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Wider dem Blues - Pflanzenextrakte und Mikronährstoffe bei Stimmungsschwankungen
Ansatzpunkte bei der Therapie von Depressionen
Medikamentöse Antidepressiva (wie SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), MAO-Hemmer etc.) beeinflussen die Wirkdauer der Hirnbotenstoffe. Da aber 30 bis 50 % der Patienten nicht auf diese klassischen Antidepressiva ansprechen, werden als Ursache von Depressionen neben der „Störung im Neurotransmitter-Haushalt“ auch weitere Modelle wie eine „veränderte Membranfluidität“ oder eine „Entzündung des Gehirns“ diskutiert. Diese Modelle können z. B. die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren erklären, die entzündungshemmende Eigenschaften haben. Für letztere Hypothese spricht zudem die gezeigte antidepressive Wirkung von klassischen Entzündungshemmern.1
Ergänzungen und Alternativen zur klassischen Therapie mit Antidepressiva
Viele Pflanzenextrakte besitzen antiinflammatorische Eigenschaften und sind in klinischen Studien auch bei Patienten mit Depressionen erfolgreich untersucht worden. Nicht immer ist die Interpretation der Daten einfach – zumal ja auch die klassischen Antidepressiva (SSRI, MAO-Hemmer etc.) bei milder und mittelschwerer Depression nicht wirksamer sind als Placebo, aber deutlich mehr Nebenwirkungen zeigen.2 Vor diesem Hintergrund kann bei Stimmungsschwankungen und milden Depressionen umso mehr Fokus auf den Einsatz von wirksamen therapeutischen Alternativen zu den klassischen Antidepressiva gelegt werden, z. B. auf Pflanzenextrakte oder auf Mikronährstoffe. Dies deckt sich mit den üblichen Empfehlungen der Schweizer Psychiater.3
Pflanzenextrakte und Mikronährstoffe gegen Depressionen
Safran
Als Wirkstoffe im Safran werden Crocine und das Safranal postuliert. Safranextrakte zur Depressionsbehandlung sind bei Jugendlichen und Erwachsenen gut untersucht, in der Regel in Dosierungen von circa 15 mg morgens und abends. In Metaanalysen zeigte Safran eine bessere Wirksamkeit als Placebo und eine mit „chemischen Antidepressiva“ vergleichbare Wirkung.4 Auch als Add-on-Therapie in Verbindung mit Antidepressiva sind Safranextrakte untersucht. So zeigte eine 8-wöchige Studie mit 160 Erwachsenen unter Antidepressiva-Therapie eine weitere Milderung der Symptome sowie eine Reduktion der Nebenwirkungen des Antidepressivums.5 Weitere Informationen zur Wirkung von Safran sind im Artikel «Safran hilft bei Depressionen» zu finden.
Melisse
Dieser bekannten Heilpflanze wird seit dem Mittelalter vor allem eine Wirkung auf das nervöse Herz nachgesagt. Melisse ist aber auch bekannt für ihre Wirkung bei Einschlafstörungen, Angst- und Erschöpfungszuständen. Durch die Wirkung auf verschiedene Rezeptoren von Neurotransmittern lassen sich die in Studien beobachtete beruhigende Wirkung sowie die kurzfristige Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit erklären.6 Melisse scheint also dabei zu helfen, das „Hamsterrad-Gefühl“ zu reduzieren und sich wieder fokussieren zu können. Hohe Melissendosierungen (z. B. 600 mg Trockenextrakt) reduzieren den Tages-Cortisol-Spiegel. Deshalb sollten hohe Einmaldosen vermieden werden, denn „komplett herunterfahren“ will man tagsüber ja nicht.
Kurkuma
Die entzündungshemmende Wirkung von Kurkuma ist gut bekannt. Kurkumaextrakte werden bei vielen Indikationen erfolgreich eingesetzt, so auch bei Depressionen. Genauere Informationen zu Kurkuma sind im Artikel «Kurkuma: Wirkmechanismen und Einsatzmöglichkeiten» zu finden.
Lavendel
Lavendelöl wirkt bei Depression und Angstzuständen, wie Studien mit grossen Patientenzahlen zeigten. Es fördert das Einschlafen, und in klinischen Studien ist zudem die Kombination mit Antidepressiva untersucht worden.7 In der Regel werden 80 mg Lavendelöl einmal täglich eingenommen.
Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA
Fischöl mit den beiden Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) ist in vielen Studien untersucht worden. In Metaanalysen konnte gezeigt werden, dass diejenigen Fischöle, welche mehr EPA als DHA enthalten, eine signifikante Wirkung auf Depressionen haben.8 In der Regel werden für Erwachsene 2 g (Summe von EPA und DHA) pro Tag empfohlen. Um die Bioverfügbarkeit des Fischöls zu optimieren, ist es wichtig, dieses zu einer fetthaltigen Mahlzeit einzunehmen.
Vitamin D3
Die Herbstdepression ist sicher nicht nur auf die Verringerung der Vitamin-D3-Synthese in der Haut durch die geringere Sonnenintensität im Winter zurückzuführen, aber tiefe Vitamin-D-Spiegel tragen nachweislich zur Depressionshäufigkeit bei. Die tägliche oder wöchentliche Supplementierung von Vitamin D3 wirkt stimmungsaufhellend, wie in einer aktuellen Metaanalyse bestätigt werden konnte.9 Vitamin D3 sollte zu einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden.
Magnesium
Bei Depression wird oft ein Magnesiummangel festgestellt. 300–600 mg Magnesium täglich können bei Depressionen helfen und sind aufgrund der vielfältigen weiteren Aufgaben von Magnesium sicher eine der einfachsten zusätzlichen Massnahmen bei Stimmungsschwankungen. Eine Langzeitstudie hat gezeigt: Je mehr Magnesium zugeführt wird, umso geringer fällt das Depressionsrisiko aus.10
Folsäure
Aus initialen Beobachtungen, dass depressive Patienten tiefe Folsäurespiegel haben, ergab sich die erfolgreich umgesetzte Idee, mittelhohe Folsäuredosierungen von 0.5 mg zur Reduktion der Depression einzusetzen. Eine begleitende Gabe von 0.5 mg Folsäure täglich zu einem SSRI kann sogar dessen antidepressive Wirkung verstärken.11
Fazit
Nicht jeder Patient spricht auf klassische Antidepressiva an bzw. möchte diese einnehmen. Es stehen diverse pflanzliche Extrakte und/oder Mikronährstoffe zur Verfügung, die bei Stimmungsschwankungen zum Einsatz kommen können – vielleicht muss evaluiert werden, was bzw. welche Kombinationen einen guten Effekt zeigen. Um den Benefit beurteilen zu können, sollte die Einnahme über mehrere Wochen erfolgen.
Literatur
1 Bai S et al. Efficacy and safety of anti-inflammatory agents for the treatment of major depressive disorder: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2020;91(1):21-32.
2 Kirsch I. Antidepressants and the Placebo Effect. Z Psychol. 2014;222(3):128–134.
3 Behandlungsempfehlung S3 Guidelines 2013 AWMF-Nr. 028-043, sowie AWMF-Register-Nr.: nvl-005
4 Yang X et al. Comparative efficacy and safety of Crocus sativus L. for treating mild to moderate major depressive disorder in adults: a metaanalysis of randomized controlled trials. Neuropsychiatr Dis Treat. 2018 May 21;14:1297-1305.
5 Lopresti A. An investigation of affron as an add-on to antidepressants in adults with unremitted depressive symptoms. A randomized, doubleblind, placebo-controlled study, 2019, accepted Journal of Psychopharmacology 2019.
6 Scholey A et al. Anti-stress effects of lemon balm-containing foods. Nutrients 2014;6:4805-21
7 Möller HJ et al. Efficacy of Silexan in subthreshold anxiety: meta-analysis of randomised, placebo-controlled trials. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 2019 Mar;269(2):183-1937Möller HJ et al. Efficacy of Silexan in subthreshold anxiety: meta-analysis of randomised, placebo-controlled trials. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 2019 Mar;269(2):183-193
8 Sublette, M.E., et al. Meta-analysis of the effects of eicosapentaenoic acid (EPA) in clinical trials indepression. J Clin Psychiatry, 2011. 72(12): p. 1577-84
9 Vellekkatt F et al. Efficacy of vitamin D supplementation in major depression: A meta-analysis of randomized controlled trials. J Postgrad Med 2019;65(2):74-80.
10 Yary, T. et al. Dietary magnesium intake and the incidence of depression: A 20-year follow-up study. J Affect Dis. 2016;193:94-8.
11 Coppen A. & Bailey J. Enhancement of the antidepressant action of fluoxetine by folic acid: a randomised, placebo controlled trial, J Affect Disord., 2000;60(2):121-130