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Ebenso hat der Bundesrat das Planungsgebiet für eine Höchstspannungsleitung zwischen All'Acqua und Magadino durch das Maggiatal festgesetzt. Dadurch soll eine Neuordnung der Leitungen sowie durch den Rückbau von über 60 km Hochspannungsleitungen eine Entlastung der wertvollen Landschaften im Gebiet „Alto Ticino“ erreicht werden.
Die beiden Sachplanverfahren Übertragungsleitungen (SÜL) 106 (Airolo – Lavorgo) und 109 (All’Acqua – Vallemaggia – Magadino) sind materiell verbunden. Die Planungen sowie die Koordination der beiden Verfahren basieren auf einer umfangreichen Studie über die Neuordnung des Hoch- und Höchstspannungsnetz im „Alto Ticino“, die in Abstimmung mit dem Kanton Tessin, der Swissgrid AG, der Azienda elettrica ticinese (AET) und den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) erarbeitet wurde.
Innerhalb des Gebiets „Alto Ticino – Westlicher Teil“ besteht das Übertragungsnetz derzeit aus 220-kV-Leitungen. Die meisten dieser Leitungen stammen aus den 30er und 50er Jahren und müssen innerhalb der nächsten 10-20 Jahre in jedem Fall ersetzt oder modernisiert werden. Zudem genügen die bestehenden Leitungen teilweise den Anforderungen des schweizerischen 380-kV-Netzes nicht. Die heutigen Leitungsengpässe sollen mit den neu geplanten Leitungen beseitigt werden.
Festsetzung des Planungskorridors für den Leitungszug Airolo – Lavorgo (SÜL 106)
Heute besteht zwischen Airolo und Lavorgo eine Übertragungsleitung mit einer Spannung von 220 kV, die 1933 für 150 kV gebaut wurde (1955 auf 380 kV umgebaut, seither aber auf 220 kV betrieben) und mittelfristig in jedem Fall erneut werden müsste. Mit dem Ersatz der bestehenden Leitung durch eine 380 kV Höchstspannungsleitung kann das 380 kV-Netz auf nationaler und internationaler Ebene vervollständigt werden. Für den Betrieb mit 380 kV muss jedoch das Leitungstrassee angepasst werden. Der neue 380-kV-Leitungsabschnitt auf der rechten Talseite der Leventina soll mit einer neuen 132-kV-Leitung der SBB gebündelt werden. Diese neue Leitung der SBB wird künftig der sicheren Stromversorgung der Anlagen der AlpTransit Gotthard AG dienen. Sie gehört zum strategischen Netz der SBB (Verbindung Airolo – Vezia) und bindet die neuen Unterwerke in Pollegio und Vezia in das Bahnstromnetz ein.
Mit der Festsetzung des Planungskorridors durch den Bundesrat kann die Swissgrid AG nun das Plangenehmigungsgesuch für den geplanten Leitungszug zwischen Airolo und Lavorgo ausarbeiten. Die rund 23 km lange 380 kV-Höchstspannungsleitung ergänzt die Ost-West-Achse zwischen Chamoson (VS) und Lavorgo und ist Teil des strategischen 50 Hz-Netzes, das vom Bundesrat am 6. März 2009 verabschiedet wurde. Sie verbessert den Abtransport der Stromproduktion von den Wasserkraftwerken im Wallis und erhöht dank Redundanz der Leitung Mettlen – Lavorgo die Versorgungssicherheit im Tessin. Durch die geplante zukünftige Verbindung über den Pass San Giacomo sowie der Verbindung entlang der Achse Mettlen – Lavorgo – Musignano kann zudem die Übertragungskapazität Nord-Süd ausgebaut werden.
Festsetzung des Planungsgebiets für den Leitungszug All’Acqua – Vallemaggia – Magadino (SÜL 109)
Das SÜL-Verfahren 109 sieht eine neue 220 kV-Höchstspannungsleitung mit zwei Systemen von All’Acqua bis Magadino durch die Vallemaggia vor und ist eine zwingende Voraussetzung für die Realisierung des SÜL 106. Die Erkenntnisse aus der oben erwähnten Studie und deren Diskussion in der Begleitgruppe zum SÜL-Verfahren 106 haben dazu geführt, dass das vorliegende SÜL-Verfahren 109 an die Hand genommen wurde. Das SÜL-Verfahren 109 hängt somit materiell mit dem SÜL-Verfahren 106 Airolo – Lavorgo zusammen. Mit der Festsetzung des Planungsgebiets soll die Basis für eine Neuordnung des Hoch- und Höchstspannungsnetz im „Alto Ticino“ geschaffen werden.
Viele der bestehenden Leitungen im Maggiatal sind veraltet und müssen in den nächsten 10 bis 20 Jahren in jedem Fall entweder saniert oder verstärkt werden. Durch die Realisierung des SÜL-Verfahrens 109 kann der Abtransport der Stromproduktion verbessert und damit künftig die Drosselung der Wasserkrafterzeugung im Maggiatal und im Bleniotal aufgrund zu geringer Übertragungskapazitäten vermieden werden. Werden die beiden SÜL-Verfahren 106 und 109 vollständig realisiert, können insgesamt 60.6 km Hochspannungsleitungen rückgebaut werden, was eine erhebliche Entlastung landschaftlich wertvoller Gebiete mit sich bringt.
Anhörungen durchgeführt
Die Anhörung des Kantons Tessin sowie die Mitwirkung der Bevölkerung erfolgte vom 26. Mai bis 31. Juli 2015:
Die vom Kanton Tessin zum SÜL 106 geltend gemachten Anliegen konnten zum grossen Teil im erläuternden Bericht als Hinweis für das Plangenehmigungsverfahren aufgenommen werden. Die wichtigsten Argumente aus den Stellungnahmen von Privatpersonen und Organisationen wurden im erläuternden Bericht behandelt.
Die Rückmeldungen aus der Öffentlichkeit zum 109 waren im Allgemeinen mehrheitlich positiv. Der Kanton Tessin ist mit dem bereinigten Objektblättern und den erläuternden Berichten einverstanden.
Eine Begleitgruppe begleitete das Bundesamt für Energie (BFE) bei der Durchführung der Verfahren. Sie kam zum Schluss, dass der vorgesehene Korridor im SÜL 106 aus Sicht der Schutzkriterien insgesamt wenige Konflikte aufweist, die im Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens gelöst werden können. Weiter wurden auch Umfang und Lage des Planungsgebiets im SÜL 109 mit der Begleitgruppe abgestimmt. Die Begleitgruppe stimmte sowohl dem erarbeiteten Leitungskorridor (106) als auch dem Planungsgebiet (109) einstimmig zu. Dies jedoch unter dem Vorbehalt, dass das Vorhaben gemäss SÜL 106 nur genehmigt werden darf, wenn auch das Verfahren 109 zügig vorangetrieben wird und die darin enthaltenen Ersatzmassnahmen umgesetzt werden. Als Ersatzmassnahme für die Realisierung des SÜL-Verfahrens 106 Airolo – Lavorgo ist unter anderem die Neuordnung der Leitungen im Maggiatal mit dem damit verbundenen Rückbau von 60.6 km Hochspannungsleitungen vorgesehen.
Text: Generalsekretariat UVEK