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Elemente
Deutsche
Mundarten, die eigenartigen, verschiedenen Sprechweisen innerhalb des deutschen Sprachgebietes. Im
weitern
Sinne
gehören hierher die sprachlichen Eigenheiten der verschiedenen
Stände, wie sie überall,
mehr oder minder ausgeprägt, zu
Tage liegen (z. B. Studentensprache, Offiziersjargon, Juristendeutsch, Schiffersprache,
Judendeutsch u. s. w.). Im besondern aber begreift man unter den
[* 2] die landschaftlich
verschiedenen Sprechweisen im Gegensatze zur deutschen Gemeinsprache.
Dieser Gegensatz besteht erst seit der Zeit, in der diese Gemeinsprache entstanden ist. (S.
Deutsche Sprache.)
Vordem waren alle einander gleichberechtigt, galt jede Mundart als vollberechtigtes gutes
Deutsch. Seitdem unsere Gemeinsprache
sich in immer weitern
Kreisen Geltung verschafft, nehmen in der allgemeinen Wertschätzung die
Mundarten einen niedern Rang
ein, wie sie auch vorzugsweise im Munde des sog. kleinen
Mannes fortleben. Das gilt besonders von Norddeutschland.
In Süddeutschland ist die ursprüngliche Kraft
[* 3] der Mundart weit weniger gebrochen, und auch die Gebildeten bedienen sich
ihrer noch mit Vorliebe. In Norddeutschland schämt man sich vielfach seiner als ungebildet angesehenen Mundart; in Süddeutschland
schämt man sich eher, ein sog. gutes
Deutsch zu sprechen, das man als etwas Unnatürliches, Geziertes
empfindet.
Man vergegenwärtige sich, daß unsere oft sehr verkannten
Mundarten das ehrwürdige Ergebnis einer vielhundertjährigen
Entwicklung unserer deutschen Muttersprache darstellen, keineswegs, wie man so gern behauptet, nur ein verdorbenes, im
Munde der gemeinen Leute entwürdigtes Schriftdeutsch. Das Schriftdeutsch unserer
Tage ist seinerseits ein
künstliches Kulturerzeugnis, zu dem die verschiedenartigsten
Mundarten beigesteuert haben und noch immer beisteuern. Das
sog. Schriftdeutsch wird nirgends, selbst auf der
Bühne kaum, völlig rein gesprochen, hat überhaupt nur eine ideelle Existenz.
Besonders die
Aussprache beruht überall auf der Mundart. Auch einem gebildeten
Mecklenburger, ebenso einem
Berliner,
[* 4]
Sachsen,
[* 5] Schwaben oder
Österreicher, wenn er auch ein noch so gutes
Deutsch sich zu sprechen bemüht, hört man
es an, wo seine
Wiege gestanden hat.
Die beruhen auf einer Differenzierung, wie sie im Laufe der Zeit innerhalb jeder größern sprachlichen Gemeinschaft mit Naturnotwendigkeit eintreten muß, und die parallel geht mit den andern, überall verschiedenen Gewohnheiten und Äußerungen des menschlichen Geistes. Wie die Sitte, der Geschmack, das Temperament, der Volkscharakter u. s. w. im Norden [* 6] anders ist als im Süden, im Osten anders als im Westen, so auch die Sprache. [* 7] Alle diese Unterschiede gehen in sehr alte Zeit zurück, in eine Zeit, in welcher es noch keine deutsche Nation gab, sondern in welcher der Schwabe sich nur als Schwabe, der Thüringer sich nur als Thüringer fühlte, keiner aber als Deutscher.
Die ältesten und zugleich auch die wesentlichsten Besonderheiten der beruhen auf der einstmals abgeschlossenen Stellung der deutschen Stämme. Man hat früher geglaubt, die mundartlichen Eigenheiten seien auf die Natur, Klima [* 8] und Boden zurückzuführen: der Schweizer habe sein rauhes, kratzendes ch von der rauhen Gebirgsluft. Derartige Einflüsse sind nicht nachzuweisen. Auch der Holländer an der See spricht so ein rauhes ch. Vielmehr liegt die Sache so: kein Mensch spricht von Hause aus genau so wie der andere. Überall da, wo sich eine Gruppe von Menschen zu einer engern Verkehrseinheit ¶
forlaufend
zusammenschließt, bilden sich auch in der Sprache gemeinsame Eigentümlichkeiten aus. Das sehen wir heute noch z. B. an der Studentensprache, an dem preuß. Offiziersjargon oder an der Gaunersprache. In der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends n. Chr. entstanden die großen Volksstämme, aus denen die deutsche Nation erwachsen ist. (S. Deutsches Volk.) Jeder Stamm war ein Volk für sich. Der Einzelne fühlte sich nur als Stammesgenosse, fühlte sich im schroffsten Gegensatz zu dem Angehörigen eines andern Stammes.
Verkehrseinheit und folglich sprachlicher Austausch bestand nur zwischen den Gauen ein und desselben Stammes. Es bestanden im ersten Jahrtausend n. Chr. überall scharfe Stammesgrenzen, die zu Sprachgrenzen wurden, und dieselben sind zum Teil heutigentags noch nicht verwischt. Die fränk.-schwäb. Grenze im nördl. Württemberg [* 10] wird, so schreibt 1884 ein Landeskind, «nicht bloß durch die Mundart markiert, sondern auch durch eine merkliche gegenseitige Abneigung zwischen den Franken und Schwaben, sofern heute noch Heiraten herüber und hinüber zu den Seltenheiten gehören. Der eine wie der andere fühlt sich nur in dem Hause behaglich, wo er seine Mundart, seine gewohnte Lebensweise und Sitte wiederfindet. Wo nun solche Unterschiede und Gegensätze in den socialen Anschauungen, in der Lebensweise und im ganzen Typus des Volksstammes mit dem Sprachunterschiede zusammentreffen, da wird man wohl das Recht, von einer Sprachgrenze zu reden, nicht bestreiten wollen.» Auf solchen alten Stammeseinheiten beruhen die Hauptgruppen der bis auf den heutigen Tag.
Noch heute scheiden wir wie vor 1½ Jahrtausenden Bayrisch, Schwäbisch-Alamannisch, Fränkisch, Thüringisch und Sächsisch
(d. h. Niedersächsisch, s. d.). Die Grenzen
[* 11] haben
sich seit den Zeiten Chlodwigs nicht erheblich verschoben. Die Unterschiede dieser
Mundarten waren in
ältester Zeit nicht so bedeutend. Je längere Zeit ein Stamm in seiner Besonderheit und Abgeschlossenheit sich gehalten hat,
um so mehr sind die sprachlichen Abweichungen dem Nachbarstamme gegenüber verschärft worden.
Innerhalb jeder dieser großen Gruppen hat es nun stets kleinere gegeben. Jeder Stamm zerfiel wieder in kleinere Stämme, deren jeder wiederum für sich ziemlich abgeschlossen lebte und eine besondere, kleinere sprachliche Gemeinschaft bildete. Aus der schwäb.-alamann. Gruppe sondert sich noch heute das Schwäbische als eine eigene Mundart aus, entsprechend der alten Stammeseinheit der Schwaben. Dem Bayrischen gehört das Oberpfälzische als eine selbständige Mundart an. Die ripuarischen und die salischen Franken i. Niederfranken) sind mundartlich scharf voneinander geschieden.
Der Stamm der Niedersachsen setzte sich aus den Nordalbingiern, Westfalen,
[* 12] Engern und Ostfalen zusammen, und die niedersächs.
Mundart zerfällt dem entsprechend noch heute in eine nördliche (deren Umfang sich freilich erheblich vergrößert hat),
eine westfälische, engrische und ostfälische; die Grenzen der letztern drei sind jene alten Stammesgrenzen. Innerhalb derartiger
kleinerer
Mundarten hat es stets wiederum mundartliche Besonderheiten gegeben, die im Laufe der Zeit erheblich größer geworden
sind.
Zum Teil richten sich solche nach polit. Verwaltungseinheiten, wenn diese von Dauer gewesen sind. Z. B. zerfällt die Mundart des Elsaß in die des Nordgau und die des Sundgau. Oder die alte Grafschaft Henneberg bildet innerhalb des Ostfränkischen eine Mundart für sich. Zum Teil war ein natürliches Verkehrshindernis, z. B. ein Moor oder ein Gebirge, der Grund, weshalb der Verkehr und somit der sprachliche Austausch von hüben nach drüben ein verhältnismäßig geringer war.
Dies ist z. B. bei dem Oberschwäbischen gegenüber dem Unterschwäbischen der Fall: beide
Mundarten trennt die Rauhe Alb. Auch der Gegensatz der Konfession hat in neuerer Zeit manches zur Scheidung der kleinern
Mundarten
beigetragen. So spricht der evang. Bayreuther anders als der kath. Bamberger. In nur wenigen Fällen vermögen
wir das Alter derartiger kleinerer mundartlichen Sonderungen zu bestimmen. Das können wir vor allem da, wo sprachliche Neuerungen
nur bis zu einer bestimmten Linie vorgedrungen sind, welche fortan eine Sprachgrenze bildet.
Derartige Grenzlinien pflegen zwar im großen und ganzen mit den gegebenen
Mundartengrenzen zusammenzufallen. Es giebt
aber auch viele Beispiele, wo eine durchgreifende sprachliche Neuerung bei ihrem Vordringen mitten innerhalb einer Mundart
Halt macht. Z. B. ist die Diphthongierung der alten î, û und ü̂ zu ei, au und eu (z. B.
Zît zu Zeit, Hûs zu Haus, Lü̂te zu Leute) in Thüringen von Osten her nur ungefähr bis zu einer Linie
Sangerhausen-Artern-Weimar-Ilmenau vorgedrungen, sodaß die Mundart des westl. Thüringens sich von der des östlichen abhebt.
Der gleiche Unterschied trennt das Lothringische von dem Rheinpfälzischen, das Niederhessische von der Obereder-Mundart,
das Waldecksche von dem Westengrischen und Paderbornschen, das Mindische und Calenbergische von dem südlichern Engrischen,
das nördl. und östl. Ostfälische von dem
westlichen, das Geldersche von dem Brabantischen und Holländischen.
Ungefähr seit der Mitte des ersten Jahrtausends n. Chr. ist die deutsche Sprache in die folgenden
Mundarten gespalten: Ⅰ.
Alamannisch: a. Schweizerisch (Südalamannisch), b. Elsässisch, c. Schwäbisch. Ⅱ. Langobardisch (im 9. Jahrh.
ausgestorben). Ⅲ. Bayrisch: a. Bayrisch im engern Sinne, b. Oberpfälzisch. Ⅳ. Fränkisch: a. Ostfränkisch,
b. Rheinfränkisch, c. Hessisch, deutsche Moselfränkisch (ripuar.-rheinfränk. Übergangsmundart), e. Ripuarisch,
f. Niederfränkisch. Ⅴ. Thüringisch. Ⅵ. Sächsisch i. Niedersächsisch): a.
Nordniedersächsisch, b. Westfälisch, c. Engrisch, deutsche Ostfälisch. Mit Ausnahme von Ⅰ b und Ⅳ a, b und d entspricht jede
Mundart einem besondern alten Stamme. In Rheinfranken haben sich mit den eingewanderten, herrschenden
Franken leiblich wie sprachlich Alamannen im Süden, Hessen
[* 13] im Norden gemischt; in Ostfranken Thüringer. Auch das alamann. Elsaß
hat eine Beimischung fränk. Elements. (Hierzu: Karte der deutschen
Mundarten.)
Diese
Mundarten bestanden bereits, als seit der Mitte des ersten Jahrtausends n. Chr.
eine für die deutsche Sprachgeschichte hervorragend wichtige süddeutsche Lautveränderung eine außerordentlich räumliche
Ausdehnung
[* 14] nach Norden zu gewann: die althochdeutsche Lautverschiebung. (S. Lautverschiebung und Deutsche Sprache, S. 74 a.)
Dieser Lautwandel erstreckte sich auf jedes p, t, k, b, d und g und war daher von so durchgreifender Wirkung, daß
man seitdem die in zwei Hauptgruppen einteilt: in solche, welche die Verschiebung durchgemacht haben, und solche, welche
dieselbe nicht kennen. Letztere nennt man niederdeutsche oder
¶
forlaufend
plattdeutsche, erstere hochdeutsche. (Für hochdeutsch gebrauchte man früher auch die Bezeichnung oberdeutsch.) Diese sprachliche
Trennung von Nord und Süd ist die folgenschwerste von allen sprachlichen Trennungen Deutschlands
[* 16] gewesen. Sie bewirkte, daß
man diesseits und jenseits der Sprachgrenze sich nicht mehr verstand, und brachte die Gefahr mit sich, daß die deutsche Sprache
in zwei, nicht mehr
Mundarten, sondern Sprachen zu zerfallen drohte, eine Gefahr, welche für Niederdeutschland nur durch die
Herrschaft der hochdeutschen Schriftsprache abgewendet worden, und welche für die Niederlande
[* 17] zur Wirklichkeit geworden ist.
Der Bruch wäre bei weitem größer gewesen, wenn die hochdeutsche Lautverschiebung in allen ihren Phasen gleichmäßig
durchgedrungen wäre. Das ist jedoch nicht der Fall gewesen. Vielmehr drang sie zeitlich wie räumlich Schritt für Schritt
vor. Am vollständigsten ist sie im Schwäbisch-Alamannischen und Bayrischen durchgedrungen. Beide
Mundarten fassen wir wesentlich
in diesem Sinne unter dem Namen Oberdeutsch zusammen. Hierzu hat auch das Langobardische gehört.
Dem gegenüber nennen wir Mitteldeutsch die thüring. und diejenigen fränk.
Mundarten, welche die Lautverschiebung mit durchgemacht haben, sowie die durch Mischung beider später entstandenen Mundarten
zu beiden Seiten des Erzgebirges und in der Lausitz und Schlesien.
[* 18] Es ergiebt sich also eine neue, von der nach Stämmen zum
Teil unabhängige Einteilung der in Ⅰ. Niederdeutsch, Ⅱ. Hochdeutsch: a. Mitteldeutsch, b. Oberdeutsch.
Eine scharfe Grenze zwischen Hochdeutsch und Niederdeutsch läßt sich nur zwischen Rhein und Elbe unbedingt angeben: Die von
Süden her vordringende Lautverschiebung hat genau an der sächs. Stammesgrenze Halt gemacht.
Die Grenze läuft jetzt nördlich von Siegen,
[* 19] Cassel, Heiligenstadt über den Harz und Staßfurt
[* 20] nach der
Saalemündung. (S. die Karte der deutschen
[* 21]
Mundarten.) Westlich vom Harz deckt sich die platt- und hochdeutsche Sprachgrenze
von jeher genau mit der Stammesgrenze der Sachsen gegen die Thüringer und Hessen; dabei ist der ursprünglich hessische, dann
den Sachsen botmäßige Nordzipfel von Kurhessen (nördlich von Cassel), seiner polit. Zugehörigkeit entsprechend,
niederdeutsch geblieben.
Südlich und östlich vom Harz wurde im Mittelalter auch in dem 531 den Sachsen unterworfenen altthüring. Strich nördlich der Helme [* 22] und Unstrut niederdeutsch gesprochen. Östlich von der Elbe hat sich die Grenze gleichfalls in der Neuzeit verschoben. Das ganze auf der Karte als «norddeutsch» bezeichnete Gebiet ist vormals plattdeutsch gewesen und erst allmählich unter dem Einflusse unserer Schrift- und Gemeinsprache hochdeutsch geworden. In Ostpreußen [* 23] befindet sich, wie die Karte zeigt, innerhalb des niederdeutschen Gebietes eine größere hochdeutsche Sprachinsel infolge der Einwanderung schles. Kolonisten.
Das Gebiet, welches wir als niederdeutsch bezeichnen, verdient diesen Namen uneingeschränkt nur im Mittelalter. Seitdem die hochdeutsche Schriftsprache auch die allgemeine Umgangssprache geworden ist, hat das Plattdeutsche mehr und mehr an Boden verloren. Nicht nur geographisch; eine sehr viel größere Einbuße hat es dadurch erlitten, daß die sog. höhern Stände überall sich der hochdeutschen Gemeinsprache zu bedienen anfingen und sich heute in schnell steigendem Maße bedienen.
