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Kritische Stellungnahme zur Reduktionsmethode (RM)
Schon mehrfach habe ich auf Probleme und Unstimmigkeiten von Werner Munters Reduktionsmethode ( RM ) hingewiesen. Das gilt für die erste Version von 1993 genauso wie für die vorliegende zweite Version. Die wesentlichen Zielsetzungen für die Entwicklung der RM formuliert Munter in seinem Buch ( 3x3 Lawinen S. 120 ) so:
- keine besonderen Schneekennt-nisse für den Anwender notwendig ( Bulletinstufe genügtHalbierung der Lawinentoten ( bei einkalkuliertem Schätzfehler von 2 Einfachheit, nur denken ( 30 Sek .), nicht schaufeln.
An Hand dieser Definitionen zeigen sich schon einige Probleme: Die Handhabung der RM ist nicht so einfach. Wer sie unterwegs präsent haben will, wird nicht darum herum kommen, ein Memoblatt mitzu- Immer wieder zeigt Munter anhand der Statistik, dass mit der RM die Anzahl der Lawinentoten um über 50% reduziert werden könnte. So wären nach seinen Berechnungen mit dem Einsatz der RM in den letzten Jahren ca. 70% der tödlichen Lawinenunfälle in der Schweiz verhindert worden. Meine Überprüfung dieser Angaben ergab aber nur ca. 40%, wobei die Hauptdifferenz aus der Beurteilung der Hangsteilheit kommt ( Basis: Winterberichte SLF ). Diese grossen Unterschiede bei der Anwendung der RM bestätigten sich auch anlässlich eines Übungsbeispiels in einem Kaderkurs, wo 40 Bergführer eine Route berechneten und dabei auf völlig unterschiedliche Resultate kamen.
Problematisch ist auch Munters Si-cherheits-/Risikoberechnung bezüglich 3x3 und RM, die auf absolut unzulässige Art durchgeführt wurde. Weitere Grundlagen enthalten teilweise Denk- oder Interpretationsfeh-ler, wie z.B. die Expositionsfaktoren, die auf Datenmaterial basieren, das nur die Alpennordseite berücksichtigt.
Konsequenz: Ich schliesse nicht aus, dass durch das Ausschöpfen der RM- oder eRM-Toleranzbereiche, ins- besondere bei den Anfängern, sogar mehr Unfälle entstehen können. Ich stelle mich deshalb auf den Standpunkt:
- Im Gelände ist die RM für Könner überflüssig, für Anfänger zu gefährlich.
-Wer die RM trotzdem verwendet, sollte besser nur die « Nein»-Resultate befolgen.
- Das ( ehrenwerte ) angestrebte Ziel, mit der RM 50% weniger Lawi-nentote zu haben, ist aus rechnerischen und statistischen Gründen nicht möglich.
Munter hat in der Lawinenausbildung viel bewegt, und wir sind ihm sicher alle dafür dankbar. Aber gibt es in der Schweiz keine weiteren pädagogischen Experten mehr, die fähig sind, den Schneemenschen gangbare Lösungen für die Praxis aufzuzeigen?
Christoph Tanner, Winterthur