Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03198.jsonl.gz/867

Als Sohn eines Auslandschweizers in New Jersey geboren, wuchs William Dunkel in Buenos Aires und Lausanne auf. Nach dem Studium in Dresden 1912-17 kam er als Maler, Reklamezeichner und Architekt in Düsseldorf in Kontakt mit Paul Klee, Otto Dix, Max Liebermann und Oskar Kokoschka. 1923 eröffnete er ein eigenes Architekturbüro und erlangte durch verschiedene Wettbewerbserfolge im Rheinland und Ruhrgebiet, wie etwa durch das Brückenkopfgebäude Rheinpark in Düsseldorf (1926), Bekanntheit.
Expressive Kohlezeichnung des Wettbewerbsprojekts zum Brückenkopfgebäude des Rheinparks in Düsseldorf, mit dem William Dunkel 1926 den 1. Preis gewann.
Als Professor 1929 nach Zürich berufen, unterrichtete er bis 1959 an der ETH und entwarf zahlreiche Bauten in der Schweiz und im Ausland, so zum Beispiel das Stadion Letzigrund in Zürich (1957-58) oder die National Bank of Iraq in Bagdad (1954).
Zu seinen Studenten zählten unter anderem Max Frisch und Jakob Zweifel. Dunkel, ein undogmatischer Vertreter des Neuen Bauens, verstand sein architektonisches Schaffen ähnlich wie Le Corbusier primär als künstlerischen Akt und blieb Zeit seines Lebens auf Distanz zu Rationalisten wie Walter Gropius oder Mies van der Rohe.
Dies wird am Geschäftshaus „Rämibühl“ wie auch an seinem 1961 vom Volk verworfenen Projekt für das neue Zürcher Stadttheater (Opernhaus), das sich an Alvar Aaltos Theater in Essen orientierte, deutlich. O.C.
Modell des 1961 erstprämierten Wettbewerbsprojekts von William Dunkel zum Neubau des Zürcher Stadttheaters.
Im Auftrag des Herzspezialisten Hermann Schulthess erbaute Georg Lasius (1835-1928) 1898 das villenartige, neugotische Mehrfamilienhaus mit drei identischen 6-Zimmer-Wohnungen und Praxisräumen im 1. Obergeschoss. Die drei hochaufragenden quergestellten Treppengiebel, der von einem Spitzhelm gekrönte polygonale Eckerker und die Tuffsteinquader der Fassade verleihen Gebäude einen schlossartigen Charakter.
1918 erwarb Edith McCormick-Rockefeller (1872-1932), Tochter John D. Rockefellers, Schwiegertochter Cyrus Hall McCormicks und 1913 KlientinCarl Gustav Jungs (1875-1961), die Liegenschaft für den „Psychologischen Club Zürich“ als Klubhaus mit Bibliothek und Praxisräumen. Jung, der 1900-06 zunächst als Assistent, dann als Stellvertreter des renommierten Psychiaters und Klinikdirektors Eugen Bleuler (1857-1939) an der „Irrenheilanstalt Burghölzli“ wirkte, hatte den Club 1916, drei Jahre nach dem Bruch mit seinem Lehrer Sigmund Freud (1856-1939), als Gesprächs- und Interessengemeinschaft für Analytische Psychologie gegründet. So organisierte der Club regelmässig Vorträge und Diskussionen führender Fachleute, so z.B. des Mythenforschers Karl Kerényi (1897-1973), des Religionswissenschafters Mircea Eliade (1909-86), des Germanisten Karl Schmid (1907-74) oder des Physikers und Nobelpreisträgers Wolfgang Pauli (1900-58). 1948 nahm das Institut für Analytische Psychologie („C. G. Jung Institut“) den Lehrbetrieb in den Räumen des Psychologischen Clubs auf. O.C.
