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«Jesus Christus, gestern und heute und derselbe
auch in Ewigkeit.»
(Inschrift neben der Kanzel)
Kirche
Die heutige Kirche mit dem 5-eckigen, vom Kirchenschiff abgehobenen Chor, erinnert an die vorreformatorische Kirche mit einem, durch eine Chorschranke vom Schiff (Laienbezirk) getrennten Chor (Klerikerbezirk). Über diese alte Kirche ist wenig bekannt. Der gut erhaltene Turm stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Erwähnt wird eine Kirche von Eriswil 1275 mit vielen anderen Oberaargauer Kirchen im sogenannten «Liber decimationis», einem Steuerbuch des Bistums Konstanz. Eriswil war im Mittelalter Teil des St. Gallischen Meieramtes Rohrbach, entsprechend lag der Kirchensatz auch in den Händen des Gallus-Klosters. Das Kloster St. Gallen war bis zur Reformation für den Unterhalt und die Besetzung der Eriswiler Kirche verantwortlich. 1504 gelangte, mit der Herrschaft Rohrbach, auch Eriswil politisch an Bern.
1528 wurde die Kirche für den reformierten Gottesdienst umgestaltet. Die Chorschranke fiel, der Taufstein fand seinen Platz in der Mitte des Chors und eine Kanzel, von der, vermittelt durch den Pfarrer, das göttliche Wort aufmerksame Hörer suchte, wurde zwischen Chor und Schiff angebracht. Der Taufstein von 1528 ist noch erhalten und neben dem Deckenschmuck der bedeutendste Gegenstand in der Kirche. Seine Kelchform mit der ausladenden, massig tiefen Schale und dem schlanken Sockel weist auf die letzte und eleganteste Form der Spätgotik. Der Taufstein steht in der Tradition der Freiburger und Berner Taufsteine des frühen 16.Jahrhunderts (Bsp. Berner Münster). Der Steinmetz, welcher ihn schuf, ist nicht mehr bekannt. Der Taufstein dürfte unmittelbar nach der Reformation in die Mitte des Chors gerückt worden sein. Leider haben ihn spätere Restaurationen zu seinem Nachteil verändert.
Bis zur grossen Restauration im Jahre 1905 wurde die Kirche während Jahrhunderten immer wieder leicht verändert und erneuert (1537, 1566, 1587, 1672, 1808, 1846 und 1888). Für die Restaurationsarbeiten im Chor trug, wie andernorts, bis 1889 der Staat Bern die Verantwortung. Eine letzte Gesamtrestauration fand 1973/74 unter Begleitung der kantonalen und eidgenössischen Denkmalpflege statt. Man bemühte sich dabei, dem Chor mit dem hellen Kalkputz auf unregelmässigen Flächen, dem Sandsteinboden und dem Chorgestühl aus Eichenholz, den ursprünglichen Charakter zu geben. Nach beendeter Renovation wurde der Chor unter eidgenössischen Denkmalschutz gestellt. Der neuste Umbau in der Kirche fand im Jahr 2002 statt, indem die Fussschemelheizung durch eine neue Sitzbankheizung ersetzt wurde. 2009 wurde eine neue, umfangreiche Beschallungsanlage installiert. 2010 wurde das Kirchenschiff neu gestrichen.
In der heutigen Kirche erinnern neben dem Taufstein noch die prächtigen Flachschnitzereien an der Chordecke an die Kirche der Reformationszeit. Besonders ist die bemalte Holztafel mit 2 Bernschildern und dem Reichsadler, umgeben von den Wappen der bernischen Vogteien, an der Chordecke zu bewundern.
Unmittelbar vor der Reformation entstand die Berner Standesscheibe mit dem gekrönten Habsburger Reichswappen, welches auf zwei leicht nach innen geneigten, von zwei Löwen gehaltenen Bernerwappen ruht (entstanden um 1504). Die zweite alte Scheibe zeigt einen Bannerträger mit dem Banner der Stadt Huttwil. Die Wappenscheibe datiert aus dem Jahre 1530.
