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http://www.pratteln.ch/de/porakt/tourismus/sehenswuerdigkeiten/welcome.php?action=showobject&object_id=8987
02.04.2020 17:22:22

|Beschreibung|
An der Peripherie des Weinbergs gelegen diente das Rebhäuschen noch bis in die fünfziger Jahre dem «Bamert», dem Feld- und Rebenwart, als «Bamerthäuschen».
Heute verwendet es der Rebbauernverein für Besprechungen und Sitzungen. Entsprechend ist das Häuschen in den achtziger Jahren einer gründlichen Renovation unterzogen worden.
Noch ist aber das Geheimnis, warum dieses Häuschen den Anspruch stellen kann, unter die «historischen Merkwürdigkeiten» eingeordnet zu werden, nicht gelüftet. Eine Inschrift auf der dorfwärts gerichteten Nordseite verrät es: «Die erkenfte Freiheit im Jahre 1832 HST» heisst es da sehr selbstbewusst. Und wer es nicht nur mit Buchstaben und Jahreszahlen halten möchte, wird auch graphisch darin bestärkt, dass das «Bamerthäuschen» zur Zeit der Trennungswirren erbaut worden sein muss.
Zwei schlanke, den Schriftzug beidseitig flankierende Tannen-Freiheitsbäume beweisen es. Auf Kantonsgebiet gibt es kein anderes Gebäude, das mit einer bildlichen Darstellung von Freiheitsbäumen aufwarten könnte. Dabei spielen doch Freiheitsbäume in der Baselbieter Tradition mindestens seit Januar 1798, als unmittelbar vor dem Einmarsch der Franzosen in Liestal, ein «Tännlin» am Spitalbrunnen angebunden wurde, eine grosse Rolle.
Mit seinem aufgesetzten «Freyheits-Käpplin», einer Jakobinermütze, verriet das aus Frankreich importierte Symbol unmissverständlich seine politische Herkunft und Botschaft. Dem Freiheitsbaum als revolutionärem Symbol hielt das Baselbiet über die Franzosenzeit Treue. Im Zeichen der Pariser Juli-Revolution von 1830 und der liberalen Volksbewegung trat er zur Zeit der Trennungswirren gehäuft auf, aber auch später blieb er unvergessen.
Als man 1844 in Basel gleichzeitig das Jubiläum der Schlacht von St. Jakob und das eidgenössische Schützenfest feierte, da sprudelte beispielsweise aus einem wohl nicht ganz zufällig vor den Toren Basels in Pratteln errichteten Freiheitsbaum «in starkem Born reines, geistiges Schweizerblut». 1932 feierte Liestal das 100jährige Bestehen des Kantons mit einer 26mhohen Freiheitstanne. Am Ende der Feier wurde der Baum zerlegt: Bessere Stücke dienten zur Erneuerung des Rathaussaals, kleinere Scheiben wurden als Erinnerungsstücke verschenkt.
Den vorläufig letzten Freiheitsbaum sah Liestal 1975 vor dem Regierungsgebäude: Er war Symbol des Widerstandes gegen das Atomkraftwerk Kaiseraugst und verdeutlichte die von
13000 Bürgern und Bürgerinnen unterschriebene Anti-AKW-Petition.
Quelle: Heimatkunde Pratteln, Arbeitsgruppe Heimatkunde Pratteln, Liestal: Verlag des Kantons Basel-Landschaft, 2003.
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