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Zeitschrift und Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins
Die Materialien für die Publikationen des D. u. Ö.A.V. sind so reich geworden, daß der Centralausschuß sich veranlaßt sah, für die größeren Arbeiten eine neue Form: die wissenschaftlichen Ergänzungs-hefte zur Zeitschrift des D. u. Ö.A.V., zu suchen. Ein erstes solches ist erschienen und enthält, wie ich den Recensionen ( das Heft selbst habe ich nicht erhalten ) entnehme, die von den Herren Prof. Dr. S. Finsterwalder, Dr. A. Blümcke und Dr. Hans Heß 1888, 1889, 1891, 1893 und 1895 vorgenommenen Messungen und Kartenaufnahmen des durch seine Schwankungen berühmten Vernagtferners.
Die Zeitschrift selbst enthält: Dr. med. Franz Kronecker: Reisen in den südlichen Alpen Neuseelands; Ferdinand Löwl: Kais; Albrecht Penck: Gletscherstudien im Sonnblickgebiete; Oswald Redlich: Über Ortsnamen der östlichen Alpenländer und ihre Bedeutung; Hans v. Zwiedineck-Südenhorst: Die Ostalpen in den Franzosenkriegen; Hans Grasberger: Aus dem alten Tauriskerlande; Richard von Strele: Der Palmesel, eine kulturhistorische Skizze; L. Purtscheller: Aus dem Alpen -kränze des Defereggerthales; Dr. Fritz Kögel: Die Reichenspitzgruppe; M. v. Prielmayer: Die Alpen des Grosinathaies; Joseph Enzensperger: Der wilde Kaiser; L. Norman-Neruda: Die Rosengartengruppe; H. Steinitzer: Eine Wanderung durch die Bergamaskeralpen; Julius Pock: Aus den Bergen der südlichsten deutschen Sprachinseln: die Sauris oder Zahre im Friaul. Ich kann hier nur auf einzelne dieser Aufsätze näher eintreten, die mich besonders interessiert haben. Herr Dr. Kronecker hatte bei einem Aufenthalt auf Neuseeland im Frühjahr 1894 das Glück, tüchtige Begleiter und Führer zu finden, was in Neuseeland gar nicht so leicht ist, und was für ihn um so wichtiger war, weil seine eigene körperliche Eignung und Erfahrung, wie er freimütig gesteht, für die schwierigen Aufgaben, die hier gestellt werden, nicht ausgereicht hätten. So aber gelang es ihm, die dritte Ersteigung des Hochstetterdoms und die erste des MounJ: Darwin zu machen und einige interessante Gletscher und Paßübergänge zu erforschen. Außerdem giebt Herr Kronecker auch eine Besteigungsgeschichte der südlichen Alpen Neuseelands. Seine Schilderungen und Beobachtungen sind anziehend. In Beziehung auf den Stil hätte ich gewünscht, daß Ausdrücke wie „ Gipfelstürmer ", die meinem Gefühl nach aus einer philisterhaften Auffassung der Sache hervorgehen, weggeblieben wären. Den Aufsatz von Herrn Oswald Redlich rate ich denen zur Lektüre an, die es mir schon übelgenommen haben, daß ich auf dem Gebiet der Toponomasie strenge wissenschaftliche Grundlage verlange. Sie werden dort finden, warum Arbeiten ohne diese Grundlage keinen Nutzen stiften, aber auch, wie man es anstellen muß, um auf diesem schwierigen Terrain den rechten Weg zu gehen. Die militär-geogr. Studie über die Ostalpen in den Franzosenkriegen ist sehr interessant und enthält natürlich auch einiges über die Ereignisse in Graubünden und der Ostschweiz überhaupt in den Jahren 1799 bis 1801. In der kulturhistorischen Skizze über den Palmesel ist eigentlich kaum etwas Alpines zu finden, dagegen