Die Zeile der repräsentativ gestalteten Neurenaissance-Mietshäuser wurde vom Semper-Schüler Ernst Diener (1847-1927) als Architekt und teilweise als Bauherr (Nr. 15) 1876-82 nach dem Vorbild der „Escher-Häuser“ am Zeltweg errichtet. Sie verleiht der 1871/72 neu angelegten Hottingerstrasse einen grossstädtischen Charakter und dokumentiert den Wandel Hottingens von der Bauerngemeinde zum gehobenen städtischen Wohnquartier. Die kubischen Palazzi mit Walmdach haben Fassaden mit Natursteinsockel, Quaderbandputz im Erdgeschoss und glattem Putz in den Obergeschossen und im Mezzanin.
Die Mittelachse der Strassenfront der spiegelbildlichen mittleren Bauten (Nr. 17-19) ist durch zentrale Loggien in Sandstein mit bekrönendem Palladio-Motiv akzentuiert. Das stadtwärts in den Formen einer städtischen Villa erbaute Mehrfamilienhaus (Nr. 15) verfügt über einen betonten Piano nobile und Balkone in der 1905 aufgestockten Mittelachse. 1907 erhielt der Kopfbau gegen den Steinwiesplatz (Nr.21) an der Südwestecke eine turmartige Erhöhung. Seit 1984 verbinden zurückversetzte Glas-Metallbauten die ursprünglich selbständigen Häuser. O.C.
1835 liess Johann Jakob Spörri das Doppelwohnhaus, in dessen Hinterhaus (5) er im Erdgeschoss eine Glaserwerkstatt einrichtete, erbauen. Die beiden Wohnhäuser gehören zu einer grösseren Gruppe früher Baumeisterhäuser, die kurz nach der Abtragung der Schanzen am Zeltweg und im Geviert Gemeinde-, Steinwies- und Minervastrasse als neuartige Miethäuser mit Etagenwohnungen in den Obergeschossen und Gewerberäumen im Erdgeschoss entstanden sind. Bereits drei Jahre später liess Caspar Spörri auf der südwestlich angrenzenden Parzelle ein Ladengebäude mit Holzschopf (3) errichten. Das 1850 zur Werkstatt umfunktionierte Nebengebäude erfuhr einen erneuten Umbau, als es der Apotheker Christian Wernle in den 1860er Jahren zusammen mit dem Vorderhaus (7) erwarb und darin 1866 die erste Apotheke Hottingens eröffnete. Damals gestaltete Wernle auch das Erdgeschoss des Vorderhauses zur Wohnung um. Um 1900 waren die beiden Gebäude im Besitz der Apothekerfamilie Hauser, die die klassizistische Ladenfront der Apotheke in Jugendstil-Formen erneuern liess.
Als Adolf Hauser Marguerite Jeanneret heiratete, erhielt deren Cousin Charles Edouard Jeanneret (1887-1965) 1915 den Auftrag, im Vorderhaus das Treppenhaus und die beiden Obergeschosse neu zu gestalten und auch das Mobiliar teilweise zu entwerfen. Im neu eingerichteten Gästeappartement stieg Le Corbusier, wie sich der Architekt seit den 1920er Jahren nannte, künftig ab, wenn er in Zürich weilte.
Nach dem Tod Adolf Hausers verkaufte dessen Witwe die Liegenschaft 1943 an Adolf Gerber, der die „Adler Apotheke“ bis zu ihrer Aufhebung 1974 weiterführte. 1949 konnte er auch das Hinterhaus erwerben, in dem ein Glaser und ein Polsterer ihre Werkstätten hatten. Schrittweise liess der neue Eigentümer die Häuser sanieren und umgestalten: 1945 wurde etwa die Strassenfassade des Vorderhauses mit dem Apotheker-Emblem geschmückt und ein halbes Jahrzehnt später lösten im Hinterhaus Büro- und Wohnräume die Werkstätten ab. Im Gefolge dieser Umnutzung, hatte die 1920 gegründete „Julius Klaus-Stiftung für Vererbungsforschung, Sozialanthropologie und Rassenhygiene“ (seit 1971 „Julius Klaus-Stiftung für Genetik und Sozialanthropologie“) unter ihrem Präsidenten, dem emeritierten Professor für Anthropologie Otto Schlaginhaufen, 1951-70 ihre Büros und das Lager für Schlaginhaufens Schädelsammlung in Räumen des Hinterhauses. O.C.
