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M.A. in Volkswirtschaftslehre der Universität Freiburg, Praktikantin bei iconomix.
«Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit», steht seit 1981 in der Bundesverfassung. Trotzdem verdienten Schweizer Frauen 2014 im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt rund 18 Prozent weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen, wie eine Studie des Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien BASS zeigt. Wie kommt man auf diese Zahl und was sagt sie aus?
Lohnunterschiede messen
Der Lohnunterschied wird in der Regel anhand von statistischen Daten ermittelt. Dabei wird einerseits untersucht, wie gross der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern ist, also wie viel Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer. Es können nebst gesamtwirtschaftlichen Lohnunterschieden auch Unterschiede zwischen verschiedenen Sektoren und Branchen oder für spezifische berufliche Positionen ermittelt werden.
So kann man zum Beispiel aufzeigen, dass in der Schweiz im Jahr 2014 die Löhne im privaten Sektor im Durchschnitt tiefer und die Lohndifferenzen zwischen den Geschlechtern grösser waren als im öffentlichen Sektor. Zudem wird ersichtlich, dass die Lohnunterschiede zwischen Männer und Frauen mit Kaderfunktion höher sind als bei Arbeitnehmenden ohne Kaderfunktion.
Andererseits werden die ermittelten Lohnunterschiede mit Hilfe ökonomisch-statistischer Methoden in zwei Teile zerlegt. Der erklärte Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen beschreibt, welche Anteile auf die unterschiedlichen Merkmale wie zum Beispiel Bildungsniveau, Alter, Berufswahl oder berufliche Stellung der Lohnbezügerinnen und -bezüger zurückzuführen sind.
So lässt es sich zum Beispiel gut erklären, warum eine Frau mit einer Lehre, drei Jahren Berufserfahrung und einer Stelle in der Industriebranche weniger verdient als ein Mann mit Masterabschluss, zehn Jahren Berufserfahrung und einer Kaderposition in der Finanzbranche.
Der unerklärte Lohnunterschied ist der Anteil, der nicht durch Unterschiede in den Merkmalen zwischen Lohnbezügerinnen und -bezüger zurückzuführen ist. Er zeigt, wie viel Frauen im Vergleich zu Männern weniger verdienen, wenn sie sonst vergleichbare Eigenschaften mitbringen.
Konkret sieht die Aufteilung des Lohnunterschieds in einen erklärten und unerklärten Anteil folgendermassen aus: Männer verdienten im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt 7809 Franken und Frauen 6397 Franken. Das bedeutet, dass Frauen durchschnittlich rund 18 Prozent weniger verdienten als Männer.
Dieser Lohnunterscheid von 18 Prozent kann nun in den erklärten und den unerklärten Lohnunterschied aufgeteilt werden: Sprich, 58 Prozent des Lohnunterschieds können dadurch erklärt werden, dass Männer und Frauen andere Merkmale mitbringen. Die restlichen 42 Prozent des Lohnunterschieds sind nicht auf Merkmalsunterschiede zurückzuführen und beschreiben somit den unerklärten Lohnunterschied.
Unerklärter Lohnunterschied = Lohndiskriminierung?
Der unerklärte Anteil am Gehaltsunterschied wird in der politischen und öffentlichen Diskussion oft mit Lohndiskriminierung gleichgesetzt. Doch kann man wirklich sagen, dass Frauen im Durchschnitt rund 600 Franken weniger verdienen, nur weil sie Frauen sind?
So einfach ist es nicht: Der unerklärte Lohnunterschied beinhaltet nicht nur die Lohndiskriminierung zwischen den Geschlechtern, sondern auch alle Kriterien, die einen Einfluss auf die Gehaltsunterschiede haben, aber in den Daten nicht berücksichtigt sind.
Laut Professor Martin Huber stellt die Messung der lohnrelevanten Merkmale ein erstes Problem dar. Selbst wenn Einigkeit darüber bestünde, bezüglich welcher Merkmale Frauen und Männer vergleichbar sein sollten, ist es oft schwierig, all diese Merkmale zu erheben.
So werden in vielen Studien beispielsweise nur Daten zum Ausbildungsniveau erhoben (z.B. Berufslehre oder Studium) nicht aber bezüglich der Wahl der Fachrichtung, obwohl diesbezüglich Geschlechterunterschiede beobachtbar sind. Zudem werden einige lohnrelevante Merkmale, wie zum Beispiel die Bereitschaft Überstunden zu leisten, gar nicht erhoben.
Der unerklärte Lohnunterschied besteht also nicht nur aus der Lohndiskriminierung gegenüber Frauen, sondern umfasst auch alle in der Messung nicht berücksichtigten Merkmale, die einen Einfluss auf den Lohnunterschied haben. Es ist jedoch schwierig abzuschätzen, welcher Anteil des unerklärten Lohnunterschieds auf Diskriminierung zurückzuführen ist und welcher Anteil aufgrund von nicht berücksichtigten Merkmalen unerklärt bleibt.
Gründe für erklärbaren Lohnunterschied
Zurück zum erklärten Lohnunterschied: Fast 60% des Gehaltsunterschieds zwischen Männern und Frauen sind auf Differenzen in lohnrelevanten Merkmalen zurückzuführen. Doch worin unterscheiden sich Frauen von Männern?
Die Analyse des BASS zeigt, dass Frauen durchschnittlich 10 Prozent weniger verdienen als Männer, weil sie unter anderem in Kaderstellen untervertreten sind, in Branchen und Tätigkeiten mit tieferem Lohn arbeiten, weniger gut ausgebildet sind und weniger betriebsspezifische Erfahrung aufweisen als Männer.
Warum Frauen Bildungs- und Karriereentscheidungen treffen, die sich negativ auf den Lohn auswirken, bleibt ungeklärt. Zum einen dürften unterschiedliche Interessen, Fähigkeiten und Charaktereigenschaften von Männern und Frauen eine Rolle spielen, zum anderen tragen auch gesellschaftliche Rollenbilder und Aspekte der Familienplanung ihren Teil dazu bei.