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die auf Beweisgründen oder Anzeichen (Indizien) beruhende Wahrscheinlichkeit, daß jemand ein Verbrechen
begangen habe, die der Gewißheit oder dem direkten Beweise der That entgegengesetzt wird. Der
Verdacht ist ein entfernter, wenn
ihn nur einzelne Gründe erzeugen, die zu der That in bloß mittelbare Beziehung gebracht werden können,
z. B. die besonders günstige Gelegenheit zur Begehung des Verbrechens. Naher
Verdacht liegt vor, wenn der Grund desselben unmittelbar
auf die That hinweist, z. B. wenn sich jemand im Besitze einer gestohlenen Sache befindet.
Dringender wird der
Verdacht, je mehr Gründe desselben übereinstimmend zusammentreffen. Die
Verdachtsgründe
sind teils vorausgehende, wie Handlungen und Äußerungen vor der That, z. B. Drohungen und Vorbereitungen, Feindschaft, ein
Verhältnis, welches Beweggründe zur That enthält, frühere Verbrechen gleicher Art; teils begleitende, z. B. Anwesenheit
am Orte derselben, empfangene Wunden, blutige Kleider und Gewehre, Zurücklassen eigener und Besitz solcher Sachen, welche
von dem herrühren, an welchem das Verbrechem [^richtig: Verbrechen] verübt worden ist; teils endlich
nachfolgende, wie Handlungen, welche auf ein Bewußtsein eines begangenen Verbrechens hinweisen, z. B. Reden davon, Flucht,
Bemühen die Spuren des Verbrechens zu vertilgen, Verteidigung gegen einen noch nicht ausgesprochenen
Verdacht u. s. w.
Wenn das Vorhandensein eines nahen
Verdacht nach dem Urteile unabhängiger Spruchkollegien aus den Akten hervorging
und der Angeschuldigte dennoch im Leugnen beharrte, so sollte nach der Peinlichen Gerichtsordnung Karls
Verdacht von 1532 zur Marter
(s. Tortur) verschritten werden, um in einem Geständnisse den vollen, direkten Beweis der Schuld zu erlangen.
Als man in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. mit Abschaffung der Folter
vorging, ohne gleichzeitig die Beweistheorie zu beseitigen, ließ man bei vorliegendem Indizienbeweise eine mildere «außerordentliche»
Strafe, also eine Strafe auf
Verdacht, zu. Das heutige Recht verlangt hinreichenden
Verdacht schon zur Eröffnung des Hauptverfahrens, läßt
andererseits dem erkennenden Gericht freie Würdigung des Beweises ohne Unterschied, ob es sich um einen
direkten oder einen Indizienbeweis handelt. (S. Indizien.) -
Vgl. Glaser, Beiträge zur Lehre
[* 2] vom Beweis im Strafprozeß (Lpz.
1883).