Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03200.jsonl.gz/702

Karate hat sich unter chinesischem Einfluss während vieler Jahrhunderte auf Okinawa entwickelt. Chinesen der Oberschicht brachten verschiedene Arten des Kung Fu nach Okinawa.
Geschichtliche Fakten bezüglich der Entwicklung zur Kampfkunst Karate beginnen im 18. Jahrhundert. Karate bedeutete damals "Kunst aus China". In den 1920er Jahren fand es den Weg nach Japan. Nach einem Besuch des japanischen Kronprinzen auf Okinawa wurde Meister Gichin Funakoshi 1922 eingeladen, Karate der japanischen Öffentlichkeit vorzustellen.
Funakoshi gilt wegen seiner Vorreiterrolle als Vater des modernen Karate. Andere Karatelehrer aus Okinawa taten es ihm gleich und brachten ihre Form des Karate nach Japan. Zwischen den einzelnen Schulen bestanden Unterschiede in der Art der Stellung oder in der Ausführung der Techniken. Man spricht deshalb heute von verschiedenen Stilrichtungen. Meister Funakoshi lehnte es allerdings ab, von Stilrichtungen zu sprechen. Für ihn gab es einfach Karate. Trotzdem bezeichnet man seine Art des Karate als Shotokan Karate. Shotokan ist eine der in der Schweiz am weitesten verbreiteten Stilrichtungen.
In Europa ist Karate seit 1954 bekannt. Nach Demonstrationen japanischer Meister wurden in Frankreich erste Trainings-Gemeinschaften gebildet. In England, Italien und Deutschland wird Karate seit 1957 trainiert. In der Schweiz formierten sich erste Gruppen im Jahr 1961.
1965 entsendete die Japan Karate Association (JKA) die erste offizielle Delegation nach Europa. Die Meister Kasé, Kanazawa, Enoeda, Shirai führten Karate vor und leiteten in verschiedenen Städten Lehrgänge.
Karate hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Meister Funakoshi lehnte Wettkämpfe strikte ab. Er lehrte, dass das Hinführen zu einem erhabenen Geist und einer Haltung der Demut das eigentliche Ziel dieser Kampfkunst sei. Gleichzeitig sollte aber die Kraft entwickelt werden, um beispielsweise ein wildes Tier mit einem Schlag niederstrecken zu können. Die Grundidee des Sport-Karate, bei dem der Sieg über den Gegner über allem steht, widerspricht Funakoshis Philosophie. Trotzdem hat sich der sportliche Wettkampf seit den 50er Jahren rasant weiter entwickelt.
1967: Meister Koichi Sugimura aus Freiburg, Deutschland, unterrichtet täglich im Budoklub Winterthur. Im November findet in Winterthur ein Lehrgang mit Meister Kanazawa statt. Anschliessend besteht Annemarie Pfeiffer als erste Person in der Schweiz die Prüfung zum 1. Dan der Japan Karate Association (JKA).
Im März 1968 leitet der Chefinstruktor der JKA, Masatoshi Nakayama, in Winterthur einen Lehrgang.
Ende 1969 wird die Swiss Karate-do Renmei (SKR) mit den Dojos Schaffhausen, Winterthur und Lenzburg, gegründet.
Die Anfänge gehen zurück zum Karate Club Winterthur. 1962 lösten sich Bruno Dammert und Annemarie Pfeiffer aus dem Judoclub Winterthur zu einer Karate-Gruppe. Es kamen etwa 10 "Budo-Laien" dazu, die an Karate interessiert waren. Bruno Dammert war der Trainer. Er hatte seine Karate-Kenntnisse einerseits von Jürgen Seidel aus der BRD, andererseits von Bernard Cherix aus Sion und von Kondo, der damals in Genf wohnte. Kondo war grundsätzlich ein Judoka, daneben aber auch schon Dan-Träger im Karate. Bruno und ich lernten Kondo an verschiedenen Judo-Sommerlagern kennen, und zwar bereits im Jahr 1959. Rolf Hauri und ich kamen 1963 oder 1964 zu der Karate-Gruppe Winterthur. Präsidentin war damals Annemarie Pfeiffer, die auch zugleich die Aktuarin war.
Diese initiative Gruppe suchte natürlich dauernd nach guten Trainern, da Bruno Dammert als Trainer noch selber Inputs nötig hatte. Es gab immer wieder Wochenendtrainings in Sion bei Cherix. 1965 das erste Sommerlager, ebenfalls in Sion mit Cherix und 1966 einen einwöchigen Kurs in Winterthur mit Tayama. In diesen Jahren delegierte die JKA mehrere Trainer nach Europa, so Kanazawa als Bundestrainer in die BRD, Shirai nach Italien, Enoeda nach England und Kase nach Frankreich. Auch Sugimura Sensei kam 1966 nach Freiburg (BRD), wo er, als wir ihn kennenlernten, die Karategruppe der Uni Freiburg betreute, mit Wolfgang Hagedorn und Eugen Müller.
Annemarie hörte von diesem Freiburger Dojo, wir organisierten immer wieder Wochenendkurse, die zum Teil von Kanazawa, mehrheitlich aber von Sugimura Sensei geleitet wurden. Allmählich lernten wir
viele Spitzentrainer durch Wochenendtrainings oder Sommerlager näher kennen. Es entwickelte sich eine speziell gute Zusammenarbeit mit Sugimura Sensei, damals 3. Dan, der dann auch den Wunsch
äusserte, in der Schweiz eine Karategruppe aufzubauen. So kam es 1967 zu einem Arrangement zwischen Sugimura Sensei und dem inzwischen unabhängig gewordenen Karate- und Budo-Club
Winterthur.
Im gleichen Jahr machte dann Annemarie Pfeiffer in Winterthur unter Kanazawa Sensei den ersten JKA-Dan in der Schweiz. Es kam zu Besprechungen mit Sugimura Sensei zwecks Gründung einer JKA-Stil-Karateorganisation in der Schweiz.
Die Dojos Winterthur, Schaffhausen und Lenzburg waren die Pionierdojos des SKR. Rolf Hauri wurde als Präsident ernannt. Die Hauptbeteiligten bei der Gründung waren Sugimura Sensei, Rolf Hauri, Jürgen Stutterich, Heinz Engel und ich, aber auch Bruno Dammert und Annemarie Pfeiffer, obwohl die beiden Letztgenannten in der Chronik nicht erwähnt sind.