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Medien sind und bleiben ein wichtiges Machtinstrument
Im zweiten Irakkrieg als einem "Krieg im Informationszeitalter" spielte die
Kontrolle der Medien eine wichtige Rolle:

- Die Kontrolle der Medien des Gegners erfolgte durch Ausschalten von
Fernseh- und Radiosendern und deren Ersetzung durch mobile eigene Sender.
- Die Information des Gegners wurde nur noch zu
Unterhaltungszwecken ernst genommen.
- Emails, Flugblätter, Radio und Telefon riefen den Gegner zum
desertieren auf.
- Das Ausschalten der gegnerischen Kommandokommunikationslinien desorientierte
die Armee.
- Dank Berichterstattung durch
eingebettete Reporter wurde der Informationsfluss gesteuert.
Radio Tikrit
Auch Kurzwellensender wie Radio "Tikrit" wurden zu Propagandazwecken eingesetzt, wie
Mitte Mai bekannt wurde. Tikrit ist die Geburtsstadt Saddam Husseins. Der Sender
"Radio Tikrit" hatte im Dezember 2002 jeweils am Abend auf 1584 kHz
gesendet. Die Frequenz liegt in der Nähe der
zwei Radiostationen "Radio Zweistromland" (Twin Rivers Radio auf 1566 kHz)
und "Radio Zukunft" (Al-Mustaqbal auf 1575.3 kHz), die beide ein Sprachrohr
der irakischen oppositionellen Gruppe INA sind.
Im "Radio Tikrit" wurde vor allem der Koran zitiert, sowie eine Übersicht
von Neuigkeiten aus Arabischen Zeitschriften verbreitet. Der Sender galt als
regimefreundlich.
Interessant wurde es vom 15.-19. Februar 2003, als der Inhalt des Senders zu ändern
begann. Berichte über Armut im Irak und Kritik an Husseins
Republikanischen Garde und Sicherheitsapparat wurden geäussert. Mitglieder
der Republikanischen Garde wurden aufgefordert, ihre Positionen zu verlassen bevor
es zu spät sei. Am 19. Februrar wurden Sicherheitsoffiziere aufgefordert, die
Befehle Husseins zu verweigern.

"Warum sollen die tapferen Soldaten kämpfen und ihr wertvolles Leben
opfern, während Saddam weiter leben kann?"

Hörfunkspezialisten wurde klar: "Radio Tikrit" wurde vom CIA unterstützt.
Der Sender konnte die selben Studios benützen wie "Voice of America":
Aus einem NZZ Artikel vom 18. Mai:
"Radio Tikrit verriet sich schliesslich selbst, als sie in ihrer Antwort
auf eine der interessierten Email-Anfragen darauf verwiesen, diese
doch bitte in Zukunft direkt an die Adresse des INA zu schicken. Den
Hörfunkspezialisten war damit klar, dass "Radio Tikrit" vom CIA
unterstützt wurde. Dazu fand Radio Niederlande heraus, dass "Radio
Tikrit" dieselben Studios in Kuwait benutzte wie die "Voice of America",
das staatliche US-Radioprogramm."
Der psychologische Krieg ist noch im Gange
Nach dem offiziellen Ende des Krieges geht der Kampf um die Meinung weiter.
Die irakische Bevölkerung soll zur Demokratie erzogen werden. Von Flugzeugen aus
werden TV- Programme ausgestrahlt, zum Beispiel Filme mit arabischen
Untertiteln.

Medienexperte
Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow Institut der Uni Hamburg
meint dazu: |

"Auf Dauer kann dies keine Lösung sein. Diese Programme können der
Bevölkerung nicht glaubhaft machen: Wir senden für Euch!"

Das berücksichtigt die amerikanische Regierung. Sie beabsichtigt deshalb
den Aufbau eines irakischen Mediennetzwerkes, in dem zurückkehrende
Exilanten und ehemaligen Angestellten des irakischen Staatsfernsehens die
"Stimme des Neuen Iraks" bilden sollen. Der Radiosender ist bereits seit dem
17. April zu hören. Bisher wurde jedoch nur Popmusik gespielt. Es fehlt an
einer unabhängigen Berichterstattung.
Am 21. April 2003 hatte BBC einen neuen Sender
"Radio Sumer" am alten Platz von Radio Tikrit entdeckt.
Radio Tikrit konnte am 20. April noch gehört werden.
"Sumer" ist der alte Name für die frühe Zivilisation in der
Region des heutigen Irak zwischen Euphrat und Tigris.
Da das Programm von "Radio Sumer" dem Programm von
"Radio Tikrit" ähnelt, scheint "Radio Sumer"
der Nachfolger von "Radio Tikrit" zu sein.
Mit dem Zerfall des Husseinregimes ist es nun zu einer Auseinandersetzung
zwischen den verschiedensten politischen Strömungen gekommen.
Das momentane Machtvakuum im Irak ist ein
ideales Terrain, um Stimmungen zu schüren. Der Propagandakrieg im
Kurzwellenbereich muss hier eingeordnet werden.