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,Bewusstsein’ ist ein nur schwer zu definierender Begriff, da ein bewusstes Erleben oder Erfahren immer davon abhängt, wie weit unser Bewusstsein ist und welche Bewusstseinsebenen wir erreichen können. Das menschliche Bewusstsein ist grösstenteils auf die physische, vitale und mentale Ebene begrenzt. In den indischen Schriften (z.B. Veden, Upaniṣaden und Purāṇas) werden weitere Bewusstseins-Sphären beschrieben. Sri Aurobindo hat den Schlüssel zur richtigen Interpretation des Veda gefunden und in seinen umfangreichen Büchern darüber geschrieben. Zum Verständnis des Integralen Yoga ist das Wissen über diese Bewusstseins-Sphären oder Welten wichtig.
Sri Aurobindo schreibt in ,Briefe über den Yoga’, Band 1, Seiten 241 – 242:
„Bewusstsein wird meist mit dem Mental identifiziert, doch das mentale Bewusstsein ist nur der menschliche Bereich, der genauso wenig alle möglichen Bewusstseinsbereiche erfasst, wie menschliches Sehen alle Farbabstufungen oder menschliches Hören alle Tonabstufungen erfasst – denn es gibt vieles darunter und darüber, das für den Menschen unsichtbar und unhörbar ist. Ebenso gibt es Bewusstseinsbereiche über und unter der menschlichen Ebene, mit denen der durchschnittliche Mensch keinen Kontakt hat und die ihm daher unbewusst erscheinen – supramentale, obermentale und submentale Bereiche. “
Sämtliche Daseins-Ebenen werden gemäss den indischen Schriften und den Interpretationen Sri Aurobindos in sieben Bewusstseins-Ebenen oder Welten (lokas) eingeteilt. Es werden zwei Hemisphären unterschieden: eine höhere und eine niedere.
Die niederen Bewusstseins-Ebenen, welche auch die niedere Schöpfung (aparārdha) genannt wird, bestehen aus der physischen, vitalen und mentalen Ebene (inklusive höhere mentale Ebenen – höheres, erleuchtetes, intuitives Mental bis zum Übermental).
Diese Ebenen wurden bereits im Blog: ,Teile und Ebenen des Seins’ vorgestellt.
Die höheren Bewusstseins-Ebenen, welche der Welt der höchsten Schöpfung (parārdha) angehören, bestehen aus dem Supramental und der höchsten göttlichen Ebene des Sat-Cit-Ānanda (saccidānanda).
In der Īśā-Upaniṣad, Vers 15 wird beschrieben, dass ein goldenes Lid zwischen der höheren und der niederen Hemisphäre besteht, welches entfernt werden muss, damit die höheren göttlichen Ebenen in die menschliche Existenz herabkommen können (supramentale Transformation).
Die unten stehende Abbildung zeigt die beiden Hemisphären und das goldene Lid dazwischen.
Sri Aurobindo schreibt in ,Briefe über den Yoga’, Band 3, Seiten 240 -241:
„Die niedere Hemisphäre enthält das gesamte Mental einschließlich seiner höheren Ebenen, das Vital und das Physische. Die obere Hemisphäre enthält den Göttlichen Sat-Chit-Ananda [Dasein-Bewusstsein-Seligkeit] mit dem Supramental als seinem Instrument des Selbst-Ausdrucks. Das Obermental [Übermental] *) befindet sich zuoberst der niederen Hemisphäre und ist die Verbindungs- oder Übergangsebene zwischen den beiden [Hemisphären]. …
Die supramentale Umwandlung kann erst dann stattfinden, wenn das Lid zwischen den niedrigeren und höheren Hemisphären oder Daseins-Hälften beseitigt ist und das Supramental statt des Obermentals die lenkende Macht im Dasein wird … .“
*) Sri Aurobindo verwendet den Begriff ‘Overmind’, je nach Übersetzung seiner Werke wird der Begriff ‘Obermental’ oder ‘Übermental’ verwendet.
