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Kleingemeinden
Zu Gast in Brest
2015 besuchten wir diese mittelgrosse Stadt an der Grenze zu Polen. Rund 300'000 Menschen leben in Brest, davon rund 1'500 Jüdinnen und Juden. Das aktive jüdische Leben begann in den 1990er-Jahren. Heute gibt es drei jüdische Gemeinden: eine orthodoxe, eine konservative und eine liberale.
Die liberale Gemeinde, die wir besuchten, wurde 1991 gegründet und zählt 117 registrierte Mitglieder, von denen die meisten auch einer der religiösen Gemeinden angehören. Um der liberalen Gemeinde beizutreten, braucht es einen jüdischen Elternteil.
Seit 2012 wird die liberale Gemeinde von Regina Simjonowitsch präsidiert. Die Gemeinderäumlichkeiten befinden sich in einem Kellergeschoss. Sie waren bei Mietantritt in einem desolaten Zustand und wurden mit grossem Aufwand und einfachen Mitteln renoviert. Im Eingangsbereich hängen mehrere Fotos von Menachem Begin, der in Brest geboren wurde.
Die Aktivitäten der Gemeinde umfassen Limud-Gruppen, «Masal-tov-Gruppen», die an jüdischen Feiertagen Bastelaktivitäten, Tanz- und Theaterauftritte für Kinder veranstalten, Jugendarbeit, einen Frauenverein, Diskussionsgruppen sowie Sozialhilfe. Zudem dokumentiert die Gemeinde die Lebensgeschichten älterer Mitglieder.
Brest, als Grenzstadt zu Polen, wurde im Zweiten Weltkrieg als erste Stadt in Weissrussland von den deutschen Truppen angegriffen. Der Widerstand der Bevölkerung war beispiellos und hielt zwei Monate lang. Soldaten und Familien hatten sich auf das Areal der Stadtfestung zurückgezogen und kämpften von dort aus. Heute ist dieses Gebiet als grosser Park mit Monumenten, die an diese Zeit erinnern, gestaltet. Für alle fünften Klassen ist der Besuch Pflicht.
In einem Teil der Festung lagern alte Mazevot. In der Nachkriegszeit wurden sie mangels Baumaterial für den Strassen- und Häuserbau verwendet. In den 1950er-Jahren initiierte die Stadt ein grosses Projekt, bei dem freiwillige Studenten alle jüdischen Grabsteine aus öffentlichen und privaten Bauten entfernten. Wir besuchten diese Deponie von alten Grabsteinen und standen buchstäblich vor einem jüdischen Trümmerhaufen.
Auch die alte Synagoge von Brest suchten wir auf, von der heute nur noch Reste der Grundmauer existieren – im Untergeschoss eines modernen Kino-Komplexes.
Die Gespräche und Besichtigungen vermittelten uns das Gefühl einer gut organisierten und aktiven Kleingemeinde.