Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03148.jsonl.gz/2682

| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Siebtes Buch
VII. Kapitel
38.
1. Eine Vorstellung von Gott, die seiner nicht würdig ist, sondern sich in niedrige und unziemliche Gedanken und Begriffe verirrt, kann also unmöglich irgendeine Art von Frömmigkeit aufrechterhalten, weder in Liedern noch in Worten, aber auch nicht in Schriften oder Lehren. Daher unterscheiden sich die frommen Reden der Masse in nichts von Gotteslästerungen, weil sie die Wahrheit nicht kennt.
2.1 Das nun, worauf sich das Verlangen und die Begierden und überhaupt die Willensbestrebungen richten, das ist auch der Gegenstand der Gebete. Deshalb [S. 45] begehrt niemand einen Trank, sondern darnach, das Getränk zu trinken, und ebensowenig nach der Erbschaft, sondern darnach, zu erben, ebenso aber auch nicht nach der Erkenntnis, sondern darnach, zu erkennen, und auch nicht nach einem richtigen Lebenswandel, sondern darnach, einen solchen zu führen.
3. Unsere Gebete richten sich also auf das, was wir wünschen, und wir wünschen die Dinge, nach denen wir begierig sind. Das Beten und das Verlangen hat aber das gleiche Ziel, nämlich daß man das Gute und die mit seinem Besitz verbundenen Vorteile erhält.
4. Deshalb richtet der Gnostiker sein Beten und sein Verlangen immer auf die wahren Güter, nämlich die Güter der Seele, und er betet darum, indem er zugleich auch selbst daran mitarbeitet, zu dem Zustand des Gutseins zu kommen, so daß er das Gute nicht mehr wie ein Stück Wissen neben sich liegen hat, sondern selbst gut ist.
1: § 38,2 ist Chrysippos Fr. mor. 176 v. Arnim.