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Zur taxonomischen Ordnung der Schildkröten zählen über 350 verschiedene Arten. Ob zu Wasser oder an Land, gemeinsam haben sie alle, dass sie den charakteristischen Rückenpanzer tragen. Dieser Knochenpanzer ist Teil des Skeletts. Die Extremitäten, die entweder als Flossen oder als Füsse ausgebildet sind, sowie der Kopf und der Schwanz können zum Schutz unterschiedlich weit unter diesem Panzer versteckt werden. Schildkröten sind weltweit auf allen Kontinenten vertreten, und bis auf die Polarregionen kommen sie überall vor. Ob in trockenen Wüsten, im feuchten Regenwald, im Süsswasser oder in den Weiten des Ozeans, seit 200 Millionen Jahren konnten sich die Tiere optimal an ihre Lebensräume anpassen. Die Vermehrung findet immer über Eier statt. Dabei werden die Eier jedoch nicht wie bei den Vögeln ausgebrütet, sondern in der Erde oder im Sand verbuddelt und von der Sonne gewärmt, bis die kleinen Schildkröten schlüpfen. Dabei bestimmt die Temperatur über das Geschlecht des Tieres: Bei warmen Temperaturen entwickeln sich Weibchen, bei kühleren Männchen. Eine Besonderheit zeichnet die Meeresschildkröten aus: Die meisten Arten kehren zur Eiablage an ihren Geburtsort zurück.
Einteilung
Schildkröten werden zunächst in 2 Unterordnungen eingeteilt, je nachdem wie sie ihren Kopf bewegen. Die zur Unterordnung Cryptodira (Halsbergerschildkröten) gezählten ziehen ihren Kopf mittels einer vertikalen S-förmigen Bewegung des Halses unter den Panzer (oder besitzen zumindest eine Schädelanatomie, die das ermöglichen würde). Bei der Unterordnung Pleurodira (Halswender) wiederum wird der Kopf mittels einer horizontalen S-förmigen Bewegung des Halses seitlich unter dem Panzer geborgen. Weiterhin werden sie in 5 Überfamilien und dann in die üblichen Familien, Unterfamilien, Gattungen und Arten mit ihren Unterarten eingeordnet. Die kleinste Art ist mit 8 Zentimeter Rückenschildlänge die Gesägte Flachschildkröte (Homopus signatus), während die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) bis zu 2,50m lang werden kann. Diese Exemplare können ein Gewicht von über 900kg erreichen.
Aussergewöhnliche Fakten:
Schildkröten können mit ihren 4 verschiedenen Farbrezeptoren auch infrarotes oder ultraviolettes Licht wahrnehmen.
Die Chinesische Weichschildkröte (Pelodiscus sinensis) gibt einen Großteil ihres Urins über die Mundschleimhaut ab.
Die Westliche Zierschildkröte (Chrysemys picta bellii) kann 30 Stunden tauchen. Während der Winterruhe kommt sie sogar ganze 4 Monate ohne Sauerstoff aus.
Die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) wird erst im Alter von 50 Jahren geschlechtsreif.
Eine 2006 in Kalkutta verstorbene Aldabra-Riesenschildkröte (Aldabrachelys gigantea) gilt mit 256 Jahren als ältestes in Gefangenschaft lebendes Tier.
Gefahren
Viele der Schildkrötenarten sind bedroht. Wie auch viele andere Wildtiere wird ihr Lebensraum durch den Menschen immer mehr eingeengt. Hinzu kommt, dass sie gejagt werden, denn Schildkröten gelten in einigen Ländern immer noch als Delikatesse. Ausserdem sind die Reptilien auch hierzulande beliebte Terrarienbewohner, und der illegale Handel floriert. Eine grosse Gefahr für Meeresschildkröten bedeutet zudem die zunehmende Plastikverschmutzung der Weltmeere. Sie verheddern sich in ausgedienten, lose treibenden Fischernetzen und ersticken qualvoll, wenn sie nicht mehr rechtzeitig an die Luft gelangen. Die Verwechslung von Plastiktüten mit ihrer Leibspeise, den Quallen, endet ebenso tödlich.
Einheimische Art
In der Schweiz gibt es nur eine natürlich vorkommende Art, die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis). Man erkennt sie an dem dunklen Panzer, der oft mit gelben Tupfen oder einem Strahlenmuster überzogen ist. Die 14 - 18cm grossen Tiere überwintern im Wasser. Auch sonst ist das Wasser ihr bevorzugter Lebensraum, ausser wenn die Weibchen ihre Eier auf den benachbarten Magerwiesen ablegen oder Männchen sich auf die Suche nach einem neuen Revier begeben. Auch in Europa wurden bis vor 100 Jahren Schildkröten gegessen oder als Medizin genutzt. Dies und der sich einschränkende Lebensraum haben dazu geführt, dass die Art vom Aussterben bedroht ist. In der Schweiz steht sie unter Schutz.
Um alle Schildkröten-Arten weltweit zu schützen, ist es vor allem wichtig, dass der Plastikmüll in den Meeren reduziert wird, die Strände geschützt und die Menschen dahingehend aufgeklärt werden, auf Schildkröten als Medizin, in Zeremonien oder als Nahrung zu verzichten.
Im persönlichen Entscheid, eine Schildkröte zu halten, gilt es sich ihrer langen Lebensdauer bewusst zu sein: Gut möglich, dass sie ihren Halter überlebt. Schildkröten zeigen sich darüber hinaus, vielleicht entgegen der Intuition, nicht als pflegeleicht. Allzu oft werden die Tiere deshalb ausgesetzt, was weder ihnen noch den heimischen Ökosystemen einen Dienst tut.