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Hintergrund
Mit dem Ziel, hervorragende Verdienste um das Theater zu würdigen, hat die Schweizerische Gesellschaft für Theaterkultur (SGTK) 1957 den Hans-Reinhart-Ring erstmals vergeben. Der Ring etablierte sich in der Folge als die bedeutendste dem Theater gewidmete Auszeichnung des Landes.
In einer Vereinbarung mit dem Bundesamt für Kultur hat die SGTK 2014 den Hans-Reinhart-Ring in den neu geschaffenen, mit 100'000 Franken dotierten Schweizer Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring überführt. Die Gesellschaft ist weiterhin an der Verleihung dieser höchsten Auszeichnung im Theaterleben der Schweiz beteiligt, indem sie dem Preisträger bzw. der Preisträgerin wie bisher einen speziell hergestellten Ring überreicht. Die SGTK dokumentiert ausserdem das Wirken der jeweiligen Preisträgerin bzw. des Preisträgers im Rahmen ihrer Reihe MIMOS. Schweizer Theater-Jahrbuch und macht es in den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch einem breiteren Publikum zugänglich.
Jossi Wieler erhält den Schweizer Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring 2020
Jossi Wieler, geboren 1951 in Kreuzlingen, lebt heute in Berlin und zählt seit einem Vierteljahrhundert international zu den Erneuerern des Musiktheaters. Er studierte Regie an der Universität Tel Aviv, arbeitete viele Jahre als Schauspielregisseur und erhielt für seine Inszenierungen zahlreiche Auszeichnungen. Seit 1994 inszeniert er gemeinsam mit Sergio Morabito auch für das Musiktheater. Ihre Zusammenarbeit ist geprägt vom gegenseitigen Dialog und von der sinnlichen Durchdringung der jeweiligen Partitur nach ihrer gesellschaftspolitischen Relevanz für die Gegenwart. An der Staatsoper Stuttgart, deren Intendant Jossi Wieler von 2011 bis 2018 war, erarbeitete das Regie-Duo über 25 Produktionen. Ende Februar 2020 realisierten sie Giacomo Meyerbeers «Les Huguenots» am Grand Théâtre de Genève.
Yan Duyvendak erhält den Schweizer Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring 2019
Yan Duyvendak, geboren in den Niederlanden, studierte an der École cantonale d’art du Valais und der École supérieure d’art visuel in Genf und lebt heute nach verschiedenen Auslandsaufenthalten (Barcelona, Berlin, Marseille) wieder in Genf. Er nutzt bildende und darstellende Ausdrucksweisen, um soziale und kulturelle Phänomene zu erforschen. Angezogen ist er auch von populären Kulturformen wie Computerspielen, Video, Varieté oder Musical. Mit seinen experimentellen Formen, die er in den letzten Jahren vermehrt auch mit anderen Performerinnen und Peformern entwickelt, erreicht er ein erstaunlich breites Publikum in den verschiedenen Regionen der Schweiz und tourt weltweit. Yan Duyvendak ist ein Künstlernomade, der in der Performancekunst, im Tanz wie auch im Theater geschätzt wird.
Das Theater Sgaramusch erhält den Schweizer Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring 2018
Gegründet wurde das Theater Sgaramusch 1982 von Urs Beeler. Seit über 20 Jahren leiten Nora Vonder Mühll und Stefan Colombo das professionelle Kinder- und Jugendtheater. Die beiden künstlerischen Leiter und Schauspieler bringen anregende Stücke ohne didaktischen Zeigefinger auf die Bühne, die auch für Erwachsene sehenswert sind. Beharrlichkeit und Kontinuität zeigen sie in immer neuen Ideen und haben gleichzeitig den Mut Stücke gegen den Mainstream zu kreieren. Mit dieser Auszeichnung soll ihr langjähriges Schaffen honoriert und gleichzeitig auf die Wichtigkeit des Kinder- und Jugendtheaters in der Schweizer Theaterlandschaft hingewiesen werden.
Ursina Lardi erhält den Schweizer Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring 2017
Ursina Lardi, geboren 1970 in Samedan, aufgewachsen in Poschiavo, lebt in Berlin. Sie zählt zu den vielseitigsten und radikalsten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. Nachdem Ursina Lardi in Chur eine Ausbildung zur Primarlehrerin absolvierte, zog sie 1992 nach Berlin, wo sie bis 1996 an der Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» studierte. Ihre Theaterstationen waren Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Hamburg und immer wieder Berlin. Sie hat mit namhaften Theaterregisseur*innen wie Romeo Castellucci, Einar Schleef, Thorsten Lensing, Katie Mitchell und Milo Rau gearbeitet. Seit 2012 ist sie festes Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne, unter der künstlerischen Leitung von Thomas Ostermeier. Zu ihren bekanntesten Filmrollen zählen die schwangere Lena in «Traumland» von Petra Volpe (2013), für die sie 2014 den Schweizer Filmpreis als beste Darstellerin gewann, oder die Baronesse Marie-Louise in Michael Hanekes «Das weisse Band» (2009). Einem breiten deutschsprachigen Publikum ist sie ausserdem aus ihren Fernsehrollen im «Tatort» bekannt.
Theater HORA erhält den Schweizer Grand Prix Theater/Hans-Reinhart-Ring 2016
Mit dem Theater HORA wird eine Institution ausgezeichnet, die seit mehr als 25 Jahren Menschen mit einer geistigen Behinderung professionelles Theaterspielen ermöglicht. Bei seiner künstlerischen Arbeit macht HORA keine Kompromisse und ist heute weit über die Landesgrenzen bekannt. Der Theaterpädagoge Michael Elber gründete die Gruppe 1989. Seit 2009 bietet das Theater HORA Menschen mit einer geistigen Behinderung ergänzend eine anerkannte Schauspiel-Ausbildung. Die Produktion «Disabled Theater» des französischen Choreographen Jerôme Bel wurde 2013 zum Berliner Theatertreffen eingeladen und mit einem Schweizer Tanzpreis ausgezeichnet. Seither tourt das Theater HORA weltweit.
Stefan Kaegi erhält den Schweizer Grand Prix Theater/Hans-Reinhart-Ring 2015
Mit Stefan Kaegi und Rimini Protokoll werden Künstler*innen ausgezeichnet, die mit ihrer Arbeit seit mehreren Jahren wesentliche Impulse für die internationale Theaterszene setzen. Neben Kaegi bilden Helgard Haug und Daniel Wetzel das deutsch-schweizerische Kollektiv. Sie gelten als Protagonist*innen und Begründer*innen eines Reality-Trends im Theater. In Form von Bühnenwerken, aber auch Filmen, Hörspielen, Installationen oder ortsspezifischen Aktionen ermöglichen sie ungewöhnliche Sichtweisen auf unsere Wirklichkeit.
Omar Porras gewinnt den Schweizer Grand Prix Theater/Hans-Reinhart-Ring 2014
Mit Omar Porras wird ein Künstler ausgezeichnet, der massgeblich zum Ansehen des Schweizer Theaterschaffens auf internationaler Ebene beiträgt. Geboren 1963 in Kolumbien, arbeitet Omar Porras seit 1990 in Genf. In den Produktionen des von ihm gegründeten Teatro Malandro übersetzte er oftmals Klassiker in einen ausdrucksstarken, spartenübergreifenden und populären Theaterstil. Seit 2015 leitet Omar Porras das Théâtre Kléber-Méleau in Renens bei Lausanne.