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Geschichte des «Schnitzelbangg»
Von jeher hatten die Menschen aller Kulturkreise das Bedürfnis, über andere Leute zu spotten oder sie gar zu schmähen, zumal, wenn sie mächtiger und dominanter waren als sie selbst. Es ist bekannt, dass z. B. die römischen Legionäre, wenn sie im Triumphzug ihres Feldherrn und ihrer Offiziere durch Rom marschierten, Schimpf- und Spottlieder auf ihre Vorgesetzten sangen. Auf diese Weise durften sie – allfällig gefährlich werdenden – Dampf ablassen. Seit der Erfindung des Buchdrucks konnte der Schmäh-, Schimpf- und Spottlust zusätzlich mit Schmähschriften, satirischen Dichtungen und Flugblättern gefrönt werden, freilich nicht unbegrenzt. Narrenfreiheit gewährte die Obrigkeit natürlich nur in beschränktem Masse, in unseren Breiten am ehesten zur Fasnachtszeit.
Hier hat denn auch unser heutiger Schnitzelbank eine seiner Wurzeln. Eine andere Wurzel ist das im Spätmittelalter aufkommende Bänkelsängertum: Auf Jahrmärkten, «Chilbenen» usw. traten Fahrende zum Teil einzeln, zum Teil in Gruppen auf und trugen dem Publikum in Liedform allerlei Begebenheiten, meist makabrer Natur, vor. Solche Moritaten-Vorträge wurden in der Regel optisch unterstützt durch ein grosses, mehrteiliges Bild, auf dem die einzelnen Episoden der Schauerballade möglichst handgreiflich, also «ergreifend», dargestellt waren, was das wohlige Grausen der Zuhörer- und Zuschauerschaft erheblich verstärken half.
In der Tat sind denn auch die frühesten Schnitzelbank-Helgen ebenfalls mehrteilig. Die Teilbilder waren den einzelnen Strophen mit je einem besonderen Thema zugeordnet, die einzelnen Themen meist durch einen Refrain lose miteinander verbunden.
Die Bänkelsänger verdanken ihre Bezeichnung dem Umstand, dass sie, um besser gesehen und gehört zu werden, auf einer Bank standen. Auf diesen Sachverhalt weist das auch heute noch im Baseldeutschen männliche Geschlecht der Bank als Möbelstück hin (im Gegensatz zur Bank als Geldinstitut). Daher ist das Wort «Schnitzelbangg» ebenfalls männlich, wie das auch der alte, halb mundartliche, halb hochdeutsche Refrain zeigt: «Ai, du scheener, ai, du scheener, ai, du scheener Schnitzelbangg.»
Leider sind authentische Schnitzelbank-Texte aus der älteren Zeit, zu der wir auch noch das ganze 19. Jahrhundert zählen müssen, äusserst rar. Immerhin aber lassen die wenigen erhaltenen Rudimente erkennen, dass es lange keinen speziellen Basler Schnitzelbank-Stil gab, sondern dass sich die ganze Schnitzelbank-«Kultur» auf einem ziemlich primitiven, ja vulgären Niveau abspielte, so sehr, dass Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Fasnacht langsam eigenständig-stadtbaslerischen Charakter anzunehmen begann, das neu gegründete Fasnachts-Comité das Schnitzelbank-Wesen unter seine Fittiche nehmen wollte.
(aus «Mundart» Forum des Vereins Schweizerdeutsch, April 2000, «Das fasnächtliche Schnitzelbankwesen», von Rudolf Suter)
Anfang 1921 wurde das Schnitzelbank-Comité gegründet, unter dessen Ägide die sogenannten Comité-Bänke bis heute wirken. Das Bestreben galt auch hier der «Veredelung». Tatsächlich gelang es innerhalb von wenigen Jahren, die Qualität von Inhalt und Auftritt wesentlich zu heben. Neben den Comité-Bänken kennt man heute weitere Gesellschaften, die Vereinigte Schnitzelbankgesellschaft (VSG), 1906 gegründet, von dieser abgespalten die Basler Schnitzelbank-Gesellschaft (BSG) sowie die jüngeren Gesellschaften, Comité 2000, Bebbi-Bängg und Bängg fir Basel. Mit den «wilden» Bängg, die keiner Organisation angehören, dürften sich jeweils etwa 160 bis 200 Bängglerformationen an der Fasnacht auf die Piste wagen.