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(Dr. med. Sabine Brunner-Bolliger, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Leiterin Medizin Medbase Baden)
Fieber: Held oder Schurke?
Wann spricht man von Fieber?
Generell spricht man ab einer Körpertemperatur von 38 Grad von Fieber. Jedoch ist es auch entscheidend, wo gemessen wird.
Wo wird Fieber am besten gemessen?
Die genauste Messung erhält man im After. Dazu wird etwas Vaseline auf ein flexibles digitales Thermometer aufgetragen. Dieses vorsichtig einführen, während die kranke Person auf der Seite liegt. Wer lieber im Mund misst, sollte etwa 15 Minuten vorher nichts essen oder trinken, da kalte oder warme Speisen die Messung beeinflussen können. Die Temperatur im Mund liegt in der Regel rund 0,5 Grad tiefer als im After. Bei Kindern ab etwa sechs Monaten ist die Messung im Ohr am zuverlässigsten, sofern das Mittelohr nicht entzündet oder der Gehörgang nicht verstopft ist. Die Messung unter den Achseln ist weniger genau und ergibt meist rund 0,5 Grad tiefere Werte.
Genügt eine einmalige Messung?
Nein, bei einer fieberhaften Erkrankung sollte die Körpertemperatur in regelmässigen Abständen gemessen werden, um den Verlauf zu beobachten und den Erfolg der Behandlung einzuschätzen. Die Fieberkurve kann wichtige Hinweise auf die Infektionsursache liefern. Meistens ist die Körpertemperatur am späten Nachmittag
und am Abend höher als am Morgen.
Ist Fieber immer auf eine Infektion zurückzuführen?
Nein, es gibt viele Gründe für eine erhöhte Körpertemperatur wie entzündliche rheumatische Erkrankungen, Hirnschädigungen, Krebserkrankungen oder eine Darmentzündung. Meist steckt jedoch eine Vireninfektion – ob Grippe- oder andere Viren – dahinter.
Auch ein Hitzschlag an heissen Tagen, ein Flüssigkeitsmangel oder eine Schilddrüsen-überfunktion können zu erhöhter Temperatur führen. Dabei spricht man aber nicht von Fieber, sondern von Hyperthermie. Gewisse Medikamente können als Nebenwirkung ebenfalls eine Hyperthermie verursachen. Dies ist gefährlich und kann nicht mit fiebersenkenden Medikamenten behandelt werden.
Kann Fieber nützlich sein?
Ja, denn Fieber verbessert die Immunabwehr und verlangsamt die Vermehrung von Krankheitserregern.
Ist hohes Fieber gefährlich?
Nicht unbedingt. Kleinkinder können beispielsweise beim harmlosen Dreitagefieber durchaus 40 Grad Fieber erreichen. Als Faustregel gilt: Schwangere Frauen, sehr junge und sehr alte Menschen sowie Personen, die schwer krank sind oder verwirrt erscheinen, sollten rasch ärztlichen Rat einholen. Auch wenn das Fieber mehr als drei Tage anhält, ist dies ratsam. Fieber über 41,5 Grad wird als Hyperpyrexie bezeichnet und deutet auf eine schwerwiegende Erkrankung hin.
Haben schwere Infektionen immer hohes Fieber zur Folge?
Nein, es gibt sehr ernste Erkrankungen, die nur mit leichter Temperaturerhöhung einhergehen oder gar mit Untertemperatur (unter 36 Grad).
Ist es sinnvoll, fiebersenkende Medikamente einzunehmen?
Fiebersenker sind beispielsweise bei einem schlechten Allgemeinzustand, bei einer schweren Grunderkrankung des Herzens oder der Lunge und bei Kindern mit bekannten Fieberkrämpfen angezeigt, da das Fieber den Körper zusätzlich schwächt. Bei sonst gesunden Personen, die einen Infekt haben, verhindern fiebersenkende Medikamente weder Komplikationen noch schwere Krankheitsverläufe.
Sollte man bei Fieber mehr trinken?
Ja, denn der Flüssigkeitsbedarf steigt bei einer höheren Körpertemperatur. Übrigens erhöhen sich auch der Kalorien- sowie der Sauerstoffverbrauch und das Herz schlägt schneller als üblich.
Helfen Wadenwickel?
Ja, aber sie sollten nur bei warmen Beinen und Füssen angewendet werden. Babys zieht man, solange die Temperatur hoch ist, am besten warme Socken an und bedeckt den restlichen Körper nur leicht.