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Zucht von Pembrokes mit
Stummelrute

Von Leif-Herman Wilberg, Norwegen
Siggen's Pembroke Corgis
In der Geschichte des Pembroke Corgis ist die Rede von einem kleinen Hund mit Stummelrute, der über Jahrhunderte auf den walisischen Farmen gezüchtet wurde.
Ich glaube, dass zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als Pembroke und Cardigan vom Kennel Club als eine Rasse registriert und zu einem gewissen Ausmass miteinander gekreuzt wurden, das Gen für die lange Rute auf den Pembroke übertragen wurde und dass Welpen mit langer Rute kupiert wurden, weil der Rassestandard eine kurze Rute beschreibt.
Das Gen für Stummelrute hat sich als dominantes Gen erwiesen und ein dominantes Gen geht leicht verloren, wenn man den Erbgang nicht kennt. Wenn man ein dominantes Gen erhalten will, muss immer ein Elternteil eine Stummelrute haben, sonst geht das Gen verloren. Es ist leicht nachvollziehbar, dass die Züchter den besten Welpen behalten wollten, ungeachtet ob er eine lange Rute oder eine Stummelrute hatte, da die Welpen sowieso kupiert wurden, und dass dabei die Zahl der Hunde mit Stummelrute langsam abnahm.
Als Norwegen 1988 das Kupierverbot erliess, freute es mich, dass die Mehrheit der norwegischen Pembroke Züchter einverstanden waren, an einem Projekt teilzunehmen, das zum Ziel hatte, das Gen für Stummelrute bei unseren Pembrokes wieder einzuführen.
Diese Unterstützung war notwendig, denn unsere Population ist so klein, dass wir alle unsere Zuchttiere brauchten, um die Rasse gesund zu erhalten, während wir das Bobtail-Gen einführten. Obwohl ich 1968 in meinem ersten Wurf Bobtails hatte und ebenso in einem Wurf Mitte der siebziger Jahre, konnten wir von unseren alten Zuchtlinien keine brauchbaren Hunde finden, als das Kupierverbot erlassen wurde.
Das bedeutete, dass wir Hunde aus England importieren mussten, wo Mrs. Peggy Gamble (Blands) und Miss Patsy Hewan (Stormerbanks) soeben ein Projekt gestartet hatten, um das Bobtail-Gen bei den Pembrokes wieder zu beleben.
Damals hatte Miss Patsy Hewan zahlreiche Hunde in ihrem Zwinger und es war ihr gelungen, das Bobtail-Gen in ihrer Zucht über die Jahre zu erhalten. Peggy Gamble kaufte von Patsy eine Hündin, Stormerbanks Bobs, und Peter Hopwood (Jofren) brauchte deren Onkel Stormerbanks Barnaby Bear, um Bobtails in seine Zuchtlinie einzukreuzen.
Da Patsy Hewan starb, kurz nachdem sie vereinbart hatten, das Bobtail-Projekt zu starten, waren es die Zwinger Blands und Jofren, welche die Pionierarbeit leisteten, und Stormerbanks Bobs und S. Barnaby Bear werden in den meisten Ahnentafeln von Bobtail-Corgis in England und Norwegen zu finden sein. Miss Sarah Taylor (Bymil) und Miss Leila Moore (Kaytop) hatten ebenfalls Bobtail-Welpen, gezeugt von Kaytop Ming, aber es scheint, dass diese Welpen nicht für die Zucht eingesetzt wurden und diese Linie dürfte somit verloren zu sein.
Ich weiss, dass Peggy Gamble ihre Zuchtrüden auch Besitzern von Bobtail-Hündinnen gratis zur Verfügung stellte, aber ich glaube nicht, dass mit deren Nachkommen gezüchtet wurde. Jedenfalls sind mir keine bekannt.
Es gibt viele Hypothesen über Defekte, welche angeblich durch das Bobtail-Gen verursacht werden. Aber soweit ich weiss, wurde dieses Problem nicht ernsthaft erforscht und die norwegischen Corgi-Züchter waren nicht bereit, diese Theorien zu akzeptieren, solange sie nicht wissenschaftlich bewiesen wurden. Wir konnten nicht verstehen, warum Hunde so verschieden von anderen wilden Tieren oder sogar Menschen sein sollten, die mit ihrem kurzen oder fehlenden Schwanz gut leben und sich fortpflanzen können.
Wir müssen gestehen, dass die ersten nach Norwegen importierten Bobtail-Hunde nicht der Qualität entsprachen, die wir gewohnt waren, und wir mussten uns mit einem gewissen Qualitätsverlust abfinden, weil wir unsere besten Bobtails gebrauchen mussten, obwohl bessere Hunde mit langen Ruten vorhanden gewesen wären.
Während vielen Jahren haben wir hauptsächlich Hunde mit langer Rute mit Bobtails gepaart, um die Qualität möglichst hoch zu halten. Wir bestrebten uns, Zuchttiere zu importieren und Zuchtrüden zu finden, die uns helfen konnten, die Qualität zu verbessern. Es war ein langer und schwieriger Prozess, aber ich bin froh, sagen zu können, dass die Qualität die letzten drei oder vier Jahre stark verbessert wurde. Unsere Bobtail-Corgis waren in der Gruppen-Konkurrenz sehr erfolgreich und meine Nachzuchtgruppe und Zuchtgruppe bestehend aus lauter Bobtails schafften es sogar zu "Best in Show" auf grossen internationalen Ausstellungen.
S, DK, SF, Nordischer & Internationaler Champion
Siggen's Quizmaster, geb. 29.04.2012
Wir stiessen auf keine der vorhergesagten Defekte in unserer Rasse. Sie ist so gesund wie sie schon immer war. Vor einigen Jahren veranlassten der Norwegische Welsh Corgi Klub, der Norwegische Kennel Klub und das Institut für Kleintierpathologie der norwegischen Veterinärhochschule eine Röntgen-Untersuchung der Wirbelsäule von zufällig ausgewählten Bobtail-Hunden aus doppelten Bobtail-Verpaarungen. Rapport der Röntgenuntersuchung
Es zeigte sich, dass es absolut keinen Hinweis gibt, dass das Bobtail-Gen für Deformitäten der Wirbelsäule verantwortlich sein sollte.
In beinahe jedem Wurf haben wir Welpen mit Ruten von unterschiedlicher Länge. Einige sind lang, einige halblang und einige ganz kurz. Wir wissen nicht, warum die Stummelruten von unterschiedlicher Länge sind, aber es ist eine Tatsache, dass die Rute der einzige Körperteil ist, der eine variierende Zahl von Wirbeln aufweist; das trifft auch auf die langen Ruten zu.
Ich glaube, dass wir, genau wie gewisse Terrier-Züchter auf kürzere lange Ruten züchten, auf kürzere Stummelruten züchten können. Vorläufig ist es schwierig, die Länge der Rute bei unseren Bobtail-Welpen vorauszusagen. Ich habe lange Rute mit Stummelrute gepaart und Welpen mit ganz kurzer Rute erhalten, und ich habe Bobtail mit Bobtail gepaart und Welpen mit halblanger Rute erhalten. Einige der Bobtails, aber auch einige mit langer Rute haben einen Knick in der Rute. Unser Röntgen-Projekt umfasste auch einige dieser Hunde, aber es gab keinen Hinweis, dass dieser Defekt auch die Rückenwirbel betreffen könnte. Vorläufig nehmen wir bei der Zucht keine Rücksicht auf solche Knicke, weil sie bisher keine Probleme verursacht haben.
Den Rüden oder die Hündin, die ausschliesslich Bobtails produzieren, haben wir noch nicht gefunden. Weil nicht alle Bobtail-Welpen aus Bobtail/Bobtail Paarungen zur Zucht geeignet sind, hat der Norwegische Welsh Corgi Klub zusammen mit Genetikern aus England, dem Norwegischen Institut für Kleintierpathologie und dem Norwegischen Kennel Klub vor einigen Jahren versucht, anhand von Blutproben unserer Bobtails den homozygoten Bobtail mit einem Gentest zu finden.
