Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03224.jsonl.gz/1185

In der Schweizer Presse gibt nach der Niederlage der Schweizer Mannschaft gegen Chile vor allem der Schiedsrichter zu reden. Während die Kommentatoren den Schiedsrichter kritisieren, weisen die Experten darauf hin, dass Chile besser gespielt habe.
"Raus mit den Exoten!" kommentiert der Blick. Der saudische Schiedsrichter solle lieber in der Wüste Kamele treiben, giftet das Boulevardblatt, er sei mit dem hohen Spielrhythmus völlig überfordert gewesen.
Der Blick erinnert sich allerdings, dass auch die Deutschen "Schiedsrichterpech hatten", in diesem Fall habe es sich um einen Spanier gehandelt, "er hatte einen schlechten Tag".
Die NZZ kommentiert die umstrittene Szene aus dem Spiel Schweiz-Chile nicht. In der Sport-Kolumne jedoch spottet der Schreiber über den Schweizer TV- Kommentator Sascha Rufer, der "gefühlte sieben Stunden" über den Schiedsrichter lamentiert habe, weil der aus Saudiarabien komme und "sicher gekauft" worden sei von Gaddafi.
Die Berner Zeitung moniert in ihrem Kommentar, es sei nicht nachvollziehbar, warum die Schiedsrichter an der WM aus "Fussballentwicklungsländern" stammen sollten.
Doch die BZ meint auch: "Es wäre zu einfach, die Niederlage gegen Chile mit der Leistung des Schiedsrichters zu begründen." Die Schweiz habe bereits vor der strengen roten Karte offensiv nicht überzeugt. Fazit des Blattes: "Drei Torchanchen in zwei WM-Partien sind deutlich zuwenig."
Nicht die Hoffnung verloren
Die Schweiz habe zwar einen Match verloren, aber nicht die Hoffnung, konstatiert das welsche Boulevardblatt 24heures, und die Tribune de Genève meint, dass diese Situation auch ihr Gutes habe, sei doch die Schweiz nun zum Siegen gezwungen.
Mit der roten Karte habe die Schweiz einen Vorwand gefunden, um ihre Unzulänglichkeit zu kaschieren. Die Schiedsrichter kämen aus der ganzen Welt, "um das beliebteste Spiel zu pfeifen, das die Männer je erfunden hätten", schreiben die zwei Zeitungen.
Dass das Niveau der Arbitrage allerdings nicht überall international sei, habe der Mann aus Saudiarabien zwar bewiesen. Doch so oder so hätten die Chilenen sich als "viel talentierter" gezeigt.
Der Schiedsrichter "habe die rote Karte verdient", schreibt Le Matin in seinem Kommentar. Er habe zeigen wollen, wer der Chef auf dem Platz sei.
Sepp Blatter habe im Vorfeld verlauten lassen, er wünssche die schönsten Spiele der Geschichte, die von den besten Spielern des Planeten ausgetragen würden, aber dafür, hält das Boulevardblatt fest, "muss die Fifa auch die besten Schiedsrichter aufstellen".
"Trotz allem, Benaglio und seine Mitstreiter standen zusammen, kompakt, konzentriert. Dies ist ein gutes Vorzeichen für den Match am Freitag gegen Honduras in Bloemfontain. Und das macht Mut", liest man im Tessiner Giornale del Poplo.
"Nun muss sie gegen Honduras zum ersten Mal in dieser WM das Spiel bestimmen und mit Entschlossenheit und Aggressivität um den Sieg kämpfen. Die Qualifikation liegt noch in Reichweite für die Schweizer Nationalmannschaft. Gewinnt sie mit zwei Toren Unterschied, wäre das mathematisch gesehen der Eintritt in die Achtelfinals“, rechnet die Zeitung vor.
Die Meinung der Fussballlegenden
Karli Odermatt, Schweizer Fussballlegende, meint in der Basler Zeitung, dass Chile den Sieg nicht gestohlen habe. "Die Mannschaft hat mich überzeugt, sie spielte blitzschnell nach vorne." An der roten Karte gegen Berahmi gebe es nichts zu deuteln. "Er hat zweimal nach hinten ausgeschlagen." Und: "Die Hand hat dort oben nichts zu suchen."
Man könne nicht behaupten, dass Chile unverdient gewonnen habe, so der ehemalige Coach der Schweizer Nationalmannschaft, der im Blick zu Wort kommt. Alex Frei sei noch nicht bereit gewesen, auf diesem Niveau Stricke zu zerreissen, Hitzfeld hätte ihn besser erst später eingewechselt, ebenso wie Valon Behrami.
Köbi Kuhn traut sich zu sagen, dass "der Herr aus Saudi-Arabien nicht ganz falsch" lag in Bezug auf die rote Karte. "Wenn man als Spieler sieht, dass dieser Schiedsrichter einen solch strengen Massstab anwendet, (…), dann muss man sich eben zurückhalten", meint er. Kuhn ist aber überzeugt, dass der Steilpass der Chilenen, bevor sie das Tor schossen, Offside war.
Chilenische Presse
In der chilenischen Presse ist keine Rede davon, dass die rote Karte gegen Berahmi nicht gerechtfertigt gewesen sein soll. El Mercurio schreibt, dass die Roten (die Chilenen) viel besser gewesen seien als die Schweizer. Daher sei es gerecht, dass sie eine Mannschaft geschlagen habe, die nur gespielt habe, um sich zu verteidigen.
Von der ersten Minute an habe sich gezeigt, dass das, was auf dem Papier vorausgesagt wurde, wahr sei: "Chile war der Hauptakteur und die Schweiz hat nur pariert."
Auch La Nación ist der Meinung, das Resultat sei gerecht ausgefallen. "In einem Match, den sie weitgehend dominierten, haben die Roten mit Minimalaufwand gewonnen. Mit dem Tor von Mark Gonzáles steht die Mannschaft nun in der Tür zur Qualifikation. Nun, da sie auf Spanien trifft."
Einzig La Hora meint, dass Chile "dank den Schweizern" gewonnen habe. Die Mannschaft habe gelitten und Fehler gemacht, man könne ihr viel vorwerfen. Aber angesichts der Gerechtigkeit und der Haltung, mit der die Mannschaft gewonnen habe, sei dies minimal.
Eveline Kobler, swissinfo.ch
Schweiz an der WM
16. Juni, Durban (16h): Spanien-Schweiz: 0:1
21. Juni, Port Elizabeth (16h): Schweiz-Chile: 0:1
25. Juni, Bloemfontein (20h30): Schweiz-Honduras