1842 erwarb der aus dem württembergischen Flunau bei Tettnang stammende, in Wangen, Ulm und Ravensburg zu Vermögen gekommene Bierbrauer und Immobilienhändler Joseph Anton Kern (1793-1862) das ehemalige Schanzengelände oberhalb des Rämibollwerks, um eine Bierbrauerei einzurichten. Die nach 1798 eingeführte Wirtschaftsfreiheit und das 1840 beschlossene kantonale Biergesetz bildeten wichtige Voraussetzungen für die Gründung von Brauereien und den Aufschwung der Bierproduktion im Kanton Zürich. In Kerns Auftrag errichtete Wilhelm Waser (1811-66) bis 1844 das Brauereigebäude auf einem künstlich aufgeschütteten Plateau, das die ausgedehnten Keller aufnahm. Zwischen zwei dreigeschossigen Eckbauten – der östliche als Wohnhaus, der westliche als Ökonomiegebäude mit Stallungen und Malzmühle konzipiert – war die eigentliche Brauerei mit Malzdarre, Sudhaus und Kühlschiff im zweistöckigen Mittelteil untergebracht. In den folgenden Jahren entstanden die Fabrikantenvilla mit Garten und Ökonomiegebäude (1844/45, 1956 abgebrochen) sowie ein weiteres Nebengebäude (1851), die spätere Villa „Belmont“.
Als Kern die Brauerei 1852 aufgab, nahm er Wohnung im „Schanzenberg“ und verkaufte die Villa und die Ökonomiegebäude an den „Spinnerkönig“ Heinrich Kunz (1793-1859) aus Oberuster, den damals grössten Schweizer Textilunternehmer, der beabsichtigte, seinen Geschäftssitz nach Zürich zu verlegen. 1862, kurz vor seinem Tod, veräusserte Kern den „Schanzenberg“ an den Seidenhändler Karl Johann Burkhard (1816-83) aus Oberrieden und dessen Schwager, den württembergischen Leinen- und Baumwollhändler Georg Rall-Hummel (1800-72). Die neuen Besitzer erweiterten das Haus um zwei Geschosse: Die beiden fünfstöckigen, nur durch zwei umlaufende Gurten und einen Balkon gegliederten Eckrisalite mit flachem Walmdach und der viergeschossige, analog gestaltete Mittelteil verliehen dem hoch über Florhof und Alter Kantonsschule thronenden Bau einen festungsartigen Charakter. Eine umfassende Modernisierung erfuhr das Haus nach einem erneuten Besitzerwechsel 1896, als die Wohnungen auf der Südseite grosszügige Balkone erhielten.
1862-66 wohnte der literarisch-politische Bohémien Georg Herwegh, der sich 1839 aus Württemberg in die Schweiz abgesetzt hatte, mit seiner Familie in einer der Wohnungen des „Schanzenbergs“. Später lebten hier auch deutsche Studentinnen als Untermieterinnen, die nach Zürich gekommen waren, weil ihnen in der Heimat das Studium verwehrt war, so z.B. Ricarda Huch 1895-96, die sich als Historikerin und Schriftstellerin einen Namen machen sollte, oder Marie Baum (1874-1964), die 1899 in Chemie promovierte, sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland sozialpolitisch engagierte und 1919 als Vertreterin der DDP in die Weimarer Nationalversammlung gewählt wurde. Frieda Bebel (1869-1948), das einzige Kind des deutschen Sozialistenführers August Bebel, kam 1889 nach Zürich, um die Maturitätsprüfung abzulegen. Sie heiratete hier 1891 und zog nach dem Tod ihres Mannes 1912 zusammen mit ihrem Sohn in den „Schanzenberg“. Ihr inzwischen verwitweter Vater weilte oft bei Tochter und Enkel. Als er während eines Kuraufenthalts in Passugg am 13. August 1913 starb, nahm vier Tage später der grösste Trauerzug, den Zürich bisher gesehen hatte, beim „Schanzenberg“ seinen Anfang.
Im gleichen Jahr erwarb der Kanton den „Schanzenberg“, der seit 1918 schrittweise zum Schulhaus umfunktioniert wurde, um Klassen der trotz der 1909 eröffneten Neuen Kantonsschule aus allen Nähten platzenden Kantonsschule aufzunehmen. Zu einer dieser Klassen gehörte 1920 Elias Canetti, der spätere Nobelpreisträger für Literatur. Mit der Eröffnung der Kantonsschule Rämibühl 1970 konnte die Kantonale Mittelschule für Erwachsene in den „Schanzenberg“ einziehen. Ihr folgte 2000-12 die Pädagogische Hochschule, danach die Universität. O.C.
Nach der Niederlegung der Schanzen entstanden entlang des Wolfbachs neue Gewerbe- und Wohngebäude, die die bäuerlichen Bauten allmählich verdrängten. Typische Repräsentantin des dörflich-vorstädtischer Charakter von Siedlung und Architektur ist die seit 1837/38 an Stelle von zwei Bauernhöfen errichtete Häusergruppe, die nach 1850 ständig aufgestockt und erweitert wurde und 1881 mit dem Bau von zwei Mietshäusern (Nr. 39) ihr heutiges Aussehen erhalten hat.
Die Neubauten von 1881 sind sogenannte Baumeisterhäuser – ein typisches Phänomen des raschen Wachstums der Zürcher Vororte nach 1830. Vor der Gründung des Eidgenössischen Polytechnikums (heute ETH) 1855 gab es in Zürich nur wenige, im Ausland geschulte akademische Architekten, wie z.B. Carl Ferdinand von Ehrenberg und Gustav Albert Wegmann, die für eine grossbürgerliche Bauherrschaft oder den Staat bauten. Die meisten Bauten wurden von handwerklich geschulten, lokalen Baumeistern für eine vorwiegend kleinbürgerliche Bauherrschaft oder auch als Spekulationsobjekte auf eigene Rechnung errichtet. Diese freistehenden, mehrgeschossigen, über rechteckigem, meist fast quadratischem Grundriss erstellten Wohn- und Gewerbebauten variierten alle das gleiche Grundmuster. Im Erdgeschoss lagen die Gewerberäumlichkeiten, in den Obergeschossen Etagenmietwohnungen (eine pro Geschoss).
Während das Erdgeschoss gemauert war, wurden die Obergeschosse als Fachwerkkonstruktion mit Bruchsteinausfachung erstellt. Erst als seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Zürich Grossbetriebe mit mechanischen Ziegelpressen und Ringöfen die handwerklich arbeitenden Ziegelhütten verdrängten, kamen zunehmend Ziegel zum Einsatz. Die Normierung des Backsteinformats durch den Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein 1883 verhalf dem Ziegel schliesslich zum Durchbruch und leitete die Standardisierung der Baumasse ein. Das äussere Erscheinungsbild der Baumeisterhäuser ist gekennzeichnet durch regelmässig befensterte Fassaden, zurückhaltend eingesetzten klassizistischen Bauschmuck, Satteldach und in vielen Fällen mit die Trauffront krönendem Zwerchgiebel. Erschlossen werden die Geschosse durch das meist in einer Gebäudeecke platzierte Treppenhaus, die Wohnungen in der Regel über einen schmalen Mittelkorridor. Ausgestattet sind die Wohnräume mit Holztäfelung, Tapeten, vorgefertigtem Stuckdekor an den Decken, Fliesen- und Parkettböden sowie Kanonenöfen. Die Küchen verfügen über Eisenherd und Schüttstein. Die Toiletten sind vom Treppenhaus aus zugänglich.O.C.
1947-86 lebte der Komponist Armin Schibler (1920-86), der von 1944 bis zu seinem Tod am Literargymnasium Musik unterrichtete, im Haus Wolfbachstrasse 33.
Die 1879 von Theodor Geiger (1832-82) als Architekt und Bauherr errichtete Blockrandbebauung mit vier Mehrfamilienhäusern, repräsentativ geschmückter, grossstädtisch wirkender Fassade dokumentiert den Wandel Hottingens von der Bauerngemeinde zum gehobenen städtischen Wohnquartier. Die achtachsige Fassade gegen die 1871/72 neu angelegte Hottingerstrasse wird durch turmartig überhöhte Eckrisalite mit Eckquaderung und Balkonen gerahmt, jene gegen den Steinwiesplatz als Schaufront mit neubarock überkuppeltem Mittelturm und Veranden in der Westecke gestaltet. Über der Rustikaquaderung und den Putzflächen des Sockelgeschosses erhebt sich die zweistöckige Sichtbacksteinfassade mit Natursteinelementen, darüber das Mansardenwalmdach mit dem Dachgeschoss.
Der Mietshauskomplex ist ein früher Vertreter, der in Zürich vor allem zwischen 1883 und 1914 errichteten Sichtbacksteinbauten. Nachdem Karl Friedrich Schinkel mit der Friedrich-Werderschen Kirche (1824-31) und der Bauakademie (1832-36) in Berlin eine Renaissance des Sichtbacksteinbaus im deutschen Kulturraum eingeleitet hatte, führte vor allem die Mechanisierung der Ziegelproduktion seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu dessen rascher Verbreitung. Das 1854 von Carl Schlickeysen (1824-1909) eingeführte Strangpressverfahren und der 1858 von Friedrich Eduard Hoffmann (1818-1900) und Julius Albert Gottlieb Licht (1821-98) entwickelte, kontinuierlich arbeitende Ringofen ermöglichten die Produktion hochwertiger und kostengünstiger Ziegelsteine und -profile. Die Einführung der Lochung machte die Ziegelsteine zudem zu einem idealen, Wärme dämmenden und Feuchtigkeit isolierenden Verblendungsmaterial der Aussenwand. Die Standardisierung des Ziegelformats in Deutschland nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 und der Eisenbahnbau bestimmten die Entwicklung des Sichtbacksteinbaus auch in der Schweiz, indem die deutschen Standardmasse 1883 vom SIA weitgehend übernommen wurden und die deutschen Qualitätsziegel den schweizerischen Markt dominierten. In Zürich waren seit der Mitte des 19. Jahrhunderts 39 mechanische Backsteinfabriken entstanden, die vor allem gewöhnliche Backsteine und Dachziegel produzierten. Der Sichtbacksteinbau blieb allerdings bis in die 1880er Jahre von geringer Bedeutung.
Zum Durchbruch verhalfen ihm erst die Schweizerische Landesausstellung 1883 auf dem Platzspitz, an der das Keramische Gewerbe mit einem von Chiodera und Tschudy entworfenen Sichtbacksteinpavillon für sich warb, und der Sichtbacksteinbau des 1884-85 von Georg Lasius (1835-1928) und Alfred Friedrich Bluntschli (1842-1930) erbauten Chemischen Laboratoriums der ETH.
In den folgenden drei Jahrzehnten wurde der Sichtbackstein zum beliebtesten Fassadenmaterial in Zürich. Wie an der Hottingerstrasse 28-32 wurden im Wohnungsbau meistens Putz, grauer Natur- und roter oder beiger Sichtbackstein kombiniert zur Strukturierung und repräsentativen Gestaltung der Fassade eingesetzt. Der reine Sichtbacksteinbau blieb jedoch weitgehend auf Gewerbebauten beschränkt. Während Theodor Geigers Sichtbacksteinfassade nur aus einer einfachen, einfarbigen Läufer-Binder-Verblendung besteht, zieren andernorts zusätzlich Bänder und Muster beiger und roter Ziegel oder geometrische und figürliche Ziegelformprofile die Aussenwände. Im Haus Hottingerstrasse 30 lebte 1885/86 der Maler Arnold Böcklin (1827-1901).O.C.
Der spätklassizistische, urbane Eckbau an der Einmündung der Gemeindestrasse in den Zeltweg ist 1867 im Zuge der Stadterweiterung des mittleren 19. Jahrhunderts entstanden. Die Wirtschaft „Thaleck“ im Erdgeschoss war Treffpunkt der Sozialdemokraten.
