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Der Fischotter gilt in der Schweiz seit 1989 als ausgerottet. Seit dem 7. Dezember 2009 jedoch konnte beim Alpenrhein in Domat/Ems mehrmals ein Fischotter festgestellt werden. Seine Präsenz wurde im Rahmen der automatischen Videoüberwachung des Fischaufstiegs in der Fischtreppe des Kraftwerkes Reichenau nachgewiesen.

Kraftwerk Reichenau mit Fischtreppe

Die Unterwasser-Filmdokumente des Amtes für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden zeigen zweifelsfrei, dass es sich beim beobachteten Tier um einen Fischotter handelt, welcher im Fischaufstieg gerade einer Seeforelle nachstellt, welche jedoch erfolgreich entkommt (siehe Bilder und Film auf der Homepage des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden). Die Sichtung des Fischotters an Land mittels Direktbeobachtungen und Fotofallen gelang bisher nicht. Das Geschlecht ist unbekannt. Es darf angenommen werden, dass dieser Fischotter im Alpenrhein den Winter erfolgreich überstand.
Der ursprünglich in der ganzen Schweiz beheimatete Fischotter starb in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus, der letzte offizielle Nachweis am Neuenburgersee datiert auf das Jahr 1989. Über die Herkunft des jetzt plötzlich aufgetauchten Fischotters können folgende Überlegungen angestellt werden:
- Das Tier könnte natürlich eingewandert sein. Eine Studie im Auftrag der Stiftung Pro Lutra aus dem Jahr 2007/08 zeigte (Bericht und Anhang), dass sich die der Schweiz am nächsten liegenden Fischotterpopulationen in der Steiermark (A) und in Savoyen am ausbreiten sind. Die zwei Populationen in Norditalien und im Elsass sind auf illegale Aussetzungen zurückzuführen und scheinen stabil zu sein. Die Beobachtungen in den Ostalpen weisen darauf hin, dass sich Fischotter nicht kontinuierlich entlang des Verbreitungsgebietes ausdehnen, sondern sprunghaft. Fischotter wandern offensichtlich relativ schnell und überspringen wenig geeignete Gewässersysteme. Das im Jahr 2007 während der genannten Pro Lutra Studie im Raum Innsbruck festgestellte Fischotter-Männchen war vielleicht auch so ein Tier auf heimlicher Wanderschaft. Der jetzt beobachtete Fischotter in Graubünden könnte ein erster Vorbote einer natürlichen Wiederbesiedlung der Schweiz sein.
- Das Tier könnte aus einem Gehege entflohen sein. Bekannt ist, dass am 21. März 2007 ein ausgewachsenes Fischotter-Männchen dem Gehege in Männedorf (Kanton Zürich) entweichen konnte. Wenige Rückmeldungen wiesen darauf hin, dass sich das Tier in den ersten 4 Wochen im Raum Rüti bei Rapperswil aufhielt. Danach verlor sich seine Spur.
- Das Tier (oder die Tiere?) könnte illegal ausgesetzt worden sein. Allerdings ist es schwierig, in der Schweiz unbemerkt einen Fischotter zu beschaffen oder vom Ausland her über die Grenze zu schmuggeln.
- Eine Umfrage im 2001 der Stiftung Pro Lutra und des Bündner Naturmuseums in der Bevölkerung hat gezeigt, dass bis in die 1960-erjahre im Bündner Alpenrein Fischotterbeobachtungen gemeldet wurden. Es kann deshalb nicht ausgeschlossen werden , dass ein Restbestand unbemerkt überlebte. Fischotter leben territorial in äusserst geringen Dichten. Das Territorium eines Weibchens entlang eines Gewässersystems beträgt 4 - 20 km. Männchen-Territorien können sogar bis zu 40 km lang sein. Die Wahrscheinlichkeit, auf derart grossen Gewässerstrecken einen heimlichen Fischotter beobachten zu können, ist extrem gering.
Was geschieht jetzt?
In Zusammenarbeit mit Fachleuten der Stiftung Pro Lutra und des Zoo Zürich ist das Amt für Jagd und Fischerei des Kantons Graubündens daran, anhand genetischen Materials aus dem Kot die Herkunft des Bündner Fischotters zu ermitteln. Dazu wurde im Zoo Zürich Kot eines weiblichen und eines männlichen Fischotters gesammelt und am Alpenrhein an für Fischotter typischen Markierungsstellen ausgelegt. Der Geruch des fremden Kots soll den Bündner Fischotter dazu veranlassen, mit seinem Kot an diesen Stellen zu markieren. Die Resultate bilden die Entscheidungsgrundlage für weitere Schritte.
Um Hinweise über das Verbreitungsgebiet oder die Wanderroute des Fischotters zu erhalten, hat das Amt für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden die Bevölkerung aufgerufen, verlässliche Direktbeobachtungen oder Spuren zu melden. Selbstverständlich können Sie Ihre Beobachtungen auch an die Stiftung Pro Lutra senden (Beobachtungsformular).
Seit 2007 sucht die Stiftung Pro Lutra systematisch nach Nachweisen für die Einwanderung von Fischottern in die Schweiz. Auch im Sommer 2010 suchen unsere Fachleute plangemäss wieder nach Fischotterspuren in möglichen Einwanderungsgebieten aus der Steiermark und aus Savoyen. Aufgrund der aktuellen Situation hat die Stiftung Pro Lutra beschlossen, die Untersuchung gleichzeitig auf den Alpenrhein auszudehnen. Die zusätzlich entstehenden Kosten versucht die Stiftung Pro Lutra mit Spenden aus der interessierten Bevölkerung decken. Es würde uns freuen, wenn auch Sie die Untersuchungen mit einem persönlichen Beitrag unterstützen (Spendenkonto).
Ist die natürliche Rückkehr des Fischotters in der Schweiz im Gang? Für den Naturschutz wäre dies ein grosser Erfolg. Auf unserer Homepage informieren wir Sie gerne und mit Interesse über zukünftige Überraschungen und aktuellste Erkenntnisse an der Fischotterfront.
Bilder in hoher Auflösung
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Film auf der Homepage des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden