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Maria Rogowska-Falska wurde 1877 im südpolnischen Dörfchen Dubno Podlanskie als Maria Rogowska geboren. Die Familie gehörte dem wohlhabenden polnischen Landadel an. Maria wurde Lehrerin, schloss sich dann aber mit ihren Brüdern dem politischen Widerstand gegen die russische Herrschaft in Polen an. Im Untergrund arbeitete sie in einer illegalen Druckerei der Sozialistischen Partei Polens, was häufige Verhaftungen und Gefängnisaufenthalte zur Folge hatte. Wo genau Maria Rogowska ihren Mann, den polnischen Arzt Leon Falski, kennengelernt hatte, ist nicht bekannt. Als wahrscheinlich gilt aber London, wohin beide vor der zaristischen Polizei ins Exil geflohen waren. Das Ehepaar übersiedelte von dort in die damals polnische Kleinstadt Waloschyn, wo Falski eine Praxis betrieb, die Bedürftige kostenlos behandelte. Schon bald bestand Maria darauf, in eine Stadt umzuziehen, in der ihr eine politische Tätigkeit möglich war. Vor dem Umzug starb ihr Mann an Typhus und Maria war mit ihrer zweijährigen Tochter alleine. Als überzeugte Atheistin blieb sie trotz Überredungsversuchen der Beerdigung ihres Mannes fern. Rogowska-Falska siedelte nach Moskau um, wo die wirtschaftliche Not und die harten Winter ihren Preis forderten: Ihre Tochter starb innerhalb von zwei Jahren. Eine Rückkehr nach Warschau war wegen des Ersten Weltkriegs nicht möglich und so zog Rogowska-Falska als KinderheimLeiterin für das Rote Kreuz nach Kiew.
Im Dezember 1915 stellte sich ein russischer Militärarzt in Rogowska-Falskas Heim vor. Der Moment hätte kaum unpassender sein können, denn die Fürsorge-Behörden waren gerade dabei, einen Jungen wegen Diebstahls abzuführen. Dem Arzt gelang es, die Unschuld des Jungen nachzuweisen, der im Heim bleiben durfte. Beim Militärarzt handelte es sich um Henryk Goldszmit, besser bekannt als „Janusz Korczak“, der im Dienst der zaristischen Armee stand und darum sein Pseudonym nicht verwenden durfte. Als Erzieher und Schriftsteller Janusz Korczak war er jedoch eine Berühmtheit. Diese Begegnung markierte den Beginn der Zusammenarbeit zwischen Rogowska-Falska und Korczak. Im November 1919 gründeten beide ein zweites reformorientiertes Waisenhaus in Pruszków bei Warschau, das sogenannte „Nasz Dom“ („Unser Haus“). Die Leitung übernahm Rogowska-Falska. Rogowska-Falska und Korczak vertraten ähnliche Ideale. Zentrale Ideen könnten von Rogowska-Falska stammen: Die Form der Erwachsenen-Gemeinschaft sollte im Heim an die Bedürfnisse der Kinder angepasst werden. In ihren Augen wurden Kinder von den Erwachsenen gegen ihren Willen umgemodelt und verformt. Sie wollte die Kinder verstehen, ihre Moral stärken und ihnen helfen, sich selbst kennenzulernen. Ihre Erkenntnisse veröffentlichte sie in pädagogischen Artikeln und hielt wissenschaftliche Vorträge; Rogowska-Falska genoss diese Öffentlichkeit.
Achtzehn Jahre dauerte die Zusammenarbeit mit Korczak, bis sich die Wege der beiden kurz vor dem Zweiten Weltkrieg trennten. Rogowska-Falska blieb Leiterin des Nasz Dom, sah Korczak jedoch kaum noch. Da sie keine Jüdin war, blieb sie vom NS-Terror im besetzten Polen einigermassen verschont und setzte sich für Korczaks Befreiung ein, als dieser ins Warschauer Ghetto gesperrt worden war – vergeblich. 1943 wurde Korczak deportiert und ermordet.
Immer wieder wurde auch das Nasz Dom von der Gestapo heimgesucht. Am 7. September 1944 befahl die deutsche Besatzungsmacht schliesslich die Auflösung des Kinderheims. Die Todesumstände sind nicht genau überliefert. Vermutlich erlitt Rogowska-Falska während der Räumung einen tödlichen Herzinfarkt.