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I Salonisti sorgen am Jubiläumskonzert vom 22. Oktober für Stimmung. / Bild: zvg
Langnau:
Die Langnauer Kammermusikabende feiern am 22. Oktober ihr 75-jähriges Bestehen. Die lange Tradition ist aussergewöhnlich und verdient einen Rückblick.
1930 schlossen sich der Gemischte Chor, der Sängerbund und der Orchesterverein zum Konzertverein zusammen, um gemeinsam Konzerte aufzuführen. Damit legten sie den Grundstein für Aufführungen grosser Chorwerke und Oratorien. 1934 wurde mit Fred Hay ein Spitzenmusiker von internationalem Format unter anderem für diese Aufgabe gewählt. Neben seinen Verpflichtungen als Organist und Leiter mehrere Musikvereine begann er auch Kammermusikkonzerte zu geben, die in Langnau gut ankamen.
Solo und mit Einheimischen
Als 1946 August Wagner, ein ausgezeichneter Pianist, neuer Musikdirektor wurde, bat man ihn, die Kammermusikkonzerte fortzusetzen und gründete zu diesem Zweck die Institution «Langnauer Kammermusikabende» mit einem Organisationskomitee, das die administrativen Aufgaben übernahm. Die Konzerte fanden immer donnerstags statt, weil die anderen Abende durch Proben besetzt waren. Hay wie Wagner traten solo und auch mit Einheimischen auf, beispielsweise mit dem Langnauer Streichquartett (Paul Habegger, Peter Lüthi, Violinen, Greti Berger-Regli, Viola, Rudolf Egger, Cello). Im Jahr 1955 übernahm Willy Grimm, Komponist und Redaktor beim «Emmenthaler Blatt», die künstlerische Leitung. Einheimischen wie Jörg Ewald Dähler (Cembalo), Bruno Prato (Oboe) und Hans Obrist (Klavier) bot auch er eine Plattform.
Auf Grimm folgte Jürg Egger. Während 35 Jahren zeichnete er für die Programme verantwortlich. Auch wenn der Notar und diplomierte Geiger in der Freizeit viel Kammermusik spielte, trat er nie im Rahmen der Kammermusikabende auf. Vielmehr engagierte er Ensembles, die er live gehört hatte. Kamen sie aus dem Ausland angereist wie das Prager Trio, das Mandelringquartett oder die englische Geigerin Gina McCormack, logierten die Musikerinnen und Musiker bei ihm und seiner Frau Annerös. Daneben verpflichtete er Einheimische wie die Sängerin Annina Martens-Küenzi, die Cembalistin Annette Unternährer-Gfeller oder den Hornisten Hans Stettler. Gerne redete Jürg Egger bei der Werkauswahl mit. In seiner letzten Saison, die Antonín Dvorák gewidmet war, sang der «Choeur des XVI» aus Freiburg auf seinen Wunsch die fünf Gesänge an die Natur.
Während all der Jahre konnte sich Jürg Egger auf ein zuverlässiges Organisationsteam stützen. Allen voran auf Christian Lehmann, der seit 1989 die Administration der Konzerte, inklusiv deren Finanzierung, leitet.
Alte Musik in neuen Programmen
Seit 2016 führt eine Berufsmusikerin das künstlerische Szepter: die Cembalistin und Organistin Annette Unternährer-Gfeller aus Marbach. Sie hat es geschafft, die Konzertreihe ohne Publikumsverlust weiterzuführen. Die Alte Musik, ihr Spezialgebiet, lässt sie geschickt in die Programmierung einfliessen. Für das Jubiläumskonzert vom 22. Oktober hat sie I Salonisti eingeladen. Am zweiten Abend (19. November) spielen «Les Solistes de Berne», ein gemischtes Ensemble aus Streichern und Bläsern, gefolgt vom Galatea Quartett (14. Januar). Die Langnauerin Annina Martens-Künzi bestreitet einen Schumann Liederabend (29. April), und am Barockkonzert setzt sich Annette Unternährer selber ans Cembalo (27. Mai). Bleibt noch die Carte blanche für Rudolf Lutz zu nennen (4. März). An diesem Abend wird der Leiter der J. S. Bach Stiftung improvisieren, eine Kunst, die er wie kein anderer beherrscht.
Die Konzerte finden jeweils um 20 Uhr statt, wegen der Corona-Pandemie entweder in der Reformierten Kirche oder in der Aula der Sekundarschule.
www.konzertverein-langnau.ch