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«Stadt des Friedens», Yerushalaim, ist die Zusatzbezeichnung der Hauptstadt Israels. Vor 3000 Jahren wurde sie vom jüdischen König David auf 800 Meter über Meer zum geistlichen Zentrum gemacht. Die Israeliten, Babylonier, Perser, Römer, Araber, Seldschuken, Kreuzritter, Mameluken und Osmanen – um nur ein paar Völker zu nennen – sorgten für eine Vielzahl von Bauwerken, die es praktisch verunmöglichen, beispielsweise eine U-Bahn durch Jerusalem zu planen; der Untergrund ist aus archäologischer Sicht zu bedeutend.
Stattdessen reisen die gegen 900000 Einwohner in Israels grösster Stadt mit der im August 2011 eröffneten Stadtbahn. Sie führt von Pisgat Ze’ev im Norden von Ostjerusalem über die Calatrava-Brücke auf knapp 14 Kilometern bis zum Herzlberg, Heimat des eintrittsfreien Holocaust- Museums Yad Vashem.
Faszinierende Reise durch 3000 Jahre Geschichte
Die heilige Stadt mit ihren rund 1000 Synagogen, 158 Kirchen und 73 Moscheen übt eine einzigartige Faszination aus. Die Metropole sollte man daher nicht auf einem Tagesausflug entdecken, sondern für das Städtereiseziel mindestens drei Nächte einplanen. Die Altstadt ist in einen armenischen, christlichen, jüdischen und arabischen Bereich unterteilt, jeder mit einem ganz eigenen Charme.
Die erste Begegnung mit der Hauptstadt geschieht idealerweise vom Ölberg aus. Von dort zeigt sich die Altstadt mit der goldenen Kuppel des Felsendoms besonders spektakulär. Weiter geht es zu Fuss mit dem für die Christen so bedeutenden kleinen Garten Gethsemane, dem Mariengrab und der Altstadt durch das Löwentor. Über die Via Dolorosa, dem Leidensweg Christi, vorbei an unzähligen Marktständen, gelangt man zur Grabeskirche, deren Schlüssel in den Händen des Moslems Wajeeh Nuseibeh ist, weil sich die drei christlichen Konfessionen nicht einigen konnten. Die Grabeskirche befindet sich an jener Stelle, wo Jesus gekreuzigt und zu Grabe getragen worden sein soll.
Um den Konflikt zwischen Juden und Arabern besser zu verstehen, muss man innerhalb der Altstadt weiter zur Westmauer spazieren. Die «Kotel» oder Klagemauer ist das spirituelle Zentrum des Judentums, wo der erste und zweite Tempel einst standen, bis ihn die Römer 70 vor Christus zerstörten. Und gleich oberhalb dieses Heiligtums erhebt sich der berühmte Tempelberg, auf dem ursprünglich der jüdische Salomonische Tempel stand und heute der Felsendom und die al-Aqsa-Moschee mit ihrer grauen Kuppel. Der Tempelberg ist Juden und Moslems gleichermassen heilig und daher nicht immer für Besucher geöffnet.
Authors Choice
- Hotels: Mamilla Leading Hotels of the World) oder Harmony (ruhige Lage Nähe Altstadt, super Preis-Leistungs- Verhältnis).
- Restaurants: Machneyuda beim gleichnamigen Markt, israelische Marktküche auf zwei Stockwerken, Chakra israelische Spezialitäten, stets gut besucht, schöne Weinkarte, Gartenterrasse.
- Bars: Talbieh, coole Weinbar mit kleinen Menüs im Jerusalem-Theater, oder Sira, kleines, verrauchtes Lokal, von Studenten besucht.
Die Jerusalemer hautnah erleben
Vor lauter Geschichte vergisst man, dass Jerusalem auch eine moderne Grossstadt ist. Die Mamilla Mall, nur fünf Minuten von der Altstadt entfernt und im so typisch gelblichgoldenen Jerusalemer Stein erbaut eröffnete vor elf Jahren eine nicht überdachte Einkaufsmeile mit Kleiderläden, Kunstgalerien, Restaurants, Cafés, dem luxuriösen Mamilla Hotel und dem «Time Elevator» – einer multimedialen Reise durch 3000 Jahre Jerusalem. Zusammen mit der Lichtshow bei der Davidszitadelle (Jaffator, Altstadt, siehe Seite 18) ist das die beste Art, die Geschichte Jerusalems im Zeitraffer zu verstehen. Aber auch ein Besuch des Museums der arabischen Künste lohnt sich allemal.
In den Alltag der Jerusalemer taucht man, wenn man von der Mamilla die Jaffastrasse hochgeht, wo die erwähnte Strassenbahn verkehrt. Die längste und älteste Einkaufsstrasse Jerusalems führt zum Mahane Yehuda, mit täglich gut 200000 Besuchern der grösste Markt Israels. In dessen Umfeld sind in den letzten Jahren zahlreiche trendige Restaurants, Bars und Cafés entstanden. Das gilt auch für die nahgelegenen Fussgängerzonen Ben Yehuda und das Viertel Nachlat Shiva. In Jerusalem, nicht nur in Tel Aviv, hat sich eine innovative Gastronomieszene etabliert. Ein Grund mehr, genügend Zeit für die Stadt mit ihren so unterschiedlichen Facetten einzuplanen.
Reto E. Wild
ASK THE LOCALS!
Sara Hatav (36) Office Manager Be Tel Aviv Tours, Tel Aviv
«In Jerusalem kenne ich ein kleines, herziges und heimeliges Café: Es heisst Y, hat zwei oder drei kleine Tischchen und befindet sich im Quartier Nachlaot in der Nähe des Marktes Mahane Yehuda. Es gibt super Kaffee Cortado. Ich mag die frische Luft und beobachte gerne die vorbeiziehenden Touristen und Einheimischen. Das Café kenne ich von meinem Vater, der aus Jerusalem stammt. Meine Mutter ist übrigens Luzernerin.