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Versickerungsschlote
Von Max Butler.
Schlote sind, im Gegensatz zu Dolinen, vorwiegend lotrechte, oft gewundene Auslaugungsschächte grosser Tiefen im Kalkgestein. Mechanische Erosion eiszeitlicher oder junger Schmelzwasser längs Absonderungsfugen oder Klüften im Gestein erzeugte die primären Sturzrinnen oder Sturzschächte. In vielen Fällen wird die chemische Auslaugung der Schmelzwasser an der Umgestaltung und Vertiefung der Schlote im Spiele sein. Nach neueren Forschungen sollen sogar Mikroorganismen in den Schmelzwassern für die Gesteinsauflösung verantwortlich gemacht werden.
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Manchem Bergsteiger sind die Trichter und Schlote östlich der Windgällenhütte auf dem Örtliboden ca. 2040 m bekannt. Die Wasser einiger kleiner vom Stäfelgletscher abfliessenden Bäche verschwinden daselbst plötzlich unterirdisch in unbekannte Tiefe und Richtung. Durch stud. iur. Frank auf die Schlote aufmerksam gemacht, unternahm der Verfasser einen Augenschein eines dortigen Trockenschlotes. Uns interessierte zunächst die Schlottiefe. Statt Lotung behalfen wir uns in der Eile mit Schallmessungen auf Grund frei fallender ausgedienter Konservenbüchsen. Der Schall des letzten Aufschlages reflektierte im Mittel nach 10,5 Sekunden, nachdem 5 Zwischen-aufschläge wahrnehmbar waren.
Unter wiederholter Anwendung der Fallgleichung für die Einzelfall-zeiten liess sich eine minimale approximative Tiefe des nahezu lotrechten, aber gewundenen oder gekröpften Schlotes von 119 m errechnen. Würden die verschiedenen Aufschlagszeiten chronometrisch genau gemessen werden und die Resonanzzeiten berücksichtigt, so liesse sich die Schlottiefe viel genauer errechnen.
Zweifellos wird der zurzeit wasserlose Schlot seine Fortsetzung labyrinth-artig gegen das Maderanertal haben, dessen Sohle im Querprofil ca. 500 m tiefer liegt. Die Ausmündung des Schlotes, ob wasserfrei, ob intermittierend als Quelle oder Wasserfall, ist dem Verfasser unbekannt.