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Ein Zeichen
von Cedric Weidmann
Er war von der Sorte Mensch, die sofort aufstanden, nachdem die Station durch die Lautsprecher ausgerufen wurden, um im Falle eines Falles nicht im letzten Moment durch die Masse an Pendlern wühlen und das Aussteigen verpassen zu müssen.
Es war ihm sehr wichtig, rechtzeitig zu sein, pünktlich und nach Plan.
Es hagelte stark und mit Interesse beobachtete er die Blicke des Mädchens, das im Abteil neben ihm, ihm gegenüber sass. Sie bog sich zum Fenster um hinaus zu sehen. Es polterte, viele Köpfe drehten sich in Verwirrung durch den Zug. Plötzlich war die Aufmerksamkeit auf die Scheiben gerichtet und das Dach, auf dem die Eisklumpen aufschlugen.
Er zog seine Jacke näher zu sich und richtete seinen Blick wieder auf das Mädchen, dessen Handtasche unbeaufsichtigt neben dem Sitz lag, von dem sie sich erhoben hatte.
Das ist gefährlich, sagte er plötzlich zu ihm, wissen Sie, gerade das hier wäre ein guter Moment für einen Dieb eine unbeobachtete Tasche zu stehlen.
Die junge Frau sah ihn verwirrt an.
Danke für den Hinweis, sagte sie freundlich und kühl. Glauben Sie denn nicht, dass Diebe auch Angst haben?
Wovor sollten Sie Angst haben?
Vor dem Hagel.
Er sah sie an, etwas verdutzt erst, doch dann blickte er nach oben und er konnte sehen, wie die Decke unter dem Gewicht des Hagels erzitterte.
Wussten Sie aber, dass Diebe sehr schlitzohrig sind?, erwiderte er. Sie fürchten sich nicht vor denselben Dingen wie wir, denn sie müssen oft viel zu sehr auf uns bedacht sein, als dass sie ihre eigenen Interessen schützen könnten.
Es gibt niemanden, der den Hagel nicht fürchtet, antwortete sie, Sie werden es auch noch, glauben Sie mir, spätestens wenn er Ihnen die Wangen blutig schürft und Ihren Unterkiefer herausstanzt wie Papier. Wussten Sie, dass Hagelkörner bis zu 150 km/h schnell vom Himmel fallen können?
Er wusste nicht, was er darauf erwidern sollte, also wandte er sich ab und sah etwas aus dem Fenster, ohne allerdings nennenswerte akrobatische Mühe aufzuwenden.
Die Lautsprecher sangen zum Getrommel. Rafz, Endstation, aussteigenbitte!
Dabei war es nicht Rafz, sondern bald Bülach. Normalerweise wäre er jetzt aufgestanden und hätte sich angezogen, aber er blieb noch einen Moment sitzen und lauschte den Geräuschen. Er konnte sich nicht erinnern, wann er hier das letzte Mal die richtige Durchsage gehört hatte, und trotzdem stand er jedesmal pünktlich dazu auf und wartete eine Minute vor der Türe, bevor er ausstieg.
Gerade da schlug ein Hagelkorn durch das Fenster in seinem Abteil und zertrümmerte den blauen S-Bahn-Sitz vor ihm. Die Leute schrien auf, die junge Frau sprang einen Schritt zurück vom Durchgang und gegen ihr Fenster. Er sagte gar nichts, seine weissen Knöchel um das Filz der Jacke geschlungen. Er schluckte nicht einmal.
Rafz, Endstation, aussteigenbitte!, riefen die Lautsprecher noch einmal, doch niemand rührte sich. Da sprang er auf, warf sich auf den Boden, wo, zwischen den Sitzen zum Bremsen gekommen, der bestimmt ein Kilo schwere Eisklumpen lag. Er griff nach ihm, zog ihn zu sich, rannte durch die S-Bahn und durch die Türe hinaus, in den Hagelsturm in Bülach.
Er hatte seine Jacke vergessen.