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||Der Pisonibrunnen

Münsterplatz
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Der Basler Münsterplatz erfreut sich mit dem Pisonibrunnen eines weitherum einzigartigen Beispiels der Brunnenbauerkunst des 18.Jh. Bevor wir uns mit ihm befassen, seien noch seine Vorgänger betrachtet. Im 14.Jh erhob sich auf dem Münsterplatz eine Gerichtslinde in deren Schatten ein vom Münsterbrunnwerk gespiesener Brunnen stand der dem heiligen Georg geweiht war. Er sei mit einer Wand versehen gewesen, auf die ein Bildnis St.Georgs gemalt war.
Dieser Georgsbrunnen hatte sehr wahrscheinlich einen Holztrog und bekam 1382 einen Stock aus Stein, der mit einer Figurengruppe gekrönt war. Die Skulptur fiel 1503 vom Stock, als einige Gottesmänner und Studenten einen Schabernack mit ihr machten. Dabei ging nicht nur der St.Georg in Trümmer, auch einer der Vandalen brach sich den Hals. Als Ersatz für den alten Georgsbrunnen wurde 1504 von Bildhauer Hans Thurner der neue Georgsbrunnen geschaffen.
Der Ersatz der Georgsskulptur
Erneut krönte diesen eine Figurengruppe, wobei nicht sicher ist ob sie eine Kopie der alten war, oder eine Neuschöpfung. Jedenfalls zeigte die Skulptur einen St.Georg der über den Drachen hinwegschritt und ihn beiläufig erstach, während ein frommer Pilger betend für die Errettung vor dem Lindwurm dankte. Dank einer Zeichnung von Emanuel Büchel (1705-1775) ist die Gestalt der Skulptur überliefert. Der Brunnen erhielt 1535 einen rechteckigen Steintrog.
Als man im Jahr 1782 alle öffentlichen Brunnen begutachtete, fand man den Georgsbrunnen verkommen vor. Trog und Stock waren undicht, der Brunnen musste ersetzt werden. Das Bauamt unter Achilles Leissler (1723-1784) kam zm Schluss, dass das beste ein neuer Brunnen aus Solothurner Stein sei. Man geriet an den Steinbruchbesitzer Urs Joseph Würtz, der sich weit vorwagte, als anbot den Brunnen gleich selber zu entwerfen. So begabt wie er tat war er nicht.
Der Entwurf des Brunnens stammte nämlich von Paolo Antonio Pisoni (1738-1804), der zusammen mit seinem Onkel Gaetano die St.Ursuskirche in Solothurn baute, wobei sich Onkel Pisoni und der Vater von Würtz derart in die Haare gerieten, dass letzterer beinahe ersteren umgebracht hätte. Vielleicht wurde daher von Würtz Junior die massgebliche Mitarbeit Pisonis unterschlagen. Die Signatur "Pisoni, architecte inv." erscheint lediglich auf dem Original des Plans.
Über den Hauenstein nach Basel gebracht
Das Bauamt, welches Pisonis Mitwirkung wenig würdigte, bemühte sich um Sparsamkeit. Von drei Entwürfen des Brunnens wählte das Amt den teuersten, handelte diesen aber auf den Preis des günstigsten herunter und erreichte erst noch, dass der Entwurf im Preis einbezogen wurde. Ungemach gab es noch mit dem Fuhrmann Jakob Thommen, der den Brunnen von Solothurn via Hauenstein nach Basel bringen sollte. Er war mit dem Honorar unzufrieden.
Nordpartie des Brunnens mit niedrigem Seitentrog von 1937 für durstige Hunde. Ein Seitentrog des Originals von 1784 wurde auf den Friedhof am Hörnli gebracht.
Als alle Hindernisse überwunden waren und der Brunnen im November 1784 vollendet auf dem Münsterplatz stand, fehlten die längst bestellten Wasserrohre, weil die Rotgiesser damit trödelten bis ihnen das Bauamt Beine machte. Erst nach Neujahr 1785 war der Brunnen dann sprudelbereit. Aus den Mündern zweier Uristiere fliesst über die Röhren dass Wasser in den Trog mit seinen zwei Sudeltröglein. Den Stock krönt eine florbehangene Säule mit Urne obenauf.
Anno 1937 wurde der Brunnen saniert, wobei man ihn durch eine fast identische Kopie ersetzte. Die Behörden zeigten bei der Neufertigung ein bemerkenswertes Verständnis für durstige kleine Hunde. Eigens für jene wurde nämlich einer der Nebentröge niedriger gestaltet, weshalb Pisonis ausgewogenes Design aus dem Gleichgewicht kam. Vom 1937 entfernten Originalbrunnen überlebte nur ein Seitentrog, um auf dem Friedhof am Hörnli weitere Dienste zu leisten.
Querverweis zum Thema:
>> Basel und seine Wasserversorgung
Beitrag erstellt 04.07.06 / Quellen nachgeordnet 17.06.09
Quellen:
Arthur Burger, Brunnengeschichte der Stadt Basel, herausgegeben vom Verkehrsverein Basel, Basel, 1970, Seiten 12 bis 14 und 97 bis 100
Robert Balthasar Christ und Peter Heman, Zauber der Basler Brunnen, Birkhäuser Verlag, Basel, 1967, Beitrag 18
Karl Stehlin, Der Münsterplatzbrunnen, publiziert im Basler Jahrbuch 1892, herausgegeben von Albert Burckhardt und Rudolf Wackernagel, R.Reich vormals C.Detloffs Buchhandlung, Basel, 1892, Seiten 95 bis 110