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Berlin, den 11. Januar 1854
„Ich wollte, daß diese Zeilen, die ich, als Lebenszeichen in einem so wenig wahrscheinlichen Alter, als Zeugnis unserer engen und alten Freundschaft an Sie richte, Sie vor den beiden Exemplaren meines neuen Werks erreichen könnten, den Souvenirs de Géologie et de Physique [Geognostische und physikalische Erinnerungen], deren eines für die Bibliothek des Instituts bestimmt ist, das andere für meinen hervorragenden Freund Boussingault, um von ihm an Herrn Wisse übermittelt zu werden, den tapferen und gelehrten Erforscher des Kraters des Rucu Pichincha. Ich fürchte, daß durch die Güte des Herrn Marquis de Moustier, Frankreichs Gesandten in Berlin, der Versand der Bücher diesem Brief vorausgegangen ist.
Ihrem und meinem berühmten Freund, Herrn Leopold von Buch, ist mein neues Werk gewidmet: Geognostische und physikalische Erinnerungen. Diese Widmung, Lohn einer ungetrübten Freundschaft während sechzig Jahren, obschon wir uns in unseren Arbeiten lange begegneten, wurde gedruckt, als Herr von Buch noch lebte. Der Hauptzweck des Werkes, oder besser der Anlaß, der es mich hat unternehmen lassen, bestand darin, formlose Zusammenstellungen aus all den Abhandlungen zur Botanik, Geologie, Muskelphysiologie, vergleichenden Anatomie, zum Magnetismus, zu astronomischen Positionen zu verhindern, die ich im Verlauf meines Lebens veröffentlicht habe. Ich glaubte, eine Auswahl treffen und das bewahren zu müssen, was vielleicht einiges Recht auf Überleben hat, alles, was in schwer zugänglichen Sammlungen vergraben ist, wie die isothermen Linien, die Arbeiten über die Atmosphäre und die Absorption der verschiedenen Gase im Wasser, gemeinsam mit Gay-Lussac, unter dem ich so viele Jahre an der École Polytechnique gearbeitet habe.
In der Vorrede habe ich dargelegt, welche Art des Interesses man an geologische Beobachtungen knüpfen kann, die aus früherer Zeit datieren. Die gesamte Umgestaltung, welche die Geologie im ersten Viertel des XIX. Jahrhunderts durchlaufen hat, ist in großen Teilen auf die genauere Kenntnis der engen Beziehungen der Trachytformationen mit dem Vulkanismus (der Reaktion des Planeten gegen seine Oberfläche) gegründet; auf die gewissere Bestimmung des relativen Alters der Formationen durch die Vielfalt der Organismen, die sie in sich bergen; auf die späte Kenntnis der wahren Natur und der Ähnlichkeit der paläozoischen Gesteinsfamilien in verschiedenen Erdstrichen. Diese Revolution der Wissenschaft hat ohne Zweifel den geognostischen Erinnerungen, zumal wenn sie so weit zurückreichen wie die meinigen, einen beträchtlichen Teil ihres Wertes genommen. Beobachtungen bleiben oft unvollständig, weil dem Beobachter viele der Vorstellungen und leitenden Ideen, die Kenntnis der unterschiedlichen Merkmale von Lebewesen oder kristallisierten Stoffen fehlen, welche die Frucht eines anderen Zeitalters waren. Unbestreitbar bleibt in den älteren Arbeiten jedoch die hypsometrische Bestimmung der Beschaffenheit der großen Ungleichheiten des Globus; die besondere Angabe der Schichtung und der Auflagerung, wo diese Auflagerung keinen Störungen durch örtliche plutonische oder vulkanische Hebungen unterliegt; der unanfechtbare Wert der Reihen der vom Reisenden selbst gesammelten und mitgebrachten Gesteine, samt allen Vermerken in Bezug auf ihre jeweilige Position.
Es sei mir erlaubt, bei dieser Gelegenheit daran zu erinnern, daß der große Geologe, der die Revolution, welche die Wissenschaft in diesem Jahrhundert durchlaufen hat, am meisten beeinflußt hat, aus den Sammlungen fossiler Muscheln, die ich 1804 nach Deutschland mitgebracht habe, und aus denen, die Herr Carl Degenhardt 1838 aus verschiedenen Teilen der Kordillere der Anden und von den Ufern des Amazonas mitgebracht hat, die feste Überzeugung vom Vorherrschen der Kreideformation vom Fuß der Kordilleren Südamerikas bis zu hohen Gipfeln geschöpft hat. Geognostische Reisende werden noch lange „in Zeiten unvollkommener Kenntnisse, roh entworfener Wissenschaft“ von den Küsten Europas ablegen, und was sie bei mühseligen Arbeiten trösten soll, ist die Gewißheit, daß sie, weil sie beobachtet und berichtet haben werden, oft mehr, als sie selbst es vorhersehen können, dazu beitragen werden, die geologischen Vorstellungen einem Ziel anzunähern, das nie ganz erreicht werden wird aufgrund der Natur der Forschungen zu den Kräften, die der Materie innewohnen.
Die beiden Sammlungen, die ich oben erwähnt habe, und diejenigen meiner Freunde, der Herren Boussingault, Pentland und Joaquin Acosta, haben, wo die oryktognostische Zusammensetzung über die Trennung der Trachyte, Dolerite, Diorite und Porphyre entscheidet, es mir ermöglicht, die Nomenklatur mit einiger Sicherheit festzulegen, den gemeinen Feldspat (Orthoklas), Albit, Oligoklas und die beiden Arten des Glimmers zu unterscheiden.
Herr Gustav Rose, der Begleiter meiner Reise zu Ural, Altai und Kaspischem Meer, hat zu verschiedenen Zeiten die Sammlungen Mexikos, Neu-Granadas, Quitos, Perus und Boliviens untersucht. Ich habe es wohlweislich vermieden, in meinen geognostischen Erinnerungen eine Felsart zu erwähnen, die mein hervorragender Freund, Herr Leopold von Buch, Andesit genannt hat und die ihm zufolge, reich an Albit, den Chimborazo, den Cotopaxi, den Antisana und sogar die Vulkane Mexikos bildet, von denen ich zahlreiche Proben mitgebracht habe!!! Diese Bezeichnung, die in Analogie zu meinem Namen des Jura-Kalksteins steht (Kanarische Inseln, Seite 464 und 465), beruht auf dem Fehler, Labradorit mit Albit verwechselt zu haben. Die Andesite sind Dolerite, in den Anden von Quito ebenso wie am Ätna (Poggendorff, Band XXXVII, Seite 189).
Der Band, den ich vorlege, bietet zugleich noch nie Erschienenes und alte, aber wenig verbreitete Abhandlungen, zu denen ich umfangreiche Ergänzungen hinzufügen konnte, etwa zur Bestimmung der Höhe des Schwerpunktes der gewaltigen Kontinentalmassen, zu den Tafeln der isothermen Linien oder den mittleren Temperaturen des Jahres und der vier Jahreszeiten, Tafeln, die durch die Unterstützung von Herrn Dove auf 506 Meßstationen erweitert wurden. Ich glaube, mir schmeicheln zu dürfen, daß diese meteorologische Arbeit an numerischen Ergebnissen reicher ist als alles, was bis jetzt erschienen ist.
Die geognostischen Erinnerungen füllen (Seite 206–397) die Hälfte des Bandes. Ihren schönsten Schmuck verdanke ich meinem berühmten Freund, Herrn Boussingault, der alle Gattungen der Forschung mit derselben Überlegenheit umfaßt hat (Seite 175–215), und Herrn Sebastian Wisse (Seite 77–99), dessen fundierte Arbeiten die Akademie bereits anerkannt hat und dessen edler Mut dem Scharfsinn seiner Beobachtungen gleichkommt.
Der kleine Bildatlas präsentiert die Physiognomie, die Ansicht der höchsten Gipfel Mexikos und Quitos nach meinen eigenen Zeichnungen. Der Umriß des Capac Urcu oder Altar (Tafel V), der vor seinem Einsturz in der letzten Hälfte des XV. Jahrhunderts den indianischen Überlieferungen zufolge sehr viel höher war als der Chimborazo, war noch in gar keinem meiner Werke erschienen.“
Auszug aus einem Brief des Herrn Alexander von Humboldt an den Herrn Élie de Beaumont