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| Paul Koetschau, Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes. In: Origenes, Schriften vom Gebet und Ermahnung zum Martyrium. Aus dem Griechischen übersetzt von Paul Koetschau. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 48) München 1926.

Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes
B. Die Schriften des Origenes
Fünfte Gruppe: Briefe
Endlich ist noch eine fünfte Gruppe, die Sendschreiben und Briefe, zu nennen. Wichtige Briefe hat vermutlich Origenes selbst herausgegeben, andere sind dann später von seinen Schülern und Freunden gesammelt worden. In Cäsarea waren nach dem Hieronymus-Verzeichnis (am Schluß) vier Sammlungen von Origenes-Briefen vorhanden: a) Auszüge aus Briefen des Origenes und der verschiedenen an ihn gerichteten Briefe in 2 Büchern, b) Briefe der Synoden („sinodorum" ist Verbesserung von E. Klostermann) über die Sache des Origenes in 2 Büchern, c) Briefe des Origenes an verschiedene Empfänger in 9 Büchern, wohl identisch mit den über 100 Briefen, die Eusebius (VI 36, 3, vgl. auch 39, 5) gesammelt hatte, d) noch andere Briefe in 2 Büchern. Außerdem wird bei Hieronymus noch ein langes Sendschreiben des Origenes zur Verteidigung seiner Werke in 2 Büchern erwähnt, das vielleicht identisch ist mit dem Briefe, den Origenes nach dem Zeugnis des Eusebius (VI 36, 4) an Fabianus, den Bischof von Rom, wegen seiner Rechtgläubigkeit gerichtet hatte; vgl. auch Hieronymus, Ep. 84, 10 (ad Pamm. et Ocean.). Diesem Briefe waren wohl die zahlreichen an andere Bischöfe in derselben Sache gerichteten Briefe in Abschriften beigegeben. Erhalten sind von den sehr zahlreichen Briefen des Origenes nur a) sein Briefwechsel mit Julius Africanus, s. oben S. 31 f., b) sein Brief an Gregorius Thaumaiurgus, s. oben S. 54. Außerdem sind noch einige Bruchstücke von Briefen vorhanden, abgedruckt bei Lommatzsch im XVII. Band, S. 1-10.
Im Matthäus-Kommentar (Ser. vet. int. c. 49, IV 307 Lom.) sagt Origenes, daß die Stelle Offenbarung Joh. 12,3. 4 zu gegebener Zeit ausgelegt werden würde, d.h. in einem Kommentar zu diesem letzten Buche des Neuen Testamentes. Ebenda c. 138 (V 66 f. Lom.) spricht Origenes die Absicht aus, in einem künftigen [S. 75] Kommentar zum dritten Buche der Königreiche (1. Kön.) und zum zweiten Buche der Paralipomena (Chronica) über den jüdischen Tempel ausführlich zu sprechen. Der Matthäus-Kommentar gehört zu den letzten wissenschaftlichen Arbeiten des Origenes; durch seine Verhaftung unter Decius ist er wohl an der Herstellung der genannten drei Kommentare verhindert und aus seiner rastlosen Arbeit herausgerissen worden.
Um die gesamte schriftstellerische Tätigkeit des Origenes zu veranschaulichen, gebe ich hier nach Eusebius, h. e. VI, nach dem Briefe des Hieronymus an Paula und nach den Zitaten früherer Werke in den noch vorhandenen Schriften des Origenes den Entwurf einer chronologischen Übersicht seiner literarischen Tätigkeit. Leider hat Eusebius nur wenige genauere chronologische Angaben gemacht, da er auf den damals vorhandenen Katalog der Origenes-Schriften verweisen konnte, ferner ist das Verzeichnis in dem Briefe an Paula nicht chronologisch geordnet, und Origenes selbst zitiert frühere Schritten nur selten und meistens ungenau. Wegen der Mangelhaftigkeit der Unterlagen kann also dieser Entwurf keinen Anspruch auf unbedingte Zuverlässigkeit erheben. Wir sind eben hier im allgemeinen auf Vermutungen und unsichere Schlußfolgerungen angewiesen. Einige unbestimmte Angaben im Brief an Paula sind hier rächt berücksichtigt.