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Medizin bei Rollpower
|18.12.2007 Genmab gibt Details zu geplanter Phase-II-Studie mit Ofatumumab bekannt

Genmab A/S (OMX: GEN) gab heute Details einer geplanten Phase-II-Studie mit Ofatumumab (HuMax-CD20(R)) zur Behandlung von rezidivierend-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) bekannt. Ca. 324 Patienten werden in diese Studie aufgenommen, die von Genmab in Kooperation mit GlaxoSmithKline (GSK) durchgeführt wird. Der Beginn der Studie ist für das erste Quartal 2008 vorgesehen.
Ofatumumab ist ein vollständig humaner monoklonaler Forschungsantikörper der nächsten Generation, der auf ein spezifisches Epitop des CD20-Rezeptors auf der Oberfläche von B-Zellen abzielt. Dieses Epitop des CD20-Rezeptors unterscheidet sich von jenem, an das andere derzeit verfügbare bzw. sich in Entwicklung befindliche Anti-CD20-Antikörper anbinden. Ofatumumab wird im Rahmen einer gemeinsame Entwicklungs- und Vermarktungsvereinbarung zwischen Genmab und GlaxoSmithKline entwickelt.
"Multiple Sklerose ist eine Krankheit, die Patienten in einem hohen Masse einschränkt und für die es derzeit nur wenige Behandlungsmöglichkeiten gibt", so Dr. med. Lisa N. Drakeman, CEO von Genmab. "Wir hoffen auf unseren vollständig humanen Antikörper Ofatumumab als eine weitere Behandlungsoption für Patienten, die von dieser lähmenden Krankheit betroffen sind."
Informationen zur Studie
Die doppelblinde randomisierte Studie besteht aus zwei Teilen. Teil A umfasst ca. jeweils 36 Patienten in drei Kohorten mit Dosiserhöhung (100 mg, 300 mg bzw. 700 mg Ofatumumab), die auf Ofatumumab bzw. Placebo randomisiert werden. Ein unabhängiger Datenüberwachungssausschuss (Independent Data Monitoring Committee - IDMC) ist für die Beurteilung der Sicherheit jeder Folgekohorte vor Übergang zur nächsten Kohorte verantwortlich. Nachdem alle Patienten aus Teil A eine MRT in Woche 4 durchlaufen haben, evaluiert der Datenüberwachungsausschuss die Daten, bevor mit Teil B der Studie begonnen wird.
Teil B erstreckt sich über eine 48-wöchige Behandlungsdauer und umfasst ca. 288 Patienten. Die Patienten werden auf eine Behandlung mit 100 mg, 300 mg bzw. 700 mg Ofatumumab oder Placebo randomisiert. Nach Woche 24 erhalten Patienten mit aktiver Dosis eine erneute Behandlung mit derselben Dosis Ofatumamab bzw. Placebo. Patienten mit Placebo erhalten Ofatumumab in der vertragenen Höchstdosis aus Teil A.
Ziel der Studie ist die Beurteilung der Sicherheit und Verträglichkeit von drei Ofatumumab-Dosen sowie die Beurteilung der Dosis-Response von Ofatumumab auf die Krankheitsaktivität in der MRT bei Patienten mit RRMS. Primäre Endpunkte sind die Sicherheit und Gesamtanzahl neuer Gd-verstärkter Läsionen von Woche 8 bis Woche 24.
ots Originaltext: Genmab A/S
Pressekontakt:
|14.12.2007 Plädoyer für die frühe Therapie von MS-Kranken

Schubrate wird verringert
BERLIN (gvg). Bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) sollte die immunmodulierende Therapie möglichst früh gestartet werden. Darauf haben Multiple-Sklerose-Spezialisten aus Anlass der Einführung von intramuskulär injiziertem Interferon beta-1a vor zehn Jahren jetzt erneut hingewiesen.
Durch die Therapie mit diesem Interferon beta-1a-Präparat (Avonex®) kann die Schubrate bei Patienten mit schubförmiger MS um ein Drittel verringert werden. Damit lässt sich die Progression der körperlichen Einschränkung in ähnlichem Umfang verlangsamen, erinnerte Professor Heinz Wiendl von der Universität Würzburg auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Berlin.
Für einen möglichst frühen Therapiebeginn bei den Patienten sprechen dabei zum Beispiel Ergebnisse der CHAMPS×-Studie. Danach verzögert die intramuskuläre Therapie mit Interferon beta-1a bei Patienten nach einem ersten isolierten klinischen Syndrom und bei MS-typischen Kernspin-Befunden einen zweiten MS-Schub. Das ist bekanntlich das Kriterium für eine klinisch definierte MS.
Nach drei Jahren war bei den Patienten, die Placebo erhalten hatten, bei der Hälfte eine definitive Multiple Sklerose diagnostiziert worden. Von den Patienten, die Interferon erhalten hatten, war das dagegen nur bei 35 Prozent der Fall.
"Die kürzlich publizierte Langzeitauswertung dieser Studie hat ergeben, dass der Unterschied auch nach 79 Monaten noch besteht", so Wiendl auf der von dem Unternehmen Biogen unterstützten Veranstaltung. Der Experte plädierte deswegen für eine möglichst frühe immunmodulatorische Therapie der Patienten.
Das intramuskulär applizierbare Interferon beta-1a bewertete Wiendl als günstige Option, weil die Immunogenität dieses Mittels geringer sei als bei subkutan verabreichten Präparaten. Lediglich bei zwei bis sechs Prozent der mit dem Wirkstoff behandelten Patienten sei mit der Entwicklung neutralisierender Antikörper zu rechnen. Diese Tatsache zusammen mit der geringeren Injektionsfrequenz von einmal wöchentlich könnte die hohe Therapieadhärenz bei MS-Patienten erklären, die dieses Präparat bekommen.
* Das Akronym CHAMPS bedeutet:
Quelle: Ärzte Zeitung, 13.12.2007
|11.12.2007 Antibiotika verbessern möglicherweise die Wirkung von Interferonen

Shreveport - Die Kombination von Beta-Interferon mit dem Antibiotikum Doxycyclin könnte einer Publikation in den Archives of Neurology (2008; doi:10.1001/archneurol.2007.41) zufolge bei Patienten mit schubförmig verlaufender multipler Sklerose den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.
Obwohl Interferone heute zur Standardtherapie der multiplen Sklerose gehören, können sie neue Schübe oftmals nicht verhindern. Jeder Schub geht mit neuen Läsionen im Gehirn und in der Regel mit neuen neurologischen Ausfällen einher. Die hoch dosierte Steroidbehandlung im Schub kann dies nicht verhindern. Es werden deshalb dringend neue Behandlungsansätze benötigt. Diese könnten darin bestehen, den für die Autoimmunreaktion verantwortlichen Leukozyten den Eintritt in das Hirnparenchym zu verwehren. Ein High-Tech-Ansatz versucht dies mit monoklonalen Antikörpern wie Natalizumab. Dieses Medikament hemmt Adhäsionsmoleküle auf den Leukozyten, sodass diese nicht an den Gefäßwänden haften können.
Ein anderer Ansatz sind Hemmstoffe, die den Durchtritt der Leukozyten durch die Basalmembranen, die alle Blutgefäße umgeben, verhindern. Leukozyten überwinden diese Hürde mithilfe von speziellen Enzymen, den Matrix-Metalloproteinasen (MMP). Zu den Wirkstoffen, welche MMP inhibieren, gehören nicht nur hochpreisige "Designer-Medikamente", sondern auch einige Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline, die seit vielen Jahren zugelassen und deshalb kostengünstig sind und deren Sicherheitsprofil bekannt ist. In-vitro-Experimente, in denen Doxycyclin die Aktivität von MMP in Endothelien unterdrückte, haben deshalb die Aufmerksamkeit von Neurologen geweckt, die Patienten mit multipler Sklerose behandeln.
Zu ihnen gehört auch Alireza Minagar von der Louisiana State University in Shreveport. Dort wurden in den letzten Monaten 15 Patienten (Durchschnittsalter 44,5 Jahre) mit rezidivierend-remittierender multipler Sklerose (seit durchschnittlich 4 Jahren) zusätzlich mit Doxycyclin behandelt. Alle Patienten waren vorher über mindestens 6 Monate mit Interferon beta1a behandelt worden, was einen neuen Schub jedoch nicht verhinderte. Nach dem Schub wurden die Interferontherapien wieder aufgenommen.
Dieses Mal wurden sie aber mit einer dauerhaften oralen Therapie mit Doxycyclin kombiniert. Dies verhinderte in den ersten vier Monaten bei 14 von 15 Patienten einen neuen Schub, was aber angesichts der unvorhersehbaren Schübe bei der multiplen Sklerose nicht viel bedeuten muss. Bemerkenswerter ist, dass es bei vielen Patienten zu einem Rückgang der bestehenden Läsionen in der Kernspintomografie (MRT) von vorher median 8,8 Läsionen pro MRT-Bild auf 4,0 kam. Dieser Rückgang korrelierte mit Ergebnissen eines In-vitro-Tests. Die Forscher gaben Blutserum der Patienten auf Zellkulturen aus Hirnendothelien, die nicht von den Patienten stammten und stellten fest, dass das Serum der Patienten mit einem Rückgang in den MRT-Läsionen die Migration von Monozyten in dem In-vitro-Test besonders gut hemmte.
Minagar ist sich bewusst, dass eine offene Studie an einer kleinen Kohorte, die über einen für MS-Verhältnisse kurzen Zeitraum behandelt wurden, keinerlei Beweiskraft hat. Der Neurologe fordert deshalb eine randomisierte kontrollierte Studie an einer größeren Gruppe von Patienten. Dass die Autoren mit ihrer Untersuchung an die breite Öffentlichkeit gingen - die Vorweg-Publikation wurde von einer Pressemitteilung begleitet - könnte die Durchführung einer solchen Studie allerdings erschweren.
Denn es dürfte viele Patienten geben, die ihre Ärzte zu dieser preisgünstigen und sicheren Therapie drängen werden. Ob die langfristige Therapie mit Doxycyclin jedoch auf Dauer ohne Nebenwirkungen bleibt, wäre ebenfalls noch zu belegen. In der Studie berichteten 5 Patienten, wahrscheinlich als Folge der Doxycyclintherapie, über Nausea, 2 über Erbrechen, 6 über Diarrhö und 2 über Sodbrennen.
Quelle: rme/aerzteblatt.de, 11.12.07
|11.12.2007 Neue Substanzen gegen MS wirken gegen B-Zellen

BERLIN (gvg). Medikamente, die mit den B-Zellen des Immunsystems interagieren, könnten demnächst die Basistherapie bei MS erweitern. Zwei Studien zu diesen Substanzen wurden auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Berlin vorgestellt.
Der etwa aus der Onkologie bekannte Antikörper Rituximab von Roche Pharma wurde kürzlich bei schubförmiger Multipler Sklerose (MS) in einer Phase-II-Studie geprüft. Bei 104 Patienten verringerten sich die Gadolinium-aufnehmenden MS-Läsionen im ZNS nach 12, 16, 20 und 24 Wochen statistisch signifikant um über 90 Prozent. Die Patienten hatten zwei Infusionen mit Rituximab erhalten. Der Antikörper schaltet die B-Zellen aus - mit Ausnahme der frühen und sehr späten Reifungsstadien.
Eine weitere gegen B-Zellen gerichtete Therapie ermöglicht das Biological Atacicept, wie Professor Hans-Peter Hartung von der Universität Düsseldorf berichtet hat. Die Entwicklung von Atacicept wird vom Unternehmen Merck Serono voran getrieben. "Diese Substanz eliminiert nicht die B-Zellen, sondern interferiert mit B-Zell-Wachstumsfaktoren", sagte Hartung in Berlin. Das hemmt die Differenzierung der B-Lymphozyten, ohne dass die Zelllinie ganz ausgeschaltet wird.
Allerdings befindet sich die Entwicklung noch in einer frühen Phase. Zwei Phase-II-Studien, an der Patienten mit schubförmiger MS sowie mit Neuritis des Nervus opticus, einer frühen Form der MS, teilnehmen, beginnen gerade. "Gegen B-Zellen gerichtete Therapien dürften die therapeutischen Möglichkeiten bei Patienten mit MS deutlich erweitern", sagte Hartung.
Quelle: aerztezeitung.de
|06.12.2007 Ein Krebsmittel bedeutet neue Hoffnung bei MS

BERLIN (gvg). Für Patienten mit Multipler Sklerose (MS) könnte das Krebsmittel Cladribin zu einer neuen Option werden. Das Unternehmen Merck Serono testet das Mittel jetzt in einer Phase-III-Studie.
In Phase II-Studien hatte eine intravenöse Formulierung von Cladribin bei MS-Patienten zu einer teilweise über 90prozentigen Verringerung der Gadolinum-aufnehmenden ZNS-Läsionen in der Kernspin-Untersuchung geführt. Das ist beim Neurologen-Kongress in Berlin berichtet worden. Außerdem verringerte sich die Schubfrequenz um fast die Hälfte.
In der Phase-III-Studie wird jetzt eine oral einnehmbare Formulierung untersucht, wie Professor Robert Weissert von Merck Serono aus Genf berichtet hat. Das Besondere an dieser Therapie: Die Medikation wird zwei bis vier Monate lang alle vier Wochen jeweils fünf Tage eingenommen. "Danach folgt eine acht- bis zehnmonatige Therapiepause, in der sich das Immunsystem readjustieren kann", so Weissert auf der von Merck Serono unterstützten Veranstaltung. Das reduziere unerwünschte Wirkungen und eröffne neue Optionen für Kombinationstherapien.
Cladribin wird bisher zur Therapie bisher bei niedrig-malignen Leukämien eingesetzt. Die Substanz führt zu einer dosisabhängigen Lymphozytendepletion.
Quelle: aerztezeitung.de
|27.11.2007 Studie der Phase IIB mit AIMSPRO(R)

Daval International Limited erhält Zulassung für Studie der Phase IIB mit AIMSPRO(R)
LONDON, November 26 /PRNewswire/ -- Daval International Limited, ein britisches Privatunternehmen, gab bekannt, dass die in London geplante Studie der Phase IIB mit AIMSPRO(R), dem hyperimmunen Ziegenserumderivat des Unternehmens, von der Aufsichtbehörde MHRA und der Ethikkommission IRB zugelassen wurde.
Die doppelblinde, placebokontrollierte Kreuzstudie ist darauf ausgerichtet, positive Auswirkungen auf die Blasenfunktion bei Patienten mit sekundärer progressiver Multipler Sklerose zu untersuchen. Der Studie liefen mehrjährige, offene Beobachtungen an einer Reihe von Patienten voraus, die aus humanitären Gründen mitwirkten und mit ihrem Einverständnis behandelt wurden.
AIMSPRO wird auf der australischen Therapeutika-Liste als "nur für den Export freigegeben" geführt und hat von der australischen TGA-Aufsichtsbehörde den Orphan-Drug-Status zur Behandlung von Morbus Krabbe erhalten. Ein IND-Antrag für eine weitere MS-Studie in den Vereinigten Staaten wird derzeit eingereicht.
AIMSPRO ist ein tiefgekühltes Medikament, das mit einer Dosierung von 1 ml alle 4 Tage subkutan verabreicht wird. Es wird angenommen, dass das Medikament eine ausgeprägte, nachhaltige entzündungshemmende Wirkung entfaltet, gekoppelt mit der ungewöhnlichen Wirkung, die Auslösespannung im Natriumkanal der Nervenzellen zu senken. In den nächsten 3 Monaten sind MHRA-Anträge für zwei weitere klinische Studien geplant.
Daval International Ltd. wurde kürzlich als Mitglied in den Verband der britischen pharmazeutischen Industrie APBI (Association of the British Pharmaceutical Industry) aufgenommen.
Daval International Limited ist ein in privater Hand befindliches britisches Pharmaunternehmen, das seit dem Jahre 2001 ein immunologisch aktives, human- und tiermedizinisches Medikament aus Ziegenserum entwickelt. Bisher sind ca. 20.000 Dosen von Aimspro verabreicht worden, hauptsächlich an Personen mit multipler Sklerose, wobei sich ein hervorragendes Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil ergab.
Distributed by PR Newswire on behalf of Daval International Ltd
|21.11.2007 Wie Immunzellen aus dem Blut in das Gehirn gelangen

und wie sie im Gehirn entstehen
Ein weiterer Puzzlestein zum Verständnis neurologischer Erkrankungen, wie Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose entdeckt. Göttinger Grundlagenforscher veröffentlichen im Wissenschaftsmagazin "Nature Neuroscience" neue Forschungsergebnisse.
(umg) Bestimmte Immunzellen aus dem Blut gelangen durch die intakte Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn, wenn das Gehirn vorher bestrahlt wurde. Dies hat jetzt eine Forschergruppe aus Göttingen, Zürich, Regensburg und Berlin unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Marco Prinz (Abt. Neuropathologie der Universitätsmedizin Göttingen) erstmalig im Tiermodell bewiesen. Die Ergebnisse aus der Göttinger Grundlagenforschung wurden heute, am 18. November 2007, in der Dezemberausgabe der renommierten Fachzeitschrift "NATURE Neuroscience" (Nat Neurosci 2007, in press) veröffentlicht. In der Forschergruppe arbeiten Neuropathologen, Radioonkologen, Internisten, Psychiater und Molekularbiologen zusammen.
Das Forschungsergebnis bringt einen neuen grundlegenden Aspekt, der für das Verstehen von neurologischen Erkrankungen bedeutsam sein könnte. Die Grundlagenforscher haben im Blut die speziellen Vorläuferzellen von Immunzellen gefunden und identifiziert, denen der Schritt ins Gehirn unter bestimmten Bedingungen gelingt. Außerdem konnten die Forscher zeigen: Die Vorläuferzellen gelangen nur dann aus dem Blut ins Gehirn, wenn das Gehirn vorher einer hohen Dosisstrahlung ausgesetzt worden war.
Immunzellen kommen bei neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose vermehrt im Gehirn vor. Sie spielen eine wichtige Rolle für den Verlauf dieser neurologischen Erkrankungen. Bei den hirneigenen immunkompetenten Zellen handelt es sich um so genannte Fresszellen (Makrophagen), den "Mikroglia". Diese hochsensiblen "Polizisten der Immunabwehr" erkennen jegliche Veränderungen bei verschiedensten Hirnerkrankungen und fressen geschädigte Zellen. Ob diese Immunzellen aus dem Blut in das Gehirn gelangen und aus welchen Blutzellen sie entstehen, konnte die Forschergruppe jetzt erstmalig am lebenden Organismus mit intakter Blut-Hirn-Schranke zeigen.
"Unsere Ergebnisse tragen entscheidend dazu bei, den Verlauf von Hirnerkrankungen zu verstehen. Da die Fresszellen auch bei anderen Hirnerkrankungen wie Schädigungen der Nervenscheiden und allen entzündlichen Erkrankungen im Zen¬tralen Nervensystem (ZNS) vermehrt auftreten, wird es nun möglich sein, deren Rolle bei diesen Erkrankungen aufzuklären", sagt der Neuropathologe Priv.-Doz. Dr. Marco Prinz.
Welche Zelle aus dem Blut entwickelt sich zu "Mikroglia"? Um zunächst diese Frage zu klären, verwendeten die Forscher verschiedene Tiermodelle. Die neu identifizierten Blutzellen wurden genetisch verändert und anschließend markiert. So konnte ihr Weg in das erkrankte Gehirn verfolgt werden. Das Ergebnis war überraschend und eindeutig: "Nur ein bestimmter Fresszellen-Typ aus dem zirkulierenden Blut hat die Eigenschaft, in das erkrankte Gehirn zu gelangen", sagt Marco Prinz.
In einem weiteren Schritt untersuchten die Forscher, unter welchen Bedingungen der Schritt ins Gehirn möglich wird. Sie fanden heraus: Die Einwanderung der Fresszellen aus dem Blut war nur möglich, wenn das Gehirn vor der Nervenschädigung einer Bestrahlung ausgesetzt worden ist. "Wir haben eine Bestrahlung verwendet, wie sie bei Bestrahlungstherapien bei Tumorpatienten eingesetzt wird", erläutert Dr. Mirko Nitsche, Abteilung Strahlentherapie und Radioonkologie der Universitätsmedizin Göttingen. Nitsche hat zusammen mit dem Biologen Alexander Mildner, Abt. Neuropathologie, hauptsächlich die Experimente durchgeführt.
Journal: Nature Neuroscience 2007 (in press)
WEITERE INFORMATIONEN:
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 18.11.2007
|19.11.2007 Magnetresonanzspektroskopie: Neuer Diagnoseansatz

Bonn - Über ein neues Verfahren, mit denen Ärzte in Zukunft eine multiple Sklerose (MS) sehr früh diagnostizieren könnten, hat eine interdisziplinäre Forschergruppe der Universität Bonn um Mike Wattjes berichtet. Mit der sogenannten Magnetresonanzspektroskopie lässt sich die Konzentration von Stoffwechselprodukten im Gehirn messen. Die Gruppe publizierte ihre Ergebnisse online in der Zeitschrift Neuroradiology (doi:10.1007/s00234-007-0325-y).
Eine MS äußert sich zunächst oft nicht eindeutig: Die Patienten können plötzlich nicht mehr richtig sehen, berichten über Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen. Aber eine frühzeitige und sichere Diagnosestellung ist wichtig, um die Erkrankung so früh wie möglich passend zu behandeln.
Bei dem entzündlichen Prozess, der im Verlauf der MS wirkt, verschiebt sich das Verhältnis verschiedener Hirnmoleküle zueinander. Eine dieser Substanzen ist das N-Acetyl-Aspartat (tNAA). Es kommt in intakten Neuronen in deutlich größerer Menge vor als in Fasern, die bereits angegriffen sind. "Diese Änderung der tNAA-Menge lässt sich spektroskopisch messen", sagte Frank Träber aus der Bonner Arbeitsgruppe.
Die Magnetresonanzspektroskopie sei daher ein viel versprechendes Diagnose-Instrument. Anders als die konventionelle Kernspintomographie liefert sie kein Bild des Gehirns. Stattdessen wirft das Gerät eine Art komplizierte Fieberkurve aus. Jeder Gipfel steht für ein bestimmtes Stoffwechselprodukt. Je höher die Zacke, desto größer die Menge dieses Produkts im untersuchten Hirnareal.
25 Patienten mit möglichen MS-Symptomen nahmen an der Studie teil, dazu eine Kontrollgruppe von 20 Gesunden. In den sechs Monaten nach der Messung kontrollierten die Ärzte, bei welchen Patienten sich nach dem ersten Schub tatsächlich eine MS entwickelte. Das war bei neun Patienten der Fall."Bei diesen neun Patienten war die tNAA-Menge zum Zeitpunkt der Messung, also schon Monate vor der definitiven Diagnose, um durchschnittlich 13 Prozent verringert gewesen", so Träber. Die übrigen Patienten hatten zwar ebenfalls zu Beginn der Studie geringere tNAA-Werte als die gesunden Probanden. Hier betrug die Differenz aber nur sechs Prozent.
"Die Methode scheint eine gute Ergänzung für das klassische Diagnose-Instrument, der Magnetresonanztomografie, zu sein", so Wattjes.
Links zum Thema
Abstract in Neuroradiology
Universität Bonn, Radiologie
Quelle: hil/aerzteblatt.de
|14.11.2007 Neue Daten aus Phase-II-Studie zu Alemtuzumab

Dreijährige Studie bestätigt Wirksamkeit von Alemtuzumab im Vergleich zu Interferon-beta-1a
Auf dem 23. Kongress des Europäischen Komitees wurden für die Behandlung und Erforschung der Multiplen Sklerose (ECTRIMS) in Prag positive Daten aus der klinischen Phase-II-Studie "CAMMS223" vorgelegt, in der Alemtuzumab mit Rebif® (Interferon-beta-1a) bei der Behandlung Multipler Sklerose verglichen wird. Die am Wochenende vorgestellten Ergebnisse stammen aus einer Analyse, die nach Behandlung von 334 Patienten in der auf drei Jahre angelegten Studie durchgeführt wurde.
Die Wirksamkeitsdaten belegen, dass ein zweimaliger Behandlungszyklus mit Alemtuzumab im Abstand von einem Jahr einen signifikanten Behandlungseffekt hat, der bei den Patienten dieser Studie für mindestens drei Jahre anhielt. Die Analyse des ersten co-primären Endpunktes ergab, dass bei den Patienten, die Alemtuzumab erhielten, das Risiko für einen erneuten Ausbruch der Erkrankung nach dreijähriger Beobachtung um mindestens 73 % geringer war als bei den Patienten, die mit Interferon-beta-1a behandelt wurden. Dieser Unterschied fiel statistisch hochsignifikant zugunsten der Alemtuzumab-Patienten aus, wobei der zuvor ermittelte Zielwert für statistische Fehlerwahrscheinlichkeit unterschritten wurde (p=0,00396).
Die Analyse des anderen co-primären Endpunktes zeigte, dass bei Patienten, die Alemtuzumab erhielten, das Risiko eines Fortschreitens der klinisch signifikanten Behinderung um mindestens 70 Prozent geringer war als bei den mit Interferon-beta-1a behandelten Patienten. Dieser Unterschied fiel statistisch signifikant zugunsten der Alemtuzumab-Patienten aus, wobei auch hier der p-Wert unter dem zuvor ermittelten Zielwert blieb (p=0,01646). Die für die sekundären Endpunkte ermittelten Ergebnisse untermauern die für die primären Endpunkte ermittelten Resultate.
Die Ergebnisse in Bezug auf die primären Endpunkte der Studie wurden von Alastair Compston, Professor für Neurologie und Leiter der Abteilung für klinische Neurowissenschaften an der Universität Cambridge, Großbritannien, in seinem Vortrag anlässlich der Verleihung des renommierten Charcot-Preises während des ECTRIMS dargelegt.
Mit der Vorlage der umfassenden und detaillierten Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten aus der Studie wird auf der 60. Jahrestagung der Amerikanischen Akademie für Neurologie im kommenden Frühjahr gerechnet.
In zwei kürzlich angelaufenen Studien der Phase III wird die Sicherheit und Wirksamkeit von Alemtuzumab bei der Behandlung von Multipler Sklerose untersucht. Bayer Schering Pharma hatte gemeinsam mit ihrem Kooperationspartner Genzyme den Beginn der Studie CARE-MS I (Comparison of Alemtuzumab and Rebif® Efficacy in Multiple Sclerosis - Vergleich der Wirksamkeit von Alemtuzumab und Rebif® bei Multipler Sklerose) im vergangenen Monat mitgeteilt. Es handelt sich hierbei um eine randomisierte Studie, in der Alemtuzumab mit Rebif® als Erstlinientherapie für Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (MS) verglichen wird. Die zweite Studie, CARE-MS II, umfasst Patienten, bei denen während ihrer Behandlung mit derzeit verfügbaren Therapien weiterhin Rückfälle auftraten. Alemtuzumab ist ein in der Erprobung befindliches Arzneimittel zur Behandlung der MS und darf in dieser Indikation nur im Rahmen einer formellen klinischen Studie angewendet werden. Ärzte oder Patienten, die weitere Informationen über die CARE-MS I Phase-III-Studie wünschen, werden gebeten, unter + 31 35 699 1499 (in Europa) Kontakt mit Genzyme Medical Information aufzunehmen oder sich unter www.clinicaltrials.gov zu informieren.
In der jetzt vorgestellten Phase-II-Studie wurden insgesamt sechs Patienten mit idiopathischer thrombozytopenischer Purpura (ITP) diagnostiziert. Bei ITP kommt es zu einer Abnahme der Thrombozytenzahl, die eine abnorme Blutungsneigung nach sich ziehen kann. Im letzten Beobachtungsjahr wurden keine neuen ITP-Fälle berichtet. ITP ist ein sehr ernst zu nehmender Zustand, der aber gut durch Bluttests festgestellt und überwacht werden kann. Im allgemeinen ist ITP mit immunmodulatorischen Therapien wie Prednison behandelbar. Bei Patienten, die darauf nicht ansprechen, kann die Entfernung der Milz notwendig werden.
Zu häufigen, nicht schweren Nebenwirkungen gehörten Infusionsreaktionen bei Patienten, die Alemtuzumab erhielten, und grippeähnliche Symptome bei Patienten, die mit Interferon-beta-1a behandelt wurden. Schwere Infektionen waren bei den Alemtuzumab-Patienten selten und heilten mit oder ohne Intervention. Die Inzidenz aller Schilddrüsennebenwirkungen, einschließlich der Basedow-Krankheit, war im Vergleich zu ersten Berichten in der Literatur über die Anwendung von Alemtuzumab bei MS niedriger als erwartet.
Die Phase-II-Studie randomisierte 334 Patienten mit aktiver schubförmig-remittierender Multipler Sklerose in 49 Prüfzentren in Europa und in den USA. Die Behandlung mit Alemtuzumab erfolgte in einer von zwei Dosierungsstufen (12 oder 24/mg pro Tag intravenös fünf Tage in der Anfangsbehandlung und nach 12 Monaten drei Tage in der Nachbehandlung mit der Option einer erneuten Behandlung nach 24 Monaten). Die Verabreichung von Interferon-beta-1a (44 Mikrogramm) erfolgte mittels subkutaner Injektion dreimal wöchentlich gemäß Produktinformation. In der randomisierten Studie wurde die Wirksamkeit von Alemtuzumab mit Interferon-beta-1a anhand von zwei primären Endpunkten verglichen: die Rezidivrate von MS-Symptomen und die Zeit bis zum Auftreten einer andauernden und kumulativen Behinderung, gemessen nach sechs Monaten mittels der EDSS-Skala (Expanded Disability Status Scale - Skala zur Messung des Behinderungsgrads bei MS). Die behandelnden Ärzte wussten zwar, welche Behandlung die Patienten erhielten, aber die Bewertung des Wirksamkeitsendpunktes erfolgte verblindet von unabhängigen Neurologen.
Quelle: journalMED
|02.11.2007 Sicherheit von Natalizumab bestätigt

PRAG (urm). Etwa 17 000 MS-Patienten werden derzeit weltweit mit dem humanisierten monoklonalen Antikörper Natalizumab behandelt. Bei engmaschigen Sicherheits- kontrollen ergaben sich bis zum Oktober dieses Jahres keine Hinweise auf neue Fälle einer progressiven multifokalen Leukoenzephalopathie (PML).
Wegen PML-Erkrankungen während der klinischen Prüfung habe man die Entwicklung von Natalizumab (Tysabri®) zwischenzeitlich ruhen lassen, erinnerte Dr. Alfred Sandrock vom Unternehmen Biogen Idec in Cambridge in den USA. Es sei aber nach heutigem Stand der Kenntnis davon auszugehen, dass der Nutzen von Natalizumab überwiegt, sagte Sandrock bei einer Veranstaltung des Unternehmens in Prag. Die Antikörper-Therapie sei in ihrer klinischen Wirkung allen anderen Ansätzen überlegen.
Die Prager Neurologin Professor Eva Havrdová hält Natalizumab für wirksamer als Interferon beta. Sie schließt das aus den Ergebnissen der AFFIRM×-Studie. In dieser Untersuchung war binnen zwei Jahren die Rate an MS-Schüben im Vergleich zu Placebo um 68 Prozent geringer.
Im Durchschnitt war es mit Natalizumab pro Jahr zu 0,23, mit Placebo dagegen zu 0,73 Schüben gekommen. Nach Kernspin-Untersuchungen waren mit Natalizumab 92 Prozent weniger Gadolinium-anreichernde ZNS-Läsionen neu aufgetreten als mit Placebo. Natalizumab ist in der Europäischen Union zugelassen zur Therapie von Patienten mit rapide fortschreitender MS und bei Patienten, die auf Interferon beta unzureichend ansprechen.
×AFFIRM: Natalizumab Safety and Efficacy in Relapsing-Remitting MS
Quelle: Ärzte Zeitung, 02.11.2007
|29.10.2007 Betaferon-Pläne gestoppt - Rückschlag für Bayer

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer zieht einen teuren Schlussstrich unter seine Expansionspläne mit seinem lukrativen Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon. Bayer stoppt die Pläne für eine höher dosierte Version von Betaferon nach dem Fehlschlag einer Studie und schreibt im dritten Quartal deshalb 152 Mio. Euro ab. Die Geschäftszahlen will Bayer am 6. November veröffentlichen.
Bayer hatte Betaferon in einer höheren Dosierung von 500 Mikrogramm gestestet und mit der halb so hohen Standarddosierung sowie mit dem Konkurrenzpräparat Copaxone des israelischen Pharmakonzerns Teva verglichen. Dabei habe sich gezeigt, dass das höher dosierte Betaferon nicht besser wirkt als die Standarddosierung und auch nicht wirksamer ist als das Konkurrenzpräparat, erklärte der Konzern. Auf eine Zulassung der höheren Dosierung werde Bayer nun verzichten. Bayer wollte damit das Anwendungsspektrum des Präparats erweitern und für mehr Umsatz sorgen.
Analysten der Citigroup zufolge hätte eine Hochdosisversion die Marktanteilsverluste von Betaferon in den USA gegenüber dem Konkurrenzpräparat Rebif der Darmstädter Merck KG verlangsamen können. Rebif habe dort inzwischen 19 Prozent am Markt, Betaferon nur noch 13 Prozent. Betaferon konkurriert neben Copaxone auch mit dem Mittel Avonex des US-Biotechkonzerns Biogen Idec.
Das mit Schering zu Bayer gekommene Betaferon erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatzzuwachs von 14,3 Prozent auf 991 Mio. Euro und war damit das umsatzstärkste Medikament der Bayer-Pharmasparte. Für dieses und das nächste Jahr erwartet Bayer jeweils ein Umsatzplus von sieben bis neun Prozent für Betaferon.
"Die Standarddosierung von Betaferon 250 Mikrogramm ist die optimale Dosis für Patienten, die mit einer Behandlung beginnen", erklärte Douglas Goodin von der University of California, der die Studie betreute. An der Untersuchung nahmen 2244 Patienten mit schubförmiger Multiplen Sklerose teil, die noch nicht behandelt worden waren. Weltweit leiden 2,5 Millionen Menschen an der chronischen Autoimmun-Erkrankung, die die Nerven der Patienten irreparabel schädigt und zu schweren Lähmungen bis hin zum Tod führen kann.
Quelle: n-tv.de, 29.10.07
|17.10.2007 Einfacher Augenscan ermöglicht Früherkennung

