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Die Geschichte von den Schlossergesellen
Vor langer Zeit lebten zwei brave Buben bei Grossmutter und Grossvater. Sie hatten ihre Eltern schon früh verloren, doch ging es ihnen ordentlich und sie litten keine Not. Als sie herangewachsen waren fand der Grossvater eine Lehrstelle für die beiden in einer Schlosserei. Ein Lehrgeld wurde vereinbart, die Grosseltern berappten dies und die Enkel lernten fleissig. Sie schmiedeten, schweissten, trennten, feilten, härteten und polierten. Sie fertigten starke Schlösser und präzise Schlüssel. Schon bald erhielten sie den Gesellenbrief.
Der Schlossermeister war zufrieden mit den zuverlässigen Burschen. Es gab genügend Arbeit für drei und er bot den beiden an, Sie in Lohn zu nehmen. Dem einen würde er im Monat 20 Silberstücke bezahlen. Dem anderen könne er ein Zimmer und 10 Silberstücke anbieten. Der ältere der Brüder durfte wählen. Der dachte sich: „Was soll ich mit einem fiktiven Einkommen? Viel wertvoller erscheint mir ein echter Batzen“. Und er sagte: „Nur Bares ist Wahres, gern nehm ich die 20 Silberstücke.“
So mietete sich der ältere Bruder ein Zimmer zu 4 Silberstücken in der Woche und der Jüngere wohnte im Haus des Meisters. Sie arbeiteten fleissig und die Jahre zogen ins Land. Eines Tages kam eine anmutige junge Frau ins Dorf, die den beiden Brüdern sehr gefiel. Am Abend sassen die Burschen zusammen und berieten, ob sie wohl um die Hand der Hübschen anhalten sollten. „Ach“ jammerte der Ältere „hätte ich doch nur mehr Bares zur Seite legen können, wie gerne würde ich ihr vorschlagen, eine Familie zu gründen“. „An gesammelten Silberstücken soll‘s mir nicht fehlen“ meinte da der Jüngere. „Wenn du einverstanden bist, kannst du Onkel und Pate des ersten Kindes werden.“
Und so geschah es: Der Jüngere konnte das Herz der Holden gewinnen, der Schlossermeister, der ohne eigene Nachkommen war, berappte die Hochzeit und schon bald hatte das glückliche Paar zwei Kinder. Und noch viele Jahre erzählte man sich die Geschichte vom Schlossergesellen, der mit dem kleineren Gehalt reicher wurde als der sparsame Bruder mit dem grossen Lohn. Und wenn sie noch nicht gestorben sind, dann rätseln sie noch heute.
Und die Lehre aus der Geschichte? Ein Naturaleinkommen kann genauso wertvoll sein wie ein Lohn in Bargeld. Das gilt auch dann, wenn sich Wohneigentümer die Wohnung selber zur Verfügung stellen.