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Beiträge aus Brainworker's Denkwerkstatt
Brainworker's Auseinandersetzungen mit Welt&Handel begannen im Jemen (1988-94), also aus der Perspektive eines "Verliererlandes". Die Forschungen zum Problem nachhaltiger Waldbewirtschaftung zeigten, dass Globalisierung eigentlich kein neuartiges Problem (oder
|Die Stimme des Redners muss den Marktplatz erfüllen und
in jeden Winkel dringen können.

Die politische Vernunft lebt in Hörweite.
Platon in Safranski: Das Böse
Gottesgeschenk) ist, sondern unter dem Namen Welthandel bereits im vorletzten Jahrhundert vielen Entwicklungsländern mit Kanonenbotdiplomatie aufgezwungen wurde:
The spread of "the open market ideology" in the orient was clearly assisted by imperialism: "Egypt has been forced 1840 by Palmerstone and the British fleet to accept the contract of 1838 and Muhammed Ali had to bend under the religion of free trade . "I recognise the advantages of free trade, fixed in the existing contracts; radiating testimonies announce its achievements, and I can no longer deny, what looks now evident for me. Imperative conditions forced me to introduce the monopoly and to maintain it." [ Rodinson . s. http://www.brainworker.ch/reports/yemen/25OEKON.HTML ]
Die theoretischen Betrachtungen von Wallerstein und Quigley bestätigen dies: A world economy is an economy with many cultures, but without an encompassing state. Therefore the economy's processes are linked through a "market", rather than through a redistributive state. Während Wallerstein seine Analyse auf dem Konzept Zentrum - das gewinnt -und Peripherie - die ausgebeutet wird - basiert, analysiert Quigley vor allem das wichtigste Instrument des Kapitalismus, das Wachstum und seine Phasen.
Im Vergleich dazu bringt das relativ neue Buch von Sloterdijk überhaupt nichts. Im Weltinnenraum des Kapitals. Eine philosophische Theorie der Globalisierung liefert weder eine klare Darstellung von Strukturen und Prozessen, nicht mal von Begriffen, was ja die Grundaufgabe der Philosophie wäre - und schon gar keine Theorie der Globalisierung. Quigley und Wallerstein gehen da nach wie vor weit mehr in die theoretische Tiefe und Breite ökonomischer Herrschaftsbegründung.
Als Redaktor der Freiwirtschaftlichen Zeitschrift ®-evolution nahm ich dann die Wirtschaft aus der Perspektive der Geldtheorie unter die Lupe. Auch aus der Perspektive führt ungelenkte Globalisierung zur Begünstigung der bereits Starken, da diese nicht nur über militärische und wirtschaftliche Uebermacht verfügen, sondern auch den Geldmarkt manipulieren können ($$$). s. Geldökologie
In letzter Zeit sind einige weitere Analysen hinzugekommen, da in der Schweizer Forstwirtschaft einige "Experten" die bestehenden und recht extremen wirtschaftlichen Probleme der Waldwirtschaft zum Vorwand nehmen, die Privatisierung zu ideologisieren und zu fördern.
Dass die Argumentation stimmt zeigt sich zur Zeit an den sich häufenden Kollapsen bei der Stromversorgung (USA, Italien, SBB; Neuchâtel ...). Auch diese werden darauf zurückgeführt, dass der Massstab des liberalisierten Marktes zu gross ist für die ursprünglich national und regional gebauten Netze. Beim Stromhandel über Grenzen und grosse Distanzen hat kaum mehr einer den nötigen Überblick. (Prof. W. Kröger, Inst. f. Energietechnik, ETZ, Zürich in: Risiko eines totalen Stromausfalls steigt. Handelszeitung Nr. 26.29. Juni 2005. S. 8). Diese Vorgänge zeigen präzise das Problem der globalen Weltwirtschaft: Niemand hat den Überblick. Der Zusammenbruch des Stromnetzes in Italien wäre leicht zu vermeiden gewesen, hätte man zwei oder drei Pumpspeicherwerke ausgeschaltet. Der Zusammenbruch des SBB Netzes wäre leicht zu verhindern gewesen, hätte man den Stromexport, der ungehindert weiter lief, eingestellt. Dazu waren auch noch Umformer vorhanden, die den zusätzlichen Bedarf leicht hätten liefern können. Aber im plötzlichen Chaos ging der Überblick verloren und das nahe Liegende in tausenden von Störmeldungen unter.
FAZIT:
Wenn Denkfehler zum System werden ... Neoliberalismus? Bitte spülen!
|Globalisierung:

Die Reichen werden reicher und die Armen zahlreicher.
Max Frisch
Dazu kamen auch einige Analysen zum Nachbargebiet, der Landwirtschaft:
Sowie einige die zeigen, dass es eigentlich beim Wirtschaften nicht nur ums Geld gehen sollte, sondern vielleicht eher um Zufriedenheit, die ihrerseits mit relativ wenig Geld erreichbar ist (oder eben gar nicht).
Wie im Artikel Wer trägt die Schuld an der zunehmenden Ungleichheit - Globalisierung oder technischer Fortschritt? bereits festgestellt wurde: Globalisierung lässt sich weder mit hui noch mit pfui abtun.
Ich lebe hier in der Region Basel, die 70% ihrer Produkte exportiert, weltweit, seit über 100 Jahren (die Region natürlich, exportiert seit über 100 Jahren. Leben tu ich hier, in Basel, erst seit dem 1.4.05). Die regionale Wirtschaft wird bestimmt von Giganten wie Novartis, UBS, Hoffman-La Roche, Lonza ... jede Träne eines Bewohners dieser Region wäre eine Krokodilsträne - regionalwirtschaftlich betrachtet (Wenn Sie mit der Maus über den WEBDESIGN unten fahren, sehen Sie einen weiteren Grund). Beruflich allerdings, als Forstingenieur zumindest, steh ich existenziell am Rande, da sie in einem Markt der nichts mehr hergibt so viel Leistung bringen können wie sie wollen, Sie kommen über den working poor kaum hinaus. Die letzten, die glauben, dass harte Arbeit guten Lohn bringt sind noch die Bauern (s. Bauernlöhne), die wohl an dem Glauben noch festhalten, wenn sie ihren Lohn beim Sozialamt holen müssen (oder auch sie zu "Dattelhändlern" geworden sind).
Wirtschaften sollte primär lokal erfolgen, und, im Sinne der Nachhaltigkeit, auch eher Subsistenz orientiert als auf Wachstum ausgerichtet. Wer an der Begrenztheit der Ressourcen noch zweifelt, muss sich nur mal die Präsentation von Adam Nieman oben links ansehen. Die grüne Kugel stellt alles Wasser, auch Meerwasser, der Erde im richtigen Verhältnis dar, dir rechte Kugel das gesamte Luftvolumen. Das ist alles war wir zur Verdünnung unser Abwasser und unsere Abgase zur Verfügung haben.
Da eine Rückkehr zur landwirtschaftlichen Subsistenzökonomie nicht mehr möglich ist, gilt es dennoch, die Kontrolle über lokale Wachstumsprozesse auch lokal einigermassen im Griff zu behalten. Eine zu einseitige Globalisierungseuphorie geht zu Lasten der Schwachen, der militärisch wie ökonomisch schwachen Länder, der struktur-schwachen Regionen, der ertragsschwachen Branchen und der machtlosen Angestellten, für deren Arbeitskraft und Leistung ein Ueberangebot herrscht.
|Sobald aber Völker, deren Produktion sich noch in den
niedrigeren Formen der Sklavenarbeit, Fronarbeit usw. beweg, hineingezogen
werden in einen durch die kapitalistische Produktionsweise beherrschten
Weltmarkt, der den Verkauf der Produkte ins Ausland zum vorwiegenden
Interesse entwickelt, wird den barbarischen Greueln der Sklaverei,
Leibeigenschaft usw. der zivilisierte Greuel der Überarbeit aufgepfropft.

