Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03576.jsonl.gz/2901

Die Kunstwerke wurden vor vierzehn Jahren in Tel Aviv gestohlen, die israelische Polizei fand keine Spur. Nun führte ein Hausmeister belgische Ermittler zu den Bildern.
Zwei gestohlene Gemälde von Marc Chagall und Pablo Picasso sind in der belgischen Stadt Antwerpen beschlagnahmt worden. Vierzehn Jahre nach ihrem Raub. Die beiden Kunstwerke, das kubische Porträt «Tête» von Picasso und das Gemälde «L’homme en prière» von Chagall, seien in gutem Zustand in einem Keller gefunden worden, teilten die örtlichen Behörden mit.
Die Gemälde wurden 2010 in Tel Aviv aus der Villa des israelischen Geschäftsmannes Loni Herzikovich gestohlen. Beide Werke wurden damals mit rund 900 000 Dollar bewertet. Im selben Raubzug entwendeten die Diebe Schmuck im Wert von 680 000 Dollar aus einem Tresor. Die israelische Polizei leitete umgehend Ermittlungen ein, diese blieben jedoch ohne Erfolg. Man befürchtete schon damals, dass die Gemälde ins Ausland gebracht worden seien.
Verdächtiger ein Jahr lang beobachtet
Den entscheidenden Hinweis bei den jahrelangen Ermittlungen erhielt die Polizei Ende 2022. Dabei wurde sie auf einen Israeli mit Wohnsitz in Namur aufmerksam gemacht, der die gestohlenen Gemälde von Picasso und Chagall angeblich zum Verkauf anbiete. Über mehrere Monate verfolgten die Ermittler dann die Bewegungen des Verdächtigen. Dabei soll es sich um einen 68-jährigen Luxusuhrenhändler handeln, der von der belgischen Polizei als Daniel Z. bezeichnet wird.
«Die im Laufe des Jahres 2023 durchgeführten Überprüfungen und polizeilichen Ermittlungen führten zu dem Ergebnis, dass der Verdächtige tatsächlich im Besitz der gesuchten Werke war und dass er sie in seinem Haus oder bei einem Bekannten aufbewahren könnte», sagte die Polizei gegenüber der belgischen Zeitung «Le Soir».
Als die Polizei vergangene Woche auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Haus des Verdächtigen untersuchte, fand sie zwar eine beträchtliche Summe Geld, doch keine Kunstwerke. «Obwohl der Verdächtige den Besitz der Gemälde gestand, weigerte er sich, preiszugeben, wo er sie gelagert hatte», so die Polizei.
Gemälde in gutem Zustand
Weitere Ermittlungen führten die Polizei schliesslich zu einem Gebäude in Antwerpen, in dem Daniel Z. bis vor einigen Jahren gewohnt hatte. Der Hausmeister, der mit dem Verdächtigen regelmässig in Kontakt stand, führte die Polizei in den Keller zu zwei Holzkisten. Darin wurden dann die beiden gestohlenen Gemälde entdeckt. Die Werke sind laut Polizei unbeschädigt und befinden sich immer noch in ihren originalen Rahmen.
Der Hausmeister beteuerte, nichts vom Diebesgut gewusst zu haben. Daniel Z. habe ihm gesagt, dass sich darin Familienbilder befänden. Er habe ihm erlaubt, die Kisten im Keller des Gebäudes in Antwerpen zu lagern, da der Keller am neuen Wohnort in Namur angeblich zu feucht dafür gewesen sei.
Was passiert mit den Gemälden?
Der Hauptverdächtige wurde wegen der Hehlerei von zwei Gemälden angeklagt und befindet sich in Untersuchungshaft. Noch ist unklar, ob er auch in den Raub vor vierzehn Jahren involviert war oder ob er lediglich den Verkauf der Gemälde übernahm.
Der rechtmässige Besitzer der Bilder, Loni Herzikovich, reagierte überrascht auf die Nachricht, dass die gestohlenen Gemälde gefunden worden seien. Seine Familie habe die Hoffnung bereits aufgegeben. Doch natürlich freue er sich sehr über den Ermittlungserfolg, sagte er zur «Gazet van Antwerpen».
Da die Bilder versichert waren und Herzikovich für den Diebstahl entschädigt wurde, gehören die Bilder theoretisch nun der Versicherungsgesellschaft. Herzikovich hofft jedoch, dass man sich gemeinsam auf einen Rückkauf der Bilder einigen könne und der Picasso und der Chagall wieder in den Besitz der Familie zurückkehrten.