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San Antonio Breast Cancer Symposium 2004
Am SABCS 2004, der weltweit grössten Konferenz für Ärzte und Wissenschafter, die sich mit Brustkrebsbehandlung und Forschung befassen, wurden erneut innovative und teils provozierende Daten von internationalen Experten vorgetragen. Neueste Studiendaten zu Aromatasehemmern werden voraussichtlich zu einem Umdenken bei der adjuvanten Brustkrebstherapie führen. Verschiedenste Abstracts zu neoadjuvanten Therapien zeigten den Vorteil dieser Behandlungsmethoden gegenüber konventionelleren Regimen. Insbesondere Taxane in Kombination mit anderen Chemotherapeutika führten zu längerem Gesamtüberleben und längerem rezidivfreiem Überleben.

San Antonio Breast Cancer Symposium 2004

Hier eine Zusammenfassung der Highlights:
Anastrozol löst Tamoxifen ab
Anastrozol schützt die Hormonrezeptor positiven (HR+) Frauen besser vor Rezidiven als Tamoxifen und ist sicherer und nebenwirkungsärmer. Dies zeigten die Resultate der ATAC-Studie (Anastrozol, Tamoxifen, alleine oder in Kombination) bei postmenopausalen Frauen mit Mammakarzinom in einem Frühstadium. 9’366 Patientinnen nahmen an der Studie teil. Frühere Resultate mit 33- und 47-monatigem Verlauf, wurden mit den Aktuellen mit durchschnittlich 5-jährigem Follow-up bekräftigt. Die Patientinnen des Anastrozolarms waren signifikant länger krankheits- und rückfallsfrei als die Patientinnen des Tamoxifenarms. Das Gesamtüberleben wurde im Anastrozolarm im Vergleich mit dem Tamoxifenarm nicht signifikant verlängert. Dr. Howell meinte jedoch, dass sich ein Vorteil für Anastrozol im Verlauf der nächsten Jahre erweisen kann.
Die gemeinsame Auswertung der ABCSG-Studie-8 und der ARNO-95-Studie zeigte ausserdem, dass postmenopausale Patientinnen mit hormonsensitivem frühen Mammakarzinom vom Wechsel der adjuvanten Hormontherapie – Ablösung des Tamoxifens nach 2 Jahren mit Anastrozol – profitieren. Die krankheitsfreie Zeit, das Rezidivintervall, konnte bei diesen Patientinnen signifikant verlängert werden.
3’123 Patientinnen nahmen an den Studien teil. Die Patientinnen wiesen mehrheitlich einen kleinen Tumor auf (70% T1) und waren Lymphknoten negativ. 1’563 wurden in die Switchgruppe (2 Jahre Tamoxifen/3 Jahre Anastrozol) und 1’560 in die Tamoxifengruppe (5 Jahre) randomisiert. Die Patientinnen der Switchgruppe profitierten signifikant von der 3-jährigen Anastrozoltherapie im Vergleich zu denen der Tamoxifengruppe. Die rückfallsfreie Zeit (lokoregionale Metastasen, Fernmetastasen, kontralateraler Brusttumor) wurde signifikant verlängert. Das Nebenwirkungsprofil war in beiden Gruppen gleich.
Aufgrund dieser erfreulichen Studienresultate scheint sich ein Therapiewechsel abzuzeichnen. Brustkrebspatientinnen sollten in Zukunft vom neuen Regime profitieren können. Die Referenten empfehlen deshalb Hormonrezeptor positive Frauen eher mit Anastrozol zu behandeln und eine bestehende Tamoxifentherapie nach 2-jährigem Verlauf auf Anastrozol umzustellen.
MRI-Screening bei Hochrisikopatientinnen
Dr. Ellen Warner fokussierte das Thema auf die Mamma-CA-Prävention bei Hochrisikopatientinnen. Ca. 1% der Frauen tragen das Risiko einer BRCA1- oder BRCA2-Mutation. Bei diesen Frauen beträgt die Wahrscheinlichkeit ein Mamma-CA zu entwickeln 80%, ein Screening wird ab dem 25. Lebensjahr empfohlen. Die jährliche Mammographie und die klinische Untersuchung erfassen aber nur ca. 50% der Karzinome, und die meist in einem relativ späten Stadium. Das MRI und die Sonographie werden weniger stark von der Brustgewebsdichte beeinflusst, weshalb die Sensitivität und Spezifität dieser Untersuchungen analysiert wurde. 437 Frauen (318 mit Mutationen) wurden bis dato in die Breast-Surveillance-Studie eingeschlossen (jährliche MRI, US und Mammographie). Das MRI war für die Brustkrebsdiagnostik am sensitivsten. 30 Karzinome wurden mit dem MRI, 11 mit der Mammographie und nur 2 mit dem US entdeckt. 3 DCIS (Ductales Carcinoma in situ) wurden nur mit dem MRI diagnostiziert.
Frau Warner kam zum Schluss, dass das jährliche Mammographiescreening ab dem 25. Lebensjahr zu wenig effektiv ist um den Brustkrebs in einem frühen Stadium entdecken zu können. Sie empfahl deshalb bei Hochrisikopatientinnen ein jährliches MRI-Screening durchzuführen, da es viel sensitiver ist und das Karzinom in einem viel früheren Stadium gefunden werden kann. Die Überlebenschance der Patientin kann dadurch verbessert und die Mortalität massiv gesenkt werden kann.
