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Satirische Jahresrückblicke in 100 Sekunden
1964 sang Cliff Richard «Rote Lippen muss man küssen», während Dr. Best die erste antibakterielle Zahnbürste auf den Markt brachte. Louis de Funès jagte als Gendarm von Saint-Tropez Nudisten, während Alfred Hitchcock Sean Connery anwies, sich um die Kleptomanin Marnie zu kümmern.
Die Jugendzeitschrift Bravo publizierte die Starschnitte von Winnetou und Old Shatterhand, jede Woche zwei Puzzleteile für ein lebensgrosses Wandposter. Ein Dollar kostete 4.31 Franken (heute etwa 95 Rappen), der Goldpreis lag bei 35 Dollar die Unze (heute etwa 1189 Franken). Während US-Präsident Lyndon B. Johnson mit seiner Unterschrift die Rassentrennung beendete, wurde Neslon Mandela in Südafrika zu lebenslanger Haft verurteilt. Fernsehanstalten forderten eine Erhöhung der Fernsehgebühren, um die Vielfalt der Einfalt voranzutreiben, aber Geldknappheit war nicht der Grund, wieso sie keine Bilder von der Mondsonde Ranger VI senden konnten. Die Bordkamera war beim Versuch, ein Selfie zu schiessen, kollabiert.
Unter Geldknappheit litten auch 15 Gentlemen aus London, die im Postzug zwischen Glasgow und London zur Kasse baten. Zwei Jahre später wurde der 50-Millionen-Raub mit Horst Tappert verfilmt, bevor er Jahre später seinen Kumpel Harry bat, schon mal den Wagen zu holen. Während Jean-Paul Sartre den Nobelpreis ablehnte, dominierten die Beatles weltweit die Top Ten gleich mit fünf Number-One-Hits. «Twist and Shout», Roy Orbison sang «Oh, Pretty Woman», während The Animals das Leid im «House Of The Rising Sun» beklagten.
Jugendliche provozierten die Erwachsenenwelt mit saloppen, blauen Arbeiterhosen, die ursprünglich von Levi Strauss (1829–1902) für die Goldgräber in Kalifornien entwickelt und nun von US-Soldaten nach Europa gebracht worden waren. Jakob Davis verstärkte den Hosenlatz mit den Nieten von Pferdegeschirr und führte die neuen Waist Overalls zum weltweiten Erfolg. Weniger Erfolg hatte in Italien der Unternehmer Ferruccio Lamborghini, der seit Kriegsende versuchte, die bisherige Produktion von Militärfahrzeugen auf die Herstellung von Traktoren umzustellen. Eines Tages hatte der Sportwagenfreak die Schnauze voll von seinem pannenanfälligen Ferrari und rannte dem Autohersteller Enzo Ferrari die Bude ein. Seine Ferraris seien Merda! Ferrari war not amused und rächte sich mit der Bemerkung, ein Traktorbauer habe doch keinen blassen Schimmer von Sportwagen. Es gibt nichts Motivierenderes im Leben als eine richtig fiese Kränkung.
© Basler Zeitung; 28.11.2014