Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03658.jsonl.gz/2762

Anlässlich der Preisverleihung "Bödmerenholz" vom Verein Zukunft Muotathalp>
Quelle: www.zukunft-muotathal.ch - 2005
Als Peter Föhn 1952 als Bauernbub in der Grossmatt geboren wurde, ist er mit einem Lebensentwurf ausgestattet worden, der nicht unbedingt vorsah, dass er dereinst einmal als Unternehmer Muotathaler Wirtschaftsgeschichte schreiben würde.
Als eines der neun Kinder hatte Peter vorerst einmal im elterlichen Betrieb tüchtig mitzuhelfen. Seinen "Schulsack" (Rüstzeug) für den Beruf und das Leben holte sich Peter wie alle Muotathaler Buben und Mädchen bei den Lehrschwestern und den Lehrern im Schulhaus Wil und im Schulhaus St. Josef. Schon früh stand für Peter fest: "Ich will Lehrer werden." So absolvierte er dann die Primar- und die Sekundarschule und weilte zudem im Welschland, bevor er sich im Lehrerseminar Rickenbach zum Primarlehrer ausbilden liess. 1975 erhielt er das Lehrerdiplom. Er war sichtlich stolz darauf.
Seine ersten beruflichen Erfahrungen sammelte Peter in Wangen SZ, wo er von 1975 bis 1979 als Lehrer tätig war. Als dann 1979 in Muotathal eine Lehrerstelle frei wurde, bewarb sich Peter darum und wurde auch gewählt.
Nebst seiner Lehrertätigkeit in der 5. Klasse hatte sich Peter bereit erklärt, in der Sekundarschule Religionsunterricht zu erteilen. Diese Aufgabe war schon damals nicht leicht. Schon als Peter noch in Wangen tätig war, holte man ihn in verschiedene Vorstandsgremien. So wurde er mit 25 Jahren Präsident des Skiclub Muotathal. Es folgten verschiedene sportliche Grossanlässe wie die Biathlon-Schweizermeisterschaften, Langlaufmeisterschaften, ein Eidg. Nationalturntag und Kantonalschwingeste, denen er als OKP vorstand.
Hatte für Peter nach 13 Jahren Lehrertätigkeit der Beruf an Glanz eingebüsst, oder war es die Suche nach einer neuen Herausforderung, die ihn 1988 beim Schulrat um ein Jahr Urlaub ersuchen liess? Heute würde man natürlich von einem "Timeout" sprechen. Peter genügte das Schulegeben nicht mehr. Er suchte und brauchte eine neue Herausforderung. Als sein damaliger Vorgesetzter habe ich seinem Gesuch stattgegeben - in der Überzeugung, dass
Peter nach einem Jahr die Lehrertätigkeit wieder aufnehmen würde. Dem war aber nicht so. Wahrscheinlich auch nicht zum Voraus geplant, bedeutete diese Auszeit nämlich der Ausstieg vom Lehrerberuf. Peter vollzog damit den Wechsel in die Privatwirtschaft. Bei seinem Bruder Beat Föhn, Plattenbeläge Brunnen, übte er von 1988 bis 1991 das Amt eines Disponenten und Personalschefs aus. Zum Lehrerberuf wollte Peter nicht mehr zurückkehren. Aber Schulen zu verwalten und dem Lehrpersonal vorzustehen, konnte er sich schon vorstellen, obwohl diese Aufgabe schon meist von einem Verwaltungsbeamten ausgeübt wurde. Aber das wäre auch eine ganz andere Herausforderung. Durch den Tod von Kaspar Hürlimann wurde die Stelle des Bezirksschulverwalters Schwyz frei. Peter bewarb sich darum und wurde auch gewählt. Von 1991 bis 2001 übte Peter dieses schwierige Amt aus. Dabei war er zuständig für 180 Lehrpersonen der Sek-, Real- und Werkschulen an den Mittelpunktschulen Schwyz, Oberarth, Ingenbohl-Brunnen, Muotathal und Steinen.
Als Bezirkschulverwalter unterstützte er zum Beispiel die Initiative für eine Werkschule Schwyz und ermögliche damit Neues. So entstanden während seiner Tätigkeit als Schulverwalter neue Schulhäuser an den Mittelpunktschulorten Muotathal, Unteriberg und Steinen, wobei auch noch erwähnt werden darf, dass wir auf das Bezirksschulhaus Stumpenmatt im Thal besonders stolz sind. In seiner Eigenschaft als Schulverwalter setzte er sich auch für die Schule Berg ein, die, wie man erst kürzlich lesen konnte, in Rothenthurm gebaut wird.
Ähnlich verhielt es sich mit der Politik. Peter übte weder in der Gemeinde, noch im Bezirk oder im Kanton ein politisches Amt aus, als er sich 1995 bei den Nationalratswahlen für die SVP aufstellen liess und dann überraschend gewählt wurde. 2003 wurde Peter mit dem besten Resultat zum dritten Mal als Nationalrat bestätigt.
