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Entstehung des Jakobsweges bis heute
Die Geschichte des Apostelgrabes
Die Geschichte des Jakobsweges ist mit dem Apostelgrab des hl. Jakobus verknüpft. Der Name Jakobusweg bezieht sich auf den Apostel Jakobus den Älteren. Er war zusammen mit seinem Bruder Johannes einer der zwölf Apostel. Nach der Legende war er in Spanien als Missionar unterwegs. Nach seinem gewaltsamen Tod in Jerusalem, wurden seine Gebeine nach der Legende über das Mittelmeer nach Galicien gefahren.
Eines Tages entdeckte Pelayo einen besonderen Stern über einem Feld. Er zog den Bischof bei, der an der bezeichneten Stelle ein Grab vorfand. Dieses Grab erwies sich für ihn als das Apostelgrab, das Grab des hl. Jakobus. So verbreitete sich die Nachricht, im heutigen Santiago de Compostela befinde sich das Apostelgrab. (siehe unter Legenden) Dies wurde um 813 vom Bischof Teodomiro verkündet.
Nachricht in alle Länder
Die Nachricht verbreitete sich im Eiltempo bis in weit entfernte Länder. 951 reiste Bischof Gotheschalk von Le Puy (andere Schreibweise: Godeschalk) zum Grab.
In St.Gallen gab es bereits um 860 im Martyrologium in der Stiftsbibliothek einen Eintrag zur Auffindung des Grabes. Wer in Politik und Kirche etwas auf sich hielt, reiste nach dem Ort der Entdeckung. Der Ort bekam den Namen ‚Santiago de Compostela‘ (hl. Jakobus vom Sternenfeld).
Bau, Erweiterung und Zerstörung der Kirche – Bau der Kathedrale
Die anfänglich über dem Ort erbaute Kirche erwies sich bald als zu klein. 899 wurde die Kirche vergrössert und ein Jahr später der Bischofssitz vom damaligen Iria Flavia (Padrón) nach Santiago verlegt. In diese Zeit fiel auch die Gründung des Klosters von Cluny um 910. Dieses wurde bald zu einem wichtigen Faktor in der ganzen Pilgerbewegung.
997 wird die Kirche von heranrückenden arabischen Truppen zerstört und Santiago geplündert. Um 1000 wird eine neue Kirche erbaut. Auch diese Kirche war bald zu klein, sodass um 1078 mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen wurde. Die Kathedrale wurde 1211 eingeweiht. Bald darauf um 1214 soll Franz von Assisi nach Santiago gepilgert sein. Auf ihn gehe das Kloster San Francisco nahe der Kathedrale zurück. Zwischenzeitlich wurde der berühmte Codex Calixtinus fertiggestellt. Er hatte einen Reiseführer sowie Unterlagen zu Musik und Liturgie zum Inhalt.
Das heilige Jahr wird eingeführt
Seit 1122 wird in jenen Jahren, in denen der Jakobustag am 25. Juli auf einen Sonntag fällt, ein heiliges Jahr begangen. Ein nächstes Heiliges Jahr findet 2021 statt.
Die Wege, die nach Santiago de Compostela führen, erhielten den Namen Jakobsweg. Es entwickelten sich auch andere Namen wie Sternenweg und Milchstrasse.
Der Reiseführer von Hermannus Künig von Aach ‚Die Walfahrt uns Strass zu sant Jacob‘ wurde 1495 herausgegeben. Darin wird die Route ab Deutschland via die Schweiz und Frankreich in groben Zügen geschildert.
Die Pilgerzahlen übertrafen jene von Rom und Jerusalem.
Der Leichnam geht verloren und wird wieder gefunden
1589 wurde der Leichnam des hl. Jakobus aus Furcht vor den Truppen des Sir Francis Drake versteckt. Das Versteck ging vergessen.
Zwischen 1500 und 1650 erwirkten der Humanismus, Kriege und die Reformation einen starken Niedergang der Pilgerschaft auf dem Jakobsweg. Martin Luther machte sich lustig über den aufgefundenen Leichnam und warnte vor den Pilgerreisen, die die Menschen verderben.
1879 wurde die sterblichen Überreste wieder gefunden. Unter dem Chor der romanischen Kirche wurde Grabungen durchgeführt. Dabei kamen Grabkammern und drei Leichname zum Vorschein, die man als diejenigen vom hl. Jakobus sowie seiner beiden Begleiter Athanasius und Theodor deutete. Die Pilgerzahlen stiegen wieder an.
Die moderne Jakobusverehrung und der Jakobsweg als europäischer Kulturweg
Unter General Franco wurde der Jakobuskult neu belebt. Franco vereinnahmte den Apostel für seine Politik.
1987 bezeichnete der Europarat den Jakobsweg in Spanien zum europäischen Kulturweg.
Dies wegen seiner Bedeutung bei der Entwicklung des geistigen Europas über die Jahrhunderte. Ein Stein, von vielen als Nullstein genannt, wurde zu diesem Anlass auf der Plaza Obradoiro vor der Kathedrale eingelassen.
1993 ernannte die UNESCO den Camino Francés und den Küstenweg in Spanien zum Weltkulturerbe.
Der Jakobsweg wird wieder bekannt
Diese beiden Ernennungen wurden von einer steigenden Pilgerzahl begleitet. Statistische Angaben dazu finden sich hier. Neue Bücher wurden publiziert, Kongresse fanden statt. Die Pilgerbewegung nach Santiago de Compostela erlebt seither eine neue Blütezeit.
Drei Päpste besuchten in jüngerer Vergangenheit die Stadt Santiago: 1954 Angelo Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., 1982 im heiligen Jahr Johannes Paul II. und im heiligen Jahr 2010 Papst Benedikt XVI. .
Jakobsgesellschaften, Jakobswege und Pilgerherbergen
In vielen europäischen Ländern bildeten sich neue Jakobsgesellschaften. Sie begannen, für die Markierung der Wege durch die verschiedenen Länder zu sorgen. Die schweizerische Vereinigung der Freunde des Jakobsweges wurde am 31. Januar 1988 gegründet. Sie gibt zwei Mal jährlich die Zeitschrift Ultreïa heraus, verkauft Pilgerpässe und organisiert Pilgerreisen. In Spanien unterstützt sie eine Pilgerherberge in Belorado durch Freiwilligeneinsätze und mit Geld. (wer Interesse an einem Hospitalero-Dienst hat, melde sich hier.)
Erste Pilgerherbergen in der Schweiz entstanden 2003 in Märstetten, 2008 in St.Gallen und 2009 in Rapperswil. Heute gibt es ein ganzes Netz von Pilgerherbergen, von acceuils jacquaires und privaten Herbergen entlang des Jakobsweges Schweiz – oder wie ihn ausländische Pilger nennen, entlang dem Swiss Camino.
Die Geschichte des Jakobsweges geht weiter. Sie fasziniert zwischenzeitlich Menschen aus allen Kontinenten, Kulturen und Relgionen. Die Geschichte ist selbst zu einem Weg geworden: zum Jakobsweg.