Karl Marx: Das Kapital. I.3.8
Die, inzwischen bereits zur Ideologie verkommene, Idee, dass schrankenloser Welthandel allen nur Vorteile bringt, übersieht einige Tücken. Die Idee wäre ja, dass jeder das produziert was er am besten, also am günstigsten, kann, und dass durch den Austausch alle gewinnen. Hier werden allerdings, wie das in der Oekonomie eigentlich die Regel ist, die dahinter stehenden Machtverhältnisse (s. http://www.brainworker.ch/WAP/holzmarkt.htm) ausgeklammert. Wenn wir kapital- und wissensintensives Hightec exportieren, dann müssten die wirtschaftlich schwächeren diese im Tausch gegen Rohstoffen, Nahrungsmitteln und einfache Industriegüter beziehen. Da Rohstoffe jedoch zumeist einfach ausgebeutet werden, von nachhaltiger Nutzung keine Rede ist, sind dort die Preise eh am Boden (Erdöl, Holz, Baumwolle ...). Was landwirtschaftliche und industrielle Güter betrifft, so werden diese ja nirgends rationaler und schneller erzeugt als in den entwickelten Ländern. Inzwischen ist jedoch bei uns nicht nur Landwirtschaft unrentabel, sondern immer weitere Zweige der Industrie. Wenn die weniger Entwickelten hier trotzdem mit billigeren Preisen konkurrieren können, dann auf Grund ihres einfacheren, meist sehr einfachen, Lebensstandards und tieferen Einkommens. Allerdings werden sie ja dennoch auf beiden Gebieten ausgebremst, insbesondere was die Landwirtschaft betrifft. Und dies nicht ganz zu Unrecht (auch wenn ich mir hier den Zorn der gesamten Linken und Entwicklungsexperten auflade). Wenn wir land- und forstwirtschaftliche Produkte billiger vom globalen Markt beziehen, dann entziehen wir damit gleichzeitig 2/3 unserer Landesfläche einer sinnvollen Nutzung - oder wir nutzen nach eben den selben destruktiven, da ausbeuterischen Verfahren, mit denen global billiger produziert wird (s. http://www.brainworker.ch/WAP/profitwald.htm). Die nun unproduktiven Flächen müssen nun weiter gepflegt werden, da eine völlige Verwaldung ungenutzter Landwirtschaftsflächen, wie eine übermässiger Anteil an "Urwald", mehr Probleme schafft als löst. Sie verursachen also Aufwand ohne Ertrag. Und die einzige Antwort die Oekonomen darauf wissen ist, den Aufwand bleiben zu lassen. Also keine sehr intelligente Antwort. (s. Mit dem Bauern-Opfer - verschwindet die Urform einer selbständigen, eigenständigen, eigenverantwortlichen Produktions- und Lebensstils).
Ein weiteres ungelöstes Problem ist das der Arbeitsplätze. In der traditionellen subsistenzorientierten Landwirtschaft produzierten die Bauern für's Überleben Die moderne Wirtschaft produziert für das Überleben des akkumulationsorientierten (kapitalistischen) Wirtschaftssystems. Im ersten Fall sind Arbeit, Produktion und Konsum direkt verknüpft, im letzteren löst sich alles in einer diffusen Finanzwolke auf (IT-Boom 2000), bei der niemand mehr so recht weiss, was eigentlich noch Wert und Bestand hat. Die höchsten solcher "Werte" werden von Banken und Chemie geschaffen. Einen hohen Anteil an solchen und weitern Dienstleistungsbranchen will man durch die Restrukturierung fördern - macht sich aber damit zum Bock statt zum Gärtner. Warum denn sind diese Branchen so rentabel? Gerade weil sie mit geringstem Aufwand an Material und Personal grosse Gewinne einfahren können. Arbeit wird hier nicht geschaffen. Der Sinn der so teuer produzierten Güter muss den Konsumenten mit enormem Werbeaufwand verklackert werden. Hier hat sich die Ökonomie schon längst von der Versorgung mit notwendigen Gütern zum notwendigen Absatz eigentlich überflüssiger Güter gewandelt.
Gerade im Bereich der Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern, in der Landwirtschaft, zerstört die Restrukturierung Strukturen, die wir vermutlich in wenigen Jahren, höchstens Jahrzehnten, wieder aufbauen müssen. Hier wirkt aber nicht nur die Globalisierung durch immer tiefere Preise aus Massenproduktion, hier wirken z.B. auch Minimallöhne restrukturierend, da diese für Angestellte oft höher angesetzt sind, als der Verdienst des Betriebseigentümers. (s. Bauern).
Die Globalisierung ist somit nur ein letztes Aufbäumen des Kapitalismus - bevor er den selben Weg nimmt, wie kurz zuvor sein Brüderchen, der Kommunismus. Bevor wir uns von Ökonomen oder andern Eliten erzählen lassen, welche Marktideologie wir als nächste anzubeten haben, sollten wir uns vielleicht mal selbst ans Denken machen.
