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SonntagsZeitung: In Basel wurden diese Woche drei Bärenkinder erschossen, in Zürich vor kurzem zwei Tigerbabys eingeschläfert. Warum?
Robert Zingg: In der Wildbahn beträgt die Sterblichkeit der Jungtiere 60 bis 80 Prozent. In einem Zoo, wo die Tiere medizinisch unterstützt und gefüttert werden, überleben fast 100 Prozent. Deshalb kann es vorkommen, dass man zu einem gewissen Zeitpunkt eingreifen und ein Jungtier töten muss.
Man hätte doch die Eltern unterbinden können?
Zingg: Wir sind der Ansicht, dass zum tiergerechten Leben der Fortpflanzungszyklus mit Brunft, Trächtigkeit, Gebären und Aufzucht gehört.
Die Tiere sind also nur dazu da, um sich fortzupflanzen?
Zingg: Ja, auch wenn das gewisse Kreise nicht gerne hören. Tiere, ob Elefant oder Maus, sind letztlich nur Hüllen, die genetisches Material beinhalten mit dem Ziel, es an die nächste Generation weiterzugeben.
In ihrem Zoo darf also gerammelt werden?
Zingg: Grundsätzlich sind wir der Ansicht, dass sich alle Tiere fortpflanzen sollen. Weil man aber die Bestände nicht beliebig anwachsen lassen kann, gibt es europäische Zuchtprogramme. Sie geben vor, wer sich mit wem und in welchem Intervall paaren soll.
Und wie steuern Sie das?
Zingg: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Fortpflanzung zu regulieren. Eine davon ist, dass man die Männchen von den Weibchen trennt. Oder dass man die Jungtiere möglichst lange bei den Eltern lässt. So können Geburtsintervalle verlängert werden. Bei Affen oder Wildkatzen zum Beispiel gibt es auch die Möglichkeit, hormonell zu verhüten, mit Implantaten oder der Pille. Es gibt auch Tierarten, Huftiere zum Beispiel, wo es schwierig ist zu verhüten. Da geht man das Risiko ein, dass überzählige Tiere geschlachtet werden müssen.
Wird erschossen oder eingeschläfert?
Zingg: Wir wenden beide Methoden an. Wichtig ist, dass man eine Tötungsart wählt, die schnell geht und schmerzlos ist, um dem Tier den Stress zu ersparen.
Wer schiesst die Tiere?
Zingg: Das erledigt der Wildhüter für uns. Wir separieren das Tier und er tötet es mit einem Schuss.
Was passiert mit den Kadavern?
Zingg: Eingeschläferte Tiere werden verbrannt, die andern verfüttert.
Der Zoo ist also doch ein Schlachthaus?
Zingg: Absolut nicht. Ausser man würde unsere Gesellschaft als Schlachthaus taxieren. Wir beziehen pro Jahr 20 Tonnen Fleisch. Wir haben viele Tiere, die nur Fleisch fressen, und die können wir nicht auf Butterblumen umerziehen.
Wie erklären Sie sich den Aufschrei, der nach der Bärentötung hier zu Lande durch die Bevölkerung ging?
Zingg: Der Zoo verkörpert für viele eine heile Welt. Ausserdem leben wir in einer Gesellschaft, die den Tod tabuisiert. Im Zoo ist er jedoch allgegenwärtig.
Wie verhütet Ceyla-Himali, die Elefantenmutter von Upali, Xian und Aishu?
Zingg: Sie verhütet nicht. Bei den Elefanten sind wir froh, wenn es Nachwuchs gibt. Wenn wir nicht züchten würden, gäbe es in 50 Jahren in den Zoos keine Elefanten mehr. Für die Elefanten findet man deshalb auch immer einen Platz.
Wie viel kostet ein Elefant?
Zingg: Unter den europäischen Zoos wird getauscht.
Wie wichtig sind Jungtiere für den Zoo?
Zingg: Der Zoo ist ein kommerziell geführtes Unternehmen. Deshalb sind Anziehungspunkte, wie attraktive Anlagen oder Jungtiere, wichtig für uns. Auch Jungtiere helfen, den Betrieb zu finanzieren. (Sonntagszeitung (CH), 26. November 2001)