Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03134.jsonl.gz/53

Hoch geflogen, hart gelandet! Martin Ödegaard ist das Musterbeispiel eines hochgejubelten Youngsters, der auf dem harten Boden der Realität angekommen ist. Der Norweger in Dienst von Real Madrid ist aber längst kein Einzelfall: Selbst die Schweiz ist voll von gescheiterten «Supertalenten».
Von Stäfa zu GC und von GC zu Chelsea: Jonas Elmer legte als Teenager eine Bilderbuch-Karriere hin, seine steile Karriere sorgte in der ganzen Schweiz für Aufsehen. 2005 lief der Linksverteidiger als 17-Jähriger in der Saisonvorbereitung für die «Blues» gegen die AC Milan, die Wycombe Wanderers und Benfica Lissabon auf. Als Jüngster spielte er im Reserveteam dann jeden Match. Und kaum 18 geworden, unterschrieb er in London seinen ersten Profivertrag.
Doch den Sprung in die Premier League schaffte Elmer nicht und so kehrte er 2007 in die Schweiz zurück. Drei Saisons spielte er mit dem FC Aarau in der Super League, 2010 folgte der Wechsel zum FC Sion. Mit den Wallisern wurde er 2011 Cupsieger – und in der Folge fallen gelassen wie eine heisse Kartoffel.
Dann ging es fast nur noch abwärts: Über Bellinzona und Winterthur ging es 2013 mit 25 in die MLS zum Toronto FC, wo sein Vertrag nach drei Einsätzen aufgelöst wurde. Bei Winterthur und Biel spielte er danach nochmals in der Challenge League. Mittlerweile kickt er für den ambitionierten FC Rapperswil-Jona in der Promotion League.
«Eines der hoffnungsvollsten Innenverteidiger-Talente der Schweiz» – so kündete Challenge-Ligist FC Wohlen in diesem Sommer seinen grossen Transfer-Coup an. Die Rede ist von Sead Hajrovic, dem jüngeren Bruder von Izet Hajrovic. «Eines der hoffnungsvollsten Innenverteidiger-Talente der Schweiz» – das war er einmal. 2009 war er im Kader der U17-Weltmeister der Jüngste, kam aber dennoch in sechs von sieben Spielen zum Einsatz.
Kurz nach dem WM-Titel wechselte er als 16-Jähriger aus dem Nachwuchs der Grasshoppers in die Juniorenabteilung von Arsenal. Vier Jahre spielte er auf der britischen Insel, allerdings nie in der Premier League.
2013 kehrte er deshalb zu GC zurück, wo er aber nur zu zwei Super-League-Einsätzen kam. Beim Challenge-League-Klub Winterthur entwickelte er sich danach während zwei Saisons zum Führungsspieler. In diesem Sommer folgte der Wechsel nach Wohlen, wo sich der einstige bosnische U21-Nationalspieler wieder an die Super League herantasten will.
Im Herbst 2006 taucht der 20-jährige Julian Esteban wie ein Lichtblitz am Schweizer Fussball-Himmel auf. Dank 14 Toren in 17 Spielen für den Challenge-Ligist Servette gilt er bald als grösstes Sturmtalent der Schweiz. Ohne je in der Super League gespielt zu haben, folgte im Januar 2007 der Transfer in die französische Ligue 1 zu Rennes, wo er es in zweieinhalb Jahren allerdings nur auf acht Einsätze (1 Tor) brachte.
Immer wieder musste Esteban mit Verletzungen (Kreuzbandriss, Hüftprobleme) kämpfen. 2009 kehrte er zu Servette zurück und stieg mit den Genfern 2011 in die Super League auf. Doch so treffsicher wie zu Beginn seiner Karriere war er nie mehr.
2013 beendete Esteban, der «Junge mit Füssen aus Gold und Knochen aus Glas», seine Karriere im Alter von 26. «Ich habe mir diesen Schritt gut überlegt. Mein Körper macht nicht mehr mit. Seit vier Jahren verletze ich mich, kämpfe mich zurück und verletze mich erneut. Es ist frustrierend, ich kann einfach nicht mehr», erklärte der Stürmer damals.
Aus dem Nichts katapultierte sich Benjamin Siegrist an der U17-WM 2009 zum Helden. Der Keeper wurde beim sensationellen Schweizer Triumph zum besten Goalie des Turniers gewählt. Die Karriere schien vorgezeichnet, denn kurz vor dem Coup wechselte Siegrist von Basel zu Aston Villa. Die Premier League sollte es bald sein.
Der damalige Nati-Goalie Diego Benaglio lobte im «Blick» seinen designierten Nachfolger: «Er bringt von der Körpergrösse her tolle Voraussetzungen für einen Goalie mit. Trotz seiner Länge wirkt er sehr schnell. Er spielt zudem gut mit. Und: Auch bei hohen Bällen kommt er stark raus.»
Doch Siegrist schaffte den Sprung zu den Profis nicht. Verletzungen bremsten ihn, aber bei Aston Villa wurde er bald einmal ausgeliehen zu Noname-Klubs wie Burton Albion, Cambridge United, Solihull Moors oder den Wycombe Wanderers. Seine Bilanz in sieben Jahren England: 16 Einsätze in unteren Ligen. Statt Weltkarriere macht er einige Schritte zurück. Im Sommer wechselte der mittlerweile 24-Jährige nach Vaduz, wo er hinter Peter Jehle Ersatzkeeper ist. Am Wochenende dürfte Siegrist debütieren. Jehle fehlt gelbgesperrt.
Wir bleiben bei den U17-Weltmeistern. Gehen aber ganz nach vorne in den Sturm, dem Reich von Nassim Ben Khalifa. Dieser erzielte an der WM in sieben Partien vier Tore, bereitete drei weitere vor und wurde zum zweitbesten Spieler des Turniers gewählt. GC hatte sich schlauerweise den Rohdiamanten schon 2008 gesichert und ihn aus der Romandie nach Zürich geholt.
Tatsächlich kletterte Ben Khalifa die Karriereleiter erst weiter hoch. In der Saison 2009/2010 traf er für GC in 25 Einsätzen achtmal und gab sieben Assists. Ottmar Hitzfeld berief ihn in die Nati, wo er aber nur zu vier Kurzeinsätzen kam. Der Wechsel nach Wolfsburg kam vielleicht zu früh. Der talentierte Angreifer versauerte in der 2. Mannschaft, dann bei Nürnberg – wo er zu seinem einzigen Bundesliga-Einsatz kam.
Doch die Karriere stockte. Ben Khalifa wurde ausgeliehen: Über YB kam er zurück zu GC, wo er noch einmal mit 11 Toren in 52 Partien erfolgreich war. Doch als ihn die Zürcher wieder fix übernahmen, ging es abwärts. Ein zweites Auslandabenteuer bei Eskisehirspor und Mechelen lief schief. Heute steht der Angreifer ohne Klub da. Die Weltkarriere ist weit, weit weg. Und das mit erst 24 Jahren.
Wir kommen gleich zu noch einem, der eigentliche eine passable Karriere hinlegte, aber von dem man viel mehr erwartet hätte. 2004 wurde er jüngster Torschütze an Europameisterschaften. Mit 18. Die «Schweizer Familie» besuchte den Angreifer danach und nannte ihn «die grosse Hoffnung der Schweizer Fussballnati».
Vonlanthen war da schon beim PSV Eindhoven. Ein idealer Ausbildungsverein. Ronaldo (der Dicke) kam einst über Eindhoven zu einer Weltkarriere, Johann Vogel lancierte seinen Aufstieg in Holland so richtig. Und jetzt also Vonlanthen. Doch der Durchbruch wollte nicht richtig gelingen. Der Stürmer tingelte bis 2010 durch Europa.
Immerhin 40 Nati-Einsätze gab es für das Riesentalent, das einst bei YB viel von Stéphane Chapuisat profitierte. Skandälchen begleiteten ihn immer wieder. Die Ansprüche und die Realität passten einfach nicht zueinander. Dann gab er den Rücktritt bekannt. Seine Religion erlaubte Sonntagsspiele nicht. In einer Sekte sei er gelandet, hiess es. 2011 kam er zurück, bei Itagui Ditaires in Kolumbien, seiner zweiten Heimat.
Doch die zweite Karriere verlief nicht besser. Wohlen, GC, Schaffhausen und Servette waren die Stationen. Bei den Grenats spielte Vonlanthen stark, seit diesem Jahr versucht er mit Wil in die Super League aufzusteigen. «Ich hätte viel geduldiger sein sollen. Ich wollte alles zu schnell. Bis ich mit 25 nach Kolumbien wechselte», wusste Vonlanthen 2016. Zu spät.
