Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03319.jsonl.gz/1318

Als das katholische Hilfswerk 1962 gegründet wurde, gab das Fastenopfer – das Almosen in der Fastenzeit – de Namen und das Programm vor. Es herrschte Aufbruchstimmung. Das Zweite Vatikanische Konzil war im Gange und brachte frischen Wind in die Kirche. Gleichzeitig feierten viele Länder ihre Unabhängigkeit – manche nach langen blutigen Auseinandersetzungen mit ihren Kolonialherren. Die katholische Kirche suchte in den ehemaligen Kolonien nach Unterstützung für ihre Arbeit, die zuvor in vielen Ländern von Missionsgesellschaften finanziert und organisiert worden war. Das neue Hilfswerk Fastenopfer – gegründet von initiativen Mitgliedern der katholischen Jugendverbände – wollte ihnen Unterstützung bieten. Statt einer Sammeldose mit nickendem Negerlein erfanden die Gründer das violette Papiersäcklein mit dem roten Logo, das in der Fastenzeit zu «Wir teilen» aufrief. Auch die Zusammenarbeit mit den Kirchen in den Ländern des Südens sollte neu sein, weg von den alten, hierarchischen Strukturen, hin zu gleichberechtigter Partnerschaft. Und dies nicht nur in Lateinamerika, wo die Befreiungstheologie auch theoretische und spirituelle Grundlagen lieferte, wie Armut zu bekämpfen sei, sondern ebenso in afrikanischen und asiatischen Ländern.
Professionalisierung der Projektarbeit
Zu Beginn berücksichtigte Fastenopfer von Luzern aus Projekte aus mehr als 40 Ländern nach dem Giesskannenprinzip: Jeder Bischof – sogar jede Gemeinde – konnte einen Antrag an Fastenopfer stellen, der – wenn immer es die Spenden aus den Pfarreien zuliessen – positiv beantwortet wurde: Es entstanden Kirchengebäude und Schulen, es wurden theologische Hochschulen unterstützt, Katechetinnen und Katecheten ausgebildet und die Sozialarbeit der Kirchen finanziert. Kontrolle vor Ort gab es wenig, denn die Flüge waren noch sehr teuer, und es sollten keine Spendengelder unnötig verschwendet werden.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Ruf nach Professionalisierung lauter: Heute muss jedes Projekt seine Ziele und Zielgruppen klar beschreiben und erklären, mit welche Personal, mit welchen Methoden und in welchem Zeitrahmen das Ziel erreicht werden soll. Dazu gehört ein plausibles Budget. Nach Ende des Projekts fordert Fastenopfer einen ausführlichen Bericht, der zeigt, ob und wie die Ziele erreicht wurden. Auch genaue Abrechnungen gehören dazu – bei grossen Budgets ab 50 000 Franken werden externe Finanzrevisionen veranlasst. Hinter diesem Professionalisierungsschub stand das Bedürfnis der Spenderinnen und Spender, zu wissen, ob das Fastenopfer – sowohl die eigene Spende wie die Arbeit des Hilfswerks – den benachteiligten Menschen wirklich hilft. Der über die Jahre zunehmende administrative Aufwand freute die Partnerorganisationen im Süden allerdings nicht besonders. Vor allem die kirchlichen Partner beklagen bis heute, dass Fastenopfer zu viel bürokratischen Aufwand von ihnen fordere. «Wir sind doch Brüder», sagen manche, «als Christen sollten wir uns doch gegenseitig vertrauen.» Dabei fordern inzwischen fast alle Geldgeber ähnlich genaue Projektbeschreibungen und -berichte von ihnen und führen regelmässig Kontrollen durch.
Konzentration in Bezug auf Länder und Themen
Neben der professionelleren Durchführung der Projekte begann Fastenopfer auch, seine Arbeit auf weniger Länder zu konzentrieren – nur so können die Programmverantwortlichen die Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen kontinuierlich weiter entwickeln und die Wirksamkeit der Arbeit bei Projektbesuchen vor Ort regelmässig überprüfen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit lokalen Koordinationspersonen, welche für Begleitung und Weiterbildung der Partner zuständig sind. Dieser Konzentrationsprozess ging langsam voran – als Letztes wurde 2013 die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern in Mexiko und Peru beendet. Seither arbeitet Fastenopfer noch in 14 Ländern und erreicht mit seinen Projekten jedes Jahr rund eine halbe Million Menschen.
Auch die Themenvielfalt wurde allmählich reduziert. Im Zentrum aller Projektaktivitäten stehen heute die Sicherung der Ernährung und die Verbesserung der Menschenrechtssituation – mit dem grossen Ziel vor Augen, dass das «Leben in Fülle» (Joh 10,10) schliesslich für alle Menschen Wirklichkeit wird. Dass es für dauerhafte Verbesserungen nicht genügt, auf lokaler Ebene Projekte durchzuführen, sondern dass auch politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen verändert werden müssen, ist klar – deshalb wird Fastenopfer auch weiterhin Kampagnen durchführen, die über bestehende Ungerechtigkeiten informieren, weltweite Zusammenhänge aufzeigen und politische Veränderungen fordern. Begründet sind diese Kampagnen immer in der Zusammenarbeit mit den Menschen in den Projekten, die unter Ungerechtigkeit, Armut und Hunger leiden und sich für ihre Kinder ein besseres Leben wünschen.
Vicaria del Sur: Eines von rund 300 Fastenopfer-Projekten
Die Vicaria del Sur ist eine Organisation der katholischen Kirche im Bistum Florencia im Süden Kolumbiens. Sie begleitet seit 1987 die Lebens-und Glaubensprozesse der Menschen in der Provinz Caquetá, damit diese die schwierigen Lebensbedingungen besser meistern können. Das Projekt konzentriert sich auf sechs Gemeinden im südlichen Caquetá.
Ziel ist es, das Wissen und das Bewusstsein für die Menschenrechte zu fördern und die Lobbying-Prozesse auf Gemeinde- und Departementsebene zu stärken und zu begleiten, so dass die Kleinbauernfamilien mit friedlichen Initiativen auf Bergbau- und Energieprojekte reagieren und ihren Bodenbesitz verteidigen können, der von Minen und grossen Landwirtschaftsprojekten in der Region bedroht ist.
Konkret arbeitet Vicaria del Sur in diesem Projekt mit 250 Personen, 145 Männern und 105 Frauen. Bei diesen handelt es sich um Angehörige von Dorfgemeinschaften, um Führungspersonen und Repräsentantinnen und Repräsentaten von Sozial- und Umweltorganisationen sowie Mitglieder der Pastoralequipen. Die wichtigsten Aktivitäten sind die Stärkung der bestehenden Wasserkommissionen sowie Workshops zum Umweltrecht, zum Recht auf Mitsprache und Partizipation. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren zudem, wie sie die Aktivitäten von Bergbau- und Energieprojekten verfolgen können und wie sie deren negative Auswirkungen bei den Behörden anzeigen können. Wer es braucht, erhält auch direkte juristische Beratung.
____________________________________________________
Das Fastenopfer 2016
Während der Ökumenischen Kampagne 2016 nehmen «Fastenopfer», «Brot für alle» und «Partner sein» Schweizer Unternehmen unter die Lupe, konkret ihre Goldgeschäfte. Die Entwicklungsorganisationen zeigen auch Handlungsmöglichkeiten: Sie fordern zur Unterzeichnung der Konzernverantwortungsinitiative auf setzen damit direkt bei den Ursachen an. Und sie rufen zur Unterstützung von Projekten auf, welche Menschen im Umfeld von Minen oder industrieller Landwirtschaft befähigen, sich gegen Missstände zu wehren.
Am 12./13. und 19./20. März finden in den Pfarreien die sogenannten Einzugssonntage für das Fastenopfer statt. Wenn eine Pfarrei im Vorfeld der Fastenzeit ein Projekt bei Fastenopfer reserviert hat, werden alle Einzahlungen aus dem Pfarreigebiet dem Projekt gutgeschrieben, sofern nichts anderes vermerkt ist.
Projektreservationen bei Helen Douglas, Fastenopfer: Telefon 041 227 59 28; Einzahlungen: PK 60-19191-7 / IBAN <iban-pii>; weitere Informationen: www.fastenopfer.ch