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Der Erdölpreis befindet sich auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren. Experten befürchten einen negativen Einfluss auf die sich langsam erholende Konjunktur.
In der Schweiz aber auch anderswo hat die Preisexplosion Auswirkungen auf jeden Einzelnen und die Wirtschaft.
Die Ölpreise steigen weiter. Diese Woche haben sie in New York die 40-Dollar-Grenze pro Barrell (159 Liter) fast erreicht. Ein Niveau, das der Markt seit Oktober 1990 nicht mehr gesehen hat, also noch vor dem ersten Golfkrieg.
Experten führen die anhaltend hohen Preise auf die wachsende Benzinnachfrage in den USA zurück. Die Vereinigten Staaten konsumieren einen Viertel des weltweit geförderten Öls.
Die USA kaufen nur 25% ihres Öls im Mittleren Osten, Europa bezieht 45% aus dieser Gegend und Asien 72%. Gemäss François Savary, einem unabhängigen Finananz-Analysten in Genf, wäre im Fall eines geopolitisch bedingten hohen Ölpreises deshalb zuerst Asien betroffen, danach Europa und erst zum Schluss die USA.
Händler schätzen, dass auch die Furcht vor einer Verknappung der Ölförderung nach den jüngsten Anschläge im Nahen Osten sowie die Lage in Nigeria und Georgien ebenfalls preistreibend wirken.
Die Organisation der ölexportierenden Länder, OPEC, auf die ein Drittel der Welt-Ölproduktion entfällt, macht Spekulanten und politische Spannungen im Mittleren Osten für die hohen Preise verantwortlich.
So hat die Terrorattacke auf ausländische Mitarbeiter einer Erdölgesellschaft von ABB in Saudi Arabien noch zusätzlich zur Volatilität des Erdölmarkts beigetragen.
Die OPEC bekräftigt, dass ihre Mitgliederländer zur Zeit mehr Öl produzieren, als ihnen aufgrund ihrer Quoten zustände, um der hohen Nachfrage besser zu entsprechen.
Swiss direkt betroffen
Für die Schweizer Fluggesellschaft Swiss wäre ein weiter anhaltender hoher Energiepreis ein finanzielles Trauma. Swiss hofft, dieses Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen und somit den Kollaps zu umgehen, hat sie doch im ersten Trimester ihr Minus um 65% verkleinert. (69 Mio. Franken gegenüber 199 Mio. 2003)
Im vergangenen März verkaufte Swiss Öl-Hedge-Kontrakte, garantierte Anrechte zum Kauf von Kerosen zu günstigen Preisen. Sie kassierte rund 20 Millionen Franken aus diesem Finanzgeschäft und muss nun hoffen, dass die Preise bald fallen.
Unterschiedliche Prognosen
In den letzten zwölf Monaten haben die Ölpreise um mehr als 50% zugelegt. Dies hatte Warnungen von Ökonomen zur Folge. Sie fürchten, dass die Energiekosten dem Wirtschaftswachstum zusetzen könnten.
Die Erdölbranche rechnet aber mit einem baldigen Ende des Schubes: "Über kurz oder lang wird sich das Preisniveau wieder normalisieren", zeigt sich der Geschäftsführer der Schweizer Erdöl-Vereinigung, Rolf Hartl, überzeugt.
"Bleiben die Ölpreise derart hoch oder steigen sie gar weiter, ist eine bremsende Wirkung auf die Konjunktur zu erwarten", sagt Alois Bischofberger, Chefökonom der Credit Suisse.
Diese Einschätzung teilt auch Bernd Schips, Chef des Konjunktur-Forschungs-Instituts der ETH Zürich, KOF. Er warnt, dass die Ölkosten bald auf den Fortgang der Wirtschaft durchschlagen werden.
"Verharren die Ölpreise auf dem gegenwärtig hohen Niveau, schätze ich einen bremsenden Einfluss auf das Wachstum von einem halben Prozent", so Schips.
Der Chefökonom des Staatssekretariates für Wirtschaft Seco, Aymo Brunetti, sieht im Moment keinen Grund zur Panik: "Der Erdölpreis müsste schon gewaltig steigen, damit die Konjunktur abgewürgt würde."
Bernhard Piller, Projektleiter bei der Schweizer Energiestiftung, sagt voraus: "Die Preise werden wieder fallen, aber nicht mehr auf das bisherige Niveau. Auf lange Sicht werden die Preise aber wieder steigen. Wir rechnen damit, dass in 10 bis 15 Jahren die Hälfte aller Erdölvorräte verbraucht sein werden. Ergiebige neue Quellen sind bis heute sind nicht gefunden worden. Deshalb wird die Situation noch viel schwieriger."
Auf mittlere und längere Sicht müssten deshalb Alternativen gefunden werden. Die "grüne Philosophie" müsse endlich Fuss fassen. Man solle sich auf erneuerbare Energien konzentrieren. Piller nennt als Beispiel "die Windmühlen, die in Deutschland einen regelrechten Boom erleben."
swissinfo und Agenturen
Fakten
Die Erdölpreise haben ein 13-Jahres-Höchst erreicht.
Ein Barrel Öl kostet in New York fast 40 Dollar (rund 52 Franken).
Ökonomen warnen, dass die Ölkosten das Wirtschaftswachstum hemmen könnten.
Energiesensitive Branchen wie Transport oder Tourismus, würden dies am schnellsten spüren.
Die Fluggesellschaft Swiss geht davon aus, dass der Höchststand erreicht ist. Sie verkaufte im März Finanzanrechte auf Kerosenkauf zu einem günstigen Preis.
Dafür hat sie 20 Mio. Franken kassiert. Doch riskiert sie, im Fall von anhaltend hohen Preisen, viel mehr für Kerosen ausgeben zu müssen.