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Bereits vor über hundert Jahren gab es das erste Mal Fusionsabklärungen zwischen der Stadt Bern und einzelnen Vorortgemeinden. Zur Informationsbeschaffung diente ein Fragebogen, der die Stadt Bern an die Gemeinden aushändigte. In Erfahrung bringen wollte sie dabei vor allem den Zustand der Infrastruktur.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Steuern noch am Arbeitsort und nicht am Wohnort entrichtet. Dies strapazierte die finanzielle Situation einiger Peripheriegemeinden, deren Einwohnerinnen und Einwohner zu grossen Teilen in der Stadt Bern arbeiteten, enorm. Um dieses Problem zumindest teilweise in den Griff zu bekommen, forderte der Berner Regierungsrat eine Eingemeindung der Peripheriegemeinden in die Stadt Bern. Zu diesem Zweck überwies die Stadt im August 1915 einen Fragebogen an die Verwaltungen von Bümpliz und der damaligen Bolliger Viertelsgemeinde Ostermundigen. Die Befragung sollte dazu dienen, den allgemeinen Zustand der öffentlichen Verwaltungen zu erfassen und die anfallenden Kosten im Falle einer Eingemeindung abschätzen zu können.
Enthalten waren in erster Linie Fragen zur Infrastruktur in den Bereichen Strassennetz, Entsorgung und Entwässerung. So erkundigte sich die Stadt Bern beispielsweise nach der Gesamtlänge der Staats-, Gemeinde- und Privatstrassen in den jeweiligen Gemeinden. Ausserdem bat man die Gemeindeverwaltungen auch um eine Einschätzung, inwiefern diese Strassen in den Folgejahren erweitert werden müssten. Ebenfalls in Erfahrung bringen wollte man, ob die Gemeindestrassen zusätzlich mit Trottoiranlagen, Strassenschalen oder Schlammsammlern versehen waren oder ob solche geplant waren.
Aber auch bezüglich dem Strassenmaterial selbst mussten Fragen geklärt werden. Die flächendeckende Asphaltierung der Schweizer Strassen stand damals noch am Anfang. Vielerorts bestimmten weiterhin gepflasterte oder unbefestigte Strassen die Landschaft. Die Stadt Bern wollte deshalb wissen, wie weit fortgeschritten die Asphaltierung der Strassen von Bümpliz und Ostermundigen bereits war.
Ein weiterer Teil des Fragebogens befasste sich mit der Entsorgung von Abfall im öffentlichen Raum sowie der Abführung von Strassenschlamm und Schnee und der Frage, welche Maschinen und Geräte den Gemeinden zur Erfüllung dieser Aufgaben zur Verfügung standen.
Schliesslich fand auch die Frage nach der Abwassersituation der Gemeinden Eingang in die Erhebung. Viele Gemeinden verfügten anfangs des 20. Jahrhunderts noch über kaum ausgebaute Kanalisationssysteme. Aus diesem Grund wollte die Stadt Bern nicht nur erfahren, ob Abwasseranlagen bestehen, sondern auch, ob solche geplant waren oder von der Bevölkerung überhaupt verlangt wurden.
Nicht zuletzt auf Druck der Berner Kantonsregierung hin schloss sich Bümpliz 1919 schliesslich der Stadt Bern an. Ostermundigen hingegen blieb eine Eingemeindung aufgrund finanzieller Bedenken der Stadt Bern und der komplizierten rechtlichen Situation der Gemeinde Bolligen mit ihren Viertelsgemeinden verwehrt.
Wer mehr wissen will über frühere Fusionsabklärungen in der Kernagglomeration Bern, findet hier weitere Informationen.zurück zur Übersicht