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Brückenschlag zwischen raffinierter Ästhetik und technisch-finanzieller Effizienz. Die Salginatobel-Brücke bei Schuders GR, 1930.
Belastungstest der unterzugslosen Pilzdecken auf Maillarts Werkareal in Zürich-Oerlikon, 1908.
Die ersten Pilzdecken Europas. Maillarts Lagerhaus Zürich-Giesshübel, 1910.
Ein Postulat moderner Urbanität. Die Zürcher Sihlpost von Adolf Bräm, Heinrich Bräm und Robert Maillart, 1927-1930.
Zeitlose Eleganz: Die Turnhalle Sihlhölzli in Zürich von Hermann Herter und Robert Maillart. 1930/31.
Die Halbinsel Giessen mit dem Pfenninger-Fabrikationsgebäude von Maillart in den 1920er Jahren.
Der riesige Maschinensaal der Weberei im Pfenninger-Gebäude.
Zwischennutzung als Garage. Das Erdgeschoss des Pfenninger-Gebäudes heute.
Der 1916 verschwundene Mittelgiebel des Pfenninger-Gebäudes, Seitenriss von 1905.
Erdgeschoss-Grundriss des Pfenninger-Gebäudes mit Gebälkstruktur der Decke. Bauplan von 1905.
Aufriss der seither nur geringfügig veränderten Bahnseite des Pfenninger-Gebäudes von 1905.
Maillarts inzwischen abgebrochenes Fabrikationsgebäude für die Obst- und Weinbaugenossenschaft Wädenswil, 1906.
Idealisierte Darstellung zu Werbezwecken von Maillarts 1910/11 erbauter Hutfabrik in Wädenswil (im Hintergrund das kurz zuvor in ähnlichen Reformstilformen erbaute Schulhaus Glärnisch).
In den 1970er-Jahren begann man das Erbe des lange Zeit verkannten Robert Maillart neu zu entdecken. Besonders seine Brückenbauten erfahren heute weitreichende Bewunderung, die allmählich über die Fachwelt hinauszugreifen im Begriff ist. Maillarts Industrie- und Geschäftsbauten haben bislang weniger Aufmerksamkeit erfahren, obschon der Berner Ingenieur auch auf diesem Gebiet Bemerkenswertes geleistet hat. Mit der Hutfabrik Felber verfügt Wädenswil über eines der ersten Gebäude, bei dem die Pilzdecken-Konstruktion – im wahrsten Sinne des Wortes – zum Tragen kam. Seine drei Wädenswiler Projekte haben einiges gemeinsam: Es sind Fabrikations- und Lagerbauten, die sowohl den Ansprüchen auf gute Beleuchtung (sprich: grosser Fenster) und gute Statik (sprich: stabiles Tragewerk) gerecht werden mussten. Die städtebauliche Situation war sehr unterschiedlich, was Maillart offensichtlich bewusst war: Das Fabrikgebäude eines Weberei-Imperiums auf einer peripheren Halbinsel fiel monumental aus, die Kelterei der noch jungen OWG näher beim Ortskern weit zurückhaltender, und die Tuchfabrik im Oberdorf fügt sich fast wie ein etwas überdimensioniertes Landwirtschaftsgebäude in den Ortskern des einstigen Bauerndorfes ein. Das OWG-Gebäude wurde abgerissen, während die Tuchfabrik und die Hutfabrik – abgesehen von den eingreifenden Raumunterteilungen – recht gut erhalten sind. Sie sind ein baukulturelles Erbe, das neben seinem baukünstlerischen Wert auch wirtschafts- und sozialhistorische Zeugenschaft ablegt. Die beiden erhaltenen Wädenswiler Fabrikbauten belegen Maillarts Entwicklung zwischen 1905 und 1911 eindrücklich. Beide Objekte sind mit tragenden Stützen versehen, die sich von Stockwerk zu Stockwerk verjüngen: Im Falle der Tuchfabrik Pfenninger handelt es sich um Pfeiler mit Unterzügen, während bei der Hutfabrik Felber schon das neuartige Pilzdeckensystem realisiert wurde.
Die drei Fabrikbauten Maillarts in Wädenswil bezeugen sein baukünstlerisches Geschick, konstruktive, funktionale und ästhetische Erwägungen zusammenzudenken. Diese Reflektiertheit mag folgendes Zitat bezeugen: «Möge sich also der Ingenieur von den durch die Tradition der älteren Baustoffe gegebenen Formen lösen, um in voller Freiheit und mit dem Blick auf das Ganze, die zweckmässigste Materialausnützung zu erzielen. Vielleicht erreichen wir dann, wie im Flugzeug- und Automobilbau, auch Schönes, einen neuen materialgemässen Stil.»[ii] Man darf wohl sagen: Bereits Maillart hat diesen schönen, materialgemässen Stil gefunden.
Michael D. Schmid