Hier diskutierten sowohl Vertreter der einheimischen Sozialisten, wie Karl Bürkli (1823-1901) und Hermann Greulich (1842-1925, seit 1867 in Zürich), als auch wegen Bismarcks Sozialistengesetzen 1878-90 im Exil lebende deutsche Sozialdemokraten, wie August Bebel und Eduard Bernstein (1850-1932), ausserdem der 1880-82 in Zürich weilende Österreicher Karl Kautsky (1854-1938). In Hottingen erschien seit 1879 – ab 1882 an der Kasinostrasse 3 – auch „Der Sozialdemokrat“, das Parteiblatt der deutschen Sozialdemokratie. In der Wohnung im 1. Obergeschoss verbrachte der Dichter Gottfried Keller, kein Freund der Sozialisten, 1882-90 seine letzten Lebensjahre. Seit 1924 war hier die Leihbibliothek des „Lesezirkels Hottingen“ untergebrachtbis zu dessen Auflösung 1941. Gegründet 1882, um breiteren Kreisen Neuerscheinungen der Literatur, Kunst und Wissenschaft zugänglich zu machen, bot der Lesezirkel Lesemappen mit Illustrierten und literarischen Zeitschriften an und betrieb eine Leihbibliothek.
1887/88 veranstaltete er den ersten Vortragszyklus und seit 1896 Abende für Literatur und Kunst, an denen prominente Autoren, wie z.B. Thomas Mann, Heinrich Mann, Hugo von Hofmannsthal oder Rainer Maria Rilke lasen, aber auch musikalische Stücke zur Aufführung gelangten, wie etwa 1924 „L‘ histoire du soldat“ von Charles Ferdinand Ramuz und Igor Strawinsky. Gesellschaftliche Ereignisse waren die pompösen Kostümfeste des Lesezirkels in der Tonhalle, im Grand Hotel Dolder und im Baur au Lac. O.C.
Bauherr der sogenannten „Escher-Häuser“ war der 1795-1814 in den USA mit Grundstück- und Kolonialwarenhandel reich gewordene Grosskaufmann und Vater Alfred Eschers, Heinrich Escher-Zollikofer (1776-1853). Seine Absicht, nach der Niederlegung des barocken Schanzenrings ein ganzes, einheitlich geplantes, städtisches Quartier an der neuen Anbindung des Hottinger Zeltwegs an die Altstadt anzulegen, stiess auf grossen Widerstand und konnte schliesslich nur in reduzierter Form realisiert werden. Dennoch sind die „Escher-Häuser“ Ausdruck der neuen wirtschaftlichen Dynamik im Kanton Zürich und der Urbanisierung der stadtnahen Bauerngemeinde Hottingen nach der liberalen Revolution 1830.
Escher-Häuser, Gebäudezeile am Zeltweg. Zeichnung um 1860.
Die stattliche, klassizistische, durch Risalite und den zentralen Hofdurchgang gegliederte Gebäudezeile am Zeltweg mit den zugehörigen Hinterhäusern errichtete der Architekt Leonhard Zeugheer 1836-40. Der sich über 31 Fensterachsen ersteckende Frontbau war das erste vornehme, als Kapitalanlage errichtete Mietshaus in Zürich.
Die herrschaftlichen Wohnungen waren mit Wandtäfer, Kachelöfen mit Goldornamentik, Wand- und Deckenmalereien ausgestattet. In das repräsentative Appartement im Mitteltrakt (Nr. 11) zog die Tochter des Bauherrn, die Malerin Clementine Stockar-Escher (1816-86) mit ihrer Familie ein. Am Zeltweg 13 wohnte Richard Wagner 1849-57. Im Haus Nr. 9 lebten die Kinderbuchautorin Johanna Spyri 1886-1901 und der Komponist Paul Burkhard 1935-57. In Nr. 7 logierte der Komponist Rolf Liebermann 1948-50.
