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Fragen/Antworten
Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um den Rheintaler Binnenkanal. Falls Sie eine weitere Frage dazu haben schreiben Sie uns.
Was spricht für oder gegen eine Multifunktionsanlage (Brücke, Rückhaltebecken und zusätzlich ein Fliesskraftwerk) in Zusammenarbeit mit dem Kanton und SAK?
Der RBK wurde damals für die Wasserkraftwerke konzipiert und gebaut. Die drei Anlagen Lienz, Blatten und Montlingen der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG nutzen je ein Gefälle von 3 bis 4 m und produzieren gesamthaft ca. 5 Mio. KWh /a.
Ein weiterer Standort ist kaum mehr vorhanden. Allenfalls bei 3 Brücken wäre noch eine kleine Gefällstufe von ca. 2 m denkbar, was im Rahmen des Vorprojekts geprüft wird. Weiter flussabwärts ist das Gefälle für sinnvolle Kleinwasserkraftwerke vermutlich zu klein.
Zur Hauptsache werden mit diesem Hochwasserschutzkonzept die Gemeinden und Au geschützt. Wie sieht der Kostenteiler für die übrigen Verbandsgemeinden aus? Wer arbeitet diesen Kostenteiler aus? Welche Faktoren beeinflussen diesen Kostenteiler?
Bund und Kanton beteiligen sich mit rund 2/3 an den Baukosten. Bis zur Ausarbeitung des Vorprodukts wird ein neutraler Perimeterexperte beauftragt, für den Bau und den künftigen Unterhalt einen Perimeter auszuarbeiten.
Wer trägt die Kosten für dieses Hochwasserschutzkonzept?
Bund und Kanton beteiligen sich mit rund 2/3 an den Baukosten. Den Rest haben die Zweckverbandsgemeinden zu tragen. Dazu wird ein Bauperimeter erstellt. Auch der Unterhaltsperimeter wird im Rahmen dieses Projekts überprüft und den neuen Verhältnissen angepasst.
Genügt das Hochwasserschutzkonzept den zukünftigen Hochwassern voll und ganz?
Das Projekt entspricht den üblichen Vorgaben von Bund und Kanton. Demnach werden die lokal differenzierten Hochwasserschutzziele erfüllt. Das Siedlungsgebiet (Widnau) wird vollständig gegen ein Hochwasser, wie es alle 100 Jahre einmal auftreten kann, geschützt. Es verbleibt ein Restrisiko für noch seltenere und noch grössere Hochwasser, deren Auswirkungen aber entsprechend reduziert werden.
Kann der Rückhaltedamm brechen?
Nein. Er wird mit einer Hochwasserentlastung gebaut, so dass er nie überflossen und brechen kann. Der Damm gilt als absolut sicher.
Eine dauernde Überwachung und ein entsprechender Unterhalt müssen durch den Eigentümer des Damms vorgenommen werden. Die Aufsicht liegt beim Bund.
Entspricht das Hochwasserschutzkonzept den aktuellen Erkenntnissen der Gefahrenkarte?
Die Hochwasserabflüsse wurden von der aktuellen Gefahrenkarte übernommen. Die Massnahmen verhindern das in der Gefahrenkarte aufgezeigte Schadenpotential. Die in der Gefahrenkarte aufgezeigte Gefährdung der steilen Bäche müsser aber noch anderweitig gelöst werden. Nach der Realisierung des Projekts wird dann die Gefahrenkarte auf die neuen Verhältnisse angepasst.
Ist das Projekt zu teuer?
Das Projekt steht in einem sinnvollen Verhältnis zum Schadenpotential. Die Kosten/Nutzen-Analyse wird in einem späteren Zeitpunkt noch genau vorgenommen. Der Bund subventioniert nur Projekte mit einem ausgewiesenen und guten Kosten/Nutzen-Faktor.
Welche Massnahmen sind an den Seitengewässern geplant?
Bei den Seitengewässern handelt es sich beispielsweise um den Littenbach, Maientrattgraben, die Böschaach, Ländernaach und’s Ächeli. Es sind zusätzliche Massnahmen unabhängig vom Rheintaler Binnenkanal geplant oder schon realisiert worden. Grundsätzlich werden mit der Senkung des Hochwasserspiegels im Binnenkanal günstige Voraussetzungen für ebenfalls tiefere Wasserspiegel in den Seitengewässern geschaffen.
