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Ausführlicher Bericht über die Stadtführung vom 15. Juni 2021
Den ersten Halt machte die Gruppe beim Bahnhofplatz: Lydia Escher (1858-1891), Tochter von Alfred Escher Sie war eine selbstbewusste, reiche Frau, verheiratet mit dem Sohn eines Bundesrates. Nach einer unglücklichen Liebe mit einem Künstler und der Scheidung gründete sie eine Kunststiftung, die die Aufwertung der Frau zum Ziele hatte.
Im Eckhaus am Eingang zum Rennweg eröffnete Franziska Dosenbach (1832-1917) 1880 ihr Geschäft mit fabrikgefertigten Schuhen.
Regula Engel-Egli wuchs im Waisenhaus (heute Polizei-Hauptwache) auf und folgte ihrer grossen Liebe, einem Offizier des Schweizer Fremdenregiments in die französische Armee, wo sie ihm 21 Kinder gebar.
Im Jahr 1840 wurden an der Uni die ersten Frauen zum Studium zugelassen. Marie Vögtli-Heim (1845-1916) war die erste Schweizerin, die Medizin studierte. Als erste Gynäkologin führte sie eine Praxis in Hottingen und war auch Mitbegründerin des Frauenspitals und der Pflegerinnen-Schule.
Emilie Kempin-Spyri (1853-1901), Nichte von Johanna Spyri, war die erste Schweizerin, die Jura studierte und in summa cum laude doktorierte. Da sie in der Schweiz weder als Anwältin noch als Dozentin arbeiten durfte, wanderte sie nach New York aus, wo sie an der von ihr gegründeten Women Law School unterrichtete.
Adele Duttweiler (1892-1990) war eine enge Beraterin ihres Ehemannes Gottlieb Duttweiler und gründete die Klubschulen und die Stiftung Adele-Duttweiler-Preis.
Ida Bindschedler (1854-1919), Autorin der Bücher «Die Turnachkinder» wuchs im Haus am Weinplatz 7 auf, in dem auch die Handlung der Turnachkinder im Winter spielt.
Johanna Spyri (1827-1901) kam vom Land (Hirzel) nach Zürich, wo es ihr nicht gefiel. Deshalb idealisierte sie das Leben in den Bergen in ihrem Buch «Heidi», das nach der Bibel und dem Koran das meist übersetzte Buch ist.
Emilie Lieberherr (1924-2011) machte auf dem 2. Bildungsweg die Matura. Nach ihrem Studium fuhr sie mit dem Schiff nach New York, wo sie als Kindermädchen bei der Familie Fonda arbeitete. Anfang der 60er Jahre war sie Mitbegründerin des Konsumentinnenforums. Sie engagierte sich stark für das Frauenstimmrecht und war Präsidentin des Aktionskomitees für den Marsch nach Bern. 1970 wurde sie erste Stadträtin. Als Vorsteherin des Sozialamtes setzte sie sich für die Heroinabgabe an Schwerstsüchtige ein. Sie liess unter anderem 22 Altersheim bauen und Jugendtreffpunkte einrichten. Von 1978-1983 war sie Ständerätin.
Am Napfplatz wurde die erste Töchterschule (heute Kantonsschule Hohe Promenade) durch Leonhard Usteri gegründet. Diese wurde dann in die Lateinschule des Grossmünsters verlegt.
Susanna Gossweiler (1740-1793) war die erste Lehrerin und Leiterin der Zürcher Töchterschule.
Im Anstellungsreglement von 1915-1962 gab es unter anderem folgende Regeln für Lehrerinnen: sie dürfen sich nicht verheiraten, sie dürfen keinen Umgang mit Männern haben, keine hellen Kleider, mindestens 2 Unterröcke tragen, nicht rauchen, nicht Haare färben etc.
Susanne Orelli (1845-1939) gründete mit 14 Frauen den Zürcher Frauenverein für Mässigkeit und Volkswohl, denn Alkoholismus war zu jener Zeit stark verbreitet. In den Lokalen des Frauenvereins wurde alkoholfreie Getränke und kalte Speisen zu günstigen Preisen angeboten. Das Angebot fand bei der Öffentlichkeit grossen Anklang und das Restaurant «Karl der Grosse», wo nun der Rundgang endete, wurde bei seiner Eröffnung am 1. April 1898 geradezu überrannt. Der Frauenverein bot seinen weiblichen Angestellten fortschrittliche Arbeitsbedingungen an.
Ein herzliches Dankeschön an Regula Sager für die interessante Führung!