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Die Ursprungshistorie dieser Liegenschaft verliert sich in den Nebelschwaden der Vergangenheit. Aus den Chroniken geht hervor, dass sie ab 1304 ein religiöser Orden als Absteigequartier für seine Mitglieder nutzte. Es soll sich dabei um einen Barfüsser- und Predigerorden gehandelt haben. Verschiedene religiöse Gemeinschaften tragen nach ihrem Vorbild Franz von Assisi zu ihrem Ordenskleid keine Schuhe. Sie richten sich dabei auch nach entsprechenden Bibelstellen: Jesus soll seinen Jüngern geraten haben, auf Reisen weder Vorräte noch Geld, Hemden, Schuhe oder Wanderstäbe mitzunehmen. Bis heute orientieren sich einzelne Gemeinschaften an dieser Anweisung, die allerdings speziell in der kalten Jahreszeit ohne negative gesundheitliche Folgen kaum einzuhalten ist. Sowohl Franz von Assisi wie auch Jesus lebten in Ländern, in den Minustemperaturen selten sind. Die entsprechenden Ordensangehörigen tragen in der Regel Sandalen oder geflochtene Schuhe.
Zweitweise soll die Liegenschaft neben der Stadtkirche auch als sogenanntes Pfrundhaus gedient haben. Damit war im Mittelalter ein Legat gemeint, das zur dauerhaften Verköstigung und Pflege berechtigte. Ganz in der Nähe stand das Wiler Heilig-Geist-Spital. Im Mittelalter waren Hospitäler weniger Einrichtungen zur medizinischen Behandlung. Sie dienten eher als Herbergen für Pilger sowie auch für Arme und Alte, die nicht mehr für sich selber sorgen konnten.
Religiöse Frauengemeinschaft
An das Hospital angebaut war das Ordenshaus der Samnung. Diese Frauengemeinschaft lebte ursprünglich neben der St.-Peter-Kirche. 1284 wurden sie erstmals urkundlich erwähnt. Eine ihrer Hauptaufgaben war die Fürbitte für die Verstorbenen. Ehemals war neben der St.-Peter-Kirche ein grosser Friedhof angelegt, deshalb war dort ihre Wirkungsstätte.
Die Samnung-Frauen waren gewissermassen Ordensleute auf Zeit, ihre Gelübde befristet. Zum Teil waren diese Gemeinschaften Alternativen zu Frauenklöstern, die nicht genügend Plätze für alle Bewerberinnen hatten. Frauen, die nicht heiraten wollten oder konnten, hatten damals kaum Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Eintritt ins Kloster sicherte ihre Existenz.
Sittlicher Zerfall in der Kirche
Die Angehörigen der Wiler Gemeinschaft werden den Beginen zurechnet. Deren Name geht auf den flämischen Priester Lambert de Bègue zurück. Der Sittenzerfall beim damaligen kirchlichen Personal hatte ursprünglich dazu geführt, dass Lambert de Bègue um 1180 eine eigene Form spirituellen Lebens begründete, die rasch in verschiedenen Ländern Europas Fuss fasste. Die Mitglieder dieser Bewegung standen im permanenten Verdacht der Ketzerei.
Auch nachdem der damalige Papst diese Frauengemeinschaften anerkannt hatte, blieben sie unter kritischer Beobachtung. Den Verdacht der Ketzerei wurden sie nie ganz los. Einige Beginen landeten gar auf dem Scheiterhaufen. Dass diese Frauen am öffentlichen Leben teilnahmen, und nicht in strenger Klausur lebten, schien nicht überall auf Zustimmung gestossen zu sein. Sie gingen etwa als Patinnen von Kindern in Bürgerhäusern ein und aus.
Bedrängt von fremden Truppen
Die ursprüngliche Wohn- und Wirkungsstätte der Wiler Frauen lag ausserhalb der Stadtmauren, was ein erhöhtes Risiko bedeutete. So sollte während der Appenzeller Kriege ihre Behausung bei St. Peter angezündet werden, die Wiler Schützen vereitelten diesen Anschlag. In der Folge verlegten die Frauen ihren Sitz in die Nachbarschaft der Kirche St. Nikolaus, innerhalb der Stadtmauern. Ab 1448 lässt sich das Samnung-Haus in den städtischen Steuerregistern in der Altstadt belegen.
Im Jahr 1615 vereinigte sich die Gemeinschaft auf Geheiss des Abtes Bernhard Müller und mit der Bewilligung des Vatikans mit den Dominikanerinnen des Klosters St. Katharina. Bereits ab dem 14. Jahrhundert ist die Nähe der Wiler Samnung zum Dominikaner-Orden belegt. Er hatte Beziehungen zum entsprechenden Kloster in Konstanz, von dem er auch visiert wurde. Das Kloster St. Katharina seinerseits wurde 1228 in der Stadt St. Gallen gegründet. In den Querelen während der Reformation musste die Gemeinschaft die Stadt verlassen. Sie liess sich schliesslich 1607 in Wil nieder. Die Stadt Wil kaufte das verlassene Samnung-Haus im Jahr 1756 mit der Absicht, darin eine Schule einzurichten. Zuvor diente es den Kapuzinern als Übergangslösung, bevor sie ihr eigenes Kloster in Wil beziehen konnten. An seiner Stelle entstand das Kirchplatzschulhaus.
Hausbesitzer als Namensgeber
Während des Neubaus des Schulhauses in den Jahren 1839/40 diente die «Harmonie» als Kaplanei, in der zudem auch Schulunterricht abgehalten wurde. 1841 kaufte Metzgermeister Sebastian Grüebler vom «Wilden Mann» das Haus. Ein Jahr später übernahm es ein neuer Eigentümer namens Eisenring. Weil er Ehrenmitglied des Männerchors Harmonie war, trug das Gebäude ab jener Zeit den entsprechenden Namen. Es existieren historische Hinweise auf eine Bäckerei in dieser Liegenschaft.
Nach weiteren Handänderungen kam sie schliesslich in den Besitz der in Wil bekannten Weinhändlerfamilie Ehrat, die sie als «Speisewirtschaft und Weinhandlung» nutzte. Später hiess sie «Weinstube zur Harmonie». 1947 war Ende mit der Gastronomie, das Gebäude wurde anschliessend zum Wohnen sowie für Büros genutzt. Dann erwarb sie die katholischen Pfarr- und Kirchgemeinde Wil, die sie derzeit renovieren lässt.
Künftig Schulräume in der Harmonie
Gemäss Jürg Grämiger, Präsident des Kirchenverwaltungsrates, wird die Renovation des Gebäudes voraussichtlich im Spätsommer abgeschlossen sein. Im Erdgeschoss und im ersten Stock wird danach die Schule Räume mieten. «Zusätzlich sind drei Altstadtwohnungen vorgesehen», erläutert Grrämiger auf Anfrage von hallowil.ch. Im Untergeschoss ist ein kleines Eventlokal für kirchliche Zwecke vorgesehen.