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Die Sonne brannte flachüber die Dächer. Fritz the cat sprang vom Nachbarhaus auf die Terrassenmauer, liefüber die angeschrägten Tonplatten bis zum großen Oleanderbusch und kratzte sich ein Loch in die Topferde.
Pia war mit einem Satz bei ihm, packte ihn, bevor er sich hinhocken konnte, und trug ihn zu seiner Katzenkiste hinüber.»Hier ist dein Katzenklo! Lass endlich meine Blumen in Ruhe. Es ist mühsam genug, hier so was wie einen Dachgarten anzulegen.« Fritz verharrte so, wie sie ihn hingesetzt hatte, breitbeinig, unbequem schief, und wartete, dass sie endlich verschwand. Pia blieb stehen.»Ich weiß, dass du auf Blumentöpfe spezialisiert bist. Aber hier nicht, kapiert?« Fritz starrte sie kurz an, schaute dann weg, und machte, bevor er sich zurechtsetzte, ein paar Dehnübungen, damit niemand merkte, dass er nachgab.
Pia ging in die Küche zurück und füllte Kaffee in die Maschine. Wenn Fritz kam, war Barbara normalerweise nicht mehr weit.
Manchmal konnte sie es selbst kaum glauben. Noch vor ein paar Monaten war sie inspectora bei der brigada criminal gewesen. Und Barbara eine kleine Taschendiebin, des Doppelmordes verdächtigt und von den Medien bereits abgeurteilt.
Es läutete. Aber nicht an der Wohnungstür, sondern drüben, bei Llimona 5.
Pias Vater wurde bei einem Polizeieinsatz getötet, als sie zwölf war. Von seiner Lebensversicherung konnte sie sich später diese Wohnung kaufen, damals ein verrottetes Dachgeschoss, in dem sie sich in monatelanger Arbeit und mit finanzieller Hilfe der Stadt zuerst nur den vorderen Teil herrichtete.
Es läutete wieder. Anhaltend. Pia ging in den neuen Büroteil. In die Detektei Llimona 5, die sie vor drei Monaten gegründet hatten. Als sie Dagmar kennen lernte. Und Janet. Die dünne, sommersprossige Engländerin, deren sorgfältig recherchierte Gerichts- und Kriminalreportagen ihr schon lange aufgefallen waren. Janet, die sich vor nichts fürchtete und sich nie um die vorherrschende Meinung scherte. Auch nicht, als sie zusammen Barbaras Unschuld nachwiesen und Anna, die von ihren Brüdern verfolgt wurde, fanden und bei sich aufnahmen. Die Zeit seither kam Pia manchmal vor wie eine Ewigkeit. Und dann wieder nur wie ein paar Tage. Immer noch hing der Geruch frischer Farbe in den Räumen, dem Empfangs- und Wartezimmer mit den Rattanmöbeln und dem großen Büro mit Konferenzecke, Rollschränken, Schreibtischen und der supermodernen Multimediaanlage. Und mit einem Safe hinter dem Rififiposter. Wenn Pia hier war, vergaß sie den Schmerzüber das abrupte Ende ihrer Karriere bei der Kripo, dann empfand sie nur noch Stolz. Sieöffnete die Tür, als es zum dritten Mal läutete.
»Na endlich!« Der Mann sprach mit englischem Akzent. Er war etwa dreißig, groß, schlank, dunkel gebräunt. Sein Schädel war glatt rasiert, und er trug eine Sonnenbrille, die bis zu den schmalen Lippen fast sein ganzes Gesicht verdeckte. Ein weißer Anzug mit auffallend weiten Hosen, weiß-graue Budapester Schuhe und ein silbergraues Seidenhemd mit einer silbergrauen Krawatte aus dem gleichen Material. Seine Nägel waren sorgsam poliert, am linken Zeigefinger trug er einen Ring mit einem daumennagelgroßen Smaragd. Nicht gerade der tägliche Durchschnittsklient von Llimona 5.»Darf ich reinkommen?« Ein angedeutetes Lächeln. Pia ging voraus ins Büro und bot ihm den Stuhl neben ihrem Schreibtisch an. Janet oder Dagmar hätten die bequemen Sessel gewählt, aber Pia fühlte sich immer noch wohler, wenn wie in ihrem Büro im Polizeipräsidium zwischen ihr und einem Fremden ein Tisch stand.