Patienten profitieren von frühzeitiger Diagnose
Baltimore/Wien - Ein Forscherteam des John Hopkins Multiple Sclerosis (MS) Center http://www.hopkinsneuro.org/ms hat ein neuartiges Verfahren zur Diagnose von MS entwickelt. Mittels eines optischen Kohärenztomographen untersuchen die Forscher den Zustand der Nervenzellen in der Netzhaut des Auges. Der einfache, schnell durchführbare Test soll vor allem die Erkennung der schweren Nervenkrankheit in einem frühen Stadium ermöglichen.
"Eine Diagnose von Multipler Sklerose ist in der Regel erst nach einer Reihe von Untersuchungen möglich", erklärt Astrid Gerstl, Mitarbeiterin der Multiple Sklerose Gesellschaft Wien http://www.ms-ges.or.at gegenüber pressetext. "Vielfach wollen die betroffenen Patienten auch gar keinen endgültigen Befund, weil sie wissen, welche belastenden Auswirkungen eine MS-Diagnose für ihr weiteres Leben haben würde", meint Gerstl. Etwa 8.000 Menschen seien in Österreich an MS erkrankt und jährlich kämen an die 350 neue Fälle hinzu.
Einem Team um den Neurologen Peter Calabresi am John Hopkins Multiple Sclerosis Center in Baltimore ist es nun gelungen, ein simples Diagnoseverfahren zu finden, das weit weniger aufwendig ist. Mit einem optischen Kohärenztomographen wird der Zustand der Nervenzellen in der Netzhaut (Retina) untersucht. Über Vergleiche der Ergebnisse von gesunden Personen konnten die Wissenschaftler so feststellen, wie stark die Nervenschäden bei 40 MS-Patienten waren. Laut den Wissenschaftlern des John Hopkins MS Center sei das präsentierte Verfahren wesentlich präziser und zudem zehnmal kostengünstiger als bisherige Methoden. Vor allem ließe sich eine Erkrankung an Multipler Sklerose mit diesem Testverfahren bereits in einem relativ frühen Stadium erkennen, wo eine medikamentöse Therapie den größten Nutzen hat.
Um das Thema MS stärker in der öffentlichen Diskussion zu verankern, veranstaltet die Multiple Sklerose Gesellschaft Wien dieses Jahr am 20. Oktober den "Ersten Wiener MS-Tag". "Aufgabe der MS-Gesellschaft ist es vor allem, sich um jene Belange zu kümmern, die abseits des medizinischen Bereichs für Multiple-Sklerose-Patienten hilfreich sein können", erläutert Gerstl die zentrale Zielsetzung der Gesellschaft.
Quelle: pressetext.austria (pte/17.10.2007/13:50)
|15.10.2007 MS-Patienten bekommen rasch kognitive Defizite

BERLIN (ugr). Bereits kurz nach der Diagnose weist annähernd jeder zweite Patient mit Multi-pler Sklerose (MS) kognitive Defizite auf. Das hat eine multizentrische Untersuchung an sechs MS-Zentren in Deutschland ergeben.
Bisher ging man davon aus, dass die Kognition erst im Lauf der Erkrankung beeinträchtigt wird. In einer Stichprobe wurden die kognitiven Leistungen von 47 Patienten untersucht, und zwar drei bis sechs Monate nach dem ersten klinischen Ereignis. Diese Daten wurden auf dem Neurologen-Kongress in Berlin vorgestellt. Die Patienten waren im Schnitt 31 Jahre alt. Geprüft wurden etwa Lern- und Merkfähigkeit, Gedächtnis und Wortschatz.
47 Prozent der Patienten waren in mindestens einem Testparameter auffällig, 18 Prozent davon sogar stark beeinträchtigt. Häufig waren dies Aufmerksamkeitsprobleme, räumlich-visuelle Defizite oder Probleme bei der Informationsverarbeitung. Ein Zusammenhang zwischen körperlicher Behinderung und kognitiver Einschränkung bestand nicht. Bei 36 Prozent der Patienten lag ein Fatigue-Syndrom vor, bei jedem neunten Patienten fanden sich ausgeprägte depressive Symptome schon kurz nach Beginn der Krankheit.
Quelle: Ärzte Zeitung, 15.10.07
|14.10.2007 Familiäre Häufung verschärft MS

Wenn Multiple Sklerose in einer Familie gehäuft auftritt, verläuft sie oft schwerer als bei Patienten ohne die familiäre Vorbelastung.
Wissenschaftler der Universität Buffalo haben von 759 Patienten mit Multipler Sklerose (MS) Kernspinaufnahmen gemacht. Dabei stellten sie fest, dass die Entzündungsherde und Nervenschäden im Gehirn besonders groß und zahlreich sind, wenn der Kranke Verwandte hat, die ebenfalls von MS betroffen sind. Die Studie stützt die These, dass nicht nur die Entstehung, sondern auch der Verlauf dieser Degeneration des Nervensystems genetisch bedingt ist.
Die Neurologen unter der Leitung von Robert Zivadinov konnten diesen Zusammenhang erstmals belegen, den Wissenschaftler schon seit den 80er-Jahren vermutet haben. Den Unterschied zwischen Patienten mit einer MS-Familiengeschichte und solchen mit sogenannter sporadischer MS führt Robert Zivadinov auf Genvarianten zurück, die die Erkrankung verschieden verlaufen lassen. Welche Gene verantwortlich sind und wie der Unterschied entsteht, ist allerdings noch ungeklärt.
Die Probanden waren zwischen 36 und 56 Jahre alt. Ihre MS-Symptome lagen auf einer Skala von null bis zehn bei 3,4. Für 198 Patienten (26 Prozent) traf eine Häufung der Erkrankung in ihrer Familie zu.
Zwischen den Patienten mit familiärem oder sporadischem Hintergrund gab es außer der Intensität der MS-bedingten Schäden im Gehirn keine weiteren Unterschiede, etwa was das Alter, den Zeitpunkt des Krankheitsausbruchs, die Dauer oder Intensität der Behandlung anbelangt. Die Nervenschäden waren umso ausgeprägter, je näher der Patient mit einem anderen MS-Kranken verwandt war. Eltern, Kinder oder Geschwister mit MS bedeuteten eine stärkere Schädigung als ein Cousin oder eine Tante mit der Krankheit.
Die Bostoner Wissenschaftler stellten ihre Studie auf einem europäischen MS-Kongress vor, der Mitte Oktober in Prag stattfand.
pap/University of Buffalo
Quelle: www.focus.de/gesundheit, 14.10.07, 09:14
|13.10.2007 Käufer gesucht - Biogen bietet sich an

Die an der Börse mit rund 19 Mrd. US-Dollar bewertete US-Biotechnologiefirma Biogen Idec bietet sich zum Verkauf an. Die Banken Goldman Sachs und Merrill Lynch seien mit der Käufersuche beauftragt worden und es gebe bereits Interessenten, teilte der Branchenriese mit. Biogen hat mit schwachen Absätzen seines stärksten Umsatzbringers Avonex gegen Multiple Sklerose zu kämpfen. Das Mittel konkurriert unter anderem mit dem Bayer-Medikament Betaferon und dem Präparat Rebif der deutschen Merck.
Analysten erwarten, dass sich unter anderem die großen Pharmakonzerne für Biogen interessieren werden. Die Aktien von Biogen stiegen nachbörslich um rund 16 Prozent an. Einem Zeitungsbericht zufolge hat der Investor Icahn Biogen in der vergangenen Woche bereits ein Übernahmeangebot von 23 Mrd. US-Dollar gemacht. Icahn hatte seinen Anteil an Biogen von ein auf vier Prozent angehoben. Biogen war vor vier Jahren von Idec Pharmaceutical für 6,7 Mrd. US-Dollar gekauft worden.
Die 1978 gegründete Biogen gehört zu den bekanntesten Namen in der Biotech-Industrie. Neben Avonex verfügt die Firma mit Tysabri über ein zweites Mittel gegen Multiple Sklerose sowie über das Krebsmedikament Rituxan. Tysabri ist umstritten. Das zusammen mit der irischen Pharmafirma Elan entwickelte Präparat war im vergangenen Juli unter strengen Auflagen wieder auf den Markt gebracht worden. Im Februar 2005 war das Präparat zeitweilig vom Markt genommen worden, nachdem ein Patient an einer seltenen Erkrankung des Zentralen Nervensystems gestorben war. Im vergangenen setzte Biogen 773 Mio. US-Dollar um.
Quelle: n-tv.de, 13.10.07
|11.10.2007 Antikörper reparieren Myelin im Tiermodell

Washington - US-Forscher haben einen Antikörper entwickelt, der die Remyelinisierung von Markscheiden anregt. Nach vielversprechenden tierexperimentellen Studien sollen mittelfristig erste klinische Studien beginnen, teilte die Gruppe auf der Jahrestagung der American Neurological Association in Washington mit.
Anders als lange angenommen, ist die Demyelinisierung der Markscheiden, die zur multiplen Sklerose führt, kein unumkehrbarer Prozess. Der Körper verfügt durchaus über Möglichkeiten, Myelinscheiden zu reparieren, erläuterte Moses Rodriguez von der Mayo Clinic in Rochester auf der Tagung. Bei Patienten mit multipler Sklerose scheint dieser Selbstheilungsmechanismus jedoch gestört zu sein. Vor einigen Jahren stieß die Gruppe auf eine mögliche Therapie, die hier ansetzt. Im menschlichen Serum entdeckten sie einen Antikörper, der die Remyelinisierung in einem Mäusemodell der Erkrankung stimulierte (FASEB J 2002; 16:1325-7).
Dies führte schließlich zur Entwicklung des monoklonalen Antikörpers rHIgM22, der derzeit an Mäusen untersucht wird, bei denen die Myelinscheiden durch eine Virusinfektion zerstört wird, um die multiple Sklerose nachzuahmen.
Die ersten Ergebnisse, welche die Gruppe kürzlich auch im Journal of Neuroscience Research (2007; 85: 967-976) vorgestellt hat, sind sehr vielversprechend. Der Antikörper bindet am Myelin und auf der Oberfläche von Hirn- und Rückenmarkzellen und stimuliert dadurch tatsächlich die Remyelinisierung. Dies war bereits in einer Dosis von 25µg/kg der Fall, was etwa einer Dosis von 2mg beim erwachsenen Menschen entspricht.
Die Reparaturvorgänge bei der Maus erreichten nach 5 Wochen ein Plateau (das dann allerdings durch eine weitere Injektion nicht weiter gesteigert werden konnte). Ob dies ausreichen würde, um bei Menschen mit multipler Sklerose einen positiven Einfluss auf den Erkrankungsverlauf zu erzielen, kann aber niemand vorhersagen.
Die Forscher konnten zeigen, dass die gleichzeitige Therapie mit Methylprednisolon die Remyelinisierung nicht behindert. Dies ist eine wichtige Erkenntnis, da die Therapie, die vermutlich im Schub gegeben würde, mit der Steroidbehandlung kombiniert werden könnte.
Noch ist die Zeit für klinische Studien nicht reif. Zwar konnten die Forscher bereits die Verträglichkeit bei Versuchstieren zeigen. Sie sollen das Tausendfache der normalen Dosis toleriert haben, wie Rodriguez versicherte. Doch seit den ungünstigen Ausgang der Phase-I-Studie mit dem Antikörper TGN1412, der trotz Unbedenklichkeit in tierexperimentellen Studien beinahe zum Tod von sechs Probanden geführt hat, wird die Entwicklung von Antikörpern vorsichtiger vorangetrieben. Ein Termin für den Beginn klinischer Studien wurde nicht mitgeteilt.
Quelle: rme/aerzteblatt.de, 10.10.07
|10.10.2007 Phase-III-Entwicklungsprogramm mit Alemtuzumab gestartet

Bayer Schering Pharma und Genzyme beginnen erste Vergleichsstudie Berlin, 26. September 2007 - Im Rahmen eines Phase-III-Entwicklungsprogramms mit Alemtuzumab bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) ist der erste Patient behandelt worden.
Berlin, 26. September 2007 - Im Rahmen eines Phase-III-Entwicklungsprogramms mit Alemtuzumab bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) ist der erste Patient behandelt worden. Unter der Studienbezeichnung CARE-MS1 (Comparison of Alemtuzumab and Rebif Efficacy in Multiple Sclerosis) wird Alemtuzumab mit Interferon-beta-1a (Produktname: Rebif®) verglichen. Einbezogen werden Patienten, die bislang noch keine medikamentöse Therapie erhalten haben. Während der zweijährigen Behandlungsphase erhalten die Studienteilnehmer Alemtuzumab in einem einjährigen Abstand, während Rebif dreimal wöchentlich verabreicht wird. Alemtuzumab ist ein gemeinsam von der Genzyme Corporation, USA, und Bayer Schering Pharma entwickeltes Medikament.
In die CARE-MS1-Studie sollen bis zu 525 Patienten an ca. 60 Prüfzentren in Nordamerika, Australien, Lateinamerika und Europa eingeschlossen werden. Der Vergleich von Alemtuzumab mit Rebif wird anhand von zwei primären Studienendpunkten erfolgen: der Zeit bis zum Fortschreiten einer klinisch relevanten Behinderung und der Häufigkeit von eintretenden Schüben pro Jahr. Die Behandlung mit Alemtuzumab erfolgt intravenös an fünf Tagen mit jeweils 12 mg/Tag, gefolgt von Infusionen an drei Tagen mit ebenfalls 12 mg/Tag nach zwölf Monaten. Nach Zuweisung des letzten Teilnehmers zu einer der beiden Behandlungsgruppen werden alle Patienten für zwei Jahre hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit des Produkts beobachtet. Die Behandlungsgruppe mit Alemtuzumab wird für mindestens drei weitere Jahre nach Ihrer Behandlung hinsichtlich der Sicherheitsaspekte untersucht. Eine weitere Phase-III-Studie mit Patienten, bei denen unter den derzeit verfügbaren Therapien weiterhin Schübe aufgetreten sind, soll in Kürze beginnen.
Das Phase-III-Programm folgt dem erfolgreichen Abschluss der Behandlungsphase einer Phase-II-Studie. Die Interimsanalyse der Phase-II-Studie nach zwei Jahren ergab für Patienten unter Alemtuzumab im Vergleich zu Rebif ein statistisch signifikant verringertes Risiko für weitere Krankheitsschübe und für das Fortschreiten einer klinisch relevanten Behinderung. Ergebnisse dieser Studie sollen bei der diesjährigen Jahrestagung des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) im Oktober in Prag vorgestellt werden.
Die Firmen erwarten derzeit, die Erstzulassung von Alemtuzumab zur Behandlung der Multiplen Sklerose 2011 beantragen zu können.
Quelle: Bayer
|10.10.2007 Hirnverlust durch Multiple Sklerose

BERLIN - Bereits im ersten Erkrankungsjahr lässt sich bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose ein erheblicher Verlust zentraler Hirnanteile nachweisen.
Wer frisch an Multiple Sklerose erkrankt ist, verliert schon im ersten Jahr zentrale Hirnanteile - deswegen sollte eine vorbeugende Therapie schon in frühen Stadien beginnen. Das berichtete eine Arbeitsgruppe von Uwe Schlegel von der Neurologischen Universitätsklinik, Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer, beim 80. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Die Forscher vermaßen den Bereich des Gehirns, der beide Großhirnhälften verbindet (Corpus callosum) von 21 an Multiple Sklerose Erkrankten mittels Magnetresonanztherapie. Elf Patienten befanden sich im ersten Erkrankungsjahr, zehn hatten bereits einen im Mittel acht- bis neunjährigen Krankheitsverlauf hinter sich. Als Kontrollgruppe dienten sieben Personen ohne Erkrankung des zentralen Nervensystems.
Innerhalb von nur sechs Monaten nahm die Fläche des vermessenen Bereichs bei den "frischen" Multiple-Sklerose-Patienten um 7,2 Prozent ab, bei den schon seit Jahren Kranken dagegen nur um 1,9 Prozent. Die Veränderungen übersteigen Befunde aus Ganzhirnmessungen erheblich, berichtete die Arbeitsgruppe. Die Kontrollpersonen zeigten dagegen einen stabilen zustand desselben Hirnbereichs. Unsere Ergebnisse legen eine frühe prophylaktische Therapie der schubförmigen Multiplen Sklerose auch in behinderungsarmen Stadien nahe, schreiben die Autoren in ihrem Abstract.
MTD, Ausgabe 39 / 2007 S.6, Birgit Maronde
|10.10.2007 Forscher berichten: Beendigung der Tysabri-Therapie erhöhte

MS-Krankheitsaktivität im MRT
Ärzte aus einem Studienzentrum, das an den Zulassungsstudien von Tysabri® (Natalizumab, Biogen Idex und Elan Pharmaceuticals) bei schubförmig-remittierender MS teilnahmen, berichten, dass die Beendigung der Therapie zu einer Zunahme der neuen und einem Anwachsen bestehender MS-Herde führen kann, wie sie im MRT zu sehen sind. Sie verglichen dabei die MRT-Aufnahmen von 21 Studienteilnehmern vor Beginn der Therapie mit denen, die 15 Monate nach dem Therapieende mit Tysabri aufgenommen wurden. Bei diesen Patienten war kein nennenswerter Anstieg der klinischen MS-Aktivität (z. B. Schübe) zu verzeichnen. Dieses Ergebnis von sog. "Rebound-Aktivität" bei einer kleinen Stichprobe von Patienten rechtfertigt die Überprüfung dieses Phänomens in größeren Gruppen, bevor Empfehlungen in Bezug auf die Verabreichung von Tysabri gemacht werden können.
Die Ärzte Dr. Mechthild Vellinga und Dr. Chris Polman, Amsterdam, und ihre Kollegen berichten über dieses Ergebnis in der Fachzeitschrift Neurology.
Hintergrund: Tysabri wurde von der US-amerikansichen Gesundheitsbehörde FDA für die Therapie der schubförmigen MS zugelassen, weil es in den beiden Zulassungsstudien AFFIRM und SENTINEL den Krankheitsfortschritt verzögern und die Schubrate verringern konnte. Beide Studien wurden gestoppt, nachdem zwei Fälle von PML (prgressive multifokale Leukoenzephalopathie, eine seltene und häufig tödlich verlaufende Erkrankung des zentralen Nervensystems) diagnostiziert worden war. Ein dritter Fall von PML, der ebenfalls tödlich verlief, war in einer weiteren Studie mit Natalizumab bei Morbus Crohn aufgetreten.
"Rebound-Effekte": Als die Behandlung mit Tysabri aufgrund des Studienstopps ausgesetzt wurde, beobachtete der Neuroradiologe in den MRT-Scans nach Behandlung, dass bei den Studienteilnehmern eine Zunahme der MS-Läsionslast stattgefunden hatte. Das Forscherteam analysierte die sog. "T2-Läsionen", die die kumulierte Schädigung darstellen, bei 21 Studienteilnehmern, die sowohl vor Beginn als auch nach dem Ende der Tysabri-Behandlung MRT-Scans hatten.
Eine zuvor berichtete Studie, die die ersten sechs Monate nach einem Behandlungsende mit Tysabri untersuchte, berichtete von keinem MRT-Rebound (OConnor PW, Goodman A, Kappos L et al, presented at the 22nd Congress of the European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis; September 29, 2006.) /CT- e-med-ms
National Multiple Sclerosis Society: Researchers Report that Stopping Tysabri Increased MRI-Detected Disease Activity in Some Patients
Quelle: e-med GmbH
|09.10.2007 Interferon beta-1a in neuer Formulierung in Europa zugelassen

Aussicht auf neue Therapeutika
Mit der in Europa neu zugelassenen neuen Formulierung von Interferon beta-1a zur Therapie der schubförmigen MS konnten Verträglichkeit und Immunogenität verbessert werden, so Prof. Dr. Dr. med. Robert Weissert auf einem Satellitensymposium auf dem DGN in Berlin. Die Rate der Hautausschläge speziell an der Injektionsstelle gingen unter der neuen Formulierung stark zurück (Ciovannoni et al, 2007).
Neben dem guten Sicherheitsprofil in der Langzeittherapie ist Rebif® Neue Formulierung wirksam in Bezug auf viele pathophysiologische Konzepte der Multiplen Sklerose, da autoimmunologische und mögliche infektiologisch aktive Pathomechanismen gezielt beeinflusst werden.
Experten sind sich einig, dass nur eine frühzeitige Dauertherapie die Progredienz der Multiplen Sklerose positiv beeinflussen kann. Spezielle Copingtrainings können helfen, die Diagnose besser zu verarbeiten. Prof. Joachim Kugler, Dresden, stellte erste Ergebnisse aus dem Programm MS-COPE vor. Die Zwischenergebnisse zeigen, dass durch MS-COPE sowohl die Lebensqualität als auch die depressive Krankheitsverarbeitung signifikant verbessert wird.
Aussicht auf Neues: Orale Intervalltherapie mit Cladribin
(MovectroTM) wird zurzeit in der Phase-III-CLARITY Studie bei der schubförmigen Multiplen Sklerose erprobt. Cladribin ist ein Nukleosidanalogon (2-Chloro-2'-deoxy-b-D-adenosin), das zu einer selektiven Depletion von Lymphozytenpopulationen führt. In bisherigen Studien bei intravenöser Verabreichung von Cladribin zeigte sich eine gute Wirksamkeit der Substanz mit günstigem Nebenwirkungsprofil. Cladribin erlaubt die therapeutische Intervention für einen Zeitraum von zwei (niedrige Dosis) oder vier (hohe Dosis) Monaten. Danach findet eine Therapiepause von zehn bzw. acht Monaten statt. In dieser Therapiepause kann sich das Immunsystem readjustieren. Danach wird der Therapiezyklus mit der Gabe von Cladribin und anschließender Therapiepause wiederholt.
Durch die Intervallbehandlung lassen sich Therapiezeiten reduzieren und langfristig möglicherweise auch neuartige sequentielle Therapieschemata schaffen.
Quelle: journalMED
|08.10.2007 Bayer stellt Daten zu neuem MS-Mittel vor

DÜSSELDORF (Dow Jones) - Die Bayer AG stellt am Sonntag, dem 14. Oktober, Daten zu einem neuen Wirkstoff gegen Multiple Sklerose (MS) vor. Der Leverkusener Konzern präsentiert auf einem Kongress in Prag die Ergebnisse einer klinischen Phase-II-Studie mit dem Wirkstoff "Alemtuzumab". Dieser monoklonale Antikörper ist unter den Namen "Campath" und "MabCampath" bereits gegen Leukämie zugelassen.
Vor zwei Jahren hatten Zwischenergebnisse auf eine starke positive Wirkung bei MS hingedeutet. Das Mittel hatte offenbar deutlich besser gewirkt als das bereits zugelassene Medikament "Rebif" von Merck Serono, das 2006 einen Marktanteil von knapp 25% erzielt hatte. Bei dem Bayer-Mittel, das durch die Schering-Übernahme in die Pharma-Pipeline der Leverkusener aufgenommen wurde, waren vereinzelt jedoch auch schwere Nebenwirkungen aufgetreten.
Ende September in diesem Jahr hatte Bayer eine Phase-III-Studie mit dem Wirkstoff gestartet. Der Konzern entwickelt das Mittel gemeinsam mit dem US-Unternehmen Genzyme. Die Unternehmen wollen die Zulassung zur Behandlung von MS im Jahr 2011 beantragen.
In einer Studie der WestLB heißt es, eventuell könne der Antrag noch etwas früher eingereicht werden. Das Patent für "Alemtuzumab" laufe zwar 2012 ab, aber man rechne mit einer generischen Version von "Campath" erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts.
Das kommerzielle Potenzial des Wirkstoffes könnte enorm sein, heißt es in der WestLB-Studie weiter. Ein Mittel, das ein- oder zweimal im Jahr gespritzt werde, sei ähnlich gut zu handhaben wie eine orale Arznei. In der jetzt begonnenen Phase-III-Studie mit "Alemtuzumab" wird das Mittel in einjährigem Abstand verabreicht, während "Rebif" dreimal wöchentlich gespritzt wird.
Zu Beginn des kommenden Jahrzehnts könnte der für "Alemtuzumab" relevante Markt 8 Mrd USD groß sein, heißt es in der Studie weiter. Daraus leite sich ein Spitzenumsatzpotenzial von mindestens 700 Mio USD ab. Es gebe eine gute Chance, dass die Nebenwirkungen in den Griff zu bekommen seien. Die Analysten zählen den Antikörper von Bayer zusammen mit Produkten der Konzerne Novartis und Genentech/Roche zu dem vielversprechendsten neuen Ansätzen gegen MS.
Webseite: http://www.bayer.de
|04.10.2007 Neuer Antikörper bei MS entdeckt

MÜNCHEN (eb). Einen neuen Pathomechanismus bei der Entstehung von Multipler Sklerose haben Forscher aus Martinsried entdeckt.
Bei MS-Patienten haben sie Auto-Antikörper gegen Neurofas-cin entdeckt. Dieses Adhäsionsmolekül ist auch an den Ranvierschen Schnürringen der Nervenfasern lokalisiert.
Wird im frühen Verlauf der MS die Blut-Hirn-Schranke porös, können die Antikörper das Neurofascin angreifen, die Reizleitung hemmen und die Zellen schädigen. Ein therapeutischer Ansatz könnte die Entfernung der Antikörper aus dem Blut sein, so die Forscher vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie.
Quelle: Ärzte Zeitung, 04.10.07
|01.10.2007 Kopfschmerz und Multiple Sklerose

Patienten mit Multipler Sklerose (MS) leiden häufiger als Kontrollpersonen unter Kopfschmerzen. Das zeigt eine Fall-Kontroll-Studie aus Italien.
Verschiedene Studien belegen eine hohe Kopfschmerz-Prävalenz bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS). Zudem scheint es einen Zusammenhang zu geben zwischen migräneartigen Kopfschmerzen und dem Auftreten der ersten MS-Symptome bzw. nachfolgenden MS-Schüben. Vor diesem Hintergrund wollten Autoren aus Italien die hohe Prävalenz des Kopfschmerzes bei MS bestätigen, die vorliegenden Kopfschmerz-Typen anhand neuer Klassifikationskriterien diagnostizieren und mögliche gemeinsame Mechanismen von Kopfschmerz und MS analysieren.
Sie schlossen in ihre Fall-Kontroll-Studie 238 konsekutive Patienten mit MS ein, die am MS-Zentrum der Universitätsklinik in Neapel 2004 bis 2005 ambulant behandelt worden waren. 180 hatten eine schubförmig remittierende und 58 eine sekundär progrediente MS. Das Alter lag im Median bei 26 Jahren und der EDSS-Wert bei 2,5. Die meisten Patienten (n=172) wurden mit Interferon beta behandelt. Als Kontrolle dienten 238 Probanden ohne MS, die hinsichtlich Alter, Geschlecht und familiäre Kopfschmerz-Prädisposition übereinstimmten. Alle Teilnehmer wurden in einem semistrukturierten Interview detailliert unter anderem dazu befragt, ob und wie häufig sie Kopfschmerz haben, wie sich dieser äußert und wie sie ihn behandeln. Die Bestimmung des Kopfschmerz-Typs erfolgte anhand der International Classification of Headache Disorders.
In der MS-Gruppe gaben 51,26% und in der Kontroll-Gruppe 23,94% an, unter Kopfschmerzen zu leiden. Bei 69,67% der betroffenen MS-Patienten war der Kopfschmerz vor den ersten MS-Symptomen aufgetreten. Die Lebensprävalenz des Kopfschmerzes lag in der MS-Gruppe doppelt so hoch wie in der Kontroll-Gruppe (relatives Risiko 2,14), wobei dieser Zusammenhang für Frauen signifikant war (p<0,001). Das Alter bei Beginn der Kopfschmerzen und die Verteilung der verschiedenen Kopfschmerz-Typen unterschieden sich in den beiden Gruppen nicht signifikant.
Die immunmodulatorische Therapie hatte einen unterschiedlichen Einfluss auf den Kopfschmerz der MS-Patienten: Es gab Verbesserungen, Stabilisierungen und Verschlechterungen. Unter Interferon beta trat der Kopfschmerz bei 8% der Patienten neu auf, verbesserte sich bei 24%, verschlechterte sich bei 14% und blieb unverändert bei 54%.
Die Daten zeigen eine signifikante Assoziation zwischen Kopfschmerz und MS. Da sich die Charakteristika des Kopfschmerzes bei den MS-Patienten nicht von denen der Kontrollpersonen unterschieden, scheinen sie unspezifisch mit MS im Zusammenhang zu stehen. Die Autoren gehen zudem davon aus, dass der Kopfschmerz vermutlich nicht reaktiv in Folge der MS auftritt, weil er in den meisten Fällen bereits vor den ersten MS-Symptomen vorgelegen hatte. Sie vermuten gemeinsame biologische Faktoren bei beiden Erkrankungen. So ließen sich sowohl bei Migräne mit Aura als auch bei MS Veränderungen von Ionenkanälen nachweisen. Auch die Synthese von Zytokinen, insbesondere IL-10, könnte bei beiden Erkrankungen verändert sein.
Nach Informationen der Fachzeitschrift "Neurol Sci."
Quelle: BSMO, 01.10.2007
|26.09.2007 Angriffsmechanismus bei Multipler Sklerose entschlüsselt

Möglichkeiten für neuen Therapieansatz
Ein internationales Wissenschaftsteam hat einen neuen Angriffsmechanismus bei Multipler Sklerose gefunden, der die Schädigung von Nervenzellen erklären könnte. Das Forscherteam, dem unter anderem auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie http://www.neuro.mpg.de und des Instituts für klinische Neuroimmunologie (LMU) angehören, hat neue Antikörper im Blut finden können.
Lähmungen, Empfindungsstörungen und Sehstörungen sind Beispiele für Symptome der Multiplen Sklerose (MS). Die Erkrankung wird aufgrund ihres verschiedenen Erscheinungsbildes auch als "die Krankheit mit den tausend Gesichtern" bezeichnet. Durch den Angriff des eigenen Immunsystems verlieren Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark ihren Myelin-Schutzmantel. Dadurch werden die Nervenfasern geschädigt und bleibende Behinderungen sind die Folge. Klare Vorhersagen, wie der Verlauf der Erkrankung sein wird, kann man selten stellen.
Um besser zu verstehen, wie das Immunsystem den Myelin-Schutzmantel angreift, haben die Forscher zunächst untersucht, welche Myelinbestandteile von Antikörpern erkannt werden. Dabei konnten sie Antikörper gegen das Protein Neurofascin entdecken. Das ist ein sehr spannender Fund, denn Neurofascin kommt nicht nur als Bestandteil des Myelin-Schutzmantels vor, sondern ist in einer zweiten Form auch direkt auf der Oberfläche der Nervenfasern zu finden. Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass Antikörper von MS- Patienten beide Neurofascin-Formen erkennen und binden können. Bei Menschen, die nicht an MS erkrankt sind, versperrt nicht nur der Schutzmantel, sondern auch die Blut-Hirn-Schranke den Zugang zu den Nervenzellen generell. Doch auch bei MS-Patienten, wo Antikörper ins Gehirn gelangen können, ist die Myelin-Neurofascin-Variante bei Nervenzellen mit unbeschädigtem Myelin-Schutzmantel nicht zugängig. Das bedeutet, dass der Angriff an dieser Stelle erst dann möglich ist, nachdem der Schutzmantel schon durch andere Mechanismen geschädigt wurde.
Anders verhält es sich mit der Neurofascin-Form, die direkt auf der Oberfläche der Nervenzelle verankert ist. Diese Form findet sich an den so genannten Ranvier'schen Schürringen - das sind Myelin-freie Aussparungen im Schutzmantel, die alle paar Millimeter entlang der Nervenfaser auftreten. Diese Schnürringe sorgen für eine deutlich schnellere und effizientere Impulsübertragung entlang der Nervenfasern. An diesen Stellen ist Neurofascin nur noch durch die Blut-Hirn-Schranke vor einem Angriff der entsprechenden Antikörper geschützt. Aber auch diese wird in einem der frühen Schritte der MS porös und für Antikörper durchlässig. "Wir haben gezeigt, dass die Bindung zwischen Antiköper und dem Schnürring-Neurofascin dann nicht nur die Informationsweiterleitung der Zellen blockiert, sondern auch die Nervenfasern schädigt", so Edgar Meinl, einer der Studienleiter im pressetext-Interview. "Die direkte Schädigung der Nervenzellen durch Antikörper ist ein völlig neuer Angriffsmechanismus dieser komplizierten Krankheit und könnte zum Krankheitsbild einiger Patienten beitragen."
Als nächsten Schritt arbeitet Meinl mit seinem Team an einem Testverfahren zur Ermittlung der Konzentration der Antikörper gegen Neurofascin im Blut. "Wir wollen feststellen, ob Patienten mit einer höheren Konzentration an Antikörpern auch einen schwereren Krankheitsverlauf haben", so Meinl. Damit soll die Menge an Antikörpern quantifizierbar werden. "Langfristig könnte durch das Entfernen der Antikörper aus dem Blut ein neuer Therapieansatz entstehen", erklärt der Forscher abschließend gegenüber pressetext.
Quelle: pressetext.austria, München (pte/26.09.2007/13:55)
|24.09.2007 Vorteil früher MS-Therapie hält Jahre an

Patienten, die gleich nach dem ersten Schub Interferon erhalten, haben langfristig weniger neurologische Schäden
BERLIN (mut). Bereits nach einem ersten für Multiple Sklerose (MS) typischen demyelinisierenden Ereignis sollte mit einer Interferon-Therapie begonnen werden. Denn so kann das Fortschreiten der neurologischen Schädigung verzögert werden. Das belegen jetzt neue Daten zur Therapie mit Interferon beta-1b. Patienten mit einem späteren Therapiebeginn können diesen Vorteil nicht wieder aufholen.
Nach den Daten der BENEFIT*-Studie hat die MS bei Patienten, die erst nach einem zweiten Schub behandelt werden, langfristig einen deutlich ungünstigeren Verlauf als bei Patienten mit frühem Therapiebeginn. Darauf deutet eine Analyse der Drei-Jahres-Daten. Sie wurde jetzt von Professor Norbert Sommer von der Uniklinik Marburg auf dem Neurologen-Kongress in Berlin vorgestellt. "Die BENEFIT-Studie zeigt ganz klar, dass eine frühe Therapie auch Jahre später der MS-Progression vorbeugt", so Sommer auf einer Veranstaltung von Bayer HealthCare.
In die Studie waren 468 Patienten aufgenommen worden, die einen ersten MS-Schub mit positivem MRT-Befund hatten (mindestens zwei stumme Läsionen). Sie erhielten alle zwei Tage 250 Mikrogramm Interferon beta-1b (Betaferon®) oder Placebo. Bekamen Patienten in der Placebo-Gruppe einen weiteren MS-Schub, wurden sie ebenfalls mit dem Interferon behandelt.
Diese erste Placebo-kontrollierte Phase dauerte zwei Jahre. In dieser Zeit wurde nach den McDonald-Kriterien bei 85 Prozent der Patienten mit Placebo eine MS diagnostiziert, mit Interferon bei 69 Prozent. Eine klinisch determinierte MS hatten nach dieser Zeit 45 Prozent der Patienten mit Placebo, aber nur 28 Prozent mit Interferon (wir berichteten).
Nach zwei Jahren wurde die Studie offen fortgesetzt, alle Patienten erhielten nun das Interferon. Inzwischen liegen Follow-up-Daten über ein Jahr vor. Demnach blieben die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in der offenen Phase bestehen: Eine MS nach den McDonald Kriterien hatten nach insgesamt drei Studien-Jahren 85 Prozent der Patienten aus dem ursprünglichen Placebo-Arm und 74 Prozent der Patienten mit früher Interferon-Therapie. Eine klinisch determinierte MS hatten 51 Prozent der Patienten mit später Therapie, aber nur 37 Prozent der Patienten mit frühem Therapiestart.Auch bei einem weiteren Kriterium, der EDSS-Progression, schnitten die Patienten mit früher Therapie besser ab: Bei 16 Prozent wurde innerhalb von drei Jahren eine Progression beobachtet, dagegen bei 24 Prozent der Patienten mit spätem Therapiestart, sagte Sommer. Die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen waren statistisch signifikant. Die Drei-Jahres-Daten wurden jetzt veröffentlicht (Lancet 370, 2007, 389).
*BENEFIT: Betaferon in Newly Emerging MS for Initial Treatment
STICHWORT
Quelle: Ärzte Zeitung, 24.09.2007
|24.09.2007 Ein Zentrum für MS im Kindes- und Jugendalter

An der Universität Göttingen entsteht derzeit das Deutsche Zentrum für Multiple Sklerose im Kindes- und Jugendalter. Ziel des Projektes ist, die Ursachen der MS zu erforschen und spezielle Therapien für junge Patienten zu entwickeln.
In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 200 Kinder und Jugendliche neu an MS - Tendenz steigend. Damit entspricht der Anteil der Kinder und Jugendlichen an MS-Fällen in Deutschland fünf Prozent. Sicher sind sich die Experten, dass die Chancen besser stehen, einer schweren Behinderung vorzubeugen, je früher mit einer Therapie begonnen wird.
Quelle: Universität Göttingen, Deutsches Zentrum für MS im Kindes- und Jugendalter
|21.09.2007 Kein Unterschied: Männer und Frauen vererben MS gleich häufig

Ob Frau oder Mann - MS-Kranke übertragen das genetische Risiko in gleichem Maß auf ihre Kinder. Das ist das Ergebnis einer Studie britischer und kanadischer Wissenschaftler. George Ebers und seine Arbeitsgruppe untersuchten dazu mehr als 3000 kanadische Familien, in denen je ein Elternteil an Multipler Sklerose litt.
Von den 8401 Kindern waren 798 an MS erkrankt. Die Analyse ergab ein nahezu gleiches Übertragungsrisiko für Väter (9,41 %) und Mütter (9,76 %). Auch das Verhältnis von Töchtern zu Söhnen, denen das genetische Risiko vererbt wurde, war ausgeglichen.
Damit widerlegt die Studie den so genannten "Carter-Effekt". Dieser besagt, dass MS-kranke Männer das Risiko doppelt so häufig auf ihre Kinder übertragen. Der Carter-Effekt geht von der Prämisse aus, dass Männer genetisch resistenter gegen MS und daher eher Gen-Überträger sind als Frauen.
Ebers und Kollegen hatten für ihre Studie 16-mal so viele Personen untersucht wie die Verfasser der Studie, die den Carter-Effekt entdeckt hatten. Damit ziehen die Studienergebnisse von Ebers et al. die bislang weit verbreitete Ansicht über die Vererbung der Prädisposition für MS in Zweifel.
Quelle: Academy of Neurology, Juni 2007
|20.09.2007 MS-Therapie mit weniger Haut-Reaktionen

BERLIN (gvg). Die Therapie bei Multipler Sklerose mit Rebif® wird durch eine neue Formulierung des Mittels besser verträglich. Die neue Formulierung des Interferon-Präparates wird ab sofort eingeführt. Ziel sei es auch, so die Therapietreue der Patienten weiter zu verbessern, so Professor Robert Weissert von Merck Serono aus Genf.
Eine Studie mit 260 Patienten habe ergeben, dass die neue Formulierung nur bei knapp dreißig Prozent der Patienten zu lokalen Hautirritationen führe, berichtete Privatdozent Dr. Andrew Chan von der Universität Bochum bei der von Merck Serono unterstützten Veranstaltung. Mit der bisherigen Formulierung seien solche Reaktionen bei 84 Prozent der Patienten aufgetreten. Auch Hautausschläge sind seltener: nur 5,4 Prozent der Patienten sind davon betroffen statt bisher 12 Prozent.
Quelle: Ärzte Zeitung, 20.09.07
|20.09.2007 Auch Nervenzellen haben eine Achillesferse

Ein neuer Angriffsmechanismus könnte die Schädigung von Nervenzellen bei Multiple Sklerose erklären
Wenn das Immunsystem verrückt spielt und anstatt Viren und Bakterien Zellen des eigenen Körpers angreift, so hat dies meist schlimme Folgen. Im Fall der Multiplen Sklerose ist das Ziel dieser fehlgeleiteten Immunabwehr das zentrale Nervensystem. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie und des Instituts für klinische Neuroimmunologie (LMU) haben mit einem internationalen Team jetzt einen neuen Angriffsmechanismus dieser Krankheit aufgedeckt. Die Ergebnisse könnten zu neuen Therapieansätzen für manche Patienten führen.
Neue Antikörper im Blut gefunden
Um besser zu verstehen, wie das Immunsystem den Myelin-Schutzmantel angreift, haben die Wissenschaftler zunächst untersucht, welche Myelinbestandteile von Antikörpern erkannt werden. Durch den Einsatz modernster Methoden fanden sie dabei Antikörper gegen das Protein Neurofascin. Das ist ein sehr spannender Fund, denn Neurofascin kommt nicht nur als Bestandteil des Myelin-Schutzmantels vor, sondern ist in einer zweiten Form auch direkt auf der Oberfläche der Nervenfasern zu finden.
Antikörper dringen zu den Nerven durch
Aber ist Neurofascin wirklich zugänglich für Antikörper? Laboruntersuchungen ergaben, dass Antikörper von Multiple Sklerose Patienten beide Neurofascin-Formen erkennen und binden können. Im gesunden Körper versperrt der Myelin-Schutzmantel jedoch den Zugang zu der hier eingebetteten Neurofascin-Form. Ein Angriff an dieser Stelle ist somit erst möglich, nachdem der Schutzmantel schon durch andere Mechanismen geschädigt wurde.
Neuer Therapieansatz
"Die direkte Schädigung der Nervenzellen durch Antikörper ist ein völlig neuer Angriffsmechanismus dieser komplizierten Krankheit", erklärt Edgar Meinl, einer der Leiter der Studie. "Dies könnte zum Krankheitsbild einiger Patienten beitragen." Zurzeit entwickeln die Wissenschaftler daher ein Testverfahren, mit dem sich die Konzentration der Antikörper gegen Neurofascin im Blut ermitteln lässt. Damit soll dann untersucht werden, ob ein Vorkommen der Neurofascin-Antikörper tatsächlich mit einem besonders schweren Verlauf der Krankheit beim Menschen zusammenhängt. Langfristig könnte dann zum Beispiel durch das Entfernen dieser Antikörper aus dem Blut ein neuer Therapieansatz entstehen.
Quelle: Max-Plank-Gesellschaft, Presseinformation B/2007 (141)
|17.09.2007 Spezialprogramm unterstützt Ärzte und MS-Patienten

BERLIN (gvg). Patienten mit Multipler Sklerose (MS) sind häufig ängstlich und depressiv. Darunter leidet die Compliance: Die medikamentöse Therapie wird oft vorzeitig beendet. Ein neuartiges Betreuungsprogramm unterstützt gezielt niedergelassene Kollegen.
In dem Programm MS-COPE werden MS-Patienten von Psychologen und speziell geschulten Ärzten detailliert über ihre Erkrankung aufgeklärt. Sie lernen Entspannungstechniken und nehmen sechs Wochen lang an sechs je 1,5-stündigen Gruppensitzungen teil, die helfen sollen, mit der MS emotional besser umzugehen. Nach den sechs Wochen treffen sich die Gruppen weitere neun bis zehn Mal zu moderierten Chats im Internet.
Austausch durch Chats im Internet positiv bewertet
"Bisher haben 84 Patienten das Programm durchlaufen", sagte Professor Joachim Kugler von der TU Dresden. Dabei sei es zu einer signifikanten Besserung der Symptome Ängstlichkeit und Depression gekommen. Die Patienten neigten weniger zu Sinnsuche und Katastrophisieren und bewerteten vor allem die Internetchats positiv.
Dass eine intensivere Betreuung nicht nur die Zufriedenheit und Lebensqualität der MS-Patienten erhöht, sondern auch die Therapietreue, hat die MS-Therapiebetreuungsstudie ergeben.
Therapietreue konnte erhöht werden
An dieser Studie waren 924 Patienten von etwa 200 Ärzten beteiligt, die neu auf Interferon beta-1a (Rebif®) eingestellt worden waren. Zusätzlich zur Betreuung durch die niedergelassenen Kollegen wurden die Patienten in drei Monaten insgesamt siebenmal durch "MS-Nurses" persönlich und telefonisch kontaktiert. "Am Ende der drei Monate hatten 6 Prozent der Patienten die Therapie vorzeitig abgebrochen, im Vergleich zu 26 Prozent in anderen Interferon-Studien", sagte Privatdozent Andrew Chan von der Ruhr-Uni Bochum bei der von Merck Serono unterstützten Veranstaltung.
Auch die Ärzte profitierten: Fast drei von vier gaben an, die Betreuung der Patienten durch das Angebot sei weniger zeitaufwändig. Neun von zehn äußerten, dass das Programm den Patienten helfe, dauerhaft bei der Interferontherapie zu bleiben.
Quelle: Ärzte Zeitung, 17.09.2007
|14.09.2007 Möglicher Mechanismus der multiplen Sklerose entdeckt

München/Martinsried - Antikörper gegen das Protein Neurofascin sind möglicherweise an der Entstehung des Krankheitsbilds einer multiplen Sklerose (MS) beteiligt. Dies geht aus einer Studie von Wissenschaftlern des Instituts für Klinische Neurologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und des Max-Planck-Instituts (MPI) für Neurobiologie in Martinsried hervor, die das Journal of Experimental Medicine online veröffentlicht hat (doi:10.1084/jem.20071053).
Die MS verläuft meist in Schüben, wobei Nervenfasern durch T-Lymphozyten, sukzessive und irreversibel zerstört werden. "Besonders die irreversible Zerstörung der Axone ist die Ursache für bleibende Behinderungen der Patienten", erklärt Edgar Meinl vom Klinikum der LMU und dem MPI für Neurobiologie. Bislang sei eher wenig von den Mechanismen bekannt, die der Schädigung der Neuronen zugrunde liegen.
Für die vorliegende Studie untersuchte das Team um Meinl das Blut von MS-Patienten. Darin fanden sie Antikörper gegen Neurofascin (NF). Dieses Protein kommt in den Ranvierschen Schnürringen vor, den freiliegenden Abschnitten des Axons. NF 186 sitzt in den Ranvierschen Schnürringen, während NF 155 zu den benachbarten Zellen des Myelins gehört und die Myelinfasern an den Nervenfasern verankert. Die im Blut der MS-Patienten gefundenen Antikörper erkennen beide Formen des Proteins.
Bei Tests an Zellkulturen blockierten die Antikörper die Nervenleitung, während sie im MS-Tiermodell die Nervenfasern schädigten und so die Krankheitssymptome verschlimmerten. "Damit solche Antikörper die Axone überhaupt angreifen können, muss zuerst die Blut-Hirn-Schranke gestört sein", so Meinl. Das sei bei MS-Patienten typischerweise der Fall. Weitere Tests sollen zeigen, ob die Entfernung der Antikörper, etwa durch eine Blutwäsche, therapeutischen Nutzen bringt.
Quelle: hil/aerzteblatt.de, 14.09.07
|14.09.2007 Erste Erfolge mit Krebs-Mittel bei Multipler Sklerose

BERLIN - Eine Therapie mit dem Krebs-Mittel Alemtuzumab kann bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) die Zahl der Schübe reduzieren. Verglichen mit einer Interferon-Therapie könnten nach bisherigen Daten bis zu 80 Prozent weniger MS-Schübe auftreten.
Diese Zahlen gehen aus einer Phase-II-Studie mit über 120 MS-Patienten hervor, die entweder mit Interferon (IF) beta-1a oder mit Alemtuzumab (MabCampath®) behandelt worden waren. Daten der Studie hat Professor Hans-Peter Hartung vom Uniklinikum Düsseldorf beim Neurologen-Kongress in Berlin vorgestellt.
In der Studie erhielten die Patienten zwei Jahre lang entweder eine IF-Therapie, den Antikörper niedrig dosiert oder in hoher Dosierung. Die Ergebnisse: Bei den 40 Patienten mit Interferon gab es etwa 65 MS-Schübe, bei den 40 mit niedrig dosiertem Antikörper etwa 18, bei den 40 Patienten mit hoch dosiertem nur 8 Schübe, so Hartung bei einer Veranstaltung von Bayer HealthCare.
Alemtuzumab ist bisher zugelassen zur Therapie von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL). Der humanisierte Antikörper richtet sich gegen CD52-Proteine, wie sie vor allem auf T-Zellen vorkommen und induziert eine T-Zell-Verarmung im Blut. Dadurch lassen sich Entzündungsprozesse dämpfen, wie sie bei MS von Bedeutung sind.
Quelle: Ärzte Zeitung, 14.09.07
|04.09.2007 Italienisch-deutsches Team entdeckt zellulären Marker

Auf der Suche nach den zellulären und molekularen Ursachen der Multiplen Sklerose hat ein italienisch-deutsches Forscherteam eine Untergruppe von schützenden Immunzellen (Suppressorzellen) nachgewiesen, die bei Patienten aus bisher noch unbekannten Gründen sehr stark verringert sind. Diese Suppressorzellen tragen auf ihrer Oberfläche ein Merkmal, kurz CD39 genannt, und bauen den von zerstörtem Gewebe freigesetzten Energieträger ATP ab. Auf diese Weise scheinen sie Entzündungen einzudämmen, welche im Verlauf der Erkrankung im zentralen Nervensystem entstehen. Mit CD39 haben Dr. Giovanna Borsellino vom Labor für Neuroimmunologie der Fondazione Santa Lucia in Rom (Italien) und Dr. Olaf Rötzschke sowie Dr. Kirsten Falk vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch zum ersten Mal einen zellulären Marker identifiziert, dessen Abwesenheit direkt mit der Entstehung der Krankheit in Verbindung gebracht werden kann. Wie sie in der amerikanischen Fachzeitschrift Blood (Vol. 110, Nr. 4, pp. 1225-32, 2007) berichten, könnte der Grad der Verringerung von CD39-Zellen dabei helfen, die Krankheit besser zu diagnostizieren. Bisher wird die Erkrankung durch den Nachweis von Antikörpern in der Hirnflüssigkeit diagnostiziert oder mit Hilfe der Kernspintomographie. Die Zukunft wird zeigen, ob die neue Erkenntnis auch für die Entwicklung einer Therapie nutzbar sein kann.
Bei der Multiplen Sklerose zerstören fehlgeleitete 'autoreaktive' Immunzellen die isolierende Hüllschicht der Nervenfasern, so dass die Weiterleitung von Nervenzell-Signalen gestört ist. Bei Gesunden hält das Abwehrsystem solche amoklaufenden Immunzellen unter anderem durch die spezielle Gruppe der Suppressorzellen, auch regulatorische T-Zellen genannt, in Schach.
Erst kürzlich haben Wissenschaftler der Universität Heidelberg herausgefunden, dass Patienten mit Multipler Sklerose nicht genügend regulatorische T-Zellen nachbilden können, so dass die überschießende Abwehraktion des Immunsystems nur unzureichend gebremst wird. Weiter haben Forschergruppen in Europa und den USA zeigen können, dass kleinste Veränderungen in der Bauanleitung zweier Gene das Risiko an Multipler Sklerose zu erkranken, leicht erhöhen. Diese Gene enthalten die Bauanleitung für die Oberflächenmarker CD25 und CD127 auf regulatorischen T Zellen. Sie werden auch als Interleukin 2 bzw. Interleukin 7 bezeichnet und steuern die Aktivierung dieser Immunzellen.
*Expression of ectonucleotidase CD39 by Foxp3+ Treg cells: hydrolysis of extracellular ATP and immune suppression
Giovanna Borsellino1, Markus Kleinewietfeld2, Diletta Di Mitri1, Alexander Sternjak2, Adamo Diamantini1, Raffaella Giometto1, Sabine Höpner2, Diego Centonze3, Giorgio Bernardi3, Maria Luisa Dell'Acqua4, Paolo Maria Rossini4, Luca Battistini1, Olaf Rötzschke2 and Kirsten Falk2
Present address: 1Laboratory of Neuroimmunology, Fondazione Santa Lucia, Via del Fosso di Fiorano 65, 00143 Rome, Italy; 2Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine (MDC), Robert-Rössle-Str. 10, D-13125 Berlin, Germany; 3Neurology Unit, Universita' di Roma Tor Vergata, Via Montpellier 1 Rome Italy, 4Neurology Unit, University of Rome Campus Biomedico, Rome, Italy
Blood First Edition Paper, prepublished online April 20, 2007; DOI 10.1182/blood-2006-12-064527
Barbara Bachtler
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
|31.08.2007 Risiko-Gene für multiple Sklerose identifiziert

Boston - Eine genomweite Studie bestätigt die Rolle von Merkmalen im Haupthistokompatibilitätskomplex (MHC) für die Pathogenese der multiplen Sklerose (MS). Es wurden zwei weitere Risikogene gefunden, die jedoch nur wenige Erkrankungen erklären, wie aus den Publikationen im New England Journal of Medicine und in Nature Genetics hervorgeht.
An einer genetischen Komponente der multiplen Sklerose bestehen keine Zweifel: Eineiige Zwillingen von MS-Patienten erkranken zu 30 Prozent, andere Geschwister zu 2 Prozent an einer Multiplen Sklerose, während die Prävalenz in der Bevölkerung in Nordeuropa mit 0,1 Prozent deutlich niedriger ist. Da die Multiple Sklerose eine Autoimmunerkrankung ist, wurden die genetischen Ursachen schon früh im MHC-Komplex vermutet, der für die Gewebeverträglichkeit eine zentrale Rolle spielt, also für die Unterscheidung von eigen und fremd durch Immunzellen, die bei der multiple Sklerose im Bereich der Myelinscheiden gestört ist. Schon 1972 wurde eine Assoziation mit einer HLA-Eigenschaft auf dem Chromosom 6p21 beschrieben. Sie wurde jetzt durch die Studie des International Multiple Sclerosis Genetics Consortium bestätigt, andere HLA-Assoziationen wurden dagegen verworfen.
Die Gruppe um David Hafler vom Broad Institute an der Harvard Universität in Boston untersuchte 931 Gruppen, bestehend aus jeweils einem MS-Patienten und seinen beiden Eltern. Dabei wurde nach Übereinstimmungen in etwa 300.000 SNPs (single nucleotide polymorphisms) gefahndet. Das sind die bislang bekannten Varianten des menschlichen Genoms. Das Signal im klassischen HLA-DR-Lokus überragte alle anderen, was auch in einer Gegenprobe an anderen Kohorten mit MS-Patienten und Kontrollen insgesamt wurden 12.000 Personen genetisch untersucht der Fall war, wie die Forscher im New England Journal of Medicine (2007; 357:851-862) berichten.
Sie hatten gehofft, auf weitere noch unbekannte Gene zu stoßen. Tatsächlich fanden sie zwei Kandidatengene. Sie enthalten die Erbinformation für Varianten im Interleukin-2-Rezeptor (IL2RA) und im Interleukin-7-Rezeptor (IL7RA). Interleukin 2 ist ein wichtiges Zytokin in der Regulierung der T-Zell-Antwort, die bei Autoimmunreaktionen eine Rolle spielt. Eine Assoziation mit dem IL2RA-Gen wurde auch für den Typ-I-Diabetes mellitus und den Morbus Basedow, beides Autoimmunerkrankungen, beschrieben. Diese Assoziation ist deshalb nicht spezifisch für die multiple Sklerose.
Der Interleukin-7-Rezeptor spielt eine wichtige Rolle in der Kontrolle von sogenannten regulatorischen T-Zellen, die ebenfalls an der Pathogenese der multiplen Sklerose beteiligt sind. Die Assoziation mit IL7RA wurde von zwei weiteren Gruppen aus den USA und Schweden in Nature Genetics (2007; 39: 1083-1091 und1108-1113) bestätigt. Dieser Rezeptor werde infolge der jetzigen Erkenntnisse stärker in den Mittelpunkt der Forschung rücken, vermutet das Consortium in seiner Pressemitteilung.
Die Chancen, hier die genetische Ursache der multiplen Sklerose gefunden zu haben, ist jedoch gering. Die beiden Merkmale sind nämlich in der Bevölkerung (und damit auch bei Gesunden) weit verbreitet und der Anteil der Erkrankungen, die auf sie zurückgeführt werden kann, beträgt nach den Schätzungen der Forscher gerade einmal 0,2 Prozent, wie Leena Peltonen von der Universität Helsinki im Editorial bemerkt (NEJM 2007; 357: 927-929).
Links zum Thema
Abstract 1 der Studie in Nature Genetics
Abstract 2 der Studie in Nature Genetics
Pressemitteilung des International Multiple Sclerosis Genetics Consortium
Gleichlautende Pressemitteilung des Broad Institutes
|27.08.2007 Erste Erfolge bei MS mit einer DNA-Vakzine

PALO ALTO (hub). Eine DNA-Vakzine gegen Multiple Sklerose ist verträglich und wirkt positiv auf das Immunsystem. Das hat eine Studie mit 30 Patienten ergeben.
Die MS-Patienten erhielten entweder die DNA-Vakzine oder Placebo injiziert. Die DNA-Vakzine enthält die Erbinformation für das basische Myelinprotein. Durch die Vakzinierung könne die Toleranz gegenüber den körpereigenen Myelinproteinen erhöht oder wieder hergestellt werden, so die Autoren (Arch Neurol 64, 2007, E1).
Bei den Patienten in der Vakzine-Gruppe gab es innerhalb eines Jahres keine neuen oder vergrößerten Läsionen im Gehirn, ergab die Untersuchung per MRT. Mit Placebo nahm der Umfang der Läsionen um 0,5 Prozent zu.
Auch die immunologischen Daten weisen auf einen Nutzen der DNA-Vakzine hin. Bei fünf Patienten mit sich stark teilenden, Interferon-³-produzierenden T-Zellen wurde die Zellzahl nach der DNA-Injektion bestimmt: Die Zahl dieser Zellen, die mit dem Myelin reagieren und zu dessen Degeneration führen, nahm sehr stark ab.
Auch Autoantikörper im Liquor gegen das basische Myelinprotein, aber auch andere Antigene nahmen deutlich ab. Eine Phase-II-Studie mit fast 300 MS-Patienten wurde gestartet.
Quelle: Ärzte Zeitung, 27.08.07
|27.08.2007 Legaler Cannabisbezug aus der Apotheke erstmals möglich

Schwerkranke Patientin erhält Ausnahmeregelung von der Bundesopiumstelle
BREMEN (cben). Erstmals darf eine schwerkranke Patientin legal natürliches Cannabis zur Behandlung ihrer Multiplen Sklerose für ein Jahr aus der Apotheke beziehen. Das hat die Bundesopiumstelle im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfARM) per Ausnahmeregelung genehmigt.
Voraussetzung ist, dass der behandelnde Arzt den Cannabis-Extrakt verordnet und dosiert, sowie die Patientin kontinuierlich betreut, hieß es. Der Extrakt darf nur von einer Apotheke verkauft werden und die Kosten werden nicht von der Kasse übernommen, sagte Franjo Grothenhermen von der International Association for Cannabis as Medicine (IACM) zur "Ärzte Zeitung".
Bisher war lediglich der synthetisch hergestellte und damit teure Cannabis-Wirkstoff Dronabinol (465 Euro für 500 Milligramm) per Betäubungsmittel-Rezept verfügbar oder das noch teurere Cannabis-Präparat Marinol (fast 1700 Euro für 600 Milligramm). Beide sind nach dem Arzneimittelgesetz in Deutschland nicht zugelassen.
"Was allerdings der Extrakt kosten wird, ist unklar", sagte Grothenhermen, "er wird wohl deutlich unter den Kosten für Dronabinol liegen." Zudem müsse die Patientin nur selten Cannabis einnehmen und die Frau spare deshalb. "Allerdings muss sie auch die Antragsgebühren der Apotheke und ihre eigenen in Höhe von 104 Euro selber zahlen", so Grothenhermen.
Dass der Cannabis-Extrakt nun bald als Medikament zugelassen wird, bezweifelt indessen Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). "Für die Zulassung brauchen wir Studien etwa über die Nebenwirkungen. Und wie bei allen pflanzlichen Präparaten sind die Hersteller zurückhaltend, weil sie etwa Cannabis nicht patentieren können, um mit einem entsprechenden Präparat die Studienkosten wieder hereinzuholen", sagt Sellerberg.
Grothenhermen ist optimistischer: "Zum Beispiel das Cannabis-Präparat Sativex ist seit 2005 in Kanada zugelassen. In Europa liegen Zulassungsanträge für Spanien, Dänemark, Holland und England vor."
Quelle: Ärzte Zeitung, 27.08.07
|21.08.2007 Cannabis: MS-Patientin bezieht Droge legal

Bonn/München (ddp). Erstmals kann in Deutschland eine Patientin mit Multipler Sklerose (MS) legal in der Apotheke Cannabis beziehen. Das sagte der Leiter der Bundesopiumstelle beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Johannes Lütz, am Dienstag auf ddp-Anfrage in Bonn. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der «Süddeutschen Zeitung». Die Patientin aus Baden-Württemberg habe die Erlaubnis für eine Behandlung mit dem Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabiol (THC) erhalten, der unter das Betäubungsmittel Gesetz fällt. Dem Zeitungsbericht zufolge leidet die Frau seit 14 Jahren an der Krankheit und darf den Cannabis-Extrakt ab Ende August beziehen. Die Patientin habe zuvor nachweisen müssen, dass alle verfügbaren anderen Therapien keine Wirkungen erzielt hätten und dass es kein anderes zugelassenes Arzneimittel gebe, welches ihre Beschwerden wie Spastiken und Schmerzen lindere. Die Erlaubnis sei an strenge Auflagen geknüpft. Zudem müsse ein Arzt die Therapie begleiten. Lütz machte zur persönlichen Situation der Frau aus Gründen des Patientenschutzes keine Angaben. Für eine Erlaubnis müsse jedoch grundsätzlich die Voraussetzung vorliegen, dass andere Therapieformen gescheitert seien. Es handle sich um eine «Ausnahme», betonte er. Die Erlaubnis sei zunächst auf ein Jahr beschränkt, könne aber bei einer positiven Wirkung der Therapie verlängert werden. Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte liegen noch rund 50 vergleichbare Anträge von Patienten vor, die überprüft werden. Grundlage für die Möglichkeit, legal Cannabis beziehen zu können, ist ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Mai 2005. Die Richter hatten entschieden, dass eine Erlaubnis im Einzelfall möglich sei, weil die medizinische Versorgung der Bevölkerung im öffentlichen Interesse liege. «Wir befinden uns in einem Dreieck zwischen dem Gerichtsurteil, dem Betäubungsmittelgesetz und den Patientenrechten», betonte Lütz. Diese Situation sei für das Bundesinstitut «schwierig».
Quelle: netdoktor.de, 21.08.07
|17.08.2007 DNA-Vakzine als neuer Therapieansatz

Montreal - Die mehrmalige Injektion einer DNA-Vakzine hat sich bei Patienten mit multipler Sklerose als sicher erwiesen und ist möglicherweise in der Lage, den Verlauf der Autoimmunerkrankung günstig zu beeinflussen. Der Lipidsenker Atorvastatin erzielte dagegen in einer klinischen Studie in den Archives of Neurology (2007; 64: doi: 10.1001/archneur.64.10.nct70002) keine günstigen Wirkung.
Die Idee hinter der "Impfung" gegen Autoimmunerkrankungen besteht darin, dem Körper regelmäßig in kleinen Mengen jenes Antigen anzubieten, gegen das sein Immunsystem ankämpft. Dadurch soll das Immunsystem gewissermaßen mit dem Antigen "versöhnt" werden und dieses nicht länger als fremd erkennen, was der Ursprung aller Autoimmunattacken ist. Die Immunologen sprechen von der Induktion einer Immuntoleranz. Sie ist das Ziel einer speziellen Vakzine, die kanadische Forscher entwickelt haben.
Der "Impfstoff" enthält das genetische Material für das Myelin-Basisprotein (MBP). MBP ist ein Bestandteil der Nervenscheide und wichtigster Angriffspunkt der Autoimmunattacke. In der Vakzine ist MBP in ein Plasmid integriert, das nicht nur die DNA für MBP transportieren soll, sondern auch eine adjuvante Wirkung entfalten soll. Zu diesem Zweck wurde die Zahl der immunstimulatorischen CpG-Motive (kleine DNA-Abschnitt mit häufigem Vorkommen von Cytosin und Guanin) reduziert und die Zahl der immuninhibitorischen CpG-Motive vermehrt. Präklinische Studien hatten gezeigt, dass diese Kombination aus einem Selbst-Antigen und einem immuninhibitorischen DNA-Rückgrat die Entwicklung einer Immuntoleranz fördert.
Doch was im Tiermodell gelingt, muss in der klinischen Realität nicht immer von Vorteil sein. Vorstellbar wäre auch, dass die Impfung die Immunabwehr in die falsche Richtung lenkt. Dies scheint nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen nicht der Fall zu sein. Amit Bar-Or vom Montreal Neurological Institute und Mitarbeiter berichten, dass die 4 Injektionen (verabreicht in drei unterschiedlichen Dosierungen in Woche 1, 3, 5 und 9 nach der Randomisierung) gut vertragen wurden und keine Exazerbationen der multiplen Sklerose auslösten.
In einem Cross-Over-Design hatten 30 Patienten zunächst den Impfstoff oder Placebo erhalten. Nach 13 Wochen waren auch die Patienten aus dem ursprünglichen Placeboarm geimpft worden. Parallel waren die Patienten noch hoch dosiert mit dem Lipidsenker Atorvastatin (80 mg/die) behandelt worden, von dem man sich ebenfalls eine adjuvante Wirkung versprach. Diese blieb jedoch aus.
Der Impfstoff selbst induzierte hingegen eine Wirkung. Die Zahl der myelinreaktiven CD4-Zellen, die Träger der Immunattacke bei der multiple Sklerose sind, ging zurück und die Konzentration der myelinspezifischen Autoantikörper im Liquor cerebrospinalis sank bei den drei Patienten, die dieser Untersuchung zustimmten. Ob dies ausreicht, um den Verlauf der multiple Sklerose günstig zu beeinflussen, soll jetzt eine Phase-IIb-Studie an 252 Patienten zeigen, die bereits in den USA und mehreren europäischen Ländern (ohne deutsche Beteiligung) begonnen wurde. Die Idee einer adjuvanten Atorvastatin-Therapie wird offenbar nicht weiter verfolgt.
Quelle: aerzteblatt.de, 17.08.2007
|08.08.2007 6 Jahre Erfahrungen mit der intrathekalen Behandlung

durch Triamcinolon-Acetonid (TCA, Volon-A)
Nach nunmehr über 80 Behandlungen mit der TCA-Therapie ist ein Langzeit-Erfahrungsbericht über ein Verfahren möglich, das als eine der wenigen wirksamen Therapien zur (symptomatischen) Behandlung der sekundär und primär chronisch-progredienten Multiplen Sklerose angesehen werden kann.
Nach Vortrag eines erfahrenen Chefarztes der norddeutschen Fachklinik Feldberg/Klinik am Haussee über seine Erfahrungen mit der bisher relativ unbekannten TCA-Therapie (Triamcinolon-Acetonid) wurde während einer Kur in dieser Klinik im Jahr 2001 die stets erforderliche Basisbehandung durchgeführt (6 x 40 ml TCA-Kristallsuspension in 3 Wochen). Eine Basisbehandlung ist erforderlich, um durch zunehmende Anreicherung von TCA-Kristallen im ZNS-Gewebe eine hinreichende "Depotwirkung" zu erzeugen, die etwa 6-8 Wochen vorhält. Dieses Depot von sehr kleinen, an den Ecken abgerundeten TCA-Kriställchen von max.12 mü Durchmesser löst sich sehr langsam in der umgebenden Flüssigkeit und ermöglicht dadurch die Wirkung über eine längere Zeit. Zum Ende dieses Zeitraumes merkt man dann an den erneut auftretenden Symptomen recht deutlich, wann die Wirkung nachläßt und wieder eine neue Behandlung erforderlich wird.
Diese Folgebehandlungen wurden in der neurologischen Klinik eines wohnortnahen Krankenhauses durchgeführt, wobei es zu Beginn im Jahr 2001 erforderlich war, den Chefarzt Neurologie erst zu überreden, mit dieser - für ihn neuen Therapie - wenigstens einen Versuch zu machen.
Literatur:
1,. Hoffmann V, Schimrigk S, Pöhlau D, Przuntek H et al. Effiacy and safety of repeated intrathecal triamcinolone acetonide application in progressive multiple sclerosis patients; Journal of the Neurological Sciences 211 (2003) 81-84
Quelle: Hans W. Leckscheidt
|08.08.2007 Patientenfreundliche Therapien in Sicht

