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Der erste Schwerpunkt beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Kontakt zwischen unterschiedlichen Sprachen und Varietäten. Seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts setzt sich die linguistische Forschung intensiv mit den Auswirkungen von Sprachkontakt auf die sprachliche Ebene, wie Entlehnungen und strukturellen Transfer, aber auch auf mit soziolinguistischen Entwicklungen wie Sprachwechsel und der Entstehung von neuen Sprachen aus dem Sprachkontakt heraus, auseinander. Für deutsche Varietäten gibt es eine beträchtliche Anzahl an Studien, die sich dem Thema Sprachkontakt häufig aus einer soziolinguistischen Perspektive nähern. Lameli (2004) untersucht zum Beispiel den Kontakt zwischen Standard- und Dialektvarietäten aus einer diachronen Perspektive. Auch zu deutschen Varietäten ausserhalb des deutschsprachigen Raums wird geforscht, zum Beispiel zum Sprachverlust einer deutschen Varietät in Australien (Riehl 2014) oder zur Entstehung einer neuen deutschen Kontaktvarietät in Papua-Neuguinea (Lindenfelser 2021).
Ein weiterer Themenbereich beschäftigt sich mit der Veränderlichkeit von Sprache, i.e. mit sprachlicher Variation auf sämtlichen Betrachtungsebenen, dem „gleichzeitige[n] Nebeneinander von verschiedenen Ausdrucksformen und Bedeutungen bzw. Funktionen“ (Elspaß 2017: 87). Nicht nur, aber vor allem für das Deutsche stehen dabei insbesondere das Verhältnis von Standard- und Nonstandard-Varietäten, soziale und geographische Variation sowie – initiiert u. a. durch die Arbeiten von Koch/Oesterreicher (1985) – auch mediale Variation im Fokus. Seit geraumer Zeit wird vor allem auch der Auseinandersetzung mit gesprochener Sprache mehr und mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Es steht dabei ausser Frage, dass sprachliche Variation als Indiz für einen gerade stattfindenden Sprachwandel – der dritte Themenkomplex der Tagung – angesehen werden kann.
Sprachwandel gehört mit zu den wichtigsten Themen der Sprachwissenschaft überhaupt. So hat sich auch die Soziolinguistik in ihrer ursprünglichen Ausrichtung dazu verschrieben, der Frage auf den Grund zu gehen, wieso und wie sich die Sprache verändert (Weinreich et al., 1968). Im Vergleich zu früheren Schulen und Denkrichtungen sieht die Soziolinguistik den Schlüssel zur Beantwortung dieser grundlegenden Fragen in der Betrachtung der wechselseitigen Beeinflussung von Sprache und Gesellschaft sowie in der Beobachtung von Sprachwandel dann, wenn er gerade passiert. Seit Labovs (1972) berühmter Studie zu Martha’s Vineyard sind v. a. im anglo-amerikanischen Raum (z. B. Trudgill, 1974; Devlin et al., 2019) aber zunehmend auch im deutschsprachigen Raum (z. B. Schlobinski, 1987; Beaman, 2020) Studien im variationslinguistischen Paradigma erschienen, die gesellschaftliche Prozesse oder gewisse sozialen Gruppen als Antreiber des Sprachwandels beschreiben. Methode der Wahl, um Sprachwandel genau dann, wenn er gerade passiert, zu beobachten, ist die Apparent-Time-Analyse. Mit dem vermehrten Aufkommen von Panel-Studien (z. B. Sankoff & Wagner, 2021; Bülow & Vergeiner, 2021) wird aktuell die Validität der Apparent-Time-Hypothese vor dem Hintergrund von life-span change und age-grading überprüft.
Für diese Tagung können Vorschläge zu sämtlichen Themen und Sprachen eingereicht werden, die sich vor allem aus soziolinguistischer Perspektive mit Sprachkontakt- und Sprachwandelphänomenen, der linguistischen Beschreibung sprachlicher Heterogenität, der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Konzept ‚Variation‘, oder der Bewertung beschäftigen.
Geplant sind 20-minütige Vorträge mit anschliessender 10-minütiger Diskussion.
Die Abstracts (Deutsch/Englisch, max. 350 Wörter exkl. Literatur) können bis zum 16.12.2022 an die E-Mail-Adresse <email-pii> geschickt werden.
Mit einer Rückmeldung ist im Februar 2023 zu rechnen.