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Der Ausbruch des Untersee-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai hat eine riesige Druckwelle ausgelöst und Unmengen an Schwefeldioxid ausgestossen. Was dieser Ausbruch für das Klima bedeutet, weiss Felix Blumer von SRF Meteo.
Felix Blumer
Meteorologe, SRF
Blumer ist seit 1994 Meteorologe und arbeitet seit 2004 bei SRF Meteo.
SRF News: Wie heftig waren die Druckwellen des Vulkans?
Felix Blumer: Die Druckwellen breiteten sich mit Schallgeschwindigkeit (rund 1230 Kilometer/Stunde) kreisförmig um den Vulkan aus. Auf Satellitenaufnahmen konnte man die Bewegung der Druckwelle über dem Wasser des Pazifiks sehr gut sehen.
Die Druckwelle brauchte also etwas mehr 15 Stunden auf ihrem Weg von Tonga bis in die Schweiz.
Auch in der Schweiz konnte die Druckwelle festgestellt werden. An praktisch allen Wetterstationen der Schweiz gab es kurz vor 21 Uhr einen Druckanstieg um rund ein Hektopascal und danach einen Druckabfall um etwa zwei Hektopascal. Die Druckwelle brauchte also etwas mehr 15 Stunden auf ihrem Weg von Tonga bis in die Schweiz.
Wie verhielt sich die Druckwelle?
Die erste Druckwelle erreichte die Schweiz aus Norden. Rund vier Stunden später wurde sie von der Druckwelle aus der Gegenrichtung, also aus Süden getroffen. Diese fiel allerdings schwächer aus. Am Montag in der Früh konnte die Druckwelle nach einem weiteren Umlauf um die Erde nochmals registriert werden, allerdings weiter abgeschwächt. Nebst den Druckwellen, konnten in der Schweiz auch Infraschall-Wellen gemessen werden, als langwellige Schallwellen.
Gab es in der Schweiz nach dem Ausbruch einen Temperaturabfall?
Nein. In der Schweiz konnte keine Temperaturveränderung festgestellt werden.
Wird durch den Tonga-Ausbruch jetzt das Weltklima abgekühlt?
Bei einem Vulkanausbruch wird unter anderem auch Schwefel bzw. Schwefeldioxid (SO2) ausgestossen. Schwefeldioxid wirkt umgekehrt wie ein Treibhausgas, also beispielsweise CO2.
Es kommt nur zu einer signifikanten Abkühlung, wenn das Schwefeldioxid bis in die Stratosphäre gelangt ist.
Es reflektiert die kurzwellige Sonnenstrahlung zurück ins All. Damit gibt es auf dem Erdboden weniger Einstrahlung. Durch weniger Einstrahlung schmelzen auch Gletscher und Schneefelder weniger stark ab, was zusätzlich den Abkühlungseffekt noch verstärkt. Allerdings kommt es nur zu einer signifikanten Abkühlung, wenn das Schwefeldioxid bis in die Stratosphäre gelangt ist, also eine Höhe von mehr als 20 Kilometern über Grund erreicht hat. Bleibt das Schwefeldioxid dagegen in der Troposphäre, wird es rasch ausgewaschen und kann sich nicht lange genug in der Atmosphären halten.
Was heisst das konkret für den Tonga-Ausbruch?
Beim jetzigen Ausbruch sind gemäss ersten Schätzungen rund 100'000 Tonnen Schwefeldioxid ausgestossen worden. Zum Vergleich: Beim philippinischen Vulkan Pinatubo sollen es 1991 rund 17 Millionen Tonnen gewesen sein, die über viele Stunden bis in eine Höhe von 34 Kilometern ausgestossen wurde. Dadurch ging die globale Temperatur im Folgejahr um rund ein halbes Grad zurück. Im Winter 1992, also ein halbes Jahr nach dem Vulkanausbruch, war auf den alpinen Gipfeln kein blauer Himmel zu sehen. Auch bei wolkenlosem Himmel wirkte der Sonnenschein milchig.
Wieso hat der Tonga-Vulkan weniger Schwefel abgesetzt?
Vermutlich war der Ausbruch zu wenig lang.
Katastrophenhilfe in Zeiten der Corona-Pandemie
Nach der gewaltigen Eruption des Vulkans vor Tonga sind am Donnerstag erstmals zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern aus Neuseeland und Australien auf der Hauptinsel Tongatapu gelandet. Die Hilfe wird zwar stark benötigt, gleichzeitig machen sich nun andere Sorgen breit. Denn die Bewohner des polynesischen Inselreiches, in dem bislang so gut wie keine Corona-Fälle registriert wurden, befürchten nun, dass ausländische Helfer das Virus einschleppen könnten. Tonga hatte im März 2020 seine Grenzen geschlossen und sich seither von der Aussenwelt weitgehend abgeschottet.
Könnte es trotzdem eine riesige Wolke über der Welt geben wie nach dem Tambora-Ausbruch 1815?
Aufgrund des doch eher bescheidenen Austrages von Schwefeldioxid dürfte es bei regionalen Auswirkungen bleiben. Auch beim isländischen Vulkan Eyjafjallajökull, der in einer ähnlichen Grössenordnung lag, kam es nicht zu globalen Klimaauswirkungen.
Das Gespräch führte Benedikt Widmer.
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