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Allgemeines:
Frankreich ist eines der größten Länder Europas. In Europa grenzt es an Belgien, Luxemburg, Deutschland, die Schweiz, Italien, Monaco, Spanien, Andorra, an den Atlantik mit dem Aermelkanal und an das Mittelmeer. Es erstreckt sich von der Nordsee bis zum Mittelmeer. Die Landschaft ist abwechslungsreich mit Bergen im Osten und Süden, wo sich u.a. auch die höchste Erhebung Westeuropas, der Mont Blanc (4 810 m), befindet. Das Flachland Frankreichs wird aus vier Flussbecken gebildet, der Seine im Norden, der Loire und der Garonne, die nach Westen fließen, und der Rhone, die vom Genfer See ins Mittelmeer fließt. Frankreich ist als Fahrradland bekannt, so führen z.B. auch grosse europäische Fahrradrouten wie die EuroVelo 1 (Atlantik Route), EuroVelo 3 (Pilgeroute) EuroVelo 4 (Zentraleuropa Route) sowie die EuroVelo 6 (Fluss-Route) durch Frankreich. Die EuroVelo 6, welche das Schwarze Meer mit dem Atlantik verbindet, zählt zu den radfreundlichesten Radwegen in Frankreich. Offizielle Informationen zu den Radrouten in Frankreich findet man z.B. hier.
EuroVelo 6 in der Region Bourgogne-Franche-Comté
Die EV6 ab Nevers bis Basel führt sehr oft entlang Flüssen bzw. Seitenkanälen, dort trifft man Urlauber auf ihren Hausbooten und fährt an dutzenden Schleusen vorbei. Dies führte dazu, dass unser Kleinster bereits am 2.Tourtag meinte, dass wir an diesem Kanal bereits gestern entlang gefahren sind... Auf der Route von Nevers nach Basel fuhren wir flussaufwärts, aus unserer Sicht war dies bei diesem minimalen Gefälle überhaupt kein spürbarer Mehrauwand, auch der Wind spielte während unserer Zeit keine Rolle. Die Landschaftliche Vielfalt als sehr abwechslungsreich zu benennen, ist sicherlich übertrieben, trotzdem war das Fahrradfahren auf den schmalen, autofreien Wegen eine Freude. Wir konnten zusammen reden, nebeneinander fahren, Ein- und freihändig fahren, Musik oder Geschichten hören. Dadurch konnte auch unser Jüngster (fast 5 jährig) regelmässig zwischen 10 - 30 km am Tag selber fahren, ansonsten haben wir sein Fahrrad einfach wieder ans Follow-me gehängt. Dass das Baden in all diesen Gewässern verboten ist (überall beschildert), war uns bei der Planung nicht bewusst, jedoch wäre das Baden in diesem seichten, gestauten Wasser auch keine Freude. Unterhaltung / Abwechslung für die Kinder z.B. Spielplätze, Grillstellen, Tiere etc hat es entlang der Route nur sehr wenige. So haben wir tagsüber weniger Pausen eingelegt als wir bei der Planung noch dachten. Was unseren Kids sehr geholfen hat beim Fahrradfahren war das Geschichten / Musik hören, aber auch das eigene Tacho-Gerät, wo die bereits gefahrene Distanz bzw. das Ziel abgelesen werden konnte. Als Highlight empfanden die Kids jedoch das Treffen anderer Kinder auf den Campingplätzen, das Baden in den Pools / Schwimmbädern sowie das Glace essen :-).
EuroVelo 1 (Velodyssee) Nantes - Bordeaux
Der europäische Radweg EuroVelo 1 führt von Norwegen entlang des Atlantiks bis nach Portugal. Der französische Abschnitt der EuroVelo 1 heisst "La Velodyssee". Sie führt über ca. 1290 km von Roscoff im Norden nach Hendaye an der Grenze zu Spanien. Die Routen führen oft entlang verkehrsfreien Strassen und auch aufgrund des weitgehend flachen Profils gilt "La Velodyssee" als sehr familienfreundlich. Unsere Familien-Tour im Sommer 2022 startete in Nantes und führte uns in 2,5 Wochen südwärts nach Bordeaux.
Auf der Velodyssee erlebt man den Atlantik immer wieder hautnah. Dabei beeintdrucken die Gezeiten mit Ebbe und Flut jedes mal aufs Neue. Schiffe die im trockenen liegen, matschiges Watt, Muschelstrände, Sümpfe, flach abfallende schöne Strände welche zum Baden einladen, dann wieder beeindruckende Surferstrände mit hohen Wellen wo die Kraft des Wassers so richtig spür- und erlebbar und da gibt es sogar eine Strasse (Passage du Gois) welche das Festland mit einer Insel verbindet und nur bei Ebbe befahrbar ist, weil sie sonst unter Wasser liegt. Wir badeten fast täglich im Pool des Campingplatzes (28 Grad), kühlten uns im Atlantik (16 - 18 Grad) oder im See. Im Hitzesommer 2022 (leider mit 2 Waldbränden in der Gironde mit Vernichtung der Campingplätze bei den Pyla-Dünen) erlebten wir Temperaturen von bis zu 44 Grad (!) im Schatten und ausschliesslich sonnige Tage. Gerade aber zu Beginn der Tour spürten wir ein paar Tage die starken Temperaturunterschiede im Schatten (Jäckchen nötig) bzw. in der prallen, heissen Sonne. Der Wind war glücklicherweise nur einmal spürbar gegen uns, sonst war er nicht relevant. Die meiste Zeit verläuft die EV1 auf autofreien Wegen, manchmal haben wir jedoch auch bewusst auf die Strassen gewechselt, wenn damit eine lohnenswerte Distanz vermindert werden konnte. Teilweise führen die meist sehr gut beschilderten Routen auf nicht asphaltierten Wegen durch Kiefernwälder, entlang Sümpfen, Becken oder alten Eisenbahnstrecken. Gerade im Departement Vendee verlief die Route jedoch auch sehr oft direkt entlang der wunderschönen Atlantikküste. Während der Fahrt durch die diversen Naturschutzgebiete können viele Vogelarten beobachtet werden, zudem entdeckten wir einmal ein Reh unmittelbar vor uns im Wald. Das ganze Fahrraderlebnis wird durch ein sehr grosses Angebot an Campingplätzen mit einfachen bis grossen Pools & Badelandschaften und extra auf Kinder ausgerichtete Freizeiterlebnisse ergänzt (welche man jedoch auch problemlos ignorieren kann). Aufgrund der grossen Brände in der Gironde konnten wir leider unser Endziel, die Pyla Dünen, nicht besuchen, unsere Tour endete stattdessen am Flughafen von Bordeaux.
Fahrräder im Zug mitnehmen (Erfahrung vom Jahr 2021 + 2022)
In diesem Sommer war es nicht (mehr) möglich, Fahrräder in TGVs oder ICE's mitzuführen, es sei denn, die Fahrräder werden verpackt. Wir mussten unsere Reise deshalb mit den Regionalzügen (TER) planen, was entsprechend eine lange Anreise (7 Stunden am 1.Tag und 2,5 Stunden am 2.Tag) und diverse Zugwechsel (4) nach sich zog. Dies war auch ein Grund, weshalb wir auf die Mitnahme eines Kinderanhängers verzichteten. In TER Zügen ist die Mitnahme von Fahrrädern ausserhalb der Stosszeiten / Pendlerzeiten erlaubt und gratis. Wir konnten unsere Fahrräder jeweils stufenlos in den Zug schieben. Pro Komposition hatte es immer 1 Fahrradabteil, wo max. 6 Fahrräder aufgehängt werden könnten. Es gab jedoch auch noch zusätzlich ein Abteil für Rollstuhlfahrer, welche immer leer waren, womit wir die Fahrräder auch dort platzieren konnten. Da die Eurovelo 6 Route bei Tourenfahrern sehr beliebt ist, ist man selten alleine in den Fahrradabteilen, Platz fanden wir jedoch immer. Das Buchen der Tickets machten wir über die App "Assistance SNCF", dort kann gewählt werden, mit welchen Zügen (z.B. TER) man fahren möchte. Wenn man alle Reisenden Personen registriert hat und dann jeweils 1 Erwachsene Person mit 1 Kind anwählt, kommt man in den Genuss eines speziellen "Erwachsenen-Kind" Tarifs (das Kind zahlt da nur Euro 2.--). So haben wir schliesslich unsere Hinreise von Basel - Nevers sowie die Strecke Paray-le-Monial nach Chalon-sur-Saone gebucht, was sehr gut klappte. Im Jahr 2022 nahmen wir den TER-Zug zwische La Rochelle und Rochefort. Knapp schafften wir es unsere 4 Fahrräder noch in den Zug nehmen zu können. Es wurde jedoch gewünscht, dass das Gepäck vom Fahrrad entfernt wird damit die Fahrräder weniger sperrig sind. Auf dem Weg nach Rochefort wollten dann noch weitere Leute mit Fahrräder zusteigen, dies wurde vom Zugbegleiter dann aber verweigert, da alle Fahrradplätze schon überbesetzt waren und sonst der Gang versperrt würde.
Campingplätze
Entlang EuroVelo 6 (Nevers - Basel) im Jahr 2021
Wer ausschliesslich auf Campingplätzen übernachten möchte, kann dies problemlos so planen. Oft sind die Campingplätze nur mit kurzen Abstechern vom offiziellen Fahrradweg zu erreichen. Nicht ideal fande wir einzig die Strecke L'Isle-sur-le-Doub - Montbeliard - Mulhouse. Da es in Montbeliard keinen Campingplatz gibt (es befindet sich einer ca. 14 km südlich am Doubs), nahmen wir hier ein Hotel. Ansonsten sind in Abständen von längstens 40 - 50 km (meistens kürzer) immer wieder Campingplätze. Manchmal haben diese einen Pool oder im selben Dorf ein Schwimmbad, was zumindest bei unseren Kids immer wieder ein Highlight war. Denn obwohl man immer entlang der Gewässer fährt, ist darin überall Baden verboten. Den einzigen Badesee entlang der Route erlebten wir auf dem Campingplatz in Osselle (Tipp), da konnte man sogar SUP & Boote mieten. Zu beachten gilt es beim Baden die strickte Regelung, dass Bade-Shorts nicht erlaubt sind. Die Campingplätze entlang der EV6 sind zwischen sehr bescheiden (und ohne WC-Papier) bis 3 Sterne (mit Pool, Restaurant). Brot kann man fast in jedem Campingplatz für den nächsten Morgen bestellen. Die Kosten beliefen sich bei uns für eine Uebernachtung als Familie um 20 - 25 Euro. Reservationen waren für Zeltübernachtungen nie nötig, trotzdem haben wir dies manchmal (gerade bei geplanten Ruhetagen und Campingplätzen mit Pool) gemacht. Oft traf man ganz viele andere Tourenfahrer / Familien auf den Campingwiesen.
Entlang EuroVelo 1 (Nantes - Bordeaux) im Jahr 2022
Entlang der Atlantikküste hat es in regelmässigen Abständen, teilweise sehr viele Campingplätze unterschiedlicher Kategorien. Oft, aber nicht immer ist es möglich Uebernachtungen über die Internetseiten zu reservieren. Nicht möglich war es z.B. in La Rochelle oder auch weiter südlich bei Uebernachtungen von unter 3 Nächten. Da wir zur Sommer-Saison (Juli) unterwegs waren, haben wir uns entschieden, eine Mehrzahl der Campingplätze zu reservieren. Gerade aber in der 1.Juli Woche wäre dies definitiv nicht nötig gewesen, da dann eher noch wenig los ist und die Campingplätze entsprechend oft noch nicht das volle Angebot anbieten. Ganz viele Campingplätze haben einen (beheizten) Pool (oder sogar Rutschen), welcher teilweise bei kühlen Temperaturen (Wind / Regen) überdacht werden kann. Gerade für unsere Kinder war der Pool immer ein Highlight. Auch an der Atlantikküste sind Bade-Shorts nicht erlaubt, kontrolliert wurde dies jedoch weniger strikte wie entlang der EuroVelo 6. Unsere gewählten Campingplätze hatten mit Ausnahme eines Aufenthaltes im 5-Sterne Camping eine Bewertung zwischen 2 Sternen und 4 Sternen. An den Verzicht bzw. das Fehlen von WC-Brillen gewöhnt man sich rasch, ebenso dass es in den Toiletten auf vielen Campingplätzen kein WC-Papier hat, dies darf man dann elegant in der Hand oder in einer Tasche selber mitbringen. Teilweise gibt es spezielle Rabatte für Fahrradfahrer, die Kosten für eine Uebernachtung (1 Zelt, 2 Erwachsene, 2 Kinder) beliefen sich an der Atlantikküste trotzdem auf deutlich höherem Niveau zwischen 25 Euro und 75 Euro pro Nacht.
Dörfer / Läden / Restaurants
Entlang der EV6 gibt es zwar viele Ortschaften, aber abgesehen von den Städten gibt es nicht überall Läden oder Restaurants. Zudem haben uns die Oeffnungszeiten des einzigen Dorfladens bzw. des einzigen Restaurants manchmal etwas Geduld abverlangt. Manchmal öffnen diese erst um 14.30 Uhr wieder, andere schliessen bereits vorher. So lohnt es sich immer etwas Proviant für die Kids und sich dabei zu haben :-). Im Gebiete des Doubs nahm die Anzahl der Restaurants / Läden dann merklich zu. Entlang der Atlantikküste führen die offiziellen Fahrradrouten nicht so oft direkt in die Dörfer / Städte. Bei den Restaurants gilt es zu berücksichtigen, dass Mittagessen manchmal nur bis 14.00 Uhr angeboten wird bzw. das Abendessen ab 19.00 Uhr.
