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Sie brachten mehrere hundert Kilogramm Käse ins Tiroler Bergdorf Hopfgarten, und sie kehrten mit Edelmetall befrachtet zurück. Gewerbliche und bäuerliche Käsehersteller aus der Schweiz stellten mit 133 Käsesorten mehr als einen Drittel der aus sieben Ländern stammenden 357 Teilnehmer an der 4. Käsiade, die vom 12. bis 14. November durchgeführt wurde. Noch grösser aber war ihr Anteil am Medaillensegen: Fast die Hälfte aller verliehenen Auszeichnungen beanspruchten sie für sich, darunter sechs Gold-, 13 Silber- und neun Bronzemedaillen.
Vom Emmentaler bis zum Vacherin Mont d‘Or
Gross trumpften die Schweizer vor allem in den drei Kategorien "Hart- und Schnittkäse mit Propionsäuregärung" (u.a. Emmentaler), "Schnittkäse mit Rindenschmiere" (z.B. Tilsiter, Raclette) und "Weichkäse mit Schmiere" auf. So eroberte Hans Spirig aus Schänis SG mit seinem Emmentaler die einzige Goldmedaille in dieser Kategorie; darüber hinaus gingen aber auch drei der vier silbernen und vier der sechs bronzenen Auszeichnungen in die Schweiz. Noch überzeugender fiel die Bilanz in der Tilsiter/Raclette-Gruppe aus, wo Helvetiens Käser alle vier Gold-, vier von fünf Silber- und zwei von drei vergebenen Bronzemedaillen holten. Die vier Goldmedaillen entfielen dabei auf einen Mont Vully, einen Appenzeller Surchoix, einen Bernerkäse und einen Bettwieser Schlosskäse. In der Kategorie Weichkäse, in der nur je einmal Gold und Silber vergeben wurde, machten die Schweizer die Medaillenplätze vollständig unter sich aus: Die goldene Auszeichnung holte sich ein Vacherin Mont d’Or aus dem Vallée de Joux, die silberne ging an einen Babichon aus dem Kanton Genf. Etwas weniger dominierend waren die Schweizer in der Kategorie "Hartkäse ohne Propionsäuregärung", zu der unter anderem die Unionssorten Gruyère und Sbrinz gehören: Hier fielen die beiden Goldmedaillen an einen französischen Beaufort aus der Region Savoyen, der als Käse der Greyerzergattung gilt, sowie auf einen Tiroler Bergbauern-Bergkäse. Der Beaufort wurde am Schlusstag der Veranstaltung gar zum besten Käse der Käsiade ’98 überhaupt erkoren – "vollkommen zurecht", wie Ernst Hofer von der Schweizerischen Käseunion (SK) das Ergebnis kommentierte.
Österreichische Dominanz bei bäuerlichen Käse
In einer Sonderprämierung für bäuerlich hergestellten Käse dominierten die österreichischen Teilnehmer. Alle drei Goldmedaillen gingen an das Gastgeberland, wo die bäuerliche Eigenproduktion und Direktvermarktung auf eine längere Tradition zurückblicken kann als in der Schweiz. Immerhin waren die Schweizer aber die einzigen, welche die österreichische Phalanx zu durchbrechen vermochten: Die einzigen drei der insgesamt 16 Medaillen, die nicht im Gastgeberland blieben, nämlich zwei silberne und eine bronzene, gingen in die Schweiz. Silber holten sich je ein Alpkäse aus dem Berner Oberland und aus dem Toggenburg.
"Ein tolles Ergebnis," zeigte sich SK-Vertreter Ernst Hofer erfreut über das gute Abschneiden der Schweizer. Die in Liquidation befindliche SK hatte qualitätsbewusste und innovative Käsehersteller zur Teilnahme an der Käsiade ermuntert; die Organisation (von der Anmeldung über den Transport bis zu den Importformalitäten) erfolgte dann aber in vollständiger Selbstverantwortung der Teilnehmer. Den Stellenwert des Erfolgs stufte Hofer als "sehr hoch" ein. Die Käsiade gilt in Fachkreisen als einer der strengsten und korrektesten Käsewettbewerbe Europas. Wie streng die Jury urteilte, zeigt sich auch daran, dass nur in zwölf von 29 Gruppen überhaupt Goldmedaillen verliehen wurden. Auch Jury-Vorsitzender Wolfgang Ginzinger betonte: "Wer von der Käsiade Edelmetall nach Hause nimmt, weiss sicher, dass er einen hervorragenden Käse hergestellt hat."
Stetig wachsende Beteiligung
Die Käsiade wird alle zwei Jahre vom Verband der Käserei- und Molkereifachleute (einer Organisation von österreichischen und europäischen Experten) durchgeführt und gilt als fairer Wettbewerb zwischen Käserei- und Molkereispezialisten aus verschiedenen Ländern, vorwiegend aus dem Alpenraum. Erstmals wurde die Käsiade 1992 durchgeführt, damals mit 222 Teilnehmern, von denen nur wenige aus der Schweiz stammten. Seither stieg die Beteiligung stetig an, und mit jeder Durchführung war auch das Schweizer Käsereigewerbe zahlreicher vertreten.
Die Käse von Molkereien, Käsereien und bäuerlichen Herstellern werden jeweils durch eine internationale Jury beurteilt, wobei besonderer Wert auf Geschmack und Textur gelegt wird: Zehn von 20 vergebenen Punkten werden für Geschmack zugeteilt, sechs für Textur und nur je 2 Punkte für Äusseres und Inneres. Geprüft werden Käse in sieben verschiedenen Kategorien. Wo mehr als rund 15 Teilnehmer in einer Kategorie vertreten sind, werden mehrere Gruppen gebildet, sodass pro Kategorie mehrere Medaillensets vergeben werden können. Allerdings sind für eine Goldmedaille mindestens 18,5 Punkte erforderlich. Pro Gruppe wird eine dreiköpfige Jury gebildet, die sich jeweils aus einer österreichischen und einer ausländischen Milchwirtschafts-Fachperson sowie einem "Laien" aus Konsumentenkreisen (Gastronomie, Tourismusschulen, Handel oder Journalismus) zusammensetzt.
Die Schweizer Medaillengewinner
Gold:
Emmentaler: Hans Spirig, Käserei Schänis SG
Schnittkäse mit Rindenschmiere: Ewald Schafer, Cressier FR (Mont Vully); Josef Hardegger, Jonschwil SG (Appenzeller Surchoix); Karl Leuenberger, Heimenhausen BE (Bernerkäse); Käserei Horat, Bettwiesen TG (Bettwieser Schlosskäse).
Weichkäse mit Schmiere: Charles et Patrick Hauser SA, Le Lieu VD (Vacherin Mont d’Or).
Silber:
Emmentaler: Dorfkäserei Altnau TG; Käserei Ins BE; Käserei Peter Gisler, Cham ZG
Hartkäse ohne Propionsäuregärung: Fromagerie Villaraboud FR (Gruyère); Käserei Schülen, Cham ZG (Sbrinz); Sbrinz-Käserei Oberrüti AG (Sbrinz)
Schnittkäse mit Rindenschmiere: Baer AG, Küssnacht SZ (Küssnachter); Käserei Möriswang-Waldegg, Wängi TG (Tilsiter); Käserei Ried, Gibswil-Ried ZH (Tilsiter); Käserei Albert Koller, Muolen SG (Appenzeller Surchoix)
Weichkäse mit Schmiere: Nutrilait SA, Genf (Babichon)
Bäuerlich hergestellter Käse: Gumm Hinterläger, Gstaad BE (Gummer Hobelkäse 1996); Betriebsgemeinschaft Knaus, Unterwasser SG (Sennenkäse)
Bronze:
Emmentaler: Käserei Kleinroth, Biglen BE; Käserei Eichberg, Eich LU; Käserei Kaufmann, Mosnang SG; Käserei Wick, Kaltbrunn SG
Hartkäse ohne Propionsäuregärung: Käserei Holz, Doppleschwand LU (Sbrinz); Société de Laiterie Grancy VD (Gruyère)
Schnittkäse mit Rindenschmiere: Alfred Gerber, Thun (Winzerkäse); Käserei Ernst Näf – Schönbüel, St. Peterzell SG (Appenzeller Surchoix)
Bäuerlich hergestellter Käse: Fam. Hans Mock, Waldstad AR (Urnäscher Alpkäse)