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Patumbah-Park
Impressionen Patumbah-Park
Beschreibung
Die Entwicklung des Patumbah-Parks von seiner Entstehung Ende des 19. Jahrhunderts bis zum heutigen Tag ist ein spannendes Stück Zürcher Kulturgeschichte. Wertvorstellungen von damals und heute spiegeln sich darin, ebenso der Umgang mit dem Kulturgut Garten.
2013 wurde ein ganz neues Kapitel in der Geschichte des Patumbah-Parks aufgeschlagen: Der Park, erstmals seit der Teilung in zwei Hälften im Jahr 1929 wiedervereint, ist seither für die Bevölkerung in seiner Gesamtheit zugänglich. Jahrzehntelange Bemühungen um den Erhalt des Parks gingen diesem Schritt voraus. Das Resultat ist eine Weiterentwicklung des gesamten Patumbah-Ensembles: Entlang der Parkränder entstanden qualitätsvolle Neubauten, die Villa Patumbah und die private Parkhälfte wurden stilvoll renoviert.
Entwicklung
Der Zürcher Kaufmann Carl Fürchtegott Grob-Zundel (1830–1893) kam auf Sumatra als Tabakplantagenbesitzer zu grossem Reichtum. Nach elf Jahren kehrte er zurück, heiratete Anna Dorothea Zundel und gründete eine Familie. Für den Bau seiner Villa Patumbah kaufte er Land an der Zollikerstrasse in Riesbach.
Er beauftrage 1883 die Architekten Alfred Chiodera und Theophil Tschudi mit dem Bau einer Villa im üppig kolonialistischen Stil.
1885 umfasste der Garten nur den villennahen Bereich. Weil sich Grob-Zundel am Einschnitt des offenen Trassees der Nordostbahn vor der Villa störte, liess er das Gleis auf eigene Kosten mit einem Tunnel überdecken. Als Gegenleistung durfte er über das dadurch gewonnene Land verfügen.
Für die Gestaltung der Parkanlage engagierte Grob-Zundel um 1890 den Gartenkünstler Evariste Mertens, der hier die klassische Landschaftsgarten-Theorie im helvetischen Massstab umsetzte: Villennahe Schmuckpartien, weite landschaftliche Räume und ein grosser Nutzgarten waren durch ein geschwungenes Wegnetz miteinander verbunden. Den hausnahen Teil integrierte Mertens in den Gesamtplan. Nebst dem Patumbah-Park gehört das Arboretum (zusammen mit Otto Froebel, 1887) zu Mertens’ wichtigen Werken in Zürich.
1910 schenkten Grobs Töchter Anna und Margrit im Einverständnis mit ihrer Mutter Villa und Park Patumbah dem Diakoniewerk Neumünster. Einzige Bedingung war, das Anwesen einem gemeinnützigen Zweck zuzuführen. 1912 eröffnete das Erholungsheim Patumbah seine Pforten, später wurde es in ein Altersheim für Frauen umgewandelt.
1929 verkaufte das Diakoniewerk, von ständiger Geldknappheit geplagt, den nördlichen Parkteil. Käufer war Carl Julius Abegg, Besitzer der benachbarten Villa an der Zollikerstrasse 115/117 oberhalb der Patumbah. Obwohl als Bauland gekauft, liess er den Garten weiterpflegen und realisierte einzig ein Geräte- und Pflanzenhaus an der Mühlebachstrasse.
Ab 1975 konnte das Altersheim in der Patumbah nicht mehr rentabel geführt werden und schloss seine Tore. Um die Patumbah vor dem Abbruch zu bewahren, erwarb die Stadt Zürich 1977 die Villa und den Parkteil des Diakoniewerks (ca. 5000m2) für 3,1 Mio. Franken. Der Erhalt der Villa war damit gesichert. Im unteren Gartenteil sollte jedoch ein zeitgemässes Altersheim realisiert werden. Aufgrund der Annahme der «Volksinitiative zur Erhaltung der Liegenschaft Patumbah (Parzelle 2441), Zollikerstrasse 128, Zürich 8» im Jahr 1985 wurde der untere Parkteil der Freihaltezone zugeteilt und damit dessen Überbauung verhindert. Der städtische Parkteil wurde anschliessend nach den Plänen von Evariste Mertens in Stand gestellt und wo nötig rekonstruiert.
Die 1992 angestrebte Unterschutzstellung der privaten Parkhälfte scheiterte; die Rekurse der Eigentümer wurden von den Gerichtsinstanzen gutgeheissen. Die private Parkhälfte war somit frei zur Bebauung. 1995 wurde die private Stiftung zur Erhaltung des Patumbah-Parks gegründet mit dem Ziel, den privaten Teil zu erwerben und die Villa zu sanieren. Trotz jahrelanger Bemühungen gelang es nicht, das Geld für den Kauf der privaten Parkhälfte aufzubringen. 2001 erwarb eine private Bauherrin die gesamte private Parkhälfte für den Bau einer massvollen Randbebauung. Die innere Parkkammer sollte dabei freigehalten und mit der städtischen Parkhälfte wiedervereint werden. Eine Initiative zur integralen Rettung des Patumbah-Parks wurde 2009 vom Volk in Kenntnis des geplanten Bauvorhabens abgelehnt.
Die Bauarbeiten für die Randbebauungen dauerten von 2010 bis 2012. Mit einem Nutzungsvertrag zwischen der Grundeigentümerin und der Stadt Zürich wurden die Restaurierung, die Pflege sowie die Nutzung des privaten Parkteils durch die Öffentlichkeit geregelt. In der Folge wurde der Patumbah-Park nach den Originalplänen von Evariste Mertens und gemäss den noch vorhandenen Elementen der Mertensanlage sanft in Stand gestellt und im Frühjahr 2013 der Öffentlichkeit übergeben. Die Villa Patumbah wurde parallel zum Park sorgfältig renoviert. Sie beherbergt die Geschäftsstelle des Schweizer Heimatschutzes.
Nutzung
Historische Parkanlage mit altem Baumbestand. Der Patumbah-Park ist das ganze Jahr tagsüber öffentlich zugänglich. Die je nach Jahreszeit wechselnden Öffnungszeiten sind an den Eingängen angeschlagen. Hunde sind an der Leine zu führen.
Besonderes
Der klangvolle Name «Patumbah», den Karl Fürchtegott Grob seiner Villa gab, wurde bisher als «Ersehntes Land» übersetzt. Wie die jüngsten Recherchen ergaben, ist dies eine alte Bezeichnung, die heute nicht mehr verwendet wird. Sie wurde gebraucht, um einen Ort zu beschreiben, an dem man sich wohlfühlt – etwa im Sinne von «Platz für alles» oder «Offenes Haus». Der Bauherr wollte damit wohl zeigen, dass er auf das Lebensgefühl, das er auf Sumatra schätzen gelernt hatte, auch in seiner Heimatstadt Zürich nicht verzichten mochte. Er konnte damals nicht ahnen, wie sehr dieses «Patumbah» einst Programm werden sollte.
Wegbeschrieb
Zollikerstrasse 128, Mühlebachstrasse vis-à-vis 174 Tram Nr. 2, 4 oder Bus 33 bis Fröhlichstrasse, weiter zu Fuss über die Ceresstrasse zur Mühlebachstrasse; Bus Nr. 33, 77 bis Botanischer Garten