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Mike Moran ist in Filmmusik-Kreisen kein sehr geläufiger Name. Der mittlerweile 72-jährige Brite studierte am «Royal College of Music» in London, war als talentierter Pianist Mitglied mehrerer Bands und arbeitete mit Persönlichkeiten wie Cliff Richards, Paul McCartney, Freddy Mercury und Stevie Wonder zusammen. Er betreute etliche Fernsehfilme und -serien, während er fürs Kino eher selten tätig war. So sind denn Veröffentlichungen auf diesem Gebiet sehr rar, wobei die Nachfrage seitens der Fans ‒ da mit Morans Namen verbundene Produktionen kaum international bekannt sind ‒ eher moderat sein dürfte.
Es gibt mit TIME BANDITS jedoch eine grosse Ausnahme, denn da es sich hierbei um einen frühen und sehr populären Film von Terry Gilliam handelt, kommt hierbei natürlich auch der Musik grosse Beachtung teil, und es wurden immer wieder Stimmen laut, die dessen Unerhältlichkeit zutiefst bedauerten. Mit der Erstveröffentlichung aus dem Hause Intrada werden diese nun grosse Genugtuung verspüren.
Die Fantasy-Story um den kleinen Kevin, der zusammen mit einer Gruppe von Kleinwüchsigen auf der Suche nach einem Schatz zeitlich rückwärts reist, schrieb Gilliam gemeinsam mit seinem «Monty Python»-Kumpel Michael Palin (der sich zudem auch unter die zahlreichen bekannten, im Film mitwirkenden Gesichter wie Sean Connery, John Cleese, David Warner, Ralph Richardson, Shelley Duvall und Ian Holm mischt), sollte ursprünglich von George Harrison ‒ Miteigentümer des produzierenden Studios HandMade Films ‒ mit Musik versorgt werden, aber der Ex-Beatle vermochte aus zeitlichen Gründen letztlich nur den End-Title-Song «Dream Away» beizusteuern.
Den Score für ein 70-köpfiges Orchester komponierte und orchestrierte Moran in 21 Tagen; sehr respektabel, auch wenn man bedenkt, dass es sich bei TIME BANDITS um seinen ersten Kinofilm handelte. Wie gross dabei die Unterstützung von Perkussionist Ray Cooper war, mit dem Moran auch am damals aktuellsten Harrison-Album mitgewirkt hatte, lässt sich wohl schwer sagen, aber immerhin performt Cooper den Grossteil des achteinhalb-minütigen «Entrance Into The Fortress Of Darkness» mit zahlreichen Schlaginstrumenten im Alleingang.
Da unsere Helden wie erwähnt geschichtlich mehr oder weniger chronologisch zurückreisen, fängt Moran den Zeitgeist der jeweiligen Epochen ein. Das beginnt in der Gegenwart mit Synthesizern in «Opening Titles», die dann dem Orchester Platz machen und erst im Epilog wieder zu hören sind. Handwerklich überzeugend hinterlegt Moran Szenen, die im Italien des 18. Jahrhunderts, im mittelalterlichen England oder im antiken Griechenland spielen, mit stilgerechter Musik.
Die Zeitbanditen müssen sich im Spannungsfeld zwischen Gut und Böse behaupten, und ihr marschartiges Thema, inspiriert vom ersten Satz von Gustav Mahlers 6. Sinfonie, ist die primäre abenteuerliche Komponente des Scores. Bei der über-, oder auch ausserirdisch wirkenden Musik für die «Supreme Being» wird das Orchester von einem Chor verstärkt, als Kehrseite der Medaille dienen düstere Klänge für «Evil Genius». Wenn es im Klimax des Films zum Kampf gegen diese teuflische Macht kommt, erhalten die tapferen kleinen Helden Unterstützung nicht nur von Rittern und Soldaten, sondern auch von Cowboys, deshalb erlaubt sich Moran hier eine kleine Hommage an Elmer Bernsteins THE MAGNIFICENT SEVEN. Thematisch gesehen hat TIME BANDITS vielleicht nicht den grössten Wiedererkennungswert, den man sich vorstellen kann, aber man darf zumindest konstantieren, dass der Score sauber gearbeitet ist und stimmungsmässig viel zu bieten hat. Kriterien, die einen gut ausgebildeten Komponisten offenbaren, der uns hier eine kleine Kostprobe seines Könnens zukommen lässt. Eine durchaus gerechtfertigte Veröffentlichung also und möglicherweise die einzige von einem grösseren Publikum wahrgenommene, die Mike Moran vergönnt ist.
Andi 25.3.2020
TIME BANDITS
Mike Moran
Intrada Special Collection
Volume ISC 440
48:12 Min.
20 Tracks