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Briefsteller gehören zu den populärsten Vertretern der frühneuzeitlichen Ratgeberliteratur. Als Brieflehrbücher führten sie in das Verfassen von stilgerechten und sozialkonformen Schreiben ein. Die Vermittlung der Briefschreibkunst erfolgte einerseits durch umfassende Briefmustersammlungen und praktische Vorlagen zu den verschiedensten Schreibproblemen. Andererseits formulierten Briefsteller in ihren brieftheoretischen Anleitungen Direktiven und hielten auch nicht mit Mahnungen zurück, die etwa aufzeigten, welche Folgen das Nichtbefolgen des barocken Briefzeremoniells haben konnte. Briefsteller verkörpern in erster Linie die Ideale des Briefschreibens und die Intentionen des jeweiligen Autors und definierten gesellschaftsfähiges Verhalten. Allerdings bleibt unklar, wie weit diese Normen in die Praxis umgesetzt wurden. So muss die Frage nach der Wirkung auf die Briefschreibpraxis, nach den sozialen Realitäten des Briefschreibens und nach dessen Gendering offen bleiben. Die besondere Unterhaltungsqualität vieler Vorlagen lässt jedoch darauf schliessen, dass diese oft weniger wegen ihrer praktischen Anwendbarkeit geschätzt wurden, sondern weil sie ein besonderes Lesevergnügen bereiteten.
Briefsteller. Ratgebermedien des frühneuzeitlichen Korrespondenzwesens
Erschienen in: traverse 2011/3, S. 25