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© copyright 2011 by Remo F. Roth, Zürich, Switzerland
In diesem Beitrag möchte ich kurz auf die Entdeckung der Symptom-Symbol-Transformation eingehen und darlegen, wie ich sie in einer kürzlich erfolgten Behandlung angewandt hatte.
Als ich im Jahr 1982 aus wissenschaftlichen und ethischen Gründen auf ein Diplom des Zürcher C.G. Jung-Institutes verzichtete – später sah ich dann in den Briefen Wolfgang Paulis, dass er genau dieselben Vorbehalte gegenüber diesem Institut hatte – wusste ich, dass ich am Abgrund stand. Ich war aus meinem Beruf (consulting in IT) ausgestiegen und dank der Kurzlebigkeit des Wissens in dieser Sparte war an einen Wiedereinstieg nicht zu denken. Zugleich war ich von „Zulieferern“ für Analysanden abgeschnitten, so dass ich selbst schauen musste, wie ich mein Brot verdienen könnte.
Mein Unbewusstes reagierte auf diesen Verzicht – er bedeutete einen Verzicht auf die Mitgliedschaft in jeglicher Organisation ganz allgemein, in denen in der Regel die Machtbesessenen die Oberhand gewinnen und die kreativen Menschen ausgrenzen – mit einem intensiven kreativen Schub. Es begannen die Träume, Visionen und Imaginationen, die ich zum Teil bis zu 30 Jahren „bebrüten“ musste, bis ich sie verstehen konnte. Aus ihnen ist dann meine Theorie der psychophysischen Realität (W. Pauli) oder des unus mundus (Dorneus/C.G. Jung) entstanden, die unter anderem in den beiden Bänden von Return of the World Soul (2011/2012) beschrieben ist.
Sozusagen als Vorbereitung erlitt ich am 27. Dezember 1980 eine Herz-Kreislaufschwäche in der ich mich als uralter Mann erlebte. Im C.G. Jung-Institut hatte ich – wie auch gewisse meiner Freunde – immer eine unglaubliche Kälte und Herzlosigkeit gespürt, und ich ahnte dass meine Herzprobleme damit zu tun haben könnten. Ich entschied mich daher, mein Herzproblem mithilfe einer Symptom-Symbol-Transformation (SST) anzugehen.
Die SST mit dem Fischer auf der Bellevue-Brücke:
Ich konzentriere mich auf meine psychosomatische Herzschwäche und erlebe sofort eine Vision: Ich sehe einige Fischer mit Ruten. Mithilfe einer speziellen Vorrichtung befestigen sie die Ruten am Geländer der Quaibrücke in Zürich. Das bewirkt, dass sie einfach beobachten können, wenn ein Fisch anbeisst. Sie müssen also nichts machen, nicht aktiv sein.
Beim Aufschreiben dieser Vision erinnere ich mich, dass mir die Novelle The Old Man and the Sea von Ernest Hemingway mächtig Eindruck gemacht hatte, als wir sie im Englischunterricht im Gymnasium lasen. Dort fängt der alte Mann einen riesigen Fisch.
Natürlich wusste ich bereits, dass C.G. Jung das Symbol des Fisches als einen Inhalt des Unbewussten deutet. Offensichtlich war die Zeit reif, einen grossen Fisch aus dem Meer des Unbewussten zu fischen.
In der Nacht darauf träumte ich, dass Raum und Zeit wässerig und flüssig werden, sich auflösen. Dies erinnerte mich an eine Stelle im Buch über die Hopi-Indianer, das ich eben las: Die Hopis haben und benötigen keine Zeitvorstellung in unserem Sinn. So werden für sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem Einzigen.
In meinen Notizen lese ich dann, dass die Vision offensichtlich nachgewirkt hatte. Am 28. Dezember überlegte ich mir, wie ich dieses Anbeissen der Fische in meinem Körper erleben könnte. Spontan kam mir das Zittern in den Sinn, das ich manchmal in meinem Oberkörper spürte.
Ich versuchte also meinen Körper als Fisch zu erleben. Dazu musste ich vorerst mithilfe einer einfachen Körperübung in den „abgeblendeten Zustand“ kommen (in dem man den Hauchkörper, subtle body oder Astralkörper des Paracelsus erleben kann), in das Eros-Bewusstsein.
