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Links zu den einzelnen Kapiteln:
mit David Gilmour gegen einsame Nächte
Traum von einem Rolling-Stones-Konzert
umstrittne Neuaufnahmen
von Johannes Brahms zum Duell herausgefordert
die lange und sich windende Strasse
die Versionen und Videos
Rezeption und Statistik
«Es ist ein guter Track. Ich denke, dass er so gut wie die alten Songs ist», sagte Paul McCartney 1984 selbstbewusst in einem Interview über «No More Lonely Nights». Mit den alten Songs meinte er natürlich jene der Beatles. «No More Lonely Nights» ist die Leadsingle aus dem Album «Give My Regards To Broad Street», das idas Neuaufnahmen von «Yesterday», «The Long And Winding Road» und «Here, There And Everywhere» enthält. Es war ein Duell auf Augenhöhe, Songs desselben Autoren aus den 1960er- und 1980er-Jahren, gespielt im Film und veröffentlicht auf dem Soundtrackalbum «Give My Regards To Broad Street». Der Film ist einer wenigen Flops in McCartneys langer Karriere ist und ramponierte zu unrecht den Ruf des Albums.
mit David Gilmour gegen einsame Nächte
«No More Lonely Nights» enthält mit Paul McCartneys Ohrwurm-Melodie und David Gilmours prägnanten Gitarrensolo am Ende gleich zwei Gütesiegel, die den Song zum Hit machten. McCartney und Gilmour kennen sich aus gemeinsamen Swinging-London-Tagen Ende der 1960er-Jahre. 1972 nahmen Pink Floyd im Studio 3 an der Abbey Road «The Dark Side of The Moon» auf, während Paul im Studio 2 (dem Beatles Studio) «Red Rose Speedway» mit den Wings einspielte. 1978/79 war Gilmour Teil von McCartneys Rockestra. Auf «No More Lonely Nights spielten Herbie Flowers Bass, Stuart Elliot Schlagzeug, Ann Dudley war am Synthesizer und Eric Stewart und Linda McCartney sangen die Back Vocals. «Ich fand es unglaublich, mit Paul McCartney ‹No More Lonely Nights› aufzunehmen. Wir haben den Song in einer dreistündigen Session mit der Band gelernt und eingespielt. Paul spielte das Klavier und sang die Lead Vocals live. Und ich spielte das Solo, Bang!», erinnert sich David Gilmour in einem Interview mit dem Q Magazine 1986.
Paul McCartney an der U-Bahn-Haltestelle Broad Street in London. Screenshot aus dem Videoclip zu «No More Lonely Nights».
«(Es ist) ein weiterer Song, den ich speziell für den Film geschrieben habe. Ursprünglich hatten wir für die Schlussszene, in der ich an Haltestelle Broad Street herumlaufe, nur ein paar Soundeffekte», erinnert sich Paul. Tatsächlich war er noch auf der Suche nach einem musikalischen Leitthema für den Film. Während der Post-Produktion des Filmes, als die Rohfassung ohne den Ton visioniert wurde, merkten alle, dass ein weiterer Song besser wäre als die Soundeffekte. «Ich dachte, dass der Film einen Titelsong brauchte, und es schien der richtige Zeitpunkt zu sein, ihn einzuspielen.» Zunächst versuchte Paul einen Song mit dem Titel «Give My Regards To Broad Street» zu schreiben: «doch ich gab auf, bevor ich richtig damit gestartet bin. Ich denke, dass es kein einfacher Titel ist, um etwas dazu zu schreiben.» Und so kam «No More Lonely Nights» zum Zug. Wobei es Gerüchte gibt, dass McCartney einen Song mit dem Titel «Broad Street» aufgenommen habe.
Für den Abspann bestellte 20th Century Fox eine überarbeitete Version. «Ich freute mich, den Song in einer etwas schnelleren Fassung neu zu arrangieren, es ist mehr eine Tanzversion. George Martin produzierte den «Playout Version» genannten Remix von «No More Lonely Nights», bei dem Paul seine Stimme verschnellerte, wodurch sie höher klingt. Über einem neuen Beat verwendet er einzelne Verse aus dem Song. Ergänzt wurde der Mix mit einigen technischen Spielereien und dem Spiel von fünf Bläsern. Arthur Baker remixte die «Playout Version» , seine Version wurde als «Dance Mix» veröffentlicht.
Traum von einem Rolling-Stones-Konzert
Neben «No More Lonely Nights» enthält «Give My Regards To Broad Street» je nach Format nur noch zwei oder drei weitere, neue Songs: «Not Such A Bad Boy» und «No Values», auf der CD ist zusätzlich «Goodnight Princess» enthalten. Die beiden ersten sind direkte Rocksongs. Auf typische 80er-Jahre Gimmicks wie zu starkes Schlagzeug und Saxofone wurde verzichtet, dennoch hat George Martin mit seiner Produktion den damaligen Hörgewohnheiten entsprechenden zeitgenössischen Sound verpasst.
Paul McCartney, Eric Stewart und Linda McCartney bei den Aufnahmen von «Not Such A Bad Boy». Screenshot aus dem Film «Give My Regards To Broad Street».
Paul McCartney hat «Not Such A Bad Boy» für den Film verfasst. «Es ist eine Zeile, die Harry sagt, um mitzuteilen, dass er manipuliert, nicht aber gestohlen habe. Der Song wurde beinahe nicht im Film verwendet, doch Linda und Ringo Starr mochten ihn so sehr und fanden, dass er wieder implementiert sollte. Ich sagte zu Peter Webb, dass wir es testen sollten. Wenn es nicht funktioniert, würden wir ihn wieder rausschneiden. Am Ende funktioniert er sehr gut», erzählt Paul im Buch «Give My Regards To Broad Street».
Vor dem Hintergrund seiner Verhaftung in Tokyo im Januar 1980 liest sich die dritte Strophe, worin er sich mit seinem Anwalt unterhält wie eine Einsicht: «We’re both in an agreement that crime never pays / and I should be out in a couple of days.» In Pauls Gepäck war damals Marihuana gefunden worden und er war neun Tage in U-Haft. Eine Demoversion von «Not Such A Bad Boy» spielte Paul Anfang 1983 ein, die im Film und auf dem Album verwendete Version wurde live im Austin & Sons Warehouse aufgenommen. Dave Edmunds (Rockpile) und Chris Spedding (Elton John, Brian Ferry, Roxy Music) die harten Rockgitarren, Paul spielte seinen Rickenbacher Bass, Linda war am Keyboard, Jody Lindscott spielte die Perkussion und Ringo Starr Schlagzeug.
«No Values» spielte dieselbe Band ein, dem Song standen die Rolling Stones Pate, zumindest beinahe. Paul löst den Plot des FIlmes mit einem Traum auf. «Wenige Begebenheiten im Film habe ich geträumt. Doch dieser Song ist mir wirklich im Traum erschienen. Ich war im Urlaub und vor dem aufwachen träumte ich, dass ich an einem Rolling-Stones-Konzert sei. Sie waren alle da, Bill, Charlie, Keith und die anderen Jungs, und Mick war dort oben und sang ‹No values, it seems to me that you have still got no values›. Ich konnte nicht den ganzen Text verstehen, aber den gesamten Refrain. Ich erwachte und dachte, dass ich diesen Song wirklich mochte, den sie gespielt haben. Und dann dachte ich: ‹Hey, Moment mal – es gibt keinen Song mit dem Titel ‹No Values›. Sie spielen keinen solchen Song.» Nachdem Paul verifiziert hatte, dass die Stones tatsächlich keinen Song mit diesem Titel hatten, schrieb er ihn fertig. «Mick Jagger habe ich nichts davon erzählt, er würde sonst noch das Copyright beanspruchen», ergänzt Paul augenzwinkernd.
Paul und Band spielen «No Values, Dave Edmunds, Chris Spedding, Paul McCartney, Ringo Starr und Jody Lindscott (vlnr).
Die Traumsequenz musste Paul wohl 1979 oder 1980 gehabt haben. Eine erste Version von «No Values» haben noch die Wings während ihren letzten Sessions im Oktober 1980 eingespielt. Eine zweite Version nahm Paul Anfang 1981 während den Aufnahmen zu den Alben «Tug Of War» und «Pipes of Peace» in George Martins AIR Studio in Montserrat auf. «No Values» endet mit einem kurzen Gitarrensolo. Paul wollte, dass Chris Spedding das Solo spielte. In Luca Perasis «Paul McCartney: Recoding Sessions 1969-2013» wird Spedding zitiert, dass er nicht einsah, weshalb er das Solo spielen sollte, da Dave Edmunds die Leadgitarre spielte. So drehte er sich zu Edmunds um und übergab ihm das Solo. Im Film ist diese Szene zu sehen, auf dem Album das Solo leider gekürzt zu hören. Am Ende verursacht Paul eine Rückkoppelung. Er entschuldigt sich mit den Worten: «Sorry, it’s my fault!»
