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Wie lässt sich Gewalt in Sportstadien eindämmen? Nach den Ausschreitungen in Lugano am 7. April präsentierte Heinz Keller, Direktor des Bundesamtes für Sport, fünf Ideen, darunter auch ein Alkoholverbot in Stadien. Ein Alkoholwerbeverbot will er ebenfalls zur Sprache bringen. Am 8. Mai werden seine Ideen diskutiert.
Herr Keller, bei Ihrem Fünf-Punkte-Katalog berufen Sie sich auf eine Europaratskonvention. Was besagt diese?
Heinz Keller: Die fünf Punkte sind eigentlich eine Zusammenfassung jener Konvention, die nach dem Drama im Brüsseler Heysel-Stadion 1985 zu Stande kam und von der Schweiz 1990 ratifiziert wurde. Sie verlangt unter anderem, dass die Abgabe alkoholischer Getränke bei internationalen Sportbegegnungen und Nationalligen verboten oder zumindest reduziert wird.
Ist in der Konvention auch von einem Alkoholsponsoring- oder
-werbeverbot die Rede?
Keller: Nein, nicht direkt. Es geht nur um den Konsum und den Verkauf von Alkoholika.
Wie verbindlich sind solche Konventionen?
Keller: Ihnen kommt eigentlich in jedem Land Gesetzesstatus zu. Allerdings enthält jede Konvention die Formulierung, dass «die Staaten im Rahmen ihrer Möglichkeiten» handeln sollen. Damit ist natürlich die ganze Verbindlichkeit dahin. Doch das gemeinsame Credo bleibt. Zudem hat die Uefa alle diese Forderungen übernommen und macht sie bei ihren Spielen zur Bedingung.
Ist der Alkohol die Ursache für Gewalt bei Sportanlässen?
Keller: Nein, er ist das sekundäre oder gar tertiäre Motiv, und zwar nicht einmal bei den Hooligans selbst, sondern bei Zuschauermitläufern. Wenn in einem Stadion Gewalt ausbricht und einige Zuschauer alkoholisiert sind, kippen diese eher auf die Seite der Gewalttäter als Nichtalkoholisierte.
Wünschen Sie denn auch ein Alkoholverbot an Sportanlässen ausserhalb von Stadien?
Keller: Dafür gibt es keine gesetzliche Grundlage, zudem wäre dies nicht durchsetzbar. Der Sport sollte aber selbst die Botschaft verbreiten, dass sich Aktivsport und Alkohol ausschliessen. Jedenfalls sollte er nicht den Alkoholgenuss initiieren.
Nun sind aber die Sportverbände diesbezüglich befangen, wenn man an deren Einnahmen durch Sponsoring und Bandenwerbung von Feldschlösschen, Cynar oder Martini denkt.
Keller: Genau deshalb muss ich als staatlicher Vertreter dieses Thema einbringen.
Fordern Sie ein eigentliches Alkoholwerbeverbot bei Sportanlässen?
Keller: Ich werde das sicher thematisieren. Aber es ist klar: Weil der Staat nicht mit den entsprechenden Ersatzfinanzen einspringt, ist er an einem kurzen Hebel.
Um wie viel Geld geht es denn?
Keller: Von den geschätzten 350 Millionen Franken, die pro Jahr in der Schweiz allein durch Sportsponsoring zusammenkommen, dürfte das Sponsoring durch Alkohol- und Zigarettenmarken etwa 50 bis 100 Millionen Franken ausmachen.
Wie reagierten die Spitzenvertreter der Sportverbände auf das Thema Alkoholverbot?
Keller: Alle, die am Osterdienstag am Gespräch teilgenommen haben, sind einhellig der Meinung, dass Alkohol kein Motiv sein darf, um an eine Sportveranstaltung zu gehen. Zudem wollen alle den Alkoholkonsum auf einem möglichst tiefen Niveau halten. Meine Rolle als Vertreter des Staates ist es nun, darüber hinaus zu verlangen, dass Sport und Alkohol gar nichts miteinander zu tun haben sollten. Und diese Rolle will ich auch spielen.
Halten Sie es denn für möglich, dass die Sportverbände innerhalb nützlicher Frist selbst auf Alkoholsponsoring und -werbung verzichten können und wollen?
Keller: Ich halte es für möglich, dass die Sportverbände ihre Mitglieder zu einem massvollen Alkoholkonsum anhalten. Zweitens haben auch die Alkoholsponsoren ein Interesse daran, dass speziell im Sport ihre Getränke nur mit Mass konsumiert werden. Deshalb werden sie einsehen, dass ein sportfreundliches Sponsoring nicht einen möglichst hohen Alkoholkonsum erzielen will. Sondern dass es etwa darum gehen könnte, Alkoholika als Getränke zu bewerben, die nach dem Spiel – in guter Atmosphäre – konsumiert werden sollten. Und drittens liegt es im Interesse der Sponsoren, dass sie keinen penetrant negativen Auftritt im Zusammenhang mit Gewalt erleben. Deshalb habe ich sehr viel Hoffnung, dass wir mit den Sportverbänden und den Sponsoren einen gemeinsamen Weg gehen können. Interview: Markus Knöpfli
Fünf Vorschläge gegen Gewalt in den Stadien
1. Generelles Alkoholverbot in allen Stadien
2. Konsequentere Zutrittskontrollen bei den Stadien
3. Sanktionen und Durchführungsverbote für nachlässige Organisatoren
4. Clubs sollen Fanarbeit ernster nehmen
5. Stadienverbot und Strafen für bekannte Randalierer