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Mike Carremans zeigt uns unter Anderem eine Porträtreihe von belgischen Missionaren, welche während der Kolonialzeit in den Kongo geschickt wurden. Im Anschluss an die Unabhängigkeitserklärung der Republik Kongo kam es zu Gewalttaten der Simbarebellen, welche sich gegen die früheren Kolonialherren richteten. Schon bald zählten auch Nonnen, Priester und Missionare zu ihren Opfern. Auch ein Grossonkel des Künstlers wurde während dieser Wirren umgebracht.
Carremans malerischer Ansatz erinnert an das Adobe Illustrator „gradient mesh-tool“. Er unterteilt das zu malende Bild in Einzelflächen, welche er anschliessend unterschiedlich ausmalt. Auf diese Weise gelingt es, einen scheinbaren 3-D Effekt zu erzielen. Denselben Ansatz, bei welchem die Anatomie sowie die Oberflächenstruktur der Haut unwichtig werden, benutzte er in einer Werkgruppe, in welcher er Blitzlichtreflexe auf Farbreproduktionen des englischen Malers der Romantik Joseph Wright malte.
Da gegenständliche Malerei nicht nach naturgetreuer Abbildung verlangt, verwendet der Maler kleine Schwarzweissphotos als Vorlage für seine farbigen Porträts.
Den Porträts stellt Carremans eine Serie abstrakter Bilder gegenüber. Er stellt dadurch die Wichtigkeit der figürlichen Darstellung und gleichzeitig die geschichtliche Relevanz der ermordeten Missionare in Frage. Vielleicht handelt es sich ja nur um Anekdoten?
Carremans wählte den Titel „Chromotose“ aufgrund früherer Bilder, die er von Ishihara-Farbtafeln, sie dienen zur Erkennung der Farbblindheit, malte, und die auf seine eigene Situation als farbenblinder Maler aufmerksam machen. Trotzdem lässt der Begriff „Chromotose“ (Chromatose), welcher auch pathologische Pigmentstörungen der Haut umschreibt, die Fragen, welche in dieser Ausstellung gestellt werden, erahnen.
Sowohl in der Serie der abstrakten Bilder wie auch der Porträts wird die Realität als Referenz unwichtig. Die figürliche Darstellung macht es jedoch einfacher, Farbabweichungen (grüne Haut, violettes Haar) zu erkennen.
In dieser Ausstellung hinterfragt Carremans den Einfluss seiner gestörten Farbwahrnehmung auf die eigene Malerei.
In freier Interpretation vermischt er die theoretischen Ansätze und Prinzipien von Sehtests und Farbtafeln, und malt so Bilder entgegen der gegenwärtigen Tendenz in der Gegenwartskunst, welche die Kunst mit den exakten Wissenschaften möglichst abgleichen möchte.