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«Pictor et Architectus»[1]
Herkunft und Ausbildung
Cosmas Damian ist Sohn des Malers Georg Asam (1649–1711) und seiner Ehefrau Maria Theresia Prugger (1657–1719). Er wird in Laingruben beim Kloster Benediktbeuern geboren und am 27. September 1686 in der Pfarrkirche[2] getauft. Sein Vater ist seit 1683 für die Abtei Benediktbeuern tätig und wohnt mit seiner noch kleinen Familie im Klosterort Laingruben. Cosmas Damian ist das vierte von zwölf Kindern. Nur fünf erreichen das Erwachsenenalter. Sein um drei Jahre älterer Bruder Philipp Emanuel ist begnadeter Musiker, dies auch als Pater Engelbert im Zisterzienserkloster Fürstenfeld, in das er 1707 eintritt. Die um ein Jahr ältere Schwester Maria Salome ergreift den Beruf der Mutter und ist später bekannte Fassmalerin. Erst im nächsten Wirkungsort des Vaters, in Tegernsee, wird der sechs Jahre jüngere Egid Quirin geboren, mit dem Cosmas Damian später lebenslang zusammenarbeiten wird. Die neun Jahre jüngere Schwester Maria Anna Theresia wählt ebenfalls das Klosterleben und tritt in ein Münchner Franziskanerinnenkloster ein.
Die Kinder des Georg Asam und der Maria Theresia Prugger wachsen in einem künstlerischen Umfeld auf, das Fundament ihrer späteren grossen Leistungen ist. Nicht nur der Vater ist hervorragender Freskant, auch die Mutter stammt aus einer Malerfamilie. Ihr Vater Nikolaus Prugger ist kurfürstlicher Hofmaler und sie selbst ist eine gute Fassmalerin, die an vielen Werken der Familie mitbeteiligt ist.
Der junge Cosmas Damian verbringt die Jugendjahre am jeweiligen Wohnort der Familie, das sich nach den grossen Aufträgen richtet. 1689 zieht die Familie nach Tegernsee, 1695 nach München und 1696–1701 ist sie in Bruck tätig. Hier erhält der Vater durch die Vermittlung von Hofbaumeister Giovanni Antonio Viscardi den grossen Freskenauftrag im Zisterzienserkloster Fürstenfeld. Cosmas Damian ist nun in der Lehre bei seinem Vater. Während des Spanischen Erbfolgekrieges verlegt die Familie ihre Tätigkeit im Gefolge Viscardis in die Oberpfalz. Hier arbeitet Cosmas Damian im Familienverbund schon früh selbstständig, so 1708 in der von Viscardi erbauten Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Freystadt. Der Vater stirbt 1711 in Sulzbach. Cosmas Damian ist inzwischen 25 Jahre alt. Sein Bruder Egid Quirin, seine Schwester Maria Salome und seine Mutter ziehen sich jetzt in ihr Haus in München zurück, wo der Bruder eine Lehre als Bildhauer beginnt. Er selbst zieht zur Weiterbildung nach Rom, wahrscheinlich mit seinem Cousin Nikolaus Gottfried Stuber.[3] Hier schreiben sie sich in der ersten Malereiklasse der Accademia di San Luca als Schüler ein, an der gleichzeitig auch der Kemptener Maler Franz Georg Hermann studiert. Eine starke Beeinflussung durch die Werke der römischen Maler und Akademieprofessoren Carlo Maratta (1625–1713), auch durch Benedetto Luti (1666–1724), ist im späteren Werk deutlich spürbar. Sein Studium der Werke der grossen römischen Freskanten Giovanni Battista Gaulli (1639–1709) und Pater Andrea Pozzi (1642–1709) ist die Grundlage der sofort überzeugenden eigenen Deckenfresken nach seiner Rückkehr.
Im Frühjahr 1713 gewinnt Cosmas Damian den ersten Preis in einem Akademiewettbewerb. Bei der Preisverleihung ist auch Papst Clemens XI. anwesend. Mit dem in Rom anwesenden Benediktinergelehrten Karl Meichelbeck von Benediktbeuern knüpft Cosmas Damian wertvolle Kontakte.
