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Alpine Unglücksfälle 1919
Unsere diesjährige Statistik ist wiederum auf das gesamte europäische Alpengebiet ausgedehnt, innerhalb desselben auf die tödlich verlaufenen Unfälle beschränkt, welche Touristen und Führer bei der Ausübung des Bergsportes zustießen, und ohne nähere Diskussion der Ursachen gegeben. Wie die letzten Jahre, wird, da die Kriegswirkungen zum Schaden des Bergsportes noch andauern und große Teile der Ostalpen 1919 wenig begangen waren, auf die Trennung der Fälle nach West-, Zentral- und Ostalpen und daherige Vergleiche verzichtet. Ebenso auf die Erwähnung der Fälle, welche beim bloßen Spazierengehen in den Alpen, beim Besuch von künstlich zugänglich gemachten Wasserfällen und Klammen im Gebirge, Gletscherzungen u. dgl., bei Übungen in Kletterschulen und beim „ Edelweißen " und Flüh-blumensuchen vorgekommen sein mögen.
Mit diesen Einschränkungen ergibt sich für uns folgendes Bild:
Im Jahre 1919 stehen für winterliche Touren verzeichnet 2 Fälle mit 3 Toten ( wovon 1 mit 2 Vermißten eigentlich auf die Rechnung von 1918 fiele, aber dort vergessen wurde ); im Mittel- und Voralpengebirge 31 Fälle mit 32 Toten, darunter 1 Vermißter und 2 Leichenfunde; im Hochgebirge 24 Fälle mit 31 Toten, darunter 1 Vermißter und 1 Leichenfund. Zusammen also 57 Fälle mit 66 Toten. Die Zahl der Fälle sowohl als der Toten hat also gegenüber 1918 wieder erheblich zugenommen und übersteigt in den Kategorien B ( 31 und 32 gegen 28 und 30 ) und C ( 24 und 31 gegen 9 und 14 ) sogar das Resultat von 1917, während nur die Kategorie A eine durch andere Ursachen ( schlechte Witterung, Seuchen etc. in den für den Wintersport in Betracht fallenden Zeiten und Gegenden ) bedingte Abnahme zeigt. Die quantitative Verschlimmerung in B und C würde noch mehr hervortreten, wenn nicht wiederholt Mitabgestürzte mit knapper Not oder nicht tödlichen Verletzungen dem Verderben entronnen wären. Wiederum sind die Fälle an der Zugspitze, der Raxalpe und der Benediktenwand, sowie den Höfats und der Hohen Göll von einer erschreckenden Häufigkeit; ebenso die der Jugendlichen und der Alleingänger. Diesmal sind 2 Führer das Opfer ihres Berufes geworden. Eine besondere Dichtigkeit der Fälle, etwa um Ostern oder Pfingsten, läßt sich nicht herauslesen; dagegen spielt die im August nach einem nassen Juli urplötzlich eingetretene Schönwetterperiode eine verhängnisvolle Rolle. Auffällig ist die große Zahl der Fälle, über welche eine nur ungenügende Berichterstattung vorliegt, oder wo wir ganz auf Mutmaßungen angewiesen sind.
Die Einzelheiten für 1919 sind folgende:
A. Winterliche Touren.
1 ) 29. November 1918. In der Nähe der Wildhornhütte gingen MM. Antoine Chevalier und Henri Couturier, französische Internierte, welche von der Lenk aus mit einem Kameraden und einer Dame zu einer Skitour aufgebrochen waren und die Nacht in der Hütte zugebracht hatten, spurlos verloren, als sie bei Schneesturm, um doch „ etwas zu machen ", sich entfernt hatten, während die beiden anderen am 30. November zu Tale stiegen. Die Nachforschungen blieben erfolglos. R. A. 1919, pag. 17.
211. Februar 1919. Am Glaspaß verunglückte ein deutscher Offizier, der in Chur interniert war, bei einer Skitour ins Safiental. Er war von Glas aus zu weit links gegen die Alp Camusa gegangen, und eine Suchpartie fand die Absturzstelle an einer steilen Halde auf der linken Seite des Arnusatobels und später auch die Leiche, die geborgen wurde. Alp. 1919, pag. 33.
