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Die chirurgische Ausbildung in Zürich vor der Universitätsgründung
Im Jahre 1782 wurde in Zürich das medizinisch-chirurgische Institut auf privater Basis gegründet. Ziel war es, einerseits den handwerklich ausgebildeten Barbierchirurgen eine zusätzliche fundierte theoretisch-klinische Ausbildung zu vermitteln und anderseits den angehenden Ärzten die Studienzeit sowie die Ausbildungskosten an einer auswärtigen Universität zu veringern.
Das Institut war im Haus zum Schwarzen Garten an der Stüssihofstatt Nr. 9 untergebracht und wird heute als Zürichs erste Unterrichtsstätte für Medizinern bezeichnet. In diesem Ort vollzog sich der Wandel von den alten Barbieren zu den wissenschaftlichen gebildeten Chirurgen des 19. Jahrhunderts.
Aufgenommen wurden Studenten mit einer humanistischen Vorbildung oder junge Männer mit einer Affinität zu den Naturwissenschaften und die zum Chirurgen oder Landarzt ausgebildet werden wollten und für das Schulgeld von 120 Gulden aufkommen konnten.
Zwei Jahre nach der Eröffnung des medizinisch-chirurgischen Instituts wurde nach Absprache mit der Zürcher Regierung die Chirurgische Klinik ausgegliedert und die Verantwortung den Spitalchirugen übertragen.
1804 wurde das Institut von einer privaten in eine staatliche Weiterbildungsstätte umgewandelt. Dadurch waren zum einen die Gelder gesichert und zum anderen konnte die Stadt Zürich die im Spital tätigen Ärzte mit der Ausbildung der Studenten beauftragen.
Mit der Eröffnungsfeier der Universität Zürich am 29. April 1833 öffnete auch die medizinische Fakultät ihre Tore und das medizinisch-chirurgische Institut wurde aufgehoben. Die Sammlungen des Instituts - eine anatomische, eine pharmakologische sowie eine mit chirurgischen Instrumenten - ging an die Universität über. Die Chirurgie wurde durch Heinrich Locher-Zwingli, einem ehemaligen Schüler des medizinisch-chirurgischen Institutes, an der neuen medizinischen Fakultät gelehrt.
Professor Heinrich Locher-Zwingli 1800-1865
1800 in Wigoltingen, Kanton Thurgau geboren
1813 Umzug zu seinem Onkel nach Zürich, Besuch der Zürcher Schulen
1818 Eintritt in das zürcherische medizinisch-chirurgische Institut
1821 Studium in Göttingen
1822 Doktorexamen
1823 Prüfung vor dem Zürcher Sanitätsrat bezüglich Praxiseröffnung
1833 Berufung zum Extraordinarius der Chirurgie und Direktor der
chirurgischen Abteilung des Kantonsspital Zürich
1842 Beförderung zum Ordinarius
1860 Rücktritt
1865 Tod infolge "Lungenlähmung"
Zu Beginn des Wintersemesters 1822 ging Heinrich Locher für drei Monate nach Berlin. Nach einer Reise über Holland und Belgien traf er im Frühjahr 1823 in Paris ein, wo er verschiedene grosse Ärzte aufsuchte, um bei ihnen zu lernen. Er war beeindruckt von Dupuytren mit seinen genauen Krankenuntersuchungen, seinen eingehenden Besprechungen der Fälle und seinem technischen Können beim Operieren. Nach der damaligen Examensordnung hatten promovierte Ärzte, um eine eigene Praxis eröffnen zu können, ein Colloquium mit dem Sanitätsrat zu bestehen. Am 11.10.1823 bestand Locher seine Prüfung vor dem Zürcher Sanitätsrat und konnte nun eine ärztliche Tätigkeit in Zürich aufnehmen.
1833 wurde Locher zum Extraordinarius der Chirurgie und zum Direktor der chirurgischen Abteilung des Kantonsspitals ernannt und 1842 zum Ordinarius befördert. In der Klinik leitet er seine Schüler in der objektiven Untersuchung an und gab ihnen damit jene Sicherheit in der Diagnose, die zugleich das Handeln bestimmte und das Vertrauen des Kranken zum Arzt stärkte. Sein Ziel war es, seine Schüler mit wesentlichen Ansichten anderer Chirurgen und den eigenen, auf Erfahrung gestützten Ansichten, bekannt zu machen. Für ihn zählte in erster Linie das Praktische. Locher war als Internist wie als Wundarzt und Geburtshelfer vorzüglich und bewies durch die Tat, wie Vereinigung der drei Disziplinen für den viel bewirkenden und gewissenhafter Beobachter ein Verhältnis der Natur des kranken Körpers herbeiführte, dass wenn umsichtig verwertet, jedem der drei Zweige von den beiden anderen den erspriesslichen Nahrungssaft zu schönen Früchten zugeleitet.
Bei der Gründung der Universität Zürich
Locher beschäftigte sich mit verschiedenen Neuerungen. So pries er 1854 die Chlorform-Narkose, die er bei allen Patienten anwandte.
.
Chloroform-Inhalationsapparat um 1850, vermutlich Pirvatanfertigung. Die angesaugte Luft tritt durch das gelochte Bleckgefäss ein und durchströmt die darin befindliche chloroform-getränkte Baumwolle. Die ausgeatmete Luft verlässt den Apparat durch ein Kugelventil.
