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Prof. Dr. Christian Gerhaher
Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an Prof. Dr. Christian Gerhaher. Die Fakultät würdigt damit seine grossen Verdienste um die Musik und die Gesangskunst, die er wie nur wenige mit intellektueller Durchdringung, wissenschaftlicher Präzision und sprachlicher Reflexion zu verbinden weiss.
Christian Gerhaher wurde am 24. Juli 1969 in Straubing geboren. Nach dem Abitur in Straubing studierte er von 1988-1990 an der Hochschule für Philosophie in München, dann von 1990 bis 1998 Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie an der Universität La Sapienza, Rom. 2000 wurde er in München mit einer Arbeit «Methodische und klinische Ergebnisse diagnostischer und therapeutischer Handgelenksspiegelungen» zum Dr. med. promoviert. Gleichzeitig begann er als Gaststudent sein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und Theater München (1992-1994) sowie an der Universität der Künste, Berlin (1993/94). Seine Gesangslehrer waren Paul Kuën und Raimund Grumbach. Er besuchte zudem Meisterkurse bei Dietrich Fischer-Dieskau, Inge Borkh und Elisabeth Schwarzkopf. Von 2004 bis 2009 wirkte er als Professor für Gesang und Oratorium an der Hochschule für Musik und Theater München, ab 2010 nur noch als Honorarprofessor. 2021 wurde er erneut, gemeinsam mit seinem Klavierpartner Gerold Huber, auf eine Professur für Liedgestaltung an die Hochschule für Musik und Theater München berufen; der Amtsantritt erfolgte 2022.
Abgesehen von einem kurzen Engagement am Mainfranken Theater Würzburg hat sich Christian Gerhaher nicht fest an ein Theater gebunden. Er erlangte zunächst als Lied- und Oratoriensänger, dann auch als Opernsänger Weltruhm und ist seit über einem Vierteljahrhundert regelmässig Gast auf allen grossen Opern- und Konzertbühnen der Welt. Er erhielt für sein Wirken eine Fülle bedeutender Preise und Auszeichnungen, darunter mehrfach den Preis der deutschen Schallplattenkritik, den Olivier Award (2011), den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (2014), den Royal Philharmonic Society Music Award (2015), die Hugo-Wolf-Medaille (2022) und den Bayerischen Staatspreis für Musik (2017); 2023 wird er den Robert-Schumann-Preis erhalten. Er ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Akademie der Künste in Berlin sowie des Garrick Club in London; 2015 wurde er zum Bayerischen Kammersänger ernannt.
Christian Gerhaher ist ein Sänger, der wie kaum ein anderer die musikalische Gestaltungskraft mit intellektueller Durchdringung verbindet. Er ist einer der führenden Liedinterpreten unserer Zeit, sein Opernrepertoire reicht von Monteverdi bis in die Gegenwart. Er tritt zudem immer wieder als Autor hervor (er schreibt mitunter die Werkkommentare zu seinen Aufnahmen selbst), sein jüngst erschienenes «Lyrisches Tagebuch. Lieder von Franz Schubert bis Wolfgang Rihm» (München: Beck 2022) erregte grosses Aufsehen. Gerhaher kann als im tiefen Sinne gelehrter Musiker gelten. In Zürich ist er oft zu Gast, hier gab er sein Debüt als Wozzeck, Heinz Holligers «Lunea» wurde hier mit ihm in der Titelpartie uraufgeführt.
Dem Musikwissenschaftlichen Institut der Universität ist er eng verbunden, u.a. hat er hier einen Graduiertenworkshop zur Liedinterpretation gehalten. Christian Gerhaher hat sich zudem immer wieder und nachdrücklich für das Werk des Komponisten Othmar Schoeck eingesetzt, der seinerseits 1928, also vor 95 Jahren, zum Ehrendoktor an der Universität Zürich promoviert wurde.