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Die Mobilmachung 1939 wirkte sich auf die ganze Gesellschaft aus.
Der deutsche Angriff auf Polen am 1. September 1939 war der Ausbruch eines lange angekündigten Krieges. Lange schon hatte die schweizerische Öffentlichkeit mit dem Schlimmsten gerechnet und doch gehofft, dass ein neuer Krieg noch vermieden werden könnte. Auch ein Teil der Bieler Schuljugend hatte aufmerksam mitverfolgt, was im nahen Ausland vor sich ging. So dankten die Schülerinnen Dorli, Ruth und Hanny von der Sekundarschule Biel dem englischen Premierminister Chamberlain im Herbst 1938 für dessen Friedensbemühungen - und erhielten am 12. Dezember eine persönliche Antwort des Staatsmanns. Damals war Chamberlain noch überzeugt, den Frieden gesichert zu haben - schliesslich hatte er nur zwei Monate zuvor die "letzte territoriale Forderung" Hitlers erfüllt, indem er den erzwungenen Verzicht der Tschechoslowakei auf die sudetendeutschen Gebiete akzeptierte.
Doch spätestens seit der deutschen Besetzung des tschechischen Kernlandes im März 1939 standen die Zeichen auf Sturm. Allen war klar, dass Hitlers neue Forderungen gegenüber Polen zu einem Krieg führen konnten. Auch in Biel wurde die Wehrbereitschaft von allen wesentlichen politischen Kräften unterstützt - am 1. Mai trat Robert Grimm vor der Bieler Arbeiterschaft für die absolute Neutralität und die unbedingte Landesverteidigung ein. Bald folgten konkrete Massnahmen im Hinblick auf den Ernstfall: Im April riet das Eidgenössische Militärdepartement (EMD) der Bevölkerung, Gasmasken zu kaufen, und die kürzlich in Betrieb genommenen Alarmsirenen der Stadt Biel wurden fortan jeden Monat auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft. Im Juni riefen die städtischen Behörden ehemalige Wehrmänner auf, sich für die aktive Fliegerabwehr zu melden, und die Eidgenössiche Abstimmung über die Verstärkung der Landesverteidigung fand eine Zweidrittelsmehrheit. Auch der Nationalfeiertag stand ganz im Zeichen der Kriegsgefahr: Am Abend des 1. August bewegte sich ein 2500 Personen zählender Zug von der Wildermethmatte in Richtung Strandboden. Dort vereinigten sich das Territorialbataillon 168, die Musikgesellschaften, Turn- und Trachtenvereine, Bürgerinnen und Bürger sowie über tausend Kinder zu einer vaterländischen Feier. Das Eidgenössische Hornusserfest, das Ende August in Biel stattfand, präsentierte sich als Feier der nationalen Selbstbehauptung - und dann kam der Krieg.
Nur zwei Tage nach dem Fest, am 29. August, bot der Bundesrat wegen akuter Kriegsgefahr die Grenztruppen auf, worauf sich in Biel etwa 4000 Wehrmänner vor allem in den Raum Jura bewegten. Am selben Tag beriet der Bieler Gemeinderat Massnahmen zur Rationierung der Lebensmittel, während der Ansturm auf die Benzintankstellen die Kraftstoffreserven noch vor der behördlichen Sperre schwinden liess. Als die Vereinigte Bundesversammlung am 30. August Henri Guisan zum General wählte, wurde in Biel das Kommando des Luftschutzes dem Polizeiadjunkten Walter König übertragen. Am zweiten Kriegstag marschierten das städtische Luftschutzkorps, die Stadtpolizei und die Feuerwehr auf die Wildermethmatte, wo sie auf die zehn Kriegsartikel vereidigt wurden.