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Bon Anniversaire, Gérard!
Franzosen pfeifen gerne hübschen Frauen hinterher, trinken literweise Rotwein und verputzen Berge von Fleisch. Niemand verkörpert diese deutschen Vorurteile so gut wie Schauspieler Gérard Depardieu, der am 27.12. seinen 60. Geburtstag hatte – gefeiert wurde jedoch am 30. Januar im Kreise seiner engsten Freunde.
Anfangs sieht es, wie so oft, nicht nach der großen Weltkarriere aus. In der Schule hat der kleine Gérard wegen einer Sprachstörung Probleme, kann dem Unterricht kaum folgen.
Im Alter von 13 Jahren führt dies dazu, dass er die Schule abbricht und stattdessen eine Druckerlehre beginnt. Doch auch im Arbeitsleben fühlt er sich nicht wohl. Kurze Zeit später schmeißt er auch die Ausbildung.
Es dauert ein paar Jahre, in denen Depardieu kurz davor ist, in die Kriminalität abzudriften, bevor er seine Passion für die Schauspielerei entdeckt. Als Arbeit empfindet er diese aber nie: “Ich lebe mich selbst. Schauspieler, die spielen, sind meiner Ansicht nach uninteressant.”
Seine erste Hauptrolle in Bertrand Bliers Filmklassiker "Die Ausgebufften" (Les Valseuses, 1974) lieferte das passende Ventil für seine raue Art, die er sich in der Provinz angeeignet hatte.
Die "Ausgebufften", das waren zwei kleinkriminelle, erotisch unersättliche Herumtreiber, die vom Leben nahmen, was sie kriegen konnten, und nichts wieder zurückgaben. Depardieu hat solch einen Part immer mal wieder gespielt. Und sein Image war noch davon gefärbt, als er längst ein Exportartikel geworden war: der prototypische „Gaulois“, der von der Zigarette gleichen Namens nicht zu trennen ist und sich offensiv zu gastronomischen Leidenschaften bekennt. Wie 1990 in Peter Weirs Komödie "Green Card", in der er dem Öko-Schick von Andie McDowell ein pralles Stück Rindfleisch ungewisser Herkunft entgegenhält.
Zu der Zeit war freilich längst klar, dass hinter der rauen Fassade und dem "Gauloises"-Dunst ein Mann voller überraschender Qualitäten steckte. Das Publikum hatte in Depardieu einen Ausnahmeschauspieler gefunden. Er drehte entspannte Komödien mit dem "langen Blonden" Pierre Richard als Partner ("Die Flüchtigen", 1986), Außenseitergeschichten und Grotesken ("Der Loulou", 1980, "Abendanzug", 1986) und opulente Kostümfilme ("Jean de Florette", 1986, "1492", 1992). Eine ganz andere, empfindsame Seite zeigte er in dramatischen Rollen mit Partnerinnen wie Catherine Deneuve und Fanny Ardant unter der Regie von François Truffaut ("Die letzte Metro", 1980; "Die Frau nebenan", 1981).
Gérard Depardieu hat Einspielergebnisse erzielt wie kein anderer französischer Star, er hat zwei Césars gewonnen und wurde für seine Hauptrolle als “Cyrano de Bergerac” sogar für einen Oscar nominiert, verlor aber gegen den Briten Jeremy Irons.
Seine Produktivität entspricht dem Klischee des Maßlosen, Exzessiven: Er war in 160 Filmen zu sehen und hat zurzeit schon wieder zehn in der Pipeline. Der richtige Augenblick, scheint Depardieus Karriere zu sagen, ist immer jetzt.
Demnächst steht Depardieu wieder für eine internationale Produktion vor der Kamera. In “Vivaldi”, der Biografie des exzentrischen Violinisten Antonio Vivaldi, spielt er neben Joseph Fiennes, Jacqueline Bisset und Marcolm McDowell den Aristokraten Gavinot - gedreht wird in Venedig und Wien.