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Melchior Ulrich (1802-1893)
Melchior Ulrich ( 1802-1893 ) Zwei Schweizer Alpinisten waren es vor allem, die durch ihre Erkundungsfahrten der 1830er und 1840er Jahre die Erfolge der Engländer erst ermöglicht haben: Gottlieb Studer und Melchior Ulrich. Lassen wir diesem als dem Älteren den Vortritt!
Geboren am 24. April 1802 als Sohn des Chorherrn und Stiftverwalters am Grossmünster zu Zürich, Joh. Rud. Ulrich, durchlief der eher schwächliche Knabe Melchior die städtischen Schulen, studierte dann Theologie, zuerst am Carolinum, hierauf an der Universität Berlin. Nach grösseren Reisen kehrte der begüterte junge Akademiker in seine Vaterstadt zurück, wo er sich 1833 als Privatdozent der Theologie habilitierte und von 1837-1856 eine ausserordentliche Professur für neutestamentliche Fächer und Kritik - ohne Gehaltbekleidete. Diese Tätigkeit, verbunden mit gelegentlichem Predigtamt, sagte ihm aber auf die Dauer nicht zu, so dass er 1856 seine Entlassung nahm. In der Folge widmete er sich fast ausschliesslich humanitären Institutionen - wenn er nicht auf Reisen war! Und das war Ulrich von seinem 12. bis ins 86. Lebensjahr in einem Ausmass, das selbst im reiselustigen 19. Jahrhundert einmalig ist. Reisen aber hiess für ihn « wandern ».
Der 20jährige hatte ausser Graubünden und Tessin bereits das ganze Schweizerland durchwandert.
Seinen « Reisen » liegt der Plan zugrunde, vom Nächstliegenden fächerförmig weiterzuschreiten, um schliesslich ein Gesamtbild der Schweizer Landschaft zu erhalten.
sein. Daher die Rivalität Whymper-Tyndall am Matterhorn. Als Whymper 1865 sich dem Gipfel der Dent Blanche nähert, sieht er den Steinmann - und befiehlt seinen Führern umzukehren. Es lohnt sich für ihn nicht mehr, weiterzugehen!
Diese Auffassung ist den Schweizer Alpinisten jener Epoche fremd. Sie betrachteten die Erforschung der Alpen - hauptsächlich, wenn nicht ausschliesslich, der Schweizer Alpen - als eine Aufgabe, fast als eine - sowohl wissenschaftliche als auch patriotische - Mission: die Alpen bis in all ihre Verästelungen, mit ihren Schönheiten, ihren botanischen, mineralogischen und andern Reichtümern, ihrer Tierwelt, den Sitten und Gebräuchen ihrer Bewohner, kennenzulernen und den andern bekanntzumachen. Wie einst Ernst Jenny geschrieben hat, fehlte ihnen « zum Glück » der sportliche Ehrgeiz. 1840 weilte Studer mit seinem treuen Führer in Zermatt: er versucht nicht, den Monte Rosa zu besteigen, sondern zieht es vor, eine reiche Ernte von topographischen Daten über das Massiv und seine Umgebung zu sammeln. 1848 kommt Melchior Ulrich auf dem Silbersattel an. Er lässt seine Führer die Felsen des Grenzgipfels ( Ostgipfel der Dufourspitze ) ohne ihn erklettern und findet es nützlicher, Luftdruck und Temperatur zu beobachten.
Das war - mit seltenen Ausnahmen, z.B. Weilenmann - die vorherrschende Geisteshaltung, aus der die Gründung des Schweizer Alpen Clubs hervorging und welche lange Zeit anhielt.