Weiter schreibt Sri Aurobindo in ,Briefe über den Yoga‘, Band 1, Seiten 244 -251:
„… Auf gleiche Weise trennt das Bewusstsein in uns mit Hilfe eines Lids oder einer Hülle oder wie immer man es nennen will die niederen Ebenen von Mental, Leben [Vital] und Körper, die von der Seele gestützt werden, von den höheren Ebenen, welche die spirituellen Königreiche bergen, in denen das Selbst immer frei und unbegrenzt ist; es vermag jedoch das Lid oder die Hülle aufzureißen und nach dort aufzusteigen, das Selbst zu werden, frei und weit und leuchtend, oder aber von dort den Einfluss, den Widerschein und schließlich sogar die Gegenwart und Macht des höheren Bewusstseins in die niedere Natur herabzubringen.“¨
……
Man muss sich daher eine Trennungslinie zwischen der höheren Hälfte des Bewusstseins-Universums, parārdha , und der niederen, aparārdha, vorstellen. Die höhere Hälfte besteht aus Sat, Chit, Ananda und Mahas [dem Supramental]; die niedere Hälfte besteht aus dem Mental, dem Leben [Vital] und der Materie.
Die Zuordnungen der, in den indischen Schriften beschriebenen, Bewusstseins-Sphären oder -Welten (lokas) werden nicht von allen Yoga-Traditionen gleich interpretiert. Unten stehend eine Erklärung von Sri Aurobindos Auslegung der lokas.
Sri Aurobindo schreibt in ,Das Geheimnis des Veda, Seiten 54-55‘:
„Ein weiterer äußerst wichtiger Aspekt des vedischen Symbolismus sind das System der Welten und die Funktionen der Götter. Ich fand den Schlüssel zum Symbolismus der Welten in dem vedischen Begriff der vyāhṛtis, den drei symbolischen Worten des Mantra, oṁ bhūr bhuvaḥ svaḥ, und in der Verknüpfung der vierten Vyahriti, Mahas, mit dem psychologischen Begriff ṛtam. Die Rishis sprechen von drei kosmischen Unterteilungen, Erde, dem antarikṣa oder der Mittelregion, und dem Himmel (dyau). Aber es gibt auch einen größeren Himmel (bṛhad dyau), der auch die weite Welt genannt wird, das Weite (bṛhat), und gelegentlich als das große Wasser symbolisiert ist, maho arṇaḥ. Dieses bṛhat wird wiederum beschrieben als ṛtam bṛhat oder in einer Trinität satyam ṛtam bṛhat. Und ebenso wie die drei Welten den Vyahritis entsprechen, so scheint diese vierte Welt der Weite und der Wahrheit der vierten Vyahriti zu entsprechen, die in den Upanischaden erwähnt ist, Mahas. In der puranischen Formel werden die vier durch drei andere ergänzt, Jana, Tapas und Satya, die drei höchsten Welten der Hindu-Kosmologie. Im Veda haben wir ebenfalls drei höchste Welten, deren Namen nicht genannt werden. Aber im vedantischen und puranischen System entsprechen die sieben Welten sieben psychologischen Prinzipien oder Formen von Existenz, Sat, Chit, Ananda, Vijnana, Manas, Prana und Anna. Vijnana, das Hauptprinzip, das Prinzip von Mahas, der großen Welt, ist die Wahrheit der Dinge, identisch mit dem vedischen ṛtam, welches das Prinzip von bṛhat ist, dem Weiten, und während im puranischen System auf Mahas in der aufsteigenden Ordnung Jana folgt, die Welt von Ananda, göttlicher Wonne, führt im Veda ebenfalls ṛtam, die Wahrheit, aufwärts zu Mayas, Wonne. Wir können daher ziemlich sicher sein, dass die beiden Systeme identisch sind und dass beide auf derselben Vorstellung von sieben Prinzipien subjektiven Bewusstseins beruhen, die sich in sieben objektiven Welten formulieren. Auf der Grundlage dieses Prinzips konnte ich die vedischen Welten mit den entsprechenden psychologischen Bewusstseinsebenen identifizieren, und das ganze vedische System wurde mir klar.“
Tabelle der sieben Bewusstseins-Welten (lokas) mit Bezeichnungen gemäss Veden, Vedānta (Upaniṣaden) und Purāṇas.
