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In diesem Projekt ging es darum, den SuS einer ersten Klasse (Langzeitgymnasium) das Thema Farbe in Praxis und Theorie näher zu bringen. Ich entschied mich, den Fokus auf die Gouache-Malerei zu legen. Für die Malerei sind Kenntnisse zum Thema Farbe eine elementare Grundlage.
Während spielerischen Übungen zu Farbwahrnehmung und -benennung schärften die SuS ihren Blick, anhand von Farb-Misch-Experimenten übten sie das Mischen verschiedener Farbtöne, sowie dessen Abdunkeln und Aufhellen. Zudem entdeckten sie den Unterschied zwischen deckendem und lasierenden Farbauftrag und erprobten verschiedene Arten von Pinselführung beim Malen. Im Raum für Farbe in der Viscosi lernten die SuS diverse natürliche Pigmente und Bindemittel kennen.
Das Hauptprojekt „Farbflieger“ bot den SuS Gelegenheit, die in der Einstiegsphase gewonnen Kenntnisse und Fertigkeiten in einer Malerei anzuwenden. Innerhalb des Rahmens einiger Vorgaben, konnten sie mit Form- und Farbkomposition, Farbmischung und Farbauftrag experimentieren und ihre eigene Malerei (Format A3) erschaffen. Vorgegeben war, dass die Malerei einen Drachen mit Augen darstellen sollte, dass mit Farbschichten gearbeitet werden soll (deckender und lasierender Farbauftrag) und dass mindestens an einer Stelle ein Farbverlauf vorkommen soll. Farb- und Formwahl war den SuS freigestellt. Ausgehend von Inspirationsmaterial von Drachen aus China, Japan, Indien und England entwarfen und malten die SuS ihren eigenen farbigen Drachen.
Lernziele
Sachkomptetenz
- Farben bewusst wahrnehmen und benennen können
- warme und kalte Farbtöne unterscheiden können
- einige Farbpigmente und Bindemittel kennen
- wissen, dass es verschiedene Farbtheorien gibt: z.B. Ittens Farbkreis (Primär-, Sekundär-, Tertiärfarben) oder Runges Farbkugel
- malerische Fertigkeiten:
Farbtöne mischen aus Cyan, Magenta, Yellow, Weiss und Schwarz, Farben aufhellen/abdunkeln, Farbübergänge, deckend und lasierend malen, Pinselführung
Sozialkompetenz
- in der Gruppe arbeiten können
Selbstkompetenz
- konzentrierte, selbständige Arbeitsweise
- eigenständige Ideen entwickeln
- Selbsteinschätzung üben
Ablauf
Einstiegsphase: Den Blick schärfen, theoretisches Wissen aneignen
Lektion 1-2: Farbwahrnehmung und -benennung
> Spielerische Aufgabe zu Farbwahrnehmung: Ausgehend von Pantone Farbkarten suchten die SuS im Schulhaus nach entsprechenden Farben und fotografierten diese zusammen mit der entsprechenden Farbkarte (in 2er Gruppen).
> Farbnamen erfinden: Die SuS wählten Farbschnipsel in Farbnuancen zwei bestimmter Farben (z.B. Rot- und Violetttöne) aus, klebten diese auf ein Blatt und erfanden dazu passende Farbnamen (in 3er Gruppen).
Lektion 3-4: Besuch Farbraum Viscosi
> Quiz: Die SuS lernten etwas über Herkunft und Verwendung verschiedener Farbpigmente und Bindemittel.
Übungen und Experimente: Malerische Fertigkeiten erproben
Lektion 5-6: Farb-Experimente 1
> Die SuS lernten Ittens Farbkreis kennen und mischten im Selbststudium ausgehend von Cyan, Magenta, Yellow, Weiss und Schwarz verschiedenste Farbtöne.
> Die SuS lernten, wie man Farben aufhellt oder abdunkelt und was die Begriffe «Pastellfarben», «warme/kalte Farben» bedeuten.
Lektion 5-6: Farb-Experimente 2
> Die SuS lernten Runges Farbkugel kennen und experimentierten im Selbststudium mit deckendem und lasierenden Farbauftrag, sowie mit Farbverläufen.
Hauptprojekt: Gelerntes anwenden
Lektion 9-10: Einführung und Entwurf „Farbflieger“
> Die SuS wurden ins Projekt eingeführt und von Bildern von Drachen aus Indien, China, Japan und England inspiriert.
> Formfindung: Um klischierte Drachenformen zu vermeiden, suchten die SuS die Form für ihren eigenen Drachen über Scherenschnitte. Sie machten vier kleine Scherenschnitte und wählten die Form, die ihnen am besten gefiel aus.
Lektion 11-12: Entwurf „Farbflieger“
> Die ausgewählte Form zeichneten die SuS nun viermal auf ein Blatt und füllten sie mit verschiedenen Innenzeichnungen.
>Von den Innenzeichnungen wählten die SuS ihren Favoriten aus und arbeiteten damit weiter. Mit Ölkreide machten sie mindestens zwei Farbentwürfe: Einen mit ähnlichen Farbtönen und einen anderen mit sehr unterschiedlichen Farbtönen.
Lektion 13-18 : Umsetzung „Farbflieger“
>Nun übertrugen die SuS die ausgewählte Form mithilfe eines grossen Scherenschnittes auf A3 Papier und erstellten die Vorzeichnung. Anschliessend begannen sie mit der Malerei (Gouache). Um Ideen, die während dem Prozess aufkamen, Platz zu lassen war den SuS freigestellt, wie sehr sie sich an ihre Entwürfe halten oder nicht.
Lektion 19: Reflexion der Arbeiten
>Die SuS schätzten ihre Arbeit selber ein und reflektieren ihren Prozess. Anhand der Beurteilungskriterien kommentieren sie gegenseitig ihre Projekte.
Beurteilungskriterien
Die Gesamtnote setzte sich zusammen aus dem Endprodukt (Durchschnitt von 3 Noten, jedes Beurteilungskriterium gab 1 Note) und dem Prozess (+/- 0-0.3 Noten).
Endprodukt „Farbflieger“ (3 Noten)
- Bildkomposition/Gesamteindruck: Wie wirkt die Malerei insgesamt? Funktionieren Farb- und Formwahl?
- Farbmischung: Wurden die Farben differenziert gemischt oder wurden Farbtöne direkt aus der Tube verwendet?
- Umgang mit Farbe und Pinsel: Wurde Gelerntes angewendet (deckend/lasierend, Farbverlauf)? Wurde experimentiert, Neues ausprobiert oder wurde eher minimalistisch gearbeitet?
Prozess (max +/- 0.3 Note)
Damit nicht nur das Endprodukt, sondern auch der Arbeitsprozess Teil der Bewertung war, hatte der Ordner, der jede/r Schüler/in zur Dokumentation seines/ihres Arbeitsprozesses führte, ebenfalls einen Einfluss auf die Gesamtnote. Besonders gute Blätter gaben Pluspunkte (+), fehlende Blätter gaben Minuspunkte (-). Jedes + oder – beeinflusste die Gesamtnote um +/- 0.1 Note. Maximal waren +/- 0.3 Noten möglich.
Reflexion
Da das Aneignen handwerklicher Fertigkeiten, sowie das Erlernen theoretischer Grundlagen schnell eintönig und trocken wird, habe ich mir vorgenommen, den Unterricht möglichst spielerisch und abwechslungsreich zu gestalten. Es war mir auch wichtig innerhalb eines vorgegeben Rahmens Freiraum für individuelle Experimente zu schaffen. Ich denke, der Aufbau des Projekts hat gut funktioniert und die Endprodukte sowie die Schlussbesprechung mit den SuS haben mir gezeigt, dass sie die Lernziele erreicht haben. Die Herausforderung lag für mich in diesem Praktikum vor allem in der Klassenführung. Die SuS waren sehr jung (12-13 Jahre) und die Klasse war laut und wild. Die Praktikumslehrperson hat mir geholfen, Strategien zu entwickeln, um mit solchen pädagogisch anspruchsvollen Situationen klar zu kommen. Das hat mir sehr geholfen und ich habe viel dabei gelernt.