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Fluss in die Moräne und den abgelagerten Kies ein, sodass er heute diesen in einem etwa 30 m tiefen Thal durchzieht. Oberhalb der Endmoräne, wo nicht aufgefüllt worden war, bot sich dem Fluss kein Anlass zum Einschneiden, so dass er da fast in gleichem Niveau mit dem Thalboden durch den weiten Zirkus von Mellingen fliesst. Dieser Uebergang von jungem Thal in Kies und Moräne mit dem Fluss in der Tiefe zu breitem altem Thalboden mit dem Gewässer fast auf seinem Niveau wiederholt sich flussaufwärts noch dreimal, nämlich zwischen Stetten und Tägerig, bei Sulz und zwischen Hermetschwil und Zufikon. Es heisst das mit andern Worten, dass der Gletscher auf seinem Rückzug noch dreimal stillgestanden ist. Am folgenreichsten für den Menschen war der letzte Halt, wo von der Moräne der Kies abgespühlt wurde, der den Boden von Bremgarten bildet. In grossen Windungen floss der Gletscherbach über seine eigenen, flachen Ablagerungen.
Als dann aber auch hier nach dem endgiltigen Weichen des Gletschers die Reuss sich in den Schutt einschnitt, wurden diese Serpentinen fixiert, d. h. in den Kiesboden gesenkt. So entstanden die Au von Bremgarten und die Terrasse, welche zur Gründung dieses Städtchens einlud, und so wurde es möglich, dort durch Abschneiden einer dieser Serpentinen das Gefälle und die Kraft zu der bekannten elektromotorischen Anlage zu gewinnen. Der Abstand der ersten von der vierten Endmoräne beträgt in gerader Linie 11,5 km. Das Flussbett hat auf dem Diluvium eine Länge von 18,75 km und ein Gefäll von 1,5‰. Bei der obersten der genannten Endmoränen verlassen die Moränen die Thalsohle, und es beginnt am westl. Gehänge eine immer höher steigende, ununterbrochene Seitenmoräne, die thalaufwärts bis Aristau (6 km) geht. Auf der rechten oder östl. Thalseite ist die Seitenmoräne durch die Jonen und die Bäche von Ottenbach und Obfelden zerschnitten, reicht aber doch bis Mettmenstetten.
4. Reuss im Juradurchbruch. Schon bei Mellingen tritt im Flussbett anstehender Fels, nämlich untere Süsswassermolasse auf, und nun durchschneidet das Flussbett in rascher Folge immer ältere Schichten bis zur Trias hinunter, die in der Gegend von Birmensdorf erreicht wird. Hier durchbricht der Fluss die östlichste Jurafalte (Lägern-Habsburg). Er hat sich im Lauf der Zeiten drei verschiedene Auswege gegraben, die von Birmensdorf, Hausen und Scherz, wodurch er im Verein mit seinen Nachbarn, der Aare und der Limmat, die Jurafalte in 3 Stücke zerschnitten hat, die in den Höhen Baldegg-Gebensdorferhorn, Eitenberg und Habsburg kulminieren.
Bei Birmensdorf werden im Kern des Gewölbes die Schichten des triadischen Zellenkalkes (zum Muschelkalk gehörig) angeschnitten, und aus den gleichaltrigen Gipsen bezieht das «Birmensdorfer Bitterwasser» seine Salze (Schwefelsaurer Kalk, Natron und Talkerde). Einen klassischen Aufschluss bieten Schichten des obern Jura im sog. «Mettel», wo aschgraue, rauh zerfressene Kalksteine mit etwas dunkleren Mergeln wechsellagern. Diese Schichten sind durch eine Anzahl von Ammoniten charakterisiert, die man weder in ältern noch in jüngern Schichten findet, und bilden die sog. Birmensdorferschichten.
Fast durch den ganzen Durchbruch wird indessen der Fluss von der Kiesterrasse von Birmensdorf begleitet. Sie setzt sich fort in der Terrasse von Gebensdorf und in der westl. folgenden Terrasse zwischen Reuss und Aare, auf welcher das Altertum die Soldatenstadt Vindonissa und das Mittelalter das Kloster Königsfelden gegründet hat, während die Neuzeit eine Reihe von Fabriken an den Fluss selber und in das Thal hinunter stellte, das sich dieser im früher angehäuften Kies ausgegraben hat. Von Mellingen bis zur Mündung in die Aare hat die Reuss noch eine Länge von 12,5 km und ein Gefäll von 17 m oder 1,4‰.
Der Fluss hat vom Furkapass an eine Gesamtlänge von 159 km. Sein Stammthal (über den Zugersee) bildet von Amstäg an eine Furche senkrecht zur nördl. Hauptkette der Alpen, welche von deren Kamm bis zur Mündung etwa 100 km Länge misst. Kein anderer Fluss an der N.-Abdachung unserer Alpen hat ein so gewaltiges Querthal aufzuweisen. Ja, man ist versucht, dieses noch weiter abwärts auszudehnen, erscheint doch der gesamte Aarelauf von der Reussmündung an nur als eine Fortsetzung dieser soeben genannten Querfurche. Das gesamte Flussgebiet der Reuss umfasst 3425,2 km2, wovon 544,4 auf Felsen und Schutt, 133,8 auf Firn und Gletscher, 173,9 auf Seen 691,4 auf Wald und 1881,7 km2 auf andere Gebiete entfallen. 890 km2 liegen 300-600 m und 507 km2 600-900 m ¶
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hoch. Bei Mellingen ist durch das eidgenössische hydrometrische Bureau eine exakte Wassermessung vorgenommen worden, die ein Niedrigwasser von 29,23 m3 per Sekunde ergab. Die maximale Wasserführung ist auf 920 m3 per Sekunde geschätzt worden. Man zählt längs der Reuss 18 Pegel, wovon 2 (Mellingen und Luzern) selbstregistrierende Limnigraphen sind. Die Wasserkraft der Reuss wird beim Urnerloch und oberhalb Göschenen zur Durchlüftung des Gotthardtunnels benutzt. Eine dritte Kraftstation befand sich während des Baues der Gotthardbahn auch noch oberhalb Wassen. Der Fluss treibt ferner verschiedene Fabriken in Luzern, die Papierfabrik Perlen und andere Betriebe bei Bremgarten und Windisch. 810: Riusa; 881: Rusa. Der Name ist vorgermanisch, lässt sich aber nicht mit Sicherheit deuten. Bibliographie. Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz. Lieferungen 4, 5, 10, 11 und 31. S. auch die im Text schon erwähnten Arbeiten.