Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03344.jsonl.gz/39

Konservative Lipödemtherapie
Ziel der konservativen Behandlung ist die Ödembeseitigung und damit die Verminderungen der Beinumfänge und der Beschwerden. Vollständige Symptomfreiheit wird allerdings nur selten erreicht. Dabei sind alle im Folgenden genannten Therapiesäulen wichtig und müssen kombiniert eingesetzt werden, damit ein optimales Ergebnis erreicht werden kann.

Die Kosten für die Manuelle Lymphdrainage (MLD) sowie die Kompressionsversorgung werden von der obligatorischen Krankenversicherung im Rahmen des individuellen Versicherungs-vertrages in aller Regel übernommen. Langzeitverordnungen bedürfen eines Antrages auf Kostengutsprache.
Die KPE beinhaltet die MLD, das Anlegen mehrschichtiger lymphologischer Kompressionsverbände bzw. das konsequente Tragen einer lymphologischen Kompressionsbestrumpfung in flachgestrickter Nahtware, gymnastische Übungsbehandlungen, die sorgfältige Hautpflege sowie die Schulung der Betroffenen. Dabei bezweckt die Manuelle Lymphdrainage eine Aktivierung der Lymphgefässtätigkeit, die zu einem vermehrten Abtransport der im Bindegewebe eingelagerten Flüssigkeit führt. Die im Anschluss angelegten Kompressionsverbände wirken, in Kombination mit der entstauenden Gymnastik, unterstützend und sollen das rasche Wiederauftreten von Flüssigkeitsansammlungen verhindern. Für einen optimalen Effekt ist dabei zumeist eine Ganzkörperbehandlung über 50 Minuten erforderlich.
In der ambulanten oder selten stationären Entstauungsphase (Phase I der KPE) werden die genannten Massnahmen ein- bis zweimal täglich durchgeführt. Die Kompressionsverbände müssen über Nacht und bei ambulanter Behandlung, auch über das Wochenende getragen werden. Die Dauer der Entstauungsphase ist befundabhängig, beträgt aber in den meisten Fällen maximal 14 Tage.
In der Optimierungs- und Erhaltungsphase (Phase II der KPE) kommt die MLD befundangepasst zur Anwendung. Kompressionsverbände sind in der Regel nicht mehr erforderlich, stattdessen werden Kompressionsstrümpfe getragen.
Die KPE bewirkt ein Nachlassen der Spannungs- und Druckschmerzen, gelegentlich auch der Blutergussneigung durch Verringerung der Brüchigkeit kleinster Blutgefässe. Zumeist muss diese Behandlung ohne Kontinuitätsunterbrechungen erfolgen, um eine erneute Verschlechterung der Beschwerden durch Nachbildung der Ödeme zu vermeiden. Die Zunahme des Unterhautfettgewebes kann nicht verhindert werden und häufig verstärken sich die Beschwerden im weiteren Verlauf auch unter konsequenter KPE wieder.
In sehr frühen Erkrankungsstadien kann bereits das konsequente Tragen der Kompressionsbestrumpfung genügen, um der Entstehung eines Ödems entgegen zu wirken. In den meisten Fällen bedarf es jedoch aller Elemente der KPE. Auf die Kompression kann leider nicht verzichtet werden, da die MLD alleine nur einen sehr kurz anhaltenden Effekt hat.
Von den meisten Lipödem-Patientinnen wird der rundgestrickte Kompressionsstrumpf, wie er bei Krampfadern oder Thrombosen zur Anwendung kommt, als sehr unangenehm empfunden. Häufige Probleme sind das Einschneiden im Bereich der Knöchel, der Kniekehle und der Leisten sowie eine unzureichende Passform mit Verrutschen der Kompressionsteile. Hier schafft die flachgestrickte Nahtware Abhilfe. Sie erkennen sie an der Naht auf der Rückseite des Strumpfes. Durch ein spezielles Herstellungsverfahren und die Möglichkeiten einer absolut individuellen Anfertigung gelingt eine hohe Passgenauigkeit.
Auf Grund der erhöhten Steifigkeit benötigt das An- und Ausziehen allerdings eine gewisse Übung. Dies stellt jedoch zumeist kein Problem dar. An- und Ausziehhilfen erleichtern darüber hinaus den Umgang mit der Kompressionskleidung. Wichtig ist allerdings, die Herstellerangaben zur Pflege genau zu beachten. Die Kompressionsteile müssen zumeist nach längstens 6 Monaten erneuert werden.
Für alle Fragen rund um die Kompressionstherapie stehen Ihnen die Mitarbeiter des LZZ jederzeit gerne zur Verfügung. Denn: Nur wer seinen Strumpf kennt, zieht ihn auch an.
