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„Meditation bedeutet das Sammeln aller Kräfte unseres zerstreuten Geistes, so dass er zu einem Kanal konzentrierter Energie wird, der uns helfen kann, das zu erreichen, was wir in unserem Leben erreichen können. Eine der grundlegenden Definitionen der Meditation ist, dass der Geist in einer Strömung fliesst, mit einem einzigen Objekt des Wahrnehmens, zum Beispiel dem Atem-Bewusstsein (…)“ (Swami Veda Bharati)
Meditation
Meditation ist ein sehr unterschiedlich gebrauchtes Wort, so dass vielfach Verwirrung darüber besteht, was Meditation denn nun genau ist und wie sie geübt wird. Manche Menschen gebrauchen das Wort meditieren fälschlicherweise, wenn sie denken oder kontemplieren meinen; andere gebrauchen es, um Zustände wie Tagträumen oder Phantasieren zu bezeichnen. Meditation ist jedoch keine Erfahrung dieser Art, sondern ein ganz anderer und eigenständiger Prozess.
Meditation ist eine besondere Technik, um den Geist zur Ruhe zu bringen und einen Bewusstseinszustand zu erlangen, der vom normalen Wachzustand völlig verschieden ist. Im Zustand der Meditation ist man ganz wach und achtsam und dennoch ist der Geist nicht auf die äussere Welt oder die Ereignisse gerichtet, die um ihn herum stattfinden. Weder schläft der Geist, noch träumt oder phantasiert er, stattdessen ist er klar, entspannt und nach innen gerichtet.
In allen Kulturen und Gesellschaften werden die Fähigkeiten der Menschen ausgebildet, die man braucht, um in der jeweiligen Kultur zu funktionieren und zu überleben – also die Art, wie man sprechen, denken, arbeiten und die Objekte und Erfahrungen der äusseren Welt erforschen muss. Wir lernen Wissenschaften wie Biologie, Ökologie oder Chemie, um die Welt, in der wir leben, zu verstehen, aber niemand lehrt uns, unsere eigenen inneren Dimensionen zu verstehen oder zu beachten. Das lernt man in keiner Schule oder Universität.
Wir lernen lediglich, die Ziele, Moden und Werte unserer Gesellschaft in uns aufzunehmen, ohne uns selber zunächst wahrhaft von aussen und von innen kennen zu lernen. So bleiben wir in Unwissenheit über uns selbst, und das macht uns abhängig von den Ratschlägen und Suggestionen anderer Menschen.
Meditation hingegen ist ein einfaches, feines und präzises Verfahren, die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Ebenen des eigenen Seins zu richten, wie z.B. auf den Körper, auf die Atmung oder die verschiedenen Aspekte bei der Entstehung von Stress. Im Laufe der Zeit wird man feststellen, dass man die positiven Ergebnisse der Meditation zu geniessen beginnt, nämlich eine wachsende Fröhlichkeit, Klarheit und Achtsamkeit oder auf der körperlichen und geistigen Ebene von Stresssymptomen frei zu sein.
Im Prozess der Meditation bitten wir den Geist, von seiner Neigung zu denken, zu analysieren, zu erinnern, Probleme zu lösen und sich auf die Ereignisse der Vergangenheit oder Erwartungen an die Zukunft zu konzentrieren, abzulassen. Wir helfen dem Geist, seine rasche Produktion von Gedanken und Gefühlen zu verlangsamen und ersetzen dieses innere Aktivität durch innere Achtsamkeit und Aufmerksamkeit.
So ist Meditation nicht das Nachdenken über Probleme oder das Analysieren von Situationen. Es ist nicht das Phantasieren oder Tagträumen oder das ziellose Umherschweifen-lassen des Geistes in allen Richtungen. Meditation bedeutet nicht, innere Gespräche zu führen, mit sich selbst zu streiten oder den Denkprozess zu intensivieren.
Meditation ist ganz einfach eine ruhige, mühelose, auf einen Punkt gerichtete Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.
In der Meditation versuchen wir, all die vielen geistigen Ablenkungen, Beschäftigungen, Gedankenströme und Assoziationen der normalen Erfahrung unseres Wachbewusstseins loszulassen. Wir tun dies nicht dadurch, dass wir den Geist leer machen, was ohnehin unmöglich ist, sondern dadurch, dass wir dem Geist erlauben, sich auf ein feines Element oder Objekt zu konzentrieren, das die Aufmerksamkeit weiter nach innen führt.
