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Christus,
Beiname Jesu von Nazareth, des
Stifters der christl.
Religion. Das Wort ist griechisch (christós), bedeutet
«Gesalbter» und ist
Übersetzung des hebr. Messias (s. d.). Da
Jesus sich als der erwartete Messias oder
Christus zu erkennen gab, verband man diesen
Namen mit dem
Namen
Jesus. Nach Jesu
Tode wurde
Christus allmählich zum
Personennamen, und schon in den neutestamentlichen
Briefen findet sich
Jesus
Christus so gebraucht. Da die Überzeugung,
daß
Jesus von Nazareth der
Christ sei, die Grundlage der neuen religiösen Gemeinschaft ward, so nannten
sich die Verehrer Jesu seit dem 2. Jahrh. mit dem ursprünglich von
Heiden ausgegangenen
Namen
Christianer.
Die kirchlichen Vorstellungen von der Person Christi sind schon in den fünf ersten Jahrhunderten in der Hauptsache zu einer Art von Abschluß gekommen. Ihre Geschichte prägt sich namentlich in den verschiedenen Bedeutungen aus, in denen der Jesu von Anfang an beigelegte Name «Sohn Gottes» genommen wurde. Jesus selbst hat das Wort im rein religiösen Sinne gebraucht oder hat wenigstens einen rein religiösen Sinn in die jüd. Vorstellung des «Gottessohns» als des messianischen Königs hineingelegt.
Das ursprüngliche Judenchristentum (s. d.) sah in dem «Sohne Gottes» zugleich den «Sohn Davids», einen natürlich erzeugten Menschen aus Davids Geschlecht, der aber bei der Taufe durch Johannes mit dem Heiligen Geiste erfüllt ist. Früh gesellte sich hierzu die Vorstellung von seiner übernatürlichen Geburt aus der Jungfrau. Erschien so der Heilige Geist als das ihn beseelende göttliche Lebensprincip, so blieb doch die wesentliche Menschheit Christi die Grundanschauung des Judenchristentums.
Auch die künstlichern Theorien von einer Präexistenz des wahren Propheten, der schon in den Patriarchen und Mose erschienen sei, bis er in Jesu von Nazareth «seine Ruhe fand», oder von einem Engel oder Erzengel, der mit dem Menschen Jesus während seines Erdendaseins sich verbunden habe, beruhen auf derselben Voraussetzung, die das Judenchristentum nicht aufgeben konnte, ohne seine Grundlehre, die Einheit Gottes, zu verletzen. Dagegen war das Heidenchristentum von Anfang an in der Richtung auf Anerkennung der wesentlichen Gottheit Christi begriffen.
Schon Paulus sah in dem «Sohne Gottes» vor allem den Auferstandenen und zum Himmel [* 2] Erhöhten und gelangte von dem Anschauungsbilde des «pneumatischen Herrn der Herrlichkeit» zu der Annahme seiner Präexistenz. Dieser präexistente Sohn Gottes sei im Fleische erschienen, um als der zweite Adam der Anfänger der neuen geistigen Schöpfung zu werden, durch seinen Kreuzestod den Gesetzesfluch zu vernichten und in dem neuen geistigen Israel die Scheidewand zwischen Heiden und Juden niederzureißen.
Die jüngern Paulinischen
Briefe legten ihm
Prädikate bei, welche weit über die wesentliche Menschheit hinauswiesen. In der
Folgezeit sind im Heidenchristentum zwei Hauptrichtungen zu unterscheiden: die eine verehrte in
Christus den
im Fleische erschienenen, dem
Leiden
[* 3] und
Sterben unterworfenen Gott, oder dieselbe
Person wie den
Vater im Himmel;
die andere versuchte einen schon durch die alexandrinisch-jüd. Religionsphilosophie angebahnten Mittelweg, um die wesentliche Gottheit Christi mit seinem persönlichen Unterschiede vom Vater zu vereinigen.
Dies geschah durch die Vorstellung, daß das göttliche Offenbarungsprincip oder das göttliche «Wort» (Logos, s. d.), das von Anfang an bei Gott war, zum Zwecke der Weltschöpfung als besondere göttliche Persönlichkeit hervorgegangen und in dem Menschen Jesus von Nazareth Fleisch geworden sei. Diese schon von hellenisierenden Kirchenlehrern des 2. Jahrh. entwickelte und durch das Johannes-Evangelium empfohlene Lehre [* 4] wurde von den röm. Bischöfen noch im 3. Jahrh. als «Zweigötterei» verdammt, gewann aber immer allgemeiner in der Kirche die Oberhand. Die alexandrin. Lehrer bildeten sie weiter aus zur Annahme eines ewigen Hervorgehens des Wortes aus Gott oder einer ewigen Zeugung des Sohnes durch den Vater.
