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Geschichte des indonesischen Kaffeeanbaus
Auch der Anbau der ersten Kaffeepflanzen in Indonesien geht zurück auf die Kolonialzeit. Ganz genau handelte es sich um eine Schenkung mehrerer Kaffeepflanzen vom niederländischen Gouverneur in Malabar, Indien, an den Gouverneur von Batavia, dem heutigen Jakarta. Auch wenn diese Pflanzen aufgrund einer Überschwemmung nicht lange überlebten, startete man wenige Jahre später einen neuen Anbauversuch ebenfalls mit Pflanzen aus Indien, der schließlich glückte. Ab 1712 gab es bereits die ersten Ernten und Verkäufe nach Amsterdam.
Pflanzte die Niederländische Ostindien-Kompanie die ersten Arabica-Pflanzen zunächst rund um Jakarta, breiteten sich die Plantagen schnell auf dem Rest der Insel Java und den übrigen Inseln, vor allem Sulawesi und Sumatra, aus, ab Mitte des 17. Jahrhunderts auch auf Bali und in Ost-Timor.
Das Ziel des Kaffeeanbaus in Indonesien war damals einzig das arabische Monopol im Kaffeehandel zu durchbrechen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Java zum Hauptkaffeelieferant für das alte Europa und zum größten Kaffeeanbaugebiet außerhalb Arabiens und Äthiopiens. Nicht selten wurde Arabica-Kaffee ab dann nach seinem Ursprung benannt: Java-Kaffee.
Als 1877 die meisten Arabica-Pflanzen vom Kaffeerost, einer Pilzerkrankung, die für massive Ernteausfälle sorgt, befallen wurde, ersetzte man die Pflanzen durch die gegen derlei Krankheiten resistentere Sorte Robusta.
Kaffeeanbau und –ernte in Indonesien
Indonesien ist der weltweit größte Inselstaat mit 17.508 Inseln und der viertbevölkerungsreichste Staat der Welt. Die meisten der 264 Millionen Einwohner leben auf der Hauptinsel Java.
Da sich die Inseln über mehrere Längen- und Breitengrade erstrecken, zählt ein Teil davon zum asiatischen, der andere zum australischen Kontinent. Die Flora und Fauna ist entsprechend geprägt von diesen Kontinenten. Auch das Klima unterscheidet sich je nach Standort. Auf den Inseln Sumatra, Sulawesi und Borneo findet man zumeist ein immerfeuchtes Tropenklima mit 95% Luftfeuchtigkeit vor, auf der Hauptinsel Java bestimmt der Monsun das Klima. Indonesien weist das größte Regenwaldgebiet der Welt vor, gute Voraussetzungen für den Kaffeeanbau also.
Die meisten Anbaugebiete für Kaffee befinden sich dabei auf der Hauptinsel, besonders rund um Jakarta im Westen und auf dem Ijen Plateau im Osten auf 1.400 Metern Höhe. Hauptsächlich wird in Indonesien Robusta angebaut und ist nach Vietnam sogar der größte Exporteur dieser Bohnensorte. Lediglich 10% der Kaffeeproduktion sind Arabica-Bohnen.
Geerntet wird hauptsächlich zwischen Mai und August, in den meisten Teilen des Inselstaates per Hand. Die Aufbereitung der Kaffeebohnen unterscheidet sich von den Aufbereitungsarten für Kaffee in anderen Ländern und wird im einheimischen Sprachgebrauch Giling Basah, wet hulling, genannt, das man grob als nasses Mahlen übersetzen kann.
Beim Giling Basah werden die reifen Kaffeekirschen zunächst vom Fruchtfleisch befreit und anschließend bei einer Mischung aus Fermentation und Trocknen in mehreren Schritten weiterverarbeitet. In bis zu drei Trocknungsvorgängen verliert de Bohne mehr und mehr an Feuchtigkeit und nimmt die für indonesische Kaffeebohnen typische bläulich-grüne Farbe an. Der komplette Vorgang des Giling Basah soll die Säure reduzieren und der Bohne mehr Körper verleihen.
Wie schmeckt indonesischer Kaffee?
Durch die besondere Aufbereitung der Kaffeebohnen zeichnet sich indonesischer Kaffee durch einen starken Körper und eine betonte Süße aus. Durch die unterschiedlichen klimatischen Voraussetzungen auf den Inseln weisen Kaffees von der Hauptinsel Java erdig-würzige oder sogar kräuterartige Noten auf, Kaffees von der Insel Sumatra dagegen Noten von Kakao, Rauch, Tabak oder sogar Zedernholz. Besonders Kaffeebohnen von der Insel Sumatra sind bekannt für ihre geringe Säure.
Oft gilt indonesischer Kaffee daher als geschmackliches Kontrastprogramm zu Kaffees aus Lateinamerika wie beispielsweise aus Brasilien oder Kolumbien.
Aufgrund ihrer Tiefe, Nachhaltigkeit und des vollen Körpers, werden Kaffees aus Indonesien vielfach in Mischungen verwendet.
Kaffeespezialitäten aus Indonesien: Kopi Luwak und Co.
Ein nicht unerheblicher Teil der Kaffeeproduktion in Indonesien macht Kopi Luwak aus, die im Darm einer Schleichkatze bzw. dem Fleckenmusang fermentierte und weltweit umstrittene Kaffeespezialität.
Kopi Luwak gilt als die teuerste - teilweise zahlt man auf dem Weltmarkt bis zu 1.000 $ pro Kilo -, und gleichzeitig als die beste Kaffeesorte, da sie als besonders mild und sanft charakterisiert wird. Durch die Fermentation im Verdauungstrakt des Tieres sollen die Bitterstoffe in der Kaffeebohne reduziert werden.
Inzwischen sollte aber auch jedem Nicht-Kaffeekenner bekannt sein, dass viele der Schleichkatzen in viel zu kleinen Käfigen gehalten und mit den Kaffeekirschen zwangsgefüttert werden. Beides ist Tierquälerei, und sollte Ihnen ein derartiger Kaffee angeboten werden, lehnen Sie diesen bitte dankend ab. Denn oft ist es nicht mal ‚echter’ Kopi Luwak, den Sie angeboten bekommen, sondern minderwertiger Robusta-Kaffee, der anstelle der Rarität verkauft wird.
Inzwischen gibt es allerdings Initiativen, wie zum Beispiel auf Bali, Kopi Luwak von frei bzw. wild lebenden Tieren zu gewinnen, die in den Kaffeeplantagen leben, nur die reifsten Kaffeekirschen zu sich nehmen und ihre Häufchen für die ‚Ernte’ unter den Bäumen ablegen.
Eine weitere Spezialität ist der sogenannte indonesische Lagerhaus-Kaffee oder auch Old Java genannt. Der Transport auf den Segelschiffen verlieh dem Kaffee entsprechende Noten von Meersalz und dem Holz der Schiffe. Die heutige Produktion und Lagerung in eigens dafür konzipierten Lagerhäusern dieses Kaffee empfindet diesen Geschmack nach.
Traditionell wird Kaffee in Indonesien, kopi auf Indonesisch, mit sehr fein gemahlenem Kaffeepulver und viel Zucker (kopi tubruk), ähnlich wie türkischer Kaffee zubereitet. Daneben gibt es verschiedene Variationen, zum Beispiel mit gesüßter Kondensmilch (kopi susu) anstelle von Zucker oder unter Zugabe von Ingwer und Gewürzen (kopi jahe).