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Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, opioidhaltige Schmerzmittel und Anti-Epileptika. Wie viele Senioren solche Mittel konsumieren, konnten die Wissenschaftler nun in der aktuellen Studie feststellen. Dr. Hiltraud Knopf, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Robert-Koch Institut in Berlin, ist eine der drei Autoren der Studie: "Wir haben gesehen, dass 21 Prozent der Männer und Frauen im Alter von 60 bis 79 Jahren mindestens einmal in der letzten Woche ein Psychopharmakon angewendet hat. Der Anteil war unter den Frauen noch höher, als bei den Männern."
Auch der Alkoholgenuss von Senioren war nicht gering: 18 Prozent der Befragten trinken täglich und 17 Prozent konsumieren Alkohol in riskantem Umfang. Riskanter Alkoholkonsum, das bedeutet für Frauen zum Beispiel mehr als ein Glas Sekt am Abend. Und für Männer mehr als zum Beispiel ein halber Liter Bier.
Dabei sind es häufiger Männer, als Frauen, die diese Grenze überschreiten. Während Frauen im Durchschnitt häufiger als Männer Psychopharmaka einnehmen, sagt Dr. Yong Du, der ebenfalls an der Studie beteiligt war: "Männer trinken häufiger Alkohol, aber Frauen nehmen häufiger Psychopharmaka ein."
Auch wie Menschen leben, spielt eine Rolle. Wenn sie alleine leben oder einen niedrigen sozialen Status aufweisen, nehmen sie häufiger Psychopharmaka ein. Studienteilnehmer mit höherem sozialem Status und Raucher trinken hingegen häufiger riskante Mengen von Alkohol.
Richtig besorgniserregend ist jedoch, wenn Senioren beides tun: Sie nehmen Psychopharmaka ein und sie trinken in riskantem Umfang Alkohol. Yong Du: "Wir haben herausgefunden: Ungefähr drei Prozent aller Männer und Frauen nehmen sowohl Psychopharmaka ein und trinken auch Alkohol."
Eine gefährliche Kombination, betont Yong Du, denn Alkohol verstärkt die Wirkung dieser Medikamente noch. Dabei besteht bei Senioren sowieso ein erhöhtes Risiko dafür, dass sich Wirkstoffe im Körper ansammeln und daher stärker wirken, erklärt Hiltraud Knopf: "Mit zunehmendem Alter verändern sich Stoffwechselvorgänge im Körper. Und insbesondere im Alter führen Veränderungen der Nierenfunktion zum Beispiel dazu, dass arzneilich wirksame Stoffe im Körper angereichert werden können."
Kommen dann auch noch Wein, Bier oder Sekt dazu, dann kann die Wirkung des Medikaments deutlich stärker ausfallen, als es gewünscht und ungefährlich ist. Hiltraud Knopf: "Das kann zum Beispiel dazu führen, dass die Sturzneigung erhöht wird, also dass ältere Leute auch häufiger stürzen, mit den entsprechenden Konsequenzen, also von Frakturen und Verletzungen."
Wie könnte man bewirken, dass weniger Senioren Psychopharmaka und Alkohol gleichzeitig konsumieren? Für Hiltraud Knopf ist klar: Dazu müsste sich an mehreren Stellen etwas ändern: "Zunächst einmal Aufklärung. Und zwar Aufklärung aufseiten der Ärzte und Ärztinnen, die das verordnen. Aber auch Aufklärung bei Apothekerinnen und Apothekern und aufseiten der Patienten. Also auf all diesen Ebenen."
Wie genau diese Aufklärung aussehen sollte, davon haben Yong Du und Hiltraud Knopf konkrete Vorstellungen: "Das die Ärztinnen und Ärzte fragen sollten, wenn sie Psychopharmaka verordnen, ob Alkohol konsumiert wird oder mindestens darauf hinweisen, dass die Wirkung der Präparate verstärkt wird durch den gleichzeitigen Konsum von Alkohol. Und das es auch ein gesundheitliches Risiko ist."