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| Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

73.
1. Aus Davids fünfundneunzigstem Psalme haben sie die kurze Bemerkung ‚von dem Holze’ entfernt. Denn von den Worten: ‚Saget es unter den Heiden: der Herr ist König geworden vom Holze her’ haben sie noch übrig gelassen: „Saget es unter den Heiden: der Herr ist König geworden“ 1. 2. Der einzige unter den Männern eures Volkes, von welchem jemals erklärt wurde, er sei Gott und Herr, und er sei König unter den Heiden geworden, ist der gekreuzigte Jesus, von dem der Heilige Geist in dem gleichen Psalme auch behauptet, er sei auferstanden und habe das Heil gefunden, und von dem er offenbart, er sei nicht ähnlich den Göttern [S. 120] der Heiden, denn diese seien Götzenbilder der Dämonen 2. 3. Damit ihr jedoch meine Worte versteht, will ich euch den Psalm vollständig mitteilen. Er heißt: ‚Singet dem Herrn ein neues Lied! Singe dem Herrn, ganze Erde! Singet dem Herrn und preiset seinen Namen! Verkündet Tag für Tag sein Heil! Verkündet unter den Heiden seine Herrlichkeit, unter allen Völkern seine Wundertaten! Denn der Herr ist groß und gar lobwürdig, furchtbar ist er über allen Göttern. Denn alle Götter der Heiden sind Dämonen, der Herr aber hat die Himmel gemacht. Preis und Pracht sind vor seinem Angesicht; Heiligkeit und Majestät sind in seinem Heiligtum. Bringet dem Herrn, ihr Völkerstämme, bringet dem Herrn Preis und Ehre! Bringet dem Herrn Ehre in seinem Namen. 4. Bringet Opfer und tretet in seine Vorhöfe! Fallet nieder vor dem Herrn in seinem heiligen Vorhofe! Es erzittere vor seinem Angesichte die ganze Erde! Saget es unter den Heiden: Der Herr ist König geworden vom Holze her! Denn er hat festgestellt den Erdkreis, der nicht wanken wird; er wird in Gerechtigkeit die Völker richten. Freuen sollen sich die Himmel und frohlocken möge die Erde! Erbeben möge das Meer und dessen Fülle! Freuen mögen sich die Fluren und alles, was auf ihnen ist, jubeln mögen alle Bäume des Waldes vor dem Angesichte des Herrn; denn er kommt, ja er kommt zu richten die Erde. Richten wird er den Erdkreis in Gerechtigkeit und die Völker in seiner Wahrheit.’“
5. Tryphon: „Wenn, wie du behauptest, die Führer des Volkes von der Schrift etwas gestrichen haben, kann es Gott wissen. So etwas aber scheint unglaublich zu sein.“
6. Ich entgegnete: „Gewiß, es scheint unglaublich zu sein. Denn das ist schrecklicher als die Herstellung des (goldenen) Kalbes, nachdem sie auf Erden mit (himmlischem) Manna gesättigt worden waren; es ist schrecklicher, als wenn sie die Kinder den Dämonen opfern, schrecklicher als selbst die Ermordung der Propheten. Doch“, fuhr ich fort, „scheint ihr mir [S. 121] wirklich nicht einmal von den Schriftstellen gehört zu haben, welche sie, wie ich erwähnte, ausgetilgt hatten. Um die fraglichen Thesen zu beweisen, dazu genügen allerdings vollauf alle oben bereits zitierten und die später noch zu zitierenden Schriftstellen, welche bei euch im Ansehen stehen.“
1: Ps 95,10. den Beisatz ἀπὸ τοῦ ξύλου hat keine griechische Bibel-Handschrift, ausgenommen allein R. u. Psalterium Veronese [sowie einige sehr alte Papyri]. Derselbe fehlt auch in der hebräischen Bibel und in der Vulgata. Er findet sich aber bei mehreren lateinischen Schriftstellern.
2: Vgl. 1 Par. 16, 26.