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Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Mal hat er einen Floh im Ohr, dann einen Frosch im Hals oder Würmer in der Nase. Die Laus läuft über die Leber. Schlimmer ist es, einen Kater zu haben oder auf den Hund zu kommen. Was zum Geier verbindet seit Jahrhunderten Tiernamen mit unserer Befindlichkeit?
Lassen wir mal die Sau raus und beschäftigen wir uns mit gängigen Redewendungen, welche die menschliche Gesundheit mit Tiernamen verbindet. Was haben der Storch, weisse Mäuse, Krokodile und gar die Affen mit unserem Wohlbefinden zu tun? Woher stammen diese tierischen Begriffe? Ein paar ausgewählte Sprichwörter oder Redewendungen hier im Überblick:
Einen Kater haben
Der pelzige Vierbeiner hat mit postalkoholischem Leiden nicht wirklich was zu tun. Über die Herkunft des Begriffs kursieren mehrere Theorien. Eine davon besagt, dass der Ausdruck «Kater» vom Wort «Katarrh» stammt. Ein Katarrh ist eine Schleimhautentzündung, die ähnliche Symptome aufweist wie die Folgen nach übermässigem Alkoholkonsum. Im Laufe der Jahre wurde aus Katarrh Kater – vermutlich ausgehend von der sächsischen Aussprache.
Einen Frosch im Hals haben
Diese Redewendung kommt zum Einsatz, wenn sich jemand beim Sprechen ständig räuspern und husten muss, allenfalls begleitet von Heiserkeit. Aus dem Lateinischen übersetzt heisst Ranula «Fröschlein». In der Medizin versteht man unter Ranula eine kleine Geschwulst, die das Sprechen, Schlucken und Atmen erschweren kann und meist operativ entfernt werden muss.
Krokodilstränen weinen
In der Umgangssprache versteht man unter dieser Redewendung, dass jemand Tränen vergiesst und damit Gefühle vorheuchelt. Krokodile können zwar tatsächlich weinen. Genau genommen sondern ihre Augen ein antibakterielles Sekret ab, das die Augen schützen soll – mit Gefühlen haben diese jedoch absolut nichts zu tun.
Auf den Hund kommen
Wenn jemand in schlechte Verhältnisse gerät, bezeichnet man dies in der Umgangssprache gerne mit dieser Redewendung. Dies rührt vermutlich daher, dass Hunde in der Rangfolge der Tiere relativ weit unten angesiedelt sind. Hunde sind unterwürfig und wurden lange Zeit als niedere Tiere verachtet.
Eine Laus über die Leber gelaufen
Früher glaubten die Menschen, dass die Leber der Sitz der Gefühle ist. Daher sagte man: «Es ist ihm etwas über die Leber gelaufen.» Später wurde das «etwas» durch die «Laus» ersetzt. Zum einen, weil sich so eine Alliteration ergibt, das bedeutet, dass Wörter mit demselben Buchstaben beginnen – also Laus und Leber. Zum andern hat man die Laus gewählt, da es ein winziges, unscheinbares Tier ist. Die Redewendung wird heute benutzt, wenn man glaubt, dass jemand wegen einer Nichtigkeit mies drauf ist.
Würmer aus der Nase ziehen
Die Redensart stammt aus der alten Volksmedizin, als es noch keine Krankenhäuser und ausgebildete Ärzte im heutigen Sinne gab. Damals glaubte man, dass Krankheiten von wurmförmigen Dämonen im Kopf verursacht werden. Die Wunderheiler, die von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zogen, «heilten» ihre Patienten vor den Augen des versammelten Dorfes. Die Heiler stocherten mit ihren Instrumenten in den Gesichtern der Kranken herum und zauberten unauffällig einen Wurm aus dem Hemdsärmel. Die Zuschauer glaubten tatsächlich, dass der Heiler den bösen Krankheitswurm aus der Nase des Patienten gezogen und ihn so von seinem Leid befreit hatte. Ihr Auftreten war so dramatisch und glaubhaft, dass es immer mehr Patienten anlockte und den Geldbeutel der Heiler ordentlich füllte.
Weisse Mäuse sehen
Die Maus muss schon in den mythischen Vorstellungen der Indogermanen eine Rolle gespielt haben. Als verborgen lebendes Tier wird sie mit Dämonen oder dem Teufel in Verbindung gebracht. Ihr Erscheinen deutet auf Krankheit hin, insbesondere die Pest. Da nicht jeder das flüchtende Tier sieht, ist das Erblicken von Mäusen ein altes Zeichen für Wahnvorstellungen.
Jemandem einen Floh ins Ohr setzen
Eine Idee, die von einer Person geäussert wird, hält eine andere Person völlig gefangen. Die Redewendung entwirft das Bild eines Flohs, der im Ohr herumhüpft. Und mit einem Floh im Ohr kann man keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Herkunft der Redensart ist unbekannt.
Mich laust der Affe
Auf Jahrmärkten des letzten Jahrhunderts gab es Gaukler, die einen Affen bei sich hatten. Dieser sprang ab und zu auf die Schultern von Zuschauern und begann so zu tun, als würde er ihre Haare von Läusen befreien. Die «Gelausten» waren meist sehr überrascht, was zu noch grösserem Gelächter bei den anderen Zuschauern führte. Noch heute ruft man daher, wenn man sehr erstaunt oder überrascht ist: «Mich laust der Affe!»
Vom Storch gebissen
Früher war es den Eltern unangenehm, mit ihren Kindern über Sexualität zu sprechen. Wenn die Kinder nach der Herkunft der Babys fragten, war eine oft gebrauchte Ausrede der Eltern, dass der Klapperstorch die Babys bringen würde. Davon leitet sich die Redensart ab.
Kuhnagel
Wenn eiskalte Finger und Zehen in der Wärme zu schnell «auftauen», folgt eine sehr unangenehme Überraschung: Es schmerzt, kribbelt und sticht. «Chuenagel» nennt man dieses Phänomen im Schweizerdeutschen. «Chuenagel» hat weder was mit Kühen noch mit Nägeln zu tun. Laut Sprachforschern heisst es nicht «Chue-Nagel», sondern «Chuen-Agel». «Chuen» ist ein alter Begriff für «fest» und «stark». «Agel» ist ein altes Wort für Stechen. Mit der Übersetzung «starkes Stechen» macht «Chuenagel» plötzlich Sinn.
Franzi Holweck