Bislang sind Beta-Interferone und Glatiramer (Copaxone®) bei der Behandlung von Multiple Sklerose (MS) der Standard. Nun befinden sich einige neue Arzneistoffe im späten Stadium der klinischen Entwicklung, deren Ergebnisse aufhorchen lassen. In den nächsten Jahren könnten sie Bewegung in die MS-Therapie bringen.
Fingolimod, Fampridin, Cladribin und Teriflunomid sind vier neue Substanzen, die sich alle in zulassungsrelevanten Phase-III-Studien befinden. Alle vier Substanzen können patientenfreundlich oral gegeben werden. Im Gegensatz dazu müssen die bislang eingesetzten MS-Therapeutika injiziert werden. Unterschiede der neuen Kandidaten zeigen sich unter anderem im Wirkmechanismus.
Wirkstoff kommt aus TCM
Bei Fingolimod (FTY720) handelt es sich um ein synthetisch hergestelltes Derivat von Myriocin. Myriocin ist ein immunsuppressiv wirkendes Stoffwechselprodukt aus Isaria sinclairii, einem Pilz, der in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwendet wird. Durch die chemische Veränderung wirkt Fingolimod stärker immunsuppressiv als Myriocin, ist jedoch weniger toxisch.
Fingolimod ist ein Vertreter einer neuen Klasse von Immunsuppressiva, den Sphingosin-1-phosphat-(S1P)-Rezeptoragonisten. Im Körper wird Fingolimod in die aktive, phosphorylierte Form überführt. Diese bindet an S1P-Rezeptoren auf den T-Lymphozyten und verhindert dadurch deren Migration aus den Lymphknoten in die Blutbahn oder auch das zentrale Nervensystem.
Inflammatorische T-Lymphozyten werden als mögliche Auslöser für die Zerstörung der neuronalen Myelinscheiden und damit für die beeinträchtigte neuronale Signalübertragung angesehen. Diese führt zu den MS-typischen Symptomen wie motorische Funktionsstörungen, Beeinträchtigungen des Sehvermögens, Parästhesien, Gangunsicherheiten, Tremor und psychische Symptome wie Depressionen (1).
Fingolimod halbiert Schubrate
Erste Ergebnisse zur Wirksamkeit und Verträglichkeit liegen aus einer placebokontrollierten randomisierten Phase-II-Studie vor. 255 Patienten, die an schubförmig verlaufender MS litten, erhielten 1,25 oder 5 mg Fingolimod oder Placebo für sechs Monate. Der primäre Studienendpunkt war die Gesamtzahl der Läsionen, die mithilfe eines T1-gewichteten Magnetresonanztomogramms (MRT) in monatlichen Abständen detektiert wurden (siehe Kasten/Zusatzinfo). Die durchschnittliche Zahl der Läsionen war bei Patienten, die mit 1,25 (eine Läsion, p < 0,001) beziehungsweise 5 mg Fingolimod (drei Läsionen, p = 0,006) behandelt wurden, signifikant niedriger als bei den Patienten der Placebogruppe (5 Läsionen). Die jährliche Schubrate betrug unter Placebo 0,77 im Vergleich zu 0,35 unter der 1,25-mg-Dosis (p = 0,009) und 0,36 unter der 5-mg-Dosis (p = 0,01).
Nach Beendigung der Studie schloss sich eine 18-monatige Verlängerungsstudie an, die 227 Patienten beendeten. Dabei erhielten diejenigen, die ehemals Placebo einnahmen, ebenfalls Fingolimod. Zwischen Monat 15 und 24 wurden alle Patienten auf die niedrigere Fingolimod-Dosis umgestellt. Ärzte und Patienten waren während der Verlängerungsstudie weiterhin verblindet. Die jährliche Schubrate für die Gesamtdauer der Studie sank auf 0,20 bei Patienten, die kontinuierlich Fingolimod erhalten hatten, und auf 0,33 bei Patienten, die nach sechsmonatiger Placebobehandlung auf Fingolimod umgestellt wurden. Das MRT nach 24 Monaten wies bei 84 Prozent der Fingolimod- und 85 Prozent der Placebo-Fingolimod-Gruppe keine Läsionen auf.
Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren eine Entzündung der Nase und des Rachens, Influenza, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall und Übelkeit. Unter Fingolimod wiesen mehr Patienten erhöhte Alaninaminotransferase-Werte auf als unter Placebo (10 bis 12 versus 1 Prozent). Zudem wurde eine initiale Verringerung der Herzfrequenz und des forcierten Exspirationsvolumen in der ersten Sekunde beobachtet. Auch Blutdruckerhöhungen, vor allem zu Beginn, traten auf (2, 3).
Zulassung 2009 möglich
Aufgrund der positiven Daten der Phase-II-Studie hat Novartis 2006 drei Phase-III-Studien initiiert. In allen drei Studien wird die niedrigere Dosis (1,25 mg) getestet, bei der in der Phase II weniger Infektionen der oberen Atemwege aufgetreten waren. Darüber hinaus wird die Wirksamkeit einer noch niedrigeren Dosis (0,5 mg) evaluiert. Im Januar wurde mit der Rekrutierung für die in Europa, Kanada und Australien durchgeführte FREEDOMS-Studie begonnen. In dieser Studie sollen 1250 MS-Patienten, die an der schubweise mit Remissionen verlaufenden Form leiden, über zwei Jahre mit Fingolimod oder Placebo behandelt werden. Der primäre Studienendpunkt ist die jährliche Schubrate.
Unter dem gleichen Studienprotokoll werden seit Juni 2006 in den USA 960 Frauen mit schubförmiger MS rekrutiert. Bei TRANSFORMS handelt es sich um eine Studie, bei der die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Fingolimod mit Interferon-beta 1a verglichen wird. In die zwölfmonatigen, multinationalen Studie werden 1275 Patienten mit schubförmiger MS eingeschlossen, die einmal täglich Fingolimod oral oder einmal wöchentlich 30 µg Interferon-beta 1a injiziert erhalten (5). Sollten die Studien ähnlich positive Ergebnisse zeigen, wäre eine Zulassung 2009 möglich.
Alte Substanz neu getestet
Während es sich bei Fingolimod um eine neu entwickelte Substanz handelt, ist Fampridin oder 4-Aminopyridin ein Wirkstoff, der bereits in den 1990er-Jahren klinisch getestet wurde. Die Weiterentwicklung wurde damals gestoppt, da Fampridin keine ausreichende Wirksamkeit zeigte bei einem gleichzeitig engen therapeutischen Fenster. Nun hat die amerikanische Firma Acorda begonnen, eine Darreichungsform mit verzögerter Freisetzung in klinischen Studien zu testen.
Zusatzinfo: Erhöhtes Infektionsrisiko möglich (siehe Fussnote)
Bei Fampridin handelt es sich um einen neuronalen Kaliumkanalhemmer, der die elektrische Signalleitung in demyelinisierten Nervenbahnen verstärkt und dadurch bei MS auftretende Symptome wie Muskelschwäche verbessern soll. Durch die Demyelinisierung werden axonale Kaliumkanäle freigelegt, aus denen unkontrolliert Kaliumionen austreten. Dieses führt zu einer verminderten Dauer der Aktionspotenziale mit einer geringeren Amplitude und somit zu einer gehemmten Fortpflanzung der Aktionspotenziale.
Fampridin verbessert Gehen
In einer doppelblinden, 3:1-randomisierten Phase-III-Studie erhielten 301 MS-Patienten zwischen 18 und 70 Jahren zusätzlich zu ihrer Standardmedikation Fampridin oder Placebo über vierzehn Wochen. In die Studie wurden Patienten mit allen Formen von MS eingeschlossen, die eine Beeinträchtigung ihrer Gehfähigkeit aufwiesen. Primärer Studienendpunkt war die Verbesserung der Gehgeschwindigkeit.
Zusatzinfo: MRT und EDSS (siehe Fussnote)
Die Studie konnte zeigen, dass signifikant mehr Patienten der Fampridingruppe ihre Gehgeschwindigkeit verbesserten, verglichen mit der Kontrollgruppe (34,8 Prozent versus 8,3 Prozent, p > 0,001). Dieser Effekt, bei dem die Geschwindigkeit auf 25 Fuß (circa 7,7 m) gemessen wird (T-25-FW-Test), hielt über die ganze Studiendauer an. Im Durchschnitt erhöhte sich die Gehgeschwindigkeit um 25 Prozent im Vergleich zu 4,7 Prozent unter Placebo. Auch die Ergebnisse des Patientenfragebogens MSWS-12 (MS Walking Scale-12) mithilfe dessen die Patienten die Einschränkung ihrer Gehfähigkeit in den zurückliegenden zwei Wochen einschätzen sollten, zeigten eine signifikante Verbesserung (p < 0,001). Die Muskelstärke in den Beinen besserte sich ebenfalls signifikant. Die Studienergebnisse waren konsistent mit denen einer Phase-II-Studie, an der 211 Patienten teilgenommen hatten.
In beiden Studien wurde unter Fampridin dosisabhängig ein erhöhtes Risiko für epileptische Anfälle festgestellt. In der Phase-III-Studie wurde ein schwerwiegender Epilepsieanfall bei einem Patienten beobachtet, der an einer durch eine Harnwegsinfektion verursachten Sepsis litt. Weitere Nebenwirkungen, die vermehrt bei Fampridin auftraten, waren Benommenheit, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Rückenschmerzen und Gleichgewichtsstörungen. Die Firma Acorda plant nun eine zweite Phase-III-Studie, die die Ergebnisse der ersten bestätigen soll (5, 6, 7).
CLARITY soll Klarheit bringen
Wie Fampridin ist auch Cladribin (2-Chlorodeoxyadenosin) keine neue Substanz. Es handelt sich um ein Purin-Nukleosid-Analogon, das als parenterale Form bereits für die Behandlung von Haarzell-Leukämie zugelassen ist. Die antimetabolitisch wirkende Substanz blockiert die DNA-Synthese und -Reparatur von sich teilenden und ruhenden Lymphozyten und Monozyten. In den T-Lymphozyten, die bei der Pathogenese der MS eine Rolle spielen, wird damit der programmierte Zelltod ausgelöst.
Im April 2005 haben die Firmen Serono und Ivax mit der Patientenrekrutierung für die Phase-III-Studie CLARITY begonnen. In dieser randomisierten Doppelblindstudie werden 1290 Patienten mit schubförmiger MS im Alter von 18 bis 65 Jahren über 96 Wochen behandelt. Dabei erhalten die Patienten 10 mg Cladribin oder Placebo oral an fünf aufeinander folgenden Tagen zwei bis viermal pro Jahr.
Studienendpunkte sind die Reduktion der Schubrate sowie der Erkrankungsprogression anhand der EDSS-Skala (siehe Kasten/Zusatzinfo), die Verminderung der Läsionen im MRT und die Verträglichkeit. Bis Ende 2006 sollten die Studienteilnehmer rekrutiert worden sein, mit den Studienergebnissen ist 2008 zu rechnen (5, 8). Vorangegangene Studien mit parenteralem Cladribin haben einen positiven Effekt auf die Anzahl der entzündlichen Herde im MRT gezeigt (9). Eine 2005 veröffentlichte Studie mit 26 Patienten wies für orales Cladribin ein günstiges Pharmakokinetik- und Sicherheitsprofil auf (10).
Rheumamittel mit Wirksamkeit bei MS
Auch Teriflunomid beziehungsweise die Muttersubstanz Leflunomid (Arava®) wird bereits in der Arzneimitteltherapie eingesetzt. Teriflunomid ist ein aktiver Metabolit des Rheumamittels Leflunomid, das immunomodulatorisch wirkt. Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt. In experimentellen Studien konnte jedoch gezeigt werden, dass der Inhibitor der Dihydroorotatdehydrogenase unter anderem die Pyrimidinsynthese hemmt und die T-Lymphozytenaktivierung unterbindet (11).
In einer randomisierten doppelblinden Phase-II-Studie wurde die Wirksamkeit bei MS nachgewiesen. 179 Patienten zwischen 18 und 65 Jahren mit schubförmiger oder sekundär progressiver MS erhielten über 36 Wochen einmal täglich 7 oder 14 mg Teriflunomid oder Placebo. Der primäre Studienendpunkt war die Gesamtzahl der aktiven Läsionen im MRT. Weiterhin wurden die Schubfrequenz und das Fortschreiten der Behinderung mithilfe der EDSS-Skala untersucht. Für beide Dosierungen wurde eine signifikant geringere Anzahl von Läsionen im Vergleich zu Placebo nachgewiesen. Während die Patienten unter Placebo im Schnitt 0,5 Läsionen aufwiesen, hatten diejenigen unter der niedrigeren Dosis 0,2 und in der höheren 0,3 Läsionen (p < 0,03 und < 0,01). Die Patienten der Teriflunomidgruppe hatten zudem weniger Krankheitsschübe. In der höheren Dosisgruppe war ferner das Fortschreiten der Behinderungen verzögert. Teriflunomid wurde gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und Infektionen der oberen Atemwege (12).
Langzeitwirksamkeit nachgewiesen
147 der Patienten dieser Phase-II-Studie willigten ein, an einer 144-wöchigen Verlängerungsstudie teilzunehmen. Die Patienten der Placebogruppe erhielten randomisiert ebenfalls 7 oder 14 mg Verum pro Tag. Am Ende der Studie war die jährliche Schubrate mit 0,4 pro Jahr in allen Behandlungsgruppen gleich. Bei Patienten, die nach Placebo 7 mg Teriflunomid erhielten, verringerten sich die Läsionen im MRT um 65 Prozent (p = 0,02), bei denen, die stattdessen 14 mg erhielten um 85 Prozent (p = 0,02). Bei Patienten, die kontinuierlich Teriflunomid einnahmen, blieb die Zahl der Läsionen in der Verlängerungsstudie unverändert.
Teriflunomid wurde gut vertragen. Die Zahl der Patienten, die die Studie vorzeitig beendeten, lag unter 10 Prozent (13). Aufgrund der bei Leflunomid beobachteten Nebenwirkungen muss allerdings davon ausgegangen werden, dass der aktive Metabolit Teriflunomid in Studien mit einer größeren Patientenzahl ähnliche hämatotoxische und hepatotoxische unerwünschte Wirkungen zeigt, sowie auch ein erhöhtes Risiko für Infektionen (14).
Hersteller Sanofi-Aventis hat 2004 aufgrund der positiven Ergebnisse eine Phase-III-Studie begonnen. In die Zwei-Jahres-Studie sollen 1080 Patienten, deren MS in Schüben verläuft, eingeschlossen werden. Studienendpunkte sind die Schubfrequenz, die Anzahl der Läsionen im MRT, das Fortschreiten der Behinderung gemäß der EDSS-Skala und die Verträglichkeit von Teriflunomid (5). Mit Ergebnissen kann vermutlich 2008 gerechnet werden.
Patientenfreundlichere Therapien
Sollten die Phase-III-Studien, in denen sich die neuen Substanzen befinden, die vorliegenden Ergebnisse bestätigen, zeichnet sich für das Ende der Dekade ein Umbruch in der MS-Therapie ab. Während der Kaliumkanalblocker Fampridin nur zur symptomatischen Behandlung eingesetzt werden kann, greifen die drei immunmodulatorisch wirkenden Substanzen wie die bislang eingesetzten Therapeutika in den Krankheitsverlauf der MS ein und verzögern die Krankheitsprogression. Die herkömmlichen parenteralen Therapeutika könnten dann durch patientenfreundlichere oral wirksame Arzneistoffe abgelöst werden.
Literatur
Chiba, K., Pharmacol Ther 108, 3 (2005) 308-319.
Zusatzinfo: Erhöhtes Infektionsrisiko möglich
In einem Kommentar im New England Journal of Medicine wiesen Experten auf das möglicherweise erhöhte Infektionsrisiko hin, das von einer immunsuppressiven Substanz wie Fingolimod ausgehen kann. Dabei zogen sie Parallelen zu dem kürzlich in Europa zugelassenen Natalizumab (Tysabri®), das ebenfalls in die Migration der T-Lymphozyten eingreift. Bei dem Antikörper handelt sich um einen ±-4-Integrinhemmer, der die Wanderung der T-Lymphozyten aus der Blutbahn in das Gewebe verhindert. Die Substanz wurde in den USA vom Markt genommen und verspätet in Europa zugelassen, nachdem einige seltene Fälle von progressiver multifokaler Leukoenzephalopathie (PLM) aufgetreten waren. Dabei handelte es sich vermutlich um eine Reaktivierung einer latenten Infektion mit dem Jakob-Creutzfeldt-Virus (JC-Virus), einem Auslöser der PLM. »Ob die Langzeithemmung der Lymphozytenwanderung durch Fingolimod ein ähnliches Risiko mit sich bringt, ist nicht bekannt und erfordert weitere Untersuchungen«, schreiben die Autoren. Weiterhin sollte in den Studien überprüft werden, ob Patienten ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. Professor Dr. Ludwig Kappos, der leitende Studienarzt, führte in einer Gegenstellungnahme aus, dass Fingolimod im Gegensatz zu Natalizumab die T-Lymphozytenwanderung nicht völlig unterbindet. Ungefähr 30 Prozent der T-Lymphozyten ändern ihre Verteilung im Körper nicht und diejenigen, die in den Lymphknoten gefangen sind, behalten ihre Funktionsfähigkeit (4).
Zusatzinfo: MRT und EDSS
Zur Diagnose und Verlaufskontrolle der MS und zur Beurteilung von neuen Wirksubstanzen werden verschiedene Verfahren und Tests eingesetzt. Die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Expanded Disability Status Scale (EDSS) gehören zu den am häufigsten verwendeten.
Bei der MRT-Technik wird ein starkes Magnetfeld angelegt, das die Protonen der Wassermoleküle im Gewebe ausrichtet. Durch Radiowellen wird diese Ausrichtung aufgehoben. Werden die Radiowellen ausgeschaltet, richten die Protonen sich wieder aus (Relaxation) und senden dabei ein Resonanzsignal aus. Hauptsächlich werden sogenannte T1- oder T2-gewichtete Aufnahmen verwendet. Diese erfassen die Relaxationszeit unterschiedlich. Anschließend übersetzt eine Computersoftware die Resonanzsignale in Querschnittsaufnahmen des Gewebewassers.
Die Myelinschicht, die die Nervenstränge schützt, besteht aus fetthaltigem, wasserabweisendem Material. Ist diese Schicht wie bei MS beschädigt, befindet sich mehr Wasser um die Nervenbahnen, das auf der MRT-Aufnahme als heller oder dunkler Fleck erscheint. T1-Aufnahmen geben Auskunft über die Krankheitsaktivität, da sie entzündete Areale erfassen, die durch den Zusammenbruch der Blut-Hirn-Schranke hervorgerufen werden. Diese Areale werden als aktive Läsionen bezeichnet, da es sich um neu aufgetretene oder sich vergrößernde Schäden handelt. Bei T1-gewichteten Aufnahmen werden den Patienten Gadolinium-(III)-Verbindungen als Kontrastmittel injiziert, um die Sensitivität zu erhöhen. T2-Aufnahmen ermöglichen zusätzlich eine Beurteilung der Krankheitslast, ausgedrückt durch die Anzahl der Läsionen (8).
Mithilfe der EDSS-Skala werden die neurologischen Beeinträchtigungen des Patienten durch die MS-Erkrankung beurteilt. Grundlage der Einschätzung ist eine neurologische Untersuchung des Patienten. Diese schließt die Untersuchung von sieben funktionalen Systemen ein, unter anderem das pyrimidale, zerebrale, sensorische und visuelle System. Weiterhin beurteilt der Arzt den Gang des Patienten und die Notwendigkeit einer Gehhilfe. Auf einer validierten Skala von null (keinerlei Einschränkungen) bis zehn (Tod durch MS) bewertet der Arzt dann die Behinderung des Patienten (15).
Quelle: Von Bettina Wick-Urban
|07.08.2007 Zeckenschutzimpfung auch bei Multipler Sklerose möglich

Vielerorts sind die Zecken in diesem Sommer auf dem Vormarsch. Sie übertragen unter anderem das gefährlich FSME-Virus.
Immer wieder fragen sich MS-Erkrankte, die in FSME-Risikogebieten leben oder in diese reisen möchten, wie gefährlich ein Zeckenbiss ist und ob auch bei Multipler Sklerose hier eine Impfung schützen kann. PD Dr. med. Mathias Mäurer, Geschäftsführender Oberarzt der Neuroimmunologischen Ambulanz an der Neurologischen Klinik der Universität Erlangen und Mitglied des Ärztlichen Beirates der DMSG, Bundesverband e.V. gibt auf diese Frage eine Antwort:
Zeckenschutzimpfung bei Multipler Sklerose
Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine durch Zecken auf den Menschen übertragene Viruskrankheit, die eine hoch-fieberhafte Hirnhautentzündung hervorrufen kann. In schweren Fällen wird auch eine Beteiligung von Gehirn und Rückenmark beobachtet, die zu bleibenden neurologischen Defiziten führen kann.
Dementsprechend kann die die FSME-Impfung allen Menschen empfohlen werden, die sich vorübergehend oder dauerhaft in FSME-Risikogebieten in Deutschland aufhalten. Nach den derzeitigen Erhebungen des Robert-Koch Institutes kann der gesamte Süden von Deutschland als FSME-Risikogebiet angesehen werden, sporadische Fälle sind jedoch auch in der Mitte und im Norden von Deutschland gemeldet worden.
Der FSME-Impfstoff ist ein Totimpfstoff, der intramuskulär verabreicht wird. Zur Grundimmunisierung werden zwei Injektionen eines Impfstoffs im Abstand von ein bis drei Monaten verabreicht, eine dritte Impfung erfolgt neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung. Die FSME-Schutzimpfung kann gleichzeitig mit anderen Schutzimpfungen vorgenommen werden.
Nach unserem derzeitigen Wissen kann die FSME Impfung auch bei MS denjenigen Patienten, die sich vorübergehend oder dauerhaft in Risikogebieten aufhalten, empfohlen werden.
Baumhackl und Mitarbeiter (Vaccine 2003) haben den Zusammenhag zwischen FSME Impfung und Krankheitsaktivität bei MS Patienten in einer Fall-Kontroll-Studie untersucht. Es konnte kein Zusammenhang zwischen der Impfung und einer Zunahme der Krankheitsaktivität gefunden werden die Autoren konnten weder ein Zunahme der MRT Aktivität, eine Zunahme klinischer Schübe, noch eine Zunahme der Krankheitsprogression bei den untersuchten MS Patienten beobachten.
Somit lässt sich auch für die FSME Impfung festhalten wie dies zuvor auch schon für die Impfung mit anderen Totimpfstoffen gegen Influenza-, Tetanus- oder Varizella - Infektionen konstatiert wurde dass das Risiko, durch die Infektionskrankheit FSME selbst Schaden zu erleiden, bzw. dadurch eine Verschlechterung der MS in Kauf nehmen zu müssen höher ist als das Risiko durch die Impfung eine Verschlechterung der MS zu erleiden.
Grundsätzlich spricht nichts gegen einen Impferfolg unter der kontinuierlichen Anwendung von Basistherapeutika wie Interferonen oder Glatirameracetat. Hingegen kann der Impferfolg unter einer immunsuppressiven Therapie, z.B. unter Therapie mit Azathioprin oder Mitoxantron, gefährdet sein. Falls unter Mitoxantrontherapie eine Impfung vom Patienten gewünscht wird, so sollte diese keinesfalls in der Phase vorgenommen werden, in der die Leukozytenanzahl nach der Medikamentengabe am geringsten ist sondern allenfalls in der Phase der Erholung des Immunsystems vor der nächsten geplanten Infusion.
PD Dr. Mathias Mäurer
Quelle: "Der Neurologe und Psychiater", Nr.7/2007
|06.08.2007 Begrenzter Benefit einer frühzeitigen Interferonbehandlung

Basel - Die frühzeitige Behandlung mit Interferon beta 1b kann das Fortschreiten der multiplen Sklerose verzögern. Dies zeigt eine Nachbeobachtung der Teilnehmer der sogenannten BENEFIT-Studie im Lancet (2007; 370: 389-397). Der Vorteil gegenüber einem späteren Therapiebeginn war jedoch gering, sodass ein Editorialist (noch) keine allgemeine Empfehlung für eine frühzeitige Therapie geben mag.
Die Betaferon in Newly Emerging multiple sclerosis For Initial Treatment war von Schering, inzwischen Bayer, initiiert worden, um den Vorteil einer frühzeitigen Therapie zu belegen. Dabei wird bei Patienten mit einem Verdacht auf eine Erkrankung nicht abgewartet, bis die Diagnose der Erkrankung sicher ist (conversion to clinically definite MS oder CDMS), was wegen des schubförmigen Verlaufs unter Umständen erst nach vielen Monaten gelingt.
Die frühzeitige Therapie nach dem ersten Schub stützt sich im Wesentlichen auf kernspintomografische Befunde - zum Beispiel zwei oder mehr T2-Läsionen im Gehirn mit räumlicher Dissemination. Hinter der frühzeitigen Therapie steht die Hoffnung, dass die immunmodulatorischen Interferone die multiple Sklerose in einem frühen Stadium besonders günstig beeinflussen und damit den Ausbruch der Erkrankung um viele Jahre hinauszögern.
Dies lässt sich indes nur schwer beweisen. Nach dem Abschluss der zweijährigen BENEFIT-Studie, in der ein Teil der Patienten sich alle zwei Tage Interferon beta-1b subkutan injizierte, während die Spritzen der Vergleichsgruppe ein Placebo enthielten (bis nach einer CDMS auch hier mit Interferonen begonnen wurde), war zwar ein Vorteil erkennbar. Es mussten jedoch sechs Patienten behandelt werden, um bei einem Patienten eine Konversion zur CDMS zu verhindern. Für das Konkurrenzpräparat mit Interferon beta-1a wurde in der CHAMPS-Studie eine ähnliche Number needed to treat, NNT, von 7 erzielt.
Die MS-Experten begrüßten es deshalb, dass die Patienten nach dem Abschluss der BENEFIT-Studie eingeladen wurden, an einer Beobachtungsstudie teilzunehmen. Wie Ludwig Kappos und seine Kollegen vom Universitätsspital Basel berichten, nahmen 89 Prozent der Patienten die Einladung an. Die meisten entschieden sich dabei für eine Interferontherapie. Nach dem ersten Jahr der Nachbeobachtung konnten noch immer 84 Prozent der Patienten kontaktiert werden.
Die Analyse, die 3 Jahre nach der ursprünglichen Randomisierung durchgeführt wurde, ergab, dass eine frühzeitige Behandlung das Risiko einer fortschreitenden Behinderung verringerte. Während 51 Prozent der Patienten aus der spät behandelten Gruppe CDMS entwickelten, zeigten dies nur 37 Prozent der Patienten aus der frühzeitig behandelten Gruppe. Die ergibt eine relative Risikoverminderung um 41 Prozent (Hazard Ratio 0,59; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,44-0,80), bei einem P-Wert von p=0,0011 zweifellos ein signifikanter Vorteil. Die absolute Risikominderung betrug jedoch nur 14 Prozent.
Und bei der Verschlechterung in der EDSS-Skala (expanded disability status scale), die das Fortschreiten der Behinderungen misst, betrug die absolute Risikominderung nur 8 Prozent. Dies entspricht einer Number needed to treat von 12 Patienten, die behandelt werden müssen, damit bei einem Patienten eine (geringfügige) klinische Verschlechterung verhindert wird, wie Sean Pittock von der Mayo Clinic in Rochester in seinem begleitenden Kommentar bemerkt (Lancet 2007; 370: 363-364).
Der Editorialist verweist darauf, dass bei Patienten mit geringen klinischen Zeichen oder Symptomen oder bei solchen mit weniger als 9 Läsionen in der Kernspintomographie keine signifikanten Vorteile einer frühzeitigen Therapie erkennbar waren. Ob diese bei der finalen Analyse der BENEFIT-Studie nach 5 Jahren erkennbar werden, bleibt abzuwarten.
Der Hersteller betont in einer Stellungnahme die hohe Akzeptanz der Therapie bei den Patienten, was bei einer Behandlung, die keinen unmittelbaren Einfluss auf die Krankheitszeichen hat, sicherlich von Bedeutung ist. Das Medikament habe sich auch in der langfristigen Therapie als sicher und wirksam erwiesen und die Entwicklung von neutralisierenden Antikörpern habe bisher keinen Einfluss auf die Endpunkte gehabt, heißt es in der Pressemitteilung von Bayer.
Quelle: rme/aerzteblatt.de
|06.08.2007 Organellen in der Glia für das Überleben

des Nervensystems unverzichtbar
Göttingen/Paris - Gliazellen sind nicht nur für den Aufbau der Myelinscheiden unverzichtbar, sie sorgen auch für den Fortbestand der Axone. Dazu benötigen Gliazellen bestimmte Zellorganellen, die Peroxisomen. Diese Organellen sind für den Fettsäurestoffwechsel und die Entgiftung von Zellen wichtig. Das haben Forscher des Göttinger Max-Planck-Instituts für experimentelle Medizin in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und der Universität Göttingen herausgefunden. Die Wissenschaftler publizierten ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Nature Genetics (2007; 39: 969-976).
Die Wissenschaftler um Klaus-Armin Nave und Celia Kassmann schalteten durch genetische Veränderungen die Peroxisomen in den Gliazellen bei Mäusen funktionell aus. "Zunächst entwickelten sich die mutierten Mäuse völlig normal", beschreibt Nave die anfänglichen Beobachtungen. Erst bei den ausgewachsenen Tieren zeigte sich, dass die Peroxisomen offenbar eine lebenswichtige Funktion erfüllen, und zwar für die vom Myelin umhüllten Nervenfasern.
"Mit fortschreitendem Alter der Tiere bildeten sich die Leitungsfaserbündel zunehmend zurück", erklärte der Max-Planck-Forscher die Auswirkungen fehlender Peroxisomen. Zudem zeigten Mäuse mit diesen pathologischen Veränderungen im Gehirn motorische Verhaltensauffälligkeiten. "Sehr bald traten außerdem Entzündungen auf, wie man sie sonst nur von Autoimmunkrankheiten kennt", sagte Kassmann. Die Mausmutante liefere den Forschern ein neuartiges Modell für entzündliche Krankheitsprozesse, wie sie möglicherweise auch bei bestimmten Formen der multiplen Sklerose und bei Leukodystrophien auftreten.
Dass Gliazellen die Neurone nicht nur unterstützen, sondern deren Arbeit aktiv beeinflussen, ist auch das Ergebnis einer Arbeitsgruppe der Tufts University School of Medicine, Boston. Eine Arbeitsgruppe um den Neurowissenschaftler Rob Jackson fand in Studien an der Fruchtfliege Drosophila heraus, dass eine bestimmte Art von Gliazellen die circadiane Rhythmik der Tiere beeinflusst. Die Arbeit von Jackson und seinen Mitarbeitern erscheint am 2. August in der Zeitschrift Neuron (2007; 55: 435-447). "Die Gliazellen wirken über ein Protein namens Ebony", so Jackson. Dieses beeinflusse unabhängig oder in Zusammenhang mit Nervenzellen die circadiane Rhythmik.
Quelle: aerzteblatt.de
|30.07.2007 Zwei neue Risikogene für Multiple Sklerose

Forscher finden weitere Faktoren, die am Ausbruch der Nervenkrankheit beteiligt sein können
Erstmals seit mehr als dreißig Jahren haben drei internationale Forscherteams neue genetische Risikofaktoren für Multiple Sklerose (MS) entdeckt. Es handelt sich dabei um zwei Gene, die den Bauplan für Erkennungsproteine, so genannte Rezeptoren, auf der Oberfläche von Immunzellen tragen. Bestimmte Varianten dieser beiden Gene erhöhen das Risiko für den Träger, an MS zu erkranken, um jeweils zwanzig bis dreißig Prozent. Sie gehören nach Ansicht der Wissenschaftler zu einer bislang noch unbekannten größeren Gruppe von Genen, die zwar alleine keinen großen Einfluss haben, in der Kombination das Erkrankungsrisiko jedoch deutlich steigern.
Multiple Sklerose ist eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem die Isolierung um die Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark angreift. Das führt im Lauf der Zeit zu Muskelschwäche, Bewegungs-, Gleichgewichts- und Sehstörungen sowie Lähmungen. Zwar gibt es bereits seit langem Hinweise auf eine Kombination aus Umweltfaktoren und genetischer Veranlagung als Krankheitsursache. Identifiziert werden konnte bislang jedoch nur ein einziges, allerdings sehr wichtiges Gen namens HLA, das das Erkrankungsrisiko für den Träger um das Vierfache erhöhen kann.
Um weitere genetische Risikofaktoren zu identifizieren, verfolgten die Wissenschaftler nun zwei verschiedene Strategien: David Hafler und sein Team untersuchten das gesamte Erbgut von 931 MS-Patienten samt ihren Eltern und bestimmten, welche Genvarianten die Erkrankten häufiger geerbt hatten als Gesunde. Die Ergebnisse überprüften sie anschließend an weiteren Probanden, so dass insgesamt über 12.000 DNA-Proben ausgewertet wurden. Die anderen beiden Teams konzentrierten sich bei ihrer Suche von vorneherein auf bestimmte Genabschnitte und untersuchten deren Zusammenhang mit MS bei sieben großen Probandengruppen aus Europa und den USA.
Alle drei Gruppen identifizierten ein Gen namens IL-7R als Risikofaktor. Liegt es in einer bestimmten Variante vor, verringert sich die Menge des Rezeptors für Interleukin-7, einem wichtigen Botenstoff des Immunsystems, auf der Oberfläche regulierender Immunzellen. Das führt wahrscheinlich zu einem Ungleichgewicht, infolgedessen der Körper sein eigenes Gewebe angreift. Das Team um Hafler fand außerdem noch ein IL-2R genanntes Gen, das ebenfalls die Informationen für einen Interleukinrezeptor trägt und bereits mit anderen Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht wurde.
Die Arbeit habe gezeigt, dass es keine weiteren genetischen Risikofaktoren gebe, die einen derart starken Einfluss wie HLA hätten, schreiben die Forscher. Vielmehr scheine eine ganze Reihe Gene wie IL-2R und IL-7R unterschiedlich stark zum Risiko beizutragen. Die Identifizierung solche Faktoren soll in Zukunft helfen, gezieltere Behandlungsstrategien der bislang unheilbaren Krankheit zu entwickeln, so die Forscher.
David Hafler (Harvard Medical School, Boston) et al.: New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/nejmoa073493
Simon Gregory (Duke-Universität, Durham) et al.: Nature Genetics, DOI: 10.1038/ng2103
Frida Lundmark (Karolinska-Institut, Stockholm) et al.: Nature Genetics, DOI: 10.1038/ng2106
Quelle: ddp/wissenschaft.de Ilka Lehnen-Beyel, 30.07.07
|24.07.2007 Bei Patienten mit Multipler Sklerose fehlen bestimmte Immunzellen

