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Die Eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine allergieähnliche Reaktion der Speiseröhre beim Konsum bestimmter Nahrungsmittel, die zu einer chronischen Entzündung führt. Sie kann Kinder, aber auch Erwachsene betreffen – die Häufigkeit nimmt seit vielen Jahren zu. Betroffene leiden meist unter Schluckbeschwerden, die massiv ausgeprägt sein können, aber auch zum Beispiel unter Schmerzen hinter dem Brustbein. Die Eosinophile Ösophagitis ist zwar bis jetzt nicht heilbar, aber mit Medikamenten gut behandelbar.
Die Eosinophile Ösophagitis ist eine Erkrankung der Speiseröhre, die noch gar nicht so lange bekannt ist. Erst zu Beginn der 90er Jahre beschrieben zwei Ärzte sie erstmals unabhängig voneinander: Die Professoren Stephen Attwood aus England und Alex Straumann aus der Schweiz. Seither gibt es überall in der industrialisierten Welt viele Fälle von Eosinophiler Ösophagitis – die Tendenz ist steigend.
Vermutlich handelt es sich bei der Eosinophilen Ösophagitis um eine allergieähnliche, chronische Entzündung der Speisröhre. Das Immunsystem ist fehlgeleitet und reagiert überschiessend auf einen Reiz, der normalerweise harmlos ist. Neben genetischen Faktoren spielen als Ursachen wahrscheinlich auch Umweltfaktoren eine Rolle.
Ihren Namen hat die Eosinophile Ösophagitis daher, dass bestimmten Entzündungszellen an der Krankheit beteiligt sind: die eosinophilen Granulozyten. Dies ist eine spezielle Art weisser Blutkörperchen (Leukozyten), die an der Immunabwehr entscheidend beteiligt sind. Und das Wort „Ösophagitis“ ist der medizinische Begriff für eine Entzündung der Speisröhre (Ösophagus). Die Eosinophile Ösophagitis wird als EoE abgekürzt.
Die Auslöser der Entzündung in der Speisröhre sind wahrscheinlich meist Eiweisse aus Nahrungsmitteln, etwa aus tierischen Milchprodukten oder Weizen. Bei Kinder macht sich die EoE bemerkbar, wenn sie die Nahrung verweigern, nicht richtig gedeihen oder erbrechen. Die Symptome bei Erwachsenen sind dagegen oft Schluckbeschwerden oder Schmerzen hinter dem Brustbein. Es gibt mehrere Behandlungsmöglichkeiten, zum Beispiel das Meiden der auslösenden Speisen, entzündungshemmende Medikamente oder eine Erweiterung der Speiseröhre.
Die Eosinophile Ösophagitis gilt erst seit kurzem als eigenständiges Krankheitsbild. Ärztliches Fachpersonal schätzt, dass ungefähr eine Person unter 2‘500 bis 4‘000 Einwohnern mit einer EoE lebt. Vermutlich ist die Dunkelziffer aber noch höher, weil nicht jede betroffene Person mit Eosinophiler Ösophagitis eine Diagnose erhält.
Die Erkrankung der Speisröhre kann Menschen jeglichen Alters betreffen. In der Regel beginnt sie zwischen dem zehnten und 40. Lebensjahr. Sie betrifft das männliche Geschlecht deutlich häufiger als das weibliche – dies hat aller Wahrscheinlichkeit nach genetische Ursachen. So sind rund 75 Prozent der Betroffenen männlich. Und in manchen Familien kommt die Eosinophile Ösophagitis gehäuft vor. Auch das spricht für eine Beteiligung der Gene.
An den Ursachen der Eosinophilen Ösophagitis forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch. Vermutlich gibt es aber nicht „die eine“ Ursache, sondern es müssen mehrere Faktoren zusammenspielen, damit die EoE entsteht – erbliche Faktoren und Umweltfaktoren.
In einer gesunden Speiseröhre kommen jedenfalls keine eosinophilen Granulozyten vor. Vermutlich setzen externe Allergieauslöser (Allergene) die Immunantwort in Gang. Ob Betroffene aber das Allergen über den Mund aufnehmen oder inhalieren, ist noch unklar. Hier besteht noch weiterer Forschungsbedarf.
