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Die Signaturenlehre:
Weshalb wurden in Männerklöstern früher Weiden angepflanzt?
Text von Georg Schönbächler, illustriert von Anna Sommer
In früheren Zeiten spielte in der Arzneimittelkunde die Signaturenlehre eine wichtige Rolle. Nach dieser Denktradition stehen alle Erscheinungen und Wesen in der Natur miteinander in Beziehung aufgrund der Bedeutung, die Gott ihnen verliehen hat. Dies
gilt sogar für die Krankheiten und die Mittel, sie zu heilen. Es gibt Analogien zwischen Makrokosmos (Natur) und Mikrokosmos (Mensch), die der Arzneimittelkundige lesen kann. Visuelle Ähnlichkeiten stehen im Vordergrund, aber auch Geschmack, Geruch, Farbe, Struktur, Beschaffenheit oder Standort können als Zeichen verstanden und interpretiert werden.
Die Weide
Die Rinde der Weide wurde in der Volksmedizin aufgrund der Signaturenlehre so eingesetzt :
- Weiden wachsen häufig am Wasser und ihre Wurzeln stehen oft im Wasser. Deshalb benutzte man die Weide als Mittel gegen Sumpffieber und Erkältungskrankheiten.
- Weiden haben weiche, biegsame Äste. Aus diesem Grund wurden sie gegen steife Gelenke und Rheuma eingesetzt.
- Aus dem gleichen Grund wurden Weiden in den Gärten von Männerklöstern als Anaphrodisiakum angepflanzt.
Aspirin
Heute weiss man, dass Weidenrinde den Wirkstoff Saligenin enthält, der zu Salicylsäure oxydiert wird. Die Acetylsalicylsäure ist der Wirkstoff in Medikamenten wie z.B. Aspirin, das fiebersenkend, schmerzlindernd und antirheumatisch wirkt. Hier also hat sich die Signaturenlehre bewährt !