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Sind alternative Süssstoffe eine Option? Anders gefragt: Ist Cola Zero besser für den Körper als Cola?
Der Zuckerkonsum sollte zweifellos reduziert werden. Der Ersatz durch andere süss schmeckende Substanzen, die weniger schädlich sind, ist eine Möglichkeit, um diesem Ziel näher zu kommen. Allerdings werfen gewisse Studien mit künstlichen Süssstoffen Fragen auf, und ein chronischer Konsum grösserer Mengen sollte zumindest kritisch betrachtet werden. Möglicherweise wäre es günstiger, eine breite Palette an verschiedenen Süssungsmitteln zu verwenden und auch vermehrt auf natürlich vorkommende Substanzen wie Insulin oder Birkenzucker und Erythrit zurückzugreifen. Grundsätzlich sollte man den Anteil an süssschmeckenden Nahrungsmitteln reduzieren und nicht versuchen, Zucker eins zu eins zu ersetzen. Ein Glas Wasser wäre also sowohl Cola Zero als auch Cola vorzuziehen. Müsste ich zwischen Cola und Cola Zero wählen, würde ich Letzteres nehmen. Denn über die schädlichen Effekte von Zucker bestehen keine Zweifel.
Was sagt der Wert des «Verzuckerungsgrads» (AGE) aus?
Wenn Proteine in Zucker gebadet werden, dann legen sich spontan Zuckergruppen an das Protein und formen stabile Komplexe, die man AGE nennt (für Advanced glycation endproducts). Diese Zuckergruppen können das Protein in seiner Funktion einschränken. Unser Körper ist aus Proteinen aufgebaut, diese werden regelmässig in Zucker gebadet, dem Blutzucker. Die Entstehung von AGE ist an sich ein gewöhnlicher Alterungsprozess. Ist allerdings der Blutzuckerspiegel oft erhöht, dann entstehen mehr AGE und reichern sich im Körper an. Das gilt es zu vermeiden. Insbesondere das Kollagen, das für die Elastizität beispielsweise der Haut und der Gefässe wichtig ist, wird durch die Zuckergruppen geschädigt. Wer also über einen längeren Zeitraum häufig einen erhöhten Blutzuckerspiegel hat, bezahlt dies mit vorzeitiger Alterung der Haut und der Gefässwände.
Ist Zucker eine Droge?
Zucker ist eine psychoaktive Substanz, die einige Eigenschaften mit anderen Drogen teilt. So werden im Gehirn Dopaminrezeptoren stimuliert, genau wie bei anderen Drogen. Weiter kommt es zu Entzugssymptomen, wenn jemand, der zuvor regelmässig viel Zucker konsumiert hat, plötzlich ganz auf Zucker verzichtet. Auch sind Verschiebungen von Süchten beschrieben: Alkoholiker beispielsweise, die auf Zucker ausweichen. Während der Prohibition stieg der Zuckerkonsum in den USA stark an. Im Gegensatz zu anderen Drogen sind allerdings keine direkten Wirkungen sichtbar: Man bekommt keinen offensichtlichen Rauschzustand.
Wieso sind Kinder besonders schutzbedürftig?
Kinder sind uns ausgeliefert und essen das, was wir ihnen anbieten. Sie vertragen weniger Zucker als Erwachsene, weil ihr Körpervolumen geringer ist und sie zudem durch die Wachstumshormone besonders empfindlich auf Zucker reagieren. Gleichzeitig sind sie sehr empfänglich für Werbung, was auch rege genutzt wird: Sie werden als Zielpublikum von allen Seiten umworben. Gewisse Schäden, die durch den Zuckerkonsum entstehen – wie beispielsweise Karies oder AGE –, begleiten sie ein Leben lang. Wir haben hier eine grosse Verantwortung und müssen mehr dafür tun, um sie zu schützen.
Dieses Interview erschien im Swiss Dental Journal, Ausgabe 6/2018. Die Publikation erfolgt im Einverständnis mit der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO