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Die Schweizer Delegation im French Open ist weiter geschrumpft. Nach dem Ausscheiden von Kratochvil und Gagliardi sind nur noch Schnyder und Mikaelian übrig.
3:6, 1:6, 3:6 - In Zahlen erinnert Kratochvils Niederlage gegen den Rumänen Andrei Pavel an Roger Federers Scheitern tags zuvor. Im Gegensatz zum Baselbieter, der gegen Hicham Arazi chancenlos war, gibt das gestrige Ergebnis die Geschehnisse auf dem Platz nur bedingt wieder, zumal der als Nummer 22 gesetzte Pavel den Berner keineswegs "überrollte".
Im Gegenteil: Kratochvil (ATP 49) dominierte vielfach die Ballwechsel, agierte in den entscheidenden Momenten aber zu fehlerhaft und brachte sich damit selber um den Lohn seiner Bemühungen.
Er habe alles versucht, doch das Rezept nicht gefunden, sagte Kratochvil später, "ich wollte Druck machen, dann aber auch den Ball im Spiel halten. Nichts ist aufgegangen."
Dem in Westfalen in Deutschland wohnhaften Pavel genügte so eine solide Leistung, um in Roland Garros nach Startniederlagen in den vergangenen drei Jahren zum zweiten Mal die 2. Runde zu erreichen.
Kratochvil seinerseits hat nun genügend Zeit, sich auf die Rasensaison vorzubereiten. In der übernächsten Woche wird er in Halle, dann in Nottingham antreten, bevor er nach Wimbledon disloziert wird. An seiner Entourage wird sich nichts ändern. Vorgesehen ist, dass ihn sein Coach Vojko Fersch betreuen und Jakob Hlasek wieder in beratender Funktion zur Verfügung stehen wird.
Im Gleichschritt
Patty Schnyder (WTA 24) und Marie-Gaïané Mikaelian (WTA 53) bringen ihre ersten Auftritte sozusagen im Gleichschritt hinter sich. Beide setzten sich in der Startrunde gegen Qualifikantinnen durch, und beide bekommen es nun mit Italienerinnen zu tun.
Für Patty Schnyder war das ungefährdete 6:3, 6:2 gegen Milagros Sequera aus Venezuela ein erster Schritt aus dem Tief, in das sie nach ihrem sensationellen Finalvorstoss in Charleston in South Carolina gerutscht war und das ihr in drei europäischen Sandplatz-Turnieren einen einzigen Matchgewinn erlaubt hatte.
Bei ihrem gestrigen Auftritt passte zwar ebenfalls noch nicht alles zusammen, doch die Südamerikanerin, die im Ranking als Nummer 121 fast 100 Plätze hinter ihr liegt und erstmals im Haupttableau eines Major-Turniers stand, hatte nicht die Mittel, um sie in Verlegenheit zu bringen.
Patty Schnyder hat nun gute Perspektiven, erstmals seit 1999 im French Open wieder die 3. Runde zu erreichen. Gegen ihre nächste Gegnerin Tathiana Garbin (WTA 89) weist sie eine 2:0-Bilanz auf.
Mit dem 4:6, 6:1, 6:0 gegen die Ungarin Rita Kuti Kis, die vor zwei Jahren einmal die Nummer 47 der Welt war, mittlerweile aber nur noch an 255. Stelle liegt, kam Marie-Gaïané Mikaelian im dritten Anlauf zu ihrem ersten Sieg in einem Grand-Slam-Turnier.
An ihre nächste Kontrahentin Francesca Schiavone (WTA 36), die im letzten Jahr erst im Viertelfinal an Martina Hingis gescheitert war, hat die 18-Jährige gute Erinnerungen. Mitte April in Charleston hatte sie die Mailänderin in drei Sätzen geschlagen.
Diametrale Leistungskurven
Im Vergleich zu Mikaelian verlief die Leistungskurve von Emmanuelle Gagliardi (WTA 44) bei der 4:6, 2:6-Erstrunden-Niederlage gegen die als Nummer 7 gesetzte Jugoslawin Jelena Dokic diametral. Während sich Mikaelian erst nach einem 1:5-Rückstand an die Spielweise der Linkshänderin Kuti Kis gewöhnt hatte, wäre für die Genferin im Startabschnitt nach zweimaligem Breakvorsprung mehr dringelegen.
"Das ist eben der Unterschied zwischen mir und den Besten. Eine Topspielerin kann ihr Niveau über eine längere Zeit halten. Mir gelingt dies nur phasenweise", resümierte Gagliardi.
Für die Romande, die nach ihrer Röteln-Erkrankung erst wieder 70 bis 80 Prozent ihres Potenzials erreicht hat, war es im vierten Vergleich mit Dokic die vierte Niederlage, die dritte auf Sand.
swissinfo und Agenturen