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Watkins Johnson war ein amerikanischer Hersteller professioneller Kommunikationstechnik. Sie produzierten Geräte für das Militär und sonstigen Behörden mit speziellen Aufgaben. Zu den Kunden zählten auch die NASA und die NSA (National Security Agency). Durch eine Projektvergabe der NSA, entstand um 1991 der WJ-8711, der Vorgänger des HF-1000. Weil auch die zivile Welt Interesse an diesem Empfänger hatte, wurde um 1994 der HF-1000 am Markt eingeführt.
Der Watkins Johnson HF-1000 ist ein DSP- Kurzwellenempfänger, ganz ähnlich aufgebaut wie der Ten-Tec RX340. Beide Geräte haben weitgehend die selbe Entwicklung hinter sich. Der HF-1000 ist wie viele andere Profigeräte eher selten anzutreffen. Ab und zu tauchen solche Geräte im Ebay auf und wechseln zu stolzen Preisen den Besitzer.
Als der Kollege mir den HF-1000 brachte war ich schon etwas aufgeregt! In alten Tests hiess es, der HF-1000 mache süchtig. Nun, dann wollen wir uns mal an die Droge heranwagen. Gegen Abend nahm ich den HF-1000 in Betrieb. Klar, erst muss man sich mit dem Gerät vertraut machen und mal etwas an den Knöpfen drehen. In der ersten halben Stunde fiel mir auf, das der Lüfter des Gerätes ziemlich laut vor sich hin surrte. Ich legte meine Hand auf den Empfänger um die Temperatur zu checken. Komisch, der HF-1000 war nicht mal Handwarm. Ich beugte mich mal übers Gerät und suchte den Lüfter, fand aber keinen! So musste ich verdutzt feststellen, das dieses laute surren aus dem Lautsprecher des Gerätes kam. Ich dachte, das Lautsprecherkabel ist womöglich nicht richtig eingesteckt und öffnete mal das Gerät. Fehlanzeige! Alles war richtig eingesteckt. Durch das ungünstige Platinenlayout gibt es digitale Einstreuungen in die Audioleitungen. Auch der Kopfhörerausgang ist davon betroffen. Dort rauscht es vernehmlich, auch ohne das die Lautstärke aufgedreht ist. Ich habe mich bei einem Spezialisten in den USA erkundigt und er bestätige die Audioprobleme der ersten HF-1000. Angeblich haben die nachfolgenden HF-1000A dieses Problem nicht mehr.
Mit einem Equalizer konnte ich die störenden Artefakte weitgehend unterdrücken. Bei ganzen schwachen Stationen und wenn man den RF-Gain etwas zurückregelte, waren die Artefakte trotzdem noch im Hintergrund zu hören.
Das war der erste Dämpfer, der nächste liess nicht lange auf sich warten.
Jetzt, wo die digitalen Artefakte fast nicht mehr zu hören sind, macht sich was anderes bemerkbar. Die miserable AGC! Bei jeder Einstellung kratzte die Wiedergabe das Signals ganz fürchterlich. Nur mit manueller Verstärkungsregelung liess sich dieses schwere Manko umgehen. Ich dachte mir, das kann doch nicht wahr sein. Das soll der sagenumwobene HF-1000 sein? So machte ich mich noch mal auf die Suche nach Antworten. Diese war dann recht schnell gefunden. Dieser HF-1000 hatte noch eine uralte Firmware installiert. Bei einem Spezialisten in den USA bekam ich die letzte Firmware die mit diesem HF-1000 funktionierte. Diese Firmware liess ich dann auf die zwei Eprom's brennen. Das kostete zum Glück nur etwas Recherche und 48USD mit Versand.
So, nach zwei Wochen konnte ich endlich mit den Empfangsversuchen beginnen. Die neue Firmware bot eine wesentlich verbesserte AGC und 4Khz Bandbreite für SSB. Ich verglich den HF-1000 hauptsächlich mit dem Reuter RDR50C2 und dem JRC NRD525, der die Kiwa- Modifikation hat.
Der HF-1000 hat eine wunderbar breitbandige Audiowiedergabe. Er hat einen schönen Bassbereich und klingt sehr hell. Die Verständlichkeit ist enorm. Er klingt sehr ähnlich wie der RDR50C2, nur das die Verständlichkeit des HF-1000 an der Grasnarbe eine Spur besser ist. Der NRD525 klingt trotz Kiwa Mod. schon fast wieder Dumpf. In Sachen Empfindlichkeit ist der HF-1000 etwa gleich wie die anderen zwei Empfänger. Ausser in den oberen Frequenzen (11m - 10m Band) fällt die Empfindlichkeit geringfügig ab. Da sind die anderen zwei leicht im Vorteil. Der schaltbare Vorverstärker des HF-1000 bringt keinen wirklichen Vorteil, nur mehr Rauschen. Was wiederum ein bisschen enttäuschte war das fehlen des Passband Tunings (PBT) in der Betriebsart SSB. Dieser war nur in CW aktiv. Der Noiseblanker funktionierte sehr gut und konnte die hiesigen Weidezaunimpulse sehr gut rausfiltern. Exzellent ist auch das Notchfilter. Dieser blendet Störer praktisch restlos aus. Eines der besten Notchfilter die ich bis jetzt an einem Tischgerät fand. Der Empfang von Rundfunkstationen in AM Synchron (SAM) war ein Genuss erster Güte. Der Synchrondetektor verlor sehr selten die Synchronisation und brachte auch schwach einfallende Stationen in sehr guter Qualität. Leider liessen sich die Seitenbänder nicht wechseln um Seitenbandstörungen zu umgehen.
Die Bedienung des HF-1000 ist recht einfach. Die Anleitung musste nur für die selten benötigten Funktionen zur Hand genommen werden. Eines bereitete mir Kopfschmerzen! Die mechanische Qualität des HF-1000. Die ist einfach schlecht. Ich habe selten eine so billig zusammengebaute Blechkiste gesehen. Auch die Front wird einem Profigerät nicht gerecht. Die ist wie beim RX340 aus einer bedruckten Selbstklebefolie. Bei ungünstigen Umgebungsbedingungen löst sich diese schnell ab. Kurz gesagt, an der Mechanik wurde gewaltig gespart!
Fazit:
Es ist nicht einfach dieses Gerät der ersten Stunde einzuschätzen, weil nachfolgende Versionen doch erheblich verbessert wurden. In dieser Version bietet das Gerät nicht den vollen Funktionsumfang. Ein paar wichtige Funktionen wie das Passband Tuning in SSB und die schaltbaren Seitenbänder im SAM- Modus gibt es hier nicht. Lässt man das bei Seite und sieht man auch von den digitalen Einstreuungen in die Audiokanäle ab, liefert der DSP- Empfänger einen wunderbaren Empfang mit exzellenter Trennschärfe und Verständlichkeit. Er ist sehr einfach zu bedienen und man kommt auf Anhieb klar mit ihm. Nicht gut ist die mechanische Verarbeitungsqualität. Die ist billig.
Trotz einiger Ausrutscher muss man den HF-1000 als Spitzenempfänger bezeichnen. Selten habe ich eine so klare und verständliche Widergabe des Signals gehört.
Verfasst am 30.11.2014HD Video des HF-1000