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Mose sprach: Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten und danach tun. Du sollst nichts dazutun und nichts davontun. 5. Mose 13,1
Das 5. Buch Mose ist voller Satzungen und Rechtstexte, sie regeln alles Mögliche und – je nach Perspektive – Unmögliche. Dazu zählen etwa Regeln für das Laubhüttenfest. Was es für einen frommen Menschen bedeutet, nichts dazuzutun und nichts davonzutun, das erlebt, wer vor dem Fest in einem jüdisch-orthodoxen Viertel unterwegs ist. Es geht dann um den im 3. Buch Mose beschriebenen Feststrauss, der aus Zweigen einer Palme, einer Myrte, einer Bachweide und aus einer Zitronatzitrone gebildet wird. Männer handeln, prüfen und diskutieren die vier Pflanzenteile auf offener Strasse mit Inbrunst und sich nicht ausschliessender Geschäftigkeit und Feierlichkeit. Die Regeln der religiösen Tradition reichen ins Detail. Beim Palmwedel etwa sollten die einzelnen Rispen eng beieinanderliegen, der mittlere Zweig darf nicht gespalten sein. Wer die Tradition studiert, dem erschliessen sich vielfältige Bedeutungen. Jede Pflanze stellt einen Typus jüdischen Glaubens dar, im Bouquet sind sie aneinandergebunden. Das Laubhüttenfest als solches erinnert an den Auszug aus Ägypten, an die Befreiung. Jedes Fest, jede Regel, jedes Gesetz erfordert eine Übersetzung, so die Philosophin Judith Butler: «Ohne Übersetzung kann ich kein Gebot aus einem historischen Anderswo empfangen.» Dabei gehe etwas verloren und werde zerstört, Neues komme hinzu in einem Prozess von Desorientierung, Grenzüberschreitung und Verwandlung. Was «nichts dazutun und nichts davontun» 2017 für uns heisst, steht so nicht in der Bibel.