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Verstehen Sie, was Ihre neuen Bekannten wollen, wenn sie nach der Natelnummer fragen oder Sie bitten, einen Teigwarensalat für das Buffet mitzubringen? Wissen Sie, was Sie erwartet, wenn Sie zu einem Apéro eingeladen werden? Nein? Das hier für Sie zusammengestellte Wörterbuch und die Dos and Don’ts helfen weiter.
Apéro: Aperitif – Beschreibt sowohl ein, meist alkoholisches, Getränk, das vor dem Abendessen («Znacht») meist zusammen mit Appetithäppchen konsumiert wird wie auch den sozialen Austausch, der mit der Konsumation des Getränks verbunden ist. Mehr zum Apéro in der Schweiz in den Dos and Don’ts.
Bostitch: Heftklammer, Tacker
Bünzli: Ein kleinkarierter, spiessbürgerlicher Mensch
Chuchichäschtli: Das traditionelle Schweizerdeutsche Schibboleth schlechthin. Also ein typisches Wort, das für einen Nicht-Schweizer kaum auszusprechen ist. Umso banaler ist seine Bedeutung: gemeint ist ein kleiner Küchenschrank.
Eidgenosse: Bezeichnung für («echte») Schweizer in Abgrenzung zu «Papierschweizern». Der Begriff Eidgenosse oder Eidgenossenschaft geht auf den Gründungsmythos der Schweiz zurück, laut dem per Eid (dem «Rütlischwur») ein Bund gegen die Habsburger geschlossen wurde.
Eierschwämmli: Pfifferling
Ferien: Schweizer machen keinen Urlaub, sondern nur Ferien, auch in der Arbeitswelt. Urlaub gibt es im Militär.
Finken: Pantoffeln
GA: Gängige Abkürzung für «Generalabonnement». Eine Jahreskarte der SBB, die einem das Reisen mit beinahe allen öffentlichen Verkehrsmitteln der Schweiz ohne Fahrkartenkauf ermöglicht. Entspricht somit einer BahnCard 100 und wird vor allem von Pendlern und Rentnern genutzt.
Der Grosse Kanton: Scherzhafte Bezeichnung für Deutschland. Im Jahr 2014 brachte der Schweizer Satiriker Viktor Giaccobo zudem einen gleichnamigen satirisch-dokumentarischen Film in die Kinos, in dem die Idee erörtert wird, die Bundesrepublik Deutschland als 27. Kanton an die Schweiz anzuschliessen. Zu Wort kommen unter anderem bekannte deutsche Politiker wie Joschka Fischer, Frank-Walter Steinmeier oder Cem Özdemir.
Halbtax: Jahreskarte der SBB, die den ermässigten Transport in beinahe allen öffentlichen Verkehrsmitteln der Schweiz ermöglicht. Entspricht in etwa einer BahnCard 50.
Kantönligeist: Bezeichnet den Föderalismus in der Schweiz, den Lokalpatriotismus und das damit verbundene Bedürfnis der Kantone, ihre Eigenständigkeit zu pflegen und zu wahren. In Deutschland wird dafür teilweise der Begriff «Kantonismus» verwendet.
Kollege/Kollegin: Kumpel – Die praktische Bezeichnung «Kollege» gilt nicht dem Arbeitskollegen – dann wird wirklich vom «Arbeitskollegen» gesprochen–, sondern demjenigen, der weder Freund (langjährige, sehr enge Beziehung) noch Bekannter (nicht besonders vertraute Bekanntschaft) ist. In der Regel besteht ein Bekanntenkreis vor allem aus Kollegen. Denn auch diese können einem sehr vertraut sein.
Natel: Gängige Bezeichnung für Mobiltelefon. NATEL ist eine Marke der Telekom-Gesellschaft Swisscom, unter der sie ihre Mobilfunk-Angebote vertreibt. Umgangssprachlich wurde das Wort jedoch noch vor dem Begriff «Handy» zum Gattungsnamen für das Mobiltelefon. In allen Sprachregionen . Die Abkürzung steht übrigens für «Nationales Autotelefonnetz».
Panasch/Panaché: Radler
Poulet: Hähnchenfleisch
Röstigraben: Bezeichnung für den Unterschied, insbesondere bei Abstimmungen, zwischen der deutschsprachigen und französischsprachigen Schweiz. Rösti ist eigentlich ein klassisches Kartoffelgericht der Schweizer Küche, von dem lange fälschlicherweise angenommen wurde, es handle sich um eine rein deutschschweizerische Spezialität . Die Unterschiede zwischen dem Tessin und dem Rest der Schweiz nennt sich übrigens Polenta-Graben.
