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Wenn ich jemandem sage, dass ich Kinesiologin bin, kommt meist ein „Kinewiebittewasmachstdu?“ zurück. Wenn ich in Form bin, erkläre ich dann gerne, was ich tue und beobachte, in welches Kästchen mich mein Gegenüber steckt. Wenn ich nicht in Form bin, sage ich von vornherein: „Ich bin Sekretärin!“ und lande dann in einem anderen Kästchen, das anscheinend keine Fragen zum Beruf nötig macht, denn alle wissen ja, was eine kaufmännische Angestellte so tut. Früher, als ich noch nicht Kinesiologin sondern in der Theaterwelt unterwegs und eigentlich nie in Form war, benutzte ich mein Sekretärinnen-Alias, um mich zu verstecken. Die Ironie der sich versteckenden Schauspielerin ist nicht zu übersehen und es ist nicht verwunderlich, dass ich mir einen anderen Beruf suchte.
Kinewiebitte? scheint auf den ersten Blick nichts mit Theater oder Sekretärin (oder allen anderen Jobs, die ich hatte) zu tun zu haben. Auf den zweiten jedoch lässt sich die Gemeinsamkeit gut erkennen: Es geht um den Menschen, seine Gefühle und Motivationen; wie er sie aus- oder unterdrückt und was er dadurch in sich und anderen auslöst. Ein grosser Teil meiner Schauspielausbildung bestand aus beobachten. Ich sass auf Bänken in Parks und Bahnhöfen und sah den Menschen beim Alltäglichen zu: Wie gehen sie? Wie reden sie? Wie verändern sich Körper und Stimme bei Wut, Trauer, Ohnmacht, Freude oder Zufriedenheit? Und vor allem: Was geschieht mit mir und meinen Gefühlen in der Rolle, auf der Probe mit den Kolleginnen und Kollegen oder der Bühne? Ich hatte das Glück einen Theaterlehrer (Serge Martin) zu haben, der seine Studentinnen und Studenten immer unterstützend kritisierte. Er spielte nie „auf den Mann“, musste uns nicht erniedrigen, um sich selbst zu erhöhen. Dies gab uns die Gelegenheit, uns zu zeigen, ohne die Gefahr, verletzt zu werden. Heute versuche ich als Kinesiologin, meinen Klientinnen und Klienten einen sicheren Raum zu bieten, in dem sie ihre Persönlichkeit ausloten können. Wenn mir dies gelingt und wenn ich es vielleicht in diesem Blog wage, meine verschiedenen Berufe zu verknüpfen, verdanke ich es meinen Lehrerinnen und Lehrern (natürlich auch solchen, die von Beruf Bäckerin oder Maschinenbauzeichner waren), die mir halfen, meine Persönlichkeit zu ent-wickeln und meine Ängste zu bändigen. Dafür bedanke ich mich herzlich.