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Fremdsprachenkenntnisse sind heute ja sozusagen ein Muss. Ohne mindestens Englisch zu können, kommt man nicht mehr weit in der modernen Welt. Viele deutschsprachige Menschen verwenden Englisch auch gerne und oft im Alltag: Vom Facebook-Status über TV-Serien, die im Originalton konsumiert werden, zum – Büro. Ja, bei uns wird oft Englisch gesprochen. Was wohl vor allem damit zu tun hat, dass viele von uns gerne ihr Englisch «brauchen» – in der Hoffnung, es zu verbessern.
Färben Sprachen auf den Charakter ab?
Letzthin hatte ich mich dann mal gefragt, ob es sein kann, dass ich eine leicht andere Persönlichkeit habe, wenn ich Englisch spreche. Englisch wird ja allgemein als eher einfache Sprache wahrgenommen. Nur ein Geschlecht, nur ein Fall, der eine andere Deklination verlangt, viele kurze Wörter. Also dachte ich mir: Vielleicht bin ich weniger kompliziert, wenn ich Englisch spreche? Und falls das so ist, ist das dann ein generelles Phänomen?
Ich habe recherchiert. Und Folgendes herausgefunden: Es gibt tatsächlich eine Theorie zu diesem Thema. Die geht zwar etwas tiefer und trifft wenn, dann wohl eher auf «richtige» Bilingues zu, aber im Grunde geht es um genau die Frage, die ich mir gestellt habe. Es handelt sich um die Sapir-Whorf-Hypothese, auf Englisch auch das «principle of linguistic relativity» genannt. Die These besagt, dass die Struktur einer Sprache die Art und Weise beeinflusst, in der die Sprecher dieser Sprache die Welt erfahren. Anders gesagt: Grammatik und Wortschatz der Muttersprache würden demnach bestimmen, wie ein Mensch denkt. Daraus liesse sich folgern, dass zweisprachige Menschen verschiedene Denkweisen haben, je nachdem, in welcher Sprache sie sprechen.
Höfliches Englisch, unhöfliches Griechisch
Sind zweisprachige Menschen also schizophren? Das wohl nicht gerade. Aber es haben schon manche «Bilinguals» erzählt, dass sie sich beim Sprechen in der einen Sprache leicht anders verhalten als in der anderen Sprache. So hat z. B. eine Person gesagt, wenn sie Englisch spreche, sei sie sehr höflich, verwende oft «please» und ähnliche Wörter, wenn sie hingegen Griechisch spreche, spreche sie viel schneller und auf eine irgendwie unhöfliche Art. Und in einer Studie hat man japanisch-amerikanischen Frauen dieselbe Frage sowohl in Japanisch wie auch in Englisch gestellt, und oft verschiedene Antworten darauf erhalten, je nach Sprache.
Einfach kompliziert
Ob die Sapir-Whorf-Hypothese wirklich zutrifft, ist nicht erwiesen. Wie gesagt, wenn sie zutrifft, dann vor allem bei Menschen, die zweisprachig aufgewachsen sind und wohl weniger bei normalen Fremdsprachensprechern wie mir. Nichtsdestotrotz mag ich die unkomplizierte Struktur des Englischen. Und als eine Person, die einen Hang zur Kompliziertheit hat, werde ich mich gerne weiterhin ab und zu der englischen Sprache bedienen. Vielleicht macht es das Leben – und mich – ja doch ein bisschen einfacher.