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Datierung
1971
Blattmasse
51.5 x 73 cm
Technik/Material
Gouache auf Papier
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus: Das Progressive Museum Basel
Inv.-Nr.
SK07021
Ohne Titel
Mit seinem Frühwerk wurde Imre Bak (1939, Budapest, HU) als ein bedeutender Vertreter der informellen Kunst in Ungarn bekannt. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre gehörte er der experimentellen Künstlergruppe «Zuglói Kör» an; inzwischen gilt er als einer der wichtigsten ungarischen Initiatoren der Hard-Edge-Bewegung.
Nach einem Besuch der documenta IV in Kassel 1968 änderte sich seine Bildsprache von einem rhythmisierten Tachismus zu einer Farbfeldmalerei, die immer noch Anklänge an räumliche Illusionen erkennen lässt. Im selben Jahr zeigte Imre Bak in der Stuttgarter Galerie Müller ein «Streifenbild», in dem er zu einem eigenen Verständnis der Form-Raum-Beziehung fand: Es zeigt diagonal aus den Ecken strebende Streifen, die den eigentlichen Bildgrund zu einem Bildraum erweitern. In dem in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv befindlichen Werk ist der mehrstreifige Rahmen des Bildes aufgebrochen, wodurch der Innenraum aus dem Bild herauszuströmen scheint, und der Objektcharakter des Gemäldes hervorgehoben wird.
Inspiriert von deutschen, amerikanischen und britischen Vertretern der geometrischen Abstraktion, der sogenannten Signalkunst sowie der Pop Art, erkundete Bak das Zusammenspiel von intensiven, reinen Farben und streng strukturierten Formen und Linien. Durch die Synthese symbolhafter Zeichen aus europäischen und zentralamerikanischen Kulturen mit einigen Aspekten der Konzeptkunst entwickelte Imre Bak in den 1970er Jahren eine einzigartige Form der emblematischen Darstellung.
In der Zeit um 1980, die durch zunehmende Liberalisierung, eine «Neue Sensibilität» und Regionalismus gekennzeichnet war, vollzog sich in Baks Werk unter dem Einfluss der Postmoderne ein Wandel. Er verknüpfte dekorative Elemente des Art nouveau mit der Geometrie der Futuristen und der schwebenden Geometrie des späten Kandinsky zu zeitlosen und metaphysischen Allegorien.
In den 1990er Jahren folgten grossformatige Werke, die in ihrer unverkennbaren persönlichen Handschrift einen Höhepunkt in Baks Œuvre bilden. Nach einer Amerikareise entstand 1998 die Serie der «New-York-Bilder». Die Kompositionen werden zunehmend flacher und beschränken sich schliesslich auf einen fensterartigen Ausschnitt. Bak setzt die Farbe in ein Spannungsverhältnis zu assoziativen und illusionistischen Raumerfahrungen, die sich in Überlagerungen und dem Spiel mit Perspektiven äussern. Beide Wahrnehmungsweisen setzt er in ein dialektisches Verhältnis. Auch wenn sein Werk zu weiten Teilen von dem Versuch gekennzeichnet ist, eine dezidiert ungarische Version des Neo-Geo zu schaffen, manifestiert sich in seinen Bildern letztlich keine Bestätigung der Tradition, sondern deren Infragestellung.
Dominique von Burg