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1929 in Mels geboren und viele Jahre als Sonderschullehrerin tätig, ist Helen Meier vergleichsweise spät, 1984 mit ihrem ersten Buch „Trockenwiese“, an die Öffentlichkeit getreten. Zusammen mit dem Auftritt am Ingeborg Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt machte dies die Schriftstellerin schlagartig bekannt. Seither entstand ein umfangreiches erzählerisches Werk. Dazu gehören die Romane „Lebenleben“, „Die Novizin“ und „Schlafwandel“, zahlreiche Erzählbände („Das einzige Objekt in Farbe“, „Das Haus am See“, „Nachtbuch“, „Letzte Warnung“, und „Liebe Stimme“) sowie die dokumentarisch gefärbte, eng mit Trogen verbundene Erzählung „Adieu Herr Landammann“ über Jacob Zellweger-Zuberbühler (Herisau 2001). Zuletzt erschienen 2014 und 2105 im Xanthippe Verlag Zürich „Kleine Beweise der Freundschaft“ mit späten Texten und unter dem Titel „Die Agonie des Schmetterlings“ frühe Prosaarbeiten. Im Herbst 2017 wird im Verlag Huber das mit einer Biographie der Autorin versehene Lesebuch „Übung im Torkeln entlang des Falls“ von Charles Linsmayer erscheinen. Damit werden einige wichtige Werke der gewürdigten Schriftstellerin wieder erhältlich sein.
Helen Meiers andere literarische Plattform ist die Theaterbühne. „Die gegessene Rose“ wurde 1996 am Theater St.Gallen uraufgeführt, im Innenhof des Fünfeckpalastes Trogen wurde 2002 ihr Stück „Die Vereinbarung“ inszeniert. Das St.Galler Theater Parfin de siècle spielte ihre Bühnentexte „Janus“ (2004) und „Heute“ (2007).
Schreiben sei „Wagnis und Irrtum, Spielfreude und Arbeit und das Aushalten eines möglichen Scheiterns“. So hat Helen Meier das Metier der Schriftstellerin einmal charakterisiert. Am Ende dieser Arbeit stehe die „Witterung, dass das Geschriebene ein guter Text sein könnte“. Diese Haltung gegenüber dem Schreiben als Lebenselixier, als alle Sinne umfassende, geistig wie körperlich existentielle Tätigkeit ist kennzeichnend für das Werk der heute 88jährigen Autorin.
Für ihr Schaffen ist Helen Meier vielfach ausgezeichnet worden. Unter anderem erhielt sie im Jahr 2000 den Droste-Preis und 2001 den Grossen Kulturpreis der St.Gallischen Kulturstiftung. Laudatorin Beatrice von Matt würdigte die Autorin damals als weltliche Mystikerin und Ekstatikerin der Sprache, deren Zuneigung den rebellischen, veränderungswilligen, unbändigen Zeitgenossen und vor allem Zeitgenossinnen gelte.
Helen Meier hat sich zudem über Jahre für die Ausserrhodische Kulturstiftung engagiert als Mitglied der Arbeitsgruppe Literatur, Theater und Tanz, deren Tätigkeit sie als Verfechterin des genauen und Verächterin des geschwätzigen Worts mit geprägt hat. Sie lebt in Trogen.
Helen Meier ist die fünfte Preisträgerin des Ausserrhoder Kulturpreises, der seit 2008 alle zwei bis drei Jahre für herausragende künstlerische Leistungen vergeben wird. Der Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden würdigt mit dem kantonalen Kulturpreis 2017 Helen Meier für ihr aussergewöhnliches und reiches erzählerisches Werk, das weit über den Kanton hinaus ausstrahlt. Der Preis ist mit 25'000 Franken dotiert und wird der Schriftstellerin am 24. Mai im Rahmen einer öffentlichen Feier in Trogen überreicht.