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Wie können wir wirklich ins Gespräch mit unserem säkularen Nachbarn kommen und nicht einfach mit Schlagworten wie “Jesus” und “Liebe” um uns werfen? Francis Schaeffer verdanke ich in dieser Hinsicht unendlich viel. Er zeigt seine Art der Gesprächsführung in “Gott ist keine Illusion” (S. 132-153) auf. Ich habe eine Reihe von Aussagen heraus gegriffen:
Das Bewusstsein: Uns verbindet viel!
“Unser Gesprächspartner ist uns also emotional wie intellektuell verwandt. Er ist uns ebenbürtig; wohl ist er verloren, aber das waren wir auch einmal.”
Jeder bringt Denkvoraussetzungen mit.
“Zunächst einmal müssen wir bedenken, daß jeder, mit dem wir sprechen — sei es eine Verkäuferin oder ein Student —, bestimmte Denkvoraussetzungen mitbringt, ganz gleich, ob er sie durchdacht hat oder nicht.”
Niemand kann diese Denkvoraussetzungen konsequent ausleben.
“Nun kann aber in Wirklichkeit kein Nichtchrist seine Denkvoraussetzungen konsequent ausleben. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Ein Mensch muß in der Wirklichkeit leben, und diese Wirklichkeit besteht aus zwei Teilen: der objektiven Welt mit ihrer Form und dem »Menschsein« des Menschen, einschließlich seines eigenen »Menschseins«. Der Glaube eines Menschen ändert nichts an dieser Wirklichkeit. Da nun das Christentum die Wahrheit verkündet über das, was wirklich da ist, bedeutet seine Ablehnung aufgrund eines anderen philosophischen Systems eine Entfernung von der wirklichen Welt. … Versucht er seine Prämissen mit intellektueller Redlichkeit zu Ende zu denken und auszuleben, gerät er unweigerlich in diese Zwickmühle.”
Das Gegenüber lebt deshalb in einem Spannungsfeld.
“Deshalb befindet sieh jeder Mensch in einem Spannungsfeld. Er kann sich nicht seine eigene Welt schaffen und dann darin leben. … Der Mensch kann diese Spannung aus dem Bewusstsein verdrängen, und vielleicht müssen wir sie erst wieder aufdecken, aber irgendwo ist ein Punkt der Inkonsequenz. … Je konsequenter ein Mensch seinen nicht-christlichen Denkvoraussetzungen folgt, desto mehr entfernt er sich von der Wirklichkeit; je naher er der Wirklichkeit kommt, desto weniger ist er seinen eigenen Denkvoraussetzungen treu.”
Die meisten sind sich dieses Spannungspunktes nicht bewusst.
“Viele Menschen haben selbst noch nicht ihren eigenen Spannungspunkt erkannt. Seit dem Sündenfall ist der Mensch sich selbst entfremdet. Er ist völlig verwirrt und versucht, sich vor sich selbst zu verstecken. Deshalb müssen wir Zeit und Mühe aufwenden, um das zu entdecken, was unser Gesprächspartner oft selbst noch nicht entdeckt hat.”
Wir gehen mit dem anderen den Weg zu Ende.
Schaeffer betont, wir sollte nicht versuchen, ihn von seiner Position abzubringen, sondern mit ihm die Richtung einschlagen, um den halb eingeschlagenen Weg zu Ende zu bringen. Dabei geht es nicht um einen „intellektuellen Ringkampf“, sondern um ein behutsames, von echtem Interesse geleiteten Weg, der uns selbst stark mitnehmen kann!
Es gilt einige Voraussetzungen zu klären.
“Bevor wir unserem Gesprächspartner Gottes Antwort auf sein Dilemma mitteilen können, müssen wir ihm begreiflich machen, daß wir über wirkliche Wahrheit sprechen und nicht über ein vages religiöses Etwas, das anscheinend irgendeine psychologische Wirkung hat. Ferner muß er begreifen, daß wir über wirkliche Schuld. Gott gegenüber sprechen und ihm nicht nur die Befreiung von Schuldgefühlen anbieten. Schließlich muß er unbedingt einsehen, daß wir von wirklicher Geschichte sprechen — daß der Tod Jesu nicht nur idealistisch oder symbolisch gemeint ist, sondern in Raum und Zeit stattgefunden hat.”
Alle Fragen sind zugelassen.
“Dabei müssen wir ihm an jedem Punkt der Unterhaltung das Recht einräumen, alle möglichen Fragen zu stellen. Wir können nicht einerseits unsere Überzeugung von der Einheit der Wahrheit bekunden und uns anderseits plötzlich einer Diskussion entziehen und ihm eine blinde Autoritätsgläubigkeit zumuten.”
Das Schutzdach entfernen
“Weil der Mensch am Spannungspunkt seinem eigenen System untreu ist, hat er dieses Dach errichtet, um sich gegen den Ansturm der realen Welt — der objektiven Welt und dem Wissen um sich selbst — zu schützen. … Es ist schrecklich, von einer Lawine überrollt zu werden, und doch müssen wir dem anderen diese Erfahrung zumuten, damit er erkennt, daß sein System keine Antwort auf die entscheidenden Fragen des Lebens bietet. Er muß wissen, daß sein Dach dem Ansturm der Wirklichkeit nicht standhält — erst dann können wir mit ihm über den Sturm des Gerichtes Gottes reden. … Oft dauert es viel länger, einem Menschen die logischen Folgerungen seines Systems deutlich zu machen als ihm dann später Gottes Antwort auseinanderzulegen. Schon Luther sprach vom Gesetz und Evangelium: zuerst muß durch das Gesetz die Unzulänglichkeit klar gemacht werden. Erst wenn der Mensch weiß, daß ihm etwas fehlt, kann er das christliche Angebot annehmen.”
Doppeltes Schuldeingeständnis
“Einmal muß er sich im Bereich des Seins (metaphysisch) demütigen, d. h. er muß bekennen, daß er dem unendlich-persönlichen Schöpfer, der wirklich da ist, als Geschöpf gegenübersteht. Zweitens muß er sich im Bereich der Moral beugen — muß zugeben, daß er gesündigt hat und deshalb dem Gott gegenüber, der wirklich da ist, wirkliche moralische Schuld trägt.”