( Übers.: F.Oe. ) FRANZ JOSEF NAGER ( 1802-1879 ) Der Kaufmann Franz Josef Nager zu Andermatt, der mit jungen Jahren mitansehen konnte, wie der alte Saumweg für Tragpferde, Karren und Schlitten, der das Reusstal hinauf, durch die Schöllenen und über den Gotthard ins Leventinische führte, durch eine breite Fahrstrasse ersetzt wurde, hat in seiner Freizeit sich unermüdlich den Naturwissenschaften hingegeben. Er stand zu Urseren als Bürger und Geschäftsmann in hohen Ehren und bekleidete während Jahren das Amt des Talammanns. Als Zeitgenosse von Kaplan Georg Meyer ( 1775-1871 ), der schon im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts das Gotthardmassiv in allen Richtungen erforschte, legte auch Franz Josef Nager sich allerlei Sammlungen an: Pflanzen, Gesteine, Mineralien und Insekten aller Art, was ihn dazu führte, ebenfalls die Berge seiner engern Heimat zu besteigen, um ihre Flanken nach Naturalien abzusuchen. Nicht nur als Geschäftsmann, sondern auch als eifriger Naturkundler hielt er einen regen Verkehr mit Naturwissenschaftern des In- und Auslandes aufrecht und belieferte manchen Sammler und zahlreiche Museen und Schulen mit Naturalien aus dem Gotthardgebiet. Von besonderer Bedeutung war seine Arbeit für die Erforschung der Vogelwelt von Urseren, sowohl der Standvögel als auch der Zugvögel. Er legte sich eine ansehnliche Sammlung der gefiederten Gäste seines Tales an und erntete dafür im Volk den Übernamen « Vegeli-stupf », d.h. der Vögelausstopfer. Im S AC-Jahrbuch 1884 lesen wir ( Seiten 478-479 ), was Dr. C. Mösch, Zürich, von Nager schrieb: « Kein Alpentier war ihm fremd; er kannte den Standort eines jeden Vogels, er studierte dessen Lebensweise und besondere Gewohnheiten, und wo in einem zoologischen Kabinette sich eine Lücke in der Reihe von alpinen Vögeln befand, war man zu deren Ausfüllung unbedingt auf Nager angewiesen. Manche Eidechse und Fledermaus, manche Schnee- und Waldmaus hat der Zoologe vom Fach durch Nagers Mithülfe der Wissenschaft bekannt gemacht. Er beobachtete den Herbst- und Frühjahrszug der Vögel und wusste viel Neues und Interessantes darüber zu erzählen. » Nager entdeckte zu Urseren die Alpenspitzmaus, die nach ihm benannte « Nagersche Feldmaus », und in den Talwiesen die rötlichbraune Feldmaus. Auch die « Hufeisennase-Fledermaus » ( Rhinolophidae ) soll er in Felshöhlen beobachtet haben. ( Wir 86 trafen diese Zwergfledermaus mit der « Hufeisennase » - Rh. hipposidoros B - vor Jahren in der Hutshöhle oberhalb Bauen. ) Er interessierte sich auch für den Steinbock und hatte gehofft, dieses stolze Alpentier wieder in seiner Heimat einbürgern zu können. In Friedrich Tschudis « Thierleben der Alpenwelt » ( 4.Auflage, 1858, Seite 573 ) finden wir diesbezüglich folgenden Hinweis: « Herr Nager in Andermatt hat in der letzten Zeit zwei Jahre lang einen jungen Steinbock vom Monterosa lebendig auf einer kleinen Alpp erhalten. Derselbe war äusserst zahm, weidete ganz frei und hielt sich den Tag über am liebsten auf dem Dach der Alphütte auf. Herrn Nager sprang er ebenfalls auf den Kopf und war ganz zuthulich. » Nager erhielt eine Reihe abgeschossener Steinböcke, präparierte sie und lieferte sie an ausländische Museen. Tschudi schreibt weiter: « Mehrere Male erhielt er auch lebende; im August 1854 hatte er sogar eine kleine Herde von 8 Stück ( 5 weibliche und 3 männliche ) auf einer Alp beieinander. Um solche zu erhalten bedurfte es grosser Anstrengungen und Unkosten. Er Hess nämlich die wilden Steinziegen durch eine Anzahl von Jägern aufsuchen und zur Zeit des Wurfes ununterbrochen beobachten. Wenn die Stunde getroffen und der Ort zugänglich war, so konnte bei grosser Eile das Junge erhascht werden; war es aber bloss erst trocken geworden, so war es nicht mehr zu ereilen. Herr Nager hat den rühmlichen Entschluss gefasst, die Steinböcke am Gotthard wieder einzubürgern. Doch dürfte dies die Anstrengungen eines Privatmannes übersteigen. » - Das war auch der Fall: Nager liess nach einem Jahrzehnt der Misserfolge von seinem Vorhaben ab. Auch sein « Steinbock Mättelein » bei Andermatt ist verschwundenFranz Josef Nager war von kleiner Statur und nicht besonders kräftig, trotzdem bestieg er den Six Madun-Badus, den Pater Placidus a Specha 1785 erstmals erstiegen hatte. Wahrscheinlich hat er auf seinen zahlreichen Exkursionen, zusammen mit Kaplan Georg Meyer, eine grosse Zahl der leichtzugänglichen Gipfel im Gotthardmassiv bestiegen und die verschiedenen Furggelen und Pässe überschritten. Am 6. Juni 1879 starb Nager in Andermatt, wo er am 10. September 1802 geboren war, hochgeachtet von seinen Landsleuten.Max oechslw MELCHIOR ULRICH ( 1802-1893 )