Dass die Gene an der Erkrankung mitbeteiligt sind, lässt die Tatsache vermuten, dass Jungen und Männer viel häufiger daran erkranken als Mädchen und Frauen. Auch kommt die EoE in manchen Familien gehäuft vor. Viele Patientinnen und Patienten (circa 50 bis 70 Prozent) leiden zudem bereits an einer Allergie, etwa Asthma bronchiale, Heuschnupfen (Pollenallergie) oder einer Nahrungsmittelallergie.
Bei den meisten Menschen mit Eosinophiler Ösophagitis reagiert die Speiseröhre allergisch auf den Kontakt mit Bestandteilen von Eiweissen, zum Beispiel:
Die EoE kann man also wahrscheinlich als spezielle Form der Lebensmittelallergie betrachten.
Die Eosinophile Ösophagitis kann sich durch verschiedene Symptome äussern. Bei Kindern und Erwachsenen sind die Beschwerden jedoch unterschiedlich. Zudem verändern sie sich mit zunehmenden Alter.
Die Diagnostik der Eosinophilen Ösophagitis beginnt immer mit dem Gespräch zur Krankengeschichte (Anamnese). Wir stellen Ihnen einige Fragen, zum Beispiel:
Dann folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Wir tasten unter anderem den Hals und Brustkorb auf Veränderungen hin ab. Meist lassen sich jedoch dabei keine Auffälligkeiten feststellen.
Beim Verdacht auf eine Eosinophile Ösophagitis schliessen sich weitere Untersuchungen an, besonders:
Dennoch sind die Veränderungen in der Speisröhre oft sehr uneinheitlich und individuell verschieden. In vielen Fällen sind sie zudem nur sehr mild ausgeprägt und damit leicht zu übersehren – oder sie fehlen ganz. Daher sollte die Ärztin oder der Arzt, der die Endoskopie durchführt, Erfahrung mit dem Krankheitsbild der EoE haben, um die auffälligen Merkmale richtig zu interpretieren.
Einer Eosinophilen Ösophagitis können Sie nach heutigem Kenntnisstand nicht vorbeugen, weil die Ursachen und Risikofaktoren noch nicht genau aufgeklärt sind.
Auch gibt es keine gezielten Massnahmen zur Früherkennung der EoE. Suchen Sie uns immer zeitnah auf, wenn Sie unter Beschwerden leiden, allen voran Schluckstörungen oder Schmerzen hinter dem Brustbein. Es können auch andere Erkrankungen dahinterstecken, zum Beispiel die Refluxkrankheit.
Die Eosinophile Ösophagitis ist eine chronische Entzündung der Speiseröhre. Sie lässt sich zwar gut behandeln, aber bisher nicht heilen. Dafür müssten wir die Ursachen genauer kennen und eine Therapie entwickeln, die an der Wurzel der Erkrankung ansetzt.
Ohne Behandlung kann die EoE Schäden an der Speiseröhre verursachen. Die Wand verdickt sich, verliert ihre Elastizität und engt die Speisröhre ein. Dadurch funktioniert die Speiseröhre nicht mehr so, wie sie eigentlich sollte. Die ganz normale Nahrungsaufnahme wird immer mehr zum Problem. Schliesslich können Nahrungsbestandteile eingeklemmt werden (Bolusobstruktion) – dann ist ein Besuch im Spital unumgänglich.
Eine ausreichende und langfristige Behandlung kann diese Folgen abmildern oder sogar ganz vermeiden. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die Eosinophile Ösophagitis mit einem erhöhten Risiko für Speiseröhrenkrebs verbunden ist.
Die Behandlung der Eosinophilen Ösophagitis gehört am besten in die Hand von Fachleuten der Gastroenterologie, die sich mit dem Krankheitsbild gut auskennen. Im Falle einer diätetischen Therapie erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Ernährungsberatung. Sie fusst auf mehreren Säulen, die manchmal auch miteinander kombinieren werden. Am wichtigsten sind Medikamente, welche die Entzündung in der Speiseröhre dämpfen und Folgeschäden vermeiden.
Sie können sich entweder selbst anmelden oder von Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt, Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt zuweisen lassen.EoE Sprechstunde
Universitätsspital Zürich
Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
Rämistrasse 100
8091 Zürich