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Naomi Osaka demonstriert am Samstagabend alle Qualitäten eines grossen Champions. Im mit Spannung erwarteten Duell mit der 15-jährigen Cori Gauff dominierte die sechs Jahre ältere Japanerin von A bis Z und setzte sich in nur 65 Minuten 6:3, 6:0 durch. Anschliessend nahm sie den amerikanischen Teenager, der den Tränen nahe war, in den Arm und nahm sie zum Platz-Interview mit, damit sie sich gebührend vom Heimpublikum verabschieden konnte. Ein Geste von grosser Klasse.
Osaka hatte seit ihrem zweiten Grand-Slam-Triumph im Januar am Australian Open nie mehr überzeugt und kämpfte in den Wochen vor dem Start des US Open mit einer Knieverletzung. Für das grosse Rendez-vous im Arthur Ashe Stadium war sie aber auf den Punkt bereit. Gauff, die bereits in Wimbledon mit der Achtelfinal-Qualifikation verblüfft hatte, trat erstmals im grössten Tennisstadion der Welt an und konnte nur zu Beginn, bis zum 3:4, mithalten. Danach gewann Osaka acht Games in Folge. Die Zeit von Cori Gauff, die für ihre 15 Jahre schon extrem weit ist, wird fast sicher noch kommen.
Die Weltnummer 1 trifft nun am Montag auf Belinda Bencic, die statt zu einer Night Session gegen Anett Kontaveit zu einem Forfaitsieg gegen die erkrankte Estin kam. Osaka äusserte viel Respekt für die 22-jährige Ostschweizerin. "Das wird enorm hart gegen sie. Sie ist eine super harte Kämpferin", sagte sie.
Die Titelverteidigerin hat allen Grund, sich für Bencic in acht zu nehmen. Die als Nummer 13 gesetzte Schweizerin gewann beide Duelle in diesem Jahr, in Indian Wells und in Madrid. Einzig vor sechs Jahren, ganz zu Beginn der Karriere der beiden, setzte sich die Japanerin bei einem ITF-Turnier in den USA durch.
Bei Grand-Slam-Events auf Hartplatz ist Osaka seit 17 Matches und einer Achtelfinal-Niederlage gegen Simona Halep am Australian Open 2018 ungeschlagen. Dennoch betont die Tochter einer Japanerin und eines Haitianers, die mehrheitlich in New York aufwuchs, dass sie noch nicht über viel Erfahrung in der zweiten Woche eines Grand-Slam-Turniers habe. Erst zweimal kam sie über die Achtelfinals hinaus, doch dann gewann sie jeweils gleich die Titel.
Montag ist also vielleicht die letzte Chance, Osaka zu stoppen. Nach der Vorstellung vom Samstag wird Bencic allerdings nicht nur eine Gegnerin mit viel Selbstvertrauen, sondern wohl auch das New Yorker Publikum gegen sich haben. Vor einem Jahr war Osaka nach ihren sensationellen Finalsieg gegen Serena Williams und deren Streit mit dem Schiedsrichter noch - völlig zu Unrecht - ausgebuht worden.