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Prooemium
Iª q. 13 pr.
Consideratis his quae ad divinam cognitionem pertinent, procedendum est ad considerationem divinorum nominum, unumquodque enim nominatur a nobis, secundum quod ipsum cognoscimus. Circa hoc ergo quaeruntur duodecim. Primo, utrum Deus sit nominabilis a nobis. Secundo, utrum aliqua nomina dicta de Deo, praedicentur de ipso substantialiter. Tertio, utrum aliqua nomina dicta de Deo, proprie dicantur de ipso; an omnia attribuantur ei metaphorice. Quarto, utrum multa nomina dicta de Deo, sint synonyma. Quinto, utrum nomina aliqua dicantur de Deo et creaturis univoce, vel aequivoce. Sexto, supposito quod dicantur analogice, utrum dicantur de Deo per prius, vel de creaturis. Septimo, utrum aliqua nomina dicantur de Deo ex tempore. Octavo, utrum hoc nomen Deus sit nomen naturae, vel operationis. Nono, utrum hoc nomen Deus sit nomen communicabile. Decimo, utrum accipiatur univoce vel aequivoce, secundum quod significat Deum per naturam, et per participationem, et secundum opinionem. Undecimo, utrum hoc nomen qui est sit maxime proprium nomen Dei. Duodecimo, utrum propositiones affirmativae possint formari de Deo.

Dreizehntes Kapitel.
Die Namen Gottes.
Überleitung.
„Es überragt die über alles hohe Majestät Gottes jegliche Fähigkeit des gewöhnlichen Sprachgebrauches, denn mit mehr Wahrheit wird Gott gedacht als ausgesprochen, und Er selber ist wieder mit mehr Wahrheit als Er gedacht wird." So spricht Augustin (III. de Trin. cap 4.). Und wiederum: „Was fragst du danach, daß es auf die Zunge komme, was noch nicht einmal in ein Herz gestiegen ist." (Ps. 85.) „Unaussprechlich wird Gott genannt;" so derselbe Kirchenlehrer (I. de doctr. Christ. cap. 6.). „Ich weiß nicht, was da in den Worten für ein innerer Streit ist; denn wenn das unaussprechlich ist, was nicht ausgesprochen werden kann, so ist es trotzdem nicht unaussprechlich, weil es eben unaussprechlich genannt werden kann."
Augustin giebt bloß wieder, was die Schrift des öfteren sagt: „Was für einen Namen hast du," fragt Manue den Engel, der in der Person Gottes sprach; „wie sollen wir dich nennen, damit wir dich ehren? Warum fragst du nach meinem Namen, der da ist Wunderbar." Und Manue hatte es verstanden; er sagt: „Wir haben Gott gesehen." (Judic. 13.) Und wiederum setzt Isaias unter den Namen, die er dem fleischgewordenen Worte giebt, an die erste Stelle: „Und sein Name wird sein Wunderbar." [S. 231]
Und wenn die Weisen der Welt und die von Gott selbst Erleuchteten einzig und allein von Gottes Herrlichkeit geschrieben hätten, vom Anfange der Welt an bis jetzt und fortführen bis ans Ende, sie würden noch immer für den Geist, der da fragt, was Gott sei und wie Er deshalb seinem Wesen entsprechend genannt werden müsse, nur Raum übrig lassen, daß er immer und immer wieder spreche: Wunderbar ist Er. Vereinige die Engel des Himmels; nimm die erhabensten unter ihnen und vermehre ohne Grenzen ihre Zahl, daß sie beseligt in der ewigen Anschauung und getrieben durch die inbrünstigste Liebe solche Ehrentitel und Lobsprüche Gott erteilen, daß wir vor Erstaunen in Verzückung gerieten; und daß sie fortfahren, darin jeden Tag die ganze Ewigkeit hindurch ohne Aufhören; — es wäre noch nicht hinreichend, um auch nur die Vollendung und Würde einer einzigen Vollkommenheit Gottes auszudrücken. Verwandle in Zungen die Sandkörnlein am Meere; gieb den erhabensten und durchdringendsten Geist jeglichem Wassertropfen im Ocean und in den mächtigen Strömen; gieße Seraphsflammen in ihr Inneres; und möchten sie das Lob Gottes gesungen haben, Jahrtausende Millionen Jahre hindurch — es bleibt zurück als Bezeichnung für Gott nur immer das Eine: Wunberbar. Nie kann mit Hilfe alles Geschöpflichen insgesamt der innere Grund der Herrlichkeit Gottes, wie selbiger in seinem Wesen liegt, gebührend ausgedrückt werden. Nichts, was Er gethan, vermindert seinen Reichtum; keine Anstrengung kostet Mühe seiner Macht; kein Plan verrät das Innerste seiner Weisheit. Nichts ist außerhalb seines Seins. Alles Sein ist von Ihm; und Er bleibt mit seinem Wesen, mit seiner Macht, mit seinem durchdringenden Blicke in jeglichem Sein erschaffend, ehaltend, vollendend.
