Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03405.jsonl.gz/574

Das Vermächtnis des Hitproduzenten
Ein Dance-Album, das der Suizidprävention dienen soll? Klingt erstmal schräg, liegt bei Tim Bergling alias Avicii aber leider auf der Hand. Als der Superstar des EDM sich im April 2018 im Oman mit 28 Jahren das Leben nahm, hatte er sein neues Album zu 80 Prozent fertiggestellt. Seine Familie wollte es den Fans nicht vorenthalten und ließ die Songs von Berglings Studiopartnern so vollenden, wie sie annahmen, dass Bergling selbst sie vollendet hätte. Dabei geben sich auch weitere prominente Gastsänger die Ehre, wie Aloe Blacc oder Chris Martin, Frontsänger von Coldplay. Alles in allem ist die Fertigstellung eines solchen Albums kein unheikles Unterfangen, das sich hier aber dadurch rechtfertigt, dass die Erlöse aus "TIM" (Universal) der ins Leben gerufenen Tim Bergling Foundation in Stockholm zugute kommen, die sich für Menschen in psychologischen Krisensituationen einsetzen soll.
Nach seinem Suizid im Jahr 2018 hinterliess der schwedische Produzent und EDM-Star Tim Bergling alias Avicii nicht nur unbeantwortete Fragen, sondern auch um die 200 unveröffentlichte Tracks und Demos. Freunden und Arbeitspartnern zufolge war Bergling kurz vor seinem Tod nicht nur in guter Stimmung, er steckte mitten in der Produktion seines dritten Albums. Einige Wochen nach seinem Tod bat seine Familie das Management, alle Geräte Berglings nach der Musik zu durchkämmen, an der er gearbeitet hatte. „Wir fanden Ordner, die Titel trugen wie ‚Dies sind die Tracks, die ich veröffentlichen will‘ oder ‚Bei diesen bin ich mir unsicher‘“, so Christopher Thordson von Aviciis Management-Team.
Nachdem Thordson alles zusammengetragen hatte, was er finden konnte – Audiodateien, E-Mails und SMS an seine Kollaborateure und sein Label-Team, iPhone-Sprachnachrichten und Notizen in seiner Cloud – traf er sich mit Berglings Vater Klas sowie A&R-Leuten, um von den Aufnahmen aus vorherigen fünf Jahren Kandidaten für ein Album auszuwählen. Ab hier nahmen Aviciis Co-Produzenten und -Songwriter die Arbeit auf, die aber absichtlich minimal gehalten wurde. (Nach Thordsons Schätzungen waren die Tracks zum Zeitpunkt von Berglings Tod zu 80 bis 90 Prozent fertiggestellt.) „Niemand behauptet, das hier sei zu 100 Prozent Tim. Das wäre einfach unmöglich bei jemandem, der so detailverliebt und perfektionistisch war“, räumt Thordson ein.
Bildquelle: rollingstone.com und wikipedia.de