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Hotel Volkshaus
Der Hotel- und Saalbetrieb des 1937/38 erbauten Winterthurer Volkshauses, welches als architektonisch und sozialgeschichtlich interessantes Gebäude gilt, musste aus Rentabilitätsgründen 1989 geschlossen werden. Im September 2004 beschloss die Stadtbevölkerung in einer Abstimmung das Grundstück zu verkaufen und für eine städtebaulich sinnvolle Überbauung Platz zu machen.
1938, Neubau
Das Volkshaus wurde 1938 als Versammlungsgebäude für die Arbeiterunion durch den Architekten Adolf Kellermüller gebaut. In der Nutzung löste es die alte "Helvetia" ab, die übers Eck anstelle des späteren Milchverbandsgebäudes und dem Kino Arch (Revolverhöhle) gestanden war. Dieser Neubau wurde ermöglicht durch eine Volksabstimmung im Jahre 1930, an der gleichzeitig die Vergrösserung des Stadthauses und Beiträge an die freisinnige Hochburg, das Casino, bewilligt wurde. Zahlungen des Kantons und des Bundes erfolgten im Rahmen von Förderungen von Bauwerken als Arbeitsprogramme in der Zeit der grossen Wirtschaftkrise.
Die Mitglieder der Gewerkschaften selbst zahlten von 1930 bis 1937 einen Franken jährlich an die Baukosten. Von April 1937 bis in den Sommer des Folgejahres entstand der markante Bau auf dem Archareal nach Plänen der Architekten Adolf Kellermüller und Hans Hofmann. Am 16. Juli 1938 wurde das neue Volkshaus festlich einweiht. Fortan wurde das Haus als Genossenschaft betrieben und erlebte gute, ja blühende Zeiten. In der zweiten Hälfte des 20. Jhdt. brachte der gesellschaftliche Wandel Veränderungen, die am Volkshaus nicht vorüber gingen. Gegensätze wurden vermischt, ideologische Schranken fielen und die Bindung zum "Haus der Arbeit" trat in den Hintergrund.
Hotel Winterthur
Mit der Namensänderung 1985 in Hotel "Winterthur" kam die Wende nicht. 1989 musste es mangels guten Geschäftsergebnissen den Betrieb schliessen. Die anschliessende Nutzung als Durchgangsheim für Asylbewerber ermöglichte es, das Haus einstweilen zu erhalten und die Genossenschaft knapp über die Runden zu bringen. Im Frühjahr 2002 lief der Mietvertrag des Durchgangheims mit dem Sozialdepartement aus. Das vom Abbruch bedrohte Volkshaus Winterthur war einer der letzten baulichen Zeugen der Arbeiterbewegung und ein Schlüsselwerk der Schweizer Nachkriegsarchitektur. Der Schweizer Heimatschutz setzt sich für den Erhalt des wertvollen Baudenkmals ein. Diese Ansicht fand nirgends Gehöhr. Die Stadt Winterthur erwarb es gemeinsam mit der Generalunternehmung Halter AG und plante eine Neuüberbauung des Areals, also inklusive des Parkhauses. Erklärtes Ziel ist es, das Areal seiner zentralen Lage angemessen zu nutzen.
Seit November 2002 nimmt das Projekt «archareal» konkrete Formen an. Gemeinsam mit der Parkhaus AG und der Halter Generalunternehmung AG setzt sich die Stadt Winterthur für das Projekt im Herzen von Winterthur ein. Ein zentraler Schritt dazu war die Veranstaltung eines Architekturwettbewerbs im April 2003. Ziel des von der Halter Generalunternehmung und der Parkhaus AG durchgeführten Wettbewerbs war es, ein qualitativ hochwertiges, attraktives und marktfähiges städtebauliches Gesamtkonzept für das «archareal» zu entwickeln. Die Wettbewerbsjury kam im Oktober 2003 zu dem Ergebnis, das zwei Projekte über ein aussergewöhnlich hohes städtebauliches wie architektonisches Potential verfügen. Nach der Überarbeitungsphase erklärte das Beurteilungsgremium im März 2004 einstimmig das Projekt «cirque» der Winterthurer Nachwuchsarchitekten Brunnschweiler/Denzler/Erb zum Sieger.
Projekt zur Neuüberbauung
Volksabstimmung vom 26.09.2004: Mit einer hohen Stimmbeteiligung von 59,1 Prozent und einer deutlichen Mehrheit von 68,1 Prozent Ja-Stimmen befürwortet die Winterthurer Bevölkerung den Verkauf der Liegenschaft Arch und Volkshaus und somit eine Neuüberbauung auf dem Archareal. An Stelle von Parkhaus und Volkshaus kann nun ein neuer Gebäudekomplex mit Wohnungen und Einkaufszentrum entstehen.
Am 19. November 2004 fuhren die Bagger auf und begannen für einen Tag mit dem Abbruch. Bereits am folgenden Tag musste der Abbruch infolge einer superprovisorischen Verfügung der Baurekurskommission eingestellt werden. Der Schweizerische Heimatschutz hatte diesen Rekurs eingereicht! Fremde akademische Kräfte, die weder einen Bezug zur Arbeiterschaft noch einen Bezug zum altehrwürdigen Volkshaus-Gebäude haben, versuchten das Rad der Zeit anzuhalten. Wenig später wurde der Abbruch zu Ende geführt.
Die Pläne für den Bau eines Einkaufszentrums und in den oberen Stockwerken Wohnbauten kamen kurz darauf mangels Interessenten ins Stocken und zum völligen Stillstand. Im Dezember 2006 beschloss der Stadtrat das Areal selbst zu nutzen. In einem Neubau sollte die städtische Verwaltung untergebracht werden. Statt an 25 Standorten sollen 700 Arbeitsplätze zentralisiert werden und damit 3 bis 4 Millionen Franken gespart werden. Dem alternativen Standorte im Sulzer Hochhaus und im Superblock auf dem Sulzerareal sollte damit das Nachsehen gegeben werden. Die Idee kam nicht zum Tragen. In einer Volksabstimmung im Herbst 2007 wurde das Projekt, die Stadtverwaltung in einem Gebäude auf dem Archareal zu zentralisieren, verworfen.
Nun kam wieder das Generalunternehmung Halter zum Zuge. Bis zum Baustart mussten noch einige Probleme (Finanzierung, Mieterschaft) gelöst werden. Im Herbst 2010 begann der Abriss des Parkhauses und anschliessend der Aushub. Auf einer Grundstücksfläche von 6‘300 m² entsteht eine Überbauung mit attraktiver, innerstädtischer Nutzung. Einkaufen: 11‘000 m² Detailhandel und Gastronomie: Arbeiten: 4‘000 m² Büro- / Praxisflächen und Dienstleistung; Wohnen: 68 Mietwohnungen und Parking: 250 Parkplätze. Das Gebäude weist Minergie Standard und beansprucht ein Investitionsvolumen von 160 Mio. Franken. Die Architektur liegt in den Händen von BDE Architekten, Winterthur, die Ausführung bei Halter Generalunternehmung und als Investor ist BVK, Personalvorsorge des Kantons Zürich verantwortlich. Eröffnung ist 2013.
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