Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03182.jsonl.gz/1698

Schon als Gymnasiast in Lausanne, wo Felix Vallotton 1865 als Sohn einer angesehenen Familie geboren wurde, bewunderte er die Werke der Schweizer Maler Albert Anker, Alexandre Calame und Charles Gleyre. An diesen grossen Vorbildern schulte er seinen Blick und verfeinerte seinen Sinn für malerische Qualität. Er entwickelte daraus eine traditionsbewusste Malerei, die aber zugleich dem Geist der Moderne verpflichtete ist, wie er im Kreis der französischen Künstlergruppe «Nabis», dem Vallotton nahestand, zum Ausdruck kam.
Im Stillleben Fleurs de dahlias dans un plat wird sichtbar, was man in der Fachsprache als «französische Malkultur» bezeichnet. In der Bildkomposition ergibt sich durch die Betonung der unterschiedlichen Ausrichtungen von Platte und Messer sowie durch die ungleichen Volumen von Apfel, Krug und gewölbter Draperie ein harmonischer Ausgleich der Rhythmen, und die reiche Farbpallette fügt sich zu einer stillen Pracht. Gefasst im blauen Rand der Schale leuchten die roten, purpurfarbenen, orangen und violetten Blüten der Dahlien vor einer goldgelben Draperie. Die auffallende weisse Blüte in der Schale belebt den Anblick und antwortet formal auf die helfe Spiegelung im Tonkrug. Eine altrosafarbene Hortensie neigt sich einem roten Apfel zu, der sich in der blanken Schneide des Messers spiegelt. Vallotton erweist sich hier als Meister seines Metiers: Spannungsvolle Formen und erlesene Farben werden zu einer teppichhaften Dichte verwoben.
In seiner reifen Schaffenszeit setzte sich der Künstler intensiv mit dem Stillleben auseinander. An den Kunstakademien galt diese Gattung, neben der Historiendarstellung und dem Porträt, als zweitrangig, weil sich damit angeblich keine komplexen Inhalte vermitteln liessen. Ausser Acht gelassen wurde bei dieser Bewertung die Symbolik – beim Stillleben insbesondere jene der Vergänglichkeit die, neben aller prachtvollen malerischen Entfaltung seit jeher einen wichtigen Bestandteil eines vollendeten Kunstwerks darstellte. Für Vallotton hingegen stand nicht mehr der symbolische Gehalt des Bildmotivs im Zentrum der Malerei. Sein künstlerisches Ziel war vielmehr, ein perfektes Stück Malerei zu schaffen.
(Quelle: Katalog ‚Innovation und Tradition‘, Bern 2001)
Félix Vallotton wurde 1865 in Lausanne (CHE) geboren; er starb 1925 in Neuilly (CHE).
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Zeichnung, Illustration