Was geschieht mit dem Aushubmaterial, das durch den Gerinneausbau anfällt?
Das Aushubmaterial wird nach Möglichkeit für den Bau des Damms verwendet. Dies erspart weite Transporte sowie Kosten und schont die Umwelt.
Wie lange dauert es, bis diese Hochwasserschutzmassnahmen realisiert sind?
Mit dem Vorprojekt soll im Jahr 2013 begonnen werden.
Wurde im Hochwasserschutzkonzept Rheintaler Binnenkanal das Rheinprojekt mit seinen Notentlastungsräumen mit berücksichtigt?
Das Rheinprojekt ist für den Hochwasserschutz des Rheintaler Binnenkanals nicht relevant. Die Notentlastungsräume wären für noch grössere und seltenere Hochwasser vorgesehen (HQ300; dies entspricht einem Hochwasserereignis, das durchschnittlich alle 300 Jahre erwartet wird). Es gibt keine baulichen Massnahmen für diese Notentlastungsräume, die auch als Hochwasserschutz vom Binnenkanal genutzt werden könnten.
Ist aufgrund der Klimaveränderung in Zukunft mit noch grösseren Hochwasserereignissen zu rechnen?
Darüber streiten sich die Fachexperten. Jedenfalls verbessert dieses Projekt die Hochwassersituation wesentlich. Das Konzept mit den Rückhalt und dem Ausbau mit Freibord ist robust und bietet genügend Reserven. Auch könnte es später noch ausgebaut werden.
Anders sähe es aus, wenn z.B. entlang des Rheintaler Binnenkanals Dämme errichtet würden. Diese könnten im Falle einer Überlastung kollabieren.
Wird der ökologischen Aufwertung der Rietach auch Rechnung getragen, stellt sie doch ein wichtiger Laichplatz für die Fischart Nase dar, welche in anderen Gewässern schon ausgestorben ist?
Momentan ist die Rietach, als Lebensraum für Fische in einem sehr schlechten Zustand.
Innerhalb des geplanten Hochwasserrückhalteraums wird die Rietaach von der Mündung an voraussichtlich auf ca. 300 m renaturiert. Für die weitergehende Aufwertung der Rietaach wären die Melioration der Rheinebene und die Standortgemeinden zuständig. Im Rahmen des Vorprojekts wird geprüft, wie die beiden Vorhaben (Hochwasserschutz Binnenkanal und Aufwertung Rietaach) miteinander kombiniert werden könnten.
Welchen Einfluss hat das Hochwasserschutzkonzept auf die Naturgefahrenkarte Balgach?
Die Naturgefahrengruppe Balgach plant verschiedene Rückstaumulden resp. kleine “Tümpel”auf dem Gemeindegebiet. Kann das Naturgefahrenkonzept von Balgach nicht auch ins Hochwasserschutzkonzept integriert werden? Unsere Bäche Wolfsbach, Dorfaach, Eberlieswiesbach, Länderenaach haben alle Probleme mit dem Rückstau.
Im Rahmen des bevorstehenden Vorprojekts kann der Anschluss der Ländernaach an den Rückhalteraum nochmals aufgenommen werden (erste Abklärungen hat man im Rahmen des Konzepts gemacht, die Idee aber wieder verworfen). Auf jeden Fall müssen die Vorhaben an der Ländernach mit dem Projekt Binnenkanal koordiniert werden. Mit dem Projekt Binnenkanal wird der Hochwasserspiegel generell tief gehalten, was auch der Ländernaach im Mündungsbereich zu Gute kommt.
Erklärung von Fachbegriffen
Im Zusammenhang mit Hochwasserschutz-Massnahmen werden immer wieder Fachbegriffe verwendet. Hier werden Fachausdrücke kurz und leicht verständlich erklärt.
Abflussmenge
die Wassermenge welche pro Zeiteinheit fliesst, Kubikmeter pro Sekunde ( m3/s)
Die Abflussmenge Q (m3/s) ist abhängig von der Fliessgeschwindigkeit, Gefälle, Rauigkeit der Böschung, benetzter Umfang, Querschnitt, etc.. . Nur schon aus diesen verschiedenen Parametern ergeben sich verschiedene Ungenauigkeiten, das ist bei jedem fliessenden Gewässer so (offenes Gerinne), grob gesagt, je natürlicher der Flusslauf ist, desto ungenauer ist die Abflussmenge rechnerisch zu tabellieren.
