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Caspar Ens (1569-ca. 1642), der Herausgeber dieser 1636 in Köln gedruckten Sammlung von Problemen und deren Lösungen aus dem Bereich der Unterhaltungsmathematik ist als Schriftsteller und Übersetzer bekannt, war sein Leben lang auf Reisen und wird als Universalgelehrter bezeichnet. Ein späterer Druck (Venedig, 1706) seines Thaumaturgus mathematicus befindet sich ebenfalls im Bestand der Alten Drucke und ist online einsehbar.
Einband Caspar Ens, Thaumaturgus mathematicus
Das mathematische Rätselbüchlein (Höhe: 16 cm, Breite: 14 cm) ist mit zwei Paar Lederbändern verschliessbar. Sein Einband besteht aus einem Pergamentblatt aus einer Bibel, was jedoch ohne Bezug zum Buchinhalt zu sehen ist. Vielmehr galt das Material als wertvoll genug, um wiederverwendet zu werden. Die Handschrift des 12. Jahrhunderts wurde dazu sorgfältig aufgetrennt. Wir haben ein zweispaltig beschriebenes Doppelblatt vor uns, das um eine Spalte und Teile der Seitenränder beschnitten wurde. Die oberste und die unterste Zeile des Textblocks liegen auf den Kanten der Buchdeckel und im Einschlag. Jede Spalte enthielt 31 Zeilen von 5mm Höhe. Einfache Initialen bezeichnen als Lesemarken wichtige Textabschnitte. Zahlreiche Kürzungen ermöglichten es, den Text zu komprimieren.
Das ursprüngliche Buch, ein kleines handliches Bändchen für den täglichen Gebrauch, war nur wenig grösser als das heute erhaltene aus dem 17. Jahrhundert. Ob es eine Gesamtbibel war, oder nur das Alte Testament enthielt, ist anhand der Textfragmente nicht zu entscheiden. Entzifferbar sind auf dem hinteren Buchdeckel (links im Bild) Verse aus dem 18. Kapitel des ersten Buches Samuel und auf dem vorderen Buchdeckel der Übergang vom 3. zum 4. Kapitel des Buches Ruth. Zudem erkennt man auf dem hinteren Buchdeckel den Falz und die Löcher von der Heftung der Bünde.
Ein Doppelblatt war ursprünglich mit je 4 Spalten recto und verso beschrieben. Zwischen den beiden erhaltenen Texten besteht eine grosse Lücke, aus welcher die Stärke einer Lage in einander gelegter Doppelblätter approximativ errechnet werden kann. Die fehlenden zwei Drittel des 4. und letzten Kapitels von Buch Ruth und die ersten 17 Kapitel plus sechs Verse des 18. Kapitels aus dem 1. Buch Samuel enthalten rund 480 Verse. Rechnet man pro Textspalte mit durchschnittlich 10 bis 12 Versen, so wäre der Text in 40 bis 48 Spalten unterzubringen, welche fünf oder sechs Doppelblätter füllten. Die ganze Bibelhandschrift wiederum bestand aus mehreren zusammengehefteten 5er oder 6er-Lagen.
Links:
Zu Caspar Ens siehe: Deutsche Biographische Ezyklopädie, Bd. 3, S. 93
Zur Handschriftenkunde siehe: Christine Jakobi, Buchmalerei. Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte, 1991