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Die Schweizer Wirtschaft, die jeden zweiten Franken im Ausland verdient, kann ihre Exporte noch kräftig steigern: dank neuen Absatzmärkten ausserhalb von Europa und dank neuen Angeboten für die Konsumenten in aller Welt.
Auch die Schweizer Ausfuhren brachen 2009 ein, um 12% gegenüber dem Rekordjahr 2008. Aber im letzten Jahr erholte sich die Exportindustrie kräftig: Dank einem Plus von 7% erreichte sie mit 193 Mrd. fast wieder den Wert von 2007. Damit überstand die exportorientierte Schweizer Wirtschaft die Krise weit besser als jene vergleichbarer Länder. Weshalb?
Einerseits zeigt die Statistik, dass sich die Struktur der Schweizer Exporte schnell verändert (siehe Grafik unten): Unser Land liefert zwar wie seit dem 19. Jahrhundert Maschinen und Infrastruktur in alle Welt. Daneben aber verkauft es global immer mehr Konsumgüter, neben Medikamenten und Uhren vor allem Nespresso, der (samt Maschinen) aus der Schweiz kommt – wertmässig hat der Kaffee die Schokolade und den Käse bereits überholt. Wegen dieses Wachstums der Konsumgüterexporte nimmt der Anteil der Investitionsgüter und der Halbfabrikate stetig ab.
Anderseits weisen die Zahlen darauf hin, dass die aufstrebenden Handelspartner in Asien und im Nahen Osten eine immer grössere Bedeutung bekommen. Zwar bleiben neben den USA die Nachbarländer auf absehbare Zeit die wichtigsten Handelspartner. Aber die Analyse nach Ländern zeigt das Wachstumspotenzial: In den zehn Jahren vor der Krise von 2008/09 wuchsen die Schweizer Exporte nach China, in die Staaten der ehemaligen Sowjetunion (GUS), nach Indien und nach Südkorea um 14% bis 21% pro Jahr. Sie litten, abgesehen von Russland, kaum unter der Krise und legten danach noch kräftiger zu. Die Ausfuhren in die BRIC-Länder dürften – mit den Wachstumszahlen des letzten Jahrzehnts hochgerechnet – 2020 schon einen Fünftel der Schweizer Exporte ausmachen.
Dank diesen Regionen ist die Handelsbilanz der Schweiz seit einem Jahrzehnt deutlich positiv (siehe Grafik rechts oben). Der Aussenhandel mit Europa – wo 60% der Exporte hingehen und nahezu 80% der Importe herkommen – weist dagegen ein chronisches Defizit auf. Das erklärt aber auch, weshalb die Schweizer Wirtschaft weniger unter der Euroschwäche leidet: Die Schweiz gewinnt mehr an günstigeren Importen, als sie bei den Exporten verliert.
Dr. Martin Wermelinger arbeitete von Januar 2011 – März 2012 als Projektleiter bei Avenir Suisse.