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Die ETH schaffte diesen Theodoliten, genannt Universaltheodolit WILD T2, 1923 an. 1923 war auch das Jahr, in dem im Sommersemester erstmals offiziell von einem Geodätischen Institut die Rede war. Geodäsie und Topographie wurden jedoch schon seit der Gründung des Polytechnikums 1855 gelehrt.
Der Theodolit stammt nicht nur aus der Gründungszeit des Geodätischen Instituts an der ETH, sondern auch aus der Gründungszeit der Herstellerfirma. 1921 gründeten Heinrich Wild, Robert Helbling und Jacob Schmidheiny die Einzelfirma Heinrich Wild. Werkstätte für Feinmechanik und Optik, Heerbrugg.
Die Bilder zeigen die Werkstätte von Wild Heerbrugg und stammen aus den 1920er und frühen 1930er Jahren.1
In der Gründungszeit der Firma lieferte Heinrich Wild die Ideen, für deren Umsetzung aber oft qualifizierte Mitarbeiter und ausreichend Kapital fehlten. Die ersten Instrumente der Firma von Heinrich Wild wurden als Prototypen gebaut, viele davon entwickelte Wild selbst, so auch den Universaltheodoliten T2. Mit diesem Theodoliten, der um 1924 auf den Markt kam, hatte die Firma ihren ersten Erfolg. Der T2 zeichnet sich dadurch aus, dass er im Vergleich zu den Triangulationstheodoliten früherer Bauart wesentlich kleiner und kompakter, aber dennoch genauer und schneller war. Er war der erste wirklich tragbare Theodolit der Welt und sollte in den folgenden Jahren das Vermessungswesen revolutionieren.
Die Entwicklung des T2 erwies sich jedoch als wesentlich aufwendiger als erwartet und das Gründungskapital der Firma war schnell aufgebraucht. Deshalb wurde 1923 eine Vertriebs-Aktiengesellschaft mit dem Namen Heinrich Wild’s geodätische Instrumente gegründet. Für 1924 war die Produktion von 350 T2-Theodoliten geplant, es konnten jedoch lediglich 27 Stück hergestellt werden. Es war schwierig, in der Schweiz erfahrene Feinmechaniker und Optiker zu finden. Aus diesem Grund wurde 1923 die betriebseigene “Werkschule Heerbrugg” gegründet.2
Einen dieser seltenen, ersten T2-Thedoliten konnte die ETH bereits 1923 direkt bei der Firma Wild erwerben. Er trägt die Nummer 353. Die ETH bezahlte damals 1600 Franken, wie aus dem Inventarbuch des Geodätischen Instituts hervorgeht.
Professor für Geodäsie und Topographie war damals der Glarner Ingenieur Carl Fridolin (Fritz) Baeschlin (1881-1961). Er wurde 1909 als Nachfolger von Max Rosenmund an die ETH berufen. Zuvor war Baeschlin während fünf Jahren als Ingenieur bei der Eidgenössischen Landestopographie tätig, wo er eng mit Heinrich Wild zusammenarbeitete. Durch diesen Kontakt gelangte er in den Besitz der seltenen Instrumente von Wild Heerbrugg.
Der T2 wurde bis 1996 produziert. Auch andere T2-Theodoliten finden sich in der Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel, so beispielsweise dieses Modell von ca. 1929, aber auch später produzierte Modelle, wie beispielsweise ein Modell von 1969 oder ein Modell von 1986.
3D-Digitalisierung
Objektauswahl
Schon bei der ersten Besichtigung des Bestandes im Institut für Geodäsie und Photogrammetrie in einem Keller auf dem Hönggerberg wurde uns dieser T2 von einem Mitarbeiter als ganz besonderes Instrument vorgestellt, das unbedingt erhalten werden sollte. Bei näherer Betrachtung der Instrumenten- und Firmengeschichte stellte sich heraus, dass es sich bei diesem T2 um einen Theodoliten handelt, der nicht nur am Anfang der Geschichte der für die Schweiz bedeutenden Firma Wild Heerbrugg steht, sondern auch durch seine Präzision und Kompaktheit das Vermessungswesen revolutionierte. Aus diesem Grund haben wir uns dafür entschieden, den T2 nicht nur in die Sammlung aufzunehmen, sondern ihn auch als 3D-Modell zu digitalisieren. Im Bereich des Vermessungswesens gibt es eine grosse Sammlergemeinde, die gerade an solchen frühen Entwicklungen grosses Interesse hat, da nur noch sehr wenige Instrumente physisch erhalten sind. Die 3D-Digitalisierung ermöglicht es den Sammlern, das Modell zumindest digital in ihre Sammlung aufzunehmen, um es genauer zu studieren und mit eigenen Objekten zu vergleichen.
Photogrammetrie und Modellierung
Aufgrund seiner Materialbeschaffenheit, einem matt grünlackiertem Metall, liess sich der T2 relativ gut digitalisieren. Wie man gut erkennen kann, musste aber beispielsweise das Glas der Libelle komplett manuell modelliert werden. Auch die Bussole und die Spiegel sowie die animierten Strukturen wurden manuell erstellt.
2 Gedanken zu „Sammlung 3D – der erste Theodolit der Wild Heerbrugg, 1923“
Sehr geehrte Frau Spano, sehr geehrte Frau Zimmermann, sehr geehrte Macher dieser Seite, vielen, vielen herzlichen Dank für diese tolle Veröffentlichung, umfangreich, sehr informativ, professionell gemacht, wirklich Klasse!
Mit den Daten zum Wild Universal-Theodolit 353 kann ich endlich auch einen weiteren einordnen, den ich (mit Nr. 281) in der Universität Stuttgart gesehen habe. Der ist dort angeschafft worden, als Otto von Gruber, der spätere Leiter der Zeiss Geo Abteilung, dort lehrte. Man hatte da offenbar immer frühzeitig ein Auge darauf, was Heinrich Wild nach seinem Weggang aus Jena an Neuem lieferte.
Zu einigen Ihrer Vermessungsgeräte kann ich noch ein paar zusätzliche Fakten liefern, habe aber auch noch eine Frage. Da ich mich mit der Datierung insbesondere von Carl Zeiss Jena Vermessungsgeräten beschäftige, interessiere ich mich dafür, welche Zeiss Vermessungsgeräte in dem Inventarbuch stehen. Auch für ältere (dieses hier ist sehr wahrscheinlich eine Abschrift(?)) und für Jüngere Invenarbücher bis ca. 1960. interesseire ich mich, weil da auch inzwischen verschrottete oder verkaufte Geräte enthalten sein können. Ist es denkbar, dazu eine Auskunft zu erhalten? Ich würde mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Sinnhöfer
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