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Der St. Galler Bischof äusserte sich zum Fall des pädophilen Priesters von Uznach und sieht Möglichkeiten zur Lockerung des Zölibats.Dieser Inhalt wurde am 30. März 2002 - 16:54 publiziert
Fürer relativierte im Interview in der in Bern erscheinendend Tageszeitung "Der Bund" die Häufung der Fälle von pädophilen Pfarrern. "Niemand hat den Überblick", sagte er. "Wenn es auf Tausende Seelsorger nur ein paar Fälle sind, steht das in keiner Relation, und es wird schwierig, von einer Häufung zu sprechen", sagte er.
Zweifel, ob das Zölibat der Auslöser ist
Auch in anderen Berufen gebe es solche Vorfälle, nur würden sie einfach weniger auffallen. Spekulationen,wonach das Zölibat pädophile Männer anziehe, müssten erst bewiesen werden. "Vielleicht hat das bei einzelnen Personen eine Rolle gespielt, aber in unserer Ausbildungsordnung für Studierende der Theologie und den kirchlichen Dienst gibt es nach zwei Jahren und nach abgeschlossenem Studium eine persönliche Beratung".
"Da geht es darum herauszufinden, wie weit der Beruf für sie sinnvoll ist", sagte Fürer. Wenn jemand eindeutig pädophil sei, könne nur eine Tätigkeit im Hintergrund weg von der Seelsorge in Frage kommen.
Zölibat ist kein unnatürlicher Zustand
Auf die Frage, ob der Fall des früheren Uznacher Pfarrers, der zwei bis drei Knaben jahrelang sexuell missbraucht hat, sein Verhältnis zum Zölibat verändere, sagte Fürer: "Ich denke, dass ich mir das überlegen muss". Ich glaube aber auch nicht, dass die Ehe ein Heilmittel gegen Pädophilie ist."
Es gebe Verheiratete und Zölibatäre, die pädophil seien. Das Zölibat sei kein unnatürlicher Zustand und der Priestermangel hänge nicht nur mit dem Zölibat zusammen.
"Ähnlich wie andere Bischöfe sähe ich die Möglichkeit, verheiratete Männer, die sich bewährt haben, zu Priestern zu weihen. Das ist aber keine Meinung, die in der Kirche die Oberhand hat", sagte Fürer weiter. "Und wenn Verheiratete geweiht werden könnten, wäre damit nicht gesagt, dass es genügend Priester gäbe", sagte er.
Strafrechtliche Frage stellte sich noch nie
Fürer wies darauf hin, dass ihm aus den letzten Jahren kein so krasser Fall bekannt sei. Er sei schockiert gewesen. In einer solchen Situation habe klar informiert werden müssen.
Zur Reaktion der Kirche auf einen solchen Fall sagte er: "Das erste Anliegen muss es sein, einem pädophil veranlagten Menschen nicht die Gelegenheit zu geben, im kirchlichen Dienst seine Veranlagung auszuleben und so für Kinder zu einer Bedrohung zu werden."
Das zweite, die strafrechtliche Frage, sei auch relevant. "Aber vor diese Frage bin ich bis jetzt noch nie gestellt worden", sagte Fürer.
swissinfo und Agenturen
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