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Charlie Chaplin hat Adolf Hitler schon parodiert, als die USA noch nicht mal in den Krieg eingetreten waren. Seitdem ist Hitler die Humorzielscheibe Nummer eins. Wir haben 7 Persiflagen ausgewählt.
Wer Charlie Chaplin ohne Verkleidung auf der Strasse träfe, würde ihn vielleicht gar nicht erkennen. Alter Running Gag. Denn Charlie Chaplin = «The Tramp». Das ist der traurig dreinschauende Vagabund, mit zu kleiner Melone, Schnauz und sehr viel Schminke. Der gleichnamige Film, in dem Chaplin diese Rolle erfand, ist von 1915, da feiern wir nächstes Jahr nochmal separat. Zu seinem 125. Geburtstag würdigen wir ihn deswegen für seine Parodie auf Adolf Hitler, die im Oktober 1940 Premiere hatte.
Seit «Der Grosse Diktator» gab es so viele Hitlerparodien, das man von einem eigenen Genre sprechen kann. Eine hochgradig willkürliche Auswahl präsentieren wir im folgenden. Was allerdings dem »Grossen Diktator» niemand gleichtun kann, ist seine damalige Aktualität. Der Film erschien zu der Zeit, als in den Vereinigten Staaten der Kriegsbeitritt, der ein Jahr später erfolgte, intensiv diskutiert wurde. Von den Befürwortern wurde Chaplins Film als Motivation gefeiert, von den Gegnern als Kriegshetze. Einige Amerikaner waren sogar für eine Zensur, da sie Hitler zu diesem Zeitpunkt noch für einen willkommenen Verbündeten gegen Stalin hielten. Chaplin selbst distanzierte sich später von seinem Film, in dem auch die deutschen Konzentrationslager parodiert werden: Hätte er um das Ausmass der Schrecken gewusst, hätte er sich darüber nicht lustig machen können.
1. Donald Duck als Nazi – «Der Führer’s Face»
Ebenfalls noch zu Kriegszeiten (1943) erschien ein Kurzfilm, in dem Donald Duck zwar nicht Adolf Hitler, jedoch einen zunächst sehr eifrigen Nationalsozialisten darstellt. Aus diesem Grund zeigte Disney den Film lange nicht, obwohl er bei seinem Erscheinen sogar einen Oscar für den besten animierten Kurzfilm gewann. In den sieben Minuten «Nutzi-Land»-Parodie wird Donald in eine Fabrik eingeschleust. Er steht solange am Fliessband, bis er durchdreht – neben der zeitlichen Nähe offensichtlich ein Chaplinzitat, der in «Modern Times» seine Hände nicht stillhalten kann, weil sie die Fliessbandbewegung nicht mehr loswerden.
2. «Schtonk!» – Satire mit starken Anleihen an die Realität
Die scharfzüngige Satire von Helmut Dietl nimmt den Skandal um die vermeintlichen Hitler-Tagebücher aufs Korn, die der «Stern» 1983 veröffentlichte. Genüsslich wiederholt der Film sämtliche Details, auf die das Nachrichtenmagazin peinlicherweise hereinfiel: Vom schmierigen Reporter (Götz George), der die ganze Geschichte vermarktet, über den nach dem Vorbild des Fälschers Konrad Kujau gestalteten Maler Professor Dr. Fritz Knobel bis hin zum Kaffee, mit dessen Hilfe die Tagebücher «altern». Ein Teil der Charaktere mutiert im Verlauf der Handlung immer mehr zu alter Egos bekannter Persönlichkeiten der nationalsozialistischen Führungsriege. Die Detailverliebtheit in der Darstellung der Figuren und der Filmsets führen die Diktatur in ihrer absurden Lächerlichkeit vor. Der Hintersinn des Films besteht darin, dass er im besten Sinne einer Parodie entlarvt, wie die Öffentlichkeit in der Bundesrepublik der 1980er Jahre nur zu gerne diesem kapitalen Schwindel aufsass und wieviele Altlasten aus der Nazi-Vergangenheit noch unter der Oberfläche schwelten.
