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Sandors Grossvater war ein berühmter Holzschnitzer. Oft sass Sandor in der Werkstatt, dann erzählte der alte Mann Märchen. Eines handelte von einem aussergewöhnlichen Baum, aus dessen Stamm der grosse Holzkünstler Xelorin zwölf unterschiedliche Figuren geschnitzt habe. Wenn alle Figuren zusammen richtig aufgestellt seien, würden sie lebendig und ihr Anblick den Besitzer des Figurenspiels mit mit so viel Leben erfüllen, dass er sich nichts weiter mehr wünschen müsste. Aber irgendetwas sei wohl schief gelaufen. Schon bald sei das Spiel auseinander gerissen worden, wären die Teile in alle Winde zerstreut worden. Nur eine einzige, letzte Figur habe der Grossvater für sich ergattern können, bekam der Enkel zu hören. Und tatsächlich, auf einem Regal nahe dem Fenster, neben Farb- und Leimtöpfen stand eine kunstvoll bearbeitete Figur, die lächelnd in den Obstgarten hinaus blickte.
Nach Grossvaters Tod bleibt die Pflicht, den Nachlass aufzulösen. Dabei kommt dem erwachsenen Sandor, der schon lange nicht mehr an Märchen glaubt, diese letzte Holzfigur in die Finger. Er findet auch das Kindermärchen niedergeschrieben, Angaben, die es ihm erlauben, das Schicksal der Figuren zu verfolgen. Zudem lernt Sandor Ludmilla kennen, eine Kunstexpertin, die sein Interesse an den Figuren teilt. Das gemeinsame Abenteuer kann beginnen.
Später, im Bett, las mir Ludmilla den Brief nochmals vor. Mit belegter Stimme sprach sie zur Decke: «Solche Briefe lesen wir Frauen gern.» Ich schwieg. Ludmilla löschte das Licht und dreht mir den Rücken zu. Sie weinte, ich war mir beinahe sicher. Eine rote Leuchtschrift schien über ihrem Bett aufzuflammen: rühr mich nicht an. Ich lag regungslos, atmete flach und wartete, bis sie einschlief. Als ich die ruhigen Atemzüge Ludmillas hörte, stand ich noch mal auf. Barfuss stand ich am Fenster zur Strasse. Ein Taxi glitt lautlos vorbei, dann blieb die Strasse wie ausgestorben.
Roman, 270 Seiten, ISBN Nr. 3-9523399-4-6
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