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Dies ist eine Kurzgeschichte, die sich auf meinen vorherigen Post bezüglich meines „Autorenstudiums“ bezieht. (hahahaha ich muss bei dem Wort Autorenstudium immer lachen)
Nun denn, dies ist die erste von vier biographischen Kurzgeschichten und sie beschreibt meine früheste Kindheitserinnerung:
«Domi» – Meine früheste Kindheitserinnerung
Es ist ein schöner Sommertag und ich spiele draussen. Ich bin drei oder vier Jahre alt. Möglicherweise bin ich sogar schon fünf. Das wäre jedoch ein wenig seltsam, da es sich ja um die früheste Kindheitserinnerung handelt. Bestimmt jedoch, spiele ich mit Andrea, der etwas jüngeren Nachbarin vom Hochparterre. Wir spielen Fangen, Verstecken, beides oder nichts davon. Ich renne wild auf der grossen Wiese vor dem Block herum. Plötzlich jedoch werde ich durch ein Rufen unterbrochen. „René!“, ruft es laut und scheinbar erfreut von einer unbekannten Ecke herunter.
Im vierten Stock, dem obersten jenes Gebäudes, steht ein Junge auf dem Balkon. Er winkt mir zu und ruft wiederholt meinen Namen. Ich drehe mich um, schaue hoch zu ihm und winke zurück. Dann öffne ich meinen Mund und stelle die Frage, die mir auf der Zunge brennt: „Wer bist denn du?“ Der Junge scheint auf diese Frage nicht vorbereitet zu sein und schaut mich verdutzt an: „Ich bin’s! Domi! Kennst du mich nicht mehr?“
Domi steht auf dem Balkon und versteht die Welt nicht mehr. Sein bester Freund erkennt ihn nicht mehr. Sie haben doch bis jetzt immer zusammen gespielt und jetzt hat er das alles vergessen? Er sieht René, wie er neben dem grossen Baum mit den roten Blättern steht und fragt ihn, laut rufend, ob er mitspielen darf. Nachdem René dies bestätigt geht er durch’s Wohnzimmer am Kamin vorbei zur Eckbank, wo seine Mutter gerade etwas mit seiner kleinen Schwester macht. Er fragt sie, ob er mit René spielen gehen darf und auch sie bestätigt das. Er geht in die Diele und macht sich bereit.
René geht zur Treppe, die von der grossen Wiese nach unten zur Halle führt, welche ihrerseits wiederum unter dem Block und der grossen Wiese hindurchführt. Nach einigen kindlichen Momenten, die wohl ewig gingen aber wie Sekunden erschienen, die mit Informationen für Stunden vollgepackt waren, kam dieser Junge mit dem Namen Domi die Treppe hinauf. Er fragte, was sie spielen wollen und René schlug vor, dass sie „um den Block gingen“ und er ihm dann erzählt, wie sie sich laut Domi kennen gelernt hätten. Genau das machen sie auch, René und Domi gehen um die zwei grossen Gebäude herum und kommen wieder bei der Treppe an. Domi hat alles erzählt und René kann sich an nichts erinnern, aber die Freundschaft ist trotzdem widerhergestellt. Während sie die Treppen emporsteigen sagt Domi noch beiläufig, dass er nie mehr so lange in die Ferien gehen wird.
Ende.
Ja, das war sie, die erste meiner Kindheitserinnerungen. Und ich weiss auch, dass es nicht sehr für mich spricht, dass ich während nur 3-6 Wochen einfach so meinen besten Freund vergessen hatte. Aber seien wir mal ehrlich: Ich bin halt einfach so 😀
Ich muss hier noch sagen, dass jeder Absatz für eine der vier Stationen einer Geschichte stehen soll. Zuerst kommt die Orientierung: Wo bin ich? Was tue ich? Dann das Problem: Ich kenne diesen Jungen nicht. Die Bewertung: Der Junge seinerseits ist verwirrt, dass ich ihn nicht mehr kenne. Die Auflösung: Er war einige Wochen in den Ferien und ich habe ihn deshalb vergessen.
cheers und vielen Dank für’s Lesen.
Pfoff
6 Kommentare
Jöööööh! Klein-René mit seinem noch viel kleineren Langzeitgedächtnis, chchch…Wirklich eine suuuuper Geschichte! Jöööh…wirklich…hihihiiiiih! Muss ich grad dem Urs verzelle…oder so…*hugs*
Wenn ich auf den Link klicke, kommt „Fatal Failure“. Ich möchte Dich darauf aufmerksam machen, dass nicht alle Menschen, die Geld haben, auch eine Kreditkarte besitzen. ! 😀
Ich find’s süsss.. 🙂
Was mich etwas irritiert hat, ist, dass ich eine Geschichte aus Deiner Sicht erwartet habe. Dann weisst Du plötzlich, wo Domi vorbeiläuft und dabei weisst Du noch gar nicht wer er ist in jenem Moment, also er läuft zur Ecke, wo seine Mutter sitzt. Da Du aber beim roten Baum bist, kannst Du das nicht sehen……sicher irgendeine Absicht dahinter. Wahrscheinlich lese ich so verkrampft, weil Du sagst, es ist eine Übung, dass mir alles komisch vorkommt. So wie wenn ich die Titel meines Blogs anschaue und nachdem ich sie 50 Mal angeschaut habe, klingen alle komisch. Alles was man anstiert, sieht komisch aus, meine ich.
also sonst fand ich die Geschichte sehr niedlich, ich konnte mir alles genau vorstellen und war gespannt und erinnerte mich, wie es war, als ich 4 war. Was ich nicht kapiert habe, ist die Treppe, die zur Wiese hochführt und die Halle die gleichzeitig untendurchführt, das konnte ich mir nicht vorstellen.
Obwohl, bei uns hatte es auch Blocks mit Balkonen, wo Leute runterriefen und eine Wiese, die erhöht war…. 😀
Nein, jetzt ist alles klar. 😉 Hab’s kapiert. Es wechselt die Perspektive und die Halle ist eine Art Garage oder so unter Wiese und Haus.
Klar.
Ich find’s toll. Wirklich. Ich finde, wenn eine Geschichte bei mir viele Bilder erzeugt, viele Erinnerungen wachruft und Gefühle, wie zum Beispiel Freude, dann ist sie sehr gut und das war der Fall.
Hoi Petra,
Danke für deinen Kommentar! Das mit der Perspektiven-Veränderung kann ich Dir erklären: Es ging bei der Aufgabe darum, die früheste Kindheitserinnerung hervor zu holen, sie zu analysieren und in eine Geschichte zu stecken. Somit basiert ein grosser Teil der Geschichte mehr auf Annahmen, als auf determinierbaren Fakten.
Die einzigen, sicheren Punkte sind die folgenden zwei:
1. Kann ich mich noch ganz genau erinnern, wie dieser Junge auf diesem Balkon stand
2. Weiss ich noch genau, wie das Gefühl war, als wir eben diese Treppe hinunter gingen und er mir erzählte, dass ich er mich kennt, während ich dies ständig verneinte.
Wie sich Domi verhalten hat war zB nur eine Annahme, weil ich weiss, wie es bei ihm zuhause damals aussah und wie in etwa er und seine Familie sich verhalten. Aber eben, das ist sehr sehr sehr vage geraten.
Zu deiner Frage bezüglich der Halle: Ich hatte gehofft, das in der Geschichte einigermassen logisch rüber zu bringen. Die Wiese ist auf dem Hochparterre über einer Garage und es führt ein breiter Tunnel von der einen Seite zur andern Seite des Blockes. Wir nannten dies immer nur „Die Halle“.