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Silvio Nardi war der erste 'Fremde', der ein Weingut in Montalcino erwarb und wurde 1950 entsprechend misstrauisch in seiner neuen Wahlheimat beäugt. Als wohlhabender Sohn eines Unternehmens für den Bau landwirtschaftlicher Maschinen, mit Sitz in Umbrien, hatte er jedoch einen langen Atem.Mehr lesen
Decanter
„There can be little doubt about the Nardi family’s desire to number among the élite of Brunello producers given the seriousness of their approach to both viticulture and vinification. The quality rise is best exemplified by the single- vineyard Brunello Manachiara, showing tremendous depth, complexity and class. Regular Brunello is very good too, pursued by a concentrated powerful Rosso.“
Gambero Rosso
„Es gibt Persönlichkeiten, die imstande sind, der Geschichte einer Firma eine völlig neue Wendung zu geben. Zu ihnen gehört Emilia Nardi. Als sie in dem Familienbetrieb die Zügel in die Hand nahm, war dieser eher für erschwingliche Preise als bemerkenswerte Qualität bekannt. Binnen zehn Jahren hat Emilia hier mit riskanten Entscheidungen alles auf den Kopf gestellt, und ihre Massnahmen greifen gut, wie etwas der Brunello Manachiara eindrucksvoll belegt.“
Silvio Nardi war der erste 'Fremde', der ein Weingut in Montalcino erwarb und wurde 1950 entsprechend misstrauisch in seiner neuen Wahlheimat beäugt. Als wohlhabender Sohn eines Unternehmens für den Bau landwirtschaftlicher Maschinen, mit Sitz in Umbrien, hatte er jedoch einen langen Atem.
Er war einer der ersten, der im Jahre 1958, als noch nicht einmal das Konsortium des Brunello bestand und Montalcino noch ein unbekanntes kleines Dorf war, die erste Flasche Brunello von seiner Tenuta di Casale del Bosco herausbrachte. 1962 kommt die Tenuta di Manachiara dazu nur 25 km von Casale del Bosco entfernt und im Jahre 1967 hat es Silvio Nardi dann endgültig geschafft, denn er gehört zu den Gründern des Konsortiums des Brunello di Montalcino. Seit 1985 leitet Emilia Nardi, Silvios jüngste Tochter, den Betrieb und hat seitdem eine ganze Reihe kluger Modernisierungen in der Kellertechnologie und dem Weinbergs-Management durchgeführt.
Heute besitzt die Tenuta Silvio Nardi 80 Hektar Weinberge, die sich an den Ost- und Westhängen von Montalcino erstrecken, in Höhen zwischen 140 m - 480 m ü.d.M.. Natürlich ist der Sangiovese die Leitrebe des Weinguts, dazu kommen Colorino, Merlot, Syrah und Petit Verdot. Das Durchschnittsalter der Weinberge beträgt ca. 20 Jahre, die einheitlich verwendete Erziehungsform ist die Kordon-Zapfenerziehung. Nardi ist nach wie vor ein reines Familien-Weingut, repräsentiert den traditionellen Brunello-Stil und gilt als einer der zuverlässigsten Erzeuger in Montalcino.
"Frau Nardi, der Brunello ist ein sehr traditionsreicher Name mit vielen Verpflichtungen. Wünscht man sich da nicht manchmal auch etwas mehr Freiheit?
„Es stimmt schon, dass der Name ‚Brunello‘ viele Verpflichtungen mit sich bringt. Allerdings schätze ich mich sehr glücklich in einem der schönsten Orte der Welt zu wohnen, eine Arbeit zu tun, die mir gefällt und in die grossen Städte der Welt reisen zu können, wo ich meine Weine präsentieren kann. Das alles ist ein grosses Mass an Freiheit!“
Wie stehen Sie zu internationalen Rebsorten? Soll der Brunello weiterhin ohne Cabernet, Merlot und Co. auskommen?
„Ja, das sollte er, denn die internationalen Rebsorten würden den Brunello verfälschen und ihm seine Identität rauben. Zudem haben wir den Sangiovese noch nicht endgültig erschlossen, wir können noch vieles an ihm entdecken. Nichtdestotrotz besitzen wir bis heute in Montalcino sehr gute Kenntnisse und Fähigkeiten, um diese bisweilen sehr launische aber hoch interessante Rebsorte zu kultivieren und einen charakteristischen Brunello daraus zu vinifizieren.“
Die ganze Weinwelt diskutiert über den Faktor ‚Terroir‘. Ist der Brunello aus Ihrer Sicht ein Terroirwein?
