Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03355.jsonl.gz/2011

Das Entdecken im Kaltzustand macht mich neugierig
Mit 138mm Länge und rund 20mm Dicke ist es ein Format „Gordito“ oder „Robusto“. Je nach Quelle. Z.B. eine „Gordito“ ist es gemäss CigarWiki und eine „Robusto“ gemäss anderen Quellen. Ja, und gemäss Cuban Cigar Website ist es eine „Gordito“ resp. eine „Robusto Extra“. Und Achtung, zur Erinnerung: Ich weiss nicht, welche Cigarre ich rauche! Ok, los geht’s!
Das Deckblatt ist sehr sorgsam gerollt und hat keine Beschädigungen. Für diejenigen, die sich (noch) nicht so gut auskennen: Die hellbraune Farbe des Deckblattes nennt sich „Colorado“ und stammt von den oberen Blättern der Tabakpflanze (die unter einer Schattierung vor der Sonne geschützt aufwachsen). Ich prüfe wie fest sie gerollt ist und es macht auf mich einen guten Eindruck.
Ich loche sie mit dem Davidoff-Locher. Die Cigarre duftet sanft nach Heu; Der offen sichtbare Tabak an der “Zündstelle” riecht herber nach Heu und nur leicht stärker. Der Kaltzug zeigt sich minimal würzig und der Zugwiderstand ist für mich persönlich eher zu leicht.
Das Anzünden und die ersten Minuten
Ich zünde die Nicarao Especial Gordo vorsichtig und hoch über der Flamme eines Jet-Feuerzeugs an (Tipp: Feuerzeuge). Sie schmeckt sanft, minimal salzig und minimal würzig. Nach etwa drei Minuten verglimmt sie und ich zünde sie erneut an. Sie raucht ordentlich, der Rauch ist weiss-bläulich. Offenbar habe ich sie zu Beginn nicht korrekt angezündet. Jetzt „funzt’s“ aber 🙂 Ja, eindeutig: Zu Beginn habe ich sie nicht korrekt angezündet. Der Zugwiderstand ist für mich persönlich zu schwach; Ich mag es lieber, wenn ich einen gewissen Widerstand beim rauchen habe. Das Deckblatt verglimmt zu hellgrauer Asche. Das Brandende ist dunkelgrau und hauptsächlich fast schwarz.
Das 1. Drittel ist sanft und die Raumnote (Aroma) riecht zu Beginn brandig
Ich bin mir sicher, dass sich die Nicarao Especial Gordo durch mein „falsches“ Anzünden derzeit noch etwas „quält“. Die Raumnote (Aroma) riecht brandig und etwas „bissig“. Nicht so angenehm. Das Brandende ist bröselig und ist teilweise bereits abgefallen. Deshalb lasse ich sie so lange ruhen, damit sich die Gute „beruhigt“ und mir danach ihre wahren Geheimnisse schenken kann 🙂 Ja, siehe da: Sie hat mir verziehen und beschenkt mich jetzt mit einer sanften Süsse; Ich merke auch etwas Salz auf den Lippen und einen kaum wahrnehmbaren Pfeffergeschmack. Schiefbrand setzt ein und die Asche bleibt permanent bröselig. Gegen Mitte des ersten Drittels ist der Schiefbrand zu gross und ich glaube nicht mehr daran, dass er sich von selbst korrigiert. Also helfe ich korrigierend nach. Das brandige Aroma bleibt jedoch bestehen. Das gefällt mir nicht so sehr und ich kann mir jetzt nicht mehr erlauben zu behaupten, dass dies auf mein falsches Anzünden zurückzuführen ist.
Das 2. Drittel beginnt nach rund 1 Stunde, wird leicht erdiger, verliert zunächst die Süsse und schenkt mir 2 angenehme Überraschungen
Die Asche ist zwar noch dran, aber sie bröselt an den Rändern ab. Vorsicht ist geboten! Da sich erneut Schiefbrand bemerkbar macht, streife ich jetzt die Asche auch aus diesem Grund lieber ab. Ich korrigiere die Nicarao Especial Gordo ein zweites mal mit der Flamme (das Benetzen hat keine Wirkung gezeigt). Der Geschmack wird „erdiger“ und das 2. Drittel wechselt von „sanft“ zu „sanft-medium“. Obwohl ich zuvor gut gegessen hatte, und ich die Cigarre sanft und langsam rauche, merke ich eine leichte „Schwummrigkeit“ im Kopf. Vielleicht liegt es an meiner Tagesform 🙂 Die Cigarre wird auch im 2. Drittel niemals bitter, was ein gutes Zeichen ist. Zunächst verschwand der süssliche Geschmack, aber er kehrte im Verlauf des 2. Drittels zurück in Form einer cremigen, leicht süsslichen Geschmacksnote. Eine erste angenehme Überraschung für mich. Im weiteren Verlauf des 2. Drittels mischt sich die zweite Überraschung ein: Der Geschmack wird angenehm „tabakiger“ (was für ein Ausdruck 😉 ) > Sie schmeckt mir jetzt besser. Die Raumnote (Aroma) bleibt brandig, verliert jedoch ihre eher „bissige“ Note. Der Scheifbrand setzt erneut ein und dieses Mal lasse ich die Cigarre gewähren. Will sie sich denn wirklich nicht von selbst korrigieren? Gegen Ende des 2. Drittels verglimmt sie (ich liess sie etwa 2 – 3 Minuten liegen), was mich doch wundert.
Noch eine Anmerkung zur Farbe der Asche: Nach dem Anzünden war das Brandende hauptsächlich schwarz. Jetzt, nach dem Abstreifen der Asche, ist das Brandende hauptsächlich dunkelgrau. Je dunkler das Brandende, desto weniger verbrennen die Partikel. Das kann auf noch jungen Tabak hin deuten (2-3 Jahre inkl. Produktion der Cigarre), oder dass der Fermentierungsprozess durch die Lagerung verlangsamt wurde (und der Tabak deshalb älter als etwa 3 Jahre sein kann).
Das 3. Drittel wird angenehm „tabakiger“ und die „brandige“ Raumnote (Aroma) bleibt bestehen
Die cremige Süsse geht etwas in den Hintergrund, dafür wird der Tabakgeschmack noch angenehmer. Sie schmeckt mir jetzt etwas „erdiger“, bleibt aber in der Stärke medium. Auch jetzt wird sie weder bitter noch stärker. Der Smoke dauert jetzt rund 100 Minuten. Ich muss aufpassen, dass sie nicht erneut verglimmt…ups, schon passiert. Erneutes Anzünden ist angesagt (nach rund 2 Minuten liegen lassen). Auch weiterhin muss ich aufpassen und ich muss knapp nach 1 Minute wieder an ihr ziehen. Das bedingt, dass sie heisser und somit kräftiger wird. Nein, sogar nach knapp einer Minute verglimmt sie erneut. Jetzt ist sie mir zu heiss und ich zünde sie nicht erneut an.
Mein persönliches Fazit und meine Einschätzung für die Reifung
Knapp 2 Stunden dauert der Smoke der Nicarao Especial Gordo. Auf der Zunge und im Gaumen bleibt der leicht erdige Geschmack sowie eine sanfte cremige Süsse liegen. Das gefällt mir. In der Nase sind die Epidermishärchen etwas empfindlich; Es fühlt sich irgendwie „leicht geschwollen“ an, was ich auf die brandige Raumnote (Aroma) zurückführe. Gewundert habe ich mich, dass sie im 2. und 3. Drittel nach kurzer Zeit verglimmt ist. (Das Verglimmen im 1. Drittel führe ich auf mein falsches Anzünden zurück). Schön finde ich, dass sie niemals bissig oder bitter wurde. Was das Reifungspotenzial angeht: Mein „Bauchhirn“ sagt mir, dass sie ihre Geschmacksnote kaum merklich verbessern könnte. Ich würde sie 1-2 Jahre lagern und dann noch einmal verköstigen. Jetzt bin ich mal gespannt, welche Cigarre ich hier verköstigen durfte!
Herzliche Grüsse, Vasilij Ratej 🙂