mit hoher Sicherheit einen Gendefekt im Dystrophin-Gen beim Ungeborenen erkennen beziehungsweise ausschließen. Wichtig ist zudem, dass Sie als Genträgerin eine kardiologische Untersuchung durchführen lassen, um eine allfällige Herzmuskelerkrankung bei Ihnen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.
Wenn Sie die Schwester eines Duchenne-Jungen sind, könnte eine genetische Beratung und Genanalyse ebenfalls Sinn machen. Damit lässt sich herausfinden, ob Sie Trägerin des Gendefekts sind und ob für Sie eine genetische Beratung zur Familienplanung sowie eine kardiologische Untersuchung sinnvoll sind.
Die Duchenne Muskeldystrophie schreitet kontinuierlich voran. Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Beschwerden grundlegend bessern oder das Fortschreiten der Erkrankung für längere Zeit pausiert. Die meisten Betroffenen starben früher zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr – meist an Atemversagen. Heute ist die Lebenserwartung, mit ausserdem guter Lebensqualität, dank der Langzeitbeatmung deutlich höher (um 35 Jahre).
Bei der BMD ist die Prognose günstiger. Viele Betroffene verlieren ihre Gehfähigkeit erst 25 bis 30 Jahre nach Krankheitsbeginn, manche Betroffene verlieren die Gehfähigkeit sogar zeitlebens nicht. Die Lebenserwartung kann aber eingeschränkt sein, meistens infolge von Herzproblemen
Die Therapie bei Duchenne Muskeldystrophie zielt darauf ab, die noch vorhandene Muskelkraft der Betroffenen möglichst lange zu erhalten und krankheitsbedingte Probleme (z.B. im Alltag) etwa mit Hilfsmitteln in den Griff zu bekommen. Außerdem sollten Faktoren behandelt werden, die den Krankheitsverlauf verschlechtern können (z.B. Übergewicht) und auch der Behandlung der Herzprobleme kommt eine grosse Bedeutung zu.