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Female Team Leader Consults Young Computer Engineer. They Work in a Crowded Office on a Neural Network/ Artificial Intelligence Project.
von Dr. Christian Kurz
Menschen haben ein ausgeprägtes Verlangen nach «Kontrolle» bzw. der persönlichen Möglichkeit, Dinge beeinflussen zu können. Sie wollen sich in der Lage fühlen, das eigene Schicksal beeinflussen zu können. Niemand möchte diesem hilflos ausgeliefert sein. Es existiert das natürliche Bedürfnis, Veränderungen selbst zu verursachen. Hierdurch entsteht das Gefühl von Kompetenz, was wiederum zu einem Anstieg des eigenen Selbstwerts führt.
Kommt es zu einem Kontrollverlust, so kann dies zu weiterreichten Konsequenzen für die betreffenden Menschen führen. Dies wurde anhand zahlreicher Experimente bestätigt. Schulz und Aderman zeigen beispielsweise, dass sich ein möglicher Kontrollverlust nachteilig auf die Lebensdauer unheilbar krebskranker Menschen auswirken kann. Sie analysierten hierzu den Krankheitsverlauf von vergleichbar krebskranken Menschen nach der Einlieferung in ein Pflegeheim. Der eine Teil der analysierten Patienten wurde hierbei von einer anderen Institution und der andere direkt von zu Hause in das Pflegeheim eingewiesen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Patienten, die von einer anderen Institution in ein Pflegeheim überwiesen wurden, durchschnittlich länger lebten als diejenigen, die direkt von zu Hause in das Pflegeheim eingewiesen wurden. Die Autoren schliessen daraus, dass es im Falle der Einweisung von zu Hause für die betroffenen Menschen zu einem Kontrollverlust kommt – mit den damit verbundenen nachteiligen Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf.
Glass und Singer zeigen anhand eines Experiments, welche Auswirkungen der Kontrollverlust in Verbindung mit einem Störsignal auf die Konzentrationsfähigkeit haben kann. Sie teilen hierzu die teilnehmenden Probanden in zwei Gruppen ein: Beide Gruppen müssen jeweils die gleichen Konzentrationsaufgaben lösen und werden währenddessen durch einen unangenehmen Signalton gestört. Der Gruppe 1 wird vor dem Versuchsstart mitgeteilt, dass der Signalton nicht abgestellt werden kann. Gruppe 2 wird hingegen in Kenntnis gesetzt, dass der störende Ton während der Aufgabe abgestellt werden kann, wobei sie während des Lösens der Aufgabe ständig vom Versuchsleiter unter Druck gesetzt werden, die Aufgabe ohne das Abschalten des Störsignals fertigzustellen. Die Ergebnisse zeigen, dass Gruppe 2 im Vergleich zu Gruppe 1 deutlich bessere Ergebnisse erzielt. Bei den Probanden der Gruppe 1 scheint sich der Kontrollverlust – der störende Signalton kann nicht abgeschaltet werden – negativ auf die Konzentrationsfähigkeit ausgewirkt zu haben.
Als Folge aus dem Motiv nach Kontrolle ist die sogenannte Kontrollillusion zu sehen. Hierunter ist zu verstehen, dass Menschen häufig der Ansicht sind, Situationen deutlich stärker unter Kontrolle zu haben, als dies in Realität eigentlich der Fall ist. Es kommt zur Illusion über die tatsächlich vorherrschende Kontrolle. Dies gilt insbesondere für die Fähigkeit, Ereignisse vorhersagen zu können, oder über das vollständige Wissen ereignisbeeinflussender Faktoren zu verfügen. Es kommt zur eigenen Täuschung aufgrund der vorliegenden Illusion.
Die möglichen Gründe dafür sind vielfältig. So sind Langer als auch Langer und Roth der Ansicht, dass die Kontrollillusion auf die Faktoren Entscheidung, Bekanntheit, Information sowie bisheriger Erfolg zurückzuführen ist. Die Möglichkeit, eigene Entscheidungen treffen zu können, ist einer der wichtigsten Faktoren für das Entstehen von Kontrollillusion. So zeigen Studien, dass sich Menschen beim Lotteriespiel höhere Gewinnchancen zurechnen, wenn sie in der Lage sind, die Zahlen selbst zu ziehen, als wenn ihnen die jeweiligen Zahlen zugeteilt werden. Weiter ist dem Faktor Bekanntheit eine bedeutende Rolle zuzuschreiben. Menschen können gerade dann zur Illusion der Kontrolle tendieren, wenn ihnen die jeweilige Situation sehr bekannt ist. Das kann durch häufiges Erleben hervorgerufen werden. Je neuer und befremdlicher die Situation für den Entscheider ist, desto geringer ist die Gefahr, der Kontrollillusion ausgeliefert zu sein.
Auch die zur Verfügung stehenden Informationen haben einen entsprechenden Einfluss auf die Ausprägung der Illusion. Mit zunehmender Informationsmenge ist ein Anstieg der Kontrollillusion zu erwarten. Auch der Faktor bisheriger Erfolg hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Entstehen illusionärer Kontrolle. So lässt sich beobachten, dass es infolge einer Serie richtiger Einschätzungen verstärkt zum Auftreten der Kontrollillusion kommt. Häufig werden die positiven Einschätzungen nur den eigenen Fähigkeiten zugeschrieben. In der Folge kommt es zur Extrapolation dieser Einschätzung für zukünftige Entscheidungen.
Gerade in einer Welt, in der die Menge von Informationen ständig zu nimmt, scheint die Illusion von Kontrolle ausgeprägter denn je. Seien sie sich bewusst, dass eine vermeintliche Kontrolle nichts weiter als eine Fata Morgana sein kann. Die Kontrollillusion kann zudem als Erklärung für das Auftreten von «Selbstüberschätzung», auch «Overconfidence Bias» genannt, fungieren.
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