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Seit diesem Sommer ist die CIA unter den Namen @CIA, Link öffnet in einem neuen Fenster offiziell auf Twitter aktiv: Die Geheimagenten twittern jetzt auch selber und werten nicht nur die Daten Dritter aus. Gestartet ist der Geheimdienst – nicht ohne Selbstironie – mit dem Satz: «Wir können weder bestätigen noch verneinen, dass das unser erster Tweet ist., Link öffnet in einem neuen Fenster» Dieser Satz ist ein CIA-Klassiker, eine Standard-Antwort, die seit den 1970er-Jahren sogar einen eigenen Namen hat: Glomar-Antwort.
Der Kalte Krieg und das Atom-U-Boot
Dahinter steckt eine Spionage-Affäre aus der Zeit des Kalten Kriegs: An einem Märztag im Jahr 1968 verschwindet das russische Atom-U-Boot K-129, Link öffnet in einem neuen Fenster plötzlich vom russischen Radar. Nordwestlich von Hawaii versinkt es in den Tiefen des Ozeans.
Die US-Navy ist vor Hawaii unterwegs und hat das Verschwinden der K-129 mitbekommen. Wer würde das U-Boot als erster wieder finden? Der Wettlauf ist eröffnet.
Die Amerikaner machen das Rennen: Sie haben einfach die besseren Geräte. Ihre Unterwassersensoren hatten eine Detonation ausgemacht, die sie genau zur Fundstelle der K-129 führt, 1500 Seemeilen nordwestlich von Hawaii. Doch der U-Boot-Koloss liegt in gut 5000 Metern Tiefe – wie bergen? Ein passendes Bergungsschiff hat auch die US-Navy nicht. Also muss ein Neues her.
Die CIA kontaktiert den amerikanischen Unternehmer Howard Hughes Jr., der sich als Strohmann zur Verfügung stellt und das Schiff mit Namen Glomar Explorer unter seinem Namen bauen lässt. All dies geschieht unter strengster Geheimhaltung, der Codenamen lautet «Project Azorian»., Link öffnet in einem neuen Fenster Als das Schiff fertig ist, lässt Hughes verkünden, er wolle damit die Tiefsee erforschen und dort Erze, insbesondere Manganknollen, abbauen.
Der Zufall bringt die unglückliche Mission ans Licht
1974 sticht der riesige Kahn schliesslich in See. Die Glomar ist 188 Meter lang und 35,3 Meter breit und hat, zur Tarnung, einen 80 Meter hohen Bohrturm. Unsichtbar ist die Ladeluke im Rumpf des Schiffs, von wo aus der Greifarm zur Bergung der K-129 ins Meer gelassen wird. Die Amerikaner können tatsächlich das russische Atom-U-Boot aus dem Meer ziehen – bei der Bergung jedoch bricht das Boot in zwei Teile, einer davon landet wieder auf dem Meeresgrund.
Der Zufall will, dass genau zu dieser Zeit in genau jene Lagerhalle von Howard Hughes Jr. eingebrochen wird, in der auch die Pläne der Glomar Explorer aufbewahrt werden. Ein Blick auf die Pläne und es ist klar: Mit diesem Schiff soll sicher kein Erz aus dem Meer geborgen werden.
Die «Los Angeles Times» bekommt die Schiffspläne in die Hände und stellt der CIA unangenehme Fragen. Sie verlangt Transparenz: Denn immerhin soll die Bergungsaktion über 350 Millionen Dollar gekostet haben. Die Antwort der CIA ist so simpel wie abweisend: «We can neither confirm nor deny» – wir können weder bestätigen noch verneinen.
Vom Schiffsnamen zum Standardsatz
Eine Formulierung, die der amerikanische Geheimdienst damals, 1975, zum ersten Mal benutzte – und die, seither, schlicht und einfach Glomar-Antwort heisst. Die CIA nutzt sie mit Vorliebe, wenn etwas im Busch ist, die verantwortlichen Agenten aber nichts dazu sagen wollen.
Das Schiff übrigens, die Glomar Explorer, wurde nach Ende der Operation in die Reserveflotte der US-Navy aufgenommen. 1997 wurde sie dann doch noch zum Tiefsee-Bohrschiff umgerüstet: Zur Zeit des ersten CIA-Tweets war die Glomar Explorer gerade vor Indien unterwegs.