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Prof. Voth zum Econometric Society Fellow gewählt
26-09-2022: Joachim Voth wurde von der Econometric Society zum Fellow gewählt. «Fellows» repräsentieren die höchste Autorität auf dem Gebiet der Wirtschaftstheorie. Die Mitglieder nominieren jedes Jahr im Herbst neue Fellows. Seit ihrer Gründung hat die Econometric Society 700 Fellows gewählt; 69 von ihnen haben den Nobelpreis erhalten. Joachim Voth ist nach Ernst Fehr die zweite Person am Department of Economics, dem diese Ehre zuteilwird. Prof. Voths Spezialgebiet ist die Wirtschafts- und Finanzgeschichte. Seine Forschungsergebnisse wurden in vier der fünf wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften sowie in Büchern und Fachzeitschriften veröffentlicht. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören das langfristige Wirtschaftswachstum, die Geschichte der Staatsverschuldung, Ursachen und Folgen des politischer Polarisierung, und die Wirtschaftsgeschichte der industriellen Revolution.
Fernunterricht führte zu schlechteren Lernergebnissen während der Pandemie
2022.05.30 : "Wie viel haben die Kinder während der Pandemie im Fernunterricht wirklich gelernt?" Und warum diese Frage wichtig ist.
Ende März 2022 waren die Schulen in 23 Ländern immer noch geschlossen, was 400 Millionen Kinder weltweit betraf und zu enormen Lernverlusten führte, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die Situation ist für diese Länder nach wie vor kritisch, da die Impfquoten stagnieren und Druck in Richtung Schulschliessungen ausgeübt wird.
Guilherme Lichand, Professor für Wirtschaftswissenschaften und Vorsitzender des Center for Child Well-being and Development (CCWD), und Onicio Leal Neto, Postdoktorand, führten eine Studie in Brasilien im Bundesstaat São Paulo durch und kamen zu einigen erstaunlichen Ergebnissen:
Der Fernunterricht hat in der Tat zu schlechteren Lernergebnissen während der Pandemie geführt, und zwar über andere direkte Auswirkungen von COVID-19 hinaus, und längere Schulschliessungen haben diese Auswirkungen zusätzlich verstärkt.
Die Schüler der Mittel- und Oberstufe in São Paulo lernten nur 40 % des Unterrichtsstoffs in Portugiesisch und 20 % in Mathematik im Vergleich zu den Schülern, die vor Ort unterrichtet wurden. Die Schüler berichteten, dass sie im Durchschnitt nur 27,5 % dessen lernten, was sie im Präsenzunterricht gelernt hätten, und die Zahl der Schulabbrecher könnte von 10 % auf 35 % gestiegen sein.
Schon wenig Alkohol ist womöglich schlecht für das Gehirn
2022.03.07: Schon ein einziges Glas Wein pro Tag könnte die Gehirnstruktur verändern: Bereits mässiger Alkoholkonsum geht einher mit einem kleineren Hirnvolumen sowie einer verringerten Masse der grauen und weissen Hirnsubstanz.
Dass chronisch übermässiger Alkoholmissbrauch der Gesundheit schadet, ist bekannt. Allerdings sind die bisherigen Erkenntnisse darüber widersprüchlich, ob leichter bis mässiger Alkoholkonsum ähnlich negative Folgen haben könnte.
Gökhan Aydogan, Postdoktorand am Zurich Center for Neuroeconomics, war Teil des internationalen und interdisziplinären Forschungsteams, das eine riesigen Stichprobe von 36'678 Erwachsenen aus Grossbritannien untersuchte. «Wir fanden bereits negative Assoziationen zwischen Alkoholkonsum und Gehirnstruktur bei Personen, die nur ein bis zwei Alkoholeinheiten pro Tag konsumierten», fasst er die Erkenntnis zusammen. In der Studie galt ein Pint Bier (rund ein halber Liter) oder ein grosses Glas Wein (1,75 Deziliter) als zwei Alkoholeinheiten.
Auswirkungen sind schlimmer, je mehr man trinkt
Die Studie gibt Hinweise darauf, dass die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf das Gehirn exponentiell sind. Gökhan Aydogan erklärt: «Das letzte Bier ist nicht nur für den Kater verantwortlich, sondern wirkt sich auch stärker negativ auf das Gehirnalterung aus als alle vorangegangenen an einem Tag». Die Forschenden gehen davon aus, dass die Hirnalterung bereits bei einer Einheit Alkohol pro Tag im Vergleich zu überhaupt keinem Alkohol rund ein Jahr beträgt. Bei vier Einheiten pro Tag liegt der Unterschied der Gehirnalterung bei zehn Jahren.
Die Autoren betonen allerdings, dass es das Studiendesign nicht darauf ausgelegt war, einen kausalen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und der Veränderung der Hirnstruktur herzustellen, also eine Ursache-Wirkung-Beziehung zu belegen. Weitere Untersuchungen hierzu wären deshalb von hohem Interesse.
Der Ukraine-Krieg, die SWIFT-Sanktionen und der Renminbi als internationale Währung
2022.03.04: Mathias Hoffmann hat kürzlich im schweizerisch-italienischen Radio RSI einige Interviews gegeben, in denen er die wirtschaftlichen Auswirkungen der SWIFT-Verbotsmassnahmen analysiert, die nach der Invasion der Ukraine ergriffen wurden. Zwar haben die SWIFT-Sanktionen kurzfristig Auswirkungen auf die russische Wirtschaft, doch erklärt Mathias Hoffmann, dass auf längere Sicht einige Anpassungen unweigerlich vorgenommen werden. China wird wahrscheinlich zu einem grösseren Drehkreuz werden, um russisches Öl und Gas auf die Weltmärkte zu lenken, was eine einzigartige Gelegenheit für China darstellen könnte, einen entscheidenden Schritt zu unternehmen, um den Renminbi als ernsthaften Rivalen des Dollars zu etablieren.
"Europa ist noch immer ein Protektorat der USA"
2022.02.27: Wenn Geschichtswissenschaft hilft, die gegenwärtigen Weltereignisse besser zu verstehen. In einem Interview in der Sonntagszeitung spricht Tobias Straumann, Wirtschaftshistoriker, über die Invasion der Ukraine durch Russland, eine seit dem zweiten Weltkrieg einmalige Situation, deren Ursprünge zum Teil weit zurückgehen.
Soziale Herausforderungen durch Social Entrepreneurship angehen
Das Social Entrepreneurship Seminar von Guilherme Lichand fordert Studierende auf, eine soziale Herausforderung zu lösen, indem sie eine Idee und einen tragfähigen Businessplan entwickeln. Die Studierenden erwerben praktische Fähigkeiten, wie die Ausarbeitung einer Geschäftsidee und die Erstellung eines Businessplans, wie man Social Impact misst, eine Idee vor Finanzierungsgremien präsentiert und mit Rückschlägen umgeht. Ebenso erhalten die Studierenden eine/n Mentor/in zur Seite.
Zum Auftakt des diesjährigen Seminars wurden die Teilnehmer zu einer privaten Vorführung von zwei Filmen eingeladen: Machines, ein Porträt von Arbeitern in einer indischen Textilfabrik und Invisible Demons, ein immersiver Dokumentarfilm über die Auswirkungen des Klimawandels.
In der Einleitung zur Podiumsdiskussion erklärte Guilherme Lichand, wie die poetischen und zugleich bedrückenden Dokumentarfilme ihn zwischen Hoffnung und Verzweiflung über die Herausforderungen, denen die Welt heute gegenübersteht, schwanken lasssen. Rahul Jain, der Regisseur beider Filme, Simona Scarpaleggia, Cedric Mutz und Guilherme Lichand tauschten anschliessend ihre Sichtweisen und Erfahrungen mit Projekten im Bereich social Entrepreneurship aus.
Zum Artikel (in Englisch)
Die Besteuerung der "Superreichen"
2022.01.31: Der Anteil des Einkommens und des Vermögens der reichsten Haushalte hat über die letzten Jahrzehnte stark zugenommen.
In einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) geht Florian Scheuer, UBS Foundation Professor für Wirtschaft, auf Besteuerungswege ein, die auf «Superreiche» angewendet werden oder werden könnten, und beleuchtet deren Vor-, aber auch Nachteile.
Wer welche Verbrechen begeht
2022.01.31: Was führt dazu, dass manche jungen Männer straffällig werden und andere nicht? Eine internationale Studie zeigt, dass Präferenzen wie Risikobereitschaft, Ungeduld und Altruismus sowie die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung Delinquenz voraussagen.
Die ökonomische Theorie besagt, dass weniger gebildete, risikofreudige, ungeduldige und egoistische Personen eher kriminell werden als gebildete, risikoscheue, geduldige und selbstlose Personen. Diese Hypothese wissenschaftlich zu überprüfen, ist aber nicht so einfach. Bildungsstand und sozioökonomische Faktoren von verurteilten Kriminellen lassen sich zwar relativ gut mit denen der nicht kriminell gewordenen Bevölkerung vergleichen. Bei Risikofreude, Geduld und Altruismus gestaltet sich die Erfassung aber schwieriger. Ernst Fehr und ein internationales Team von Ökonomen hat in einer neuen Studie Informationen über die Risiko-, Zeit- und sozialen Präferenzen von jungen Männern mit Faktoren wie Bildungsgrad, Einkommen, Selbstkontrolle und strafrechtlichen Verurteilungen zusammengeführt. Junge Männer mit höherer Risikobereitschaft und Ungeduld begehen eher Eigentumsdelikte, während Personen mit weniger Selbstkontrolle eher zu Gewalt, Drogen- und Sexualdelikten neigen.
Florian Scheuer zum Economic Theory Fellow gewählt
2022.01.04: Die Society for the Advancement of Economic Theory (SAET) ernennt Florian Scheuer zum Economic Theory Fellow. Economic Theory Fellows werden aufgrund ihrer wissenschaftlichen Exzellenz, Originalität und Führungsqualitäten, hohen ethischen Standards sowie ihrer wissenschaftlichen Leistungen gewählt. Die wichtigste Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass ihre Arbeit die ökonomische Theorie wesentlich weiterentwickelt hat. Herzlichen Glückwunsch!
