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NFS sesam
Der Nationale Forschungsschwerpunkt (NFS) "sesam – Schweizerische ätiologische Studie zur psychischen Gesundheit" untersuchte die komplexen Ursachen, die zu einer gesunden psychischen Entwicklung über die Lebensspanne führen. Im Fokus der Arbeiten stand die Zeit um Schwangerschaft und Geburt und den damit verbundenen Veränderungen für Neugeborene und Eltern.
In mehreren Teilstudien zeigten die Forschenden des NFS "sesam", wie sich Stress und Belastungen während der Schwangerschaft auf Mutter und Neugeborenes, auf die Entwicklung des Kindes, auf die psychobiologischen Regulationssysteme des Säuglings und auf die Interaktion des Kindes mit seinen Eltern auswirken. Dabei identifizierten sie psychische und biologische Faktoren, die die Entwicklung eines Kindes ungünstig beeinflussen. Diese Faktoren werden der weiteren Forschung als Ansatzpunkte für Strategien dienen, um zukünftig positive Verläufe in der Kindesentwicklung zu fördern.
Daneben entwickelten oder erweiterten die Forschenden des NFS "sesam" Methoden und Techniken, die es zukünftig ermöglichen werden, die menschliche Entwicklung rund um Schwangerschaft und Geburt aus verschiedenen Blickwinkeln besser untersuchen zu können.
In anderen Teilstudien standen spezifische, psychobiologische Aspekte der menschlichen Entwicklung im Mittelpunkt.
Im Tiermodell konnte eine Forschungsgruppe des NFS "sesam" zeigen, dass Trennungserfahrungen nach der Geburt bestimmte Botenstoffe und deren Rezeptoren im Gehirn langfristig verändern. Andere Forschende konnten darstellen, wie das Gehirn auf emotional bedeutsame Umwelteinflüsse wie Musik oder das Schreien eines Kindes reagiert. Darauf aufbauend entwickelten und evaluierten NFS-Forschende spezielle Programme, um das Einfühlungsvermögen von Eltern gegenüber ihren Kindern zu steigern und die Qualität ihrer Partnerschaft zu verbessern.
Ausserdem konnten die Forschenden Erkenntnisse erarbeiten, die zukünftig helfen werden zu untersuchen, welchen Einfluss die Gene und andere Vererbungsfaktoren auf die menschliche Entwicklung haben.
Die Erkenntnisse aus den insgesamt zehn Studien des NFS "sesam" sind in rund 280 Publikationen dokumentiert. In seiner fünfjährigen Laufzeit war der NFS stark in der Nachwuchsförderung engagiert. Bis Ende 2010 haben 46 Masterstudierende und 33 Doktorierende ihre Arbeiten abgeschlossen. Die Universität Basel hat eine neue Professur im Themengebiet des NFS "sesam" und zusätzlich zwei Doppelprofessuren zwischen der medizinischen Fakultät und der Fakultät für Psychologie eingerichtet. Letztere haben den Weg für eine engere Zusammenarbeit der beiden Fakultäten geebnet. Verbunden mit diesen Doppelprofessuren ist eine transfakultäre Forschungsplattform für molekulare und kognitive Neurowissenschaften, die auf den vom NFS geschaffenen Infrastrukturen aufbaut. Die Plattform bietet auch Forschungsgruppen ausserhalb der beteiligten Fakultäten ein Labor für Analysen sowie eine Probendatenbank.
Der NFS "sesam" begann seine Forschungsarbeiten im August 2006 und ist Ende September 2010 ausgelaufen. Dies hatte das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) am 19. Januar 2009 auf Antrag der Leitung des NFS "sesam" verfügt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der NFS "sesam" sein ursprüngliches Ziel nicht erreichen können würde, da nicht genügend Studienteilnehmenden rekrutiert werden konnten.