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Der Brocken aus dem All war zehn bis fünfzehn Kilometer gross, und er hatte eine Geschwindigkeit von 22 Kilometern pro Sekunde. Als der Meteorit vor 66 Millionen Jahren auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán einschlug, verursachte er eines der grössten Massensterben der Erdgeschichte. Rund drei Viertel der Tier- und Pflanzenarten an Land und im Meer wurden ausgelöscht, darunter auch die Dinosaurier – mit Ausnahme der Vögel.
Der Meteorit, der die bis dahin rund 150 Millionen Jahre dauernde Herrschaft der Dinos beendete, war einer der sogenannten «Global Killer», deren Einschlag eine weltweite Katastrophe verursachte. Die Energie, die der Aufschlag freisetzte, entsprach mindestens 200 Millionen Hiroshima-Bomben. Auf die gewaltige Explosion folgte eine Reihe von verheerenden Erdbeben und Tsunamis.
Doch wahrhaft global war eine andere Folge des Impakts. Durch den Einschlag des Brockens wurden gewaltige Mengen von – übrigens erdölhaltigem – Gestein hoch in die Atmosphäre geschleudert. In Form von glühenden Partikeln, die überall Feuersbrünste verursachten, sank es wieder auf die Erde zurück. Durch die weltweiten Brände gelangten schätzungsweise 15 Milliarden Tonnen Russ in die Atmosphäre, wie US-Wissenschaftler kürzlich mithilfe eines Supercomputers berechnet haben.
Die Forscher des National Center for Atmospheric Research in Boulder stellten zum ersten Mal genaue Modellrechnungen über die Klimaveränderung an, die auf den kosmischen Treffer folgte. Sie kamen zum Schluss, dass der Russ höher in die Atmosphäre stieg als bisher angenommen. Die Russteilchen verteilten sich wie ein Schleier über die gesamte Erde und absorbierten oder reflektierten die Sonnenstrahlung. Tagsüber war es nun so dunkel wie in einer Mondnacht – 18 lange Monate lang.
Wie bei einem vulkanischen Winter führte die Verdunkelung zu einer Abkühlung in den unteren Schichten der Atmosphäre, während sich die Stratosphäre durch das reflektierte Sonnenlicht erwärmte. Während der anderthalbjährigen Dunkelheit kam die Photosynthese zum Erliegen, sowohl an Land wie auch im Meer. Zahlreiche Lebewesen, die den Einschlag und die unmittelbar darauf folgenden Verheerungen überlebt hatten, gingen nun ein. Insbesondere zahlreiche grosse Landwirbeltier-Spezies starben aus.
Die Temperaturen sanken gemäss den Simulationen der Forscher viel stärker als bisher angenommen: um bis zu 28 Grad Celsius auf der Erdoberfläche und elf Grad über den Ozeanen. Dem stand die – bereits erwähnte – Aufheizung der Stratosphäre gegenüber. Der Temperaturanstieg in den höheren Schichten der Atmosphäre zerstörte grosse Teile der Ozonschicht, was wiederum dazu führte, dass UV-Strahlung über lange Zeit ungehindert bis zur Erdoberfläche durchdringen konnte. Dies war ebenfalls ein Faktor, der zum Aussterben von Tierarten beitrug.
Auch nachdem sich der Himmel wieder aufgeklärt hatte, dauerte die Kältephase vermutlich noch mehrere Jahrzehnte an. Danach schlug das Klima um; die enormen Mengen an Kohlendioxid, die beim Einschlag durch die Verdampfung von ozeanischen Böden innert Sekunden in die Atmosphäre gelangt waren, sorgten für einen starken Treibhauseffekt, der etwa 50'000 Jahre lang anhielt. Bis das Klima sich wieder endgültig normalisierte, vergingen vermutlich mehrere Hunderttausend Jahre.
(dhr)