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«Die ehemalige Bezirksschreiberei ist ein wunderschönes Gebäude, steht aber seit mehr als fünf Jahren leer.» Diese Aussage einer Mitarbeiterin der Gemeinde Waldenburg weckte mein Interesse, dieses Haus näher zu untersuchen. Warum wird es nicht mehr genutzt? Welche Qualitäten weist es noch auf? Wie könnte eine mögliche neue Nutzung aussehen?
Der Grundstein für die Bezirksschreiberei wurde im Jahr 1768 mit dem Bau eines Landsitzes für Johann Ryhiner, den Oberzunftmeister und späteren Bürgermeister der Stadt Basel, gelegt. Der eingeschossige Bau mit grossen Fenstern bot grosszügige Ausblicke in die damals noch fast unberührte Natur. In den Jahren 1824-1826 wurde das Haus durch eine Aufstockung und den Anbau des hinteren Flügels erweitert. Dabei wurde der Ausdruck des Bestandes fast identisch übernommen. Zur Rechten des Gebäudes liegt ein üppig ausgestalteter Ziergarten, welcher wie auch die Bezirksschreiberei selbst barocke Züge aufweist.
Im Verlauf der 1990er-Jahre wurde das Haus im Zuge der Umnutzung als Bezirksschreiberei durch den Kanton renoviert. Dabei wurde es mit den technischen Installationen dieser Zeit ausgerüstet und im hinteren Bereich durch einen Liftanbau ergänzt. So konnte das Gebäude auch für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer zugänglich gemacht werden. Zudem wurden Dach und Fassade umfangreich saniert, um die Heizwärmeverluste einzudämmen. Die Innenräume wurden mithilfe von Leichtbauwänden unterteilt, die jederzeit rückgebaut werden könnten. Weil die Bezirksschreiberei geschützt ist, könnte eine heutige Sanierung nur in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege erfolgen.
Durch den Zusammenschluss der kantonalen Bezirksschreibereien im Dezember 2013 begann ein weiteres Kapitel in der sehr bewegten Geschichte dieses Gebäudes. Es verlor seine Funktion und steht seitdem leer. Der Kanton Baselland war offenbar nicht daran interessiert, das Gebäude wiederzubeleben. Erst als die Gemeinde Waldenburg den nötigen Druck ausübte, geriet der Stein ins Rollen. Im Sommer 2016 wurde eine Umzonierung zur Wohn-/Geschäftszone gutgeheissen, welche eine Umnutzung des Hauses erlaubt. Die Gemeinde Waldenburg geriet in den letzten Jahren immer stärker unter Zugzwang, da viele grosse Firmen weggezogen sind. Deshalb ist es umso wichtiger, dass solch hochwertige Bauten genutzt werden und diesem Abwärtstrend entgegenwirken.
Die massiven Aussen- und Innenwände aus Bruchsteinmauerwerk prägen die Grundrisse des Gebäudes. Die grossen offenen Räume, welche eine freie Möblierung erlauben, werden durch eine grosszügige zentrale Halle erschlossen. Die vertikale Verbindung erfolgt über eine sehr aufwändig gestaltete Holztreppe. Eine weitere Treppe führt den Besucher in das darüber liegende Dachgeschoss. Dieses beinhaltet zusätzliche Räume, welche aufgrund der hohen Kniestockwand ebenfalls problemlos genutzt werden können.
Die grossformatigen Fenster bringen viel Licht in das Haus und schaffen mit den hellen Oberflächen im Innenraum eine angenehme Atmosphäre. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass das Gebäude zukünftig ein kleines Architekturbüro beherbergen könnte. Durch punktuelle Eingriffe wäre es sogar möglich, das Gebäude wieder seiner ursprünglichen Nutzung als Wohnhaus zuzuführen.
Zurzeit würden Konzepte für eine zukünftige Nutzung erarbeitet, hiess es bei der kantonalen Verwaltung auf Anfrage. Angeblich soll die ehemalige Bezirksschreiberei wieder Teil der öffentlichen Behörden werden. Details werden jedoch noch keine preisgegeben.
Text: Samuel Borer
Der Text ist in der Schreibwerkstatt am Institut Architektur FHNW im Frühlingssemester 2019 entstanden.