Noch ein U17-Weltmeister. In fünf von sieben Spielen lief er damals 2009 in Nigeria auf. Er war ein wichtiger Ergänzungsspieler der Goldjungs. Doch der Defensiv-Akteur verpasste den Schritt zu den Profis, auch Verletzungen warfen ihn zurück. Bei Basel setzte er sich nicht durch und wurde in die zweite Mannschaft abgeschoben.
2013 wechselte Nimeley zum FC Locarno in die Challenge League. Dort kickte er bis 2015. Dann folgte der Wechsel zurück nach Basel zum FC Black Stars (1. Liga). Diese verliess er im Sommer.
Orhan Mustafi wechselte noch als Junior von GC zum FCZ. Mit 18 debütierte er in der Super League. Der schnelle Angreifer setzte sich aber nicht durch und ging zum nächsten Traditionsklub: Basel. Er hätte der Nachfolger von Eren Derdiyok werden sollen. Doch in zwei Jahren kam Mustafi zu zwölf Einsätzen und vier Toren. Die Quote ist gut, die Einsatzzeit schlecht.
Es folgten Ausleihen in der Schweiz, Deutschland und Schottland. Wirklich erfolgreich waren diese für das hoffnungsvolle Talent nirgends. Den Abstecher nach Aarau bezeichnete eines der grossen Schweizer Sturmtalente einmal als «verlorene Zeit». Wohl scheint sich Mustafi erst seit 2014 bei Le Mont zu fühlen. 40 Partien und 13 Tore sind passabel – mehr nicht.
Kresimir Stanic hätte auch ein ganz Grosser werden sollen. Behutsam wurde er an die Profis herangeführt. Alle sahen: Der Junge ist gut. Der damalige FCZ-Trainer Lucien Favre holte ihn aus den Junioren in die erste Mannschaft und urteilte später: «Krec war ein Ausnahmekönner, sein Gespür für das Spiel war fantastisch. Hätte er sich nicht verletzt, wäre er in der Nationalmannschaft eine feste Grösse geworden.»
Doch dann kam die Nacht auf den 17. September 2006: Stanic fuhr mit 1,91 Promille Alkohol im Blut mit überhöhter Geschwindigkeit Auto und verursachte einen Unfall, bei welchem er sich das linke Bein schwer verletzte und im Spital um sein Leben kämpfte. Mit dabei war auch Teamkollege David Da Costa, welcher mit seinem Auto die Flucht ergriff.
Drei Jahre habe er gebraucht, um das zu verarbeiten. Stanic, auf jeden Fall, kam nicht mehr zurück auf den Fussballplatz. Er gilt als Sportinvalide und musste vor Gericht. Stanic arbeitete danach als Juniorentrainer beim FCZ und versuchte sich als Spielerberater. «Ich bin okay, ich bin zufrieden», sagte er 2011 dem «Tages-Anzeiger».
Immerhin: Der Totalschaden von Stanic brachte den damaligen Teamkollegen Almen Abdi auf den richtigen Weg. Ihm wurde deutlich, wie schnell das Glück eines Fussballprofis weg sein kann.
Als «Fussballkrimi ohne Happy End» bezeichnete die Weltwoche den tragischen Fall von Edin Gazic. Von Xamax wechselte er 1999 zurück zu GC. Der Neuenburger Trainer Alain Geiger sagt: «In Neuenburg war er immer zufrieden.» Gazic war ein grosses Talent. Mit 18 traf er in der Nationalliga A, GC zahlte ihm 12'000 Franken im Monat und Experten waren sicher: Der wird einer für die Nati.
Doch es kam ganz anders. Statt mit Toren lieferte er Schlagzeilen mit einer Fahrerflucht und als Zeuge einer Schiesserei unter Ex-Jugoslawen. Ihm wurde Kokainmissbrauch nachgewiesen, GC kündigte im Herbst 1999 den Vertrag fristlos. Aarau und Winterthur wollten das Talent daraufhin nicht verpflichten. Dann wurde es ruhig um Gazic, bis er 2001 tot in einer Wohnung im Zürcher Seefeldquartier gefunden wurde.
Konkurs, Autoschieberei, Drogendeals – die Gerüchte sind endlos. Die Behörden schlossen Mord aus. Von Problemen wusste sein «Fussball-Umfeld» anscheinend, aber alle gaben sich bei der Auflösung des Falles zugeknöpft. GC habe Gazic einfach fallengelassen, sagte Walter Grüter in der «Weltwoche». Der Verein bestritt dies.
Man legte den Fall Gazic als Einzelfall zu den Akten. Dass der Profifussball ihn kaputt gemacht hat, kann oder will niemand sagen.
