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iner der einflussreichsten Schweizer in Hitlers Nazi-Deutschland, der Luzerner Hotelierssohn und SS-Obersturmbannführer Franz Riedweg, ist Ende Januar in München 98jährig gestorben. Bekannt wurde das erst jetzt - durch einen kurzen Nachruf in der April-Ausgabe von "Der Freiwillige", der Zeitschrift der Ehemaligen der Waffen-SS. Unterzeichnet ist die Notiz mit MIHAG Schweiz - das Kürzel steht für Militärhistorische Arbeitsgemeinschaft Schweiz. Die Abschiedsworte, die die MIHAG für Riedweg findet, entlarvt zugleich ihr politisches Credo: "Wir, die alten und jungen Kameraden, verlieren mit ihm einer der letzten grossen Kämpfer um ein Europa der Vaterländer." Der Nachruf endet mit der Anspielung auf einen bekannten Wahlspruch von Hitlers Mordtruppe, die sich als Elite eines nationalsozialistischen Europas sah: "Seine Ehre hiess Treue - zum nationalen Europa."
Der verstorbene Luzerner Hotelierssohn Franz Riedweg war bereits 1933 der Nationalen Front beigetreten. In den 30er-Jahren wurde der Mediziner Riedweg, protegiert von Oberstkorpskommandant Ulrich Wille, unter anderem persönlicher Sekretär des zurückgetretenen katholisch-konservativen Bundesrates Jean Musy. Nach seiner Heirat mit Sybille von Blomberg, Tochter eines Feldmarschalls, zog er 1938 nach Berlin, trat der Waffen-SS bei und wurde zu einem der einflussreichsten Schweizer in Nazideutschland.
Ab 1942 leitete er die von ihm mitbegründete "Germanische Leitstelle", die den Beitritt von europäischen Freiwilligen in die Waffen-SS propagierte und koordinierte. Ende 1947 verurteilte ihn das Bundesstrafgericht zu sechzehn Jahren Gefängnis. Eine Strafe, die er allerdings nie verbüsste. Bis zu seinem Ableben konnte Riedweg, der bis ins hohe Alter in München als Arzt praktizierte, von seiner Bewunderung für seinen Mentor Heinrich Himmler nicht lassen.
Männer wie Riedweg sind für die MIHAG Helden. Die Organisation gibt sich diskret, sie ist nur über ein Postfach im Berner Vorortsdorf Hinterkappelen erreichbar. Aktiv ist sie bereits seit Mitte der 90er-Jahre. Ihr Exponent ist Stefan Kernen, ein bald 40-jähriger Bäcker-Konditor, der heute in einem Berner Restaurant arbeitet. Bereits 1996 berichtete die Sonntagszeitung über den "Hobbyhistoriker", der sich damals als Mitglied der "Gemeinschaft der Schweizer Freiwilligen n in der ehemaligen Deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS" ausgab. (...)
Berichte in "Der Freiwillige" belegen Kernens häufigen Teilnahmen an "Kameraden"-Fahrten zu Gedenkstätten für Waffen-SSler. So fuhr Kernen mehrmals nach Tscherkassy in Russland, wo Ehemaligen-Verbände der Waffen-SS jeweils im Winter eines Ausbruchs aus einem Kessel der Sowjet-Armee gedenken. Bei der Gedenkfeier 2003, so berichtet "Der Freiwillige", seien auch Schweizer anwesend gewesen, "die der Veranstaltung die typische europaweite Note verliehen" hätten. Und der "Schweizer Kamerad Stefan Kernen" habe "im europäischen Sinne" gesprochen. In einem Bericht über ein Treffen der Waffen-SS-Division Westland wird Kernen als "eidgenössischer Freund" gelobt.
Von der Oeffentlichkeit schottet sich die MIHAG-Schweiz ab. Einem unwillkommenen Interessenten wurde 1997 beispielsweise beschieden, die Organisation löse sich gerade auf. Doch nur wenige Monate später kündigte Kernen bei einem Ehemaligen-Treffen im deutschen Freiburg, ein "umfangreiches" Programm an, das "von Vorträgen über die Kämpfe in der Normandie bis zu Richard Wagner" reiche.
Ende 2002 veröffentlichte die MIHAG auch einen 120seitigen "Bericht eines Schweizer Kriegsfreiwilligen der Waffen-SS", verfasst von einem Konrad Bergmann. Hinter diesem Pseudonym versteckt sich der 1914 geborene Kurt Brüderlin, in den 30er- und 40er-Jahren Mitglied mehrerer rechtsextremistischer Fronten, und Berner Ortsgruppenführer des Bundes Nationalsozialistischer Eidgenossen. Er trat 1943 der Waffen-SS bei. Sein "Erlebnisbericht" ist eine Verherrlichung der Nazi-Herrschaft.