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Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Violinkonzert D-Dur op. 61 von Beethoven
Als Ludwig van Beethoven sein Violinkonzert in D-Dur schrieb, war dies nicht sein erster Versuch in dieser Gattung: Bereits in jungen Jahren hatte er zwei kurze Romanzen für Geige und Orchester geschrieben und auch ein «ganzes» Violinkonzert skizziert, das er jedoch rasch wieder verworfen hatte. Nun, 1806, bekam er allerdings einen Kompositionsauftrag von Franz Clement, einem Wiener Geiger, der mit Beethoven bereits zusammengearbeitet hatte. Clement, für seine Virtuosität bekannt, wünschte sich ein Konzert, mit dem er brillieren konnte; Beethoven nahm den Auftrag an, wurde jedoch sehr knapp vor der geplanten Uraufführung mit der Komposition fertig. Clement hatte entsprechend wenig Zeit, um sich auf das Konzert vorzubereiten; wenn man gewissen Quellen glauben mag, las er das Stück sogar während der Uraufführung vom Blatt. Wie um zu zeigen, wozu er fähig war, wenn man ihm die Noten rechtzeitig zur Verfügung stellte, soll er danach «eine Sonate auf einer einzigen Saite mit umgekehrter Violin» dargeboten haben – ein Spektakel, das mit Beethovens sehr klassischem Violinkonzert natürlich nicht zu vergleichen ist.
In den ersten Jahrzehnten seiner Existenz wurde das Konzert kaum mehr gespielt, wohl, weil es etwas «undankbar» ist: seine technischen Anforderungen an den Solisten sind enorm, aber im Idealfall merkt der Zuhörer davon nichts. Das Stück leicht klingen zu lassen, ist extrem schwer, bringt aber letztendlich keinen Applaus. Seine Rehabilitation erfuhr das Violinkonzert erst 1844, also lange nach Beethovens Tod, unter der Leitung von keinem Geringeren als Felix Mendelssohn. Den Solopart übernahm der damals gerade einmal zwölfjährige Joseph Joachim, der später zu den herausragendsten Geigern seines Jahrhunderts gehören sollte. Diese Wiederaufführung des Konzerts verhalf ihm zum Durchbruch – seither ist es aus dem Repertoire nicht mehr wegzudenken.
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92
Über Beethovens Sinfonien liest man ab und zu, sie liessen sich nach einem «Reissverschlusssystem» in zwei Kategorien einteilen: Diejenigen mit einer ungeraden Nummer seien die «heroischen», die sich in einem Appell an die gesamte Menschheit richteten, während die geraden problemlos verständlich, ja einfach gestrickt seien. Dass diese Einteilung zu simpel ist, um wahr zu sein, leuchtet spätestens beim Anhören der
siebten Sinfonie ein. Hier wird kein Held gefeiert wie in der Dritten, kein Schicksal überwunden wie in der Fünften und keine Einheit der Menschen besungen wie in der Neunten: Die Siebte birgt keine Botschaft, sie lebt im Moment und sucht nicht die geistige Erhebung, sondern den sinnlichen Rausch. Nicht umsonst nannte Richard Wagner sie die «Apotheose des Tanzes».
Was zu der verzerrten Auffassung der Sinfonie als politisch bedeutsam geführt haben könnte, sind die Umstände ihrer Uraufführung. Diese fand im Dezember 1813 in Wien statt, im Rahmen eines Benefizkonzerts für verwundete Soldaten der Schlacht bei Hanau, welche knapp zwei Monate zuvor als Teil der napoleonischen Befreiungskriege geführt worden war. Im selben Konzert wurde auch Beethovens Tondichtung «Wellingtons Sieg» gespielt, eine musikalische Darstellung des Sieges der Engländer über die Franzosen im baskischen Vitoria im Sommer desselben Jahres. Politik und Krieg, speziell gegen Napoleon, waren an diesem Abend also omnipräsent – etwas davon muss wohl auf die siebte Sinfonie abgefärbt haben.
In drei ihrer vier Sätze sprüht die Sinfonie geradezu vor Energie: dem ersten Satz mit seinen lebhaften punktierten Rhythmen (wohlbemerkt im 6/8-Takt, ein für den Eingangssatz einer Sinfonie nicht gerade übliches Metrum), dem wilden, ungebändigten Scherzo und dem lebhaften Finale. Einen Ruhepol schafft der zweite Satz, das «Allegretto», welches ausgerechnet zum erfolgreichsten der vier Sätze geworden ist. Bereits an der Uraufführung musste es wiederholt werden, seither ist es oftmals ausgekoppelt und separat gespielt worden und erfreut sich in neuerer Zeit auch grosser Beliebtheit als Filmmusik.
Adrienne Walder
Studentin am Musikwissenschaftlichen Institut
der Universität Zürich