Der „Fisch“ entpuppte sich als eine Spinne, die mich einspinnt.
Bemerkungen:
In diesen kurzen Szenen sind schon die wesentlichen Aspekte der von mir später entwickelten Methode der Körperzentrierten Imagination drin. Im Gegensatz zur Aktiven Imagination C.G. Jungs wird man darin sehr passiv und begnügt sich (meist) mit einer reinen Beobachtung. Ein wesentlicher Aspekt dieses Zustandes ist die Bewegungslosigkeit. Im Gegensatz zum bodywork Arnold Mindells zwingt man also seinen Körper zu absoluter Ruhe. Ich mache dies meist im Liegen. Zudem lasse ich mich in das „altered consciousness“, in das Eros-Bewusstsein fallen.
Diese Einstellung ist im Motiv der Spinne dargestellt, die meinen Körper einspinnt. Sie geht letztlich auf meine schwere frühkindliche Krankheit zurück, in der ich zwischen 5 1/2 und 8 1/2 Jahren in einen Gips eingesperrt war. Damals wurde die Grundlage für meine Imaginationstechnik über Körperphänomene, die Körperzentrierte Imagination oder Symptom-Symbol-Transformation gelegt.
Die Imagination geht dann weiter: Ich sehe plötzlich einen Soldaten, der offensichtlich „beduselt“ ist, weil er einen Schlag auf den Kopf bekommen hat.
Als Assoziation kam mir später eine Stelle aus C.G. Jungs Synchronizitätsartikel in den Sinn[1]: Er beschreibt dort sogenannte Synkopen nach aktuellen Gehirnverletzungen bei Soldaten. Diese schweren Kopfverletzungen haben nicht immer eine Bewusstlosigkeit zur Folge. Die Sinneskommunikation mit der Aussenwelt ist zwar abgeschnitten oder eingeschränkt, aber das Bewusstsein ist keineswegs erloschen. Die Soldaten erleben, dass der Gefechtslärm plötzlich eine ‚feierlichen‘ Stille Platz macht. In diesem Zustand tritt dann eine eindrucksvolle Levitationsempfindung und -halluzination auf. Natürlich fällt uns zu diesem Erlebnis sofort mein oben erwähnter Traum vom Auflösen von Raum und Zeit ein. Da die Gravitation an die Raumzeit gebunden ist, relativiert sich diese ebenfalls, wenn Raum und Zeit sich relativieren.
Dann sehe ich spontan eine Felswand. Aus dieser löst sich ein Etwas, ein schattenhafter Umriss.
Sofort erinnerte ich mich an einen Traum, den Marie-Louise von Franz erzählt hatte: Am Tag als Jung starb träumte eine Frau von einer Wand in der eine Aussparung war, die genau den Umriss von dessen Körper hatte. Er geht auf die Wand zu und füllt das Loch aus. Da beide dieselbe Farbe haben, weiss man zwar, dass Jung in dieser Wand ist, sieht ihn aber nicht mehr, da er mit ihr verschmolzen war.
In meinem Traum geschieht genau das Gegenteil. Da ich einige weitere Träume hatte, in denen C.G. Jung sich in unserer Welt reinkarnierte, deutete ich auch diesen Traum als eine Reinkarnation des Tiefenpsychologen.
Heute weiss ich, dass Verstorbene und damit in meinem Fall auch C.G. Jung sich in gewisser Weise in das Vegetativum gewisser Menschen inkarnieren. In einem Brief[2] vermutete Jung dies ebenfalls, allerdings nur für Verstorbene die kurzzeitig in das Vegetativum von lebenden Verwandten zurückkehren. Da diese Reinkarnations-Vision jedoch im Umkreis der konstellierten Körperzentrierten Imagination im Zustand des Eros-Bewusstsein geschieht, die der Tiefenpsychologe noch nicht entdeckt hatte, dient dessen „Reinkarnation“ in meinem Vegetativum offensichtlich dazu, ihn im Jenseits eine Erweiterung seiner Tiefenpsychologie zu lehren. Da die Identifikation mit dem Vegetativum im Zustand des Eros-Bewusstseins eben zum obigen Erlebnis des Auflösens von Raum und Zeit führt, kann man in diesem veränderten Bewusstseinszustand, vor allem über die vegetativen Zentren im Bauch (Chakras; siehe auch Bauchhirn), tatsächlich eine Vereinigung mit (raumzeitlosen) Jenseitigen erleben. Der Terminus „Reinkarnation“ dürfte also diesen Tatbestand bedeuten.