Apropos Denkfehler: Die Globalisierung ist eigentlich am Ende bevor sie beginnt. Globalisierung beruht auf billigen Transporten. Billige Transporte beruhen auf billigen Treibstoffen. Erdöl hat aber sein Zenit (peak oil) bereits überschritten. In den USA wurde die maximale Förderung bereits 1971 erreicht, in England und der Nordsee vor 2002. Für den Rest der Welt wird das Selbe zwischen 2010 und 2020 eintreten, wonach mit dauernder Verknappung und somit mit dauernd steigenden Preisen zu rechnen ist.
Martin Herzog, WEBDESIGN, Rheinfelden, 26. November 2003 / 27. Juni 04
Gesteuert wird die Globalisierung vom Kapital, also präziser den Experten der Kapitalgewinnmaximierung. Und hier ist die Schweiz Spitze. Leider können wir hier nicht (bloss) auf den USA rumtrampeln.
|Heute ist ja schon so ziemlich alles globalisiert -
nur unser gemeinsamer politischer Wille nicht. .. Eine Hand voll Männer
aus den reichsten Ländern der Erde gebrauchen die weltumspannende Macht,
die sich in ihren Händen konzentriert, um dem Rest der Menschheit
vorzuschreiben, wie sie zu leben hat.

George Monbiot: United People. Manifest für eine neue Weltordnung. Riehmann. One Earth Spirit. 2003 [S. 9]
Die Gigamaschine "Weltmarkt" wird von Finanzexperten gebaut, ohne uns zu fragen, ob wir in dieser Maschine leben wollen, ohne Rücksicht auf die sich abzeichnende 20/80 Gesellschaft, in der 4 von 5 Personen die Rolle des 5. Rads am Wagen kriegen, ja sogar ohne die Aktionäre zu fragen. (s. link "Gigamaschine"). Nirgends auf der Welt sind aber so viele Offshore-Konten vorhanden (da rund die Hälfte davon in der Schweiz liegen), nirgends ist die Dichte an Finanzberatern so hoch und nirgends ist der Wert der börsenkotierten, vor allem internationalen, Firmen im Verhältnis zum BSP derart hoch wie in der Schweiz. Die Schweiz ist also fast das Vaterland der Globalisierung - und sie hat damit auch bereits im 19. JH. (s. Geschichte der Basler Chemie).
Eine Untersuchung der Finanzmärkte zeigt jedoch, dass sie zwar herrschen, aber dies höchst ineffizient (und dazu ungerecht ... aber Gerechtigkeit ist ja kein ökonomisches Kriterium, Effizienz schon.)
Die globale Welt wird nicht von Regierungen, sondern von Finanzorganisationen beherrscht.
M. Herzog, Basel, Juli 05
Neuster Beitrag: From "Economy of Power" to a sustainable "Wise Economy" [14.04.06]
Nicht von mir, aber äusserst ergiebig, insbesondere auch die Literaturliste: Die Dialektik der Globalisierung in Ökonomie, Politik, Kultur und Technik. Christian Fuchs,Wolfgang Hofkirchner. Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung, Technische Universität Wien. Überarbeitete und erweiterte Version eines Vortrages gehalten Gesellschaft für Soziologie (ÖGS), Wien, 20-23/09/2000
These:
Globalisierung ist ein allgemeiner Prozesse der Menschheitsgeschichte, der in ein dialektisches Verhältnis von Lokalem und Uebergreifendem /Globalem eingebettet ist.
Jede Form der Gesellschaft ist durch eine konkrete Ausprägung dieser Dialektik geprägt. Die Ausprägung im Kapitalismus basiert auf gesellschaftlichen Antagonismen (früher Klassenkampf genannt).
Der Antagonismus ist hier so stark ausgeprägt, dass er die Fortexistenz menschlichen Lebens gefährdet.
Probleme der Globalisierungskritik:
Linke merken oft nicht, dass sie mit ihrem antikapitalistischen Feldzug gegen die Globalisierung dem rechten Nationalismus in die Hände arbeiten -
während "neo-liberale" Fraktionen der SP wie der Grünen in einem nach wie vor relativ unkritischen Fortschrittsoptimismus oft ebenfalls der Globalisierung huldigen. Die SP hat diese Behauptung gerade fulminant gestützt mit ihrem neuen Zehnjahresprogramm - das richtigerweise gleich als Wirtschaftskonzept raus kommt.
