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V. Vorschläge, um die Einführung der Normallehre in der Fabrication und im Handel zu bewirken. Wie bereits mehrfach bemerkt wurde, ist das Bedürfniß einer einheitlichen Regulirung der besprochenen Fragen ein vielseitig gefühltes und dringendes; auch dürfte die bevorstehende Einführung des Metermaßes in Deutschland einen geeigneten Zeitpunkt bilden, um gleichzeitig einer Normallehre allgemeinen Eingang zu verschaffen, und können der Verein deutscher Ingenieure und seine Mitglieder viel dazu beitragen, um diese wichtige Angelegenheit einer geeigneten Behandlung entgegen zu führen. Zunächst wird es darauf ankommen, den Gegenstand allseitig anzuregen, die wichtigeren Drahtfabriken, Sturzblechwalzwerke, die Handelskammern, technischen und volkswirthschaftlichen Zeitschriften und Zeitungen und anderen Organe der öffentlichen Meinung für das Vorhaben zu interessiren; darauf wird die Frage in einer durch geeignete Vertreter zu beschickenden Conferenz in allen Details zu berathen und festzustellen sein, um dann durch Vereinbarung der wichtigsten Fabriken und womöglich unter gefeßlicher Sanctionirung der Regierungen das einheitliche Maß in der Fabrication und im Handel allgemein zur Geltung zu bringen.
Von vielen Seiten wird ohne Zweifel das Vorhaben freudig begrüßt und gern gefördert werden; manche Fabriken dagegen, namentlich solche, welche, in Folge der bestehenden Confusion der Lehren, durch Verstärkung oder Verschwächung der Draht- und Drahtstiftensorten Nußen zu ziehen suchen, werden Opposition bilden: doch ist es sowohl Sache der in
telligenteren und reelleren Mehrheit der Fabricanten, als auch Pflicht der Staatsbehörden, das ganze handeltreibende und consumirende Publicum in dieser Beziehung vor der Ausbeutung durch Einzelne zu schüßen.
Im Anschlusse an die vortrefflichen Vorschläge, welche der verstorbene Commerzienrath Fr. Thomée in ähnlichem Streben schon 1856 machte (siehe H. Thomée sen. Bd. X, S. 562 d. Zeitschrift), erlaube ich mir im Folgenden dem Vereine deutscher Ingenieure eine Reihe von Maßregeln zu empfehlen, welche ich zur energischen, allseitigen und gründlichen Behandlung des Gegenstandes für geeignet halte.
1. Die Aufsäge von Karmarsch, Thomée und dem Unterzeichneten über Draht- und Blechlehren können die Grundlage für die weitere Discussion der Frage bilden; die beiden lezteren find den Vereinsmitgliedern durch die Zeitschrift zugänglich, welche auch die älteren Arbeiten von Karmarsch mit dessen Autorisation im Auszuge gebracht hat*). Es mögen von den genannten Auffägen Separatabzüge veranstaltet und an die Ministerien, Handelskammern, polytechnischen Lehranstalten, technischen und volkswirthschaftlichen Zeitschriften und Zeitungen, sowie an die wichtigeren Draht- und Blechfabriken versendet werden, um auch den anderen, bei der Frage interesfirten Kreisen das vorhandene Material darzubieten und den Gegenstand anzuregen.
2. Die Bezirks- und Zweigvereine des Vereines deutscher Ingenieure werden aufgefordert, die Frage in ihren VerD. Reb. (L.)
*) Vergl. S. 409, 467, 665 u. ff. d. Bd. d. 3.
handlungen zu discutiren; derselbe Wunsch wird den Handelskammern 2c. ausgesprochen.
3. Zu geeigneter Zeit tritt eine Conferenz zusammen, bestehend aus je einem Delegirten der verschiedenen Bezirksund Zweigvereine und den dazu einzuladenden Abgeordneten der Handelskammern 2c., um die Frage allseitig und endgültig zu prüfen, wie in ähnlicher Weise die Patentfrage und die Organisation polytechnischer Schulen durch die Conferenzen in Magdeburg und Eisenach berathen wurden.
4. Die Verhandlungen und Beschlüsse der Conferenz sind zusammenzustellen und durch den Einfluß der Vereinsmitglieder, durch die Presse 2c. zu verbreiten, namentlich auch den Regierungen mitzutheilen, damit durch Convention der wichtigeren Fabriken die Beschlüsse über eine Normallehre allgemein Eingang finden.
5.*) Die festzustellende und nach bestimmt ausgedrückten Maßen in Millimeter fortschreitende Nummerscala erhält als allgemein gültige Landeslehre unter dem Namen, Normallehre" durch Veröffentlichung in den Amtsblättern Gesezeskraft.
6. Der Zweck einer solchen wird um so vollständiger erreicht, und der davon zu erwartende Nußen ein um so gröBerer sein, ein je weiteres Feld derselben von vornherein zugetheilt wird, und soll fragliche Normallehre demnach nicht für Draht allein (gleichviel ob Eisen-, Stahl-, Messingdraht 2c.),
*) Die Vorschläge sub 5 bis 9 find identisch mit den von Thomée gemachten.
sondern auch für alle damit verwandten Artikel Geltung haben, und wären dahin insbesondere zu rechnen: Drahtnägel, Nieten, Holzschrauben, Ketten, Nadeln, Klavierstifte und Saiten 2c., sowie dann noch in zweiter Reihe auch Eisen-, Stahl-, Messing= 2c. Bleche, Bandeisen u. s. w. überhaupt also alle die vielnamigen Fabricate mit hinzugezogen werden können, welche in verschiedenen, je nach ihren relativen Stärken bemessenen Nummern in den Handel gebracht werden.
7. Wiewohl eben bei der ad 6 vorgesehenen möglichsten Verallgemeinerung der Normallehre auf der einen Seite desto eher zu erwarten steht, daß binnen wenigen Jahren alte Namen und Bezeichnungen mehr und mehr verschwinden werden, so läßt sich doch andererseits erachten, daß der Uebergang zur neuen Ordnung der Dinge wesentlich erleichtert und befördert wird, wenn vorerst hinsichtlich eines Aufgebens oder Beibehaltens ersterer, innerhalb der Fabrikthätigkeit, kein Zwang stattfindet; doch sollen die Repräsentanten verschiedener Branchen gehalten sein, entweder in größerer Gemeinschaft oder je nach Umständen auch einzeln, schriftlich zu deponiren, mit welchen Nummern der Normallehre sie die von ihnen bisher geführten und weiter noch zu benußenden Nummersysteme gleich zu halten sich verpflichten wollen.
8. Zur Erzielung einer möglichst übereinstimmenden Verbreitung der im Wege der Gefeßgebung verordneten Normallehre und um die den einzelnen Nummern zugetheilten Stärkemaße auch für Jeden gewissermaßen handgreiflich zu machen, dürfte sich als einfachstes und zugleich sicherstes Mittel die