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Mit dem NETCELL-Projekt unterstützt die DEZA über das Schweizerische Tropen- und Public Health Institut eine Koordinationsstelle, die für die tansanische Regierung das nationale
Moskitonetz-Programm umsetzt. Zusammen mit verschiedenen Partnern wurden die lokale Produktion, die Subventionierung und der Vertrieb der Netze organisiert. Dazu kamen zwei grossangelegte
Massenverteilungen in den Jahren 2009-2011, wobei über 28 Mio behandelte Moskitonetze verteilt wurden. Demzufolge ist in den Jahren 2000 - 2010 die Sterblichkeit von Kindern unter 5 Jahren um 48%
gesunken und es wurden 6000 Arbeitsplätze in Zusammenhang mit Malariaprävention geschaffen.
Malaria ist auf dem Festland von Tansania immer noch eines der grössten Gesundheitsprobleme. Von den 44 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern sind 90% einem hohen Malariarisiko ausgesetzt: Jedes
Jahr werden 14–18 Millionen Krankheitsfälle und über 60‘000 Todesfälle registriert.
Zur Bekämpfung von Malaria unterstützt die DEZA seit 2002 mit dem NETCELL-Projekt eine Koordinationsstelle für das Moskitonetz-Programm innerhalb des staatlichen Malaria-Kontrollprogramms. Über das
Schweizerische Tropen- und Public Health Institut werden sowohl technische wie auch personelle Kapazitäten zur Verfügung gestellt.
Vom Pilotprojekt zur nationalen Strategie
Die Ausgangslage für das NETCELL Projekt bildete ein erfolgreiches Pilotprojekt: Das Kilombero Net Projekt, kurz KINET genannt, wurde zwischen 1996 und 2000 im Kilombero Tal im Südosten von
Tansania durchgeführt. Wissenschaftler des Ifakara Health Institute, des Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts und der London School of Hygiene and Tropical Medicine zeigten auf, dass
durch die regelmässige Verwendung von mit Insektiziden behandelten Moskitonetzen die Gefahr, an Malaria zu erkranken, massiv gesenkt werden kann.
Umfassende Informations- und Marketingkampagnen wurden entwickelt, um die Bevölkerung auf die Gefahr von Malaria hinzuweisen und zum Kauf eines Moskitonetzes zu motivieren. Hier zeigte sich auch,
dass die Subventionierung der Netze die Bevölkerung tatsächlich zu deren Kauf und Gebrauch bewegt.
Im Jahr 2000 führte das Gesundheitsministerium von Tansania offiziell eine nationale Strategie zur Malariabekämpfung durch Moskitonetze ein. Die Ausarbeitung eines nationalen Programms wurde
begonnen. Durch den Einbezug von privaten Detaillisten wurde ein nachhaltiges und gerechtes nationales Verteilungssystem für Moskitonetze aufgebaut, das auch abgelegene Regionen erreicht.
Gutschein-System für Netzkauf
Ein ausgeklügeltes Gutschein-System wurde entwickelt: Schwangere Frauen und Eltern von Kindern unter 5 Jahren erhalten in den Gesundheitszentren einen Gutschein. Damit können sie in einem
Dorfladen ein Netz für umgerechnet etwa 50 Rappen erwerben.
Da sich jedoch viele der Ärmsten das Netz auch zu einem subventionierten Preis nicht leisten können, wurden in den Jahren 2009-2011 unter der Aufsicht der Koordinationsstelle nationale
„Catch-up“-Kampagnen durchgeführt. Hierbei wurden über 25 Millionen behandelte Moskitonetze mit dem Ziel verteilt, dass jede Schlafstelle in Tansania mit einem solchen Moskitonetz versorgt ist und
dies massgeblich zur Senkung von Malariaerkrankungen und Malariasterblichkeit beiträgt.Die Koordinationsstelle ist zuständig für das Fundraising, die Planung, Umsetzung und die Überwachung des
landesweiten Systems.
Kindersterblichkeit senken, Arbeitsplätze schaffen
Während 1999 noch weniger als 10% aller Haushalte in Tansania über ein behandeltes Moskitonetz verfügten, waren es 2012 bereits 92%. 56% der Haushalte verfügten 2012 über genügend
behandelte Moskitonetze, damit alle Familienmitglieder darunter schlafen konnten. Aufgrund der verbreiteten Verwendung von Moskitonetzen konnte das Projekt unter anderem erfolgreich zu einer
Reduktion der Malariafälle in Tansania beitragen. In den letzten fünf Jahren sind nur noch halb so viele Menschen an Malaria erkrankt wie in den Jahren zuvor. In diesem Zusammenhang ist auch die
Sterblichkeit bei Neugeborenen zwischen 2007 und 2012 um 44% gesunken.
Das Projekt fördert jedoch nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung von Tansania, sondern auch die Wirtschaft. Seit einigen Jahren produziert die A-Z Factory in Arusha, im Norden von Tansania,
Moskitonetze. Über 6200 Angestellte arbeiten in der Fabrik, 85% davon sind Frauen. Rund 30 Millionen Netze werden pro Jahr hergestellt. Damit ist Tansania, das vor einigen Jahren noch Moskitonetze
importiert hat, heute eine der wichtigsten Exporteure von Moskitonetzen in Afrika.
Prävention langfristig sichern, Behandlung flächendeckend ermöglichen
In der letzten Phase des Projektes liegt der Fokus auf der längerfristigen Sicherung der erfolgreichen Malaria-Prävention via Moskitonetze und darüber hinaus auch eine effizientere
Gestaltung der Malaria-Diagnostik und Behandlung. Die tansanische Regierung und Partner des Netcell Projektes haben sich auf eine sogenannte „keep up strategy“ geeinigt, eine Strategie, welche die
verbreitete Verwendung von Moskitonetzen auch in ländlichen Gebieten aufrechterhalten soll. In diesem Rahmen wird eine weitere Verteil-Kampagne von Moskitonetzen über Primar- und Sekundarschulen
durchgeführt.

Das Projekt in Kürze
Bereich
Regionale Zusammenarbeit
Thema
Gesundheit
Land / Region
Tansania
Partner
Schweizerisches Tropen- und Public Health Institut
Ausgangslage / Hintergrundinformation
Malaria ist in Tansania fast in allen Regionen das ganze Jahr über endemisch. Damit stellt es für die Bevölkerung Tansanias nicht nur ein
grosses gesundheitliches Risiko dar, sondern auch ein öko-nomisches. Gemäss Schätzungen sterben jedes Jahr über 60‘000 Menschen in Tansania an Malaria, 80% davon sind Kinder unter 5 Jahren.
Projektziel
Senkung der Malariaprävalenz und Kindersterblichkeit durch Prävention mit behandelten Moskitonetzen
Zielgruppen
Die gesamte Bevölkerung Tansanias, insbesondere schwangere Frauen und Kinder unter 5 Jahren
Kosten
CHF 13.3 Mio seit 2002
Dauer
2002 - 2018
Kontakt
Abteilung Ost und Südliches Afrika