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Otto Betschmann (1884-1959), Maler und Grafiker, erstellte in den 1920er- und 1930er-Jahren zahlreiche Vogelschaubilder und sogenannte Aerovue-Karten. Aerovue-Karten verwenden eine schräge Parallelprojektion, die Ebenen wie eine normale orthogonale Kartenprojektion im Grundriss darstellt, Erhebungen im Gelände werden jedoch in seitlicher Ansicht gezeigt. Betschmann liess sein Konstruktionsverfahren patentieren. Für die Konstruktion seiner Karten entwickelte die Zürcher Firma Coradi einen modifizierten Pantographen, mit dem Höhenlinien umprojiziert werden konnten.
Ausschnitt aus: Skitourenkarte Oberengadin Albula-Bernina : Aerovue / Bearb. O. Betschmann. 1:50 000. Zürich : Conzett & Huber, [193?]
Als Grundlage für seine Karten verwendete Betschmann den Siegfriedatlas, den er mit seiner Methode umprojizierte und kopierte. Im Vergleich zum Siegfriedatlas sind seine Karten deutlich plastischer wegen der dreidimensionalen Konstruktion, der naturähnlichen Farbgebung und der Schattierungen, und sie sind für Ungeübte leichter lesbar als die üblichen Vertikalprojektionskarten.
Der Verlag Conzett & Huber in Zürich produzierte insgesamt nur sechs Aerovue-Karten, die er im Tiefdruck vielfarbig vervielfältigen liess. Fünf der sechs Karten sind im Massstab 1:50 000 und südorientiert. Dank der Südorientierung können Berghänge in einer natürlichen Morgenbeleuchtung gezeigt werden. Die Karten sind mit einem Format von 95 x 74 cm relativ gross. Vermutlich wurde das aufwändige Verfahren der Aerovue-Karten durch die ersten Blätter der neuen Landeskarte verdrängt, die ab 1938 in einer modernen Grafik und mit einer neuen plastischen Geländeschattierung erschienen.
Neueste Softwareentwicklungen erlauben es heute, aus digitalen Höhenmodellen innert Sekunden Karten in Betschmanns Projektion zu erstellen. Es ist durchaus denkbar, dass Betschmanns Idee in Zukunft wieder vermehrt zum Zug kommen könnte.
Die Karte befindet sich unter der Signatur K 610049 in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek und kann via NEBIS bestellt werden und im Lesesaal der Spezialsammlungen konsultiert werden. In der Kartensammlung befinden sich insgesamt 10 Karten von Otto Betschmann.