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Historienfilm
China / Taiwan / Hongkong 2009
Alternative Titel Baiyin diguo; 白銀帝國
Regie
Christina Yao Shu-Hua
Drehbuch Christina Yao Shu-Hua, Cheng Yi nach Romanen von Cheng Yi
Darsteller Aaron Kwok Fu-Sing, Zhang Tielin, Hao Lei, Ding Zhicheng, Lei Zhen-Yu,
Tien Niu, Jennifer Tilly, Lü Zhong, King Shih-Chieh, Chan Guo-Xin, Jonathan Kos-Read
Länge 105 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 12
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.|
©
Text Marco, molodezhnaja 13.12.09
© Bilder De Jin Gul, Screenshots molodezhnaja
STORY
China Ende des 19. Jahrhunderts: Die Qing-Dynastie zerbröckelt wegen Krieg, Intrigen und Opium. In der nördlichen Provinz Shanxi etabliert sich derweil ein Bankenimperium namens Tian-Cheng-Yuan, das die Finanzmärkte des Landes kontrolliert. Angeführt wird es vom skrupellosen Lord Kang (Zhang Tielin). Der hat vier Söhne: Der älteste ein stummer Buddhist. Der zweitälteste ein brutaler Schläger. Der drittälteste (Aaron Kwok) ein melancholischer Lebemann. Der jüngste ist glücklich verheiratet und macht mit seiner Braut eine Hochzeitsreise nach Tianjin. Dort wird die junge Frau Opfer einer Intrige. Am Ende ist sie tot, der vierte Sohn ein Nervenwrack, der zweite Sohn ein Krüppel. Ausgerechnet der dritte Sohn muss nun zu Kangs Nachfolger ausgebildet werden - und das, obwohl er des Vaters ungeliebtestes Kind ist. Der Grund: Die beiden hassen sich, seit Kang die Lehrerin (Hao Lei) des Sohnes geheiratet hat, in die auch der verliebt war.
REVIEW
Wie kapitalistisch das kommunistische China geworden ist, zeigt sich vielleicht auch an diesem Film - einem Epos über eine Bank. Doch auf den zweiten Blick wird die Macht der Finanzen durchaus kritisch angeschaut. Das Volk hungert, während die Reichen sich in Intrigen verstricken. Und wenn die Leute wegen Salzmangels langsam körperlich zerfallen, verkaufen die Mächtigen ihre Vorräte zu Höchstpreisen. Kein besonders schmeichelhaftes Porträt der Finanzjongleure und daher auch durchaus im Geiste der Zeit.
Wobei der Film alles andere als eine Antwort auf die aktuelle Finanzkrise ist - schliesslich wurde er bereits 2006 während der Hochkonjunktur abgedreht. Danach verschwand er auf Jahre in der Nachbearbeitung. Und wenn man das Endprodukt sieht, ist man rasch überzeugt, dass mehrere Stücke weggefallen sind, um den Plot zu straffen. Höchst bedauerlich, denn in dem Film steckt Potential, dass er nie ganz ausschöpft.
Dabei waren die Vorzeichen vielversprechend: Der Geschäftsmann Terry Gou Tai-Ming, einer der reichsten Menschen Taiwans, war überzeugt, seine Familiengeschichte reiche in die Bankenszene Shanxis zurück, weshalb er 9.8 Millionen Dollar für eine Verfilmung von Cheng Yis Bestseller-Romantrilogie "Valley of Silver" beisteuerte, die von historisch verbürgten Ereignissen um die Jahrhundertwende in Shanxi inspiriert ist. Das Skript schrieb der Autor gleich selbst, zusammen mit der Regisseurin, der taiwanesischen Theatermacherin Christina Yao.
Damit in ihrem Kinodebüt auch alles gut aussieht, heuerte sie Stephen Tung als Actionchoreograf an, den Hongkonger Anthony Poon (Divergence) für die Kamera und Yee Chung-Man (Painted Skin) für die prächtige Ausstattung. Dazu Schauspieler aus allen Teilen des Landes, inklusive Hao Lei, die von Financier Gou persönlich ausgesucht wurde. Alles traumhaft. Bis dann die Geschichte mal ins Rollen kommt. "Empire of Silver", so der Titel der Verfilmung, ist tatsächlich ein prächtig anzuschauendes Epos, solide gespielt und inhaltlich reizvoll - aber dramaturgisch völlig verzettelt.
Die Probleme fangen schon an mit der Themenwahl. Der Konflikt Vater-Sohn steht im Zentrum, doch er schert in allerlei Richtungen aus. Das Liebesdreieck mit Hao Lei kommt dazu, die Intrigen zwischen aggressiven und friedvollen Bankern, der Konflikt Arm gegen Reich, die politische Entwicklung hin zur nationalistischen Revolution, der Kontrast zwischen Tradition und Moderne, die westliche Missionierung. Und das ist erst der Anfang. Da bleibt für einige zentrale Dinge kein Platz mehr. Etwa die Entwicklung des dritten Sohnes vom Faulenzer zum Businessman, vom Schwarzen Schaf zu Vaters Liebling. Alles geht ungeheuer schnell und man hat fast das Gefühl, den Punkt verpasst zu haben, an dem Aaron Kwoks Figur einer Gehirnwäsche unterzogen wurde.
Auch aus dem Gastauftritt von Hollywood-Star Jennifer Tilly (als Missionarin!) erwächst nicht viel. Ihre Mrs. Landdeck wird ein paar Mal gezeigt, doch jeglicher Konflikt, der sich anzubahnen scheint, entfällt. Darum schwindet die Spannung, fällt das Interesse. Umso bedauerlicher, weil die Inszenierung für eine Debütantin durchaus vielversprechend ist: Die Bilder sind elegant komponiert, die Schauspieler sind souverän geführt und die Montage ist angenehm flüssig. Die Episoden laufen besser ineinander, als sie es angesichts der holprigen Dramaturgie verdient hätten. Gerade diesem ruhigen Erzählfluss ist es zu verdanken, dass man die Stolpersteine in der Story milder aufnimmt.
Auf alle Fälle bleibt "Empire of Silver" ein edles Filmerlebnis, sieht man mal von den dürftigen CGI-Wölfen ab, die in einer Szene angreifen. Güldene Innenbeleuchtung, weite Landschaften, tolle und doch unaufdringliche Kostüme, aufwendige aber nie protzige Ausstattung - und zwischendrin stark aufspielende Akteure wie Hongkong-Schönling Aaron Kwok und Festlands-Star Zhang Tielin. Dass inhaltlich und erzählerisch nicht alles stimmt, ist man angesichts dieser überzeugenden Machart bereit, zu vergeben. Und die Story ist trotz ihrer Löcher auch nie schlecht, sondern packt auch in längeren Dialogszenen. Ein stattliches Debüt also, nach dem man durchaus auf mehr von Christina Yao gespannt sein darf.
MEINE DVD
China, Code 0, PAL
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Mandarin 5.1 mit nicht ausblendbaren englischen und chinesischen Untertiteln.
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Yesasia (Liefert aus HK; Hongkong-Fassung)
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SCREENSHOTS
Screenshots der DVD mit TotalMedia Theatre 3, verkleinert und leicht geschärft mit CorelPaint
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