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Normalerweise spielt der EHC Winterthur mit einem Zuschauerschnitt von knapp 1000 in der Eishalle Deutweg, sodass es wohl bisher unnötig war, ein einigermassen funktionierendes Schlangenkonzept auszuarbeiten. Dies hatte zur Folge, dass der zugegebenermassen recht knapp erschienene Schreiber dieser Zeilen einen grossen Teil des Auftritts von Frau Topley-Bird verpasste.
Wiedergutmachung erhielt er aber insofern, als er die Halle genau in dem Zeitpunkt betrat, in dem Trickys ehemalige Sängerin zu “Overcome” ansetzte, was ihm eine Anknüpfung an Trickys Gurtenkonzert, bei welchem dieser Klassiker nach ein paar Takten schnöde abgebrochen wurde, erlaubte. Zudem wurde so ein schöner Bogen zum Ende des Hauptkonzertes gespannt, welches mit “Karmacoma“, dem Blueprint, der “Overcome” zu Grunde liegt, beendet wurde. Auch das fast ohne Begleitung vorgetragene “Poison” und die schrammenden Gitarren von “Too Tough To Die” überzeugten, machten aber das verspätete Eintreffen noch ein Stück schmerzhafter.
Der Hauptauftritt wurde mit einem druckvolle Intro eröffnet, welches die pulsierenden Scheinwerfer gekonnt in Szene setzte. Der Zuschauer, welcher sich bei Lichte des eher provinziell wirkenden Stadions sehr gut bewusst war, wurde nun durch die professionell gestaltete Visuals in ein grosses Stadion in London oder Paris entführt. Wie bei der 100th-Window-Tour wurden immer wieder Schriftzüge, welche den Zuschauer mit Fakten über Ungerechtigkeiten und Fehlentwicklungen auf der Welt aufmerksam machen sollten, und Zitate mit Handlungsvorschlägen eingeblendet. Da alles sehr gut mit der Musik abgestimmt war, sich die Verantwortlichen sogar die Mühe gemacht hatte alles auf deutsch zu übersetzen und sogar Lokalnachrichten zu integrieren und immer auch wieder humorvolles eingeblendet wurde, konnte sich die Show aber problemlos von den oft eher peinlich wirkenden Belehrungen von Musiker mit Botschaft wie Stress und Co. absetzen.
Musikalisch machten vor allem neuere und somit dem Publikum weitgehend unbekannte Nummern den Anfang. Dabei wurde darauf geachtet, eine grosse Auswahl an Sängern zu präsentieren: Während die beiden Kernmitglieder 3D und Daddy G “Bulletproof Love”, bekannt von der Vorab-EP “Splitting The Atom”, den Anfang machten, wurden danach Martina Topley-Bird, welche fast alle weiblichen Parts übernehmen sollte, und Massive Attacks alter Freund Horace Andy auf die Bühne geholt. Trotzdem taute das Publikum erst richtig bei den bekannten Tönen von “Risingson”, ab dem nun gut zehn Jahre alten “Mezzanine”, auf.
Für mich war das darauf folgende “Red Light”, wieder mit Topley-Bird, ein erster Höhepunkt. Der Song, der voraussichtlich nicht auf dem neuen Album erscheinen wird, konnte mit schleppendem Beat und melancholisch bis verträumter Frauenstimme am besten von den neuen Titeln mein 90er-Trip-Hop-Herz berühren.
Ab hier wurden vor allem ältere Titel gespielt. Erwähnenswert war die auf den dumpfen, tiefen Beat und die Stimme von Topley-Bird fokussierte Version von “Teardrop”. Da der Titel wegen dem Intro der US-Serie House ein bisschen gefährdet ist, den Leuten langsam zu verleiden, war die Entscheidung, daran grössere Veränderungen vorzunehmen, sicher wohlüberlegt. Zudem zeigte die Tatsache, dass der Track auch beinahe nackt funktioniert, die Stärke des Songwritings. Deutlich weniger gefiel mir die ebenfalls recht zurückhaltende, sehr, sehr gemächliche Version von “Psyche” – der an The Knife erinnernde Remix, welcher auf der aktuellen EP zu finden ist, ziehe ich hier deutlich vor.
Der Rest des Konzertes war ein sauber vorgetragenes und gewohnt gut visualisiertes Best-Of mit “Mezzanine”, “Angel”, “Safe From Harm” und “Inertia Creeps”, welches wohl alle alten Fans überzeugen konnte. Die erste Zugabe bescherte dann noch “Splitting The Atom”, bei welchem live vor allem die Passagen von Andy intensiver wirken als auf der EP, ein etwas stolperndes “Unfinished Sympathy” und einen gelungenen Abschluss mit dem neuen “Atlas Air”, welches mit seinen orientalischen Passagen an den “100th Window“ anschliesst, aber durchaus die hypnotische Wirkung eines Mezzanine-Titels entfaltete. Die zweite Zugabe mit einem aufpolierten “Karmacoma” setzte einen letzten Höhepunkt.
Es ist immer schwierig Titel, die man zum ersten Mal hört, einzuschätzen. Stehen diese neben langjährigen Lieblingssongs wie “Angel” ist eine Einschätzung erst recht unmöglich. Trotzdem wage ich die Feststellung, dass diese oft deutlich weniger druckvoll als das Mezzanine-Material wirken und eher reduzierter, repetitiver und intimer - wie gewisse Titel auf “Protection” – daher kommen. Vorfeude aufs Album ist also durchaus angebracht.
(as, Bilder von twintip)
Mehr Bilder gibts hier.
Setlist:
- Bulletproof Love/Hartcliff Star
- Babel
- 16 Seeter
- Risingson
- Red Light
- Future Proof
- Teardrop
- Psyche
- Mezzanine
- Angel
- Safe From Harm
- Inertia Creeps
Encore Break
- Splitting The Atom
- Unfinished Sympathy
- Marakesh
Encore Break
- Karmacoma