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Beschreibung
Beim Mortalitätsmonitoring auf Ebene der Schweiz wird die Anzahl der Todesfälle eines Jahres aufgrund der Entwicklung der vorhergehenden fünf Jahre geschätzt, die Verteilung auf die einzelnen Wochen wird aufgrund des Medianwerts für jede einzelne Kalenderwoche der vorangegangenen zehn Jahre geschätzt. Diese Schätzungen werden für unter 65- und ab 65-Jährige getrennt durchgeführt. Die Zahlen des Mortalitätsmonitorings basieren auf den täglichen Zivilstandsmeldungen, welche dem BFS im Rahmen der Statistik zur natürlichen Bevölkerungsbewegung BEVNAT von den Zivilstandsämtern geliefert werden. Der Melde- und Verarbeitungsprozess braucht Zeit. In der Regel ist nach neun Tagen ein genügend grosser Anteil (> 85%) der Todesfälle registriert, sodass die Schätzung der tatsächlichen Zahl der Todesfälle auf einer breiten Datenbasis möglich ist. Die Stärke der Übersterblichkeit berechnet sich aus der Differenz der geschätzten und der erwarteten Todesfälle und ist somit eine Schätzung.
Methodik
Zusammenfassung
Die Todesfälle werden beim zuständigen Zivilstandsamt gemeldet und in einer zentralen Datenbank (BEVNAT) registriert. Unter der Annahme eines konstanten Meldeflusses schätzt das BFS die zu erwartenden endgültigen Zahlen für die aktuelle Periode. Die normalerweise zu erwartende Zahl der wöchentlichen Todesfälle des laufenden Jahres wird aufgrund der Entwicklung der Zahl der Todesfälle der vorangegangenen fünf Jahre für die Altersgruppe der unter 65-Jährigen und der 65-Jährigen und älter berechnet. Hierbei werden auch saisonale Schwankungen in der Sterblichkeit berücksichtigt. Zuletzt wird um jeden wöchentlichen Erwartungswert eine Bandbreite berechnet, innerhalb welcher Schwankungen als zufällig gewertet werden. Die Berechnung der erwarteten Zahl der Todesfälle entspricht damit nicht einfach einem Durchschnittswert, sondern berücksichtigt die Veränderung der Bevölkerung von Jahr zu Jahr sowie jahreszeitliche und zufällige Schwankungen.
Die für die Ebene der Schweiz angewendete Methodik wurde auf die Grossregionen und die Kantone ausgedehnt, indem pro Kanton oder Grossregion eine individuelle Hochrechnung und die Erwartungswerte nach denselben Prinzipien berechnet werden. Die Hochrechnungen und Erwartungswerte für die ganze Schweiz basieren auf den Grossregionen.
Datenquelle
Das Mortalitätsmonitoring basiert auf der laufenden Erfassung der Todesfälle aus dem elektronischen Zivilstandsregister (Informatisiertes Standesregister Infostar). Die Todesfälle müssen mit einer ärztlichen Todesbescheinigung bestätigt und dem jeweiligen kantonalen Zivilstandesamt gemeldet werden.
Das Monitoring umfasst alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz, die in der Schweiz verstorben sind. Nicht berücksichtigt sind im Ausland verstorbene Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Das regionale Mortalitätsmonitoring nach Grossregionen und Kantonen basiert auf dem aktuellen Wohnort der verstorbenen Person.
Datenfluss
Die für das aktuelle Jahr berechneten Todesfallzahlen des Mortalitätsmonitorings basieren auf den täglichen Zivilstandsmeldungen, welche dem BFS im Rahmen der Statistik zur natürlichen Bevölkerungsbewegung BEVNAT von den Einwohnergemeinden (Zivilstandesämtern) geliefert werden. Nach neun Tagen ist in der Regel eine genügend grosse Datenbasis vorhanden. Der Meldefluss wird für die Zivilstandesämter als konstant angenommen. Nach 40 Tagen sind 97,5% der Meldungen eingetroffen, so dass ab diesem Zeitpunkt die Zahl der eingetroffenen Meldungen ohne Hochrechnung gezeigt wird. Die restlichen 2,5% der Meldungen treffen im weiteren Verlauf des Jahres ein und werden ab ihrer Ankunft berücksichtigt. Mit dem Abschluss des Statistikjahres für BEVNAT im Folgejahr sind auch die Todesfallzahlen im Rahmen des Mortalitätsmonitorings definitiv.
Berechnung
Die Berechnungen für das Mortalitätsmonitoring erfolgen in vier Schritten. (1) Anfangs jeden Jahres werden die Hochrechnungsgewichte für die Meldeverzögerungen berechnet. (2) Für die Berechnung der zu erwartenden Zahl der wöchentlichen Todesfälle des laufenden Jahres werden in vorangegangenen Jahren mit Covid-19-bedingter Übersterblichkeit die in den Übersterblichkeitsperioden registrierten Zahlen durch die erwarteten Zahlen ersetzt. (3) Darauf basierend wird die wöchentlich zu erwartete Zahl der Todesfälle für das laufende Jahr geschätzt und eine obere und untere Grenze (Bandbreite) berechnet. (4) An jedem Dienstag werden die aktuellen Todesfallzahlen mit den erwarteten Zahlen verglichen.
(1) Anzahl Todesfälle (Hochrechnung)
Basierend auf den Todesfällen des Vorjahres, wird die Verteilung der Meldeverzögerungen (Dauer zwischen Todestag und Einfügen ins Register) geschätzt. Mittels dieser Verteilung werden Gewichtungsfaktoren berechnet, mit welchen die Anzahl Todesfälle des aktuellen Jahres bezüglich Meldeverzug korrigiert werden. Für jeden Kanton und jede Grossregion werden aufgrund der eigenen Meldecharakteristik separate Gewichtungsfaktoren berechnet.
(2) Übersterblichkeit (Covid-19-Pandemie)
Während der Covid-19 Pandemie wurde vor allem eine Übersterblichkeit für die Altersgruppe der 65-Jährigen und älter beobachtet. Diese Übersterblichkeit war regional und zeitlich unterschiedlich. Um die Mortalität in dieser Altersgruppe für die betroffenen Regionen und Zeiträume in den Folgejahren nicht zu überschätzen, wird die Anzahl der Todesfälle der jeweiligen Regionen und Zeiträume korrigiert. Hierzu wird, wenn die beobachtete Anzahl der Todesfälle in der Altersgruppe der 65-Jährigen und älter in den Perioden von Übersterblichkeit mehr als eine Standardabweichung über dem Erwartungswert lag, diese mit dem Erwartungswert ersetzt.
(3) Erwartungswerte und obere / untere Grenzen
Die Zahl der jährlich zu erwartenden Todesfälle wird für die Altersgruppe der 0-64-Jährigen und der ab 65-Jährigen separat geschätzt. Dabei werden für die Regressionsanalyse und Vorhersage der Erwartungswerte zusätzliche Unterkategorien der beiden Altersgruppen gebildet, die später wieder aufaddiert werden. Dies erfolgt aufgrund der Todesfälle der vorherigen 5 Jahre, wobei zufälligen Schwankungen der Trends durch Glättung Rechnung getragen wird. Hierdurch wird die Entwicklung der Bevölkerung über die Zeit berücksichtigt. Weiterhin wird für jede Woche des aktuellen Jahres die erwartete Zahl von Todesfällen geschätzt. Diese erfolgt aufgrund der wöchentlichen Todesfälle der vorherigen 10 Jahre, wobei auch hier wieder zufällige Schwankungen durch Glättung ausgeglichen werden. Hierdurch werden jahreszeitliche Schwankungen der Sterblichkeit berücksichtigt. Die beiden Vorhersagen werden kombiniert, indem die wöchentlichen Vorhersagen so skaliert werden, dass die Summe der erwarteten Todesfälle derjenigen entspricht, die aus der Vorhersage für das aktuelle Jahr errechnet wurde. Für die erwarteten wöchentlichen Todesfälle wird die statistische Annahme einer Poissonverteilung gemacht. Hierdurch lassen sich Ober- und Untergrenzen der Vorhersagen, innerhalb derer normalerweise (also in Wochen ohne ausserordentlich erhöhte Sterblichkeit) die tatsächlichen Todesfälle in 99 von 100 Wochen zu erwarten sind, bestimmen.
(4) Wöchentliche Auswertung
Bei der wöchentlichen Auswertung jeweils dienstags werden die bis dahin bereits registrierten täglichen Todesfälle mit einem Hochrechnungsfaktor multipliziert, um die wegen des Meldeverzuges erst später verfügbare endgültige Zahl der täglichen Todesfälle zu schätzen. Dies ergibt die als Anzahl Todesfälle (Hochrechnung) ausgewiesenen Zeitreihen für die ganze Schweiz sowie die Grossregionen und Kantone. Die erwarteten Zahlen aus Schritt (3) werden mit ihrer Bandbreite hinzugefügt.