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Schon die Helvetier und die alten Römer haben am Napf Gold gesucht. Es gibt hier nicht Goldadern wie beim klassischen Berggold. Es handelt sich ausschliesslich um Waschgold, d. h. Gold, welches durch Erosion aus Bergen mit Goldadern weggespült und in Flussablagerungen verteilt wurde.
Zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert gab es im Napfgebiet berufsmässige Goldwäscher. Die Goldwäscherei blieb hauptsächlich ein Nebenerwerb, welchem sich die Leute in wirtschaftlichschlechteren Zeiten zuwandten. Die Kaufkraft des Goldes nahm aber in den letzten 200 Jahren stetig ab.
Es gab auch Abklärungen darüber, ob das Napfgold industriell abgebaut werden könnte. Erste Versuche dazu gab es während dem 2. Weltkrieg unter der Leitung von Wilhelm O. M. Imhof. Er untersuchte, ob unter Einsatz von Arbeitslosen ein Goldwaschbetrieb in kleinerem Rahmen aufgenommen werden könnte. Beim untersuchten Material stellte er eine Konzentration von rund 0,5 Gramm Gold pro Kubikmeterfest. Für eine Waschanlage mit sieben Beschäftigten und einer Tagesverarbeitung von 30 Kubikmetern Schutt errechnete er einen Monatsgewinn von CHF 1578.–. Diesem standen jedoch Betriebskosten von CHF 1720.– gegenüber, weshalb das Experiment abgebrochen wurde.
1970 kam Katharina Schmid in einer Dissertation über das Napfgold zum Schluss, dass sich eine Ausbeutung der Goldvorkommen im Napfgebiet wirtschaftlich nicht rechtfertige. Ihre Forschung setzte einen Schlusspunkt auf die Ideen von industrieller Goldwäscherei und war ein Anstoss für das Aufkommen der Hobby-Goldwäscherei im Napfgebiet.
Doch seit einigen Jahren sieht die Rechnung ganz anders aus. Devisenschwankungen, Finanzkrise und weitere Faktoren führten ab der Jahrtausendwende zu einem raschen Anstieg der Edelmetallpreise. Der Goldpreis hat sich in den vergangenen 20 Jahren beinahe vervierfacht.
Im Bergbau hatte dies zur Folge, dass immer kleinere Konzentrationen von Gold als abbauwürdig gelten. Dank moderner Abbautechnik werden heute sogar Konzentrationen von weniger als einem bis zu einem halben Gramm Gold pro Tonne mineralischem Gestein für eine Ausbeutung als rentabel betrachtet.
Das heisst also: Goldsuchen am Napf könnte rentabel sein. Was würde dies für den Berg und vor allem auch für die Bevölkerung der Region bedeuten? Die Antwort gibt ein Blick auf Peru.
Seit 20 Jahren wird Gold wie auch andere Metalle immer mehr im Tagbau-Verfahren abgebaut. Riesige Mengen Gestein werden aus Bergen herausgesprengt und zerkleinert. Oft werden gleich ganze Berge weggebaggert. Das Material wird über einer Folie zu riesigen Hügeln aufgeschichtet. Diese werden dann mit enormen Wassermengen unter Zugabe einer hochgiftigen Zyanid-Lösung begossen. So wird das Gold aus dem Erz herausgelöst.
Eine der ersten und die weltweit immer noch grösste Goldmine, wo dieses Verfahren angewendet wird, ist die von der US-amerikanischen Newmont Mining Corp. Betriebene Mine Yanacocha nahe der nordperuanischen Stadt Cajamarca. Sie holt das Gold aus der bisher grössten bekannten Gold-Lagerstätteder Welt. Mit riesigen Maschinen werden täglich im Durchschnitt 600’000 Tonnen Erde und Fels umgeschüttet. Ganze Berge können so in kurzer Zeit komplett abgebaut und neu aufgeschichtet werden. Die Mine kommt zu einer Jahresproduktion von 2 bis 3 Millionen Feinunzen Gold. Sie hat eine Ausdehnung von 26’000 Hektaren, vergleichbar mit der Fläche des Entlebuchs im Kanton Luzern. Die Konzession für die Minentätigkeit erstreckt sich über ein Gebiet von 215’000 Hektaren, vergleichbar mit der Fläche der Kantone Luzern, Obund Nidwalden.
Die Mine Yanacocha verbraucht mit dem Tagbauverfahren jährlich 180 Mio. Kubikmeter Wasser, das Dreifache der nahe gelegenen Stadt Cajamarca, welche 170000 EinwohnerInnen zählt. Mehrere Lagunen in der Region sind dadurch verschwunden. Der Grundwasserspiegel sinkt beständig.
Fünf von der Landwirtschaft inder Region genutzte Bewässerungskanäle haben kein natürliches Quellwasser mehr und wer den vom Unternehmen mit aufbereitetem Wasser gespeist. Verschiedene Berge in der Umgebung der Stadt sind inzwischen abgetragen, auch jener, der bis 2006 rund zwei Drittel des Wassers der Stadt Cajamarca lieferte.
Der hohe Goldpreis und die steigende Nachfrage haben in Peru einen richtigen Goldrausch ausgelöst.Nicht nur Berggold, sondern auch Flussgold wird jetzt in grossen Mengen gewonnen. Der südperuanische Amazonas-Quellfluss Madre de Dios fliesst über ein goldhaltiges Bett. Über zehntausend Goldsucher und Goldsucherinnen sind vom Hochland hinuntergezogen, graben jetzt überall im Flussbett und im Schlamm herum und waschen Gold heraus. Sie gewannen in den letzten Jahren durchschnittlich 18 Tonnen Gold im Wert von etwa 600 Millionen Dollar. Leute aus aller Welt fühlen sich vom Fluss angezogen und suchen ihr Glück.
Der berühmte Inkaherrscher Atahualpa wurde damals von den Spaniern trotz mehreren Tonnen Lösegold enthauptet. Dieses Omen bleibt an Peru bis heute haften: Gold ist mehr Fluch als Segen. Denn das Wirtschaftswunder ist nur oberflächlich, und die moderne Goldgewinnung verursacht grosse ökologische und soziale Probleme. Peru exportiert ausschliesslich Rohgold und ist an der weiteren Wertschöpfung nicht beteiligt. Im Bruttoinlandprodukt macht der florierende Bergbausektor in den letzten Jahren bloss 5 bis 7 Prozent aus. Er trägt lediglich 4 Prozent zu den peruanischen Steuereinnahmen bei und kann nicht mehr als 1 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung beschäftigen.
Wenn das Napfgebiet mit seinem Gold in Peru oder auch im Kongo oder in Indonesien liegen würde, wäre es vielleicht auch schon ein Tagbau-Minengebiet. Die errechnete Konzentration von 0,5 Gramm Gold pro Tonne Schwemm-Material könnte einen Grosskonzern im Lande dazu bewegen, das Napfgold industriell im Tagbauverfahren abzubauen.
Die Daten der Goldmine Yanacocha auf das Napfgebiet umgerechnet würde bedeuten, dass das ganze Napfgebiet zwischen Wolhusen, Schüpfheim, Langnau i.E. und Wasen i.E. eine Mine wäre. Der Napf mit einer Höhe von 1400 m ü.M. wäre mit einer Tages-Umschüttungsmenge wie in Yanacocha in fünf Jahren bis auf ein Niveau von 900 m ü.M. hinunter beseitigt.
Im Kurzfilm von Corina Schwingruber wird gezeigt, dass dieses Szenario dank gesetzlichen und administrativen Schranken beim Napf wohl ausgeschlossen werden kann. Trotzdem ist diese Vision nicht zu weit hergeholt. Denn was um den wichtigsten Bodenschatz im Napfgebiet – den Kies – herum läuft, ist bereits vergleichbar mit Konflikten in Krisenregionen des Goldabbaus.
Der Goldabbau in Peru darf nicht nur negativ dargestellt werden. Es gibt auch Zeichen der Hoffnung. Die Idee von sauberem, gerechtem oder ethischem Gold liegt in der Luft. Vor allem in der Schmuckindustrie – nach wie vor die grösste Abnehmerin des weltweit gewonnenen Goldes – gibt es laut der peruanischenTageszeitung La República ein grosses Interesse an Gold, welches umweltschonend und sozial gerecht gewonnen wurde. Die belgische Schmuck-Handelsexpertin Veerle van Wauwe kennt sogar mehrere Schweizer Unternehmen, welche bereit wären, für sauberes Gold etwas mehr zu bezahlen.
Die Schweizer Direktion für Entwicklungund Zusammenarbeit DEZA unterstützt eine Studie des Hilfswerks terre des hommes über Möglichkeiten der Produktion und des Handels von ethischem Gold. Einer seiner Mitarbeiter in Peru, Pater Xavier Arbex, hat ein effizientes Goldwasch-Verfahren erfunden, welches ohne Quecksilber und Zyanid genau so viel Ertrag bringen kann. terre des hommes propagiert eine Art Label für ethisches Gold, ähnlich wie das Max Havelaar-Label für fair produzierte und gehandelte Lebensmittel.
Jules Rampini
Bearbeitung: Walter Ludin
Kurzfilm
Corina Schwingruber: Wenn der Napf ein Peruaner wäre. Der Kurzfilm ist zu sehen und herunterzuladen auf der Website der Ökumenischen Kampagne: http://www.rechtaufnahrung.ch/video. Sie können ihn gegen einen Unkostenbeitrag von 10 Franken auch bestellen bei:
Fastenopfer
Alpenquai 4
6002 Luzern
0041 (0)41 227 59 59
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