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Patrozinium Mariä Himmelfahrt mit den Aposteln Petrus und Paulus
Lage und Geschichte
Gründung durch den ersten Wittelsbacher
Als Gründer und Stifter des Augustiner-Chorherrenklosters gilt Otto von Wittelsbach-Scheyern.[1] Um 1120 wählt er für eine neue Ordensniederlassung einen Standort nahe bei Indersdorf, einer älteren Dorfsiedlung an der damals noch mäanderreich der Ammer zustrebenden Glonn.[2] Der gewählte Platz liegt südlich des Dorfes, aber jenseits der Glonn bei der Einmündung des Rotbaches. Am Ort soll schon vor der Gründung eine Nikolauskapelle «in Werth» bestanden haben. Bei der Kapelle quert eine schon zur Römerzeit bestehende Wegverbindung von Freising nach Augsburg die Glonn.
Die Gründungsgeschichte basiert auf der Klosterüberlieferung, die 1762 Propst Gelasius Morhart veröffentlicht. Demnach wird das Kloster ab 1124 gebaut, die Kirche kann 1126 geweiht werden. Der Gründungskonvent von sechs Chorherren mit dem ersten Propst Rupert stammt aus dem Stift Marbach bei Colmar.[3] Dass der Stifter Otto von Wittelsbach-Scheyern schon 1121 auch das Benediktinerkloster Ensdorf stiftet, wird allerdings in der Gründungsgeschichte verschwiegen.[4] Der erste Wittelsbacher ist zudem Gründer der Abtei Scheyern,[5] für die er 1123 die Benediktiner aus dem nahen Petersberg[6] umsiedelt.
Die Indersdorfer Klosterüberlieferung nennt mit Otto von Undiestorf oder Indersdorf zudem einen zweiten legendären Stifter. Dieser soll 1130 in das Kloster eingetreten sein und seine Hofmark mit dem Dorf Indersdorf dem Kloster gestiftet haben. Er wird deshalb als Dotator (Stifter), Otto von Wittelsbach hingegen als Fundator (Gründer) bezeichnet.
Klosterreform und Wittelsbacher Hauskloster im 15. Jahrhundert
In den Hochs und Tiefs der mittelalterlichen Klostergeschichte unterscheidet sich Indersdorf nur wenig von derjenigen der vielen Chorherrenstiften in den bayerischen, inzwischen von Wittelsbacher Herzögen regierten Ländern.[7] Stark von ihnen gefördert, sind in ihren Stammlanden inzwischen über zwanzig Chorherrenklöster entstanden. Im Gegensatz zu anderen süddeutschen Regionen bilden sie die Mehrheit der ständischen Klöster. Dies ist bewusste Machtpolitik, denn die Augustiner-Chorherren kennen im Unterschied zu den Zisterzienser oder Benediktiner, auch zu den nahe verwandten Prämonstratenser, keine «stabilitas loci» und keine übergeordnete Struktur oder gar «ausländische» Visitatoren. Als Ausland gilt für die Bayernherzöge und Kurfürsten noch im 18. Jahrhundert Schwaben und Franken.
Im 15. Jahrhundert wird Indersdorf zu einem Reformzentrum. Propst Erhard Prunner, der von 1412–1442 regiert, führt 1417 eine vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehende Reform ein, die das Ende des Privateigentums und des Pfründenwesens bedeutet. Die «Indersdorfer Reform» wird von vielen Stiften, auch von solchen ausserhalb Bayerns, übernommen. Sie prägt Indersdorf bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Mit der Reform geht zudem ein wirtschaftlicher Aufschwung und eine rege Bautätigkeit einher.
Der initiative Reformpropst erreicht gleichzeitig das Wohlwollen der bayerischen Herzöge, welche die Reform unterstützen und auch vielfach Gäste in Indersdorf sind. 1432 lässt Propst Erhard die Überreste der in Indersdorf begrabenen Angehörigen des Hauses Scheyern-Wittelsbach in die Klosterkirche übertragen. Dass dazu auch der in Ensdorf verstorbene und dort begrabene erste Wittelsbacher zählt, ist verständlich. Der Propst will damit das Stift als Hauskloster der Wittelsbacher bekannt machen und legitimieren, eine Rolle, die seit dem 13. Jahrhundert die Abtei Fürstenfeld beansprucht. Ob deshalb Herzog Albrecht III. von Bayern-München zum grossen Förderer wird und auch den 1442–1470 regierenden Propst Johannes Rothuet als seinen Beichtvater wählt? Jedenfalls wirkt die Inszenierung als Kloster der Wittelsbacher noch bis in die neueste Zeit nach. «Es wird somit die Chronik von Indersdorf zugleich eine Episode sein in der glorreichen Geschichte der Wittelsbacher», schreibt 1883 Eberhard Graf von Fugger, der Verfasser der bisher einzigen neueren Klostergeschichte, die trotz seiner Wittelsbacher-Verehrung erstaunlich objektiv ist.
Reformation und Dreissigjähriger Krieg
Die Reformationszeit äussert sich in Indersdorf in erneuten zerrütteten Verhältnissen, die 1543 zu keiner Neuwahl, sondern zur Einsetzung eines Administrators durch Herzog Albrecht V. von Bayern führt.[8] 1545 setzt dieser, wieder durch Postulation, einen neuen Propst aus dem Stift Polling ein. Diese Eingriffe des Wittelsbachers, die er im Konsens mit dem Fürstbischof von Freising durchführt, sichern das Überleben des Stiftes in der Reformationszeit. Von gefestigten Verhältnissen kann aber in Indersdorf noch zu Beginn des Dreissigjährigen Krieges nicht gesprochen werden. Schon 1621 muss der Propst für das Aufbringen von Kriegskontributionen Anleihen aufnehmen. Schwedische Truppen überfallen 1632 und 1634 Indersdorf, 1646 und 1648 beteiligen sich auch Kaiserliche an Plünderungen. In der Klosterherrschaft fallen 139 Höfe den Flammen zum Opfer. Nur zögernd erholt sich das Kloster bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wirtschaftlich. Die zunehmend absolutistisch regierenden Wittelsbacher, inzwischen Kurfürsten, sind schon längst kein Segen für Indersdorf mehr.
Dominikus Vent
Immerhin kann Propst Dominikus Vent[9] 1694 mit dem Klosterneubau aus eigenen Mitteln beginnen und muss keine Anleihen aufnehmen. Als 1702 der Hasardeur Max I. Emanuel von Bayern, Neffe des Hauptkriegstreibers von 1618–1648 Maximilian I., den Krieg gegen das Reich und seine Alliierten beginnt, ist der Bau im Wesentlichen vollendet. 1704 stirbt der erste grosse Bauherr von Indersdorf. Im gleichen Jahr muss Kurfürst Max II. Emanuel nach der verlorenen Schlacht bei Höchstädt ins französische Exil flüchten. Vorher erreicht er noch den Ausschluss des Indersdorfer Gelehrten und Schriftstellers Augustin Michl von der Propstwahl.[10] Bis zum Friedensschluss von 1714 ist Bayern von Österreich besetzt.
Kurze Friedenszeit
Die folgende Friedenszeit von 26 Jahren nutzen die Pröpste zur Konsolidierung. Schon 1740 trägt der nach der Kaiserkrone strebende Kurfürst Karl Albrecht wieder einen unnötigen Krieg nach Bayern. 1740/41 und 1742–1745 ist Kurbayern deshalb erneut von Österreich besetzt. Trotz der grossen finanziellen Belastungen durch Kriegskontributionen befindet sich das Kloster 1745, im Gegensatz zum finanziell ruinierten Staat, in einer guten wirtschaftlichen Verfassung.
Gelasius Morhart
1748–1768 regiert in Indersdorf Propst Gelasius Morhart.[11] Der Rokokoprälat ist ein ausserordentlich gebildeter, grosser und kämpferischer Bauherr und auch Verfasser einer grundlegenden Klosterchronik, in der er 1762 das barocke Kloster in 15 Kupferstichen vorstellt. 1754 beginnt er den Umbau des im Kern noch immer romanischen Münsters. Der zielstrebige Bauherr wird von einer klosterinternen Opposition deswegen beim Freisinger Fürstbischof Johann Theodor von Bayern[12] verklagt. Der Fürstbischof wendet sich gegen den Propst und befiehlt den Rückbau, was der selbstbewusste Propst nicht akzeptiert. Er gelangt an den Kurfürstlichen Geistlichen Rat in München, der einzigen Instanz, die in Kurbayern überhaupt in kirchlichen Baufragen noch entscheiden darf. Offenbar nutzt Propst Gelasius eine alte Fehde zwischen den Repräsentanten der geistlichen und der weltlichen Macht geschickt aus. Das Pikante an der verfahrenen Situation ist die Tatsache, dass sich nun dank einer kleinen Bausache zwei Wittelsbacher bekriegen. In München regiert seit 1745 Max III. Joseph von Bayern,[13] eine Neffe des Freisinger Fürstbischofs. Der Streit endet 1758 mit dem Ergebnis, das Freising auf der ganzen Linie nachgeben muss. Inzwischen ist der Kirchenumbau vollendet.
Kurfürst Max III. Joseph, der Bayern zur Zeit des Propstes Gelasius als kluger Herrscher regiert, ist trotz dieses Eintretens für Indersdorf und gegen Freising kein Freund der Klöster. Nicht nur für den Abbau der riesigen Schulden, die ihm seine beiden Vorgänger hinterlassen haben, nutzt er ihre Finanzkraft. 1768 leitet er mit der Neuordnung des Geistlichen Rates die kommende Säkularisation in Kurbayern bereits ein.[14]
Die Säkularisation 1783
Durch eine päpstliche Bulle wird 1783 auf Betreiben des Kurfürsten Karl Theodor von Bayern das Chorherrenstift Indersdorf aufgehoben, zwanzig Jahre vor der eigentlichen allgemeinen Säkularisation. Als Begründung wird eine desolate Finanzlage angeführt. Dem Papst gegenüber erläutert der Kurfürst die geplante Inkorporation in ein Kollegiatstift. Zudem wird ein Begehren des letzten Propstes um Aufhebung des Stiftes angeführt. Weder dieses Begehren noch die desolate Finanzlage treffen aber zu. Beides wird schon schnell von Aussenstehenden erkannt. So ist Indersdorf zwar nicht schuldenfrei, der Minussaldo beträgt rund 38 000 Gulden, das Kloster erwirtschaftet aber immer einen Ertragsüberschuss. Vor allem das Anlagevermögen ist mit 394 000 Gulden bedeutend.[15] Nur die geplante Inkorporation des Vermögens in das Kollegiatstift Unserer Lieben Frau in München entspricht der Wahrheit. Kurfürst Karl Theodor ermöglicht mit diesem Schachzug eine finanzielle Absicherung des nun dem Adel vorbehaltenen Münchener Hofstifts. Zudem kann er einen Wunsch der Kurfürstenwitwe Maria Anna von Sachsen erfüllen, die das Kloster der Salesianerinnen in München für ein neues adeliges Damenstift benötigt. Die Salesianerinnen ziehen 1784 in Indersdorf ein. 24 Chorherren (20 Patres, vier Fratres) und ein Laienbruder müssen mit dem bis dahin amtierenden sowie einem resignierten Propst das Kloster verlassen. Einzelne Chorherren wechseln vorläufig in ein Priesterhaus im Klosterareal, die meisten nehmen später eine Pfarrstelle an.
Nutzungen der Klostergebäude nach dem Auszug der Salesianerinnen
Die ehemalige Stiftskirche ist seit der Säkularisation ausschliesslich Pfarrkirche.[16] Für sie besteht sekundäre Staatsbaulast. Ihr Erscheinungsbild und ihre Einrichtung bleiben erhalten. Das Schicksal der Klostergebäude ist durchzogener. Schon 1831 wechseln die Salesianerinnen in das ehemalige Chorherrenstift Dietramszell. Über zwanzig Jahre stehen die Gebäude leer. 1856 übernimmt die Kongregation der Barmherzigen Schwestern die Anlage für eine Kinderbewahranstalt. 1938–1945 dienen die Gebäude als Jugenderziehungsheim der Nationalsozialisten. Nach wechselnden Nachkriegsnutzungen als Waisenhaus, Haushaltungs- und Landfrauenschule geht der ehemalige Klosterkomplex an die Erzdiözese von München und Freising über, die seit 2019 eine Fachoberschule betreibt.
Baugeschichte, Architekturbeschrieb[17]
Stiftskirche und Kloster bis 1693
Stiftskirche
Die 1754-1758 umgestaltete Kirche ist eine spätromanische, querschiffslose Pfeilerbasilika des 13. Jahrhunderts. Obwohl das abgestufte Westportal noch ins späte 12. Jahrhundert weist,[18] dürfte das heutige Bauwerk dem Wiederaufbau nach dem Klosterbrand von 1264 entsprechen. Schon damals besitzt die Kirche eine Zweiturmfront.[19] 1432 erhält die Kirche massive gotische Gewölbe anstelle der Holz-Flachdecke. Ihr Mittelschiff ist äusserst schmal und hoch. Bei nur sechs Meter Breite[20] und 14 Meter Höhe beträgt seine innere Länge 52 Meter. Der Chor mit dem Altarhaus von 1691 nimmt davon allein 24 Meter ein. Ohne Turmjoch beträgt die Langhauslänge 23 Meter. Die innere Langhausbreite beträgt 17 Meter. Das romanische Langhaus der 100 Jahre älteren Stiftskirche Rottenbuch hat doppelte Grösse.[21]
Der Kirchendachstuhl wird 1480 neu aufgerichtet. Die beiden Türme erhalten zur gleichen Zeit ihre heutige Form.[22] Die letzte Baumassnahme der Spätgotik erfolgt um 1500 mit der Marienkapelle, die anschliessend an das südliche Seitenschiff im Westflügel des Klosters liegt. Die ersten Baumassnahmen nach der Reformation und dem Dreissigjährigem Krieg folgen unter Propst Georg I. Mall.[23] Er baut 1691 die Annakapelle an das nördliche Seitenschiff und ist Bauherr des neuen Altarhauses, einem durchlichteten quadratischen Chorabschluss, der nach aussen als Turm mit Dachreiterbekrönung in Erscheinung tritt.[24] Er stattet das Altarhaus auch mit einem neuen Hochaltar aus, dessen Altarblätter Johann Andreas Wolff 1691 liefert.[25] Der Altar muss deshalb bereits 1691 die heutige Zweigeschossigkeit aufweisen, auch wenn er 1721 spätbarock überarbeitet wird.
Konventbau
Das Kloster ist bis 1694 eine Vierflügelanlage mit der Kirche als nördlichen vierten Flügel. Die südlich der Kirche bündig angebauten Konventflügel sind um einen beinahe quadratischen Kreuzgang angeordnet. Noch im Aufnahmeplan des Erdgeschosses von 1856 ist die mittelalterliche Einteilung ersichtlich. Sie folgt dem üblichen, weitverbreiteten Klosterschema. Im Ostflügel liegt die zum Kreuzgang offene Nikolaikapelle. Sie dient im Mittelalter auch als Kapitelsaal.[26] Im Südflügel befindet sich bis 1694 das Refektorium mit Küche. Der Westflügel enthält die Klosterpforte und die Marien- oder Rosenkranzkapelle. Ein vor 1640 gemaltes Stiftergemälde zeigt den Westflügel schon damals dreigeschossig mit dem heutigen Aussehen.[27] In der Klosterchronik fehlen allerdings Hinweise auf einen Neu- oder Umbau vor dem Dreissigjährigen Krieg. Der Süd- und der Ostflügel bleiben bis 1694 zweigeschossig.
Neubau des Klosters unter Propst Dominikus Vent
Erweiterung der bestehenden Konventanlage
Die heutige dreigeschossige, geschlossene Konventanlage mit zwei Innenhöfen wird durch Propst Dominikus Vent 1694 begonnen und ist 1704 vollendet. Er kann den grossen Neubau dank des klug wirtschaftenden Vorgängers ohne Fremdmittel durchführen. Planer der dreigeschossigen Anlage ist Antonio Riva aus Roveredo.[28] Er verlängert die bestehende Anlage Richtung Osten, indem er drei neue Flügel um einen zweiten Innenhof gruppiert. Die Architektur dieser Erweiterung entspricht einer längst etablierten Typologie, die in Süddeutschland seit dem frühen 17. Jahrhundert bei Klosterneubauten eingeführt ist. Sie zeichnet sich im Unterschied zum Residenzbau durch relativ nüchterne und immer dreigeschossige Flügelbauten aus, die von einem hofseitigen, umlaufenden Gang erschlossen sind. Ihre Funktionalität ist den gleichzeitigen Residenzbauten weit überlegen. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts sind die Eck- und Mittelrisalite des Schlossbaus aber auch im Klosterbau Usanz. Zwei Eckrisalitbauten prägen deshalb die neue Ostfassade von Indersdorf.
Angleichung der alten Konventflügel
Die um den mittelalterlichen Kreuzgang gruppierten alten Klosterflügel bleiben im Erdgeschoss unangetastet. Ein völliger Neubau aller Obergeschosse ist ausgeschlossen, denn der Westflügel mit dem südwestlichen Erkerturm besteht schon vor 1640. Die Rechnungsbücher melden 1693 und 1694 Abbrüche der Prälatur mit Hofstuben und Kanzlei. Sie sind lagemässig nicht nachvollziehbar.[29] Die Süd- und Westflügel werden dem Neubau angeglichen und erhalten einen zusätzlichen dritten Stock.
Der Ovalbau der beiden Refektorien
Am Schnittpunkt des südlichen alten Konventflügels mit der Erweiterung setzt Riva einen nach Süden auskragenden tiefovalen Baukörper. Seine beiden Innenräume von ungefähr 21 x 11 Meter beanspruchen in der Höhe alle drei Klostergeschosse. In das Erdgeschoss verlegt er das Refektorium, dessen Raumhöhe 6,16 Meter beträgt. Damit wird das alte Refektorium im Südflügel ersetzt. Das darüberliegende Ovalgeschoss ist das Obere- oder Sommerrefektorium, das auch als Festsaal dient. Der Raum ist über 14 Stufen vom Gang des ersten Obergeschosses erreichbar und hat 5,45 Meter Raumhöhe. Hier sind zwischen den Fensternischen jeweils drei Pröpsteporträts vertikal angeordnet.[30] Die Decken beider Ovalräume und wahrscheinlich auch alle weiteren Räume gestaltet der Münchener Stuckateur Bartholomäus Provisor.[31] > Nur im oberen Ovalraum ist seine hochbarocke Stuckdecke vollständig erhalten. Im unteren Ovalraum, dem Refektorium, ersetzt um 1754 die Feichtmayr-Werkstatt die inneren Spiegelfelder mit Rokokostuck. Die umlaufenden hochbarocken Atlanten lässt sie bestehen. Auch die drei der fünf ovalen Deckenbilder belässt sie in ihrem Stuckrahmen. Die Bilder sind Arbeiten des Malers Gregor Sulzbeck.[32]
Italienische Wurzeln des Ovalbaus von Indersdorf
Der Ovalbau von Indersdorf, den Antonio Riva um 1693 plant und der 1694 begonnen wird, ist einer der ersten derartigen Saalbauten im süddeutschen Bereich. Seine Wurzeln liegen im italienischen Manierismus des 16. Jahrhunderts.
|Mehr zu den italienischen Wurzeln des Ovalbaus von Indersdorf siehe im Einschub|
Die Kloster-Gesamtanlage der Barockzeit
Propst Gelasius Morhart veröffentlicht 1762 als Beilage zu seiner Klostergeschichte auch mehrere Kupferstiche, in denen er die Stiftskirche, einzelne Innenräume und auch das Kloster in vier Vogelschauansichten aus allen Himmelsrichtungen im damaligen Zustand festhält.[33] Aus ihnen kann die Gestalt der Gesamtanlage vor der Säkularisation präzise gelesen werden.
Ihre architektonisch-städtebauliche Erscheinung ist das Ergebnis der vom Nord- zum Südtor durch das Areal führenden Landstrasse, die hart an der Westfront von Kirche und Kloster entlangführt. Südwestlich und südlich flankieren zweigeschossige Wirtschaftsbauten die Strasse. Diese Wirtschaftsbauten und auch ihr grosser Ökonomiehof fallen in ihrer Grundrissform aus dem rektangulären Raster und sind offensichtliche Übernahmen eines vorbarocken, organisch entlang der Strasse gewachsenen Verlaufes. Der Rotbach ist dicht an die Westwand der Ökonomie gelegt, um die dortige Mühle zu betrieben. Nördlich und östlich sind innerhalb von weitläufigen Klostermauern Gärten angelegt. Nur beim Nordtor befindet sich innerhalb der Umfassungsmauern ein weiteres Bauwerk. Dieses dreigeschossige Winkelgebäude dient zur Klosterzeit als Schul- und Mesmergebäude. Einziges fehlendes Bauwerk in den Ansichten von 1762 ist die gegenüber der Kloster-Westfassade noch im 18. Jahrhundert gebaute neue Brauerei.[34]
Umbau der Stiftskirche unter Propst Gelasius Morhart 1754–1758
Bauverlauf und beteiligte Künstler
1754 beginnt Propst Gelasius den Umbau des im Kern noch immer romanischen Münsters. 1752 lässt er eine neue Sakristei als Scheinoval[35] an die Chor-Westseite anbauen. 1753 malt hier Matthäus Günther[36] das Deckenfresko. Propst Gelasius zieht den Maler, der nach seiner ähnlichen Arbeit in Rottenbuch inzwischen sehr gesucht ist, auch für die Erneuerung des Stiftskirchen-Innenraums von Indersdorf bei. Als Stuckateur erteilt der Propst, vielleicht auf Empfehlung von Günther, Franz Xaver I Feichtmayr[37] den Auftrag. Die beiden in Augsburg lebenden Feichtmayr und Günther kennen sich schon aus mehreren vorangegangenen gemeinsamen Arbeiten. 1754 beginnt Propst Gelasius die Umgestaltung des Innenraums. Die baulichen Eingriffe sind klein. Die Maurerarbeiten beschränken sich auf die Entfernung des Putzes und der Kreuzrippen der gotischen Gewölbe, die zu einem Stichkappen-Tonnengewölbe vereinfacht werden. Dazu zählt auch die Pendentifkuppel des vierten Langhausjoches, denn ein neues Gewölbe ist nicht vermerkt und wäre in der kurzen Ausführungszeit auch nicht zu bewältigen. Einziger auch aussen sichtbarer Eingriff ist die neue Form der Obergadenfenster, die dem Wunsch nach besserer Belichtung entspringt. Durch ihre kartuschenförmige Vergrösserung erhalten sie eine typische Rokokoform.[38] Bereits diese Vorarbeiten an Gewölben und Wänden werden vom Feichtmayr-Trupp ausgeführt. Auch die Empore lässt Propst Gelasius zur Aufnahme des Mönchschors über das ganze erste Joch vergrössern. Der durch die Mönchschor-Verlegung ausgelöste vierjährige Streit mit dem Fürstbischof ist oben beschrieben. 1754 beenden Feichtmayr und Günther die Arbeiten in den Chorgewölben. 1755 erstellt Günther noch das Kuppelfresko im vierten Joch und das grosse Deckenfresko im Langhaus. Dann übergibt er die weitere Ausführung an Johann Georg Dieffenbrunner,[39] der noch 1755 in Gutenzell arbeitet. 1756 malt Dieffenbrunner im Unterakkord Günthers 12 der 14 Wandbilder in Chor und Langhaus. Nun erteilt Propst Gelasius auch die Aufträge für die Fresken in den Seitenschiffen, der Chororatorien und der Vorhalle an Dieffenbrunner. Erst 1758 ist Günther wieder in Indersdorf tätig und malt die zwei verbleibenden Wandfresken der Empore und die Deckenfresken der Anna- und der Marienkapelle, die jetzt Rosenkranzkapelle genannt wird. Die mit Unterbrüchen vier Jahre dauernde Umgestaltung findet im September 1758, gleichzeitig mit der Beendigung des Streites wegen ihrer vom Fürstbischof verbotenen Durchführung, einen feierlichen Abschluss. Für die ersten zwei Jahre sind wir über die Baukosten informiert. Bis Ende 1755 betragen sie 6883 Gulden. Die Gesamtkosten sind unbekannt, dürften aber 10 000 Gulden nicht erreicht haben.[40] Nur die Beichtstühle, das Kirchengestühl und die Emporenorgel sind Neuausstattungen. Über ihre Meister ist nichts bekannt.
|Der von Propst Gelasius 1762 veröffentlichte Querschnitt ist ein aussergewöhnliches Plandokument, das sogar in den Details der Bildthemen den tatsächlich gemalten Fresken entspricht. Der Titel mit den beiden Klosterwappen beschreibt, dass die Kirche unter Propst Gelasius «1754 als Gemeinschaftsarbeit des Augsburger Malers Matthäus Günther und des Augsburger Stuckateurs Franz Xaver Feichtmayr vollständig renoviert» worden sei. Bildquelle: bavarikon.de|
Rokokostuck und Fresken
