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Wer nicht weiss, wo und was die Stockhütte ist, dem sei hier erzählt : Sie liegt im Gurnigelgebiet auf einer Höhe von etwa 1280 m. Zum Gurnigel-Bad gehörend, das zu Beginn des vorigen Jahrhunderts Gäste aus aller Welt beherbergte, diente sie vermutlich als Dépendance-Gebäude. Aus verschiedenen Jahrzahlen und Initialen, die Gäste in die wetterharten Holzbohlenwände einritzten, geht hervor, dass das Haus um 1810 gebaut wurde, zu jener Zeit also, da die unter napoleonischer Herrschaft untergegangene alte Eidgenossenschaft, vom Wiener Kongress zu einem neuen Staat geformt, ihre immerwährende Neutralität und erneute Selbständigkeit erhielt. Einer alten Zeitschrift ist zu entnehmen, dass die Glanzzeit der Stockhütte tatsächlich in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts liegt. "Ganz in der Nähe (des Gurnigel-Bades) befand sich nämlich die vermeintliche Quelle, wo aus zwei Röhren das Stockbrunnenwasser herausfloss, sich durch seinen Geruch nach faulen Eiern verratend. Die wägsten der Kurgäste des Gurnigel-Bades begaben sich hinauf zu den 2 Küherhütten und zum Stockbrunnen, während die bequemeren diesen Heiltrank in Flaschen abgefüllt unten im Bad vorgesetzt erhielten.
Auf zwei schönen Kupferstichen von 1820 und 1821 in der «Beschreibung des Gurnigel- Bades des Kanton Bern» erkennt man die Stockhütte und die dazugehörende Sennhütte mit ihrer weiten Fernsicht. Zum anderen kann man aber auch das Treiben der Badegäste am Stockbrunnen unter der offenen, gedeckten Holzlaube erkennen. - übrigens verweilte im August 1853 vor seinem allzu frühen Tode ein bernischer Pfarrer, der ebenfalls Frau, zwei Töchter und einen Sohn hinterliess, bei der Stockhütte; Jeremias Gotthelf. Zu späterer Zeit diente die Stockhütte der Pächterfamilie des Gurnigel-Bades als Wohnhaus. Verschiedene vorgefundene Einrichtungen und Gerätschaften lassen darauf schliessen, dass das behäbige grosse Haus in jüngerer Zeit auch als Sennhütte gedient haben muss. Im Zweiten Weltkrieg muss sie über längere Zeiträume als Soldatenkantonnement Verwendung gefunden haben.
Am 21. Oktober 1957 ging das ganze Gurnigelgebiet käuflich an die Schweizerische Eidgenossenschaft über mit der Zweckbestimmung militärisches Übungsgelände zu werden. Dadurch fiel unsere Stockhütte unter die Obhut der Militärverwaltung. Kurz nach den Sommerferien des Jahres 1961 ergab es sich, dass Herr Walter Affolter, damals Eidgenössischer Beamter der D. A.M.P., auf einem Rekognoszierungsgang im Gurnigelgebiet zufällig von den ihn begleitenden Herren der Militärverwaltung, Feldkommissär Gerber und Notar Röthlisberger, erfuhr, dass die Stockhütte, von der Eidgenössischen Baudirektion als total baufällig betrachtet, demnächst abgebrochen werden sollte.
Herr Notar Röthlisberger bedauerte diesen Entscheid sehr und fragte Herrn Affolter, ob er nicht einen neuen Verwendungszweck für diese altehrwürdige Hütte wisse. Beeindruckt von diesem Vorschlag berichtete Herr Affolter seinen Kindern, die der JK Lukas angehörten und eben von einem Lager mit Herrn Pfarrer Imobersteg zurückgekehrt waren: "Das wäre eine Hütte für euch junge Leute, in der ihr euch unbeschwert tummeln und bewähren könntet. Fragt einmal euren Herrn Pfarrer, vielleicht weiss er etwas damit anzufangen.» Schon am andern Tag zündete der Funke - „Hier, Pfarrer Imobersteg, wann können wir die Hütte besichtigen?“ - damit begann das jüngste Kapitel der inzwischen wiedererstandenen Stockhütte. Wer unseren Pfarrer, Herrn R. Imobersteg, gekannt hat, weiss, dass hier ein gütiges Schicksal zwei auf den ersten Blick nicht zusammengehörend scheinende Welten in idealster Weise verband. Hier eine alte, zerfallene Berghütte mit einem gewaltigen, bis auf die Stützen des Erdgeschosses reichenden Walmdach, das mit von der Witterung zerfetzten, vermoosten und stark angefaulten Holzschindeln gedeckt war. Dort, wo sich eine weite Aussicht über einen grossen Teil unseres westlichen Mittellandes bis hinüber zum langgestreckten Jura auftut, öffnet ein weiter, an alemannische Laubenganghäuser erinnernder und zum besinnlichen Verweilen einladender, gedeckter Umgang das Parterre nach Osten und Norden.