Anfänge und Entwicklung der Globalisierung:
Globalisierung ist an und für sich kein neues (postmodernes) Phänomen. Nathaniel Hawthorne verglich bereits Mitte des 19. JH., angesichts der einsetzenden Verdrahtung der Welt, in seinem Roman "Die sieben Giebel" den Globus mit dem Gehirn. Teilhard de Chardin sah bereits 1925 ein (positives!) Zusammenwachsen der Menschen, die Entstehung eines gemeinsamen Bewusstseins in der Noosphäre. Vladimir Vernadskij, Begründer der Biogeochemie - und damit des globalen Denkens - sah bereits am Vorabend des zweiten Weltkrieges Fakten komplexer Systeme am Werk, den Schmetterlingseffekt: Das Leben der Menschheit ist, bei all seiner Verschiedenartigkeit, unteilbar geworden. Ein Ereignis, das im abgelegensten Winkel eines beliebigen Kontinents oder Ozeans vonstatten ging, zieht Folgen nach sich und hat an einer Reihe anderer Orte, überall auf der Erdoberfläche, Auswirkungen - grosse oder kleine.
Immanuel Wallerstein hat längst gezeigt, dass die kapitalistische Gesellschaft nie national beschränkt, sondern Weltweit agiert, eine weltweite Arbeitsteilung realisiert - und vor allem, vom Zentrum her die Peripherie ausbeutet. Das einzige was sich in letzter Zeit wirklich geändert hat, ist, dass nun das wirtschaftliche System über das politische dominiert.
Harald Schuhmann (Die Globalisierungsfalle. 1996) versteht unter Globalisierung die transnationale, grenzüberschreitende Integration von Unternehmen, Märkten, Informationsflüssen, ja sogar von Kulturen.
Joachim Hirsch sieht Effekte der Globalisierung vor allem in einer radikalen Liberalisierung, primär der Geld- und Kapitalmärkte, einer weltweiten Mobilität der Arbeitskräfte, einer Verdichtung und Beschleunigung der Kommunikation, einer Vereinheitlichung kultureller Muster und Konsumstandards, wachsender Bedeutung transnationaler Unternehmen und einer fortschreitenden Internationalisierung der Produktion.
James Rosenau sieht eine zunehmend polyzentrische Weltpolitik, die nicht mehr von Nationalstaaten, sondern von transnationalen Weltkonzernen und international agierenden Organisationen gemacht wird.
Der postmoderne Theoretiker Zygmunt Bauman betont die Verbindung von Globalisierung und Lokalisierung, die Glokalisierung, die zu einer Polarisierung zwischen global agierenden Reichen und lokal angebundenen Armen führt. Globale Produktion ist an und für sich gar nicht möglich, denn jedes Unternehmen braucht lokale Bindungen, einen Ort, an dem es Sichtbar und Auffindbar bleibt, um überhaupt existieren zu können. Glokalisierung ist meinem Begriff des Neofeudalismus recht nahe, denn es geht dabei darum, dass sich das Kapital aller möglichen Belastenden Substanz entledigt und sich auf Herrschaftsgebiete konzentriert. All die Werte, insbesondere die Solidarität, die traditionell den Zusammenhang von Völkern und Nationen garantiert haben, gehen dabei allerdings flöten. Eine landesplanerische Umsetzung dieses Modells ist der Vorschlag von Diener, Herzog, Meili, de Meuron und Schmid: Die Schweiz. Ein städtebauliches Portrait.
In der postfordistischen neoliberalen Ära zog sich der Staat immerweiter aus der Wirtschaft zurück und vermindert durch Sozialabbau die Qualität und Quantität der Eingriffe in den sozialen Bereich. Den ungehemmten Kräften des "freien" Marktes wird freier Lauf gegeben. Die frei gestellten Mitarbeiter werden zunehmend auch von der psychischen Belastung als Almosenempfänger befreit und auf sich selbst gestellt - während den Unternehmen Steuerbefreiung und Subventionen (günstiges Land, Sonderbehandlungen) angeboten werden..
Da die Profitrate bei ausgebauten Märkte logischerweise stagniert, wurde seit den 70ern der "fiktive Kapitalmarkt" immer bedeutender. Robert Kurz redet von fiktivem Kapital, weil dieses einen Vorgriff (Diskontierung) auf in der realen Zirkulations- und Akkumulationssphäre noch nicht entstandenes Kapital bedeutet. Andere Ausdrücke für ähnliche Vorgänge: Kasinokapitalismus, Spielgeld (Vontobel), Turbokapitalismus, Raubtierkapitalismus, Killerkapitalismus, Mafiakapitalimus, unzivilisierter Kapitalimus, postproduktiver Kapitalismus, Nachkapitalismus.
