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Der erst jetzt hier bekannt gewordene Tod von Graham Fricker (März 2019) weckt Erinnerungen an zwei unabhängige und doch zusammenhängende Ereignisse der 80er-Jahre in Australien: Es betrifft die von Fricker initiierte und geglückte Durchführung der Military-WM 1986 im südaustralischen Gawler und dann der Australien jahrelang erschütternde Korruptionsskandal, in dem neben Politikern auch hochrangige Geschäftsleute involviert waren, darunter mit Alan Bond, Laurie Connell und Toni Oates auch drei den australischen Springsport nahezu beherrschende Personen.
Zweifel
1986, als Fricker die Military-WM in Gawler erfolgreich durchführte, war das Ansehen Bonds auf dem Höhepunkt – dasjenige von Connell bereits angeschlagen. 1983 hatte Bond als erster Nicht-Amerikaner den «America’s Cup», die bedeutendste Segeltrophäe gewonnen, was australienweit gefeiert wurde. 1987 kamen Zweifel an Bonds Kreditwürdigkeit auf. An der Kunstauktion bei Sotheby’s in New York hatte er Vincent van Goghs Meisterwerk «Irisblüten» für 54 Millionen Dollar ersteigert. Aber er konnte nicht zahlen. Heute hängt das Werk im Getty Museum in Kalifornien.
Connell, Westaustralier wie Bond, war 1975 erstmals negativ aufgefallen, als er von den Stewards der Pferderennen in Kalgoorlie wegen Wettvergehen verwarnt wurde. 1983 kam es zu einem irregulären Rennen um ein Pferd im Besitz von Connell. Der von Connell bestochene Jockey floh ausser Landes. Als er einige Jahre später zurückkam und verhaftet wurde, erhielt er fünf Jahre Gefängnis. Lauri Connell musste ein Jahr absitzen. Trotzdem blieb für Bond wie für Connell die Welt in Ordnung – bis 1990 Westaustralien eine königliche Untersuchungskommission einsetzte, die unter dem Titel «WA Inc» aufdeckte, dass Geschäftsleute um Bond und Connell, verbunden mit Politikern wie Ministerpräsident Brian Burke, den Staat Westaustralien um fast eine Milliarde Dollar geschädigt hatten. Bond wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er die Hälfte absass. Connell, dessen Rothwells Merchant Bank bei ihrem Bankrott ein Minus von 341 Millionen aufwies, erhielt fünf Jahre.
Bankrott
Alan Bond hatte bereits 1959 als 19-Jähriger seine eigene Firma, die «Bond Corp.», gegründet. Sie handelte mit Immobilien, braute Bier, besass Diamantminen, Zeitungen und Fernsehstationen. 1992 war die «Bond Corp.» bankrott. Seine Tochter Susan war eine tüchtige Springreiterin. Sie heiratete den ältesten der drei amerikanischen Leone Brüder und bestritt 1988 den Weltcupfinal in Göteborg. Alan Bond war unter den Zuschauern. Connells Hauptgeschäft war die «Rothwells Merchant Bank». Im Pferdesport engagierte er sich – neben dem Turf – für den Springsport. 1984 war er Equipenchef der australischen Springreiter an den Olympischen Spielen in Los Angeles. Der von ihm verpflichtete Trainer war Ted Edgar, dem er eine Million versprochen hatte, sollten die Australier eine olympische Medaille gewinnen. Sie wurden Neunte. Drei Jahre später wurde er in einen weiteren Rennbahnskandal verwickelt, eines seiner Pferde war gedopt. Oates, das dritte mit dem Pferdesport verbundene Mitglied der westaustralischen Gruppe, war der Ausübende. Nicht nur im Geschäftlichen, wo über die speziell gegründete «John Curtin Stiftung» Millionen verschoben wurden, sondern auch im Pferdesport. Von Bond und Connell wurde er in den australischen Pferdesportverband delegiert, wo er lange als Springverantwortlicher amtete. 2005 wurde er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt «für seine Rolle in Australiens grösserem Unternehmensverbrechen». Die späte Verurteilung (Anklage 1995) rührte davon, dass er nach Europa floh und erst 2003 von Polen ausgeliefert wurde. Oates hatte zuvor bereits zwei Jahre im Gefängnis gesessen.
Basis für OS Sydney 2000
Zurück zu Graham Fricker und zu positiveren Ereignissen in Australien der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Anfangs der 80er-Jahre schlug der in FEI-Kreisen unbekannte australische Geschäftsmann (CEO der «Fricker Carrington Group» in Adelaide) Graham Fricker vor, 1986 die Military-WM in Gawler durchzuführen. Zwei Hindernisse standen im Weg. Damals galt noch das Recht des Landes des Titelhalters, das nächste Championat in dessen Land durchzuführen. Die Briten, für die Lucinda Green 1982 gewonnen hatte, verzichteten auf das Vorrecht. Blieben die restriktiven Einfuhr- und Quarantänebedingungen Australiens, nicht zu reden von den hohen Reise- und Transportkosten. Nach jahrelangen Verhandlungen mit den australischen Behörden kam es schliesslich zur WM in Gawler, nördlich von Adelaide. Die WM fand im Mai 1986 statt, früh für die Europäer und Amerikaner, aber bereits Spätherbst in Australien. 46 Pferde waren am Start. Weltmeisterin wurde Virginia Leng auf Priceless vor Trudy Boyce (NZL) und Lorna Clarke (GBR). Im Silbermedaillenteam von Frankreich (hinter Grossbritannien) ritten Vater Armand Bigot und Onkel Thierry Touzaint, zwei der vier drittplatzierten Australier waren Roycrofts: Barry und Wayne.
Man kann annehmen, dass die gelockerten Quarantäne- und Einfuhrrestriktionen, die Graham Fricker für 1986 mit der Regierung Australiens ausgehandelt hatte, entscheidende Faktoren waren, dass Sydney für 2000 die Olympischen Spiele zugesprochen erhielt, und zwar mit den pferdesportlichen Wettbewerben. 1956, als die Olympischen Spiele erstmals in Australien (in Melbourne) ausgetragen wurden, gab es dort keine pferdesportlichen Wettbewerbe – sie wurden in Stockholm ausgetragen.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 45/2020)
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