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Ein Chauffeur mit vielen Talenten
Einundzwanzigster Dezember 1970: Elvis Presley wird von Richard Nixon, dem 37. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, im Weissen Haus empfangen; die Gelegenheit für den amerikanischen Sänger, seinen Patriotismus unter Beweis zu stellen. Fünfzig Jahre später, auf einige Tage genau, erscheint im SWISS CAMION eine Reportage über «Elvis Presley», am Steuer eines Mercedes-Benz Arocs 4451!
Natürlich handelt es sich nicht um den echten Elvis Presley, sondern um einen der besten Presley-Imitatoren der Schweiz: Christian Pantillon. Auch wenn Christian Pantillon unter der Woche als Chauffeur seiner eigenen Transportfirma in Sugiez (FR), am Fusse des Vully, tätig ist, trifft man ihn nicht selten an den Wochenenden zusammen mit seiner Gruppe Chris Aaron & The Memphis Knights an, als deren Lead-Sänger er die grossen Hits des echten «King» interpretiert. Dies sowohl in der West- als auch der Deutschschweiz, und oft sogar auch im Ausland. Aber wie kommt ein Chauffeur, Sohn und Enkel ebenfalls von Chauffeuren, dazu, auf der Bühne Elvis Presley zu imitieren, manchmal vor Tausenden von Zuhörern? «Ein wenig aus Zufall», erklärt uns Christian Pantillon, der einen sehr aktiven Eindruck hinterlässt!
Neben seiner Hauptbeschäftigung war er seit jeher in seiner Freizeit äusserst aktiv. Nach einer Lehre als Bäcker-Konditor arbeitete er bei der Bäckerei Aebersold in Murten (FR) und bestritt in seiner Freizeit viele Kart-Rennen. Dies nicht ohne Erfolg, verzeichnete er doch viele Erfolge zuerst in der Kategorie Sport, dann Kategorie B, Kategorie A bis hin zum Finale der Europameisterschaften 1986, wo auch ein gewisser Michael Schumacher am Start war!
Alles wie Michael Schumacher
Nach dem Karting startete Christian Pantillon im Automobil-Rennsport und folgte damit den Spuren von Michael Schumacher. So wie der deutsche Rennpilot, fährt er zuerst in der Formel Ford, danach F3. Der Rennsport verlangte nach immer mehr Freizeit, weshalb Christian Pantillon seine Tätigkeit als Bäcker-Konditor aufgab und im Geschäft seines Vaters eine Stelle als Chauffeur antrat. Auch wenn die Rennresultate ermutigend waren – 1989 wurde er Vize-Schweizermeister in der Formel Ford – wurde das finanzielle Engagement zu gross, um international mithalten zu können. Einmal die Dreissig überschritten, entschloss sich der am 18. November 1959 geborene Christian Pantillon, seine Rennfahrer-Karriere zu beenden. «Ich konnte allerdings an den Wochenenden nicht zu Hause rumhocken und nichts tun», erklärt er uns. «Ich beschloss deshalb, mich einer neuen Herausforderung zu stellen, das heisst, mich so seriös wie nur möglich meiner anderen Leidenschaft zu widmen: Elvis Presley.»
Sein Rücktritt vom Automobilsport anfangs der Neunzigerjahre fällt mit dem Aufkommen des Karaokes zusammen. Christian Pantillon wird denn auch ein eifriger Teilnehmer dieser Anlässe und als Präsident des Elvis Presley Fan Club der welschen Schweiz interpretierte er ab und zu Songs vom «King», dessen Musik er täglich am Steuer seines Lastwagens zuhört. Weil er dessen Hits immer besser interpretiert und oftmals nicht enden wollenden Applaus erntet, entschloss er sich zur Gründung einer eigenen Band. Er verpasste ihr den Namen Chris Aaron. Chris bezog sich natürlich auf Christian, seinen eigenen Vornamen, und Aaron erwies seinem Vorbild, Elvis Presley, Referenz: «Aaron war sein zweiter Vorname», präzisiert Christian Pantillon, den wir während eines ganzen Tages an Bord seines Mercedes-Benz Arocs 4451 begleiten durften.
Das berühmte Konzert vom 14. Januar 1973
Seine Faszination für den «King» ist dermassen gross, dass er sich für die Ablieferung seines neuen Arocs 4451 vor zwei Jahren in der Mercedes-Benz Trucks Filiale in Granges-Paccot, in der Nähe von Freiburg, in Schale warf und sich im berühmten Konzert-Outfit seines Idols präsentierte (siehe grosses Bild auf der linken Seite). Ein weiterer verräterischer Hinweis auf seine Leidenschaft für Elvis Presley ist eine Parkplakette, auf der angegeben ist, dass nur Elvis-Fans dort parken dürfen. Aber wie und warum genau ist seine Leidenschaft für den König des Rock’n Roll überhaupt entstanden? «Der Funke sprang definitiv über, als ich am Fernsehen das Konzert sah, das Elvis Presley am 14. Januar 1973 in Hawaii gab», führt Christian Pantillon aus.
Tatsächlich kam diesem Konzert eine globale Bedeutung zu, handelte es sich doch um das erste Musikereignis, das via Satellit weltweit als Direktsendung ausgestrahlt wurde. Die technische Herausforderung in der damaligen Zeit war enorm, sodass Elvis Presley vorsichtshalber bereits am 12. Januar einen ersten Auftritt aufgenommen hatte, falls es mit der vorgesehenen Direktsendung nicht klappen sollte. Aber alles ging gut, in «Mondovision» konnte das Konzert in 38 Ländern direkt, darunter die Schweiz, am 14. Januar 1973 empfangen werden. Auf die Frage, was genau Christian Pantillon Spezielles an Elvis Presley findet, meint er: «Seine unglaubliche Interpretationsqualität, seine einmalige Stimme und seine Ausstrahlung, die die Herzen der Menschen direkt erreicht.» Aus diesen Gründen sind wohl viele Menschen der Ansicht, dass es sich bei Elvis Presley um «den besten» Rocker aller Zeiten handelt!
«Der Beste» ist zudem eine Bezeichnung, die die Mercedes-Benz Werbung gerne in den Vordergrund rückt, wenn sie ihre verschiedenen Modelle mit dem Werbespruch «Das Beste oder nichts» betitelt. Gilt dieser Slogan auch für den Mercedes-Benz Arocs 4451, mit dem Christian Pantillon Asphaltplatten von einer Baustelle in Lugnorre (FR), am Mont Vully, zur Entsorgung nach Freiburg abtransportieren muss? «Ich weiss nicht, ob es sich um den besten Lastwagen seiner Kategorie handelt. Was ich hingegen unterschreiben kann, ist, dass es sich um ein ausgezeichnetes Arbeitsgerät handelt. Vor allem schätze ich sein Zuverlässigkeit, seine Robustheit sowie seine perfekte Stabilität im Gelände», hält Christian Pantillon fest, der, abgesehen davon, auch äusserst zufrieden mit dem Personal der Merbag Filiale in Granges-Paccot ist.
Nach einem Abstecher zu einer Deponie in Treiten, im Berner Seeland, fragen wir auf dem Rückweg nach Lugnorre Christian Pantillon, ob er via diesen Artikel jemandem seinen Dank ausrichten möchte. Seine Antwort lautet: «Meinem Vater, Charly Pantillon Senior, der die Firma 1953 gründete und seine Leidenschaft für Lastwagen auf mich übertrug. Dann meiner Frau Linda, einem noch grösseren Elvis-Fan als ich, und die mich in meinen Konzerten immer unterstützt, namentlich beim An- und Ausziehen der Elvis Presley-Kostüme, die ich auf der Bühne trage. Sie werden in den USA nach Mass hergestellt und kosten ein kleines Vermögen.» Aber bei dem, was man liebt, schaut man nicht aufs Geld!
Man sagt oft, dass ein Chauffeur über verschiedene Talente verfügt: fahren, Organisation seiner Arbeit, Geduld … Bei Christian Pantillon kommt auch noch die Musik hinzu, und zwar nicht irgendeine, sondern die vom «King of Rock’n Roll» Elvis Presley!