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Die Winterbiene hat ein hartes Leben. Sie schlüpft zwischen August und September und muss die kalte Jahreszeit überstehen. Im Gegensatz zur Sommerbiene – die meistens nicht einmal ein Monat alt wird – lebt die Winterbiene vier bis sechs Monate und ist verantwortlich dafür, dass die erste Bienenbrut im Frühling schlüpft. Umso besorgter ist Jean-Daniel Charrière vom Zentrum für Bienenforschung an der Eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP). Bei ihm sind bereits im Oktober und im November vermehrt Meldungen von Völkerverlusten bei Bienenstöcken eingegangen – obschon der Winter noch gar nicht richtig begonnen hat. "Ausser aus dem Tessin kommen Meldungen über Völkerverluste aus der ganzen Schweiz", sagt er.
Hauptgrund Varroamilbe
Die Hauptursache für die Völkerverluste ist in den meisten Fällen die Varroamilbe und die durch diesen Parasit übertragenen Viren. Charrière führt das frühe Bienensterben darauf zurück, dass die Varroabekämpfung im letzten Jahr zu wenig konsequent durchgeführt wurde. Die meisten Imker schützen ihre Bienen gegen die Varroamilbe, indem sie die Bienenvölker im Sommer mit Ameisensäure und im Winter mit Oxalsäure behandeln. Charrière vermutet, dass ein Teil der Imker im letzten Winter die Oxalsäurebehandlung nicht gemacht hat. "Wegen den tiefen Temperaturen und dem vielen Schnee haben einige Imker gezögert, die Bienenkästen zu öffnen – aus Angst, die Bienen zu schädigen."
Verluste auch in Deutschland
Auch in Deutschland sind bei den Bienenvölkern bereits jetzt relativ hohe Verluste zu verzeichnen, wie Christoph Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei im rheinland-pfälzischen Mayen sagt. Otten schätzt den Bienenvölkerverlust für diesen Winter auf 25 Prozent – ähnlich wie im Winter 2002/2003. "Dies ist zwar keine erfreuliche Prognose, jedoch werden die Völkerverluste keinen Einfluss auf die Bestäubungsleistung der Bienen im kommenden Jahr haben", relativiert Otten.
Wie in der Schweiz ist auch in Deutschland die Varroamilbe der Hauptfeind der Bienen. "Die Völkerverluste sind auf Lücken in der Varroabekämpfung zurückzuführen", sagt Otten. Seien einmal Bienenvölker befallen, breite sich die Varroamilbe auch auf gesunde Bienenvölker aus. Für Otten ist es deshalb wichtig, dass die Imker die Varroamilbe konsequent bekämpfen, und zwar im Sommer wie im Winter. "Die Annahme, dass die Bienen im Winter durch das Öffnen des Bienenkastens geschädigt werden, stimmt nicht."
Noch zu früh für Prognosen
Wenn es bereits jetzt vermehrte Meldungen über Völkerverluste gibt, wird dieser Winter ein besonders harter sein für die Bienen? Für Richard Wyss, Präsident des Vereins deutschsprachiger und räteromanischer Bienenfreunde (VDRB), ist es noch zu früh, eine Prognose zu wagen. Derzeit habe noch niemand den gesamtschweizerischen Überblick über die Verluste. Zwar habe auch er bereits von Verlustmeldungen gehört. "Aber aus diesen Einzelmeldungen können wir noch keine generellen Aussagen über das Bienensterben machen", sagt Wyss. Verlässliche Daten über den kommenden Winter will der VDRB im Frühling liefern. Dann nämlich sollen die Resultate der jährlichen Umfrage unter den Vereinsmitgliedern zu den Völkerverlusten in ihren Bienenbeständen vorliegen.