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Das Wichtigste, was die Familie geschafft hatte, war meiner Meinung nach, sich immer wieder zusammenzuraufen und am gleichen Strick zu ziehen. Das ermöglichte Bruno, noch lange relativ autonom zu sein, bis die Betreuung nach und nach immer intensiver wurde. Daraus resultierten neue Herausforderungen, die zu einer kurzzeitigen Erschöpfung der Familie führten. Aber nachdem alle – wie Bruno auch – Kämpfernaturen waren, haben sie mit Hilfe von aussen gemeinsam weitergemacht.
Hilfe von aussen war sicher nicht nur Unterstützung in der Pflege oder Entlastungsangebot für die Angehörigen?
Ja das ist richtig. Bruno hatte einen Beistand von der Kesb. Natürlich war er damit zunächst überhaupt nicht einverstanden: sein Geld sollte nicht fremdverwaltet werden. Jedoch war es für die Familie im Hintergrund eine Entlastung und weniger zusätzliche Verantwortung. Man schaffte es schliesslich gemeinsam so zu organisieren, dass es für ihn mehrheitlich stimmte.
Ihre Erfahrung aus der Begleitung: Was kann helfen, sich durch eine Krise zu navigieren?
In Japan verwendet man in Krisen den Ausdruck «Shoganai». Zu Deutsch: «Es gibt keinen Ingwer mehr», was für die japanische Küche eine Katastrophe darstellt. Übertragen bedeutet Shoganai:«Ich kann es nicht ändern, es ist jetzt halt so». Genau diesen Umgang lebte Bruno mit seiner Demenz. Er wusste, dass es eine nicht heilbare Krankheit ist. Er ging damit um, gab den Kampf nicht auf aber lebte damit. Er kämpfte und er starb mit der Demenz. Ich glaube, wenn man verstanden hat, dass man sich zu einem Zeitpunkt vom Leben verabschieden muss, dann kann man auch mit dieser Krankheit ein lebenswertes und menschenwürdiges Leben führen.