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Schon seit Jahren ist VoIP bzw. „Voice over IP“ eine beliebte Alternative zur klassischen Festnetz-Telefonie. Die Verbindung erfolgt dabei über das Internet – IP steht für „internet protocol“. Die Gesprächsqualität ist in der Regel ausgezeichnet. Zudem ist diese Art der Telefonie kostengünstig. Mit dem fortschreitenden Siegeszug des Mobilfunks ist jedoch eine weitere Option hinzugekommen: Die VoLTE Anrufe.
Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Unterschieden beider Varianten. Der Schwerpunkt des Vergleichs VoLTE vs VoIP liegt dabei auf der auf dem Mobilfunk basierenden Technologie. Schliesslich ist diese noch unbekannter.
VoLTE Bedeutung: Was steckt hinter der Abkürzung?
VoLTE oder auch Voice over LTE bezeichnet eine Technologie, bei der Sprachdaten über das LTE Mobilfunknetz übertragen werden. LTE ist als Mobilfunkstandard („4G“) ursprünglich eine rein paketbasierte Datenverbindung, die im Gegensatz zu den Vorgängertechnologien GSM und UMTS keine leitungsvermittelten Sprachverbindungen vorsieht. Der Mobilfunkstandard ist ursprünglich also hervorragend für (besonders schnelle) Internetverbindungen entworfen und geeignet, nicht aber für Sprachanrufe.
Voice over LTE beseitigt dieses Defizit und ermöglicht es, Telefonanrufe über das LTE Netz abzuwickeln. Streng genommen handelt es sich damit um eine VoIP-Verbindung. Sprachdaten werden über eine IP-Leitung übertragen. Allerdings ist die Technik vollkommen nahtlos in die Mobiltelefone integriert, so dass keine zusätzlichen VoIP-Applikationen benötigt werden, um Anrufe durchzuführen.
Voice over LTE: Die technischen Grundlagen
Vor der Einführung von Voice over LTE wurde LTE nur für Datenverbindungen genutzt. Für Telefonate wurde mittels einer Circuit Switched Fallback (CSFB) genannten Technologie auf GSM/UMTS umgeschaltet. Dieser Umstand war jedoch wenig zufriedenstellend.
2009 arbeiteten deshalb zwölf grosse Telekommunikationsunternehmen unter der Bezeichnung „One Voice“ zusammen, um eine bessere Lösung zu finden. Das Ergebnis sollte die Basis das heutige Voice over LTE werden. Allerdings waren noch einige Schritte zu gehen.
Im Februar 2010 übernahm die GSMA („Groupe Speciale Mobile Association“) die Lösung und entwickelte sie weiter. Sie sollte so für den allgemeinen Gebrauch verfügbar gemacht werden. Im März 2010 wurde zudem der Standard IR 92 veröffentlicht, der die Abwicklung von Sprachanrufen und SMS über LTE klassifiziert. Er bildete die notwendige Voraussetzung, da er die wesentlichen technischen Voraussetzungen auflistet. Hierzu zählen beispielsweise die geeigneten Netze.
Die weitere Entwicklung dauerte allerdings noch einmal zwei Jahre, bis die Marktreife erreicht war. Im August 2012 ging schliesslich das erste kommerzielle Voice over LTE Netz bei der SK Telecom und MetroPCS online. Mittlerweile stehen 40 Telekommunikationsunternehmen hinter der gemeinsam entwickelten Lösung.
Vorteile von Voice over LTE
- Sprachqualität – Mittels Voice over LTE werden HD-Sprachanrufe möglich, welche die Sprachdaten in einer wesentlich grösseren Bandbreite und damit in deutlich besserer Qualität übertragen. Das Frequenzspektrum, über das die Gespräche übertragen werden, ist mehr als doppelt so gross wie bei üblichen Mobilfunktelefonaten. Dies zahlt sich insbesondere bei Gesprächen mit lauten Hintergrundgeräuschen aus.
- Verbindungsaufbau – Der Verbindungsaufbau, also die Zeit nachdem Sie den Hörer geklickt haben, bis die Sprachverbindung steht, geht wesentlich schneller als bei GSM oder UMTS (5,47 Sekunden). Der Aufbau benötigt nur noch rund zwei Sekunden.
- Batterieverbrauch – VoLTE Anrufe benötigen wesentlich weniger Strom als GSM-, UMTS- oder auch VoIP-Anrufe auf einem Mobiltelefon. Der VoLTE Akkuverbrauch bedeutet also kein Problem – ganz im Gegenteil.
Nachteile von VoLTE
- Notrufe – Es bereitet Probleme, Notrufe über Voice over LTE korrekt abzusetzen. Insbesondere die Positionsbestimmung der Anrufer bereitet Probleme. Viele Provider unterstützen daher keine Notrufe über diese Art der Telefonie.