Tatsächlich hatte ich während dem kreativen Schreiben am Computer, in dem ich sehr oft im Vegetativum lebe, recht viele Male den auch körperlich empfundenen Eindruck, das C.G. Jung, Wolfgang Pauli und Marie-Louise von Franz hinter mir stehen und mit grösstem Interesse in meinen Bildschirm gucken, um herauszufinden was ich da schreibe.
Am Abend versuche ich dann noch einmal in diese Vision einzusteigen. Ich versuche also diesen Mann etwas genauer zu sehen. Ich sehe spontan, dass er ganz flüssig ist, sozusagen mit Wasser gefüllt. Es tropft und läuft an seinem Körper herunter. Zudem ist er völlig transparent.
Spontan kommt mir die Idee: Das ist der Wasser-Mann, er entspricht dem kommenden Zeitalter des Wassermanns, des Aquarius.
Ich erinnerte mich dann, dass ich irgendwo gelesen hatte, dass das Menschenbild des Aquarius tatsächlich dem „gläsernen Menschen“ entspricht. Damit könnte der Hauchkörper gemeint sein, dessen Aufbau das Hauptanliegen des Aquariuszeitalters sein dürfte.
Dass in solchen Synkopen eine gewisse Bewusstheit erhalten bleiben kann, ist heute wissenschaftlich bewiesen. Vor allem der Fall von Pam Reynolds zeigt dies ganz eindeutig (Vgl. dazu Pam Reynolds). Das deutsche Wiki schreibt dazu:
Bekannt durch Themensendungen von BBC und der ARD ist der Fall der Nahtod-Erfahrungen von Pam Reynolds, deren Beschreibung ursprünglich auf Michael B. Sabom zurückgeht. Während die Patientin einer Gehirnoperation unterzogen wurde, zeigten mehrere Messinstrumente ein so genanntes Null-Linien-EEG, da im Gehirn durch die besondere Operationsmethode mittels Unterkühlung, Blutabzug und Medikamentenwirkung keinerlei messbare Aktivität vor sich ging. Die Augen der Patientin waren zugeklebt und die Ohren wegen der Hirnstrommessungen zugestöpselt. Nach der Darstellung von Sabom beschrieb Reynolds hinterher, sich daran zu erinnern, während des Eingriffs etwa zwei Meter über dem OP-Tisch geschwebt zu sein. Sie gab außerdem Details der Gespräche während der Operation wieder und berichtete von den Eingriffen an ihrem Gehirn, wobei sie auch das Aussehen der Spezialinstrumente und deren Anwendung detailliert beschreiben konnte.
Diese und andere körperzentrierte Visionen und Imaginationen führten mich zu der Methode, die ich heute als Körperzentrierte Imagination oder Symptom-Symbol-Transformation bezeichne. Im Gegensatz zu C.G. Jungs Aktiver Imagination ist sie nicht verbal und sie besteht nicht in einer aktiven „Auseinandersetzung mit dem Unbewussten“[3] – so die erste Beschreibung der letzteren durch den Tiefenpsychologen. In ihr legt man den Körper still, lässt sich in das Eros-Bewusstsein fallen und „fischt“ im Zustand der aktiven Passivität (das wu wei des Daoismus) die Fische aus dem vegetativen Körper, der psychophysischen Realität, der hauchkörperartigen Schicht hinter dem kollektiven Unbewussten C.G. Jungs. Diese „Fische“ bestehen aus spontan auftauchenden inneren Bildern oder vegetativen Körperempfindungen (engl.: sensations). Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass diese Imaginationsmethode der Bewältigung psychosomatischer und somatischer Krankheiten, aber auch jener von Depressions- und Panikzuständen dient.