„Wenn man vom Sangiovese spricht, redet man von einer sehr sensiblen Rebsorte, die hohe Ansprüche an den Boden und an klimatische Begebenheiten stellt. Beides findet man in Montalcino und nicht wenige Experten glauben, dass dieser Ort das beste Terroir für Sangiovese bietet. Denn die bestehende Bodenvielfältigkeit und die verschiedenen klimatischen Ausrichtungen bringen höchst unterschiedliche Parzellen hervor, jede für sich wirkt auf die Qualität des Weines. Bei Nardi besitzen wir zwei Crus – einen im Nordwesten, mit Sand-Ton-Terroir; und einen im Osten mit Quarz-Ton-Terroir. Überzeugen Sie sich selbst wie unterschiedlich die Weine dieser Crus sind!“
In Deutschland wundert man sich manchmal wie unterschiedlich die verschiedenen Brunelli schmecken können. Sehen Sie Ihren Brunello eher auf der modernen oder auf der klassischen Seite?
„Unser Brunello spiegelt die ganze Unternehmensphilosophie der Tenute Silvio Nardi wider und ist die Essenz des Sangiovese, wie sie nur aus dem einzigartigen Ort Montalcino stammen kann. Die Tradition findet sich in der Region, den uralten Rebgärten und der behutsamen Renovierung des alten Weinkellers wieder. Die Moderne wird durch die Vinifizierung der Önologen repräsentiert. Ich würde daher von einer klassischen Modernität unserer Weine sprechen.“
Im internationalen Weinbau ist ein spürbarer Wandel hin zu biologischen Anbau zu spüren. Ist das auf der Tenute Silvio Nardi ein Thema?
„Noch werden auf der Tenute Silvio Nardi keine biologischen Weine produziert. Trotzdem düngen wir seit längerer Zeit mit organischen Stoffen und es gibt noch viel zu entdecken, was dieses Thema betrifft, vor allem bei Weinen mit langem Entwicklungspotenzial wie dem Brunello. Ich gebe aber gerne zu, dass die organischen Weine einiger kleiner Nachbarwinzer in Montalcino ausgezeichnet sind.“
Sie haben das Erbe eines berühmten Vaters übernommen. Wie könnte man die Philosophie der Familie Nardi beschreiben?
„Die Familie Nardi galt immer als Innovator im Weinbau von Montalcino. Konkret bedeutet das: eine sorgfältige Kontrolle des Bodens, die richtige Auswahl der Sangiovese-Rebstöcke und ein konstanter Austausch mit einer der wichtigsten Weinbau-Universitäten der Welt, nämlich die von Bordeaux. Ich muss allerdings betonen, dass ein guter Wein nur aus einem starken Terroir stammen kann und dass letztendlich die Natur die wahre Mutter eines grossen Weins ist. Die Verantwortung des Produzenten liegt darin durch önologisches Know-how dieses Potenzial zu nutzen.“
Der Brunello ist berühmt für seinen langen Ausbau im Fass, was auch kritisiert wird. Was ist Ihrer Meinung dazu?
„Seit 1995 haben wir den Ausbau im Holzfass je nach Jahrgang deutlich verkürzt, zudem nutzen wir eine Mischung aus grossen und kleinen Holzfässern für die Reife, was sich bis heute als eine optimale Lösung für unseren Brunello erwiesen hat.“
Thema Sangiovese. Die grosse toskanische Rebsorte gilt als anspruchsvoll, wie behandeln Sie diese Weinbergs-Diva?
„Sangiovese ist in der Tat sehr anspruchsvoll. Unsere Mitarbeiter werden deshalb regelmässig von unserem Agronomen Doktor Fabrizio Lazzeri und unserem Sangiovese-Experten Doktor Andrea Paoletti geschult. Ausserdem überwachen wir den ganzen Reifprozess der Trauben, um den richtigen Zeitpunkt der Lese so genau wie möglich bestimmen zu können. Dazu nutzen wir die von Professor Yves Glories eingeführte Methode, die phenolische Reife der Trauben bereits im Weinberg definieren zu können.“
Angenommen, Sie müssten auf eine einsame Insel auswandern, und könnten fünf Flaschen Wein mitnehmen, welche wären das?
„Das ist keine einfache Entscheidung, aber unvergessen ist für mich der 1986er Château Margaux, davon würde ich auch gerne zwei Flaschen mitnehmen. Als Portwein-Liebhaberin müsste eine Flasche Taylor's Port Quinta de Vargellas 2001 ins Gepäck und mein Lieblings-Spumante, der Giulio Ferrari Riserva del Fondatore Trento Brut. Aus unserem Keller den derzeit wunderbaren Brunello di Montalcino 'Vigneto Manachiara' 2007 und den Brunello di Montalcino 'Vigneto Poggio Doria' 2006, der noch Jahrzehnte reifen kann.“
Haben Sie vielleicht ein Familien-Rezept für unsere Kunden? Was passt zu der ihrem Brunello, was zum Rosso und was serviert man besten zum grossen Vigneto Manachiara?
„Zum Rosso empfehle ich Antipasto Toscano wie beispielsweise Crostini, Salami oder Bruschetta. Zum Brunello passt der grossen italienische Klassiker, Pasta mit hausgemachter Bolognese und zum Vigneto Manachiara gibt es bei uns entweder eine geschmorte Wildschweinkeule oder Entenbraten mit Schweinefleisch gefüllt.“"