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Vanille kennt jeder
…aber wer von uns weiss denn, was genau diese Gewürzpflanze eigentlich ist und woher sie ursprünglich stammt?
Es gibt mehr als 100 Arten von Vanilleorchideen und ca. 15 davon tragen aromatische Früchte. Die bekannteste davon ist die Gewürzvanille, auch «echte Vanille» (Vanille planifolia) genannt. Aus diesen fermentierten Vanilleschoten wird das Gewürz Vanille gewonnen.
Von Mexiko nach Madagaskar
…schon vor den spanischen Seefahrern wurde die Vanillepflanze in Mexiko angebaut. Über Europa kam sie vor gut 100 Jahren nach Madagaskar.
Doch da es in Madagaskar keine Bienen oder Kolibris gibt, die die Bestäubung der Orchidee übernehmen können, wird dies von den lokalen Frauen (und manchmal auch von Männern) entlang der Nordostküste von Hand übernommen.
Die Pflanzen haben, wie Sie oben sehen können, grün-gelbliche Blüten.
Da jede Blüte nur einen Tag blüht, ist es sehr wichtig die Pflanzen rechtzeitig zu bestäuben.
Aus diesen grünen Samenkapseln wird Vanille gewonnen.
Im ersten Schritt werden die Samenkapseln/Vanilleschoten kurz über dem Feuer in ca. 70 Grad heissem Wasser blanchiert und anschliessend jeden Tag draussen zum Fermentieren in die Sonne gelegt.
Ziehen Regenwolken auf…
…werden die Schoten schnell eingesammelt und wie auch sonst an jedem Abend in Wärmekisten gelagert. Dort warten sie dann auf die nächsten Sonnenstrahlen.
Wertvoll
Im Norden von Madagaskar wächst rund 80% der gesamten Weltproduktion von Vanille.
Dies ist eine sehr wichtige Einnahmequelle für die Einwohner. Daher wacht immer ein Aufpasser über das «schwarze Gold», um es vor Dieben und vor schlechten Wetter zu schützen.
Die Vanille wird meist in kleinbäuerlichen Familienplantagen angebaut und als grüne Schote an Ankäufer vor Ort verkauft. Spezialisierte Vanilleaufbereiter organisieren den langen Fermentierungsprozess.
Der Vanillebauer verdient, trotz der vielen Arbeit, sehr wenig an seinem Produkt. Das grosse Geld machen die Exporteure und die westlichen Verkaufsstellen, die die Vanille weiterverkaufen.
Hier in Europa wird die echte Vanille auch «Bourbon-Vanille» genannt. Dieser Name stammt von einem der ersten und langjährigen Hauptlieferanten der Vanille und kommt aus La Réunion und Madagaskar.
Wegen verschiedener Zyklone im Indischen Ozean (die Saison ist von Januar – März) und der Zerstörung, die sie hinterlassen, ändert sich der Preis der Vanille in jedem Jahr. Im Herbst 2018 erreichte der Preis Rekordhöhe, denn so kostete ein Kilo Vanille stolze 600 USD und kam dem Preis für Gold sehr nahe.
Wenn auch Sie Madagaskar bereisen möchten und vielleicht auch einen der vielen kleinen Vanilleplantagen besuchen möchten, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Denn PRIORI Reisen bringt Sie dahin, wo Sie auf keine weiteren Touristen treffen, abseits des Massentourismus und mitten im alltäglichen Leben der Madagassen!
Die einsame Decauville Dampflokomotive in Madagaskar
Idyllisch unter Palmen geparkt, rostet eine alte Dampflokomotive im Westen von Madagaskar vor sich hin. Ihre Waggons hat sie verloren und Arbeit gibt es für sie keine mehr. Die Dampflok von Namakia ist ein historisches Zeugnis aus der goldenen Zeit der Zuckerrohrplantagen in den französischen Kolonien.
Das Kleinstädtchen Namakia liegt in einer flachen Ebene im Nordwesten von Madagaskar, rund 70 km westlich der Hafenstadt Mahajanga. In Namakia wird seit 90 Jahren Zuckerrohr in grossem Stil angebaut und verarbeitet. Heute noch.
Die Fabrik wurde in den 1930er Jahren rund 10 Kilometer von einem Meeresarm erbaut, der per Schiff erreichbar ist. Daher müssen die Fertigprodukte auch heute noch dorthin transportiert werden. Das geschieht heutzutage per Lastwagen, vor zwei Generation noch per Eisenbahn.
Dampflokomotive in Madagaskar
An diese Eisenbahnzeit erinnert heute eine Dampflok der Marke Decauville. Das Zeugnis industrieller Kultur steht auf einem rohen Steinsockel unter freiem Himmel. Sie würde als Zeugnis der Industriegeschichte Madagaskars allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen.
Ansonsten sind in Namakia nur wenige Spuren der Eisenbahnzeit erhalten. Im Fabrikgelände stehen zwei, drei Waggons vergessen herum. Ein paar Meter Schienen zeugen von ehemaligen Gleisen.
Wann die Dreiachslok nach Namakia kam, ist unbekannt. An ihrem Kesseldeckel ist der Hersteller vermerkt: Sté Decauville Aîné Corbeil. Es ist keine Seriennummer erhalten.
Es könnte aber sein, dass es sich um die Nummer 1864 handelt, die 1933 laut erhaltenen Lieferlisten des Herstellers an die ‘Sucrerie de Madagascar’ geliefert wurde. Ein Indiz dazu ist auch das Aussehen der Kabine, die den Stil der späteren Produktionen in dieser Bauweise spiegelt.
Nicht alle wurden in der Fabrik von Corbeil in der Nähe von Paris gebaut. So fertigten Lizenzunternehmen auch in Belgien Loks und Fahrmaterial an. Das System der zwei Fuss breiten Feldbahn war einfach: die Schienen liessen sich wie Leitern leicht transportieren und auslegen. Also ideal für Plantagen.
Paul Decauville war ursprünglich Rübenproduzent und erfand sein System aus Not: um seine Rüben in morastigen Felder abzutransportieren, fertigte er 1875 eiserne Rollbahnen aus Flacheisen an, Ochsen zogen die beladenen Karren aus den Feldern. Die Weiterentwicklung waren dann Schmalspurlinien und Tramwaggons, gezogen von Pferdegespannen. Der Unternehmer Decauville begann dann auch Lokomotiven zu bauen. Schon 1877 baute er die Liliput: eine Eintonnenlok, die Waggons mit 60 Personen zog und sogar in Rotterdam eingesetzt wurde. Das System auf 50 cm Spurweite hatte Erfolg. Inzwischen baute Decauville bereits grössere Loks und auf 60 cm Spurweiten. Das Eisenbahnsystem von Decauville war bald weltweit im Einsatz, so in Australien, China und in Afghanistan. Dorthin gelangten seine Schmalspurloks und Zubehör 1885 auf dem Rücken von Arbeitselefanten. Sogar beim ersten Versuch 1883, den Ärmelkanal zu untergraben, wurde das mobile Schienensystem eingesetzt. Das Projekt scheiterte zwar nach 2 Kilometern.
1889 wurde die Firma ‘Etablissement Decauville Aîné’ gegründet: 1000 Arbeiter verarbeiteten Eisen zu Schienen, Schwellen und Gefährten. Dabei waren die Schienen und Schwellen fest miteinander verschweisst. Die vormontierten Gleiseinheiten waren 5 Meter lang und die Gleisstücke wurden mit einem einfachen System miteinander verbunden.
Der Durchbruch kam mit der französischen Armee: sie entschied sich für die Spur von 60 cm und baute hunderte von Kilometern Bahnstrecken für Verteidigungszwecke.
An der Weltausstellung von 1889 transportierten zehn Decauville-Lokomotiven über 6 Mio. Besucher auf den knapp drei Kilometern zwischen Concorde und dem Eiffelturm. Es war das Zeitalter des Eisens: Eiffel baute den Turm, Brücken und gar Eisenhäuser. Decauville das Transportsystem.
Nach keinem Dutzend Jahren Bahnbau lesen sich die Einsatzorte der Decauville wie eine imperiale Weltkarte. Das System fand weltweit Einsatz, auch in der Schweiz, in Norwegen, in Chile und in Madagaskar. Die 60 cm Spur war Standard geworden, aber es wurden inzwischen auch Meterspuren gebaut. Decauville lieferte das komplette System: Schienen, Weichen, Transportwaggons und Lokomotiven, nun auch elektrisch.
