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Neue Weltkirche des Christus
Andere Namen: Universale Kirche, Bruderschaft der Menschheit, Fundament für Höheres Geistiges Lernen, Dritter Franziskanischer Orden
Andere Schreibung: Neue Welt-Kirche des Christus
Der Gründer und Leiter der Neuen Weltkirche des Christus, der Engländer Peter William Leach-Lewis (1938-2012), erlernte den Beruf des Typographen und war eine Zeitlang als Vertreter für drucktechnische Geräte tätig, wirkte dann aber zu Beginn der 60er Jahre als berittener Polizeioffizier und als Tabakfarmer in der damaligen britischen Kolonie Rhodesien. 1964 siedelte er in die USA über, wo er 1971 zu einem Gottesdienst der Washingtoner Ortsgruppe der «Brücke zur Freiheit», einer von Geraldine Innocente 1953 gegründeten Gemeinschaft in der Tradition der I AM-Bewegung, eingeladen wurde.
Leach-Lewis wurde schnell zu einem äusserst aktiven Mitglied der «Brücke» und glaubte ab 1975 selbst Botschaften der Aufgestiegenen Meister zu empfangen – nach der Art des Channelings: die Meister sprachen durch den Mund Leach-Lewis. Im Jahr 1981 trennte sich Leach-Lewis mit einem Kreis von Getreuen von der «Brücke» und gründete seine eigene Gemeinschaft. Diese Trennung wird von Leach-Lewis als Auftrag der aufgestiegenen Meister verstanden und mit seiner Lehre vom «Sponsoring» erklärt: Die Meister «sponsern» eine bestimmte Organisation nicht auf Dauer, sondern sind in ihr bloss eine Zeitlang, höchstens aber während 20 Jahren wirksam. So kann Leach-Lewis die Theosophische Gesellschaft, die I AM-Bewegung und Alice Baileys Arkanschule als Vorläufer betrachten und deren Lehren verwenden, ohne den heutigen Nachfolgern dieser Richtungen Beachtung schenken zu müssen.
Obwohl die Neue Weltkirche des Christus in den USA offenbar eine recht kleine Gemeinschaft blieb, konnte sie sich schon bald im deutschen Sprachraum, insbesondere in der Schweiz ausbreiten – die zweite Ehefrau von Peter William Leach-Lewis und heutige Leiterin der Gemeinschaft, Rita Maria Leach-Lewis-Vitelli, stammt aus der Schweiz. Insbesondere an esoterischen Messen und unter esoterisch engagierten Menschen warb die Organisatoin recht intensiv und lud interessierte Personen zu einführenden «Primary Lessons» ein, während welcher zu entscheiden ist, ob man durch Unterzeichnung der «Verpflichtungs-Erklärung» die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft erlangen will.
Nach dem Tod des Gründers im Jahr 2012 übernahm dessen Frau Rita Maria Leach-Lewis-Vitelli die Leitung der Gemeinschaft.
Die Neue Weltkirche des Christus rechnet damit, dass pro Zeitalter je einer der aufgestiegenen Meister als «Avatar», als «Herabkunft» des Göttlichen in einen irdischen Körper, wirkt. Im angebrochenen Neuen Zeitalter amte allerdings nicht ein einzelner Avatar, sondern die ganze Neue Weltkirche des Christus als «Gruppen-Avatar», als dessen Teil sich das einzelne Mitglied verstehen kann. Besonders herausgehoben wurde in diesem Zusammenhang die Rolle von Peter William Leach-Lewis selbst, der als «Patriarch und vorsitzender Erzbischof der Universalen Kirche» auch in päpstlichen Gewändern auftreten konnte und der Gemeinschaft als «Orakel» diente, insofern er Botschaften der Meister channelte, die über das Periodikum «Das innere Licht» den Mitgliedern weitergegeben wurden.
Leach-Lewis, der als Wiedergeburt des Jakobus, des Bruders von Jesus, galt, spielte eine fürs Empfinden der Gemeinschaft heilsgeschichtliche Rolle im September 1991, als er, den «Grossen Herrn» (d.h. den aufgestiegenen Meister Jesus) in sich tragend, in Jerusalem auf einem Esel zum Goldenen Tor ritt und damit «die Mission der Rückkehr des Grossen Herrn nach Palästina» durchführte.
Den Lehren der Meister gegenüber, vermittelt durch Peter William Leach-Lewis, versprechen die Mitglieder, die nach indisch-theosophischem Brauch Chelas genannt werden, in der jährlich neu zu unterschreibenden «Verpflichtungs-Erklärung» «vorbehaltloses Vertrauen», und sie geloben den Meistern «unerschütterlichen Gehorsam» in allen Angelegenheiten, die mit der «fortschreitenden geistigen Entwicklung» des Schülers verbunden sind. Daneben verpflichtet sich das Mitglied zur Mitarbeit an der Aufrichtung der Gemeinschaft, indem es mit seiner «vorbehaltlosen Hingabe» fortfährt, «Tag für Tag und Stein auf Stein DAS FUNDAMENT zu errichten und zu erweitern, auf welchem sich Die Universale Kirche erheben soll, siegreich – und dazu bestimmt, den höchsten Rang für ein dauerhaftes neues Goldenes Zeitalter einzunehmen!». Dabei anerkennt das Mitglied seine persönliche Verantwortung, zu diesem Zweck die «notwendige finanzielle Unterstützung beizutragen».
Ins Umfeld der Neuen Weltkirche des Christus gehört die Organisation «Weltfundament für Naturwissenschaft», heute auch im deutschen Sprachraum eher unter ihrem englischen Namen «The World Foundation for Natural Science» auftretend. Begründet und geleitet wurde die Organisation vom Gründer der Neuen Weltkirche des Christus, Peter William Leach-Lewis.
In der Öffentlichkeit aufgefallen ist das Weltfundament für Naturwissenschaft insbesondere durch seine Warnung vor angeblich schädlichen Strahlen durch Mikrowellen-Öfen und Mobiltelefon-Anlagen. Heute wird in Vorträgen auch vor dem neuen Mobilfunk-Standard 5G gewarnt.
In den Neunzigerjahren stiess die damals vor allem unter dem Namen «Universale Kirche» auftretende Gemeinschaft im deutschen Sprachraum zunehmend auf Kritik, einerseits wegen Aussagen der «Aufgestiegenen Meister» und von Mitgliedern, die von Gerichten als antisemitisch bewertet wurden, andererseits infolge des starken Engagements von Mitgliedern gegen Mikrowellen-Öfen und Mobiletelefon-Antennen, die im Schrifttum der Gemeinschaft als schädlich gewertet werden. Engagiert in diesen Debatten ist insbesondere das «Weltfundament für Naturwissenschaft», welches ebenfalls von Peter William Leach-Lewis begründet und geleitet wurde.
Der Neuen Weltkirche des Christus gelang es im deutschen Sprachraum mit ihrer Botschaft von einem angebrochenen neuen, menschlicheren und spirituelleren Zeitalter insbesondere sozial und ethisch engagierte Menschen anzusprechen. In kritischer Sicht wird das ethische Bemühen allerdings in Frage gestellt durch den Elitarismus, insofern sich die Mitglieder als Speerspitze der Menschheitsevolution wahrnehmen, und vor allem durch die als antisemitisch bewerteten Äusserungen, von welchen sich das einzelne Mitglied nur schwer distanzieren kann, da eine solche Distanzierung der «Verpflichtungs-Erklärung» widersprechen würde.
Die Anerkennung der von Antisemiten gefälschten «Protokolle der Weisen von Zion» durch die Gemeinschaft und die Mikrowellen- und Mobilfunk-Thematik signalisieren eine verstärkte Hinwendung von Mitgliedern zu Verschwörungstheorien. Daraus kann eine problematische Weltsicht, sich von Feinden umstellt zu sehen, resultieren. Der Anspruch der Neuen Weltkirche des Christus, das wahre Christentum für unsere Zeit zu repräsentieren, kann nur zurückgewiesen werden. Im durch und durch theosophischen Weltbild der Gemeinschaft gibt es bloss Reste christlicher Tradition, etwa in der Benennung einzelner Meister und in der grundsätzlichen Bezugnahme auf ein Göttliches. Vor allem aber die in den Kreisen der Neuen Weltkirche des Christus auftretenden Feindbilder und Verschwörungsängste lassen von der Freiheit des Evangeliums nicht mehr viel erkennen.
Das innere Licht