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Geschichtliches aus den Gründungsjahren
Das älteste aufgefundene Protokoll der Musikgesellschaft Inkwil stammt aus dem Jahre 1892. Die damaligen 14 "Paragraphen" der Statuten wurden von 18 Mitgliedern genehmigt. Dann haben sich die Mitglieder wahrscheinlich getrennt und den Verein aufgelöst.
Erst aus dem Jahre 1928 sind wieder Gründungsnotizen des heutigen Vereins zu finden. Die Gründungsurkunde von 1928 wurde von 16 Mitgliedern unterzeichnet. Vorher hat jedoch eine Kerngruppe von 8 Personen den Aufbau vorbereitet. Wie die drei heute noch lebenden Gründer dieser Kerngruppe, Herr Hans Urben-Roth, Inkwil, Herr Werner Urben, Inkwil und Herr Otto Urben, Niederönz, übereinstimmend erzählen, waren noch folgende 13 Gründer dabei: Brunner Emil, Ingold-Schütz Otto, Ingold Adolf, Ingold Alfred, Ingold-Schwander Otto, Ingold-Urben Fritz, Ingold-Ingold Fritz, Ingold Otto Adolfs, Ingold Hans-Otto, Urben Franz, Schulthess Walter, Streit Johann und Urben Adolf.
Otto Urben weiss noch, wie die Initialzündung zur Gründung zu Stande kam: Im Subingerwald spielte an einem Sonntag Nachmittag Ingold-Ingold Fritz (Vater von "Bürli-Chli") ein Solo-Ständli. Alle anwesenden Zuhörer waren hell begeistert. Die Jugendlichen schlossen sich zur oben genannten Kerngruppe zusammen und wollten eine Musikgesellschaft gründen. Dazu brauchten sie weitere Mitglieder, Instrumente, Noten und Ausbildner. Keiner der Jungen konnte nämlich ein Instrument spielen. Schliesslich stellten sich folgende 4 "Altherren" für die Unterstützung und Ausbildung zur Verfügung: Ingold-Ingold Fritz (1. Dirigent), Urben Adolf (1. Präsident), Urben Hermann und Ingold Alfred.
Sofort wurden Instrumente "beschafft". Dies will heissen, man borgte sich in einer "Umfrage-Aktion" alte, teilweise nicht mehr spielbare Instrumente bei umliegenden Vereinen aus. So z.B. in Subingen, Etziken und Herzogenbuchsee. Oft waren diese Occasionen damals für Fr. 2.-- bis Fr. 5.-- oder sogar gratis zu haben. Der damalige "Instrumenten-Doktor", Rudolf Rickli aus Wangen, tat das Seinige dazu, indem er nicht nur gegen Geld, sondern oft auch in Fronarbeit die Instrumente wieder spielfähig machte. Durch eine Hauseinzugs-Aktion wurden alle Geschäfte und Haushaltungen in Inkwil und Umgebung um einen Beitrag angefragt. Viele spendeten damals 50 Rp. bis Fr. 1.--. Erhielten die wackeren Musikanten gar einmal einen Fünfliber "haben wir nicht nur einmal Dankeschön gesagt", weiss heute Hans Urben-Roth noch zu berichten. "Vom Malermeister Rusca erhielten wir sogar Fr. 20.--", erzählt Hans Urben. Ein neuer Bass hätte damals ca. Fr. 300.-- gekostet, eine Trompete Fr. 180.-- bis Fr. 200.--. Aber für die ganze Instrumentierung waren dank Gratis- und Occasion-Lieferung keine Fr. 500.-- nötig. Im Jahre 1993 sind es nun Franken l40'000.--! Das grösste Problem war aber damals nicht das Geld allein. Nein, das Lernen machte etwelche Mühe! Erstens waren keine Unterlagen oder Noten vorhanden, und zweitens fehlte es an entsprechenden Grund- und Aufbau-Schulangeboten. Alles musste von der älteren Generation mühsam Schritt für Schritt an die Jüngeren weitergegeben werden. Kopieren konnte man damals noch nicht, und so wurden viele Noten-Übungen in zäher Heimarbeit von Hand geschrieben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Musikgesellschaft in den ersten Vereinsjahren keinen öffentlichen Auftritt ohne Mithilfe von Musikanten aus anderen Vereinen geben konnte.
Schon früh aber begann man mit einem Theater-Abend. Damit machte man sich bekannt und erhielt Geld in die leere Kasse. Später wurden dann jeweils pro Jahr 2 - 3 Mattenfeste und Konzerte organisiert, wobei oft auch bei Anlässen des Turnvereins mitgemacht wurde. Der Saal im Restaurant Bahnhof existierte anfangs noch nicht. Man behalf sich damit, dass man aus der Stube des Restaurants Bahnhof alle Möbel entfernte und sich so provisorisch einrichtete, was aber selbstverständlich keinen grossen Publikums-Aufmarsch zuliess.
Dann organisierte man auch gemeinsame Konzerte mit den befreundeten Nachbarvereinen Bützberg und Bannwil. Der Reingewinn floss jeweils in die Kasse des durchführenden Vereins der jeweiligen Ortschaft. Mattenfeste wurden auch in Etziken und Niederönz durchgeführt. Die erwirtschafteten Reingewinne von etwa Fr. 100.-- führten schlussendlich dazu, dass jeder Musikant mit einem Instrument und Noten ausgerüstet werden konnte.
Die ersten Noten wurden damals bei der Firma Grolimund in Mümliswil gekauft. Zum Beispiel war der Marsch "Feurig Blut" einer der ersten, den man spielte. Die Notenwahl wurde selbstverständlich vom Dirigenten alleine getroffen. Er war ja der einzige, der sich in diesen Dingen etwas auskannte. Die Noten für einen Marsch kosteten damals zwischen Fr. 6.-- und Fr. 10.-- für alle Mitglieder (heute ca. Fr. 80.-- bis Fr. 150.--). Zum Vergleich: Damals war 1 kg Ruchbrot für etwa 40 Rp., 1 kg Zucker für etwa 30 Rp. und 1 Liter Milch für 20 Rp. zu haben. Ein Ei kostete zwischen 5 und 7 Rp. Ein Satz Marschbüchlein für alle 16 Spieler kostete bei Grolimund nicht ganz Fr. 20.--.
Dass damals auch weibliche Musikanten in den Verein aufgenommen würden, war kein Thema. "Es wäre auch gar niemandem in den Sinn gekommen", meinte Otto Urben. Dafür haben die Frauen schon damals wie auch heute bei den Mattenfesten in Wirtschaft und Service mitgeholfen und natürlich auch beim Theater-Spielen. Zudem waren sie immer auch dankbare Zuhörerinnen bei den verschiedenen Anlässen.
Fernsehen gab es ja damals noch nicht. Ansonsten gehörten die Frauen dazumal noch gemäss allgemeiner Meinung ins Haus und an den Herd.
Das Probenlokal war seit eh und je das Säli im Restaurant Frohsinn. Die damalige Wirtin, Frau Herzog, stellte dieses mitsamt Licht und Heizung immer gratis zur Verfügung. Dafür wurde jeweils nach der Probe in der "Beiz" weitergespielt und damit auch die Gäste unterhalten. Dies und die öffentlichen Auftritte sowie die Mund-zu-Mund-Propaganda führten auch dazu, dass man mit der Zeit die Mitgliederzahl merklich erhöhen konnte. Später erreichte man sogar die Zahlung regelmässiger finanzieller Beiträge durch die Gemeinde. An Jungbläser oder an eine Jugendmusik und Anfängerkurse dachte man damals noch nicht. Man hatte genügend mit sich selbst zu tun. Erst viele Jahre später wurde mit der Ausbildung von Jugendlichen begonnen. Bereits im Jahre 1932 trat die Musikgesellschaft Inkwil dem Kantonal Bernischen Musikverband bei. Dank den bereits erwähnten Gemeinschafts-Konzerten konnten die Jahresbeiträge jeweils bezahlt werden, sogar später während des Krieges.
Die auswärtigen Dirigenten kamen damals mit dem Fahrrad nach Inkwil, wie z.B. Herr Walter Wälchli aus Aarwangen. Schon bald mussten auch Gelder für die Dirigenten-Honorare beschafft werden, welche dazumal um Fr. 200.-- bis Fr. 350.-- pro Jahr lagen.
Mussten Instrumente repariert werden, die der "Instrumenten-Doktor" aus Wangen nicht mehr flicken konnte, fuhren die Musikanten mit dem Velo, dem vollen Portemonnaie und an den Rücken gehängtem Bass nach Sumiswald, erzählt Hans Urben. Dort wurde beim Instrumenten-Macher Hirsbrunner auf die Reparatur gewartet und bar bezahlt, um anschliessend wieder mit dem Fahrrad nach Inkwil zurückzufahren.