Auflandung
Ablagerung von Sedimenten auf der Flusssohle
Drainageleitungen
Leitungssystem welches zur Entwässerung des Bodens dient, am Binnenkanal sind dies die Leitungen der Melioration.
Erosion
die natürliche Abtragung von Gestein und Boden durch Wasser
Freibord
Abstand zwischen dem maximalen Wasserspiegel und der Böschungsoberkante, damit das Gewässer nicht ausufert. Die Richtlinien empfehlen ein Freibord von 1 Meter, damit die rechnerischen Ungenauigkeiten, wie Reibungsbeiwerte, etc.. berücksichtigt sind. Bei unserem Projekt wurde das Freibord auf das absolute Minimum von 50 cm herabgesetzt, damit der Rückstau im Rückhalteraum möglichst klein ausfällt.
Gerinne, offenes Gerinne
Natürliche offene Gerinne sind natürliche Fliessgewässer
Künstliche offene Gerinne, z. B. Kanäle oder technische Experimentier-Gerinne.
Geschiebe
Feststoffe welche im Gewässer transportiert werden.
Hochwasserabfluss (HQn)
HQ 100
Hochwasserabfluss (HQ) mit Jährlichkeit n (100)
Kote
Bezeichnung einer Höhenangabe bezogen auf einen Nullpunkt, in der Regel Angabe in Metern (m) oder in Metern über Meer (m.ü.M.)
Lettenabtrag
Entfernen von Ablagerungen an den Böschungen
Mittelwasser
die über längere Zeit gemittelte Höhe des Wasserspiegels (Wasserstand) an einem ausgewählten Punkt eines Gewässers. Für eine verlässliche Berechnung muss der Pegelstand dieses Messpunktes über einige Jahre bis Jahrzehnte beobachtet oder automatisch registriert werden, was heute mit digitalisierten Schreibpegeln erfolgt.
Mittlerer Abfluss (MQ)
Als mittleren Abfluss MQ bezeichnet man den durchschnittlichen Abfluss, bemessen auf ein Normaljahr – also den langjährigen Durchschnitt, in der Hydrographie auf das Abflussjahr bezogen, das im Allgemeinen in den gemäßigten Klimazonen im Herbst beginnt, um einen gesamten Winterzyklus zu erfassen.
Neophyten
Pflanzen, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie zuvor nicht heimisch waren
Nullpunkt
Die Höhe 0 von welcher ausgegangen wird. In einem globalen System ist dies in der Regel die Angabe in Metern über Meeresspiegel.
Pegelhöhe (P)
ist eine Wasserstandhöhe Angabe in Metern oder Metern über Meer
Perimeter
die umgrenzende Linie einer Verwaltungseinheit
Profil
siehe Querprofil
P/Q Beziehung
Querprofil
ein vertikaler Schnitt, Querschnitt des Binnenkanals
Retention
Da bei erhöhten Pegelständen in Flüssen auch das erhöhte Wasservolumen ein Retentionspotential bietet, wird ein im Oberlauf ausgelöstes Hochwasser, je weiter es nach Stunden oder Tagen in den Unterlauf kommt, immer weiter abgeschwächt. Dieser Effekt ist umso stärker, je länger die Fließstrecke ist und je breiter ein eventuell vorhandener Überschwemmungsraum dem Fluss zur Verfügung steht. Durch zunehmende Eindeichung von Flüssen sowie durch Flussbegradigungen in den vergangenen Jahrhunderten wurde das Retentionsvermögen vieler Flüsse herabgesetzt.
Rückhalteraum
Gebiet welches temporär und kontrolliert geflutet und entwässert wird.
Sedimente
Vorfluter
Unsere Vorfluter sind die Kanäle und Bäche, in welche Wasser an bestimmten Punkten eingeleitet wird. Beispiel: Das Wasser aus den Drainageleitungen wird in den Vorfluter (Binnenkanal, Rietaach, etc..) eingeleitet.
Wassermenge (Q)
gemessen in der Regel in Kubikmetern (m3)
Wasserstand
Wasserhöhe zum Zeitpunkt x