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53. Thomas II. Bossart von Altishofen
Thomas II. Bossart von Altishofen (1905 bis 1923). Als Abt Columban an die Regierung kam, hatte er gleich am 9. Dezember 1895 zu seinem Nachfolger im Dekanat P. Thomas Bossart ernannt. Des Sterbenden Wunsch war es, dass ihm sein treuer Dekan nachfolgen möchte, und wirklich wählte das am 30. Mai 1905 versammelte Kapitel P. Thomas zum Abte.
Abt Thomas war den 16. September 1858 im luzernischen Altishofen als Sohn des Gerichtsschreibers Kaspar Bossart und der Verena Schiffmann geboren. In der Taufe erhielt er den Namen Kaspar. Eine sorgenlose, ungetrübte Jugend war ihm in der Obhut eines treubesorgten, geistig hochstehenden Vaters und einer frommen, mildtätigen Mutter beschieden. Im Herbste 1872 kam er an die Stiftsschule Einsiedeln, wo er, dank seiner vorzüglichen Geistesgaben, nicht nur einer der gewecktesten und besten, sondern auch der heitersten und fröhlichsten Schüler war. Dass er bei all dem von tiefem Lebensernst durchdrungen war, dafür zeugte, dass er trotz grosser Verlockungen sich im Herbst 1878 ins Kloster anmeldete. Mit noch fünf Gefährten empfing er am 8. September 1878 das Ordenskleid und legte am gleichen Tage des folgenden Jahres die hl. Profess ab. Mit grossem Eifer warf er sich sodann auf das Studium der Theologie, besonders wurde die Summa des hl. Thomas von Aquin seine Lieblingslektüre. Den 4. April 1880 wurde er Subdiakon, den 23. April 1882 Diakon und am 20. April 1884 Priester. An seiner Primiz, den 25. Mai, konnte freilich sein Vater nicht mehr teilnehmen; er war während des Noviziatsjahres gestorben.
Da der junge Pater ganz besondere Eignung für das Theologiestudium gezeigt, so entschloÃ%u0178 sich Abt Basilius, ihn zur weitern Ausbildung nach Rom zu senden. Im Herbst kam er daher dorthin an die von den Jesuiten geleitete Gregorianische Universität. Am 26. Mai 1886 erlangte er den theologischen Doktorgrad und kehrte dann in die Heimat zurück, um hier als Theologieprofessor an der Hauslehranstalt des Klosters zu wirken. ëWer das Glück hatte, Dr. P. Thomas als Lehrer zu habenû, so schrieb später einer seiner Schüler, ëder hatte Gelegenheit, sein reiches Wissen und seine noch reichere Seele dabei zu bewundern. Er war zu sehr Mann von praktischem Sinn, als daÃ%u0178 er nur Theoretiker auf dem Katheder gewesen wäre. Alle Theorie muÃ%u0178te ins Leben, in die Praxis umgesetzt werden. Sein Vortrag war Leben, war praktisches Leben, dabei aber freilich durchweht vom Zuge edler, hinreiÃ%u0178ender Begeisterung und Liebe zu den hohen Gegenständen, über die er zu lehren hatte. Ja, zu begeistern, die jungen Herzen mit Liebe zu Gott, in dessen unendliche Schönheiten er sie spekulativ hineinschauen lieÃ%u0178, zu entflammen, Seeleneifer für das Heil der unsterblichen Seelen zu wekken und seine Schüler mit Liebe zur Kirche zu erfüllen, über deren göttlichen Ursprung er so überzeugend fest und klar die Beweise erbrachte, das verstand keiner so wie P. Thomas. Darum sind die Jahre dieses Wirkens gewiÃ%u0178 auch für das Kloster Jahre des Segens gewesen.û Aber nicht nur in der Schule verband er so aufs schönste Theorie und Praxis, er verstand es auch durch sein Wirken im Beichtstuhl und auf der Kanzel, das was er lehrte, in die Wirklichkeit umzusetzen.
So gut man auch die Tätigkeit des Theologieprofessors zu schätzen wuÃ%u0178te, so glaubte doch Abt Basilius im Interesse des Ordens, einer an ihn ergangenen Bitte entsprechen zu sollen und P. Thomas als Theologieprofessor an das neuauflebende Ordenskollegium in Rom senden zu sollen. So muÃ%u0178te P. Thomas im Herbst 1894 nach Rom gehen; er ahnte nicht, daÃ%u0178 sein Aufenthalt daselbst nur kurz sein sollte. Die Kunde vom Tode des Abtes Basilius rief ihn Ende November 1895 nach Hause, um an der Wahl des Nachfolgers teilzunehmen. Schon damals kam er als Abt neben P. Columban in Frage. Kein Wunder, daÃ%u0178 dieser ihn darum alsbald zum Dekan ernannte. Seine groÃ%u0178e Menschenkenntnis, seine Leidenschaftslosigkeit wie seine Güte und sein wohlwollendes Verständnis rechtfertigten das groÃ%u0178e Vertrauen, das Abt und Mitbrüder auf ihn gesetzt hatten. Neben der Arbeit für die ihm anvertraute Klosterfamilie fand der Dekan immer auch wieder Zeit, im Beichtstuhl und auf der Kanzel zu wirken. Dies erwarb ihm auch nach auÃ%u0178en ein groÃ%u0178es Ansehen. Als Abt Columban nach kaum zehnjähriger Regierung 1905 starb, herrschte über seinen Nachfolger wohl kaum ein Zweifel. Am 30. Mai 1905 ging auch P. Thomas als Abt aus dem ersten Wahlgang hervor. Rom bestätigte die Wahl am 30. Juni und am 11. Juni, dem Fest des hl. Benedikt, empfing er aus der Hand seines Freundes, dem Abt-Primas Hildebrand de Hemptinne, die feierliche Benediktion. Ein Verwandter des Abtes, P. Heinrich Schiffmann aus dem Kloster Engelberg, hielt ihm die Ehrenpredigt.
Getreu seinem Wahlspruch: ëMagis prodesse quam praeesseû, suchte der neue Abt vor allem das Heil der ihm Anvertrauten. Nach auÃ%u0178en hin waren ihm zunächst, bis der furchtbare Krieg ausbrach, ruhige Zeiten beschieden. Seine Aufmerksamkeit galt darum in erster Linie dem Opus Dei. Er erschien regelmäÃ%u0178ig, trotz der vielen Geschäfte, im Chor, hielt darauf, daÃ%u0178 alle kirchlichen Funktionen mit gröÃ%u0178ter Genauigkeit vollzogen wurden. In der Besorgung der Wallfahrt gab er selbst das herrlichste Beispiel, denn unermüdlich ging er selber in den Beichtstuhl. Für die Stiftsschule - obwohl er selber nie dort gewirkt hatte - besaÃ%u0178 er volles Verständnis. Er sorgte für die so nötige weitere Ausbildung tüchtiger Kräfte. Die Räumlichkeiten wurden erweitert und verbessert. In den Schlafsälen wurden Toiletteneinrichtungen geschaffen, die Aborte erhielten ganz neue, hygienische Anlagen. Ein gleiches war im Kloster selber der Fall; damit hing die Schaffung der Kanalisation und einer eigenen Wasserversorgung für das Stift zusammen. Das Naturalienkabinett wurde unter ihm umgebaut und erweitert.
Vor allem ist es die groÃ%u0178e Kirchenrenovation, die 1910 in Angriff genommen wurde, und die glücklich noch vor dem Weltkriege zum AbschluÃ%u0178 kam, die den Namen dieses Abtes für immer festhalten wird. Für die Laienbrüder wurde ein neues Stockwerk aufgebaut, da ihre Zahl in stetigem Wachsen war. Die Klosterküche erfuhr eine durchgreifende Umgestaltung. Für die Gärtnerei wurde ein groÃ%u0178es Treibhaus angelegt. Der EntschluÃ%u0178, eine neue Zentralheizung zu schaffen, wurde noch unter seiner Regierung gefaÃ%u0178t.
Nach auÃ%u0178en wurde der Tätigkeitsbereich des Klosters erweitert. Neue Stellen in Instituten wurden übernommen (Wiesholz, Ste. Croix in Freiburg, Stella maris in Rorschach, zeitweise auch Cazis u. a.). Die Missionen in Amerika erhielten auch unter ihm noch neuen Nachschub. Der bisherige Abt des Klosters Richardton wurde am 9. April 1910 durch Pius X. zum Bischof von Bismarck ernannt. Schon vorher war, am 16. September 1905, P. Raymund Netzhammer durch den nämlichen Papst zum Erzbischof von Bukarest bestimmt worden. In P. Lucius Fetz gab Abt Thomas dem hohen Mitbruder einen treuen Sekretär zur Seite. Vor allem wurden vom Stifte aus viele Volksmissionen und Exerzitien im Schweizerlande und darüber hinaus gehalten.
