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M.Sc. in Business and Economics der Universität Basel, Praktikantin bei iconomix.
Eine neue Studie von Martin Brown (Universität St. Gallen), Caroline Henchoz (Universität Freiburg) und Thomas Spycher (Universität St. Gallen) befasst sich mit dem Finanzwissen von Jugendlichen. Dabei wurde verglichen, wie gut Schüler und Schülerinnen des 9. Schuljahrs im Kanton Freiburg zehn Fragen zum Thema beantworten können.
Die zehn Fragen stammen aus früheren Studien, die Ähnliches untersucht haben. Neben den Fragen zum Finanzwissen wurden gewisse Eigenschaften wie Risikobereitschaft, soziale Normen und die Erziehung in finanziellen Angelegenheiten erfragt.
Der Kanton Freiburg wurde für die Studie ausgewählt, weil er zweisprachig ist (F/D). Da die Lernenden aus demselben Kanton stammen, sollten kaum Unterschiede aufgrund verschiedener Gesetzgebungen oder Institutionen auftreten. Dieses besondere Set-up erlaubt es, Unterschiede allein aufgrund der Sprache zu identifizieren.
Dabei wird davon ausgegangen, dass die Sprache ein entscheidender Faktor für die Kultur ist, und somit Unterschiede zwischen deutsch- und französischsprachigen Schülern darauf zurückgeführt werden können. Kultur wird definiert als «Einstellungen, Normen und Präferenzen, die eine Gruppe teilt, und die relativ unverändert von Generation zu Generation weitergegeben werden». Diese tragen zum Finanzwissen bei.
Einfluss der Kultur
Im Schnitt hatten die deutschsprachigen Schüler etwa eine Antwort mehr richtig, als die französischsprachigen. Die Kultur scheint also einen deutlichen Einfluss auf das Erlernen von Finanzwissen zu haben. Schüler konnten knapp eine Frage mehr richtig beantworten als Schülerinnen. Dieser Unterschied findet sich auch in Untersuchungen mit Erwachsenen.
Allgemein hatten die Befragten wenig Mühe mit den Fragen zu Rabatten und Risikodiversifikation. Zinseszins und Inflation bereitete dagegen den meisten Schwierigkeiten; nur ein Drittel beantwortete die betreffenden Fragen richtig.
Die nebst dem Finanzwissen abgefragten Eigenschaften wie Geduld, Risikobereitschaft oder die Erziehung in finanziellen Angelegenheiten bieten ebenfalls interessante Erkenntnisse: Die französischsprachigen Schülerinnen und Schüler erhalten tendenziell später Taschengeld und haben mit höherer Wahrscheinlichkeit noch kein eigenes Bankkonto.
Die finanzielle Sozialisierung, also zum Beispiel wie früh man Taschengeld erhält, hat gemäss Studie einen deutlich grösseren Einfluss auf das Finanzwissen als andere Faktoren wie die Risikopräferenz oder die Einstellung zu Geld. Weil sie eng mit der Kultur verknüpft ist, ist sie auch der Kanal, über den die Kultur das Finanzwissen am stärksten beeinflusst.
Im Einklang mit der bisherigen Forschung zeigt die Studie, dass Geduld und frühe eigene finanzielle Entscheide mit einem höheren Finanzwissen zusammenhängen. Neu ist die Erkenntnis, dass die finanzielle Sozialisierung stark von der jeweiligen Kultur abhängt und einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss haben kann. Das zeigt, wie wichtig es ist, den kulturellen Hintergrund in finanziellen Bildungsprogrammen zu berücksichtigen. Ausserdem scheint es lohnenswert, dem Nachwuchs früh Erfahrungen mit «Sackgeld» sammeln zu lassen.
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