In den Hinterhäusern befanden sich die Wohnungen für die Dienstboten – ebenfalls ein Novum im städtischen Umfeld und Zeichen eines erwachenden sozialen Bewusstseins. Die dreiteilige, schlichte Häuserzeile mit Satteldach orientiert sich sowohl in der äusseren Gestalt als auch im Grundriss der für damalige Verhältnisse grosszügig dimensionierten Etagenwohnungen an den Kosthäusern der ländlichen Industriebetriebe des frühen 19. Jahrhunderts. O.C.
Vermutlich errichteten bereits im 16. Jahrhundert die ersten wohlhabenden Zürcher Bürger Landsitze vor den Toren der Stadt. Eines der ältesten Häuser, die diesem Zweck dienten, war das „Steinhaus“ am Standort des heutigen Wohn- und Theaterkomplexes „Zum Pfauen“. Im 18. Jahrhundert verlottert, wurde es nach der Niederlegung der Schanzen und der Verbindung des Zeltwegs mit der Altstadt (1834), der Anlage von Rämi- (1836) und Hottingerstrasse (1871/72) sowie dem Bau der Quaibrücke (1882-84) zum Spekulationsobjekt an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt zwischen Altstadt und Hottingen, Enge und Fluntern.
Hier eröffnete Heinrich Hürlimann aus Dürnten 1879/80 das Restaurant „Zum Pfauen“, fügte ihm 1882 nach dem Kauf des „Steinhauses“ einen Gartenpavillon an, den er schon ein Jahr später als „Concert-Halle Pfauen“ bewarb und kurz darauf zum „Flora-Theater im Pfauen“ umbaute. Der sommerliche Amüsierbetrieb florierte, so dass Hürlimann in den folgenden Jahren sämtliche Nachbargebäude erwarb und 1888/89 von Alfred Chiodera und Theophil Tschudy den heute noch weitgehend erhaltenen Gebäudeblock errichten liess. Der als repräsentativer Hottinger Torbau gestaltete Komplex ist eine der ersten Zürcher Arealüberbauungen. Rentable Wohnhäuser mit schlossartig gestalteter, neubarocker Fassade in den Randbereichen an Zeltweg und Hottingerstrasse umschliessen einen rückwärtigen Kuppelsaal mit Galerie und Bühne für etwa 800 Personen im weniger attraktiven Mittelteil hinter dem Torbau gegen die Rämistrasse.
Der von Heinrich Hürlimann neu erbaute Pfauenkomplex, um 1900.
Das „Volkstheater am Pfauen“ bewirtete während der populären Schwank-, Tanz- und Musikaufführungen die an Tischen sitzenden Zuschauer.
Der Saal des Pfauentheaters. Lithographie, um 1890.
1901 wurde der inzwischen stark heruntergekommene Pfauen-Saal vom Stadttheater Zürich übernommen, dessen Direktor Alfred Reucker (1868-1958) anspruchsvolles Sprechtheater auf die Bühne brachte und bis Anfang der 1920er Jahre den Ruf des Schauspielhauses als eines der bedeutenden deutschsprachigen Theater begründete. 1926 übernahm der Händler, Fabrikant und Verleger Ferdinand Rieser (1886-1947), seit 1922 Mehrheitsaktionär der Theater AG, die Leitung des Schauspielhauses. Er unterzog das Theater nach Plänen von Otto Pfleghard d. Ä. (1869-1958) und Max Häfeli (1869-1941) einer umfassenden Renovation und Modernisierung: Die Bühne wurde vergrössert, ebenso der in den Farben Rot, Weiss, Gold gestaltete, bis heute erhaltene schlicht-elegante Art-déco-Zuschauerraum. Hinzugefügt wurden Foyer und Garderoben. Die Infrastruktur für die Schauspieler blieb prekär. Dies sollte sich erst mit der Totalsanierung 1976/77 ändern, nachdem das 1964 von Jörn Utzon (1918-2008) vorgelegte Projekt eines Schauspielhausneubaus unterhalb der Alten Kantonsschule, da wo sich nun David Chipperfields Erweiterungsbau des Kunsthauses erhebt, gescheitert war. O.C.
Der 1926 umgebaute Zuschauerraum des Schauspielhauses nach der Renovation 1976/77.