Die Wiederentdeckung der ursprünglichen, akausalen Akupunktur-Methode:
Den Anlass zu diesem Artikel gab mir die Begegnung mit einem Heilpraktiker, der mich letzte Woche (am 16. September 2011) konsultierte. Er hatte den Artikel Das “Gnusch” der ohnmächtigen Wut und der “Geist aus der Flasche” gelesen und sagte mir, dass er eine ebensolche „flaue Körperempfindung“ in der Gegend seines Solarplexus spüre, wie ich sie darin beschreibe. In einer SST stiegen wir in diese Empfindung ein und beobachteten im Zustand der aktiven Passivität was wohl bei einer reinen Betrachtung (Jung: = „trächtig machen“) der „flauen Empfindung“ geschehen werde. Ich versuchte vorerst ihn in den Zustand zu bringen, in dem man „Bilder aus dem Bauch“ sieht. Doch dagegen entwickelte sich in ihm ein grosser Widerstand. Er wollte keine Bilder sehen.
Dann sah ich plötzlich, dass er spontan mit einer Bauchatmung begonnen hatte. Ich fragte ihn, ob er diese kenne. Er bejahte und sagte mir, dass er in dieser meist in einen Zustand falle, in dem sich sein Körper auflöse. Zuerst dehne er sich im Rhythmus der Atmung aus und ziehe sich dann wieder zusammen. Dies geschah ihm auch jetzt. Sogar die Liege begann diese Bewegung mitzumachen. Dann plötzlich wurde er ganz still. Anschliessend sagte er mir, dass sein Körper sich langsam aber sicher in die Umgebung auflöse. Er beginne den Raum zu füllen, und ich sei so in diesen „anderen Körper“ mit einbezogen. Auch die Zeit erlebte er als Zeitlosigkeit. Raum und Zeit wurden tatsächlich flüssig, wie in meinem oben erwähnten Traum. Der Patient konnte sich mit der raumzeitlosen Welt des subtle body, dem Astralkörper des Paracelsus und mit dem unus mundus oder der psychophysischen Realität verbinden oder eher mit ihr verschmelzen. Daher fiel er in einen medialen Zustand, in dem er meine Gedanken lesen konnte.
Bei der Besprechung des Inhaltes dieser SST sagte ich ihm, dass er sich in Gegenwart seiner Patienten in diesen Zustand fallen lassen solle. Dann werde er spontan jene Punkte an deren Körper „sehen“, an denen er die Akupunkturnadeln zu setzen habe. Das „vorbewusste Wissen“ des kollektiven Unbewussten (C.G. Jung) wisse diese Stellen, und sie seien wahrscheinlich bei jedem Patienten verschieden. Er werde also die Nadeln „zufällig“ setzen, aber dieser „Zufall“ sei sinnvoll, da er ihm vom vorbewussten Wissen eingegeben werde. So werde er die im Westen meist angewandte „Kochbuch-Methode“ der TCM (das in Lehrbüchern dargestellte kausale Setzen der Nadeln; Symptom X verlangt nach Nadeln an Punkt Y, Z, usw.) überwinden und jeden Patienten auf dessen individuelle Art kurieren. So gelinge es ihm, den Hauchkörper der Patienten einzubeziehen, dessen Phänomenologie eben akausal sei und nicht nach „Kochbuchrezepten“ behandelt werden könne.
Mein Klient hörte mir aufmerksam zu und sagte schliesslich: Ja, das habe ich manchmal probiert, und wenn ich die Nadeln so setzte, hatte ich die grössten Behandlungserfolge. Er hatte also die akausale Methode instinktiv schon angewandt, doch war er noch nicht bewusst darüber, was er wirklich machte. Er wird sich nun in seinen Behandlungen ganz bewusst in diesen „veränderten Bewusstseinszustand“, in das Eros-Bewusstsein fallen lassen, um die TCM wieder in der ursprünglichen Form anzuwenden, in der sie in China entwickelt wurde.
[1] Gesammelte Werke, Bd. 10, § 939
[2] Briefe I, p. 325
[3] Vergleiche dazu das gleichnamige Kapitel in Jungs Erinnerungen, Träume, Gedanken, p. 174ff.
September 2011