Persönliche Bewertung:
Die EuroVelo 6 zwischen Basel und Nevers ist vor allem für Familien oder Liebhaber flacher Routen sehr geeignet. Aus Sicht der Erwachsenen mag die landschaftliche Vielfalt etwas mager sein, doch aus Sicht der Kinder hat die EV 6 viele Vorteile: meistens flache Route, sehr viele autofreie Strecken, viele Campingplätze (auch mit Pool) welche Distanzen von unter 50 km ermöglichen und man trifft sehr viele andere Tourenfahrer, auch Kleinkinder.
Die EuroVelo 1 (Velodyssee) zwischen Nantes und Bordeaux ist für Familien ebenfalls sehr geeignet und bieten aufgrund der Nähe zum Atlantik mit Ebbe & Flut und verschiedenen Seen eine grosse Abwechslung. Baden im Pool, dem Meer und ev. gleichentags in einem See ist hier durchaus mal möglich. Campingplätze unterschiedlicher Ausstattungen sorgen für viel Abwechslung und können bewusst gewählt werden. Die Route ist ebenfalls vorwiegend flach und führt gerade im nördlichen Teil öfters auf guten Schotterpisten durch verkehrsfreie Wege, Richtung Süden waren sie dann vorwiegend asphaltiert.
Unsere Route im Jahr 2022
|Datum||Strecke||Distanz||Fahrtag||Campingplatz|
|03.07.2022||Anreise nach Nantes Flughafen||Flughafenhotel|
|04.07.2022||Nantes - Les Moutiers-en-Retz||42 km||10.15 - 14.30 Uhr||Domaine du Collet|
|05.07.2022||Les Moutiers-en-Retz - Saint-Jean de Monts||50 km||09.45 - 16.45 Uhr||Cote Plage|
|06.07.2022||Ruhetag|
|07.07.2022||Saint-Jean de Monts - Brem-sur-Mer||42 km||09.50 - 15.45 Uhr||Amitee et Nature|
|08.07.2022||Brem-sur-Mer - Talmont-Saint-Hilaire||41 km||10.30 - 17.00 Uhr||Les Dunes|
|09.07.2022||Talmont-Saint-Hilaire - L'Aiguillon sur Mer||40 km||10.15 - 15.30 Uhr||Le Pré des Sables|
|10.07.2022||Ruhetag|
|11.07.2022||L'Aiguiollon sur Mer - Rochelle||50 km||09.00 - 15.00 Uhr||Soleil Municipal|
|12.07.2022||Rochefort - La Tremblade (Zug bis Rochefort)||40 km||09.45 - 14.00 Uhr||La Clairiere|
|13.07.2022||Ruhetag|
|14.07.2022||La Tremblade - Grayan-et-l'Hopital||60 km||10.00 - 17.00 Uhr||Municipial du Gurp|
|15.07.2022||Grayan-et-l'Hopital - Hourtin Plage||31 km||10.30 - 13.00 Uhr||Cote dArgent|
|16.07.2022||Hourtin Plage - Lacanau Ocean||31 km||12.15 - 15.30 Uhr||Les jardins du littoral|
|17.07.2022||Ruhetag||5 km|
|18.07.2022||Ruhetag||12 km|
|19.07.2022||Lacanau-Ocean - Ares||38 km||10.15 - 14.45 Uhr||La Canadienne|
|20.07.2022||Ruhetag||5 km|
|21.07.2022||Ares - Bordeaux Airport (53 km + Zoo 14 km)||67 km||09.45 - 14.45 Uhr||Flughafenhotel|
|Total||554 km|
Unsere Route im Jahr 2021
|Datum||Strecke||Distanz||Fahrtag||Bemerkung|
|Fahrradstrecke während Anreise||10 km|
|19.07.2021||Nevers - Decize||42 km||09.45 - 14.45 Uhr||Schwimmbad neben Campingplatz|
|20.07.2021||Decize - Bourbon Lancy||50 km||10.00 - 15.30 Uhr||Campingplatz mit Pool|
|21.07.2021||Ruhetag||6 km|
|22.07.2021||Bourbon Lancy - Paray-le-Monial||48 km||09.30 - 14.30 Uhr||Campingplatz mit Pool|
|23.07.2021||Chalon-sur-Saone - Verdun-sur-le-Doubs||35 km||13.00 - 15.45 Uhr||Zugfahrt bis Chalon-sur-Saone|
|24.07.2021||Verdun-sur-le-Doubs - Saint-Jean-de-Losne||47 km||11.00 - 17.00 Uhr||Uebernachtung im Wohnwagen|
|25.07.2021||Ruhetag|
|26.07.2021||Saint-Jean-de-Losne - Dole||30 km||10.00 - 12.30 Uhr||Campingplatz mit Pool|
|27.07.2021||Dole - Osselle||48 km||12.30 - 16.30 Uhr||Badesee beim Campingplatz|
|28.07.2021||Osselle - Besancon||33 km||14.15 - 17.00 Uhr||Hotel mit Pool|
|29.07.2021||Ruhetag|
|30.07.2021||Besancon - Baume-les-Dame||40 km||10.15 - 16.00 Uhr||Campingplatz|
|31.07.2021||Baume-les-Dame - L‘Isle-sur-le-Doubs||35 km||10.30 - 14.00 Uhr||Campingplatz|
|01.08.2021||L‘Isle-sur-le-Doubs - Montbeliard||26 km||10.30 - 12.30 Uhr||Hotel|
|02.08.2021||Ruhetag|
|03.08.2021||Montbeliard - Mulhouse||56 km||10.00 - 16.00 Uhr||Campingplatz mit Pool|
|04.08.2021||Mulhouse - Basel / nach Hause||48 km||09.40 - 15.00 Uhr|
|Total||554 km|
Unsere Route im Jahr 2003
|Strecke||Distanz||Nacht|
|Zugfahrt Basel - Perpignan|
|Perpignan - Cap D'Age||120 km||Camping|
|Cap D'Age - St.-Maries-de-la-Mer||115 km||Camping|
|St.-Maries-de-la-Mer - Martigues||88 km||Camping|
|Martigues - Cassis||58 km||Camping|
|Cassis - Hyeres||64 km||Camping|
|Hyeres - Fréjus||75 km||Camping|
|Fréjus - Antibes||48 km||Camping|
|Antibes - Menton||50 km||Camping|
|Menton - Ventimiglia (I)||12 km||Camping|
|Zugfahrt zurück nach Basel|
|Total:||630 km|
Unsere Route im Jahr 1992
|Strecke *||Distanz||Nacht|
|Arlesheim - Yverdon-les-Bains||130 km||Hostel|
|Yverdon-les-Bains - Annecy||130 km||Hostel|
|Annecy - Grenoble||100 km||Hostel|
|Grenoble - Gap||100 km||Hostel|
|Gap - Dignes Les Bains||90 km||Hostel|
|Dignes-Les-Bains - Castellane||50 km|
|(Tourende wegen Pedalenbruch)|
|* Uebernachtungsorte sind nicht mehr im Detail bekannt|
|Total Route:||600 km|
Vorwort Familientour auf der EuroVelo 6 in Frankreich im Jahr 2021
Nachdem wir coronabedingt im Jahr 2020 keine (Familien-) Fahrradtour unternehmen konnten, freue ich mich umso mehr in diesem Jahr unser Nachbarland Frankreich zu bereisen. Auf der EuroVelo 6 wollen wir in diesem Jahr einen Teil der Route Basel - Atlantik erleben. Für die ganze Distanz über 1200 km reicht es mit 2 Kindern natürlich bei weitem nicht, auch wenn die Route (zumindest aus Erwachsener Sicht) mehrheitlich flach verlaufen soll. Während unsere fast 9 jährige Tochter auf ihrem 24" Fahrrad erstmals über viele Tage alleine strampeln muss, darf unser Jüngere (fast 5 jährig) noch wählen zwischen alleine Fahren (20") und am Follow-me angehängt sein. Auf das Mitnehmen eines Kinderanhängers verzichten wir primär wegen den Zugfahrten, auch wenn wir damit ein gewisses Risiko eingehen, falls er mal nicht so lange auf dem Fahrradsattel sitzen möchte bzw. mag. Nach zeitraubenden Versuchen an Schweizer & Französichem Bahnhof sowie etlichen Versuchen im Internet ein Bahntickets für 4 Personen inkl. Fahrräder zu buchen, steht unsere Route nun fest. Da Schnellzüge wie ICE / TGV aktuell keine Fahrräder transportieren sind wir gezwungen, eine fast 10 stündige Zugreise mit TER (Regionalzügen) freiwillig verteilt auf 2 Tage in die Mitte Frankreichs auf uns zu nehmen. Somit starten wir dann erst am 3.Tag mit unserer Fahrradtour entlang der Loire, der Saone, dem Doubs, dem Rhein-Rhone-Kanal sowie dem Rhein bis vor unsere Haustür. Wir sind gespannt, wollen aber einfach Tag für Tag nehmen mit dem einzigen Ziel, dass wir als Familie Freude haben am Unterwegs sein miteinander. Uebernachtungsmöglichkeiten soll es angeblich selbst zur Hochsaison im Juli genügend geben, darauf vertrauen wir.
17.07.2021 + 18.07.2021 - Anreise nach Nevers
Alle Tickets sind gebucht, die Zugverbindungen klar. Fast 8 Stunden Anreise, aber nicht nach Nevers, sondern nur mal bis Dijon. Viermal umsteigen steht vor uns und ausgerechnet beim ersten Abschnitt von Basel nach Delemont hält der Zug mitten im nirgendwo an. Ausgerechnet, wo wir doch in Delemont nur 14 min Umsteigezeit zur Verfügung haben. Ein Technischer Defekt, zuerst heisst es 8 min Verspätung, wir hoffen und bangen und dann die Durchsage, 15 min Verspätung... Bereits am Start zu unserer Tour werden unsere Pläne durchkreuzt. Doch dann ist der Defekt doch früher behoben und wir rollen nach Delemont. Dort gilt es in Windeseile mit 4 Fahrrädern und 2 Kindern das Perron zu wechseln. Plötzlich sehe ich, wie der Regionalzug auf Gleis 1 einfährt und renne mit meinem vollbepackten Fahrrad voraus, die Tür öffnet sich, von meiner Familie inkl. Fahrrädern noch keine Spur, die Tür geht zu, ich jedoch blockiere die Tür indem ich dazwischen stehe und da kommen sie alle, unserem Jüngsten mit seinem Fahrrad hilft sogar der Zugführer des vorherigen Zuges... wir sind drin...! Bei den nächsten Wechseln haben wir genügend Zeit, wir sind erleichtert. Auf der Fahrt sehen wir eindrückliche Bilder überfluteter Felder, teilweise stehen die Tiere knie- bis bauchtief im Wasser. Bis gestern hat es in weiten Teilen Europas tagelang fast sintflutartig geregnet und für Ueberschwemmungen gesorgt. Wir sind froh, sind die Zugverbindungen davon nicht betroffen und dass wir uns entschieden haben, in Nevers zu starten. Beim zweiten Zugwechsel in Meroux (Frankreich) steht in der Bahnhofhalle ein Klavier mit der Aufschrift "A vous de jour". Diese Chance packt unsere Tochter nach kurzem Mut zureden und spielt während der Wartezeit 2 - 3 Lieder, die Leute scheinen Freude daran zu haben und auch bei mir löst sich der Anfangsstress zusehends. Gegen 17.20 Uhr erreichen wir Dijon, wo wir mitten im Zentrum eine 1-Zimmer Wohnung gemietet haben. Da es für alle unsere Fahrräder keinen Platz im überaus kleinen Korridor hat, nehmen wir die beiden Erwachsenenfahrräder hoch in den 1.Stock ins Zimmer. Am nächsten Morgen besuchen wir die Kathedrale und dürfen gerade einem Teil des Gottesdienstes zuhören, zwar auf Französisch, aber der Gesang ist trotzdem sehr schön. Schliesslich fahren wir am Mittag im propevollen Zug (auch viele Fahrradfahrer) nach Nevers. Gegen 14.30 Uhr erreichen wir unser Ziel an der Loire. Es reicht noch gut für einen kleinen Spazierung zum Strand an der Loire und in die Altstadt. Auf dem Campingplatz trudeln fortlaufend weitere Fahrradfahrer ein. Schön sind wir da, nun können unsere Veloferien beginnen.
19.07.2021 - Nevers nach Decide
Alles ist wieder eingepackt, aber ausser einem Baguette haben wir kein ausreichendes Frühstück. Wir machen deshalb um 09.45 Uhr noch einen kleinen Umweg zum nächsten Supermarkt abseits der offiziellen Eurovelo 6 Route. Nach vielen Regentagen in der Schweiz erleben wir endlich wieder mal sonniges, warmes Wetter. Die Route führt uns schön im Schatten der Bäume entlang dem Seitenkanal der Loire. Abgesehen von landwirtschaftlich genützten Feldern, manchmal mit weidenden Kühen oder Sonnenblumen ähnelt sich das Landschaftsbild. Auf dem Kanal fahren im Schritttempo ein paar kleine Schiffe, dabei passieren sie die vielen Schleusen, welche auch uns immer wieder einen Mini-Anstieg bescheren. Während der Mittagspause treffen wir auf ein Ehepaar aus Deutschland, die für einige Zeit mit einem Hausboot unterwegs sind und gerade Pause machen. Unsere Kids kommen so in den Genuss, sich das Boot mal von Innen ansehen zu dürfen, was sie natürlich überaus spannend finden. Auf dem Radweg sehen wir zudem auch noch andere Tourenfahrer, alle fahren jedoch in die uns entgegengesetzte Richtung. Bereits gegen 14.45 Uhr erreichen wir den Campingplatz in Decide und besonders die Kids freuen sich schon riesig aufs Pool. Wir stellen jedoch rasch fest, dass es auf dem Campingplatz gar keinen Pool gibt, dafür aber gleich nebenan und unabhängig vom Campingplatz ein öffentliches Schwimmbad. Zunächst ignorieren wir die klaren Hinweisschilder, dass Shorts-Badehosen nicht erlaubt sind, wir schaffen es gerade knapp in die Nähe des Beckenrands, als wir auf das Verbot von Shorts hingewiesen werden. Leider aber haben wir männliche Familienmitglieder nur Bade-Shorts dabei. Den Tipp, wird könnten ja draussen am Automat eine "richtige" Badehose kaufen, funktioniert leider auch nicht da dieser Automat defekt ist. Alle Versuche, für uns bzw. wenigstens für unseren Kleinsten eine Ausnahme zu erhalten, sind erfolglos, was bei den Kinds Trauer und Wut auslöst. Zum Glück hat Rebi für unsere Tochter zwei Badekleider dabei, so dass sich unser Sohn mangels Alternativen für das Baden in einem Badekleid entscheidet. Da diese Regelung angeblich in allen öffentlichen Bädern gilt, müssen wir raschmöglichst solche enge, tolle Badehosen kaufen... Das Baden erfüllt schliesslich trotzdem alle Bedürfnisse, es wird gelacht, getaucht, geschwommen und so geniessen wir später beim Campingplatz unsere selbst gekochten Tomaten-Spaghetti mit Salami, während dessen in den umliegenden Bäumen scheinbar tausende Vögel (Möven, Krähen etc) hausen. Ein schöner Tourentag mit einem Mini-Badedrama geht hiermit zu Ende. Wir freuen uns, endlich "on Tour" zu sein.
