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Es ist für uns selbstverständlich, dass wir für unser Haus eine Gebäudeversicherung abschliessen. Wir möchten unseren wertvollen Besitz vor Naturgefahren oder Bränden schützen. Aber warum ist heute eine Gebäudeversicherung obligatorisch? Oder anders gesagt für uns nicht mehr wegzudenken?
Der Grund, wieso die Gebäudeversicherung obligatorisch ist, finden wir einerseits in der Geschichte und andererseits den stattgefundenen Katastrophen. Vor allem Grossbrände, wie der Brand von Glarus 1861, zeigten, dass Gebäude flächendeckend versichert werden sollten. In den Schlagzeilen hiess es “Glarus brennt”. Bei diesem Grossereignis sind 600 Häuser niedergebrannt (die Hälfte der damaligen Stadt) und 2’300 Menschen wurden obdachlos.
Wieso ist die Gebäudeversicherung in vielen Kantonen obligatorisch und durch ein Monopol geregelt?
Der Ursprung liegt in der Vergangenheit. Die Geschichte der Versicherung beginnt bereits im Mittelalter. Dort haben sich sogenannte Brandgilden zusammengeschlossen, um sich in Notfällen gegenseitig zu unterstützen. Sie halfen einander in Brandfällen und übernahmen andere fürsorgliche Aufgaben.
Im Jahr 1591 haben sich in Hamburg über hundert Hauseigentümer entschieden sich gegenseitig in Brandfällen finanziell unter die Arme zu greifen. Damals nannten die Hamburger die Verträge «Feuerkontrakte». Während dieser Zeit wütenden mehrere Stadtbrände in Hamburg. Aus diesem Grund wurden die Feuerkontrakte immer beliebter. Die Stadt entschied sich 1676 die Hamburger Feuerkasse zu gründen. Damit war die erste Brandversicherungsanstalt der Welt geboren. Die Hamburger Feuerkasse gibt es übrigens heute noch.
In Deutschland blieb die erste Brandversicherungsanstalt nicht unbemerkt. Ende des 18. Jahrhunderts verfügte fast die ganze Region über eine Gebäudeversicherungsanstalt.
Wie kam die Gebäudeversicherung in die Schweiz?
Das verdanken wir Napoleon! Durch einen Friedensvertrag wurde das Fricktal von Österreich abgetrennt und dem Kanton Aargau zugesprochen. Das Fricktal kannte bereits die Vorteile der Feuerversicherung und wollte diese behalten. Vor allem Hypothekargläubiger setzten sich für den Erhalt der Feuerversicherung ein. Im Jahr 1806 entschied der gesamte Kanton die obligatorische Gebäudeversicherung «Allgemeine Feuerassekuranzanstalt» einzuführen.
Danach kamen immer mehr Kantone dazu:
Ausser die sogenannten GUSTAVO-Kantone (Genf, Uri, Schwyz, Tessin, Appenzell IR, Wallis und Obwalden) haben alle Kantone eine kantonale Gebäudeversicherung. Dies ist dem Föderalismus zu verdanken.
Heute noch erinnern sogenannte Feuerversicherungsschilder an den Hauswänden an diese frühe Zeit. Diese Schilder dienten als Zeichen, dass das Haus versichert ist.
Ab wann konnte die Schweizer Bevölkerung sich gegen Elementarschäden versichern?
1868 ereignete sich ein katastrophales Hochwasser mit 50 Todesopfern und enormen Gebäudeschäden. Die Bevölkerung musste für die teils massiven Folgen selber aufkommen. Damals gab es keine Elementarschadenversicherung. Elementarschäden galten damals einfach als «unversicherbar», weil die Schäden sich regelmässig wiederholten, meistens ein grosses Ausmass hatten und das Risiko schwierig abzuschätzen war.
Schweizweit der erste Kanton mit einer Elementarschadenversicherung war im Jahr 1926 Appenzell Ausserrhoden. Noch im gleichen Jahr kam der Kanton Waadt hinzu.
Heute haben alle Kantone mit einer kantonalen Gebäudeversicherung die Elementarschadenversicherung inkludiert. Das heisst, dass die kantonalen Gebäudeversicherer die Feuer- und Elementarschadenversicherung in einem Paket anbieten.
Wann haben die Schweizer Privatversicherungen die Elementarschadenversicherung, wie man sie heute kennt, eingeführt?
Teilweise haben Privatversicherer bereits in den 1930er Jahren die Elementarschadenversicherung von den Kantonen übernommen. Im Jahr 1950/51 nach einem Winter mit 498 Lawinenniedergängen allein in Graubünden, war klar, dass eine Elementarversicherung für die Gesellschaft notwendig und unverzichtbar ist.
Daraufhin schlossen sich die privaten Schweizer Versicherungsgesellschaften im Jahr 1953 zusammen und gründeten einen sogenannten Versicherungspool für die Elementarschadenversicherung.
Kantonale vs. Private Versicherung: Was ist der Unterschied der Elementardeckung?
Kantonale Gebäudeversicherungen: Die Elementarschadenversicherung ist über die jeweiligen kantonalen Gesetze geregelt.
Private Versicherer: Die Elementarschadenversicherung ist über den Versicherungspool für Elementarschadenversicherung geregelt.