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Nur wenige Wochen, nachdem er nach dem kommunistischen Staatsstreich in der Tschechoslowakei beschlossen hatte, von einem Gastspiel in England nicht in seine Heimat zurückzukehren, trat Rafael Kubelík erstmals bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern, dem heutigen LUCERNE FESTIVAL, auf: Am 28. August 1948 musizierte er mit dem Schweizerischen Festspielorchester Dvořáks Siebte Sinfonie, Janáčeks Taras Bulba und Tschaikowskys Erstes Klavierkonzert (mit Alexander Brailowsky als Solisten). «Ein Vogel singt nicht im Käfig», erklärte er später: «Ich habe mein Vaterland verlassen, um nicht mein Volk verlassen zu müssen. […] Ich ging, um nicht mitwirken zu müssen am Abbau unserer Kultur und Humanität.»
Am Vierwaldstättersee fand Rafael Kubelík eine zweite Heimat: Für fast fünf Jahrzehnte zählte er zu den prägenden Festspielkünstlern, als Dirigent und Komponist, mit Dirigiermeisterkursen und als künstlerischer Berater. 1967 nahm Kubelík die Schweizer Staatsbürgerschaft an, 1968 zog er von Luzern ins nahegelegene Kastanienbaum, in das direkt am See gelegene, dreihundert Jahre alte «Haus im Sand», wo er bis zu seinem Tod 1996 lebte.
Heute, am 29. Juni 2014, wäre Rafael Kubelík 100 Jahre alt geworden. Wie haben aus unserem Archiv einige schöne Fotos zusammengestellt.
CD-Tipp:
Zum 100. Geburtstag Rafael Kubelík ist in der Reihe «LUCERNE FESTIVAL Historic Performances» jüngst als Erstveröffentlichung der Live-Mitschnitt einer konzertanten Aufführung von Béla Bartóks einziger Oper Herzog Blaubarts Burg erschienen, die Kubelik im Festspielsommer 1962 gemeinsam mit Irmgard Seefried und Dietrich Fischer-Dieskau aufführte – wobei er einmal mehr sein untrügliches Gespür für Bartóks orchestralen Reichtum offenbarte.