Betrachtete man das Haus näher, erkannte man schnell, dass es in einem bedenklichen baulichen Zustand war. Durchgefaulte Deckenbalken, zerfallene Kamine, ausgetretene, schiefe Fussböden, alles so romantisch und verschlissen, dass man in der Phantasie in irgendeiner dunklen Ecke noch eine Märchenfee erwartete. Wenige Schritte daneben, gewissermassen wie eine Zwillingsschwester, steht die gewaltige Bergscheune mit einem grossen Kuhstall, Heustock und schön geflochtenem Misthaufen. Auch sie konnte ihre dringendste Renovationsbedürftigkeit nicht verbergen. Ein vom Regen ausgeschwemmter steiniger Karrweg führt über wenige hundert Meter direkt zur vielbegangenen Bergstrasse über den Gurnigel. Auf der andern Seite sehen wir unseren Pfarrer zwischen diesen beiden verwahrlosten Bauten stehen. Freude und Zweifel müssen ihn dabei sicher sehr stark bewegt haben. Hier eine so grosse Hütte für wenige Franken erhältlich, die Möglichkeit, die Hütte selbst wieder mit der Jugend aufzubauen, dieser idyllische, friedliche Platz mit der grandiosen Fernsicht, der jeden von selbst vom täglichen Rummel enthebt, sich mit der Jugend frei bewegen, sich begegnen, das Evangelium auslegen können, all das waren die positiven Seiten dieses Abwägens. Dem gegenüber stand aber die Frage: Ist dieser gewaltige Arbeitsaufwand überhaupt praktisch und finanziell zu bewältigen. Wie hohe Lasten entstehen, ist eine Rentabilität überhaupt noch möglich.
Wer nun glaubt, der liebe Verstorbene hätte hier sein Hobby gefunden, womit er eine ungestüme Baulust entfalten könnte, der verkennt sein Wesen und seine Mission. In der Stockhütte sah Pfarrer Rudolf Imobersteg nicht die bauliche Arbeit als solche, sondern das Instrument, mit dem er seine ihm anvertraute und auf ihn vertrauende Jugend auf natürliche Weise beschäftigen konnte. Arbeit, Spiel und Begegnung können sich hier sinnvoll ergänzen. Es heisst nicht umsonst in der Einleitung der Statuten der später gegründeten Genossenschaft Stockhütte: «Es soll als Haus der Begegnung dienen.» Er muss sofort, bewusst oder unbewusst, erkannt haben, dass ihm hier der Ort gezeigt wurde, an dem er sich so geben konnte, wie es seinem Naturell entsprach.
Mit seinem ihm eigenen Geschick verstand er es, Juristen, Bauleute, Finanzfachmänner sowie Behördevertreter aus seinem Pfarrkreis zu mobilisieren. Schon innert weniger Wochen wusste er:
Bereits am 5. September 1961 wurde das offizielle Gesuch an das Eidgenössische Oberkriegskommissariat in Bern gestellt. Die positive Antwort veranlasste den nächsten Schritt, indem man daran ging, für das künftige Jugend- und Ferienhaus Stockhütte den juristischen Träger zu diskutieren. Die Kirchgemeinde selbst kam nicht in Frage, und die JK Lukas fiel als Hausbesitzerin ausser Betracht. Des Pfarrers engste Berater empfahlen deshalb, aus der Initiative der Jungen Kirche Lukas eine Genossenschaft zu gründen, die das künftige Jugendhaus in Eigentum und Obhut nahm.
