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Die Toronto Maple Leafs haben seit 1967 nichts mehr gewonnen. Aber sie sind der SC Bern der NHL. Das reichste und wertvollste Unternehmen der Liga.
Das Air Canada Centre (Fassungsvermögen 19'800 Fans) ist viel weniger auffällig als die Postfinance-Arena in Bern. Das Stadion, versteckt zwischen den Hochhäusern in Downtown Toronto, wirkt klein und flach wie eine Keksdose. Ähnlich wie der Madison Square Garden in Manhattan. Die Postfinance-Arena wirkt dagegen draussen am Highway (bzw. der Autobahn) wie ein Leuchtturm der Stadt Bern.
Die Toronto Maple Leafs gelten in Kanada als das arroganteste NHL-Team. Entweder heiss geliebt oder eben gehasst. Durchaus eine Parallele zum SCB. Sie haben den Geschäftserfolg, ähnlich wie der SCB, längst vom sportlichen Erfolg abgekoppelt. Toronto hat 1967 den letzten Stanley Cup in der sechs Teams umfassenden NHL geholt.
Seit die NHL Big Business geworden ist, sind die Maple Leafs sportlich notorisch erfolglos und nicht einmal mehr bis ins Finale gekommen. Aber der Rubel rollt. Mit 1,3 Milliarden Dollar sind die Maple Leafs die wertvollste NHL-Marke und damit auch das wertvollste Hockeyunternehmen der Welt. 190 Millionen Dollar werden im Jahr umgesetzt. Der Bruttogewinn liegt bei rund 70 Millionen.
Der Erfolg der Maple Leafs liegt, wie beim SC Bern, in der Diversifizierung. Der Ticketverkauf macht lediglich rund einen Drittel (68 Millionen) der 190 Millionen Gesamteinnahmen aus und reicht gerade um die Spielerlöhne zu bezahlen. Torontos Erfolg machen fette lokale TV-Verträge, die rund 60 Millionen Dollar bringen. Durchschnittlich kommen etwas mehr als 19'000 Fans ins Stadion, sie bezahlen die höchsten Ticketpreise (durchschnittlich etwas mehr als 100 Dollar) der NHL. Pro Zuschauer wird nebst dem Ticketpreis mit einem Umsatz von 34 Dollar gerechnet.
Der SCB macht mit rund 50 Millionen Umsatz und durchschnittlich etwas mehr als 16'000 Fans für Schweizer Verhältnisse Big Business. Aber es ist letztlich ein beschauliches Unternehmen und im Besitz einer vierköpfigen Männerrunde um Manager Marc Lüthi, die sich regelmässig auf dem Golfplatz Limpachtal trifft. Die Herren machten das Sportgeschäft des Jahrhunderts. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Aber Kenner gehen davon aus, dass sie die Aktienmehrheit am SCB seinerzeit der Valora für weniger als 200'000 Franken abgekauft haben.
Der SCB schreibt seit 1999 schwarze Zahlen – in einer Liga, in der die Kloten Flyers letzte Saison konservativ geschätzt 5 Millionen verloren haben. Wie die NHL hat auch die NLA mit dem Problem der zu grossen wirtschaftlichen Differenzen zu kämpfen. Nur der SCB, die ZSC Lions (ohne das Farmteam GCK Lions), Lausanne und Zug sind dazu in der Lage, das Hockeygeschäft ohne betriebsfremde Zuschüsse (Mäzen) zu finanzieren.
Die sechs reichsten NHL-Teams (Toronto, die Rangers, Montréal, Chicago, Vancouver und Boston erwirtschaften zusammen 76 Prozent der Gesamtgewinne der 30 NHL-Teams. Dieses extreme wirtschaftliche Ungleichgewicht ist der Hauptgrund für die erbitterten Arbeitskämpfe der letzten Jahre mit drei Lockouts (einer davon dauerte sogar die ganze Saison 2004/05).
Bei der Ausgestaltung der Gesamtarbeitsverträge geht es ja nicht nur um die Salärbegrenzung. Sondern auch um eine Umverteilung der Gewinne von den Grossen zu den Kleinen. Die NHL hat also das gleiche Problem wie die NLA. Zu grosse wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Grossen und den Kleinen. Ein wichtiger Grund sind wie bei uns die unterschiedlichen Voraussetzungen bei den Stadien.
Der SCB ist im Vergleich zu den NHL-Unternehmen also eine kleine Nummer. Und doch hat der SCB mit den Toronto Maple Leafs den reichsten NHL-Club inspiriert. Der SCB-Fahnenaufzug über der grossen Stehplatzrampe zu den Klängen des Berner Marsches hat im Hockey offensichtlich globalen Kultcharakter. Ich habe soeben meinen Augen nicht getraut: Die Fans in Toronto haben dieses Ritual kopiert.
Während die Hymnen gespielt werden (wenn ein US-Team kommt, wird ja nebst der kanadischen auch die amerikanische Hymne vorgetragen) wandert auf der einen Längsseite eine riesige kanadische Flagge über die Zuschauer hinweg und auf der anderen eine riesige Maple Leafs-Fahne. Wenn die Hymnen gesungen sind, werden die Tücher wieder eingerollt. Hier ist offenkundig ein Ritual übernommen worden, das zweifelsfrei in Bern erfunden worden ist. Wir haben ja sonst allen Brimborium rund ums Spiel aus Nordamerika übernommen – aber hier hat Europa bzw. Bern die NHL inspiriert.
Der SCB könnte allerdings von den Maple Leafs schon noch etwas lernen. Es geht nicht einmal um Geld oder Big Business. Es geht um den Respekt vor der Geschichte. In Nordamerika wird die Vergangenheit zelebriert. So wird dem Sport mehr politische und soziale Bedeutung gegeben. Wer in die Postfinance-Arena kommt, weiss nicht, welche Rückennummern nicht mehr vergeben werden und wie oft der SCB Meister geworden ist. Die zurückgezogenen Nummern hängen wie an einer schäbigen Wäscheleine ganz oben unter dem Dach. Ein Schwalbennest ist besser sichtbar.
Warum bringt es der SCB nicht fertig, wie ein NHL-Unternehmen, wie Toronto beispielsweise, die Helden von einst in riesigen Bannern zu ehren und jeden Meistertitel und jeden Qualifikationssieg mit einem ebenso riesigen Banner stolz zu präsentieren? In keiner Arena dieser Welt wäre mehr Platz oben unter dem Dach für eine würdige Präsentation der stolzen SCB-Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ruhmreicher ist als jene der Toronto Maple Leafs.