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Schulhausstrasse 20
Primarschule
Dieses Primarschulhaus wurde 1910/1911 erbaut, 1952 erweitert und 1992-1994 renoviert. Ursprünglich L-förmiger Grundriss: Längstrakt, dem westseitig ein Kopfbau unter einem Mansardendach vorgestellt ist. Im Norden Quergiebel-Anbau mit der ehemaligen Turnhalle. Markanter Treppenturm. Das Gebäude wurde 1952 ostseitig verlängert und erhielt 1986 eine gedeckte Verbindung zum Erweiterungsbau. Gutes Beispiel eines Landschulhauses im Jugendstil. Alles war ursprünglich aufeinander abgestimmt: Aussen-und Innenansicht, Zimmer, Treppen und Gänge. Architekt war Alfred Lanzrein, ein bedeutender Vertreter der Heimatschutzbewegung.
Während einer Gerichtsverhandlung in unserm Dorf in der Zeit zwischen 1587 und 1606 war die Rede von einem Schulherrensäckel – einer Schulkasse: Das ist ein erster indirekter Hinweis auf eine schulische Einrichtung in unserer Gegend. Im Chorgerichtsmanual der Kirchgemeinde Diessbach aus dem Jahr 1683 klagte der Schulmeister zu Diessbach, die Kinder seien «unfleissig». Die Eltern müssten vom Chorweibel per Busse gezwungen werden, ihre Kinder zur Schule – und in die kirchliche Kinderlehre – zu schicken.
Tatsächlich ging die Förderung der Schule meist von den Pfarrherren aus – eine Folge der Bildungsoffensive im Geiste der Reformation (K5). So bat der Diessbacher Pfarrer den Schlossherrn 1665 um einen gut ausgebildeten Schulmeister und ein zentrales Schulhaus – vorerst ohne Erfolg. Die Lehrer mussten ihren Lohn bis 1822 persönlich bei den Eltern einziehen. Es wurde nur im Winter unterrichtet. Deshalb konnten sie nur mit einem Zusatzverdienst überleben. Zuständig für die Überwachung der Lehrer und des Schulbetriebes war der Pfarrer – im Auftrag des Chorgerichtes. Dieses erliess 1747 eine für alle Schulen der Kirchgemeinde gültige Schulordnung. Der Schulstoff bestand aus Lesen, Schreiben, Singen, Beten und biblischem Unterricht.
Um 1730 gab es in der Kirchgemeinde Diessbach sechs Schulen. Diessbach bildete mit Aeschlen, Unterhaus, Freimettigen und Hauben eine Schulgemeinde. Hier wurden von einem einzigen Lehrer 80 bis 100 Kinder unterrichtet. Dazu kam die kirchliche Kinderlehre – auch für die Kinder der Aussengemeinden. 40-50 Kinder gingen auf dem Helisbühl (Herbligen und Brenzikofen) zur Schule, 40-50 Kinder in Bleiken, 120-130 Kinder auf dem Kurzenberg, 130-150 Kinder auf dem gegenüberliegenden Buchholterberg und 30-40 Kinder in Wachseldorn (Süderen). Das Oberdiessbacher Schulhaus befand sich an der Thunstrasse 4, wo heute das Haus Elektro Vogt steht. Nach dem Abbrennen eines Neubaues (1796) konnte ein drittes Schulhaus nur dank dem sanften Druck des Schlossherrn auf die Aussengemeinden ﬁnanziert werden. 1821 wurde wegen der wachsenden Schülerzahl ein zweiter Lehrer gewählt, und man richtete ein zweites Klassenzimmer ein. Aeschlen hatte unterdessen eine eigene Schule. Die erste Schulkommission für die Schulhäuser in Aeschlen, Diessbach, Bleiken und Helisbühl wurde 1833 gebildet. Damals gab es bereits eine Arbeitsschule für Mädchen, ab 1833 neu nicht nur für die «burgerlichen» Mädchen, sondern auch für die Töchter der Hintersassen (so wurden ab 1679 Einwohner mit einem auswärtigen Heimatort genannt). 1835 wurde ein erstes kantonales Primarschulgesetz geschaﬀen. 1842 konnte das Schulhaus auf dem Hübeli gebaut werden (Bild auf Panel). 1850 wurde dort eine dritte, 1880 eine vierte Klasse eröﬀnet. 1911 wurde schliesslich das heutige Schulhaus gebaut – mit einem Kostenaufwand von fast 160‘000 Franken. Nun konnten weitere Klassen eingerichtet werden: 1911 eine fünfte, 1921 eine sechste und 1949 eine siebte Klasse. 1957 unterrichteten drei Lehrerinnen und vier Lehrer 240 Kinder.
