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Gerade haben wir die Osterwoche hinter uns gelassen. Die frühe Kirche setzte während dieser Zeit die Glaubenseinführung der in der Osternacht Getauften fort. Sie trugen ihre weissen Taufkleider bis zum Sonntag nach Ostern, der aus diesem Grund bis heute «Weisser Sonntag» heisst.
Lässt sich Glaube überhaupt unterrichten? Zweifellos gibt es eine unüberschaubare Menge an Kenntnissen, die man über die Bibel, die Kirchen- und Heiligengeschichten, die christlichen Gebete und Gebräuche lehren und lernen kann. Lautet die Antwort also Ja?
Petrus Canisius hätte vielleicht so geantwortet. Der Jesuit, dessen Gedenktag die Katholische Kirche heute begeht, wollte im 16. Jahrhundert den Katholischen Glauben verständlich auf den Punkt bringen und verfasste einen Katechismus, der bis vor 50 Jahren Vorlage für die katholische Glaubensunterweisung blieb.
Eines Kirchenlehrers aus einer ganz anderen Epoche gedenken heute die Evangelischen Kirchen. Origenes wirkte in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts vor allem im antiken Palästina. Er hat sich besonders damit befasst, wie die Menschen seiner Zeit die Heilige Schrift verstehen können.
Ob er auf die Frage nach der Glaubensvermittlung so geantwortet hätte, wie ich es von Petrus Canisius vermute, weiss ich nicht. Über die Tugend sagte er, wenn man bei ihr «die freiwillige Betätigung aufhebt, so hebt man auch ihr Wesen auf.» Das gilt gewiss auch für den Glauben. Mehr als den Verstand muss er das Herz berühren, sonst bleibt er bloss Gehorsam oder Pflichterfüllung. Keine schlauen Vorträge oder raffinierten Methoden können Glauben so nahebringen wie das gelebte Vorbild eines ergriffenen Menschen.