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Seit 2006 nutzt eine Inuit-Gemeinde in Alaska eine von Wissenschaftlern geschaffene Plattform, um zu dokumentieren, wie sich ihre Region verändert. Das Experiment erweist sich als wertvoller Beitrag zur Beteiligung der Inuit-Bevölkerung an der Entscheidungsfindung in der sich verändernden Umwelt Alaskas.
Eine der wichtigsten Aufgaben eines Polarforschers besteht darin, den Mangel an Beobachtungen auszugleichen, der sich aus der Untersuchung von Gebieten ergibt, in denen es schwierig ist, Feldforschung zu betreiben. Ein Team von Forscherinnen und Forschern aus Alaska hat in der Fachzeitschrift Arctic Science die Ergebnisse des Alaska Arctic Observatory and Knowledge Hub (AAOKH) veröffentlicht, das Experten aus der Iñupiat-Region im Norden Alaskas zusammenbringt. Die Arbeit dieser Fischer, Jäger und Sammler kommt den Wissenschaftlern zugute, da sie das ganze Jahr über jemanden vor Ort haben, der über traditionelle Fähigkeiten und Kenntnisse der Iñupiat verfügt und eng mit der Umwelt verbunden ist, über die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehr erfahren wollen.
Die Beobachter messen das Meereis (siku), beobachten das Land (nuna), das Wetter (sila), die Temperatur, den Wind und weitere Umweltfaktoren. Sie notieren das Verhalten von Eisbären und anderen Tieren sowie deren geografische Lage. Ausserdem beschreiben sie auch Fische (iqaluich), Küstenerosion, Überschwemmungen und das Vorhandensein unbekannter oder seltener Arten. All dies sind nützliche Informationen für die Forschung und die Beobachter können diese Informationen zusammen mit Bildern oder Sprachaufnahmen ganz einfach über eine App auf die Plattform hochladen. Seit 17 Jahren tragen sie damit zu wissenschaftlichen Studien und in letzter Zeit auch zu öffentlichen Diskussionen bei.
Die derzeitigen Beobachter wurden von ihrer jeweiligen Gemeinde ausgewählt und werden für ihren Dienst entschädigt und mit Messgeräten ausgestattet, z. B. mit Sensoren, die an der Unterseite ihrer Schneemobile angebracht sind und die Eisdicke während der Frühjahrsjagd messen.
AAOKH könnte von der Bundesregierung genutzt werden, um Entscheidungen zu Themen wie Jagd, Fischerei und Küstenerosion zu treffen. Die Plattform könnte dazu beitragen, traditionelles Wissen bei der Entscheidungsfindung zu berücksichtigen und die Ergebnisse „gerechter, umfassender und robuster“ zu machen, heißt es in der Studie.
Da Facebook im ländlichen und küstennahen Alaska weit verbreitet ist, nutzt AAOKH es seit 2017, um kürzlich gemachte Beobachtungen, relevante Satellitenbilder oder andere Daten und Nachrichten zu teilen – oft innerhalb von Stunden nach der Aufnahme. Zum Beispiel wurde 2019 ein Bild einer Bartrobbe (ugruk) mit stark riechendem orange-gelbem Speck gepostet und von anderen Jägern in der Gegend kommentiert. Die Veterinärdienste vermuteten, dass der Zustand des Tieres auf eine Fehlfunktion der Leber zurückzuführen war. Da die Jäger wissen, wie man ein Tier untersucht, könnte diese Informationsplattform die Diskussionen zwischen den Vertretern der einheimischen Gemeinden und den Bundesbehörden erleichtern.
Diese Beobachtungen wurden von Roberta Tuurraq Glenn im Rahmen ihres Geografie-Praktikums an der University of Alaska Fairbanks genutzt. Im Jahr 2022 schloss sie sich dem AAOKH-Team an, um eine kommentierte Karte zu erstellen, die die von AAOKH-Beobachtern geteilten Erkenntnisse über den Küstenwandel dokumentiert. „Die Arbeit mit AAOKH als indigene Studentin aus dem arktischen Alaska war eine sehr lohnende Erfahrung […]. Ich fühlte mich mit der Arbeit, die ich durchführte, sehr verbunden und auch mit den Menschen, deren Beobachtungen ich las“, sagte sie.
Die Ambitionen von AAOKH gehen nun über Alaska hinaus, und die Beobachtungsstelle plant, zur Entwicklung einer arktisweiten Plattform zu Themen beizutragen, die alle Gemeinschaften betreffen. Diese Initiative aus dem Jahr 2006, die mit einer Bestandsaufnahme der verschiedenen Eistypologien im Wortschatz der Ureinwohner begann, könnte sich zu einem wichtigen arktischen Observatorium entwickeln.
Camille Lin, PolarJournal / Deutsche Version: Dr. Michael Wenger, PolarJournal
Link zur Studie: Hauser et al. (2023) Arctic Science EPub Nunaaqqit Savaqatigivlugich-working with communities: evolving collaborations around an Alaska Arctic observatory and knowledge hub; doi.org/10.1139/as-2022-0044
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