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Über die Thesen und Theorien der Gründe für den Niedergang der Hochkultur auf der isoliert gelegenen Osterinsel im Südostpazifik wird schon lange in wissenschaftlichen Kreisen diskutiert. Bekannt ist die Insel vor allem wegen der monumentalen Steinskulpturen, der Moai. Seit 1995 ist die Osterinsel als Nationalpark Rapa Nui Teil des UNESCO-Welterbes. Politisch gehört die Osterinsel zu Chile, geographisch jedoch zu Polynesien und liegt südlich des südlichen Wendekreises.
Die weltbekannten Moai, «steinerne Figur», werden die kolossalen Steinstatuen der Osterinsel genannt. Sie sind Bestandteil größerer Zeremonialanlagen, wie sie ähnlich auch aus anderen Bereichen der polynesischen Kultur bekannt sind. Die Moais wurden sehr wahrscheinlich vom 9. bis 18. Jahrhundert von eingewanderten Polynesiern aus dem Vulkangestein der Insel gehauen und aufgestellt. Man nimmt an, dass die Moais Bestandteil eines Totenkultes waren. Das genaue Alter der Figuren ist umstritten, mittlerweile gilt jedoch als gesichert, dass sie nicht älter als 1500 Jahre sind. Pater Sebastian Englert nummerierte und katalogisierte 638 Statuen, vermutlich waren es jedoch ursprünglich über 1000.
Es ist heftig umstritten, wo die Wurzeln für den Zerfall der Hochkultur der Einheimischen zu suchen sind, die Mehrzahl der Forscher geht jedoch heute davon aus, dass die Probleme von den Insulanern selbst verursacht wurden. Populär ist die vom US-Anthropologen Jared Diamond publizierte These des Raubbaus an den natürlichen Ressourcen, der zur Störung des ökologischen Gleichgewichtes auf der isolierten Insel geführt hat. Die Geschichte der Insel vor der Entdeckung durch die Europäer ist umstritten. Nach einer bekannten Theorie ereignete sich ein gesellschaftlicher Zusammenbruch infolge von Überbevölkerung und Abholzung der vormals reich bewaldeten Insel, um neue Ackerflächen zu gewinnen. Auch für den Transport der Moai auf Schlitten oder Rollen – die genaue Art ist umstritten – vom Steinbruch zu den Aufstellplätzen mussten immer wieder Bäume gefällt werden, was die Bodenerosion förderte. Je grösser die Not wurde, umso mehr riesige Moais wurden vermutlich aufgestellt um die Götter um Gnade und Nahrung zu bitten. Dass sich die Eingeborenen selbst damit die Lebensgrundlage entzogen, ist sehr gut denkbar und ein Paradebeispiel, wie es wohl schon viele Male auf unserer Erde stattgefunden hat.
Die unbelehrbare Spezies Mensch bringt es immer wieder fertig, unvernünftig von Macht und Gier getrieben, irreparable Schäden an unseren Kulturen und Lebensgrundlagen anzurichten. Wissenschaftlich betrachtet gehört es vielleicht zum natürlichen Kreislauf, Grosses zu zerstören um Neues gedeihen zu lassen. Ob dies im Sinne unserer Kinder ist, sei dahingestellt, wir jedenfalls wollen unser Leben auf Teufel komm heraus leben und geniessen, beanspruchen, was die Zivilisation und unsere Mutter Erde hergibt. Nachhaltigkeit und Vernunft bleiben ungehört, versinken im Strom der Trägheit und Gedankenlosigkeit. Jeden Tag lese und höre ich mahnende Stimmen wie die Verschmutzung der Weltmeere, Artensterben, Insektensterben, Probleme bei der Endlagerung von radioaktivem Abfall und chemische Gewässerverschmutzung. Dies abgesehen vom moralischen Zerfall der Gesellschaft, Krieg, Terror und eine Grenzenlosigkeit, wie sie noch nie da gewesen ist.
Nein, ich möchte Ihnen, liebe LeserInnen keine Angst vor der Zukunft machen und Ihnen auch keinen schlechten Tag bereiten. Ich möchte sie animieren, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, Dinge zu hinterfragen, sich zu informieren und im Kleinen an einer Zukunft zu bauen, die auch noch für unsere Enkel lebenswert ist. Ich würde viel dafür geben, die Geschichtsbücher in hundert Jahren lesen zu können. Neugierig möchte ich wissen, wie sich nach meinem Leben alles weiterentwickelt oder eben, wie bei meinem Beispiel der Geschichte der Osterinsel, der Zerfall der Hochkultur im zwanzigsten Jahrhundert stattgefunden hat. Ich frage mich, wie viele «Moais» wir bereits aufgestellt haben