B. Im Mittelgebirge und in den Yoralpen.
1 ) 4. Juli? Im Lattengebirge wird seit diesem Datum der Private Emil Dülfen vermißt. Ein Freund fand und agnoszierte einen Schuh, den Rucksack und das Seil des offenbar Verunglückten. Der Leichnam ist bis jetzt nicht gefunden worden. D.&Ö.A.V.M.. .'1919, pag. 96.
28. Juli. Am Sigriswilergrat verunglückten beim Überschreiten der Schaflägerzähne drei Teilnehmer einer Seilgruppe des offiziell und fachmäßig geleiteten Übungskurses der Sektion Bern S.A.C., indem sich in einem Couloir der zur Seilsicherung benutzte, anscheinend ganz feste Block löste und die Seilgruppe zum Absturz über eine Höhe von etwa 150 m brachte. Dabei verlor stud. ehem. Harald Schölvink durch Schädelbruch das Leben, während die beiden anderen mit leichteren Verletzungen davonkamen. Die Leitung des zahlreich besuchten Übungskurses trifft bei dem Unglück keine Schuld, und die Bergung der Verunglückten wurde durch Rettungsmannschaften von Sigriswil und Merligen prompt durchgeführt. Alp. 1919, pag. 94, und Zeitungsnachrichten.
313. Juli. Auf dem Hohen Göll verunglückte die 55 Jahre alte Ingenieurs-witwe Anna Wegner aus Berlin, die in Berchtesgaden zur Sommerfrische weilte. Sie war in Gesellschaft ihrer Tochter, einer anderen Dame und dreier Herren und in guter Ausrüstung im Aufstieg begriffen, als sie, wahrscheinlich infolge einer Herzschwäche — die Gesellschaft stak seit einer Stunde im Nebel und war ziemlich durchfroren — auf einer steilen Schneezunge ausrutschte und lautlos etwa 30 m in die Tiefe stürzte, was einen Schädel- und Genickbruch zur Folge hatte. Die Leiche konnte 5 Tage später aufgefunden und geborgen werden. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96, 110 und 123.
413. Juli. Vom Biberkopf ( Westliche Allgäueralpen ) stürzte der Fabrikdirektor Dr. Fuchs aus Iserloh durch „ Ausrutschen über eine Schneelawine, die in einem Eisloch endete ". Bei dem Versuch, sich aus diesem herauszuarbeiten, soll er durch Nachlassen der Kräfte abgestürzt sein. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96.
514. Juli. Im Wilden Kaiser, und zwar beim Abstieg über die Platten der Nordwestwand der Kleinen Halt, wurde der 20jährige Kaufmann Eugen Grünwald von Brannenberg, nachdem er zuvor mit einem Münchener Alpinisten die Kleine Halt überschritten und die Gamshalt erstiegen hatte, auf dem Rückweg, der zu den am Einstieg hinterlegten Rucksäcken und Bergschuhen führen sollte, von einer Erschöp- fung befallen und starb auf der Nordkante, wo der lange Quergang zur Totensessel-scharte beginnt, bevor die Hülfe, welche sein Begleiter vom Hinterbärenbad herbeiholen ging, ihn erreichen konnte. Das Wetter war während der Tour sehr ungünstig, und verschiedene Möglichkeiten, diese abzukürzen oder rechtzeitig abzubrechen, wurden außer acht gelassen. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96.
6 ) 20. Juli. Von der Benediktenwand stürzten auf der Nordseite der 18jährige Joseph Wieland und der 20jährige Joseph Aschenbrenner aus München ab. Mitte August ist Wieland in der chirurgischen Klinik in München seinen Verletzungen erlegen. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 123.
7 ) 20. Juli. Beim Abstieg über die schwierige Nordwand des Gantrist, welche bei strömendem Regen von vier ungeübten Touristen unternommen wurde, stürzte ein Hermann Erismann aus Belp etwa 150 m tief ab und wurde von herbeieilenden Touristen am Fuß der Wand mit abgedecktem Schädel tot aufgefunden.Bund " vom 21. Juli 1919.
824. Juli. Von einer „ Dürrwandin der Rosangruppe ist der Wiener Hochschüler Viktor Grulik tödlich abgestürzt. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96.
92. August. Vom Nordgrat der Höfats stürzte ein junger Mann aus Württemberg tödlich ab. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96.
103. August. Vom Drachenkopf ( in der Miemingerkette ) stürzte dipl. Ingenieur Otto Kissenberth, ein bekannter Kampfflieger, bei der letzten Abseilstelle tödlich ab. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96.