|Bewusstseins-Sphäre:||Englische Bezeichnung:||Purāṇas:||Vedānta:||Veden:|
|SAT (Unendliches Sein)||SAT (Infinite Being)||satya / satyaloka||satya||ohne Namen erwähnt|
|CIT (Bewusstsein)||CIT (Consciousness)||tapas / tapoloka||caitanya||ohne Namen erwähnt|
|ĀNANDA (Seligkeit)||ĀNANDA (Bliss)||jana / janaloka||ānanda||ohne Namen erwähnt|
|Supramental||Supermind||mahas / maharloka||vijñāna||bṛhad dyau |
(satyam ṛtam bṛhat)
|Mental||Mind||svar *) / svarloka||manas||dyau|
|Vital||Vital||bhuvaḥ *) / bhuvarloka||prāṇa||antarikṣa|
|Physis||Physic||bhūḥ *) / bhūrloka||anna||pṛthvī|
*) Drei symbolische Worte des Mantra oṁ bhūr bhuvaḥ svaḥ, welches z.B. zu Beginn des Gāyatrī-Mantras gesprochen wird. Diese drei sind auch als vedischer Begriff vyāhṛti bekannt.
Nachfolgend werden die Hemisphären mit Texten von Sri Aurobindo näher erläutert:
Die niedere Hemisphäre (aparārdha)
Sri Aurobindo in ‚Isha Upanishad‘ (Seiten 81-82):
„In der niederen Schöpfung gibt es ebenfalls drei Prinzipien: Materie, Leben [Vital] und Geist [Mental]. Sat oder reines Sein erscheint dort als ausgedehnte Substanz oder Materie; Wille oder Kraft erscheint als Leben, das seiner Natur nach schöpferische oder manifestierende Kraft ist; und diese Kraft ist ihrer Natur nach ein selbst-bewusster Wille, der in den Formen seiner Schöpfung involviert und verdunkelt ist. Er wird aus der Involution und dem Verdunkeltsein durch die Seins-Wonne befreit, die in Begehren und Empfinden darum ringt, ihrer selbst bewusst zu werden; das Ergebnis ist das Auftauchen Des Geistes[Mental]. So zumindest erscheint es uns in der aufsteigenden oder evolutiven Bewegung.
Wo immer Materie ist, da sind Leben und Geist gegenwärtig – involviert oder evolvierend. Ebenso haben Leben und Geist irgendeine Art materieller Form als Bedingung ihrer Tätigkeiten. Diese drei erscheinen – aufgrund ihrer Beherrschung durch das trennende Prinzip von Avidya – nicht als drei-einig, sondern als dreifach.
In der Ordnung des Bewusstseins, der wir angehören, verweilt Tapas über Der Materie als seiner Grundlage. Unser Bewusstsein wird durch die Teilbarkeit ausgedehnter Substanz in ihrer offenbaren Form bestimmt. Dies ist bhurloka, die materielle Welt, die Welt des Werdens von Formen.
Doch können wir uns eine Welt vorstellen, deren Grundlage dynamische Lebenskraft ist, aus welcher Empfindung auftaucht und die ohne das grobe Hindernis der Materie die Formen bestimmt, die sie annehmen wird. Diese Ordnung des Bewusstseins hat als ihr Reich bhuvarloka, die Welt des freien vitalen Werdens in der Form.
Ebenso können wir uns eine Ordnung des Bewusstseins denken, in der Der Geist sich selbst aus seinem Unterworfensein unter die materielle Empfindung befreit und, indem er beherrschend wird, seine eigenen Gestaltungen bestimmt anstatt von den Formen bestimmt zu werden, in denen er sich als ein Ergebnis der Lebens-Evolution vorfindet. Diese Ordnung ist swarloka oder die Welt des freien, reinen und leuchtenden Geistes.
In diesen niederen Welten ist das Bewusstsein normalerweise aufgespalten und geteilt. Das Licht von Surya, Der Wahrheit, ist in der Nacht des Unterbewussten gefangen oder erscheint nur reflektiert in begrenzten Zentren oder in seinen Strahlen, die von jenen Zentren ihrer individuellen Natur entsprechend empfangen und benutzt werden.“
Die höhere Hemisphäre (parārdha)
Sri Aurobindo in ‚Isha Upanishad‘ (Seiten 80-81):
„Jede Ordnung selbst-bewussten Seins, welche die Einheit reinen Seins zur Grundlage hat, gehört zur Welt der höchsten Schöpfung, parārdha – den Welten des Spirit.
Wir können drei grundlegende Ordnungen wahrnehmen.
Wenn tapas oder Energie des Selbst-Bewusstseins über sat oder reinem Dasein als seiner Grundlage verweilt, ist das Ergebnis satyaloka oder die Welt des wahren Daseins. In satyaloka ist die Seele eins mit allen ihren Manifestationen durch Einheit des Wesenhaften und daher eins in Selbst-Bewusstsein und in Energie des Selbst-Bewusstseins und eins auch in der Wonne.
Wenn tapas über aktiver Kraft von cit als seiner Grundlage verweilt, so ist das Ergebnis tapoloka oder die Welt der Energie des Selbst-Bewusstseins. In tapoloka ist die Seele eins mit allen Manifestationen in dieser Energie, und daher erfreut sie sich der Einheit auch in der Ganzheit ihrer Wonne und besitzt gleichermaßen Ihre Einheit des Wesenhaften (der Essenz).
Wenn tapas über aktiver Wonne des Seins als seiner Grundlage verweilt, ist das Ergebnis janaloka, die Welt Schöpferischen Entzückens. In janaloka ist die Seele in der Wonne des Seins eins mit der ganzen Manifestation und durch jene Wonne eins auch in bewusster Energie und im Wesenhaften.
Alles dies sind Bewusstseinszustände, in denen Einheit und Vielheit noch nicht voneinander geschieden sind. Alles ist in allem, jedes in allem und alles in jedem, innewohnend, durch die eigentliche Natur bewussten Seins und ohne Anstrengung des Begriffs oder Mühe der Wahrnehmung. Es gibt keine Nacht, keine Dunkelheit. Noch gibt es dort, genau gesagt, irgendein beherrschendes, erleuchtendes Handeln Suryas. Denn das Ganze des Bewusstseins ist dort selbst-leuchtend und braucht kein anderes Licht als sich selbst. Das gesonderte Sein von Surya verliert sich im Einssein Des Herrn oder Purusha; dieses leuchtende Einssein ist die glücklichste von allen Formen Suryas.“
Das Supramental
Sri Aurobindo in ,Briefe über den Yoga‘, Band 1, Seite 266:
„Mit dem Supramental meine ich das volle Wahrheits-Bewusstsein der Göttlichen Natur, in dem das Prinzip der Teilung und Unwissenheit keinen Platz hat; es ist immer ein volles Licht und Wissen, die jeglichem mentalen Stoff und aller mentalen Bewegung übergeordnet sind.“
Sri Aurobindo in ‚Isha Upanishad‘ (Seite 83):
„Zwischen diesen beiden Welten, sie verbindend, ist die Welt oder Ordnung des Bewusstseins, deren Grundlage die Unendliche Wahrheit der Dinge ist. Dort bemächtigt sich das beherrschende Prinzip der Individualisierung nicht länger der all-durchdringenden Seele, und die Grundlage des Bewusstseins ist seine eigene unermessliche Ganzheit, die sich in individualisierten Bewegungen zusammenfügt, die nie das Bewusstsein ihrer Integralität und gänzlichen Einheit mit allen anderen verlieren. Die Vielfalt herrscht nicht länger vor und teilt auf, sondern verweist selbst in der Vielschichtigkeit ihrer Bewegungen stets auf ihr wesenhaftes Einssein und ihre eigene integrale Ganzheit. Daher wird diese Welt maharloka oder die Welt des weiten Bewusstseins genannt.
