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Geschichte
Der Uetliberg – schon in Urzeiten beliebt
Der älteste Siedlungspunkt unserer Gemeinde ist zweifellos der Uetliberg. Verschiedene Funde deuten auf eine fast lückenlose Besiedlung seit der Jungsteinzeit hin. Höhenpunkte waren ein keltischer Fürstensitz mit dorfartiger Siedlung und einer Befestigungsanlage, ein römischer Wachturm mit Refugium und der Bau der «Uotelenburg» des alemannischen Herzogs Gottfried Uattilo.
Etwas bescheidener nimmt sich dagegen die Geschichte des Tales aus, das die Reppisch im Laufe der Jahrtausende in die Molasse des einstigen Reussgletschers eingeschnitten hat. Die Alemannen besiedelten das zuvor kaum bewohnte Tal vom 6. bis 8. Jahrhundert und teilten das nutzbare Land unter sich und ihren Nachkommen auf. So entstanden bereits damals die meisten der noch heute bestehenden Gemeindeteile, Weiler und Höfe.
Vergabung an verschiedene Klöster
Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Stalliker Örtlichkeiten im Jahr 1122 und 1126 stehen im Zusammenhang mit Schenkungen an verschiedene Klöster. Bis zu jener Zeit gehörte der grösste Teil der Talschaft den Freiherren von Sellenbüren. Ihre Burg stand vermutlich auf dem Uetliberg an der Stelle des jetzigen Restaurants Uto-Kulm und des Aussichtsturms. Eine kleinere Vorburg, mehrheitlich aus Holz gebaut, stand auf dem Ofengüpf, einer vorspringenden Felskante oberhalb von Sellenbüren.
Freiherr Reginbert von Sellenbüren
Der Freiherr Reginbert von Sellenbüren gründete gemäss der Überlieferung das Kloster St. Blasien im Schwarzwald und übereignete diesem zahlreiche Ländereien, Güter und Höfe in unserer Gegend. Heinrich von Sellenbüren bedachte das Kloster Muri, und Konrad von Sellenbüren gründete 1120 als letzter dieses Geschlechts das Kloster Engelberg und trat in dessen Dienst. Mehr als drei Jahrhunderte später, anno 1466, verkaufte das Kloster Engelberg die Gerichtsbarkeit über Stallikon-Sellenbüren an Ritter Heinrich Effinger von Zürich, der diese 1532 an die Stadt Zürich weitergab. Die Stadt schlug die Ländereien zur Vogtei Wettswil und vereinigte diese 1538 mit der Obervogtei Bonstetten.
Ein Ritterwappen für das heutige Stallikon
Das Wappen der heutigen Politischen Gemeinde geht auf die Effinger zurück. Bekannt ist es aus einem Wappenbrief des Kaisers Friedrich III. für Peter Effinger und von zwei Glasscheiben aus dem 16. Jahrhundert. Anfang des 20. Jahrhunderts führte es nur noch der Stalliker Feldschützenverein in seiner Fahne. Im ursprünglichen Effinger-Wappen stand der Sparren in einem roten Feld. Um sich von diesem Familienwappen klar zu unterscheiden, entschied sich die Gemeindebehörde 1931 deshalb für einen geschweiften silbernen Sparren auf blauem Grund, in Anlehnung an das alte Wappen der Zivilgemeinde Stallikon, das eine silberne Rose mit grünen Blättern auf Blau darstellte.
Zürich brachte Arbeit, Bildung und Kultur
Nach der Reformation verstärkte sich die Bindung des Stallikertales an Zürich immer mehr. Im 16. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung so stark an, dass die Bauern aus dem sumpfigen Tal und den moorigen Hängen nicht mehr genug Nahrung für alle erwirtschaften konnten und der Zustrom beschränkt werden musste. Glücklicherweise konnten die Stalliker mit Holzlieferungen und Heimarbeit für die nahe Stadt ihre meist äusserst ärmlichen Lebensumstände etwas verbessern. 1772 zählte man in der Talschaft 142 Heimarbeiterinnen und -arbeiter in der Textilbranche.
Die intensiveren Kontakte zur nahen Stadt förderten Bildung und Kultur der Stalliker. Selbst ärmere Leute lernten lesen und schreiben und schafften sich sogar eine Bibliothek an. Wie etwa der Vater von Hans Rudolf Baur, dem dichtenden Boten von Sellenbüren, der besser lesen und schreiben konnte als der Schulmeister. Durch die zunehmende Industrialisierung und Zentralisierung der Fabriken in der Stadt ausgangs des 19. Jahrhunderts entvölkerten sich die Dörfer, Weiler und Höfe des Stallikertales. Auf stark frequentierten Fusswegen und der verbesserten Landstrasse zogen die Stalliker in die Stadt, zurück blieben fast ausschliesslich Bauern. Der Schwund an Bewohnern bewirkte nach und nach die Aufhebung der einzelnen Zivilgemeinden. Ihre heutige Form und ihre Grenzen erreichte die Gemeinde Stallikon bereits im Jahre 1927.
