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Anlässlich der Renovation unserer Pfarrkirche möchten wir Ihnen auf dieser Seite gerne einen Überblick über die Geschichte unserer Pfarrei und vor allem der Pfarrkirche(n) mit ihren verschiedenen Renovationen bieten. Ein Grossteil der Informationen stammt aus dem viel ausführlicheren geschichtlichen Rückblick, den Pfarrer Leodegar Schmidlin 1962 anlässlich der "100 Jahre Pfarrkirche Bünzen"zusammengestellt hat. Dieses Heft ist auf dem Sekretariat zu beziehen.
1508 Die erste Spur eines Kirchleins
Über den Ursprung der ersten Kirche in Bünzen gibt es keine schriftlichen Unterlagen. Die erste Spur eines Kirchleins ist ein Bild aus dem Jahre 1508 in einem alten Band des Pfarrarchivs, welches von einem Mönch des Klosters Muri nach einer alten Vorlage gezeichnet wurde. Das Bild zeigt ein Kirchlein ohne Chor und ohne Turm, die erst 1577 und 1600 angebaut wurden. Das Kirchlein stand auf dem Hügel, auf dem heute noch die Nothelfer-Kapelle zu finden ist.
Es war ein „Eigenkirchlein", das ein alter Besitzer des „Meyerhofes" erbaut hatte, zu dem er eine Leutpriesterei (Pfarrei) für den Gottesdienst und die Seelsorge gestiftet hatte. Zu dieser "Pfarrei" gehörten laut eines Kaufbriefes im Jahr 1321 der Meyerhof, die zugehörigen kleinen Güter und die Mühle. Der Meierhof stand auf dem Platz, wo später der Hof der Familie Abt und das Gasthaus zum Hirschen erbaut wurden. Bis 1321 waren Dorf und Pfarrei Bünzen im Besitz der Freiherrn von Reußegg, wurden dann aber wegen Verschuldung an das Kloster Muri verkauft, in dessen Besitz die Pfarrei bis zur Klosteraufhebung 1841 blieb. Waldhäusern und ein Teil Besenbürens waren bis 1321 noch der Pfarrei Boswil, die Huob in Besenbüren dagegen der Pfarrei Muri zugeordnet. Nach 1321 kamen dann Niesenberg und Femmel zur Pfarrei Bünzen hinzu. Es dauerte schliesslich bis zum Jahr 1508, bis Waldhäusern und die Huob von Besenbüren neu der Pfarrei Bünzen zugerechnet wurden. Ganz Besenbüren gehörte erst im Jahr 1680 dazu. Wann und warum dies genau geschah, ist nicht dokumentiert.
1621 Weihe der neuen Kirche
Wie überall in Deutschland und in der Schweiz hatten auch in Bünzen die Glaubenswirren dafür gesorgt, dass die Ideen und Vorhaben für eine neue, schönere Kirche auf Eis gelegt worden waren. Erst als man sich nach der Kriegszeit und der Revolution ökonomisch erholt hatte, ging man 1577 daran den lang verschobenen Bauplan auszuführen und zunächst den Chor für die künftige grössere Kirche zu bauen.
Im Jahr 1600 wurde der Turm, ein sogenannter Laternenturm, erstellt. 1620 wurde das neue Schiff gebaut und damit der Kirchenbau vollendet.
Am 25. April 1621, dem Festtag des Heiligen Georg, weihte der damalige Weihbischof von Konstanz, Dr. Johann Anton Tritt, die neue Kirche von Bünzen mit ihren Kirchenpatronen St. Georg und St. Anna.
Verehrung der Hl. Anna
Die Hl. Anna wurde in Bünzen ganz besonders verehrt. Im Jahre 1596 wurde die St. Anna-Bruderschaft in Bünzen eingeführt. Ein Seitenaltar wurde zu Ehren der Hl. Anna geweiht. Besonders nachdem Papst Urban VIII. im Jahre 1632 allen einen vollkommenen Ablass verliehen hatte, welche am Fest der Hl. Anna die Kirche in Bünzen besuchen, schlossen sich der St. Anna-Bruderschaft nebst dem Abt alle wohlhabenden Familien mit namhaften Vergabungen aus allen Gemeinden der „Freien Ämter" an.