Das Prinzip von mahaloka ist Vijnana, die Idee. Aber dieses Vijnana ist intuitive oder vielmehr Gnostische Idee,1) nicht intellektueller Begriff. Der Unterschied ist der, dass der intellektuelle Begriff nicht nur zur Form tendiert, sondern sich in der Form der Idee festlegt und, einmal festgelegt, sich scharf von anderen Begriffen unterscheidet. Doch die rein intuitive oder Gnostische Idee erblickt sich selbst im Sein ebenso wie im Werden. Sie ist eins mit dem Sein, das die Form als ein Symbol seiner selbst herausstellt, und daher trägt sie stets das Wissen um Die Wahrheit hinter der Form mit sich. Sie ist ihrer Natur nach Selbst-Bewusstsein des Seins und Kraft Des Einen, stets ihrer Ganzheit bewusst, daher ausgehend von der Ganzheit allen Daseins und ihre Inhalte direkt wahrnehmend. Ihr Wesen ist dṛṣṭi, das Sehen, nicht das Begreifen. Sie ist zugleich die Schau des Wesenhaften wie des Abbildes. Diese Intuition oder Gnosis ist die vedische Wahrheit, die Selbst-Schau und All-Schau Suryas.
1) Intuition (Enthüllung, Inspiration, intuitive Wahrnehmung, intuitive Unterscheidung) ist Vijnana, das im Geist und unter den Bedingungen und in den Formen des Geistes wirkt. Gnosis oder der wahre Über-Geist ist eine Macht oberhalb des Geistes, die nach ihrem eigenen Gesetz wirkt, aus der direkten Identität des Höchsten Selbstes heraus, dessen Absolute, Selbst-bewusste Wahrheit, die sich selbst durch ihre Macht absoluten Lichtes erkennt, ohne jede Notwendigkeit der Suche, nicht einmal der erleuchtetsten.“
Sat-Cit-Ānanda (saccidānanda)
Sri Aurobindo in ‚Isha Upanishad‘ (Seite 42):
„Sachchidananda ist die Manifestation des höheren Purusha; seine Natur unendlichen Seins, Bewusstseins, unendlicher Macht und Seligkeit ist die Höhere Natur, parā prakṛti. Geist [Mental], Leben [Vital] und Körper sind die niedere Natur, aparā prakṛti.
Der Zustand von Sachchidananda ist die obere Hälfte universalen Daseins, parārdha, deren Natur Unsterblichkeit ist, amṛtam. Der Zustand sterblichen Daseins in Der Materie ist die untere Hälfte, aparārdha, deren Natur Tod ist, mṛtyu.
Geist und Leben im Körper befinden sich im Zustand Des Todes, weil sie durch Unwissenheit Sachchidananda nicht verwirklichen vermögen. Indem sie Sachchidananda vollständig verwirklichen, können sie sich selbst umwandeln – Der Geist in die Natur der Wahrheit, vijñāna, Das Leben in die Natur von caitanya, Der Körper in die Natur von sat, das heißt: in das rein Wesenhafte.
Wenn dies im Körper nicht vollständig vollbracht werden kann, verwirklicht die Seele ihren wahren Seinszustand in anderen Daseinsformen oder Welten, den „sonnenbeschienenen“ Welten und Zuständen der Glückseligkeit, und kehrt in das materielle Dasein zurück, um ihre Entwicklung im Körper zu vollenden.
Eine fortschreitend vollkommene Verwirklichung im Körper ist das Ziel der menschlichen Evolution.
Es ist der Seele auch möglich, sich für einen unbestimmten Zeitraum in den reinen Zustand von Sachchidananda zurückzuziehen.
Die Verwirklichung Des Selbstes als Sachchidananda ist das Ziel des menschlichen Daseins.“
Das Gesetz der Wahrheit
Sri Aurobindo in ‚Isha Upanishad‘ (Seite 84):
„Das Antlitz dieser Wahrheit ist wie von einem leuchtenden Schild, wie von einem goldenen Lid – bedeckt, das heißt, aus der Sehweise unseres menschlichen Bewusstseins. Denn wir sind mentale Wesen, und unsere höchste mentale Sicht setzt sich gewöhnlich aus den Konzepten und Wahrnehmungen des Geistes [Mental] zusammen, die zwar Mittel der Erkenntnis sind, Strahlen Der Wahrheit, jedoch ihrer Natur nach nicht Wahrheit des Seins, nur Wahrheit der Form. Durch sie fügen wir unser Wissen von den Erscheinungen der Dinge zusammen und versuchen, die dahinter verborgene Wahrheit zu ermitteln. Die wahre Erkenntnis ist Wahrheit des seins, satyam, nicht bloße Wahrheit der Form oder Erscheinung.