Indem wir dem Geist einen inneren Punkt der Aufmerksamkeit geben, helfen wir ihm, die anderen anstrengenden geistigen Prozessen, wie z.B. sich Sorgen machen, planen, denken und urteilen, zu beenden.
In unserer Tradition kann dem Schüler der Meditation ein inneres Sinnbild oder „Objekt“ gegeben werden, um ihm zu helfen, den Geist zu konzentrieren. Häufig wird ein Klang auf diese Weise gebraucht, obwohl auch manchmal ein visuelles Bild zur Konzentration vorgeschlagen wird. Diese mögen entweder grobstofflich (äusserlich) oder fein sein, entsprechend der Beschaffenheit des übenden Geistes.
Die Klänge, die man benutzt, um den Geist in der Meditation zu konzentrieren, werden mantras genannt. Sie haben eine mächtige Wirkung auf der geistigen Ebene.
Das mantra ist eine Unterstützung und ein Orientierungspunkt für den Geist. Lehrer vergeben ein mantra entsprechend des geistigen Zustandes des Übenden und nach seinem oder Ihrem inneren, brennenden Wunsch.
Das System der Meditation lehrt innere Spiritualität, nicht irgendeine Religion.
Meditation ist keine seltsame oder fremde Übung, die von dir verlangt, deine Glaubenssätze, deine Kultur oder Religion zu verändern. Meditation ist keine Religion, sondern eine sehr praktische, wissenschaftliche und systematische Methode, um dich selber auf allen Ebenen zu erkennen.
Meditation „gehört“ nicht irgendeiner Kultur oder Religion der Welt an. Einige Menschen fördern Übungen, die sie Meditation nennen, die in Wirklichkeit aber eine Mischung aus Meditation mit Religion oder kulturellen Einflüssen und Werten sind. Das ruft bei manchen Menschen Verwirrung und Ängstlichkeit hervor.
Sie fürchten, dass die Meditation sich in ihre Religion oder ihre Glaubenssätze einmischt oder dass sie ihre eigene Kultur aufgeben und die Übungen einer anderen Kultur annehmen sollen. Das ist nicht der Fall.
Religion lehrt einen bestimmten Glauben, Meditation lehrt, direkte eigene Erfahrungen zu machen. Es gibt keinen Konflikt zwischen beiden Methoden. Gottesdienst ist ein Teil des religiösen Systems, wie z.B. das Gebet, das ein Dialog ist mit dem göttlichen Prinzip.
Du kannst sicher beides sein: eine religiöse Person und ein Meditierender. Meditation ist eine Methode und keiner speziellen Religion zugeordnet.
(Aus dem Buch “Die Praxis der Meditation” von Swami Rama)
Beispiel für eine einfache Meditation.
Die wichtigsten Vorteile
Durch die regelmässige Praxis der Meditation fängt man langsam an, subtile Veränderungen in sich selbst wahrzunehmen, die allmählich auch für andere um uns herum hilfreich werden, was langfristig zu einem glücklicheren Leben und besseren Beziehungen führt. Beispiele für den Nutzen der Meditation sind:
- Klarheit des Geistes und der Wahrnehmung
- Verbesserung der Fähigkeit, richtige Entscheidungen zu treffen
- Erfahrung der Ruhe
- Verbesserung des Einfühlungsvermögens, der Freundlichkeit und des Feingefühls gegenüber sich selbst und andere
- Weniger Frustration und mehr Seelenfrieden
- Tiefe Freude und Glücksgefühle, die auch andere beeinflussen
Empfohlene Literatur
Swami Rama. “Die Praxis der Meditation – Ein Leitfaden für den Weg nach innen”. Verlag Ganzheitlich Leben.
Swami Rama (1998). “The Royal Path – Chapter 7: What is Meditation?” Honesdale, PA, Himalayan International Institute of Yoga Science and Philosophy of the U.S.A.
Zum Hören empfohlen
Swami Veda Bharati. “Beginning Meditation”. Hier bestellbar: www.swamiveda.org/html/dvd_library.php
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