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Geschichte der Kirchenmusik im Kanton Luzern
Erste Hälfte des 19. Jahrhunderts
Zuerst entstanden gemischte Chöre, die auch lateinische Messen sangen. Sehr beliebt war auf der Landschaft das Instrumentalspiel im Gottesdienst. Dabei kamen vor allem Hörner, Klarinetten, Trompeten, Violinen und Bassgeigen zur Verwendung.
Kirchensinger
Organisten instruierten schulpflichtige Knaben für das Singen im Gottesdienst. Für die Gottesdienste an hohen Feiertagen hatte der Organist gemäss Pfrundbrief geeignete Sänger und (oder) Sängerinnen anzuwerben.
Kirchenmusikgesellschaften
Aus der Verbindung von Kirchensängern und Bläsergruppen entstanden die "Kirchenmusikgesellschaften": 1811 in Sempach, 1828 in Malters, 1845 in Weggis, 1850 in Römerswil, 1856 in Escholzmatt und Marbach, 1860 in Romoos. Mit der Zeit vergrösserte sich die Zahl der Sänger wie der Bläser. Das führte schliesslich wieder zur Trennung beziehungsweise Auflösung der "Kirchenmusikgesellschaften" und zur Gründung eigenständiger gemischter Chöre und zur Bildung von Bläserformationen, die sich von da an "Kirchenmusik" nannten. Noch heute heissen prominente Blasmusikkorps im Entlebuch "Kirchenmusik".
Die ersten Chöre
Die ersten Chöre entwickelten sich aus den Kirchensinger, deren Mitgliederzahl zur Grösse eines Chores angewachsen war. Wann dies in den einzelnen Pfarreien geschah, ist nicht immer leicht auszumachen. Weil kein Aktuar vorhanden war, existieren auch keine Protokolle. Mehr Auskunft vermitteln die Akten der Kirchgemeinden, die Sitzungsprotokolle der Kirchenräte und die Jahresrechnungen. In den letztgenannten finden sich auf der Aufwandseite regelmässig die Positionen "für die Choralen" und "für die Singer". Nach und nach verschwand der Eintrag "Singer" und wurde durch "Chor" ersetzt. Das deutet darauf hin, dass sich ein Chor gebildet hat, der aber immer noch kein Verein, jedoch eine Vorstufe der späteren "Cäcilienvereine" war.
Die ersten Schritte im Kanton Luzern
Im Gegensatz zur Ostschweiz bläst den kirchlichmusikalischen Reformbestrebungen in der Zentralschweiz ein harscher Wind entgegen. Glücklicherweise sind auch in der Zentralschweiz mutige Männer zur Stelle, Priester und Kirchenmusiker, welche die Aufgabe der kirchenmusikalischen Erneuerung entschlossen anpacken und schliesslich den Durchbruch schaffen:
- Anton Portmann (geb. 26. Nov. 1847, gest. 10. Mai 1905), in Ruswil geboren, Priester, Professor für Apologetik und Dogmatik und Subregens am Priesterseminar Luzern
- Gustav Arnold (geb. 1. Nov. 1831, gest. 28. Sept. 1900) in Altdorf UR geboren, Musiker, Organist und Chorleiter in Lancaster und Manchester, städtischer Musikdirektor, Schulinspektor und Politiker in Luzern
- Jakob Stammler (geb. 2. Juni 1840, gest. 17. April 1925) in Bremgarten geboren, Priester, Pfarrer in Bünzen, Oberrüti und Bern, Bischof von Basel
- Jakob Wüst (1847 - 1931) Priester, Organist und Chorleiter in Cham, Villmergen, Wohlen, Sursee und Luzern. Stiftskaplan Jakob Wüst ist ein Kirchenmusiker von seltenem Format, beschlagen in allen Sparten
Ereignisse des Cäcilien-Verbandes
- 1872 Kleriker-Konferenz vom 19. August in Luzern. "Die Missstände der Kirchenmusik und die Mittel zu Abhilfe".
- 1873 Ausweisung des Bischofs Eugenius Lachat aus Solothurn. Er nimmt vorübergehend Wohnsitz in Altishofen und Kriens.
- 1874 Gründung der ersten zwei Cäcilienvereine im Kanton Luzern: Altishofen und Hitzkirch.
- 1875 Sängertreffen des Kreisverbandes Sins vom 28. Oktober in Hohenrain.
- 1878 Gründung von zwei neuen Cäcilienvereinen: Schüpfheim und Pfaffnau.
- 1879 Organisten- und Direktorenkurs im Lehrerseminar Hitzkirch vom 22. bis 27. September.