Professor Theodor Billroth 1829-1894
1829 in Bergen auf Rügen, Deutschland geboren
1848 Beginn des Medizinstudiums an der Universität Greifswald
1849 Wechsel nach Göttingen
1852 Promotion in Berlin
1853 Praxiseröffnung, Bewerbung um eine Assistentenstelle bei
seinem ehemaligen Lehrer Bernhard von Langenbeck
1856 Habilitation für Chirurgie und pathologische Anatomie
1859 Berufung an UniversitätsSpital Zürich
1873 Erste Exstirpation eines Kehlkopfes
1881 Erste Resektion des Magens
1867 Berufung nach Wien. Billorth war als bahnbrechender Operateur
der Gründer einer bedeutendsten Chirurgenschulen in Wien
1873 Erste Exstirpation eines Kehlkopfes
1881 Erste Resektion des Magens
1894 Tod Theodor Billroths
Bezeichnend für den Chirurgen und Menschen Theodor Billroth ist eine Aussage, die er kurz vor seinem Tod gemacht haben soll:
"Was mir die meiste Freude in meinem reichen Leben gemacht hat, ist die Begründung einer Schule, welche sowohl in wissenschaftlicher wie in humanitärer Richtung mein Streben forsetzt und ihm dadurch etwas Dauer verschafft."
Im Dezember 1859 wurde Billroth nach Zürich als Professor der chirurgischen Klinik berufen. Kurz zuvor erschien ein grösseres, eher medizin-historisches, Werk von Billroth mit dem Titel "Historische Studien über die Beurteilung und Behandlung der Schusswunden vom 15. Jahrhundert bis auf die neueste Zeit".
In Zürich folgten sieben Jahre erfolgreicher Tätigkeit. Der Ruf Billroths als grossartiger Operateur, mitreissender Lehrer und Forscher brachte es mit sich, dass sich andere Universitäten für ihn zu interessieren begannen. Im Herbst 1867 erhielt er den Ruf nach Wien.
Die medizinische Fakultät vollzog unter Billroth einen ersten Schritt Richtung "Spezialisierung". So drängte er 1863 beim Regierungsrat auf eine Trennung der Ophthalmologie von der Chirurgie, was er bereits bei seiner Berufung vorgeschlagen hatte, wirkte doch in Zürich in begabter Ophthalmologe, Dr. Friedrich Horner. Dieser wurde in seiner neuen Stellung als Extraordinarius der Ophthalmologie der Begründer der damals bekannten Zürcher Augenarztschule.
Billorth hatte die operative Chirurgie erweitert wie kein anderer. Er wurde der Schöpfer der Magen- und Darmchirurgie und eröffnete der Gynäkologie die operative Richtung. Ihm gelang die erste operative Entfernung eines Kehlkopfes am 31.12.1873 und die erste Resektion des Magens am 28.01.1881. Beide Operationen erregten weltweit grosses Aufsehen und brachten ihm Weltruhm.
Billroth selber schrieb zum Thema Operation:
"Man darf nur operieren, wenn man einige Chancen des Gelinges hat; ganz ohne Chance zu operieren, heisst die herrliche Kunst und Wissenchaft der Chirurgie prostituieren, sie bei Laien und Kollegen zu verdächtigen. Wo ist aber das Mass, nach welchem wir die Chance des Gelingens bemessen? In dem unermüdlichen Studium unserer Wissenschaft, in der scharfen Kritik unserer eigenen und fremden Beobachtungen, in genauster Untersuchung jedes einzelnen Falles, in der kritischen Vewertung unserer Erfahrung."
Bezeichnend für den Chirurgen und Menschen Theodor Billroth ist eine Aussage, die er kurz vor seinem Tod gemacht haben soll: "Was mir die meiste Freude in meinem reichen Leben gemacht hat, ist die Begründung einer Schule, welche sowohl in wissenschaftlicher wie in humanitärer Richtung mein Streben fortsetzt und ihm dadurch etwas Dauer verschafft"
Professor Edmund Rose 1836-1914
1836 In Berlin geboren
1854 Studium der Medizin an der Universität Berlin und Würzburg
1858 Doktorarbeit
1861 Erster Assistent beim Chirurgen Robert Ferdinand Wilms
1865 Privatdozent für Chirurgie und Augenheilkunde
1866 Kriegschirurgie
1867 Professor am Friedrich-Wilhelm Institut für Berlin
Ruf an die Universitätsklinik Zürich
1870 Kriegschirurgischer Einsatz im deutsch-französichen Krieg
1881 Berufung nach Berlin als Nachfolger seines Lehrers Wilmd
1914 Tod Roses
Rose trat im Frühjahr 1961 im Diakonissenhaus Bethanien zu Berlin als erster Assistent an die Seite des berühmten Berliner Chirurgen Robert Ferdinand Wilms. Bis Ende 1864 half Rose mit, das Bethanienkrankenhaus zu einem Anziehungspunkt für junge Wissenschaftler zu etablieren. Während dieser Jahre beschäftigt er sich auch mit Augenkrankheiten. 1865 erfolgte die Berufung zum Privatdozenten für Chirurgie und Augenheilkunde in Berlin. 1866 rückte Edmund Rose als Stabsarzt der deutschen Armee in den deutsch-österreichischen Krieg ein. Er publizierte, basierend auf seinen Erfahrungen im Krieg, den Bericht über "Die Knochenbruchbehandlung in Zelten"- Zurück in Berlin wurde Rose 1867 Professor am Friedrich-Wilhelm Institut. Noch im selben Jahr, 1867 erfolgte die Berufung an das UniversitätsSpital Zürich. Seine Antrittsvorlesung handelte von den Kriegserfahrungen im deutsch-österreichischen Krieg.
In Zürich fand Rose ein vom "Hospitalismus" durchseuchtes Krankenhaus vor. Es grassierten Septikämie (Blutvergiftungen), Pyamie (wiederholte transitorische Bakteriämie) und Erysipel (Wundrose, aktue Entzündung des Koriums; meist durch betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A). Abhilfe erhoffte er sich von der von ihm viel erprobten und angewnedeten Methoden im Krieg, der "offenen Wundbehandlung". Am 07. August 1870 - mitten im deutsch.-französischen Krieg - reiste Rose mit seinem ersten Assistenten und späteren Nachfolger Rudolf Ulrich Krönlein nach Berlin. Weitere Schweizer Ärzte folgten nach. Zusammen betreuten sie über 1500 Verwundete in Barackenlazaretten bis zum Beginn des Wintersemesters.
