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Eine Idylle mit dunklem Hintergrund: «The Song of Mary Blane» (Gemälde von Frank Buchser, 1870, Ausschnitt). Frank Buchser war kein Kostverächter. Er sammelte Frauen wie andere Trophäen, wie eine Sammlung von Fotokarten zeigt. (Trigon-Film)
Ein Abenteurer mit ZeichenstiftZum Interview mit Regisseur Bruno Moll
Der Schweizer Frank Buchser war von der maurischen Kultur fasziniert. Als türkischer Scheich getarnt, bereiste er vor 170 Jahren heimlich die Stadt Fez in Marokko, was einem Christen bei Todesstrafe verboten war. Unbeirrt setzte Buchser sein Vorhaben 1858 durch, «Fez auf Papier zu bannen». Gut zehn Jahre später erteilte ihm der Bundesrat den Auftrag, die «Helden des amerikanischen Bürgerkriegs» in einem Gemälde zu bannen, das dann den Nationalratssaal in Bern schmücken sollte.
Der Oltener Filmer Bruno Moll folgte den Spuren des Malers Frank Buchser (1828–1890) aus Feldbrunnen, Kanton Solothurn. Für viele ein Unbekannter. Er war ähnlich wie Karl Bodmer (1809–1893), der grosse Indianer- und Landschaftsmaler, ein Reisender mit Zeichenblock und Staffelei. Er machte sich 1866 auf die Reise nach Charlottesville und Washington, um Skizzen von Persönlichkeiten wie General Lee, den Präsidenten Abraham Lincoln, Andrew Johnson oder Ulysses S. Grant anzufertigen. Nebenbei hatte ihn klammheimlich der Bundesrat mit der Mission betraut, Abklärungen über gewisse Schweizer Expansionsgelüste zu tätigen und moderne Waffen für die Schweizer Armee zu prokurieren, also anzuschaffen. Ungeheuerlich aus heutiger Sicht.
Bruno Moll war im Alter von 19 Jahren auf den Maler Frank Buchser gestossen und behielt die Idee im Hinterkopf, ein Film über Buchser zu realisieren. Bei seinen Recherchen stiess der Oltener auf dessen Tagebücher und Briefverkehr mit dem Bundesrat. Aus diesem Material rekonstruiert Moll Reisereportage und Porträt: «The Song of Mary Blane». Der Titel bezieht sich auf ein Buchser-Gemälde, in dem er quasi ein Kulturbild Amerikas verdichtet – mit Schwarzen und Farbigen beim Picknick (das Original hängt im Kunstmuseum Solothurn).
Basis bildeten Buchsers Texte, zitiert von Yves Raeber, die sich natürlich altmodisch anhörten und gespickt waren mit Begriffen wie Neger, die heute nicht mehr akzeptabel sind. Bilder, Zeichnungen und Skizzen ergänzen sie, denen Ingo Gizendanner im Film Hand lieh. Bruno Moll und seine Kameramann Edwin Horak fanden stimmige Bilder, nicht selten an Originalschauplätzen, die teils als Illustrationen, teils als Assoziationen wirkten. Frappant bei dieser Belebung und «filmischen Annäherung an den Maler Frank Buchser» ist, wie aktuell sie sind. Leicht spannt sich der Bogen von den Konflikten im 19. Jahrhundert zu denen heute. Der Rassismus lebt nach wie vor – unter anderem Deckmantel, in anderen Worten weiter.
Die Ausschreitungen in Charlottesville 2017, mit dem der Film beginnt, legen davon Zeugnis ab. Wie gesagt, die Reisen und die malerische Dokumentation stehen im Zentrum dieses Dokumentarfilms. Der Mann Frank Buchser und sein privates Umfeld werden angedeutet, besonders was seine Haltung zu Frauen anging, die absolut im 19. Jahrhundert verhaftet war. Er war kein Kostverächter. Ein Satz wie «Sie erlaubte mir von ihrer Liebe zu kosten» lässt tief blicken oder auch nicht. Hier hielt sich Porträtist Bruno Moll gegenüber dem Frauenhelden zurück. Insofern blieb Künstler Buchser ein Mann seiner Zeit, ein Abenteurer mit Verständnis und Sympathie für Indianer und ehemaligen Sklaven.
Schweiz 2019
85 Minuten
Buch und Regie: Bruno Moll
Kamera: Edwin Horak
Sprecher: Yves Raeber
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