20.07.2021 + 21.07.2021 - Decide nach Bourbon Lancy
Um 10.00 Uhr gehts los. In der Vorbereitung zu dieser Tour haben wir gelesen, dass es auf dieser Etappe während den ersten ca. 35 km (bis zur Ortschaft Cronat) kaum Geschäfte gibt. Entsprechend haben wir vorgängig insbesondere für die Kinder etwas Energie-Essensreserven besorgt. Mehrheitlich über wenig befahrene Landstrassen führt uns die Route an etlichen Bauernhöfen vorbei, entlang Sonnenblumen- und Kornfeldern, auf den Wiesen weiden Hühner, weisse Kühe und manchmal liegt auch ein Hauch Schweineduft in der Luft. Meist fahren wir heute abseits der Flüsse und Kanäle, nur zweimal haben wir kurz Sicht auf die Saone. Hier stellt Rebi plötzlich fest, dass ihr Vorderrad praktisch platt ist. Wir sind schliesslich aber positiv überrascht, dass wir das Rad ohne Reparatur aufpumpen und weiterfahren können da das Loch anscheinend nur sehr klein ist. Nach einem kurzen Anstieg erreichen wir gegen 13.00 Uhr schliesslich die Ortschaft Cronat, wo wir den ersehnten / erwarteten Laden finden. Der Inhaber lässt uns freundlicherweise noch in den Laden, obwohl er eigentlich schon am Schliessen ist. Als wir uns vor dem Laden sitzend erschöpft mit etwas Essen und Trinken stärken, kommt ein freundlicher älterer Mann auf uns zu der gerne ein Interview mit uns über die Fahrradtour führen möchte. Er arbeitet für eine Zeitung und machte noch ein Foto von uns. Leider haben wir nicht genau zugehört für welche Regionalzeitung er arbeitet, so werden wir nie erfahren, ob bzw. was über uns geschrieben wurde :-). Als wir uns wieder bereit für die Weiterfahrt sind, schliesst auch schon das Restaurant gleich neben dem Laden. An die Oeffnungszeiten müssen wir uns noch etwas gewöhnen... Zwischen Cornat und Bourbon Lancy folgen dann noch mehrere Anstiege, dies bei 38 Grad in der Sonne. Wir sind beeindruckt wie gut beide Kids dies tollerieren. Hilfreich scheint mir, dass sie für gewisse Zeit Kindergeschichten bzw. Musik hören können, welche wir im Körbli des Kinderfahrrades abspielen. Um 15.30 Uhr erreichen wir den Campingplatz, wo wir eine Wiese extra für Biker und Wanderer zugewiesen erhalten. Am Abend sind sicher ca. 13 Biker-Gruppen (Familien, Pensionierte, Alleine Radelnde) auf dieser Wiese. Da wir nach den ersten 2 Etappen bereits über 90 km gefahren sind, haben wir uns bereits vorgängig entschieden, hier einen zusätzlichen Ruhetag einzuplanen. Rebi nützt die Zeit während wir das Zelt aufstellen, Nahrungsmittel und ganz wichtig, 2 paar eng anliegende Badehosen zu kaufen. So sind wir nun alle bereit, uns im Pool auf dem Campingplatz abzukühlen und zu amüsieren. Am Abend kochen wir Hörnli mit Hackfleisch, wir merken dass unsere Pfannen für 4 Personen etwas klein sind und leider haben wir aus unerklärlichen Gründen die Pfannen-Zange nicht dabei. Irgendwie gehts jedoch immer :-). Am Abend unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang um den sehr schönen, kleinen See gleich unterhalb des Campingplatzes. Auch die Kids erfreuen sich am riesigen Spielplatz, dem Fitness-Parcour und den Hunderten Vögeln, welche in den Bäumen nisten. Bis hier haben wir alle Uebernachtungen vorgebucht. Mit den Erfahrungen der ersten 2 Etappen wissen wir nun, wie weit wir pro Tag etwa fahren können und werden nun Tag für Tag nehmen. Den Ruhetag am Mittwoch nützen wir, um den Pneu zu flicken, zu waschen, im Pool zu baden und die kleine Altstadt per Fahrrad zu besichtigen. Hier trafen wir zufällig auf eine andere Biker-Familie mit Kleinkind und es war schön, sich während dem Kaffe trinken mit Ihnen über frühere Fahrradtouren auszutauschen.
22.07.2021 - Bourbon Lancy nach Paray-le-Monial
Frühstück gegessen, Zelt abgebaut, Fahrradtaschen angehängt, so starten wir heute bereits um 09.30 Uhr zur Etappe mit dem Ziel Paray-le-Monial. Auf meist autofreien Fahrradwegen fahren wir zunächst durch ein längeres Waldstück, dann überqueren wir die Loire und folgen dann dem Seitenkanal. Hier können wir beobachten, wie im Wasser wahrscheindlich eine Biberratte flussaufwärs schwimmt und taucht. Wir freuen uns zudem, dass der Tacho am Fahrrad der Tochter die 100 km Marke überschritten hat. Um 12.30 Uhr erreichen wir Digoin an der Loire und wir staunen, dass wir bereits 30 km gefahren sind. Nach dem Mittagessen lassen wir auch unseren Jüngsten die letzten 10 km alleine fahren und so erreichen wir um 14.30 Uhr den Campingplatz. Hier merken wir sofort, dass es sehr viele Mücken (auch Tigermücken?) hat. Doch beim Pool sind diese Störenfriede ganz weit weg, so dass wir uns erneut an einem tollen Wasserplausch erfreuen dürfen. Am Abend fahren wir mit den Fahrrädern ins Zentrum um die Altstadt sowie ein Abendessen im Restaurant zu geniessen.
23.07.2021 - Chalon-sur-Saone nach Verdun-sur-le Doubs (Zugfahrt Paray-le-Monial - Chalon-sur-Saone)
Heute gegen 10.00 Uhr fährt der Zug nach Chalon-sur-Saone. Wir haben bereits vor Tourbeginn geplant, irgendwo eine Strecke mit dem Zug zu fahren, weil wir die ganze Distanz von Nevers nach Basel mit den Kindern in 2,5 Wochen nicht als realistisch betrachtet haben. Wir haben uns schliesslich für die Zugstrecke Paray-le-Monial bis Chalon-sur-Saone entschieden weil diese Strecke die konditionell anspruchvollste sowie dort teilweise auch mit stärkerem Verkehrsaufkommen zu rechnen gewesen wäre. Noch vor der Abfahrt auf dem Campingplatz dürfen die Kids noch auf die Motorräder unserer Zeltnachbarn sitzen und den Motor anstellen. Auch sie sind wie so viele hier Richtung Atlantik unterwegs. Die Zugfahrt mit einmal umsteigen verläuft problemlos, so dass wir gegen 13.00 Uhr bei über 30 Grad im Schatten unsere erste reine Nachmittags-Etappe in Angriff nehmen können. Unser Ziel ist das ca. 35 km entferne Verdun-sur-le-Doubs. Neu im Angesicht der Saone verlassen wir die Grossstadt, folgen der unverändert gut ausgeschilderten EuroVelo Route 6 zunächst noch etwas entlang der Saone. Schon bald aber staunen wir über die weiterhin vorhandenen Hochwasserfolgen, welche trotz einwöchigem super Wetter noch bestehen. Wir fahren vorbei an Spielplätzen, Wiesen & Weiden, welche noch immer tief im Wasser liegen. Auch der Fahrradweg entlang der Saone ist teilweise unter Wasser. Einen ersten Abschnitt durch 15-20 cm tiefes Wasser über ca. 50 m durqueren wir noch fahrend und erfreuen uns an diesem Abenteuer. Ein weiterer Versuch einige Minuten später misslingt jedoch, Rebi steht Schienbeintief mit Turnschuhen im Wasser, eine Durchquerung des ca. 100 m langen überschwemmten Radweges scheint uns auch mit Abenteuerlust so nicht umsetzbar. Mit unserem Smartphone schauen wir auf Google Maps nach alternativen Routen und werden fündig. Auf wenig befahrenen Landstrassen fahren wir schliesslich via der Ortschaft Gergy nach Verdun-sur-le-Doubs. Wir freuen uns, dass wir nach diesem intensiven Tag bereits vor 16.00 Uhr das Städtchen erreichen und steuern den Campingplatz an der Saone an. Als wir den Campingplatz erreichen erfahren wir jedoch umgehend, dass der Campingplatz noch geschlossen ist, weil noch viele Teile unter Wasser stehen. Uns wird mitgeteilt, dass auch der Campingplatz auf der anderen Seite der Saone deswegen geschlossen sei. Im Internet suchen wir noch nach B&Bs, Zimmern etc aber leider erfolglos, auch die Dame im Touristenbüro versucht mehrere Hotels etc. anzurufen, überall heisst es jedoch dass sie ausgebucht sind. Etwas ratlos überlegen wir, wie wir vorgehen sollen. Wir beschliessen, uns im nahen Einkaufszentrum mit Essen & Trinken einzudecken, so dass wir ggf. bei einem Bauernhof oder "wild" campieren könnten. Als wir unsere Einkäufe auf die Fahrräder packen, kommt gerade ein anderer Fahrradfahrer aus dem Laden, er stammt aus Deutschland und ist pensioniert. Wir kommen ins Gespräch und erzählen ihm von unserer Situation. Da sagt er uns tatsächlich, dass der Campingplatz auf der anderen Seite der Saone heute nun doch noch öffnete, weil die Nachfrage so gross sei. Auch er habe diesen Tipp von einer anderen Person, einem Franzosen, erhalten. Fast etwas ungläubig, aber unglaublich dankbar fahren wir zu diesem Campingplatz und tatsächlich hat dieser geöffnet. Der Platz ist etwas höher gelegen als der Platz auf der anderen Uferseite, doch auch hier liegt der untere Teil im Wasser. Der Besitzer weist die Fahrradfahrer an, im oberen Bereich das Zelt aufzustellen und auch wenn es auf diesem sehr einfachen Campingplatz erstmals nicht mal WC Papier hat, sind wir einfach sehr froh, gegen 17.30 Uhr endlich definitiv angekommen zu sein. Der Gesprächsbedarf der Tourenfahrer ist hier gross, denn viele haben die überfluteten Routen erlebt, zwei Biker erzählen, dass sie im Dreck gestürzt sind. Wie wir heraushören, sollten die Fahrradwege ab hier Richtung Osten aber wieder gut fahrbar sein. Die Probleme bestehen also ausschliesslich zwischen Chalon-sur-Saone und Verdun-sur-le-Doubs. Denn hier vereinen sich die Flüsse Doubs und Saone. Wir nützen die letzten Sonnenstrahlen am Abend noch, die nassen Socken / Schuhe vom Ausflug ins Hochwasser zu trocknen & zu Duschen. Im Wetter-App sehe ich dann, dass für diese Nacht sehr starke Winde (bis 70 km/h) und sehr starke Regenfälle gemeldet sind. Sicherheitshalber sichere ich unser Zelt zusätzlich.
