Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03111.jsonl.gz/838

Der Kunstmäzen Carl Jacobsen, Sohn des Gründers der Carlsberg-Brauerei, hatte die Skulptur beim Bildhauer Edvard Eriksen in Auftrag gegeben. Jacobsen war begeistert vom Märchen «Die Meerjungfrau» von Hans Christian Andersen. Bald schon machte das Gerücht die Runde, die berühmte Primaballerina Ellen Price habe für die Skulptur Modell gesessen. Umgehend dementierte die Tänzerin. Tatsächlich war sie wohl für die Gestaltung des Kopfes der Meerjungfrau im Atelier. Aber eine königliche Solotänzerin würde doch nie nackt vor einem Künstler sitzen!
Somit wandte sich der Bildhauer für die Gestaltung des Körpers an seine Frau. Aber als er den ersten Entwurf der Skulptur dem Mäzen Jacobsen präsentierte, war dieser enttäuscht, denn die Meerjungfrau hatte keinen Fischschwanz. Das aber war für den Gönner entscheidend. Der Künstler dagegen bestand darauf, dass die Meerjungfrau Beine habe, da sie sich ja am Ende des Märchens zur Frau wandelt. Schliesslich gab Jacobsen nach, und sie einigten sich darauf, dass die Meerjungfrau Beine hat, aber statt der Füsse kleine Flossen.
Bei der Platzierung waren sich die beiden wieder uneinig. Jacobsen hatte sich einen blumenumrankten Teich und mitten drin die Jungfrau vorgestellt. Eriksen dagegen wollte die Meerjungfrau an der stürmischen See aufgestellt sehen. Auch hier konnte sich der Künstler schliesslich durchsetzen. So entstand das heutige Wahrzeichen Kopenhagens.
In den letzten 50 Jahren musste die Meerjungfrau allerdings immer wieder Vandalenakte über sich ergehen lassen. Die Figur konnte dank noch vorhandener Gips-Originale stets restauriert werden. Wahrzeichen garantieren eben auch bei negativen Aktionen für Schlagzeilen. Und vielleicht sind es ja diese Vandalenakte, die die Familie des Künstlers dazu veranlasst haben, das Original an einem unbekannten Ort aufzubewahren.