113. August. Auf dem Heuberg bei Nußdorf am Inn verunglückte der 37jährige Kanzlist Julius Hosner aus Mattighofen, vermutlich, indem er beim Versuch eines raschen Abstiegs über die etwa 50 m hohe „ Draxlerwand " abstürzte. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96.
12 ) 4. August. In den Seewänden ( Allgäu ) ist ein aus Nürnberg stammender junger Mann, der in München studierte, tödlich abgestürzt. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96.
13 ) 5. August. Auf einem Felsband unter dem Kleinen Rautispitz wurde am 7. August von einem Bannwart die keine äußeren Spuren von Verletzungen aufweisende Leiche eines gut ausgerüsteten, zirka 40jährigen Mannes gefunden. Vielleicht ist der Verunfallte identisch mit einem seit dem 5. August im Kurhaus Aschen abgängigen Kurgast. Weitere Nachrichten fehlen.Bund " vom 9. August 1919.
146. August. Von der Großen Bischofsmütze ( Berchtesgadener Alpen ) stürzte der 18jährige Realgymnasiast Karl Schmied aus Linz ab und blieb mit zerschmettertem Kopfe, Bruch der Wirbelsäule und einiger Rippen unterhalb der steilen Schneerinne, welche zum Einstieg auf die Große Bischofsmütze führt, liegen. Er hatte die schwierige Tour trotz mehrfacher Warnung allein unternommen. Augenzeugen des Vorfalls, Führer und Touristen, bargen den Leichnam. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 110.
15 ) 9. August. Beim Übergang zur Kaltwasserkarspitze ( Karwendel ) glitt der 60jährige Professor Max Puchat aus Breslau auf dem steilen Schneefeld unter der Birkkarspitze aus und stürzte etwa 300 m ab. Eine von einer dem Verunglückten vorausgehenden Führerpartie, die ihm vergeblich Seilhülfe angeboten hatte, herbeigeholte Hülfskolonne barg den Leichnam. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96 u. 109.
1610. August. Von der Höfats ist der 17jährige Arbeiter Joseph Rädler aus Kempten abgestürzt und nur als Leiche geborgen worden. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96 und 110.
1717. August. Am Großen Ödstein verunglückten die Herren Gustav Jahn und Michael Kofler, beide als tüchtige Bergsteiger bekannt und aneinander gewöhnt, als sie vom Gstatlerboden aus den Gipfel über die Nordwestkante forcieren wollten. Der Absturz erfolgte vermutlich an einem Überhang der ausgesetzten Querstelle, die vom Nordwestpfeiler ein Stück in die Nordwand hineinführt. Ob das Ausbrechen eines Griffs oder das Versagen eines Mauerhakens den vorauskletternden Jahn zu Falle brachte, welcher den ihn am Seil sichernden Kofler mitriß, kann nicht gesagt werden. Beide Leichname, namentlich der tiefer unten liegende von Jahn, waren furchtbar verstümmelt, als sie mehrere Tage später von Suchpartien geborgen werden konnten. Ö.A.Z. 1919, pag. 154—155; D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 97 und 108.
1817. August. An der Tiefkarspitze ( Karwendel ) verunglückte Bauführer Max Güttinger aus Landshut. Er war etwa 20 m von der richtigen Anstiegslinie seitlich abgekommen, kam ins Gleiten und stürzte vor den Augen seiner Begleiter über eine etwa 200 m hohe Wand ab. Die Leiche wurde geborgen und in Mittenwalde bestattet. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 123.
1922. August. Am Höchstein verunglückte der 19jährige Wiener Franz Straßnitzky, vermutlich, als er im Gewitter und Nebel die vom Gipfelgrat in die Ostwand abzweigende Wegmarkierung verfehlt hatte und zu weit nach Norden in die Abstürze geriet. Über einen nassen Grashang abrutschend, fiel er mit dem Kopf voran über ein niedriges Wandl in den Schutt des Nordabhangs, wo er tot liegen blieb. Die Leiche wurde von einer Suchpartie am 24. August geborgen. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 110.
2024. August. Auf der Riepenwand ( Innsbrucker Kalkkögln ) ist der Ingenieur Leo Bridarolli aus Innsbruck, der mit zwei Begleitern die schwierige Nordwand bezwingen wollte, bei Überwindung einer gefährlichen Stelle zu Falle gekommen und infolge Keißens des Seiles etwa 200 m tief abgestürzt und sofort tot geblieben. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 123.
2124. August. Vom Hohen Göll ist der 18jährige Mechaniker Franz Rap-polder aus Freilassing beim Überschreiten einer Schneegwächte tödlich abgestürzt. D. & ö. A.V. M. 1919, pag. 123.
2228. August. An der Hornbachspitze ( Krottenköpfe, Allgäuer Alpen ) verunglückte der alleingehende Prof. Artur Hsenel aus Stuttgart. Den Spuren nach zu schließen, erfolgte der Absturz, vielleicht durch Steinschlag oder plötzliches Unwohlsein veranlaßt, aus etwa 20—30 m Höhe. Die einen schweren Schädelbruch und andere Verletzungen aufweisende Leiche wurde am 5. September in der vom Roß-gumpenkar zur Nördlichen Krottenkopfscharte führenden Geröllrinne aufgefunden und geborgen. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 124.
23August. Vom Gehrnjoch ( Reintal bei Füßen ) stürzte die Pflegerin Anna Kögel von Schongau ab und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß sie nach 3 Stunden verschied. Das Unglück wurde dadurch veranlaßt, daß sie mit dem Rock hängen blieb. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 109—110.
24 ) August. Von der Ackerlspitze ist der Mittelschüler Alois Dadack aus Kuff-stein tödlich abgestürzt. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 109.
25 ) Ende August. Vom Torkopf im Brennergebiet ist der Pflerscher Bahnarbeiter Alois Plank tödlich abgestürzt. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 123.
26Ende August. Auf der Raxalpe, und zwar auf dem Akademikersteig, verunglückte Fräulein Mattausch aus Wien tödlich. Sie war mit Dr. H. Ellisen ge- gangen. Dieser wurde von einem Stein getroffen, so daß er zum Sturze kam und seine mit ihm durch das Seil verbundene Begleiterin mitriß. Fräulein Mattausch blieb zerschmettert liegen, Dr. Ellisen wurde schwer verletzt zu Tal gebracht. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 123.
272. September. In der Hochtor-Nordwand verunglückte der Staatsgeometer Hans Riffnaller, welcher mit einem Kollegen, Richard Krauland, die Wand durchsteigen wollte. Er wurde beim Vorausklettern von einem Stein am Kopf getroffen und stürzte erst etwa 40 m, dann, als das von dem Gefährten um einen der dort vorhandenen Mauerhaken geschlungene Seil riß, noch etwa 200 in auf die mittlere Plattenzone hinab, wo er tot liegen blieb. Krauland kletterte noch zum Schneefeld in der Gipfelschlucht hinauf, wo er in Sicherheit war, aber wegen Verletzungen an den Handflächen vom durchlaufenden Seil und Entkräftung durch Blutverlust 48 Stunden lang auf Hülfe warten mußte, die ihm dann durch zwei Touristen auf dem Hochtorgipfel verschafft wurde. Eine Hülfskolonne schaffte ihn zu Tal, eine weitere barg einige Tage später den Leichnam. Ö.A.Z. 1919, pag. 166; D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 109 und 122.
28Anfangs September verunglückte auf der Raxalpe das 18jährige Fräulein Leopoldine Müller aus Wien durch Absturz vom „ Zimmersteig " im Großen Höllental infolge Versagens der Kräfte. Die Verunglückte war in größerer Gesellschaft gegangen und unangeseilt geklettert. D.&Ö.A.V.M.. 119, pag. 110.
2913. September. Auf der Gliegerkarscharte ( Allgäuer Alpen ) wurde die Leiche eines durch Absturz verunglückten Unbekannten aufgefunden. Ausweispapiere, die über Namen und Herkunft hätten Aufschluß geben können, fanden sich nicht vor. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 140.
3015. September. In der Umgebung von Engelberg verunglückte in nicht aufgeklärter Weise ein 22jähriger Postangestellter in Stans, Werner Moll von Moûtier. Die Leiche des Vermißten wurde von der Rettungskolonne am Fuß eines Felsens aufgefunden und geborgen.Bund " vom 17. September 1919.
31 ) September. Im Gliegerkar ( Allgäuer Alpen ) ist der Regierungsrat Köhnen aus Hannover beim Übergang von der Hermann v. Barth-Hütte zur Kaufbeurerhütte durch Absturz verunglückt. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 124.
