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Die Formale Gestaltung
Die Form soll den Strukturen und Entwicklungsprinzipien der Stadt untergeordnet sein. Aber in der mittelalterlichen Stadt sind diese Dinge weitgehenden identisch. Parzellenflucht, Strassenflucht und Gebäudeflucht sind hier ein und dasselbe. Wie und wo soll die Gestaltung der Stadtform in diesem Beispiel in den Prozess eingebunden werden?
(…vorher) Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so, dass sich in der mittelalterlichen Stadt die Formebene und die Strukturebene aufs Haar gleichen. Dennoch sind sie auch hier zwei getrennte Dinge. Um das zu verstehen ist es wichtig, sich die Stadt nicht nur in der heutigen Form vorzustellen, sondern sich auch ihre ganzen Entwicklungsschritte in Erinnerung zu rufen. Am Beispiel von Bern können wir aufzeigen, dass sich die Form der einzelnen Gebäude stetig verändert hatte. Zunächst waren die Häuser viel kleiner, wurden an- und dann neu gebaut, bis sie schliesslich noch um die Laubengänge auf den Strassenraum hinaus erweitert wurden. Dabei hat sich natürlich auch die Stadt in ihrem Aussehen verändert. Insgesamt ist die Struktur aber gleich geblieben, oder war mindestens viel beständiger. Es gibt also zwischen der Stadtstruktur und der Gebäudeform sehr wohl einen Unterschied. Erstere kann man mit den dauerhaften Richtungs- und Grössenangaben, Zweitere mit der architektonischen Ausformulierung gleich setzt.
Die Form der mittelalterlichen Altstadt entwickelt sich auf Grund dieser beiden Ebenen in zwei Schritten. Die Struktur sorgt für die Grössenverhältnisse, für den Verlauf der Strassen und die Proportion der Plätze. Die Architektur sorgt für die Ausformulierung und Detaillierung dieser Vorgaben. In der Stadtstruktur sind wohl gewisse Absichten angelegt, sie bedürfen aber der Umsetzung durch die Architektur. Ein Platz kann durch seine verzogene Geometrie zwar die Möglichkeit eines markanten Ortes in sich tragen, er muss aber durch eine prägende Architektur gestaltet werden, damit sich auch die Wirkung der Geometrie entfalten kann.
Die Gestaltung der Stadtform ist damit aber auch kein einfacher, linearer Prozess. Es ist ein zusammengesetzter Ablauf, bei dem zu Anfang durchaus eine Planung steht. Auch wenn dieser nicht immer, wie im Falle Berns, ein gezeichneter Plan zugrunde liegt, so werden die Hauptlinien und die Parzellengrössen doch von Anfang an ausgesteckt. Doch damit alleine ist die Form noch nicht bestimmt. In einem ständigen Umwandlungsprozess wird die Dichte und Höhe der Häuser überarbeitet. Dabei wird die Stadt immer wieder neu interpretiert und ihr Ausdruck verändert sich unaufhörlich.
Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage lautet damit: Die Gestaltung der Stadt ist ein Generationenprojekt. Sie ist das Abbild der Gesellschaft und ihrer Entwicklung. Planung spielt dabei immer wieder eine Rolle; Bei ihrer Gründung und bei all ihren Veränderungsschritten. Diese einzelnen Planungsschritte sind aber einem grösseren Ganzen untergeordnet, welches durch die Struktur und die Bautradition vorgegeben wird. (Weiter bei…)