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Beginnen wir mit einem Office-Witz. Angestellter: «Chef, Sie haben gesagt, ich bekomme mehr Geld, wenn Sie mit mir zufrieden sind.» Chef: «Wie kann ich mit Ihnen zufrieden sein, wenn Sie mehr Geld wollen?»
Den Witz habe ich erstmals bei einem Weihnachtsessen gehört. Mein damaliger Chef baute ihn in seine Ansprache ein. Wir haben alle gelacht – nicht aus Pflichtbewusstsein, sondern weil der Witz wirklich nicht schlecht war.
Damit wären wir bereits bei einer fundamentalen Frage der Menschheit: Ist es tatsächlich so, dass der Mensch sich von allen anderen Lebewesen dadurch unterscheidet, dass nur er Humor hat?
Um die Frage zu beantworten, muss man zuerst definieren, was Humor ist. Man muss unterscheiden zwischen «Spass haben» und «Spass machen». Spass haben können auch Tiere. Jeder Primat hat Spass daran, wenn ihm ein fettes Bananenbüschel vor die Füsse fällt. Das aber ist nicht Humor. Spass machen ist Humor. Man lässt sich aktiv eine Handlung einfallen, welche die anderen amüsiert.
Können das Tiere? Ja, zumindest als Vorform. Der Biologe Hartmut Rothgänger beobachtete Schimpansenweibchen. Sie verkleideten sich mit dicht belaubten Ästen, sodass oben nur noch ihr Kopf aus dem Busch herausragte. Dann tanzten sie vor den Affenkindern. Die amüsierten sich blendend.
Nun unterbrechen wir kurz für einen zweiten Office-Witz: Was ist der Unterschied zwischen einem Arbeiter und einem Chef? Der Arbeiter arbeitet, der Chef scheffelt.
Auch Delfine haben einen guten Sinn für Humor. Der Forscher Dean Bernal beobachtete bei ihnen einen spassigen Trick. Die Delfine klauten Tauchern die Kameras, versteckten sie und schauten zu, wie die Taucher ihre Geräte verzweifelt suchten. Ein paar Tage später brachten sie die Kameras zurück und schnatterten dazu.
Ratten und Hunde können ebenfalls lachen. Man kann die Schallwellen, die sie dabei von sich geben, mit einem Sonografen aufzeichnen. Wenn man das tierische Gelächter dann anderen Ratten und Hunden vorspielt, sinkt in der Gruppe der Stresslevel sofort.
Genau dies ist die Funktion von Humor. Lachen gilt in der Psychologie als der kraftvollste «Stress Buster», wie die Amerikaner sagen. Am Arbeitsplatz, so zeigen Studien, ist das Lachen ein Rückgrat der Produktivität. Humor reduziert Stress in allen kritischen Situationen wie bei Personalkonflikten, Motivationsproblemen und Ideenmangel. Zudem baut Lachen Vertrauen auf.
US-Firmen wissen das. Wenn sie Führungskräfte anstellen, dann unterziehen sie die Bewerber oft einem Humortest. Wer keinen Humor hat, bekommt den Job nicht. Die Unternehmen wollen nicht riskieren, dass ihnen eine Spassbremse an der Spitze den Umsatz ruiniert.
Bei uns sieht es leider weniger heiter aus. Europäische Kinder lachen bis vierhundert Mal am Tag – Erwachsene noch zwanzig Mal. Am Arbeitsplatz sinkt der Lachkoeffizient auf fünf Mal am Tag.
Seid also fröhlich, Leute, es dient dem Inlandprodukt. Als kleinen Input schliessen wir mit einem dritten Office-Witz, diesmal aus der Männerecke.
Zwei Sekretärinnen unterhalten sich: «Ich finde es toll, dass unser Chef immer so adrett angekleidet ist.» – «Ja, und so schnell.»
Kurt W. Zimmermann ist Verlagsunternehmer. Er ist Kolumnist und Buchautor zu den Themen Medien, Biologie und Outdoor-Sport.