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Am langweiligsten Tag des vergangenen Jahrhunderts, dem 11. April 1954, ereignete sich in der Tat kaum etwas: keine Schlacht oder bahnbrechende Erfindung, keine Attentate und keine Staatsgründungen oder -äffären.
Bloss in Belgien wurden Wahlen abgehalten, der türkische Wissenschaftler Abdullah Atalar kam zur Welt und ein britischer Fussballer namens Jack Shufflebotham starb.
Computer-Nerd der ersten Stunde
Der Mann, der dies halbwegs wissenschaftlich bewiesen hat, heisst William Tunstall-Pedoe und kommt aus dem englischen Cambridge.
Der heute 49-Jährige ist ein Computer-Nerd der ersten Stunde. Mit 13 Jahren ging er vor dem Schulunterricht in die nahe gelegene technische Hochschule. Dort schrieb er Software für komplexe Grossrechner. 1991 schloss er sein Studium an der Universität Cambridge in Computerwissenschaften mit der höchsten Auszeichnung ab.
Programm zum Um-die-Ecke denken
Danach arbeitete er für eine Computerfirma und das Isaac-Newton-Institut, wo er sich vor allem mit künstlicher Intelligenz befasste. Er schrieb das bis heute einzige Programm, das Kreuzworträtsel mit Um-die-Ecke-gedachten Fragen lösen kann.
Er schrieb auch eine Software, die aus jedem beliebigen Begriff ein Anagramm erstellt und die von Dan Brown für sein Buch «Der Da-Vinci-Code» verwendet wurde.
300 Millionen Daten als Basis
Um den langweiligsten Tag zu ermitteln, benutzte er eine von ihm entwickelte Suchmaschine namens «True Knowledge». Diese kennt über 300 Millionen Fakten, die sie nach Daten oder Personen miteinander verknüpfen kann, um Fragen zu beantworten.
Aus Spass schrieb Tunstall-Pedoe ein Script, mit dem sich der ereignisärmste Tag ermitteln liess. Er kam auf besagten 11. April 1954.
Amazon kaufte Spracherkennungssoftware
Der Durchbruch gelang Tunstall-Pedoe mit seiner Spracherkennungs-Software Evi. Die war so gut, dass der Internet-Riese Amazon sie 2012 kaufte – laut Presseberichten für 26 Millionen US-Dollar.
Amazon-Gründer Jeff Bezos wies Tunstall-Pedoe und seinem Team gleich eine neue, damals noch streng geheime Aufgabe zu: die Entwicklung der Sprachsteuerung.
«Alexa» für den Assistenten «Echo»
Und dies für eines der wichtigsten Projekte von Amazon: den intelligenten, cloud-basierten, persönlichen Assistenten «Echo». Dessen Sprachsoftware hört auf den Namen «Alexa».
Sieben Mikrofone lauschen ständig in den Raum und warten auf Kommandos wie «Alexa, spiel meine Playlist» oder «Alexa, wie wird das Wetter am Wochenende?».
Ist das Haus entsprechend ausgerüstet, funktioniert auch «Alexa, mach das Licht in der Küche an» oder «Alexa, stell die Raumtemperatur auf 21 Grad».
«Alexa» zeigt Schwächen
Doch das System hat offenbar noch Kinderkrankheiten. Laut Medienberichten von Anfang März 2018 beschweren sich einige Echo-Besitzer darüber, dass Alexa plötzlich und ungefragt in gruseliges Gelächter , Link öffnet in einem neuen Fensterausbreche.
Tunstall-Pedoe hat Amazon inzwischen wieder verlassen. Er fördert mit seinem Vermögen erfolgversprechende Start-ups und begleitet Crowdfunding-Projekte. Mehr als 20 Firmen werden von ihm unterstützt.
Er ist sich sicher, dass – ähnlich wie die Sprachsteuerung von Maschinen – bald weitere Ideen, die wir heute erst aus Science Fiction Filmen kennen, zur Marktreife kommen werden. Allerdings erst, wenn sie funktionieren und den Menschen einen echten Mehrwert bieten.