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Chaim Azriel Weizmann setzte auf Taten. Nur mit Geld, so seine Überzeugung, war keine jüdische Renaissance in Palästina zu erreichen. Es brauche eine jüdische Besiedelung Palästinas, jüdische Arbeiter, jüdisches Land, forderte er bei zionistischen Kongressen. Seine wissenschaftlichen Erfolge als Chemiker verschafften ihm auch politisches Gehör: Im neuen Staat Israel wurde er der erste Präsident. Am 9. November 1952 starb Weizmann im Alter von 77 Jahren.
von Andrea Krogmann
Chaim Weizmann wurde am 27. November 1874 in Motal (heute Belarus) als drittes von 15 Kindern geboren. Mit elf Jahren wird er nach Pinsk geschickt, in die knapp 30.000-Einwohner-Stadt nahe der ukrainischen Grenze, die bis zum Holocaust als bedeutendes Zentrum des Judentums galt. Hier kommt er erstmals mit zionistischen Ideen in Berührung, sammelt Geld für den Landkauf in Palästina, schreibt Briefe auf Hebräisch, der frisch als jüdisches Nationalprojekt wiederbelebten Sprache.
Doch erstmal zieht es Weizmann als 18-Jährigen nach Westeuropa. In Darmstadt und Berlin studiert er Chemie und erwirbt 1899 an der Universität Freiburg/Schweiz einen Doktortitel: summa cum laude. Es folgen Jahre in der Lehre an den Universitäten Genf und Manchester. 1910 wird Weizmann britischer Staatsbürger. Ein 1915 entwickeltes Patent macht ihn berühmt. Er entdeckte, wie man durch bakterielle Fermentation Stärke in Butylalkohol und Aceton umwandeln kann.
Damit macht sich Weizmann nicht nur als Chemiker einen Namen. Aceton war eine Schlüsselkomponente bei der Herstellung des rauchlosen Schiesspulvers Kordit, welches die Alliierten im Ersten Weltkrieg verwendeten. Als Dank für seinen wichtigen Kriegsdienst soll Weizmann nicht mehr und nicht weniger als eine „nationale Heimat für mein Volk“ gefordert haben. 1917 gibt der britische Aussenminister Arthur Balfour seine berühmte Erklärung ab, mit der sich die britische Regierung zur Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina verpflichtet.
Auch auf arabischer Seite gelingt Weizmann ein Durchbruch. Als Leiter der zionistischen Delegation unterzeichnet er 1919 in Paris mit Emir Faisal ein Abkommen, das die Stärkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina und die muslimische Kontrolle über die muslimischen heiligen Stätten vorsieht. In Kraft tritt das Abkommen jedoch nicht.
Weizmann setzt seine Arbeit für den Zionismus fort. Von der Spitze der britischen Zionistenvereinigung steigt er 1921 auf zum Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation (WZO), ein Amt, dass er mit Unterbrechung bis 1946 innehat. Als 1929 die erweiterte „Jewish Agency for the Palestine“ gegründet wird, um westliche Juden in das zionistische Unternehmen einzubinden, wird Weizmann auch ihr Präsident. Das Ideal: „Die Vision einer neuen Nation, die frei von der Enge des Ghettos und von der ewigen Angst vor Missverständnissen und Unruhen ihr Leben auf ihrem Land lebt“.
Am 14. Mai 1948 wird Weizmanns Traum wahr: David Ben-Gurion ruft die Unabhängigkeit des neuen Staates Israel aus. Weizmann wird Präsident des provisorischen Staatsrates und neun Monate später, am 17. Februar 1949, zum ersten Präsidenten Israels gewählt. In seiner Eröffnungsrede in der Knesset zeichnet er die Vision seiner Staatsführung: „Wir müssen eine neue Brücke bauen, die die Wissenschaft mit dem menschlichen Geist verbindet.“ Wissenschaft und Forschung sollen zur Grundlage des nationalen Unterfangens werden, ohne dabei die Werte jenseits der Wissenschaft zu vergessen: „Gerechtigkeit und Ehrlichkeit, Frieden und Brüderlichkeit.“
Wissenschaft bleibt dem Staatsmann auch in seiner politischen Karriere ein Anliegen. Die Gründung der Hebräischen Universität Jerusalem 1918 hatte er zusammen mit Albert Einstein und anderen unterstützt. Im Jahr seiner Präsidentenwahl weiht er das nach ihm benannte Weizmann-Institut in Rechovot ein. Israel, so Weizmann bei der Eröffnung, sei ein Pionierland, das Institut der Pionier in der Wissenschaft.
Weizmann stirbt am 9. November 1952. Begraben ist er im Garten seines Anwesens in Rechovot, das heute Teil des Instituts ist.
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