Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03479.jsonl.gz/1534

Das Prader-Willi-Syndrom ist eine seltene genetische Erkrankung. Die ersten Anzeichen im Säuglingsalter sind meist Fütterungsschwierigkeiten mit wenig Nahrungsaufnahme sowie eine verminderte Muskelspannung der Kinder. Im Verlauf der Erkrankung entwickelt sich bei den betroffenen Kindern jedoch ein ungebremstes Essverhalten, so dass das Prader-Willi-Syndrom die häufigste, auf einen Gendefekt zurückführbare Ursache für eine Fettleibigkeit ist.
Das Prader-Willi-Syndrom ist durch hormonell bedingte Störungen, unter anderem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Minderwuchs, Fettsucht, Unfruchtbarkeit und eine eingeschränkte Intelligenz gekennzeichnet.
Weltweit leiden etwa 350'000 bis 400'000 Menschen am Prader-Willi-Syndrom. Die Erkrankung kommt in unterschiedlichen Ländern allerdings auch mit einer unterschiedlichen Häufigkeit vor.
Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden Fälle von Prader-Willi-Syndrom erstmals dokumentiert – allerdings nicht unter dieser Bezeichnung. Erst in den 1950er Jahren haben die beiden Kinderärzte Prader und Willi den Namen Prader-Willi-Syndrom geprägt. Allerdings ist die Ursache dieser Krankheit erst seit 1981 entschlüsselt:
Bei den Ursachen des Prader-Willi-Syndroms handelt es sich um Gendefekte. Kleine Bereiche in der Erbsubstanz – genauer gesagt auf dem Chromosom 15 – fehlen bei den betroffenen Patienten. Aufgrund der Genveränderungen wird unter anderem ein Hormon, das Gonadotropin-Releasing-Hormon (Gn-RH), nicht freigesetzt, das massgeblich an der Entwicklung der Keimdrüsen (Hoden und Eierstöcke) beteiligt ist. Auch ein Wachstumshormonmangel ist typisch beim Prader-Willi-Syndrom. Auch Störungen im Hormonhaushalt der Schilddrüse kommen vor.
Einen Hinweis auf das Vorliegen des Prader-Willi-Syndroms geben die vielfältigen Symptome, die zusammen typisch für das Prader-Willi-Syndrom sind. Betroffene Säuglinge besitzen häufig eine schlaffe Muskulatur und nehmen aufgrund einer verminderten Saugfähigkeit nur wenig Milch auf (Trinkschwäche). Kinder mit Prader-Willi-Syndrom weisen ausserdem manchmal unvollständig angelegte Geschlechtsorgane (genitale Hypoplasien) auf. Mit zunehmendem Alter tritt neben einer verzögerten allgemeinen Entwicklung bei uneingeschränkter Nahrungszufuhr eine Fettleibigkeit (Adipositas) in den Vordergrund. Der Wachstumshormonmangel führt dazu, dass die Patienten eine geringe Körpergrösse erreichen; auffällig ist auch, dass die Patienten besonders kleine Hände und Füsse haben.
Eine genetische Analyse kann letztlich genau zeigen, ob auf dem Chromosom 15 ein Gendefekt vorhanden ist.
Die Therapie des Prader-Willi-Syndroms erfolgt durch eine Hormonsubstitution (Hormonersatz-Therapie) sowie symptomatisch. Im Vordergrund steht dabei vor allem eine Gewichtsreduktion der Erkrankten.
Das Prader-Willi-Syndrom birgt das Risiko einer Reihe von Komplikationen, die zum Beispiel durch den Diabetes oder die unkontrollierte Nahrungsaufnahme bedingt sind. Durch einen frühzeitigen Therapiebeginn und regelmässige Kontrollen lässt sich dieses Risiko senken – generell vorbeugen kann man dem Prader-Willi-Syndrom allerdings nicht.
Das Prader-Willi-Syndrom ist die häufigste, auf ein Syndrom zurückführbare Ursache für eine Fettleibigkeit. Es handelt sich dabei um eine seltene genetisch bedingte Erkrankung, die durch das gemeinsame Vorhandensein hormonell bedingter Störungen, wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Minderwuchs, Fettsucht, Unfruchtbarkeit, aber auch eingeschränkter Intelligenz gekennzeichnet ist.
