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Luljeta Lleshanaku, geboren 1968 in Albanien. Sie ist die Autorin von neun Gedichtbänden auf Albanisch, die vielfach übersetzt wurden. Sie leitet das Institut für die Aufarbeitung des kommunistischen Genozids in Tirana und übersetzt aus dem Amerikanischen. Sie wurde mehrfach für ihr Werk ausgezeichnet.
Lleshanaku gehört zu den prägendsten Stimmen der neuen Lyrik Osteuropas. Ob sie zu ihrer Kindheit zurückkehrt, einer Zeit der heimlichen Gebete und heimlich gelesenen Bücher, oder ob ihr in der Anonymität von Transitflughäfen die Spaltung zwischen Geist und Körper bewusst wird, weil in der zu schnellen Zeit «der Körper keine Nostalgie spürt», ihre Gedichte sind von grosser Unmittelbarkeit gezeichnet. Eingeladen im Rahmen des Residenzprogramms, einer Kooperation mit der Kulturstiftung Landis & Gyr.
«SIE BEEILEN SICH ZU STERBEN
Einer nach dem anderen sterben sie;
Erde auf sie zu streuen, gehört schon zum Alltag
wie Essen salzen.
Sie sind alle aus einer Generation, meine Verwandten,
besser gesagt, aus einer Epoche,
und die Kinder dieser Epoche sind wie vor den Schlitten gespannte Hunde
auf der Suche nach Gold;
sie müssen rennen, sonst stürzen sie.
Epochen haben nichts mit Mathematik zu tun.
Sie sind Kämme, die jede Rebellion des Haars glätten,
nach seinem verrückten Flirt mit sich selbst.»
Reading and talk