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Keltischer Fürstensitz
Früh-keltischer Fürsten-Grabhügel bei Zürich in der SchweizDer Name der Stadt Zürich hat einen keltischen Ursprung. Die lateinische Bezeichnung Turicum in römischer Zeit für Zürich leitet sich vermutlich ab vom keltischen Ort des Turo (Turos, Turus, Turius = "der Starke"). Die um 80 v.Chr. hier ansässige Bevölkerung gehörte zur civitas, der Stammesgemeinde der Helvetier, deren Territorium sich über das gesamte Schweizerische Mittelland erstreckte. Die älteste deutsche Form Ziurichi für Zürich findet sich erstmals beim sogenannten Geographen von Ravenna, dessen Kosmographie auf die Zeit um 680-700 datiert wird. Das auffällige "zi" hat den Ursprung im Laut "ts"; im einheimischen Dialekt heisst die Stadt "Tsyri" = Tsüri bzw. Züri.
Bei aller Begrenztheit archäologischen Wissens kann folgendes definitiv festgehalten werden: Bereits im 3. Jahrtausend v.Chr. bestanden in der Zürichseebucht neun verschiedene Gemeinschaften. In der Siedlung im Gebiet der heutigen Seestrasse wurden die aus dem 3. Jahrtausend v.Chr. stammenden Fragmente von Rädern und der zugehörigen Radachsen gefunden. Die aus zwei Brettern gefügten und durch drei Einschubleisten zusammen gehaltenen Räder weisen einen Durchmesser von 50 cm auf. Die Fundstellen waren nicht dauernd besiedelt und auch nie gleichzeitig.
Aus der Mittelbronzezeit (ca. 1500 v.Chr.) wurden Axtklingen, Dolche und Sicheln gefunden. Da Lage und Ort der Funde ausschliessen, dass es sich um verlorene Gegenstände aus Schiffbrüchen oder Flussüberquerungen handelt, dürfte das Gebiet um das spätere römische Siedlungsgebiet bereits damals bewohnt gewesen sein.
Ein Gefäss in Vogelform mit Ritzverzierungen aus der Bronzezeit um 1000 v.Chr. wurde im Gebiet des Alpen-Quai (seit 1960 General-Guisan-Quai) gefunden. Aus zahlreichen weiteren Funden dieses Gebiets kann geschlossen werden, dass diese Siedlung während mehreren Jahrhunderten bestand und bewohnt wurde.
Ab etwa 800 v.Chr. Keltische Besiedlung des Gebietes. Um die Mitte dieses achten Jahrhunderts wurden viele Seeufersiedlungen verlassen, Festlanddörfer und Fluchtburgen niedergebrannt.
Der Hausberg der Stadt Zürich heisst Uetliberg und trägt einen vermutlich ebenfalls keltischen Namen (Udt für Frau); literarisch dann Uto. Dies wiederum hätte einen direkten Bezug zum freigelegten Grabhügel, der leider geplündert war, aber aufgrund der gefundenen Scheibenfibeln aus Gold als Fürstinnengrab eingestuft wird, das nach typologischen Erwägungen in die Zeit gegen 400 v.Chr. gehört. Die 1210 erwähnte Uotelenburg wird erst in der Neuzeit einem alemannischen Herzog Uotilio zugeordnet.
Entdeckt wurde das Hügelgrab 1900 und erst 1979 untersucht. Der Hügel war damals noch 3m hoch und hatte einen Durchmesser von rund 20m. In der Mitte war eine Grabkammer von 3.2 x 3.4 x 1m. Die SW - NO orientierte Kammer wurde schon bald nach der Bestattung ausgeraubt. Nebst Knochenresten, Keramikscherben und Eisennagel wurden auch wertvolle Goldscheibenfibeln gefunden.
Im Jahre 1962 wurde bei Erstfeld (rund 110 Kilometer vom Uetliberg entfernt) ein sensationeller Goldschatz aus frühkeltischer Zeit gefunden, 4 Hals- und 3 Armringe. Etwas in dieser Art ist vielleicht auch den Grabräubern in die Hände gefallen.
Von der Anziehungskraft dieses die Stadt dominierenden Berges in der Ur- und Frühgeschichte zeugen Funde der späteren Bronzezeit über die keltische, römische und frühmittelalterliche Epoche bis zur mittelalterlichen Burg. Noch heute sind ausgedehnte Wallanlagen verschiedener Epochen, insgesamt drei hintereinander gestaffelte Linien, zu sehen. Mit seinem äussersten Verteidigungswall aus frühkeltischer Zeit gehörte das Refugium auf dem Uetliberg zu einer der grössten bekannten Fluchtburgen in der Schweiz.
Anlässlich einer Rettungsgrabung 2003/2004 an der Oetenbachgasse wurden Überreste der spätkeltischen und frührömischen Siedlung Turicum untersucht. Wichtigste Entdeckung war ein spätkeltischer Befestigungsgraben aus der Zeit zwischen 60 und 30 v.Chr., der hier erstmals klar gefasst und bis auf die Sohle hinunter ausgegraben werden konnte. Als der hier ansässige keltische Stamm der Helvetier nach Südwestfrankreich abwanderte, brannte er seine Häuser nieder. Der römische Feldherr Julius Caesar stoppte dann die Auswanderer in der Schlacht bei Bibracte (58 v.Chr.) und schickte sie in ihre Heimat zurück. Nach ihrer Rückkehr liessen sich einige dieser Leute am Westabhang und auf der Kuppe des Lindenhofs nieder. Zu ihrem Schutz hoben sie diesen V-förmigen Graben aus. Das Vorhandensein eines solchen Grabens belegt, dass Zürich ein Oppidum gewesen war. Oppida nannte Cäsar mit Graben und Wall befestigte Anlagen, welche die Infrastruktur einer Stadt besassen oder nur kurzfristig in Gefahrenzeiten aufgesucht wurden. Für diese Siedlungen wählten die Kelten Plätze aus, die sich von der topografischen Situation her zur Verteidigung eigneten. Der Hügel des Lindenhofs bot sich geradezu ideal für eine solche Siedlung an, da sich hier eine leicht zu verteidigende, isolierte Höhenlage mit der verkehrsgünstigen Position am Übergang von See und Fluss verband.
1890 kamen in einer Baugrube beim Bürkliplatz in der Nähe des Zürichsees mehrere Metallklumpen zum Vorschein, deren grösster 59 kg wiegt. Die Brocken, die sich heute im Landesmuseum befinden, bestehen aus einer grossen Anzahl miteinander verschmolzener keltischer Münzen, die mit Holzkohlestücken durchmischt sind. Es lassen sich zwei Münztypen unterscheiden: Potinmünzen vom Zürcher Typ, die einheimischen Helvetiern zuweisbar sind, und Potinmünzen der in Ostgallien ansässigen Sequaner. Insgesamt wurden gegen 18'000 Potinmünzen aufgeschmolzen. Die Münzen sind in die Zeit um 100 v.Chr. zu datieren.
Potinmünzen sind gegossene (nicht geprägte) Münzen
aus einer stark zinnhaltigen Bronzelegierung.
Im Jahr 2007 wurden am Rennweg unterhalb des Lindenhofes zwei Tüpfelplatten aus gebrannter Keramik gefunden, die den Kelten zur Geldherstellung dienten. Dies lässt darauf schliessen, dass die keltische Siedlung über eine Münzprägestätte verfügte und bedeutender war als bisher angenommen. Die Verwendung und Herstellung von Münzen nahmen in diesem Gebiet im 3. Jahrhundert v.Chr. ihren Anfang. Zu den eigenständigen Entwicklungen gehörten die Potins, gegossene Bronzemünzen, darunter solche vom «Zürcher Typ». Ein unmittelbarer Zusammenhang mit den am Rennweg gefundenen Tüpfelplatten und den Potinmünzen vom Zürcher Typ besteht allerdings nicht. Wurden die Potins aus Buntmetall gegossen, fanden die Tüpfelplatten beim Herstellungsprozess zur Prägung von Silber-, je nach dem auch Goldmünzen Verwendung.
Die römische Besetzung Zürichs dürfte um 15 v.Chr. im Zusammenhang mit dem Alpenfeldzug des römischen Kaisers Augustus erfolgt sein. Um 370 wurde unter Kaiser Valentinians I. (364 bis 375) auf dem Lindenhof ein Kastell mit 10 Türmen angelegt, das der Sicherung der Zollstation, gegen die aus dem Norden vorstossenden germanischen Stämme, diente.
401 Rückzug der Römer unter dem Druck der anstürmenden Alemannen. Zwar dürfte die Siedlung Turicum weiter bestanden haben, doch lässt sich eine eigentliche alemannisch-fränkische Wiederbesiedlung erst ab etwa 550 nachweisen. Die Einwanderung der Alemannen erfolgte freundnachbarschaftlich auf so zu sagen leisen Sohlen. Dabei bevorzugten sie die Siedlungsstruktur der Einzelhöfe und mieden die römischen und gallorömischen Ruinen. In der Regel suchten sie Wohnplätze abseits der bestehenden Verkehrswege.
