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James Reason beschreibt Just Culture (Redlichkeitskultur) als eine von Vertrauen geprägte Arbeitsatmosphäre, in welcher Menschen ermutigt oder gar belohnt werden, wenn sie wesentliche (sicherheits-)relevante Informationen mitteilen.
Just Culture hängt essentiell von einem nicht-strafenden Meldewesen ab und ist ein wesentlicher Bestandteil einer Sicherheits- wie auch Lernkultur in Organisationen. Sie umfasst eine Vertrauenskultur mit Normen und Werten, welche sicherstellen, dass unbeabsichtigte Fehler nicht bestraft werden. Natürlich gilt es, zwischen akzeptablem und inakzeptablem Verhalten zu unterscheiden - hier wird üblicherweise die Grenze gezogen, dass Handlungen welche (grob) fahrlässig oder vorsätzlich begangen worden sind, auch sanktioniert werden (müssen).
Mitarbeitende werden bei fehlhaftem Verhalten dann zur Rechenschaft gezogen, wenn es sich um ein vorsätzliches oder (grob) fahrlässiges Fehlverhalten handelt, die Betroffenen also bewusst oder billigend in Kauf genommen haben, dass ihr Verhalten Schaden anrichten wird oder kann. In allen anderen Fällen führt das Berichten von (Beinahe-)Fehlern zu einem Lernen - für beide Seiten: Mitarbeitende und Organisation. Durch das Aufarbeiten der Ursachen, im Gespräch mit den beteiligten Personen, werden die notwendigen Lehren gezogen. Diese werden anschliessend im Unternehmen offen geteilt, damit ein systemisches Lernen stattfinden kann.
«Nur in einer Kultur des Vertrauens erfährt die Unternehmensleitung, was in der Organisation passiert und wie gut es den Mitarbeitenden gelingt, mit Herausforderungen umzugehen.»
In 2min erklärt das Video von Outcome Engenuity die Vorteile einer Just Culture:
Eine Just Culture Organisation ist in der Lage, ihre Prozesse ständig zu verbessern. Ihre Mitarbeitenden fühlen sich sicher genug auszusprechen, wenn ihnen ein Fehler passiert ist oder sie ein Risiko für Fehler erkennen. Indem dieses Wissen geteilt wird, ohne Angst vor persönlicher Strafe, profitiert die gesamte Organisation von diesem Wissen, wird resilienter und erfolgreicher.
Dies macht ein Unternehmen höchst effizient, da es ständig lernt und sich verbessert. Auch ist die Arbeitsmotivation der Mitarbeitenden nachweislich höher, da jeder Mensch fair behandelt wird und in seiner Position das Beste leisten kann, ohne Angst vor (ungerechtfertigter) Strafe, wenn ihm ein Fehler passiert ist. Gleichzeitig sind alle Mitarbeitenden Teil der Lösung, indem durch das sichere Umfeld von ihnen erwartet wird, aus Fehlern zu lernen und über diese so zu berichten, dass organisationales Lernen möglich wird.
Manchmal verletzen Fehler andere oder schaden der Organisation. Einfach bestrafen hilft hier nicht weiter, auch entlassen löst nicht das (systemische) Problem. In einer Just Culture wird deshalb auch auf die Wiedergutmachung fokussiert.
Wiedergutmachende Just Culture richtet den Blick nach vorne, findet Antworten auf die Frage, weshalb die Person so gehandelt hat. Dabei werden ebenso organisationale Strukturen und Rahmenbedingungen beachtet, welche den Fehler begünstigt haben. Damit dies möglich ist, müssen die betroffenen Personen ihre Geschichte offen, ohne Angst vor Strafe, berichten können.
Dies ermöglicht die Just Culture - welche auch auf Gesetzesstufe bis in wenigen Jahren in der Schweiz für Medizin und andere High Reliability Organisationen verankert sein wird. In der Medizin ist das CIRS (Critical Incident Reporting System) zunehmend akzeptiert. In der Aviatik ist ein SRS (Safety Reporting System) Best Practise Standard.
Ein nicht-strafendes Meldesystem, das auf Just Culture aufbaut, verhilft jeder Organisation zu grossem Mehrwert, da es erlaubt über Fehler offen zu sprechen. Dadurch können wiederkehrende kostspielige oder rufschädigende Fehler massiv reduziert werden, indem das Training flexibel den effektiven Bedürfnissen angepasst werden kann. Indem Mitarbeitende offen zu Fehlern stehen und berichten, maximieren Sie den Lerneffekt in Ihrer Organisation. Ein echter Erfolgsmultiplikator!
Just Culture, einfach erklärt im Video von ICSI: