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Die Altstadt von Bern liegt auf der von dem Fluss Aare gebildeten Halbinsel. In der Spitze der Halbinsel errichtete Herzog Berchtold IV oder V von Zähringen zuerst die Burg Nydegg, am Ende des 12. Jh. legte er die Stadt Bern an.
Die Stadt entwickelte sich in mehreren, heute noch ablesbaren Etappen von der Spitze der Halbinsel nach Westen. Seit ihrer Gründung ist sie von denselben, für diese Zeit äusserst klaren städtebaulichen Prinzipien geprägt: Den mittleren, zur Abhaltung der Märkte sehr breiten Hauptgassen folgen parallele und schmalere Nebengassen. Die einzelnen Baufelder, die «Hofstätten» zwischen den Gassen, messen immer 100 x 60 Fuss. Sie sind in schmale, aber tiefe Parzellen aufgeteilt, auf denen beidseitig Gebäude mit rückwärtigem Hof errichtet wurden. Das System der Wasserversorgung ist getrennt: Brunnen liefern das aus Quellen stammende Trinkwasser, der kanalisierte Stadtbach bringt das Brauchwasser und spült die Abwasserkanäle, die Ehgräben. Alle öffentlichen Bauten wurden – es gibt in der Gründungsanlage keine Plätze – an den Flanken der Altstadt errichtet. Dieses Prinzip wurde auch noch im 19. Jh. befolgt, etwa mit dem Bau des Bundeshauses, des Stadttheaters, des Kunstmuseums oder des Rathauses. Die Gassen sind von den berühmten Arkaden, den «Lauben» gesäumt, die nach dem Stadtbrand zu Beginn des 15. Jh. zu Lasten des Gassenraums errichtet wurden.
Vor rund hundert Jahren wurde die Altstadt mit hohen, die Aare überspannenden Brücken verbunden, was die Entwicklung der aussenliegenden Quartiere förderte. Auch wenn in der oberen Altstadt im Laufe der Zeit oftmals grössere Flächen kommerzieller Nutzungen eingerichtet wurden, ist sie in ihrer Erscheinung intakt geblieben. Die Unterstadt wurde vor Beeinträchtigungen der äusseren und inneren Struktur mehrheitlich geschützt, heute sorgen Sonderbestimmungen des Baureglements für die Altstadt und die Aufsicht der Fachstelle für Denkmalpflege der Stadt Bern für einen sachgerechten und behutsamen Umgang mit der Welterbestätte.
Die Altstadt von Bern wurde als Beispiel für einen beeindruckend klaren, mittelalterlichen Städtebau, der sich in seiner Struktur bis heute nicht verändert hat, auf die Liste des Welterbes aufgenommen. Zwar datiert die Gestalt vieler Häuser heute aus dem 18. Jh.; ihre Struktur ist jedoch die der Gründungsstadt geblieben. Seit dem Gründungsplan hat sich die Altstadt von Bern weiterentwickelt, ohne ihre prägenden Elemente zu verlieren. Dank dieser herausragenden Anpassungsfähigkeit konnte die Stadt immer komplexere Funktionen übernehmen – bis zu ihrer heutigen Funktion als moderne und lebendige Bundesstadt.