Rose gehörte zu den wenigen Chirurgen, die für die Lehren des so lange vakanten Gebursthelfer Ignaz Ph. Semmelwies aus Budapest eintrat. Edmund Rose war der Hauptvertreter der sogenannten "Offenen Wundbehandlung" und führte sie jahrelang in seiner Klinik konsequent durch. Es wurde auf Verband und auf die Wundnaht verzichtet und die Wunde offen der Luft ausgesetzt. Weitere Postulate seiner Methode waren: Ruhe der Wunde, sorgfältigte Blutstillung, freier Abfluss des Wundsekretes, energische Ventilation der Krankensäle, Reinlichkeit im Spital, im einzelnen Krankenzimmer,im einzelnen Krankenlager und im Gebrauch aller Geräte und Instrumente, welche zur Nachbehandlung der Wunden nötig waren, die Hände des Arztes eingeschlossen - das waren die Waffen, mit welchen Rose im Jahre 1867 gegen den "Hospitalismus" im Zürcher Kantonsspital Zürich (heute UniversitätsSpital Zürich) kämpfte. Als Desinfiziens benutzte man auf der klinisch-chirurgischen Abteilung die von Semmlweis empfohlene Chlorkalklösung. Sie diente zur Ausspülung der Wunden, zur Reinigung der Hände des Chirurgen nach jeder an einem Verwundeten vorgenommenen Manipulation und zur Reinigung der Instrumente. Später wurden sie durch die von Lister empfohlene Karbolsäurelösung verdrängt. Die Erfolgte gegen den Hospitalismus hat Rose sicherlich nicht nur durch die offene Wundbehandlung, sondern auch durch die Antiseptik mit Chlorkalkösung erzielt.
Durch sein selbständiges und mutiges Vorgehen hat Rose zu einer Zeit, wo Josef Lister in Galsgow eben erst mit den Anfgansversuchen seines "antiseptic tratment of wounds" hervortrat, schon den Beweis geliefert, dass der "Hospitalismus" in einem Krankenhaus nicht notwendig zu existieren braucht, dass er bekämpfbar ist und dass die Waffen in diesem Kampfe in die Hände des Chirurgen gelegt sind. Die Schüler sind ihrem Lehrer Rose zeitlebens dafür dankbar geblieben, dass er wie kein anderer ihnen das Gefühl der eigenen Verwantwortlichkeit für ihr Tun und lassen auf dem Gebiet der Wundbehandlung beigebracht hat Rose war seiner Zeit auf diesem Gebiete vorangeschritten.
Rose ist der Hauptvertreter der sogenannten "offenen Wundbehandlung" und er blieb es Jahre lang, bis zu jenem Zeitpunkt, wo das Bessere des Guten Feind wurde und der Triumphzug der antiseptischen, resp. aseptischen Wundbehandlung eine neue Area einleitete.
Das UniversitätsSpital Zürich wurde durch das Praktizieren der "offenen Wundbehandlung" auf medizinischem Gebiet europaweit berühmt.
Rose wurde auch bekannt durch die Einführung der Operation am hängenden Kopf zur Vermeidung der Blutaspiration bei der Oberkieferrresektion. Er hat auch einen weiteren Begriff der Medizin geprägt, den Begriff der "Herztamponade". Er setzte sich energisch für die operative Eröffnung des Herzbeutels ein, was zur damaligen Zeit mit grosser Skepsis aufgenommen wurde. Er schrieb in seiner Publikation: "Warum schreckt man vor der Herzichrirugie zurück? Die ganze Herzchirurgie ist ihrer Gefahr wegen verrufen. Dass eine Herzverletzung im Allgemeinen leicht zu erkennen, aber nicht viel damit anzufangen ist, diese Vorurteile galten damals.
Im Jarhe 1871 erhielt Rose die Berufung nach Berlin als Nachfolger seines Lehreres Wilms. Er übernahm die Leitung des Bethanienkrankenhauses und wurde gleichzeitig ordentlicher Honorarprofessor der medizinischen Fakultät der Friedirch-Wilelm Universität. 1903 trat Edmund Rose von der Leitung des Bethaniensspitals aus geundheitlichen Gründen zurücl.
Professor Rudolf Ulrich Körnlein 1847-1910
1847 in Stein am Rhein, Kanton Schaffhausen, geboren
1866 Beginn des Medizinstudiums in Zürich
1870 Staatsexamen
Erfahrung in der Kriegschirurgie mit Prof. Rose in Deutschland
1872 Dissertation
1874 Assistent bei Prof. Bernhard von Langenbeck in Berlin
1878 Vertretung als stellvertretender Leiter der chirurgischen Klinik Giessen
1879 Ernennung zum extraordinarius in Berlin
1881 Ruf nach Zürich
1903 Ablehnung des Angebots für die erste chirurgische Lehrkanzlei in Wien
als Nachfolger von billroth
1910 Tod Krönleins
1881 bekam Krönlein den Ruf nach Zürich als Nachfolger seines ehemaligen Lehrers Edmund Rose. In Zürich entwickelte sich Krönlein zu einer bedeutenden Persönlichkeit der schweizerischen Chirurgie neben Kocher in Bern und Socin in Basel.
Krönlein setzte die Methoden zur Asepsis im Universitätsspital Zürich um. So war wohl unter Krönlein die Einrichtung eines besonderes aseptischen Operationsbaues im Jahre 1900 eine der bedeutendsten Veränderungen am Universitätsspital. Mit verschiedenen Nebenräumen, einer leistungsfähigen Sterilisationsanlage, eigenem Instrumentarium und Dienstpersonal ausgestattet, war es eine Musternalage, die mehrfach nachgeahmt wurde.
Eine weitere Erneuerung waren die Röntgenapparaturen. Die chirurgische Poliklinik erfuhr Verbesserung der Infrastruktur, erhielt ihre eigenen Räume mit Auditorium und einen separaten Operationssaal.
Rudolf Krönlein als bedeutender Vertreter der damaligen Schweizer Chirurgie, publizierte schon während seiner Zeit in Berlin unter von Langenbeck einige grössere Arbeiten. In jene Zeit fallen auch einige Publikationen über eine von ihm erstmals beschriebene neue Bruchart, die Hernia inguino-properitonealis. Es handelt sich um einen Unterart der Leistenbrücke, welche zwischen äusseren und inneren Unterleibshernien einzuordnen sind. 1985 publizierte Krönlein die Arbeit "Über die operative Behandlung der acuten diffusen jauchig-eitrigen Eritonitis". Drei Fälle von Patienten werden darin besprochen, wobei einer die Laparotomie überlebte, was zur damaligen Zeit recht selten war.
Sehr intensiv beschäftigte sich Krönlein mit der Hirnchirurgie. Zum einen entwickelte er die chirurgische Resektion der lateralen Orbitawand als operativer Zugang bei Tumoren der Orbita oder des Nervus opticus, Krönlein-Orbitalresektion. Zum anderen beschäftigt er sich mit der operativen Behandlung von Hirnblutungen. An der 58. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zu Stassburg referierte Krönlein erstmals über geschlossene Schädelkapsel. Krönlein proklamierte neu, ein zweites Trepanationsloch anzubringen, im Falle, dass bei der ersten Trepanation beim Ramus frontalis der A. meningea media kein Hämatom vermutet wird. .
Krönlein holte sich den Schweizer Carl Schlatter aus Wien als seinen Assistenten und beförderte ihn zu seinem Sekudararzt. 1899 wurde dieser durch den Regierungsrat des Kantons Zürich zum Extraordinarius für allgemeine Chirurgie, Wundbehandlung und Verbandslehre ernannt.
Krönleins Herzleiden, die Angina pectoris, veranlassten ihn 1910 von seinem Amte zurückzutreten. Rudolf Krönlein starb am 26. Oktober 1910.
Carl Schlatter 1864-1934
Krönleins Oberarzt und erster "Unfallchirurg" am Kantonspsital Zürich
864 in Wallisellen, Kanton Zürich, geboren
1889 Staatsexamen Zürich
1890 Dissertation
1889 Aufenthalt in Wien
1890 Beginn seiner Assistentenzeit unter Krönlein in Zürich
1893 Beförderung zum Sekundararzt
1895 Habilitation
1899 Extraordinariat für allgemeine Chirurgie, Wundbehandlung
und Verbandlehre
1914 Lehrauftrag mit der Unfallmedizin erweitert
1922 Beförderung zum Ordinarius
1934 Carl Schlatter stirbt an einer Lungenembolie
1890 publizierte Schlatter in der Zeitschrift für Hygiene seine Dissertation "Die Veränderungen des Limmatwassers durch das Abwasser der Stadt Zürich in bakteriologischer Hinsicht", die er unter der Leitung des Hygieneprofessors Oscar Wyss (1840-1918) schrieb. Das Wintersemester 1889/90 verbachte Schlatter in Wien, wo er beim grossen Chirurgen Theodor Billroth hörte. In Wien erhielt er den Ruf von Professor Ulrich Krönlein als Assistenzarzt an die chirurgische Klinik des UniversitätsSpitals Zürich. Der erfahrene Krönlein brachte dem jungen Assistenten Vertrauen entgegen und gab ihm die Möglichkeit, sich zu entfalten. Schlatter besass Beoboachtungsgabe, manuelle Fertigkeiten, Entschlossenheit und Selbstsischerheit - alles Eigenschaften eines guten Chirurgen. 1893 wurde Schlatter Sekundararzt Krönleins und habilitierte zwei Jahre später mit seiner Abhandlung "Die Behandlung" der traumatischen Leberverletzungen". 1899 ernannte ihn der Regierungsrat des Kantons Zürich zum Extraordinarius für allgemeine Chirurgie, Wundbehandlung und Verbandlehre. In den ersten zehn Jahren an der chirurgischen Klinik operierte, forschte und publizierte Schlatter in grossen Ausmasse. In dieser Zeit fällt auch seine Abhandlung über die erste gelungene Magentotalresektion, die von ihm durchgeführt wurde. Später wurde seine Zeit immer mehr durch Organisation, Lehrtätigkeit und als Leiter der chirurgischen Poliklinik beansprucht. .
1922 war Schlatter zum ordentlichen Professor ernannt. Als Lehrauftrag waren angegeben: 1. Allgemeine Chirurgie, 2. Wundbehandlung und Verbandlehre, 3. Unfallmedizin: Beguchtachtung chirurgischer Unfälle, die Beziehung zwischen Unfallfolgen und Krankheit.
Schlatters Faszination für die Unfallchirurgie kommt in seinen vielen Publikationen klar zum Ausdruck. Seine Themen hatten oft die chirurgische Behandlung von Unfallopfern jeglicher Art zum Inhalt. Einmal bildende Kriegsopfer und deren Komplikationen, ein andermal Leberverletzte den Inhalt seiner Publikationen. Schlatters Veröffentlichungen sind von einem Pioniergeist geprägt - ein Pioniergeist der operativen Behandlung von Unfallopfern, ein Pioniergeist, der diese waghalsigen und erfolgreichen Operaitonen ermöglichte. Carl Schlatter setzte sich in seiner Habiliationsschrift mit den Behandlungsverfahren und dem Zeitpunkt des chirurgischen Eingriffs bei subkutanen Leberrupturen auseinander. Bei Stich- und Schusswunden der Leber und Rupturen betrachtet er die Blutungen aus grösseren Gefässen oder aus dem Parenchym als Komplikationen, die tödliche Folgen haben können.
