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Italien hat einen weiteren Steuerskandal. Rocksänger Zucchero hat ebenso Steuern «gespart», wie Küchenbauer Antonio Berloni oder Mineralwasser-Zar Niquesa de Simone (Marken: «Ulivetto e Rocchetta»).
Im Zentrum der Affäre steht der Finanzdienstleister San Marino Investimenti SA (SMI), der aus dem Kleinstaat San Marino heraus operierte. Die Gruppe um SMI soll während 13 Jahren für ihre Klienten aus Wirtschaft, Sport, Showbusiness und kriminellem Milieu jedes Jahr eine Milliarde Euro am italienischen Fiskus vorbeigeschleust haben – dank Offshore-Konstrukten auf Vanuatu, den British Virgin Islands, Panama oder in Delaware/USA.
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Bank in Schieflage als Auslöser
Auf die Spur der SMI kamen die Steuerfahnder durch Ermittlungen der durch fragwürdige Geschäfte in Schieflage geratenen ältesten Bank der Welt, der Monte dei Paschi di Siena. Wie in jenem Fall, so führen auch im aktuellen Steuerskandal die Spuren in die Schweiz – in den Kanton Tessin.
Zur Gruppe gehörte die seit 1995 in Vanuatu gegründete United Investment Bank Ltd (UIB Ltd) – eine Scheinbank aus dem Inselstaat im Südpazifik. Ebenfalls zum Firmengeflecht gehörte die Intersmi Gestao e Investimentos Lda im portugiesischen Offshore-Paradies Madeira. Die SMI-Gruppe war ab 1998 auch in der Schweiz aktiv. In Lugano gründete man zuerst die UIB Servizi SA, später dann noch die UIB Gestioni Patrimoniali SA.
Tipp aus Luxemburg
Die Geschäfte liefen bestens in Lugano, bis am 3. Juni 2003 die luxemburgische Bankenaufsicht «Commission de Surveillance de Secteur Financier» der Eidgenössischen Bankenkommission EBK (heute Finanzmarktaufsicht Finma) einen Tipp gab.
Die Luxemburger meldeten den Verdacht, dass die in Vanuatu beheimatete «Bank» United Investment Bank Ltd durch die UIB Servizi SA von Lugano aus betrieben werden könnte. So fanden etwa alle Verwaltungsratssitzungen der Vanuatu-Bank in der Schweiz statt. Und als «General Manager» der «Bank» amtete ausgerechnet Andrea Pavoncelli, Verwaltungsratspräsident der UIB Servizi SA in Lugano, der sich zwei Wochen pro Monat in Lugano aufhielt und für das Personal blanko unterschriebene Formulare verteilte.
«Nur» Backoffice-Dienste
Die Luganesi versuchten sich herauszureden, sie würden für die Bank in Vanuatu und die Intersmi in Portugal lediglich Buchhaltungs- und Backoffice-Funktionen wahrnehmen.
Tatsächlich wurden Anweisungen für verschiedene auf dem Konto der United Investment Bank Ltd bei der Bank BNP Paribas vorgenommene Transaktionen aus den Räumlichkeiten in Lugano gefaxt. Im Tessin fanden die Schweizer Behörden auch sämtliche Kundendossiers der portugiesischen Intersmi.
Die Verflechtung der Luganeser Firmen, die am gleichen Ort residierten, zeigte sich auch daran, dass die «Deputy Managerin» der United Investment Bank Carla Alemanno über eine Einzelprokura der UIB Gestioni Patrimoniali SA verfügte. Alemanno war für alle Investitionen der S.M.I. San Marino Investimenti zuständig und parkierte etwa bei der «Crédit Lyonnais Luxembourg» im Jahr 1997 mindestens 250 Millionen Dollar. Der Verwaltungsratspräsident der UIB Gestioni Patrimoniali, Giorgio Strini, war zugleich Verwaltungsratspräsident der United Investment Bank in Vanuatu.
Tausende Kunden
Das Backoffice der «Bank» aus Vanuatu hatte ihre tatsächliche operative Basis in Lugano. Das Frontoffice – die Kunden- und Geldergewinnung – fand vorwiegend bei Italiernern in Rom oder San Marino statt, über die im Kleinstaat beheimatete S.M.I. San Marino Investimenti.
2003 verfügte die United Investment Bank Ltd über 140 Kunden, die Intersmi über etwa 250, das faktische Mutterhaus S.M.I. San Marino Investimenti SA seinerseits über 2630 Kunden, wobei 135 ein Konto bei der «Bank» in Vanuatu hatten. Alleine das Vermögen der Vanuatu-Bank betrug im Jahr 2003 142,4 Millionen Euro.
Aus der Schweiz verbannt
Aufgrund der Ermittlungen der Schweizer Finanzmarktaufsicht wurden die Schweizer Ableger nach einem Entscheid des Bundesgerichts auf Eis gelegt – die Aktivitäten in der Schweiz waren illegal. 2004 wurden sowohl die UIB Servizi SA wie auch die UIB Gestioni Patrimoniali SA liquidiert und 2006 gelöscht. Neben der Schweiz war die Gruppe zur gleichen Zeit auch in Österreich aktiv – etwa in der Firma «Pub & Hotel 3000 GmbH».
In Italien konnte die Gruppe um die S.M.I. San Marino Investimenti jahrelang weiterwerkeln – mit dem nun bekannten Resultat.