Und doch bestehen für kein Wesen so viel Namen wie für Gott. Die Kreatur will als erste Frucht ihrer Kenntnis Gottes vereinigen die Ohnmacht mit der Fülle, die Schwäche mit der Stärke, das Nichts mit dem Sein, die Erde mit dem Himmel. Erkennen etwas ist nichts anderes als die Einheit des Erkennenden mit dem Erkannten. Gott erkennen ist nichts anderes als die Einheit aller Kreaturen in Gott als deren erstem Grunde, in Gott als ihrem allüberragenden Ziele, in Gott als der Fülle gegenüber dem geschöpflichen Mangel. Die Namen Gottes sind heilig für die Kreatur. Sie drücken aus diese erhabenste Einheit, die einzigste Heilsquelle der Kreatur: die Verbindung des allseitig begrenzten Mangels mit der unbegreifbaren Unermeßlichkeit.
Gott ist die erstwirkende Ursache alles und jeden Seins, jeder Substanz, jedes Vermögens, jeder Handlung, „der da alles wirkt allein nach dem Ratschlüsse seiner Güte." Und deshalb heißt Er „Herr"; nicht Herr eines Reiches, nicht Herr der Geister, nicht Herr der Weisheit, nicht Herr über seine Feinde; nein, unumschränkt, ohne jegliche Bestimmung heißt Er „Herr". „Der Herr hat alles wohlgethan;" „wie es dem Herrn gefällt;" „der Herr hat beschlossen;" so und ähnlich, ohne jemals Schranken anzudeuten, spricht die Schrift. Und treten zu dem Ausdrucke „Herr" Zusätze, so erläutern sie bloß diese Unumschränktheit de Herrschaft nach der Seite der Not hin, in welcher Er angerufen wird: „Starker Herr, Herr der Heerscharen, Mächtiger Herr, Herr der Allmacht" u. s. w. heißt es da.
Diese Ursächlichkeit ist die allgemeinste Vermittlung für die Kreatur, um Gott zu verherrlichen und demgemäß zu benennen; und deshalb sind die Namen, welche von diesem Wege herstammen, die gebräuchlichsten.
Andere Namen bezeichnen, wie Gott alle Vorzüge der Kreaturen [S. 232] besitzt, aber in einer alles Denkbare überragenden Weise; und wie Er somit das natürliche Licht oder die Vollendung jeglicher Kreatur bildet. So wird Er genannt die Allmacht, die Allweisheit, die Allbarmherzigkeit, die Allgüte. Gewiß ist die Kreatur vermögend. Viele Kreaturen sind weise, viele barmherzig, gütig. Aber was für Vermögen sind das? Solche, die rein aus sich selber gar nichts thun können, sondern immer erst den Anstoß zu jeder Thätigkeit von außen abwarten müssen. Was für Weisheit haben die Kreaturen, die wirklich deren besitzen! Eine von allen Seiten beschränkte. Nicht selten ist einer weise in der Erforschung der Natur; und steht als ein Thor da in der Wissenschaft Gottes. Weise ist oft der Mensch in der Baukunst und unwissend in der Philosophie. Und eine solche Weisheit selber, wenn sie auch wirklich besteht, wie oft ist sie nicht mit Schwäche verbunden, wie oft nicht mit Herzenshärte, wie oft ist nicht ihr Gegengewicht eine ganze Summe der ärgsten Unvolllommenheiten! In Gott ist aber die Weisheit nie arm, der Reichtum nie mit Thorheit verknüpft, die Macht immer weise, die Güte allmächtig und die Allmacht allgütig. Da oben hinauf wende dich, o Mensch, anstatt deine einseitigen guten Eigenschaften selbstgefällig zu bewundern; da lerne, deine Vorzüge vor deinen Augen zu vernichten, damit sie von oben, von ihrer Quelle her, ihre Vollendung erhalten. Soll deine Macht dauern, der Allmächtige muß sie stützen. Soll dein Überfluß nicht dein Unglück sein, der Allbarmherzige muß ihn mit dem Seinigen durchdringen. Soll deine Güte nicht Schwäche und Hinfälligkeit werden, die Allgüte muß dieselbe nähren. Da ist die wahre Vollendung, die allem, was in uns an Kraft und Vorzug besteht, die rechte Weihe giebt.
