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Die Gemeinde Bellwald ist eine typische, aus dem Dorf Bellwald und den Weilern Ried, Egga, Bodmen und Fürgangen bestehende Hanggemeinde hoch über dem Goms und dem Fieschertal.
Das Dorf Bellwald, das der Gemeinde den Namen gegeben hat, ist mit seiner Lage auf 1560 m ü. M. das höchstgelegene Dorf im Goms. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Bevölkerung von Bellwald fast ausschliesslich von der bergbäuerlichen Landwirtschaft, die aus Viehzucht und Ackerbau bestand. Diese als Mehrzweckbauerntum bezeichnete Selbstversorgungswirtschaft war weitgehend auf den eigenen Konsum ausgerichtet. Bevölkerungsmässig ist Bellwald eine Kleingemeinde. Zwischen 1850 und 1970 lebten jeweils zwischen 250 und 300 Personen in Bellwald. Die Landwirtschaft mit den beschränkten Bodenressourcen vermochte nicht alle Menschen zu ernähren, sodass ein Teil der Bevölkerung gezwungen war, auszuwandern: im 19. Jahrhundert als Söldner in fremde Kriegsdienste und nach dem Verbot des Solddienstes 1859 als Kolonisten nach Südamerika oder als Melker nach Preussen und Kalifornien. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte dann eine Abwanderung in die Gemeinden des Haupttals oder in andere Kantone. Die grosse Wende begann in Bellwald gegen Ende der 1950er-Jahre. Ab 1956 verband eine Seilbahn Bellwald mit dem Tal. Zwei Jahre später wurde der Verkehrsverein gegründet und 1962 öffnete das erste Hotel seine Tore.
Die 1971 fertiggestellte Fahrstrasse ins Tal beschleunigte die touristische Entwicklung und Bellwald wandelte sich vom Bauerndorf zum Tourismusort. Bellwald ist eine typische Weilersiedlung - eine Siedlungsform, die an den als «Berge» bezeichneten Talhängen des Wallis üblich ist. In Urkunden taucht manchmal die Bezeichnung «Bellwalderberg» auf. Die im 8. und 9. Jahrhundert eingewanderten Alemannen entfalteten im Goms eine immense Rodungstätigkeit und liessen sich vorerst in Einzelhöfen nieder, aus denen mit dem Anwachsen der Sippen allmählich kleine Weiler- und Dorfsiedlungen entstanden. Erste urkundliche Erwähnungen Bellwalds stammen aus dem frühen 14. Jahrhundert. In dieser Zeit erfolgte die Loslösung von der Feudalherrschaft. 1394 schloss sich der «Bellwalderberg» zu einer «Bauernzunft» zusammen mit dem Ziel, sich von den bestehenden Abgaben loszukaufen. Daraus entwickelte sich die Gemeinde, die Burgerschaft, die 1555 die Burgerstatuten schriftlich niederlegte. Als eigentliche Dorfverfassung enthielt diese Satzung Bestimmungen und Vorschriften über die Anerkennung und den Erwerb des Burgerrechts und sie regelte das wirtschaftliche Leben und die Landnutzung.
Die Geschichte des höchstgelegenen Gommerdorfs Bellwald (1563 m ü. M.) kann nicht mit Bischöfen und Landeshauptmännern auftrumpfen wie etwa Münster oder Ernen. Nicht einmal über das «Bei» oder «Bell» im Namen wissen wir Bescheid. Durch Lautverschiebung könnte aus «Fellwald» Bellwald geworden sein, musste doch bei der Besiedlung des Gebiets der Wald «gefällt» und gerodet werden. Es soll Zeiten gegeben haben, da es jeder Familie zur Pflicht gemacht wurde, jährlich mindestens sechs Bäume zu fällen, um das nötige Kulturland zu gewinnen. Zur Lage des Dorfes auf einer Anhöhe würde auch «Bielwald» passen, umso mehr, als noch heute ein Dorfteil den Namen «Biel» trägt und in alten Schriften oft vom «Bellwalderberg» die Rede ist. Ob es nun einst «Fell» oder «Biel» geheissen hat: An «Wald» gibt es nichts zu deuten. Nach der Sage sollen die Bellwalder aber auch beim Wald zu kurz gekommen sein, weil sie sich in ihrer Ängstlichkeit (darum der Übername «Hasen»nicht vorzudrängen wagten, als im Goms der Wald verteilt wurde. Zum Trost habe der Herrgott ihnen den Namen Bellwald gegeben. Die Sonne und die weite Rundsicht aber liessen sich die Bellwalder nicht nehmen.
