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Diese Karte basiert auf der Liste von 91 ehemaligen Leuchtfarben-Ateliers, die SonntagsZeitung und Le Matin Dimanche am 8. Juni 2014 publiziert haben. In der Zwischenzeit haben Nachforschungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und der Suva ergeben, dass 500 Gebäude kontaminiert sein könnten. Die neuen Standorte wurden noch nicht kommuniziert.
Die interaktive Karte der 91 bereits bekannten Standorte ehemaliger Ateliers stützt sich auf zwei Quellen. Als Basis dient eine Liste des Bundes mit Ateliers, in denen zwischen den Jahren 1912 und 1963 mit Radium-Leuchtfarben gearbeitet worden ist. Erstellt wurde sie zwischen 1961 und 1971 von der Sektion Uhrenindustrie der damaligen eidgenössischen Volkswirtschaftsdirektion. Verzeichnet sind nur Ateliers, die vor 1963 in Betrieb waren. Ab diesem Jahr trat die erste Strahlenschutzverordnug in Kraft. Diese erlaubte Radium-Leuchtfarben nur noch mit Bewilligung, Heimarbeit war nicht mehr möglich. Deswegen haben viele registrierte Ateliers ihre Arbeit damals aufgegeben. Die Liste befindet sich auf einem Mikrofilm, und ist im Bundesarchiv öffentlich zugänglich.
Die zweite Quelle für die Karte sind Prüfberichte der Behörden aus dem Jahr 1959. Damals haben die Gewerbepolizei und das so genannte „Fabrikinspektorat Kreis I.“ Strahlen-Messungen in Radium-Ateliers durchgeführt. Die Karte wurde um die Adressen erweitert, die auf diesen Dokumenten vermerkt sind.
In der publizierten Karte sind die Namen der früheren Betreiber geschwärzt. Zudem verweisen mehrere Fichen auf verschiedene Adressen – das zeigt, dass die Bewilligungsinhaber umgezogen sind. Die Spalte „Letztes Jahr“ verweist auf das letzte Jahr, in dem die Ateliers auf der Liste erschienen sind. Die Tätigkeit im Atelier kann aber danach noch weitergegangen sein.
An den gelisteten Adressen besteht ein Risiko für eine radioaktiv Verstrahlung mit Radium-226, das in Pulverform für die Leuchtfarben der Uhrenindustrie verwendet wurde. Das radioaktive Pulver wurde mit Zinksulfid vermischt. Die Strahlung brachte dieses Pulver schliesslich zum Leuchten. Das sehr feine Radium-Pulver kann auch heute noch in den Ritzen und Spalten der Häuser und Wohnungen sein. Weil Radium-226 eine Halbwertszeit von 1600 Jahren hat, ist die Radioaktivität auch heute noch gefährlich. Der grössten Gefahr waren jedoch die früheren Heimarbeiter ausgesetzt, etwa, wenn sie beim Mischen des Farbpulvers mit Lösungsmitteln den radioaktiven Staub eingeatmet haben.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass einzelne Einträge der alten Listen ungenau sind. So ist zum Beispiel bei einer Überprüfung festgestellt worden, dass für ein Atelier die Nummer 24 statt der Nummer 42 notiert wurde.
Auf einigen Fichen sind zudem Bussen vermerkt, welche die Atelier-Betreiber zu zahlen hatten. Diese rühren zum Teil daher, dass die registrierten Arbeiter Tätigkeiten für die Uhrenindustrie ohne Bewilligung ausgeführt haben.
Autoren
Recherche: Dominik Balmer und Titus Plattner
Karte: Alexandre Haederli
recherchedesk [at] sonntagszeitung.ch