Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03126.jsonl.gz/1158

Die EM ist vorbei, Spanien fährt einmal mehr als Sieger nach Hause und der TV-Spot des Europäischen Fussballverbandes zu ihrer Respect-Kampagne ist zum letzten Mal über den Äther geflimmert. Mit dieser Kampagne habe die UEFA den „Respekt zum Mittelpunkt ihres Programms zur sozialen Verantwortung gemacht, das die örtlichen Gemeinden unterstützen soll, soziale Themen behandelt und für Solidarität unabhängig von Geschlecht, Rasse, Religion und Fähigkeiten kämpft.“
Auch der Weltfussballverband FIFA stellt den sozialen und gesellschaftlichen Aspekt des Fussballs in ihrem Mission Statement in den Vordergrund: Der Fussball sei „nicht mehr nur ein globaler Sport, sondern auch ein Brückenbauer, der mit seinen Werten einen wertvollen sozialen Beitrag leisten kann.“ Über den Fussball fördere die FIFA „die soziale und menschliche Entwicklung“, indem sie „weltweit zahlreiche lokale Initiativen im Bereich Friedensbildung, Gesundheitsförderung, soziale Integration, Bildung usw.“ unterstütze.
Fussball als verbindendes Element, das Konflikte bewältigen und Frieden bringen kann; ein wahrlich schöner Gedanke.
Doch nicht alle FIFA-Mitgliedsverbände teilen diese Vision für eine bessere Zukunft. So zum Beispiel der palästinensische Fussballverband. Sein Vorsitzender Jibril Rajoub, der des Weiteren auch das Amt des Vorsitzenden des palästinensischen Olympischen Komitees bekleidet und zudem Mitglied im Fatah Zentralkomitees ist, erklärte im Januar dieses Jahres, dass palästinensische Teams niemals in Israel spielen werden und dass keine israelische Firma jemals ein palästinensisches Team sponsern werde.[i] Der frühere Sicherheitschef Arafats hatte sich nur wenige Tage zuvor bereits in ähnlicher Weise geäussert: „Jibril Rajoub erklärte gestern erneut seine Opposition gegenüber der Normalisierung in all ihren Formen, auch im Bereich des Sports. Er ergänzte, dass die ‚Besetzung der Hauptfeind des palästinensischen Sports‘ ist“.[ii]
Im Juli 2011 hatten Bilder eines gemischten Frauenfussballteams aus israelischen und palästinensischen Spielerinnen, die an einem Turnier in Vancouver teilnahmen für Empörung in den Palästinensergebieten gesorgt. Als Reaktion darauf verkündete Abd Al-Majid Hujjah, der Generalsekretär des Palästinensischen Fussballverbandes, man werde ein Untersuchungskomitee beauftragen, die Umstände zu beleuchten, die dazu führten, dass eine Gruppe Spielerinnen an einer Normalisierungsbegegnung in Kanada teilgenommen hatten. Gegen die Spielerinnen würden rechtliche Schritte eingeleitet werden. Ein Kontakt des Palästinensischen Fussballverbandes mit Aktivitäten, die mit der israelischen Seite in Verbindung stünden, sei gemäss den Prinzipien des Verbandes völlig ausgeschlossen.[iii]
Dasselbe gilt auch in anderen Sportarten. So pries Jihad Uweida, Vorsitzender des Palästinensischen Kampfsportverbandes und Generalsekretär des Nationalkomitees für den Kampf und gegen die Normalisierung im Sport die Antwort des Rates der arabischen Minister für Jugend und Sport auf eine palästinensische Medienkampagne, die Adidas aufforderte, das Sponsoring des Jerusalem Marathons aufzugeben. Die arabischen Minister beschlossen daraufhin, Adidas zu boykottieren.[iv] Und natürlich meldete sich auch Jibril zu Wort, diesmal in seiner Funktion als Vorsitzender des Olympischen Komitees. Er erklärte: „Jerusalem bleibt arabisch – islamisch und christlich, und jedes Element, welches die israelische Besetzung dieser Stadt unterstützt, wird von allen Arabern boykottiert werden.“[v]
Während also die FIFA vom Fussball als Brückenbauer träumt, praktiziert der Vorsitzende eines ihrer Mitgliedverbände das genaue Gegenteil davon, indem er sich bei jeder Gelegenheit gegen jegliche Normalisierung zwischen Israelis und Palästinensern ausspricht. Distanzierungen oder gar Verurteilungen solcher Aussagen sind aus offiziellen Kreisen der Palästinensischen Autonomiebehörde keine bekannt. Ist es der FIFA ernst mit ihrem Mission Statement, wäre es wünschenswert, dass sie den Palästinensischen Fussballverband und seinen Vorsitzenden für dieses Verhalten verwarnt oder ihnen gar – falls sich keine Besserung abzeichnet – die rote Karte zeigt.
Michel Wyss
[i] Palestinian Media Watch: Palestinian Football Association opposes normalization with Israel in sports, palwatch.org, 16. Januar 2012, Quelle: Al-Hayat Al-Jadida, 16. Januar 2012, (aufgerufen am 28. Juni 2012)
[ii] Palestinian Media Watch: Sports official opposes normalization with Israel ”in all its forms,” including sports, palwatch.org, 8. Januar 2012, Quelle: Al-Hayat Al-Jadida, 8. Januar 2012, (aufgerufen am 28. Juni 2012)
[iii] Palestinian Media Watch: Palestinian Football Association has policy against all contact and activity with Israel, palwatch.org, 21. Juli 2011, Quelle: Al-Hayat Al-Jadida, 21. Juli 2011, (aufgerufen am 28. Juni 2012)
[iv] AFP: Arab sports council boycotts Adidas over Jerusalem event, ynetnews.com, 4. April 2012 (aufgerufen am 28. Juni 2012)
[v] Palestinian Media Watch: Arab sports ministers boycott Adidas for sponsoring an Israeli marathon in Jerusalem, palwatch.org, 5. April 2012 Quelle: Al-Hayat Al-Jadida, 5. April 2012, (aufgerufen am 28. Juni 2012)