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HUNDE Nr. 12/02 Rasseporträt – von René Holzer
Der Briard
FCI Gruppe 1
Hüte- und Treibhunde
Standard Nr. 113
Ursprungsland: Frankreich
Ursprung und Namen
Zweifelsfrei kommt ein ganz delikater Dessertkäse aus der Gegend nordöstlich von Paris: Der Brie. Nicht ganz zweifelsfrei ist der Name und die Herkunft des französischen Schäferhundes, der denselben Namen trägt „Berger de Brie“ oder Briard. Buffon nennt ihn in einem seiner zoologischen Werke 1785 als „Chien de Brie“. Er beschreibt ihn als langhaarigen, meist schwarzen Hund, der ein vorzüglicher Wächter gewesen sein soll. Ob es ein Gerücht ist oder Tatsache sei dahin gestellt, jedenfalls soll der Briard schon sehr viel früher vorgekommen sein, nämlich zu Zeiten des Kaisers Karls des Grossen, was allerdings nie schlüssig bewiesen werden konnte. Obwohl er heute eindeutig als französischer Hirtenhund gilt, rühmen ihn alte Überlieferungen als Kriegshund, denn seine Heldentaten, sein Heroismus und sein Mut sind sprichwörtlich. Offizielle erste Beschreibungen findet man bei Gaston Fhoebus Graf de Foix, 1387, der einen „Mastin“ beschreibt, einen Bauernhund, der sowohl als Hirtenhund, wie auch als Jagdhund Verwendung fand. Zwei Jahrhunderte später erwähnt Liébaut in „La Maison rustique“ einen ähnlichen Hund. Eine Anekdote hat dazu beigetragen, dass dieser Hund als äusserst treu und wagemutig in die Geschichte einging. Ausserdem könnte dieses Ereignis auch der Ursprung des Namens sein. Die Begebenheit ist bei Hans Räbers „Enzyklopädie der Rassehunde“ nachzulesen: Ein Günstling des Königs Karls V. mit Namen Aubry soll von einem Neider in einem Wald umgebracht und vergraben worden sein. Der Hund Aubrys, der Zeuge dieses schrecklichen Mordes an seinem Meister wurde, legte sich auf das Grab, bis man ihn gewaltsam wegbringen musste. Bei einer späteren Jagdpartie soll der Hund Aubrys den Mörder seines Herrn wiedererkannt haben und sprang ihm an die Gurgel. Der König und die Freunde Aubrys schöpften Verdacht und liessen den Hund frei laufen, der sofort zum Grabe seines Herrn lief. Den Edelleuten wurde der Zusammenhang klar, sie liessen den Hund mit dem Mörder kämpfen, bis dieser in seiner Not den Mord gestand und in der Folge enthauptet wurde.
Der Hund von Aubry könnte demzufolge sehr wohl zum „Chien de Brie“ geworden sein.
Seine Vorfahren waren vermutlich rauhaarige Schäferhunde vom Typ Barbet, die bereits im Mittelalter bekannt waren. Er hat die gleichen Ursprünge wie der Beauceron und andere Schäfer- oder Hirtenhunde.
An der Exposition de Paris, anno 1863, gewann ein Briard namens “Charmante“ die Show und besiegte alle ausgestellten Hirtenhunde. Und schon nach vier Jahren wurde ein erster Rassestandard formuliert. 1896 beginnt der Briard als offizielle Rasse zu existieren, was ein Jahr später dazu führte, dass der erste Standard veröffentlicht wurde. 1909 formierten sich die ersten Züchtervereinigungen. In beiden Weltkriegen wurde der Briard als Kriegshund eingesetzt, schliesslich kannte man die Tapferkeit dieser Hunde.
