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Zürich, den 25. Januar 1874
Sr Hochwohlgeboren
Herrn Geheimrath Mevissen
Mitglied des Preußischen Herrenhauses
Cöln.
Hochverehrter Herr Geheimrath!
Sie haben die Güte gehabt, mir den Bericht des Oberingenieurs der Rheinischen Eisenbahnen, Herrn Oberbaurath Menne, über seine Wahrnehmungen bei der Besichtigung der Arbeiten für Herstellung des Gotthardtunnels zu übermitteln. Indem ich Ihnen hiefür meinen verbindlichen Dank sage, beehre ich mich, Ihnen mitzutheilen, daß ich den Bericht der Direktion der Gotthardbahn vorgelegt habe und daß dieselbe ihn Herrn Oberingenieur Gerwig zu geeigneter Benutzung zugestellt hat. Daß der Unternehmer des Tunnelbaus, Herr Favre, viel besser daran thäte, die Aushöhlung des Tunnels von der Sohle statt von der Firste aus zu bewerkstelligen, ist auch die Ansicht unsers Oberingenieurs. Sie wissen aber, daß nach Art. 5 des mit Herrn Favre abge| schlossenen Vertrages der letztere die Anstalten für die Ausführung des Gotthardtunnels nach seinem Gutfinden zu treffen berechtigt ist. Erlauben Sie mir nun, Hochverehrter Herr Geheimrath, mit zwei Bitten Ihre mir schon so oft bethätigte Gefälligkeit neuerdings in Anspruch zu nehmen.
Die erste bezieht sich auf die Anstellung eines Fachmannes für die Branche des Betriebes bei der Gotthardbahn. Die Direktion ist damit beschäftigt, einen solchen Fachmann zu gewinnen.
Derselbe würde unmittelbar unter der Direktion beziehungsweise dem III. Departemente derselben, in dessen Geschäftskreis der Bahnbetrieb fällt, stehen und hätte in dieser Stellung das gesammte Betriebswesen zu besorgen. Ich denke, daß ihm ein Jahresgehalt bis auf Frkn. 12000 ausgesetzt und der Titel eines Betriebschefs oder am Ende auch eines Betriebsdirektors, wenn ein besonderer Werth darauf gesetzt werden sollte, verliehen werden könnte.
Es will mir scheinen, daß das Augenmerk für Besetzung dieser Stelle zunächst auf eine jüngere Kraft zu richten sein dürfte, welche zwar mit Einsicht und Thätigkeit die erforderlichen Spezialkenntnisse und auch die nöthigen, wo möglich auf ausgedehnten Bahnnetzen gewonnenen Erfahrungen verbinde, jedoch noch nicht in einer völlig gemachten höhern Stellung wäre, sondern sich eine solche erst noch zu erringen hätte. Hiezu fände ein tüchtiger junger Mann in dem Wirkungskreise, für welchen wir eine geeignete Persönlichkeit suchen, die schönste Gelegenheit und selbstverständlich würde, | wenn der für denselben gewählte Beamtete sich vollkommen bewährt hätte, die Stellung desselben im Verfolge entsprechend gehoben und verbessert werden.
Ich wäre Ihnen nun sehr verbunden, wenn Sie bei der reichen Personenkenntniß, welche Ihnen zu Gebote steht, und bei dem regen Interesse, welches Sie fortwährend an dem Gedeihen der Gotthardbahn nehmen, die Güte hätten, mir Fachmänner zu bezeichnen, welche Sie für geeignet halten, die fragliche Stelle zu bekleiden.
Ohne Zweifel ist Ihnen bekannt geworden, daß mit Herrn Sternberg, Oberinspektor der Rheinischen Eisenbahn, an deren Spitze Sie stehen, wegen Uebernahme der mehrerwähnten Stelle verhandelt worden ist. Das Ergebniß dieser Verhandlung ist aber so beschaffen, daß zu meinem Bedauern von Herrn Sternberg wird Umgang genommen werden müssen. Für's erste hat er nämlich sehr hohe Anforderungen mit Beziehung auf Gehalt und Entschädigung für aufzugebende Pensionsansprüche gemacht, welche namentlich auch mit Rücksicht auf den Umstand, daß vorerst und für eine Reihe von Jahren bloß das nicht sehr ausgedehnte Netz der Tessin'schen Thalbahnen sich im Betriebe befinden wird, nicht annehmbar sind. Und sodann hat Herr Sternberg erklärt, daß er unter keinen Umständen vor Ende dieses Jahres in den Dienst der Gotthardbahngesellschaft eintreten könnte, während der zu wählende Beamtete seine Verrichtungen sofort oder wenigstens in nächster Zeit antreten sollte. Ich habe nicht verfehlen wollen, Sie von diesen thatsächlichen Verhältnissen zu benachrichtigen, nicht wissend, ob Ihnen dieselben in ihrem ganzen Umfange bekannt seien. |
Eine zweite Bitte, mit welcher ich an Sie zu gelangen mir gestatte, bezieht sich auf den Bahnhof Zürich. Obgleich dieser Bahnhof vor noch nicht langer Zeit erheblich vergrößert worden ist, muß doch bereits wieder Angesichts einer Reihe neuer Bahnen, welche er aufzunehmen bestimmt ist, auf eine fernere Erweiterung desselben Bedacht genommen werden. Dabei tauchen verschiedene Fragen der wichtigsten Art auf, welche die gesammte Oekonomie des Bahnhofes beschlagen. Die Direktion der Schweiz. Nordostbahn, welche ausschließliche Eigenthümerin des Bahnhofes in Zürich ist, wünscht nun den Rath von Sachverständigen über die zweckmäßigste Gestaltung der Bahnhofverhältnisse in Zürich einzuholen, und sie hat mich ersucht, Sie, Hochverehrter Herr Geheimrath! zu bitten, mir gütigst diejenigen Personen bezeichnen zu wollen, welche Sie für besonders befähigt halten würden, ein Gutachten über diese schwierige Angelegenheit abzugeben. Die Direktion der Nordostbahn wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Gefälligkeit hätten, hiebei Ihr Augenmerk vorherrschend auf Fachmänner aus dem Gebiete des Eisenbahnbetriebes zu lenken.
Entschuldigen Sie es, Hochverehrter Herr Geheimrath! mit gewohnter Nachsicht, wenn ich es wage, mit diesem doppelten Anliegen an Sie zu gelangen, und indem ich zum Voraus meinen warmen Dank für die Bemühungen sage, die Ihnen, falls Sie meinen Ansuchen zu entsprechen die Güte haben wollen, erwachsen werden, bitte ich Sie, die erneuerte Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung genehmigen zu wollen.
Ihr ergebener 1