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Die Schweiz hat die erste Goldmedaille: Fabian Cancellara gewann in Peking die Radprüfung gegen die Uhr. Der Berner errang seinen grössten Triumph - und einen weiteren Sieg nach Ansage.
Für ihn gebe es in Peking nur ein Ziel: Gold. Diese Ansage hatte der 27-Jährige im Vorfeld des Olympia-Zeitfahrens gemacht. Und einmal mehr setzte Cancellara seine Ankündigung in die Tat um und krönte sich auf dem sehr anspruchsvollen Parcours zum Olympiasieger.
Cancellara gewann 33 Sekunden vor dem überraschenden Schweden Gustav Erik Larsson, einem Teamkollegen beim CSC-Team. Bronze ging an Levi Leipheimer. Der Amerikaner büsste bereits 1.10 Minuten ein.
Cancellaras Sieg in seiner Spezialdisziplin macht den Schweizer zum erfolgreichsten Radfahrer der Olympischen Spiele. Am letzten Samstag hatte er bereits überraschend die Bronzemedaille im Strassenrennen gewonnen.
Voraus und zurück
Cancellara schuf die entscheidende Differenz im Finale, in dem er seine Konkurrenz in Grund und Boden fuhr. Die Zwischenklassemente widerspiegelten dabei das Streckenprofil: Auf der ersten Hälfte der 23,5 km-Runde, wo es bergauf ging, büsste der dort dosiert fahrende Schweizer jeweils Zeit ein. Diese machte er aber in der anschliessenden Abfahrt mehr als wett.
Bei der ersten Zwischenzeit nach 10,8 Kilometern war der Berner nur Dritter mit einer knappen halben Minute Rückstand auf den Spanier Alberto Contador.
Bei Rennhälfte lag Cancellara dann scheinbar uneinholbar mit 16 Sekunden in Führung vor Contador. Der Ex-Tour-de-France-Sieger büsste für seinen zu schnellen Start und musste sich schliesslich mit dem vierten Platz begnügen. Cancellara nahm dem Spanier somit allein in der Abfahrt rund 45 Sekunden ab.
Unwiderstehlicher Finish
Die dritte und letzte Zwischenzeit am Ende der Steigung passierte Cancellara dann nur noch mit sechs Sekunden Rückstand auf Gustav Erik Larsson. Der überraschende Schwede hatte Contador überholt und lag dort in Führung.
In der Abfahrt, in der Modellathlet Cancellara schon am Samstag den Grundstein zu Bronze im Strassenrennen gelegt hatte, holte er aber nun zum grossen Gegenschlag aus. Fast 40 Sekunden nahm der Schweizer auf den letzten 12,6 Kilometern seinem schwedischen CSC-Teamkollegen ab und holte den grössten Sieg in seiner ohnehin schon sehr erfolgreichen Karriere.
Favorit Schumacher erneut eingebremst
Der Deutsche Stefan Schumacher, der im Vorfeld der Olympischen Spiele als schärfster Rivale von Cancellara eingestuft worden war, kam wie schon im Strassenrennen mit den äusseren Bedingungen nicht zurecht.
Der Sieger der beiden Zeitfahren der Tour de France wurde vom anderthalb Minuten später gestarteten Schweizer schon bei Rennhälfte eingeholt. Schumacher schaffte es erneut nicht, aus der schlechten Luft genügend Sauerstoff zu bekommen.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Zeitfahren. Männer (47,3 km):
Gold: Fabian Cancellara (Sz)
Silber: Gustav Larsson (Sd)
Bronze: Levi Leipheimer (USA)
FABIAN CANCELLARA
Geboren 1981 in Wohlen bei Bern. In Rennfahrer-Kreisen hat der den Übernamen "Spartakus".
Der frühere Elektrikerlehrling wird Juniorenweltmeister im Zeitfahren. 2001 wird er Profi beim Mapei-Team. Von 2003 bis 2005 gehört er zum Team von Fassa Bortolo. Seit 2006 fährt er für das dänische Team CSC von Bjarne Rijs.
Der Modellathlet ist 1,86 Meter gross und wiegt 80 Kilogramm. Seine grosse Spezialität sind Zeitfahren (zweifacher Weltmeister) und schwere klassische Eintagesrennen.
Er ist auch ein gefürchteter Finisseur. Ähnlich einem Töff schaffte er es mehrmals, aus dem Feld herauszufahren, das bereits in sehr hohem Tempo Richtung Endspurt saust.