Kindergarten
Im Jahr 1876 rief Sophie v. Wattenwyl, die sich schon als junge Tochter für das Wohl der Kinder eingesetzt hatte, eine Kleinkinderschule ins Leben. 1878 wurde dafür ungefähr an der Schulhausstrasse 4 ein Haus gebaut. Über dieser Kleinkinderschule wurde 1880 dann eine Krankenstubegebaut(A9).Weil der Kindergarten in der Schweiz noch nicht gang und gäbe war, kamen die ersten Kindergartenschwestern bis 1962 aus Deutschland (Schule Nonnenweier). 1962 konnte erstmals eine Kindergärtnerin mit bernischem Diplom angestellt werden. Etwa 1964 übernahm die Gemeinde den Kindergarten. Als erste Präsidentin der Kindergartenkommission wirkte Elsbeth v. Wattenwyl. Sie leitete den Bau des neuen Kindergartens (1971) am heutigen Standort bei der Sekundarschule ein.
Sekundarschule
Als es im Jahr 1839 im Kanton Bern bereits 14 Sekundarschulen gab, regte sich auch in Diessbach der Wunsch, den Kindern eine bessere Schulbildung zu vermitteln und ihnen den Eintritt in eine höhere Schule zu erleichtern. 1856 erfolgte eine entsprechende Eingabe an die kantonale Regierung. Mitunterschrieben hatte der Regierungsrat Jakob Dähler von Oppligen. Er war der geistige Urheber des Gedankens und hatte für seine Kinder aus der Not heraus einen Privatlehrer eingestellt. Dieser und ein zweiter Lehrer wurden dann prompt als erste Sekundarlehrer angestellt. Zusammen unterrichteten sie 1856 45 Schüler, davon 11 Mädchen. Weil das Interesse im unteren Kiesental vorerst grösser war, wurde als erster Standort nicht Oberdiessbach, sondern das Stöckli von Ulrich Baumann an der Hauptstrasse 8 in Herbligen ausgewählt. 1861 wurde die Schule dann ins Haus von Doktor Schüpbach – ins «Doktorhaus» an der Thunstrasse 7 – verlegt. Die Unterklasse war im Estrich, die Oberklasse im zweiten Stock untergebracht. Die finanzielle Basis bildete ab 1867 die Sekundarschulgesellschaft mit 31 Aktionären. 1868 erwarb sie als neuen Standort den Siegfried-Wohnstock an der Schloss-Strasse 4. 1905 wurde die Sekundarschule dann von der Einwohnergemeinde übernommen. Nun konnte erstmals ein eigentliches Gebäude für die Sekundarschule am Mattenweg 2 gebaut werden (Bezug: 1906, heute: Regionaler Sozialdienst). Ab 1911 gab es eine Koch-schule. Dank Umbauten konnte ab 1956 in fünf Klassen unterrichtet werden. Damit war das bernische Soll für eine voll ausgebaute Sekundarschule erreicht. Die heutige Sekundarschule konnte im Herbst 1970, der Kindergarten 1971 bezogen werden. Im Sommer 1997 wurden die drei Realschulklassen in die Sekundarschule integriert. Um den nötigen Raum zu schaﬀen, wurde der Duschentrakt der Turnhallen um drei Klassenzimmer und zwei Spezialräume aufgestockt. Im Sommer 2017 wurden die Primar-und Sekundarschule sowie der Kindergarten organisatorisch zu einer einzigen Schule.