Gegen Ende seiner Regierung trug er sich noch mit groÃ%u0178en Plänen, die er trotz seines leidenden Zustandes in Angriff nahm. Den 9. Dezember 1921 beschloÃ%u0178 das Kapitel die Errichtung einer landwirtschaftlichen Schule in Pfäffikon, für die groÃ%u0178e Umbauten nötig wurden. Die Ã%u0153bernahme des Collegio Papio in Ascona wurde ebenfalls noch unter seiner Regierung beschlossen, kam aber gleichfalls erst nach seinem Tode zur Ausführung.
Unter der Regierung von Abt Thomas wurde Einsiedeln immer mehr der beliebte Versammlungsort der Kongresse. So fand 1906 der internationale Marianische KongreÃ%u0178 hier statt, es folgten die verschiedenen schweizerischen Herz-Jesu-Kongresse, die schwyzerischen Katholikentage, die Tagungen des Frauenbundes, der Tertiaren, der Jünglinge, Gesellen, der Jungfrauen. Immer fand Abt Thomas, der auch öfters auswärts noch als Prediger auftrat, ein begeistertes und begeisterndes Wort.
Es fehlte nicht an Anerkennungen für dieses Wirken. Einsiedeln verlieh ihm und seinen Nachfolgern am 22. Juni 1919 das Ehrenbürgerrecht. Schon 1905 hatte ihm der hl. Vater das Privilegium der Cappa magna verliehen, wovon er freilich nie Gebrauch machte. Durch Vermittlung guter Freunde, vor allem des Einsiedeln so anhänglichen Msgr. Skirmunt und des damaligen Bischofs von Chur, Fidelis Battaglia, erhob Pius X. 1906 das Stift zur Abbatia nullius, wodurch der bisherigen Rechtsunsicherheit ein Ende bereitet wurde. Der Fürst von Hohenzollern verlieh auch ihm, wie seinen Vorgängern, den fürstlichen Hausorden. Rom hatte ihn auch mehr denn einmal für höhere Posten, einmal für die Wiener Nuntiatur in Aussicht genommen. Es gelang ihm aber, dies zu verhindern, ebenso wie er 1913 alles daran setzte, um die auf ihn gefallene Wahl zum Abt Primas rückgängig zu machen. Der Abt hatte am 2. April 1913 Einsiedeln verlassen, um zunächst nach Rumänien zu gehen und dort Erzbischof Raymund zu besuchen. Ã%u0153ber Griechenland ging es dann nach Malta, zum Eucharistischen WeltkongreÃ%u0178. Von dort kam er nach Monte Cassino, wo unter Teilnahme der Ã%u201Ebte des ganzen Ordens Kardinal Gasparri die monumentale Krypta des hl. Benedikt einweihte. Am 12. Mai fand sodann in Rom die Primaswahl statt, die fast einhellig auf Abt Thomas fiel. Aber er konnte sich um keinen Preis zur Annahme entschlieÃ%u0178en. Die Frage kam vor den hl. Vater, der die Wahl lebhaft begrüÃ%u0178te, aber zugleich erklärte, daÃ%u0178 er den Gewählten nicht zwingen wolle. Damit war die Frage entschieden. Abt Thomas konnte wieder in sein geliebtes Stift zurückkehren, das ihm am 17. Mai einen feierlichen Empfang bereitete.
