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Zusammenfassung
Der Marxsche Wertbegriff beschreibt das Wesentliche des Wertes, nämlich dass er auf Arbeit basiert.
Marx erklärt außerdem, dass der Wert ein gesellschaftliches Verhältnis darstellt, doch in seinen Ausführungen erscheint der Wert als ideelles Ding und als Singularität.
Aufgrund dieser Einschränkungen ist sein Wertbegriff fehlerbehaftet und nur ungenau nutzbar. Mit dem hier vorgestellten Wertbegriff wird der Wert als ein wirkliches Verhältnis zwischen Menschen erklärt, das für sämtliche ökonomischen Tauschvorgänge gültig sowie aufwands- und nutzenbasiert ist.
Wert repräsentiert durch Tausch bestätigte Nützlichkeit in abstrakter quantifizierter Form und wird auf dem Markt gebildet.
Es wird gezeigt, wie diese Werttheorie angewendet werden kann.
Was ist der Wert
Wert ist eine quantifizierte abstrakte Nützlichkeit, die durch Tausch gegen ein Wertäquivalent gesellschaftlich relevant anerkannt werden muss und den Tauschgütern dabei zugeordnet wird. (vgl. Lippert, 2017, S. 153)
Die Wertgröße eines Tauschguts zeigt, in welcher Höhe die Aufwendungen von Mensch, Maschine und Teilen der Natur für das Tauschgut anerkannt werden. (Lippert, 2017, S. 5) Kurz: Wert ist abstrakte quantifizierte gesellschaftliche Nützlichkeit.
Diese Aussage wird hier erläutert.
Abbildung: Der Wert als ein gesellschaftliches Verhältnis (Grafik: R. Lippert)
Nach Marx und Engels ist der Wert ein gesellschaftliches Verhältnis. (Engels, 1961, S. 467) Auf dem Bild ist ein solches dargestellt, ein Verhältnis, das zwischen Menschen herausgebildet wird und nur dort wirkt.
Ein Wertverhältnis wird mit dem Ziel gebildet, ein Wertäquivalent, üblicherweise Geld, gegen ein Gut, nach welchem Bedarf besteht, zu tauschen. Für diesen Tausch müssen sich die Tauschpartner auf eine gemeinsame Äquivalentgröße, die gemeinsame Wertgröße, einigen. (Lippert, 2017, S. 164) Das kann im Dialog oder durch einseitige Anpassung an die Vorgaben der Gegenseite geschehen.
Die Tauschpartner sind Menschen, die im eigenen Interesse oder im Interesse einer Firma, einer Organisation usw. handeln. Es gibt auch Maschinen, die solche Transaktionen durchführen, doch sie arbeiten als Agenten für die Auftraggeber der Algorithmen (noch haben sie keine Eigeninteressen).
Wenn unter den Bedingungen der gemeinsamen Wertgröße die Triebkräfte für den Tausch noch hinreichend groß sind, wird der Tausch vollzogen. Damit wird der Wert des Gutes, das so von einer potenziellen zur realen Ware wird, im Umfang der gemeinsamen Wertgröße anerkannt – und ebenso der Wert des Wertäquivalents, in diesem Fall des Geldes. Dabei wird der Wert gebildet und sowohl dem Tauschgut als auch dem Wertäquivalent in gleicher Größe zugeordnet, jedoch nicht in diese eingebracht.
Bei dem hier beschriebenen Wert geht es um den Wert im ökonomischen Sinn. Gütern, die mittels privater Arbeit erstellt werden, kann von beliebigen Personen ideeller Wert zugeordnet werden, doch ihnen wird kein ökonomischer Wert zugeordnet, da sie nicht dem ökonomischen Tausch unterworfen werden.
Das gilt auch für jedes Produkt, das in Fabriken hergestellt wird: Die Arbeitskräfte arbeiten im privaten Bereich des Unternehmers und die Arbeitsergebnisse gelangen zunächst ebenfalls nur in den privaten Bereich des Unternehmers.
Kann der Unternehmer jedoch eines seiner Produkte verkaufen, gelangt dieses über die gesellschaftliche Ebene in das Eigentum des Käufers. Damit wird es durch Tausch zum Gebrauchswert für andere. Erst durch diesen Schritt wird die für das Produkt aufgewandte Arbeit als gesellschaftlich nützlich und damit auch als wertbildend qualifiziert. (Engels 1961, S. 29), (Marx 1962, S. 87, 1962, S. 55)
Marx und der Wert
Marx beschreibt das Wesentliche der Wertbildung bei der Produktion von Gütern, doch in den Details wird er ungenau und widerspricht sich, insbesondere bei der Verortung der Wertbildung. (Marx, 1962, S. 52)
Nach seiner Auffassung vergegenständlichen die Arbeitskräfte mit ihrer Arbeit ihre Werte anteilig in den Arbeitsprodukten. (Marx, 1962, S. 52) Er sagt, dass dies unabhängig von der konkreten Ausführungsform der Arbeit geschehen würde. Diese Form der Arbeit bezeichnet er als abstrakte Arbeit. (Marx, 1962, S. 52)
Sicherlich kann man von konkreten Ausführungsformen der Arbeiten abstrahieren, jedoch muss dabei die Nützlichkeit der Ergebnisse abstrakt erhalten bleiben, denn sie ist Bedingung für den Wert. Doch Marx abstrahiert von der Nützlichkeit. (Marx, 1962, S. 52)
Die Wertformel nach Marx
Marx veranschaulicht die Wertbildung mit seiner bekannten Wertformel W = c + v + m, wobei
„W“ den Wert, „c“ das sogenannte konstante Kapital (Gebäude, Maschinen, Rohstoffe usw. – vergangene Arbeit), „v“ das sogenannte variable Kapital (die Werte der menschlichen Arbeitskräfte) bedeuten. Das „m“ stellt den Mehrwert dar. (Marx, 1964, S. 34)
Der Mehrwert ist das Ziel der kapitalistischen Produktion. Marx sagt, dass der Unternehmer die Arbeitskräfte nur für einen Teil ihrer Arbeitszeit bezahlt, für die sogenannte „gesellschaftlich (durchschnittlich) notwendige Arbeitszeit“.
Anmerkung: Der Begriff „durchschnittlich“ in Verbindung mit notwendiger Arbeitszeit wurde von Marx eingeführt, weil ihm bewusst war, dass ein Arbeiter, der sehr langsam arbeitet, dadurch nicht mehr „Wert schaffen“ würde als ein Arbeiter, der schnell arbeitet. (Marx, 1962, S. 53)
Was Marx dabei nicht erwähnt, ist der Fakt, dass die durchschnittlich benötigte Arbeitszeit nur über den Markt nach (!) den Verkaufsvorgängen der Produkte über die unterschiedlichen realen Wertbildungen und die unterschiedlich benötigten Arbeitszeiten ermittelt werden kann – sie existiert nicht als solche! M.a.W. seine Beschreibung der durchschnittlichen Wertbildung setzt die unterschiedlichen Wertbildungen auf dem Markt voraus.
Für den anderen Teil der Arbeitszeit erhalten die Arbeitskräfte keinen Lohn, denn den steckt der Unternehmer ohne Ausgleich an die Arbeitskräfte ein. Damit beutet er die Arbeitskräfte aus.
Nach der Wertformel wird anteilig mit der Arbeit der Wert der Arbeitskräfte sowie ebenfalls anteilig der Wert des konstanten Kapitals als Wert in die Arbeitsprodukte eingebracht bzw. mit diesen verbunden. Durch die „unbezahlte Arbeitszeit“ schaffen die Arbeitskräfte dem Unternehmer den Mehrwert. Das soll die Wertformel zeigen, denn Marx wendet diese nur auf die Produktionsseite der Warengesellschaft an. (Marx, 1964, S. 159)
Die Wertformel in der Realität
Das Ziel der kapitalistischen Produktion ist es, mit dem Verkauf der Produkte möglichst viel Mehrwert zu generieren.
Doch auf der Produktionsseite der Warengesellschaft kann es keinen Mehrwert geben. Würde der Mehrwert produziert werden, wäre mit der Herstellung von Produkten das Ziel des Unternehmers erreicht – er bräuchte die Produkte nicht mehr zu verkaufen.
Außerdem erfolgt die Produktion im privaten Bereich des Eigentums des Unternehmers. Nach Marx ist die private Arbeit nicht wertbildend, da die Arbeitsergebnisse nicht durch Tausch zu Gebrauchswerten für andere werden.
Folglich entstehen auf der Produktionsseite der Warengesellschaft zunächst nur Kosten. In diese Kosten gehen die Kosten der Arbeitskräfte ein, mit denen der Unternehmer ein Wertverhältnis eingeht – er kauft die Arbeitskräfte als Waren, indem er sie gegen das Wertäquivalent Lohn tauscht. M.a.W. er konsumiert die Arbeitskräfte in Form von Waren mit dem Ziel, dass diese ihm Produkte fertigen, die er auf dem Markt gewinnbringend verkaufen kann. Das Ziel des Unternehmers ist es, mit dem Verkauf der Produkte die Kosten der Arbeitskräfte sowie die des sogenannten konstanten Kapitals ersetzt zu bekommen und etwas mehr dazu: einen ihm hinreichend erscheinenden Mehrwert.
Auf der Produktionsseite der Warengesellschaft gibt es demzufolge auch noch keine
„gesellschaftlich (durchschnittlich) notwendige Arbeitszeit“, die Marx dort jedoch fixiert (Marx, 1964, S. 25). Alle Arbeiten sind zunächst nicht-wertbildende Arbeiten, da zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststeht, ob die Arbeitsergebnisse jemals verkauft werden können. (Marx, 1962, S. 87) Folglich gibt es noch keine sogenannte „Mehrarbeit“ bzw. „unbezahlte Arbeitszeit“.
Somit ist auch die Marxsche Auffassung von der Ausbeutung ungenau, denn zu dieser kann es nur über den Markt kommen, wenn die Käufer Mehrwert bezahlen. Nur dann kommt es im Nachhinein zur „unbezahlten Arbeitszeit“.
Die Arbeitskräfte können nur die Voraussetzungen für Mehrwertzahlungen und damit für eine unbezahlte Arbeitszeit produzieren. Auf der Produktionsseite der Warengesellschaft gibt es nur die Arbeitsprodukte, private Arbeit, Kosten, einen erwarteten Mehrwert und folglich auch nur einen Erwartungswert.
Die Wertformel muss somit für die Produktionsseite der Warengesellschaft präzisiert werden: W|erwartet = c|Kostenfaktor; Ersatz erwartet + v|Kostenfaktor; Ersatz erwartet + m|erwartet. (Lippert, 2019, S. 8)
Der Markt und der Wert
Auf dem Markt wird ein Arbeitsprodukt gegen ein Wertäquivalent (üblicherweise in Form von Geld) getauscht. Nach Marx wird dort das Arbeitsprodukt zu einer Ware, konkret bezieht er das auf den Tausch. (Marx, 1962, S. 55)
Für Marx trägt nur die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Wertbildung bei. (Marx, 1962, S. 204) Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bedeutet für ihn, dass die Arbeitsergebnisse nicht im Eigentum des Produzenten verbleiben, sondern durch Tausch zu Gebrauchswerten für andere und damit gesellschaftlich nützlich werden. Die gesellschaftliche Nützlichkeit wird demnach nicht durch Worte wie „Das ist wirklich sehr nützlich!“ gesellschaftlich relevant anerkannt, sondern nur (!) durch Abgabe eines Wertäquivalents im Tausch gegen das Arbeitsprodukt, das damit zur Ware wird.
Da der Tausch erst auf dem Markt zustande kommt und damit die gesellschaftliche Nützlichkeit erst dort anerkannt wird (oder auch nicht), kann es vorher den Wert bezogen auf das betrachtete Arbeitsprodukt nicht geben. Der Wert wird erst auf dem Markt von beiden Tauschpartnern gebildet und sowohl der Ware als auch dem Wertäquivalent in gleicher Höhe zugeordnet. An der Ware und ebenso am Wertäquivalent wird dort nichts geändert, folglich kann der Wert dort lediglich beiden Tauschobjekten zugeordnet werden.
Die Wertformel für den realen Wert muss für den Markt angepasst werden: W|real = c|Kosten ersetzend + v|Kosten ersetzend + m|real. (Lippert, 2019, S. 14)
Der Mehrwert ist nach Marx Bestandteil des Wertes. Zum Mehrwert kann der Unternehmer nur kommen, wenn ein Käufer ihm die Kosten c + v vollständig ersetzt und dann noch etwas mehr bezahlt.
Folglich kann die Wertbildung nach der Formel von Marx nicht im Zusammenhang mit den Produktionskosten geschehen, sondern nur in Verbindung mit dem Ersatz der Kosten.
Die Wertgröße widerspiegelt damit, das zeigt die Wertformel, den Umfang der Kostenerstattung durch den Käufer sowie seine reale Mehrwertzahlung. Die Wertgröße ist damit das Maß, wie die Aufwendungen beim Kauf einer Ware bezogen auf deren erwartete Nützlichkeit anerkannt werden und nicht das Maß der Produktionskosten, auf die ein erwarteter Mehrwert addiert wird. Daraus folgt, dass mit der Wertgröße die Einheit von Aufwand und Ergebnis erfasst wird.
Genau das wird durch die eingangs beschriebene Wertdefinition zum Ausdruck gebracht.
Ergänzung: Die Wertformel für den realen Wert kann nicht nur auf dingliche Arbeitsprodukte angewendet werden. Sie gilt auch für den Handel, für Dienstleistungen, bestimmte Naturgüter, Kunstwerke, Konzerte, Ideen (Literatur, Patente usw.), archäologische Fundstücke u.a.
Es gibt weder beim Geld noch bei Arbeitsprodukten noch bei Naturgütern intrinsische Werte. Wert ist immer ein Verhältnis zwischen Menschen, das den Tauschgütern zugeordnet wird.
Hat die Wertformel nach Marx, die auf die Produktionsseite der Warengesellschaft angewendet wird, keine Bedeutung?
Doch, aber indirekt! Im Durchschnitt müssen die Kosten c + v bei der Produktion von Gütern ersetzt und ein als hinreichend erscheinender Mehrwert m gezahlt werden, um die Produktion fortzusetzen, zu verbessern und zu erweitern.
Das trifft jedoch weder auf jedes einzelne Arbeitsprodukt zu noch kann aus den Kosten c + v plus dem erwarteten Mehrwert abgeleitet werden, dass die Produktion fortgesetzt, verbessert oder sogar erweitert werden kann.
Der Markt und seine Steuerung
Alles, was und auf welche Art es auf dem Markt angeboten und gekauft wird, entscheiden Menschen. Dabei können Algorithmen die Menschen unterstützen. Der Markt selbst jedoch lenkt nicht und er denkt nicht.
Er ist der Ort der Wertbildung und zeigt, was unter den gegebenen gesellschaftlichen und natürlichen Bedingungen im ökonomischen Sinn wie nützlich ist. Diese Informationen werten die Menschen für ihre Entscheidungen aus.
