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«Falken» – ein historischer Roman vom Feinsten
- Freitag, 8. März 2013, 18:09 Uhr
«Falken» heisst das neue Buch der britischen Autorin Hilary Mantel. Der historische Roman handelt von Macht und Intrigen am englischen Hof zur Zeit Heinrichs VIII. Mit ihrem zweiten Roman über diese Epoche gewinnt Mantel auch zum zweiten Mal den renommierten Booker Preis.
Englands König Heinrich VIII. (1491-1547) lässt seine Augen wieder wandern. Für seinen Berater und Sekretär Thomas Cromwell ist das ein Zeichen, sofort zu handeln. Die Zeit für eine neue Frau ist reif. Es ist noch nicht lange her, seit Cromwell dem König zu einer neuen Frau verholfen hat: Anne Boleyn. Sie ist seit drei Jahren Königin. Ihretwegen hat Heinrich VIII. seine langjährige Gattin Katharina vom Hofe verbannt. Doch auch Anne Boleyn hat Heinrich «nur» eine Tochter geboren, nicht wie versprochen den heiss ersehnten Sohn. Das Verhältnis zwischen den beiden hat sich abgekühlt.
Bruch mit der katholischen Kirche
Für die Ehe mit Anne Boleyn hat Heinrich VIII. viel aufs Spiel gesetzt. Weil der Papst die Annullierung der Ehe mit Katharina verweigerte, sagte sich Heinrich von der römisch-katholischen Kirche los, hob die Klöster auf und machte sich zum alleinigen Oberhaupt der Kirche Englands. Die Fäden im Hintergrund zog Cromwell, sein Sekretär.
Handlanger des Königs
Im Roman «Falken» richtet Hilary Mantel den Blick auf das Jahr 1536. Es ist das Jahr, in dem Heinrich VIII. Anne Boleyn auf dem Schafott hinrichten lässt und sich mit seiner dritten Frau, Jane Seymour, vermählt. Sein Sekretär Cromwell hilft ihm dabei.
Cromwell (1485-1540) ist ein Emporkömmling, der Sohn eines Brauers und Schmieds. Er ist in der Welt herum gekommen, hat Sprachen gelernt, ist reich geworden und hat es geschafft, die Gunst des Königs zu erlangen. Cromwell wird zu einem mächtigen Mann am Hofe Heinrichs VIII. Als rechte Hand des Königs ist er am Hof und bei den alten Adelsfamilien verhasst und gefürchtet.
Historischer Roman vom Feinsten
Der Roman von Hilary Mantel ist klug komponiert, fundiert recherchiert und in einer brillianten Sprache geschrieben. Hilary Mantel erzählt schnörkellos und direkt. Auch in schrecklichen Szenen, wie der Hinrichtung von Anne Boleyn bleibt sie ganz nüchtern und beschreibt detailreich, beinahe protokollartig. Trotzdem geht die Szene unter die Haut.
Zudem ist Hilary Mantel eine Meisterin messerscharfer Dialoge. Speziell ist auch die Perspektive, aus der heraus sie die Geschichte erzählt: Die Leser nehmen die Ereignisse ganz und gar aus der Warte von Thomas Cromwell wahr.
Mantel haucht dieser Figur Leben ein. Sie zeigt sowohl seine positiven wie negativen Seiten. In ihrem Roman ist Cromwell ein kluger und gerissener Staatsmann, ein Mann der Moderne, der weiss, dass die Zeit des Rittertums zu Ende geht. Cromwell setzt schon früh auf den Handel, die Ökonomie.
Die Tudor-Zeit wird lebendig
Mit «Falken» taucht man in die Welt der Tudors ein, eine spannende Zeit in der englischen Geschichte. Wer sich dafür interessiert und sich nicht abschrecken lässt von den vielen Namen und Familienstammbäumen, der wird an der Lektüre grossen Spass haben.
«Falken» ist übrigens der zweite Band einer Trilogie. Der erste Band «Wölfe» ist 2009 erschienen, der dritte steht noch aus. Sowohl für «Wölfe» als auch für «Falken» hat Hilary Mantel den Booker Preis bekommen, den bedeutendsten englischen Literaturpreis.
Buchhinweis
Hilary Mantel: «Falken». 2012, Dumont Verlag. Englischer Originaltitel: «Bring Up The Bodies» (2012, Fourth Estate).