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Quecksilber
(frz. mercure; engl. mercury, quick-silver). Der Name bedeutet lebendiges Silber, ganz wie das lateinische Argentum vivum; nach dem Griechischen heißt es Hydrargyrum, Wassersilber, und die alten Adepten nannten es Mercurius, indem sie es mit dem am raschesten kreisenden Planeten unsres Systems in Beziehung brachten. Es spiegelt sich in allen diesen Namen die auffälligste Eigenschaft, Dünnflüssigkeit bei gewöhnlicher Temperatur, wieder, mit der es unter den Metallen allein dasteht.
Das Q. erstarrt erst bei minus 39,5° C. und wird dann zinnartig fest und kristallinisch. Das Q. war schon in sehr frühen Zeiten bekannt und wie es scheint zum Vergolden und bei der Abscheidung von Gold aus andern Stoffen benutzt. Man wußte auch, daß es im Zinnober enthalten sei und verstand es abzutreiben. Der Zinnober selbst war als Malerfarbe und bei der römischen Frauenwelt auch als Schminke ein viel gebrauchter Artikel. Die spanischen Zinnobergruben sind nach alten Schriftstellern den Griechen schon 700 Jahre vor Christo bekannt ¶
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gewesen. In der langen Periode der alten Chemie, den Zeiten der Goldmacherei und des Steins der Weisen, war das Q. einer der Stoffe, mit denen am meisten experimentiert wurde. Man betrachtete es als ein unreifes, der Erziehung fähiges Edelmetall, oder als eine Art Metallseele, die sich austreiben ließ und andern Stoffen zur Metallisierung und Veredelung einverleibt werden könne. Auch heute, wo keine Geheimnisse mehr über dem Stoffe walten und er seine gebührende Stelle als besonderes metallisches Element unter den übrigen einnimmt, ist es ein Körper von besonderm wissenschaftlichen Interesse und nicht geringer praktischer Bedeutung. -
Q. ist spärlich in abbauwürdiger Menge verbreitet. Die reichsten
Quecksilbergruben Europas hat Spanien
in Almaden, welche schon seit mehr als 2000 Jahren ausgebeutet werden und noch immer unerschöpflich erscheinen. Spanien
produziert jährlich 1,1-1,25 Mill. kg Q. An zweiter Stelle sind die österreichischen
Quecksilberwerke zu Idria in Krain
zu nennen, welche seit 1497 in Betrieb sind und jetzt jährlich etwa 300000 kg liefern, von denen ein
Drittel gleich an Ort und Stelle zu künstlichem Zinnober verarbeitet wird. Einige kleine Beiträge erhält Österreich noch
aus Böhmen (Horzowitz), aus Ungarn und Siebenbürgen. Eingegangen sind die Gruben in der bayrischen Rheinpfalz (bei Wolfstein,
am Stahlberge, am Potzberge) und die Gruben bei Olpe in Westfalen. Italien gewinnt zu Vall'alta in Venetien
und Ripa und Castellazara in Toscana Q., von welchem kleinere Mengen in den Handel gebracht werden.
Bis vor etwa 40 Jahren hatten nur die Werke von Almaden und Idria für den allgemeinen Bedarf Bedeutung und Spanien oder
vielmehr der Generalpächter des spanischen
Quecksilbers, das Haus Rothschild, beherrschte den Markt
dergestalt, daß es die Preise des unentbehrlichen Artikels um mehr als das Doppelte steigerte. Glücklicherweise entstand
bald eine wohlthätige Konkurrenz durch die Auffindung mächtiger Zinnoberlager in Kalifornien, welche schon 1855 mehr Ertrag
gaben als die spanischen und jetzt bis 2,5 Mill. kg jährlich liefern.
Dadurch sind die Preise des Metalles wieder auf ihren alten Stand zurückgegangen. Die Erschließung neuer reicher Quellen von Q. hat den größten Wert für die Vermehrung der Gold- und Silberausbeute durch Amalgamation. Früher gingen große Mengen des spanischen Metalles zur Silbergewinnung nach Mexiko und der Preis war dort 130 Dollars für 50 kg. Durch die Erschließung der kalifornischen Gruben in viel größerer Nähe ist dieser Preis jetzt auf 45 Dollar herabgebracht.
