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"Die AHV-Reform wird zur Beseitigung der Ungleichheiten beitragen"
Die Reform der Altersversicherung, über die am 25. September abgestimmt wird, werde die finanzielle Situation von Frauen im Ruhestand verbessern, sagt Brenda Duruz McEvoy, Vorsorgespezialistin und Verantwortliche für Sozialpolitik beim Centre Patronal Vaudois.
Die Erhöhung des Rentenalters für Frauen von 64 auf 65 Jahre steht im Zentrum der eidgenössischen Abstimmung vom 25. September über die Reform der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV).
>> Was steht bei der Abstimmung über die AHV 21 auf dem Spiel? Lesen Sie unseren erläuternden Artikel:
Das von Regierung und Parlament ausgearbeitete Projekt mit dem Namen "AHV 21" sieht auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer (MwSt.) vor. Ziel ist es, die AHV, die erste Säule des schweizerischen Altersvorsorgesystems, zu stabilisieren und das Rentenniveau zu sichern. Jedenfalls bis zum Ende dieser Dekade.
Die Linke und die Gewerkschaften haben dagegen das Referendum ergriffen und bekämpfen die Reform, die in ihren Augen auf dem Rücken von Frauen und Menschen mit niedrigem Einkommen ausgetragen wird.
Nützliche Links
Die Vorlage, über die abgestimmt wirdExterner Link (pdf)
Die Erläuterungen des Bundesamts für SozialversicherungenExterner Link
Die Webseite der Befürworterinnen und BefürworterExterner Link
Die Website des ReferendumskomiteesExterner LinkEnd of insertion
Brenda Duruz McEvoy, Vorsorgeexpertin für das Centre Patronal des Kantons Waadt, führt eine Kampagne für AHV 21. Sie ist der Meinung, dass Frauen durch die Annahme der Vorlage mehr gewinnen als verlieren können.
swissinfo.ch: Die Altersversicherung AHV hat 2021 mit einem Gewinn von 2,6 Milliarden Franken abgeschlossen. Besteht wirklich dringender Reformbedarf?
Brenda Duruz McEvoy: Ja, es ist dringend. Diejenigen, die gegen die Reform sind, nennen diese Zahl gerne, aber sie haben ein kurzes Gedächtnis. Die guten Ergebnisse der Jahre 2021 und 2020 sind auf die Unternehmenssteuerreform zurückzuführen, die 2019 vom Schweizer Volk angenommen wurde und einen Mechanismus einführte, um die Rentenkassen zu füllen.
Dank dieser Reform stehen uns seit zwei Jahren jährlich zwei Milliarden Franken mehr zur Verfügung. Dass es der AHV heute nicht allzu schlecht geht, liegt daran, dass sie am Tropf hängt.
Wenn wir auf die vorgelegte Reform verzichten, fehlen nach Prognosen des Bundesamts für Sozialversicherungen jährlich fast fünf Milliarden Franken, um die erste Säule des Schweizer Rentensystems zu finanzieren.
Die Frauen erhalten rund ein Drittel weniger Rente als die Männer. Kann man von ihnen verlangen, ein weiteres Jahr zu arbeiten?
Das ist das falsche Ziel. Ich bin die Erste, die sich gegen die noch immer bestehenden Ungleichheiten ausspricht. Diese Ungleichheiten sind jedoch nicht auf die AHV zurückzuführen, sondern auf die zweite Säule (berufliche Vorsorge).
Die Reform ermöglicht es Frauen, ein Jahr länger zu arbeiten und somit Beiträge zu zahlen. Dadurch können sie eine vollständige Berufskarriere haben, anstatt einer Karriere, die mit 64 Jahren zwangsweise gestoppt wird. Dies ermöglicht ihnen, Renten zu erhalten, die sich jenen der Männer annähern.
Frauen erhalten aufgrund der geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede niedrigere Renten als Männer, weil sie häufiger Teilzeit arbeiten und die Hauptlast der Hausarbeit und der Betreuung und Pflege von Angehörigen tragen. Sollte nicht zuerst diese Diskriminierung beseitigt werden, bevor eine Erhöhung des Rentenalters in Betracht gezogen wird?
Die Erhöhung des Rentenalters für Frauen wird genau dazu beitragen, diese Ungleichheiten zu beseitigen. Die Diskriminierung findet heute übrigens nicht so sehr zwischen Männern und Frauen statt, sondern zwischen Eltern und Kinderlosen. Es gibt auch Männer, die Teilzeit arbeiten, um sich um ihre Kinder zu kümmern.
Die AHV ist sehr frauenfreundlich: Sie zahlen 34% der Beiträge und erhalten 55% der Leistungen. Sie ist ein Motor der Umverteilung zu ihren Gunsten. Es ist ungerecht, alle Ungleichheiten, unter denen Frauen noch immer leiden, auf diese Reform abzuwälzen.
"Ich denke, es wäre ungerecht und egoistisch, AHV 21 abzulehnen und die gesamte Last der Reform unserer Renten auf die nächste Generation zu verlagern."End of insertion
Nach Schätzungen von Befürworterinnen und Befürwortern des Gesetzes wird die Reform die Frauen 26'000 Franken kosten. Sind die vorgesehenen Kompensationen, darunter monatliche Zuschläge in Höhe von 160 Franken, wirklich angemessen?
Absolut, zumal diese Zuschläge auf die Frauen abzielen, die sie am meisten benötigen, also auf Frauen mit niedrigen oder mittleren Löhnen. Ihnen wird die Möglichkeit geboten, ein Jahresgehalt mehr zu verdienen, wenn sie bis 65 arbeiten. Ein Jahresgehalt, auch wenn es klein ist, wird in jedem Fall vorteilhafter sein als ein Jahr mehr Rente.
Darüber hinaus wird die Übergangsgeneration ab 65 Jahren dank dieser Ausgleichzahlungen eine höhere AHV-Rente erhalten, die praktisch 2000 Franken pro Jahr zusätzlich beträgt – und das lebenslang. Frauen mit niedrigem Einkommen haben daher einen besonderen Vorteil, wenn sie diese Reform annehmen.
Die Aussichten älterer Arbeitnehmender auf dem Arbeitsmarkt sind schlecht. Besteht nicht die Gefahr, dass durch die Erhöhung des Rentenalters auch die Zahl der Arbeitslosen, Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger steigt?
Die Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Heute haben wir es mit einem Mangel an Arbeitskräften zu tun. Wir haben immer noch die Vorstellung, dass ältere Menschen Arbeitsplätze freimachen müssen, damit junge Menschen neue Stellen finden können. Dennoch haben die Unternehmen Schwierigkeiten, Stellen neu zu besetzen.
Es stimmt zwar immer noch, dass ältere Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, länger brauchen, um wieder eine neue Stelle zu finden. Aber ihre Beschäftigungsquote ist in der Schweiz sehr hoch: laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium 72,3% in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen. Ich glaube nicht, dass die Erhöhung des Rentenalters für diese Personen schädlich sein wird.
Die Rentenerhöhung für Frauen wird von einer Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7,7 auf 8,1% begleitet. Können die Bürgerinnen und Bürger angesichts der Inflation, der Preissteigerungen und der im September erwarteten Erhöhung der Krankenkassenprämien noch stärker zur Kasse gebeten werden?
Ich will nicht verhehlen, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer für alle eine schwere Bürde ist. Ich denke aber, dass es sich lohnt, damit unsere Seniorinnen und Senioren ihre Renten weiterhin sicher beziehen können. Wir müssen alle an einem Strang ziehen.
Es wird den Bürgerinnen und Bürgern weh tun, aber auch allen Unternehmen. Mit dieser Massnahme haben wir jedoch die Chance, unseren Teil dazu beizutragen, unsere wichtigste Säule der Altersvorsorge zu sichern.
Gerade hier ist es entscheidend, dass wir alle einen Beitrag leisten, um nicht die gesamten Kosten für ihre Sanierung auf den Rücken der Frauen abzuwälzen.
Die Frauen müssen ein Jahr länger arbeiten und sich über die Mehrwertsteuer an der Finanzierung beteiligen. Ist das nicht eine doppelte Bestrafung?
In der heutigen AHV überwiegen die Vorteile der Frauen bei weitem die Nachteile. Da wir Frauen jene Gruppe sind, die am meisten von dieser Sozialversicherung profitiert, ist es auch legitim, dass wir etwas mehr zu ihrer Reform beitragen.
Nach der Reform wird die Bilanz jedoch weiterhin ganz klar zugunsten der Frauen ausfallen. Ich denke, es wäre ungerecht und egoistisch, AHV 21 abzulehnen und die gesamte Last der Reform unserer Renten auf die nächste Generation zu verlagern.
Diese einseitige Sicht auf Männer und Frauen ist etwas zu kurz gegriffen, denn das Gleichgewicht muss in vielen verschiedenen Dimensionen gesucht werden. Besonders in der Gerechtigkeit zwischen den Generationen.
Wird der nächste Schritt der AHV-Reform Rentenalter 67 sein?
Ein Rentenalter von 67 Jahren scheint mir in der Schweiz zu hoch gesteckt zu sein, auch wenn einige unserer Nachbarländer wie Deutschland und Italien dies bereits tun. In unserem Land werden die Anpassungen schrittweise vorgenommen. Die Reform ermöglicht eine mittelfristige Stabilisierung der AHV für etwa ein Jahrzehnt.
Danach müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir unsere Renten nachhaltig sichern können. Ich finde, dass wir, wenn wir zwei oder drei Jahre an Lebenserwartung gewinnen, vielleicht einen Teil dieser Zeit dazu verwenden können, unser Arbeitsleben zu verlängern. Dies ist jedoch eine echte gesellschaftliche Debatte, die wir zu gegebener Zeit führen müssen.
Vania Alleva, Präsidentin der Gewerkschaft Unia, kämpft gegen die AHV-Reform 21. Sie erklärt im Interview, warum:
Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
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