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Gestatten: Lüthy, Hauswart. Neubausiedlung, etwas ausserhalb. Sind grad alle frisch eingezogen vor ein paar Tagen. Lauter nette Leute, einige Singles, viele junge Paare mit Baby und ein paar in meinem Alter. Alle haben beim Einziehen von mir einen Magneten bekommen, mit dem sie prüfen können, ob die Pfannen, die sie haben, geeignet sind für den Induktionsherd. Wenn der Magnet haftet, geht es. Und sonst finde ich die Pfannen meist am nächsten Tag im Müll. Dabei ragen die Stiele jeweils deutlich aus dem Sack, und wenn ich einen sehe, der am Morgen mit so einem Sack die Treppe herunterkommt, sage ich ihm freundlich, dass eine Pfanne nicht in den Müll gehöre, sondern zum Werkhof, und dann kehrt er um und holt sie wieder heraus.
Wie gestern morgen früh die Frau Bächler. So Mitte dreissig, einer der Singles, immer gut angezogen, so mittleres Kader, denke ich. Ich war gerade dabei, die Namenstäfelchen an den Briefkästen anzubringen, da hörte ich sie oben im Treppenhaus niesen und schniefen, dann ging der Lift, und sie kam niesend heraus, in der einen Hand einen dieser Müll-mit-Pfannenstiel-Säcke, in der anderen ein Taschentuch. Ich sagte, Frau Bächler, die Pfanne gehört aber nicht in den Müll, die gehört auf den Werkhof, mein Lieblingssatz in diesen Tagen, und übrigens: Sie gehören ins Bett. Frau Bächler nieste, putzte sich die Nase, stopfte das Taschentuch oben in den Güselsack, nahm aus einer dieser braunen Ledertaschen mit den Buchstaben drauf, die alle haben, zumindest alle mit Geld, ein neues hervor, putzte sich abermals die Nase und sagte, es stimme, sie sei erkältet, aber: Sie müsse arbeiten gehen, eine wichtige Präsentation stehe an. Sie wollte schon zur Haustür hinaus, da erinnerte ich sie an die Pfanne. Mit dem Sackmesser machte ich einen Schlitz in den Sack und holte die Pfanne heraus. Frau Bächler bedankte sich, putzte sich die Nase, warf den Müllsack in den Container und rannte niesend zum Zug.
Heute morgen, ich war gerade auf dem Weg, Lustenbergers aus dem 4. Stock eine neue Fernbedienung für das Tiefgaragentor zu bringen, weil der kleine Sohn die erste in der Toilette versenkt hatte, bin ich Frau Bächler vor dem Haus wieder begegnet, und sie sah noch furchtbarer aus als gestern. Ich sagte, sie müsse sofort zurück ins Bett, sie sei doch ernsthaft krank. Frau Bächler hielt sich am Griff der Haustür fest, schloss die Augen und sagte mit matter Stimme, das sei wahr, sie könne aber nicht fehlen, die Präsentation sei zu wichtig, und sie habe noch so viel zu tun. Sie öffnete ihre Augen wieder, blickte einen Moment lang fiebrig hinter mir in die Ferne und wankte dann Richtung Bushaltestelle. Ich rief ihr hinterher, wenn sie schon nicht auf mich höre, dann hoffentlich auf ihren Chef, der werde sie nämlich bestimmt gleich wieder nach Hause schicken. Ja, haha, natürlich werde er das, rief sie bissig zurück, und einen Tee kochen werde er ihr bestimmt auch!
Wenn sie so weitermacht, kann ich sie bald zusammen mit den Pfannen zum Werkhof bringen.