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Basler Münzen im Mittelalter
Pfennige, Pfund und Schilling
Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert wurden in Basel – und generell in Mitteleuropa – silberne Münzen verwendet, die vom römischen Denarius abgeleitet waren und als Pfennige oder Denare bekannt waren.
Pfennige gehören zum Währungssystem 1 Pfund = 20 Schillinge = 240 Pfennige, ein System, das in Grossbritannien noch bis 1971 Verwendung fand. Aber nur die Pfennige gab es als geprägte Münzen, Schillinge und Pfunde dienten im Mittelalter beinahe ausschliesslich als Rechnungseinheiten. Der Verkaufspreis eines Hauses gab man z. B. mit 5000 Pfund an, statt mit der unhandlichen Zahl von 1‘200‘000 Pfennigen.
Zur Zeit der Karolinger (794 – 911) hatte das Silberpfund ein Gewicht von 406.5 g. Ein Pfennig hatte also theoretisch ein Gewicht von 1.7 g Silber – in etwa gleich wie eine heutige 5 Rappen-Münze. Gesamtgewicht (Schrot) und Silbergehalt (Korn) der tatsächlich geprägten Münzen nahmen jedoch stetig ab. Ersetzte die Münzprägestätte das teure Silber z. B. mit billigerem Kupfer, konnte sie mit dem eingesparten Silber eine Menge Geld verdienen. Münzen von schlechter Qualität verloren aber bald das Vertrauen der Händler und bald musste man mehr bezahlen für dieselben Güter. Das Silbergeld verlor also an Wert, bzw. war einer Inflation unterworfen.
Gulden
Im Jahre 1252 begann man in Florenz mit der Prägung von sogenannten „Gulden“ aus Gold. Diese hatten ein Gewicht von 3.5 g und entsprachen ursprünglich im Wert einem Pfund Silber(-Währung). In Basel tauchten die florentinischen Gulden im 14. Jahrhundert auf und liefen bald der lokalen Silberwährung den Rang ab. Die goldenen Gulden waren im Vergleich zu den inflationären Silbermünzen stabiler im Wert und von besserer Qualität.
Basler Gulden
Im Jahre 1430 begann in Basel auf Befehl von König Sigismund die Prägung von Gulden aus Gold. König Sigismund hatte wohl am Erfolg der florentinischen Gulden eine Möglichkeit für ein gutes Geschäft erkannt. Und weil er in Basel das nächste Konzil abhalten wollte, das ja dann auch 1431 begann, schien ihm diese Stadt wohl ein geeigneter Standort für eine seiner drei Reichsmünzstätten zu sein.
Die Reichsmünzstätte blieb bis 1509 in Basel und ging dann an Augsburg verloren. Die Einnahmen aus der Münzprägung fehlten in der Staatskasse, weshalb sich der Basler Rat bei Papst Julius um das Recht auf Prägung von eigenen goldenen Münzen bemühte. Dieses Recht wurde 1512 erteilt und 1516 schliesslich von Kaiser Maximilian bestätigt. Die Prägung von goldenen Gulden wurde dann bis 1796 aufrecht erhalten.
Basel im Rappenmünzbund
Ab 1377 gehörte Basel zum Rappenmünzbund, dessen Mitglieder sich auf die zu prägenden Münzen und deren Eigenschaften absprachen. Die wichtigste neue Münze, die aus diesem Bund hervorging, war der Rappen mit einem Wert von 2 Pfennigen. Ab 1425 kam der Plappart dazu, der einen Wert von 12 Schillingen hatte. 1498 gab es neben den bisherigen Münzen noch Orte (60 Pfennige), Groschen (24 Pfennige), Doppelvierer (8 Pfennige) und Vierer (4 Pfennige).
Europäische Münzen in Basel
Nun war Basel aber schon immer ein offener Wirtschaftsraum an einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Die Handelspartner von Basel begannen im 15 Jh. verstärkt ihre Münzsysteme auszubauen und diese Münzen kamen auch nach Basel und wurden hier teilweise als bedeutende Währung verwendet und manchmal nach einer gewissen Zeit sogar nachgeprägt.
Ecu d’or und Louis d’or aus Frankreich
Vom direkten Nachbarn Frankreich stammten z. B. die „Sonnenkronen“ oder „Ecu d’or“, eine Goldmünze von ca. 3.3 g Gewicht. Diese Sonnenkronen übernahmen in Basel ab 1484 die Rolle der eigenen Goldgulden. Auch der 1641 von Ludwig XIII eingeführte „Louis d’or“, einer Münze bestehend aus 6.7 g von 22 karätigem Gold, wurde in Basel bald verwendet und ab 1795 unter dem Namen „Dublone“ oder "Duplone" nachgeprägt.
Kreuzer aus Österreich
Ursprünglich aus dem Tirol stammte die Münze „Kreuzer“, die ein Gulden nicht in 20 Schillinge sondern eben in 60 Kreuzer aufteilte. Die Kreuzer, die wohl ab dem 14 Jh. als Fremdwährung ins Gebiet der heutigen Schweiz kamen, hatten sich schon Mitte des 15 Jh. im süddeutschen Raum und in einigen eidgenössischen Kantonen als einheimische Währung etabliert.
Guldiner, Thaler, Dukaten vom deutschen Reich
Da es im deutschen Reich kaum Goldvorkommen gab, aber genügend Silber, wurden schon ab 1500 silberne Varianten der goldenen Gulden geprägt, sogenannte Guldengroschen oder Guldiner. Ein Prägeort von Guldengroschen war von 1519 – 1528 Joachimsthal und dieser „Joachimsthaler“ war bald als „Thaler“ bekannt. Diese Münze wurde als „Reichsthaler“ ab 1566 zur amtlichen Münze des deutschen Reiches und hatte ein Gewicht von 25.984 g Silber. Neben goldenen und silbernen Gulden gab es jetzt also noch silberne Taler, die – um die Verwirrung komplett zu machen – durchaus in verschiedenen Varianten und verschiedenen Werten im deutschen Reich vorkamen. Mit der Reichsmünzordnung von 1559 wurde noch der goldene Dukat eingeführt, der mit einem Gewicht von 3.4 g Feingold direkt dem goldenen Gulden Konkurrenz machte.
All diese Münzen kamen auch in Basel zur Anwendung, das schliesslich bis 1648 offiziell ein Teil des deutschen Reiches war. Wie schon erwähnt, wurden goldene Gulden in Basel ab 1430 geprägt und im 17. Jahrhundert dann auch Dukaten.
Batzen aus Bern
Auch die Münzen der eidgenössischen Bündnispartner kamen nach Basel und wurden teilweise in das breite Münzsortiment integriert. In Bern prägte man z. B. ab 1492 den Batzen. Diese Münze fand rasch in weiten Gebieten Verbreitung, so auch in Basel, wo sie vom 16. bis ins 19. Jahrhundert verwendet wurde.
Helvetische Franken 1798 – 1803
Mit der Gründung der helvetischen Republik sollte auch das erste Mal eine schweizerische oder eben helvetische Währung entstehen. Man entschied sich als Münzfuss für den Berner Batzen den man in 10 Rappen unterteilte und für eine neue Währungseinheit, den helvetischen Franken, mit einem Wert von 10 Batzen.
Mit der Einführung des ungewohnten Franken tat man sich zuerst noch schwer. Stattdessen prägte man zum Beispiel eine 40 Batzen Münze, die dem bekannten Taler entsprach und eine 20 Batzen Münze für den halben Taler. Auch prägte man keine 1 Franken sondern eine 10 Batzen Münze! Zu diesen Silbermünzen kamen etwas später noch goldene hinzu, die dann doch mit 32, bzw. 16 Franken (Entsprechung zur Duplone) angeschrieben waren.
Übersicht über die geprägten Münzen:
- 32 Franken, Gold
- 16 Franken, Gold, Duplone
- 4 Franken, Silber, Taler
- 40 Batzen, Silber, Taler
- 20 Batzen, Silber, Halber Taler
- 10 Batzen, Silber
- 5 Batzen, Silber
- 1 Batzen, Billon
- 1/2 Batzen, Billon
- 1 Rappen, Billon
Die Münzen wurden in Bern, Basel und Solothurn geprägt, was auf einigen Prägungen auch mit einem Buchstaben angegeben ist (B = Bern, BA = Basel, S = Solothurn). Aber auch die drei Münzprägestätten zusammen waren nicht in der Lage eine ausreichende Menge von Münzen herzustellen, weshalb sich die Währung nur wenig verbreitete. Auch lehnte die Bevölkerung die Münzreform als fremdes Diktat ab.
Mit dem Ende der Helvetik im Jahre 1803 wurde deshalb auch die Währung schnellstmöglich wieder abgeschafft und die meisten Kantone kehrten zu ihren althergebrachten Systemen zurück. In Basel und einigen anderen Kantonen blieben aber Franken, Batzen und Rappen auch nach 1803 das offizielle Zahlungsmittel.
Eidgenössisches Münzregal 1848
Mit der Gründung des Bundesstaates 1848 übernahm der Bund auch das Münzregal – das Monopol auf die Prägung von Münzen. Der silberne Franken (4.5 g Feinsilber) zu 100 Rappen wurde als neue Währung festgelegt. Ab 1850 begann man zuerst in Paris und später in Bern mit der Prägung der neuen Münzen. Da sich im restlichen Europa goldene Münzen wieder zunehmender Beliebtheit erfreuten, prägte die Eidgenossenschaft ab 1883 auch goldene 20 Franken- und später auch 10 und sogar 100 Franken-Stücke.
Erst ab 1968 wurden die silbernen Münzen durch eine Kupfer-Nickel-Legierung ersetzt. Dies wurde nötig, weil das Silber in den Münzen zu dieser Zeit erstmals mehr wert war als die Münze selbst und trotz Verbot massenweise silberne Franken eingeschmolzen wurden.
Quellen: