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Im März 2016 verbrachte ich vier Wochen in Myanmar, welches zu den ärmeren Ländern der Welt gehört.
Erste Eindrücke aus Myanmar
Die Fahrt von der thailändisch-myanmarischen Grenze zur Ortschaft Dawei führte mich über eine unasphaltierte und sehr staubige Strasse, welche oft sehr steil war. Teilweise stieg die Strasse so stark an, dass ich nicht hochfahren konnte und mein beladenes Fahrrad im Zickzack hochschieben musste. Als ich unterwegs drei Liter Wasser kaufen wollte, wollten mir die Verkäufer das Wasser nicht verkaufen – es wurde mir geschenkt!
Nachdem ich mich in der Ortschaft Dawei mit Proviant eingedeckt hatte, realisierte ich zum ersten Mal in meinem Leben, dass Bananen Kerne haben (können). Ich fuhr auf einer Naturstrasse durch einige Dörfer, bevor ich auf der Hauptstrasse weiter in Richtung Norden radelte. Die asphaltierte Hauptstrasse sah zwar perfekt aus, doch sie fühlte sich alles andere als perfekt an. Es ruckelte und zuckelte die ganze Zeit, da die Strasse nicht wirklich eben war. Das liegt daran, dass die Strassen mehrheitlich von Hand gebaut wurden und teilweise immer noch so gebaut werden. Meine Fahrt führte mich durch viele kleine Ortschaften, wo ich viel Interessantes sehen konnte. So streichen sich zum Beispiel in Myanmar viele Frauen und Kinder eine gelblich-weisse Paste, welche Thanaka genannt wird, auf die Wangen und teilweise auch auf die Nase und Stirn. Die aus fein geriebener Baumrinde hergestellte Paste dient sowohl als natürliches Make-up als auch als Sonnenschutz. Dass manche Frauen alles Mögliche auf ihrem Kopf balancierten, beeindruckte mich ebenfalls. Die Bekleidung der Männer fiel mir auch sofort auf. Sie tragen mehrheitlich einen Rock, genannt „Longyi“, eine zwei Meter lange und ein Meter breite Stoffbahn, die um die Hüften geschlungen und am Bauch zusammengeknotet wird. Wenn ich durch Dörfer fuhr, dann winkten mir die Einheimischen zu, zeigten mir ihr wunderschönes Lächeln und begrüssten mich mit einem „min-ga’la pa“, was übersetzt anscheinend so viel bedeutet wie „Glück für euch alle!“, was ich strahlend erwiderte. Neben der Strasse sah ich in Myanmar sehr oft Tonkrüge, welche mit Wasser gefüllt waren. Obwohl es immer wieder heisst, dass man als Europäer in Asien nur Wasser aus Flaschen trinken soll, versuchte ich das Wasser der Einheimischen zu trinken – mit Erfolg. Mein Magen hatte kein Problem mit diesem Wasser und so musste ich weder Wasserflaschen kaufen noch täglich mehrere Liter Wasser filtern. Als ich einmal wieder meine Flaschen mit Wasser aus den Tonkrügen vor einem Haus auffüllte, kam der Hausbesitzer auf mich zu und gab mir noch eine Flasche mit Eiswasser mit auf den Weg.
Zwischen den Ortschaften fielen mir weitere Dinge auf: Die meisten Autos waren, trotzt Rechtsverkehr, für den Linksverkehr gebaut – auch Busse und LKWs. Das heisst auch, dass bei den Bussen der Beifahrer mindestens so wichtig ist wie der Fahrer, da letzterer natürlich nicht so einfach erkennt, ob er überholen kann oder nicht. Aber überholen kann man in Myanmar, wie auch sonst in Asien, fast immer, man muss nur hupen… Zudem sah ich viele LKWs und Lieferwagen, welche zum Transport der Bevölkerung verwendet werden. Die Menschen sassen, natürlich ohne Stühle, einfach auf der Ladefläche, und winkten mir lächelnd zu. Unterwegs sah ich auch immer wieder Holzkarren, welche jeweils von zwei Ochsen gezogen wurden. Da fühlte ich mich in der Zeit über hundert Jahre zurückversetzt – wären da nicht die Smartphones, denn einmal wurde ich tatsächlich von einem solchen Karren aus mit einem Smartphone fotografiert oder vielleicht sogar gefilmt.
Routenplanung
Bei meiner Routenplanung für Myanmar stiess ich auf der Karte auf eine sehr kurvenreiche Strasse im Chin-State.
Da ich annahm, dass die Strasse sehr interessant zum befahren sein würde, wollte ich unbedingt dort durch. Im Internet fand ich auf einer offiziellen Website die Information, dass Ausländer zum Bereisen des Chin-States allgemein ein Permit benötigen und dass einige Gebiete für Ausländer gar nicht zugänglich sind. Obwohl die Strasse genau durch Gebiete führte, welche scheinbar für Ausländer unpassierbar sind, versuchte ich mein Glück und fragte bei einer Reiseagentur, ob sie mir ein Permit für meine geplante Route einholen können. Tatsächlich erhielt ich für 50$ ein Permit für meine geplante Route.
Damit ich genügend Zeit hatte, um den Umweg durch den Chin-State zu befahren, reiste ich mit dem Zug von Yangon nach Bagan. Ich verzichtete darauf, für über 20 Dollar ein Ticket für ein Bett in einem „luxuriösen“ Touristenschlafwagen zu kaufen und wählte stattdessen die günstigste Sitzplatzkategorie, in welcher die Fahrt nur etwas mehr als 3 Franken kostete und ich mit Einheimischen unterwegs sein konnte.
