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Als elfjähriges Kind hatte Paul McCartney für den Chor in der Liverpool Cathedral vorgesungen. Er wurde abgewiesen. Fast vierzig Jahre später wurde das «Liverpool Oratorio» des Ex-Beatle in seiner Heimatstadt uraufgeführt. Eine Auftragskomposition zum 150-jährigen Bestehen des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra. Mitgestaltet vom Domchor, der ihn einst abgewiesen hatte.
McCartney, der nie eine klassische Musikausbildung erhalten hatte, komponierte das Werk zusammen mit dem Filmkomponisten und Dirigenten Carl Davis. Dazu sagte McCartney: «Am liebsten bezeichne ich meine Annäherung an die Musik als ‹primitiv›, ähnlich den primitiven Höhlenmalern, die ohne Ausbildung malten. Hoffentlich ergibt die Kombination von Carls klassischer Ausbildung und meiner ‹Primitivität› ein wunderbares Stück Musik.»
Das Oratorium sollte ein «klassisches» Werk und keine Sammlung von McCartney-Songs mit sinfonischem Anstrich werden. Tatsächlich ist die Tradition der Gregorianik, der englischen Kirchenmusik, der Carols und der Brassmusik deutlicher hörbar als der erwartbare Beatles-Sound. In einigen Melodien sind die für McCartney typischen Wendungen dennoch zu hören.
Das Oratorium erzählt zwar die weltliche Geschichte eines Liverpooler Jungen auf seinem bewegten Weg zum verantwortungsvollen Ehemann und Vater. Dennoch scheint die religiöse Dimension immer wieder durch, sei es in der Dramaturgie, die an fromme Legenden erinnert, sei es im sakralen Tonfall, sei es auch ganz konkret in den Texten. Das ist manchmal nah am Kitsch. Vor allem aber nah an jener jungenhaften Begeisterung, die McCartney immer eigen war und die er bis heute ausstrahlt.