C. Im Hochgebirge.
19. Juni. Beim Übergang vom Bächistock zum Vrenelisgärtli gerieten die Brüder Emil Hauert, Postbeamter, und Julius Hauert, Telegraphist in Zürich, mit einem Berufskollegen aus Versehen auf den steilen Hang, der, direkt vis-à-vis vom Rüchen Glärnisch, nach Norden zum Glärnischfirn abfällt, aber von diesem durch einen Felsabsturz von 30 m Höhe getrennt ist. Beim Abrutschen über diesen harten Schneehang kam der jüngere Hauert in zu starken Schuß und riß den älteren, der ihn aufhalten wollte, mit sich über die Felsköpfe in die Tiefe. Der eine war sofort tot, der andere starb nach einer Stunde in Gegenwart einiger Touristen, die vom Rüchen Glärnisch aus den Vorfall beobachtet hatten und nun für die Bergung der Leichen und auch das Abholen des am Bächistockgrat zurückgebliebenen Dritten besorgt waren. Alp. 1919, pag. 95, und Zeitungsnachrichten.
213. Juli. Vom Hochblassen ( Wettersteingebirge ) stürzten die jugendlichen E. Keyn aus Öhrenstock und H. Holz aus Dresden tödlich ab, nachdem sie den Grat von der Zugspitze über die Höllentalköpfe begangen hatten. Es herrschte starkes Schneetreiben, und die Felsen waren meist vereist. Als Ursache des Unglücks wird Erschöpfung angenommen. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96.
314. Juli. An der Dent Parrachée glitt M. Gramusset, welcher sich auf dem Vorgipfel von einer größeren Gesellschaft mit Führer, mit welcher er unterwegs zusammengetroffen war, getrennt hatte, um vorauszueilen, beim Passieren eines schmalen Eisbandes oder des danebenliegenden Schneehanges aus und stürzte etwa 400 m tief ab, wo er tot liegen blieb. Eine von der Gesellschaft herbeigeholte Hülfskolonne barg den Leichnam, der außer anderen Verletzungen eine tödliche Schädelfraktur zeigte, am folgenden Tage. R. A. 1919, pag. 18 —19.
419. Juli. An der Schüsselkarspitze ( Wettersteingebirge ) verunglückten stud. Fritz Fick von der technischen Hochschule in München und ein stud. Schuster beim Abstieg über die Nordwand dadurch, daß Schuster infolge Krampfes der rechten Hand zu Falle kam und den mit ihm durch das ganz durchnäßte Seil verbundenen Fick mitriß. Schuster blieb etwas unterhalb der Absturzstelle liegen und wurde am folgenden Tage durch zwei Touristen geborgen; Fick fiel noch tiefer, brach das Genick und war sofort tot. Die Leiche wurde am 21. Juli durch Garmischer Führer geborgen. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 96 und 123.
5 ) 24. Juli. Beim Aufstieg aus dem Höllental zur Zugspitze stürzte eine Dame, die man trotz Warnung der an den Sicherungsanlagen arbeitenden Wegmacher versäumt hatte, ans Seil zu nehmen, während der Querung der schneeerfüllten Rinne vor den Augen ihrer Begleiter ab. Ihre Leiche wurde unten am Ferner gefunden. D. &Ö.A.V..M. 1919, pag. 96.
6 ) 3. August. An den Diablerets stürzte der 28jährige Dr. med. dent. Cevey Python zu Tode.Bund " vom 5. August 1919.
73. August. Am Bietschhorn verunglückten im Abstieg über den Westgrat bei unsichtigem und stürmischem Wetter die Herren Fritz Egger, cand. med., und Edm. Bähler, stud. med., beide tüchtige Bergsteiger, indem sie, beim Umgehen eines Felskopfes, in einem Couloir, vielleicht anfangs freiwillig abfahrend, ins Rutschen gerieten und in die Tiefe stürzten. Der Vorfall wurde von anderen Partien, die sich ebenfalls am Berge befanden, beobachtet. Diese veranlaßten nach ihrer Ankunft in der Bietschhornhütte des A.A.C.B. die Absendung einer Hülfskolonne, welche die Verunglückten als Leichen mit schweren Kopfverletzungen, die den sofortigen Tod herbeigeführt haben mußten, am Fuße des mittleren, 500 m langen Schneecouloirs der Südwand fanden. Die Bergung wurde durch die Rettungsmannschaft des Lötschentals unter Leitung von Dr. Biehly aus Kandersteg durchgeführt. Alp. 1919, pag. 104, und Zeitungsnachrichten.