Etwa um 700 ergibt sich eine recht seltsam strukturierte Wohnbevölkerung. In den befestigten Kastellen, vielleicht auch in grösseren Gutshöfen hausten nach wie vor Reste der alten gallorömischen Bevölkerung. Vermutlich sind die reichen und die unmittelbar an die römische Verwaltung gebundenen Personen mit den Römern südwärts abgezogen. Es wird also eher die einfache Landbevölkerung gewesen sein, die von diesen Vorgängen gar nicht betroffen wurde. Nicht vergessen sei jedoch, dass sich in der Stadt neben den gallorömischen Vorstellungen auch das importierte Christentum erhalten hat und später durch die christianisierten Franken ausgebaut wurde.
Um 800 Bau der karolingischen Pfalz an der Nord-Ost-Ecke des Lindenhofs. Zum Bau der aus einem Steinbau von 16 mal 40 Metern bestehenden Pfalz wurde das Material des römischen Kastells verwendet. 853 Gründung des Frauenklosters Fraumünster durch Ludwig den Deutschen, Enkel von Karl dem Grossen. Erste Äbtissin war seine Tochter Hildegard. Das Kloster wurde mit zahlreichen Lehen ausgestattet, unter anderem auch mit der Talschaft Uri, dem späteren Gründungskanton der Schweiz. Im Jahre 1045 erhält die Fürstäbtissin des Fraumünsterklosters von Kaiser Heinrich III. das Markt-, Zoll- und Münzrecht von Zürich. Zürich steht damit faktisch unter der Herrschaft des Fraumünsterklosters.
Nach der Legende waren um das Jahr 302 die späteren Stadtheiligen der Stadt Zürich, Felix, Regula und ihr Diener Exuperantius Flüchtlinge der im Wallis stationierten römischen Thebäischen Legion, die wegen ihrer Weigerung, gegen Christen vorzugehen, dezimiert wurde. Die fast 6600 Mann starke Legio Thebaica unter dem römischen Kaiser Maximian ist historisch nicht nachgewiesen und wurde nach der Legende bis auf den letzten Mann niedergemetzelt. Der Führer der Legion, Mauritius, angeblich aus Ägypten stammend und schwarzer Hautfarbe, riet dem Soldaten Felix und dessen Schwester Regula zu fliehen. Die beiden wanderten mit ihrem Diener Exuperantius (in der Legende erst im 13. Jh. hinzugefügt; zürichdeutsch: Häxebränz [Bränz=Weinbrand]) über Furka, Urnerland und Glarnerland nach der Burg Turicum am Fluss Limmat. Sie waren zwar dem Blutbad in Agaunum (St. Maurice) entkommen, wurden aber in Zürich gefangengenommen und auf der Limmatinsel, auf der heute die Wasserkirche steht, durch Enthaupten hingerichtet. Worauf die drei Heiligen ihre abgeschlagenen Köpfe aufhoben, das Ufer empor stiegen und sich den Ort ihres Grabes selber ausgesucht haben. An dieser Stelle wurde später das Grossmünster errichtet. Das Grossmünster ist nicht wie üblich christlich «geostet», sondern exakt mit der Altarseite auf den Sonnenuntergang bei der Sommersonnwende gerichtet.
Auf diesem Stein in der Krypta der Wasserkirche sollen die Stadtheiligen von den Römern geköpft worden sein
Das wiederum klingt nun bei einer Überbetonung der keltischen Elemente interessant:
Die Legende vom leuchtenden Hirsch
Fresko im Kreuzgang der Fraumünsterkirche
Die zwei Töcher Hildegard und Berta des Königs Ludwigs des Deutschen lebten nach der Sage um die Mitte des 9. Jh. in einsamer Zurückgezogenheit auf der Burg Baldern. Die Burg stand oben auf dem Grat des Uetlibergs, exponiert auf 810m Höhe, nördlich der Felsenegg. Heute ist da ein Gedenkstein, verborgen im Wald.
Nach der Sage beteten nachts Hildegard und ihre Schwester Berta in den Wäldern bei der Baldern, wo ihnen ein schöner weisser Hirsch mit brennenden Lichtern auf seinem Geweih erschienen und bis zur Kapelle von Felix und Regula an der Limmat vorangeschritten sei. Wiederholt wanderten sie in die benachbarte Stadt und verrichteten ihre Andacht und so schritt der Hirsch alltäglich vor den Schwestern bis zum Limmatufer, jenseits der Grossmünsterkirche. Hier wartete er auf sie und begleitete sie zurück nach ihrer Bergfestung.
