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Herausgegeben von Christopher Ricks und Jim McCue. London: Faber & Faber, 2015.
Band 2 der Werkausgabe mit Textgeschichte und Anmerkungen enthält neben den Practical Cats also Further Verses, was vor allem Gelegenheitsgedichte meint. T. S. Eliot hat immer wieder in seine Briefen an Freunde Gedichte eingestreut. Eine Sammlung von Gedichten der Freunde zirkulierte gar als Privatdruck. Diese Gedichte sind, was Gelegenheitsgedichte halt so sind: Ad hoc entworfene Nullitätchen, mehr den Autor und den Empfänger charakterisierend als hohe Literatur darstellend. Darin aber immer wieder einmal ein Fünkchen. Bei Eliot zeigt sich dieses Fünkchen vor allem im Humor, der aus den Gelegenheitsgedichtchen blitzt. Ein Humor übrigens, der gern auch ins Skatologische oder Pornografische ausschlägt. Wenn er den englischen Plural von ‚Hyänen‘ (hyaenas – selbstverständlich verwendete Eliot die britische Schreibweise!) auf das männliche Geschlechtsorgan reimen lässt (p… [sic!]), erzielt er – gerade durch die Andeutung! – einen netten Überraschungseffekt. Ich jedenfalls konnte mir das Grinsen nicht verkneifen.
Der zweite grosse Block in den Further Verses ist T. S. Eliots Übersetzung der Anabasis von Saint-John Perse. Perses Gedichtsammlung aus dem Jahre 1924 weist in der Tat Ähnlichkeiten auf mit Eliots eigenem The Waste Land. Eine Kreuzung zwischen Moderne und Klassik, in vielem auf Rimbaud zurückgreifend, schildert das Gedicht des Franzosen eine Art Reise in das Innere des Menschen. Mit Xenophons Anabasis haben die Gedichte nur den Titel gemein. Man kennt den Franzosen Marie-René Auguste Alexis Leger (so Perses bürgerlicher Name) heute selbst in seiner Heimat kaum noch; 1960 erhielt er immerhin den Nobelpreis für Literatur. Ich konnte mich schon mit dem Original (in dieser Ausgabe jeweils links abgedruckt) nicht anfreunden, zu viel scheint mir der Autor zu ‚wollen‘. So kann ich auch wenig über die Qualität von T. S. Eliots Übersetzung sagen, die jeweils auf der rechten Seite zu finden ist.
Last but not least enthält Band 2 Old Possum’s Book of Practical Cats. Old Pussum (also eigentlich ‚altes Opossum‘) war Eliots Spitzname unter seinen Freunden. Wir finden in diesem Buch Gedichte für Kinder, voller Nonsense, zum Thema ‚Katzen‘. Eliots Nonsense, lässt einen sofort an Edward Lear oder Lewis Carroll denken: Der Dichter stellt ironisch, aber liebevoll, verschiedene Typen von Katzen vor. Eigentlich ein ‚must‘ für den Liebhaber von Katzen und Lyrik. Ich weiss nicht, wie viele Zuschauer des Musicals Cats, das auf Eliots Eliots Practical Cats beruht, diese Gedichte überhaupt kennen. (Ich weiss auch nicht, wie nahe das Musical an Old Possum’s Book of Practical Cats überhaupt ist – ich kenne es nämlich nur vom Hören-Sagen bzw. von ein oder zwei Liedern, die mein Radiosender hin und wieder bringt. Diese Lieder zumindest kann ich mit nichts in Verbindung bringen, das ich in Old Possum’s Book of Practical Cats gelesen habe.)
Summa summarum: Auch Band 2 der Gedichte T. S. Eliots in dieser kommentierten Ausgabe ist spannend und informativ. Gelegenheitsgedichte sind wohl eher für den Aficionado (was ich bei Eliot nicht bin), aber zusammen mit dem ersten Band gehört diese Ausgabe in den Bücherschrank eines jeden Lyrik-Liebhabers. Eine herausgeberische und philologische Meisterleistung von Christopher Ricks, Jim McCue und dem Verlag Faber & Faber.