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Klassentreffen der Superhelden – The Avengers von Joss Whedon
Seit dem Erscheinen des ersten Superman-Hefts im April 1938 gehören Superhelden zum festen Bestand der Comicwelt. Der erste Superheldenfilm folgte zwar nur wenige Jahre später, die frühen Leinwandauftritte der maskierten Rächer waren aber anspruchslose Billigproduktionen. Dies änderte sich in den folgenden Jahrzehnten nur langsam. Die grosse Zäsur kam erst mit Tim Burtons Batman, der 1989 Merchandising und mediales Getöse auf eine neue Intensitätsstufe hievte.
Seit der Jahrtausendwende ist nun so gut wie kein Jahr vergangen, in dem nicht mindestens ein Superheld in einer Megaproduktion in die Kinos drängte. Mittlerweile tritt die Comicschmiede Marvel, die die Rechte an vielen Titeln hält, sogar als Produzentin auf und rührt dabei mit der grossen Kelle an. Nicht bloss ein einzelner Film, sondern ein ganzer Zyklus soll es sein. Iron Man, Hulk, Captain America und Thor, die jeweils in eigenen Filmen eingeführt wurden, und mit ihnen zahlreiche Nebenfiguren, kommen in The Avengers zu einem All-Superhero-Picture zusammen.
Im Medium Comic sind derartige Klassentreffen üblich; dass man aber einen einzelnen Film über fünf Einzelfilme hinweg vorbereitet und dass am Ende fast alle Figuren in der Originalbesetzung auftreten, hat es noch nicht gegeben. Logistisch, aber auch erzählerisch stellt ein solches Projekt eine Herausforderung dar. Wie bringt man ein halbes Dutzend Figuren einigermassen gleichberechtigt in einem Film unter, wie verknüpft man die verschiedenen Filme elegant und vor allem: Wie geht man mit ihren unterschiedlichen Tonlagen um? Von der Ironie in Iron Man über die nostalgische Naivität eines Captain America bis zum dümmlichen Pathos von Thor?
Regisseur Joss Whedon orientiert sich mit Iron Man am besten Vorläufer, und damit ist auch klar, wer den Ton angibt: Robert Downey Jr. stellt mit seinem schlitzohrigen Charme sicher, dass die Sache nie zu ernst wird. The Avengers tendiert stark Richtung Actionkomödie, was keineswegs ein Fehler ist; innerhalb der Reihe dürfte er nach Iron Man der beste sein. Als unerwartetes Highlight entpuppt sich dabei der grüne Wüterich Hulk, eine Figur, die bislang im Kino nicht recht funktionierte, die nun aber für einige der lustigsten Szenen sorgt.
Erschienen in der NZZ vom 26. April 2012.