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Gründungsdatum: Juli 1961
Fläche: 49.300 Hektar
Ökosystem: Atlantischer Regenwald
Relief: Expressiv zerklüftet – mit Bergen, Canyons und tiefen Tälern.
Aktivitäten: Wanderungen, Durchquerungen, Klettertouren, Rappel, Cascading, Canyoning, fotografisches Trekking und Umwelterziehung.
Ort: Bundesstaat Santa Catarina – Munizipien von Urubici, Bom Jardim da Serra, Orleans und Grão-Pará.
Man kann wirklich sagen, dass Brasilien “ein von Gott gesegnetes Land“ ist, denn obwohl ein tropisches Land, kann man in ihm auch Schnee erleben, wie zum Beispiel im Nationalpark von São Joaquim.
Der Park wurde im Juli 1961 geschaffen, um die Araukarienwälder zu schützen – eine der meist bedrohten vegetativen Formationen des Landes. Die intensive Abholzung der Wälder hat die Araukarien reduziert, aber nicht die Schönheit der Landschaft. Der Schnee, welcher die Region während der Monate Juni/Juli/August einhüllt, ist eine der bedeutendsten Attraktionen dieses Parks, der sich im Komplex der Serra Geral befindet, im Bundesstaat Santa Catarina.
Die geologische Formation der Serra Geral: Ihre Felsen stammen aus den tektonischen Bewegungen vor 137 – 150 Millionen Jahren – man nennt sie Basalt und “Diabásicas“. Basalt ist ein magmatisches, extrusives Gestein, welches aus der Erhärtung flüssigen Magmas aus dem Erdinneren resultiert.
In jener Periode bestand unsere Erde nur aus einem einzigen Kontinent, und in der Region der gegenwärtigen Serra Geral befand sich eine grosse Wüste, welche einen Teil des sedimentären Beckens von Paraná bildete. Dann geschah, was man in der Geologie “Basalt-Erguss“ nennt: die Wüste klaffte auseinander und das Magma aus dem Erdkern stieg empor und überschwemmte eine weite Fläche. Solche Magma-Ergüsse stellen die grössten Beispiele vulkanischer Tätigkeit auf unserem Planeten dar – sie sind auch die Basis des “Planalto Meridional Brasileiro“ bzw. der Serra Geral. Nachdem sich die besagte Hochebene gebildet hatte – ungefähr vor 135 Millionen Jahren – begann der afrikanische Kontinent vom südamerikanischen abzudriften – dadurch bildeten sich jene Einrisse in der Landschaft, die wir heute Canyons nennen.
Im Lauf der Zeit bewirkte die von der Küste einströmende Feuchtigkeit die Entstehung der Vegetation, welche ihrerseits die Feuchtigkeit verringerte. Die Feuchtigkeit verdampfte und bewirkte Regenfälle – die Flüsse entstanden und hatten ihren Anteil an der Formation jener Canyons – ihre Entstehung verdanken sie allerdings jener Trennung der Kontinente.
Die Region von Uribici glänzt innerhalb der ökotouristischen Szene durch eine unendliche Zahl von Sehenswürdigkeiten der den kleinen Ort umgebenden Natur! Die Landschaft wird immer wieder mit Europa verglichen, und in diesem “kältesten Ort Brasiliens“ entdeckt der Besucher immer wieder neue Überraschungen, die ihm sonst wo noch nie begegnet sind. Allein die rund 80 verschiedenen Wasserfälle sind eine besondere Attraktion für sich. Unter ihnen sind der “Cachoeira do Avencal“ mit einem freien Fall aus 88m Höhe und der “Cascata Véu da Noiva“ die meist besuchten. Es gibt dort Canyons und tiefe Täler mit herrlich geformten Felsformationen, bedeckt von Wäldern, die man während leichter Wanderungen durch den Park erleben kann – ausserdem kann man viele Quellen von bekannten Flüssen unterwegs entdecken, wie zum Beispiel die vom Rio Pelotas, dem bedeutendsten Quellfluss des Rio Uruguai.
Zur Abrundung des Szenarios gibt es 3.000 Jahre alte Felszeichnungen, Höhlen und Grotten, Araukarien überall, Bauernhöfe, von Hütten umgebene Felder, rustikale Feldsteinmauern, Geschichten und Legenden – die Region beherbergt die typische Kultur von eingewanderten Italienern, Deutschen und Lettländern, und sie bewachen diesen nationalen Schatz!
