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Essen ist etwas, das für alle alltäglich ist. Kein Tag geht vorbei, ohne dass man sich mit Essen beschäftigt. Wenn jemand unter einer Störung des Essverhaltens leidet, ist dies eine besondere Herausforderung, da man tagtäglich mit Essen konfrontiert wird.
Andrea Wyssen, Expertin für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Fribourg, befasst sich intensiv mit dem Thema Essstörungen. Sie ist zudem massgebend an der Entwicklung eines Online-Behandlungsprogramms beteiligt, bei dem Menschen mit einer Binge-Eating-Störung ein Selbsthilfeprogramm mit einem Online-Tool absolvieren können, das parallel per E-Mail-Kontakt von einem Psychotherapeuten betreut wird.
Welche Essstörungen gibt es?
Laut Andrea Wyssen sind es folgende drei Essstörungen, die am häufigsten vorkommen: Anorexia Nervosa (Magersucht), Bulimia Nervosa (Ess-Brechsucht) und Binge-Eating-Störung (Essanfallsstörung). Eine Essstörung ist oft mit weiteren körperlichen und psychischen Problemen kombiniert wie zum Beispiel Unter- oder Übergewicht, einer ausgeprägten Körperbildunzufriedenheit, Unsicherheit im Sozialkontakt oder Angstzuständen.
Man strebt ein Idealbild an und verliert dabei die Kontrolle über das eigene Verhalten.
Unter Anorexia Nervosa versteht man eine restriktive Essstörung, wobei die Nahrungsaufnahme sehr stark eingeschränkt wird. Häufig wird ein unrealistisches Körperideal angestrebt. Personen mit Anorexie haben auch häufig ein hohes Bedürfnis nach Kontrolle über deinen eigenen Körper.
Bulimia Nervosa, auch als Bulimie bekannt, wird durch regelmässige Essanfälle mit anschliessenden Kompensationsmassnahmen charakterisiert. Diese sind oft Erbrechen, exzessives Sporttreiben oder das Einhalten einer strikten Diät. Oft beginnt bei Patienten mit Bulimie ein Essanfall durch einen schwer kontrollierenden Impuls. Dabei tritt meist eine impulsive Ess-Attacke auf, um Stress abzubauen und von negativen Emotionen abzulenken. Nach einem Essanfall werden Betroffene zusätzlich mit Angst- oder Schuldgefühlen überrannt, welche zu den oben genannten Kompensationsmassnahmen führen.
Die Binge-Eating-Störung ist die am häufigsten vorkommende Essstörung in der Bevölkerung. Diese kommt häufig auch bei Männern vor und wird ebenfalls durch Essanfälle mit Kontrollverlust charakterisiert. Es folgen aber keine Kompensationsmassnahmen.
Wann ist man selbst gefährdet?
Oft fängt eine Essstörung mit einer Diät an, bei der man zunehmend die Kontrolle verliert. «Eine Diät kann sich zu einem Selbstläufer entwickeln», sagt Wyssen.
Gefährdet sind auch Personen, die ein negatives Körperbild von sich selbst haben.
Weitere Warnzeichen sind eine mangelnde Flexibilität bei der Essensauswahl, wenn man sich viel Sorgen um das Aussehen und das Gewicht macht und wenn man ständig über Kalorien und Nahrungsmittel nachdenken muss. «Die Gründe für eine Essstörung sind aber sehr individuell», hält Andrea Wyssen fest. Generell sind Körperbildsorgen bei Menschen mit einer Essstörung sehr ausgeprägt.
Früherkennung ist wichtig
Das A und O bei der Behandlung von Essstörungen ist die möglichst frühe Erkennung und Intervention bei den betroffenen Personen. Eine Person, die an einer Essstörung leidet, sollte man möglichst offen darauf ansprechen. Je offener und unkomplizierter man dabei ist, umso besser.
«Wichtig für die Behandlung ist, dass man die Entstehung und auch das Aufrechterhalten der Störung analysiert», sagt Andrea Wyssen.
Leidest du oder jemanden in deinem Umfeld an einer Essstörung?
Man kann sich jederzeit beim Expertennetzwek Essstörung Schweiz melden:
Ein Pilotprojekt der Universität Fribourg
Andrea Wyssen ist an einem Forschungsprojekt beteiligt, bei dem ein neuer Therapieansatz gegen Binge-Eating angewendet wird. Momentan befindet sich das Programm noch in der Evaluationsphase, in der es auf die Wirksamkeit untersucht wird. Später soll das Programm als Therapieoption am Zentrum für Psychotherapie der Universität Fribourg angeboten werden.
Beim Online-Behandlungsprogramm arbeiten die Patienten selbstständig und werden von einem Therapeuten per E-Mail begleitet.
BES Online
Hier kann man sich das Forschungsprojekt anschauen und sich gegebenfalls anmelden:
Binge-Eating ist für Andrea Wyssen ein sehr wichtiges Thema: «Es ist die häufigste Essstörung, auch viele Männer sind betroffen.» Es ist aber eine Störung, welche man sehr gut behandeln kann.
S.O.S. – Sick of Silence
Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner Sendung mit Betroffenen.
Jeden Dienstag, 19-20 Uhr bei SRF Virus oder hier als Podcast.