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Viele Menschen leiden unter Übergewicht oder Adipositas und wünschen sich eine Gewichtsreduktion. Dauerhaft abzunehmen gelingt jedoch nur sehr wenigen. Operationen der bariatrischen Chirurgie am Magen wie der Magenbypass sind oft die einzige Möglichkeit, im grösseren Ausmass dauerhaft Gewicht zu verlieren. Da entsprechende Operationen jedoch recht eingreifend sind und daher bislang nur bei Menschen mit ausgeprägter Adipositas (BMI >35 kg/m2) durchgeführt werden, sind Medikamente, welche das Körpergewicht reduzieren und dadurch den Gesundheitszustand verbessern, sehr willkommen.
Die Entwicklung entsprechender Medikamente war in der Vergangenheit immer wieder mit grossen Rückschlägen behaftet, da bereits zugelassene Medikamente wegen später entdeckten Nebenwirkungen wieder vom Markt zurückgezogen werden mussten. Daraus folgend wurden die Anforderungen für die Zulassung von Medikamenten zur Gewichtsreduktion deutlich erhöht. So fordern die internationalen Zulassungsbehörden heutzutage generell sehr grosse, wissenschaftlich hochwertige Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit eines jeweiligen Medikaments.
Wir sind froh, dass das Medikament Saxenda seit dem 01.04.2020 von den Krankenkassen bezahlt wird und wir es im Rahmen unseres strukturierten Gewichtsreduktionsprogramms einsetzen können (siehe unseren Beitrag vom 29.4.2020). Saxenda enthält den Wirkstoff Liraglutid und ist ein pharmakologisch leicht verändertes, menschliches Darmhormon namens Glucagon-like peptid 1 (GLP-1). Es verbessert einerseits den Zuckerstoffwechsel, andererseits führt es zu einer Reduktion von Hunger und Appetit und damit zu einer Gewichtsreduktion.
Die dänische Firma Novo Nordisk, welche Saxenda herstellt, hat nun eine Gewichtsreduktions-Studie mit dem weiterentwickelten Wirkstoff Semaglutid durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studie wurden aktuell in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine publiziert. In die Studie wurden rund 1’900 übergewichtige Personen eingeschlossen, welche Gewicht verlieren wollten. 2/3 der eingeschlossenen Personen erhielten Semaglutid in einer Dosis von 2.4 mg pro Woche, das restliche 1/3 erhielt ein Placebo, welches sie sich jeweils 1 x pro Woche unter die Haut spritzten. Es zeigte sich, dass die mit Semaglutid behandelten Personen rund 14% ihres Ausgangsgewichtes, während der 68-wöchigen Studien-Phase verloren, während es bei den Placebo-behandelten Personen rund 2% waren. Der Unterschied lag somit im Mittel bei 12%, was eindrücklich viel ist. Dabei zeigten etwa 50% der Semaglutid behandelten Personen eine Gewichtsreduktion mehr als 15% und 32% verloren sogar mehr als 20% ihres Körpergewichts. Diese Ergebnisse sind sehr eindrücklich und lassen hoffen, dass die medikamentöse Therapie von Übergewicht und Adipositas in der Zukunft noch deutlich effektiver werden wird. Bevor jedoch Semaglutid als Medikament zur Gewichtsreduktion zugelassen wird, müssen noch die Ergebnisse von grösseren, bereits laufenden Studien abgewartet werden, welche hoffentlich die Effektivität und Sicherheit von Semaglutid bestätigen werden. Da wir Semaglutid bereits in der niedrigeren Dosis von 1 mg pro Woche als Injektion in der Therapie des Typ 2 Diabetes gut kennen, dürfen wir optimistisch sein, dass wir die Substanz in einigen Jahren auch zur Gewichtsreduktion offiziell einsetzen können.