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Arten von Mühlen
Wassermühlen waren zwar schon in der Antike bekannt. Doch erst im Hochmittelalter verbreitete sich die Technologie in ganz Europa und trug wesentlich zum Bevölkerungswachstum nach der Jahrtausendwende bei. Eine bedeutende Erfindung war die Nockenwelle (10. Jh.), die es ermöglichte, die kreisförmige Bewegung der Mühlräder in eine lineare umzuwandeln. So konnten beispielsweise Stampfen oder Hämmer angetrieben werden. Bald weitete sich der Begriff „Mühle“, mit dem ursprünglich nur Getreidemühlen bezeichnet wurden, auf alle Werke aus, welche die Wasserkraft nutzten.
Kornmühlen (Getreidemühlen)
Ursprünglich waren alle Mühlen am St. Albanteich Getreidemühlen (möglicherweise mit Ausnahme der Oris- und der Almosenmühle). Sie stellten die Ernährung der stetig wachsenden Stadtbevölkerung sicher. Nachdem in Kleinbasel ein weiteres Mühlenviertel entstanden war, fand eine Diversifizierung statt. Während die Kornmühlen am Hinteren Teich nach und nach zu Papiermühlen umgebaut wurden, wurde in vier von sechs Mühlen am Vorderen Teich bis ins 19. Jahrhundert Getreide gemahlen. Es handelt sich um die Hirzlimühle (bis 1837), die Spitalmühle (bis 1883), die Steinenklostermühle (bis 1883) und die Lippismühle (bis 1885). Dazu kamen nach 1865 die Breitemühle und die bis 1925 produzierende Brüglinger Mühle.
Gewürzmühlen
Exotische Gewürze wie Pfeffer, Nelken, Ingwer oder Safran waren jahrhundertelang absoluten Luxusgüter. Gewürzhändler gehörten zur reichen Oberschicht und waren in der einflussreichen Safranzunft organisiert. Diese erwarb 1487 die Orismühle und betrieb sie fast 300 Jahre lang als „Wurtzmühlin“. Im 19. Jahrhundert diente auch die Spisselimühle als Gewürz- und Senfmühle.
Papiermühlen
Papiermühlen nutzten die Wasserkraft vor allem, um die Stampfwerke, mit denen der Rohstoff (Textilfasern) zu einem Brei zerstampft wurde, anzutreiben. Da sie äusserst lärmintensiv waren und einen schlimmen Gestank verbreiteteten, wurden sie meist weitab von grösseren Siedlungen angelegt. Basel mit seinen Papiermühlen innerhalb der Stadtmauer bildete eine grosse Ausnahme. Dabei spielte die periphere Lage des St. Alban-Tals sicher eine Rolle. Papier war für die Stadt in zweierlei Hinsicht von Bedeutung: Einerseits war es fast 200 Jahre lang (bis zum Aufkommen der Bandweberei) eines der wichtigsten Exportprodukte, andererseits veranlasste es Buchdrucker, sich hier niederzulassen. Diese trugen dazu bei, das sich Basel zu einem bedeutenden Zentrum des Humanismus nördlich der Alpen entwickelte.
Die Papierherstellung konzentrierte sich zunächst auf den Hinteren Teich, der deshalb auch „Papierer-Teich“ genannt wurde. 30 Jahre nachdem Heinrich Halbysen die Rych- und Zunzgermühle zu Papiermühlen hatte umbauen lassen, wurde bereits in fünf der sieben Mühlen Papier hergestellt. Am Vorderen Teich begann die Papierproduktion sehr viel später: 1874 kaufte Samuel Stöcklin die Orismühle. Seine Firma, Stöcklin & Cie, war die erste, die Papier in grossem Stil industriell herstellte. Dazu erwarb sie sich nach und nach sämtliche Wasserrechte und Areale (ausser der Hirzlimühle). Mit dem Wegzug der Firma 1955 endete die gewerbliche Nutzung des St. Albanteichs.
Papiermühlen am Hinteren Teich (Beginn der Produktion):
- Rychmühle (1448)
- Zunzgermühle (1448)
- Gallicianmühle (1453)
- Rheinmühle (vor 1472)
- Stegreifmühle (1480)
- Almosenmühle (1525-1650, 1776-1925)
- Herbergsmühle (1752)
Papiermühlen am Vorderen Teich:
- Orismühle (1878)
- Spitalmühle (1884)
- Lippismühle (1885)
- Spisselimühle (1912)
- Steinenklostermühle (1934)
Schleifen
In Schleifmühlen trieben die Mühlräder grosse, senkrecht stehende Schleif- und Schmirgelscheiben an. Damit konnten unterschiedliche Materialien (Stein, Metall, Holz) bearbeitet werden. Möglicherweise wurden im St. Alban-Tal unmittelbar nach der Anlage des Teichs neben den Kornmühlen auch zwei Schleifmühlen eingerichtet. Jedenfalls werden sowohl die Oris- als auch die Almosenmühle in den ältesten Quellen als Schleifen erwähnt.
Hammerschmieden
Lange Zeit wurde am St. Albanteich kaum Metall verarbeitet. Nur vereinzelt tauchen in den Quellen Hammerschmiede auf, etwa in der Spisselimühle oder in der Gallicianmühle. Die beiden Schleifen (Orismühle und Almosenmühle) waren im Mittelalter zuweilen an Messeschmiede verpachtet. Erst nach der Verlängerung des Teiches wurde in der „Neuen Welt“ bei Münchenstein ein Eisenhammer, ein Kupferhammer und ein Drahtzug eingerichtet.
Tabakmühlen
Das „Tabaktrinken“ lernten schon die Seeleute unter Kolumbus in Amerika kennen. Doch erst während des 30-jährigen Krieges verbreitete sich der Konsum in ganz Europa. In der Schweiz förderte Bern nach 1720 den grossflächigen Anbau der Pflanze. Ab 1770 wurden auch im St. Alban-Tal Tabakblätter gestampft, zunächst in der Orismühle, später in der Gallicianmühle, die eine bis 1931 produzierende Tabakfabrik beherbergte.
Farbholzmühlen
Zum Färben von Textilien verwendete man bis ins 19. Jahrhundert natürliche Farbstoffe. Diese gewann man u.a. aus Farbhölzern, die in Mühlen zu Spänen oder Pulver zerkleinert und anschliessend in einem dunklen Raum mit Zugabe von Wasser fermentiert wurden. In Basel wurden die Farben vornehmlich in Kleinbasel hergestellt, wo sich auch die meisten Färbereien befanden. Im St. Alban-Tal wurden zwischen 1831 und 1859 zuerst die Herbergsmühle, anschliessend die Stegreifmühle als Farbholzmühlen genutzt.
Gipsmühle
1418 pachtete der Basler Rat ein Rad der Herbergsmühle, um damit Gips zu mahlen. Wie lange dieser Werkstoff im S. Alban-Tal hergestellt wurde, ist unklar; spätestens nach 1490 stand die städtische Gipsmühle am Riehenteich in Kleinbasel.
Walkmühlen (Walken)
Walken ist ein Fertigungsverfahren in der Textilherstellung. Grobe Wolltücher werden in einer Lauge geknetet und geschlagen, bis sich die Fasern verfilzen und ein glatter, undurchlässiger Stoff entsteht. Diese schon in der Antike bekannte Technik wurde bis ins Hochmittelalter von Hand (oder mit den Füssen) ausgeführt. Danach entstanden mit Wasserkraft angetriebene Walkmühlen. Wie in den Papiermühlen trieb das Wasserrad eine Nockenwelle an, welche die Stampfhämmer anhob und fallen liess.
Die Weberzunft erwarb 1548 in der Nähe von St. Jakob ein Grundstück, auf dem sie eine Walke erstellen liess. Angetrieben wurde diese von einem von der Birs abgeleiteten „Wasserruns“. Nach der Verlängerung des Teiches 1624 erhielt die Zunft vom Basler Rat die Erlaubnis, gegenüber dem Brunnwerk St. Jakob eine neue Walke zu errichten. Weitere Walken befanden sich in der Breitemühle und der Orismühle.
Sägemühlen
Im Mittelalter wurde für kurze Zeit ein Rad der Hinteren Schleife (Almosenmühle) dazu genutzt, ein Sägewerk anzutreiben. Danach sollte es über 400 Jahre dauern, bis der St. Albanteich wieder zur Holzverarbeitung genutzt wurde: 1836 wurde in der Breite die Stehlinsche Säge errichtet, 1874 die Steinenklostermühle zu einer Schreinerei umgebaut.