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Mehr über Einnässen und
Einkoten am Tag
Ursachen: Einnässen tags (Harninkontinenz)
Das Einnässen tags (Harninkontinenz) hat ganz unterschiedliche Ursachen – abhängig davon um welche Form es sich handelt. Bei einigen Formen überwiegen genetische Ursachen, bei anderen sind es erworbene Risiken.
Eine sehr häufige Form ist die Dranginkontinenz, die überwiegend anlagebedingt ist. Die Blase lässt sich nicht füllen, die Kinder spüren einen Harndrang und müssen häufig auf die Toilette. Die Harnmengen sind eher gering. Andere Kinder schieben den Toilettengang auf, um weiter spielen zu können. Irgendwann kann der Urin dann nicht mehr gehalten werden und die Blase entleert sich ungewollt. Dies nennt man Harninkontinenz bei Miktionsaufschub. Bei anderen Kindern findet sich eine Störung des Schließmuskels, der sich bei der Blasenentleerung nicht vollständig öffnet (Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination).
Neben diesen drei häufigen Formen der Harninkontinenz, kommen auch seltene Formen vor, wie die Stressinkontinenz, die Lachinkontinenz und die Unteraktive Blase. Bei der Stressinkontinenz kann es in Folge von Husten und Niesen zu ungewolltem Harnabgang kommen. Auch das Anspannen der Bauchmuskulatur beim Spielen oder beim Sport kann den Druck auf die Blase derart steigern, dass sie sich plötzlich entleert. Bei der Lachinkontinenz wird eine komplette Blasenentleerung nur durch Lachen ausgelöst. Bei der Unteraktiven Blase spüren die betroffenen Kinder nur selten einen Harndrang, weil ihre Blase stark ausgeweitet ist. Beim Toilettengang entleeren sie die Blase dadurch nicht komplett, so dass u. U. erhebliche Harnmengen in der Blase verbleiben.
Störungsbild: Einnässen tags (Harninkontinenz)
Geht der Harn tagsüber ungewollt ab, bezeichnet man dies als Harninkontinenz. Während noch 2-3 % der 7-Jährigen tagsüber einnässen, sind unter den Jugendlichen weniger als 1 % betroffen.
Kinder mit Dranginkontinenz müssen häufiger auf die Toilette als andere Kinder. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungs. Die Blase zieht sich bei ihnen schon bei kleinen Urinmengen zusammen und löst einen Harndrang aus. Dieser Mechanismus wird bei den Betroffenen vom Gehirn nicht ausreichend gehemmt. Da der Harndrang sehr plötzlich sehr dringend werden kann, entwickeln die Kinder oft Haltemanöver wie das Aneinanderpressen der Oberschenkel, das unruhige hin- und her Treten von einem Bein auf das andere oder das Anspannen der Beckenbodenmuskulatur. Kommen sie nicht schnell genug zur Toilette oder sind sie müde, nässen sie ein. In der Regel wird die Unterhose jedoch nur leicht feucht, meist also nicht richtig nass. Die betroffenen Kinder leiden häufiger unter Harnwegsinfekten als andere Kinder.
Schieben Kinder den Toilettengang dagegen auf, so gehen sie seltener als 5-mal am Tag zur Toilette oder vermeiden es in bestimmten Situationen die Toilette aufzusuchen (Harninkontinenz bei Miktionsaufschub). Manche Kinder opponieren auf diese Weise auch gegen Wünsche und Anordnungen der Eltern. Die Blase entleert sich dann u. U. ungewollt.
Liegt eine Störung der Blasenentleerung vor, müssen die betroffenen Kinder heftig gegen den Widerstand des Schließmuskels anpressen (Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination). Gelegentlich ist der Harnfluss auch unterbrochen. Statt sich zu entspannen, zieht sich der Schließmuskel der Blase beim Wasserlassen zusammen. Die Blase entleert sich dann nicht vollständig, so dass die betroffenen Kinder u. U. häufig an Harnwegsinfekten erkranken. Diese Symptome treten oft in Kombination mit Obstipation und Enkopresis auf.
Therapie: Einnässen tags (Harninkontinenz)
Kinder mit Dranginkontinenz, die plötzlich und dann auch sehr dringent zur Toilette müssen, müssen erst einmal lernen auf die von ihnen entwickelten Haltemanöver zu verzichten. Sie lernen im Rahmen einer Verhaltenstherapie die Drangsymptome wahrzunehmen und daraufhin umgehend die Toilette aufzusuchen, ohne den Beckenboden anzuspannen. In einem Kalender werden Miktionen ohne Einnässen (z. B. mit Fähnchen) und solche mit Einnässen (beispielsweise mit Wolken) erfasst. Während des Trainings ist es wichtig, dass das Kind immer und überall sofort auf Toilette gehen kann. Deshalb sollten Erzieher(innen) und Lehrer(innen) über das Training informiert und um wohlwollende Unterstützung gebeten werden. Im Laufe der Zeit bleibt die Hose dann immer häufiger trocken, schließlich werden auch die Zeitintervalle zwischen den Toilettenbesuchen länger. Bei einem Drittel reichen diese einfachen Maßnahmen aus. Bei den anderen ist eine Behandlung mit Oxybutinin, Propiverin oder anderen Medikamenten notwendig, die die Blase ruhig stellen. Die Pläne sollten weiter fortgeführt werden.
