Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03105.jsonl.gz/2812

Am Wochenende ging in Genf und im chinesischen Wuhan die Uno-Konferenz für Feuchtgebiete zu Ende. Die Umsetzung des Übereinkommens über die Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung ist gerade in Zeiten des Klimawandels und immer schlimmeren Dürren von grosser Wichtigkeit. Die Konferenz der sogenannten Ramsar-Konvention ruft alle Staaten zur Sicherung und Wiederherstellung der Feuchtgebiete auf. Auch in der Schweiz gibt es Handlungsbedarf: Unser Land ist kein Vorbild beim Schutz der Feuchtgebiete.
In der Schweiz sind seit 1850 über 90% der Feuchtgebiete zerstört worden. Obwohl die Moore hierzulande seit 1987 unter Bundesverfassungsschutz stehen, gehen die quantitativen und qualitativen Verluste weiter. Diese Verschlechterung lief bisher weitgehend ohne wirksame Gegenmassnahmen der offiziellen Schweiz ab, obwohl Moore sehr wichtige CO2-Speicher und im Kampf gegen den Klimawandel von grösster Bedeutung sind. Auch andere Feuchtgebiete stehen in der Schweiz erst teilweise unter Schutz, ganz besonders die Wasser- und Zugvogelgebiete, in denen Tausende von teils international gefährdeten Zugvögeln rasten. Die Schweiz weist elf solcher Gebiete von internationaler und rund 40 Gebiete von nationaler Bedeutung auf. In der entsprechenden Schutzverordnung des Bundes (WZVV) sind die international bedeutenden Wasservogelgebiete aufgenommen, von den national bedeutenden jedoch fehlen noch immer 15 Gebiete, also mehr als ein Drittel. Und auch der Ramsarkonvention ist nur ein Teil von ihnen unterstellt: Die Schweiz zählt aktuell nur 11 sogenannte Ramsargebiete.
Die Ramsarkonvention verpflichtet die Staaten zum Schutz ihrer Feuchtgebiete und verlangt, diesen mit anderen Staaten abzustimmen. Das ist bei grenzüberschreitenden Gewässern und Feuchtgebieten besonders wichtig. Doch gerade am Bodensee und Untersee hat die Schweiz noch gar keine Ramsargebiete bezeichnet, während Deutschland und Österreich das getan haben. Da die Wasservögel grosse ungestörte Flächen benötigen, wären sogar grenzüberschreitende Ramsargebiete nötig. Dass das geht, haben vor zwei Jahren Frankreich und Deutschland gezeigt, die gemeinsam das «Deutsch-französische Ramsar-Gebiet Oberrhein/Rhin supérieur» geschaffen haben.
Die Schweiz hingegen hat schon lange keine Ramsargebiete mehr bezeichnet. Die ersten Gebiete stammen aus den 1970er- bis 1990er-Jahren, letztmals wurden 2005 drei Ramsargebiete geschaffen. Und auch bei der Verordnung zum Schutz der Wasservogelgebiete hapert es. Der Bundesrat hat 2017 selbst festgehalten, dass von den 40 Gebieten, die eigentlich geschützt werden sollten, mehr als ein Drittel fehlt. Selbst in den gemäss Verordnung geschützten Gebieten gibt es Umsetzungsdefizite, z. B. zu viele Störungen.
Die Ramsarkonvention ruft die Staaten seit 1971 zur Wiederherstellung von Feuchtgebieten und Wasservogelreservaten auf. Auch in diesem Bereich ist die Schweiz noch kaum aktiv und hat auch die Uno-Initiative «Decade on Ecosystem Restoration 2021-2030» nicht aufgenommen. Die EU hingegen hat ein Gesetz mit quantitativen Verpflichtungen zur Wiederherstellung der Ökosysteme verabschiedet.
Die Schweiz ist schon heute Schlusslicht bezüglich Schutzgebieten in Europa und droht den Anschluss ganz zu verlieren.