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Zürich - Die ehemalige Zürcher Stadträtin Emilie Lieberherr ist tot. Sie starb am Montag im Alter von 86 Jahren, wie der Zürcher Stadtrat am Dienstag mitteilte. Mit ihr verliert Zürich, verliert die ganze Schweiz eine charismatische Vollblutpolitikerin der ersten Stunde.
Weit über die Stadt- und Kantonsgrenzen hinaus hat die ehemalige Zürcher Stadt- und Ständerätin die Frauen-, Sozial- und Drogenpolitik nachhaltig beeinflusst. Von 1970 bis 1994 sass sie im Zürcher Stadtrat, wo sie dem Sozialdepartement vorstand. 1978 bis 1983 vertrat sie zudem den Kanton Zürich im Ständerat, wo sie sich für Sozialpolitik, Konsumentenschutz und Gleichstellung einsetzte.
Lieberherr wurde am 14. Oktober 1924 in Erstfeld UR als Tochter eines Eisenbahners geboren. Ende der 1950er Jahre promovierte sie auf dem zweiten Bildungsweg an der Uni Bern als Ökonomin. Sie war eine Vorkämpferin für das Frauenstimmrecht und eine Pionierin in verschiedenen politischen Ämtern.
1970 - noch vor Einführung des Frauenstimmrechts auf nationaler Ebene - wurde die Sozialdemokratin als erste Frau überhaupt in die Zürcher Stadtregierung gewählt. 1976 wurde sie erste Präsidentin der Eidgenössischen Frauenkommission, und als erste Zürcher Frau zog sie in den Ständerat ein.
Marksteine in verschiedenen Bereichen
Marksteine setzte sie unter anderem in der Frauen-, Jugend-, Drogen- und Alterspolitik. Zu ihren Pionierleistungen gehörten die Alimentenbevorschussung, die Stiftung Wohnfürsorge für Betagte, die Einrichtung von Quartier-Jugendtreffpunkten und Einsatzprogramme für arbeitslose Jugendliche und die Mitgestaltung des noch heute geltenden Vier-Säulen-Modells in der Drogenpolitik.
Ihre harte Haltung in der Jugendbewegung führten dazu, dass sich Lieberherr 1983 mit der SP überwarf und auf eine Fortsetzung ihrer parlamentarischen Tätigkeit in Bern verzichtete. Ihre Wahlunterstützung des Bürgerlichen Thomas Wagner als Stadtpräsident hatte 1990 den Ausschluss aus der SP zur Folge. Mit Unterstützung der Gewerkschaften wurde sie aber wiedergewählt.
Nach 24-jähriger Amtszeit verliess die damals 69-Jährige 1994 die Exekutive der Stadt Zürich. Später trat sie immer wieder an öffentlichen Veranstaltungen auf, wo sie sich pointiert für die Rechte der Frau, für Seniorinnen und Senioren oder für Randständige einsetzte.
SDA-ATS