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Dieser Multimillionär hasst es, ein Krisengewinner zu sein
Dieser Mann hat unsere Kommunikation in den vergangenen zwölf Pandemie-Monaten wahrscheinlich so stark beeinflusst wie kein anderer. Darf ich vorstellen? Eric Yuan, 51, Multimillionär.
Yuan? Eric? Der Name sagt Ihnen nichts? Möglicherweise haben Sie heute seine Ideen schon mehrfach genutzt und sich bereits darüber geärgert, dass der immer selbe Kollege wie fast jeden Morgen vergessen hat, sein Mikrofon anzumachen: «Ich hoffe, es können mich alle gut verstehen?»
Genau, Eric Yuan ist Gründer und Chef von Zoom. Der Videokonferenzdienst gehört zu den grossen Gewinnern des neuen Homeoffice-Zeitalters. So gross, dass sich der 51-jährige Yuan sogar selber schon darüber geärgert hat.
«Ich hasse das», gestand er während eines Zoom-Interviews dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg. Wie Millionen andere Menschen sitzt Yuan seit Monaten im Homeoffice in seinem Haus im Silicon Valley. Auf dem Bildschirm seines Computers reiht sich eine Videokonferenz an die nächste und er müht sich dabei ab mit den Tücken der Technik. Dazu später mehr.
Yuan akzeptiert kein Nein
Die Zoom-Idee soll Yuan schon als Student gehabt haben, als er noch in China lebte. Um seine Freundin (und heutige Frau) zu sehen, musste er jeweils eine zehnstündige Zugreise unternehmen. Dabei habe er sich immer wieder gefragt, ob es noch andere Möglichkeiten gäbe, sich zu sehen.
Yuan ist ein Mensch, der ein «Geht leider nicht» nur schlecht akzeptieren kann. Wie beharrlich er an einem Ziel arbeiten kann, zeigt die Geduld, die er brauchte, um Jahre später in die USA einreisen zu können. Sage und schreibe achtmal soll er einen Antrag auf ein Einreisevisum gestellt haben, jedes Mal wurde er abgelehnt. Erst der neunte Versuch gelang.
Yuan, der damals kaum Englisch sprach, wanderte 1997 in die USA aus. Einer der besten Orte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, um reich und erfolgreich zu werden, war in den vergangenen Jahren nicht die Filmfabrik Hollywood, sondern das Silicon Valley. Die Region südlich von San Francisco gilt als der wichtigste Technologiestandort der Welt.
Immer wieder mit unlauteren Datentricks aufgefallen
Yuans Aufsteigerkarriere begann in den USA bei einem Start-up-Unternehmen, das bereits im Bereich Videodienste und Konferenzsoftware tätig war. 14 Jahre später gründete er mit Zoom den Videodienst, der ihn in den vergangenen zwölf Pandemie-Monaten zu einem der Gewinner werden liess.
Und das, obwohl Zoom vor Corona vielen Menschen höchstens ein Begriff war, weil die App immer wieder mit unlauteren Datentricks aufgefallen war.
Sogar als Zoom im Frühling 2020 zum Shootingstar wurde, hatte der Firmenchef seine Lektion noch nicht gelernt. Berichte über Scherzkekse, die sich ohne viel Technikwissen in Videokonferenzen einwählten, sorgten dafür, dass sich Yuan mehrmals entschuldigen und hurtig dafür sorgen musste, dass diverse Sicherheitslücken geschlossen wurden.
Und trotzdem: Seine Videodienst-App hat die Krise unglaublich gut genutzt. Allein im dritten Quartal des vergangenen Jahres legte Zoom unglaubliche Wachstumszahlen vor. Der Umsatz stieg dank deutlich mehr Bezahlkunden um sage und schreibe 367 Prozent auf 777,2 Millionen US-Dollar.
«Ich hoffe, es können mich alle gut verstehen?» Wie gesagt, Yuan ist einer der Menschen, die unsere Kommunikation in den vergangenen zwölf Pandemie-Monaten stark beeinflusst haben. Zur Beruhigung, liebe Leserinnen und Leser, darf ich Ihnen mitteilen, dass auch der Multimillionär mit denselben technischen Problemen kämpft wie Sie und ich.
Bei der Verkündung der Geschäftszahlen seiner Firma – natürlich über die eigene App – sprach Eric Yuan geschlagene 15 Sekunden lang zur versammelten Weltöffentlichkeit, bis er endlich bemerkte, dass er vergessen hatte, sein Mikrofon anzumachen. Momoll.
Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.Zurück zur Startseite