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Es gibt zwei Personengruppen, bei denen die Folgen von circadianen Störungen besonders deutlich erkennbar sind: Menschen, die Schichtarbeit leisten, und Menschen, die viele Fernreisen unternehmen (wie Flugbegleiter und Piloten), was zu chronischem Jetlag führt.Die Symptome von Jetlag vermitteln ein klares Bild von den körperlichen Auswirkungen circadianer Störungen. Diese Symptome werden in der Columbia Jet Lag Scale und seit neuerem auch in der Charité Jet Lag Scale, einer deutschen Initiative zur Messung von Jetlag-Symptomen (2015), quantifiziert.
Das Symptom, das die Liste anführt, ist Müdigkeit. Kennzeichnend dafür sind Schläfrigkeit bzw. Wachheit zu „falschen“ Zeitpunkten, sowie Beeinträchtigungen von Konzentration und Stimmung. Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Traktes erhalten im Vergleich dazu zwar einen geringeren Stellenwert, zählen jedoch auch zu den beteiligten Symptomen (und werden umso interessanter, je mehr wir über ihre Verbindung zum Mikrobiom wissen). Menschen mit Jetlag können zum falschen Zeitpunkt unter Hungergefühlen leiden, aber es treten auch Magen- und Darmbeschwerden wie Übelkeit, Verstopfung, Blähungen und Durchfall auf.
Solche Probleme können für Menschen, die langfristig Schichtarbeit verrichten, chronisch werden. Die Magen-Darm-Beschwerden und Schlafstörungen werden dauerhaft, das Risiko für Depression nimmt zu. Auch kann die Arbeit im Schichtdienst auf Kosten von Sexualität und Fruchtbarkeit gehen, worin sich der Zusammenhang mit hormonellen Störungen besonders deutlich zeigt. Auf lange Sicht erhöhen chronische Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und (Brust-) Krebs. Bei letzterem spielen epigenetische Veränderungen eine Rolle, wie zum Beispiel der Methylierungszustand von miR-34b (Abschnitt des Micro-RNA-Codes), der sich in Richtung Tumorpromotion verschiebt.
Wenn nun jemand mit diesen Symptomen in die Praxis kommt, denkt der Gesundheitsexperte vielleicht nicht sofort an Schichtarbeit, oder, noch weniger offensichtlich: an einen gestörten Biorhythmus durch Kunstlicht und Bildschirme (vor allem am Abend), obwohl auch dies ein Grund dafür sein kann, dass der Tag-Nacht-Rhythmus gestört ist). Wenn jedoch andere Ursachen für diese Beschwerden ausgeschlossen werden können, lohnt es sich sicherlich, gemeinsam mit dem Patienten einen genauen Blick auf den Tag-Nacht-Rhythmus zu werfen.
Störungen der biologischen Uhr können außer zu Müdigkeit auch zu neurologischen Veränderungen wie Gedächtnisproblemen, Demenz, Stimmungsschwankungen und Angststörungen führen.
Mögliche Langzeitfolgen von zu häufig erfolgenden Störungen der biologischen Uhr sind Veränderungen im Herz-Kreislauf-System. Dazu zählen Herzinfarkt, Gehirnblutung und TIA.
Die biologische Uhr beeinflusst den Stoffwechsel von Leber, Bauchspeicheldrüse und Nieren. Stoffwechselveränderungen können unter anderem zu Adipositas und Diabetes führen.
Störungen der biologischen Uhr können langfristig zu einer erhöhten onkogenen Aktivität und einer verminderter Genaktivität im Bereich der Tumorsuppression führen.
Störungen können zu Unfruchtbarkeit, niedrigem Geburtsgewicht des Säuglings und Frühgeburt führen.
In unserer nächsten enews-Ausgabe erscheint der dritte Teil dieser fünfteiligen Serie zum Immunsystem, Mikrobiom und Biorhythmus: „Evolutionärer Hintergrund und Erklärungsmodelle“. Das vollständige, gut bebilderte E-Book zu diesem Thema können Sie hier downloaden. Darin finden Sie auch alle wissenschaftlichen Quellenangaben.