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Sie waren 73 Jahre lang vereint, jetzt ist der Duke of Edinburgh im Alter von 99 Jahren gestorben.
Sein Weg in die britische Monarchie beginnt 1922 in einer Orangenkiste. Der griechische Prinz Philip ist damals ein Jahr alt, und die Kiste befindet sich auf dem Schiff, mit dem seine Familie nach einem Militärputsch heimlich Korfu verlässt. Philips Vater, Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark, soll auf Korfu exekutiert werden. Die Familie kommt bei reichen Verwandten in der Nähe von Paris unter.
Weder seine vier älteren Schwestern noch seine Eltern kümmern sich um ihn. Wenn sie in die Ferien fahren, lassen sie ihn bei den Verwandten zurück. Der Vater lebt bald mit einer Geliebten in Monte Carlo, die Mutter leidet unter Taubheit und schweren Depressionen, wird tief religiös, hat Jesuserscheinungen und wird schliesslich in eine Klinik bei Kreuzlingen eingeliefert.
Als Philip eine für ihn glückliche Zeit im Elite-Internat Salem am Bodensee verbringt und dort im jüdischen Reformpädagogen Kurt Hahn einen väterlichen Mentor findet, wird genau dies zum Familienproblem: Seine Schwester Sophie ist mit Prinz Christoph von Hessen verheiratet, einem engen Mitarbeiter Görings und späteren SS-Oberführer. Auch seine andern Schwestern haben alle deutsche Adelige mit Verbindung zu den Nationalsozialisten geheiratet.
Philips Grossmutter sucht nach einem neuen Vaterersatz für ihren Enkel und findet ihn in Gestalt seines Onkels Lord Louis Mountbatten, einem Admiral der königlichen Flotte und trotz seiner Nähe zur Monarchie bekennenden Sozialisten.
Es ist Mountbatten, der beschliesst, dass Philip ein idealer Gatte für die fünf Jahre jüngere Prinzessin Elisabeth wäre. 1939 muss sich der 18-Jährige im Auftrag seines Onkels während einer Festlichkeit in Dartmouth um Elisabeth kümmern. Sie ist sofort verliebt. Er nicht. Im Lauf der Jahre entspinnt sich zwischen den beiden ein intensiver Briefwechsel, von Philip heisst es, dass er im Krieg Heldentaten vollbracht und viele Leben gerettet habe, doch nach dem Krieg verbringt er seine Zeit erst einmal damit, gröbere «Verheerungen», wie das eine Cousine beschreibt, unter allen möglichen Mädchenherzen anzurichten.
Und irgendwann finden die beiden zueinander, wie diese Worte aus einem Brief von Philip 1946 zeigen: «Im Krieg verschont geblieben zu sein und den Sieg gesehen zu haben, (...) und mich ganz und gar und vorbehaltlos verliebt zu haben, lässt alle privaten Probleme und selbst die der ganzen Welt klein und unbedeutend erscheinen.»
Ihre Familie ist gegen eine Heirat, Philip gilt als mittelloser Sohn eines Lebemanns und einer Irren, und seine Schwestern gehen mit dem Nationalsozialismus ins Bett. Seine Zeit verbringt er am liebsten mit Jungs auf Schiffen, seine Manieren gelten entsprechend als ungehobelt. Doch Elisabeth bleibt stur. Am 9. Juli 1947 geben sie die Verlobung bekannt, am 20. November 1947 heiraten sie in der Westminster Abbey.
Die Befürchtung ist gross, dass die royale Prachtentfaltung so kurz nach dem Krieg als obszön verstanden werden könnte, doch Grossbritannien feiert die Hochzeit als erstes freudiges Gesellschaftsereignis seit Kriegsende.
Das junge Paar verbringt die ersten Ehejahre oft auf Malta, wo Philip als Marine-Offizier stationiert ist. Sie feiern Partys und gehen auf Bälle, und ihre Kinder Charles und Anne kommen zur Welt. Philip träumt davon, dass er seine Militärkarriere fortsetzen könne, doch als die beiden am 6. Februar 1952 vom Tod des britischen Monarchen erfahren, wird ihm klar, dass er fortan zwei Schritte hinter seiner Gattin zu gehen und sich ganz in ihren Dienst zu stellen hat. Er ist jetzt ihr Untertan.
Noch einmal versucht er zu fliehen und geht mit fünf Freunden für ein paar Monate auf Weltreise. Als er zurück kommt, verleiht ihm Elisabeth den Titel eines Prinzen. Zum «König» kann sie ihn nicht machen, weil er damit über ihr stehen würde. Umgekehrt kann ein amtierender König seine Gattin jederzeit zur Königin küren. Bezeichnend für seine Selbstwahrnehmung ist die Antwort, die er später auf die Frage «Wie sehen Sie sich?» einer TV-Reporterin gibt: «Ich sehe mich nicht. Ich bin einfach da.»
1961 wird er zum Gründungsmitglied des WWF, ebenfalls in den 60er-Jahren ruft er ein Sportprogramm für benachteiligte Jugendliche ins Leben, an dem fünf Millionen junge Britinnen und Briten teilnehmen und das Ableger in fünfzig Ländern findet. Doch so sehr er sich für das Wohl fremder Kinder einsetzt, so wenig Talent beweist er mit seinen eigenen. Charles wird ihm ewig vorhalten, ihn in die Ehe mit Diana gedrängt zu haben, obwohl es sich bloss um ein kommunikatives Missverständnis zwischen den beiden handelte.
Die ständigen Staatsbesuche, die er an der Seite seiner Frau absolviert, bieten dafür unzählige Gelegenheiten: In Australien fragt er Aborigines, ob sie noch immer mit Speeren aufeinander losgingen, in China unterstellt er einem britischen Austauschstudenten, nach seinem Aufenthalt gewiss mit Schlitzaugen nachhause zu kommen. Die Satiresendung «Spitting Image» führt ihn in ihrem Inventar, er gilt als Hofnarr des ganzen Landes.
Und die Queen? Sie liebt ihn. Von Anfang an für immer. «Er war ganz einfach meine Stärke und mein Halt in all diesen Jahren», sagt sie 2012 anlässlich ihres 60. Thronjubiläums, «und ich und seine ganze Familie und dieses und viele andere Länder stehen bei ihm in einer Schuld, die grösser ist, als er jemals behaupten würde, oder wir jemals wissen werden.»
Er war. Jetzt ist Prinz Philip im Alter von 99 Jahren auf Windsor Castle gestorben. Drei Wochen, nachdem er das Spital verlassen hatte, wo er gegen einen unbenannten Infekt behandelt wurde und sich einer Herzoperation unterziehen musste. Seine Bestattung soll innerhalb der nächsten acht Tage stattfinden.
Er hinterlässt eine Frau, drei Söhne und eine Tochter, vier Enkelinnen und vier Enkel sowie fünf Urenkelinnen und vier Urenkel. Er hat die Fenster einer Palast-Kapelle designt und gemeinsam mit seiner Frau die königliche Jacht Britannia. Denn auch sie liebte Schiffe und Autos und Sport und Pferde. Und ihn. Immer nur ihn.