Und dieser Mangel selbst, der uns auf Schritt und Tritt begleitet, er legt auf unsere Zunge noch andere Namen Gottes, die unseren Blicken beständig gegenwärtig halten, wo der unerschöpfliche Born unseres Trostes sich findet. Die Kreatur ist begrenzt. Streiche für Gott alle Grenzen und nenne Ihn den Unendlichen. Die Kreatur ist auf Zeit und Ort beschränkt. Streiche alle zeitlichen und örtlichen Grenzen in Gott und nenne Ihn den Ewigen, den Unermeßlichen. Die Kreatur eilt von sich aus zum Nichts. Nimm hinweg in Gott jegliche Möglichkeit zu fallen und nenne Ihn den Für-sich-bestehenden, den Aus-sich-seienden, den Grund ohne Grund, das Maß ohne Maß, das Leben ohne Tod, die Dauer ohne Aufeinanderfolge.
Und sollen wir noch weiter gehen? Thomas hat den Weg gezeigt. Die geschaffene Vernunft hat das natürliche Verlangen, also die ihrer Natur notwendige, gleichsam einen Teil ihrer Natur ausmachende Sehnsucht, alles zu wissen, alles Gute zu besitzen. Sie sehnt sich nach dem Unumschränkten, ohne sich selbst genaue Rechenschaft davon ablegen zu können. Sie sehnt sich nach dem Anschauen des göttlichen Wesens, denn der Wissensdrang nach allem, das Verlangen nach allem ist da allein endgültig gestillt, wo es keine weitere Frage mehr nach dem „Warum" giebt, wo die Urquelle aller Ruhe und alles Trostes ist. Sie sehnt sich danach, wie der Hirsch nach dem frischen Wasserquell. Und sie kann sich den Gegenstand dieses Sehnens nicht einmal positiv vorstellen; sie kann mit allen ihren natürlichen Kräften um so weniger denselben suchen oder gar finden. „Der übernatürliche Zweck ist," sagt Thomas, „der geschaffenen Vernunft gemäß deren Anlage natürlich; und die Mittel, um zu selbem zu gelangen, sind übernatürlich," d. h. sie stehen nicht in der Gewalt des Menschen. Keine geschaffene Vernunft kann [S. 233] einen anderen letzten Endzweck halen als die selige Anschauung; — und sie hat in sich nicht die Mittel zu deren Erreichung.
Sie kann Gott erkennen. Sie kann von der Kreatur zum Schöpfer emporsteigen. Sie kann erkennen, daß sie aus sich keine Kraft hat und daß selbst, um dies zu erkennen, nicht die Kraft von ihr selber kommt. Die Vernunft kann — und das ist der Grund, weshalb sie von Natur, und nicht weil sie erst dazu erhoben worden wäre, einen Zweck hat, der weit über ihre Kräfte geht, zu dessen Besitznahme ihr alle Mittel von der Natur fehlen — sie kann erkennen die Fülle Gottes, wie Er allein die Kraft ist, Er allein die Vollendung alles Seins, Er allein die reinste Liebe, welche, von nichts Äußerem getrieben nur aus Liebe wirkt. Die menschliche Vernunft ist mit Rücksicht allein auf ihren Zweck in einer schlechteren Lage wie die stofflichen Kreaturen. Der Löwe ist zufrieden mit seiner Beute, er ruht sich dabei aus; — er hat von der Natur die Mittel erhalten, sich derselben zu bemächtigen. Der Stein will nach unten; — und er hat die Mittel dazu, denn er ist schwer. Das Feuer will nach oben; — und es hat die Mittel dazu, es ist leicht. Freudig streckt die Eiche ihre Aste aus, legt auseinander ihre Blätter und ladet ein die Vögel des Himmels, daß sie in ihr das Heim bauen. Die Mittel hat die Eiche für alle ihre verschiedenen Zwecke. Der Mensch aber ist seiner Natur nach nirgends ruhig; nirgends findet er wahren Frieden. Hat er etwas, was er gesucht, so will er mehr.
