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Die Schweizer Wasserversorgungen stellten 2021 mit 914 Mio. m3 2.6% Wasser weniger bereit als im Vorjahr. Dies entspricht etwa der Menge von 2013, obwohl die Bevölkerung seither um 7.5% zugenommen hat (Fig. 1). Zum Rückgang gegenüber 2020 beigetragen hat sicher die nasse Witterung im Sommerhalbjahr 2021.
Die Ressourcenanteile bewegen sich seit Jahren bei je rund 40% für Quell und Grundwasser sowie 20% für Seewasser, mit leicht zunehmendem Trend beim Seewasser. Witterungsbedingt stand 2021 mehr Quellwasser zur Verfügung, wodurch weniger Grundwasser gefördert werden musste. Der Bedarf an Grundwasser war aber auch wegen des insgesamt niedrigeren Wasserverbrauchs kleiner, da möglichst zuerst das energielos zufliessende (Quell)wasser genutzt wird (Fig. 2).
Niederschlagsarme Jahre führen zu geringerem Quellwasserertrag, den die Wasserwerke mit Grund- und Seewasser kompensieren (Fig. 3). Bei Quellen, die verzögert auf die Witterung reagieren, ist auch das Niederschlagsgeschehen des vorangehenden Jahres massgebend.
Nachdem die Wasserabgabe seit Anfang Neunzigerjahre stetig zurückging, hat sie sich in den letzten Jahren zwischen 900 und 950 Mio. m3 eingependelt (Fig. 4). Dies entspricht rund 2% des Gesamtniederschlags in der Schweiz. Rückläufig waren sowohl die verrechnete Wassermenge (Haushalte, Gewerbe und Industrie) als auch die nicht verrechnete, bestehend aus öffentlichen Zwecken und Brunnen, Selbstverbrauch der Wasserversorgung und Verlusten. Ein Grund des markanten Verbrauchsrückgangs gegenüber dem Vorjahr war sicher der geringe Bewässerungsbedarf im feuchten Sommerhalbjahr 2021.
Der zunehmende Verbrauch von Gewerbe und Industrie geht u.a. auf die konsequentere Abgrenzung des gewerblichen Wasserverbrauchs (enthält auch Verwaltung und Landwirtschaft) vom Haushaltverbrauch zurück. Der Rückgang der Verlustmenge geht wohl primär auf die zunehmende Lecküberwachung im Verteilnetz und den wachsenden Anteil von PE als Rohmaterial (aktuell bereits 40%) zurück. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass früher wegen fehlenden Messeinrichtungen hie und da Verwurf- und Überlaufwasser in die Gewinnung eingerechnet wurde – Wasser, das nicht in die Wasserbilanz gehört.
In den 1980er-Jahren hat sich der Wasserverbrauch vom Bevölkerungswachstum entkoppelt: Der Prokopfverbrauch nahm seit da von rund 500 auf unter 300 Liter pro Tag ab (fig. 2). Die Gesamtabgabe pro versorgten Einwohner sank gegenüber 2020 um 3.2% auf 287 Liter pro Tag und liegt damit so tief wie noch nie (fig. 5). Begonnen hat dieser Rückgang vor rund vierzig Jahren.
In der grössten Verbrauchsklasse, den Haushalten, geht er gemäss SVGW-Studie 2014 primär zurück auf die Verbreitung wassersparender Armaturen wie WC-Spülungen, Waschautomaten und Geschirrspüler, auf veränderte Gewohnheiten bezüglich Ernährung (Fertig- und Halbfertigprodukte) und Reinigung (Einwegprodukte), auf eine Rückläufige Aufenthaltszeit der Bewohner zu Hause (Doppelverdiener, externe Kinderbetreuung), auf die Siedlungsverdichtung (weniger Gartenfläche pro Bewohner) und möglicherweise auch auf eine zunehmende Sensibilisierung der Bevölkerung zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen1.
Die Wasserversorgungen beschäftigten 2021 insgesamt rund 7'000 Personen oder umgerechnet gut 3'300 Vollzeitstellen (fig. 6). Hierbei nicht inbegriffen ist externes Personal für Planungs- und Projektierungsarbeiten, Graben- und Leitungsbau, Wartung, Unterhalt und Beratung etc. Auf 1000 versorgte Einwohner kommen im Durchschnitt 0.38 Vollstellen (fig. 7). Mit anderen Worten versorgt ein Vollzeitmitarbeiter einer Wasserversorgung im Durchschnitt 2800 Einwohner. Städtische Versorgungen sind auf den ersten Blick personalintensiver, was damit zusammenhängt, dass grössere Werke weniger Aufgaben extern vergeben (Leitungsbau, Engineering, Selbstkontrolle etc.).
Die gesamte Netzlänge hat sich 2021 auf 93’500 km belaufen, ein Drittel davon Hausanschlussleitungen. Auf jeden versorgten Einwohner entfallen durchschnittlich 7.0 m Versorgungsleitung und 3.7 m Hausanschlussleitung, auf jeden Hausanschluss entfallen 37 m Versorgungsleitung. Hausanschlussleitungen sind im Mittel 19.5 m lang (von 16 m in grossen Städten bis 21 m in ländlichen Gemeinden).
Die Erneuerungsrate (Versorgungsnetz) nahm über die letzten 8 Jahre leicht ab. Möglicherweise macht sich hier bereits der zunehmende Anteil langlebiger Leitungsmaterialien bemerkbar. Die Erneuerungsrate der Hausanschlussleitungen (HAL) gibt dagegen kein klares Bild ab. Dies hat auch mit dem Umstand zu tun, dass Hausanschlussleitungen vielerorts privat sind und der Überblick über die Erneuerung dort z.T. fehlt.