Sein Wesen und seine Merkmale
Der Briard, so sagt man, ist ein Hund mit einem grossen Herzen und ausgeprägter Loyalität zu seinem Meister. Der Hund ist bereit, dessen Leben bis aufs Blut zu verteidigen. Er hat wenig Wandertrieb, braucht aber viel Bewegung, denn er ist ein temperamentvoller Hund. Da er Fremden gegenüber reserviert reagiert, ist es vielleicht nicht der ideale Hund für „Einsteiger“. Erfahrene Hundebesitzer schätzen aber das sehr spezielle Wesen des Briard und würden die Rasse kaum wechseln. In gewissen Bereichen ist der Briard nicht schwer zu erziehen, eine Gabe, die man nutzen sollte und die man in den verschiedensten Hundesportarten zur Entfaltung bringen sollte. Der Briard schliesst sich eng an seine Familie an und hat deshalb einen stark ausgeprägten Schutzinstinkt. Körper und Geist sollten aber, um gesund und wach zu bleiben, beschäftigt werden.
Das Fell des Briard ist in seiner Struktur trocken, lang und leicht gewellt, ähnlich dem Ziegenhaar. Es hat eine feine und dichte Unterwolle. Alle einheitlichen Farben sind zugelassen, die dunkleren sind empfehlenswerter. Die schwarze Farbe darf keinen rötlichen Schimmer aufweisen. Schwarz gilt übrigens immer noch als die klassische Briard-Farbe. Die Schäfer bevorzugten den schwarzen Hund, weil er sich gut von den Schafen unterscheiden liess.
Der Kopf ist stark und lang, die Augen waagrecht, gut geöffnet und von dunkler Farbe. Sie werden von den Haaren leicht verschleiert, schauen aber intelligent und wachsam in die Welt! Die ersten Überlieferungen des Briards beschreiben seine Ohren als straff aufgerichtet. Man weiss nicht, ab wann der Briard mit Hängeohren gezüchtet wurde, die man dann allerdings kupierte. Vermutlich hat man langhaarige Hirtenhunde eingekreuzt, um der Rasse mehr Haarfülle zu geben, damit kam eventuell das Hängeohr in die Rasse. Die Ohren sind hoch angesetzt und nicht anliegend. Nach dem geltenden Tierschutzgesetz nicht mehr kupiert, sie fallen vorwärt nach unten und sind stark behaart. Der Briard ist gross und kräftig und gut proportioniert. Er hat eine breite, tiefe Brust und einen geraden Rücken und starke gute Knochen und starke Muskulatur. Seine Bewegung ist geschmeidig und lauffreudig. Die Schulterhöhe bei Hündinnen beträgt ca. 56 bis 64 cm, beim Rüden etwa 62 bis 68 cm mit einem Gewicht von ca. 35 bis 40 Kg.
Ein geschätztes Merkmal, das man leider nicht immer antrifft, ist der Haken (Crichet-Hook) an der Rutenspitze, die etwa bis zum Sprungelenk reichen sollte. Als weiteres besonderes Kennzeichen hat der Briard an den Hinterläufen doppelte Afterkrallen, die so nah wie möglich am Boden angesetzt sind. Jede doppelte Afterkralle muss aus zwei knochigen Teilen mit Kralle bestehen.
Pflege
Es ist für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden äusserst wichtig, dass das Fell konsequent gepflegt wird, denn es verfilzt, wenn es nicht regelmässig bis auf die Haut durchgebürstet wird und die Unterwolle entfernt wird. Kastrierte Hündinnen brauchen vermehrte Fellpflege. Im allgemeinen ist der Briard ein gesunder Hund mit hoher Lebenserwartung. Gelegentlich tritt zentrale progressive Retinaatropie auf, eine erbliche Augenerkrankung. Verantwortungsbewusste Züchter tragen dieser Tatsache Rechnung und treffen eine sorgfältige Zuchtauswahl. Das Gleiche gilt für die Hüftdysplasie, die aber durch die Zuchtverantwortlichen streng überwacht wird.
Das Zuchtgeschehen
In Frankreich ist dieser Hund sehr beliebt, die Population beträgt etwa 25 000 Briards, der Bestand habe sich in den letzten 20 Jahren um ein Vielfaches vermehrt. Im Gegensatz zum Beaucerons hat sich die Anzahl der Briards in der gleichen Zeitspanne verdreifacht. Auch ausserhalb Frankreichs sind die Eintragungsziffern in die Stammbücher deutlich angestiegen.
René Holzer