Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03502.jsonl.gz/1798

Eleganz, Sinnlichkeit, Lebensfreude, Romantik – Champagner
Teilen
«Ohne Champagner kann ich nicht leben. Wenn ich gesiegt habe, verdiene ich ihn, wenn ich eine Schlacht verloren habe, brauche ich ihn.»
Zitat Napoleon I. Bonaparte
Kaum ein Label ist weltweit so geschützt, wie das des Champagners. Seit 1935 dürfen Flascheninhalte aus dem Gebiet der Champagne, hergestellt aus den drei zugelassenen Rebsorten Pinot noir, Pinot meunier und Chardonnay, den Namen Champagner tragen. Die führenden Champagner-Häuser, verwenden für dieses exklusive Getränk nur die erste Pressung der Trauben. Die Cuvée. In der Regel werden zwei Drittel blaue Trauben mit einem Drittel weisse Trauben gemischt. Dem Champagner, der ausschliesslich aus weissen Chardonnay-Trauben hergestellt wird, ist der Name Blanc de Blancs vorbehalten. Die alkoholische Gärung des Champagners gleicht im ersten Schritt der des Weissweins. Die Weiterverarbeitung zu Champa-gner ist eine aufwendige Kunst, zu der viel Know-how und Fingerspitzengefühl gehört. Nach der ersten Gärung wird aus dem Wein eine Assemblage aus unterschiedlichen Rebsorten, Lagen und Jahrgängen her-gestellt. Diese Mischung wird dann mit Zusatz von Zucker und Hefe auf die Flaschen gezogen. Dieser Zusatz trägt den Namen Liqueur de triage. Nach der Verkorkung der Flaschen erfolgt die zweite Gärung, die für die Qualität des Champagners ausschlaggebend ist. Ab jetzt bildet sich die Kohlensäure. Der gleichzeitig entstehende Niederschlag aus abgestorbenen Hefezellen, sinkt auf den Boden der Flasche. Dort lagert er mindestens 12 Monate, bei einem Jahrgangschampagner mindestens drei Jahre. Die Flaschen werden in dieser Zeit Kopfüber gelagert und regelmässig mit kleinen Rucken gedreht. Durch diesen Vorgang verteilt sich der Niederschlag neu und beeinflusst die Aromen des Champagners. Für die Fertigstellung eines Champagners werden die Flaschen verkehrt herum in Raster gestellt und die Flaschenhälse blitzartig vereist. Dank der Kälte sammelt sich die Hefe in Pfropfen auf dem Korkenhals und kann problemlos entfernt werden. Jetzt wird der durchgegorene, trockene Rohchampagner neu verkorkt. Ab diesem Augenblick dürfen die Korken laut Gesetz den Namen Champagne tragen. Abhängig von der Philosophie des jeweiligen Champagner-Hauses, wird die Dosage gestaltet. Diese Dosage auch Liqueur d’expédition genannt, wird individuell gemixt und dem Champagner zugegeben. Je nach Zuckergehalt der Dosage wird der Champa-gner mit den Qualifikationen brut zéro, brut, sec oder semi-sec versehen.
Damen, wie Madame Pommery oder Madame Nicole Clicquot Ponsardin schrieben Champagner-Geschichte. Frauen wie Madame Virginie Taittinger oder Madame Béatrice Cointreau bewahren heute ihr Erbe.
Madame Pommery ist nicht nur der klangvolle Name eines Champagners, sie hat wirklich gelebt – und wie! Eine Elitefrau mit Herz und Energie.
1836 begann Narcisse Greno einen kleinen Handel mit Champagner. Aus Liquiditätsgründen machte er 20 Jahre später einen Wollhändler aus Reims, Louis Alexandre Pommery, zu seinem Partner. Zwei Jahre später starb Monsieur Pommery, und seine junge Witwe, die Urgrossmutter eines damaligen Firmenchefs Alain, Prince de Polignac, übernahm die Geschäftsleitung. In weniger als 30 Jahren machte Madame Pommery ihren Champagner zu einem der renommiertesten und bedeutendsten der Champagne.
Madame Pommery war die erste Dame, die schon 1874 einen Brut-Champagner herstellte. Als die Witwe 1890 starb, lag der Verkauf bei stolzen 2 Millionen Flaschen.
Es war ebenfalls eine Frau, die den Champagner Veuve Clicquot weltweit berühmt machte. Auch sie übernahm als junge Witwe die Führung des Champagnerhauses ihres Gatten. Madame Clicquot ist die Erfinderin des Rüttelpultes, eines Holzgestelles, in dem die Flaschen mit dem Hals nach unten lagern und sehr einfach von Hand gerüttelt werden können. Nicht nur mit dieser Erfindung ging sie in die Geschichte ein! Ihr glückte dank der vorzüglichen Qualität ihres
Champagners die friedliche Eroberung Russlands. 1814 gelang es ihren Kurieren, durch die Blockade Napoleons Veuve-Clicquot-Champagner an den Hof des Zaren nach Sankt Petersburg zu bringen. Seine Ankunft wurde im Gegensatz zur drohenden Invasion Napoleons stürmisch gefeiert.
Eine der herausragendsten Champagner-Botschafterinnen unserer Zeit ist die attraktive Virginie Taittinger. Die ursprünglich aus Österreich stammende Familie Taittinger produziert bereits seit 1734 Champagner. Virginie Taittinger repräsentiert eines der wenigen grossen Champagner-Häuser, das vollständig im Familienbesitz ist. Ihr Terminkalender ist randvoll, neben ihrer Rolle als Mutter von zwei Kindern ist sie Marketingchefin von Taittinger, moderiert Fernsehsendungen und schreibt Bücher wie den modernen Knigge für die berühmte Prise Höflichkeit.
Wie im Hause Taittinger, prägt auch im Hause Gosset eine junge, intelligente Frau mit viel Charme und Herz den Charakter des Unternehmens. Béatrice Cointreau ist die Firmenchefin der Renaud-Cointreau-Gruppe. Das Weltlabel «Champagne Gosset» liegt ihr besonders am Herzen. Sie trägt den Titel «1st Dame Chambellan de la Confrérie de l’Ordre des Côteaux de Champagne». In dieser Position gilt es, die alte Champagner-Tradition zu pflegen, ihre eigene Generation zu repräsentieren und der kommenden Generation die Türen zu öffnen.
Sie ist das jüngste von acht Geschwistern und hat die richtige Nase für die sehr sensiblen Aromen und Geschmäcke des Champagners. Im Übrigen studierte sie Rechtswissenschaft, Betriebswirtschaft und Önologie, um das perfekte Know-how für ihre heutige Position als CEO mitzubringen. Mit Charme, Stil und Kompetenz ist Béatrice Cointreau eine der charmantesten Botschafterinnen des Champagners.
Beatrice van Streen ist seit vielen Jahren meine gute Freundin und Mitarbeiterin. Sie hat für La Tavola spannende, wissenswerte und geistreiche Artikel, Reportagen und Kolumnen über den Wein geschrieben. Danke, liebe Beatrice, für deine spritzigen Texte mit Tiefgang und Humor.