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Das musst du wissen
- In der Vergangenheit deuteten Berichte darauf hin, dass Sars-CoV-2 über die Augen in den Körper eindringt.
- Nun hat eine Studie gezeigt, das sich das Virus nicht auf der Hornhaut des Menschen vermehrt.
- Dies ist aber keine Entwarnung, da nur wenige Patienten untersucht wurden und der Schutzmechanismus nicht bekannt ist.
Warum dies überraschend ist. Viele Viren wie Zika- oder Herpesviren gelangen über die Hornhaut in den Körper. Sie besitzt diejenigen Rezeptoren, mit denen Viren normalerweise in Zellen eindringen. Wenn die Hornhaut über Mechanismen verfügt, die das Coronavirus abhalten, wäre dies ein Ansatz, um biologische Schutzmethoden zu entwickeln. Diese könnten Personen schützen, die mit Covid-19-Patienten in Kontakt kommen. Ausserdem könnten solche Schutzmethoden die Vorbehandlung von Geweben für eine Transplantation erlauben.
Blick zurück. Um zu verstehen, warum das Auge in Bezug auf Covid-19 so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, müssen wir mehrere Monate zurückgehen: bis zum Beginn der Epidemie, als der chinesische Arzt Li Wenliang an dieser neu auftretenden Krankheit starb.
Wenliang hatte seine Kollegen vor der Verbreitung eines neuen Coronavirus gewarnt. Daraufhin wurde er am 1. Januar wegen der «Verbreitung falscher Gerüchte» verhaftet. Der Arzt wurde zum Symbol für ein fehlerhaftes System, dem die Überwachung von Virusausbrüchen nicht gelang. Er war Augenarzt. Aleksandra Petrovic, Augenärztin am Augenspital Jules-Gonin in Lausanne, erinnert sich:
«Mehrere Ärzte infizierten sich trotz Schutzanzügen. Sie trugen keine Brille.»
Seither wird das Risiko einer Augeninfektion von den Gesundheitsbehörden sehr ernst genommen.
Die Ergebnisse. Um dieses Risiko einzuschätzen, untersuchten Forscher an der Washington University School of Medicine in St. Louis die Replikation mehrerer Viren auf der Hornhaut.
Die in Cell Reports veröffentlichten Ergebnisse zeigen:
- Das Zika-Virus kann durch Transplantieren einer infizierten Hornhaut bei Mäusen übertragen werden. Dasselbe Virus vermehrt sich jedoch nicht gut auf menschlichen Hornhäuten.
- Sars-CoV-2 hingegen vermehrte sich bei den sieben getesteten Transplantaten überhaupt nicht.
- Interferon Typ III (eines der Moleküle, die vom Immunsystem produziert werden) und sein Rezeptor lösen im Falle von Herpes und Zika die antivirale Reaktion des Auges aus, sind aber nicht an der Reaktion auf Sars CoV-2 beteiligt.
Expertenmeinung. Laut der Augenärztin Aleksandra Petrovic, die an Hornhauttransplantationen arbeitet, ist diese Studie mit Vorsicht zu geniessen.
«Es gibt Artikel über ophthalmologische Symptome, wie etwa Bindehautentzündung, im Zusammenhang mit Covid-19. Doch selten war dann das Virus in den Tränen nachweisbar. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Hornhäute anscheinend keine Virusvermehrung zulassen. Das müssen wir jetzt bestätigen. Und so lange Zweifel bestehen – weiterhin eine Brille tragen!»
Vorsicht ist angebracht. Nur eine geringe Zahl Patienten war an dieser Studie beteiligt, sagt Jonathan Miner, Immunologe und Mitautor der Studie:
«Unsere Ergebnisse beweisen nicht, dass alle Hornhäute gegen Covid-19 resistent sind. Keine der von uns untersuchten Hornhäute erlaubte das Wachstum von Sars-CoV-2. Es ist aber möglich, dass gewisse Menschen eine Hornhaut haben, die die Vermehrung des Virus unterstützt.»
Damit ein Resistenz-Effekt in der Hornhaut nachgewiesen werden kann, müsste auch der entsprechende Mechanismus bekannt sein. Laut der Studie blockiert Interferon vom Typ III die virale Replikation von Zika und dem Herpesvirus, hat aber keinen Einfluss auf die Replikation des neuen Coronavirus. Die Autoren schreiben in dem Artikel:
«Die antivirale Immunität gegen Sars-CoV-2 in der Hornhaut scheint auf andere Art kontrolliert zu werden.»
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Die Herausforderungen. Diese Ergebnisse werfen viele Fragen auf und lassen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Schlussfolgerungen zu.
- Sie müssen noch durch grössere Studien bestätigt werden.
- Bisher wurde in keinem veröffentlichten wissenschaftlichen Artikel das Vorhandensein von Sars-CoV-2 in Augengeweben nachgewiesen. Eine andere Studie, die noch nicht von Fachkollegen begutachtet ist, fand einige postmortale Fälle, in denen PCRs verschiedener Augengewebe positive Ergebnisse ergaben. Es ist daher schwierig zu wissen, inwieweit die Technik der Probenentnahmen, Testmethoden oder andere Faktoren diese Daten beeinflussen könnten.
- Wenn diese Ergebnisse bestätigt werden und die Hornhaut keine Coronavirus-Replikation zulässt, muss der Mechanismus, der hier eine Rolle spielt, noch geklärt werden. Er könnte einen Ansatz für die Forschung bieten, um prophylaktische Behandlungen zu finden.
- Diese Forschung wirft auch Fragen darüber auf, wie Hornhäute, die post mortem zur Transplantation entfernt werden, derzeit getestet werden. Dies ist die häufigste Art der Transplantation in der Schweiz. Aleksandra Petrovic, die dafür am Waadtländer Universitätsspital CHUV ein strenges Protokoll anwendet, sagt:
«Wir müssen sehr vorsichtig mit Gewebeproben umgehen und Patienten, die für Spenden in Frage kommen, vor und nach dem Tod untersuchen.»