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Gottfried Locher ist nicht mehr Präsident der EKS
Pfarrer Gottfried Locher (53) hat sein Amt als Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) per sofort abgegeben. Wie der Rat der EKS am 27. Mai bekanntgab, hat Locher seinen Rücktritt in einem Schreiben an den Synodepräsdenten der EKS mitgeteilt. Als Grund wird in der Medienmitteilung der EKS genannt, dass die Handlungsfähigkeit des Präsidenten seit einigen Wochen eingeschränkt gewesen sei – dies «wegen eines Geschäfts, das dem Rat am 13. April zugetragen wurde und seither intensiv behandelt wird». Um welches Geschäft es sich dabei handelt, teilt der Rat nicht mit, fügt aber bei: «Der Sachverhalt ist nicht erstellt oder erhärtet und wird nun erst abgeklärt.» Der Rat habe am 17. April beschlossen, dass der komplexe Sachverhalt von einer externen Stelle unabhängig untersucht werden solle. Diese Stelle sei inzwischen bestimmt. Die EKS wird bis auf Weiteres von den Vizepräsidenten Esther Gaillard (Waadt) und Daniel Reuter (Zürich) geleitet.
Der Rat ist das leitende Organ der EKS (Exekutive). Am 24. April hatte die EKS bereits den Rücktritt eines Ratsmitglieds «im Zusammenhang mit einem laufenden Geschäft» bekanntgegeben. Es handelte sich um Pfarrerin Sabine Brändlin (Baselland). Der Rat gab «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes» keine Gründe für diesen Rücktritt an. Sabine Brändlin selbst sprach laut dem Portal ref.ch in einer persönlichen Erklärung von «unüberbrückbaren Differenzen». Anfang Mai reichten die reformierten Kantonalkirchen von Zürich, Aargau, Bern und Waadt bei der Synode der EKS eine Interpellation ein, in der sie volle Transparenz zu diesen Vorgängen verlangten. Am 15. Mai setzte das Präsidium der Synode der EKS dieses Geschäft auf die Traktandenliste der für den 15. Juni geplanten Synode (Kirchenparlament) und teilte mit, es werde der Synode die Einsetzung einer Kommission vorschlagen, die bis in einem Jahr (Juni 2021) die «Vorkommnisse von grosser Tragweite und Komplexität» klären und Lösungsvorschläge unterbreiten solle. Daraufhin wandte sich am 18. Mai eine Gruppe von zwölf reformierten Theologinnen und Theologen in einem offenen Brief an die Organe der EKS, in dem sie diese Absicht des Synodenpräsidiums kritisierten und eine unabhängige und zeitnahe Untersuchung verlangten. In dem offenen Brief ist von einem Verdacht auf «Grenzverletzungen» die Rede.
Der Berner Gottfried Locher, promovierter Theologe und Pfarrer, war seit 2011 Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK) und stand in seiner dritten Amtszeit. Unter seiner Leitung gab sich der SEK als Verein der reformierten Kantonalkirchen der Schweiz eine neue Kirchenverfassung und nennt sich mit dieser seit dem 1. Januar 2020 Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS); Locher war deren erster Präsident. Er ist ausserdem Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (Geke).
kh