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Clack
Neue Männer braucht das Land. Und neue Frauen ebenfalls
An der Hausarbeit messen wir die Gleichberechtigung. Doch was ist mit der Erwerbsarbeit? Marcel Zufferey über falsche Fetische in der Geschlechterdebatte.
Haushalt oder Job? Sie kann beides.
In den letzte Jahrzehnten ist die Haus- und Familienarbeit zu einem richtiggehenden Fetisch in der Geschlechterdebatte aufgestiegen: Der Stand der Gleichberechtigung wird heute allgemein daran fest gemacht, welches Geschlecht den Abwasch erledigt und den Müllsack raus trägt. Es gibt bereits Studien, in denen minutiös aufgerechnet wird, wieviel Zeit Männer und Frauen in gemeinsamen Haushalten jeweils für die Besorgung von Einkäufen, die Wäsche, das Kochen oder das Putzen verwenden.
Bemerkenswerterweise spielt die Erwerbsarbeit in diesen Studien aber nur eine untergeordnete Rolle. Das ist zweifellos ein Fehler, wie sich langsam herausstellt: «Eine Diskussion über die Stellung von Männern, sei sie von Männern oder Frauen geführt, liess sich nicht finden», schreibt die Autorin einer mit Hilfe des Schweizerischen Nationalfonds publizierten Dissertation. «Über männliche Erwerbstätigkeit wurde nicht diskutiert, sie galt als selbstverständlich, unabhängig vom Zivilstand des Mannes. Erwerbstätigkeit war sozusagen seinem Wesen immanent. Man sprach vom ‘biologischen Arbeitslohn’ des Mannes und meinte damit den Lohn für ihn und seine Familie (…) Wohl akzeptierte man, dass sich Frauen in der männlichen Welt behaupten konnten (…) Das Umgekehrte wurde nicht thematisiert; für Männer gab es kaum Alternativen zu der ihnen zugeordneten Arbeitswelt.»
Dieselbe Aussage findet sich auch in der 2009 herausgegebenen Studie «Männer in Bewegung» vom deutschen Familienministerium: «Männer haben viele Vorteile in der Berufswelt, doch sie sind vielen Belastungen auch alternativlos ausgesetzt. Die Belastungen sind nicht nur unter Frauen und Männern, sondern auch unter den Männern ungleich verteilt.»
Wie allgemein bekannt ist, werden zwei Drittel der Hausarbeit immer noch von Frauen erledigt. Es gibt kaum eine Studie aus dem Genderbereich, die nicht vorwurfsvoll auf diesen Missstand hinweist. Interessanterweise ist jedoch nirgendwo die Rede davon, dass auch zwei Drittel der bezahlten Erwerbsarbeit immer noch von Männern verrichtet werden. Wahrscheinlich vor allem deshalb, weil beide Geschlechter – auch die Frauen – nach wie vor noch stillschweigend voraussetzen, dass Männer für den Hauptteil des Familieneinkommens zuständig sind.
«Die Arbeitszeitverteilung ist eine der am wenigsten diskutierten Wiedersprüche deutscher Lebenswirklichkeit», schreibt Robert Habeck in seinem 2008 erschienenen Buch «Verwirrte Väter».
Ob Männer durch den Feminismus benachteiligt werden, wie die «IG Antifeminismus» rund um den ehemaligen Luzerner SVP-Präsidenten René Kuhn behauptet, sei dahingestellt. Tatsache ist auf jeden Fall, dass sich bislang praktisch niemand ernsthaft Gedanken über die zukünftige Rolle der Männer in unserer zunehmend weiblich geprägten Dienstleistungsgesellschaft gemacht hat. Anstatt weiterhin im Rahmen von überkommenen Rollenvorstellungen zu denken, ist es an der Zeit, auch die Ernährerrolle neu zu verhandeln.
Einen Schritt in die richtige Richtung haben beispielsweise die Grünen in Deutschland mit ihrem kürzlich publizierten Männermanifest gemacht. «Wir sind keine Dinosaurier mehr», steht da: «Wir wollen auch keine Alleinernährer sein. Wir wollen weniger Leistungsdruck, bessere gesundheitliche Prävention und mehr wertvolle Zeit. Wir wollen keine Helden der Arbeit sein, wir wollen leben. Wir wollen Macht, Verantwortung und Pflichten teilen und das Korsett alter Geschlechterrollen von uns reißen. Wir wollen neue Perspektiven für Männer im 21. Jahrhundert!»
Damit sind also nicht nur neue Väter gefragt, sondern auch neue Mütter. Denn die Rollenteilung in den Schweizer Haushalten ist bislang erstaunlich traditionell geblieben. Und hier kommt auch die Frau ins Spiel, wie Julia Onken unlängst bemerkt hat: «Das ist eine Rechnung: Wenn der Vater sein Pensum reduziert, wird auch das Geld reduziert. Das muss die Frau mittragen.
Zur Rollenteilung in Schweizer Haushalten siehe auch meinen Beitrag im «Mamablog».