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Junges Mädchen aus Hérémence
Pastell auf Karton, 45 x 37 cm
Das junge Mädchen aus Hérémence von Raphy Dallèves trägt eine Tracht ähnlich derjenigen der betenden Frau, die auf dem Bild «der Friedhof von Hérémence» von Edouard Vallet von hinten zu sehen ist. Besonders der Hut mit der auf Ohrenhöhe leicht gewölbten Krempe fällt auf. Solche Hüte trugen die Frauen zur Zeit von Dallèves und Vallet. Er ist aus geflochtenem Stroh. Die geflochtenen Strohbänder werden zusammengenäht und dann eingekleistert, um dem Hut die gewünschte Form zu verleihen und diese zu festigen. Die Krone wird rundherum mit schwarzen Seidenbändern geschmückt, die etwa sechs Zentimeter breit und horizontal gefältelt sind. Die Krempe ist mit Samt bezogen. Dazu kommen Ohrenklappen aus schwarzer Seide. Keine Haube auf dem Chignon, so ist es in Hérémence üblich. Das junge Mädchen trägt einen caraco – eine Jacke aus Wolle oder Leinen – und darunter eine Bluse aus Hanfleinen. Bei Dallèves nicht zu sehen ist der blantsé, das Kleid, das die Frauen damals trugen. Der obere Teil heisst cochèt. Er ist ärmellos und besitzt einen Rundhalsausschnitt. Der Teil unterhalb der Taille besteht aus einem Rock mit schmalen Falten, die sich nach hinten zu grossen Bügelfalten verbreitern. An die Füsse kamen weisse Wollstrümpfe und lederne Schnürstiefeletten. Ein Seidenhalstuch und eine Baumwollschürze vervollständigten die Tracht.
Die Sammlung der Walliser Kantonalbank umfasst viele Bilder von Walliserinnen in Trachten, die für einen Ort, eine Region oder ein Tal typisch sind: das rote Halstuch aus dem Val d’Illiez, die Hüte mit gefältelten Bändern aus dem Eifischtal, der cotën aus Savièse, der etwas schräg über das Ohr gezogene Hut aus Evolène, der blantsé aus Hérémence ... Während die traditionelle Kleidung ab Mitte des 19. Jahrhunderts in den meisten Kantonen verschwand, «zeigt das Fortleben der Tracht [im Wallis] die scheinbare Zeitlosigkeit einer Region, die von aussen wie unberührt von der Moderne scheint», wie die Kunsthistorikerin Aude Fellay schreibt.
Dallèves Raphy
Raphy Dallèves wurde am 26. Januar 1878 in Sitten geboren. Joseph Morand erteilte ihm den ersten Malunterricht. lm Jahre 1899 zog er nach Paris. Er besuchte zunächst die Académie Julian und studierte dann an der Académie des Beaux-Arts bei Léon Bonnat.Mehr