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Sich nicht irreführen lassen – Jemand fragte: „Was bedeutet die Aussage, es gebe keinen Unterschied zwischen dem sogenannten kleinen Geist (mind) und dem sogenannten grossen Geist (Mind)?“ Der Meister antwortete: „Im Moment, wo du diese Frage stellst, machst Du eine Unterscheidung; damit ist die Aktivität deines Geistes getrennt von seiner Essenz. Brüder auf dem Weg, lasst euch nicht irreführen. Kein einziges Ding in dieser oder der transzendenten Welt hat ein eigenes Wesen oder sonst eine eigenständige Natur. Die Dinge bestehen nur aus leeren Namen, und selbst der Begriff ‚leer‘ ist leer. Ihr aber haltet diese wertlosen Begriffe für etwas Reales. Das ist ein grosser Fehler. Auch wenn es diese Begriffe gibt, sie stehen nur für bedingte, flüchtige Aspekte der Existenz, wie z.B. die Aspekte von Bodhi, Nirvāna, Befreiung, Weisheit, Buddhaschaft oder Subjekt und Objekt.
Was sucht ihr in diesen relativen Zuständen? Die ganze buddhistische Lehre, angefangen bei den drei Vehikeln bis zu den zwölf Unterteilungen, ist nichts als Papier, mit dem man Dreck wegputzt. Buddha ist nur ein flüchtiges Phantom und die Patriarchen sind nur alte Mönche. Aber ihr, seid ihr nicht alle von eurer Mutter geboren worden? Wenn ihr dem Buddha nachjagt, hat euch der Buddha-Wahn im Griff. Wenn ihr die Patriarchen sucht, seid ihr im Patriarchen-Wahn gefangen. Was auch immer ihr verfolgt, es führt zur Qual. Es ist viel besser, im gegenwärtigen Augenblick zu leben und nichts (mit Absicht) zu tun.“
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„Kein einziges Ding in dieser oder der transzendenten Welt hat ein eigenes Wesen oder sonst eine eigenständige Natur.“ Diese Welt ist bestimmt von Wünschen, Festhalten-wollen und Erlebnisdurst. Die transzendente oder geistige Welt ist etwas, das wir mit Hilfe der Religion zu erfahren suchen. In beiden Welten gibt es aber nichts, das aus sich selbst heraus existiert. Nichts geht von hier nach dort und nichts kommt von dort hierher. Es gibt keinen Raum und keine Zeit, also nichts zum Festhalten. Es sind alles Vorstellungen. Das war die Feststellllung von Buddha und ist die Schlussfolgerung der Zen-Schule von Lin-chi.
Durch Meditation ist es möglich, einen Zugang zum eigenen innersten Gewahrsein zu finden. Dieser Aspekt des Geistes wird hier „transzendente Welt“ genannt. Manchmal kommt man auch ganz spontan in Berührung damit. Aber man kann nicht darüber reden, andernfalls verliert man es. Dieses ursprüngliche Gewahrsein umfasst die ganze gegenständliche Welt. Es sieht das Blatt fallen im Herbst und die Blume sich öffnen im Frühling.
„Was sucht ihr in diesen relativen Zuständen?“ Jedermann sucht Frieden und Sicherheit und glaubt, dass die Religion der einzige Weg sei, dies zu erreichen. Es ist jedoch offensichtlich, dass fast alle etablierten Religionen Unruhe und Unglück in das menschliche Leben gebracht haben. So dürfen sich z.B. die Anhänger des einen Glaubens oft nicht mit Anhängern einer anderen Glaubensrichtung verbinden. Wir sollten diese tief verwurzelte Gewohnheit der Menschheit, aussen nach Erlösung zu suchen, aufgeben.
Um auf dem wahren Boden des menschlichen Lebens zu stehen, braucht man die Fähigkeit, sich in allen Umständen zurechtzufinden. Man muss den Standpunkt jederzeit ändern und das Denken entsprechend anpassen können. Aber wenn man auf einem Standpunkt beharrt, findet man sich in der Welt von Raum und Zeit nicht zurecht. Wenn eine Überzeugung für das tägliche Leben nicht taugt, wozu sollte man sie dann beibehalten?
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Wenn man das wahre Gewahrsein gefunden hat, kann man im täglichen Leben Frieden finden, ohne Fehler zu machen. DIESES Leben ist die Wahrheit, und alles, was wir erreichen können, ist diese Einsicht! Man sieht; man fühlt. Das ist der Meister! Heftet eure Aufmerksamkeit nicht auf einen äusseren Ort, nicht auf die Umstände, sondern auf den Meister. Er ist der Spiegel, der alle Erscheinungen im Universum, bis auf das kleinste Detail, ganz genau reflektiert.
„Alles, angefangen bei den drei Vehikeln bis zu den zwölf Unterteilungen der buddhistischen Lehre, ist nichts als Papier, mit dem man Dreck wegputzt.“ Entfernt allen Schutt aus eurem Gehirn! Erfasst den Meister, dann braucht ihr keine solchen Hilfsmittel mehr.
„Buddha ist nur ein flüchtiges Phantom …“ Der Buddha lebte 80 Jahre lang und starb. Er war eine vorübergehende Erscheinung. Wir suchen keinen solchen Buddha. Wir versuchen, dem Buddha zu begegnen, der zeitunabhängig existiert.
„Seid ihr nicht alle von eurer Mutter geboren worden?“ Wer ist diese Mutter? Vor der Schöpfung, vor der ganzen relativen Existenz, vor Zeit und Raum, was ist dein Urwesen? Bevor man dies versteht, gibt es keine Sicherheit.
„Wenn ihr dem Buddha nachjagt, hat euch der Buddha-Wahn im Griff. Wenn ihr die Patriarchen sucht, seid ihr im Patriarchen-Wahn gefangen.“ Alle suchen nach der Wahrheit in einer Lehre. Das ist bereits eine Falle! Jede Idee von einer unumstösslichen, lehrbaren Wahrheit ist ein Wahn. Die Wahrheit seid ihr selbst. Ihr mögt einwenden, dass eure Augen, Ohren, euer Körper und das Bewusstsein doch auch vergänglich und nicht die Wahrheit sind. Die Augen, von denen ihr sprecht, sind die physischen Augen, die Ohren sind die physischen Ohren, das Bewusstsein ist das, was in eurem Gehirn flackert. Das sind alles Objekte, die ihr selbst beobachtet. Aber wer beobachtet? Wer seid ihr? Lin-chi sagt, jedes Lebewesen sei eine Verkörperung der Wahrheit.
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Nachdem der Buddha gestorben war, fragte Ananda den Nachfolger von Buddha, Mahakasyapa, was er von Buddha ausser der Kutte und der Bettelschale erhalten habe. (Kutte und Bettelschale gelten im traditionellen Zen-Buddhismus als die Insignien eines direkten geistigen Nachfolgers von Buddha.) Mahakasyapa sagte: „Ananda!“ Ananda antwortete „Ja?“ Ein Zen-Meister könnte euch fragen: „Wer sagte ‚ja‘ ?“ Ihr würdet vielleicht antworten, „Es“ habe geantwortet, oder das Über-Ich von Ananda oder das Selbst usw.. Aber der Meister würde keine dieser Antworten akzeptieren. Ihr sollt wirklich wissen, wer antwortet.
Auch Ananda erfasste es erst später, nachdem Mahakasyapa seinen Namen drei Mal gerufen hatte und ihn schliesslich aufforderte, den Rollladen vom Fenster hochzuziehen. In diesem Augenblick kam er zur Einsicht: „Ah! DAS ist ES!“
„Es gibt gewisse unwissende Glatzköpfe (Priester), die ihren Anhängern sagen, Buddha sei die allerhöchste Weisheit, und sie (die Anhänger) müssten drei Asamkhya Kalpas durchlaufen, um vollendete Erleuchtung zu erlangen. Brüder, wenn Buddha die höchste Weisheit ist, warum legte er sich dann nach 80 Lebensjahren unter zwei Salabäume in der Nähe von Kushinagare und starb? Wo ist der Buddha jetzt? Wir sollten uns im Klaren sein darüber, dass sich Buddhas Geburt und Tod nicht unterscheiden von unserer Geburt und unserem Tod. In den alten Schriften wird gesagt, ein Tathāgatha weise zweiunddreissig ausserordentliche körperliche Merkmale auf. Wenn dem so wäre, müsste auch der König Chakravartin ein Tathāgatha sein. Wir sollten wissen, dass das reine Fantasien sind. Es ist wie die Alten sagten: Die heiligen Merkmale am Körper eines Buddha wurden erfunden, um den weltlichen Vorstellungen von etwas Heiligem zu entsprechen. Solche Begriffe sind bloss Sinnbilder für Menschen einer bestimmten Zeit und Kultur. Der sterbliche Körper ist nicht der Körper der Weisheit. Alles Wahrnehmbare ist nicht wirklich so, wie es sich zeigt.“
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Die Theoretiker mögen sagen, es brauche es unzählige Reinkarnationen, um die höchste Weisheit zu verwirklichen. Asamkhya Kalpa bedeutet „unzählige Äonen“. Die Zen-Meister aber sagen: „Buddhaschaft erlangt man gerade jetzt, in diesem Augenblick.“ Sie ist die in uns angelegte Lebensweisheit – nicht angelerntes Wissen, sondern allgegenwärtiges, universales Wissen.
Es ist nicht schwer, das Denken mit Hilfe von theoretischen Kenntnissen und Ideologien umzukrempeln, aber sich von den täglichen seelischen Lasten, den Ängsten und Sorgen zu befreien, das ist wirklich schwierig. Das mag tatsächlich ein ganzes Leben dauern. Im Zen wendet man sich zuerst an das angeborene Wissen, das theoretische Verstehen kommt nachher. Jeder hat eine Kerze, er muss sie nur anzünden. Bringt eure Kerze der Weisheit zum Leuchten!
„Wo ist der Buddha jetzt?“ Das Wesen von Shakyamuni-Buddha war nicht identisch mit der vergänglichen Ansammlung von materiellen und mentalen Strukturen, die „Buddha“ oder „Der Erhabene“ genannt wurde. Ich heisse Sokei-an, aber ich kümmere mich nicht um diesen Namen, denn „Sokei-an“ ist nicht der lebendige Geist, nicht das Wesentliche.
Der materielle Körper ist wie eine Kopie des universalen Körpers. Durch die Beobachtung unserer körperlichen Eigenschaften können wir die Eigenschaften der ganzen Natur erkennen. Und wenn man weiss, wo der Buddha jetzt ist, kann man sich bestimmt von der egozentrischen Idee einer eigenständigen Seele befreien.
„In den alten Schriften wird gesagt, ein Tathāgatha weise zweiunddreissig ausserordentliche körperliche Merkmale auf.“ Die ausserordentlichen Merkmalen am perfekten Körper eines Buddha sind Bestandteil der buddhistischen Mythologie. Dazu gehören z.B. flache und weiche Fusssohlen, lange Zehen und Finger oder lange Arme und Hände. Im Mahayana-Buddhismus werden 33 Merkmale genannt, wobei das 33. unsichtbar ist. Die indischen Schriften sprechen von 32 Merkmalen. In Indien sind die Ziffern vier und acht heilige Zahlen. Es gibt die vier Wahrheiten, den achtfachen Pfad und eben die 32 körperlichen Merkmale eines vollkommenen Körpers.
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„Wenn dem so wäre, müsste auch der König Chakravartin ein Tathāgatha sein.“ Auch der König Chakravartin ist eine Gestalt der indischen Mythologie. Sein Name bedeutet „Einer der das Weltenrad dreht“. Manchmal wird er als der Herrscher über die Erde aufgefasst. Auch er soll die körperlichen Merkmale eines Buddha gehabt haben, trotzdem war er kein Buddha, kein Tathāgatha. Tathāgatha, das absolute Eine, steht für das absolute Sosein. Es kommt von nirgends und geht nirgends hin, so wie die Wirklichkeit nicht kommt und nicht geht.
