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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

25. Vortrag.
2.
Warum stieg er aber hinauf, da er wußte, daß sie ihn nehmen und zum Könige machen wollten? Denn wie? War der nicht König, der König zu werden fürchtete? Er war es ganz gewiß, und zwar kein solcher, der von Menschen dazu gemacht werden sollte, sondern ein solcher, der den Menschen ein Königreich geben sollte. Gibt uns vielleicht Jesus auch hier etwas zu verstehen, dessen Taten Worte sind? Also darin, daß sie ihn nehmen und zum Könige machen wollten, so daß er deshalb auf den Berg floh, er allein, diese an ihm vorgenommene Handlung sollte schweigen, nichts reden, nichts bedeuten? Oder war vielleicht ihn nehmen soviel als der Zeit seines Reiches zuvorkommen wollen? War er ja jetzt gekommen, nicht um schon zu herrschen, wie er herrschen wird, sofern wir sagen: "Zukomme Dein Reich"1 . Er herrscht zwar immer mit dem Vater, sofern er der Sohn Gottes ist, das Wort Gottes, das Wort, durch welches alles geworden ist. Die Propheten aber haben sein Reich vorausgesagt, auch sofern Christus Mensch geworden ist und seine Gläubigen zu Christen gemacht hat. Es wird also ein Reich aus Christen sein, das jetzt gesammelt, jetzt erworben, jetzt erkauft wird mit dem Blute Christi; es wird sein Reich einmal offen hervortreten, wenn die Klarheit seiner Heiligen erscheinen wird nach dem von ihm gehaltenen Gerichte, das, wie er oben selbst erklärt hat, der Sohn des Menschen halten wird2 . Von diesem Gerichte hat auch der Apostel gesagt: "Wenn er das Reich Gott und dem Vater übergeben haben wird"3 . Daher sagt er auch selbst: "Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters, nehmet in Besitz das Reich, das euch von Anbeginn der Welt bereitet worden ist"4 . Die Jünger aber und die Scharen, die an ihn glaubten, meinten, er sei so gekommen, daß er bereits herrsche; das heißt ihn nehmen und zum Könige machen: seiner Zeit zuvorkommen wollen, die er bei sich verborgen hielt, um sie im rechten Augenblick bekannt zu machen und im rechten Augenblick am Ende der Welt zu offenbaren.
1: Mt 6,10
2: Joh 5,22
3: 1 Kor 15,24
4: Mt 25,34