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Am 25.11.2018 stimmte die Zürcher Stadtbevölkerung mit 54% für ein neues Fussballstadion. Bis zu diesem Schritt war es ein langer Weg: 1929 wurde auf dem Areal des Hardturms das Hardturm-Stadion mit 27’500 Plätzen eröffnet. Über die Jahrzehnte, geformt von den sportlichen Erfolgen, bildete sich eine starke Identität mit dem Stadion, obwohl es wenig Komfort bot. Nach knapp 70 Jahren Betrieb lobte die Credit Suisse, Eigentürmerin des Grundstücks, einen Gesamtleistungswettbewerb mit 10 Teams für ein polisportives Stadion aus. Aus dieser Stufe kommt das Zürcher Büro Meili Peter als Gewinner hervor. Kurze Zeit später wird jedoch ein projektverändernder Entschluss gefasst: das Hardturm-Stadion soll ein reines Fussballstadion werden, während die Stadt die Planung eines Leichtathletik-Stadion am Letzigrund in Angriff nimmt. Auch in der zweiten, überarbeiteten Wettbewerbsstufe kann der Entwurf von Meili Peter mit einem gelungenem polygonen Dach, Projektname «Pentagon», überzeugen. Dieses sieht einen Neubau mit 30’700 Sitzplätzen und eine Mantelnutzung vor, namentlich ein Shopping-Center mit Gastronomie, ein Konferenzhotel sowie ein Bürogebäude. Zwar stimmt das Volk im September 2003 für den Bau, doch die eigenwillige Form zieht viel Aufmerksamkeit und somit auch zahlreiche Einsprachen an sich. Unter aufkommenden Zeitdruck versucht die Stadt den Rechtsweg zu beschleunigen, damit pünktlich zur Europameisterschaft internationale Fussballspiele auf dem Hardturm-Areal ausgetragen werden können. Nach einem langwierigen Rechtsstreit vor dem Bundesgericht liegt die Baubewilligung erst 2005 vor – zu spät für die Europameisterschaft.
Aus Alternativlosigkeit muss nun das Leichtathletik-Stadion des Letzigrund für den Fussball tauglich gemacht werden. Im Juni 2005 wird einem 11-Millionen-Zusatzkredit für die Eurotauglichkeit des Stadions zugestimmt. Die Architekten Bétrix & Consolscio müssen die Planung kurz vor der Ausführung ändern, auch um den hohen Anforderung eines internationalen Fussballwettbewerbs gerecht zu werden. Und hier liegen die vielgenannten Mängel des Letzigrund-Stadions: dies war nie als «Hexenkessel» für Fussballspiele konzipiert worden, es fehlt die Steilheit der Tribünen und die Nähe zum Spielfeld. In der Zwischenzeit wird 2006 mit dem Abbruch des Hardturm-Areals begonnen, welches seitdem verschiedene Zwischennutzungen, wie Gartenvereine oder Veranstaltungen, Platz bietet. Nach den vielfältigen Niederlagen und dem endlosen Rechtsstreit lässt die Credit Suise 2009 die Idee an ein neues Hardturm-Stadion fallen. Zu hohe Planungskosten, zu wenig Rendite, zu ungewiss der Ausgang. Sie gibt das Land der Stadt Zürich zurück, welche sich verpflichtet bis 2035 ein Stadion darauf bauen, sonst tritt ein Rückkaufrecht an die Credit Suisse in Kraft.
So versucht sich die Stadt als öffentlicher Bauträger und lanciert 2010 einen neuen Wettbewerb, diesmal eine Kombination aus kleinerem Stadion mit 16’000 Plätzen und einem Genossenschaftsbau mit 160 Wohnungen. Aus den 12 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen geht Ende 2012 das Badener Architekturbüro Burkhard Meyer mit seinem Projekt «Hypodrom» hervor. Doch das Projekt wird bei der 2013 durchgeführten Volksabstimmung abgelehnt, insbesondere aufgrund des undurchsichtigen Finanzierungsmodells der beiden Fussballclubs. Auch das Wohnprojekt, welches angenommen wurde, konnte aufgrund der Vereinbarung mit Credit Suisse nicht umgesetzt werden. Somit scheiterte auch der zweite Anlauf für das Stadion auf dem Hardturm-Areal.
Nach dem privat-finanzierten Versuch 2002 und dem öffentlichen Anlauf 2010 verspricht nun die Kombination den Erfolg zu bringen: Ende 2015 lancierte der Stadtrat einen Investorenwettbewerb, bei dem 5 Teams aus Architekten, Ingenieuren, Baufirmen sowie Investoren einen kostengenauen Vorschlag für ein Stadion für 18’000 Plätzen sowie Wohnbauten erarbeiteten. Gefordert waren zudem 175 gemeinnützigen Wohnungen im unteren und mittleren Preissegment. Hierbei hat sich das Team um Pool Architekten, Caruso St John Architects, Boltshauser Architekten, der Baugenossenschaft Zürich ABZ mit HRS Investment und der Immobilienanlagegefässe der Credit Suisse hervorgetan. Ihr Projekt «Ensemble» sticht mit zwei 137m hohen Wohntürmen hervor, in denen zusätzliche 570 Wohnungen und Gewerbeflächen untergebracht sind. Die Türme sind wichtiger Bestandteil des Projektes, da sie den Bau des Stadions querfinanzieren. Die Stadt beteiligt sich mit dem Grundstück, in dem sie auf einen reduzierten Baurechtszins verzichtet. Somit ist das Stadion privat finanziert über die Wohntürme, welche auf öffentlich subventioniertem Grund stehen.
Ende gut alles gut? Nach fast 20 Jahren der Planung und vielen gescheiterten Versuche könnte die jetzige Stadionvorlage es tatsächlich bis zur Ausführung schaffen. Zwar hat der Kreis Höngg bereits Beschwerde angemeldet, jedoch ist die erste grosse Hürde der Volksabstimmung geschafft. Als Nächstes muss der Gestaltungsplan vom Gemeinderat abgesegnet werden, bevor -nach einer intensiven Planung- der Stadtrat eine Baubewilligung aussprechen kann. Gegen beides kann mit Rekursen eingesprochen werden. Der Terminplan soll 2020 mit dem Bau des Stadions und der Wohnungsbauten begonnen werden, so dass Mitte 2021 bereits das erste Derby in dem neuen Stadion ausgetragen werden kann. In Anbetracht der zeitintensiven Vorgeschichte des Stadions ist abzuwarten, ob dieses ambitionierte Ziel erreicht werden kann.
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Bildnachweis:
Meili Peter Architekten AG
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Quellen:
https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/die-unendliche-stadiongeschichte-geht-weiter/story/25356884 (3.1.2019)
https://www.luzernerzeitung.ch/schweiz/so-geht-es-nicht-weiter-die-stadionfrage-ist-zuerichs-wichtigster-final-ld.1066412 (3.1.2019)
https://projekt-ensemble.ch/ (3.1.2019)
https://www.stadionletzigrund.ch/de/geschichte (4.1.2019)
https://www.nextroom.at/building.php?id=19128 (4.1.2019)
https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Stadion-Wettbewerb_in_Zuerich_entschieden_2980273.html (2.1.2019)