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Altersbzeichnig bim Rindfeh
[Altersbezeichnungen beim Rindvieh]
Altersbzeichnig bim Rindfeh
Bei der Nachwuchszunahme unter dem Rindvieh interessiert den Züchter immer zuerst, ob sein neuer Stallinsasse weiblichen oder männlichen Geschlechts sei. Ist es ein Kuhkalb, Chalb, Kuetsche' Chüetscha oder ein Stierkalb, Stier, dim.: Stieri, Stieggi, Stierli. Diese terminologische Unterscheidung gilt fast nur für diese Frage. Nachher wird das junge Tier einfach als Kalb , Chalp, bezeichnet.
Die Bezeichnung 'Fardel', Faardel für ein Kalb von sechs Monaten bis zu einem Jahr ist nur im Goms eigentümlich in den übrigen Orten wird es als Chalp oder Chüetschi, Chüetschilli bezeichnet. Etwa nach einem Jahr, wenn das Kalb geschlechtsreif geworden ist, nennt man es Rinderli. Eine zeitliche Untscheidung zwischen 1, 2 oder 3jährigen Rindern als Mensrind, Mänsrind oder Zeitrind, Ziitrind, macht man nur im Goms oder Lötschental.
An allen übrigen Orten werden die Alter der Rinder weniger scharf auseinandergehalten. Man spricht von einem letztjährigen, 'ferndrigen,' fäädrigu Kalb, welches im Alter ungefähr dem Fardel entspricht, und einem 'vorferndrigen' vorfäädrigu Kalb, das im zweiten Lebensjahr steht. Etwa im Alter von zwei Jahren, je nach Größe und Aussehen auch schon vorher, bezeichnet man das Kalb als kleines Rind Rinderlin oder Meisschilti, Meisschi. Im Moment, da das Tier zum Stier zugelassen und trächtig wird, ist es 'zum Rind gegangen' tsum rind gigangu, nun heisst das Rind, Rind
Der Übergang vom Kalb zum Rind kann aber auch vom Zahnwechsel abhängig gemacht werden. Das Kalb wird dann Rind genannt, wenn es die ersten zwei Zähne dar erst Wurf verloren hat. Der Verlust der Milchzähne, Chalberzänt hat für das Alter des Kalbes in doppelter Beziehung Bedeutung und wird deshalb zum namenscheidenden Faktor in der Entwicklung des Tieres. Einerseits betrifft es die Sömmerung. Ein Rind, welches schon Schaufelzähne, Schüüfle, Schüüfilzänt, benötigt ein ganzes Alprecht, Alprächt, wie eine Kuh, um gealpt zu werden, währenddem es, solange es die Milchzähne besitzt, als halbchüeligs Kalb (1/2 Kuhrecht), im ersten Sommer sogar als 'füßiges' fiessigs Kalb (1 Fuss ist das kleinste Alprecht, das vergeben wurde) gerechnet wird und nur ein halbes, beziehungsweise ein Viertelskuhrecht beansprucht. Anderseits spielt der Zahnwechsel in Bezug auf die Fleischqualität eine Rolle. Das Fleisch eines Tieres, welches die Milchzähne abgestoßen hat und dessen erste Ersatzzähne nachgewachsen sind, ist schmackhafter guschthafter, guschtiger, als Kalbfleisch, trocknet weniger ein und ist deshalb ergiebiger und auch besser aufzubewahren.
Die wichtigste Veränderung im Leben eines Rindes ist das erste Abkalben. Ein Tier mit dem ersten Kalb heißt 'Mense' Mäntscha, Erstmelke, Eerschtmälcha, Eerschterli. Beim zweiten Kalb wird es als Zweitmälcha und danach entgültig als Kuh, Chüe angesprochen.
Quelle:
- Hans Ulrich Rübel: Viehzucht im Oberwallis, Huber, Frauenfeld, 1950