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Daniel Horat, 60, ist selbständiger Grafiker in Luzern. Er betreut Kunden aus der ganzen Schweiz.
Die Gedanken am Morgen früh sind für ihn die schönsten. Deshalb nutzt der Grafiker und Kommunikationsberater Daniel Horat die Zeit von 5 bis 7 Uhr, um an seinen Tagebüchern zu arbeiten. Sie helfen ihm dabei, sein Talent weiterzuentwickeln. Die Tagebücher zeigen Fotomontagen, die er während 30 Jahren entworfen hat. In all den Jahren kamen bereits 15 Bücher zu Stande. Sie stehen dicht aneinander in einem Regal in seinem Atelier in Luzern. Die Reihe trägt den Titel «Now Now». Wenige Auszüge davon hat er auf einer Homepage publiziert. Auf den Bildern sind Models abgelichtet, die er fotografierte; danach bearbeitete er die Aufnahmen in Photoshop. Zum Beispiel zeichnete er seinen Sohn mit Hörnern. Die Bilder designt er in hoher Auflösung. Die könnte man fünf Meter breit als Plakat ausrollen. Er schreibt auch philosophische Texte dazu. Die Wesen im Bild sagen etwa: «Wer nicht liebt, soll aufhören zu denken.»
Denkarbeit
Daniel Horat trägt Jeans und ein blaues Hemd. Er ist 60 und hat weisses, kurz geschorenes Haar. Doch wenn er erzählt, wirkt er jung und dynamisch. Er beugt sich über einen Tisch, dem er die Beine gekürzt hat, und nimmt einen Schluck Wasser, als er sagt, dass der Weg zu einer guten Idee für ihn ein Prozess sei. Einmal hatte er einen Gemüse- und Früchtebauern besucht, der auf seinem Hof etwas Neues aufziehen wollte. Der Bauer führte ihn auf seinem Grundstück herum. In den darauffolgenden Tagen kam ihm ein Südhang auf dem Gelände in den Sinn. Er wäre ideal für den Weinanbau. Als Flaschenetikette schwebte ihm nach einiger Denkarbeit Folgendes vor: eine glühende Sonne in Orange und Rot und darunter ein tiefer, schwarzer Schatten. Im Hintergrund die Alpenkette, dann die Weintrauben, die an der Sonne reifen, und im schwarzen Schatten der Markenname «Südhang». Daniel rief den Bauern an, und dieser war begeistert von der Idee. Danach machte er sich an die Arbeit in seinem Atelier.
Der Bauer war im Bauernladen «Feines aus Luzern» auf ihn aufmerksam geworden, für den Daniel Horat die Markenführung kreierte. Er akquiriert keine Kunden. Sie kommen immer zu ihm. Als selbständiger Grafiker hat er schon viele Marken designt: von der Werbekampagne der Stanserhornbahn bis hin zur Gestaltung eines Ladens der Metzgerei Bell.
Doch sein Werdegang war nicht immer klar. Nach der Schule hatte er keine Ahnung, was er machen sollte. Eines Tages kam ein Freund seines Vaters zu ihm und sagte, er habe doch als Kind immer gut gezeichnet. Daniel war überrascht, dass er das so sah, und meldete sich daraufhin bei der Hochschule für Kunst und Design Luzern an, wie sie heute heisst. Als er dort einen Raum voller Grafiker und Künstler betrat, wusste er: «Das ist das, was ich machen will.» Er studierte fünf Jahre. Danach arbeitete er bei Werbe- und Kommunikationsagenturen und entwickelte sich ständig weiter. Vom Junior Art Director zum Art Director und schliesslich zum Creative Director. Zuerst war er im Tessin, dann in Mailand, Zürich, Bern, London, Ebikon und letzten Endes in Luzern.
Einmal kam ein Kunde zu ihm ins Atelier. Es ist modern eingerichtet mit Möbeln aus dem Brockenhaus. Der Besucher war kaum die Tür hereingekommen, als ihm ein übergrosses Bild von einer Frau ins Auge stach. Der Kunde war so fasziniert von ihr, dass er fragte, ob er die Nummer dieser Frau haben könne. Daniel Horat erklärte ihm, dass die Frau nur als Bild existiere. Er hatte sie gebastelt. Die Haare nahm er von einer Frau, Nase, Mund und Haut von jeweils anderen. In diesem Bild sind die Bilder von etwa zehn Frauen verpackt. Der Kunde fragte, ob er das Bild kaufen könne, doch der Preis schreckte ihn ab. «Normalerweise sage ich den Kunden, dass Qualität teuer ist. Und das Einzige, wofür es sich lohnt, Geld auszugeben.» Da es aber ein privates Bild war, wollte er es ohnehin nicht verkaufen.
Konsumentenwünsche
Kürzlich arbeitete Daniel Horat am Projekt Luzerner Fondue. Er befragte im Vorfeld 30 Leute, wie sie sich die Rezeptur des Luzerner Fondues vorstellen. «Ein Produkt besteht nicht nur aus einer Verpackung, sondern auch aus einem Inhalt und, wenn man noch weiter zurückgeht, aus einem Bedürfnis beim Konsumenten», sagt Daniel Horat mit seiner ruhigen Stimme, in der auch Begeisterung mitschwingt. Wenn jemand eine Kommunikation aufbereite und nur auf den Auftraggeber höre, mache er nur den halben Job. Die visuelle Welt erschafft er erst ganz am Schluss. Skizzen macht er nicht. Er kreiere alles in seinem Kopf und entwerfe dann am Mac.
Am Abend geht er manchmal in die Druckerei, um ein paar Exemplare seiner neuesten Tagebuchbilder auszudrucken. Jede Druckerei druckt anders, weil jede eine andere Maschine besitzt. Wenn eine Frau eine helle Haut hat und ein feines Rosa im Gesicht und die Maschine führt zu viel Rot, dann hat sie plötzlich einen Sonnenbrand. Deshalb achtet er bei den Bildern auf Hautfarbtöne und designt die Frau ohne Rosa.
Freizeit, Pausen oder Ferien gönnt sich der Workaholic nicht. Sein Hobby ist seine Arbeit. Am Abend kriecht er nie vor halb 11 Uhr ins Bett, manchmal erst morgens um 1 Uhr.