Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/1869

Bei einer Appendizitis handelt es sich im eigentlichen Sinne um eine Entzündung des sog. Wurmfortsatzes und nicht um eine Blinddarmentzündung. Der Blinddarm (Coecum) ist anatomisch korrekt der
erste Abschnitt des Dickdarmes. Dieser hat aber mit der Entzündung des Wurmfortsatzes direkt gar nichts zu tun. Der Einfachheit halber benutzen wir in dieser Information (fälschlicherweise) den
Begriff ‘Blinddarmentzündung’ weiter, da sich dieser Begriff in der Umgangssprache eingebürgert hat.
Die Blinddarmentzündung ist die häufigste chirurgische Erkrankung des Magen-Darm-Traktes.
Symptome
Anfänglich bestehen meistens schlecht umschriebene Schmerzen im Nabelbereich oder sogar im Oberbauch. Nach Stunden wandern die Beschwerden üblicherweise in den rechten Unterbauch. Die Schmerzen sind dann besser lokalisiert. Es kommt zu Schmerzen beim Gehen, bei Bewegung und dadurch zu einer Schonhaltung (mit Anziehen der Beine u.a.). Ferner bestehen oft Übelkeit und Erbrechen. Fieber ist ein weiterer Hinweis, kann aber auch fehlen.
Die Hauptkomplikation einer Appendizitis besteht in einem Blinddarmdurchbruch mit Eiteransammlung (Abszess). Dieser Eiter kann sich abkapseln, aber auch frei in die Bauchhöhle gelangen. Dies führt zu einer Bauchfellentzündung mit auch heute noch lebensgefährlichen Auswirkungen. Es ist deshalb empfehlenswert, sich bei den genannten Beschwerden frühzeitig medizinisch abklären zu lassen.
Abklärungen
Bei klassischem Verlauf und den typischen Beschwerden ist die Diagnose einer Appendizitis meistens einfach zu stellen. Leider sind die Symptome oftmals nicht so „klassisch“, wie man sich dies wünscht, so dass die Diagnosestellung erschwert ist. Zur Abklärung gehört. eine körperliche Untersuchung, die bereits gute Hinweise liefert. Zusätzlich wird in den meisten Fällen noch eine Blutuntersuchung durchgeführt (Entzündungszeichen). Manchmal liefert eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung die letzten Anhaltspunkte für eine Blinddarmentzündung. Diese Untersuchungen genügen in aller Regel, um eine Diagnose zu stellen und eine entsprechende Therapie einzuleiten.
Therapie
Eine konservative (also nichtchirurgische) Therapie ist nur in den seltensten Fällen gerechtfertigt (sog. perityphlitischer Abszess). Es werden dabei intravenös Antibiotika eingesetzt in der Hoffnung, die Infektion aufhalten und eliminieren zu können. Meistens muss dann zu einem späteren Zeitpunkt eine definitive chirurgische Sanierung erfolgen.
In allen anderen Fällen ist die chirurgische Entfernung des Blinddarmes indiziert.
Blinddarmentfernung (laparoskopische Appendektomie)
Die häufigste Ursache für eine Blinddarmentfernung ist die akute Appendizitis. Wir führen diesen Eingriff heute praktisch ausschliesslich laparoskopisch durch. Der grosse Vorteil dieser Methode besteht darin, dass man in unklaren Situationen auch diagnostisch weiterkommt. Die Spiegelung des Bauchraumes erlaubt eine viel bessere und schonendere Beurteilung der Situation als der übliche Schnitt im rechten Unterbauch. Durch diesen lässt sich der Bauchraum oftmals nur ungenügend beurteilen. Wir führen die Blinddarmentfernung i.d.R. durch einen einzigen 12 mm kleinen Hautschnitt im Bauchnabel durch. Gelegentlich sind zwei weitere 3-5mm grosse Hautschnitte erforderlich. Die Operation wird auf Video aufgenommen.
Die laparoskopische Operationstechnik hat ferner den Vorteil, dass die Wundschmerzen geringer sind, die Darmtätigkeit rascher einsetzt und deshalb ein schneller Nahrungsaufbau möglich ist. Die
Patienten erholen sich schnell und können die Klinik 1-2 Tage nach der Operation bereits wieder verlassen.