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Künstlername: Leônidas
Kompletter Name: Leônidas da Silva
Geburtsdatum: 06/09/1913 † 24/01/2004
Geboren in: Rio de Janeiro
Position: Sturm
Vereine:
1942 bis 1951: FC São Paulo (SP)
1937 bis 1942: Flamengo (RJ)
1935 bis 1937: Botafogo (RJ)
1933 bis 1933: Penarol Montevideo (URU)
WM-Einsätze Seleção:
WM 1938 Frankreich
Spiele für die Seleção: 15
Tore für die Seleção: 16
São Paulo, 24.01.2004 – „Der zweitgrösste Fussballer in der Geschichte der brasilianischen Nationalmannschaft, Leónidas da Silva, verstarb am Nachmittag dieses Samstags in dem kleinen Städtchen Cotia (Bundesstaat São Paulo) im Alter von neunzig Jahren als Opfer der Alzheimer Krankheit. Leónidas, der zwischen 1940 und 1950 auf dem Höhepunkt seiner Karriere gewesen ist, wird von vielen Sportberichterstattern als einer der besten Fussballer der Welt und aller Zeiten bezeichnet, der lediglich hinter unserem König Pelé zurücksteht. Bekannt unter den Spitznamen „Diamante Negro“ (Schwarzer Diamant) – wegen dem unvergleichlichen Glanz seines Fussballspiels, und „Homem de Borracha“ (Gummi-Mann) – wegen seiner unglaublichen Akrobatik, die er auf dem Spielfeld präsentierte – wurde der kranke Leónidas seit nunmehr zehn Jahren vom São Paulo Fussballclub finanziell unterstützt, aus Dankbarkeit für seinen unvergessenen Einsatz, dem es zu verdanken ist, dass aus dem „Tricolor“ ein bedeutender Club geworden ist. Die Alzheimer Krankheit, die auch den amerikanischen Ex-Präsidenten Ronald Reagan befallen hat, löscht und vermischt die Erinnerungen des Kranken“.
Leónidas wurde am 06. September 1913 im Stadtteil São Cristóvao von Rio de Janeiro geboren und fing an Fussball zu spielen, als dieser noch nicht zu den professionellen Sportdisziplinen gehörte. Der „Diamant“ spielte seine ersten Partien am Anfang der 30er Jahre beim Club Bonsucesso, in Rio de Janeiro, aber der Club war für einen Ballkünstler wie ihn viel zu klein. Also wechselte er zum Club Penarol in Uruguay (1933), wo gute Fussballspieler schon als Profis behandelt und vor allem auch bezahlt wurden.
Beim Club Vasco da Gama und Botafogo (beide in Rio) blieb er nur ein Jahr (und wurde mit beiden „Campião Carioca“) – bevor er sich bei Flamengo etablierte, in den er 1937 eintrat und ihn erst 1942 wieder verliess, nach der Eroberung eines weiteren staatlichen Titels (1939) und unzähligen Toren. Den bedeutendsten Wechsel in seinem Leben vollzog er im Jahr 1942, als er dem damals mittelmässigen Club São Paulo beitrat. Gleich im ersten Jahr von Leónidas Vorstellung brachte der so genannte „Tricolor“ mit seiner tatkräftigen Hilfe das Kunststück fertig, „die Münze auf ihren Rand zu stellen“, wie man in Brasilien sagt: der Club wurde „Campião Paulista“ und unterbrach damit die Hegemonie der Clubs Palmeiras und Corinthians, die sich damit brüsteten, dass in dem Spiel „Kopf oder Zahl“ der Titel nur dann an São Paulo fallen würde, wenn die es fertig brächten „die Münze auf ihren Rand fallen zu lassen“ – und sie fiel und stand auf ihrem Rand – dank des neuen Ballkünstlers im Club São Paulo.
Durch und mit Leónidas entwickelte sich der „Tricolor“ zu einem grossen Team. Die „Dampfwalze“, wie man fortan das Team respektvoll nannte, hatte noch andere Cracks: zum Beispiel einen „King“ im Tor, einen „Sastre“ im Mittelfeld und einen „Texeirinha“ im Sturm – und die Jungs wurden noch ganze fünf Mal „Campião Paulista“: 1943, 1944, 1946, 1948 und 1949. Am Ende seiner Karriere angekommen – im Jahr 1950 – versuchte sich Leónidas noch als Trainer desselben Clubs und später als Sport-Kommentator im Rundfunk.