Die übrigen Fenster stammen alle aus der Zeit zwischen 1907 und 1975. 1907 schuf Gustav Robert Giessbrecht das Auferstehungsfenster in der Mitte des Chores. 1938 wurde es seitlich verlegt. 1946 wurden zwei weitere Seitenfenster zur Thematik «Glaube, Liebe, Hoffung» gestiftet (von Spenglermeister Robert Tanner, bzw. von der Familie Schmid Burgdorf im Andenken an den Industriellen Oskar Schmid-Schmid). Diese Fenster wurden von Robert Schär und Glasmaler Paul Wüthrich gestaltet. 1975 wurde das neue Mittelfenster eingeweiht: «Der barmherzige Samariter», geschaffen vom bedeutenden Schweizer Künstler Felix Hoffmann. In den drei linksseitigen Fenstern befinden sich Wappenscheiben der Einwohnergemeinde Huttwil, Dürrenroth, Wyssachen und Eriswil, sowie eine Standesscheibe des Staates Bern.
Seit dem 15.Jahrhundert erklingt im alten, mittelalterlichen Turm die kleinste Glocke (1425), die zweite und dritte Glocke wurden 1612 aufgezogen. 1922 kam die vierte und grösste Glocke hinzu. Die kleinste enthält die lateinische Inschrift «Jesu Christe, Kyrie, veni nobis cum pace», deutsch: «Jesus Christus, Herr, komm uns mit dem Frieden». Die zweite und dritte Glocken tragen die Inschriften: «Ich ruefen us den mitten Tag, ein jeder Mentsch Gott Lob und Dank sag» und «Die Christenlüt beruef ich zusammen das sy hörind Gotts Wort alsamen zu Lob, Ehr und Prys seinem heyligen Namen». Der 13. Brachmonat 1922 war der grosse Tag, an dem die Schulkinder von Wyssachen und Eriswil die 2200 Kilo schwere vierte Glocke aufziehen durften. In dieser grössten Glocke ist das gleiche Bibelwort eingegossen, das seit vielen Jahren auch im Innern der Kirche angebracht der Gemeinde den Weg weist: «Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit».
Die wunderschön geschnitzte Renaissance-Kanzel stammt aus dem Jahre 1675. Die Jahrzahl ist unterhalb des Lesepultes angebracht.
Bereits vor 1800 wurde in der Kirche Orgel gespielt. 1814 kam die Orgel eines unbekannten Erbauers in die Kirche. Vom Vorhandensein einer Orgel zeugt die Eintragung im Gemeindeprotokoll: «4. August 1814: Dem Schulmeister Nyffenegger und Daniel Reinhards Sohn ist für das Orgelschlagen in der Kirchen versprochen worden pro Jahr zu bezahlen 18 Kronen, samt dem Blasebalg ziehen, fangt an auf Martini 1814.» 1878 wurde diese Orgel durch eine Orgel des Orgelbauers Aebi von Oberburg ersetzt wurde. 1907 baute Goll eine neue Orgel mit 16 Registern und die heutige Orgel mit 21 Registern erstellte die Orgelbau AG, Genf. Das Gehäuse trägt Verzierungen aus der Kunstschmiede Hans Joss, Huttwil.
Pfarrhaus
Das Pfarrhaus ist ein stattlicher Bau von 1633. Das vorherige Pfarrhaus fiel im Jahr 1631 mit weiteren Gebäuden im Dorfkern einem verheerenden Brand zum Opfer. Spuren dieses Brandes kamen auch an der Kirche zum Vorschein. Das Ofenhaus neben dem Pfarrhaus wurde 1734 erbaut. Der Speicheraufbau kam erst anno 1830 dazu. An der ordentlichen Kirchgemeindeversammlung im Herbst 2011 entschied sich die Kirchgemeinde Eriswil, das Pfarrhaus aus dem Besitz des Kantons Bern zu erwerben. Per 1. März 2012 gehört nun neben der Kirche auch das Pfarrhaus der Kirchgemeinde.
verfasst von: Pfarrer Philippus Hendriksen (in Eriswil von 2008 – 2012)
Quellen: Kirchen im Oberaargau / Eriswil - Dorfgeschichte