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Lea, 14, wurde im Körper eines Buben geboren; Kim, 7, mit allen Merkmalen eines Mädchens. Sie sind zwei von rund 8000 Transkindern in der Schweiz. Ihre Klassenkameradinnen und -kameraden haben damit kein Problem – doch in der Welt der Erwachsenen stossen sie auf Widerstände.
Seit einer halben Stunde sitzt Kim* im Behandlungsraum des Kinderarztes. Der Siebenjährige rutscht ungeduldig auf dem Stuhl herum, lässt die Fragen des Mediziners über sich ergehen. «Du bist dir ganz sicher, Kim, dass du ein Junge sein willst?» «Ja.» «Gell, Kim, du weisst, wenn du doch ein Mädchen sein willst, darfst du das jederzeit sagen.» «Ja, ich weiss.» «Wirklich, Kim, ich meine das so, jederzeit.» «Ich weiss.» «Wirklich!» «Ich weiss. Sind wir fertig?»
Kim, ein eher schmächtiger Erstklässler mit Kurzhaarfrisur und sportlicher Brille, ist kein ungeduldiges Kind. Aber die dauernden Fragen nach seinem Geschlecht versteht er nicht. Er kam in einem weiblichen Körper zur Welt – doch wie ein Mädchen fühlte er sich noch nie.
Lea*, 14, wurde als Lukas geboren. Sie sagt: «Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich je als Bub gefühlt habe.» Auch Lea, ein Teenager mit langen, blonden Haaren, versteht nicht, warum sie die Ärzte immerzu fragen, ob sie sich sicher sei: «Man sieht doch, dass ich ein Mädchen bin!»
Lea ist ein Transmädchen, Kim ist ein Transbub. Sie sind zwei von rund 8000 Kindern in der Schweiz, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren. Lea und Kim kennen sich nicht, sie leben in verschiedenen Regionen der Schweiz. Und doch haben sie vieles gemeinsam. Dies ist ihre Geschichte.
Verkleiderlis und Barbies - nur eine Phase?
Lea, damals Lukas, ist drei Jahre alt, als ihren Eltern auffällt, wie sehr sich ihr Kind für die Barbies ihrer Cousine interessiert. Und wie gerne es mit deren Röckchen Verkleiderlis spielt. Das wäre für einen Buben dieses Alters noch nicht ungewöhnlich – wenn sich Lukas nicht weigern würde, die Kleider danach wieder auszuziehen.
«Jetzt bist du einfach mal der Bub!»
Die Mutter von Lukas.
Die Eltern halten es für eine Phase, wie sie halt bei Kindern vorkommt. Doch bei Lukas will die Phase nicht enden. Zuweilen wirkt es für die Eltern wie eine Obsession: Lukas probiert ein Röckchen nach dem anderen an, lässt sich dabei auch nicht unterbrechen, wenn die Mutter ihr Kind zu Tisch ruft. Die Eltern machen sich Sorgen: Ist das normal? Sollen wir das zulassen? Dürfen wir das zulassen? Auch das Schminken und Nägellackieren? Zwischendurch verliert die Mutter immer wieder die Geduld: «Jetzt bist du einfach mal der Bub!»
Als Lukas sieben Jahre alt ist, geht die Mutter mit ihm auf eine Tupperware-Party. Eine Freundin kommt mit dem vermeintlichen Bub ins Gespräch und fragt: «Wenn du ganz alleine auf der Welt wärst, was würdest du sein wollen?» Lukas zögert keine Sekunde: «Ein Mädchen.» Die Mutter ist geschockt.
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«Ich bin keine Prinzessin, ich bin ein Prinz»
Auch Kim ist drei Jahre alt, als er mit seinem Verhalten zum ersten Mal die Eltern irritiert. Auch bei ihm dreht es sich um Röckchen. Nur, dass er sie seinen Eltern an den Kopf wirft, anstatt sie anzuziehen. Wenn er von gut meinenden Bekannten Prinzessinnenkleider geschenkt bekommt, zieht er sie brav an. Um sie sofort an einem sicheren Ort zu verstecken, sobald der Besuch gegangen ist. «Ich bin keine Prinzessin, ich bin ein Prinz», sagt er.
Dass seine Eltern ihm die Haare nicht kurz schneiden lassen, akzeptiert Kim. Auf keinen Fall aber, wenn ihn die Mutter frisieren will. Auch seine Eltern machen sich anfänglich nicht viele Gedanken: «Wir wollen unsere Kinder nicht in die Mädchenrolle drängen, sie durften immer auch mit Bubensachen spielen», sagt die Mutter.
«Alle behandeln mich wie ein Mädchen, dabei bin ich doch ein Bub!»
Kim
Das Ehepaar hat drei Mädchen, wie sie damals noch meinen: Eines steht auf Pink und Lillifee, die anderen spielen lieber mit Autos. Dass bei Kim etwas ganz anders ist als bei seinen zwei Schwestern, realisiert die Mutter, als Kim in den Kindergarten kommt. Eines Tages sitzt er traurig am Küchentisch. Die Mutter fragt: «Was ist los mit dir?» «Alle behandeln mich wie ein Mädchen», klagt Kim. «Dabei bin ich doch ein Bub!»
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