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Die bekanntesten (körperlichen) Krankheiten bei homosexuellen Männern sind die sexuell übertragbaren Infektionen (Sexually Transmissible Infections STI), darunter HIV. Unsere Untersuchungen zeigen, dass schwule Männer aber auch von anderen gesundheitlichen Problemen wie Allergien, Migräne oder Atemwegserkrankungen überdurchschnittlich betroffen sind. Auch sind Cholesterinwerte, Blutdruck und Blutzucker höher als bei der männlichen Gesamtbevölkerung.
Chronische Krankheiten verursachen in der Schweiz die meisten Krankheitsfälle und Behinderungen. In der Regel nehmen sie mit dem Alter zu. Zwar ist ein Vergleich mit den Männern der Gesamtbevölkerung hier nicht möglich, weil die SGB nicht die gleichen Daten abfragt, doch ist festzustellen, dass die mehrheitlich jüngeren Männer unserer Stichprobe sehr stark betroffen sind. Bei der hohen Anzahl von Atemwegserkrankungen (Nebenhöhlenentzündung, Asthma, Bronchitis) mag noch die Annahme gelten, der starke Poppers- und Tabakkonsum der Gays könnte eine Rolle spielen; die vielen Fälle von Allergien und Migräne bleiben aber rätselhaft, es sei denn, man gehe davon aus, dass Homosexuelle auf die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft grundsätzlich allergisch reagieren.
Die kurzfristige Behinderung ist eine vorübergehende Einschränkung der normalen Funktionsfähigkeit. Sie ist ein guter Indikator für die Auswirkung von Krankheiten auf die Gesundheit. Auch über die kurze Dauer von nur zwei Wochen schlägt sich der schlechte psychische Gesundheitszustand schwuler Männer merklich negativ nieder.
Sexuell übertragbare Infektionen sind, vor allem seit dem ersten Auftreten von Aids Anfang der 1980er Jahre, historisch mit homosexuellen und bisexuellen Männern verbunden. Die Entdeckung wirksamer Aids-Therapien Ende der 1990er Jahre hat der Krise und dem bis dahin meist tödlichen Verlauf der Infektionskrankheit Aids ein Ende gesetzt. Die neuen Behandlungsmöglichkeiten machten aus dem, was eine Epidemie war, sehr schnell eine chronische Erkrankung. Eine sehr gute Nachricht, die in der schwulen Community zur Folge hatte, dass die Praxis des Safer Sex in relativen Zahlen zurückging. Dank der präventiven Wirkung von Medikamenten gegen HIV hat sich die Zahl der infizierten homosexuellen Männer in der Schweiz in den letzten Jahren zwar stabilisiert, doch stellt diese Personengruppe weiterhin mehr als die Hälfte der Neuansteckungen. Der Verzicht auf das Kondom zu Gunsten neuer Präventionsformen wie der PrEP (Präexpositionsprophylaxe) führt manchmal zu einer Vermehrung anderer sexuell übertragbarer Infektionen wie insbesondere der Syphilis. Die Daten aus der Grafik stammen aus dem Jahr 2002, aktuellere Daten sind auf der Website des BAG zu finden.
Ein hoher Blutzuckerspiegel, überhöhter Blutdruck (Hypertonie) oder erhöhte Cholesterinwerte sind Risikofaktoren für eine ganze Reihe von Erkrankungen. Dass schwule Männer von diesen Risikofaktoren häufiger betroffen sind als die Männer der Gesamtbevölkerung, kann sie im Alter einem höheren Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten aussetzen. Da sie aber im Durchschnitt öfter zum Arzt gehen als die Männer der Gesamtbevölkerung, ist es auch möglich, dass sie häufiger Routineuntersuchungen unterzogen werden, was die hohen Werte ebenfalls erklären könnte.
Von somatischen Symptomen spricht man, wenn jemand Beschwerden wie Rücken- oder Kopfschmerzen bzw. Zustände wie Schlaflosigkeit und Müdigkeit erlebt, ohne dass unbedingt eine anerkannte Erkrankung vorliegt. Gesundheitsexperten halten manche dieser Zustände und Schmerzen für psychologisch bedingt, beispielsweise bei Stress. Angesichts des schlechten Gesamtgesundheitszustands schwuler Männer und der Belastungen, denen sie in ihrem Lebensverlauf ausgesetzt sind, ist es normal, dass sie auch häufiger solche somatischen Symptome aufweisen.