Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03156.jsonl.gz/380

Ski-Freestyler Pirmin Werner gelingt im finnischen Ruka ein fabelhafter Auftakt in die Weltcup-Saison der Aerials-Athleten. Er siegt vor seinem Teamkollegen Noé Roth. Nicolas Gygax rundete mit Rang sechs die hervorragende Schweizer Teambilanz in Abwesenheit der russischen, weissrussischen und chinesischen Athleten ab.
Pirmin Werner erlebte dabei ein Wechselspiel der Gefühle. Nachdem er die Qualifikation als Erster beendete, misslang ihm in Finale die Landung und er musste um den Einzug in das Superfinale zittern. Als Letzter reichte es ihm gerade noch für das Superfinale, wo er dann zu seinem zweiten Sieg in einem Weltcup-Wettbewerb nach jenem vom März 2021 in Almaty sprang. Pirmin Werner (126.24 Punkte) und Noé Roth (123.98 Punkte) lagen mit ihren hohen Punktzahlen im Superfinale nahe beisammen. Mit 109.29 Punkten wurde der Kanadier Lewis Irving Dritter.
Pirmin Werner, Gratulation zum zweiten Weltcup-Sieg. Welche Eindrücke an den gestrigen Wettkampf sind heute noch präsent?
Heute ist alles noch sehr präsent. Die Ausgangslage in der Qualifikation war nicht ganz einfach. Ich wusste einerseits, dass es für die Finalqualifikation nicht allzu viele Punkte braucht, aber dies ist immer auch eine schwierige Ausgangslage. Ich habe mich in der Qualifikation sehr wohlgefühlt und diese als Erster beendet. Dann kam das Finale und das Zittern begann.
Wie stark hast Du nach der missglückten Landung im Finale gezittert?
Ich wusste, dass ich etwas mehr als 108 Punkte für den Einzug in das Superfinale brauche. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nach der missglückten Landung nicht mehr mit der Superfinal-Qualifikation gerechnet. Als es dann geklappt hat, wusste ich, dass ich nichts zu verlieren habe und «all-in» gehen kann. Da ich als Letzter im Final gesprungen bin und dann als Sechster bereits als Erster wieder an die Reihe kam, hatte ich zwischen den beiden Sprüngen kaum Zeit, mir gross Gedanken zu machen.
Wusstest Du sofort, dass Dir dieser Sprung den Sieg bringen wird?
Bei der Landung wusste ich, dass die Chance auf einen Podestplatz gut stehen. Aber es standen noch fünf sehr gute Springer oben. Noé ist immer gut für den Sieg und an den Olympischen Spielen lag Lewis Irving unmittelbar vor mir und schnappte mir damals Bronze weg. Umso schöner ist es, dass es am Schluss geklappt hat – zumal noch ein Doppelsieg mit Noé. Das ist unglaublich. Wir waren noch nie zusammen zuoberst auf Podest. Aber bereits bei meinem ersten Weltcup-Sieg feierte ich einen Schweizer Doppelsieg, damals mit Nicolas Gygax.
Drei Schweizer qualifizierten sich für das Superfinale der besten sechs Athleten. Eine Top-Mannschaftsleistung, selbst, wenn mit den Russen, Weissrussen und Chinesen Topathleten fehlten…
Die Teambilanz mit vier Schweizern in den Top 10 und drei in den Top 6 ist grossartig. Auch wenn die russischen, weissrussischen und chinesischen Athleten fehlten, muss man dies erst einmal machen. Wir haben in der Vorbereitung bewusst keine neuen Sprünge eingeübt, sondern an der Perfektion der bestehenden Sprünge gefeilt. Dies hat sich nun ausgezahlt.
Was waren die Gründe für diesen Entscheid, keine neuen Sprünge einzuüben?
In meinem Fall hätte dies bedeutet, einen Sprung mit sechs Schrauben einzuüben. Am gestrigen Wettkampf sprang kein Athlet fünf Schrauben. Ich hätte einen solchen Sprung in der Hinterhand gehabt, aber dies hätte ein grosses Risiko bedeutet. Als Erster der Qualifikation konnte ich ein wenig taktieren und schauen, was für einen Sprung die Athleten vor mir zeigen. Im Superfinale sprang ich dann als erster. Da wusste ich, dass ich mit einem möglichst guten Sprung alle anderen Athleten unter Druck setzen kann.
Wie spontan kann man denn seinen Sprung überhaupt noch wechseln?
Man kann den Sprung relativ spontan ändern, bis 2-3 Minuten vor dem eigenen Sprung. Im Vorfeld des Durchgangs spricht man mit dem Coach die verschiedenen Optionen ab und dann teilt man dem neutralen FIS-Starter oben beim Start mit, welchen Sprung man zeigen wird. Dieser funkt dann den Sprung an die Jury.
Der Weltcup in den Aerials wird in dieser Saison erstmals seit 15 Jahren wieder in der Schweiz Halt machen. Die Wettkämpfe stehen für den 5. März 2023 in St. Moritz auf dem Programm. Letzter Schweizer Austragungsort im Weltcup war Davos im März 2008. Wie gross ist die Vorfreude bei Dir?
Die Vorfreude ist auf jeden Fall sehr gross. Im Weltcup bin ich noch nie in der Schweiz gesprungen und wird sicherlich einer der beiden Saisonhöhepunkte sein. Zwei Wochen vorher finden in Georgien die Weltmeisterschaften statt. Es werden also die ersten Wettkämpfe nach den Weltmeisterschaften in Georgien ein.
Wie sieht nun Dein weiteres Programm aus?
Wir bleiben nun noch zwei weitere Wochen hier in Finnland. Nächste Woche werden wir am Freitag und Samstag an zwei Europacup-Wettkämpfen hier in Finnland teilnehmen, um weitere Wettkampfpraxis zu gewinnen. Dann fliegen wir anfangs Januar nach Nordamerika, erst nach Kanada, wo dann die nächsten Weltcup-Wettkämpfe stattfinden. Danach geht es nach Amerika, ehe dann mit der Weltmeisterschaft in Georgien das erste Saisonhighlight ansteht.