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Von reinen und unreinen Tieren
Im Alten Testament werden reine und damit essbare („koschere“) von unreinen Tieren unterschieden. Dabei gilt für Säugetiere: WIEDERKÄUER und PAARHUFER ist REIN, alles andere unrein. Die Speisegesetze sind weniger theologisch als kosmologisch, soziologisch und kulturell zu begründen. Kosmologisch gesehen wurden wiederkauende Paarhufer, viele Vögel und Fische mit Flossen und Schuppen als „gute Tiere“ angesehen.
Ausnahme Haustiere
Aus soziologischen Gründen waren die „klassischen Haustiere“ (Schafe, Ziegen, Rinder) als Fleischlieferanten Modell für reine Tiere. Und kulturell waren alle Tiere, von denen Gefahr ausging (Raubtiere, Aasfresser) unrein. Nicht immer stimmt diese Einteilung mit heutigen Erkenntnissen überein. Hasen etwa galten als Wiederkäuer, obwohl sie dies nicht sind. Allerdings produzieren diese Tiere zweierlei Kot. Der weiche Kot wird nochmals gefressen, um die schwer verdaulichen Pflanzenreste besser zu verdauen.
Der Fleischgenuss war im alten Israel wie im ganzen Orient an kultische Opferhandlungen gebunden. Dies zum einen aus Ehrfurcht vor dem Leben, das Gott schenkt. Zum anderen sah man in der Tötung von Tieren für Esszwecke einen Akt, der die Beziehung zu Gott belastet. Um sich von ihnen zu ernähren, mussten Tiere getötet werden. Indem das Tier Gott zum Opfer dargebracht wurde, bevor man Teile davon ass, wollte man man die gute Beziehung zwischen Gott und Mensch sicherstellen.
Zu den Tiernamen
Manche biblischen Tiernamen halten heutigen zoologischen Befunden nicht stand. Ein Beispiel für diese Problematik ist der Klippschliefer (Procavia capensis). Diese zierlichen, hasenähnlichen Tiere sind nicht etwa mit Meerschweinchen (Cavia), sondern mit den Elefanten und Seekühen verwandt! Martin Luther hat den Klippschliefer nicht gekannt und mit Kaninchen übersetzt (3. Mo 11,6; 5.Mo 14,7). Ab Luther 1982 findet man nun „Klippdachs“ (3. Mo 11,5; 5.Mo 14,7; Ps 104,18; Spr 30,26), wobei der Klippschliefer aber auch nicht mit dem Dachs verwandt ist.
Jürg Meier