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Identifikation
Signatur:
Ar 185
Entstehungszeitraum / Laufzeit:
1939-1991
Umfang:
3.5 m
Kontext
Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Toya Marionna Maissen, Bürgerin von Basel und Sumvitg, wurde am 12. Februar 1939 in Chur geboren und wuchs in Klosters auf. Sie besuchte von 1954-1959 das Gymnasium in Chur und studierte anschliessend bis 1965 in Basel, Bern und Berlin ohne Abschluss zuerst Medizin, dann Recht und zuletzt Nationalökonomie. Nach dem Abbruch des Studiums 1965/66 war sie vorübergehend beim Dienst für technische Zusammenarbeit (heute DEZA) tätig, wo sie am Aufbau der Sektion für Freiwilligendienste beteiligt war.
Maissen war Werkstudentin und finanzierte ihr Studium mit dem Strassenverkauf von Sonntagsausgaben der Basler Nachrichten, für die sie zu Beginn der 1960er-Jahre ihre ersten Artikel schrieb – weitere Artikel folgten in der Basler Post (später Doppelstab) und im Baselbieter Anzeiger. Zwischen 1966 und 1975 war sie für die linksliberale National-Zeitung (NZ) tätig, zuerst als Volontärin auf der Wirtschaftsredaktion, dann als Teilzeitangestellte auf der Bildredaktion. Nach der Entlassung, der ein heftiger Arbeitskonflikt im Zusammenhang mit der Neuausrichtung des Blattes vorausging, trat Maissen zusammen mit ehemaligen NZ-RedaktorInnen zur maroden Basler Arbeiter-Zeitung (später Basler AZ Abend-Zeitung) über, die sie im Kollektiv bis zu ihrem Tod am 28. August 1991 leitete. 1977 unterstützte sie Alice Schwarzer bei der Gründung der Zeitschrift EMMA, indem sie für zwei Wochen das Ressort Leserbriefe betreute.
Mit ihren pointierten Stellungnahmen in der Basler Arbeiter-Zeitung (v.a. der Kolumne „Links notiert“) fand Maissen in den 1980er-Jahren weit über die Leserschaft der Zeitung hinaus Beachtung. Als Redakteurin bearbeitete die „Linksaussenjournalistin“ (Schweizerische Arbeitgeber-Zeitung vom 26.07.1980) Maissen v.a. innenpolitische Themen. Zu ihren Steckenpferden gehörte die Energie- und Umweltpolitik. Als vehemente Atomkraftgegnerin befürwortete sie den Ausstieg aus der Atomenergie und kämpfte gegen Atomwaffen. Zudem setzte sie sich gegen Umweltverschmutzung ein und geisselte die Wachstums- und Fortschrittseuphorie ihrer Zeit. Ein weiterer journalistischer Schwerpunkt war die Finanz- und Wirtschaftspolitik, sowohl in Basel-Stadt als auch auf Bundesebene. Auch interessierte sie sich für gesellschaftspolitische Themen, so u.a. Homosexualität, Gleichstellung und Drogen. Im Jahr 1982 gewann sie den Kleinen Basler Kunstpreis der „Bahnhofakademie“.
1972 trat Maissen der SP Basel-Stadt bei. Gleichzeitig wurde sie Mitglieder der SJU (Schweizerischen Journalisten Union)/VPOD, die 1970 als Gewerkschaft ihres Berufstandes gegründet worden war. In der SP übte sie diverse Funktionen aus. So war sie von 1980-1991 als erste Frau Redaktionsleiterin der Monatsschrift Rote Revue, dem sozialdemokratischen Theorieblatt. Von 1982-1986 und dann erneut von 1988-1990 war die „Exponentin des linken Flügels der SPS“ (NZZ vom 19.07.1980) Mitglied der Geschäftsleitung und zugleich Präsidentin der Finanzdelegation. Einen ihrer wichtigsten Auftritt hatte Maissen am ausserordentlichen Parteitag vom 12.02.1984, als sie – aufgrund der Nichtwahl von Lilian Uchtenhagen am 07.12.1983 – für einen Austritt aus dem Bundesrat plädierte. Am 26.06.1987 kandidierte sie im Kanton Basel-Stadt für den Nationalrat und belegte hinter den beiden Gewählten den 3. Platz. Maissen war von 1986-1991(?) Verwaltungsrätin von Coop Basel.
