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Schärfe und Unschärfe als Bildgestaltung
Sie möchten eine Schärfeebene setzen. In der Regel achten Sie darauf, dass Ihr ausgewähltes Motiv zumindest teilweise in der Schärfeebene liegt. Mit bewusster Schärfe und Unschärfe können Sie den Blick des Betrachters lenken. Ist das ganze Bild scharf, erzeugen Sie eine sachliche Wirkung. Oft macht es Sinn, nur einen Teil des ganzen Bildausschnittes scharf abzubilden und damit den Blick auf das Wesentliche zu lenken.
Prinzip der Schärfentiefe
Als Schärfentiefe wird der Teil im Bild bezeichnet, auf dem noch alles akzeptabel scharf abgebildet ist. Wenn Sie mit einer kurzen Brennweite fotografieren, erreichen Sie eine sehr grosse Schärfentiefe, verwenden Sie eine sehr lange Brennweite von zum Beispiel 200mm, sinkt der Bereich der Schärfentiefe stark. Noch extremer ist es, wenn Sie mit einem Makro-Objektiv im Nahbereich arbeiten: Die Schärfentiefe kann auf weniger als einen Millimeter sinken.
Je näher Sie bei einem Objekt stehen und auf dieses fokussieren, desto geringer wird die Ausdehnung der Schärfe.
Mit der Grösse der Blendenöffnung können Sie die Schärfentiefe ebenfalls stark beeinflussen: Grosse Blendenöffnung (kleine Blendenwerte wie f/1.8) lassen die Schärfentiefe schrumpfen, kleine Blendenöffnungen (grosse Blendenwerte wie f/16) dehnen diese aus.
Dann hat auch die Grösse des Sensors eine Auswirkung auf die Ausdehnung der Schärfentiefe: Je grösser der Sensor, desto kleiner die Schärfentiefe. Je kleiner der Bildsensor, desto grösser die Schärfentiefe. Sie haben sicher auch schon die Beobachtung gemacht, dass Aufnahmen mit dem Smartphone oft durchgängig scharf sind. Das kann zu einem Problem werden, wenn Sie den Vorder- oder Hintergrund unscharf haben wollen, damit er nicht vom Hauptmotiv ablenkt.
Sie haben nun vier Parameter kennengelernt, welche die Schärfentiefe beeinflussen können.
Mit Schärfe und Unschärfe gestalten
Mit diesem Wissen können Sie nun die Bildwirkung durch Auswahl der Kamera, der Brennweiten, der Blende und des Abstandes zum Hauptmotiv aktiv in die Hand nehmen.
- Mit Schärfe und Unschärfe können Sie Tiefe im Bild unterstreichen
- Sie können das Motiv vor einem unscharfen Hintergrund isolieren
- Sie können im Bild mit Schärfe Akzente setzen
- Mit dem Bokeh-Effekt gestalten
- Mit totaler Unschärfe gestalten
- Durch Bewegung Unschärfe erzeugen (Verwischeffekt, Lichtspuren, Zoom-Effekt, Mitziehen….)
Mit selektiver Schärfe Tiefe erzeugen
Sie möchten nur einen Teil des Motivs scharf haben. Gehen Sie nun möglichst nahe an das Motiv heran und öffnen Sie die Blende (kleinerer Blendenwert wählen). Dadurch wird der Schärfentiefenbereich kleiner. Achten Sie darauf, dass der wichtige Teil des Motivs noch scharf abgebildet ist. Wenn nicht, schliessen Sie die Blende um einen oder zwei Werte (Beispiel von f/2 auf f/2.8 und f/4). Dadurch wird auch der Hintergrund weniger unscharf, weil sich die Schärfentiefe jetzt mehr ausdehnt.
Mit einer längeren Brennweite (und dadurch auch grösseren Distanz zum Motiv) können Sie diesen Effekt ebenfalls erreichen. Mit kleinen Sensoren von Bridge- oder Kompaktkameras wird es schon schwieriger.
Durch die unterschiedliche Distanz Motiv-Nebenmotive-Kamera werden Teile des Bildes unscharf abgebildet und unterstützen die Tiefenwirkung. Der unscharfe Vorder- oder Hintergrund führt den Blick, ohne aber abzulenken. Je nachdem wie wichtig Vorder- oder Hintergrund sind, lassen Sie diese gerade so unscharf, dass man Konturen noch erkennen kann, die zum Motiv passen, oder Sie lassen sie total in Unschärfe verschwinden.
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Motiv vor unruhigen Hintergrund isolieren
Wenn Sie ein Herbstblatt im Gegenlicht aufnehmen wollen, kann der Hintergrund so stark ablenken, dass der Blick weg vom Hauptmotiv streicht und beim unwichtigen Hintergrund kleben bleibt. Der Hintergrund kann gerade noch so viel zeigen, dass Sie erahnen können, was es ist. Dann entsteht ein Bezug zum schärfen Motiv im Vordergrund. Durch die Wahl einer längeren Brennweite in Kombination mit einer grossen Blendenöffnung lässt sich der Hintergrund zu einer fast homogenen, attraktiven Farbfläche verschmelzen. Im Gegenzug müssen Sie aber die Schärfeebene sehr exakt legen. Nur schon die kleinste Kamerabewegung kann dazu führen, dass Ihr Motiv aus der Schärfeebene rutsch. Ideal ist in so einem Fall das Arbeiten mit einem Stativ und die Kontrolle über die Live-View-Lupe.
Alternative, wenn Sie kein Stativ dabei haben: Serienbildmodus einschalten und nach dem Fokussieren eine Bildserie aufnehmen. Im Anschluss das schärfste Bild aussuchen und die anderen löschen. Braucht beim Sortieren viel Zeit. Da ist das Stativ die professioneller Lösung…
Totale Unschärfe als Gestaltungsmittel
Eine weitere Möglichkeit, die Schärfe und Unschärfe bewusst einzusetzen, ist, das Motiv gänzlich unscharf aufzunehmen. Dazu eignen sich Aufnahmen im Gegenlicht besonders gut, weil die Spitzlichter in der Unschärfe durch den Bokeh-Effekte (Unschärfekreise) sehr schön zur Geltung kommen. Experimentieren Sie mit der Unschärfe, indem Sie den Schärfepunkt ganz nah stellen und die Blende ganz öffnen (Offenblende, kleinster Blendenwert wie zum Beispiel f/1.8) oder stufenweise schliessen. Die Effekte werden sehr unterschiedlich ausfallen.
Seitencode: DT306