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Schwarze Johannisbeere - Ribes nigrum
Ribes nigrum L. (syn. Ribes olidum);
Ahlbeere (syn. Gichtbeere, Schwarze Johannisbeere, Schwarze Träuble, Wanzenbeere).
VORKOMMEN
Die Schwarze Johannisbeere kommt in der gemässigten und borealen Zone
Eurasiens von England und Frankreich im Westen bis zur Mandschurei im
Osten vor. Nördlich ist die Art bis Lappland, südlich bis Armenien und
zum Himalaja verbreitet. Da natürliche und verwilderte Vorkommen oft
nicht zu unterscheiden sind, ist die natürliche Verbreitung in
Mitteleuropa nicht mehr zu rekonstruieren.
In Mitteleuropa trifft man die Schwarze Johannisbeere auf relativ nährstoffreichen Böden in nassen, zeitweise überfluteten Erlenbrüchen, Auenwäldern und Gebüschen.
MERKMALE
Die Schwarze Johannisbeere wächst als 1-2 m hoher, sommergrüner Strauch mit bis zu 10 cm breiten, an ihrer Basis herzförmigen, 3- bis 5-lappigen Blättern. Diese sind oberseits kahl, auf der Unterseite behaart und mit sitzenden gelblichen Drüsen besetzt. Der Strauch ist stachellos und besitzt einen starken, teilweise als unangenehm empfundenen Geruch, der die Art auch von der Roten Johannisbeere unterscheidet. Die Schwarze Johannisbeere blüht von April bis Mai. Die kugeligen, drüsig punktierten Beerenfrüchte besitzen einen merkwürdigen Geruch.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Ribis nigri folium - (syn. Folia Ribis nigri); Schwarze Johannisbeerblätter (syn. Ahlbeerblätter, Bocksbeerblätter, Gichtbeerblätter, Wanzenbeerblätter), die während oder kurz nach der Blüte gesammelten und getrockneten Laubblätter.
2. Ribis nigri fructus (Baccae Ribiae nigri, Fructus Ribis nigri, Ribia nigra); Schwarze Johannisbeeren (syn. Ahlbeeren, Gichtbeeren), die frische, reife Frucht mit den Stielen und Fruchtspindeln.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Ribis nigri folium:
Ätherisches Öl ist in Spuren vorhanden. Flavonolglykoside der Aglyka Isorhamnetin, Myricetin und Quercetin, unter anderem Astragalin, Isoquercitrin und Rutosid sind zu ca. 0.5% enthalten. Ca. 0,4 % Proanthocyanidine unterschiedlichen Polymerisationsgrades werden angegeben, unter anderem Catechin und Epicatechin. Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Blätter liegt bei 0.2 g pro 100 g.
2. Ribis nigri fructus:
Anthocyane: In der ganzen Frucht (Frischgewicht) bis zu 2 % , mit folgenden Hauptkomponenten: Cyanidin- 3-glucosid, Cyanidin-3-rutinosid, Delphinidin-3-glucosid und Delphinidin-3-rutinosid.
Flavonolglykoside: Die wichtigsten Komponenten sind Isoquercitrin, Myricetin-D-glucopyranosid und Rutosid, die Anwesenheit von Flavonol-Aglyka ist nicht bewiesen bzw. umstritten. Angaben zur Flavonoidmenge in den Früchten fehlen.
Weitere Inhaltsstoffe: Hydroxyzimtsäurederivate, Vitamin C, in den Samen fettes Öl (mit y-Linolensäure), Pektin, Invertzucker Mineralstoffe.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen:
- ESCOP: Unterstützend bei rheumatischen Erkrankungen
- Kommission E: Schwarze Johannisbeerblätter wurden von der Kommission E nicht bearbeitet.
1. Ribis nigri folium:
Die Anwendung erfolgt ausschliesslich in der Volksheilkunde. Als Teeaufguss wird den Blättern insbesondere eine diuretische Wirkung zugesprochen (Durchspülungstherapie der ableitenden Harnwege). Ausserdem bei Arthritis, Gicht und Rheuma sowie bei schmerzhaftem Harndrang und Harnsteinen. Der Tee soll auch bei Koliken und Gallenleiden und bei Leberbeschwerden helfen.
Teebereitung: 2 bis 4 Teelöffel der fein geschnittenen Droge werden mit kochendem Wasser übergossen, 5 bis 10 Minuten stehen gelassen und anschliessend durch ein Teesieb filtriert. Mehrmals täglich eine Tasse dieses Teeaufgusses trinken.
Gegenanzeigen, unerwünschte Wirkungen, sowie Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sind keine bekannt.
2. Ribis nigri fructus:
Als natürliche Vitamin-C Quelle bei Erkältungskrankheiten wie Husten und Heiserkeit. Getrocknete Beeren können gekaut werden. Die Früchte werden auch als Sirup oder Gelee angewendet.
STATUS
- Kommission E: - keine Bewertung
- ESCOP: - positive Bewertung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
SCHWARZE JOHANNISBEERE IM GARTEN
Die schwarze Johannisbeere liebt eine windgeschützte und sonnige Lage. Wichtig für einen erfolgreichen Anbau ist ein durchlässiger, nährstoffreicher und nicht zu trockener Boden, eine Verbesserung des Bodens mit reichlich Gartenkompost ist vor dem Setzen der Büsche zu empfehlen. Über vier Jahre altes Holz wird regelmässig im Winter zur Verjüngung knapp über dem Boden abgeschnitten. Ebenfalls sind abgestorbenes Holz oder zu dicht stehende Triebe auszulichten. Die schwarze Johannisbeere bedarf genügend Nährstoffen, dazu wird sie zwei- bis dreimal jährlich mit Humus- oder Mineraldünger versorgt. Die schwarze Johannisbeere entwickelt die besten Früchte am ein- bis zweijährigen Holz. Bei dieser geringen Pflege werden sie viele Jahre Freude an ihrer Johannisbeere haben.
Letzte Änderung: 17.12.2016 / © W. Arnold