Von den Städten ist diese Bewegung ausgegangen. Heutzutage ist sie bereits auf das Land übertragen. Innerhalb des niederdeutschen Sprachgebietes ist jetzt die große Mehrzahl der Einwohner zweisprachig, und in den größern Städten wird wohl ebensoviel, wenn nicht mehr, hochdeutsch wie plattdeutsch gesprochen. Der Einfluß der hochdeutschen Umgangssprache ist östlich der Elbe größer als westlich derselben. Am gefährdetsten ist durch die Beeinflussung von seiten Berlins das auch am stärksten von hochdeutschen Elementen durchsetzte Plattdeutsch der Provinz Brandenburg, [* 24] dessen Tage gezählt sind.
Dieses Hochdeutsch auf niederdeutschem Boden, das wir «norddeutsch» nennen, bildet seit mehr als 300 Jahren
eine selbständige Gruppe der hochdeutschen
Mundarten, parallel der mittel- und der oberdeutschen Gruppe.
Als geogr. Grenze von Hoch- und Plattdeutsch westlich von Siegen pflegt man eine Linie Siegen-Düsseldorf-Aachen anzugeben.
Thatsächlich bildet die Grenze nicht eine Linie, sondern ein breiter Gürtel,
[* 25] den die kölnische oder – greifen wir auf
den alten Stammesnamen zurück – ripuarische Mundart (s. die Karte) ausfüllt.
Die Verschiebung des alten p, t und k zwischen Vokalen zu ff (bez. f), ss und ch (althochdeutsch ff, ʒʒ und hh), z. B. in slapen, water, maken zu «schlafen», «Wasser», «machen», sowie die des anlautenden t zu z, z. B. Tid zu «Zeit», hat das Ripuarische mit dem Hochdeutschen gemeinsam, und die gewöhnliche Meinung ist es daher, daß die niederdeutsch-hochdeutsche Sprachgrenze im Westen die niederfränkisch-ripuarische sei. Aber in wichtigen andern Punkten steht das Ripuarische auf dem Standpunkte des Niederdeutschen.
Vor allem teilt es nicht die für die hochdeutschen
Mundarten charakteristische stimmlose Aussprache des
anlautenden b, d und g und des inlautenden d und g; ferner, um eine kleinere Einzelheit anzuführen, bleibt p im Auslaut und
nach r oder l unverschoben, z. B. in up «auf»,
dorp «Dorf», helpen «helfen».
Es ist sonach durchaus nicht zweifelsohne, ob das Ripuarische dem Hochdeutschen zuzuzählen ist. Am besten
bezeichnet man es als eine vermittelnde Übergangsmundart zwischen Hoch- und Niederdeutsch. Es ist ungemein bezeichnend, daß
die Lautverschiebung in allen Einzelfällen an der sächs. Stammesgrenze zum Stehen gekommen
ist und nirgends diese Grenze überschritten hat.
In dem großen Gebiete der fränk.
Mundarten lag die Sache anders. Die einzelnen fränk.
Mundarten waren nicht so scharf voneinander gesondert, wie das Sächsische es von dem Fränkischen war. So konnte eine sprachliche
Bewegung, wie die Lautverschiebung, einem der fränk. Stämme nach dem andern sich mitteilen, und die Kraft dieser Bewegung,
die eine begrenzte war, konnte allmählich auf fränk. Boden erlahmen, sodaß die südlichern und östl.
Mundarten die Verschiebung in größerm Umfange haben als die nördlichern und westlichen.
Auch das Moselfränkische kennt nicht die Verschiebung des d zwischen Vokalen zu t, z. B. in «Leute», sowie die des auslautenden t zu s in «das» und «was». Das Rheinfränkisch-Hessische hat anlautendes p und inlautendes mp und pp unverschoben erhalten, z. B. Pund «Pfund», Strimpe «Strümpfe», Keppe «Köpfe». Die Mundarten östlich des Thüringerwaldes stehen im großen und ganzen auf der Lautstufe des Ostfränkischen. Die oberdeutschen Mundarten unterscheiden sich hinsichtlich der Lautverschiebung seit alters von den mitteldeutschen 1) dadurch, daß inlautendes b und g zwischen Vokalen (z. B. in «ich ¶