Hier treten nun Staaten und vor allem Städte in einen Wettbewerb um die günstigsten Standorte und Rahmenbedingungen der Kapitalakkumulation: Jener Staat, der die Deregulierung und den Sozialabbau am meisten vorantreibt, kann mit dem Wohlwollen des internationalen Kapitals und den sich daraus ergebenden Investitionen und Betriebsansiedlungen rechnen. [S. 23] Der Staat wird nicht überflüssig, im Gegenteil. Je schärfer die Gegensätze, desto intensiver wird seine Garantie des Eigentums gefordert, also die Überwachung, die Verhinderung von Bedrohung und Übergriffen der Ausgeschlossenen gegenüber den Habenden. Ach, wie günstig kam doch da 9/11, nach dem man alle die nicht patridiotisch zu allem was von oben kommt hurrah schreien zu Terroristen erklären kann .... Der Staat wird zum Überwachungsstaat, der versucht, mit allen Mitteln, inklusive Propaganda und Lüge, den Konsens zwischen Reichen selbst, aber auch zwischen diesen und den andern, zu erhalten.
Die Städte werden wohl kaum nach "Lebensqualität" ausgewählt, sondern danach, wie gut sie ihre Funktion in der Akkumulation von Kapital spielen können. Die entscheidenden Faktoren werden also ökonomischer Art sein, insbesondere Steuern. ... aha .... woll, doch, das macht doch gleich verständlich, warum sich die Städte in letzter Zeit derart für bundesstaatliche Unterstützung einsetzen, für eine Verschiebung der Entwicklungspriorität weg vom unterentwickelten Peripherie hin zum Zentrum .... das zwar bereits ZuR(e)ich ist, aber nie genug kriegen kann: Die globalen Städte wie New York, London, Tokyo, Paris, Frankfurt, Zürich, Amsterdam, Los Angeles, Sydney, Sao Paulo, Mexico City und Hong Kong zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Kommandozentralen der Kapitalakkumulation sind. Sie sind Kommandostellen in der Organisation der Weltökonomie, Marktplätze und Standorte der führenden Industrien und Produktionsräume für die Innovationen dieser Industrien (Sassen 1998)
Die globalen Städte sind im Gegensatz zu unterentwickelten Regionen reich an Infrastruktur. ... Reiche Stadteile werden immer häufiger von Polizei und privaten Sicherheitskräften abgeriegelt ... Obdachlose, Bettler, Drogensüchtige und Arme werden von gewissen Plätzen vertrieben, damit das heile Bild der Welt, das durch Medien und Kapital in der Reklame präsentiert wird, dass sie die Objekte des Konsums frei auswählen können, nicht getrübt wird.
Im Kapitalismus besteht der Hauptsinn der Technik in der effektiven Organisation der Kapitalakkumulation in Form des technischen Produktionsmittels. Technik dient nicht mehr den Menschen zur Erleichterung ihres Daseins und ihrer Auseinandersetzung mit der Natur, sondern der effektiven Produktion von Mehrwert, die zur Ausbeutung der Arbeitenden durch das Kapital führt. S. 40
Die Autoren sehen als Vorteil der Flexibilisierung und der Tatsache, dass Arbeitnehmer zunehmend selbst unternehmerische Fähigkeiten entwickeln müssen, dass sie die Vorgänge auch eher durchschauen und nicht mehr als Rädchen im Getriebe hinnehmen. [Dem entgegen steht allerdings, dass es in der Gesellschaft keine bezahlte Funktion mehr gibt, ausser der des Rädchens!] Von der Tätigkeit in virtuellen Organisationen erwarten sie eine Demokratisierung des Wissens, eine Erhöhung der Bildung, Kreativität und Lernfähigkeit, den Ausbau sozialer Kompetenz. [Dem entgegen steht allerdings, dass der moderne Betrieb eine Kampfgemeinschaft ist, in der jeder dazu angehalten ist, das in seiner Funktion notwendige Wissen anzuwenden ... nicht zu kommentieren, zu erweitern oder zu verbreiten.] Allerdings wird dann die Kritik von Jeremy Rifkin aufgenommen: Viel ist gesagt und geschrieben worden über Qualitätszirkel, Teamarbeit und mehr Mitbestimmung am Arbeitsplatz. Nur wenig ist dagegen gesagt und geschrieben worden über die wachsende Anspruchslosigkeit der Arbeit, die zunehmende Geschwindigkeit der Produktion, die steigende Belastung oder die neuen Formen des sanften Zwangs und der subtilen Einschüchterung, mit denen die Beschäftigten in die postfordistische Produktion eingepasst werden. Oft verlässt sich das Management darauf, dass die Teams ihre Mitglieder disziplinieren. [Rifkin 1995] S. 47
Frauen seien die optimale Arbeitskraft für den kapitalistischen Arbeitsprozess, da sie weltweit nicht als Lohnarbeitende gelten, sondern als Hausfrauen (auch dann, wenn sie lohnarbeiten, da sie auch in diesem Fall wie Hausfrauen angesehen werden und daher geringer entlohnt werden als Männer), die als prinzipiell weniger wert gilt als die Lohnarbeit. [S. 48]. Wir sehen hier eine deutliche Parallele zur aus-Nutzung der Bauern, mit denen immer sehr "flexibel" umgesprungen werden konnte. Man musste nicht mal ihre Existenz sichern, da sie immer noch den Bauernhof im Hintergrund hatten. Das selbe gilt nun für die Haus-Frauen, bei denen man annimmt, sie hätten einen Mann, auf den man die Verantwortung für die Sicherung eines ausreichenden Familienunterhalts und damit der Existenz der Haus-Frau nach wie vor abschieben kann.

