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Am 30. April brachte die «Sternstunde Philosophie» ein Interview mit Jason Brennan unter dem Titel «Weg mit der Demokratie». Am 14. Mai diskutierte der «Philosophische Stammtisch» von SRF «Das Ende der Political Correctness». Am 24. Mai strahlte «Kulturplatz» ausgerechnet zum Thema «Entscheide Dich» – es ging um die direkte Demokratie in der Schweiz – die Zusammenfassung der Elitethesen von Jason Brennan aus.
Die Politologin und Klein-Report-Kolumnistin Regula Stämpfli geht der Frage nach, wie digitale Revolution und der Ruf nach «Führerschaft» zusammenhängen und was es mit der Häufung der Sendungen zwecks Elitepropaganda auf sich hat.
Die «Sternstunde Philosophie» ist – laut Sendungsporträt – dem «vertieften und kritischen Ideenaustausch» verpflichtet. Die Themen- und Gästeauswahl der «Sternstunde» zeigen indessen eine Neigung zu Elitetheorien, die wenig zur direkten Demokratie in der Schweiz und in Europa passen.
Jüngstes Beispiel die Thesen des Politologen Jason Brennan: Er plädiert offen für die Abschaffung der Demokratie und schlägt eine «Herrschaft der Wissenden» vor. Er will den grössten Teil der Wählerschaft ausschliessen, «weil sie entweder zu ungebildet oder uninteressiert» seien oder «zu irrational und fantastisch». Bürger und Bürgerinnen sind bei Brennan «Hobbits» oder «Hooligans».
Statt Jason Brennan mit jemandem zusammenzusetzen, der sich in der Theorie und Praxis der direkten Demokratie und politischen Partizipation auskennt, bekam der Elitetheoretiker Brennan eine völlig unkritische und uneingeschränkte Plattform für seine Theorien aus den 1930er-Jahren. Der Widerspruch eines Professors für politische Philosophie an der Universität Zürich wurde nur als kurzer Einspieler und als Online-Interview nachgereicht und konzentrierte sich, statt auf die Wichtigkeit der partizipativen Demokratie für moderne Gesellschaften, auf institutionelle Ungereimtheiten in Brennans Theorie.
Ähnlich auch im «Kulturplatz» wenige Wochen später. Zum Thema politischer Entscheidungsfindung wurde zunächst eine US-amerikanische Neurowissenschaftlerin interviewt, die behauptet, es gäbe keine Vernunft. Gleich im Anschluss wurden dann die Thesen von Brennan nochmals und völlig unwidersprochen gebracht.
Wiederum wurde ein Politphilosoph der Universität Zürich zum politischen System der Schweiz befragt. Der Experte meinte, dass «Gleichheit» die wichtigste Voraussetzung zur Demokratie sei, womit der Eindruck entstand, es dürfe in einer Demokratie keine Unterschiede geben, was wiederum dem politphilosophischen Niveau eines Bandwurms entspricht. «Gleichheit» in der Demokratie meint in keiner Art und Weise die Gleichheit der Menschen, sondern die Gleichheit vor dem Gesetz. Wer Demokratie derart präsentiert, redet eher von einer Demokratur als einer Demokratie. Dies sind wichtige Unterschiede, die man in intellektuellen und kulturellen Formaten des Schweizer Fernsehens (SRF) durchaus voraussetzen muss.
Die propagandistische Verballhornung der direkten Demokratie – ohne intellektuelle Einordnung, Transparenz der Moderierenden und Gäste – stimmt bedenklich. Man könnte die Fehlkonzeptionen von Sendungen zur Politik ja als stümperhaftes Recherchekonzept der zuständigen Redaktionen abtun, doch dahinter steckt wohl mehr Politik, als die meisten von uns ahnen.
Denn der «Philosophische Stammtisch» mokierte sich kürzlich über die Verhaltensregeln in der Demokratie unter dem Schlagwort «Political Correctness». Mit Stammtischfragen wurde die «Diktatur der Toleranz» beklagt.
Fazit: SRF braucht wohl etwas Staatskunde und Demokratieunterricht. Es könnte aber auch sein, dass hier ein Trend vorliegt, nämlich der, die digitale Revolution von oben zum Ersticken bringen zu wollen.