Die Gründung des Organisten- und Direktorenvereins
Im September 1879 wurde der kantonale Organisten- und Direktorenverein ins Leben gerufen. Das dreiköpfiges Comitee (Vorstand) mit Prof. Anton Portmann, Luzern (Präsident), Sekundarlehrer Eduard Zwimpfer, Grosswangen (Aktuar) und Musikdirektor Hans Kaufmann, Luzern (Vizepräsident). Im Statuten-Entwurf verpflichtete sich jedes Mitglied
- die liturgischen Vorschriften über Kirchenmusik möglichst zu beachten
- den Kirchenchor gut zu organisieren, u.a. mit wöchentlichen Proben
- die vom Bischof verordneten "Chorales" (greg. Choralausgaben) und die vom Comitee empfohlenen Chorwerke zu verwenden
Gründung von Cäcilienvereinen
Die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts führten in vielen Pfarreien zur Gründung von Cäcilienvereinen, Einführungen der Kirchengesangsfeste, Umwandlung des Organisten- und Direktorenvereins in den "Cäcilienverein des Kantons Luzern" durch die Chöre als Mitglieder, Eröffnung der Organistenschule Luzern als erste innerschweizerische Ausbildungsstätte.
Erstes Kirchengesangfest
3. Oktober 1880 in Schüpfheim. Um 14.00 Uhr verkündeten Böllerschüsse den Beginn der Einzelvorträge. Die Presseberichterstatter waren des Lobes über die gesanglichen Leistungen voll und sprachen von einer Initialzündung für den ganzen Kanton. In den folgenden Jahren folgten in verschiedene Austragungsorten Kirchengesangsfeste mit glänzenden Leistungen.
Johann Bapist Hilber, der Mann zur rechten Zeit
Der Name Hilber hatte bei den älteren Kirchensängern und Dirigenten einen fast magischen Klang. Niemand, der mit J.B. Hilber zu tun hatte, konnte sich seiner charismatischen Ausstrahlung entziehen. War es der geistvolle Referent an Hunderten von Kursen und Tagungen? War es der packende Interpret am Notenpult? War es der begnadete Komponist, der Vollblutmusiker? War es nicht zuletzt der tiefgläubige und herzliche Mensch Hilber? Er war eine einmalige, grosse Persönlichkeit, die man wohl nicht mehr vergessen kann.
Erster kantonaler Dirigentenkurs
Der Kantonale Dirigentenkurs vom 23. und 24. April 1935 wurde zur eigentlichen Initialzündung für neues kirchenmusikalisches Leben in den Pfarreien. Siebzig Chorleiter folgten Hilbers Anweisungen mit sichtlicher Begeisterung. Nun galt es, nach den Dirigenten auch die Kirchenchöre selber mit werthaltiger alter und neuer Chorliteratur vertraut zu machen.
Blütezeit der Chöre
Selbstverständlich war J.B. Hilber nicht der einzige, der dem liturgischen Chorgesang neues Leben einhauchte, aber er war der Mann, der die Neuzeit katholischer Kirchenmusik einläutete und den Kirchenchören kräftigen Auftrieb gab. Es begann die Blütezeit der Kirchenchöre im Luzernerland. Nie strömten die Sänger so in Scharen zu den Kirchengesangsfesten wie in den dreissiger und vierziger Jahren.
Die Zeit festlicher Jubiläen
In den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts durften viele Chöre ihr hundertjähriges Bestehen feiern. Das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts war die Gründungszeit der Cäcilienvereine, der heutigen Kirchenchöre. Nicht nur die Chöre hatten Grund zum Feiern, nein, auch Kirchenmusik-Verbände durften auf ein ehrwürdiges Alter zurückblicken.
- Der Cäcilienverband des Kantons Luzern wurde nämlich 1883 aus der Taufe gehoben. Vor lauter Aktivitäten vergass man fast dieses Jubiläum. So wurde es am 24. Juni 1984 mit einen Festgottesdienst durch Diözesebischof Dr. Otto Wüst nachgeholt.
- 17. November 1984, an der ausserordentliche Generalversammlung gab sich der Kantonalverband neue Statuten. Der neue Name lautete nun: "Katholischer Kirchenmusik-Verband des Kantons Luzern" (KKVL).
- Am 21. und 22. Juni 1986 feierte auch der Diözesan-Cäcilien-Verband des Bistums Basel seinen 100. Geburtstag. Er tat dies im Rahmen einer Jubiläumsgeneralversammlung im Hotel Union in Luzern.
- Am 2. Januar 1991 jährte sich der hundertste Geburtstag von Dr. Johann Bapist Hilber.
Weitere Informationen sind dem Buch "Kirchenchöre und Orgeln" von Otto Lustenberger, Brunner Verlag, zu entnehmen.