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Das Gebäude neben dem Kloster Magere Au erinnert an einen griechischen Tempel. Innen besteht es aus einer grossen Halle. Es riecht nach Öl. Inmitten des Raumes thront in gewaltiger Schönheit das Herzstück des ehemaligen thermischen Kraftwerks Magere Au: ein riesiger Dieselmotor der Firma Sulzer aus dem Jahr 1932.
Die acht Tänzerinnen und Tänzer wirken verschwindend klein vor dieser Kulisse. Unter der Leitung von Brigitte Meuwly und Antonio Bühler diskutieren sie verschiedene Bewegungsabläufe und studieren sie ein. Noch sind es Bruchstücke eines grossen Ganzen, dessen Wirkung man sich noch nicht vorstellen kann.
Später klettert die Truppe behende auf die Maschine. Jede Tänzerin und jeder Tänzer stellt sich in weissem Overall vor einen der acht Zylinder in acht Metern Höhe. Sie suchen nach der optimalen Position, um die Bewegungen fliessend durchführen zu können. Ein Tänzer gibt den Rhythmus vor: «Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht», und Stück um Stück werden die einzelnen Puzzleteile zusammengefügt. Die Szenerie erinnert an den Film «Modern Times» von Charlie Chaplin. Gebannt blickt man nach oben und möchte mehr davon. Am kommenden Donnerstag wird das möglich: Dann nämlich ist die Premiere der beiden Stücke mit den Titeln «2puissance3» und «8Megawatts», die Teil des Programms von Equilibre und Nuithonie sind.
«Beim ersten Stück geht es um die Wechselbeziehungen zwischen Menschen in Form eines sportlichen Wettkampfs», erzählt Choreograf Antonio Bühler. «In unserer Gesellschaft muss jeder besser sein als der andere. Es geht oft darum, seine Überlegenheit zu demonstrieren – die soziale, die geschlechtliche, die der Herkunft. Dabei muss der andere fast vernichtet werden, um sich zu profilieren.»
Während sich dieses Stück vor der Maschine abspielt, findet «8Megawatts» auf dem Dieselmotor statt. «Es ist ein Spiel mit der Maschine und zeigt das Verhältnis von Mensch und Maschine», so Bühler. «Maschinen werden erfunden, um im Dienste der Menschen zu stehen. Faktisch machen sie den Menschen aber überflüssig.» Zur Musik von Philippe Héritier bewegen sich die Tänzer auf dem Motor von oben nach unten. Am Schluss werden sie aufgefressen.
Dass die Aufführung im ehemaligen Kraftwerk stattfindet, freut Antonio Bühler besonders. «Es ist die Chance, aus dem Theatersaal herauszukommen und etwas Einmaliges zu entdecken.»
Ehemaliges thermisches Kraftwerk Magere Au, Freiburg. Do., 7. September, 20 Uhr. Weitere Daten unter www.equilibre-nuithonie.ch