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Die Pionierfamilie Pfenninger und ihre Schicksale zurzeit der Pest
Die Pfenninger sind ein altes Geschlecht von Stäfa, das dort schon 1452 eingesessen ist. Vermutlich stammt es ursprünglich von Hurden. Dort erscheinen bereits 1331 Berchthold und Hermann Pfenninger. Der «Pfänniger» ist der Einzieher von Gebühren. Der Brückenzoll von Hurden nach Rapperswil betrug für den Fussgänger 1 Pfennig, für einen Reiter 3 Pfennige. Seit 1401 sind auch Hurdener und Stäfner Pfenninger in Zürich eingebürgert.
Um 1504 kauft der Stäfner Marx Pfenninger, geboren um 1460, das Girenbad. Das Kurhaus samt einem Hof ist damals nicht billig zu haben, denn es wird auch von den Ehrwürdigen und Reichen der Stadt aufgesucht, um allerlei «Brästen» und Gebrechen zu pflegen und anschliessend gut und üppig zu speisen.
Mit den Schaufelbergern ab Schaufelberg, den Vontobel von Hinwil, dem Müller zu Edikon sowie dem reichen Gastwirt und Reisläufer Ueli Kleger im Steg und anderen Grössen des Oberlandes schwenkt Marx Pfenninger zu den Wiedertäufern. Ihm geht es indes nicht nur um den Kampf gegen die Vorherrschaft der Stadt. Er liest das Neue Testament und beschirmt im Herbst 1525 während dreier Wochen den Täuferführer Felix Manz, der später in der Limmat ertränkt wird. Auch andere Oberländer werden in der Limmat ertränkt, Jakob Schaufelberger 1529 in Schaffhausen enthauptet. Doch der schlaue «Girenbader» vermag bei allen Verhören im Grüninger Schloss immer wieder seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Zu dieser Zeit wohnt Marx Pfenninger bereits auf seinem Alterssitz im Schloss. Das Bad betreibt sein ältester Sohn Hans Pfenninger, geb. um 1490, genannt «Hans, der Bader».
Der abgekürzte Stammbaum auf der folgenden Seite gibt einen Überblick über die Pfenninger im Girenbad, die sich zunächst auch nach Girenbad-Schaugen und Ringwil ausbreiten und ab 1600 Wappenswil und den Waltsberg in Besitz nehmen. (siehe auch Wappenswiler Geschichte)
Diese Pfenninger bleiben sich ihrer Zusammengehörigkeit bewusst. Besonders bei Taufen von Kindern (Gotte und Götti) und nach der schweren Pest von 1629 spielen die verwandtschaftlichen Bande eine bedeutende Rolle. – (Vgl. die Forschungen von Hannie Pfenninger in Holland)
Drei weitere Söhne des Girenbaders – Heinrich, Hans und Ueli Pfenninger – lassen sich als Bauern in Girenbad-Schaugen nieder. Fridli gründet seinen Hausstand zunächst in Ringwil.
Weil das Landwirtschaftsland infolge Vermehrung der Bevölkerung im Zug des 16. Jahrhunderts zusehends knapper wird, kaufen Bader Hans und sein Bruder Ueli aus Schaugen 1548 vorsorglich Land auf dem Grossacher beim Holenstein sowie die Weiherwiese bei Unter-Wappenswil vom alten Geschlecht der Spörri.
1566 erwirbt auch ihr Bruder Heinrich von Schaugen die grosse Sennweid auf dem Waltsberg. Doch erst zwei Generationen später, um 1600, nehmen Ueli und Hans, Enkel des Baders, in Unterwappenswil das Heft in die Hand. Zur gleichen Zeit zieht Weibel Georg Pfenninger, Heinrichs Enkel aus Schaugen, als erster auf den Waltsberg. Sein jüngerer Bruder Hans folgt ihm um 1612 und errichtet dort für seine Familie ein zweites Haus.
Die Geschichte der Pfenninger-Sippe ermöglicht uns einen beispielhaften Einblick in die schweren Wunden, welche die Pest im Sommer 1629 in die Bevölkerung schlägt. In der Gemeinde Bäretswil sinken etwa 56%, im Raum Wappenswil und Bettswil sogar ca. 80% der Einwohner in den Tod. Ulrich Pfenninger und Barbara Furrer in Unterwappenswil brachten zehn Kinder zur Taufe. Die Seuche wirft sie alle, Eltern und Kinder, ins Grab. Ulrichs Bruder Hans («der Senn») nebenan und Regula Furrer werden mit sechs Kindern gesegnet. Von ihnen überleben die Plage zwar die Eltern und drei Töchter; ihrer Söhne aber beraubt, macht Hans noch ein paar Jahre weiter. Seinen Lebensabend verbringt Hans Pfenninger im Haushalt seiner Tochter Barbara Spörri-Pfenninger, wo das Wappenswiler Leben nun wieder weitergeht.
Auf dem Waltsberg wird Stammvater Weibel Georg Pfenninger dahingerafft. Seine erwachsenen Söhne Matthis und Rudolf von Hörnen springen in die Lücke. Matthis hinterlässt dem Ort seinen neuen Namen: Tisenwaltsberg. Georgs Witwe Barbel Pfenninger-Graf zieht mit den noch minderjährigen Söhnen Klaus und Heinrich nach Unterwappenswil und schmeisst den verwaisten Betrieb ihrer verstorbenen Verwandten. Heinrich setzt sich später mit Sara Meier von Wirzwil wieder ab auf den väterlichen Waltsberg und landet schliesslich auf der Breitenmatt, welche seine Söhne übernommen haben.
Im «Chlaus» der bis heute so genannt wird, wächst im Zug des 17. Jahrhunderts ein langer Klausen-Pfenninger-Familien-Flarz. Seine Grundmauern sind in der Liegenschaft Isler noch heute vorhanden. Bis 1875 wurden nicht weniger als 800 «Klausen-Pfenninger-Nachkommen» gezählt (Hannie Pfenninger).
Die zweite Familie auf dem Waltsberg, Hans Pfenninger und Anna Müller aus der (täuferischen) Ediker Mühle, verlieren elf ihrer 13 Kinder. Sie eilen mit ihren zwei verbliebenen Kindern nach Bettswil, wo ein weiterer Pfenningerhof verwaist ist. Ihr einziger Sohn Klein-Hans übernimmt 1649 mit Margrith Krauer ab dem Wolfensberg den zweiten Hof in Unterwappenswil neben Klaus Pfenninger. Auch dieser Zweig erholt sich nach viel Leid. Mit ihren zehn Kindern, von denen natürlich nicht alle überleben, helfen sie mit, das ausgestorbene Land wieder mit Menschen zu füllen. Bis 1875 sieht auch diese Sippe nicht weniger als 237 Pfenninger-Kinder.
Auch in Bettswil expandiert in der guten Zeit nach 1600 ein Zweig der Pfenninger-Sippe. Um 1606 erwirbt der frisch verheiratete Jakob Pfenninger-Bosshart von der Ringwiler Linie einen respektablen Hof in Bettswil. Etwas mehr als 20 Jahre kann sich die Familie am Fuss des Allenbergs ihrer Tage freuen. Die Pest aber holt sich Vater, Mutter und den 22-jährigen Sohn. Zurück bleibt die 18-jährige Tochter Barbara, die sich mit dem jungen Knecht und Verwandten des Bärenwirts gut versteht. Die Seuche wütet in Bäretswil von Juni bis August 1629. Bereits am 16.November stehen Heinrich Wild aus dem Gossauer Hanfgarten und Barbara Pfenninger aus dem beinah ausgestorbenen Bettswil als Paar am Bäretswiler Taufstein. Wild übernimmt mit seiner jungen Frau in Bettswil den verwaisten Pfenningerhof.
Die frühe und schnelle Heirat der achtzehnjährigen Barbara Pfenninger ist aus der Not geboren. Und eine typische und notwendige Reaktion auf die vergangene Zeit des Schreckens. Bäretswil erlebt einen wahren Heiratsboom. Alles, was überlebt hat und irgendwie noch kann und mag, tut sich zusammen. Beim alten Bevölkerungsstand von 1250 Seelen heirateten jährlich 9 Paare. Nach der starken Dezimierung der Bevölkerung um ca. 56% im Sommer 1629 werden noch im selben Herbst 35 Paare eingesegnet. Die folgenden Jahre sehen nochmals 27 bzw. 16 Paare am Taufstein.
Heinrich Wild und Barbara Pfenninger zu Bettswil werden fünf Söhne und vier Töchter geboren. Die beiden bilden das Gründungspaar einer starken Wild-Sippe, die ab 1665 das Vorderbettswil besiedeln und ab ca. 1710 für beinah 200 Jahre als starke Zimmermann-Sippe den Allenberg bewohnen. Viele Häuser der Gemeinde sind das Werk ihrer Hand. Nach dem Tod ihres Gönners, des alten Bärenwirts Rudolf Bosshart, übernehmen Heinrich und Barbara Wild-Pfenninger in den 1640ern den Gasthof zum Bären in der Gupf. Der Name Pfenninger erscheint in Bettswil erst wieder im 18. Jahrhundert.
Unterwappenswil und der Tisenwaltsberg aber entwickeln sich noch im 17. Jahrhundert zu veritablen Pfenninger-Nestern mit dazugehörenden Familien-Flärzen. Auch sonst verbreitet sich der Name stark: Ende 1629 Hungerzelg (Haldengut), 1623 Hörnen, 1631 Oberdorf 1634 Bliggenswil, 1670/80 Breitenmatt, 1692 Rüeggenthal, 1771 Hinterburg, Bussenthal, Dunkelwies, 1778 oberer Holenstein, Holenweidli. Hauptschwerpunkte der Bäretswiler Pfenninger bleiben aber bis ins 19. Jahrhundert Unterwappenswil, Tisenwaltsberg und Bäretswil. Mit Johann Jakob Pfenninger und Heinrich Pfenninger (beide Hof Oberdorf) sowie mit Werner Pfenninger ab dem Wappenswiler Frohsinn stellt der Name während 85 Jahren drei Gemeindeschreiber (1889 bis 1974). Vom Waltsberg über die Dunkelwies verpflanzt sich ein Pfenninger-Zweig von 1880 bis 1985 nach Wirzwil-Matt. Diesem Zweig ist auch der legendäre Emil Pfenninger samt seiner Hulda ab der Lusteren (gest. 1975) zuzurechnen.
A. Sierszyn, Dez. 2021