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Mai 2010, in einem Vorort im Norden von Pjöngjang: Die Führungsleute von nordkoreanischen, asiatischen und westlichen Unternehmen kreuzen sich in den Gängen der «Ausstellung der drei Revolutionen». An der 13. Ausgabe der internationalen Handelsmesse von Pjöngjang herrscht eine gedrückte Atmosphäre. Seit die Uno und die USA ihren Ton verschärft haben, ist es schwieriger geworden, in Nordkorea Business zu machen. Die 2002 eingeleitete wirtschaftliche Öffnung ist am Ende. Gemäss den südkoreanischen Behörden belief sich 2009 der Aussenhandel des nördlichen Nachbarn auf 3,41 Milliarden US-Dollar. Das sind 10 Prozent weniger als im Vorjahr.
Trotzdem sind für die 270 anwesenden Unternehmen – 20 darunter stammen aus Europa – die vier Tage der Messe die Zeit, um Verträge zu schliessen. Mit seinen qualifizierten und günstigen Arbeitskräften und den reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen (Kohle, Magnesit, Graphit, Eisen, Gold, Silber, Blei, Zink) bleibt das Land attraktiv. Aber auch schlecht angesehen. Der Aufdruck «Made in North Korea» sorgt für Irritationen, vor allem in Europa. British American Tobacco, der zweitgrösste Zigarettenhersteller der Welt, musste 2001 aufgrund des Drucks von NGOs und der englischen Regierung seine Produktionsfabrik in Nordkorea schliessen. Im gleichen Jahr rügte die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde den Badener Technologiekonzern ABB für seine Zusammenarbeit mit einem Schurkenstaat, denn Nordkorea steht wie Myanmar und Iran auf einer schwarzen Liste. Seither hat der Konzern das Land aus finanziellen Gründen verlassen und alle Handelsbeziehung abgebrochen. Keine leichte Entscheidung, wie Felix Abt, früherer Direktor von ABB Nordkorea, sagt: «Wenn sich ABB weigert, Nordkorea Strom zu verkaufen, ist es die Bevölkerung, die darunter leidet. Die Eliten können sich immer Zugang zur Elektrizität verschaffen.»
Staatskontrolle
Andere Unternehmen haben weniger Bedenken. Die industrielle Zone von Kaesong erstreckt sich entlang der Demarkationslinie im Südwesten des Landes. Sie bildet die Spitze der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden koreanischen Staaten. An diesem Standort sind 1000 SüdkoreanerInnen und 42000 NordkoreanerInnen beschäftigt. Letztere arbeiten unter prekären Bedingungen. Gemäss einer Studie von Human Rights Watch von 2006 betrug der Monatslohn eines Arbeiters 67,40 US-Dollar, das ergibt 0,3 US-Dollar pro Stunde. Davon zieht der Staat 30 Prozent für Unterkunft und das Gesundheitssystem ab.
Veränderungen passieren zunächst im Kleinen: So hat zum Beispiel die Schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit als Pilotprojekt eine Schule geschaffen, die hundert Studierende während sechs Jahren ausbildete. «Einer der Kurse behandelt die soziale Verantwortung der Unternehmen», sagt ex ABB-Direktor Felix Abt, der auch Kogründer der Schule ist. Der Kurs bringt den Studierenden bei, dass es sich lohnt, Normen zu respektieren: keine Kinderarbeit, anständige Löhne, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen, Umweltverträglichkeit. «Denn so haben ihre Unternehmen die Chance, Zulieferer für die grossen ausländischen Unternehmen zu werden, was ein sicheres Einkommen garantiert», so Abt weiter. Pjöngjang braucht dringend Devisen und muss deshalb aufs Neue ausländische Investoren anziehen. Angesichts der angespannten Lage zwischen Nord- und Südkorea ist das jedoch momentan ziemlich aussichtslos.
Erschienen in «AMNESTY - Magazin der Menschenrechte» von August 2010
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion