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Die Mikroökonomie beschäftigt sich mit den Entscheidungen der einzelnen Wirtschaftssubjekte – Individuen, Unternehmen, staatliche Stellen. Hierbei geht es häufig um – auf den ersten Blick – simple Entscheide. Beispielsweise Kaufentscheide, Überlegungen zur Preisfestsetzung oder die Entscheidung zwischen Arbeit und Freizeit.
Typische Fragestellungen der Mikroökonomie befassen sich mit Kauf-Entscheidungen, Produktions-Entscheidungen, Preisfindung in freien Märkten, Oligopolen und Monopolen, aber auch mit der Entscheidung eines Individuums zwischen (bezahlter) Arbeit und Freizeit. Man versucht also zu verstehen, wie sich Individuen und Unternehmen auf Märkten verhalten, und zu welchen Konsequenzen dieses Verhalten führt.
Nutzen und Kosten
Für mikroökonomischen Fragestellungen ist es entscheidend, Kosten und Nutzen einer Entscheidung messen zu können. Im einfachsten Fall, lässt sich beides in Geldeinheiten messen – das liegt Ökonomen am besten. Schwieriger wird die Sache, wenn schwer Quantifizierbare Nutzen- oder Kostenkomponenten eine Rolle spielen, wie beispielsweise Freizeit, Ansehen oder Selbstverwirklichung. Hier stehen daher in Geld messbare Nutzen und Kosten im Vordergrund.
Durchschnittskosten und Grenzkosten
Das Konzept der Durchschnittskosten und Grenzkosten ist entscheidend um zu verstehen, wie sich Individuen und Unternehmen verhalten. Langfristig wird eine Unternehmung nur am Markt bestehen können, wenn sie ihre Produkte oder Dienstleistungen teurer verkaufen kann, als sie sie herstellt. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Durchschnittskosten der Unternehmung unter dem Preis liegen müssen, welche Sie für ihre Produkte verlangen kann.
Die Grenzkosten hingegen bestimmen, ob eine Unternehmung mehr oder weniger produzieren sollte als aktuell. Bei den Grenzkosten handelt es sich um den Betrag, welchen eine Unternehmung ausgeben muss, um eine Einheit mehr ihres Produkts herzustellen. Dieser Betrag wird in Abhängigkeit der bereits hergestellten Menge variieren. Unter der Bedingung, dass der Preis der Produkte über den Durchschnittskosten liegt, wird das Unternehmen mehr herstellen wollen, wenn die Grenzkosten tiefer sind als der Preis – und weniger, falls die Grenzkosten den Preis übersteigen. Falls die Durchschnittskosten höher sind als der Preis, wird sie die Menge so weit erhöhen, dass sie die Durchschnittskosten unter den Preis drücken kann – oder, falls das nicht möglich ist, aus dem Markt ausscheiden. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie dieses Produkt nicht mehr herstellen wird.
Bei kurzfristigen Preisschwankungen kann sich das Unternehmen jedoch entscheiden, weiterhin zu produzieren, obwohl der Preis des hergestellten Gutes unter den Durchschnittskosten liegt. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Preis immerhin noch über den durchschnittlichen variablen Kosten liegt. Der Fixkostenanteil ist dann zwar nicht mehr gedeckt, da es sich aber um Fixkosten handelt, wären diese auch angefallen, wenn nichts mehr produziert worden wäre. So ist es also zwar nicht möglich, einen Gewinn zu erzielen, aber immerhin den Verlust zu minimieren. Was fixe und was variable kosten sind hängt natürlich immer von der Unternehmung und vom betrachteten Zeithorizont ab – ist er lange genug, werden alle Kosten variabel.
Durchschnittsnutzen und Grenznutzen
Während seine Durchschnitts- und Grenzkosten für den Verkäufer entscheidend sind, entscheidet der Käufer eines Gutes anhand des Nutzens, ob er das Gut erwerben möchte – und falls ja, wie viel davon. Während sich Kosten meist recht gut messen lassen, ist dies auf der Nutzenseite häufig wesentlich schwieriger zu bewerkstelligen. Häufig überlegt man sich, wie viel man maximal bereit wäre für ein Gut oder eine Dienstleistung zu bezahlen und schliesst daraus, dass der eigene Nutzen mindestens diesem Betrag entsprechen muss. Auch hier ist es von der Idee her so, dass der Durchschnittsnutzen bestimmt, ob man ein Gut überhaupt kauft, während der Grenznutzen bestimmt, ob man eine zusätzliche Einheit kaufen möchte.