Der Ausbruch des Weltkrieges stellten das Kloster und seinen Abt vor neue Aufgaben. Die Arbeiten und vor allem die Sorgen stiegen gewaltig an. Nicht nur, daÃ%u0178 die Verwaltung des Stiftes weit mehr seine Kräfte in Anspruch nahm, daÃ%u0178 die finanzielle Lage des Gotteshauses unter den obwaltenden Umständen ihm schwer zu schaffen machte, auch von auÃ%u0178en wurden immer gröÃ%u0178ere Anforderungen an den Abt gestellt. Schon von jeher hatte Abt Thomas eine offene Hand für alle gehabt, die ihn um Hilfe angingen. Während des Krieges wuchs die Zahl derer, die so oder anders um Unterstützung baten, ins Unglaubliche. Wo und wie er nur konnte, suchte er zu helfen. Er erachtete es als eine selbstverständliche Aufgabe, hierin dem edeln Zug seines Herzens zu folgen. Jeder Unglückliche fand hier eine offene Türe. Er verstand es aber auch, sein Kloster, das während der Kriegsjahre mehrfach wegen seiner Gesinnung dem Auslande gegenüber verdächtigt wurde, als eine wirklich neutrale Stätte zu erhalten. DaÃ%u0178 er dem Primas des Ordens und andern hochstehenden kirchlichen Persönlichkeiten ein gastfreundliches Asyl bot, konnte nur blinder Fanatismus verargen. Dem feinen Taktgefühl des Abtes lag jede Verletzung eines andern ferne. Für die deutschen Kriegsgefangenen stellte er einen Pater zur Verfügung, der im Auftrage des Bundesrates sie besuchte und sich um ihre Seelsorge annahm. Viele Anliegen von hüben und drüben fanden unter seiner Hand ihre Erledigung. Und erst nach dem Kriege, als die Not der Mittelmächte ins Ungemessene stieg, als das Stift selber, abgesehen von den hohen Kriegssteuern, groÃ%u0178e Verluste zu verzeichnen hatte, da war Abt Thomas unermüdlich im Helfen und im Vermitteln von fremder Hilfe. Viele Ferienkinder aus Ãsterreich und Belgien fanden während und nach dem Kriege in Einsiedeln und im Stifte selber Unterkunft. Kaiserin Zita von Ãsterreich lieÃ%u0178 auf der Medaille, die sie zum Zeichen des Dankes für die Schweizerhilfe, prägen lieÃ%u0178, eigens das Stift Einsiedeln anbringen. König Albert von Belgien verlieh dem Abte einen Orden zur Anerkennung für seine Dienste.
Auf alle, die mit dem Abte in Berührung kamen, übte seine Persönlichkeit einen eigenen Zauber aus. Wie kaum ein Abt vor ihm, war er weit über die Grenzen der Heimat hinaus bekannt und verehrt. Kirchenfürsten wie Rampolla, der zweimal monatelang in Einsiedeln sich aufhielt, wie die Kardinale Ferrari, Gasparri, Gasquet, u. a. schätzten ihn sehr hoch. Kaiser Karl von Ãsterreich war während seiner Verbannung mehrmals in Einsiedeln und vertraute dem Abte während seines Fluges nach Ungarn, seine Kostbarkeiten an. Kaiser Wilhelm, der anläÃ%u0178lich seines Besuches in der Schweiz, 1912, auch Einsiedeln zu sehen wünschte, aber auf Bitten des Abtes, der jedes unnötige Aufsehen vermieden wissen wollte, davon abstand, sandte ihm sein in Ãl gemaltes Bildnis. Noch mehr aber verehrten ihn die ungezählten Namenlosen, denen er im Beichtstuhle ein treuer Führer und Tröster war.
AnläÃ%u0178lich einer Festfeier auf Maria Bildstein zog sich der Abt am 7. September 1919 eine Erkältung zu, die ein Nierenleiden zur Folge hatte. Dazu gesellte sich hartnäckige Ischias. Strenge Diät und mehrmaliger Kuraufenthalt in Baden verschafften dem Kranken wohl Linderung, aber keine dauernde Besserung. Langsam schwanden die Kräfte. Gegen Herbst 1923 blieb kein Zweifel mehr übrig, daÃ%u0178 die Tage des Abtes gezählt seien. Doch zog sich das Ende noch hinaus, bis Abt Thomas endlich am 7. Dezember 1923 von seinem Leiden erlöst wurde. Am 12. Dezember fand die feierliche Beisetzung statt, an der die Bischöfe von St. Gallen, Freiburg, Lugano und St. Maurice und acht Abte teilnahmen. Auch die Regierungen von Schwyz, Luzern, Unterwaiden waren offiziell vertreten. General Wille und Oberstkorpskommandant Steinbuch, die mit dem Abte persönlich befreundet waren, gaben ihm nebst ungezählten andern, geistlichen und weltlichen Standes, die letzte Ehre. Prälat Dr. Beck von Freiburg hielt die Trauerrede, Abt Primas Fidelis von Stotzingen das Pontifikalrequiem.
