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Dieses Schuljahr markiert bereits das 32. Jahr des kroatischen Sprach- und Kulturunterrichts in der Schweiz. Während dieser Zeit besuchten viele Schüler mit stark unterschiedlichen Kenntnissen der kroatischen Sprache und Kultur die Klassenzimmer. Während die ersten Schüler meist Kinder von Einwanderern waren, die ihre Grundschulbildung noch in Kroatien begonnen hatten, sitzen heute deren Kinder oder Enkelkinder in denselben Schulbänken. In der Schweiz geboren und aufgewachsen, geraten sie früh unter den Einfluss von einer oder mehreren der schweizerischen Amtssprachen, während die im Familienkreis gelernte kroatische Muttersprache ausschliesslich zur Kommunikation innerhalb der Familie verwendet wurde.
In den letzten Jahren trat in den Klassenzimmern der kroatischen Schulen in der Schweiz ein interessantes Phänomen auf: Es gibt nicht mehr nur Schüler, die mit bereits vorhandenen Kenntnissen der kroatischen Sprache in Wort und Schrift zum Unterricht kommen. Die Anzahl der Schüler, die kein Kroatisch sprechen, nimmt zu. In diesem Schuljahr machen diese 8% der Gesamtzahl der eingeschriebenen Studierenden aus.
Nicht-Muttersprachler haben in den meisten Fällen nur einen Elternteil kroatischer Herkunft und sprechen zu Hause die Amtssprache des Landes oder des Kantons, in dem sie leben. Diese Kinder verwenden die kroatische Sprache nur gelegentlich, zur Kommunikation mit dem kroatischen Elternteil oder, meist in den Ferien, mit Verwandten in Kroatien.
Marjan Pugliese ist 11 Jahre alt und besucht seit September 2022 die kroatische Schule. Seine Mutter ist Kroatin, der Vater Italiener, und zu Hause spricht die Familie vorwiegend Italienisch. Marjan: «Ich möchte die kroatische Sprache lernen, weil sie zu meinen Wurzeln gehört und ich in den Ferien mit meinen Verwandten sprechen können will. Ich gehe gerne zur kroatischen Schule. Ich mag die Schüler, mit denen ich den Unterricht besuche, und die Lehrerin Andrea ist nett und immer erreichbar. Obwohl ich noch nicht Kroatisch spreche, fühlte ich mich sofort ermutigt und willkommen».
Auf gemeinsamen Spaziergängen die Umgebung, die Pflanzen und Blumen beobachten, sie kennen lernen und benennen, sie an der richtigen Stelle auf das Unterrichtsblatt kleben – auch das wird in der kroatischen Ergänzungsschule gepflegt.
Mit dem Start in der Ergänzungsschule beginnen nicht-muttersprachliche Schüler genau genommen damit, Kroatisch als Fremdsprache zu lernen, weshalb die Herangehensweise und die Organisation des Unterrichts einer besonderen fachlichen und methodischen Vorbereitung bedürfen. Die Lehrer haben daher einen speziellen thematischen Lehrplan erstellt, der an das Alter der nicht-mutter-sprachlichen Schüler angepasst ist und alle Sprachaktivitäten mit dem Schwerpunkt der Kommunikationsfähigkeit umfasst. Unterrichtsmaterial wird in Übereinstimmung mit dem Lehrplan für den Kroatisch-Unterricht im Ausland und von den schweizerischen kantonalen Schulbehörden erstellt, was im Zürcher Lehrplan vorgeschrieben ist. Kommunikations-Aktivitäten in der Gruppe haben Vorrang, die Schüler werden zur Zusammenarbeit ermutigt. Grammatik und grammatikalische Strukturen werden systematisch eingeführt, wobei darauf geachtet wird, dass diese bereits aus der regulären Schweizer Schule, deren Lehrplan sich von der kroatischen unterscheidet, bekannt sind.
Nicht-muttersprachliche Schüler können regulär in die kroatische Ergänzungsschule eingeschrieben werden, sie besuchen sie ab dem Schuljahr 2022/2023 gemeinsam mit anderen Schülern. Spezielle Gruppen für Nicht-Muttersprachler sind in der ganzen Schweiz vorhanden.
Nataša Vrdoljak hat zwei Kinder, die an der kroatischen Schule des Schulbezirks Ascona im Tessin angemeldet sind. Auf die Fragen, warum sie ihre Kinder in der kroatischen Schule angemeldet hat und warum es ihr wichtig ist, dass ihre Kinder Kroatisch lernen, sagt sie: «Ich bin Kroatin aus Split. Meine Muttersprache ist Kroatisch, weil ich mit meinen leider verstorbenen Eltern immer Kroatisch gesprochen hatte und es die erste Sprache ist, die ich hörte und sprach. Heute bin ich aber zweisprachig, spreche Kroatisch und Italienisch, weil ich schon als Kind in die Schweiz kam und seit vielen Jahren hier lebe. Meine Kinder sind sowohl kroatischer als auch nordeuropäischer Herkunft, und ich denke, mehrere Sprachen zu kennen und zu sprechen ist eine echte Bereicherung – vor allem die Sprache, die Literatur und auch die Kultur der Vorfahren».
Leon, Victoria und Anastasia sind Schüler der Kroatischen Schule in Ascona
Wir hoffen, dass dieser Artikel alle Unentschlossenen dazu ermutigt, in unsere Gemeinschaft zu kommen, an Kursen, Workshops, Exkursionen und Reisen in die Heimat teilzunehmen und auf diese Weise die kroatische Sprache und Kultur zu bewahren und zu verbreiten, auch wenn sie weit entfernt von deren Grenzen leben.
Tekst i slike/ Text und Fotos: Andrea Tomašević
Prijevod na njemački / Übersetzung ins Deutsche: Ivanka Jerković
Izvor / Quelle: Libra 52