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Ohne Nickel, Kupfer oder Kobalt gibt es keine Smartphones, keine Elektromotoren und keine Windkraftanlagen. Mit den modernen Technologien steigt die Nachfrage nach solchen Metallen. Deshalb sucht man nach möglichen neuen Quellen, um den Bedarf an Metallen längerfristig zu sichern.
Wie viel Metall lagert im Ozean?
Wie viel Metall am Meeresboden liegt, weiss niemand. Es gibt einige Schätzungen – etwa für Nickel, das vor allem für Edelstahl verwendet wird. Davon soll allein im Pazifik auf einer Fläche, die halb so gross ist wie Europa, fast doppelt so viel lagern wie insgesamt an Land.
Auch andere Metalle vermutet man in grossen Mengen in der Tiefe. Zum Beispiel Kupfer, das die Elektrotechnik als elektrischen Leiter benötigt. Oder Kobalt, das in Magneten und wiederaufladbaren Batterien steckt.
Die Quellen an Land versiegen (noch) nicht
Die marinen Ressourcen will man nun abbauen. Aber nicht, weil die kontinentalen Quellen versiegen, wie Meeresgeologe Sven Petersen vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung sagt: «Wir kennen an Land genügend Vorkommen, die auch noch Jahrzehnte reichen. Allerdings wird es immer mehr kosten, diese Rohstoffe zu heben.» Es brauche zum Beispiel mehr Energie, weil sich die Erze in grösseren Tiefen befinden und weniger Metall enthalten.
Marine Ressourcen mit hohem Metallgehalt
Einen hohen Metallgehalt versprechen drei Arten von Lagerstätten in der Tiefsee: Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfide. Das Problem: Sie liegen hunderte bis tausende Meter unter dem Meeresspiegel, in totaler Finsternis und unter enormem Wasserdruck. Sie zu bergen ist weder einfach noch billig.
Metalllagerstätten in der Tiefsee
|Manganknollen enthalten vor allem Mangan und in kleineren Mengen Nickel, Kupfer und Kobalt. Die kartoffelgrossen Klumpen befinden sich 3000 bis 6000 Meter unter der Meeresoberfläche.|
|Kobaltkrusten enthalten Kobalt, Nickel, Mangan und weitere Metalle. Sie bilden sich auf Felsen in einer Tiefe von 800 bis 2500 Metern.|
|Massivsulfide sind Ablagerungen an heissen Tiefseequellen, so genannten Schwarzen Rauchern. Man findet sie in einer Tiefe von 1000 bis 5000 Metern. Sie enthalten vor allem Kupfer und Zink, aber auch Gold und Silber.|
Wenn Nachfrage und Abbau-Kosten an Land aber weiter steigen, könnte sich der Tiefseebergbau bald rechnen. «Ich könnte mir vorstellen, dass der Tiefseebergbau von Manganknollen in 10 bis 20 Jahren Realität wird», schätzt Petersen. Bereits 2020 könnte der Abbau von Massivsulfiden beginnen.
Die Tiefsee – eine kaum erforschte Welt
Während erste Abbauprojekte konkret werden, stellt sich die Frage nach ihren Auswirkungen. «Es gibt vor allem Bedenken bezüglich möglicher Umwelteinflüsse, bevor wir die ökologischen Zusammenhänge in der Tiefsee verstanden haben», so der Meeresgeologe.
Wissenschaftler schätzen, dass 95 Prozent der Ozeane unerforscht sind. Der grösste Teil davon in der Tiefsee. Welche Folgen Eingriffe im kaum bekannten Lebensraum haben, lässt sich schwer sagen. Meeresbiologen gehen aber davon aus, dass die Artenvielfalt sinken wird.
Tintenfisch-Population in Gefahr?
Ein Beispiel: Vor knapp zwei Jahren entdeckte eine Tiefsee-Expedition eine neue Tintenfisch-Art. Bilder des weissen Kopffüssers, der dem Trickfilm-Gespenst Casper glich, gingen um die Welt.
Heute weiss man: Der Krake klebt seine Eier in 4000 Metern Tiefe an Schwämme auf Manganknollen. Diese Metallklumpen will man nun ernten. Was geschieht dann mit der Tintenfisch-Population?
Auch Minen an Land belasten die Umwelt
Das ist eine von vielen offenen Fragen zu den Folgen des Tiefseebergbaus. Klar ist aber, dass auch die Rohstoffminen an Land die Umwelt belasten. In Zukunft wohl noch stärker, meint Sven Petersen. «Wie lange sind wir bereit, dies hinzunehmen, bevor wir die marinen Vorkommen in Erwägung ziehen? Es ist eine gesamtgesellschaftliche Debatte, die hier von Nöten ist.»