Adjuvante Chemotherapie: Resultate der PACS-01-Studie
Das neue Therapieregime 3FEC100-3Docetaxel verbesserte bei Frauen mit unilateralem, Lymphknoten positiven Brustkrebs das krankheitsfreie 5-Jahres-Überleben signifikant um 17% und auch das Gesamtüberleben im Vergleich mit dem 6FEC100-Regime. Diese Studienresultate könnten gemäss Dr. Roché dazu führen, dass neue Behandlungsstandards eingeführt werden. Das übliche in Frankreich eingesetzte und auch wirksame Standardregime wird in Zukunft wohl der Kombination 3FEC100-Docetaxel weichen. Dies gelte zumindest für die älteren Frauen über 50 Jahre.
1’999 Patientinnen mit operablem Lymphknoten positiven Brustkrebs wurden in die Studie eingeschlossen. Sie wurden in zwei Therapiearme randomisiert, entweder in den Standardarm mit 6 Zyklen FEC100 (Fluorouracil Epirubicin, Cyclophosphamid) oder in den Docetaxelarm mit 3 Zyklen FEC100 gefolgt von 3 Zyklen Docetaxel. Nach dem 5-jährigen Verlauf waren signifikant mehr Patientinnen im Docetaxelarm rezidivfrei (78.3% vs. 73.2%, p = 0.041) und es bestand eine 23% höhere Überlebensrate. Die sequentielle Docetaxeltherapie war nebenwirkungsarm und weniger kardiotoxisch als die Standardtherapie. Bei der Subgruppenanalyse zeigte sich, dass vor allem die über 50-jährigen Patientinnen signifikant stärker vom Docetaxelregime profitierten, und die Anzahl infiltrierter Lymphknoten den Outcome ebenfalls beeinflusst.
Neoadjuvante Chemotherapien
Ein grosser Tumor (> 3 cm Durchmesser) wird bereits vor der Operation behandelt (neoadjuvante Chemotherapie) in der Hoffnung, dass eine Tumorverkleinerung resultiert und somit brusterhaltend operiert werden kann. Verschiedene Posters erläuterten die Sicherheit und Wirksamkeit der diversen Chemotherapeutika und hormonellen Agentien.
Trastuzumab in Kombination mit Capecitabin ist z.B. effektiv beim metastasierenden Brustkrebs. Patientinnen mit Anthrazyklin- und Taxan-refraktärem metastasierenden Brustkrebs profitieren von der palliativen Chemotherapie mit Capecitabin oder der sequentiellen Kombinationstherapie Capecitabin/Vinorelbin hinsichtlich der Gesamtüberlebenszeit. Capecitabin ist nebenwirkungsarm, bewirkt eine Schmerzreduktion und stabilisiert oder verbessert auch die Lebensqualität. Dies ist nur eine kleine Auswahl neoadjuvanter Therapien bei einer riesigen Palette von Abstracts zum Thema.
Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (SNB)
Die NSABP-B-32-Studie ist die grösste prospektive Studie, welche die SNB als Alternative zur Standard AND (Axilläre Lymphknotendissektion) in klinisch Lymphknoten-negativen Patientinnen untersuchte. Untersucht wurde, ob die SNB zu gleichen Resultaten führt wie die AND. Die ersten Resultate fielen positiv aus. Bei 2’583 Patientinnen, die sofort nach SNB einer Lymphknotendissektion unterzogen wurden, war die falsch negative Rate für SNB 9.7%, wo hingegen die Biopsie eine Genauigkeit von 97.2% erreichte. Bei den 2’627 Patienten mit intraoperativer Zytologie betrug die Genauigkeit der «touch-prep» Analyse mit H&E-Färbung 89.9% mit einer falsch negativen Rate von 38.5%. 26% der Patienten beider Gruppen waren SNB positiv. Bei 61.5% der SNB positiven Patienten war der Sentinelknoten der einzige positive Lymphknoten.
Dr. Kissin, der über die ALMANAC-Studie sprach, erwähnte, dass die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie mit einer reduzierten Arm- und Schultermorbidität assoziiert wird im Vergleich zur Standard-AND. Bis 83% der Patientinnen mit AND leiden in den ersten 3 postoperativen Monaten an Armbeschwerden, bei 79% persistieren diese Beschwerden sogar 18 Monate. Die Patientinnen mit SNB litten viel weniger häufig an postoperativen Beschwerden. Dr. Kissin unterstrich in seinen Schlussfolgerungen denn auch, dass die SNB zur Standard-Lymphknotendiagnostik avancieren sollte bei Lymphknoten-negativen Brustkrebspatientinnen.
Die Lebensqualität der Brustkrebspatientinnen wird durch die SNB ebenfalls verbessert. Was die betroffenen Frauen schon lange spürten, wird nun in der ALMANAC-Studie festgehalten. Die SNB verkürzt die Hospitalisation, reduziert die postoperativen Drains von 79% (AND) auf 17% (SNB) und ermöglicht eine vollumfängliche Rückkehr zur normalen Aktivität bei 96% der SNB-Patientinnen nach 6 Monaten (AND 93%). Die Resultate der ALMANAC-Studie sind so überzeugend, dass in Grossbritannien die Brustchirurgen in der SNB-Technik unterwiesen und
trainiert werden.
Dr. med. Susanne Schnorf-Huber, Mediscope Knowledge Center.
Mediscope
04.04.2005 - dde