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Theaterstadt Grenchen
Inhaltsverzeichnis
Alles begann mit Genoveva
Die Uhrenstadt Grenchen ist auch eine veritable Theaterstadt, deren Wurzeln im 18. Jahrhundert liegen. Auch im Knabeninstitut Breidenstein nahm das Theater neben dem Sport und der schulischen Ausbildung eine wichtige Stellung ein. Theater in Grenchen? Aber sicher!
Zum Beispiel die Schule für Theater, die ihren Sitz und Ursprung in Grenchen hat. Die Idee zur Gründung dieser Schule hatte der Künstler Heini Bürkli, der im ehemaligen Fabrikationsgebäude der Ebosa eine Schule für Kulissenmalerei gründete und während vieler Jahre erfolgreich leitete. Leider existiert diese einzigartige Schule heute nicht mehr. Es war dann die damalige Leiter Amt für Kultur, Iris Minder, die Bürklis Idee umsetzte und wesentlich dazu beitrug, dass die Schule für Theater in Grenchen realisiert werden konnte. Als Theaterfachfrau und Theaterautorin gründete Iris Minder später in Grenchen das Freilichtspiel Grenchen, das weitherum sehr beliebte Laientheater „Schopfbühne“, das "Theater, JAWOHL¡", das "Kindertheater Blitz", das "Theater Gänggi" und schrieb zahlreiche Szenenspiele für die Gruppe Trittsiegel. Mit diesen Theatereinrichtungen und dem Kleintheater sowie dem Parktheater ist Grenchens Ruf als Theaterstadt vertieft. - Doch die Theaterstadt Grenchen besitzt eine spannende Geschichte, die weit in die Vergangenheit zurückreicht.
Es fehlten nur die Pferde
Grenchens Theatergeschichte beginnt mit Andreas Ris. Er war Bauer, Schriftsteller und bekleidete mehrere öffentliche Ämter. Unter anderem war er von 1763 bis 1780 Gemeindeammann in Grenchen. Weil er die Nutzung der Jurawälder für die Gemeinde beanspruchte, fiel er bei den gnädigen Herren zu Solothurn in Ungnade. Sein Vorstoss wurde nicht unerwartet abgewiesen. Das Urteil der Herren von Solothurn empörte die Grenchner jedoch derart stark, dass sich die Regierung genötigt sah, gegen die rebellischen Grenchner einzuschreiten. Ris wurde zusammen mit seinen engsten Mitstreitern ins Gefängnis geworfen. – Als Dichter schrieb Ris mehrere Theater. Eines von diesen, die „Genoveva“, wurde am Hirsmontag (Fasnachtsmontag) 1761 vor der Zehntenscheune aufgeführt. Die Zehntenscheune stand etwa da, wo heute das Postgebäude steht. Zu jener Zeit durften nur Theaterstücke aufgeführt werden, welche die Genehmigung durch den Rat zu Solothurn gefunden hatten. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass die gnädigen Herren recht unwirsch reagiert hatten, als ihr Gegenspieler in Grenchen sein Theaterstück aufführen wollte. Anderseits fürchteten sie, dass eine Ablehnung zu einem weiteren Aufstand der unbotmässigen Grenchner führen könnte. Deshalb stimmten sie zähneknirschend zu und schrieben dem Vogt des Bezirks Lebern, dass sie es sehr gerne sähen, wenn er stichhaltige Gründe fände, die Aufführung abzusagen. Offensichtlich fand der Vogt keine derartigen Gründe und „Genoveva“ wurde mit grossem Erfolg aufgeführt. – Zwanzig Jahre später wurde die „Genoveva“ erneut mit grossem Erfolg aufgeführt.- Ein zweites Stück von Andreas Ris, die „Tausendritter“ konnte nicht aufgeführt werden; man brachte leider die notwendige Anzahl Reiter nicht zusammen!
Zahlreiche weitere Theaterstücke aus Grenchen
1930 erschien in Aarau das Schauspiel „Sempach“ von Adrian Girard (1852 – 1936) aus Grenchen. Der Autor war Sohn des berühmten Arztes Dr. Josef Girard. Das Theaterstück, eine aktualisierte Überarbeitung seines ab 1897 an mehreren Orten aufgeführten Stückes „Alles für das Volk und für das Vaterland“, fand immer wieder gute Aufnahme. Dies nicht zuletzt, weil der Autor auch die Theatermusik komponiert hatte. Damit nicht genug, im Dezember 1912 wurde seine Oper „Das Schweizerkreuz“ im Sternensaal Grenchen siebenmal vor begeistertem Publikum aufgeführt. Er bezeichnete sein Werk als „Schweizerische Volksfestspiel-Oper“. Das Werk des Grenchners wurde auch in der Presse lobend erwähnt. Zum Landes-Schiessen 1935 wurde in Grenchen das Theaterstück „Gränche bi Gott“ von Maria Schürer–Schaad (1881 – 1967) aufgeführt. Ein weiteres Theater mit Bezug zur Grenchner Geschichte schrieb Otto Eberhard. Es trug den Titel „Karl Mathy in Grenchen“ und wurde anlässlich der Jahrhundertfeier der Bezirksschule Grenchen aufgeführt. – Ein erfolgreiches Theaterstück schrieb ein weiterer Gemeindeammann unserer Stadt, Adolf Furrer (1897 – 1978). Das Märchenspiel „Höhenluft“ verzeichnete nicht allein in Grenchen grosse Erfolge. Das urgrenchnerischste Theaterstück jedoch ist und bleibt das Singspiel „Dursli und Babeli“ von Edmund Wyss, das in Grenchen selber unzählige Male aufgeführt wurde. Es fand aber auch anderswo viele Liebhaber. „Dursli und Babeli“ – ist ein gesungener Bestseller von Liebe und Schmerz! - Der Leiter des Jodlerclubs „Bärgbrünnli“, Georges Heimann, brachte dieses Stück von Zuneigung, fremdem Kriegsdienst und dem erhofften glücklichen Abschluss gleich mehrmals mit unglaublichem Erfolg auf die Bühne.
Alles für das Theater
1938 wurde der Theaterverein gegründet. Ziel dieses Vereins war es, gutes Laientheater zu fördern und dem damaligen Zeitgeist entsprechend in erster Linie schweizerische Autoren auf die Bühne zu bringen. Berühmt war die Schulung der angehenden Schauspieler. Der Drucker Verleger und Lokalpolitiker Ernst Schweingruber erzählte dem Autor, dass man tagelang üben musste bevor man vorsprechen durfte. Wer vor der überaus strengen Jury nicht bestand, wurde heimgeschickt. Nicht zuletzt die Erfolge des Theatervereins trugen bei, dass man in Grenchen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg über den Bau eines Mehrzweckgebäudes nach skandinavischen Regeln nachdachte. Das heutige Parktheater in der Nähe des Nordbahnhofes, herrlich in einer Parklandschaft gelegen, wurde 1955 eingeweiht. Interessanterweise verlor in jener Zeit der Theaterverein an Anziehungskraft und wurde nach und nach aufgelöst. – Die Theatergründungen von Iris Minder sind recht eigentlich indirekte Nachfolgeorganisationen dieses Vereins. 1975 begannen die ersten Aufführungen des Kleintheaters. Diese fanden im Keller des „alten Migros“ an der Centralstrasse statt. 1978 übernahm ein Verein die Trägerschaft. Sowohl im Parktheater als auch auf der Bühne des Kleintheaters – sie befindet sich in der Aula des Schulhauses IV – treten Gastgruppen auf.
Quellen
- Text von Rainer W. Walter
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