Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03582.jsonl.gz/2095

Herzrhythmusstörungen
Diese Seite beinhaltet auch: Vorhofflattern, Vorhofflimmern, Arrhythmie, Tachykardie, Herzstolpern, Extraschläge des Herzens, Extrasystolen, Kammerflimmern, Bradykardie, Wolff-Parkinson-White-Syndrom
Überblick
Schlägt das Herz zu langsam, zu schnell oder unregelmässig, kann dies auf Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) hinweisen. Es gibt harmlose und gefährliche Formen von Herzrhythmusstörungen. Spezielle Untersuchungen zeigen, ob eine Behandlung notwendig ist.
Häufige Fragen
Ursachen
Der Rhythmus des Herzschlags wird durch elektrische Impulse gesteuert, die sich über den Herzmuskel ausbreiten. Eine Herzrhythmusstörung entsteht dann, wenn diese Entladungen nicht den vorgesehenen Weg durch den Herzmuskel nehmen.
Man unterscheidet drei Arten von Herzrhythmusstörungen: Der zu schnelle Herzschlag (Tachykardie), der zu langsame Herzschlag (Bradykardie) und der unregelmässige Herzschlag (Extrasystolen, Vorhofflimmern oder Vorhofflattern).
Die häufigste Rhythmusstörung des Herzens ist das Vorhofflimmern. Hierbei kommt es aufgrund von unregelmässigen elektrischen Impulsen zu einem unkontrollierten Zusammenziehen der kleinen Herzkammern (Vorhöfe).
Zusätzliche Herzschläge (Extrasystolen) gelten nur als Rhythmusstörung, wenn sie regelmässig auftreten. Diese können beispielsweise entstehen, wenn ein erhöhter Blutdruck oder eine Herzmuskelschwäche zur Überlastung des Herzmuskels und zur Dehnung der Vorhöfe führt, wodurch diese sich vorzeitig entleeren (Supra-ventrikuläre Extrasystolie).
Bei der anfallsartigen (paroxysmalen) Tachykardie beginnt das Herz plötzlich sehr schnell zu schlagen und kehrt dann nach Minuten oder Stunden wieder in den normalen Rhythmus zurück. Meist ist hierfür eine angeborene Fehlbildung des elektrischen Leitsystems im Herzen verantwortlich.
Wird der elektrische Impuls auf seinem Weg hinunter zu den Muskelfasern des Herzens blockiert, hat dies eine anormale Verlangsamung des Herzschlags (Bradykardie) zur Folge.
Herzrhythmusstörungen sind oft eine Folge von Herzschwäche, Herzklappenerkrankungen, Bluthochdruck oder einem Herzinfarkt. Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht, höheres Alter, Diabetes, eine abnorme Herzstruktur, Schilddrüsenüberfunktion, diverse chronische Erkrankungen, übermässiger Alkoholkonsum und Schlafapnoe.
Symptome
- Herzklopfen
- Kurzatmigkeit
- Schmerzen oder Druckgefühl in der Brust
- Schwindel
- Benommenheit
- Müdigkeit
- Ohnmachtsanfälle
Diagnose
Für die gezielte Behandlung muss zuerst die Art der Herzrhythmusstörungen bestimmt und die Ursache gefunden werden. Die Abklärung beginnt mit der körperlichen Untersuchung. Weiter werden die wichtigsten Patientendaten wie Körpergewicht, Grösse und Blutdruck erhoben. Je genauer Sie als Betroffener dem Arzt Ihre Empfindungen und Beobachtungen mitteilen, desto gezielter kann dieser bei der Diagnose vorgehen.
Elektrokardiogramm (EKG)
Mit dem Elektrokardiogramm (EKG) können an der Körperoberfläche die elektrischen Impulse, die das Herz abgibt, abgeleitet und aufgezeichnet werden. Es entsteht ein individuelles Kurvenbild, das Rückschlüsse auf eine vorliegende Herzerkrankung und Herzrhythmusstörung ermöglicht. Für die Messung werden Elektroden am Brustkorb, an den Handgelenken und den Beinen angebracht. Das EKG zeichnet den gesamten Ablauf der elektrischen Herzaktivität auf – vom Sinusknoten über die Vorhöfe, den AV-Knoten bis zu den Ventrikeln.
