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McKayla Maroney gewann bei den Olympischen Spielen 2012 in London Gold und Silber. Heute erklärt die 25-Jährige, welche Strapazen Turnerinnen an diesen Anlässen durchmachen.
Wenn es ums Kunstturnen und die unendlichen Strapazen geht, welche die besten dieses Sports durchmachen, weiss McKayla Maroney, wovon sie spricht. Die heute 25-Jährige vertrat die USA an den Olympischen Spielen 2012 in London, holte dort Gold mit dem Team und Silber am Sprung.
Maroney gehört auch zu jenen über 500 Turnerinnen, die Opfer des sexuellen Missbrauchs des ehemaligen Verbandsarztes von «USA Gymnastics» Larry Nassar wurden. Der Arzt wurde mittlerweile zu 175 Jahren Haft verurteilt.
Nassar war es auch, der andere Leiden Maroneys zu verantworten hatte. Wie die dreifache Weltmeisterin in einer Instagram-Story und auf Twitter nun erklärt, habe sie sich kurz vor London 2012 eine schwere Hirnerschütterung zugezogen. Man liess die damals 16-Jährige den Hirnerschütterungstest machen, bis sie bestand und so an die Olympischen Spiele reisen konnte.
Dort angekommen, liess Trainerin Marta Karolyi ihre Turnerinnen praktisch aus dem Flugzeug und jeglichem Jet-Lag zum Trotz auf dem Schwebebalken trainieren. Auch Maroney wurde dazu gezwungen, obwohl sie an diesem Gerät in London gar nicht antrat. «Mir war schwindlig. Ich habe Marta angeschaut und gefragt: ‹Du willst wirklich, dass ich auf den Balken steige? Mir geht es beschissen.›»
Prompt stürzte Maroney in diesem Training und brach sich dabei das Sesambein in einem Fuss. Larry Nassar verschwieg dies aber und Trainerin Marta Karolyi berichtete, dass bei der Turnerin lediglich eine Prellung am Zeh vorliege. Karolyi schrie aufgrund dieser Information wiederum Maroney an, sie solle doch nicht so ein Drama wegen einer derart kleinen Verletzung machen. Als sie ihren Teamkolleginnen erzählte, was vorgefallen war, wurde die damals 16-Jährige ebenfalls wieder angeschrien.
So turnte Maroney am Ende in London mit einem gebrochenen Fuss, einer starken Gehirnerschütterung und einer gebrochenen Nase, mit der sie ebenfalls schon anreiste. Dennoch rief sie Höchstleistungen ab, im Team-Final stand sie gar einen perfekten Sprung.
Im Einzelfinal am Sprung dann die Enttäuschung: Maroney stürzte und verpasste das sicher geglaubte Gold und holte Silber. Auch darauf ging die heute 25-Jährige nochmals ein und spricht das grosse Problem der Einzelfinals an Olympischen Spielen an: «Die Gruppen für die einzelnen Geräte sind viel zu gross. Wenn du als achte und letzte Athletin im Sprung startest, wartest du bis zu einer Stunde. Dann sind deine Muskeln kalt und die Verletzungsgefahr gross.»
Auf Twitter greift Maroney auch den internationalen Turnverband (FIG) an: «Die FIG ist enttäuschend. Sie stellt die TV-Zuschauerzahlen über die Gesundheit der Athleten – und es funktioniert nicht einmal. Immer weniger Leute schauen Turnen.» Es seien diese unsicheren Bedingungen gewesen, die sie in den Ruhestand getrieben hätten.
Die Olympiasiegerin bemängelt auch, dass Eltern oft keine Möglichkeit haben, ihre Kinder vor den Missständen zu schützen. Viele Turnerinnen sind bei der Teilnahme an Olympischen Spielen zwischen 15 und 22 Jahren alt. Maroney sagt: «Eltern werden als mögliche Ablenkung angesehen. Wir kriegten Probleme, wenn mir mit ihnen sprachen.»
Die Eltern hätten vor den Spielen eine Verzichtserklärung unterschreiben müssen, dass sich die Turnerinnen während der Spiele komplett unter der Aufsicht des US-Turnverbandes befänden. Ohne diese Erklärung gäbe es keine Teilnahme an Olympia oder Weltmeisterschaften. Gleichzeitig lehnte der Turnverband jegliche Verantwortung über den Missbrauch ab, den die Turnerinnen auch an diesen Grossevents erlebten. Von «USA Gymnastics» gab es bislang keine Stellungnahme zu Maroneys Ausführungen. (abu)