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Seit dem griechischen Geografen und Historiker Eratosthenes von Kyrene (ca. 284 - 202 v. Chr.) hätte bekannt sein dürfen, dass die Erde eine Kugel ist. Eratosthenes, der auch ein genialer Mathematiker und Kosmograf gewesen ist, hat ihren Umfang mit 240'000 Staden (à rund 180 m) ziemlich genau bestimmt.
Ihm fällt auf seinen Reisen auf, dass am 20. Juni die Sonne in Syene (heute Assuan) am Wendekreis am Mittag einen tiefen Brunnenschacht ausleuchtet, also senkrecht über dem Brunnen steht. Er weiss aber auch dass am gleichen Tag an seinem Wohnort im nördlicheren Alexandria die Sonnenstrahlen in einem Winkel von 7,5° auf den Boden treffen. Daraus schliesst er richtig, dass die Erde eine Kugel sein muss und berechnet aus dem Einfallswinkel und der Distanz von Alexandria nach Syene von 5000 Stadien den Umfang der Erdkugel mit 240'000 Stadien (43'200 km).
Dieses Wissen der alten Griechen gerät wieder in Vergessenheit, vielleicht, weil es im Mittelalter keine praktische Bedeutung hat. Kaum jemand reist im Mittelalter so weit, dass die Kugelgestält der Erde für ihn wichtig werden würde. So muss diese Kugelgestalt der Erde zu Beginn der Neuzeit "neu entdeckt" werden. Für jeden aufmerksamen Beobachter, der am Meer wohnt, ist ein Indiz dafür, dass die Erde gekrümmt sein muss, die Art und Weise des Verschwindens der Schiffe am Horizont.
Der Behaim-Globus von 1492
Der von dem aus Nürnberg stammenden Reisenden und Kaufmann Martin Behaim (1459-1507) gefertigte Globus ist die älteste erhaltene Darstellung der Erde in Kugelgestalt. Seine Form ist das Resultat der Erfahrungen der seefahrenden Völker aus dem Mittelmeerraum. Über den in Portugal lebenden Martin Behaim dürfte ihr nautisches Erfahrungswissen - das übrigens innerhalb der Gilde der Kartenzeichner eifersüchtig geheim gehalten worden ist - in die Fertigung dieses Globus eingeflossen sein.
Der "Erdapfel" spiegelt das Weltbild im Zeitalter der Entdeckungsfahrten. Er zeigt westlich von Europa nicht Amerika, sondern Zipangu (Japan). Auch Christoph Kolumbus (1451-1506) ist bekanntlich über das westliche Meer gefahren, um auf diesem Wege Asien zu erreichen. Und wahrscheinlich ist er selber bis ins hohe Alter der Überzeugung gewesen, nicht einen neuem Kontinent, sondern die Westzufahrt nach Asien entdeckt zu haben.
Aufgaben und Recherchen
Wann und von wem wurde die Kugelgestalt der Erde entdeckt?
Wieso ging man im Mittelalter davon aus, die Erde sei eine Scheibe? (Nenne drei Gründe )
Versuche, die Gedanken und die Berechnung des Eratosthenes nachzuvollziehen gib das Ergebnis seiner Berechnungen in heutigen Massen. Um wie viel Prozent weicht sein Ergebnis vom wahren Wert heute ab?
Wann (in welchem Jahrhundert) entstand der erste Globus und unter welchem Namen ist er bekannt?
Auf nebenstehendem Bild siehst du das antike Weltbild. Versuche es auf einem separaten Blatt zu beschreiben und mache dir Gedanken, was sich die Menschen dabei gedacht haben. Was zum Beispiel ist der Himmel, was sind Sonne, Mond und Sterne, Wieso regnet es, wie stellen sich die Leute die Unterwelt vor und wieso, was passiert, wenn ich mit dem Schiff zu weit ins Meer hinausfahre… ?
Oben hast du eine Skizze des Beheim-Globus, den Kolumbus kannte. Unten siehst du die Merian-Weltkarte, die um 1640 entstanden ist. Zwischen beiden Karten liegen also etwa 150 Jahre.
- Was hat sich im Weltbild in den 150 Jahren verändert (vergleiche auch mit modernem Atlas!)
- Wo sind noch sichtbare Fehler im Kartenbild von 1640? (vergleiche auch hier mit modernem Atlas!)
Zeitgenössische Kartenwerke: