Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03661.jsonl.gz/1516

Das Sauber-Team beendete die Saison 2015 auf dem 8. Rang von insgesamt zehn Teams. 36 Punkte wurden eingefahren. Das ist eine schöne Steigerung gegenüber dem vergangenen Jahr, welches allerdings das mit Abstand schlechteste der Teamgeschichte war.
Insgesamt zum sechsten Mal in 23 Jahren Formel 1 belegt Sauber Platz 8, weiter hinten stand man nur 2014.
Es ist sicher kein Ergebnis, auf das wir stolz sein können, denn wir können viel mehr.
36 Punkte von Felipe Nasr und Marcus Ericsson, das sind gleich viele wie 2009, aber: Damals gab es nur Punkte für die ersten 8. Mit der Punkteskala von damals hätte das Sauber-Team nur neun Punkte gewonnen. Umgerechnet auf die Punkteskala vor 2003, als nur die ersten sechs Punkte erhielten, sind es 3 Punkte. 1999 holten Jean Alesi und Pedro Diniz 5, 2000 Mika Salo und Diniz 6 Punkte. Die Punktzahl von 2015 ist also die zweitschlechteste der Teamgeschichte.
«Es ist sicher kein Ergebnis, auf das wir stolz sein können,» sagt denn auch die Teamchefin Monisha Kaltenborn, «denn wir können viel mehr.»
Guter Start in die Saison, danach ging es bergab
Besonders beunruhigend ist die Entwicklung im Verlauf des Jahres 2015. In den ersten Rennen war die Sauber-Performance noch deutlich besser als jene von Force India oder Toro Rosso. Doch beide Mittelfeld-Konkurrenten zogen spätestens mit dem Sommeranfang am Schweizer Team vorbei und waren nicht mehr einzuholen.
Im letzten Rennen in Abu Dhabi schlug sogar Jenson Button im McLaren-Honda (Platz 9 in der Konstrukteure-WM) die beiden Sauber-Piloten. Abu Dhabi war ein Tiefpunkt, ähnlich wie schon Sao Paulo zuvor. Die Hinwiler Boliden hatten keine Chance, aus eigener Kraft in die Punkteränge vorzustossen.
Im Qualifying war die Entwicklung noch dramatischer. Gelangen in den ersten drei Rennen noch drei Vorstösse in die Top 10, schieden die Sauber-Piloten in den sieben Qualifyings seit Singapur neunmal im ersten Abschnitt aus und landeten auf Rängen zwischen 16 und 18.
Unzufriedene Sauber-Führung – Änderungen für 2016
Die Sauber-Führung hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass man mit diesen Ergebnissen nicht zufrieden ist.
Die Schlüsse wurden gezogen: Im Juli wurde Mark Smith als technischer Direktor eingestellt. Für 2016 wird das Aerodynamik-Konzept radikal verändert. Sauber geht in eine Richtung, die Red Bull vor Jahren vorgegeben hatte, und die inzwischen von den meisten Teams kopiert wurde: Das Auto wird hinten deutlich mehr Bodenabstand haben als vorne.
Wir wollen deutlich weiter nach vorn, denn da gehören wir hin.
Fairere Formel 1 in Zukunft?
Finanziell helfen die rund 10 Millionen, die man dank Platz 8 mehr zur Verfügung haben wird. Und die Hoffnung lebt, dass dank der Klage bei der EU-Kommission eine längst fällige, gerechtere Verteilung der Formel-1-Einnahmen erzwungen werden kann, zugunsten der kleinen Teams wie Sauber und Force India.
Wobei gerade Force India in diesem Jahr bewiesen hat, dass auch ein «Kleiner» die Grossen ganz schön ärgern kann. Force India, früher einmal Jordan, immer noch mit Werk in Silverstone, hatte zu Beginn des Jahres kein konkurrenzfähiges Auto. In den letzten neun Rennen aber holten die Inder 97 Punkte! Mehr als Lotus und Toro Rosso im ganzen Jahr. Nur 6 Punkte weniger als der WM-Dritte Williams und sogar 6 mehr als Red Bull Racing im gleichen Zeitraum.
Force India muss das Vorbild sein
Was Force India kann, sollte auch Sauber können. Das Werk in Hinwil und der Windkanal gehören nach wie vor zu den Vorzeige-Objekten der Branche. Dabei ist es alles andere als selbstverständlich, dass ein Schweizer Team in der Königsklasse des Motorsports mitfährt. Dennoch: Nur mitfahren will in Hinwil niemand. Monisha Kaltenborn sagt kämpferisch: «Wir wollen deutlich weiter nach vorn, denn da gehören wir hin.» Ich bin gespannt auf die Saison 2016.
Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 29.11.15, 13:30 Uhr