Erste Deckenfresken in München und in der Oberpfalz
Noch 1713 kehrt Cosmas Damian aus Rom zurück. Schon 1714 signiert er sein erstes grosses Kuppelfresko in der Benediktinerabtei von Ensdorf in der Oberpfalz. Im gleichen Jahr arbeitet er auch an einem Auftrag für die Deckenfresken der Dreifaltigkeitskirche in München. Die Fresken in München vollendet er 1715. Ensdorf beendet er 1716. Die Münchner Dreifaltigkeitskirche ist ein Bau von Viscardi und seines Baumeisters Ettenhofer. Viscardi kennt Cosmas Damian aus der Tätigkeit in Freystadt. Für die Fresken in Ensdorf ist der Reichenbacher Abt Bonaventura Oberhuber[4] Auftraggeber, der das Oberpfälzer Kloster administrativ verwaltet. Vermutlich kommt die Empfehlung in München noch von Viscardi, während für Ensdorf die direkte Bekanntschaft des Abtes mit der Familie Asam in Tegernsee ausschlaggebend ist. Und sicher rührt der gleichzeitig mit dem Rom-Preisträger zurückgekehrte Pater Karl Meichelbeck die Werbetrommel bei den Äbten der Benediktinerkongregation.[5] Einen weiteren Fürsprecher hat Cosmas Damian im Jesuitenpater Franz Xaver Amrhyn,[6] dem Rektor des Münchner Kollegiums, dem er 1715 die Titelvignette für eine dem Kurfürsten gewidmete Schrift sticht. Amrhyn wird im gleichen Jahr nach Regensburg berufen. Asam erhält von ihm den Auftrag für die Deckenfresken der Jesuitenkirche S. Paul in Regensburg. Er stattet in Regensburg auch die Augustinerkirche und das Kapuzinerkloster mit Freskomalereien aus. Anschlussaufträge in der Oberpfalz folgen schnell. Für die Fresken der Stiftskirche des Benediktinerklosters Michelfeld ist der Auftraggeber wie in Ensdorf ein aus Tegernsee stammende Abt. In Amberg kann Asam 1717–1718 die Deckenfresken der Wallfahrtskirche Maria Hilf erstellen. Auftraggeber ist hier der städtische Rat. Die Wallfahrtskirche von Amberg ist wie Ensdorf und Michelfeld ein Bauwerk des 1706 verstorbenen Wolfgang Dientzenhofer, die Bauleitung erfolgt durch den Franziskanerbruder Philipp Plank.[7]
Familie
1717 heiratet Cosmas Damian Asam in München die 18-jährige Maria Anna Mörl. Aus dieser Ehe gehen zehn Kinder hervor. Zwei Töchter und ein Sohn erreichen das Erwachsenenalter. Franz Erasmus Quirin (1720–1795), der einzige Sohn, arbeitet als Jüngling noch in der väterlichen Werkstatt mit, zeigt aber grosse Charakterschwächen und kann das Erbe seines Vaters nicht weiterführen. Die Familie wohnt nach 1717 im 1694 erworbenen Haus an der Schwabinger Gasse 39.[8] Sie bleibt in München sesshaft. Ein gewisser Wohlstand zeigt sich im Liegenschaftenbesitz. 1724 kauft Asam einen Landsitz vor den Toren der Stadt, den er vor allem als Werkstatt und Gemäldelager nutzt.[9] Seit 1729 erwirbt er zusammen mit seinem Bruder mehrere Häuser nebeneinander an der Sendlinger Strasse, wo sie dann auch ihre private «Asamkirche» bauen. 1731 stirbt Maria Anna Asam. Cosmas Damian heiratet 1732 erneut. Mit der zweiten Ehefrau Maria Ursula Ettenhofer hat er weitere drei Kinder, die aber alle im Kindesalter sterben.
Weingarten
Abt Sebastian Hyller von Weingarten überträgt 1718 die Ausführung der Deckenfresken in der neuen Benediktiner-Stiftskirche dem 32-jährigen Cosmas Damian Asam. Es wird der grösste Auftrag des bayrischen Ausnahmetalents, den der Abt in Konkurrenz vergibt.[10] Für vier Hauptbilder und 36 Nebenbilder nach einem vorgegebenen ikonographischen Programm werden 7500 Gulden vereinbart, ein stolze Summe, die auch auf die bereits bestehende Wertschätzung der Freskanten hinweist. Asam und seine Gehilfen arbeiten in den Sommermonaten 1718 bis 1720 an den Fresken, insgesamt ist er für etwa 1000 Quadratmeter sechs Monate an der Arbeit. Erstmals wendet Asam die Perspektivlehre von Andrea Pozzo an. Das Pfingstfresko des Chors zeigt die Scheinkuppel von Pozzo, allerdings schon jetzt in freier Interpretation des scheinarchitektonischen Raumes.[11] In Weingarten eröffnet Cosmas Damian Asam mit einem Paukenschlag die süddeutsche Freskenmalerei grossen Stils.[12]
Am Weg nach Weingarten liegt Kisslegg. Hier freskiert Asam 1719 die Gottesackerkapelle St. Anna.
