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Der selbstbewusste, bürgernahe Monarch weiss, wer er ist: ein Königssohn, kein gewöhnlicher Politiker. «Für einen Politiker», sagte er einmal, «bedeutet das Königsamt eine Berufung, denn er liebt ja die Macht. Für einen Königssohn, wie ich es bin, ist es etwas ganz anderes. Es geht nicht darum, ob es mir gefällt oder nicht. Ich bin dazu geboren. Und seit meiner Kindheit haben mir meine Lehrer beigebracht, auch Dinge zu tun, die mir nicht gefallen. Im Hause der Bourbonen bedeutet Königsein ein Amt.» (Zitiert nach Paul Preston, Juan Carlos, El rey de un pueblo, Barcelona 2003 p. 13.) Mag stimmen, was er sagt, aber er sagt nicht alles: In der Tat zeichnet ihn ein hohes Pflichtbewusstsein aus, für das er sogar sein Leben riskiert hat. Denken wir nur an jene dramatische Nacht des 23. Februar 1981, als er durch sein mutiges Bekenntnis zur Demokratie Spanien vor einem Rückfall in eine erneute Militärdiktatur bewahrte – ein Ereignis von historischer Bedeutung. (Vgl. dazu Javier Cercas, «Anatomie eines Augenblicks, Die Nacht, in der Spaniens Demokratie gerettet wurde», Frankfurt am Main, 2011.) Denken wir aber auch an all die persönlichen Verzichte und Gehorsamszumutungen, welche dem Königssohn von seinem Vater Don Juan, aber auch von seinem coinstar stocks Coinstar Money Transfer, UKRAINE, KIROVOGRAD politisch en Ziehvater Franco abverlangt wurden: z. B. an die frühe Einweisung in ein strenges Internat in Fribourg oder an die von seinem Vater und von Franco verordneten Ausbildungsjahre in Spanien. Da gab es z. T. unglaubliche Einmischungen in die Privatsphäre. So hielten etwa die Aufpasser von Franco den jungen Juan Carlos davon ab, das Bild einer seiner Jugendfreundinnen auf den Nachttisch zu stellen.
Grosse Anziehungskraft
Im Leben von Juan Carlos gibt es verschiedene Liebschaften, und es ist bekannt, dass er vor allem in seiner Jugend auf die Frauen eine grosse Anziehungskraft ausübte. Erst in den letzten Jahren hat insbesondere die Sensationspresse ihr Augenmerk auf dieses Kapitel in seiner Vita 4seohunt.com/www/www.hanswidmer.ch gelenkt. Es wird sogar von einer Affäre mit Prinzessin Diana gemunkelt, und von zwei unehelichen Töchtern ist die Rede. All das stört jedoch die breite Öffentlichkeit Spaniens kaum, denn diese konzentriert www.pearl.freetreasurechest.com sich auf das Ehepaar Juan Carlos und Sophia. Auch die Königin ist hoch im Kurs, denn ihr schreibt man einen erheblichen Anteil an den Erfolgen ihres Gatten zu. Woher wohl hatte der junge Königssohn die Kraft, die unerträglichen Einmischungen in sein Privatleben zu ertragen und derart lange auf seine Inthronisation zu warten? Ohne ausgeprägte Machtorientierung lässt sich das kaum erklären. «Schon früh deutete Juan Carlos seine Bereitschaft an, sich unter Umgehung der regulären Erbfolge, das hiess: seines Vaters, selbst auf Spaniens Thron berufen zu lassen.» (Walther L. Bernecker, «Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert», München 2010, p.270.)
Pflicht- und Machtbewusstsein
Hätte Juan Carlos nur ein Pflicht-, aber kein ausgeprägtes Machtbewusstsein, er hätte seinen Vater durch seine anpasserischen Arrangements mit Franco nach jahrelangen zähen Auseinandersetzungen nicht dazu gebracht, im Jahre 1977 endlich auf seinen rechtmässigen Thronanspruch zu verzichten. Der Preis für die Krone war hoch: eine immer wieder belastete, aber doch nie endgültig abgebrochene Vaterbeziehung auf der einen sowie gewagte Zugeständnisse an Franco auf der anderen Seite. Rückblickend ist der Spagat zwischen den beiden Vaterfiguren gelungen; allerdings nicht ohne eine Art von zweifachem partiellem Vatermord: Von Franco erbte er die politische Macht, um sie dann später – gegen die Absichten des Diktators – der Demokratie dienstbar zu machen, und seinem Vater hat er gleichzeitig durch sein Ja zum Angebot von Franco die politische Macht weggenommen. Diese Art Raub vermochte er jedoch zu kompensieren, denn es gelang ihm, viele der Ideen seines Vaters realpolitisch umzusetzen
Neue demokratische Wege
Juan Carlos ist nicht nur ein Monarch, der sich in vorbildlicher Pflichterfüllung voll und ganz in das Amt der Monarchie einbringt, er ist ebenso ein kluger Real- und Verantwortungspolitiker mit dem nötigen Gespür für das, was in einer konkreten Situation möglich und machbar ist. Adolfo Suárez, mit dem zusammen er die Voraussetzungen für die neue Verfassung von 1978 gelegt hatte, war für ihn ein Glücksfall, weil dieser Ausnahmepolitiker seine Wurzeln zwar im reaktionären Franquismus hatte, aber bereit war, neue, demokratische Wege zu beschreiten. Durchhaltewillen, politisches Geschick und Glück im Sinne von Machiavellis Fortuna haben es Juan Carlos ermöglicht, das geistige Testament seines Vaters in der politischen Realität zu vollstrecken. Das war ein meisterhafter Spagat des jungen Monarchen: vom Ziehvater Franco den Einstieg in die reale Macht und vom physischen Vater das blaue Blut sowie das Konzept
einer Monarchie im Dienste der Demokratie. Dieser Dienst an der Demokratie zeigte seine Wirkung bis Mitte der Achtzigerjahre vor allem auf der innenpolitischen Ebene. Später kamen vermehrt aussenpolitische Einsätze zum Tragen. In zahlreichen Auslandsreisen knüpfte der König viele Kontakte, die für Spanien sowohl politisch als auch wirtschaftlich von Bedeutung sind. Auf dem Hintergrund der für Spanien und England bedeutsamen Gibraltarfrage, die bekanntlich immer wieder zu Spannungen führt, war es keine Selbstverständlichkeit, dass er im Jahre 1986 vor beiden Häusern des britischen Parlamentes eine Rede halten konnte, nachdem er es noch im Jahre 1981 demonstrativ abgelehnt hatte, an der Hochzeit von Prinz Charles mit Diana teilzunehmen, nur, weil das Paar Gibraltar als die erste Etappe der Hochzeitsreise vorgesehen hatte.
Botschafter in der Welt
Juan Carlos war auch das erste europäische Staatsoberhaupt, welches nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung China besuchte. Für Spanien bedeutsam sind ferner seine intensiven Kontakte zu den verschiedensten lateinamerikanischen Staaten: Legendär wurde sein Wutausbruch am Iberoamerika-Gipfel von Chile im Jahr 2007, als er dem ständig dreinredenden Hugo Chávez mehrmals zurief: Warum hältst du nicht den Mund? Einige Monate später machte Chávez in Mallorca einen Versöhnungsbesuch, der in herzlicher Atmosphäre verlaufen sein soll.
Der König von Spanien ist auch bei sehr vielen, auch monarchieskeptischen Spaniern respektiert, und seine Leistungen für die Demokratie – sei es als deren Retter in schwerer Stunde, sei es als deren bester Botschafter in der Welt – finden hohe Anerkennung.
(erschienen in: Der Bund, 12.5.2011, S. 10)