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Intensiv Ausdauersportler haben erhöhtes Herz-Vorhofflimmern-Risiko
Moderater Ausdauersport reduziert erwiesenermassen das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen. Langjähriges intensives Training und Wettkampfteilnahmen erhöhen jedoch insbesondere bei Männern das Risiko für Herz-Vorhofflimmern. Dies hat eine Studie des Inselspitals mit Grand-Prix-Teilnehmenden bestätigt.
Die Universitätsklinik für Kardiologie des Inselspitals, Universitätsspital Bern, hat den Zusammenhang zwischen Trainingsdauer, Marathonteilnahmen und Vorhofflimmern am Herz erforscht, indem sie mit 120 Läuferinnen und Läufern am Grand Prix von Bern 2010 eine Untersuchung durchführte. Die Studie ist zur Publikation bei einer medizinischen Fachzeitschrift eingereicht worden.
Die Studien-Hypothese bestand darin, dass Ausdauersport zu einer Vergrösserung des Herzvorhofs und zur Veränderung des vegetativen Nervensystems führt. Beide Faktoren begünstigen das Auftreten von Vorhofflimmern. Dr. Matthias Wilhelm, Leiter der Sportkardiologie: „Unsere Annahme war, dass diese Veränderungen bei langjährigem intensivem Training auftreten und bei Männern deutlich stärker ausgeprägt sind als bei Frauen. Die Ergebnisse der Studie haben diese Hypothesen bestätigt.“ Die Vergrösserung des Herzvorhofs ist bei Marathonläufern im Vergleich zu Nicht-Marathonläufern mit gleichem Trainingsumfang besonders ausgeprägt.
Leistungsknick spürbar
„Überraschend war der deutliche Unterschied zwischen Männern und Frauen, der wahrscheinlich durch den höheren Blutdruck der Männer bedingt ist. Diese Ergebnisse erklären, warum Vorhofflimmern in über 90% der Fälle bei männlichen Athleten auftritt“, erklärt Dr. Matthias Wilhelm.
Vorhofflimmern kann in Ruhe oder unter Belastung auftreten. In Ruhe verläuft es häufig ohne Symptome, kann aber durch einen unregelmässigen Puls oder „Herzstolpern“ wahrgenommen werden. Vorhofflimmern unter Belastung kann die Herzleistung um bis zu 50% reduzieren, was der Sportler als „Leistungsknick“ spüren kann.
Ausdauersportler mit Vorhofflimmern sollten sich kardiologisch untersuchen lassen um andere Ursachen auszuschliessen. Bei hohem Blutdruck sollte dieser konsequent medikamentös behandelt werden. Falls der Athlet seinen Trainingsumfang nicht reduzieren will, können allenfalls „Antiarrhythmika“-Medikamente gegeben werden. Im Einzelfall ist eine Verödung im Herzvorhof mit Hochfrequenzstrom (Katheterablation) erforderlich.
Nicht jeder Teilnehmer an einem Volkslauf muss sein Herz checken lassen.
Herz-CheckUp für Neueinsteiger
Hingegen sollten Neueinsteiger – insbesondere beim Vorliegen von Risikofaktoren (Übergewicht, hoher Blutdruck, Zuckererkrankung, Fettstoffwechselstörung, familiäre Herzerkrankung) – eine Untersuchung durchführen lassen. Weiterhin ist ein Herz-Check-up für leistungsorientierte Ausdauersportler sinnvoll, die regelmässig an Wettkämpfen teilnehmen und an ihr persönliches Limit gehen, um ihre Wettkampfzeit zu verbessern. Bei diesen Athleten sollte diese Untersuchung gemäss Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie und der Schweizerischen Gesellschaft für Sportmedizin alle zwei Jahre wiederholt werden.
InselSpitalBern
03.03.2011 - dzu