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Abstract
Heinrich Keller war von 1979 bis 1999 Professor für Mittelschulpädagogik (vorher: Allgemeine Didaktik des Mittelschulunterrichts)(@-> Lehrstuhl Zollinger) an der Universität Zürich. Er setzte sich während seiner Amtszeit für den Ausbau der Abteilung Höheres Lehramt ein. Seine Arbeiten sind geprägt vom Versuch, die Theorie mit der Praxis zu verbinden
Heinrich Keller wurde am 13. Oktober 1933 in Zürich geboren, besuchte da die Primarschule und das Realgymnasium Zürichberg. Anschliessend studierte er Germanistik, Anglistik und Allgemeine Didaktik des Mittelschulunterrichts an der Universität Zürich. Erste Unterrichtspraxis als Lehrer sammelte er von 1958 bis 1959 an einer Mittelschule in London. Danach begann er eine Doktorarbeit bei Professor Emil Staiger, welche er 1963 erfolgreich abschloss. Das Diplom für das Höhere Lehramt erwarb er ein Jahr später.
Im Oktober 1964 wurde Keller zum Hauptlehrer für Deutsch und Englisch an das Gymnasium Freudenberg in Zürich gewählt. Dort unterrichtete er acht Jahre, bis er 1972 vom Regierungsrat des Kantons Zürich zum Prorektor der neu gegründeten Kantonsschule Zürich Oerlikon gewählt wurde (UAZ E.3.1.105, 21.2.1979).
Akademische Laufbahn
1970 erfolgte die Wahl in eine Kommission des Erziehungsrates zur Beurteilung von Schulmodellen. Ein Jahr später erhielt Heinrich Keller den ersten Lehrauftrag auf dem Gebiet der Didaktik des Deutschunterrichts an der Universität Zürich, den er bis 1977 innehatte. Im Sommersemester 1977 wurde ihm der Auftrag übertragen, Lehrveranstaltungen in Allgemeiner Didaktik des Mittelschulunterrichts durchzuführen und an Diplomprüfungen teilzunehmen. Zwei Jahre danach, 1979, wählte ihn der Regierungsrat auf Antrag der Philosophischen Fakultät I zum ausserordentlichen Professor ad personam mit halber Lehrverpflichtung für Allgemeine Didaktik des Mittelschulunterrichts. Gleichzeitig mit dieser Wahl trat Keller von seinem Amt als Prorektor der Kantonsschule Oerlikon zurück (UAZ E.3.1.105, 21.2.1979; 11.7.1979).
Als der Extraordinarius für Allgemeine Didaktik an der Universität Zürich, Otto Woodtli, seinen Rücktritt ankündigte, wurde Heinrich Keller primo loco von der Philosophischen Fakultät I als Nachfolger vorgeschlagen. Im entsprechenden Antrag betonte man vor allem seine Fähigkeit, erziehungswissenschaftliche Theorie mit der Unterrichtspraxis zu verbinden. Auf den 16. Oktober 1982 folgte seine Wahl zum Nachfolger von Woodtli auf dessen vollamtliches Extraordinariat. Damit einher ging die Umschreibung der Denomination des Lehrstuhls auf Mittelschulpädagogik (UAZ AB 3.241, 12.1.1982; UAZ E.3.1.105, 14.7.1982).
Im Oktober 1994 wurde Kellers Extraordinariat in ein Ordinariat ad personam mit der gleichen Lehrumschreibung umgewandelt, welches er bis zu seinem Altersrücktritt im Jahre 1999 besetzte.
