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Der Vierwaldstättersee ist weltberühmt für seine Landschaft, für seine Geschichte und für die einzigartige Flotte von historischen Raddampfern. Weit weniger bekannt ist die Tatsache, dass auf ebendiesem See Schifffahrtsgeschichte geschrieben wurde: In der Zeit zwischen 1952 und 1972 wurden, gebaut in der Waser-Werft in Stansstad, auf dem Vierwaldstättersee Tragflügelboote getestet und damit ein sehr wesentlicher Teil zur Entwicklung dieser Technologie geleistet. Diese Geschichte wird jetzt erstmals in einem Dokumentarfilm erzählt.
Die westeuropäische Entwicklung der Tragflügelboote ist nur unvollständig - in Buchform - dokumentiert, eine filmische Aufarbeitung dieser Geschichte gibt es, soweit den Produzenten bekannt, bislang nicht. Dies macht den Film einzigartig.
Auch wenn die meisten Zeitzeugen leider nicht mehr am Leben sind, gibt es doch noch Personen, die Erlebnisse aus erster Hand erzählen können. Daher ist jetzt der Zeitpunkt, da dieser Film gemacht werden muss. Es geht nicht zuletzt auch darum, Wissen für die Nachwelt zu erhalten.
Wenn nicht wir, wer dann? Durch jahrelange Beziehungen und Recherchen erhalten die Produzenten für diesen Film Zugang zu exklusivem, unveröffentlichtem Bildmaterial. Dazu kommt ein umfangreiches privates Archiv, wohl eines der grössten in der Region, da Produzent und Regisseur Thomas Wuhrmann sich seit 30 Jahren mit der Materie befasst.
Der deutsche Ingenieur Hanns von Schertel hatte bereits seit den späten 20er Jahren mit der Tragflügelboot-Technologie experimentiert, Gotthard Sachsenberg war Besitzer der bekannten Sachsenberg Werft in Rosslau (D). Diese Werft hatte seinerzeit auch den Raddampfer "Stadt Luzern" für den Vierwaldstättersee gebaut. Gemeinsam bauten sie diverse Tragflügelboote für die deutsche Kriegsmarine, wobei keines dieser Boote je in den aktiven Kriegsdienst gestellt wurde. Nach dem Krieg wurden die Besitztümer von der roten Armee enteignet.
Nach dem Krieg gründete der deutsche Ingenieur Baron Hanns von Schertel mit seinem Konstruktionschef Karl J. Büller und seinem Geschäftspartner Gotthard Sachsenberg in Zug die Firma Supramar AG.
In Stansstad wurde als erster Prototyp ein Tragflügelboot für 32 Personen gebaut, das, nach zahlreichen Versuchs- und Demonstrationsfahrten, 1953 auf dem Lago Maggiore als erstes Tragflügelboot weltweit den fahrplanmässigen Dienst aufnahm.Dank der erfolgreichen Fahrten auf dem Lago Maggiore fanden sich für die Supramar, die schon bald den Geschäftssitz nach Luzern verlegte, Lizenznehmer für die folgenden, grösseren Tragflügelboote. Supramar-Boote verkehrten schon bald in Italien, auf dem Ärmelkanal, in Norwegen, Australien und in Japan. Anlässlich der EXPO 64 wurde auch für den Genfersee ein Tragflügelboot beschafft. Die Entwicklung gipfelte Ende der 60er Jahre im Bau des PT 150, des grössten je gebauten Personentragflügelbootes
In den 90er Jahren wurde die Technologie totgesagt, Katamarane und schnittige Monohulls hatten den Tragflügelbooten den Rang abgelaufen. Die Firma Supramar existiert mittlerweile nicht mehr. Wer heute das Gefühl des Schwebens über dem Wasser erleben will, kann das - wie vor über 60 Jahren - noch auf dem Lago Maggiore tun.
Zurück auf dem Vierwaldstättersee, 2016; Tragflügelboote gibt es hier keine mehr. Im Urnersee sind aber Kitesurfer mit Tragflügeln unter ihren Brettern unterwegs. Im Alpnachersee flitzen kleine Segelboote der "Moth"-Klasse auf Tragflächen übers Wasser. Der Kreis einer spannenden, aber wenig bekannten Geschichte schliesst sich. Und genau diese Geschichte soll nun erstmals in einem Film erzählt werden.