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Trotz breiter Aufklärungskampagnen bleibt die Fehlinformation in der Bevölkerung bestehen, dass grössere, schmerzfreie Krampfadern nicht therapiert werden sollen. Diese Meinung ist in den allermeisten Fällen falsch.
Mit wenigen Ausnahmen nehmen die Krampfadern – ob schmerzhaft oder nicht – mit den Jahren an Grösse und Ausdehnung zu. Früher oder später führen die meisten grösseren Krampfadern zu Komplikationen.
Alle konservativen Massnahmen wie Kompressionsstrümpfe, „Venen Kuren“, Kneipen, Tabletten, Salbenanwendungen, Hochlagern der Beine, sportliche Aktivitäten usw. können den fortschreitenden Prozess vom genetisch bedingten Krampfaderleiden nie aufhalten. Im günstigsten Fall verzögern die konservativen Massnahmen den krankhaften Prozess minimal. Konservative Massnahmen dienen lediglich der Symptombekämpfung (Linderung der Beschwerden).
Komplikationen von grösseren Krampfadern treten in den meisten Fällen auf, wenn zusätzlich äussere Faktoren einwirken. Ein häufiger Faktor ist die Wärme (Bsp. Badeferien). Die Krampfadern nehmen im Durchmesser zu und das bereits zuvor gestaute venöse Blut fliesst noch langsamer (Stase). Entzündliche Reaktionen der Veneninnenwände (Varikophlebitis) mit Schmerzen und Überwärmung sind die Folge. Die entzündliche Reaktion der Venenwände führt in vielen Fällen zu einer Thrombosierung (Variko-Thrombose) der Krampfadern (Blut Pfropfen). Schreitet der Thrombus in das tiefe Beinvenensystem fort, ist die Gefahr einer tiefen Beinvenenthrombose und Lungenembolie gross. Ebenso führen Prellungen, Druckstellen, Massagen, Strumpfbänder usw. der Krampfadern zu Entzündungen und Thrombosen.
Verletzungen können auch zu starken Blutungen von grösseren Krampfadern führen. Dann gilt Ruhe zu bewahren. Beine hoch und einen Druckverband über die blutende Stelle anlegen. Die Blutung sistiert innerhalb von wenigen Minuten. Der Druckverband kann dann gelockert werden.
Eine Spätfolge vom Krampfaderleiden sind „offene Beine“ (Ulcus cruris), welche vor allem im Alter auftreten und zu schmerzhaften und langwierigen Therapien führen.
Spätestens beim Auftreten von Komplikationen sollte der Venenspezialist (Phlebologe) aufgesucht und das Krampfaderleiden korrekt therapiert werden. Ein weiteres Zuwarten erhöht nur das Risiko weiterer Komplikationen.
Empfehlung: Schmerzfreie grosse Krampfadern sollen vor einer Komplikation therapiert werden.
Alle Abbildungen von Patienten mit weit fortgeschrittenem Krampfaderleiden und bisher grossen schmerzfreien Krampfadern.
Abbildung 1: Grosse Krampfadern am besten sichtbar nach längerem Stehen und in Wärme
Abbildung 2: Gut sichtbar sind beginnende Hautveränderungen (Braunverfärbung, Hyperpigmentation) bei längjährig, schmerzfreien Krampfaderleiden (chronisch venöse Insuffizienz Stadium ll)
Abbildung 3: Am Innenknöchel besteht ein Ulcus cruris „offenes Bein“ (roter Pfeil) als langjährige Spätkomplikation nicht therapierter Krampfadern (=chronisch venöse Insuffizienz Stadium lll). Gelber Pfeil: Hautveränderungen (Braunverfärbung, Verhärtung). Blauer Pfeil: grosse schmerzfreie Krampfadern
Dr. med. Bruno P. Schwarzenbach 2. März 2015
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