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Vor einem Jahr wurden in Simbabwe über 30 junge Elefanten auf brutale Art und Weise in der Wildnis von ihren Müttern getrennt und gefangen genommen. Nun wurden gestern, am 24. Oktober 2019, die meisten dieser Tiere wegen einer Rechtsunsicherheit qualvoll per Frachtflugzeug via Riad allem Anschein nach Richtung China exportiert. Die Fondation Franz Weber (FFW), die seit über vier Jahrzehnten für einen umfassenden Schutz der Elefanten kämpft, verurteilt diesen Export aufs Schärfste.
In den frühen Morgenstunden des 24. Oktober 2019 wurden rund 30 junge Elefanten von ihren Ställen im Hwange-Nationalpark in Simbabwe zum internationalen Flughafen Victoria Falls transportiert. Gemäss Augenzeugen schrien die Tiere auf dem Asphalt des Rollfeldes laut, als sie bei Temperaturen von über 40 Grad in das Frachtflugzeug der Saudiarabia Airlines verladen wurden. Das Ziel der qualvollen Reise via Riad ist sehr wahrscheinlich China.
Die Elefantenbabys wurden vor mehr als einem Jahr gefangen genommen, nachdem sie gewaltsam ihren Herden entrissen worden waren. Gemäss Recherchen der Fondation Franz Weber (FFW) mussten fünf der jungen Elefanten aus gesundheitlichen Gründen in Simbabwe zurückgelassen werden. Die Qualen der einjährigen Gefangenschaft hatten ihnen zu sehr zugesetzt.
Simbabwe hat in den letzten fünf Jahren schon 107 junge Elefanten in chinesische Zoos und Safariparks exportiert. Angesicht dieser wiederkehrenden Exporte, die für die sensiblen Tieren ein qualvolles Leben in Gefangenschaft bedeutet, hat die 18. Vertragsstaatenkonferenz der CITES in Genf (CoP18) im August 2019 den für alle Mitgliedstaaten verbindlichen Entscheid gefällt, dass keine Elefanten mehr aus ihrem natürlichen Lebensraum oder ihrem historischen Verbreitungsgebiet exportiert werden dürfen. Ausnahmen von dieser Regelung müssen eine Notsituation beinhalten und einen positiven Nutzen für den Schutz der Tiere nachweisen, sowie vom CITES Animals Committee und der IUCN African Elephant Specialist Group genehmigt werden.
«Die hastige Ausfuhr von rund 30 jungen Elefanten nach China widerspricht der gegenwärtigen Auslegung des Übereinkommens sowie dem guten Glauben und dem Geist von CITES. Die CoP18 entschied, dass Exporte nur innerhalb Afrikas stattfinden sollten. Schon vor diesen Beschlüssen im vergangenen August hatten die Vertragsparteien ihren Willen zum Ausdruck gebracht, Exporte nur dann zuzulassen, wenn sie die Erhaltung vor Ort fördern. Die Einrichtungen, für die diese Elefanten in China bestimmt sind, erfüllen weder die vor der CoP18 geltenden Kriterien, noch die neuen und restriktiveren Kriterien, die in diesem Sommer in Genf festgelegt wurden», sagt Anna Mula, die auf Tierschutz- und CITES-Bestimmungen spezialisierte Rechtsanwältin der Fondation Franz Weber. Simbabwe nutzte eine Rechtsunsicherheit aus in Zusammenhang mit dem Inkrafttreten der neuen CITES-Entscheide vom vergangenen August. «Die Vertragsparteien haben eine Frist von 90 Tagen, um ihre nationale Gesetzgebung anzupassen. Diese Frist ist aber nicht dafür da, den Willen der Vertragsparteien noch ‚schnell‘ zu umgehen. Simbabwe hat somit internationales Recht verletzt», sagt Anwältin Anna Mula.
Doch der Export vom 24. Oktober ist nicht nur in Anbetracht des im August von der CITES gefällten Entscheides unzulässig, sondern er widerspricht auch den nationalen Gesetzen von Simbabwe.
Advocates4Earth Law Network, eine NGO nach simbabwischem Recht, reichte nämlich im Mai 2019 eine Klage ein, in der festgestellt wurde, dass der geplante Export gegen die Verfassung verstösst, da Elefanten dem Volk von Simbabwe und nicht dem Staat gehören. Der Fall ist derzeit vor Gericht hängig. Advocates4Earth Law Network stellt deshalb in einem Brief an die Zimbabwe Parks and Wildlife Management Authority (ZimParks) fest, dass der Export der Elefanten «einer rücksichtslosen Missachtung des Gerichtsverfahrens gleichkommt».
Die Fondation Franz Weber verurteilt den Elefanten-Export von Simbabwe nach China aufs Schärfste und fordert eine umfassende Untersuchung. Vera Weber, Präsidentin der Fondation Franz Weber, unterstreicht: «Wir reden hier von lebenden jungen Elefanten, die bereits Quallvolles erlebt haben, und die nun ein trauriges Leben in Gefangenschaft erwartet. Genau dem wollte die internationale Gemeinschaft den Riegel schieben.» Die Fondation Franz Weber unterstützt deshalb die Nationale Gesellschaft für die Prävention von Tierquälerei in Simbabwe (ZNSPCA) bei deren Forderung, eine eingehende Untersuchung gegen die beim Export der Elefanten involvierten Behörden durchzuführen. «Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, denn solche Exporte dürfen nie mehr geschehen!», betont Vera Weber.
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