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Eine Standseilbahn verbindet das Zentrum von Locarno mit der Wallfahrtskirche Madonna del Sasso, die sich auf einem Bergvorsprung oberhalb von Locarno in der Gemeinde Orselina befindet.
Bereits 1897 erhielten Francesco Muschietti, Giuseppe Varenna und Domenico Rigola die Konzession zum Bau der Standseilbahn. Die 1900 erneuerte Konzession ging 1902 an ein neu gebildetes Komitee bestehend aus Domenico Rigola, Giovanni Pedrazzini (1852-1922), Luciano und Francesco Balli (1852-1924) - der letztere als damaliger Bürgermeister von Locarno - sowie Achille Gianella über.
Die Arbeiten an der Standseilbahn mit Abt'scher Weiche begannen 1904 und konnten 1906 abgeschlossen werden. Das Projekt stammte von Ingenieur Giuseppe Martinola, der auch gleich die Leitung der Arbeiten übernahm. Als beratender Ingenieur wurde U. Bosshard aus Zürich beigezogen. Die Seilbahn lieferte die Firma Von Roll, während das Unternehmen Garavatti & Co. aus Varese die Bauarbeiten ausführte.
Die Strecke beginnt bei der Strassenbrücke über den Bach Ramogna in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Locarno und verläuft weitgehend entlang dieses Baches bis nach Orselina. Einmal überquert die Linie das Gewässer Ramogna auf einer Stahlfachwerkbrücke. Kurz nach der Ausweiche folgt ein Tunnel bevor die Bahn über einen markanten Hausteinviadukt mit elf Bögen die Endstation erreicht. Zwischen den beiden Endstationen liegen die drei Zwischenstationen Grand-Hôtel (bis auf weiteres geschlossen), Belvedere und Santuario.
Der Zugang zur Talstation erfolgt durch den Eckrisalit der ehemaligen Druckerei (Stamperia erb. um 1860) an der Via alla Ramogna, die um 1905 in einen Wohn- und Geschäftshaus umgebaut wurde. Der Wagenunterstand bildet eine Halle mit Gusseisensäulen, daran schliesst ein kleines, 1950 nach Plänen der Architekten Peppo Brivio und René Pedrazzini erbautes Dienstgebäude an.
Die 1906 erbaute Bergstation an der Via Santuario wurde 1925-30 erweitert. Die Architektur des Gebäudes ist inspiriert von der Wiener Sezession. Der Flachdachbau besitzt ein Oberlicht über der Seilbahn-Einfahrt. In diesem Gebäude ist auch der Antrieb der Bahn untergebracht.
Die zweiachsigen Untergestelle der beiden Wagen stammen von der Giesserei Bern (Von Roll) und sind mit Zangenbremsen ausgestattet. Die ursprünglichen hölzernen Wagenkasten wurden 1958 durch formschöne Karosserien der Schweizerischen Waggons- und Aufzügefabrik Schlieren ersetzt.
Die Standseilbahn erschliesst einerseits die bekannteste Wallfahrtskirche der italienischsprachigen Schweiz und andererseits schliesst sie die Dörfer Orselina und Monti an Locarno an.
Die von Locarno zur bekannten Wallfahrtskirche Madonna del Sasso führende Bahn zeichnet sich durch eine elegante, weitgehend dem Bach Ramogna folgende Linienführung aus. Die von der Firma Von Roll stammende Standseilbahn mit Abt'scher Weiche weist qualitätvolle Kunstbauten wie die sorgfältig aus Steinquadern gefügte Bogenbrücke oder die Stahlfachwerkbrücke über die Ramogna auf. Eindrücklich sind auch die in eine städtische Häuserzeile integrierte Talstation und die spätklassizistische, von der Wiener Sezession inspirierte Bergstation. Auf der bemerkenswert in die Landschaft eingefügten Linie verkehren Fahrzeuge mit formschönen, zeittypischen Karosserien von 1958.
|Konzeption|
|Erschliessungsidee (Vision)||ausgehend vom Stadtzentrum Locarno Erschliessung der bekanntesten Wallfahrtskirche der italienischsprachigen Schweiz in Orselina, oberhalb von Locarno, u. des zugehörigen Parks mit Kreuzweg; Anschluss der Dörfer Orselina u. Monti an Locarno|
|Linienführung: Planung, Umsetzung||anspruchsvolle, elegante S-Kurvenführung entlang dem u. über den Bach Ramogna; in der oberen Hälfte durch einen ca. 80 m langen Tunnel u. danach bis zur Bergstation auf einer ca. 150 m langen Brücke|
|Seilbahntechnik|
|besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||typische einspurige Standseilbahn im Pendelbetrieb, asymmetrische Abt'sche Weiche u. Bremszangensystem; eindrückliche dreifache Umschlingung der zwei durch das gleiche Ritzel angegetriebenen Antriebsräder; formschöner u. zeittypischer Wagenaufbau|
|seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Hersteller||repräsentative Von Roll-Anlage der zweiten Standseilbahngeneration mit charakteristischen, auf der Grundanlage aufbauenden Nachrüstungen zur Leistungssteigerung u. Rationalisierung|
|Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten|
|Ingenieurbau||eindrückliche u. qualitätvolle Kunstbauten: u. a. sehr hohe, aufwändig u. sorgfältig aus Natursteinquadern gefügte Bogenbrücken|
|Architektur||Talstation ist in eine städtische Häuserzeile integriert; hervorragendes Dienstgebäude der 1950er-Jahre von Beppo Brivio u. René Pedrazzini; Bergstation spätklassizistischer, flachgedeckter Kopfbau, |
|besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||bei Bergstation enge Platzverhältnisse: Massivbau übereck; Talstationszugang in Stadtpalais eingebunden|
|bautypologische Bedeutung||formal, funktional u. volumetrisch sehr unterschiedlich, aber jeweils zeittypisch ausgebildete Hochbauten von hoher Qualität u. zu intakter Bahnanlage gehörend|
|Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung|
|Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponenten||Seilbahnprinzip, Unter- u. Oberbau sowie Hochbauten aus der Erstellungszeit|
|Qualität der Nachrüstungen||bis auf Antriebsräder u. Fahrgestelle mechanische u. elektrische Seilbahnkomponenten kontinuierlich erneuert u. für höhere Leistung nachgerüstet|
|funktionale Unversehrtheit||nach wie vor als Erschliessungs- u. Ausflugsbahn in Betrieb|
|Kulturgeschichte|
|Personen, Firmen, Institutionen||Haupinitianten: Francesco Muschietti, Giuseppe Varenna, Domenico Rigola (Phase 1); Giovanni Pedrazzini, Luciano u. Francesco Balli sowie Achille Gianella (Phase 2); Ing. Giuseppe Martinola (Linienführung, Trassee); Ing. U. Bosshard, Zürich (Projektleiter u. Ausführung)|
|Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militär||für die Entwicklung des Tourismus bedeutende Anlage; erste Stufe der Bergerschliessung: 1952 Cardada, 1964 Cimetta|
|Räumliche Situation|
|Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontexts||optimale Integration in den städtischen Kontext; durch die elegante, in beträchtlichem Umfang der Ramogna folgende Linienführung gut in den bemerkenswerten landschaftlichen Kontext eingefügt|
|Infrastruktur|
|touristische/betriebliche Infrastruktur||bei Bergstation ursprünglich Buffet-Restaurant; Wallfahrtskirche; Wanderwege|
|Verkehrsnetze||ÖV bei Talstation: Nähe Bahnhof (der Tessiner Talbahnen bzw. Gotthardbahn) u. Schiffsstation; direkt im Zentrum von Locarno; Bergstation an der Strasse Monti-Orselina, seit 1952 bei Bergstation Anschluss an Luftseilbahn Orselina-Cardada; 1964 Cardada-Cimetta|
|Bundesinventare|
|-||ISOS (national)||Locarno, città|
|-||KGS 2009||Objekt-Nr.: 11764 Sacro monte, Kat. A|
|Archive|
|-||SWA BS Verkehr B 271 (Drahtseilbahn Locarno-Madonna del Sasso) |
|Literatur|
|-||Biglietteria della funicolare LMS, Locarno, in: Schweizerische Bauzeitung SBZ, vol. 72 (1954), p. 482|
|-||Momenti di vita locarnese. Edito in occasione del 75mo della Funicolare Locarno-Madonna del Sasso, Locarno: FLMS, 1981|
|-||Locarno, INSA Inventario Svizzero di Architettura 1850-1920, vol. 6, Zurigo: Orell Füssli, 1991, p. 23-119|
|-||Schweizer Heimatschutz (Hg.): Die schönsten Verkehrsmittel der Schweiz, Zürich, 2007, p. 57 |
|e-docs|
|-||http://de.wikipedia.org/wiki/Maggiatalbahn |
|-||http://www.orselina.ch/de/cultura/madonna_sasso.asp |
|-||http://de.wikipedia.org/wiki/Funicolare_Locarno%E2%80%93Madonna_del_Sasso |
|-||http://www.stahlseil.ch/gallery/main.php?g2_itemId=71237 |
|-||http://www.bahn-bus-ch.de/bahnen/flms/foto.html |