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Als die Obergösger am 20. Februar 1887 entschieden, „es sei der Gemeinde Winznau die Anzeige zu machen, das ab 1. Juni 1887 auf dem Friedhof Obergösgen kein Toter der Gemeinde Winznau beerdigt werden dürfte", waren die Winnauer nicht mehr zu halten. Am 14. April 1887 beschloss die Gemeinde einstimmig, sich von der Pfarrei Obergösgen zu trennen, die notwendigen Gelder innert nützlicher Frist bereitzustellen und ein Pfarrhaus und einen Friedhof zu errichten. Aus dem Kapellenfonds eben jenes Chorherren Grimm konnten 54'000 Franken entnommen werden, weitere 40'000 Franken spendete die Bevölkerung. Die Gelder aus dem Zinsabfluss dieser Kapitalien mussten für die Besoldung des Pfarrers, des Sigristen und für den Bau und Unterhalt der Gebäude ausreichen.
Auch damals ein Bankskandal
Nachdem der Regierungsrat das Kapital als hinreichend betrachtete, bewilligte er innert Monatsfrist, am 10. Mai 1887, die Errichtung einer eigenen Pfarrei und hob das Kirchengangsrecht nach Obergösgen auf den 1. Juni auf.
Diese rasche Zustimmung erstaunt immer wieder, schreibt Hans Brunner in seinem Winznauer Buch. „Sie kann nur durch den Bankkrach erklärt werden, in dem ein Mitglied des Regierungsrates verwickelt war und letztlich sogar mit einer Gefängnissstrafe belegt werden musste. Entweder war die Regierung zu sehr mit diesem Skandal beschäftigt - was anzunehmen ist - oder aber sie wollte mit einem raschen Entscheid das in Mitleidenschaft gezogene Vertrauen und das angeschlagene Image verbessern. Auch das gabs eben damals schon.
Am 5. Juni, eine Woche nach Pfingsten 1887, wurde dann der erste Pfarreigottesdient in der 1851 / 1852 neu erbauten Kapelle von Guardian aus dem Kapuzinerkloster Olten gefeiert.
(Veröffentlich in: Aargauer Zeitung, 21. Oktober 2000)