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Nach der französischen Juli-Revolution 1830 erhob sich auch in der Schweiz (damals noch ein Staatenbund) eine liberale Bewegung, die Volkssouveränität und Rechtsgleichheit forderte. Bis 1831 erneuerten zwölf Kantone, darunter auch Luzern, ihre Verfassungen. Aristokratie und Patriziat wurden abgeschafft. Im Zuge dieser Erneuerungsbewegung (Regeneration) wurde es den Bürgern ermöglicht, sich zusammenzuschliessen und gemeinsamen Interessen nachzugehen. Zahlreiche kulturelle Vereine wurden in dieser Zeit gegründet, viele davon sind auch heute noch aktiv. Dazu gehört auch die Theatergesellschaft Entlebuch.
1834 ist das Geburtsjahr der Theatergesellschaft Entlebuch. 15 Männer aus dem Dorf Entlebuch spielten das Ritterstück «Die Grafen von Toggenburg». Im selben Jahr wurde auch der spätere Entlebucher Bundesrat Josef Zemp geboren. Die ersten fünf Stücke waren reine Sprechtheater. Bereits 1842 wurde mit «Die Beatushöhle» ein Schauspiel mit Gesang aufgeführt. Zu Beginn jährlich, dann in Abständen von zwei, drei Jahren wurden vor allem Dramen und Schauspiele mit Gesang vorgetragen. Einen längeren Spielunterbruch gab es zwischen 1868 und 1877. Ab den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts nahm die Bedeutung des Sprechtheaters langsam ab. Chor und Orchester traten immer mehr in Erscheinung, und über Singspiele gelangte man in den 1920er-Jahren schliesslich zu Volksoper und Operette.
Seit den Anfängen der Theatergesellschaft wurde im Gasthaus Port gespielt. Das Theaterlokal im Hotel Port genügte den Ansprüchen inzwischen (1892) nicht mehr. Der Besitzer, Julius Renggli, wurde aufgefordert, die notwendigen baulichen Erweiterungen vorzunehmen. Im Januar 1894 konnte der neue Theatersaal bezogen werden. Nachdem sich anfänglich Vikar, Gemeindeschreiber, Lehrer oder Dorfarzt als Spielleiter betätigten, führten ab der Jahrhundertwende auswärtige Profis Regie. Die musikalische Leitung hingegen blieb immer in den Händen von einheimischen Kapazitäten. 1901 brannte das Hotel Port bis auf die Grundmauern nieder. Im Januar 1903 wurde im neu erstellten Port der Betrieb wieder aufgenommen. Nach Ostern 1904 wurde das erste Stück im neu gebauten Saal gespielt. 1908 wagte sich die Theatergesellschaft erstmals an eine Volksoper («Preciosa» von Carl Maria von Weber). Der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918 zwang die Theatergesellschaft zur Pause. 1927 wurde mit «Försterchristel» von Georg Jarno zum ersten Mal eine Operette aufgeführt. Diesem Genre blieb die Theatergesellschaft, mit wenigen Ausnahmen, bis heute treu.
1936 wurde das «Schwarzwaldmädel» gespielt, danach bis 1946 pausiert. Der Mangel an weiblichen Gesangskräften, die Maul- und Klauenseuche und schliesslich der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verhinderten einen Theaterbetrieb. Mehrere Führungspersönlichkeiten der Theatergesellschaft waren verstorben, als 1946 ein Neubeginn stattfand. Neben einigen Erfahrenen aus der Vorkriegszeit konnte sich eine grosse Zahl junger Solisten und Hauptrollenträger profilieren. Bis 1965 wurden fünf Operetten äusserst erfolgreich aufgeführt. Eine ganz spezielle Produktion wurde 1962 realisiert: Die Uraufführung der Operette «Die Prinzessin und ihr Narr», für die der einheimische Robert Duss – zusammen mit dem Wiener Toni Berg – die Musik geschrieben hatte. Nach der Aufführung von 1965 vergingen zwölf Jahre, bis 1977 mit dem Singspiel «Roni der Alpensohn» in Entlebuch wieder Leben auf die Theaterbühne kam. Inzwischen waren Musikschule und Jungmusik gegründet worden. Der Orchesterverein durfte so von einer fundierten Ausbildung profitieren und auch von den einheimischen Chören konnten sich Mitglieder als Chorsänger oder Solisten für die Operette begeistern. Das 150-Jahr-Jubiläum 1984 durfte eine erfolgreiche, weit über die Region hinaus bekannte und anerkannte Theatergesellschaft Entlebuch feiern.
Der Erfolg setzte sich auch in den nächsten 25 Jahren fort. Nachdem in der näheren Vergangenheit einige Reprisen aufgeführt worden waren, wagte man sich ab den 1990er-Jahren wieder an Operetten, die auf der Entlebucher Bühne noch nicht gespielt worden sind. Alle diese anspruchsvollen Werke stellten immer wieder hohe Anforderungen an die Beteiligten und wurden von Solisten, Chor und Orchester jedesmal mit Bravour gemeistert. Zu einem festen Bestandteil wurde auch das Ballett, welches mit graziösen bis akrobatischen Einlagen seinen Teil zur Einzigartigkeit der Entlebucher Operettenbühne beiträgt. Auch im technischen und organisatorischen Bereich galt es, grosse Herausforderungen zu bewältigen. Von den sechs, sieben Aufführungen vor hundert Jahren steigerte man sich auf deren 20 im Jahr 1977. 38 Mal wurde 2008 die Operette «Gasparone» gespielt, davor gab es mehrere Saisons mit 40 Aufführungen.
Die Operettenproduktionen in Entlebuch sind Gemeinschaftswerke von Einheimischen. Mit Stolz sei einmal mehr darauf hingewiesen, dass der grösste Teil der Mitwirkenden Laien sind. In den letzten Jahren haben sich jedes Mal 170 bis 220 Personen daran beteiligt. Aus allen Altersschichten und Bevölkerungsgruppen treffen Menschen zusammen, um gemeinsam das Projekt Operette zu planen und durchzuführen. Jeder trägt seinen Teil zum Erfolg bei, sei es als Solist, Rollenträger, Chorsänger, Orchesterdirigent und -musiker direkt vor dem Publikum, als Regisseur, Chor- oder Ballettleiter, Bühnenbildner, Korrepetitor bei den Proben und Vorbereitungen, oder mehr im Hintergrund als Mitglied der Ressorts Beleuchtung, Bühne, Coiffeusen, Kostüme, Maske, Werbung, Requisiten, Souffleusen, Saalpersonal, Sicherheit und Verkehr, Vorverkauf oder Vorstand. Viele davon sind junge Leute. Man darf also davon ausgehen, dass die Theatergesellschaft Entlebuch ihre Tradition auch in Zukunft fortsetzen wird.