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Der Tübinger Kreis reagierte auf diesen Verlust der Werte, indem er ausdrücklich eine soziale, kulturelle, wissenschaftliche, philosophische und religiöse Reform auf der Grundlage einer individuellen Umwandlung für notwendig erklärte.
Auch mit unserem heutigen menschlichen Bewusstsein wird diese Grundidee als grossartige Möglichkeit einer Veränderung des Lebens auf der Erde wahrgenommen.
Ein sehr besonderes Ereignis fiel zeitlich mit der Entstehung des klassischen Rosenkreuzertums zusammen: Im Jahr 1604 erschien eine Supernova* zwischen den Sternbildern Serpentarius und Cygnus. Sie blieb am Nachthimmel während mehreren Monaten sichtbar. (*vom Lateinischen: „Stella nova super“. Bezeichnet das helle Aufleuchten eines Sterns am Ende seiner Lebenszeit)
Dieses Ereignis wurde durch die Mitglieder des Tübinger Kreises symbolisch als Anfang eines neuen Zeitalters interpretiert: ein Ereignis, das einen Bewusstseinswandel mit sich bringt und dem Menschen die Möglichkeit gibt, sich mit den drei Fähigkeiten Liebe, Weisheit und Umwandlung auf einer höheren Ebene zu verbinden. Mit der Entdeckung der drei Mysterienplaneten Uranus, Neptun und Pluto fanden diese Qualitäten später ihre symbolische Entsprechung.
Die Absicht der Rosenkreuzer
Die Rosenkreuzer-Bruderschaft offenbarte sich mit der Absicht, die ursprüngliche Aufgabe der Menschheit wieder zu beleben und daran zu arbeiten. Das heisst, die Umwandlung zu beginnen und den Plan Gottes, der latent im Menschen angelegt ist, zu verwirklichen. Sie schloss sich damit dem philosophischen Erbe der hermetischen Tradition an, die von der humanistischen Strömung der Renaissance getragen wurde.
Im «Bekenntnis der Bruderschaft» lesen wir: « …Nun bleibt noch, dass innerhalb kurzer Zeit, die mit raschen Schritten naht, auch die Zunge zu einer ehrenvollen Wirksamkeit gelangt, damit sie das, was sie einst gesehen, gehört und gerochen hat, nun endlich ausspricht, nachdem die Welt den Rausch aus ihrem giftigen, betäubenden Becher ausgeschlafen hat und früh am Morgen der aufgehenden Sonne mit geöffnetem Herzen, entblösstem Haupt und barfuss, fröhlich und jubelnd entgegengehen kann».
In der hermetischen Tradition stehend wurde also ein starker spiritueller Impuls freigesetzt, der dem Menschen dazu verhalf, seine transzendentale Dimension wiederzufinden. Damit wurde wahres spirituelles Erleben und das Erlangen von Kenntnis aus erster Hand möglich.
Die Essenz der hermetischen Philosophie hebt die Analogie zwischen Mensch, Kosmos und Gott hervor. In der «Tabula smaragdina» finden wir diese Idee klar ausgedrückt: «Was unten ist, gleicht dem, was oben ist, und was oben ist, gleicht dem, was unten ist, damit die Wunder des Einen sich vollziehen.»
Der Geist des Rosenkreuzes beeinflusste sehr viele Gruppen und auch einzelne Menschen. Er offenbarte sich durch alle, die versuchten die alchemische Essenz zu verwirklichen, die im Namen «Rosenkreuz» enthalten ist.
Das moderne Rosenkreuz
Im 18. und 19. Jahrhundert tauchten einige Rosenkreuzer-Orden in Europa und in den Vereinigten Staaten auf. Im 20. Jahrhundert, nämlich im Jahr 1909, gründete Max Heindel, ein Mitglied der durch Helena P. Blavatsky ins Leben gerufenen Theosophischen Gesellschaft, in den USA die Rosenkreuzer-Bruderschaft (The Rosicrucian Fellowship).