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Dieser Blogeintrag zeigt dir zusammengefasst, wie du eine wissenschaftliche Arbeit erstellst und was du dabei beachten musst.
Häufig begehen Schüler bezüglich der Themenwahl denselben Fehler – sie entscheiden sich für ein Thema, das spannend anmutet und sie interessiert! – «Endlich einmal in der Schule behandeln, was ich wirklich will!»
Dieser Gedanke ist an sich ja auch sinnvoll. Schüler und Studierende übersehen dabei jedoch regelmässig die Komplexität und den Umfang ihres eigenen spannenden Themas und überschätzen diesbezüglich ihre eigene Fachkompetenz. In einer Maturaarbeit oder Bachelorarbeit den Nahostkonflikt oder die Problematik des Brexit lösen zu wollen, ist schlicht und ergreifend unmöglich. Es würde vermutlich bereits den vorgegebenen Umfang der Arbeit sprengen, wenn man lediglich versuchen würde, alle Ereignisse aufzulisten, die den Nahostkonflikt massgeblich beeinflusst haben.
Ebenso unmöglich ist es bspw., auf zwanzig Seiten schlüssig zu beantworten, wie künstliche Intelligenz (AI) oder das Internet of Things (IoT) die Zukunft verändern werden.
Wenige der wirklich interessanten Themen lassen sich – wenn überhaupt – in einer zwanzigseitigen Matura- oder Bachelorarbeit beantworten. Will man sich trotzdem einem solchen Thema annehmen, ist es umso wichtiger, dass man es genügend eingrenzt (thematisch, örtlich, zeitlich, sachlich) und eine klare und präzise Forschungsfrage formuliert (z.B. Wie beeinflusst «Artificial Intelligence» den Schweizer Arbeitsmarkt im Dienstleistungssektor bis 2025).
Beachte:
Eine wissenschaftliche Arbeit ist wissenschaftlich, wenn sie mit einer wissenschaftlichen Methodik verfasst wurde. Diese Methodik kann sich je nach Fachrichtung unterscheiden. Grundsätzlich ist in den meisten Fächern eine theoretische und/oder eine empirische Arbeitsweise möglich und sinnvoll. Die Arbeitsweise ist theoretisch, wenn die Arbeit auf einer Literaturstudie basiert. Man untersucht also die Theorie eines Fachbereiches und versucht das bereits bestehende Wissen zu sammeln und zu bewerten. Ganz neutral. Nach der Idee: eine Gruppe von Personen sagen X, weil… und eine andere Gruppe von Personen sagen Y, weil… Vereinzelt finden sich Stimmen die sagen Z, weil… In dieser Arbeit wird die Meinung X vertreten, weil…
Eine Arbeit ist (nicht theoretisch, sondern) empirisch, wenn eine eigene Forschungsarbeit betrieben wird. Es ist also empirisch, wenn eine aufgestellte These direkt in der Arbeit (statistisch) überprüft wird. Empirie hat sehr viel mit Statistik zu tun und Statistik ist eigentlich nichts anderes als Mathematik.
Wer eine empirische Arbeit schreibt, muss sich zuerst eine These überlegen, die es anschliessend zu beweisen gilt (These: Ein in die Luft geschleudertes Fünffrankenstück bleibt mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% mit der Kopfseite auf dem Boden liegen). Diese These kann dann mittels eines geeigneten Versuchs überprüft werden (Versuch: 10 unterschiedliche Personen werfen ein Fünffrankenstück jeweils nach genauen Versuchsvorgaben jeweils 1000-mal nacheinander in die Luft. Die Resultate werden protokolliert und ausgewertet.) Grundsätzlich sind viele verschiedene Versuchsmodelle denkbar. Für die meisten Studien eigenen sich entweder (physische) Experimente oder eine Umfrage-/Interviewanalyse.
Es ist von zentraler Bedeutung, dass der Studienaufbau so gewählt wird, dass die Resultate auch relevant sind. Das heisst, dass der Versuchsaufbau zum einen eine massgebende Anzahl relevanter Personen/Versuche einbezieht und dass die verwendeten Personen/Versuche für den Versuch passend ausgewählt sind. Will jemand durch ein Experiment herausfinden, ob eine neu entwickelte Antibabypille wirkt, ist das Resultat beispielsweise nicht relevant oder aussagekräftig, wenn im Experiment lediglich zwei Männer und eine bereits unfruchtbare Frau getestet wurden. Bezüglich statistischer Relevanz und Versuchsaufbau empfehlen wird dieses Buch.
Am Anfang jeder Arbeit steht eine Forschungsfrage. Jedes darauf folgende Kapitel, jeder darauf folgende Abschnitt und jeder darauf folgende Satz (abgesehen von der Einleitung) sollte ausschliesslich im Hinblick darauf geschrieben werden, genau diese Forschungsfrage zu beantworten. Gute wissenschaftliche Arbeiten enthalten keine Informationen, die zu ausschweifend oder nicht zielführend sind. Am besten fragt man sich nach jedem Abschnitt, ob dieser schlussendlich wirklich zur Beantwortung der Frage beigetragen hat. Wenn ja, super – wenn nein, löschen!
