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Schon vor einem Jahr war bei Murphy eine Entzündung des rechten Gehörganges festgestellt worden. Nachdem unter Sedation das Ohr gereinigt worden war, konnte in der Tiefe des Gehörganges eine Wucherung (Polyp) diagnostiziert werden, welche die Entzündung bewirkt hatte. Da sich die Gehörgangsentzündung vorerst wieder zurückbildete, wurde vorerst abgewartet.
Nun ist die Entzündung wieder aufgeflammt, und wir entschliessen uns zur radikalen Entfernung des Polypen - schliesslich ist Murphy noch sehr jung, und es ist nicht zu erwarten, dass das Problem von selbst verschwinden wird.
Zur Diagnosesicherung wird in Sedation ein Schädelröntgen angefertigt - hier ist ersichtlich, dass die filigrane Knochenstruktur des rechten Mittelohres ("Bulla Tympanica") stark verdickt ist - ein Hinweis auf die chronische Entzündung, welche durch den im Mittelohr und Gehörgang wachsenden Polypen verursacht wird.
Ein externer Chirurge wird zur heiklen Operation beigezogen. Vorsichtig wird die Knochenwand des Mittelohres eröffnet und versucht, die Wucherung zu entfernen. Es stellt sich aber heraus, dass der Polyp auch im Gehörgang festgewachsen ist, weshalb auch ein Teil des Gehörganges entfernt werden muss.
Das Labor bestätigt den Verdacht, dass es sich um einen gutartigen, entzündlichen Polypen (Schleimhautwucherung) handelt.
Nach der Operation zeigt die Katze eine häufig auftretende Komplikation der durchgeführten Bulla-Osteotomie: Ein feiner Nerv, welcher durch das Mittelohr zieht, wurde bei der Operation in Mitleidenschaft gezogen. Murphy zeigt entsprechend ein Hornersyndrom - eine engergestellte Pupille, hängendes Oberlid und eine vorgefallene Nickhaut. Einige Wochen später ist die Problematik aber wieder abgeklungen.
In einem früheren Fallbericht haben wir die Problematik der Ohrenpolypen bei der Katze schon einmal beschrieben.
Im Falle von Murphy wurde eine nachhaltigere, aber auch invasivere Therapiemethode angewendet. Insbesondere da sich die Paukenhöhle (Mittelohr) der Katze im Röntgen stark verändert präsentierte, was auf eine starke Verankerung des Polypen im Mittelohr hinweist, wäre ein reines "Ausreissen" des Gewächses kaum erfolgreich gewesen. Der Umstand, dass zusätzlich eine partielle Entfernung des Gehörganges nötig wurde, unterstreicht diese Einschätzung.