Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03188.jsonl.gz/2436

Checkliste für Erwachsene
Anzeichen und Merkmale von Autismus
Wenn du denkst, dass du im Autismus-Spektrum bist oder du einen Erwachsenen kennst, liebst oder mit einem Erwachsenen arbeitest, von dem du glaubst, dass er Autismus hat, werden dir folgende Informationen helfen. Du lernst hier die allgemeinen Anzeichen und Merkmale von Erwachsenen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) besser deuten und verstehen zu können.
Viele Erwachsene können Anzeichen oder Merkmale von Autismus aufweisen, sind jedoch möglicherweise aus einer Reihe von irgendwelchen Gründen nicht untersucht oder diagnostiziert worden.
Beispiele
- Anzeichen oder Merkmale sind nicht genau erkennbar,
- Anzeichen oder Merkmale werden zwar bemerkt, man kann sie aber nicht einordnen,
- Anzeichen und Merkmale haben keinen wesentlichen Einfluss auf die Person oder schränken deren alltägliche Funktionsfähigkeit nicht sonderlich gross ein,
- die betroffene Person hat Strategien erlernt, welches die Anzeichen oder Merkmale abschwächt oder unterdrückt (Masking),
- finanzielle oder emotionalen Kosten haben eine Abklärung verhindert,
- eine Abklärung wurde vorgenommen, aber falsch diagnostiziert,
- die betroffene Person bezeichnet sich selbst als autistisch, sieht aber den Vorteil einer Diagnose nicht,
- die betroffene Person möchte generell keine Diagnose haben.
Viele Erwachsene, welche ein Verhalten von Autismus zeigen und nicht diagnostiziert wurden, lernen dennoch, mit dem Leben zurechtzukommen. Sie können Beziehungen zu anderen Menschen entwickeln, eine zufriedenstellende Karriere haben oder eine generell gute Lebensqualität aufweisen.
Viele Erwachsene, welche ein Verhalten von Autismus zeigen und nicht diagnostiziert wurden, können allerdings auch ein schwieriges und isolierendes Leben führen, in welchem sie regelmässig mit irgendwelchen Problemen zu kämpfen haben.
Checkliste für Erwachsene
Wenn du in der Liste weiter unten einige der Anzeichen oder Merkmale an dir, deinem Partner oder sonst jemanden den du kennst oder liebst, erkennst, hat das noch nicht viel zu bedeuten. Diese Anzeichen oder Merkmale decken eine Reihe menschlicher Verhaltensweisen ab, welche nicht zwingend nur etwas mit Autismus zu tun haben müssen.
Beachte auch, dass die folgende Liste nur einige der häufigsten Anzeichen und Merkmale von Autismus sind.
Es ist übrigens unwahrscheinlich, dass ein Erwachsener alle aufgeführten Merkmale aufweist. Ein Mensch im Spektrum wird nur einen Teil der unten aufgeführten Merkmale aufweisen. Bedenke aber: nur eine offizielle Abklärung wird zu einem korrekten Ergebnis kommen.
Einige der Merkmale, die Erwachsene mit einer Autismus-Diagnose häufig angeben, sind
Kommunikation
- Es fällt dir schwer, dich an Gesprächen zu beteiligen,
- du sprichst mit flacher, monotoner Stimme,
- du sprichst nicht,
- du hast Mühe die Gedanken und Gefühle anderer Menschen zu erkennen,
- du hast Mühe die Körpersprache und die Emotionen anderer Menschen zu «lesen»,
- du wiederholst gesprochene Dinge immer wieder,
- andere Leute sagen dir, es sei schwer zu erkennen, was du denkst oder fühlst,
- wenn dich ein Thema besonders interessiert, kannst du im Redefluss kaum gestoppt werden,
- du weisst in einem Gespräch nicht, wann du mit Sprechen an der Reihe bist und redest oft dazwischen,
- «Smalltalk» über das Wetter oder sonstige, banalen Dinge, machen dir mühe,
- sprichwörtliche Redensarten verstehst du öfters nicht. Zum Beispiel: «auf dem falschen Bein stehen»,
- du schätzt andere Menschen oder bestimmte Sachen unverblümt und sehr direkt ein,
- wenn du mit jemandem redest, hast du Probleme, Blickkontakt zu halten,
- du nutzt eigene Sprichworte oder generell Worte oder Begriffe, welche es eigentlich nicht gibt,
- du hast grosse Probleme Freundschaften oder engere Bindungen aufzubauen oder einzugehen,
- du machst Gesichtsausdrücke, welche andere Lustig finden,
- wenn du mit anderen Menschen redest, machst du spezielle Gesten.
Verhalten
- Du geniesst Routinen und Zeitpläne und ärgerst dich, wenn sich diese Routinen oder Zeitpläne kurzfristig verändern,
- du geniesst Routinen und Zeitpläne und bekommst Angst, wenn sich diese Routinen oder Zeitpläne kurzfristig verändern,
- du ärgerst dich, wenn etwas passiert, mit dem du nicht gerechnet hast,
- es macht dir Mühe, deine emotionalen Reaktionen zu kontrollieren,
- es stört dich, wenn jemand Objekte in deinem Zuhause oder in deinem Büro einfach so umstellt,
- du hast Rituale und Verhaltensweisen, welche du jeden Tag zelebrierst,
- du verursachst an Orten, an denen man ruhig sein muss, dennoch Geräusche,
- du hast Vorlieben betreffend Interessen oder Hobbys, welchen du auch sehr viel Zeit opferst,
- Multitasking kannst du nicht. Es muss immer Eines nach dem Andern gemacht werden,
- du reagierst stark auf sensorische Reize wie: Texturen, Geräusche, Lichtverhältnisse, Gerüche oder Geschmack,
- bei der Arbeit oder in der Freizeit bist du am liebsten für dich alleine.
Auswirkung
Wie können sich diese Anzeichen oder Merkmale im Erwachsenenleben auswirken? Sie können manchmal Probleme verursachen, es kann aber auch gut gehen. Für manche Menschen wirken sich die Anzeichen und Merkmale von Autismus positiv auf das Leben aus.
Positive Auswirkungen:
- Man hat ein ausgezeichnetes Wissen in einem Studienbereich oder Beruf,
- man erkennt Details, welche andere nicht erkennen,
- ein sehr hohes Einfühlungsvermögen gegenüber Menschen oder Tieren,
- man hat Spass am selbständigen Arbeiten.
Negative Auswirkungen:
- Angefangene Arbeiten oder Beschäftigungen regelmässig und ausdauernd zu Ende führen,
- Aufbau und Pflege sozialer Kontakte,
- Immer mal wiederkehrende, psychische Probleme oder Lernschwierigkeiten,
- Aufmerksamkeitsdefizite und Hyperaktivitätsstörungen.
Es ist wichtig zu wissen, das sich autistische Personen nicht eins zu eins vergleichen lassen. Deswegen wird oft vom Spektrum gesprochen, in welchem jede Person anders abgebildet ist.
Bei einigen Erwachsenen im Spektrum treten Symptome auf, welche sie im Alltag beeinträchtigen. Andere im Spektrum haben vielleicht das Gefühl, dass sie im Vergleich zur breiten Gesellschaft anders sind. Die meisten Autisten können sich gut an die Kindheit zurückerinnern, in welcher dieses «anders sein» bereits einen prägenden und teilweise auch unangenehmen Bestandteil eingenommen hat. Die meisten wissen aber nicht, weswegen das so war. Es gibt aber auch Autisten, welche sich ihrer speziellen Gefühlswelt oder ihres Verhaltens überhaupt nicht klar sind und einfach nicht verstehen können, wie mit ihnen geschieht.
Sollte ein Erwachsener eine Autismus-Diagnose machen?
Das ist ein persönlicher Entscheid. Menschen welche ohne Probleme durch das Leben kommen und sich nicht wirklich gross damit beschäftigen wollen, können problemlos darauf verzichten. Für sie wird sich wohl auch mit einer Diagnose nichts im Leben ändern. Andere Menschen welche einen gewissen Leidensdruck haben, weil sie sich einfach nicht so recht verstanden und aufgehoben fühlen, könnten durch eine Diagnose ein für sie klärendes Verständnis aufbauen, welches zu einem ausgewogenem Leben führen könnte. Eine Diagnose kann in solchen Fällen befreien sein. Eine Diagnose kann aber auch zusätzlich belastend werden. Ich denke man muss sich zuerst damit auseinandersetzen, was man sich schlussendlich erhofft. Schaut man es als Chance an oder nicht?
Was sind einige der Vorteile einer Diagnose?
- Eine professionelle Diagnose kann dir dabei helfen, externe Unterstützung und Hilfe zu bekommen, welche du bisher nicht hattest und welche dir vielleicht gut tun würde,
- deine Familie, Freunde und Arbeitskollegen (falls du es ihnen mitteilen möchtest), bekommen möglicherweise ein besseres Verständnis für dich und deine Bedürfnisse – und es kann diesen Menschen ermöglichen, dich vielleicht besser zu unterstützen,
- du kannst dich besser mit dir selber identifizieren, wenn du endlich weist, warum es so ist wie es ist,
- du kannst anderen Menschen gegenüber kompetent Auskunft geben, warum du vielleicht etwas anders rüberkommst, ohne darüber nachdenken zu müssen, wie du deine Gefühlslage nun schon wieder erklären sollst. Es macht es einfacher. Und vor allem – durch die offizielle Diagnose musst du keine Vermutungen behaupten,
- mit einer Diagnose kann man manchmal auch besser verstehen, warum die eigene Kindheit vielleicht etwas kompliziert war,
- du kannst andere Autisten besser verstehen,
- es steigert dein Selbstwertgefühl weil du weisst, dass es einen Grund gibt und dass es auch anderen Menschen gibt, die so sind wie du es bist,
- du wirst mutiger und fühlst dich generell besser,
- du verlierst den Drang, jemand anderer sein zu müssen, damit man dich akzeptiert. Du beginnst so zu sein, wie du halt bist,
- man wird ruhiger und hat weniger psychischen Stress,
- du kannst vielleicht mit der Vergangenheit irgendwie Frieden schliessen,
- es kann ein Neustart sein. Du kannst alles Geschehene und erlebte hinter dir lassen.
Einige Erwachsene stellen fest, dass sie durch ein erhöhtes Eigenverständnis ihre Stärken besser nutzen und vorteilhaftere Strategien entwickeln konnten.
Diagnostische Einschätzung
Ist eine Diagnose notwendig?
Du hast dich entschieden, eine Untersuchung durchführen zu lassen, um festzustellen, ob du oder ein Erwachsener, den du liebst, Autismus hat. Was sind also die nächsten Schritte?
Beurteilungen für Erwachsene beinhalten entsprechend qualifizierte medizinische Fachkräfte, die eine Reihe von entwicklungsbezogenen, historischen und aktuellen Informationen sammeln und anhand der Kriterien für Autismus berücksichtigen.
Um eine Diagnose für Autismus zu erhalten, hat man mehrere Möglichkeiten:
- Wende dich direkt an deine kantonale Stelle. In der Regel ist das der psychiatrische Dienst,
- Vereinbare einen Termin mit deinem Hausarzt , um mit ihn die Situation zu besprechen. Er kann dich an einen qualifizierten Spezialisten oder an den psychiatrischen Dienst deines Wohnkantons für eine Beurteilung und Diagnose von Autismus überweisen,
- Du kannst dich auch bei einem privaten Autismus-Fachspezialisten melden.
Es gibt kantonale psychiatrische Dienste, die sich auf die Beurteilung und Diagnose von Autismus spezialisiert haben. Du darfst dich direkt an diese Stellen wenden. Ich empfehle aber den Weg über den Hausarzt. Es ist nie schlecht, zuerst noch darüber zu sprechen. Wenn du eine Abklärung beim psychiatrischen Dienst deines Wohnkantons vornimmst, wird die Krankenkassen die Kosten übernehmen.
Es gibt auch private Spezialisten und Organisationen, welche kostenpflichtige Assessments durchführen.
Du willst einfach mal einen Test machen?
Ich habe auf diesem Blog einen Test erstellt, welchen auch durchführen kannst. Aber Achtung: dieser Test ist keine Diagnose, sondern nur ein vager Hinweis, dass du eventuell das Asperger-Symptom hast. Bedenk auch – viele Symptome kommen auch bei anderen Wesensarten oder Erkrankungen vor. Nur eine kompetente Abklärung durch Spezialisten kann dir eine vertrauenswürdige Auskunft geben.