Ziele für die universitäre Lehrer/innenbildung
Im Zuge der Anstellungsverhandlungen mit der Erziehungsdirektion setzte sich Prof. Keller für einen Ausbau seiner Abteilung ein. Er bemängelte, dass „die Belastung für die beiden Allgemeindidaktiker (eineinhalb Professuren)“ vor allem wegen der vielen Prüfungen sehr gross und Forschung deswegen kaum möglich sei. Als Massnahme schlug er vor, dass die Allgemeindidaktiker an den Prüfungen nicht mehr teilzunehmen haben, wie dies an anderen Universitäten auch üblich sei. Wichtiger war für Keller jedoch die Forderung, dass die Professuren auf zwei volle Stellen ausgebaut würden und den Allgemeindidaktikern Assistenten zur Verfügung stünden. Zusätzlich sollte auch das Sekretariat zusätzliche Stellenprozente zugesprochen bekommen. Dazu kamen die Wünsche nach weiteren Mitteln für die Anschaffung von Software und Literatur für die Bibliothek der Abteilung wie auch nach einer besseren Unterbringung. „Die veralteten, unfreundlichen Räumlichkeiten sind ein wesentlicher Grund dafür, dass sich unter den Lehrenden und Lernenden an der Abteilung Höheres Lehramt kein Gemeinschaftsgefühl herausbilden kann“ (UAZ E.3.1.105, 5.10.1994; 25.8.1994)
Vorschläge für eine Reform des Gymnasiums
Während seiner Zeit als Professor für Mittelschulpädagogik setzte sich Heinrich Keller für eine Reform des Gymnasiums ein. Er argumentierte, dass Veränderungen der Stellung der Wissenschaft dazu führe, dass der Doppelauftrag von Allgemeinbildung und Vorbereitung auf die Hochschule von den Mittelschulen kaum mehr zu erfüllen sei. Eine sogenannte „spezielle Studierfähigkeit“, welche die Schüler/innen bereits während des Gymnasiums auf den jeweiligen, von ihnen angestrebten Studiengang vorbereiten würde, sah Keller jedoch auch nicht als realisierbar an; dies aufgrund der zu hohen Anzahl an Studiengängen. Vielmehr unterstützte er Überlegungen für einen Mittelweg zwischen der generellen und der speziellen Studierfähigkeit. Dabei hob er das Konzept der „typischen Studierfähigkeit“ hervor. Eine solche solle dann den Anforderungen einer grösseren Anzahl ähnlicher Studiengänge genügen. Keller schlug dabei eine Zahl von 6 bis 8 verschiedenen Möglichkeiten an den Gymnasien vor. Eine typische Studierfähigkeit sollte durch drei Schwerpunktfächer erreicht werden, welche durch mehrere ergänzende Fächer komplettiert würden, die die Kulturfähigkeit fördern sollten.
Mit dem Konzept der typischen Studierfähigkeit verknüpfte Keller unter anderem auch eine Veränderung der Arbeitsweise. So sollte die Anzahl der Lektionen um etwa einen Drittel reduziert und gleichzeitig längere Phasen der selbständigen Arbeit eingeplant werden. Damit wurde versucht, der „Zerstückelung des Unterrichts“ entgegenzutreten (NZZ, 1988).
Letztlich konnte sich Keller mit seinen weitgehenden Reformideen nicht durchsetzen. Mit der Änderung des eidgenössischen Maturitätsanerkennungsreglements 1995 wurden zwar Schwerpunkt- und Ergänzungsfächer geschaffen, die aber nur ansatzweise der typischen Studierfähigkeit entsprachen. Sie dienten einerseits dem Zweck, die Gymnasiast/innen gezielter und vertiefter auf ein Universitätsstudium vorzubereiten. Andererseits sollten sie aber auch ermöglichen, sich in einem Bereich zu bilden, der im späteren Bildungsgang weniger zum Tragen kommen würde. In diesem Sinne sollte das Gymnasium auch eine „Vorbereitung auf anspruchsvolle Aufgaben in der Gesellschaft“ sein. An der „allgemeinen Studierfähigkeit“ – dem wichtigsten Kritikpunkt von Keller – wurde als erstes Hauptziel des Gymnasiums festgehalten.
Auf den 15. Oktober 1999 trat Heinrich Keller altershalber von seiner Position zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Urs Ruf gewählt.
Quellen und Literatur
UZH Archiv (UAZ)
E.3.1.105 Professorendossier Heinrich Keller.
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich 5.10.1994, 3022. Universität, Philosophische Fakultät I, Prof. Dr. Heinrich Keller, Extraordinarius für Mittelschulpädagogik (Beförderung zum Ordinarius ad personam).
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich 11.7.1979; 2832. Universität, Philosophische Fakultät I (Prof. Dr. Heinrich Keller, Wahl zum Extraordinarius ad personam mit halber Lehrverpflichtung).
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich 14.7.1982, 2654. Universität, Philosophische Fakultät I (Prof. Dr. Heinrich Keller, Wahl zum vollamtlichen Extraordinarius).
Aktennotiz Trutmann 25.8.1994, Beförderung von Prof. Dr. Heinrich Keller.
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich 5.10.1994, 3022. Universität, Philosophische Fakultät I, Prof. Dr. Heinrich Keller, Extraordinarius für Mittelschulpädagogik (Beförderung zum Ordinarius ad personam).
Brief von Heinrich Keller an Herrn Prof. Dr. Udo Fries, Dekan der Philosophischen Fakultät I, Universität Zürich, 20.6.1996.
Brief von Prof. Dr. H.H. Schmid, Rektor Universität Zürich, an Heinrich Keller, undatiert.
Curriculum vitae 21.2.1979, Heinrich Keller.
AB.3.241 Dozierendendossier Otto Woodtli.
Brief vom Dekanat der Philosophischen Fakultät I an die Erziehungsdirektion des Kantons Zürich, 12.1.1982, Nachfolge Prof. Dr. O. Woodtli; Gutachten und Anträge.
Publikationen (Auswahl)
Keller, H. (1981). Die Unterrichtspraxis im Spannungsfeld der didaktischen Theorie. Bern: Haupt.
Autorenschaft
Reto Fessler
Zeitmarke
16.10.1994