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Eine aussergewöhnliche Ehrung wurde drei verstorbenen Glaziologen zuteil, die den Grossteil ihres Lebens damit verbrachten, Wissen über grönländische Gletscher und deren Dynamik zusammenzutragen. Unter ihnen Konrad Steffen, der frühere Direktor der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.
Zum ersten Mal in langer Zeit erhielten die grönländischen Karten Ortsnamen, die keinen grönländischen Ursprung haben. Drei Gletscher wurden nach drei verstorbenen Glaziologen benannt, die allesamt aussergewöhnliche Beiträge zur grönländischen Gesellschaft und Wissenschaft leisteten – Niels Reeh, Anker Weidick und Konrad Steffen. Letzterer starb bei einem tragischen Unfall, während er auf dem Eisschild bei Ilulissat im Jahr 2020 Feldforschung betrieb.
So trägt ein mariner Endgletscher im Norden, der eine starke Verbindung zwischen dem Inlandeis und dem Meer herstellt, jetzt den Namen Sermeq Konrad Steffen.
"Der Ausschuss für grönländische Ortsnamen hat die Vorschläge geprüft und wir haben verschiedene Untersuchungsmethoden angewandt, um herauszufinden, ob es in der Umgebung der vorgeschlagenen Orte bereits bestehende, nicht registrierte grönländische Ortsnamen gibt. Bei unserer Entscheidung haben wir darauf geachtet, dass die Vorschläge mit den relevanten Punkten unserer derzeitigen Arbeitsgrundlage übereinstimmen, einschließlich der außerordentlichen Gründe für die Überprüfung von Ortsnamen in Grönland", erläutert ein gemeinsamer Ausschuss.
Die Entscheidung wurde am 9. Juni 2022 durch das Grönländische Komitee für Ortsnamen getroffen. Das Thema wurde schon seit Anfang des Jahres 2021 erörtert, als das Komitee einen gemeinsamen Vorschlag von vier wissenschaftlichen Instituten erhielt, denen die drei Glaziologen angehörten. Initiiert und koordiniert wurde der Vorschlag vom leitenden Forscher William Colgan von der GEUS (Geologische Forschungsanstalt für Dänemark und Grönland, wo sowohl Niels Reeh wie auch Anker Weidick forschend tätig waren).
Der Vorschlag erläuterte, wieso genau diese drei Forscher es verdienen, dass ein grönländischer Gletscher nach ihnen benannt wird. Die Ausführungen schlossen auch technische Details sowie Begründungen zur Auswahl der Gletscher ein. Darüber hinaus enthielt der Vorschlag zahlreiche Stellungnahmen und Unterstützungsschreiben von einer Reihe namhafter Akteure, die für die Redlichkeit jedes der drei Kandidaten und ihren aussergewöhnlichen Beitrag zur grönländischen Wissenschaft und Gesellschaft eintraten. Die Familien der drei verstorbenen Forscher wurden natürlich auch zu Rate gezogen.
Die Entscheidung, Gletscher nach ihnen zu benennen, ehrt nicht nur die drei Männer und ihr lebenslanges Engagement für die grönländischen Gletscher, sondern bringt auch die grönländische Kultur zur Geltung und macht sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Gian-Kasper Plattner von der WSL erarbeitete den Vorschlag zusammen mit Mitgliedern von GEUS, der Universität Kopenhagen (KU), der Forschungsanstalt ASIAQ Greenland Survey und dem Institut für Umweltwissenschaften an der Universität von Colorado Boulder (CIRES). Er sagte dazu: «Die Entscheidung, einen der atemberaubenden Gletscher Grönlands nach dem ehemaligen WSL-Direktor ‹Koni› Steffen zu benennen, ist eine aussergewöhnliche Ehre und Auszeichnung durch das grönländische Volk und die Regierung für seine Beiträge zur grönländischen Wissenschaft und Gesellschaft. Grönland - Kalaallit Nunaat, wie es auf Grönländisch heisst - war für Koni ein ganz besonderer Ort. Er wäre zutiefst gerührt.»
Konrad Steffen errichtete ab 1990 eine Reihe automatischer Wetterstationen auf dem Eisschild. Während er dieses Netzwerk von der von ihm gegründeten Basisstation «Swiss Camp» aus betreute, arbeitete er zunächst an der Universität von Colorado und später an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Steffen arbeitete von 1993 bis 2020 mit der GEUS bei der Feldforschung am Eisschild im Gebiet von Paakitsoq zusammen.Er starb 2020, im Alter von 68 Jahren, bei einem Unfall auf dem Eisschild, während er dort Wetterstationen bei Ilulissat wartete.
Einer von Steffens wichtigsten Beiträgen zur grönländischen Wissenschaft war die Erfassung des jüngst auftretenden Anstiegs der Lufttemperaturen und der Schmelzraten des Eisschilds, der auf den Klimawandel zurückgeht. Diese am Eisschild vorgenommenen Messungen werden von Forschungsgruppen auf der ganzen Welt genutzt und haben zu zahlreichen Erkenntnissen beigetragen, darunter die Beobachtung, dass der Eisschild während wärmerer Sommer schneller ins Meer rutscht.
Sein grösster Beitrag für die grönländische Gesellschaft bestand darin, in den internationalen Medien unermüdlich auf die Auswirkungen des Klimawandels hinzuweisen, mit denen Grönland konfrontiert ist, und sich für politische Massnahmen einzusetzen, um künftige Generationen vor gefährlichen Klimaveränderungen zu bewahren.
Neben seiner Tätigkeit als Leiter der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL von 2012 bis 2020 war Konrad Steffen Professor für Klima und Kryosphäre an der ETH Zürich und der ETH Lausanne. Zudem war er wissenschaftlicher Leiter des Schweizer Polarinstituts.