Erstmals wurde das Krankheitsbild des Prader-Willi-Syndroms 1887 von Sir Langdon-Down beschrieben. Im Jahr 1956 berichteten die beiden Schweizer Kinderärzte Andrea Prader und Heinrich Willi über einige Patienten mit einer Summe gleicher äusserlicher Erscheinungsbilder. Damals wurde der Begriff Prader-Willi-Syndrom geprägt. Häufig findet man auch die Bezeichnung Prader-Labhart-Willi-Fanconi-Syndrom, wobei Alixis Labhart und Guido Fanconi ebenfalls in der Schweiz tätige Ärzte waren. 1981 identifizierte schliesslich David H. Ledbetter die genetische Ursache des Syndroms, welche durch den Verlust kleiner Abschnitte (Mikrodeletionen) des Chromosoms 15 hervorgerufen wird.
Weltweit leiden etwa 350'000 bis 400'000 Menschen am Prader-Willi-Syndrom. Die Angaben zur Häufigkeit in verschiedenen Ländern schwanken stark zwischen 1:8'000 und 1:45'000 Einwohnern. Frauen und Männern sind etwa gleich häufig betroffen.
Für das Prader-Willi-Syndrom ist die Ursache ein Funktionsverlust von Genen, welche nur auf dem väterlichen Chromosom 15 aktiv sind. In den meisten Fällen fehlen DNA-Abschnitte im langen Arm des Chromosoms. Diese Gendefekte können beim Prader-Willi-Syndrom in 99 Prozent der Fälle nachgewiesen werden.
Meist werden die Gendefekte nicht vererbt, sondern entstehen spontan. Deshalb ist das Risiko eines weiteren Kinds mit Prader-Willi-Syndrom in einer Familie in den meisten Fällen sehr gering.
Aufgrund der Genveränderungen wird unter anderem das Gonadotropin-Releasing-Hormon (Gn-RH) im Hypothalamus nicht freigesetzt. Der Hypothalamus ist eine hormonproduzierende Region im Gehirn und steuert über die Freisetzung verschiedener Hormone die Funktionen anderer hormonbildende Drüsen wie beispielsweise der Schilddrüse, der Nebennieren oder der Keimdrüsen, also den Hoden und Eierstöcken.
Das Prader-Willi-Syndrom kann vielfältige Symptome haben. Während der Schwangerschaft kann manchmal eine reduzierte Aktivität des Fötus festgestellt werden. Säuglinge besitzen häufig eine schlaffe Muskulatur und trinken bei einer verminderten Saugfähigkeit nur wenig. Kinder mit Prader-Willi-Syndrom weisen ausserdem manchmal unvollständig angelegte Geschlechtsorgane (genitale Hypoplasien) auf.
Mit zunehmendem Alter tritt neben einer verzögerten allgemeinen Entwicklung bei uneingeschränkter Nahrungszufuhr eine Fettleibigkeit (Adipositas) in den Vordergrund. Ausserdem kommt es häufig zu einem Mangel an Wachstumshormonen, das heisst die Betroffenen bleiben klein. Auffällig ist ausserdem eine sogenannte Akromikrie, die durch besonders kleine Hände und Füsse gekennzeichnet ist.
In der späten Kindheit und frühen Jugend entwickeln die Kinder mit Prader-Willi-Syndrom zwar einige pubertäre Merkmale, wie beispielsweise Schambehaarung, andere sind jedoch verzögert oder fehlen komplett. Bei Jungen fehlen teilweise die Hoden vollkommen (Kryptorchismus) oder es besteht infolge des Prader-Willi-Syndroms ein Hodenhochstand bis ins Jugendlichenalter. Bei Mädchen kann der Regelbeginn stark verzögert sein (bis zum 30. Lebensjahr). Eine deutliche Gewichtsabnahme wirkt sich beim Prader-Willi-Syndrom positiv auf die Symptome aus. Die Funktion der Geschlechtsorgane ist jedoch häufig eingeschränkt (Hypogonadismus), was in der Regel zu Unfruchtbarkeit führt. In der Folge kann es dadurch mit der Zeit durch einen Mangel an Geschlechtshormonen zu einer erhöhten Brüchigkeit der Knochen kommen (Osteoporose).