Die Konsequenz davon war die von Athanasius behauptete volle Wesensgleichheit des Sohnes mit
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen. ¶
mehr
dem Vater, die von der Kirchenversammlung zu Nicäa (325) beschlossen und auf der zu Konstantinopel
[* 6] (381) bestätigt wurde.
Die Gegenlehre des Arius, daß der Sohn nur das erstgeschaffene Geschöpf und als solches freilich nicht Gott, aber der vorweltliche
Vermittler der Schöpfung und der Erlöser sei, unterlag nach harten Kämpfen (s. Arianer). Die weitern
kirchlichen Streitigkeiten bezogen sich nur auf das Verhältnis dieser zweiten göttlichen Persönlichkeit zu der Menschheit
in
Christus. Die Alexandrinische Schule sprach nur von einer Erscheinung der ewigen Logospersönlichkeit in menschlicher Daseinsform
oder von einer Hinzunahme menschlicher Eigenschaften zu der Einheit einer gottmenschlichen Natur; die Antiochener lehrten
ein Einwohnen des göttlichen Logos in dem Menschen Jesus. Letztere Lehre ward zu Ephesus (431), die Lehre
von einer Vermischung göttlicher und menschlicher Natur zu Chalcedon (451) verdammt. Die seitdem kirchlich feststehende Lehre
war die, daß in der Person Jesu Christi seit der Menschwerdung zwei ungetrennte und unvermischte Naturen, die göttliche
des ewigen Sohnes und eine menschliche, verbunden seien.
Noch in der Reformationszeit wiederholte sich in dem Lehrstreite zwischen Lutheranern und Reformierten über Christi Person
der alte Gegensatz zwischen Alexandrinern und Antiochenern in subtilerer Weise. Die luth. Dogmatik bildete die Lehre von der
Mitteilung göttlicher Eigenschaften an die menschliche Natur in
Christus, vor allem der Allgegenwart
und der «Majestät», in der feinsten und künstlichsten Weise aus. Aber schon in der Reformationszeit haben die Socinianer,
danach die Deisten und Rationalisten die Gottheit Christi bestritten, und letztere fanden das Göttliche in ihm nur in seiner
«Weisheit und Tugend».
Der Versuch der Hegelschen Schule, die Menschwerdung Gottes als tiefe spekulative Wahrheit zu begründen,
schien nur zu einer Menschwerdung Gottes in der Gattung zu führen, und endete in Strauß
[* 7] mit dem Eingeständnisse, daß die
göttliche «Idee» niemals ihre Fülle über ein einziges Individuum ausschütte,
um gegen die andern zu geizen. Schleiermacher setzte das «Sein Gottes in
Christus» in die Kräftigkeit seines
Gottesbewußtseins oder in seine religiös-sittliche Urbildlichkeit, wurde aber ebenfalls von Strauß bekämpft, und in der
spekulativen, von Hegel und Schleiermacher ausgegangenen Theologie wurde über die Möglichkeit der Annahme eines schlechthin
unsündlichen Menschen gestritten.
Die freiere Theologie der Gegenwart hat das Göttliche, dessen Offenbarung in
Christus der christl.
Glaube festhalten muß, nur als den höchsten Ausdruck der in einem vollkommen gotteinigen Menschenleben offenbarten göttlichen
Liebe gefaßt. Unter Festhaltung der wesentlich menschlichen Persönlichkeit Christi pflegt die Ritschlsche Schule seine
«Gottheit» von neuem zu betonen, versteht aber darunter nur die Offenbarung
des auf die Gründung des Gottesreichs gerichteten Willen Gottes in Christi Person und Werk. (S. Christentum
und Jesus.) -
Vgl. Baur, Die christl. Lehre von der Dreieinigkeit und Menschwerdung Gottes (3 Bde., Tüb. 1841-43);
Dorner, Entwicklungsgeschichte der Lehre von der Person Christi (2. Aufl., 2 Bde., Berl. 1845-56);
H. Schultz, Die Lehre von der Gottheit Christi (Gotha [* 8] 1881);
Herm. Schmidt, Zur Christologie (Berl. 1892).