3. «Adolf: Ich hock in meinem Bonker», Musikvideo von Walter Moers und Felix Gönnert
Ein kleiner, nackter Hitler sitzt in seiner Badewanne und weint dem Untergang seines Weltreichs nach. Das ist die Handlung eines Videoclips, den Walter Moers produzierte, um seinen Comic «Adolf – Der Bonker. Eine Tragikomödie in drei Akten» zu bewerben. Der Film lag dem Buch als DVD bei. Das Video für sich hat zahlreiche begeisterte Reaktionen ausgelöst, nicht zuletzt durch den satten Reggae-Sound des unterlegten Liedes und die liebevoll gestalteten Details: Ein schwarz-weiss-roter Zahnputzbecher, Quietscheentchen mit Hitlerbart und ein Bild des «Föhrers» als Säugling – die mit Reichsadler verzierte Rassel darf nicht fehlen.
4. «Der Leasingvertrag»: Gerhard Polt, Florian Wittmann
«Der Leasingvertrag» ist ein Sketch des bayerischen Kabarettisten Gerhard Polt, den er bereits 1997 in sein Programm «Der Standort Deutschland» aufnahm. Ein gewiefter Filmstudent, der für ein Seminar eine existierende Tonspur mit Bildern illustrieren sollte, hatte die Idee, Hitlers Reichsparteitagsrede von 1934 mit Polts Sketch zu unterlegen. In der berühmten Filmszene als zeternder und wetternder Choleriker macht Adolf Hitler für heutige Augen einen eher lächerlichen Eindruck. Sie entstammt Leni Riefenstahls Film «Triumph des Willens», der den vier Tage dauernden Parteitag propagandistisch aufarbeiten sollte. Hitlers Gestik und Mimik passen perfekt zu Polts Sketch über den verzweifelten Kunden, der sich fast bis zum Stimmverlust über das Kleingedruckte seines Leasingvertrags ereifert. Ohne dass Gerhard Polt seine Zustimmung zu der Verwendung gegeben hatte, ist der Clip heute ein Klassiker des Internets.
5. «Mein Führer» mit Helge Schneider
Helge Schneider ist auf der Bühne unschlagbar. Während seine Filme mitunter zum davonlaufen sind. Aber seine Hitlerparodie im Spielfilmformat (Regie: Dani Levy), die ist ziemlich gut. Ruhevoll irgendwie, unaufgeregt. Besonders hübsch ist der Dialog, der sich gleich zu Beginn des folgenden Trailers findet: «Mein Führer, ich spüre Sie nicht», sagt Eva Braun, als er in sie eindringt. «Dann werde ich mich», sagt Hitler-Helge, «vergrössern.» Sein Auftritt als Führer mit Erektionsproblemen ist nicht Helges erster Griff in die Nazikiste. Im Gespräch mit Alexander Kluge war er unter anderem ein verwirrter SS-Offizier und Hitlers Neffe Alfons, der nur wie ein Nazi ausschaut, weil er nie andere Kleider bekommen hat.
6. Parodie auf «Der Untergang»
Mitte der Nullerjahre erreichte die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit einen Höhepunkt. Paradoxerweise strömte in dieser Zeit auch ein aussergewöhnliches Wohlbefinden durch das Land. 2005 wurde in Berlin nach endloser Kontroverse das Holocaustmahnmal eröffnet. Ein Jahr später entdeckten sich die Deutschen an der Fussball-WM neu und merkten, dass sie sich zum ersten Mal wieder als Land fühlen konnten und sogar schwarzrotgoldene Fähnchen schwenken. Im Jahr 2004 war der monumentale Film von Oliver Hirschbiegel erschienen, in dem der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz Adolf Hitlers letzte Tage spielt. Die Auseinandersetzung war zu diesem Zeipunkt so weit fortgeschritten, dass «Der Untergang» Hitlers menschliche Seite suchte, um im Verständnis des grössten Verbrechens aller Zeiten voranzukommen. Eines ist jedenfalls sicher: Der Film wurde wohl ähnlich oft parodiert wie Hitler selbst.
7. Hitler bei den Simpsons
Auch bei den Simpsons ist Hitler ein gern gesehener Gast. Einmal bringt ihn Homer fast zur Strecke, wird aber selber von einem Tennisball getroffen. Wir haben uns zum Abschluss für einen 12-Sekünder entschieden. So als Warnung vor den Gefahren der Hitlerspässchen.