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| Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)

Viertes Buch: Regeln für die Novizen.
22. Regeln der ägyptischen Mönche bezüglich der täglichen Dienste.
[S. 76] Was wir eben berichtet, ist eine im ganzen Oriente herrschende Gewohnheit. Diese Regel mußte unsers Erachtens nothwendig auch in den Klöstern unseres Landes eingehalten werden. Übrigens besteht bei den ägyptischen Mönchen, die sich hauptsächlich mit Handarbeit beschäftigen, nicht eine gegenseitige Ablösung in den Wochendiensten, da eine solche Einrichtung sie an der durch die Regel gebotenen Arbeit hindern könnte; vielmehr wird dort ein besonders erprobter Bruder mit der Sorge für Küche und Keller betraut, der fortwährend, so lange es Kraft und Alter erlauben, jenes Amt zu versehen hat. Dieser wird nicht durch zu große Arbeit ermüdet, weil bei ihnen keine große Sorgfalt auf das Zubereiten und Kochen der Speisen verwendet wird. Man begnügt sich nämlich oft mit rohen und ungekochten Speisen; und Blätter von Lauch, für je einen Monat geschnitten, Lapsania, kleingeriebenes Salz, Oliven, gesalzene Fischlein, von ihnen maenidia1 genannt, gelten den Brüdern für die größten Leckerbissen.
1: Die meisten Handschriften haben menominia, ein der ganzen Latinität unbekanntes Wort. Dafür hat Ciaconius die gewiß ursprüngliche Lesart maenidia hergestellt. Das Griechische heißt: μαινίδιον [mainidion], ein Diminutivum von μαινίς [mainis] (lateinisch: maena oder mana), welches einen gewissen gewöhnlich halec genannten Seefisch bezeichnet.