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Lectio XIII
Orpheus war der Sohn der Muse Kalliope. Von seiner Mutter erbte er die Begabung zur Musik, vom Gott Apollo erhielt er die Lyra. So wurde er zum besten Musiker der Welt: Wenn er sang, waren nicht nur die Menschen hingerissen; selbst die wilden Tiere kamen, um ihn zu hören, Bäume und Felsen lauschten und weinten wegen seines wunderschönen Gesangs. Sogar das stürmische Meer besänftigte er mit seinen Melodien.
Als Orpheus die hübsche Nymphe Eurydice kennenlernt und sich die beiden verlieben, scheint ihr Glück perfekt. Doch schon an der Hochzeit treten böse Vorzeichen auf. Tatsächlich wird kurze Zeit später der Gott Aristaeus auf Eurydice aufmerksam und stellt ihr nach. Auf ihrer Flucht vor dem unheimlichen Verfolger tritt sie auf eine giftige Schlange, die in der Uferböschung versteckt liegt, und wird von ihr gebissen.
Orpheus ist über den Tod seiner jungen Frau untröstlich. Lange weint er um sie, bis er sich schliesslich in die Unterwelt aufmacht. Dort will er Pluto und Proserpina anflehen, ihm Eurydice wiederzugeben. Dank seines Talents schafft er, was eigentlich keinem Sterblichen gelingen kann: Als Lebendiger steigt er hinab zu den Toten. Seine Musik erweicht Charon, den Fährmann, und besänftigt den Cerberus.