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Autor: frank stettler
Es gibt in den USA den Namen Steve Smith wie Sand am Meer. In der NBA holte einer gar mit den San Antonio Spurs den Titel, wurde im Jahr 2000 mit den Vereinigten Staaten Olympia-Sieger. Es ist nicht dieser Smith, der mit Olympic für Furore sorgt, aber dafür einer, der für die Schweizer NLA wie geschaffen ist. Die FN haben mit dem Amerikaner vor dem Start der Playoffs gesprochen.
Steve Smith, was waren Ihre Ziele, als sie mit dem Basketball begonnen haben?
Ich wollte immer Profi werden und Meisterschaften gewinnen. Bevor ich ins College kam, habe ich auch noch American Football gespielt. Ich entschied mich schliesslich für den Basketball. Seither versuche ich, das Bestmögliche herauszuholen.
Ihre beiden Brüder gingen denselben Weg, sie sind ebenfalls Basketballspieler.
Mein älterer Bruder Charles spielt bei den Newcastle Eagles, der jüngere, Devin, bei Benetton Treviso. Ich bin stolz auf die beiden. Der Erfolg von Charles war damals eine grosse Motivation für mich. Noch heute spielen wir im Sommer oft zusammen. Mit Devin habe ich je ein Jahr in der Highschool und dem College zusammengespielt. Ein Traum von mir ist, nochmals mit ihm in einer Mannschaft zu stehen.
Ebenfalls der Traum eines jeden ist in jungen Jahren die NBA. Wann mussten Sie Ihre Ambitionen diesbezüglich begraben?
Nach dem College konnte ich einige Male mit den Philadelphia 76ers trainieren, den Sprung ins Team habe ich aber nicht geschafft. Ich setzte meine Karriere in Europa fort und wusste, dass dies mein Weg sein würde. Ich liebe es, neue Kulturen und Sprachen kennenzulernen.
Ihre erstes Engagement hatten Sie in Island …
Das war eine spezielle Erfahrung. In Island war es oft dunkel, kalt und es hat viel geschneit. Der Einstieg als Profi war sicher nicht einfach. Aber ich habe dadurch schnell gelernt, mich auf den Sport zu fokussieren.
Weitere Stationen vor Freiburg waren Finnland, Schweden und Frankreich, alles Länder mit einem hohen Lebensstandard. Ist dies ein Zufall?
In früheren Jahren sicher, ja. Aber seit ich einen kleinen Sohn habe (Anm. der Red.: Devin, 5 Jahre), spielt die Familie in meinen Überlegungen eine zentrale Rolle. Es ist klar, dass ich nun nicht mehr im Nahen Osten ein Engagement annehmen würde. Zum ersten Mal in meiner Karriere ist meine Familie mit mir in Freiburg, um diese wertvolle Erfahrung mit mir zu teilen. Dass ich meine Familie nun ganz bei mir habe, ist eine tolle Sache.
Was schätzen Sie an der Schweiz?
In den USA muss alles immer schnell gehen. Hier läuft es entspannter ab. Die Leute sind zurückhaltend, das gefällt mir. Zudem ist die Schweiz ein sicherer Platz.
Hat Geld bei Ihrem Wechsel zu Olympic auch eine Rolle gespielt?
Es ist sicher auch ein Faktor. Ich bin zufrieden mit dem, was ich kriege. Ich werde in den Jahren in Europa genug verdienen, damit ich nach meiner Rückkehr in die USA weiter ein anständiges Leben führen kann. Klar ist auch, dass ich später einmal mein Wissen, das ich mir im Soziologie-Studium angeeignet habe, nutzen will. Am liebsten in der Arbeit mit Kindern.
Sie kamen von Quimper aus der zweiten französischen Liga zu Freiburg. Sportlich gesehen ist dies ein kleiner Abstieg, weil das Niveau in Frankreichs ProB höher ist.
Das stimmt sicherlich so. Aber auch hier in der Schweiz hat es einige starke Teams. Die Herausforderung für mich ist nicht geringer. Zudem wollte ich unbedingt einen Titel gewinnen. Bisher habe ich erst in Finnland zweimal den Cup gewonnen, aber noch nie die Meisterschaft. Ich rechne mir gute Chancen aus, dies mit Freiburg zu ändern. Olympic ist ein Club mit Tradition, über den ich nur Gutes gehört hatte.
Für einen, der im College-Basketball vor Tausenden von Zuschauern gespielt hat, muss der Wechsel in die Schweizer Nationalliga A einem Kulturschock gleichkommen?
Einige Hallen waren gewöhnungsbedürftig. Aber wie viele Zuschauer auf den Rängen sind, darf mich nicht beschäftigen. Ich bin schliesslich hier, um Basketball zu spielen. Das ist mein Job. Sicher macht es vor vielen Leuten mehr Spass. Aber ich muss mich auf mein Spiel fokussieren.
Ihr Spiel zeichnet insbesondere Ihre Energie und Intensität aus. War das schon immer so?
Ja, so ist meine Art zu spielen, schon von klein auf. Ich versuche, in jedem Match mein Bestes zu geben, meine Teamkollegen mitzureissen. Ich will immer mit gutem Beispiel vorangehen. Aber abseits des Spielfeldes kann ich auch ganz anders. Seit rund zwei Jahren spiele ich im Sommer Golf. Dabei kann ich mich herrlich entspannen.
Manchmal scheint es, als ob Sie auf dem Parkett niemand stoppen kann. Haben Sie dieses Gefühl manchmal auch?
Ja, es gibt so Spiele, in welchen ich mich so fühle. Man müsste mir schon die Arme abreissen …
Sie waren die einzige Konstante, als es Olympic zwischenzeitlich nicht so gut lief.
Wir hatten doch einige verletzte Spieler, wichtige Spieler. Als einer der Leader ist es meine Aufgabe, vornewegzugehen. Meine Rolle im Team gefällt mir. Ich übernehme gerne Verantwortung.
Am Samstag beginnen die Playoffs. Welches sind für Sie die Unterschiede zwischen diesen Spielen und einem in der Regular Season?
In den Playoffs zählt jedes Spiel. Niederlagen wiegen viel schwerer als in der Qualifikation. Alles ist noch wichtiger, auf die Details kommt es an. In der Vorbereitung setzt man sich noch intensiver als sonst mit dem Gegner auseinander.
Für einen Sportler sind die Playoffs die beste Zeit, oder?
Oh ja, es ist eine aufregende Zeit. Man spürt förmlich die Energie in der Halle. Die Fans stehen noch mehr hinter der Mannschaft als sonst.
Wie beurteilen sie den BC Boncourt, Ihren Gegner im Viertelfinal?
Zwei Siegen steht eine Niederlage gegenüber. Ich schätze Boncourt vor allem als offensiv starkes Team ein. Kommen sie einmal ins Rollen, können sie viele Punkte erzielen. Es ist an uns, dem mit einer aggressiven Defensive gegenüberzustehen.
Alle erwarten einen Playoff-Final gegen Lugano. Sie auch?
Noch ist es nicht so weit. Sollten wir Boncourt bezwingen, warten im Halbfinal zuvor noch Genf oder ein anderer Gegner. Aber falls wir im Final auf Lugano treffen, glaube ich fest an unsere Chance. Einmal haben wir die Tessiner bezwungen, zweimal gegen sie den Sieg verschenkt. Ich denke, dass Lugano vor uns auf der Hut ist.