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Stell dir vor: Mitten in der Stadt Zürich wird ein Schneemann verbrannt und gleichzeitig ziehen Reiter mit ihren Pferden Kreise um diesen. Verrückt? Nein. Aus einem Film? Nein. Das ist das Sechseläuten in Zürich, das heute ein weiteres Mal stattfindet.
Was genau hat es mit dem Sechseläuten auf sich? Wieso wird ein Schneemann namens Böögg verbrannt?
In diesem Artikel erfährst du mehr über das zünftige Zürcher Frühlingsfest und bekommst einen Eindruck vom Kinderumzug am Sonntag.
Das heutige Frühlingsfest „Sechseläuten“ stellt einen heidnischen Brauch, wo das Verbrennen des Winters als Sinnbild für den Beginn einer wärmeren und das Ende einer kälteren Jahreszeit dargestellt wird. Zum anderen geht es auch auf die Zürcher Zünfte zurück, welche über 450 Jahre die Geschicke der Stadt gelenkt und bestimmt haben und somit die Trägerschaft dieses Frühlingsfest bilden. Die damalige Gewerbeordnung der Zünfte bestimmte auch die Arbeitszeiten der Handwerker. Im Winter wurde nur bis 17 Uhr gearbeitet, da es danach zu dunkel war. Da es im Sommer heller wurde, wurde mit dem „Sechs-Uhr-Läuten“ immer der Feierabend verkündet.
Der Böögg
Auf einem 10 Meter hohen Holzhaufen, welcher aus zusammengebundenem Kleinholz besteht und einen Durchmesser von 7 Meter aufweist, thront der Böögg. Der Schneemann selbst weist jeweils eine Grösse von etwa 3.40 Meter auf, wiegt ungefähr 100 Kilogramm, hat einen Körperumfang von 2,80 Meter und einen Kopfumfang von jeweils 1,80 Meter. In seinem Körper befinden sich Schweizerkracher, Kanonenkracher und Donnerschläge, damit er hochexplosiv ist. Es gilt: Je schneller der Böögg verbrennt, desto schneller beginnt der Sommer und desto schöner soll er sein.
Die Reitergruppen von Constaffel und Zünften reiten in der jährlich wechselnden Reihenfolge des Umzugs dreimal während der Verbrennung um den Böögg. Die Verbrennung des bekannten Sechseläuten-Böögs hat seinen Ursprung aus dem Gebiet zwischen Fraumünster und dem heutigen Bürkliplatz. Dort verbrannten die „Chrätzler-Bueben“ seit Jahrhunderten einen oder auch mehrere Böögge auf verschiedenen Holzhaufen. Die Bööggen der Kratzbuben wurden in dem Moment verbrannt, an welchem die Zünfter ihr Sechseläuten begingen.
Als der rührige Widder-Zünfter Heinrich Cramer den ersten „offiziellen“ Kinder-bzw. Knabenumzug organisierte, war dies der Auslöser für die Integration des Bööggs in das Sechseläutenfest. Während früher die Umzüge der Kratzbuben, welche ihren Böögg vor der „Hinrichtung“ durch Stadt knarrten, spontan war, brachte Heinrich Ordnung in diese Tradition. Allerdings dauerte es weitere 30 Jahre, bis die Bööggenverbrennung 1892 als fester Bestandteil in den Ablauf des Sechseläutens aufgenommen wurde. In Gestalt eines Schneemannes wird der Böög und somit der Winter seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts verbrannt. Die Bezeichnung „Böögg“ bedeutet in Zürich „verkleidete, vermummte Gestalt.“
Heute Abend wird der Böögg nach dem „Zug der Zünfte“, wo 3´500 Zünfter in Kostümen, Trachten und Uniformen, über 350 Reiter, rund 50 Wagen und gegen 30 Musikkorps via die Bahnhofstrasse zum Sechseläutenplatz ziehen, ein neues Mal verbrennt.
📺Sowohl TeleZüri als auch SRF 1 übertragen das Zürcher Sechseläuten live ab 15 bzw. 15.35 Uhr.