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Immer mehr Wärmerekorde
Der Klimawandel spiegelt sich in den monatlichen Temperaturrekorden in der Schweiz. Zehn von zwölf Wärmerekorden fallen auf die Jahre 1990 und später ‒ der letzte fiel soeben im Januar 2018. Zudem ist die Anzahl Monate, die zu den zehn Wärmsten zählten, in den letzten Jahrzehnten massiv gestiegen. Alle Kälterekorde liegen viele Jahrzehnte zurück ‒ der letzte wurde im Februar 1956 registriert. Seit August 2006 gab es keinen Monat mehr, der zu den zehn Kältesten gehörte.
Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz misst seit 1864 die Temperaturen an Stationen schweizweit. Diese Messungen zeigen: In der Schweiz wird es immer wärmer, und zwar um rund 2°C im Jahresmittel. Damit verbunden haben im Verlauf der Zeit die Wärmerekorde stark zu- und die Kälterekorde stark abgenommen. In diesem Beitrag betrachten wir die monatlichen Wärme- und Kälterekorde und die zehn wärmsten und kältesten Werte (Top 10) pro Monat für den Zeitraum von 1864 bis heute etwas genauer. Wir verwenden dazu das von MeteoSchweiz berechnete und frei verfügbare Schweizer Temperaturmittel.
Wärmerekorde vorwiegend seit 1990
Abbildung 1 zeigt die monatlichen Temperaturverläufe seit 1864. Die Temperatur ist in allen Monaten angestiegen, je nach Monat zwischen 1.1°C im Februar und 2.9°C im Oktober. Wie bei einer fortschreitenden Erwärmung erwartet, werden die meisten Wärmerekorde gegen Ende der Zeitspanne registriert. In zehn von zwölf Monaten wurde der höchste Wert im Jahr 1990 oder später gemessen (grosse rote Punkte), der letzte gerade eben im Januar 2018. Nur im September (1961) und Mai (1868) liegen die Wärmerekorde weiter zurück.
Letzter Kälterekord im Februar 1956
Ganz anders sieht die Sache für die Kälterekorde (vgl. grosse blaue Punkte) aus. Alle liegen weit in der Vergangenheit. In den Monaten April bis Oktober treten die Rekorde zwischen 1902 und 1923 auf, im November, Dezember und März vor dem Jahr 1900. Die letzten zwei Kälterekorde wurden im Januar 1945 und Februar 1956 registriert. Interessanterweise war der letzte Kälterekord im Februar 1956 auch mit Abstand der kälteste Monat in der Schweiz seit Beginn der systematischen Messungen 1864.
Immer mehr warme Top 10 Monate
Eindrücklich ist die Entwicklung der Anzahl Fälle, die zu den zehn wärmsten und kältesten Werten pro Monat gehören, also der rekordnahen oder «Top 10» Monate. Diese je 120 Top 10 Monate jeweils für warm und kalt sind in Abbildung 1 mit grossen (Rekorde) und kleinen (Rang 2-10) roten und blauen Punkten dargestellt. Von Auge ist gut erkennbar, dass in den letzten 20 bis 30 Jahren fast nur noch warme Top 10 Monate (rote Punkte) aufgetreten sind.
Um dies noch deutlicher zu machen zeigt Abbildung 2 (siehe unten) die Entwicklung der Anzahl warmer und kalter Top 10 Monate pro Jahrzehnt seit den 1860er Jahren. Sie bestätigt, dass die Anzahl warmer Top 10 Monate in den letzten vier Jahrzehnten markant angestiegen ist. Während in den 1960er mit fünf und 1970er Jahren mit zwei nur sehr vereinzelt warme Top 10 Monate registriert wurden, waren es zwischen 2001 und 2010 mit 26 und zwischen 2011 und Januar 2018 mit schon 22 Monaten sehr viel mehr. Somit sind in den letzten gut sieben Jahren umgerechnet bereits gut drei Top 10 Monate pro Jahr aufgezeichnet worden. In einem sich nicht verändernden Klima mit zufällig über die Zeit verteilten warmen und kalten Monaten würden etwa 0.65 Top 10 Monate pro Jahr erwartet.
Ganz anders die Entwicklung der Anzahl kalter Top 10 Monate. Bis in die 1910er Jahre schafften es 9 bis 17 Monate pro Jahrzehnt in die kalte Top 10. Die grösste Anzahl wurde mit 17 Monaten beziehungsweise 1.7 Monaten pro Jahr in den 1910er Jahren registriert. Danach sinkt die Anzahl deutlich ab. Seit bald zwölf Jahren, nämlich seit August 2006, gab es keinen einzigen Monat mehr, der es in die kalte Top 10 schaffte.