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Die chinesische ChemChina kauft den Basler Agrochemie-Konzern Syngenta für 43,7 Mrd. Franken. Der Verwaltungsrat von Syngenta empfiehlt den Aktionären einstimmig, das Angebot anzunehmen, wie Syngenta am Mittwoch mitteilte. Der Deal muss noch von den Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden.
Syngenta bleibt ein weltweit tätiges Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz, wie es im Communiqué heisst. Das derzeitige Management von Syngenta werde das Unternehmen weiterhin leiten. Nach Abschluss der Übernahme werde Ren Jianxin, Verwaltungsratspräsident von ChemChina, dem zehnköpfigen Verwaltungsrat vorstehen. Vier der aktuellen Verwaltungsräte sollen dem Aufsichtsgremium weiterhin angehören.
"Die Transaktion minimiere die Risiken hinsichtlich der Betriebsabläufe und ermögliche weiteres Wachstum, speziell in China und weiteren Schwellenländern, sowie langfristige Investitionen in Innovation, wird Verwaltungsratspräsident Michel Demaré in der Mitteilung zitiert.
Die Agrarkrise in Schwellenländern wie Brasilien sowie Wechselkursschwankungen haben dem Agrochemiekonzern im Geschäftsjahr 2015 zu schaffen gemacht. Der Umsatz verringerte sich wegen des starken US-Dollars um 11 Prozent auf 13,4 Mrd. Dollar. Der Gewinn sackte um 17% auf 1,34 Mrd. Dollar ab.
Mit dem Kauf von Syngenta wird ChemChina zu einem wichtigen Mitspieler der Agrochemie-Branche weltweit. Gelingt die Transaktion, wäre dies die bisher grösste chinesische Übernahme im Ausland. Die Übernahme würde das chinesische Staatsunternehmen zu einem wichtigen Mitspieler in der weltweiten Agrochemie-Branche für Insektenvernichtungsmittel und auch genetisch verändertes Saatgut machen.
Der Kauf ist auch ein wichtiger Schritt in der Strategie Chinas, die Entwicklung seiner Landwirtschaft durch moderne Methoden wie Biotechnologie und eine Konsolidierung der Branche voranzubringen.
Eine Einigung muss aber noch einen langwierigen Genehmigungsprozess in der EU und den USA durchlaufen. Eine Kernfrage ist, ob das amerikanische Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) zustimmen muss. Das Aufsichtsgremium, das Übernahmen auch unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit prüft, gilt als nicht besonders chinafreundlich. Syngenta macht schätzungsweise einen Viertel seines Umsatzes in den USA, wo es der grösste Pestizidverkäufer ist.
ChemChina hat im Januar schon den deutschen Spezialmaschinenbauer KraussMaffei für 925 Mio. Euro übernommen. Es war die bisher grösste chinesische Übernahme in Deutschland. Vor knapp einem Jahr hatte ChemChina auch die traditionsreiche italienische Reifenfirma Pirelli für mehr als 7 Mrd. Euro gekauft. Nach eigenen Angaben hat ChemChina 140'000 Mitarbeiter.
Das Übernahmeangebot in der Schweiz und in den USA werde in den kommenden Wochen veröffentlicht. Die Transaktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.
Das Übernahmeangebot von ChemChina besteht aus 465 Dollar in bar und einer Sonderdividende von 5 Franken pro Aktie. Die Sonderdividende wird vorbehältlich der Annahme des Angebots, aber vor dessen Abschluss ausbezahlt. Das Angebot entspricht einem Wert von 480 je Aktie. Zusätzlich würden die Aktionäre von Syngenta im Mai die beantragte ordentliche Dividende von 11 Franken erhalten.
Erleichterung, aber auch Sorgen
Die Reaktionen auf die Übernahme von Syngenta durch ChemChina fallen geteilt aus: Einerseits herrscht Erleichterung - weil das Hickhack um die Übernahme ein Ende hat und weil der chinesischen Staatsbetrieb als seriöser Investor gilt. Andererseits sorgen sich die Gewerkschaften und die Basler Regierung um die Arbeitsplätze.
Als durchwegs positiv beurteilt Bundespräsident Johann Schneider-Ammann die Übernahme. Er bezeichnet diese als "guten Deal". Die Übernahmefirma sei "grundsolide und strategisch gut aufgestellt", sagte er am Mittwoch vor den Medien. Syngenta hatte am Morgen bekanntgegeben, dass ChemChina das Unternehmen für insgesamt 43 Milliarden Dollar übernehmen will.
Der hohe Preis ist für den Wirtschaftsminister ein gutes Zeichen. Da werde in etwas investiert, was Zukunft haben müsse, stellte er fest. Die Arbeitsplätze hält Schneider-Ammann für gesichert. Das Syngenta-Management habe ihm bestätigt, dass Syngenta grundsätzlich weiterbetrieben werde. Die Arbeitsplätze blieben erhalten.
Skepsis nach Arbeitsplatzabbau bei GE
Misstrauischer zeigen sich die Gewerkschaften Unia und Syna. Als General Motors (GE) um Alstom geworben habe, habe es genauso getönt, schreibt Syna in einer Mitteilung. "Doch was ist von den grossmundig gemachten Versprechungen übriggeblieben?"
Der US-Konzern GE hatte im Januar angekündigt, im Zusammenhang mit der Übernahme von Alstom in der Schweiz etwa 1300 Jobs abzubauen. Umgekehrt werden in Frankreich aber Stellen geschaffen, denn die französische Regierung hatte vor der Fusion entsprechende Zugeständnisse verlangt.
Syna und Unia fordern deshalb, der Erhalt sämtlicher Arbeitsplätze in der Schweiz müsse Vorrang haben. Zwar nimmt auch die Unia in einer Mitteilung befriedigend zur Kenntnis, dass ChemChina offenbar keinen Arbeitsplatzabbau plant. Doch ob dies auch mittelfristig so bleibe, sei nicht sicher. Die Chinesen sollen per sofort ihre längerfristige Strategie bezüglich der Schweizer Standorte offenlegen, verlangt die Unia.
Positive Zeichen von früheren Übernahmen
Tendenziell wird ChemChina aber als die bessere Lösung als eine Übernahme durch den US-Konzern Monsanto beurteilt. Monsanto hatte sich ebenfalls um Syngenta bemüht. Die Angestellten Schweiz weisen in einer Mitteilung darauf hin, dass die bisherige Historie der Übernahmen durch ChemChina im Ausland grundsätzlich zuversichtlich stimme.
Zudem zeigen sich die Angestellten Schweiz erleichtert, dass das Hickhack um die Zukunft von Syngenta ein Ende habe. Das beruhige auch die Mitarbeitenden.
Auch die Basler Regierung beurteilt die Übernahme durch ChemChina von jenen Möglichkeiten, die sich für Syngenta abgezeichnet haben, als "eine der positiveren". Das sagte Regierungsrat Christoph Brutschin gegenüber Radio SRF. Am liebsten wäre der Basler Regierung aber eine unabhängige Syngenta gewesen, wie Brutschin der Nachrichtenagentur sda sagte. Auch für die Basler Regierung steht der Erhalt der Arbeitsplätze im Vordergrund.
Bei einer Fusion mit dem Konkurrenten Monsanto wäre nach Einschätzung Brutschins aber die Gefahr eines Stellenabbaus viel grösser gewesen. Auch er schätzt ChemChina aufgrund der bisherigen Übernahmen in Europa als langfristigen Investor ein. Zudem erschliesse sich für Syngenta durch die geplante Transaktion China als Absatzmarkt.
swissinfo.ch und Agenturen