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Die Schweizer Polizei erwägt den Einsatz von kriegsrechtlich verbotener Munition. Die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten hat die Umstellung von Vollmantel-Geschossen auf so genannte Deformations-Geschosse empfohlen, wie ihr Vizepräsident, Jörg Stocker, am Donnerstag (07.06.) mitteilte.Dieser Inhalt wurde am 07. Juni 2001 - 18:05 publiziert
Bei der geprüften Munition handle es sich um so genannte Deformationsgeschosse, bestätigte Stocker einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Facts" vom Donnerstag. Deren Projektile pilzen beim Eindringen in einen Körper auf, wodurch sie mehr Fläche erhalten. Die Munition habe gegenüber der heute verwendeten Vollmantelgeschosse den Vorteil, dass sie bei den Opfern eine grössere Schockwirkung erziele. Laut Beat Hegg, dem Generalsekretär der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren, reichen Vollmantelgeschosse oft nicht aus, um einen Flüchtigen zu stoppen, da die Getroffenen einen Durchschuss kaum spüren. Daher seien oft mehrere Schüsse nötig. Die geplante Munition habe eine "höhere Mannstoppwirkung". Dadurch müsse weniger geschossen werden, was auch die Sicherheit für Drittpersonen erhöhe.
Deformationsgeschosse sind vom internationalen Kriegsrecht verboten. Das Verbot treffe aber nur auf Krieg führende Parteien zu, und nicht auf die inneren Ordnungskräfte eines Staates, präzisierte Stocker. Juristisch sei eine Benützung durch die Polizei also möglich. Auch moralisch hält er den Einsatz nicht für fragwürdig, sondern für notwendig. "Es geht um den Schutz unserer Mitarbeiter in lebensbedrohlichen Situationen", sagte er.
Umstellung empfohlen
Die Schweizerische Polizeitechnische Kommission hat den Munitionswechsel geprüft und einen positiven Bericht zuhanden der Kommandanten verfasst. Diese haben den kantonalen Polizeikorps die Umstellung empfohlen. Weiter orientierten sie die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren der Schweiz (KKJPD) über ihre Abklärungen. Ob auch die Polizeidirektoren die neue Munition empfehlen werden, ist noch offen. Formell könnten die Kommandanten aber allein entscheiden, sagte Hegg. In der Regel würden die Empfehlungen der Polizeidirektoren aber befolgt. Die Direktoren werden an ihrer Plenarversammlung im Herbst eine Stellungnahme abgeben.
swissinfo und Agenturen
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