- Starke Abhängigkeit vom Provider bzw. die mangelnde Priosirisierung von VoLTE QoS Packets – Das LTE-Netz muss Sprachpakete bevorzugt behandeln, damit deren Übermittlung bei ausgelasteten Netzen nicht zu lange dauert.Das Ganze heisst QoS bzw. „Quality of Service“. Dies verlangt aber einen umfassenden technischen Ausbau der LTE-Netze, der längt nicht überall gegeben ist. Wo die Netze schwach sind, zögern viele Provider, Gespräche bevorzugt zu behandeln, um ihre surfenden Kunden nicht zu verärgern. Allgemein wird die Bevorzugung der VoLTE QoS Packets (“Datenpakete”) vor dem Hintergrund der Netzneutralität kritisch gesehen. Generell gilt jedoch: Dieser Nachteil ist umso kleiner, je besser das Netz ausgebaut ist.
VoLTE QoS Packets
Da die besondere Rolle der QoS-Sprachpakete betont wurde, seien diese noch einmal näher erklärt. Voice over LTE nutzt unter anderem das IP Multimedia Subsystem (IMS), um Sprachpakete innerhalb des LTE Netzes vor anderen Datenpaketen zu priorisieren. Diese QoS genannte Technologie ist wichtig für eine hohe Sprachqualität. Ohne QoS stehen alle Datenpakete in einer IP-Datenverbindung unter ständiger Konkurrenz und es kann zu Sprachaussetzern und Verzögerungen kommen.
VoLTE Protokolle
Bei Voice over LTE kommen im Wesentlichen 2 Codecs zum Einsatz: AMR-WB für Breitband-Verbindungen (HD-Telefonie) und AMR-NB für Schmalbandverbindungen. Bei VoIP kann aus einer riesen Fülle an Protokollen gewählt werden. Am häufigsten sind GSM, ALAW und ULAW für Schmalbandverbindungen sowie G.729, G.722, AMR-WB und weitere proprietäre für Breitbandverbindungen.
VoLTE Provider
- Die folgenden Provider unterstützen VoLTE Anrufe
- Schweiz: Swisscom (Nur AllInOne und Infinity Abos), Sunrise, Salt
- Deutschland: Telefónica (o2, E-Plus), Deutsche Telekom (Nur Magenta-Tarife), Vodafone (Nur RED-Tarife)
- Österreich: T-Mobile (Nur My Mobile Tarife), A1 (Nur A1 Go! Tarife)
VoLTE Geräte
Das richtige VoLTE Smartphone finden: Diese Geräte sind geeignet. Voice over LTE Anrufe werden von vielen modernen Smartphones unterstützt. Welche Geräte genutzt werden können hängt neben dem Gerät auch von Ihrem Provider ab. Die Provider veröffentlichen auf ihren Internetseiten Listen mit unterstützten Geräten. Nachfolgend eine aktuelle Liste des Providers Sunrise: (Quelle https://www.sunrise.ch/de/privatkunden/mobil-abos/mobilnetz/sunrise-volte.html)
- Apple iPhone 6
- Apple iPhone 6s
- Apple iPhone 6 Plus
- Apple iPhone 6s Plus
- Apple iPhone SE
- Apple iPhone 7
- Apple iPhone 7 Plus
- Apple iPhone X
- Apple iPhone 8
- Apple iPhone 8 Plus
- Samsung Galaxy S7
- Samsung Galaxy S7 Edge
- Samsung Galaxy S8/ S9+
- Samsung Galaxy S9/ S9+
- Samsung Xcover 4
- Samsung Galaxy J5
- Samsung Galaxy Note 8
- Samsung Galaxy A3 2017 (A320F)
- Samsung Galaxy A5 2017 (A520F)
- Huawei P10
- Huawei Mate 10 Pro
- Huawei Mate 10 Lite
- Huawei P20
- Huawei P20 Lite
- Huawei P20 Pro
- Huawei P Smart
- Huawei nova 2 Plus
- Huawei nova 3 Plus
- Huawei Honor 7X
Praktisch alle Provider bieten eine entsprechende Liste an. Sie sollten bei Ihrem Netzanbieter deshalb problemlos die nötigen Informationen finden.
Tarife: Wie viel kostet das VoLTE Calling?
Voice over LTE Gespräche werden in der Regel zu den gleichen Tarifen abgerechnet, wie Ihre sonstigen Sprachanrufe auf Ihrem Mobiltelefon. Wenn Sie nach Minuten abrechnen, kann sich WiFi Calling für Sie lohnen.
VoLTE vs. WiFi Calling
WiFi Calling bezeichnet eine Technologie, bei der das Handy innerhalb von Gebäuden Anrufe über das vorhandene WiFi-Funknetz an Stelle des Mobilfunknetzes abwickelt. Dies hat den Vorteil, dass innerhalb von Gebäuden meist ein besserer Empfang über das WLAN verfügbar ist, als über das Mobilfunknetz.
