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Bourdieu für die Soziale Arbeit?
Überlegungen zur Konzeptualisierung des Individuum-Gesellschaft-Zusammenhangs und zu Habitussensibilität als Beitrag zum Professionalisierungsdiskurs
In der vorliegenden Arbeit wird der übergeordneten Frage nachgegangen, ob und wie die Soziale Arbeit von einer Beschäftigung mit dem Werk Pierre Bourdieus, namentlich mit seiner Habitustheorie profitieren könnte. Bisherige Rückgriffe auf dieses Werk fielen überwiegend punktuell aus, es wurde mit einzelnen Begriffen gearbeitet oder man hat einzelne Forschungsergebnisse als Belege herangezogen.
Hier hingegen soll es darum gehen, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, die grundlagentheoretische Tragfähigkeit der Habitustheorie für die Soziale Arbeit auszuloten. Dazu wird zunächst aufgezeigt, wie sich auf Grundlage der Bourdieu'schen Praxeologie der Zusammenhang von Individuum und Gesellschaft konzeptualisieren lässt, denn dieser Zusammenhang ist «die grundsätzliche Frage, der sich die Soziale Arbeit stellen muss.» (Sommerfeld, Hollenstein & Calzaferri 2011, S. 33). Dabei lässt sich zeigen, dass Individuum und Gesellschaft entgegen der Alltagswahrnehmung nicht als einander äusserliche Entitäten konstruiert (und allenfalls nachträglich zueinander in Beziehung gesetzt werden) können, sondern dass ihr Zusammenhang als permanentes Ko-Konstitutionsverhältnis gefasst werden muss. Hierfür leistet das Habituskonzept, das eine «sozialisierte Subjektivität» zu denken hilft, beste Dienste (Bourdieu & Wacquant, 2006, S. 159).
Ausserdem wird das Konzept der Habitussensibilität näher untersucht, welches in jüngerer Zeit in den Ring des Professionalisierungsdiskurses Sozialer Arbeit geworfen wurde. Es kann gezeigt werden, dass dieses einen substantiellen Beitrag zur Berücksichtigung sozialer Ungleichheit in der professionellen Interaktion leisten kann unter der Bedingung, dass man es nicht nur als neue Kompetenzanforderung an Professionelle auffasst. Und unter der Bedingung, dass sich die Habitus von Klient*innen in der professionellen Interaktion überhaupt erschliessen lassen (Kubisch, 2014, S. 103). Als methodischer Ansatzpunkt wird hierfür die Habitus-Hermeneutik vorgestellt. Schliesslich werden Empfehlungen formuliert, wo die Wissensbestände und Kompetenzen zu vermitteln wären, die für eine professionelle Habitus-Hermeneutik erforderlich wären: in Aus- und Weiterbildung, oder im berufspraktischen Umfeld?