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Nachdem sie sich im Flugzeug kennengelernt haben, hat das Ehepaar Huschka fast auf der ganzen Welt gelebt. Gelandet sind sie in Giffers. Zum Valentinstag erzählen sie, weshalb ihre internationale Beziehung so stark ist.
Er ist Deutscher, sie Japanerin. Dass das passt, wussten Jörg Huschka und Seiko Hirakawa Huschka sofort. Das Ehepaar lebt mit seinen drei Töchtern in Giffers. Dort ist die Familie angekommen nach rund 15 Jahren in Deutschland, Russland, England und Japan.
Zum Anfang ihrer Geschichte: «Ich habe ihn kennengelernt», beginnt Seiko Hirakawa Huschka. «Nein, ich habe sie kennengelernt», fällt ihr Mann ihr lachend ins Wort. Also zum Anfang ihrer zwei Geschichten: Seiko Hirakawa Huschka war Übersetzerin einer amerikanischen Fluggesellschaft. Sie flog zwischen Asien und den USA hin und her. «Oft war ich eine Übersetzerin der Kulturen», sagt sie. Auf einem Flug von Tokyo nach Seattle fiel ihr ein grossgewachsener Passagier auf. «Er war so schön», schwärmt sie. «Aber er schlief fast den ganzen Flug.»
Der «grosse, schöne Mann» hatte den Schlaf bitter nötig. Er war geschäftlich unterwegs mit einem «Around-the-World-Ticket». Der Deutsche lebte damals in den USA. «Eigentlich wollte ich mich ausruhen, aber dann habe ich sie gesehen», sagt Jörg Huschka. Ihm ging sofort durch den Kopf:
Wer diese Frau heiraten darf, ist ein glücklicher Mann.
Kurz vor der Landung bat er sie kurzerhand um Hilfe beim Ausfüllen der Einreisepapiere.
Neun Jahre habe Seiko Hirakawa Huschka alle begrüsst, die das Flugzeug betraten. «Bei ihm war mir klar: Das ist er.» Sie brach ihre Prinzipien und gab ihm ihre E-Mail-Adresse. Aus den E-Mails wurden Telefonate und daraus das erste Treffen: in der Mitte, in der Schweiz.
Mit dem Mietwagen hat er sie in Mailand abgeholt. Auf dem Weg nach Zermatt erzählte sie von japanischem Aberglauben. «Da dachte ich mir: Auf was für ein Abenteuer habe ich mich da eingelassen?», sagt Jörg Huschka und greift sich lachend an die Stirn.
Von Deutschland nach Russland
Nun begann ein internationales Abenteuer. Vor 16 Jahren kam in Tokyo ihre erste Tochter zur Welt. Die heute 14-jährige und die 12-jährige Tochter folgten in Deutschland. Der Vater arbeitet für einen international tätigen Lebensmittelkonzern. Er folgte Projekten auf der ganzen Welt und seine Familie folgte ihm. So zogen sie nach vier Jahren von Deutschland nach Russland.
Um sich zu verständigen, lernte Seiko Hirakawa Huschka Russisch. Mit den Kindern spricht sie Japanisch und er Deutsch. Das Gespräch bei ihnen im Wohnzimmer findet auf Englisch und Deutsch statt – die Sprachen, die das Ehepaar im Alltag benutzt.
Eingeschult in England
Nach zwei Jahren in Russland packten sie wieder die Koffer. Nach einem achtmonatigen Aufenthalt in der Schweiz zogen sie nach England. Dort kamen die Kinder in die lokale Schule. Um die Töchter dreht sich das Leben der beiden. Dem Ehepaar ist bewusst, dass ihr Nomadenleben besonders für die Kinder schwierig sein kann. «Man sagt, es brauche ein ganzes Dorf, um ein Kind grosszuziehen. Das Dorf hatten wir nicht», so der Vater. Zwischendurch die Grosseltern oder Freunde um Hilfe zu bitten, ging nicht. Jörg Huschka sagt:
Wir sind als Familie wie eine Eisscholle, die oft entfernt von den Erdpolen einsam umhertreibt.
