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Von Ludwigshafen nach Überlingen
Die Aufnahmen wurden am 3. Oktober 2012 gemacht.
Ich starte die Wanderung in Ludwigshafen, am Bahnhof. Ludwigshafen (das seit 1975 mit Bodman zusammen eine Einheitsgemeinde bildet) hiess früher Sernatingen und wurde erst 1810 auf den heutigen Namen getauft, weil ein Grossherzog Ludwig dort einen Hafen errichten liess. – Das auffallendste Gebäude ist das wuchtige Zollhaus, direkt an der Schiffanlegestelle. »Grossherzogliches Badisches Hauptzollamt« ist es angeschrieben, samt badischem Wappen. Heute dient es als Rathaus und Zentrum für Bürger und Gäste.
An einem Nebengebäude des Zollhauses fällt ein Wandrelief von Peter Lenk (Schöpfer der grandiosen »Imperia« an der Hafeneinfahrt von Konstanz) auf. Es ironisiert zum einen die Umbenennung des Ortes (in »Ludwigshafen«); es weist aber auch auf die Politik anlässlich der Finanzkrise 2008 hin. Auf widersprüchliche Reaktionen traf die Darstellung von fünf Politikern (inklusive Angela Merkel), die sich als »Global Players« gebärden. Achte auf Details, es ist unglaublich witzig!
Diesmal geht es nicht in Richtung Bodman (schaut euch dazu die Seite Von Bodman-Ludwigshafen zur Marienschlucht an). Mein Ziel ist Überlingen. Schon beim Studium der Landkarte wurde klar, dass ich dazu nicht die Strasse direkt am Seeufer nehmen würde. Das wäre eindeutig zu langweilig. Also schlage ich den Weg über die Hügel ein, zuerst in Richtung des Stättelbergs.
Nach einer Stunde erreicht man den »Haldenhof«, ein grosses Fachwergebäude mit Restaurant. Der Hof wird erstmals 1437 erwähnt. Ein paar Minuten später ist man bei der Ruine »Hohenfels« angekommen. Die einstige Burg wurde im 12. Jahhundert erbaut. Nach mehreren Besitzerwechseln und ihrer Zerstörung 1641 verfiel sie zur Ruine. Einige Mauerreste sind übrig geblieben.
Drei Kilometer weiter erscheinen mitten im Wald seltsame, wie Penisse 5 bis 7 Meter aufragende Sandsteine. Sie heissen die sieben Churfirsten. Die »Mützen« am oberen Ende bestehen aus härterem Gestein und schützten den darunter liegenden Sandstein vor der Erosion. Entstanden sind sie in der letzten Nacheiszeit vor mehr als 10’000 Jahren. – Sie befinden sich übrigens innerhalb eines 15 Hektaren umfassenden Naturschutzgebiets, des sog. Sipplinger Dreiecks.
Eine Dreiviertelstunden weiter, beim Abstieg zum See, passiert man eine 20 Meter durchmessende und 10 Meter Tiefe Gletschermühle. Sie ist fast kreisrund und entstand, als während der letzten Eiszeit Schmelzwasser von der Oberfläche des gigantischen Gletschers, der damals auch das Gebiet des heutigen Bodensees überzog, in eine Spalte stürzte. Dort traf der Strom auf hartes Geröll, bildete einen Strudel und mahlte so den Topf aus dem weicheren Sandstein. Die Gletschermühle liegt im 4 Hektar grossen Naturschutzgebiet Katharinenfelsen.
Am See unten angekommen, geht die Wanderung der Strasse entlang weiter nach Überlingen. Vorher passiert man eine senkrechte Wand aus Sandsteinfelsen. Sie sind gespickt mit Kästen, in denen Dohlen nisten. Durch die Sanierung von Kirchen, alten Gebäuden und Mauern verloren diese Vögel ihre Brutstätten. Ihr Bestand schrumpfte in dramatischer Weise, so dass Naturschützer Nistkästen an der Felswand montierten. Neben Dohlen sollen sich bereits schon Turmfalken und Schleiereulen zum Brüten eingenistet haben.
In Überlingen nahm ich die Bahn nach Friedrichshafen, von dort die Fähre zurück in die Schweiz.