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Politisches Interesse und Engagement prägen sich im Verlauf des Jugendalters massgeblich aus, sodass in dieser Entwicklungsphase wesentliche Weichen für das politische Handeln im Erwachsenenalter gestellt werden. Nach wie vor ist jedoch zu wenig darüber bekannt, wie diese Entwicklungsprozesse verlaufen sowie mit welchen Bedingungen und Erfahrungen sie zusammenhängen.
In unserem Projekt werden sowohl die in der Kindheit beginnenden Prozesse der latenten politischen Sozialisation als auch die bewusste Entwicklung politischen (Des-)Interesses und Engagements seit dem Jugendalter gründlich untersucht. Einbezogen werden junge Menschen, die zunächst als 16- bis 17-Jährige, d. h. kurz vor Erreichen der Volljährigkeit, und dann zwei Jahre später erneut befragt werden. Auf diese Weise können Verläufe der politischen Sozialisation in einer wichtigen Phase zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfasst werden – einmal vor Erreichen der Volljährigkeit und einmal nach Erreichen des Alters, in dem sie wahlberechtigt sind.
Einbezogen werden Jugendliche unterschiedlichen Geschlechts, da bekannt ist, dass sich politisches Interesse und Engagement im Jugendalter geschlechtsspezifisch unterschiedlich ausprägen. Ein Teil der Untersuchungsgruppe wird einen Migrationshintergrund haben, um die besonderen Bedingungen des Aufwachsens dieser Gruppe und die im Falle einer ausländischen Staatsangehörigkeit fehlende Aussicht auf eine baldige Wahlberechtigung in ihrer Bedeutung berücksichtigen zu können. Einbezogen werden sollen sowohl Personen, die sich auf unterschiedliche Weise politisch engagieren, als auch solche, die sich nicht erkennbar politisch engagieren oder Politik gegenüber skeptisch sind, um verschiedene Ausprägungen politischer Aktivität in ihren Entwicklungen untersuchen zu können. Befragt werden die Jugendlichen in ausführlichen qualitativen Interviews, in denen sie Gelegenheit haben, ihre Biografie, ihr politisches Verständnis und ihr politisches Engagement zu erläutern und zu kontextualisieren.
Untersucht werden soll auf diese Weise vor allem, a) welche biografische Relevanz Erfahrungen in unterschiedlichen sozialen Kontexten für die Entwicklung politischen (Des-)Interesses und politischen Engagements haben, b) inwieweit damit verschiedene soziale Differenzkategorien mit jeweils spezifischen Bedingungen, Entwicklungen und Erlebnisweisen verbunden sind und c) inwieweit sich im längsschnittlichen Vergleich Stabilisierungen und Veränderungen in Hinblick auf die Entwicklung politischen (Des-)Interesses und Engagements zeigen.
Das Forschungsprojekt wird durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziell unterstützt.