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Der Zürcher Rechtsanwalt Sigi Feigel ist am Samstagabend in Zürich im Alter von 83 Jahren gestorben.
Mit Feigel verliert die Schweiz einen unermüdlichen Kämpfer gegen Rassismus und Antisemitismus, der sich stets für Minderheiten einsetzte.
Feigel verschied nach langer Krankheit, wie Ronnie Bernheim, Vizepräsident der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, sagte. Bis einige Tage vor seinem Tod sei Feigel noch bei vollem Bewusstsein gewesen und habe für seine Ideale gekämpft.
Wie Bernheim weiter sagte, wird es eine Trauerfeier für Feigel geben. Der Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest.
Schon an der Uni engagiert
Sigi Feigel wurde am 17. Mai 1921 in Zürich als Kind jüdischer Einwanderer aus Russland geboren. Ab 1924 lebte die Familie im nidwaldnischen Hergiswil. Die Machtergreifung Hitlers und den Vormarsch der Nationalsozialisten in den 30er Jahren erlebte Feigel als Schüler der Kantonsschule Luzern.
An der Universität Zürich studierte Feigel Rechtswissenschaften. Schon damals interessierte er sich nicht nur für die Lehrbücher, sondern engagierte sich auch als Präsident der jüdischen Studentenschaft. 1949 erwarb er den Doktortitel.
Berufsziel nie aufgegeben
Obwohl von Anfang an entschlossen, Rechtsanwalt zu werden, konnte Feigel sich diesen Berufswunsch erst Jahrzehnte später erfüllen: 1949 heiratete er die Zürcherin Evi Heim.
Als sein Schwiegervater wenig später starb, übernahm Feigel dessen Konfektionsfabrik. Anfänglich gedachte er, nur für kurze Zeit im Geschäftsleben zu bleiben - es wurden 27 Jahre daraus.
1977 verkaufte Feigel die Firma und wandte sich wieder seinem ursprünglichen Berufsziel zu: Nach neuerlichem Studium erwarb er 1983, im Alter von 62 Jahren, das Anwaltspatent. Seither führte Feigel eine Anwaltspraxis in Zürich.
"Leben und leben lassen"
Für die jüdische Bevölkerung engagierte sich Feigel sein Leben lang. Selbst ausgesprochen liberal, vertrat er gegenüber orthodoxen Kreisen stets den Grundsatz "leben und leben lassen".
Während Jahren war er Präsident, später Ehrenpräsident der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ). Von 1984 bis 1996 war er Geschäftsleitungsmitglied des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG).
In den 80er Jahren kämpfte Feigel erfolgreich für eine Erweiterung des jüdischen Friedhofs in Zürich. In den 90er Jahren engagierte er sich für die Einführung des Antirassismus-Gesetzes und profilierte sich mit überlegten, ausgewogenen und kritischen Stellungnahmen in der Debatte um nachrichtenlose Vermögen von Holocaust-Opfern.
Ein Leben lang Zivilcourage
Feigel war Initiator und Mitbegründer verschiedener Stiftungen und Vereine. Dazu gehören etwa die 1989 gegründete Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA), die er auch präsidierte, die Gesellschaft für Minderheiten in der Schweiz, der Nanny-und-Erich-Fischhof-Preis und die Stiftung Jugendwohnhilfe.
Sein Leben lang zeigte Feigel Zivilcourage. Er vertrat seine Meinung ungeachtet jeweiliger Modeströmungen. Er scheute nicht davor zurück, etwa die Regierung Israels in persönlichen Briefen zur Vernunft im Nahostkonflikt zu mahnen. Als 82-Jähriger nahm er Mitte 2003 als Mitglied der Schweizer Delegation an der OSZE-Konferenz über Antisemitismus in Wien teil.
Für seinen Mut im Einsatz für Minderheiten zeichnete die Gruppe Christlicher Unternehmer Feigel im Oktober 1994 mit dem Preis für Zivilcourage aus. Und 1998 verlieh ihm die Universität Zürich den Ehrendoktortitel der juristischen Fakultät.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Feigel gründete 1989 die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA)
1989 wurde er Ehrendoktor der Universität Zürich
Feigel war wesentlich an der Debatte um die nachrichtenlosen Vermögen von Holocaust-Opfern beteiligt.
In Kürze
Sigi Feigel wurde 1921 in Zürich geboren.
1949 erwarb er den Doktortitel in Rechtswissenschaften.
1960 übernahm er von seinem Schwiegervater das Konfektionsfabrik.
1983 erwarb Feigel im Alter von 62 Jahren das Anwaltpatent.