Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03164.jsonl.gz/370

Wie schon einmal (nämlich am 30. Januar) angedeutet, bin ich ein grosser Bewunderer Charlie Chaplins. Mit entsprechender Begeisterung habe ich mich daher auf das Buch Herr und Frau Chaplin von Frederick Sands gestürzt. Der Autor, der den Filmstar persönlich kannte, erzählt darin von der nicht ganz konventionellen Ehe zwischen zwei nicht ganz konventionellen Menschen: Charles Chaplin und Oona O’Neill.
Im Jahr 1943 steckte Charlie Chaplin in der grössten Krise seines Lebens. Er war ständigen Anfeindungen der Öffentlichkeit ausgesetzt, die ihn für einen verkappten Kommunisten hielt und es ihm übel nahm, dass er nach 30 Jahren immer noch nicht amerikanischer Staatsbürger geworden war. Ausserdem war gegen ihn ein Vaterschaftsprozess im Gange und landauf, landab wurde die Ansicht verbereitet, er sei ein gieriger Lustmolch. Aber mitten in diesem ganzen Drama trat Oona O’Neill, die Tochter des amerikanischen Dramatikers und Literaturnobelpreisträgers Eugene O’Neill, in sein Leben. Schliesslich heirateten der 54jährige und die 18jährige, ein Schritt, der gewaltiges Aufsehen erregte. Eugene O’Neill sprach für den Rest seines Lebens kein Wort mehr mit seiner Tochter und für die Klatschzeitungen war Oona nur ein weiteres Opfer des dreifach geschiedenen Schürzenjägers Chaplin. Doch eine von Oonas Qualitäten war ihre unbedingte Loyalität. Sie hielt zu Charlie, ganz egal, was passierte. Sie war für ihn das, was seine früheren Gattinnen nicht gewesen waren: eine treue, zuverlässige Hausfrau, die sich um ihn kümmerte. Aus der Ehe mit dem skandalumwitterten Anfang gingen acht Kinder hervor. Charlie und Oona, die beide zuvor nie ein eigentliches Familienleben gekannt hatten, waren 34 Jahre lang (bis zu Charlies Tod 1977) sehr glücklich.
Frederick Sands berichtet aus allererster Hand über das Familienleben der Chaplins in Corsier-sur-Vevey VD. Zum Beispiel davon, dass die Kinder des Weltstars die Dorfschule besuchten (sogar mit Schweizer Kalbfell-Theks). Und davon, dass der Besuch des Zirkus Knie für die Familie Chaplin schon bald ein festes jährliches Ritual wurde.