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In der Geschichte des Kontakts mit den Kolonisatoren erlitten die Kuruaya eine Destrukturierung ihrer dörflichen Lebensweise am Rio Curuá durch die Zwangsarbeit in den Latex- und Paranuss-Sammel-Camps. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden sie von den Jesuiten gezwungen, sich in die Missionen “Imperatriz” und “Tauaquara” zu begeben – auf der letzteren gründet die heutige Stadt “Altamira”. Die Folgen dieses Prozesses waren desaströs, und die Kuruaya wurden schliesslich in den 60er Jahren als ausgerottet betrachtet. In den darauf folgenden Jahren stellte man die indigene Zugehörigkeit der Überlebenden infrage oder ignorierte sie, aber die Eroberung ihres Territoriums führte auch zur Anerkennung ihrer ethnischen Identität. Heute leben sie in einer Pendelbewegung zwischen ihrem Dorf und der Stadt, um ihre Rechte als indigene Bürger abzusichern.
Kuruaya

Andere Namen: Xipáia-Kuruáia, Kuruaia

Sprachfamilie: Munduruku
Population: 159 (2010)
Region:Bundesstaat Pará
|INHALTSVERZEICHNIS|
Name
Sprache
Lebensraum und Bevölkerung
Geschichte des Erstkontakts
Die Kuruaya in der Geschichte von Altamira
Politische und gesellschaftliche Organisation
Lebensraum und produktive Aktivitäten
Perspektiven
Die vorhandenen Dokumente präsentieren unterschiedliche Schreibweisen des Namens dieses Volkes – zum Beispiel: “Kuruaia, Caravare, Curuari, Curiveré, Curubare, Curuahé, Curuerai, Curuara, Curuaye, Curueye, Curiuaia, Curuaya (Curt Nimuendajú 1948:221). Die Stammesältesten bestätigen, dass der Name sich auf den Rio Curuá, einen Nebenfluss des Rio Xingu, bezieht, wo sie sich niedergelassen hatten, nachdem sie vom Rio Tapajós abgewandert waren – nach einem Konflikt mit den Munduruku.
Aus dem Sprachstamm der Tupi, gehört die Sprache der Kuruaya zur Sprachfamilie Munduruku, so erklärt der Linguistiker Aryon Rodrigues (1995). Ihr Dorf setzt sich aus einer jungen Bevölkerung zusammen, die Portugiesisch spricht und einzelne Worte aus ihrer Muttersprache kennt. Bis im Jahr 2000 gab es lediglich einen alten Kuruaya im Dorf, der die Originalsprache noch fliessend sprechen konnte.
In Altamira sprechen acht Älteste der Ethnien Kuruaya und Xipaia, die seit 45 Jahren dort wohnen, noch die eingeborene Sprache. Kürzlich hat man eine Studie dieser Sprache durchgeführt, aber ein Prozess ihrer Revitalisierung unter den Kuruaya hat noch nicht begonnen.
Das Indio-Territorium (IT) Kuruaya am rechten Ufer des Rio Curuá, einem Nebenfluss des Rio Xingu, bestand im Jahr 2003 aus einem Dorf und vier familiären Gruppen. Im Dorf “Cajueiro” lebten 115 Personen, die auf 12 Residenzen verteilt waren, mit einem Indio-Posten (Funai), einer Schule, Erste-Hilfe-Station, Maniok-Verarbeitungshaus, Fussballfeld, Warenlager, Friedhof, Feldern der Familien und einem für die “Companhia de Pesquisa de Recursos Minerais – CPRM” (Forschungs-Kompanie für Mineralienfunde) reservierten Terrain. Ein Kuruaya war zur Wartung der Ausrüstung angestellt und zum Ablesen des Wasserstandes des Flusses, der pluvimetrischen Intensität und der Sammlung anderer Daten.
Die Kuruaya, die in Altamira leben, tun dies zusammen mit anderen ethnischen Gruppen, die ebenfalls im Lauf der Zeit missioniert wurden: “Juruna, Kayapó, Arara, Xukuru, Karajá, Guarani, Guajajara, Xavante, Kanela” und “Xipaya”. Viele dieser Gruppen unterhalten in dieser Stadt verwandtschaftliche Bindungen seit der Zeit der ersten kolonisatorischen Invasion. Besonders die Geschichte der Kuruaya und der Xipaya mischen sich in Altamira – es gibt zahlreiche Eheschliessungen zwischen ihnen. Den Indios in Altamira kann man in verschiedenen Stadtteilen begegnen, wie zum Beispiel in “Aparecida” (18 Familien – 13,04%), in “Boa Esperança” (15 Familien – 10,7%), in “Independente II” (14 Familien – 10,14%), in “Brasília” (10 Familien – 7,25%), in “Açaizal” (8 Familien – 5,80%), in “São Sebastião” (7 Familien – 5,07%), in “Recreio, Jardim Industrial, Independente I” und “Centro” (6 Familien in jedem – 4,35%). Die grosse Mehrheit von ihnen wanderte Anfang des 21. Jahrhunderts zu und hat nur wenig Infrastruktur (Daten von 2003).
Die Aufstellung jener Arbeitsgruppe, die vom Unternehmen “Eletronorte” für die Studie der Umweltauswirkungen durch die Konstruktion des Wasserkraftwerks “Belo Monte” beauftragt worden war (2002), präsentierte die folgende ethnische Verteilung innerhalb der Stadt:
Xipaya: 44,20%
Kuruaya: 36,23%
Juruna: 7,97%
Kayapó: 5,80%
Arara: 1,45%
Karajá: 1,45%
Outros: 2,90%
Es ist üblich, dass die städtischen Kuruaya mit ihren Angehörigen im IT Kuruaya die Verbindung aufrecht halten, aber in der Regel sind es die Dörfler, die ihre Verwandten in der Stadt besuchen. Die Zeit, welche man vom Dorf “Cajueiro” bis Altamira braucht, hängt von der Jahreszeit ab (Trocken- oder Regenperiode) und von der Art des Transports. Im Sommer braucht zum Beispiel ein Motorboot mit 40 PS dazu sechs Tage – im Winter vier Tage. Dagegen dauert die Reise mit einem 22 PS-Motor siebzehn Tage im Sommer und zehn Tage im Winter.
Die historischen Quellen der Region geben an, dass die Kuruaya schon immer entlang der Flüsse Iriri und Curuá gelebt haben, Nebenflüssen des linken Ufers des Xingu-Beckens. Das Gebiet dazwischen diente ihnen als Jagdgebiet, es wird immer wieder in den Erzählungen der Älteren erwähnt und erstreckte sich vom Rio Jamanxim bis zum Rio Xingu – wahrscheinlich noch weiter bis zum Rio Tapajós, von wo die Kuruaya einst abwanderten, nachdem sie sich mit den Munduruku überworfen hatten.
Die Kuruaya werden in den Aufzeichnungen von Padres, Reisenden, Wissenschaftlern und Regierungsangehörigen des Bundesstaates Pará erwähnt – seit dem 17. Jahrhundert. Die Expedition von Gonçalves Paes de Araújo im Jahr 1685, Präsident der Provinz, wurde von diesen Eingeborenen als ortskundige Führer unterstützt. Die Dokumente erwähnen, dass sie die “Lingua Geral” (eine Umgangssprache aus Tupi- und Portugiesischen Elementen) sprachen und zirka 20 Dörfer im Gebiet des Unteren und Mittleren Xingu besassen.
Der Bericht des Präsidenten der Provinz Pará, Francisco Araújo Brusque (1863), der die Region des Xingu und seine Bewohner betrifft, schildert diese Indios folgendermassen:
“Fortfahrend in meinen Bemühungen, weitere Informationen über die wilden Horden dieser Provinzen zu sammeln, die jenem Bild meiner Beobachtungen entgangen sind, welches ich Eurer Zensur im vergangenen Jahr anheim stellte, ist es mir gelungen, neue und erweiternde Daten über die Indios zusammenzustellen, welche die vom Rio Xingu bewässerten Territorien bewohnen – ab seiner Wasserfälle nach oben… Fünfzehn wilde Stämme sind es, die jene Gefilde bewohnen – wahrscheinlich die fruchtbarsten dieser Provinzen: “Juruna, Tucuniapena, Juaicipoia, Urupaya, Curuaia, Peopaia, Taua, Tapuiara, Tapuiaia, Eretê, Carajá, Mirim, Poui, Arara, Tapaiuna” – das sind ihre Namen. Was die “Curuaia” betrifft: dieser Stamm ist besonders zahlreich. Der Sitz ihrer Residenz befindet sich inmitten der Wälder, in einer nicht kleinen Entfernung vom Ufer des grossen Flusses, auf der okzidentalen Seite. Sie sind die wildesten und gefürchtetsten unter allen anderen Stämmen. Beziehungen unterhalten sie nur zu den “Tucuniapena”, die mit ihnen verkehren, allerdings unter Vorbehalten. Sie vermeiden es, sich dem Fluss zu nähern, und wenn sie sich doch mal an seinen Ufern zeigen, sind sie mit Erde bedeckt und scheu”.
Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Kuruaya für die Arbeit in den Latex-Sammellagern rekrutiert. Und später, als der Weltmarktpreis des Gummis gefallen war, eröffnete der Markt für Tierfelle eine neue Nische in der lokalen Wirtschaft. Eine weitere Aktivität, zu der man die Kuruaya gebrauchen konnte, war als Fährtensucher und Köder für die Kontakt-Expeditionen: Sie bildeten die Front jener Expeditionen, führten ihre Mitglieder durch den Dschungel und lockten die “wilden Eingeborenen” an.