Erste gelungene totale Magenresektion
Eine der Höhepunkte in Schlatters Leben war die erste gelungene totale Magenresektion, die ihm 1897 gelang. Schlatter entfernte einer an Magenkrebs leidende Frau (56), die im terminalen Stadium war, vollständig den Magen. Er führte somit die erste gelungene totale Magenresektion durch, eine Operation, die bis anhin als nicht mit dem Leben vereinbar galt. Diese Operation trug dem bisher unbekannten 33 -jährigen Chirurgen Carl Schlatter weltweite Anerkennung ein. Ein Leitartikel des Medical Record, erschienen in New York am 25. Dezember 1897, lesen wir: Als technische Leistung nimmt die Operation einen ersten Rang ein, und dem kühnen und glänzenden Chirurgen werden die wohlverdienten Glückwünsche der Kollegen aus allen Weltteilen zugehen. Es hat das erste Kapitel einer neuen Gechichte chirurgischer Triumphe begonnen.
Mit der Publikation "Verletzungen des schnabelförmigen Fortsatzes der oberen Tibiaepiphyse" schuf Schlatter den Begriff der Schaltterschen Krankheit respektive der Osgood-Schltter-Krankheit.
Schlatter versuchte die umstrittene Ursache der heute als osteogenetische Dystrophie bekannten Krankheit zu ergründen. Heute wird eine Verletzung selten für dystrophische Tibiaveränderungen verantwortlich gemacht. Die genaue Schilderung mehrer Fälle und die hartnäckige Verteidigung seines Standpunktes haben dazu gefüührt, dass die betreffende pathologische Knochenveränderungen noch seinen Namen trägt.
Im gleichen Jahr wie Schlatter schrieb auch der amerikanische Orthopäde, Robert Bayley Osgood über Knochenveränderungen an der Tuberositas tibiae, mit dem Titel "Lesions of the tibial tubercle occuring during adolescence" im Boston Medical and Surgical Journal. Darum trägt heute die Krankheit den Doppelnamen-Osgood-Schlatter-Krankheit.
Der Chirurg Carl Schlatter starb an einer Lungenembolie kurz vor seinem Rücktritt, einen Tag nach seinem 70. Geburtstag, am 19. März 1934 in Zürich.
Constantin Kaufmann 1853-1934
1853 In Mümliswil, Kanton Solothurn, geboren
1874 Klinische Vorlesungen in Strassburg
1876 Staatsexamen in Bern. Erster Assistent bei Theodor Kocher
1877 Dissertation
1879 Eröffnung der Praxis für Chirurgie in Zürich
1880 Habilitationsschrift "Das Parotis Arkom"
1880 Lehrauftrag an der medizinischen Fakultät Zürich
1886 Gründung des Theodosianum
1889 Gründung einer Privatklinik
1893 Erste Auflage des Handbuches der Unfallverletzungen
1912 Mitbegründer der Gesellschaft Schweizer Unfallärzte
(heute Schweizerische Gesellschaft für Traumatologie und Versichungsmedizin
SGTV) und ihr erster Präsident (1912-1921)
1934 Tod Constantin Kaufmanns
Nach Reisen durch Europa, wo er viele Kapazitäten aus dem Fachgebiet der Chirurgie wie Theodor Billroth in Wien, Bernahrd von Langenbeck in Berlin und Lister in London kennenlernte, kehrte er zurück und eröffnete 1879 seine eigene Praxis als Spezialist für Chirurgie in Zürich, habilitierte ein Jahr später, hielt 1880/1881 seine ersten Vorlesung "Repetitorium der allgemeinen und speziellen Chirurgie" und "Hernien".
Im Jahre 1886 initiierte Kaufmann die Gründung des Theodosianums, des ersten katholischen Krankenhauses auf dem Platz Zürich. Er selber leitete die chirurgische Abteilung in den ersten drei Jahren. 1889 zog sich Kafmann aus dieser Institution zurück, gründete eine Privatklinik, welche später das Privatkrankenhaus Sanitas wurde.
Als erster in der Schweiz erkannte Constantin Kaufmann die Wichtigkeit der Unfallmedizin und die Notwendigkeit der Ausbildung der Ärzte in der Unfallheilkunde. 1893 schrieb Kaufmann das "Handbuch der Unfallverletzungen" mit insgesamt fünf Auflagen - das eigentliche Lebenswerk Kaufmanns. Es war das erste Lehrbuch des Bereichs Unfallmedizin in Europa und wurde im deutschsprachigen Raum bahnbrechend und führend. Während der ersten Auflage schliesslich Unfallschädigungen chirurgischer Natur Berücksichtigung fand, befassten sich die späteren Auflagen entsprechend den Fortschritten der Wissenschaft immer mehr, auch mit unfallmedizinischen Fragen anderer Spezialgebiete der Medizin.
Am 07. Januar 1912 erfolgte die Gründung der "Gesellschaft Schweizer Unfallärzte" (heute SGTV), woran Kaufmann massgeblich betteiligt war und dieser Gesellschaft als erster Präsident von 1912-1921 vorstand. Er veranlasste die neu gegründete Organisation zu einer Eingabe an die Schweizerische Ärztekammer mit dem Antrag, beim Bundesrat dafür einzutreten, dass die Unfallmedizin als obligatorisches Lehr- und Prüfungsfach in das Medizinstudium eingebaut werde. Die Ärztekammer unerstützte diese Forderung und 1912 wurde vom Bundesrat eine neue Verordnung für die eidgenössische Medizinalprüfungen erlassen. Trotz dem Widerstand verschiedener medizinischer Fakultäten wurde ab 01. Januar 1915 beim Staatsexamen der Ausweis über den Besuch einer Vorlesung über Unfallmedizin verlangt und eine mündliche Prüfung durchgeführt.
