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1967 wurde im südafrikanischen Capetown unter der Leitung des Chirurgen Christiaan Barnard die erste Herztransplantation durchgeführt. Der Strahlemann wurde zum internationalen Star und zum Botschafter des Apartheidregimes. Erst nach Barnards Tod begann sich die Welt zu fragen, ob vielleicht nicht er, sondern sein Gärtner verantwortlich für eines der aufregendsten medizinischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts gewesen war.
Die in Südafrika lebende Journalistin Cristina Karrer und der Schweizer Filmemacher Werner Schweizer haben ihr Dokudrama Hidden Heart über die erste Herztransplantation auf diesen Krimiplot zugespitzt. In einer Doppelbiografie erzählen sie sowohl vom Leben des Starchirurgen Barnard als auch von dessen schwarzem Angestellten Hamilton Naki, der vielleicht eine zentrale Rolle in der Nacht gespielt hat, in der in Capetown Medizingeschichte geschrieben wurde. Naki hatte im Groote-Schuur-Spital als Gärtner begonnen und sich hartnäckig zum medizinischen Assistenten im Tierlabor hochgearbeitet, wo Barnard und sein Team die ersten Transplantationen an Tieren testeten. Als Schwarzer hatte Naki nie eine medizinische Ausbildung genossen, doch seine chirurgische Begabung war unbestritten.
Vordergründig geht Karrers und Schweizers Dokudrama der Frage nach, ob Naki in jener legendären Nacht wirklich Teil des Chirurgenteams war. Doch es wird auch bald klar, dass dies gar nicht der zentrale Punkt ist. Erwiesen ist nämlich, dass Naki sehr nah mit Barnard zusammenarbeitete und für ihn später, als den Starchirurgen eine Arthritis plagte, unzählige knifflige Operationen ausführte, sowie Hunderte von Ärzten aus aller Welt in der Kunst der Transplantation unterrichtete. Trotzdem hatte bis ins Jahr 2001 niemand von Hamilton Naki gehört. Im Gegensatz zu Christiaan Barnard, der durch diese erste Herztransplantation zum internationalen Star aufstieg und sich im Jetset vergnügte. Obwohl Barnard behauptete, dass innen alle gleich aussähen, gab es schon bei der dritten Herztransplantation einen Skandal, da Barnard die Familie der schwarzen Spenderin nicht um Erlaubnis fragte, bevor er das Herz einem Weissen einsetzte. Für das Apartheidregime Südafrikas war das «Wunder von Capetown» aber ein gelungener Anlass, sich in der Welt in einem besseren Licht zu zeigen. Und Barnard liess sich noch so gerne als Botschafter dafür einspannen. Hidden Heart zeigt aber auch, wie sich der Mediziner und Frauenheld bald schon im glamourösen Leben verirrte und sein unheimliches Strahlelächeln immer mehr zu einer frankensteinschen Fratze gefror.
In einer gewagten und sehr geschickten Montage von Interviews, Archivaufnahmen und nachgestellten Szenen erzählen Cristina Karrer und Werner Schweizer vom unterschiedlichen Werdegang der beiden Südafrikaner, dem Arzt und dem Gärtner. Durch die – von der Sache her vielleicht unnötige – Zuspitzung auf einen Krimiplot legen sie auf sinnige Art und Weise das dramaturgische Prinzip ihres Dokumentarfilms offen. Durch geschickt geführte Interviews gelingt es ihnen nämlich, ihre Gesprächspartner, allen voran Barnards Tochter Deidre Barnard und den Filmproduzenten Dirk de Villiers, nach und nach als nicht ganz vertrauenswürdige Kommentatoren zu entlarven. Beide haben darunter gelitten, im Schatten dieses Strahlemanns gestanden zu haben. Fast schon unheimlich wirkt es, als Barnards Freund de Villiers, selbst ein Verfechter des Apartheid-Regimes, am Schluss des Interviews das Zimmer wechselt und an der Wand ein überlebensgrosses Barnard-Porträt zum Vorschein kommt. Hidden Heart ist als Dokumentarfilm mehrfach gelungen: Spannend und selbstreflexiv erzählt er nicht nur von einem grossen Ereignis der Medizingeschichte und von der Welt der Schönen und Reichen, sondern vor allem auch von den sozialen Folgen, die Südafrikas Apartheidregime zeitigte.