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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch I.
21.
Die Stoiker bereicherten die Philosophie hinsichtlich des Schlußverfahrens und bestimmten ihren Umfang beiläufig durch Definitionen. Chrysippos und Zeno, die in ihren Lehren übereinstimmten, nahmen an, das Prinzip aller Wesen sei Gott, der der reinste Körper sei; seine Vorsehung walte überall. Auch sie versicherten, daß alles vom Schicksal abhänge und gebrauchten dabei folgenden Vergleich: Ein an einen Wagen gebundener Hund wird, wenn er folgen will, zu gleicher Zeit mitgezogen und läuft freiwillig mit; er setzt dabei den freiwilligen Akt mit Notwendigkeit, gleichsam nach Schicksalsschluß; will er nicht folgen, so wird er doch unter allen Umständen zum Mitlaufen genötigt. So geht es auch bei den Menschen; auch wenn sie nicht sich fügen wollen, werden sie doch jedenfalls gezwungen, sich dem Schicksalsschlusse zu unterwerfen. Weiter lehren sie, daß die Seele unsterblich sei; doch sei sie körperlich und entstehe aus abgekühlter Luft, weshalb sie auch Psyche1 heiße. Sie nehmen auch eine Seelenwanderung nach der Trennung der Seele vom Leibe, [S. 37] einen künftigen Weltbrand und eine künftige Weltreinigung an, die nach den einen eine vollständige, nach den anderen eine teilweise sein wird, wobei Teil um Teil gereinigt werde; auch pflegen sie das Vergehen eines Dinges wie sein Neuentstehen Reinigung zu nennen. Nach ihnen ist alles Körper; ein Körper kann den anderen nicht2 durchdringen, sondern sie liegen nebeneinander3, so daß aller Raum erfüllt ist und es keinen leeren Raum gibt. So lehren die Stoiker.
1: [peripsyxis] — [psychē] περίψυξις — ψυχή — Abkühlung — Seele.
2: Hier dürfte die Überlieferung von [mē] μὴ gegen die Verbesserung in [men] μὲν zu halten sein, besonders wenn Diels'sche Lesart im folgenden angenommen wird; es gibt keine Kompenetration, aber eine Juxtaposition der Körper.
3: Diels.