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Um die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen, ist die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen entscheidend. Die Windkraft birgt neben Wasserkraft, Solarenergie, Biomasse usw. grosses Potenzial zur klimaneutralen Energiegewinnung. Dabei ist insbesondere die Windenergie in der Lage, den für die Schweiz notwendigen Winterstrom zu generieren.
Die erste Windenergieanlage wurde hierzulande im Jahr 1986 in der Gemeinde Langenbruck (BL) in Betrieb genommen. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden einige weitere Anlagen gebaut. Der grösste Windpark steht heute im dafür prädestinierten Berner Jura, wo ideale topografische Gegebenheiten und geeignete Windverhältnisse herrschen. Trotz dem ausgewiesenen Potenzial der Windenergie und trotz passenden Gelände- und Klimabedingungen an vielen Orten wird die Windenergie in der Schweiz verhältnismässig wenig genutzt. Die Projekte stossen oft auf starken Widerstand. Laut einer wissenschaftlichen Befragung in England (Bond et al. 2013) bestehen grundsätzlich fünf Hauptbedenken: Sichtbarkeit (von 22,9% der Befragten erwähnt), Effekte auf die Tierwelt (11,4%), Lärm der Turbinen (11,4%), Baulärm (6,8%) und Verbauung der Landschaft (6,4%).
Deutlich weiter fortgeschritten ist der Ausbau der Windturbinen im Ausland. In Europa wuchs die Windenergie im letzten Jahrzehnt unter den Energieerzeugern am stärksten und bietet heute gar die grösste Kraftwerksleistung. In Deutschland produzieren die gut 30 000 – teilweise immer noch subventionierten – Windenergieanlagen über 20% des Stroms. Trotzdem formt sich in der Bevölkerung auch hier immer wieder Widerstand. Die geäusserten Bedenken haben unterschiedliche Hintergründe, wobei die Wirkungen auf den Immobilienmarkt oft im Zentrum stehen. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) hat aufgezeigt, dass Einfamilienhäuser in ländlichen Gebieten im Umkreis einer Windanlage (innert eines Kilometers) eine Preisminderung (um etwa 7%) erfahren können. Sunak und Madlener (2014) stellten in ihrer Untersuchung einen Abschlag von 10–17% für Immobilien in Deutschland fest, bei denen die Windenergieanlagen dominant im Sichtfeld auftraten. Bei nur geringen Sichteinschränkungen konnte kein Preisabschlag nachgewiesen werden.
In der Schweiz wurden bisher keine Studien publiziert, die einen signifikanten Preiseffekt von Windenergieanlagen auf den Immobilienmarkt beziffern. Wüest Partner hat nun im Rahmen einer Studie für das Bundesamt für Energie (BfE) und den Kanton Thurgau die Auswirkungen von Energieanlagen auf den hiesigen Immobilienmarkt untersucht. Die Analyse fokussierte sich auf die möglichen Effekte bei Einfamilienhäusern und deren Verkaufspreisen.
Die Untersuchungen haben keine eindeutigen Ergebnisse geliefert. Die Wirkung von Windenergieanlagen auf die Preise von Einfamilienhäusern konnte empirisch weder widerlegt noch nachgewiesen werden. Sowohl im Rahmen der in der Schweiz durchgeführten Untersuchung als auch in den internationalen Studien tritt aber der Konsens zutage, dass zwar gewisse negative Auswirkungen auf den lokalen Immobilienmarkt um eine Windenergieanlage teilweise feststellbar sind, diese sich aber, wenn überhaupt, auf die unmittelbare Nachbarschaft der Anlage beschränken. In der Schweiz werden grundsätzlich grosszügige Abstände zwischen den Anlagen und dem Siedlungsgebiet eingehalten, wodurch die Zahl der betroffenen Gebäude verhältnismässig klein ist. Dies erschwert es auch, einen Effekt nachzuweisen.
Die uneindeutigen Ergebnisse der Studien setzen den kontroversen Diskussionen also kein Ende, die Unsicherheit bleibt vorerst bestehen. Um die Windkraft weiterzubringen, sind deshalb neue Ansätze im Umgang mit den Bedenken gefragt. In Deutschland wurden jüngst Konzepte erfolgversprechend umgesetzt. Hier wird es Anwohnern und Gemeinden ermöglicht, Anteile an den Windparkanlagen zu erwerben, damit sie vom Betrieb finanziell profitieren können und ein ökonomisches Interesse an Windkrafträdern haben. Gleichzeitig wird die gesellschaftliche Akzeptanz erhöht.
Jacqueline Schweizer, Ronny Haase
Wüest Partner
24. September 2020
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