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Biographie
von Hans Moser (1922 - 2012)
Der Cartoonist Hans Moser
gehört zu den bedeutendsten Schweizer Vertretern seiner Gilde und schuf
während vieler Jahrzehnte zahlreiche humoristische Cartoons in dem
populären Magazin "Nebelspalter", welches die weltweit am längsten ohne
Unterbruch erscheinende Satirezeitschrift ist. Eine grosse Leserschaft
erreichte er die für den Nebelspalter erfundene Figur des „Herrn
Schüüch“ und schon bald wurden die Erlebnisse des unscheinbaren
Zeitgenossen in eigenen Cartoon-Büchlein veröffentlicht.
Herr Schüüch zeichnet sich darin aus, dass er möglichst niemandem auf
die Füsse treten will und immer den Schein zu wahren versucht.
Inspirieren liess sich Hans Moser teilweise von seiner eigenen Person.
Neues Leben in der Fremde
Bis
zu Hans Mosers Karriere in der Schweiz war es ein langer und
abwechslungsreicher, wenn auch nicht immer leichter Weg. Zunächst
wuchs er in den
ersten Jahren in der Schweiz auf. Sein Vater Johann Arthur Moser war
bei der Fliegertruppe, doch als er seine Anstellung in der Schweiz
verlor, ging er 1926 in die USA, um eine neue Existenz aufzubauen. 1928
folgten ihm seine Frau Laura Barbara sowie die beiden Kinder Hans und Laura Moser.
Doch der erhoffte bessere Lebensstil konnte der Vater nicht
aufbauen, denn nur ein Jahr später folgte der Börsencrash und die
Arbeitslosigkeit. Er verdiente sein Geld danach u.a. als Liftboy.
Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen, die Mahlzeiten waren karg
und eintönig. 1932 verstarb dann seine Mutter Laura Moser an Krebs.
An seine Schulzeit in Brooklyn hatte Hans Moser keine guten Erinnerungen. Er wurde von einem Mitschüler grundlos
regelmässig verprügelt. Auch eine Lehrerin zeigte wenig Verständnis für
Hans Moser, der Mühe mit dem Englisch hatte.
Einmal
liess die Lehrerin ihn zur Strafe in einer Putzkammer stehen. Dort
blieb Hans Moser aus lauter Angst viele Stunden lang, ehe er sich zur
Abendstunde doch rauswagte. Man hatte ihn einfach in der Putzkammer
vergessen. Die Mutter hatte bereits die Polizei verständigt und war
überglücklich, als er wieder aufgetaucht war.
Auch
die anderen Lehrer waren eher furchteinflösend und als Hans Moser eines
Tages in die Schule kam, um für eine Beerdigung am nächsten frei zu
bekommen, wurde er vom Lehrer ob der faulen Ausreden seiner Schüler
fürs Schwänzen beschimpft. Erst nach dem Ende der Schimpftirade
fragte der Lehrer, wer denn gestorben sein und Has Moser sagte er
angstvoll, dass seine Mutter heute morgen verstorben sei. Der Lehrer
erstarrte kurz bis er realisierte, was sein Schüler gerade gesagt hatte
und legte ihm dann seinen Arm um seine Schulter und entschuldigte sich
für seine Reaktion zuvor.
Doch gab es auch positive Erinnerungen
an Brooklyn, wie der Besuch des Barnum-Bailey-Zirkus, dessen Eintritt
er sich mit dem Wasserschleppen für die Elefanten verdiente oder die
Beobachtung eines Zeppelins, der über Brooklyn hinwegschwebte.
Nach
dem Tod der Mutter kam Hans Moser für wenige Jahre zu den
kinderlos gebliebenen Onkel Hermann Beutler und Tante Frieda Moser
Beutler nach Tennessee und
seine
taubstumme Schwester Laura in ein Heim. Die Erziehung war vor allem
durch den Onkel sehr streng. Der Haushalt wurde von mehreren schwarzen
Bediensteten geleistet, die im Hause gut behandelt wurden. Doch Hans
Moser musste schnell die Erfahrung machen, dass die Afroamerikaner in
Tennessee ausserhalb des Hauses ganz anders von der weissen Bevölkerung
behandelt wurden. Er erlebte die Rassentrennung hautnah mit, wo die
Afroamerikaner den
Gehsteig wechseln mussten, wenn ihnen ein Weisser entgegen kam oder
dass diese bestenfalls im hintersten Teil eines Buses mitfahren
durften. Auch die Lynchjustiz gegen
Afroamerikaner ohne Konsequenzen für die Täter waren damals noch
üblich.
