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In fünf Kurzstücken führt die Theatergruppe der Gay Beggars fünf verschiedene Realitäten auf, die allesamt dieselbe Frage stellen: «Was wäre, wenn…?» Zeitnah berichtet von einer der Proben von «Take Five».
Von Daniel Lüthi
«Hallo, ist dieser Stuhl besetzt?»
«Nein, aber ich warte eigentlich auf jemanden.»
«Ok, kein Problem…»
So schnell kann ein Gespräch vorbei sein. Aber was, wenn man die Uhr zurückdrehen und das Ganze nochmals von vorne beginnen könnte? Wenn man immer wieder eine Chance hätte, etwas falsch Gesagtes zu korrigieren? Wie weit käme der Dialog dann, um die andere Person besser kennenzulernen? Dies ist die Ausgangslage von «Sure Thing», dem ersten Kurzstück der neuen Produktion der Gay Beggars. Nach zahlreichen Aufführungen längerer Natur von Shakespeare, Molière und Camus steht nun ein Abend mit fünf kleineren Stücken von David Ives auf dem Plan.
Eine gute Wahl, denn David Ives gilt als Meister der modernen Kurzform. Die weiteren Stücke beweisen dies eindrucksvoll: In einer funktionalen Bühnenausstattung sehen wir Figuren in Alltagssituationen, ungekünstelt und auf den Punkt gebracht. Scharfer Wortwitz und hintergründige Reflexion, manchmal im selben Satz. Hierin liegt das einzige Problem – das Timing. Gerade das längste Stück «Foreplay, or The Art of the Fugue» verliert an Dynamik, da das Wechselspiel der Dialoge (zumindest während der Probe) nicht immer reibungslos funktioniert. Es bleibt abzuwarten, wie viel davon in den Aufführungen noch zu bemerken ist.
Ein Hauch von Science Fiction
Die fünf Stücke variieren ein Grundthema: Die Natur der Realität. Stellenweise findet dies Ausdruck in Szenarien, die an Science Fiction erinnern, etwa wenn wie eingangs erwähnt ein Gespräch wiederholt und wiederholt und wiederholt werden kann – «Und täglich grüsst das Murmeltier» im kleineren Rahmen quasi. In anderen Stücken überlagern sich teils mehrere parallele Realitäten, oder Vergangenheit, Gegenwart (und Zukunft?) finden auf der Bühne gleichzeitig statt.
Dennoch bleiben die Variationen der Frage «Was wäre, wenn…?» auf dem Boden der Tatsachen, die Figuren treffen sich in der Bar, schauen fern oder versuchen, ein Souvenir zu kaufen. Nicht tiefenpsychologische Intrigen wie bei Shakespeare oder satirisch-überzeichnete Karikaturen wie bei Molière, doch durchaus philosophische und vor allem äusserst menschliche Charaktere – von wunderbar widerwärtig bis naiv verführerisch.
Minigolf und Käsesteak
Ebenso bunt durchmischt wie die brüchige Realität und die Figurenkonstellation ist die Absurdität der Situationen: Wer sich also beispielsweise über die freudianischen Untiefen von Minigolf informieren möchte, wird nach diesem Abend den harmlosen Sport mit neuem Elan angehen können. Auch der Grund, weshalb man bei Übersetzern lieber zweimal nachfragen und den Fernseher nicht bloss ausschalten, sondern am besten gleich ganz in den Keller verbannen sollte, wird in den fünf Stücken aufgeklärt. Vom Käsesteak wollen wir erst gar nicht reden.
Was hier verwirrend klingt, macht auf der Bühne vielleicht auch nicht hundertprozentig Sinn, tut der Unterhaltung aber keinen Abbruch. Wie gesagt holperte es bei unserem Besuch da und dort noch ein wenig, doch wer die Beggars kennt, weiss, dass solche Kleinigkeiten rasch und professionell angegangen werden. Das Lachen und der Applaus vom Probepublikum blieben in jedem Fall nicht aus.
«Take Five» läuft ab morgen bis am 24. Oktober im Theaterkeller des Englischen Seminars. Fünf Einakter, die bei aller Kürze langfristig wirken und auf dem Heimweg noch so manches Nachspiel in Gedanken oder wenigstens ein Schmunzeln auslösen.
«Take Five» im Englischen Seminar der Universität Basel, Nadelberg 6
Aufführungen am 2., 3., 6., 8., 9., 17., 18., 21., 23. und 24. Oktober
Beginn: 20 Uhr, sonntags um 17 Uhr
Preis: CHF 25.- regulär, 20.- Studenten/AHV/IV
Reservationen unter www.gaybeggars.ch
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