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ungestraft die Lehnspflicht verweigern, seit welcher Zeit das Verhältnis nicht mehr erneuert wurde; vielmehr trat Dänemark [* 2] jetzt wieder als erobernde Macht auf. Schon Waldemar I. hatte die heidn. Wenden an der Ostseeküste bekriegt und Rügen erobert; Knut VI. unterwarf Pommern [* 3] und Holstein; Waldemar II. (s. d.), der Sieger (1202-41), nahm auch Lauenburg, [* 4] Mecklenburg [* 5] und Esthland. [* 6] Kaiser Friedrich II. trat ihm sogar 1214 alle deutschen Reichslande bis zur Elbe und Elde förmlich ab. Doch auch diesmal war die schnell erworbene dän. Macht von kurzer Dauer.
Ein gekränkter Vasall, Graf Heinrich von Schwerin, überfiel den König Waldemar, als er auf der kleinen Insel Lyö bei Fünen jagte, und führte ihn und seinen Sohn gefangen nach Mecklenburg (1223). Die unterjochten deutschen Lande, welche sich ebenfalls erhoben, schlugen ein dän. Heer bei Mölln. Waldemar selbst mußte unter Vermittelung Kaiser Friedrichs II. seine Freiheit durch Verzichtleistung auf alle deutschen Reichslande bis zur Elbe und Elde erkaufen.
Als er diese Lande wiederzugewinnen versuchte, erlitt er bei Bornhöved in Holstein von den Grafen von Holstein und dem Herzog von Sachsen [* 7] eine entscheidende Niederlage. So blieb also das dän. Reich auf die Eidergrenze beschränkt. Nach Waldemars Tode folgte wieder eine Zeit der Bürgerkriege. Sein ältester Sohn und Nachfolger, Erich IV. Plogpenning, ward von dem Bruder Abel bekriegt und zuletzt ermordet (1250). Dann wurde Abel (ermordet 1252) König und nach diesem der dritte Bruder Christoph I. (s. d.; bis 1259) und dessen Geschlecht.
Als Christophs Sohn Erich V. Glipping (1259-86) vom Adel ermordet worden, mußte dessen unmündiger Nachfolger Erich VI. Menved (1286-1319) einen harten Kampf mit den vom Könige von Norwegen [* 8] unterstützten Königsmördern bestehen. Adel und Klerus gewannen dabei eine immer größere Unabhängigkeit, sodaß nach dem Tode des kinderlosen Königs dessen Bruder Christoph II. (s. d.; 1319-32) eine Wahlkapitulation («Handfeste») 1320 unterschreiben mußte, worin die königl. Macht bedeutend beschränkt und die Rechte der Stände festgesetzt wurden.
Abels Nachkommen, die sich in Südjütland als Lehnsherzöge behauptet hatten, befehdeten wiederholt das verwandte Königshaus, um das Herzogtum als erbliches Lehn zu erhalten. Ihre Bundesgenossen waren die Grafen von Holstein aus dem Hause Schauenburg. Unter diesen erhob der hervorragendste, Graf Gerhard d. Gr., seinen Schützling, den schlesw. Herzog Waldemar III., auf den dän. Thron [* 9] (1326-30) und gewann für sich selbst ausgedehnte Besitzungen. So geriet Dänemark in völlige Auflösung.
Von 1332 bis 1340 regierte gar kein König, und Graf Gerhard war der eigentlicheHerr im Lande, bis ihn ein jütländ. Ritter, Niels Ebbesen, 1340 ermordete. Darauf gelang es dem neu erwählten staatsklugen König Waldemar IV. Atterdag (1340-75) die verlorenen Glieder [* 10] wieder an das Reich zurückzubringen. 1346 verkaufte er Esthland an den Deutschen Orden, [* 11] um die verpfändeten dän. Landschaften wieder einlösen zu können, sodaß 1360 das ganze Reich wieder vereinigt war.