Nachwuchsmangel bei Abwehrzellen fördert Selbstzerstörung des Nervensystems
/ Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg veröffentlichen im "Journal of Immunology"
Heidelberger Wissenschaftler haben einen neuen Mechanismus bei Multipler Sklerose entdeckt, der die schleichende Selbstzerstörung des Nervensystems miterklärt, und ein möglicher Ansatzpunkt für neue Medikamente ist. Bei MS-Patienten ist die Thymusdrüse nicht in der Lage, wichtige Immunzellen, so genannte regulatorische T-Zellen, in ausreichender Zahl neu zu bilden. Die älteren Exemplare dieser regulatorischen T-Zellen können die Selbstzerstörung des Nervensystems bei MS-Patienten jedoch nicht aufhalten: Sie hemmen die Abwehrzellen, die körpereigene Strukturen angreifen, weniger stark als junge T-Zell-Exemplare.
Diese Ergebnisse haben Professor Brigitte Wildemann, Leiterin der Sektion Molekulare Neuroimmunologie an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, und ihr Team gemeinsam mit Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg im renommierten "Journal of Immunology" veröffentlicht.
Schritt für Schritt einer Erklärung näher: Wie entsteht Multiple Sklerose - und was kann man dagegen tun?
Die Untersuchung ist ein weiterer Puzzlestein in der Erforschung der Multiplen Sklerose in Heidelberg: Bereits im Jahr 2003 hat die Arbeitsgruppe von Professor Wildemann gezeigt, dass die Thymusdrüse, ein beim Menschen oberhalb des Herzens liegendes Organ des Lymphsystems, eine wichtige Rolle bei der Entstehung der MS spielt. Vor zwei Jahren beschrieben die Wissenschaftler in einer weiteren Veröffentlichung, dass speziell die Funktion der regulatorischen T-Zellen für Patienten mit MS wichtig ist. "Die aktuelle Arbeit führt nun die beiden Erkenntnisse zusammen", sagt Dr. Jürgen Haas, Laborleiter der Sektion Molekulare Neuroimmunologie und Erstautor der Arbeit.
Die neuen Forschungsergebnisse könnten auch eine Erklärung dafür liefern, warum bestimmte Medikamente bei MS wirken - und warum sich MS-Patientinnen während der Schwangerschaft oft besonders gut fühlen: Hormone und bestimmte Wirkstoffe in Medikamenten beeinflussen möglicherweise die Thymusfunktion und damit die Neubildung von Abwehrzellen.
Ebenso könnte sich ein neuer Behandlungsansatz aus den neuen Erkenntnissen ergeben: "Wenn es gelingt, junge, voll funktionsfähige regulatorische T-Zellen eines Patienten zu entnehmen, in einer Zellkultur zu vermehren und dann zu injizieren, könnte das die Erkrankung positiv beeinflussen", blickt Dr. Jürgen Haas in die Zukunft.
Thymusdrüse mit Funktionsstörung?
Eine Immunreaktion soll im Körper nur so lange ablaufen, bis der "Feind" bekämpft ist. Die regulatorischen T-Zellen beenden bei gesunden Patienten die Abwehrreaktion und tragen dazu bei, dass der eigene Körper nicht angegriffen wird. Ausgebildet werden diese zellulären Ordnungshüter in der Thymusdrüse.
Der Haken an der Sache: Die Thymusdrüse schrumpft mit zunehmendem Alter und erfüllt somit ihre Aufgabe, neue Abwehr-Zellen zu bilden, immer schlechter. "Wir vermuten, dass MS-Patienten eine Funktionsstörung der Thymusdrüse aufweisen", erklärt Dr. Jürgen Haas. "MS-Patienten haben vergleichsweise weniger junge regulatorische T-Zellen. Dieser Mangel wird durch Teilung der alten "Memory"-Zellen kompensiert. Es gibt sozusagen genug Ordnungshüter - aber deren Fähigkeiten sind offensichtlich eingeschränkt." Stattdessen sind die älteren Exemplare anfälliger für den plötzlichen Zelltod, die so genannte Apoptose. "Ist die Funktion der regulatorischen T-Zellen gestört, kommt es zu Überreaktionen des Immunsystems und gesundes Gewebe - im Fall der MS die Nervenleitbahnen - wird attackiert."
Literatur:
Sektion Molekulare Immunologie im Internet:
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|24.07.2007 Mehr Sonne, weniger Multiple Sklerose

Zwillingsstudie bestätigt den bereits früher gefundenen Zusammenhang
Häufiges Sonnenbaden in der Kindheit kann das Risiko mindern, später an Multipler Sklerose (MS) zu erkranken. Das schließen amerikanische Forscher aus einer Studie mit eineiigen Zwillingspaaren, von denen jeweils nur ein Geschwisterteil unter MS litt. Auf welche Weise die Sonne vor der Autoimmunerkrankung schützt, ist bislang noch nicht geklärt. Die Mediziner vermuten, dass UV-Licht entweder direkt auf das körpereigene Abwehrsystem wirkt oder indirekt, indem es zur Bildung von Vitamin D in der Haut führt.
MS ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die nach derzeitigem Wissen sowohl von Erbfaktoren als auch durch die Umwelt beeinflusst wird. Da eineiige Zwillinge über dasselbe Erbgut verfügen, ist ihr angeborenes MS-Risiko gleich hoch. Die Forschergruppe befragte nun 79 solcher eineiigen Zwillingspaare nach ihren Kindheitserinnerungen. Sie sollten angeben, wer von beiden sich häufiger draußen aufgehalten hat sei es beim Spielen, am Strand, beim Sonnenbaden oder beim Sport.
Den Erinnerungen zufolge hatten sich die MS-Patienten als Kinder seltener der Sonne ausgesetzt als ihre gesunden Geschwister. Ein häufiger Aufenthalt im Freien konnte das Risiko für MS je nach Art der Beschäftigung um 25 bis 57 Prozent verringern. Für das Sonnenbaden zum Beispiel errechneten die Wissenschaftler ein fast 50 Prozent niedrigeres Risiko. Allerdings konnten sie den Zusammenhang zwischen Sonnenlicht und MS nur bei den weiblichen Zwillingspaaren feststellen. Thomas Mack, einer der Studienautoren, führt dies darauf zurück, dass nur wenige Männer an der Untersuchung teilgenommen haben.
Da MS mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Autoimmunerkrankung ist, vermuten die Forscher einen Zusammenhang zwischen der Sonneneinstrahlung und dem körpereigenen Abwehrsystem. Dabei könnte das UV-Licht entweder direkt auf Immunzellen des Körpers wirken oder indirekt über Vitamin D. Das Vitamin entsteht durch Sonneneinstrahlung in der Haut und kann die Aktivität des Immunsystems beeinflussen. Studien haben gezeigt, dass Patienten mit Autoimmunerkrankungen häufig schlechter mit Vitamin D versorgt sind. Darüber hinaus tritt MS weltweit betrachtet in Äquatornähe seltener auf als in nördlichen und südlichen Breiten.
Talat Islam (Keck School of Medicine, Universität von Südkalifornien, Los Angeles) et al.: Neurology, Bd. 69, Nr. 4
Quelle: ddp/wissenschaft.de Larissa Kessner
|16.07.2007 Ganzkörper-Vibrationsbehandlung bei Multiple Sklerose

Ein langjähriger MS-Patient mit sekundär chronisch-progredienter Verlaufsform (Rollator, z.T.Rollstuhl) berichtete in einer MS-Mailingliste über zwei Geräte zur Ganzkörper-Vibrations-Therapie und über eigene Langzeit-Erfahrungen. So wurde von ihm zur Behandlung seiner MS-Symptome über längere Zeit ein Gerät benutzt, dessen Prinzip im Rahmen der amerikanischen und russischen Raumfahrtmedizin zur Behandlung von Astronauten gegen Folgen der Schwerelosigkeit entwickelt worden war. Es wurde u.a. von der Berliner Charité Campus Benjamin Franklin im Human-Space-Flight-Program der ESA zu Forschungszwecken eingesetzt und dient unter anderem zur Behandlung von Kindern mit der sog. Glasknochenkrankheit. Vielfach wird das Verfahren auch in spezialisierten Kliniken zur Beseitigung oder Verbesserung der Stressinkontinenz von Frauen eingesetzt, wobei es die Wirkung des Beckenbodentrainings wesentlich steigert. Die Verbesserungs- oder Heilungsrate beträgt bis zu 80%. Das Verfahren ist aber wegen der andersartigen Beckenbodenmuskulatur bei Männern nicht wirksam.
Wissenschaftler des Institutes für Sportwissenschaften der Universität Frankfurt an Main haben das System auf Auswirkungen von Bewegungsstörungen bei Multiple Sklerose und Parkinson untersucht und dabei beeindruckende Ergebnisse festgestellt, so etwa bei MS ein verbessertes freies und sicheres Stehen, leichteres, flüssigeres Laufen und deutliche Verringerung der Stolper- und Fallrate. Der Umfang der Symptomreduktion war allerdings sehr unterschiedlich, bei rund 20% der Patienten konnten keine Veränderungen festgestellt werden. Eines der beiden in Deutschland entwickelten Gerätesysteme steht inzwischen in 250 Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen zur Ergänzung ihrer Behandlungen, das andere in etwa 300 Praxen von Orthopäden, Physiotherapeuten oder bei Sportvereinen zum Muskel- und Aufbautraining der Sportler.
Das von dem berichtenden MS-Patienten in einer wohnortnahen Physiotherapiestation benutzte "Galileo"-Ganzkörper-Vibrationsgerät besteht aus einem Fußteil mit horizontal und vertikal vibrierender Standplatte sowie einem bogenförmigen Haltebügel. Die Standplatte wirkt wie eine Wippe mit einer Amplitude von 0 - 6 mm bei gleichzeitiger schneller, seitenalternierender Vibration zwischen 2 und 30 Hz ´(Schwingungen pro Sekunde). Durch die biomechanische Stimulation der Galileo-Trainingsplatform werden in der menschlichen Muskulatur sogenannte Dehnreflexe ausgelöst, die ein Kontraktion der Muskulatur in den Beinen bis hinauf in den Rumpf bewirken, insbesondere auch im Rücken. Diese Reflexe werden nicht vom Willen des Trainierenden gesteuert, sondern erfolgen selbständig über das Rückenmark. Die Anzahl der Dehnreflexe pro Sekunde wird über die einstellbare Frequenz bestimmt, z.B. bei 25 Hz sind dies 1500 Zyklen pro Minute. Durch die erfolgenden Auf- und Abbewegungen der Platform wird der menschliche Gang simuliert und durch die seitenalternierende Bewegung die Wirbelsäule durch eine leichte seitliche Kippung des Beckens in einer physiologischen Seitwärtsbewegung angeregt. Dabei wird die Koordination der Rücken- und Bauchmuskulatur erreicht. Diese und andere Wirkungen erzeugen Reizmuster wie beim Gehen und fördern das Zusammenspiel aller Komponenten. Nach zunächst 12 Behandlungen, 2 x wöchentlich über 6 Wochen mit einer Frequenz von 6 Hz bei 3 mm Amplitude und 5 Minuten mit je 1 min. Pause konnte eine deutliche Verbesserung der Beweglichkeit, der Gehfähigkeit und des Gleuchgewichts festgestellt werden. Anschließend erfolgte zur verbesserten Anpassung an die körperlichen Gegebenheiten eine Serie mit jeweils 10 Hz bei gleicher Amplitude, Dauer und entsprechenden Pausen. Die Behandlung wurde anschließend noch über mehrere Monate fortgesetzt.:Auch diese Vibrationstherapie führte zu einer weiter verbesserten Flexibilität und war eine deutliche Ergänzung der nachfolgenden krankengymnastischen Vojta-Behandlungen.
Den Auszügen aus der US-Veröffentlichung einer weiteren Studie der Medizinische Universität Wien können zusätzliche Details zur positiven Wirkung des Verfahrens bei MS-Patienten entnommen werden.
Effekte der Ganz-Körper-Vibration (WBV) bei Patienten mit Multiple Sklerose: eine Pilotstudie
Ziel:
Untersuchungsdesign:
Durchführung durch:
Untersuchte Personen:
Untersuchung:
Wesentliche Messungen:
Die Messungen wurden durchgeführt unmittelbar, 15 Minuten, 1 Woche und 2 Wochen vor und nach der Vibrationsbehandlung.
Ergebnisse:
und zwar zu jedem Zeitpunkt nach der Vibrationsbehandlung
Die Effekte waren am deutlichsten 1 Woche nach der Behandlung. Dort traten signifikante Unterschiede auf beim Time-Get-Up-an-Go-Test mit einer verkürzten Zeit gegenüber Placebo.
Zusammenfassung:
Kontakt: <email-pii>
Quelle: Hans W. Leckscheidt
|06.07.2007 Institut für Neuroimmunologie und Klinische

Multiple-Sklerose-Forschung (inims) in Hamburg eröffnet
Gemeinsame Pressemitteilung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung
"inims" und Klinik für neurologie richten erste Multiple-Sklerose-Tagesklinik in Deutschland ein
Mit einer Veranstaltung in Gegenwart von Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger, Ph. D. (Cornell U.), wurde heute das "inims" im Zentrum für Molekulare Neurobiologie (ZMNH) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) feierlich eröffnet. Neue Therapien für alle Stadien und Verlaufsformen der Multiplen Sklerose (MS) zu entwickeln: Das ist das zentrale Forschungsziel des neu gegründeten "Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung" (inims) in Hamburg. Das neue Institut ist das Ergebnis einer Partnerschaft zwischen dem UKE und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Das UKE hatte in einem bundesweiten Wettbewerb der Stiftung unter sieben Bewerbern den Zuschlag für die über fünf Jahre bereitgestellten 1,25 Millionen Euro Fördermittel der Hertie-Stiftung erhalten und selbst zehn Personalstellen plus drei Millionen Euro beigesteuert. Geleitet wird das Institut von Prof. Dr. Roland Martin, der am 1. September 2006 seine Tätigkeit als Institutsdirektor und Professor (W3) für Neuroimmunologie und Klinische MS-Forschung aufgenommen hatte. Professor Martin war bis 2005 in den USA Direktor der "Cellular Immunology Section" der renommierten National Institutes of Health. Der Hertie-Stiftung ist es über eine Stiftungsprofessur gelungen, ihn zurück nach Deutschland zu holen.
Ziel des neuen Instituts ist es, MS-Erkrankten einen optimalen Zugang zu bewährten, neuen und experimentellen Diagnose- und Therapieverfahren zu bieten und - noch wichtiger - neue Therapien zu entwickeln. Das Forscherteam des inims beschäftigt sich mit den Ursachen der Multiplen Sklerose, der Frage, welche Zellen des Immunsystems und des Nervensystems für die im Gehirn entstehenden entzündlichen Herde verantwortlich sind, und insbesondere mit der Entwicklung neuer Behandlungsformen: Im frühen Stadium soll mit Hilfe einer Toleranzinduktion die gestörte Immunantwort, die sich bei MS-Erkrankten gegen Strukturen der Markscheiden des Gehirns und Rückenmarks richtet, wieder in den Normalzustand versetzt werden. Einen vielversprechenden Ansatz bietet ein natürliches Phenol, das aus Olivenöl und Olivenblättern isoliert werden kann. Es überschreitet die Blut-Hirn-Schranke und soll neben neuroprotektiven Wirkungen eine Reihe anderer, für die Multiple Sklerose vorteilhafter Wirkungsmechanismen haben. Die neuroprotektive Wirkung des Phenols und die gute Verträglichkeit wurden bereits in Vorstudien bestätigt. Hoffnung gibt es auch für Patienten mit besonders aggressiver Verlaufsform der MS. In Kooperation mit der Interdisziplinären Klinik und Poliklinik für Stammzelltransplantation des UKE wurde mit der autologen hämatopoetischen Stammzelltransplantation begonnen. Die Behandlung zielt darauf ab, durch Chemotherapie das gestörte Immunsystem und alle beteiligen Zellen zu eliminieren. Durch Reinfusion autologer Stammzellen soll ein neues, tolerantes Immunsystem generiert werden.
Multiple Sklerose ist in Mitteleuropa die häufigste autoimmun-entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. In Deutschland sind mindestens 100 000 Menschen von ihr betroffen. Die Ursachen der Multiplen Sklerose sind noch immer unbekannt. Die Hertie-Stiftung möchte mit der Einrichtung des "inims" die klinische Forschung zur Multiplen Sklerose auf hohem Niveau fördern und das ärztliche Behandlungsangebot für MS-Erkrankte verbessern.
Prof. Dr. Roland Martin war zuletzt als Professor für Immunologie und Neurologie am Hospital Universitari Vall d'Hebron in Barcelona, Spanien, tätig. Davor hatte er von 1994 bis 2005 als Professor und Leiter einer Forschungseinheit an den National Institutes of Health (NIH) in Bethesda, USA, gearbeitet, einem der weltweit führenden wissenschaftlichen Institute.
Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ist der größte private Förderer der Hirnforschung in Deutschland. Die Stiftung möchte das Wissen über das Gehirn und seine Funktionen mehren, um so den Menschen nutzende Erkenntnisse zu gewinnen und Erkrankungen des Gehirns effektiv angehen zu können. Dafür werden seit dem Jahr 2000 durchschnittlich mehr als neun Millionen Euro pro Jahr aufgewandt. Die Hertie-Stiftung will mit der Förderung der Forschung helfen, das Wissen über die Entstehung der Multiplen Sklerose voranzubringen und kausale Therapiestrategien zu entwickeln. Seit ihrer Gründung hat die Hertie-Stiftung 43 Millionen Euro für die MS-Forschung und die Unterstützung MS-Erkrankter aufgewandt.
Quelle: idw-online.de
|04.07.2007 Nimmt die MS-Häufigkeit bei Frauen stärker zu als bei Männern?

BIRMINGHAM - Frauen sind von Multipler Sklerose deutlich häufiger betroffen als Männer, das Verhältnis liegt bei 2:1. Amerikanische Wissenschaftler untersuchten nun, ob MS in den letzten Jahrzehnten unter Frauen stärker zugenommen hat als unter Männern. Die Studie von G. Cutter et al. basiert auf Daten des freiwilligen MS-Registers (NARCOMS).
Hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses stellten die Forscher fest, dass die MS-Häufigkeit bei Frauen in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat. Die Studie schloss 30 336 Patienten nach ihrem Alter zu Beginn der Erkrankung und dem Diagnosejahr ein. Nun fanden die Wissenschaftler bei Patienten, die vor 1940 diagnostiziert worden waren, ein Verhältnis von Frauen zu Männern von 2:1, im Jahr 2000 hingegen betrug das Verhältnis bereits 4:1.
Nicht nur in den USA, auch in anderen Ländern sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Die Auswertung einer kanadischen Datenbank ergab, dass sich die Zahl der MS-betroffenen Frauen in den letzten 60 Jahren fast verdreifacht hat. Studien, die mehr auf Bevölkerungsdaten als auf freiwilligen Patientenregistern basieren, könnten künftig klären, ob der Frauenanteil unter MS-Erkrankten tatsächlich ansteigt, oder ob die Studie von Cutter et al. vielmehr die Entwicklung und Anwendung neuerer Diagnosemethoden widerspiegelt.
Quelle: www.healthywomen.org
|29.06.2007 MS von Männern und Frauen gleich häufig vererbt

Oxford/Vancouver - Männer und Frauen mit multipler Sklerose (MS) übertragen das genetische Risiko in gleichem Maße auf ihre Kinder. Dies geht aus der Untersuchung einer internationalen Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern der University of Oxford und der University of British Columbia in Vancouver hervor. Das Fachblatt der American Academy of Neurology veröffentlicht diese nun vorab online (Neurology 2007, doi:10.1212/01.wnl.0000268486.40851.d6).
Die Studie untersuchte 3.088 kanadische Familien, in denen je ein Elternteil MS hatte. Von den 8.401 Kindern waren 798 an MS erkrankt. Die Analyse ergab ein annähernd gleiches Übertragungsrisiko für Väter (9,41 Prozent) und Mütter (9,76 Prozent). "Wir fanden zudem ein ausgeglichenes Verhältnis von Töchtern zu Söhnen, denen das genetische Risiko vererbt wurde", ergänzt George Ebers, Autor der Studie.
Die Wissenschaftler finden somit keine Bestätigung des so genannten Cartereffekts. Dieser besagt, dass Männer das Risiko für MS doppelt so häufig auf ihre Kinder übertragen. Dem Cartereffekt zufolge sind Männer jedoch genetisch resistenter gegen MS und daher wahrscheinlicher Genüberträger als Frauen. "Unsere Studie untersuchte 16-mal so viele Personen wie diese früher publizierte Studie. Sie zieht somit bisher weit verbreitete Ansichten über die Vererbung der Prädisposition für MS in Zweifel", betonte Ebers.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 29.06.07
|27.06.2007 Interferon-beta-Mittel sind bei MS ähnlich gut wirksam

Zwei-Jahres-Ergebnisse der Beobachtungsstudie QUASIMS vorgestellt / Niedrigste Schubrate bei Therapie mit i.m. appliziertem Präparat
KÖLN (nsi). Bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) sind die verfügbaren Interferon- beta-Präparate in einem Therapie-Zeitraum von zwei Jahren ähnlich gut wirksam. Fast 50 Prozent der Patienten, die dabei intramuskuläres IFN-beta-1a (Avonex®) als Initialtherapie erhalten, haben innerhalb von zwei Jahren keine neuen MS-Schübe.
Mit der i.m.-Therapie sind über 80 Prozent der Patienten nach zwei Jahren noch ohne Krankheitsprogression, haben sich also im Score EDSS - er spiegelt den Behinderungsgrad bei MS wider - um weniger als einen Punkt verschlechtert. Das ist eines der Ergebnisse der Beobachtungsstudie QUASIMS (Quality Assessment in Multiple Sclerosis Therapy).
Fast 5000 Patienten nahmen an der retrospektiven Studie teil
In die retrospektive Studie wurden 4475 Patienten mit schubförmiger MS aufgenommen. Sie sollte Informationen zur Effektivität der IFN-beta-Präparate in der Praxis bringen, aber auch dazu, ob die Patienten davon profitieren, wenn sie von einem Medikament auf ein anderes wechseln. Das hat Privatdozent Volker Limmroth von der Neurologischen Klinik der Städtischen Kliniken in Köln bei einer Veranstaltung von Biogen Idec in Köln berichtet.
Verglichen wurden intramuskulär injiziertes IFN-beta-1a, subkutan injiziertes IFN-beta-1a in den Dosierungen 22 µg und 44 µg und subkutan injiziertes IFN-beta-1b. Nach zwei Jahren gab es keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit der IFN-beta-Präparate, weder bei Patienten, die von Anfang an nur mit einem der vier IFN-beta-Mittel behandelt wurden, noch bei den Patienten, die von einem IFN-beta-Präparat auf ein anderes umgestellt wurden.
Die mittlere jährliche Schubrate betrug im Beobachtungszeitraum von zwei Jahren 0,48 MS-Schübe pro Jahr für das i.m. angewandte Mittel und lag für die anderen IFN-beta-Präparate zwischen 0,52 und 0,65 neuen Schüben pro Jahr. Unter der i.m.-Therapie blieben mit 48 Prozent auch etwas mehr Patienten schubfrei als bei Initialbehandlungen mit anderen Präparaten - hier lag der Anteil von Patienten ohne erneuten Schub innerhalb von zwei Jahren zwischen 35 und 46 Prozent.
Ein Wechsel der Präparate brachte im Verlauf von zwei Jahren keine Besserung des klinischen Verlaufs. Unterschiede könnten sich aber bei längerer Beobachtung noch zeigen, sagte Limmroth. Mit dem i.m.-Präparat gab es ferner auch signifikant weniger Therapieabbrüche wegen Hautreaktionen als mit den anderen Präparaten.
Offenbar begünstigt das intramuskuläre MS-Mittel auch die Therapietreue, wie Daten der GAP-Studie (Global Adherence Project) belegen. Die Daten hat Professor Bernd Kieseier von der Neurologischen Klinik der Universität Düsseldorf vorgestellt. 2566 Patienten wurden gefragt, ob sie in den vergangenen vier Wochen eine Dosis der vier Interferon-Präparate ausgelassen hatten.
Für das i.m.-Mittel war die Zahl der Patienten, die alle Injektionen vorgenommen hatten, mit 85 Prozent am höchsten. Bei den übrigen IFN-beta-Präparaten lag der Anteil der therapietreuen Patienten zwischen 70 und 78 Prozent. Die Therapie mit intramuskulärem IFN-beta-1a biete günstige Voraussetzungen für eine konstant wirksame Langzeittherapie, folgert Kieseier.
Quelle: Ärzte Zeitung, 27.06.07
|26.06.2007 Plädoyer für frühe Therapie bei MS

Studie belegt Vorteil früher MS-Behandlung /
Krankheitsverlauf signifikant verzögert
LEVERKUSEN (skh). Wenn Patienten mit Multipler Sklerose ihren ersten Schub haben, so wird damit die schon lange andauernde Demyelinisierung manifest. Eine frühe Therapie schon bei Erstmanifestation verringert das Risiko von irreversiblen Axon-Schäden und bremst den Verlauf.
Ein wichtiges Argument für eine Frühtherapie mit IFN beta-1b haben die Daten der BENEFIT-Studie (Betaferon in Newly Emerging MS for Initial Treatment) geliefert. Nun soll in einer integrierten Drei-Jahres-Analyse die sofortige mit einer verzögerten Behandlung mit IFN beta-1b verglichen werden, sagt Professor Bernhard Hemmer von der Neurologischen Klinik an der TU München.
In der BENEFIT-Untersuchung wurden zwei Jahre lang 292 der 468 Patienten alle zwei Tage mit 250 µg IFN beta-1b subkutan behandelt, 176 bekamen Placebo. Studien-Endpunkt war die Zeit bis zum Übergang eines klinisch isolierten Syndroms (CIS), also bei einem ersten klinischen MS-Schub und positivem MRT-Befund, in eine klinisch determinierte MS (CDMS), berichtete Hemmer bei einer Veranstaltung von Bayer Schering Pharma. Als Schub sind neurologische Ausfälle oder die Verschlechterung der Symptome über mindestens 24 Stunden definiert.
Ergebnis: Das klinische Fortschreiten bei MS wurde durch die Therapie mit IFN beta-1b signifikant verzögert. Mit Placebo hatten 45 Prozent der Patienten innerhalb von zwei Jahren eine CDMS und 85 Prozent eine MS nach den McDonald-Kriterien. Mit IFN beta-1b (Betaferon®) hatten 28 Prozent eine CDMS und 69 Prozent eine MS nach McDonald.
In den 60 Tagen vor Therapiebeginn hatten die Patienten erstmals ein CIS gehabt. Der durchschnittliche Ausgangswert auf der EDSS-Skala (expanded disability status scale) lag bei 1,5. Eine CDMS war definiert durch das Auftreten von mindestens einem weiteren MS-Schub, von neuen MRT-Läsionen und einer Zunahme des EDSS-Wertes um mindestens 1,5 oder einen Gesamtwert von mehr als 2,5. In die McDonald-Kriterien gehen die Zahl der MS-Schübe, der MRT- und der Liquorbefund ein.
Derzeit werden die BENEFIT-Patienten sowohl aus der Verum- als auch aus der Placebo-Gruppe weiter mit Interferon beta-1b behandelt. In einer integrierten Drei-Jahres-Analyse soll die sofortige Therapie (ab dem Zeitpunkt des ersten MS-verdächtigen Schubs) mit einer Therapie ab dem Zeitpunkt einer klinisch gesicherten MS oder nach 2 Jahren verglichen werden, so Hemmer.
Quelle: Ärzte Zeitung, 26.06.07
|15.06.2007 Zentrum für Jugendliche und Kinder mit MS

GÖTTINGEN (dpa). Das erste "Deutsche Zentrum für Multiple Sklerose (MS) im Kindes- und Jugendalter" entsteht am Göttinger Uniklinikum.
Ziel des einzigartigen Projektes sei es, die weitgehend unbekannten Ursachen der Multiplen Sklerose zu erforschen und spezielle Therapien für junge Patienten zu entwickeln, sagte Professor Cornelius Frömmel. Das Zentrum diene als Anlaufstelle für Betroffene aus ganz Deutschland. Auch niedergelassene Neurologen und andere Ärzte können sich hier fortbilden. Das Projekt werde aus Spendengeldern finanziert. Für die kommenden zehn Jahre werden laut Frömmel fünf Millionen Euro benötigt.
In Deutschland gibt es nach Schätzungen ungefähr 100 000 MS-Kranke. Zumeist tritt MS erstmals im Alter von 25 bis 40 Jahren auf. Etwa fünf Prozent der Patienten bekommen MS aber bereits im Kindes- oder Jugendalter..
Quelle: Ärzte Zeitung, 14.06.07
|15.06.2007 EU fördert Datenbank zu Multipler Sklerose

BRÜSSEL (spe). Experten aus ganz Europa wollen in den nächsten zwei Jahren eine Datensammlung über die Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS) anlegen.
Das ist Ziel einer von der Europäischen Union (EU) geförderten Initiative der Europäischen Multiple Sklerose Plattform (EMSP). Der EMSP gehören 30 nationale MS-Vereinigungen an. In Deutschland leiden schätzungsweise 122 000 Menschen an MS. In der Europäischen Union (EU) sind ungefähr 500 000 Frauen und Männer von der Krankheit betroffen.
"Allerdings gibt es derzeit europaweit nur wenig exakte Daten über die Häufigkeit von MS und zahlreicher anderer mit der Krankheit zusammenhängender Aspekte, wie die Zahl der Frühverrentungen durch MS, staatliche Unterstützungsleistungen oder die angebotenen Therapiemöglichkeiten", so Dorothea Pitschnau-Michel, Präsidentin der Deutschen MS-Gesellschaft in Brüssel.
Die vorliegenden Daten beruhen in der Regel auf Schätzungen der nationalen MS-Gesellschaften und lassen nur einen ungefähren Vergleich zu. Der Abbau des Info-Defizits und das Therapiemanagement der Patienten europaweit anzugleichen ist ein wesentliches Ziel des Projekts. Grundlage soll ein abgestimmter Verhaltenskodex für den Umgang mit MS-Patienten sein. Ein Großteil der Krankheitskosten entsteht dadurch, dass Patienten arbeitslos würden oder in Frührente gingen. In Deutschland werden für die Behandlung eines MS-Kranken jährlich etwa 30 000 Euro aufgewendet.
Quelle: Ärzte Zeitung, 12.06.07
|15.06.2007 Blockade gegen Multiple Sklerose

Die Krankheit beginnt meist mit Sehstörungen, Taubheitsgefühlen oder Bewegungsproblemen und schreitet oft fort bis hin zu Lähmungen: Noch immer ist die Multiple Sklerose (MS) in ihren schlimmsten Formen unheilbar, wenngleich sich ihr Verlauf durch Medikamente und Physiotherapie mildern lässt. So sind dringend neue Therapien für die weltweit etwa eine Million Patienten gefragt.
Dr. Claudia Denkinger hat am Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg und an der Case Western Reserve University in Cleveland (USA) ein Molekül erforscht, das bei der Entstehung der Krankheit eine wichtige Rolle spielt - und das sich als Ansatzpunkt für innovative Medikamente eignen könnte. Die Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung hat die Leistung der Würzburger Wissenschaftlerin nun mit einem Graduierten-Stipendium honoriert. Es ist mit 8.000 Euro dotiert und wurde der 29jährigen Medizinerin bei der Promotionsfeier der Medizinischen Fakultät in der Neubaukirche verliehen.
Die Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche, in Schüben verlaufende Autoimmun-Erkrankung, bei der das Immunsystem die Myelin-Schutzhülle der Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark fälschlicherweise angreift und zerstört. Deshalb können Nervenimpulse nicht mehr korrekt weitergeleitet werden. Eine Schlüsselrolle im Krankheitsprozess spielen die T-Zellen des Immunsystems, die normalerweise zwischen körpereigenem Gewebe und Eindringlingen wie Bakterien oder Viren unterscheiden - und die gewöhnlich nicht ins Nervensystem eindringen. Durch einen noch nicht genau verstandenen Mechanismus werden sie bei der MS aktiviert, wandern ins Nervensystem und richten sich dort gegen die Myelin-Hülle.
In dieser komplexen Kommunikation von Immunzellen und Molekülen hat die Stiftungs-Stipendiatin den so genannten Makrophagen-Inhibitions-Faktor (MIF) betrachtet. Dieses Molekül beeinflusst wichtige Signalwege der Körperabwehr - und erhöht in bestimmten genetischen Variationen offenbar das Risiko, an einem Autoimmun-Leiden zu erkranken. Claudia Denkinger, die seit 2005 an der Harvard-Universität forscht und ihre Facharztausbildung macht, arbeitete mit einem Antikörper, der das MIF-Molekül blockiert und damit dessen Wirkung abschwächt. Diese Substanz injizierte sie erstmals Labormäusen mit einer Multiple-Sklerose-ähnlichen Krankheit ("akute Experimentelle Autoimmune Enzephalomyelitis").
Resultat: "Die Krankheitssymptome der Nager besserten sich schneller als bei unbehandelten Tieren, die Behandlung erwies sich als hoch wirksam", sagt die Forscherin. Die Angriffe des Immunsystems gegen die Myelin-Hüllen seien vermindert gewesen. Offenbar verhindere die MIF-Blockade, dass T-Zellen ins Nervensystem einwandern. Denn im Gehirn der Tiere fanden sich weniger T-Zellen - und diese scheinen zudem ungefährlicher zu sein und schneller als üblich abzusterben. Die Stipendiatin sieht hier einen "viel versprechenden neuen Ansatz in der MS-Therapie", zumal sich diese selektiv gegen jene T-Zellen richtet, die die Myelin-Hüllen attackieren. Außerdem lasse sich MIF nicht nur mit Antikörpern ausschalten, sondern auch mit einfacher zu handhabenden "kleinmolekularen Stoffen", die derzeit entwickelt werden. .
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
|15.06.2007 Experten fordern einheitliche Behandlung und Betreuung

Brüssel - Experten aus ganz Europa wollen innerhalb der nächsten zwei Jahre eine umfangreiche Datensammlung über die unheilbare Nervenkrankheit multiple Sklerose (MS) anlegen. Das ist Ziel einer von der Europäischen Union (EU) geförderten Initiative der Europäischen Multiple Sklerose Plattform (EMSP). Der EMSP gehören 30 nationale MS-Vereinigungen an. Deutschland hat zusammen mit fünf weiteren Ländern die Federführung bei dem Projekt.
In Deutschland leiden schätzungsweise 122.000 Menschen an MS. In der gesamten EU sind ungefähr 500.000 Frauen und Männer von der Krankheit betroffen. Allerdings gibt es derzeit europaweit nur wenig exakte Daten über die Häufigkeit von MS und zahlreicher anderer mit der Krankheit zusammenhängender Aspekte, wie die Zahl der Frühverrentungen durch MS, staatliche Unterstützungsleistungen oder die angebotenen Therapiemöglichkeiten, so Dorothea Pitschnau-Michel, Präsidentin der Deutschen MS-Gesellschaft anlässlich einer zweitägigen Fachtagung in Brüssel unter der Schirmherrschaft der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.
Die vorliegenden Daten über die Erkrankungshäufigkeit, die Zahl der spezialärztlichen Einrichtungen, Behandlungsoptionen oder die Beschäftigungssituation von MS-Kranken beruhen in der Regel auf Schätzungen der nationalen MS-Gesellschaften und lassen nur einen ungefähren Vergleich zu. Das bestehende Informationsdefizit abzubauen und das Therapiemanagement der Patienten europaweit anzugleichen ist daher ein wesentliches Ziel des Projekts. Grundlage hierfür soll unter anderem ein abgestimmter Verhaltenskodex für den Umgang mit MS-Patienten sein.
Unser Ziel muss es sein, MS grundsätzlich so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern und die Patienten so lange wie möglich beschäftigungsfähig zu halten, sagte Peter Rieckmann, Neurologe von der Universität Würzburg. Denn der Grossteil der Krankheitskosten entstehe dadurch, dass die Patienten arbeitslos würden oder in Frühverrentung gingen. In Deutschland verursacht ein MS-Kranker jährlich Kosten von ungefähr 30.000 Euro.
Quelle: ps/aerzteblatt.de, 30.05.07
|29.05.2007 Monatliche Infusion bewährt sich bei MS

Jährliche Schubrate sinkt mit Natalizumab um 68 Prozent
FRANKFURT AM MAIN (djb). Für Patienten mit Multipler Sklerose, bei denen die Erkrankung rasch fortschreitet oder die trotz Interferon-beta-Therapie eine hoch aktive Krankheit haben, steht Natalizumab zur Verfügung. Besonders Patienten, die auf eine hochfrequente Injektionstherapie eingestellt waren, beurteilen den Wechsel auf die intravenösen Infusionen alle vier Wochen meist als sehr positiv.
In der Zulasssungsstudie war mit Natalizumab (Tysabri®) bei guter Verträglichkeit die jährliche Rate an MS-Schüben um 68 Prozent geringer als mit Placbo. Auch wurde das Fortschreiten der Behinderung gebremst und die entzündliche Aktivität vermindert. Daran hat Professor Judith Haas aus Berlin erinnert.
Eine Umstellung auf die Antikörpertherapie sei bei zuvor mit Interferon-beta oder mit Glatirameracetat behandelten Patienten unmittelbar möglich. Nach einer Vortherapie mit Mitoxantron, Cyclophosphamid oder Azathioprin müsse dagegen ein ausreichender zeitlicher Abstand eingehalten werden, so Haas bei einer von Biogen Idec unterstützten Veranstaltung in Frankfurt am Main. Eine kurzfristige Kortikoidgabe zur Therapie im Schub sei bei der Antikörpertherapie uneingeschränkt möglich.
Während der Infusion und eine Stunde danach müssen die Patienten wegen möglicher Überempfindlichkeitsreaktionen überwacht werden. Symptome wie Kopfschmerzen oder Übelkeit durch die Infusion seien durch eine verminderte Infusionsgeschwindigkeit gut zu beherrschen, so Haas.
Zudem sollten die Patienten regelmäßig neurologisch untersucht werden, und zwar auf kognitive und psychiatrische Symptome. Besteht der Verdacht, dass die Ursache der neurologischen Symptome nicht mit der Multiplen Sklerose in Verbindung steht, sollte die Therapie mit Natalizumab zunächst unterbrochen und die Ursache der Symptome geklärt werden.
Quelle: Ärzte Zeitung, 29.05.07
|21.05.2007 Die Kampagne *Unterbrechungen* symbolisiert

die Verletzung der Nervenbahnen bei Multipler Sklerose
Zürich (ots) - Die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft startet heute ihre Sensibilisierungskampagne schweizweit mit Plakaten, Inseraten und Tramwerbung. Diese Massnahmen sollen helfen, die breite Öffentlichkeit über die Krankheit Multiple Sklerose zu informieren und Akzeptanz für die Anliegen und Bedürfnisse MS-betroffener Menschen zu schaffen.
Die Kampagne "Unterbrechungen" der Schweiz. MS-Gesellschaft geht ins zweite Jahr. Sie zeigt auf eindrückliche Weise, was sich im Nervensystem bei einer MS-Erkrankung abspielt: die Verletzung oder Unterbrechung der Nervenbahnen. Das komplexe Thema wurde in einer mutigen und gleichzeitig sensiblen Bildsprache umgesetzt. An der Kampagne haben auch MS-Betroffene als Modelle mitgewirkt.
Auf den Plakaten und Inseraten der Schweiz. MS-Gesellschaft sind nackte Menschen zu sehen, deren Arm, Bein, Hüfte oder Hals unterbrochen sind, getrennt vom übrigen Körper. Visualisiert werden die Verletzungen, welche die Krankheit Multiple Sklerose verursacht: Die Schädigung oder gar vollständige Unterbrechung von Nervenbahnen. Die Folgen sind für die Betroffenen unberechenbar und vielfältig: Sie reichen von Sehstörungen, erdrückender Müdigkeit, Impotenz und Schmerzen bis hin zu Lähmungen und Bewegungsunfähigkeit. Deshalb wird MS auch als die Krankheit mit den tausend Gesichtern bezeichnet.
Jeden Tag erhält in der Schweiz ein Mensch die Diagnose Multiple Sklerose. Aber kaum jemand weiss, was sich dahinter verbirgt. Mit der Kampagne macht die MS-Gesellschaft auf die Situation der MS-Betroffenen aufmerksam. Nur wer sich ein Bild von der Multiplen Sklerose machen kann, versteht, wie viel Kraft der Alltag mit MS erfordert.
Rund 10'000 Menschen sind in der Schweiz von MS betroffen. Am häufigsten wird die Krankheit bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 40 Jahren diagnostiziert. Zwei Drittel der Erkrankten sind Frauen. Die Ursache von Multiple Sklerose ist nach wie vor unbekannt und trotz intensiver Forschung ist die Krankheit bis heute nicht heilbar.
Dank der Unterstützung zahlreicher Ambassadoren, Personen, Gruppierungen oder Firmen, die sich als Botschafter für MS-Betroffene einsetzen und die die Kampagne der Schweiz. MS-Gesellschaft unterstützen, ist diese Sensibilisierungskampagne erst möglich geworden.
Bildermaterial über die Kampagne "Unterbrechungen" findet ihr HIER
Kontakt:
Patricia Monin
Quelle:
|21.05.2007 Multiple Sklerose männlich bekämpfen

LOS ANGELES - Männerkraft aus der Tube: Ein Gel mit Testosteron mildert die Symptome von Multipler Sklerose beim starken Geschlecht, ergab eine Pilotstudie. Zuvor hatte schon das Hormon Östriol bei Frauen mit MS weibliche Stärke bewiesen.
Bei Multipler Sklerose sollte jedes Geschlecht auf die eigenen Stärken vertrauen: Frauen profitieren vom weiblichen Hormon Östriol und Männer von einem Plus an Testosteron. Diese Ansicht vertreten zumindest Forscher der University of California. Im Fachmagazin Archives of Neurology (2007, 64: 683-688) berichten sie, dass die Gabe von Testosteron die negativen Symptome von Multipler Sklerose (MS) bei Männern abschwächte - und das ohne Nebenwirkungen.
Es handele sich allerdings erst um Ergebnisse einer Pilotstudie mit zehn MS-Patienten, betonten die Wissenschaftler. Die guten Resultate sollen nun in einer größeren klinischen Untersuchung überprüft werden. Einen ähnlichen Erfolg hatte die Gruppe um Rhonda Voskuhl bereits bei Frauen: Das Hormon Östriol, das im Körper unter anderem aus Östradiol gebildet wird, verringerte Entzündungsreaktion im Gehirn der Patientinnen um 80 Prozent.
Die Männer der neuen Studie trugen ein Jahr lang ein Testosteron-Gel auf ihren Oberarm auf. Daraufhin verlangsamte sich der Abbau von Nervengewebe um zwei Drittel. Außerdem legten die Teilnehmer deutlich an Muskelmasse zu.
"Insgesamt konnten wir zeigen, dass die Verwendung von Testosteron-Gel bei Männern mit Multipler Sklerose sicher und gut verträglich ist", sagte Voskuhl. Außerdem scheine Testosteron eine grundsätzliche Schutzfunktion für Nervengewebe zu besitzen, die eventuell auch bei anderen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer nützlich seien könnte, erklärte die Forscherin optimistisch.
Multiple Sklerose zählt zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem köpereigenes Gewebe angreift. Im Fall von MS kommt es zu Entzündungen und Schädigungen im Gehirn und Rückenmark. Frauen sind von der Erkrankung häufiger betroffen als Männer.
Die unterschiedliche Häufigkeit von MS bei Männern und Frauen hatte die Gruppe von Rhonda Voskuhl darauf gebracht, dass Geschlechtshormone eine Rolle spielen könnten. Eine Heilung der Krankheit versprechen sich die Forscher von der Behandlung mit Testosteron oder Östriol nicht, vielleicht könnte jedoch das Fortschreiten gebremst werden.
Quelle: Medical Tribune, 16.05.07, MT-Online D, Fabian Seyfried
|21.05.2007 Randomisierte, kontrollierte klinische Studie mit

Cannabis-basiertem Medikament gegen MS-bedingte Spastik
Symptome, die mit Spastizität zusammenhängen, sind bei der Multiplen Sklerose (MS) nicht selten. Sie sind zuweilen schwierig zu behandeln. In der hier berichteten Studie wurden die Wirksamkeit, die Anwendungssicherheit und die Verträglichkeit eines standardisierten Auszugs aus der ganzen Cannabispflanze untersucht. Das aus diesem Auszug gewonnene Medikament wurde unter die Zunge gesprüht und somit durch die Mundschleimhaut aufgenommen. Die enthaltenen Wirkstoffe waren delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) and Cannabidiol (CBD). Die Studie untersuchte die Wirkung dieser Substanzen auf die Spastizität bei MS.
Insgesamt 189 Patienten mit gesicherter MS und nachgewiesener Spastik wurden zufallsverteilt auf die beiden Studienarme verteilt: 124 Patienten wurden mit dem oben beschriebenen Medikament (Verum) behandelt und 65 Patienten erhielten ein Plazebo. Die Behandlungsphase dauerte sechs Wochen. Der "primäre Endpunkt" (= Hauptzielvariable oder einfach das, was in erster Linie gemessen wurde) war dabei die Veränderung der Spastizität. Dazu wurde täglich der Grad der Spastizität auf einer entsprechenden Skala (Numerical Rating Scale of Spasticity) dokumentiert. Sekundäre Endpunkte umfassten einen weiteren Spastizitätswert (Ashworth Score) und einen von den Patienten selbst bewertetes Ausmaß der Spasmen.
Letztendlich konnten die Daten von 184 Patienten ausgewertet werden. Hinsichtlich des primären Endpunktes zeigte sich das Medikament als signifikant wirksamer als das Plazebo (Signifikanzwert p=0.048). Die Ergebnisse für die sekundären Endpunkte waren für die aktive Substanz durchweg positiver als für Plazebo, wobei hier aber kein signifikanter Unterschied gesehen wurde. Acht Patienten brachen die Studienteilnahme vorzeitig wegen unerwünscter Wirkungen ab, davon sechs in der Verumgruppe und zwei in der Plazebogruppe.
Die Studienärzte ziehen aus diesen Ergebnissen den Schluss, dass das oben beschriebene Medikament eine nützliche Behandlung für die symptomatische Linderung von Spastiken aufgrund von MS sein könnte.
|21.05.2007 Tysabri® (Natalizumab) in der Schweiz zugelassen

Das Arzneimittel Tysabri® zur Behandlung der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose wurde am 8. Mai vom schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic zugelassen, wie die Herstellerin Biogen-Dompé AG meldet. Die Zulassung basierte auf der Einreichung eines Dossiers, das die Zwei-Jahres-Daten der klinischen Phase III Studien sowie die Ergebnisse der ausführlichen Sicherheitsevaluierung umfasste.
Tysabri® wurde für die Monotherapie bei hochaktiver, schubförmig remittierend verlaufender MS zugelassen. Die Behandlung ist für Patienten indiziert, die ungenügend auf eine Interferon-beta-Therapie ansprechen oder eine rasch fortschreitende schubförmig remittierende MS aufweisen.
Die Beratung und Verschreibung erfolgt durch den Neurologen oder die neurologischen Abteilungen der Spitäler. Mit einer Krankenkassenzulassung ist in nächster Zeit zu rechnen.
Tysabri® ist ein monoklonaler Antikörper, der einen neuartigen Wirkmechanismus für die MS-Therapie aufweist. Es verhindert die Einwanderung von aktivierten T-Zellen in das zentrale Nervensystem. Auf diese Weise kann die Bildung neue Entzündungsherde im Gehirn und Rückenmark vermindert werden. Tysabri® wird alle 28 Tage mittels einer Infusion verabreicht.
|21.05.2007 Progrediente MS: weniger Schübe durch Antikörper

Studiendaten zu Natalizumab
FRANKFURT AM MAIN (djb). Der monoklonale Antikörper Natalizumab verringert bei therapieresistenter oder rasch progredienter Multipler Sklerose (MS) die Zahl der jährlichen Schübe.
Das haben die Dreijahresdaten der Zulassungsstudie zu Natalizumab (Tysabri®) bestätigt, die Professor Ralf Gold aus Bochum präsentiert hat. In der Studie waren 627 Patienten mit schubförmiger remittierender MS mit Natalizumab und 315 mit Placebo behandelt worden. Die Therapie mit Placebo endete nach zwei Jahren.
In der Placebo-Gruppe traten in den zwei Jahren im Mittel 0,73 Schübe pro Jahr auf, in der Verum-Gruppe waren es im zweiten und im dritten Jahr je 0,23 Schübe. Die Schubrate war in der Verumgruppe also um 68 Prozent erniedrigt, so Gold bei einer Veranstaltung von Biogen Idec in Frankfurt am Main. Die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Progression der Behinderungen war mit Natalizumab um 54 Prozent niedriger.
Natalizumab schützt auch vor neuen, MS-typischen Läsionen im ZNS. So war die Zahl der Läsionen, die das Kontrastmittel Gadolinium aufnehmen - ein Maß für die entzündliche Aktivität - nach zwei Jahren in der Verum-Gruppe um 92 Prozent niedriger als mit Placebo.
Natalizumab ist für die Monotherapie bei hochaktiver, schubförmig remittierender MS zugelassen, und zwar für Patienten mit hoher Krankheitsaktivität trotz Behandlung mit Interferon-beta und für Patienten mit rasch fortschreitender schubförmig remittierender MS. Bei zusätzlicher Immunsuppression sind in Studien drei Fälle einer progressiven multifokalen Leukoenzephalopathie (PML) aufgetreten. Unter der Natalizumab-Monotherapie wurde keine solche Komplikation beschrieben.
Quelle: Ärzte Zeitung, 03.05.07
|12.04.2007 Antikörper bei MS beeinträchtigen die Therapie nicht

NEU-ISENBURG (eb). Neutralisierende Antikörper gegen Interferon beta-1b bei Patienten mit Multipler Sklerose sind nicht mit einer Verschlechterung der Erkrankung assoziiert.
Das ergab die Auswertung einer Studie mit mehr als 6600 Patienten. Dieses Ergebnis bestärke die Empfehlung, dass Therapie-Entscheidungen darauf begründet sein sollten, wie ein Patient insgesamt auf die Medikation anspricht. Dagegen solle man sich nicht nach "dem tatsächlichen oder möglichen Vorhandensein von neutralisierenden Antikörpern" richten, so Dr. Darlene Jody von Bayer Schering Pharma. Das Unternehmen bietet das Medikament in Deutschland als Betaferon an.
An der Studie haben Patienten aus Europa, Australien und Nordamerika teilgenommen (J Int Med Res 35/2, 2007, 173). Unabhängig vom Ansprechen betrug die Prävalenz hoher Antikörper-Titer bei den australischen Patienten 37 Prozent. In den beiden anderen Gruppen lag der Wert nur bei 28 und 21 Prozent. Dabei wurden lediglich Patienten untersucht, deren Therapie-Ansprechen zuvor als schlecht eingestuft wurde.
Quelle: Ärzte Zeitung, 12.04.07
|10.04.2007 Forscher entdecken neue Immunzellen

Bei der Multiplen Sklerose und anderen Autoimmunkrankheiten begeht das Immunsystem einen schweren Fehler: Es greift die Strukturen des eigenen Körpers an. Der Organismus kann sich gegen derart selbstzerstörerische Handlungen wehren - so genannte regulatorische T-Zellen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Forscher von den Universitäten Würzburg und Tübingen haben jetzt unter diesen Zellen einen neuen Typ entdeckt. Von ihm erhoffen sie weitere Fortschritte bei der Behandlung von Autoimmunkrankheiten.
Regulatorische T-Zellen sind für alle Immunprozesse wichtig. Vor allem aber sorgen sie im Normalfall dafür, dass das Immunsystem dem eigenen Körper gegenüber tolerant bleibt und ihn nicht attackiert. Bislang kannte die Wissenschaft von diesen Zellen drei Haupttypen - sie unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie das Immunsystem in Schach halten. Nun ist ein vierter Typ hinzugekommen, den die Forscher in der Fachzeitschrift Blood beschreiben.
Das Team von Professor Heinz Wiendl aus der Würzburger Neurologischen Universitätsklinik hat den neuen Zelltyp aus dem Blut isoliert. Seine Besonderheit: Er trägt auf der Oberfläche ein Protein namens HLA-G, dem die Forscher eine starke immunhemmende Funktion zusprechen. Zellen, die dieses Protein besitzen, unterdrücken in der Regel die Teilung anderer Zellen - und mittels Zellteilung vermehrt auch das Immunsystem seine Truppen, wenn es mobil macht.
"Der neu identifizierte T-Zell-Typus scheint eigenständig zu sein, weil er mit den bislang bekannten anderen Typen keine Gemeinsamkeiten hat", so Wiendl. Interessanterweise lasse er sich schon in der Thymusdrüse nachweisen, wo alle T-Zellen heranreifen und für ihre Aufgaben ausgebildet werden. "Darum kann man annehmen, dass es sich hier um eine eigenständige Zell-Linie des Immunsystems handelt", sagt der Würzburger Professor.
Das Forschungsteam hat auch untersucht, welche Rolle der neue Zelltyp möglicherweise bei der Entstehung entzündlicher Erkrankungen spielt. Beispielsweise bei Multiple-Sklerose-Patienten, die einen akuten Krankheitsschub durchmachen: Bei ihnen findet er sich in der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit in deutlich größerer Zahl als unter normalen Umständen. Auch bei entzündlichen Muskelerkrankungen lässt er sich nachweisen, und zwar im Verbund mit Entzündungszellen.
"Unsere Daten weisen darauf hin, dass bestimmte T-Zellen, die hemmende Wirkungen ausüben, durchaus in Entzündungsareale gelangen", fassen die Forscher zusammen. Nach ihrer Hypothese versuchen die regulatorischen Zellen dort, der Entzündung entgegenzuwirken.
Aus Sicht des Forschungsgruppenleiters haben diese Ergebnisse bedeutsame Auswirkungen. So könnte der neu entdeckte Zelltyp wichtig für die Erhaltung der Immuntoleranz sein, also für die "Beißhemmung" des Immunsystems dem eigenen Körper gegenüber. Sein Vorhandensein in bestimmten Entzündungssituationen lege auch eine größere Rolle bei der Entstehung entzündlicher Erkrankungen nahe, etwa bei Multipler Sklerose oder entzündlichen Muskelerkrankungen.
Die Wissenschaftler wollen die neu entdeckten regulatorischen T-Zellen nun näher charakterisieren und auch ihre Rolle bei Krankheitsprozessen genauer untersuchen. Ein Fernziel der Arbeiten könnte es sein, dass sich die Zellen in Zukunft womöglich therapeutisch nutzen lassen.
Feger U, Tolosa E, Huang Y, Waschbisch A, Biedermann T, Melms A, Wiendl H: "HLA-G expression defines a novel regulatory T cell subset present in human peripheral blood and sites of inflammation", Blood, Online First Edition, DOI 10.1182/blood-2006-11-057125
Weitere Informationen: Prof. Dr. Heinz Wiendl, T (0931) 201-23755 oder 201-23756 (Sekretariat), E-Mail: <email-pii>
Quelle: idw-online.de, 10.04.07
|10.04.2007 Mit Knochenmarkzellen gegen MS

Genetisch veränderte Zellen lindern bei Mäusen die Symptome der Krankheit
Genetisch veränderte Zellen des Knochenmarks könnten in Zukunft die Folgen der Krankheit Multiple Sklerose (MS) heilen. Zu diesem Schluss kommen Bonner Forscher nach Versuchen mit Mäusen. Die Wissenschaftler veränderten Vorläufer bestimmter Zellen genetisch derart, dass sie ein Eiweiß produzierten, das normalerweise von für die Immunabwehr im Nervensystem zuständigen Zellen gebildet wird. In Mäusen mit einer MS-ähnlichen Krankheit bewirkten diese Vorläuferzellen eine deutliche Abschwächung der Krankheitssymptome. Ob die neuen Erkenntnisse auch zur Therapie von MS beim Menschen eingesetzt werden können, ist allerdings noch unklar.
Patienten mit MS leiden an Entzündungen im Gehirn und im Rückenmark - einerseits durch eine direkte Schädigung der Nervenzellen und andererseits, weil die körpereigenen Abwehrzellen die Isolierschicht der Nervenfortsätze angreifen. Um das beschädigte Gewebe reparieren und die Entzündung mindern zu können, müssen die Überreste abgestorbener Nervenzellen entfernt werden. Dafür sind im Zentralnervensystem die so genannten Mikrogliazellen zuständig. Um ihre Arbeit zu verrichten, müssen sie allerdings zuerst über das Eiweiß TREM2, das auf ihrer Oberfläche sitzt, aktiviert werden.
In einer früheren Studie hatten Kazuya Takahashi und seine Mitarbeiter beobachtet, dass auch im Knochenmark gebildete Vorläufer der Mikrogliazellen bei der Beseitigung der Zellüberreste und der Hemmung der Nervenentzündung helfen können. Dazu müssen sie jedoch zuvor genetisch so verändert werden, dass sie TREM2 produzieren. In der neuen Arbeit untersuchten die Forscher nun die Wirkung solcher Vorläuferzellen in Labormäusen, die an einer tierischen Variante der MS litten. Bereits zwei Stunden nachdem die genetisch modifizierten Zellen den Mäusen injiziert worden waren, waren sie im Zentralnervensystem angelangt, stoppten dort die Schädigung der Nervenisolierungen und führten zu einer verstärkten Beseitigung der toten Zellen, beobachteten die Wissenschaftler. Als Folge der Behandlung zeigten die Mäuse deutlich weniger Krankheitssymptome und wiesen auch weniger beschädigte Nervenzellen auf.
TREM2-produzierende Vorläuferzellen aus dem Knochenmark könnten daher einen neuen Ansatz für die Therapie von entzündlichen Nervenkrankheiten bilden, hoffen die Wissenschaftler. Ein Vorteil sei, dass die Zellen dem Knochenmark oder nach einer Vorbehandlung auch dem Blut entnommen werden könnten. Takahashi und sein Team betonen jedoch, dass noch weitere Tests mit Labortieren folgen müssten, bevor Aussagen über die Eignung der Therapie bei Menschen mit MS gemacht werden könnten.
Quelle: Kazuya Takahashi (Universität Bonn) et al.: PLoS Medicine, Bd. 4, Artikel e124
|10.04.2007 Genetisch veränderte Zellen bremsen Symptome

San Francisco (ddp). Genetisch veränderte Zellen des Knochenmarks könnten in Zukunft die Folgen der Krankheit Multiple Sklerose (MS) heilen. Zu diesem Schluss kommen Bonner Forscher nach Versuchen mit Mäusen. Die Wissenschaftler veränderten Vorläufer bestimmter Zellen genetisch derart, dass sie ein Eiweiß produzierten, das normalerweise von für die Immunabwehr im Nervensystem zuständigen Zellen gebildet wird. In Mäusen mit einer MS-ähnlichen Krankheit bewirkten diese Vorläuferzellen eine deutliche Abschwächung der Krankheitssymptome. Ob die neuen Erkenntnisse auch zur Therapie von MS beim Menschen eingesetzt werden können, sei allerdings noch unklar, schreibt Kazuya Takahashi von der Universität Bonn in der Fachzeitschrift «PLoS Medicine» (Bd. 4, Artikel e124). MS-Patienten leiden an Entzündungen im Gehirn und im Rückenmark - einerseits durch eine direkte Schädigung der Nervenzellen und andererseits, weil die körpereigenen Abwehrzellen die Isolierschicht der Nervenfortsätze angreifen. Um das beschädigte Gewebe reparieren und die Entzündung mindern zu können, müssen die Überreste abgestorbener Nervenzellen entfernt werden. Dafür sind im Zentralnervensystem die so genannten Mikrogliazellen zuständig. Um ihre Arbeit zu verrichten, müssen sie allerdings zuerst über das Eiweiß TREM2, das auf ihrer Oberfläche sitzt, aktiviert werden. In einer früheren Studie hatten Takahashi und seine Mitarbeiter beobachtet, dass auch im Knochenmark gebildete Vorläufer der Mikrogliazellen bei der Beseitigung der Zellüberreste und der Hemmung der Nervenentzündung helfen können. Dazu müssen sie jedoch zuvor genetisch so verändert werden, dass sie TREM2 produzieren. In der neuen Arbeit untersuchten die Forscher nun die Wirkung solcher Vorläuferzellen in Labormäusen, die an einer tierischen Variante der MS litten. Bereits zwei Stunden nachdem den Mäusen die genetisch modifizierten Zellen injiziert worden waren, waren sie im Zentralnervensystem angelangt, stoppten dort die Schädigung der Nervenisolierungen und führten zu einer verstärkten Beseitigung der toten Zellen, beobachteten die Wissenschaftler. Als Folge der Behandlung zeigten die Mäuse deutlich weniger Krankheitssymptome und wiesen auch weniger beschädigte Nervenzellen auf. TREM2-produzierende Vorläuferzellen aus dem Knochenmark könnten daher einen neuen Ansatz für die Therapie von entzündlichen Nervenkrankheiten bilden, hoffen die Wissenschaftler. Ein Vorteil sei, dass die Zellen dem Knochenmark oder nach einer Vorbehandlung auch dem Blut entnommen werden könnten. Takahashi und sein Team betonen jedoch, dass noch weitere Tests mit Labortieren folgen müssten, bevor Aussagen über die Eignung der Therapie bei Menschen mit MS gemacht werden könnten.
|10.04.2007 Wenn das Immunsystem an die Nerven geht

Lange war Multiple Sklerose nicht behandelbar, dann kamen erste Therapien mit Interferon beta. Nun gibt es erste Hoffnung auf eine neuartige Behandlung mit Tabletten.
Über Jahrzehnte erschien die Multiple Sklerose (MS) - eine Krankheit, die Nervenfasern angreift - unbehandelbar. Erst vermutete man eine Viruserkrankung als Auslöser. Doch später wurde deutlich, dass es sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung handelt, bei der eine Fehlleistung des Immunsystems lebensnotwendige Nervenfasern zerstört. Genauer gesagt: Im Verlauf der MS greift das körpereigene Abwehrsystem fälschlicherweise die schützende Myelinschicht der Nervenfasern an und zerstört diese.
Myelin verhindert "Kurzschlüsse"
Dazu sollte man wissen, dass im zentralen Nervensystem (ZNS) die Nervenfasern von einer fettreichen, isolierenden Schicht namens Myelin umhüllt sind. Wie die Isolierung eines Elektrokabels trägt das Myelin dazu bei, "Kurzschlüsse" zu verhindern, und ermöglicht so eine schnelle und wirksame Signalübertragung in Form elektrischer Impulse. Diese Nervenimpulse sind aber gestört, wenn die Isolierung, die schützende Myelinschicht, angegriffen ist. Mehr noch: Mit zunehmender Schädigung der Myelinschicht werden auch die Nervenfasern selbst in Mitleidenschaft gezogen, was letztlich durch krankhafte Gewebeverhärtung (Sklerose) zu deren Bruch führt. Die Tatsache, dass diese Sklerose nicht nur an einer, sondern an mehreren (multiplen) Stellen auftritt, hat der chronischen Erkrankung auch den treffenden Namen "Multiple Sklerose" eingebracht.
Je nachdem, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, bedeutet das: Die Signale werden von den betroffenen Nerven gar nicht, nicht vollständig oder nur verzögert übertragen. Und genau daraus erklären sich die Krankheitssymptome der MS: Welche Beschwerden sich im Einzelnen einstellen, hängt von der betroffenen Gehirn- oder Rückenmarkregion ab. Zum Beispiel kann ein angegriffener Sehnerv Sehstörungen hervorrufen, während eine Beschädigung des Rückenmarks zu Kraftlosigkeit oder Taubheitsgefühl in Armen und Beinen führt.
Da die Erkrankung meist in Schüben verläuft, wechseln sich anfangs Krankheits- und Genesungsphasen ab. Das ist für die Betroffenen ein Wechselbad zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Mal fühlt man sich frei von Symptomen und meint, alles wäre ausgestanden -, mal glaubt man, gar nicht mehr auf die Beine zu kommen oder seine Sinne zu verlieren.
Interferon schützt Nervensubstanz
Erst Anfang der 90er Jahre gab es erste Hoffnungen, dass der therapeutische Einsatz von Interferon-beta die zerstörerische Erkrankung in ihrem Lauf bremsen kann. Interferon-beta ist ein körpereigener Botenstoff, der Immunprozesse reguliert. Studienergebnisse zeigten, dass ein frühzeitiger und hoch dosierter Einsatz des Wirkstoffes die Nervensubstanz bei MS-Kranken wirksam schützen kann. So wird einer vorzeitigen körperlichen Behinderung entgegengewirkt.
Dabei ist es wesentlich, Schübe der Erkrankung zu verhindern. Denn jeder Schub trägt zu einem Fortschreiten der Krankheits- und Behinderungssymptomatik bei, betont Prof. Dr. Peter Rieckmann, Leiter der Klinischen Forschungsgruppe für Multiple Sklerose und Neuroimmunologie an der Universität Würzburg: "Was einmal an Hirn- und Nervensubstanz verloren ist, kann nach dem heutigen Wissensstand nicht wiederhergestellt werden." Demgegenüber eröffne eine frühzeitige Interferon-beta-Therapie, die hoch dosiert und dreimal wöchentlich gegeben wird, die Chance, der Krankheit einen Schritt voraus zu sein.
Und so war es auch bei Stephanie. Seit 1999, nach vielen neuen Schüben, wird sie mit hoch dosiertem Interferon behandelt und ihr Gesundheitszustand hat sich stabilisiert. Ich denke, ich kann nun so leben, als hätte ich keine MS. Stephanie setzte ihr Studium fort, machte den Master in Germanistik und im Anschluss noch ein Diplom als Public-Relation-Manager.
In diesem Zusammenhang rechnet Dr. Karsten Beer von der Klinik für Neurologie am Kantonsspital St. Gallen vor, dass ein Patient mit einer frühen, hoch dosierten und hoch frequent verabreichten Interferon-Therapie durchschnittlich drei Jahre gewinnt, bevor sich sein Befinden entscheidend verschlechtert. Im Prinzip könnte man somit eine drohende körperliche Behinderung durch sehr frühren Therapiebeginn bis zu 18 Jahre hinauszögern.
Attacken der Immunzellen abfangen
Ähnliche Effekte werden auch von einem anderen Therapieansatz erwartet, der ebenfalls in das fehlgeleitete Immunsystem korrigierend eingreift. Hierbei handelt es sich um das sogenannte Glatirameracetat, das Ähnlichkeiten mit einem Bestandteil der Myelinschicht hat. Immunzellen, die bei MS die Myelinschicht attackieren würden, binden sich an diesen Wirkstoff - so ist der Angriff abgelenkt.
Mittlerweile liegen für diese das Immunsystem "modulierende" Substanzen, insbesondere für das Interferon-beta, langjährige Erfahrungen vor, die eine sichere, verträgliche und vor allem gut wirksame Therapie über lange Zeiträume versprechen. Gefeilt wird derzeit noch an neuen Darreichungsformulierungen, die das Nutzen-Verträglichkeits-Profil verbessern sollen.
Als Haken bleibt aber stets, dass diese Mittel regelmäßig injiziert, also gespritzt werden müssen. Die Aussichten, dass in etwa zwei bis drei Jahren eine wirksame Tablettentherapie der MS verfügbar ist, sind jedoch günstig. Das jedenfalls lassen aktuelle Ergebnisse einer klinischen Studie hoffen.
Ermutigende Studien zur Therapie mit Tabletten
Mit dem neuartigen Wirkstoff Fingolimod (Forschungsname: FTY720) konnten drei Viertel der behandelten MS-Patienten über zwei Jahre schubfrei gehalten werden. Das ergaben erste Auswertungen einer Studie, die jetzt auf dem 22. Congress of the European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis in Madrid vorgestellt wurden. Auch die entzündliche Aktivität im Nervengewebe ging deutlich zurück.
Bei FTY720 handelt es sich um ein Medikament, das in den direkt T-Zell-gesteuerten Immunhaushalt eingreift. Wie Professor Ludwig Kappos, Basel, erläutert, kehren 60 bis 70 Prozent der zirkulierenden T-Zellen in die Lymphknoten zurück. Dort erfüllen sie auch die Aufgabe, weiteren Immunzellen Bestandteile von schädlichen Eindringlingen zu zeigen.
Auf diese Weise werden diese in die Lage versetzt, Störenfriede im menschlichen Organismus rasch und gezielt auszuschalten. Aufgrund einer Fehlregulation, die bis heute noch nicht erklärt ist, richtet sich diese Immunantwort bei Menschen mit MS aber ausgerechnet gegen deren eigene Nervensubstanz.
Der Trick des neuen Therapieansatzes besteht nun darin, aktivierte T-Zellen an ihrer weiteren Zirkulation zu hindern. Über einen biochemischen Mechanismus werden sie in den Lymphknoten festgehalten. Dadurch können sie am Ort des Geschehens, nämlich am Nervengewebe, auch nicht mehr ihre destruktiven Wirkungen entfalten. Die jetzt in Madrid vorgestellten Studiendaten mit der neuen Substanz zeigten, dass die Krankheitsschübe bereits nach sechsmonatiger Therapie um die Hälfte gesenkt werden konnten.
Das sind die häufigsten MS-Symptome:
|07.04.2007 Viele MS-Patienten brauchen mehr als nur Basistherapie

