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Kaiserstadt Speyer
Speyer ist eine historisch
und kulturell bedeutende Stadt am Oberrhein. Als römische Gründung vor
mehr als 5000 Jahren eine der ältesten Städte Deutschlands, hiess sie
Noviomagus oder Civitas Nemetum (Hauptstadt der germanischen Nemeter)
und wurde als Spira um 600 Zentrum des Speyergaues. Im Mittelalter war
Speyer als freie Reichsstadt eine der bedeutendsten Städte des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation. Zwischen 1816 und 1945 Sitz der
bayrischen Verwaltung der Pfalz, gehört Speyer heute als kreisfreie
Stadt zu Rheinland-Pfalz und hat gut 50.000 Einwohner.
Weithin bekannt ist Speyer durch seinen Kaiser- und Mariendom. Er ist
die weltweit grösste noch erhaltene romanische Kirche und zählt seit
1981 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Der salische Kaiser Konrad
II. gründete um 1030 den Bau mit dem Ziel, die grösste Kirche des
Abendlandes zu bauen.
Eine Legende berichtet, Konrad habe in aller Frühe den Grundstein zum
Kloster Limburg (bei Bad Dürkheim) gelegt, sei dann mit seiner Gemahlin
Gisela und seinem Gefolge nach Speyer geritten, um dort den Grundstein
zum Dom sowie zum Stift Sankt Johannes zu legen. Um die für den Bau
benötigte Menge von Stein und Holz nach Speyer zu bringen, wurde extra
ein Kanal vom Pfälzerwald zum Rhein gebaut. Mit diesem Kanal könnte die
Verlagerung des Speyerbachs gemeint sein, der spätestens im Mittelalter
zur Versorgung Speyers um einige Kilometer nach Süden verschoben wurde.
Als Errichtungsort wurde bewusst ein Sporn gewählt. Dieser war vom
Untergrund her trocken und aus Festgestein. Dass der Dom auf sumpfigen
Boden schwimme, ist geologisch nicht nachweisbar.
Weder Konrad II. noch sein
Sohn Heinrich III. erlebten den Abschluss der Arbeiten. Erst unter dem
Enkel Heinrich IV. wurde der Bau im Jahr 1061 eingeweiht. In der
Forschung wird dieser Bauabschnitt als Speyer I bezeichnet. Der Bau
umfasste einen Westbau, ein dreischiffiges Langhaus mit anschließendem
Querhaus. Der Chor war schon damals flankiert von zwei Türmen. Die
ursprüngliche Apsis trat nach aussen hin rechteckig in Erscheinung, war
innen jedoch gerundet. Das Mittelschiff des Langhauses besass eine
flache Decke, die Seitenschiffe jedoch wurden eingewölbt - es entstand
der erste nachantike grosse Gewölbebau (abgesehen von der Aachener
Pfalzkapelle) nördlich der Alpen.
Knapp 20 Jahre nach der Vollendung von Speyer I liess Heinrich IV. den
Dom zur Hälfte einreissen, um ihn noch grösser wieder aufzubauen: Im
Mittelschiff wurde die Decke abgetragen, der Bau wurde um fünf Meter
erhöht. Statt der flachen Holzdecke entstand das größte Kreuzgratgewölbe
im damaligen Reichsgebiet, auch der Wandaufriss erfuhr entscheidende
Veränderungen. Im Ostteil wurde der Bau bis auf die Fundamente
abgetragen und auf bis zu acht Metern starken Fundamenten neu gegründet.
Es blieben lediglich die unteren Geschosse der Chorflankentürme, sowie
Teile des Querhauses erhalten. Die Krypta von Speyer I blieb nahezu
unberührt.
Stadtsiegel von 1293 mit
Dom
Im Todesjahr Heinrichs IV., 1106, war der neue Dom fertig gestellt: Mit
einer Länge von 444 römischen Fuss (134 Meter) und einer Breite von 111
römischen Fuss (43 Meter) war er eines der grössten Bauwerke seiner
Zeit. In der Länge übertraf den Speyerer Dom die Abteikirche von Cluny
mit ihrer Vorkirche, der umbaute Raum jedoch ist beim Speyrer Dom mit
über 40.000 Kubikmetern grösser. Diese Veränderungen unter Heinrich IV.
sind in der Forschung als Speyer II bekannt, wobei im heutigen Bau
zwischen Bauteilen von Speyer I und Speyer II unterschieden wird.
Speyer zählte damals nur rund 500 Einwohner. Es hatte wohl
machtpolitische Gründe, dass Kaiser Heinrich IV. einen derart grossen
Bau in dem nach heutigen Massstäben winzigen Städtchen bauen ließ. Die
römischen Kaiser hatten nicht nur weltliche, sondern auch kirchliche
Macht. Der daraus resultierende Konflikt mit dem damals gerade
erstarkten Papsttum kulminierte sodann im Investiturstreit zwischen
Heinrich IV. und Papst Gregor VII. Die Grösse und Pracht des Speyerer
Doms unterstrich neben dem politischen insbesondere den religiösen
Machtanspruch des Kaisers.
Fotoalbum Speyer und Kaiser Dom