Um 1900 war die Welt im Aufbruch und der Glaube an Technik und Industrie ungebrochen. So entstanden in den Fabriken von Decauville auch Fahrräder, sogar Autos.
Die wenigen erhaltenen Autos des Marke Decauville sind heutzutage begehrte Sammlerstücke und Schmuckstücke von Automobilmuseen, doch den durchschlagenden Erfolg hatte Decauville mit seinen Eisenbahnen. Die Armee nutzte sein System für schnell dislozierbare Bahnlinien und in den Kolonien waren die Bahnen beliebt. Auf den Plantagen liessen sich die Linien problemlos und je nach Bedarf verlegen.
Weltkriege kamen und gingen. Das Unternehmen Decauville überlebte sie und war nach dem Zweiten Weltkrieg eines der grossen Industriekonglomerate Frankreichs mit drei Fabriken in Frankreich und Niederlassungen und Vertretungen in der ganzen Welt.
Decauville könnte heutzutage das sein, was Renault in Frankreich ist: ein Industriemagnet. Doch wie so oft in Firmengeschichten fand der Niedergang florierender Unternehmen auf dem Parkett des Aktienhandels statt. Decauville kam in andere Hände, die umstrukturierten und ihrerseits in andere Hände gerieten. Heute ist der Markenname zwar noch existent und produziert weiterhin in der Metallbranche. Aber Decauville ist nur noch ein Schatten seiner selbst.
In Madagaskar kam das System in der Nordstadt Diego Suarez zum Einsatz.
Dort wurde in den 1890er Jahren eine Feldbahn installiert, die auf 60 cm breiten Gleisen als Allzweckbahn Güter und Personen vom Hafen ins Hinterland transportierte. Auf der Feldbahn waren 1900 zwei Decauville-Dampflokomotiven im Einsatz. 26 km Schienenmaterial standen zur Verfügung.
In Namakia begann 1936 die ‘Sucrerie Marseillaise de Madagascar’ mit der Produktion von Zucker. Dazu waren 2800 ha mit Zuckerrohr angepflanzt worden. Das Unternehmen nutzte die Feldbahn, um die geernteten drei, vier Meter langen Zuckerrohstengel zur Fabrik zu transportieren und dann die Fertigprodukte zum Hafen zu bringen. Die im Delta des Mahavavy gelegenen Plantagen sind topfeben und während der Regenzeit morastig. Auch heute noch erschliessen nur Pisten Ortschaften wie Namakia, Mitsinjo, Soalala. Sie sind in der Regenzeit nur schwerlich erreichbar und oft wochenlang nicht.
Die Firma wurde – wie alle fünf Zuckerfabriken in Madagaskar – 1977 verstaatlicht und zur SIRAMA vereint. Keine zwanzig Jahre später war die SIRAMA bankrott und die Anlagen verlottert. Ab 2007 stieg die chinesische ‘Sucrerie Coplant de Madagascar’ (SUCOMA) mit einem Joint-Venture bis 2028 ein und fuhr die stillgelegte Produktion wieder hoch. Derzeit werden um die 30’000 Tonnen Zucker hergestellt und über 10’000 Hektoliter Rohalkohol. Die Firma arbeitet mit den alten Maschinen und scheint nur gerade in die allernötigsten Reparaturen zu investieren. So richtig rentabel ist die Industrieanlage aus dem letzten Jahrhundert nicht.
Namakia ist zur Schnapsbrennerei geworden: derzeit werden pro Jahr 20’000 Liter Alkohol produziert und nur noch 400 Tonnen Zucker. In der Fabrik und auf den Feldern sind 300 Angestellte permanent beschäftigt. Während der Erntesaison von August bis Oktober finden über 1000 Leute Temporärjobs – meist als Zuckerrohrschneider. Im Betrieb arbeiten 35 Chinesen.
Trotzdem ist die SUCOMA heutzutage nebst der viel grösseren Fabrik von Ambilobe (auch in chinesischer Hand) die einzige noch funktionierende industrielle Zucker- und Alkoholindustrie Madagaskars.
Der 95% starke und nicht konsumierbare Rohalkohol wird in kubikmetergrossen Containern transportiert. Der Zucker wird in Säcke abgefüllt. Die Produktion wird zum Hafen gefahren, mit chinesischen Lastwagen. Dann per Schiff nach Mahajanga. Es stehen zwei Motorschiffe und vier Leichter zur Verfügung. Pro Fahrt können 400 Tonnen transportiert werden. Vom Hafen nach Mahajanga dauert die Fahrt 18 Stunden und leer zurück 12 Stunden.
Der Alkohol wird in Mahajanga an Destillerien und Alkoholveredler weiterverkauft, die den Rohalkohol dann zu geniessbarem Rum und mit allerlei Gewürzen zu weiteren Spirituosen verfeinern.
In Madagaskar werden unzählige Rumsorten angeboten. Eine der beliebtesten Marken heisst Namaki und erinnert an die jahrzehntelange Tradition den Alkoholbrennens in Namakia.
Derweil ruht die alte Dame auf ihrem Sockel in Namakia: ein Nationalmonument. Doch als industrielles Kulturgut wird die gute alte Decauville Dampflokomotive in Madagaskar nicht wahrgenommen.
1968 war Madagaskar eben (1960) unabhängig geworden. Der französische Einfluss war noch allerorts sichtbar. Was hat sich seither geändert?
Ein Reiseführer beschreibt die Route von Tananarive (wie Antananarivo damals genannt wurde) nach Antsirabe.
Quelle: Madagascar: Les guides bleus, 1968 (pages 163 – 172)
VON TANANARIVE NACH ANTSIRABE
Eisenbahn: 159 km nur von Tananarive nach Antsirabé, Linie beschrieben auf S. 115: – Transud-Busse bieten täglich ausser sonntags zu jeder Schienenbus-Ankunft (Micheline) in Antsirabé Anschlussverbindungen nach Fianarantsoa (Gesamtfahrzeit in 13 h: 3 h 25 von Tananarive nach Antsirabé und 9 h 15 von Antsirabé nach Fianarantsoa).
Strasse: 416 km über die R.I.G. Nr. 7, geteert auf der gesamten Strecke, d.h. 170 km bis Antsirabe, 245 km bis Ambositra, 357 km bis Ambohimahasoa.
Diese Strecke wird auf ihrer gesamten Länge von Pullman-Betsileo-Bussen (in 13 bis 14 Stunden, 4 Kurse pro Woche in jede Richtung) und von Nord-Süd-Taxis (in 10 bis 11 Stunden) bedient.
1968: auf der RN7 von Antananarivo nach Antsirabe
Fahrt mit dem Auto
Man verlässt Tananarive durch den Hubert-Garbit-Tunnel (S. 137) und nimmt an der Kreuzung von Befelatanana (vor dem Deich des Kriegerdenkmals) die Strasse, die durch den Vorort Soanierana führt („gute Antwort“, in Erinnerung an die Antwort des Volkes, als Radama es bat, den dort abgehaltenen Freitagsmarkt seit der Regentschaft Andrianampoinimerinas nach Ambohitsorohitra, „dem Dorf der Lerchen“, zu verlegen). Man folgt der Bahnlinie und kurz nach dem Bahnhof Soanierana (ursprüngliche Endstation der Bahnlinie Tananarive-Côte E) überquert man diese, dann den Ikopa, einen Nebenfluss des Betsiboka-Flusses (der bei Majunga in den Kanal von Mosambik mündet) auf einer Stahlbetonbrücke von der aus man die Eisenbahnbrücke sehen kann.
Km 3: Tanjombato, ein kleines und lebhaftes Dorf, wo viele Händler ihre Stände auf beiden Seiten der Strasse aufgebaut haben; die Strasse steigt jetzt etwas an und durchquert ein Tal. Beim Km 8 hat man eine schöne Aussicht auf Tananarive, dann verläuft die Strasse durch eine kahle Region.
Km 11,5: Die Strasse durchschneidet einen Hügel (man beachte die rote Farbe der Erde = Laterit), hinter dem eine ziemlich scharfe Kurve verläuft; die Landschaft ist mit vielen roten strohgedeckten Häusern übersät.
