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Geschichte von Morges
Morges war in der prähistorischen Epoche ein sehr wichtiger Ort. Gegenüber der heutigen Stadt, befanden sich während 6000 Jahren (von 7000 bis 1000 v. Chr.), vier aufeinanderfolgende Pfahlbaudörfer. Das letzte und grösste Dorf, das sich bis zu 150m vom Ufer streckte, bestand aus 400 Häusern und etwa 2000 Bewohnern. Zahlreiche Pfähle sind heute noch unter 3 bis 5 Meter Wasser sichtbar (also war der Seespiegel damals tiefer als heute). Die Wichtigkeit des Dorfes war so enorm, dass man ihm den Namen der schönsten Epoche der Bronzezeit gab: l’âge morgien (morges Zeitalter).
Als die Pfahlbauer verschwunden waren, wurde es wieder eine verlassene Gegend. Sogar während der römischen Herrschaft, sah man höchstens einige Fischerhütten. Keine Kulturen, sondern nur Gestrüpp. Die Zeit bis zum 13 Jh. war sehr unsicher. Viele Plünderer lauerten auf den Wegen von St-Sulpice nach Nyon, die dem See entlang führten. Während die Ebene unbewohnt blieb, baute die Bevölkerung ihre Häuser auf der Höhe unter dem Schutz der Schlossherren von Vufflens, Aubonne und Mont.
Lange Zeit wurde die Gründung von Morges Pierre de Savoie zugeschrieben. In Wirklichkeit ist sie erst im 13 Jh. erfolgt. Louis I, Freiherr von Waadt erhielt von seinem Bruder Amédée der Grosse, Erbe von Pierre de Savoie, ein grosses Territorium im Waadtland, dessen Zentrum vom Fluss Venoge bis zum Fluss Veveyse, vom Bistum von Lausanne besetzt war.
Ein dynamischer Freiherr wie Louis I setzte sich zum Ziel dieses Land zu erobern. Er war aber schlau genug, die Kirche nicht anzugreifen, um nicht exkommuniziert zu werden, und wählte deshalb die Taktik des Einkreisens. Er erbaute nicht weit von der Veveyse das Schloss Tour-de-Peilz. Auf der anderen Seite im Westen der Venoge, an der Mündung in die Morges, die wichtig für den Zufluss zu den Graben waren, kaufte er Land von Richard, dessen Schloss sich oben auf dem Hügel bei Vufflens erhob.
Aber als der Sire von Vufflens sah wie die Savoien die Fundamente und Türme für ein riesiges Schloss errichteten, realisierte er, dass er reingelegt worden war. Er protestierte und verklagte Amédée der Grosse, der Lehnsherr von Louis I und Richard. Es war ein Glück, dass man in einem Archiv von Turin den Urteilstext fand, der den Historikern erlaubte die Entstehung des Schlosses auf 1286 festzulegen. Die Erbauung der Stadt unter der Anordnung von Louis I erfolgte einige Jahre später. Die „Petite Rue“ und die „Rue du Lac“ wurden später in „Rue Louis-de-Savoie“ umbenannt, zu Ehren dessen, der die Stadt und das Schloss Morges erbaut hat.
Bis 1536 blieb das Schloss in savoischen Händen. Dies ist das Datum der Berner Eroberung des Kanton Waadt. Die Berner besetzten die Stadt und setzen ihren Vogt an die Macht. Beim Abzug der Berner im Jahre 1798, wurde das Gebäude Eigentum des neuen Waadts, das es ab 1804 als Zeughaus nutzte. Heute enthält das Schloss das Waadtländer Militärmuseum, das Artilleriemuseum, das Schweizer Museum der historischen Figurinen und das Museum der Gendarmerie.
Um an die savoischen Wurzeln zu erinnern, übernahm Morges die Farben von Savoien, rot und weiss in ihrem Wappen. Die zwei wellenartige Streifen erinnern an die zwei Flüsse die Morges (die ihren Namen mit der Stadt teilt) und die Bief, welche die Gemeindegrenze im Osten bildet. Das Wappen von Morges hat also sowohl historische als auch geografische Hintergründe.
Die Häuser von Morges haben sich seit dem Wiederaufbau in der Renaissance und im 18 Jh. kaum verändert. Sie sind immer noch dicht aneinandergereiht mit ungleich hohen Dächern. Das Rathaus, welches man an dem hexagonalen Turm erkennen kann, der eine Wendeltreppe umschliesst, liegt im Zentrum der Stadt. Das Gebäude wurde im Jahre 1519 erbaut und man kann immer noch die gotischen Charakteristiken erkennen.
Der Hafen von Morges, dessen Mole wie zwei Arme herausragen, um so viele Boote wie möglich zu erfassen, wurde um 1700 von den Bernern erbaut, mit dem Ziel, dort die Kriegsflotte unterzubringen, um eventuellen Angriffen der Savoien entgegnen zu können. Morges, das von den Savoien gegen das Bistum von Lausanne erbaut wurde, war nun zu einem festen Stützpunkt geworden, von wo aus das gleiche Savoyen bekämpft wurde. Nach Kriegs- und Handelshafen ist der Hafen von Morges nur noch ein Anlegeplatz für Freizeitboote.
Auf dem Quai, gegenüber dem Hafen, ragt ein grosses Gebäude, mit einem dieser riesigen Dächer, welche die Berner so mochten, empor. Es waren in der Tat sie, welche das Zollamt erbauten, um die Güter, welche die von Genf her kommenden Boote brachten, unterzubringen. In den 50ern wurde im Gebäude Büros für die Staatsdienste eingerichtet, und heute befindet sich dort das Tourismusbüro.
Die protestantische Kirche, dessen Kuppel die Stadt überragt, ist ein seltenes Beispiel eines Übergangsstils. Der Anfang des Baus erfolgte in den Jahren als der Barock am ausklingen war, und das Gebäude wurde dann in der Klassik fertiggestellt. Deshalb ist das Kirchenschiff und vor allem Innere oval und im jesuitischen Charakter gebaut. Die riesige Fassade wurde nach der Entdeckung der Pyramiden von Pompei von Louis XVI angeordnet.
Die Geschichte des Parc de l’Indépendance liegt weit ab. In früheren Zeiten, war es nur ein vages Stück Land. Zuerst von der Gemeinde Pâquier, dann Grand-Pré, und um 1800 dann schliesslich Parc de la République genannt. Im Jahre 1884, entschied der Rat dort einen englischen Garten einzurichten. Der Name Parc de L’Indépendance wurde ihm zum hundertjährigen Jubiläum der Unabhängigkeit von Waadt im Jahre 1898 gegeben. Ein Monument zur Erinnerung an die drei Patrioten von Morges: Muret, Cart und Monod, wurde errichtet und erinnert an diese Ereignis. Der Parc de l’Indépendance ist einer der schönsten in der Genferseeregion. Es hat mehr als 50 Baumarten, die von allen Kontinenten stammen.
In Morges hiess seit dem 19. Jh. eminente Künstler willkommen. Die Schriftsteller Réné Morax, Alfred Gehri, Bernard Clavel, die Maler Jean Morax, Alexis Forel oder die Komponisten Paderewski und Stravinski haben alle einen Teil ihres Lebens in Morges verbracht.
Quelle: Villes et villages vaudois von Ric Berger