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Meinem Nachnamen sieht man nicht an, dass meine Mutter aus Italien stammt. Ack-lin klingt angenehm nach Acker. Dass meine aus dem aargauischen Fricktal stammenden Ahnen väterlicherseits Bauern und Bäuerinnen waren, liegt auf der Hand. Meine Mutter war die Tochter eines „fruttaiolo“. Mein Grossvater fuhr in der Provinz Treviso von Hof zu Hof und verkaufte Obst. In seinen mittleren Jahren kaufte er einen für eine 7-köpfige Familie eher kleinen eigenen Bauernhof und wollte fortan keinem Unternehmer oder Eigentümer mehr verpflichtet sein.
In meiner Kinder- und Jugendzeit hatte ich den Vor- und den Nachteil, dass weder LehrerInnen noch Peers mich als halbe „Seconda“ erkannten. Als die Secondos dann cooler wurden als noch in meiner Primarschulzeit, gehörte ich leider nicht dazu. Ehrlich gesagt, mein Italienisch ist so eingerostet, dass ich diese Identität sprachlich nicht glaubhaft hätte vermitteln können.
Wenn ich aber meine Familiengeschichte anschaue, dann bin ich mit Fug und Recht eine ganze „Seconda“ und zwar zweite Generation Gärtnerin (mit einigen hereditären Prozenten vielleicht auch Bäuerin). – Beide meine Elternteile stammten von Bauern und Bäuerinnen ab. Meine Mutter hat auf dem Bauernhof mitgearbeitet und von ihrer Mutter gelernt. Sie ging aber schon früh als Dienstmagd in die Schweiz. Mein Vater hingegen war der Sohn eines gescheiterten Bauern, der in den 30-er Jahren Haus und Hof verlor und als Fabrikarbeiter zunächst in die Ziegelei von Frick arbeiteten ging und danach in die Nähe von Basel übersiedelte. Auch mein Vater migrierte also, wenn auch in einem geographisch sehr überschaubaren Rahmen. Aber ein Wechsel der sozialen Klasse war das schon.
Den grössten Teil ihres erwachsenen Lebens waren meine „prima generazione“ aber Gärtner und Gärtnerin. Meine Eltern entschieden bald nach der Hochzeit, einen Teil ihres Glücks in einem Schrebergarten zu suchen, auf dem Bruderholz bei Basel. Vor allem meine Mutter wusste, wie sie Gemüse, Obst und Blumen anbauen und pflegen musste. Mein Vater sorgte eher für ein Unkraut-freies kleines Paradies und baute ein Gartenhaus. Übrigens: Schrebergarten sagt man heute nicht mehr, denn der Herr Schreber war ein moralischer Streber und empfahl Anfang des 19. Jahrhunderts die Gartenarbeit vor allem zur „gesunden Triebabfuhr“.
Familien- oder Freizeitgarten ist heute in der Tat der bessere Begriff. Dieses Stückchen Land war in meiner und meines Bruders Kindheit eine Familienangelegenheit. Als Jugendliche taten wir jedoch unser Bestes, um in Bezug auf den Garten möglichst nicht weiter aufzufallen bzw. uns von der Gartenarbeit heimlich abzusetzen…
Heute bewirtschaften mein Partner und ich einen privaten Stadtgarten. Wir pflanzen nur zum Spass Essbares an, haben eher Büsche, Bäume und Hecken. Die immerhin eine Lebensgrundlage für Würmer, Ameisen, Wild- und Honigbienen, Vögel und ab und zu sogar Eichhörnchen abgeben. Meine Gartenarbeit ist im Verhältnis zu derjenigen meiner Grosseltern und Eltern sehr bescheiden. Ich weiss nicht, ob das psychologisch hundertprozentig stimmt, aber ich sublimiere wohl eher deren Essenz in diesem Blog und meinem Podcast.
Wie andere auch, bin ich in der heutigen Wissensgesellschaft eben als zweite Generation Gärtnerin etwas eingerostet. Aber meine Generation tritt unter verschärften Bedingungen an. Heute ist bei uns weniger Selbstversorgung angesagt – auch wenn das Verspeisen der wenigen Erdbeeren aus unserem Garten zelebriert wird. Dafür ist Reflexion und Offenheit für ganz grosse Fragen wichtig und das Bewusstsein Verantwortung mitzutragen. (Womit sich der Kreis wieder schliesst, denn meine Eltern haben innerhalb ihrer Möglichkeiten dasselbe getan.)