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Eizellen von Frauen
Frauen, die selbst keine Eizellen in ausreichender Qualität produzieren, können durch die Verwendung von Eizellen einer anderen Frau schwanger werden.
Eizellen sind jedoch nicht wie Samenzellen einfach und ständig verfügbar. Um sie zu gewinnen, muss sich die Frau, die ihre Eizellen zur Verfügung stellt, einer Hormonbehandlung unterziehen, die auch Komplikationen mit sich bringen kann. Es gibt Hinweise darauf, dass Eizellenspenderinnen aufgrund der verabreichten Hormone sich einem erhöhten Krebsrisiko aussetzen.
Die Eizellen«spende» erfolgt nicht aus den unterstellten altruistischen Gründen: Junge Frauen riskieren gesundheitliche Folgeschäden aus finanziellen Zwängen heraus. Eizellen werden nicht «gespendet», sondern verkauft. Eizellen von Frauen werden neben der Fortpflanzungsmedizin auch für die Forschung benötigt und gelten als Mangelware.
Rund um Eizellen von Frauen ist ein globaler, lukrativer Markt entstanden. Die Behandlungskosten für das Verfahren gehen rasch in den fünfstelligen Bereich. Die Eizellen«spenderin» erhält nur eine geringe Aufwandsentschädigung, die sich meist nur auf einen Bruchteil davon beläuft.
Argumente gegen die Eizellen«spende»
Die Vorstösse zur Zulassung der Eizellenspende in der Schweiz beziehen Argumente, die bei genauer Prüfung aber nicht stichhaltig sind.
Eizellspende: Zulassung aus Gerechtigkeitsgründen?
Es wird damit argumentiert, dass es ungerecht sei, die Eizellenspende anders zu bewerten, als die Samenspende. Die Initiant:innen ignorieren dabei, dass die Eizellenspende nicht zu mehr Gerechtigkeit führt, sondern vielmehr Ungleichheit födert. Zum einem ist die Eizellenspende verfahrenstechnisch nicht mit einer Samenspende vergleichbar. Zum anderen gibt das soziale Ungleichgewicht zwischen Spenderinnen und den Nutzniesserinnen zu denken. Die sozioökonomische Ungleichheit wird durch die Kommerzialisierung der Reproduktion bewusst in Kauf genommen.
Eizellen von Frauen: Nicht einfach so verfügbar
Eizellen von Frauen sind nicht einfach so verfügbar. Nur durch eine intensive Hormonbehandlung können mehrere Eizellen gleichzeitig zur Reife gebracht werden. Dabei ist die Hormonbehandlung nicht ohne Risiko. Auch wenn der Einsatz von Hormonen heutzutage besser kontrolliert wird und es seltener zum gefürchteten sogenannten Überstimulationssyndrom (OHSS) kommt, so setzen sich junge, gesunde Frauen zum Nutzen Dritter einem gesundheitlichen Risiko aus. Die reifen Eizellen (es wird versucht, so viele wie möglich zur Reife zu bringen, meist ist die Anzahl zweistellig) werden dann durch einen invasiven Eingriff entnommen - auch dieser Eingriff ist nicht ohne Risiko.
Eizell«spenderinnen»: Wer «spendet» und warum?
Erkenntnisse aus den letzten Jahren zeigen, dass Eizellspenderinnen ihre reproduktiven Ressourcen aus ökonomischen Zwängen heraus verkaufen. Frauen «spenden» ihre Eizellen nicht, sondern sie verkaufen sie. Häufig kommen die «Spenderinnen» aus prekären finanziellen Verhältnissen, müssen ihr Studium finanzieren oder brauchen das Geld für den täglichen Bedarf. Allerdings erhalten sie nur einen geringen finanziellen Anteil der Behandlungskosten, die schnell in den fünfstelligen Bereich gehen könne. Eizellspenderinnen wird unterstellt, sie würden aus altruistischen Motiven handeln. Deshalb wird die Vergütung der Eizellen auch als Aufwandsentschädigung deklariert.
Eizellen: Woher sollen sie in der Schweiz kommen?
Ein Argument für die Zulassung des Verfahrens hier ist, dass Frauen (und Paare) bisher für die Behandlung ins europäische oder aussereuropäische Ausland reisen. Dabei wird übersehen, dass auch Schweizer Fortpflanzungszentren durch Dependancen im benachbarten Ausland oder durch direkte Vermittlung in Zentren anderer Länder mitmischen. Sie bewegen sich dabei in einer rechtlichen Grauzone. Es bleibt ein offenes Geheimnis, woher die Eizellen von Frauen kommen sollen, sollte das Verfahren im Land selbst zugelassen werden. Es ist nicht davon auszugehen, dass Frauen aus der Schweiz in ausreichendem Mass ihre Eizellen zur Verfügung stellen würden. So bliebe nur der «Einkauf» von Eizellen im Ausland. Zudem bieten ausländische Reprozentren die Verfahren kostengünstiger als die Schweizer Zentren an. Es gibt ganze Pakete zu kaufen, häufig verbunden mit einer Urlaubsreise. Auch «Sonderangebote», also die Fortpflanzung zum Schnäppchenpreis sind zu verzeichnen. Es ist nicht davon auszugehen, dass Fortfplanzungsmedizin-Reisen ins Ausland nach einer Zulassung hier ausbleiben würden.
Nach Erkenntnissen von biorespect ist zu bezweifeln, dass Frauen aus der Schweiz ausreichend Eizellen zur Verfügung stellen. Der Ausbeutung von Frauen aus ökonomisch unterprivilegierten Ländern sind dann keine Grenzen gesetzt.
Situation Schweiz
In der Schweiz ist die Verwendung fremder Eizellen im Rahmen eines fortpflanzungsmedizinischen Verfahrens verboten. Das Fortpflanzungsmedizingesetz FMedG regelt die reproduktionsmedizinischen Verfahren und Anwendungen. Das Gesetz wurde im Rahmen der Zulassung der Präimplantationsdiagnostik revidiert und ist in der jetzigen Form seit dem Januar 2021 in Kraft.
Seit mehreren Jahren gibt es Bestrebungen, das Verfahren der Eizellen«spende» zuzulassen. Eine Initiative, die die Zulassung der Eizellen«spende» in der Schweiz einfordert, wurde von der WBK des Nationalrates in eine Kommissionsmotion umgewandelt. Der Bundesrat empfiehlt die Ablehnung, da eine Evaluierung des Fortpflanzungsmedizingesetzes noch aussteht. Im März 2022 hat der Nationalrat die Motion mehrheitlich angenommen. Die Wissenschaftskommission des Ständerates hat sich nach einer Anhörung, bei der auch biorespect vertreten war, nur mit äusserst knapper Mehrheit für die Zulassung ausgesprochen. Der Ständerat ist am 13.9. knapp mit zwei Stimmen Mehrheit seiner Kommission gefolgt. Nun ist der Bundesrat am Zug, die Zulassung der Eizellenspende vorzubereiten.