Aldersbach
Die Zisterzienser-Stiftskirche Aldersbach ist der erste noch bestehende Bau, den die beiden Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin zusammen gestalten. Das neue Langhaus ist eine Wandpfeilerhalle.[13] Durch das Verschleifen der trennenden Gurtbögen in drei mittleren Deckenjochen ermöglicht Egid Quirin seinem Bruder ein zentriertes grosses Langhausfresko, wie dieser es von den römischen Jesuitenkirchen Il Gesù und Sant'Ignazio kennt. Für den süddeutschen Barock ist das 1720 signierte Werk erstmalig und wegweisend. Ein gleichzeitige Zusammenarbeit ist für die Korbinianskapelle in Weihenstephan belegt. Die Fresken dieses nach 1803 zerstörten freistehenden Zentralbaus, bei dem die beiden Brüder auch als Planer dokumentiert sind, sind nur durch zeitgenössische Beschreibungen dokumentiert. Die Baukosten von 15 000 Gulden lassen auch eine reiche Ausstattung schliessen.
Schleissheim
1720–1724 freskiert Asam in der Residenz Schleissheim die Kuppel im grossen Treppenhaus, die Grosse Kapelle und die südliche Antecamera. Es wird seine einzige Arbeit für den kurfürstlichen Hof bleiben. Gegen Jacopo Amigoni und Johann Baptist Zimmermann, mit denen er in Schleissheim gleichzeitig arbeitet, kann er sich beim schon stark nach Frankreich orientierten Hof nicht mehr durchsetzen.
Weltenburg
In seinem Kuppelfresko von 1721, der ersten Arbeit in Weltenburg, hat sich Cosmas Damian mit «pictor et architectus» bezeichnet. Dies, weil er für den Innenraum nicht nur Maler, sondern generell Entwerfer ist und als Architekt für die grossen Veränderungen des Innenraums zwischen 1720 und 1736 verantwortlich ist. Eigentlicher Gesamtleiter des Neubaus der Benediktinerabtei an der Donau ist Abt Maurus Bächl, der bis 1713 noch in Ensdorf als Prior an den dortigen Neubauten tätig ist und 1716–1718 den Neubau mit dem Ordensbaumeister Br. Philipp Plank durchführt.[14] Vielleicht zieht er beratend schon während der Bauphase auch Cosmas Damian Asam zu.[15] Mit Sicherheit geht die Kuppelgestaltung und die Chorlösung auf ihn zurück. Diese Eingriffe, wie auch die Pilaster- und Säulengliederung, finden aber erst in der Ausbauphase nach 1718 statt, an der nebst Cosmas Damian und Egid Quirin auch die Schwester Maria Salome beteiligt ist. Die Arbeiten der Familiengemeinschaft dauern bis 1736. Der Innenraum der Klosterkirche Weltenburg ist ein Gesamtkunstwerk. Cosmas Damian ist der überragende Gestalter. Er öffnet sein ovales, römisch geprägtes, dunkles Langhaus nach oben in einen hellen, durch eine Kulissenschale theaterähnlich hinterleuchteten Himmel. Im Chor wird diese Lichtregie mit dem hinterleuchteten Drachentöter im Hochaltar, einem Werk seines Bruders, nochmals gesteigert. Cosmas Damian ist in Weltenburg Gesamtleiter, Schöpfer aller Fresken und auch aller Altarblätter, die er noch 1735 liefert.
Innsbruck und Fürstenfeld
1722–1723 können die Brüder Asam dank der Vermittlung des Schwagers und Schwiegervaters von Cosmas Damian Stuck und Fresken der Stadtpfarrkirche St. Jakob in Innsbruck erstellen.[16] Der Füssener Baumeister Johann Georg Fischer verbreitert unter dem Einfluss der Brüder Asam das Mittelschiff und kann so drei querovale grosse «Baldachinräume» für die Langhausfresken anbieten. Die Änderung muss mit dem Ersatz der Massivgewölbe durch Gipslattengewölbe im Verbund mit dem Dachstuhl erkauft werden, die Egid Quirin auch gleich selbst erstellt. Er wird mit 2400 Gulden entschädigt, während Cosmas Damian 3500 Gulden erhält.
In der Stiftskirche der Zisterzienserabtei Fürstenfeld kann Cosmas Damian Asam 1722 die Deckenfresken im Chor und 1730–1731 diejenigen im Langhaus malen. Mit Fürstenfeld ist die Familie Asam eng verbunden. Beim Neubau des Baumeisters Viscardi kann Vater Georg Asam die Räume des Konventes freskieren. Cosmas Damian ist als Lehrling beteiligt. Nach dem zehnjährigen Unterbruch wegen des Spanischen Erbfolgekrieges kann der Bau 1714 wieder aufgenommen werden. Inzwischen ist der ältere Bruder in Fürstenfeld eingetreten und ist als Pater Engelbert bekannter Musiker, Organist und Komponist. Diese Nähe zu Fürstenfeld mag die beiden Brüder Asam 1714 verleitet haben, sich anstelle des verstorbenen Baumeisters Viscardi im Generalakkord von 100 000 Gulden für die Vollendung der Stiftskirche zu bewerben. Zum Glück für die beiden sich masslos überschätzenden Brüder überträgt der vorsichtige Abt den Auftrag an den ehemaligen Palier Viscardis, Johann Georg Ettenhofer. Die Stuckaturen im Chor erstellt Peter Franz Appiani, diejenigen im Schiff Jacopo Appiani. Obwohl sich das Gewölbe des Wandpfeiler-Langhauses von Fürstenfeld kaum von Weingarten unterscheidet, überwiegt hier der Stuck und lässt für die Hauptfresken nur Rechteckfelder im Gewölbescheitel frei. Asam und seine Mitarbeiter setzen das anspruchsvolle ikonographische Freskenprogamm gekonnt und in kurzer Zeit durch. Insgesamt sind es 19 Hauptbilder im Gewölbescheitel und an den Quertonnen, sowie 23 Zwickelbilder.
Freising
Der fünfschiffige, ursprünglich romanische Dom zu Freising wird schon 1619–1622 frühbarock umgebaut. 1723 erhalten die Brüder Asam den Auftrag, innerhalb eines Jahres den Dom nochmals neu zu gestalten. Bauherr ist der ihnen wohlgesinnte Fürstbischof Johann Franz Eckher. Das Konzept erstellt er zusammen mit seinem Organisator, dem Benediktinerhistoriker P. Karl Meichelbeck. Die Vergütung beträgt 7000 Gulden. Es gelingt Egid Quirin, der hier für die Architektur verantwortlich ist, ohne wesentliche Änderung der Grundstruktur den Raumeindruck einer Wandpfeilerkirche mit Stichkappentonne zu erwecken. Cosmas Damian gliedert die Tonne mit Gurtbögen in «stucco finto» und malt fünf grosse Deckenfresken, darunter auch eine Scheinkuppel mit der thronenden Maria. In die 20 Brüstungen der Seitenemporen stellt er die Vita des hl. Korbinians dar. In die rund 70 Kreuzgratgewölbe der Seitenschiffe und Emporen werden abwechselnd Putti in Grisailletechnik und Medaillons mit Heiligendarstellungen eingefügt.
Maria-Einsiedeln
Abt Thomas Schenklin schliesst Anfang 1724 mit den beiden Brüdern Asam getrennte Verträge für die Freskierung und Stuckierung des neuen Kirchenschiffs, das erst im westlichen Oktogonbereich schon fertig gewölbt ist. Ihre Anstellung ist eine Folge des von Abt Thomas begonnenen Künstlertransfer von Weingarten nach Einsiedeln, dem auch Franz Anton Kuen, Joseph Anton Feuchtmayer sowie Diego Innocenzo und Francesco Carlone ihren Ruf nach Einsiedeln zu verdanken haben. Für die Ausgestaltung der grossen Gewölbefelder des Oktogons über der Gnadenkapelle mit dem Thema der Einsiedler Engelweihe vereinbart der Abt mit Cosmas Damian 4400 Gulden. Die Arbeit wird innert 10 Wochen im Herbst 1725 ausgeführt. 1726 und 1727 kann er auch die Gewölbe des anschliessenden Predigtraums mit der Abendmahlskuppel und den der Weihnachtskuppel ausmalen, deren zitronenförmige Form auf seine Anregung zurückgeht.[17] Dafür ist er weitere 21 Wochen in Einsiedeln und erhält nochmals 5385 Gulden.[18] Auch die unternehmerische Leistung des Trupps von Cosmas Damian ist gewaltig. Im Durchschnitt malt er um die 60 Quadratmeter pro Woche.
Böhmen und Schlesien
Der Abt der Benediktinerabtei Kladruby vereinbart 1724 mit Cosmas Damian, sicher auf Grund von Empfehlungen aus Kreisen befreundeter Benediktineräbte der angrenzenden Oberpfalz, die Wand- und Kuppelfresken der neuen Stiftskirche zu malen. Das 86 Meter lange Bauwerk des Baumeisters Santini-Aichel ist in einer aussergewöhnlichen barocken Gotik gebaut, deren Netzwerkgewölbe Freskenmalereien ausschliessen. Asam beginnt im Frühjahr 1725 mit den 23 grossen Wandbildern und reist im Sommer nach Einsiedeln. Der gleiche Ablauf wiederholt sich 1726 und 1727. Asam ist damit für eine Reise von Kladrau über München nach Einsiedeln zwei Wochen im Sattel.
Mit der Arbeit in Kladrau empfiehlt sich Asam als Maler für die bei Prag gelegene und drei Tagesritte entfernte Benediktinerabtei Břevnov. Abt Othmar Zinke hat hier durch Christoph und Kilian Ignaz Dientzenhofer soeben Kloster und Stiftskirche bauen lassen. Während der Abt die Gewölbefresken der weit in den Spätbarock weisenden Kirche 1718 an den Prager Johann Jakob Steven von Steinfels vergibt, lässt er durch die Brüder Asam 1727–1728 den Festsaal gestalten. Gleichzeitig vergibt er die Ausmalung der Mittelkuppel in der Wallfahrtskirche Maria Victoria am Weissen Berg in Prag an Cosmas Damian Asam.
Der gleiche Abt überträgt ihm 1733 auch die Ausmalung der Benediktiner-Stiftskirche von Wahlstatt in Schlesien. In der kurvierten spätbarocken Kirche des Kilian Ignaz Dientzenhofer malt Asam in das grosse Gewölbefeld der flachen Stutzkuppel die Darstellung der Auffindung des Heiligen Kreuzes. Aus der Zusammenarbeit mit dem grossen böhmischen Baumeister ergibt sich ein weiterer Auftrag. Für die Ausmalung der Benediktiner-Stiftskirche St. Niklas in Prag (Altstadt) erhält Asam 1735 einen weiteren grossen Freskenauftrag, den er 1736 beendet. Hier ist auch die Mitarbeit des Sohnes Franz Erasmus erwähnt.
Verlorene Werke
Wichtige Werke der Brüder Asam der 1720er Jahre fallen 1944–1945 dem Bombenkrieg zum Opfer. Es sind Arbeiten in München, Bruchsal und Mannheim. 1727 statten sie die Spitalkirche Heilig-Geist in München mit Stuck und Deckenfresken aus. 1728 malt Cosmas Damian die Fresken der Schlosskapelle in Mannheim und das grosse Deckenfresko der Hofkirche von Bruchsal. 1729 ist er wieder in Mannheim, wo er das Deckenfresko im Rittersaal des Kurfürstlichen Schlosses malt. 1730 malt er hier auch die drei Deckengemälde des Treppenhauses. 1729–1730 ist er in der Hieronymitaner-Klosterkirche St. Anna am Lehel tätig. 1734 kann er die Fresken der Salesianerinnen-Klosterkirche St. Anna in München malen. Mit Ausnahme der Bruchsaler Schlosskirche werden diese Bauwerke nach dem Krieg wieder originalgetreu aufgebaut. Die Asam-Fresken der Münchner Kirchen Heilig-Geist und St. Anna im Lehel rekonstruiert Karl Manninger, diejenigen in Mannheim Carolus Vocke.
Ettlingen
Die Markgräfin von Baden-Baden, Franziska Sybilla Augusta, zieht 1732 Cosmas Damian Asam zur Freskenausstattung ihrer neuen Schlosskapelle in Ettlingen bei. Befreundet mit dem Bauherrn der Residenz Bruchsal, dem Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn, ist sie schon 1728 treibende Kraft für den Beizug des Künstlers in Bruchsal.
Alteglofsheim und Innsbruck
Zwei Werke der 1730er Jahre sind Fresken für profane Räume mit mythologischen Szenen. Bisher sind die Fresken in Schleissheim und Mannheim die einzigen mit einer solchen Thematik. 1730 folgt eine Arbeit im Schloss der Grafen von Königsfeld in Alteglofsheim bei Regensburg. Cosmas Damian malt das Deckenfresko des Ovalsaals und ist im zweigeschossigen Endymion-Zimmer tätig. 1734 ist er in Innsbruck tätig. Im Sitzungssaal der Tiroler Landstände erstellt er das Deckenfresko. Die Fresken bestätigen, dass Cosmas Damian profane Themen wenig innovativ angeht und dass er nur bei der religiösen Malerei wirklich überragend ist.
Osterhofen
Ein erneuter Höhepunkt in der Zusammenarbeit der Brüder Asam stellt die Innenraumgestaltung der Prämonstratenser-Stiftskirche Osterhofen dar. Der Wandpfeilersaal ist ein frühe geniale Gestaltungsleistung des Münchner Baumeisters Johann Michael Fischer. Deutlich ist der böhmische Einfluss in der kurvierten Architektur spürbar. Das Bauwerk Fischers wird heute als «Asambasilika» bezeichnet. Dies, weil die beiden Brüder 1731–1735 wesentlich zur Vollendung dieses grossartigen spätbarocken Gesamtkunstwerkes beitragen. Cosmas Damians Anteil sind die Altarblätter und der grosse Freskenzyklus, wieder mit einem zentralen Langhausfresko. Die Vita des heiligen Norbert bildet den programmatischen Faden.
St. Emmeram
1731 vergibt das Kapitel der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg die Umbau-Ausführung der im Kern noch karolingischen Basilika an die «über den ganzen Erdkreis höchst berühmten zwei deutschen Brüder» Asam. Die Umgestaltung ist problematisch. Unter die alte Flachdecke wird eine Stichkappen-Tonne als Stuck-Lattengewölbe eingezogen, deren Ansatz unter den Obergadenfenstern liegt. Der Raum wirkt nun gedrückt. Cosmas Damian unterteilt die Deckenfläche mit gemalten Gurtbögen in zwei ähnlich grosse Bildfelder und malt zudem zehn Wandbilder. Decken- und Wandbilder sind in Kaseinfarben gemalt, also keine Fresken im eigentlichen Sinn. 1737 kann Asam auch die Bibliothek gestalten.
Ingolstadt
Im Kongregationssaal Maria de Victoria im Jesuitenkolleg Ingolstadt malt er 1734 innert 36 Tagen das grosse Deckenfresko (15 x 30 Meter). Es ist eine reife Meisterleistung. Asam erweckt trotz der geringen Raumhöhe von 9,5 Meter eine Illusion von Öffnung und Weite.
Asamkirche St. Johann Nepomuk
Egid Quirin Asam ist 1733 im Besitz von vier Häusern in der Nordwestflucht der Sendlinger Gasse in München. Die beiden südwestlichen Gebäude bestimmt er zu seinem Wohnhaus. Daneben baut er seit 1733 eine private Kirche mit Priesterhaus zu Ehren des heiligen Johann Nepomuk. Sie wird zu einem von ihm finanzierten Gemeinschaftswerk der beiden Brüder. 1735 signiert Cosmas Damian das Deckenfresko. An den Wandfresken arbeitet er noch bis 1739.
Letzte Werke
Der Fürst von Fürstenberg-Messkirch, kaiserlicher Prinzipalkomissar am Immerwährenden Reichstag in Regensburg, erstellt als Anbau an die Stadtpfarrkirche von Messkirch eine Kapelle, die er ebenfalls dem heiligen Johann Nepomuk widmet. Er zeiht die ihm aus Regensburg bekannten Brüder Asam zur Ausstattung bei, die 1735 mit den Arbeiten beginnen, wobei Cosmas Damian die Fresken und das Altarblatt malt.
1738 malt er im Auftrag eines Augsburger Domherrn und Neffen des Fürstbischofs von Freising die Deckenfresken der Wallfahrtskirche Unseres Herren Ruhe in Friedberg.
Ebenfalls 1738 malt er sein letztes Werk, die Deckenfresken in der Ursulinen-Klosterkirche von Straubing. Sein Bruder Egid Quirin ist hier Architekt, Bildhauer und Stuckateur.
Früher Tod und Nachfolge
Überraschend erkrankt Cosmas Damian Asam im Frühjahr 1739 und stirbt am 10. Mai 1739 im Alter von erst 53 Jahren in seinem Haus an der Schwabinger Gasse in München. Er wird auf dem Friedhof bei der Frauenkirche begraben.
