Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03654.jsonl.gz/2640

Man schätzt, dass 8 von 10 Menschen mindestens einmal in ihrem Leben unter Lumbalgie, d.h. Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich, gelitten haben.
Warum sind diese Schmerzen so häufig? Von wo kommen sie eigentlich? Und was kann man machen, wenn man darunter leidet?
Lumbalgie oder LWS-Syndrom ist das Fachwort für Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, d.h. im unteren Rückenbereich.
Wichtig ist zu verstehen, dass diese Beschwerden keine Krankheit, sondern Symptome sind. Sie sagen uns, dass etwas in diesem Rückenbereich nicht in Ordnung ist.
Die Lendenwirbelsäule ist ein sehr wichtiger Teil der Wirbelsäule, denn sie trägt das meiste Gewicht unseres Körpers und ist für die gesamte Körper-Flexibilität verantwortlich.
Die Lendenwirbelsäule-Struktur ist äusserst komplex: in den Räumen zwischen den Wirbeln befinden sich die Bandscheiben und durch die Wirbel läuft der Wirbelkanal mit Rückenmark und Nervenwurzeln. Deshalb sind Veränderungen in dieser Struktur fast immer mit sehr schmerzhaften Symptomen verbunden.
In der Regel treten zwei Arten von Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich auf: Chronische oder Akute Schmerzen.
- Akute Schmerzen sind am stärksten und treten plötzlich nach einer physischen Belastung auf. Darunter leiden am meisten junge Menschen.
- Chronische Schmerzen sind nicht so stark aber meistens andauernd. Darunter leiden am meisten ältere Menschen.
Ursachen von Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule
Die Ursachen können vielfältig sein.
In 97% der Fälle werden solche Beschwerden durch eine Veränderung des Rückens verursacht, z.B. durch:
- Überbelastung der Wirbelsäule, z.B. durch Übergewicht oder Tragen von zu schweren Gewichten
- Sesshaftigkeit
- schlechte Körperhaltung beim Sitzen, Schlafen, Hoch- und Heruntertragen eines schweren Objektes
- schlechte Körperhaltung am Arbeitsplatz
- Traumata
- Altersbedingte degenerative Erkrankungen wie Osteoarthrose und Osteoporose
- Muskelkontrakturen und myofasziale Triggerpunkte in der unteren Rückenmuskulatur
- Erschlaffung der Rückenmuskulatur
- Bandscheibenvorfall
Nur 3% der Fälle sind auf nicht-mechanische Ursachen zurückzuweisen und die ausgestrahlten Schmerzen können von viszeralen Störungen verursacht werden (Z.B. Nierenerkrankung, Beckenerkrankung usw.) oder mit Entzündungen, Infektionen und emotionellen Störungen in Verbindung gebracht werden.
Die Statistik sagt also, dass in 9 von 10 Patienten die Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich auf eine Veränderung einer Gelenk-, Muskel- oder Bandstruktur zurückzuführen sind. Obwohl Zahlen ganz interessant sind, sollte man sich nicht von den Statistiken konditionieren lassen. Der Arzt oder der Physiotherapeut muss in jedem einzelnen Fall eine Anamnese und eine genaue Exploration der Symptome liefern. Nur so kann man eine exakte Diagnose und eine passende zielgerichtete Therapie gewährleisten.
Wie kann der Physiotherapeut helfen?
Diagnose
- In mehr als 90% der Fälle, wird die Ursache der Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich im Rahmen einer gut geführten Untersuchung anhand physischen Tests und der Befragung des Patienten etabliert.
- Bei Zweifeln kann man auch die Partie röntgen lassen. Röntgenbilder zeigen eventuelle Veränderungen in der Knochenstruktur der Wirbelsäule. Sie sind daher bei Verdünnung der Bandscheiben und bei Fehlausrichtung der Wirbelsäule gut geeignet.
- Um Weichgewebe-Veränderungen, z.B. Nervenkompressionen, zu erkennen sind die Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) geeignet.
- Achtung: die Densitometrie ist die häufigste Untersuchung bei Osteoporose. Osteoporose selbst verursacht aber keine Schmerzen, weil die Schmerzen eher von einer plötzlichen Wirbelfraktur herkommen. Daher ist Densitometrie bei Schmerzen im LWS-Bereich nicht geeignet.
Weil die Ursachen so unterschiedlich sein können, muss vor der Behandlung eine genaue Diagnose vorliegen. Wenn die eigentliche Ursache nicht bestimmt wird, wird der Schmerz weiter und weiter auftreten. Man läuft ausserdem das Risiko, dass die Schmerzen chronisch werden, weil nur die Symptome behandelt werden.
Behandlung
Der Arzt verschreibt i.d.R. entzündungshemmende Medikamente, die keine oder nur eine zeitlich begrenzte Besserung ermöglichen, da sie auf die Ursache des Problems nicht wirken.
Die Behandlung durch einen Physiotherapeuten ist deshalb wichtig, um nicht nur die Schmerzen zu behandeln, sondern auch um die Schmerzursachen zu erforschen und zu therapieren.
Die Physiotherapie bietet ein breites Spektrum an Behandlungstechniken, die sowohl der Linderung von Schmerzen als auch der Normalisierung von Fehlfunktionen im Lendenwirbelsäulenbereich dienen:
- Manuelle Therapie und therapeutische Massage lösen Kontrakturen auf.
- Dehnungen reduzieren die Symptome, denn Dehnübungen können die Mobilität und die Elastizität erweitern bzw. erhalten und somit Schmerzen und Steifigkeit verringern.
- Mobilisierung der Lendenwirbelsäule
- Triggerpunkttherapie und Dry-Needling sind geeignet, um Triggerpunkte zu neutralisieren und um schmerzhafte Symptome in kürzester Zeit verschwinden zu lassen
- Wenn die Schmerzen stressbedingt sind, hilft die Osteopathie am meisten. Dank dieser werden Blockaden im Körper aufgespürt und mit speziellen manuellen Techniken aufgelöst.
- Bandscheibenvorfälle müssen je nach Fortschritt nicht unbedingt chirurgisch operiert werden. Die Physiotherapie kann mit speziellen Techniken helfen, die gesunde Struktur der Bandscheibe wieder herzustellen.
- Körperliche Übung stärkt die Rückenmuskulatur und vermeidet langfristig die Wiederkehr von Kontrakturen und Erschlaffung. Kontrollierte bewusste Körperbewegungen tragen auch dazu bei, eine korrekte Körperhaltung aufzunehmen. Aber aufgepasst! Sport ist nicht immer die Lösung, denn je nach Diagnose, z.B. bei Bandscheibenvorfällen, keine körperliche Belastung erfolgen muss.
Zusammenfassung
- 8 von 10 Personen haben in ihrem Leben schon unter Schmerzen der Lendenwirbelsäule gelitten.
- Einer der häufigsten Faktoren ist die falsche Körperhaltung, wiederholte Belastungen oder das fehlerhafte Tragen von schweren Gewichten usw.
- Eine Rückenverletzung verursacht auch akute Rückenschmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich.
- Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich sind akut oder chronisch.
- Sie können auch stressbedingt sein.
- Sie können auch durch Triggerpunkte verursacht werden.
- Sie können viele Ursachen haben, deshalb ist eine exakte Diagnose am wichtigsten. So können nicht nur Symptome, sondern auch Ursachen behandelt werden.
- Die Behandlung hängt von der Diagnose ab, darum ist es wichtig, einen Profi wie einen Physiotherapeuten oder einen Osteopathen zu konsultieren.
Merken