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Im Porträt: Château Pontet-Canet, Pauillac, Bordeaux
Château Pontet-Canet
Foto beigestellt
Das prächtige Weingut im Nordwesten von Pauillac als unmittelbarer Nachbar von Château Mouton-Rothschild gelegen, wurde im Jahre 1975 von Guy Tesseron, dem Schwiegersohn von Emanuel Cruse, selbst ein Cognac-Produzent und-Händler, erworben. Davor hatte die Bordelaiser Weinhandelsfamilie Cruse, Besitzer seit 1865, das 1855 als Fünftgewächs eingestufte Gut zu einer Art Markenwein entwickelt. In jenen Zeiten war Pontet-Canet das klassifizierte Gewächs mit der grössten produzierten Flaschenanzahl pro Jahr. Als Standard-Cru Classé – dort übrigens ohne Jahrgangsabgabe – in den französischen Eisenbahn-Speisenwägen wurde der Name auch breiteren Schichten Frankreichs ein Begriff.
Die Weine galten als solid, sie wurden durch Terroir und Jahrgang bestimmt, sodass auch in diesen bescheidenen Zeiten einige herausragende Weine, darunter der bis heute tolle 1961er gewachsen sind. Die Übernahme durch die Familie Tessseron, die den jungen Alfred Tesseron 1994 als Gutsdirektor nominierte, leitete eine erste Umstellung in Richtung Qualität ein. Nun wurden im Bereich des Weinkellers Verbesserungen vorgenommen, ein Zweitwein eingeführt, an der Maschinenernte wurde angesichts der Grösse des Weingutes aber noch längere Zeit festgehalten.
Bereits fünfzehn Jahre später schreibt Robert Parker, dass «man in Bordeaux einhellig der Meinung sei, dass Pontet-Canet einen Weingarten mit enormen Potenzial besitzt, vorausgesetzt dieser wird sorgfältig bewirtschaftet und gemanagt.» Vor dem Jahrgang 1990 erhielt allerdings noch kein Wein dieses Betriebes –abgesehen von den mythischen Jahrgängen 1945 und 1961 bis einschliesslich 1993 – keine 90 Parker-Punkte. 1994 war die erste wichtige Wende, mit stolzen 93 Punkten richtete sich erstmals der Scheinwerfer der internationalen Aufmerksamkeit auf Pontet-Canet, dass in diesem Jahr von seinem für Pauillac extrem hohen Merlot-Anteil in der Cuvée (1994 waren es 41% Merlot und weitere 6% Cabernet Franc, nur 53% der regionaltypische Cabernet Sauvignon).
Der nächste grosse Wein gelang in 2003, ein Wein, der sich mit einem 30% Merlot-Anteil in der Cuvée Schritt für Schritt zu einem echten Pauillac-Klassiker gemausert hat. Spätestens mit dem 2005 wurde das Weingut bereits als Geheimtipp unter Kennern gehandelt, denn nun überstieg die Qualität regelmässig den geforderten Preis von vergleichbaren Weinen aus dieser Appellation. 2009 war es schliesslich soweit: die unermüdlichen Investitionen und die Umstellung auf biodynamische Bewirtschaftungen mündeten in 100 Parker-Punkte, ein Erfolg, der sich mit 2010 wiederholte. «Alfred Tesseron hat den besten nur vorstellbaren Wein aus 2009 produziert», schrieb Guru Robert Parker und seither gehört dieses Weingut zum Bordeaux-Olymp.
Das hat aber nicht dazu geführt, dass man sich mit dem Erreichten zufrieden gegeben hätte, seither wurde mit tatkräftiger Unterstützung der nächsten Generation an der Perfektionierung der selbst kleinsten Details weitergearbeitet und so hat sich ein State-of-the-Art-Weingut entwickelt, wie es sich Bordeaux für die Zukunft nur wünschen kann.
Das Weingut bewirtschaftet heute 81 Hektar Rebfläche, dessen Herzstück ist direkt am Château situiert, «Le Plateau» von kargen Schotterböden auf Kalksteingrund geprägt, ist ideal für den Cabernet Sauvigon, der heute rund 60% der Gesamtfläche einnimmt, einige Parzellen wurden Ende der 40er Jahre ausgepflanzt und ergeben heuten die besten Grundweine. Ein weiterer Teil der Weingärten liegt beim Dorf Pouyalet und damit näher an der Gironde, hier sind die Böden dank eines höheren Lehmanteils etwas fetter, aber auch kühler, hier fühlt sich der Merlot so richtig wohl.
