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TV-Berichterstattung über die US-Vorwahlen
Wie jedes Jahr führten die fünf Publikumsräte der SRG (SRG.D, RTSR, Corsi, SRG.R und Swissinfo) eine gemeinsame Beobachtung durch. Diesmal galt sie der Fernsehberichterstattung im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen USA 2016. Die Publikumsräte würdigen das hochstehende SRG-Programm. In Anbetracht der starken Personalisierung des Wahlkampfes leisten die SRG-Sender mit ihrer sachlichen Berichterstattung ausgezeichnete Arbeit.
Die viersprachig produzierenden SRG-Sender verfügen über deutlich weniger Ressourcen als die ausländische Konkurrenz. Zudem sind die Dimensionen der Schweizer Medienlandschaft nicht vergleichbar mit anderen Ländern, welche über die Präsidentschaftswahlen in den USA berichten. Im Gespräch mit Reto Ceschi, Verantwortlicher Abteilung Information von RSI und Gregor Meier, Nachrichtenchef und stv. Chefredaktor SRF, stellte die nationale Arbeitsgruppe der Präsidien Publikumsräte deshalb fest, dass die SRG gerade auch im internationalen Vergleich qualitativ hervorragende Arbeit leistet.
Mehr Hintergründe wünschenswert
Die Publikumsräte empfehlen, auch während den Vorwahlen, neben den kurzen tagesaktuellen Informationsblöcken in den Newsformaten, Hintergrundinformationen zu liefern, Schwerpunkte zu setzen und einzelne Beiträge kritisch zu reflektieren. Dies als Gegenpol zur Emotionalisierung und Personalisierung des Wahlkampfes. Regelmässige Informationen zum Wahlmodus oder zu den Unterschieden zu Europa und zur Schweiz, wie auch die Bedeutung der Präsidentschaftswahlen für das Leben inner- aber auch ausserhalb der USA, wären hilfreich.
Im Gegensatz zum Fernsehen, welches stark von aussagekräftigen Bildern abhängig ist, bietet das Internet die Möglichkeit, nach Bedarf Informationen abzurufen. Deshalb wäre es hilfreich, wenn im vorhandenen Online-Dossier, ein spezifischer Bereich zu den US-Wahlen, mit Erklärungen zum Wahlsystem, den Positionen und Programmen der Kandidierenden, den künftigen Herausforderungen und den Unterschieden zur Schweiz angeboten würde. Allerdings müsste insbesondere bei der SRF-Website die Suchfunktion verbessert werden.
Bei der TV-Berichterstattung von RTSR wird bemerkt, dass zu wenig Expertinnen und Experten zu Wort kommen, obwohl beispielsweise in Genf wahlberechtigte Superdelegierte vor Ort sind.
Zeitlich beschränkte Beobachtung
Im Gespräch mit den Programmschaffenden wurde relativiert, dass sich die Beobachtung auf den Zeitraum von Juni bis September 2016 und auf die regulären TV-Informationssendungen während den Vorwahlen beschränkte. Im Gegensatz zur Beobachtung der Sendungen von SRF, RTS, RSI konzentrierte sich der Publikumsrat von RTR auf die Radiosendungen und bei Swissinfo auf zehn Internet-Beiträge.
Reto Ceschi und Gregor Meier betonen, dass Vertiefungen und Hintergründe in unterschiedlichen Sendeformaten, auf allen drei Vektoren Radio, Fernsehen und Internet, über eine längere Zeit stattfinden. In den letzten Wochen vor der Wahl werden die Schwerpunkte mit längeren Dokumentationen noch vertieft. Die Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen in den USA zieht sich über ein halbes Jahr hin, deshalb kann man erst nach dem 8. November gesamthaft ein Fazit ziehen.
Die Publikumsräte halten fest, dass im Herbst einige ausgezeichnete Hintergrundberichte ausgestrahlt wurden. Bei RTR wurden insbesondere die Porträts von Auswanderern geschätzt. Mit den Interviews wurden «Stimmen aus den USA» in die Wohnzimmer der Rätoromanischen Schweiz gebracht.
Bündelung der regionalen Kompetenzen
Im Zusammenhang mit SRG-Sendungen wird regelmässig die Zusammenarbeit zwischen den Sprachregionen thematisiert. Diese funktioniert sehr gut wie auch Gregor Meier feststellt. Bei den US-Wahlen im 2008 wurde bereits sehr eng zwischen den SRG-Korrespondenten vor Ort in Chicago zusammengearbeitet, indem Kameraleute und Schnittplätze geteilt und einzelne Beiträge untereinander ausgetauscht wurden. Nach Reto Ceschi ist die heutige Herausforderung, dass der Druck auf die Redaktionen steigt und vermehrt nach Duplex-Schaltungen (Live-Kommentare vor Ort mit Einschätzungen) für die eigene Sprachregion verlangt wird.
Trotzdem empfehlen die Publikumsräte als Entwicklungsmassnahme, insbesondere bei den Online-Dossiers stärker zusammenzuarbeiten und grundlegende Fakten und Hintergründen zur Situation in den USA dann auf den jeweiligen Internetplattformen als Serviceteil anzubieten. Ebenso könnte man sich vor Ort stärker aufteilen und so spannende Porträts realisieren. Es geht auch darum, neben dem tagesaktuellen Austausch der Redaktionen, die unterschiedlichen Kompetenzen und bisher geleisteten Sendungen stärker miteinander zu teilen.
«Trumpisierung der Medien»
Die Diskussionsteilnehmer sind sich einig, dass die Bedeutung von Social Media und die dadurch entstandene Emotionalisierung und Personalisierung des Wahlkampfes zugenommen haben. Traditionelle Medien geraten unter Druck. SRF hat im letzten Medienclub vom August das Phänomen «Trumpisierung der Medien» diskutiert. Diese Form des «Medienclubs» ist leider nur in der Deutschschweiz bekannt.
Die Publikumsräte sind sich einig, dass die medienkritische Diskussion ebenso dazu gehört. Die SRG-Programme aller Sprachregionen sollten auch diese Ebene in ihren Sendungen darstellen und sich kritisch mit der Arbeit der Medien auseinandersetzen. Die Programmverantwortlichen sind sich diesem Anspruch und der Verantwortung einer objektiven, sachlichen und qualitativ guten Berichterstattung bewusst.
Text: Arbeitsgruppe der Präsidenten der Publikumsräte SRG SSR
Bild: SRF / Keyvisual
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