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Würde derzeit abgestimmt, könnten die Anhänger der "Atomausstiegs-Initiative" die Volksabstimmung gewinnen. In den letzten Wochen der Kampagne dürfte die Tendenz allerdings in die umgekehrte Richtung münden.
Gemäss der ersten Umfrage des Instituts gfs.bern im Auftrag der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR), zu der auch swissinfo.ch gehört, sprechen sich 57% der befragten Personen für eine Annahme der Initiative "Für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergieexterner Link" aus. Das Lager der Gegner umfasst 37% der Befragten. 7% haben sich noch keine Meinung zur Frage gebildet.
Das Volksbegehren der Grünen Partei, zu dem sich das Schweizer Stimmvolk am 27. November äussern muss, verlangt, dass die Atomkraftwerke 45 Jahre nach der Aufnahme des Betriebs abgeschaltet werden müssen. Das heisst, dass der letzte der insgesamt fünf Atomreaktoren der Schweiz 2029 stillgelegt würde.
Die Schweiz hat sich bereits nach der Katastrophe von Fukushima (2011) für einen Ausstieg aus der Atomenergie entschieden. Aber wenn die Initiative angenommen wird, beschleunigt sie diesen Schritt um mindestens 20 Jahre.
Polarisierende Frage
Die Umfrage zeigt, dass es einen tiefen Graben zwischen der politischen Linken und Rechten gibt. Die Linke unterstützt die Initiative klar. Unter den Anhängern der Grünen sprechen sich derzeit 95% für die Vorlage aus, unter den Sozialdemokraten sind es 80%.
Umfrage
Die Umfrage wurde vom Institut gfs.bern im Auftrag der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR), zu der auch swissinfo.ch gehört, durchgeführt.
Zwischen dem 3. und 14. Oktober wurden per Telefon 1200 Personen (repräsentatives Panel) befragt. Der Stichprobenfehler beträgt +/- 2,9 Punkte.
Aus datenschutzrechtlichen Gründen haben die Befrager keinen Zugang zu den Koordinaten der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Die politische Rechte ist nicht einer Meinung. Am deutlichsten ist der Widerstand bei der Schweizerischen Volkspartei (SVP): 56% ihrer Anhänger geben an, dass sie die Initiative ablehnen werden. Bei den Freisinnigen (FDP.Die Liberalen) herrscht im Moment fast ein Gleichgewicht zwischen Befürwortern (47%) und Gegnern (46%) der Vorlage. Eine Mehrheit, nämlich 58%, der Anhänger der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) begrüsst einen beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie.
Die Polarisierung zeigt sich nicht nur auf politischer Seite. Deutliche Differenzen zeichnen sich auch unter den Geschlechtern – 63% der befragten Frauen befürworten die Initiative, unter den Männern sind es lediglich 50% – sowie in den Regionen ab: 64% der Befragten aus der französischsprachigen Schweiz sagen Ja, in der italienischsprachigen sind es 57%, in der deutschsprachigen 55%.
Eine "normale" Initiative
Das Institut gfs.bern betont, dass es sich bei der ersten Umfrage nur um eine Momentaufnahme der Situation handle. Um eine Prognose zur Abstimmung vom 27. November abgeben zu können, wartet das Institut die Ergebnisse der zweiten Umfrage ab.
Das Volksbegehren dürfte grundsätzlich den "normalen" Verlauf der meisten Initiativen nehmen, nämlich eine zunehmende Erosion des Lagers der Befürworter im Lauf der Kampagne, sagte Politologe Claude Longchamp vor den Medien. Und am Abstimmungstag stünden in der Regel die Gegner einer Volksinitiative als Sieger da.
Unter der Voraussetzung natürlich, dass bis dahin nicht irgendwo auf der Welt ein Atomunfall passiert.
(Übertragung aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)