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Tenzing Gyatso ist weltberühmt – Friedensnobelpreisträger und eine angesehene moralische Autorität. Bekannt ist er als Seine Heiligkeit der XIV. Dalai Lama, geistliches und weltliches Oberhaupt der Tibeter. Aber wenn er der 14. Dalai Lama ist, wer waren dann die dreizehn anderen? Karl-Heinz Golzio und Pietro Bandini sind in ihrem Buch Die vierzehn Wiedergeburten des Dalai Lama dieser Frage nachgegangen.
Als I. Dalai Lama (erst posthum anerkannt) gilt der Mönch Gedün Drup (1391-1475), Oberhaupt des Gelugpa-Ordens. Ein grosser Gelehrter und Autor religiöser Schriften, übrigens stets bescheiden und tolerant, war er einer der einflussreichsten Lamas von Tibet. Erst der III. Dalai Lama Sonam Gyatso (1543-1588) erhielt diesen Titel 1578 von dem Mongolenfürsten Altan Khan offiziell verliehen. Der Herrscher hatte sich nämlich zum tibetischen Buddhismus bekehrt. Wie bestellt war Yöntan Gyatso, der IV. Dalai Lama (1589-1617) keine Tibeter, sondern Mongole – ein Ururenkel von Altan Khan. Der V. Dalai Lama war der erste in dieser Reihe, der nicht nur geistliches, sondern auch weltliches Oberhaupt seines Volkes war – die Mongolen proklamierten ihn nach einem blutigen Bürgerkrieg und dem gewaltsamen Ende des bisherigen Herrscherhauses 1642 zum Souverän. Sein Tod wurde 14 Jahre lang mit Hilfe eines Doubles verheimlicht, während man seinen Nachfolger klammheimlich vorbereitete. Der IX., X., XI. und XII. Dalai Lama starben alle noch vor ihrem jeweiligen 21. Geburtstag. Der XIII. Dalai Lama proklamierte 1913 die formelle Unabhängigkeit Tibets, das bis zu diesem Zeitpunkt immer mehr oder weniger unter chinesischer Oberhoheit gestanden hatte.
Es ist faszinierend, wie jedes, aber auch wirklich jedes Mal nach dem Tod eines Dalai Lama irgendwo ein Junge entdeckt wurde, der die Voraussetzungen einer Reinkarnation erfüllte. Denn ein Dalai Lama wird weder durch Wahl noch durch Abstammung bestimmt – er ist immer eine Wiedergeburt von Gedün Drup.