Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03347.jsonl.gz/2522

Jorge Arzuaga, ein Argentinier, betreute bei der Julius Bär zwei der zentralen Fifa-Verdächtigten im riesigen Korruptionsfall um den Weltfussballverband.
Nun wird bekannt, dass Arzuaga seit Herbst in einem Gefängnis in Amerika steckt.
[simple-google-ads-ad-tag id=“ip_content_banner“]
Für die Julius Bär ist das ein Gau. Die Privatbank muss befürchten, dass ihr Ex-Kadermann, dessen Kunden zu den „heissesten“ Fifa-Kalibern zählten, über die Praxis der Bank auspackt.
Die Folgen könnten für die Privatbank weit über die Fifa-Affäre hinausgehen. Die ständigen Verzögerungen für einen Deal im US-Steuerstreit könnten mit Arzuaga und Fifa zusammenhängen.
Bär hatte in zwei Schritten die US-Steuerbusse auf 550 Millionen Dollar erhöht und x-fach einen baldigen definitiven Abschluss versprochen. Ein solcher liegt weiterhin nicht vor.
Ein Bär-Sprecher wollte gestern keinen Kommentar zu Arzuaga abgeben.
Bär hatte sich von Arzuaga einige Wochen nach der ersten Verhaftungsaktion im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac getrennt.
Intern hiess es lediglich, Arzuaga sei nicht mehr bei Bär.
Wie Arzuaga in US-Haft geraten ist, ist unklar. Der Bär-Banker könnte in seiner Heimat Argentinien heimlich verhaftet und an die USA ausgeliefert worden sein.
Bei der Julius Bär betreute Arzuaga den langjährigen Präsidenten des argentinischen Fussballverbands Julio Grondona. Dieser verstarb im Sommer 2014 im Alter von 82 Jahren an Herzversagen.
[simple-google-ads-ad-tag id=“ip_content_middle“]
Grondona galt innerhalb der Fifa als Nummer 2. Der langjährige Schweizer Präsident Sepp Blatter bezeichnete Grondona nach dessen Ableben als „lebenslangen Freund“.
Grondona war zu Lebzeiten Herr der Fifa-Finanzen. Er leitete das Finanz-Komitee des Fifa-Exekutivrats, des mächtigen Inner Circles des milliardenschweren Verbands.
Anfang Juni letzten Jahres, wenige Tage nach der Baur-au-Lac-Verhaftungswelle, sagte die Fifa, dass Grondona eine umstrittene 10-Millionen-Dollar-Zahlung der Fifa nach Übersee ausgelöst habe.
Das Geld floss von einem Schweizer Bankkonto an die Fifa-Konföderation Amerika und Karibik. Begünstigter soll laut US-Justiz Jack Warner gewesen sein, ein prominenter Fifa-Angeklagter.
Der Argentinier Grondona war 26 Jahre lang im Spitzengremium der Fifa. Als langjähriger Finanzchef sass er an der Spritze.
Grondonas Banker Arzuaga hatte in Argentinien Mitte 2005 eine eigene Vermögensverwaltung gegründet.
Diese arbeitete offenbar eng mit der Clariden Leu zusammen, eine Privatbankentochter der grossen Credit Suisse.
Die Clariden Leu soll mit Arzuagas Vermögensverwaltung jedenfalls verknüpft gewesen sein, sagt eine Quelle aus Bär-Kreisen.
Sicher ist, dass Vermögensverwalter Arzuaga später zur Clariden Leu wechselte, zusammen mit seinen bekannten Kunden, darunter dem Fifa-Schwergewicht Grondona.
2012 wurde die Clariden Leu – wie aus heutiger Sicht vermutet vor allem aus Compliance-Gründen – ins Mutterhaus Credit Suisse integriert. Auch die CS ist in die Fifa-Affäre involviert.
Arzuaga wechselte zu Konkurrentin Julius Bär und erhielt dort im Frühling 2013 die Unterschrift, wie das Handelsregister zeigt. Dort trägt er den Namen Arzuage statt Arzuaga.
Arzuaga, heute 54, hatte neben Grondona einen zweiten Fifa-Kunden, der inzwischen stark exponiert ist.
Auch dieser ist Argentinier, und auch er könnte für die Bär-Bank zu einer schweren Hypothek werden, wie die Sonntags-NZZ Anfang Dezember berichtete.
Es handelt sich um den Chef einer Sportvermarkterin namens Torneos y Competencias, Alejandro Burzaco.
Burzaco stand auf der ersten Verhaftungsliste der Amerikaner, als sie über die Zürcher Polizei und mit Schützenhilfe der Berner Bundesanwaltschaft Ende Mai im Baur au Lac erstmals zuschlugen.
Burzaco kam vorerst als Einziger davon. Er war früh aufgestanden und bereits im Frühstücksraum des Hotels, als die Polizisten die Fifa-Verdächtigten in ihren Zimmern überraschten.
Burzaco flüchtete nach Italien. Kurz darauf willigte er ein, an die USA überstellt zu werden. Er dürfte eng mit Amerikas Ermittler kooperieren.
Bärs Argentinien-Banker Arzuaga hatte somit zwei wichtige Fifa-Figuren als langjährige Kunden: den Fifa-Finanzchef und mächtigen Argentinien-Landeschef Grondona sowie Marketing-Mann Burzaco.
Die Top-Bär-Kunden sollen sich gekannt haben und rund um korrupte Fifa-Geschäfte zusammengearbeitet haben, wie der Tages-Anzeiger berichtete.
Im Oktober wehrte sich die Julius Bär gegen Vorwürfe, sie sei tief in den Fifa-Fall involviert.
In einem ungewohnten Communiqué, das sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch verfasst war, schrieb die Privatbank von „falschen Behauptungen“ des Inside-Journalisten für die Handelszeitung.
Julius Bär kündigte Klagen an. Die Bär-Vorwürfe machten darauf ungefiltert die Runde in einem Finanzblog. Die Handelszeitung korrigierte.
Die Bär-Bank klagte nie. Inside Paradeplatz löschte Ende Jahr zwei Artikel:
Jenen, wonach Sepp Blatter von einem Bär-Konto aus 2 Millionen an Uefa-Chef Michel Platini überwiesen habe, und eine private Trennungsgeschichte von Bär-Chef Boris Collardi.
Wie tief die Julius Bär im Fifa-Strudel steckt, zeigen italienische Ermittlungen rund um die Sportvermarkterin Infront. Dort steht ein Neffe von Sepp Blatter an der Spitze.
Im Herbst wurde ein Tessiner Steueranwalt in Italien verhaftet. Er könnte zu einem Kronzeugen der Anklage werden.
Die Vorwürfe richten sich gegen mehrere reiche und mächtige Präsidenten italienischer Fussballclubs. Diese hatten über einen Zürcher Vermögensverwalter viel Geld bei der Julius Bär.
Wie lange die Bär-Führung ihre Version aufrechthalten kann, wonach sie keine Fifa-Bank sei, sondern eines von vielen Finanzinstituten mit ein paar Links zur Geschichte, muss sich weisen.
Laut einer Zürcher Quelle soll der Chef des Lateinamerika-Geschäfts der Bär, Gustavo Raitzin, derzeit nicht mehr reisen.