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Während des Wettbewerbs stand die Boccioni-Skulptur „Entwicklung einer Flasche im Raum, 1912“ sinnbildlich für die plastische Entwicklung der polygonalen Baukörper. Die entstandene Arealüberbauung „Am Chatzenbach“ von Bob Gysin Partner bestehen aus siebengeschossigen Hauptkörpern, die insgesamt 66 Mietwohnungen aufnehmen und sich wie Perlen an einer Kette aufgereiht in die unregelmässige Grundstücksgeometrie einpasst.
Skulpturale Solitäre
Das Areal an der Ettenfeldstrasse befindet sich in Seebach, nahe der Ortsgrenze zu Oerlikon und der Endstation des Trams 14. Die Vorstellung des ehemaligen Stadtbaumeisters A. H. Steiner von einer Gartenstadt, in der Nachbarschaften mit eigenen Quartierzentren durch Grüngebiete gleichzeitig getrennt und verbunden werden, sind hier noch heute spürbar. Aus diesem Grund bildete der Landschaftsraum des Chatzenbachs im Süden des Areals sowie die kleinteilige Bebauungsstruktur der Nachbarbauten die Ausgangslage für das Projekt.
Während des Wettbewerbs stand die Boccioni-Skulptur „Entwicklung einer Flasche im Raum, 1912“ sinnbildlich für die plastische Entwicklung der polygonalen Baukörper. Die Bauten, welche insgesamt 66 Mietwohnungen beherbergen, schmiegen sich ein in die unregelmässige Grundstücksgeometrie, aufgereiht wie Perlen an einer Kette. Die Gebäudesilhouette reagiert auf die unterschiedlichen Höhen der angrenzenden Gebäude und die facettierte Abwicklung verleiht den 7-geschossigen Bauten eine stimmige Massstäblichkeit.
Der weitläufige Raum entlang des Chatzenbachs setzt sich
fort, was zu einem fliessenden Übergang zwischen Landschafts- und Siedlungsraum führt und den Wohnungen eine besondere Grosszügigkeit bietet. Gemäss dem Quartierplan wird zur Verkehrsberuhigung die Zufahrt von der Schaffhauserstrasse zur Ettenfeldstrasse aufgehoben und erfolgt über den neu erstellten H.-R.-Giger-Weg. Zum Chatzenbach wird zwischen den Gebäuden mittels Aufschüttung und Stahlplanken ein Hochwasserschutz für das rückwärtige Quartier geschaffen. Bei der Ankunft von Norden werden die Bewohnerinnen und Bewohner von grosszügigen, begrünten Vorplätzen empfangen, die mit dem Flanierweg entlang des Chatzenbachs vernetzt sind.
Aufstrebende Struktur
Die Gebäude bestehen aus viergeschossigen Hauptkörpern mit jeweils zwei zurückversetzten Obergeschossen und einem Attikageschoss. Die Balkone, Loggien und Terrassen bilden Einschnitte und Auskragungen, die den skulpturalen Charakter der Gebäude prägen. Diese skulpturale Form wird in der Vertikalen durch die zurückspringenden Fensterpartien und die hochkant verteilten Steinzeug-Riemchen in der Fassade verstärkt, während die markanten Traufen einen klaren Abschluss bilden und ein umlaufender Faserzementsockel die Gebäude erdet. Staketengeländer werden als Absturzsicherungen eingesetzt und gegenüber der Strasse und den Bahngleisen schützt eine zusätzliche Glasverkleidung vor der höheren Lärmbelastung. Die Tragstruktur ist in einer Stahl-Beton Skelettbauweise, die Fassade in vorfabriziertem Holzelementbau erstellt. Die Gliederung der Fassaden unterstützt die aufstrebende Wirkung der Bauten und bietet mit den raumhohen Fenstern viel Tageslicht im Innern. Der Glanz und die Farbigkeit der jadegrünen Keramikplatten und braun pulverbeschichteten Metallelementen treten in ein changierendes Zusammenspiel mit dem Grünraum.
Vielfältige Wohnformen
Die 2.5 bis 5.5-Zimmer-Wohnungen sind kompakt gestaltet, flexibel nutzbar und für unterschiedliche Wohnformen geeignet. Da alle Wohnungen zwei- bis dreiseitig ausgerichtet sind, profitieren sie von einer guten Besonnung und einer direkten Sicht Richtung Chatzenbach und Grünraum. Das statische und haustechnische System ermöglicht flexibel einteilbare Geschosse, die sich verändernden Bedürfnissen in der Zukunft anpassen können. Von den westlich gelegenen Hauszugängen mit den angelagerten Velo- und Kinderwagenräumen tritt man über einen Eingangsbereich in die Treppenhäuser. Über in allen Gebäuden gleich geformten Treppenhäusern mit 3-läufigen Treppen, sechseckigem Luftraum und Oberlicht werden jeweils zwei bis drei Wohnungen pro Geschoss beeinträchtigungsgerecht erschlossen. Indem Korridore reduziert wurden, konnte mehr Fläche für die Wohnräume, die alle über innenliegende Loggien oder einen Balkon verfügen, gewonnen werden. Die nicht orthogonalen Grundrissgeometrien erzeugen eine spannungsvolle, fliessende Räumlichkeit, welche durch das Bad und die Küchen in einen Eingangs-, Wohn- und Schlafbereich gegliedert werden.
Ökologisch und effizient
Die hohe Kompaktheit, die Flächeneffizienz, die optimierte Statik und die Haustechnik sowie der Einsatz nachwachsender Baumaterialien, machen es möglich, die dauerhaften, reinigungsfreundlichen und gestalterisch hochwertigen Gebäude mit einem minimalen Aufwand an grauer Energie zu erstellen. Die Vorteile der Holzelementbauweise konnten anhand eines Bauteilvergleichs gezeigt werden. Statt High Tech stehen passive Massnahmen und optimal aufeinander abgestimmte Systemkomponenten im Vordergrund. Die Idee dahinter ist, dass ein nachhaltiges Gebäude nicht erst mit der Installation von technischen Geräten entsteht, sondern bereits in ganz frühen Phasen eine gute Basis gelegt werden sollte. Die gewählte Konstruktion ist eine Reaktion auf die horizontal zueinander verschobenen Geschosse und minimiert Graue Energie und Treibhausgasemissionen. Die gezielte Setzung der vertikalen Fensterbänder und der aussenliegende Sonnenschutz ermöglichen einen intensiven räumlichen Bezug zum südlichen angrenzenden Grünraum des Chatzenbachs und verhindern gleichzeitig eine sommerliche Überhitzung der Gebäude. Der Heizwärmebedarf wird mittels Wärmerückgewinnung minimiert und der Rest über die Fernwärme gedeckt. Das Regenwasser wird auf den extensiv begrünten Dächern zurückgehalten. Durch die Verdunstung kann an heissen Sommertagen die Umgebungstemperatur reguliert werden und der zusätzlich geschaffene Lebensraum für Fauna und Flora trägt zur Verbesserung der CO2-Bilanz bei.
Bauverlauf
Der Baustart für die Überbauung erfolgte im August 2019. Die Baugrubensicherung erfolgte einerseits mit Spundwänden sowie gegen die Bahngleise mit Bohrpfählen und Bewegungssensoren. Mit Hilfe des Wellpoint-Verfahrens wurde das Grundwasser abgesenkt, die Untergeschosse auf Bohrpfählen fundiert und als wasserdichte Stahlbetonkons- truktion ausgeführt. Dank einer „besonders guten Gestaltung“, die das Amt für Städtebau aussprach und dem Nachweis des Energiestandards Minergie-P erhielt das Projekt einen sogenannten Areal-Bonus und durfte mit einer 10% höheren Ausnutzung realisiert werden.
Text: BGP Bob Gysin Partner
©Damian Poffet
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