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«Ich bin kein Stubenhocker»
Olivier Dessibourg nimmt an den Selektionen für die «Camel Trophy 2000» teil
Olivier Dessibourg (25) aus Belfaux bei Freiburg ist einer der zwölf Kandidaten, die am 28. März auf die Kapverdischen Inseln zu den Qualifikationen für die «Camel Trophy 2000» fahren. Er hat alle Vorausscheidungen souverän bewältigt und sieht den kommenden Selektionen zuversichtlich entgegen.
Der 25-Jährige hat vor einem Jahr sein Physikstudium mit Diplom abgeschlossen und absolviert derzeit ein Praktikum bei der Liberté. Später möchte er als Journalist für wissenschaftliche Zeitschriften schreiben. Er ist sehr vielseitig, treibt Sport, macht Musik und fotografiert gerne. Während seines Studiums ist Dessibourg viel gereist. Dabei hat ihn Südamerika am meisten fasziniert. «Ich reise am liebsten alleine, weil es dann einfacher ist, Kontakte mit Einheimischen zu knüpfen», wie er erklärt.
Herr Dessibourg, woher nehmen Sie die Motivation, um die ganzen Selektionen über sich ergehen zu lassen?
Zuerst einmal ist Reisen meine grosse Leidenschaft, und ich kann nur bei der «Camel Trophy» ein Land auf diese Art kennen lernen. Hinzu kommt noch, dass ich sehr sportlich bin und das Konzept der Organisatoren daher gut auf mich zugeschnitten ist. Sport ist ohnehin ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. An der Uni habe ich Basketball gespielt. Ausserdem gehe ich regelmässig in den Wald, um zu laufen.
Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, an der «Camel Trophy 2000» teilzunehmen?
Die Idee entstand spontan vor drei Jahren, als ich mich für die «Camel Trophy 1998» anmeldete. Damals kam ich zwar auch über die erste Auswahl hinaus, schied jedoch bei den Vorselektionen in Niederbipp aus. Ich war sehr enttäuscht. Als ich dann letztes Jahr die Anmeldeformulare für die «Camel Trophy 2000» per Post erhielt, habe ich entschieden, mich nochmals einzuschreiben. Diesmal hatte ich ein wenig mehr Glück und gelangte unter die ersten zwölf. Ich bin sehr glücklich darüber, so weit gekommen zu sein, auch wenn es keine Katastrophe gewesen wäre, wenn ich es nicht geschafft hätte.
Wie gross ist der psychische Stress bei den Ausscheidungen?
Bisher war der Stress noch nicht so schlimm, dauerten doch die Prüfungen nur jeweils einen Tag. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Woche auf den Kapverdischen Inseln uns auch psychisch sehr viel abverlangen wird. Natürlich war die Anspannung auch bei den Tests in Lausanne und Pfäffikon sehr gross, man hatte danach jedoch immer genug Zeit, um das Vorgefallene wieder zu verdauen. Zudem überwiegt die Freude, wenn man selektioniert ist, und diese lässt den Stress sehr leicht vergessen.
Mit welchen Erwartungen werden Sie am 28. März auf die Kapverdischen Inseln fahren?
Ich freue mich auf die Reise, die Natur und die Berge. Auf die Kapverdischen Inseln gelangt man nur einmal im Leben.
Bei diesen Trainings werde ich wohl die Gegend von einer ganz anderen Perspektive aus sehen können, als wenn ich als Tourist dorthin fahre. Dazu kommt noch, dass wir im Team reisen.
Das bedeutet viele interessante Kontakte und Gespräche. Natürlich möchte ich mich auch für England, die letzte Ausscheidung, qualifizieren. Doch dieser Wunsch steht nicht unbedingt an erster Stelle.
Wo sehen Sie Ihre Stärken in Bezug auf die Aufgaben, die Sie an der «Camel Trophy» zu bewältigen haben, oder anders gefragt: Weshalb sollten gerade Sie nach England reisen?
