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Der grosse Schweizer Photograph Werner Bischof (1916 bis 1954) schickte von seinen Reisen unentwickelte Filme mit Layout-Skizzen an Zeitschriften. Das heisst, er hatte seine Fotos so geplant, dass er wusste, wie sie entwickelt aussehen würden. Er organisierte seine Kamera so, dass sie genau das Bild herstellte, das er haben wollte. Er ging erst los, wenn er das Ziel und den Weg kannte. So ging man früher durchs Leben. Es hiess 1. denken, 2. planen, 3. handeln. – Loose, luege, laufe.
Wenn der kleine Fotograf Pantalone heute mit seiner Digitalkamera fotografiert, weiss er nicht genau, welches Bild er haben will. Er weiss auch nicht genau, wie er seine Kamera organisieren muss, damit sie ein bestimmtes Bild liefert. Er stellt ein virtuelles Bild her, prüft es, verändert die Kameraeinstellungen und stellt ein neues virtuelles Bild her. Das tut er so lange, bis ein Bild entsteht, das er realisieren will. Wenn Pantalone losgeht, muss er weder das Ziel noch den Weg kennen. Das Ziel entsteht aus dem virtuellen Handeln.
Im virtuellen Raum können wir zuerst handeln und dann denken. Der Vorteil: Wir können Ziele erreichen, die wir uns nicht ausmalen können. Der Nachteil: Wir können scheitern. Im realen Raum heisst scheitern oft sterben. Im virtuellen Raum haben wir unendliche viele Leben.
Das ist das Trial-and-error-Prinzip, das die Natur gerne verwendet. Sie opfert Individuen, um das Kollektiv zu fördern. Durch die Entdeckung des virtuellen Raumes haben die Menschen einen Weg gefunden, das Kollektiv zu fördern, ohne Individuen zu opfern. Das Trial-and-error-Prinzip widerspricht unserer traditionellen Schulweisheit, aber wir lernen zurzeit, damit umzugehen.
Der unsterbliche Fussgänger im virtuellen Strassenverkehr kann „laufe, loose, luege“, der reale Fussgänger im realen Strassenverkehr muss weiterhin „loose, luege, laufe“.