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Momentaufnahme Nr. 2: Beginn der 1.-Mai-Tradition und Parteigründung
Die Anfänge der Solothurner Kantonalpartei reichen bis in die frühen 1880er Jahre zurück. Am 15. Februar 1883 wurde die „Solothurner Sektion der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz“ gegründet, eine Art Vorläuferin der kantonalen SP. Führender Kopf war der Lehrer Niklaus Rudolf. Von ihm und seinen Mitstreitern ging in den folgenden Jahren die Initiative zur Gründung von neuen gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterorganisationen aus. Gemeinsames Presseorgan war der von Josef Burri in Grenchen herausgegebene „Freie Solothurner“.
1.-Mai-Feier 1890 im Kreuz in Solothurn
1889 erfasste eine Aufbruchstimmung die Arbeiterschaft in ganz Europa und Amerika. Im Paris wurde die Zweite Internationale gegründet, der sich auch die 1888 gegründete SPS und der Grütliverein anschlossen. 1890 wurde der 1. Mai in Solothurn, Grenchen und Olten, freilich noch in bescheidenem Rahmen, erstmals begangen. Die Solothurner Feier fand im Gasthof zum Kreuz statt. Als erster Redner trat Staatanwalt Wilhelm Fürholz auf:
„Auf dem ganzen Erdenrund demonstrieren heute Millionen von Arbeitern. (...) Die jetzige Bewegung ist sozusagen die Fortsetzung der Revolution (von 1789 ...), nur muss es sich heute um die Befreiung des vierten Standes handeln, wie es sich in der französischen Revolution um die Befreiung des dritten Standes gehandelt hat.“ Artikel von 1890 im Solothurner-Tagblatt lesen, der die Rede von Wilhelm Fürholz enthält
Fürholz gehörte damals, ebenso wie auch die beiden anderen Redner, Eduard Kessler und Albert Brosi, dem Zentralkomitee der Liberalen Partei (heute FDP) an. Diese verstand die Arbeiterbewegung als Teil des Freisinns, was Nationalrat Brosi, der übrigens auch diversen Verwaltungsräten (Jura-Simplon-Bahn, Papierfabrik Biberist u. a.) angehörte, in seiner Rede zum Ausdruck brachte: „Ich betrachte die Arbeiterbewegung in der Schweiz nur als eine Art Fortsetzung des demokratischen Gedankens und als eine Ueberleitung desselben vom politischen auf das soziale Gebiet.“
Wilhelm Fürholz - Mitbegründer der SP Kanton Solothurn
Als eigentlicher „Vater“ der Solothurner SP gilt Wilhelm Fürholz (1850-1919). Er stammte aus angesehener freisinniger Familie und fühlte sich noch lange dem Freisinn verpflichtet, obwohl er sich selbst als „Sozialdemokrat“ bezeichnete. Er war 1888 bis 1892 Solothurner Staatsanwalt, entfernte sich aber immer mehr von der herrschenden Partei. 1892 bis 1909 war er Sprecher der Arbeiterpartei im Kantonsrat. Er präsidierte die neue Partei 1892 bis 1896 und 1899 bis 1904 und während zweier Jahre sogar die SPS. Private Geschichten führten dazu, dass der beherzte Kämpfer und brillante Rhetoriker seine letzten Jahre in Isolation und Armut verbrachte.
Video zum Thema 1. Mai und Parteigründung
Ab 1890 wird der 1.Mai weltweit als Aktionstag der Arbeiterschaft begangen. Die drei Hauptredner an der ersten Maifeier im Kreuz in Solothurn waren alle im Freisinn verwurzelt. Am 14. September 1890 wurde die SP des Kantons Solothurn als eigenständige kantonale Arbeiterpartei im "Café de la Poste" in Solothurn gegründet. Das Video mit Historiker Peter Heim beleuchtet die Hintergründe dieser Entwicklung.