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Die heutige Stadt Delhi ist eigentlich die achte Stadtgründung in der Geschichte Delhis, das erste Delhi war eine Hinduniederlassung aus dem Jahre 1159. 1192 zerstörte Qutb ud-Din Aibak, ehemaliger türkischer Sklave und Statthalter des Heerführers Muhammad von Ghur, die Stadt und liess sie als die neue Stadt Lal Kot wieder aufbauen. Auf diese erste Zerstörung folgten immer wieder Zerstörungen und auch immer wieder Neugründungen, zwar nicht immer auf den Ruinen der Vorgängerstadt, aber immer in der gleichen Region und immer mit neuen Namen. Die siebte Stadt, Shajahanabad, das heutige Alt-Delhi, ist eine Gründung des Mogulkaisers Shah Jahan Mitte des 17. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erweiterten die Briten Alt-Delhi durch einen riesigen Verwaltungsbezirk, das heutige Neu-Delhi. Dieser Bezirk ist heute noch Sitz aller indischen Regierungsstellen. Der seit der Kolonialzeit übliche Namen Delhi kann bis ins 12. Jahrhundert nachgewiesen werden, bezog sich aber auf den Ort Dhilli.
In der alten Stadt Lal Kot, etwa 15 km südlich von Neu-Delhi gelegen, befindet sich das älteste islamische Monument auf indischem Boden, der Qutb Minar-Komplex. Nachdem Muhammad von Ghur 1192 das Hinduheer bei Tarain geschlagen hatte, etablierte sich hier die Moslem-Herrschaft in Indien. Muhammads Heerführer Qutb ud-Din Aibak liess die Hinduheiligtümer der Residenz Qila Raj Pithora zerstören und an deren Stelle die erste Freitagsmoschee in Indien errichten. Er liess hemmungslos Teile der zerstörten Hindutempel für den Bau dieser ersten Moschee verwenden: Qutb ul-Islam – Macht des Islam. Deutlich erkennbar sind die Spolien in den Mauern und an den Säulen. Im Hof der Moschee steht die berühmte 7,20 m hohe Eiserne Säule aus dem 4. Jahrhundert, die zu Ehren des Hinduherrschers Chandragupta II. (375-413) errichtet worden war. Ungewöhnlich ist die Metalllegierung – 99% reines Schmiedeeisen – absolut rostfrei.
Überragt wird die ganze Anlage von dem 71 m hohen Sandsteinturm Qutb Minar, Baubeginn ebenfalls unter Qutb ud-Din, fertig gestellt im Jahre 1236 als Siegesturm und Minarett. Die Idee „Siegesturm“ wurde vermutlich aus Afghanistan übernommen, der Turm selbst gilt jedoch als Symbol des neuen Glaubens in Indien, wovon die zahlreichen, in das Mauerwerk eingemeisselten Koran-Verse in Kufi zeugen. Der Turm ist gewissermassen der Prototyp für die Minarette indischer Moscheen. Unter Qutb ud-Dins Nachfolger Iltutmish (1210-1235) sowie unter Ala ud-Din Khilji (1296-1315) wurden der Anlage Erweiterungsbauten hinzugefügt, darunter der südliche Zugang Alai Dawarza und ein zweiter Siegesturm, der jedoch unvollendet blieb. Interessant ist dabei das „Innenleben“ des Turms: grobe Steine und viel Mörtel.
In der Nähe des Qutb Minar-Komplexes liegen die Lodi-Gärten, benannt nach der aus Afghanistan stammenden Dynastie der Lodi. Nahe bei diesen Parkanlagen befindet sich eine Reihe von Mausoleen. Das Grabmal des Safdar Jang, Gouverneur der Provinz Qud, wurde 1754 erbaut und liegt in einem grossen, von Wasserkanälen durchzogenen, quadratisch angelegten Garten. Die doppelstöckige Bauweise ist typisch für die Mogularchitektur: der Oberbau liegt auf einer Art Podest und ist seitlich von Türmen mit zwiebelförmigen Kuppeln begrenzt. Der Bau ist reich verziert, die Innenräume sind üppig dekoriert, und die ganze Anlage ist nach dem Hasht Bihesht-Prinzip konzipiert. Dahinter steht der islamische Glaube, dass die Seele nach dem Tod sieben Paradiese durchwandern muss, bis sie das achte Paradies, die Stufe der absoluten Vollendung, erreicht: Hasht (acht) Behesht (Paradies). Bis es soweit ist, muss der Körper des Menschen allerdings im Grab ausharren. Ein Hasht Behesht-Grabmal ist nun nach dem Verständnis der Moguln Ausdruck dafür, dass der Verstorbene bereits auf Erden das Paradies erreicht hat.
