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Letze Woche hat das "Soldatenkomitee zur Aufhebung der Wehrpflicht" an einer Medienkonferenz seine Argumente präsentiert. Die Teilnehmer haben uns ihre Textbeiträge zur Verfügung gestellt, damit wir diese als Blog aufschalten können. Hier der erste Beitrag:
Langeweile und Geldverschwendung in der Armee
Von Michael Christen, Soldat Truppenbuchhalter DD
Als Soldat im Durchdienermodell war für mich die ganze Militärdienstzeit ein einziger Krieg; der Krieg gegen die Langeweile. Ich kann nicht für alle Soldaten sprechen, lediglich eigene Erlebnisse schildern. In meiner Funktion als Truppenbuchhalter hatte ich fünf Buchhaltungen zu führen, womit ich ca. zwei Stunden pro Woche beschäftigt war. Den Rest der Woche habe ich versucht meine Zeit mit unzähligen Büchern und sehr vielen Filmen totzuschlagen. Ich hatte eine externe Harddisk mit 600 GB Filmmaterial dabei, dies war aber viel zu wenig. Es kam vor, dass wir zwei Mal pro Woche denselben Film sahen.
Zudem schlief ich ca. 12-14 Stunden pro Tag. Aus 300-tägiger Erfahrung kann ich sagen, dass die Zeit schlafend am schnellsten vorüber geht. Viele meiner damaligen „Kameraden" machten Ausflüge mit den Puchs an den nahe gelegenen Neuenburgersee, da sie nichts Besseres zu tun hatten. Diese „Beschäftigungen" waren dennoch sinnvoller als die offiziellen Aufträge der Armee. So musste drei Mal pro Tag ein Gebäude geputzt werden, das überhaupt nicht benutzt wurde.
Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass das Militär nicht genügend Arbeit für alle Soldaten hat. Dies ist die grösste Geldverschwendung der Schweiz. Die menschlichen Ressourcen könnten in der Privatwirtschaft sinnvoller eingesetzt werden als in der Armee. Auch hier kann ich lediglich von meinen eigenen Erlebnissen berichten. Als Buchhalter konnte ich sehen, dass Geld im Militär keine Rolle spielt. Sobald ich kein Geld mehr auf dem Konto hatte, war ein Anruf nötig und ich bekam wieder 100‘000 CHF. Bei solchen Summen muss man aufpassen, dass man den Wert des Geldes noch zu schätzen weiss.
Zudem habe ich die Militärlogik nie begriffen, wonach man verlorenes Material bezahlen muss, kaputtes hingegen nicht (sogar wenn es mutwillig zerstört wurde). Ich habe Personen gesehen, die Löcher in ihre Gore-Tex Jacken schnitten, damit sie eine neue, saubere Jacke bekamen. Erschreckenderweise hat das funktioniert.
In der drittletzten Woche kam unserem Feldweibel in den Sinn, dass Durchdiener Anspruch auf drei Paar Kampfstiefel haben. Sofort wurden alle Durchdiener zusammengetrommelt und mit zwei Duros ins nächstgelegene Log Center gefahren. Jetzt habe ich drei Paar Kampfstiefel, wobei ich ein Paar noch nie getragen habe. Es macht auch wenig Sinn in den letzten zwei Wochen neue Schuhe einzutragen.
Wenn mich abschliessend jemand fragt, was mir das Militär gebracht habe, antworte ich meistens: Ich kann jetzt jassen.