Der deutsche Ethnograph Curt Nimuendajú, der zwischen 1916 und 1919 Feldarbeit an den Flüssen Xingu, Iriri und Curuá leistete, berichtet, dass die Kuruaya zu einer grossen Zahl von Ethnien gehörten, die am Unteren und Mittleren Xingu lebten, zusammen mit den “Xipaia”, den “Juruna (Yudjá)”, den “Arupaí” (ausgerottet), den “Tucunyapé” (ausgerottet), den “Arara” und den “Asuruní”. Nimuendajú erwähnt auch eine Attacke von Seiten der Kuruaya, im Jahr 1883, der Latex-Sammler am Rio Jamanchim. Er erwähnt auch, dass die Kuruaya von den Kayapó und den Munduruku im Jahr 1885 angegriffen wurden. Um 1896 bewohnten sie den Wald am Westufer des Rio Curuá, wie die “Juruna” und “Tunyapé” dem Ethnographen berichteten. Ausserdem betrachteten sie die Zuflüsse am rechten Ufer des Rio Curuá – Curuazinho, Bahú und Flechas – als ihr Territorium.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nutzte Emília Snethlage, die Chefin der zoologischen Abteilung des “Museums Emília Goeldi” (in Belém, Bundesstaat Pará), die Kuruaya als Führer während einer Forschungsexpedition zur Entdeckung der Verbindung zwischen Rio Xingu und dem Rio Tapajós. Um 1913 kehrte dieselbe Wissenschaftlerin zur Feldarbeit zurück und nahm den Kontakt mit ihren indigenen Informanten und Latex-Sammlern wieder auf, um die Informationen über die beiden Gruppen zu aktualisieren. Zu jener Zeit hatten sie sich bereits zum “Igarapé das Flechas” (Bach) zurückgezogen, unter der Führung des Xipaia “Manoelzinho”. Das Dorf bestand aus drei “Malocas” (Gemeinschaftshäuser) am Westufer, mit zirka 150 Personen.
Als Snethlage im Jahr 1918 die Kuruaya erneut traf, war der Prozess des Kontakts bereits fortgeschritten. Ihre “Malocas” im Innern des Waldes hatten Türen, und ihre Häuser hatten eine rechteckige Form, mit einem “Zimmer” in der Mitte, in dem der Schamane wohnte. Sie benutzten Haushaltsutensilien, aus der Produktion der Latex-Sammler, die diese ihnen geschenkt hatten.
Nimuendajú erwähnt, dass das Dorf am Rio Iriri und Curuá von den Kayapó-Gorotire 1918 angegriffen wurde, aber erst 1934 eingenommen wurde, was die Kuruaya zwang, abzuwandern: einige flohen zum Rio Tapajós, andere verteilten sich entlang des Rio Iriri und wieder andere taten sich mit den wenigen Xipaia zusammen, die unweit des “Gorgulho do Barbado” lebten. Nach Schätzung des Ethnographen verblieben nur noch zirka 30 Personen in ihrer heimatlichen Region. Diese Abwanderung und weiträumige Verteilung der Kuruaya führte dazu, dass man sie anlässlich einer Nachforschung der 60er Jahre als ausgestorben betrachtete.
In den 50er Jahren arbeiteten die Kuruaya wieder als Angestellte in den Latex-Camps. Zwischen 1970-80 lebten sie verteilt entlang des Rio Curuá, in kleinen familiären Gruppen, an Orten wie “Fazenda, Riozinho do Anfrísio (Zufluss des Rio Iriri), Cajueiro Velho” und “Cachoeira de São Marcos”. Die Neuorganisation ihrer Gesellschaft wurde von dem Ehepaar João Lima und Maria das Chagas Lopes Kuruaya im Dorf “Cajueiro Velho” in die Wege geleitet. Das geschah zu einer Zeit, als bekannt wurde, dass es in und um den Fluss herum Gold gab – eine Nachricht, die sowohl die Indios wie die Goldsucher gleichermassen in Bewegung setzte. Zu Beginn konnte das Paar seinen Lebensunterhalt aus dem Goldanteil finanzieren, der dort gefördert wurde, was ihnen die Einrichtung einer minimalen Infrastruktur mit einem indigenen Posten erlaubte. Etwas später jedoch erschienen die grossen Bergbauunternehmen vor Ort, und die Kuruaya bekamen physische Gewalt zu spüren.
In den 80er Jahren erwähnen die Archive des “Conselho Indigenista Missionário (CIMI)” die Schwierigkeiten, denen die Kuruaya ausgesetzt waren – darunter auch ein Brief des Paters Ângelo Pansa, der die Situation des Drucks, der Aggression, bewaffneter Invasion und der Lebensgefahr anprangert, der die Familien am Rio Curuá ausgesetzt seien durch die Präsenz der Bergbauunternehmen “Espeng Minérios e Minerais LTDA”, “Brasinor Mineração e Comércio LTDA” im Goldfeld “Madalena”. Die im Dokument zitierte Firma “Mineradora Brasinor” sagte aus, dass sie in diesem Gebiet eine montierte Infrastruktur, inklusive einer Landepiste, besässen und deshalb gewisses Recht genössen. Andere Unternehmen, wie die “Andrade Gutierrez S/A”, die “Mineradora Palanqueta”, “Minerador Souther Anaconda” und “Madalena Gold Corporation” machten sich in den Folgejahren in diesem Gebiet breit. Die Kuruaya erinnern sich der 80er Jahre als eine Schreckensperiode, in der der Rio Curuá von Bergbauunternehmen heimgesucht wurde, die ihr Leben mit Quecksilber vergifteten.