(Als
er 2008 miterleben durfte, dass mit Barack Obama ein Afroamerikaner
US-Präsident geworden ist, war dies für ihn ein äusserst freudiges
Ereignis und unterstrich, dass sich doch einiges zum Guten wenden
konnte.)
Seine Schulzeit in Tennessee war keinen Deut besser als zuvor in Brooklyn. Er wurde schnell zum Aussenseiter
wegen seiner guten Kleidung, die gegenüber der ärmlichen Kleidung der
Mitschüler herausstach. Zudem war er als Yankee in den Südstaaten ein
ohnehin willkommenes Opfer.
Zu
Hause erzählte er nichts von den Problemen und so bestand seine Tante
weiterhin darauf, dass er mit weissem Hemd zur Schule ging. Und sein
Onkel chauffierte ihn mit seinem Lincoln bis zum Schulportal - eine
Provokation für die Mitschüler. Schliesslich legte er sich eine Taktik
zu, um der Tortur zu entgehen. Er spielte den Komiker, zog Grimassen
und konnte so die Pöbeleien einigermassen im Zaume halten.
Die Geschwister kehrten 1938 zu
ihrem Vater zurück, der 1935 ein zweites Mal geheiratet hatte.
Hans Moser ging 1940 nach Abschluss seiner schulischen Ausbildung
verschiedenen Jobs nach. Zunächst arbeitete er bei der Firemans
Insurance Company in Newark, wurde aber nach acht Monaten gekündigt. Es
folgte eine Arbeit bei einer Siebdruckfirma.
Die Jahre im Krieg
Als
eines Tages im Radio verkündet wurde, dass Pearl Harbour angegriffen
wurde und sich Amerika nun im Krieg befand, wussten Hans Moser und sein
Freund Jo Conty, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis der Marschbefehl
eintreffen würde. Sie hoben all ihr Erspartes ab und begaben sich auf
eine ausführliche Amerika-Reise. Sie nahmen zwischendurch auch einzelne
Jobs an, um ihre Reisekasse zu schonen und so arbeitete Hans Moser auch
mal als Ski-Instruktor und er brachte Kindern im Sun Valley das
Schwimmen bei.
Ebenfalls in Sun Valley arbeitete er auch als Kofferträger und trug
nebst anderen Filmstars auch das Gepäck von Gary Cooper und Spencer
Tracy ins Hotel.
Acht Monate später traf dann der Marschbefehl für den Freund ein und obwohl
Hans Moser einen Schweizer Pass hatte, meldete er sich freiwillig für den
Militärdienst. Er wollte gegenüber seinen Freunden, die alle eingezogen wurden, nicht abseits stehen. Er erhielt die Nummer
32608013.
Nach
seiner Ausbildung in Fort Hale in Colorade und in der Wüste von
Südkalifornien wurde er bei
den Gebirgstruppen - der 10. Mountaindivision - eingeteilt. Es ging zu
den Aleuten-Inseln, wo er auf der Insel Kiska zum Einsatz kam. Auf
den Aleuten erlebte er ein sogenanntes Friendly
Fire, als zwei
US-Kompanien aus verschiedenen Richtungen auf der Insel Kiska
japanische Truppen angreifen wollten und dabei sich gegenseitig unter
Feuer nahmen. Das Resultat waren fünf bzw. sieben Toten auf beiden
Seiten. Nach 8 Monaten ging es zurück in die USA, wo erneut eine
Ausbildung auf dem Programm stand, dieses Mal in der Wüste von Texas.
Einen Monat später wurden Hans Moser nach Europa verschifft, wo er 1944
mit der 1. Kompanie des 87. Mountain Infanterie-Regiments in Neapel ankam. Anschliessend kam er an die Front, wo er einige
gefährliche Momente überstehen musste.
So
erzählte er in einem Interview, dass er von einem Captain aufgefordert
wurde, zu einer Ruine zu gehen und dann in immer grösseren Kreisen und
kleinen Schritten zu ihm zurückzukehren. Er tat was ihm befohlen wurde
ohne zu ahnen, dass er ausgenutzt wurde. Als sein Leutnant sah, was er
machte, wurde er von diesem gerügt. Er solle so was nicht mehr tun und
das nächste Mal soll der Captain selber rausfinden, ob das auserkorene
Nachtquartier minenfrei sei oder gefälligst auf das Minenräumungskommando warten.
