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Oberhalb der Ortschaft Bordei, entlang des Wanderweges der zum Gipfel des Gridone führt, befindet sich die einzige «Schneegrotte», die im Centovalli bekannt ist. Sie entstand dank der Ausnutzung einer natürlich entstandenen tiefen Schlucht anlässlich
einer vor langer Zeit gefallenen Lawine, welche grosse Felsmassen entlang einer Senkung seitlich des Berges deponierte. Unterhalb dieser Felsen konnte man eine Höhle gewinnen, in welcher die Temperatur dank speziell kalten Luftströmungen aus dem Untergrund konstant 4 Grad beträgt, auch während den wärmsten Monaten.
Zu Fuss in fünfzehn Minuten ab Bordei erreichbar, diente die Schneegrotte als natürliche Vorratskammer für Molkereiprodukte, Fleisch und Wurstwaren. Bis noch vor wenigen Generationen produzierten die Leute, welche in dieser Gegend lebten, einen grossen Teil der Konsumgüter, die sie zu ihrem Unterhalt benötigten, selber.
Die Lebensmittelproduktion war an einen regelmässigen saisonalen Rhythmus gebunden, weshalb es von wesentlicher Bedeutung war, die Erzeugnisse während Monaten konservieren zu können. Die Funktion dieser Konstruktionen war folglich
von fundamentaler Wichtigkeit für das fragile ökonomische Gleichgewicht des Lebensunterhaltes jener Zeit.
Die Schneegrotte wurde Anfang der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts aufgegeben, als das Dorf an das Stromnetz angeschlossen wurde und sie damit für die Bevölkerung des Ortes ihre Nützlichkeit verlor.
Obwohl der Name «nevéra» im lokalen Kollektiv verwendet wird, ist die Bezeichnung Schneegrotte in diesem Fall nicht ganz richtig. Im Gegensatz zu den traditionellen
Schneegrotten, denken wir zum Beispiel an diejenigen vom Valle di Muggio und vom Monte Generoso, wurde die Grotte von Bordei im Winter nicht mit Schnee gefüllt.
Die unterirdischen, konstant kalten Luftströmungen während des ganzen Jahres genügten vollkommen, um die benötigten Temperaturen für die Konservierung der Lebensmittel zu garantieren. Das Füllen der Höhle mit Schnee hätte im Gegenteil die
Öffnungen («fiadairöö»), aus welchen die kalte Luft strömt, verstopft.
Die Schneegrotte von Bordei zählt daher eher zu den traditionellen Kellern, in welchen
die natürlichen Kälteverhältnisse besonders aussergewöhnlich sind.
Die Schneegrotte von Bordei erreicht man über einen bequemen Wanderweg. Durch eine konservative Renovation wurde der Zugang über eine neue Metalltreppe für Besucher erleichtert. Somit hat man die Möglichkeit hinunterzusteigen um die aussergewöhnlichen natürlichen Kältebedingungen selber zu erleben.