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Das Programm San Gottardo ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kantone Uri, Tessin, Wallis und Graubünden. Es ist aus der Idee einer Expo in diesem Raum entstanden, dient heute aber als politisches Instrument zur Regionalentwicklung des Gotthardraums. Das Kantonsgrenzen überschreitende Vierjahresprogramm 2020-2023 ist Teil der Neuen Regionalpolitik des Bundes (NRP).
«Wir haben eigentlich den gleichen Auftrag, wie zum Beispiel das Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden im Rahmen der Neuen Regionalpolitik des Bundes und die regionalen Wirtschaftsentwickler», sagt Dieter Bogner, Leiter der Geschäftsstelle PSG, die in Ilanz angesiedelt ist. Im Unterschied zu den kantonalen oder regionalen Wirtschaftsentwicklern müssten Projekte, die durch das Programm gefördert und entwickelt werden, immer eine interkantonale Wirkung haben. «Das heisst konkret, dass die Wirkung der geförderten Projekte mindestens zwei Kantone betrifft und alle vier beteiligten Kantone müssen mit einem Projekt einverstanden sein, dass man dieses über den gemeinsamen Topf fördert», so Bogner weiter.
Als das Programm San Gottardo 2008 startete, setzten sich die Kantone zum Ziel, dass sich der Gotthardraum bis ins Jahr 2020 «zu einer einmalig attraktiven alpinen Kulturlandschaft zum Leben und Erleben entwickeln soll», welche ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Nachhaltigkeit schaffe. Ganz am Ziel sei man diesbezüglich noch nicht, sagt Bogner, aber einige wichtige Projekte seien umgesetzt worden.
Dazu zählen etwa die Skigebietsverbindung Andermatt-Sedrun, die 2019 in Betrieb genommen wurde, sowie die Verbindung der Skigebiete von Sedrun und Disentis. Ein weiteres touristisches Projekt, das im Moment in Planung ist, ist eine Seilbahn von Göschenen auf den Gütsch, eine Idee, die schon seit längerem im Raum steht. «Damit kann der Gast direkt vom Bahnhof Göschenen aus ins Skigebiet Andermatt-Sedrun gelangen», führt Bogner aus.
Die Förderung der Skigebietsverbindung Andermatt-Sedrun hat in der Surselva und dem Kanton Uri weitere Investitionen ausgelöst und diese Regionen auch für Investoren attraktiv gemacht, so Bogner weiter. Das sei bedeutend für diese Regionen, weil dadurch kleinere Projekte an die Hand genommen und umgesetzt würden.
Fördermöglichkeiten
Grundsätzlich kann das Programm San Gottardo Projektträgerschaften in der Projektvorbereitung, Entwicklung sowie Realisation unterstützen und beraten. Darüber hinaus sind auch Finanzierungshilfen möglich. «Einerseits sind das À fonds perdu-Beiträge, die wir vor allem einsetzen, wenn es um Machbarkeitsstudien, Strategieentwicklungen und Strukturförderungen geht», erklärt Bogner.
Ein klassisches Beispiel dafür sei ein Beitrag an die Anstellung eines Bike-Produktmanagers der vier Tourismusorganisationen aus dem Goms, dem Urserntal, Bellinzona/oberes Tessin sowie Disentis Sedrun. Dieser Produktmanager habe die Aufgabe, die Gotthardregion zu einem Bike-Mekka aufzubauen. An diese Personalkosten leiste das Programm San Gottardo nun einen Beitrag von 50 Prozent als Anschubfinanzierung während dreier Jahre.
Andererseits hat das PSG die Möglichkeit, Projekte mit Bundesdarlehen zu fördern. Dazu gehören Vorhaben im Bereich der wertschöpfungsorientierten Entwicklungsinfrastrukturen, welche die Standortattraktivität im Sinn der kantonalen und regionalen Umsetzungsprogramme der NRP fördern. Solche Projekte werden mit zinslosen Bundesdarlehen gefördert. Ausdrücklich ausgenommen davon sind aber Basisinfrastrukturprojekte.
Das Programm San Gottardo
Die im Rahmen der NRP geförderten Initiativen, Programme und Projekte müssen auf die Steigerung von Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit ausgelegt sein und ihre Wirkung im dafür vorgesehenen Perimeter entfalten können. Um Finanzhilfen zu erhalten, müssen unter anderem folgende Kriterien erfüllt sein:
- Ökonomische Wertschöpfung
- Schaffung regionaler Identität und Stärkung Eigeninitiative
- Stärkung der Anziehungskraft der Region
- Wirkung geht über die Kantonsgrenzen im Perimeter hinaus
- Projektträgerschaft leitet das Projekt und treibt es voran
- Projekte werden durch Projektträgerschaft finanziert, PSG leistet lediglich eine Restfinanzierung als Anschubhilfe
Die detaillierten Vorgaben und Kriterien zur Vergabe von Förderleistungen sind in den Richtlinien zur Gewährung von Förderleistungen festgehalten.
Für jedes Projekt muss ein Antragsformular bei der Geschäftsstelle des Programms San Gottardo eingereicht werden. Das Antragsformular besteht aus zwei Abschnitten. Abschnitt 1 ist durch die Projektträgerschaft auszufüllen und alle nötigen Dokumente sind dem Formular beizulegen. Der Abschnitt 2 wird durch die Projektleitung von PSG ausgefüllt. Die Geschäftsstelle ist bei Fragen gerne behilflich.
DOWNLOAD: Antragsformular für Förderleistungen
Vorgehen/Zeitbedarf
Projektträgerschaften nehmen am besten schon vor der Antragsstellung Kontakt mit der Geschäftsstelle auf, um die Idee und die Möglichkeiten für Förderleistungen zu besprechen. Die Geschäftsstelle kann die Projektträgerschaft im Ausfüllen und zusammenstellen der nötigen Informationsunterlagen beraten.
Bis zum definitiven Förderentscheid können je nach Projekt und Höhe der Förderleistungen mehrere Wochen bis Monate vergehen. Projektträgerschaften sollten dies in der Meilensteinplanung berücksichtigen.
Viele Tourismusprojekte
Schaut man sich die Liste der Projekte an, die das PSG unterstützt und schon unterstützt hat, so fällt auf, dass viele im Bereich Tourismus angesiedelt sind. Das bestätigt auch Bogner: «Der Tourismus ist das Potenzial, das in diesem Raum vorherrscht.» Natürlich gebe es auch andere Projekte in den einzelnen Subregionen, dafür seien dann aber die regionalen Wirtschaftsentwicklsstellen zuständig und nicht das PSG, weil bei solchen Projekten oft die Wirkung auf die Gotthardregion als Ganzes nicht gewährleistet sei.
Im Tourismus, so Bogner, würden aber Kantonsgrenzen viel weniger oder gar keine Rolle spielen. «Ein Gast bewegt sich aufgrund des Angebots, das ihn interessiert und deshalb sehen wir im Tourismus für die gesamte Region das grösste Potenzial.» Es habe im Bereich Landwirtschaft Versuche gegeben Projekte zu entwickeln, führt Bogner aus, welche aus verschiedenen Gründen aber nicht realisiert werden konnten.
Deshalb konzentriere sich das PSG vor allem auf touristische Projekte. Dazu gehören z.B. Bergbahnen, aber auch eine Eishalle und die Konzerthalle in Andermatt sowie Beherbergungsprojekte. Auch im Kanton Graubünden gibt es Projekte, die durch das PSG unterstützt werden. Beispielsweise das Sport- und Kulturcenter Fontauna in Disentis, dass durch die Gemeinde Disentis aufgewertet und das Angebot erweitert werden soll. Dieses Vorhaben unterstützt das Programm San Gottardo mit einem zinslosen Bundesdarlehen von zwei Millionen Franken und kantonalen Äquivalenzleistungen von rund 460'000 Franken.
Positionierung als Outdoor-Mekka
Das Programm San Gottardo unterstützt aber nicht ausschliesslich Projekte, die von aussen kommen, es nimmt sich auch selber Projekten an. Im Moment zum Beispiel zum Thema Outdoortourismus. Analysen hätten gezeigt, dass der Gotthardraum diesbezüglich ein grosses Thema beherberge, sagt Bogner. Das PSG erarbeitet dazu nun eine Machbarkeitsstudie. Dabei gehe es insbesondere darum, neue Kooperations- und Geschäftsmodelle für die Akteure zu entwickeln, um Synergien und Ressourcen zu bündeln. Ziel sei es, gemeinsam mit den Akteuren den Gotthardraum als Outdoor-Destination zu positionieren.
Zwei weitere Handlungsfelder befassen sich mit der Wertschöpfungskette Kultur und der Wertschöpfungskette Wasser. Hier mache man sich im Moment ebenfalls Gedanken. Der Fokus liegt dabei immer auf der wirtschaftlichen Wirkung sowie den regionalwirtschaftlichen Nutzen von Projekten im Einklang mit der NRP.
Die beteiligten Kantone profitieren auf jeden Fall von den Aktivitäten des PSG, ist Bogner überzeugt. Insbesondere Graubünden resp. die Surselva habe stark von der Bergbahnverbindungen zwischen Sedrun und Andermatt profitiert», sagt er. Das seien auch die grössten Projekte gewesen, die das PSG gefördert habe. Ein weiterer Vorteil des Programms San Gottardo sei auch, dass immer Bund und vier Kantone für die Projekte in die Kasse greifen würden. «Wenn Graubünden das alleine machen würde, müsste der Kanton seinen Beitrag vollständig selber finanzieren.»