Mexiko selbst ist nicht ganz ohne Q.; es fördert jährlich auf verschiednen Gruben etwa 125000 kg, bedarf aber für seine Silberproduktion etwa 1 Mill. kg. Für die kalifornische Goldgewinnung war der gewaltige Zufluß an Q. auch von großer Bedeutung, denn durch Graben und einfaches Schlemmen ließ sich das Gold nicht mehr mit leichter Mühe erjagen; man mußte den harten, goldführenden Quarzfels selbst in Angriff nehmen, ihn brechen, pulvern und durch Amalgamation die winzigen Goldpartikel herausziehen. Ganz in gleichem Falle befand und befindet sich Australien. Erwähnung verdienen noch die Gruben zu Huancavelica in Peru, welche jährlich etwa 175000 kg Q. liefern. -
Die jetzt marktgängige Ware ist kalifornisches und spanisches Q., beide mit dem Zentraldepot London, da auch das Haus Rothschild seinen Hauptverschleiß von dort aus besorgt. Von dem österreichischen Produkt ist im deutschen Verkehr nicht die Rede; es gelangt in die Hände eines einzigen Wiener Bankhauses und man weiß nicht, welche Abzugswege es nimmt. Auch chinesisches Q. ist früher nach Europa gelangt, in dicke Bambusrohre eingeschlossen, spielt jedoch im heutigen Handel keine Rolle. Der Versandt erfolgt jetzt allgemein in eisernen cylindrischen Flaschen, verschlossen mit eisernem Schraubstöpsel und mit einem Inhalt von 70-72 engl. Pfund = 31,78-32,69 kg. Die Handelsnotizen geben in der Regel nur die Zahl der Flaschen an. Die Engrospreise schwanken je nach der Zufuhr und Spekulation öfter auf und ab; im Detail kostet das Pfund je nach der Reinheit etwa 2,8-3,5 Mk.
Das Haupterz des Q., der natürliche Zinnober, ist eine Verbindung von Q. und Schwefel; alle andern Vorkommnisse sind ohne Belang. Dieses Mineral enthält, wenn rein, in 100 Tln. 86,29% Metall, der Rest ist Schwefel. Es findet sich auf Lagern und Gängen im Schiefer-, Übergangs- und Flötzgebirge und ist unverkennbar durch seine rote Farbe und das tropfenweis anhängende gediegene Metall. Ist letzteres in größeren Mengen vorhanden, so fließt es wohl auch ab und füllt die Ritzen und Hohlräume im anstoßenden Gestein.
Dies gediegene Q., Jungfern
quecksilber, wird natürlich mit gesammelt, macht aber nur einen verschwindenden
Teil der Produktion aus. In Idria hat man neben Zinnober eine größere Menge Lebererz zur Verfügung; dieses ist Zinnober
im Gemenge mit Thon und bituminösen Stoffen und sieht dunkelrot, schwärzlich oder bleigrau aus. Der natürliche Zinnober
kommt kristallisiert in Rhomboedern und sechsseitigen Prismen, in Platten und derben kleinkörnigen bis
dichten Massen vor, ist spaltbar, in Kristallen halb durchsichtig, diamantglänzend, kochenille- oder scharlachrot.
