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Parati
Vor der Ankunft der Portugiesen im 16.Jh. war diese Region von Goianàs und Tamoios Indianer bewohnt. Ende 17. Jh. wurde in den Minen des heutigen Minas Gerais Gold entdeckt. Da Parati der einzige Ort war, von welchem aus man den steilen Anstieg in die Serra do Mar überwinden konnte, machte man hier gezwungenermassen Halt auf dem Weg von Rio zu den Goldminen. So entstand die Goldroute (Camino do ouro) von Minas Gerais hier nach Parati, wo unter der Herrschaft der Eroberer an diesem Ort ein wichtiger Hafen entstand. Schiffe von Afrika entluden hier die Sklaven und wurden dann mit Gold und Edelsteinen gefüllt, die über Rio nach Europa transportiert wurden. Solange das Gold floss war Parati ein quirliger, geschäftiger Hafen. Die wohlhabenden Leute bauten schmucke Häuser und Kirchen. Der Wegfall der Sklaverei und die Eröffnung neuer Transportrouten führte im 18.Jh. zum allmählichen Untergang dieser einst so reichen Stadt. Auf der neu gebauten Strasse war man zwei Wochen schneller in Rio. Eine wirtschaftliche Erholung ergab sich für Parati im 19. Jh. durch den Kaffeeboom. Die schönen Gebäude der Kolonialzeit sind bis heute erhalten geblieben und ziehen über die inzwischen neu geschaffenen Verkehrswege zahlreiche Touristen an. Dazu tragen auch die vielen Buchten mit den von warmem Wasser liebkosten Sandstränden bei.
Die Stadt wurde auf Höhe des Seespiegels errichtet. Dadurch werden die mit unregelmässigen Granitblöcken gepflasterten Strassen bei hoher Tide regelmässig überflutet. Insbesondere bei Springtide, also um den Voll- oder Leermond herum, wird die ganze Stadt geflutet. Mit dem ablaufenden Wasser bei Ebbe werden die Strassen, die auch als Kanalisation dienten, gereinigt. Die Neigung der Strassen ist so sorgfältig berechnet, dass bei Niedrigwasser nicht die geringste Glungge zurückbleibt. Die Häuser wurden auch so gebaut, dass man nur über zwei Treppenstufen ins Innere gelangt. So wird verhindert, dass Wasser in die Häuser eindringt.
Von unserem in der Bucht gegenüberliegenden Ankerplatz aus fuhren wir mit unserem Dingi quer über die Bucht, hievten es auf den Sandstrand und zogen in die Stadt. Wir begannen unsere Erkundungstour, die uns zuerst zur Kirche Santa Rita führte – bei trockenen Verhältnissen.
Das Begehen dieser unebenen Kopfsteinpflaster empfand ich auch so als eher unangenehm. Heute würde ich eher Wanderschuhe anziehen. Aber man muss schon sagen, die Flipflops sind halt besser Hochwasser geeignet. Man kann hier ungezwungen bummeln, sind diese Gassen doch für den motorisierten Verkehr erstens ungeeignet und zweitens gesperrt.
Auswahl an Kirchen
Angezogen durch den intensiven Tourismus und das tolle Ambiente der Stadt haben sich über die Jahre viele, insbesondere auch ausländische Künstler, Schriftsteller, Köche und andere Gewerbe treibende angesiedelt und Restaurants, Galerien, Bibliotheken und andere Geschäfte eröffnet. Beim Bummel durch die Gassen empfindet man eine wahre multikulti Stimmung. Wir haben beim Italiener unser Mittagessen eingenommen. Er lebt nur während der Touristensaison hier. Dann muss auch er wieder ausreisen und geht dann für ein paar Monate zurück nach Italien.
Vorbei an der Kirche Matriz NS dos Remédios kehrten wir zu unserem Dingi am Hafen zurück.
Und nun war sie da die Flut, und wir erlebten, wie das Wasser Strasse um Strasse überschwemmte. Faszinierend. Uns blieb nur das Staunen. Seit Jahrhunderten dieses fein kalkulierte Spiel mit dem die Menschen hier leben und es sich zu Nutze machen.
Beeindruckt von dem Erlebten kehrten wir zurück zu unserem KAMA*, die zufrieden am Anker vor der Marina do Engenho wartete.