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Schon die römischen Legionäre kannten eine Halsbinde, die den Kragen geordnet zusammenhalten sollte. Das sogenannte focale ist die erste von unzähligen Varianten dieses Elements der Uniform. Über die Jahrhunderte hinweg hat es sich mit dem Stil der Uniformen weiterentwickelt – von Land zu Land, von Heer zu Heer. Die bekannte Legende vom Hof des französischen Königs Louis XIV. berichtet, dass dieser bei einer Truppenparade ein kroatisches Regiment erblickte, dessen Uniformkragen mit einem besonders auffälligen farbigen Band geschmückt war – à la croate. Die Nähe zu cravate ist offensichtlich; der König soll so begeistert gewesen sein, dass er sofort einen cravatier beauftragte, ihn täglich bei der Wahl der passendsten Halsbinde zu beraten. Der gesamte Adel tat es ihm anschliessend gleich.
Macht, Eleganz, Einfluss, Elite
So ist es bis heute geblieben. Wer eine Führungsposition innehat, trägt Anzug und Krawatte. Von den Entscheidungsträgern bis in die untersten Chargen wird diese Vorschrift noch weitgehend eingehalten. Ob in Business- oder Politikerkreisen, ob in der Welt der Reichen und Schönen: Die Globalisierung der Männermode funktioniert. Abweichler, die bewusst auf die Krawatte verzichten (wie etwa der griechische Regierungschef Alexis Tsipras, Minister aus Iran oder Parlamentarier aus unterschiedlichsten Parteien), wecken Misstrauen. An britischen Eliteschulen und in Clubs ist die einheitliche Krawatte eine Selbstverständlichkeit. Schulkinder tragen in vielen Ländern Schuluniform – meist mit Krawatte. In zahlreichen Unternehmen ist die Firmenkrawatte als Zeichen der Zugehörigkeit erwünscht.
Wo bleibt die Individualität?
Mancher Bankangestellte mag sich über den sturen Anzugzwang ärgern. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, sein persönliches Profil zu betonen. Ein Mittel ist die Wahl der Krawatte; mit gewissen Farben und Mustern kann man Kreativität signalisieren und sich auf der Skala des Geschmacks, der ja bekanntlich viel über den Charakter aussagt, im gewünschten Bereich positionieren. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass sich der neue amerikanische Präsident so oft für provozierendes Rot entscheidet. Oder dass andere Prominente lieber bei diskreten Grau- und Schwarztönen bleiben. Ein Schattendasein führt der Seidenschal, der anstelle der streng gebundenen Krawatte locker im offenen Hemdkragen getragen wird. Auch er übermittelt eine Botschaft: Der Träger legt zwar Wert auf Eleganz, hat aber einen Hang zum Künstlerischen oder ist ein bekennender Dandy.
Kunst am Knoten
Für Krawattenfans ist ein korrekt gebundener Knoten wichtig. Ob Windsor-, Kent-, Four-in-Hand- oder Grantchester-Knoten ist Ansichtssache. Anleitungen aller Art findet man auf Google. Schon im Jahr 1827 erschien dazu das Buch «L’art de mettre sa cravatte» von einem adeligen Verfasser namens Saint Hilaire – mit
32 verschiedenen Bindetechniken. Ein Tipp an unsere Leser: Probieren Sie doch wieder mal etwas Neues!