»Wie kann ich Ihnen helfen?«
»Mein Name ist Jonathan Smith. Ich habe Sie im Internet gefunden. Unter www.llimona5.com. Lauter Frauen, richtig?«
»Stimmt.«
Er schaute zur Wand hinter Pias Tisch, wo die gerahmte Lizenz hing.»Und Sie sind Pia Cortés-Casares?«
»Richtig.« Pia wusste nicht recht, wie sie den Kerl einordnen sollte. Der Reichtum war nicht vorgespielt, der Name jedoch falsch, so viel war klar. Das allein allerdings war nicht besonders ungewöhnlich. Viele Menschen scheuten sich, zu einem Privatdetektiv zu gehen. Der Mann war auch nicht dunkel gebräunt, wie Pia zuerst geglaubt hatte, er stammte aus einem südlichen Land. Einem arabischen? Sie lächelte aufmunternd. Er lächelte zurück.
»Sie waren viele Jahre bei der Kriminalpolizei. Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie die Chefin sind?«
»Vielleicht kommen wir weiter, wenn Sie mir sagen, worum es geht.«
»Ich wüsste zuerst gern mehr. Vor allem, wie es um die Diskretion bestellt ist.«
»Hören Sie, Señor Smith, Sie haben unsere Website gelesen, Sie haben sichüber uns erkundigt. Sie wissen, dass wir in der Machostadt Barcelona die einzige rein weibliche Privatdetektei sind. Und das genau ist der Grund, der Sie zu uns geführt hat.«
»Sie haben mich durchschaut.« Diesmal war das Lächeln echt.
»Kann ich Ihnen etwas anbieten? Kaffee? Tee?«
»Danke, nein. Ich will es kurz machen: Ich vertrete einen, sagen wir, sehr hoch gestellten Herrn, der nicht genannt werden möchte. Wir sind nur auf der Durchreise, zwei Tage. Wir bewohnen Suiten im Claris, und die Damen würden gern shoppen gehen.«
»Wie viele Damen?«
»Sieben.«
»Es geht um Personenschutz? Sie suchen Bodyguards?«
»Ortskundige Begleiterinnen. Englischkenntnisse wären von Nutzen.«
»Waffen?«
»Barcelona ist eine Großstadt mit hoher Kriminalitätsrate. Wir erwarten höchste Sicherheit. Wie sind Ihre Preise?«
»Zweihundertsechzig die Stunde. Plus Spesen. Ich denke, zwei Body... Begleitpersonen genügen.«
»Sie haben eine Waffe und einen Waffenschein?«
»Ja. Und ich würde den Einsatz auch leiten.« Pia verschwieg, dass sie von den Frauen die Einzige mit Waffenschein war.»Gibt es bestimmte Kleidervorschriften?«
»Nein, natürlich nicht. Einfach nur eine gewisse internationale Eleganz. Keine engen Hosen, keine Miniröcke.«
»Natürlich. Selbstverständlich.« Pia war nahe dran, den Auftrag abzulehnen, als dieser Señor Smith ihr einen bereits ausgefüllten Schecküber den Tisch schob. Die arabischen Zeichen der Unterschrift konnte sie nicht entziffern, aber die Zahl war deutlich zu erkennen. Diezmil. Zehntausend. Eine Zehn, ein Punkt und drei Nullen. Euro. Pia berührte den Scheck nicht. Sie sah auf das Datum. Quinze de setiembre. Der fünfzehnte September war erst in drei Tagen. Sie blickte hoch.
»Sorry.« Ein winziges Lächeln.»Wir haben den Scheck vordatiert. Das ist kein Misstrauensvotum, nur eine kleine Vorsichtsmaßnahme. Sie machen Ihren Job, diskret und zu unserer Zufriedenheit, und wir entlohnen Sie großzügig. Sehr großzügig. Zu unseren Bedingungen. Einverstanden?«
Pia nahm den Scheck und stand auf. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Der Typ war Gold, und sie nahm es, oder sie hatte sich geirrt, und musste ihr Lehrgeld zurückzahlen. Vermutlich