Die AIK kann im LZZ oder auch zu Hause durchgeführt werden. Eine Behandlung dauert 30 - 45 Minuten. Die Häufigkeit der Anwendung ist abhängig von den Beschwerden. Die AIK besteht aus einer oder mehreren um die Gliedmassen gelegten Manschetten mit 12 Luftkammern, die mit einem Kompressor für eine festgelegte Zeit auf einen ebenfalls festgelegten Druck aufgeblasen werden. Die Druckwelle schreitet von peripher zum Körper hin fort. Ist der Druck in allen Kammern erreicht, wird er durch Ablassen der Luft wieder abgesenkt. Es folgt eine definierte Pause von einigen Sekunden bis zum Beginn des folgenden Kompressionszyklus.
Durch Überlappung der Manschetten und der Lufkammern werden Abschnürungen verhindert. Einkammergeräte oder Mehrkammergeräte mit weniger als 12 Luftkammern sind für den Einsatz beim Lipödem nicht geeignet.
Der genaue Wirkmechanismus ist bis heute nicht geklärt. Man geht von einer Verschiebung von Flüssigkeit aus dem Bindegewebe in das Lymphgefässsystem aus. Langzeiteffekte sind nicht belegt. Somit kann die AIK als alleinige Entstauungsmassnahme nicht empfohlen, sondern muss mit der MLD kombiniert werden.
Regelmässige Kontrollen durch erfahrene Ärzte und Lymphtherapeuten sind, insbesondere bei Patientinnen, die eine apparative Kompressionsbehandlung zu Hause durchführen, notwendig. Sehr hilfreich kann die AIK in der unmittelbar postoperativen Periode sein, da der Kompressionsdruck exakt gesteuert und den Beschwerden angepasst werden kann.
Vermehrte sportliche Aktivität beeinflusst das Krankheitsbild günstig und ist daher begleitend zu empfehlen. Insbesondere Wassersport (Schwimmen, Aquajogging, Aquacycling, Aquagymnastik) ist hilfreich, da eine angenehme Form der Kompression gewährleistet ist, der Auftrieb zur Gelenkentlastung genutzt werden kann und der Kalorienverbrauch angeregt wird.
Übrigens können die flachgestrickten Kompressionsstrümpfe im Wasser anbehalten werden. Das unterstützt den Kompressionseffekt und bewirkt eine im Sommer angenehme Verdunstungskälte. Also, trauen Sie sich!
Lipödem und Adipositas (krankhaftes Übergewicht) treten zunehmend häufig gemeinsam auf. Dabei scheint ein enger Zusammenhang zwischen Gewichtszunahme und Symptomverschlechterung zu bestehen. Auch entwickeln übergewichtige Lipödem-Patientinnen häufiger ein Lymphödem. Die Adipositas ist dabei als eigenständiges Krankheitsbild anzusehen und nicht als Folge von Disziplinlosigkeit oder schuldhaftem Verhalten. Ihre konservative und operative (bariatrische Operationen) Therapie ist daher wesentlicher Bestandteil der Lipödembehandlung.
Prinzipiell sollte zusätzlich bestehendes Übergewicht reduziert, eine Gewichtszunahme vermieden bzw. Normalgewicht angestrebt werden. Wichtig ist hier ein langfristig angelegtes Konzept, die Zeiten der „Diäten“ sind, in Ermangelung eines Wirksamkeitsnachweises, vorbei. Blutzucker- und Insulinspitzen müssen vermieden und ausreichende Pausen zwischen den Mahlzeiten eingehalten werden. Man spricht von einer isoglykämischen Ernährung. Wichtig ist eine proteinreiche Kost, die unter anderem für ein angenehmes Sättigungsgefühl sorgt. Viele Patientinnen erfahren hierunter eine merkliche Linderung ihrer Beschwerden.
Viele Patientinnen haben seelische Probleme, sei es aufgrund der täglichen Beschwerdesymptomatik, des äusseren Erscheinungsbildes mit entsprechender Reaktion durch die berufliche wie private Umgebung oder aus anderen Gründen. Hier kann eine psychotherapeutische Begleitung, ärztlich wie psychologisch, hilfreich sein. Auch die Beteiligung an einer Selbsthilfegruppe kann für manche Betroffene entlastend sein: www.lipoedem-schweiz.ch
Führt die beschriebene konservative Therapie nicht zu einer akzeptablen Symptomverbesserung oder ist eine weitere Volumenzunahme festzustellen, so besteht, in Übereinstimmung mit der aktuellen Leitlinie, die Indikation zur Liposuktion in Tumeszenz-Lokalanästhesie. Ein entsprechender Antrag auf Kostengutsprache kann dann bei der Krankenkasse gestellt werden.