Nun begann der König einen Angriffskrieg gegen Schweden und die Hansestädte, eroberte Gotland und Wisby; doch wurde nach mehrjährigem Kampfe 1369 Kopenhagen [* 12] von den Lübeckern erobert, und die Stände mußten, während der König außer Landes gegangen war, einen unvorteilhaften Frieden mit den Hansestädten schließen. In seinen letzten Jahren war der König bemüht, nach dem Aussterben von Abels Nachkommen, das Reichslehn Schleswig [* 13] wieder an die Krone zu bringen. Er starb aber schon 1375, und seine Tochter mußte 1386 dem holstein. Grafen Gerhard VI. das Herzogtum als erbliches Lehn überlassen.
Die Tochter Waldemars IV., Margarete (s. d.), war vermählt mit König Hakon von Norwegen; für ihren einzigen Sohn Oluf, der 1375 Nachfolger seines Großvaters, 1380 auch seines Vaters geworden, regierte sie als Vormünderin, nach Olufs Tode 1387 als Regentin in Dänemark und Norwegen. Nachdem sie 1389 auch das Königreich Schweden erobert hatte, setzte sie zunächst durch, daß ihr Großneffe, Erich von Pommern (s. d.), zum König aller drei Reiche gewählt ward. Sodann versammelte sie die drei Reichsräte zu Kalmar (Schweden), und hier ward (13. oder die sog. Kalmarische Union (s. d.) gestiftet, worin unter Wahrung der innern Selbständigkeit festgesetzt wurde, daß fortan nur ein König über die drei skandinav. Reiche herrschen und jeder Krieg und jede Gefahr vom Auslande denselben gemein sein solle. So war zum drittenmal eine nordische Großmacht unter dän. Führung begründet; aber das Werk Margaretes erwies sich nicht dauerhafter als das des großen Knut und der Waldemare.
Nach Margaretes Tode (1412) folgte ihr Neffe Erich in den drei Reichen; doch geriet er in einen hartnäckigen Krieg mit den holstein. Grafen Heinrich und Adolf über die Lehnsverhältnisse Südjütlands. Nach mehrjährigem Kampfe vereinigten sich die streitenden Parteien, dem Kaiser Sigismund das schiedsrichterliche Urteil zu überlassen, welches dahin lautete, daß dem dän. König das Recht zukäme Südjütland als Lehn zu vergeben. Die Grafen, unterstützt von den Hansestädten, unterwarfen sich dem Urteile dennoch nicht, und 1435 mußte Erich einen Vergleich schließen. In Schweden brach ebenfalls ein Aufruhr aus, und zuletzt erhob sich auch der dän. Adel gegen den König, der schließlich 1439 abgesetzt wurde.
Der Reichsrat erkannte darauf 1440 den Grafen Adolf als erblichen Herzog in Schleswig an. Erichs Neffe und Nachfolger, Christoph III. (s. d.; gest. 1448), regierte nur wenige Jahre. Dann wählten die Schweden einen eingeborenen König, Karl VIII. Knutsson; die Dänen aber erkoren Christian I. (s. d.; 1448-81), einen geborenen Grafen von Oldenburg [* 14] und Delmenhorst. der der Stammvater des oldenb. Fürstenhauses geworden ist. Er wurde 1450 in Norwegen, 1460 in Schleswig und Holstein als Landesherr anerkannt; in Schweden, 1457 gewählt, konnte er seine Herrschaft nicht geltend machen, wurde vielmehr 1471 am Brunkeberge geschlagen.
Sein Sohn, König Hans (1481-1513), versuchte Schweden wiederzugewinnen, doch nur mit vorübergehendem Erfolge. Die aufständischen Schweden fanden stets Bundesgenossen an den Hansestädten, die im Interesse ihres Handels eine Vereinigung der drei nordischen Reiche nicht wünschten. Endlich ging unter Christian II. (s. d.; 1513-23) die Kalmarische Union vollends zu Grunde. Schweden hatte seitdem seine eigenen Könige; nur Norwegen mit seinen Nebenlanden, den Färöer und Island, [* 15] blieb mit Dänemark vereinigt.
Nach dem Sturze Christians II. bestieg sein Oheim Friedrich I. (s. d.; 1523-33) den Thron und vereinigte wieder unter seiner Herrschaft Dänemark, Norwegen und ganz Schleswig-Holstein. [* 16] Jetzt drang zuerst die Lutherische Reformation erfolgreich ins Land ein ¶
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und rief hier, ebenso wie in Deutschland, [* 18] eine allgemeine geistige Bewegung hervor, in der sich Gegensätze und Parteiungen nicht bloß religiöser Natur geltend machten. So ward der Tod des Königs das Signal zu einem Bürgerkriege, der sog. Grafenfehde (s. d.), in der sich Katholiken und Protestanten, Adel und Geistlichkeit, Städte und Bauern gegenüberstanden. Durch die selbstsüchtige Politik und die bewaffnete Einmischung der Hansestadt Lübeck [* 19] unter ihrem Bürgermeister Wullenwever (s. d.) gewann der Kampf noch weitere Ausdehnung, [* 20] sodaß auch Schweden und andere Ostseeländer darein verwickelt wurden.
Die eine Partei, unter Führung des Grafen von Oldenburg, wollte den entthronten König Christian II. wieder einsetzen; die andere erwählte den ältesten Sohn des Königs Friedrich, Herzog Christian von Schleswig und Holstein. Nach blutigem Kampfe behielt letzterer die Oberhand und regierte nun als König Christian III. (s. d., 1536-59). Sein wichtigstes Werk war, daß er unter Beirat Johann Bugenhagens die Luthersche Reformation durchführte (1536). Gleichzeitig vollzog sich ein Umschwung in den Verfassungszuständen.
In der Grafenfehde war die schon im 14. und 15. Jahrh. tief erschütterte Freiheit des Bauernstandes vollends in eine drückende Leibeigenschaft versunken. Die Städte waren nie von Bedeutung gewesen, und durch die Reformation verlor auch der Klerus alle weltliche Macht. So blieb nur ein «freier» und mächtiger Stand, der Adel, welcher sich jetzt mit einem Teil der säkularisierten Kirchengüter bereicherte. Doch gelang es, den größten Teil der Kirchengüter an die Krone zu bringen und mit Beihilfe des holstein. Adels die Macht des Königtums bedeutend zu erweitern.
Die Reichstage, an denen alle Stände teilnahmen, hatten ihre Bedeutung verloren, und aller polit. Einfluß war bei dem Reichsrat, welcher aus den höchsten Kronbeamten und andern vom König aus dem Adel zu erwählenden Mitgliedern bestand. Dem gegenüber zeigte sich die Stellung der Krone schwach. In der Wahlkapitulation Christians I. war Dänemark für ein «freies Wahlreich» erklärt, jeder neue König mußte daher die Wahl durch weitereZugeständnisse vom Reichsrat erkaufen.
Die Handfesten wurden so jedesmal drückender, und es gingen immer mehr Kronrechte und Krondomänen in den Besitz des Adels über. Christian III. und sein Sohn Friedrich II. hatten die Herzogtümer Schleswig und Holstein mit ihren jüngern Brüdern teilen müssen, sodaß dort neben dem königl. Anteil (später Holstein-Glückstadt) der herzogl. holstein-gottorpische Anteil und außerdem mehrere abgeteilte Herrschaften (Sonderburger Linie) bestanden. So sank das Königtum allmählich zu einem bloßen Schattenbilde herab.
Gleichzeitig war die Kraft [* 21] des Reichs erschüttert durch Kriege gegen Schweden, dessen schnellem Aufschwung man eifersüchtig zusah. Schon Friedrich II. (s. d.; 1559-88) führte einen siebenjährigen schwed. Krieg ohne Erfolg (s. Dreikronenkrieg). Sein Sohn Christian IV. (s. d.; 1588-1648) begann den Krieg mit Schweden von neuem und eroberte Kalmar und Öland, die jedoch Schweden im Frieden von Knaröd 1613 zurückerhielt. Als Haupt der niedersächs. Stände in den Deutschen Krieg sich einmischend und 1626 von Tilly bei Lutter am Barenberg geschlagen, erhielt Christian zwar vom Kaiser im Frieden zu Lübeck 1629 die verlorenen Länder zurück; doch mußte er, seit dem Eingreifen Gustav Adolfs in Deutschland, den siegreichen Schweden den Vorrang in der Ostsee und in Norddeutschland überlassen. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges 1643 rückte Torstenson infolge der feindseligen Haltung D.s in Holstein ein, und im Frieden zu Brömsebro (1645) mußte Dänemark die Provinzen Jemtland und Herjedalen, die Inseln Gotland und Ösel an Schweden abtreten. Noch unglücklicher kämpfte Friedrich III. (s. d.; 1648-70). Der schwed. König Karl X. eroberte seit 1657 ganz Dänemark bis auf die Hauptstadt, und Friedrich sah sich zu dem höchst ungünstigen Frieden von Roeskilde (s. d.) gezwungen. Mit Hilfe des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg [* 22] und einer holländ. Flotte begann Dänemark noch einmal den Krieg, und so kam 27. Mai der Kopenhagener Friede zu stande, durch den Dänemark die sog. übersundischen Lande, Schonen nebst Blekinge, Halland und Bohuslän, auf immer an Schweden verlor. Auch mußte Dänemark auf die Lehnshoheit über das Herzogtum Schleswig verzichten.
Dieses nationale Unglück führte einen Umschwung in der innern Politik herbei. Um der Not des Landes abzuhelfen, ward ein Reichstag in Kopenhagen versammelt, und als hier Reichsrat und Adel von ihren Privilegien nicht das Geringste zum allgemeinen Besten opfern wollten, kam es zum Bruch. Die Geistlichkeit und der Bürgerstand, unter Führung des Bischofs Svane und des Kopenhagener Bürgermeisters Nansen, übertrugen dem Könige die volle erbliche Souveränität, wogegen der Adel, eingeschüchtert durch die Haltung des Volks, sich nicht zu widersetzen wagte.
Die neue Verfassung wurde nun festgesetzt in dem sog. Königsgesetz, welches von dem königl. Rat Peter Schumacher (später Graf Griffenfeldt) abgefaßt und vom Könige vollzogen wurde. Das Gesetz, welches sich selbst als «ein für alle Zeiten unveränderliches Grundgesetz» einführt, hat mit Recht immer als der schroffste Ausdruck des Absolutismus gegolten. Der König muß dem luth. Bekenntnis angehören und sich im Lande aufhalten; er darf das Reich nicht teilen, noch das Königsgesetz antasten. Im übrigen aber ist er völlig unbeschränkt und nur Gott für seine Handlungen Rechenschaft schuldig.
Zur Erbfolge berechtigt ist die Nachkommenschaft Friedrichs III. sowohl in männlicher als in weiblicher Linie. Doch wurde der so begründete Absolutismus immer milde gehandhabt. Die Regierung geschah durch Kollegien, die Unabhängigkeit des Gerichtswesens ward respektiert. Der Adel behielt noch ausgedehnte Privilegien. Den Hauptvorteil hatte die Stadt Kopenhagen, die nun als königl. Haupt- und Residenzstadt auf alle Weise begünstigt ward und so allein von allen dän. Städten zu einer wirklichen Bedeutung gelangte.
Unter der neuen Verfassung hob sich die Kraft des Reichs wieder allmählich. Schon die Nachfolger Friedrichs III. glaubten sich stark genug zu ehrgeizigen Vergrößerungsplänen. Ihre Politik richtete sich immer konsequent gegen Schweden und gegen die Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorp. Auf der einen Seite hoffte man die übersundischen Lande, auf der andern zum mindesten ganz Schleswig wieder für die dän. Krone zu gewinnen. Christian V. (s. d.; 1670-99) vermochte indes in dieser Hinsicht keine bleibenden Erfolge zu erkämpfen. Dafür gelang es ihm, durch Vertrag mit den näher berechtigten Erben das Stammland des Hauses, die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst, wo die regierende Linie 1667 ausgestorben war, für sich zu gewinnen. Auch verdankt man ihm umfassende Reformen in der ¶