Die gemeinsame Wertgröße
Beide Tauschpartner müssen sich für den Tausch auf eine gemeinsame Wertgröße einigen. Wenn sie zu dieser kommen, und die Bedürfnisse nach dem Tausch noch hinreichend groß sind, werden sie tauschen. Mit dem Tausch
1. wird der Wert in Höhe der gemeinsamen Wertgröße gebildet und
2. wird der Wert in dieser Wertgröße der Ware und dem Wertäquivalent zugeordnet. Ein Gut wird damit von einer potenziellen zu einer realen Ware gewandelt.
Auf die Wertgröße wirken über die Tauschpartner das gesamte gesellschaftliche und natürliche Umfeld ein: die Wertäquivalentforderung, die geschätzte Nützlichkeit bezogen auf die Wertäquivalentforderung sowie gegenüber anderen Produkten für gleiche oder andere Zwecke, Kosten der Rohstoffgewinnung, konkurrierende Zugriffe auf Ressourcen durch andere Marktteilnehmer, Transportwege – ebenfalls unter konkurrierenden Zugriffen, politische Vorgaben für die Produktion und auch für die Nutzung der Güter und vieles andere mehr.
Auf dem Basar wird die gemeinsame Wertgröße zwischen den Tauschpartnern ausgehandelt. Im Kaufhaus muss sich üblicherweise der Käufer an die Vorgaben des Verkäufers anpassen, um erfolgreich zu sein. Doch auch in diesem Fall erfolgt der Tausch nur, wenn beide Tauschpartner zu der gemeinsamen Wertgröße gelangen. Wenn das nicht geschieht, wird nicht getauscht und damit wird weder der potenziellen Ware noch dem Wertäquivalent Wert zugeordnet – auf dem Kaufvertrag bzw. auf der Rechnung kann nicht ein Verkaufspreis stehen und zusätzlich ein davon abweichender Kaufpreis
Beim Tausch kann sowohl der Käufer als auch der Verkäufer noch eine andere Vorstellung zur Wertgröße der Ware haben, doch gesellschaftlich relevant wären die nicht. Beide wären kein Bestandteil des Wertverhältnisses. Entscheidend ist die objektive gemeinsame Wertgröße.
Wert und gewichtetes Bedürfnis
Damit es zu einem Wertverhältnis, in der Folge zu einer gemeinsamen Wertgröße und somit zum Wert kommt, müssen die Tauschpartner Bedürfnisse nach den Tauschgütern entwickeln – jedoch nicht irgendwelche. Üblicherweise sind die Bedürfnisse der Menschen größer als ihre Möglichkeiten, diese zu befriedigen. Folglich müssen die Menschen ihre Bedürfnisse abwägen, wenn es um nicht frei verfügbare Güter geht.
Der Wert hat eine objektive und zwei subjektive Komponenten
Die gemeinsame und damit objektive Wertgröße der beiden Tauschpartner geht über die ideellen Vorstellungen jedes Einzelnen hinaus und ist auf der gesellschaftlichen Ebene wirksam – beim Transfer von Ware und Wertäquivalent, im Kaufvertrag bzw. auf der Rechnung, bei der Mehrwertsteuerzahlung usw.
Diese objektive Wertgröße muss ideell in jedem der Tauschpartner widergespiegelt werden, da der Tausch von ihnen ausgeht und beide bewusst tauschen. M.a.W. der Wert hat einen objektiven Bestandteil und zwei subjektive. (Lippert, 2017, S. 110)
Ein gesellschaftliches Verhältnis muss subjektive Komponenten beinhalten, denn es ist an Menschen gebunden, an deren Bewusstseinsprozesse. Es muss aber zusätzlich eine objektive Komponente umfassen, denn als Verhältnis muss es über jeden Einzelnen hinausgehen. Es muss folglich auch zwischen den Tauschpartnern und damit außerhalb eines jeden in gemeinsamer Art wirken, intersubjektiv und für die Gesellschaft objektiv (Kaufvertrag bzw. Rechnung usw.).
Auf diese objektive Wertgröße wirken das gesellschaftliche und das natürliche Umfeld über die Tauschpartner ein – sie kann nicht allein aus den ideellen Vorstellungen der Tauschpartner erklärt werden, wird jedoch stark von diesen beeinflusst.
Wert und Tauschwert
Folgt man dem Gedanken der gemeinsamen, objektiven Wertgröße zwischen den Tauschpartnern, wird auch deutlich, dass es keinen Unterschied zwischen Wert und Tauschwert gibt.
Marx musste diesen Unterschied formulieren, da er von einem produzierten Wert ausgeht, er aber bemerkte, dass auf dem Markt nicht nach diesem in der Realität einseitigen und ideellen Wert getauscht wird.
Arten der Arbeitskräfte
Nach dem hier Gesagten wird der Wert nicht auf mystische Art durch die menschlichen Arbeitskräfte in den Arbeitsprodukten vergegenständlicht oder auf andere Art mit den Arbeitsproduktion vor dem Verkauf verbunden.
Vielmehr werden ganz pragmatisch die Produktions- und Bereitstellungs-Kosten (Rohstoffe, Bauteile, Hilfsmaterialien, Räumlichkeiten, Maschinen, Kosten der menschlichen Arbeitskräfte usw.) lediglich anteilig als Anspruch auf Ersatz mit dem Arbeitsprodukt verknüpft, es wird ein als realisierbar erscheinender Mehrwert aufgeschlagen und für potenzielle Käufer als Angebotspreis sichtbar gemacht.
Der Angebotspreis widerspiegelt einen Erwartungswert und keinen realen. Die menschlichen Arbeitskräfte schaffen folglich nicht direkt irgendwelche Werte. Vielmehr produzieren sie lediglich Voraussetzungen für Wertbeziehungen und damit auch für Werte, ebenso für Mehrwertzahlungen. Konkret bewirken sie Qualitätserhöhungen an Materialien, Funktionen, Zuständen usw. bezogen auf die angestrebten Nutzungsziele – im Vergleich zur Ausgangssituation.
Ob bezogen auf die Arbeitsprodukte Wertbeziehungen und Werte gebildet werden und wenn ja, in welcher Höhe, kann nicht direkt aus den Arbeitsaktivitäten abgeleitet werden, denn diese Entscheidungen werden erst auf dem Markt gefällt.
Folglich ist es vom Prinzip her völlig egal, ob eine Maschine oder ein Mensch zwei Teile zusammenfügt, etwas umformt usw. M.a.W. die Maschinen sind in der gleichen Art Arbeitskräfte wie menschliche Arbeitskräfte. (Lippert, 2017, S. 162) Sie benötigen Existenzmittel (Strom, Fette usw.), Arbeitsraum, „gesundheitliche Betreuung“ (Wartung),
„ärztliche Behandlung“ (Reparatur), Weiterbildung (Neuprogrammierung), Kommunikation usw.
Der Unternehmer kauft die Maschinen wie Sklaven oder least sie wie Zeitarbeiter. Ziel ist immer, dass deren Aktivitäten ihm mehr Ergebnisse einbringen, als er für sie ausgegeben hat, genau wie bei menschlichen Arbeitskräften. Und deren Existenzmittel-Kosten müssen genauso anteilig mit den Arbeitsprodukten verbunden werden wie die der menschlichen Arbeitskräfte. Mit bestimmten Teilen der Natur als Arbeitskraft sieht es ähnlich aus (Getreideanbau, Geflügel-Züchtung usw.). (Lippert, 2019, S. 26, 2019, S. 30)
Gesellschaftliche Funktion des Wertes
Der Wert musste in der Gesellschaft herausgebildet werden, um der Ressourcenvergeudung sowohl auf der Produktions- als auch auf der Konsumtionsseite entgegenzuwirken. Verhindern kann er solche Erscheinungen jedoch nicht, u.a. da er immer an die allzu subjektiven Bewusstseinsprozesse von Menschen geknüpft ist. (Lippert, 2017, S. 57, 2019, S. 16f)
Der Wert-Kreislauf
Die Existenzmittel-Kosten der Arbeitskräfte werden anteilig als Anspruch auf Ersatz mit den Arbeitsprodukten verbunden. Vorgelagert war das auch beim sogenannten „konstanten Kapital“ der Fall. Neben den Anrechten von Arbeitskräften kommen noch Ansprüche von Eignern hinzu, bei Marx Grundrente etc.
Werden Wertbeziehungen herausgebildet, geht es immer um nicht freie Verfügbarkeit und um Bedarf nach den entsprechenden Gütern.
Produzierte Güter sind deshalb nicht frei verfügbar, weil sie mit Hilfe von bezahlten Arbeitskräften hergestellt wurden, Rohstoffe bezahlt werden mussten usw. und diese Aufwendungen durch Tausch ersetzt werden müssen.
Die ökonomischen Werte der Arbeitskräfte (sowie der anderen Einkommensbezieher) wiederum basieren auf deren Umfang an Anrechten auf Existenzmittel.
Sie erhalten Lohn als Gegenleistung für den Verkauf ihrer Arbeitskraft. Dieser Lohn entspricht einem Anrecht auf einen prozentualen Anteil an allen ökonomisch zu verteilenden Gütern.
In diesen Güterumfang sollen jedoch nur die Produkte einfließen, die auf der gesellschaftlichen Ebene durch Abgabe eines Wertäquivalents als gesellschaftlich nützlich anerkannt wurden.
Nur diese gesellschaftlich relevant anerkannten Wertgrößen sollen den Gesamt-Güterumfang bestimmen – nicht die aufgewandte menschliche Arbeit oder die Erwartungswerte der Produkte, wie es nach der klassischen Interpretation der Arbeitswerttheorie der Fall wäre. Nur diese realen Wertgrößen sollen die Bezugspunkte für den Geldumlauf sowie für den Existenzmittelumfang der Anrechtsberechtigten sein. (Lippert, 2017, S. 190)
Fazit
Wert ist quantifizierte abstrakte, gesellschaftlich relevant anerkannte Nützlichkeit.
Mit dem Wert werden auf dem Markt Aufwendungen verschiedener Art in Höhe des Wertäquivalents durch Tausch in abstrakter Form als nützlich qualifiziert. Gewichtete Bedürfnisse bewirken, dass Werte gebildet werden.
Auf die Wertbildung wirkt das gesamte gesellschaftliche und natürliche Umfeld ein. Markt und Wert sind unverzichtbar für die effiziente Gestaltung der Wirtschaft.
Die Marxsche Wertformel ist unpräzise, da sie nicht den Wert, sondern nur einen Erwartungswert beschreibt. Wert wird nicht produziert, sondern auf dem Markt gebildet. Produziert werden lediglich Voraussetzungen für mögliche Wertverhältnisse und damit für mögliche Wertbildungen.
Quellenverzeichnis
Engels, Friedrich (1961), Karl Marx „Zur Kritik der Politischen Ökonomie“, MEW 13, Berlin, Dietz Verlag
Lippert, Rainer (2017), Mit Marx zur Marktwirtschaft?, Baden-Baden, Wissenschaftsverlag Verlag Tectum
Lippert Rainer (2019), Was ist falsch an der Arbeitswerttheorie? Wie der Wert wirklich gebildet wird, Norderstedt, Grin Verlag
Marx, Karl (1962), Kapital I, MEW 23, Berlin, Dietz Verlag Marx, Karl (1964), Kapital III, MEW 25, Berlin, Dietz Verlag Lippert, Rainer (2020) ltvreloadet.net
Lippert, Rainer (2020) Was ist falsch an der Arbeitswerttheorie - Wie der Wert wirklich gebildet wird, https://youtu.be/An4HAaO3Mk0