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Wenn wir die Evangelien lesen, finden wir den Herrn Jesus überall unterwegs.
Er wandelte am See und sah zuerst zwei und etwas später noch zwei weitere Fischer, die Er aufforderte, Ihm nachzufolgen. Er durchzog das ganze Land, indem Er lehrte, predigte und heilte.
Er trat auch in jene Häuser ein, wo Er empfangen wurde: bei einer Martha, oder Maria (die sich auch zu seinen Füssen setzte, um seinen Worten zuzuhören); aber auch bei einem Pharisäer, der Ihn beobachten wollte. Er war auch im Haus eines Levi, um mit den Freunden, die sein neuer Jünger mit Ihm in Kontakt bringen wollte, am Tisch Platz zu nehmen.
Als man Ihn ablehnte, ging Er aus dem Haus hinaus und setzte sich an den See (Mt 13,1). Er verliess Israel, wo Er keine Frucht gefunden hatte; und als der göttliche Sämann ging Er nun hin, um den Samen des Wortes Gottes auszustreuen.
Er stieg auf den Berg, um allein zu beten oder um in der Stille seine Jünger zu lehren. Auch im Haus unterwies Er sie und redete ihnen ins Gewissen (Mk 9,33-35).
Er setzte über ans jenseitige Ufer, um einen Besessenen von der dämonischen Macht zu befreien; dann fuhr Er wieder auf die andere Seite zurück, um den Gelähmten zu heilen. Im Weitergehen sah Er Matthäus am Zollhaus sitzen und sprach zu ihm: «Folge mir nach.» Dann hörte Er zwei Blinde um Erbarmen rufen, aber Er heilte sie erst, als Er «in das Haus gekommen war».
Zachäus suchte Jesus zu sehen. Er stieg auf einen Maulbeer-Feigenbaum, denn Er sollte dort durchkommen. Als Bartimäus, der Blinde, gehört hatte, dass Jesus vorbeikomme, ergriff er die Gelegenheit, um Erbarmen zu schreien, damit Er ihn sehend mache.
Welche Freude ist es, sich zu den Füssen des Herrn Jesus hinzusetzen und seinen Worten zu lauschen: «Ich habe mich mit Wonne in seinen Schatten gesetzt, und seine Frucht ist meinem Gaumen süss» (Hld 2,3). Es ist wertvoll, mit Ihm an einem ruhigen Ort zu sein, um vor allem «seine Herrlichkeit zu sehen», und mit Anbetung auf den «geliebten Sohn» des Vaters zu blicken (Lk 9,32).
Aber es gibt Gelegenheiten, wo Jesus einfach «vorbeigeht». Er redet eindringlich zu einem verhärteten Gewissen, um es aufzuwecken, ein- oder zweimal – «ohne dass man es beachtet» (Hiob 33,14). Oder Er legt einem der Seinen einen besonderen Gebetsgegenstand aufs Herz. Haben wir diesen Moment erfasst oder vorbeigehen lassen? Er kommt in unserem Leben vorbei und ruft uns zu einem Dienst. Vielleicht will Er uns eine unscheinbare Aufgabe geben. Geht es Ihm dann wie Hiob: «Meinem Knecht rufe ich, und er antwortet nicht» (Hiob 19,16)?
«Es geschah, dass er am Sabbat durch die Saaten ging» (Mk 2,23). Er verstand es, mit seinen Jüngern zusammen die Schönheiten der Natur zu bewundern: die Lilien des Feldes oder die Vögel des Himmels. Im Vorbeigehen konnten die Seinen all diese Pracht «mit ihm» geniessen und dabei die Belehrungen aufnehmen, die Er ihnen dadurch erteilen wollte.
Wenn Zachäus oder Bartimäus den Moment verpasst hätten, als Jesus auf seiner letzten Reise nach Jerusalem «vorbeiging», hätten sie Ihn nicht noch einmal gefunden; der Herr wäre nicht ins Haus des Oberzöllners gekommen; die Augen des Blinden wären nicht aufgetan worden, um zum ersten Mal seinen Heiland zu sehen.
Verstehen wir es, die Gelegenheiten zu ergreifen, wenn «Jesus vorbeigeht»?