24.07.2021 + 25.07.2021 - Verdun-sur-le-Doubs nach Saint-Jean-de-Losne
Was war das für ein eindrückliches Gewitter diese Nacht. Wie in der Wetter-App vorhergesagt zog irgendwann gegen 02.00 Uhr ein extremes Gewitter auf. Es windete stark, laute Donnergeräuschte ertönten über uns und während ca. 1 Stunde war der Himmel und entsprechend unser Zelt von den dutzenden Blitzen hell erleuchtet. Natürlich waren alle ausser unser Jüngster hellwach. Mir ist nicht bekannt, wann ich je so ein Gewitter erlebt habe. Wir harrten aus, hofften und irgendwann liess der starke Wind etwas nach, die Abstände der Donnergeräusche wurden länger, so dass wir irgendwann wieder alle einschlafen konnten. Nun haben wir alles zusammengepackt, natürlich ist das Zelt noch nass, eigentlich möchten wir gegen 10.00 Uhr abfahren, doch da scheint sich schon das nächste Gewitter anzubahnen, so dass wir unseren Start nochmals verschieben. Wir sitzen bereit unter dem Dach der Sanitären Anlagen, spielen und lesen Bücher vor, bis wir dann gegen 11.00 Uhr endlich starten, in Regenvollmontur erstmals. Auf den Strassen erblicken wir viele Aeste. Es wechseln sich Regen- und Trockenphasen und wir "feiern" die erreichte 200 km Marke. In der Ortschaft Seurre gehen wir dann gegen 12.30 Uhr in ein Restaurant, dort bleiben wir bis 14.30 Uhr, da während dessen erneut sehr starke Regengüsse fallen. Wir sind froh, diese Zeit drinnen im Trockenen verbringen zu können. Wir setzen dann die Fahrt fort, vorbei an Sonnenblumen- und Maisfeldern, durch kleine Dörfer mit wenig Verkehr, teilweise haben wir auch die offizielle Radroute verlassen. Die letzten km vor Saint-Jean-de-Losne führt dann wieder schön entlang der Saone. Nach 47 km erreichen wir gegen 17.00 Uhr unser Ziel und sind froh, dass der Campingplatz trotz des Hochwassers und dem nächtlichen Gewitter geöffnet hat. Hier möchten wir 2 Nächte bleiben, also morgen Sonntag einen Ruhetag machen. Spontan mieten wir deshalb einen Wohnwagen, welcher zu unserer Ueberraschung noch nicht belegt ist. Die Kids aber auch wir freuen uns riesig. Auf dem Weg hierher haben wir sehr viele Gewitterspuren der Nacht gesehen, an diversen Bäumen sahen wir dicke, abgeknickte Aeste und natürlich waren die Wege oft mit Aesten verseht. Wir sind überaus dankbar, dass unser Baum direkt über dem Zelt letzte Nacht gehalten hat. Ebenfalls konnten wir heute in einer Apotheke Medikamente holen gegen die fiesen ausgeprägten Schwellungen welche bei unseren Kindern durch die Mückenstichen im Gesicht bzw. an den Füssen entstanden sind. Der Campingplatz hier hat wieder einfachen Standard, jedoch immerhin mit Restaurant und ausserhalb fliesst sehr schön die Saone. Am Sonntag nützen wir den Ruhetag um unsere Kleider zu waschen und das Zelt trocknen zu lassen. Zudem besuchen wir ein kleines Museum über die Schifffahrt der Region. Die Stadt bietet jedoch nicht wirklich spannendes, obwohl hier der bisher grösste Hafen unserer Tour liegt. Wir treffen hier auf dem Campingplatz jedoch eine andere Schweizer Familie, welche ebenfalls mit ihren zwei 7 und 8 jährigen Kindern auf Fahrradtour unterwegs sind. Die Kinder freuen sich sehr, mal wieder in der gewohnten Sprache mit etwa Gleichaltrigen Kindern unterwegs zu sein und setzten sich das Ziel, den Code für die Autobarriere herauszufinden, was sie schlussendlich mit Freude erreichten... Auf Nachfrage was für unsere Kinder die bisherigen Highlights der Tour sind, folgen die nicht ganz überraschenden Antworten: Glace essen und im Pool Baden... :-)
26.07.2021 - Saint-Jean-de-Losne nach Dole
Für den heutigen Tag haben wir bewusst nur eine kürzere Route über 30 km ausgewählt, denn in Dole erwartet die Kids wieder ein Pool, worauf sie sich sehr freuen. Wir starten gegen 10.00 Uhr und fahren zunächst noch ca. 4 km entlang der Saone, dann zweigt unser Fahrradweg ab und wir folgen nun dem Rhein-Rhone-Kanal bis nach Dole. Die Route gefällt, sie führt oft entlang Gewässern und wie so oft ist ein grosser Teil ist autofrei. Bereits gegen 12.30 Uhr erreichen wir Dole. Die Stadt am Doubs gefällt uns sehr und ist auf jeden Fall eine Besuch wert. Mit ca. 25 Grad herrschten heute ideale Fahrradtemperaturen. Den Abend verbringen wir noch mt einer längeren Besichtigung der Altstadt.
27.07.2021 - Dole nach Osselle
Wir fahren erst wenige 100 m, als der Lenker am Fahrrad unserer Tochter plötzlich nicht mehr richtig funktioniert, er klemmt, das ist ja ein Start... So schauen wir nach, wo der nächste Fahrrad Mechaniker zu finden ist und müssen anschliessend mehrere Kilometer und mit einigen Höhenmetern verbunden in die entgegengesetzte Richtung fahren. Wir sind jedoch sehr dankbar, als sich der Mechaniker gleich Zeit nimmt, das Fahrrad zu reparieren. So können wir schliesslich gegen 12.30 Uhr starten. Ab Dole führt die Route neu entlang des Doubs und eines Seitenkanals. Die Landschaft mit dem breiten Doubs bringt einen neuen visuellen Reiz, schön siehts hier aus, etwas abwechslungsreicher mit etwas mehr bzw. grösseren Hügeln in der unmittelbaren Umgebung. Wir fahren fast nur auf autofreien Fahrradwegen und entlang der Route gibts sogar einen schönen Spielplatz. Da sitzen bereits 2 andere Schweizer Biker-Familien und so nützen wir diese bisher einmalige Chance am Spielplatz eine kleine Pause zu machen. Um 16.30 Uhr nach 48 km erreichen wir den schön an einem Badesee gelegenen Campingplatz. Der Badesee ist auch für nicht Camper zugänglich und es hat nebst einer Bar hats dort auch einen tollen Spielplatz und es können Pedalos, Kanus, und SUP gemietet werden. An der Bar nehmen wir eine Crepe zum zVieri und dann gehts ab in den See. Als Ueberraschung für die Kinder mieten wir noch ein Stand up Paddle. Abends kochen wir uns eine Portion Spaghetti, müssen dann aber bei beginnendem Regen in das Vorzelt zügeln um weiter zu essen. Zum Glück haben wir ein grosses Vorzelt und 4 kleine Stühle mit einem kleinem Tisch dabei.
28.07.2021 + 29.07.2021- Osselle nach Besancon
Eigentlich wäre es toll gewesen, hier einen weiteren (Ruhe-) Tag zu bleiben. Da aber wieder Starkregen gemeldet ist für die Zeit in Besancon, haben wir vor 2 Tagen ein Hotelzimmer gebucht. Wir waren zwar etwas hin- und hergerissen, aber ein Pool beim Hotel sowie ein günstigerer Preis als in einer Jugendherberge hat uns dann überzeugt. Zunächst jedoch wollen wir es uns nicht entgehen lassen, die Tropfsteinhöhle "Grottes d'Osselle" anzuschauen. Da die Führungen nur stündlich, immer zu vollen Stunde stattfinden, müssen wir jedoch bis 11.00 Uhr warten. Die 6 Zusatzkilometer (Hin- und zurück) haben sich dann aber vollends gelohnt. Die Grotte kann während ca. 1,5 Stunden auf einem Pfad von ca. 1,2 km durchlaufen werden. Wir entscheiden uns deshalb, anchliessend nochmals zurück auf den Campingplatz zu gehen und dort zu Mittagessen, so dass wir erst gegen 14.15 Uhr starten können. Die Landschaft entlang des Doubs mit seinen schönen Jurahügeln gefällt uns. In der Stadt Besancon müssen wir dann vom Doubs noch hoch über 2 Stadthügel fahren, fast so etwa wie San Francisco Miniatur :-). Gegen 17.00 Uhr erreichen wir das Hotel und kaum angekommen planschen die Kids schon im Aussenpool. Für den Folgetag nehmen wir eine öV Tageskarte und besuchen "La Citadelle" (UNESCO) auf dem Hügel der anderen Doubs-Seite. Eine Besichtigung der Burg ist sehr empfehlenswert, es gibt da auch viele Tiere zu bestaunen und die Aussicht auf den Doubs hat Postkarten-Charakter, so dass wir inkl. Mittagessen locker einen halben Tag dort verbringen. Danach schlendern wir noch etwas durch die diversen Einkaufsstrassen und empfindenn die relativ hohe Polizei- und Militärpräsenz doch etwas ungewöhnlich. Am Abend geniessen wir in einem asiatischen Restaurant am Doubs noch das Abendessen, was uns dann aufgrund sehr langen Wartezeiten eine Rückkehr ins Hotel erst kurz vor 23.00 Uhr möglich macht. Doch der Ruhetag hier in Besancon hat sich jedenfalls gelohnt.
30.07.2021 - Besancon nach Baume-les-Dames
Gemäss unseren EuroVelo 6 Reiseführer sind es bis Basel noch ungefähr 190 km. Die letzten Etappen kündigen sich also langsam an. Wir verlassen die Stadt gegen 10.15 Uhr und sind relativ rasch wieder auf dem offiziellen Fahrradweg am Doubs. Uns fällt auf, dass die Zivilisation entlang der Route etwas zunimmt, denn erstmals entdecken wir direkt an der Route 2 kleine Restaurants. Wir sind zunächst noch etwas unschlüssig, wie weit wir heute fahren möchten, denn die Kinder spüren natürlich, dass sie gestern Abend sehr spät eingeschlafen sind. Wir entscheiden uns dann, heute bis Baume-les-Dames zu fahren. Am rechten Doubsufer ragen hohe Waldhügel empor. Der Himmel verdunkelt sich zunehmend und leider müssen wir dann tatsächlich nur 1,6 km vor dem Campingplatz einen längeren Halt einlegen, bis der Platzregen vorbeigezogen ist. Google Maps führt uns dann an einen Platz, wo leider gar kein Campingplatz (mehr?) ist. Eine ältere Frau meint sogar, hier im Dorf gebe es keinen Campingplatz. Es heisst also neu planen, zunächst suchen wir einen Supermarkt auf um für heute Abend und Morgen einzukaufen und haben uns schon damit abgefunden, heute nochmals einige Kilometer zum nächsten Campingplatz fahren zu müssen, als wir doch noch unverhofft einen Wegweiser mit "Camping" entdecken. Wir finden dann gegen 16.00 Uhr nach einer Tagesetappe von 40 km tatsächlich einen ruhigen, angeblich mit 3 Sternen verdienten Campingplatz und fragen uns, wie die 3 Sterne wohl erreicht wurden. Denn es hat zwar diverse Hütten zum Mieten, aber z.B. kein Restaurant, kein Laden, kein Pool, kein WC-Papier, dafür aber einen Aufenthaltsraum und Platz für unser Zelt :-). Irgendwie aber schätzen wir diese sehr ruhige Atmosphäre hier. Wir kochen, finden ein paar Stühle und einen Tisch und stellen ihn unter ein Dach, wodurch wir trotz gelegentlichen Regengüssen draussen essen und später auch noch Spiele machen können.
31.07.2021 - Baume-les-Dames nach L'Isle-sur-le-Doubs
Ja die Ortsnamen sind lange und geprägt von Bindestrichen... :-). Um 10.30 Uhr haben wir alles eingepackt und gegessen, so dass wir bei noch trockenen, aber bewölktem Wetter starten können. Erneut sind viele Leute am Doubs am Fischen. Vor der Ortschaft Clerval verlassen wir das Flusstal und haben dann 2 knackige Aufstiege zu meistern, ein Anstieg, der mir mit dem Follow-me fast mehr abverlangt als unserer Tochter, die die Höhenmeter bravurös meistert. Unsere bereits am Morgen vorbereiteten Sandwiches essen wir dann später an einem klitzekleinen Strand am Doubs sitzend und geniessen die tolle Aussicht aufs Wasser. Wir gewinnen akutell stetig etwas an Höhenmeter und wir haben das Gefühl, dass wir dies in den heutigen 35 km erstmals etwas gespürt haben. Der Campingplatz ist wieder relativ stark mit Mücken besiedelt, woran vor allem unsere Kinder stark leiden (Augen, Finger). Da unser WC-Papier langsam zu Ende geht, kaufen wir neues, denn es hat hier wieder mal kein WC-Papier. Von der 4er Rolle WC-Papier verschenken wir 3 Rollen an andere Biker / Camper und alle nehmen sie dankend an. Bei der weiteren Planung stellen wir fest, dass es in Montbeliard keinen Campingplatz gibt (Anmerkung:14 km südlich von Montbeliard in der Ortschaft Mandeure hat es einen Campingplatz) bzw. der nächste nahe der EuroVelo 6 gelegene Campingplatz erst in Mulhouse kommen wird. Dies veranlasst uns etwas widerwillig, in Montbeliard nochmals eine Hotelübernachtung inkl. Ruhetag zu buchen, denn das Städtchen soll angeblich sehenswert sein und so möchten wir die Uebernachtung möglichst stadtnah haben.
