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Ars Memoriae der Moderne: Musik und Gedächtnis um 1900
09.03.2021, 18:30
Vorträge entweder online per Zoom statt oder im Raum 120, Institut für Musikwissenschaft, Mittelstr. 43,
Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 veröffentlichte Maurice Halbwachs als ersten Teil seines berühmten Werkes Das kollektive Gedächtnis einen Aufsatz zur selbigen Thematik bei Musikern. Dabei konnte er auf eine schon ältere Forschungstradition zurückblicken: Seit 1870 wurde im Rahmen der neuen psychophysiologischen Epistemologie des Gedächtnisses, vornehmlich im französisch- und deutschsprachigen Raum, der akustischen und insbesondere musikalischen Erinnerung eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Ziel dieses Vortrags ist, eine solche Veränderung zu situieren und ihre Konsequenzen für die Musikgeschichte ins Auge zu fassen.Von verschiedenen Fallstudien in Paris, Wien und Berlin ausgehend, wird das Musikgedächtnis zwischen 1870 und 1939 als Problem und Ressource für die Musikgeschichte thematisiert und umgekehrt die Musik und allgemein die Klangerinnerung als Modell unseres modernen Gedächtniskonzepts aufgezeigt. Mit Komponisten wie Wagner, Bruckner, Brahms, Strauss und Debussy wird die Erinnerung zur ästhetischen und zugleich kompositorischen Kategorie. Die Auswirkungen dieses Phänomens für die Ästhetik der Moderne, wie sie von Autoren wie Nietzsche, Proust, Mann, Adorno und Benjamin thematisiert wurde, werden anschliessend diskutiert.