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Turbokühe und Riesenschweine
Eines der erklärten Ziele der landwirtschaftlichen Produktion ist, den Ertrag zu steigern. Genmanipuliertes Mastvieh, mit zusätzlichen Genen für die Produktion von Wachstumshormonen ausgestattet, soll noch mehr Fleisch produzieren, um den Profit anzukurbeln. Doch die Versuche in diese Richtung waren bisher weniger erfolgreich als erhofft. Die genmanipulierten Schweine waren teilweise zwar etwas grösser als ihre natürlichen Artgenossen, allerdings auch deutlich anfälliger auf Krankheiten: Sie litten unter Magengeschwüren, Gelenkentzündungen und Herzerkrankungen.
Die Genmanipulation soll auch dazu beitragen, die Resistenz von Nutztieren gegen Krankheiten zu verbessern oder die Eigenschaften von Milch und Fleisch zu optimieren: Ein höherer Eiweissgehalt in der Milch brächte beispielsweise eine gesteigerte Käseausbeute pro Liter Milch.
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Auch in genmainpulierte Nutzfische werden grosse Hoffnungen gesetzt. In den USA wurden 2015 sogenannte Turbolachse für den Import zugelassen, die deutlich schneller wachsen als ihre normalen Verwandten.
Seit 2017 wurden diese Tiere erstmals in Kanada produziert und verkauft. Die Corona-Pandemie verzögerte die Produktion in den USA, 2021 konnte dort die erste «Lachsernte» eingefahren werden. Die Fische sollen nun im Mittleren Westen in Supermärkten und an Restaurants verkauft werden. In Europa bleiben diese Lachse weiterhin verboten.
Bei der Manipulation von Fischen ergibt sich ein weiteres Problem: Immer wieder gelangen Zuchtfische in die Freiheit. Vermischen sich die Gene natürlicher Lachse mit denen genmanipulierter Lachse, so sind die Folgen für den natürlichen Fischbestand nicht absehbar.
Klonen
Bei der identischen Vervielfältigung von Nutztieren steht immer auch ein kommerzielles Interesse im Vordergrund. Denn ist es gelungen, ein genmanipuliertes Tier zu kreieren, das eine der gewünschten Eigenschaften besitzt, so will man das Tier und damit den Gewinn natürlich vervielfältigen. Die artfremde Eigenschaft soll dabei erhalten bleiben – das Rezept hierzu heisst Klonen. Rinder, Schweine oder Pferde – kaum eine Nutztierart, bei der das Klonen noch nicht versucht wurde. Die Resultate der Klonversuche lassen allerdings zu wünschen übrig. In den seltensten Fällen gelingt es, lebende Tiere zu erzeugen. Und kommen die Tiere tatsächlich lebend zur Welt, so meist mit erheblichen gesundheitlichen Schäden: übergrosse Kälber, Lämmer mit inneren Missbildungen, Zicklein mit Nieren- und Atemproblemen. Die Tiere werden häufig nur wenige Tage alt und falls sie die ersten Tage überleben, haben sie trotzdem nur eine geringe Lebenserwartung.
Gene pharming
Genmanipulierte Kühe, Ziegen und Schafe als Bioreaktoren, die kostengünstig therapeutisch oder industriell nutzbare Wirkstoffe produzieren – auch das ist ein Traum von Pharmakonzernen, der bereits Wirklichkeit geworden ist. Unter «Gene Pharming» versteht man ein Verfahren, mit dem wirtschaftlich interessante Eiweisse, etwa Blutgerinnungsfaktoren, im tierischen Organismus produziert werden. Die Eiweisse sollen von genmanipulierten Säugetieren in der Milchdrüse produziert und mit der Milch ausgeschieden werden. Auch in anderen Körperflüssigkeiten wie etwa im Blut oder im Urin ist die Herstellung artfremder Proteine möglich.
Seit 2008 ist das erste Medikament auf dem europäischen Markt, das mit Hilfe transgener Tiere erzeugt wurde: Antithrombin. Es handelt sich hierbei um einen Gerinnungshemmer, der aus der Milch gentechnisch veränderter Ziegen isoliert wird. Bis heute (2022) sind nur wenige weitere Wirkstoffe hinzugekommen, die mittels Gene Pharming in Tieren hergestellt werden.
Gene editing
Die Erfindung der «Genschere» CRISPR/Cas9 hat auch im Nutztierbereich einen Boom ausgelöst. Die Forschung hat dabei vor allem Schweine und Rinder, aber auch Geflügel im Auge: Mit angeblich einfacher, schneller Technologie sollen Tiere so verändert werden, dass der Fleischertrag höher ausfällt. Um dies zu erreichen, wird meist ein Gen ausgeschaltet, das natürlicherweise das Muskelwachstum hemmt. Diese Manipulation macht die Tiere oftmals krank.