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Unsere grosse Sommerserie über die Geschichte des Telefons. In der Schweiz und auf der Welt.
- Teil 1: Der Schweizer Telefonpionier, den niemand kennt
- Teil 2: Wetten, du errätst nicht welches Handy am meisten verkauft wurde?
- Teil 3: Die Geschichte der ersten Telefonbauer
- Teil 4: Eigentlich begann alles mit dem Stück eines Besenstiels (13. August)
- Teil 5: Eine Manufaktur in der schnellen Entwicklung der Telegrafie (20. August)
- Teil 6: Eine Erfindung verändert die Kabelwelt (27. August)
- Teil 7: Warum das erste Glasfaserkabel in Zürich ein Fail war (3. September)
- Teil 8: Wie das Licht in das Kabel kam (10. September)
- Teil 9: Wie die Schweiz das erste Land mit vollautomatischem Telefonnetz wurde (17. September)
Eduard Otto Zwietusch wurde als Sohn deutscher Einwanderer am 20.1.1866 in Milwaukee/Wisconsin in den USA geboren. Nach dem Besuch der amerikanischen Universität von Madison, Wisconsin, kam er 1888 nach Berlin. Dort gründete er seine eigene Firma, die «Telephon Apparat Fabrik E. Zwietusch & Co.».
Das Geschäft entstand aus der vom Ingenieur der Western Electric gegründeten Telefonfabrik F.R. Welles. Dieser wollte die Produkte der zum Bereich der American Telephone & Telegraph (AT&T) gehörenden Western Electric bei der Deutschen Reichspost einführen. Das Geschäft unter der Leitung von Zwietusch blühte, so dass er bereits 1901 ein grosses Werk in Berlin Charlottenburg eröffnen konnte.
Im traditionsreichen Industriequartier «am Salzufer» und in unmittelbarer Nähe der Werke von Siemens arbeitete er mit amerikanischen Ingenieuren und den Patenten der Western Electric Co. Chicago. Er entwickelte neben Telefonen und ihren Bestandteilen auch Kabel, Ausrüstungen für die Rohrpost und Amtszentralen, dazu Lötkolben und Stempeluhren. Er war einer der wichtigsten Lieferanten der Reichspost. Zu Beginn der 1920er Jahre bildete das Reichpostzentralamt die Anlaufstelle der Fernmeldeindustrie. Siemens & Halske (S&H) hatten zusammen mit dem Unternehmer Zwietusch den Geräte- und Fernkabelmarkt bereits fest in der Hand. Beide Unternehmen kontrollierten den Markt über den Besitz aller wesentlichen Patente.
Auch wurde exportiert. In der Schweiz beschaffte die Eidgenössische Telegraphenverwaltung bereits 1908 Mikrofonkapseln und ab 1909 das schlichte und elegante Tischmodell aus Blech von Zwietusch. Ein Merkmal dieser Apparate war die in der verchromten Gabelmechanik eingebaute Rufglocke. Ab 1917 wurden diese Apparate in Lizenz von Hasler AG und der Firma Protos AG hergestellt. 1925 wurde bei diesen Modellen eine Wählscheibe nachgerüstet, womit sie für den automatischen Wählbetrieb geeignet wurden. Das markante Zwietusch-Mikrotelefon, das später auch in der Schweiz hergestellt wurde, hatte eine auswechselbare Mikrofonkapsel. Der Hörer war fest eingebaut. Dieses Mikrotelefon war bis 1929 bei vielen Stationen der Schweizer Hersteller in Gebrauch.
Ab 1914 beteiligte sich Siemens & Halske im Zuge von Patentstreitigkeiten mit der Western Electric an Zwietusch, unter Vereinbarung eines gegenseitigen Patentaustausches. 1922 wurde das ganze Aktienkapital der Protos Telephonwerke durch S&H übernommen und 1924 in «Telephonwerke Albisrieden AG» umbenannt. Mit dieser Übernahme kam Siemens einem Wunsch der schweizerischen Behörden nach einer Produktionsstätte im Lande entgegen, und um damit nicht zuletzt Arbeitsplätze zu schaffen. Deshalb fiel die Entscheidung, neben der reinen Vertriebstätigkeit auch eine Fertigungsstätte in der Schweiz einzurichten.
1927 erfolgte die Totalübernahme von Zwietusch durch S&H. Fabriziert wurde aber bis in die 50er Jahre teilweise noch unter den bisherigen Firmenbezeichnungen. Das führte dazu, dass S&H Teile in Zwietusch-Geräten (und umgekehrt) verbaut wurden.
Die Konkurrenz unter den Betrieben der auf- kommenden Fernmeldeindustrie war gross. 1930 zählte man allein in Berlin 17 Manufakturen, die fernmeldetechnische Geräte herstellten. Darunter waren bekannte Namen wie Mix & Genest, Deutsche Telephonwerke DeTeWe und C. Lorenz.
Emil Otto Zwietusch war nach dem Verkauf seiner Firma noch für andere fernmeldetechnische Unternehmen in leitender Stellung tätig, zuletzt als Generaldirektor der C. Lorenz AG in Berlin. Er starb 1931 im Altern von 66 Jahren an den Folgen eines Autounfalls.