Er will nach einem allumfassenden Gute; und kennt zu demselben weder den Weg, noch hat er die Kraft dazu, es zu besitzen. In der ganzen Natur findet sich dieses Gut nicht. Die ganze Natur kann ihm weder Licht gewähren noch Kraft, um es zu suchen. Jener aber, der dies kann, das ist kein Fremder für ihn. Er ist ihm näher, als er, der Mensch, sich selber. Er will mehr das Wohl des Menschen wie dieser. Mag es immerhin sein, daß die ganze Natur dem Menschen keinerlei Mittel gewährt, um seines Endzieles teilhaft zu werden. Das was mehr wert ist als die Natur; was mehr, besser und tiefer etwas zu eigen geben kann wie die ganze geschaffene Natur, die seinige, die menschliche, mitinbegriffen; was ihm seine Vernunft, seinen Willen, seine Seele, seine Natur zuerst verliehen und all dies jeden Augenblick erhält; — von da her, vom göttlichen Wesen, vom Herrn und Meister der Natur wird der Mensch auch die Mittel erhalten, damit er das, was seine eigene Natur, die ihm Gott gegeben, zum Zwecke hat, soll sie anders glücklich sein, auch wirklich erreiche. Von Ihm, vom „Gott seines Herzens", wird Licht strömen in die Vernunft, Festigkeit in den Willen, Kraft in die Sinne. Daß der Mensch sein ganzes Sehnen nur auf Ihn richte, wozu die gesamte Natur ermahnt. Daß der Mensch nicht stehen bleibe beim Beschränkten, wo doch die gesamte Natur sagt: nicht ich kann Dich anfüllen. Daß er mit dem Psalmisten so recht von Herzen spreche: „Arm und hilflos bin ich vor Dir von meiner Jugend an!"
Die ewige Liebe giebt dem Menschen über alle Natur hinaus die Mittel, um zu seinem letzten Ziele zu gelangen. Die ewige Liebe, sagen wir, in ihrer ganzen innerlichen Freiheit, in ihrer ganzen unumschränkten Fülle, will den Menschen, den sie geschaffen, ohne daß niemand zu fragen wagte „Warum"; sie will ihn auch beseligen; und niemand darf fragen: Warum diesen und nicht jenen!" In der Liebe soll der Mensch seine Heimat finden, in jener Liebe, die es in seine Natur bereits gelegt hat, daß kein beschränktes Gut ihn beruhige; damit er angeekelt durch das Endliche von ihr schließlich aufgenommen werde. Da ist der Grund für jene zärtlichsten Namen, [S. 234] mit welchen wir Gott in der Schrift bezeichnet finden. „Vater" wird Er
genannt. „Wie eine Mutter," so sagt Er von sich selber. „Meine Hoffnung." „Mein Gott und mein Alles.“ „Meine Zuflucht." „Mein Schutz." „Mein Leben." „Mein Heil." „Mein Jesus, Retter.“ „O Gott, o mein Gott.“ „Mein Frohlocken" u. s. w.
Und der Name der Namen? „Der da ist." Seinsfülle! Er faßt das Unermeßliche zusammen und das verursachte Sein; die Vollendung! das geschöpfliche Vermögen, die Gnade und die Natur. Denn was wird in allen sonstigen Namen ausgedrückt? Ein Sein: Ein schwaches Sein, ein stärkeres Sein, Freude, Trauer, Schranken, Grenzen, Zeit, Ort. Alles dies, woher die anderen Namen genommen werden, ist nur immer Ausdruck von einer Seite des Seins her.
„Der da ist," das ist die unerschöpfliche Fülle. Doch hören wir darüber den unvergleichlichen engelhaften Lehrer.