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«Wenn das Eigentum nur Freude brächte, so könnten wir es noch hinnehmen, aber seine Verpflichtungen machen es unerträglich. Im Interesse der Reichen müssen wir es abschaffen.» Als die englische Adelsgesellschaft dies las, war sie nicht entzückt, zumal der Verfasser ein berühmter Mann war. Dabei ging es diesem in seinem Essay über «Die Seele des Menschen im Sozialismus» doch vor allem darum, der Kunst zum Durchbruch zu verhelfen. Solange es Privateigentum gebe, so glaubte er, könnten sich die Fähigkeiten des Menschen nicht entwickeln.
In politische Angelegenheiten mischt sich der streitbare Ire jedoch nicht oft ein. 1854 in Dublin als Sohn eines Arztes und einer Lyrikerin zur Welt gekommen, fühlte er sich der Ästhetik verpflichtet. Nach einem Studium in Dublin und Oxford zog er nach London, um «die Stadt zu erobern». Er arbeitete als Journalist, wurde Herausgeber einer Frauenzeitschrift, veröffentlichte Kurzgeschichten und Märchen (die er für seine Söhne verfasste) und pflegte Umgang mit den grossen Schriftstellern und Malern seiner Zeit. In seinen Komödien nahm er die feine Gesellschaft aufs Korn – was diese ihm nicht verzieh, zumal auch sein extravagantes Auftreten Anstoss erregte.
Als gefeierten Schriftsteller schützte ihn zunächst noch sein Ruhm, doch dann wurde ihm seine Homophilie zum Verhängnis. Nach einem Aufsehen erregenden Prozess verurteilte man ihn 1895 zu zwei Jahren Zwangsarbeit. Danach verliess er England, körperlich und finanziell ruiniert. Drei Jahre später starb er in Paris an einer Hirnhautentzündung.
Wer war der Skandalautor, der wie sein einziger, bildschöner Romanheld tragisch endete?
Wir fragten nach dem irischen Schriftsteller Oscar Wilde. Sein Essay «Die Seele des Menschen im Sozialismus» erschien im selben Jahr (1891) wie sein Roman «Das Bildnis des Dorian Gray».