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Kindheit
Vincent Willem Van Gogh wird am 30. März 1853 im niederländischen Zundert geboren. Genau ein Jahr zuvor war ein nicht lebensfähiger Bruder geboren worden, der ebenfalls den Namen Vincent erhalten hatte. Viele Historiker vertreten die Meinung, dass diese Tatsache Vincent das Gefühl gibt nur ein ungeliebter Ersatz zu sein und als Folge dessen seelische Schäden davonträgt. Nach Vincent kommen noch fünf weitere Geschwister zur Welt. Sein Vater Theodorus ist Pfarrer in der reformierten Kirche, was zu einer strengen Religiosität in seiner Jugend führt. Die ländliche Umgebung Zunderts prägt Vincents Liebe zur Natur und die Faszination des ärmlichen, bäuerlichen Lebens.
Vincent besucht als Kind die Dorfschule in Zundert, bis er mit 11 Jahren auf ein Internat in Zevenbergen wechselt. Ab 1866 besuchte er die Mittelschule in Tilburg, wo er unter anderem in Französisch, Englisch und Deutsch unterrichtet wird. Vincent liefert gute Leistungen, bricht die Schule jedoch im März 1868 im Alter von 17 Jahren wahrscheinlich aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ab. Die nächsten 15 Monate verbringt er bei seinen Eltern, es ist jedoch nicht bekannt, womit er sich dort beschäftigt. Auf den Wunsch seiner Familie beginnt er am 1. August 1869 eine Lehre in der Haager Filiale der Kunstgalerie Goupil & Cie als Kunsthändler. Drei seiner Onkel arbeiten ebenfalls im Kunstgewerbe. Sein Onkel Vincent Willem van Gogh, genannt Onkel Cent, ist sogar Teilhaber der Niederlassung von Goupil & Cie in Den Haag. Während seiner Lehre entdeckt Vincent vor allem die Vertreter der Schule von Barbizon, die sich durch impressionistische Landschaftsmalereien auszeichnete, und die Haager Schule für sich. Auch die Gemälde alter Meister wie Jean-François Millet, Anton Mauve und Jozef Israëls hatten es ihm angetan und dienten ihm als Vorbild für eigene Übungsversuche. All diese Künstler zeichneten sich durch ihre Vorliebe für ländliche Motive und der Darstellung der armen Arbeiter und Bauern aus.
Ausbildung und berufliche Gehversuche
Vier Jahre, nachdem Vincent in der Haager Filiale von Goupil & Cie angefangen hatte zu arbeiten wird er aufgrund seines Gemütszustandes im Mai 1875 nach London versetzt. Dort identifiziert er sich erstmals bewusst mit seiner Rolle als Außenseiter der Gesellschaft und der Einsamkeit als Künstler. Er lebt zurückgezogen in einem ärmlichen Viertel Londons, liest zahlreiche religiöse Schriften und übersetzt Teile der Bibel. Außerdem verbringt er ganze Tage in Museen und inspiziert die Landschaft rund um London.
Ich mache mir immer wieder Vorwürfe, dass meine Malerei nicht wert ist, was sie kostet.»
Das innige Verhältnis zu seinem zu seinem vier Jahre jüngeren Bruder Theo, das durch über 700 Briefe belegt ist erreicht einen vorläufigen Höhepunkt. Theo, der sich im Gegensatz zu Vincent in das bürgerliche Leben als Kunsthändler einfügen konnte, erkennt früh dessen malerisches Talent und fördert ihn großzügig, indem er ihm monatlich Geld für Miete und Essen schickt. Vincent hat bis dahin noch kein einziges Bild verkaufen können und ist froh, wenn er seine Werke gegen neue Farbe und Leinwand tauschen kann. Als Dank für Theos finanzielle und moralische Unterstützung schickt Vincent ihm die meisten seiner Werke. Die starke Bindung zwischen den Geschwistern hielt mit einigen Unterbrechungen ein Leben lang.
In Paris verliert Vincent mehr und mehr sein ohnehin geringes Interesse am Beruf des Kunsthändlers. Er kritisiert die Geschäftspraktiken des Gewerbes und missbilligt den Geschmack seiner Kundschaft. Um einer drohenden Entlassung zuvorzukommen kündigt er im April 1876 selbstständig bei Goupil & Cie. Kurz darauf verlässt er Frankreich um seiner «Berufung» nahzugehen.
Beginn als Maler
Aufgrund einer Stellenanzeige, in der ein Hilfslehrer gesucht wird, reicht Vincent van Gogh 1876 nach Ramsgate im Südosten Englands. Dort unterrichtet er gegen Kost und Logie, als Hilfslehrer Französisch und Deutsch in einer Privatschule. Im Sommer nimmt er eine neue Stelle in einem Arbeiterviertel am Stadtrand Londons als Lehrer und Laienprediger an. Trotz sehr geringem Lohn glaubt Gogh nun, den richtigen Beruf gefunden zu haben.
1877 beugt er sich dem Wunsch der Eltern und nimmt eine Anstellung als Gehilfe in der Buchhandlung Blussé & van Praam an. Nach 5 Monaten gibt er ein weiteres Mal auf und will sich wieder seiner religiösen Berufung zuwenden.
Wieder in Amsterdam will Vincent endlich erst mit seinen religiösen Bestrebungen machen. Er bereitet sich mit Hilfe von Privatunterricht in Latein und Griechisch auf ein theologisches Studium an der Amsterdamer Fakultät vor. Nach wie vor sieht er seinen Sinn aber mehr im Predigen vor Armen als der akademischen und theoretischen christlichen Lehre.
Im letzen Moment entscheidet sich Vincent jedoch für die Schule der inneren Mission in Brüssel, die er dann ab Juli 1878 besucht. Der dort gelehrte «natürliche Glaube» sagt ihm sehr zu.Diese Biographie wird fortgesetzt