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«Überlasst uns die Definition des Studenten selbst», schrieb ich vor einer Weile an gleicher Stelle. Ich erwähnte Shakespeare und Max Frisch, nur um etwas klüger zu wirken und um die Dringlichkeit dieses Themas zu betonen. Doch eine Antwort hatte ich auch keine.
«Überlasst uns die Definition des Studenten selbst», schrieb ich vor einer Weile an gleicher Stelle. Ich erwähnte Shakespeare und Max Frisch, nur um etwas klüger zu wirken und um die Dringlichkeit dieses Themas zu betonen. Doch eine Antwort hatte ich auch keine.
Alle sind anders
Nur wenige Tage nach Erscheinen meines Textes sass ich in meiner Küche und zerbrach mir den Kopf an der mir selbst auferlegten Fragestellung: Was macht «den Studenten» aus?
Sind es die Bücher auf meinem Schreibtisch, das Luzerner Bier im Kühlschrank oder das stetige Gefühl, noch irgendwas erledigen zu müssen? Vielleicht ist es auch das Gefühl der Unsicherheit, das Richtige zu tun, welches sich im Laufe eines Studiums gelegentlich bemerkbar macht und wohl fast allen Studierenden gemeinsam ist.
Je länger ich auf die Kaffeemühle vor mir starrte, desto mehr zerrann die Definition «des Studenten» wie feiner Staub zwischen meinen Fingern. Wahrscheinlich ist die Antwort so komplex, wie die Leben der Studierenden unterschiedlich. Das heisst, jede und jeder wird wohl eine andere Antwort auf diese Fragestellung geben und ich könnte es dabei belassen.
Vier Fakultäten, vier Schubladen
Doch so einfach möchte ich es mir nicht machen. Auf der Suche nach «der studentischen Identität», deren Existenz ich in so allgemeiner Form ablehne, muss ich vielleicht fragen, was junge Menschen (und auch immer mehr ältere) dazu motiviert, sich an der Uni Luzern einzuschreiben. Oder genauer, welche Beweggründe gibt es, sich für eine bestimmte Fakultät zu entscheiden?
Die älteste Fakultät an der Uni Luzern ist die Theologische. Die Bezeichnung legt nahe, dass hier im Wesentlichen jene studieren, welche sich «den kirchlichen und gesellschaftlichen Problemen» verbunden fühlen. Sei es aufgrund persönlicher Erfahrungen oder des Bedürfnisses nach mehr Gewissheit über die Bedeutung der eigenen Existenz. Gleichwohl könnte man den Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen unterstellen, unverbesserliche Weltverbesserer zu sein, welche sich aus einer gewissen Not der Ahnungslosigkeit bewusst an der entsprechenden Fakultät eingeschrieben haben. Juristen hingegen wären traditionell schon immer jene, welche sich selbst als Mittelpunkt ihres Studiums betrachten und dies auch durch einen entsprechenden Kleider-Kodex nach aussen tragen. Quasi das eigene Ego als Motivation zum Studium. Ab Herbst 2016 öffnet dann in Luzern noch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät ihre Tore, welche wohl jene Studierende anziehen wird, die sich schon durch das Einschreiben an der Universität als «Welt-Elite» betrachten und das Studium der Wirtschaftswissenschaften lediglich als Umweg zur eigentlichen, höheren Berufung wahrnehmen.
Und das sind wir:
Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass diese Beweggründe in keiner Weise die Realität abbilden. Das Problem bei dieser «Schubladisierung» ist, dass die Frage nach der «studentischen Identität» zu hoch gewertet wird. Das Studierendendasein nimmt zwar einen bedeutenden Platz in unserem Leben ein, doch wir sind noch vieles mehr: Wir sind orientierungslos, zielsicher, ängstlich − und selbstbewusst. Wir arbeiten in Büros, in Gärtnereien oder an Ski-Lifts. Wir renovieren, stapeln, sortieren − oder schreiben. Wir sind liebevolle Eltern, freuen uns über üppige Gehaltserhöhungen und träumen vom Urlaub in sonnigeren Breiten. Wir geniessen Zigarren und rauchigen Whisky genauso wie ein Guinness an der Reuss. Wir sind politisch engagiert, ziehen uns gerne in die Berge zurück − oder lernen Fremdsprachen. Wir sind so vieles, vieles mehr und ja, wir studieren auch! Jede und jeder das, was sie oder ihn begeistert, erfüllt oder als sinnvoll erscheinen mag. Zusammen sind wir ein ziemlich grosser Haufen Wissen.