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Kassenpflichtig - der Kampf gegen den Darmkrebs geht weiter
Diagnose Täglich erkranken in der Schweiz mehr als 10 Personen an Darmkrebs. Unser Wissen über eine gesunde Lebensweise hat an dieser Tatsache wenig geändert. Früh entdeckt wäre Darmkrebs meist heilbar, beim Befall von Lymphknoten sind es nur mehr die Hälfte.
Dank Fortschritten in der Chirurgie und Strahlentherapie können heute auch grosse Tumoren entfernt werden, selbst wenn sie bereits zu Absiedlern in der Leber geführt haben.
Auch die medikamentöse Krebstherapie wird zielgerichteter. Durch Bestimmung der molekularen Eigenschaften des Tumors kann teils vorhergesagt werden, welche Chemotherapie beim Patienten eine Chance hat. Bei gewissen Mutationen scheint selbst Aspirin die Prognose massiv zu verbessern.
Das verbesserte Verständnis der Tumorbiologie führte zur Entwicklung neuer Moleküle, die auch beim Versagen herkömmlicher Therapien beim metastasierenden Darmkrebs helfen können. Dank dieser individualisierten Therapie leben Patienten mit Darmkrebs heute länger und besser.
Aber weiterhin sterben beinahe 40% am Tumor. Beim Auftreten von Beschwerden sind nur mehr knapp 20% in einem heilbaren Frühstadium, wie eine Schweizer Studie zeigte.
Der Darmkrebs kann heute im heilbaren Frühstadium entdeckt werden
Lange fehlten aussagekräftige Studien, die den Nutzen der Darmspiegelung bewiesen. Neu liegen Resultate riesiger randomisierter Studien aus England und den USA vor, die den Nutzen der Spiegelung des untersten Dickdarmteils, des Sigmoids, untersuchten. Nach zehn Jahren starben in der Sigmoidoskopie-Gruppe 30% weniger an ihrem Tumor.
Im oberen Dickdarm sind andere Faktoren für die Tumorentstehung entscheidend, wie flache, schwer sichtbare Schleimhautareale, in denen gewisse Reparaturgene gestört sind. In Glarus und Uri wurde deshalb prospektiv der Nutzen der Spiegelung des ganzen Dickdarms untersucht.
Darmkrebs wurde bei über 70% im Frühstadium entdeckt und mit Vorsorge starben beinahe 90% weniger am Krebs, trotz gleichmässig verteilten, Risikofaktoren wie familiäre Häufung, Rauchen, Übergewicht und ungesunde Lebensweise.
Dank Entfernung der Tumorvorstufen konnte die Krebsentstehung um zwei Drittel gesenkt werden. Auf 1000 Männer erkranken also statt 60 nur mehr 20 und auf 1000 Frauen statt 37 nur mehr 12 an Darmkrebs.
«Die Bevölkerung muss informiert und motiviert werden, etwas gegen den Darmkrebs zu tun.»
Von riesigen Bevölkerungsstudien wissen wir, dass Darmkrebs auch mit regelmässiger Stuhluntersuchung auf Blut in einem früheren Stadium gefunden wird. Neue Stuhlteste sind spezifisch für menschliches Blut und brauchen keine Diät.
Die Zuverlässigkeit der Tests ist aber äusserst unterschiedlich. Positive Resultate schwanken zwischen 5% und 50%, oft ohne dass ein Tumor oder eine Vorstufe vorliegt. Konstantere Resultate zeigen neue, spezifische, quantitative immunologische Stuhlteste. Hiermit kann Darmkrebs im gleich frühen Stadium wie mit der Spiegelung entdeckt werden, wie eine Studie in Spanien bei 50 000 Personen zeigte.
30 Sekunden alle zwei Jahre für die Vorsorge ist ein Aufwand, der sich lohnt! Darmkrebs kann aber hiermit gelegentlich verpasst werden. Der Test eignet sich deshalb nicht zur Abklärung von Beschwerden.
Zur Verhütung der Krebsentstehung hilft der Test weniger, da Krebsvorstufen oft nicht bluten. Die Vorstufen sind auch das Problem anderer Stuhlteste, die genetische Tumorbestandteile im Stuhl nachweisen wollen.
Die Darmkrebsvorsorge ist neu kassenpflichtig: Was heisst das für Ärzte?
Die vorsorgliche Darmspiegelung und die Stuhluntersuchung auf Blut im Alter zwischen 50 und 69 sind neu kassenpflichtig. Ein Meilenstein bei der Darmkrebsbekämpfung, aber auch eine Verpflichtung für die Zukunft. Die Bevölkerung muss informiert und motiviert werden, etwas gegen den Darmkrebs zu tun.
In Glarus und Uri waren weniger als 15% bereit, eine vorsorgliche Darmspiegelung machen zu lassen, und die Erfahrung in den umgebenden Ländern ist nicht besser. Die Akzeptanz der Vorsorge ist aber entscheidend. Deshalb ist es wichtig, dass auch die Stuhluntersuchung kassenpflichtig wurde, da manch einer die Spiegelung scheut.
Ärzte müssen die Qualität der verschiedenen Tests kennen und die Leute mit positiven Resultaten zur Darmspiegelung schicken. Schlussendlich entscheidend ist die Qualität der Darmspiegelung. Diese beginnt mit der Darmreinigung, gefolgt von der Sorgfalt der Spiegelung, damit wirklich alle Tumorvorstufen gefunden und ohne Komplikationen abgetragen werden. Die Spiegelung wird schliesslich bei gesunden Leuten durchgeführt!
Das Stadium des Darmkrebses bei der Entdeckung ist entscheidend für das spätere Überleben. Entscheidender als die Chirurgie und die moderne individualisierte Chemotherapie – die Darmkrebsvorsorge lohnt sich!