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Private Markets sind für klimarelevante Investitionen von hoher Bedeutung. Die grosse Mehrheit der weltweiten Produktion – vor allem in der asiatisch-pazifischen Region - befindet sich in privater und nicht in öffentlicher Hand. Das Gesamtvolumen des privaten Kapitals ist Ende 2021 auf 8,9 Billionen US-Dollar angewachsen. Davon werden jedoch nur etwa 15% nach den Nachhaltigkeitskriterien verwaltet, die bei den Publikumsfonds eingeführt wurden. "Dies lässt viel Raum für eine starke Zunahme des Engagements des privaten Marktes auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel", schreibt Andrew McCaffery, Chief Investment Officer von Fidelity International.
Im Immobiliensektor können private Investoren unmittelbar Einfluss auf die Nachhaltigkeit nehmen. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen von 2020 sind Bau und Betrieb der bebauten Umwelt für rund 38% der weltweiten Kohlenstoffemissionen verantwortlich. Aber auch private Kreditgeber und Private-Equity-Eigentümer, die in andere Finanzanlagen investieren, können oft einen grösseren Einfluss auf Unternehmen ausüben als die öffentlichen Player. Während sich Investoren in eine Publikumsgesellschaft zum Beispiel auf Abstimmungen und Aktionärsaktivismus verlassen können, um die ESG-Entwicklung zu verbessern, können Investoren in privat finanzierte Unternehmen durch ihren direkten Besitz oder Fremdkapitalbeteiligungen viel direkter Veränderungen herbeiführen.
Investoren und Aufsichtsbehörden fördern die Nachhaltigkeit auf den privaten Märkten
Viele private Vermögensanleger konzentrieren sich inzwischen auf Nachhaltigkeit. Vor allem Impact-Fonds quantifizieren die nicht-finanziellen Vorteile nachhaltiger Investitionen und ermöglichen es den Anlegern, sich auf Anlagen zu konzentrieren, die einen messbaren Beitrag zum Wandel leisten können. In Anbetracht der weltweiten Bedeutung der privaten Märkte kann es gemäss McGaffery passieren, dass Investoren, die Nachhaltigkeitsziele nicht berücksichtigen, diese von politischen Entscheidungsträgern aufgezwungen bekommen.
"Trotz der Befürchtungen, dass die Klimapolitik angesichts der russischen Aggression gegen die Ukraine und der Preiskrise vorübergehend in den Hintergrund treten wird, hat sich der Impuls Energiediversifizierung aus Sicherheitsgründen verstärkt", schreibt McCaffery. "Glücklicherweise wurde ein Grossteil der Grundlagen für systematische ESG-Investitionen bereits geschaffen, so dass private Unternehmen das Rad nicht neu erfinden müssen, sondern die Vorlagen des öffentlichen Marktes übernehmen können."
Herausforderungen bleiben bestehen
Für McCaffery bleibt das Engagement der privaten Märkte in der Nachhaltigkeit dennoch eine Herausforderung: Die Emittenten im Bereich der privaten Anleihen sind oft kleinere Unternehmen als jene im öffentlichen Bereich und haben sich bisher nicht auf ESG konzentriert oder verfügen nicht über die nötigen Kapazitäten. Nachhaltigkeitsdaten sind für sie ebenfalls schwieriger zu beschaffen. Privatanleger könnten jedoch ESG-Rahmenkonzepte grösserer Firmen an Unternehmen in Privatbesitz anpassen. Techniken der Vermögensallokation können gemäss McCaffery auch strukturelle Verschiebungen bei ähnlichen Unternehmen bewirken, z. B. eine Ausrichtung auf Technologien, die die Energiewende ermöglichen. Künftig würden auch neue Standards wie der IFRS-Standard für nicht-finanzielle Rechnungslegung und der TCFD-Rahmen den Datenzugang verbessern.
Klima-Einzelkämpfer sind entscheidend
Die privaten Märkte haben die Möglichkeit, die ESG-Lücke zu den öffentlichen Märkten zu schliessen. Private Vermögensanleger können nicht nur die Vorteile bestehender Übergangsprojekte nutzen, die eine private Finanzierung erfordern, sondern diese kleineren Unternehmen haben sich auch traditionell als geschickt erwiesen, wenn es darum geht, innovative Projekte zu entwickeln, die grosse Veränderungen in ihren Branchen bewirken.
"Da privates Marktkapital zur Verfügung steht, um tragfähige Innovationen schnell zu skalieren, werden Klima-Einzelkämpfer für das Erreichen der globalen Klimaziele entscheidend sein," meint McCaffery. "Trotz der jüngsten geopolitischen Ereignisse werden Projekte mit starken ESG-Merkmalen weiterhin Kapital anziehen, da Klima- und Sicherheitsbedrohungen immer greifbarer werden und die Möglichkeit von gestrandetem Vermögen immer realer wird."