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Von einer Herzinsuffizienz spricht man, wenn die kardiale Auswurfleistung nicht mehr ausreicht, um das vom Körper benötigte sauerstoffreiche Blut zu fördern. Als Folge kommt es zur Sauerstoff- und Nährstoffmangelversorgung. Dabei ist das "schwache Herz", wie es umgangssprachlich genannt wird, keinesfalls nur eine Alterserscheinung, auch wenn Menschen im höheren Lebensalter durchschnittlich häufiger davon betroffen sind.
Eine besondere Gefahr der Herzinsuffizienz stellt der in den meisten Fällen schleichende Verlauf dar – anfängliche Warnsignale wie Atemnot bei Belastung, schnellere Ermüdung oder geschwollene Beine werden meist Wetterlage und Stress oder auch dem Alter zugeschrieben. Hierbei ist der Patient in seinem alltäglichen Leben noch nicht stark beeinträchtigt. Erst im späteren Verlauf, wenn die Beschwerdesymptomatik deutlich zunimmt, wird der Arzt aufgesucht, der dann oft eine Herzinsuffizienz im schon fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.
Eine Herzinsuffizienz kann etwa als Folge einer Herzmuskelentzündung beim Menschen auftreten.
Linksherz-, Rechtsherz- und Globalinsuffizienz
Eine Herzinsuffizienz betrifft meist nur eine Herzhälfte. Je nachdem, ob die linke oder rechte Hälfte betroffen ist, spricht man von einer Links- oder einer Rechtsherzinsuffizienz.
- Die Linksherzinsuffizienz ist durch einen Rückstau des Blutes in die Lungengefäße gekennzeichnet. Durch den dadurch entstehenden Druck auf die Gefäße kann Wasser in die Lungen gepresst werden, welches sich dort ansammelt. Folglich kann es zu Atemnot und Husten, in schwerwiegenderen Fällen sogar zum Lungenödem kommen.
- Bei einer Rechtsherzinsuffizienz staut sich das Blut zurück bis in die Körpervenen; durch den erhöhten venösen Druck kommt es zu Wassereinlagerungen (Ödemen) in Gewebe, aber auch im Bereich der Peripherie – hier besonders im Knöchelbereich der Füße.
- Die Globalherzinsuffizienz weist Symptomatik der Links- als auch Rechtsherzinsuffizienz auf.
Stadium der Herzinsuffizienz
Die Einteilung in Stadien der Herzinsuffizient erfolgt nach Klassifizierung der New York Heart Association.
Die Schwere der Herzinsuffizienz wird in insgesamt vier NYHA-Stadien eingeteilt. Dabei ist ausschlaggebend, in wie weit der Patient durch seine Erkrankung in seinem täglichen Leben eingeschränkt ist, unabhängig von seiner echokardiographisch dokumentierten Auswurfleistung.
Stadien:
- NYHA-Stadium I
- NYHA-Stadium II
- NYHA-Stadium III
- NYHA-Stadium IV
Das NYHA-Stadium I beinhaltet Patienten, die trotz nachgewiesener Herzinsuffizienz keine körperliche Einschränkung erleben. Der Patient ist sowohl in Ruhe als auch bei alltäglicher körperlicher Belastung beschwerdefrei und klagt nicht über Atemnot oder pektanginöse Beschwerden. Weiters liegen im Stadium 1 noch keine Herzrhythmusstörungen vor.
Im NYHA-Stadium II sind Patienten in Ruhe noch beschwerdefrei, allerdings liegt bei körperlicher Belastung bereits eine leichte Einschränkung vor. Am häufigsten klagen Patienten dieser Gruppe über Atemnot bei Belastung, belastungsabhängiger, aber stabiler Angina pectoris sowie Rhythmusstörungen.
Patienten im NYHA-Stadium III erleben bereits eine deutliche Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit, da bereits bei leichter körperlicher Belastung deutliche Symptome wie Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen oder Luftnot auftreten. In Ruhe ist diese Patientengruppe noch weitgehend beschwerdefrei.
Das NYHA-Stadium IV beschreibt das Endstadium einer Herzinsuffizienz. Beschwerden treten bereits ohne körperliche Belastung auf. Patienten dieser Gruppe sind aufgrund der Atemnot nicht mehr in der Lage, selbstständig mobil zu sein. Dieses Stadium ist weiters gekennzeichnet durch vermehrte, auch schwerwiegende Rhythmusstörungen und instabiler Angina pectoris.