Km 14,5: Auf einem Hügel das Grab einer Adelsfamilie, umgeben von einer Palisade.
Km 16: Man fährt unter der Eisenbahnlinie durch in der Nähe des kleinen Bahnhofs von Anjomakely, und fährt einen Hügel hoch, den die Eisenbahnlinie in einem Tunnel unterfährt, so dass man sie links von der Strasse bald wiederfindet. Jetzt steigt man ins Tal des Sisaony hinab, ein Nebenfluss des I’lkopa, den man in der Nähe des Dorfes Ambatofotsy (22 km) überquert; hier befindet sich auch die Kreuzung der Strassen, die links nach Andramasina und rechts nach Fenoarivo führen (S. 159) Diese Strasse führt dann weiter nach Arivonimamo und nach lmerintsiatosika (S. 159).
1968: auf der RN7 von Antananarivo nach Antsirabe
Variante von Ambatofotsy nach Beheniy, über Andramasina (dieser Umweg verlängert die Reise um etwa zehn Kilometer auf einer unbefestigten Nebenstrasse; er wird dem langsam Reisenden empfohlen, da er so die Wasserfälle von Sisaony sehen kann).
Von Ambatofotsy (heute wohl Tsiafahy) führt die Strasse das Tal des Sisaony hinauf und durchquert das kleine Dorf Ankorona (9 km von Ambatofotsy entfernt);
Km 17: Andramasina (Unterkunftsmöglichkeit, Post, Krankenhaus mit Arzt) S.P. Die Fälle des Sisaony sind ganz in der Nähe. Ein kleiner Wald, in dem mehrere Picknick-Kioske aufgestellt sind, beherrscht das Tal, der Fluss an dessen Ufer man feine Sandstrände findet breitet sich hier aus; auf einem Hügels liegt ein grosses Grab der ehemaligen Adligen des Dorfes im Schatten von heiligen Platanen und anderer dichter Vegetation. Von Andramasina nach Behenjy führt die Strasse (etwa 15 km) durch das Dorf Antsorindrana und überquert die Eisenbahnlinie und den Fluss Andromba, bevor sie wieder auf die Hauptstrasse trifft.
Der Hauptstrasse entlang finden wir unweit von Ambatofotsy auf der rechten Seite einen Sumpf, der von einem Berg überragt wird. Hier kann man alte Gräber sehen.
Km 23,5: Rechts führt ein Weg zu einer Waldstation; unmittelbar danach sieht man einen Hügel vor sich, dann links einen Steinbruch. Etwa 1 km weiter lässt man ein kleines Bambusdickicht links liegen, die Strasse steigt an und erreicht das kleine Dorf (26 km) Ambalavao; die Strasse steigt weiter an.
Bald darauf entdeckt man in der Ferne das Ankaratra-Massiv (S. 174) und durchquert junge Eukalyptuswälder.
Km 28,5: Ein Pfad führt rechts hinunter ins Andromba-Tal, wo sich ein kleiner Sandstrand befindet. Die Strasse führt wieder abwärts, und der Fluss ist bald auf der rechten Seite zu sehen.
1968: auf der RN7 von Antananarivo nach Antsirabe
Km 30: Tsinjony, ein kleiner Weiler, nach dem man unter einer Stahlbetonbrücke der Antsirabé-Eisenbahn hindurchfährt. Die Strasse führt wieder hinauf in ein kahles Gebiet, wo man hier und da einige Eukalyptuswäldchen und Steinhaufen sehen kann, die an riesige Kieselsteine erinnern. Bald sieht man im Tal wieder die Eisenbahnlinie, die man auf einer Brücke überquert; dann nähern wir uns grossen Felsen und überqueren bei (ca. 33 km) Amboasary das “lächelnde“ Tal von Andromba, dem man ein Stück weit folgt: Wasserfälle, auf der linken Seite. Wir steigen wieder hinauf, um (39 km) einen Pass zu erreichen. Drüben überqueret man nochmals den Fluss. Nachdem man ein Tälchen mit schönen Farben überquert hat, geht es hinunter nach (43 km) Behenjy (Eisenbahn, S. 116; Postamt), ein malerisches Dorf und gut bewässerter Ort. Nach Osten führt eine Strasse nach (ca. 15 km) Andramasina, nach Westen eine (ca. 40 km) nach Imerintsiatosika (S. 159) und Arivonimamo. Nicht weit von Behenjy, auf dem Berg Iharanandriana, findet man Ruinen von Hova-Militäranlagen.
Die Strasse verlässt das Andromba-Tal und man erreicht eine Hochebene, die mit einigen Eukalyptuswäldern bepflanzt ist. Im Hintergrund erkennt man wiederum das Ankaratra-Gebirge.
Km 23: Ein Bach wird überquert und bald fährt man wieder unter einer Eisenbahnbrücke hindurch, die Strasse führt wieder ins Amdromba-Tal hinunter, das in der Nähe des Bahnhofs von (55 km) Andriambilany überquert wird: langsamer werden. Eine Nebenstrasse führt rechts nach (5 km) Manjakatompo (S. 173). Das Tal ist mit Reisfeldern bebaut, und der Flusslauf, mit einigen Stromschnellen (68 km), verläuft in einer sehr schönen Landschaft.
Km 68: Die Strasse führt bergan und durch wunderschöne Eukalyptuswälder, bevor sie hinunter nach Ambatolampy führt.
1968: auf der RN7 von Antananarivo nach Antsirabe
Ambatolampy (Eisenbahn, S. 116; Hotel/Restaurant: Au Rendez-vous des Pêcheurs, Tel. 4; Le Marseillais, Tel. 5), 10.000 Einwohner, S.P. wichtiges Fremdenverkehrszentrum (Beschreibung von Ambatolampy und Umgebung siehe S. 173).
Ein Umweg auf der linken Seite ermöglicht es eiligen Reisenden, die Stadt zu umfahren. Auf diesem Umweg zweigt links eine Nebenstrasse ab, die nach (46 km) Tsinjoarivo (S. 174) führt.
Wenn wir Ambatolampy verlassen, fahren wir rechts am Musterbauernhof der kanadischen Brüder vorbei, und dann steigt die Strasse etwa 5 km lang leicht an in einer hügeligen Landschaft, in den Mulden liegen Reisfelder. Dann erreichen wir ein riesiges Plateau, das gerade wieder aufgeforstet wird.
Km 88: Ambohimandroso (Eisenbahn, S. 116), ein Dorf, ein Eisenbahndorf und wo samstags ein wichtiger Markt abgehalten wird; auf der rechten Strassenseite sind einige Stelzenhäuser zu sehen. Fährt man auf der weiten Hochebene weiter, hat man von Zeit zu Zeit schöne Ausblicke auf das Ankaratra-Massiv. Auf der linken Seite schlängelt sich der Fluss Onive durch die Landschaft.
Km 110: Sehr gefährliche Kurve, in deren Mitte sich eine schmale Brücke über die Eisenbahn befindet.
Km 111: Ilempona, Kreuzung, von der aus eine Strasse ostwärts nach (3 km) Antanifosty abzweigt. (Übernachtungsmöglichkeit, Post, Krankenhaus mit Arzt, S.P.; zwischen diesen beiden Dörfern liegt der Zusammenfluss von Ilempona und Onive).
Diese beiden Flüsse münden in den Mangoro, ein Fluss, der zwischen Mahanoro und Nosy-Varika in den Indischen Ozean mündet: Die Strasse folgt also mehr oder weniger der Wasserscheide, denn der Sisaony und der Andromba, die kurz vor Ambatolampy angetroffen wurden, sind im Gegenteil Teil des Ikopa-Betsiboka-Systems, das nach Majunga entwässert wird.
Km 112: Die Strasse führt durch einen Mimosenwald, der Ende Juni blüht; kurz darauf trifft man auf eine weitere gefährliche Brücke. Reisfelder und Mimosenwälder wechseln sich ab, dann verengt sich die Hochebene zum immer engeren Ilempona-Tal, durch das man hinauffährt.
