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Vorhang auf für die Sonne
Trotz Föhn zogen heute Vormittag dichte Wolken über das Land und brachten vor allem im Tessin ordentlich Regen. Danach zogen die Wolken ab und am Nachmittag konnte sich die Sonne im Norden gut in Szene setzen. Zum Abend hin näherte sich eine Linie mit Gewittern dem Jura.
Viele Wolken am Vormittag
Am Vormittag war es in der ganzen Schweiz mehrheitlich bewölkt, etwas Sonnenschein gab es primär in der Zentral- und Ostschweiz sowie in der Region Basel. Die Wolken waren Teil eines Niederschlagsgebietes, welches im Jura, im Wallis und vor allem auf der Alpensüdseite für Regen sorgte. Im Tessin fielen 25 bis 40 mm Regen, in der Deutschschweiz hingegen fielen bis am Mittag nur vereinzelt einige Tropfen, am Nachmittag gab es in der Ostschweiz nochmals wenig Niederschlag. Entsprechend sieht auch die Niederschlagsverteilung aus, welche in der unteren Grafik abgebildet ist. In der Deutschschweiz blieb es wie erwähnt mehrheitlich trocken, wohingegen im Jura und insbesondere im Tessin die dünkleren Blautöne dominieren.
Sonnenschein am Nachmittag
Bereits um die Mittagszeit riss die Wolkendecke im Westen der Schweiz auf und strahlender Sonnenschein war die Folge. Dieser breitete sich weiter nach Osten aus und gegen Ende des Nachmittags war es praktisch auf der ganzen Alpennordseite sonnig. Im Süden dagegen blieben die Wolken dicht, der Regen liess aber deutlich nach. Zu verdanken war diese sonnige Phase einem Einschub von relativ trockener Luft. Begünstigt durch die kräftige Sonneneinstrahlung bildete sich über Frankreich am Nachmittag eine Gewitterlinie, deren Vorläufer sich zu Redaktionsschluss dieses Blogs dem Jura näherten.
Weit mehr als nur warme Luft
Am heutigen Sonntag blies der Föhn. Er erreichte in den Tälern Windspitzen von 80 bis 90 km/h und auf den Bergen gab es Böen von 90 bis 110 km/h. Die Sonnenschein- und Regenverteilung entsprach in etwa der typischen Föhnverteilung, wie sie in Schulbüchern anzutreffen ist. Doch Föhn ist weit mehr als nur warme Luft, er ist ein komplexes System, und die Forschung hat vielerlei Theorien aufgestellt, um dieses Phänomen zu beschreiben. Der heutige Tag ist ein Beispiel dafür, dass die nach wie vor in vielen Schulbüchern anzutreffende „thermodynamische Föhntheorie“ falsch ist.
Diese besagt, dass im Süden der Alpen die Luft aufsteigt, deshalb Wasserdampf kondensiert, und somit Regen fällt. Die durch die freiwerdende Kondensationswärme erwärmte Luft sinkt dann im Norden als Föhn ins Tal ab.
Heute liess sich diese Theorie leicht falsifizieren: Der Föhn blies, aber im Süden liess der Regen nach. Dass die Föhnluft aus oberen Luftschichten und nicht aus der Poebene stammt, ist übrigens seit langem bekannt. Bereits Heinrich von Ficker veröffentlichte 1910 (!) ein entsprechendes Paper.
Eine „richtige“ Darstellung des Föhns finden Sie in der neu aufgelegten Broschüre von Meteoschweiz: „Typische Wetterlagen im Alpenraum“
Die entscheidende Grafik gibt’s gleich hier: Ausdrucken und ins Schulbuch kleben!