Servette hatte in den frühen 2000er ein gutes Händchen mit jungen Spielern. Direkt nach Philippe Senderos schien auch für Fabrizio Zambrella der Weg in den europäischen Top-Fussball vorgezeichnet. «Der 17-Jährige erinnert auf dem Rasen stark an Juve-Superstar Alessandro Del Piero», schrieb der «Blick» 2003.
Zambrella wurde mit mehreren Top-Klubs in Verbindung gebracht und absolvierte bei Chelsea gar ein Probetraining. Weil dies aber ohne Servettes Zustimmung geschah, kam es zum Zerwürfnis mit dem Verein inklusive juristischem Nachspiel. Der talentierte Offensivspieler wechselte schliesslich mit einem Fünfjahresvertrag zu Brescia in die Serie A, wo er sich aber nicht nachhaltig durchsetzen konnte – die Karriere war vorbei, bevor sie richtig angefangen hatte.
Brescia stieg umgehend in die Serie B ab, doch Zambrella konnte sich auch dort nicht für eine Weiterverpflichtung aufdrängen. Der FC Sion nahm sich 2009 dem vertragslosen Spieler an, doch auch die Walliser verloren bald den Gefallen am einst umjubelten «Supertalent». Seit 2015 spielt der heute 30-Jährige in der Challenge League für Le Mont, wo er sich zu den Stammkräften zählen darf und vorletzten Samstag sein erstes Pflichtspieltor seit über fünf (!) Jahren erzielt hat.
Jonathan Rossinis Karriere begann verheissungsvoll und steil. 2005, noch im Juniorenalter, wechselte er von Bellinzona zum Serie-A-Verein Sampdoria Genua. Sein Debüt in der höchsten italienischen Liga folgte indes erst 2012.
Vorher kam der Tessiner zu seinem ersten Einsatz in der Schweizer Nationalmannschaft. Ottmar Hitzfeld testete Rossini 2010 in einem Freundschaftsspiel gegen Uruguay (1:3) als Alternative in der Innenverteidigung. Es blieb beim Test: Rossini spielte eine Halbzeit und danach nie wieder für die A-Nati.
Auch wenn der heute 29-Jährige in der Serie A zwischenzeitlich sogar noch Stammspieler wird, tingelt er in Italien weiter von Leihe zu Leihe. Aktuell ist er von Savona an Livorno ausgeliehen, das in die Lega Pro abgestiegen ist, die dritthöchste Liga Italiens.
Der begabte Milos Malenovic wurde bei GC ausgebildet, kam aber in der ersten Mannschaft nur zu einem 16-minütigen Teileinsatz. Man munkelt, dass das mit seinem cholerischen Vater Slobodan Malenovic zu tun hat, der unter anderem Ricardo Cabanas, dem Vater des gleichnamigen GC-Stars, eine Kopfnuss verpasst hat.
Seinen grossen Karriere-Moment erlebte Malenovic Junior mit der U20-Nationalmannschaft, für die er 2005 im Testspiel beim 2:1-Sieg gegen Deutschland beide Tore erzielte. Zu diesem Zeitpunkt spielte der Stürmer bereits bei Wohlen in der Challenge League. In der Super League gelang es ihm in der Folge nicht mehr, Fuss zu fassen, weder bei St.Gallen noch bei Xamax.
Malenovic zog es darum in die zweithöchste Liga Hollands, wo er bei mehreren Vereinen spielte, bis er 2011 seine Schuhe an den Nagel hängte. Seither amtet er als Spielerberater und das mit achtlichem Erfolg. Zu seinem Portfolio gehören unter anderem Spieler wie Munas Dabbur, Shani Tarashaj, Moritz Bauer, Steven Zuber oder die Gebrüder Schneuwly.
Die Ostschweizer Zwillinge mit spanischen Wurzeln galten 2005 als kommende Superstars. Die Agenten standen Schlange, um sie an einen europäischen Grossklub zu vermitteln. 2006 wechselten sie als 17-Jährige in die Jugendabteilung von Aston Villa, wo sie sich allerdings nicht durchsetzen konnten.
Zwei Jahre später kehrten beide wieder in die Schweiz zurück: Damian heuerte beim FC Vaduz an und brachte es auf 31 Super-League-Einsätze, Bruder Yago versuchte sich ohne Erfolg beim FC St.Gallen und landete schliesslich beim FC Wil. Mittlerweile spielt Damian in Thailand, Yago ist zurückgetreten.