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Stephan Märki
* 15.4.1955 Bern.
Nach dem Gymnasium in Basel und einer Ausbildung zum Fotografen und Werbeleiter (1972–75) wurde M. Teilhaber einer Werbe- und Presseagentur. Ab 1980 Schauspielunterricht in München unter anderem bei Ruth von Zerboni und Margret Langen sowie verschiedene Engagements an Theatern (Theater am Einlass in München) sowie bei Film und Fernsehen. Am 20.9.1985 eröffnete M. im Haus des inzwischen geschlossenen Theaters am Einlass das Teamtheater mit Arnolt Bronnens "Vatermord" (Regie: Lis Verhoeven); 1992 kam als zweite Spielstätte das Teamtheater Tankstelle hinzu. M. leitete die beiden Bühnen bis 1994. Der Spielplan enthielt experimentelles Theater ebenso wie Boulevardstücke und Klassiker der Bühnenliteratur. M. inszenierte dort unter anderem Sternheims "Die Hose", Gabriel Baryllis "Butterbrot" und Wildes "Bunbury". 1993 wurde M. Intendant des Hans Otto Theaters in Potsdam. Im Schauspiel enthielt der ausgewogene Spielplan Klassiker und bekannte Stücke der Moderne, zudem Uraufführungen, beispielsweise Werner Schwabs "Faust:: Mein Brustkorb: Mein Helm" sowie Bronnens 1912 entstandenes Stück "Recht auf Jugend". Im Musiktheater wurden verschiedene seltener gespielte Werke wie beispielsweise Glucks "Die Pilger von Mekka" oder Mozarts "La finta semplice" gezeigt, zudem Musicals, etwa Waits/Wilson/Burroughs’ "The Black Rider". Wegen der drohenden Schliessung des Musiktheaters verliess M. 1997 das Hans Otto Theater und arbeitete anschliessend als freischaffender Regisseur unter anderem am Deutschen National Theater Weimar (1998 →Franz Wittenbrink/Gottfried Greiffenhagens "Die Comedian Harmonists") und am Schlosstheater Schönbrunn in Wien (1999 Molières "Tartuffe"). Seit 2000 ist M. Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar/des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar. Unter seiner Leitung konnte die aus finanziellen Gründen geplante Fusion mit dem Theater Erfurt abgewendet werden. M. entwickelte und realisierte das viel diskutierte so genannte Weimarer Modell. Um die stetig steigenden Fixkosten des Hauses, verursacht durch die an die Tarifabschlüsse des öffentlichen Dienstes gebundenen Löhne aller nichtkünstlerischen Theaterangestellten bei nicht entsprechend angepassten Subventionen, zu stoppen, schlug M. vor, das Theater von den Flächentarifverträgen abzukoppeln und mit sämtlichen Theaterangestellten neue, hauseigene Verträge auszuhandeln. Entsprechend beschloss der Stadtrat 2002, das Theater in eine privatwirtschaftliche gemeinnützige GmbH umzuwandeln. Mit Einwilligung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf lineare Tariferhöhungen verzichteten, konnten sämtliche Arbeitsplätze gesichert und dem Theater so neuer Handlungs- und Planungsspielraum ermöglicht werden. Das Modell war im deutschen Kulturbetrieb sehr umstritten, die Weimarer Bevölkerung jedoch unterstützte das Theater in seinem Ansinnen mit einer Bürgerinitiative und Demonstrationen. In Weimar inszenierte M. unter anderem 2001 →Frank Wedekinds "Lulu" und 2003 Kristo Šagors "Werther. Sprache der Liebe" nach Goethe. Unter M.s Intendanz wurden im Schauspiel beispielsweise 2000 Gombrowicz’ "Yvonne, die Burgunderprinzessin", 2002 Hanns von Mühlenfels’ "Execution Limited", Schillers "Der Parasit" und Jon Fosses "Die Nacht singt ihre Lieder", 2003 Lessings "Nathan der Weise" und die Uraufführung von Šagors "Die nächste Unschuld", 2004 Sophokles’ "Antigone" sowie die Uraufführung von Felix Ensslins "Durch einen Spiegel ein dunkles Bild" gegeben, im Musiktheater nebst dem gängigen Repertoire von Werken Mozarts, Puccinis und Verdis 2001 Wittenbrinks "Sekretärinnen" und eine Rekonstruktion von Francesco Maria Veracinis "Rosalinda" unter dem Titel "Wie es euch gefällt", 2002 Manfred Trojahns "Was ihr wollt" sowie 2004 die zeitgleich am Theater der Stadt Trier uraufgeführte Oper "Die unendliche Geschichte" von Siegfried Matthus. In der von Francesca Spinazzi geleiteten Sparte Tanz wurden ausschliesslich Gastspiele nationaler und internationaler Gruppen, etwa Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal oder P.A.R.T.S. aus Brüssel, gezeigt. 2004 führte M. Regie bei der hauptsächlich mit Schauspielerinnen und Schauspielern des Weimarer Ensembles besetzten Freilichtinszenierung von Schillers "Wilhelm Tell" auf dem Rütli am Vierwaldstättersee (Schauplatz der Schwurszene) zum Jubiläum der Uraufführung von 1804 in Weimar. 1999 hatte M. eine Gastprofessur am Max-Reinhardt-Seminar in Wien inne.
Autorin: Sara Baumann
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Baumann, Sara: Stephan Märki, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1182–1183.