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Initiative Persönlichkeiten in ganz Europa nahmen das Phänomen der Überalterung der Gesellschaft als Problem und Chance zugleich wahr und gründeten in den 1970er Jahren die ersten so genannten Altersuniversitäten. So auch der Basler Chemieprofessor und damalige Rektor der Universität Basel Christoph Tamm, der Ende September 1979 das erste Seniorenprogramm mit fünfzig Vorlesungen bekannt gab. Einen Monat später begann die Senioren-Universität als universitäre Institution der Universität Basel zu laufen. Zugang zu den Vorlesungen hatte Frauen und Männer ab sechzig Jahren.
Für die Zusammenstellung der Programme war eine Programmkommission zuständig, wo - wie dies auch bei der Volkshochschule der Fall war - alle Fakultäten der Universität vertreten waren. Man wollte damit eine gleichmässige Gewichtung aller wissenschaftlichen Fachrichtungen im Kursangebot gewährleisten. Am Anfang war das Rektorat der Universität für ihre Organisation verantwortlich. 1980 gliederte man die Senioren-Universität der Volkshochschule an. Zusammen mit dem Universitätsforum bildeten sie das ‚Zentrum für Erwachsenenbildung der Universität Basel' (ZEB). Mit der Ausgliederung des ZEB im Jahre 1987 wurde auch die Senioren-Universität aus der Universitätsverwaltung herausgelöst. Die Programmkommission war bis dahin dem Uni-Rektorat unterstellt gewesen, nun unterstand sie direkt dem Stiftungsrat. Bei der Programmgestaltung blieb die Universität dennoch weiterhin tonangebend. Die Fakultäten waren nach wie vor in der Programmkommission vertreten. Von 1980 bis 1992 war Elisabeth Schmid, Professorin für Ur- und Frühgeschichte, Präsidentin der Programmkommission. Anschliessend übernahm der Gründer der Senioren-Universität Christoph Tamm dieses Amt. Wie andere Kommissionsmitglieder hielten beide auch Vorträge im Rahmen des Seniorenprogramms. 2003 folgte auf Tamm der Wirtschaftsprofessor René L. Frey, der die Programmkommission bis heute präsidiert.
Vom Eröffnungsjahr 1979 bis Anfang der 1990er Jahre gingen jährlich 2300 Anmeldungen ein, das aus Platzgründen festgelegte Maximum. Teilweise wurde diese Zahl sogar übertroffen. Man führte das Programm doppelt, das heisst, man bot die gleichen Vorträge zweimal zu verschiedenen Zeiten an, die in den Hörsälen der Universität stattfanden. In den 1990er Jahren begann die Zahl der Anmeldungen zu schrumpfen. Die Leitung der Stiftung sprach von einem ‚Generationenwechsel': Die jüngeren Senioren schienen aktiver zu sein und füllten die Zeit nach der Pensionierung auch mit anderen Aktivitäten aus, etwa mit sportlicher Betätigung. Den Senioren stand ausserdem eine zunehmend grössere Zahl an Bildungs- und Freizeitangeboten in der Region, die die Senioren zweifellos nutzten. Ausserdem konnten Pensionierte Volkshochschulkurse oder Vorlesungen an der Universität als Hörerinnen und Hörer besuchen. Obwohl man sich entschloss, ab dem Sommersemester 1998 das Angebot der Senioren-Universität auch für Frühpensionierte unabhängig von ihrem Alter auszuschreiben, konnte diese Änderung der Richtlinien für den Zugang zur Senioren-Universität den Rückgang der Teilnehmerzahlen nicht ausgleichen. Heute gilt der Zugang ab achtundfünfzig Jahren. Seit der Eröffnung 1979 hat sich die Gesamtzahl der Einschreibungen halbiert.
