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Das Interview wurde geführt von Christa Willin.
Hélène, Du bist am 4. April 2004 Deinen allerersten Marathon gelaufen. Erzähl wie es dazu kam.
Hélène:
Zuerst war es ein Traum, aber ich wusste, dass ich einmal einen Marathon laufen will.
War das schon immer ein Wunsch? Bereits seit Du läufst?
Hélène:
Nein, diesen Traum hatte ich nicht von Beginn an. Das war so: Ruth Helfenstein hat eines Tages zu mir gesagt:
Wenn Du 5km laufen kannst, schaffst Du auch 10km, dann kannst Du auch einen Halbmarathon bewältigen und irgendwann traust Du Dir die Marathondistanz zu. Das klang für mich zwar einleuchtend, mental war ich noch nicht auf 42.2km eingestellt.
Bis zu diesem Zeitpunkt hast Du an vielen Läufen teilgenommen. Welche fallen Dir spontan ein?
Hélène:
Auf diese Frage habe ich mich vorbereitet und mir die wichtigsten Anlässe, an denen ich mitgemacht habe, notiert.
- Frauenlauf 8x
- Grand Prix von Bern 5x
- Altstadt GP 4x
- Kerzerslauf 5x
- Halbmarathon Biel 2x
- Halbmarathon Lausanne 5x
- Halbmarathon Schwyz 3x (bevorzugter Lauf, wegen der schönen Aussicht)
- Halbmarathon Winterthur 2x
Wow, das ist eine beachtliche Anzahl bestrittener Wettkämpfe. Was ist für Dich das Besondere an einem Lauf?
Hélène:
Die Stimmung ist so schön. Es ist toll am Ziel stolz auf sich zu sein, und sagen zu können, ich habe diese Distanz bewältigt.
Ist Dein Lieblingslauf in Bern?
Hélène:
Der GP von Bern gefällt mir besonders gut, aber als meinen Lieblingslauf würde ich den Schwyzer Halbmarathon nennen, welcher leider nicht mehr durchgeführt wird.
Hat das an der schönen Aussicht gelegen?
Hélène:
Auch, aber es hat noch einen anderen Grund. Der Schwyzer Halbmarathon war mein erstes sportliches Highlight. Bevor ich mich für meinen ersten Halbmarathon angemeldet habe, hatte ich mich erkundigt, ob es eine Zeitlimite gäbe. Die Anwort war, dass ich Zeit bis am nächsten Morgen hätte. Das war für mich beruhigend, denn mit einer Zeitlimite hätte ich es gar nie versucht.
Deiner Liste kann ich entnehmen, dass Du 12 Halbmarathons gelaufen bist. Wie kamst Du zum Entschluss einen Marathon zu laufen und warum in Paris?
Hélène:
Zuerst wollte ich den New York Marathon machen, aber das war zu kompliziert. Gegen Ende des letzten Jahres fragte mich mein Schwager (der selber auch läuft), ob ich den Marathon de Paris laufen will. Ich habe mir diese Idee durch den Kopf gehen lassen und fand, dass Paris als Stadt auch speziell und gross ist. Auf einmal wusste ich, ja, Paris ist machbar. Ich war 100% motiviert, jedoch nur 60% trainiert, was zuwenig war, wie sich später herausstellte. Aber ich wollte das unbedingt einmal machen. Im Januar habe ich dann bei meinem Schwager nachgefragt und die Idee wurde konkret. Wir kümmerten uns um das Zertifikat des Gesundheitszustandes – welches eine Bedingung für die Teilnahme ist, um die Anmeldung – die Limite war bei 30’000, um die Übernachtung im Hotel und um die Reise.
Und endlich kam „der grosse Tag“. Wie war das für Dich, als Du nach Paris gereist bist?
Ich freute mich enorm. Ich bin erst einmal in Paris gewesen, daher freute ich mich auch auf die Stadt. Mein Gedanke war:
Falls ich aus irgendeinem Grund nicht mehr laufen kann, nehme ich die Metro. Aber während des Marathons dachte ich keine Sekunde daran ?. Unsere Planung war nicht so gut. Wir reisten am Vortag, also Samstag an, und wollten einen ruhigen Tag verbringen. Am Abend hatten wir vor, das Zielgelände zu besichtigen. Da wir nicht genau wussten, wo das war, brauchten wir mehr Zeit als geplant. Das Abendessen war kurz und schnell und nicht sehr magenverträglich. Als wir um sechs Uhr aufstanden, regnete und windete es wie verrückt. Nach dem Frühstück wechselten wir von den Winter- zu den Sommerkleidern, denn das Wetter hatte sich schlagartig geändert. Komisch war, und ich hoffe, dass jeder Lauf so ist, ich ging ganz ruhig an den Start. Ich hatte die Einstellung:
Ich muss nicht stressen, ich werde fünf Stunden laufen und brauche mich nicht zu beeilen. Ich hatte eine Riesenfreude. Vor dem Start suchte ich die Toilette auf…wie üblich hatte es eine lange Kolonne, wo ich mich anstellte. Als der Startschuss fiel, war ich noch nicht auf der Toilette, aber ich ging trotzdem. Wie ich rauskam, waren noch alle da…es dauerte 13 Minuten, bis ich die Startlinie überquert hatte. Vielleicht kann man sich so ein Bild der Teilnehmerzahl machen.
Wie erging es Dir während dem Lauf? Hattest Du auch eine Krise?
Hélène:
Zu Beginn lief ich locker, ich sparte meine Kräfte, da ich noch eine Steigung erwartete. Die Steigung kam etwa bei km 8, da verlierte ich einiges an Kraft. Aber ich fühlte mich gut, hatte Freude und lief weiter. Wenn ich einen Halbmarathon laufe, bin ich „kaputt“, hier bei 21.1 km fühlte ich mich fit. Die benötigte Zeit – es waren 2h20 – kam mir kürzer vor. Ich konnte locker weiterlaufen, bei km 26 hatte ich nicht mehr soviel Energie. Schlimm war es bei km 30, ich hatte keine Kraft mehr, also beschloss ich für einen Moment zu gehen. Nach ungefähr einem Kilometer bin ich wieder gelaufen, denn ich hatte ja noch ein Stück vor mir, bis ins Ziel. Ich dachte mir, dass der nächste Zwischenstopp der Verpflegungsposten bei km 35 sein würde. Als ich bei km 35 ankam: keine Getränke! Es hatte nur Orangen und Zitronen, also bin ich weitergelaufen, weil es keinen Grund gab um eine Pause zu machen. Bei km 37 wurde Wasserflaschen aufgefüllt. Ich trank das, es schmeckte nach Chlor, aber das war egal. Die Strecke führte mich weiter in den „Bois de Boulogne“. Im Wald machte man eine Runde von 4km. Diese 4km kamen mir lange vor, aber ich wollte wissen wie es ist. Schliesslich packte mich wieder die Freude, da ich durch den „Bois de Boulogne“ rannte, von dem man immer wieder hört. Speziell war es noch, als die Strecke durch einen kleinen Tunnel führte. Auf diesem Abschnitt machten die meisten Gehpausen. Umso grösser war meine Freude, dass ich laufen konnte und noch genügend Energie hatte. Nach dem Wald, bei km 40, realisierte ich, dass ich es unter 5 Stunden nicht schaffen würde. Tja, mein Zielzeit wäre etwas mit 4 Stunden gewesen, denn das Datum war der 04.04.04. Aber ich hatte trotzdem Spass. Als ich ins Ziel kam, fühlte ich mich supergut, es war unbeschreiblich. Die Stimmung war toll, für viele andere Teilnehmer war das ebenfalls der erste Marathon. Die Freude war riesig.
Wie fühltest Du Dich am nächsten Tag?
Hélène:
Ich spürte meine Beine am nächsten Tag, auch beim Treppensteigen. Am Dienstag, also am übernächsten Tag, war alles wieder ok. Eigentlich hätte ich mehr Schmerzen erwartet für das Geleistete. Meine Arbeitskollegen wunderten sich, dass ich am Montag nicht frei nahm.
Nun, läufst Du schon lange? Und wie kamst Du zum Verein?
Hélène:
Meine Schwester sagte mir immer, ob ich nicht mal am Frauenlauf teilnehemen möchte. Ich hatte keine Ahnung, ob ich 5km schaffen würde, zu diesem Zeitpunkt lief ich nicht. Dann sagte ich: „Ich versuche es.“ Ich lief für mich und beschloss nach 500m: „Nein, ich kann nicht rennen.“ Danach ging ich mal mit meiner Schwester 5km laufen, ganz gemütlich und locker mit Gehpausen. Das zeigte mir, dass es machbar ist. Ein zweites Mal trainierte an einem See die 5 Kilometer – Strecke. Nach diesen zwei Trainings bestritt ich den Frauenlauf in 31.30. Danach trainierte ich nicht mehr. Aber ich dachte: „Wenn ich 5km laufen kann, kann ich auch am Basler Stadtlauf mitmachen.“ Ich sah, dass es zwei offizielle Trainings am Dienstag gab und nahm daran teil. Heidi Wagner sprach mich an und erzählte mir, dass sie in einem Verein sei, und wenn ich Lust hätte, auch mit ihnen zu trainieren, könne ich gerne mitkommen. So kam ich zum ersten Training, das war am Donnerstag vor dem Stadtlauf 1995. Offiziell beigetreten bin ich 1996.
Und das gefiel Dir, das Trainieren mit anderen?
Hélène:
Ja, wir liefen langsam und kurze Distanzen, die anderen warteten jeweils und haben Rücksicht auf mich genommen.
Wie sieht Deine Trainingsgestaltung aus?
Hélène:
Ich gehe regelmässig am Donnerstag ins Training. Vor dem Marathon trainierte ich zusätzlich am Dienstag und machte Long-Joggs mit Annemarie und Heiri Emmenegger. Für den Marathon habe ich dennoch zuwenig trainiert.
Wieviel Kilometer läufst Du? Führst Du ein Lauftagebuch?
Hélène:
Nein, Trainings notiere ich nicht. Aber die Läufe an denen ich teilgenommen habe, schreibe ich auf, da ich regelmässig an der Lauf Trophy mitmache. Letztes Jahr erreichte ich mit meinen gesammelten Kilometern das Golddiplom, dazu braucht man mindestens 150km.
Läufst Du auch für Dich alleine?
Hélène:
Nein, alleine laufen kann ich nicht. Ich laufe nur in der Gruppe. Falls sich diese im Traning auf dem Rückweg auflöst, marschiere ich zurück. Ich weiss nicht warum, aber alleine mag ich nicht laufen.
Was sind für Dich spezielle Erlebnisse beim Laufen?
Hélène:
Bei Stadtläufen finde ich das Besichtigen der jeweiligen Stadt sehr schön. Da ist mir der Grand Prix von Bern in guter Erinnerung, aber auch Genf hat mir sehr gut gefallen.
Welches sind für Dich die speziellen Ereignisse im Verein?
Hélène:
Ein Höhepunkt im Jahr ist jeweils die Generalversammlung. Vor einigen Jahren habe ich bei den Vereinsmeisterschaften den 3.Platz erreicht, da war ich ganz überrascht.
Was ist Deine Motivation fürs Training?
Hélène:
Ich brauche keine spezielle Motivation. Auf das Donnerstagstraining freue ich mich immer, auch der Regen kann mir nichts anhaben; höchstens extreme Minustemperaturen hindern mich an einer Teilnahme. Wenn ich es einmal verpasse, fehlt es mir.
Was hast Du Dir für diese Jahr vorgenommen?
Hélène:
Mein Ziel von diesem Jahr habe ich bereits ereicht, das war der Marathon de Paris 🙂
Nun eine Frage zum Verein: Welche Punkte sollte der LSVB unbedingt weiterführen? Gibt es Punkte sind verbesserungsbedürftig oder gar überflüssig sind?
Hélène:
Die Gruppeneintelung finde ich gut. Gruppe 5 sollte beibehalten werden, weil das Tempo sich für alle eignet.
Was ist Deine Meinung zum Heft und zum Internet? Was benützt Du persönlich mehr?
Hélène:
Ich finde den Internetauftritt gut, benutze diese Möglichkeit jedoch nur um Resultate anzuschauen, sonst finde ich das Heft besser.
Was hast Du noch für Hobbies?
Hélène:
Meine Hobbies sind von der Saison abhängig. Im Winter fahre ich gerne Ski, meistens mache ich Skiferien. Im Sommer bin ich sehr gerne im Freibad, und dazwischen – im Frühling und im Herbst – laufe ich.
Vielen Dank, Hélène für das Interview.