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Filmfestival «Pink Apple» – als Liebe unter Männern verboten war
- Donnerstag, 30. April 2015, 10:32 Uhr
Beim «Pink Apple», dem grössten schwul-lesbischen Filmfestival der Schweiz, werden in den nächsten 12 Tagen 111 Filme gezeigt. Einer der Themenschwerpunkte: das Leben von Homosexuellen und Transsexuellen während des Zweiten Weltkriegs.
Am 8. Mai, während das «Pink Apple»-Festival in vollem Gange ist, wird es 70 Jahre her sein, dass Hitler-Deutschland kapitulierte. Passend dazu trägt einer der diesjährigen acht Schwerpunkte den Titel «2. Weltkrieg». Inhalt: das Überleben von Homosexuellen und Transsexuellen während des Zweiten Weltkriegs. Zum Thema werden preisgekrönte Spiel- und Dokumentarfilme aus den vergangenen 20 Jahren gezeigt. Im Mittelpunkt stehen die Opfer des berüchtigten Paragraphen 175. Dieser stellte sexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe.
Paragraph 175
Im Dokumentarfilm «Paragraph 175», der im Jahr 2000 auf der Berlinale und auf dem Sundance-Filmfestival lief, erzählen Überlebende, wie die Situation der Homosexuellen war, bevor Hitler an die Macht kam. Was sich nach der Machtergreifung änderte, wie sie verhaftet wurden und welche Qualen die Gefangenschaft mit sich brachte.
Eine ganze andere Geschichte erzählt die Dokumentation «Klänge des Verschweigens»: Der deutsche Klaus Stanjek erfährt am 90. Geburtstag seines Onkels durch einen Zufall von dessen Vergangenheit, die von der Familie totgeschwiegen wurde. Akribisch arbeitet sich Stanjek daraufhin in die Vergangenheit ein. Sein Onkel war der Sänger und Pianist Wilhelm Heckmann, der erfolgreich in den 1920er- und 1930er-Jahren in Deutschland und der Schweiz auftrat. Er war homosexuell, wurde denunziert, verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Später kam er ins KZ Mauthausen. Heckmann hatte Glück und überlebte.
Verbotene Liebe
Ebenfalls sehenswert: der Spielfilm «Bent». Max (Clive Owen) und sein Freund verstossen gegen den Paragraphen 175 und werden verhaftet. Auf dem Weg ins Konzentrationslager kommt Max' Liebhaber auf tragische Weise ums Leben. Aus Angst tut Max alles, um seine Homosexualität zu verbergen. Im Lager lernt er aber dann Horst kennt. Der trägt seinen «Rosa Winkel» – damit wurden Homosexuelle im KZ gekennzeichnet – mit Stolz. Max verliebt sich in Horst. Auf dem Filmfestival in Cannes 1997 wurde die dramatische Geschichte mit dem «Award of the Youth» ausgezeichnet. Bemerkenswert: Rolling-Stones-Boss Mick Jagger als alternde Drag-Queen.
Lesbische Frauen waren vom Paragraphen 175 nicht betroffen. Nur selten wurden Frauen ausschliesslich wegen ihrer Homosexualität in ein KZ gebracht. Trotzdem passt «Aimée und Jaguar» in den Schwerpunkt «2. Weltkrieg». Er handelt von der Liebe zweier Frauen. Lilly, die mit einem Wehrmachtssoldaten verheiratet ist, lernt Freigeist Felice kennen. Lilly stellt fest, dass sie trotz Ehe, Wohlstand und ihrer vier Kinder nie glücklich war. Sie ist bereit, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Das wahre Problem an ihrem Vorhaben bemerkt Lilly erst, als Felice ihr mitteilt, dass sie Jüdin ist. «Aimée und Jaguar» wurde unter anderem 1999 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, die Hauptdarstellerinnen Maria Schrader und Julia Köhler mit dem Silbernen Bären auf der Berlinale.
Der Paragraph 175 hatte länger Bestand als das Dritte Reich. Erst 1994 wurde er endgültig in Deutschland abgeschafft.
Ein Festival wird volljährig
1997 wurde das «Pink Apple»-Festival von Filmbegeisterten Frauenfeldern ins Leben gerufen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Homosexuellen und Transsexuellen neu zu prägen. Das Festival findet vom 29.4 bis 7.5. in Zürich und vom 8. bis 10.5. in Frauenfeld statt.
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