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Konrad Vetter verschreibt sich immer mehr dem Ornamentalen. Seit einigen Jahren illustriert er Bücher und Leporellos. Er wählt Dichter aus, deren Verse ihn ansprechen und setzt ihnen schwarzweisse und farbige Zeichnungen gegenüber.
«Ich bin der Morgenschimmer,
Ich bin der Abendhauch,
Ich bin des Haines Säuseln,
Des Meeres Wogenschwall».
Es ist schwierig, Konrad Vetter einzuordnen. Er lernte Glasmaler, besuchte die Kunstgewerbeschule und die Malschule von Max von Mühlenen, wo er sich unter anderem das Aktzeichnen aneignete. 1941 wurde er Mitarbeiter der Glasmalerei-Firma Paul Wüthrich in Bern, die er 1965 übernahm. Dreimal – 1956, 1957 und 1958 – erhielt er das eidgenössische Kunststipendium. Während vier Jahren war er Mitglied der kantonalen Kunstkommission von Bern. Konrad Vetter konservierte und restaurierte die mittelalterlichen Scheiben in Schweizer Kirchen – von Bern, Königsfelden und Hauterive. Er entwarf eigene Fensterprogramme, bildete zusammen mit Franz Eggenschwiler, Peter Meier und Robert Wälti die Berner Arbeitsgemeinschaft, die 1970 den künstlerischen Durchbruch schaffte und in in- und ausländischen Kunstmuseen ausgestellt wurde. 1975 gestaltete er mit Franz Eggenschwiler künstlerisch das Lehrerseminar von Biel .
Einzelausstellungen folgten im Kunstmuseum Bern, Romont, ETH Zürich und bei Hans van der Grinten, Njmwegen und Münster. 1970 wurde er Konsulent der Eidgenössischen Denkmalpflege.
Er sei eigentlich ein «Grübler» und kein Maler, charakterisiert sich Konrad Vetter. Eines Tages hatte er genug vom antiquisierenden «Bschiss», wie er die Malerei auf Antikglas bezeichnet. Er ersetzte es durch gewöhnliches, wenn möglich farbiges Fensterglas,
das ihm besser zusagt als Antikglas mit einer Struktur.
Er erfand visionäre Selbstporträts mit kubischen Elementen und modifizierte Ornamentik aus der Heraldik sowie keltische, maurische und etruskische Muster.
Konrad Vetter fertigte auch Glasskulpturen oder komplexe Formsysteme an. Neben geschlossenen und aufklappbaren, sich unendlich spiegelnden Würfeln realisierte er er auch in verschiedener Weise das Thema der Jakobsleiter, wobei er die Polarität von Dies- und Jenseits durch die Konstruktion und das Material unterschied. Zu weiteren Arbeiten gehören Faltreliefs aus Papier, gläserne Türme und aus Schichten aufgebaute, liegende Glasreliefs wie zum Beispiel «Der grosse und kleine Tatzelwurm ».
Helen und Konrad Vetter sind beide 87-jährig. Leni verstarb am 16. März 2011. Sie bildeten eine Art verschworene Gemeinschaft. Seit 1970 wohnt das Paar in Gümligen an der Alpenstrasse 27. «Das war ein Glücksfall», schmunzelt Konrad Vetter, der im ehemaligen ersten Konsum vom Melchenbühl Atelier und Wohnung unterbringen konnte. Der grosse Ateliertisch ist mit unzähligen Blei- und Farbstift-Zeichnungen bedeckt. Es sind Illustrationen für die nächsten Bücher, es gibt noch so viele Dichter wiederzugeben und ihre Verse in Bilder zu «übersetzen», Buchstaben umzuformen in Knoten, Wellen, Spiralen, Rauten und Quadern, Ornamente, die Konrad Vetter wieder auflöst, um daraus neue Strukturen zu entwickeln, die unendlich wiederholbar scheinen («Unendlichkeitsbilder»).
Einer seiner ältesten Freunde – Konrad Vetter traf ihn 1940 während des Zweiten Weltkriegs – ist der Muriger Maler Peter Stein, der bei ihm die Technik des Glasmalens lernte. Andere alte Freunde trifft Konrad Vetter oft, auch wenn sie geistig nicht mehr so fit sind wie er. Er jasst mit ihnen zu Hause oder besucht sie regelmässig. Seine Frau Helen chauffiert ihn, aber leider, wie sie sagt, sei es ihr wegen ihrer Rückenprobleme nicht mehr möglich, weite Fahrten zu bewältigen. Im Alter, sagt man, werde die Welt klein. Konrad Vetter hat Projekte, auch mit 87 Jahren. Sie führen ihn über Grenzen und Beschwerden hinaus, vielleicht in jene Unendlichkeit, die er in seinen Bildern und Zeichnungen zu fassen versucht.
Text und Bilder von den Lokal Nachrichten von Muri-Gümligen-Allmendingen 30.10.2008 DSC