Toya Maissen war von 1986-1991(?) Verwaltungsrätin von Coop Basel.
Übernahmemodalitäten
Übernahme im April 2015; die Ablieferung wurde von Urspeter Schelbert betreut.
Inhalt und innere Ordnung
Form und Inhalt
Der Bestand enthält biografische und familienhistorisch relevante Unterlagen wie Tagebücher, Agenden, Zeugnisse, Testathefte, grafologische Gutachten und Bewerbungsschreiben, Dokumente zu Erbschaftsangelegenheiten sowie Geburts- und Todesanzeigen. Zudem ist eine umfangreiche Korrespondenz in Form von rund 2500 Briefen (davon rund 600 Briefe von TM), Post- und Grusskarten sowie Leserbriefen aus dem In- und Ausland aus den Jahren 1965-1991 überliefert. Ca. die Hälfte der Briefwechsel war beruflich motiviert und betrifft journalistische Angelegenheiten wie Recherchen, Anfragen für Artikel, Kontaktvermittlungen oder Materialaustausch. Hervorzuheben gilt es den Schriftverkehr zum deutsch-amerikanischen Journalisten und Historiker Peter Bloch in New York (Zeitraum: 1982-1988) und zum deutschen Publizisten und Buchautor Henryk M. Broder in Jerusalem (Zeitraum: 1981-1985). Historisch wertvoll sind ausserdem der Austausch mit KollegInnen aus der NZ-Redaktion im Zusammenhang mit dem Arbeitskonflikt von 1975 sowie die Dokumente zur Neuausrichtung der Roten Revue im Jahr 1980. Die andere Hälfte der Korrespondenz umfasst Kontakte zu zahlreichen hochrangigen SP-PolitikerInnen (NationalrätInnen, Bundesräten und Regierungsräten; darunter: Lilian Uchtenhagen, Helmut Hubacher, Otto Stich, Rudolf Strahm, Ursula Koch) und bekannten Persönlichkeiten wie Alice Schwarzer, Max Frisch oder zur österreichisch-amerikanischen Schauspielerin und Drehbuchautorin Salka Viertel, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Klosters zog und eine ihrer besten Freundinnen war. Der Bestand beinhaltet schliesslich umfangreiche Dokumentationen (Zeitungsausschnitte, Vorträge, Gutachten, zum Teil auch Korrespondenz) zu verschiedenen Themen, mit denen sich Maissen als politische Journalistin auseinander gesetzt hat.
Bewertung und Kassation
Kassiert wurden Doubletten, Broschüren (zu weit vom eigentlichen Thema entfernt)
Kassiert wurde ferner eine Schachtel mit Ausgaben der Zeitung Die Nation (Jg. 1944/45), die im Sozialarchiv unter der Signatur SOZARCH Z 101 verfügbar ist.
Neuzugänge
Es werden keine Neuzugänge erwartet.
Zugangs- und Benutzungsbedingungen
Zugangsbestimmungen
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs einsehbar. Die beiden Briefwechsel mit Peter Indermaur und Michael Kohn sowie weitere speziell gekennzeichnete Dokumente unterliegen einer Sperrfrist bis 2041 und sind nicht bestellbar. Bei den Erschliessungs- und Verzeichnisarbeiten konnte auf ein mitgeliefertes Verzeichnis zurückgegriffen werden, das Urspeter Schelbert erstellt hat. Die Struktur des Nachlasses wurde weitgehend übernommen. Das Verzeichnis befindet sich in der Schachtel mit der Signatur Ar 185.10.1.
Sprache/Schrift
Die Unterlagen sind grösstenteils in deutscher Sprache Einzelne Dokumente sind in Englisch Italienisch Französisch oder Russisch Es handelt sich hauptsächlich um Druck vereinzelt um Handschriften
Sachverwandte Unterlagen
Verwandte Verzeichnungseinheiten
Werke von Toya Maissen:
Veröffentlichungen
Verzeichnungskontrolle
Informationen der Bearbeiter*in
Bearbeitung im Juli 2015 von Matthias Ruoss.