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Seit Montag wissen wir, dass der schottische Fussball nicht nur für hohe Intensität und Blutgrätschen steht, sondern dass er der Swiss Football League (SFL) auch als Vorbild dient. Auf die Saison 2000/2001 hin wurde die Scottish Premier League von zehn auf zwölf Teams aufgestockt, ein Modell, das auf die Saison 2021/2022 auch in der Schweiz eingeführt werden soll.
Dies, wenn es nach jenen 15 Vertretern aus Super League und Challenge League geht, welche die Reform am Montagabend befürwortet haben. In der Schweiz würde also die Finalrunde ihr Comeback feiern: Nach 33 Spieltagen würden die besten sechs Teams je einmal gegeneinander um die Meisterschaft spielen. Der Letzte der unteren Tabellenhälfte stiege direkt ab, während der Zweitletzte in einer Barrage gegen den Zweiten aus der Challenge League um den Verbleib im Oberhaus kämpfen müsste.
Wenn im März dieses Jahres definitiv über die Ligareform befunden wird, müssen sich zwei Drittel der Club-Bosse dafür aussprechen. Das Abstimmungsergebnis vom Montag hätte dafür locker ausgereicht: Neben drei Enthaltungen fanden sich nur zwei Clubs, die die Aufstockung der obersten beiden Ligen ablehnten, darunter der FC Thun. Und doch sind dessen Sorgen berechtigt.
Die TV-Gelder als Gretchenfrage
Der aktuelle TV-Vertrag garantiert den Super-League-Clubs je nach Klassierung Einnahmen in der Höhe zwischen 3,3 und 1,8 Millionen Franken pro Saison. Mannschaften aus der Challenge League kassieren zwischen 800'000 und 550'000 Franken. Die Rechnung ist simpel: Je mehr Clubs in den höchsten beiden Ligen spielen, desto weniger Einnahmen generiert jeder einzelne Club.
Genau deshalb hatte Thuns Präsident Markus Lüthi gegenüber der «Berner Zeitung» schon in der Vergangenheit gedroht, in die Opposition zu gehen. «Der Schweizer Profifussball muss sich entscheiden, ob er Clubs wie den FC Thun Berner Oberland weiterhin will oder ob nur noch finanziell abgesicherte Clubs erwünscht sind», wurde Lüthi damals zitiert.
Der Knackpunkt dabei: Der Reformentscheid muss fallen, bevor im Sommer der neue TV-Vertrag ausgehandelt werden kann, weil sonst unklar wäre, was das Rechtepaket der SFL überhaupt beinhaltet. Oder wie es Mediensprecher Philippe Guggisberg ausdrückt: «Dieser Ablauf bedingt, dass die Clubs über die Reformen abstimmen müssen, bevor die Ausschreibung erfolgen kann. Erst nach Abschluss dieser Verhandlungen steht fest, wie hoch die Einnahmen aus dem neuen TV-Vertrag sein werden.»
Vieles ist Kaffeesatzlesen
Für die Mehrheit der Clubbosse ist diese Ausgangslage jedoch kein Grund, die Aufstockung auf je zwölf Mannschaften in der Super League und Challenge League abzulehnen. Sie erhoffen sich durch die Reform mehr Spektakel, wie man es aus der Finalrunde kannte, die im Frühling 2003 letztmals durchgeführt worden ist. Und sie sind überzeugt, im Vergleich mit dem Ausland wettbewerbsfähiger zu sein, wenn in der finalen Phase der Meisterschaft nur noch die Topteams gegeneinander antreten.
Dabei ist vieles Kaffeesatzlesen: Vielleicht steigen die Einnahmen für die Clubs mit dem neuen TV-Vertrag noch einmal an und vielleicht wird die Liga durch die Aufstockung international tatsächlich konkurrenzfähiger. Vielleicht aber auch nicht. In den Jahren nach der bis dato letzten Ligareform im Sommer 2003 war die ganze Schweiz der Überzeugung, dass die «Zehnerliga» den hiesigen Fussball besser gemacht habe, nun erhofft man sich dieselbe Wirkung durch eine Aufstockung auf zwölf Teams.
Eine Reise ins Ungewisse
Unklar ist indes nicht nur die Höhe der künftigen TV-Einnahmen. Es darf bezweifelt werden, ob sich Sommer für Sommer zwölf Clubs finden lassen, welche die Kriterien für eine Super-League-Lizenz zu erfüllen imstande sind, wenngleich die SFL in Bezug auf die Lizenzkriterien Gesprächsbereitschaft signalisiert. Darüber hinaus besteht ein höheres Risiko, dass sich die Clubs verschulden, da der Spielbetrieb in der Super League wesentlich kostspieliger ist als in der Challenge League.
Vor allem aber ist es verständlich, dass ein finanziell klammer Club wie der FC Thun kein unnötiges Risiko eingehen will. Schliesslich ist das Tauziehen um die Finalrunde nicht nur für die Berner Oberländer eine Reise ins Ungewisse.