Ziele der Seniorenuniversität
Das Ziel der Senioren-Universität bestand nicht nur darin, ältere Menschen mit Wissen und Anregungen zu versorgen. Diese Institution sollte die Pensionierten auch dabei unterstützen, die Lebensphase jenseits beruflicher Verpflichtungen sinnvoll zu gestalten. Der Besuch der Kurse brachte eine organisierte Tages- und Wochenstruktur mit sich, die im pensionierten Alltag oft fehlte. Der soziale Aspekt spielte ebenfalls eine bedeutende Rolle. Freunde, Bekannte und andere Teilnehmer mit ähnlichen Interessen regelmässig wiederzusehen war eines der Teilnahmemotive der Seniorinnen und Senioren. Sie nahmen dennoch vor allem aus Interesse an den angebotenen Themen an den Veranstaltungen teil.
Als universitätsnahe Institution sprach und spricht die Senioren-Universität hauptsächlich die Mittelschicht an. In den ersten Jahren besuchten vor allem ehemalige Selbstständigerwerbende, Beamte, leitende Angestellte, Handwerker und Hausfrauen die Vorträge. Im Verlauf der drei Jahrzehnte seit der Eröffnung verstärkte sich die Tendenz, ein gut gebildetes Publikum anzuziehen. Der Anteil der Eingeschriebenen mit akademischer Ausbildung stieg kontinuierlich. Dreiundzwanzig Prozent der heutigen Besucherinnen und Besucher haben ein Universitätsstudium abgeschlossen, weitere zweiundzwanzig Prozent eine höhere Fachschule. Dieser ‚Generationenwechsel' entsprach den bildungspolitischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten vierzig Jahren. Die Jahrgänge, die heute Zugang zur Senioren-Universität haben, profitierten als erste von den ab den 1960er Jahren einsetzenden Bildungsreformen, die einen systematischen Ausbau des Berufs- und Bildungssystems und eine allgemeine Verlängerung der schulischen und beruflichen Ausbildung zur Folge hatten. Die gewandelte Zusammensetzung der Teilnehmerschaft ist somit auf gesamtgesellschaftliche Veränderungen und nicht auf ein verändertes Programmangebot zurückzuführen. Das Programm der Senioren-Universität wurde an sich nicht anspruchsvoller.
Die Zahl der eingeschriebenen Frauen war im Eröffnungsjahr fast doppelt so hoch wie jene der Männer. Die Präsenz der Männer wurde von Jahrzehnt zu Jahrzehnt stärker, während sich die Gesamtzahl der Einschreibungen seit 1979 halbierte. Blieb der Bestand der Männer grundsätzlich gleich und machen die Frauen hingegen mehr von den anderen Weiterbildungsmöglichkeiten ausserhalb der Senioren-Universität Gebrauch? In diesem Fall wären vor allem die Seniorinnen für den Rückgang der Gesamtzahl der Teilnehmenden an der Senioren-Universität verantwortlich.
Das ursprüngliche und über drei Jahrzehnte hinweg bewährte Konzept der Basler Senioren-Universität stützt sich vorwiegend auf Einzelvorträge. Die Fachbereiche Medizin und Gesundheit, Psychologie, Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte, Politik sowie theologische und philosophische Themen - oft in Zusammenhang mit dem Tod - überwogen in den Programmen der dreissigjährigen Geschichte der Senioren-Universität. Bereits am Ende des Wintersemesters 1979/80 befragte man die Teilnehmenden nach ihren thematischen Vorlieben. Als besonders gefragt erwiesen sich tatsächlich die ohnehin angebotenen Fachbereiche. Spätere Umfragen in den Jahren 1997 und 2007 kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Der grössere Teil der Referate bezog sich auf Themen von allgemeinem Interesse, die auch in der Öffentlichkeit diskutiert wurden. Geschichte und Kulturgeschichte, worunter die regionale, nationale und internationale ältere und neuere Geschichte sowie die Kulturen der Antike zu zählen sind, Gegenwartsfragen und Politik gehörten zu den Programmschwerpunkten und zu den am meisten besuchten Veranstaltungen. Das Schwerpunktthema 2011 lautet "Biographische Identität im Kontext der Globalität".