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Andy Serkis ist keine Sekunde in Rise of the Planet of the Apes zu sehen und dennoch spielt er eine tragende Rolle im Science-Fiction-Film. Er schlüpft in die digitale Haut des intelligenten Affen Caesar und haucht der Figur Leben ein. Unlängst wurden Stimmen lauter, man müsse die schauspielerische Leistung von Serkis, der auch Gollum (The Lord of the Rings, The Hobbit) und Kapitän Haddock (The Adventures of Tintin) spielte, endlich anerkennen und ihn unter Umständen sogar auszeichnen. Warum ihn also nicht als “Bester Nebendarsteller” für einen Oscar® (zumindest) nominieren? Motion-Capture-Technik zeichnet jede Muskelbewegung (vom Arm- bis zum Gesichtsmuskel) auf und transportiert sie in den Computer, wo sie auf das digitale Skelett übertragen wird. Einerseits wird argumentiert, dass die digitale Haut vergleichbar sei mit der klassischen Maske, die unzählige Schauspieler in teils stundenlanger Arbeit aufgeklebt und aufgepinselt bekommen. Andererseits stellt sich die Frage, ob man Serkis’ Leistung überhaupt beurteilen kann, wenn es keine echten Vergleichswerte gibt – dafür käme die Technik noch zu wenig zum Einsatz. Fakt bleibt, es ist Andy Serkis, der das digitale Skelett zum Leben erweckt und nicht eine Gruppe von Animationskünstlern, die mittels Key-Frame-Animation Figuren bewegen. Bleibt die Frage, ist Serkis nun Schauspieler oder Puppenspieler?
Filmpartner James Franco (127 Hours) hat eine klare Meinung:
“Über Jahre waren Schauspieler aufgrund der Computertechnik gezwungen, vor Tennisbällen zu spielen, wenn ein Film CG-Kreaturen beinhalten sollte. Aber mittlerweile hat die Technik den Kreis geschlossen. Schauspieler die CG-Kreaturen spielen, können nun am klassischen Set anwesend sein, wie echte ‘menschliche’ Schauspieler. In der Schauspielschule habe ich gelernt, nicht zu agieren, sondern zu reagieren und so konnte ich unerwartete Resultate erzielen, indem ich eine Performance nicht plante, sondern sie zwischen zwei Schauspielern entstehen liess. Bei ‘Rise of the Planet of the Apes’ war mir genau dies möglich, indem ich Andy als Caesar gegenüberstand. Und Andy konnte das gleiche machen, weil jede Geste, jeder Gesichtsausdruck, jeder Ton eingefangen wurde, seine Performance wurde eingefangen.
Was das Weta-Effekt-Team gemacht hat, ist das Aussehen von Caesar über die Performance von Andy zu ‘zeichnen’. Das ist nicht Animation, sondern vielmehr digitales Make-up. Es gibt unzählige Oscargewinner, die auf klassisches Make-up angewiesen waren, um ihren Charakter entstehen zu lassen: John Hurts in ‘The Elephant Man’, Nicole Kidman in ‘The Hours’, Sean Penn in ‘Milk’. Diese Schauspieler waren auf Make-up-Künstler angewiesen, um dem Aussehen ihres Charakters Tiefe zu verleihen, trotzdem kam die Performance allein vom Schauspieler selbst. Das ist exakt die Situation, in der sich Andy befindet. Sein Problem ist, dass die Arbeit der Computer-Make-up-Künstler so überzeugend ist, dass man vergisst, dass er die Seele von Caesar darstellt. Diese Seele, die den Film unwiderstehlich macht, kam von Andy, und die Art und Weise wie er diese Seele einfangen und übermitteln konnte, ist von gleicher, wenn nicht grösserer Bedeutung als die fotorealistische Oberfläche des Charakters.”