Sack: Meistens ist eine einfache Tüte gemeint. Egal ob Plastik, Stoff oder Papier.
Sackmesser: Ausserhalb der Schweiz als Schweizer Messer bekannt.
Schaffen: Das Wort arbeiten gibt es im Schweizerdeutschen nicht. Ein Schweizer arbeitet also nicht, er schafft.
Schmutz: ist nicht etwa «Dreck», sondern in einigen Dialekten ein Wort für Kuss.
Speditiv: rasch vorankommend, zügig
Teigwaren: Nudeln – Schweizer betrachten die Welt der Pasta etwas differenzierter als Deutsche. Teigwaren (oder Pasta) ist der Oberbegriff. Ein Teigwarensalat ist also ein Nudelsalat und somit viel leckerer als er klingt. Nudeln gibt es auch, gemeint sind dann aber nur die flachen Bandnudeln. Oft werden die genauen Bezeichnungen verwendet: Spaghetti, Farfalle, Penne etc.
Tram: Die Bezeichnung Tram für Strassenbahn ist in Deutschland zwar auch bekannt. Der grosse Unterschied ist der Artikel: Im Schweizerdeutschen heisst es nämlich das Tram.
Töff: Motorrad – Ein Mofa ist der schweizerdeutschen Logik entsprechend ein Töffli.
Velo: Fahrrad
Zügeln: In der Schweiz kann man nicht nur ein Pferd und sich selbst zügeln, sondern auch gleich seinen ganzen Haushalt. Es bedeutet nämlich umziehen, im Sinne von «Wohnort/Wohnung wechseln».
Sie wollen bei Schweizern nicht anecken und im Bekanntenkreis möglichst bald als top-integriert gelten? Dann lohnt es sich, die Gepflogenheiten und vor allem die möglichen Fettnäpfchen genau zu studieren.
Dos
Immer «Danke» und «Bitte» sagen: Die ausgetauschte verbale Höflichkeit an Supermarktkassen mag schon fast exzessiv anmuten. Sagen Sie trotzdem besser einmal zu viel als zu wenig «Danke», «Bitte» und «Schönen Tag».
Mit den Gläsern anstossen: Es ist üblich, dass man beim Apéro (siehe unten), beim Abendessen und je nachdem auch bei einem späteren Digestiv mit allen anstösst, bevor man trinkt. Oft nennt man sich dabei auch beim Namen. Hier gilt ebenfalls: Besser einmal zu viel das Glas in die Runde erheben als zu wenig.
Wandern: Nicht überraschend lieben Schweizer das Wandern. Aber Achtung: Bei einer richtigen Wanderung werden mehrere hundert Höhenmeter zurückgelegt. Eine 2-stündige Tour um einen See gilt nicht als Wanderung und wird von einem Schweizer müde lächelnd als längerer Spaziergang abgetan. Für eine Wanderung braucht es also unbedingt die richtige Ausrüstung: Gute Wanderschuhe und ein leichter Rucksack sind ein Muss. Vorsicht auch bei der offiziellen Wanderskala: Leichtes Klettern gilt in der Schweiz noch als Wandern!
Drei Küsschen zum Gruss: In der Schweiz gibt man sich, wenn man eine Person neu kennenlernt, in der Regel die Hand. Ab dem zweiten Treffen wird es komplizierter. Üblich sind für die Frau drei Küsschen auf die Wange. Ist man noch vertrauter, kann es auch mal nur eins sein oder eine Umarmung (diese auch unter männlichen Freunden). So klar sind da die Regeln allerdings nicht. Deshalb kommt es auch unter Schweizern des öfteren zu Begrüssungs-Pannen, wenn der eine der Meinung ist, bereits fertig geküsst zu haben, während der andere sich schon für den zweiten Kuss nach vorne lehnt. Das Problem ist jedoch altbekannt und deshalb die Toleranzgrenze sehr hoch. Wo Sie sich aber sicher sein können: Zwei Küsschen gibt es nie.
Name bei Begrüssung nennen: Kein Muss, aber durchaus auffällig ist, dass Schweizer bei Begrüssungen oft den Namen des Gegenübers nennen oder wiederholen, wenn sie ihn zum ersten Mal hören: «Hallo, ich bin der Hansruedi.» – «Hansruedi, freut mich, ich bin die Susanne».
Einen Gang zurückschalten: Die Schweizer arbeiten grundsätzlich effizient und sind produktiv. Das mag erstaunen in Anbetracht der Langsamkeit, die sie in sämtlichen Situationen an den Tag legen. Sei es vor der Tramtür, an der Supermarktkasse oder in einem Meeting. Mit Drängeln, Hetzen und ungeduldigem Fussklopfen kommen Sie a) trotzdem nicht schneller vorwärts und gelten b) als unhöflich.
Don’ts
Eine Einladung ohne Apéro: Sind Herr und Frau Schweizer zum (Abend-)Essen eingeladen, erwarten sie, vor dem Essen einen Aperitif und Appetithäppchen vorgesetzt zu bekommen. Dafür muss gar nicht unbedingt grosser Aufwand betrieben werden: Je nach Formalität der Einladung werden auch Bier oder Weisswein mit Chips, Nüsschen oder Oliven akzeptiert. Besonders beliebte Apéro-Getränke sind zudem Prosecco, Hugo, Aperol Spritz oder Campari-Variationen. Wenn Sie jedoch nicht erst mit dem schmackhaften Menü punkten möchten, legen Sie sich schon beim Apéro ins Zeug. Zum Beispiel indem Sie eine Auswahl an Aperitif-Cocktails anbieten, zu denen selbst-gebackene kleine Leckereien serviert werden. Übrigens: gern gesehen ist auch eine Einladung oder eine Verabredung nur zum Apéro. Dieser kann bis tief in die Nacht dauern und sollte dann unbedingt ausgefallener und aufwändiger gestaltet sein als das «Einwärmen» vor dem Dinieren.
Versuchen, Schweizerdeutsch zu reden: Zugegeben hier scheiden sich die Geister. Manche Schweizer sehen die Bemühung, sich der Sprache anzupassen, als gelungene Integration. Bei anderen kommt es jedoch nicht gut an, wenn Deutsche versuchen, Schweizerdeutsch zu reden. Dies wirkt gekünstelt und wird als ein unerlaubtes «An-sich-Reissen» einer den Schweizern vorbehaltenen Eigenheit interpretiert. Kommt hinzu, dass Schweizerdeutsch von einem Nicht-Schweizer aufgrund der Komplexität und Vielfalt der Dialekte wohl niemals perfektioniert werden kann – dies schaffen meist nur Kinder von Zuwanderern, die sich schon früh üben und mit Deutschschweizern aufwachsen. Zudem ist der deutsche Akzent für einen Schweizer erkennbar und enttarnt den Sprechenden sofort als Nicht-Muttersprachler. Was jedoch von Deutschen nach ein paar Monaten Aufenthalt in der Schweiz erwartet wird, ist, dass sie Schweizerdeutsch lückenlos verstehen.
Geizig sein: Um ein paar Rappen mehr als angeschrieben – je nach Preis auch ein paar Franken – viel Gedöns zu machen und die Warteschlange aufzuhalten, oder sich beim Supermarkt-, Restaurant- oder Freizeitpark-Personal über zu hohe Preise zu beschweren ist in der Schweiz nicht nur unüblich. Automatisch gilt der Rappenzähler auch als sehr geizig und unhöflich. Keine lobenswerten Eigenschaften.
Laut sein: Sich laut beschweren oder Witze erzählen, ins Telefon brüllen oder sogar in einem Streitgespräch die Stimme über das für einen Schweizer zumutbare Maximum zu erheben, kommt absolut nicht gut an. Sofort werden dem Störenfried die Attribute grob, unfreundlich und egozentrisch zugeordnet.
Unpünktlichkeit: Später sein als 15 Minuten ist schlichtweg inakzeptabel. Lässt es sich trotzdem nicht vermeiden, müssen Sie den Wartenden oder die Wartende unbedingt früh genug über die Verspätung informieren. Und sich natürlich entschuldigen.
Ironie im Alltag: Die Schweizer sind nicht ganz so humorlos wie breitläufig angenommen. Allerdings sollte man mit Ironie und Sarkasmus im Alltag vorsichtig sein: Diese werden – kennt einen die Person nicht oder nicht gut – nicht als solche erkannt und wenn doch, als unpassend eingeordnet. Anders sieht es im privaten Rahmen mit Freunden aus, die ihr Gegenüber gut einzuschätzen vermögen. Dann führen fast alle Formen von Humor zu heiterer Unterhaltung.
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