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Die Episode Bitter Chocolate der Netflixserie Rotten
Eine Schokolade mit einem sehr bitteren Geschmack
Die Bitter Chocolate-Episode der Netflix-Serie Rotten
Eine der Hauptaufgaben von CriolloQuetzal ist es, die industriellen Ketten des Schokoladenmarktes vollständig zu umgehen. Diese Idee ist das Herz unseres Projekts: Wir arbeiten ausschliesslich mit Bean-to-bar- und Tree-to-bar-Schokoladenherstellern zusammen. Diese beherrschen die gesamte Produktionskette der Schokolade, von der Bohne (Bean) oder dem Baum (Tree) bis zur Schokoladentafel (Bar), und zwar direkt in den Kakaoanbauländern. Nur so kann eine Schokolade von hoher Qualität garantiert werden, deren gesamte Wertschöpfung der lokalen Bevölkerung zugutekommt.
Warum?
Alles begann, als Thierry, unser Firmengründer, vor einigen Jahren Kakaofarmen in Kolumbien besuchte. Es war das erste Mal, dass er von Bean-to-bar und Tree-to-bar hörte, und das Konzept weckte seine Neugier. Diese Entdeckung und die darauffolgenden Nachforschungen öffneten ihm die Augen für die Problematik des Kakao- und Schokoladenmarktes in der ganzen Welt. So entstand das Projekt CriolloQuetzal.
Diese Problematiken werden in der Episode Bitter Chocolate der Dokumentarserie Rotten (Netflix) wunderbar erklärt und analysiert, indem die Situation in der Elfenbeinküste, dem grössten Kakaoproduzenten der Welt, aufgedeckt wird. Hier einige beeindruckende Zahlen: 40% des weltweit konsumierten Kakaos stammt aus der Elfenbeinküste. Er macht etwa 15% des BIP des Landes aus, sodass zwei Drittel der Bevölkerung auf die eine oder andere Weise für diesen Markt arbeiten! Jedes Jahr werden in der Elfenbeinküste etwa 2 Millionen Tonnen Kakao produziert.
In der 55-minütigen Episode, die vollgepackt ist mit haarsträubenden Informationen, wird uns die riesige Kluft zwischen dem Lebensstandard derjenigen, welche die Unternehmen leiten, die also den Kakaomarkt kontrollieren, und dem Lebensstandard derjenigen, die den Kakao produzieren, nämlich der Bauern, verdeutlicht.
In der Elfenbeinküste verdienen diese weniger als einen Dollar pro Tag, während die Schokoladenindustrie insgesamt mehr als 100 Milliarden Dollar pro Jahr erwirtschaftet. Zwischen dem Zeitpunkt, an dem der Kakao geerntet wird, und dem Zeitpunkt, an dem die Schokoladentafel hergestellt wird, durchläuft das Rohprodukt eine lange Reise und geht durch die Hände vieler Akteure, von welchen der nachfolgende immer ein bisschen reicher wird als der vorherige. Die Hauptakteure sind die gigantischen, internationalen Konzerne mit Sitz in Europa oder den USA.
Die Frauen und Männer, die diese Rohstoffe liefern, sind in einem System gefangen, aus dem es fast kein Herauskommen gibt. Da ihnen die Möglichkeiten ausgehen, sind einige unter anderem gezwungen, Naturreservate zu zerstören, um mehr Kakao zu produzieren. Die Elfenbeinküste soll seit 1990 85% ihrer Wälder verloren haben, eine wahre ökologische Katastrophe. Aber wie Antonie Fountain, einer der in Bitter Chocolate interviewten Experten, so treffend zusammenfasst: "Wenn ein verarmter Landwirt eine Wahl treffen muss, ob er den Regenwald erhalten oder seine Familie ernähren soll, hat er in Wirklichkeit keine Wahl."
Auch Skandale über Sklaverei und Kinderarbeit kommen immer wieder ans Licht. Trotz der Empörung der internationalen Gemeinschaft scheint sich wenig zu ändern und die Empörung verliert allmählich an Elan... Die Prioritäten der Regulierungsbehörden und Regierungen sind klar: Der Kakao muss um jeden Preis zirkulieren (wortwörtlich). Die Arbeitsbedingungen auf nationaler oder gar globaler Ebene zu regulieren und zu kontrollieren, wäre kostspieliger und weitaus weniger rentabel.
Hinzu kommen Gewalt, Korruption, harte Arbeit und die Tatsache, dass alle, die an dieser prekären Lieferkette beteiligt sind, ständig mit ansehen müssen, wie der Kakaopreis an der Börse schwankt - natürlich auf ihre Kosten: Wenn der Kakao morgen 50% seines Wertes verlieren würde, würde sich der Preis für industrielle Schokoladentafeln nicht einen Cent bewegen. Der grosse Schokoladenhersteller würde einfach mehr Geld verdienen, weil der Preis für den Rohstoff gesunken wäre. Die Bauern in Ghana, Kolumbien oder Indien hingegen würden 50 % weniger verdienen. Eine schiere Ungerechtigkeit, da braucht man nicht weiter zu suchen.
Abschliessend möchte ich Henk Jan Beltman von Tony's Chocolonely zitieren, einer Schokoladenmarke mit Sitz in den Niederlanden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, 100 % sklavenfreie Schokolade zu produzieren. Beltman argumentiert in den ersten Minuten von Bitter Chocolate, dass Schokolade das beste Nahrungsmittel ist, das es gibt, und dass es unsere Pflicht ist, zu wissen, woher der Kakao kommt. "Wenn man weiss, was am Anfang der Lieferkette passiert, ist es unmöglich, Schokolade zu geniessen".
Er hat recht. Seine Aussage wird in der gesamten Dokumentarserie belegt, und falls das noch nicht klar war, können wir sie Ihnen wärmstens empfehlen! Jeder kann viel lernen, und ich hoffe, dass das Anschauen dieser Episode viele Menschen dazu bewegen kann, ihre Konsumgewohnheiten zu ändern.
Zum Schluss möchte ich Sie jedoch beruhigen: Es ist nicht alles negativ. Bitter Chocolate stellt uns auch mehrere Akteure vor, die sich der Ungerechtigkeiten auf dem Kakaomarkt sehr bewusst sind und versuchen, Alternativen zu finden. Einige dieser Akteure liste ich unten auf.
Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Anschauen und eine leckere Tafel Schokolade aus unserem Shop mit der Sie aktiv etwas verändern können!
VOICENETWORK Eine NRO, die sich für eine Reform des Kakaosektors einsetzt. Antonie Fountain, den ich in dem Artikel zitiert habe, ist ihr Geschäftsführer.
ORLARYAN Órla Ryan ist eine Journalistin irischer Abstammung. Sie ist eine der Expertinnen, die in Bitter Chocolate interviewt werden, und hat mit Chocolate Nations ein Buch geschrieben, das die Schrecken der Kakaoindustrie detailliert aufzeigt.
TONYSCHOCOLONELY Die Webseite von Tony's Chocolonely. Auf ihrer Newsseite veröffentlichen sie regelmässig Artikel und Nachrichten, sowohl über ihr Projekt als auch über den Kakaosektor rund um die Welt.