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Auf das unglaubliche Jahr 2016 (Brexit, D. Trump) folgt ein Jahr der Ungewissheit....
Ferry Emmanuel Banque Pâris Bertrand Sturdza SA
Ungewissheit in dreifacher Hinsicht: politische Ungewissheit in Europa (Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland, Fortsetzung der Debatte über die Umsetzung des Brexit), geldpolitische Ungewissheit bezüglich des Dollars und der FED und wirtschaftliche Ungewissheit, besonders mit Blick auf die Dauer des Zyklus in den USA.
Das politische Risiko wird ein strukturierendes Element bei der Auslegung einer Investmentpolitik. Selbst wenn in Frankreich ein Umschwung in Richtung einer Reformpolitik für positive Überraschung sorgen könnte, so bleiben die Risiken in Italien, Spanien und den Niederlanden doch gross.
Was die Geldpolitik der FED angeht, so bleibt der „Consensus“ der ISAG relativ zurückhaltend; Erwartet wird eine kumulativer Anhebung von 25 Bp bis 75 Bp. Diese Vorsicht beruht auf einer mangelnden Vorhersehbarkeit des Wirtschaftszyklus der USA. Die amerikanische Wirtschaft befindet sich in der Endphase des Zyklus, und die von D. Trump angekündigten Konjunkturbelebungsmassnahmen werden in einer Periode der Vollbeschäftigung eingeleitet werden, was ihre Wirkung auf das Wirtschaftswachstum begrenzen und die Inflation begünstigen dürfte. Anstatt den Zyklus zu verlängern, könnten diese Massnahmen die gegenteilige Wirkung zeitigen und ihn verkürzen. Dann könnte die FED mit der Politik der Steueranreize in Konflikt geraten. Deshalb halten 40 % der ISAG-Mitglieder eine Rezession innerhalb der nächsten 12 Monate in den USA für denkbar. Auch der Dollar wirft Fragen auf. Ein weiterer Kursanstieg würde die USA schwächen (Konjunkturverlangsamung, Einbruch der Rentabilitätssteigerungen) und die Verwundbarkeit der Schwellenmärkte erhöhen.
Gegenüber diesen Fragestellungen sind sich die ISAG-Strategen in folgenden, den makrofinanziellen Rahmen betreffenden Punkten einig. Zunächst einmal sind die Bewertungen der Finanzanlagen überzogen, und das in allen Anlageklassen. Zweitens werden die geldpolitischen Divergenzen anhalten. Schliesslich ist der Wirtschaftszyklus relativ weit fortgeschritten. Daraus ergibt sich in der Allokation ein Aktien- (42 %) und Kredit-Bias (24%), wobei der Cursor in Richtung Übergewichtung zeigt. Der Anteil des alternativen Investments bleibt mit 12 % hoch, während Geldanlagen 6 % und Rohstoffe 4 % ausmachen. Bei den Staatsanleihen bleibt das Gewicht auf 12 % begrenzt, aber einige CIOs erklären sich nach der 2016 erfolgten Korrektur der US-amerikanischen Zinssätze hier zu neuen Engagements bereit. Diese opportunistische Erhöhung der Duration würde auf Kosten der Unternehmensanleihen und Aktien erfolgen, deren Aufwärtsdynamik im Fall enttäuschender Gewinne und Wachstumszahlen ziemlich schnell erschlaffen könnte. Mit Blick auf die deutschen Zinssätze, die anziehen könnten, sobald die EZB gegen Mitte dieses Jahres für 2018 ein Tapering ankündigt, herrscht weit grösserer Pessimismus.
Auch wenn die Allokationsentscheidungen nun generell nuancierter sind, was nach acht Jahren Anstieg des S&P500 in Folge logisch erscheint, so bringt der ISAG-„Consensus“ klarere Überzeugungen im Bereich der regionalen Allokation zum Ausdruck. Mit Blick auf die Aktien haben Europa und Japan, die eine entgegengesetzte Phase zu den USA durchlaufen (Zyklus, Währung, Geldpolitik), den Vorzug. Die Schweiz ist ein Bottom/up-Thema, bei dem man auf Produktivität setzen kann. Was die Schwellenländer angeht, so bleiben die Strategen relativ vorsichtig aufgrund des starken Dollars und der politischen Übergangsphase in China. Bei den Staatsanleihen sind die US Treasuries besser aufgestellt als deutsche Bundesanleihen; die Zinssatzdifferenz erreichte im Dezember ihren höchsten Stand seit 1989.
Das Thema Donald Trump war zwar beim Runden Tisch zum Jahresanfang der ISAG allgegenwärtig, aber mit Blick auf die Trumponomics, etwa die Infragestellung der Globalisierung, die kühnen Zielsetzungen hinsichtlich der Schaffung von Arbeitsplätzen oder des Steuerschocks lautet der Tenor: Abwarten. Wie schnell der Markt von der Deflationsgefahr zur Reflationsaussicht umgeschwenkt ist, verblüfft: 2017 wird bestimmt nicht ganz reibungslos ablaufen. Von Normalisierung der Märkte kann noch längst keine Rede sein, und Ungewissheit wird uns dieses Jahr beim Portfolio-Management begleiten.
Quelle: AdvisorWorld.ch