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Ich bin gerade bei der Weizenernte. Die Erträge sind gut, die Proteinqualitäten sehr hoch. Im besonderen Dank stehe ich den Forschungen einer besonderen Frau und Agrarwissenschaftlerin aus Brasilien – Johanna Döbereiner.
Man kann sagen, Brasilien wurde erst im 21. Jahrhundert zum Erdöl- und Erdgasland, davor war es lange Zeit abhängig von Importen von chemisch hergestelltem Stickstoff um die Landwirtschaft zu versorgen.
Stickstoff bildet mit 78 % den Hauptbestandteil der Luft und ist Basis zur Bildung von Eiweiß. Doch ist ein sehr energieintensives Verfahren nötig, um Luftstickstoff jene Wandlung zu geben, damit es pflanzenverfügbar wird.
Das Haber-Bosch-Verfahren ist ein großindustrielles chemisches Verfahren zur Synthese von Ammoniak. Es ist nach den deutschen Chemikern Fritz Haber und Carl Bosch benannt, die das Verfahren am Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten.
Das war eine große Sache, nun Brot quasi aus Luft (plus Erdgas plus viel Energie) erzeugen zu können. Doch war Anfang des 20. Jahrhundert die Herstellung von Stickstoff für die Herstellung von Sprengstoff eher im Fokus – und ganz klar kriegsentscheidend.
Zuvor wurde natürlich vorkommender „Chilesalpeter“ zur Herstellung von Dünger und Sprengstoff verwendet. Der wurde vor allem in der chilenischen Atacama-Wüste abgebaut und der Nachschub wurde während des 1. Weltkrieges durch eine Seeblockade unterbrochen.
Dieser 1. Weltkrieg mit seinen zahlreichen Chemie-Waffen wurde zu einem unvergleichlichen Ungeheuer.
Ab welchen Zeitpunkt die Chemie eher lebensfeindlichen Allianzen diente, ist mir unklar. Die Alchemie versuchte zumindest noch die stofflichen Wandlungen des Lebendigen zu erkennen und hegte auch eine gewisse Wertschätzung dafür. Doch dieser Zugang „Analyse“ – eben alles in seine stofflichen Einzelbestandteile zu zerlegen (somit meist zu töten), um es dann neu künstlich, besser, perfekter wieder zusammenzusetzen – kommt mir schon eigenartig vor. Es könnte sein, dass manche Dinge schon gut sind, bevor man sie analysiert und sie in noch ihren Lebensbezügen erkannt werden wollen. Vielleicht war auch Alchemie im ursprünglichen Sinne eher dem Blick auf das Zusammenspiel des Lebendigen zugetan. Immerhin stammt die Wortwurzel von Chemie/Alchemie vom altägyptischen Wort „khem“ oder „kemet“. Kemet heißt nichts anderes als „schwarze Erde“. Im Land Kemet (der Name des Ägypten, der ältesten Periode) erkannte man darin eine Art lebendige Ursubstanz aus dem sich das Leben entfalten kann.
Johanna Döbereiner war vielleicht so eine Alchemistin der schwarzen Erde im ursprünglichsten Sinne, die eher nach den lebendigen, synergistischen Verbindungen – den vielen Möglichkeiten der biologischen Stickstofffixierung – Ausschau hielt.
Damit beimpfe ich Jahr für Jahr meine Weizensaat und wurde nie enttäuscht, danke Johanna! Beimpfung mit freilebende Stickstofffixierern bei Nicht-Leguminosen ist in Europa – dank europäischer Agrarlobby – nahezu unbekannt und wird an Schulen nicht unterrichtet, aber in Brasilien und Indien seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt; siehe: Azospirillum
Franz Schweinberger