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Wer Entwürfe für die Predigtstruktur betrachtet, die in der Geschichte gängig waren, wird feststellen, dass immer wieder vergleichbare Grundmuster auftauchen. Das kann damit erklärt werden, dass Homiletiker und Prediger die Modelle der klassischen Rhetorik zum Ausgangspunkt genommen haben. Dies ist jedoch nachweislich nicht immer der Fall. Dass trotzdem immer wieder vergleichbare Strukturschemata auftreten, führt zur Vermutung, dass sich dahinter eine innere Logik verbirgt.
In diesem Projekt wird der Frage nachgegangen, ob dies tatsächlich der Fall ist. Die unterschiedlichen Schulen der Homiletik beantworten diese Frage nicht einhellig. Heribert Arens entleiht seinen Strukturentwurf lernpsychologischen Modellen. Für Eugene Lowry ist unter anderem der narrative Plot, wie es in Romanen und Filmen vorfindlich ist, Vorbild für seinen Entwurf eines homiletischen Plots. Ähnlich jedoch, wie es in der Filmwelt Regisseure gibt, die einem plot-losen Film den Vorzug geben, betonen Homiletiker wie David Buttrick oder Martin Nicol die Freiheit des Predigers oder der Predigerin, selbst zu entscheiden, wie die Predigt sich "weiterbewegt". Zwei Konzepte stehen einander folglich gegenüber: Das der funktionalen Struktur und das der gestalterischen Freiheit. Ist dieser Unterschied in der Homiletik auf unterschiedliche theologische Positionen zurückzuführen? Oder vielleicht auf unterschiedliche kommunikative Modelle? Oder geht es um unterschiedliche Definitionen dessen, was eine Predigt eigentlich ausmacht?
Das Ziel dieser Dissertation ist es, durch die Anwendung der diskursiven Syntaxis, wie sie die Pariser Schule entwickelt hat, ein neues Licht auf diese Fragen zu werfen. Wenn sich in einem Diskurs eine Transformation vollzieht, geschieht dies in bestimmten Stufen, die sich aus einer inneren Logik ergeben. Das könnte bedeuten, dass die Predigt an transformierender Kraft gewinnt, wenn sie diesem Stufenaufbau entspricht.