Langzeit-EKG
Um den Herzrhythmus über einen längeren Zeitraum und im Alltag beurteilen zu können, kann ein Langzeit-EKG durchgeführt werden. Dabei werden wie beim normalen EKG einige Elektroden auf die Haut geklebt. Sie als Patient tragen ein mobiles Aufzeichnungsgerät mit sich, das die Signale digital registriert. So wird jeder Herzschlag während 24 Stunden und während bis zu sieben Tagen (R-Test) festgehalten während Sie Ihren üblichen Beschäftigungen nachgehen. Begleitend notieren Sie auffällige Symptome in ein Tagebuch. Der Arzt beurteilt die elektronischen Daten und vergleicht eventuelle Auffälligkeiten im EKG mit Ihren Notizen im Tagebuch. Wenn die Symptome ganz selten auftreten, können auch stiftgrosse kleine Aufnahmegeräte (loop recorder) unter die Haut implantiert und jährlich oder bei Beschwerden ausgelesen werden.
Belastungs-EKG
Mit dem Belastungs-EKG können Herzrhythmusstörungen erfasst werden, die durch eine Belastung ausgelöst werden. Wie beim Ruhe-EKG bringen wir Elektroden an Ihrem Körper an. Zudem erhalten Sie eine Blutdruckmanschette angelegt. Zu Beginn wird das EKG in Ruhe erstellt und der Blutdruck gemessen. Danach wird die Belastung laufend gesteigert. Blutdruck, Puls, Herzdurchblutung und insbesondere auch Rhythmusstörungen können damit sehr gut beurteilt werden. Das Belastungs-EKG ist sehr sicher. Bei Ermüdung, Auftreten von Beschwerden oder im EKG beobachteten Störungen brechen wir die Belastung ab.
Ultraschalluntersuchung
Die Ultraschalluntersuchung dient zur Erfassung von strukturellen Erkrankungen des Herzens in Ruhe und in Bewegung. Dazu liegen Sie in Seitenlage auf einer Liege. Die Untersuchung erfolgt mit einer Ultraschallsonde, die mit Kontaktgel bestrichen und dann von aussen auf der Brustwand auf Ihr Herz gerichtet wird. Die Sonde sendet Ultraschallwellen (aber keine radioaktiven Strahlen) aus. Die reflektierten Wellen werden von der gleichen Sonde aufgenommen und als optische Signale auf einem Bildschirm in ein Bild umgewandelt. So können wir den Aufbau Ihres Herzens beurteilen. Die Herzultraschalluntersuchung findet beinahe bei jeder Herzuntersuchung statt.
Magnetresonanztomografie (MRT)
Die Magnetresonanztomografie (MRT) bietet eine exzellente Bildqualität, ohne dass Röntgenstrahlen eingesetzt werden. Das MRI-Untersuchungsgerät arbeitet ausschliesslich mit Magnetfeldern und elektromagnetischen Wellen. Grundsätzlich dient sie dazu, die Struktur des Herzens zu beurteilen: Herzwanderkrankungen, Herzbeutelerkrankungen und Herzklappenerkrankungen. Durch medikamentöse Unterstützung kann sie auch eine Minderdurchblutung im Herz sichtbar machen.
Elektrophysiologische Untersuchung
Die elektrophysiologische Untersuchung erfasst durch Aufzeichnung der elektrischen Aktivität im Innern der Herzkammern das elektrische System im Herzen (Reizleitungssystem). Häufig kann dabei die Herzrhythmusstörung ausgelöst und sofort durch Verödung behandelt werden (Radiofrequenz-Ablation). Der Arzt führt dazu einen Herzkatheter durch die Leistenvene ein. Die elektrophysiologische Untersuchung wird im Herzkatheter-Labor mit Röntgendurchleuchtung durchgeführt. Meistens sind Sie während der Untersuchung wach und lokal betäubt (Leiste). Sie erhalten bei Bedarf ein Medikament, das Ihnen dabei hilft, sich zu entspannen.
Verlauf
Nicht alle Herzrhythmusstörungen lösen spürbare Symptome aus, zudem sind auch nicht alle gleich gefährlich. Viele ungefährliche Herzrhythmusstörungen haben keinen negativen Einfluss auf die Lebenserwartung. Die Mehrzahl der Rhythmusstörungen erlaubt ein völlig normales Leben.
Bei einigen Herzrhythmusstörungen, wie dem Vorhofflimmern, wird das Blut jedoch nicht effizient genug durch das Herz gepumpt. Wird diese über lange Zeit nicht behandelt, ermüdet der Herzmuskel und es kann zu einer dauerhaften Herzschwäche kommen.
Eine Komplikation des Vorhofflimmerns ist die Erweiterung der Vorhöfe. Das durch die Ausweitung in den Vorhöfen langsamer fliessende Blut kann an den Rändern gerinnen und ein Blutgerinnsel bilden. Löst sich ein solches Gerinnsel, so wird es mit dem Blutstrom fortgetragen, bis es in einem Gefäss steckenbleibt und so beispielsweise einen Hirnschlag oder eine Lungenembolie verursachen kann.
Behandlung
Herzrhythmusstörungen können viele verschiedene Ursachen haben. Unser Herzteam klärt Sie individuell ab und berät Sie ausführlich. Am LUKS behandeln wir das ganze Spektrum an Herzrhythmusstörungen. Wir bieten Therapie und Nachsorge und überwachen Herzschrittmacher und Defibrillatoren.
Medikamente (Antiarrhythmika)
Medikamente (Antiarrhythmika) können sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung von plötzlich auftretenden oder chronischen Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden. Antiarrhythmika werden häufig als Tabletten eingenommen oder selten mittels Spritze injiziert. Zu den Antiarrhythmika gehören Natriumantagonisten, Betablocker, Kaliumantagonisten und Kalziumantagonisten. Bei gewissen Herzrhythmusstörungen braucht es zur Prävention von Hirnschlägen die zusätzliche Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten. Der Einsatz von Antiarrhythmika und Blutverdünnern ist anspruchsvoll und bedingt eine regelmässige ärztliche Kontrolle.
Katheterbehandlung
Behandelt werden Herzrhythmusstörungen oft durch die Verödung des Ausgangspunktes des fehlerhaften elektrischen Signals oder des durchlässigen Gewebes. Dazu verwendet wird ein Katheter und Hochfrequenzstrom. Der Katheter ist ähnlich wie derjenige für die elektrophysiologische Untersuchung. Das für die Störung verantwortliche Herzgewebe wird durch die Katheterspitze erhitzt und zerstört. Die Behandlung dauert in der Regel 45 Minuten bis zwei Stunden, gelegentlich auch länger.
Pulmonalvenen-Isolation
Das Vorhofflimmern hat seinen Ursprung häufig in den Venen, die aus den Lungen in den linken Vorhof des Herzens münden (Pulmonalvenen). Kurz vor dem Mündungsort der Venen liegen die Entstehungsorte des Vorhofflimmerns. Zur Behandlung ist die Pulmonalvenen-Isolation geeignet. Ziel der Verödung ist es, die Nervenverbindungen zwischen den Lungenvenen und dem linken Vorhof zu isolieren, damit das Vorhofflimmern elektrisch nicht mehr auf das Herz übertragen werden kann. Der Katheter wird über die betäubte Leiste eingeführt, über die Venen in den rechten Vorhof und dann über die Herzscheidewand in den linken Vorhof vorgeschoben. Eine dreidimensionale Darstellung zeigt auf dem Bildschirm die genaue Situation. Wir wenden die Pulmonalvenen-Isolation seit über zehn Jahren erfolgreich an. Das Behandlungsverfahren ist dank der Technik und unserer Erfahrung schnell, effektiv und schonend. Sicherheitshalber erfolgt vorgängig praktisch immer eine Schluckultraschalluntersuchung (TEE), damit sichergestellt ist, dass keine gefährlichen Blutgerinnsel vorhanden sind. Selten ist eine Vollnarkose notwendig. Sollte das bei Ihnen der Fall sein, werden wir die Situation frühzeitig und vorgängig mit Ihnen besprechen.
Herzschrittmacher
Herzschrittmacher kommen dann zum Einsatz, wenn entweder eine zu langsame Herzfrequenz oder eine Überleitungsstörung von den Vorkammern auf die Hauptkammer des Herzens vorliegt. Andererseits kann eine Synchronisation der Herzströme beider Hauptkammern bei Herzschwäche mittels drei Elektroden hilfreich sein.
Es gibt Herzschrittmacher mit Einkammersystem und nur einer Elektrode, aber auch Zweikammersysteme mit zwei Elektroden, die vor allem bei Überleitungsstörungen eingesetzt werden sowie Dreikammersysteme mit drei Elektroden (CRT), welche bei Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche verwendet werden. Die Implantation eines Herzschrittmachers dauert 30 bis 90 Minuten und erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung. Nach einem kurzen Hautschnitt wird eine Vene unterhalb des Schlüsselbeins freigelegt und mit einer Nadel angestochen. Dann schieben wir eine oder mehrere dünne Elektrodensonden unter Röntgenkontrolle in die rechte Herzkammer oder den Vorhof. Die Sonden verbinden wir mit dem Schrittmacher, der im Bereich des Brustmuskels unter die Haut eingepflanzt wird. Danach wird der Schrittmacher entsprechend Ihrer individuellen Situation programmiert. Die Haut wird verschlossen.
Direkt ins Herz implantierte Mini-Herzschrittmacher ohne Elektroden, bedeuten einen Fortschritt. Diese Neuentwicklung beinhaltet in einer zylindrischen Hülle aus Titan alle Bauteile eines Einkammer-Schrittmachers. Der Mini-Herzschrittmacher ist 26 x 7 Millimeter klein und zwei Gramm leicht. Er wird mittels Kathetertechnik in die Hauptkammer des rechten Herzes implantiert. Da es aktuell noch keine sondenlosen Mehrkammer-Schrittmacher gibt, ist dieses Gerät nur für Patienten geeignet, die ein Einkammersystem benötigen. Dies betrifft 10 bis 20 Prozent der Patienten, die auf einen Herzschrittmacher angewiesen sind. 2015 haben wir am LUKS erstmals einen sondenlosen Herzschrittmacher erfolgreich implantiert.
Kardioverter
Kardioverter und Defibrillatoren kommen bei lebensgefährlichem Kammerflimmern der Hauptkammer zum Einsatz. Das batteriebetriebene Gerät wird bei örtlicher Betäubung in der Brustgegend eingesetzt und mit den über die Kathetertechnik eingelegten Herz-Elektrodensonden verbunden. Bei einer lebensgefährlichen Herzrhythmusstörung aus den Hauptkammern schickt der Defibrillator einen dosierten Stromstoss an das Herz, wodurch es den Takt wieder findet. Das Gerät regelt nebst einem zu langsamen Herzrhythmus vor allem die schnellen lebensgefährlichen Rhythmusstörungen, sodass einem plötzlichen Herzstillstand entgegengewirkt werden kann.
Die Wahl des geeigneten Herzschrittmachers hängt von der individuellen Situation des Patienten ab. Die Spezialisten des Herzzentrums beraten Sie persönlich.
Eine erste Kontrolle des Schrittmachers findet in der Regel innerhalb von drei Monaten nach der Operation statt. Bei dieser Gelegenheit nehmen wir eine Feinanpassung und eine möglichst batteriesparende Programmierung vor. Anschliessend kontrollieren wir den Herzschrittmacher jährlich. Die Batterie hat eine prognostizierte Laufzeit von rund zehn Jahren.
Kardiofit-Programm
Das Herzzentrum am LUKS bietet Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Kardiofit-Programm an. Dieses ambulante Aufbauangebot beinhaltet ein auf Sie individuell abgestimmtes Bewegungs- und Betreuungsprogramm. Das gemeinsame Bewegungsprogramm und der Erfahrungsaustausch mit anderen Patienten helfen Ihnen dabei, Ihre Lebensqualität zu erhalten, die Kondition zu verbessern sowie Ihre Krankheit besser zu verstehen. Ausserdem haben Sie die Möglichkeit, sich langfristig einer unserer Herzgruppen anzuschliessen. Die Herz- und Kardiofit-Gruppen werden vom LUKS medizinisch begleitet.
Angiofit-Programm
Ebenso steht am LUKS das Angiofit-Programm zur Verfügung. Es bewirkt eine Erhöhung der Gesamtfitness, unterstützt einen ausgeglichenen Lebensrhythmus und hilft, die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken.
Rauchstoppberatung
Ausserdem bieten wir Ihnen unsere individuelle Rauchstoppberatung an: Gemeinsam mit Ihnen erarbeiten wir ein auf Sie abgestimmtes Programm und unterstützen Sie auf dem Weg zur Rauchfreiheit.
Vorsorge
- Nicht rauchen
- Normales Körpergewicht halten und schwere Mahlzeiten vermeiden
- Regelmässige Bewegung
- Wenig Alkohol und Koffein konsumieren
- Stress vermeiden