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Als Berner Oberländerin in Zürich zu leben, hat an gewissen Tagen ganz besondere Vorzüge. Zum Beispiel, wenn Sechseläuten oder Knabenschiessen stattfinden. Während die Menschen meiner berufsbedingten Wahlheimat an diesen Tagen irgendetwas feiern und entsprechend glücklich sind, habe ich frei – und bin entsprechend auch glücklich.
So richtig mit diesen Veranstaltungen auseinandergesetzt habe ich mich nie. Das eine hat mit einem brennenden Schneemann, vollgedopten Pferden, haufenweise Männern in Tracht und einer Wette um den Winteranfang zu tun. Das andere ist ein Schiessanlass, der noch nicht genderisiert und im vergangenen Jahr von einem Mädchen gewonnen wurde.
In der Schweiz gibt es von Albanifest bis Zibelemärit ja alles. Doch erklären Sie solche Kuriositäten mal jemandem ausserhalb Ihres Heimatkantons! In Thun etwa feiern wir den «Fulehung». Der Name geht auf den Hoffnarren Karls des Kühnen zurück, der im Zuge der Schlacht bei Murten ein trauriges Ende in Thun fand. Jeweils im Herbst zwängt sich irgendein Auserwählter in ein «Fulehung»-Kostüm und lässt den Narren auferstehen.
Er rennt dann mit einer Art Schlagstock und einer Handvoll Schweineblasen in der Dunkelheit durch die Strassen und schlägt Thunerinnen und Thuner – die Braven mit den Blasen, die Bösen mit dem Stock. Und wir wollen das! Kein Witz: Wir stehen in einer Herrgottsfrühe auf, um uns von einem kostümierten Mann schlagen zu lassen. Wie gesagt: Erklären Sie solche Kuriositäten mal jemandem ausserhalb Ihres Heimatkantons ...