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Hotel Ambassador, Los Angeles, 4. Juni 1968: Robert "Bobby" F. Kennedy, Bruder des 1963 ermordeten Präsidenten John, hat soeben die Primaries der demokratischen Partei in Kalifornien gewonnen und beste Aussichten, von dieser zum Präsidentschaftskandidaten erkoren zu werden. Kennedy, Hoffnungsträger insbesondere vieler Gegner des Vietnamkriegs, wird nun für den Abend im Ambassador erwartet, um dort eine Dankesrede zu halten und anschliessend den Sieg im Kreis seiner Anhänger zu feiern. Das ganze Haus ist in Bewegung im Hinblick auf den hohen Gast.
Im Laufe des Tages kreuzen sich in diesem prestigeträchtigen Hotel die Schicksale verschiedenster Personen, welche eine Gemeinsamkeit verbindet: sie alle werden am schicksalsträchtigen Abend anwesend sein, wenn Kennedy kurz nach Mitternacht von einem palästinensischen Einwanderer in der Hotelküche niedergeschossen wird - und einen Tag später im Spital stirbt.
Emilio Estevez' ehrgeiziges Filmprojekt zeigt mit akribischer Sorgfalt die Geschichte von 22 Personen auf, welche sich am Ende allesamt zum grossen Finale mit dem traurigen Höhepunkt, Kennedys Ermordung, zusammenfinden. Dieser selbst tritt zuvor nur in Archivaufnahmen auf, welche zwischen die neuen Filmaufnahmen geschnitten werden. Estevez greift auf den Kniff zurück, ein wichtiges politisches Ereignis anhand von erfundenen Einzelschicksalen im Kleinen nachzuzeichnen und mit nachprüfbaren Fakten zu verknüpfen. Das Hotel Ambassador, in welchem alle Bevölkerungsschichen vertreten sind, funktioniert so mit all seinen Konflikten als eine Art Vereinigte Staaten im Kleinformat. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass ein einschneidendes politisches Ereignis anschaulich auf einer menschlichen Ebene dargestellt und dessen Aktualität auch fast 40 Jahre später einer neuen Generation verdeutlicht werden kann. Rassismus und gesellschaftliche Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind schliesslich heute noch ein drängendes Problem. Durch den Krieg im Irak gewinnt auch der Vietnamkrieg wieder vermehrt an Interesse. Obwohl politische Aspekte nicht im Zentrum des Filmes stehen, bezieht Estevez dezidiert Stellung. Die eindeutig demokratisch geprägte Haltung erscheint dabei zeitweilen etwas gar dick aufgetragen, da Kennedy beinahe als eine Art Jesusfigur stilisiert wird.
Bobby zeichnet sich daneben durch eine beeindruckende Stardichte aus. Es braucht einen langen Atem, um alle Hollywoodgrössen aufzuzählen, welche dem Film ihre Aufwartung machen. Darauf soll hier verzichtet werden. Für etwas gibts ja schliesslich die Credits. Eine spezielle Erwähnung finden sollen aber doch zumindest einige, beispielsweise Sharon Stone, welche glänzend die von ihrem Image abweichende Rolle der alternden Visagistin und Hoteldirektor-Ehefrau interpretiert, welche feststellen muss, dass ihr Mann nicht der ist, für den ihn sie früher mal gehalten - und geliebt - hat. Oder Anthony Hopkins, welcher als ehemaliger Hotelmanager im Ruhestand grossartig diejenige Mischung aus Langweile und Wehmut verströmt, welche wohl vielen Neupensionären nicht unbekannt ist. Für die jüngeren Semester gibts auch was zu gucken, beispielsweise die Jungstars Lindsay Lohan und Elijah Wood, deren gemeinsame Episode um eine junge Frau, die einen Schulfreund heiratet, damit dieser nicht nach Vietnam gehen muss, allerdings zu den eher verunglückten Teilgeschichten gehört.
Man muss also nicht zwingend an amerikanischer Geschichte interessiert sein, um Bobby zu mögen. Man kann den Film problemlos als reines "Identifiziere die Stars"-Spiel anschauen und dabei Spass haben (In Einzelfällen ist letzteres übrigens gar nicht so einfach). Trotzdem bietet er mehr: eine interessante und gleichermassen unterhaltsam und stimmig servierte Lektion in jüngerer amerikanischer Geschichte.
Simon Eberhard [ebe]
Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.
Ganz klarer Höhepunkt dieses Streifens ist bestimmt das grosse Staraufgebot. Keiner der Akteure enttäuschen und spielen teilweise auf einem grossartigen Niveau. Ein weiterer positiver Punkt ist die Story, die es bestens versteht zu unterhalten. Leider zieht sich das Teil gegen den Schluss zu sehr in die Länge.