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In den Prozess-Unterlagen finden sich WhatsApp-Nachrichten zwischen Pierin Vincenz und seiner damaligen Frau Nadja Ceregato. Vincenz weilte in der Zeit von Ende 2017 und Anfang 2018, als er seine Ämter in der Finanzwirtschaft verloren hatte, aber noch nicht von der Polizei gejagt wurde, in Südafrika.
Der Austausch der Kurz-Nachrichten hatte Folgen. Und zwar zunächst für Nadja Ceregato, Vincenz damalige Frau. Diese versorgte damals ihren Mann mit geheimen Informationen aus der Raiffeisen, was ein separates Strafverfahren nach sich zog.
In der Bank, die Vincenz bis 2015 geführt hatte, war man auf den Ex-CEO nicht mehr gut zu sprechen. Mit einem internen Projekt namens „Janus“ versuchten die Raiffeisen-Juristen zusammen mit ihren mandatierten Wirtschaftsanwälten, den aus der Gunst gefallenen Ex- Spitzen-Manager und dessen Ansprüche abzuschmettern.
Ceregato „fotografierte den Fragenkatalog Janus mit ihrem iPhone ab dem Bildschirm des Notebooks ‚hp EliteBook‘, das ihr die Privatklägerin (Raiffeisen, AdR) im Rahmen des Arbeitsverhältnisses zur Verfügung gestellt hatte“, steht im Urteil gegen Ceregato.
„Pierin Vincenz befand sich damals in Afrika auf einer Erholungsreise. Die Beschuldigte befand sich in der Ferienwohnung von Pierin Vincenz in Andiast (…).“
Insgesamt schickte Ceregato „29 Fotos am Montag, 29.01.2018 im Zeitraum von 09:19:14 Uhr bis 09:23:43 Uhr unaufgefordert per WhatsApp über ihre Rufnummer (…) an die Rufnummer (…) von Pierin Vincenz, der diese Informationen empfing und zur Kenntnis nahm“.
Ceregato bekannte sich in ihrem „Strafbefehl“ schuldig der „Verletzung des Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisses“. Sie musste hohen Verfahrenskosten zahlen.
Damit ist sie draussen. Umgekehrt Vincenz. Zusammen mit weiteren geht es bei ihm ab nächstem Dienstag ums Ganze: Gefängnis oder Freiheit.
Warum war Vincenz damals in Südafrika? Schon zuvor war er auf einem Edelweiss-Flug nach Kapstadt fotografiert worden.
Mindestens zwei Mal also zog es den Ex-Topbanker nach seiner 3,5 Monate langen Untersuchungshaft ans Kap der guten Hoffnung.
Im einstigen Apartheids-Staat hatten einst Geschäftsleute zu tun, die mit Vincenz einen grossen Deal tätigen konnten.
Die Rede ist von Leo Grünstein, einem Russen, der via Deutschland in die Schweiz kam und hier ein Family Office betreibt.
Grünstein war Mitgründer und Grossaktionär von MoneyPark. Die hochschiessende Finanzfirma landete Ende 2016 zu 70 Prozent bei der Helvetia Versicherung, wo Vincenz nach seiner Zeit bei der Raiffeisen als VR-Präsident agierte.
Auch die Tx-Gruppe, die den Tages-Anzeiger, die Basler Zeitung, die Berner Zeitung und viele weitere einflussreiche Blätter herausgibt, hält an der Finanz-Beraterin einen Anteil.
Die Helvetia zahlte vor 5 Jahren unter dem Ober-Kommando von Vincenz 107 Millionen für die 70 Prozent an MoneyPark. Damit kam das Unternehmen mit damals weniger als 100 Mitarbeitern auf eine stolze Bewertung von 150 Millionen.
Leo Grünstein wurde mit dem Deal reich. In einem Interview sagte er, er sei unter anderem dank dem Verkauf eines Teils von Groupon zu Geld gekommen.
Für die Internet-Rabatt-Plattform war er in Südafrika tätig. Diese landete bei einem US-Käufer.
Grünsteins Vater taucht rund um den Start von MoneyPark ebenfalls auf. Von einer anderen Firma von ihm finden sich kritische Berichte in russischen Blogs.
Vincenz liess sich bei seiner ersten Reise nach Südafrika im Edelweiss-Ferienbomber nichts anmerken. Er zeigte sich in aller Öffentlichkeit mit seiner neuen Freundin.
Die Krise, die in seiner WhatsApp-Nachricht an Nadja Ceregato ein paar Monate zuvor zum Ausdruck gekommen war, liess sich nicht mehr bewältigen – trotz Vincenz‘ Beschwörungen.
„Ich wünsche dir gute Gedanken und eine gute Zeit – und am letzteren müssen wir ernsthaft arbeiten … davon spüre ich nicht mehr viel.“
Ceregato liess sich von Vincenz scheiden. Sie erhielt von Peter Spuhler, dem Spitzen-Unternehmer aus der Ostschweiz und einem alten HSG-Freund von Vincenz, die Chance zum beruflichen Neuanfang.
Spuhler seinerseits hatte Vincenz Millionen geliehen. Warum der Eisenbahn-Patron dies getan hat, ist unklar. Spuhler meinte einst im Gespräch, er wolle in den schlechten Zeiten nicht den Stab über Freund Vincenz brechen.