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| Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)

Zweites Buch [337—361]
26. Die zweite Synode von Nizäa1
Auf ihren Bericht hin schrieb Konstantius an die Antiochener, daß er dem Eudoxius den Vorsitz jener Kirche nicht übertragen habe — solches hatte dieser nämlich ausgesprengt —, und befahl, daß Eudoxius aus der Stadt vertrieben und für seine Missetaten zu Nizäa in Bithynien bestraft werden solle. Hier sollte nämlich nach Anordnung des Kaisers eine Synode zusammentreten. Daß gerade Nizäa für die Synode gewählt wurde, dieses hatte Eudoxius selbst bei den mit der Führung [S. 152] der kaiserlichen Geschäfte betrauten Ratgebern des Kaisers durchgesetzt. Jedoch der Lenker aller Dinge, der das Zukünftige kennt, wie wenn es schon geschehen wäre, verhinderte die Synode durch ein plötzliches Erdbeben. Dieses Erdbeben zerstörte den größten Teil der Stadt und tötete die meisten Bewohner. Angesichts dieses Ereignisses und von großer Furcht ergriffen, kehrten die bereits eingetroffenen Bischöfe wieder zu ihren Kirchen zurück. Es war dies, wie ich glaube, eine Fügung der göttlichen Weisheit. Da nämlich in jener Stadt von den heiligen Vätern das Bekenntnis des apostolischen Glaubens verfaßt worden war, während diejenigen, die jetzt dort zusammenkamen, das Gegenteil davon aufstellen wollten, so hätte die Gleichheit des Namens den Anhängern des Arius die Möglichkeit zur Täuschung geboten. Sie wollten die Einfältigen hintergehen, indem sie auch dieses Bekenntnis nach Nizäa benennen und für jenes alte ausgeben wollten. Deshalb vereitelte derjenige, der für die Kirche sorgt, das Zustandekommen der Synode.
1: Theodoret berichtet hier ungenau. Sozomenus, der hierüber wohl besser unterrichtet ist, erzählt (HE IV, 12, Migne 67, 1153—60), daß der Kaiser zuerst Nizäa in Aussicht nahm, daß diese Stadt aber dem Basilius von Ancyra und seinen Parteigenossen wegen der Erinnerung an die dort stattgefundene erste allgemeine Synode nicht zusagte. Es sollte die Synode deshalb in Nikomedien gehalten werden. Allein diese Stadt wurde am 24. August 358 durch ein Erdbeben vollständig zerstört. Nun riet Basilius selbst zu Nizäa, der Kaiser ging auch auf den Vorschlag ein, kam aber bald wieder davon ab, da wie die ganze Gegend so auch Nizäa unter dem Erdbeben gelitten hatte, und überließ es den Bischöfen, den Ort ihrer Zusammenkunft selbst zu bestimmen. Da eine Einigung nicht zustande kam, reiste Basilius nach Sirmium, wo der Kaiser sich damals aufhielt. Inzwischen hatten aber die dort weilenden Hofbischöfe den Kaiser bereits für eine Doppelsynode und für Seleucia in Isaurien als Versammlungsort der Bischöfe des Morgenlandes gewonnen. Weiteres s. oben II, 18 S. 134 A. 1.