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Hans Dettling lebte im 16. Jahrhundert in Walenstadt. Zusammen mit Hans Ustery aus Zürich und Casper Landold aus Glarus hatte er das Recht, Waren vom Umschlagplatz Walenstadt bis nach Zürich zu transportieren. Auf einer Glasscheibe sind die drei mit ihren Familienwappen abgebildet.
Wir wissen nicht, ob Hans Dettling, geboren um 1500, ein Vorfahre unseres Stammvaters Kaspar war. Doch zeigt eine Glasscheibe Hans Dettling flankiert von zwei weiteren Schiffsmeistern und unter ihm unser Familien-Wappen mit der gelb-roten Seerose (auf dem Foto in schwarz/weiss). Auch auf den säulenartigen Ornamenten ist die Seerose zu sehen.
Hans erhielt als Schiffsmeister manche Rügen,
weil er sich nicht an den „Eidzettel“ (Pflichtenheft)
hielt und sich auf dem Schiff durch Knechte vertreten liess, die nicht seetüchtig waren. Deswegen soll sogar ein Schiff untergegangen
sein. Alle drei auf der Glasscheibe abgebildeten Schiffsmeister hielten sich nicht immer an das Recht. So sollen sie auf einer Fahrt die „Roerli“ (Weinfässer) angezapft und sich
über Gebühr daran gütlich getan haben. Zur Strafe mussten sie 1535 gleich zwei Mal auf das Pflichtenheft schwören: „Dass keiner
mehr üppigklich mit Fröwlin umbgehe, auch nit spile und zutrinke“.
Durch die Schifffahrt kam Hans Dettling zu beträchtlichem Einkommen, das er mit unerlaubtem, selbständigem Handel mit Salz noch erhöhte. Dies gab wiederum Anlass zu Klagen. An einem Tag zu Uznach wurde beschlossen: „dass der Tettling eyntwärts an dhand neme, eyn Schiffmeister belybe und der Koufmannschaft abstanden, oder der Koufmannschaft anhange und den Schiffgwärb verlaase, wie es die Schiff-Ordnung zuogyt“. Hans hielt sich aber nicht daran.
Der heutige Kanton Schwyz wurde bis ins 17. Jahrhundert primär mit Salz aus dem tirolischen Hall versorgt. Der normale Transportweg führte über die Sust Bäch Richtung Innerschweiz. Die Region stand unter der Herrschaft des Klosters Einsiedeln, das 972 von König Otto II rechtliche Immunität erhalten hatte. In Walenstadt wurde die Ware, neben Salz auch Getreide und Eisen, auf Schiffe umgeladen. Weitere Umschlagplätze wie Pfäffikon und Wollerau sowie Hurden und Ufenau traten ab 1440 dem Kanton Schwyz bei. Dennoch blieb Schwyz bis ins 16. Jahrhundert vom Hauptmarkt, dem Zürcher Salzmarkt, abhängig. Die undurchsichtigen Herrschaftsansprüche führten zu einem nahezu willkürlichen Handels- und Wegzoll-System.
Nach dem Kappelerkrieg 1531, einem der ersten Religionskriege Europas nach Beginn
der Reformation, verhängten die
reformierten eidgenössischen Stände eine Lebensmittelsperre über die
katholische Innerschweiz. Salzhändler, wie der Schwyzer Hans
Dettling, versuchten sie zu umgehen, indem sie Salz im grossen Stil über Um- und Schleichwege nach Schwyz schmuggelten. Die Hauptroute der Schmuggler führte über Sargans, Walenstadt, den
Walensee, Niederurnen und Glarus nach Schwyz. Eine andere Route führte über das
Weisstannen- und Sernftal nach Glarus und Schwyz, eine dritte von Mühlehorn
über den Kerenzer. Mehrmals wurden in
Weesen und an andern Orten des Gasterlandes Ladungen abgefangen und eingezogen. Auch jene von Hans.
Die schwyzerische Obrigkeit war am Salz-Geschäft aktiv beteiligt, ja wurde sogar von den fünf Alten Orten aufgefordert, Salz für alle zu besorgen. Hans Dettling spielte dabei eine zentrale Rolle. Er versorgte als Salzhändler und Schiffmeister den Kanton Schwyz im Auftrage der Obrigkeit über Jahre mit geschmuggeltem Salz. Kam es zu Konflikten, wie mehrmals mit Zürich, setzten sich Landammann und Räte für Hans ein. Dettling nutzte sein Monopol allerdings zunehmend aus und erhöhte die Salzpreise. Auf der Tagsatzung 1551 kam es deshalb zu Beschwerden gegenüber den verantwortlichen Ständen. Die Folgen sind unklar, jedoch scheint Hans wenige Jahre später aus dem Salzgeschäft ausgeschieden zu sein.
Recherchen und Text
Josef Dettling
Quellen
Bild
15. August 2023