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Anaïs Strübin und Martina Lussi
Anaïs Strübin und Martina Lussi auf dem Tandem mit Aldo Walker
Destillat
In der Installation Destillat der Künstlerinnen ANAÏS STRÜBIN (*1988) und MARTINA LUSSI (*1987) wird ein 21 Minuten langes Video ohne Ton gezeigt. Das Video wird im Loop auf eine dem Fenster vorgesetzte Mauer projiziert. Die Projektion kann von einem Sitzelement in der Mitte des Raumes betrachtet werden. Beim Betreten der Installation werden Kapselgehörschütze aufgesetzt, welche zur akustischen Absorbierung dienen.
Sieben echtzeit Videosequenzen zeigen Ausschnitte aus dem urbanen Umfeld. Die strengen Bildkompositionen enthalten zeitgenössische architektonische Strukturen, die von feinen Bewegungsrhythmen durchbrochen werden. Die sich bewegenden Objekte und Figuren werden zu «Protagonisten», wobei das Video keiner klaren Erzählstruktur folgt. Jede einzelne Sequenz ist in sich geschlossen und Teil einer Aufzählung mehrerer Ausschnitte aus dem Alltag. Sie beinhalten stereotype Orte mit unspektakulären Handlungen. Die reduzierte Bildwelt lässt offen, ob es sich um reale oder fiktive Orte, um natürliche oder choreografierte Bewegungen handelt.
Die Gestaltungsstrategie der beiden Künstelrinnen ist die Reduktion. Sie wird sowohl auf der Bildebene als auch in der räumlich-installativen Präsentationsform wahrnehmbar. Zur steigerung dieser Reduktion wird die Tonspur weggelassen. Durch diese Gestaltungsmittel entsteht in der Arbeit Destillat eine Vakuumsituation. Im Gegensatz zu den klaren Strukturen stehen die poetischen, unregelmässigen und zufälligen Bewegungen. Die Rezipienten werden durch den zeitlichen Aspekt und die scheinbare Ereignislosigkeit herausgefordert.
Die Videoarbeit Destillat ist als Gegenüberstellung zu Aldo Walkers Morphosynthaktischem Objekt zu verstehen. Die Künstlerinnen beziehen sich auf die gleiche Gestaltungsstrategie wie Aldo Walker, die Reduktion. Sie bedienen sich also einer ähnlich klaren formalen Sprache, jedoch in einem zeitgenössischen Medium des digitalen Videos. In beiden Werken wird durch die kühle Komposition eine scheinbar objektive Sichtweise suggeriert. Doch trotz ihrer klaren Komposition und Struktur sind die Arbeiten poetisch. Walker bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Malerei und Kommunikationsmedium durch den grafischen Umgang des Mediums Malerei. LUSSI und STRÜBIN bewegen sich in ihrer Arbeit ebenfalls an der Schnittstelle zweier zeitgenössischen Medien; Fotografie und Video.
Die Komplexität der Bilder ALDO WALKERS überfordert und fesselt zugleich. Die Besucher der Installation Destillat werden durch die Zeitdauer und ihre Erwartungshaltungen herausgefordert. Beide Werke verlangen für das Erfassen grosse Aufmerksamkeit und einen aktiven Betrachter.
Anaïs Strübin
*1988
lebt in Basel
Ausbildung
2007/08 Vorkurs an der Schule für Gestaltung, Basel
2011 Bachelor of Arts, Kunst und Vermittlung, Hochschule Luzern – Design & Kunst, Luzern
Martina Lussi
*1987 in Luzern
lebt und arbeitet in Luzern
Ausbildung
2007/08 Vorkurs an der Hochschule Luzern – Design & Kunst, Luzern
2011 Bachelor of Arts, Kunst und Vermittlung, Hochschule Luzern – Design & Kunst, Luzern
2016 Master of Arts in Contemporary Arts Practice, Hochschule der Künste Bern, Bern