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Der Klimawandel trifft die Schweiz und damit auch den Kanton Aargau voraussichtlich überdurchschnittlich stark – mit entsprechenden Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Die negativen Folgen werden gegenüber den positiven langfristig klar überwiegen.
Klimaverlauf im Aargau
Die bodennahe Lufttemperatur in der Schweiz hat in den letzten 150 Jahren um etwa 2 Grad Celsius zugenommen. Diese Erwärmung ist deutlich stärker als im globalen Durchschnitt (0,9 Grad Celsius). Seit den 1980er-Jahren erwärmte sich das Klima rasant, auch im Kanton Aargau, wie die folgende Grafik, welche die Temperaturveränderung in der Nordschweiz zeigt.
Zudem zeigen Analysen für die Schweiz folgende Entwicklungen:
- Beim mittleren Jahresniederschlag kam es schon immer zu grossen jährlichen Schwankungen. Hier sind – bisher – kaum Veränderungen feststellbar. Allerdings ändert sich die Niederschlagsverteilung, Starkniederschläge häufen sich.
- Insbesondere im Mittelland nimmt die Anzahl der Sommer- und Hitzetage stark zu.
- Die Anzahl Frosttage hat seit den 1960er-Jahren deutlich abgenommen.
- Die Nullgradgrenze im Winter ist seit den 1960er-Jahren um circa 300 Meter gestiegen.
Auswirkungen des Klimawandels
Als typischer Mittellandkanton stehen im Aargau folgende Auswirkungen des Klimawandels im Vordergrund, auf die reagiert werden muss.
Grössere Hitzebelastung
Die zunehmende Sommerhitze macht sich vor allem in städtisch geprägten Gebieten unangenehm bemerkbar. Und hier wohnt, arbeitet und erholt sich rund 85 Prozent der Aargauer Bevölkerung. In stark bebauten Siedlungsgebieten steigen die Temperaturen im Vergleich zum Umland künftig besonders an. Die vergrösserte Oberfläche durch Häuser, Mauern und Strassen kann mehr Sonneneinstrahlung einfangen. Asphalt, Beton und Stein speichern zudem diese Wärmeenergie besonders gut und geben sie nur sehr langsam wieder ab. Man spricht auch von einem Wärmeinsel-Effekt. Die zunehmende Hitze kann sich auf die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung auswirken. Besonders gefährdet sind alte und pflegebedürftige Personen, sowie Säuglinge. Die Hitzebelastung am Arbeitsplatz kann zudem die Leistungsfähigkeit verringern und sich so auf die Wirtschaft auswirken.
Zunehmende Trockenheit
Künftig muss im Aargau häufiger mit tiefen Wasserständen in Flüssen und Bächen gerechnet werden. Das verbleibende Wasser ist zudem oft zu warm, was das Überleben von Fischen und anderen Wasserlebewesen gefärdet. Wasserentnahmen für die notwendige Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen können problematisch werden. Der Wassermangel kann in der Landwirtschaft zu Ernteeinbussen führen.
Steigendes Hochwasserrisiko
Veränderungen der Lebensräume und der Tier- und Pflanzenwelt
Durch veränderte Standortbedingungen, wie beispielsweise mehr Trockenheit und erhöhte Wassertemperatur in Feuchtgebieten und Gewässer, können bereits heute seltene Tier- und Pflanzenarten ihre Lebensgrundlage verlieren. Für feuchte und nasse Lebensgemeinschaften trägt der Aargau "als Wasserkanton" eine besondere Verantwortung. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität sind komplex und machen sich nur langsam bemerkbar. Neben "Verliererarten" kann es aber auch "Gewinner" geben. So können Tier- und Pflanzenarten vom Klimawandel profitieren und andere verdrängen.
Fallstudie zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Kanton Aargau
Mit einer ersten Fallstudie hat das BAFU (2013) am Beispiel des Kantons Aargau die Auswirkungen des Klimawandels auf das schweizerische Mittelland untersucht. Die quantitativen und qualitativen Ergebnisse zeigen, dass die negativen Auswirkungen im Kanton Aargau in den Bereichen Gesundheit und Biodiversität besonders relevant sind.