werden einige Gebräuche aus der Schweiz zur Vergleichung herbeigezogen. Der Artikel über die Alpen des Grosinathaies wird die Leser dieses Jahrbuches mehr interessieren, weil dieses zwischen dem von Herrn Reber geschilderten Poschiavothal und dem neuen Exkursionsgebiete liegt. In dem sonst gewiß nützlichen Artikel über die Rosengartengruppe werden sich vielleicht auch andere Leser, wie der Referent, abgestoßen fühlen von dem unglaublich hochmütigen Ton der Kritik, die übrigens bereits in den Mitteilungen eine scharfe Erwiderung eines der Angegriffenen gefunden hat. In den Schilderungen von H. Steinitzer werden meine Leser sich angenehm erinnert fühlen an den Bericht, den ihnen Ludwig Purtscheller über die Bergamasker Alpen gegeben hat. Über die Illustration des Bandes gilt das gleiche Lob, wie früher. Es sind 16 Vollbilder nach Zeichnungen von E. T. Compton, A. Heilmann, M. von Prielmayer oder nach Photographien meistens von F. Benesch. Auch von den 39 Bildern im Text sind viele von Compton und Heilmann gezeichnet, andere von Prielmayer. Die Beilagen sind folgende: Karte vom Ötzthal und Stubai Blatt III: Gurgl von S. Simon; Skizzen der Zunge des Klein-Fleiß-Keeses, der Zunge des Goldberggletschers und des Wurten-Keeses; Karte des centralen Teiles der neuseeländischen Alpen; Rundschau von der Kassianspitze; Venedigergruppe und Zillerthaler Alpen vom Glockenkarkopf.
Die Mitteilungen D. Ö.A.V. enthalten wiederum neben den Massen von kleinern Notizen über Touren, Weg- und Hüttenbau, Führerwesen, Verkehr und Unterkunft, Ausrüstung und Verproviantierung, Unglücksfälle, neben den Personalnachrichten, den wissenschaftlichen Mitteilungen, den Referaten über Litteratur, Kartographie und Kunst, sowie den Vereinsangelegenheiten 55 Aufsätze, von denen einige auch für unsere Leser wichtig sein werden, so: Das Alpenglühen, von Prof. E. Richter; Alkohol und Bergsteigen, von Dr. Otto Snell; Die Schutzhütten im Jahre 1896, von Dr. Joseph Rosenthal; Zur Verproviantierung der Schutzhütten im Jahre 1897, von Prof. Dr. Emil Pott; Hochtourist und Botaniker, von C. Schmolz; Zum Kapitel des Alpenföhns, von Ludwig Dürr; Die Führerkurse des D. Ö.A.V. 1897; Unholde Bergnamen, von Dr. J. Schäfler; Berichte über die wissenschaftlichen Unternehmungen des D. Ö.A.V.; Alpenverein und Mundartforschung, von Joseph Seemüller und Eberhard Graf Zeppelin; Zur Bekanntschaft mit der alpinen Flora, von Dr. R. F. Solla; Zur Vereinsthätigkeit in den Wintermonaten, von Prof. Adami; Zur Frage der Jungfraubahn; Die XXVIII. Generalversammlung des D. Ö.A.V. zu Klagenfurt; Jahresbericht pro 1896/97; Der Deutsche Volksgesangverein in Wien, von Hans von Zwiedineck-Südenhorst; Einiges über Eisbildungen, von Dr. Julius Zellner; Einiges über die Alpenflora, speciell über das Wachstum der Gletscherblumen, von Chr. L. Dürr; Einige Winke über zweckmäßiges Anseilen bei Hochtouren; Der Blitzableiter auf den alpinen Schutzhütten, von Dr. H. Schumacher; Ein alpiner Pflanzenhort, von Eduard Sacher. Die Schlußabrechnung des D. Ö.A.V. ergab auf 31. Dezember 1897 einen Mehrertrag der Einnahmen von über 21,000 Mark. Das Vermögen betrug über 90,000 Mark und die Mitgliederzahl war auf 40,880 gestiegen.
Redaktion.