Es gibt keine individuelle Seele in der Wirklichkeit. Gemäss der buddhistischen Auffassung ist jedes Lebewesen die Schöpfung der gesammelten, universalen Kraft. Jeder individuelle Körper ist das Zentrum des Universums, aber seine Wirkung kann nicht durch die körperlichen Eigenschaften erklärt werden. Wenn man ein Saiteninstrument spielt, entsteht der Ton an der Stelle, wo die Saite berührt wird, aber der Klang wird vom ganzen Instrument geschaffen. Analog dazu ist der Körper ein Instrument, das die gesamte universale Kraft manifestiert.
Der Buddha selbst lehrte: „Glaubt nicht, ihr könntet den Tathāgatha anhand der 32 körperlichen Merkmale erkennen. Diese Zeichen sind nicht der Tathāgatha.“ Wie kann man dann den Tathāgatha finden? Wer sagt, dies sei unmöglich, verfällt dem Extrem des absoluten Nihilismus. Was wäre dann mit diesem gegenwärtigen Bewusstsein? Wer ist es, der „ich“ sagt? Die Frage, wie man dem Tathāgatha bzw. dem Buddha begegnen kann, ist eines der ersten Kōans der Zen-Schule.
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„Man sagt, Buddha besitze sechs übernatürliche Kräfte. Fantastisch! Alle Götter und Halbgötter (Devas), alle Unsterblichen, Dämonen (Asuras) und grossen hungrigen Wesen (Pretas) haben auch übernatürliche Kräfte. Sind sie Buddhas? Brüder, macht euch nichts vor. Als Asura mit Indra kämpfte, wurde die Armee von Asura besiegt und Asura führte seine 84‘000 Untergebenen in eine Lotuswurzel, wo sie sich alle in deren Löchern verstecktenbedeuten: In der Welt der Farben, nicht von Farben getäuscht zu werden; in der Welt der Klänge nicht von Klang getäuscht zu werden; in der Welt der Gerüche von Geruch nicht getäuscht zu werden; in der Welt der Geschmäcker von Geschmack nicht getäuscht zu werden; in der Welt der Berührungen von Berührung nicht getäuscht zu werden und in der Welt der Gedanken von Gedanken nicht getäuscht zu werden. Deshalb: Für denjenigen, der diese sechs übernatürlichen Kräfte hat, sind Farbe, Klang, Geruch, Geschmack, Berührung und das Denken vollkommen leer. Er ist der eine, der von nichts abhängig ist und den nichts verführen kann. Auch wenn sein Körper noch immer durch die fünf Skandhas verunreinigt wird, so hat er doch die mysteriöse Kraft, auf der Erde zu gehen.“
In diesem Abschnitt geht es um die sogenannten sechs übernatürlichen Kräfte eines Buddha. Viele Buddhisten versuchen, durch Meditation diese übernatürlichen Kräfte zu erlangen, ohne zu wissen, was sie in Wirklichkeit sind. Es handelt sich um subjektive Kräfte. Sie existieren nicht objektiv. Es sind Eigenschaften der geistigen Natur. Die Menschen, die an der objektiven Dingwelt haften, können diese subjektiven Eigenschaften nicht verstehen und halten sie deshalb für übernatürlich. Für den Buddha waren sie ebenso natürlich wie ein Jucken in der Nase.