01.08.2021 und 02.08.2021 - L'Isle-sur-le-Doubs nach Montbeliard
Heute ist Schweizer Nationalfeiertag, doch davon spürt man hier in Frankreich trotz einigen Schweizern on Tour natürlich nichts. In der Nacht hat es geregnet, die Mücken kreisen um uns herum, hier essen können wir nicht da man hier kein Frühstücks-Brot bestellen konnte. Uns wurde aber gesagt, dass auch heute Sonntag in der Nähe eine Bäckerei geöffnet hat. So packen wir unsere sieben Sachen und fahren wenige Hundert Meter zur Bäckerei und gönnen uns da ein Frühstück. Auch ein paar andere Tourenradler vom Campingplatz fahren hier kurz vorbei, holen Kaffee, Baguette, Croissants etc. Hier in diesem Ort fühlt es sich erstmals an wie in einem "ganz gewöhnlichen" Städtchen mit bekannt guter Infrastruktur mit Läden, Restaurants und lebhafter Zivilisation ohne gleichzeitig Touristenort zu sein. Unser Frühstück endet gegen 10.30 Uhr und so machen wir uns auf den Weg zur nur 26 km langen Etappe nach Montbeliard. Die Route führt uns erneut entlang eines Seitenkanals sowie des Doubs und wie bereits bei der letzten Etappe durften wir wieder einen kleinen Anstieg von ca. 289 m.ü.M. beim Start auf ca. 364 m.ü.M. bei Etouvans überwinden. Diese Ortschaft bildet wahrscheinlich den höchstgelegenen Punkt unserer Familientour. Da erkennt man, dass diese Route wirklich vorwiegend flach verläuft, eben ideal für Fahrradtouren mit Kindern. Um 12.30 Uhr erreichen wir das durch viele Blumen einladend wirkende Städchen Montbeliard. Wir nützen die fast leere Fussgängerzone um einen ersten Eindruck der Stadt zu erhalten. Doch unser nasses Zelt wartet auf Trocknung und ein letztes mal möchten wir nochmals ein paar Kleider (von Hand) waschen. So hängen wir im Hotel alles auf und sind geduscht, gebadet als es draussen wieder anfängt zu Regnen. Wir sind dankbar, sind wir heute unterwegs erneut trocken geblieben und nach den Regengüssen machen wir uns auf, den Park "Pres la rose" (wunderbarer Park mitten in der Stadt) zu erkunden. So spielen wir "Räuber und Bullen" im überaus spannenden Labyrinth bestehend aus ca. 1,50 m hohen Pflanzen, entdecken riesengrosse Metall-Insekten zum Draufsitzen, wunderbare Spazierwege und sind schliesslich froh haben wir gleich in der Nähe unsere Unterkunft gebucht. Erste Wegweiser zeigen den Weg in die Schweiz, so ist z.B. die Ortschaft Boncourt im Kanton Jura nur 20 Autokilometer von hier entfernt. Da wir aber entlang der Gewässer auf der der EuroVelo 6 über Mulhouse fahren werden, stehen uns bis Basel weiterhin noch fast 100 km bevor. Abgesehen von den erneut fiesen Mückenstichen am Gesicht, Händen und Beinen der Kinder fühlen wir uns weiterhin pudelwohl. An unserem Ruhetag am Montag besuchen wir den Outdoor-Laden Decathlon und lassen uns von den Kindern überreden, trotz starker Bewölkung und mässig warmen Temperaturen auch hier das öffentliche Freibad zu besuchen. Wir bleiben zwar nicht sehr lange, amüsieren uns aber trotzdem innerlich etwas am vielen Personal (Securitas, Reinigungspersonal, div. Bademeister), welche kaum was zu tun haben ausser uns zu beobachten, uns von Pool zu Pool zu folgen und uns auf die gewisse Regeln hinweisen. Denn lange sind wir die einzigen Gäste, bis sich schliessilch doch noch 1 andere Person dazu gesellt. Am Nachmittag gehen wir nochmals zum schönen Park und besuchen das "Pavillon des sciences" (Wissenschaftsmuseum) und nachdem wir gestern Abend japanisch gegessen haben, finden wir heute erstmals ein Restaurant das diverse Pastagerichte anbietet. Was für eine Wohltat nachdem in den letzten 2 Wochen praktisch überall nur Pommes als Beilage angeboten wurden.
03.08.2021 - Montbeliard nach Mulhouse
Bei unserer zweitletzten Etappe folgt nun also noch die längste Tagesdistanz der Tour. Der Doubs hat uns leider unmittelbar vor Montbeliard Richtung Süden verlassen, so dann wir heute dem Allan oder Allaine Kanal und später dem Rhein-Rhone-Kanal folgen. Zunächst gewinnen wir bis Montreux-Vieux nochmals minimal an Höhe (bis ca. 360 m.ü.M., bevor es dann auf den weiteren ca. 30 km tendenziell abwärts nach Mulhouse (284 m.ü.M.) geht. Den ganzen Morgen regenet es in Strömen, teilweise donnert es unüberhörbar. In Anbetracht der heute grossen Distanz ignorieren wir das Wetter bestmöglichst und fahren tropfend weiter. Auch die Kinder ziehen voll mit und geben ihr Bestes. Irgendwann aber ist unser Jüngste am Follow-me wohl so durchnässt und die Temperaturen von ca. 20 Grad sind bescheiden hoch, dass er beginnt zu frieren. Die Kälte vergeht erst, als wir ihn vom Follow-me abhängen, damit er selber fahren muss und dadurch warm bekommt. Gegen Mittag um 12.30 Uhr erreichen wir die Ortschaft Dannemarie, hier ist sogar erstmal ein Auto-Wegweiser nach Basel zu sehen. Fast 2 Stunden lassen wir uns für die Mittagspause im schönen Restaurant Zeit zu Essen, die schönen tierischen Wandmalereien zu bestaunen, die nassen Kleider zu wechseln sowie uns zu wärmen. So sind wir alle wieder gestärkt und fahren bis 16.00 Uhr zum Campingplatz in Mulhouse. Wir Eltern staunen sehr als wir feststellen, dass unsere Kinder heute 56 km bzw. 30 km ganz alleine gefahren sind und das bei diesem wechselhaften Wetter. Kaum haben wir eingecheckt, sind die Kinder schon wieder auf dem Weg in den beheizten (!) Pool. Noch ein letztes mal nehmen wir unseren Camping-Kocher hervor im Wissen, dass diese Pfannen zumindest bei Reisen zu Viert zu klein und entsprechend wohl bald ausgedient haben. Auch wenn wir heute Morgen voll verregnet wurden, hatten wir bisher viel Wetterglück, denn mit Ausnahme von 2 verregneten Halbtagen blieben wir grundsätzlich trocken während dem Fahrradfahren.
04.08.2021 - Mulhouse nach Basel
Zum Schluss haben wir es uns zum Frühstück nochmals richtig gut gehen lassen und 3 Frühstücks-Körbe bestellt. Wow, gehts uns gut! Trotzdem starten wir bereits um 09.40 Uhr zur allerletzten Etappe, welche uns heute bis vor unsere Haustür führen sollte. Wir fahren zunächst etwas durch die Stadt von Mulouse, entdecken im Rhein-Rhone-Kanal wahrscheinlich wieder eine schwimmende Biberratte und folgen dann dem Hüningen-Kanal, wobei wir aufgrund der hohen Büsche oft nicht direkten Kanalblick haben. In Kembs machen wir nochmals einen Mittagsstopp und werden erstmals auf Deutsch angesprochen. Auf unasphaltierten, aber gut fahrbaren Wegen fahren wir durch die "petit camargue", wobei vom Fahrradweg aus nicht wirklich landschaftliche Besonderheiten zu erkennen sind. Freude haben wir dann aber an den vielen aufgestellten grossen Landschafts- und Tierbildern entlang des Weges, welche uns bis Hunigue begleiten und die Fahrt trotz nun leichtem Regen spannend gestalten. Schliesslich erreichen wir den Rhein und erkennen die Drei-Länder-Brücke, welche für ein Abschlussfoto mit uns hinhalten muss. Nach der Brücke erreichen wir Deutschland und nach weiteren 200m folgt bereits die Grenze zur Schweiz. Zum Glück kennen wir uns in Basel gut aus, denn aufgrund Baustellen verlieren wir die offizielle EuroVelo Route 6 schon bald aus den Augen und fahren dann entlang des Rheinufers vorbei an den 5 städischen Rhein-Brücken bis nach Hause. Unsere Velo-Reise in Frankreich ist somit zu Ende und wir staunen, wie toll die Kinder das "Leben on Tour" mitgemacht und mitgetragen haben. Während unsere Tochter in diesem Jahr erstmals die ganze Strecke über 554 km mit eigener Kraft bewältigen musste, fuhr unser Sohn wenn immer es die autofreien Routen zuliessen 10 - 20 km (einmal sogar 30 km) total 130 km selbständig, natürlich half es beiden Kindern sehr, manchmal Musik oder einen Geschichte zu hören und auch der Fahrradcomputer mit der Anzeige der gefahrenen Distanz bzw. der Geschwindigkeit etc. war sicherlich motivationsfördernd. So sind wir sehr dankbar, dass trotz ein paar Abenteuern schliesslich alles so gut geklappt hat und wir zusammen eine abwechslungsreiche Ferienzeit verbringen durften.
Frankreich 2021 (EV 6)
Mit dem Zug fahren wir nach Nevers - auf unseren Fahrrädern wollen wir heimwärts nach Basel fahren
Die Loire in Nevers
Entlang dem Seitenkanal der Loire fahren wir von Nevers nach Decize
In Decize treffen wir wieder auf die Loire, erste Etappe geschafft.
Decize bis Bourbon-Lancy
Unsere kleine aber praktische "Wohnung" während unserer Tour
unterhalb des Campingplatzes ein schöner See zum verweilen
Kleine, aber schöne Altstadt in Bourbon-Lancy
Bourbon-Lancy nach Paray-le-Monial
Eine von dutzenden Schleusen entlang der Route
Nebst Fischen entdecken wir auch eine Biberratte im Seitenkanal
Schön gerade aus fahren bitte :-)
wir geniessen das tolle Wetter in der ersten Woche
Basilique du Sacre-Coeur in Paray-le-Monial
In Chalon-sur-Saone treffen wir auf die Saone
Auf dem Weg nach Verdun-sur-le-Doubs
Das Hochwasser ist augenfällig, mit einer Prise Abenteuerlust meistern wir dieses Hindernis
Die Saone hat hier viele Landteile überschwemmt, das merken auch die Tiere...
Wir haben es auch hier versucht... müssen schliesslich aber umkehren
Auf Umwegen erreichen wir dann unser nächster Uebernachtungsort
Hier mündet der Doubs in die Saone, ab hier waren die Fahrradwege wieder frei vom Hochwasser
Wir nützen die Sonnenstrahlen um die nassen Schuhe zu trocknen und die elektronischen Geräte zu laden
Nach dem eindrücklichen nächtlichen Gewitter gehts heute nach Saint-Jean-de-Losne
Die letzte Gewitternacht hat überall Spuren hinterlassen
Wir planen einen Ruhetag zum Trocknen der Kleider und des Zelts und übernachten in einem Caravan
Der Campingplatz in Saint-Jean-de-Losne liegt schön an der Saone
Entlang der Saone, dem Rhein-Rhone-Kanal sowie dem Doubs fahren wir bis nach Dole
Die Altstadt von Dole faszinierte uns von Anfang an
Dole - Osselle
die Landschaft entlang des Doubs gefällt uns
kleiner Abstecher für die Suche nach einem Einkaufsladen...
Die Abläufe wiederholen sich: aufstellen, aufblasen, auspacken :-)
Der Campingplatz in Osselle liegt an einem schönen Badesee
Dole - Besancon
wir erfreuen uns an den Jura Hügeln und dem schönen Doubs
Besancon
Zitadelle von Besancon, nicht nur wegen der Aussicht ein Besuch wert
Besancon nach Baume-les-Dames
Schönes Plätzchen am ruhigen Campingplatz in Baume-les-Dames
Bereit für neue Entdeckungen
Baume-les-Dames nach L'Isle-sur-le-Doubs
L‘Isle-sur-le-Doubs nach Montbeliard
Die Wegweiser auf der EuroVelo 6 Route überzeugen
Ankunft in Montbeliard
Sehenswerter Park "Pres-la-Rose"
Strömender Regen auf unserer Etappe von Montbeliard nach Mulhouse
Die Route führt meistens entlang des Rhein-Rhone Kanals
Nach 56 km erreichen wir Mulhouse, unser letzer Uebernachtungsort
Von Mulhouse nach Basel gehts oft entlang des "Canal de Huningue"
Zwischen Kembs und Basel ist der Weg ungeteert, trotzdem sehr gut fahrbar
Auf dem Weg dürfen wir uns an vielen wunderbaren Landschafts- und Tierfotos erfreuen
Der Rhein, fast zu Hause...
Ueber die Dreiländerbrücke erreichen wir zunächst Deutschland und dann die Schweiz
Unsere Familienfahrradtour in Frankreich entlang der Eurovelo 6 endet nach ca. 550 km vor unserer Haustür
Vorwort Familientour Velodysse 2022
Während wir im letzten Sommer bereits auf der EuroVelo 6 in Frankreich unterwegs waren, wurde uns "La Velodysse" von anderen Familien empfohlen. Eine flache Route entlang des Atlantiks, das tönt spannend, gerade auch für unsere beiden fast 6 bzw. 10 Jahre alten Kinder. Bei der Vorbereitung haben wir dann aber bereits gemerkt, dass es hier doch etwas Organisation braucht. Zum Beispiel für die Anreise mit dem Flugzeug nach Nantes bzw. die Rückreise von Bordeaux mit 4 Fahrrädern. Ebenso müssen wir zur Sommer Hauptsaison im Juli wohl mit sehr vielen Touristen rechnen, welche ebenfalls die Campingplätze am Atlantik benützen werden. Diesbezüglich haben wir festgestellt, dass viele Campingplätze genau darauf ausgerichtet sind und entsprechend ein riesiges Angebot inkl. grosser Abendunterhaltung bieten. Wollen wir das wirklich? Wenn ja wie oft? Entgegen unserem ursprünglichen Willen haben wir deshalb bereits von zu Hause aus ein paar Campingplätze reserviert und sind von den recht hohen Uebernachtungspreisen doch etwas überrascht. Ob das Reservieren wirklich nötig gewesen ist werden wir wohl vor Ort merken, aber gerade mit Kindern möchten wir vermeiden, am Ende eines Fahrtages vor verschlossenen Türen zu stehen. Um die Distanz zwischen Nantens und Pyla in der uns zur Verfügung stehenden Zeit zu meistern, werden wir wohl manchmal von den offiziellen Fahrradrouten abweichen und den direkteren Verlauf der Strasse bevorzugen. Nach den guten Erfahrungen vom letzten Jahr, wo wir jeweils nach 3 Fahrtagen einen Ruhetag eingeplant hatten, werden wir dies auch nun wieder so machen. Nach so viel "Planung" kann der eigentlich unplanbare, spontane Fahrrad-Alltag losgehen. Wir sind sehr gespannt was für Abenteuer wir erleben werden.