Kaumfann bewarb sich Ende Januar 1913 für den Lehrstuhl für Unfallmedizin an der medizinischen Fakultät Zürich. Er bekam eine Absage, denn die Fakultät teilte den Lehrstuhl auf, indem die theoretischen Vorlesungen dem Professor der Gerichtsmedizin und die praktischen Übungen Carl Schlatter übertragen wurde.
Vor der Eröffnung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) 1918 erfolgte die Anfrage an Kaufmann zur Übernahme deren Oberarztstelle in Luzern, die er altershalber nicht annahm. Er war aber bis zu seinem Tode für Gerichte und Versicherungen ein geschätzter Experte auf dem Gebiet der Unfallmedizin. Zwischen der medizinischen Fakultät und Kaufmann wurden Spannungen deutlich, vor allem zwischen Krönlein und Kaufmann war die Beziehung wenig kollegial. Kaufmann intervenierte bei der Erziehungskommission bezüglich der ungenügenden praktischen Ausbildung der Ärzte im Bereiche der Unfallmedizin. Diese Intervention löste in der medizinsichen Fakultät Entrüstung aus und isolierte Kaufmann noch mehr. Im Herbst 1920 trat Kaufmann als Privatdozent zurück, arbeitete aber in seiner eigenen Praxis weiter. Am 01.01.1934, kurz nach Mitternacht, starb Constantin Kaumfann im 81. Lebensjahr an einem Herversagen.
Professor Ferdinand Sauerbruch 1875-1951
1875 im Barmen im Rheinland, Deutschland geboren
1895 Beginn des Studiums der Naturwissenschaften in Maarburg
1896 Immatrikulation an der Medizinischen Fakultät Marburg
Wechsel an die Universität Leipzig
1901 Staatsexamen und anschliessend Dissertation
1901 Assistentenstelle im städtischen Krankenhaus Erfurt
1903 Wechsel an die pathologische Anstalt im Krankenhaus Berlin-Moabit
Angebot von Mikulicz nach Breslauf zu kommen
1904 Entwicklung der Unterdruckkammer
1905 Habilitation und Wechsel an die chirurgische Klinik Greifswald, Deutschland
1908 Wechsel nach Marburg und Ernennung zum Professor
1910 Berufung zum ordentlichen Professor der Chirurgie und zum Direktor der
Chirurgischen Klinik des UniversitätsSpitals Zürich
1914 Oberstabsarzt der Deutschen Armee
1918 Ruf nach München
1928 Wechsel an die Chirurgische Klinik der Charité in Berlin als Direktor
1939 Beratender Chirurg der Deutschen Armee im 2. Weltkrieg
1951 2. Juli, Tod Ferdinands Sauerbruch
Für die Berufung Sauerbruchs nach Zürich war sein Auftritt auf der 33.Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie abgehalten 1904 in Berlin, von wesentlicher Bedeutung. Er stellte seine pneumatische Operationskammer vor, die er auf Anregung seines Lehrers, Mikulicz, konzipiert hatte. Sauerbruch zeigte, wie es ihm chirurgisch-expertimentell gelang, "unter negativem Druck die Eröffnung der Brusthöhlen, vorzunehmen, während die Lunge immer unter Atmosphärendruck bleibt". Noch im selben Monat auf dem 21. Kongress für Innere Medizin in Leipzig nahm Sauerbruch, zusammen mit dem Internisten Ludolf Bauer, einige Brusthöhlenöffnungen am Tier vor, um das Druckdifferenzverfahren" - wie es von nun an hiess - zu demonstrieren, das durch Aufrechterhaltung der pyhsiologischen Differenz zwischen intrabronchialem und intrapleuralem Druck die Entstehung eines Pneumothorax verhinderte.
Am 15. Oktober 1910 erhielt Ferdinand Sauerbruch die Berufung zum ordentlichen Professor für Chirurgie an der Universität Zürich und zum direktor der Chirurgischen Klinik des UniversitätsSpitals Zürich.
In Zürich liess Sauerbruch als erstes einen Operationssaal für die Brustkorbchirurgie umbauen und führte bald mit Erfolg die ersten Eingriffe durch: "Auf diesen Augenblick hatten, wie es sich herausstellte, die grossen Lungenspezialisten in Davos und den übrigen Schweizer Tuberkulosezentren gewartet. So fanden sich alle bei mir ein, sie baten, bei den Operationen zuzusehen zu dürfen."
Grosse Aufmerksamkeit schenkte Sauerbruch der Chirurgie der Lungentuberkulose. Seine paravertebrale Thorakoplastik zur Einengung und Ruhigstellung kavernöser Lungenabschnitte war wesentlich schonender und ungefährlicher als die von seinem früheren Lehrer Friedrich angegebene ausgedehnte Entfernung der Rippen. Die Unterteilung der Thorakoplastik auf mehrere Sitzungen in obere und untere Thoraxplastik, die gezielte Sitzenplastik und die extrapleurale Pneumolyse waren Verfahren, die später von Saurbruchs Schülern, v.a. von Alfred Brunner, seinem späteren Nachfolger in Zürich, weiter ausgebaut wurden.
Sauerbruchs Unterdruckkammer der Zürcher Klinik
Mit Sauerbruchs wachsendem Erfolg in der chirurgischen Behandlung der Lungentuberkulose wurde die Zürcher Klinik zu einer gesuchten Ausbildungsstätte für Mediziner aller Welt und zum Ort der Hoffnung für viele Patienten, die - soweit sie es sich finanzielle leisten konnten - ebenfalls aus allen Teilen der Welt kommend, bei Saurbruch Hilfe suchten.
