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Bereits im ausgehenden 13. Jahrhundert wurden aus dem Riehenteich mehrere Wasserläufe abgezweigt, um damit Mühlen, Sägen, Schleifen, Stampfen, Schmieden und Walken zu bedienen. Drei solcher Kanäle flossen ab der Höhe Claragraben durch das untere Kleinbasel und wurden dann in den Rhein geführt. An der Unteren Rheingasse vereinigten sich der Vordere und der Mittlere Teich in einem kleinen Weiher, auf dessen Geländer die Kinder einst munter herumkletterten. Just an dieser Stelle ist erstmals 1329, also bald nach dem Bau der Kanäle, eine als "Wishars müli" erwähnte Kornmühle angelegt worden. Diesem Müller Johann Wisshar vermachten in jenem Jahr die Geschwister Elisabeth und Guta von Tasvenne die Mühle für einen Zins von acht Viernzel Korn, vier Hühnern sowie fünf Schilling.
Beim Erdbeben von 1356 wurde die Mühle zerstört, und die Tochter des Müllers verzichtete auf alle Rechte und Ansprüche an Hofstatt und Mühle. Auf dem Areal entstand nun eine Stampfe, die aber wenige Jahre später (1370) zur Schleife umfunktioniert wurde, nachdem die Eigentümerin der Stampfe, Verena Luprantz, der auch das gegenüberliegende, durch einen Schwibbogen mit "Wisshars Mühle" verbundene Haus (Untere Rheingasse 15) gehörte, alle Ansprüche an dem Lehen abgetreten hatte. Der Besitz zerfiel im Laufe des 15. Jahrhunderts, was die Zins- und Wasserrechtsverhältnisse äusserst kompliziert gestaltete: 1412 betrieb das niedere Rad eine Schleife, doch bestanden auch vier Öltrotten. Ab 1426 erschien in Verbindung mit der Öltrotte eine Stampfe. Nach Wiedervereinigung von zwei der drei Teile 1464-1466 richtete Heinrich von Wissenburg ein drittes Rad ein.
Schleifen im Heusslerschen Besitz
Die Aufteilung in eine Öltrotte und andere Betriebsstätten ist bis 1540 belegt, danach bestanden nur zwei Schleifen. Eine davon kam zur gerichtlichen Auktion, bei der sie Joss Isenflamm ersteigerte; die andere wurde 1577 durch den Messerschmied Hans Heussler übernommen. Einer seiner Nachkommen, Leonhard Heussler, verheiratete sich 1713 mit einer Tochter aus der Familie Isenflamm, und so gelangten im 18. Jahrhundert die beiden Schleifen in den Besitz der Familie Heussler.
Unter den Brüdern Leonhard und Johannes kam es 1767 wegen der Benützung der unteren und der oberen Schleife zu Differenzen, der durch einen Vergleich, der beiden das gleiche Benützungsrecht zugestehen sollte, nicht beigelegt werden konnte. Beide Brüder trachteten nach der wertvolleren oberen Schleife, die sich zuletzt Johannes sichern konnte. Dieser Teilung gingen üble Händeleien voraus, die schliesslich die Mutter in den Tod trieben: "Den 19. Mai 1774 hat sich Häussler des Schleifers Frau, geborene Kellern, hindre der Schleife aus Melankoly in den Rhein gestürzt wegen ihren zwei unartigen Söhnen."
Diese ganze Entwicklung mit der Aufteilung des Besitzes schlug sich auch in einer verschachtelten Anlage der zugehörigen Bauten nieder. Dies erkennt man in alten Abbildungen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert: Ein schmales, dreigeschossiges Haus am Gässlein zum Rhein mit einem vierteiligen Stubenfenster im Obergeschoss war der Hauptbau. An ihn schlossen gegen den Teich mehrere einstöckige Abschnitte mit Pultdächern an, welche die eigentlichen Gewerbeanlagen beherbergten.
Der obere und der untere Betrieb ging 1814 in den Besitz von Johannes Heussler, und einige Jahre danach (nach 1827) liess er die Schleifen abbrechen und errichtete auf dem Areal eine Öltrotte und wiederum eine Mahlmühle, die fortan als "Neue Mühle" bezeichnet wurde. Die zuerst noch separaten Teile der Neuen Mühle gingen 1850 in einem grossen, überwiegend in Fachwerk ausgeführten Neubau auf, dessen markante Form fortan das Gesicht des Quartiers mitprägte. Augenfälligstes Merkmal des voluminösen, beinahe die gesamte Parzellenfläche einnehmenden Baus ist seine Gestalt, die an eine Basilika erinnert. Der fünfgeschossige Mittelteil ist bis zum zweiten Obergeschoss mit dreigeschossigen Flügelpartien erweitert, die mit Pultdächern abschliessen. Der höhere, mittlere Gebäudeteil, der mit einem Walmdach abschliesst, weist im fünften Stockwerk auch seitliche Fenster auf. Die bereits im Mittelalter vorhandenen Strukturen blieben im vergrösserten Bau teilweise erhalten, was sich an der linken Frontfassade erkennen lässt.
Nach der Familie Mechel benennt sich die Mühle erst seit 1858, in dem sie durch Rudolf von Mechel erworben wurde.
Rettung im letzten Moment
1975 bangte man um das Schicksal der charaktervollen Mechel-Mühle. Das Gebäude war bedroht durch die Absicht der damaligen Eigentümerin, den Bau abzubrechen, um auf dessen Areal einen grossen modernen Wohnblock zu errichten. In weiten Kreisen war man sich einig, dass die Niederlegung der Mechelschen Mühle in der unmittelbaren Nähe des Kleinen Klingentals ein nicht wiedergutzumachender Verlust wäre. Denn sie bildete einen wesentlichen Akzent des rechtsufrigen Stadtbildes und zudem nach dem Brand der Klingentalmühle neben der bescheideneren Schwarzeselmühle an der Ochsengasse den letzten baulichen Zeugen der einstigen lebhaften gewerblichen Tätigkeit, welche seit dem Mittelalter das untere Kleinbasel erfüllte.
Der Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft war es zu verdanken, dass diese Gefahr ohne finanzielle Belastung des Staates verhindert werden konnte. Sie erwarb die Mechel-Mühle unter der Auflage, der Bau müsse grundsätzlich in seiner Struktur (Kubus und Fassade) erhalten werden. Die beauftragte Architekturfirma Super & Super AG stellte bald fest, dass die Bausubstanz einen Umbau nicht mehr ermöglichte. Im Einverständnis mit den Behörden und der Denkmalpflege wurde die Mechel-Mühle abgebrochen und durch einen Neubau in der gleichen Form ersetzt. Die Rekonstruktion ist sehr gut gelungen, erkennt man doch kaum, dass es sich bei dem heutigen Bau um eine Rekonstruktion handelt. In der ehemaligen Mühle befinden sich heute neun Wohnungen mit herrlicher Aussicht auf den Rhein und das Grossbasler Ufer.
Quellen:
- Lutz 2004: 46-48
- Wanner 1987: 130-132