Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03461.jsonl.gz/82

Zwillinge sind sie nicht. Immerhin liegen ein ganzer Kontinent (zwischen Kalifornien und New York) und 26 Tage (Geburtsdaten 29. Oktober und 24. November des Jahres 1925) zwischen ihnen. Aber sie sind Zwillinge. Nicht unbedingt, weil sie die gleichen Eltern hätten - die haben sie definitiv nicht -, sondern den gleichen Paten. Und das gleiche Gebläse. Pate: kein geringerer als The President, Lester Young, Gebläse: the Tenor Sax. 1957 gründeten die Zwillinge eine fünfköpfige Familie, ihr Quintett, dem sie dann über Jahre gleichberechtigt vorstanden bzw. vorbliesen. Auch familienintern ist der musikalische Verwandtschaftsgrad enorm: Keiner, der nicht wiederholt mit Gerry Mulligan oder Stan Getz getourt oder aufgenommen hätte. Harmonie also, wie sie selbst in der besten Familie nicht alle Tage angesagt ist. Die Familie hat manchen Ausflug unternommen, aber jener, der sie 1960 auf egal welchem Weg zu „Either Way“ ins Studio geführt hat, war einer der besonderen Art: Gewiss nicht, weil er wie gewohnt in grandiosem Einklang verlief (die Zwillinge sind bisweilen kaum auseinanderzuhören), eher schon, weil er fast durchweg in hohem bis horrendem Tempo durchgezogen wird - mit der einzigen Verschnaufpause der umso betörenderen Ballade „Autumn Leaves“. Der absolute Hammer aber ist, dass der irrigerweise völlig in Vergessenheit geratene Sänger Cecil „Kid Haffey“ Collier für diesen Ausflug adoptiert und so der Nachwelt erhalten wurde. Er scheint es gespürt zu haben: Im fantastischen Wirbel der Zwillinge liedet er dermassen relaxed daher - famos.