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Portugiesischer Regisseur Manoel de Oliveira gestorben
- Aktualisiert am Donnerstag, 2. April 2015, 15:51 Uhr
Er war fast so alt wie das Kino selber und begann seine Karriere mit einem Stummfilm. Heute ist der portugiesische Regisseur Manoel de Oliveira im Alter von 106 Jahren gestorben.
Zum Filmregisseur wurde der Portugiese über Umwege. Manoel Cândido Pinto de Oliveira wird 1908 in eine reiche Unternehmerfamilie in der Stadt Porto geboren. Das Geld der Familie ermöglicht es dem jungen Mann, seinen Träumen nachzugehen: Er wird Sportler und Autorennfahrer in der autoverrückten Heimatstadt, die auch Zentrum der portugiesischen Autoproduktion ist. Später will er Schauspieler werden und spielt in einigen portugiesischen Filmen der 1920er-Jahre mit.
Als er aber Walter Ruttmanns experimentellen Dokumentarfilm «Berlin – Sinfonie der Grossstadt» sieht, ist er so begeistert, dass er beschliesst, ebenfalls Filme zu drehen. Sein erster (noch stummer) Dokumentarfilm entsteht 1931 und heisst «Douro, faina fluvial». Der Einfluss von Walter Ruttmans ist deutlich. Auch Oliveiras Film ist eine Sinfonie: die seiner Heimatstadt Porto mit dem Fluss Douro.
Portwein statt Filme
In den ersten vier Jahrzehnten seines Schaffens entstehen allerdings nur etwa ein Dutzend Filme. Oliveiras Blick ist zugleich kunstvoll und dokumentarisch. Seinen ersten Spielfilm dreht er 1942. «Aniki Bóbó» handelt von den Kindern in Portos Hafenviertel. Der Film wird als erstes Werk des Neorealismus gehandelt, geht aber als kommerzieller Misserfolg völlig vergessen. Oliveira macht – wohl nicht zu Unrecht – die Estado-Novo-Diktatur dafür verantwortlich, dass ihm das Filmemachen schwer gemacht wurde.
In den Jahren bis zur Revolution dreht er zwar dann und wann einen Film, macht sich in Deutschland mit der Technik des Farbfilms vertraut, betreibt aber die Filmerei nur nebenher. Seine Hauptbeschäftigung gilt dem Portwein – er arbeitet auf dem Familienweingut am Fluss Douro.
Hauptwerk im Rentenalter
Dennoch wird die internationale Filmwelt auf den Portugiesen aufmerksam. Sein Film «O Acto da Primavera» («Der Leidensweg Jesu in Curalha») bringt ihm in seiner Heimat eine Verhaftung durch die Geheimpolizei ein. In Italien hingegen wird der Film (eine Art Dokufiktion über die Passionsspiele in einem portugiesischen Dorf) ausgezeichnet, und das Filmfestival von Locarno widmet dem Filmemacher im Folgejahr 1964 gar eine Retrospektive.
Erst nach der Nelkenrevolution 1974 legt Manoel de Oliveira richtig los: Er erfindet sich neu, dreht Spielfilme, 30 sind es seither. Sein bekanntester ist wohl «Vale Abraão» («Am Ufer des Flusses») von 1994. Im gleichen Jahr tritt er auch wieder einmal als Schauspieler auf: er spielt sich in Wim Wenders Film «Lisbon Story» selber.
Manche cineastische Revolution miterlebt
Auch die Hundert konnte den Unermüdlichen nicht stoppen: Seit seinem hohen runden Geburtstag hat Manoel de Oliveira bereits wieder fünf Filme gedreht. Erst im Dezember zeigte er im Rahmen seines 106. Geburtstags seinen letzten Kurzfilm «O Velho do Restelo» («Der Alte von Restelo»).
Seit Oliveiras erstem Film sind 84 Jahre vergangen – und in seinem Werk hat er manche cineastischen Revolutionen mitgemacht: vom Stummfilm zum Tonfilm, vom Schwarz-weiss- zum Farbfilm und von der analogen zur digitalen Projektion. Mit Manoel de Oliveira verliert das Kino den ältesten aktiven Filmemacher der Welt.
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