Umso wichtiger ist die Verbundenheit untereinander. Den Eltern war und ist es wichtig, dass sie den Kindern Stabilität geben. Egal, was ist, Mama ist zu Hause. Seiko Hirakawa Huschka hält ihrem Mann den Rücken frei. Sie lebten ein konservatives Rollenbild, sagt sie. Die Aufgabenteilung gibt ihrer Beziehung aber Struktur und stärkt sie. Für die beiden ist es unvorstellbar, sich wie manch anderes Ehepaar zu trennen. «Diese Überlegung möchte ich mir nicht einmal machen», sagt Jörg Huschka und verzieht die Mundwinkel, als würde ihm bereits dieser Satz Schmerzen bereiten.
Das Band zwischen den beiden ist spürbar eng. «Ich würde dich jederzeit wieder heiraten», sagt Jörg Huschka unverblümt zu seiner Frau. Sie schliesst die Augen, lächelt und nickt. «I love you», flüstern sie sich zu – am Valentinstag darf das auch geschrieben stehen.
Das Leben auspacken, einrichten und wieder einpacken – das ist aufwendig. «Wir haben keine Zeit zu streiten», sagt Seiko Hirakawa Huschka. Natürlich sei sie mal wütend, sagt sie und ballt die Fäuste – «Schattenboxen» nennt es ihr Mann – kurze Zeit später sei die Wut aber verflogen. Das Ehepaar nimmt sich lieber Zeit für ein klärendes Gespräch.
Japanische Kultur kennenlernen
Nach drei Jahren in England kam das Angebot, nach Japan zu ziehen. «Wir haben nicht lange überlegt, es war die Möglichkeit, unseren Kindern die Kultur ihrer anderen Identität zu zeigen.» Ihre Töchter hätten sonst wahrscheinlich nie die Chance gehabt, im Land ihrer beiden Nationalitäten, Deutschland und Japan, leben zu können. Es sei doch wichtig zu wissen, wo man die Wurzeln hat, sagt der Vater – zumindest die der Eltern. Er musste in Japan über zwei Stunden entfernt von ihrem Zuhause arbeiten. Unter der Woche lebte er nicht mit der Familie.
Für Jörg Huschka war die Arbeitswelt in Japan neu. Beispielsweise sei es angesehen, am Freitag nach Dienstschluss mit Mitarbeitenden zu trinken. Dabei auch mal betrunken zu sein, bedeute, dass man zu seinem Gegenüber aufrichtig ist und nichts verbirgt. Er schüttelt den Kopf darüber. «Aber ein Bier zu trinken, verbindet doch in jeder Sprache.» So habe er auch seinen Schwiegervater von sich überzeugen können.
Jörg Huschka schweift ab zum ersten Treffen mit den Schwiegereltern. «Da musste ich schon beweisen, was für einer ich bin», sagt er. In Japan sitzt man im Schneidersitz an niederen Tischen. «Ich kann meine Beine aber nicht anwinkeln», sagt er und lacht. Also streckte er sie unter dem Tischchen durch und seine Füsse schauten auf der Seite seines Schwiegervaters hervor. Unangenehm. Seine Frau lacht ob der Anekdote und greift sich mit den Händen vors Gesicht. Fremden Kulturen begegnen die zwei mit Neugier und Humor.
Zu Hause in Giffers
So auch beim Umzug in die Schweiz 2018. Das erste Mal in Giffers waren sie, als sie sich nach Häusern umsahen. Die grosse Bratwurst vor der Metzgerei Götschmann weckte ihren Hunger und war zugleich kurios. «Einzigartig, ich habe so was noch nie gesehen», sagt Seiko Hirakawa Huschka. Erst nachdem sie in ihr Haus eingezogen waren, realisierten sie, dass sie im Dorf mit der grossen Bratwurst wohnten.
Für die Huschkas war klar: Sie wollten sich niederlassen. Er ist 59 und sie 49 Jahre alt, bald ist auch die jüngste Tochter ein Teenager. Sie haben entschieden: «Keine Projekte mehr». Er arbeitet im Waadtland, doch wegen den Kindern wollten sie im deutschsprachigen Raum wohnen. Im Sensebezirk fühlen sie sich wohl. «Nur aus Gewohnheit behalten wir uns ein Hintertürchen offen», sagt Jörg Huschka und spreizt Daumen und Zeigefinger etwa drei Zentimeter auseinander. Wenn das Türchen so klein ist, ist die Familie wohl angekommen.