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Challere - es Dorf wo sich's guet läbe lot!
Kallern - von Freiämtern liebevoll “Challere“ genannt - kann sich nicht rühmen, oft in Geschichtsbüchern oder gar auf Freiheitsbriefen erwähnt zu wissen. Jedoch lassen verschiedene Funde darauf schliessen, dass Kallern während der Jungsteinzeit (3000 bis 1800 v. Chr.) besiedelt war. Vermutlich entstanden die Weiler auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde im 9. Jahrhundert durch Rodungen. Im Früh- und Hochmittelalter gehörte der grösste Teil Kallerns zum Einzugsgebiet des Kellerhofs in Boswil. Dieser königliche Besitz der Karolinger ging 853 an das Chorherrenstift der Stadt Zürich über, um 900 an das Zürcher Fraumünsterkloster. Die Äbtissinnen übten auch die niedere Gerichtsbarkeit aus. Die Landesherrschaft lag bei den Habsburgern.
Die erste urkundliche Erwähnung von Kaltherren erfolgte 1306 im Habsburger Urbar. Der Ortsname geht auf das lateinische calcatura (das Traubentreten) und auf das schwäbische Kelter bzw. Kalter (Weinpresse) zurück. Dies lässt darauf schliessen, dass hier früher Weinbau betrieben wurde. Aus Kaltherren entwickelte über Kalchern, Kalchren und Kalleren schliesslich die heutige Bezeichnung Kallern. Johans I. von Hallwyl erwarb den Kellerhof im Jahr 1341.
Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und das Gebiet um Kallern gehörte fortan zu den Freien Ämtern, einer Gemeinen Herrschaft. Die Hallwyler mussten aus finanziellen Gründen einen grossen Teil ihres Besitzes abstossen, zwischen 1433 und 1483 erwarb das Kloster Muri in vier Schritten den Boswiler Kellerhof. Die Mönche errichteten 1594 in Unterniesenberg ein Gästehaus, das vor allem während der Jagdsaison genutzt wurde. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Das heutige Gemeindegebiet lag im Kanton Baden. Unter-, Ober- und Hinterniesenberg gehörten zur Gemeinde Bettwil, die übrigen Weiler zur Gemeinde Uezwil. Beide Gemeinden lagen im Distrikt Sarmenstorf.
Bei der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 entstand aus den verstreuten Weilern die Gemeinde Kallern. Aufgrund des spärlichen Waldbestandes war die neue Gemeinde jedoch ziemlich arm. Um an Geld zu kommen, verkauften die Kallerer das Ortsbürgerrecht recht häufig. Über 2'000 Personen erhielten bis heute das Bürgerrecht von Kallern, darunter sehr viele Polen, Russen und staatenlose Juden. Mit dem Erlös aus den Einbürgerungsgebühren konnte unter anderem 1846 ein Schulhaus errichtet werden (1975 durch einen Neubau ersetzt, siehe weiter unten).
1912 erhielt Kallern Anschluss an das Elektrizitätsnetz. Während des Zweiten Weltkriegs waren in Oberniesenberg einige britische, amerikanische und polnische Soldaten interniert. 1986 löste sich die Ortsbürgergemeinde auf. Von 1869 bis 2002 gab es in Hinterbühl ein Postbüro. Seit dem Mittelalter bewegte sich die Einwohnerzahl stets um etwa 200 herum. Seit den 1980er Jahren hat sie jedoch um zwei Drittel zugenommen, wobei sich das Wachstum fast ausschliesslich auf Hinterbühl beschränkt. Dennoch hat Kallern bis heute seinen ursprünglich ländlichen Charakter bewahren können.
Kallern, das kein Dorf, sondern eine Anhäufung von Weilern ist, hat sich dank seiner erhöhten Lage am Osthang des Lindenberges und dank erweitertem Baugebiet in den Jahren 1980 und 2001/2002 und 2016/17 zu einer lebendigen, aktiven Dorfgemeinschaft durchgemausert.
Die erschlossene Wohnzone beschränkt sich auf den Dorfteil "Hinterbühl". Hier wurden Infrastrukturen geschaffen, die den anderen Weilern (Ober- und Unterniesenberg, Kallern, Ober- und Unterhöll) ein Dorfzentrum anbieten. Im neuen Schulhaus (seit 1975) sind Gemeindekanzlei, Sitzungszimmer und ein grösserer Mehrzweckraum im Dach eingerichtet worden. Man trifft sich zu Versammlungen, Proben, Raclette- und Dorfabenden.
Erfreulicherweise gliedern sich die Neuzuzüger engagiert ins Dorfleben ein, sie diskutieren und festen wacker mit! Wer allerdings in Kallern etwas einkaufen will, findet dazu keine Gelegenheit. Für Milch, Obst und Kartoffeln kann der Bauer in der Nachbarschaft mit dem Hoflädeli aushelfen, für den Rest muss man in eine der Nachbarsgemeinden, z.B. Boswil.
Wenn die nicht wenigen Wanderer durch die Gefilde unseres Gemeindebannes ziehen, sind sie ob der Ruhe und der prächtigen Sicht ins Tal und die Alpen entzückt. Suchen sie dann zum Rasten eine heimelige Dorfbeiz stehen ihnen zwei Restaurants, das Restaurant Jägerstübli und das Restaurant Niesenberg, zur Verfügung.