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Dialektik, die Lehre von den Gegensätzen in den Dingen und Begriffen, kann derart – vereinfacht – aufgefasst werden, dass einer These eine Antithese gegenübergestellt wird und daraus eine Synthese gefunden werden kann. Wie äussert sich aufgrund dieses Schemas die Dialektik im Humor? Karl Valentin, der das »Fundament« des dialektischen Humors gesetzt hat, zeigt es uns.
Vielleicht können drei Beispiele aus dem Buch mit dem Titel »Was war wahr? Was wahr war!« helfen, die »Richtung« zu erkennen: ›Auf einem Stuhl in Valentins Zimmer steht eine Fotografie von Bobsi, dem Lieblingshund, der eingegangen ist. «Das war sein Lieblingsplatzerl, und da darf er immer bleiben, auch wenn ich umziehe.» Auf die Frage, dass Valentin den Hund doch nicht dalassen könne, meinte er: «Da hams recht, muss i den Stuhl doch mitnehma!»‹ Oder: ›Karl Valentin: «Am 25. August kaufte ich einen Blumenstock und stellte ihn auf die Ludwigstrasse. Ich verstehe nicht, dass die Leute sagten: «Aber Herr Valentin, einer Strasse kann man doch nicht gratulieren.» – «Ich möcht wissen, warum nicht, wenn sie doch »Ludwigstrasse« heisst.»‹ Da muss man einfach wissen, dass am 25. August »Ludwig« Namenstag feiert.
Das broschierte Büchlein, für das Hannes König Anekdotisches von Karl Valentin gesammelt hat, umfasst 72 Seiten. Es erschien im Jahr 1969 im »Wilhelm Kumm Verlag Offenbach am Rhein«. Das Schriftwerk wird von Bertl Böheim-Valentin, der zweiten Tochter von Karl Valentin und dessen Frau Gisela Royes, eingeleitet.
Diese Anekdoten fordern auf, sie zu verstehen, eine Synthese zu finden – diese in sie hinein zu interpretieren. So auch bei der nächsten, wo ein natürliches Wachstum aller Dinge als »Lösung des Problems« herhalten muss: ›Am Biertisch behauptet einer, Bayerns höchster Berg, die Zugspitze, sei 2000 Meter hoch. Valentin winkt ab und behauptet: «3000!» Der andere ganz erbost: «2000 Meter! I war doch drom vor 20 Jahr!» Valentin: «Ja mei, Herr Nachbar! Vor zwanzig Jahr, aber heit!»‹
Karl Valentin, der als Einzelkind in einer Vorstadt von München aufwuchs, wurde am 4. Juni 1882 in München geboren und ist ebenda am 9. Februar 1948 gestorben. Der Mann mit langer, hagerer Gestalt war Komiker, Volkssänger, Autor und Produzent von Filmen, erlernte vor seinen ersten Auftritten das Schreinerhandwerk. Nach Abschluss seiner Lehre arbeitete er als Facharbeiter und hatte während dieser Zeit seine ersten öffentlichen Auftritte – als »Vereinshumorist«. Im Alter von zwanzig Jahren trat Valentin Ludwig Fey – so hiess Karl Valentin mit bürgerlichem Namen – erstmals unter seinem – künftigen – Künstlernamen auf. Seine langjährige Freundin Gisela Royes, die Dienstmädchen im Hause Fey war, heiratete Karl Valentin – nach der Geburt ihrer gemeinsamen zweiten Tochter – im Jahr 1911.
Obenstehende Fotografie zeigt Karl Valentin und seine Bühnenpartnerin Liesl Karstadt. In den 25 Jahren der Zusammenarbeit entstanden etwa 400 Sketche und Komödien.
Ab dem gleichen Jahr wurde Elisabeth Wellano (* 12. Dezember 1892; † 27. Juli 1960) unter dem Namen Liesl Karlstadt seine Bühnenpartnerin. Zusammen bildeten sie eines der namhaftesten und bekanntesten deutschen Komikerduos des 20. Jahrhunderts. Karl Valentin beeinflusste zahlreiche nachfolgende Künstler, wie beispielsweise Loriot, Gerhard Polt und Helge Schneider.
Zum 125. Geburtstag von Karl Valentin erschien im Jahr 2007 eine Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost (1947 bis 1994), Das gezeichnete Motiv nimmt Bezug auf den Valentin-Film »Der neue Schreibtisch«, welcher im Jahr 1913 von Peter Ostermayr produziert wurde.
In München am Viktualienmarkt erhielten Karl Valentin wie auch seine Bühnenpartnerin Liesl Karlstadt Denkmäler – den Karl-Valentin-Brunnen und den Liesl-Karlstadt-Brunnen. Ebenfalls in München ist in den beiden Flankentürmen des Isartors das Valentin-Karlstadt-Musäum untergebracht. – Und unter http://www.karl-valentin.de, die einzige von der Familie autorisierte Website, auf der neben einem Shop und einer Fotogalerie viele interessante Informationen über das Leben und Wirken des berühmten Karl Valentin zu finden sind, aufrufbar. Der Online-Shop für »Gebrauchte Bücher« – buchplanet.ch – verfügt über weitere Bücher, die uns Karl Valentin und seinen Humor noch näher bringen als sie uns sicher immer präsent sein werden.