Die Entwicklung hin zum biodynamischen Betrieb erfolgte behutsam und Schritt für Schritt, bereits 1995 unternahm Alfred Tesseron erste Überlegungen in Richtung organische Bewirtschaftung. 2004 wurden dann auf 14 Hektar bei Pouyalet mit der Unterstützung des Experten François Bouchet erste Versuche unternommen, zum allerersten Mal griff ein klassifiziertes Gewächs im Médoc die Methoden der Biodynamie auf. 2005 wurde der ganze Betrieb umgestellt. 2007 zwang das massive Auftreten von Mehltou Alfred Tesseron ein letztes Mal chemische Mittel einzusetzen und die Ernte zu retten, die Zertifizierung verschob sich dadurch nochmals um drei Jahre. Im Jahr 2010 wurde Pontet-Canet schliesslich von Ecocert als Bio-Betrieb zertifiziert, sowie von Biodyvin als biodynamisch. 2014 erfolgte die Anerkennung der Gesamtrebfläche und des Betriebes durch Demeter.
Im Mai 2020 übernahm Mathieu Bessonnet als technischer Direktor von Jean-Michael Comme, der 31 Jahre auf Pontet-Canet tätig war und dessen Gattin Corinne eine anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Biodynamie ist. Der vierzigjährige gebürtige Bordelaiser Bessonnet war zunächst bei Michel Rolland, der auch heute noch als Konsulent von Ponet-Canet fungiert, tätig, und konnte sich später bei Maison Chapoutier in die Materie der Biodynamie perfekt einarbeiten. Mit Bessonnet ist auch hier der Generationswechsel erfolgreich vollzogen worden.
Die Leitung des Weingutes liegt heute in der Hand von Justine Tesseron der Tochter von Alfred, die 2015 an dessen Seite in den Betrieb eingetreten ist. Seit 2004 war bereits Alfreds Nichte Mélanie Tesseron als Mitbesitzerin und Managing Direktor auf Pontet-Canet tätig, auf sie gehen wertvolle Impulse bei der Umstellung in Richtung Biodynamie zurück. Sie erwarb gemeinsam mit ihrem Onkel Alfred die Villa Sorriso in Napa Valley, das davor dem Schauspieler Robin Williams gehörte. Auf dem 300 Hektar grossen Anwesen befanden sich bereits 7.5 Hektar Weingarten in Ertrag, 2016 entstand hier erstmals der Estate Rotwein namens Pym-Rae, mehrheitlich aus Cabernet Sauvignon, der hier am Mt. Veeder 1990 gepflanzt wurde.
Im Spätherbst 2021 lud die Familie Tesseron eine Gruppe von Fachjournalisten auf das Weingut ein, um gemeinsam mit den Önologen des Hauses ein Vertikalverkostung sämtlicher Jahrgänge mit biodynamischer Zertifizierung zu verkosten, der Autor hatte das Vergnügen am Vorabend am Château anlässlich eines kleinen privaten Diners am Weingut die besten der historischen Jahrgänge wie 1961 und 1945 aus der Magnum zu probieren. Das Fazit ist simpel: Das Terroir von Pontet-Canet ist und war stets hervorragend, es ist das Verdienst von Alfred Tesseron, diesem tollen Gewächs durch enorme Investitionen in den letzten vierzig Jahren zu einem glanzvollen Comeback und internationalem Ruf verholfen zu haben.
Die junge Generation konnte bereits unter Beweis stellen, dass es auch mit biodynamischer Methodik möglich ist, in Bordeaux grosse Weine zu erzeugen und wird diesen zukunftsweisenden Weg mit Erfolg weiter gehen. PS. Der kalifornische Tesseron-Ableger Pym-Rae ist auch mit grossen Schritten in Richtung 100 Punkte unterwegs, dass auch dort der biodynamische Weg eingeschlagen wurde, versteht sich von selbst.
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