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Mi, 25. Mai 2022, Ralf Hersel
Passend zu unserer letzten Umfrage zu den Terminal-Dateimanagern, habe ich wieder ein wenig Nostalgie aus den Anfängen des Personal Computings ausgegraben. Es war in den glorreichen 80er-Jahren als die Glaubenskriege um MS-Word versus WordPerfect, Vi versus Emacs und Norton Commander versus Xtree tobten. Entweder mochte man die eine oder die andere Anwendung; es gab kaum Wechselwähler; man stand zu seiner Anwendung.
Ich war damals WordPerfect- und Xtree-Fan; mit Vi oder Emacs hatte ich in jenen Jahren noch nichts am Hut. Damit stand ich früher und heute auf der Verliererseite, da sich Word und die Norton Commander-Derivate einer grösseren Beliebtheit erfreuten.
Vermutlich verwendet heute niemand mehr ein Xtree-Derivat, ganz im Gegensatz zu den Midnight Commander Freunden. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Dateimanagern bestand in der primären Ansicht. Während Xtree die Baum-Darstellung in den Vordergrund rückte, lag beim NC das doppelte Datei-Panel im Fokus. Beide Programme beherrschten auch die jeweils andere Präsentation, falls ich mich recht erinnere. Wie so oft ging es auch damals um die kleinen und feinen Unterschiede.
Zwar wurden beide Anwendungen für MS-DOS entwickelt; heute gibt es jedoch Adaptionen für das Linux-Terminal. Bei Norton Commander zählt man auf den Midnight Commander (mc). Auch für XTree gibt es moderne Adaptionen, wie zum Beispiel Ytree oder UnixTree. Ytree gibt es im AUR, während man für UnixTree deb und rpm Pakete findet. Wer Ytree ausprobieren möchte, findet auf der UnixTree-Seite eine Bedienungsanleitung. Der mc ist bei vielen Distributionen bereits vorinstalliert; ansonsten ist der Dateimanager in jeder Paketverwaltung vorhanden. Seine Bedienung ist intuitiver, sodass man keine Anleitung benötigt.
Diesen Oldtimern stehen heute schnelle und mächtige Alternativen gegenüber. Zu erwähnen sind hier die Anwendungen Ranger und NNN. Letzteren haben wir bereits in diesem Artikel beschrieben. Ranger bietet eine dreispaltige Ansicht, wobei man immer in der mittleren Spalte navigiert.
Links steht der höhere Level in der Verzeichnishierarchie; rechts der niedrigere Level. Im Beispiel sind dies (von links nach rechts) Verzeichnisse, Dateien im gewählten Verzeichnis, Inhalt der Datei (Bild)). Drückt man das Fragezeichen, lassen sich die Tastenbelegungen (k) anzeigen. Wer den Editor Vi beherrscht, wird sich hier zu Hause fühlen. NNN bietet zwar nicht die schöne Ncurses-Darstellung wie Ranger, dafür finde ich die Kommandos für die Bedienung einfacher. Auch hier erhält man mit ? eine Hilfestellung.
Neben den hier vorgestellten Terminal-Dateimanagern gibt es noch viele weitere. Das Ausprobieren lohnt sich, um das optimale Werkzeug für sich zu finden.
Quellen: