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Der Thwaites-Gletscher in der Westantarktis ist einer der am meisten untersuchten Gletschersystem der südlichen Halbkugel. Dies hängt sowohl mit seiner Ausdehnung wie auch der Schmelzgeschwindigkeit zusammen. Forscher befürchten, dass das Abschmelzen des Gletschers zu einem globalen Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 65 Zentimeter führen kann. Weil die Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Schmelze bereits begonnen hat und irreversibel ist, hat sich die International Thwaites Glacier Collaboration (ITGC) gebildet, die in den nächsten 5 Jahren ein genaues Bild rund um den Gletscher erstellen will. Erste Daten zeichnen aber ein noch düstereres Bild als bisher angenommen.
Die Forscher, die im Februar zum ersten Mal bis zur Gletscherkante vordringen konnten, sammelten mit Hilfe eines ferngesteuerten Unterwasserroboters Daten von der Unterseite des Schelfeises. Dieser Bereich war bisher den Forschern nicht zugänglich gewesen aufgrund von zuviel Packeis vor der Gletscherfront. Dabei machten sie eine erschreckende Beobachtung: Die Gletscherzunge wird unter Wasser von drei Seiten her mit wärmeren Wassermassen regelrecht ausgehöhlt. «Thwaites hat gleich drei Waffen auf sich gerichtet. Das warme Wasser kommt aus allen Richtungen», erklärt Erin Pettit, Glaziologin an der Oregon State University und Co-Leiterin des ITGC. Diese warmen Strömungen reduzieren die Stabilität des Gletschers, der so gross wie Grossbritannien oder Österreich ist und genügend Eis enthält, so das beim Abschmelzen der Meeresspiegel global um bis zu 65 Zentimeter ansteigen kann. Ausserdem könnte das Abschmelzen der Gletscherzunge eine Kettenreaktion in Gang setzen, da sie einige Gletscher vom Abfluss ins Meer abhält.
Im vergangenen Februar waren die Bedingungen für Pettit und ihre Kollegen ideal, um sich der Gletscherkante zu nähern. Mit Hilfe eines Roboters konnten die Wissenschaftler Daten unter dem Schelfeis sammeln und den Meeresboden kartografieren. Dabei zeigte sich, dass warmes Wasser vom nahegelegenen Pine Island Gletscher hinübergetrieben wird und sich mit weiteren warmen Wassermassen unter dem Thwaites-Gletscher vermischt. Dadurch wird die bisher stabile Ostseite des Gletschers, die auf einer Felszunge aufliegt, schneller abgeschmolzen als bisher erwartet. Wenn diese Seite zusammenbricht, wird dies die ganze Situation negativ beeinflussen, meint Pettit. Diese Seite bewegt sich lediglich um 600 Meter pro Jahr, während die Westseite bis zu 2 Kilometer jährlich in Bewegung ist. Im nächsten Jahr soll der Roboter noch weiter unter das Eis gehen und bis zur Grounding-Linie, wo der Gletscher auf dem Land liegt, vordringen. Bis in drei Jahren sollen genügend Daten vorliegen, die mehr über die Zukunft des Thwaites-Gletschers aussagen werden.
Quelle: Jeff Tollefsen, Nature