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Am 28. September 2018 bebte die Erde unter der indonesischen Insel Sulawesi mit verheerenden Folgen. Das Erdbeben löste einen Tsunami aus und führte in Teilen der Stadt Palu dazu, dass sich der Boden verflüssigte und wie eine Schlammlawine alles unter sich begrub. In den vergangenen Monaten wurde viel über die Opfer der Bodenverflüssigung berichtet. Dabei wurde aber übersehen, dass die Katastrophe in Sulawesi noch viele andere Schicksale kennt.
2101 bestätigte Todesopfer, 1373 Menschen vermisst und über 67 000 Häuser zerstört – das ist die traurige Bilanz der Katastrophe vom 28. September 2018 in Zentral-Sulawesi, Indonesien. Die Insel Sulawesi erlebte dabei eine dreifache Katastrophe: um 18.02 Uhr Ortszeit ereignete sich ein Erdbeben der Stärke 7,5. Das Erdbeben löste einen Tsunami aus, der mit bis zu neun Meter hohen Wellen auf die Küste traf. Neben dem Erdbeben und dem Tsunami kam es in Tei-len der Regionalhauptstadt Palu auch zur Bodenverflüssigung. Ganze Häusersiedlungen wurden vom Boden verschluckt.
Bodenverflüssigung – (k)ein neues Phänomen
Das Phänomen der Bodenverflüssigung war bis dahin wenig bekannt. Zwar ist dieses Phänomen nicht neu: Bodenverflüssigung ereignete sich beispielsweise auch im Zuge der Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 oder in Christchurch 2011. Jedoch hatte ein solches Ereignis noch nie in jüngster Geschichte zu so vielen Todesopfern geführt. Nach der Katastrophe in Sulawesi fokussierten die Medien und in der Folge auch die Unterstützung der Regierung vor allem auf die Gebiete, die Opfer der Bodenverflüssigung wurden. Dazu zählten Petobo, Balaroa, Jono Oge und Sibalaya. Dies nicht nur deshalb, weil dort die höchsten Opferzahlen zu beklagen waren, sondern auch weil diese Gebiete vergleichsweise gut erreichbar sind, da sie mitten in der 400 000 Einwohner zählende Stadt Palu lagen oder an sie angrenzten.
Opfer des Erdbebens und Tsunamis dürfen nicht vergessen werden
Allerdings wurde dadurch übersehen, wie viel Schäden auch der Tsunami und das Erdbeben verursachten. In den Medien kamen nur vereinzelt Menschen ausserhalb von Palu zu Wort, obwohl diese Regionen genauso von der Katastrophe betroffen waren. Bis heute leben 133 631 Personen in Zentral Sulawesi in Zeltlagern oder Notunterkünften, rund zwei Drittel davon in den Bezirken Sigi und Donggala. Sie haben ihr gesamtes Hab und Gut im Tsunami oder durch das Erdbeben verloren.
Besonders schwer betroffen sind die Bergdörfer im Bezirk Sigi, die mehrere Stunden Fahrt von Palu entfernt liegen. Bei heftigen Regen werden die Strassen dorthin immer wieder überflutet und somit die Dörfer komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. So hatte es auch einige Tage gedauert, bis die Hilfe dort ankam. Viele Familien in Sigi haben ihre Häuser aufgrund des Erdbebens verloren. In der momentan herrschenden Regenzeit sind die Betroffenen zudem ständig neuen Gefahren wie Erdrutschen und Überschwemmungen ausgesetzt. Im Dorf Salua beispielsweise kam es Anfang Dezember zu schweren Sturzfluten – die wenigen Familien, die noch ein intaktes Haus hatten und sich in Sicherheit wiegten, verloren alles in der Flut.
Drei Monate danach – was die betroffenen Familien benötigen
Während sich die Hilfe der Regierung vor allem auf die Opfer der Bodenverflüssigung konzentriert, sind Tausende von Erdbeben und Tsunami betroffene Familien auf die Unterstützung von Hilfsorganisationen wie Caritas angewiesen. Nach der Katastrophe haben die betroffenen Gemeinden vor allem Lebensmittel und Hilfsgüter wie Decken, Zelte und Hygieneprodukte erhalten. Über drei Monate nach der Katastrophe wollen die betroffenen Familien ihr Schicksal endlich wieder selbst in die Hand nehmen und nicht von Hilfsgüterlieferungen abhängig sein. Daher hat Caritas Schweiz Anfang Januar ein Arbeitsprogramm in drei Dörfern in Sigi gestartet – 970 Personen werden für 20 Tage angestellt, um ihre Häuser und Strassen von Schutt zu befreien und erhalten dafür finanzielle Entlohnung. Mit dem Geld können sie Lebensmittel und andere Güter für ihre Familien am lokalen Markt kaufen. Sie können so also selbst entscheiden, wofür sie das Geld ausgeben und tragen so auch zur Erholung des lokalen Markts bei.