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In der Schweiz gibt es laut «hotelleriesuisse» mehr als 5'000 Hotels. Eines von ihnen ist weltweit einzigartig: Das im 19. Jahrhundert errichtete Hôtel Arbez Franco-Suisse liegt zu etwa einem Drittel in der Schweiz, im Waadtländer Städtchen La Cure, Gemeinde Saint-Cergue. Der grössere Teil der Liegenschaft aber liegt in Frankreich – dort, wo La Cure zur französischen Gemeinde Les Rousses gehört.
Diese einzigartige Lage führt dazu, dass Gäste des im Laufe der Jahrhunderte durch diverse Anbauten im alpinen Stil erweiterten Hotels zwar in der Schweiz essen und schlafen, den Aperitif oder den Absacker vor dem Gang ins Bett aber in Frankreich zu sich nehmen – denn dort liegt die Bar. Zudem müssen sie, um auf den Parkplatz hinter dem Gebäude zu fahren, jedes Mal die Grenze passieren. Und selbst in der Honeymoon-Suite erhält das Wort «Grenzverkehr» eine ganz neue Dimension. Denn deren Bett liegt halb in der Schweiz und halb in Frankreich ...
Ursächlich für diese Skurrilität war der von 1805 bis 1862 zwischen Frankreich und der Schweiz tobende Streit um das Vallée des Dappes. Dieses wurde 1805 von Napoleon Bonaparte annektiert, 1815 vom Wiener Kongress wieder der Schweiz zugesprochen – und 1861 von Napoleon III. mit Truppen besetzt. Diese Eskalation führte 1862 letztlich zu einem Landabtausch zwischen der Schweiz und Frankreich, in dessen Folge der einst rein französische Weiler La Cure teilweise der Schweiz zufiel. Immerhin durften dabei die Bewohner der getauschten Gebiete alle ihre bisherigen Rechte am Grundbesitz behalten und sogar die Staatsbürgerschaft frei wählen.
Besonders clever ging der Franzose R. Ponthus vor. Der passionierte Schmuggler nutzte die Zeit zwischen der Unterzeichnung des Vertrages im Winter 1862/1863 und dessen Inkrafttreten im Frühjahr 1863 und errichtete ungeachtet aller Schweizer Proteste das heutige Hotel gezielt zu rund einem Drittel auf Schweizer Gebiet. Auf der französischen Seite eröffnete er eine Gaststätte, auf Schweizer Territorium das «Magasin R. Ponthus». So konnte er forthin seine «Import-Export-Tätigkeiten» vom Flur über die Gasse erledigen.
Nach R. Ponthus’ Tod anno 1895 übernahmen seine Söhne Raymond und Alphonse die Geschäfte. Sie gründeten das Hôtel de la Frontière – und veräusserten dieses 1921 an Jules-Jean Arbez, der ihm seinen heutigen Namen gab.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel dann zum Schauplatz der Weltpolitik: Da die Treppen im Haus zwar in Frankreich beginnen, jedoch auf Schweizer Boden enden, durften die im Hotel verkehrenden deutschen Besatzer zwar dessen französischen Teil betreten – nicht aber in die Räume im Obergeschoss oder in den Keller vorstossen. Jules-Jean Arbez’ Sohn Max nutzte dies, um Mitglieder der Résistance im Hotel zu verstecken und Flüchtlinge, darunter britische Soldaten sowie Juden, in die sichere Schweiz zu schleusen, womit er mehreren Hundert Menschen das Leben gerettet haben dürfte.
Rund 16 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, am 9. Dezember 1961, kam dem Hotel erneut eine wichtige politische Rolle zu. Damals trafen sich Diplomaten Frankreichs und über die neutrale Schweiz angereiste Vertreter des algerischen Front de Libération Nationale im Hôtel Arbez Franco-Suisse zu Vorverhandlungen über die Beendigung des Algerienkriegs.
Die bemalte Fassade des Hotels sowie kleine Markierungen in den Räumen erleichtern es den Gästen, festzustellen, ob sie sich in der Schweiz oder in Frankreich befinden. Von aussen ist die Grenzlinie an einem grossen Gemälde ablesbar. Dessen giebelseitiger Rand markiert die Grenzlinie. Die Fenster darüber gehören zu Zimmer 12 – in dem man in der Schweiz schläft (rechtes Fenster), aber in Frankreich duscht und die Zähne putzt (linkes Fenster, Badezimmer). Im Hotelinneren verläuft die Grenze quer durch Speisesaal, Flur und Küche. Die erst später angebaute Brasserie samt Bar indes liegt gänzlich in Frankreich. Tipp: Wer nicht sicher ist, sollte nach einer Steckdose Ausschau halten. Diese nämlich entsprechen stets dem jeweiligen Landesstandard.
Wer Lust verspürt, einmal «grenzwertig» zu schlafen, zu essen und zu logieren, findet unter www.arbezie.com alle Informationen zu dem in vierter Generation als Familienbetrieb geführten Hotel. Für die zielsichere Anreise kann er wahlweise eine der folgenden Adressen ins Navigationssystem eingeben: «601 Rue de la Frontière, F-39220 Les Rousses» oder «Route de France 61, CH-1265 La Cure».
Herr Gähwiler: Swissphone wurde 1969 von Erika und Helmut Köchler gegründet, die den Bedarf für kleine, tragbare Alarmempfänger erkannten. Heute zählt die Firma 200 Mitarbeitende, ist multinational unterwegs, bis Grönland und Alaska. Welche Rolle spielt dabei die Swissness?
Wir bekennen uns seit Jahren klar zum Standort Schweiz, wo wir seit 1979 in Samstagern unseren Hauptsitz haben. Natürlich ist es nicht immer einfach, auch wir stehen unter Preisdruck. Doch dank unseres guten Services, zu dem auch massgeschneiderte Lösungen gehören, macht es Sinn. Kunden wollen verstärkt wieder «alles aus einer Hand», bevorzugen Lösungen statt einzelner Komponenten. Bei uns sind Forschung, Entwicklung, Produktion und Vertrieb weitgehend in Samstagern zentralisiert und entsprechend gut aufeinander abgestimmt.
Teilweise produzieren wir auch marktspezifische Lösungen vor Ort in den Zielmärkten, etwa in Deutschland. Und wir kennen und respektieren länderspezifische Gegebenheiten, decken wichtige Regionen durch eigene Gesellschaften oder Mitarbeitende ab, leben ganz bewusst die partnerschaftliche Nähe zu den Märkten und Kunden.
Welche Märkte sind derzeit besonders aktiv respektive attraktiv?
Der zentral- und nordeuropäische Markt steht im Vordergrund. Dabei ist zu beachten, dass wir längst nicht mehr nur im Blaulichtbereich tätig sind, sondern mit Alarmierungs- und Prozesslösungen in den letzten Jahren zunehmend auch im Industrie- und Serviceumfeld erfolgreich sind.
Heisst das, der Behördenmarkt verliert für Sie an Bedeutung?
Keinesfalls. Ungeachtet länderspezifischer Unterschiede macht dieser rund zwei Drittel unseres Business aus. Aber wir stossen dort teils an nicht beeinflussbare Grenzen. Der Verkaufsprozess dauert lang, zwei Jahre und mehr sind keine Seltenheit. Dennoch ist das Geschäft mit Blaulichtorganisationen, Behörden und Verwaltungen für uns überaus attraktiv und wichtig. Das restliche Drittel unseres Umsatzes entfällt auf Bereiche wie Bildung, Gesundheitswesen, IT- und Finanzbranche sowie Arbeitssicherheit. Tendenz steigend.
Ein weiterer Aspekt ist unsere zunehmende Etablierung in anderen Anwendungsbereichen. Betriebs- und Störungs-Management, die Sicherheit von Alleinarbeitern und generell von Personen sowie das Ressourcenmanagement gewinnen an Bedeutung – und haben ganz andere Verkaufszyklen.
Mit welchen Technologien hat Swissphone selbst wichtige Grenzen überwunden – und welche Grenzen wurden für die Kunden überwunden?
Swissphone hat sich als Innovationsführer in der Alarmierung etabliert. Wir geben insbesondere über unsere Geräteplattformen sowie über unsere Netztypologie und -funktionalitäten überwiegend in Europa den Ton an. Dazu gehören etwa Zweiband-Pager (über zwei POCSAG-Netze), Kleinstpager, Text-to-Speech-Lösungen, Multifunktionsgeräte und seit 2015 natürlich das Modell «s.QUAD» mit seinen hervorragenden Eigenschaften in Bezug auf Empfang im Gebäudeinneren, Batterielaufzeiten und Robustheit sowie seiner Schnittstelle zum Smartphone.
Für die Kunden haben wir in den 1990er-Jahren als Netzbetreiber eine erwünschte Konkurrenz zum nationalen Netzanbieter geschaffen und 2003 mit der Übernahme der All Wireless AG und des nationalen TELEPAGE-Netzes eine robuste, zuverlässige Alarmierungslösung etabliert. Vor zehn Jahren haben wir die Effizienz in der Alarmierung mit dem Mobilfunk-Rückkanal nochmals deutlich gesteigert.
Welche Grenzen visiert Swissphone für die absehbare Zukunft an? Welche Neuerungen stecken in der Pipeline?
Unsere primär verwendete POCSAG-Technologie für die Alarmierung ist nach wie vor top, zunehmend auch in Ergänzung zu kommerziellen LTE-Lösungen. Sie wird aber mittelfristig, also bis etwa 2030, sicher von dedizierten Public-Safety-LTE-Lösungen konkurrenziert. Wir arbeiten in verschiedener Hinsicht auf diesen Moment hin, denn wir wollen weiterhin – technologieunabhängig – der führende Anbieter von Alarmierungslösungen für die Blaulichtorganisationen bleiben.
Kurzfristigere Projekte sind die weitere Steigerung der Geschwindigkeit, der Effizienz und der Unabhängigkeit der Alarmierung von Endgeräten. Mit «s.ONE» lancieren wir eine Plattform mit vielen Möglichkeiten, insbesondere zusammen mit der kürzlich eingeführten Fernprogrammierungslösung für Pager. Überdies bauen wir die «s.QUAD»-Plattform mit weiteren Optionen wie etwa der App und BLE aus und ergänzen unsere SOS-Lösung für den Alleinarbeitern und generell von Personen laufend, etwa bezüglich Anwesenheitsmanagement bei Evakuationen oder für den Einsatz in Grossfirmen mit mehreren Standorten.
Gibt es regulatorische Grenzen oder andere Hemmnisse, auch seitens der Anwender, die Swissphone gerne überwinden würde?
Wir haben uns in den letzten Jahren sehr stark mit dem Thema Blackout beschäftigt. Dabei wurde klar, dass wir Schweizer uns beim Thema Bevölkerungsschutz, das ja den Kantonen obliegt, selbst behindern. Der Bund, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS), kann sich nur bedingt durchsetzen. Dadurch werden viele positive Initiativen – von uns wie von Dritten – extrem abgeschwächt.
Anwenderseitig arbeiten wir darauf hin, dass die Akzeptanz, einen Pager zu tragen, steigt. Wichtige Argumente dafür gibt es mehrere. Erstens stösst das POCSAG-Netz anders als zellbasierte Funktechnologien kaum je an seine Belastungsgrenze. Zweitens strahlt ein Pager im Gegensatz zum Handy oder Smartphone nicht. Drittens gibt es kein Handover, viertens ist die Gebäudepenetration herausragend und last, but not least halten die Batterien bis zu drei Monaten. Kurz: Es gibt nichts Effizienteres für eine sichere Alarmierung als einen Pager. Diese Erkenntnis sollte sich verstärkt durchsetzen.
Auf internationaler Ebene engagiert sich die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) im Auftrag der schweizerischen Aussen-, Friedens-, Sicherheits- und Handelspolitik. Dazu gehören Missionen zur Handelsförderung, Personalentsendungen zugunsten von UNO, EU und OSZE sowie Einsätze in den Bereichen Grenzschutz und Luftsicherheit. Koordiniert, geplant und durchgeführt werden diese Einsätze durch spezialisierte Fachbereiche der EZV in Bern.
Seit 2011 stehen jährlich rund 40 Angehörige der EZV im Rahmen von FRONTEX-Einsätzen an den Schengen-Aussengrenzen im Dienst. 2018 leisteten sie gesamthaft 1'315 Arbeitstage. Hauptaufgaben sind dabei die Bekämpfung der illegalen Migration und die Eindämmung der grenzüberschreitenden Kriminalität.
Seit 2012 unterstützen Airline Liaison Officers (ALO) andere Länder im Dokumentenbereich. Bereits seit 1970 sorgen zudem Air Marshals (TIGER) an Bord von international operierenden, aber in der Schweiz immatrikulierten Flugzeugen sowie Ground Marshals (FOX) auf gewissen Flughäfen dieser Welt für mehr Sicherheit im Luftverkehr. Neben Angehörigen der EZV kommen im Bereich der Luftsicherung auch Kräfte von Polizeikorps sowie der Militärischen Sicherheit zum Einsatz.
Basierend auf dem am 1. März 2002 von der Schweiz und Deutschland geschlossenen Polizeivertrag können die EZV und die deutsche Bundespolizei gemeinsame Einsätze beidseits der Grenze durchführen. Dazu werden sogenannte «gemischte operative Dienstgruppen (GoD)» gebildet. Grundsätzlich können dabei den Mitarbeitenden im fremden Gebietsstaat auch hoheitliche Befugnisse übertragen werden. In der Praxis sind aber auf deutschem Hoheitsgebiet die Beamten der Bundespolizei für die Fallerledigung zuständig und in der Schweiz die Mitarbeitenden der EZV. Nach ersten Tests anno 2013 im Raum Basel/Lörrach bestehen seit 2015 zwei GoD zwischen der Grenzwachtregion I (Basel) und der Bundespolizeiinspektion Weil am Rhein sowie zwischen der Grenzwachtregion II (Schaffhausen) und der Bundespolizeiinspektion Konstanz. Ergänzt werden diese durch gemeinsam geplante Schwerpunktaktionen (Grosskontrollen).
Mit Italien besteht seit 1. November 2016 ebenfalls ein Abkommen über die Zusammenarbeit der Polizei- und Zollbehörden – und seit März 2019 sind in den Grenzgebieten des Kantons Tessins sowie der italienischen Provinzen Como und Varese gemischte Patrouillen des GWK und der italienischen Grenzpolizei aktiv. Für diese GoD durchliefen Ende 2018 zwölf Angehörige des GWK sowie 16 italienische Polizisten aus dem Grenzgebiet von Luino und Chiasso eine gemeinsame Ausbildung in der Schweiz.
Mitdenken, vorausschauen, mögliche Szenarien durchspielen – und rechtzeitig proaktiv Unterstützung anbieten, noch ehe Rettungskräfte an ihre Grenzen stossen. So fasst Oberstleutnant Reto Amrein, Bataillonskommandant der ZSO EMME, zusammen, was er als seine zentrale Aufgabe erachtet, wenn in seinem Einsatzgebiet natur- oder zivilisationsbedingte Notlagen auftreten oder sich ein Katastrophenszenario abspielt.
«Wir sind quasi die Rückversicherung der lokalen Blaulichtorganisationen (BORS), unterstützen diese mit Logistik, Material, Technik und Manpower, damit sie möglichst nie an die Grenzen der eigenen Leistungs- oder Einsatzfähigkeit stossen», erklärt er – und erzählt ein Beispiel: «Am 15. September 2015 gegen 16 Uhr wurde in Hochdorf Alarm ausgelöst. Ein Holzschnitzellager des Sägewerks stand in Vollbrand und im Freien brannten bis zu sechs Meter hohe Holzbeigen lichterloh.» Während die lokale Feuerwehr die Flammen bekämpfte, überdachte das Kommando der ZSO EMME die nächsten Stunden: «Die Einsatzkräfte kamen von der Arbeit, hatten über Stunden nichts gegessen. Aufgrund lokaler Begebenheiten könnte das Löschwasser knapp werden. Zudem dunkelte es bereits ein.» Umgehend bot die ZSO EMME Unterstützung durch Verpflegung, Scheinwerfer und zusätzliche Männer an. «Der Feuerwehrkommandant war froh. So konnte er sich voll auf die Löscharbeiten konzentrieren, musste weder an Licht noch Verpflegung denken. Zudem erhielt er Entlastung für seine teils erschöpften Einsatzkräfte», sagt Amrein.
Die Frage, ob der Feuerwehrkommandant nicht selbst so weit vorausdenken und den Zivilschutz hätte rufen müssen, lässt Amrein nicht gelten. «In der Hitze des Einsatzes müssen Kommandanten pausenlos ad hoc Entscheidungen treffen, stehen unter hoher mentaler und körperlicher Belastung. Es liegt daher an uns, rechtzeitig unsere Unterstützung anzubieten. Ich sage immer: Ein ZSO-Kommandant, der seine Unterstützung nicht anbietet, handelt falsch – nicht aber der örtliche Kommandant, der im Einsatz keine Zeit für Planspiele hat.»
Was nicht heissen soll, dass dies nicht getan werden sollte, so man daran denkt. Denn wie ein frühzeitiger Miteinbezug des Zivilschutzes das Überschreiten von Belastungsgrenzen seitens der lokalen BORS vermeiden helfen kann, zeigt eindrücklich ein anderes Beispiel aus dem Schutzgebiet der ZSO EMME: Am Sonntag, 7. Juni 2015, löste Starkregen sintflutartige Überschwemmungen aus – und in Dierikon starben eine 32-Jährige und ihre 5-jährige Tochter in einem überfluteten Kellerraum. Hauptmann Daniel Diltz, Stabsoffizier der ZSO EMME, erinnert sich: «Die Eskalation kam plötzlich, das Gebäude wurde innert Minuten bis Mitte Erdgeschoss mit Wasser, Geröll und Schlamm geflutet. Durch die lokale Bäckerei ergoss sich eine Schlammlawine, der halbe Ort stand unter Wasser, teils herrschte starke Strömung. Die lokalen Feuerwehrkräfte hatten keine Chance, zu helfen. Es war Sonntagabend, keiner war wirklich noch fähig, einen 8-Stunden-Einsatz zu leisten. Doch alle versuchten ihr Möglichstes, ungeachtet der exorbitanten psychischen Belastung. Immerhin kannten nicht wenige Einsatzkräfte die Frau und deren Tochter.»
Die ZSO EMME leistete ab dem Morgen nach dem Unglück in Dierikon gut 300 Manntage. Reto Amrein: «Ein Debriefing sowie selbstkritische Analysen der lokalen BORS ergaben: Es wäre besser gewesen, wir wären nicht erst am nächsten Morgen hinzugezogen worden.»
Egal ob im Einzugsgebiet der ZSO EMME oder anderswo: Lokale BORS sollten stets im Hinterkopf behalten, dass der Zivilschutz jederzeit als «zweite Welle» zur Unterstützung bereitsteht. «Uns ist es lieber, wir werden mehrfach eventuell zu früh als nur einziges Mal zu spät kontaktiert oder beigezogen», sagt Reto Amrein mit Nachdruck. «Wir sind gut ausgerüstet, können vielfältige Unterstützung leisten und verfügen dabei auch über zusätzliche Mittel wie unseren Drohnentrupp, der Aufklärung und Suche unterstützt oder bei Grossereignissen einen Lageüberblick verschafft.»
«Zudem», sagt er «entrichten die Vertragsgemeinden ja pro Kopf einen Obolus an die ZSO EMME. Uns zu holen, verursacht also keine zusätzlichen Kosten. Es kann aber helfen, eine Überlastung der Einsatzkräfte zu verhindern – physisch und psychisch.» Beides ist unbezahlbar.

Die ZSO EMME in Zahlen
Die Zivilschutzorganisation (ZSO) EMME besteht seit 1. Januar 2013 und ist mit 30 Vertragsgemeinden die grösste von sechs regionalen ZSO im Kanton Luzern. Ihr Schutzgebiet erstreckt sich über eine Fläche von rund 385 Quadratkilometern, in denen mehr als 140'000 Menschen leben. Das Bruttobudget der ZSO EMME beträgt 2019 etwa 1,5 Millionen Franken. Die ZSO EMME verfügt über 5,6 Vollzeitstellen: 130 Stellenprozente entfallen auf das Kommando, 230 auf die Administration und 200 auf die Technik. Der Sollbestand der ZSO EMME liegt aktuell bei 685 AdZS. Diese leisteten 2018 an 206 Dienstanlässen knapp 490 Einsatztage, entsprechend rund 5'000 Diensttage pro Jahr. Die ZSO EMME unterhält Stützpunkte in Emmen, Hochdorf, Rain, Ebikon, Eschenbach, Malters, Meggen/Vitznau und Rothenburg. In Sempach befindet sich das kantonale Ausbildungszentrum. Die Geschäftsstelle mit Bataillonskommandant Reto Amrein, Hauptmann Daniel Diltz (Chef Personelles und Administration), Hauptmann Nick Waltenspül (Chef Technik) sowie der Administration befindet sich in Emmenbrücke.
Mehr Infos: www.zsoemme.ch
Urs Hüni, Postenchef des GWK Thurgau, ist mit 25 Jahren Berufserfahrung ein «alter Hase», Chef von 64 Mitarbeitenden – und einer von neun Bootsführern des GWK auf dem Bodensee. Konzentriert pilotiert er die knapp 13 Meter lange, von zwei 370-PS-Dieseln angetriebene «Hortense» aus dem Hafen hinaus aufs offene Wasser. «Jetzt haben die Bootsmotorendiebe wieder Saison», sagt er. «Diese schlagen im Frühjahr, wenn die ersten Boote zu Wasser gelassen werden, die Abende aber noch dunkel sind, zu – und jetzt, im Herbst, wenn die Abende dunkel sind und oft leichter Nebel den See einhüllt.»
Laut Hüni sind die Banden gut organisiert – und gehen alles andere als zimperlich zu Werke: «Oft stehlen sie nicht nur Bootsmotoren, sondern auch noch einen Lieferwagen, um das Diebesgut wegzuschaffen. In den Häfen gehen sie zudem teils rabiat zu Werke, schneiden oder hebeln mit Schlössern gesicherte Motoren mit roher Gewalt aus den Booten raus – was zu enormen Schäden führt.»
Jetzt allerdings, am helllichten Tag mitten unter der Woche, ist es auf dem See und im Hafen ruhig. Ausser einer Fähre und zwei Kursschiffen ist nichts zu sehen – weder mit blossem Auge noch mittels Feldstecher und auch nicht auf dem Radar-Bildschirm. So bleibt Zeit, zu erfahren, was ein Bootsführer des GWK alles macht. «Auf einem Grenzgewässer wie dem Bodensee erfüllt das GWK vielseitige Aufgaben», erklärt Hüni. «Erstens nehmen wir – wie die Kollegen zu Land – grenzpolizeiliche und zollrechtliche Aufgaben wahr. Zweitens erfüllen wir seepolizeiliche Dienste, überwachen das Binnenschifffahrtsgesetz (BSV) und die Bodensee-Schifffahrtsordnung (BSO). Drittens unterstützen wir die Fischereiaufsicht – und viertens dienen wir als Blaulichtorganisation auch der See- und Lebensrettung.»
So vielseitig die Tätigkeiten sind, so umfassend ist die Ausbildung der Bootsführer. Diese erfolgt nach den Richtlinien des Militärs, umfasst Theorie und Praxisausbildung sowie natürlich die gründliche Einführung auf den jeweiligen Bootstyp. «Hier am Bodensee, in Arbon und Gottlieben, sind zwei Targa-37+-Boote des GWK stationiert. Zudem haben wir – auch für Einsätze auf dem Rhein – ein Festrumpfschlauchboot vom Typ Ribcraft 7.8», erklärt Hüni, der sich zugunsten der angehenden Bootsführer schon mal «ordentlich aus dem Fenster lehnt»: Um optimales Ausbildungsmaterial über den mit Felsen, Sandbänken und Untiefen gespickten Rheinverlauf von Eschenz über Stein am Rhein bis Schaffhausen zusammenstellen zu können, flog er einst im Januar, als das Wasser glasklar war, als Passagier mit dem Helikopter den Rhein ab, schoss Hunderte Fotos aus dem offenen Fenster. «Hinterher war ich zwar übel durchgefroren, hatte aber perfektes Schulungsmaterial im Kasten», schmunzelt er.
Die aktuelle Transformation der EZV und damit auch des GWK begrüsst er. «Wir arbeiten bereits jetzt mit verschiedenen Behörden aus dem In- und Ausland zusammen. Da ist es wichtig, up to date zu sein und Synergien nutzen zu können», weiss er. «Mit der Verschmelzung von GWK und zivilem Zoll entsteht die grösste zivile Sicherheitsbehörde des Bundes. Sie kann als Vorbild dienen, wie durch eine Vereinheitlichung von Mitteln und Methoden sowie Technologien Synergien entstehen, welche Kosten senken und Einsatzkräfte schneller, flexibler und wirksamer machen.» Seinen obersten Chef, EZV-Direktor Christian Bock, wird es freuen, das zu lesen. Und dieser hätte sicher auch Freude gehabt, mitzuerleben, wie sicher Hüni die bis zu 70 km/h schnelle «Hortense» bei Gleitfahrt steuert und wie geschmeidig er sie unter Schleichfahrt in den ultraengen Holzhangar hineinmanövriert.