Später wurde Hans Moser nach einer explodierenden Granate durch
einen
Splitter am Knie verletzt. Das Ende des Deutschen Reiches erlebte er im
Lazarett in
Pistoia. Doch der Krieg war noch nicht zu Ende, Japan und Amerika
standen sich noch immer als Feinde gegenüber. So wurde die Truppe von
Hans Moser nach Osten an die jugoslawische Grenze gebracht, um die
Vorgänge unter Tito im Auge zu behalten.
Im November 1945 wurde Hans Moser wieder Zivilist und später für die Verwundung mit der
Purple-Heart-Medaille ausgezeichnet.
Eine weitere Auszeichnung – die Bronze-Star-Medaille – erhielt er für
seine Beteiligung an der Gefangennahme von 23 deutschen Soldaten in
einem von Minen umgebenen Haus.
Künstlerische Ausbildung und erste Erfolge
Nach dem Krieg setzte er sein in früheren Jahren begonnenes Studium in
Kunst fort, welches auch vom Militär finanziell unterstützt wurde. Zunächst in New York, wo er nebenbei Schaufenster für „Lord
& Taylors“ an der 5th Avenue dekorierte und bei einem Theater
als Bühnenbildner arbeitete. Er schloss in New York seine Ausbildung
mit dem Graphik-Diplom der Parson's School of Design ab, ehe er nach
einer sechsmonatigen Sommerschule in Paris nach Lausanne ging und dort
die Ecole des Beaux-Arts et d'Art appliqué besuchte und erfolgreich beendete.
1948 konnte er seine erste Zeichnung in der Zeitung „Tribune de Genève“
publizieren, es folgten farbige Titelbilder für den "Schweizer
Spiegel". Doch sein Aufenthalt in der Schweiz war nur kurz. Er lernte
eine Dänin kennen, die ihn in ihr Heimatland einlud. Dort angekommen
traf er Tage später in einer Bar eine andere Dänin - Sonya Ytteborg. Sie verliebten sich
und heirateten später in Genf. 1949 übersiedelten sie nach
Dänemark. Sie brachte drei
Kinder in die Ehe mit ein, einige Jahre später kam dann noch eine gemeinsame Tochter zur Welt.
In Dänemark zeichnete Hans Moser regelmässig für die Zeitung
„Politiken“. Daneben verfasste er auch zahlreiche Kolumnen, die
manchmal in Kombination mit seinen Zeichnungen und manchmal
eigenständig publiziert wurden.
Obwohl er bis 1961 in Dänemark lebte, konnte er ab 1953 beim
Nebelspalter als Zeichner Fuss fassen und er wurde einer der
meistpublizierten Künstler für dieses Magazin. Ab 1961 lebte Hans Moser
dann in Laax. Während Hans Moser in seinem Haus zurückgezogen
arbeitete, suchte seine Frau Sonya den Kontakt zu den Menschen. Sie
eröffnete in Laax eine Boutique, wo sie jahrelang arbeitete. Sie verstarb 2003.
Die
Schweiz prägte Hans Moser ebenso nachhaltig wie seine Zeit in Dänemark.
Zudem zog es ihn fast jedes Jahr für mindestens vier Wochen nach
Cornwall, wo er in der Wildnis die Einsamkeit genoss.
Nebst der bereits erwähnten Figur des Herrn Schüüch, welche er bis ins
Jahr 2000 zeichnete, schuf er auch die Figur „Closchi“ für die Zeitung
„Arena alva“, die ebenfalls sehr erfolgreich war. Closchis treuer
Begleiter war der Hund Henry, dessen Vorlage der eigene Hund Hans
Mosers mit gleichem Namen war. „Arena alva“ war die zweite Publikation,
für die er mehrere Jahrzehnte regelmässig Cartoons schuf.
Vor
Closchi und Herr Schüüch kreierte er für den Nebelspalter 1955 bereits
eine Serie mit der Figur "Zeitgenosse Albert", welche bis 1957 mit rund
40 Publikationen erschien.
Einige
Mitarbeiter der Redaktion verzweifelten manchmal am Deutsch von Hans
Moser, der aufgrund seiner vielen langjährigen Aufenthalte in den
verschiedenen Ländern die Grammatik nicht wirklich verinnerlichen
konnte. Auch im Gespräch waren seine Landesaufenthalte in den USA und
Dänemark in seinem Deutsch deutlich zu erkennen. Nicht selten hätten
sich die Redaktoren gewünscht, Hans Moser hätte die Texte in Englisch
statt in Deutsch geschrieben, es wäre für sie leichter gewesen, zu
verstehen, was er sagen wollte.
Im
Kapitel "Closchi" gibt es einige Beispiele mit Hans Mosers
Original-Texten (ganz unten), die von der Redaktion dann umgesetzt
wurden.
