Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03555.jsonl.gz/2399

Beim Aufbau der Ausstellung, die eine Hommage zum 100. Geburtstag der im letzten Jahr gestorbenen Künstlerin Louise Bourgeois ist und bis zu 8. Januar in der Fondation Beyeler zu sehen sein wird, haben ihr langjähriger Assistent und Vertrauter Jerry Gorovoy und ich uns sehr intensiv auch über Matisse unterhalten: Ganz am Ende ihres langen Lebens, als ihre körperlichen Kräfte nachliessen, ihre geistigen aber gar nicht, habe sich Louise Bourgeois ein Medium gesucht, das sie leichter bewegen konnte. Sie fand es in den Stoffen der von ihr getragenen Kleider, aus denen sie sehr poetische Bilder machte. Einige davon sind zurzeit in der Fondation Beyeler zu sehen. Jerry und ich fragten uns, über das Acanthes-Atelier diskutierend, ob es Matisse nicht ähnlich gegangen ist. Auch er, trotz schwerer Krankheit und hohen Alters noch immens aktiv, habe sich doch durch die Scherenschnitte ein Medium gesucht, das ihn körperlich in die Lage versetzte weiterzuarbeiten. Für Louise Bourgeois waren ihre Kleider Träger von Erinnerungen; sie hat also aus Erinnerungen ihre Stoffbilder gemacht. Man kann sich fragen, ob das Formenrepertoire, das Matisse entwickelt hat, nicht ähnlich gesehen werden sollte. Sicherlich trifft das auf die beiden grossen Océanie Arbeiten zu , die ja dezidiert Erinnerungen an seinen Polynesien-Aufenthalt darstellen. Übrigens waren Matisse wie Louise Bourgeois Ideengeber und Arrangeure ihrer Werke; beide erarbeiteten das Konzept des jeweiligen Bildes. Die technische Ausführung überliessen sie Assistenten, die von ihnen streng kontrolliert wurden.