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Planung und Bau
In der ersten Konfiguration wurde im Juli 1936 vorgeschlagen, das Werk Ansstein mit vier 7,5 cm Kasemattgeschützen sowie zwei MG auszurüsten. In der vom Parlament im Oktober 1937
verabschiedeten Botschaft mit dem 52 Mio. CHF Programm für das Befestigungsprogramm war auch das Geld für Ansstein eingeplant.
Anfang Mai 1938 traf sich die Befestigungskommission in Bad Ragaz und strich heraus, dass die Nordfront hier besonders wichtig sei. Sie liess sich auch über das Projekt der Sperre
Ansstein - Schollberg orientieren. Das Projekt des BBB sah bei Ansstein ein sogenanntes kleineres Werk mit nur noch zwei 7,5 cm Kasemattgeschützen, einem Beobachter- und einem MG-Stand
vor. Beim Augenschein vor Ort verfügte dann die Kommission eine Veränderung der Position der beiden BK sowie, dass im Zugangsstollen noch zwei Kavernen erstellt werden sollten für je
eine Gebirgskanone 06 mit Wirkung gegen das Ellhorn.
Da der Boden für das vorgesehene Artilleriewerk zwar auf Fläscher Gemeindegebiet lag, jedoch der Liechtensteiner Gemeinde Balzers gehörte, dauerte der Landerwerb mit dem dazu
gehörenden Expropriationsverfahren von Juni 1937 bis Januar 1939. Total kaufte der Bund rund 22'000 m2 Land zum Preis von 2'800 CHF.
Das Projekt für das AW Ansstein wurde vom BBB bis Ende August 1938 fertig ausgearbeitet und ausgeschrieben. Am 26.10.1938 unterzeichnete das BBB den Vertrag mit dem Bauunternehmen
für die erste Tranche mit den beiden Kavernen für die Geb Kan 06 und für die Basisinfrastruktur. Baubeginn war der 1.11.1938. Kurz vor der Mobilmachung unterzeichnete das BBB am 29.
August 1939 den Vertrag für die Erweiterung mit den zwei 7.5 cm BK Ständen.
Während das Gegenwerk am Schollberg schon im Sommer 1939 mit seinen zwei BK38 und einer Geb Kan 06 feuerbereit war, waren in Ansstein bei der Mobilmachung am 2. September 1939 erst
die beiden Geb Kan 06 sowie das MG feuerbereit. So dauerte es noch bis August 1940, bis auch die beiden BK39 in Ansstein eingesetzt werden konnten. Die Übergabe des Werks an das
Festungskommando erfolgte bis September 1940.
Werkplan und Gesamtansicht Artilleriewerk A6256 [ Friends only ]
Ausbau, Umbau
Schnell stellte sich heraus, dass die Geb Kan 06 eine viel zu geringe Wirkung hatten. Deshalb stellte der Kommandant der Festung Sargans im Juli 1940 den Antrag, die Geb Kan 06
in Ansstein und Schollberg durch BK39 zu ersetzen. Der Antrag wurde jedoch nur für den Schollberg bewilligt. In Ansstein sollten die beiden veralteten Geschütze durch je ein MG
ersetzt werden. Weil der Einbau der MG einen Umbau der Scharten und das Einsetzen von Schartentöpfen verlangte, dauerte der ganze Umbau bis Frühling 1942.
Das Schwergewicht für die Abwehr in Sargans lag in der Nordfront. Die Hauptabwehrlinie im Bereich Luzisteig befand sich somit beim Panzerhindernis T3326 zwischen Ansstein und
Fläscherloch. Auf diese Sperren wirkten zu Beginn nur die Panzerabwehrwaffen des Infanteriewerks Fläscherloch, gegenüber des AW Ansstein. 1942 wurde deshalb beschlossen, die
Panzerabwehr in Bereich GPH Ansstein zu verstärken und in das AW Ansstein zusätzlich zwei Panzerabwehrkanonen und einen weiteren MG Stand einzubauen mit Wirkung auf das
GPH und das Vorfeld. Dies hatte dann zur Folge, dass 1944 die Ventilation wegen der zusätzlichen Waffen zu schwach war und erweitert werden musste.
Der letzte Ausbau wurde 1962/63 vorgenommen. Die Festungswacht Kompanie 13 brach einen zusätzlichen Stand heraus, in welchen ein IR Scheinwerfer installiert wurde. Eines der
auffälligsten Merkmale des Werks ist das riesige Stahlnetz über dem Haupteingang des Werks. Dieses wurde erst sehr spät errichtet, nachdem es immer wieder zu gefährlichen
Steinschlägen kam. Darum ist auch heute noch Vorsicht geboten, wenn man vor Ansstein herum läuft.
Wirkungskarte der 7.5 cm BK [ Friends only ]
Abbau, Rückbau
Belegt wurde das AW Ansstein im Zweiten Weltkrieg durch Soldaten der Fest Art Kp 39, welche der Fest Art Abt 12 unterstellt waren. Mit Armee 61 wechselte die Zuständigkeit
zur Fest Art Abt 12 und die Besatzung hiess nun Fest Art Kp II/13. Als Anfang der 1980er Jahre wegen Problemen mit der Munition die 7.5 cm BK ausser Dienst gestellt wurden,
verlor das AW Ansstein seinen Artillerieauftrag und diente fortan nur noch als Infanteriewerk zur Panzerabwehr. Somit verschwand auch die Artillerie in der Bezeichnung der
Truppe. Neu hiess die Besatzung nur noch Werk Kp 52.
Mit dem Ausbau der 9 cm Panzerabwehrkanonen im Jahr 1990 hatte Ansstein keine Bedeutung mehr als Kampfanlage. Dazu gibt es sogar eine kleine Anekdote. Während in einem
Kampfstand der letzte Umschulungskurs auf die 9 cm Pak stattfand, entfernten Geschützmechaniker des FWK im anderen Kampfstand das Geschütz endgültig. Seither diente das
Werk nur noch bis 1999 als Unterkunft für verschiedene Einheiten aller Truppengattungen. Erst nach einem tragischen Unfall mit der Tarnung beim Eingangstor, bei dem ein
Kompaniekommandant schwer verletzt wurde, untersagte man die Nutzung als Unterkunft.
Wieder hatte Ansstein eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Anfang 2000 räumte das FWK zusammen mit zivilen Unternehmen das Werk vollständig aus. Hier testete man den
kompletten Rückbau der Werke, weswegen man es hierbei besonders genau nahm. Bis auf die eisernen Türumrandungen riss und schnitt man alles heraus, was nur möglich war.
Dies ging sogar so weit, dass der Linoleumboden heraus gerissen wurde und nur noch der schwarze Kleber sichtbar ist. Aussen baute man die ganze Tarnung ab und ein Steg,
welcher ehemals aussen herum führte, wurde ebenfalls abgebrochen. Dieser rigorose Rückbau war aber kostenmässig nicht viel kleiner als seinerzeit die Baukosten. Diese
hohen Kosten dürften mit ein Grund gewesen sein, warum man es dann später bei den Rückbauten in Sargans nicht überall so genau nahm wie in Ansstein.
Obwohl rückgebaut und nur eine leere Hülle, wurde Ansstein und die ganze Sperrstelle 2003 in das Inventar der militärhistorischen Bauten des Kantons Graubünden
aufgenommen und als von nationaler Bedeutung eingestuft. Im Herbst 2010 konnten wir einen schnellen Blick in das komplett leer geräumte Werk werfen und davon einige
Fotos machen. Diese zeigen wir euch nun erstmals hier in dieser Reportage.