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Die Glashütte von Semsales, 1900, © Mines de charbon de Semsales
Glas in der Wirtschaft
Glasunternehmen in der Schweiz
Bis ins 15. Jahrhundert wurden Glasobjekte aus dem Schwarzwald oder aus Murano importiert. Danach entstanden in der Schweiz die ersten Glashütten. Diese Glasmacher stellten Glas für den täglichen Gebrauch her und siedelten sich in bewaldeten Gebieten an, wo Holz als Brennstoff für die Schmelzöfen vorhanden war. Ausgewanderte Handwerker brachten die entsprechenden Techniken aus Deutschland oder Italien mit. Im 18. Jahrhundert wurden in der Schweiz die ersten Glasfabriken gegründet. Die älteren, kleineren Manufakturen in bewaldeten Gegenden waren mit hohen Transportkosten konfrontiert, um ihre Waren an breitere Märkte zu verkaufen. Sie konnten nicht mit den neueren Betrieben in der Nähe von Eisenbahnen oder Häfen konkurrieren, wo Kohle als Brennstoff angeliefert und die Fertigprodukte direkt abtransportiert wurden. Das Holz wurde zunehmend knapp, der lokale Sand war von schlechter Qualität, und die Waldglashütten wurden schliesslich durch die überlegene Konkurrenz verdrängt.
Im 19. Jahrhundert entstanden Hohlglasfabriken. Die Glasfabrik von Moutier, der einzige Hersteller von Scheibenglas, wurde 1840 gegründet. Die Produktion wurde 2017 eingestellt. Die erste halbautomatische Flaschenblasmaschine stammt aus dem Jahr 1859. Mit Gas beheizte Schachtöfen wurden ab 1870 in Betrieb genommen. In den 1950er Jahren gab es in der Schweiz 5 Hohlglasfabriken: 1'500 Mitarbeiter produzierten jährlich 25'000 Tonnen Glas; das Land musste noch 6'000 Tonnen importieren. Die Firma Vetropack entstand 1966 aus dem Zusammenschluss mehrerer Werke und wurde zum einzigen Hersteller von Verpackungsglas in der Schweiz.
Heute stellt die Mehrheit der Glasfabriken in der Schweiz kein eigenes Glas her, sondern verarbeitet importiertes Glas (Floatglas): Es wird beschichtet, geformt, geschnitten, zusammengesetzt etc.
Die Glashütte von Semsales
Im Dorf Progens (FR) hat die Nähe der Kohlebergwerke von St. Martin im Jahr 1776 Einwanderer aus dem Schwarzwald dazu bewogen, eine Glashütte zu gründen: Die Société des Mines et Verrerie de Semsales. Bei ihrer Gründung war sie die erste Glasfabrik der Schweiz. Im 19. Jahrhundert war das Unternehmen unter der Leitung des Franzosen Jean-Baptiste Bremond voll in Betrieb (man erzählt, dass er als persönlicher Sekretär Ludwigs des XVI. vor der Revolution zunächst nach England und dann in die Schweiz fliehen musste). Die Glasfabrik stellte zu dieser Zeit Fensterglas und Flaschen in verschiedenen Formen, Grössen und Farben her. Um 1850 produzierte die Glashütte rund 1 Million Flaschen pro Jahr, um 1900 waren es bereits 3 Millionen. Der damalige Direktor Théodore Quennec liess 1882 einen neuen Ofen patentieren, der die Produktion verdreifachte.
Der Brennstoff kam aus den Minen und Torfmooren von Crêt. In den ersten Jahren beschäftigte das Werk rund 300 Personen in der Produktion und Förderung von Kohle. Viele Bauern in der Region verdienten damit ein Nebeneinkommen. Die Arbeit begann bereits im Alter von 13 Jahren, die Frauen wurden in der Sortierung und Reinigung beschäftigt. Zum Zeitpunkt der Schließung waren noch 150 Arbeiter angestellt. Nach der Ankunft der Eisenbahn wurde Kohle aus Frankreich und Deutschland importiert, wo sie billiger und von besserer Qualität war.
Im Jahr 1913 wurde das Unternehmen von der konkurrierenden Glasfabrik in Saint-Prex gekauft und stellte 1914 seine Tätigkeit in Progens ein. Es scheint dass die damaligen politischen Kräfte, die der Industrialisierung der Region wenig Aufmerksamkeit schenkten, keine Unterstützung für das Unternehmen zeigten, obwohl es der wichtigste Arbeitgeber im Kanton war.
