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Roland Blaettler 2019
Im Jahr 1765 führte der Berner Handelsrat eine eingehende Untersuchung über die Herstellung von Kochgeschirr im Waadtland durch. Er reagierte damit auf eine Anfrage der Waadtländer Töpfer, die sich über die drastischen Importe dieser Keramikspezialität beschwerten und diesen Missstand anprangerten (zitiert und kommentiert in Schwab 1921, 23–25). Da sich die Ergebnisse der Umfrage nicht nur auf die Kategorie des Kochgeschirrs bezogen, zeigten sie schliesslich ein ziemlich vollständiges Bild der Waadtländer Keramikindustrie. Durch die Erhebung erfahren wir, dass damals in der Stadt Yverdon und Umgebung nicht weniger als sieben Töpfer arbeiteten – die grösste Konzentration im Waadtland, wie Catherine Kulling betont (Kulling 2001, 33) – und dass sie vor allem «weisses Geschirr» herstellten. Was das eigentliche Kochgeschirr betraf (d.h. feuerfeste Gefässe), so sagten die örtlichen Handwerker, dass sie nicht in der Lage seien, mit den importierten Produkten zu konkurrieren.
Im Rahmen ihrer Grundlagenforschung über die Waadtländer Kachelöfen des 18. Jahrhunderts richtete Catherine Kulling ihr Augenmerk natürlich auch auf die in Yverdon tätigen Ofenbauer, insbesondere auf Jean-Albert Pavid (1710-1778) und Jacob Ingold (um 1742-1816), die zu den produktivsten und herausragendsten Spezialisten ihres Berufsstands im Waadtland gehörten (Kulling 2001, 26-105). Sie griff die bereits von Schwab (Schwab 1921, 25) aufgestellte These auf, nach der die auf die Herstellung von Geschirr spezialisierten Töpfer vor allem die Fayence-Technik angewendet hätten. Um diese Sicht zu untermauern, stützte sie sich nicht nur auf die bernische Untersuchung, sondern auch auf ein Dokument, das sie im Stadtarchiv von Yverdon gefunden hatte: In diesem Schreiben aus dem Jahr 1752 ersuchen die örtlichen Töpfer den Stadtrat um den Bau einer Mühle, «um Glasurfarben zu mahlen, die sie brauchen für die Produktion ihrer Töpferwaren, einer Art Fayence» (Kulling 2001, 32).
Aus unserer Sicht nehmen wir diesen Text wörtlich: Die Töpfer sprechen von «einer Art Fayence» im Sinne einer Ähnlichkeit der Produkte, aber ohne Anwendung der erforderlichen Technik. Unserer Meinung nach war das «weisse Tafelgeschirr», das 1765 als eine Spezialität Yverdons galt, – zumindest zum grössten Teil – weiss engobierte Irdenware, manchmal verfeinert mit Unterglasur-Pinseldekor. Sozusagen eine raffiniertere Variante der engobierten Irdenware im Vergleich zum herkömmlichen Gebrauchsgeschirr. Bei dieser Produktionsart kam eine in unseren Regionen seit langem etablierte Technik (und insbesondere bei der Herstellung von Öfen) zum Einsatz, die dem visuellen Effekt von blei-zinnglasierten Fayencen sehr nahe kam. Die Fayencetechnik ist in ihrer Umsetzung jedoch teurer und erfordert ein anderes Fachwissen, dennoch ist es in einigen Fällen ziemlich schwierig, die beiden Keramikarten mit blossem Auge zu unterscheiden.
Die einzigen bisher klar identifizierten regionalen Beispiele dieses Typs Geschirr sind die Arbeiten des Töpfers Laurent Biétry (1770-1853) in Cheyres FR (Babey 2016, 49), einem Ort, der etwa zwölf Kilometer von Yverdon entfernt liegt. Das Nationalmuseum von Zürich besitzt zwei signierte und 1795 datierte platten mit fassoniertem Rand (SNM LM-6212 und SNM LM-23403). Un troisième plat, sans date ni signature est conservé au Musée Ariana, Genève (MAG R 0136).
Bibliographie:
Babey 2016
Ursule Babey, Archéologie et histoire de la terre cuite en Ajoie, Jura Suisse (1750-1900). Les exemples de la manufacture de faïence de Cornol et du centre potier de Bonfol (Cahier d’archéologie jurassienne 37), Porrentruy 2016.
Kulling 2001
Catherine Kulling, Poêles en catelles du Pays de Vaud. Confort et prestige. Les principaux centres de fabrication au XVIIIe siècle, Lausanne 2001.
Schwab 1921
Fernand Schwab, Beitrag zur Geschichte der bernischen Geschirrindustrie (Schweizer Industrie- und Handelsstudien 7), Weinfelden/Konstanz 1921.