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Landwirtschaft beeinträchtigt Wasserorganismen stärker als die Abwässer aus dem Siedlungsraum
Les organismes aquatiques plus affectés par l’agriculture que par les eaux usées des zones urbaines
Francis J. Burdon et al.
Substanzen aus der Landwirtschaft beeinträchtigen die Artenvielfalt in Fliessgewässern und wirken sich insbesondere auf empfindliche Lebewesen negativ aus. Auch Verunreinigungen aus Kläranlagen beeinflussen die Kleinlebewesen im Wasser, doch ist dieser Einfluss geringer als jener der Landwirtschaft.
Les substances issues de l’agriculture perturbent la diversité des espèces dans les cours d’eau et ont un impact particulièrement négatif sur les organismes sensibles. Les pollutions provenant de stations d’épuration affectent aussi les microorganisms aquatiques, mais leurs effets sont moindres que ceux de l’agriculture.
Kläranlagen und die Landwirtschaft gehören zu den Hauptquellen von Verunreinigungen in Flüssen und Bächen und beeinträchtigen die aquatischen Lebensgemeinschaften. Über die Kläranlagen gelangen etwa Medikamentenrückstände, Nährstoffe, Biozide, resistente Bakterien und Schwermetalle in die Gewässer. Die Landwirtschaft ihrerseits ist vor allem verantwortlich für den Eintrag von Pflanzenschutzmitteln, Feinsedimenten und Nährstoffen. Allerdings war über den relativen Einfluss beider Quellen bisher nur wenig bekannt. Deshalb gingen Forschende der EAWAG dieser Wissenslücke in einer neuen Studie auf den Grund.
Zwischen 2013 und 2014 nahmen die Forschenden an 23 Schweizer Kläranlagen-Standorten, verteilt jeweils ober- und unterhalb der Abwassereinleitungen alle zwei Monate Wasserproben und bestimmten die Wasserqualität und die vorkommenden Substanzen. Die Probestellen repräsentieren Einzugsgebiete mit unterschiedlichen Landnutzungsintensitäten und waren über das Mittelland, den Jura und die Voralpen verteilt. Jeweils im Frühling bestimmten die Forschenden die oberhalb und unterhalb vorkommenden Kleinlebewesen in den Fliessgewässern.
Die Resultate zeigen, dass die Landwirtschaft den Einfluss von organischen Verunreinigungen aus Kläranlagen übertönt. So veränderte sich das Vorkommen von Insekten und anderen Kleinlebewesen unterhalb von Abwasserausläufen nur schwach. Die Ausnahme bilden bestimmte Würmer (Wenigborster oder Oligochaeta): Diese scheinen sich mit dem eingemischten gereinigten Abwasser wohl zu fühlen und kommen unterhalb von Kläranlagen deutlich häufiger vor als oberhalb.
Landwirtschaftliche Einträge dagegen beeinflussen die gesamte Artenvielfalt merklich: Insbesonders empfindliche Arten waren in Gebieten mit intensivem Ackerbau selten. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Eintags- oder Steinfliegen. Ausserdem fanden die Forschenden heraus, dass vor allem Pestizide die Übeltäter zu sein scheinen – erhöhte Nährstoffeinträge in Flüssen widerspiegeln sich dagegen kaum in der Artenzusammensetzung.
Literatur:
Burdon F.J., Munz N.A., Reyes M., Focks A., Joss A., Räsänen K., Altermatt F., Eggen R.I.L., Stamm C. (2019): Agriculture versus wastewater pollution as drivers of macroinvertebrate community structure in streams. Science of the Total Environment 659, 1256-1265, https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2018.12.372 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969718352653?via%3Dihub
Kontaktadresse:
Christian Stamm
Eawag
Überlandstrasse 133
CH-8600 Dübendorf