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Heute wird es philosophisch: Möchten wir uns dem Mega-Buzzword "Künstliche Intelligenz" (KI) oder englisch und deshalb auch bei uns gebräuchlicher "Artificial Intelligence" (AI) nähern, kommen wir selbstverständlich nicht darum herum, zuerst über den Begriff Intelligenz nachzudenken.
Die etymologische Herkunft ist klar: Einmal mehr liegt die Wurzel der Intelligenz im Lateinischen begraben. Das Wort "intelligent" kommt aus dem Lateinischen "intelligere", was auseinandergenommen wiederum vom "inter legere" stammt. Die wortwörtliche Übersetzung lautet "dazwischen wählen" und meint eigentlich "eine überlegte Wahl treffen". Und jetzt wird es noch etwas konkreter: Intelligenz ist letztlich entlehnt aus dem lateinischen Wort "intelligentia": Die Einsicht oder die Erkenntnis, das Verständnis und noch besser der Verstand.
"KI" gibts seit 1955
Der Begriff "Artificial Intelligence" wurde im Jahr 1955 vom amerikanischen Informatiker selig John McCarthy
im Rahmen eines Förderantrags für ein Forschungsprojekt
geprägt. McCarthy war ein Logiker und Informatiker und zudem der Erfinder der Programmiersprache LISP
und er erhielt im Jahr 1971 den Turing-Award. (Turing wäre natürlich alleine einen Beitrag im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz wert, ich gehe im Folgenden aber davon aus, dass sowohl die Turingmaschine
als auch der Mathematiker Alan Turing allgemein bekannt sind.)
Zurück zum Begriff: Der Zusatz "künstlich" kam also durch John McCarthy hinzu. Heutzutage versteht man unter dem Begriff wohl einfach und zusammengefasst die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren. Betrachten wir doch die zu imitierenden Fähigkeiten kurz einzeln:
- Logisches Denken: Ok, das kann man sich noch vorstellen. Logik ist eine Erfindung des menschlichen Intellekts und ein Computer basiert auf denselben Konzepten.
- Lernen: Die Unterart von KI, das Machine Learning, kann man als lernendes System betrachten. Aber hier beginnt es schon schwierig zu werden. Eine Maschine kann immer nur in einem sehr isolierten und spezifischen Bereich lernen. Wir Menschen hingegen können schon als Kind mehrere Sprachen und uneingeschränkt frei entscheiden, was wir lernen möchten. Mehr dazu gleich weiter unten.
- Planen: Diese Fähigkeit kann eine Maschine wohl am besten imitieren, vorausgesetzt, es handelt sich um eine vorgegebene Umgebung, in welcher geplant werden soll.
- Kreativität: Das ist die spannendste Fähigkeit einer künstlichen Intelligenz. Es gibt Systeme, die wissenschaftliche Texte schreiben können und andere aufgrund eines Textinputs ein Bild malen.
Widmen wir uns in einem kleinen Experiment der Kreativität im Bereich bildende Künste. Ich habe auf 4 unterschiedlichen KI-Plattformen den Songtitel "Supernatural Thing
" von Ben E. King eingegeben und jeweils ein Bild generieren lassen. Die Resultate:
Die KIs von Hotpot.(o.l.), Dall-E (o.r.), Crayion (u.l.) und Fotor: Mischungen aus Art Brut und modernem Picasso.
Furzen: der Alexa-Skill des Jahres
Auch ganz lustig, aber im täglichen Leben immer noch unbrauchbar, sind alle Sprachassistenten. Wir benutzen zuhause sowohl Alexa als auch Google für die Einkaufsliste. "Alexa, füge Milch in die Einkaufsliste" funktioniert noch gut. Aber bitten Sie doch den Apparat einmal, "Noilly Prat" hinzuzufügen… Und wenn ich "Rahm" sage, steht dann "Rum" auf der Liste. Lernfähig? Höchstens unfreiwillig kreativ!
Probieren Sie einmal "Alexa, öffne Pupsgenerator"! Das funktioniert sogar mit der Wispelstimme meines 6-jährigen Sohnes. Und (fast) die ganze Familie lacht ab dem zufälligen Furz, der aus dem Lautsprecher ertönt. Künstliche Intelligenz – halleluja!
Und dann schaue ich auf Netflix, welches mir mittels KI und meines Verhaltens Vorschläge für Filme machen möchte. Unvorstellbar schlecht. KI kann nur etwas aus bereits Bestehendem erschaffen und niemals Kreativ im eigentlichen Sinne sein. Ändern könnte das vielleicht ChatGPT
, da sind die ersten Ansätze durchaus erstaunlich.
"KI" hat sich nur durchgesetzt, weil niemand "Algorytmus" korrekt buchstabiert
Mit der eingangs beschriebenen Definition von Intelligenz wie zum Beispiel "Verständnis" oder gar "Verstand" hat das aber also nichts zu tun. Hier kommen nun die AI-Apologeten und behaupten, das sei einfach noch zu früh und eine Entwicklung. Und sowieso: In wenigen Jahrzehnten werden wir die "künstliche allgemeine Intelligenz" (Artificial General Intelligence) haben. Die imitiert dann nicht mehr nur, sondern ist intelligent.
Was ist KI nun wirklich? KI ist nichts anderes als reine Software, respektive nichts mehr als Algorithmen. Es gibt keine künstliche Intelligenz, es gibt einmal mehr nur mathematische Algorithmen. Der Unterschied zu "früheren" Systemen ist einfach, dass bei KI jeweils eine Wahrscheinlichkeit als Output definiert ist. Aber der Systemaufbau folgt immer noch demselben Schema: Die KI ist Software, welche auf der exakt gleichen Hardware funktioniert. Und was kann die Hardware? Ausschliesslich die primitivsten Operationen Addieren, Subtrahieren, UND, ODER und XOR verknüpfen. Fertig. Das kann KI im Kern. Nichts mehr und nichts weniger. Und mit diesen 5 Operationen möchte man Intelligenz imitieren? Da lachen ja die Hühner.
Das Problem ist: Algorithmus kann niemand ohne Autokorrektur fehlerfrei schreiben, KI schon. Deshalb ist KI das dümmste Buzzword der letzten Jahre.
Mein Vorschlag zur Güte: KI wird umbenannt in "Algo", was auf Spanisch so viel wie "etwas" bedeutet.