Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03643.jsonl.gz/2305

- Details
- Veröffentlicht: 03. September 2020
Beitragsseiten
Personenbahnhof Muttenz
Entwicklung
Das erste Bahnhofgebäude, welches am Ende der alten Bahnhofstrasse stand, wurde im Jahr 1854 im Zuge der Eröffnung der Strecke Basel-Liestal erbaut und im selben Jahr, am 19. Dezember 1854, befuhr der erste Zug die Strecke Basel-Liestal. Ursprünglich war geplant, die Bahnlinie mitten durchs Dorf zu führen. Die Gemeinde hat dies aber abgelehnt und so wurde der Bahnhof ausserhalb des Dorfes an der heutigen Stelle erbaut. Für die Gemeinde Muttenz bringt die eher periphere Lage des Bahnhofs Vorteile mit sich. So ist die Lärmbelastung für das Dorf im Vergleich mit anderen Orten «relativ» gering, da das Dorf nicht von der Bahn «durchschnitten» wird, wie das zum Beispiel in Liestal der Fall ist.
In den Jahren 1922 – 1924 wurde das heutige Bahnhofgebäude gebaut. Der Standort ist bis heute der gleiche geblieben, das Gebäude wurde dann aber im Verlauf der Jahre modernisiert.
Die Lage der Station Muttenz in unmittelbarer Nähe des angierbahnhofs Muttenz und der weit verzweigten Basler Eisenbahnanlagen führte für zu einem für Zwischenstationen vergleichsweisen hohen Verkehrsaufkommen. Es bildeten sich im Gegensatz zu den Verkehrsverhältnissen einer gewöhnlichen Zwischenstation komplizierte Verflechtungen des Reisezugverkehrs auf der Hauptlinie Basel – Pratteln einerseits, mit dem Güterzugverkehr von und nach dem Rangierbahnhof ndererseits. Es bestanden vier verschiedene Gleisanschlüsse an die benachbarte Rangieranlage.
Die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde Muttenz hatte eine erfreuliche Verkehrsintensität des Bahnhofs zur Folge. Der Anteil des Personenverkehrs jedoch war bis vor ungefähr dreissig Jahren wegen der anderweitigen Verkehrsverbindungen nach Basel (Tramlinie Pratteln-Basel seit 1922) und der ziemlich peripheren Lage des Bahnhofs zu den Wohnzentren relativ gering. Der Bahnhof Muttenz war früher vor allem ein Fahrdienstbahnhof, da der Güterverkehr, unabhängig vom Rangierbahnhof Muttenz, relativ hoch war. Es bestanden weitreichende Anschlussgleise zu den Niederlassungen der Industrie und den Handelsfirmen. Diese sogenannten Verbindungsgleise erstreckten sich im Jahre 1965 über eine Länge von etwa 2500 m. Firmen waren an dieses Netz angeschlossen. Der Güterverkehr im Bahnhof Muttenz hat seit den Achtziger Jahren sukzessive abgenommen. Viele der angeschlossenen Firmen brauchten ihre Anschlussgleise nicht mehr, da die Transporte immer öfters mittels Lastwagen erfolgten. Eine der wenigen Firmen, die das Verbindungsgleis heute noch benutzt, ist die Florin AG. Während der Güterverkehr stetig abgenommen hat, nahm der Personenverkehr deutlich zu, wie der Tab. entnommen werden kann.
Tab. 4: Anzahl haltende Personenzüge pro Tag in beiden Richtungen
1900 - 2008
|Jahr||Anzahl haltende Züge|
|1900||35|
|1950||71|
|2000||132|
|2008||169|
Personenverkehr
Der Anstieg im Personenverkehr in den letzten Jahren kann mit der Regio-S-Bahn in Verbindung gebracht werden. Sie bedient seit 1997 den Bahnhof Muttenz und verzeichnete zwischen 1996 und 2007 eine deutliche Zunahme an Personenkilometern auf den Strecken über Muttenz. Die Regio-S-Bahn hat ein Liniennetz, das von Basel aus alle drei Länder erschliesst. Sie bildet das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in der grenzüberschreitenden Agglomeration Basel.
