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SAMBIA 2016
Heuer ist vieles anders.
Der Start ins neue Studienjahr wird an der UNZA kurzfristig veschoben. Statt Ende November wird das Trimester erst Anfang Januar starten. Das Stipendienwesen wird umstrukturiert. Es gibt nur noch «Loans», Darlehen, welche zurückbezahlt werden müssen. Der Staat muss sparen.
Die UNZA ist deswegen noch geschlossen. Da ich schon halb im Flugzeug sass, als diese Nachricht kam, hat die Abteilung kurzfristig diejenigen Studenten, die auf dem Campus geblieben sind oder in Lusaka wohnen, zusammengetrommelt. Es kommen genau 17 Studentinnen und Studenten. Gut, mehr könnte ich im Workshop auch gar nicht bewältigen.
Mein Klassenzimmer sieht immer noch gleich aus. Fühle mich wie zu Hause. Dafür sticht etwas Anderes sofort ins Auge. Der Fächlikasten für die Post an die Dozenten im Sekretariat ist neu. Das war bei meinem ersten Besuch noch ganz anders. Oder bis letztes Jahr so.
KITCHENPARTY
Der Bruder einer Dozentenkollegin heiratet in einer Woche.
Sieben Tage davor findet die Kitchen Party statt. Nur die Frauen sind eingeladen.
Die Gäste trudeln in den Saal eines chinesisches Hotels. Etwa 22 runden Tische mit je 10 Plätzen füllen den Raum, also Platz für 220 Gäste, welche alle kommen.
Man wartet auf die Braut. Sie erscheint mit der üblichen Verspätung und kriecht unter einem Tuch über den roten Teppich. Der Ehemann, der später kommt, muss das Tuch aufrollen und holt die Braut hervor - er sieht sie sozusagen zum ersten Mal richtig.
Die Dame neben der Braut ist die Counsellor. Sie bereitet die Braut auf ihre Aufgaben als Ehefrau vor. Während der Bräutigam auf dem rotem Teppich auf die Braut zugeht, muss er Geld in eine Schale werfen. Die Matron (Tätschmeisterin) lässt ihn erst zur Braut, wenn sie findet, dass genug sei.
In diesem Fall waren es sicher 1000$. Dieses Geld gehört der Counsellor für ihre guten Dienste.
Der Bräutigam bringt seiner Angebeteten ein kleines Geschenk, hier Blumen.
Daraufhin hält die Braut ihm ein Getränk hin, stets in unterwürfiger Pose. Danach verbeugt sie sich tief und legt sich zu seinen Füssen. Sie ist seine Dienerin.
Nun darf der zukünftige Ehemann wieder verschwinden. Die Braut setzt sich auf das Sofa auf dem Podest, zusammen mit ihrer Beraterin.
Die Gäste essen und tanzen. Es wird laut getrommelt und gesungen. Die Musik ist ohrenbetäubend. Die Gastgeberin muss die ganze Zeit zuschauen.
PFANNEN UND TÖPFE
Ich war bei einer anderen Kollegin zu Besuch in ihrem Haus. Die Küche war riesig. Und noch etwas fiel mir auf: Die vielen Töpfe und Pfannen.
An der Kitchenparty letztes Wochenende gab es eine Ecke mit den Geschenken der Gäste. Alles Haushaltsgeräte. Es sei immer noch so, dass das Paar erst mit der Heirat zusammenziehe. Also eine nützliche Sache, diese Besen und Abfalleimer auf dem Gabentisch. Mir stachen an der Party die vielen Töpfe ins Auge, was mich veranlasste zu bemerken, dass die Planung wohl leicht missglückt sei. Aber nein - 20 Töpfe seien wenig! Die Hausfrau müssen jederzeit mit Gästen rechnen, welche sie bekochen müsse. Ein sambischer Herd hat jedoch auch nur 4 Kochplatten, wie bei uns. Mir ist also doch nicht ganz klar wie es geht. Im Garten auf den kleinen Kohlegrills vielleicht?
Zurück zu meiner Kollegin. Dies sind zwei ihrer Schränke für die Pfannen. Es standen noch mehr Töpfe auf dem Herd herum. Als ich erklärte, dass ich nur drei Kochtöpfe habe, lachten sie mitleidig. Also entweder kann ich nicht kochen oder mein Mann muss hungern!
ZÖPFE
Meine Studentinnen ändern ihre Frisuren und Haare fast so häufig wie ihre Kleider. Die Haare sind mal lang gezöpfelt, am nächsten Tag offen, dann einmal rot, plötzlich ganz kurz oder auf dem Kopf selbst in Mustern geflochten. Die langen Haare sind selten echt, haben sie mir verraten. Extensions hat jede Frau wie Schuhe im Schrank und verwendet sie gerne. Und wenn einmal gar keine Zeit ist, dann wird eine Strickmütze angezogen, auch bei 30°.
LETZTER TAG
Der letzte Tag. Alles ist erledigt. Die Studenten und Studentinnen haben ihre Arbeiten auf den Klassencomputer kopiert. Nun werde ich sie für die Final Presentation im Senate Chamber zu einer Slideshow zusammenstellen. Gefeiert wird mit Huhn, das ist üblich in Sambia. Ein Festessen. Wir werden alle wehmütig. Durch die intensive Arbeit haben wir uns gut kennengelernt. Nun müssen sie ihr Wissen an ihre Kommilitonen weitergeben. Das wird hart und anstrengend werden.
FINAL PRESENTATION
Nachdem alle ihre Abschlussarbeiten gezeigt haben, wird meinen Studentinnen und Studenten ein Certificate ausgehändigt. EIn wichtiges Dokument. Ich erhalte als Abschiedsgeschenk ein Stück afrikanisches Tuch, welches sich die Sambierinnen um die Hüfte schlingen. Ein Chitenge.
ABSCHIED VON DER UNZA
JOHANNESBURG
Bevor ich nach Hause fliege mache ich einen kurzen Zwischenstop in Johannesburg. Ich höre das harte Englisch der Afrikaaner. Johannesburg ist wild, unberechenbar, afrikanisch. Spannend.
SIGN LANGUAGE
Am Strassenrand stehen Leute und machen bei jedem vorbeifahrenden weissen VW-Büsli Zeichen. Diese Busse sind eine Art private ÖV, welche in der ganzen Stadt und auch ausserhalb fahren. Manche Fahrer halten auf diese Zeichen hin an und die Leute steigen ein. Meistens fahren sie vorbei. Was bedeutet dies? Es ist die Zeichensprache für die Buschauffeure. Finger gegen unten bedeutet "ich will in der Stadt abgeladen werden". Finger nach oben bedeutet "ich will nicht weit mitfahren". Einen Kreis mit der Hand ausführen heisst "nimm mich irgendwohin mit". Nein ehrlich ich habe keine Ahnung mehr. Aber die Aussagen sind eindeutig für die Hiesigen. Warum denn die Busse auch anschreiben? Viel flexibler.
SHARP SHARP
Auch sonst wird das Leben durch Handzeichen geregelt. Sharp Sharp heisst nicht etwa "ich rufe dich an", sondern "alles ist gut".