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Datierung
1966
Objektmasse
66 x 132 x 22 cm
Technik/Material
Acryl, Holz
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus: Das Progressive Museum Basel
Inv.-Nr.
SK04014
Parallelepido caduto
«In der Geometrie liegt unsere Freiheit», bekennt Marcello Morandini (1940, Mantua, IT), der als bedeutender Vertreter der konstruktiv-konkreten Kunst gilt. Gemäss diesem Motto gehen seine Arbeiten von geometrischen Grundformen aus. Sie bewegen sich zwischen Kunst und Design, sind von einer ausgesuchten Eleganz und vielfach mit Effekten der Op Art gewürzt. Denn ungeachtet aller logischen Strenge entwickeln seine in sich abgeschlossenen Arbeiten, indem er die Phänomene der visuellen Wahrnehmung in die Konzeption integriert, eine faszinierende, teils irritierende optische Wirkung. So scheinen sich klötzchenartige Raster in die Unendlichkeit auszudehnen, parallel geführte weisse Linien schiessen in ein schwarzes Zentrum; geometrische Formen – wie etwa Kreise in Kombination mit Linien – verschachteln sich spielerisch ineinander und folgen doch einer präzisen Systematik.
Nach einem Studium an der Accademia di Brera in Mailand, wo Morandini Ende der 1950er-Jahre als Grafiker und Designer zu arbeiten beginnt, entstehen 1962 die ersten freien künstlerischen, 1964 die ersten plastischen Arbeiten. Seine Präsentationen auf den Biennalen in São Paolo und Venedig (1967/1968), auf der documenta 6 (1977), und der Documenta Urbana (1982) machen ihn international bekannt. Seit den 1970er-Jahren hat Morandini als Designer (u. a. für das Rosenthal Studio, Sawaya & Moroni, Vorwerk, Brendel oder Magis) zahlreiche prämierte Entwürfe geschaffen. Seit den frühen 80er-Jahren arbeitet er mit international tätigen Architekturbüros wie M. Miraglia, Varese oder Ong & Ong in Singapur und Kuala Lumpur zusammen und entwickelt Pläne für Häuser und Städtebau. Der immer wieder als Dozent tätige Morandini untersucht systematisch, ohne Unterstützung des Computers, die Transformationen rhythmischer Strukturen. Trotz der strikten Gestaltungsregeln, die er sich auferlegt, erreicht er mit seinen schwarz-weissen Flächen, Reliefs und Körpern eine unendliche Vielfalt. Die radikale Beschränkung auf die Unfarben Schwarz und Weiss oder, bei manchen Designobjekten, auf die Palette von De Stijl, nämlich Rot, Grün, Blau, Gelb, verweist eindeutig auf die stilistischen und geistigen Wurzeln seines künstlerischen Ansatzes. Wie Max Bill definiert sich Morandini durch die Einheit von Kunst, Design und Architektur. Dabei will er mit einer durchdachten künstlerischen, alle Bereiche erfassenden Methode eine «funktionale Plastik» schaffen, die den Beuys’schen Begriff der «Sozialen Plastik» evoziert und in der die Menschen glücklich leben können.
Dominique von Burg