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Ein Nationaltrainer lebt nicht allein von Siegen. Deshalb wird vom Verband rund um Patrick Fischer ein «Making-of» betrieben wie noch bei keinem Nationaltrainer. Nach dem Motto: «Wir basteln uns den nächsten Ralph Krueger.»
Ein Blick zurück erklärt die Gegenwart. Noch heute hat der Name Ralph Krueger die grössere Strahlkraft als jener von Sean Simpson. Dabei ist Krueger nach dem 4. Platz bei der WM von 1998 in jedem Turnier im Viertelfinal gescheitert. Aber keiner hat im 21. Jahrhundert das Nationalteam besser vermarktet. Keiner hat es besser verstanden, dem Publikum Scheitern als Heldentat zu verkaufen.
Sean Simpson hat die Nationalmannschaft nach dem Olympia-Turnier 2010 von Ralph Krueger übernommen. Zwar erreichte er 2011, 2012 und 2014 nicht einmal den Viertelfinal. Aber 2013 führte er die Schweiz zu WM-Silber. Zum grössten Erfolg unserer Hockeygeschichte. Was hätte einer wie Krueger aus diesem Silbermärchen gemacht! Doch Simpsons Charisma ist inzwischen verblasst. Er weiss in der Hockeyprovinz Kloten nicht einmal, ob er nächste Saison noch Trainer sein wird. Ralph Krueger hat es hingegen bis zum NHL-Cheftrainer gebracht.
Inzwischen hat der neue Verbandsdirektor Florian Kohler die zentrale Bedeutung der Persönlichkeit des Nationaltrainers als Verkaufsargument erkannt. Dieses Amt (und auch das der Assistenten) einem Schweizer zu übertragen, ist ein kluger, erster Schritt in diese Richtung. Dabei steht die Fachkompetenz nicht mehr im Vordergrund. Krueger war, bevor er Nationaltrainer wurde, mehrfacher Meister der Alpenliga und gewann mit Feldkirch die Champions League. Simpson war ebenfalls mehrfacher Landesmeister und gewann mit den ZSC Lions Champions League. Der neue Nationaltrainer Patrick Fischer hat als Cheftrainer keinen Leistungsausweis. In Lugano rutschte er auf den letzten Platz ab und musste gehen.
Die Resultate sind eben nicht alles. Wichtiger ist, aus Fischer den nächsten Krueger zu machen. Wie das in den Kulissen läuft, illustriert eine kleine Episode. Ein Hockey-Fachmagazin will ein Interview mit Fischers Assistenten Reto von Arx machen. Auf die Anfrage antwortet Verbands-Kommunikationsgeneral Janos Kick, man schlage ein Interview mit Fischer vor. Der Einwand, Fischer komme in allen Medien vor, also bringe ein Gespräch mit dem charismatischen Assistenten mehr, ist erfolglos. Kick sagt, man wolle Fischer in der Öffentlichkeit positionieren und wünsche deshalb ein Interview mit ihm, aber keines mit Reto von Arx. Ganz im Sinne der zehn Gebote: «Du sollst neben mir keine anderen Götter haben» wird alle Medienaufmerksamkeit auf den Cheftrainer zentriert.
Ist es tatsächlich möglich, aus Fischer den nächsten Ralph zu machen? Die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Fischer ist ein begabter Kommunikator. Wenn er bei der WM in Moskau (6. bis 22. Mai) den Klassenerhalt schafft, dann wird sein Vertrag (und jener seiner Assistenten) verlängert. Die Resultate sind nebensächlich geworden und an eine Wiederholung des Silberwunders von 2013 glaubt sowieso niemand mehr.