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75 Jahre ÖRK: die Loyalität zu Christus steht über alles andere
Am 25. Juni 2023, während des Treffens seines Zentralausschusses hat der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) anlässlich seines 75-jährigen Bestehens eine ökumenische Feier in der Kathedrale St. Peter in Genf veranstaltet. Er erinnerte dabei an die Gründung des ÖRK in Amsterdam im August 1948, drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Versöhnung lag von Anfang seines Bestehens in der Natur des ÖRK, der grössten ökumenischen Institution der Welt.
« Die Menschen haben sich 1948 in Amsterdam mit dem klaren Zweck versammelt, die Kirchen der Welt zusammenzuführen und sie zu einem Instrument des Friedens zu machen», sagte der Vorsitzende des ÖRK-Zentralausschusses, Bischof Heinrich Bedford-Strohm aus Deutschland in seiner Predigt. «Krieg sei gegen den Willen Gottes; unsere Pflicht als Christinnen und Christen besteht gerade darin, den Nationalismus und andere Formen der Spaltungen zwischen Völkern zu überwinden, die geradewegs zu diesem furchtbaren Weltkrieg mit so vielen Millionen Opfern geführt hatten».
Der ÖRK ist heute eine weltweite Gemeinschaft von mehr als 352 protestantischen, orthodoxen, anglikanischen und anderen Kirchen, die mehr als 580 Millionen Christinnen und Christen in 120 Ländern vertreten, und arbeitet mit der römisch-katholischen Kirche zusammen. Der ÖRK hat eine enge historische Verbindung zur Kathedrale St. Peter, die während der Reformation im 16. Jahrhundert zu einem protestantischen Glaubensort wurde: Eine Marmortafel erinnert an den ökumenischen Gottesdienst, der dort im Februar 1946 mit Mitgliedern des provisorischen Ausschusses stattfand, der die Gründung des ÖRK mit Kirchen aus Ländern vorbereitete, die nur wenige Monate vorher Krieg gegeneinander geführt hatten.
In seiner Predigt erklärte Bedford-Strohm, dass er sich als Deutscher für das Versagen des christlichen Zeugnisses in Deutschland im Krieg schäme, der 60 Millionen Menschen das Leben gekostet hat und der dazu führte, dass sechs Millionen Jüdinnen und Juden in Konzentrationslagern und Gaskammern umgebracht wurden. «Die christlichen Kirchen in Deutschland haben sich nicht gegen den Krieg ausgesprochen. Die meisten ihrer Vertreter und Vertreterinnen leisteten Gefolgschaft und legitimierten eine Staatsideologie, die in eklatantem Widerspruch zum christlichen Glauben stand.»
Bedford-Strohm erinnerte daran, wie sich die Delegierten in Amsterdam dazu verpflichteten, die Loyalität zu Christus über alles andere zu stellen. «Wo stehen wir heute? Sind wir dem Amsterdamer Erbe gerecht geworden? Sind wir als Kirchen wirklich ein Instrument des Friedens in all den bewaffneten Konflikten auf dieser Welt?», fragte Bedford-Strohm. «Ich wünschte, die Antwort wäre ein eindeutiges ‚Ja‘. Aber das ist nicht der Fall. Zu oft ist uns unsere nationale oder politische Loyalität wichtiger als die Loyalität gegenüber Jesus Christus, und manchmal sind wir uns dessen nicht einmal bewusst. Deswegen müssen wir immer und immer wieder dem biblischen Zeugnis über Christus zuhören».
«Christus ist gegenwärtig auf unserer Pilgerreise der Gerechtigkeit, der Versöhnung und der Einheit. Er wird uns nicht allein lassen. Er ist in unserer Mitte und wird auch zukünftig in unserer Mitte sein. Es ist mit uns bis ans Ende aller Zeiten.»