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«Der bedeutendste Schweizer Komponist des 19. Jahrhunderts»
Warum spielen die Schweizer Orchester kaum Musik von einheimischen Komponisten der Spätromantik, zum Beispiel von Hans Huber? Eine Ausstellung, Konzerte und ein wissenschaftliches Symposium informieren nun über diese zentrale Figur des Basler Musiklebens.
Hans Huber (1852-1921) wurde vom Musikwissenschaftler Edgar Refardt in Die Musik in Geschichte und Gegenwart zwar als der «bedeutendste Schweizer Komponist des 19. Jahrhunderts» bezeichnet, ist in der Schweizerischen Musiklandschaft jedoch kaum präsent.
Das Repertoire der Sinfonieorchester in Grossbritannien wäre undenkbar ohne wichtige britische Komponisten, beispielsweise ohne die Werke Edward Elgars (1857-1934). Seine Kompositionen sind in den Konzertsälen omnipräsent, und auf dem Tonträgermarkt gibt es eine Überfülle von Aufnahmen. Allein von Elgars 1. Symphonie verzeichnet der Versandhändler amazon.uk nicht weniger als zwei Dutzend Einspielungen mit britischen Orchestern. Die einzige Gesamtaufnahme von Hans Hubers Symphonien wurde mit den Stuttgarter Philharmonikern realisiert. Im Konzert sind seine Orchesterwerke in der Schweiz so gut wie nie zu hören.
Dafür dass in der Schweiz die Musik von Schweizer KomponistInnen so selten aufgeführt wird, gibt es keine einfachen oder kurzen Erklärungen. Möglicherweise hängt dies mit dem Föderalismus zusammen, der zahlreiche wichtige Zentren, aber keine mit anderen Ländern vergleichbare na-tionale Kulturförderung entstehen liess. Auch die Mentalität vieler SchweizerInnen, die dem «Propheten im eigenen Land» oft skeptisch gegenüberstehen, mag ein Grund sein. Jedenfalls wurde es auch den Kompositionen von Hermann Suter, Friedrich Hegar, Volkmar Andreae, Ernest Bloch oder Pierre Maurice nicht zuteil, sich dauerhaft im Repertoire zu etablieren, obwohl ihre Komponisten zu Lebzeiten berühmt und erfolgreich waren – vereinzelte Ausnahmen bestätigen hier die Regel.
Hans Huber werden in diesem Frühling in Basel eine Ausstellung im Museum Kleines Klingental, ein Konzertzyklus sowie eine Fachtagung gewidmet. Diese Anlässe sollen dazu beitragen, einem interessierten Publikum Leben und Werk des Basler Komponisten näher zu bringen. Am 13. März 2012 wurde zudem die Hans Huber-Gesellschaft mit Sitz in Basel gegründet (www.hans-huber-gesellschaft.com), deren Präsident der baselstädtische Denkmalpfleger Dr. Daniel Schneller ist. Diese Gesellschaft hat es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, Aufführungen bisher unbekannter Werke Hubers anzuregen, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Komponisten zu fördern und Neueditionen zu unterstützen. Zudem wäre eine neue Monographie ein wichtiges Desiderat, da die grundlegenden Biographien von Gian Bundi und Edgar Refardt bereits 1925 und 1944 erschienen sind.
Von Geburt Solothurner, prägte Huber das Basler Musikleben zwischen 1890 und 1920 wie kein zweiter. In den vierzig Jahren, die er in der Stadt am Rheinknie verbrachte, war er als Komponist, Dirigent, Pianist und Lehrer eine wichtige Persönlichkeit. KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, Politiker und Industrielle gehörten zu seinem Freundeskreis. Nach seinem Studium in Leipzig, u.a. bei Carl Reinecke, und nach einem kurzen Aufenthalt im Elsass als Klavierlehrer kam er 1877 nach Basel. Dort heiratete er 1880 die Sängerin Ida Petzold. Mit der Festspielmusik zur 500-Jahr-Feier der Vereinigung von Gross- und Kleinbasel 1892 machte er sich bei einem breiten Publikum einen Namen als Komponist. Zeitgleich erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Basel. Danach ging es beruflich weiter aufwärts: 1896 wurde er Direktor der Allgemeinen Musikschule, der er bereits als Klavierlehrer angehört hatte, und 1905 gründete er das Konservatorium, eine Vorgänger-Institution der Hochschule für Musik, das der Berufsausbildung junger Musiker dienen sollte und unter seiner Leitung europäisches Format erhielt. In seiner eigenen Klavierklasse studierten unter anderem Hermann Suter, Edwin Fischer, Hans Münch und Ernst Levy. Als wichtige pädagogische Prinzipen vertrat er den individuellen Zuschnitt des Unterrichts und die Förderung einer soliden Technik im Dienste des musikalischen Ausdrucks. Auch sein Interesse an barocker und vorbarocker Musik charakterisiert seinen weiten musikalischen Horizont.
In Hubers umfangreichem Œuvre, das – in seiner Zeit einzigartig in der Schweiz – alle musikalischen Gattungen umfasste, verarbeitete Huber Einflüsse von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Franz Liszt, Richard Wagner, Johannes Brahms und Richard Strauss zu einem eigenen, vielleicht nicht immer unverwechselbaren Stil. Seine Kompositionen wurden zu Lebzeiten im In- und Ausland oft aufgeführt und von Instrumentalisten, Dirigenten, Komponisten und Kritikern aufs höchste gelobt: So schrieb der Literaturnobelpreisträger von 1915, Romain Rolland, dem Komponisten nach einer Opernaufführung: cette fraîche et saine musique fait du bien en notre temps. Heute harren die Kompositionen Hubers einer wichtigen Neubewertung in Wissenschaft und Praxis. Seine hinreissende Sinfonische Einleitung zur Oper Simplicius etwa, ein helvetisches Pendant zum Meistersinger-Vorspiel, wäre immer noch eine sehr effektvolle Konzerteröffnung.
Sonderausstellung und Konzert- reihe im Museum Kleines Klingental (Unterer Rheinweg 26, 4058 Basel), www.mkk.ch
8. Februar – 31. August 2014
Mittwoch und Samstag je
14 – 17 Uhr, Sonntag 10 – 17 Uhr
Eintritt CHF 8.–/5.–
Fachtagung: Montag, 17. März 2014, Museum Kleines Klingental, Grosses Refektorium
Programmeinführungen und Referate von Martina Wohlthat, Thomas Ahrend, Martina Papiro, Tobias Schabenberger,
Matthias Schmidt, Sigfried Schibli, Walter Labhart und
Daniel Schneller