Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03408.jsonl.gz/409

Sagen
Frühgeschichte
erste Siedlungsspuren in der Jungsteinzeit
Quelle: Argovia, 1972, Band 84,
Seiten 199 - 202
Jungsteinzeitliche Geräte aus Hornstein.
1-3 Klingen mit Gebrauchsspuren, 4 Absplisse mit Gebrauchsspuren, 5-9 Dickenbännlispitzen
Feuersteinklinge
Die jungsteinzeitliche Freilandsiedlung Hölzli bei Olsberg
Kurt Rudin-Lalonde / Nachbearbeitung Joseph Echle
Die Siedlungsstelle
Die jungsteinzeitliche Freilandsiedlung Hölzli liegt 435 m ü.M. auf der Anhöhe zwischen Olsberg und Rheinfelden (Abb. 1). Bei einer Feldbegehung im Jahre 1960 fand der Verfasser auf einem Acker einige Feuersteingeräte und -absplisse. Weitere Begehungen in den nachfolgenden Jahren erbrachten ein Fundgut aus der Jungsteinzeit. Das Vorhandensein fertiger Geräte sowie Reststücke aus der Herstellung lassen auf eine kleinere Siedlungsstelle schliessen. Die Funde wurden auf einer verhältnismässig grossen Fläche geborgen, was bei der kleinen Funddichte eher überrascht. Das Zentrum der etwas über 300 m langen und 100 m breiten Freilandsiedlung liegt bei der Koordinate 626.000 / 263.900 der Landeskarte Blatt 1068. Westlich der Ortsverbindungsstrasse Olsberg - Rheinfelden kamen nebst Silexfunden noch römische Keramikfragmente und Ziegelbruchstücke zum Vorschein.
Das Fundgut
Das im Verlaufe von über zehn Jahren auf Hölzli gesammelte steinzeitliche Fundgut umfasst 227 Gegenstände; davon sind 165 aus Hornstein und 48 aus Chalzedon. Die Hälfte der möglichen Siedlungsfläche blieb während dieser Zeit Wiesland und erbrachte ausser auf einigen Maulwurfs-haufen keine Funde.
Die meist aus einer kleinen Feuersteinklinge hergestellten Dickenbännlispitzen (Abb. 1, 5 - 9), deren Verwendungszweck allerdings bis heute noch nicht bekannt ist, stellen den Hauptanteil der fertigen Geräte dar. Die Länge der fünf ganzen Spitzen variiert zwischen 13 mm bis 22 mm. Eine Spitze ist an der Basisseite retuschiert (Abb.2, 9); zwei weitere Spitzen, - eine ganze und ein Fragment, - sind mit Rinde behaftet und belegen dadurch einen grossen Ausnutzungsgrad der vorhandenen Klingen. Dies lässt sich ebenfalls mit der Kleinheit der beiden Kernstücke belegen. Zwei der Klingen mit Gebrauchsspuren (Abb. 1, 1 - 2) wurden als Messer benützt. Die Klinge Abb. 1, 3 weist zwei dorsalseitig ausgebrochene Encochen auf. Die Klinge Abb. 1, 4 hat die Gebrauchsspuren auf der Stirnseite und erweckt so den Eindruck eines Kratzers.
Schlussbemerkung
Das Fundgut aus Silex vom Hölzli bei Olsberg ist jungsteinzeitlich, ohne jedoch einer speziellen Kulturgruppe zugewiesen werden zu können. Wie es bei den bis heute bekannten Freilandsiedlungen, so etwa im benachbarten Baselbiet üblich ist, fehlen auch hier die zu einer genauen Einstufung benötigten Keramikfunde. Siedlungsstellen mit Dickenbännlispitzen sind meistens ohne Spuren von Keramik; jedoch sind sie grösstenteils mit Flächen retuchierten Pfeilspitzen und Steinbeilen mit ovalem oder rechteckigem Querschnitt vereint. Als Material zur Herstellung der Geräte vom Hölzli dienten Hornsteinarten verschiedener Qualität und Farben sowie Chalzedon. Der Fundort liegt geologisch auf dem oberen Muschelkalk, der u.a. auch Silexknollen enthält. Vom vorhandenen Rohmaterial wurde speziell der Hornstein zur Geräteherstellung verwendet. Von Chalzedonknollen wurden Stücke meist in Absplissform abgeschlagen, um die Eignung für eine Weiterverarbeitung abklären zu können.
An fertigen Geräten kennt die Siedlungsstelle nur Dickenbännlispitzen aus Hornstein. Alle Exemplare gehören zum einspitzigen Typus. Für Schneid- und Schabarbeiten wurden geeignete Hornsteinklingen, nötigenfalls Absplisse verwendet. Das Fundmaterial ist im Fricktalischen Museum in Rheinfelden aufbewahrt.