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Eine Casino-Insel für Taiwan
Nach Singapur und Macao könnten womöglich auch auf einer zu Taiwan gehörenden Inselgruppe Casinos erlaubt werden. Auf der dem Festland vorgelagerten Inselgruppe wollen Investoren ein Casino-Resort mit 2000 Hotelzimmern bauen. Dabei leben auf den Inseln derzeit knapp 10’000 Einwohner.
Am Wochenende haben die Stimmberechtigten der taiwanischen Inselgruppe Matsu in einem Referendum dem Bau eines Casino-Resorts zugestimmt. Die potentiellen Investoren haben mit dem kleinen Landkreis – mit weniger als 10’000 Einwohnern – Grosses vor.
Das Unternehmen Weidner Resorts Taiwan, das das Resort bauen will, gab sich auf einer Pressekonferenz am Montag in Taipei zuversichtlich, aus Matsu nach den Vorbildern Macao (Asienspiegel berichtete) und Singapur, eine Casino- und Tourismusdestination zu machen. Die Vize-Direktorin des Unternehmens sagte, man plane Matsu in «Asiens Mittelmeerregion» zu verwandeln, so Taiwans Nachrichtenagentur CNA.
Hoffnung auf Geld und Arbeitsplätze
Mit rund 57 Prozent nahmen die Bewohner Matsus die Vorlage an. Die potentiellen Investoren versprechen den Einwohnern der abgelegenen Inseln nach dem ersten Betriebsjahr 18’000 Taiwan Dollar – rund 490 Euro – pro Person auszuzahlen. Wenn nach fünf Jahren die angepeilten Gewinne erreicht würden, erhalte jeder Einwohner sogar 80’000 Taiwan Dollar – rund 2200 Euro, so die Taipei Times.
Ausserdem soll ein internationaler Flughafen, eine Hochschule entstehen und insgesamt zwischen 3000 bis 5000 Arbeitsplätze geschaffen werden, schreibt die Tageszeitung China Times. Rund 4,5 Millionen Touristen sollen die Inselgruppe im Jahr besuchen.
Während Jahren eine Militärzone
Dabei war Matsu – benannt nach der gleichnamigen Meeresgöttin – wegen seiner Nähe zum chinesischen Festland während Jahrzehnten eine Militärzone, erst 1994 wurde die Inselgruppe für Touristen geöffnet. Die mangelnde wirtschaftliche Entwicklung der Inseln, so die China Times, habe für relativ unberührte Landschaften gesorgt.
Landrat Yang Sui-sheng begrüsste den Ausgang des Referendums. Wenn die Infrastruktur dank des Casino-Resorts ausgebaut werde, würden auch mehr Touristen Matsu besuchen. Schlussendlich gehe es darum die Tourismusindustrie in der Region auszubauen.
Doch nicht alle Taiwaner freuen sich auf ein Casino-Resort. So hat die Anti-Gambling-Allianz das Vorhaben stark kritisiert. Dem Landrat Yang Sui-sheng wirft sie vor, für die Casino-Pläne geworben zu haben, obwohl er sich eigentlich neutral verhalten müsse. Die Behörden sollten deshalb überprüfen, ob Yang womöglich selbst in das Projekt involviert sei, schreibt die United Daily News.
Innenministerium meldet Bedenken an
Gemäss Taiwans Innenminister Lee Hung-yuan müssen vor dem Bau eines Casinos mehrere Probleme gelöst werden. Derzeit fehle es zum Beispiel an genügend Wasser; die momentane Wasserversorgung reiche für die derzeitige Bevölkerung und sei nicht für ein Casino-Resort konzipiert, so die China Times. Ausserdem hätten weder die betroffene Lokalregierung, die Polizeibehörden noch sein Ministerium Erfahrungen mit Casinos.
Mit dem Referendum ist zudem erst eine von mehreren Hürden genommen worden, bevor in Matsu um Geld gespielt werden darf. Das Kabinett diskutiert derzeit über einen Gesetzesentwurf, mit dem das Glücksspiel erlaubt werden soll. Casino-Träume sind in Taiwan nichts Neues, vor Jahren gab es Pläne das Glücksspiel auf der Inselgruppe Penghu in der Taiwanstrasse zu erlauben. Nach einem gescheiterten Referendum musste jenes Projekt jedoch wieder begraben werden.
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