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Die Hebel-Lieder von Martin Vogt
Die 24 Lieder mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung nach Gedichten von Johann Peter Hebel sind das einzige weltliche Werk des Kirchenmusikers.
Der bayrische Organist und Komponist Martin Vogt (1781–1854) ist heute nahezu vergessen. In den Siebzigerjahren war aber die informative und possierliche Beschreibung seiner ersten Lebenshälfte bei Musikfreunden beliebt. Der Autobiografie Erinnerungen eines wandernden Musikers, 1971 in Basel herausgegeben von Heinrich Reinhardt, lässt sich entnehmen, dass Vogt als Sängerknabe an verschiedenen deutschen Klöstern eine umfassende musikalische Schulung genoss und als Dreizehnjähriger zur Weiterbildung nach Regensburg kam. In den Vakanzen und nach dem Studium schlug er sich als Sänger, Organist und Cellist von Kloster zu Kloster durch und war einige Zeit Schüler von Michael Haydn in Salzburg. Der wandernde Kirchenmusikant kam schliesslich nach Wien, von wo er vor den napoleonischen Werbern flüchten musste.
Von 1806 bis 1837 finden wir Martin Vogt in der Schweiz. Er wirkte als Organist an den Klöstern Einsiedeln, Muri, Mariastein und St. Urban, wo er die Langenthaler Bürgerstöchter im Klavierspiel unterrichtete, danach als Organist und Lehrer in Arlesheim und von dort aus als Cellist im Basler Orchester. Während 14 Jahren amtete er schliesslich als Musikdirektor und Lehrer in St. Gallen, bevor er 1837 an seine letzte Station, nach Colmar, zog.
Martin Vogts kirchliche Kompositionen, Orgelstücke und Messen, sind zwar im Druck erschienen, aber weit verstreut. Sein einziges weltliches Werk, 24 Lieder mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung nach Gedichten von Johann Peter Hebel (1760–1826), lässt sich auf die persönliche Begegnung des Musikers Vogt mit dem erfolgreichen Mundartdichter im Jahr 1806 zurückführen. Damals waren Hebels Alemannische Gedichte in dritter Auflage, aber auch die Volksliedersammlung Des Knaben Wunderhorn erschienen. Vogts melodiöse mit einfachen Instrumentalbegleitungen ergänzte Lieder erlauben den Vergleich mit den mundartlichen Kunstliedern im Volkston, wie sie, ebenfalls mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung, als Sammlung von Schweizer Kühreihen und Volksliedern 1826 in Bern erscheinen sollten.
Ein Konzert mit Vogts Hebel-Liedern aus dem Erstdruck, der in der Zentralbibliothek Solothurn aufbewahrt wird, weckte 2011 bei Hans-Rudolf Binz den Wunsch, diese gefällige Komposition für den praktischen Gebrauch zugänglich zu machen. Es ist das grosse Verdienst der ehemaligen Bibliotheksdirektorin Verena Bider und des wissenschaftlichen Mitarbeiters Christoph Greuter, Martin Vogts Lieder in einer Neuedition vorgelegt zu haben. Es ist sowohl ein Heft mit den Klavier- wie mit den Gitarrenfassungen greifbar.
Martin Vogt: Johann Peter Hebels Alemannische Gedichte. Lieder mit Klavier- und Gitarrenbegleitung, hg. von Christoph Greuter, (Musik aus der Sammlung der Zentralbibliothek Solothurn, Heft 10); Klavierheft, M&S 2523; Gitarrenheft, M&S 2524; je Fr. 38.00, Müller und Schade, Bern 2019
Weiterführende Literatur:
Martin Vogt, Erinnerungen eines wandernden Musikers, hg. von Heinrich Reinhardt, Gute Schriften, Basel 1971
Christoph H. Hänggi: Martin Vogt (1781–1854), ein Organist und Komponist der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. 2 Bände, Liz. Basel 1988 (mit Werkverzeichnis)