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Zwangsstörung (OCD)| Funktionsweise
Eine Zwangsstörung (OCD) besteht grundsätzlich aus zwei Komponenten. Die englische Bezeichnung der Zwangsstörung, OCD = Obsessive-Compulsive Disorder, bringt diesen Aspekt sehr schön zum Ausdruck. Auf der einen Seite stehen die Zwangsgedanken (=> Obsession) und auf der anderen die Zwangshandlungen (=> Compulsion), die als Reaktion auf die Zwangsgedanken vom Betroffenen bewusst ausgeführt werden. Die folgende Illustration zeigt diesen Zusammenhang sehr schön auf.
Der Teufelskreis einer Zwangsstörung (OCD): Zwangsgedanke => Bewertung => Stress => Zwangshandlung => Erleichterung (kurzfristig) => Negative Verstärkung (langfristig)
Zwangsgedanken (=> Obsession)
Die erste Komponente sind die Zwangsgedanken. Das sind aufdringliche Gedanken, Bilder oder Impulse (= Drang), die plötzlich wie aus dem Nichts kommend im Bewusstsein des Betroffenen auftauchen. Aufgrund der Bedeutung, die ihnen beigemessen wird, lösen sie enormen Stress aus, der sich in unangenehmen Gefühlen, wie Angst, Zweifel, Schuld, Scham oder Ekel, bemerkbar macht. Die Zwangsgedanken entziehen sich der bewussten Kontrolle und blitzen immer und immer wieder auf. Häufig ist es so, dass der unangemessenste Gedanke im unpassendsten Moment auftaucht. Sie werden als unerwünscht und störend erlebt. Einem Betroffenen ist bewusst, dass es sich um seine eigenen Gedanken handelt, auch wenn diese sich insofern fremd anfühlen, als dass sie oftmals den persönlichen Überzeugungen und Werten komplett zuwiderlaufen. Genau das ist auch der Grund für den Stress und die starke emotionale Reaktion. Auch wenn Zwangsgedanken grundsätzlich jedes beliebige Thema aufgreifen können, gibt es unter den Betroffenen eine sehr hohe Überschneidung. Die Unterseite Zwangsgedanken liefert einen breiten Überblick über die Themengebiete und die entsprechenden Denkinhalte.
Zwangshandlungen (=> Compulsion)
Die zweite Komponente sind die Zwangshandlungen. Das sind zwanghafte und oftmals ritualisierte Interventionen, die mit der Absicht, die intensiven Gefühle zu regulieren und die Zwangsgedanken zu neutralisieren oder verschwinden zu lassen, ausgeführt werden. Durch das Ausführen erfährt ein Betroffener eine spürbare Erleichterung. Zwangshandlungen verleihen ihm zudem ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit. Dabei kann es sich sowohl um eine physische Handlung als auch um ein mentales Ritual handeln. Während physische Handlungen, wie z.B. Hände waschen, Türe kontrollieren, etc., von Aussenstehenden wahrnehmbar sind, spielen sich mentale Rituale ausschliesslich im Kopf des Betroffenen ab. Das können Dinge, wie z.B. Zählen, Wünschen, Grübeln, Erinnern, etc., sein. Zu den Zwangshandlungen zählen auch das Vermeiden von Menschen, Orten und Objekten sowie das Einholen von Rückversicherungen bei anderen oder im Internet. Menschen mit einer Zwangsstörung sind unheimlich kreativ, was das Erfinden von Zwangshandlungen angeht. Deshalb können sie grundsätzlich jede erdenkliche Form annehmen. Dennoch gibt es unter den Betroffenen eine hohe Übereinstimmung. Auf der Unterseite Zwangshandlungen befindet sich ein Überblick über die gängigsten physischen Handlungen und mentalen Rituale.
Teufelskreis der Zwangsstörung (OCD)
Zwangshandlungen sorgen zwar kurzfristig für eine Erleichterung, tragen aber langfristig zur Aufrechterhaltung der Zwangsstörung (OCD) bei. Das liegt daran, dass sie lediglich die Symptome, nicht aber die Ursache bekämpfen. Letztendlich handelt es sich um einen klassischen Teufelskreis. Durch das Ausführen einer Zwangshandlung kommt es nämlich zu einer negativen Verstärkung. Das Gehirn lernt dabei folgende zwei Dinge:
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Die Situation muss tatsächlich bedrohlich gewesen sein.
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Die Zwangshandlung hat massgeblich zur Bewältigung beigetragen.
Einerseits werden dadurch die Zwangsgedanken an Intensität und Häufigkeit zunehmen und andererseits wird ein Betroffener zukünftig vermehrt auf die Strategie der Zwangshandlungen zurückgreifen. Das führt dazu, dass immer mehr Zwangshandlungen benötigt werden, um Herr über immer mehr Zwangsgedanken zu werden. Die vermeintliche Lösung entpuppt sich somit zum eigentlichen Problem. Das ist auch der Grund, warum eine unbehandelte Zwangsstörung im Verlaufe der Zeit eigentlich nur schlimmer werden kann. Durch den Teufelskreis zieht sich die Schlinge um den Hals immer enger zu.
Ausstieg aus dem Teufelskreis
Wer versteht, wie der Teufelskreis aufrecht erhalten wird, kommt vermutlich von alleine darauf, wie ein Ausstieg gelingen kann. Der Hebel muss dort angesetzt werden, wo eine direkte Einflussnahme überhaupt möglich ist. Das ist einerseits bei der Bewertung der Zwangsgedanken und andererseits bei der Ausführung der Zwangshandlungen. Hierbei können Psychoedukation, Achtsamkeit und Exposition mit Reaktionsmanagement (ERM) helfen. Es geht darum, die Zwangsgedanken anders zu bewerten, die unangenehmen Gefühle auszuhalten und wieder zu lernen, dass vermeintlich bedrohliche Situationen auch ohne Zwangshandlungen bewältigt werden können. Die Unterseite Therapiebausteine geht auf die einzelnen Bausteine der Zähmung einer Zwangsstörung (OCD) ein.