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Die Luftverschmutzung in London war so dicht, dass sich die Leute verirrten und die Sichtweite teilweise auf unter einen Meter fiel. Tausende starben beim Great Smog im Dezember 1952. Seither hat sich die Luftqualität in der britischen Hauptstadt enorm verbessert – und doch «raucht» jeder, der in London wohnt oder die Metropole besucht, in vier Tagen fast drei Zigaretten.
Das hat Transport and Environment (T&E) berechnet, ein Dachverband von nichtstaatlichen europäischen Organisationen aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich, die regelmässig Studien zum Thema Verkehr und Umwelt in Auftrag gibt. T&E begutachtete die Luftqualität in den zehn beliebtesten Destinationen für Städtereisen in Europa und trug dafür Daten von jeweils einer Messstation in diesen Städten zusammen.
Das Augenmerk legte die Organisation auf den Schadstoff PM2.5 – Feinstaub-Partikel, die kleiner als 2,5 µm sind. Wer grosse Mengen dieser winzigen Teilchen einatmet, belastet seine Lunge laut einer amerikanischen Studie ähnlich wie beim Rauchen. Eine Zigarette pro Tag entspricht demnach einer PM2.5-Konzentration von 22 μg/m3.
Diesen Wert setzte T&E mit der mittleren PM2.5-Belastung in der ersten Augustwoche 2018 in Bezug und ermittelte so die Anzahl Glimmstängel – gerundet auf Viertelzigaretten –, die jemand, der sich in einer dieser Städte aufhält, pro Tag «raucht». Die Anzahl wurde danach mit vier multipliziert, um die Zigarettenmenge für eine viertägige Städtereise zu ermitteln.
Am schlimmsten steht es gemäss diesen Ergebnissen um die Luftqualität in Prag und Istanbul. In beiden Städten entspricht die PM2.5-Belastung einer gerauchten Zigarette pro Tag, also vier Zigaretten bei einem viertägigen Besuch. Darauf folgt Mailand mit drei Zigaretten in vier Tagen und London mit 2,75 Glimmstängeln.
Im Mittelfeld liegen Amsterdam, Paris, Rom, und Wien mit jeweils zwei Zigaretten in vier Tagen. Nur eine einzige Zigarette im selben Zeitraum konsumiert man in Barcelona und Dublin.
Jens Müller, Koordinator für Luftqualität und Diesel bei T&E, fordert die Städte dazu auf, Massnahmen gegen die Luftverschmutzung zu ergreifen. «Wenn die Luft zu stark verschmutzt ist, wird uns empfohlen, nicht draussen zu essen oder Sport zu treiben. Doch in den Städten spazieren und in Gartenrestaurants essen macht einen Städtetrip aus. Jetzt werden Touristen, Kinder inbegriffen, mehr oder weniger zum Rauchen gezwungen – was die Auswirkungen auf die Gesundheit anbelangt.»
Wenn es nach Müller geht, soll den Autoherstellern eine Frist gestellt werden, innerhalb derer sie den Schadstoffausstoss ihrer Fahrzeuge vermindern. Auch könnten Dreckschleudern in der Fahrzeugflotte aus den Stadtzentren verbannt werden.
Auf der Liste der Top Ten der beliebtesten europäischen Städte für City-Trips steht keine Schweizer Stadt. Doch einige Messstationen erheben auch hier die Belastung mit PM2.5 (Jahresmittel 2017), so dass man sie in Zigarettenkonsum umrechnen kann. Das Ergebnis ist bei allen Städten trotz geringer Unterschiede der gemessenen Belastung gleich:
* Mittelwert von drei Messstationen
** Mittelwert von zwei Messstationen
Aktuelle Tageswerte gibt es hier (Kantone AG, BE, BL, BS, JU, SO) und hier (Kantone AI, AR, GL, GR, SG, SH, TG, ZH; Fstm. LI).
Im Vergleich zu Barcelona und Dublin schneiden die aufgeführten Schweizer Städte mithin etwas schlechter ab. Da ist es immerhin ein kleiner Trost, dass eine Erhebung des britischen Vergleichsportals The Eco Experts Zürich zur am wenigsten umweltverschmutzten Stadt der Welt erklärt hat. Berücksichtigt wurden dabei Luft-, Licht- und Lärmverschmutzung. Auf einer Skala von 1 bis 100 erhielt die grösste Schweizer Stadt den Wert von 7,5966 – während die am stärksten umweltverschmutzte Stadt der Welt auf bedenkliche 95,8361 Punkte kommt: