Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03100.jsonl.gz/370

| Tertullian († um 220) - Über den weiblichen Putz (De cultu feminarum)

Buch 1
6. Kap. Dasselbe gilt von den Edelsteinen und Perlen.
Und jene kleinen Steinchen, welche ihren Prunk mit dem des Goldes zu verbinden pflegen, wofür anders soll ich sie erklären, als für Steinchen, Kieselchen und kleine Klümpchen derselben erdigen Masse, die freilich nicht dazu dienen, Fundamente zu legen, Wände zu bauen, Dachfirsten zu tragen oder Dächer zu verschmieren!? Sie sind zu nichts gut, als Bewunderung der Weiber zu erregen; sie werden mit Bedacht geschliffen, damit sie glänzen, mit Schlauheit eingefaßt, damit sie schimmern, mit Vorsicht durchbohrt, um sie aufzuhängen, und leisten so dem Golde ihre buhlerischen Dienste gleichsam zum Danke, Was die Prunksucht aus dem Britannischen oder Indischen Meere herausfischt, ist auch nichts weiter als eine Art Schaltier, noch nicht einmal so schmackhaft wie die Riesenmuschel, geschweige denn wie Schnecke und Auster. Dazu lasse ich mir die Schaltiere gefallen, als Früchte des Meeres. Wenn aber jenes Schaltier inwendig gewisse Auswüchse zeigt, so muß das bei ihm wohl mehr eine Krankheit sein als ein Vorzug. Wenn jene Auswüchse gleich den Namen [S. 183] Perlen führen, so sind sie trotzdem nicht als etwas anderes anzusehen, als für eine harte, runde Warze jenes Schaltieres1.
Man sagt, auch aus dem Vorderkopfe des Drachen kämen Edelsteine, sowie sich im Gehirne der Fische ein harter Gegenstand findet. Das fehlte noch, daß die Christin von der Schlange ihren Putz entlehne! Wahrscheinlich wird sie den Kopf des Teufels zertreten, wenn sie aus seinem Kopfe einen Schmuckgegenstand für ihren Nacken oder ihren Hals entnimmt!
1: In der Öhlerschen Ausgabe fehlt non vor tamen.