Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03207.jsonl.gz/2328

US-Präsident Donald Trump hat sich persönlich in die Wahlen in Florida eingeschaltet – über Twitter, wie er es gern zu tun pflegt. Kaum wurde bekannt, wie knapp die Führung der Republikaner dort ist, setzte er sich gegen eine maschinelle Nachzählung ein, obwohl das Gesetz eine verlangt.
Diese Reaktion zeige, dass ein Sieg im Bundesstaat Florida von nationaler Bedeutung ist, sagt Isabelle Jacobi, SRF-Korrespondentin in Washington.
Isabelle Jacobi
USA-Korrespondentin, SRF
Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.
SRF News: Warum ist ein Sieg im Bundesstaat Florida so entscheidend?
Isabelle Jacobi: Florida ist ein enorm wichtiger Pokal in jeder US-Wahl. Es ist ein sehr bevölkerungsreicher Staat, und deshalb auch politisch gewichtig, etwa als Fraktion im Abgeordnetenhaus, aber auch in Präsidentschaftswahlen. Und es ist ein sogenannter «Swing State». Einmal gewinnen die Demokraten, einmal die Republikaner. Je nachdem, wie die Wahlen ausgehen, steht und fällt zum Beispiel ein Präsidentschaftskandidat. Florida ging 2016 knapp an Trump. Deshalb ist auch diese Wahl ein «Nail Biter» – ein Nagelkauer, wie man sagt.
Es geht um einen Senats- und einen Gouverneurssitz. Wie wichtig sind sie?
Sehr, denn es wäre für die Demokraten sehr bitter, wenn sie keinen Senator aus Florida mehr hätten. Ihre Vertretung im Senat würde auf 47 Sitze schwinden. Die Republikaner hätten dann eine quasi schalldichte Mehrheit von 53 Senatssitzen. Und wer Gouverneur ist, hat starke Auswirkungen darauf, wie die Wahlen in einem Staat ausgestaltet werden. In Florida ist das – wie in anderen Staaten in den USA – eine Dauerdiskussion.
Der Erfolg der Demokraten ist grösser, als man anfänglich dachte.
Es gab in den letzten Jahren auch diverse Gerichtsurteile dazu. Ein Demokrat im Amt des Gouverneurs könnte da einiges bewegen zugunsten der Demokraten, und das wiederum wäre auch wichtig für die Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren.
Wie gut haben die Demokraten bei den Midterms wirklich abgeschnitten?
Der Erfolg der Demokraten ist grösser, als man anfänglich dachte. Sie konnten ein paar Prestigesiege erringen, die die Republikaner schmerzen. Sie holten den Senatssitz in Arizona und einen heftig umkämpften Bezirk in Kalifornien. Sie werden bis zu 40 Abgeordnetensitze hinzugewinnen. Wenn alle Bezirke ausgezählt sind, ist das nicht ein Erdrutsch, aber doch eine starke Leistung.
Wie lautet Ihre Prognose für die Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren?
Wenn die Demokraten einen guten Kandidaten oder Kandidatin für die Präsidentschaft aufstellen, dürfen sie grundsätzlich hoffen, dass die Zeichen für sie günstig stehen. Frauen, junge Wählende und Minderheiten sind mobilisiert und stimmen für die Demokraten – vor allem in Städten und Agglomerationen überall in den USA. Der Mittlere Westen, der für die Wahl Trumps sehr wichtig war, könnte den Republikanern wieder wegrutschen.
Es kommt sehr darauf an, wen die Demokraten für die Präsidentschaftswahl nominieren werden.
Und der «Sun Belt», der sogenannte Sonnengürtel im Südwesten, sieht aus demografischen Gründen immer demokratischer aus. Das zeigt der Sieg der Demokraten in Arizona. Die Republikaner bleiben aber stark in den konservativen, ländlichen Bundesstaaten, auch in wichtigen «Swing States» wie eben Florida oder auch Ohio. Kurz: Es kommt sehr darauf an, wen die Demokraten für die Präsidentschaftswahl nominieren werden, und das ist noch überhaupt nicht klar.
Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.