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JohannChristophFriedrich von, der populärste und gefeiertste deutsche Dichter, wurde zu
Marbach am
Neckar geboren. Er stammte von Handwerkern, auf väterlicher und mütterlicher Seite hatte er
Bäcker zu Vorfahren.
Der Urgroßvater
Johannes S. war von Großheppach im Remsthal nach dem bei der kleinen Staufenstadt
Waiblingen gelegenen Dorf
Bittenfeld gezogen; dort wohnte sein gleichnamiger Sohn als
Bäcker und
Schultheiß, dem 1723 ein Sohn,
JohannKaspar, geboren wurde, der
Vater des Dichters.
Doch wurde weder dieses Opfer allzu hart empfunden, noch darf verkannt werden, daß die HoheKarlsschule nach mehr als einer
Richtung hin für Schillers Gesamtausbildung segensreich wirkte. Daß der in beschränkten Verhältnissen
geborne Knabe eine freie Weltbildung erwarb, war wesentlich der halb militärischen, halb wissenschaftlichen Lieblingsanstalt
des HerzogsKarl zu danken. Die Einrichtung derselben und die persönliche Teilnahme des Herzogs an dieser eigentümlichen Schöpfung
führten der Phantasie des werdenden Poeten sehr bedeutende Eindrücke zu, das Erziehungssystem unterdrückte
jedenfalls keine wesentliche geistige Begabung und Regung. In einer Charakteristik, welche die Zöglinge einer vom andern
zu entwerfen hatten, ward neben Verstand, Bescheidenheit und Fleiß des Knaben seine Einbildungskraft und seine Neigung für Poesie
gerühmt, dagegen Mangel an Reinlichkeit vorgeworfen.
Den stärksten Einfluß auf SchillersRichtung und Bildung gewannen aber Plutarch und J. J. Rousseau. Am
erstern nährte er denZug
seiner Natur zur realistischen Charakteristik, am andern eine überschwengliche Naturbegeisterung, einen
ebenso ungestümen wie unbestimmten Freiheitsdrang. Die Karlsschule war 1775 von der Solitüde nach Stuttgart
[* 8] verlegt und bei
dieser Gelegenheit auch eine medizinische Fakultät an ihr errichtet worden. S. ging jetzt vom Rechtsstudium
zu dem der Medizin über; teils äußere Verhältnisse, teils ein gewisser Instinkt, daß der Arzt der Natur näher stehe als
der Rechtsgelehrte, entschieden diesen Berufswechsel.
Während des erzwungenen Jahrs beendete S. eine Umarbeitung seiner »Räuber« und sah bei Gelegenheit des Besuchs, den HerzogKarlAugust und Goethe dem württembergischen Hof
[* 10] und der Karlsschule auf der Rückkehr von ihrer gemeinsamen
Schweizerreise Ende 1779 abstatteten, den nachmaligen großen Dichterfreund zum erstenmal. Im Dezember 1780 erlangte er endlich
auf Grund zweier Probeschriften, deren eine ein medizinisches, die andre ein naturphilosophisches Thema behandelte, die Entlassung
aus der Karlsschule. Er wurde zum Medikus ohne Portepee beim Grenadierregiment des GeneralsAugé mit 18 Guld.
Monatsgage ernannt und erfuhr damit, da HerzogKarl eine gute Versorgung in Aussicht gestellt hatte, eine neue schmerzliche
Enttäuschung.
Eine gewisse Kraftgenialität, ein Streben nach dem Ungewöhnlichen und Packenden, noch ohne jede Läuterung des Geschmacks,
war inzwischen nicht nur den lyrischen DichtungenSchillers in dieser Zeit eigentümlich, sondern durchhauchte auch das ganze
persönliche Leben und Treiben seines Kreises. Die Terminologie wie die geselligen Formen zeigten die Mischung
von wüster Renommage und blitzendem Geist, welche noch in einzelnen Szenen der »Räuber« erhalten ist.
Bombastisch-Übertriebene die absolute Unnatur überwog, waren die »Räuber« von zwar noch in teilweise trüber Gärung begriffenem,
aber feurigstem und edelstem Geist und mit der wenn auch ungebändigten, doch reinsten Begeisterung einer die Menschheit in
unendlicher Liebe umfassenden Dichterseele erfüllt. Das Werk äußerte trotz aller Auswüchse die mächtigste Wirkung; seit
Goethes Frühschöpfungen hatte kein dichterisches Erzeugnis solche Gewalt auf die Zeitgenossen ausgeübt.
Aber während seine litterarische Thätigkeit in diesem Aufschwung begriffen war, zogen schwere Wetter
[* 15] über S. herauf. Im Mai hatte er eine Wiederholung der »Räuber« mit Frau v. Wolzogen, der Mutter zweier ihm befreundeter Karlsschüler,
beigewohnt und war deshalb heimlich nach Mannheim gereist. Diese Reise und der Umstand, daß eine Stelle in den »Räubern« in
Graubünden
Anstoß erregt hatte, zogen das Verbot des Herzogs an S., fernerhin Komödien oder sonst dergleichen zu
schreiben, nach sich.
Der Erfolg hob Schillers Lebensmut, ohne den materiellen Bedrängnissen, in die er sich fortwährend versetzt sah, ein Ende
zu bereiten. Die Aufnahme in die vom Kurfürsten protegierte Kurpfälzische Deutsche
[* 21] Gesellschaft (Februar 1784) sah er als »einen
großen Schritt zu seinem Etablissement« an. BeimEintritt las er (26. Juni) die Abhandlung »Was kann eine gute
stehende Schaubühne wirken?«, welche jetzt in den gesammelten Schriften unter dem Titel: »Die Schaubühne als eine moralische
Anstalt betrachtet« steht. Sie entwickelte für die dramatische Kunst den edlen Gedanken, der Schillers ganze ästhetische
Anschauung auch später beherrschte, daß die Kunst ähnlichen Beruf wie die Religion habe und die Menschheit
zu erziehen, zu adeln bestimmt sei. Diese Wahrheit sollte schöpferisch durch den unterdessen fortgeführten »Don Karlos«
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