Da der Hirsch immer wieder an der selben Stelle vor der Limmat stehen blieb und nicht zu bewegen war, weiter zu schreiten, erkannten die frommen Schwestern, dass es der Wille Gottes sei, an diesem Ort ein Gotteshaus zu errichten. Sie unterbreiteten ihren Wunsch dem König Ludwig der Deutsche, ihrem Vater, der ihnen gerne willfahrte. Dem neuen Kloster, das um 853 reich ausgestattet wurde, stand zunächst Hildegard und nach ihrem frühen Tod ihre jüngere Schwester Berta als Äbtissin vor.
Das der Äbtissin vom Kaiser Heinrich III. verliehene Münz-, Markt- und Zollrecht machte sie zur Stadtherrin von Zürich. Vom 13. Jahrhundert an nannten sich die Äbtissinnen Fürstin.
Im Mirakel der Stadtheiligen von Zürich hat sich eine keltische Trias
der Fürstin vom Uetliberg erhalten können.
(sich den Ort nach dem Tode selber aussuchen)
SECRETVM CIVIVM THVRICENSIVM
(Geheimsiegel der Bürger von Zürich)
Das als Staatssiegel seit 1347 bis heute verwendete sogenannte Sekretsiegel des Rates von Zürich. 1803 übernahm der Kanton das Stadtsiegel, die Stadt Zürich schuf sich ein neues mit dem Zürcherwappen.
Aus dem gleichen Zeitraum um die Mitte des 9. Jahrhunderts stammt auch:
Die Legende von den beiden Raben
Die Sage vom Meinrad berichtet von den zahmen Raben und der Ermordung eines Eremiten im heutigen Einsiedeln, Kanton Schwyz in der Schweiz. Die beiden Raben flogen den Mördern mit lautem Krächzen und Flügelschlagen nach, über den See hinunter nach Zürich. Und als sie sich in einem Zürcher Wirtshaus bei der Schifflände, dem späteren Haus zum Raben am Limmatquai an den Tisch setzten, schossen die zwei Vögel durch das offene Fenster herein, schrien wilder und wilder und wollten sich den Übeltätern zum Fressen auf den Kopf setzen. Da erkannten die Leute die Raben. Der Mord kam an den Tag und die beiden Räuber waren gefangen, wurden in Zürich verurteilt, gerädert und danach verbrannt.
[weiterlesen ... die Rabensagen]
Die beiden Raben Meinrads zieren noch heute das Wappen des Klosters, des Dorfes und des Bezirkes Einsiedeln.
Um 906 erneuerte Benno, Strassburger Domherr aus einem schwäb. Adelsgeschlecht und später kurze Zeit Bischof von Metz, mit Gleichgesinnten die Einsiedelei des Meinrad im Finstern Wald und plante die Errichtung eines Klosters. Ausgeführt wurde das Vorhaben von seinem Verwandten Eberhard, Dompropst von Strassburg, der 934 eine Klostergemeinschaft nach der Benediktregel gründete. Herzog Hermann I. von Schwaben schenkte dazu das Land, Otto I. verlieh dem Kloster 947 weitgehende Privilegien. 948 weihte Bischof Konrad von Konstanz die Klosterkirche auf Maria und Mauritius. Nach der Legende soll ihm jedoch im Traum Christus erschienen sein, der die Kapelle einweihte, so dass Konrad auf die Einweihung mit der Begründung verzichtete, sie sei bereits von Gott geweiht worden. In der päpstlichen Bulle von 964 erkennt Papst Leo VIII die Vision Konrads: Sanctus Deus in aula glorisae Virginis (Heiliger Gott im Angesicht der glorreichen Jungfrau Maria) offiziell an. Das alljährlich am 14. September gefeierte Fest der Engelweihe geht auf diese Legende zurück.
Die Schwarze Madonna von Einsiedeln ist die berühmteste Heiligenstatue der Schweiz. Diese gotische Statue ist eine stehende Madonna aus dem späten 15. Jahrhundert. Aber eigentlich ersetzt sie nur eine romanische Statue, die 1465 bei einem verheerenden Feuer den Flammen zum Opfer fiel. Diese Originalstatue zeigte die Madonna in einer sitzenden Position, wie sich aufgrund existierender Holzschnitte belegen lässt. Diese romanische Statue war wahrscheinlich diejenige aus dem 9. oder 10. Jahrhundert, die damals Meinrad mit sich in den Finsterwald nahm, um als Eremit zu leben.
