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Von Daniel Foppa
Der Aufstieg der SVP begann in den 90er-Jahren. Von 1991 bis 1999 konnte sie ihren Wähleranteil von 11,9 Prozent auf 22,5 Prozent nahezu verdoppeln. Laut den Nachwahlbefragungen wurde dieser Aufstieg vor allem von männlichen Wählern in Agglomerationen und Landgemeinden vorangetrieben. Zwar stieg die SVP auch in der Gunst der Frauen, aber mit zeitlicher Verzögerung zu den Männern. Als die Partei 2011 bei den Wahlen 2,3 Prozentpunkte verlor und noch auf 26,6 Prozent kam, büsste sie bei den Frauen leicht mehr als bei den Männern ein.
Der Trend schien klar: Die SVP mag zulegen oder verlieren – sie wird primär von Männern gewählt. Dieser Trend wurde nun gebrochen. Wie die Tamedia-Befragung zeigt, geht der aktuelle Anstieg der SVP auf 29,4 Wählerprozent stark auf das bessere Abschneiden der Partei bei den Frauen zurück. Demnach wählten 30 Prozent der Männer, die zur Urne gingen, SVP. Bei den Frauen waren es 29 Prozent. «Die SVP ist keine Männerpartei mehr», sagt Thomas Milic von der Forschungsstelle Sotomo. Die Partei erreiche nun eine Grösse, die vergleichbar sei mit der einer klassischen europäischen Volkspartei wie der CDU. «Eine solche Partei wird von beiden Geschlechtern gewählt.»
Demgegenüber wird die FDP überdurchschnittlich oft von Männern gewählt. So gaben 19 Prozent der Männer der FDP ihre Stimme, aber nur 13 Prozent der Frauen. Traditionell höher in der Gunst der Frauen liegen SP und Grüne. Die SP konnte dabei Wählerinnen von den Grünen zurückgewinnen. Bei den Männern ist sie hingegen nach wie vor auf dem absteigenden Ast.
Angst vor dem Abstieg
Bei den Einkommensschichten vermag die SVP weiterhin am besten die weniger gut Verdienenden zu mobilisieren. Allerdings holt die SP auf. So wählten 2011 noch 37 Prozent der Personen mit weniger als 5000 Franken Einkommen SVP, und nur 17 Prozent SP. 2015 ging der Anteil SVP-Wähler in der tiefsten Einkommensschicht auf 34 Prozent zurück, während er bei der SP auf 22 Prozent stieg. Laut Sotomo sind indes eine erhebliche Zahl der SP-Wähler aus tieferen Einkommensschichten Studenten.
Das Comeback der FDP geht vor allem auf das Konto der Gutverdienenden. Zwar wählt diese Einkommensschicht seit Jahren überdurchschnittlich oft freisinnig. Vor vier Jahren wechselten aber viele Gutverdienende zur GLP – um der neuen Partei, die ebenfalls das Wort «liberal» im Namen führt, eine Chance zu geben. Einen Teil dieser Wähler hat dieFDP nun wieder zurückgewonnen. Laut Milic ist die angespannte wirtschaftliche Lage ein Grund für die Rückkehr: «Die Angst vor dem wirtschaftlichen Abstieg hat dazu geführt, dass viele Gutverdienende ihre Stimme wieder der FDP gaben – weil sie ihr die höchste Wirtschaftskompetenz zuschreiben.» Zudem sei auch in höheren Einkommensschichten das Bedürfnis zurückgegangen, sich wegen der Bankenkrise vom Freisinn abgrenzen zu müssen. «Die FDP konnte dieses Stigma ablegen», sagt Milic.
Das höchste durchschnittliche Bildungsniveau weisen die Grünen-Wähler auf, gefolgt von der GLP und der FDP. Am anderen Ende der Skala befinden sich die SVP und die BDP. Schliesslich gibt die Befragung auch Auskunft über das Durchschnittsalter: So hat die GLP die jüngste Wählerbasis, gefolgt von den Grünen und der SP. Die ältesten Wähler haben derweil FDP und BDP.
Wer hat wen gewählt? Die Parteipräferenz wurde nach Alter, Geschlecht, Einkommen und Bildung aufgeschlüsselt. Zeitliche Entwicklungen können durch den Einbezug von Daten der Selects-Studien zu vergangenen Wahlen dargestellt werden. Die Zeitverläufe sind für die drei grössten und zugleich siegreichen Parteien dargestellt.
Die Stichprobe
Die Nachwahlbefragung zu den nationalen Parlamentswahlen 2015 lief zwischen dem 16. und 18. Oktober 2015 auf den Webseiten der Medien von Tamedia. Für die Auswertung der Problemnennungen wurden die Angaben derjenigen Befragten berücksichtigt, die sich bis Sonntag Abend um 17 Uhr beteiligt hatten. Insgesamt beteiligten sich bis zum besagten Zeitpunkt 39’828 Personen an der Umfrage. Rund 37’700 gaben dabei an, an den Wahlen teilgenommen zu haben.
Weil die Stichprobe nicht auf einer Zufallsauswahl beruht, können nur Punktschätzungen der Wählerpräferenzen angegeben werden. Der Stichprobenfehler, der bei Zufallsauswahlen jeweils ausgewiesen wird und die Fehlerspanne der Parameterschätzung angibt, kann bei opt-in Umfragen nicht berechnet werden.
Die Gewichtung
Bei der vorliegenden Umfrage handelt es sich um eine Befragung, bei der sich die Teilnehmer selbst rekrutierten (opt-in online survey). Weil diese Stichprobe nicht repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten (bzw. Wahlteilnehmenden) steht, wurde sie gewichtet. Zu den Gewichtungsmerkmalen gehören das Alter, das Geschlecht, der Kanton, das Bildungsniveau sowie das Entscheidungsverhalten bei vergangenen Wahlen und Abstimmung. Diese Gewichtung gewährleistet eine hohe soziodemographische und politische Repräsentativität der Stichprobe.