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Für die meisten sind sie selbstverständlich, und doch ist es in der heutigen Zeit unabdingbar, dass ethische Grundsätze schwarz auf weiss festgehalten werden. So will auch der Schweizerische Verband für Pferdesport als Vorbild mit voller Kraft vorausgehen - unterstützt von seinen Mitgliederverbänden.
Anlässlich der Präsidentenkonferenz vom 21. Februar 2018 wurde bereits angekündigt, dass der Vorstand eine erste Version der sogenannten «Ethischen Grundsätze des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport» in die Vernehmlassung schicken wird. Ziel ist es, an der Herbstmitgliederversammlung 2018 über die neuen Ethikartikel abzustimmen. Statuarisch ist eine Abstimmung nicht notwendig, sie bekräftigt jedoch, dass der SVPS mit all seinen Mitgliederverbänden, Kommissionen und Gremien hinter diesen Artikeln steht.
Vision statt Reglement oder Weisung
Der SVPS muss seinen Mitgliedern, Pferdebegeisterten, Tierschützern oder anderen Sportverbänden den Begriff «Ethik» im Pferdesport erklären können. Bei den «Ethischen Grundsätzen» handelt es sich weder um ein Reglement noch um eine Weisung - es ist vielmehr eine Vision. Es geht dabei nicht nur um den Umgang mit und die Haltung und Nutzung von Pferden, sondern auch um das zwischenmenschliche Verhalten im Pferdesport.
Zu ausführlich oder zu knapp
Der erste Entwurf der «Ethischen Grundsätze» wurde allen Gremien des SVPS zugestellt. Die ersten Rückmeldungen waren grösstenteils positiv. Interessant war auch die Rückmeldung von zwei Regionalverbänden: Der ZKV ist der Meinung, die «Ethischen Grundsätze» sind zu ausführlich formuliert, die FER wiederum verweist auf die Grundsätze der FN Deutschland und zeigt auf, dass diese bedeutend ausführlicher formuliert sind.
Die vom Vorstand ausgearbeiteten «Ethischen Grundsätze des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport» sind beispielsweise wie folgt formuliert:
- «Wer sich um ein Pferd kümmert, übernimmt die Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen.»
- «Der Mensch begegnet jedem Pferd mit Respekt, unabhängig von der Rasse, dem Alter, dem Geschlecht oder seiner Nutzung.»
- «Jede/r Pferdesporttreibende greift angemessen und konstruktiv ein, wenn sie/er ein unangebrachtes Verhalten gegenüber Pferden feststellt.»
- «Richterinnen und Richter erfüllen ihre Aufgabe an Wettkämpfen objektiv und unvoreingenommen. Sie vermeiden Interessenkonflikte.»
- «Das Wohlergehen der Pferde und die sportliche Fairness haben bei der Organisation von Wettbewerben stets Vorrang gegenüber kommerziellen oder medialen Interessen.»
Die Vertreter der Mitgliederverbände sind sich einig, dass an den Formulierungen noch gearbeitet werden muss.
Veraltete Grundsätze anpassen
Mit dem aktuellen Entwurf hat beispielsweise OKV-Präsident und Veterinär Michael Hässig noch Mühe. Die vorliegenden Grundsätze würden auf Ethikgrundsätzen aus dem Jahre 1960 basieren, sie seien absolutistisch abgefasst. Moderne Ethik sei jedoch prozessorientiert und eine permanente Weiterentwicklung unabkömmlich. Anhand eines Beispiels erklärt der OKV-Vertreter, was er meint: «Ein Grundsatz lautet: ‹Das Umfeld und die Lebensbedingungen des Pferdes sind seinen natürlichen Bedürfnissen angepasst.›. Wenn dem so ist, wer kann in der Schweiz noch Pferde halten? Um diesem Punkt gerecht zu werden, wäre ungefähr eine Fläche von einem Quadratkilometer pro Pferd nötig», so Michael Hässig weiter.
Oder ein weiteres Beispiel: «‹Das körperliche und psychische Wohlergehen des Pferdes hat absolute Priorität vor sportlicher Leistung oder Nutzung jeder Art.› Dieser Satz sollte in dieser Form auf keinen Fall verwendet werden - vor allem das Wort ‹absolut› stört. Dies könnte nämlich so interpretiert werden: ‹Wenn du heute nicht springen willst, dann musst du nicht springen.› Die Formulierung muss einerseits in einem Prozess und andererseits relativ abgefasst werden - erst dann sind die Sätze verwendbar. Das Dokument muss so abgefasst werden, dass Sport und Pferdehaltung trotz Ethik noch zulässig ist.»
Mit Michael Hässig gehen auch die anderen Vertreter der Mitgliederverbände einig. Der ZKV hat in seiner Rückmeldung an den SVPS eine «kurze und knackige» Version der Ethikgrundsätze gewünscht, damit sie möglichst auch gelesen werden. «Eine Möglichkeit wäre auch, die Grundsätze in Themen zu unterteilen, z.B. Sport, Haltung und Ausbildung, und jedes Thema erhält dann vier bis fünf konkrete ethische Grundsätze. Momentan gibt es noch viele Wiederholungen», sagt Bruno Invernizzi, ZKV-Präsident.
Swiss Endurance: Ethikleitlinien seit 2000
Claudia Spitz, Präsidentin des SDV erklärt: «Swiss Endurance hat bereits seit dem Jahr 2000 eigene Leitlinien punkto Ethik - diese bestehen aus neun Sätzen zu den Themen Sport, Pferd sowie der Umgang untereinander.» Ein Dokument mit ethischen Grundsätzen sei gut, wichtig sei aber, dass dies gegen aussen auch vermittelt und angewandt werde. Auch Swiss Endurance spricht sich, wie bereits andere Mitgliederverbände, für eine «kurze und knackige» Version der ethischen Grundsätze aus.
Betrifft Wettkampf und Freizeit
Die Vertreterin von Pferdesport mit Handicap, Simone Rubli, äusserte sich in einem weiteren wichtigen Punkt zu den Grundsätzen: «Wenn von Pferdesport gesprochen wird, ist in erster Linie der Wettkampfsport gemeint. Die ‹Ethischen Grundsätze› gelten jedoch auch für Breitensport- und Freizeitreiter und auch für weitere Equiden, also beispielsweise auch für Ponys und Esel.»
Die «Ethischen Grundsätze» werden nun nochmals genau unter die Lupe genommen, überarbeitet und anhand der Diskussionen an der Präsidentenkonferenz angepasst, bevor sie dann an der kommenden Herbstmitgliederversammlung am 27. Oktober zur Abstimmung gebracht werden.
Nicole Basieux
Fachgruppe «Zäumungen und Gebisse», Anpassung GR, Verbot Hinterbeingamaschen
Eine erste Sitzung der Fachgruppe «Zäumungen und Gebisse» hat Anfang Sommer stattgefunden. Mitte Oktober (15.10.) findet ein Anlass über die Nasenbandstudie unter anderem mit dem deutschen Richter Martin Plewa statt.
Weiter ist die Regel betreffend Blut am Pferd seit dem 1. Juli 2018 im Generalreglement in Kraft. Die Offiziellen wurden entsprechend informiert. Bis zum Tag der Präsidentenkonferenz sind keine solchen Disqualifikationen eingegangen. Ende Jahr findet eine Standortbestimmung statt, und je nach Bedarf werden dann weitere Massnahmen zum Beispiel in der Ausbildung der Offiziellen vorgenommen.
Was die Thematik der Hinterbeingamaschen angeht, plant die FEI eine Verbotseinführung gestaffelt, also nicht in allen Kategorien gleichzeitig. Der SVPS spricht sich gegen eine solche gestaffelte Einführung aus und empfiehlt auf nationaler Ebene eine generelle Einführung des Verbots.