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Wir Menschen leben gerne in dem Glauben, alles unter Kontrolle zu haben: Sei es bei der Karrierewahl, der Familienplanung oder beim Erstellen der wöchentlichen To-Do-Liste. Was dabei bei der Planung häufig vergessen geht, ist, welche Rolle das Glück (oder eben gerade die Abwesenheit davon) spielt. Viele denken sich: Wenn ich mich bloss an meinen Plan halte und hart dafür arbeite, ist Glück und Zufall eher zweitrangig in meinem Leben. Ein altbekanntes Narrativ, dass sich als Illusion herausstellt, wie die Forschung zeigt.
Die Sache mit dem limitierten Angebot
Der amerikanische Psychologe und Entscheidungsforscher Barry Schwartz beschreibt in seinem Ted-Talk eindrücklich, wie stark das Glück einen Einfluss auf unser Leben und somit auch auf unsere Karrierelaufbahn hat. Als zeitgemässes Beispiel für dieses Phänomen nennt er die die Verteilung von begehrten Plätzen an amerikanischen Eliteuniversitäten. Da die Nachfrage das Angebot übersteigt, ist es nicht möglich, allen talentierten Nachwuchsstudierenden einen Studienplatz zu garantieren. Es reicht also nicht nur das Talent – man muss auch Glück haben. Um im Sinne der Fairness die Plätze der Hochschulen dennoch den leistungsstärksten Personen zu überlassen, werden vermehrt die Standards der Hochschulen höher angesetzt. Damit soll dafür gesorgt werden, dass trotz gestiegener Anzahl an Bewerbungen die Plätze nach wie vor den Personen zustehen, die es am meisten «verdient» haben. Das ist nicht ganz ungefährlich. Laut Schwartz sorgt dieses System dafür, dass bei Schülerinnen und Schülern der Wettbewerb immer stärker wird, was eine enorme psychische Belastung darstellen kann.
Das Erfolgsexperiment
Mit seiner Theorie steht Barry Schwartz nicht alleine da. Der Zusammenhang zwischen Glück und Erfolg in der Karriere wurde in der Forschung bereits mehrfach untersucht. Beispielweise haben Du, Gao & Levi (2012) herausgefunden, dass Personen, die in den Monaten Juni oder Juli auf die Welt gekommen sind, weniger oft CEO werden als Personen, die in anderen Monaten ihren Geburtstag feiern. Dies führen die Forscher auf den sogenannten «Relative-Age-Effect» zurück, der beschreibt, dass Kinder, die am Anfang des Jahres auf die Welt gekommen sind, bevorzugt behandelt werden. Früher geborene Kinder werden als reifer und weiter entwickelt wahrgenommen als jüngere Kinder, die denselben Jahrgang haben.
2018 haben Forschende die Rolle des Zufalls auf den Erfolg oder Misserfolg einzelner Personen in einem Experiment untersucht. Dazu simulierten sie in einem Modell den hypothetischen Verlauf einer Karriere über vierzig Jahren. In ihrem Modell erschufen sie eine Vielzahl an möglichen Individuen mit verschiedenen Talentabstufungen (Pluchino, Biondo & Rapisarda, 2018). Dabei fanden sie heraus, dass obwohl das Talent auf die ganze Bevölkerung verteilt wurde, der Erfolg sich am Ende bloss auf eine kleine Gruppe konzentrierte. Nach der Simulation besassen die zwanzig erfolgreichsten Individuen 44 Prozent aller möglichen «Erfolgseinheiten». Das wirft natürlich die Frage auf: Sind die erfolgreichsten Menschen unserer Gesellschaft einfach diejenigen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind?
Die Antwort lautet: Nein. Talent spielt nach wie vor eine wichtige Rolle beim Erfolg. Es sind meist die talentierten Menschen, die die Gelegenheit beim Schopf packen, um ihren Erfolg zu vermehren. Das zeigte sich auch klar im Experiment. Allerdings reicht Talent alleine nicht aus. Zu den eher weniger erfolgreichen Individuen gehörten nämlich auch solche, die über mehr «hypothetisches Talent» verfügten als andere, die wiederum erfolgreicher waren. Laut den Forschenden waren die erfolgreichsten Individuen selten diejenigen, die über das meiste Talent verfügten. Das liegt auch daran, dass bereits erfolgreiche Menschen eher die Chance haben, ihren Erfolg zu vermehren. Da Erfolg oft mit Talent gleichgesetzt wird, werden diese Personen von der Aussenwelt als talentiert wahrgenommen und mit mehr Erfolg belohnt.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Talent und harte Arbeit einen wichtigen Einfluss auf unsere Karriere haben. Es braucht ein gewisses Mass an Talent und Durchhaltevermögen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Allerdings darf eine ordentliche Prise Glück ebenfalls nicht fehlen. Die Sache hat somit auch einen positiven Aspekt: Falls es mal nicht klappt mit dem Traumjob, lag es vielleicht gar nicht so sehr an Ihnen selbst, wie Sie vielleicht denken. Vielleicht hatten Sie auch einfach nur Pech.
Quellen und weiterführende Informationen:
Du, Q., Gao, H., & Levi, M.D. (2012). The relative-age effect and career success: Evidence from corporate CEOs. Economic Letters, 117(3), 660 – 662.
Pluchino, A., Biondo, A.E., & Rapisarda, A. (2018). Talent versus luck: the role of randomness in success and failure. Advances in Complex Systems, 21(03/04), 1850014.
Schwartz, B. (2020). What role does luck play in your life? TED Talk. Verfügbar unter https://www.ted.com/talks/barry_schwartz_what_role_does_luck_play_in_your_life
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