Globalisierung ist die Fortsetzung der Kolonialisierung - mit betriebswirtschaftlichen Mitteln.
Zum Problem der Mitbestimmung in einer globalisierten Welt (IAW: Institut für Arbeit und Wirtschaft. Universität Bremen)
Islam und Globalisierung [Der Bürger im Staat. Heft 2/3. 2004]
Mathias Binswanger wehrt sich schon seit einem Jahrzehnt gegen eine Fehlinterpretation der "immer und für alle" positiven Effekte des Freihandels. Im CASH vom 6. Juli eine gelungene Neuformulierung der Probleme mit einer alten Theorie. Ich fasse frei - und in meiner Sprache - zusammen:
Den Portugiesen war bereits 1703 von England ein Freihandelsabkommen (Methuen Treaty) aufgezwungen worden (wie im 19. JH den meisten arabischen Staaten, per Kanonebootdiplomatie), dank dessen die gesamte Manufakturindustrie nach England verlegt wurde. Zudem verpflichteten sich die Portugiesen, die Importzölle zum Schutze der eigenen Tuchindustrie aufzuheben. Effekt: England wurde zur führenden Industrie- und Tuchnation, Portgal zur Provinz ... die noch etwas Portwein und Oliven lieferte.
|Der Handel wirkt deshalb überall
mehr oder minder auflösend auf die vorgefundenen Organisationen der
Produktion, die in allen ihren verschiedenen Formen hautsächlich auf den
Gebrauchswert gerichtet sind.

Karl Marx. Das Kapital VI/3.3: Geschichtliches über das Kaufmannskapital. S. 83
Als Grundlage für die Wohltaten des Freihandels dient David Ricardos Theorie des komparativen Vorteils. Ricardo musste damit aber bloss die Engländer, nicht die Portugiesen überzeugen, denn die waren ihm egal - genau so wie heute der Rest der Welt den USA und den Transnationalen Giganten.
Binswanger erklärt diesen anhand eines einfachen Beispiels: Ein Anwalt stellt eine Sekretärin an, obwohl er selbst die Briefe schneller und mit weniger Fehlern schreibt. Während dieser Zeit kann er aber seine, doch um einiges besser bezahlten Dienste als Anwalt nicht anbieten. Diese Opportunitätskosten, der Verlust an Zeit in der er mehr hätte verdienen können, veranlassen ihn, die Sekretärin eben doch anzustellen. Die Opportunitätskosten der Sekretärin sind vermutlich auch geringer (wenn sie als Alternative Kinder hüten müsste).
Portugal (der fiktive Anwalt) besass nun zwar die effizientere Tuchproduktion (Schreiben) als England, aber noch weitaus höhere Vorteile in der Weinproduktion (= Kanzlei). Währenddem England aus natürlichen Gründen keinen Wein produzieren kann, dieser in Portugal aber vorzüglich gedeiht und in England gerne getrunken wird, sollte sich Portugal auf die Weinproduktion spezialisieren.