10 Jahre Bezirksschulverwalter sind gewiss eine lange Zeit und auch eine aufreibende Aufgabe. Ist es Zufall oder ist es bei Peter eine innere Uhr, die ihn nach einer gewissen Zeit dazu treibt, eine neue Herausforderung zu suchen (10 Jahre Lehrer im Tal - 10 Jahre Bezirksschulverwalter)? Es hat sich ergeben, dass aus gesundheitlichen Gründen der Familienbetrieb "MAB" nicht weitergeführt werden konnte. Sie wurde deshalb zum Verkauf ausgeschrieben. Die "MAB" stand auf gesunden finanziellen Füssen. Es war daher nicht verwunderlich, dass sich auch ausländische Käufer für diese Möbelfabrik interessierten. Die Zukunft der "MAB" war bei dieser Konstellation mehr als ungewiss und es musste im schlimmsten Fall mit dem Verlust aller Arbeitsplätze gerechnet werden.
Peter sieht sich in zweierlei Hinsicht herausgefordert. Zum einen als Bundespolitiker, der nicht in Bern Wasser predigen und dann nichts Unternehmen kann, wenn in der Heimatgemeinde der grösste Arbeitgeber verkauft werden soll, vielleicht gar ins Ausland. Zum anderen als Person selber. Er sieht darin seine Chance, selbständig zu werden, etwas zu bewegen, eigentlich das, was seinem ureigensten Wesen entspricht. Es ist eine gewaltige Herausforderung. Sie lässt ihn nicht mehr los. Der Kauf der "MAB" wird in seiner Familie ein Dauerthema. Wird immer wieder diskutiert und in verschiedenen Szenarien durchbesprochen. Peter suchte auch Rat bei Experten. Mit dem Einverständnis seiner Frau Priska und seiner Kinder ist Peter nun entschlossen, unter gewissen Bedingungen den Kauf der "MAB" zu wagen. Am 10. September 2001, also einen Tag vor dem Anschlag auf das World Trade Center in New York, werden die Verträge zwischen der Familie Betschart und Peter Föhn unterzeichnet. Peter ist selbständig geworden. Er ist jetzt Unternehmer. Er ist Geschäftsfüher der "MAB" mit zirka 80 Mitarbeitern.
Jetzt, nach drei Jahren als Inhaber und Geschäftsführer der "MAB", darf man sagen: Peter ist auch dieser Herausforderung gewachsen. Es ist ihm gelungen, sein erstes und wichtigstes Ziel zu erreichen, nämlich die 80 Arbeitsplätze zu erhalten. Dies ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wenn man weiss, dass es die Produktionsbetriebe im Hochlohnland Schweiz nicht gerade einfach haben gegen die vor allem osteuropäische Konkurrenz. Inzwischen wird zirka 15 Prozent des Umsatzes exportiert. Vor allem nach Deutschland, in die Beneluxländer und nach Österreich. Die Strategie der "MAB" ist für die Zukunft wie folgt definiert: Wachstum im Ausland vorantreiben. Unsere Möbel sind und müssen im Preis-Leistungsverhältnis besser sein als die der Konkurrenz. Auf individuelle Kundenwünsche eingehen und qualitativ einwandfreie Möbel ausliefern, muss deshalb das Ziel sein. Mit einer neuen Kreation von Möbeln,
unter dem Namen "Feng Shui" bekannt, sind Peter und in diesem Fall in besonderer Weise seine Frau Priska innovativ tätig. Sie haben damit eine Marktnische gefunden und sind erfolgreich. Es ist auch nicht zu übersehen, dass Peter das Amt des Nationalrates hilfreich ist und sich ihm deshalb manche Türe leichter öffnet. Wir dürfen zuversichtlich sein, dass er alles unternehmen wird, um erfolgreich zu bleiben und Arbeitsplätze zu erhalten und wenn möglich sogar noch auszubauen.
Man kann sich fragen, was treibt einen Mann wie Peter, der als Bezirkschulverwalter eine interessante Aufgabe und ein gutes Einkommen hatte, dazu, den sicheren Pfad zu verlassen und solche Risiken einzugehen? Ich bin geneigt zu sagen, Peter braucht Herausforderungen. Sie sind für ihn ein Lebenselixier, das bei ihm immer wieder neue Kräfte weckt und neue Talente hervorbringt. Trotzdem, eine solche Herausforderung anzunehmen, solche Risiken einzugehen, braucht viel Mut. Peter hat diesen Mut aufgebracht. Zusammen mit drei Einheimischen und einem auswärtigen Unternehmer hat Peter diesen Frühling auch die Küchenfabrik Muotathal gegründet und amtet dort als Verwaltungsratspräsident. Damit ist es gelungen, weitere 15 Arbeitsplätze zu retten.
Mit diesen Ausführungen ist nur ein Ausschnitt seines Schaffens und seines öffentlichen Wirkens aufgezeigt. Es würde zu weit führen, wenn wir auch noch seine Tätigkeit als Nationalrat oder als Präsident der Raiffeisenbank Muotathal etc. würdigen würden. Uns geht es darum hervorzuheben, dass es Mut, Tatkraft und die Bereitschaft Risiken einzugehen braucht, um aus finanziell gesicherten Verhältnissen den Schritt zu wagen, eine Möbelfabrik zu kaufen, Unternehmer zu werden und sich dem Markt auszusetzen. Peter hat diesen Mut aufgebracht, er hat mit dem Kauf der "MAB" Tatkraft bewiesen. Vor allem aber war er bereit, finanzielle Risiken einzugehen.