Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03380.jsonl.gz/3275

Nicht jeder kann Präsident der USA werden. Als verfassungsmässige Grundvoraussetzung muss er sowohl US-Staatsbürger als auch in den USA geboren sein und eben Letzteres wird bei US-Präsident Barack Obamas seit längerem von seinen Gegnern angezweifelt. Daher sah sich Obama angesichts der massiven Gerüchte um seine Legitimation offenbar genötigt, seine Geburtsurkunde als PDF-Datei am 27. April 2011 ins Web zu stellen. Doch der Schuss ging zumindest teilweise nach hinten los, denn das veröffentlichte Dokument ist alles andere als geeignet, seine Geburt in Honolulu zu beweisen. Auf den ersten Blick tönt alles nach einem verspäteten Aprilscherz, der aber keiner ist. Und das kann jeder leicht selber nachprüfen.
Ein Dokument mit vielen Fehlern
Als Erstes fällt einem der grün gemusterte Hintergrund auf, der nicht so ganz zum Dokument zu passen vermag. Er verläuft gleichmässig und unverzerrt, während die linke Seite des Dokumentes beim Einscannen von der Glasscheibe des Flachbett-Scanners weg gebogen war, was darauf schliessen lässt, dass hier kein einzelnes Blatt Papier sondern eine Seite aus einem Buch gescannt wurde. Viele Passagen wurden retuschiert, was sich bei entsprechender Vergrösserung auch von Laien von blossem Auge erkennen lässt. Mit entsprechender Software sieht man zudem, dass das PDF-Dokument aus mehreren Ebenen (Layers) besteht.
Barack Obama’s Birth Certificate Faked
Bereits der vor längerer Zeit veröffentlichte abgekürzte Geburtsschein lässt Zweifel an seiner Echtheit aufkommen. Dieser wird üblicherweise ausgestellt, wenn das Original nicht mehr vorhanden ist. Er hat aber weder ein Ausstellungsdatum noch einen Stempel oder eine Unterschrift und wurde in der neueren Zeit ausgestellt. Das lässt sich an der Formularnummer links unten und an der Rassenbezeichnung „African“ des Vaters erkennen. Diese Bezeichnung wurde im Geburtsjahr Obamas 1961 noch nicht verwendet. In der damaligen Zeit wurde die Rasse üblicherweise mit „Negro“ beziehungsweise mit „Black“ (d.h. Neger / Schwarz) angegeben. Die Bezeichnung „African“ (Afrikaner) wurde erst viele Jahre später eingeführt. Dass diese Bezeichnung aber bereits auch auf der 1961 ausgestellten, angeblichen Originalurkunde verwendet wird, wirft Fragen auf und lässt Zweifel an der Echtheit des Dokumentes aufkommen. Etwas ungewöhnlich für die damalige Zeit scheint mir auch die Unterschrift der Mutter mit „Ann Dunham Obama“ – also mit ihrem Mädchennamen, den sie ihrem Verheiratetennamen voranstellt. Besonders merkwürdig ist jedoch, dass die Mutter das Dokument bereits am 7. Juli 1961 – also bereits einen Tag vor der Geburt – unterschrieben hat! Dieser Geburtsurkunde ist auch zu entnehmen, dass Barack Obama im „Kapiolani Maternity & Gynecological Hospital“ in Honolulu geboren worden sein soll. Das Krankenhaus heisst heute „Kapi‘olani Medical Center for Women & Children„. Es existierte in Obamas Geburtsjahr nicht offiziell unter diesem Namen. Auf der Internetseite des Spitals ist zu lesen, dass es erst 1978 aus den beiden Krankenhäusern „Kauikeolani Children’s Hospital“ und „Kapi‘olani Maternity Home“ fusioniert wurde. Allerdings wurde der Krankenhausname „Kapiolani Mat. & Gyn. Hospital“ bereits 1949 auf Geburtsurkunden verwendet, wie dieses Beispiel zeigt:
Hawaiianische Geburtsurkunde von 1949
Die am 27. April 2011 vom Weissen Haus veröffentlichte elektronische Kopie der Geburtsurkunde ist nicht ein als einfaches PDF-File eingescanntes Dokument und es steht ausser Zweifel, dass das Dokument manipuliert oder zumindest erheblich und zugleich dilettantisch „nachbearbeitet“ wurde. Dadurch lässt sich die Echtheit nicht (mehr) nachvollziehen. Dies beweist aber trotzdem nicht, dass Barack Obama nicht in den USA geboren worden wäre, wie verschiedentlich zu lesen ist und auch vom potenziellen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump behauptet wird. Es wäre durchaus möglich, dass ein Praktikant im Weissen Haus in guter Absicht, das Dokument besser lesbar machen wollte und dabei auch die Rassenbezeichnung „Negro“ durch das politisch korrekte „African“ ersetzt hat. Nur, damit lassen sich nicht alle Ungereimtheiten im Dokument erklären. Es wäre ebenso möglich und nicht unwahrscheinlich, dass jemand Obama bewusst in die Pfanne hauen will. Doch dann hätte ich erwartet, dass Obama darauf reagieren und die manipulierte Kopie durch eine unverfälschte Kopie ersetzen lassen würde, was er jedoch bis heute nicht getan hat. Vielleicht sollte das Ganze auch bloss ein Test sein, der Obamas Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit auf die Probe stellen sollte. Über die Motivation dahinter kann man leider nur rätseln.
