Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03309.jsonl.gz/3014

Aisha, 8 Jahre alt,
lebt im Korogocho-Slum.
Als Xavier Colin Aisha kennenlernte, hatte sie ein Lächeln im Gesicht. Vor nicht allzu langer Zeit aber litt sie unter einem schweren Herzfehler. Dies fiel Tdh damals auf und Aisha konnte operiert worden. Heute kann sie zur Schule gehen.
Aisha ist ein 8-jähriges Mädchen, das in Korogocho lebt. Als die Delegation von Terre des hommes seine Bekanntschaft machte, hatte es ein Lächeln im Gesicht und es ging ihm körperlich gut. Vor nicht allzu langer Zeit aber litt Aisha unter einem schweren Herzfehler und war zum Sterben verurteilt. Dies fiel damals einer lokalen Tdh-Mitarbeiterin auf. Aisha lebte bei ihrer Grossmutter, einer alten Frau, die finanziell nicht in der Lage war, ihre Enkelin ins Spital zu bringen. Zu Beginn dieses Jahres ist Aisha dank Tdh am offenen Herzen operiert worden. Heute kann sie zur Schule gehen.
Eine besondere Geschichte?
Ja, und eine aussergewöhnliche zugleich! In der Tat. Aisha ist eines von Tausenden von Kindern, die im drittgrössten Slum von Nairobi aufwachsen, wo etwa 150'000 Personen leben. Fast die Hälfte der Bewohner (43 Prozent) sind Kinder wie Aisha. Schätzungsweise 30 Prozent dieser Kinder gehen nicht zur Schule. Korogocho, das sich auf etwa 1,5 km2 erstreckt, gilt als Reservoir unqualifizierter Arbeitskräfte, die ihre Dienste der in Nairobi lebenden Mittelschicht anbieten: eine starke Konzentration bedürftiger Menschen, die ums Überleben kämpfen und mit Gegebenheiten konfrontiert werden, die zu Missbrauch, Ausbeutung und Vernachlässigung von Kindern führen können. Zudem werden viele Missbrauchsfälle nicht gemeldet oder gar ignoriert, da von Kindern gemachten Erfahrungen nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die meisten Missbräuche finden innerhalb der Familien selbst statt. Im Wissen um diesen besonderen Kontext engagiert sich Terre des hommes mit einem Projekt mit folgendem Titel: «Prävention und Schutzmassnahmen gegen Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung von Kindern in Korogocho».
Wie funktioniert das Projekt?
Der Delegation Tdh war es ein besonderes Anliegen, das gesamte Personal des Camps kennen zu lernen. Ein sogenanntes Cluster-System wurde dort eingeführt, das heisst die Bildung von Gruppen à jeweils zehn Behausungen. Dies garantiert, dass alle Eltern und Erwachsenen der Gemeinschaft, die ein potenzielles «Risiko» für Kinder darstellen, in Initiativen einbezogen werden, um die wichtigsten Interessen Minderjähriger sicherzustellen. Das eigentliche Ziel ist es, das Umfeld der Kinder im Laufe der Zeit sicherer zu machen.
Eine weitere bemerkenswerte Initiative ist unter dem Namen «Nulltoleranz-Initiative» bekannt. Ihr Zielpublikum sind Jugendliche, von denen man weiss, dass sie zu den wichtigsten Tätern von Kindesmisshandlung in Korogocho gehören und auch zur hohen Kriminalitätsrate im Lager beitragen. Wir erfuhren, dass bis heute sieben Jugendgruppen eine entsprechende Schulung erhalten und Kinderschutzinitiativen in ihre Projekte eingebaut haben. In finanzieller Hinsicht erhalten diese Jugendlichen eine Entschädigung, je nachdem welche Aktivitäten sie unternehmen.
Werden auch die Eltern einbezogen?
Selbstverständlich! Sie sind Teil des Ergänzungsprogramms mit dem Titel «Kinderschutz-Einheiten des Quartiers». Es handelt sich um Erwachsene, die sich zu Gruppen zusammengeschlossen haben und geschult wurden, um sicherzustellen, dass die Kinderrechte nicht verletzt werden. Bis heute hat Tdh in den verschiedenen «Dörfern», aus denen sich Korogocho zusammensetzt, 50 neue Gruppen geschult. In der Praxis bietet Tdh an Bedingungen geknüpfte finanzielle oder materielle Hilfe, die auf einem leistungsorientierten System basiert und die einzelnen Gruppen motivieren soll.
Gibt es weitere Errungenschaften in Korogocho?
1200 Kinder, die die Schule abgebrochen hatten, konnten wieder in Bildungsprogramme integriert werden. Das Ziel ist, dass 90 Prozent dieser Kinder die Schule weiter besuchen. 4500 Kinder, die Gewalt erlitten haben, wurden bereits individuell betreut. 7500 Jungen und Mädchen nehmen an Sport- und Freizeitaktivitäten teil. 675 Jugendliche haben einen einfachen Beruf erlernt oder Unterstützung erhalten, um eine Einkommen schaffende Tätigkeit zu lancieren. 975 Haushalte haben Hilfe erhalten, um ihre unmittelbaren Bedürfnisse sicherzustellen, und 300 Kinder wurden finanziell unterstützt, damit sie das Schulgeld oder Schulmaterial bezahlen können.
Und wie überlebt Aisha in diesem Umfeld?
Hätte sie vor nicht allzu langer Zeit ihre schweren medizinischen Probleme nicht überwunden können, würde sie heute wohl auf der nahegelegenen Müllhalde arbeiten müssen, der grössten Kenias. Ihre Grossmutter meint dazu: „Aisha wird bald zur Schule gehen wie Hunderte anderer Kinder, die sonst keine andere Wahl gehabt hätten, als den ganzen Tag auf diesen riesengrossen Abfallhaufen zu verbringen, um einige wenige kenianische Schilling zu verdienen.“ In Korogocho erzählt man überall, dass sich der Erfolg – und die Verantwortung – von Terre des hommes an der Anzahl Jungen und Mädchen messen lassen, die tatsächlich zur Schule gehen, statt auf der Müllhalde zu arbeiten.
Ein Erfolg für Terre des hommes. In erster Linie aber ein Erfolg für die Kinder selbst.
Xavier Colin, Botschafter von Terre des hommes
Bildnachweis: © Tdh