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http://dx.doi.org/10.13092/lo.77.2904
Aus der Tagung zum Thema Wortbildung, die 2014 an der Universität Bern stattgefunden hat, sind gleich zwei Publikationen hervorgegangen: Ein Sammelband, der ausschließlich die Wortbildung im Deutschen betrifft (Hentschel 2016), und das hier vorliegende Heft, in dem sich Beiträge zu mehreren verschiedenen Sprachen finden.
Die „exotischste“ unter den hier behandelten Sprachen ist sicherlich das Godié, eine an der Elfenbeinküste heimischen Kru-Sprache. Damanan N’dré befasst sich mit den morphologischen und syntaktischen Mechanismen, die hier bei der Wortbildung zu beobachten sind, und zeigt auf, dass sowohl rechts- als auch linksköpfige Konstruktionen zu beobachten sind. Verschiedene europäische Sprachen haben demgegenüber Ivica Peša Matracki und Vinko Kovačić untersucht, indem sie die Grundprinzipien bei der Bildung von Deverbativa in slawischen und romanischen Sprachen, genauer: im Kroatischen, Slowenischen und Polnischen einerseits und im Italienischen, Spanischen und Französischen andererseits, miteinander vergleichen.
Heinz Sieburg und Britta Weimann berichten in ihrem Beitrag über das an der Universität Luxemburg angesiedelte Forschungsprojekt „Die Wortbildung des moselfränkisch-luxemburgischen Raumes (WBLUX)“, das einen historischen Ansatz verfolgt. Dabei steht das Luxemburgische im Vordergrund. Um das Deutsche, das hier nur sekundär mit behandelt wird, geht es dann zentral im Beitrag von Martina Werner: Sie untersucht die Entwicklungslogik der für das Deutsche so typische Kompositabildung, mit der mühelos Wörtern wie Fußbodenschleifmaschinenverleih gebildet werden können. Und schließlich stellen Nanna Fuhrhop und Martina Werner gemeinsam die skeptische Frage, ob die Derivation im Deutschen überhaupt noch eine Zukunft hat.
Insgesamt geben die fünf Beiträge dieses Heftes jeweils einen Einblick in ganz unterschiedliche Aspekte der Wortbildungsforschung in verschiedenen Sprachen und werfen damit jeweils ein Schlaglicht auf ausgewählte Fragestellungen des Arbeitsgebietes. Abgerundet wird dieser Überblick mit einer Rezension von Clemens Knobloch zu einer Arbeit von Barbara Schlücker, die am Beispiel von Adjektiv-Nomen-Verbindungen im Deutschen und Niederländischen den Übergang von Syntagmen zu Komposita untersucht.
Hentschel, Elke (ed.) (2016): Wortbildung im Deutschen: Aktuelle Perspektiven. Tübingen etc: Narr.