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Welser-Möst: Der österreichische Stardirigent leitet bis 2011 das weltweit
renommierte Cleveland Orchestra und ist bis 2012 Generalmusikdirektor des
Opernhauses Zürich. | (c) Michaela Bruckberger |

Z
ur Zeit von Österreichs Paradefestival macht der wohl bedeutendste heimi
sche Dirigent Urlaub: Franz Welser-Möst dirigiert nicht in Salzburg, ruht
sich aber ganz in der Nähe der Festspielstadt, am Attersee, von den Strapazen
der Saison aus. Dass Salzburg ihn nicht beschäftigt, obwohl er zu den absoluten
Superstars des internationalen Musik-Business zählt, gehört zu den Kuriositäten
des österreichischen Kulturlebens. Welser-Möst selbst sieht dies gelassen,
vor allem weil der designierte Festspielintendant Jürgen Flimm ihm deutlich
signalisiert hat, dass er ab 2007 eine bedeutende Rolle im Festspielprogramm
spielen wird; wohl auch im Verein mit dem Cleveland Orchestra, dessen künstlerischer
Leiter Welser-Möst seit drei Jahren ist.
Bei
dem amerikanischen Spitzen-Klangkörper (frühere Chefdirigenten hießen unter
anderen George Szell und Lorin Maazel) war sein Einstand so erfolgreich verlaufen,
dass ihm das Management schon vor Ablauf der ersten Konzertsaison eine Verlängerung
des ursprünglich auf fünf Jahre angelegten Vertrags anbot. Fazit: Franz Welser-Möst
leitet das weltweit renommierte Cleveland Orchestra bis 2011, ist überdies
bis 2012 Generalmusikdirektor des Opernhauses von Zürich, wird mit dem dortigen
Ensemble Jahr für Jahr mindestens drei neue DVDs produzieren, leitet außerdem
Konzerte der Berliner und der Wiener Philharmoniker und wird an der Wiener
Staatsoper ab 2007 Richard Wagners "Ring des Nibelungen" neu einstudieren.
Befragt nach seinem Erfolgsrezept, gibt der Vielbeschäftigte
eine wunderbar untypische Antwort. Während die meisten Künstler dazu neigen,
die eigene Karriere als eine Art Gottesgeschenk darzustellen, das ihnen dank
reichen Talents in den Schoß gefallen ist, meint Welser-Möst spontan: "Voraussetzung
für eine Karriere ist Ehrgeiz." Dass dieses Wort im Sprachgebrauch negativ
besetzt ist, stört ihn nicht. "Ich war zwar schockiert, als ein Freund mir
sagte, ich sei ehrgeizig. Aber je mehr ich darüber nachdachte, wusste ich:
Er hatte recht."
"Ehrgeiz ein Ziel zu erreichen",
präzisiert Welser-Möst seine Aussage: "Ich glaube mittlerweile, dass es ein
großer Fehler ist, davon abzugehen. Es ist ein Fehler zu meinen, das, was
die anderen dafür halten, sei die Karriere. Das ist sie nämlich nicht. Man
muss sich selber treu bleiben." Das sei die wichtigste Antriebsfeder, die
man haben könne: "Ich glaube, wenn man die hat, dann kann man langfristig
an seiner Karriere gar nicht gehindert werden. Dann versteht man sehr bald
auch, dass jeder Stein, der einem in den Weg gelegt wird, eine Chance bedeuten
kann."
Krisen hat Welser-Möst tatsächlich durchgemacht.
Am kritischsten war für ihn wohl die Zeit als Chef der Londoner Philharmoniker,
die er als junger Mann mit noch nicht dreißig Jahren übernahm, wofür er von
der Londoner Kritik heftig gezaust wurde. "Damals war es furchtbar für mich.
Im Rückblick gesehen, war's aber eine tolle, weil lehrreiche Zeit. Ich habe,
auch wenn es komisch klingen mag, gelernt, weniger auf andere, mehr in mich
hinein zu hören."
Freilich sei für einen Künstler
auch Realismus geboten: "Vieles in unserem Betrieb hat überhaupt nichts mit
Musik zu tun. Sich nur hinzustellen und zu meinen: Ich dirigiere, alles andere
ist mir egal, das wird nicht funktionieren - außer man will Chef bei den
Pinguinen am Polarkreis werden, wo es kein Publikum gibt".
Zu
den prägenden Persönlichkeiten, die Welser-Mösts Laufbahn begleitet haben,
gehören zu einem der Lehrer Balduin Sulzer - "der mir beigebracht hat, mit
beiden Beinen am Boden zu bleiben", dann Herbert von Karajan - "der mir gezeigt
hat, was ein Höhenflug sein kann, was man mit unglaublicher Disziplin erreichen
kann". Und schließlich: "Ganz wesentlich: Als ich 1994 während meiner Londoner
Zeit eigentlich aufhören wollte zu dirigieren, weil es mir keinen Spaß mehr
gemacht hat, meine Frau. Eben weil sie nicht insistiert hat: Du musst weitermachen,
sondern weil sie meine strengste Kritikerin ist und mir dadurch Rückhalt
gibt. Da hab ich auch etwas gelernt: Man sucht sich die Umgebung, in der
man sich bewegt, selber aus. Wer sich nur mit Jasagern umgibt, darf sich
nicht wundern, wenn sein Blick so verblendet ist, dass er die Realität nicht
mehr sehen kann."
Schließlich konnten Welser-Möst
auch die Versuche der englischen Presse nichts anhaben, sein Privatleben
zu zerfleddern. "Früher habe ich versucht, auf entsprechende Fragen zu antworten.
Heute entgegne ich prinzipiell mit der Gegenfrage: Was glauben Sie, warum
heißt das privat?"