Sein Sohn, dem er aus «seinen erheblichen Ursachen» im Testament nur wenig hinterlässt, führt zwar einige Arbeiten zu Ende, kann aber weder künstlerisch noch unternehmerisch an die Erfolge des Vaters anknüpfen.
Seine bekanntesten Schüler sind Christoph Thomas Scheffler (1699–1756) aus Mainburg und Matthäus Günther (1705–1788). Eigentlicher Nachfolger von Cosmas Damian Asam ist aber sein sechs Jahre jüngerer Konkurrent am Münchner Hof, Johann Baptist Zimmermann (1680–1758), der dann zusammen mit seinem Bruder Dominik den süddeutschen Barock ins Rokoko führt.
Ein Mann aus dem Volk
Johann Heinrich Füssli schreibt 1770 über ihn: «Ein Mann von untadeligen Sitten, höflich und gesellig». Er trifft Asam in Ettlingen, wo Füssli bei der Markgräfin von Baden-Baden den Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn malt. «Wir waren Freunde; und ich erinnere mich mit Vergnügen der Stunden, die ich mit ihm verbracht habe», schliesst Füssli seine Charakteristik ab. Sicher ist Asam auch ein gläubiger Mensch, geprägt durch eine tief verwurzelte Laienfrömmigkeit im Kurbayern des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Er ist sich seines Standes immer bewusst und unterschreibt selbst Briefe an die Geistlichkeit immer mit «Ihro Hochwirthen Gehorsambister und schultiger Diener».
So porträtiert sich Asam 1731 auch im Fresko vom Gleichnis des Pharisäers und des Zöllners im Turm-Erdgeschosse von Osterhofen. Er stellt sich als demütiger Zöllner abseits. Es ist eine ungeschönte und aussagekräftige Darstellung eines Mannes aus dem Volk.
Pius Bieri 2014
Literatur:
Halm, Philipp M.: Die Künstlerfamilie der Asam. München 1896.
Bushart, Bruno und Rupprecht, Bernhard (Hrsg.): Cosmas Damian Asam 1687–1739, Ausstellung im Kloster Aldersbach, Katalog. München 1986.
Anmerkungen:
[1] Mit «Maler und Architekt» signiert Cosmas Damian Asam 1721 in Weltenburg das Hauptfresko
[2] Die Pfarrkirche U. L. Frau von Benediktbeuern, östlich des Klosters an der Stelle des heutigen Friedhofs gelegen, wird nach der Säkularisation 1803 abgebrochen.
[3] Nikolaus Gottfried Stuber (1688–1749) ist Sohn von Kaspar Gottfried Stuber, einem Onkel mütterlicherseits.
[4] Bonaventura Oberhuber (1662–1735), Profess in Tegernsee, Abt 1695–1698 in Ensdorf, 1698–1716 Abt in Reichenbach am Regen und Administrator in Ensdorf. Zusammen mit dem Prior Maurus Bächl (1668–1749) lässt er von Wolfgang Dientzenhofer Kloster und Stiftskirche vom Ensdorf planen und beginnt 1711 mit dem Neubau. Maurus Bächl wird 1713 Abt von Weltenburg.
[5] P. Karl Meichelbeck berichtet in seinen Schriften immer positiv über Cosmas Damian. Er schreibt in den Annalen der Benediktinerkongregation auch, dass Cosmas Damian in Rom mit höchstem Erfolg in Malerei und Baukunst ausgebildet worden sei. Mit Sicherheit kann heute das letztere ausgeschlossen werden. Die grossen und wichtigen Aufträge in Freising verdanken die Brüder Asam sogar direkt P. Karl Meichelbeck, der auch das ikonographische Konzept erstellt.
[7] Br. Philipp Plank (1660–1720) aus Kelheim, auch Blank, Plankh, Planckh geschrieben, ist Ordensbaumeister der Franziskaner, plant und leitet aber auch Bauwerke anderer Orden. In Weltenburg plant er für Abt Maurus Bächl das neue Kloster und leitet die Ausführung 1716–1718.
[8] Heute Theatinerstrasse 39, das heutige Haus ist ein Jugendstilbau von 1904, der 1946 wieder aufgebaut wird.
[9] Heute Asam-Schlossl in München-Thalkirchen, Maria-Einsiedel-Strasse 45.
