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Mohammed sitzt auf der Ladefläche seines Pferdewagens und schaut über seine Felder; eine halbe Hektare trockenes Ackerland. Dieses Jahr gab es kein Wasser. «Das einzige, das hier fliesst, ist Abwasser», sagt der Bauer und zeigt auf einen dreckigen Kanal. Es ist Ende Juli, Hauptmonsunzeit. Eigentlich sollte das Land, auf dem er steht, jetzt überflutet sein. Denn es befindet sich im Flussbett des Ravi, ausserhalb von Lahore.
Früher stand hier alles unter Wasser. Heute nicht mehr. Um sein Feld überhaupt noch bewirtschaften zu können, hat Bauer Mohammed ein Bohrloch gegraben. Aus etwa 20 Metern Tiefe pumpt er Wasser an die Oberfläche. Von der Politik fühlt er sich verlassen. Niemand spreche über die Trockenheit. «Ex-Premierminister Nawaz Sharif ist korrupt und kümmert sich nicht um uns.»
Die Empörung von Bauer Mohammed sei verständlich, erklärt Fazallulla Qureshi, ein ehemaliger Top-Bürokrat in Islamabad: «Auf dem Papier schreiben die Parteien, dass sie das Problem der Wasserknappheit angehen wollen, doch in der Praxis überlassen sie das Thema Gott.»
Wahltag von Selbstmordanschlag überschattet
Die Parlamentswahl in Pakistan ist von einem schweren Selbstmordanschlag überschattet worden. In Quetta, der Hauptstadt der Provinz Baluchistan, sprengte sich ein Selbstmordattentäter in der Nähe eines Wahllokals in die Luft und riss 29 Menschen mit in den Tod. Mehr als 30 Menschen wurden laut einem Krankenhaussprecher verletzt. Der Attentäter habe sein Motorrad in ein Polizeifahrzeug gesteuert, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Sicherheitskreise. Zur Tat bekannte sich die Islamisten-Miliz IS.
Dabei gehören Trockenheit und Klimawandel laut internationalen Organisationen zu den Hauptherausforderungen Pakistans und wären im Prinzip ein gutes Wahlkampfthema, ist Qureshi, der frühere Direktor der pakistanischen Planning Commission, überzeugt. Denn etwa zwei Drittel der Bevölkerung in Pakistan sind Bauern. Ihr Unterhalt hänge zu 100 Prozent vom Wasser ab.
Keine Verhandlungen mit Erzrivale Indien
Die Bewässerungskanäle in Pakistan sind veraltet. Obwohl 95 Prozent des Frischwassers für den Ackerbau benutzt werden, sind die landwirtschaftlichen Erträge eines Landwirts in Pakistan viel geringer als jene in China oder Indien. Doch die Politik begnüge sich mit leeren Versprechungen, so Qureshi. Sie wollen Staudämme bauen. Doch das bringe nichts, wenn da kein Wasser sei.
Ein weiteres Problem ist, dass viel Wasser aus indischen Quellen stammt und dort vom Erzrivalen abgezwackt wird, bevor es nach Pakistan fliesst. Doch anstatt Verhandlungen mit dem Nachbarstaat zu führen, begnüge sich die pakistanische Politik mit Schuldzuweisungen, erklärt Qureshi weiter.
Bauer Mohammed glaubt der Politik jedenfalls nicht mehr. Deshalb stimmt er jetzt für den Wechsel, für Imran Khan. Der verspreche zwar auch kein Wasser, aber zumindest Arbeit für die Jungen. Er hofft, dass sein Sohn endlich Arbeit findet. Dann muss er nicht mehr auf das ausgetrocknete Feld im Flussbett.