Um diese Situation umzukehren, schlossen sie sich in dieser Periode zusammen, reorganisierten ihre Gesellschaft, um in der Lage zu sein, den Kampf um den Besitz ihres Territoriums wieder aufzunehmen. Sie erreichten, dass ihr Territorium am rechten Ufer des Rio Curuá 1985 dem Prozess einer Grundbesitzregulierung unterzogen wurde – die FUNAI bildete eine Arbeitsgruppe zur Identifizierung und Bevölkerungsaufstellung, um die Nutzungsgrenzen von Kuruaya und Xipaia festzulegen, die damals zusammenlebten. Zu jener Zeit hatte das identifizierte und demarkierte Gebiet eine Fläche von zirka 13.000 Hektar. 1988 wurde das Gebiet zum “off limits” für Nicht-Indios erklärt (Dokument PP 148 vom 09/02/88) auf Grund von Auseinandersetzungen, verursacht durch die Präsenz der Firma “Brasinor” im Indianergebiet, durch die es notwendig geworden sei, das Leben und Wohlbefinden der Indios zu schützen. 1991 wird die Demarkierung von 1985 durch eine Korrektur der Grenzen erweitert. Motiv waren die ungenauen Karten aus dem Jahr 1970, die damals zur Anwendung kamen – auf der Basis der neueren Karten des IBGE, und unter Rücksichtnahme auf die mitbewohnende Xipaia-Gruppe, wurde die Fläche des IT erweitert auf 19.450 Hektar, mit einem Perimeter von 95 Kilometern.
1993 verlangten die Kuruaya von der FUNAI eine erneute Revision ihrer Territoriumsgrenzen, in der sie angaben, dass bestimmte Gebiete mit Paranuss-, Latex- und anderen für sie lebenswichtigen Bäumen, deren Früchte einst zu ihrem Lebensunterhalt gehörten, von der Grenzmarkierung von 1985 ausgeschlossen worden waren. 1999 begann eine technische Arbeitsgruppe vor Ort eine Aufstellung für die Erweiterung in Angriff zu nehmen, unterstützt von den Angaben der betroffenen Indios.
Und diese Aufstellung attestierte folgende Zustände: a) Invasion des Indio-Territoriums durch eine nicht-indigenen Besetzung mit Gebäuden privater Nutzung – b) mögliche private Invasion mit fünf beglaubigten Registraturen, ohne effektive Besetzung – c) mögliche Invasion von acht Ansprüchen, davon vier wissenschaftliche und vier zum Mineralien-Abbau, mit enthaltenen Fälschungen. . . Die korrigierten Grenzen umfassten schliesslich eine Fläche von 166.700 Hektar mit einem Umfang von 232 Kilometern. Der Justizminister unterzeichnete am 30. Dezember 2002 ein Dekret in dem das IT Kuruaya zum “permanenten indigenen Besitz” erklärt wird.
Was die Präsenz der Bergbauunternehmen betrifft, die natürlich eine Protestfront gebildet hatten, durfte sich lediglich die “Brasinor” ausserhalb der IT-Grenzen aufhalten, mit einer zunehmend rückläufigen Goldproduktion, wie die Kuraya berichteten.
Den Kuruaya, die in Altamira leben, war das Schicksal nicht besser gesonnen. Besonders ab den 70er Jahren spielte dieses Munizip eine bedeutende Rolle im Kolonisationsprozess von Amazonien als Tor der Einwanderung von Nicht-Indigenen in diese Region.
Die Geschichte der Kuruaya in dem Gebiet, welches heute von der Stadt “Altamira” vereinnamt ist, beginnt mit der Ankunft des Jesuiten-Paters Roque Hunderfund im Jahr 1750, der die “Missão Tauaquara” gründete, in der sich Indios Kuruaya, Xipaia, Arara, Juruna und wahrscheinlich noch andere Gruppen konzentrierten, von denen sich keine Register gefunden haben.
Durch das Gesetz der “Lei Régia” von 1757 machte der portugiesische Minister, Marques de Pombal, dem Treiben der Jesuiten in Brasilien ein Ende – die “Jesus-Kompanie” wurde des Landes verwiesen – und alle von ihnen eingerichtete Missionen wurden stillgelegt, inklusive die noch im Anfang befindliche “Missão Tauaquara”. Allerdings verliessen die dort siedelnden Indios diesen Ort nicht, wie in Dokumenten von Reisenden und Wissenschaftlern erwähnt wird.
Einige Zeit später machte der Pater Torquato Antonio Souza, der 1841 in dieser Region auftauchte, den Versuch einer Restrukturierung – zum zweiten Mal brachte er das Kreuz nach Tauaquara und änderte den Namen der Mission um in “Missão Imperatriz”. Danach kamen die italienischen Kapuziner Frei Ludovico Mazarino und Frei Carmelino de Mazarino, um 1841, ohne viel Erfolg.
