Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03376.jsonl.gz/2195

| Ephräm d. Syrer († 373) - Das Leben des heiligen Ephraem des Syrers (Vita)

Version 1
9.
Auf dem Berge Edessa's lebte auch ein Mönch, der [S. 15] häufig göttliche Gesichte hatte. Der war einst in die Stadt hinabgegangen, um seine Geschäfte zu besorgen. Als dieser den Auserwählten des Herrn, den heiligen Ephraem sah, da begann er vor den Bewohnern der Stadt laut hinter ihm herzurufen und sprach: "Das ist der Auserwählte Gottes, durch dessen Hand Gott alle Secten wird vernichten lassen und die Altäre reinigen von den Sünden; der ist es, von dem unser Erlöser sagt: "Feuer, komme ich, euch auf die Erde zu bringen."" Als das die Heiden und Ketzer hörten, ergriffen sie den heiligen Ephraem, peitschten ihn heftig und steinigten ihn, und wenig fehlte, so hätten sie ihn getödtet.1 Er entkam aber und stieg zu seiner alten Celle hinauf. Hier schrieb er dann seine heftigen Reden und Briefe, in welchen er alle Secten angriff.2 Viele von ihnen bekehrte er zum wahren Glauben; denn sie bewunderten ihn und seine Lehre und die Wunder, die er that.
1: Ebenso berichten die syrischen Maroniten und Melchiten im Menologium unter dem Datum des 18. Januar.
2: Diese Sermonen sind uns noch erhalten. (S. Opp. Ephr. Syr. Tom. II p. 437.) Es sind im Ganzen 56 Gedichte gegen die Anhänger des Bardeson, Marcion, Mani, ferner gegen die Heiden und Chaldäer (unter Chaldäer verstand man auch noch zur Zeit Ephraem's Astrologen, weil dieselben sich vorzugsweise mit Astrologie beschäftigten. Siehe schon Lucret. V, 426; Cic. de divin. I, 1; Cic. pro Mur. c. 9; ferner Horatius, Plinius etc. Ephraem meint ohne Zweifel Christen, die aus den Sternen ihr Schicksal lesen zu können glaubten und eben deshalb von der reinen Lehre, die Gott allein und nicht Geschöpfen die Schicksalslenkung zuerkennt, abgefallen waren).