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Am 10. Juli 1940 bat das Rektorat der ETH das Internationale Rote Kreuz in Genf um Hilfe bei der Lokalisation von vier holländischen Studenten. Nachdem die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 in die Niederlande einmarschiert war und diese besetzte, vermisste die ETH die Studierenden Cornelissen, Hengeveld, van Boetzelaer und Zonneveld. Um Informationen zum Aufenthaltsort dieser vier Studenten zu erhalten, wandte sich die ETH an das Rote Kreuz. Das ursprüngliche Schreiben der ETH ist in der Rektoratskorrespondenz leider nicht erhalten. Am 29. Juli verfasste das Rote Kreuz die folgende Antwort.
Brief des Comité International de la Croix Rouge an das ETH Rektorat, 29.07.1940
(ETH Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-5.5/031)
Die Dauer von 19 Tagen zwischen dem ursprünglichen Schreiben der ETH und der Beantwortung durch das Rote Kreuz zeugt von der überwältigenden Anzahl Schreiben, welche das Rote Kreuz in dieser Zeit zu bewältigen hatte. In der Zwischenzeit hatte die ETH von zwei der vier vermissten Studenten gehört. Bereits am 30 Juli antwortete das Rektorat der ETH auf das Schreiben des Roten Kreuz, um ihnen die neu gewonnenen Informationen mitzuteilen.
«Im Besitze Ihres Schreibens vom 29. Juli danken wir Ihnen herzlich für die Bemühungen, die Sie unseren vermissten holländischen Studierenden angedeihen lassen.
Inzwischen haben wir von den Herren Cornelissen und Zonneveld indirekt Nachricht erhalten. Herr Cornelissen sei wieder in Holland, wurde uns gestern erzählt. Für Herrn Zonneveld haben wir gestern eine Studienbestätigung ausgestellt, die er einem Gesuch um Wiedereinreise in die Schweiz beilegen will. Er befindet sich momentan in Lourdes.
Von den Herren Hengeveld und van Boetzelaer haben wir nichts mehr gehört.»
(ETH Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-5.5/031)
Wiederum 2 Tage später am 1. August 1940 richtete sich das Rektorat der ETH erneut an das Rote Kreuz.
«Als Ergänzung zu unserem Schreiben vom 30. Juli teilen wir Ihnen mit, dass gestern unser holländischer Studierender, Herr van Boetzelaer, sich persönlich auf unserer Kanzlei eingefunden hat. Er ist auf allerlei Um- und Fluchtwegen wohlbehalten wieder hierher zurückgekehrt.
Nun bleibt nur noch Herr Walter Hengeveld, von dem wir keine Nachricht haben.
Indem wir Ihnen nochmals für Ihre Mühewaltung herzlich danken, verbleiben wir mit vorzüglicher Hochachtung.»
(ETH Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-5.5/031)
An dieser Stelle bricht die Korrespondenz ab. Wir erfahren nicht, auf welchem Weg Walter Hengeveld an die ETH zurückgekehrt ist. Dass jedoch alle vier Studenten an die ETH zurückgekehrt sind, erfahren wir aus ihren Studentenmatrikeln. Walter Hengeveld erhielt sein Diplom als Maschineningenieur am 9. Januar 1942. Diederick van Boetzelaer schloss sein Studium ebenfalls 1942 als diplomierter Elektroingenieur ab. Im Dezember 1943 erlangten schliesslich auch Laurens Zonneveld und Jan Cornelissen ihr Diplome als Maschineningenieur bzw. Bauingenieur.
Auffallend ist jedoch, dass alle vier Studierenden im Sommersemester 1940, welches in jenem Jahr vom 8. April bis 20. Juli dauerte, beurlaubt waren. Dass die ETH am 10. Juli Alarm schlug, hing höchstwahrscheinlich damit zusammen, dass die Studierenden eine Frist verpassten, zu der sie sich hätten melden sollen. Zu den Gründen, weshalb sich das Rektorat genau zu diesem Zeitpunkt ans Rote Kreuz wandte, sind leider keine Quellen erhalten. Es handelt sich bei diesem Briefwechsel mit dem Roten Kreuz jedoch nicht um den einzigen Vermisstenfall, der sich in der Rektoratskorrespondenz während des Zweiten Weltkriegs finden lässt. In diesem Quellenbestand lassen sich zahlreiche ähnliche Briefwechsel finden. Besonders auch von aussenstehenden Personen, welche sich erhoffen, via Studierende an der ETH etwas über ihre Angehörige zu erfahren.