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b)
Die Überwachungstechnik ist in steter technischer Entwicklung. Das ENSI verfolgt internationale Forschungs- und Entwicklungsprojekte, wird sich aber erst nach Abschluss dieser Projekte dazu äussern. Klar ist, dass die Überwachungsmassnahmen nicht die Langzeitsicherheit eines geologischen Tiefenlagers beeinträchtigen dürfen.
Die Entwicklung geeigneter Monitoringkonzepte und Messtechniken zur Überwachung geologischer Tiefenlager ist Gegenstand des gegenwärtig laufenden internationalen EU-Forschungsprojektes (MoDeRn = Monitoring Developments for Safe Repository Operation and Staged Closure), an welchem sich 18 Organisationen (u.a. ETH Zürich und Nagra) aus 12 Ländern beteiligen. Das MoDeRn-Projekt wird 2013 einen auf internationaler Basis breit abgestützten Bericht zum Thema Monitoringkonzepte und innovative Monitoringtechnologien liefern und wird deshalb seitens ENSI eng begleitet. Die Ergebnisse fliessen in das Agneb-Forschungsprojekt „Monitoringkonzept und –einrichtungen“ ein, das vom ENSI geleitet wird. Dieses Projekt beschäftigt sich mit allen Schritten der Überwachung eines geologischen Tiefenlagers, angefangen bei einer dem Bau eines Felslabors vorangehenden Umweltüberwachung (Erfassung der ungestörten Umweltbedingungen = Nullmessung), dann der Messung der durch den Bau des Lagers hervorgerufenen Veränderungen (Beweissicherung Umwelt und Grundwasser) bis hin zu Untersuchungen der sicherheitsrelevanten Eigenschaften des Wirtgesteins und der technischen Barrieren in den Testbereichen sowie zur Überwachung des Pilotlagers, mit welchem in der Beobachtungsphase die zeitliche Entwicklung und Wirksamkeit des Barrierensystems des Tiefenlagers aufzuzeigen ist. Das Pilotlager und die Testbereiche (Felslabor) haben damit die Funktion, den Sicherheitsnachweis zu überprüfen und die erforderlichen Grundlagen zum Entscheid über den endgültigen Verschluss des Tiefenlagers zu liefern. Mit dem Agneb-Forschungsprojekt will sich das ENSI einen möglichst breiten und vollständigen Überblick über mögliche Monitoringkonzepte und Messtechniken verschaffen und Entscheidungsgrundlagen erarbeiten, die für die spätere Festlegung der Anforderungen an die Überwachung eines Pilotlagers erforderlich sind.
Das ENSI wird zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen der Sitzungen des Technischen Forums Sicherheit bzw. im Rahmen seines jährlich veröffentlichten Erfahrungs- und Forschungsberichts über die Ergebnisse aus dem internationalen MoDeRn-Projekt berichten. Dannzumal soll auch das Anliegen der SES, inwiefern nach Verschluss aus sicherheitstechnischen Gründen ein Monitoring stattfinden muss, erneut aufgenommen werden. Dannzumal liesse sich auch die Frage beantworten, welche Fragestellungen zum Monitoring im Moment noch nicht geklärt sind bzw. grosse Herausforderungen für zukünftige Forschung und Entwicklung darstellen.
Erfahrungen über Messtechniken in Tongesteinsformationen gibt es bereits heute durch umfangreiche Forschungsarbeiten in verschiedenen Felslaboratorien (Felslabor HADES, Bure, Mont Terri). Dabei wurden thermische, hydraulische, mechanische, chemische, biologische und radiologische Prozesse und Kombinationen dieser Prozesse untersucht. Gemessene Parameter waren vor allem der Porenwasserdruck, die totale Gebirgsspannung, die Temperatur, Deformationen/Verschiebungen, die Wassersättigung und die relative Luftfeuchtigkeit. Umfassendere Erfahrungen liegen aus dem belgischen Felslabor HADES vor, wo gewisse Experimente bereits über 25 Jahre lang laufen. Die Frage der Langzeitbeständigkeit von Messsonden ist auch ein zentrales Thema im Felslabor Mont Terri. In der Zeitspanne von 1996 – 2012 wurden im Felslabor Mont Terri insgesamt 11 Langzeitexperimente gestartet, wovon erst 2 davon abgeschlossen sind. Die Installation der Sensoren kann „vor Ort“ (innerhalb des eigentlichen Experimentes) oder „extern“ (über Beobachtungsbohrungen) erfolgen. Für vor Ort eingebaute oder sogenannte „verlorene“ Sensoren ist kein Unterhalt möglich. Im Mont Terri sind deshalb die meisten Sensoren extern installiert. Diese funktionieren nach Aussage von Paul Bossart, Leiter des Felslabors Mont Terri, zu 99 % über mindestens 10 Jahre und können relativ einfach ausgetauscht werden. Neu werden auch fiberoptische Sensoren getestet. Insbesondere hinsichtlich der Alterung bei höheren Temperaturen müssen aber erst Erfahrungen gesammelt werden. Das ENSI führt zusammen mit der swisstopo ein entsprechendes Experiment durch. Bei der Glasfasertechnik rechnet man damit, dass sie über mehrere Dekaden funktionieren kann.
Zur im Technischen Forum Sicherheit aufgeworfenen Frage nach der Überwachung von Lucens (zurückgebauter havarierter Versuchsreaktor) kann festgehalten werden, dass Lucens seit dem Bundesratsentscheid vom 3. Dezember 2004 nicht mehr dem Kernenergiegesetz untersteht und somit das Bundesamt für Gesundheit (BAG) für die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt zuständig ist und seit 1995 dort ein Messprogramm durchführt. Die vom BAG durchgeführte Überwachung bestand bis Anfang 2012 im Wesentlichen aus der regelmässigen Analyse von Wasserproben aus verschiedenen Kontrollstellen in und ausserhalb der Anlage. Ab 2012 ist in gewissen Proben aus der Anlage eine Zunahme der Konzentration von H3 (Tritium) (bis zu 230 Bq/l) festzustellen, worauf das BAG beschloss, die Anlage intensiver zu überwachen. Die maximalen Tritium-Konzentrationen liegen insgesamt weit unter dem Immissionsgrenzwert von 12‘000 Bq/l, der in der StSV für Tritium in öffentlich zugänglichen Gewässern festgelegt ist.