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Die Ammoniakemissionen der Schweizer Landwirtschaft haben in den letzten 20 Jahren wenig abgenommen. Denn die Faktoren, die zu einer Emissionszunahme bzw. -abnahme führen, haben sich zwischen 2000 und 2020 weitestgehend gegenseitig aufgehoben.
Ammoniak entsteht in der Landwirtschaft hauptsächlich durch den Abbau von Harnstoff aus den Ausscheidungen von Nutztieren. Er gelangt in die Luft und wird mit dem Wind zum Teil in sensible Ökosysteme wie Wälder, Magerwiesen und Moore verfrachtet, wo er zur Überdüngung und Versauerung des Bodens führt und die Biodiversität gefährdet. Zudem trägt Ammoniak zur Bildung von Feinstaub bei und belastet so die menschliche Gesundheit. Für die Landwirtschaft wiederum bedeuten die Ammoniakemissionen einen Verlust von Stickstoffdünger.
Bericht von 2018 aktualisiert und erweitert
Die Schweiz ist aufgrund internationaler Abkommen mit der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) verpflichtet, die vorgegebenen zeitlich gestaffelten Emissionsobergrenzen einzuhalten und die Ammoniakemissionen periodisch zu berechnen und über die Resultate Bericht zu erstatten.
Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt hat die HAFL mit Unterstützung von Oetiker + Partner AG und Agroscope den 2018 erschienen Bericht zu den Ammoniakemissionen 1990 bis 2015 aktualisiert und erweitert.
Im Jahr 2020 betrug der Anteil der Tierhaltung an den Ammoniakemissionen der Landwirtschaft 93 %. Die restlichen 7 % stammten aus dem Pflanzenbau. Bei den Tieren verursachte das Rindvieh mit einem Anteil von 77 % die höchsten Ammoniakemissionen (Abb. 1a). Vergleicht man die verschiedenen Emissionsstufen, also den Prozessen, wo Ammoniak emittiert wird, so entsteht am meisten Ammoniak bei der Hofdüngerausbringung (44 %) sowie im Bereich Stall und Laufhof (36 %) (Abb. 1b).
Rückgang der Emissionen stagniert seit Anfang 2000
Zwar sind die Ammoniakemissionen in der schweizerischen Landwirtschaft seit 1990 um 23 % gesunken (Abb. 2). Der grösste Rückgang wurde allerdings vor 2004 verzeichnet. Grund dafür waren hauptsächlich die abnehmenden Tierzahlen und der geringere Einsatz von Stickstoffdünger nach der Einführung der Pflicht für eine ausgewogene Stickstoff- und Phosphorbilanz in der Direktzahlungsverordnung. Auch innerhalb der Tierhaltung widerspiegeln die Ammoniakemissionen die Veränderung der Tierzahlen: So nahm der totale Rindvieh- und Schweinebestand seit 1990 um 18 % bzw. 28 % ab, während sich die Tierzahlen beim Geflügel mehr als verdoppelt haben. Entsprechend sanken die Emissionen des Rindviehs um 16 % und jene der Schweine um 49 %, während die Emissionen des Geflügels um 32 % stiegen.
Hemmende und fördernde Faktoren heben sich gegenseitig auf
Eine gegensätzliche Entwicklung gibt es auch bei den Emissionsstufen: Auf den Weiden stiegen die Emissionen seit 1990 wegen der zunehmenden Weidehaltung um 85 %. Allerdings geht vom auf der Weide ausgeschiedenen Stickstoff weniger als Ammoniak verloren, im Vergleich mit der Ausscheidung im Stall, weil der Harn rasch im Boden versickert. Auch die Emissionen aus Ställen und Laufhöfen nahmen um 19 % zu, weil der Trend zu tierfreundlichen Laufställen bei Rindvieh und Mehrflächenbuchten und Auslauf bei Schweinen zu grösseren Emissionsflächen führte. Hingegen sanken die Emissionen bei den Hofdüngerlagern um 17 % und − dank des vermehrten Einsatzes des Schleppschlauchs − bei der Hofdüngerausbringung um 41 %. So haben sich die Faktoren, die zu einer Emissionszunahme bzw. -abnahme führen, im untersuchten Zeitraum, insbesondere zwischen 2000 und 2020 weitgehend gegenseitig aufgehoben.
Fazit
- Im Jahr 2020 stammten 93 % der Ammoniakemissionen der Landwirtschaft aus der Tierhaltung.
- Bei der Tierhaltung verursachte im Jahr 2020 das Rindvieh mit einem Anteil von 77 % die höchsten Ammoniakemissionen.
- Betrachtet man die Emissionsstufen, so liegt die Hofdüngerausbringung mit 44 % an der Spitze, gefolgt von Stall und Laufhof (36 %).
- Seit 1990 sind die Ammoniakemissionen aus der schweizerischen Landwirtschaft um 23 % gesunken. Die Abnahme erfolgte aber hauptsächlich vor 2004. Danach haben sich die fördernden und hemmenden Faktoren weitgehend gegenseitig aufgehoben.