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DVD-Review: Fernsehschauen mit echten Nebenwirkungen
In der Stadt Terminus wird am Silvesterabend über alle elektronischen Kommunikationsmittel ein seltsames Signal ausgesendet, das in den Menschen tief verborgene Aggressionen auslöst und diese dazu bringt, sich gegenseitig umzubringen. In wenigen Stunden gerät die Welt völlig aus den Fugen und Leichen pflastern die Strassen.
Kein "Perfect Day" für die hübsche Mya (Anessa Ramsey): Sie ist auf der Flucht vor ihrem Ehemann Lewis (AJ Bowen), der eben einen seiner Kumpels abgemurkst hat. Bewaffnet ist sie nur mit einem Discman. Der Song von Lou Reed, den ihr Liebhaber Ben (Justin Welborn) ihr geschenkt hat, beruhigt sie und lässt die wahnsinnig gewordene Aussenwelt an ihr abprallen.
Lewis und Ben platzen derweil auf der Suche nach Mya in eine Neujahrsparty der etwas anderen Art. Gastgeberin Anna (Cheri Christian) hat gerade ihren Ehemann um die Ecke gebracht und versucht nun mit Hilfe von dessen Kumpel Clark (Scott Poythress) die Leiche zu beseitigen. Die beiden Nebenbuhler mischen die Party tüchtig auf und bringen diese so richtig in Schwung.
"The Future of Horror" ist der zweite Satz, den man neben dem grossen Titel auf dem DVD-Cover liest. Eine Behauptung, welche man genau so leichtfertig auf ein Cover schreibt wie "Wer Saw mochte, wird diesen Film lieben." Das Szenario kann es jedenfalls nicht sein, denn das Verbreiten von Tod durch elektronische Mittel wurde bereits in Pulse etabliert, sowie in Stephen Kings Buch "The Cell" noch weiter verfeinert. Was ich jedoch bis jetzt noch nie in einer Horrorproduktion gesehen habe ist, dass sich drei Regisseure zusammenschliessen, um gemeinsam einen Film zu drehen, in dem jeder der drei ein Kapitel abliefert, welche dann zu einem ganzen Film zusammengesetzt werden. Ob jedoch andere Regisseure so risikofreudig wie David Bruckner, Dan Bush, und Jacob Gentry sein werden, ist zu bezweifeln, denn sie hatten nur ein symbolisches Budget von $50,000 zur Verfügung und beendeten alle Dreharbeiten in nur dreizehn Tagen! Am fertigen Resultat sieht man aber weder die kurze Drehzeit, noch das kleine Budget an, was eine enorme Leistung ist!
Wenn man sich auf The Signal einlässt, muss man sich von Anfang an auf einige Überraschungen und unerwartete Wendungen gefasst machen. So wähnt man sich zum Beispiel in den ersten Minuten in einem völlig falschen Film, denn es flimmert ein absolut schlechter Slasher über den Screen. Glücklicherweise stellt sich dies als TV-Einspielung heraus, und ab da beginnt die eigentliche Handlung sowie der Horror. Die Schauspieler von The Signal sind, wie üblich bei solchen No Budget Produktionen, alles unbekannte Gesichter, welche bisher meistens in Nebenrollen oder kleinen Produktionen aktiv waren. Dennoch bieten sie eine solide Leistung und besonders AJ Bowen als Myas widerlicher Ehemann gibt ein grossartiges Eckelpaket ab, das man einfach hassen muss.
Die Handlung selber ist in drei Kapitel unterteilt, die aber aneinandergehängt wurden und sich stark unterscheiden. Im ersten Kapitel erhält man - als das Signal auftaucht und die Menschen mit dem Morden beginnen - einen linearen Slasher, dann folgt eine sehr schwarze und makabere Komödie, und das letzte Kapitel geht dann mehr in philosophische Gefilde. Dabei fällt die Handlung sehr verschachtelt aus, da die bisher gezeigten Geschehnisse, über die drei Kapitel, schrittweise aus den Perspektiven der anderen Figuren ergänzt werden. Wer jedoch mitdenkt, behält locker den Überblick und kann sich an der Spannung sowie der Kurzweiligkeit von The Signal erfreuen. Der einzig grosse Minuspunkt ist jedoch die äusserst schwurblige Auflösung am Ende, welches eher unter die Kategorie "hä, was sollte das" als "ah, so war das" gehört.
Fazit: The Signal ist eine sehr willkommene und kurzweilige Überraschung. Was die drei Regisseure mit einem Budget von $50,000 und dreizehn Tagen Drehzeit geschafft haben, ist beeindruckend. Ein Film, drei sehr verschiedene Kapitel und dreimal ein sehr unterschiedliches Horrorerlebnis. Dank guter schauspielerischer Leistungen, einem nicht neuen, aber gut ausgeführten Szenario und, vor allem im Mittelteil, viel schwarzen Humor, werden kurzweilige hundert Minuten präsentiert, denen man das kleine Budget kaum ansieht und sicher einen Blick sowie einige Diskussionen wert ist.
Die DVD kommt in der Special Edition sehr edel mit einem 3D-Schuber daher und präsentiert den Film mit sehr scharfem Bild, das auch auf grossen Bildschirmen gut aussieht. Der Ton kann im Original wie auch in der Synchro überzeugen, doch es ist wie üblich zu empfehlen, den Film im Originalton anzusehen. Der Hammer ist allerdings das Bonusmaterial. Für ein Projekt mit so einem kleinen Budget wird eine riesige Fülle von Bonusmaterial geboten, welches tiefe Einblicke in die Entstehung des Projektes ermöglicht und auch erst klar macht, mit was für Herzblut sie dahinter waren und was sie erreicht hatten.
es kommt sicher auch drauf an was man erwartet... die vollmundige werbung jedenfalls tritt wie so oft daneben und das ganze gemetzel, das ja versucht gaaanz lustig und schwarzhumorig zu sein, ist einfach nur derb und niveaulos.