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(Panzer, 1796)
- DE: Heidegrashüpfer
- EN: Stripe-winged Grasshopper
- FR: Le Criquet de la Palène
- Syn.: Stenobothrus lineatus interposita Fruhstorfer, 1921 | Acridium megacephalus Seidl, 1837 | Acridium lineatus punctatifrons Ivanov, 1888 | Gryllus (Locusta) rubicundus Gmelin, 1788 | Gryllus (Locusta) rubicundus De Geer, 1778 | Gryllus (Locusta) tenellus Stoll, 1813 | Stenobothrus lineatus variety violacea Shugurov, 1907
Morphologie
Die Grundfarbe von Stenobothrus lineatus ist meistens grün, seltener bräunlich. Vom Stirngipfel über den Kopf und die Halsschild-Seitenkiele verlaufen oft zwei helle, dunkel gesäumte Linien. Bei den Weibchen setzen sich die Linien oft entlang der Knickkante der Flügel fort. Die hell gezeichneten Halsschild-Seitenkiele sind leicht nach innen gebogen. Die dunklen Flügel überragen beim Männchen die Hinterknie, bei den Weibchen enden sie kurz davor. Das Stigma befindet sich am Ende des zweiten Drittels und hebt sich meistens deutlich vom Flügel ab. Die Weibchen haben an der Flügelunterkante oft eine weisse Linie. Das Medialfeld ist stark erweitert und regelmässig quergeadert. Besonders die Männchen besitzen ein intensiv orange gefärbtes Hinterleibsende. Diese auffällige Färbung dehnt sich in unterschiedlicher Intensität bis auf die Hinterschienen und -schenkel aus. Die Hinterknie sind dunkel. Besonders bei den Weibchen sind auch bläuliche, rötliche oder violette Farbvarianten bekannt.
Gesang
Der leise bis mässig laute Spontangesang von Stenobothrus lineatus ist unter mitteleuropäischen Heuschrecken einmalig. Die einzelnen Silben dauern aussergewöhnlich lang, da die Beine sehr langsam und über eine grosse Amplitude auf- und abwärts bewegt werden. Ein Vers dauert 10-25 s, beginnt normalerweise leise und erreicht nach wenigen Silben die maximale Lautstärke. Es werden nur 1,2 bis 1,5 Silben pro s erzeugt. Die Beine werden zudem deutlich phasenverschoben über die Vorderflügel gestrichen. Dies führt dazu, dass ein vollständiger Vers über die ganze Länge stimmhaft ist. Beim spektakulären Werbegesang wird das Weibchen mit zwei unterschiedlichen Stridulationstypen umworben. Der intensive, tickende Werbegesang ist sehr charakteristisch, ein balzendes Männchen ist in einer Wiese leicht zu finden (z.B. mit Hilfe des US-Detektors). Oft hört man mehr Männchen beim Werbegesang als beim Spontangesang.
Spontangesang von Stenobothrus lineatus bei warmen Temperaturen - CH, SG, Nesslau-Krummenau, 21 °C, sonnig (Aufnahme Bruno Keist).
Spontangesang von Stenobothrus lineatus bei tieferen Temperaturen. Im Hintergrund ruft ein Eichelhäher - CH, BE, Wasen, 25 °C, bewölkt.
Werbegesang von Stenobothrus lineatus - CH, TI, Isone, 25 °C, leicht sonnig.
Drei Silben aus dem Spontangesang eines einbeinigen Tieres von Stenobothrus lineatus - CH, BE, Wasen, 25 °C.
Verbreitung
Stenobothrus lineatus kommt von Spanien über Mitteleuropa bis weit in den asiatischen Raum hinein vor. Die nördliche Verbreitungsgrenze verläuft durch den Süden Grossbritanniens und durch Norddeutschland. In der Schweiz ist Stenobothrus lineatus in allen Landesteilen verbreitet. Im Mittelland ist die Verbreitung aufgrund der fehlenden Lebensräume lückig. Auch in Deutschland ist die Art weit verbreitet, wird aber gegen Nordwesten und Norden deutlich seltener.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Stenobothrus lineatus findet man von Juni bis November.
Die Eier werden in den Boden oder den Wurzelfilz abgelegt. Sie verfügen über eine hohe Trockenheitsresistenz. Die Larven durchlaufen als Männchen 4 und als Weibchen 4-5 Stadien. Stenobothrus lineatus ernährt sich von einer Vielzahl von Gräsern und Kräutern und die Weibchen sieht man öfter beim Fressen an toten Tieren. Während der Nacht steigt Stenobothrus lineatus an Gräsern bis in 20 cm Höhe.
Lebensraum
Stenobothrus lineatus ist eine wärmeliebende Art und ein typischer Vertreter von niederwüchsigen Magerrasen und -weiden. Die Art besiedelt Trocken- und Halbtrockenrasen, Heiden, felsige Zwergstrauchheiden und gut besonnte Waldränder. In klimatisch kälteren Regionen findet man die Tiere zerstreut an mageren Böschungen oder Hügelflanken, die häufig von Schafen oder Rindern beweidet werden. Eine Begleitart mit ähnlichen Ansprüchen ist Omocestus rufipes. In Fettwiesen und krautigen Lebensräumen findet man nur ganz selten abgewanderte Individuen. In den Alpen ist Stenobothrus lineatus eine Charakterart der extensiv bewirtschafteten Weiden und steigt bis 3000 m.
Gefährdung & Schutz
Stenobothrus lineatus ist weit verbreitet und in den Alpen eine der häufigsten Heuschrecken. Aus diesem Grund wurde sie als nicht gefährdet eingestuft. Regional kann die Art aber sehr selten und vom Habitatverlust betroffen sein. Als charakteristische Art der Weiden profitiert Stenobothrus lineatus von entsprechender Beweidung mit Schafen oder Rindern. An mageren Standorten reicht eine Mahd zur Lebensraumerhaltung aus. Nördlich der Alpen reagiert Stenobothrus lineatus empfindlich auf Beschattung durch das Aufkommen von Büschen, die durch periodisches Eingreifen entfernt werden sollten.
- CH: LC (Nicht gefährdet)
- DE: V (Vorwarnliste)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Stenobothrus lineatus kann mit den anderen Arten der Gattung Stenobothrus und mit Omocestus viridulus verwechselt werden. Omocestus viridulus unterscheidet sich von Stenobothrus lineatus durch das nicht erweiterte Medialfeld. Ausserdem sind die Flügel meist heller, mit einem weniger deutlichen Stigma gezeichnet und die Legeröhrenklappen sind ungezähnt. Bei Stenobothrus nigromaculatus und Stenobothrus stigmaticus sind die Flügel schmaler als die Hinterschenkel und erreichen nur die Hinterknie. Stenobothrus rubicundulus hat gebräunte Hinterflügel und als einzige Art der Gattung ein erweitertes und quergeadertes Medialfeld im Hinterflügel.