Wenige Jahre vor seinem Tod richtete der Künstler Jean Tinguely sein Atelier in den Lager- und Hallenräumen der ehemaligen Glashütte ein.
Glas Trösch
Glas Trösch verarbeitet seit über 100 Jahren den transparenten Werkstoff Glas – mit grosser Kompetenz und detailliertem Know-how über die Herstellung, Veredelung und Verarbeitung von Glas.
Die Unternehmensgruppe ist in den Bereichen Glasherstellung, Glasbeschichtung, Glasverarbeitung Exterieur und Interieur, Automotive und Technisches Glas tätig. Die Glas Trösch Gruppe beschäftigt rund 5000 Mitarbeitende in 60 Betrieben in Europa und Übersee. Davon arbeiten 1600 Personen in der Schweiz.
Glas Trösch ist heute das grösste Glas herstellende und verarbeitende Familienunternehmen Europas.
Die Saint-Gobain Gruppe
Die Unternehmen der Gruppe Saint-Gobain entwickeln, produzieren und vertreiben Materialien für Bau, Transport, Infrastruktur und industrielle Anwendungen. 190’000 Mitarbeiter arbeiten in den Niederlassungen des Konzerns in 64 Ländern: Saint-Gobain gehört zu den 50 größten Industrieunternehmen der Welt. Saint-Gobain expandiert seit 1937 in der Schweiz. Heute gehört die Schweiz mit mehr als 2’000 Mitarbeitern zu den 10 wichtigsten Ländern des Konzerns.
Die «Manufacture Royale des Glaces de Miroirs» (Königliche Manufaktur für Spiegelglas) wurde vor 350 Jahren während der Herrschaft Ludwigs des XIV. gegründet. Sie richtete ihre Hauptproduktionsstätte in einem Dorf im Norden Frankreichs ein und nahm dessen Namen an: Saint-Gobain. Das Unternehmen florierte schnell. Im 19. Jahrhundert kam ein Chemie-Zweig zu den Aktivitäten des Unternehmens hinzu und es begann seine internationale Expansion. Zu dieser Zeit entwickelte sich Glas zu einem verbreiteten Bestandteil grosser öffentlicher Bauten: Bahnhöfe, Gewächshäuser, Kaufhäuser, Ausstellungshallen.
Die Saint-Gobain Gruppe stellt derzeit alle Arten von Glasprodukten her. Sie verfügt über acht Forschungszentren für alle ihre Tätigkeitsbereiche: Ein Viertel der heute hergestellten Produkte gab es vor fünf Jahren noch nicht!
ISOVER
Saint-Gobain ISOVER AG ist der erste Hersteller von Dämmstoffen aus Glaswolle in der Schweiz. Die Firma mit Sitz und Produktion im Waadtländer Lucens gehört mit über 170 Mitarbeitenden zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region. Seit der Gründung der Firma, im Jahr 1937, setzt sie sich für die kontinuierliche Weiterentwicklung von Dämmstoffen ein und legt dabei einen grossen Fokus auf die Nachhaltigkeit. ISOVER Produkte sind oft zentrale Elemente von energetischen Sanierungen oder Neubauten und bestehen zu 80% aus rezykliertem Altglas. www.isover.ch
Vetrotech Saint-Gobain International AG
Die Gründer von Vetrotech sind Nachkommen der Firma Giesbrecht Glas, die 1884 vom Glasmacher Norbert Giesbrecht in Bern gegründet wurde. Aus dem Familienunternehmen entwickelte sich im Laufe der Generationen die Giesbrecht AG, das führende Verglasungsunternehmen der Schweiz, dann Vetrotech, bevor die Firma 1995 von der Saint-Gobain-Gruppe übernommen wurde.
Für Vetrotech steht Sicherheit an erster Stelle: Dem Menschen soll unfehlbare Sicherheit gewährleistet wrerden, wo immer er sich befindet. Deshalb hat sich das Unternehmen auf die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Brandschutz- und Hochsicherheitsglas spezialisiert. Dank einer breiten Auswahl an feuerhemmenden, schlagfesten, angriffsfesten, kugelsicheren, und sprengwirkungshemmenden Produkten bietet Vetrotech innovative Lösungen für die anspruchsvollsten Anwendungen.
Vetrotech Saint-Gobain International AG
Die Gründer von Vetrotech sind Nachkommen der Firma Giesbrecht Glas, die 1884 vom Glasmacher Norbert Giesbrecht in Bern gegründet wurde. Aus dem Familienunternehmen entwickelte sich im Laufe der Generationen die Giesbrecht AG, das führende Verglasungsunternehmen der Schweiz, dann Vetrotech, bevor die Firma 1995 von der Saint-Gobain-Gruppe übernommen wurde.
Für Vetrotech steht Sicherheit an erster Stelle: Dem Menschen soll unfehlbare Sicherheit gewährleistet wrerden, wo immer er sich befindet. Deshalb hat sich das Unternehmen auf die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Brandschutz- und Hochsicherheitsglas spezialisiert. Dank einer breiten Auswahl an feuerhemmenden, schlagfesten, angriffsfesten, kugelsicheren, und sprengwirkungshemmenden Produkten bietet Vetrotech innovative Lösungen für die anspruchsvollsten Anwendungen.
Vetrotech mit Hauptsitz in Flamatt (FR) beschäftigt weltweit mehr als 1000 Mitarbeiter. Die sieben Hauptproduktionsstätten (eine davon in Romont) sind über drei Kontinente verteilt und gewährleisten eine zuverlässige Versorgung in mehr als 60 Ländern durch regionale Verkaufsstellen, die weltweite Sicherheitslösungen anbieten.
Erie-Electroverre SA ThermoFisher Scientific
Der erste elektrische Glasofen wurde 1935 in Romont in der Fabrik entwickelt, die damals Electroverre Romont SA hieß, aus der 1983 Erie Electroverre und dann Erie-Electroverre ThermoFisher Scientific hervorging. Das Werk verfügt heute über einen Ofen, der 200 Tonnen geschmolzenes Glas fassen kann, und seine vertikalen Streckmaschinen produzieren extra dünne (0,6 bis 6 mm dicke), extra-weisse Glasscheiben. Die verarbeiteten Produkte werden in den Bereichen Medizin (Laboratorien), Industrie, Fotografie, Uhrmacherei und Elektronik eingesetzt.
Kowalski SA
Das Familienunternehmen Kowalski Verre ist seit 1950 in Romont tätig und spezialisiert sich auf Glas für Bau- und Einrichtungszwecke. Duschabtrennungen, Türen, Absperrungen, Böden, Dächer, Küchen, Dekorationsglas, Isolierglas, Verglasung mit integrierten Jalousien: Die rund zwanzig Mitarbeiter des Unternehmens arbeiten für Architekten sowie Privatpersonen.
Louis Kowalski, Nachfahre einer Familie von Spiegelmachern polnischer Herkunft, begann seine Karriere bei Electroverre in Romont. Mit seiner Frau gründete er 1950 «Louis Kowalski – Vitrerie et miroiterie». Auch seine Söhne Michel und Roland haben dort ihre Ausbildung absolviert. Das Unternehmen wurde 1966 in die «Manufacture de verres et glaces Kowalski SA» umgewandelt. Zehn Jahre später wurde eine erste Fabrik gebaut, die 1981 erweitert wurde um Platz für eine neue Isolierglasproduktion zu schaffen. 1989 übernahmen Roland und Danièle Kowalski die Leitung von Kowalski Verre, seit 1995 gemeinsam mit zwei ihrer Kinder.
Schweizerischer Flachglasverband (SFV)
Der Verband ist die einzige gesamtschweizerische Interessenvertretung der Flachglasbranche. Er vereinigt unterschiedlich grosse Betriebe, von Handwerkern bis zur Grossindustrie.
Der Verband vertritt die technischen und fachlichen Interessen der Mitglieder gegenüber Behörden sowie anderen Berufs- und Wirtschaftsverbänden. Er befasst sich mit Fragen der Berufsbildung, der Arbeitgeberpolitik, der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz, und organisiert den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen seinen Mitgliedern.
Glaser entwerfen, bearbeiten, montieren und warten Glas in der Architektur, für Wärme- und Schalldämmung, Brandschutz, Statik, Ästhetik, Innenarchitektur, Fassaden, Rahmen, etc.
Die Grundausbildung für Glaser/Glaserinnen dauert 4 Jahre und endet mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ). Die Lehrlinge arbeiten vier Tage in der Woche im Betrieb und besuchen am fünften Tag die Berufsschule. Nach Abschluss der Fachausbildung sind Weiterbildungen zum Werkstatt- und Montageleiter oder Glasprojektleiter möglich, sowie die Fachprüfung zum eidgenössisch diplomierten Glasermeister.