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Selbst hat er sein Dossier beim britischen Geheimdienst nicht mehr einsehen können. Erst zwei Jahre nach dem Tod des Historikers Eric Hobsbawm ist es letzten Herbst öffentlich zugänglich gemacht worden, allerdings nur die Bestände bis Mitte der sechziger Jahre. Die Journalistin Frances Stonor Saunders hat jetzt in der «London Review of Books» eine erste Auswertung vorgelegt.
Hobsbawm (1917–2012), einer der führenden Historiker des von ihm so benannten kurzen 20. Jahrhunderts, hat aus seiner frühen Mitgliedschaft bei der winzigen Kommunistischen Partei Grossbritanniens nie ein Hehl gemacht. Der britische Inlandgeheimdienst MI5 stufte ihn 1942 als «Hardliner» oder «Kategorie-A-Kommunist» ein; sein MI5-Dossier wurde vermutlich bis 1994 nachgeführt und ist wohl eines der umfangreichsten. Vieles in den Akten ist geschwärzt, insgesamt sind sie eine Melange aus öffentlich zugänglichem Material, Spitzelberichten und abstrusen Fehlinformationen.
Offenbar übernahm der MI5 in den dreissiger Jahren Informationen der Nazis, um alle aus Deutschland eintreffenden politischen Flüchtlinge zu erfassen. Hobsbawm, als britischer Bürger in Alexandria geboren und in Wien und Berlin aufgewachsen, traf 1933 als Sechzehnjähriger in England ein, geriet aber erst 1942 in den Radar des Geheimdiensts, als er Dienst in der britischen Armee tat. Als Verdächtiger wurde er zwar nicht aus der Armee entlassen, aber auf unwichtige Posten abgeschoben; in seiner Autobiografie beklagte sich Hobsbawm später, dass er nichts Sinnvolles zu den Kriegsanstrengungen beitragen konnte. Nach 1946 mahlte die Mühle weiter: Seine Briefe wurden im ersten Stock des lokalen Postbüros unter Dampf geöffnet und fotografiert. Die Fotos wurden ins MI5-Hauptquartier geschickt – dieses war so geheim, dass lokale Buschauffeure die Haltestelle jeweils als «Curzon Street and MI5» ausriefen. In den fünfziger Jahren wurde Hobsbawms Karriere trotz überragender Qualifikationen durch gezielte Indiskretionen verzögert; noch 1962 versuchte der Geheimdienst, eine Vortragstournee des Historikers durch Südamerika zu hintertreiben.