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Das «Allgemeine deutsche Glossarium» von Johann Jacob Spreng (1699–1768)
Der Basler Professor für deutsche Beredsamkeit und Dichtung arbeitete 25 Jahre lang an seinen Wörterbüchern. Nun, 250 Jahre nach seinem Tod, wurden sie erstmals veröffentlicht.
Im Jahr 1743 wurde Johann Jacob Spreng (1699–1768) zum ersten Professor für deutsche Beredsamkeit und Dichtung an der Universität Basel ernannt. Er unterrichtete im Gegensatz zu seinen Kollegen an der Universität nicht auf Lateinisch, sondern auf Deutsch. Eine Neuerung, die ein Anliegen der im Grossen Rat vertretenen Handelsleute und Handwerker gewesen zu sein scheint, welche die Aufsicht über die Universität ausübten. Spreng ging mit Elan an die Aufgabe, seinen Zeitgenossen in Basel und Umgebung den korrekten Gebrauch der deutschen Sprache beizubringen. Zu diesem Zweck verfasste er in jahrzehntelanger Arbeit zwei Wörterbücher, eines für die Baslerische Mundart, ein anderes für das Deutsche insgesamt. Die Tragik seines vom Unglück verfolgten Lebens war, dass ihm weder die Publikation des einen noch des andern gelang. Nach seinem Tod kamen die Manuskripte in den Bestand der Universitätsbibliothek, wo sie rund 250 Jahre lang nur sporadisch benutzt wurden.
Diesem Missstand beschloss Heinrich Löffler, als Ordinarius für Germanistik an der hiesigen Universität ein Nachfolger Sprengs, abzuhelfen. 2014 publizierte er «zum Aufwärmen» das Baseldeutsche Wörterbuch, das «Idioticon Rauricum». Während dieses nur einen Manuskriptband mit rund 3800 Artikeln umfasste, bestand die Handschrift zum «Allgemeinen deutschen Glossarium» aus ca. 95 000 Artikeln, die jeweils auf einem Zettel niedergeschrieben waren. Rund die Hälfte der Zettel waren noch von Spreng in 20 grosse Bände eingeklebt worden und mehr oder weniger druckfertig. Der Rest lag, in kleine sorgfältig beschriftete Tütchen verpackt, in einer grossen Kartonschachtel. Die Preisfrage war: Hatte Spreng das Werk zwar nicht druckfertig gemacht, aber inhaltlich fertiggestellt? Und: Hatte sich alles Material erhalten? Als alle Tütchen alphabetisch geordnet auf dem Tisch lagen, wurde klar: Das Manuskript war im Prinzip vollständig. Und es wäre, wenn es gedruckt worden wäre, das grösste deutsche Wörterbuch vor dem Grimmschen gewesen!
Die Verantwortlichen der UB entwickelten ein Vorgehen, wie die Zettel und Tütchen gereinigt und alphabetisch geordnet verpackt werden sollten. Daran schloss sich die sehr aufwendige Digitalisierung an, wobei die losen Zettel jeweils auf einer Seite von der Grösse der 20 Bände ausgelegt und fotografiert wurden. So entstanden zusätzlich zu den bereits existierenden 20 realen Bänden 20 weitere virtuelle Bände, die alle auf der Plattform e-manuscripta publiziert wurden. Damit war das gewaltige Werk allgemein zugänglich, jedoch nur in der Schrift des 18. Jahrhunderts.
Heinrich Löffler nahm daraufhin die Aufgabe in Angriff, das Gesamtwerk zu transkribieren. Zuerst erstellte er einen Probeband, der zum 250. Todestag von Spreng vorlag und 2018 zusammen mit einer Ausstellung an der UB Spreng und seine Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte. In einem Kraftakt sondergleichen gelang es Löffler in der Folge, unterstützt von seiner Frau und einer Gruppe von ehrenamtlichen Mitarbeitern, das ganze Glossar vollständig abzuschreiben und für eine Publikation vorzubereiten. Diese erschien – in sieben Bänden mit insgesamt rund 4500 Seiten! – 2021 im Verlag Schwabe. In Kürze soll das Glossar auch als Datenbank publiziert werden. So wird man gemütlich darin schmökern, aber auch gezielt nach Einzelbelegen suchen können.
Ohne die unermüdliche und fokussierte Arbeit des Ehepaars Löffler und die Mithilfe des freiwilligen Transkriptionsteams wäre die Publikation nicht zustande gekommen. Ihnen allen sei deshalb an dieser Stelle im Namen der UB herzlich gedankt. Unser Dank gilt aber auch der Christoph Merian Stiftung und der Sophie und Karl Binding Stiftung, die mit grosszügigen Beiträgen der UB halfen, die nötige Infrastruktur und das nötige Personal zur Verfügung zu stellen. Man darf das Projekt mit Fug und Recht als ein Musterbeispiel für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Forschung, Bibliothek und Förderinstitutionen bezeichnen.
Text: Ueli Dill; Bilder: UB Basel