Innerhalb der brasilianischen Nationalmannschaft hat Leónidas die Weltmeisterschaft von 1934 in Italien bestritten – als er ein einziges, den Pfosten streifendes, Tor schoss – und die Weltmeisterschaft von 1938 in Frankreich – als er mit acht Toren zum besten Torschützen der Begegnung avancierte, und seine Mannschaft den dritten Platz in der Weltrangliste holte. Das Publikum und die brasilianische Presse beschuldigten den Nationaltrainer Adhemar Pimenta damals eines schweren Fehlers: weil er Leónidas im Halbfinale gegen Italien nicht eingesetzt habe, einer Partie, die Brasilien dann 1:2 verlor. Mit ihm im Spielfeld, so garantierten viele, wäre die Geschichte damals anders ausgegangen.
Eine andere Kuriosität im Zusammenhang mit Leónidas innerhalb der Nationalelf: Er hat einen imposanten Mittelwert von einem Tor pro Begegnung aufgestellt (in 38 Spielen 38 Tore). Und das in einer Zeit, als Brasilien nur ab und zu dabei war! Unvergessliche Momente waren solche, in denen Leónidas seine berühmten Rückzieher praktizierte – die nennt man in Brasilien „Bicicletas“ (Fahrräder). Ein solcher Rückzieher von ihm wurde auf einem bekannten Foto verewigt: Leónidas mit dem Tricolor-Hemd, in der Luft schwebend, schiesst rückwärts aufs Tor, und der gegnerische Torwart, ausser sich vor Angst, versucht vergeblich seinen Schuss zu parieren. Leónidas behauptete allerdings stets, das nicht er der Erfinder diese Tricks gewesen sei, er zog es vor, ihn seinem Zeitgenossen Petronilho de Brito zuzuschreiben, der damals bei San Lorenzo de Almagro in Argentinien spielte und der Bruder von Waldemar de Brito gewesen ist, dem Entdecker von Pelé.
Leónidas war ein Mittelstürmer, der sich zu winden und dem Gegner zu entgleiten verstand, ein trickreicher, dahin tänzelnder Spieler, wie die Sambatänzer der berühmten Estácio-Schule – der grösste Fussballer seiner Zeit. Verehrt und vergöttert, das erste grosse Fussballidol Brasiliens, von dem sogar diejenigen gehört hatten, die sich aus Fussball nichts machten. Er war eine von den drei bekanntesten Persönlichkeiten Brasiliens – zusammen mit dem Präsidenten Getúlio Vargas und dem Sänger Sílvio Caldas, dem „König der Stimme“. Noch während seiner Anfangszeit hatte Leónidas eine Affäre mit Elizete Cardoso, der „Divina“, aber der Vater der Sängerin wollte keinen Fussballer als Schwiegersohn und verbot seiner Tochter die Fortsetzung dieser Liaison.
Trotz seines unbestrittenen Ruhmes hat Leónidas keinen Cent für die Übernahme seines Spitznamens für die heute noch in Brasilien bekannte Schokoladenmarke „Diamante Negro“ erhalten – der clevere Unternehmer hat sie damals als „Marke ihm zu Ehren“ erklärt und so die „Royalties“ an Leónidas eingespart. Überhaupt hat Leónidas mit dem Fussball vergleichsweise nur wenig Geld verdient. Wenn er in der heutigen Zeit spielen würde, was würde man ihm dann wohl zahlen müssen, in einer Zeit, in der ein Ronaldo USD 25 Millionen pro Jahr in Madrid verdient?
Jetzt bleibt nur die Erinnerung derer, die ihn persönlich spielen sahen, einen wahren Künstler am Ball mit einer so seltenen Technik und einem solch brillanten Spiel, dass man ihn mit einem Diamanten verglichen hat – so agil, dass er für die Zuschauer aus Gummi zu bestehen schien. Schade, dass man die Zeit nicht auch wie ein Stück Gummi strecken kann – denn dann würde manch einer sich wünschen, noch einmal einen Leónidas auf dem Spielfeld bewundern zu können – den ersten brasilianischen Fussballspieler, der seinem Land einen Platz in der Weltrangliste gesichert hat.