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Die Normentheorie, die im deutschsprachigen Raum üblicherweise mit
dem Werk Karl Bindings assoziiert wird, besagt, dass zwischen
ausserstrafrechtlichen («primären») Verhaltensnormen einerseits und
(«sekundären») Sanktionsnormen andererseits differenziert werden muss.
Diese Betrachtungsweise hat weitreichende Konsequenzen für das
Verständnis des gesamten Strafrechts. Da die Ursprünge der Normentheorie
über ein Jahrhundert alt sind, stellt sich die Frage, ob. bzw. mit
welchen Modifikationen sie im modernen Strafrecht des 21. Jahrhunderts
angewandt werden kann.
Der Band beschäftigt sich zum einen mit
den historischen Wurzeln und theoretischen Grundlagen der
Normentheorie. Zum anderen werden ihre Auswirkungen auf zentrale Fragen
des Allgemeinen (z.B. Irrtumsdogmatik und Beteiligungsdogmatik) und des
Besonderen Teils (z.B. Betrug) des Strafrechts sowie des Internationalen
und Europäischen Strafrechts verdeutlicht.