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Tabletten zur Prävention – PROUD Studie voller Stolz
Heute hat das Englische Forschungsinstitut MRC eine wichtige Mitteilung gemacht: Die PrEP-Studie „PROUD“ soll wegen erfolgreichen Resultate entblindet werden. Werden wir nun HIV-Prävention mit Pillen machen?Eigentlich wissen wir es schon länger: Die regelmässige Einnahme eines HIV-Medikamentes kann HIV-negative Personen vor einer HIV-Infektion bewahren. Verschiedene Studien haben dies schon bewiesen, insbesondere die Daten der iPrex-Studie zeigen, dass diejenigen Personen, welche das Medikament regelmässig einnehmen, auch vor einer HIV Infektion geschützt sind. In der iPrex-Studie haben allerdings nur gerade knapp 45% der Probanden das Medikament regelmässig geschluckt.
Wenn, dann wirksam..
Tatsächlich kann man sagen, dass diejenigen, die die tägliche Tablette nehmen, tatsächlich auch geschützt sind vor einer HIV-Infektion. Somit – so hatten wir früher berichtet – ist die Massnahme so wirksam wie die Kondome, nur der Preis (ca. 10’000.-CHF / Jahr) ist in einer anderen Liga.
PROUD – die Englische Antwort auf iPrex
Die Englische PROUD Studie hat gut 500 Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) eingeschlossen. Mitmachen konnte, wer angegeben hat, dass er in den letzten Monaten Analverkehr mit einem HIV-positiven Mann oder einem Mann mit unbekanntem Serostatus hatte und dabei kein Kondom benutzte. Die Probanden wurden per Zufall in eine von zwei Gruppen eingeteilt: Entweder sofortiger Beginn mit PrEP oder die PrEP wurde erst nach einem Jahr angeboten (delayed group), respektive diese Gruppe hatte Placebo-Pillen.
Resultate unveröffentlicht, aber offenbar eindeutig
In einer Zwischenauswertung wurde nun offenbar festgestellt, dass in der Placebo-Gruppe mehr HIV-Infektionen aufgetreten sind als erwartet, deutlich mehr als in der Gruppe, die das HIV-Kombinationspräparat (Tenofovir+ Emtricitabine) erhielten. Die Studienleitung hat nun aufgrund der eindrücklichen Resultate beschlossen, allen Probanden in der deferred Gruppe das Medikament jetzt schon anzubieten. Leider wissen wir nichts genaues über die Anzahl Infektionen. Von sonst gut unterrichteten Kreisen habe ich vernommen, dass es offenbar drei Männer waren. Das scheint wenig, doch in einem halben Jahr drei von 250 ist doch mehr als der Durchschnitt bei MSM in England (1.4%).
Publikation ausstehend
Wir sind gespannt auf die ausführlichen Daten. Die Studie soll im Januar publiziert werden. In einem halben Jahr fast doppelt so viele Infektionen (oder allenfalls noch mehr) als normalerweise erwartet, ist doch sehr viel. Es stellt sich natürlich bei so kleinen Zahlen auch die Frage, ob dies nicht einfach auch eine zufällige Häufung war – ein sogenannter „Cluster“, wie wir dies von der HIV-Epidemiologie sehr gut kennen.
Kommentar
Die PrEP scheint wirklich wirksam zu sein. Das ist nichts Neues. Ob es vertretbar ist, dass junge gesunde Menschen ein Medikament mit potentiellen Nebenwirkungen einnehmen sollen, müssen wir gut prüfen. Sorgen machen uns nebst der Nierenfunktionssstörung und der Abnahme der Knochendichte insbesondere die bisher schlecht studierten Informationen über die mögliche Beschleunigung des Alterungsprozesses durch Tenofovir. Eine Nebenwirkung die im Labor gesehen wurde, bisher aber noch nicht bei Patienten systematisch nachgeprüft wurde.
Das Hauptproblem mit der PrEP-Anwendung von Tenofovir wird aber der Preis sein. Bei den aktuellen Preisen wird wohl niemand bereits sein, für die Prävention einen günstigen Kleinwagen pro Jahr auszugeben. Auch die Krankenkassen nicht. Intermittierende Anwendungen – PrEP nach Bedarf – werden in Zukunft sicher noch besser erforscht werden müssen.
Quelle: MRC-seite – Zugriff 16.10.14