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von Dr. Eliane Timm
Wenn eine andere Person persönliche Informationen preisgibt (z.B. Hobbies; wo sie aufgewachsen ist; Informationen über gemeinsame Freunde), dann neigen wir dazu, diese Person mehr zu mögen und ihr auch mehr zu erzählen. Dies steigert wiederum das Gefühl von Zuneigung und Nähe. Wie sieht es jedoch aus, wenn es sich um ein Geheimnis handelt, das nicht weitererzählt werden soll?
Michael L. Slepiana von der Columbia University New York und Katharine H. Greenaway von der University of Melbourne sind dieser Frage nachgegangen. Die Wissenschaftler/Innen vermuteten, dass es darauf ankommt, wer einem das Geheimnis anvertraut, unter welchen Bedingungen Menschen in ein Geheimnis eingeweiht werden, und wie schwierig sich die Geheimhaltung gestaltet.
In der Studie wurden mehr als 200 Personen über die Geheimnisse, die sie über anderen Personen wissen, befragt und wie sehr sie diese Geheimnisse belasten. Für jedes Geheimnis mussten die Befragten zusätzlich angeben, ob sie aktiv eingeweiht wurden oder zufällig davon gehört hatten. Ausserdem gaben die Befragten an, wie nah sie dem Geheimnisgeber standen, ob sie sich durch die Einweihung ins Geheimnis dieser Person stärker verbunden fühlten, und ob sie mit dem Geheimnisgeber viele gemeinsame Freunde teilten.
Dabei stellte sich heraus, dass die Einweihung in ein Geheimnis zwar einerseits das Gefühl von Nähe zum Geheimnisgeber steigerte, aber andererseits als Belastung empfunden wurde. Dies traf um so mehr zu, je näher die Befragten dem Geheimnisgeber standen. Mit zunehmender Überlappung der sozialen Netzwerke (je mehr ein Geheimnis Menschen innerhalb des gemeinsamen Freundeskreises betraf), desto mehr sahen sich die Eingeweihten genötigt, das Geheimnis im Namen des Geheimnisgebers zu wahren. Durch die Häufigkeit der Interaktionen im gemeinsamen Freundeskreis muss das Geheimnis öfter aktiv für sich behalten werden, was wiederum mit einem verstärkten Gefühl der Belastung verbunden war. Dies war jedoch nur der Fall, wenn die Befragten aktiv von jemandem in das Geheimnis eingeweiht wurden und dies nicht zufällig mitbekamen. Dieselben Effekte konnten auch nachgewiesen werden, wenn die Befragten sich fiktive Bedingungen vorstellen sollten (z.B. «Stellen sie sich vor, dass Sie dieser Person nahestehen»).
Die Forscher konnten also zeigen, dass nicht nur eigene Geheimnisse, sondern auch die Wahrung von Geheimnissen anderer Menschen als eine Last empfunden werden kann. Jedoch kommt es auf die Umstände an wie stark diese Last ist. Ausserdem kann—abgesehen von der Last—die Einweihung in ein Geheimnis auch Zuneigung und Nähe zum Geheimnisgeber steigern und somit auch einen positiven Effekt haben.
Literatur
Slepian, M. L., & Greenaway, K. H. (2018). The benefits and burdens of keeping others' secrets. Journal of Experimental Social Psychology, 78, 220-232.
https://doi.org/10.1016/j.jesp.2018.02.005
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