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14:03:2013
Der Autor Harry Bernstein hat mit seiner Aufzeichnung begonnen nach dem Tod seiner Frau im Jahr 2002. Heraus gekommen ist das Buch 2006 in London. Ins Deutsche übersetzt wurde es 2009 duch die Ullstein-Buchverlage und als Taschenbuch ist es erhältlich unter "List" ISBN 978-3-54837-2.
Harry Bernstein erinnert sich im Alter von 90 Jahren zurück an seine Kindheit. Er beginnt zu schildern was sich zutrug als er vier war und er bringt sein Buch, das 332 Seiten umfasst, zu Ende als die Familie, er ist 12 jährig, nach Amerika ausreist.
Eveline Jäger
Ausführlich beschreibt Bernstein die Botengänge die er für Sarah, das jüdische Mädchen das in einen Christen verliebt war, machen durfte. Da war er erst vierjährig, sie hat ihn bezahlt dafür und er setzte das sofort für Süssigkeiten ein. Als die Liebesaffäre des jungen Paares auskommt wird sie von ihrem Vater ganz fürchterlich geschlagen und nach Australien geschickt. Das erwähnt der Autor mit wenigen Worten und weil man im zweiten Teil erfährt, dass sie im fernen Land gut geheiratet habe und wohlhabend geworden sei, sehe ich jedenfalls darin kein Drama.
Viel mehr bin ich berührt von der Tragik die seiner Schwester Lily widerfährt. Die brilliante Schülerin, ein zartes Persönchen mit langem, seidig wehenden Haar, wird von ihrem Vater mit einer schrecklichen Brutalität daran gehindert das Aufnahmegespräch in die höhere Schule zu machen, nachdem sie die Prüfung mit Auszeichnung bestanden hat. Völlig unverständlich zwingt er sie in die Fabrik zu gehen in der auch er arbeitet als Schneider. Schlussendlich aber heiratet sie hinter dem Rücken ihrer Eltern, den Mann den sie liebt, einen Christen.
Es ist höchst verwunderlich was der Bub, ohne gesehen zu werden, alles mitgehört hat im Laden seiner Mutter und wie er es noch zu wissen scheint.
Die ganze Nachbarschaft wurde da verhandelt und eine jede brachte eine andere Neuigkeit in die Runde. Er glaubt, dass seine Mutter diese Nachmittage liebte und sich darauf freute. Seine Teilnahme daran ergab sich indem er, wenn die Frauen kamen, in eine Ecke verschwand und hinter einem Kartoffelsack das Geschehen beobachtete.
Schonungslos packt der Autor aus was ihm in Erinnerung ist über seinen Vater der nichts Gutes an sich hat. Viel Worte über ihn verliert er aber nicht, am meisten aber da, wo er aufzeigt wie seine Mutter zu diesem Mann kam.
Bernstein versteht es vorzüglich bilderreich zu erzählen was das Lesen leicht macht. Somit eignet sich das Buch bestens als Bettlektüre, es ladet nicht auf es hilft einzuschlafen. Wer sich für die jüdische Religion interessiert und für das Leben einer Arbeiterfamilie kommt auf seine Rechnung, dazu gibt es einiges her. Und weil das jüdische vom christlichen Viertel nur durch eine Strasse geteilt ist erfährt man auch von den Spannungen die da herrschen unter den BewohnerInnen der Häuserreihen.