03. Juli 2022 - Anreise mit dem Flugzeug nach Nantes
Abends gegen 19.30 Uhr landen wir in Nantes. Nachdem wir unsere 4 Fahrradkartons, 2 grosse ca. 24 kg schwere Taschen (inkl. dem nicht gerade leichten Follow-me) sowie 4 als Handgepäck transportierten Fahrradtaschen beisammen haben, überlegen wir uns angesichts der fortgeschrittenen Zeit, ob wir die 4 Fahrräder (wie sonst immer) gleich am Flughafen wieder fahrtauglich machen sollen oder ob wir es versuchen sollten, mit all den Kartons irgendwie zum ca. 800m entfernten Flughafen Hotel zu kommen. Die Reception des Hotels ist nur bis 20.30 Uhr offen, danach sollte aber ein Check-in über einen Code möglich sein. Wir versuchen zunächst mit unseren breiten Kartons das Flughafengelände zu verlassen, merken aber nach eher mühsamen ca. 200m, dass unser Vorhaben aufgrund des holprigen Bodens und der schmalen Wege zum Scheitern verurteilt ist. So breiten wir uns noch auf dem Flughafenparkplatz aus, unsere Kinder werden mit einem Hörspiel beschäftigt. Jedes Fahrrad muss aus dem Karton, die Lenker werden wieder zurecht gedreht, die demontierten vorderen Gepäckträger & Pedalen montiert, 8 Pneus aufgepumpt, bis wir schliesslich gegen 21.30 Uhr durchschwitzt aber endlich startklar sind. Wenige Minuten später erreichen wir bereits das Hotel, checken an einem Automaten ein, sorgen dafür, dass die Kinder rasch zu Schlaf kommen, während wir noch unsere 10 Fahrradtaschen in eine tourentaugliche Bepackungsordnung ändern. Kurz vor Mitternacht ist alles geschafft und wir somit bereit für den kommenden Tag.
04. Juli 2022 - Nantes nach Les Moutiers-en-Retz
Nach etwas längerem Schlaf und anschliessendem Frühstück im Hotel starten wir bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen Fahrradtemperaturen gegen 10.15 Uhr Richtung Atlantikküste. Wir haben uns entschieden, am ersten Tag nicht den offiziellen Fahrradwegen der EuroVelo 6 + 1 zu folgen, sondern in südwestlicher Richtung zur Küste zu fahren, sonst wäre die Gesamtdistanz für die uns zur Verfügung stehende Zeit etwas zu lang. Die Route führt uns teilweise auf separaten Fahrradwegen, oft jedoch entlang der Autostrassen via Bouaye, Port-St-Pere nach Ste-Pazanne. Hier machen wir um 12.30 Uhr unsere erste (Mittags-) Pause. Wir folgen nun der Strasse D758 und mit dem Wahrnehmen plötzlich stärkerer Winde merken wir, dass wir in wenigen Kilometern die Ortschaft Bourgneuf-en-Retz am Atlantik erreichen werden. Um 14.30 Uhr erreichen wir nach 42 km den 4 Sterne Camping Domaine du Collet, welcher die Kinderaugen mit seinen 3 Wasserrutschen, dem überdachten 25m Poolbecken sowie einer schönen Pool-Landschaft inkl. Hüpfburg und Spielplatz zum Leuchten bringen. Aber auch wir Erwachsene haben grossen Spass am Badeangebot und dank unserer letztjährigen Erfahrung in Frankreich auf der EuroVelo 6 sind nun auch wir Männer dank den engen Badehosen willkommene Badegäste :-) (Anmerkung: Badeshorts sind nicht erlaubt!). Wir finden es super, ist der Pool beheizt (28 Grad), überdacht und gibt dieser durch die seitlichen Wände noch ausreichend Schutz vor den noch etwas kühlen Winden. Uns fällt auf, dass es hier heute noch sehr ruhig ist und nur wenige Touristen da sind. Wie lang das wohl so bleibt? Da wir heute noch kein Campinggas gefunden haben, gibts zum Abendessen Pizza. Am Abend möchten wir dann aber doch noch den Atlantik sehen und merken rasch, dass hier definitiv kein Badeort ist. Das Meer ist hier bei Ebbe sehr schlammig, an Baden ist nicht zu denken. Wir machen uns jedoch trotzdem einen Spass daraus und stecken unsere Füsse in den schwarzen Schlamm, wählen schöne Muscheln aus und entdecken kleine Krebse. Auch wenn die Etappe heute keine eigentlichen Highlighs geboten hat (den Safari-Zoo entlang der Route haben wir bewusst ausgelassen), hatten wir nun hier am Strand sowie am Pool des Campingplatzes viel Freude. Unser Zelt steht wunderbar unter Bäumen und so sind wir gespannt, wie wir einmal mehr zu Viert in unserem "grossen" 3er Zelt schlafen werden.
05. Juli 2022 - Les Moutiers-en Retz nach Saint-Jean-de-Monts
Heute könnte bereits ein erstes Highlight anstehen, nämlich die Fahrt über die "Passage du Gois". Dabei handelt es sich um eine Strasse, die vom Festland zur Insel Noirmoutier führt und abhängig von Ebbe & Flut die meiste Zeit unter Wasser steht. Wir haben uns nicht über die genauen Gezeiten informiert und werden deshalb einfach mal auf gut Glück dorthin fahren. Falls dies tatsächlich klappen sollte, würde sich dann auch unsere Tagesroute deutlich verlängern. Die Velodyssee führt uns zunächst auf guten, oft schmalen Schotterwegen vorbei an Korn- und riesigen Sonnenblumenfeldern und später entlang des Meeresdamms und kleinen Flüssen. Immer wieder treffen wir dabei auf diverse andere Tourenbiker, welche wir bereits auf dem letzten Campingplatz gesehen haben. Auch Tiere, vor allem viele Vogelarten inkl. Störche, Kühe und sogar 3 Wildhasen entdecken wir. In Epoids nehmen wir gleich an der Veloroute ein Restaurant wahr und entscheiden uns spontan, hier Mittag zu essen. Wir nützen die Zeit gleich dazu, unsere elektronischen Geräte mit unserem Solarpanel zu laden und während es an der Sonne sehr warm ist, frieren wir im Schatten einwenig, so dass wir auf der Restaurant-Terrasse eine zusätzliche Kleiderschicht überziehen müssen. Nach dieser längeren Mittagspause deuten dann schon bald die ersten Schilder auf die "Passage du Gois" hin, auf einem Schild steht z.B. "Strasse zeitweise überflutet", auf einem anderen "nur bei Ebbe befahrbar". Auf einer elektronischen Tafel ist die Zeit der nächsten Ebbe angegeben, heute ist dies um 15.51 Uhr. Auf einem anderen Schild ist beschrieben, dass die Durchfahrt bei gutem Wetter 90 min vor sowie 90 min nach Niedrigwasser möglich ist, das bedeutet für uns also ab 14.20 Uhr. Wie viele andere Biker, Autofahrer, Touristen warten wir also, es herrscht eine gemüthliche Stimmung. Viele sitzen am Steg und schauen hinaus aufs Meer, andere nutzen die Wartezeit in den Restaurants mit Glace, Crepes etc. Es gibt einzelne Autofahrer, die die Route schon etwas früher angehen und so können wir genau beobachten, wo die Strasse noch überflutet ist. Schliesslich starten auch wir, mit unserem Kleinsten am Follow-me, auf die 5,5 km lange Strasse durch das Meer. Das Tempo aller Autofahrer ist hier recht gemächlich, so dass auch wir die Fahrt in vollen Zügen geniessen, auch wenn einzelne Abschnitte recht holprig sind. Auf der Insel Noirmoutier erfreuen wir uns an einer wunderschönen, verkehrsfreien Veloroute südwärts, bevor wir über eine Brücke wieder das Festland und schliesslich gegen 16.45 Uhr den Camping Cote Plage erreichen. Durch die zusätzliche Schlaufe über die Insel Noirmoutier sind wir heute 50 km gefahren, davon viel auf Schotterwegen. Die Etappe heute hat uns landschaftlich sehr gefallen und nachdem wir unser Zelt aufgestellt haben gehts sofort ab in den Pool und auf die Wasserrutschbahn. Heute kommt erstmals unser neuer Gaskocher sowie die neu gekauften Pfannen (bis 4 Liter Volumen) zum Einsatz. Es gibt Hörnli mit Hackfleisch. Nach dem geglückten Auftakt zur diesjährigen Fahrradtour machen wir nun nach 2 Fahrtagen bzw. 90 km einen ersten Ruhetag morgen.
07. Juli 2022 - Saint-Jean-de-Monts nach Brem-sur-mer
Auf verkehrsarmen Nebenstrassen fahren wir ins ca. 5 km entfernte Städtchen Saint-Jean-de-Monts. Hier fahren wir wunderschön entlang der Strandpromenade und machen dann beim grossen Riesenrad gleich mal eine erste Pause, um ein paar Runden auf dem Riesenrad zu geniessen. Unser Jüngster fährt heute die ersten 10 km alleine und erlebt dann später wieder vom Follow-me aus, wie an uns vorbeifahrende Autos aus ihren Boxen für ihre Erlebnisparks, Shows etc. zwischen Saint-Jean-de-Monts und Saint Hilaire werben. Diese riesigen Anlagen & Plakate bringen wohl fast alle Kinderaugen zum leuchten. Wir finden aber, dass wir bereits selber genug "spectacle" (dieses Wort hören wir immer wieder aus den Boxen der uns überholenden Fahrzeuge) erleben, und folgen entspannt unserer Route. Ab Saint Hilaire geniessen wir für einige km eine überaus schöne Felsenküste mit den "cinq Pineaux" und vielen kleinen Buchten, welche auch auf Spazierwegen erkundet werden können. Danach führen weiter sehr schöne Fahrradwege oft entlang des Atlantiks oder durch Wälder bis zu unserem Ziel. Den reservierten 2 Sterne Camping "Amitee et Nature" erreichen wir gegen 15.45 Uhr. Auch hier erfreuen wir uns wieder an einem bedachten 25m Pool mit Wassertemparaturen von 28 Grad. Der Campingplatz stellt jedoch kein WC-Papier zur Verfügung, glücklicherweise haben wir eine Rolle dabei. Am Abend besuchen wir noch den schönen Sandstrand, die Wellen sind hier etwas stärker. Das war eine wirklich tolle Etappe heute!
08. Juli 2022 - Brem-sur-mer nach Talmont-Saint-Hilaire
Heute haben wir bis nach 08.00 Uhr ausgeschlafen, so dass wir erst gegen 10.30 Uhr abfahrbereit sind. Zunächst abseits des Atlantiks fahren wir am Morgen auf guten, fast immer autofreien Schotterwegen kurvenreich und in wiederkehrenden kleinen Anstiegen durch Wälder und vorbei an schönen Teich- und Sumpflandschaften. Etwa 5 km vor "Les Sables-d'Olonne" erreichen wir auf nun asphaltierter Strasse wieder den Atlantik, wo uns ein Fahrradweg wunderschön direkt entlang der Küste bis in die Stadt führt. Beim grossen Yachthafen setzen wir uns dann unter ein paar schattenspendende Bäume und essen, was wir vorher im riesigen Einkaufsladen Super-U gekauft haben. Hier entscheiden wir uns spontan, das nahe Blockhaus Museum anzuschauen, wo wir ein Bunker-Spital aus dem 2.Weltkrieg anschauen können. So gehts auf dem Fahrrad erst gegen 15.00 Uhr weiter und mittlerweile spüren wir den heute sehr warmen, sonnigen Tag mit Temperaturen bis 30 Grad. Am grossen Strand der Stadt nehmen wir zum ersten mal eine grosse Anzahl badende und sich sonnende Menschen wahr, ob dies daran liegt dass es heute Freitag ist oder an diesem Wochenende die Ferien in Frankreich beginnen? Auch uns gefällt die Küste um Sables sehr. Auf separaten Velowegen folgen wir dem Strassenverlauf und verlassen schliesslich den Atlantik. Zum Schluss folgt nochmals ein nicht asphaltierter Weg durch eine erneut sehr schöne Sumpf- und Seenlandschaft. Nachdem seit Mittag unser Jüngster wieder alles alleine gefahren ist und damit 15 km geschafft hat, erreichen wir gegen 17.00 Uhr den Camping "Les Dunes", erstmals ohne Pool, aber gemütlich und ruhig. Dafür treffen wir beim abendlichen Spaziergang zum Meer auf eine herrliche, teilweise nur knietiefe Lagune. Auch wenn wir keine Badekleider dabei haben, lassen wir es uns nicht entgehen, abends um 19.30 Uhr im angenehm warmen Meereswasser ein kühlendes Bad zu nehmen. Oh diese Wohltat nach diesem heissen Tag. Im Zelt fällt es dann aber vor allem den Kindern etwas schwerer, die Hitze beim Einschlafen zu ignorieren, doch irgendwann fallen alle Augen zu.
09. Juli 2022 - Talmont-Saint-Hilaire nach L'Aiguillon-sur-mer
Bereits früh betragen die Temperaturen heute über 25 Grad im Schatten. Herrliches Wetter, was willst du mehr? Auch heute fahren wir zunächst nochmals durch die schöne Sumpf- und Seenlandschaft, beidseits des schottrigen Fahrradweges begleiten uns kleine Flüsse. Nach etwa 13 km erreichen wir wieder den Atlantik und gönnen uns an einem Imbissstand eine lang ersehnte Crepes mit einem kühlenden Getränk. Auf dem weiteren Weg bis La Tranche-sur-mer verlassen wir dann irgendwann die offizielle Veloroute, da dies durch den Wald auf Schotter und mit wiederkehrenden Steigungen viel Zeit beansprucht. Nach 30 km machen wir dann gegen 13.30 Uhr endlich Mittagspause. Nähe eines Spielplatzes von der Sonne geschützt gibts Poulet-Schenkeli, Chips, Brot und Früchte. Bereits um 15.30 Uhr erreichen wir dann das heutige Etappenziel, den Campingplatz "Le Pré des Sables". Nach bereits wieder 3 Fahrtagen in Folge steht nun wieder ein Ruhetag an. Wir sind bereits über 200 km gefahren und mittlerweile treffen wir auch auf eine zunehmende Zahl von anderen Tourenfahrern, allerdings erst auf 1 Familie (mit Baby). Der uns zugewiesene Platz ist leider voll der Sonne ausgesetzt, was natürlich für die geplante erstmalige Kleiderwaschung oK ist, trotzdem werden wir versuchen, den Platz morgen mit unserem Nachbarn (Tourenfahrer aus den Niederlanden) wechseln zu können. Nun beginnen auch in Frankreich die Sommerferien. Die Wetterprognosen bleiben gut, jedoch mit Temperaturen bis 37 Grad. Zum Glück ist auch hier der Pool nur wenige Schritte entfernt. Am Sonntag, unserem Ruhetag mieten wir auf dem künstlichen Salzwassersee ein Pedalo und können problemlos unseren Zeltplatz wechseln, dank dem wir nun unter Bäumen ausreichend Schatten geniessen und den Tag mit Spielen, Baden, Erholen & Essen/Trinken verbringen.
11. Juli 2022 - L'Aiguillon-sur-mer nach La Rochelle
Obwohl La Rochelle wohl zu den interessantesten Städten der Velodyssee gehört, können wir uns für die Besichtigung der Stadt wahrscheinlich nicht so viel Zeit nehmen. Uns steht heute nämlich eine längere Etappe bevor, obwohl wir extra eine (unnötige) Schlaufe der offiziellen Fahrradroute weglassen. Da wir unbedingt das Aquarium von La Rochelle anschauen möchten, werden wir wohl nicht ausreichend Zeit finden für eine ausführliche Stadtbesichtigung. Erstmals können wir zudem einen Campingplatz nicht reservieren, es gilt also, nicht zu spät anzukommen, damit wir noch einen Uebernachtungsplatz erhalten. Unter diesen Voraussetzungen starten wir heute bereits um 09.00 Uhr und erleben auf unserer Route in zunächst östlicher Richtung erstmals relativ starken Gegenwind. Auf Schotterwegen fahren wir entlang Ackerland, Sonnenblumen- und Lavendelfeldern und später entlang Kanälen, wo wir diverse Vogelarten entdecken können. Bei der Ortschaft Charron überqueren wir den Fluss "Sevre Niortaise" und verlassen damit die offizielle Fahrradroute, um wie erwähnt ein paar Kilometer einsparen zu können. Wieder südwärts auf der Strasse 105 / 104 fahrend, sind die Windverhältnisse nun wieder deutlich angenehmer und so erreichen wir nach 50 km um 15.00 Uhr den Camping Le Soleil municipal. Der Campingplatz wirkt schon sehr voll und so sind wir sehr dankbar, hier noch einen Platz zu erhalten. Es hat hier sehr viele Velofahrer und Zelte nah beieinander. Zum Glück ist das Aquarium bis um 23.00 Uhr offen und die Altstadt ist relativ nah von hier. Eigentlich sind wir alle erschöpft durch diese heissen Temperaturen und auch wenn das tolle Aquarium wunderbar gekühlt ist, so spüren wir alle unsere müden Beine. An selber Kochen ist da nicht mehr zu denken und so gehen wir beim Italiener zu Abendessen. Wir sind froh, endlich ins Zelt liegen zu können bis wir nach wenigen Sekunden die sich stauende Hitze im Zelt beklagen... Wir befinden uns nun im Departement "Charente Martime", wir sind gespannt was die Velodyssee uns in dieser Region zeigen wird.
12. Juli 2022 - Rochefort nach La Tremblade
Um 08.50 Uhr fährt unser Zug von La Rochelle nach Rochefort. Bereits bei unserer Routenplanung zu Hause haben wir entschieden, für diese kurze Strecke von knapp 40 km den Zug zu nehmen und so einen Velo Fahrtag zugunsten eines weiteren Ruhetages einsparen zu können. Denn die ganze Fahrradroute zwischen Nantes und Arcachon beläuft sich offiziell auf 731 km und da wir nur mit einer Gesamtstrecke von ca. 500 km bis Arcachon rechnen, müssen wir manchmal den (längeren) Fahrradweg verlassen oder eben wie hier einmalig den Zug nehmen. Zum Glück ist der Bahnhof in La Rochelle nur etwa 1,5 km vom Campingplatz entfernt, so haben wir genügend Zeit, unsere Fahrräder mit Gepäck einzeln die Treppen hinab und wieder hinauf zum richtigen Gleis zu tragen. Da bereits einzelne Fahrräder in den kleinen Fahrradabteils sind, teilen wir uns auf unterschiedliche Wagen auf. Wir sind froh, als der Zug abfährt und wir drin sind. Rebi musste aus Platzgründen zudem ihr ganzes Gepäck vom Fahrrad montieren, was eigentlich die Regel wäre, bei mir aber nicht verlangt wird. Bei den nächsten Haltestellen möchten dann immer weitere Menschen mit Fahrrädern zusteigen, bis der Zugbegleiter dann schliesslich leicht entnervt den Zutritt für weitere Fahrräder verweigert. Bereits um 09.45 Uhr können wir glücklicherweise zu unserer heutigen Etappe starten. Google-Maps führt uns rasch & sicher, über eine hohe Brücke über die "Charente" (Fluss) und ab Saint-Agnant folgen wir entlang eines Kanals (da kommen Erinnerungen auf an die letzjährige Tour auf der EuroVelo 6) durch eine grosse Sumpflandschaft bis Marennes. Dieser Streckenabschnitt abseits der Zivilisatin in Angesicht vieler Vogelarten und 1 Wildhasen war dabei wieder ideal für unseren Jüngsten, für fast 10 km alleine fahren zu können. Das heutige Mittagessen wird uns bei sonnigen 38 Grad im Mc Donalds serviert. Nach wenigen km entlang der Strasse erreichen wir um 14.00 Uhr den 4 Sterne Camping La Clairiere. Heute ist uns das Fahren allen wieder leicht gefallen, kein Vergleich zu gestern. Leider wird uns erneut ein Platz zugewiesen, welcher (wohl als einziger) keinen schattenspendenden Baum hat. Entlang eines Busches hat es ganz wenig Schatten, welcher dankbar für eine Pause, Essen/Trinken sowie das Hören eines Hörspiels für die Kinder genützt wird. Eine Dänisch-Ukrainische Familie mit Kindern, welche uns wahrgenommen hat, bietet uns liebenswürdigerweise einen Sonnenschirm an, welcher nochmals ca. 4 m2 Schatten spendet. Danach gehts ab in die grossartige Badelandschaft, welcher dieser Campingplatz zu bieten hat. Pool, Rutschbahn, Wasserspielplatz und eine wunderschöne Süsswasser Badelandschaft mit Sandstrand und kleinem Wasserfall. Ein echt toller Campingplatz, wo wir nun morgen einen Ruhetag geniessen dürfen und auch als Ferienort durchaus vorstellbar wäre. Nachdem wir bisher vorwiegend französische Urlauber wahrgenommen haben, gibts hier auch vermehrt internationale Touristen. Wir kochen ebenso international, heute gibts Paella zum Abendessen. Es ist schön zu erleben, wie die Kinder mithelfen, sei es beim Zelt oder Tisch/Stühle aufstellen, beim Kochen, Geschirr trocknen etc. So geniessen wir dann alle auch das abendliche Unterhaltungsprogramm, eine Zauber-Show. Am folgenden Ruhetag dürfen wir auf Anfrage erneut auf den Platz gleich neben an wechseln, welcher uns tagsüber deutlich mehr Schatten spendet. Mit den vielen Bademöglichkeiten und einem Tischtennis-Turnier fühlt sich dieser Tag hier wie wirkliche Badeferien an. Den Ruhetag können wir so in vollen Zügen geniessen.
14. Juli 2022 - La Tremblade nach Grayan-et-l'Hopital
Heute ist französischer Nationalfeiertag. Doch wie bereits gestern Abend findet auch heute aufgrund Brandgefahr kein Feuerwerk statt. Seit wir hier in Frankreich unterwegs sind, hat es noch keinen einzigen Tropfen geregnet und die Hitze ist aussergewöhntlich hoch. Trotz dieser Hitze liegt heute wieder eine lange Etappe vor uns. Um wieder auf die Velodyssee zu gelangen, fahren wir zunächst ca. 5 km (Luftlinie) westwärts durch Waldgebiet und entdecken dabei sogar ca. 30 m vor uns ein Reh. Parallel zum Atlantik südwärts fahrend gibts dann immer wieder Wege, die zu den Stränden und schönen Dünen führen. Auch wir stellen einmal die Fahrräder ab und nehmen einer dieser Wege unter die Füsse und staunen über das schöne, lange Küstengebiet. Wir machen dann einen kleinen Umweg zum Leuchtturm Coubre, zu dem wir auch gerne hinaufgestiegen wären, doch die Wartezeit dafür von 40 min um 11.15 Uhr hat uns dazu bewogen, darauf zu verzichten und uns hier einfach ein erfrischendes Getränk zu gönnen. Die Umgebung hier wirkt auf uns wieder viel touristischer als vielerorts bisher. Bereits in den Vororten von Royan sind sehr viele Touristen auf ihren Fahrrädern unterwegs zu einer dieser vielen Küstenzugänge. Die Strecke direkt am Atlantik mit Blick auf die Strände, die Fischerhäuser und weitere Leuchttürme gefällt uns aber sehr. Um 13.30 Uhr erreichen wir den Fährhafen, was gerade noch ganz knapp reicht, um etwas Essen zu holen, denn in 30 min soll uns die Fähre über die fjordartige "Gironde" führen. Bereits jetzt sind wir 37 km gefahren, doch die "nur" 30 Grad im Zusammenspiel mit dem etwas kühleren Wind fühlt sich fast angenehm an. Nach der Ueberfahrt mit der Fähre befinden wir uns nun im Departement Gironde, auf der Halbinsel Medoc. Die Fahrradroute führt uns hier zunächst im Wald auf stets asphaltierter Unterlage entlang einer (alten?) einspurigen Eisenbahnlinie und nach der Ortschaft Soulac-sur-mer nochmals 13 km auf meist autofreien Waldwegen bis zum Campingplatz Municipal du Gurp. Um 17.00 Uhr bzw. nach 60 km haben wir das Ziel erreicht. Unsere Tochter freut sich natürlich sehr über ihren ausgebauten Strecken-Rekord. Das Einchecken dauert dann aber recht lange, kein Wunder bei über 1000 Plätzen. Der Campingplatz ist riesig und befindet sich in einem Kieferwald. Den Platz den wir zugeteilt erhalten befindet sich in einer schrägen Lage, von Bäumen umgeben, der Untergrund sandig. Glücklicherweise sind wir aber nah am Strand. Hygienisch fällt der Campingplatz hier im Vergleich zu den bisherigen deutlich ab. Dafür aber ist die Lage im wahrsten Sinne des Wortes aussergewöhnlich, auch spannend. Wir sind überrascht, dass hier nun plötzlich sehr viele deutschsprachige, auch Jüngere Leute sind. Um uns herum wird fast ausschliesslich deutsch gesprochen. Wie wir später feststellen werden, ist das Gebiet hier gerade auch zum Surfen sehr bekannt (Plage Gurp). Der Atlantik ist hier 18 Grad warm und so bevorzugen es die meisten, nur die Füsse / Beine im Wasser zu kühlen. Ausserhalb des Campingplatzes hat es ein paar einfache Restaurants und einen Einkaufsladen, sonst hat es hier weit und breit nichts. Wir lassen den Tag ausklingen, indem wir nochmals zum Strand spazieren, diesmal um unseren ersten Sonnenuntergang zu bewundern.
15. Juli 2022 - Grayan-et-l'Hopital nach Hourtin Plage
Für die heutige und morgige Etappe haben wir etwas kürzere Distanzen geplant. Da die Route zudem praktisch immer auf autofreien Wegen verläuft, kann unser Jüngster heute von Beginn an alleine fahren. Wir starten gegen 10.30 Uhr, von Beginn an mit regem Fahrrad-Gegenverkehr, wobei sich unter die Badetouristen auch etliche Tourenfahrer mischen. Die Landschaft ähnelt sich heute auf der ganzen Strecke. Die asphaltierten Wege führen zwischen Wälder und Dünen abseits der Zivilisation und ohne Meerblick geradeaus, südwärts, teilweise parallel zu autoarmen Nebenstrassen. Bereits um 13.00 Uhr haben wir die 31 km geschafft und unser Jüngster ist dabei alles ganz alleine gefahren. Eine Distanz, die er auch im letzten Jahr einmal geschafft hat. Musik und Hörspiele sind dazu einfach Gold wert. Erstmals haben wir mit dem Camping Cote d'Argent einen 5-Sterne Campingplatz ausgewählt, dieser war zwar für nur 1 Nacht nicht reservierbar, uns wurde jedoch telefonisch mitgeteilt, dass für 1 Nacht eigentlich immer ein Platz frei sei. Schon beim Zelt aufstellen erkennen wir die grosse Badelandschaft mit diversen Rutschen. Unser Platz ist glücklicherweise durch umliegende Bäume etwas sonnengeschützt. Tja für 75 Euros / Nacht haben wir hier auch am meisten bezahlt bisher. Die Kinder und auch wir probieren gleich mal alle Bäder und Rutschen aus und danach gibts ein lustiges "Fangis"-Spiel. Hier wird wieder vermehrt französisch gesprochen, aber natürlich hat es auch einige internationale Gäste. Am Abend schauen wir uns bei einer Glace noch kurz den schönen Strand mit den Dünen und dem Sonnenuntergang an, die Wellen sind hier wieder etwas kleiner. Danach schauen wir uns bis 23.00 Uhr noch die grosse Abend-Show mit Tanz- Akrobatikeinlagen mit Film-Bezug zu Afrika an. Das war wieder ein toller, lustiger Tag heute.
