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Dieses seltsame Phänomen erweckte Yoshiro’s Neugier noch mehr und so beschloss er, sich den Stollen näher anzusehen und ging hinein. Er ging zunächst nur einige Schritte hinein und blieb dann stehen, schloss die Augen, um sich so schneller an die Dunkelheit zu gewöhnen. Danach ging er weiter und stellte dabei fest, dass der Boden des Stollen im Gegensatz zu den Wänden und der Decke vollkommen eben war. Doch das war noch nicht alles; denn das schwarze Gestein schien nicht nur Licht zu absorbieren, sondern auch den Schall; denn Yoshiro vernahm nicht einen Ton in dem Stollen, obwohl er das Klappern seiner Holzsandalen hätte deutlich hören müssen.
Yoshiro ging langsam weiter und sah plötzlich vor sich ein seltsam violettes Licht, was sich wohl am Ende des Stollens befand. Er ging auf den Lichtschein zu und stand bald im Eingang zu einen halbkugelförmigen Raum, dessen Wände und Decke ebenfalls aus dem seltsamen schwarzen licht- und schallabsorbierenden Gestein waren, wie der Stollen, durch den er gekommen war. Vor sich sah Yoshiro die Quelle des violetten Lichts, das ihm in dem Stollen entgegen schien. Es waren zwei Gebilde, die wie kleine Vulkane mit ziemlich steilen Hängen aussahen und in deren Kratern violette Feuer brannten. Yoshiro blickte sich in dem Raum um und konnte auch hier keinerlei Lichtreflexionen oder Schattenwürfe sehen, obwohl die Feuer recht hell waren. Und noch etwas fiel ihm auf; das violette Licht veränderte eigentümlicher Weise nicht die Farben seiner Kleidung. Es sah so aus, als würde er in ganz natürlichem Licht stehen. Nachdem sich Yoshiro an das seltsame Licht gewöhnt hatte, entdeckte er hinter dem rechten der beiden Vulkane eine kniende Gestalt in einem schneeweissen Gewand, die einen glänzenden Gegenstand in der Hand hielt.
Yoshiro ging um den Vulkan herum und konnte dann eine junge Frau erkennen, die mit freiem Oberkörper vor dem Vulkan kniete und das Glänzende, was sie in der Hand hielt, war ein kleiner Dolch, den sie sich an die Brust gesetzt hatte. Noch bevor Yoshiro etwas sagen oder reagieren konnte, hatte sich die junge Frau den Dolch ins Herz gestossen und sackte langsam in sich zusammen. Dabei verzog sie keine Miene, sondern sah Yoshiro ganz fest in die Augen. Da erkannte Yoshiro, dass es sich bei der jungen Frau um seine gute Freundin Suiko handelte. Yoshiro sprang zu ihr und legte sie vorsichtig mit dem Kopf in Richtung Vulkan auf das Podest, auf dem sie gekniet hatte und fragte nur: "Warum?"
Suiko vergoss ein paar Tränen und sagte ganz leise mit weinerlicher Stimme: "Vergib mir Yoshiro, ich habe Dich und mich selbst belogen." Dann schloss sie ihre Augen und das Feuer in dem Vulkan, vor dem sie lag erlosch plötzlich. Obwohl Yoshiro seine Gefühle sehr gut unter Kontrolle hatte, konnte er es nicht vermeiden ein paar Tränen zu vergiessen.
Für ihn war Suiko mehr als nur eine gute Freundin, sie war sein "Engel", der ihn schon lange begleitete und ihn in einer sehr dunklen Stunde wieder aufgebaut hatte. Und nun ging dieser Engel einfach so aus seinem Leben und dem eigenen fort. Yoshiro hatte sich geschworen immer für Suiko da zu sein und es ihr mehrmals versprochen, doch jetzt hatte er sein Versprechen nicht eingehalten; denn sonst würde Suiko noch leben. Yoshiro machte sich Vorwürfe und war auf sich selber wütend, dass er Suiko im Stich gelassen hatte. Doch es half alles nichts; denn Suiko war nun nicht mehr da und so beschloss Yoshiro ihr zu folgen. Er kniete sich zunächst vor dem zweiten Vulkan auf das Podest, entblösste seinen Oberkörper und zog sein Tanto. Dann legte er sich auf das Podest und stiess sich das Tanto im Liegen in sein Herz und sagte dabei: "Suiko, ich liebe Dich und werde Dir überall hin folgen."
Während er dann langsam die Augen schloss, konnte er noch erkennen, wie auch der zweite Vulkan langsam erlosch und in der Ferne hörte er, wie der Stollen, durch den er gekommen war, in sich zusammen stürzte.
PhoenixAter 22.01.2006