Der Hl. Mutter Anna war auch das „Käppeli" ausser dem Dorf am Wege nach Waldhäusern geweiht. Über dessen Ursprung liegt keine Nachricht vor. Auch in der heutigen Pfarrkirche ist der rechte Seitenaltar unserer Kirchenpatronin geweiht. In dessen Nähe hängt das berühmte Relief Anna Selfdritt (Grossmutter Anna, Mutter Maria und Jesus). Das Originalbild stammt aus der ersten Pfarrkirche in Bünzen und ist 500 Jahre alt. Das Original ist im Landesmuseum Zürich ausgestellt.
Die neue Pfarrkirche
Da die Kirche sich im Laufe der Zeit als zu klein erwies, fasste man 1820 den Bau einer neuen Kirche ins Auge. Hinzu kam die Aufforderung der Regierung, den knapp gewordenen Beerdigungsplatz zu erweitern. Als sich aber bis ins Jahr 1848 nichts mehr tat, bekräftigte die Regierung nochmals ihre Forderung nach einem neuen Beerdigungsplatz. So wurde der Kirchenneubau ernsthaft in Angriff genommen. 1850 stimmte die Kirchgemeindeversammlung dem Neubau eines Gotteshauses auf dem Girbel zu. Mit der Planung wurde Joseph Caspar Jeuch aus Baden beauftragt, der bereits Kirchen in Leuggern, Bellikon und Berikon gebaut hatte. Nach einem zu einfachen und dann zu fulminanten wurde schliesslich der von im als drittes eingereichte Bauplan im neugotischen Stil angenommen. Bald war festgelegt, nach welchem Schlüssel die Finanzierung vor allem aber die Frondienste, die einen gewichtigen Teil der Bauarbeiten leisten sollten, auf Bünzen, Besenbüren, Waldhäusern und Niesenberg verteilt werden sollten. Allerdings dauerte es dann bis 1859, bis mit den Bauarbeiten selbst begonnen werden konnte.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 13. Mai 1860 durch den damaligen Dekan Meng von Muri. In diesen Grundstein, der sich mit einem Kreuz versehen auf der linken bzw. Frauenseite zuunterst befindet, wurden einige interessante Zeitzeugnisse sowie eine Grundsteinurkunde gelegt. Aus einer Abschrift geht hervor, dass diese Urkunde nach der Aufzählung der Vorgeschichte des Baues Einblick in die damalige Situation in Bünzen und der Welt gewährt. Danach bestand die Pfarrgemeinde Bünzen damals aus 1027 Seelen (was dem ungefähren heutigen Stand entspricht), Landwirtschaft und Strohfabrikation waren stark verbreitet. Weiter informiert die Urkunde im Allgemeinen über die damaligen gängigen Preise. So kostete z.B. 1 Weissbrot zu 4 Pfund zirka 60 Rappen. Darauf folgt ein kurzer geschichtlicher Abriss, der sich vor allem der Situation in Italien nach dem dortigen Krieg zwischen Österreich sowie Sardinien und Frankreich und den daraus resultierenden Problemen für den Kirchenstaat widmet. Neben dieser Urkunde wurden verschiedene Gegenstände (z.B. Bundesverfassung von 1848, Amtsblatt Kanton Aargau, Verzeichnis der freiwilligen Beiträgen an die neue Kirche, Freiämter Wochenblatt, neues schweizerisches Frankenstück usw.) eingemauert.
Nach einer Bauzeit von knapp drei Jahren fand am 26. Oktober 1862 die feierliche Einweihung der im neugotischen Stil erbauten Kirche durch Bischof Karl Arnold statt. Diese neue Kirche beeindruckte durch ihr elegantes Aussehen. Erreicht wurde dies vor allem durch die Einheit im Innenraum, in dem der architektonische Entwurf zusammen mit den Steinmetzarbeiten, den geschnitzten Altären, den kunstvollen Glasfenstern sowie der der damaligen Dekorationsmalerei (sog. Tromp-l'oeil-Malerei, die eine Stukkatur vortäuscht) eine besondere Atmosphäre schuf.