Wir können zur Wahren Wahrheit nur gelangen, wenn Surya in uns wirkt, um dieses Blendwerk von Vorstellungen und Wahrnehmungen zu beseitigen und sie durch die Selbst-Schau und All-Schau zu ersetzen.
Dafür ist es notwendig, dass das Gesetz und das Wirken Der Wahrheit sich in uns manifestieren. Wir müssen lernen, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, uns selbst so zu sehen, wie wir sind. In unserem gegenwärtigen Handeln sind Selbst-Erkenntnis und Wille gespalten. Wir gehen von dem grundlegenden Irrtum aus, dass wir ein von den anderen abgetrenntes Dasein haben, und wir versuchen, die Beziehung getrennter Wesen in ihrem Getrenntsein zu erkennen und handeln auf der Grundlage des so zu einem individuellen Nutzen geschaffenen Wissens. Das Gesetz Der Wahrheit würde in uns wirken, wenn wir die Ganzheit unseres Daseins sähen, die alle anderen Formen enthält, die aus dem Handeln der Ganzheit hervorgegangenen, ihre Kräfte, die im Handeln und durch das Handeln der Ganzheit am Wirken sind. Dann würde unser inneres und äußeres Handeln natürlich und direkt unserem Selbst-Sein entspringen, aus der eigentlichen Wahrheit der Dinge und nicht dem Gehorsam gegenüber einem vorläufigen Prinzip, das seiner Natur nach eine verfälschte Widerspiegelung ist.“
Īśā-Upaniṣad – Vers 15:
hiraṇmayena pātreṇa satyasyāpihitaṁ mukham |
tattvaṁ pūṣannapāvṛṇu satyadharmāya dṛṣṭaye || 15 ||
Das Antlitz der Wahrheit ist mit einem goldenen Lid bedeckt. O SONNE (pūṣan)1) entferne es, damit ich das Gesetz der Wahrheit erfahren kann.
1) Sri Aurobindo in ‚Isha Upanishad‘ (Seite 14):
„Im inneren Sinn des Veda steht Surya, der Sonnengott, für die göttliche Erleuchtung des Kavi, die über den Geist [Mental] hinausgeht und die reine, selbst-leuchtende Wahrheit der Dinge darstellt. Seine wesentliche Macht ist selbst-enthüllendes Wissen, das im Veda „Schauung“ genannt wird. Sein Bereich wird beschrieben als die Wahrheit, Das Gesetz, Die Weite [satyaṁ ṛtaṁ bṛhat]. Er ist der Nährer oder Vermehrer, denn er weitet und öffnet das dunkle und begrenzte Wesen des Menschen zu einem leuchtenden und unendlichen Bewusstsein. Er ist der einzige Seher, Seher Der Einheit und Kenner Des Selbstes und führt ihn zur höchsten Schau. Er ist Yama, der Kontrollierende oder Verfügende, denn er regiert das Handeln des Menschen und sein manifestiertes Wesen durch Das direkte Gesetz Der Wahrheit, satya-dharma, und daher durch das rechte Prinzip unserer Natur, yāthātathyataḥ; als eine leuchtende Kraft, die aus DEM Vater allen Seins hervorgeht, offenbart er in sich den Göttlichen Purusha, dessen Manifestationen alle Wesen sind. Seine Strahlen sind die Gedanken, die lichtvoll von Der Wahrheit, Dem Weiten ausgehen, doch in dem reflektierenden und teilenden Prinzip, Dem Geist [Mental], gebeugt und entstellt, gebrochen und in Unordnung gebracht werden. Sie bilden dort das goldene Lid, welches das Antlitz Der Wahrheit bedeckt. Der Seher betet zu Surya, sie in die rechte Ordnung und Beziehung zu bringen und sie dann zur Einheit offenbarter Wahrheit zusammenzuziehen. Das Ergebnis dieses inneren Vorgangs ist die Wahrnehmung des Einsseins aller Wesen in der Göttlichen Seele Des Universums.“