Die reinsten Stücke von schönster Färbung werden ausgesucht und als Bergzinnober in den Handel gebracht, teils roh als Stückzinnober, teils ein-, zwei-, dreimal gemahlen und noch weiter nach Güte und Farbabstufungen sortiert. Der meiste Zinnober ist jedoch Kunstprodukt (s. unten), da er sich als solches in größerer Feinheit und Farbenschönheit in beliebigen Mengen darstellen läßt, während schöne natürliche Stücke nicht so häufig sind, daß sie den Bedarf decken könnten. Ordinärer roter Zinnober wird daher in Menge auf Metall verarbeitet und gestattet das leichteste Ausbringen, wogegen unreinere Erze erst gepocht, geschieden und gewaschen werden müssen. Das Ausbringen des Metalles wird dadurch wesentlich erleichtert, daß das Q. bei 360° siedet und in Dampfform übergeht, sich aber, wenn es mit kälteren Gegenständen in Berührung kommt, wieder in Tropfen niederschlägt. Indes destilliert der Zinnober ¶
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ebenfalls und man würde bei einfacher Erhitzung nur wieder Zinnober erhalten. Es ist also ein Mittel nötig, welches die
Trennung von Schwefel und Q. bewirkt; hierzu dient der Sauerstoff der Luft. Man setzt die Erze in einem Schacht- oder Flammenofen
der unmittelbaren Einwirkung des Feuers aus. Hierbei wird der Schwefel zu schwefliger Säure verbrannt,
welche mit den
Quecksilberdämpfen durch mehrere Niederschlagkammern zieht und am Ende derselben entweicht, während das
Metall sich tropfbar verdichtet.
Nach einem andern Verfahren werden die Erze in geschlossenen Räumen, Retorten etc., abdestilliert, nachdem man ihnen vorher einen Zuschlag von Kalk, zuweilen auch von Eisen oder Hammerschlag gegeben hat. Hier destilliert das Metall allein ab, der Schwefel verbindet sich mit den Zuschlägen zu Kalkschwefelleber, resp. Schwefeleisen. Das rohe Destillat wird von fremden Stoffen einigermaßen gereinigt, indem man es durch Sämischleder preßt oder durch sehr feine Löcher abtropfen läßt; die Handelsware enthält aber meist immer noch fremde Metalle, Blei, Kupfer, Wismut, Antimon, Silber in Auflösung, die ihm, wenn es auf größere Reinheit ankommt, durch anhaltendes Schütteln mit verdünnter Salpetersäure zu entziehen sind. Unreines Q. ist dadurch kenntlich, daß sein Glanz durch ein mattes Häutchen getrübt ist, daß es träge und nicht in Kügelchen fließt, sondern auf Papier sog. Schwänze bildet und Schmutz hinterläßt. - Das Q. hat ein spezif.
Gewicht von 13,596 bei 0° C., ist im reinen Zustande stark glänzend und spiegelnd und wird von Salzsäure bei gewöhnlicher
Temperatur nicht angegriffen. Verdünnte Salpeter- und Schwefelsäure haben bei gewöhnlicher Temperatur auch nur geringe Wirkung.
Unverdünnte Salpetersäure löst das Metall bei gewöhnlicher Temperatur ruhig und bildet salpetersaures
Quecksilberoxydul, bei Anwendung von Wärme stürmischer unter Bildung des Oxydsalzes. Konzentrierte Schwefelsäure, namentlich
heiß angewandt, löst das Metall ebenfalls und bildet schwefelsaures
Quecksilber-oxyd. An der Luft bis nahe zum Siedepunkte erhitzt,
nimmt das Metall Sauerstoff auf und bedeckt sich mit einer Schicht roten Oxydes; stärker erhitzt, läßt
es den Sauerstoff wieder fahren und kehrt in den metallischen Zustand zurück. Dieses Verhalten gab hauptsächlich Anlaß
zur Entdeckung des Sauerstoffs und diente als erstes Beweismittel für seine Existenz. - Das so vielfach nützliche Q. entwickelt
schon bei gewöhnlicher Temperatur Dämpfe, welche durch die Sinne nicht wahrgenommen werden können,
aber höchst nachteilig auf den menschlichen Organismus wirken.
Speichelfluß, fieberhafte Störung des Allgemeinbefindens sind die ersten Anzeichen der Vergiftung; bei lang andauernder Wirkung stellt sich Abmagerung, Schwäche, Zittern, Stammeln, Lähmung und starke Störung der geistigen Thätigkeit ein. Bergleute, Arbeiter in Spiegelfabriken und Vergolder haben daher viel zu leiden und sind stets der Gefahr des Siechtums und frühen Todes ausgesetzt. Unverteiltes Q. wirkt, selbst in größeren Massen verschluckt, nicht nachteilig auf den Organismus ein.