Endlich eine eigene Postautolinie
Seit 1854 bestand ein regelmässiger Botendienst zur Stadt Zürich, der die Verbindung zur Welt ausserhalb der Gemeinde aufrechterhielt. Im gleichen Jahr erhielt Stallikon eine Poststelle. Zuerst wurde sie durch Postboten aus dem Amt bedient. Nach Erstellung der Ämtlerbahn verband ein Postbotenkurs das Tal mit dem Bahnhof Bonstetten-Wettswil. Erst 1930 wurde Stallikon durch eine Postautolinie mit Zürich verbunden. Damit war der Grundstein zur heutigen Entwicklung und zum modernen Stallikon gelegt, denn plötzlich war es möglich geworden, in Stallikon zu wohnen und in der Stadt zu arbeiten. Das Postauto hatte rasch Erfolg, und heute sind die Linien 227, 235 und 236 feste Bestandteile im Zürcher Verkehrsverbund.
Bauboom zwischen 1960 und 2010
Das schöne Stallikertal war als letztes Gebiet in unmittelbarer Nähe der Stadt Zürich von Bauwilligen entdeckt worden und gab zu kühnsten Spekulationen Anlass. Es bestanden Pläne, das ganze Tal von Diebis bis Tägerst und dazu den grössten Teil der Hochebene Buchenegg zu überbauen – genug Platz für 25'000 Bewohner. Glücklicherweise regten sich aber auch andere Stimmen. Heute ist das Gebiet Uetliberg-Reppischtal Bestandteil des Inventars schützenwerter Landschaften von nationaler Bedeutung. Mit dem Zonenplan von 1971 versuchte man den Baudruck zulenken, um den Siedlungsstrukturen gewisse qualitative Formen zu geben. Seit Anfang der 1970er Jahre wuchs Sellenbüren kontinuierlich. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde auch das Dorf Stallikon als neues Baugebiet entdeckt, und es entstanden viele Wohnhäuser.
Ortsplanung für ein harmonisches Wachstum
In der Bau- und Zonenordnung 2010 wurde die frühere Planung im Wesentlichen bestätigt. Neu geschaffen wurden seit 1995 Kernzonen für die alte Dorfteile und Weiler, welche die Erhaltung alter Bausubstanz erleichtern. Die Behörden legen Gewicht auf Bauten, die sich unter Berücksichtigung des Natur- und Landschaftsschutzes positiv in die vorhandene Baustruktur und in unsere schöne Tallandschaft eingliedern. Der Zuwachs und die Bautätigkeit sind nicht mehr so rege, deshalb wird Stallikon eine Landgemeinde bleiben - mit Wiesen, Feldern und Wäldern direkt vor der Haustür. Die vielfältige Landschaft soll erhalten bleiben; ein wichtiges Element ist der in den Jahren 2003/04 mit einer Landumlegung geschaffene Öko-Korridor Reppisch.
Arbeitsplätze gibt es nicht nur in der Stadt
Stallikon hat sich trotz der Nähe zur Grossstadt Zürich eigenständig entwickelt und ist keineswegs nur eine Schlafgemeinde für Pendler. Nebst einiger landwirtschaftlicher Betriebe sind verschiedene Unternehmen im Materialverarbeitungs- und Dienstleistungssektor in Stallikon ansässig. Mit dem Landwirtschaftsbetrieb der Stiftung "Puureheimet Brotchorb" und dem Wohnheim Loomatt der Stiftung RgZ zugunsten cerebral Gelähmter haben auch soziale Institutionen ihren Platz in Stallikon gefunden.
Uetliberg und Reppischtal: ein wichtiges Naherholungsgebiet
Der Uetliberg und der Albisgrat bilden die Grenze zur Stadt Zürich und zum Sihltal. Damit ist der Zürcher Hausberg eigentlich auch derjenige von Stallikon. Die Wanderwege auf dem Albis, von der Bergstation der Uetlibergbahn über Mädikon - Balderen - Felsenegg - Buchenegg in Richtung Albispass werden jährlich von Tausenden begangen. Die Wege im und quer zum Tal - zusammen mit dem nahem Türlersee - machen das Reppischtal zu einem Wander- und Erholungsparadies.
Blick in die Zukunft
Durch die besondere Lage in Stadtnähe wird Stallikon seine Attraktivität als Wohngemeinde in der Agglomeration Zürich bewahren können. Mit der Planung soll eine gesunde Durchmischung von Wohnen, Gewerbe und Landwirtschaft erreicht werden. Es muss unser Bestreben sein, dabei den Schönheiten, der Eigenart der Landschaft und der natürlichen Umgebung Sorge zu tragen. Stallikon soll seinen einzigartigen dörflichen Charakter behalten, und das Kultur- und Vereinsleben soll sich harmonisch weiterentwickeln. Gemeinsam wollen wir dafür sorgen, dass sich alle - heute und morgen - in Stallikon wohl und zuhause fühlen.