Am I. Dezember 1961 fand die Gründungsversammlung der Genossenschaft statt. Einstimmig wurde Herr Pfarrer Imobersteg zum Präsidenten gewählt. Wie glücklich diese Wahl war, beweist die inzwischen wiedererstandene Stockhütte. Hier zeigte er einmal mehr, dass er nicht nur auf der Kanzel Pfarrer war, sondern ganz allgemein ein Mensch, der mitten im Leben stand, der wusste mitzuleben, mitzureissen und vor allem voranzugehen. Er war Bauherr, Auftraggeber, Organisator, ausführender Bauarbeiter, Handlanger und vor allem, mit seinem Beispiel, Lehrer und Erzieher. Die erste ordentliche Generalversammlung fand am 24. Mai 1962 statt. Es lagen bereits Pläne vor, über die orientiert werden konnte. Präzis umriss der Pfarrer die in Aussicht gestellte erste Bauetappe, welche nach angestellten Kostenberechnungen auf Fr. 65000.- geschätzt wurde. Der Baurechtsvertrag mit dem EMD lag in einem bereinigten Entwurf vor und konnte besprochen werden. Die Finanzierung lief auf vollen Touren. Durch Anteilscheine. Schenkungen, Tee-Nachmittage und Laienspiele konnte der Kassier bereits Fr. 14673.- in seine Kasse zählen. Mit einem Bankinstitut war die Kreditgewährung für das Baurecht und den späteren Baukredit sowie dessen Konsolidierung abgesprochen.
Was das Bauprogramm in seinen wesentlichsten Zügen vorsah und was dann getan wurde, geht aus dem Jahresbericht der zweiten ordentlichen Generalversammlung, den der Präsident am 17. April 1963 ablegte, hervor: «Das erste Jahr unserer Genossenschaft steht im Zeichen der vielen Umbauarbeiten an unserer Hütte. Was immer nur in freiwilliger Arbeit gemacht werden konnte, das wurde gemacht. Während Monaten war an jedem Samstag eine Gruppe von 8-12 Mitgliedern unserer Jungen Kirche Lukas unter Leitung von fachkundigen Männern unserer Gemeinde in der Hütte oben an der Arbeit. Wie viel Arbeit geleistet wurde, können nur diejenigen ermessen, die von Anfang an dabei gewesen sind. Die knappe vorsichtige Zahl von 3000 freiwilligen Arbeitsstunden sagt sicher zu wenig. Dabei ist immerhin zu bedenken, dass die Hin-und Rückfahrt von etwa 2 Stunden in dieser Rechnung nicht berücksichtigt ist.
Sehr gute Arbeit wurde von unserem Arbeitslager geleistet, welches vom 5. bis 11. August stattfand, 28 Burschen und Töchter haben in dieser Woche unermüdlich geschuftet. Freizeit haben wir uns wenig gegönnt, und alle Lagerteilnehmer waren am Ende der Woche nicht nur überdurchschnittlich schmutzig, sondern auch rechtschaffen müde. Auch nach dem Arbeitslager waren die Samstage wieder fleissig mit Hüttenarbeit belegt, und der Ausbau nahm immer deutlichere Gestalt an. Nicht einmal der viele Schnee und die beissende Kälte haben uns abgehalten den Bau voranzutreiben, und Mitte Februar konnte tatsächlich das erste Lager einer Gruppe der schweizerischen Jungen Kirche in unserer Stockhütte durchgeführt werden.» Dann schreibt er weiter: „Alle Abbrucharbeiten sind von uns selbst durchgeführt worden. Allein an Alteisen haben wir 1300 kg «abmontiert», wofür wir übrigens vom Altwarenhändler immerhin noch Fr. 87.50 erhielten.
Nach diesen mehrheitlich destruktiven Arbeiten folgte der konstruktive Teil. Zwei helle und schöne Waschräume entstanden, ferner 4 saubere WC-Anlagen und eine tadellos eingerichtete Küche mit Hotelkochherd (den übrigens der Pfarrer unter Einsatz seiner ganzen Person aus einem Hotelumbau für die Stockhütte zu gewinnen vermochte), der zugleich auch mittels Radiatoren die beiden Waschräume und die WC-Anlage heizt. Die Küche erhielt ferner einen schönen Klinkerboden und einen grossen Korpus mit zweckdienlichen Schubladen und Tablaren. Fast alle Kücheneinrichtungen inklusive einer leider nicht gehenden Küchenuhr sind uns geschenkt worden (der Pfarrer leitete auch eine umfassende Schenkungsaktion aller Einrichtungsgegenstände ein). Man darf sagen, dass die Küche heute ganz ajour ist.