Voice over LTE und WiFi Calling können jetzt zusammenspielen, indem ein Anruf, welcher über WiFi-Calling gestartet wurde, nahtlos in einen Voice over LTE Anruf übergehen kann. Dies geht auch in die Gegenrichtung: WiFi Calling kann VoLTE ausschalten und nahtlos übernehmen. Da Sie Ihren Mobilfunkvertrag jetzt nicht mehr belasten, müssen Sie bei den meisten Tarifen nun auch nicht mehr bezahlen. Achten Sie darauf jedoch gesondert bei der Tarifauswahl.
VoLTE vs VoIP
Wie eingangs erwähnt, handelt es sich prinzipiell auch bei Voice over LTE um eine VoIP-Verbindung. Es werden mit SIP & RTP sogar die gleichen Protokolle für den Verbindungsaufbau genutzt. Der Unterschied liegt darin, dass der Benutzer bei Voice over LTE Telefonaten nicht merkt, dass es sich eigentlich um eine VoIP Verbindung handelt. Er muss keine spezielle App starten, um VoLTE Anrufe zu tätigen. Die ganze VoIP Anruftechnik wird verdeckt im Hintergrund abgewickelt. Bei einem klassischen VoIP Anruf hingegen benötigt der Benutzer eine App, ein so genanntes Softphone, um VoIP Anrufe auf seinem Smartphone führen zu können.
Grundsätzlich kann man nicht sagen, dass die eine Technik besser ist, als die andere. Technisch gesehen ist beides sehr ähnlich. Die Einsatzbereiche unterscheiden sich hingegen. VoIP wird zumeist für die interne Kommunikation innerhalb eines Unternehmens verwendet. Man wählt sich mit seinem Smartphone in die Telefonanlage der Firma ein und kann so Gespräche mit seiner Bürorufnummer führen und entgegennehmen. VoLTE hingegen wird für klassische Mobilfunkgespräche genutzt.
Bei den Tarifen gibt es wie bereits angerissen dagegen grosse Unterschiede. Voice over LTE Anrufe werden zu Mobilfunkpreisen abgerechnet. VoIP Telefonate gelten hingegen als Festnetzgespräche. Es ist fast so, als würden Sie am Schreibtisch mit dem stationären Telefon sitzen.
Voice over LTE muss zudem von der Hardware des Mobiltelefons unterstützt werden. Dahingegen ist VoIP nur von der Software des Smartphones abhängig. VoIP läuft grundsätzlich auf allen iOS- sowie Android-Geräten. Es gibt folglich sehr viel mehr entsprechende VoIP Smartphones als entsprechende Geräte für das VoLTE Calling.
Auf Providerseite wird Voice over LTE direkt von diesem implementiert und angeboten. Von einem VoIP Anruf hingegen weiss der Mobilfunkprovider nichts. Es wird nur sein Datennetz genutzt um mittels VoIP Telefonate zu führen.
Diese Vorzüge bietet VoIP vs VoLTE
Bei einem VoIP-Anruf profitieren Sie vor allem von den günstigeren Telefongebühren, die Ihnen entsprechendes Gespräch bietet. Ausserdem können Sie bei Anrufen Ihre Büronummer signalisieren und habe direkten Zugriff auf die internen Durchwahlen aller Mitarbeiter. Mit einer Voice over LTE Verbindung können Sie Ihr Mobiltelefon hingegen nicht direkt in die Virtual PBX Telefonanlage Ihres Büros integrieren.
|VoLTE||VoIP|
|HD-Telefonie||ja||ja|
|Schneller Verbindungsaufbau||ja||ja|
|Freie Codecwahl||nein||ja|
|QoS direkt im Mobilnetz||ja||nein|
|Telefonieren ohne App||ja||nein|
|Integration in PBX Telefonanlage des Büros||nein||ja|
Fazit
VoIP und Voice over LTE unterscheiden sich im Funktionsumfang nicht sehr. Beide Technologien unterstützen Anrufe, das Vermitteln von Gesprächen oder auch Telefonkonferenzen. Bei VoIP-Verbindungen hat der Benutzer mehr Konfigurationsmöglichkeiten. So kann bei VoIP beispielsweise der so genannte Sprachcodec ganz gezielt ausgewählt werden. Bei der LTE basierten Alternative wird dagegen alles vom Provider vorgegeben.
Sowohl Voice over LTE als auch VoIP können parallel für Ihr Business genutzt werden. Bei beiden profitieren Sie von einer hervorragender Sprachqualität. Koppeln Sie Ihr Smartphone mittels VoIP und Ihrer VoIP-One Virtual PBX, um Ihr Smartphone direkt in Ihr Büro einzubinden und nutzen Sie dabei das LTE-Netz als hervorragende Möglichkeit der Datenverbindung.