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Meine Mutter war ein sogenannt «guter» Flüchtling. Die Schweiz hat sie freundlich empfangen. Sie kam Ende der 60er-Jahre in die Schweiz aus der damaligen Tschechslowakei, also aus dem sozialistischen Osten in den kapitalistischen Westen. Als russische Truppen am 21. August 1968 die Tschechoslowakei besetzten, entschloss sich meine Mutter in der Schweiz Asyl zu beantragen.
In der Schweiz wurde die russische Aggression verurteilt. Die Flüchtlinge wurden deshalb wohlwollend aufgenommen. Meine Mutter bekam ohne Probleme Asyl. Sie studierte an der Hochschule in St. Gallen und arbeitete nebenbei. Da sie zu wenig Zeit für ein Baby hatte, kam ich in ein Kinderheim: Das Kinderheim Hüslen in der Gemeinde Gaiserwald.
Das Kinderheim gibt es heute nicht mehr. Heute ist an der gleichen Stelle ein Heim für Menschen mit Wahrnehmungsstörungen.
Geführt wurde das Kinderheim von den barmherzigen Schwestern des heiligen Kreuzes. Die Obhut über die Kleinkinder hatte Schwester Sigrid. Heute lebt Schwester Sigrid im Kloster Ingenbohl.
Schwester Sigrid wurde so etwas wie eine Ersatzmutter. Ihr ganzes Leben hat sie in Kinderheimen gearbeitet. Über 40 Jahre lang hat sie nichts anderes gekannt. Der Einmarsch der Russen in Prag war für sie kein Ereignis. Für sie zählte nur, dass es Kinder gibt, die Hilfe brauchen.
(SRF1, Regionaljournal 17:30 Uhr)