Das Parkgebiet befindet sich unter der Vorherrschaft des Atlantischen Regenwaldes – mit Übergängen zu “Campos Gerais“ und Araukarien-Wäldern, welche sich ab 500 – 1.200 Metern Höhe entwickelt haben – ausserdem bedeckt der “Subtropische Regenwald“ den Boden der tiefsten Täler. Eine der häufigsten Baumarten ist der Pinheiro-do-Paraná (Araucaria angustifolia), welcher, obgleich häufigster Baum und Symbol des ombrophylen Waldes, sich mit vielen anderen Arten ein Ökosystem teilt, in dem zahlreiche Spezies vom Aussterben bedroht sind, wie zum Beispiel Canela-lajeana (Ocotea pulchella), Canela-preta (Ocotea catharinensis), Caraguatá (Bromelia balansae) und Imbuia (Ocotea porosa). An den Abhängen der Serra, oberhalb von 1.200m, bezeichnet man die Vegetation als “Nebelwald“, wegen ihrer frequenten Klimaeinbrüche – hier wachsen endemische Spezies, wie die Goiabinha-do-campo (Feijoa sellowiana) und São-joão-miúdo (Jacaranda puberula Cham.). Es gibt auch Galeriewälder, die sich entlang der Flussufer entwickelt haben, dort findet man Exemplare der Guamirim (Myrceugenia miersiana), Congonha (Citronella congonha), Branquilho (Sebastiania commersoniana) und Cambuí (Myrcia multiflora), Baumarten, die nicht besonders selten sind.
Die verschiedensten Umwelt-Probleme der Region, wie zum Beispiel Brandrodungen und die illegale Jagd, haben die Tierwelt des Parks stark auf wenige Exemplare und Arten reduziert. Die Suçuarana (Puma), schon sehr selten in diesem Gebiet, wird von den Bewohnern “Leão-baio“ genannt. Es gibt Caxinguelês (verschiedene Arten von Eichhörnchen), Cachorros-do-mato (Speothos venaticus), Catetos (Tayassu tajacu), Tamanduás-mirins (Tamandua tetradactyla) und Pacas, die unter den Baumkronen Pinienwälder Schutz suchen. Unter den Vögeln sind die häufigsten Vertreter Fasanen, Wachteln, Curicacas (Theristicus caudatus) und die Gralhas-azuis (Cyanocorax caeruleus), die sich von den Pinienfrüchten ernähren.
Der Nationalpark liegt in der kältesten Gegend Brasiliens. Das Klima wird direkt von der Küstenregion des Staates beeinflusst. Die sich über dem Atlantik bildenden feuchten Luftmassen ziehen landeinwärts und regnen sich an den aufsteigenden Hängen des Küstengebirges (Serra do Mar) ab, wo sie die Entwicklung des “Floresta Ombrófila Densa“ (des Atlantischen Regenwaldes) begünstigen. Das Klima ist ausgeglichen – ohne Trockenperiode – mit Schneefällen im Winter (Juni-August). Die mittleren Jahrestemperaturen liegen zwischen 12 und 14oC.
Viele der Sehenswürdigkeiten dieses Nationalparks sind einfach atemberaubend! Ideal ist es, eine Woche dafür zu reservieren, einen guten Teil dieser Naturschönheiten kennenzulernen!
Morro da Igreja
Mit 1.822m der höchste Berg des Staates Santa Catarina. Er befindet sich im Mittelpunkt des Parks und wird von Klettertouristen häufig besucht. An klaren Tagen wird er zum bevorzugten Aussichtspunkt über die Felsen der Serra Geral bis hinunter an die Küste in mehr als 60km Entfernung. An dieser Stelle hat man die bis heute tiefste Temperatur Brasiliens gemessen: -17,8ºC.
Pedra Furada
Eine Felsformation, welche ein Portal in Form eines Fensters von zirka 30m Umfang enthält, geformt von den Kräften der Natur inmitten des Atlantischen Regenwaldes. Vom Morro da Igreja aus kann man es sehen.
Nascentes do Rio Pelotas
Diese Quellen befinden sich in einem Gebiet von überschwemmten Campos – hier gibt es einen der interessantesten Wege des Parks, von dem aus man die gesamte Form des Morro da Igreja sehen kann. Der Rio Pelotas durchquert das Schutzgebiet des Parks, und an der Stelle seiner Vereinigung mit dem Rio Canoas bilden beide zusammen den Rio Uruguai.
