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sgv lehnt Gesetz über elektronische Medien ab
Kommt der Segen wirklich von oben?
Wenn die 200 globalen Konzerne in der Schweiz, die den harten Kern der Globalwirtschaft bilden, ihre Position und manche Steuervorteile verteidigen, kommt bald das Argument, der Wohlstand, der an den Tischen der Reichen und Mächtigen herrsche, tröpfele auch über die Tischkante nach unten, dorthin, wo die KMU und das Gewerbe tätig sind. Dieser «Trickle down»-Effekt spielt schon seit einer Generation nicht mehr in den USA und ist auch in Grossbritannien nicht mehr der Fall. Die im Süden der Insel wohnenden etwas reicheren Engländer leben von Pensionen und alten Vermögen, die langsam kleiner werden.
Könnte es möglich sein, dass die Wirkung dieses auf der sozialen Stufenleiter nach unten tröpfelnde Geld gar nicht die Rolle spielt, die man ihm gerne zuspricht? Ist es nicht wahrscheinlicher, dass von unten nach oben ein «Push up»-Effekt spielt, der den Wohlstand des Mittelstands nicht vermehrt, wohl aber denjenigen der grösseren Kapitalbesitzer?
Beispiel 1: Wer nur beschränkte flüssige Finanzmittel hat, trägt diese im Allgemeinen zur Bank, hoffend, von dieser wieder etwas zu erhalten, was in den letzten zehn Jahren allerdings nicht mehr spielte. Die Bank jedoch arbeitet mit dem Geld der kleinen Leute und des Mittelstands. Dann werden jene reicher, die entweder selbst Bankiers sind oder für Klienten arbeiten, die mit Geld gewinnbringend umgehen können.
Beispiel 2: Wer als junger Mensch an einer Handelsschule oder einem vergleichbaren Institut erfolgreich abgeschlossen hat und in sich die Fähigkeit erkennt, auch Grösseres zu leisten, als in der Provinz zu verkümmern, sucht den Weg in einen Weltkonzern, wo die Ansprüche grösser und der interne Wettbewerb ausgeprägter sind. Diese jungen Menschen aus der Provinz strömen jedes Jahr zu Tausenden in die urbanen Zentren. Ihr Wissenskapital strömt nach oben.
Beispiel 3: Die Weiterbildung bis hinauf in die Universitäten wird vom Schweizer Steuerzahler beglichen. Fabrikarbeiter, Maurer und Serviertöchter tragen zu Hunderttausenden dazu bei, dass eine Minderheit studieren kann. Es sind gerade die Besten dieser Studenten, die dann in die Verwaltung, zu Konzernen oder gleich ins Ausland gehen. Das Know-how fliesst nicht nach unten, sondern nach oben.
Der Schweizerische Gewerbeverband sgv ist heute wegen seiner inneren Geschlossenheit und klaren Führung vielleicht der stärkste Verband im Kreis der Grossen. Er vertritt zwei Drittel aller Arbeitsplätze und 70 Prozent aller Lernenden aus rund 500 000 dominierenden Schweizer Unternehmen. Das ist ein markanter und auch innenpolitisch bedeutsamer Unterschied zu den Konzernen und globalen Dienstleistern, die vielleicht noch Schweizer Wurzeln haben, aber immer mehr Bedingungen stellen, um ihren Verbleib im Land zu sichern.
Es erstaunt daher wenig, dass es die Elite der Schweizer Politik war, die dem sgv zur 70. Gewerblichen Winterkonferenz in Klosters die Aufwartung machte. Wer im Wahljahr 2019 seine Chancen verbessern möchte, tut gut daran, sich mit dem Gewerbe und den KMU gut zu stellen.
Frei von falschem Elitismus bewies SGV-Präsident Jean-François Rime seine Fähigkeiten als hart Nachfragender, der sich mit einfachen Antworten nicht zufrieden gab. Hans-Ulrich Bigler, Direktor, führte diskret, indem er andere führen liess, und Henrique Schneider, sein Stellvertreter, moderierte die Tagesprogramme besser als mancher Moderator auf der Bühne. Es ist diese elegant-sichere Haltung auch in der Umsetzung seiner Politik, die dem sgv zur heutigen Stärke verholfen hat.
In der Schweizer Öffentlichkeit wird dies noch ungenügend erkannt, denn die Tenöre der Finanzwirtschaft, der Industrie und der globalen Dienstleister beherrschen das Feld der Schweizer Medien sehr weitgehend. Das Weltcafé in Davos, WEF genannt, erschüttert die Seelen, weil es den Medien mehr Unterhaltung als Substanz bietet.
Ganz anders die sgv-Winterkonferenz in Klosters. Dort wurde echt gearbeitet und heftig diskutiert. Es gab auch ein wichtiges Ergebnis unter anderen, das auffällt: «Die Schweiz soll mit Brüssel weiterverhandeln.» Hier hat die Vernunft gesprochen.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon (ZH)
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