«Goodnight Princess» ist im Stil der seichten Big Band Musik der 1930er- und 40er-Jahre aufgenommen und wurde von einem Jazz-Orchester eingespielt. Es ist eine Reminiszenz an Pauls Vater Jim und seine Jim Mac’s Band. Als Paul im Film in der Schlusssequenz seinen (Film-)Vater besucht, spielt dessen Radio «Goodnight Princess». Der Titel stammt von einem Satz, den Paul am Ende seines Besuches dem zahmen Affen seines Vaters sagt. Im Film und auf dem Album ist es ein Instrumental. Paul hat aber einen Text verfasst und die Lyrics auch eingesungen. Diese Version ist bis heute unveröffentlicht.
umstrittene Neuaufnahmen
Dass man bis heute das Album «Give My Regards To Broad Street» mit gewisser Ambivalenz hört, liegt nicht am verunglückten Film, denn Kritiker und Biografen sind sich einig, dass das Album das Projekt gerettet hat. Hätte McCartney auf eine Veröffentlichung des Filmsoundtracks verzichtet, wären zwangsläufig Raubpressungen in den Handel gekommen. Weshalb es Sinn macht, die Musik, wie sie im Film zu hören ist, zu veröffentlichen. Die am meisten geäusserte Kritik ist, dass sich McCartneys Neuaufnahmen bzw. Coverversionen der Beatles-Songs zu wenig stark von den Originalen unterscheiden. Diese Kritik ist Mumpitz, denn die Kritiker verwechseln hier Coverversion mit Neuinterpretation. Ein Künstler kann sehr wohl seine Songs neu arrangiert spielen – Bob Dylan tut dies bei seinen Konzerten – das sind aber keine Coverversionen.
Bei «Yesterday» haben namhafte Kritiker moniert, dass Paul dem Original nichts Neues hinzugefügt hätte, jetzt, als 42-Jähriger. Dabei wird Paul anstelle eines Streichquartetts vom Philipp Jones Brass Ensemble begleitet. Auf dem Soundtrack Album zu einem Spielfilm von Paul McCartney aber, in dem die Beatles nicht auftreten, die Originalaufnahmen anstelle der im Film gespielten Versionen zu verwenden, wäre nur billig gewesen. Und war wohl aus rechtlichen Gründen auch nicht möglich. Eine Alternative wäre es gewesen, nur die neuen Songs auf einer Maxisingle zu veröffentlichen. Allenfalls auf einem Album zusammen mit den Remixes von «No More Lonely Nights». Mit Sicherheit hätten die Kritiker dann das Fehlen der Beatles-Songs aus dem Film moniert.
Gitarrist Dave Edmunds, Ringo Starr und John Paul Jones stehend, Paul und Linda McCartney sitzend, Gitarrist Chris Spedding auf dem Boden.
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Die erste Neuaufnahme ist «Good Day Sunshine». Ursprünglich 1966 auf «Revolver» von den Beatles erschienen, ist es einer der Songs, der kaum ein neues Arrangement erhielt. Im Gegensatz zur Beatles-Version ist das Schlagzeug stärker und in den Vordergrund gemischt, dafür das Klavier in den Hintergrund, wodurch der Song leichtgewichtiger wirkt. Wie beim Original spielt George Martin das Klavier..
Nach einem Unterbruch durch «Corridor Music», einem kurzen Stück Hintergrundmusik, das man sich ebenso hätte sparen können, wie die an die Songs angehängten Dialogfetzen, folgen drei Songs mit dem Philipp Jones Brass Ensemble. Es startet mit «Yesterday», das 1965 auf «Help!» erschien. Mit dem Bläser-Arrangement entspricht «Yesterday» seiner Live-Version der «Wings Over The World» Tour von 1975/76. Wie bei der Liveversion verzichtete Paul auf die Wiederholung des Mittelteils.
«Yesterday» wird von «Here, There And Everywhere» gefolgt, dem zweiten von vier Songs, die ursprünglich auf «Revolver» erschienen sind. Auch hier verzichtet Paul auf die Wiederholung der zweiten Strophe und des Refrains, dafür komponierte er eine neue Coda. «Here, There And Everywhere» geht nahtlos in die Neuaufnahme von «Wanderlust» über, das erst zwei Jahre zuvor auf «Tug Of War» erschien. Wie bei «Good Day Sunshine» ist das Schlagzeug stärker in den Vordergrund gemischt und Pauls Stimme klingt leichter. Der Tattoo-Charakter des Originals geht etwas verloren, da ein Brass Ensemble weniger Kraft als eine komplette Brass Band hat. Wurden bei den neuen Arrangements bisher Strophen weggelassen, fällt nun das erste Bläsersolo kürzer aus, weil Paul den Counterpart mit den Backingvocals singt.
«Ballroom Dancing», ist im Film eine dramatische Szene mit einer Ballroom-Keilerei zwischen Rockern und Rock’n’Rollern und gewinnt als Neuaufnahme gegenüber dem Original auf «Tug Of War». Paul ergänzte den Song um eine Strophe und beim einminütigen Gitarrensolo wechseln sich Dave Edmunds und Chris Spedding ab. Linda und Paul spielten Klavier, Ringo Starr das Schlagzeug und John Paul Jones von Led Zeppelin, der wie David Gilmour beim «Rockestra» mitgewirkt hatte, übernahm den Bass.
Paul und Linda Mccartney mit Jeff Pocaro und Steve Lukather von Toto in den Kostümen für die Neuaufnahme von «Silly Love Songs».
Mit «Silly Love Songs» spielte Paul mit einer zweiten Supergroup einen seinen grössten Hits aus den 1970er-Jahren neu ein: Steve Lukather (Gitarre) und Jeff Porcaro (Keyboards) von Toto ergänzten Ringo Starr am Schlagzeug und Eric Stewart (10cc) an der zweiten Gitarre. Zwei der drei Alleinstellungsmerkmale des Originals wurden im Arrangement beibehalten: Pauls funkiger Disco-Bass und die Bläser. Dennoch trägt der Song unverkennbar ein 80er-Jahre Kleid. Das Einzige, was man bemängeln kann, ist dass das neue Gitarrensolo über die Bläser gemischt und diese nicht leiser in den Hintergrund genommen wurden. Die Neuinterpretation steht aber zweite Version für sich.
von Johannes Brahms zum Duell herausgefordert
Die nächsten beiden Neuaufnahmen greifen nochmals auf «Revolver» zurück: «For No One» und «Eleanor Rigby». Bei beiden war es unnötig, die Original-Arrangements, die George Martin komponiert hatte, umzuarbeiten. Weshalb diese mit der Film-Besetzung neu eingespielt wurden. Durch die Fortschritte in der Aufnahmetechnik klingen die Songs breiter und voller als die Originale. George Martin liess es sich nicht nehmen, seine Arrangements etwas prominenter hervorzuheben. Die Songs haben aus musikalischer Sicht mit der klanglich breiteren Neuaufnahme gewonnen und laden dazu ein, die komplexen Originalarrangements neu zu entdecken. Am nächsten an das Beatles-Original kam man bei der Neuaufnahme von «For No One». Sowohl die ursprünglichen Streicher als auch das Waldhorn-Solo sind wieder vorhanden. Paul hatte den Song im März 1966 während seiner Skiferien in einem Chalet in der Nähe von Klosters geschrieben.
Dass «Eleanor Rigby» dennoch gegenüber dem Original etwas abfällt, liegt daran, dass Paul den Refrain «Ah, look at all the lonely people…» allein singt, dadurch wirkt der Song etwas leichter. «Im Film läuft ‹Eleanor Rigby› über neun Minuten, obwohl ich, als ich das Skript geschrieben habe, ein dreiminütiges Segment im Kopf hatte, das auf den beschriebenen Bildern basierte: Dicken’sche Kleidung und Gepäck, Schwerter und Altäre. Als Peter Webb die Szene im Kasten hatte, hatten wir diese neun Minuten voller Angst und Albträume. Da ‹Eleanor Rigby› nach drei Minuten zu Ende war, hat der Editor die übrige Zeit mit klassischer Musik überbrückt. Es war das Violinkonzert von Brahms.» Das konnten Paul McCartney und George Martin nicht auf sich sitzen lassen, sie fühlten sich von Johannes Brahms angestachelt: «Wir waren eher vom Regisseur gezwungen worden, denn normalerweise packen wir es umgekehrt an. Aber es war eine Herausforderung, der wir nicht widerstehen konnten, einen Song wie «Eleanor Rigby» zu strecken und einen neuen dazu zu kreieren.» Die Ergänzung heisst «Eleanor’s Dream» und variiert die Themen von «Eleanor Rigby», die zwei Mal vom Thema von «No More Lonely Nights» unterbrochen werden. Die Adaption ist gelungen, sie gehört zu den Höhepunkten von McCartneys und George Martins Zusammenarbeit.
die lange und sich windende Strasse
«Für den Film wollten wir eine neue Version von ‹The Long And Winding Road aufnehmen, aber du bist mit der Realität konfrontiert, die Beatles Version zu verbessern. Dies ist nicht einfach und eine wenig ermutigende Aussicht; den Song aber nicht mehr zu spielen, wäre blöd. Gut möglich, dass George Martin und Paul McCartney die Gelegenheit nutzten, ihre eigene Version des Songs aufzunehmen. Dass Phil Spector 1970 ohne Rücksprache zu nehmen, zu den bestehenden Aufnahmen von 1969 ein Streicher- und Chorarrangement hinzu gemischt hatte, war der letzte Nadelstich gewesen, den Paul bei den Beatles aussteigen liess.
McCartney lässt keine Gelegenheit aus, zu betonen, dass er nicht mit der von Phil Spector produzierten Version einverstanden ist. Insbesondere ärgerte er sich über den Frauenchor in Spectors Wall Of Sound und der Harfe am Schluss. Wie «Yesterday» war auch «The Long And Winding Road» im Set der «Wings Over The World Tour» 1975/76 und die Wings Horn Section unter Bandleader Toney Dorsey hatte das Streicherarrangement durch ein Bläserarrangement ersetzt. Mit der Neuaufnahme für «Give My Regards To Broad Street» und dem eigens komponierten Saxofon-Arrangement hat Paul McCartney insofern mit fast anderthalb Jahrzehnten Verspätung doch noch seine eigene Version des Songs aufgenommen. Die streckenweise an eine schmalzige Lounge-Version erinnert, weshalb ein Kritiker schrieb, es wäre eine Version für alternde Beatles-Fans im Golfclub.
Ringo Starr mit vollem Einsatz.
Zu «Long And Winding Road» – man beachte, dass das einführende The weggelassen wurde – erzählt Paul: «Der (Song) stammt aus unserer postpsychodelischen Phase. Die Idee dahinter ist die Frage, ob man es je nach Hause schafft. (…) Es geht in diesem Song um allgemeine Enttäuschungen und darum, dass es eine lange Strasse ist, die wir alle nehmen müssen.» Bei den Neuaufnahmen der Beatles-Songs spielte Dave Mattacks (Jethro Tull, Georgie Fame, Cat Stevens) anstelle von Ringo Starr Schlagzeug. «Ringo war unglücklich damit», erzählte Paul später in einem Interview. «Es gab einige Songs, bei denen wir ihn als Schlagzeuger haben wollten. Doch er mochte nicht bei einer neuen Version mitwirken. Heute verstehe ich seinen Standpunkt, denn es wäre soweit gekommen, dass er sich gefragt hätte, ob er auf Version A oder Version B besser spielen würde», so Paul.
die Versionen und Videos
Sowohl Paul als auch der Regisseur Peter Webb wollten von Anfang an darauf verzichten, die Schauspieler playback zu bereits eingespielten Songs agieren zu lassen, sondern sie wurden im Film live eingespielt. George Martin bestand darauf, dass wie seinerzeit bei der Aufnahme von «All You Need Is Love», die Basistracks ab Band kamen und nur die Sessionmusiker live spielen würden. Dies war eine Premiere in der Kinogeschichte, auf dem Set standen zwei 24-Spur Tonbänder, eines das die Basistracks spielte und eines, das die Livemusik aufnahm.
«Give My Regards To Broad Street» ist das dritte Album aus McCartneys Aufnahmezyklus mit George Martin als Produzenten Anfang der 1980er-Jahre. Die Aufnahmen entstanden zwischen November 1982 und Juli 1984 in London in den A.I.R.-, den Abbey Road und den CTS Studios. Sie erstreckten sich über die Dreharbeiten des Films hinaus, die bereits im Juli 1983 beendet worden waren und vor allem die Fertigstellung des Albums «Pipes Of Peace» verzögert haben. «Give My Reagds To Broad Street» war das letzte Album von Paul, das in den USA bei Columbia erschien, bevor er nach fünf Jahren wieder zurück zu Captiol/EMI wechselte. Es ist zugleich sein erstes Album, das auf CD veröffentlicht wurde. Wie seine beiden Vorgängeralben wurde es bereits digital abgemischt.
Für den Soundtrack wurden nicht alle im Film verwendet. So fehlen «Band On The Run» und das bis heute unveröffentlichte «Glorina», aber auch die Coverversionen von «Give My Regards To Broadway», «Bless ’em All» und «Sleepy Lagoon». Nicht als separater Track aufgeführt ist «Zip A Dee Do Dah», den Paul im Anschluss in der Reprise von «Silly Love Songs» kurz anstimmt.
Obwohl die LP in einem Klappcover veröffentlicht wurde, hatte sich Paul gegen ein Doppelalbum entschieden, was zur Folge hatte, dass «So Bad» und «Goodnight Princess» weggelassen wurden und die einige Songs im Vergleich zur MC und CD gekürzt wurden. Am massivsten wurde «Eleanor’s Dream» kupiert, da wurden fast sechs Minuten, also beinahe der gesamte Song, weggeschnitten.
Die LP dauerte mit 43 Minuten immer noch länger als eine gewöhnliche Platte. Es war das Maximum, was man pressen konnte, ohne grosse Qualitätsverluste hinzunehmen. Um die Plattenkäufer auf die Unannehmlichkeiten aufmerksam zu machen, war folgende Bemerkung aufgedruckt: «This record is longer than usual but due to the available playing time on a vinyl disc some editing of the sound track has been necessary to retain full volume and dynamic range. Even longer versions exist on cassette and compact disc.» Die CD war das einzige Medium, auf der die Songs in voller Länge erhältlich waren, auf der Musikkassette wurde «Goodnight Princess» weggelassen. In den USA hiess «Goodnight Princess» auf den ersten CD-Pressungen von Columbia «Goodnight Little Princess». Bei den Neuauflagen von Capitol wurde der Fehler korrigiert.
«No More Lonely Nights» erschien als Single und Maxisingle. Für Ärger sorgte die erste Pressung der Single. Auf dem Cover war «No More Lonley Nights» (anstatt Lonely) gedruckt. Paul liess die Single zurückziehen, doch einige Exemplare kursieren als Sammlerstücke. Auf der B-Seite der Single befand sich die auf 4.36 Minuten gekürzte «Playout-Version». Etwas später veröffentlichte EMI mit derselben Katalognummer die zweite Version der Single, die auf der B-Seite Arthur Bakers «Dance Mix» hat. Das Cover ist dasselbe, jedoch mit dem Vermerk Ballad und B-Side Special Dance Mix. Die Maxisingle startet mit der achtminütigen «Playout-Version» und wird als «Extended Version» aufgeführt. Die B-Seite ist das «Silly Love Songs Remake» und die «Ballad Version» von «No More Lonley Nights». Die Maxi erschien auch als limitierte Picture Disc. Zu Promotionszwecken wurde eine zweite Maxisingle verteilt, die zwei Versionen von Arthur Bakers «Dance Mix» enthält. Etwas später im Jahr wurde in einer limitierten Auflage von 250 Stück Arthur Bakers «Mole Mix» an englische und amerikanische DJs verteilt. Diese Single ist sowohl ein gesuchtes Sammlerstück und wurde oft gefälscht.
Die LP «Give My Regards To Broad Street» erschien in einem Klappcover. Hier die Innenseite, die integral im CD-Booklet abgebildet ist.
Der Film «Give My Regards To Broad Street» erschien auf VHS-Videokassette und ein gleichnamiges Videospiel wurde veröffentlicht. Auf DVD ist er bisher nicht wiederveröffentlicht worden. Sowohl für «No More Lonely Nights» als auch die «Playout Version» wurde ein Videoclip gedreht. Keith MacMillan verwendete Ausschnitte aus der Broad Street Filmszene. Er beginnt damit, dass Paul Operateur in einem Kino ist und den Film einlegt. Für das Video verwendete MacMillan zum ersten Mal eine Paintbox, mit der er die Hochhäuser von London retuschieren konnte. Das Video für die Playout Version drehte MacMillan im Londoner Hippodrome. In der 2007 veröffentlichten Retrospektive «The McCartney Years» ist jedoch nur das reguläre Video von «No More Lonely Nights» enthalten.
«No More Lonely Nights» wurde für einen BAFTA-Award und für die Golden Globes nominiert. Das Video wurde von der amerikanischen National Society of Video Arts & Sciences als bestes Video nominiert. «No More Lonely Nights» erreichte in England und Irland Platz 2, in den amerikanischen Billboard Charts Rang 6, in Australien Platz 9, in Kanada den 11. und in Neuseeland den 19. Rang. Obwohl «No More Lonely Nights» heute zu den beliebtesten Songs McCartneys in der Schweiz gehört, konnte sich die Single nicht in der Hitparade platzieren.