Glocken
Für neue Glocken fehlte während des Kirchenbaus wohl das Geld. Deshalb wurde das Geläut der alten Kirche für weitere 80 Jahre in den neuen Turm versetzt.
Kosten der neuen Pfarrkirche:
Ausgaben rund Fr. 128'000, Frondienste rund Fr. 52'000 = Total Fr. 180'000.
Innenrenovation in den 1930er Jahren
Etwa 60 Jahre nach der feierlichen Eröffnung der Bünzer Pfarrkirche schien die Zeit gekommen, einige Renovationsarbeiten vorzunehmen. So wurde an der Kirchgemeindeversammlung vom 29. Mai 1921 der Antrag gestellt, den Chor und die Seitenaltäre wieder instand setzen zu lassen, was inklusive des bereits vorliegenden Amortisationsplans gut geheissen wurde. Allerdings vergingen zwei Jahre, ohne dass renoviert wurde. Auf einer Kirchgemeindeversammlung 1923 kam es dann zum vorläufigen Stillstand der Renovationsbestrebungen. Es wurde die Meinung laut, dass mit dem Chor auch das Kirchenschiff renoviert werden müsse. Die vorgelegten Kostenschätzungen liefen aber so weit auseinander, dass es zu heftigen Debatten kam und die Angelegenheit für weitere zehn Jahre offen blieb.
Erst 1930 wurde die Idee wieder aufgegriffen. Der Chor, die Seitenaltäre wie das ganze Kirchenschiff wurden bis 1933 renoviert. Dabei wurde die originale Dekorationsmalerei entfernt und durch eine - schon damals umstrittene - bunte Bemalung ersetzt, die jedoch nur 30 Jahre vorhanden bleiben sollte.
Neue Glocken 1941
Infolge nötiger Reparaturen im Innern des Kirchturmes und an der Glockeneinrichtung wurde 1940 beschlossen, ein neues Geläut anzuschaffen. Am 23. September 1941 nahmen die alten Glocken Abschied. Die älteste von ihnen war 300 Jahre im Gebrauch gewesen. Mit Hilfe von Seilzügen wurden sie vom Turm heruntergeholt und in der Glockengiesserei Rüetschi, Aarau, geschmolzen, umgegossen und durch neues Geläute ergänzt.
Einen Monat später konnte das neue Geläut mit vier geschmückten Wagen in Aarau abgeholt und von der Gemeindegrenze her in feierlichem Zuge zur Kirche begleitet werden. Am 26. Oktober fand der grosse Akt der Glockenweihe statt.
Seitdem besitzt die Pfarrkirche ihre vier Glocken im Kirchturm:
- Christ-König-Glocke (Ton H, 2950 kg)
- Marien-Glocke (Ton d, 1700 kg)
- St. Anna-Glocke (Ton fis, 860 kg)
- Schutzengel-Glocke (Ton a, 520 kg)
Aussenrenovation 1956-1959
Ende der 1950er Jahre war die Zeit reif für eine Aussenrenovation der Pfarrkirche, da vor allem das Gemäuer eine Erneuerung brauchte. So wurde am 25. März 1956 folgendem Antrag in der Kirchgemeindeversammlung zugestimmt: "Es sei die Aussenrenovation der Kirche, Neugestaltung des Kirchenvorplatzes und Erstellung eines Friedhofbrunnens [...] vorzunehmen." Während der Bauzeit wurden dann folgende vier Ziele erreicht:
- Bauliche Instandsetzung des Kirchengebäudes: Eindecken des Turmhelms mit Kupfer, Erneuerung des Kirchdaches, Einbau einer Blitzschutz-Anlage, Erneuerung des Verputzes mit Dispersionsanstrich.
- Bauliche Verbesserungen: Einbau neuer Türen (bis auf das Hauptportal), von Windfängen (im Hinblick auf eine spätere Heizung), von Klinkerboden und eines Waschbeckens in der Sakristei.
- Architektonische Veränderungen: Entferung des Dachreiters und stilwidriger Verzierungen am Gemäuer, neue Eingangstreppen und kleinere Veränderungen.
- Anpassung der Umgebung: Erweiterung des Kirchenvorplatzes, Neugestaltung der Priestergräber, Aufstellen eines Brunnens, Schaffen von grossen Rasenplätzen und Aufstellen von neuer Friedhofsbeleuchtung.
Innenrenovation 1974-1982
Etwa 40 Jahre waren seit der letzten Innenrenovation vergangen. So war es in den 1970er Jahren wieder an der Zeit, eine erneute Innenrenovation in den Blick zu nehmen, den Kirchenraum wieder aufzufrischen und vor allem den Änderungen, die in der Liturgie durch das II. Vatikanische Konzil stattgefunden haben, gerecht zu werden. Aus finanziellen Gründen musste diese Renovation aber mit den allfälligen Arbeiten auf zwei Etappen verteilt werden.
1. Etappe 1974-1978
In dieser ersten Bauphase wurde der grössere Teil des Kirchenschiffs renoviert. Besonders markant war die Veränderung an der Chorwand. Die bei der letzten Renovation angebrachte bunte Bemalung, die damals schon auf Kritik gestossen war, wurde durch einen schlichten, weissen Anstrich ersetzt. Da von nun an die Messe nicht mehr am Hochaltar mit dem Rücken zum Volk gefeiert werden sollte, brauchte es einen neuen Volksaltar, sowie einen Ambo. Die Kommunionbank, die bis anhin vor den Altarstufen stand, wurde entfernt. Der Hoch- und die beiden Seitenaltäre, sowie die Kanzel wurden restauriert. Auch hier wurde dabei eine farbliche Änderung vorgenommen. Der zuvor grünliche Anstrich vor allem der Seitenaltäre wurde durch einen originaleren Braunton ersetzt und auch die Heiligenfiguren in den Altären in ihrem ursprünglicheren Weiss gestrichen. Ein grosses Anliegen war in dieser Etappe auch die Wiederherstellung des Sternenhimmels im Chorraum, der bis heute im Altarbereich eine ganz besondere Atmosphäre schafft.
Mit weiteren kleineren Veränderung wurde 1978 diese erste Etappe abgeschlossen und die Planung der zweiten in Angriff genommen.
2. Etappe 1978-1982
Der grösste Teil dieser Renovationsetappe beschäftigte sich mit der Orgel, die dringend eine Überarbeitung und Generalrevision brauchte. So erhielt die Orgel vor allem ein neues Herz. Die pneumatische Ansteuerung der Pfeifen wurde durch eine zeitgemässe Mechanik ersetzt. Aus der alten Orgel konnte 1/3 der Register übernommen werden. Die Prospektpfeifen sind noch original, wie auch das restaurierte und teils ergänzte Prospekt. Ersetzt wurden alle Registerzüge und auch der Spieltisch. So besitzt die Kirche Bünzen seitdem eine Metzlerorgel mit 26 Registern, die den Kirchenraum sehr gut füllt und ein passendes Klangspektrum bietet.
Der andere Teil der Arbeiten beschäftigte sich mit der Instandsetzung der Kirchenbänke sowie des Kirchenbodens.
Aussenrenovation und Wiederherstellung des Dachreiters 1995
Vom kleinen Türmli musste anlässlich der Aussenrenovation von 1956 – 1959 Abschied genommen werden, da dieses baufällig und vom Holzwurm befallen war. 1995 wurde mit der Aussenrenovation der Pfarrkirche auf Betreiben einiger Pfarreimitglieder der Dachreiter mit dem Türmli wiederhergestellt.Vom 22. – 24. September 1995 wurde die gut gelungene Renovation mit einem Kirchenfest abgeschlossen.
Innenrenovation ab 2013
Nach einer langen Planungsphase konnte - vor allem wegen starken Schimmelbefalls - am 15. Januar 2013 mit den Arbeiten für die Innenrenovation und -restauration begonnen werden.