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Ich beschreibe nachstehend, auf was man in den ersten drei Wochen nach der Indoor-Veredelung (oder Tisch-Veredlung) von Nussbäumen, d.h. während der Kallusbildung und danach achten sollte.
Dichte Bänder oder Wach überprüfen
Die Dichte der Bänder und des Wachses sollten vor allem in den ersten Tagen nach der Veredlung überprüft und notwendigenfalls repariert werden.
Belüftung
Es hat sich gezeigt, dass es vorteilhaft ist, jeden Tag oder alle zwei Tage den über den Topf gestülpten Plastik für eine oder zwei Minuten wegzunehmen, um die Veredelungen zu belüften.
Temperatur
Die Einhaltung von erhöhten Temperaturen, optimal zwischen 25 und 28 °C, ist nach wie vor eine wichtige Voraussetzung für die Kallusbildung. Die Konstanz der Temperatur während den drei Wochen ist indes weniger wichtig, als ich das früher geglaubt habe. Schwankungen sind nicht gravierend. Bei Freilandveredlungen sind Temperaturschwankungen von Tag zu Naht und abhängig vom Wetter normal. Alain Dupard hat bei seinen Freilandveredlungen mit der Couronnetechnik trotz der Schwankungen praktisch 100 % Erfolg. Bei meinen letzten Indoorveredlungen habe ich die Töpfe mit den Veredlungen in der ersten Woche neben den Kochherd gestellt, wo Luft-Temperaturen zwischen 20 und 35 °C herrschen. Nach einer Woche habe ich die Töpfe mit den Veredlungen in die Stube bei 20 °C gestellt.
Feuchtigkeit
a) Eine genügende Luftfeuchtigkeit unter dem Plastik ist wichtig. Es sollte etwa 60 bis 80 % relative Luftfeuchtigkeit sein. Man kann die Luftfeuchtigkeit gelegentlich mit einem Hygrometer überprüfen. Wenn es auf der Innenseite des übergestülpten Plastiks Kondenswasser hat, ist das ein gutes Zeichen.
b) Die Erde im Topf soll feucht, aber nicht nass sein. Man kann die Feuchtigkeit der Erde mit dem Fingertest überprüfen. In der Regel genügt die feuchte Erde, die man beim Eintopfen der Veredelungen in den Topf gefüllt hat. In Ausnahmefällen kann man die Erde etwas giessen. Anfänglich habe ich den Fehler gemacht, zu viel zu giessen mit dem Resultat, dass die Wurzeln verfaulten.
Pralle Edelreiser und pralle Knospen/ eingetrocknete Reiser und Knospe
Edelreiser und Knospen sollen prall bleiben. Wenn die Rinde und die Knospen runzelig werden oder sogar eintrocknen, kann man die Übung abbrechen, die Unterlagen ausgraben und neu veredeln, wenn die Wurzeln noch gut sind.
Mechanische Schäden
Es kommt immer wieder etwa vor, dass bei Manipulationen z. B. beim Lüften, das Edelreis abbricht. Dann kann man die Unterlagen neu veredeln, sofern sie noch gut sind. Gelegentlich brechen auch schon ausgetriebene Knospen ab. Dann schaut man am besten, ob eine Ersatzknospe vorhanden ist und wartet ab.
Schwellen der Knospen
10 bis 12 Tage nach der Veredlung beginnen die Knospen zu schwellen. Sie erreichen das Bf-Stadium. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass Brakteen sichtbar werden, welche die äusseren Deckschuppen durchstossen. Die Brakteen, Hüllschuppen genannt, sind fein behaart. Deshalb fühlen sich die Knospen samtig / wollig an. Das Bf-Stadium der Knospen nennt man deshalb auch wolliges Stadium. Am Grunde der Knospe erscheinen grüne Flecken oder Linien. Wenn die Knospen bei Veredeln noch klein waren (Knopfknospen), geht es länger bis sie schwellen.
Frühzeitiges Austreiben der Knospen
Wenn die Knospen am Edelreis schon 10 Tage nach der Veredlung austreiben, bedeutet dies meistens Misserfolg. Die Blätter sind dann meistens grün gefärbt. Die Blättchen werden nicht rötlich, wie das bei erfolgreichen Veredlungen der Fall ist.
Wenn nach drei Wochen an den Reisern noch nichts passiert…
…ist die Veredlung meistens misslungen. Man kann dann das Band vorsichtig wegnehmen und schauen, ob sich eventuell doch Kallus gebildet hat.
Plastik wegnehmen…
…nachdem die Knospen am Edelreis ausgetrieben haben, d. das Cf-Stadium erreicht haben, kann man das Plastik auf dem Topf wegnehmen, am besten stufenweise innerhalb von 3 bis 4 Tagen.
Wasserschosse aus den Unterlagen
Je nachdem, ob die Unterlagen vor dem Veredeln vorgetrieben waren oder nicht, können Wasserschosse aus den Unterlagen schon nach wenigen Tagen austreiben, manchmal überhaupt nicht oder erst nach 3 Wochen. Wenn die Wasserschosse aus der Unterlage beginnen, den Trieben aus dem Edelreis Konkurrenz machen, sollte man erstere stufengerecht entfernen. Stufengerecht entfernen heisst in dem Masse wegschneiden als die Blätter des Edelreises grün werden und die Photosynthese übernehmen.
Veredlungsbänder bei erfolgreichen Veredlungen wegnehmen.
Die Plastikbänder sollte man nicht zu früh wegnehmen, in der Regel erst 4 bis 8 Wochen nach der Veredlung, oder wenn sie beginnen, das Edelreis einzuschnüren. Wenn man die Kallusbildung schon in den ersten drei Wochen nach der Veredlung überprüfen will, muss man die Bänder sehr vorsichtig wegnehmen und wieder straff abbringen. Wenn ich die Bänder nach 4 bis 8 Wochen wegnehme, umwickle ich die Veredelungsstelle meistens nochmals locker mit wenigen Bandumdrehungen, um das frisch gebildete Kallusgewebe vor Licht und zu starker Einstrahlung zu schützen. Man kann das Band als Schutz des frisch gebildeten Kallus vor direktem Licht nochmals mit wenigen Umdrehungen locker festmachen.
Dokumentation
Es ist auf jeden Fall ratsam, die positiven und negativen Beobachtungen und die ausgeführten Arbeiten in der Exceltabelle Veredlungen bei den entsprechenden Veredlungen zu notieren. Man erkennt dann mit der Zeit Zusammenhänge, die man sonst auf den ersten Blick nicht sieht.
30.1.2023 HSW