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«The Song of Mary Blane» heisst ein grossformatiges Bild, das der Solothurner Frank Buchser 1869 in Charlottesville, USA, gemalt hatte. Bald nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges. Manch einem mag die Buchser-Biografie, welche Dokumentarfilmer Bruno Moll jetzt auf die Leinwand bringt, auf überraschende Weise bekannt vorkommen.
Die Kamera schwenkt über eine sepiafarbene, verfleckte Fotografie. Zu sehen ist ein Brocken von einem Mann, mit dichtem schwarzem Bart, gezwirbeltem Schnauz, Hut, Rock mit goldener Uhrkette und einer Zigarre in der Hand, über dem eleganten Gehstock. Der Revolver ist nicht zu sehen, aber man denkt sofort an eine Westernfigur.
«Frank Buchser, mein Name. Früher: Franz. Geboren 1828. Ledig. Gelernter Klavierbauer und Kunstmaler», so stellt sich der Mann gleich selber vor – über seine Tagebucheinträge, gelesen von Yves Räber.
Dazu sieht man eine Hand mit Feder, in elegantem Schwung über grobes Papier geführt.
Aus der Schweiz kommt er, dieser Frank Buchser. Aber es zieht ihn in die Welt hinaus, als Abenteurer, als Maler: «Ja, ich habe viel gesehen, viel erlebt. Manche mochten mich. Andere nannten mich einen Gernegross.»
Bruno Moll kombiniert für seinen Film Ölbilder und Skizzen von Frank Buchser mit heutigen Filmaufnahmen von den Orten, die der Mann bereist hat. Etwa die für Christen verbotene marokkanische Stadt Fez, in die sich Buchser 1858, angeblich als Scheich verkleidet, hineingeschmuggelt haben will.
Wenn Moll das gemalte Tor in seine aktuelle Filmaufnahme einpasst, kommt man zum Schluss: Buchser war wohl wirklich da.
Tagebucheintrag vom 23. August 1858: «Im Morgengrauen wurde ich von Hamid geweckt. Meine Toilette war bald vollendet, mein Araberhengst war bald gesattelt und der heilige Sheriff war bald im Sattel»
Solche Sätze erinnern nicht von ungefähr an Karl May. Dabei war Buchser dem deutschen Schriftsteller mindestens 20 Jahre voraus. Auch als er 1866 im Auftrag eines Bundesrates in den USA die siegreichen Helden des Bürgerkrieges porträtieren sollte… und neben Generälen unbedingt auch Indianer malen wollte.
Leider werden seine romantischen Vorstellungen enttäuscht; er findet statt der stolzen Krieger vornehmlich elend verarmte Reservationsbewohner: «Es ist zum verzweifeln. Ich will weder eine Idylle malen, noch ihre desolate Situation darstellen.»
In den durch den Bürgerkrieg befreiten schwarzen Sklaven findet Buchser dann ein passendes Anschluss-Motiv. Er malt die «Neger», wie er sie nennt, sehr zum Missfallen des US-Kunstmarktes. Gezielt als sein Meisterwerk malt Buchser die «Mary Blane» des Folk-Songs, die schwarze Schönheit, von Weissen verschleppt und entehrt, und schliesslich von den ihren gerettet.
Bruno Molls Dokumentarfilm nähert sich dem Abenteurer Buchser mit einer vordergründigen Naivität, die jener des Malers zu folgen scheint. Man sieht diesen Buchser schreiben, mit der Feder, und skizzieren, wenn auch bloss seine Arme und Hände.
So, wie Buchsers Tagebücher dessen eigenen zeitgenössischen Rassismus mit überraschenden Einsichten kontern, zeigt sich der Film mit seiner Kombination von Text, Bildbetrachtungen und aktuellen Aufnahmen aus Marokko und den USA zugleich beeindruckt von der Abenteuerlust und bemüht um Distanz – ein lustvolles Ringen.
Der Dokumentarfilm von Bruno Moll ist jetzt im Kino.
Das Kunstmuseum Solothurn zeigt die Bilder von Frank Buchser
in einer Sonderausstellung und mit diversen Veranstaltungen.