Schieben Kinder die Blasenentleerung auf, sollte man ihnen erst einmal erklären, dass ein Zusammenhang zwischen dem Einhalten des Urins und dem Einnässen besteht. Die Kinder werden im Rahmen eines anschließenden verhaltenstherapeutischen Programms zu festen Zeiten zur Toilette geschickt. Ein Wecker kann sie beispielsweise alle zwei bis drei Stunden an den anstehenden Toilettengang erinnern. Ziel sollte es sein, dass das Kind etwa sieben Mal am Tag zur Toilette geht. Für ihre Mitarbeit können die Kinder für jeden Toilettenbesuch belohnt werden (z.B. mit kleinen Stickern). Die Belohnung erhalten sie ausschließlich für ihre Kooperation nicht für das Trockenbleiben. Gelegentliche Unfälle werden auch nicht durch Entzug von Belohnungen bestraft.
Leiden die Kinder unter einer Blasenentleerungsstörung, müssen sie pressen, bevor der Harn zu fließen beginnt. Meist ist der Harnfluss unterbrochen. In diesem Fall hilft ein Bio-Feedback-Training. Auf einer speziellen Toilette können die Kinder den Harnfluss über einen Monitor und das meist unbewusste Anspannen des Beckenbodens beobachten. Durch das Feedback lernen sie den Beckenboden und damit den Schließmuskel gezielt zu entspannen. Für dieses Training ist eine Betreuung durch Experten unerlässlich. Kinder mit Stressinkontinenz benötigen ein Beckenbodentraining, Kinder, die unter der Unteraktiven Blase leiden, ein intensives Blasentraining. Bei Lachinkontinenz helfen Konditionierung und Medikamente.
Kontrolle des Darms
Im Alter von ungefähr vier Jahren sind die meisten Kinder sauber und können ihre Darmentleerung kontrollieren. 2-3 % der 4-Jährigen und 1 % der 13-Jährigen koten noch ein (Enkopresis). Die Enkopresis kann sich bei einigen Kindern in das Jugendalter und sogar junge Erwachensenenalter fortsetzen. Deshalb ist eine frühe Behandlung unbedingt notwendig. Jungen sind drei bis viermal häufiger betroffen als Mädchen. Körperliche Ursachen wie Erkrankungen des Darms (z.B. Hirschsprung’sche Erkrankung) müssen ausgeschlossen sein. Zwei verschiedene Formen können unterschieden werden: die Enkopresis mit und die Enkopresis ohne Verstopfung (Obstipation).
Häufig haben die betroffenen Kinder auch andere Probleme, wie z.B. Aufmerksamkeitsprobleme, geringe Frustrationstoleranz, Hyperaktivität, Depression, Angst oder eine schlechte Koordinationsfähigkeit. Manchmal beginnt ein Kind nach einer stressigen Veränderung in seinem Leben, wie z.B. der Geburt von Geschwistern, Trennung oder Scheidung der Eltern, familiären Problemen oder Umzug in ein neues Zuhause "in die Hose zu machen".
Ein Drittel der Kinder, die einkoten, nässen auch ein. Häufig liegt dies daran, dass Kot gegen die Blase drückt und auf diese Weise die Blasenfunktion beeinträchtigt (bei Obstipation).
Ursachen: Einkoten (Enkopresis)
Auch das Einkoten kann genetisch bedingt sein, vor allem wenn sie zusätzlich eine Verstopfung (Obstipation) haben. Bei der Enkopresis mit Obstipation verweilt die Nahrung länger als üblich im Darm und wird daher stärker eingedickt. Weil der Stuhl dabei trocken und hart wird, kann seine Ausscheidung dann sehr schmerzhaft sein. Häufig entspannt auch der äußere Schließmuskel nicht richtig. Bei anderen Betroffenen ist dagegen die Wahrnehmung für den Stuhldrang vermindert oder der Darm wird massiv ausgeweitet.
Untersuchungen haben ergeben, dass etwa ein Drittel der Kinder, die einkoten, auch einnässen. Dies wird damit erklärt, dass der Enddarm und die Blasenhinterwand eng beieinander liegen. Bei einer Ausdehnung des Rektums wird automatisch Druck auf die Blase ausgeübt. Manchmal können die Betroffenen die Blase dann nicht vollständig entleeren oder der Harn staut sich im Nierenbecken. Außerdem werden die Schließmuskeln von Darm und Blase, die beide Teil der Beckenbodenmuskulatur sind, immer gemeinsam angespannt oder entspannt.
Es gibt aber auch Kinder, die einkoten, obwohl sie nicht unter einer Obstipation leiden. Die Ursachen für diese Fälle sind bisher nicht im Detail bekannt.
