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Die 2. European Games unter dem Patronat des Europäischen Olympischen Komitees fanden vom 21.06. bis 01.07.2019 im weissrussischen Minsk statt. Insgesamt 4000 Teilnehmer aus 50 Nationen kämpften in 20 Sportarten um Medaillen. Entgegen der 1. Austragung im Jahre 2015 in Baku (Aserbeidschan) wurden unter anderem die Sportarten Beachvolley, Karate, Mountainbike und Triathlon nicht mehr in das Programm aufgenommen.
von Caroline Christen
Um an den European Games starten zu können, legte das Schweizerische Olympische Komitee (Swiss Olympic) für jede Sportart Qualifikationslimiten fest. Bei den Ringern hiess dies, sich bei den Europameisterschaften unter den ersten Fünfzehn zu platzieren. Nicolas Christen von der Ringerriege Schattdorf musste lange zittern, bis er von Swiss Olympic die Startzusage erhielt, obschon er bei der EM genau den geforderten Limitenplatz belegte, in seiner Gewichtsklasse aber noch ein Ringer des Gaststaates und ein Ringer einer Universität startberechtigt gewesen wären.
Als einziger Urner Sportler reiste der in Rothenburg wohnende Maurer mit den zwei Teamkollegen Andreas Vetsch (Oberriet-Grabs) und Ramon Betschart (Kriessern), unter Begleitung von Nationaltrainer Alfred Ter-Mkrtyan und der Spitzensportverantwortlichen von Swiss Wrestling Federation, Monika Kurath, nach Minsk. Bereits einige Tage zuvor tat ihnen dies der Freistilringer Stefan Reichmuth (Willisau) gleich.
Fazit der Schweizer Ringer nach Abschluss der Ringerwettkämpfe: Keiner der vier Athleten kam über die erste Runde hinaus. Eine leise Enttäuschung, hatte man doch gehofft, den einen oder anderen Kampf gewinnen zu können. Es ist aber auch festzuhalten, dass die Nationen diesen olympischen Anlass nicht auf die leichte Schulter genommen haben und ein sehr starkes Starterfeld vorhanden war. Im Wissen, dass Europa im Ringen zur absoluten Weltspitze gehört, zeigt auf, wie hoch die Trauben für den Erfolg hängen.
Nicolas Christen startete in der Gewichtsklasse bis 77 kg in der ersten Runde gegen den Türken Yunus Emre Basar, seines Zeichens U23 Europameister 2016. Nach anfänglichem Abtasten belegte das so genannte Drei-Mann-Kampfgericht (es gibt auch Kampfrichterinnen) den Schweizer mit einer Passivität, was gleichbedeutend mit einem Punkt für den Gegner und das Einnehmen der Bodenlage bedeutete. Aus dieser Situation reüssierte der Türke mit einem Ausheber, welcher ihm weitere zwei Punkte einbrachte. Dank der guten Verteidigung konnte Nicolas Christen in dieser Situation eine Viererwertung verhindern, was einer Vorentscheidung gleichgekommen wäre. Vor Ablauf der ersten drei Minuten konnte Yunus Basar noch einen weiteren Punkt auf sein Konto verbuchen, indem er den Schattdorfer aus der Wettkampfzone beförderte. Beim Punktestand von 0:4 ging es in die 30 Sekunden dauernde Pause. Die zweiten drei Minuten verliefen ergebnislos: Der Türke musste nicht mehr allzu viel machen und Nicolas Christen konnte die Verteidigung nicht durchbrechen. Hierzu äusserte sich Nicolas Christen nach dem Kampf selbstkritisch: «In der zweiten Halbzeit war ich viel zu passiv. Ich habe wohl zu wenig an mich geglaubt. Daran muss ich unbedingt arbeiten.» Dazu beigetragen haben könnte die Grösse des Anlasses: «Ich habe nun schon einige Europa- und Weltmeisterschaften bestritten, teils vor tausenden von Zuschauern, so zum Beispiel an der WM in Las Vegas. Aber hier bei den European Games ist alles nochmals eine Nummer grösser. Das ganze Drumherum ist mir eingefahren, obschon wir gut auf den Wettkampf vorbereitet wurden und fokussiert waren.»
Der Gegner des Schattdorfers gewann seinen nächsten Kampf gegen den Vertreter Serbiens, bis er im Halbfinal am späteren Sieger aus Russland, dem amtierenden Weltmeister notabene, scheiterte. Hierzu eine Randbemerkung: Russland konnte sich in dieser Gewichtskategorie den Luxus erlauben, den zweifachen Olympiasieger zu Hause zu lassen, der Weltmeister sprang genauso erfolgreich in die Bresche. Durch diese Niederlage des Türken im Halbfinal war auch das vorzeitige Wettkampfende des Urners besiegelt. Dieser schaut jedoch nach vorne: «Auch wenn ich früh aus dem Rennen ausgeschieden bin, bin ich dankbar, dass ich eine Erfahrung bei einem olympischen Anlass machen konnte. Dies wird mir in Zukunft helfen, auch wieder als Sieger von der Matte gehen zu können.»
Rangliste Gewichtsklasse bis 77 kg griechisch-römischer Stil
1. Russland
2. Armenien
3. Schweden und Ungarn
5. Moldawien und Türkei
Im Greco bis 67 kg startete der Rheintaler Andreas Vetsch. Gegen den Vertreter Serbiens gab es ein vorzeitiges Kampfende zu Gunsten des Südosteuropäers mit 0:8 Punkten. Hier präsentierte sich die Rangliste wie folgt:
1. Russland
2. Georgien
3. Serbien und Weissrussland
5. Armenien und Ukraine
Im Greco bis 87 kg trat Junioren Vize-Weltmeister Ramon Betschart auf die Matte. Gegen den Vertreter Ungarns musste er eine 2:5 Punkteniederlage einstecken. Da wie bei Andreas Vetsch sein Gegner den Final nicht erreichte, blieb es auch bei ihm bei diesem einen Kampf.
Rangliste bis 87 kg:
1. Ukraine
2. Aserbeidschan
3. Polen und Ungarn
5. Weissrussland und Kroatien
Freistilringer Stefan Reichmuth startete einige Tage vor seinen Kaderkollegen des Greco-Teams. Ihm wurde ein Georgier zugelost. Der ausgeglichene Kampf sah nach Ablauf der sechs Kampfminuten den Ringer der ehemaligen Sowjetrepublik mit 3:2 Punkten als Sieger. Leider gelang es auch diesem nicht in den Final einzuziehen, was das vorzeitige Ende des Willisauers bedeutete.
Rangliste Freistil bis 86 kg:
1. Russland
2. Weissrussland
3. Deutschland und San Marino
5. Aserbeidschan und Türkei
Das nächste grosse Ziel für die Kaderringer von Swiss Wrestling Federation sind die Weltmeisterschaften von Mitte September in Nur-Sultan (ehemals Astana) in Kasachstan. Vorgängig stehen noch einige internationale Turniere und Ausland-Trainingslehrgänge auf dem Programm. Die Weltmeisterschaften sind dann die erste Qualifikationsmöglichkeit für die Olympischen Spiele von 2020 in Tokio.