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In der Welt der Regionalentwicklung gibt es keinen Mangel an Herausforderungen und Chancen. Eine interessante Alternative, die sich von herkömmlichen Wachstumsstrategien abhebt, ist die "residentiale Ökonomie". Insbesondere in der Schweiz, wo sich regionale Disparitäten zunehmend vertiefen, kann dieser Ansatz dazu beitragen, strukturschwache Gemeinden auf nachhaltige Weise zu entwickeln.
Die Herausforderung: Das wachsende Gefälle zwischen starken und schwachen Regionen
Die Schweiz, bekannt für ihre atemberaubenden Alpenlandschaften und ihre wirtschaftliche Stabilität, steht vor einer wachsenden regionalen Kluft. Die Globalisierung und die Dominanz von Ballungszentren in der Metropolregion haben die Entwicklungsmöglichkeiten in strukturschwachen Gemeinden eingeschränkt. Dies zeigt sich in ungleichen Lebensbedingungen und ungleichen wirtschaftlichen Perspektiven.
Oftmals reagieren strukturschwache Gemeinden auf diese Herausforderungen mit dem reflexartigen Fokus auf quantitatives Wachstum. Dies kann kurzfristig Steuereinnahmen generieren, langfristig jedoch zu einer "Wachstumsfalle" führen, die schwerwiegende volkswirtschaftliche Probleme nach sich zieht.
Die Wachstumsfalle vermeiden: Die Idee der "Residentialen Ökonomie"
Die "residentiale Ökonomie" ist ein innovativer Ansatz zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Statt auf kurzfristiges Wachstum zu setzen, liegt der Fokus auf der Schaffung einer lebenswerten Umgebung, die Einwohner anzieht und hält. Dieser Ansatz strebt eine ausgewogene und nachhaltige Entwicklung an und berücksichtigt die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung sowie den Schutz der natürlichen und kulturellen Ressourcen.
Strategien für die "Residentiale Ökonomie"
Die Umsetzung der "residentalen Ökonomie" erfordert eine sorgfältige Planung und die Zusammenarbeit aller Beteiligten, einschliesslich Gemeindeverwaltungen, Bürgerinnen und Bürger sowie anderer Interessengruppen. Hier sind einige Ansätze und Strategien, die im Rahmen dieser innovativen Idee in Betracht gezogen werden können:
Diversifizierung der Wirtschaft: Anstatt sich auf einen einzigen Wirtschaftszweig zu konzentrieren, sollten Gemeinden nach Möglichkeiten suchen, ihre Wirtschaft zu diversifizieren. Dies kann die Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in verschiedenen Branchen sowie die Förderung von Landwirtschaft und Kultur umfassen.
Erhalt der Landschaft und Kultur: Die Bewahrung der natürlichen Umwelt und der kulturellen Identität einer Region kann die Lebensqualität und Attraktivität für Einwohner und Besucher erhöhen. Dies kann durch den Schutz von Naturreservaten, historischen Stätten und kulturellen Veranstaltungen erreicht werden.
Gemeinschaftsengagement: Die Einbindung der Gemeinschaft in Entscheidungsprozesse und Entwicklungsprojekte gewährleistet, dass lokale Bedürfnisse und Prioritäten berücksichtigt werden. Bürgerbeteiligung und partizipative Ansätze sind Schlüsselkomponenten der "Residentialen Ökonomie".
Bildung und Fachkräfteentwicklung: Die Förderung von Bildung und die Entwicklung von Fachkräften vor Ort können die Chancen für die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region erhöhen.
Infrastrukturmanagement: Eine effiziente Verwaltung von Infrastrukturprojekten ist entscheidend, um die finanzielle Stabilität zu gewährleisten. Dies erfordert eine sorgfältige Planung und eine realistische Bewertung der langfristigen Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen.
Nachhaltige Raumplanung: Eine intelligente Raumplanung, die die Nutzung von Ressourcen und Landflächen optimiert, kann zur Vermeidung von übermässigem Wachstum beitragen.
Förderung des Wohnens: Die Bereitstellung von attraktivem und bezahlbarem Wohnraum ist entscheidend, um die Bevölkerungszunahme zu befördern und zu halten. Dies kann die Schaffung von Wohnraum für verschiedene Einkommensgruppen sowie die Sanierung und den Erhalt von historischen Gebäuden umfassen.
Die "residentiale Ökonomie" ist ein vielversprechender Ansatz, um die Herausforderungen der Regionalentwicklung in strukturschwachen Gemeinden der Schweiz anzugehen. Dieser Ansatz betont die Bedeutung einer ausgewogenen und nachhaltigen Entwicklung, die auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft abzielt und die langfristige Lebensqualität in den Vordergrund stellt. Indem wir uns von der "Wachstumsfalle" verabschieden und die "Residentiale Ökonomie" fördern, können wir eine lebenswertere Zukunft für alle schaffen. Unabhängig ob es Schnee gibt oder nicht.
Autorin
Prof., Ing. Raumplanung BSc HTR FSU / Ökonomin MAS MBA Christine Seidler ist Dozentin am IBAR und unterrichtet Digitalisierung und Nachhaltigkeit & Mobilität. Sie ist Leiterin des Forschungsfeldes Raumplanung.