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Eigentlich wollte Ed Bugnion in den USA nur seine Doktorarbeit schreiben. Dann gründete der Bieler eine Softwarefirma. EMC kaufte sie für 625 Millionen Dollar und machte Bugnion reich.
Der Mann hat alles richtig gemacht. Er ist 35 Jahre jung, über 100 Millionen Dollar schwer und eine der Schlüsselfiguren für die Strategie der EMC: Edouard Bugnion, gebürtiger Bieler. Mit 24 Jahren hatte er das Ingenieurdiplom der ETH in der Tasche, und weil es gerade so gut lief, kam auch noch ein Angebot von der renommierten Stanford University hinterher: den Doktortitel zu machen in Palo Alto, im Herzen des Silicon Valley. Es war 1994, das Jahr, als das Internet seinen Durchbruch schaffte:
David Filo and Jerry Yang gründeten an der gleichen Universität Yahoo, und nur ein paar Meilen davon entfernt entwickelte Marc Andreessen mit Netscape den ersten erfolgreichen Browser.
Zu Edouards Doktorandenkollegen gehörten auch Sergey Brin und Larry Page, die später Google auf die Beine stellen sollten. Es herrschte eine Aufbruchstimmung, die ansteckte, auch den Bieler: «Ich hatte nicht unbedingt daran gedacht, je eine eigene Firma zu gründen», sagt Edouard Bugnion. «Aber im Silicon Valley ist der Gedanke daran allgegenwärtig. Auch die Studenten werden ermutigt, Unternehmer zu werden.»
Zuerst freilich musste Ed die akademische Vorarbeit leisten. Zusammen mit seinem Studienkollegen Scott Divine arbeitete er an seiner Doktorarbeit, der Virtualisation von Computern. Die Idee: Ein Rechner sollte sich so verhalten, als bestünde er aus mehreren verschiedenen Computern, die jeweils ihr eigenes Betriebssystem benutzen. Wenn dann auf einem PC beispielsweise gleichzeitig Windows und Linux laufen, wäre nicht nur die Rechenkapazität besser ausgenutzt, sondern auch der Datenaustausch einfacher. Ein revolutionäres Projekt war das, aber nach zwei Jahren gelang tatsächlich der Machbarkeitsbeweis: Auf einer Konferenz wurde «Disco», so hiess das Projekt, als beste akademische Arbeit ausgezeichnet.
Die kommerzielle Umsetzung wollten Ed und Scott getreu dem Stanford-Geist zumindest versucht haben: Zusammen mit einem weiteren Softwareentwickler namens Ed Wang und dem Doktorvater, Professor Mendel Rosenblum, gründeten sie im Herbst 1997 VMWare. Als fünften Partner und CEO holten sie die Ehefrau des Professors, Diane Green, ins Boot, die früher bereits zwei Start-ups geleitet hatte. Alle fünf Gründer erhielten dieselbe Anzahl Aktien; auf Venture-Kapital verzichteten sie. Es folgten eineinhalb Jahre harte Arbeit: 100 Stunden pro Woche werkelte Ed Bugnion am Source-Code. «Sein Beitrag für VMWare war unglaublich wertvoll», erinnert sich CEO Diane Green.
Im Februar 1999 war die erste kostenlose Demo-Version fertig und weckte riesiges Interesse: 65 000-mal wurde sie in den ersten zwei Wochen von der Website von VMWare heruntergeladen. «Zuerst dachten wir, wir hätten einfach etwas Nützliches entwickelt», sagt Ed. «Aber als wir die ersten Kundenreaktionen bekamen, entwickelten wir eine Vorstellung davon, wie gross das Ganze wirklich werden könnte.» In der Tat: VMWare war entscheidend am Durchbruch von Linux beteiligt. Wer das alternative Betriebssystem laufen lassen wollte, brauchte nun neben seinem Windows-PC keinen extra Rechner mehr dafür. Und es erlaubte Unternehmen, einen einzigen Computer gleichzeitig als Mail-, Datenbank- und Anwendungs-Server zu verwenden, anstatt für jede Aufgabe einen eigenen PC abzustellen.
Der finanzielle Erfolg blieb nicht aus: Im Jahr 2001 war VMWare profitabel, der Börsengang war nur noch eine Frage der Zeit. Dann aber machte Microsoft ein Übernahmeangebot. Edouard und seine Partner schlugen es aus: Sie hatten befürchtet, dass ihre Technologie durch den Kauf aus dem Verkehr gezogen werden sollte. Eine Furcht, die sie im Herbst 2003, als EMC-Chef Joe Tucci anrief, nicht haben mussten. Er versprach, VMWare, die damals mit 370 Mitarbeitern 100 Millionen Dollar Umsatz machte, als eigenständige Einheit am Markt zu belassen. Und er griff tief in die Tasche: 625 Millionen Dollar erhielten die fünf Gründer zusammen für ihre Aktien. Ein lohnender Kauf: VMWare wächst noch immer mit über 100 Prozent pro Jahr. Allein im gerade abgelaufenen Quartal hat Eds Softwarebaby einen Umsatz von 80 Millionen Dollar generiert.
Wäre solch ein Erfolg auch an der ETH möglich gewesen? «In der Schweiz gibt es genauso gute Ideen und genauso gute Leute wie im Silicon Valley», sagt Ed. «Aber um ein Unternehmen aufzubauen, das auf einer unerprobten Technologie basiert und für das es keinen Markt gibt, braucht es eine gewaltige Portion Optimismus. Der herrscht im Silicon Valley, aber leider nicht in der Schweiz.» Codes schreibt Ed Bugnion schon lange nicht mehr. Inzwischen kümmert er sich als Chief Technology Officer (CTO) um Managementaufgaben, verbringt viel Zeit mit den Technologiepartnern oder der Rekrutierung von Mitarbeitern. Finanziell hat der Mann ausgesorgt. An einen Jobwechsel denkt er trotzdem nicht: Die Server- und die Speichertechnologien in den Datacentern konvergieren, deswegen will EMC auch den Storage-Bereich virtualisieren. Eds Know-how spielt in diesen Plänen eine Schlüsselrolle.
Nur zu einem hat es nicht gereicht: «Die Doktorarbeit habe ich nie fertig gemacht», gibt Bugnion zu. Er wird sie nicht mehr brauchen.