Cascata Véu da Noiva
Eiskaltes Wasser stürzt in einem freien Fall von 45m herab. Der Wasserfall befindet sich an der Parkgrenze, etwa 500m bevor man den Morro da Igreja erreicht.
Cachoeira do Avencal
Einer der allerschönsten Fälle der Region, mit 88m Höhe. Er befindet sich ausserhalb der Parkgrenzen und kann auf asphaltierter Strasse angefahren werden – in Richtung des Ortes São Joaquim – dann noch etwa 800m auf einem Pfad durch viel Grün.
Serra do Corvo Branco
Einer der meist besuchten Orte der Gegend, man erreicht ihn auf einer Strasse, welche Uribici mit Grão-Pará verbindet – ihr höchster Punkt liegt bei 1.470m. Von oben hat man einen schönen Blick auf die catarinensische Hochebene, verschiedene Canyons und tiefe Täler.
Trilha do Campinho
Dieser Weg ist wenig bekannt und beginnt auf dem Gipfel der Serra do Corvo Branco. Er präsentiert wunderbare Ausblicke, und nach einer Wanderung von einer Stunde erreicht man den Anfang des Espraiado-Canyons, mit vertikalen Felswänden von 700m Höhe!
Canyon Espraiado
Ein erst wenig bekanntes Szenario der catarinensischen Serra. Es befindet sich innerhalb der immensen Fläche des “Campo dos Padres“. An diesem Ort gibt es Wege, die in einer Höhe zwischen 1.150 und 1.600m liegen, auf denen es im Winter schneit und zu starken Frosteinbrüchen kommt.
Inscrições Rupestres
Felsmalereien und Inschriften findet man am “Morro do Avencal“ – sie sind älter als 3.000 Jahre und entzücken durch die Harmonie und Schönheit ihrer Grafiken. Man kann deutlich vier verschiedene Zeichnungs-Stile unterscheiden, was auf vier unterschiedliche Zeiträume ihrer Darstellung hindeutet. Ihre besonderen Charakteristika der Darstellung in Tief- und Hochrelief sind, nach Meinung der Forscher, einzigartig auf der Welt!
Cânion das Laranjeiras
Einzigartig schöner Ort, an dem der Rio Laranjeiras fliesst. Von “Bom Jardim da Serra“ aus erreicht man ihn auf einer Erdstrasse nach 25km Fahrt. Trotz der etwas prekären Anfahrt lohnt sich der Besuch!
Serra do Rio Rastro
Hier verläuft die kurvenreichste Strasse Brasiliens (die SC-438), in Richtung auf den Ort “Lauro Müller“. Ihre Kurven begrenzen einen Canyon von 1.450m Tiefe – unterwegs gibt es verschiedene Aussichtsplattformen, um die Landschaft zu erleben.
Morro do Campestre
Auch unter dem Namen “Morro da Cruz“ bekannt. Dieser Berg besitzt eine Aussichtsplattform mit einer Teilsicht auf das Tal des Rio Canoas. Sie befindet sich 8km vom Zentrum Urubici – am besten kurz vor dem Sonnenuntergang hinfahren!
- Das beste Transportmittel für dieses Gebiet ist ein Auto mit Vierradantrieb, denn es gibt dort viele Erdstrassen.
- Nehmen Sie sich einen lokalen Guide, der sich gut auskennt, damit Sie sich nicht verirren – und bringen Sie genug Abenteuergeist mit!
- Wenn Sie eine Wanderung unternehmen, achten Sie auf plötzliche Abgründe und auf den Campos der Hochebenen weichen sie den mit Wasser vollgesogenen Torflöchern aus!
- Wenn Sie eine Felszeichnung entdecken, dann vermeiden Sie das Berühren derselben mit der Hand oder irgendwelchen Objekten, um eine Beschädigung zu vermeiden!
- In jedem Winter gibt es Frosteinbrüche in diesem Gebiet, deshalb kommen Sie entsprechend vorbereitet – und viel Vergnügen im Schnee!
- Es lohnt sich, in Urubici ein Zimmer zu nehmen und sich ein bisschen mit der lokalen Kultur zu befassen. Dieses Munizip ist der zweitgrösste Produzent von Feldfrüchten des Bundesstaates – es überrascht den Gast mit vielen traditionellen Eigenheiten und die Menschen sind ausgesprochen gastfreundlich!
- Und denken Sie daran: Der Park steht in seiner Gesamtheit unter Naturschutz, deshalb ist es unumgänglich, dass Sie Ihren gesamten Müll wieder mit zurück bringen!