Neben seinen zahlreichen Zeichnungen arbeitete Hans Moser auch als
Kolumnist und er schrieb Beiträge und Kurzgeschichten für Publikationen
wie „Die Weltwoche“ und „Die Randspalte“. Auch in internationalen
Zeitungen wie „Herald Tribune“ erschienen seine Zeichnungen.
Engagement und Ehrungen
Oftmals widmete er sich mit seinen Zeichnungen auch der
Umweltzerstörung und dem Umgang mit Tieren, die er dem Betrachter
kritisch vor Augen führte. Für dieses Engagement wurde er 1990 mit der
Binding-Anerkennungsgabe ausgezeichnet, der für besonderen Einsatz für
Natur- und Umweltschutz verliehen wird.
Im Laufe seiner Karriere erhielt Hans Moser zahlreiche weitere
Auszeichnungen für seine Arbeit als Cartoonist und Karikaturist.
Dazu gehören u.a. die Goldmedaille an der 2. Biennale dell'Umorismo
nell'Arte in Tolentino, Italien 1963, die Goldmedaille am Salone
Internazionale del Francobello in Torino, Italien 1969 für den Entwurf
einer Briefmarke, den
Spezialpreis der Zeitung „Nova Makedonja“ an der Galerie mondiale de la
caricature Skopje 1970, die Goldene Palme an der 28. Internationalen
Ausstellung in Bordighera (Italien) und den Türler Pressepreis
1986.
Die
Gemeinde Laax ehrte Hans Moser mit einer eigenen Strasse, der Via Hans
Moser, zudem wurde der Wanderweg von Valetta nach Caplania auf "Senda
Hans Moser" getauft. Den Wanderweg zieren zahlreiche Tafeln mit
Cartoons von Hans Moser. Dazu jeweils ein rätoromanischer Satz und die
deutsche Übersetzung dazu.
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Zu den publizierten Büchern mit Hans Mosers Zeichnungen gehören "Die
Mänätscher" (71), „Herr Schüüch lebt weiter“ (73), "Medizynisches"
(84), „Kopf hoch, Herr
Schüüch“ (87), „Herr Schüüch – Aus dem Leben
eines Zeitgenossen“, „Das
ewig junge Volkslied“, „Mir ist alles Wurst...“, „Heitere Chirurgie“,
„Mitlachen ist wichtiger als siegen“, "Humor im Alter...", "Patient
XY", "Wenn schon,
denn schon" und "Freie Fahrt".
In seinen Zeichnungen kritisierte Hans Moser auch zahlreiche Zustände,
doch waren diese nie aggressiv sondern zurückhaltend und mit Humor
versehen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Entwicklung seines Heimatdorfes Laax.
Er kam dort an, als dieses noch ein beschauliches Dorf war und musste
mit ansehen, wie daraus nach und nach ein Touristenort geworden ist.
Statt auf die Strasse zu gehen und zu protestieren zeichnete er die
Entwicklung in einem humoristisch-kritischen Cartoon (Moser 48 1970).
In einem Interview mit der NZZ von 2005 erzählte Hans Moser, dass, wenn
er nicht mehr in seinem Haus in Laax leben und arbeiten würde, er wohl
nicht mehr lange leben würde.
Als er nach einem Sturz in ein Pflegeheim in Trun kam, verstarb er zehn
Monate später im Alter von 90 Jahren. In sein Haus in Laax konnte
er nicht mehr zurückkehren.
Hans Moser galt als bescheidener Mensch, der seine Arbeit und noch
weniger sich selbst in den Mittelpunkt gestellt hätte. So obliegt es
dieser Homepage, seine Arbeiten und seine Person in Erinnerung zu rufen
und einen Ausschnitt seiner Zeichnungen zu zeigen.
Hans
Moser dürfte im Laufe seiner Karriere über 8'000 Zeichnungen
angefertigt haben, allein für die Figur Closchi sind es über 1'300. Der
Nachlass von Hans Moser befindet sich heute bei der Stiftung Pro Laax.

Im Jahr 1992 schuf Hans Moser die hier abgebildete Collage, die die wichtigsten Stationen seines Lebens zusammenfassen.
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Hinweis:
Die Abbildungen der Werke von Hans Moser dienen ausschliesslich der
Illustration der Arbeiten des
Künstlers. Die Verwendung von Dritten ist
ohne Erlaubnis der Rechteinhaber nicht zulässig.
Die hier abgebildeten Fotos stammen aus dem Nachlass
von Hans Moser.