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Theorie Höck 2022
Schwieriger Landeanflug im Nebel
Der Landeanflug kann in der Fliegerei generell als die potentiell gefährlichste Flugphase ausgemacht werden - entsprechende Statistiken geben dazu jedenfalls ein klares Bild ab. Auch an diesem nebligen 18. Februar gegen 11:30 sollte sich dies bewahrheiten. Die Piper Seneca II vom Tessin her kommend setzte zum Landeanflug an, obwohl der Nebel auf der Westseite des Flughafens sehr dicht war. Der Pilot verfügte über ein neues Instrument in seinem Flugzeug, das ihn durch den Nebel zur Piste leitete. Gemäss SUST Bericht liest sich dies folgendermaßen: Die Wetterbedingungen, eine zu hohe Position des Flugzeugs zu Beginn des Landeanflugs und das Fliegen von Hand hätten «in Kombination den Instrumentenflug zu einer anspruchsvollen fliegerischen Aufgabe» gemacht. Der Pilot hat die Entscheidungs-Flughöhe für einen Abbruch des Anflugs und ein Durchstarten außer Acht gelassen. Schlussendlich ging alles sehr schnell und nach einem Durchsacken befand sich der Pilot auf dem Wasser. Beim Aufprall blieb er glücklicherweise unverletzt.
Die Angst schlussendlich überfahren zu werden
Als erster schilderte Gallus Baumgartner seine Erlebnisse. Er war an diesem 18. Februar gerade mit Kochen beschäftigt, als ihn ein Anruf vom Wirt des Restaurants Jägerhaus bei seiner Tätigkeit störte. Der Wirt wollte aber keinen frischen Fisch, sondern informierte Gallus über den Absturz eines Flugzeugs im Nebel und dass die Feuerwehr bei ihm sei und sie jemanden benötigen, der zur Absturzstelle fahren könne. Gallus ließ alles stehen und liegen und war zwei Minuten später am Hafen. Gemeinsam mit den Feuerwehrleuten und seinem Fischerboot begann er umgehend mit der Suche. Er wusste, dass das Seezeichen No 3 ungefähr in der Pisten Achse lag und dieses hatte er in seinem GPS gespeichert. Der Nebel war wirklich sehr dicht und so fuhren sie vom Seezeichen weg langsam Richtung Westen, ab und zu hielten sie an, stoppten den Motor und lauschten, ob jemand um Hilfe rief. Nach einiger Zeit trafen sie kurz vor dem Rietli auf die Seerettung, die ebenfalls suchten. Gemäß den Angaben des Flughafens war Gallus der Meinung, dass das Flugzeug nicht so weit westlich niedergegangen sein könnte und drehte daher um und suchte weiter. Plötzlich sah er farbige Benzin- oder Öl-Flecken auf dem Wasser und hielt an. Nach etwas Weitersuchen sahen sie den Piloten am schwimmenden Flugzeugrad, welches beim Aufprall abgetrennt wurde. Gallus hielt voll auf den Verunglückten zu und der fürchtete schon, dass er nun zwar fast eine Stunde im 5 Grad kalten Wasser überlebt hätte, aber jetzt schlussendlich von einem Boot überfahren würde. Aber Gallus hatte das Manöver natürlich im Griff und hielt genau neben ihm, so dass der Pilot umgehend ins Boot gezogen werden konnte - umgehend fuhren sie mit dem stark unterkühlten Piloten, der unterdessen in Ohnmacht gefallen war, zurück zum Hafen beim Jägerhaus und übergab den Geretteten an die dort wartende Ambulanz. Der Pilot überlebte und man darf getrost festhalten, dass sein Schutzengel wohl nicht geschlafen hatte.
Im zweiten Anlauf erfolgreich
Den zweiten Teil des Vortrags bestritt Christian. Er präsentierte uns die Fakten und das Dispositiv der Polizei eindrücklich. Das Flugzeug lag auf ca. 85m, also leicht über der Sporttaucher-Grenze. Ein erster Bergungsversuch wurde am 20. Februar eingeleitet, wobei die Polizeitaucher des Kantons SG auch von Genfer Kollegen (Trimix-Taucher) mit einem Roboter unterstützt wurden. Zudem ein Kranunternehmen, eine Bodensee Fähre und noch weitere Spezialisten. Leider scheiterte dieser Bergungsversuch einerseits aus technischen Gründen (Verhedderung des Roboters im Bergeseil bei gleichzeitigem Ausfall der Kransteuerung) und schließlich musste die Aktion auch wegen beginnender Dämmerung abgebrochen werden.Sollte das Flugzeug mit vermutlich über 300 Litern Flugkerosin, Hydraulik- und Motorenöl nun für immer im See bleiben? Nach juristischen Erwägungen und Bedenken aus Sicherheitsgründen gelang Christian unter Verstärkung seines Taucher Teams mit Manuel Oehler (der am Vortragsabend auch anwesend war) und René Röösli, alle Beteiligten und Verantwortlichen zu einem zweiten Versuch zu motivieren. In einem minutiös vorbereiteten 70 minütigen Trimix-Tauchgang mit vorgängiger Trocken-Simulation im Werkhof, wurden zwei Gurte unter die Flugzeugflügel durch den Schlick geschoben und über dem Flugzeug mit einem Bergetau verbunden. Die andere Seite des Bergetaus wurde auf rund 40m an der Bojenleine befestigt. Am kurz darauf folgenden Einsatztag mit der Bodenseefähre konnten die Polizeitaucher den Haken des Krans am Bergetau auf 40m einklinken und das Hochziehen des Flugzeugs konnte rasch beginnen. Bevor das Flugzeug die Oberfläche durchbrach, wurde es mit einem zweiten Kran stabilisiert und gesichert. Nach erfolgreicher Bergung konnte festgestellt werden, dass praktisch sämtliches Kerosin, Öl und die Hydraulikflüssigkeit noch vorhanden war und so eine Gewässerverschmutzung erfolgreich verhindert werden konnte.
Fazit
Das Interesse an diesem Theorie-Höck war immens und so wurden im weiteren Verlauf des Abends viele Fragen gestellt. Auch nachdem die Referenten abgeschlossen hatten, wurde beim Bier aus Pascals Clubbar rege diskutiert. Herzlichen Dank für die spannenden Live-Berichte aus erster Hand an Christian Baumann und Gallus Baumgartner.