83. August. An der Dent de Mordes stürzte ein in La Sarraz wohnender Tourist namens Weber 300 m tief ab und war sofort tot. Der Leichnam konnte geborgen werden.Bund " vom 5. August 1919.
9 ) 4. August. An der Aiguille Verte verunglückten M. Jean de Turckheim und seine Führer Jean Ducroz und Cl. Payot wahrscheinlich dadurch, daß sie in der föhnwarmen Nacht in etwa 1/ì der Höhe des Couloirs Whympher beim Übergang vom Schnee zum Fels ausglitten und etwa 200 m tief abstürzten. Ihre Leichen wurden von einer Suchpartie am 6. August im untersten der drei Bergschründe am Fuße des Couloirs, alle noch angeseilt und mit Steigeisen an den Füßen, gefunden und geborgen. Das Unglück scheint im Aufstieg geschehen zu sein. Mont. 1919, pag. 235—236; R. A. 1919, pag. 19—20.
10 ) 4. August. Am Laquinhorn wurde die in Saas-Fee weilende Miss Frances Johnson von einer in Bewegung geratenen Steinplatte erdrückt, während ihr Führer und eine zweite Partie, die sich an der Unglücksstelle befanden, unverletzt blieben. Die Leiche wurde am folgenden Tage geborgen.Bund " vom 5. August 1919.
11 ) 8. August. Am Tschingelhorn stürzte der alleingehende Ernst Schneider in einem Couloir ab und blieb tot. Die Leiche wurde geborgen und nach Lauterbrunnen gebracht.Bund " vom 9. August 1919.
1210. August. An der Zugspitze stürzte der Zahntechniker Drees aus Weil-heim und zog sich schwere Kopfverletzungen zu, die an seinem Aufkommen zweifeln lassen. Am gleichen Gipfel und zu gleicher Zeit wurde im Höllental die Leiche eines Münchener Touristen namens Burmeister geborgen. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 109.
1322. August. An der Pointe de Carbonel verunglückte auf unaufgeklärte Weise der alleingehende Louis Bonnard. Vermutlich ist er im Abstieg über den mit zahlreichen Türmen besetzten Südostgrat dadurch zu Fall gekommen, daß eine von ihm angebrachte Seilschlinge oder der Fels, an dem sie befestigt war, nachgab und der Unglückliche etwa 150 m tief abstürzte. Die Leiche wurde nach längerem Suchen am 28. von zwei Führern mit einer unbedingt tödlichen Wunde im Nacken am Fuße der Südwand gefunden und am 29. August von einer durch die Behörden von Bessans ausgeschickten Karawane geborgen. Mont. 1919, pag. 233-235 und 266.
14 ) 24. August. Im Gebiet des Güferhorns, vermutlich auf dem Güfergletscher und durch Absturz in eine Gletscherspalte, verunglückte der cand. chem. Richard Billeter aus Zürich. Er war am Vortag allein von Zervreila aufgebrochen, und alle Nachforschungen nach dem Vermißten, die von der Lentahütte und vom Canaltal her unternommen wurden, blieben ohne Resultat. Alp. 1919, pag. 134, und Zeitungsnachrichten.
1528. August. Vom Ostgipfel der Dreitorspitze ( Wettersteingebirge ) stürzte der Oberrealschüler Otto Weiß aus Weilheilm, welcher seiner Gesellschaft, Rentamtssekretär Weiß, Vater, dessen Tochter und den Herren Lautenschlager und Grader, zum Ostgipfel vorausgeeilt und vom Kreuz hinweg zu weit rechts gegangen war, etwa 350-400 m weit in den Schachen ab, wo seine zerschmetterte Leiche von dem Hüttenwart der Meilerhütte geborgen wurde. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 123.
16August. Im Adangkamin ( Tschierspitzen, Grödener Dolomiten ) ist der Handelsangestellte Fritz Gritsch aus Meran tödlich verunglückt. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 110.