Die Mehrzahl der Erkrankten entwickelt schon früh einen Diabetes mellitus Typ 2. Auch Schilddrüsen-Funktionsstörungen oder das sogenannte Schlaf-Apnoe-Syndrom sind möglich. Die Wirbelsäule kann in Form einer Skoliose verbogen sein. Viele Betroffene schielen. Meist sind Personen mit Prader-Willi-Syndrom in ihrer geistigen Entwicklung verzögert und haben eine eingeschränkte Intelligenz. Einige Verhaltensauffälligkeiten sind dabei dem Autismus recht ähnlich. Auch beim Essverhalten können Auffälligkeiten beobachtet werden. Es kommt vor, dass die Betroffenen Abfall oder gefrorene Speisen essen oder Nahrungsmittel stehlen. Die Fähigkeit zu erbrechen oder Schmerz bei übermässiger Nahrung zu verspüren ist vermindert.
Beim Prader-Willi-Syndrom kann die Diagnose aufgrund der auftretenden Symptome gestellt werden. Bestätigt wird die Diagnose – auch bei weniger deutlichen Symptom-Konstellationen – durch genetische Tests, bei denen nach Chromosomenveränderungen gesucht wird.
Wegen der vielen Begleit- beziehungsweise Folgeerkrankungen des Prader-Willi-Syndroms sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden. So können beispielsweise die Hormonkonzentrationen im Blut bestimmt werden, vor allem der Hormone des Hypothalamus und der Hypophyse. Diese sind bei verminderter Funktion für den Kleinwuchs (Wachstumshormon), die Fettleibigkeit, die unzureichende Genitalfunktion und die daraus resultierende Osteoporose verantwortlich.
Auch die Funktion der Schilddrüse sollte bei Prader-Willi-Syndrom im Rahmen der Diagnose überprüft werden. Da bei einem Prader-Willi-Syndrom durch die Fettleibigkeit ein Risiko für alle Folgeerkrankungen des Übergewichts besteht, müssen auch Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit), Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder erhöhter Blutdruck ausgeschlossen beziehungsweise festgestellt werden.
Beim Prader-Willi-Syndrom erfolgt die Therapie vorwiegend symptomatisch, vor allem durch Gewichtsverlust und Ersatz der fehlenden Hormone (Hormonsubstitution). Verhaltensauffälligkeiten können unterstützend medikamentös (z.B. durch Neuroleptika) behandelt werden. Inwieweit beim Prader-Willi-Syndrom durch die Therapie die Ausprägung der Erkrankung beziehungsweise der einzelnen Folgeschäden gemildert werden kann, ist noch nicht zu beurteilen. Klinische Studien haben aber bestätigt, dass eine Therapie mit Wachstumshormonen das Längenwachstum normalisieren und den Körperfettanteil reduzieren kann. Ernährungskontrolle und -beratung, Krankengymnastik und psychologische und pädagogische Betreuung können diese positiven Wirkungen langfristig aufrecht erhalten.
Der Hormonmangel beim Prader-Willi-Syndrom kann relativ gut ausgeglichen werden. Unter Umständen kommt es bei den Betroffenen jedoch trotzdem zu einer Unfruchtbarkeit. Die Lebenserwartung von Personen mit Prader-Willi-Syndrom ist aufgrund der möglichen Komplikationen verkürzt.
Beim Prader-Willi-Syndrom treten schwere Komplikationen in erster Linie aufgrund der ausgeprägten Fettsucht sowie als Folge des Diabetes mellitus auf. Es kommt dabei sowohl zu orthopädischen als auch zu stoffwechselrelevanten Schäden. Lebensbedrohlich sind vorwiegend die Veränderungen an den Blutgefässen und inneren Organen. Ausserdem kam es bereits zu Magenrissen, welche bei Personen mit Prader-Willi-Syndrom schwieriger zu diagnostizieren sind, da sie weniger schmerzempfindlich sind. Durch erhebliche Blutverluste können die Magenrisse unbehandelt schnell zum Tod führen. Einige Betroffene leiden auch am sogenannten Schlaf-Apnoe-Syndrom, das beim Prader-Willi-Syndrom lebensbedrohliche Ausmasse annehmen kann.
Da das Prader-Willi-Syndrom eine genetische Erkrankung ist, kann man ihm nicht vorbeugen. Eine frühzeitig begonnene Hormonsubstitution, also der Ersatz fehlender Hormone, kann einige Symptome eventuell mildern. Steht die Diagnose – insbesondere mittels Genanalyse – früh, so können die behandelnden Ärzte die möglichen therapeutischen Ansätze rechtzeitig in die Wege leiten. Damit lässt sich ein günstigerer Krankheitsverlauf erzielen. Eine Genanalyse empfiehlt sich besonders bei Frauen, deren nähere männliche Verwandtschaft unter dem Prader-Willi-Syndrom leidet.