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Anschi Machatschkala wollte noch vor kurzem die Fussballwelt erobern. Nach wilden Turbulenzen lieferte der Verein in dieser Saison ein Armutszeugnis ab. Doch jetzt hat es, als eines der letzten Teams Europas, doch noch mit dem ersten Saisonsieg geklappt.
Vielleicht war es der hohe Besuch, der die Spieler auf dem Platz anstachelte. Denn unter den rund 18’000 Fans in der Anschi-Arena gab sich Samuel Eto’o die Ehre, seine ehemaligen Teamkollegen zu beobachten und mit dem schwerreichen Präsidenten zu plaudern. Tatsächlich erlöste in der 83. Minute Alexsandr Bukharov Anschi Machatschkala zum Auftakt der Rückrunde mit dem 1:0 gegen Rubin Kasan. Wenig später durfte die Equipe den ersten Saisonsieg des tief gefallenen Klubs feiern (hier geht es zu den wichtigsten Szenen). Ausgerechnet gegen Kasan, das in der Hinrunde mit dem 1:5 noch für die höchste Saisonklatsche gesorgt hatte.
Damit hat auch das letzte Team aus einer der grösseren höchsten nationalen Spielklassen Europas mindestens einen Saisonsieg auf dem Konto. In allen 54 Topligen Europas warten jetzt nur noch drei Teams aus Operettenligen wie Andorra (CE Principat), Gibraltar (Gibraltar Phoenix) und der ebenfalls wenig beachteten zypriotischen Liga (Alki Larnaca) auf den ersten Dreier der aktuellen Spielzeit.
Es löst beim geneigten Fussball Unglauben und Kopfschütteln aus, dass Anschi so lange auf den ersten Saisonsieg warten musste. Anschi Machatschkala, die wollten doch noch vor kurzem die Champions League gewinnen. Mindestens. Im Januar 2011 katapultierte sich der Verein auf die Fussballweltkarte. Der milliardenschwere Sulejman Kerimov übernahm damals den Verein und investierte sogleich. Roberto Carlos wurde verpflichtet, Samuel Eto’o sahnte 25 Millionen Franken jährlich ab und als Trainer amtete Guus Hiddink.
Nach dem Aufstieg in die höchste Liga schauten die Ränge 11, 5 und in der letzten Saison Platz 3 und der Cupfinal heraus. Obwohl Hiddink danach den Verein verliess, sollte der letzte Schritt zum Titel schon in der nächsten Saison folgen. Kerimov investierte noch im Sommer 2013 rund 60 Millionen Franken in neue Spieler.
Doch der Rückschlag folgte sogleich. Noch im August verkündete der Verein, dass man den Kurs radikal ändern werde. Die Ausgaben für Spieler sollen um 60 bis 80 Millionen Franken verkleinert werden und man wolle mehr auf die Jugend setzen. Hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, der Klubchef sei in finanziellen Schwierigkeiten. Fakt war: Er drehte den Geldhahn zu.
Die Folge: Bis Ende August wurden mit Alexander Kokorin, Igor Denissow, Christopher Samba und Alexei Ionow vier Spieler wieder verkauft, welche noch wenige Wochen zuvor verpflichtet worden waren. Wladimier Gabulow, Juri Schirkow (beide ebenfalls Dinamo), sowie die Teamstützen Willian und Samuel Eto’o (beide zu Chelsea) verliessen den Klub ebenfalls.
Dem Team wurden also noch während den ersten Meisterschaftsspielen sämtliche Stützen ausgerissen. Der Zusammenbruch liess nicht auf sich warten und äusserte sich in einer sieglosen Vorrunde (19 Partien) und der roten Laterne.
Im Winter verliess dann auch noch Lacina Traoré (zu Monaco), einer der verbliebenen Stars, den Klub. Doch auf der anderen Seite wurde wieder investiert. Neun neue Akteure wurden verpflichtet, darunter die russischen Nationalspieler Vladimir Bystrov und Fedor Smolov. Es gab gar Gerüchte, dass Swanseas Knipser Michu nach Dagestan wechsle und sowieso habe Kerimov wieder Mittel gefunden, den Geldhahn aufgedreht und das Gelaber von Jugendarbeit und finanziell gesundem Wachstum vom August längst vergessen.
Der Wechsel von Michu klappte nicht, doch das Team scheint sich in den Wintermonaten verbessert zu haben. In den 1/16-Finals schaltete die Mannschaft – obwohl der Meisterschaftsbetrieb noch nicht lief – immerhin Genk aus. Und dies nach einem 0:0 im Heimspiel dank dem 2:0 in Belgien. Im Achtelfinal wartet jetzt Alkmaar. Dass die europäische Bestleistung von Anschi ausgerechnet in der Krisensaison gelingt, grenzt allerdings nicht an ein Wunder. In der Gruppenphase der Europa League wurden «lediglich» Tromsö und Sheriff Tiraspol hinter sich gelassen. Gegen Gruppensieger Tottenham setzte es zwei klare Niederlagen ab (0:2, 1:4).
Mit dem ersten Saisonsieg weist das Team aus dem Nordkaukasus zwar noch immer fünf Punkte Rückstand auf den Barrageplatz und sieben auf den ersten Nichtabstiegsplatz auf. Aber die Hoffnung ist zurück. Und vielleicht war der Abstecher von Samuel Eto’o nach Machatschkala ja mehr als nur ein Matchbesuch und Kerimov öffnet seine Schatzschatulle bereits im Sommer wieder.
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