Symptome und Anzeichen
Als Hauptsymptom macht sich eine verstärkte Atemnot bemerkbar – während diese anfangs nur bei körperlicher Belastung auftritt, kommt es im fortgeschrittenen Stadium auch bereits in Ruhe zu Dyspnoe.
Nächtlicher Husten kann ebenfalls ein Warnsignal für eine vorliegende Herzinsuffizienz sein. Der Hustenreiz soll dazu dienen, Wasser in der Lunge auszuhusten und somit hinauszubefördern. Dieser Husten wird oftmals als „Asthma cardiale“ bezeichnet.
Charakteristisch für eine Herzinsuffizienz ist, dass sich die Atemnot im Liegen verstärkt – Patienten können daher oft nur noch mit erhöhtem Oberkörper schlafen. Ursächlich für die nächtliche Atemnot sind Wassereinlagerungen, die sich vor allem in den Lungen ansammeln – diese machen sich auskultatorisch durch brodelnde Atemgeräusche bemerkbar.
Die schwerwiegendste Form einer Herzinsuffizienz ist der kardiale Schock – dieser ist gekennzeichnet durch schwerste Atemnot, Vigilanzeintrübung, Kaltschweißigkeit sowie hämodynamischer Instabilität. Hier sind eine umgehende intensivmedizinische Stabilisierung und Therapie erforderlich.
Diagnose
Am Beginn der Diagnostik steht die Anamneseerhebung mit dem Arzt. Dieser wird den Patienten nach genauer Symptomatik und Auftreten befragen. Weiters spielt hier die Familienanamnese eine wichtige Rolle – sind in der Familie bereits gehäuft Fälle von Herzinsuffizienz dokumentiert oder ist ein naher Verwandter jung eines plötzlichen Herztodes verstorben, besteht auch die Möglichkeit einer genetischen Erkrankung.
Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung können erste Anzeichen wie Beinödeme erkannt werden.
Die Basisdiagnostik besteht aus Echokardiographie und Ergometrie. Im Rahmen einer Ergometrie wird der Patient einem kardialen Belastungstest unterzogen – hierbei kann festgestellt werden, ob unter körperlicher Belastung Rhythmusstörungen oder pathologische EKG-Veränderungen auftreten. Ist dies der Fall, besteht die Möglichkeit einer Erkrankung bzw. Verengung der Herzkranzgefäße, welche weiter invasiv abgeklärt werden sollte, beispielsweise mit einer Koronarangiographie.
Die Echokardiographie (Herzultraschall) erlaubt eine schmerzfreie Beurteilung der Herzanatomie. Hier werden Herzmuskelfunktion, Herzklappen und Herzkammern eingesehen. Der wichtigste Marker für die Erkennung einer Herzinsuffizienz ist hierbei die Auswurffraktion (EF), gemessen nach der Teichholz-Methodik. Bei Herzgesunden sollte dieser Wert über 55 % liegen. Bei einer dokumentierten Auswurfleistung von ≥54 % spricht man von einer leichten Herzinsuffizienz, ab 30 % kann diese als hochgradig eingestuft werden.
Behandlung und Therapie
Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass eine Herzinsuffizienz nicht geheilt, sondern nur in ihrem Verlauf gebremst werden kann. Eine wichtige Rolle hierbei spielt die medikamentöse Herzinsuffizienztherapie, bestehend aus Diuretika, ACE-Hemmer und Betablocker. Diese werden je nach Verträglichkeit bis zur Zieldosis hochtitriert.
Liegt die Ursache in einer Herzgefäßverengung, kann mittels Koronarangiographie ein Stent in das betroffene Gefäß gesetzt werden, welcher das Lumen vergrößert und somit wieder einen ausreichenden Blutdurchfluss gewährleistet. Ist die Gefäßerkrankung zu komplex bzw. einer Versorgung mittels PCI und Stent nicht zugänglich, besteht die Möglichkeit einer Bypassoperation.
Patienten, die eine erblich bedingte Herzschwäche aufweisen, können von einer kardialen Resynchronisationstherapie mittels implantierbarem ICD-CRT profitieren.
Als Ultima Ratio besteht die Möglichkeit einer Herztransplantation, welche aufgrund der Komplexität des Eingriffes und des hohen Risikos aber gründlich überlegt werden sollte.
Für fachkundige Informationen sollten Sie sich unbedingt direkt an einen Arzt wenden! Alle Angaben und Informationen sind ohne Gewähr.