Das Hauptdorf Bellwald hiess 1374 «Zblattun». Daran erinnert noch heute der Dorfteil «unner dr Blatte» unterhalb der Kirche. Die andern Dorfquartiere heissen «üffem Platz, bim Brunne, üff dr Schlüecht, dr Biel, dr Geissfärrich, ds Mättelti, d'Steirufena und Turre».
Am Dorfrand entstanden in den letzten Jahrzehnten neue Wohnhäuser und Feriensiedlungen.
Auch beim Weiler Ried wurden in den letzten Jahren viele neue Häuser gebaut, die das alte Dörflein auf der Krete fast erdrücken. Dieser Weiler erlebte seine Hochblüte zwischen 1630 und 1750, als dort die meisten Häuser gebaut wurden.
Der Weiler Eggen, heute der kleinste von allen, war noch um 1600 bedeutender als Ried oder Fürgangen. Heute gibt es dort noch vier alte Häuser: «ds Hüeberhüs» aus dem 16. Jahrhundert, das grosse Doppelhaus zuoberst im Dörflein von 1647/1723, das Haus neben der Kapelle von 1756 und ein altes Haus aus dem 16. Jahrhundert, das lange als Stadel benutzt und 1976 wieder bewohnbar gemacht wurde. Westlich davon stand, wie die Hofstatt andeutet, auch noch ein Haus. Abgerissen wurde 1895 das alte «Restihüs». Es stand unterhalb des grossen Doppelhauses. Die Kellermauern eines Hauses, das anfangs des 20. Jahrhunderts verschwand, kann man noch westlich beim Haus neben der Kapelle gegen das Fieschertal hin sehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch das alte Backhaus abgerissen.
Der Weiler Bodmen, früher unterteilt in Bodmen und auf der Halte, soll bis 1821 eine selbständige Gemeinde gewesen sein. Die Dorfschaft oder Geteilschaft besitzt heute noch Wald auf der «Gibelegge».
Im Jahr 1896 fielen zwischen der oberen und der unteren Bodme acht Gebäude dem Feuer zum Opfer, darunter drei Wohnhäuser.
Fürgangen, 1293 erstmals erwähnt als «Wrgangen» oder «Wurgangen», stand einst unter der Herrschaft der Grafen von Blandrate. Paul Bogner von Niederernen kaufte 1444 diese Herrschaftsrechte und nannte sich «Richter von Fürgangen». Nach 1595 soll diese Gerichtsbarkeit an die Familie Schiner übergegangen sein. Wann das «Freigericht» Fürgangen mit dem Zendengericht des Goms vereinigt wurde, ist unbekannt. Der Weiler Fürgangen, der bis 1963 zur Pfarrei Ernen gehörte, wurde am 12. Juli 1887 zum grössten Teil durch Feuer zerstört. Dem Feuer fielen 18 Firsten zum Opfer, darunter zwei Wohnhäuser, und es war ein Menschenleben zu beklagen. Im folgenden Jahr brannte auch das Wirtshaus samt Stall und Scheune in Fürgangen nieder.
Bei der Feuersbrunst von 1887 in Fürgangen wurde laut der Gemeinderechnung der grosse «Brand» in den Kehlen der Feuerwehrmannschaft gelöscht mit «11 Liter Weisser Wein, der Liter zu 80 Cents; 11 Liter zu 1 Fr. und 2 1/2 Liter Branntwein zu 2 Fr. der Liter; 3 Liter Roter Wein zu 1 Fr.», dazu noch Brot für 10 Fr. gegen den Hunger. Überhaupt war das Feuer schon immer ein gefürchteter Feind in den Dörfern mit den nahe beieinander gebauten Holzhäusern. Darum wird heute noch nach alter Tradition der St. Agathatag (5. Februar) als Feiertag gehalten, wie es unsere Vorfahren in der Gemeindeversammlung am 7. März 1909 beschlossen haben.