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Diagnose Zwang
Im Laufe des Lebens leidet etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung unter einer Zwangsstörung. D.h. in der Schweiz sind ca. 100.000 bis 200.000 Menschen betroffen. ‚„Die Zwangsstörung ist eine psychische Erkrankung, die Männer und Frauen etwa gleich häufig betrifft. Der Beginn der Erkrankung liegt meistens in der Kindheit oder im jungen Erwachsenenalter, ist aber grundsätzlich in jedem Alter möglich. Insgesamt erkranken etwa 95 % der Betroffenen vor dem 40sten Lebensalter. Die Mehrzahl der Zwangsstörungen nimmt unbehandelt einen chronischen Verlauf’. Umso wichtiger sind das frühzeitige Erkennen der Symptome und die richtige diagnostische Einschätzung.
Weltweite Klassifikation
International gibt es 2 Klassifikationssysteme, anhand deren Kriterien das Vorliegen einer psychischen Erkrankung beurteilt werden kann. Dazu gehört die aktuelle Version (10.) der International Classification of Diseases der WHO, die im Kapitel F psychische Erkrankungen beschreibt (ICD-10). Ein weiteres, hauptsächlich im angelsächsischen Sprachraum gebräuchliches Instrument ist das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der amerikanischen psychiatrischen Gesellschaft (APA), das aktuell in der 5. Version neu überarbeitet wurde (DSM-V)V
Diagnostische Leitlinien nach ICD-10 (WHO 2006)
Die ICD-10 beschreibt wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen als wesentliches Kennzeichen von Zwangsstörungen. Dabei können Zwangsgedanken (ICD-10 F42.0) oder Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1) im Vordergrund der Symptomatik stehen bzw. Zwangshandlungen und Zwangsgedanken gemischt auftreten (ICD-10 F42.2). Tabelle 1 gibt die Diagnosekriterien der ICD-10 für die Zwangsstörung wider.
Zwangshandlungen nach ICD-10 (WHO 2006)
„Zwangshandlungen oder -rituale sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Die betroffene Person erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihr Schaden bringen, oder bei dem sie selbst Unheil anrichten könnte.’ Dieses Verhalten wird als ineffektiv und sinnlos erkannt und die Patienten versuchen sich dagegen zu wehren, was jedoch nur kurzfristig gelingt und oft mit einem Anstieg unangenehmer Gefühle (z.B. Angst, Ekel, Unsicherheit) verbunden ist.
Zwangsgedanken nach ICD-10 (WHO 2006)
„Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Betroffenen immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, die betroffene Person versucht häufig erfolglos Widerstand zu leisten.“ Die Gedanken selber werden als zur eigenen Person gehörig erkannt (z.B. im Gegensatz zu schizophrenen Störungen), auch wenn sie als abstossend oder unsinnig wahrgenommen werden. Oft besteht eine Gedanken-Handlungsfusion, d.h. die Betroffenen gehen davon aus, dass, weil sie etwas Bestimmtes denken (z.B. der Gedanken das eigene Kind mit einem Messer zu verletzten), die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dies auch tatsächlich zu tun.