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Neben der Grammatik hat er selbst seine Arbeiten zu Textanalyse und Verstehenstheorie, zu systematischem Sprachvergleich (zumal der Schulsprachen), zur Entwicklung der Kindersprache, des Lesens und des Schreibens und zur Graphematik sowie - bezogen auf die Schule und Praxis - zur Rechtschreibreform als besonders wichtig angesehen.
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Sitta, Horst
Keine Frage: Besonders wenig Freunde hat die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung bei den Poeten: In seltener, geradezu lemminghafter Einmütigkeit haben sie in den zurückliegenden Jahren in den Reihen der Reformgegner gewirkt, und sie tun es schon wieder. […] Übrigens ist von keinem aus dieser Runde je eine relevante wissenschaftliche Arbeit zu Fragen der Graphematik vorgelegt worden. Wenn man übrigens mit Menschen aus dieser Gruppe direkt das Gespräch sucht, geben sie oft unverblümt zu, dass sie entweder die Regeln gar nicht kennen (und sich an dieser Stelle voll auf ihre Lektoren verlassen) oder dass sie ihnen herzlich gleichgültig sind. […] Ich trete ein für die beschlossene Neuregelung und ich trete mit gleicher Entschiedenheit ein für das Recht von Autoren, ihre orthografischen Signale so zu setzen, wie es ihrem künstlerischen Gestaltungswillen entspricht.
Durch den ganzen Beitrag von Peter von Matt zieht sich ein Gedanke, der im Feuilleton ebenso wie offenbar in der Literaturwissenschaft unproblematisiert gilt, dass nämlich (Recht-)Schreiben Sprache ist. Folgerichtig ist dann bei Peter von Matt die Rede davon, dass die Orthographiereform «Eingriffe in den Wortschatz» gemacht habe, «Wörter zerstört» habe und dass von den Erziehungsdirektoren «nicht ersetzbare Wortverbindungen verboten» worden seien. Demgegenüber möchte ich festhalten: Zwischen Sprache und (Recht-)Schreibung ist scharf zu unterscheiden. […] Es fehlte nicht an Einladungen zur Vernehmlassung, wohl aber an Resonanz. Insofern haben sich die Schweizer Erziehungsdirektoren durchaus korrekt verhalten.
Die Einführung der neuen Rechtschreibung in der Schule war in allen Ländern gut vorbereitet. […] Der Unterricht nach den neuen Regeln verläuft ohne Probleme. […] Wo Kritik geäussert wird, richtet sich diese oft nicht gegen Veränderungen durch die Neuregelung, sondern dagegen, dass die Veränderungen nicht weiter gegangen sind. Entsprechend aufschlussreich sind die geäusserten Vorschläge, die in unterschiedlicher Gewichtung deutlich einer Weiterführung der Reform das Wort reden. Verschwindend gering sind Voten, die eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung präferieren. […] Die Neuregelung verdient gegenüber der alten Rechtschreibung den Vorzug, nicht etwa - wie oft zu hören ist - weil eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung unnötig teuer wäre oder weil man aus psychologischen Gründen nicht mehr zurück kann, sondern weil sie die regelungsmächtigere ist und weil sie leichter lehr-, lern- und handhabbar ist.
Keiner, der das neue Regelwerk ernsthaft prüft, wird mit dem erreichten Ergebnis bis in alle Einzelheiten einverstanden sein. Das gilt auch für uns. Insgesamt haben wir mehr gewollt, einiges wollten wir anders, manches wollten wir nicht. Dies ändert aber nichts an unserer Überzeugung, dass die neue Regelung als Ganzes der bisherigen klar überlegen ist: Sie ist einfacher handhabbar — dies gilt für Kinder wie für Erwachsene —, und sie ist besser lehrbar und lernbar.
Für die offizielle Übergangsfrist (Schuljahrbeginn 1998/99 bis Ende Schuljahr 2004/05) gilt: Es werden nur noch die neuen Schreibungen gelehrt, gegenüber den alten Schreibungen aber, soweit sie in Schülertexten vorkommen, ist Toleranz zu üben. Das heisst: Sie sollen als veraltet angemerkt, nicht aber als Fehler bewertet werden. Ein solches Vorgehen ergibt sich logisch daraus, dass während der Übergangsfrist noch eine ganze Reihe von Lehrmitteln, die die alte Schreibung repräsentieren, in Gebrauch sind und die Schüler täglich mit den alten Schreibungen konfrontiert sind.
Unklar ist, wie denn die Entscheidungsprozesse in der Bundesrepublik verlaufen.
Abstract: Die Vf. erläutern Vorschläge zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, die von Expertengruppen aus den deutschsprachigen Ländern an die Regierungen übergeben wurden. Veränderungen soll es in folgenden Bereichen geben: Laut-Buchstaben-Zuordnungen, Getrennt- und Zusammenschreibung, Schreibung mit Bindestrich, Groß- und Kleinschreibung, Zeichensetzung und Worttrennung am Zeilenende.
Weitgehend unbeachtet von der öffentlichen Diskussion ist in den letzten Jahren die wissenschaftliche Arbeit an einer Reform der deutschen Rechtschreibung vorangetrieben worden. […] Aus lebhaften Reformdiskussionen (in der Schweiz hat sich hierbei besonders der Bund für vereinfachte rechtschreibung hervorgetan) entstanden zahlreiche Reformvorschläge. […] Die Fortschritte in den gemeinsamen wissenschaftlichen Bemühungen legten den Grund für die Möglichkeit politischer Vorentscheidungen, wie sie in Wien getroffen worden sind; und diese wiederum geben den Wissenschaftern die Möglichkeit zu sinnvoller Weiterarbeit. […] Der erste Block der Reformvorschläge soll von den Fachleuten bis Ende 1988 verabschiedet sein. Dann werden die politischen Instanzen entscheiden, ob es eine Reform geben soll – eine zweite Wiener Konferenz ist für Dezember 1988 geplant. Auch wenn dieser Zeitplan vielleicht nicht ganz eingehalten werden kann: Die Chancen für eine positive Entscheidung – wir haben es am Anfang ausgesprochen – sind nicht schlecht.
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