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Ihre Stimme klingt krächzend und knarrig, als wäre man versehentlich auf eine Kröte getreten. Nein, Carol Channing ist wahrlich keine begnadete Sängerin. Auch optisch erinnert sie eher an E.T - Der Ausserirdische mit blonder Perrücke, als an eine Dame von Welt.
Aber Carol hat nun einmal Charakter, und wie! Wenn sie als Dolly Levi über die Bühne fegt, reisst sie das Publikum vom Hocker. Es ist die Rolle ihres Lebens, in der Carol Channing über 3000 Mal am Broadway brilliert. International gesehen, schnappt ihr eine Konkurrentin jedoch die Krone weg.
Barbra Streisand wird bevorzugt
Weil die Broadway - Inszenierung erfolgreicher läuft als vorhergehende Musicals wie «My Fair Lady» oder «Fiddler on the Roof» wird auch Hollywood auf «Hello, Dolly!» aufmerksam.
Allerdings entscheidet man sich bei der Filmadaption für Barbra Streisand, die gerade mit «Funny Girl» ihren grossen Durchbruch - sowohl am Broadway als auch im Kino - hatte.Der erfolgreiche Jungstar Streisand erscheint den Filmregisseuren massentauglicher zu sein als die doch etwas schräge Channing.
Beim Stichwort «jung» scheiden sich jedoch die Geister: wie soll eine Sängerin Mitte 20 eine Witwe mit Lebenserfahrung glaubhaft herüberbringen?
Gewiss überzeugt Streisand stimmlich. Wer aber die Broadway-Originalfassung erleben durfte, vermisst gerade das kantige, ungewöhnliche Timbre, mit dem Channing ihrer Dolly Levi Charakter einhauchte. Unter Musical-Kennern wird schnell klar: Barbra Streisand ist eine Fehlbesetzung.
Dem internationalen Erfolg des Films kann die Kritik der Insider jedoch nichts anhaben. Wenn Streisand mit pompösem Federhut und goldenem Glitzerkleid die Treppe des «Harmonia Gardens Restaurant» herabschreitet und von den Kellnern mit «Hello, Dolly!» umschwärmt wird, sind die Vorbehalte vergessen. Spätesten wenn sie dann noch mit Gaststar Louis Armstrong im Duett brilliert, verstummen die hartnäckigsten Kritiker.
«Hello, Dolly!» feiert seine Premiere am 16. Januar 1964 im St. James Theatre New York. Der Film, bei dem Gene Kelly Regie führt, kommt fünf Jahre später in die Kinos. Der Komponist Jerry Hermann kann im Anschluss daran mit «Mame» und «La Cage aux Folles» erneut Musical-Erfolge am Broadway feiern.