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ein durch vier Beine gestützter Einzelsitz mit Rückenlehne oder auch mit Seitenlehnen, aus Holz,
[* 2] Rohr oder
Eisen
[* 3] gefertigt. Die alten Ägypter brauchten ihn als Sessel ohne Lehne und mit Lehne und gestalteten ihn in eigentümlicher
Weise, der Bequemlichkeit Rechnung tragend, indem sie nicht die Stützen selbst rückwärts bogen, sondern
eine zweite, schräg gestellte Lehne an die gerade anlegten. Die Männer zogen bei den Griechen und Römern das Liegen dem Sitzen
vor, sowohl bei der Arbeit wie bei dem Essen;
[* 4] der S. war einmal ein Ehrensitz oder ein obrigkeitlicher Sitz, so der Kurulische
Sessel bei den Römern, und dann hatte er seine Stelle in den Gemächern der Frauen.
Auch im Mittelalter galt der S. als Ehrensitz. Als solcher hatte er entweder die Form des Faltstuhls (s. d.)
oder eines hohen S. mit Seitenlehnen und Rücklehne. In der karoling. und roman. Epoche wurde
das Gestühl farbig bemalt; in der gotischen war er meist geschnitzt, dabei wurde die Rücklehne des
Ehrenstuhls hoch hinauf geführt und oben selbst mit einem Baldachin versehen. Der S. als Ehrensitz in der ritterlichen oder
fürstl. Halle
[* 5] pflegte seinen ständigen Platz am Ende in der Mitte
einer der Schmalseiten zu haben. Im Frauengemach hatte
der S. einen regelmäßigen Platz neben dem Kopfende des Bettes. Am Ausgange des Mittelalters gab es neben dem S. als Ehrensitz,
obwohl die Bank die bevorzugte Rolle im Wohn- und Speisegemach hatte, noch mannigfache S. von einfacher Bauart zu gewöhnlichem
Gebrauche; darunter findet sich der Sessel mit strohgeflochtenem Sitz und der heutige sog.
Bauernsessel mit und ohne Lehne, dessen reichere, künstlerische Gestaltung freilich erst dem 16. Jahrh. angehört.
Gegen Ende des 16. Jahrh. wurde der bisher nur mit einem losen Kissen belegte Sitz fest gepolstert. Diese Polsterung ging
auch auf die Rücklehne über, wo sie nicht etwa durch angebundenen Stoff ersetzt war. Auch Leder, geschnitten,
leicht mit Relief versehen und vergoldet, das aus Spanien
[* 6] kam, bildete am Ende des 16. und im Anfang des 17. Jahrh. einen
viel gebrauchten Ersatz der Kissen und der Polsterung. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. wuchs die Rückenlehne
hoch, oft bis über die Kopfhöhe empor, und zwischen den Beinen stellte sich zu ihrer Verbindung und Verstärkung
[* 7] (aus den Kreuzhölzern) ein reicher geschnitzter Zierat ein.
Die geschweifte Form des S. war eine Erfindung des 18. Jahrh.; sie war einerseits eine Folge
des alle Linien schweifenden Rokoko, andererseits sollte sie der Bequemlichkeit des Sitzenden dienen.
Die Empireepoche hat versucht, den S. der Griechen wieder einzuführen, romantische Liebhaberei hat mittelalterliche Formen
nachgeahmt, die moderne Reform des Geschmacks hat die Renaissance begünstigt und geradlehnige S., Bauernsessel, Lederstühle
mit ihrem Beschlag blanker Knöpfe wiedergebracht; sie alle aber haben den Rokokostuhl nicht wieder verdrängen können. (S.
Möbel
[* 8] sowie Möbelfabrikation.)