Eine wichtige Eintragung der Besetzung des Ortes im 19. Jahrhundert wurde vom Prinzen Albert von Preussen gemacht, als Ergebnis der Expedition “Amazonas-Xingu” zwischen 1811 und 1873. Er ging an einer kleinen Insel im Rio Xingu an Land, genannt “Arapujá” – gelegen vor der Stelle, an der sich heute die Stadt Altamira befindet – und von dort beobachtete er die “Missão Tauaquara”. Der Prinz hielt folgenden Kommentar fest (1977:179): “In der Mitte des vorigen Jahrhunderts gründeten die Jesuiten eine Mission, an der Strasse zwischen “Tucuruí” und “Anauraé”, die sie “Tauaquara” nannten. Unglücklicherweise hatte diese Kolonie nur kurzen Bestand, weil die letzten Söhne von Loiola, beauftragt mit der Kathequese der heidnischen Juruna, deren schlechte Sitten, sich kaum mit den ihren vereinbaren liessen – vielleicht durch einen exzessiven Druck ihrer Kathequese – verloren sie das Vertrauen der Eingeborenen und wurden von ihnen ermordet.
Fast ein Jahrhundert verging ohne die Möglichkeit, das Licht des Glaubens über die Wasserfälle hinauszutragen, bis unser eklesiastischer Freund Pater Torquato Antonio Souza in dieser Region erschien, am 1. November 1841, der das Kreuz zum zweiten Mal nach “Tauaquara” brachte und der neuen Kolonie den Namen “Mission Imperatriz” verlieh. Sein persönliches Taktgefühl, verbunden mit Porzellangefässen, bunten Glasperlen und Werkzeugen, lockte die gesamte indigene Bevölkerung von Tauaquara auf den Plan: Männer, Frauen und Kinder kamen, um die Weissen zu sehen, die ihnen durch ihre besondere Art und Weise mit ihnen zu kommunizieren, plötzlich weniger fremd vorkamen”.
Neben den verschiedenen Ethnien, denen er auf der Insel begegnete, besuchte Prinz Albert auch die Indios der Mission, mit denen er Tauschhandel trieb. Aktivitäten wie der Fischfang, die Jagd von Raubkatzen (zum Verkauf der Felle) und die Latex-Gewinnung wurden weiterhin von jenen wahrgenommen, die in der Mission lebten.
Die Erzählungen der ältesten Kuruaya berichten von der Existenz und der Lage jener Mission: “. . . zusammen mit den Juruna und Xipaia kamen wir ins Missionsdorf, als die Stadt noch nicht einmal den Igarapé Panelas erreicht hatte – wir lebten entfernt von der Stadt lange Zeit . . . dort, wo heute der grosse Paranussbaum steht, vom Schuppen der “Oca Mineração” bis zur Mündung des Igarapé – das war alles unser Land, es war viel Land . . .” (Interview von 1999).
Nach Berichten der Eingeborenen über die Grösse der Landfläche, die zur Mission gehörten, umfasste sie nicht nur den gesamten heutigen Stadtteil “São Sebastião”, sondern auch die anderen drei Stadtteile “Independente I, II und III” – heute bewohnt von einer indigenen und nicht-indigenen Bevölkerung.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Stadtteil “São Sebastião” bekannt als “Muquiço” (Schutt, Abraum, Abfall). An diesem Ort, so sagen die alten Eingeborenen, gab es Kaschemmen, die sowohl von Indios als auch von Nicht-Indios frequentiert wurden. Wenn sie von der Arbeit in der Stadt oder den Nuss- und Latezsammellagern zurückkamen, veranstalteten sie Feste, tranken und prügelten sich, besonders an den Wochenenden. Sie nehmen an, dass der Stadtteil deshalb “Muqiço” genannt wurde. Manche nannten ihn auch “Onças” (Jaguar), denn dort gab es einen Schuppen, in dem Jaguare und andere Raubkatzen eingesperrt waren, um auf dem Pelztiermarkt verkauft zu werden.
Die gegenwärtige territoriale Konfiguration ist das Ergebnis einer gradadiven Vereinnahmung des Indio-Territoriums durch die Ausbreitung der Stadt Altamira. Der Kolonisationsprozess und die Organisation der territorialen Politik hat die Wege der Konstitution einer indigenen Zone missachtet und das Recht auf eine Besitzregulierung mit Füssen getreten. Stattdessen verloren die Eingeborenen im Verlauf des 20. Jahrhunderts Schritt für Schritt Teile ihres angestammten Lebensraumes, was die Konsolidierung eines Indio-Territoriums verhinderte. Die Bildung eines Stadtteils, innerhalb der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region hatte Vorrang. Der Verlust ihres Territoriums ist verbunden mit dem Pendelverkehr der Indios, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an den Flüssen Xingu-Iriri und Curuá ihre Arbeitsplätze hatten. Die Männer hatten Dienstleistungs-Jobs als Bootspiloten, Jäger, Sammler von Paranüssen und Latex. Die Frauen arbeiteten in der Stadt als Hausangestellte, Wäscherinnen, Putzfrauen und Kindermädchen – besonders die Jüngeren.
Der grösste Teil dieser Dienstleistungen verlangte eine kontinuierliche Präsenz vor Ort, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Immobilien-Expansion noch verstärkte. Grippe- und Masernepidemien, die einen guten Teil der Bevölkerung dezimierten, können ebenfalls als Ursachen für die lokale Fragilität betrachtet werden. Schliesslich führte das urbane Wachstum ab der 60er Jahre dazu, dass sie den ganzen Druck des Kolonisationsprozesses zu spüren bekamen, der vom “Instituto Nacional de Colonização e Reforma Agrária (INCRA)” (Nationales Institut für Kolonisation und Agrarreform) angekurbelt worden war.
