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«Ich weiss, dass dies mir zum Heil ausschlagen wird durch euer Gebet und durch Darreichung des Geistes Jesu Christi, nach meiner sehnlichen Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts werde zuschanden werden» (Phil 1,19.20).
Diese Verse lassen an eine Balkenwaage denken, deren Zeiger nach links oder rechts ausschlägt, je nachdem welche der beiden Waagschalen mehr belastet wird. Am linken Ende der Zeigerskala steht: «zuschanden werden», am rechten Ende dagegen: «errettet werden». Satan möchte, dass der Zeiger nach links ausschlägt und legt Gewichte auf die entsprechende Waagschale.
Bei Paulus benutzte der Feind als Gewichtssteine unter anderem die schwierigen Umstände der Gefangenschaft, die scheinbare Behinderung des Evangeliums durch seine Unfreiheit und das Auftreten von Evangelisten mit niedrigen Beweggründen. Diese Umstände waren wohl dazu angetan, den Mut sinken zu lassen, aufzugeben, das heisst, zuschanden zu werden. Doch, Gott sei Dank, lag auch etwas auf der anderen Waagschale: das Gebet der Philipper und das, was der Geist Jesu Christi ihm darreichte. Dieses Gegengewicht war grösser und liess den Zeiger nach rechts ausschlagen.
Wie bewertete Paulus seine Gefangenschaft? Er hatte gelernt, worin er war, sich zu begnügen (Phil 4,11). Zudem hatten seine Umstände zur Förderung des Evangeliums beigetragen, denn erstens hatten das ganze Prätorium und alle anderen erfahren, dass er nicht als Verbrecher, sondern für Christus gefangen war. So war die gute Botschaft fruchtbringend bis ins Haus des Kaisers gedrungen (Phil 4,22). Zweitens hatten die meisten Brüder Mut gefasst, das Evangelium zu predigen, um die Lücke, die scheinbar durch die Gefangenschaft von Paulus entstanden war, auszufüllen. Und wenn unter ihnen solche waren, die es aus falschen Motiven taten, freute er sich darüber, dass das Evangelium verkündigt wurde. Welch ein Überwinderglaube kennzeichnete den Apostel!
Man nimmt an, dass Paulus nach jener Zeit im Gefängnis noch einmal für einige Jahre die Freiheit geschenkt wurde. Doch am Ende seines Lebens finden wir ihn wieder im Gefängnis in Rom. Von dort schrieb er seinen letzten Brief an Timotheus.
Wie viele niederdrückende Gewichte konnte Satan da auf seine Waagschale legen: Alle in Asien hatten sich von Paulus abgewandt, er litt wie ein Übeltäter, Irrlehrer wie Hymenäus und Philetus trieben ihr Unwesen, die schweren Zeiten, die eintreten sollten, der bevorstehende Märtyrertod, Demas hatte die Welt lieb gewonnen, Alexander, der Schmied, hatte ihm viel Böses erwiesen, und bei seiner ersten Verantwortung war ihm niemand beigestanden (2. Tim 1,15; 2,9.17.18; 3,1 ff.; 4,<ip-pii>).
Wie gering nahm sich dem gegenüber das Gewicht auf der anderen Seite aus: die Erinnerung an das Elternhaus von Timotheus, an seine Mutter und Grossmutter, die Erquickung durch Onesiphorus, die Anwesenheit von Lukas, dem geliebten Arzt (2. Tim 1,5.16; 4,11).
Würde der Zeiger diesmal auf die falsche Seite ausschlagen? Es schien so, denn der Kopf des Apostels steckte gewissermassen schon im Rachen des Feindes. Doch dann kam als letztes Gewicht der Beistand des Herrn auf die andere Seite. Das war genug. Er war gerettet worden und würde weiterhin gerettet werden (2. Tim 4,17.18).
In welcher Waagschale der Waage unserer Mitgeschwister liegen unsere Gesinnung, unsere Worte und unsere Taten? Auf der falschen, wie die von Hymenäus, Philetus, Alexander und Demas, oder auf der richtigen wie die von Timotheus, Onesiphorus und Lukas?
Ist unser Blick in schwierigen Tagen nur auf die negative Schale unserer Waage gerichtet oder haben wir wie Paulus auch einen Blick für die positive? Kennen wir wie er das «Aber» des Glaubens? «In allem bedrängt, aber nicht eingeengt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg; verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht umkommend» (2. Kor 4,8.9).