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Der deutsche Theologe und Botaniker Christian Konrad Sprengel (1750-1816) begründete mit „Entdecktes Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen“ einen Zweig der biologischen Wissenschaften, der erst Jahrzehnte später seinen heutigen Namen „Blütenökologie“ erhielt.
Titelkupfer
Sprengel beschäftigte sich auf Anraten seines Arztes mit Botanik und erforschte von 1787 bis 1792 die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Insekten. Insbesondere ging er der Frage nach, wie der Bau, die Farbgebung, und spezifische Farbzeichnungen von Blumen die verschiedenen Insekten anlocken, um die Bestäubung zu ermöglichen. Der deutsche Botaniker Gerhard Wagenitz fasst die Grundaussage des Buches so zusammen: „Blüten sind zum überwiegenden Teil auf ihre Bestäuber angewiesen, und die Eigentümlichkeiten ihres Baues lassen sich als Anpassungen verstehen, die die Bestäubung sicherstellen. Dabei wird die Selbstbestäubung weitgehend vermieden.“
Der Gedanke der Beförderung der Fremdbefruchtung war wohl das, was Charles Darwin knapp 50 Jahre später an dem Buch von Sprengel beeindruckte. Darwin selbst sah die sexuelle Fortpflanzung als Quelle der Variabilität und publizierte 1862 sein blütenökologisches Hauptwerk On the various contrivances by which British and foreign orchids are fertilised by insects, and on the good effects of intercrossing. „Intercrossing“ übersetzt als „Befruchtung durch eine andere Art“ impliziert hier bereits auch den Begriff der „Koevolution“, die wechselseitige Anpassung von Pflanze und Tier.
Links:
Das entdeckte Geheimniss der Natur im Bibliothekskatalog NEBIS
Literatur:
Gerhard Wagenitz: Sprengels „Entdecktes Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen“ aus dem Jahre 1793 und seine Wirkung. In: Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: 2, Mathematisch-Physikalische Klasse; 1993, 1. Göttingen 1993.