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Ich bin ja eigentlich friedliebend. Doch Taxifahrer bringen mich immer wieder an den Rand. Ich war gestern auf dem Weg zum Flughafen. Früh dran, guter Laune. Mit der Metro fuhr ich zur Endstation, stellte mich da in die Schlange, um auf die im Prinzip zahlreichen Minibusse zu warten, die zum Flughafen fahren. Natürlich kam keiner. Eine Viertelstunde nicht, auch nach einer halben Stunde war noch keins da. Die ganze Zeit schlich ein Typ rum: «Taxi, Taxi». So wie die meisten Taxifahrer in Moskau hatte auch er keine Lizenz. Viele fahren schwarz und sichern so ihr Überleben. Er schien hochzufrieden, dass kein Minibus kam. Denn er wusste ganz genau, dass früher oder später einer in der Schlange die Nerven verlieren würde. Er hatte recht. Nach fünfundvierzig Minuten war es bei mir so weit. «Dreihundert Rubel», sagte er, «wenn Sie alleine fahren. Und sonst einfach geteilt durch die Anzahl der Passagiere». Ich hatte den Nervenkrieg verloren und schlug ein. Zwanzig Franken, das ist ein stolzer Preis, aber ein neues Flugticket ist noch viel teurer. Gerade als ich die Tür vom klapprigen weissen Wolga zuschlagen wollte, kamen noch zwei Leute angerannt, die mitwollten. Wir fuhren los. Der Taxifahrer wollte das Geld sofort. Die beiden Mitfahrer streckten ihm hundert Rubel zu. Ich auch. «Dreihundert!», sagte der Taxifahrer und blickte mich über den Rückspiegel triumphierend an. «Dreihundert für alle, hatten Sie gesagt. Die andern haben schon je hundert gezahlt. Also zahl ich auch hundert!», gab ich zur Antwort. «Im Prinzip schon», sagte der Typ mit einem breiten Grinsen. «Aber wir haben die dreihundert abgemacht, bevor die andern beiden zugestiegen sind. Ich muss meine Russischlehrerin endlich dazu bringen, mir unanständige Wörter beizubringen. Die Russen haben für diese Situation ein Vocabulaire, mit dem man eine ganze Bibliothek füllen könnte. Aber Alla, meine Russisch-Lehrerin, weigert sich beharrlich, mir diese Wörter beizubringen. «Das ist nichts für Frauen», sagt sie. Sie hat gut reden! Russische Frauen werden auch nicht so beschissen! So schimpfte ich auf Schweizerdeutsch. Das zeigte Wirkung. Aber nicht so, wie ich gedacht hatte. Mittlerweile waren wir in Chimki, einem dieser wunderschönen Vororte Moskaus, wo die Häuser so lang und so hoch sind, dass man den Himmel nicht mehr sehen kann. Der Fahrer hielt vor einem dieser Klötze und sagte: «Bitte schön, Du kannst jederzeit aussteigen!» Mir kam nicht einmal mehr ein schweizerdeutsches Wort in den Sinn. Dafür sah ich ganz deutlich einen Damenrevolver vor mir. Und später, als ich am Flughafen die Tür des Taxis so fest wie möglich zuschlug, dachte ich mir, dass es in Russland im Gegensatz zu den USA deshalb so wenig wild um sich schiessende Leute gibt, weil ihr Wortschatz so reich ist. Denn Grund zum Ausrasten gibt es in Russland alleweil.