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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

5. Vortrag.
5.
[S. 71] Deshalb also empfing er die Taufe von Johannes, um durch Annahme des Niedrigeren von dem Niedrigeren zum Höheren die Niedrigeren aufzufordern. Aber warum ist nicht er allein von Johannes getauft worden, wenn Johannes deshalb gesandt wurde, daß durch ihn Christus getauft würde, damit er dem Herrn d. i. Christus den Weg bereite? Auch das haben wir bereits gesagt, allein wir wollen es nochmals erwähnen, weil es für die gegenwärtige Frage notwendig ist. Wenn nur unser Herr Jesus Christus mit der Taufe des Johannes getauft worden wäre ― behaltet, was wir sagen; nicht so viel soll die Welt vermögen, daß sie aus euren Herzen tilge, was dort der Geist Gottes geschrieben hat; nicht so viel sollen die Dornen der Sorgen vermögen, daß sie den Samen ersticken, der in euch ausgesät wird; denn warum sind wir gezwungen, dasselbe zu wiederholen, als weil wir bezüglich eures Gedächtnisses nicht sicher sind? ― wenn also einzig der Herr mit der Taufe des Johannes getauft worden wäre, so würde es nicht an solchen mangeln, welche dadurch zu der Meinung kämen, die Taufe des Johannes sei vorzüglicher als die Taufe Christi. Denn sie würden sagen: So sehr ist jene Taufe vorzüglicher, daß einzig Christus mit ihr getauft zu werden verdiente. Damit uns also vom Herrn ein Beispiel der Demut gegeben würde zur Annahme des Heiles, das aus der Taufe kommt, hat Christus empfangen, was für ihn nicht notwendig war, was aber für uns notwendig war. Und wieder, damit nicht eben das, was Christus von Johannes empfing, der Taufe Christi vorgezogen würde, durften auch andere von Johannes getauft werden. Aber die von Johannes getauft wurden, für diese war das nicht hinreichend; denn sie wurden auch mit der Taufe Christi getauft, weil die Taufe des Johannes nicht die Taufe Christi war. Jene, welche die Taufe Christi empfangen, begehren nicht die Taufe des Johannes; jene aber, welche die Taufe des Johannes empfingen, begehrten die Taufe Christi. Also für Christus genügte die Taufe des Johannes. Wie sollte sie nicht genügen, da nicht einmal sie notwendig war? Denn er bedurfte keiner Taufe, sondern um uns zum Empfang einer Taufe zu ermuntern, empfing er die [S. 72] Taufe des Dieners. Und damit nicht die Taufe des Dieners der Taufe des Herrn vorgezogen würde, wurden auch andere mit der Taufe des Mitknechtes getauft. Allein die getauft wurden mit der Taufe des Mitknechtes, mußten noch mit der Taufe des Herrn getauft werden; die aber getauft werden mit der Taufe des Herrn, haben die Taufe des Mitknechtes nicht nötig.