16. Juli 2022 - Hourtin Plage nach Lacanau Ocean
Wenn wir schon mal in einem 5-Sterne Camping mit toller Badelandschaft sind, nützen wir die erlaubte Aufenthaltszeit bis 12.00 Uhr auch aus. So können sich die Kinder nochmals auf den Rutschen austoben, bevor es dann wieder in die Fahrradkleider geht. Wir starten somit erst gegen 12.15 Uhr bei gemeldeten sonnigen 39 Grad weiter Richtung Süden, eingebettet zwischen dem Atlantik und dem Hourtin-See. Im lichten Wald gehts leicht auf und ab, die Grillen zirpen lautstark und wir schwitzen. Gegen 13.45 Uhr machen wir an einem Tisch Halt und machen uns ein paar Hot-Dogs. Um die Region Carcans-Plage stehen wir dann plötzlich vor gesperrten Fahrradwegen, gem. dem Schild aufgrund der aktuellen Hitze bzw. der damit verbundenen Feuergefahr. So nehmen wir für die restlichen 10 km zum Campingplatz "Les jardin du littoral" die Nebenstrasse, vom See haben wir auf unserer Route heute nichts gesehen. Gegen 15.30 Uhr erreichen wir den Campingplatz und der Fahrradcomputer unserer Tochter verrät uns, dass wir mittlerweile total bereits über 400 km zurück gelegt haben. Beim Einchecken erfahren wir, dass es bloss 50 km südlich von uns, bei den Pyla Dünen sowie weiter östlich 2 Waldbrände gibt. Das ist der Grund weshalb die Fahrradwege gesperrt wurden. Zur Zeit wissen wir noch nicht was dies konkret für uns bedeutet, bei aktuell 39 Grad im Schatten sind wir gerade etwas erschöpft durch die Hitze und erholen uns zunächst mal im Schatten mit frischen Getränken. Wir sind froh hat es hier wieder einen kleinen Pool wo wir uns etwas abkühlen können. Für Morgen Sonntag haben wir wieder einen Ruhetag geplant, dann müssen wir uns genauer mit den Waldbränden auseinandersetzen.
17. + 18. Juli 2022 - 2 Ruhetage
Die Waldbrände sind bei allen Tourenfahrer das Hauptgesprächsthema. Wie wir hörten mussten diverse Campingplätze südliche von Bordeaux evakuiert werden, das ganze Gebiet rund um die Pyla Dünen, wo wir eigentlich die letzten 3 Uebernachtungen unserer Fahrradtour reserviert haben, ist geschlossen. Da die Fahrradwege meistens durch Waldgebiet führen, sind auch alle Fahrradwege Richtung Norden und Süden gesperrt. Wie lange dies wohl noch nötig sein wird? Zumindest die Wetterprognosen lassen kaum Hoffnung auf rasche Besserung zu, denn zu den heutigen 41 Grad sind morgen Montag, wo wir eigentlich weiter fahren möchten sogar 44 Grad gemeldet. Am Morgen gehen wir deshalb im Atlantik baden, danach ins schöne Städtchen Lacanau-Ocean. Allerdings ist es am Nachmittag draussen kaum noch aushaltbar, so verbringen wir die meiste Zeit in den gekühlten Läden. Der Wetterdienst Meteo France verhängte heute Nachmittag für fast die komplette französische Atlantikküste und weitere westliche Gebiete die höchste Hitze-Warnstufe Rot. Gleich neben dem Campingplatz befindet sich ein Helikopter-Standort, hier herrscht reger Betrieb, wohl ebenfalls wegen den Bränden. Wir entscheiden uns aufgrund der Brände und der morgigen Hitze nochmals einen weiteren Ruhetag zu machen und sind froh dass die Verlängerung auf dem Campingplatz klappt. Zudem haben wir kurz vor Mitternacht unseren weiteren Tourenverlauf bestimmt und die entsprechenden Uebernachtungsorte reserviert.
Den zweiten Ruhetag (Montag) verbringen wir zunächst am See in Lacanau. Wir sind froh sind zumindest die Fahrradwege zwischen dem See und dem Atlantik (Ost-West) offen. Es herrschen heute stärkere Winde aus Süd-Osten und so nehmen wir im Verlaufe des Nachmittags erstmals eine Verfärbung des Himmels wahr, welche eindeutig vom Brand herrührt. Ob wir mit unserer morgigen Fahrt weiter in den Süden wohl richtig entschieden haben? Am späten Nachmittag machen wir uns dann nochmals Richtung Atlantik auf, denn ev. ist dies ja unserer letzter Aufenthalt am grossen Ozean. Wir geniessen das Baden und auch die spezielle Stimmung mit den grossen Wellen, den vielen Surfern und Wasserhungrigen sehr. Lacanau-Ocean ist ein touristisches, aber sehr gemüthliches Städtchen wo man durchaus auch ein paar Tage länger bleiben könnte. Nachdem wir unseren Rekord-Hitzetag dank ganz viel Wasser- und Schattenzeit gut überstanden haben, gehen wir am späten Abend noch in den Pool beim Campingplatz, so dass wir am selben Tag einen 3-Gewässer-Badeplausch (See, Atlantik, Pool) erleben durften. In diesem Ort hier haben wir, bzw. vor allem die Kinder, erstmals fiese Mückenstiche eingehandelt, wahrscheindlich durch Sandmücken / Sandfliegen durch das Herumtollen am Strand. Die nächtliche Hitze und von Juckreiz geplagte Kinder auf engem Raum lassen die Schlafqualität drastisch sinken, aber da müssen wir irgendwie durch.
19. Juli 2022 - Lacanau Ocean nach Ares
Heute sind 15 Grad weniger gemeldet, wir verfrieren fast. Nein natürlich sind 28 Grad weiterhin ausreichend warm und wir sehr dankbar über diese angenehmen Fahrradtemperaturen. Um 10.15 Uhr führen wir unsere etwas ins Stocken geratene Fahrradtour fort. Unser heutiges Ziel ist Ares, am nördlichen Arcachon-Becken. Zunächst führt unser Weg noch auf dem offenen Fahrradweg ostwärts nach Lacanau am See, dort treffen wir unsere Schweizer Freunde Beni & Sarah, welche mit ihrem Sohn im Fahrradanhänger ebenfalls an der Atlantikküste unterwegs sind. Bis Porge müssen wir dann meistens auf die Hauptstrasse ausweichen, weshalb unser Jüngster heute nur am Follow-me angehängt sein wird. Um 14.45 Uhr nach 38 km erreichen wir die Ortschaft Ares und den Camping Canadienne, wo wir morgen erneut einen Ruhetag machen werden.
20. Juli 2022 - Ruhetag
In der Nacht habe ich tatsächlich erstmals ein paar Regentropfen auf das Zelt prasseln gehört. Ob ich nur geträumt habe? Viel Regen war es aber sicher nicht. Die Kids leiden weiterhin unter dem starken Juckreiz der Insektenstiche, meistens beginnt dies erst wenn man Schlafen bzw. zur Ruhe kommen sollte oder mitten in der Naccht. So erlebten wir wieder alle eine etwas unruhigere Nacht, denn während 3 Personen längs liegen, liegt 1 Kind jeweils quer am Zeltrand, so haben wir alle knapp aber ausreichend Platz zum Schlafen. Wir fahren heute nochmals nach Ares, geniessen dann aber vor allem auch das Baden im Pool und nachdem gestern auf dem Campingplatz für die Kinder ein Pony-Eselreiten angeboten wurde, können sie sich heute im Klettern ausprobieren. Zudem sind nun hier auch noch ein paar andere Kinder welche auf Fahrradtour sind sowie ein paar Schweizer Teenager, wodurch sich ein gemeinsames Fussballspielen ergibt. Da sich unsere Fahrradtour dem Ende zuneigt, verteilen wir noch 3 WC-Rollen sowie ein angefangenes Campinggas an andere Gäste. Ein letztes mal kochen wir unser Mittag- und Abendessen (Suppe, Spaghetti) und es folgt bereits die letzte Nacht im Zelt. Da uns abgeraten wurde, die eigentlich geplante Strasse D106 Richtung Bordeaux zu nehmen (dies ist eine 2 spurige Schnellstrasse), folgt morgen nochmals eine grössere Etappe von mehr als 50 km zum Flughafen. Wir hoffen, dass dies auf den normalen Autorstrassen gut gelingen wird.
21. Juli 2022 - Ares nach Bordeaux Flughafen
Um die 2 spurige Schnellstrasse D106 meiden zu können, fahren wir wieder 12 km nordwärts zurück nach Le Porge, wo wir beim gleichen Bäcker wie vor 2 Tagen wieder eine Pause einlegen um etwas zu essen. Ab hier fahren wir nun unterhalten von Musik und teilweise singend ostwärts auf der Strasse D107 Richtung Flughafen. Wir sind positiv überrascht und dankbar über diese sehr angenehmen, eher verkehrsarme Strasse welche zudem mit einem ausreichend grossen Velostreifen versehen ist. So kommen wir in gutem Tempo sehr rasch voran, so dass wir bis 13.30 Uhr schon beinahe 50 km gefahren sind und eigentlich fast am Ziel. Doch da wir nicht wissen, obs beim reservierten Hotel noch etwas zu essen gibt, machen wir kurz vor Etappenende noch eine Essenspause in einem Restaurant, bevor wir die restlichen und schlussendlich letzten 5 km unserer diesjährigen Fahrradtour angehen. Bereits um 14.45 Uhr haben wir nach 53 km unser Ziel erreicht. Nach einer kurzen Erholungsphase beschliessen wir dann aber, nochmals die Fahrräder zu nehmen und den nahen Zoo zu besuchen. Dies beschert uns dann nochmals 2 x 7 km zusätzlich, was uns dann inkl. Spaziergang im Zoo gegen 18.30 Uhr nach total 67 Velokilometern alle recht erschöpft zurück im Hotel ankommen lässt. Nun ist die Familien-Fahrradtour 2022 also bereits wieder zu Ende. Wir sind sehr dankbar, sind wir alle gesund und pannenfrei geblieben. Die Velodyssee ist eine Reise wert, gerade auch für Familien!
Frankreich 2022 (Atlantik)
Mit eingepackten Fahrrädern und vielen Taschen machen wir uns auf zum Flughafen
Die 1.Etappe führt uns von Nantes nach Bourgneuf-en-Retz an die Atlantikküste
unsere erste Mittagsraststätte
Wir freuen uns auf die Velodyssée entlang des Atlantiks
Bretonische Sümpfe beim kleinen Fischerhafen bei Collet
Ebbe - definitiv kein Badestrand in Bourgneuf-en-Retz, dafür ein Campingplatz mit Pool und Rutschen :-)
Wir sind gespannt auf die Route der EuroVelo 1 (Velodyssée)
5 Etappen fahren wir im sehr schönen Département Vendée südwärts
Ein erstes Highlight steht an: Die Passage von Gois
Die 4,2 km lange Strasse verbindet bei Ebbe das Festland mit der Insel Noirmoutier
So ein Glück - die Strasse ist nämlich bei Niedrigwasser nur + / - 90 min passierbar
Auf der Insel führt ein schöner Fahrradweg südwärts
Nach 2 Etappen gönnen wir uns am schönen "Plage de la Tonnelle" einen ersten Ruhetag
Die Route führt uns nach St-Jean-de-Monts
Wir gönnen uns eine Fahrt und geniessen die Aussicht
Wunderschöne Felsenlandschaften nach St-Hilaire-de-Riez
Die Route bis Brem-sur-Mer bietet überaus viel Atlantikblicke
Es folgt die Etappe nach Talmont-St-Hilaire
einfach nur traumhaft...
Die Stadt "Les Sables d'Olonne"
der Fahrradweg verläuft weiterhin in wunderbarer Natur
Abendspaziergang mit anschliessender spontanen Abkühlung im Wasser
unsere Route am 09.07. nach L'Aiguillon-sur-Mer
Ruhetag und Waschtag nach total bereits über 200 km auf dem Fahrradsattel
Fahrt nach "La Rochelle", erstmals mit teilweise deutlich spürbarem Gegenwind (ostwärts)
Sonnenblumen- und Lavendelfelder entdeckten wir immer mal wieder auf unserer Tour
Typische Bilder bei Ebbe, wir sind nun im Department "Charente Maritime"
Wir erreichen die sehenswerte Stadt "La Rochelle"
Nach einer kurzen Zug-Strecke führt die Tour am 12.07. in Rochefort weiter
Fahrt über die Brücke mit Blick auf die "Charente"
Auch hier wieder ein sehr schöner Routenverlauf der Velodyssée
Bei dieser Landschaft und dem tollen Wetter können wir gut lachen
Typisches Bild auf den Campingplätzen vor dem Pool
Route nach Soulac-sur-mer am Französischen Nationalfeiertag
Wege führen regelmässig von der Fahrradroute zu den Dünen und dem Atlantik
Leuchtturm "La Cubre" in Tremblade
Immer wieder ziehren Fischerhäuschen die Küste
Leuchtturm von 1938 in St-Palais-sur-mer
In Royan bringt uns die Fähre in die Region Gironde
die Strecke führt zunächst entlang der alten Eisenbahnlinie
Die Freiheitsstatue in Miniatur
Während unserer Tour erlebten wir durchwegs sonniges, sehr heisses Wetter
Camping Municipial du Gurp in Soulac-sur-mer
Oft im Wald führt uns die nächste Etappe nach Hourtin Plage
Unser einziger 5-Sterne Campingplatz mit toller Badelandschaft
Nochmals eine eher kurze Route nach Lacanau Ocean
Aufgrund der 2 Waldbrände in der Gironde machen wir hier 2 Ruhetage und planen unsere restliche Route um
Surfer-Hotspot mit tollem Strand und schönem touristisches Städtchen
Nach 2 Ruhetagen gehts weiter südwärts zum Arcachon Becken
Aufgrund der höchsten Alarmstufe sind nun aber praktisch alle Fahrradwege gesperrt
Küste bei Ebbe in der Ortschaft Ares
Unsere letzte Etappe führt uns am 21.07. abseits der gesperrten Fahrradwege zum Flughafen Bordeaux
Nach 18 Tagen und 554 km auf 2 Rädern enden hier unsere Ferien an der Atlantikküste