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Autor: Emil Baschnonga
Ganz aus dem Stegreif geschrieben, kommt in der Schweiz und anderswo die Fahne zuerst, dann kommen die Leibchen der Fussballfans.
Grossbritannien hat mehr als eine einzige Fahne. In England ist sie der Union Jack, in Schottland das Cross of St. George, in Wales der Welsh Dragon. In diesem Sinne verbünden wir Schweizer uns gleichermassen eng mit den Regionen, am engsten mit den Kantonen – in meinem Fall mit Graubünden. Da ich in Basel geboren bin, kommt natürlich auch der Baslerstab als Wappen hinzu. Zwar fühle ich mich auch als Europäer, doch kann ich mich nicht mit der Fahne der EU befreunden, diesem bürokratischen Ameisenhaufen …
Die Suche nach englischen Emblemen hat sich inzwischen im Sand verlaufen. Genannt wurden das Königshaus, der Big Ben, der Tower of London, Nelson, der typische englische Doppeldeckerbus (jetzt nur noch als Touristenattraktion im Verkehr), das Wembley-Stadion (das unter Bauverzug leidet und daher nicht für die diesjährige Meisterschaft benutzt werden kann).
Frankreich hat es etwas einfacher, dank des Eiffelturms. Ich selbst gäbe dem Louvre, und, um in Paris zu bleiben, dem Palais Royal oder dem Musé d’Orsay den Vorrang.
Solche Streitfragen sind weitaus spannender als der Vergleich der Immobilienpreise, wie das gerne in England gepflogen wird, kaum setzt man sich an den Esstisch. Folglich widme ich mich lieber der Mahlzeit, um mein grosses Gähnen zu unterdrücken.
Welches sind aber die Embleme des schweizerischen Nationalstolzes? Wilhelm Tell, Niklaus von der Flüe, Einsiedeln, Pestalozzi, das Matterhorn, die SBB? Jeder Schweizer wird darüber seine eigene Meinung haben. Das ist recht so und geht auf keinen Schweizer Pass – letzterer ist wohl auch als ein Emblem einstufbar.
Wie steht es mit den Kunstschätzen? Die Italiener und Nachfahrer der alten Römer können mit ihnen auftrumpfen und die ganze Renaissance für sich buchen. Darüber, wie die Renaissance über die Alpen in die Niederlande kam und dort eine Hochblüte trieb, kann es zu einem Meinungsstreit kommen, den natürlich die Italiener gewinnen.
Der Nachlass der Alten Griechen mit der Akropolis als ihrem Wahrzeichen gehört zum kulturellen Nachlass der Nation. Die Engländer haben viele Schätze der Griechen und Ägypter nach England verfrachtet. Seit Jahren schon versucht Griechenland, die Elgin-Marmor-Skulpturen vom Parthenon, die Prunkstücke der griechischen Klassik, zurückzuerhalten.
Ein weiterer Zankapfel, unter vielen anderen, ist die Basalttafel (auch Rosetta- Stein) genannt, die heute im British Museum aufbewahrt ist. Ich zitiere, gekürzt aus einer Quelle: „Der Rosetta-Stein wurde während der Besetzung Ägyptens durch Napoleon im Jahre 1797 in Rashid (Rosetta, Rosette), einer Stadt im Nil-Delta, gefunden. Der Stein stammt aus dem Jahre 196 v. u. Z. und zeigt einen Gesetzestext in 3 Sprachen: im oberen Bereich in ägyptischen Hieroglyphen, in der Mitte in demotischer Schrift und im unteren Bereich in Griechisch.“ Damit gelang es dem Franzosen Jean François Champollion (1790–1822), die Hieroglyphen zu entziffern.
Bilder berühmter Maler, seltene Manuskripte und Antiquitäten werden von Museen aus aller Welt aufgekauft, worunter besonders raffgierig vom finanzkräftigen Getty Museum in Malibu (USA). Damit erwirbt sich Amerika einen Schatz, doch längst keine Kultur. Viele einzigartige Werke verschwinden in den Museen, werden eingemottet.
Auch Milliardäre ergattern sich immer wieder museumswürdige Stücke, die auf Nimmerwiedersehen in ihre Kollektionen verschwinden. Selten genug tauchen sie manchmal in einer Wanderausstellung auf – mit dem Hinweis „Eine Leihgabe von so-und-so“. Japanische multinationale Unternehmen haben es bis vor kurzem so mit den Impressionisten gehalten. Versicherungsgesellschaften und Banken horten mit. Die Russen, nachdem sie die Staatskasse ausgeraubt haben, sichern sich jetzt solche Statussymbole, um sich einen Anstrich von Kultur zu geben.
Dagegen habe ich etwas. Erstrangige Kunstwerke sollten zugängliches Gemeingut bleiben. Nationalstolz ist berechtigt, nicht so der Stolz einer Privatperson auf Kosten der Allgemeinheit.
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