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2721 – Berenty – Naturpark in Madagaskar
Der Naturpark Berenty liegt wie ein Juwel inmitten der endlosen Sisalplantagen im flachen Tal des Mandrare-Flusses.
Ganz im Südosten Madagaskars gelegen findet sich Fort Dauphin, mit und ohne Bindestrich geschrieben und auch Tolagnaro, Tôlan̈aro und Taolanaro genannt.
Das Volk der Anosy lebte im eigenen Rhythmus in der regenreichen Buchten- und Lagunenzone. Doch vor 520 Jahren landeten oder eher strandeten portugiesische Seefahrer und versuchten sich zu behaupten. Ihr Steinhaus, eine Art kleines Fort, ist heute noch erhalten und ist das älteste Steinhaus Madagaskars. 1642 landeten dann Siedler aus Frankreich, die Fort Dauphin auf einem dominanten Felsensporn gründeten. Die Siedlung wurde 30 Jahre später wieder aufgegeben.
Doch seither ist Fort Dauphin ein fester Punkt in der madagassisch-französischen Hassliebe. Mit der Invasion Frankreichs 1895 setzte sich die französische Macht endgültig in Fort Dauphin fest.
Zu kolonialen Zeiten blieb Fort Dauphin eine Kleinstadt mit einer Militärgarnison, die sich auf der Felsennase mit der alten Festung der Siedler von 1642 befand.
Die französische Kolonialfamilie de Heaulme drückte der schläfrigen Stadt ab den 1930er Jahren ihren Stempel auf: die Produktion von Sisal war damals rentabel und Fort Dauphin verfügte über einen kleinen Naturhafen. Die geschäftige Familie de Heaulme eröffnete bald die ersten Hotels und Restaurants. Jean de Heaulme war in den 70er und 80er Jahren eindeutig der ‚König von Androy‘: ein kolonialer Patron mit allen Vor- und Nachteilen. Vielleicht daher geriet er auch öfters in Konflikt mit der madagassischen Zentralregierung unter Diktator Ratsiraka.
Seine Nachkommen scheinen hingegen derweil Mühe zu haben, das Imperium weiterzuführen.
Andere kamen und gingen. So der schwedische ex-Diplomat Åkesson – der im riesigen Mandrare Gebiet eine weithin sichtbare Betontafel errichten liess mit der Inschrift: Alles, was Ihr hier seht, gehört Åkesson.
Carl Gustaf Bertil Åkesson
Carl Gustav Bertil Åkesson, war schwedischer Diplomat in Paris, wurde dann Geschäftsmann in Kamerun und ab 1970 war er schliesslich in Madagaskar aktiv. Er war Konsul von Malta in Madagascar, doch in erster Linie war er ein gewiefter Geschäftsmann mit Sinn für lukrative Geschäfte. Es erstaunt, dass der weit vernetzte Businessmann mit Sinn für gesellschaftliche Auftritte ‚im Netz‘ so gut wie keine Spuren hinterlassen hat.
Sein Erbe, ein Konglomerat an madagassischen Unternehmen (oft mit Sitz in Frankreich) ging an die Kinder. Sohn Bertil verweist bei der Vermarktung seiner Kakaofrüchte und der Schokolade gern auf die Familientradition, ohne jedoch Details zu nennen.
Einer der Söhne – Karl Bertil Åkesson – wurde schwedischer Konsul in Madagaskar, eine Tochter, Elsa Åkesson, ist Künstlerin und Bertil Akesson wandte sich der Schokolade zu. Tochter Danie Åkesson amtet in Madagaskar als Hororarkonsulin von Malta, wie schon der Vater.
Alle Åkesson sind irgendwie ins Familienimperium eingebunden.
Fort Dauphin geriet schlagartig in den Radar von etlichen Spekulanten und Bergbauunternehmen, als in der Region seltene Erden entdeckt wurden. Das kanadische Minenunternehmen Rio Tinto erhielt den Zuschlag und verschaffte der Stadt einen neuen Entwicklungsschub. Der Abbau von Titaneisenerz brachte dem Ort Arbeitsplätze, einen neuen Seehafen und etwas Internationalität. Heute ist Fort Dauphin wohl die sauberste Stadt Madagaskars.
Nur wenige Autominuten ausserhalb der Stadt ist von den Zeichen der Moderne kaum etwas zu sehen. Die Landschaft ist dreigeteilt: Meer, Küstenstreifen, Hügelberge. Wer nach Westen fährt, erlebt ein weltweit seltenes Phänomen: von Fort Dauphin herkommend steigt die Strasse einem niedrigen Passhügel hoch. Links und rechts grüne tropische Landschaft. Kaum hat man die Kuppe des Passes überquert, eröffnet sich eine trockene, dornenbewehrte Gestrüpplandschaft. Die Klimafalte ist bemerkenswert: Fort Dauphin liegt im Einflussbereich der fast ganzjährigen Ostküstenregen. Die Klimafalte hingegen führt hin zur trockenen, den Südwinden unterliegenden Landschaft des tiefen Südens Madagaskars.
Hier führt der Mandrare-Fluss die Wasser der Südost-Hügelwelt zum Meer. Doch meist ist der Fluss trocken. Die Anwohner graben Schächte in sein breites Kieselbett, um an spärliches Wasser zu gelangen. Der Mandrare mäandriert in einem weitflächigen Tal. Es erschien den französischen Siedlern der 1930er Jahre als idealer Ort, um Sisal anzupflanzen. Heute noch ergiessen sich die Sisalpflanzen wie stramme Soldaten bis in den fernen Horizont in Reih und Glied.
Eine der Familien – de Heaulme – war ebenfalls mit Sisal-Plantagen tätig und hatte die Inspiration, einen Teil in Naturzustand zu belassen. So entstand Berenty.
siehe auch den Beitrag
Berenty: Reservat