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Am 19. September 2017 bebte in Mexiko-Stadt die Erde. Nicht zum ersten Mal an genau diesem Tag – und mit erneut verheerenden Folgen für Bevölkerung und Bauwerke. Das hat seine Gründe.
Die Megalopolis Mexiko-Stadt steht auf einem ausgetrockneten See. Vor 500 Jahren wurde die aztekische Hauptstadt Tenochtitlan, welche aus strategischen Gründen inmitten des Texcoco-Sees stand, von den Spaniern unter Hernán Cortés erobert. Im Zuge der Eroberung zerstörten die Spanier nicht nur den Grossteil der fortschrittlichen Stadtstruktur sondern auch das ausgeklügelte System von Kanälen, Dämmen und Brücken. Über Jahrhunderte hinweg entwässerten sie die den umliegenden See und die Kanäle, um die Stadt erweitern zu können. Heute steht ein Grossteil der Hauptstadt Mexikos auf Sand- und Lehmschichten. Der schlammige Untergrund führt heute einerseits zur stetigen Absackung zahlreicher Gebäude und verstärkt andererseits die seismischen Bewegungen während eines Erdbebens. Oft wird in diesem Zusammenhang die Metapher des amerikanischen Geophysikers John Bellini zitiert, der davon sprach, dass der Baugrund unter Mexiko-Stadt bei Erdbeben wie Wackelpudding in einer Schale reagiert.
Ein Erdbeben im Jahre 1985 veränderte Mexiko-Stadt dauerhaft. Die Zahlen der Toten und der eingestürzten Gebäude sind bis heute nicht geklärt. Man geht davon aus, dass über 10'000 Menschen starben und rund 800 Gebäude zusammenbrachen. Die Regierung war vollkommen überfordert. Die traumatisierten Menschen vertrauten der Stadt und ihren Gebäuden nicht mehr und zogen an den sicheren Stadtrand. Der Autoverkehr nahm dadurch sichtlich zu. Zum 32. Jahrestag des verheerenden Erdbebens erklang am 19. September 2017 in Mexiko-Stadt der alljährliche Sirenentest des mexikanischen Erdbenenalarmsystems SASMEX um zehn Uhr morgens. Wie jedes Jahr nutzten die städtischen Bewohner und Angestellten den Test, um die Zeit zu berechnen, die sie brauchen, um aus dem Gebäude zu flüchten, um allenfalls eine Anpassung des Verhaltens im Ernstfall zu planen. Drei Stunden später erklang die Sirene erneut. Zwanzig Sekunden später bebte die Erde in Mexiko-Stadt. Die Zerstörungen in der Stadt waren aufgrund der nach 1985 verschärften Bauvorschriften geringer. Etwa 230 Personen verloren in Mexiko-Stadt ihr Leben und etwa 200 Gebäude wurden stark beschädigt. Unter den eingestürzten Gebäuden waren auch kürzlich fertiggestellte, und die korrupte Bauunternehmer dieser Bauten haben nun Menschenleben auf dem Gewissen. Wie bereits 32 Jahre zuvor war die Regierung völlig überfordert und wieder war es die Zivilbevölkerung, die auf die Strassen rannte, um zu helfen. Die Dörfer waren hingegen für eine lange Zeit vom Rest der Zivilisation abgeschnitten und erhielten erst sehr spät Hilfe. Bis heute sind es die ländlichen Gebiete, die am meisten unter den Zerstörungen des Erdbebens leiden.
Zwei Jahre nach dem schweren Erdbeben veröffentlichte die mexikanische Architekturzeitschrift Arquine, die auf Englisch und Spanisch erscheint, die Ausgabe «missing pieces» – fehlende Teile – und gibt Einblick in die Wiederaufbauprojekte in ganz Mexiko. Verschiedene Sichtweisen auf die Zeit nach dem Erdbeben sind darin zusammengefasst; darunter auch politische Stimmen.
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