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Am 22.November 1914 – kaum vier Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges – wird Kanonier Josef Landwehr Vater. Zuhause in Tann-Dürnten wird sein erster Sohn geboren. Das Paar tauft ihn auf den Namen des Vaters: Josef.
Wir dürfen annehmen, dass der Vater zum Zeitpunkt der Geburt nicht zuhause war. Das erste Bild taucht im Februar 1915 auf. Wir sehen es links. Das Foto wurde am 22.Februar 1915 aufgenommen. Das zweite Bild ist vom 13.September 1915 datiert, es ist rechts zu sehen. Die Mutter Emma war zu diesem Zeitpunkt 23jährig. Ihr Mann, der Kanonier Josef Landwehr, war bereits 39.
Zunächst nun zum Bild links, das wir hier in einem vergrösserten Ausschnitt sehen.
Warum hat die Mutter drei Monate gewartet, bis sie mit dem Kind zum Fotografen gegangen ist? – Bestimmt war es kein Zufall. Fühlte sie sich elend? – Zwar soll man vorsichtig sein mit solchen Vermutungen, aber unter diesen Umständen Mutter zu werden, war bestimmt alles andere als einfach. Wichtig zu wissen, dass die Karte ihren Empfänger erreicht hat, sonst wäre sie nicht in der Sammlung
Der Text auf der Rückseite der ersten Fotopostkarte ist ganz lapidar
Kriegserinnerung
1914/1915
Auf diesem Bild ist klein Josephli präzis 1/4 jährig.
Aufgenommen am 22.Februar 1915
Wann hat Vater Josef seinen Sohn zum ersten Mal sehen dürfen? – Es gibt keine Aufzeichnungen darüber. Hingegen taucht im Fotoalbum im September 1915 ein erstes Familienfoto auf. Es ist auf den 13.September 1915 datiert und wurde in Radolfzell aufgenommen.
Bemerkenswert, einmal mehr, die Kleidung. Der Soldat in einer einfachen Uniform, ohne Schmuck. Die Mutter im Sonntagsstaat. Hat sie ihr hochgeschossenes Baumwollkleid selber genäht? – Wir dürfen es vermuten, denn sie war von Beruf Korsettschneiderin und betrieb ein eigens Geschäft. Das war auch nötig, denn es gab keinerlei soziale Absicherung für die Frauen zuhause. Täuschen wir uns, wenn wir in den Gesichtern des jungen Paares schon eine gewisse Müdigkeit lesen?
Das ist alles, was wir von diesem einschneidenden Erlebnis wissen. Der Sohn Josef Landwehr wird sein ganzes Leben am Ort seiner Geburt verbringen, in Tann-Dürnten im Zürcher Oberland. Wie schon sein Vater wird er in der Textilmaschinenfabrik Joweid, die später Maschinenfabrik Sulzer-Rüti AG heissen wird, arbeiten. Und er wird im gleichen Haus sterben, in dem er sein ganzes Leben verbracht hatte, an der Gartenstrasse. Er stirbt am 19.03.1985 mit 71 Jahren.
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Copyright Text und Bild: Dominik Landwehr
Winterthur 2014
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