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Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung und seine Leitlinien
„Die nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht,
und dabei die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht einschränkt.“
Diese Definition der nachhaltigen Entwicklung aus dem Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987 ist allgemein anerkannt und wurde auch durch die Schweiz übernommen. Sie widerspiegelt die Idee der Begrenztheit der Ressourcen unseres Planeten und zeigt die Notwendigkeit auf, diese in gerechter und vernünftiger Weise zu bewirtschaften, um die Bedürfnisse des Einzelnen auch auf lange Sicht hin befriedigen zu können.
Der Begriff der nachhaltigen Entwicklung wird seit dem Weltklimagipfel von Rio 1992 breit verwendet und schlägt eine Entwicklung vor, die in ausgewogener Weise zu drei Prinzipien beiträgt, ohne sie zu hierarchisieren: zum wirtschaftlichen Fortschritt, zur sozialen Gerechtigkeit und zur Erhaltung der Umwelt.
Welcher Weg auch immer von den Körperschaften gewählt wird, um das Ziel der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen, ihr Vorgehen muss von gewissen Grundprinzipien bestimmt werden:2
Zukunftsverantwortung wahrnehmen.
Dies bedeutet, folgende Elemente zu fördern: die menschliche Würde, das Vorsichtsprinzip, das Solidaritätsprinzip, das Verursacherprinzip, die höhere Gewichtung des Gemeinwohls gegenüber dem Wohl des Einzelnen, das Haftungsprinzip sowie fundamentale Bedingungen eines langfristig tragfähigen Handelns.
Die drei Zieldimensionen der nachhaltigen Entwicklung ausgewogen berücksichtigen.
Diese Leitlinie kann mit mehr oder weniger Strenge umgesetzt werden. Wie auch der Bund akzeptiert der Kanton die Möglichkeit einer begrenzten Austauschbarkeit der verschiedenen Dimensionen, so lange die minimalen Anforderungen im sozialen, ökonomischen und ökologischen Bereich respektiert werden.
Die nachhaltige Entwicklung in alle Politikbereiche einbeziehen.
Nachhaltige Entwicklung ist nicht eine weitere Sektoralpolitik, sondern ein Konzept, eine Reflexions- und Arbeitshaltung, die sich in alle politischen Bereiche integrieren lässt. Sie ist Teil der kantonalen Verwaltungskultur und der DNA der Walliserinnen und Walliser.
Die Koordination zwischen den Politikbereichen erhöhen und die Kohärenz verbessern.
Die nachhaltige Entwicklung muss eine übergreifende, integrierte Sichtweise unter den Planungs- und Führungsprozessen fördern, um Entscheidungen zu bewirken, die von einem globalen und kohärenten Ansatz geleitet werden.
Die nachhaltige Entwicklung partnerschaftlich realisieren.
Diese Leitlinie verlangt nach einer engen Zusammenarbeit aller Ebenen des Staates (Bund, Kanton, Gemeinden) sowie nach dem Einbezug der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und des Privatsektors bei der Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung.
Internationaler Kontext
Seit dem 1. Januar 2016 sind die 17 Ziele der nachhaltigen Entwicklung, die „17 Sustainable Development Goals der Agenda 2030 der Vereinten Nationen“ (SDGs 2030) in Kraft. Sie vereinigen und erneuern auf internationaler Ebene den Prozess zugunsten der nachhaltigen Entwicklung (die Agenda 21 von Rio) und den Prozess gegen Armutsbekämpfung („Millenniums-Entwicklungsziele“).
Die SDGs 2030 betreffen alle Nationen, seien sie mehr oder weniger begünstigt, und integrieren alle Bestandteile der nachhaltigen Entwicklung. Ein grosses Gewicht wird auf die Mittel gelegt, mit denen sich die Ziele umsetzen lassen.
Armut in allen ihren Formen und überall beenden
Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern
Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern
Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern
Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen
Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten
Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern
Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen
Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern
Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten
Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen
Umgehend Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen
Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen
Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen
Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen
Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen
Nationaler Kontext
Die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung ist als Zweck in der Bundesverfassung festgeschrieben. Sie ist Gegenstand der alle vier Jahre aktualisierten und seit 1997 existierenden Strategie Nachhaltige Entwicklung. Der Bundesrat legt darin in übergreifender Weise die politischen Schwerpunkte fest, welche langfristig zur Zielerreichung beitragen.
Seit 2016 bilden die 17 Sustainable Development Goals (17 SDGs) mit ihren 169 Unterzielen auch für die Schweiz den Rahmen ihrer Strategie. Der Bund hat diese Ziele übersetzt, gedeutet und priorisiert, so dass neun für die Schweiz bedeutende Handlungsfelder identifiziert wurden. Diese Strategie ist die Frucht eines Dialoges zwischen Vertretern der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaft sowie mit der Zivilgesellschaft.
Ökologischer Fussabdruck der Schweiz im vergleich zur Biokapazität der Welt
Legende: Trotz des Engagements für eine nachhaltige Entwicklung verbraucht die Schweiz heute immer noch mehr Ressourcen als die Biokapazität der Welt ertragen kann. Sie trägt damit zur Ausbeutung des Ökosystems Erde und zur Gefährdung der notwendigen Lebensgrundlagen bei.