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| Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 8. Aufnahme von Brüdern in das Kloster.
Nach einiger Zeit sah er, als er wachte und zugleich betete, einen Engel des Herrn, der zu ihm sprach: ,,Pachomius!" Er aber erwiderte: "Herr, was willst Du von mir?" - "Der Wille Gottes ist es, ihm zu dienen und das Menschengeschlecht mit Gott zu versöhnen."
Nachdem der Engel dies dreimal gerufen hatte, verließ er ihn. Pachomius jedoch dankte Gott, und voll Vertrauen auf die ihm neuerdings gewordene Erscheinung begann er die aufzunehmen, welche durch ihn, infolge ihrer Sinnesänderung, zu Gott gelangen wollten. Nach reiflicher Prüfung verlieh er ihnen das Gewand der Mönche. Er verbot ihnen, sich den Dingen der Welt hinzugeben, dagegen führte er sie Stück für Stück weiter in der Askese. Vor allem ermahnte er sie, der ganzen Welt zu entsagen, sodann aber auch den Angehörigen, nach dem Evangelium aber auch sich selbst, [S. 820] damit sie so ihr eigenes Kreuz auf sich nehmen und dem Heiland folgen könnten. Sie aber, die fortwährend von ihm belehrt wurden, sie trugen nach den Worten der Schrift Früchte, die wert waren der Berufung. Sie sahen, wie er sich im höchsten Greisenalter nicht nur in angestrengter Askese quälte, sie sahen auch, wie er sich bemühte, die ganze Sorge für das Kloster auf sich zu nehmen.
Denn man konnte den Greis sehen, wie er ihnen, wenn sie zur bestimmten Stunde zum Mahle zusammenkamen, voll Eifer den Tisch rüstete; ebenso wie er im Garten Gemüse pflanzte und dies selbst begoß; wie er jedem, der an die Türe klopfte, bereitwillig Rede stand; wie er die Kranken Tag und Nacht wartete und für ihre Genesung sorgte; wie er in allem diesem seinen Schülern das trefflichste Beispiel gab. Denn er war bedacht darauf, die, welche erst vor kurzem an die Askese herangetreten waren und noch nicht eine derartige Einsicht besaßen, daß sie in Gott wohlgefälliger Weise sich selbst dienen konnten, vor allen Dingen nicht mit der Sorge für alle diese Ablenkungen zu belasten. Daher sagte er zu ihnen: "Wozu ihr berufen wurdet, Brüder, darin kämpfet zuerst eine Zeitlang! Übet euch in den Psalmen und dann in dem Wissen aus den anderen Büchern, vornehmlich aber in dem heiligen Evangelium! Denn wenn ich so Gott und zugleich euch diene nach seiner Vorschrift, dann erhole ich mich, und ihr werdet vollkommen, indem ihr die göttlichen Satzungen kennen lernt."
Die Namen derer aber, die zuerst zu ihm kamen, waren: Psenthaisis, Surus und Opsis.1 Er verkündete ihnen beständig das Wort Gottes und nützte ihnen sehr, indem er sie zur Nacheiferung in guten Werken führte. Denn als sie sahen, daß das Schweigen des Heiligen tatkräftige Tugend und laute Rede sei, da wunderten sie sich und sagten zueinander: "Wir waren im Irrtum befangen, als wir glaubten, daß alle diese [S. 821] Heiligen unverändert und heilig geworden seien, daß sie nicht aus eigener Kraft von Gott geschaffen seien, und wiederum umgekehrt - daß die Sünder nicht imstande seien, tugendhaft zu leben, da auch sie so von Gott angenommen seien. Jetzt aber sehen wir deutlich die Güte Gottes ganz besonders an unserem Vater hier; denn er, der von heidnischen Eltern stammt, hat sich zu so großer Frömmigkeit aufgeschwungen, daß er alle Gebote Gottes erfüllt. Dadurch ist der unwiderlegliche Beweis erbracht, daß wir und alle, wenn sie nur wollen, ihm folgen können, wie auch er den Heiligen nachfolgt, welche vor ihm gelebt haben.
Denn das ist der Sinn des Wortes der Schrift: 'Kommet zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken'.2 Verlassen wir daher nach freiem Entschluß das Böse und eilen wir zum Guten. Laßt uns also mit ihm sterben, damit wir auch mit diesem Manne das Leben haben; denn er führt uns sicher ein zum Leben."
Und sie kamen zu Pachomius und sagten zu ihm: "Warum, Vater, mühst du dich allein ab in den Arbeiten für das Kloster?" Er aber sprach zu ihnen: "Wer schirrt sein Gespann an die Arbeit und lädt ihm alles auf, so daß sie ihm schadet, bis es erschöpft zusammenbricht? Wird er es nicht zuvor prüfen und dann, wenn er es daran gewöhnt hat, sich seiner zu seinem Vorteil bedienen zu einer vollkommenen Arbeit? Auf die gleiche Weise müssen auch wir mit der Tüchtigkeit, mit der uns Christus ausgestattet hat, mit euch kämpfen, Geliebte, zu eurer Unterstützung. Der barmherzige Herr aber, der immer hinblickt auf meine Erniedrigung, stärkt eure Herzen, und er wird euch zur Vollendung führen, wenn ihr mit Ausdauer das Gute tut. Dann werden auch andere, die euren gottgemäßen tugendhaften Lebenswandel sehen, mit herzugeführt werden, die die Fähigkeit besitzen, die Sorgen für das Kloster mit mir auf sich zu nehmen."
Er stellte nun für sie in Regeln gewisse Formen und heilsame Vorschriften auf: einfache Kleidung, [S. 822] mäßige Nahrung, eine angemessene Erholung im Schlafe. Nach dem Willen Gottes, der alle Menschen zum Heile beruft und fördert, kamen auch andere bei ihm zusammen, die mit ihm der Askese leben wollten, darunter Pekusius, Kornelius, Paulus, Pachomius der Zweite, Johannes3 und viele andere mehr, nachdem sie diese Unterweisung seines gesunden und rechten Glaubens vernommen hatten. Dann stellte er die, welche der Aufgabe gewachsen waren, zur Besorgung der äußeren Klosterbedürfnisse auf, und in kurzer Zeit vermehrten sich die Brüder so, daß es über hundert waren.
1: Die Namen lauten im Laur. 11,9 fol. 166 v col. b: Psentaisis, Surus, Psois; im Monc. 3 fol. 109v col.a Psantais, Surus, Opsis; dazu noch Pekysius, Kornelius, Paulus, Pachomius der Zeite, Johannes, Theodorus. Vgl. S. 44 Anm.1 [822]u. Kap. 26,43 [recte 73, S. 851].
2: Mt 11,28.
3: Im Laur. 11,9 fol. 167r col. a lauten die Namen: Pekysius, Kornelius, Paulus, ein anderer Pachomius und Johannes; im Monac. vgl. S. 42 Anm. 1 [s.o.].