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MÄRCHEN
magisch, berührend, verzaubernd
Märchen sind verborgene Geheimnisse, die es zu entdecken gibt. Sie schenken sowohl Freude beim Erzählen als auch beim Zuhören. Wenn das nicht schon Grund genug ist, sich damit zu beschäftigen!!
Sie können uns trösten, Lachen schenken, nachdenklich machen, Erkenntnis bringen, und aus all dem kann man Ruhe schöpfen, erfrischt werden und neue Kraft sammeln. Lass uns zusammen Märchen erleben!
Kirchberger Erzählabend
Die Mohnblumen
Es war einmal eine alte Frau, die hatte eine Tochter, die schickte sie aus, Kräuter zu sammeln.
Eines Tages im Mai, als die Felder voller Blumen waren und die Bäume ausschlugen, kam das Mädchen auf ein Feld, und statt Kräuter zu sammeln, pflückte sie Mohnblumen. Sie hatte auch eine Nähnadel bei sich und nähte sie auf ihren Rock.
Als sie sich so von oben bis unten geschmückt hatte, kamen drei Schicksalsfrauen vorbei und lachten, als sie sie sahen; auch die jüngste lachte, die noch nie gelacht hatte. Da sagten die Frauen zu ihr: «Was sollen wir dir Gutes wünschen dafür, dass du unsere Schwester zum Lachen gebracht hast?» «Die Blumen, die du trägst, sollen Brillanten und Diamanten werden», sagte die erste. Die zweite sagte: «Du sollst die Schöne der Welt werden, und wenn du sprichst, sollen Rosen und Blumen aus deinem Munde fallen.» Und die dritte, die jüngste, sagte zu ihr: «Du, die mich zum Lachen gebracht hat! Jetzt, zu dieser Stunde wird der König vorbeikommen und wird dich zur Frau nehmen. Er wird überwältigt sein, wenn er dich sieht.» Ihr Aussehen verwandelte sich.
Schliesslich kam noch in derselben Stunde der König vorbei, und wie er sie sah, waren seine Augen geblendet, und er stand fassungslos vor ihrer Schönheit, und sagte zu ihr: «Bist du ein Mensch oder ein Luftgebilde?» Sie sagte: «Ein Mensch.» Da sagte er zu ihr: «Komm näher heran», und er nahm sie und setzte sie auf sein Pferd und brachte sie seiner Mutter. Als seine Mutter sie sah, sagte sie zu ihm: «Ach, mein liebes Kind, was ist das? Nein, so etwas! Ein Luftgebilde ist’s.» «Nein, liebe Mutter», sagte er, «es ist eine Frau, mach dir keine Sorgen.» Um es kurz zu machen: Er nahm sie zur Frau. Sie führten ein schönes Leben. Eines Tages, als sie in ihrem Zimmer waren und sie ihn kämmte, lachte sie. Der König fragte sie: «Warum lachst du?» «Ach», antwortete sie, «lieber Schatz, was soll ich dir sagen! Ich lache, weil mir dein Bart vorkam wie der Besen in unserm Schloss.» «Ah, bei Gott», sagte sofort der König, «mit so etwas vergleichst du mich?» Er rief den Zwölferrat zusammen, damit sie ein Urteil fällten, und die sagten zu ihm, er solle sie töten.
Da erfuhren die Schicksalsfrauen, die ihr ihr Schicksal zugeteilt hatten, was ihr zugestossen war. «Da siehst du», sagten sie, «was der Törin geschehen ist!» Und sie rüsteten drei Fregatten aus, verwandelten sich in drei schöne junge Männer, kamen in jene Gegend und fingen an, mit Kanonen zu schiessen. «Es sind drei königliche Schiffe angekommen!» Die Leute liefen herbei, um die Schiffe zu sehen, und der König zog sein Festgewand an und machte sich auf, die Fremden zu empfangen. Die sagten zu ihm: «Wir haben erfahren, dass Ihr unsere Schwester, die wir verloren haben, zur Frau habt.» «Jawohl», sagte der König und war ganz erschrocken. Er nahm die jungen Männer mit sich ins Schloss, man bereitete das Essen, sie speisten und sagten: «Wir möchten unsere Schwester gern sehen.» Also gingen sie ins Zimmer der Königin und sagten zu ihr: «Aber du, was ist dir in den Sinn gekommen, dass du so etwas zu ihm sagst? Ist es nicht genug, dass wir dich zur Königin gemacht haben, musstest du dir auch noch solche Frechheit dem König gegenüber herausnehmen? Er ist entschlossen, dich zu töten. Aber da wir die Schicksalsfrauen sind, die dir dein Schicksal zugeteilt haben, weil du unsere Schwester zum Lachen gebracht hast, nimm diesen kleinen Besen, der ganz aus Diamanten und Brillanten besteht, und häng ihn hinter die Tür. Wenn der König einmal hereinkommt und fragt, was dies ist, dann musst du ihm sagen: ‹Mein König, das ist das, wovon ich sprach, denn solche haben wir in unserem Schloss.› Das sagst du, damit es so aussieht, als ob du sehr reich wärst. Und ein anderes Mal sei vorsichtig; denn, du Unglückliche, weil du unsere Schwester zum Lachen gebracht hast, deswegen erweisen wir dir diese Gunst, der König hatte nämlich die Absicht, dich enthaupten zu lassen.» Nun nahmen sie Abschied von ihr, der König verabschiedete sich auch von ihnen, und sie stiegen in ihre Schiffe und fuhren davon.
Der König kehrte in sein Schloss zurück und ging ins Zimmer der Königin. Wie er die Tür schliessen wollte, sah er ein Ding aus lauter Gold, den hübschen, kleinen Besen, der an der Tür hing und ihm in die Augen funkelte. Er sagte: «Was ist das für ein Ding?» «Das ist das, wovon ich dir sagte, dass dein Bart ihm ähnlich sieht.» Als er das hörte, dachte er: ‹Ah! Ungerechterweise wollte ich sie töten, die Arme. Sie hat das nicht getan, um mich herabzusetzen, sondern sie sagte es, um mich zu ehren, und ich fasste es anders auf.›
Und er versöhnte sich mit seiner Frau, und sie lebten gut und wir noch besser. Weder ich war dabei noch du, so brauchst du es nicht zu glauben.
Griechenland
Quelle: Blumenmärchen, Mutabor Verlag, 2014, nach: Griechische Märchen, Diedederichs Verlag
Ziege und Löwe
Die Ziege und der Löwe
WER WIR SIND
Gisela Bolliger
Esther Cathrin Gertsch-Hostettler
Ich wohne im schönen Emmental. Es ist eine grosse Leidenschaft von mir, die Weisheiten der Märchen, in meinem urchigen Bern-deutsch zu erzählen. Es macht mich glücklich, meine Begeisterung für die Märchen anderen Menschen weiter zu geben.
Barbara Isler
Brigitte Rasper
Und Märchen begleiten mich seit meiner Kindheit. Mit meinen Geschwistern haben wir sie gespielt, später habe ich sie meinen Kindern erzählt und nun hören meine Enkel fasziniert zu. Der Zauber der Märchen ist für mich zeitlos. Ihre Kraft und wunderbare Bildsprache sind Nahrung für die Seele.
Susanne Känel
Die Märchen welche ich erzähle erklingen in Hochdeutsch. Meine Leidenschaft für die Märchen habe ich bei einer Radiosendung wieder entdeckt. Ist es nicht faszinierend, wie Märchen verzaubern können? Sie regen einen zum Träumen an oder bringen einen zum Lachen oder Weinen; manchmal erschrecken oder entzücken sie uns. Wenn man sein Herz öffnet, wird dieses berührt und die Fantasie beflügelt.