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Der keltische Münsterhügel und die altbekannte Flachsiedlung unter dem Novartis-Campus
1973 stand im Rahmen meiner Lizentiatsarbeit die Auswertung der Murus- Gallicus-Ausgrabung an. Die Kultur der Kelten hatte durch die 68er-Bewegung Auftrieb erhalten, die imperialen Römer sah man auch von einer anderen Seite. Eine entscheidende Frage an die beginnende Fundauswertung war das zeitliche Verhältnis der grossen Flachsiedlung direkt am Rhein zur neu entdeckten Anlage auf dem Münsterhügel. Rudolf Mossbrugger dachte zunächst an eine zeitgleiche Fluchtburg. Alles war offen: zeitgleich, älter oder jünger?
Die systematische Analyse der Funde aus den untersten Schichten des Münsterhügels ergab bei verschiedenen Gattungen Unterschiede. Dabei nahm ich mir auch die Münzen aus beiden Basler Keltensiedlungen vor, wenn sich auch die Numismatiker als eigene Gilde verstanden. Erste Auswertungen ergaben eine spätere Zeitstellung der neuen Funde gegenüber „Basel-Gasfabrik“, die demnach Jahrzehnte von der römischen Okkupation zurückgeschoben werden musste. Ich kam zu einer Datierung vor dem gallischen Krieg (ab 58 v. Chr.).
In der Flachsiedlung wie auf dem Münsterhügel dominierten allerdings schon gegossene Münzen aus „Potin“, einer Bronzelegierung, das Münzspektrum, allerdings mit verschiedenen Münzbildern. Jetzt gab es ein Problem, denn die Potinmünzen wurden von der dominierenden französischen Forschung unter Leitung des Adligen Jean-Baptiste Colbert de Baulieu, einem Nachkommen des berühmten Colbert des Louis XIV, pauschal als nach der den casarischen Feldzügen in Gallien ausgegebenes „Notgeld“ verstanden. Diesem einflussreichen „dirécteur C.N.R.S.“ und seinem Gefolge musste ich mich jetzt als aufmüpfiger Student mit meiner Frühdatierung und einer verfeinerten Typologie von Varianten stellen, die ich mit guten Gründen früher als 58 v. Chr. zu datieren wagte.
Die Untersuchung der keramischen Funde zeigte zudem, dass in den untersten Schichten auf dem Münsterhügel bereits neue Keramikformen auftraten, wie sie in der Flachsiedlung der mittleren und späten Latènezeit (Eisenzeit) nicht auftraten, vor allem so genannte Dolien, eine Art Vorratsgefässe.
Pause während der Grabung beim Bischofshof an der Rittergasse im Jahre 1972
Ich kam also zum Schluss, dass der Münsterhügel nach dem Ende der Flachsiedlung zur dominierenden Keltensiedlung am Basler Rheinknie wurde. Diese Bestimmung gilt bis heute. Meine absolute Datierung von damals allerdings wird heute anders gesehen. Ich sah früher einen Wechsel in Zusammenhang mit dem Auszug der Helvetier und Rauriker von 58 v. Chr. als wahrscheinlichsten Zeitpunkt für den Siedlungswechsel an.
Seit der Beginn der mittleren Latènezeit international früher angesetzt wird, verschieben sich die Laufzeiten der Basler Siedlungen um rund 30 Jahre, der Wechsel zum Münsterhügel wird heute schon für die Zeit um 80 v. Chr. angenommen. Wieder sucht man nach historischen Korrelationen und bringt heute die literarisch überlieferte Konfliktsituation nach der Zuwanderung von Germanen (Ariovist) ins Oberrheingebiet mit ins Spiel, wenn auch der archäologische Nachweis dazu fehlt.
Digitale Publikationen
Die Unterteilung der Stufe La Tène D in die Unterstufen D 1 und D 2 ist heute fachliches Allgemeingut. „Basel-Gasfabrik“ und „Basel Münsterhügel“ gelten dabei – auch in der Numismatik – als wichtige Leithorizonte (1). Wie kam es dazu? Die entscheidenden Entdeckungen und Schritte dazu erfolgten vor bald 50 Jahren. Deren Ablauf wird hier im Zeitraffer nacherzählt, dieser mit dem heutigen Stand der Forschung abgeglichen und Stellung zum historischen Kontext genommen.