Die Erweiterungsrate war über die letzten Jahre betrachtet bei den Hausanschlüssen fast doppelt so hoch wie beim Versorgungsnetz, was insbesondere die Siedlungsverdichtung widerspiegelt (Fig. 8).
Die Schadensrate im Versorgungsnetz (ohne Anschlussleitungen) war auch 2021 weiter rückläufig, und parallel dazu haben auch die spezifischen Wasserverluste (bezogen auf die gesamte Netzlänge inkl. Hausanschlussleitungen) weiter abgenommen (Fig. 9). Die Schadensrate der Hausanschlussleitungen wird hier nicht ausgewiesen, da hierzu weniger belastbare Informationen bestehen (Anschlussleitungen oft im Privatbesitz).
Der Anteil der Wasserversorgungen mit mindestens einer Fremdbezugsmöglichkeit hat sich seit 2013 von 81 auf 88% erhöht (Fig. 10). Durch stärkere Vernetzung wappnen sich die Wasserversorger gegen die zunehmenden Trocken- und Hitzeperioden.
Die jährlichen Investitionen in den Wasserversorgungen haben sich von 1980 bis 2021 nominal fast verdreifacht von CHF 350 Mio. auf rund CHF 940 Mio. Pro Einwohner haben sich die Investitionen von CHF 55 auf CHF 114 verdoppelt. Allerdings ist im gleichen Zeitraum auch der Baukostenindex um 73% gestiegen2, so dass indexbereinigt noch eine Verdoppelung der Investitionssumme, resp. eine Zunahme der Prokopf-Investitionen um 30% resultieren (Fig. 11).
Im Vergleich zu vor 20 Jahren hat der Anteil Investitionen ins Netz tendenziell von knapp 70 auf gut 75% zugenommen (Fig. 12). Ein Grund ist sicher, dass wegen der erst rückläufigen und nun stagnierenden Gesamtabgabe keine Mehrkapazitäten bei Gewinnung und Speicherung geschaffen werden mussten.
Die Betriebs- und Kapitalkosten der Wasserversorgungen haben zwischen 1980 und 2021 um 160% zugenommen, von CHF 620 Mio. auf rund CHF 1600 Mio. In der gleichen Zeit betrug die kumulative Teuerung gemäss Landesindex der Konsumentenpreise rund 100%. Teuerungsbereinigt beträgt die Kostenzunahme somit noch rund 60% oder CHF 370 Mio. Pro Einwohner haben sich die Betriebskosten in der gleichen Zeit fast verdoppelt, von CHF 97 auf CHF 180. Teuerungsbereinigt (Landesindex der Konsumentenpreise) sind die Kosten pro Einwohner heute dagegen praktisch auf gleichem Niveau wie 1980 (Fig. 13).
2021 teilten sich die Betriebskosten wie folgt auf: Personal 24%, Betrieb und Unterhalt 37%, Zinsen 2.5%, Abschreibungen 21%, übrige Kosten 16%. Über die letzten 20 Jahre hat sich insbesondere der Anteil der Zinskosten stark reduziert, und in den letzten Jahren auch die Abschreibungen, die heute realistisch über die Lebensdauer der Infrastruktur erfolgen sollen (Fig. 14).
Die Gesamteinnahmen beliefen sich 2021 auf CHF 1.9 Mrd. Sie sind damit rund CHF 300 Mio. höher als die hochgerechneten Betriebskosten. Allerdings umfassen die Einnahmen hier auch die Anschlussgebühren, die bei den Werken in der Regel nicht in die Betriebsrechnung, sondern in die Investitionsrechnung einfliessen. Anteilmässig haben die Grundgebühren über die letzten Jahre zugenommen, während die Einnahmen aus Anschlussgebühren etwa im gleichen Ausmass zurückgegangen sind. Aus den Mengengebühren (im eigenen Versorgungsgebiet) erwirtschaften die Wasserversorger gut die Hälfte ihrer Einnahmen (Fig. 15).
Zur Bereitstellung des Trinkwassers in der Schweiz wird pro m3 im Durschnitt 0.45 kWh Strom aufgewendet – primär fürs Hochpumpen des Wassers in die Verteilgebiete und Reservoire, für die Aufbereitung und untergeordnet für den Betrieb weiterer elektrischer Anlagen wie Luftentfeuchter und Beleuchtung etc. Die Trinkwasserbranche produziert jedoch selbst auch Strom: Mit 230 GWh produzierten die Wasserversorger 2021 über die Hälfte ihres Strombedarfs selbst, das meiste durch Turbinierung von Quellwasser (Fig. 16).
Dank
Die SVGW-Geschäftsstelle dankt dem Personal der Wasserwerke herzlich für das regelmässige Zurverfügungstellen ihrer Betriebsdaten. Sie ermöglichen damit die Berechnung aussagekräftiger Branchenkennzahlen, die bei der Planung und Projektierung der Wasserversorgung als erste grobe Richtschnur dienen. Auch können die publizierten Ergebnisse bei der Standortbestimmung und Optimierung betrieblicher Prozesse der eigenen Wasserversorgung eine Hilfe sein, den Anbietern von Wasserversorgungstechnik hilft das Datenmaterial ggf. bei der Marktanalyse, und den Medien, der Politik und Fachgremien als verlässliche Informationsquelle. Die SVGW-Wasserstatistik ist Grundlage für zahlreiche Studien, Jahresberichte, Informationsbroschüren sowie für die Internationalen Trinkwasserstatistiken von OECD und IWA.
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