Göttingen, 29. März 2007 - Patienten mit Multipler Sklerose (MS) benötigen neben der entzündungshemmenden Basistherapie zusätzliche therapeutische Maßnahmen, die die individuellen Unterschiede der Erkrankung berücksichtigen. "Bei der Multiplen Sklerose wird nicht nur die so genannte "weiße Substanz", also die für die Nervenleitung notwendigen Myelinscheiden, angegriffen, sondern das gesamte Nervensystem von Gehirn und Rückenmark," sagte Prof. Dr. Hans Lassmann, Zentrum für Hirnforschung der Medizinischen Universität Wien, auf der 7. Göttinger Tagung der Deutschen Neurowissenschaftlichen Gesellschaft.
Besonders bei langsam fortschreitender MS müsse deshalb mit individuellen Therapien auf die Patienten eingegangen werden. Dies könnten zum Beispiel Magnetresonanz-Untersuchungen unterstützen. Für die weitere Erforschung der MS seien diese Untersuchungen richtungsweisend. Ebenso sei es wichtig, die spezifischen Aspekte der Läsionsentstehung in definierten Subgruppen von Patienten zu berücksichtigen. Ein erster Ansatz für solche subtypenspezifische Therapie ist die Blockade oder Elimination von gewebeschädigenden Antikörpern durch Plasmapherese. Diese Therapie ist bei Patienten mit fulminanten Krankheitsschüben sehr effektiv, ihre Wirkung ist jedoch auf jene Patienten beschränkt, in denen die Gewebeschädigung durch Antikörper vermittelt ist.
Die Multiple Sklerose ist die häufigste neurologische Erkrankung junger Erwachsener in den industrialisierten Nationen. Sie ist eine entzündliche Erkrankung des Gehirns und Rückenmarkes, die zu einer selektiven Zerstörung der Myelinscheiden - der Isolierschichten der Impuls-leitenden Nervenfasern - führt. Man nimmt an, dass die chronische Entzündung im Nervensystem durch Autoimmunität ausgelöst wird. Das heißt, dass das Nervengewebe von den Abwehrzellen des Immunsystems als fremd erkannt und angegriffen wird. Dementsprechend ist das Ziel der Therapie bei Multiple Sklerose Patienten, die Abwehrreaktion zu dämpfen und damit die entzündliche Schädigung des Nervengewebes so weit wie möglich zu verhindern.
Obwohl die Wirksamkeit solcher Therapien bei Multiple Sklerose Patienten eindeutig belegt ist, ist der therapeutische Erfolg jedoch bislang unbefriedigend. Neuere Untersuchungen über die an der Multiplen Sklerose beteiligten Krankheitsmechanismen können diese unbefriedigende Situation zum Teil erklären. Sie zeichnen ein äußerst komplexes Bild der Erkrankung. Myelinscheiden können von verschiedenen Komponenten des Immunsystems (T-Zellen, Antikörper und Makrophagen) angegriffen werden. Darüber hinaus ist die Fähigkeit des Nervengewebes entzündlichen Schaden zu kompensieren oder zu reparieren in verschiedenen Patienten unterschiedlich. Aus diesen Gründen unterscheiden sich die Mechanismen der Gewebeschädigung bei definierten Subgruppen von MS Patienten (interindividuelle Heterogenität) oder in verschiedenen Stadien der Erkrankung (schubförmiges oder progredientes Stadium).
Aus diesen Ergebnissen können folgende Schlussfolgerungen abgeleitet werden:
1) Eine anti-entzündliche oder immunmodulierende Therapie, wie sie gegenwärtig angeboten wird, ist als Basistherapie bei allen Patienten vor allem im frühen Stadium der Erkrankung sinnvoll und notwendig.
2) Diese Basistherapie sollte durch zusätzliche Maßnahmen ergänzt werden, die spezifische Aspekte der Läsionsentstehung in definierten Subgruppen von Patienten berücksichtigt. Ein erster Ansatz für eine solche subtypenspezifische Therapie ist die Blockade oder Elimination von gewebeschädigenden Antikörpern.
3) Im späten progredienten Stadium der Erkrankung ist die Entzündungsreaktion im Nervensystem gefangen. Eine systemische immunmodulierende Therapie hat daher in diesem Stadium wenig Aussicht auf Erfolg.
4) Therapeutische Maßnahmen, die die Regeneration im Nervensystem fördern (z.B. Stammzelltherapie) ist nur in solchen Patienten sinnvoll, in denen keine spontane Regeneration der Myelinscheiden stattfindet. Hier müssen neue klinische Testverfahren entwickelt werden, die die spontane Regeneration im Nervensystem im einzelnen Patienten erfassen.
Hrsg: Deutsche Neurowissenschaftliche Gesellschaft, Universitätsmedizin Göttingen, Abt. Neuroanatomie
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
|10.03.2007 MS-Forschermeeting, 9.-10. März 2007, Bern

Bern (ots) - Die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft hat ihre jährliche wissenschaftliche Tagung erstmals zusammen mit der Schweizerischen Gesellschaft für Neurowissenschaften (SSN) und dem Nationalen Kompetenzzentrum für Forschung über Neurale Plastizität und Reparatur (NCCR Neuro) durchgeführt.
Das jährliche wissenschaftliche Meeting der MS-Gesellschaft versammelt an MS-Forschung interessierte, aber insbesondere diejenigen Gruppen in der Schweiz, die Zuwendungen der MS-Gesellschaft für ihre Forschung erhalten. Im Jahre 2006 konnte die MS-Gesellschaft insgesamt CHF 950'000.-- für die MS-Forschung zur Verfügung stellen, womit neue, viel versprechende Projekte angestossen oder vorhandene, anders finanzierte Projekte sinnvoll ergänzt werden können.
Diesmal konnten die beteiligten Forschenden von der Interaktion mit den Mitgliedern der SSN und des NCCR Neuro profitieren. Über 500 Teilnehmende folgten im Von Roll Areal der Universität Bern einem Programm, das durch seine Qualität und Vielfalt bestach. Die vorgestellten Ergebnisse betrafen sowohl klinische Untersuchungen, z.B. mit Fragebögen zur Lebensqualität, als auch die modernen Anwendungen der Bildgebung oder Arbeiten im tierexperimentellen Labor oder mit modernen Methoden der Molekularbiologie. In einem viel beachteten Übersichtsreferat stellte der international führende Immunologe Prof. Hartmut Wekerle vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried (D) übersichtlich den sich aus experimenteller und klinischer Forschung ergebenden aktuellen Stand des Wissens zur Pathogenese (Entstehungsgeschichte) der Multiplen Sklerose dar. Die einzelnen Referate und Poster zu Themen aus der Multiplen Sklerose zeigten das auch aus internationalem Blickwinkel hohe Niveau der Forschung in unserem Land. So wurden Studien zum Mechanismus des Übergangs weisser Blutkörperchen durch die Bluthirnschranke, die normalerweise das zentrale Nervensystem vor schädlichen Eindringlingen schützt, vorgestellt, wobei die Funktion von speziellen Rezeptoren, welche die entzündliche Reaktion ermöglichen oder davor schützen können, gezeigt wurde. Das Verständnis dieser Vorgänge hat grosse Bedeutung für die Entwicklung neuer Therapien. Die erblichen Aspekte der Multiplen Sklerose und der Einfluss von Viren auf die Erkrankung waren ebenso Themen wie bessere Methoden der Erfassung des Befindens von MS-Betroffenen, insbesondere der Messung von Fatigue (pathologischer Ermüdbarkeit) oder bestimmter neuropsychologischer Funktionen und des Verhaltens. Ebenso wurden neue Methoden der bildlichen Darstellung der Vorgänge bei MS präsentiert. Ein besseres Verständnis der Vorgänge, die der MS zugrunde liegen, hat Konsequenzen für die Entwicklung zukünftiger Therapien, die es hoffentlich erlauben, diese häufige Erkrankung, die überwiegend junge Menschen in unserem Lande befällt, einzudämmen.
Neben der finanziellen Unterstützung von Forschungsprojekten zur MS fördert die Schweiz. MS-Gesellschaft mit solchen Tagungen den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Forschergruppen, um so die Erfolgschancen der Projekte zu verbessern und letztlich dem Wohle der MS-Betroffenen zu dienen.
Eine Zusammenfassung der Referate in Englisch finden Sie unter Forschungsprojekte_2007
Kontakt:
Patricia Monin, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit
|09.03.2007 Stammzelltherapie

Information des Medizinischen Beirats des DMSG-LV NRW e.V. Prof. Dr. med. H.-P. Hartung
Immer wieder bewegen Zeitungsberichte und Fernsehsendungen zum Thema "Stammzelltherapie" MS-erkrankte Menschen. Leider muss auch heute noch festgehalten werden, dass die Stammzelltherapie im Falle der Multiplen Sklerose rein experimentell ist. Die therapeutische Wirksamkeit der autologen hämatopoetischen Stammzelltransplantation ("Knochenmarkstransplantation") wird kontrovers diskutiert.
Jüngst wurden 5 tödlich verlaufende Fälle veröffentlicht, bei denen die neuropathologische Untersuchung ergab, dass trotz des Eingriffs die Krankheit weiter fortgeschritten war. Alle anderen Ansätze einer Zellersatztherapie sind über das rein experimentelle/tierexperimentelle Stadium nicht hinaus (embryonale und adulte, z.B. Nabelschnur-abgeleitete Stammzellen, die Eigenschaften von Markscheiden-produzierenden Hirnzellen entwickeln).
Bei den in der Presse immer wieder berichteten Fällen der sog. Knochenmarkstransplantation handelt sich hierbei vielmehr um Versuche, ein neues Immunsystem aus körpereigenen , im Knochenmark angesiedelten Stammzellen für MS-Patienten zu schaffen, was aber auch mit einem großen Risiko für den Erkrankten verbunden ist, in fünf bis zehn Prozent der Fälle könnte die Behandlung sogar nicht überlebt werden.
Weitere Informationen: www.amsel.de
Quelle: DMSG-LV NRW e.V.
|09.03.2007 Multiple Sklerose ist keine Erbkrankheit

Multiple Sklerose ist keine Erbkrankheit. Dennoch mehren sich die Hinweise, dass erbliche Komponenten bei der Entstehung einer Multiplen Sklerose eine wichtige Rolle spielen. Dabei sind nicht nur die Gene relevant, die eine gewisse Empfänglichkeit für MS bereiten, sondern auch die Erbanlagen, die vor einer MS schützen. Experten gehen davon aus, dass die Veranlagung für MS durch Vererbung beeinflusst wird. Allerdings ist bislang kein bestimmtes "MS-Gen" identifiziert worden, vielmehr scheint sich eine Multiple Sklerose vor dem Hintergrund eines komplizierten Zusammenspiels verschiedener Chromosomen und Gene zu entwickeln.
Für eine genetische Beteiligung spricht das Risiko von eineiigen Zwillingen: Wird einer der Zwillinge krank, so liegt für den anderen Zwilling die Wahrscheinlichkeit, an einer MS zu erkranken, bei bis zu 30 Prozent. Bei zweieiigen Zwillingen und "normalen" Geschwistern ist das Risiko bereits deutlich geringer und liegt bei 2 bis 4 Prozent. Das gleiche Erkrankungsrisiko gilt auch für Kinder einer MS-kranken Mutter oder Vaters, wenngleich für die Töchter ein erhöhtes Vererbungsrisiko nachgewiesen werden konnte.
Dennoch erkranken Kinder und Geschwister eines MS-Patienten mit ca. 97%iger Wahrscheinlichkeit nicht an einer MS. Das normale, durchschnittliche Erkrankungsrisiko beträgt hierzulande 0,05 bis 0,1 Prozent. Das bedeutet, von 10.000 Menschen erkranken 5 bis 10 an Multipler Sklerose.. Untersuchungen an Adoptivkindern und Halbgeschwistern lassen vermuten, dass genetische Faktoren für die Entstehung einer MS wichtiger sind, als Umwelteinflüsse.
Dafür spricht auch die Studie von B. G. Weinshenker und Kollegen, die festgestellt hatten, dass die Krankheit mehr als doppelt so häufig von erkrankten Männern an ihre Kinder vererbt wird als durch betroffene Frauen. Weinshenker et al. hatten 444 erkrankte Kinder aus Familien untersucht, in welchen ein Elternteil ebenfalls an MS litt. Warum die betroffenen Väter mehr kranke Kinder haben als erkrankte Mütter, können die Wissenschaftler noch nicht sagen. Sie vermuten jedoch, dass bei Männern mehr Gene für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich sind als bei Frauen und daher die Wahrscheinlichkeit größer ist, eines dieser Gene an die Kinder weiterzugeben.
Experten vermuten, dass ein Teil der Gene, die einen Menschen für MS empfänglich machen, das Abwehr- und Immunsystem steuern. Untermauert wird diese These durch die HLA-, die Humane Leukozyten-Antigen-Typisierung der weißen Blutkörperchen. Denn das HLA-Merkmal findet sich bei 65% der MS-Patienten, aber nur bei 35% der gesunden Probanden. Umgekehrt sind HLA Merkmale (Dr1, Dr4, Dr9, Dr12, Dr13 und Dr14) bei Menschen mit MS etwas seltener als bei gesunden Kontrollpersonen. Andererseits weiß man, dass Menschen, deren weiße Blutkörperchen die HLA-Merkmale A3, B7 und HDR2 tragen, ein 2 bis 4-fach erhöhtes Krankheitsrisiko für MS in sich tragen.
Frühere Studien fanden einen Risikofaktor für Multiple Sklerose im MHC, im so genannten "Major Histocompatibility Complex". Doch die Identität der für MS verantwortlichen Gen-Varianten ist weiter unbekannt. Aufschluss könnte eine Studie des International Multiple Sclerosis Genetics Consortium (IMSGC) geben, das kürzlich Genomuntersuchungen von 730 Familien und mehr als 4500 Markern durchgeführt hatte. Die Studie bestätigt die zentrale Rolle des MHC. Jetzt soll die Region des MHC, die mit MS in Verbindung steht, genauer untersucht werden. G. C. Ebers et al. wiesen bereits nach, dass die Empfänglichkeit für MS auf ganz bestimmten Allelen (Genen) liegt. Allerdings kommt es darauf an, das komplexe Zusammenwirken der Allele zu verstehen.
Noch einen weiteren Ansatz verfolgen D. Reich und Kollegen. Sie untersuchen das Erbgut von Afroamerikanern und vergleichen es mit dem Erbgut von Europäern. Afroamerikaner haben zu 20% europäische Vorfahren, bekommen aber seltener MS als andere Menschen mit europäischen Vorfahren. Die Forscher hoffen, durch den Direktvergleich das eigentlich verantwortliche Gen, das eine erhöhte Empfänglichkeit für MS transportiert, weiter einkreisen zu können.
Quellen:Human Molecular Genetics 2005 14(14):
|08.03.2007 Wirkung von intrathekalem Baclofen auf Schlaf- und Atemfunktion bei Spastizität

Französische Wissenschaftler untersuchten die Wirkung von intrathekalem Baclofen auf die Schlafqualität und die Atemfunktion bei Patienten mit schwerer spastischer Symptomatik. D. Bensmail und Kollegen wählten für ihre Studie 20 Patienten mit unterschiedlicher mobiler Einschränkung aus (das Durchschnittsalter lag bei 45, die durchschnittliche Krankheitsdauer bei 13 Jahren). Eine Woche vor und acht Tage nach der Implantation der Baclofen-Pumpe schätzten die Wissenschaftler die Spastizität ein, fertigten von jedem Patienten eine Polysomnographie und Lungenfunktionstests an und maßen den Energieaufwand in Ruhestellung.
Neun der Probanden litten an MS, acht an spinaler Rückenmarksverletzung, jeweils ein Proband an zerebraler Lähmung, an spastischer Paraplegie und Friedreich Ataxie.
Im Ergebnis zeigte sich, dass die Ashworth Scores vor und nach der Implantation der Baclofen-Pumpe bei 2,75 / ±0,85 bzw. 1,15 / ±0,36 lagen, der Spastizitäts Score lag bei 3,75 / ±0,55 bzw. 1,00 / ±0,56.
Das intrathekale Baclofen verbesserte auch die Schlafzeit und die Schlafeffektivität und reduzierte periodische Beinbewegungen. Keinen Einfluss hingegen zeigte die Baclofen-Pumpe auf das schlafbezogene Atemgeschehen, den Lungenfunktionstest oder auf den Energieaufwand in Ruhestellung. Verglichen mit oral verabreichtem Baclofen , stört eine intrathekale Baclofen-Infusion nicht die Atemfunktion und verbessert die Schlafkontinuität, folgerten die Wissenschaftler.
Quellen:Human Molecular Genetics 2005 14(14):
|27.02.2007 Eine Studie zur multiplen Sklerose wirft Fragen auf

Eine Studie zur multiplen Sklerose wirft Fragen auf
Warum neue Erkenntnisse immer bestätigt werden müssen - ein Lehrstück
ni. Wer erstmals unter Symptomen leidet, die auf eine multiple Sklerose (MS) hindeuten, ist in einer schwierigen Lage. Zur psychischen Belastung gesellt sich oft Unsicherheit. Denn nicht bei jedem bricht die Krankheit aus; und nicht bei allen MS-Patienten schreitet sie gleich schnell voran. Ein Test, der beim ersten Verdacht Auskunft gibt, wie sicher die Diagnose ist und mit welcher Prognose zu rechnen ist, wäre deshalb von grossem Nutzen. Zwei im Blut nachzuweisende Antikörper haben in der Vergangenheit Grund zur Hoffnung gegeben. Diese Antikörper sind gegen die «Isolierschicht» von Nervenfasern (Myelin) gerichtet, die bei MS zerstört wird. Nun zeigt jedoch eine neue Studie, dass die Hoffnung unbegründet war: Die Antikörper sagen über die Diagnose und Prognose nichts aus.[1]
Interessante Vorgeschichte
Dass ein solches negatives Studienresultat mehr als eine kurze Meldung wert ist, hat mit der Vorgeschichte zu tun. Im Sommer 2003 war nämlich eine österreichische Forschergruppe aus Innsbruck zum genau gegenteiligen Schluss gekommen.[2] Die Arbeit war - wie die neue Studie auch - im hochangesehenen «New England Journal of Medicine» («NEJM») erschienen. Damals hatten Thomas Berger und seine Kollegen bei 103 Personen mit MS-Verdacht nachgewiesen, dass die Bestimmung der beiden Anti-Myelin-Antikörper eine «günstige und präzise Methode» sei, um die Krankheit frühzeitig zu erkennen. So hatten Personen mit nachgewiesenen Antikörpern im Blut nicht nur häufiger Krankheitsschübe; diese traten im Vergleich zu Probanden ohne Antikörper auch früher nach dem MS-verdächtigen Erstschub auf. - Bergers Arbeit habe die Beratung von Patienten mit MS-verdächtigen Ereignissen beeinflusst, sagt der Neurologe Ludwig Kappos vom Universitätsspital Basel. Als Ergänzung zu weiteren diagnostischen Tests - insbesondere der Magnetresonanztomographie (MRI) zum Nachweis der MS-typischen Entzündungsherde im Zentralnervensystem - hätte die Antikörperbestimmung die Unsicherheit bei der Entscheidung zu einer frühen Behandlung reduzieren sollen. Dieses Versprechen sei nun aber nicht eingelöst worden, betont Kappos, der an der neuen Studie beteiligt war. In der Arbeit der Basler Gruppe liess sich bei 462 Personen mit MS-verdächtigen Symptomen keinerlei Korrelation zwischen dem Vorhandensein der Antikörper und dem Krankheitsverlauf feststellen. Zum selben Ergebnis kam auch eine spanische Forschergruppe, deren kleinere Studie ebenfalls im neuen «NEJM» erschienen ist.
Für den Laien ist es unverständlich, wie zwei Studien mit derselben Fragestellung zu entgegengesetzten Ergebnissen kommen können. Auch Kappos ist über das Ausmass des Unterschieds erstaunt. Wie andere Wissenschafter habe er erwartet, dass eine grössere Untersuchung die ursprüngliche Hoffnung in die Anti-Myelin-Antikörper etwas zurückschrauben würde. Dass sie aber «ganz ins Wasser fallen», damit habe er nicht gerechnet. Um methodische Unterschiede auszuschliessen, hat das Basler Team eng mit Thomas Bergers Gruppe zusammengearbeitet.
Studienregister schaffen Transparenz
Für Kappos weist die Diskrepanz denn auch nicht auf eine «Glättung» von Ergebnissen oder gar Fälschung hin, sondern auf grundsätzliche Probleme. So kenne man bei diagnostischen und prognostischen Untersuchungen noch keine obligatorischen Studienregister. Bei Medikamenten-Studien hingegen sei ein Registereintrag unabdingbar. Das hat laut Kappos den Vorteil, dass man weiss, welche Forscher an der gleichen Fragestellung arbeiten. Man kenne so auch die «negativen» Ergebnisse, die oft wenig prominent oder gar nicht publiziert würden. Es sei nämlich nicht erstaunlich, betont Kappos, dass es bei einer häufig wiederholten Korrelationsstudie irgendeinmal zu einem statistisch signifikanten Ergebnis komme. Problematisch sei aber, wenn «diese statistische Wahrscheinlichkeit nicht durch andere Ergebnisse korrigiert wird». Das zeigt, wie wichtig es ist, dass neue Studienresultate bestätigt werden, bevor sie als Tatsache gelten.
Auch Fachleute sind erstaunt, dass das «NEJM» nicht versucht hat, seinen Lesern die sich widersprechenden Forschungsergebnisse in einem Kommentar zu erklären. Dass Studienergebnisse nicht repliziert werden könnten, gehöre zum Prozess, wie wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen würden, schreibt dazu der verantwortliche Redaktor auf Anfrage lapidar. Wie Thomas Berger erklärt, wäre es möglich, dass die von ihm festgestellte Korrelation zumindest in den ersten Tagen nach einem MS-verdächtigen Erstschub besteht. Laut Matthias Egger, Spezialist für methodologische Fragen an der Universität Bern, ist es bei diagnostisch-prognostischen Studien oft schwierig, die methodische Qualität zu beurteilen. Die Arbeiten seien häufig so geschrieben, dass man nicht herausfinden könne, was genau gemacht worden sei. Deshalb gebe es auch für diese Art von Untersuchung seit neustem Leitlinien für das «Reporting».
[1] New England Journal of Medicine 356, 371-378 (2007)
Quelle: NZZ Online, 31.01.07
|26.02.2007 Frühe Therapie bei MS-Patienten zahlt sich aus

Typische Symptome, Liquorbefund und MRT ermöglichen rechtzeitige Diagnose
Interferon-beta senkt Schubrate
Als die Medizin-Studentin Petra S. beim Tennisspielen zum Aufschlag ausholte, nahm sie plötzlich die obere Hälfte ihres Tennispartners nur verschwommen wahr. Trotzdem schlug sie den Ball übers Netz. Der kam zurück wie aus dem Nichts und traf die Frau mitten ins Gesicht. Damit begann eine lange Krankheitsgeschichte. Ein Neurologe stellte eine Opticus-Neuritis fest. Aber erst Jahre später, als Paresen in der rechten Hand auftraten, Depressionen und Schmerzen in den Gliedmaßen, wurde die richtige Diagnose gestellt: Multiple Sklerose.
Von Nicola Siegmund-Schultze
"Eine Opticus-Neuritis sollte grundsätzlich, vor allem aber bei jungen Frauen an eine Multiple Sklerose denken lassen", sagt Professor Bernd C. Kieseier von der Universitätsklinik Düsseldorf. Mit der Möglichkeit, nach den neuen Diagnosekriterien von McDonald eine Multiple Sklerose (MS) bereits nach dem ersten klinischen Schub zu diagnostizieren, steige die Verantwortung der Kollegen, die Differentialdiagnostik früh zu veranlassen, sagte Kieseier bei einer Veranstaltung des Unternehmens Serono in Düsseldorf.
Hausärzte sind oft erste Ansprechpartner
Zumal die initialen Symptome die Patienten meist nicht direkt zum Neurologen, sondern zum Hausarzt, zum Ophthalmologen oder zum Orthopäden führen. Abzugrenzen ist die MS von anderen multifokalen Krankheiten des Nervensystems wie infektiösen und granulomatösen Erkrankungen, Tumoren oder Vaskulitis-Syndromen.
Den McDonald-Kriterien zu Folge kann die Diagnose einer MS bereits dann gestellt werden, wenn nach einem ersten Krankheitsschub mit klinisch nachweisbaren Auffälligkeiten wie einseitige Sehstörung, Gefühlsstörungen, Gehschwäche oder Störungen der Feinmotorik MS-typische Befunde im Liquor vorliegen, die initiale MRT-Untersuchung zwei oder mehr charakteristische Läsionen ergibt (räumliche Dissemination) oder in der Verlaufs-MRT - mindestens drei Monate später - entzündliche Herde nachgewiesen werden (zeitliche Dissemination). Einer dieser Herde oder mehrere sollten das Kontrastmittel Gadolinium anreichern.
Standardtherapie bei einem MS-Schub ist die i.v.-Therapie mit hoch dosiertem Methylprednisolon. Bei schubförmiger MS folgt die verlaufsmodifizierende Basistherapie mit Interferon-beta oder Glatirameracetat, bei unbefriedigendem Therapieergebnis wird auf Mitoxantron gewechselt (Eskalationstherapie). "In der frühen Phase der MS sind die Entzündungszellen besonders aktiv, und deshalb ist es für den weiteren Krankheitsverlauf sehr wichtig, rechtzeitig eine immunmodulatorische Therapie einzuleiten", so Kieseier. Die positiven Effekte einer frühen Behandlung auf die Progression der MS ließen sich Studien zu Folge bei einem späteren Therapiebeginn nicht wieder aufholen.
Die Rate neuer MS-Schübe lässt sich dabei etwa durch eine drei Mal wöchentliche Hochdosis-Therapie mit rekombinantem Interferon-beta-1a s.c. (Rebif®) mindern. Da vor allem zu Beginn der Therapie Interferon-Präparate oft grippeähnliche Symptome oder Myalgien hervorrufen, die die Lebensqualität der Patienten und damit die Compliance mindern können, empfiehlt Kieseier, das Mittel einzuschleichen.
Einschleichende Therapie wird empfohlen
Für eine solche Therapie mit Interferon beta-1a s.c. gibt es, wie berichtet, einen Start-Kit mit zwölf Fertigspritzen zur Titration des Mittels im ersten Behandlungsmonat: In den ersten 14 Tagen injizieren sich die Patienten drei Mal pro Woche 8,8 µg s. c., in den folgenden beiden Wochen jeweils 22 µg und ab der fünften Woche 44 µg des Wirkstoffs drei Mal wöchentlich. "Dieses Vorgehen ist für jeden MS-Patienten mit Indikation für eine Interferontherapie zu empfehlen", sagte Kieseier. "Verträgt der Patient die hohe Dosis nicht optimal, kann er zunächst wieder auf die halbe Dosierung zurück gehen und es eventuell zu einem späteren Zeitpunkt wieder versuchen."
Quelle: Ärzte Zeitung, 26.02.07
|21.02.2007 Wie eine Schwangerschaft Multiple Sklerose stoppt

Hormon Prolaktin sorgt bei Mäusen für eine verstärkte Reparatur der Nervenisolation
Ein während der Schwangerschaft gebildetes Hormon könnte zur schlagkräftigen Waffe im Kampf gegen Multiple Sklerose (MS) werden, zeigt eine Studie kanadischer Mediziner an Mäusen: Es kurbelt Produktion und Reparatur der Isolationsschicht um die Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark an, die bei MS vom Immunsystem angegriffen und zerstört wird. Diese bislang unbekannte Wirkung des Hormons Prolaktin, sonst für das Wachstum der Brust und die Milchproduktion zuständig, könnte erklären, warum die Krankheit bei vielen Frauen während der Schwangerschaft zum Stillstand kommt, glaubt Studienleiter Samuel Weiss von der Universität von Calgary.
Bisher hatten Wissenschaftler angenommen, die hormonelle Umstellung während der Schwangerschaft unterdrücke das Immunsystem und vermindere so auch die Symptome der Autoimmunerkrankung MS. Als Weiss und seine Kollegen nun jedoch gesunde trächtige Mäuse mit jungfräulichen Artgenossen verglichen, stießen sie auf einen unerwarteten Effekt: Die trächtigen Tiere besaßen doppelt so viele Zellen, die für die Produktion des Nervenisolators Myelin zuständig waren, als die Kontrollmäuse. Auch konnten sie die Myelinschicht um ihre Nervenzellen doppelt so schnell wieder aufbauen, wenn diese von Chemikalien zerstört wurde.
Demnach geht die Schutzwirkung einer Schwangerschaft wohl nicht auf eine unterdrückte Körperabwehr zurück, sondern eher auf eine vermehrte Bildung von Myelin, erklären die Forscher. Verantwortlich dafür ist wohl das bereits während der Schwangerschaft gebildete Prolaktin: Wurde dieses Hormon nämlich den jungfräulichen Mäusen verabreicht, ähnelten ihre Werte nach kurzer Zeit denen ihrer trächtigen Artgenossen. Als nächstes wollen die Wissenschaftler testen, ob Prolaktin beim Menschen den gleichen Effekt hervorruft. Sie hoffen, dann schon in den nächsten Jahren mit klinischen Studien beginnen zu können.
"Die Entdeckung könnte die MS-Therapie einen echten Schritt weiterbringen", glaubt die kanadische Neurologin Luanne Metz. Indem die Reparatur gefördert werde, könne nicht nur wie bisher der Verlauf der Krankheit verlangsamt, sondern auch eine echte Verbesserung der Symptome erzielt werden. Sollte sich der Erfolg dieses Ansatzes bei MS bestätigen, könnte das Hormon auch bei anderen neurologischen Störungen wie Verletzungen des Rückenmarks oder den Folgen eines Schlaganfalles eingesetzt werden. Weltweit leiden etwa 2,5 Millionen Menschen an der Autoimmunkrankheit MS. Durch die Zerstörung der isolierenden Myelinschicht der Nerven in Gehirn und Rückenmark funktioniert bei den betroffenen die Signalweiterleitung nicht mehr richtig und sie entwickeln Seh- und Empfindungsstörungen sowie Lähmungen. Was genau die Krankheit auslöst, ist nicht bekannt.
Samuel Weiss (University of Calgary) et al.: Journal of Neuroscience, Bd. 27, Nr. 8
Quelle: ddp/wissenschaft.de Ilka Lehnen-Beyel - 21.02.2007
|14.02.2007 Studie zur Risikoprognose veröffentlicht

In der neuesten Ausgabe der international renommierten medizinischen Zeitschrift New England Journal of Medicine ist eine Untersuchung zum Risiko eine Multiple Sklerose (MS) zu entwickeln erschienen, an der die Düsseldorfer Neurologische Universitätsklinik als einziges deutsches Zentrum mitgearbeitet hat. Ihr Direktor, Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, ist einer von 15 Autoren aus sieben MS-Zentren in Nordamerika und Europa. (NEJM Ausgabe: 356: 371-378, 2007) Die BENEFIT-Studie hat die Wirkung von Interferon ß 1b auf die Entwicklung von dem so genannten isolierten klinischen Syndrom (KIS) zur manifesten Multiplen Sklerose untersucht.
An der Therapiestudie beteiligt waren 462 Patienten mit ersten auf eine Multiple Sklerose verdächtigen Krankheitserscheinungen wie Gangstörungen und Sehnerventzündungen. Untersucht wurde die Wirkung des Immunmodulators Interferon ß1b bei neu an Multipler Sklerose erkrankten Patienten. Im Rahmen einer doppelblinden, placebokontrollierten, randomisierten Studie (BENEFIT - Studie) erhielten die Patienten entweder ein Placebo oder den Immunmodulator Interferon-ß1b. Verglichen wurde der Prozentsatz der Patienten, die innerhalb des Studienzeitraums von zwei Jahren einen zweiten, die Diagnose der MS bestätigenden Schub erlitten oder die auf kernspintomographischen Befunden beruhenden so genannte McDonald Kriterien für eine MS erfüllten. Interferon-ß1b verzögerte klar das Auftreten eines neuerlichen Schubs, d.h. den Wechsel vom klinisch isoliertem Syndrom zur Multiplen Sklerose.
In dieser Arbeit wurden biologische Risikofaktoren für die Progression zur MS analysiert. Die MS ist vermutlich eine Autoimmunerkrankung, bei der sich fälschlich das Immunsystem des Patienten gegen körpereigene Strukturen, nämlich Moleküle im Gehirn und Rückenmark richtet. Zu diesen Molekülen, die normal dort vorkommen, zählen das myelinbasische Protein MBP und das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein MOG. Beide finden sich auf der Oberfläche der Markscheide, die als Isolierschicht um die Nervenkabel gehüllt die sichere und rasche Fortleitung von Nervenimpulsen garantiert. Die internationale Forschergruppe untersuchte in dieser Patientengruppe, ob die Anwesenheit im Blut nachweisbarer Antikörper gegen diese Moleküle diesen Patienten mit dem klinisch isoliertem Syndrom (KIS) ein höheres Risiko verleiht, einen zweiten Schub zu bekommen und damit eine MS zu entwickeln. Es konnte keine prognostische Bedeutung dieser Antikörper nachgewiesen werden.
Diese Befunde stehen im Widerspruch zu einer früheren Untersuchung, die ebenfalls im New England Journal publiziert worden war und damals großes Aufsehen erregte. Methodisch wichtig ist, dass die angewandten Tests Antikörper gegen so genannte "lineare Epitope" dieser Autoantigene, also ihre zweidimensionale Struktur, reagieren. Die Düsseldorfer neuroimmunologische Arbeitsgruppe wird nun bei Blutproben dieser Patienten einen anderen Testassay verwenden, den sie kürzlich in den Proceeedings of the National Academy of Sciences USA veröffentlichte (Zhou et al, aus der AG Prof. Dr. Bernhard Hemmer) (PNAS 103: 19067-19562, 2006) (siehe Pressemitteilung vom 8.1.2007). Dieser erlaubt, Antikörper gegen die natürlich im Gehirn vorkommende dreidimensionale Struktur des Autoantigens MOG zu detektieren. Solche Antikörper sind wahrscheinlich auch krankmachend. Abgesehen von diesen immunologischen Befunden zu biologischen Risikofaktoren des Übergangs vom isolierten klinischen Syndrom zur manifesten MS hat die BENEFIT Studie neuerlich klar belegt, dass ein frühestmögliches therapeutisches Eingreifen bei MS sinnvoll und angebracht ist.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
|01.02.2007 MS-Fälle in der Familie: Keine Rückschlüsse auf den

Schweregrad von Geschwistern oder Kindern
Cambridge - Familienangehörige mit multipler Sklerose (MS) haben mit hoher Wahrscheinlichkeit das gleiche Alter bei Krankheitsbeginn, jedoch unterscheiden sich die Schweregrade. Dies geht aus Untersuchungen von Wissenschaftlern der University of Cambridge hervor, die das Fachblatt der American Academy of Neurology veröffentlicht hat (Neurology 2007; 68: 376-383).
Die Ursachen von MS sind weitestgehend unbekannt. Ebenso verhält es sich mit den Gründen für das Ausbruchsalter und die Schwere und Art des Krankheitsverlaufs. Neben genetischen Faktoren gelten Umgebungsbedingungen als mögliche ausschlaggebende Größen.
Wir wissen schon seit geraumer Zeit, dass der familiäre Einfluss eine Rolle bei der Anfälligkeit für multiple Sklerose spielt. Es war jedoch unklar, ob dieser auch den Verlauf der Krankheit mitbestimmt, erklärte Erstautor Alastair Compston, PhD, von der University of Cambridge Clinical School. Um den Zusammenhang zwischen Familie und den Verlauf der Krankheit zu bestimmen, analysierten die Wissenschaftler Daten von 2 310 Personen aus über 1 000 Familien. In jeder Familie litten mindestens zwei Angehörige an MS. Die Forscher ermittelten unter anderem das Alter zu Krankheitsbeginn, die Behinderung und die Schwere der Krankheit.
Die Untersuchungen ergaben, dass das Eintrittsalter sowohl beim Vergleich von Eltern und Kindern als auch bei Geschwistern große Ähnlichkeiten aufwies. Dieser Zusammenhang gilt aber offenbar nicht für den Schweregrad der Erkrankung. Das Fortschreiten wird häufig als Indikator für die Schwere der Krankheit angesehen, dabei konnten wir keinen Beweis dafür finden, dass der Schweregrad für zwei Familienmitglieder größere Ähnlichkeiten aufweisen könnte als für zwei andere beliebige Menschen, berichtet Compston.
Niemand sollte Schlüsse für seine eigene Prognose aus den Beobachtungen bei verwandten MS-Kranken ziehen, hieß es aus der Arbeitsgruppe. Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse bei der Beratung von MS-Kranken und deren Angehörigen helfen.
Quelle: hil/aerzteblatt.de - 1.02.07
|30.01.2007 Deutliche Zunahme neurologischer Erkrankungen

