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Searching for Sugar Man
Von Ralph Hofbauer | 18. Dezember 2012 | 0 Kommentare
Der in seiner Heimat erfolglose US-Songwriter Rodriguez war in Südafrika ein Star, ohne etwas davon zu wissen. „Searching for Sugar Man“ dokumentiert die ebenso packende wie berührende Suche zweier Fans nach ihrem sagenumwobenen Idol.
Es gibt immer wieder Musiker, bei denen es im Nachhinein unbegreiflich scheint, dass sie den grossen Durchbruch nie geschafft haben. Nick Drake ist der Archetypus dieses zwar genialen, aber für den grossen Erfolg einfach etwas zu schüchternen Songwriters. Rodriguez hatte eine ähnliche Veranlagung. Auch er war talentiert, aber kein geborener Entertainer. Bei seinen ersten Konzerten wandte er dem Publikum den Rücken zu.
Durch ein Sample von Nas, eine Compilation von David Holmes und die Reissues von Light in the Attic hat der sagenumwobene Songwriter aus Detroit in den letzten Jahren an Renommee gewonnen. Nun hat sich der schwedische Dokumentarfilmer Malik Bendjelloul dem Mythos Rodriguez angenommen. Searching for Sugar Man zeigt im Gegensatz zu gängigen Musikdokumentationen nicht den Aufstieg und Fall einer Ikone, sondern begibt sich auf die Spurensuche nach einer verschollen geglaubten Legende.
Rodriguez‘ Debüt „Cold Fact“ erschien in einer Zeit, in der die amerikanische Musik das Interesse an Protestsongs längst verloren hatte. In Südafrika trafen die gesellschaftskritischen Texte von „Cold Fact“ 1970 jedoch den Nerv der Zeit. Das Album verbreitete sich im Untergrund des Apartheid-Regimes wie ein Lauffeuer. Um Airplay am Radio zu verhindern, zerkratzten die Behörden auf den Promo-Kopien der Radiostationen die Rillen der einschlägigen Songs. Auch „Sugar Man“, der wohl populärste Song von Rodriguez, fiel der Zensur zum Opfer.
In Südafrika wusste man über den Mann namens Sixto Rodriguez nicht mehr als auf den Plattencovern zu lesen war. Er selbst sah von den Einnahmen jenseits des Atlantiks keinen müden Pfennig. Als er Mitte der 70er in Südafrika Platinstatus erreichte, hatte er seinen Plattenvertrag längst verloren und arbeitete wieder auf dem Bau. Aufgrund der plötzlichen Funkstille begannen in Südafrika Gerüchte über den Selbstmord von Rodriguez zu kursieren.
Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben der Plattenladenbesitzer Stephen ‚Sugar‘ Segerman und der Musikjournalist Craig Bartholomew-Strydom Ende der 90er beschlossen, ihr Idol ausfindig zu machen. Obwohl die Schnitzeljagd der beiden Fans nur aus Archivmaterial und Interviews rekonstruiert ist, gelingt es Bedjelloul Spannung zu erzeugen, indem er den Protagonisten erst in der zweiten Hälfte des Films auftreten lässt. Die Suche nach dem Phantom mündet in einem bewegenden Finale: Segerman und Bartholomew-Strydom machen Rodriguez schliesslich in Detroit ausfindig und laden ihn und seine drei Töchter nach Kapstadt ein, wo er in einem ausverkauften Stadion auftritt.
„Searching for Sugar Man“ beweist, dass das Leben die besten Geschichten schreibt. Der rührende Film, der am Sundance Festival zwei Awards erhalten hat, beschert Rodriguez doch noch etwas vom wohlverdienten Ruhm. Mit dem Soundtrack ist er gar in die Charts eingestiegen – natürlich nicht in Amerika, sondern in Schweden.
„Searching for Sugar Man“ läuft am 27.12.* in folgenden Schweizer Kinos an:
RiffRaff (Zürich), Kultkino Atelier (Basel), Bourbaki (Luzern), Quinnie (Bern), Kinok (St.Gallen) Kino Freier Film (Aarau), Cinema Luna (Frauenfeld), Odeon (Brugg), Kino Laupen (Laupen) *) teilweise auch etwas später
Trailer „Searching for Sugar Man“:
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