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Das Konzept der Latinumskurse
Grundkenntnisse der lateinischen Sprache bilden die obligatorische Voraussetzung für das Studium einer grossen Zahl von Fächern an der Philosophischen Fakultät und für das Studium der Theologie. Sie sind aber auch für jene Fächer der Philosophischen Fakultät von Nutzen und Bedeutung, die das Latein nicht reglementarisch verlangen.
Dass Lateinkenntnis in diesem Ausmass und Rahmen verlangt wird, beruht nicht einfach auf akademischer Tradition, sondern auf wissenschaftlichen Notwendigkeiten und auf einem Begriff von Erkenntnis und Forschung, wie er übrigens auch die Differenz zwischen Universitäten und Fachhochschulen bestimmt. Bis ins 19. Jahrhundert war die europäische Bildungssprache eine doppelte: sie bestand aus Latein und der jeweiligen Nationalsprache. Die Wechselwirkung beider prägte die Geschichte aller Einzelsprachen und ihrer Literaturen, bestimmte die Geschichte der Philosophie und der Künste massgebend. Für die Geschichtswissenschaften im engeren Sinn bildet Latein die Sprache eines grossen Teils der Quellentexte, d.h. des Grundlagenmaterials. Ohne Zugang zum originalen Wortlaut ist eine wissenschaftliche Arbeit mit den Quellen undenkbar.
Wie jede fremde Sprache den Umgang mit der eigenen entscheidend befördert und die Einsicht in die sprachlichen Gesetzmässigkeiten generell vervielfacht, so gilt dies vom Latein – angesichts seines Fortwirkens in den Strukturen und im Wortschatz der europäischen Sprachen und auch angesichts seiner Präsenz in der Fachterminologie der Natur- und Sozialwissenschaften – in ganz besonderem Masse, zumal nicht die aktive Sprachbeherrschung sondern die Sprachbetrachtung im Vordergrund steht.
Die Latinumskurse der Philosophischen Fakultät sollen die Studierenden, die keine (genügenden) Lateinkenntnisse besitzen, auf die Anforderungen ihres Studiums vorbereiten
• durch die Vermittlung von Grundkenntnissen in Sprache und Grammatik und deren Reflexion im Hinblick auf die Anforderungen der linguistischen Fächer,
• durch die Schulung der Lesefähigkeit im Hinblick auf die Lektüre lateinischer Quellentexte und lateinischsprachiger Texte der Fächer mit historischer, literaturwissenschaftlicher, philosophischer, kunstgeschichtlicher oder komparatistischer Ausrichtung,
• durch eine Einführung in die antike Kultur und deren Rezeption.
Die Latinumskurse an der Universität sind Nachholkurse und können den Lateinunterricht, wie er an den Gymnasien geboten wird, nicht ersetzen; sie sind für die Studierenden mit grossem Aufwand verbunden und verlängern die Studienzeit..
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Grundkenntnisse der klassischen lateinischen Sprache: Wortschatz und Wortbildung; Haupterscheinungen der lat. Grammatik (Formenlehre, Syntax); Stilistik; Metrik (Hexameter).
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Verstehen und Übersetzen lateinischer Texte (Prosa und Poesie) klassischer Autoren (besonders von Caesar, Cicero, Ovid, Vergil); der Lektürekanon kann auf nicht-klassische (spätantike, mittel- und neulateinische) Autoren ausgedehnt werden. In Ergänzung zur Arbeit an lateinischen Texten sollen die Studierenden selbständig aufgrund einer Lektüreliste (vgl. Lektüreliste) antike Werke ganz oder in grösseren Zusammenhängen in Übersetzung lesen (s.u. zu Punkt 5).
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Übung im Umgang mit Hilfsmitteln: Grammatiken, Wörterbüchern, Lexika und zweisprachigen Textausgaben.
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Vertrautheit mit den Grundlagen der römischen (und griechischen) Kultur (Literatur, Mythologie, Geschichte, Philosophie, Rhetorik, Theaterwesen usw.) und (ansatzweise) ihrer Nachwirkung in Mittelalter und Neuzeit (Humanismus, Klassizismus).
- Der Unterricht der Latinumskurse ist durch den Erwerb von Sprach- und Grammatikkenntnissen, Lektüre von Originaltexten und durch die Kulturkunde auf die verschiedenen Fächer der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgerichtet. Dazu gehören auch Ausblicke auf die Nachwirkungen in Mittelalter und Neuzeit. Für den zweiten Teil der Schlussprüfung haben die Studierenden die Möglichkeit, für ihr Studienfach einschlägige antike Texte als Teil des Prüfungsstoffes zu wählen (s.u. zu Punkt 6).
- Die Latinumskurse haben die Funktion eines Propädeutikums und sollen deshalb möglichst in den beiden ersten Studiensemestern besucht werden.
Die Kurse erstrecken sich über zwei Semester (je 14 Wochen) zu 7 Wochenstunden. Ein Einstieg ist jeweils am
Semesterbeginn möglich. Die Kurse werden parallel in Gruppen mit je unterschiedlichem Stundenplan geführt.
Eine Zuteilung zu den Gruppen wird nicht vorgenommen. Es ist keine Anmeldung erforderlich (Kurse).
Den Studierenden werden während der Semester in den Semesterferien Tutorien angeboten (Tutorate).
Für die Teilnahme an den Elementarkursen ist eine Immatrikulation nicht zwingend. Die Kurse können auch vor der eigentlichen Immatrikulation im Auditorenstatus besucht werden (Zulassung). Allerdings ist für dasjenige Semester, in dem die Schlussprüfung abgelegt wird, die Immatrikulation vorgeschrieben ( Prüfung).
- Das erste Semester (Teil 1) bietet eine Einführung in die Grundlagen aus dem Bereich von Formenlehre und Syntax und eine erste Schriftstellerlektüre.
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Im zweiten Semester (Teil 2) wird die Schriftstellerlektüre mit erhöhten Ansprüchen fortgeführt.
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Parallel zum Sprach- und Lektüreunterricht werden in beiden Semestern wichtige Aspekte der römischen und griechischen Kultur, auch anhand von Fachliteratur und Übersetzungen, vermittelt.
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Neben den Kursen erweitern die Studierenden selbständig ihre Kenntnisse in der antiken Literatur aufgrund der Lektüre zweier Werke aus einer Lektüreliste (vgl. Lektüreliste).
Die Prüfungen sollen nach Möglichkeit unmittelbar im Anschluss an die besuchten Kurse abgelegt werden.
Zwischentest (6 ECTS; Allgemeines):
Zu Beginn des zweiten Semesters findet ein Zwischentest statt. Er besteht aus einer schriftlichen Übersetzung eines einfachen lateinischen Prosatexts (60 min; ohne Hilfsmittel) und aus der Beantwortung
von Fragen zu Wortbildung, Formenlehre und Syntax. Damit wird das bisher erarbeitete Lernpensum überprüft. Die Note dieses Tests dient der Standortbestimmung der Studierenden, d.h. der Überprüfung der bisher erworbenen Kenntnisse. Wer ein ungenügendes Resultat erzielt, wird dennoch zum zweiten Kurssemester zugelassen und kann sich für die Schlussprüfung vorbereiten. Wiederholungstermine werden keine angeboten.
Schlussprüfung (12 ECTS; Zwischenresultat von 6 ECTS darin enthalten Allgemeines):
a) schriftlich: Sie dauert 135 min und besteht aus einer zweistündigen Übersetzung eines lateinischen Prosatexts (Cicero) ohne Hilfsmittel und aus der Bearbeitung von Fragen zu Wortbildung, Formenlehre und Syntax (15 min).
b) mündlich: In einer viertelstündigen Prüfung (mit einer Vorbereitungszeit von 15 Minuten) wird entweder ein kurzer Abschnitt aus Vergils Aeneis oder (in Absprache mit der Kursleiterin/dem Kursleiter) eine Textstelle eines anderen Autors vorgelegt. Prüfungsstoff sind auch die in beiden Kurssemestern vermittelte Kulturgeschichte und die Lektüre in Übersetzung (aus der Lektüreliste sind zwei Werke auszuwählen).
Bei Nichtbestehen der Prüfung ist die ganze Prüfung zu wiederholen. (Prüfung)
Zürich, im Mai 2000
Prof. Dr. Therese Fuhrer
Mit geringfügigen Änderungen vom August 2011:
Der Latinumsbeauftragte der Philosophischen Fakultät
Prof. Dr. Ulrich Eigler