Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03172.jsonl.gz/494

Präzisionsflug ist ein fliegerischer Leistungssport. Er fasziniert vor allem dadurch, dass er nichts verlangt, was nicht jeder Motorflieger ohnehin gelernt hat – nur alles ein wenig genauer…
Unterwegs auf einem Überlandflug. Natürlich weiss der Pilot jederzeit, wo er sich befindet, wann er den nächsten Fix erreichen wird und wie es nachher weitergeht. So hat er es in der Privatpilotenausbildung gelernt: Topografie studieren, Winddreieck berechnen, Auffanglinien bestimmen, Flugplan erstellen und dann genau abfliegen. Auch eine Motorpanne bringt ihn nicht in Panik. Wie oft hat er das doch mit dem/der FluglehrerIn geübt: Gleitflug etablieren, Airstart versuchen, und wenn das nicht klappt, konzentriert, aber beherrscht notlanden. Genau das machen die Präzisionsflieger wettbewerbsmässig, nur noch ein bisschen genauer als der Durchschnittspilot.
Worum es geht
Präzisionsflug ist gewissermassen «aviatischer Orientierungslauf» und neben dem Kunstflug die zweite offizielle und von der FAI (Fédération Aéronautique Internationale) weltweit anerkannte Flugsportart. In der Schweiz wird er im Auftrag des Motorflugverbandes MFVS von der PFA (Precision Flying Association Switzerland) betreut. Es gibt regelmässige Trainingskurse sowie Club- und Schweizermeisterschaften.
Die Schweizer Nationalmannschaft beteiligt sich jeweils an den jährlich alternierend stattfindenden Europa- bzw. Weltmeisterschaften und wird aufgrund der erbrachten Leistungen an der Schweizermeisterschaft erkoren.
Verwendet werden übliche Motorflugzeuge mit einer Geschwindigkeit von mindestens 60 Knoten. Als besonders geeignet hat sich die Cessna 150/152 erwiesen. Sie ist gutmütig, wendig, relativ billig und bietet eine gute Sicht nach unten. Auch die neuen „Ecolight-Flugzeuge“ sind bestens für den Präzisionsflug-Wettbewerb geeignet.
Grundsätzlich besteht ein Präzisionsflug, z.B. an einer Meisterschaft, aus drei Teilen:
1. Theoretischer Teil
Flugvorbereitung: Hier geht es darum, einen Flug, der über fünf bis acht Teilstrecken führt, mit einem vorgegebenen Wind unter Zeitdruck (maximal 30 Minuten) exakt zu rechnen. Nach 20 Minuten kann man einen von der Konkurrenzleitung gerechneten Flugplan beziehen, der dann garantiert fehlerfrei ist, und aufgrund diesem die von der Wettbewerbsleitung ausgegebene Karte im Massstab 1:200’000 und den Flug detailliert vorbereiten. 75 Minuten nach Erhalt der Aufgaben erfolgt der Start zum Navigationsflug.
2. Navigationsflug
Der so vorbereitete Parcours (Länge 170 bis 260 km) wird nun möglichst sekundengenau und metergenau abgeflogen. Das Erkennen und Identifizieren von ausgelegten Boden-Zeichen sowie von Fotos, deren reale Ebenbilder direkt am Flugweg liegen, kommen als zusätzliche Aufgabe und Erschwernis dazu. Bodenmannschaften kontrollieren die Überflugzeiten. Daraus, sowie aus den «verpassten» Zeichen und Fotos ergeben sich Strafpunkte.
3. Präzisionslandungen
Vier Präzisionslandungen in unterschiedlichen Konfigurationen (mit und ohne Leistung) beschliessen das Wettbewerbsprogramm, wobei es darauf ankommt, mit dem Haupt-fahrwerk möglichst auf der Nulllinie sauber (das heisst durchgezogen) aufzusetzen. Mit jedem Meter Abweichung werden wiederum Strafpunkte verteilt.
Der/Die TeilnehmerIn mit den geringsten Strafpunkten über den gesamten Wettbewerb ist der/die SiegerIn.
Kategorien
Gestartet wird von „Beginners“ in der Kategorie «Equipe» zusammen mit einem Navigator, der keine fliegerischen Ausweise besitzen muss. Fortgeschrittene fliegen allein in der Kategorie «Solo» und haben zusätzliche Erschwernisse zu bewältigen (kein Gebrauch elektronischer Computer, Fotos in willkürlicher Reihenfolge, zusätzliche Landungstypen z.B. ohne Flaps und über ein 2m Hindernis).