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Der deutsche Unternehmer, der Tests für Krankheiten von der Schweinegrippe bis zu SARS entwickelt hat, witterte eine Chance - und eine neue Mission. In den nächsten Tagen befragte er Virologen der Berliner Charité und durchforstete das Internet nach weiteren Informationen über das, was bald als neuartiges Coronavirus bezeichnet wurde.
Bis zum 10. Januar hatte er ein brauchbares Testkit eingeführt. Seitdem steht sein Telefon nicht mehr still. "Jeder der zwei Hände hat packt mit an", sagt Landt, als er durch die Korridore von TIB Molbiol Syntheselabor eilt, das Berliner Biotech-Unternehmen, das er vor drei Jahrzehnten gegründet hat. "Wir kommen an unser Limit", erklärt er.
In den vergangenen zwei Monaten haben Landt und seine Mitarbeiter in der Produktionsstätte des Unternehmens - einem ehemaligen Industriegebäude südlich des stillgelegten Flughafens Tempelhof - 40'000 Coronavirus-Diagnosekits hergestellt, die für etwa 4 Millionen Einzeltests ausreichen.
TIB hat die Produktion auf das Coronavirus ausgerichtet und lässt seine Maschinen über Nacht und am Wochenende laufen, um die Kits herzustellen, die für etwa 160 Euro pro Stück verkauft werden. Nachdem Aufträge von der Weltgesundheitsorganisation, den nationalen Gesundheitsbehörden und Labors in rund 60 Ländern eingegangen sind, hat sich der Umsatz von TIB im Februar gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat verdreifacht.
Südkorea hat schon 210'000 Personen getestet
TIB erzielte im vergangenen Jahr Erlöse von rund 18 Millionen Euro und ist einer von etwa 20 Testkit-Herstellern weltweit. Unternehmen wie LGC Biosearch Technologies in Grossbritannien, CerTest Biotec in Spanien und Seegene aus Seoul verzeichnen einen explosionsartigen Anstieg der Nachfrage von Behörden und Laboren weltweit, die versuchen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Südkorea hat mehr als 210'000 und Italien mehr als 60'000 Personen getestet.
In den USA hatten die Tests einen holprigen Start, als sich herausstellte, dass ein Diagnoseinstrument der US-Bundesbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) - die vergleichbar ist mit dem Robert Koch Institut in Deutschland - fehlerhaft war. Die USA haben den Test inzwischen geändert und Schritte unternommen, um die Verfügbarkeit zu erhöhen. Die CDC hat jedoch gewarnt, dass die Testsets nicht in den von der Regierung Trump versprochenen Zahlen zur Verfügung stehen.
Wie funktionieren Virustests?
Im Laufe der Jahre hat TIB Tests für die Diagnose von mehr als 100 Krankheiten produziert. Für das Coronavirus kooperiert Landt mit Roche für den Vertrieb der Kits, die mit den Diagnosegeräten des Schweizer Pharmakonzerns funktionieren. Die Tests verwenden die sogenannte Polymerasekettenreaktion, eine von der WHO empfohlene Diagnosemethode, die den genetischen Code des Virus verstärkt, damit es vor Auftreten von Symptomen erkannt werden kann.
Ein Kit enthält zwei Ampullen: Eine Grundierung zur Erkennung einer Infektion und ein synthetisch hergestelltes Stück des Virus, mit dem Labore eine zweifelsfreie positive Übereinstimmung erzielen können, um sicherzustellen, dass ihre Maschinen ordnungsgemäss funktionieren. Ein Labortechniker führt diese Inhaltsstoffe mit einer Schleimprobe eines Patienten - normalerweise von einem Abstrich aus dem Rachen oder der Nase - zusammen, und die Ergebnisse liegen gewöhnlich in wenigen Stunden vor.
Das Robert Koch Institut hat die Wissenschaftler aufgefordert, ein einfaches Testverfahren zu entwickeln, das Patienten selbst anwenden können, und mit dem sie sofortige Ergebnisse erhalten - etwa vergleichbar mit Schwangerschaftstests für zu Hause. Ein Zwischenschritt könnten vereinfachte Verfahren sein, bei denen Patienten ihre eigenen Abstriche machen und diese in einer Arztpraxis abgeben, sagte Lothar Wieler, der Leiter des Instituts. Es müsse mehr derartige Lösungen geben, sagte Wieler am 9. März in Berlin gegenüber Journalisten. Andernfalls könnte die Anzahl der Patienten, die Tests benötigen, nicht bewältigt werden, fügte er hinzu.
Die Nachfrage nimmt ständig zu
Angesichts der steigenden Nachfrage versucht Landt, Räume in einem Gebäude auf der anderen Strassenseite zu mieten, um mehr Kapazitäten für Verpackung und Versand aufzubauen - der Flaschenhals seiner Produktion. Er hat ein Team von Studenten eingestellt, die an einem langen Tisch sitzen und die Testkits in Plastikbeutel packen. Ausserdem hat er eine gebrauchte Maschine gekauft, die Bedienungsanleitungen faltet, damit sie in die Beutel passen.
Sein 21-jähriger Sohn Aaron - ein Mathematikstudent - ist für die Etikettierung verantwortlich. (Ein Teilzeitjob von 60 Stunden pro Woche, sagt Landt.) Seine Frau Constanze, die einen Doktortitel in Biologie hat, ist verantwortlich für den Einkauf bei TIB. Sie hatte bereits vor mehr als einem Monat mit dem Nachfrageschub gerechnet und zusätzliche Vorräte an den Grundchemikalien für die Tests angelegt. Ohne dies würde nichts mehr funktionieren, sagt Landt.
Die nächste Herausforderung wird seiner Meinung nach darin bestehen, mit wahrscheinlichen Mutationen des Virus Schritt zu halten, was seine Tests weniger zuverlässig machen würde. "Ein derartiges Virus ist eine grosse Evolutionsmaschine", sagt er. "Wir können beruhigt sein, wenn es einen Impfstoff gibt."
(Bloomberg)