Die westlichen Medien decken Obama
Es irritiert mich allerdings, dass in den Massenmedien hierzulande nur sehr verzerrt und manipulativ über die Manipulationen in der vom Weissen Haus veröffentlichten Geburtsurkunde „berichtet“ wird. Von absurden Zweifeln, einer widersinnigen Verschwörungstheorie und von purem Rassismus berichtete FOCUS bereits am 4. August 2009 und erwähnt jetzt die Probleme mit dem PDF-Dokument mit keinem Wort. Er veröffentlichte sogar die identische Agenturmeldung wie der Tages-Anzeiger, was nicht gerade von hochstehendem Journalismus bei beiden Blättern zeugt. Beim SPIEGEL spricht der „Fachautor und -journalist für digitale Bildbearbeitung und Photoshop, Grafiker, Schriftsteller, Kunstwissenschaftler und Chefredakteur des Bildbearbeitungsmagazins DOCMA“ Hans D. Baumann von „seltsamen Stellen in dem Formular“ und versucht, mit technischem Halbwissen zu erklären, weshalb das PDF-Dokument sich aus mehreren Ebenen zusammensetzt, wobei er zum Teil sogar recht hat. Aber er verschweigt zum Beispiel, wie der grün gemusterte, unverzerrte Hintergrund zum linken Rand des Dokumentes passen soll und wie die handschriftlichen „Nachbesserungen“ durch die OCR-Funktion eingefügt werden hätten sollen. Stattdessen wirft er Kritikern rassistische Vorurteile vor. Die WELT erwähnt ein paar Ungereimtheiten im PDF-Dokument, ohne auf diese aber näher einzugehen, und spricht dann aber von „Zweiflern, die akribisch nach Ungereimtheiten suchen“. Das Schweizer Fernsehen behauptet sogar: „Ernsthaft hatte die Geburt in den USA zwar nie jemand bezweifelt, republikanische Kreise hinderte das aber nicht daran, das Gerücht immer wieder aufs Neue zu streuen. Obama sei gar nicht in den USA geboren und somit nicht der rechtmässige Präsident der USA.“
Obama selber versucht, die Probleme mit Humor zu überspielen wie hier am „White House Correspondents Dinner 2011“:
Obama präsentiert sein Geburtsvideo
Viele Fragen bleiben
Doch auch wenn die Geburtsurkunde echt sein sollte, wären damit die Probleme mit der Legitimation Obamas für das US-Präsidentenamt nicht gelöst, wie „Freeman“ auf seiner Website „Schall und Rauch“ schreibt:
„Dazu kommt noch, Obama hat im Jahre 1967 sowieso die amerikanische Staatsbürgerschaft verloren, weil er und seine Mutter in Indonesien ihren Wohnsitz nahmen, wo sie Lolo Soetoro heiratete, einen indonesischen Staatsbürger, der ihn danach adoptierte. Obama hiess danach „Barry Soetoro“ und war indonesischer Staatsbürger. Da Indonesien aber keine doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt, hat Obama durch die Annahme der indonesischen, die amerikanische Staats- bürgerschaft automatisch verloren.
Dann stammt Barack Obamas Vater aus Kenia und ist dort vor der 1960 erfolgten Unabhängigkeit Kenias zur Welt gekommen. Damit ist er nach dem britischen Staatsbürgerschaftsgesetz von 1948 britischer Bürger gewesen, und sein Sohn ist es nach britischem Recht und Gesetz deshalb bis heute auch. Ein Präsident darf aber keine doppelte Staatsbürgerschaft haben.„
Die Geburtsurkunde wirft für mich mehr Fragen auf, als dass sie beantwortet. Nur zu gerne würde ich wissen, warum die Langversion der angeblichen hawaiianischen Geburtsurkunde Obamas überhaupt veröffentlicht wurde. Welche Rolle spielt dabei Dan Pfeiffer als Kommunikations-Direktor des Weissen Hauses, der für die Veröffentlichung der Geburtsurkunde verantwortlich zeichnet? War es Zufall, dass der Zirkus um Osama Bin Ladens angebliche Ermordung durch Navy Seals Truppen kurz nach der Veröffentlichung der Geburtsurkunde stattfand? Wollte man damit das Geburtsurkunden-Problem aus dem Kreuzfeuer der Schlagzeilen in den USA bringen? Und auch da gibt es keine Beweise, dass Bin Laden wirklich umgebracht wurde oder sich überhaupt in jenem Anwesen aufgehalten hat. Interessant dazu sind auch die Überlegungen von Ian R. Crane im Interview mit Russia Today:
Ian R. Crane analysiert die aktuellen Ereignisse