Die meisten
Quecksilber-verbindungen und -präparate sind ebenfalls mehr oder weniger giftig. Das metallische Q. wird benutzt in seiner
Eigenschaft als schwere Flüssigkeit zu Barometern und Manometern, Instrumenten zu Bemessung des Luft-,
resp. Dampfdrucks, und zu Senkwagen; der Gebrauch der
Quecksilber-Manometer bei Dampfkesseln hat fast
ganz aufgehört, weil dieselben bei den jetzt verwendeten hohen Spannungen eine zu große und unbequeme Höhe erhalten würden.
Die Verwendung des Q. zu Füllung von Thermometern gründet sich darauf, daß dasselbe sich zwischen 0 und
100° sehr gleichmäßig ausdehnt und erst bei ca. -40° erstarrt.
Als guter Elektrizitätsleiter wird es benutzt zur raschen Verbindung von Leitungsdrähten, ferner braucht man es zu manchen
andern physikalischen und chemischen Apparaten und Arbeiten, namentlich auch als Mittel zu luftdichten Absperrungen. Für
gewisse Zwecke dient das Metall in Form von Amalgam (s. d.). Oberflächlich amalgamierte Zinkplatten sind
bei den gangbarsten galvanischen Apparaten für Telegraphie und andre Zwecke in Gebrauch; man wendet das Q. deshalb an, weil
sich in dieser Verbindung das Zink viel langsamer und regelmäßiger auflöst. Das Q. wird gewöhnlich auf die mit einer
verdünnten Säure benetzte Platte angerieben. Vorteilhaft kann hierbei das Metall durch eines seiner Salze, welche das Zink
unter Freimachung des Metalles zersetzen, vertreten werden. Reibt man daher das befeuchtete Salz auf die reine Zinkfläche,
so entsteht sogleich ein feiner und gleichmäßiger
Quecksilber-Spiegel. Das schwefelsaure Salz erscheint hierfür als das passendste.
- Die chemischen Verbindungen des Q. sind sehr mannigfaltig; ein großer Teil davon schlägt in das pharmazeutische Fach,
doch finden einige auch technische Verwendung; vielfach ist ihre Benutzung im chemischen Laboratorium.
Keine chemische Verbindung, sondern nur ein Gemenge von sehr gleichartiger bläulichgrauer Färbung, ist die graue
Quecksilbersalbe
(Unguentum hydrargyri cinereum) zum äußerlichen Gebrauch gegen Ungeziefer und als zerteilendes Mittel.
Sie bebesteht ^[richtig: besteht] aus metallischem Q., innig zusammengerieben mit Fett, Talg oder Kakaobutter, worin sich
das Metall ungemein fein verteilt. Das Präparat wird wie die meisten andern
quecksilberhaltigen gegenwärtig gleich in chemischen
Fabriken fertig gestellt und auf Maschinen zubereitet.
Das graue
Quecksilberpflaster ist ein ähnliches Erzeugnis aus Q. und Terpentin, nachträglich mit Bleipflaster
und gelbem Wachs gemischt. Mit dem Sauerstoff bildet das Q. ein schwarzes Oxydul und ein rotes Oxyd, beide mit Säuren Salze
bildend; ersteres war früher offizinell, wird aber jetzt, seiner leichten Zersetzbarkeit wegen, nicht mehr verwendet. Das
Oxyd ist der unter dem Namen roter Präzipitat (Hydrargyrum oxydatum rubrum) bekannte Stoff, ein gelbrotes, in Wasser etwas
lösliches, widrig metallisch schmeckendes Pulver von höchst giftiger Wirkung, in kleinsten Gaben aber innerlich wie äußerlich
in Salben, auch zu Hutmacherbeize gebraucht. Es wird in zweierlei Weise erhalten, einmal durch Abdampfen einer
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