Wer eine bestimmte Zeichenanzahl erreichen muss ist häufig versucht sog. Füllwörter zu verwenden oder seine Arbeit künstlich auszuschmücken. Eine solche, künstlich gestreckte Arbeit fällt negativ auf. Normalerweise ist es besser, weniger als die vorgegebene Zeichenanzahl zu schreiben, wenn man bereits mit weniger Zeichen die Forschungsfrage wissenschaftlich, treffend und in genügender Tiefe korrekt beantwortet hat. Fällt der Umfang der Arbeit zu gross aus, wurde häufig das Thema und die Forschungsfrage nicht richtig eingegrenzt.
Tipp: Suche eine aktuelle Facharbeit mit ähnlichem/gleichen Themenbereich wie derjenige Deiner Arbeit. Suche diese bspw. auf www.recherche-portal.ch, www.swissbib.ch oder https://scholar.google.ch. Neben dem Vorteil, dass der Aufbau der Arbeit als Inspiration für die eigene Disposition dienen kann, findest Du meist auch hilfreiche Quellen.
Wenn Du Dein «Hauptwerk» richtig wählst, entnimmst du diesem alle relevanten Quellen in Deinem Themenbereich. Zudem kannst Du davon ausgehen, dass die häufig zitierten Autoren für Dein Thema von grösserer Bedeutung sind als wenig zitierte. Du solltest darauf achten, dass Du die für Dein Thema relevanten Autoren ebenfalls in Deiner Arbeit zitierst. Die Bücher/Texte/Publikationen dieser «relevanten» Autoren sind übrigens wiederum voll gepackt mit relevanten und weiterführenden Quellen. Auf diese Art und Weise ist es ziemlich einfach, in relativ kurzer Zeit einen guten Überblick über das Themengebiet zu erhalten.
Bitte achte darauf, dass Du richtig zitierst! Grundsätzlich gilt: zu zitieren ist der Autor und das Werk des originalen Inhalts. Original ist der Autor, der den von Dir übernommenen Gedanken/Fakt ursprünglich veröffentlicht hat. Wenn Du also bspw. die Dissertation von Herrn X als Dein «Hauptwerk» verwendest und Herr X darin wiederum den Artikel von Dr. Y zitiert, musst Du normalerweise für den relevanten Abschnitt (nur) Dr. Y zitieren.
Beachte: Du musst aber Herrn X (oder sogar beide Autoren) zitieren, wenn Herr X den Gedanken von Dr. Y selbst weiterentwickelt hat (also selbst originale Gedanken seinerseits angeführt hat) und Du in Deiner Arbeit diese Weiterentwicklung aufnimmst.
Eigentlich ist es relativ einfach; zitiere immer die originale Quelle. Wenn Du nicht sicher bist, welches diese Quelle ist, zitiere die Quelle, aus der Du das Zitat entnommen hast.
Es ist von zentraler Bedeutung, dass Du in einer wissenschaftlichen Arbeit richtig zitierst. Die korrekte wissenschaftliche Behandlung der Quellen ist ebenso wichtig wie der eigentliche Inhalt der Arbeit. Es existieren mehrere Zitierstandards (u.a. APA, MLA, Harvard, etc.). Der angeforderte Standard variiert nach Fach und Schule und Universität. An vielen Schweizer Universitäten ist APA meist verwendete Standard.
Da es den Rahmen dieses Blogs sprengen würde, alle Eventualitäten der üblichen Zitierstandards abzubilden, verweisen wir auf die folgenden zwei Bücher:
Zum Zitieren im Allgemeinen: Insbesondere Maturanden und Studierende in den ersten Semestern haben teilweise das Gefühl, dass es «besser» oder «rühmlicher» wäre, wenn in ihren Arbeiten möglichst wenig zitiert wird, um möglichst viel als Eigenleistung vorzuweisen. Das Gegenteil ist der Fall! Zitiere möglichst viele und gute Quellen. Zur Inspiration empfehlen wir den Blick in eine beliebige, gute Doktorarbeit. Nicht selten umfasst dort das Literatur- und Materialienverzeichnis 30-40 Seiten.
Als Vorlage: Eine wissenschaftliche Arbeit ist (je nach Umfang und Vorgaben) häufig folgendermassen aufgebaut:
Titelblatt
Abstract
I Inhaltsverzeichnis
II Tabellenverzeichnis
III Abkürzungsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kapitel X
2.1 Unterkapitel X
2.1.1 Sub-Unterkapitel X
3 Kapitel Y…
4 Schluss/Fazit und Ausblick
IV Literaturverzeichnis
V Anhang
VI Eigenständigkeitserklärung