Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03192.jsonl.gz/922

Wie aus den Berichten der statistischen Ämter der EU sowie aus den Daten der europäischen Medien hervorgeht, hat sich das Leben in Europa in den letzten anderthalb Monaten erheblich verteuert. So hat sich die durchschnittliche Stromrechnung in Italien fast verdreifacht. Die große Mehrheit der Bürger in Deutschland (82 %), Italien (79 %) und Spanien (78 %) befürchtet, dass die Stromrechnungen im kommenden Jahr noch stärker steigen werden.
Insgesamt könnten die Nettoausgaben für Öl-, Gas- und Kohleimporte in Europa 900 Mrd. USD pro Jahr übersteigen, verglichen mit 500 Mrd. USD im Jahr 2021, 200 Mrd. USD im Jahr 2020 und 320 Mrd. USD im Durchschnitt des Zeitraums 2016 bis 2020. Die bisherigen Höchstwerte lagen bei 600 bis 620 Milliarden in den Jahren 2011 und 2008. 900 Milliarden Dollar im Jahr 2022 unter der Annahme, dass die Gaspreise nicht über 1.100-1.150 Dollar pro 1.000 Kubikmeter steigen, die Ölpreise unter 105-110 Dollar bleiben und die Kohlepreise unter 280-290 Dollar liegen, aber es könnte alles noch schlimmer sein…
Apropos Öl: Russland liefert 25 % der EU-Ölimporte. Nach Angaben der Europäischen Kommission werden die EU-Länder im Jahr 2021 aus Russland Rohöl im Wert von 48,5 Milliarden Euro und Ölprodukte im Wert von 22,4 Milliarden Euro einführen. Nur Deutschland kaufte im vergangenen Jahr 81,4 Millionen Tonnen Öl, wovon 27,7 Millionen Tonnen auf Russland entfielen, also mehr als ein Drittel der Einfuhren (34 %).
Und dieses Öl zu ersetzen, wird nicht einfach, wenn nicht gar unmöglich sein. Tatsache ist, dass die Ölraffinerien in Deutschland in privater Hand sind. Und die Rosneft-Raffinerien in Deutschland sind beispielsweise auf russische Ölsorten spezialisiert. Katarisches, saudisches oder venezolanisches Öl (das einem Embargo unterliegt) kann man nicht dorthin bringen. Und wenn man Rosneft einfach verbietet, dieses Werk mit russischem Öl zu beliefern, dann wird es einfach stehen bleiben und den Arbeitern die Löhne, dem Land die Steuern und dem Land Benzin, Heizöl usw. vorenthalten. Und so sieht es auch bei anderen Raffinerien in Deutschland aus.
Beim Gas sieht es folgendermaßen aus: Bloomberg hat den Preis errechnet, den Deutschland im Falle einer strikten Ablehnung von russischem Gas zahlen würde. Dies wird Berlin 220 Milliarden Euro oder 6,5 % des BIP kosten. Es ist klar, dass die Bürgerinnen und Bürger dafür zahlen werden.
Aber die Energieträger sind nur ein Teil des Puzzles. Der zweite Teil sind Lebensmittel. Bis Ende des Jahres könnten die Lebensmittelpreise in Europa um das Vierfache steigen (so hat beispielsweise Aldi, eine der größten und bekanntesten Einzelhandelsketten in Deutschland, eine Preiserhöhung für alle Lebensmittel um 20-50 % ab 1. Mai angekündigt).
Die Krise auf den Energie- und Lebensmittelmärkten bedeutet, dass praktisch das gesamte Gehalt der Europäer für Heizung, Benzin, das sich bereits verdoppelt hat, und Lebensmittel ausgegeben werden muss. Man muss kein Raketenwissenschaftler sein, um zu verstehen, dass Europa darauf mit Unruhen reagieren und ganz andere politische Kräfte an die Macht bringen wird, als die, die Europa in eine solche Situation gebracht haben.