Mit dem Namen von Sauerbruch verbunden ist auch das Verfahren, Prothesen bei Armamputierten durch Benutzung der Muskeln des Amputationsstumpfes willkürlich bewegbar zu machen. Es war die geniale Idee Sauerbruchs, durch die Bildung eines Kanals in der Stumpfmuskulatur von Hand- und Unterarmamputierten eine neue, bis dahin unbenutzter Kraftquelle für die Bestätigung der Kunsthand zu erschliessen. Über den Kanal im Bereich der Muskulatur der Fingerbeuger oder - strecker wurde mit Hilfe eines Elfenbeinstiftes die Kontraktion der Unterarmmuskulatur auf die Kunsthand so übertragen, dass die Betätigungen der Unterarmstecker eine Öffnung der Kusnthand herbeiführte. Die Konstruktion der Kunsthand übernahm Professor Stodola von der Tschechischen Hochschule Zürich. Die Träger einer Sauerbruchkunsthand konnten ohne visuelle Kontrolle angeben, ob und wie weit sie die Hand geöffnet hatten oder ob sie die Hand geschlossen hielten. Dies verschaffte der "Sauerbruchhand" erstmalig das Prädikat "fühlende Prothese". Im Jahre 1929 erstellte Sauerbruch eine Statistik von 539 derartigen Händen. Von den Trägern waren 92,4% teilweise oder voll arbeitsfähig.
Schliesslich trägt Sauerbruchs Namen auch eine "Umkipp-Plastik" des Unterschenkels nach Wegnahme des Oberschenkelknochens unter Erhaltung der Nerven und Gefässe. Mit diesem Verfahren wurde bei destruierenden Geschwülsten oder Osteomyelitiden des Oberschenkelknochens der Unterschenkel um 180° körperwärts in die Weichteilröhre des Obeschenkels hieningekippt, so dass sein distales Ende in die Hüftpfanne eingepflanzt und die kniegelenksfläche des Schienbeinkopfes zur Stumpfauftrittfläche wurde.
Im Sommer 1918 erhielt Sauerbruch eine Anfrage aus München, ob er die Berufung als Ordinarius für Chirurgie annehmen würde. Er nahm diese an.
Dank der Erfahrungen in Zürich operierte Sauerbruch kurz nach dem Ruf nach München dort das erste Panzerherz. Der experimentellen Herzchirurgie waren durch Sauerbruchs Druckdifferenzverfahren und der Verfeinerung desselben während seiner Zürcher Zeit neue Möglichkeiten eröffnet worden. Ferdinand Sauerbruchs Erfahrung im Umgang mit dem Druckdifferenzverfahren waren am UniversitätsSpital Zürich so perfektioniert worden, dass es nicht erstaunt, dass er in München die Operation am Herzen wagte.
Im Frühjahr 1928 folgte Sauerbruch dem Ruf als Direktor der Chirurgischen Klinik der Charité nach Berlin. Seine Tätigkeit in Berlin dauerte bis zum Jahre 1948. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie durch seine Aufgaben als beratender Chirurg mit entsprechenden Fronteinsätzen immer wieder unterbrochen. Die Belagerung und die Kapitulation von Berlin erlebte Saurbruch in der Charité. Nach dem Zusammenbruch verblieb er noch vier Jahre in seinem akademischen Amt.
Am 02. Juli 1951, einen Tag vor seinem 76. Geburtstag, starb er an den Folgen einer Gefässsklerose.
Professor Paul Clairmont 1875-1942
1875 In Wien, Österreich, geboren
Besuch der Schulen und Immatrikulation in seiner Geburtsstadt
1998 Staatsexamen und Doktorarbeit
1898 Assistent am Wiener Institut für Pathologische Anatomie und Bakteriologie
1900 Volontärarzt bei Anton von Eiselsberg in Königsberg
1901 Clairmont folgt seinem Lehrer an die erste Chirurgische Klinik nach Wien
1908 Habilitation
1912 Verleihung des Professorentitels
Leitung der zweiten Chirurgischen Abteilung im Wiener Rudolf-Spital
Kriegseinsatz in den bulgarischen Kriegslazaretten
1918 Berufung nach Zürich
1940 Vorsitzender der Schweizerischen Gesellschaft für Chirurgie
1941 Abschiedsvorlesung
1942 Tod Paul Clairmonts
1899 erschien Clairmonts erste wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel "zur pathogenen Bedeutung des Friedländer'schen Pneumobacillus" in der Wiener klinischen Wochenschrift.
In dieser Zeit fragte der Direktor der chirurgischen Universitätsklinik in Königsberg, Anton von Eiselberg, seinen Freund Richard Paltlauf nach einem serologisch-bakteriologischen ausgebildeten Schüler mit Interesse an der Chirurgie. Die Wahl fiel auf Clairmont. So begann er im April 1900 als Volontärarzt an der chirurgischen Klinik in Königsberg.
Als Eiselberg im April 1901 an die erste Chirurgische Klinik nach Wien berufen wurde, folgte Clairmont seinem Lehrer und wurde erster Assisetnt an der Klinik. Von nun an stellte die Chirurgie den Inhalt seines Lebens dar. Er habilitierte sich in seinem 33. Lebensjahr mit seiner Schrift "Über das Verhalten des Speichels gegenüber Bakterien". Als Clairmont 1912 den Professorentitel erteilt wurde, verliess er die Eiselsbergsche Klinik und übernahm als Primärarzt die Leitung der 2. Chirurgischen Abteilung im Wiener Rudolf-Spital. Darauf wirkte er zusammen mit andren Wiener Chirurgen in bulgarischen Kriegslazarette an der Front und organisierte dort unter schweren Bedingungen die Versorgung dre Verwundeten. Selbst unter diesen Umständen zeichnete er seine Beobachtungen und Eingriffe auf und breicherte damit die Kriegschirurgie.
1918 wurde in Zürich der Lehrstuhl für Chirurgie frei, weil Ferdinand Sauerbruch, der die Klinik seit Oktober 1910 geleitet hatte und die Berufung nach München annahm. Im Herbst 1918 wurde Paul Clairmont als sechster Ordinarius für Chirurgie seit der Gründung der Universität 1833 nach Zürich berufen. Die Professur bedeutete für ihn eine grosse Verpflichtung, denn hier hatte Theodor Billorth, der Lehrer seines Lehres, das hohe Ansehen des Zürcher Lehrstuhls für Chirurgie begründet. Mit Clairmont kehrte die Billorthsche Schule nach Zürich zurück. Hier fand Clairmont nun Gelegenheit, sich als Leher, Forscher und Praktiker auf verschiedenen Spezialgebieten der Chirurgie zu entfalten.
Clairmont wirkte in Zürich über 22 Jahre. Er war ein ausgezeichneter akademischer Lehrer, der mit seinem lebhaften Temperament und seiner klaren Darstellung die Hörer mitriss. Der Ausbau des chirurgischen Unterrichts lag ihm besonders am Herzen. Er versuchte, die Stundenten öfter und näher an die Kranken heranzubringen, um ihnen nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Erfahrungen mit auf den Weg zu geben.
Entsprechend der Tradition der Wiener Schule wurde von ihm die Magen-Darm-Chirugie besonders gepflegt. Die operative Behandlung der Geschwürskrankheit fand grosses Interesse. Die Erfolge bei komplizierten Duodenalresektionen und beim peptischen Jejunalgeschwür bewiesen ausgesprochenes technisches Können.
Für die Behandlung der habituellen Schulterluxation hat Clairmont zusammen mit Ehrlich eine Muskelplastik ausgebildet, die sich in den Hängen geschickter Operateure vielfach bewährt hat. Clairmont empfahl 1937 zur Behandlung der hämatogenen Osteomyelitis die Radikaloperation mit subperiostaler Resektion des ganzen erkrankten Knochens.
Zunehmende Verkehrsunfälle in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg steigerten die Anforderungen an die Wund- und Frakturbehandlungen. Bei der Wundinfektion spielt die Art des Erregers für die Prognose und Therapie eine grosse Rolle. Der Chirurg muss deshalb in kürzester Frist über den genauen bakteriologischen Befund Aufschluss erhalten. Häufig muss während eines operativen Eingriss abgeklärt werden, ob Eiter Keime enthält, wie das weitere Vorgehen sich nach dem entsprechenden Befund zu richten hat. Clairmont hat sich für ein eigenes bakteriologisches Laboratorium der Klinik eingesetzt.
Clairmont hat frühzeitig die grosse Bedeutung der Bluttransfusion erkannt. Sie wurde seit 1923 an der Klinik in grösserem Ausmass vorgenommen. Es wurden verschiedene Verfahren der direkten und indirekten Übertragung ausprobiert. Schliesslich wurde die direkte Übertragung das Gerät von Juvelet und bei der Zitratmethode die Flasche von Merke bevorzugt. Es wurde ein vorbildliche Blutspendedienst organisiert zu einer Zeit, als man an anderen Orten sich kaum um diese weichtigen Fragen kümmerte. Seit 1940 werden Blutkonserven im grösseren Ausmass hergestellt und bei Bedarf auch an aussenstehende Ärtze und Krankenhäuser gegeben.
Entsprechend der Wiener Schule wurde auch die Neurochirurgie besonders gepflegt. Clairmont erkannte früh, dass hier ein Sonderfach in Entwicklung begriffen war, das von Allgemeinchirurgen nicht mehr ganz beherrscht werden konnte. Er gab deshalb 1937 Dr. Hugo Krayenbühl (1902-1985), der sich in England speziell in Neurochirurgie ausgebildet hatte, Gelegenheit, dieses Sondergebiet zunächst im Rahmen der chirurgischen Klinik zu pflegen: Es entwickelte sich aus bescheidenen Anfängen eine weit über die Langesgrenzen hinaus anerkannte neurochirurgische Klinik, die 1948 nach dem Antrag des Dirktors der chirurgischen Klinik, uner Befürwortung durch die medizinische Fakultät, von der Klinik abgetrennt wurde. Der Direktor der neuen Klinik wurde als Extraordinarius in die Fakultät aufgenommen.
Da der Chirurg auf den Radiologen angewiesen ist, haben Clairmont und der Zürcher Radiologe Hans Rudolf Schinz (1891-1966) dise Arbeit gemeinsam verfasst.
Bisher galt die oprative Entfernung des Mondbeins als beste Behandlung. Clairmont beschäftigte die Frage: Warum sollte es sich nicht an seinem Platz zurückversetzen. Clairmont publizierte viele Fachartikel während seiner Zeit in Zürich.
Clairmont wurde als sehr guten, disziplinierten Klinikdirektor beschrieben, der von seinen Assistenten erwartete, dass sie sich mit ganzer Kraft der Klinik widmeten. Eine Besonderheit von Clairmonts Führungsstil war, dass den Assistenten nach jedem Jahr gekündigt wurde. Man musst dann bei ihm antreten, worauf er fragte: "Was haben Sie in diesem Jahr geleistet, und welches sind Ihre Pläne?" Nach der Unterredung wurde der Assistent erneut angestellt oder aber in den Worten verabschiedet: "Gehen Sie lieber in die Praxis."
1940 fühlte sich Clairmont genötigt, seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen einzureichen, der Regierungsrat bat ihn in einem Schreiben, mit seinem Rücktritt zuzuwarten. Am 26. Februar 1941 hielt Clairmont seine Abschiedsvorlesung. Zehn Tage vor Vollendung seins 67. Altersjahres starb Clairmont am Neujahrstag 1942.