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Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen. - Heraklit
Boston – Schon ein geringer Verzehr von Olivenöl hat in 2 prospektiven Beobachtungsstudien das Risiko auf einen vorzeitigen Tod gesenkt. Die Teilnehmer starben nach den jetzt im Journal of the American College of Cardiology (JACC, 2022; DOI: 10.1016/j.jacc.2021.10.041) publizierten Ergebnissen seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen und Atemwegserkrankungen im Vergleich zu Menschen, die nie oder fast nie Olivenöl benutzen.
Olivenöl ist ein Eckstein der mediterranen Küche. Während in andern europäischen Ländern Butter oder andere tierische Fette zum Kochen benutzt werden, wird in den Mittelmeerländern das dort seit mindestens 4 Jahrtausenden verfügbare Öl aus den gepressten Früchten des Olivenbaums verwendet.
Die gesundheitlichen Vorteile des pflanzlichen Öls wurden bereits in zahlreichen epidemiologischen Studien untersucht. Ein klinischer Nutzen war in der PREDIMED-Studie auch auf dem von Leitlinien geforderten Evidenzniveau einer randomisierten klinischen Studie erkennbar.
Die Besonderheit der jetzt von Marta Guasch-Ferré und Mitarbeitern der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston vorgelegten Studie ist, dass die günstige Wirkung bereits bei einem geringeren Verzehr bestehen könnte, als in der PREDIMED-Studie. Dort hatten die Teilnehmer in der höchsten Kategorie durchschnittlich 56,9 g Olivenöl pro Tag verzehrt.
So viel Öl wird in der amerikanischen Küche nur selten verwendet. Olivenöl ist dort keine Grundlage beim Kochen, sondern eher eine geschmackliche Zugabe für den selten verzehrten Salat. Die höchste Kategorie in der „Nurses’ Health Study“ (NHS) und der „Health Professionals Follow-up Study“ (HPFS) lag bei einem täglichen Verzehr von 7 Gramm, was etwa 1/2 Esslöffel entspricht.
Ein Vorteil der beiden prospektiven Beobachtungsstudien ist neben der langen Nachbeobachtungszeit die hohe Teilnehmerzahl von 60.582 Frauen in der NHS und 31.801 Männern in der HPFS. Dies ermöglicht es, auch den Einfluss geringer Mengen Olivenöls zu untersuchen.
Die Ergebnisse sind eindeutig. Teilnehmerinnen oder Teilnehmer mit dem höchsten Olivenölkonsum von über 7 g/Tag hatten in den 28 Jahren der Nachbeobachtung ein um 19 % vermindertes Sterberisiko gegenüber denen, die nie oder selten Olivenöl konsumierten. Die adjustierte Hazard Ratio (HR) von 0,81 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,78 bis 0,84 hoch signifikant.
Die höchste Olivenölaufnahme war mit einem um 19 % geringeren Sterberisiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HR 0,81; 0,75-0,87), und einem um 17 % niedrigeren Krebssterberisiko (HR 0,83; 0,78-0,89) verbunden. Das Risiko, an neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder Morbus Parkinson zu sterben, war sogar um 29 % vermindert (HR 0,71; 0,64-0,78). Auch Todesfälle an Atemwegserkrankungen traten zu 18 % seltener auf (HR 0,82; 0,72-0,93).
Sogenannte Substitutionsanalysen ergaben, dass Amerikanerinnen und Amerikaner, die 10 g Margarine, Butter, Mayonnaise oder Milchfett pro Tag durch die gleiche Menge Olivenöl ersetzen, ihr Sterberisiko um 8 % bis 34 % senken könnten – wenn die gefundenen Assoziationen denn kausal sind.
Daran sind allerdings Zweifel erlaubt, da die Ergebnisse allzu „rund“ sind. Die protektive Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die auch in der PREDIMED-Studie belegt werden konnten, ließen sich durch den hohen Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren erklären wie Ölsäure (Omega-9-Fettsäure) mit einem Anteil von über 70 %. Ein Schutz vor Krebserkrankungen könnte durch die im Öl enthaltenen antioxidativen Phenole vermittelt werden, die vor allem im nativen Olivenöl extra vorhanden sind (beim zu starken Erhitzen jedoch zerstört werden).
Für die protektive Wirkung vor neurodegenerativen Erkrankungen oder Atemwegserkrankungen gibt es jedoch keine biologisch plausible Erklärung. Die Senkung aller Sterberisiken könnte auch dadurch zustande kommen, dass die wenigen Amerikaner, die „reichlich“ Olivenöl verwenden, auch auf andere Weise gesünder leben. Dann könnten andere Aspekte für die protektiven Assoziationen verantwortlich sein. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob die neuen Ergebnisse durch weitere Studien bestätigt werden.