Na ja, wie schon gesagt, ich bin sehr sportlich, bin aber auch offen für Neues und überaus kontaktfreudig. Es ist nämlich wichtig, teamfähig zu sein, wenn man an der «Camel Trophy» mitmachen möchte. Denn während des eigentlichen Wettbewerbs bilden jeweils zwei Leute zusammen das Schweizer Team. Heute ist es auch nicht mehr so, dass man verrückt sein muss, um an der «Camel Trophy» dabei zu sein. Ich jedenfalls bin es nicht. Gefragt sind Leute, die in jeder Hinsicht aktiv sind, also keine Stubenhocker.
Wie sieht denn konkret Ihr sportliches Programm unter der Woche aus?
Ich trainiere eigentlich nicht speziell auf die Selektionen in den Kapverdischen Inseln hin, sondern mache einfach Sport, wenn ich Lust dazu habe. Heute Morgen zum Beispiel bin ich gelaufen.
Ich mag es, ganz alleine im Wald zu sein und die Natur zu spüren. Ich spiele hie und da Basketball, auch nach dem Abgang von der Uni. Ausserdem bin ich im Sommer oft in den Bergen oder mit dem Fahrrad unterwegs. Ich achte schon darauf, regelmässig Sport zu treiben, auch um der Gesundheit willen.
Wie lassen sich denn bei diesem Aufwand Sport und Arbeit kombinieren?
Der Sport hat schon ein bisschen unter der Arbeit gelitten. Früher an der Uni hatte ich viel mehr Freiheiten und hatte auch die Zeit, täglich Sport zu treiben.
Seit ich im Februar mein Praktikum bei der Liberté angefangen habe, ist die Freizeit schon etwas beschränkt. Nicht, dass ich mich gar nicht mehr bewegen würde, sondern einfach weniger häufig. Wenn man aber wirklich will, dann findet man immer Zeit.
Interview: Muriel Bowie
«Camel Trophy 2000»
«Camel Trophy» ist ein vor 19 Jahren ins Leben gerufenes internationales Grossereignis; ein Wettkampf, in dem den Teilnehmern sowohl psychisch als auch physisch sehr viel abverlangt wird. Dabei darf natürlich auch das Abenteuer nicht zu kurz kommen. Doch die «Camel Trophy» hat sich in den letzten Jahren sehr stark gewandelt. Ging es früher darum, mit einem Landrover von einem Punkt zum anderen zu fahren, so steht seit 1998 der Sport stärker im Vordergrund. In Zweierteams müssen die Kandidaten verschiedene sportliche Prüfungen ablegen. Dabei kommen unter anderem Sportarten wie Kanufahren, Tauchen, Mountainbiken und Klettern zum Zug.
Die Schweiz hat ihr Auswahlverfahren in mehrere Etappen unterteit: Von 3000 Anmeldungen wurden 300 ausgewählt, die zur ersten Vorselektion nach Lausanne, Biel oder Luzern reisten. Dort fanden verschiedene sportliche Eignungstests statt, um die 75 Teilnehmer auszuwählen, die am 12. Februar im Alpamare in Pfäffikon SZ zu einer weiteren Vorselektion antreten durften. In Pfäffikon wurden neben dem Sport, auch die sprachlichen und psychischen Fähigkeiten der Kandidaten getestet. Schliesslich gelangten zwölf Teilnehmer in die engere Auswahl.
Diese zwölf Personen werden vom 28. März bis zum 4. April auf die Kapverdischen Inseln reisen, wo sie sich während einer Woche diversen Prüfungen unterziehen müssen. Drei davon dürfen dann zur Endausscheidung nach England reisen. Die beiden, die bei den dortigen Tests am besten abschneiden, bilden das Schweizer Team, das an die «Camel Trophy 2000» auf die Fidschi-Inseln fährt. Die ausgeschiedene Person reist als Ersatz mit. le