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Der Friedensnobelpreis 2015 geht an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Das gab die norwegische Jury am Freitag in Oslo bekannt. Der Preis werde für die Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in Tunesien im Zuge des Arabischen Frühlings vergeben.
Das Quartett externer Linkbesteht aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband (UGTT), dem Arbeitgeberverband (UTICA), der Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer. Es wurde 2013 gebildet, als der Prozess der Demokratisierung infolge sozialer Unruhen und Mordanschläge zu scheitern drohte.
Tunesien ist seit dem Sturz von Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali im Januar 2011 das Mutterland des Arabischen Frühlings. Dank dem Pragmatismus der Teilnehmer am nationalen Dialog konnte das nordafrikanische Land die Demokratisierung weiterführen. Inzwischen hat Tunesien eine neue Verfassung und eine Regierung, die auf deren Basis regulär gewählt wurde.
Überrascht bis gleichgültig
Die Ankündigung sorgte in Tunesien für eine grosse Überraschung. "Ehrlich gesagt habe ich das nicht erwartet", sagte Najoua Makhlouf, Koordinatorin der nationalen Kommission der arbeitenden Frauen, die Teil des mitausgezeichneten UGTT ist, gegenüber swissinfo.ch. Die Gewerkschafterin sieht im Preis "eine Anerkennung" des tunesischen Demokratieprozesses seitens der internationalen Gemeinschaft und "ein sehr starkes Zeichen gegenüber dem Terrorismus, der das Land heimsucht".
Die sozialen Netzwerke liefen nach der Bekanntgabe des Preises heiss. Viele Kommentatoren zeigten sich stolz in ihren Äusserungen. Auf der Strasse hingegen scheint eher Gleichgültigkeit vorzuherrschen. "Ein Nobelpreis? Ich bin nicht auf dem Laufenden…", reagierte ein Metzger vor seinem Verkaufsstand im beliebten Quartier Bab El Khadra in Tunis seelenruhig. "Wallah (ich schwöre), wir haben nichts gehört, wir arbeiten hier ja auch den ganzen Tag!", kommentierte ein Lebensmittelhändler gleichenorts.
Friedensnobelpreis als Ansporn
Das Nobel-Komiteeexterner Link äusserte seine Hoffnung, dass der Nobelpreis Tunesiens Weg zur Demokratie sichern werde. Der Preis solle aber auch "Ansporn für alle sein, die Frieden und Demokratie im Nahen Osten, Nordafrika und im Rest der Welt voranbringen wollen".
Die UNO hat die Vergabe des Friedensnobelpreises an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog ausdrücklich begrüsst. "Wir brauchen die Zivilgesellschaft, um den Friedensprozess voranzutreiben", sagte ein UNO-Sprecher am Freitag in Genf.
Verliehen wird der mit 8 Millionen schwedischen Kronen (etwa 940'000 Franken) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel, in Oslo.
Im vergangenen Jahr hatten sich die Kinderrechtsaktivisten Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien den Nobelpreis geteilt. Zu den möglichen Kandidaten für die Auszeichnung hatte in diesem Jahr auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört.
Seit 1901 jährlich vergeben: Der Friedensnobelpreis
Der Friedensnobelpreis gilt als weltweit wichtigste politische Auszeichnung. Der Dynamit-Erfinder Alfred Nobel beauftragte das norwegische Parlament, jährlich bis zu drei Persönlichkeiten oder Organisationen für ihre Verdienste um die Menschheit zu ehren.
Ausgezeichnet werden soll laut dem 1896 gestorbenen schwedischen Industriellen, wer "am besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen".
Seit 1960 werden auch der Einsatz für Menschenrechte und seit 2004 das Wirken für die Umwelt geehrt. Während andere Nobelpreise in Schwedens Hauptstadt Stockholm vergeben werden, gibt es die Auszeichnung für Frieden im norwegischen Oslo.
Die jeweils im Oktober bekanntgegebenen Preisträger erhalten bei der feierlichen Verleihung am 10. Dezember, dem Todestag Nobels, eine Medaille und eine Urkunde. Dazu gibt es ein Preisgeld von gegenwärtig acht Millionen schwedischen Kronen (umgerechnet 940'000 Franken).
(Quelle: sda)Infobox Ende
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