Der Lokus für das Ruten-Gen wurde gefunden, aber aus der zufälligen Auswahl von Hunden aus einer Bobtail/Bobtail-Paarung konnten die Wissenschaftler keinen homozygoten Bobtail identifizieren. Auch tote Bobtail-Welpen wurden getestet, aber auch unter ihnen wurde kein homozygoter Bobtail gefunden. Die wissenschaftliche Konklusion war, dass das Bobtail-Gen, welches Stummelruten beim Pembroke erzeugt, ein letales Gen ist. Das bestätigt weder meine Theorie, dass das Gen für lange Ruten durch die Kreuzung mit Cardigans eingeführt wurde, noch erklärt es, wie es den walisischen Farmern gelang, den Anteil an Bobtail-Hunden so hoch zu halten, da es keinen Grund zur Annahme gibt, dass sie gewusst hatten, dass ein Elternteil ein Bobtail sein muss, um Bobtails zu produzieren.*
Obwohl die Wissenschaftler statistisch gesehen es wahrscheinlich finden, dass das Bobtail-Gen letal ist, finde ich, dass die historischen Fakten meine Theorie etwas untermauern, und ich hoffe immer noch, dass ich eines Tages den Hund finden werde, der ausschliesslich Bobtails erzeugt. Es besteht auch die Möglichkeit, dass das ursprüngliche Bobtail-Gen sich im Lauf der Jahre veränderte und zu einem letalen Gen mutierte.
Wenn die Konklusion der Wissenschaftler korrekt ist und darauf stützen sich unsere gegenwärtigen Zuchtpläne, bedeutet das, dass homozygote Welpen früh in der Trächtigkeit absorbiert und gar nie geboren werden. Bobtail/Bobtail-Paarungen bereiten dem Züchter keine Probleme ausser dass die Würfe statistisch gesehen kleiner sind, weil statistisch einer von vier Föten absorbiert wird. Anstatt drei von vier Bobtails, wobei einer homozygot ist, kann man zwei von drei erwarten, wobei alle Bobtails heterozygot sein werden. In unserer Statistik über die Anzahl Welpen in Bobtail x Bobtail Würfen in Norwegen/Schweden im Vergleich zu langer x langer Rute oder langer x Stummelrute, besteht kein signifikanter Unterschied in der Zahl der Welpen.
Dies kann natürlich mit der unterschiedlichen Fruchtbarkeit verschiedener Hündinnen-Linien erklärt werden und schliesst die Möglichkeit, dass das Bobtail-Gen letal ist, nicht aus. Unser Ziel, mit der Zeit nur noch Pembrokes mit Stummelrute zu züchten, scheint unmöglich. Es gibt jedoch keinen Grund, Bobtail/Bobtail-Paarungen zu vermeiden, ausser der Ansicht, dass es ethisch nicht vertretbar ist, dass vielleicht ein oder zwei Welpen im Mutterleib absorbiert und nie geboren werden. Für Befürchtungen, dass es bei der Zucht auf Bobtail zu physischen Defekten kommt, sollte es keinen Grund geben, weder bei Paarungen von Bobtail x Bobtail noch bei Bobtail x langer Rute.
Die skandinavischen Länder waren die ersten mit einem Kupierverbot und die Züchter hier waren wegweisend beim Versuch, Pembrokes wieder mit Stummelrute zu züchten. Im Laufe der letzten zehn Jahren mussten sich weitere Länder mit dem Kupierverbot abfinden und viele Pembroke-Züchter in vielen dieser Länder folgten den skandinavischen Züchtern mit dem Wunsch, die Pembrokes mit Stummelrute zu bewahren.
2004 wurde das Kupierverbot auch in Australien eingeführt. Australien ist eines der wirklich einflussreichen Länder, wenn es um die Zucht von Corgis geht. Einige Züchter haben dort während vielen Jahren Bobtails gezüchtet, aber wie in England ist die Diskussion heftig, und viele Züchter sind völlig dagegen. Ein grösseres Interesse für die Bobtail-Zucht in einem Land wie Australien wäre von grossem Nutzen für alle Bobtail-Züchter in Ländern mit einer zahlenmässig kleinen Corgi-Population. Importe von Bobtails aus Australien könnten uns helfen, unseren Gen-Pool zu vergrössern und unsere Rasse gesund zu erhalten ohne Inzuchtdepression, welche unsere Rasse bedeutend mehr gefährdet als eventuelle Defekte als Folge einer Bobtail-Zucht .
(Geschrieben um etwa 2001)
Übersetzung aus dem Englischen ANo mit freundlicher Genehmigung des Autors
*) Kommentar: Vielleicht wussten sie es, oder es waren damals ganz einfach genügend Bobtails vorhanden (gemäss John Holmes ca. 50% und gemäss Thelma Gray ca. 60%), so dass immer wieder Bobtails geboren wurden. - ANo