Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03650.jsonl.gz/242

Um 1880 wurden auch in den Städten der Schweiz vor allem Plakate mit politischem Inhalt aufgehängt. Da sich rivalisierende Parteien gegenseitig Plakate überklebten und einander mit immer neuen übertrumpfen wollten, erliessen die Behörden Gesetze zum Plakataushang auf öffentlichem Grund.
Als der gelernte Buchhändler, Drucker von Flugblättern und Revolutionszeitungen Ernst Litfass 1855 den Berliner Polizeipräsidenten um Erlaubnis bat, öffentliche Plakatsäulen aufstellen zu dürfen, versprach er, so die Wildplakatflut an den Bäumen einzudämmen. Es war die Geburt der bis heute weit verbreiteten Litfasssäule. Das kunstvolle Aufhängen von Plakaten erreichte in der Schweiz zur Zeit des Dadaismus um 1917 nochmals eine Hochblüte, vor allem in der Dada-Hochburg Zürich.
In der Schweiz
Über 50 Jahre später wurde mit dem Aufkommen von Fotokopiergeräten das Kleinplakat für jedermann realisierbar. Schnell und günstig konnten Mitteilungen, Werbebotschaften, politische Inhalte und Einladungen zu kulturellen Anlässen vervielfältigt werden. So wurde DIN A3 zum weitverbreiteten Kleinplakatformat. Später wurde durch fallende Papierpreise und die steigende Nachfrage nach Drucksachen der Offsetdruck immer günstiger. Nun konnten mit kleinen Budgets auch höhere Auflagen und grössere Formate gedruckt werden.
Während sich in den meisten Nachbarländern das Format DIN A1 durchsetzte, wurde hierzulande DIN A2 (ca. 42 x 60 cm) zum Standard für Wildplakate: gross genug, um gut wahrgenommen zu werden klein genug, um fast überall platzierbar zu sein.
In der Schweiz besteht gegen jeden freien marktwirtschaftlichen Grundsatz ein Quasi-Monopol bei Plakatstellen auf öffentlichem Grund. Eine einzige Plakatfirma beherrscht die Grossplakat-Landschaft. In Verträgen, welche zum Teil vor fast 100 Jahren mit verschiedenen Gemeinden abgeschlossen wurden, sicherte sich eine Firma grosse Vorrechte beim Aushang auf öffentlichem Grund. Durch feste Beziehungen der Plakatfirma zur politischen Elite konnten diese Pachtverträge regelmässig verlängert werden. Sie garantieren heute noch massive Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Plakatfirmen, die sich beim Aushang weitgehend auf den Privatgrund beschränken müssen.
Durch die Quasi-Monopol-Situation kann eine Plakatfirma in der Schweiz die Preise weitgehend diktieren. So kosten Grossplakat-Flächen in der Schweiz das Fünf- bis Zwanzigfache des Preises von Nachbarländern. Mehrere hundert bis über tausend Franken pro Plakat und Woche können sich gutverdienende Firmen leisten, kleine Firmen oder Kulturveranstalter können solche Preise nicht bezahlen.
Umsomehr gewinnt der freie Plakataushang bei kleinen Budgets an Bedeutung. Weil unabhängige Plakateure die Plakate meistens nicht auf gemieteten Flächen platzieren und wegen der Mechanismen, die zwischen den Plakatfirmen stattfinden, spielt der freie Markt und drückt so auf die Preise. Dies ist einer der Gründe wieso dieses Werbemedium erschwinglich ist.
Für viele Kulturveranstalter, Clubs, Konzertlokale, Festivals und Theaterhäuser sind Wildplakate die einzige finanziell vertretbare Möglichkeit, um auf ihre Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Auch etablierte Kulturinstitutionen nutzen dieses Werbemedium regelmässig, um ihre Säle zu füllen.
Die
PROPAGANDA Zürich AG
Die
Firma PROPAGANDA plakatiert seit 1977 in der Stadt Zürich. Der Gründer
Sandro Galli hat als Kulturmanager über 22 Jahre eigenhändig
Plakate aufgehängt und Flyer verteilt. Von der hohen Strassenpräsenz
seiner Plakate beeindruckt, wurden bald einige Kulturinstitute auf seine
Werbemedien aufmerksam. Was damals als Einmannbetrieb begonnen hatte,
sollte später zur Erfolgsgeschichte werden. Ab 1980 wurden neben
den Plakaten regelmässig Flyer verteilt. Ab 1986 wurden die Distributionen
auf alle Städte der Schweiz ausgedehnt. 1994 war das eigentliche
Boomjahr für die Firma, welche nun namhafte Kulturveranstalter wie
das Kaufleuten, Rote Fabrik und Schauspielhaus als regelmässige Kunden
bediente. 1995 konnten Keyplayers der Musikbranche, internationale Labels,
und 1997 all grossen Filmverleiher als Auftraggeber dazu gewonnen werden.
Dies zementierte den Durchbruch der Propaganda, welche unterdessen auch
im Bereich Promotionen und weiteren Sonderwerbeformen sich einen Namen
gemacht hatte.
|Plakatkampagne in eigener Sache 1994|