Von den heute haltenden 169 Zügen pro Tag sind nur zwei keine S-Bahnzüge. Sonst wird der Bahnhof Muttenz ausschliesslich von den Regio-S-Bahnen S1 und S3 bedient. Pro Stunde kommen vier Züge aus Basel an und ebenfalls vier Züge fahren pro Stunden in Richtung Basel ab.
Der Bahnhof Muttenz verzeichnet auch einen starken Durchgangsverkehr. Während der Hauptverkehrsstunden erhöht sich die Zahl der Zugsdurchfahrten. Deshalb wurde 1993 ein drittes Gleis für den Durchgangsverkehr gebaut. Der starke Verkehr auf der Strecke Richtung Basel und Richtung Pratteln hat dazu geführt, dass die Lärmbelastung für die an die Bahnlinie grenzenden Wohngebiete hoch ist. Aus diesem Grund wurden an verschiedenen Stellen entlang der Bahn Lärmschutzwände errichtet. Der Bahnhof Muttenz besteht aus vier Gleisen. Es kann auf allen Gleisen in beide Richtungen gefahren werden und alle haben eine Perronkante, die das Halten von SBahnzügen problemlos erlaubt. Der Bahnhof wird vollständig von Basel aus ferngesteuert. Mit dem Bau von Gleis 3 im Jahr 1993 wurden gleichzeitig Erneuerungen an den Perronanlagen durchgeführt. So wurden die Perrons höher gelegt, um das Einsteigen zu erleichtern. Des Weiteren wurde die Gleisunterführung mit einer Rampe versehen, womit die Anlage auch für Rollstuhlfahrer zugänglich gemacht wurde.
Vor fünf Jahren wurde das Erdgeschoss des Bahnhofgebäudes umgebaut und zusätzlich ein Anbau auf der Seite Basel erstellt. Seither sind im Erdgeschoss ein avec-Shop (Migros und Kiosk) und ein offener Bahnschalter mit Reisebüro der SBB zu finden. Während der Umsatz des Schalters/Reisebüros vor 20 Jahren ungefähr 800 000 CHF im Jahr betrug, waren es im Jahre 2007 circa 3200 000 CHF, wobei allerdings die Teuerung berücksichtigt werden muss. Dies zeigt, wie stark der Bahnverkehr in Muttenz, aber auch ganz allgemein, zugenommen hat. 2008 waren am Bahnhof Muttenz drei Mitarbeiter und ein Lehrling angestellt. Sie bedienen den Schalter und das Reisebüro der SBB. Dies ist im Vergleich zu früher, wo ein Vielfaches an Mitarbeitern angestellt war, eine sehr kleine Zahl. Die Abnahme des Güterverkehrs und die zunehmende Automatisierung sind Gründe für den Rückgang der Anzahl Angestellten.
Die Zukunft des SBB-Schalters und Reisebüros ist ungewiss. Heute zählt bekanntermassen nur der erwirtschaftete Umsatz, und der Bahnhof Muttenz hat in der Region den zweitkleinsten Umsatz zu verzeichnen. Die Frage ist also: Wann werden die Schalter aus Spargründen geschlossen? Dies wird wohl kaum in den nächsten zwei, drei Jahren passieren. Wie sieht aber die Situation in 10 Jahren aus? Im Jahr 2012 wurde in Muttenz der offizielle SBB-Bahnschalter geschlossen. Billetts und Beratungen waren aber weiterhin erhältlich in einem Laden am Bahnhof, also bei einer sogenannten Drittverkaufsstelle. Ab 2018 untersagt es die SBB jedoch Privaten, Billetts zu verkaufen.
aus: Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, 2009, S. 164-167, Autoren: Stefan Raaflaub und Patrick Thum