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Leserbrief factum-magazin 01/2011 zum Thema Trinität
Im Christlichen Magazin -Factum- vom Januar 2011 war ein Interview des amerikanischen Theologen Thomas K. Johnson über 2 Seiten zum Thema Trinität. Er erklärt im Interview die Wichtigkeit und das Festhalten an der Trinitätslehre. Seite Thesen hat er in seinem knapp 80-seitigen Buch dargelegt mit dem Titel: What Difference Does the Trinity Make? A complete Faith, Life and Worldview. Da Buch hat (angeblich) grosses Aufsehen in der Christlichen Welt erregt.
In seinem Buch versucht er zu erklären, wie wichtig die Trinität für das tägliche Leben ist. Er kommt gleich auf der ersten Seite zur Sache, indem er behauptet, dass "monotheistische Religionen" ohne Trinität keine Liebe hätten.
Weiter schreibt er, der Gläubige benötigt den "ganzen Ratschluss Gottes" (Apg 20,27). Das soll wahrscheinlich, wie einige Verse, eine "Andeutung" an die Trinität sein (siehe u.a. 1Mo 1,26). Er macht aber auch klar, die Trinität sei kein Relikt der frühen Kirche, sondern wer Gott wirklich (?) sei. Die Einheit ist eine Dreiheit. Drei Personen, eine Substanz. Vielleicht hätte er mal bei den Schriften des Kirchenvaters Tertullian nachschlagen sollen. Er ist der Begründer der Formel: "una substantia - tres personas". Dies hat er sich aus dem Theater abgeschaut, wo Schauspieler in verschiedene Rollen hineinschlüpfen.
Weiter folgen ein paar Bibelverse, wo mit ein wenig Augenzwinkern (oder auch etwas mehr) die Trinität belegt sein soll. Weiter schreibt er, dass es ohne die Zweinaturenlehre (Jesus sei 100% Gott und 100% Mensch) kein wahres Evangelium gäbe und wir alle einer Täuschung unterlägen. Für alle Leser die noch in "Gott-Prozenten" arbeiten etwas zum Nachdenken: Jesus sagt, er tue nichts selber, sondern alles hat er vom Vater (Joh 8, 28; 12,49; 14,24). Er sagt, sein Vater sei grösser als er (Joh 14,28) und nur der Vater sei gut (Mk 10,18; Lk 18,19). Interessanterweise weiss Jesus auch nicht wann er wiederkommt, sondern nur der Vater (Mat 24,36).
Am Ende kommt er zur Überzeugung, dass nur ein trinitarischer Christ die volle tiefe Gottes erfassen könnte. Dies macht ja auch aus seiner Vorstellung Sinn. Wenn (sein) Gott aus drei Teilen, einer Arbeitsgemeinschaft oder Komitee o.ä. bestehen sollte, dann sollte dies doch vielmehr auch für den Christenmenschen gelten.
Ich liess es mir nicht nehmen einen Leserbrief zu schreiben. Dieser wurde auch in der folgenden Ausgabe abgedruckt, leider in gekürzter Form. Hier mein Kommentar im Original:
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Das Interview mit Thomas K. Johnson soll beim Leser den Eindruck erwecken, als ob es sich bei der Trinitätslehre um eine fundamentale biblische Wahrheit handelt, welche es zu verteidigen gilt. Die Fakten in der Bibel zeigen uns aber ein differenzierteres Bild. Ausdrücke wie Trinität, Dreieiner Gott, Dreifaltigkeit, Drei Personen in einer Substanz, Zwei-Naturen-Lehre etc. werden in der Bibel nicht erwähnt. Erst mit dem Konzil 325 in Nicäa wurde die Gottheit Jesu Christi beschlossen von Kaiser Konstantin, welcher auf seinem vergoldeten Thron dem Konzil vorstand und diesen massgeblich beeinflusste. Aus Sicht des Kaisers war es völlig legitim, den lange schwelenden Streit zwischen den Schulen in Antiochien und Alexandrien zu beenden. Hier spielen die Kirchenväter des zweiten und dritten Jahrhunderts eine entscheidende Rolle. Fast alle hatten einen philosophischen Hintergrund und waren die Wegbereiter für eine neue Lehre. Der jüdische Philosoph Philo interpretierte aus dem Johannesprolog den Logos als Abbild Gottes, woraus die christlichen Kirchenväter später die Logos-Christologie entwickelten. Der christliche Glaube wanderte damit aus dem alttestamentlich-jüdischen Denkgefüge aus und nahm mit der neuen Sprachgestalt auch neue Inhalte in sich auf. Der Streit zwischen Arius und Athanasius ist nur der vorläufige Abschluss eines Streites, bei welchem sich beide(!) Seiten aus der Werkzeugkiste des Neuplatonismus bedienten um ihre Gottesvorstellungen darzulegen. Der Versuch mit ein paar Versen (1Mo 1,26, Joh. 1.1, 8.58, Phil. 2,6) das Dogma in die Bibel zu projizieren gelingt nur oberflächlich. Es stehen in der Bibel mehr als zwanzigtausend Fürwörter und Verben in der Einzahl, die Einen Gott beschreiben. Es macht somit Sinn sich die einzelnen Verse im Originaltext anzusehen und zu interpretieren und nicht die gesamte Bibel auf den Kopf zu stellen. Für Jesus war es klar, wer der einzig wahre Gott ist (Joh. 17,3) und das der Messias der zweite Adam aus dem Hause Davids ist. Keine zweite Gottheit, sondern ein perfekter und sündloser Mensch (1Tim 2,5). Der Einwand wenn Jesus nicht Gott ist, gäbe es keine Erlösung, ist nicht biblisch. Jesus Christus ist der Mittler, welcher vom Vater bestimmt wurde die Sünden dieser Welt zu tragen. Es ist erstaunlich wie Paulus -mehr oder weniger- im Alleingang das gesamte römische Reich missionieren konnte ohne zuvor etwas von der Trinitätslehre gewusst zu haben. Die Ursache einer Personalisierung des Heiligen Geistes liegt u.a.in den vermittelnden Elementen des Neoplatonismus. Warum hat der Heilige Geist keinen Namen? Wieso wird er nicht angebetet, wenn er Wesensgleich mit Vater und Sohn sein soll? Wenn Paulus tatsächlich an die Trinität glaubte, warum werden immer Grüsse von Vater und Sohn geschickt und nie vom Heiligen Geist? Eine Änderung der Anzahl Götter, hätte unter den Juden zur Zeit Jesu eine Revolution ausgelöst. Das schemá (5Mo 6,4) hat weiterhin seine Gültigkeit und wurde von Jesus Christus bestätigt. Es geht nicht eine Über- oder Unterbewertung des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes wie Johnson meint, sondern um eine biblische Bewertung. Wenn wir unser Denken von der Kruste des historisch gewachsenen Dogmatismus befreien und die mangelnde biblische Beweislage nicht mit kreativen Interpretationen füllen, kommen wir dem Wesen Gottes sicherlich viel näher.