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Noch zu Lebzeiten Heinrichs des Seefahrers sind die Portugiesen bis zu den Kapverdischen Inseln vorgedrungen und weiter, für die damalige Zeit ein ungeheures Unterfangen! Die Voraussetzungen für das weitere Vordringen nach Süden sind unter grossen finanziellen und menschlichen Opfern geschaffen worden, aber auch die Voraussetzungen für die Entdeckung Amerikas. Klar, dass die Portugiesen es nicht gerne sehen, wenn die Spanier die Früchte ernten, die sie, die Portugiesen, gesät haben. Dass Kolumbus die neue Welt im Westen für Spanien entdeckt, daran sind aber die Portugiesen selber schuld. Sie haben Kolumbus und seine Vision falsch eingeschätzt. Jetzt gilt es aber ernsthaft, die Besitzverhältnisse für die Zukunft zu klären. In einem vom Papst abgesegneten Vertrag von 1479 gehören alle Ländereien südlich der Kapverden Portugal. Nach diesem Vertrag wären Mittel- und Südamerika automatisch portugiesisch gewesen. Das kann Spanien nicht gleichgültig lassen.
Den Spaniern kommt zu Hilfe, dass mit Alexander VI. ein Spanier Papst geworden ist. In einer päpstlichen Bulle (Urkunde) von 1493 legt er 100 Seemeilen westlich der Kapverdischen Inseln eine Linie von Pol zu Pol. Alle Gebiete westlich dieser Linie sollen zu Spanien gehören. Das hätte Portugal vollends von Besitzungen in der Neuen Welt ausgeschlossen. Die Empörung in Portugal ist gross.
1494 treffen sich unter Vermittlung von Papst Alexander Diplomaten und Kartografen von Spanien und Portugal in dem unscheinbaren Ort Tordesillas zu einem historischen Kompromiss. Die Trennungslinie wird auf 370 Seemeilen westlich der Kapverden verschoben, was etwa dem 46. westlichen Längengrad entspricht. Die Gebiete westlich davon sollen Spanien gehören, die Gebiete östlich davon Portugal. So haben sich die Portugiesen in der Neuen Welt den Zugriff auf Brasilien ausgehandelt. Das ist der Grund, warum in Brasilien bis heute Portugiesisch gesprochen wird, während der Rest Südamerikas Spanisch spricht.
Andere europäische Mächte wie Frankreich, die Niederlande, England und Dänemark sind über das maritime Monopol (Vormachtstellung auf dem Meer) Portugals und Spaniens nicht erfreut. Ausser der Politik der Nadelstiche durch Piraterie auf die spanischen und portugiesischen Schiffe haben sie aber den Ansprüchen der beiden Seemächte im Moment noch nichts entgegenzusetzen.
Nach der Erdumsegelung Magellans im Jahre 1522, deren Ende er selber nicht mehr miterlebt, wird die Trennlinie von Tordesillas sinnlos. Deshalb wird im Vertrag von Saragossa 1529 eine zweite Trennlinie bei den Philippinen (Molukken) etwa auf dem 142. östlichen Längengrad festgelegt, die die Einflussgebiete Portugals und Spaniens abgrenzen sollte. So sichert sich Portugal vorerst den einträglichen Handel mit Sklaven aus Afrika und Gewürzen aus Indien, während sich Spanien vorwiegend der Eroberung der Neuen Welt und ihrer Gold- und Silbervorkommen zuwendet und dabei u. a. die Kultur der Azteken und Inkas auslöscht.
Aufgaben und Recherchen
Wieso sind die Portugiesen selber schuld, dass Kolumbus Amerika für Spanien entdeckt hat?
Wieso war eine Nord-Südteilung der Herrschaftsgebiete für Spanien nicht akzeptabel?
Ist eine West-Ost-Teilung der Herrschaftsgebiete sinnvoll?
Wieso empören sich die Portugiesen beim ersten Vertag 1493?
Was bringt die Verschiebung der Grenzlinie auf ca. 46°W für Portugal?
Welche neue Situation schafft die Erdumseglung Magellans? Was ist die Lösung des Problems?
Wie kommen Spanien und Portugal überhaupt auf die Idee, die Welt, die ihnen ja nicht gehört, unter sich aufzuteilen?