Bagan
In Bagan , einer historischen Königsstadt mit mehr als zweitausend kleinen Tempeln, verbrachte ich nur wenig Zeit, da dieser Ort eine der beliebtesten Touristenattraktionen des Landes ist und mir somit die echte Gastfreundschaft, wie ich sie in den ersten Tagen in Myanmar erlebt hatte, fehlte. Ich war ein wenig traurig, dass sich Bagan zu einem typischen Touristenort entwickelt. Man wird zum Beispiel bei allen grösseren Tempeln von Verkäuferinnen und Verkäufern angequatscht, welche einem Fotos oder Bekleidung als Souvenir zu lokal völlig überteuerten Preisen verkaufen wollen – und dann hört man auch noch den dicken Amerikaner, welcher mit hochgezogenen Socken in Sandalen rumsteht, zu seiner Frau sagen: „That’s very cheap!“.
Mit gemischten Gefühlen verliess ich Bagan in Richtung Süden. Ich war gerade mal 10 Kilometer gefahren, da kam ich an einer einzelnen Hütte vorbei, und die Einheimischen winkten mich heran und offerierten mir ein üppiges veganes Mittagessen inklusive Zucker-Reis-Plätzchen als Dessert – umsonst. Ich war also wieder zurück in dem Myanmar, in welches ich mich von Anfang an verliebt hatte. Nicht etwa, weil ich kein Geld für mein Mittagessen ausgeben musste, sondern weil ich mich wieder als wirklich willkommener Gast fühlte.
Chin-State
Auf einer kurvenreichen Strasse durch den Chin-State zu reisen war eine sehr tolle Erfahrung. Dieses Gebiet wird kaum von Ausländern bereist, deshalb erhält man viel leichter einen Einblick in das Leben der Einheimischen und kann die grosse Hilfsbereitschaft und Grosszügigkeit der Menschen erleben. So wurde ich zum Beispiel in der Ortschaft Kanpetlet von einem Priester zum Essen und Übernachten eingeladen. Ein anderes Mal stoppte mich ein Baggerfahrer, damit er mir eine Flasche Wasser sowie eine Dose Limonade mitgeben konnte. Oder als ich in Rezua, der grössten Ortschaft zwischen Matupi und Hakha, eintraf, wollte ich Bananen und Tomaten besorgen. Als ich von einem Bewohner angesprochen wurde, fragte ich ihn mit Hilfe des OhneWörterBuchs, wo ich Bananen kaufen könne. Er rief seiner Tochter etwas zu, die kam bald darauf aus dem Keller und brachte mir einen Bund Bananen – als Geschenk. Anschliessend fragte ich bei einer Werkstatt die Arbeiter, wo ich Tomaten kaufen könne und schon begleitete mich einer mit dem Motorrad zu einem Shop. Danach fragte ich den jungen Mann auf dem Motorrad, wo ich Bananen kaufen könne, da ich ursprünglich vorhatte, 2 Bunde Bananen zu kaufen, vom gastfreundlichen Bewohner am Anfang der Ortschaft jedoch „nur“ einen Bund erhalten hatte. Der Junge führte mich durch die halbe Ortschaft und erkundigte sich bei anderen Bewohnern nach Bananen, und schon bald vermutete ich, dass man in der Ortschaft gar keine kaufen konnte. Deshalb versuchte ich dem Jungen zu erklären, dass es nicht wichtig sei, Bananen zu finden. Plötzlich tauchte auf der Strasse ein Polizist auf und wollte meinen Pass sehen. Der ältere Mann war nur durch seinen Sonnenhut mit der Aufschrift „Police“ als Polizist zu erkennen. Ich händigte ihm eine Kopie meines Passes aus, da winkte mich auch schon der Junge zu einem Haus. Er hatte Bananen gefunden und die Familie schenkte sie mir sogar.
Sogar die Strassenarbeiter, welche oft direkt neben der Strasse in selbstgebauten Zelten leben, welche lediglich aus Holzstöcken und einer Plane bestehen, luden mich zweimal zum Nachtessen ein. Auch als ich einmal bei einer Tankstelle meine Benzinflasche (für den Kocher) auffüllen liess und bezahlen wollte, erklärte mir der Mann mit einem „no money – present“, dass er kein Geld von mir wollte. Es war ein überwältigendes Gefühl, immer wieder in den Genuss der grosszügigen Gastfreundschaft der Einheimischen dieses armen Landes zu kommen.
Die schlechten Naturstrassen setzten meiner Ausrüstung zu, so brach zum Beispiel mein Vorderradgepäckträger unter der Last der schweren Taschen. Simon, ein sehr hilfsbereiter Christ, half mir dabei, einen guten Schweisser zu finden, der meinen Gepäckträger sorgfältig flickte, damit ich weiterreisen konnte. Tubus, der Gepäckträgerhersteller, schickte mir übrigens ganz unkompliziert und auf ihre Kosten einen neuen, sogar teureren Vorderradgepäckträger nach Nepal, welcher die Belastungen auf den schlechten Strassen im Spiti Valley, in Ladakh oder auf den Deosai Plains problemlos aushielt.
Nach diesem vierwöchigen Aufenthalt im Land des Lächelns, in welchem ich so oft beschenkt und liebevoll behandelt wurde, verliess ich Myanmar mit dem Kopf voller interessanten und eindrucksvollen Erinnerungen und fuhr weiter nach Indien.