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"Ich muss ständig daneben sitzen, sonst macht Felix gar nichts.", "Mia kommt andauernd aus ihrem Zimmer und fragt mich, ob sie die Aufgabe richtig gelöst hat."
Viele Eltern berichten, dass sie in die Hausaufgaben ihrer Kinder regelrecht "hineingesogen" werden, weil ihr Kind nicht in der Lage ist, diese selbständig zu bearbeiten. Doch wie lässt sich die Selbständigkeit fördern?
Warum Kinder ihre Hausaufgaben nicht alleine machen
Ausgehend von der Frage, weshalb Kinder ihre Hausaufgaben nicht alleine erledigen, möchten wir einige Möglicheiten vorstellen, die Selbständigkeit von Kindern zu fördern.
Zuneigung und Aufmerksamkeit
Viele Kinder könnten die Hausaufgaben durchaus selbständig bearbeiten - sie haben aber Schwierigkeiten damit, alleine zu sein. Eingesperrt in ihrem Zimmer fühlen sie sich rasch einsam und werden unruhig. Sie suchen nach Möglichkeiten, wieder in Kontakt zu kommen. Dazu eignen sich Fragen zu den Hausaufgaben natürlich bestens.
Vermuten Sie diesen Grund hinter der Unselbständigkeit Ihres Kindes, können Sie ihm vorschlagen, dass es die Hausaufgaben neben Ihnen erledigen darf. Ich (Fabian) selbst war ungern alleine und brauchte bei den Hausaufgaben immer jemanden neben mir. Mein Vater, selbst Lehrer, löste das Problem auf die folgende Art: Er ging vor dem Abendessen jeweils in die Schule, um Arbeiten zu korrigieren und den nächtsten Tag vorzubereiten. Eines Tages fragte er mich, ob ich nicht mitkommen und die Hausaufgaben dort machen möchte. Natürlich wollte ich! Es war mir aber auch klar: Wir arbeiten nebeneinander. Wenn er korrigiert und vorbereitet, darf ich ihn nicht stören.
Bitten Sie Ihr Kind, die Hausaufgaben am Küchentisch zu machen, während Sie kochen. Oder im Arbeitszimmer, während Sie Ihre E-Mails erledigen. Es ist sinnvoll, wenn Sie währenddessen einer Arbeit nachgehen, bei der Ihr Kind Sie nicht ständig unterbrechen darf. Sie dürfen auch Forderungen stellen wie: "Ich muss mich jetzt 10 Minuten konzentrieren. Mach dir ein Fragezeichen an den Rand und arbeite weiter. In 10 Minuten schaue ich es mit dir an."
Unsicherheit
Manche Kinder werden unsicher, wenn sie an ihren Aufgaben sitzen. Sie wollen alle paar Minuten wissen, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Eltern reagieren darauf häufig, indem sie dem Kinder versichern, dass "alles richtig ist" und es die Hausaufgaben "gut gelöst" hat.
Das Kind erlebt dabei folgendes: "Wenn ich unsicher bin und bei meinen Eltern nachfrage, fühle ich mich danach besser." Die Beruhigung durch die Eltern wirkt aber nur kurz. Bei der nächsten Aufgabe taucht die Unsicherheit wieder auf und das Kind verspürt wieder den Wunsch nachzufragen.
Als Eltern können Sie die Selbständigkeit Ihres Kindes fördern, indem Sie ihm vermitteln, dass Ihnen Selbständigkeit wichtiger ist als fehlerfreies Arbeiten.
In einem ersten Schritt können Sie Ihr Kind dazu ermutigen, einfachere Hausaufgaben alleine zu machen. Sie könnten mit ihm einen Hausaufgabenplan erstellen und es dann fragen: "Welche dieser Aufgaben ist schwierig? Wo brauchst du meine Hilfe? Und was traust du dir alleine zu?"
Wenn Ihr Kind eigenständig arbeitet, können Sie immer mal wieder vorbeikommen, es anlächeln und ihm ihre Wertschätzung dafür zeigen, dass es selbständig arbeitet. Vielleicht sagen Sie etwas wie:
- "Jetzt bist du schon so weit alleine gekommen."
- "Während du die Hausaufgaben so selbständig gemacht hast, konnte ich die Küche aufräumen. Jetzt habe ich dafür Zeit für ein Spiel."
- "Hast du das alles selbst geschafft - und in so kurzer Zeit?
Indem Sie Wörter wie "selbst, selbständig, alleine" in Ihre Rückmeldungen einbauen, vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es wertvoll ist, etwas selbst zu versuchen. Nun ist es wichtig, das Resultat des Kindes stehen zu lassen. Wenn Sie im Anschluss alle Fehler korrigieren oder an der Qualität der Arbeit herumnörgeln, wird das Kind Ihre Hilfe das nächste Mal wieder von Beginn an einfordern.
Bequemlichkeit
Manche Kinder erleben die Hilfe ihrer Eltern schlicht und einfach als Entlastung. Warum soll ich mir einen schwierigen Text selbst erarbeiten, wenn ich jemanden habe, der oder die mir das alles in einfachen Worten erklärt?
Auch für Eltern ist diese Art der Hilfe meist belohnend. Das Kind freut sich, dass es die Aufgabe oder den Text nun versteht ("wenn du es erklärst, verstehe ich es viel besser!") und schreibt in der nächsten Prüfung eine gute Note. Nur: Das Kind hat keine Strategien erworben, um sich Inhalte selbst zu erarbeiten.
Als Eltern können Sie die Art Ihrer Hilfestellungen verändern und eine Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Anstatt den Text zu erklären, könnten Sie Fragen stellen wie:
- "Was hast du bisher verstanden? Aha- jetzt lies es nochmals"
- "Hast du ein Wort nicht verstanden? Schau es nach."
- "Hast du die Grafik hier gesehen? Schau sie dir an, vielleicht hilft sie dir, den Text besser zu verstehen?"
- "Lies einfach weiter - vielleicht verstehst du es aus dem Zusammenhang heraus."
- "Das ist ein schwieriger Text. Solche Texte muss man oft zwei- oder dreimal lesen. Bei jedem Lesen versteht man wieder mehr vom Inhalt. Versuch es nochmal."
- "Mach doch ein Fragezeichen an den Rand und schau es dir später nochmals an. Manchmal braucht man einen frischen Kopf, um durchzublicken."
Überforderung
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