Die beiden Mausoleen Bara Gumbad und Shish Gumbad zwei festungsartige Bauwerke, die zwischen 1451 und 1526 errichtet worden waren. Dem Bara Gumbad ist eine Moschee mit offenem Hof beigefügt. In den beiden Mausoleen wurden mehrere Personen beigesetzt, aber es nicht bekannt, wer hier bestattet ist.
Nasir ud-din Muhammad Humayun war der zweite Mogulkaiser in Indien gewesen. Gründer der Moguldynastie („Mongolen“) war Babur, ein später Nachfahre des Dschingis Khan, der 1526 das Heer des Sultans Ibrahim Lodi geschlagen und sich zum Kaiser von Hindustan ausgerufen hatte. Humayun (1508-1556) war der Sohn Baburs, war aber weniger tüchtig als sein Vater und hatte mehr Interesse an Wein und Opium gezeigt als an kriegerischen Auseinandersetzungen. Humayun musste sich nicht nur gegen seine Brüder, die nach dem Tode Baburs ebenfalls nach der Macht strebten, zur Wehr setzen, sondern auch gegen zahlreiche andere Kontrahenten. Seine Gegner besiegten ihn, und er musste nach Persien ins Exil fliehen. Dort blieb er 10 Jahre lang, konnte aber mit Hilfe des Schahs von Persien 1555 sein Reich zurückerobern. Aus seinem persischen Exil brachte Humayun zahlreiche Künstler mit, die nun den hinduistischen Baustil durch persische Architekturelemente bereicherten und erweiterten. Ein wesentlicher Aspekt der neuen Architektur wird die Verbindung von Gartenanlage und Mausoleum. Erstmals wurde diese Idee im Grabmal des Humayun umgesetzt, das als Vorläuferbau des Taj Mahal gilt. 1565, neun Jahre nach dem Tod des Humayun, liess seine Witwe Haji Begum das Grabmal errichten.
Der „Baulöwe“ Shah Jahan (1592-1666) hatte angeblich aus klimatischen Gründen seine Residenz von Agra, wo er elf Jahre lang gelebt hatte, 1638 nach Delhi verlegt und dort die Freitagsmoschee und die aus rotem Sandstein erbaute Festung, das so genannte Rote Fort, errichten lassen. Die Festung war mit einer 2,4 km langen Mauer umschlossen und enthielt eine Reihe von Palästen mit öffentlichen und privaten Gebäuden, die zum Teil als offene, säulengestützte Hallen konzipiert waren. Hinter diesen Hallen befanden sich die völlig abgeschlossenen Privaträume. Verwaltungsgebäude, Garnisonen und Wohnungen ergänzten den Bezirk. Zahlreiche Bastionen, Türmchen und Zinnen schmücken die Festung. In der privaten Audienzhalle hatte sich der berühmte Pfauenthron befunden, den Nadir Shah 1739 als Kriegsbeute nach Teheran verschleppte. Allerdings verschwand der Thron, und der heute in der Juwelensammlung in Teheran gezeigte „Pfauenthron“ ist eine Anfertigung aus dem 19. Jahrhundert. Der berühmte Diamant Kohinoor, heute in London, war ebenfalls ein Teil der von Nadir Shah ergatterten Kriegsbeute. Zum Festungsareal gehört auch eine Moschee, die Perlmoschee – Moti Masjid – , die von Shah Jahans Sohn Aurangzeb 1662 als Privatmoschee errichtet wurde.