17August. An der Mädelegabel im Allgäu stürzte der Münchener Rechtspraktikant Ernst Lewes beim Queren eines Gletscherfeldes ab und zog sich dabei so schwere Verletzungen zu, daß er noch vor dem Abtransport starb. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 95.
1810. September. An der Heimspitze in Montafun ist der Feldkircher Jesuitenpater Thejszen tödlich abgestürzt. Die Leiche wurde geborgen.Bund " vom 11. September 1919.
19 ) .10. September. Vom Habicht stürzte die Buchhalterin M. Duschhalter aus Innsbruck tödlich ab. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 110.
2012. September. Am Sonnigwichel stürzte der mit einem gleichwertigen Kameraden gehende Willy Moser beim Abstieg von der Südspitze, welche sie von der Etzlihütte auf Route k* des Urnerführers erstiegen Platten und beim Versuch, eine etwa 8 m hohe Abbruchstelle im Grat zwischen dem Südgipfel und der Scharte durch Seilmanöver als letzter zu überwinden, ab. Vermutlich fiel er einem Schwächeanfall zum Opfer; er ließ sich, nachdem er einige Meter am doppeltgenommenen Seil abwärts geglitten war, fallen, stürzte neben dem Gefährten, der seitwärts stehend ihm nicht helfen konnte, vorbei und kollerte in der etwa 45 ° geneigten Felswand über Felsblöcke etwa 120 m tiefer, wo er mit schweren Schädelfrakturen tot liegen blieb. Die Bergung der Leiche wurde von der Rettungskolonne Bristen durchgeführt. Alp. 1919, pag. 147, und Zeitungsnachrichten.
2113. September. Beim Versuch, die neue Route am Fluchthorn ( Saastal, siehe oben pag. 199 ) zu wiederholen, stürzte der Ingenieur Edouard Eternod, der mit einem Freund und einem Führer ging, bei einem Quergang über leichte Felsen ab, wurde in schwer verletztem Zustand nach SaasFee transportiert und starb dort tags darauf. Persönliche Mitteilung von M. E.R. Blanchet.
2214. September. Am Piz Sol verunglückte Fräulein Eugenie Nicolet aus Bülach, welche mit einem Herrn und einer anderen Dame den Gipfel von der Piz Sol-Hütte aus erstiegen hatte. Beim Abstieg am oberen Rande des Piz Sol-Glet-schers angekommen, versuchte Fräulein Nicolet trotz Warnung abzurutschen und stürzte dabei 20 m weiter unten in eine 30 m tiefe Spalte, aus der sie nur als Leiche geborgen werden konnte. Alp. 1919, pag. 148, und Zeitungsnachrichten.
23 ) 14. September. Am Piz Rosatsch fiel ein in Gesellschaft, aber unangeseilt gehender E. Durisch infolge Ausgleitens auf einem Schneehang in eine 8 m tiefe Spalte. Er konnte zwar rasch aus dem Eisgrabe befreit und nach St. Moritz transportiert werden, starb aber am folgenden Tage an schweren inneren Verletzungen. Alp. 1919, pag. 148 und Zeitungsnachrichten.
24 ) Mitte September. Im Tödigebiet werden die Brüder Paul Wiesmann, dipi, ing ., und Willy Wiesmann, stud. jur., aus Zürich vermißt, welche in der Muttseehütte genächtigt und sie ohne Angabe des Reiseziels verlassen hatten. Verschiedene Rettungskolonnen durchsuchten von Linthal und Elm aus das Gebiet des Hausstockes etc. ohne Erfolg. Alp. 1919, pag. 147 — 148.
Leichenfunde.
116. August 1918. Anläßlich einer Durchkletterung der Scheiblingstein-Südwand ( Hallermauern bei Admont ) auf dem Pfandlwege wurden die Überreste eines Leichnams ( Kleider und Skelett ) aufgefunden und später als die eines zwischen 17. Juni und 7. Juli 1918 dort verunglückten Wiener Goldschmieds Emmerich Braunberger agnosziert. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 122—123.
2Anfang September 1919. Im Tennengebirge fanden auf der Hochfläche zwei Werfenerbauern die Skelette des seit 29. August 1915 vermißten Kanzleidieners Sebastian Fischer und dessen Sohnes Joseph, die an dem genannten Tage eine Bergfahrt unternommen hatten und nicht mehr zurückgekehrt waren. D.&Ö.A.V.M.. 1919, pag. 123.Redaktion.