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Eigentlich wäre alles angerichtet gewesen: Im Januar 2021 hätte das Theater Buochs «Monsieur Claude und seine Töchter» aufführen wollen. «Wir hatten im Sommer 2020 das Ensemble komplett zusammen», erzählt Eva Mann, die Regisseurin des Theater Buochs. Doch die Corona-Pandemie und das Leben kamen der Produktion dazwischen.
«Wir waren uns bewusst, dass es anspruchsvoll wird, das Ensemble zu besetzen. Aber wir wollten mit dem Stück aus der Komfortzone treten», so Mann weiter. Deshalb habe man sich für «Monsieur Claude und seine Töchter» entschieden.
Das Stück beruht auf dem französischen Film, der von einer Familie mit vier Töchtern handelt, die alle zum Leidwesen ihres Vaters keinen katholischen Franzosen geheiratet haben oder heiraten werden. Stattdessen sind seine Schwiegersöhne jüdischer oder muslimischer Abstammung oder haben chinesische Wurzeln. Die Hoffnung des Vaters Claude ruhen deshalb auf der jüngsten, noch unverheirateten Tochter, die aber einen Mann mit afrikanischer Abstammung heiraten möchte.
Rollen mussten neu besetzt werden
Zwei Jahre später nahm das Theater Buochs das Stück wieder auf, aber gewisse Rollen mussten neu besetzt werden, darunter die Rolle des André – der Vater des afrikanischen Mannes, den die jüngste Tochter heiraten möchte. Mit einem Aufruf hat der Verein dann einen geeigneten Spieler gesucht: «André, Vater von Charles, männlich, 45-70 dunkelhäutig/afrikanisch aussehend, muss keinen Dialekt sprechen, aber Hochdeutsch.»
Die Suche nach einer passenden Person für die Rolle des Andrés stellte sich als grosse Herausforderung dar. Zwar habe man einige interessierte Personen gefunden, diesen aber absagen müssen, sagt die Regisseurin, die in Buochs bereits zum sechsten Mal inszeniert: «Wir waren darum bemüht, dass die Familienmitglieder zusammenpassen, einerseits bezüglich Alter, andererseits bezüglich Abstammung, – damit es auch glaubwürdig wirkt, dass dies eine Familie sein könnte.» Eine weitere Schwierigkeit war zudem die Sprache: «Die Rolle des Andrés ist ein ‹Chnebelgrind› mit grossem Selbstbewusstsein und dies muss sprachlich auch so präsentiert werden können.»
Im ganzen Kanton gesucht
Die Spielersuche habe angedauert und sei vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda der Vereinsmitglieder gelaufen, so Mann. «Alle haben ihren Bekannten davon erzählt oder spezifisch Leute im Kanton darauf angesprochen.» So kam es, dass ein Profischauspieler bei einer Probe vorbeischaute mit dem Ziel, dem Verein zu helfen. Und siehe da: Er vermittelte einen Verwandten, der die Rolle des Andrés übernahm.
Kurz darauf traf sich die in Meggen wohnhafte Regisseurin mit dem Mann und tauschte sich mit ihm aus: «Wir haben dann im Textbuch gelesen und am Schluss meinte er schelmisch: ‹Ja, dann probieren wir das mal. Sehen wir uns bei der ersten Probe?›»
Eva Mann ist überzeugt: Die Rolle des Andrés ist zu 100 Prozent perfekt besetzt. In Anbetracht der vorhergehenden Schwierigkeiten mit zwei verschobenen Saisons sei es auch ein Zeichen, «dass, man als Theaterverein oder Theaterschaffende auch trotz der für uns alle ziemlich verstörenden Pandemiejahre wieder komplexe Projekte wagen darf und nicht sicherheitshalber nur kleinste Brötchen backen soll.»
Doch was wäre geschehen, wenn man niemand für die Rolle gefunden hätte? «Wir waren ohne Sicherheitsnetz unterwegs und hatten keinen Plan, aber ganz viel Vertrauen. Und wir wussten, falls es nicht klappt, haben wir als Team schnell einen Plan B ausgearbeitet», so Mann.
Kurz vor dem Probenbeginn steht das 17-köpfige Ensemble des Theater Buochs also. Die Regisseurin freut sich darauf: «Es ist für alle eine Bereicherung.»