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Erneut versucht der seit einiger Zeit im Tessin arbeitende Heinz Butler in einem Spielfilm mit einem Minimum an Handlung und Schauplätzen (ein Provinztheater und einige Nebenräume) auszukommen, um umso klarer einen Sinn herauszuarbeiten. Nennen wir Personaggi & Interpreti einen Versuch in allegorischem Film. (Weniger gutmütige Betrachtung spräche vielleicht bereits von einer Unfähigkeit des Autors, Handlung zu erfinden.)
In einem aufgegebenen Dorftheater proben diverse Künstler und Artisten vor sich hin, bis sich einer, der von aussen kommt, aufdrängt und aus der Gelegenheit „etwas machen“ will. Er schwelgt in den Zeiten, da das Showbusiness noch etwas galt (und er in ihm); er verhöhnt die gebrochene Kunst jener, die sich in das Refugium zurückgezogen haben und propagiert — „amerikanisch“ — pure (und aggressive) Unterhaltung. Dem Anspruch sind die „echten“ Künstler weder gewogen noch gewachsen. Immer mehr Artisten ihrer Art strömen herbei, in sich selbst gefangene echte „Spinner“. Das kann nicht gut gehen. Das Biotop der wahren Kunst verwildert und versteppt, weil die aus der Zeit gefallenen Künstler den „has been“, Leo (Richard Gordon), weder widerlegen noch ausschalten können.
Bütlers Kunst-und-Künstler-Parabel scheitert meines Erachtens aus zwei Gründen: Zunächst gelingt es dem Autor und seinem Mitszenaristen Angelo Gregorio nicht, die Fülle von aktualisierbaren Konnotationen unterzubringen, so daß der Film auch gedanklich nicht vom Fleck kommt. Und zweitens reisst Richard Gordon, das heisst auch „die falsche Seite“, den Film auf eine plumpe Art an sich; er scheint Bütler völlig entglitten zu sein. Leo, der Löwe, brüllt und bramarbisiert dermassen durch den ganzen Film, dass die feineren Töne — Teco Celio, die Tanzgruppe „Sosta Palmizi“ und der Bandoneon- Spieler Dino Saluzzi immerhin — erbarmungslos niedergeschrien werden. Was, denke ich, genau nicht im Sinne der Erfinder sein dürfte.
Angesichts der Unfähigkeit der Autoren, ihren Diskurs an den Mann/die Frau zu bringen, angesichts ihres Absackens in eine Kuriositätenrevue, fällt es schwer, einzelne Qualitäten — zum Beispiel die sorgfältige Kameraarbeit von Hans- ueli Schenkel und den ebenso sorgfältigen Direkt-Blow up (Super-16 mm auf 35 mm) — zu würdigen und die wenigen Momente festzuhalten, in denen der „Geist“ der Veranstaltung trotz allem von der Leinwand zum Publikum herüberkommt.