Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03100.jsonl.gz/263

- Familie: Libellulidae – Segellibellen
- Gattung: Libellula – Segellibellen
- Art: Libellula quadrimaculata (Linnaeus, 1758)
-
- DE: Vierfleck
- FR: Libellule à quatre taches
- IT: Libellula quadrimaculata, Libellula quadrimacchiata
- EN: Four-spotted Chaser, Four-spotted Skimmer
Wissenswertes
Eine der häufigsten und weitest verbreiteten Grosslibellen der Schweiz. Mit keiner anderen häufigen Art zu verwechseln. Bewohnt auch Gewässer im Siedlungsraum und folgt dort mit fortschreitender Sukzession auf Libellula depressa. Der Name "Vierfleck" kommt von den kleinen dunklen Flecken in der Mitte jedes Flügelvorderrandes. Dieses Merkmal alleine unterscheidet die Art von allen anderen Libellen und ist bei sitzenden Individuen auch auf mittlere Distanz noch gut sichtbar.
MerkmaleGesamtlänge: 40-48 mm
Hinterleib breit und flach, zuerst gelblich braun, im Alter dunkelbraun. S6-S10 schwarz, S4-S8 mit gelben Seitenlinien. Hinterflügelbasis mit schwarzem Dreieck, Vorderflügelbasis bräunlich. Schwarzer Fleck auf Nodus jedes Flügels (Mitte Flügelvorderrand). Augen braun, Gesicht weiss. Männchen und Weibchen sehen fast identisch aus und unterscheiden sich nur durch die Geschlechtsorgane. Form praenubila: Mit grossen Nodalflecken und braunen Bändern hinter den Flügelmalen. Diese Form kann bei hohen Temperaturen am Ende der Larvenentwicklung entstehen.
Männchen
Hinterleibsanhänge zeigen nach aussen oder sind parallel.
Weibchen
Hinterleibsanhänge zeigen nach innen.
Jungtiere
Selbe Merkmale wie Männchen/Weibchen, Farben blasser.
Belegfoto
M/W: Sicht auf Abdomen, Flügel (Nodalflecken).
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet deckt beinahe ganz Europa ab. Es reicht im Norden über den Polarkreis. Einzig im hohen Norden fehlt die Art und im Mittelmeergebiet kommt sie nur lokal vor. Von allen Arten der Gattung Libellula ist sie damit die nördlichste Art.
Im Schweizer Mittelland kommt sie beinahe flächendeckend vor, auch im Jura und südlichen Tessin ist sie häufig. In den Alpen kommt sie meist in tiefen Lagen vor. Höchste Beobachtungen kommen von über 2000 m. Am häufigsten ist sie auf 300-700 m, über 1100 m entwickelt sie sich selten.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Ende April bis Mitte Juli.
Flugzeit: Anfang Mai bis Ende August.
Lebensraum
Das Habitatspektrum ist breit. Meist befinden sich die Gewässer in mittleren Verlandungsstadien, die Ufer sind flach oder steil und bis zu 2 m tief. Bevorzugt werden vegetationsreiche, permanente, gut besonnte, stehende oder langsam fliessende Gewässer mit gut ausgebildeter Unterwasservegetation, randständiger emerser Vegetation und freien Wasserflächen. Dazu gehören Ufer grösserer Seen, natürliche Kleinseen, Moorweiher, Stauteiche, Torfstiche, Gräben, Kiesgruben und Gartenweiher.
Lebensweise Imagines
Reifungs-, Jagd- und Ruhehabitat befinden sich abseits der Gewässer in offenem Gelände (z.B. Streuwiesen, Felder, Moore, Waldlichtungen). Libellula quadrimaculata wandert häufig weit umher und kann entfernte Gewässer schnell besiedeln.
Männchen verteidigen Reviere von erhöhter Sitzwarte aus, von wo sie auch auf Beute lauern. Es gibt auch Männchen ohne Revier ("Satellitenmännchen"), welche am Gewässerrand unauffällig Weibchen zu ergreifen versuchen. Die Paarung erfolgt in der Luft und dauert nur kurz.
Mit wippenden Bewegungen legt das Weibchen, bewacht vom Männchen, die Eier klümpchenweise an Stellen mit seichtem Wasser ab. Dabei wird es oft von anderen Männchen gestört und es kommt zu Mehrfachpaarungen.
Der Schlupf findet an senkrechten Pflanzenteilen in der Ufervegetation oder an Land statt.
Lebensweise Larven
Die Art überwintert im Larvenstadium, ihre Entwicklung dauert 2 Jahre (teilweise 1 Jahr). Die Larven halten sich meist in Ufernähe auf und sitzen träge in oder auf organischem Material oder schlammigem Grund, von wo sie auf Beute lauern. Grundsätzlich können sie mit Fischen zusammenleben, sie überstehen auch mehrtägiges Einfrieren und mehrwöchiges Austrocknen im feuchten Grund.
Gefährdung und Schutz
Libellula quadrimaculata ist in der Schweiz und in Europa nicht gefährdet (LC). Lokale Gefährdungsursachen sind Verlandung, Zerstörung oder zu starker Fischbesatz von Gewässern.
Sie profitiert von allgemeinen Massnahmen zur Förderung von Libellen und Amphibien, insbesondere von der Neuanlage, Regeneration und Pflege von Kleingewässern.
- Rote Liste: LC - Nicht gefährdet
- Nationale Priorität: Keine
- NHV: -
Ähnliche Arten
Bei guter Beobachtung ist Libellula quadrimaculata unverwechselbar. Keine andere Art hat schwarze Nodalflecken. Aus Distanz betrachtet sieht sie ähnlich aus wie Epitheca bimaculata, die jedoch ein komplett unterschiedliches Verhalten zeigt. Auch kann Libellula qudarimaculata mit Weibchen von Libellula fulva verwechselt werden.
Epitheca bimaculata – Zweifleck
In der Schweiz sehr selten und nur von wenigen Standorten bekannt. Fliegt stets weit vom Ufer entfernt und sitzt kaum ab. Färbung und Muster sehr ähnlich wie beim Vierfleck. Keine Nodalflecken, deutlich grösser, länger und schlanker. Augen blaugrün, schwarz auf Abdomen reicht bis S3.
Libellula fulva – Spitzenfleck
Oft im gleichen Habitat anzutreffen und von ähnlicher Statur.
W: Ebenfalls mit dunklem Dreieick an Hinterflügelbasen, zusätzlich mit schwarze Strichen an Vorderflügelbasen und dunklen Flügelspitzen. Abdomen gelblich-braun mit dunkler Mittellinie. Ohne schwarze Nodalflecken.