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Erster Akt:
Die Voruntersuchung „Un jour en Suisse“
1959 beauftragten die Verantwortlichen der Landesaustellung 1964 in Lausanne den Regisseur und Leiter des Stadttheaters von Lausanne,Charles Apothéloz, ein Projekt für den Sektor „Der Weg der Schweiz“ auszuarbeiten. Dieser Sektor sollte das Herzstück der Expo 64 werden und die Identität des Landes zur Schau stellen, indem ein kritisches Selbstporträt des Homo Helveticus gezeichnet wurde. Apothéloz war von der Idee begeistert, den Schweizer Alltag in Szene zu setzen. Er dachte sich eine spielerische Umfrage aus, die die Besucher zum Nachdenken und zur Selbstreflexion einlud. Diese Idee entsprach dem Wunsch der Organisatoren, die Besucher zur aktiven Teilnahme an der Ausstellung zu bewegen.
Um diese Umfrage zu erstellen, beauftragte Apothéloz die Ethnologen Isac Chiva, Ariane Deluz und Nathalie Stern, eine Befragung über den Alltag der Schweizer durchzuführen. Anhand dieser in der Schweiz noch wenig bekannten Untersuchungsmethode sollten konkrete, seriöse Informationen gesammelt werden, die ein differenziertes Gesellschaftsporträt des Landes liefern konnten. Der Startschuss für „Un jour en Suisse“, wie das von der Expo finanzierte Projekt genannt wurde, fiel im September 1961, als die Leitung der Expo ihre Zustimmung gab. Die IBM Schweiz AG unterstützte das Projekt, indem sie das technische Material zur Verfügung stellte und die auf Lochkarten gesammelten Daten elektronisch verarbeitete. Die Untersuchung dauerte drei Monate und bezog sich auf eine bevölkerungsrepräsentative Gruppe von 1’178 Personen.
Im Januar 1963 lieferte das wissenschaftliche Team der Leitung der Expo eine erste Grobanalyse der Daten sowie einen ersten Entwurf der Auswertung, wobei beide Dokumente vertraulich blieben. Um die Umfrage-Daten analysieren und im Frühjahr 1964 veröffentlichen zu können, stellte Apothéloz einen Finanzierungsantrag an die Leitung der Expo und an den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, den beide ablehnten. Daraufhin vertrauten Apothéloz und sein Team das Datenmaterial Pierre Bourdieu an, dem damaligen stellvertretenden Leiter des „Centre de sociologie européenne de l’École pratique des hautes études“ in Paris. Dieser wiederum gab das Material an seinen Assistenten Luc Boltanski weiter. Boltanskis Analyse erschien 1966 im Pariser Verlag Éditions de Minuit unter dem Titel „Le bonheur suisse“.