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Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison mit 88 Jahren gestorben
Das «Gewissen Amerikas» ist verstummt: Toni Morrison widmete ihr Leben dem Schreiben gegen Rassismus in den USA. Nun ist die Literaturnobelpreisträgerin im Alter von 88 Jahren gestorben.
Die Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison ist tot. Morrison, die als eine der wichtigsten afroamerikanischen Schriftstellerinnen gilt, starb am Montagabend im Alter von 88 Jahren, wie ihr Sprecher Paul Bogaards der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag bestätigte.
Morrison wurde mit ihren Werken, in denen sie den Rassismus in den USA anklagte, zum «Gewissen Amerikas». Ihre Werke verkauften sich millionenfach. Die wortgewaltige Autorin kämpfte schon länger mit gesundheitlichen Problemen und sass im Rollstuhl.
Den Beginn ihrer literarischen Karriere markierte 1970 «Sehr blaue Augen», ein Buch, in dem sie beschrieb, was es hiess, als Schwarze aufzuwachsen. Das Werk wurde ein gefeierter Erfolg. Es folgten weitere Erfolgsromane wie «Sula», «Solomons Lied», «Teerbaby», der Sklavenroman «Menschenkind», «Jazz» und das 500-Seiten-Werk «Paradies».
1993 erhielt Morrison den Literaturnobelpreis. Für ihren Roman «Menschenkind» wurde sie zudem 1988 mit dem Pulitzer-Preis und dem American Book Award geehrt. Die Geschichte um einen während des US-Bürgerkriegs von Kentucky in den freien Staat Ohio geflohenen Sklaven wurde später mit Danny Glover und Oprah Winfrey verfilmt.
Mit US-Freiheitsmedaille geehrt
2012 wurde Morrison vom damaligen Präsidenten Barack Obama mit der US-Freiheitsmedaille ausgezeichnet. 2017 erschien ihr Roman «Gott, hilf dem Kind» auf Deutsch, 2018 ihre Essays «Die Herkunft der anderen: Über Rasse, Rassismus und Literatur».
Nebenbei lehrte die 1931 in der Kleinstadt Lorain im US-Bundesstaat Ohio als Chloe Wofford geborene Autorin jahrelang an der Eliteuniversität Princeton kreatives Schreiben. 2010 starb einer ihrer beiden Söhne an Krebs, ein Schicksalsschlag, mit dem Morrison lange kämpfte.
Morrisons langjähriger Herausgeber Robert Gottlieb vom Verlag Knopf schreib: «Sie war eine grossartige Frau und eine grossartige Autorin, und ich weiss nicht, welche von beiden ich mehr vermissen werde.»
«Nationaler Schatz»
Verlagschef Sonny Mehta erklärte, wenige US-Autoren hätten «mit mehr Menschlichkeit oder mehr Liebe zur Sprache geschrieben als Toni». Ihre Erzählungen und Romane gehörten zu den absoluten Standard-Werken der US-Literatur, «aber noch viel wichtiger - sie werden bis heute von den Lesern geliebt».
Die Nobelstiftung würdigte Morrison als «eine der stärksten und einflussreichsten literarischen Kräfte unserer Zeit». Auch zahlreiche Kollegen und Fans verliehen ihrer Trauer über den Tod der Schriftstellerin öffentlich Ausdruck.
Der frühere US-Präsident Barack Obama veröffentlichte auf Twitter ein Foto, das ihn gemeinsam mit der Autorin im Weissen Haus zeigt. «Toni Morrison war ein nationaler Schatz und auf Buchseiten wie in echt eine faszinierende Geschichtenerzählerin. Ihre Texte waren eine wunderschöne und bedeutende Herausforderung an unser Gewissen und unsere moralische Vorstellungskraft.(...)»