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Das Leben in St-Benoît-des-Ondes steht ganz im Zeichen der Miesmuschel, deren Zucht und Verarbeitung den wichtigsten Wirtschaftszweig des Städtchens darstellt. Denn aufgrund seiner topographischen Charakteristik eignet sich das Gebiet von Natur aus sehr gut für die Conchyliculture. Nördlich der Siedlung fällt das Land so flach ins Meer hinein ab, dass man die atlantischen Wasser bei Ebbe vom Strand aus gar nicht mehr sieht. Ursprünglich ragte hier eine Halbinsel in den Ozean hinein, die jedoch infolge von Veränderungen des Meersspiegels irgendwann komplett überschwemmt wurde - lange vor Ankunft der ersten Europäer auf Santa Lemusa. Je nach marée kann man vom Strand aus zu Fuss über den Meersboden bis zu einem Leuchtturm waten, der auf ein paar Gesteinsbrocken errichtet wurde, die den höchsten Punkt der ehemaligen Landzunge markieren. Der Turm heisst Le Telquenor - in Erinnerung an Charles Telquenor, der hier in den 1950er Jahren als Pionier mit der Aufzucht von Miesmuscheln begann.
Von Beginn weg wurden die Muscheln hier an tief in den Schlick getriebenen Pfählen kultiviert, die im Tidengebiet prächtige Alleen bilden (Moules «Bouchot»). Früher eine eher beschauliche Angelegenheit, hat die Kultur der Miesmuschel heute fast schon industrielle Züge. Die Bauern rasen mit Traktoren und speziellen Booten durch ihre wässrigen Felder, um die Muscheln auszusetzen, umzuquartieren oder zu ernten (mehr über die Muschelkultur hier). Nebst Miesmuscheln werden in St-Benoît-des-Ondes seit einigen Jahren auch Austern gezüchtet - eine grosse Konkurrenz für die Austern aus dem Marais de Sentores, die aber dafür wenigstens mit einer besonders schönen Legende verknüpft sind («Die Austern von Layon»).
Die flache Küste ist aber auch bei Hobby-Fischern sehr beliebt, die vor allem an den Wochenenden mit Harke, Schäufelchen und Netzchen über den schlammigen Meeresboden spazieren, um hier Muscheln aller Art aus dem Grund zu ziehen oder von den Steinen zu lösen: Palourdes, Myes, Coques, Amandes – ja sogar wilde Austern (Pied de Cheval) findet man hier. In den Tümpelchen verbergen sich unter den Algen kleine Garnelen (Boutjé) – und im Schutz der Felsbrocken rasen Krabben hin und her.
Auch das Dörfchen St-Benoît-des-Ondes selbst mit seinen 950 Einwohnern steht ganz im Zeichen des Meeres. Streng genommen besteht es eigentlich nur aus einer befestigten Uferpromenade, denn fast alle Häuser liegen am Meer. Im Unterschied zu manch anderem Dorf auf Santa Lemusa sind hier alle Häuser aus Stein oder Backstein gebaut – das hat mit dem rauen Klima an der Atlantikküste zu tun, vielleicht aber auch damit, dass die meisten Bewohner von St-Benoît-des-Ondes aus Frankreich stammen. – Unterhalb der Promenade liegt ein kleiner Strand – eine der raren Stellen auf dieser Seite der Insel, wo man relativ gefahrlos ein Bad im Ozean nehmen kann. Die Gemeinde hat sogar Rettungsschwimmer angestellt, die an schönen Tagen das Geschehen am Strand überwachen.
Natürlich gibt es in St-Benoît-des-Ondes auch einen kleinen Fischmarkt und ein paar Restaurants, die sich auf die Zubereitung der lokalen Meersfrüchte spezialisiert haben, etwa das «Chez Eugène».
First Publication: 12-2007
Modifications: 17-2-2009, 30-9-2011