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Diese Teekanne entstand 1930 als Teil einer ganzen Serie, die Wilhelm Wagenfeld für das Jenaer Glaswerk Schott entwarf. Die Kanne ist dem Bauhaus – der in Weimar gegründeten Kunstschule, an der Wagenfeld ausgebildet wurde – gleich in zweifacher Weise verbunden: in ihrer unbedingten Ausrichtung auf Funktionalität, dekorlose Schlichtheit und skalierbare Reproduzierbarkeit, die Wilhelm Wagenfeld wie kein anderer Bauhaus-Schüler in die Realität umzusetzen vermochte – und durch die innovative Werbekampagne, die von Wagenfelds Lehrer am Bauhaus, László Moholy-Nagy, gestaltet wurde.
Die Kanne war zum Zeitpunkt ihrer Entstehung innovativ, weil man mit ihr Tee nicht nur servieren, sondern auch direkt zubereiten konnte, anstatt ihn separat ziehen zu lassen und dann zum Servieren durch ein Sieb in die eigentliche Teekanne zu gießen. Hergestellt wird sie nach wie vor aus mundgeblasenem Borosilikatglas: Das hitzebeständige, chemisch resistente und gleichzeitig dünn und schlagfest verarbeitbare Material war 1897 von Otto Schott als neuartiges Laborglas entwickelt worden. Mit Deckel und Glasfilter für losen Tee. Höhe 14,5 cm, Länge 28 cm. Volumen 1,5 Liter.
Wilhelm Wagenfeld (1900–1990)
Keinem anderen Bauhaus-Schüler gelang die Verbindung der theoretischen Gestaltungsprinzipien mit ihrer auf industrielle Produktion ausgerichteten, praktischen Umsetzung derart erfolgreich wie Wilhelm Wagenfeld: Der gebürtige Bremer kam nach einer Lehre als technischer Zeichner in einer Silberwarenfabrik und diversen weiteren Stationen 1923 ans Bauhaus in Weimar, wo in rascher Folge eine ganze Reihe von Entwürfen entstand – darunter die als Wagenfeld-Leuchte berühmt gewordene Tischleuchte WG 24. Als das Bauhaus 1925 nach Dessau umzog, blieb Wagenfeld in Weimar. In der Metallwerkstatt der neu gegründeten Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst Weimar übernahm er zunächst eine Assistentenstelle und später die Leitung.
Für eine ganze Reihe namhafter Auftraggeber schuf Wilhelm Wagenfeld später eine Vielzahl von Entwürfen – etwa für das Jenaer Glaswerk Schott & Gen., die Württembergische Metallwarenfabrik oder die Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Im Mittelpunkt standen dabei sowohl die praktische Verwendbarkeit der Entwürfe als auch deren rationalisierte Herstellung, die erstmals breiten Bevölkerungskreisen einen Zugang zu anspruchsvollem Design und hochwertigen Alltagsprodukten eröffneten. Für Wilhelm Wagenfeld selbst bedeuteten sie den Schritt vom Gestalter der Bauhaus-Tradition zu einem der ersten
echten Industriedesigner.