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Sapporo (pte002/29.07.2020/06:00) – Forscher an der Hokkaido University http://www.global.hokudai.ac.jp haben ein Hydrogel entwickelt, das Informationen speichern, abrufen und vergessen kann, ähnlich wie das menschliche Gehirn. Es handelt sich um ein weiches Kunststoffgerüst, das 45 Prozent Wasser enthält. So gesehen ähnelt das Hydrogel dem Denkorgan von der Materialzusammensetzung her. Die Lern-, Erinnerungs- und Vergessensprozesse unterscheiden sich von denen des Gehirns jedoch grundsätzlich.
Lernphase in heißem Wasser
Professor Jian Ping Gong, Assistenzprofessor Kunpeng Cui und ihre Studenten und Kollegen haben ein dünnes Hydrogel zwischen zwei Kunststoffplatten platziert. Die obere wies einen Ausschnitt auf, ein Flugzeug etwa oder einen Buchstaben, sodass das Hydrogel in diesem Bereich freilag. Sie legten diese Kombination zunächst in kaltes Wasser und das Gel anschließend in ein heißes Bad. Hier absorbierte es Wasser, sodass es anschwoll.
Im nächsten Schritt landete das Gel wieder im kalten Wasser. Hier wurde es opak, also milchig – es hatte sich die Form gemerkt und behielt sie im „Gedächtnis“, zunächst jedenfalls. Nach und nach gab es das im heißen Bad gespeicherte Wasser wieder frei, sodass es innerhalb von wenigen Stunden auf sein Normalmaß schrumpfte – es „vergaß“ die gespeicherte Information, so wie es das menschliche Gedächtnis tut, wenn bestimmte Informationen als nicht mehr wichtig angesehen werden.
Geheimbotschaft verschwindet
Die Zeit bis zum „Vergessen“ lässt sich beeinflussen. Je länger das Gel im heißen Bad liegt, desto deutlicher und haltbarer wird das Bild des Flugzeugs oder Buchstabens. Derart behandelt dauert es deutlich länger, ehe das Gel in diesem Bereich wieder auf seine normale Dicke geschrumpft ist. Die Forscher stellten auch eine Abhängigkeit von der Temperatur des Wasserbades fest. Je heißer es war, desto besser prägte sich die Information ein.
„Das ist ähnlich wie beim Menschen. Je länger du etwas lernst oder je stärker die emotionalen Reize sind, desto länger dauert es, es zu vergessen“, unterstreicht Cui. Eine praktische Anwendungsmöglichkeit ist Cui auch schon eingefallen. Mann könne es nutzen, um Geheimbotschaften zu übermitteln, die von selbst verschwinden.