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Manuscrito digital de Juan Goytisolo ist eine digitale textgenetische Edition der Arbeitshandschriften des Romans Landschaften nach der Schlacht (1982) von Juan Goytisolo. Sie gibt Einblicke in die Schreibwerkstatt des spanischen Schriftstellers, enthüllt, wie er liest und schreibt und fokussiert den komplexen Entstehungsprozess einzelner repräsentativer Kapitelentwürfe. Ziel ist es, den Benutzern ein digitales Archiv der Handschriften zu offerieren und ihnen gleichzeitig neue Formen zu bieten, um diese zu entdecken und zu erschliessen. Dies gelingt dank der diplomatischen Kapiteltranskription in XML und der interaktiven Animationen der Entstehung einzelner Kapitel und der gesamten Romanstruktur. Die Edition greift auf zwei Forschungsinstrumente zurück: die critique génétique, eine französischen Methode zur Analyse und Veröffentlichung von modernen Arbeitshandschriften und die TEI (Text Encoding Initiative), eine Informatiktechnologie, die spezifisch für die digitale Publikation von Manuskripten entwickelt wurde.
Das Kernstück des Projektes bilden die diplomatischen Transkriptionen von 34 ausgewählten Kapiteln, die zwischen zwei bis sieben Entwürfe aufweisen und nach den TEI-Richtlinien in der XML-Sprache kodiert wurden. Um den Entstehungs-prozess der Entwürfe nachzuvollziehen, wurden deren Schreibetappen oder Schreibschichten virtuell rekonstruiert. Diese Rekonstruktion bedurfte der systematischen Analyse der vielfältigen Umschreibungen (Erweiterung, Streichung, Substitution und Umstellung), bleibt aber dennoch nur eine Annäherung. In einem zweiten Schritt wurden XSLT- Stylesheets konfiguriert, die es ermöglichen, alle sich im handgeschriebenen Dokument überlappenden Schreibschichten einzeln und dynamisch zu visualisieren. Der Leser hat die Möglichkeit, die Handschriften thematisch zu entdecken, oder aber chronologisch, indem er die einzelnen Versionen und Schreibschichten der Kapitel miteinander vergleicht. Die interaktiven Animationen der Entstehung einzelner Kapitel und der gesamten Romanstruktur verdeutlichen dessen komplexe Entstehungsgeschichte und machen sie visuell fassbar.
Das Projekt ist am Spanischen Institut der Universität Bern angesiedelt und entstand dank der fruchtbaren Zusammenarbeit von Studierenden der Spanischen Literatur- und Sprachwissenschaft, der Digital Humanities (Zentrum für Digitale Edition, Universität Würzburg & École nationale des chartes, Paris), der Informatik (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften [ZHAW]) und der Mitarbeit von professionellen Informatikern.