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Osteoporotische Fraktur der Lendenwirbelsäule
Die Osteoporose ist eine Knochenstoffwechselerkrankung, die v.a. in der älteren Bevölkerung auftritt. Durch den schleichenden Abbau der den Knochen stabilisierenden Anteile verliert der Knochen an Masse und wird dünner und poröser, wodurch es in der Folge zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Knochenbrüchen (Fraktur) kommen kann.
Osteoporotische Frakturen der Lendenwirbelsäule führen zu einer reduzierten Mobilität des Patienten, was v.a. im hohen Alter das Risiko der Mortalität erhöht. Vor allem Frauen haben ein erhöhtes Risiko an einer Osteoporose zu erkranken, da es nach der Menopause zu einer Veränderung des Hormonhaushaltes kommt.
Fehlende körperliche Aktivität und langjährige Einnahme von Glucokortikoiden und Nierenerkrankungen zählen auch zu den Ursachen einer Osteoporose.
Osteoporotische Fraktur der Lendenwirbelsäule
Symptome und Diagnostik
Typische Symptome sind Rückenschmerzen, die unmittelbar oder innerhalb einiger Tage bis Wochen auftreten und im weiteren Verlauf oft stärker werden. Bisweilen drücken Fragmente des Wirbelkörpers auf Nerven.
Dies kann zu Gefühlsstörungen und motorischen Ausfällen bis hin zu Querschnittslähmungen führen. Bei solchen Symptomen ist eine schnelle Abklärung unabdingbar.
Um eine Osteoporose zu diagnostizieren, muss die Knochendichte des Patienten gemessen werden. Bei der Knochendichtemessung wird der sogenannte T-Wert ermittelt, durch den ein Vergleich der Knochendichte zu einem 30-jährigen gesunden Erwachsenen gezogen werden kann.
Ein T-Wert von mehr als -1.0 gilt als normal. Ein Wert von -1.0 bis -2.5 gilt als Osteopenie, welches eine Vorstufe der Osteoporose ist. Ein Wert von kleiner -2.5 gilt als Osteoporose.
Konservative Behandlung
Unabhängig davon, ob eine konservative oder eine operative Therapie bei vorliegender Wirbelfraktur durchgeführt wird, sollte eine medikamentöse Therapie in jedem Fall veranlasst werden. Durch eine Blutanalyse werden Calcium, Vitamin D und weitere Faktoren des Knochenstoffwechsels bestimmt, bevor eine längerfristige medikamentöse (Calcium, Vitamin D3, Bisphosphonate) Therapie initiiert wird.
Bei einem Wirbelbruch ohne neurologische Ausfälle und ohne knöcherne Absprengungen der Wirbelkörperhinterkante kann eine konservative Therapie durchgeführt werden. Das oberste Ziel der konservativen Therapie ist es, eine schnelle und schmerzfreie Mobilisation des Patienten zu erzielen.
Hierbei kann eine mindestens 6-wöchige Therapie mittels eines Korsetts die Heilung des Knochens unterstützen. Bettruhezeiten sollten im Rahmen der konservativen Therapie möglichst kurz gehalten werden. Die Einnahme von Schmerzmedikamenten ist sinnvoll, um die Mobilität mittels remobilisierenden Übungen, rückenschulenden und lokalen physikalischen Übungen zu fördern.
Erlangt der Patient trotz konservativer Behandlung keine Beschwerdelinderung und ist in seiner Mobilität eingeschränkt und/oder kommt es trotz Korsettbehandlung zu einem weiteren Zusammenklappen des Wirbelkörpers, so kann eine operative Therapie in Erwägung gezogen werden.
Operative Therapie
Die Art und Ausmass der operativen Therapie wird massgeblich vom dem Grad der Wirbelkörperdeformation und Kompression der Nerven beeinflusst.
Als Methode der Wahl stehen zwei unterschiedliche Techniken zur Verfügung, die sich für eine klassische osteoporotische Kompressionsfraktur ohne Beteiligung der Hinterkante eignen. Zum einen die Vertebroplastie, welche bei Frakturen eingesetzt wird, die älter als drei Monate sind, und die Kyphoplastie, welche sich vor allem für frische, wenige Wochen alte Frakturen eignet. Das Prinzip bei beiden operativen Techniken ist es, den Wirbelkörper durch Injektion von Zement zu stabilisieren.
Bei schweren Wirbelkörperfrakturen mit Kompression des Spinalkanals oder bei Verkrümmung der Wirbelsäule muss ggf. neben einer Dekompression der Spinalkanals eine operative Stabilisierung mit einem Stab-Schrauben-System erfolgen.
Bei kompletter Destruktion des Wirbelkörpers muss hier unter Umständen und unter Abwägung der Belastbarkeit des Patienten der gesamte Wirbelkörper ersetzt werden.
Osteoporotische Fraktur Lendenwirbelsäule (LWS)
Operativer Verlauf der Vertebroplastie und Kyphoplastie
Beide operative Verfahren (Vertebroplastie und die Kyphoplastie) erfolgen in Vollnarkose und Bauchlage. Mit Hilfe eines Röntgenbogens wird der erkrankte Wirbelkörper aufgesucht. Bei Es werden zwei ca. 3 Millimeter messende Stichinzisionen am Rücken gesetzt, über die jeweils eine dünne Kanüle in den Wirbelkörper vorgeschoben wird.
Bei der Vertebroplastie wird durch beide Kanülen jeweils 2-3ml Zement direkt in den Wirbelkörper injiziert.
Bei der Kyphoplastie wird ein Ballon in den Wirbelkörper vorgeschoben und aufgeblasen. Dadurch kann der Wirbelkörper in seiner Höhe aufgerichtet werden. Anschliessend wird der Ballon wieder entfernt und der Raum mit Zement, welcher ebenfalls über die Kanüle eingebracht wird aufgefüllt und stabilisiert.
Nachdem der Zement appliziert wurde werden die beiden Kanülen wieder entfernt und die Inzision verschlossen. Das Risiko einer schweren Komplikation liegt bei <1%. Der Eingriff dauert bei der Versorgung von einer Fraktur in etwa 20-30 Minuten.
Operation osteoporotische Fraktur Lendenwirbelsäule (LWS)
Erfolgschancen und Nachbehandlung
Nach einer Operation folgt in der Regel ein 2-4-tägiger stationärer Aufenthalt, bevor der Patient nach Hause gehen kann.
Bereits während des Spitalaufenthalts führt ein Physiotherapeut die Patienten in ein Übungsprogramm ein, welches aus isometrischen (die Muskeln gleichmässig anspannenden) Spannungsübungen, besteht. Ziel ist es, dass die segmentalen, stabilisierenden Muskeln der Wirbelsäule aktiviert werden.
Sowohl die Vertebroplastie als auch die Kyphoplastie erzielen eine deutliche Reduktion der Rückenbeschwerden und Verbesserung der Lebensqualität über einen mehrjährigen Zeitraum.