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Nach vielen Stunden verliess Ash die Game Over Bar und überliess den jungen Altair Pauline, die offenbar eine Chance gewittert hatte. Er war nicht mehr wirklich sicher auf den Beinen, weshalb ihm zwei Bekannte, das verkannte Talent Waluigi und der Castlevania-Peitschenschwinger Simon (ohne seine Vampirjäger-Montur erkannte ihn kaum ein Gamer), etwas helfen mussten. Draussen schienen schon erste, gnadenlos helle Sonnenstrahlen.
Die beiden stützten ihn auf seinem Weg zu einem Taxi, welches leicht schrill aussah, da es einst als Requisite für einen alten Dreamcast-Titel gedient hatte. „Danke Jungs …“, murmelte Ash unverständlich. Er wollte sich schon auf dem Sitz niederlassen, als es ihm plötzlich so übel wurde, dass er sich auf der Stelle übergeben musste. „Muss das eigentlich jedes Mal sein, Ash?“, sagte Simon kopfschüttelnd. Momente wie diesen kannte er nur zu gut. Er erlebte sie vor jeder neuen Pokemon-Staffel. „Vergiss nicht, du hast’s gut. Du bist beliebt und wirst nicht wie ich für ein einziges suboptimales Spiel bestraft.“ „Ja, dieser verdammte James Rolfe, was für ein Sa .. Sa …“, wollte Ash sagen, bevor es ihm erneut hochkam. „… Sadist. Mann, ich bin so was von fertig …“ „Kopf hoch“, sagte Waluigi, „eines Tages werden die Leute deine wahren Fähigkeiten entdecken und aufhören, dich in Kinderkleidung zu stecken. So wie auch ich fest dran glaube, dass es irgendwann ein reines Waluigi-Spiel geben wird!“ „Aber klar“, stöhnte Ash, „mit einer 40er Wertung der Famitsu.“ „Vielleicht nicht gleich das“, meinte Simon, „aber habe ich meine Karriere an den Nagel gehängt, nur weil mich die Leute ausgelacht haben? Ich warte immer noch auf das grosse Remake dieses einen Spiels. Das Remake, das alle Kritiker verstummen lässt!“ Ash wirkte nicht wirklich überzeugt, aber immerhin schien jetzt alles raus zu sein und er konnte ins Taxi steigen. „Oder die Digimon schaffen plötzlich doch noch den Megaerfolg, der die Pokemon-Franchise ins Grab bringt und du bist frei“, meinte Simon achselzuckend. „Schöne Vorstellung, denn anders komm ich aus dem Vertrag kaum raus … Wie auch immer. Danke euch beiden. Man sieht sich …“ Er sass – besser gesagt fiel – auf den Sitz des Taxis. Zum Glück wusste der Fahrer wo Ash wohnte. Am Ziel angelangt zückte Ash eine 100er Note, welche ihn mit dem berühmt-berüchtigten Lachen von Nr. 1 angrinste – er war einfach allgegenwärtig. „Hier, behalt den Rest!“ Langsam begab er sich ins Haus.
Wie toll das Leben als Weltstar doch ist …
Jetzt wollte Ash nur noch schlafen, schlafen und vergessen. Leider schien der Computer noch an zu sein. Noch eine quälende Verzögerung. Schnell wollte er ihn ausschalten, sah dann aber, dass eine Mail eingetroffen war. Er hätte sie ignoriert, würde sie nicht von seinem guten Freund James stammen, den er aufgrund seines Jobs leider hassen musste. „Ash, es ist etwas Furchtbares passiert! Sieh’s dir an!“ Da war ein Link. Danach stand nur: „Wen siehst du?“ Der Link schien auf ein Video zu verweisen, das eine typische Szene aus dem verhassten Pokemon-Anime zeigte. Ash war nicht zu sehen, nur das böse Team Rocket. Irgendwie konnte Ash sich nicht an diese Szene erinnern, denn obwohl er die Serie verachtete, wusste er genug darüber, um an den diversen Veranstaltungen von Nintendo nicht blöd dazustehen. Die Szene dauerte nur etwa eine Minute. Er musste sie sich ein paar Mal ansehen, bis ihm einfiel, dass sie schon früher teilweise ohne ihn angefangen hatten. Kein Wunder, wenn er erst am Drehtag benachrichtigt wurde. Was war an dieser Szene so schrecklich? Also sah er sich die James-Figur genauer an. Nach einigen Minuten rätseln traf ihn die Erkenntnis wie ein Blitz. Das war nicht James. Das war irgendein Doppelgänger. Offenbar hatte Nr. 1 neue Pläne mit der Serie. Ash hatte sich erst einige Vergleichsfotos und Videos anschauen müssen, bis er sicher war. Doch es gab keine Zweifel. Dem neuen James fehlte diese kleine Narbe beim Ohr, die einst durch einen missglückten Stunt entstanden war. Geschockt wandte sich Ash von seinem Bildschirm ab und versuchte das eben Gesehene zu realisieren. Die Tatsache, dass Leute ersetzt wurden, war nicht neu. In diesem Geschäft ist das so üblich. Kein Gamerkid etwa wusste, dass dieses Pikachu der aktuellen Serie keinesfalls das erste war. Schon genügend Vorgänger waren bei Stunts verunfallt. Oder dass in Zelda bislang schon 4 verschiedene Links aufgetreten sind. Oder dass in Starfox Adventures ein anderer Fox als sonst zu sehen war, weil der echte zuvor ein für Nintendo etwas unangenehmes Interview gegeben hatte.
So war das eben. Eine bewährte Taktik, mit teils furchtbaren Folgen für die Betroffenen, denn häufig kehrten diese nie mehr auf den Bildschirm zurück oder wurden von den Oberen gar ganz zum Verschwinden gebracht … Keine Frage, er musste seinem Freund helfen!
Fortsetzung folgt in Episode 4: „Alte Freunde“
by Andypanther