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„In der Welt der Farben, nicht von Farben getäuscht zu werden …“ In Wirklichkeit erstrecken sich die sechs Sinne durch das ganze Universum. Der Geist kann sich vollständig durch Raum und Zeit ausdehnen, er kann das Viele werden und wieder zum Einen zurückkehren. Im Zustand der Meditation kann man seine Vergangenheit und Zukunft kennen, woher man kommt und wohin man geht. Man kann die Gedanken von allen Wesen verstehen und alle geistigen Zustände durchlaufen. Man kann sofort fühlen, in welchem Zustand sich jemand befindet, welche Ideen ihn prägen usw. Daran ist nichts übernatürlich. Jedermann kann das, aber man muss sich selbst kennen, muss wissen, wo man selber steht. Lebt man im Zustand eines Menschen, eines Tieres oder eines Devas? Nur wenn man über diese Dinge mit den Worte der Sutras
Alle diese Fähigkeiten beruhen auf dem Wissen um die wahre Natur der Dinge. Wenn das geistige Auge offen ist, schaut man von innen in die Welt und versteht, wie der Buddha, die echte Leerheit aller Erscheinungen erfährt. Wenn man jedoch von Farben getäuscht wird, erweckt der Anblick einer schönen Blume vielleicht den Wunsch, diese zu pflücken und nach Hause zu tragen. In der Welt der Klänge haftet man vielleicht an Musik oder dem Kriegsgeschrei. In der Welt der Gerüche wird man vielleicht vom Duft schöner Frauen verführt.
In der Welt der Geschmäcker wird man vielleicht gefangen von einem bestimmten Tee. Ein Teemeister „muss“ auf das gewisse Geräusch des „fernen Donners“ warten, um zu wissen, wann er das kochende Wasser über die Teeblätter giessen kann. In der Welt der Berührung lässt man sich vielleicht von weicher Haut und seidenem Haar in die Irre führen und in der Welt der Gedanken von: „Ich liebe dich“ oder „ich hasse dich“.
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„Auch wenn sein Körper noch immer durch die fünf Skandhas verunreinigt wird, hat er die mysteriöse Kraft, auf der Erde zu gehen.“ Die fünf Skandhas bedeuten in der buddhistischen Lehre fünf Schattierungen des Bewusstseins, die zusammen das Ichbewusstsein aufbauen. Auch wenn man noch nicht ganz von den menschlichen Bedingungen befreit ist, ist es möglich, mitten in diesem Leben, mit diesem Körper, im Einklang mit dem natürlichen Lebensprinzip zu leben. Ein junger Schüler, dem es ernst war mit seinem Wunsch, das wahre und natürliche Gesetz des Lebens zu erkennen, statt sich bloss von den menschlichen Impulsen von Leidenschaft, Zorn und Ignoranz leiten zu lassen, zog sich drei Jahre lang in einen Wald zurück.
Dort beobachtet er die grossen und kleinen Bäume, das Sonnenlicht, den Wind und den Regen und sah, dass jedes Element seinem eigenen Gesetz folgte, aber gleichzeitig mit allen anderen Elementen kooperierte und so zur allgemeinen Harmonie beitrug und Frieden schaffte. Dieses Naturgesetz gilt auch für uns Menschen, auch wir sollten unserem eigenen Charakter folgen aber gleichzeitig auf alle anderen Lebewesen Rücksicht nehmen. Nur so kann das natürliche Gleichgewicht bestehen bleiben, das uns Frieden bringt.
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„Brüder auf dem Weg, der wahre Buddha sowie das wahre Dharma haben keine Form. Ihr schafft euch Theorien und Vorstellungen auf Grund von flüchtigen Erscheinungen. Aber selbst wenn ihr dadurch etwas erreicht, es ist nur der Geist eines wilden Fuchses. Ein verständiger Mensch des Weges kümmert sich nicht um Buddhas, Bodhisattvas, Heilige oder um die Gottheiten der drei Welten. Er steht über all dem und hängt an nichts. Mögen Himmel und Erde Kopf stehen, das kann mich nicht erschüttern. Mögen Buddhas aus allen Himmelsrichtungen vor meinem Auge erscheinen, das beeindruckt mich nicht.
Selbst wenn sich die drei Höllen auftun sollten, würde ich mich keineswegs fürchten. Warum? So wie ich es sehe, sind das alles Erscheinungen ohne Substanz. Sie existieren nur in unserer verblendeten Sicht; ausserhalb dieser Sicht existiert nichts. Die drei Welten sind nur geistige Gebilde, und alle Dinge sind Bewusstsein. Deshalb heisst es: ‚Träume, Täuschungen, Blumen im leeren Himmel, wozu sollte man sich anstrengen, um sie zu fassen?
Lin-chi war ein Buddhist und zerstörte den Buddhismus! Ich denke, der Buddha wäre einverstanden mit ihm. Wenn ein Zen-Schüler anfängt, nach der Wahrheit zu suchen, lehren wir ihn keinen Buddhismus, im Gegenteil, wir nehmen ihm jeden Buddhismus weg, bis er schliesslich mit Buddha übereinstimmt. Der Buddha erleuchtete sich selbst, indem er alle vorgefassten Meinungen, alle religiösen Vorstellungen aufgab und die Wahrheit in sich selbst fand. Anders geht es nicht. Niemand sollte einfach die Medizin schlucken, die ihm irgendein alter Arzt verschreibt. Wir müssen unsere eigenen Illusionen finden und unsere eigene Medizin einnehmen und uns so selber heilen.
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„Der wahre Buddha sowie das wahre Dharma haben keine Form.“ Der wahre Buddha ist nicht im Körper von Prinz Shakyamuni zu finden und in keiner Skulptur. Und der wahre Buddhismus ist in keiner Schrift und keiner Formulierung zu finden. Um diese Wahrheit zweifelsfrei zu erfassen, muss man den eigenen wahren Körper und den eigenen wahren Geist ein für allemal realisieren.
„Ihr schafft euch Theorien und Vorstellungen auf Grund von flüchtigen Erscheinungen.“ Man kann sich leicht einreden, „jemand“ zu sein wie z.B. ein Mönch, ein Arzt oder was auch immer und die entsprechenden Uniformen tragen – schwarze Kutte, weisse Kutte – und die entsprehcend Tätigkeiten auführen – Sutren lesen, Gebetsperlen drehen, – und so tun, als ob man etwas wüsste. Das ist aber nichts als Vorstellung.
„Die drei Welten sind nur geistige Gebilde, und alle Dinge sind Bewusstsein.“ Wir leben gewissermassen im Schoss des Mutterbewusstseins (Skr. Ālayavijñāna). Wir sind Kinder dieses Bewusstseins und können es deshalb nicht kennen. Unsere Sicht ist „verblendet“, weil wir unseren wahren Standpunkt nicht kennen und in die wechselnden Erscheinungen absorbiert sind. Wir stehen auf dem Boden der Unwissenheit und schauen blind in diese Erscheinungswelt hinein, ohne sie zu verstehen.
„Deshalb heisst es: ‚Träume, Täuschungen, Blumen im leeren Himmel, wozu sollte man sich anstrengen, um sie zu fassen?“ Dies ist ein Zitat aus dem Text Vertrauen in den Geist (Shinjinmei ) vom Dritten Patriarchen, Seng-ts‘an (jap. Sosan). Damals sagte man von Leuten, die den Grauen Star hatten, sie sähen Blumen im Himmel.
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Zen-Buddhisten stehen direkt hier (Sokei-an schlägt mit der Hand auf den Tisch). Wir nennen es nicht „Materie“ oder „Substanz“. Wir schauen direkt in den ursprünglichen, leeren Zustand und wenden den Blick dann wieder auf die Dinge. Das ist natürlich auch eine verkehrte Sicht, aber diesmal beruht sie nicht auf Unwissenheit, sondern auf Verstehen. Es ist wie wenn man ein Teleskop umdreht und hineinschaut. Wenn man es dann wieder dreht und in die Welt schaut, sieht man dasselbe, wie vorher, aber :„Ah, jetzt verstehe ich!“ Alle unsere Wahrnehmungen sind unsere eigene Schöpfung. In Wirklichkeit gibt es keine Farbe, keinen Geruch, keinen Schmerz. Deshalb: Wozu sollte man sich anstrengen, um sie zu fassen? – Wir müssen unser Leben leben, damit wir es verstehen können.
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