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Die Eröffnungsfeier des Suezkanals im März 1869 bildete den Auftakt zur sogenannten ersten Globalisierung, die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Juli 1914 ein abruptes Ende fand. Europa erlebte ein geradezu friedliches Jahrhundert, das mit dem Ende der napoleonischen Kriege und dem Wiener Kongress 1815 begonnen hatte. Viele Schweizer Kantone hatten sich um 1830 neue Verfassungen gegeben und darin nicht nur die allgemeine Schulpflicht, sondern auch die Handels- und Gewerbefreiheit verankert. Damit legten die Kantone die Grundsteine nicht nur für die industrielle Revolution, sondern auch für den Triumph des Liberalismus in der Schweiz. Nicht nur zahlreiche Industriebetriebe entstanden, sondern auch Handelsgesellschaften, Banken und Versicherungen. Nach 1869 ermöglichte der Suezkanal europäischen Handelsschiffen den direkten Zugang zum Indischen Ozean und löste eine Transportrevolution aus. Bis zum Ersten Weltkrieg schwoll der Welthandel auf nie gesehene Ausmasse an und der Lebensstandard in den Industrieländern verbesserte sich rasant.
Zur Schweizer Delegation an der Eröffnungsfeier des Kanals in Suez gehörte auch der Inhaber der Spinnerei Niedertöss und liberale Zürcher Kantonsrat Heinrich Rieter (1814–1889). Der Schweizer Bundesstaat war erst vor kurzem, im Jahr 1848, gegründet worden. Vom Bundeshaus in Bern stand damals gerade mal der Westflügel und ein unterdotiertes Sekretariat war dort für die gesamte Aussenwirtschaft zuständig. Die umliegenden Nachbarstaaten Deutschland und Österreich-Ungarn waren noch Kaiserreiche. Der föderale Schweizer Verfassungsstaat war neu, europaweit ein Unikum und es fehlte eine ausgebaute Bundesverwaltung. Niemand war in Bern zuständig, um rasch auf die Bedürfnisse einer Handels-, Industrie- und Dienstleistungswirtschaft zu reagieren, die auf Graswurzelebene der Kantone entstanden, aber zunehmend global ausgerichtet war.
So ist zu erklären, dass ausgerechnet in der Schweiz der erste nationale Unternehmerverband der Welt entstand. In Deutschland gründeten Industrielle Ende der 1870er Jahre einen Zentralverband, der aber nicht von Dauer war. Auch ein 1899 gegründeter niederländischer Verband hielt nur kurze Zeit. In der Schweiz – mangels Monarchie und dementsprechend ausgebauten Verwaltungsapparats – mussten sich die Unternehmer selber helfen. «Von den Bundesbehörden ist gar nichts nach dieser Richtung zu erwarten; der schweiz. Fabricanten- und Handelsstand soll daher den Muth haben, selbst Hand ans Werk zu legen», schrieb etwa das Kaufmännische Directorium St. Gallen 1878.
Schweizer Unternehmer als Diplomaten
So war es für das 19. Jahrhundert typisch, dass Heinrich Rieter – Industrieller, Kaufmann, Politiker und Diplomat in einem – auf dem Rückweg von Suez über Konstantinopel, das heutige Istanbul, reiste. Die dortige Auslandschweizergemeinde war auf mehrere hundert Personen angewachsen, insbesondere die Glarner Textilindustrie schickte ganze Familien nach Konstantinopel, um sogenannte Türkentüchlein zu verkaufen.…