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Wenn wir – wie in der Raumfahrt – viel Energie brauchen, die auf einem sehr kleinen Platz gespeichert werden muss, dann ist Antimaterie die ideale Wahl. Kein Material im Universum hat eine grössere Energiedichte. Antimaterie hat das Potential, die systemweite Raumfahrt schnell und vergleichsweise billig zu machen.
Es gibt keinen (bekannten) Stoff im Universum, der eine höhere Energiedichte hat als Materie bzw. Antimaterie. Wenn also der Platz begrenzt und die benötigten Energien gross sind, dann ist Antimaterie die richtige Wahl. So würden wenige Milligramm Antimaterie reichen, um Menschen in 45 Tagen zum Mars (und in etwas längeren Zeiträumen zu jedem anderen Punkt im Sonnensystem) und zurück zu befördern.
Da Antimaterie aber nicht in grossen Mengen in der Natur vorkommt, muss sie erst hergestellt werden: dafür sind grosse Mengen an Energie nötig – Mengen, die den maximalen späteren Energiegewinn deutlich übertreffen. Antimaterie ist deshalb auch der teuerste denkbare Stoff: ein Gramm Anti-Wasserstoff dürfte mit den heutigen Produktionskapazitäten etwa 20 Trillionen Dollar kosten (europäische Trillionen…). Einige optimistische Forscher glauben, dass es möglich sein könnte, diesen Preis auf “nur” gerade 25 Milliarden Dollar pro Gramm (25 Millionen pro Milligramm) zu drücken, in dem spezielle Antimaterie-Fabriken gebaut werden.
Selbst wenn sich diese Pläne als realisierbar herausstellen, gibt es eine Menge Probleme zu überwinden, bis das erste Anitmaterie-Raumschiff aufbrechen kann.
So ist zum Beispiel die Lagerung von Antimaterie alles andere als einfach: das Lagergut darf natürlich nicht mit den Wänden des Lagerungsbehälters in Berührung kommen, denn dieser besteht aus normaler Materie, und ein Kontakt würde die gesamte Energie aufs Mal freisetzen: da würde man sich nicht wünschen, an Bord zu sein… Deshalb schliesst man Antimaterie für gewöhnlich in magnetischen Flaschen ein: man lässt sie im ionisierten Zustand, so dass die geladenen Antimaterie-Teilchen von Magnetfeldern davon abgehalten werden können, die Wand zu berühren. Nur dummerweise lassen sich geladene Teilchen nicht sehr dicht aneinander packen, da sie sich abstossen.
Ein weiteres Problem sind die Gammastrahlen, die bei der Zerstrahlung von Materie und Antimaterie entstehen: sie sind für Menschen äusserst gefährlich und müssen aufwändig abgeschirmt werden.
Die Entwicklung im Bereich der Antimaterieforschung zum Einsatz in Raumschiff-Antrieben geht rasant voran. Allerdings fokussiert man sich neuerdings auf den Einsatz von Positron-Elektron-Zerstrahlungen, statt sich auf den komplizierteren Anti-Wasserstoff zu beschränken. Positronen sind einfacher und billiger herzustellen und möglicherweise auch einfacher zu lagern, da sie sich dichter packen lassen. Zudem sind die entstehenden Gamma-Strahlen weniger energiereich, so dass die Abschirmung geringer ausfallen kann. Nach einem neuren Konzept wird die freiwerdende Energie genutzt, um einen Treibstoff (vorzugsweise Wasserstoff) zu heizen und dann mit hoher Geschwindigkeit aus einer Düse auszustossen. Alternativ könnte die Antimaterie dazu genutzt werden, um eine Flüssigkeit aufzuheizen, die dann ihrerseits einen Generator antreibt – etwa für einen elektrischen Antrieb oder für Energie an Bord des Raumschiffs.
Der Beginn der Antimaterie-Raumfahrt würde dann so aussehen, dass erst einmal unbemannte Sonden mit einem Positronen-Antrieb ausgerüstet würden: wir könnten in kürzester Zeit alle Planeten des Sonnensystems besuchen, Rover absetzen und sogar Bodenproben zurück bringen – der wertvolle Antimaterie-Treibstoff selbst würde nicht viel mehr als eine kleine unbemannte Sondenmission oder ein einziger Flug mit dem Space Shuttle kosten. Später, wenn die Erfahrung mit Antimaterie gewachsen ist und die Produktionskapazitäten vergrössert wurden (vermutlich würde der Energieverbrauch dieser Antimaterie-Fabriken allein schon den Bau von Kernfusionskraftwerken nötig machen), könnte man auch über bemannte Antimaterie-Raumschiffe nachdenken. Damit wären Rundflüge in die Mondsysteme von Jupiter und Saturn innert weniger Monate möglich – eine ferne Welt zu erforschen wäre nicht mehr viel schwieriger, als die Antarktis zu erforschen.
So gesehen, könnte Antimaterie tatsächlich das Tor zum Sonnensystem weit aufstossen.