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Alfred Buchmann kam am 4. November 1917 als zweites Kind des Alfred und der Emma Buchmann-Schaufelberger in Wald, im schönen Zürcher Oberland, zur Welt. Im Hause am Kirchplatz wuchs er zusammen mit seiner drei Jahre älteren Schwester Emmi in guter Familiengemeinschaft auf. Dort erlebte er eine abwechslungsreiche und frohe Jugendzeit.
Eine eindrückliche Art von Berufung zu seinem späteren Beruf als Pfarrer konnte man schon mit vier Jahren deuten. So sagte er eines Tages zum Pfarrer auf dem Kirchplatz: „So eine wie Du, möchte i au emol wärde!“
Obwohl seine Gesichtshälfte seit Geburt entstellt war, wurde er schon als Kind und später auch als Erwachsener in jede Gemeinschaft durch seine offene und verbindende Art spontan aufgenommen und fühlte sich dadurch akzeptiert.
Im Anschluss an die Primar- und Sekundarschule in Wald besuchte er das kantonale Gymnasium in Zürich. Aus der ganzen Schul- und Studienzeit in Wald und Zürich sind für ihn zeitlebens schöne und tragfähige Beziehungen zu Freunden und ihren Angehörigen geblieben.
Im Winter 1938 bis ins Jahr 1943 studierte Alfred Buchmann an den theologischen Fakultäten der Universitäten Zürich und Basel. Am 16. Mai 1943 wurde er in Zürich zum „Verbi Divini Minister“ ordiniert. In Rorbas ZH durfte er 1943 und 1944 eine lehrreiche Zeit als junger Vikar erleben. Im Sommer 1943 starb sein geliebter Vater.
Im Frühjahr 1944 wählte ihn die ausgedehnte Kirchgemeinde Rued im Kanton Aargau zu ihrem Pfarrer. Schon zu Beginn seiner Studienzeit hatte er bei der Jungen Kirche seine zukünftige Ehefrau Bethli Hürzeler von Zürich-Wipkingen kennengelernt. Am 22. April 1944 läuteten die Glocken der Kirche von Rued ihre Hochzeit ein. In den Jahren 1945 bis 1965 wurden ihnen zuhause sieben Kinder, fünf Knaben und zwei Mädchen, geschenkt.
Im weitläufigen Ruedertal betreute das junge Pfarrer-Ehepaar während 14 Jahren ihre erste Gemeinde. Alfred Buchmann war oft zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs, was für die alltäglichen Kontakte zum Beispiel zu den Bauern bei ihrer Arbeit auf dem Feld sehr hilfreich war. Zuhause nahm ihn zusätzlich seine stets wachsende Familie voll in Anspruch.
1958 zog die Familie in die Reiat-Gemeinde Opfertshofen in den Kanton Schaffhausen. Auch hier wurde Alfred Buchmann überall geschätzt.
Es war für ihn und seine Familie ein Geschenk, dass er dank einer Operation seiner Unterlippe durch einen Spezialarzt wieder ungehindert sprechen konnte.
Im Jahre 1966 folgte er dem Ruf in die Klettgauer-Gemeinde Hallau. Dies war für ihn eine neue Herausforderung, die er aber mit seiner gewinnenden Art, sein Amt auszuüben, sehr gut meisterte. Er hat unter anderem immer viel Wert darauf gelegt, nicht nur von der Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche und den evangelischen Freikirchen zu sprechen, sondern sie auch in die Tat umzusetzen.
Die Familie im Pfarrhaus Hallau verkleinerte sich, da nicht mehr alle Kinder zu Hause lebten. 1974 durfte Alfred Buchmann einen interessanten Studienurlaub beziehen, den er an der Universität Tübingen verbrachte.
1976 erfolgte ein weiterer Umzug, in den Kanton Thurgau, nach Erlen. Neben den vielfältigen Aufgaben des Pfarramtes war ihm insbesondere die seelsorgerliche Betreuung der betagten und pflegebedürftigen Menschen im Altersheim ein wichtiges Anliegen.
Im Pfarrhaus von Erlen musste er nun, zusammen mit seiner Familie, die langdauernde Erkrankung und Leidenszeit seiner Ehefrau Bethli erleben. Sie durfte im März 1981 durch einen sanften Tod erlöst werden. Dies war für ihn ein schwerer Verlust.
Im Jahre 1982 kam für ihn die Pensionierung und somit der Umzug in ein Alterswohnheim in Schaffhausen, um in der Nähe seiner Tochter Käthi mit Familie sein zu können. Später führte ihn eine Herzkrise zu einem längeren Spitalaufenthalt. Davon erholte er sich aber wieder erstaunlich gut.
In seinem 67sten Lebensjahr fand er in der ebenfalls verwitweten Klara Kuratli-Schweizer eine neue Lebensgefährtin. Sie heirateten am 20. April 1985 in Romanshorn. Mit den beiden Kindern seiner Ehefrau, Ursula und Max mit ihren Familien, vergrösserte sich der Familienkreis. In Kreuzlingen, an der Ribistrasse wohnend, wurde Alfred erneut im Teilzeitamt als Pfarrer in der Kirchgemeinde aktiv. Daneben engagierte er sich zusammen mit seiner Gattin insbesondere beim „Blauen Kreuz“.
Seine Begabung als humorvoller Verseschmied half ihm bei vielen Gelegenheiten und Anlässen, mit seiner feinfühlenden Art und Weise Jung und Alt zu erheitern.
Solange es ging, haben Alfred und Klara Buchmann noch Besuche und Ausflüge gemeinsam unternommen, um ihren grossen Verwandten- und Bekanntenkreis pflegen zu können.
Nach einem erneuten Spitalaufenthalt musste Alfred Buchmann seinen Einsatz für die Kirchgemeinde aufgeben und seine vielfältigen Aktivitäten einschränken; denn gesundheitliche Probleme machten ihm zusehends zu schaffen. Im April 1993 erfolgte ein operativer Eingriff im Spital und ein Erholungsaufenthalt in einem Pflegeheim. Der Umzug in eine Wohnung an die Kreuzlinger Bachstrasse wurde im Sommer notwendig. Alle mussten sich nun mit der Tatsache abfinden, dass seine Kräfte rasch abnahmen und er sich kaum mehr aufrecht halten konnte. Er hat aber die letzten Monate und Tage mit grosser Tapferkeit und gläubiger Zuversicht ertragen. In seiner Hinfälligkeit durfte er am 5. Januar 1994 im Kantonsspital Münsterlingen im Beisein seiner Lieben ruhig einschlafen.
Zum seinem äusseren, unter uns Menschen ganz seltenen Markenzeichen, zum stark auffallenden Muttermal, zur „Feuerflamme“, die ihn seit Geburt an der rechten Wange zeichnete, hat Alfred Buchmann mit eigenen Worten und einem selbst verfassten Gedicht einmal sehr eindrücklich Stellung genommen. Dabei war er wiederum ganz der Seelsorger, der den Mitmenschen, „die sichtbar oder wohl noch mehr unsichtbar etwas zu tragen haben, ... Mut machen und ihnen Zuversicht wünschen“ wollte, unter dem Titel: „Drei Geschenke und ein sich wiederholendes Wunder“ (Text gekürzt):
„Erstes Geschenk: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich von Spiel- und Schulkameraden wegen meines Aussehens gehänselt wurde... Man sagt, Kinder seien manchmal grausam. Ich musste darunter nicht leiden.
Zweites Geschenk: ... Meine Befürchtung, wegen meines Äusseren keine Frau zu finden, war vergeblich. Nach einem Lager im unvergesslichen Gwatt am Thunersee bahnte sich eine ernsthafte Bekanntschaft an... Nach dem Einzug in unsere erste Gemeinde wurde Hochzeit gefeiert. Keines unserer sieben Kinder hat ein ,Vatermal‘. Während fast 37 Jahren durften meine liebe Frau und ich den Weg im Leben zusammen gehen...
Drittes Geschenk: Dass mein Aussehen erschwerend sein könnte für ein Amt in der Öffentlichkeit, habe ich nur gelegentlich empfunden. Es war mir nie eine Selbstverständlichkeit, dass mich eine Gemeinde gewählt hat, sowohl in der Zeit, da sich viele um eine Stelle bewarben wie zur Zeit des Pfarrermangels...
Es ist wichtig, dass wir die Menschen und Dinge nach Werten beurteilen, die nicht rein äusserlich und vergänglich sind. Da haben wir nie ausgelernt. So kann ich im Blick auf meine Mitmenschen, besonders die Betroffenen, und auf mich selbst sagen:
Es sind nicht alle photogen,
gar super, maximal.
Würd‘ man allein aufs Äuss‘re sehn,
wär’s manchem eine Qual.
Gott gibt uns einen innern Wert,
er sieht in unser Herz.
Er weiss, dass es das Glück begehrt,
versteht auch unsern Schmerz.
Mein Herr sagt zu mir selber Ja,
ich halt mich fest daran.
Zudem steht auch die Mahnung da:
,O, nehmt einander an!‘ (Röm. 15,17) “.
Wer Alfred Buchmann persönlich kannte, hört aus diesen Worten seine markante, vertrauens- und humorvolle Stimme heraus. Er bleibt uns in dankbarer Erinnerung.
Fredi Buchmann-Schneider