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Solothurn d. 31. Aug. 1854.
Mein lieber Freund!
Ein so eben gefaßter Beschluß des Bundesgerichtes nöthigt mich, Dich mit Gegenwärtigem zu belästigen, obwohl ich es wirklich mit einigem Zagen thue aus Furcht, bald unverschämt zu erscheinen.
Du erinnerst Dich vielleicht seiner Zeit in den Zeitungen gelesen zu haben, daß die Kantone Bern &. Freiburg hinsichtlich der Ausscheidung des großen Mooses ein Konkordat abgeschlossen haben, dessen wesentlicher Inhalt darin besteht, es sollen die vielfachen Rechtsansprüche der Kantone, Gemeinden &. Privaten durch eine eidg. Kommission untersucht &. auseinandergesetzt &. nachher sich etwa ergebende Streitigkeiten durch das Bundesgericht erledigt werden.
Diese Kommission muß ihre Funktionen an Ort &. Stelle besorgen &. sie wird präsidirt durch ein Mitglied des Bundesgerichts. Als solches hat mich nun Blumer vorgeschlagen &. nachdem alle andern tauglichen Mitglieder des Bundesgerichts erklärt hatten, daß es ihnen aus diesen &. | jenen Gründen unmöglich wäre, die Funktion zu übernehmen, wählte mich das Gericht. Ich gab hinsichtlich dieser Wahl nun noch keine definitive Erklärung ab, natürlich suchte ich anfänglich möglichst das Geschäft von mir abzuschieben. Ich wende mich nun an Dich, um Deinen Freundesrath darüber einzuholen, ob ich es wagen dürfe, nochmals mit einem Urlaubsbegehren einzukommen für weitere 14. Tage bis 4. Wochen.
Ich zweifle gar nicht daran, daß wenn ich es thue, Ihr mir den Urlaub gewähren werdet; allein ich wünsche zu wissen, ob das Begehren nicht von den andern Mitgliedern als allzustark erfunden werde resp. ob man mich nicht als einen Unverschämten betrachte? Natürlich möchte ich nicht, daß auch nur hinten herum räsonnirt würde, indem ich gerne anerkenne, daß meine Herrn Collegen schon bis anhin fast mehr als gütig gegen mich | gewesen sind. Ich bitte Dich nun um Deine eigne Ansicht &. die Meinung der Dir bekannten Freunde.
Es versteht sich übrigens von selbst, daß ich zur Berathung der Großrathstraktanden, zur Großrathssitzung &. sonstigen Hauptsachen in Zürich wäre; desgleichen wäre ich überhaupt nicht gerade lang andauernd &. nicht sofort an dieß Geschäft gebunden. Obschon es mühselig ist, hätte es für mich das Angenehme, daß ich mich den Herbst durch noch viel im Freien bewegen könnte &. daß überhaupt das Fortsein vom Hause &. der Reiz einer neuen Arbeit einigermaßen den Charakter einer Nachkur hätten. Dieß der einzige Grund, der mich selbst schwankend macht, da ich ohnehin den Sommer zur Wiedergewinnung meiner Gesundheit bestimmt hatte.
Wir befinden uns hier recht wohl; Hr. Generalanwalt Ehrhard &. Collega Herrmann, sowie Blumer lassen Dich bestens grüßen.
Empfange auch einen freundlichen Gruß
von Deinem
J. Dubs.