«Die decorative Ausstattung ist reich und hat im Einzelnen viel Gutes, ist aber im Ganzen überladen», schreibt Gustav Bezold 1895 über das Innere des Kirchenraums. Bedeutend objektiver beurteilt Karlheinz Hemmeter im «Dehio» 2006 den Rokokostuck: «Reicher Stuck in voll entwickelten, schwungvoll behandelten Rocailleformen, 1754–1756 von Franz Xaver Feichtmayr d. Ä. Sie umzüngeln die architektonischen Gliederungsdetails lebhaft, ohne das System zu verunklären; im Kuppeljoch farblich abgesetzt». Hermann und Anna Bauer beschreiben schon 1985 den raumprägenden Stuck, zu dem auch die Pilastergliederung mit den phantasievollen Kapitellen zählt, wie folgt: «Die Bilder sind auf besondere Weise durch den Stuck Feichtmayrs vorbereitet. Einerseits schneidet der – oft goldene[41] –schwingende Profilrahmen das Bildfeld energisch aus, andererseits wird dieser Rahmen von grossen Rocaillen übergriffen, die die Nahtstelle von Architektur und Bild überspielen. Die Rocaillen Feichtmayrs, aus einem, wie es einmal genannt wurde, protheushaften Muschelstoff bestehend, bilden asymmetrische Kartuschen und Agraffen. Würde sich das Wort monumental nicht vor diesem spielerischen Ornament verbieten, dann läge es nahe vor diesen grossräumigen und für die Architektur bedeutenden Gebilden».
Stuck, Fresken und die Altäre bilden in Indersdorf eine zusammenhängende Einheit, die als Gesamtkunstwerk erfasst werden müssen. Umso erstaunlicher ist die völlige Negierung des Stucks in den Publikationen zu Indersdorf, mit Ausnahme der obigen Beiträge. Dies, obwohl Stuck und Fresken nicht nur gleichzeitig ausgeführt, sondern in Indersdorf auch gleichwertig sind. Zu den Fresken von Matthäus Günther und Johann Georg Dieffenbrunner, vor allem zu ihrer Ikonographie ist vor allem der Beitrag von Peter Dorner lesenswert.[42] Ich habe seine Bildnummerierung der Deckenfresken im Grundrissplan übernommen.
Altäre und Kanzel des Hoch- und Spätbarocks im Rokokoraum
Theatrum sacrum
Das Zusammenspiel der Stuck- und Freskenausstattung mit dem «theatrum sacrum» der Altäre ergibt ein für den eintretenden Besucher überraschend prächtiges Raumkunstwerk. Die vier vor die Pfeiler gestellten Seitenaltäre bilden, ähnlich den Kulissen eines Theaters, zusammen mit dem Hochaltar eine überzeugende barocke Szenographie und stehen alle im hellen Seitenlicht der vergrösserten Fenster von Seitenschiffen und östlichem Altarhaus.
Hochaltar des Hochbarocks
Propst Georg I. Mall errichtet um 1690 nicht nur das neue Altarhaus mit dem innen oktogonalen Laternenaufbau, er lässt auch einen neuen Hochaltar aufrichten.[43] Dieser Hochaltar dürfte aufgrund der 1691 datierten Altarblätter des Hofmalers Johann Andreas Wolf bereits ein dreigeschossiges Säulenretabel in der heutigen Grösse sein. Rechnungsbücher melden 1721 eine Neufassung (Vergoldung). Genannt wird auch der Name des Altarbauers Blasius Zwinck aus Miesbach.[44] Damals wird der Hochaltar umgestaltet. Für einen Neubau 1721 fehlt aber bisher jede Quelle. Die aus dieser spätbarocken Zeit stammende Ornamentik an Spiralsäulen, Kapitellen und viele andere Ergänzungen scheinen zum Fehlschluss eines völligen Neubaus geführt zu haben. Die Figuralplastik ist noch vom Vorgängeraltar übernommen, denn der Arbeitsschwerpunkt der vermuteten Bildhauer liegt in den 1690er-Jahren. Wäre das Altarretabel, wie dies eher wahrscheinlich ist, um 1691 gebaut und in spätbarocker Zeit lediglich ergänzt, im Obergeschoss verlängert und neu gefasst worden, müsste es als eines der ersten sich konkav zum Raum öffnenden Säulenretabel von eindrucksvoller Höhe mit dem Prädikat «einmalig» ausgezeichnet werden. Die konkave Anordnung und die Breite des Retabels ist eine Reaktion auf die Grundrissform des Altarhauses, die Tiefe ist durch das verdeckte Seitenlicht vorgegeben. Nicht nur von der Seite, auch von oben wird das Retabel verdeckt belichtet. Die Rolle des Lichtes ist in Indersdorf früh erkannt worden.[45]
Seitenaltäre
Ebenso wie beim Hochaltar fehlt auch bei den sechs Seitenaltären im Langhaus jeder Hinweis auf Altarbauer und Bildhauer. Alle reich gefassten Säulenretabel stammen aus der Zeit von 1710–1721. Bei der Wiederaufstellung 1755 werden sie mit Rocaillen ergänzt und neu gefasst. Die Seitenaltäre des vierten Jochs, der nördliche Augustinusaltar und der südliche Nikolausaltar stehen seitlich des Choreinzugs. Die weiteren vier Altäre sind für den Eintretenden sofort erfassbar. An den Pfeilern im dritten Joch stehen der Maria-Hilf-Altar und der Antoniusaltar. Im zweiten Joch sind es der Ursulaaltar und südlich der Barbaraaltar. Nur von diesen beiden Altären sind die Maler der Altarblätter bekannt. Es sind die Münchener Hofmaler Joseph Winter (hl. Ursula) und Johann Andreas Wolff (hl. Barbara).
Kapellenaltäre
Das Retabel der Annakapelle wird 1734 fertiggestellt. Es wird als einziges Retabel auch beim Rokokoumbau unverändert belassen. Das Altarblatt wird von Wolff schon beim Neubau der Kapelle 1691 gemalt.
In der Rosenkranz- oder Marienkapelle wird 1729 das recht farbenprächtige Retabel von 1630 mit Spiralsäulen viertelkreisartig erweitert. Dieses Altarblatt ist eine schöne frühbarocke Darstellung der Rosenkranzspende an die hll. Dominikus und Katharina, gemalt 1631 von Wilhelm Schöpfer aus München.
Kanzel
Die Datierung der Kanzel weist eine noch grössere Schwankungsbreite als der Hochaltar aus. «Um 1690», «um 1717», «um 1727» werden genannt. Das Bild an der Kanzeltür wird 1717 oder 1719 von Johann Degler aus München gemalt. Figuralplastik und die durchbrochene Schnitzerei der Aufgangsbrüstung sind aber klarer Hochbarock um 1690, der zur Régencezeit ergänzt wird.
Ausstattungen der Rokokozeit
Chorgestühl
Propst Gelasius lässt nach 1754 den Mönchschor auf die Westempore verlegen. Anstelle des üblicherweise um die 40 Plätze umfassenden Gestühls herrscht heute auf der Empore eine gähnende Leere. Die Rokokoausstattung von 1760 ist bis auf einige, wieder im Chor aufgestellte Relikte verschwunden. 18 Stallen des Rokokogestühls befinden sich jetzt als Zelebrationsstühle in den vier Seitennischen des Chors. Es sind zwei Einzelstücke mit drei Dorsalfeldern und zwei Stücke mit einem grossen Dorsalfeld. Die Dorsalfelder in geschnitztem Massivholz sind in dunklem Nussbaumton gebeizt. Kartuschenaufsätze und Rahmungen sind golden gefasst.
Orgel
Zwei Orgeln befinden sich bis 1803 in der Klosterkirche. Die Chororgel von 1725 mit vier Registern wird 1803 abgebrochen und in der Pfarrkirche Asbach neu aufgestellt. Sie ist dort seit 1840 nicht mehr vorhanden. Die Hauptorgel auf der Westempore, ursprünglich ein Bestandteil des Mönchschors, wird zwischen 1755 und 1762 gefertigt. Der Orgelbauer ist unbekannt. Das Werk mit 23 Registern (II/P/23) erfährt schon im 19. Jahrhundert Veränderungen und ist seit 1988 durch ein neues Werk (II/P/33) ersetzt. Seit 1988 hängt an der Emporenbrüstung auch das dominierende neubarocke Positiv. Aus der Rokokozeit stammt noch der Gehäuseprospekt der rückwärtigen Hauptorgel. Er umspielt mit fünf Feldern das Westfenster. Sichtbar sind aus dem Mittelschiff vor allem die beiden flankierenden Türme, aber auch das durch ein vergoldetes Rokokoschnitzwerk getragene, freie Zifferblatt über der Orgel. Das Uhrwerk dieses Zifferblattes befindet sich im darüberliegenden Dachstuhl.[46]
|Die Klosterwappen|
|Das Stift Indersdorf verwendet seit dem 15. Jahrhundert zwei Wappen.

Das linke Wappen (heraldisch rechts) ist das Propsteiwappen und beruht auf dem Schild der Pfalzgrafen von Scheyern-Wittelsbach. Es ist ein roter Zickzackbalken in Silber. Das rechte Wappen (heraldisch links) ist dasjenige des Kapitels. Es ist das Phantasiewappen für den zweiten Stifter Otto von Indersdorf und zeigt in Blau zwei sich abwendende und wieder ansehende bewehrte goldene Löwen mit verschlungenen Schwänzen. Im heutigen Einschildwappen von Markt Indersdorf sind beide Wappen in einem geteilten Schild vereint.
Über dem Chorbogen ist das Doppelwappen des Klosters in Stuckkartuschen zu sehen. Foto: Reinhardhauke 2014 in Wikipedia.
Pius Bieri 2020

LiteraturMorhart, Gelasius: Kurtze Historische Nachricht von / Dem Ursprung und Fortgang / Dess / Stifft- und Closters / Ünderstorff. Augsburg 1762.
|Fugger, Eberhard von: Geschichte des Klosters Indersdorf von seiner Gründung bis auf unsere Zeit, nach Urkunden und historischen Quellen bearbeitet. München 1883.|
|Bezold, Gustav von, und Riehl, Berthold: Die Kunstdenkmale des Regierungsbezirkes Oberbayern (Die Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, Band I), München 1895.|
|Dorner, Peter: Zur Ikonographie der Indersdorfer Deckenfresken, in: Amperland 9, Seite 400–407. Dachau 1973.|
|Dorner, Peter: Die Barockbauten des Indersdorfer Propstes Gelasius Morhart, in: Amperland 9, Seite 357–364. Dachau 1973.|
|Paula, Georg: Die Barockisierung der Klosterkirche Indersdorf nach den Rechnungsbüchern von 1753–1755, in Amperland 18, Seite 326–327, Dachau 1982.|
|Bauer, Hermann und Anna: Klöster in Bayern. Eine Kunst- und Kulturgeschichte. München 1985.|
|Mueller, Carla Th.: Die Bautätigkeit des Klosters Indersdorf um 1700, in Amperland 26, Seite 533–540, Dachau 1990.|
|Berghammer, Josef: Mariä Himmelfahrt Markt Indersdorf, Kunstführer 242. Regensburg 2001.|
|Web

Klosterkirche Mariä Himmelfahrt in Indersdorf. Eine ausführliche Beschreibung mit vielen Detailangaben zur Einrichtung und zu den Grabsteinen, von Hans Schertl, Haimhausen.
http://kirchenundkapellen.de/kirchenko/indersdorf.php
|Panoramaansichten des Kircheninnenraums mit Sakristei, Anna- und Rosenkranzkapelle, von Tibor Hlozanek, Reicherthausen.

http://hlozanek.com/?panorama=mariae-himmelfahrt-klosterkirche-zu-markt-indersdorf
|Wikipedia-Seite zum Kloster Indersdorf

https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Indersdorf
Anmerkungen:
[1] Pfalzgraf Otto (um 1083–1156) und seine Ehefrau Helika von Pettendorf-Lengenfeld († 1170) sind auch Stifter des Benediktinerklosters Ensdorf und Scheyern. Bis zur 1116 erfolgten Umsiedlung auf Burg Wittelsbach bei Aichach wird der Stifter von Indersdorf Otto IV. von Scheyern, nach der Umsiedlung Otto I. (auch Otto IV.) von Wittelsbach genannt. Die unterschiedliche Zählung ist bis heute nicht bereinigt, sogar die Nennung als Otto V. von Wittelsbach geistert in der Literatur. Einer seiner Söhne ist Herzog Otto I. von Bayern, ein anderer ist Konrad, Erzbischof von Mainz und Salzburg. Der Stifter von Indersdorf ist somit Namensgeber für die bayerischen Wittelsbacher, die noch bis 1918 regieren. Begraben ist er und seine Gemahlin in der von ihnen gegründeten Benediktinerabtei Ensdorf in der Oberpfalz, nicht in Indersdorf.
Zur Quellenlage für die Gründung von Ensdorf siehe Hans Zitzelberger in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, 95. Band, Regensburg 1954.
Zum Klosterstifter, dem Pfalzgraf Otto IV. (V.) von Scheyern oder Otto I. (IV.) von Wittelsbach siehe die Wikipedia-Biografie in https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_V._von_Scheyern.
[2] Der Name des Gewässers wird früher Glon geschrieben. Die im 20. Jahrhundert kanalisierte und begradigte Glonn, die ihren keltischen Namen vom klaren und reinen Wasser hat, ist heute nur noch stark verschmutzter Kläranlagen-Vorfluter.
[3] Ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift Marbach bei Voegtlinshoffen südlich von Colmar (Das Benediktinerstift Murbach ist vier Wegstunden südlich zu suchen). Die Erklärungen heutiger Historiker, warum nun anstelle von Benediktiner Augustiner-Chorherren, und diese zudem aus dem Elsass und nicht aus Rottenbuch berufen werden, sind meist recht dürftig. Fragwürdig ist auch das aus der Klosterüberlieferung übernommene Stiftungs-Sühnemotiv des Pfalzgrafen Otto.
[4] Von Ensdorf berichtet der Klosterchronist nichts. Der Begräbnisort von Otto IV. von Scheyern oder Otto I. von Wittelsbach ausserhalb Indersdorf zu suchen, ist für die Chorherren von Indersdorf undenkbar. Schon 1432, anlässlich der Verlegung der Wittelsbacher aus der Nikolaikapelle in den Kirchenchor, wird deshalb für den Stifter eine Deckplatte für das neue Wittelsbacher Hochgrab hergestellt, die dann 1755 als vermeintliche Stifter-Grabplatte in der Nikolaikapelle landet. Mit der 1432 erfolgten Verlegung der Wittelsbacher in das Hochgrab vor dem Altar versucht der Propst, das eigene Stift als Hauskloster und Erinnerungsort der Wittelsbacher aufzuwerten. Noch heute übernehmen Historiker das Märchen vom Grab des ersten Wittelsbacher in Indersdorf. Zur Benediktinerabtei Ensdorf in der Oberpfalz siehe die Dokumentation in dieser Webseite.
[6] Petersberg liegt zwei Wegstunden westlich von Indersdorf bei Eisenhofen, oberhalb der Glonn. Die Benediktinerabtei wird 1104 durch Graf Otto II. von Scheyern 1104 vom alten Standort Fischbachau (am Fuss der bayerischen Voralpen) nach Petersberg verlegt, wo noch heute die Stiftskirche von 1107 steht. Schon 1023 verlegt Pfalzgraf Otto von Wittelsbach-Scheyern, der Stifter von Ensdorf und Indersdorf, das Kloster nach Scheyern.
[7] Es sind die bayerischen Herzogtümer Bayern-München, Bayern-Straubing und Bayern-Landshut.
[8] Albrecht V. regiert 1550–1579 als Herzog die seit 1505 vereinten drei Herzogtümer Bayerns. Er setzt die Politik seines Vaters Wilhelm IV. fort, der Bayern zu einem Bollwerk der Gegenreformation formt.
[9] Dominikus Vent (1654–1704) aus Weichs bei Indersdorf, Propst in Indersdorf 1693–1704, 1698–1704 auch Prälatensteurer der bayerischen Landschaft, Rentamt München. Er wird 1762 als «Mann von grosser Einsicht, sonderlich in der Baukunst» geschildert.
[10] Augustin Michl oder Michel (1662–1751) aus München. Der bedeutende Gelehrte und Schriftsteller wendet sich 1698 und 1699 in zwei Schriften entschieden gegen die bayerischen Amortisationsgesetze, die den Klöstern Kurbayerns den Grunderwerb nur noch mit kurfürstlicher Zustimmung erlaubt und Käufe ausserhalb der Klosterhofmark grundsätzlich verbietet. Die kurfürstliche Kommission verweigert deswegen 1704 die Anerkennung seiner Wahl. Nachdem der Konvent nochmals einstimmig Michl wählt, wird vom Kurfürsten (kurz vor seiner Flucht nach Brüssel) dauerhaft der Ausschluss des verdienten Gelehrten von der Propstwürde ausgesprochen. Das Ereignis zeigt die inzwischen beschämende Abhängigkeit der kurbayerischen Stifte vom Kurfürsten sehr deutlich.
[11] Gelasius Morhart (1710–1771) aus Augsburg. Propst von Indersdorf 1748–1768. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite. In dieser Biografie ist auch der Streit um den Umbau der Stiftskirche ausführlicher geschildert.
[12] Johann Theodor von Bayern (1703–1763), Sohn von Kurfürst Max II. Emanuel von Bayern, Fürstbischof von Regensburg (1719, mit 16 Jahren!), von Freising (1727) und von Lüttich (1744). Seit 1746 auch Kardinal.
[13] Maximilian III. Joseph von Bayern (1727–1777), Kurfürst 1745–1777. Er erbt von seinen beiden Vorgängern eine Schuldenlast von 35 Millionen Gulden, mehr als das 8-fache der bayerischen Jahreseinnahmen. Er kann diese durch ein Schuldentilgungswerk auf 9 Millionen Gulden senken.
[14] 1768 wird der aufklärerische Peter von Osterwald erster Direktor des Geistlichen Rates in München. Die nun folgenden Klostermandate schränken die geistlichen Einrichtungen in Kurbayern mehr und mehr ein. Schon 1764 hat ein 38 Jahre dauernder Finanztransfer der kurbayrischen Klöster zum hochverschuldeten Staat begonnen, der 1802 mit der völligen Enteignung des Klosterbesitzes das Ziel erreicht.
[15] Die Zahlen gemäss Dietmar Stutzer 1986. 1883 berichtet Eberhard Graf von Fugger von 130 000 Gulden Schulden, beziffert aber den Anlagebesitz mit 950 000 Gulden.
[16] Indersdorf ist schon vor der Säkularisation (als Ausnahme) Pfarr- und Taufkirche. Der Taufstein steht in der Annakapelle. Die umliegenden Kirchen sind Filialkirchen.
[17] Verlässliche Angaben zur Baugeschichte des Klosters Indersdorf bis zum Kirchenumbau im 18. Jahrhundert sind mit Ausnahme eines Beitrags zum Neubau 1694 inexistent. Die Diskrepanz der Fülle von Bauinformationen für den Kirchenumbau von 1754 gegenüber den mageren Daten der bedeutenden Baugeschichte des Klosters während den vorangegangenen 630 Jahren ist frappierend. Aber selbst für diese Periode sind fast alle Baudaten mangels Quellen widersprüchlich. Ich folge hier im Wesentlichen der kurzen und bisher einzigen umfassenden Übersicht in «Die Kunstdenkmale des Regierungsbezirkes Oberbayern», München 1895 (Verfasser Georg Hager), ergänzt mit Datierungen des «Dehio» 2006 (Autor Friedrich Kobler).
[18] Das rundbogige Eingangsportal ist dreistufig mit Rundstäben. Einfachste Kapitelle und das Fehlen des Tympanons machen eine Datierung praktisch unmöglich. Kunsthistoriker weisen es trotz Fehlens jeglicher Ornamentik oder Figuralplastik ins späte 12. Jahrhundert. Es könnte eine vereinfachte Nachbildung des Freisinger Domportals sein, das 1164 gebaut wird. Damit wäre allerdings der erste grössere Kirchenbau erst in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zu datieren.

[19] Die Stiftskirche des Gründungskonvents Marbach ist ebenfalls zweitürmig. Ihre beiden Chorflankentürme des 12. Jahrhunderts werden nach der Revolution abgebrochen. Zweiturmfronten und doppelte Chorflankentürme sind im 12. Jahrhundert bei Sakralbauten im Oberrheingebiet verbreitet. Die Anregung für Indersdorf könnte deshalb vom Gründungskonvent stammen.
|Les ruines de l'abbaye de Marbach en 1820 vues par un artiste de Colmar. Source: Wikimedia|
[20] Die übliche Literatur vermeldet als Langhausbreite 7 Meter und als Seitenschiffbreite 5 Meter. Dies sind jedoch Achsmasse, wie der Vergleich mit der gleichzeitig vermeldeten Langhausbreite von 17 Meter aufzeigt.

[21] Grundrissvergleich:
|Innenmasse Langhaus:||Rottenbuch 21 x 37 Meter|
|Indersdorf 17 x 23 Meter|
|Mittelschiffbreite:||Rottenbuch 8,5 Meter|
|Indersdorf 6 Meter|

Grundrissvergleich der Stiftskirchen von Rottenbuch (um 1100) mit der Stiftskirche Indersdorf (1264). Nur schwarze Bauteile sind mittelalterlcih.
[22] Nach Fugger (1883) und Hager (1885) wird der Nordturm unter Propst Erhard Prunner und der Südturm unter Johannes Rothuet erhöht, nach Friedrich Kobler im Dehio (2006) beide ab 1470. Die beiden heutigen Turmhelme sind Rekonstruktionen.
[23] Georg I. Mall von Dötterried regiert 1673–1693. Seine Lebensdaten sind unbekannt. Er führt das Stift in die Lateranische Kongregation. Morhart (1762) berichtet, dass ihm bei der Wahlbestätigung aufgetragen wird, das Kloster neu zu erbauen, weil das alte ziemlich baufällig sei. Er habe diesen (Freisinger?) Wunsch aber mangels Finanzen nicht erfüllen können. Er wird als guter Ökonom gelobt, was dann dem nächsten Propst den Klosterneubau erlaubt.
[24] Im Dehio (2006) wird der innen oktogonale Altarraum irreführend als Chorscheitelrotunde bezeichnet. Das neue Altarhaus wird von den meisten Historikern in Verbindung mit dem neuen Hochaltar gesehen, der 1691 in der heutigen Grösse gebaut wird. Die Bauzeitangaben 1705 und 1715 in kirchenundkapellen.de (Quelle Dieter Morsch in «Amperland» 2013) dürften nicht stimmen. 1705 ist wegen des Erbfolgekriegs und der österreichischen Besatzung ein Bauvorhaben in Indersdorf ausgeschlossen. Michael Wening veröffentlicht das neue Altarhaus schon 1701 in seiner «Topographia». Obwohl die Vogelschauansicht Wening auch einen (geplanten?) westlichen Stichflügel einzeichnet, dürfte der Altarhausturm um 1695/1700 (Zeichnungszeitpunkt) als gebautes Element abgebildet sein. Die datierenden Historiker verwechseln den spätbarocken Umbau unter Propst Georg II. (1704–1721) mit einem Neubau.
[26] Der Ostflügel wird nach 1694 Querflügel der neuen Klosteranlage. Die Nikolaikapelle trägt das Patrozinium des schon 1120 genannten «Sacellum S. Nicolai in Werth» und dient längere Zeit als Kapitelsaal. Hier sind ursprünglich einige Wittelsbacher begraben. Sie werden 1432 unter ein Hochgrab im Chor der Kirche versetzt. Die Deckplatte dieses Hochgrabes ist eine erfundene Grabplatte des Stifters Otto von Scheyern-Wittelsbach. Das Hochgrab dient der Fixierung von Indersdorf als Wittelsbacher Hauskloster. Es wird 1755 entfernt, die vermeintliche Stifter-Grabplatte findet in der neu gestalteten Nikolaikapelle Aufstellung.

[27] Das Gemälde stellt den Stifter in exotisch besticktem Rock und mit Federhut dar. Er legt die Hand auf das Klostermodell. Links oben ist das Wappen des Propstes Benedikt Mair mit den Daten der Wahl (1731) und der Infulierung (1735), aber ohne Todesdatum gemalt. Das Bild des Klosters zeigt die Westfassade als Bauwerk des 16./17. Jahrhunderts mit dem ungefähren Aussehen des heutigen Bauwerks. Ein Stich von 1683 (Stecher: Johann Franck) bestätigt diesen Vorzustand. Der dreigeschossige, massiv gemauerte Konventflügel mit Turmerkern kann aufgrund seiner architektonischen Erscheinung frühestens aus der ersten Erholungsphase am Ende des 16. Jahrhunderts von 1586–1604 unter Propst Johannes II., eher aber vom Anfang des 17. Jahrhunderts 1604–1618 unter Propst Caspar Schleich stammen. Vor 1632 (erste Klosterüberfälle) muss also ein Neubau des Westflügels stattgefunden haben, der in keiner Chronik vermerkt ist.

Stiftergemälde in der Kirche. Foto: Bieri 2014.
[28] Antonio Riva (um 1645/50–1713) aus Roveredo im Misox. Er ist Alters-, Dorf- und Weggenosse des Hofbaumeisters Enrico Zuccalli. 1684–1693 baut er in Tegernsee die Stiftskirche um und erstellt die neuen Klosterflügel. Um 1694 plant er auch den Klosterneubau von Rottenbuch, der im Konzept demjenigen von Indersdorf ähnlich ist. Zu Antonio Riva siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.
[29] Die Rechnungsbücher melden 1693 einen beabsichtigten Abbruch der alten Propstei. 1694 ist zu lesen: «Erstlichen ist zuwissen, das an heur die alte Pralatur sambt der Hofstuben nebenzimerln, Canzley, alte genung, unnd anderes abgeprochen: unnd dargegen dieser von der herunder: unnd obern freysinger Stuben exclusivé an, biss zum küchenstibl inclusivé entstehente Stockh erpaut worden». Bedeutet der «entstehende Stock» das neue Geschoss der Altflügel?
[30] Die Galerie umfasst alle 43 Pröpste, seit dem 17. Jahrhundert sind es echte Porträts. Bis auf fünf verschwinden sie nach der Säkularisation spurlos.
[31] Bartholomäus Provisor, auch Profiser, wahrscheinlich Verdeutschung des Namens Bartolomeo Provisore. Seine Lebensdaten und Herkunft sind unbekannt. Er ist seit 1671 Stuckateur in München , auch Schwiegervater des Wessobrunner Stuckateurs Johann Caspar Hennevogel, dessen Mitarbeit in Indersdorf vermutet wird.
[32] Gregor Sulzbeck, auch Sulzböckh (1636–1698) aus Eggenfelden, Maler des Hochbarocks in Wasserburg. Die Deckenbilder (Fresken?) werden schon 1718 renoviert und 1753 von Matthäus Günther «geputzt und retouchiert».
[33] Zeichnungen von Johann Georg Dieffenbrunner. Stecher und Verleger sind die Brüder Klauber in Augsburg. Die vier Ansichten sind in ihrer Aussage völlig übereinstimmend und entsprechen dem Gebäudestand und der Gebäudearchitektur von 1762 mit grosser Genauigkeit.
[34] Siehe den Lageplan. Diese nordwestliche Gebäudeeinheit brennt 1841 und wird neoklassizistisch wieder aufgebaut.
[35] Keine reine Ovalform, sondern ein an beiden Enden gerundetes Rechteck.
[36] Matthäus Günther (1705–1788) aus Tritschengreith am Hohenpeissenberg. Günther ist 1737 bis 1746 in der Stiftskirche des Augustiner-Chorherrenstifts Rottenbuch tätig. Mehr zu Matthäus Günther siehe in der Biografie mit Werkverzeichnis in dieser Webseite.
[37] Franz Xaver I Feichtmayr (1705–1763) aus Wessobrunn, Stuckateur. Vorgängige Zusammenarbeit mit Matthias Günther in Friedberg 1742 und 1750/53 und St. Georgenberg Fiecht bei Schwaz. Die gleichzeitigen Arbeiten in Gutenzell, Wilten und Fiecht kann sich Feichtmayr nur erlauben, weil er mit dem Schwiegersohn Jakob Rauch einen ausgezeichneten Vertreter als Palier platzieren kann. Zu Franz Xaver I Feichtmayr siehe die Biografie mit Werkverzeichnis in dieser Webseite.
[38] Die Birnen- oder Bassgeigenform des Längsschnittes Dieffenbrunner/Klauber (1762) trifft in Wirklichkeit nicht zu.
[39] Johann Georg Dieffenbrunner (1718–1785) aus Mittenwald. Schüler von Johann Georg Bergmüller in Augsburg. Die Werkstatt Franz Xaver I Feichtmayr ist 1755 gleichzeitig mit Dieffenbrunner in Gutenzell tätig. Mit Matthäus Günther arbeitet er letztmals 1754 in Geltendorf zusammen, wo ebenfalls die Feichtmayr-Werkstatt stuckiert. Mehr zu Johann Georg Dieffenbrunner siehe in der Biografie mit Werkverzeichnis in dieser Webseite.
[40] Die als Vorbild dienende Stiftskirche Rottenbuch kostet 1741-1757 rund 15 000 Gulden. Bezogen auf die Flächen der bearbeiteten Sakralräume (in Indersdorf mit Sakristei und drei Kapellen) müsste Indersdorf ungefähr 8000 Gulden kosten, auch weil Propst Gelasius alle Altäre und die Kanzel in die Neugestaltung übernimmt.
[41] Die Goldfassungen der Stuckrahmen sind in Indersdorf ursprünglich. 1758 wird im Visitationsbericht vermeldet, dass «die Stuckador-arbeith mit Gold verblicket» sei.
[42] Peter Dorner: Zur Ikonographie der Indersdorfer Deckenfresken.
[43] Siehe zu den neuesten Falschdatierungen für den Bau des Altarhauses und zum Neubau des Hochaltars (1705/15 anstelle 1690) die Anmerkungen 24 und 25.
[44] Blasius Zwinck, dessen Lebensdaten unbekannt sind, baut 1717 als Tischler nach einem Entwurf von Johann Baptist Zimmermann den Hochaltar von St. Sixtus in Schliersee. Der Altar in Schliersee zeigt in der Detailausführung Ähnlichkeiten mit Indersdorf.
[45] Ein vergleichbarer Hochaltar befindet sich in der Stiftskirche von Schlierbach. Sein ebenfalls dreigeschossiges Retabel mit Oberstück wird um 1685 von Antonio Carlone entworfen, aber erst 1700 aufgestellt. Wie in Indersdorf ist es ein Spiralsäulen-Holzretabel, das 1707 zusätzlich schmückend ergänzt wird. Dank der verfügbaren Breite im Altarraum ist seine Öffnung zum Raum nur wenig ausgeprägt. Wie bei den meisten hochbarocken Altären ist in Schlierbach die Rolle des Lichtes im Gegensatz zur fortschrittliche Lösung des Altarhauses von Indersdorf vernachlässigt.
[46] Über diese interessante Uhrmacher-Mechanik des 18. Jahrhunderts habe ich leider keine Quelle gefunden. Ob das originale Uhrwerk noch existiert, ist mir nicht bekannt.
|Ort, Land (heute)||Herrschaft (18. Jh.)|
|Indersdorf

Obernbayen D
|Kurfürstentum Bayern|
|Bistum (18. Jh.)||Baubeginn|
|Freising||1694 (175)|
|Bauherr und Bauträger|
| Propst CanA Georg I. Mall

(reg. 1673–1693)
| Propst CanA Dominikus Vent

(reg. 1693–1704)
| Propst CanA Gelasius Morhart

(reg. 1748–1768)

Anhang
|Italienische Wurzeln des Ovalbaus von Indersdorf|
|Der Ovalbau von Indersdorf, den Antonio Riva um 1693 plant und der 1694 begonnen wird, ist einer der ersten derartigen Saalbauten im süddeutschen Bereich. Seine Wurzeln liegen im italienischen Manierismus des 16. Jahrhunderts.

|Wichtige Ovalbauten 1565–1690|

Der Ovalbau von Indersdorf hat italienische Wurzeln. Der Bauherr Dominikus Vent, ein «Mann von grosser Einsicht, sonderlich in der Baukunst», ist vielleicht eigentlicher Verfasser des Architekturkonzepts. Leider wissen wir über ihn nicht mehr als einige Lebensdaten. Er muss aber als in Baukunst erfahrener Propst mit Sicherheit den Neubau mitentscheidend geprägt haben. Seine Kenntnisse der italienischen Architektur müssen nicht auf eigener Erfahrung gründen, denn im 17. Jahrhundert steht ihm eine reiche Traktatliteratur zur Verfügung. In ihr findet er nicht nur den 1565 begonnenen ersten ovalen Sakralbau Sant’Anna dei Palafreneiri von Vignola, sondern auch weitere berühmte römische Ovalbauten. In Prag wird 1590–1600 die «Welsche Kapelle» als erster Ovalbau nach römischen Vorbildern in Norden gebaut. Schon früh findet die sakrale Grundrissform auch Verwendung für Festsäle im Residenzbau. Im «maison de plaisance» von Vaux-le-Vicomte bei Paris baut Le Vau 1656–1661 einen «italienischen» ovalen Gartensaal, der dann um 1700 Vorbild vieler Lustschlösser und Residenzen wird. Auch Gianlorenzo Bernini, der 1658 den berühmten Querovalraum Sant’Andrea al Quirinale beginnt, experimentiert 1665 in seinem Louvre-Projekt mit einem zentralen Ovalsaal. Einer der Mitarbeiter am Modell ist Enrico Zuccalli. Der spätere kurfürstliche Hofbaumeister ist Dorfgenosse von Riva. Ihre enge Zusammenarbeit ist bekannt. 1684/85 reist Zuccalli nochmals für Residenzstudien nach Paris, um dann um 1692 für das Neue Schloss Schleissheim einen Entwurf mit zentralem Ovalssal vorzustellen. Im süddeutschen Raum sind derartige Bauwerke bisher weitgehend unbekannt. Nur wenige kleinere Ovalsäle sind schon vor 1694 vollendet. Einzig ein kleinerer Ovalsaal im fürstbischöflichen Sommerschloss Hacklberg bei Passau ist 1692 schon gebaut, wahrscheinlich von der Carlone-Werkstatt. Allerdings ist er nicht freigestellt. Wichtig für die Verbreitung der ovalen Saalform im deutschen Sprachbereich wird Johann Bernhard Fischer. Der 1686 aus Rom zurückgekehrte Baumeister ist ein später Schüler Berninis. Schon 1689 baut er in Wien das Gartenlustgebäude Althann in der Rossau mit einem zentralen Ovalsaal. 1689–1695 erstellt er im mährischen Schloss Frain den ersten grossen freistehenden ovalen Saalbau. Zu dieser Zeit ist der Ovalbau in Indersdorf schon im Bau. Die beiden Bauwerke Fischers können weder dem Indersdorfer Bauherrn noch seinem Baumeister bekannt sein. Nur die Vorbilder sind bei allen genannten Baumeistern identisch. Sie liegen in Rom und sind im klassischen römischen Hochbarock des Gianlorenzo Bernini zu suchen. Der modernere Francesco Borromini wird erst nach 1700 für den von Böhmen ausgehenden Spätbarock Vorbild.
|1565 (bis 1583)

Vignolas Kirche Sant'Anna dei Palafrenieri in Rom.
Bildquelle: Milton J. Lewine in «Art Bulletin»
Vol. 47, Nr. 2 (1965)
|1598–1602

Die Kirche an Giacomo degl incurabili in Rom von Carlo Maderno.
Bildquelle: Gallica (Card. Montalto, Bauten von Sixtus V. in Rom 1650)
|1627

Palazzo Baberini in Rom von
Carlo Madereno, ab 1629 Gianlornzo Bernini und Franceso Borromini. Grundriss des Gartengeschosses mit dem Ovalsaal.
Planquelle: Gallica «Édifices de Rome moderne, Tome II, 1850»
|1634–1646

San Carlo alle Quattro Fontan in Rom von Franceso Borromini.
San Carlo das Initialbauwerk des bewegten und kurvierten Spätbarocks, der über Prag um 1700 auch den süddeutschen Raum erreicht und in Vierzehnheiligen oder der Wies seine Vollendung findet.
Bildquelle:Wikipedia
|1656–1661

Schloss Vaux-le-Vicomte von Louis Le Vau. Der grosse Ovalsaal ist Vorbild für viele Schlossbauten
Bildquelle: Wikipedia
|1658–1661

Sant' Andrea al Quirinale in Rom, von Gianlorenzo Bernini. Ein Bauwerk des klassischen Barocks, das viele Nachfolger inspiriert.
Bildquelle: Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
|1664–1666

arbeitet Bernini an Projekten zum Louvre und hält sich dazu auch in Paris auf. Sein erstes Projekt, das er 1664 liefert, zeigt den Ostflügel mit konkaver Hofeinbuchtung und einen querovalen Mittelbau. Die Louvre-Planungen Berninis wirken noch bis 1712 in süddeutschen Residenz- und Klosterbauten nach. Bildquelle: Wikipedia
|1662–1667

Kirche Santa Maria in Montesanto an der Piazza del Popolo von Carlo Rainaldi. Sie wird meist nicht ihrem Schöpfer , sondern dem praktisch unbeteiligten Gianlorenzo Bernini und dem nur am Ausbau beteiligten Carlo Fontana zugeschrieben.
Bildquelle:ETH «Édifices de Rome moderne, Tome II, 1853»
|1679–1684

Palazzo Carignano in Turin von Guarino Guarini, Festsaal oder Salone ovale (heute Parlamentsaal).
Bildquelle: Torino, Archiviio del stato und Publikation Huub an der Linden 2013.
|1686–1688

Renatuskapelle in Lustheim von Enrico Zuccalli. Zu Lustheim siehe den Beitrag in dieser Webseite.
Bild: Bieri 2016.