Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03318.jsonl.gz/2154

Das Schloss Grandson ist ein Monument von nationalhistorischer Bedeutung. Es ist seit dem 1. August 1983 im Besitz der Winterthurer "Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte" (SKKG).
Seit 1983 bestreiten diese Besitzerstiftung und die geschäftsführende Stiftung Schloss Grandson den Unterhalt und den Betrieb des Schlosses und sorgen dafür, dass die eindrückliche Anlage und das Museum am Neuenburgersee für das Publikum geöffnet bleibt.
2008 konnten die beiden Stiftungen das 25jährige Jubiläum des Kaufes und der Wiedereröffnung des Schlosses für das Publikum feiern. Am 21. August 2008 fand eine Jubiläumsfeier statt und es wurde eine Ausstellung über die vergangenen 25 Jahre eröffnet.
Als Thema für eine Sonderausstellung drängte sich die Armbrust auf. Bis 2008 wurden von der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) nicht weniger als 140 Armbrüste erworben mit der Absicht, in Grandson ein schweizerisches Armbrustmuseum ins Leben zu rufen. Damit verfügt das Schloss Grandson heute schon über die wohl bedeutendste Armbrustsammlung der Schweiz die auch weltweit zu den drei grössten Kollektionen zählt.
Zusätzlich zu den Exemplaren in der Dauerausstellung, werden 25 sorgfältig ausgewählte Modelle zum ersten Mal gezeigt. Die Ausstellung ermöglicht einen Abstecher in die über 2000 Jahre alten, vielfältigen technischen und kunsthand-werklichen Gebiete dank welcher die Armbrust zu einer Kriegs, Jagd- und Sportwaffe wurde.
Bei dem ältesten Objekt der Sammlung handelt es sich um einen chinesischen Armbrustmechanismus aus der Zeit von 475-221 v.Chr., dessen Teile in Bronze gegossen worden sind und Verzierungen in Gold aufweisen. Unter den jüngsten Armbrustbeispielen aus dem 20. Jahrhundert findet man Waffen, die in der Schweiz heute noch in sportlichen Wettkämpfen Einsatz finden.
Das wettkampfmässige Armbrustschiessen, "das Papageienschiessen" bei welchem auf einen an der Spitze einer Stange befestigten Vogel aus Holz geschossen wird, war in der Waadt bis 1798 sehr populär. Der "Papagei" galt als Symbol für den Frühling; daher wurde das Vogelschiessen alljährlich jeweils im Monat Mai abgehalten. Wie die ausgestellte prächtige Armbrust, ein Hochzeitsgeschenk von 1773 an den damaligen französischen König Karl X. aufzeigt, übten sich auch Mitglieder der herrschenden Dynastien gerne im Armbrustschiessen.
Die Armbrust als Waffe Tells wird weltweit als typisch schweizerisch eingestuft; sie findet daher seit über 50 Jahren auch als Symbol für die Schweizer Qualität Verwendung.
Mit dieser Sonderausstellung soll ein erster Beitrag zur Propagierung des in Grandson geplanten "schweizerischen Armbrustmuseums" geleistet werden. Dank der internationalen Verbreitung dieser Kriegs-, Jagd- und Sportwaffe und dem mit der Schweiz konotierten Tellenmythos dürfte ein derartiges Museum beim einheimischen, aber auch beim ausländischen Publikum auf ein reges Interesse stossen.
Wer weiss, vielleicht lässt sich in diesem Zusammenhang in Grandson der vergessene Brauch des "Papageienschiessens" zu neuem Leben erwecken...
Jürg A. Meier, kurator, Schloss Grandson - Mai 2008
http://www.antikewaffen.ch