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Nach dem ausführlichen Ron Jones Project Set von Film Score Monthly wirft nun La-La Land eine weitere Veröffentlichung aus dem Star TrekUniversum auf den Markt. Es handelt sich hierbei um ein 3-CD Set der erfolgreichen The Next Generation Reihe. CD 1 präsentiert Episoden mit Musik von Dennis McCarthy, CD 2 Jay Chattaway und CD 3 sogenannte guest composers, in diesem Fall Fred Steiner, Don Davis und John Debney.
Wer sich musikalisch mit den Nachfolgeserien der originalen Star TrekReihe (mit Kirk, Spock und Bones) auseinandergesetzt hat, weiss in etwa was hier auf ihn zukommt. Ab Season 2 hat Produzent Rick Berman heftig Einfluss auf das musikalische Erscheinungsbild genommen. Das Resultat war ein fast durchgängig ähnlicher bis gleicher Sound, zurückhaltend, selten bombastisch und mit bescheidenerem Themenmaterial, obwohl Dennis McCarthys Kompositionen von Season 1 noch eine offenere, thematischere und kraftvollere Richtung einschlug.
Ein Vorteil der vorliegenden Episodenmusiken ist, dass La-La Land zumeist darauf verzichtete den gesamten Score pro Episode zu veröffentlichen und sich auf kürzere Suiten konzentrierte. Das ist eine gute Lösung, geben doch schon die Kurzversionen, zum Teil wenigstens, nur gerade genügend her.
CD 1 also ist für Dennis McCarthy reserviert, der 88 Episoden von The Next Generation vertonte (und weitere 170 für die spin-offs Deep Space Nine, Voyager und die Pre-Enterprise). Sein Score zu „Haven“ aus Season 1, mit 21 Minuten bedacht, ist einer der bemerkenswertesten der ersten Disc. Romantisch und gefühlsbetont mit reichlich melodischen Elementen, sticht er insbesondere im Vergleich mit seinen Musiken späterer Seasons heraus (vielleicht noch mit „Elementary, Dear Data“ aus Season 2 gleichzustellen), ebenfalls fand Alexander Courages Originalfanfare durchaus prominente Verwendung. Aber auch erstaunlich atonales und kraftvolles wie „Hide & Q“ und „Conspiracy“, das man in den ST: TNG Scores doch seltener zu hören kriegt, konnte McCarthy in der ersten Saison noch bewerkstelligen. In „The Child“ ist Picards „Kapitäns-Thema“ zu Beginn zu hören, das McCarthy in der allerersten Episode „Encounter at Farpoint“ installierte. Später verschwand dieses tolle Thema gänzlich.
Schade, dass McCarthy nicht so weiter verfahren durfte, man hätte wohl noch das ein oder andere Juwel zu hören gekriegt. Auf der CD geht es ab „The Survivors“ bergab und der Berman-Sound setzt sich fest, selbst die zuvor hübsch eingesetzten Soli sind seltener zu hören.
Jay Chattaway, besser bekannt für Actionmusiken wie Missing in Action, Red Scorpion oder gruseliges à la Silver Bullet, ist auf Scheibe 2 vertreten. Seine Kompositionen unterscheiden sich von den späteren McCarthys nicht sonderlich, insbesondere den glatt gebügelten Sound übernahm Chattaway ab seinem festen Engagement (Season 5), selbst in einem actionreicheren Gefilde wie „Silicon Avatar“ oder einem Revival mit Scotty („The Relics“) kommt Chattaways Musik nicht in die Gänge. Immerhin steuerte eines der geschätztesten Themen der Serie bei: „The Inner Light“. Eine kleine Premiere, denn das Thema ist hier zum ersten Mal in seiner Originaleinspielung zu hören (die GNP Ausgaben zeigten orchestral aufgepeppte Neueinspielungen). Insgesamt arbeitete Chattaway an 42 TNG Episoden und an über 100 weiteren für Deep Space Nine und Voyager.
CD 3 beginnt mit Fred Steiners feinem „Code of Honor“, einer der spannendsten und interessantesten der hier vorgestellten Scores. Steiner wurde allerdings danach nicht mehr für eine Rückkehr ins Star Trek Imperium angefragt, für Berman schien seine Komposition wahrscheinlich zu „altbacken“, zu eigenständig und so ganz anders als von ihm erwünscht.
Bei Don Davis und John Debney drückt dann der Next GenerationSound wieder stark durch. Streicher mit Hörnern, unisono, möglichst wenig Bewegung, dieselbe Masche, die CD 2 schon so zähflüssig erscheinen lässt. Insbesondere wenn man sich die verworfenen Tracks von Debneys Score zu „Pegasus“ anhört, hinterfragt man die Berman Philosphie umso mehr. So grundlegend anders sind die Stücke nicht, ein bisschen mehr Pepp hie und da – und schon ist es wieder zu viel für den Herrn Produzenten.
Fazit: Dieses 3 CD Set ist sicherlich eher etwas für beinharte Star TrekFans. Und wer lediglich das Highlight des Sets, die Fred Steiner Episode, erstehen möchte, für den lohnt sich die Anschaffung kaum. CD 1 ist wie erwähnt überraschend vielseitig und eindeutig die Scheibe mit dem meisten Fleisch am Knochen. CD 2 plätschert nach gutem Beginn vor sich hin und CD 3 kann sich bei Steiner bedanken (ausserdem witzig: die spontane a cappella Version des Courage Themas in den Bonustracks).
Einzelne Stücke des Sets sind bereits auf den GNP Crescendo Discs, die anfangs bis Ende der 90er Jahre erschienen, zu hören, beispielsweise diejenigen zu den Episoden „Tin Man“, „Sarek“ oder „All Good Things“.
Es wäre schon interessant die Musiken des Ron Jones Projects (FSM) anzuhören. Jones trat ja bekanntlich gegenüber den Produzenten durchaus rebellischer auf, bzw. zog sein Ding durch (was mit der Grund war weshalb er nach Season 4 und Arbeiten an 42 Episoden nicht mehr engagiert wurde). Mir persönlich ist das Set allerdings doch zu teuer um als Hörexperiment herzuhalten, zumal die Frage berechtigt scheint, wie oft man diese CDs denn tatsächlich anhören würde. Vielleicht ergibt sich ja mal eine günstige Gelegenheit.
Wie man in den üblichen Foren lesen konnte, ist MV Gerhard über die schlechten Absatzzahlen des Sets erstaunt und verständlicherweise enttäuscht. Es scheint doch nicht so einfach selbst an sich populäres Material wie The Next Generation unter eine Gruppe Interessierter zu bringen – die ich als grösser eingeschätzt hätte. Kommende Sets werden wohl eine tiefere Limitierung erhalten.
STAR TREK – THE NEXT GENERATION VOL. 1 Dennis McCarthy, Jay Chattaway, Fred Steiner, Don Davis, John Debney La-La Land Records 1176 Limitiert auf 3000 Stück