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Die US-amerikanische Verschleifung „Indie“ für „independent“ ist mittlerweile auch im Deutschen angekommen. „Indie“ hat den Geruch von Freiheit und Abenteuer. „Indie“ klingt nach Robin Hood und Rinaldo Rinaldini. Ein „Indie-Autor“ muss so etwas sein wie eine Mischung von Bob Marley und Charles Bukowski. Beim „Indie-Verlag“ arbeiten drei, vier Leute in einer Garage oder in einem Keller an einer Handpresse und drucken Werke, die – weil zu gut für die Welt – vom Mainstream nie gelesen, geschweige denn gedruckt werden. So jedenfalls stellte man sich das vor.
In den letzten Monaten war das Wort allerdings auf rapider Talfahrt begriffen. „Indie“ nannte sich nun jeder, der, von allen Lektoraten der Welt abgewiesen, sein Werk als e-book auf einem Internet-Marktplatz verscherbelte. „Indie“ nannte sich auch der Verlag, den er gleichzeitig gründete und in dem er noch die Gedichte der kleinen Schwester seines besten Kumpels veröffentlichte. „Indie“ war zum Synomym für „Eigenverlag“ geworden, mit allen negativen Konnotationen dieses Worts.
Doch das Wort wurde gerettet – die mittelständischen Buchhändler und Verleger nahmen sich seiner an. Zuerst fiel mir das auf, als eine Buchhändlerin mir den Verlag Feder & Schwert als „Indie“ anpries. Feder & Schwert liefert grossenteils Fantasy und bedient durchaus den Mainstream. Dann erhielt ich kürzlich ein Mail der Büchergilde Gutenberg, in dem sich der Verlag selber als „Indie“ stilisierte. Zwar hat dieser Verlag gewerkschaftliche Wurzeln, aber den grossen Teil seines Repertoires nimmt heute Mainstream ein.
Auch Bertelsmann ist „Indie“ …