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Neue Bibelübersetzungen für 10 % der Weltbevölkerung
Gemäss dem Weltbund der Bibelgesellschaften (UBS) gibt es anfangs 2022 die Vollbibel in 719 Sprachen, die von 5,8 Mia. Menschen gesprochen werden. Trotz Schwierigkeiten und Störungen durch die Covid-Pandemie konnten die Bibelgesellschaften in der ganzen Welt im Jahr 2021 Bibelübersetzungen in 90 Sprachen für 794 Mio. Menschen fertigstellen, womit sie rund 10% der Weltbevölkerung erreichen.
Zu erwähnen sind vor allem die Erstübersetzungen in 48 Sprachen. Somit haben 11 Mio. Menschen zum 1. Mal Zugang zu biblischen Texten in ihrer Sprache. Weiter gibt es neue Vollbibeln auf Khasi, die Sprache von 7000 Einwohnern von Myanmar, auf Asturisch, das 110‘000 Personen in der spanischen Provinz Asturien und in Portugal sprechen. Die Bibel in Asturisch wurde aus den Grundtexten neu übersetzt und wurde ausgezeichnet für ihre Verdienste an der asturischen Kultur und Sprache. Die Erstübersetzung in Santali, eine asiatische Sprache, wird von 225‘000 Personen im entlegenen Nordwesten Bangladeschs gesprochen. Die Mehrheit dieser Menschen sind Christen, obwohl 89 % der Bevölkerung muslimisch sind. 8 ethnische Gruppen haben erstmals das ganze Neue Testament: 5 in Afrika und 3 in Asien, und ebenfalls die Walak-Sprechenden in der indonesischen Provinz von Papuasien.
UBS
Erstübersetzungen von Büchern oder neue Teile der Bibel wurden in 37 weiteren Sprachen veröffentlicht, darunter 5 in Mexiko und 4 in Guatemala. In diesem Land Zentralamerikas ist die Übersetzung des Alten Testaments in West-Kaqchikel in Arbeit, und das Übersetzungsteam hat schon die Bücher Richter und Esther veröffentlicht. Die Leiterin des Teams, Dora Marina Cuc Bocel hat in ihrer Familie die Texte ihrer Mutter und Grossmutter vorgelesen, die selber nicht lesen können. Sie waren ganz aufgeregt, die Texte zu verstehen „wie wenn Gott zu unseren Herzen spricht“.
Neue Übersetzungen und Revisionen konnten in 43 Sprachen realisiert werden. Damit haben 780 Mio. Menschen einen neuen Zugang zur Bibel, welche zuvor nur veraltete Übersetzungen zur Verfügung hatten. Ausserdem wurden Vollbibeln in mehreren Hauptsprachen fertiggestellt, die jeweils von mehr als 10 Mio. Personen gesprochen werden. Dies sind insbesondere Deutsch (BasisBibel), Amharisch (Äthiopien), Niederländisch, Hausa ajamin (Nigeria), Taiwanisch, Ungarisch, Serbisch sowie Xichangana und Emakhura (Mozambique), die von 10,6 Mio. Menschen gesprochen werden. Ein Neues Testament mit Psalmen, speziell ausgerichtet auf die junge Generation in Südkorea, wurde veröffentlicht; es betrifft 81 Mio. Menschen, wovon 50 Mio. in Südkorea leben. Nach Jae Min Ho, Generalsekretär der Koreanischen Bibelgesellschaft, „sind die Lesegewohnheiten und die Sprache der hiesigen Jungen in einem raschen und starken Wandel, vor allem unter dem digitalen Einfluss.“ Das Ziel der Arbeit war es, „sich an junge Personen zu richten, die es nicht gewohnt sind, traditionellen Bibelübersetzungen lesen“.
1593 weitere Sprachen verfügen jetzt über das Neue Testament und 1212 einzelne Bücher. Insgesamt haben so 7,1 Mia. Menschen wenigstens teilweise Zugang zum Bibeltext in ihrer Muttersprache. Aber in mehr als der Hälfte der Sprachen auf der Welt, für 219 Mio. Menschen, gibt es immer noch keinen Bibeltext und 1,5 Mio. Menschen haben keine Vollbibel. Der UBS und alle anderen Organisationen, die Bibelübersetzungen machen, führen deshalb ihre Arbeit fort, um das gesteckte Ziel zu erreichen: Die Bibel soll in allen Sprachen verfügbar sein.
Neben den Übersetzungen tragen Studienausgaben zum tieferen Verständnis der Bibel bei. 2021 konnten Studienbibeln in 8 Sprachen, für 331 Mio. Menschen in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten, publiziert werden. Studienbibeln erläutern Begriffe und Hintergründe, die dem Leser in seinem kulturellen Umfeld weniger vertraut sind und geben Informationen zum Kontext, in dem die Texte entstanden sind.
„Jede einzelne dieser Übersetzungen wird das Leben von Menschen, Familien und Gemeinden berühren und verändern“, sagt UBS-Generaldirektor Michael Perreau. „Die Übersetzer und die Spender ermöglichen es, dass alle Zugang zu Hoffnung und Trost finden, die das Wort Gottes gibt.“
UBS
Die Bibel in verschiedensten Ausgaben
Weltweit gibt es 400 Zeichensprachen, aber bloss in einer gibt es die Vollbibel; in 60 gibt es Teile der biblischen Schriften. 2021 haben Bibelgesellschaften insgesamt 10 Textteile in Zeichensprache übersetzt. Insbesondere hat die Bibelgesellschaft Sri-Lanka 10 Gleichnisse aus dem Lukas-Evangelium in Zeichensprache aufgenommen. Die Videos sind auf YouTube gestellt, und DVDs wurden in alle Schulen mit hörbehinderten Kindern gesandt.
Unter den 719 Sprachen, in welchen es Vollbibeln gibt, haben weniger als 10% die ganze Bibel in Braille-Schrift. Im Jahr 2021 haben Bibelgesellschaften Braille-Vollbibeln in 2 Sprachen hergestellt, Ausschnitte davon in 2 weiteren Sprachen. Die ganze Bibel in Swahili ist die erste Braille-Produktion der tansanischen Bibelgesellschaft; Acholi ist die 3. Sprache in Uganda und hat jetzt auch eine Braille-Bibel. Der Zugang zur Bibel in Braille stärkt das Selbstwertgefühl bei sehbehinderten Menschen. Sie werden in den Kirchen miteinbezogen und können gemeinsam mit den anderen, Gott loben. Obwohl es viele Hörbibeln in unzähligen Sprachen gibt, bevorzugen die Sehbehinderten eine Braille-Bibel, für einen unabhängigen und tieferen Zugang zu den Texten. Ingrid Felber-Bischof, Verantwortliche für die Braille-Mission des UBS in der ganzen Welt, meint dazu: „Die Tatsache, dass wir Sehbehinderte einbeziehen, ihre Bedürfnisse anhören und ihnen eine Bibel in der Form bieten, die sie vorziehen, gibt ihnen einen Platz in ihrer Gesellschaft, bringt Gerechtigkeit und Unabhängigkeit.“
Die Digitale Bibel Bibliothek (DBl®) hütet sicher die biblischen Texte in allen Sprachen und Formen und teilt sie mit Benutzern. Anfang 2022 befanden sich darin 2935 Texte in 1833 Sprachen, die von 6,1 Mia. Personen gesprochen werden, d.h. mehr als drei Vierteln der Menschheit. Die DBL enthält ebenfalls rund 1500 Audio-Aufnahmen von Bibeltexten in den Sprachen von 5,8 Mia. Menschen sowie 19 Übersetzungen in Zeichensprache für ein mögliches Publikum von 2 Mio. Personen. Die Braille-Dokumente in 43 Sprachen erleichtern die Arbeit der Bibelgesellschaften, die ein Braille-Produkt realisieren wollen. Dank der DBL haben Hunderte von Mio. Menschen aus der ganzen Welt Zugang zur Bibel in ihrer Sprache und Form über Internetseiten und Applikationen wie “YouVersion” oder “global bible”.
Eine anspruchsvolle Vision: 1200 Übersetzungen bis 2038
Der UBS konzentriert seine Bemühungen seit 2018 auf die Verwirklichung eines ambitiösen Ziels: 1200 Bibelübersetzungen bis ins Jahr 2038 zu realisieren. Es handelt sich dabei um 880 Erstübersetzungen und 320 Neuübersetzungen und Revisionen. Bis heute konnten 103 Übersetzungen fertiggestellt werden und 312 sind in Arbeit.
Gemäss Alexander M. Schweitzer, Direktor der Bibelübersetzungen beim UBS, „sprechen die Schriften in der Muttersprache zum Herzen der Menschen und verändern ihr Leben. Die Leiden und die Angst durch Covid-19 haben die Dringlichkeit dieser Aufgabe der Bibelübersetzung noch verstärkt. Es ist kein leichtes Unterfangen. Es braucht unter anderem viele Gelder, ungefähr 30 Mio. USD pro Jahr sowie Ausbildungs- und Unterstützungsmassnahmen, damit die Übersetzer gute und qualitativ hochwertige Übersetzungen hervorbringen können.
Quelle: UBS
Die Schweizerische Bibelgesellschaft ist Mitglied des Weltbundes der Bibelgesellschaften, der grössten Übersetzungsagentur der Welt. Der Weltbund zählt 150 Bibelgesellschaften und ist in mehr als 240 Ländern und Territorien aktiv. Aufgaben sind die Übersetzung, Herstellung und Verbreitung der Heiligen Schrift: Der Weltbund hat drei Viertel der weltweit vollständig übersetzten Bibeln (Altes und Neues Testament) herausgebracht. Dabei gelten folgende Regeln: Es wird immer aus dem Urtext übersetzt. Ausgebildete Muttersprachler sorgen für die bestmögliche Übersetzung. Und es wird immer nur auf Wunsch und Initiative der Empfänger übersetzt. Um ein Buch der Bibel zu übersetzen, braucht es ein paar Monate; für die ganze Bibel braucht eine Übersetzergruppe rund zwölf Jahre.
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