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Der 1960 geborene Journalist Mark Kemp hat einen langen Weg hinter sich: Geboren und aufgewachsen im Südstaaten-Gliedstaat North Carolina wurde er später Musikkritiker beim New Yorker Magazin Rolling Stone. Daneben arbeitete er auch für MTV und die Schwesterstation VH1. Inzwischen lebt er mit seiner Ehefrau an der Westküste der USA und schreibt von San Francisco aus für das Magazin Acoustic Guitar. Von 2000 bis 2004 schrieb Kempdas Buch Dixie Lullaby : A story of music, race, and new beginnings in a new South. In diesem Buch verarbeitet er seine musikalische Sozialisation und damit auch gleich die Bewusstwerdung einer Generation von Südstaatenamerikanern, die nach den Rassenunruhen und nach der Ermordung von Dr. Martin Luther King Jr. versuchen mussten, einen Platz in der Welt zu finden. Dazu mussten sie sowohl den Hippie-Blues von Duane Allman wie auch die reaktionären Tiraden von Lynrd Skynrd-Frontmann Ronnie van Zandt einordnen. Das Buch ist die Musikgeschichte eines sehr spezifischen Zeitraums: Aufwachsen in den 1970er und 1980er Jahren in den Südstaaten: Irgendwo zwischen Sweet Home Alabama und Sweet Dreams.
«Kein Musikprofessor oder Historiker der Welt hätte es bisher geschafft, ihm abseits von Akkorden und Tonleitern das Wesen des Blues wirklich zu erklären.»
Blues heisst immer auch Geschichten erzählen und Bluesmusiker mussten das schon immer sehr gut können. Was entsteht, wenn einer sich plötzlich nicht mehr nur auf die paar Minuten seines Songs beschränkt, sondern eine lange Geschichte erzählt? Richard Koechli hat es sich zugetraut und den ersten Musikroman überhaupt geschrieben, bei dem es um nichts anderes geht, als um den Blues. Am 1. Dezember 2014 erscheint sein Debutroman «Dem Blues auf den Fersen». Wir haben ihn gelesen. Allerdings sind wir kein Literaturportal und bleiben gerne bei unseren Leisten, wagen aber trotzdem eine Rezension. Auf den Punkt gebracht: Für alte Bluesfreunde ein Genuss, für neue ein Muss!
Biographien von Bluesmusikern sind ein wichtiger Bestandteil der Geschichtsschreibung. In einem Genre, in dem die erste und stilbildende Generation von Musikern keine Autobiographien schrieben, weil das gedruckte Wort keinen grossen Stellenwert in ihrem Leben einnahm, sind die akribische Schilderung der Lebensumstände und -veränderungen einzelner Musiker von grossem Wert. Die ersten Generationen von Bluesmusikern weilen nicht mehr unter uns, und umso wichtiger wird die Recherche, die Suche nach Spuren in Archiven und Phonoteken. Michael Spörke legt nun mit Big Mama Thornton : The Life and Time eine gut recherchierte Biographie zu Willie Mae «Big Mama» Thornton (1926–1984) vor, der wohl bedeutendsten Bluessängerin, die nur deshalb nie den Titel «Queen of the Blues» trug, weil sie so gar nichts weiblich-majestätisches an sich hatte. Aber auf der Bühne und im Studio hat «Big Mama» Thornton die Blueswelt entscheidend geprägt — weit über ihre berühmten Titel Hound Dog und Ball and Chain hinaus. Spörke schliesst mit dieser Biographie eine schmerzliche Lücke in der Historiographie des Blues und er setzt Willie Mae «Big Mama» Thornton das ihr gebührende Denkmal. Das Buch setzt gezwungenermassen auf die Berichte dritter, baut aber auch auf Archivmaterial und zeitgenössische Zeitungsberichte. In der in Erfahrung zu bringenden Tiefe hat Spörke ihr Leben beschrieben. Das Buch regt an, an Stellen weiter zu grübeln, wo sich der Autor eines Urteils enthält.
Gitarrenvirtuose Greg Koch dürfte inzwischen relativ bekannt sein in der Subkultur der Gitarristen, insbesondere der Bluesgitarristen. Der 48jährige Amerikaner aus Milwaukee hat sich im Internet eine starke Präsenz aufgebaut, und wer sich mit der Bluesgitarre, Instrumente wie Techniken beschäftigt, trifft auf Youtube früher oder später auf Greg Koch, den exzentrisch wirkenden Mann mit wechselndem Kinnbart, stets in ein besticktes Country-Shirt gekleidet. Greg Koch spricht schnell, elaboriert und witzig, durchaus selbstverliebt, aber sein Narzissmus fusst auf Kompetenz. Kochs Renommee stammt von seiner Virtuosität auf der elektrischen Gitarre, wo er im Bereich zwischen Blues, Rock, Funk und Country eine manchmal schier unglaubliche Fähigkeiten an den Tag legt. Nicht nur sind sein Läufe rasant schnell, seine Musik zeichnet sich ausserdem durch eine beeindruckende Phrasierung und Dynamik aus. Genau diese kleinen Kniffe und Tricks, welche das Gitarrenspiel weiter entwickeln und personalisieren, gibt Koch im Lehrbuch Guitar Clues Operation Pentatonic weiter.
Der Journalist Peter Rüedi ist der Grand Seigneur des Jazz-Journalismus in der Schweiz. Und ein enorm fleissiger dazu. Rüedi hat über Jahrzehnte die Weltwoche mit seinen Jazz-Rezensionen und biographischen Kolumnen bereichert und nun sind zu seinem einundsiebzigsten Geburtstag die gesammelten Kolumnen erschienen. Der mit 1850 Gramm und 1320 Seiten Umfang monumentale Band ist unter dem Titel Stolen Moments erschienen und Bluesnews.ch hat sich das Buch angesehen. Bei aller Fachkenntnis seitens Peter Rüedis sei dennoch ein Wort der Warnung angebracht: Für Bluesfans ist hier nichts zu holen. Gar nichts. Jazz ist hier eng definiert und darin hat der Blues keinen Platz.
Der hier zu besprechende Band ist eine Studie von Jürg Martin Meili, einem Mittelschullehrer und freischaffenden Journalist, mit der dieser Arbeit 2010 an der Universität Zürich promovierte. Meili untersucht in seiner Doktorarbeit die wechselseitige Abhängigkeit von Kunst, insbesondere Musik und der Identität einer Gruppe, die diese Musik anhört am Beispiel der Afro-amerikanischen Bevölkerung der USA. Mit anderen Worten, er untersucht, inwieweit die Musik der Schwarzen Bevölkerung der USA mithalf, eine Identitätsfindung zu ermöglichen in der politischen Umbruchphrase der USA in den 1960er Jahren, als Martin Luther King und Malcolm X für die politische Gleichberechtigung und die tatsächliche Umsetzung des Wahlrechts kämpften, das den Schwarzen aufgrund von sog. Jim-Crow-Gesetzen weitgehend verwehrt war. In dieser Arbeit, die unter dem Titel Kunst als Brücke zwischen den Kulturen : Afro-amerikanische Musik im Licht der schwarzen Bürgerrechtsbewegung im transcript-Verlag erschienen ist, bemüht sich Meili, die zwei grossen Themenkreise Schwarze Musik und Bürgerrechtskampf unter einen Hut zu bringen. Ein sehr ambitioniertes Unterfangen, für dessen Umsetzung Meili an manchen Stellen die analytische Schärfe vermissen lässt. Insgesamt aber ist ihm eine ansprechende Darstellung in Deutscher Sprache gelungen, die begeisterte Leser finden wird unter denjenigen, die mit dem politischen Kampf um Gleichberechtigung kaum oder wenig vertraut sind. Der Titel ist etwas sonderbar, denn die Brücke zwischen den Kulturen wird wenig thematisiert, vielmehr wird Musik als Vermittler eines Zusammengehörigkeitsgefühl in der Schwarzen Bevölkerung behandelt.