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Unter dem Begriff „Bibelfälschung“ verstehen viele alles das, was sich von der Bibel die sie selbst benutzen, unterscheidet. Doch diese Vorstellung weicht weit von der Realität ab.
Wie in der Einleitung dieses Blogs bereits erklärt wird, gibt es beim Übersetzen von Sprachen einen gewissen sprachlichen Spielraum. Durch diesen Spielraum kann der Sinn eines Textes verändert werden, doch dies muss nicht zwangsläufig der Fall sein.
Wenn nun dieser sprachliche Spielraum ausgenutzt wird, um den Text an eine bevorzugte Lehre anzupassen, spricht man von einer tendenziösen Übersetzung. (Beispiele unter: Dreieinigkeit – Jesus ist Gott? / Schriftstellen / Scheinbar dafür durch tendenziöse Übersetzung)
Dies wird deshalb nicht als Bibelfälschung bezeichnet, weil solch eine Übersetzungsweise aus sprachlicher Sicht gerechtfertigt werden kann, obwohl sie den urspünglichen Sinn des Textes verfälscht und dadurch nachweislich dem Kontext der ganzen Schrift widerspricht.
Was ebenfalls nicht als Bibelfälschung bezeichnet werden kann ist eine Übersetzungsweise, die zwar nicht dem genauen Wortlaut folgt, den Sinn aber gemäss dem Bibelkontext korrekt wiedergibt oder diesen dadurch sogar besser hervorhebt.
Bei jenen Bibelübersetzungen, die besonders für diese Übersetzungsweise bekannt sind (z.B. GNB, NLB und Hfa), finden sich zwar einzelne Stellen wie das folgende Beispiel, die man rein theoretisch als Bibelfälschung bezeichnen könnte, da sie weder aus sprachlicher Sicht noch durch den Kontext gerechtfertigt werden können.
Da solche Stellen jedoch höchstwahrscheinlich nicht aus Absicht ins Dasein kamen, sondern aus Unwissenheit hervorgebracht wurden, sind sie doch eher als Interpetationsfehler zu bezeichnen.
GNB, Prediger 9:10
Wenn sich dir die Gelegenheit bietet, etwas zu tun, dann tu es mit vollem Einsatz. Denn du bist unterwegs zu dem Ort, von dem kein Mensch wiederkehrt. Wenn du tot bist, ist es zu Ende mit allem Tun und Planen, mit aller Einsicht und Weisheit.
SB, Prediger 9:10
Alles, was deine Hand zu tun vorfindet, das tue mit deiner ganzen Kraft; denn im Totenreich, in das du gehst, gibt es kein Wirken mehr und kein Planen, keine Wissenschaft und keine Weisheit!
Gibt es wirklich keine Wiederkehr aus dem Scheol, dem Totenreich, so wie es in der „Guten Nachricht“ geschrieben steht? Dies wäre allerdings alles andere als eine gute Nachricht.
GNB, Offenbarung 20:13
Auch das Meer gab seine Toten heraus, und der Tod und die Totenwelt gaben ihre Toten heraus. Alle empfingen das Urteil, das ihren Taten entsprach.
Durch Kenntnis des Kontextes lässt sich jeder Fehler erkennen, ob er nun aus Absicht oder Unwissenheit entstanden ist.
Eindeutige Bibelfälschungen:
Abgesehen vom Entfernen des Gottesnamens, was in den meisten Übersetzungen nahezu 7000 mal getan wurde, habe ich in den von mir verglichenen Bibeln nur eine weitere, eindeutige Bibelfälschung gefunden:
SB, 1.Johannes 5:7,8
Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins; 8und drei sind es, die Zeugnis ablegen auf der Erde: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei stimmen überein
Hier wurde eine Randbemerkung eines Theologen aus dem 4. Jh. n. Chr. in den Bibeltext übernommen, das sogenannte „Comma Johanneum“, ein Zusatz, der in der Bibel nichts zu suchen hat, eine klare Bibelfälschung. In Wirklichkeit lautet der Text wie folgt:
LB, 1.Johannes 5:7,8
Denn drei sind, die das bezeugen: 8der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei stimmen überein.
Vermeintliche Bibelfälschungen:
Zu Unrecht als Bibelfälschungen bezeichnet, werden dagegen jene Schriftstellen, die zwar vom exakten Wortlaut des noch erhalten gebliebenen Grundtextes abweichen, dadurch jedoch dem Kontext der ganzen Schrift nicht widersprechen oder denselben sogar noch deutlicher hervorheben, eben gerade durch ihre sprachliche Abweichung.
Fehlgeleitete Vorwürfe wie diese richten sich in den allermeisten Fällen gegen die NWÜ, was natürlich in mir das Interesse erweckte, dies genau zu prüfen. Einseitige Angelegenheiten wie diese erinnern an den Widerstand, den man auch Jesus und seinen Jüngern von allen Seiten her entgegengebrachte.
Wie meine Forschungsarbeiten es aber eindeutig ans Tageslicht bringen, sind die Urheber dieser Anschuldigungen in jedem einzelnen Fall im Unrecht. Ihre Argumente erweisen sich durchs Band weg als falsch, weil sie die Tatsachen entweder mit Absicht falsch darstellen oder aus lauter Voreingenommenheit oder Liebe zur Tradition blind geworden sind in Bezug auf die Wahrheit. (Beispiele unter: Schriftstellen)
Im Grossen und Ganzen kam ich zu demselben Schluss wie der Autor des Buches „Truth in Translation“, Jason David BeDuhn, unter anderem Professor für religiöse Studien an der Northern Arizona University, herausgegeben von der University Press of America, dessen Schlusswort ich an dieser Stelle auszugsweise zitieren will:
...die NW ist die genaueste der verglichenen Übersetzungen. Dicht dahinter auf dem zweiten Platz folgt die NAB... ...Auf das Risiko hin, die Dinge zu sehr zu vereinfachen liegt es daran, dass die Zeugen Jehovas und die Katholische Kirche frei sind von dem, was ich die Protestantische Last nenne...
...Protestantische Formen des Christentums, dem Motto sola scriptura folgend, bestehen darauf, dass alle Christlichen Glaubensgrundsätze und Praktiken in der Bibel gefunden werden oder zumindest darauf basieren müssen. Das ist ein sehr klares und bewundernswertes Prinzip. Das Problem ist, dass das protestantische Christentum nicht in einem historischen Vakuum geboren wurde und nicht direkt in die Zeit zurückgeht, in der die Bibel geschrieben wurde. Der Protestantismus war und ist eine Reformation einer schon völlig entwickelten Form des Christentums, dem Katholizismus. Als vor 500 Jahren die protestantische Reformation aufkam, hat sie das Christentum nicht von Grund auf reformiert, sondern übernahm viele von den Dogmen, die im Katholizismus über mehr als tausend Jahre entwickelt wurden. In diesem Sinn könnte jemand argumentieren, dass die Protestantische Reformation unvollständig ist, dass sie ihre hohen Ideale nicht vollständig realisiert hat... ...Die Dogmen die der Protestantismus geerbt und als wahr betrachtet hat, mussten nun in der Bibel gefunden werden. Und genau weil sie schon als wahr betrachtet wurden gab es einen grossen Druck, diese Wahrheiten in die Bibel zurückzulesen, ob sie nun tatsächlich dort waren oder nicht...
...Der Katholizismus, der grundsätzlich auf die Idee festgelegt ist, dass das, was die Kirche glaubt, durch die Bibel bewiesen werden kann und auf der Bibel aufgebaut ist, hält an der Sicht fest, dass die Christliche Lehre an Schlüsselpunkten durch Theologen entwickelt oder präzisiert wurde. Es ist aus katholischer Sicht nicht nötig, dass jede Lehre oder Praktik genau aufgeführt sein muss. Wenn es so ist, um so besser. Aber wenn nicht, reicht die Katholische Kirche als Institution, um sich selber als wahr zu etablieren. Also gibt es im Prinzip grössere Freiheit, die Bibel das sagen zu lassen, was sie sagt, ohne den Druck, das hineinzulesen, was Christen bereits für wahr halten...
...DieZeugen Jehovas hingegen gleichen eher den Protestanten in ihrer Ansicht, dass nur die Bibel allein die Quelle der Wahrheit ist. Man könnte also erwarten, dass sie auch unter der Protestantischen Last liegen. Aber das tun sie nicht, weil die Bewegung der Zeugen Jehovas ein radikalerer Bruch mit den vorherrschenden Traditionen des Christentums ist. Diese Bewegung hat sich, anders als die Protestantische Reformation, wirklich bemüht, das Christentum von Grund auf zu reformieren... ...das lief darauf hinaus, dass die Zeugen Jehovas mit einer Art Unschuld an die Bibel herangingen und ihren Glauben und ihre Praktiken auf dem Rohmaterial der Bibel aufgebaut haben, ohne vorherzubestimmen, was dort gefunden werden soll. Einige Kritiker würden natürlich sagen, dass die Ergebnisse von diesem Prozess naiv sein können, aber für die Übersetzung der Bibel bedeutete es zumindest eine frische Herangehensweise an den Text, mit wesentlich weniger Voreingenommenheit, als man in den meisten protestantischen Übersetzungen findet...
Da sich die Zeugen Jehovas weit ausserhalb der christlichen Mehrheit bewegen, haben die Öffentlichkeit und mehrere Bibelgelehrte den Eindruck, dass die Unterschiede zwischen der NW und anderen Übersetzungen durch die eigenartigen Ideen und Vorurteile der Zeugen Jehovas entstanden seien. Ich habe ein paar Vorurteile in der NW identifiziert, die meiner Meinung nach aus einem Zusammenspiel von Genauigkeit und den Bekenntnissen der Übersetzer entstanden. Aber die Vorurteile der Übersetzer der NW sind nicht die Hauptursache der Unterschiede der NW zu anderen Übersetzungen. Die meisten Unterschiede kommen von der grösseren Genauigkeit der NW... (Jason David BeDuhn, Truth in Translation, S. 163-165)