ëAbt Thomas war eine ideale Persönlichkeit. Wer mit ihm zusammenkam, fühlte sich zu ihm hingezogen. Niemand konnte sich dem Zauber seiner Persönlichkeit entziehen. Mit dem Höchstgestellten wie mit dem Ã%u201Ermsten und Niedrigsten wuÃ%u0178te er gleich vorzüglich zu verkehren. Eine gewinnende Freundlichkeit, eine herzliche Heiterkeit, eine bescheidene Liebenswürdigkeit, ein milder Ernst, alles das lag in seinen Zügen und war begründet in seinem tiefsten Wesen. Die Quelle all dieser Vorzüge aber war seine glühende Gottesliebe und eine hingebende Nächstenliebe, eine sich opfernde Selbstlosigkeit .... Die heilige Freude und die ideale Auffassung, die den Novizen erfüllte und verklärte, ist ihm zeitlebens geblieben und spiegelte in seinen Zügen das Bild wahren innern Glückes. Das gab seinem Reden und Tun, seinem Auftreten und Handeln ein besonderes Gepräge. Der Verkehr mit ihm war für alle erhebend und gewinnbringend.
Als Abt war er unablässig bestrebt, den Forderungen des groÃ%u0178en Gesetzgebers der Mönche, des hl. Benediktus, nachzukommen; doppelt hat er ihnen vorgeleuchtet durch Wort und Beispiel. Er war eine strahlende Leuchte durch seine Frömmigkeit, die gar nichts Aufdringliches und AbstoÃ%u0178endes hatte, durch sein beharrliches Streben nach Fortschritt in Tugend und Vollkommenheit, durch unermüdliche Arbeit für die Seelenrettung, durch seine sich immer gleichbleibende Sanftmut und Milde. Je weniger ihm sein arbeitsreiches Amt erlaubte, sich wissenschaftlich zu betätigen, desto heller erstrahlten die Tugenden, die dem Hausvater einer so groÃ%u0178en Familie ziemen.
Der Grundzug seines Wesens war Milde und Liebe - Johannesliebe. Wohl nie sah man den Abt Thomas in erregter Aufwallung, in zorniger Aussprache. Er konnte leicht erröten, die Lippe zitterte leise, aber kein Wort der Ungeduld oder des Zornes verriet eine Trübung der seelischen Stimmung. Er konnte - er muÃ%u0178te tadeln, aber das Wort des Tadels ging immer durch seine zarte Rücksicht und Milde hindurch und konnte nie verletzen. Lieber als Fehler rügen, pries er das entgegengesetzte Handeln, die Tugend . . . . .
GewiÃ%u0178 nichts Vollkommenes unter der Sonne! Treffend bemerkte der Redner bei der sogen. Abdankung am Vorabend vor der Beisetzung: ëEinen Fehler hatte er, wenn es ein Fehler ist: zu groÃ%u0178e Liebeû. Wohl manchmal widersprach er nicht, wo es die Klugheit geboten hätte, um nicht anzustoÃ%u0178en und nicht wehe zu tun. Er schwieg oft zu Behauptungen und Anfragen, wo er eigentlich ein ëNeinû hätte einlegen müssen und wo sein Schweigen als Zustimmung aufgefaÃ%u0178t wurde. Diese allzu groÃ%u0178e Rücksichtnahme wurde ihm mehr denn einmal als Schwäche gedeutet, ja zog ihm den Vorwurf der Unbeständigkeit und Unzuverlässigkeit zu. Auch ein gewisses MiÃ%u0178trauen mochte bisweilen, besonders in den letzten Lebensjahren, den frohen Optimismus verdrängen. Es mochte dies, ebenso wie eine immer mehr sich geltend machende Zaghaftigkeit und Unentschlossenheit eine Folge des MiÃ%u0178brauches seiner Güte, vorzüglich aber seiner langwierigen schmerzlichen Krankheit sein. Doch was sind diese kleinen Mängel gegenüber den groÃ%u0178en Vorzügen des verewigten Abtes? .... Wenn das Stift in den letzten Jahrzehnten hohe Ehrung und Anerkennung gefunden, so ist das zu einem groÃ%u0178en Teil das Verdienst der Glanzgestalt Thomas II.û1025.