Dies gilt aber nur, solange Zeit=Geld ist ... und das ist sie nur für Leute, die Arbeit haben, die ihre Produkte verkaufen können. Ist der Anwalt nicht voll ausgelastet, kostet es ihn weitaus weniger, wenn er seine Briefe in der freien Zeit selbst schreibt. Die Arbeiter, die in Portugal mit der Produktion von Tuch beschäftigt waren, konnten nicht in die Landwirtschaft zurückkehren, einerseits, weil da der teure Kapitalbedarf ist, der Boden, andererseits, weil die Landwirtschaft immer die erste Wirtschaft ist, die rationalisiert. So herrscht in der Landwirtschaft die höchste Konkurrenz - und damit, getreu allen Wirtschaftsgesetzen - die tiefsten Löhne und Profitraten nahe bei 0. Eine Erhöhung der Weinproduktion in Portugal hätte zu dem geführt, was wir in den letzten 20 Jahren erleben, einer Weinschwemme und damit zum Zerfall der Preise - ganz egal wie teuer die Weinproduktion in England wäre.
Der geschichtliche Hintergrund: 1808 hatten die Kriege zwischen Napoleon und England auf portugiesischem Boden das Land ruiniert. Den nächsten Schlag erhielt es durch den Abfall Brasiliens 1822, der zu einem Staatsbankrott führte, dem 1842 und 1891 zwei weitere folgten. 1911 bis 1926 hatte Portugal 8 Präsidenten, 34 Regierungen, 20 Aufstände und Staatstreiche. Portugal ähnelte damals den heutigen Entwicklungsländern - und war völlig von ausländischem Kapital abhängig, insbesondere dem aus England, das die Hauptexporte von Portwein dominierte, grosse Ländereien aufkaufte und die Banken kontrollierte. Diese Herrschaft wurde unterstützt durch die Zweiteilung des Landes. Während im Norden zersplitterter Kleinbesitz herrschte, waren es im Süden die Grossgrundbesitzer, die eine absolute Herrschaft über Personal und die von Lohnarbeit abhängige Bevölkerung ausübten. Noch 1948 bestand die Hälfte der Bevölkerung Portugals aus Bauern und Landarbeitern. 30% der Bevölkerung waren Analphabeten - was man als direkte Folge der Anwendung des "komparativen Vorteils" durch England betrachten darf. Der Aufstand in Angola von 1961 trieb eine Million Portugiesen in die Emigration, da sie die Aussicht wenig schätzten, 4 Jahre in den Tropen Militärdienst zu leisten.
Gerade heute, wo jeder und jede (inklusive SP) vom notwendigen technologischen Vorsprung redet (und dabei vergisst, dass nur einer vorne sein kann ...), dürfte eigentlich keine Nation oder Region derart vertrottelt sein, auf so was reinzufallen. Der komparative Vorteil hat den Nachteil, dass er den Status quo zementiert: Reiche Länder mit gut ausgebildeten Arbeitskräften produzieren hochwertige teure Güter - arme Länder mit reichlich wenig qualifiziertem Personal produzieren Massenware. Wie Chinas Textilexporte zeigen, wird aber sogar das nicht geschätzt ..
Dieser wird in Wiki zur Zeit intensiv und schon fast polemisch diskutiert (gute Argumente, leider in oft katastrophaler und unverständlicher Formulierung). Die Kritik daran lautet, sie sei "unneutral" formuliert, der komparative Vorteil gehöre zum Standardwissen der Volkswirtschaft und man dürfe die Studenten hier nicht so verunsichern. Hier zeigt sich das Hauptproblem von Wiki, mit dem ich mich auch schon rumgeärgert habe: Wenn eine Definition nicht in Google abrufbar ist, ist sie offenbar falsch. Wenn Google also falsche Informationen en masse vorlegt, kommen die auch noch gleich in Wiki, und haben kaum eine Chance, da wieder zu verschwinden, ausser man finde ganze Horden von Webpublizisten mit gut besuchten Webs, die das nach und nach korrigieren können. Sollten sich die Freunde traditioneller Macht-Marktwirtschaft durchsetzen und diese Beiträge mal verschwinden, sagen Sie's mir, ich hab sie gespeichert.
p.s: Der Sound, der Sie vielleicht beim Aufladen der Seite erschreckt hat, ist ein "Tonbild" des BIG BANG, des Urknalls [http://www.astro.virginia.edu/~dmw8f/sounds/cdromfiles/index.php], der allerdings 50 Oktaven tiefer gespielt hat (s. http://www.astro.virginia.edu/pom/200406/data/ ). Per reload können Sie ihn nochmals hören.