Dann folgte das Herausreissen der alten Fenster und das Einsetzen der neuen mit Doppelverglasung. Im grossen Aufenthaltsraum sind die Aussenwände isoliert und dann mit schönem Finnentäfer getäfert worden. Auch wurde ein prächtiger Kachelofen gesetzt. Dieses Prachtstück hat während des Winters den Angriff der grimmigsten Kälte souverän zurückgewiesen. Ein strengerer Test hätte mit diesem Ofen kaum durchgeführt werden können. Zu guter Letzt wurde im Aufenthaltsraum ein Riemenboden gelegt und dann versiegelt. Drei schöne neue Lampen geben warmes Licht. Wir hatten ferner im Sinn, noch vor Winterbeginn das Dach neu decken zu lassen. Die langen Lieferfristen des Eternits und der früh und streng angebrochene Winter haben diesen Plan vereitelt. Nun liegt der Eternit im Schutze unserer Hütte und wartet auf den endgültigen Abzug des Winters.
Das wohl schlimmste Stück Arbeit war die grosse Klärgrube südwestlich vor der Hütte. Diese Riesengrube, die wir für unsere bescheidene Hütte haben bauen müssen, würde jedem first-class-Hotel in Zermatt wohl anstehen. Der Aushub dieser Klärgrube hat beinahe den Elan aller Freiwilligen gebrochen. Es gab Tage, da einfach niemand mehr in diese Grube steigen wollte, denn 40-50 cm dicker Morast machte jedes Arbeiten zur Qual. (Mitten in diesem Morast sah ich den Pfarrer stehen. Mit einem Bohrhammer in der Hand spornte er durch eigenes Beispiel die jungen Leute immer wieder an, mit diesem harten Stück Arbeit doch noch fertig zu werden.) Wer immer an dieser Klärgrube gearbeitet hat, der wird fortan sicher mit stiller Ehrfurcht die Wasch- und Toilettenanlage benutzen, getreu dem Motto: Steh still, Helvetier, hier krampften ungenannte Helden in freiwilliger Fronarbeit, dir zur erleichternden Freude, den bernischen Wassern zum Heil. Ehre ihrem Andenken! Dann galt es noch knapp vor Winteranbruch auf der Nordwestseite der Hütte eine Trainage zu hauen, die das Wasser vom Dach und vom Aussichtshügel ableitet und das Feuchtwerden der Kellermauern verhindert. Auch der schönen Stützmauer gegen Norden sei hier gedacht. Vor allem weil übereifrige Schaffer in ihr unfreiwillig eine gute Schweizer Uhr einmauerten! Der Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden, dass in vielen Stunden alles Abfallholz mit Beil und Säge zu Brennholz verarbeitet wurde.
In diesem Sinne, mit grossem Tatendrang, aber auch mit viel Humor und Fröhlichkeit, ging es nun Jahr für Jahr voran. Immer wieder fand er neue Teile, die verbessert werden mussten, um die Benutzbarkeit des Hauses zu erweitern, in den folgenden Jahren wurde das obere Stockwerk in Angriff genommen, die Schlafzimmer ausgebaut, das Dach mit grossen , hellen Lukarnen versehen. Das Obergeschoss erhielt eine WC-Anlage, und als Krönung des ganzen Umbaus bezeichnete der Pfarrer den Ausbau der zwei nordöstlichen Eckzimmer "YB-Schlag"(diese zimmer wurden früher vom bernischen Fussballklub Young Boys für Wochenende und Ferienzwecke benutzt). Es entstand ein heimeliges Wohnzimmer und ein Schlafzimmer mit acht Liegeplätzen. So dass nicht nur Ferienlager, sondern auch grössere, man dachte vor allem an bedürftige Familien, hier Erholung finden können.nbsp;
Im Sommer 1963 war die erste Umbauetappe beendet. Bis zu diesem Zeitpunkte wurden rund Fr. 54 00.- für die Bezahlung von Bauaufträgen verwendet. Die von unserem Pfarrer und allen Richtungen betriebene Finanzaktion ergab auf der andern Seite bereits ein gehäufeltes Kapital von rund Fr. 35 00.-. Ein weiterer Aktivposten war die gewaltige Arbeit der Jünglinge und Mädchen der JK Lukas zusammen mit ihren fachmännischen Helfern. Viele Handwerker führten ihre Arbeiten unter dem Einfluss des freudigen Einsatzes der Jugend gratis aus. Es mögen an die 8000 Arbeitsstunden freiwillig geleistet worden sein, was einen Gegenwert von mindestens Fr. 30 000.- darstellt.
Ein besonderes Problem war immer wieder das Organisieren der Materialfuhren und des An- und Abtransportes der jungen Leute. Im Herausfinden von Firmen und Personen, die ihre Autos für Gratisfahrten zur Verfügung stellten, entwickelte unser Pfarrer eine wahre Meisterschaft. Sehr oft wurde aber der Heimweg vom Gurnigel nach Thun, mit dem Pfarrer voran, zu Fuss zurückgelegt. Ich gewann den Eindruck, dass für alle, die dort oben arbeiteten, jung und alt, die Arbeit an der Stockhütte zu einem Gottesdienst wurde. Wenn der Pfarrer oben war, herrschte bei allem Fleiss, bei der Arbeit eine lautere, ansteckende Fröhlichkeit.
