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Reichenbachfallbahn (Meiringen)
|Kürzel||DR|
|Bahntyp||Standseilbahn|
|Betriebseröffnung||1899-09-08|
|Daten vorhanden||ja|
Daten
Allgemeine Bemerkungen
Die Kommentare sind bewusst kurz gehalten. Sie dienen in erster Linie dem Zweck, gewisse Daten oder auch Datenlücken verständlicher zu machen, wobei das Hauptaugenmerk auf die Finanzzahlen fällt. Primäre Quelle bilden die Eisenbahnstatistik respektive die dortigen «Bemerkungen betreffend die einzelnen Bahnunternehmungen», die jeweils am Schluss der Bände stehen. Auf weitere Quellen- oder Literaturangaben wird verzichtet, obwohl solche teilweise mit eingeflossen sind. Die Kommentare sind der Einfachheit halber grundsätzlich in der Vergangenheitsform verfasst. Es heisst also beispielsweise: Bahn X «war» eine Aktiengesellschaft, auch wenn dies noch heute der Fall sein sollte.
Kommentar
Die 1899 eröffnete und von Anfang an elektrifizierte DR war Eigentum einer Aktiengesellschaft. Sie erschloss bei Meiringen im Berner Oberland den mächtigen Reichenbachfall, der in sieben Stufen über fast 500 Meter Länge zu Tal stürzte. Die Bergstation der DR befand sich bei der obersten Stufe des Wasserfalls. Die Initiative zum Bau der DR ging vom Meiringer Hotelier Elias Flotron-Willi aus, finanziell mitbeteiligt war der Hotel- und Bahnpionier Franz Josef Bucher-Durrer, der das gesamte Anleihekapital zur Verfügung stellte. Mit der Realisierung der DR betraute man die Firmen Bucher & Durrer und Von Roll AG Bern. Die nicht ganzjährig verkehrende DR bot in ihren Wagen ausschliesslich Sitzplätze an.
Die DR vermochte die finanziellen Erwartungen nicht zu erfüllen und musste 1903 zwangsliquidiert werden. Ende 1904 ersteigerte Bucher-Durrer die Konkursmasse der DR. Die Anlagekosten wurden dabei von 349'000 Franken auf 205'350 Franken herabgesetzt. Die Statistik behandelte den von Bucher-Durrer aufgebrachten Kaufpreis als Aktienkapital, die abgeführten Gewinne als Dividenden. Gegen seinen Willen musste Bucher-Durrer 1905 den Betrieb der DR an Flotron verpachten. Zwischen den beiden ehemaligen Geschäftspartnern war infolge des Konkurses ein heftiger Streit entbrannt. Mit dem Tod von Bucher-Durrer 1906 ging die Bahnkonzession der DR an seinen Sohn Arnold Bucher-Berner über. Der Pachtvertrag mit Flotron wurde aufgelöst und 1909 ein Teil des Aktienkapitals in Anleihen umgewandelt. Entsprechend stiegen die Zinslasten.
Der Kriegsausbruch 1914 hatte drastische Auswirkungen auf die DR. Schon 1915 musste sie aufgrund der Tourismuskrise den Betrieb über Jahre einstellen. Zinsen zahlte die von der Stillegung bedrohte DR keine mehr. Einen Teil dieser Ausstände beglichen 1919 und 1920 die Elektrowerke Reichenbach (in der Datenbank als «Betriebssubvention» erfasst), welche die DR nach dem Kriegsende respektive nach dem Tod von Bucher-Berner ganz übernommen hatten. Das Kraftwerk Reichenbach (Schattenhalb) verdankte seine Entstehung übrigens ebenfalls Flotron und Bucher-Durrer, war aber finanztechnisch von der Bahn getrennt. Schwebende Schulden hatte die DR 1920 keine. Die Reserven bezifferten sich auf 18'925 Franken. Erst 1922 konnte die DR den Betrieb wieder aufnehmen.
Die Baukosten der zweischienigen, hauptsächlich in Einschnitten und ferner auf Dämmen erstellten DR waren mit 287'605 Franken pro Bahnkilometer ausgesprochen gering. Sie gehörte damit zu den billigsten Standseilanlagen der Schweiz. Mit weitem Abstand grösster Kostenpunkt war der Unterbau, der fast 62 Prozent der Totalkosten ausmachte. Ab 1914 wies die Statistik die Kosten des Rollmaterials der DR ohne Drahtseil, Seiltragrollen und mechanische Einrichtungen aus. Der Wert verminderte sich dadurch um 15'454 Franken, jedoch nur bilanztechnisch. Addiert man diesen Betrag ab 1915 wieder zu den aufgeführten Rollmaterialkosten, resultiert die analoge Zahl wie in den Jahren davor. Wie die gleichbleibenden Baukosten belegen, wurde in die DR nach ihrer Errichtung 1899 im ganzen Untersuchungszeitraum kein einziger Franken mehr investiert.
Erwähnungen
Diese Bahn wird auch in den Kommentaren folgender Bahnen erwähnt: