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transalpinen Thäler, teilweise auch das Vorderrheinthal bis Truns, die Thalbecken von Schams und Tiefenkastel. Vereinzelte Kirschbäume gehen bis ins Ober Engadin. Dagegen halten sich die Nussbäume, oft in grossen schönen Exemplaren, nur an die tiefern Lagen des Rheingebietes und der transalpinen Thäler (Misox, Bergell und Puschlav); in den letztern gesellt sich dazu die Edelkastanie, die stellenweise auch waldbildend auftritt.
Der Weinbau umfasst nur 3 km2 und beschränkt sich fast ganz auf das Churer Rheinthal bis Reichenau, dann auf das untere Misox. Ein vereinzelter Rebberg findet sich noch beim Schloss Ortenstein im Domleschg. Die übrigen tiefern Thäler haben wohl noch da und dort Rebenspaliere, aber keine Weinberge mehr. Der Weinbau wurde in Graubünden schon in der Römerzeit betrieben und erstreckte sich früher über ein grösseres Gebiet als gegenwärtig. So gab es z. B. bei Ilanz und selbst bei Remüs im Unter Engadin einzelne Weinberge. Es sind wieder mehr wirtschaftliche als klimatische Verhältnisse, die den Weinbau in Graubünden wie auch noch in andern Teilen der Schweiz auf den heutigen Umfang eingeschränkt haben. So spärlich derselbe aber gegenwärtig der Quantität nach ist, so vorzüglich ist die Qualität.
Die Weine der Herrschaft (Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans) und von Chur gehören zu den besten und alkoholreichsten der Schweiz. Es sind weit vorherrschend Rotweine aus Trauben, die aus Burgund stammen und von Herzog Rohan eingeführt sein sollen. Ein vorzüglicher Weisswein ist der sog. Completer (besonders von Malans) aus einer Veltlinertraube. Der meiste Wein wird als Sauser unter dem Namen «Oberländerwein» in die untere Schweiz verkauft. Das Puschlav hat auch einige Tabakpflanzungen, das untere Misox etwas Seidenzucht.
Der Bergbau hatte einst für Graubünden nicht geringe Bedeutung, liegt aber gegenwärtig völlig darnieder. Seine Geschichte reicht zurück bis in die Römerzeit, ist aber bis ins 16. Jahrhundert ein verworrenes Gemisch von Wahrheit und Dichtung. Vor dem Untergang von Plurs im Jahr 1618 spielte die dortige Familie der Vertema oder Vertemate-Franchi eine bedeutende Rolle in der Ausbeutung bündnerischer Minen. Im frühern Mittelalter und im 16. und 17. Jahrhundert wurde der Bergbau oft mit Sachkenntnis und gutem Gewinn betrieben.
Dann nahm aber der Raubbau immer mehr überhand und brachte die Werke rasch in Zerfall. Im 19. Jahrhundert erfolgte zeitweise ein neuer Aufschwung. 1804/05 entstand die Bergbaugesellschaft von Tiefenkastel (später nach Reichenau verlegt) zur Ausbeutung der Erzlager von Oberhalbstein-Schams und des Oberlandes, leider unter unfähiger Leitung und mit entsprechend traurigem Erfolg. Bessere Aussichten bot eine Zeit lang das Unternehmen am Silberberg bei Davos, das sich auch auf die Minen des Albulathals und des Unter Engadin (Scarl) ausdehnte, aber dann doch bald in Zerfall geriet.
Ein ähnliches Schicksal hatte das Werk von Bellaluna hinter Filisur, wo die Eisenerze des Val Tisch verarbeitet wurden. In guten Händen lag von 4860 bis 4872 das Eisen- und Silberwerk von Schams, dessen Untergang wohl hauptsächlich den schwierigen Transportverhältnissen zuzuschreiben ist. Früher schon waren die Eisenwerke im Ferrerathal eingegangen. Kläglich verlief auch die Goldausbeute am Calanda («Goldene Sonne» ob Felsberg). So sind alle Bergwerksunternehmungen meist schon nach kurzem Bestand gescheitert, teils infolge grosser äusserer Schwierigkeiten (Mangel an billigem Brennmaterial, Transport- und Verkehrsschwierigkeiten, Entlegenheit und wohl auch oft ungenügende Ergibigkeit der Erzlager etc.), mehr noch aber infolge Unfähigkeit der Leiter und Arbeiter.
Oft sind dabei grosse Verluste entstanden, und namentlich haben die Wälder mancherorts enormen Schaden gelitten. Immerhin scheint es nicht hoffnungslos, dass nach dem Ausbau des bündnerischen Eisenbahnnetzes und durch Ausnutzung der vielen Gewässer für die Erzeugung elektrischer Kraft, sowie bei rationellem Betrieb der Bergbau in Graubünden noch einmal einen kräftigen Aufschwung nehmen kann, denn an nutzbaren Erzen (Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Blei, Silber, Gold) fehlt es dem Lande nicht. Auch die Steinbrüche dürften vielleicht einmal grössere Bedeutung erlangen (Tonschiefer, Kalksteine, Gips, Serpentine, Granite, Syenite, namentlich auch sog. Lavezsteine und Marmore).
Die Industrie ist in Graubünden wenig entwickelt. Fabrikorte gibt es da keine. Wo überhaupt Fabriken und fabrikartige Anlagen vorkommen, sind es immer nur einzelne und meist nur kleinere Betriebe, und diese befinden sich fast alle im untern Rheingebiet. Der Bündner ist der Natur seines Landes und seinem eigenen Naturell entsprechend mit Vorliebe Viehzüchter und Landwirt, während ihm die gebundenere und ungesundere Arbeit in Fabriken wenig zusagt. Dazu sind auch die geringe Volksdichte und die einfachen sozialen Verhältnisse der Fabriktätigkeit wenig günstig. Am meisten Aussichten auf einigen Erfolg hätten wohl einige Hausindustrien, die die Freiheit der Bewegung weniger hemmen und den Arbeiter weniger abhängig vom Brotherrn machen. Wirklich wird denn auch ein grosser Teil der Kleiderstoffe, ¶