Bethesda - Zahlreiche neurologische Erkrankungen sind in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden. Ob es sich um eine echte Zunahme von Inzidenz und Prävalenz handelt oder die Zahlen nur die bessere Versorgungsqualität neurologischer Erkrankungen widerspiegeln, lässt eine Studie in Neurology (2007; 68: 326-337) offen.
Der Anstieg neurologischer Diagnosen ist erheblich. Am stärksten zeigt sich das beim Autismus. In den USA haben sich die Zahlen innerhalb eines Jahrzehnts vervielfacht: Waren autistische Störungen früher eine außergewöhnliche Seltenheit, so wird die Diagnose heute bei sechs von tausend Kindern gestellt. Zwei von tausend Kindern leiden an einem Tourette-Syndrom, das heute genauso häufig ist wie die Zerebralparese.
Beide Erkrankungen, Autismus und Tourette-Syndrom, sind sogar häufiger als die multiple Sklerose, an der heute einer von 1.000 Amerikanern erkranken, was eine Zunahme um 50 Prozent seit der letzten Übersicht aus dem Jahr 1982 ist, wie Deborah Hirtz vom US-National Institute of Neurological Disorders and Stroke und Mitarbeiter schreiben. Gründe für die Zunahme lassen sich aus den rein deskriptiven epidemiologischen Untersuchungen nicht ableiten, auch wenn die üblichen Verdächtigen, Umwelt und Impfstoffe, in den Medien immer wieder angeführt werden.
Offensichtlich ist dagegen der Grund für die Zunahme der Alzheimer-Erkrankungen: die steigende Lebenserwartung. Sie zählt mit 67 von 1.000 US-Amerikanern zu den häufigsten (schweren) neurologischen Erkrankungen. Auch die Zahl der Parkinsonerkrankungen, an der heute 10 von 1.000 US-Amerikaner erkranken, wird weiter ansteigen. In einem weiteren Beitrag prognostiziert Ray Dorsey von der Rochester Universität eine Verdopplung der Zahlen bis zum Jahr 2030 (Neurology 2007 68: 384-386).
Positiv vermerken Hirtz und Mitarbeiter die Entwicklung bei den traumatischen Hirnerkrankungen, die 101 von 100.000 US-Amerikaner erleiden, ein Rückgang um 50 Prozent seit 1982. Hier dürften sich die Sicherheitsvorschriften im Straßenverkehr (Tempolimit, Gurtpflicht et cetera) ausgewirkt haben, obwohl auch die enger gefassten Kriterien bei der Notfallaufnahme eine Rolle gespielt haben können, vermuten Hirtz und Mitarbeiter.
Quelle: www.aerzteblatt.de, 30.01.07
|27.01.2007 Erstes biogenerisches therapeutisches Protein

aus Fraunhofer-Labor für den Markt zugelassen
Interferon-beta wird zur Behandlung der Multiplen Sklerose eingesetzt. Ein am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Stuttgart, in Zusammenarbeit mit CinnaGen, Teheran, Iran, entwickeltes Interferon-beta wurde nun als erstes therapeutisches Protein aus einem Fraunhofer-Labor als Arzneimittel zugelassen.
Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste Erkrankung des zentralen Nervensystems. Weltweit sind schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen betroffen. Behandlungserfolge wurden bisher nur mit Interferon-beta, einem körpereigenen Protein, erzielt. Es verlangsamt das Fortschreiten der Krankheit und verringert die Häufigkeit der für MS typischen "Schübe".
Ein Interferon-beta-1a, dessen biotechnische Herstellung am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Biotech-Firma CinnaGen bis in den Pilotmaßstab vorangetrieben und optimiert wurde, erhielt nun die Zulassung als Biogenerikum der iranischen Arzneimittelbehörde. Es wird unter dem Namen CinnoVex durch CinnaGen zunächst auf dem iranischen Markt vertrieben.
Das therapeutische Protein wurde vom Fraunhofer IGB erforscht und bis zur Laborreife gebracht. Die Hannoveraner IGB-Projektgruppe "Gentechnik" um Professor Bernd Otto klonierte das Protein in einen geeigneten Expressionsvektor und etablierte die Herstellung des natürlichen Proteins durch eine stabile Transfektion in einer Säugerzelllinie. Das so synthetisierte Interferon-beta-1a ist wie das menschliche Protein glycosyliert. Es weist in vitro eine höhere biologische Aktivität als das in Bakterien produzierte, nicht-glycosylierte Interferon-beta-1b auf. In den Stuttgarter Laboren des Fraunhofer IGB entwickelte eine multidisziplinäre Arbeitsgruppe die Herstellung des Pharmaproteins bis in den Pilotmaßstab weiter. "Wir haben die Fermentation und die Aufarbeitung bis in den 10-Liter-Maßstab vergrößert, das therapeutische Protein über mehrstufige Chromatographie hoch gereinigt, seine Identität über Aminosäuresequenzierung bestätigt und seine antivirale Wirkung nachgewiesen", erklärt Professor Herwig Brunner, Institutsleiter des Fraunhofer IGB. Danach übernahm die iranische CinnaGen Co. den Nachweis der klinischen Wirksamkeit in klinischen Studien, die nun durch die Zulassung erfolgreichen abgeschlossen wurden.
Die Entwicklung eines Medikaments kostet viel Zeit und Geld. "Das Fraunhofer IGB unterstützt Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen bei der Entwicklung und biotechnischen Herstellung von Nachahmerprodukten, aber auch bei der Entwicklung neuer therapeutischer Proteine" erläutert Professor Brunner die Strategie des Fraunhofer IGB. Eine ebenfalls am IGB entwickelte, löslichere Variante des Interferon-beta wird beispielsweise von der Vakzine Projekt Management (VPM) GmbH in Braunschweig klinisch weiterentwickelt. Auch andere Entwicklungslinien haben neue therapeutische Anwendungen zum Ziel. Die am IGB etablierten Technologien zur funktionellen Genom- und Proteomanalyse haben zu einer großen Fülle potenzieller Target-Moleküle für die gezielte Therapie von Infektionen z. B. durch den humanpathogenen Hefepilz Candida albicans geführt und damit Möglichkeiten für neue Medikamente eröffnet. Präklinische Tests von aussichtsreichen Wirkstoffkandidaten können vorab durch am IGB etablierte organoide Testsysteme aus dreidimensionalen humanen Zellstrukturen aussagekräftig unterstützt werden. Tierversuche werden so vermieden. Weitere potenzielle Pharmaprodukte sind am IGB in Bearbeitung. Eine gute Quelle für Firmen, ihre Pipeline zu füllen.
Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen-
Dr. Claudia Vorbeck | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
|27.01.2007 State of the Art 2007

MS-Symposium "State of the Art 2007":
Die chronische Phase der Multiplen Sklerose
Luzern (ots) - Das 9. Symposium "State of the Art" mit namhaften MS-Spezialisten aus Europa fand am Samstag, 27. Januar 2007, im KKL in Luzern statt. An diesem Fachkongress über Multiple Sklerose nahmen rund 150 praktizierende Neurologen sowie medizinische Fachleute aus MS-relevanten Bereichen teil. Schwerpunkt der Tagung war die chronische Phase der Multiplen Sklerose. Das Symposium der Schweiz. MS-Gesellschaft stand unter der Leitung von Prof. Jürg Kesselring, Valens, und Prof. Ludwig Kappos, Basel.
Zum 9. Mal wurde im KKL Luzern das Symposium State of the Art zur Multiplen Sklerose durchgeführt. Zu diesem von der Schweiz. MS-Gesellschaft organisierten Anlass trafen sich Neurologinnen und Neurologen, aber auch Angehörige anderer medizinischer Berufe, um sich über den neusten Stand des Wissens zur Multiplen Sklerose zu informieren.
Im Mittelpunkt der von den Professoren Jürg Kesselring und Ludwig Kappos geleiteten Veranstaltung stand dieses Jahr das Thema der chronischen Phase der MS. In mehreren Vorträgen wurden neue Erkenntnisse zur Pathologie und Diagnostik der chronischen Phase der MS vorgestellt, ebenso der aktuelle Stand der therapeutischen Bemühungen, die bei chronischen oder sekundär-progredienten Verläufen im Gegensatz zu den schubförmigen wesentlich weniger zu bieten haben. Dies ist vermutlich auf eine in der chronischen Phase geringere oder zumindest anders geartete Rolle des Immunsystems in der Krankheitsentstehung zurückzuführen. Es liegt nahe, dass deshalb auch andere Therapieprinzipien erforderlich sind, so zum Beispiel Medikamente, die neuroprotektiv (die Nervenzellen schützend) wirken. So soll im Laufe des Jahres 2007 eine internationale Studie mit einem neuroprotektiv wirkenden AMPA-Antagonisten beginnen.
Auch in der täglichen Betreuung von MS-Betroffenen tut sich etwas: Die MS-Gesellschaft wird die Stiftung "MS Care" gründen. "MS Care" wird eine umfassende Betreuung der MS-Betroffenen zu allen wesentlichen pflegerischen Aspekten anbieten. Die Stiftung arbeitet nicht profitorientiert, ist unabhängig und neutral. Eines der Hauptziele ist es, die Lebensqualität der MS-Betroffenen auch im Sinne eines empowerments zu erhöhen. Prof. R. Spirig vom Institut für Pflegewissenschaften in Basel begleitet "MS Care" wissenschaftlich und gewährleistet so eine kontinuierliche Qualitätssicherung.
Im zweiten Teil des Symposiums wurden in kleinen interaktiven Gruppen die folgenden praxisrelevanten Themen besprochen: Beurteilung und Behandlung der MS-bedingten krankhaften Müdigkeit (Fatigue), aussergewöhnliche und diagnostisch schwierige MR-Befunde, Fortschritte in der symptomatischen Therapie der Spastik und der Blasenstörungen. Und nicht zuletzt wurden auch Indikation und Vorsichtsmassnahmen bei der Anwendung eines vermutlich noch in diesem Jahr in der Schweiz neu zugelassenen Medikamentes, des "Natalizumab", behandelt.
Eine Zusammenfassung der Referate in Englisch finden Sie unter:
Schweiz. MS-Gesellschaft / www.multiplesklerose.ch
Kontakt:
Patricia Monin, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit
|22.01.2007 Genetische Blackbox der Auto-Immunerkrankungen geöffnet

Boston - US-Forscher sind dem Verständnis von Autoimmunerkrankungen einen Schritt näher gekommen. In Nature (2007; doi:10.1038/nature05478) berichten sie, mit welchen Genen der Körper verhindert, dass die T-Zellen den eigenen Körper attackieren. Die Forscher erhoffen sich neue Impulse zur Behandlung von Typ-1-Diabetes mellitus, multipler Sklerose, rheumatoider Arthritis und anderer Autoimmunerkrankungen.
Die Immunabwehr wird immer wieder mit einer Verteidigungsarmee verglichen, die den Körper vor Eindringlingen schützt. An der vorderster Linie kämpfen die T-Zellen, die von den regulatorischen T-Zellen (Treg) kommandiert werden. Wichtige Aufgabe dieser Unteroffiziere ist es darauf zu achten, dass die Soldaten nicht die Zellen des eigenen Körpers attackieren. Zu solch einem friendly fire kommt es regelmäßig, wenn die Tregs die Kontrolle über die T-Zellen verlieren.
Seit einiger Zeit wissen die Forscher, dass ein Gen mit der Bezeichnung Foxp3 von zentraler Bedeutung ist. Foxp3 ist ein Transkriptionsfaktor. Das bedeutet, dass es selber kein Protein kodiert, sondern das Ablesen anderer Gene steuert. Von der genauen Kenntnis dieser anderen Gene erhoffen sich die Forscher wichtige Aufschlüsse über das Verständnis von Autoimmunerkrankungen und möglicherweise auch neue Therapieansätze. Jetzt ist es der Gruppe um Harald von Boehmer vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston gelungen, die Eiweiße zu finden, die der Transkriptionsfaktor Foxp3 kontrolliert.
Für ihre Untersuchungen nutzten sie eine neue Variante der DNA-Microarray-Technologie. Mit diesem auch als Genchip bezeichneten Verfahren können Tausende von RNA-Schnipseln gleichzeitig untersucht werden. Darunter sind auch die Transfer-RNAs, welche die genetische Information aus den Zellkernen zu den Ribosomen transportieren, wo sie in Proteine umgesetzt werden. Daraus ergibt sich ein Standbild der aktuellen Aktivitäten in der Zelle.
Bei der Untersuchung von Tregs erfuhren die Forscher nun, dass etwa 30 Proteine aktiviert werden, wenn die Tregs den kämpfenden T-Zellen mitteilen, dass sie die körpereigenen Zellen von ihren Angriffen ausnehmen sollen. Unter diesen Eiweißen fand sich auch ein alter Bekannter. Das Gen Ptpn22 war bereits in früheren Studien mit Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes mellitus, multipler Sklerose, Autoimmunthyroiditis und der rheumatoiden Arthritis in Verbindung gebracht worden. Die Forscher wussten jedoch nicht, dass Ptpn22 direkt von Foxp3 gesteuert wird. Diese neue Erkenntnis war nach Aussage eines beteiligten Forschers ein erhebendes Gefühl. Ob es einen nutzbringenden Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Therapie bringt, kann niemand vorhersagen.
Die Forscher können sich jedoch auf der richtigen Spur wähnen. In den letzten Jahren sind sie erheblich vorangekommen und das genetische Konzept von Autoimmunerkrankungen gewinnt immer stärker an Konturen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich an der einen oder anderen Stelle, oft unverhofft, ein neuer Ansatzpunkt in der Behandlung der Autoimmunerkrankungen findet.
Quelle: rme/aerzteblatt.de - 22.01.07
|20.01.2007 BioMS Medical erhält FDA Zulassung für Start

der pivotalen Phase III-Studie zu Multipler Sklerose
Edmonton, Alberta (ots/PRNewswire) - BioMS Medical Corp (TSX: MS), ein führender Entwickler von Produkten zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS), gab heute bekannt, dass das Unternehmen die klinische Prüferlaubnis (IND) der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA für die Einleitung einer pivotalen, klinischen Phase III-Studie zur Untersuchung der Verwendung von MBP8298 als Behandlung für Patienten mit sekundär progredienter MS erhalten hat.
"Die Zulassung zur Fortsetzung mit einer Phase III-Studie in den USA ist ein bedeutender Schritt bei unserem Ziel, MBP8298 für den Weltmarkt verfügbar zu machen," sagte Kevin Giese, President und CEO von BioMS Medical. "Ungefähr 400.000 Amerikaner leiden an MS, und fast 50 % der Patienten leiden an der sekundär progredienten Form von MS. Zwischen der US-Initiative und der fortdauernden pivotalen Phase III-Studie in Kanada und Europa setzen wir unseren globalen Entwicklungsplan für MBP8298 erfolgreich in die Tat um."
Die IND ermöglicht die Einleitung einer pivotalen klinischen Phase III-Studie für die sekundär progrediente Form von MS in den USA; die Zulassung erfolgte auf Grundlage zufriedenstellender FDA-Kriterien bezüglich der vorklinischen, chemischen, produktionsbezogenen und sicherheitsbezogenen Daten aus den abgeschlossenen und andauernden klinischen Studien für MBP8298.
MAESTRO-03 Phase III US-Studie
Die pivotale klinische Phase III-Studie in den USA mit der Bezeichnung MAESTRO-03 (eine doppelblinde, placebokontrollierte, multizentrische Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von MBP8298 an Versuchspersonen mit der sekundär progredienten Form von Multipler Sklerose), wird MBP8298 für die Behandlung von SPMS (sekundär progrediente Multiple Sklerose) untersuchen. Die Studie ist eine randomisierte, doppelblinde Studie mit ca. 510 Patienten, denen über einen Zeitraum von zwei Jahren alle sechs Monate intravenös entweder MBP8298 oder ein Placebo verabreicht wird. Der primäre klinische Endpunkt für die Studie ist definiert als ein statistisch und klinisch bedeutender Anstieg der Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung entsprechend der Messung durch die EDSS- (Expanded Disability Status Scale) Skala bei Patienten mit HLA-DR2 und/oder HLA-DR4 Immune-response-Genen (bis zu 75 % aller MS-Patienten sind HLA-DR2- und/oder HLA-DR4-positiv).
Über MBP8298 - Neuer Aktionsmechanismus
Bei MS-Patienten greift das Immunsystem des Körpers fälschlicherweise die Myelinschicht um die Nerven im Gehirn und in der Wirbelsäule an, während gesunde Menschen diese gewöhnlichen Körperkomponenten "tolerieren". Der vorgeschlagene Aktionsmechanismus von MBP8298 ist laut Design die erneute Einführung eines solchen "Toleranz"-Stadiums für einen kritischen Bereich des MBP (Myelin-Basisprotein) des Nervs, der bei vielen MS-Patienten eine immunologische Angriffsstelle darstellt. Dies wird mithilfe von intravenösen MBP8298-Injektionen alle sechs Monate erzielt.
Phase II und Langzeitnachbehandlungen von MS-Patienten mit MBP8298, die kürzlich im European Journal of Neurology veröffentlicht wurden, zeigten, dass MBP8298 auf sichere Weise die mediane Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung bei progredienten MS-Patienten mit HLA-DR2- oder HLA-DR4-Immune-response-Genen um fünf Jahre verzögerte.
MAESTRO-01-Studie
Die pivotale MAESTRO-01 Phase II/III, multizentrische, doppelblinde und placebokontrollierte Studie wird derzeit an über 50 Standorten in Kanada und Europa durchgeführt und wird ca. 550 Patienten aufnehmen, denen alle sechs Monate über einen Zeitraum von zwei Jahren intravenös entweder MBP8298 oder ein Placebo verabreicht wird. Die Studie soll die Sicherheit und Wirksamkeit von MBP8298 an Patienten mit sekundär progredienter Form von MS beurteilen. Der primäre klinische Endpunkt für die Studie ist definiert als ein statistisch und klinisch bedeutender Anstieg der Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung entsprechend der Messung durch die EDSS- (Expanded Disability Status Scale) Skala bei Patienten mit HLA-DR2 und/oder HLA-DR4 Immune-response-Genen. Die Zeit bis zum Fortschreiten der Krankheit bei Patienten mit anderen Arten von HLA-DR wird separat als Sondierungsprojekt der gleichen Studie beurteilt.
Bisher hat die Studie sechs Sicherheitsprüfungen durch sein unabhängiges Data Safety Monitoring Board bestanden.
Über Multiple Sklerose
Weltweit leiden ca. 2,5 Mio. Menschen an Multipler Sklerose (MS), darunter ca. 75.000 in Kanada, 400.000 in den USA und über 450.000 in Westeuropa. MS ist eine schnell fortschreitende Erkrankung des Zentralnervensystems und zeichnet sich anfänglich durch einen schubweisen Verlauf der Lähmung, Erblindung, sensorischer Störungen und kognitiver Beeinträchtigung aus. Fast die Hälfte aller MS-Patienten leiden an der sekundär progredienten Form der Erkrankung.
Webcast
Ein Audio-Webcast von Kevin Giese, President und CEO von BioMS Medical, über diese Mitteilung wird ab Montag, den 22. Januar 2007, unter www.biomsmedical.com verfügbar sein. Die Wiederholung dieses Webcast kann 90 Tage lang unter www.biomsmedical.com abgerufen werden.
Firmenprofil BioMS Medical Corp.
BioMS Medical ist eine Biotechnologiefirma, die sich mit der Entwicklung und Kommerzialisierung neuer therapeutischer Technologien beschäftigt. Die führende Technologie von BioMS Medical, MBP8298, ist zur Behandlung von Multipler Sklerose bestimmt und weist zwei pivotale klinische Phase III-Studien für SPMS-Patienten auf, MAESTRO-01 in Kanada und Europa und MAESTRO-03 in den USA. Desweiteren beinhaltet sie eine Phase II MINDSET-01-Studie für RRMS-Patienten in Europa. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere Website www.biomsmedical.com.
Diese Pressemitteilung kann bestimmte vorausblickende Erklärungen enthalten, die die derzeitigen Ansichten und/oder Erwartungen von BioMS Medical mit Hinblick auf seine Leistung, seine Geschäfte und auf künftige Ereignisse reflektieren. Solche Erklärungen unterliegen einer Reihe von Risiken, Unwägbarkeiten und Annahmen. Die tatsächlichen Ergebnisse und Ereignisse können wesentlich abweichen.
Quelle: BioMS Medical Corp. 20.01.2007 - 11:53 Uhr
|18.01.2007 Schalter für die Isolierung von Axonen entdeckt

LOS ANGELES (mut). Forscher haben ein Protein entdeckt, das helfen kann, die Pathogenese von Multipler Sklerose zu verstehen.
Das Protein mit der Bezeichnung Par-3 gibt den Schwannschen Zellen das Signal, eine isolierende Myelinschicht um Nervenfortsätze (Axone) zu bilden, so die Forscher in der Zeitschrift "Science" (314, 2006, 832). Die Myelinschicht beschleunigt die elektrische Signalübertragung. Diese Schicht wird bei MS-Kranken angegriffen.
Quelle: Ärzte Zeitung, 18.01.07
|17.01.2007 Warum Würmer gut für MS-Patienten sind

Studie: Die Parasiten bremsen den Fortschritt von Multipler Sklerose
Parasiteninfektionen können den Verlauf von Multipler Sklerose (MS) positiv beeinflussen, haben argentinische Forscher in einer kleinen Studie gezeigt: Bei MS-Patienten, die zusätzlich unter einem Befall mit Darmwürmern litten, traten seltener Krankheitsschübe auf als bei Betroffenen ohne die Parasiteninfektion, und auch die körperliche Beeinträchtigung durch die Autoimmunkrankheit verschlimmerte sich weniger stark. Verantwortlich dafür ist nach Ansicht der Wissenschaftler eine Art Umpolung des Immunsystems: Die Parasiten veranlassen die Körperabwehr, sie in Ruhe zu lassen, und vermindern damit gleichzeitig die für MS typischen Attacken des Immunsystems auf die Nervenzellen im Gehirn.
Die Forscher beobachteten zwölf MS-Patienten mit einer Parasiteninfektion, zwölf Patienten ohne Infektion und ebenso viele gesunde Kontrollpersonen durchschnittlich viereinhalb Jahre lang. Alle drei Monate führten sie dabei eine neurologische Untersuchung bei den Probanden durch, alle sechs Monate eine Magnetresonanzaufnahme des Gehirns und zusätzlich regelmäßige immunologische Tests während der letzten 12 bis 18 Monate der Studiendauer.
Das Ergebnis: In der infizierten Gruppe gab es während der gesamten Studiendauer lediglich 3 Krankheitsschübe, während unter den parasitenfreien Probanden 56 derartige Vorfälle registriert wurden. Von den infizierten Patienten erlitten zwei kurzfristige Verschlechterungen ihres Zustandes, wohingegen sich die Krankheit in der nicht infizierten Gruppe bei elf Patienten dauerhaft verschlimmerte. Außerdem fanden sich im Blut der infizierten Patienten sehr viel höhere Mengen an Botenstoffen, die entzündungsfördernde Substanzen unschädlich machen oder deren Produktion blockieren können.
Damit sei zum ersten Mal ein Effekt bei MS gezeigt worden, der auch schon von anderen Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn bekannt ist, so die Forscher. Erklärt werden kann er mit einer Variante der Hygiene-Hypothese: Durch den in Industrieländern zunehmenden Rückgang der Infektionen mit Parasiten wie Peitschen- oder Spulwürmern im Darm gerät das Gleichgewicht durcheinander, das sich während der gemeinsamen Entwicklung von Immunsystems und den allgegenwärtigen Parasiten gebildet hat.
Da die von den Parasiten produzierten regulierenden Substanzen fehlen, greift die Körperabwehr mehr und mehr Ziele an, die eigentlich überhaupt keine Bedrohung darstellen wie Pollen oder Milbenkot im Falle von Allergien oder eben Körpergewebe bei Autoimmunerkrankungen. Um diesem Trend entgegenwirken zu können, suchen Wissenschaftler intensiv nach den Botenstoffen, mit denen die Parasiten das Immunsystem in Schach halten.
Jorge Correale (Raúl-Carrea-Institut für Neurologische Forschung, Buenos Aires) et al.: Annals of Neurology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1002/ana.21067
Quelleddp/wissenschaft.de Ilka Lehnen-Beyel, 17.01.07
|16.01.2007 Merck hat Patienten für Studie zu MS-Medikament zusammen

Frankfurt (Reuters) - Der Darmstädter Pharmakonzern Merck kann mit der klinischen Erprobung seines neuen Multiple-Sklerose-Wirkstoffs beginnen.
Die Tochter Merck Serono habe 1300 Patienten zusammen, an denen die Wirksamkeit und Sicherheit des neuen Hoffnungsträgers der Firma getestet werden soll, teilte Merck am Dienstag mit. "Der Abschluss der Patientenrekrutierung für die Zulassungsstudie ist ein wesentlicher Meilenstein im Entwicklungsprogramm von oralem Cladribin."
In der auf zwei Jahre angelegten Studie soll untersucht werden, wie der Merck-Wirkstoff Cladribin sich auf Schübe der Krankheit, Fortschreiten der Behinderung und nachgewiesene Krankheitsaktivität auswirkt. Nach Unternehmensangaben ist Cladribin das weltweit erste oral einzunehmende Präparat zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS). An der chronischen entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems leiden weltweit rund 2,5 Millionen Menschen. Merck Serono ist mit Medikamenten wie Rebif (Interferon) und Novantrone bereits einer der marktführenden Anbieter von MS-Arzneien.
Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat Cladribin in ihr so genanntes Fast-Track-Programm aufgenommen, mit dem die Entwicklung von Mitteln beschleunigt werden soll. Dabei kann die FDA vorzeitig mit der Prüfung eines Antrags auf Marktzulassung beginnen.
|11.01.2007 Eine Tablettentherapie rückt näher

MADRID - Die Aussichten sind günstig, dass in etwa zwei bis drei Jahren eine wirksame Tablettentherapie der Multiplen Sklerose zur Verfügung steht. Das jedenfalls lassen neueste Ergebnisse einer klinischen Studie hoffen
Mit dem neuartigen Wirkstoff Fingolimod konnten Ärzte drei Viertel der behandelten Multiple Sklerose-Patienten über zwei Jahre beschwerdefrei halten. Das ergaben erste Auswertungen einer Studie, die nun auf dem 22. Congress of the European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis in Madrid vorgestellt wurden. Auch die entzündliche Aktivität im Nervengewebe ging deutlich zurück.
Bei Fingolimod handelt es sich um ein Medikament, das in den Immunhaushalt eingreift. Bei der Multiplen Sklerose richten sich einige Abwehrzellen, die sogenannten T-Zellen, gegen körpereigenes Gewebe des Nervensystems. Das führt zu Ausfallerscheinungen, wie Geh- und Sehstörungen, Beeinträchtigung der Sinnesempfindungen und Störungen der Blasenentleerung. Meist schreitet die Krankheit schubförmig voran.
Wie Ludwig Kappos, Basel, erläuterte, kehren 60 bis 70 Prozent der zirkulierenden T-Zellen in die Lymphknoten zurück. Dort erfüllen sie auch die Aufgabe, weiteren Immunzellen Bestandteile von schädlichen Eindringlingen zu zeigen. Auf diese Weise werden diese in die Lage versetzt, Störenfriede im menschlichen Organismus rasch und gezielt auszumerzen. Aufgrund einer Fehlregulation, die aber bis heute noch nicht geklärt ist, richtet sich diese Immunantwort bei Menschen mit Multipler Sklerose ausgerechnet gegen deren eigene Nervensubstanz.
Der Trick des neuen Therapieansatzes besteht nun darin, aktivierte T-Zellen an ihrer weiteren Zirkulation zu hindern. Über einen biochemischen Mechanismus werden sie in den Lymphknoten festgehalten. Dadurch können sie am Ort des Geschehens, nämlich am Nervengewebe, nicht mehr ihre destruktiven Wirkungen entfalten.
Die jetzt in Madrid vorgestellten Studiendaten mit der neuen Substanz zeigten, dass die Krankheitsschübe bereits nach sechs Monaten um die Hälfte gesenkt werden konnten.
Quelle: MT-Online D, Martin Wiehl, 10.01.07
|10.01.2007 Kühle Hose für gute Nerven

Eine Kühlhose für Patienten mit Multipler Sklerose (MS) haben Material-Forscher des Instituts EMPA in der Schweiz entwickelt. Die Kleidung soll die Körperoberfläche kühlen und so die Leitfähigkeit der Nerven verbessern. Typische Beschwerden der Erkrankung wie Lähmungen und Gliederschmerzen könnten so zumindest kurzfristig gemildert werden. Im Alltag würde dies den Patienten das Gehen erleichtern. Die Hose besteht aus zwei Schichten Polyesterlaminat, in den Hohlraum dazwischen werden zehn Milliliter Wasser gefüllt. Die Außenseite der Hose ist für Wasser durchlässig, sodass die Flüssigkeit langsam verdunstet. Dadurch entsteht auf der Innenseite ein angenehmer Kühleffekt. Die Hauttemperatur kann so um bis zu vier Grad Celsius gesenkt werden, der Effekt hält etwa 40 Minuten an. Eine heilende Wirkung hat die Hose jedoch nicht. "Unsere Kühlhose macht nicht gesund", erklärt Markus Rothmaier, der Leiter des Projekts. Aber mit der Entwicklung wolle er den Menschen mit MS - ganz einfach ein Stück Lebensfreude zurückgeben. - Nach Angaben des Instituts ging die Entdeckung auf einen Zufall zurück. Einer Ärztin, die an MS litt, sei nach einem heftigen Regenguss aufgefallen, dass sie sich mit der klatschnassen Kleidung besser bewegen konnte und weniger Schmerzen hatte. Dieser Vorfall habe den Anstoß zur Untersuchung des Phänomens gegeben. Das Projekt wird von der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft finanziell unterstützt. Auch aus der Bekleidungsindustrie hat sich schon ein Interessent gefunden. Die High-Tech-Hose soll bereits dieses Jahr auf den Markt kommen. Weitere Kleidungsstücke sind geplant.
Quelle: netdoktor.de, 10.01.07
|09.01.2007 Substanz aus Soja lässt Ratten mit MS wieder laufen

PHILADELPHIA (ple). Ein aus Sojabohnen gewonnener Extrakt unterdrückt im Tiermodell für Multiple Sklerose (MS) erfolgreich die entzündlichen Reaktionen. Der oral verabreichte Extrakt enthält große Mengen des Bowman-Birk-Protease-Hemmers. Dessen antientzündliche und antikarzinogene Effekte sind bereits auch klinisch belegt.
Der Protease-Hemmer unterdrückt die Aktivierung von solchen T-Lymphozyten, die das Myelin-basische Protein attackieren und dadurch auch bei MS-Patienten das Myelin um die Nervenfortsätze zerstören. US-Forscher um Dr. Bruno Gran von der Thomas-Jefferson-Universität in Philadelphia testeten den Soja-Extrakt in einem Rattenmodell für MS (Multiple Sclerosis 12, 2006, 688). Nach der mehr als zweiwöchigen Behandlung mit dem Extrakt konnten zuvor laufunfähige Ratten wieder laufen, Tiere, die mit Placebo behandelt wurden, dagegen nicht.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Hemmstoff auch bei MS-Patienten antientzündliche Effekte hat, zumal er die undichte Blut-Hirn-Schranke überqueren kann.
In ersten klinischen Studien mit der Substanz, etwa bei Patienten mit benigner Prostata-Hyperplasie oder oraler Leukoplakie, seien keine unerwünschten Wirkungen aufgetreten.
Quelle: Ärzte Zeitung, 09.01.07
|09.01.2007 Entdeckung krankmachender Autoantikörper bei Multipler Sklerose

Die Zeitschrift - Proceedings of the National Academy of Sciences USA - berichtet über eine Arbeit von Dun Zhou und Mitarbeitern aus der neuroimmunologischen Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Bernhard Hemmer, Neurologische Universitätsklinik Düsseldorf (Direktor Prof. Dr. Hans-Peter Hartung). Die Forscher konnten zeigen, wie mit einer neuen Methode erstmals potentiell krankmachenden Autoantikörper identifiziert wurden.
Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem eines Menschen erkennt fälschlicherweise körpereigene Strukturen und reagiert mit Abwehr. Dieses Erkennen erfolgt durch bestimmte Zellen des Immunsystems, so genannte T-oder B-Lymphozyten. Letztere produzieren Eiweißstoffe, die Antikörper.
Die von der Düsseldorfer Arbeitsgruppe entdeckten Antikörper bewirken eine Schädigung der Isolierschicht der Nervenkabel, der so genannten Markscheide. Sie erkennen das vermutliche Autoantigen MOG (Myelin Oligodendrozyten Glycoprotein) in der Form, in der es sich auf der Oberfläche von Hirnzellen dem Immunsystem präsentiert.
Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste entzündliche Erkrankung des Nervensystems. In Deutschland sind 120.000 bis 150.000 Patienten betroffen. Diese Erkrankung ist die häufigste Ursache bleibender Behinderung im jüngeren Erwachsenenalter. Neben Störungen der Sensibilität, der Motorik, des Gangs, des Sehens, der Sexual- und Blasenfunktion führen rasche Ermüdbarkeit und Beeinträchtigung bestimmter kognitiver Funktionen zur reduzierten Arbeitsfähigkeit in einem frühen Stadium der Erkrankung und zur Invalidisierung.
Verschiedene Arbeitsgruppen der Neurologischen Universitätsklinik Düsseldorf befassen sich seit Jahren mit Ursachenforschung und Entwicklung neuer Therapien. Diese Ergebnisse werden weitere Bemühungen stimulieren, nach neuen Immuntherapien zur effektiveren Behandlung der MS zu fahnden, die speziell gegen Antikörper-produzierende B-Lymphozyten gerichtet sind.
Kontakt: Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, Direktor der Neurologischen Klinik, Universitätsklinikum Düsseldorf, Tel.: 0211- 81-1- 7880
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft