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Liebe Bildungseinrichtungen
Eure Leitfäden sind traurig
In euren Leitfäden packt Ihr teilweise Vorgaben, bei denen man sich fragt, wo kommen diese her?
Hier ein Leitfaden als Beispiel:
- Empfehlenswerte Schrift für den Haupttext: Times, Times New Roman in 12 oder 11 Punkt
- Zeilenabstand von 1.5 für den Haupttext
- Blocksatz-Format
- Seitenränder....
- Seitenzählung: Seite 1 ist die erste Textseite, d.h. in der Regel die Einleitung
- die Nummerierung der Gliederungspunkte ist römisch bis und mit Tabellen- und Abbildungsverzeichnis, anschliessend ist die Nummerierung arabisch
- ein Kapitel besteht aus max. vier Ebenen
- Titelblatt und Inhaltsverzeichnis werden nicht nummeriert.
Über die Schriftart lässt sich streiten
Die Schriftart ist ja nicht so sehr von Bedeutung. Wichtig ist, dass eine Unicode-Schrift verwendet wird. Und da ist wohl die «Arial Unicode MS» für solche Arbeiten die erste Wahl.
Zeilenabstand: 1.5 Zeilen
Dieses Mass eines Zeilenabstands ist nur in MS WORD vorhanden. Siehe dazu auch unseren Blog-Beitrag: Zeilenabstand.
Hinzu kommt noch, dass diese Einstellung nicht optimal ist, wenn inzeilige Einträge gesetzt werden, z.B. Icon, Gleichungen, Sonderzeichen etc.
Dann würde sich u.U. der Zeilenabstand automatisch vergrössern. Deshalb sollte das Mass für den Zeilenabstand «Genau = x pt» sein. Dies entspricht auch den möglichen Einstellungen in Profi-Tools.
Blocksatz
Die Diskussion, ob Flattersatz oder Blocksatz für wissenschaftliche Arbeiten das richtige ist, wollen wir hier nicht weiter führen.
Da sind viele, die sich dazu berufen fühlen.
Unserer Auffassung nach sollte man aber keinen Blocksatz verwenden, aus folgenden Gründen:
- der Autor ist bezüglich Worttrennungen unnötig belastet
- die Lesbarkeit ist beim Flattersatz besser
Das sehen nicht nur wir so!
Also warum diese absurde Vorgabe?
Ein Inhaltsverzeichnis ohne Seiten-Nr.?
Dieser Vorschlag — ist dies ein Vorschlag oder eine Anweisung? — entbehrt jeglicher Grundlage. Wozu sollte das gut sein?
Jede Seite eines Dokuments hat eine Seiten-Nr., es sei denn, es wird als Website in HTML ausgegeben. Dies wird aber nicht erwartet.
Ausserdem widersprechen sich die Anweisungen: «Die Nummerierung der Gliederungspunkte ist römisch bis und mit Tabellen- und Abbildungsverzeichnis, anschliessend ist die Nummerierung arabisch.»
Warum soll eigentlich bei der vierten Ebene Schluss sein?
Diese Beschränkung ist bei wissenschaftlichen Arbeiten zu eng gesetzt. Die Folge ist, die Inhalte werden unstrukturiert noch länger, weil die meisten Absolventen die Möglichkeiten von bridgeheads (also von Zwischenüberschriften) als letzte Strukturebene gar nicht kennen. Das wäre z.B. ein brauchbarer Hinweis für einen Leitfaden.
Leitfäden mit genauen Angaben für Zitate und Literaturverzeichnis?
Wir haben schon einen Leitfaden gesehen, in dem über Seiten angegeben wurde, wie Zitate und wie Literaturverzeichnisse zu setzen sind. Einen solchen Leitfaden haben auch andere Unis und Hochschulen ausgegeben.
Einmalig ist jedoch, wenn vergessen wird, aus welchem Standard die Vorgaben der Bildungseinrichtung hervor gehen.
Zuerst sollte angegeben werden, nach welchem Standard zitiert wird (APA, IEEE, etc.). Dann besteht auch eine Chance, z.B. über Zotero Zitate einzugeben und Literaturverzeichnisse zu generieren, die einem Standard entsprechen.
Studierende fangen meist auf der grünen Wiese an
Wir bekommen fast täglich Arbeiten von Studenten, die ohne jegliches Template einfach so in WORD als Schreibmaschine verfasst wurden. Wir fragen uns, warum das so ist? Ist das den Lehrenden oder den Prüfern nicht bewusst?
Hier geht es nicht darum, Kenntnisse in einer bestimmten Autorenumgebung zu vermitteln. Hier geht es darum, zu lehren, überhaupt in Strukturen zu denken. Welche Informationen sind zu verarbeiten? Wie sollen diese Informationen bezeichnet werden? Womit fange ich bei der Arbeit an?
Stattdessen wird ausschliesslich am Layout gearbeitet, welche Schriftart, ob Blocksatz oder nicht. Wie unwichtig sind diese Vorgaben: fürs erste: absolut unwichtig.
Fazit
Beim Verfassen von Arbeiten bleibt also in Sachen strukturelles Denken noch einiges zu tun. Aber wie sieht das in der Zukunft aus? Studenten sind als Autoren noch viele Jahre unterwegs. Irgendwann arbeiten diese Studenten ja einmal in Firmen. Und wie sieht es dort aus? Nicht anders. Siehe auch unter:
«Autoren erstellen neue Texte auf einer leeren Seite statt in einer Dokumentvorlage – und erfinden das Rad so jedes Mal neu.»
Ein wenig mehr Sachverstand und wesentlich mehr Empfehlungen wären auch beim Verfassen von Leitfäden angemessen. Im Zweifelsfall könnte man sich ja einmal professionelle Hilfe holen.
Kontakt
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