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Der nördliche Teil des Landes wird von einer Gebirgskette geprägt, die gegen Süden allmählich abflacht. Die höchste Spitze liegt mehr als tausend Meter über dem Meeresspiegel. Gegen die Ostküste hin bildet das Vulkangestein Formen aus, die oft wie Sporne in den Atlantik hinein ragen. Im Landesinnern sind die Abhänge und Täler zwischen den Bergkuppen von dichten Regenwäldern besetzt. In den höheren Lagen (über 400-500 m) wachsen in einem Klima mit mehr als 95 Prozent Luftfeuchtigkeit auf einem einzigen Quadratmeter oft 200 oder sogar mehr verschiedene Pflanzenarten – den weissen Gummibaum mit seinem duftenden Harz findet man hier ebenso wie riesige Baumfarne, Euterpe-Palmen, Bambussträucher und funkelnde Heliconien. In tieferen Lagen (um etwa 300 m) trifft man auf verschiedene Vorstufen des Regenwaldes und für das Flachland sind Trockenwälder mit ihren kleinblättrigen Bäumen und Sträuchern typisch.
Unterbrochen werden diese Wälder im Landesinnern dann und wann von kleineren Bananen- und Kalparik-Plantagen oder von saftig grünen Feldern, wo Hülsenfrüchte, Zuckerrohr oder einige der berühmten Reissorten von Santa Lemusa (Chavala, Doubout, Diri Benis) angebaut werden. Auch einzelne Kaffeeplantagen gibt es, die mit Kakao, Vanille und Zitrusfrüchten durchmischt sind. Sieht man von den Reisfeldern ab, so sind grössere Monokulturen auf der Insel eher die Ausnahme. In Nähe der Südküste, den Flüssen entlang und rund um die Siedlungen finden sich üppige Gärten, aus denen heraus Flamboyants, Balisiers und Bougainvillea leuchten. Beschützt durch Haine von Zimt-, Mahagoni- , Piment- oder Muskatbäumen wachsen hier all die vielen Gemüse, Früchte und Gewürze, die es für die lemusische Küche braucht: Limette und Lafime, Knoblauch und Kambala, Papok und Papaya, Maniok und Meriti.
Die Flüsse liefern Ouassous und Titiri, die Mangroven eine delikate Auster, und das Meer bietet nebst Marlin, Thunfisch oder Chatous auch Krustentiere, Muscheln und einzigartige Delikatessen wie die Riesenflügelschnecke, Fliegende Fische oder den legendären Chamou, dessen Leber noch zarter ist als der beste Foie Gras aus dem Perigord.
In Küstennähe wächst auch die berühmte wilde Geranie, die fast so etwas wie die Nationalblume von Santa Lemusa darstellt – und weit mehr als bloss eine Zierpflanze. So ist Lawouzé, wie diese einzigartige Subspezies von Pelargonium graveolens auf der Insel genannt wird, ist das wichtigste Nahrungsmittel der zottigen Balbala-Ziege, deren Milch zu intensiv duftendem Käse verarbeitet wird und deren rassiges Fleisch an Festtagen als Boucan auf den Tisch kommt. Aus Lawouzé wird aber auch eine Essenz gewonnen, die Bestandteil von Parfums und verschiedenen Kosmetikartikeln ist.
First Publication: 2001
Modifications: 29-3-2009, 30-9-2011