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Die Kunst der heiteren Ernsthaftigkeit, die er in seinen späteren Filmen so virtuos beherrschte, und seine Leidenschaft für das Zeigen und Erzählen hat der vergangene Woche verstorbene Alain Resnais bereits in seiner Jugend eingeübt. Als Spross des kultivierten Bürgertums – sein Vater war Apotheker und Bürgermeister einer kleinen Gemeinde in der Bretagne – bekommt er als Zwölfjähriger eine Acht-Millimeter-Kamera geschenkt. Damit realisiert er eine eigene Version von Louis Feuillades legendärer Stummfilmserie «Fantômas». Auch ist er früh ein leidenschaftlicher Leser von Comicbüchern, interessiert sich für Fotografie, Literatur und Malerei. 1943 besucht er die Pariser Filmakademie IDHEC und wird Cutter.
Als Filmhandwerker geht es Alain Resnais in erster Linie darum, die Realität mit dem Imaginären zu verbinden – das ist der rote Faden seines vielfältigen Werks, das 1948 mit einem Kurzfilm über Van Gogh beginnt. Zusammen mit seinem Freund Chris Marker realisiert er «Les statues meurent aussi» (1953) über gestohlene Kunst und Kolonialismus. Auch mit «Nuit et Brouillard» (1955) alarmiert er die französische Zensur: In diesem ersten Dokumentarfilm über die Konzentrationslager, nach einem Text des ehemaligen Lagerinsassen Jean Cayrol, ist erstmals von der Kooperation der französischen Polizei bei den Deportationen die Rede.
Als Cutter arbeitet Resnais mit der Regisseurin Agnès Varda zusammen, die mit «La Pointe courte» (1956) den ersten Film der Nouvelle Vague realisiert. Es folgt die Anfrage von Argos-Film-Gründer Anatole Dauman für die Realisierung eines einstündigen Dokumentarfilms über Hiroshima. Dazu kommt es nicht, für Resnais kann die Katastrophe nicht beschrieben werden. Nur das Fragment und der Bruch mit der linearen Erzählung ermöglichen Gedächtnis und Erinnerung. Darin sind sich die Schriftstellerin Marguerite Duras, die die Dialoge zu «Hiroshima, mon amour» (1959) schreibt, und der Regisseur einig. Die radikale Ästhetik seines ersten Spielfilms wird das moderne Kino nachhaltig beeinflussen.