Km 121: Das Tal wird tiefer und die Strasse folgt dem mit Stromschnellen durchsetzten Fluss; einige Plattaus sind mit Reisfeldern besetzt. Wir überqueren den Ilempona bei (122 km) Andavabato, einem Weiler, von dem aus sich die Strasse in zahlreichen Kurven auf die Sambaina-Hochebene hinaufschlängelt. Über zwei unbewachte Bahnübergänge wird ab Kilometer 133,9 die Bahn nacheinander überquert; nach dem zweiten zweigt eine Strasse auf der rechten Seite nach (47 km) Faratsiho, S. 174, ab.
1968: auf der RN7 von Antananarivo nach Antsirabe
Km 135: Sambaina (Eisenbahn, S. 117; Übernachtungsmöglichkeit, Post, Spital mit Arzt); etwa 5 km von Sambaina entfernt trifft man auf die ersten weissen Häuser des Betsileo-Landes: Es handelt sich in der Tat um eine Übergangsregion zwischen Imerina- und Betsileo-Land, da letzteres erst jenseits von Antsirabé beginnt.
Km 157: Andranomanelatra, ein sehr malerisches Dorf mit weissen Häusern: die Strasse ist von Indochina-Kiefern gesäumt, die dem Ganzen viel Charakter verleihen.
Km 164: Bahnübergang, Flugplatz, zuerst links, dann rechts, die Abzweigungen nach (53 km) Faratsiho und nach (36 km) Zarazafy.
Km 166: Strasse zum Andranobe-See (S. 180); die erste Quelle von Antsirabé ist in einer Mulde zu sehen (kleiner Kiosk, links), dann verläuft die Strasse entlang einem von Indochina-Kiefern gesäumten Reitweg: Dies ist die Grenze des Ost-Parks, wo man nach Antsirabé einfährt.
Km 170: Antsirabé (Eisenbahn, S. 117), 27.000 Einwohner, Hauptort der Präfektur Vakinankaratra, Kurort und Haupttouristenzentrum des Hochlandes. (Siehe S. 176 für eine Beschreibung der Stadt und ihrer Umgebung).
Das Mozea Akiba Museum der Universität in Mahajanga an der Nordwestküste von Madagaskar greift Regionalgeschichte auf und vermittelt zudem erdgeschichtliche Fakten
Madagaskar hat nur wenige Museen und kaum welche, die ihren Namen wirklich verdienen. In der Küstenstadt Mahajanga, die auch Majunga oder Mahajunga geschrieben wird, unterhält die dortige Universität ein kleines Museum, das bestimmt einen Besuch lohnt.
Das Museum blickt weit zurück in die Urgeschichte, als Dinosaurier in der Region lebten und eine der gefundenen Arten wurde sogar in Ehrung der Stadt mit Majungasaurus atops benannt. Nicht weit von Mahajanga entfernt befindet sich im Ort Berivotra in einer Sedimentschicht eine grosse Ansammlung an gut erhaltenen Dinosaurierknochen. Versteinerte Knochen sind im Museum zu finden, wie auch versteinertes Holz.
Madagaskar ist eine geologische Perle mit vielfältigem Vorkommen an Edelsteinen und Halbedelsteinen. Nicht nur Geologen fasziniert der alte Teil von Gondwanaland, sondern auch Händler aus aller Welt. In der Gegend um Mahajanga finden sich begehrte Abbaustellen. Das Museum berichtet davon und macht die Besucher aufmerksam auf die verborgenen Schätze des Bodens. Auch das bei Weitem noch nicht erforschte Höhlensystem von Anjohibe, ein weitverzweigtes Netz an unterirdischen Schluchten, Kathedralen und Ablagerungen, findet im Museum Erwähnung.
Über die Geologie führt das Museum in die Geschichte der Region und in ihre kulturelle Dimension. Mahajanga stand immer im Focus des transmaritimen Handels im westlichen Indischen Ozean. Daraus entstanden Handelsposten und gar Städte mit swahilisch-arabischem Flair. So erinnert die Altstadt von Mahajanga mit ihren schweren Holztüren, verziert mit Schnitzereien und Metallknöpfen an Zanzibar. Diese Episode von ein paar hundert Jahren ist noch nicht aufgearbeitet.
Das Mozea Akiba Museum gibt ethnologische Einblicke in die Volksgruppe der Sakalava, der vorherrschenden Ethnie der Region. Diese musste sich aber vor 200 Jahren dem Volk der Merina aus dem Hochland unterwerfen. Das Museum zeigt historische Fotos von Merina-Festungen entlang der Westküste.
Dieses Universitätsmuseum ist das einzige Museum in Mahajanga und versucht daher, die Region ganz breit zu betrachten. Museumsdidaktik ist in Madagaskar noch ein kleines Wort. Zudem ist das Budget schmal und daher muss der Anspruch an Unterhalt und Präsentation tiefer geschraubt werden. Doch der Ort auf dem Gelände der Universität wird gern von Schulklassen besucht. Für viele Schüler und Schülerinnen öffnet das Museum ein neues Fenster zu Ihrer Umwelt.
Während Ihres Besuchs der Küstenstadt Mahajanga können sie gerne das Mozea Akiba Museum besuchen. Die Infotexte sind in französischer Sprache geschrieben.
Ambositra liegt 1280 m ü. M. im zentralen Hochland von Madagaskar entlang der RN7 zwischen den Städten Antsirabe und Fianarantsoa
Ambositra bedeutet, der Ort wo es viele Omby’s (Rinder) gibt. Die Einwohner dieser Stadt/Region gehören überwiegend der Ethnie Betsileo an und sind bekannt als eines der fleissigsten Völker Madagaskars. Dies ist auch der Grund dafür, dass diese Region sehr viel Landwirtschaft, sprich Reis und Gemüse, produziert.
Die Region rings um Ambositra ist Touristen in erster Linie für ihre Holzschnitzerei bekannt. Es sind meistens Menschen aus der Ethnie Zafimaniry, die diese Kunst ausüben. Seit 2003 zählt diese Handwerktradition zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ein Abstecher in eines der umliegenden Dörfer, um die Holzschnitzer zu besuchen, ist sehr lohnend, wenn Sie genügend Zeit mitbringen. So können Sie den Arbeitern bei der Arbeit zuschauen und auch direkt vom Händler Souvenirs für zu Hause ergattern.
Im Zentrum von Ambositra gibt es aber auch für die Besucher mit etwas weniger Zeit einige Verkaufsläden und Schauwerkstätte, die speziell für Touristen ausgerichtet sind.
Es wird immer noch nach ganz alten traditionellen Methoden gearbeitet. Schauen Sie sich vor Ort alles in der Ruhe an und wer weiss, vielleicht bekommen Sie nach diesem kleinen Video auch Lust bei einem Stopp in Ambositra beim Drechseln selber mitzuhelfen.
Da die meisten Touristen erst im Laufe des Nachmittags nach Ambositra kommen, bleiben nur die wenigsten mehr als eine Nacht und reisen am nächsten Morgen bereits früh wieder ab. So verpassen sie leider ein paar sehr interessante Erlebnisse, denn mit etwas Zeit können Sie noch in aller Ruhe am Vormittag ohne viele weitere Touristen die Attraktionen vor Ort (Kathedrale, Kloster, Markt etc.) entdecken und geniessen.
Madagaskar hat mit seiner Vorgeschichte von Königen und Königinnen mehrere Rovas, Königspaläste, rings um das Hochland verteilt. Der meist bekannte und auch besuchte Palast ist Ambohimanga, am Stadtrand von der Hauptstadt Antanananrivo. Wenige wissen, dass auch Ambositra eine interessante Rova hat, die wirklich einen Besuch wert ist.
Wenn Sie die Rova Tompon’Anarana mit den alten Königshäusern und Gräbern besuchen möchten, gibt es zwei Möglichkeiten diese zu erreichen. So können Sie mit dem 4×4 Allradfahrzeug bis zum Eingang hinauffahren. Diejenigen, die sich gerne bewegen möchten und keine Probleme mit steilen Strassen haben, erreichen die Rova nach etwa einer Stunde zu Fuss vom Zentrum aus. Wenn Sie nicht ganz sicher sind, ob es für Sie zu weit oder zu steil werden wird, dann können Sie auch Ihren Fahrer darum bitten Ihnen eine halbe Stunde nach Abmarsch nachzufahren. So können Sie unterwegs entscheiden, ob Sie weiterlaufen oder sich lieber fahren lassen möchten.
Als Belohnung erhalten Sie dann oben nicht nur die Rova mit ihrer Geschichte, sondern auch einen wunderschönen Ausblick auf die umliegenden Siedlungen. Die Kamera also unbedingt mitnehmen!
Vor Ort finden Sie einen lokalen Guide, der auch von der alten Königsfamilie abstammt. Er erzählt sehr gerne in französischer Sprache die Geschichte seine Ahnen und dieser Rova.
Wenn Sie Hilfe mir der Reiseplanung für Madagaskar benötigen, nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf. Wir erarbeiten nach Ihren Wünschen ein individuelles Reiseprogramm und zeigen Ihnen auch besonders gerne Orte fernab der üblichen Touristenpfade. So kommen Sie der madagassischen Kultur näher und reisen am Ende Ihrer Reise nicht nur mit schönen Souvenirs, sondern auch mit vielen schönen Eindrücken und Begegnungen mit den Einheimischen nach Hause.
Die Produktion von Zwiebeln: Madagaskars Zwiebelgeschichte, ein schwerer Start mit Happy End
Ein Text über die Zwiebel-Produktion, ihre Verwendung in der Küche und anderswo, und madagassischen Sprichwörtern.
Die Zwiebel…dieses in Madagaskar lange unbekanntes Gemüse hat sich nur langsam ihren guten Ruf erarbeitet, obwohl sie eine lange Tradition auf der Insel hat. Heute ist sie nicht mehr aus der madagassischen Küche und Kultur wegzudenken. Was ist geschehen?
Als Nutzgemüse war die Zwiebel lange Zeit als „volin ampela“ eingeordnet: den Frauen zugehörend. Mit der Zeit ist die Zwiebel eine rentable Spekulation für Familien geworden. Zwiebeln werden im Westen, Osten, Norden und Süden Madagaskars angebaut, und zwar sowohl in der Trockenzeit als auch in der Regenzeit. Obwohl sie heute das am viertmeisten konsumierte Gemüse Madagaskars ist, ist die Zwiebel dennoch im Grossteil der Insel nur als Grundnahrungsmittel bekannt. Ihre zahlreichen möglichen Verwendungsweisen in der Küche, aber auch als Medikament haben sich mit der Zeit kaum entwickelt und sind den meisten Madagassen nur sehr grundlegend bekannt.
Seit der Einführung der Zwiebel in Madagaskar im 15. Jahrhundert durch arabische Händler wurde das Gemüse stets von Familien zur Selbstversorgung angebaut. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Kolonialverwaltung den Export der Zwiebel nach Afrika initiiert, aber erst in den 1970er Jahren hat die Zwiebel einen Aufschwung erfahren und wurde zum am meisten angebauten Gemüse der Insel. Erst zu dieser Zeit fingen Familien auch an, Zwiebeln für den Handel anzubauen, anstatt nur für sich selbst. Zudem verlangten die Marktaufsicht für Export und die lokalen Stadtzentren von den Produzenten, sich auf eine Gemüsesorte zu spezialisieren.
In Madagaskar ist die Zwiebel unter dem Namen „tongolo ejypta“, ägyptische Kartoffel aufgrund ihrer Herkunft, bekannt oder unter dem Namen „tongolo be“, grosse Zwiebel, in Bezug auf die kleinere Knoblauchzwiebel (tongolo lay). Das Wort „tongolo“ wurde vom Swahili-Wort „Kitunguu“ abgeleitet.
Indische Händler haben die Zwiebel nach Madagaskar gebracht und zuerst im Nordwesten der Insel, dort wo sie angelegt haben, verbreitet. In den 1930er Jahren hat sich die Zwiebel in der Region Sofia (im Nordwesten Madagaskars) schnell als Gemüse etabliert und von hier aus hat sie Einzug auf die ganze Insel erhalten, was durch die Öffnung der ersten geteerten Strasse sehr erleichtert wurde. In den 1960er Jahren hatte die Zwiebel den Norden Antananarivos erreicht.
Einige Gläubige, vor allem im Hochland Madagaskars, verboten die Zwiebel an bestimmten religiösen Orten. Doch der wirtschaftliche Wert des Produkts veranlasste die Bevölkerung bald, die Tabus und Mythen nicht mehr zu glauben, dass die Zwiebel die Reisernte vernichte oder Lepra auslöse. Im Laufe der Zeit, vor allem mit der Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe in den 1990er Jahren, hat die Zwiebel sich ihren Platz in Madagaskar verdient – sie ist nicht mehr wegzudenken aus der Gemüselandschaft der Insel und wird seitdem in immer neuen Gebieten angebaut.
Die zuletzt neuen Anbaugebiete sind die Gräben rund um den Fluss Mandrare in Anosy und Androy. Die Bauern dieser Region haben sich um die Jahrtausendwende herum auf den Zwiebelanbau spezialisiert. Die Gebiete rund um Tuléar und um Sofia sind momentan die grössten Anbaugebiete und Exportmeister für Zwiebeln in Madagaskar.
Die meistgezüchteten Zwiebelsorten Madagaskars sind „Red Créole“, „die Rote aus Tana“ (Rouge de Tana) und die „Violet de Galmi“. Die rote Zwiebelsorte „Noflaye“ ist die meistgekaufte Zwiebel auf dem Markt. Immer wieder werden auch neue Sorten gezüchtet.
Der Literatur zufolge unterscheiden sich die madagassischen Zwiebeln je nach Anbaugebiet. Grundsätzlich ähneln die runden Zwiebeln jedoch grundsätzlich in Form und Farbe der Sorte „Red Créole“ und die flacheren der Sorte „Violet de Galmi“. Die verschiedenen Zwiebelsorten in Madagaskar unterscheiden sich dabei nur gering. Manche Forscher hinterfragen sogar, ob es überhaupt gerechtfertigt ist von typisch madagassischen Zwiebel-Kultivaten zu sprechen.
Bei den madagassischen Bauern bekommen die Zwiebelsorten übrigens Namen entsprechend ihrer Anbauregion. Man findet beispielsweise die Sorte „Manakana“ in Ambatrondrazaka oder die Sorte „menakely (kleine Rote) aus Mampikony“,…
Die Bauern produzieren dabei auch immer Zwiebelsorten und Varietäten entsprechend den klimatischen Bedingungen vor Ort, ebenso wie entsprechend ihren landwirtschaftlichen Möglichkeiten und ihrer Kultur. So sind zum Beispiel neue Zwiebelsorten sehr selten, da die madagassische Gesetzeslage es verbietet, deren Ableger einzuführen: es sollen Krankheiten vermieden werden, die durch den Boden übertragen werden und so auch die heimischen Pflanzen angreifen können.
Im Westen und Süden Madagaskars wird die Zwiebel in der Trockenzeit von Mitte Juni bis Ende Oktober angebaut. Die Zwiebel wird meist in bewässerten Zonen, vor allem entlang von Wasserläufen, bei Ebbe, in den „baiboho“, dem Schwemmland in Reisfeldern, das sich dort durch Fluten abgelagert hat oder während der Brache dort, angebaut.
Im Hochland und im Osten Madagaskars wird die Zwiebel meist in der Regenzeit auf dem besten Land angebaut, aber auch ausserhalb der Saison. Die Anbautechniken sind auf der ganzen Insel gleich: entweder werden die Samen direkt gesät und dann umgepflanzt, oder durch Pflanzen von jungen Zwiebelpflanzen. Überall in Madagaskar erlauben es der landwirtschaftliche Pflanzkalender, die verschiedenen Anbautechniken sowie das landwirtschaftliche Potenzial der Anbaugebiete, dass Bauern die Zwiebeln zu jeder Jahreszeit pflanzen.
Bis auf zwei Ausnahmen sind die Erntezeiten für die Zwiebeln in ganz Madagaskar von August bis November. In der Region Ambatondrazaka gibt es allerdings zwei Ernten pro Jahr: von April bis Juni und von Oktober bis Dezember. Und in der Zone um Mampikony können die Zwiebeln bereits ab Juni geerntet werden.
Der Zwiebelpreis ist niemals fix und variiert von Jahreszeit zu Jahreszeit. Von März bis Mitte Juli schiesst der Preis in die Höhe, weil der Markt eine vorübergehende Verknappung erlebt. Ausserdem bestimmt das Vorhandensein von Wasser sehr stark den Anbau der Zwiebel, da die Pflanzen sehr darauf angewiesen sind. Jedes Jahr werden entweder zuviele Zwiebeln produziert, oder sie ist ein knappes Gut. Die jährliche Zwiebelproduktion in Madagaskar beläuft sich nach Schätzungen der PHBM (Projektentwicklung des oberen Mandrare-Beckens) auf rund 18.500 Tonnen.
Die Zwiebeln werden hauptsächlich auf dem Inlandsmarkt und vor allem in den grossen Städten verkauft, wo die meisten Abnehmer sind. Aber Madagaskar exportiert auch auf die anderen Inseln im Indischen Ozean, wo wiederum Réunion vor den Komoren, den Seychellen und Mauritius der grösste Exporteur für Zwiebeln ist. Doch Madagaskar schafft es nicht, mehr als 2000 bis 3000 Tonnen Zwiebeln pro Jahr zu exportieren, auch wenn man alle Anbaugebiete zusammenfasst. Dabei liegt die Nachfrage bei weit über 9000 Tonnen. In den Jahren 2001 bis 2004 lag sie sogar bei 12.500 bis 15.000 Tonnen!
Regionale Marktbündnisse wie SADC (Southern African Development Community), COMESA (Marktzusammenschluss für das Südliche und Östliche Afrika) und COI (Kommission des Indischen Ozeans) beginnen, sich für die Zwiebeln aus Madagaskar zu interessieren. Madagaskar ist durch seine Lage ab der Hauptrouten und den damit verbundenen Mehrkosten für Transport sanktioniert. Deshalb versucht das Land bei der Entwicklung des Zwiebel-Sektors auf Qualität zu setzen anstatt auf Masse.
Doch auch diese Ausrichtung gestaltet sich schwierig: die Auslieferung der Zwiebeln von der Ernte zu den verschiedenen Märkten wird durch den schlechten Zustand der Strassen behindert, gleichzeitig werden Kalibrierungsstandards von Zwischenhändlern oft nicht eingehalten oder sind unsicher. Kurz gesagt bleibt der Zwiebelsektor Madagaskars problematisch, denn die Lagerung der Zwiebeln ist nicht gut kontrolliert und es fehlt an Organisation zwischen den Produzenten und den Aufkäufern. Oft halten sich die Produzenten nicht an die Ankunft der Händler, welche die Marktgesetze regeln.
Was den Verzehr von Zwiebeln in Madagaskar betrifft ist es so, dass das Gemüse meist als Gewürz verwendet wird: in Saucen mit Tomaten und / oder Fleisch gekocht, auch in Kombination mit anderem Gemüse wird es zu Reis serviert. Zwiebeln werden häufig in Essig eingelegt (für Salatsaucen und Pickles) und neben anderen Gemüsepickles (aus Kohl, Karotten, Gurken, Tomaten oder Rougail) gegessen.
Die Verwendung der Zwiebel als Gemüse, wie beispielsweise Karotte oder Kartoffel, ist auf Madagaskar nach wie vor unbekannt. Nur die reiche Bevölkerung der grossen Städte verbrauchen grosse Mengen Zwiebeln als Gewürz oder Gemüse, zum Beispiel für das berühmte Gericht „Schweinshaxe mit Zwiebeln“. Die meisten Zwiebelproduzenten gaben bei einer Befragung an, dass sie selbst gar keine Zwiebeln essen, andere erzählten, dass sie rohe Zwiebeln als Beilage zu Reis essen.
Die Zwiebel hat gleichzeitig sehr viele therapeutische Eigenschaften: Sie ist ein Hausmittel gegen Grippe und Husten sowie bei Insektenstichen und anderen Wunden.
Bei einer noch kleinen Gruppe der madagassischen Bevölkerung, die sich für Bioprodukte begeistert, ist die Zwiebel gefeiert, und vor allem für kosmetischen Behandlungen (gegen Haarausfall) ist sie beliebt.
Aufgrund ihres intensiven, oft als unangenehm empfundenen Geruchs gibt es in Madagaskar folgende Zwiebel-Sprichwörter:
Tongolo maty taho, ka be fofona amin’ny tany: Zwiebeln, deren Stiel abgefallen ist, riechen sehr schlecht. – Böse Taten verbreiten einen üblen Geruch.
Aza mandrora olon-tsy maimbo, ka hatao mangidy be fofona , ohatra ny tongolo tapa-bilany, ka mangidy be fofona: Spuckt nicht in der Nähe von Menschen, die nicht schlecht riechen, behandelt sie wie einen Topf halb gefüllt mit stark riechenden Zwiebeln. – Nehmt euch in Acht vor denen, die die Revolte anführen und von denen falsche Gerüchte gestreut werden
Es gibt auch einen madagassischen Ausdruck, der gleichzeitig als Sprichwort verwendet wird: „Manina ny tongolon’i Ejipta“ – „Die Nostalgie der Ägyptischen Zwiebeln haben.“ Dieses Zitat wurde von Madagassen vom Original aus der Bibel Kapitel 11, Vers 5-6 abgewandelt: Dort wird die Lage der Hebräer beschrieben, die von Moses angeführt nach Ägypten zurückkehren möchten…und die, als sie ohne alles in der Wüste ankommen an all die guten Dinge von Ägypten denken – Fisch, Gemüse aller Art…und sogar die Zwiebel wird dort genannt. Die Madagassen verwenden diesen Ausdruck, wenn sie sich auf etwas beziehen, was nicht mehr existiert, aber was für sie eine perfekte Situation war/ wäre. Sie verwenden ihn auch, um jemanden daran zu erinnern, dass dieser einer vergangenen Situation nachtrauert und idealisiert, die so nicht mehr vorhanden ist.
Der Zwiebelanbau in Madagaskar geht voran und erweitert seinen Horizont, aber es bleibt noch viel zu tun, damit die Zwiebel das Niveau der anderen Exportprodukte erreicht.
Startet der Zug wie geplant um 07.00 Uhr pünktlich oder nicht, das ist an einem Tag wie diesem Nebensache. Ab dem Moment, an dem man den Bahnhof betritt, befindet man sich in einer eigenen Welt. Einer Welt mit vielen neuen Geräuschen, farbenfrohen Menschen, vielleicht ein paar Tieren, vielen Gütern und sicherlich auch mit einigen bekannten oder unbekannten Duftnoten.
«Mora-mora», das madagassische Wort mit der Bedeutung «langsam-langsam», wird an einem Tag wie diesem grossgeschrieben und ohne eine grosse Portion Gelassenheit und gleich viel Abenteuerlust und Neugier, sollte man nicht einmal ein Ticket kaufen.
Es kann sein, dass der Zug wirklich 1 Minute vor 07.00 Uhr startet, so dass es sich lohnt, früh genug am Bahnhof zu sein. Als Tourist empfiehlt es sich in der Hochsaison auch, Tickets im Voraus zu kaufen, um sicherzustellen, dass man wirklich mitfahren darf. Am besten, man ergattert ein Ticket für einen Sitz in Fahrrichtung links, wenn man vom Hochland an die Ostküste Madagaskar fahren möchte. So hat man unterwegs die beste Aussicht, da fast alle Bahnhöfe auf der linken Seite zu sehen sind.
Am Sitzplatz angekommen kann es gut sein, dass man sich mehr zu Hause fühlt als gedacht: nicht nur die Sitze erinnern an die Heimat, auch ein Schild an der Wand lässt einen leicht die Frage stellen, wo man sich wohl gerade befindet.
Jeder Schweizer hat solch ein Schild wohl mehrmals gesehen. Wie lange es jedoch her ist, dass man lediglich Fr. 20,- entrichten musste, sollte man „vergessen“ haben ein Ticket zu kaufen, das wissen nur die Wenigsten.
SBB hat auf unsere Nachfrage dies geantwortet: Wir haben etwas nachgeforscht und folgendes herausgefunden:
In der SBB-Zeitung resp. im SBB-Nachrichtenblatt konnten wir in den Jahren 1976 und 1986 eine jeweilige Angabe finden. Im Jahre 1976 wurde eine Busse von 10 Franken erhoben. Bis ins Jahr 1986 stieg die Busse auf 30 Franken an. Vermutlich wurde eine Erhöhung auf 20 Franken in den 80ern gemacht.
Falls Sie gerne selbstständig eine umfassendere Recherche machen möchten, können Sie gerne bei SBB Historic im Lesesaal in Windisch vorbei gehen. Öffnungszeiten und Standort finden Sie unter https://www.sbbhistoric.ch/…/stan…/archive-windisch.html.
Unterwegs von Fianarantsoa nach Manakara, einer Fahrt, die über 47 Brücken und durch 48 Tunnel führt, geht es sehr langsam voran. Die ganze Strecke ist nur 163 Kilometer lang, aber gleichwohl braucht der Zug meist 15 Stunden, wenn nicht mehr, bis er an der Küste ankommt. Unterwegs werden an vielen Bahnhöfen kurze und auch längere Stopps eingelegt und je nach Aufenthaltsdauer hat man die Möglichkeit, das Alltagsleben der Einheimischen zu beobachten und auch in Kontakt mit ihnen zu treten.
Für unterwegs sollte man zusätzlich genügend zu trinken mitführen und eine Jacke für den Abend. Zudem sollten auch genügend Speicherplatz und Strom für die Kamera mitgenommen werden – sprich, mindestens eine extra voll aufgeladene Batterie. Schon vor der Abfahrt haben die meisten Touristen bereits viele Fotos gemacht und es wäre schade, wenn man unterwegs nicht alles festhalten kann, wenn man gerne fotografiert. Die Reise ist sehr abwechslungsreich und unterwegs fährt man durch das einzige Teegebiet im Madagaskar, durch den Regenwald mit seinen vielen Dörfern, die zum Teil nur mit der Eisenbahn erreichbar sind und kommt am Abend im Dunkeln in Manakara, einer Küstenstadt, an. Da es in Madagaskar sehr früh dunkel wird, erreicht man die letzten Bahnhöfe erst nach Einbruch der Dunkelheit. Auch wenn die Dörfer keinen Strom haben, wird man gleichwohl etwas sehen. Wie die Dorfbewohner dieses Problem dann lösen und einem trotzdem zeigen können, was sie einem alles verkaufen wollen, das verraten wir noch nicht – dass muss man selber erleben. Wie es tönt, kann man unten anhören und vielleicht bekommt man gleichzeitig ein kleines Bild im Kopf davon, wie es aussehen könnte.
Was sich wirklich lohnt unterwegs zu probieren ist der Kobaravina / Bananenkuchen https://issuu.com/ellenspinnlerhelmersen/docs/kobaravina, der von mehreren der fliegenden Händler verkauft wird. Auch andere lokale Spezialitäten werden je nach Bahnhof und Gegend angeboten. Wichtig ist hier, dass man im Voraus viele kleine Noten der Landeswährung Ariary zur Seite gelegt hat für diesen Tag. Die meisten Lebensmittel (Kuchen, Obst etc.), die man unterwegs kaufen kann, kosten zwischen 100 – 200 Ariary pro Stück. Ein Kilo Bananen 1000 – 2000 Ariary. Wenn man dann mit 10.000 oder 5.000 Ariary bezahlen möchte, haben die Händler selten Wechselgeld.
Irgendwann nach 12-13-14-15-16……. Stunden erreicht man Manakara, total müde, aber mit einem Kopf voll von Bildern und einem Herz voll von Erinnerungen. Das Einzige, das man nun gerne machen will, ist schlafen. Und wenn man ein Hotel direkt am Meer gebucht hat, dann wird das Meeresrauschen einen in den Schlaf begleiten, gemischt mit dem Ton im Kopf, «kadunk, kadunk, kadunk», von der langen Zugfahrt.
Jean Laborde war ein französischer Abenteurer, geboren am 16. Oktober 1805 in Auch im Südwesten Frankreichs. Als junger Erwachsener reiste er 1825 nach Indien und machte sich als geschickter Handwerker Namen und Vermögen. Trotz des behaglichen Wohlstands packte ihn die Abenteuerlust und nach 6 Jahren in Indien reiste er weiter Richtung Madagaskar. Der Plan, auf der kleinen Insel Juan de Nova einen Schatz zu suchen, wurde von einem Sturm verhindert. Nach lebensbedrohenden Tagen auf See erlitt er Schiffbruch an der madagassischen Ostküste. Er verlor seinen gesamten Besitz, konnte sich aber an Land retten.
Im Madagaskar kam er durch Beziehungen zum Händler Napoléon de Lastelle in Kontakt mit der damals 42-Jährigen verwitweten Königin Ranavalona I. War es eine rein geschäftliche Beziehung oder mehr, bleibt ungewiss. Jedenfalls wurde er sehr schnell als einer der Günstlinge des Hofes betrachtet.
In Mantasoa begann Jean Laborde 1837, einen Industriekomplex aufzubauen. Im rund 70 km östlich der Hauptstadt Madagaskars gelegenen Hügelort produzierte er aus Ton Töpfereien, aus Eisen machte er Gewehre und Kanonen. Er stellte Glas her, kelterte Wein, produzierte Seife, Kerzen und Schiesspulver. Jean Laborde war ein technischer Alleskönner, der über zwei Jahrzehnte das volle Vertrauen der Königin genoss. Er braute für sie den Holzpalast auf der Rova in Antananarivo. (1995 abgebrannt.) Dabei beschäftigte er Legionen an Arbeitern und oft waren es Zwangsrekrutierte.
Nach einem Komplott gegen die verhasste Königin wurden alle Europäer des Landes verwiesen. So auch die österreichische Reiseschriftstellerin Ida Pfeiffer, die sich gerade in Antananarivo aufhielt. Jean Laborde wurde als letzter Vazaha (Fremde) aus Madagaskar verwiesen, kehrte aber 1861 nach dem Tod von Königin Ranavalona wieder zurück. Bis zu seinem Tod 1878 amtierte er als französischer Generalkonsul.
Der etwas verschlafene Ort Mantasoa liegt heute abseits von Hauptstrasse und Eisenbahn. Für die Einwohner von Antananarivo ist die Region um Mantasoa ein beliebtes Ausflugziel. Die Stadtbewohner machen Wanderungen und picknicken gerne am See, der eigentlich ein künstlicher Stausee ist. Die kahle Umgebung wurde vor 100 Jahren mit Eukalyptus bepflanzt, um die Dampflokomotiven heizen zu können. Der Eukalyptuswald ist heutzutage über grosse Weiten abgeholzt. Der einstige Charme der Landschaft ist nunmehr nur noch schwer vorzustellen.
In Mantasoa kann man das alte Wohnhaus von Jean Laborde besichtigen. Es ist als kleines Museum hergerichtet. Auf einem privaten Friedhof findet man das sehr imposante Grab von Jean Laborde. Ein von Jean Laborde gebautes wuchtiges Steinhaus ist jetzt eine Handwerkerschule, und der Hochofen für das Schmelzen von Metall ist weiterhin zu besichtigen.
Für Europäer hat der Ort als solcher, wegen der grossen Abholzung, keinen besonderen Besucherwert. Aber wenn man einen Tag lang das gewaltige Lebenswerk von Jean Laborde näher kennenlernen möchte und erfahren möchte, was für eine grosse Rolle er in der madagassischen Geschichte gespielt hat, dann lohnt sich ein Besuch bestimmt. Zudem befinden sich in Mantasoa ein paar ausgezeichnete Hotels und Restaurants.
Mit dem Fund eines 50 Kilogramm schweren Silberbarrens in einer Bucht der kleinen Insel Sainte Marie, der angeblich von William Kidd stammen soll, hat es Madagaskar gerade wieder einmal in die Medien geschafft.
Tatsächlich ist die Geschichte der Freibeuter und Seeräuber in Madagaskar von zahlreichen Mythen und Rätseln geprägt, und daher bis heute spannend und erzählenswert. Piratengeschichten nähren die Phantasie Europas seit Jahrhunderten. Dabei seien die Vorstellungen vom aufregenden Leben der Piraten in den Gewässern rund um die Pfefferinsel Madagaskar oft romantisiert, sagt Bettina Fong Yam vom Piratenmuseum in Antananarivo.
Das Piratenmuseum in der madagassischen Hauptstadt wurde Ende 2008 vom Reiseveranstalter PRIORI eröffnet.
Es greift die Geschichte der Piraten Madagaskars auf, geht aber auch auf Seeräuber in der Karibik, ein. Berühmte Piraten werden ebenso vorgestellt wie die mysteriöse Piratenrepublik Libertalia, die sich im Norden Madagaskar befunden haben soll. Madagassische Mitarbeiter führen durch die Ausstellung, auf Wunsch auch auf Deutsch.
Die Piraterie entstand im Indischen Ozean vor etwa 300 Jahren. Damals entstand Schiffhandel zwischen China, Arabien, Indien und Europa. Neben Gewürzen, Reis, Tee und Zucker, wurden auch Indigo, Edelsteine, Kupfer sowie Baumwolltücher von der Malabar- und Coromandelküste, und Seidentücher aus Bengalen über den Seeweg exportiert. Auch reich beladene persische und indische Pilgerschiffe auf ihrem Weg nach Mekka, sowie die Silberflotten der spanischen Kolonien durchfuhren den Indischen Ozean und passierten Madagaskar.
Die Insel war ein idealer Ort für die Piraten, die meist aus Europa kamen. Zahlreiche Buchten, vor allem entlang der stürmischen Ostküste zwischen Tamatave und Antongil mit der vorgelagerten kleinen Tropeninsel Sainte Marie, bildeten beliebte Aufenthaltsorte und Verstecke entlang der viel befahrenen Handelsrouten.
Der wohl bekannteste Pirat Madagaskars war der schottische Kaufmann William Kidd.
Über zwei Jahre segelte er, eigentlich als Piratenjäger, in den Gewässern zwischen Afrika und Indien und betätigte sich dabei selbst als rücksichtsloser Pirat. Entgegen vieler – vor allem wohl touristisch förderlicher – Angaben liegt William Kidd jedoch nicht auf dem bekannten Piratenfriedhof auf der Insel Sainte Marie begraben. 1701 wurde William Kidd in London der Prozess gemacht und dort gehenkt.
Bis heute liegen in den Buchten der kleinen Insel Sainte Marie zahlreiche Wracks. Wie es sich für eine gute Piratengeschichte gehört wird auch hier ein noch unentdeckter Piratenschatz vermutet.
Seit Jahren sind Schatzsucher und Archäologen auf der Suche nach Kidds verschollener Beute. Der Silberfund des amerikanischen Taucherteams stammt angeblich aus dem Wrack der „Adventure Gallery“, dem Boot William Kidds: Münzen, chinesisches Porzellan aus dem 17. Jahrhundert und der 50 Kilogramm wiegende größte jemals gefundene Silberbarren. 13 weitere Wracks sollen in der Bucht vor Sainte Marie liegen und weitere Schätze beherbergen.
Der Fund und die mediale Aufbereitung entfachen nun neue Geschichten rund um Madagaskars Piratengeschichte. Als Touristen-Magnet lohne sich der Mythos allemal, sagt Bettina Fong Yam vom Piratenmuseum in Antananarivo: „In Madagaskar gibt es mittlerweile Hotels, Restaurants, Straßen, die sich ‚Libertalia‘ oder nach einem Piraten nennen.“
Wer mehr über die Piraten in Madagaskar und ihr Leben erfahren möchte ist bei PRIORI richtig:
Die seit November 2014 erfolgten Pestausbrüche in Madagaskar fanden weltweit ein breites Presse-Echo.
In Madagaskar ist Pest während der Regenzeit ein jährliches Phänomen.
Zwischen November und März kommen die Ratten näher an die Siedlungen heran. Dabei tragen sie ihre Flöhe zu den Menschen. Die zuweilen eingesetzten Ratten-Gifte töten zwar die Nager, nicht aber die Flöhe, die sogar zunehmend resistent werden. Unwissenheit, Scham und der Glaube an die Heilkräfte von traditionellen Heilmethoden führen dazu, dass Patienten erst in sehr fortgeschrittenem Stadium zu einem ausgebildeten Mediziner geht – wenn überhaupt. Die traditionellen Todesrituale in Madagaskar fördern zudem eine Ausbreitung der Pest. Im ‚Normalfall gibt es in Madagaskar jedes Jahr ein paar dutzend Pesttote. Meist geschieht dies im Januar und Februar.
Für Madagaskar-Reisende stellt die Pest nur in absoluten Sonderfällen ein Risiko dar.
Dieses Risiko erhöht sich bei Aufenthalten in übervölkerten Stadtgebieten, die in hygienisch nicht akzeptierbaren Zonen liegen (z.B. stehendes Wasser, Abfallberge). Es ist zu erwähnen, dass noch nie ein Europäer in Madagaskar aufgrund eines Pestbefalls gestorben ist.
Madagaskars Geschichte der Pest
Die Pest gelangte mit den Segelschiffen der Kolonialmächte nach Madagaskar, über die Ratte als Zwischenwirt. 1921 grassierte die Pest erstmals in grossem Mass in Madagaskar. Die französische Kolonialregierung reagierte mit voller Härte. Die Pesttoten gingen zurück, aber erst 1950 galt die Hauptstadt als pestfrei.
Bevölkerungsexplosion und Verarmung weiter Bevölkerungsteile seit den dramatischen 70er Jahren haben in Madagaskar – zusammen mit dem Absinken des Bildungsniveaus – bewirkt, dass die Pest jedes Jahr ein paar Dutzend Opfer fordert. Dies hat sich durch die katastrophale Vernachlässigung der staatlichen Dienste seit dem Regierungsputsch von 2009 verschlimmert.
Die Pest kommt bis heute in 21 Ländern vor.
Madagaskar steht mit dem Problem von Pest nicht allein da. Die WHO stellt jedes Jahr bis zu 2000 Pestfälle in bis zu 21 Ländern fest. Meist kommt bricht die Krankheit dort aus, wo es zu häufigem Kontakt zwischen Haus- und Wildratten kommt. Schlechte Hygiene, Armut und die offene Lagerung von Abfällen begünstigen die Übertragung der Krankheit. Aber auch in reicheren Regionen mit gutem Hygienestandard treten immer wieder Fälle der Pest auf. So z.B. in den USA, wo die Infektionskette häufig vom Präriehund ausgeht.
Drei Pest-Formen
Bei der Pest handelt es sich um eine hochansteckende Infektionskrankheit, die durch Bakterien (Yersinia pestis) ausgelöst wird. Man unterscheidet heute drei Formen der Pest: Beulenpest, Lungenpest und Pestsepsis:
Die Beulenpest macht über 80% der weltweiten Pestfälle aus. Sie wird durch die Flöhe von Nagetieren auf andere Tiere und Menschen übertragen. Krankheitssymptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie eine Entzündung der Lymphknoten im Leistenbereich. Die Schwellung wird zu Beulen mit bis zu zehn Zentimetern Durchmesser, die sich aufgrund innerer Blutungen blauschwarz färben. Daher kam auch der Name „Schwarzer Tod“ für die mittelalterliche Pest.
Bei der Form Pestsepsis verbreitet sich die Infektion über das Blut. Sie kann zu Meningitis oder endotoxischem Schock führen. Pestsepsis kann sich aus der Beulenpest entwickeln, aber auch so auftreten.
Die Lungenpest entsteht als sekundäre Infektion der Lungen, wenn sich die Pestbakterien im Körper ausbreiten. Sie führt zu einer schweren Lungenentzündung.
Beulenpest und Pestsepsis werden nur über Flöhe übertragen und nicht von Mensch zu Mensch. Eine direkte Übertragung der Pest zwischen Menschen gibt es nur bei der Lungenpest. Diese Form der Krankheit kann bei engem Patientenkontakt durch Tröpfchen übertragen werden und dann zu einer primären Lungenpest führen. Die Inkubationszeit der Pest beträgt zwei bis sechs Tage.
Die Krankheit kann antibiotisch behandelt werden und bei früher Diagnose sind die Heilungschancen gut.
Ohne schnelle und effektive Behandlung enden 50 bis 60 Prozent der Beulenpestfälle tödlich. Unbehandelte Fälle von Pestsepsis und Lungenpest führen immer zum Tode. Die Diagnose für Lungen- und Beulenpest kann heutzutage mittels eines 15-minütigem Schnelltests erfolgen. Es gibt sogar einen Impfstoff gegen die Beulenpest.
Weitere Informationen und ärztliche Ratschläge holen Sie bitte bei Ihrem Hausarzt oder bei spezialisierten Tropeninstituten ein .