[10] Cosmas Damian bewirbt sich 1717 mit seinem Bruder Egid Quirin in Weingarten, der dann aber in Konkurrenz zu Franz Schmuzer (nicht: Franz Xaver Schmuzer) ausscheidet. Die weiteren Bewerber für den grossen Freskenauftrag bleiben ungenannt. Bruno Bushart nennt Jacob Carl Stauder, den Frisoni vorgeschlagen habe. Frisoni dürfte aber eher seinen Landsmann Carlo Innocenzo Carlone empfohlen haben, mit dem er gleichzeitig in Ludwigsburg zusammenarbeitet.
[11] Den mathematisch strengen Illusionismus des italienischen Jesuitenpaters, der die Architektur des Kirchenraumes täuschend in seiner Malerei fortsetzt und in kühnem «di sotto in sù» in entfernte Himmelshöhen weiterbaut, mildert Asam, indem er die gemalte Scheinarchitektur von ihrem realarchitektonischen Unterbau abzulösen beginnt». (Thomas Onken in: Jacob Carl Stauder).
[12] Zitat Thomas Onken in: Jacob Carl Stauder.
[13] Baumeister und Bauleiter ist Domenico Mazio aus Roveredo, ein Verwandter des ebenfalls in Bayern wirkenden Antonio Riva. Als Dominikus Magzin ist er von 1698–1726 als Baumeister in Niederbayern tätig.
[14] Die Kirche ist zu diesem Zeitpunkt erst mit dem Grundputz versehen. Ausführender Maurermeister ist Michael Wolf von Stadtamhof. Vor dem Arbeitsbeginn der Brüder Asam 1720 ist der Bildhauer Pietro Francesco Giorgioli (geb. 1687 in Meride) Schöpfer der Orgelempore und der Marmorbalustraden, auch der Westfassade.
[15] Hans Christian Egger bestreitet den Entwurf durch Cosmas Damian Asam in seiner Dissertation «Die Pfarr- und Abteikirche St. Georg in Weltenburg und ihre Baugeschichte (Wien 2010). Der Baubeginn von 1716 verleitet leider die meisten Kunsthistoriker, den Beitrag von Cosmas Damian Asam an der Planung von Weltenburg trotz mangelnder Quellen um fünf Jahre vorzuverlegen. Wenn dem so wäre, wären die grossen Änderungen nach 1720 nicht verständlich und unverzeihlich.
[16] Der Schwager Franz Christoph Mörl ist als Geistlicher in Innsbruck tätig, der Schwiegervater Franz Anton Mörl ist kaiserlicher Aktuar in Tirol.
[17] Der Baumeister Br. Caspar Moosbrugger unterliegt 1723 mit seinem Antrag, eine Tambourkuppel wie in Weingarten zu bauen. Die Mönche befürchten Mönche einen zu grossen Unterhalt im schneereichen Hochtal und zu starken Kälteabfall und lehnen die Tambourkuppel ab. Stattdessen wird 1725, wie später auch in Ottobeuren, anstelle einer «offenen cupola» eine «vertruckhte cupola» im Dachstuhlprofil gemauert.
[18] In den Entschädigungen sind auch die beiden Gesellen von Cosmas Damian Asam enthalten. Die Aufenthaltskosten (Tisch, Wein, Quartier, Unterhalt der Pferde) und die Bezahlung der Hilfskräfte übernimmt das Kloster. Auch Farbenreiber und Freskogrund-Leger zahlt das Kloster.
Quelle: Bruno Bushart.

|Cosmas Damian Asam (1686−1739)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|27. September 1686 (Taufe)||Laingruben Benediktbeuern||Bayern D|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Kurfürstentum Bayern||Augsburg|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|10. Mai 1739||München||Bayern D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Kurfürstentum Bayern||Freising|
|Kurzbiografie|

Cosmas Damian Asam ist während eines Vierteljahrhunderts der bedeutendste Maler des süddeutschen Spätbarocks auf dem Gebiet des architekturgebundenen, raumbildenden Freskos. Sein Werk steht zwischen 1714 und 1739 für eine illusionistische Grossmalerei, die nördlich der Alpen erstmals die bisher tektonisch vorgegebenen Bildgrenzen überschreitet und den Kirchenraum auch architektonisch prägt. Vorbilder sind für ihn anfänglich die römischen Maler Gaulli und Pozzo. Die meisten Werke entstehen in Gemeinschaft mit seinem kongenialen Bruder Egid Quirin. Ihre gemeinsamen Raumschöpfungen, die Klosterkirche Weltenburg und Sankt Johann Nepomuk in München, stehen für Glanzstücke des europäischen Barocks.