Die Legenden und die Rituale um die Schwarze Madonna von Einsiedeln sollen die grösste Annäherung darstellen, die das Christentum zustande brachte, wenn es darum geht, die Bedeutung des Weiblichen offiziell anzuerkennen. Dies sei praktisch die Heilung des Bruchs, den das Christentum aus der hebräischen Tradition übernommen hatte.
Mit Gnadenkapelle wird die Kapelle im Inneren der Klosterkirche bezeichnet in der sich das Gnadenbild der 'Schwarzen Madonna' befindet. Sie steht an der Stelle wo die ursprüngliche Klause des Meinrad stand.
Warum ist die Madonna schwarz?
Altertümliche weibliche Statuen, die schwarz waren, repräsentierten das Weibliche in all seiner Kraft. In dem Tempel der Artemis/Diana von Ephesus, eines der sieben Weltwunder der Antike, wurde eine vollständig schwarze Statue verehrt. Genau in der Stadt, in der Maria nach dem Tod Jesu gelebt haben soll und in der ihre Himmelfahrt an einer Stelle stattgefunden haben soll, die wörtlich karatchalti heisst: der schwarze Stein.
Im Heiligtum erhob sich die ungewöhnliche Statue der Artemis aus vergoldetem Holz mit den vermeintlich zahlreichen Brüsten. Sie blickte, im Gegensatz zu allen anderen griechischen Tempeln, von Osten nach Westen. Die beiden Waben-Körbe zu ihren Füssen weisen darauf hin, dass der Brustumhang im übertragenen Sinn die Brut einer Bienenvolk-Königin darstellt und keinesweg wie stets rezitiert menschliche Frauenbrüste. Die Mutter von Artemis und deren Bruder Apoll ist Leto/Latona, eine Geliebte des Zeus und soll aus Britannien stammen (Diodor, II, 47). Hier ist eine Verbindung zum keltischen Imbolg/Imbolc (Lichtmess) nördlich der Alpen möglich im Kontext Sonnenwenden und Fruchtbarkeit.
Gefördert von Bischöfen, vom Adel (besonders von Herzogin Reginlinde) und vom Königshaus wurde Einsiedeln ein geistliches und kulturelles Zentrum für ganz Alemannien und strahlte auch nach Bayern und Oberitalien aus.
Reginlinde zog sich nach dem Tod ihres zweiten Gatten 948 nach Zürich in das Kloster Felix und Regula (Fraumünster) zurück, dem sie schon seit 928 vorstand, später soll sie sich nach sagenhaften Überlieferungen von dort in eine Klause auf der Insel Ufnau im Zürichsee begeben haben, wo bereits ihr Sohn Adalrich als Eremit lebte. Andere Quellen berichten, die Herzogin Reginlinde von Schwaben sei aussätzig mit ihrem 15 Jahre alten Sohn Adelricum auf die Insel gekommen. Adalrich habe auf der Ufnau seine an Aussatz erkrankte Mutter gepflegt. 958 stirbt Reginlinde und wird vom Stift in Einsiedeln beigesetzt. Adalrich vollendete als Leutpriester auf der Insel und der beidseitigen Seeufer sein durch Seelsorge und Wunder ausgezeichnetes Leben.
Bei der Insel Ufnau im Zürichsee handelt es sich um "Terra sacra", sie war vermutlich seit der Jungsteinzeit ein religiöser Mittelpunkt eines weiten Gebietes. Seit dem 1. oder 2. Jh. stand hier ein grosser gallo-römischer Tempel, wahrscheinlich Zerfall nach der Besiedelung der Region durch Alemannen. Über dem gallo-römischen Tempel wurde vermutlich zwischen dem 5./7. Jh. die erste christliche Kirche errichtet. 7./8. Jh. Bau der späteren Martinskapelle.
Zur Aufenthaltszeit von Reginlinde und Adalrich war die Insel im Besitz des Klosters Säckingen. Dieses älteste Kloster Alemanniens wurde nach der Überlieferung von Fridolin auf einer Insel im Rhein vor Basel gegründet und zählte als königseigenes Kloster unter den Karolingern im 9. Jh. Angehörige des königlichen Hauses zu seinen Äbtissinnen der Frauenabtei. Im Jahre 965 ging die Insel Ufnau als Geschenk von Kaiser Otto I. an das Kloster Einsiedeln, wo sie heute noch ist.
Im Zürichdeutsch sind noch viele Worte keltischer Herkunft bekannt und gebräuchlich:
Gufe für Nadel, Nidel für Rahm, Chris für Tannenzweige, Bänne für Wagen, Charre für Karren, Trämmel für Holzbalken und der vielen mehr.
oder Ortsbezeichnungen
Zürich-Affoltern keltisch Ap-polter (Apfelbaum)
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