Bei 30-50% der Kinder, die einkoten, werden gleichzeitig bestehende psychische Auffälligkeiten festgestellt. Allerdings kann selten geklärt werden, ob das Einkoten eine Folge der psychischen Probleme ist oder ob die psychischen Störungen eine Folge des Einkotens sind. Aufmerksamkeitsprobleme, Hyperaktivität, Störungen des Sozialverhaltens oder emotionale Störungen werden häufig im Zusammenhang mit der Enkopresis beobachtet.
Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder, die frühzeitig konsequent zur Sauberkeit angehalten werden, zwar früher sauber sind, zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr aber häufig rückfällig werden. Ab dem fünften Lebensjahr hat die Sauberkeitserziehung dann keinen Einfluss auf das Einkoten mehr.
Störungsbild: Einkoten (Enkopresis)
Kinder, die einkoten, leiden häufig unter Verstopfung (Obstipation). Sie haben selten Stuhlgang und oft einen harten, trockenen Stuhl. Dementsprechend ist auch die Darmentleerung für sie schmerzhaft, so dass sie den Stuhl einhalten. Unter Umständen verursachen die z. T. tastbaren Kotsteine im Darm auch Bauchschmerzen. Durch die verlängerte Darmpassage dickt er zunehmend ein und wird immer härter. Schließlich lässt auch die Peristaltik nach, die durch Anspannung und Entspannung der Muskulatur in der Darmwand, den Stuhl normalerweise ins Rektum befördert. 40 Prozent der betroffenen Kinder haben zudem wenig Appetit.
Häufig treten die Beschwerden schon im Kleinkindalter auf nach einer akuten, d.h. vorübergehenden, Obstipation. Diese kann z.B. durch schmerzhafte Schleimhautrisse im Enddarm oder durch belastende Lebensereignisse ausgelöst werden. Eine Gruppe von Kleinkindern weigert sich länger als einen Monat lang ihr Geschäft auf der Toilette zu erledigen, sie setzen ihren Stuhl nur in die Windel ab. Dies nennt man Toilettenverweigerungssyndrom. Folge kann eine starke Erweiterung des Dickdarms sein, in dem sich der Kot staut.
Es gibt aber auch Kinder, die einkoten, obwohl sie täglich einen normal geformten Stuhl ausscheiden und einen guten Appetit haben. Sie haben in der Regel keine Schmerzen und ihre Wahrnehmung für die Dehnungsreize im Rektum ist nicht vermindert. Ebenso wenig sind Kotsteine tastbar. Die betroffenen Kinder nässen auch seltener zusätzlich ein als diejenigen, die zugleich unter einer Obstipation leiden.
Therapie: Einkoten (Enkopresis)
In einem ersten Schritt sollten die betroffenen Kinder an einen regelmässigen Stuhlgang gewöhnt werden. Natürliche Entleerungsreflexe des Darms nach den Mahlzeiten erleichtern dieses Training. Hierzu sollten die Kinder nach dem Frühstück, Mittagessen und Abendessen etwa 5 bis 10 Minuten lang entspannt auf der Toilette sitzen. Hierbei sollten sie die Füße auf einem Bänkchen aufstellen können. Damit ihnen nicht langweilig wird, können sie derweil lesen, malen oder spielen. Klingelt nach 10 Minuten der Wecker, soll das Kind die Toilette verlassen. In einem Kalender wird erfasst, wann die Kinder Urin oder Kot ausscheiden. Zusätzlich sollte eventuelles Einkoten vermerkt werden. Für ihre Kooperation können die Kinder nach jedem geplanten Toilettenbesuch eine kleine Belohnung erhalten, unabhängig davon ob sie ihr Geschäft erledigen oder nicht. Unfälle werden nicht bestraft. Insbesondere beim Einkoten ohne Verstopfung reichen diese Maßnahmen meist aus.
Bei Kindern, die unter Verstopfung leiden, sind zusätzliche Maßnahmen notwendig. Da sich in ihrem Darm möglicherweise viel Kot angesammelt hat, muss dieser erst einmal ausgeleitet werden. Deshalb verschreibt der Kinder- und Jugendarzt bei Bedarf ein Medikament namens Polyethylenglykol. Die Dosierung wird vom behandelnden Arzt im Einzelfall festgelegt. Der Wirkstoff bindet Wasser im Darm, weicht den Stuhl auf und sorgt für eine schnelle Darmentleerung. Begleitend muss das Kind reichlich trinken. Bei manchen Kindern reicht dieses Medikament zur Darmentleerung nicht aus, so dass auch Einläufe durchgeführt werden müssen.
Ist der Darm erst entleert, ist es wichtig, dass sich keine neuen Kotmassen im Darm ansammeln. Daher muss das Kind in den folgenden Monaten konsequent nach dem Essen auf die Toilette geschickt werden. Zusätzlich soll das Kind über einen längeren Zeitraum (meist 6 Monate bis 2 Jahre) mit Poylethylenglykol behandelt wird. Wird die Obstipation dadurch verursacht, dass die Kinder zu wenig trinken, muss man auch die tägliche Trinkmenge erhöhen. Schulkinder etwa sollten täglich ein bis zwei Liter trinken. Eventuell ist auch eine Ernährungsumstellung notwendig, damit die Kinder ausreichend Ballaststoffe, Obst und Gemüse aufnehmen.