Karriereknick Mutterschaft – Dossier von Josef Zweimüller im «Schweizer Monat»
2021.12.03: Noch immer gibt es erhebliche Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern. Der grösste Teil der Gehaltsschere ist nach wie vor auf Mutterschaft zurückzuführen. Denn ab der Geburt des ersten Kindes fallen die Gehälter von Müttern stark hinter jene von Männern und kinderlosen Frauen zurück. Der "Child Penalty" misst den Einkommensunterschied zwischen Müttern und Frauen ohne Kinder. Schweizer Mütter verdienen im Durchschnitt im Jahr nach der Geburt des ersten Kindes 60 Prozent weniger als vor der Mutterschaft. Dieser Wert bleibt in den Folgejahren konstant. Die Schweiz hat sogar einen der höchsten Child Penaltys der OECD-Länder.
Empirische Studien haben gezeigt, dass familienpolitische Massnahmen wie verlängerter Elternurlaub, jahrelange Arbeitsplatzgarantie oder vergünstigte Kinderbetreuung den Child Penalty nur kurzfristig beeinflussen. Geschlechternormen – genauer gesagt die Rolle der Frau im Spannungsfeld von Familie und Beruf – spielen beim Gesamtmass des Child Penalty eine grössere Rolle: Je konservativer das Umfeld, desto höher der Child Penalty. In konservativen Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Child Penalty um ein Vielfaches höher als in den gesellschaftlich liberalen Ländern Skandinaviens. Deshalb plädiert Joseph Zweimüller dafür, die Faktoren besser zu untersuchen, die dafür verantwortlich sind, dass an den konservativen Geschlechternormen festgehalten wird, um schliesslich die bestehenden Ungleichheiten zwischen Männtern und Frauen abbauen zu können.
Global Gateway – EU Konkurrenzprojekt zur «Neuen Seidenstrasse»
2021.12.01: China hat mit seinem Projekt «Neue Seidenstrasse» in vielen Ländern viel Geld in Infrastrukturprojekte investiert. Nun setzt die EU mit ihrem Konkurrenzprojekt «Global Gateway» ein starkes geopolitisches Gegengewicht. 300 Milliarden Euro will die EU für Umweltschutz, Gesundheit, Energie und Transport in Schwellen- und Entwicklungsländern investieren. Das Projekt soll einerseits lokale Bedürfnisse erfüllen und andererseits die globalen Herausforderungen anpacken können, so EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Dies ist ein neuer strategischer Ansatz für Investitionen. Anders als China will die EU bei der Finanzierung die Privatwirtschaft einbinden. Die Länder, in denen investiert wird, sollen mit der EU eine vertrauenswürdige Partnerin haben. Den EU-Staaten soll «Global Gateway» Wettbewerbsvorteile bringen, betont von der Leyen.
Wie realistisch ist dieses Vorhaben angesichts der enormen Anstrengungen Chinas? Die europäische Antwort darauf unterscheidet sich vor allem in zwei wesentlichen Punkten, erklärt Ralph Ossa: «Zum einen, was das Investitionsvolumen angeht. Der chinesische Plan ist ungefähr dreimal grösser als der europäische. Der zweite grosse Unterschied liegt in den Investitionsschwerpunkten. Die Chinesen investieren vor allem in Transportinfrastruktur. Die Europäer setzen andere Schwerpunkte, zum Beispiel bei der Digitalisierung.» Die EU kann, so Ossa, mit ihrem Programm eine wertvolle Alternative bieten für jene Länder, die bisher gar keine andere Wahl hatten, als mit den Chinesen zusammenzuarbeiten, weil sie die Infrastrukturprojekte dringend benötigen.
Die Zurich Graduate School of Economics sucht neue Doktorierende
ECON Teaching Center erhält Lehrkredit für Projekt zur Gamification von Lerninhalten
2021.10.22: Mit dem Lehrkredit fördert die Universität Zürich Innovationen in der Lehre und die Weiterentwicklung von bereits bestehenden Lehrformaten. Das ECON Teaching Center erhält für seine Projektidee einen Lehrkredit der UZH. Ziel des Projektes «Gamification der Lerninhalte» ist es, die Lernmöglichkeiten der Studierenden um eine spielerische Methode zu erweitern. Ein browserbasiertes Spiel soll die Vorlesungsinhalte aufnehmen und mit Kompetenzerleben, Selbstbestimmung, sozialer Einbindung und Bedeutung kombinieren. Auf spielerische Weise werden die Studierenden durch alle Taxonomiestufen in einer Spieleinheit geleitet. Das Projekt führt zu mehr aktiver Lernzeit und einem Verständnis der Anwendungen der Lerninhalte in der Praxis. Mehrwert für die Lehre ergibt sich aus interdisziplinärer Übertragbarkeit, Portfolioerweiterung der Lehrmöglichkeiten und effizienter Anwendung der Taxonomiestufen. Das Spiel wird für das von Prof. Ulf Zölitz unterrichtete Modul Mikroökonomik 1 entwickelt.