Der 22. September 1963 war der grosse Tag für die Stockhütte, sie wurde offiziell eingeweiht. Eine markante Bergpredigt unseres Pfarrers leitete das für alle Beteiligten eindrückliche Fest ein. Schlüsselübergabe, Reden und Dankesworte füllten den Vormittag. Das einfache Mittagessen vereinigte die Junge Kirche mit ihren Eltern und allen am Bau Mitwirkenden zu einer grossen Familie. Immer wieder hörte man wie wertvoll dieser Ort sei, wie dieses Gemeinschaftswerk von jung und alt die Gemeindeglieder zusammenführe. Menschen, die man auf der Strasse nur flüchtig kennt begegnen sich hier oben bei Arbeit und frohem Feste. Dieses Sich-Kennenlernen hat sichtlich jeden beeindruckt.
"Nachmittags unterhielt uns die Junge Kirche mit frohem Gesang, mit lustigen Spielen und einer humorvollen träfen Schnitzelbank. Die Fraunearbeitsgruppe wusste der Pfarrer auch einzuspannen. Mit viel Gebäck und Süssigkeiten hat sie die Naschmäuler unserer kleinen und grossen Kinder gestopft, nebenbei mit den Töchtern der JK noch das viele Geschirr bewältigt und die Küche besorgt. Erneut zeigte sich der Pfarrer als grosser Organisator, indem er es verstand, die sicher über 200 Gäste reibungslos auf den Gurnigel zu führen, sie zu versammeln, zu unterhalten und reich beschenkt mit vielen Eindrücken wieder nach Hause zu entlassen. Nicht umsonst kam aus der ganzen Stockhütten-Gemeinde der spontane Wunsch, das Stockhütten-Fest möge alle Jahre durchgeführt werden. Sicher nicht um ein weiteres Fest unter unserem grossen Schweizer Zelt feiern zu können, sondern ganz einfach, weil jedermann das Bedürfnis hatte, sich dort oben wieder zu begegnen.
Neben all dem kümmerte er sich stark um die Vermietung der Hütte. Schon in seinem zweiten Jahresbericht liest man ausführlich davon. Die Finanzen waren ihm ein ebenso grosses Anliegen. Enger Kontakt mit unserem Säckelmeister ermöglichte ihm praktisch jeden Tag genau über die Finanzlage, die ihn immer stark beschäftigte, im Bilde zu sein, was beweist, dass neben seiner frohen Art die Gewissenhaftigkeit und das Verantwortungsbewusstsein einen grossen Platz einnahmen.
Gegen Ende des Jahres 1968 betrachtete man die Renovations- und Umbauarbeiten der Hütte im Grossen und Ganzen als abgeschlossen. Ein besonderes Anliegen, das erstmals schon im Jahre 1964 ins Bauprogramm aufgenommen wurde, blieb bis heute unerfüllt: die Fertigstellung des Spielplatzes südlich des Hauses. Hier wurde wohl viel Schutt aufgeführt, aber das frostsichere Material und vor allem dessen Transport für die Planierung des ganzen Platzes kostet einige tausend Franken. Ein von Beginn an gehegter Wunsch ging im Sommer des vergangenen Jahres unerwartet in Erfüllung. Am Fusse des Felsturms, der die Hütte gegen Westen schützt, ist ein kleines Tal wie geschaffen für Spiele und Aufführungen. über all die Jahre glaubte der Pächter des Gurnigelgebietes, dieses Stück felsigen Landes sei unentbehrlich für seinen Betrieb, als plötzlich in einem freundnachbarlichen Gespräch mit dem Pfarrer die Ansicht reifte, dass dieses Pachtland ebenso gut der JK dienen könnte. Die zweckdienliche Bereitstellung des Spielplatzes erfordert weitere erhebliche, kostspielige Tiefbauarbeiten. Wollen wir, die wir das Erbe unseres Pfarrers übernehmen, uns zum Ziel setzen, die beiden Spielplätze mit der gleichen Energie und frohem Draufgängertum der Jugend bereitzustellen!
Aus der Gedenkschrift für Pfarrer Rudolf Imobersteg, Thun, von Jakob Höhn, 1969.