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Wilhelm von Heydebrand (1888-1970)
Aus München kommend, wo er der Theosophischen Gesellschaft angehörte, zog der Jungverheiratete Wilhelm von Heydebrand 1914 nach Dornach. Er folgte dem Ruf Rudolf Steiners zur Mithilfe am Bau des Johannesbaus, später Goetheanum genannt. In Dornach sollte er später seine kunsthandwerkliche Tätigkeit als Holzschnitzer und Schmuckgestalter entfalten. Darüber berichtet seine Enkelin Sibylle von Heydebrand:
„Wilhelm von Heydebrand lebte und arbeitete in einer bescheidenen Werkstatt am Brosiweg in Dornach. Der Ausfertigung eines Schmuckstückes ging jeweils eine intensive Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit des künftigen Trägers voraus.
Der Formenreichtum war folglich unerschöpflich wie die Vielfalt der menschlichen Charaktere, welche seine Werkstatt betraten. Ziel seiner Schmuckkunst war es, ein individuelles Schmuckstück herzustellen, bei welchem Technik, Material, Formung
und Bearbeitung der seelischen Wesensart des betreffenden Menschen entsprachen.“
(Kleinodienkunst, Gesammelte Texte zur Ausstellung März-April 1996, S. 43-46)
Der Schweizer
Hans Itel (1898-1988)
gehörte zur ersten Generation der Künstler-Handwerker um Rudolf Steiner (1861-1925). Er stiess zu Steiner in einer Aufbruchszeit der anthroposophischen Bewegung. Das erste Goetheanum auf dem Dornacher Hügel war in der Silvesternacht 1922/23 abgebrannt, nun sollte es mächtiger (aus Beton, also unbrennbar) neu erstehen. Neben Künstler-Handwerkern für Betonschalung waren auch Holzschnitzer für die Innenraumgestaltung gefragt. Hans Itel sollte es in dieser Disziplin zur Meisterschaft bringen. Als sein Hauptwerk gilt sein Dornacher Wohnhaus, die Villa „Dornröschen“ (1922, zusammen mit Ernst Aisenprais). Sie wurde 1999 abgebrochen, die Inneneinrichtung aus der Hand des Künstlers wurde zerstreut. Erhalten ist andererseits eine Orgel mit von Itel geschnitzter Holzarchitektur, welche seit 1945 in der Katholischen Kirche von Murten (Schweiz) Dienst tut.
Hans Itels Holzskulptur steht als ein herausragendes Beispiel für die anthroposophische Ästhetik, wonach die Formen eine seelische Resonanz im Betrachter hervorrufen sollen. Es sei die „doppelt gebogene Fläche“ (Rudolf Steiner), welche die Form beseelt. Konkret: eine konvexe Form liegt, betrachtet man sie entlang ihrer
Itel-Orgel, heute in der Katholischen Kirche von Murten
Längsachse, in einer konkaven Form — oder umgekehrt. Der Künstler bringt beides zu einem musikalischen Zusammenspiel.
Lit.: Reinhold J. Fäth: Dornach Design - Möbelkunst 1910 bis 2010. Futurum 2011. S. 112-119, 264
Rudolf Steiner - Die Alchemie des Alltags. Mateo Kries/Alexander von Vegesack (Hg). Vitra Design Museum 2010. S. 142-143, 313
Kerzenständer 1940, 92 x 48 x 34 cm, Kirschholz massiv, Tülle aus getriebenem Kupferblech.
Die Keilschnitzerei am Boden ist folgendermassen (teilweise) aufzulösen: „Für Rudolf Steiner 1940 VII“ - Zueignung und Datum. In einem Kreuz mit Dreibeinfuss ist der Namenszug des Künstlers dargestellt in folgender Weise: Die Buchstaben „I“ und „L“ stehen links und rechts, das Kreuz selbst bildet oben ein „T“ und unten ein (gekipptes) „E“.
VERKAUFT SOLD
Beat Frank
Stuhl La tourette
Der Stuhl La Tourette hat eine illustre Geschichte, welche kreist um das von Le Corbusier in der 60ern erbaute Kloster Sainte-Marie de la Tourette. Diese Architekturikone der Moderne benötigte in den 90ern für sein Refektorium eine neue Möblierung.
Eingeladen durch das französische Kulturministerium machte sich der Schweizer Designer Beat Frank an die Arbeit, entwarf, produzierte und lieferte eine Nullserie von 20 Stück, die mit zusätzlichen Tischen probeweise aufgestellt wurden. Allerdings hat man sich dann anders entschieden ...
Unsere Stühle leisteten 20 Jahre lang ihren Dienst in einem Nürnberger Architektenhaushalt.
Tisch La tourette
«Ein Tisch ist nicht einfach ein Tisch, sondern eine Fläche, die auf einer zu bestimmenden Höhe von Elementen getragen wird, die sich stabilisierend mit dieser Fläche verbinden. Die grosse Schwierigkeit besteht darin, die Einwirkung aller Kräfte so in Form zu bringen, dass dieser Tisch als Objekt klingt. Materialien werden ausprobiert, Versuchsanordnungen werden gebaut. Es gibt mit Sicherheit unendlich viele Lösungen, aber es gibt auch immer die Lösung. Das Geheimnis sind die Verbindungen.» Beat Frank
Maja von Rotz-Kammer
Keramiker sind stille Schaffer, Keramikerinnen ebenfalls. In ihrer Schaffenszeit mag es einige Jahre geben, wo ihre Arbeiten das Publikum ergreifen, wo ihr Name aufblitzt (manchmal auch nur für die Dauer einer Ausstellung).
Zeitmessung Sonne in Männedorf am Zürichsee
Doch bald schon ziehen sie sich ins stille Schaffen zurück. Es waren die 60er-Jahre, als man in Männedorf am Zürichsee und weit darüber hinaus ihren Namen kannte. Im Jahr 1966 realisierte sie für das Schulhaus Heslibach die Wandkeramik „Zeitmessung Sonne“, 7 Meter lang, 3 Meter hoch. Diese Arbeit hatte das seltene Glück, dass sie beim Umbau des Schulhauses nicht zerstört, sondern demontiert und 2010 an einem eigens geschaffenen Ort am Seeufer neu aufgerichtet wurde.
Antonio Vitali (1909 - 2008) war Bildhauer und Spielzeugdesigner. Er verstand es, seinen Holzobjekten durch Vereinfachung der Formen Leben einzuhauchen. Sein künstlerischer Nachlass befindet sich in der Designsammlung des Museums für Gestaltung in Zürich.
"Elfriede Eckinger-Thurner macht
die Gobelintechnik zum Träger ihrer
abstrakt bildhaften Vorstellungen, wobei sie einmal die Struktur des Materials (ungesponnene Schafwolle) und dann vor allem die zarte Tönung der Farben in den Vordergrund stellt. Sie liebt es, vorhandene Farben zu mischen, durch Zusammenweben oder, mit besondererVirtuosität, Umwickeln eines Grundfadens mitflorartig verzupftem, andersfarbenem Faden. Damit gelingen ihr subtile Kompositionen, deren Grundgefühl eine heitere, kühle Distanz zu den Erscheinungen des Tages ist." WERK Nr. 11, 1964 zu einer Ausstellung im Zürcher Helmhaus
Elfriede Eckinger (1908-1985)
Webarbeit "Erdgeist", eine Figur aus Goethes FAUST
“In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall ich auf und ab,
Wehe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselndes Wehen,
Ein glühend Leben,
So schaff ich am laufenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid."
VERKAUFT SOLD
Gustav Spörris Vogelvase 1942
Gustav Spörri war der Sohn eines aus der Schweiz in den Schwarzwald eingewanderten Töpfers. In dem Töpferort Zell am Harmersbach wurde er 1902 geboren und, wie es scheint, vom Keramikvirus infiziert. Nach einer Lehre als Porzellan- und Keramikmaler ging er nach Karlsruhe zu Max Laeuger, weiter an die Kunstakademie Wien und die Kunstgewerbeschule Dresden. Dort betrieb bis 1945 (dem Jahr der Bombardierung) Villeroy & Boch eine Faiencerie. Spörri wurde für die Dauer von einigen Jahren deren künstlerischer Leiter. Im Jahre 1948 kehrte er mit seiner Frau Liselotte in die Schweiz zurück, um sich dann bald in Schaffhausen niederzulassen.
Nach Spörris Tod im Jahre 1976 wurde sein Nachlass verstreut. Es ist anzunehmen, dass dieses frühe Stück von treuen Freunden geborgen wurde,
bis es ist jetzt in einem Schaffhauser Brockenhaus wieder aufgetaucht ist. Im Jahr 2021 hat das Schaffhauser Museum zu Allerheiligen die Vase in seine Sammlung aufgenommen.
Ausgeprägtes Krakelee, Höhe 29,5 cm. Am Boden einige Unterglasurbezeichnungen: "Sp" Spörris Handzeichen , "VB DRESDEN" für Villeroy & Boch, "2.3.42" Produktionsdatum, und weitere.
Das Keramikmuseum Villeroy & Boch gab auf Anfrage folgende Auskunft:
Sehr geehrter Herr ....
Über die Fertigung unserer Dresdner Faiencerie (1856-1945) haben wir nur sehr wenige Unterlagen. Über eine Zusammenarbeit mit Spoerri fehlt jegliche Dokumentation.
Diese Vase stammt eindeutig aus der Dresdner Fertigung. Es könnte sich durchaus um eine Arbeit von Spoerri handeln, der Ende der 1930er bis Mitte der 1940er Jahre in Dresden tätig war.
Ich hoffe, Ihnen mit dieser Information weitergeholfen zu haben und verbleibe
mit freundlichem Gruß
Ester Schneider | Keramikmuseum
Managing Director Archives and Museum of Ceramics
Zur Historie von VB in Dresden siehe ausführlich:
http://www.geschichte-der-fliese.de/vbd_geschichte.html
VERKAUFT SOLD