Die Wiederinbesitznahme dieses Territoriums ist der Traum jener städtischen Indio-Kommune und er kommt in jeder Versammlung zum Ausdruck. Und obwohl sie um die Schwierigkeiten wissen, haben sie am 9. November 2000 einen Brief an die FUNAI verfasst, in dem sie die Besitzregelung ihres Territoriums fordern. Daraufhin wurde im Juni 2001 eine Arbeitsgruppe des Regierungsorgans entsandt, um eine grundlegende Aufstellung hinsichtlich des von den urbanen Eingeborenen in Altamira eingeforderten Gebietes anzufertigen. Die Ergebnisse liefen auf die Notwendigkeit hinaus, durch eine technische Equipe ein Gebiet für ein infrage kommendes Indio-Territorium auszuwählen (wie es das Gesetz 6.001/73, Artikel 27 vorschreibt) für die Indios der Stadt Altamira. Der Voraussicht nach sollte im ersten Semester des Jahres 2003 eine erste Studie durch einen von der FUNAI beauftragten Anthropologen durchgeführt werden.
Das Dorf “Cajueiro”, als Beispiel, setzt sich aus zahlreichen Kernfamilien zusammen, die durch Verbindungen mit ihren nächsten Verwandten zusammengehalten werden. Diese Familien bewohnen individuelle Häuser, und die Eheschliessungen finden in der Regel zwischen Cousins Kuruaya ersten und zweiten Grades, zwischen Cousins Kuruaya und Xipaia ersten und zweiten Grades, oder zwischen Kuruaya und Nicht-Indios, statt. Seit jener Zeit, als die Region des Iriri/Curuá von den Herren der Paranuss- und Latex-Camps besetzt wurde, haben die Kuruaya ihre freundschaftlichen Verbindungen zu den Xipaia vertieft und starke verwandtschaftliche Bindungen zu ihren ehemaligen Feinden geschaffen. Inzwischen hat der intensive Kontakt mit der nationalen Gesellschaft jedoch bewirkt, dass der grösste Teil der Ehen mit Nicht-Indios geschlossen werden.
Gegenwärtig gibt es zwei unterschiedliche Machtpole: der Stammesführer und der Häuptling – die Beiden sind für unterschiedliche Aufgaben im Interesse der Dorfgemeinschaft zuständig. Der Erste spielt die Rolle eines Diplomaten, er verhandelt die Interessen seiner Kommune, wie Gesundheit, Territorium, Erziehung, Legalisierung des Vereins, etc. gegenüber der Regierung und der NGOs, der Bergbaugesellschaften und der Vereine anderer Ethnien – ausserdem ist er der Präsident der “Associação do Povo Indígena Kuruaya (APIK)” im Jahr 2002 eingetragener Verein. Und die Verbindung mit Verwandten Kuruaya und Xipaia, die in der Stadt Altamira wohnen, wird durch seine Vermittlung aufrechterhalten.
Der Häuptling der Kuruaya ist jüngeren Alters und hat die Befehlsgewalt innerhalb des Dorfes über die interne Organisation der Gruppe. Die anstehenden Entscheidungen werden zwischen dem Häuptling, dem diplomatischen Führer und der Dorfkommune diskutiert, aber fast immer hat der Häuptling das letzte Wort, falls kein Konsens erreicht wird.
Der Rio Xingu gehört zum Hydrographischen Becken Amazoniens. Seine Quelle liegt im Staat Mato Grosso, von wo aus er in Richtung auf den Bundesstaat Pará fliesst – an seiner Mündung vereint er sich mit dem Amazonasstrom – an dessen rechtem Ufer. Der Rio Xingu nimmt innerhalb seines Abschnitts im Bundesstaat Pará den Rio Iriri und den Rio Curuá an seinem linken Ufer als seine bedeutendsten Zuflüsse auf. Sein Wasserstand ist äquatorial beständig, mit Überschwemmungen im Sommer. Die Kuruaya berichten von den Schwierigkeiten des Navigierens während des niedrigen Wasserstandes, denn die Vielzahl von Felsen und Steinen im Fluss kann den mit Waren beladenen Booten dann sehr gefährlich werden, oder sie sind gezwungen, kleinere Boote auf langen Strecken über Land zu tragen.
Die Xingu-Region wird beherrscht von kleinen Inseln mit dichtem, tropischem Regenwald (ombrophyler Wald), offener tropischer Regenwald (ombrophyler offener Wald mit Palmen und Sekundär-Wald, mit Lianen und Bambus). Das IT Kuruaya liegt in einem Klime tropischen Regenwaldes mit monsunartigen Regenfällen. Die Kuruaya selbst klassifizieren ihren Wald als einen Ort mit erhöhten Gebieten – geografisch als “Chapada” (Tafelland) bekannt – “Mata limpa” oder “Castanhal” (sauberer oder Paranuss-Wald) – “Cerrado” – “Baixão, Igapó ou Vale do Rio” (Tiefebene, Überschwemmung oder Flusstal) – “Vale de Grotas” (Tal der Höhlen) – “Vale de Igarapés” (Tal der Bäche) und “Carrasco” oder “Terreno pedregoso” (steiniges Tal).
Das landwirtschaftliche Potenzial des Bodens ist von mittlerer Fruchtbarkeit, was von den Kuruaya durch einen Wanderfeldbau kompensiert wird – sie lassen nach einer intensiven Nutzung des Bodens und entsprechender Ernte, ihn ein oder zwei Jahre ruhen, bis er sich erneut mit Nährstoffen angereichert hat.
Der Ackerbau gehört zu ihren wichtigsten Aktivitäten. Sie Pflanzen die (giftige) Maniok zur “Farinha-Produktion” (Maniokmehl), sie produzieren Mais, Reis, (zahme) Maniok, Cará-Wurzeln, Süsskartoffeln, “Inhame-Wurzeln” und Kürbisse. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, auch Kakao und Bohnen zu kultivieren, Copaíba-Öl zu extrahieren und alle Arten von Samen zu sammeln. Die Vorbereitungsphase des Bodens – Baumfällen, Abbrennen des Buschwerks und Umgraben, die Phase der Bepflanzung, Pflege und Ernte werden von den Männern getätigt – aber Frauen und Kinder beteiligen sich ebenfalls am Unkraut zupfen, dem Pflanzen und der Ernte. In den Monaten Juni bis November werden die Felder angelegt, alte Felder wieder in Betrieb genommen, die Pflanzen gesetzt – für die nachfolgende Regenzeit, von Dezember bis März, verbleibt die Erntearbeit.
Rund um das Dorf haben die Kuruaya Früchte tragende Bäume angepflanzt – hier wachsen Mangos, Bananen, Guaven, Cashews, Papayas, Avocados, Graviolas und “Urucum” (die rote Farbe zur Körperbemalung). Darüber hinaus besitzt jede Familie noch einen Obstgarten in unmittelbarer Nähe des Gemeinschaftshauses, in dem sie ausser den üblichen Früchten auch ein paar spezielle zieht, wie Orangen, Clementinen, Trauben, Limonen und Ananas. Dort finden sich auch Beete mit Gewürz- und Heilpflanzen. Aus einigen Bäumen des Waldes extrahieren die Kuruaya Säfte, Rinden, Blätter, Wurzeln und Blüten zur Produktion von Tees, Pasten und anderem zur Behandlung von unterschiedlichen Verletzungen und Krankheiten.
Die alten Kuruaya erinnern daran, dass auch der Fischfang während des ganzen Jahres betrieben wird, und die beliebtesten Fische sind: “Traíra, Trairão, Mandi, Piranha branca, Babão (ein Fisch, der dem “Tucunaré” ähnelt), Piau, Curimatá, Pacu, Pescada, Surubim Fidalgo, Filhote, Pintadinho, Cadete” und “Matrinxã”. Das Wasser des Rio Curuá ist immer noch reich an Fischen und bietet der Dorfbevölkerung eine reichhaltige Nahrungsquelle. Die zum Fischen verwendete Werkzeuge sind: Angelhaken, Haumesser, kurze Harpune sowie Pfeile und Bogen – letztere werden hauptsächlich von den Älteren benutzt. Nur ganz selten benutzen die Kuruaya ein Netz, eine Angel, eine Reuse oder einen Fangkorb zum Fischen. Diese Aktivität ist nicht nur den Männern vorbehalten – Frauen und Kinder betätigen sich im Fischfang ebenfalls.
Eine weitere Nahrungsquelle ist die Jagd, die noch immer praktiziert wird. Der Hirsch, der Auerhahn, das Gürteltier, das Wasser- und das Wildschwein sind besonders beliebt. Dies ist eine exklusiv maskuline Aktivität, sie verlangt Organisation, Planung und Kenntnisse über die Gewohnheiten des zu jagenden Tieres. Jagdwaffen sind Gewehr, Pfeil und Bogen, Lanze und Keule – aber man verzichtet auch nicht auf die Unterstützung eines guten Jagdhundes und auf Fallen. Ein weiteres Nahrungsmittel, das bei den Kuruaya sehr beliebt ist, sind Eier von Wasserschildkröten und das Fleisch der Tiere selbst – sie runden das Nahrungsangebot ab.
Was bedeutet es eigentlich, ein urbaner Eingeborener zu sein? Worin besteht der Unterschied, wenn die Stadt einem Eingeborenen als Wohnung dient? Beide Fragen können durch die ethnische Anerkennung und die territoriale Zugehörigkeit beantwortet werden. Eine Anerkennung der urbanen Ethnie fusst nicht auf einem bestimmten Stück Land, der materiellen Kultur oder einer genetischen Beschaffenheit, sondern auf einer Selbsterkennung und der Anerkennung anderer, der Nicht-Indios. In Altamira sind die Indios ein Teil der sozio-kulturellen Landschaft seit mehr als zwei Jahrhunderten – sie gehen durch die Strassen der Stadt, machen ihre Einkäufe, gehen zur Bank und sind an jeder Art von Geschäft beteiligt, so wie irgend ein anderer Bewohner.
Sich mit einem allgemeinen politischen Projekt zu befassen, kann helfen, die Identität einer Gruppe zu formen. Ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre wurde diese Erkenntnis neu definiert und erweitert von den urbanen Indios, die nach einer organisierten Form suchten, um ihre Rechte einzufordern. Die individuellen Aktionen nahmen eine andere Gestalt an, nachdem man sie im “Movimento dos índios Moradores de Altamira” (Bewegung der in Altamira wohnenden Indios) zusammengefasst hatte, die später in die “Associação dos Índios de Altamira (AIMA) (Verein der Indios von Altamira) umgewandelt wurde, legalisiert im Jahr 2001. Die neuen Herausforderungen bestanden aus der Entdeckung eines Ortes, an dem der Verein mit einem Minimum an Infrastruktur funktionieren kann und aus einem Training zum Verständnis und zur Manipulation seiner bürokratischen Mechanismen.
Am 12. Oktober 1999, auf der Veranstaltung “Grito dos excluídos da América Latina” (Schrei der Ausgeschlossenen Lateinamerikas), organisiert vom CIMI, präsentierten sich die Indios vor der Bevölkerung von Altamira. Zur Vorbereitung hatten sie mit ihren Ältesten die antiken Gesänge und Tänze eingeübt, und wie man die originalen Bekleidungsstücke aus Buriti-Fasern herstellt, die mit einer Mischung aus zerquetschter grüner Jenipapo und zu Holzkohle verbrannter Caja-Rinde bemalt wurden. Die Präsentation brachte sehr positive Ergebnisse, zeigte, dass die Forderungen der Indios durchaus realisierbar waren, und dass Institutionen wie die FUNAI – die zwar wusste, dass sie existieren, sie aber nicht anerkannte – wie die “Funasa (Gesundheits-Organ), Secretaria de Educação (Sekretariat für Erziehung), Prefeitura Municipal (Präfektur des Munizips), Conselho Titular (Vormundschaftsgericht)” und die “Delegacia de Polícia” (Polizei), alle diese behördlichen Organe endlich begriffen, dass es eine andere, eine indigenen Parzelle der Gesellschaft gab, welche die gleichen Wünsche wie die nicht-indigenen Bürger hegten und deren Präsenz sie ab sofort nicht weiter ignorieren konnten.
Das Ende der 90er Jahre war geprägt von den Bemühungen um die ethnische Anerkennung in Altamira, den Forderungen und Stattgebenden rund um die Gesundheit – zuerst die Verbesserungen von Behandlungen im Eingeborenen-Hospital für die Stadtbewohner – zweitens eine Zählung aller indigener Kinder, die bisher ohne Registrierung waren, der Erwachsenen ohne Personalausweis, ohne Arbeitsbuch, ohne Wähler-Titel, ohne CPF, ohne Rente.
Im ersten Semester des Jahres 2003 brachte dann eine Voruntersuchung die grosse Hoffnung mit sich, dass man in Altamira ein indigenes Territorium schaffen würde – was jedoch ganz eine ganz andere, und viel umständlichere, Vorgehensweise verlangt, als bei einem zu demarkierenden Territorium im Regenwald.
Was die Kuruaya in ihrem Dorf am Rio Curuá betrifft, so sind sie heute gewiss, dass die Rückeroberung ihres Territoriums, neben einer besseren Zukunft für ihre Kinder, auch die Selbstachtung der Gruppe wieder hergestellt und ihre ethnische Identität wiederbelebt hat. Andererseits wissen sie auch, das noch ein langer Weg vor ihnen liegt. Die Schaffung der “Associação do Povo Indígena Kuruaya (APIK)” als juristische Einheit, hat Hoffnung gemacht, dass man fortan die Verhandlungen mit anderen Institutionen der Regierung und den NGOs selbst vornehmen und in beschleunigter Form erledigen kann. Gegen Ende 2002 standen die Kuruaya Genehmigung ihres Projekts für die Kakao- und Bohnen-Plantagen.
Die Errichtung eines anderen Dorfes ist ebenfalls vorgesehen, in der Absicht, Schritt für Schritt strategische Orte innerhalb des Indio-Territoriums zu besetzen, um sich so gegen Invasionen besser schützen zu können. Ihre Vereinigung hat eine gewisse sozio-politische Mobilität für einige ihrer Repräsentanten geschaffen, die im Auftrag ihrer Kommune zwischen dem Dorf und den Behörden unterwegs sind, und sich nicht nur um die notwendigen Papiere für ihre Leute kümmern, sondern auch Projekte präsentieren, für die sie eine Finanzierung brauchen.
Sowohl im Fall der Dörfler als auch dem der Städter ist die schulische Erziehung und Ausbildung eine dringende Notwendigkeit. Ein Projekt, um diesen Rückstand zu beseitigen, wird von der “Universidade Federal do Pará” entwickelt – in Zusammenarbeit mit dem MEC, der AIMA und dem “Departamento de Educação da Funai” in Brasília und Altamira.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung Klaus D. Günther