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Alle kennen ihn: Der Holzfäller von Ferdinand Hodler ist eines der bekanntesten Bilder der Schweiz. Jetzt sind verschiedene Ausführungen im Kunstmuseum Luzern ausgestellt.
Fast möchte man dem Axt schwingenden Mann ausweichen. Der Gang zwischen den Gemälden gleicht einem Spaziergang durch den Wald. Schön dargestellt von der Kuratorin Eveline Suter.
Kuratorin Eveline Suter erklärt «Der Holzfäller», 1910, Öl auf Leinwand, 129,5×100 cm, CR 1433 Kunstsammlung Schweizerische Mobiliar Genossenschaft
Ferdinand Hodler (1853-1918) schuf gleich mehrere Versionen des ausdrucksstarken Sujets. Die Ausstellung Hodlers Holzfäller. Die Schweizer Erfolgsserie versammelt nun zum ersten Mal verschiedene Ausführungen des Holzfällers und beleuchtet die Geschichte, den Erfolg und die Kritik hinter dem wirkmächtigen Motiv, das noch heute bei politischen Kampagnen, Umweltanliegen oder in der zeitgenössischen Kunst zitiert wird.
Rückseite: 50-Franken-Banknote (Holzfäller) der SNB,2,Serie, ausgegeben 1911, zurückgerufen 1958
Ursprünglich ist der Holzfäller für das Portemonnaie von Herrn und Frau Schweizer gedacht. Ferdinand Hodler wird 1908 von der eben erst gegründeten Schweizerischen Nationalbank gebeten, ein geeignetes Motiv für die neue Banknotenserie zu entwerfen. Das ehrgeizige Ziel ist eine Serie, die hohe Qualität mit nationalem Charakter und künstlerischem Wert vereint.
Hodler reicht einen Entwurf des Mähers für die 100-Franken-Banknote ein. Ein Jahr darauf folgten Skizzen des Holzfällers für die 50-Franken-Banknote, die im Dezember 1911 in Umlauf kommt. Hodler ist zwar mit der Umsetzung des Motivs unzufrieden, der Auftrag zahlt sich für ihn letztlich aber aus, denn der Holzfäller ist bei Sammlerinnen und Sammlern so beliebt, dass ihn Hodler gleich mehrfach verkaufen kann.
50-Franken-Banknote (Holzfäller) der SNB,2,Serie, ausgegeben 1911, zurückgerufen 1958
Schon 1909 bittet ein Mitglied der Banknotenkommission Hodler um eine Version des Holzfällers in Öl. Damit beginnt eine ganze Serie des Sujets in verschiedenen Grössen. Bei den unterschiedlichen Ausführungen variieren die Jahreszeiten, der Hintergrund, der abstrakt, mit einer Hügellandschaft oder parallel schwebenden Wolken gestaltet ist.
Musée Genf. Studie für die 50-Franken-Banknote, um 1909, Bleistift, Radierung und Tusche auf Papier, 41 x 54,1 cm, Musées d’art et d’histoire, Villa de Genève, Foto: André Longchamp
Auch der Gesichtsausdruck der kräftigen Männerfigur variiert mal grimmig, mal freundlicher. Ein erster Höhepunkt in der Geschichte des Bildes ist die Präsentation des Holzfällers 1910 an der 20. Ausstellung der Berlinern Secession. Damit wird das Bild auch in den Nachbarländern bekannt und populär. Als Karikatur kommentiert der Holzfäller in Deutschland unterschiedlichste politische Themen und auch in Satiren nimmt er kein Blatt vor den Mund.
Studie Holzfäller, undatiert, Zeitgenössische fotografische Reproduktion mit Bleistift (Schuhe), Schweizerische Nationalbank, Archiv BN 225.118
Mit dem Erfolg wird schnell auch Kritik laut. Hodler produziere nur für den Markt, heisst es. Sein Malerkollege Cuno Amiet schreib gar: «Er fängt an, sich affenmässig zu kopieren.» Die vielen Versionen machen es ausserdem den Fälschern leicht, die Serie eigenmächtig zu erweitern.
Bereits 1912 tauchen erste Fälschungen auf. Die Gefahr der Verwirrung ist gross, ebenso bei den Besitzverhältnissen. Das Kunstmuseum Luzern hat mit der Unterstützung des Bundesamtes für Kultur die Provenienz seines Holzfällers aufgearbeitet und zeigt im Rahmen der Ausstellung auf, wie das berühmte Bild nach Luzern gekommen ist. Begleitend zur Ausstellung erscheint online eine digitale Tour (www.hodler2021.ch) mit Hintergrundinformationen zu Ferdinand Hodler und seinem Malstil, der Geschichte und Entstehung des Holzfällers-Motivs sowie seinen Zitaten in der Politik, als Karikatur und in der zeitgenössischen Kunst.
Direktorin Fanni Fetzer vor dem Bild Ferdinand Hodlers «Stockhorn von Oberhausen», um 1900/1910, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Luzern, Leihgabe aus Privatbesitz
Hodler wird 1853 in Bern geboren. Seine Kindheit ist geprägt von Armut und Tod. Der Vater stirbt früh, ebenso viele seiner Geschwister. Schon mit 14 Jahren ist Hodler Waise. Als Jugendlicher unterstützt er seinen Stiefvater, Gottlieb Schüpbach, in seiner Werkstatt für Dekorationsmalerei. Während der Lehre beim Souvenirmaler Ferdinand Sommer kopiert Hodler Landschaften nach bekannten Meistern. Ende 1871 zieht ihn sein Interesse für Malerei in die damalige Kunststadt Genf, wo ihn der Maler Barthélemy Menn in seine Klasse aufnimmt und fördert. Ab Mitte der 1890er-Jahre verdient Hodler als Künstler gut. 1904 ist ein grosses Erfolgsjahr: Er erhält internationale Anerkennung und die Universität Basel verleiht ihm den Ehrendoktortitel.
Fotos: zvg und Josef Ritler
Buch: Hodlers Holzfäller. Die Schweizer Erfolgsserie.
ISBN 978-3-907291-62-7. www.nzz-libro.ch
Die Ausstellung dauert bis 13. Februar 2022