Abnehmender Grenznutzen und zunehmende Grenzkosten
Wichtig für viele ökonomische Überlegungen ist das Konzept des abnehmenden Grenznutzens und der steigenden Grenzkosten. Beide Konzepte sind an sich einleuchtend, aber nicht zwingend – so macht es bei jeder Fragestellung Sinn, sich zunächst kurz zu vergewissern, dass sie auch wirklich zutreffen. Begründen lassen sie sich wie folgt:
- Steigende Grenzkosten: Wie die gelbe Linie in der Grafik oben zeigt, kann es durchaus Bereiche geben, in welchen die Grenzkosten sinken. Man spricht häufig von “economies of scale” oder Skaleneffekten – es macht bei vielen Produkten Sinn, sie in grossen Stückzahlen herzustellen, da dies effizienter geschehen kann (z.B. Fabrik statt Handarbeit). Wenn man die Kapazitätsgrenze der Produktion jedoch allmählich erreicht steigen die Grenzkosten, da die Arbeit ineffizienter wird (bildlich gesprochen: Die Arbeiter stehen sich in der Fabrik gegenseitig auf den Füssen herum). Da die Grenzkosten im Bereich der tiefsten Durchschnittskosten und bei noch höheren produzierten Mengen immer steigend sein werden (Mathematik, nicht Ökonomie), kann das Konzept der steigenden Grenzkosten im Allgemeinen verwendet werden, da jede Unternehmung danach streben wird, ihre Produktion mindestens bis zu den tiefsten Durchschnittskosten auszubauen.
- Abnehmender Grenznutzen: Das Prinzip des fallenden Grenznutzens kennen wir alle: Egal wie sehr man etwas mag, eine Einheit mehr davon ist meist nicht mehr so toll, wie jene zuvor. Man kann sich dies mit so ziemlich allem vor Augen führen, was man mag: Autos, Speiseeis, Mobiltelefone, Stunden im Schwimmbad, und so weiter. Bei einigen Gütern kann der Grenznutzen sogar negativ werden: Die erste Kugel Eis schmeckt meist toll, eine zweite oder dritte isst man auch noch gern. Aber ab der vierten oder fünften Kugel würden die meisten wohl gerne verzichten und irgendwann wird einem schlecht – ein klar negativer Grenznutzen. Ähnliche Beispiele lassen sich im industriellen Umfeld finden: Während ein moderater Düngereinsatz in der Landwirtschaft die Erträge erhöht, bringt zusätzlicher Dünger nicht nochmals den gleichen Produktionszuwachs. Wird schliesslich zu viel gedüngt kann dies die Pflanzen zerstören und sogar den Boden nachhaltig schädigen. Auch hier ergibt sich also ein negativer Grenznutzen aber einer bestimmten Menge.
Ein abnehmender Grenznutzen stellt sicher, dass von einem Gut nicht beliebig viel konsumiert wird – die steigenden Grenzkosten wiederum sorgen dafür, dass nicht beliebig viel produziert wird.
Angebot und Nachfrage
Aus der Aggregation der einzelnen Produktionsmöglichkeiten der Unternehmen setzt sich die Angebotskurve zusammen. Sie gibt an, welche Menge bei einem bestimmten Preis hergestellt wird. Die Aggregation geschieht hier über eine einfache Addition. Die folgende Grafik veranschaulicht das am Beispiel von drei Produzenten.
In Abhängigkeit vom Marktpreis – und ihren eigenen Produktionskosten – bestimmen die Unternehmen, welche Menge sie am Markt anbieten wollen. In diesem Beispiel hat kein Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung, keines kann also den Preis einfach vorgeben.
Es zeigt sich, dass bei Preisen unter 4 kein Produzent Willens ist, etwas zu verkaufen. Produzent 1 Produziert gar erst ab einem Preis von 9. Bei 20 Einheiten hat er sein Produktionslimit erreicht – auch wenn ein höherer Preis am Markt geboten wird, kann er nicht mehr produzieren. Produzent 2 scheint kaum Fixkosten zu haben, da er bereits bei tiefen Priesen kleine Mengen produziert. Bei höheren Marktpreisen produziert er linear mehr. Produzent 3 steigt bei einem Preis von 6 in den Markt ein. Bei leicht höheren Preisen produziert er nicht wesentlich mehr – seine Grenzkosten scheinen recht steil anzusteigen.
Ein analoges Beispiel lässt sich für die Nachfrageseite konstruieren, auch hier mit drei Nachfragern oder Konsumenten. Auch hier lässt sich die Gesamtnachfrage aus der Addition der einzelnen Nachfrage-Kurven ermitteln.
Auch die Konsumenten können den Preis in diesem Beispiel nicht selbst bestimmen – sie passen ihre nachgefragte Menge dem Marktpreis – und dem eigenen Grenznutzen – an.
Die Konsumenten 1 und 3 wären offensichtlich auch bereit, bei Priesen über 20 noch etwas zu kaufen, während Konsument 2 bereits ab einem Preis von 12 nichts mehr kauft. Ausserdem scheint Konsument 2 bei einer Menge von mehr als 12 Einheiten keinen positiven Grenznutzen mehr zu haben: Auch bei tiefen Preisen kauft er nicht mehr. Dasselbe gilt für Konsument 1 ab einer Menge von 20 Einheiten.
Marktpreis und Marktmenge
Obwohl keiner der Produzenten oder der Konsumenten den Preis des Gutes alleine bestimmen kann, so tun sie doch genau das im Aggregat. Um den Marktpreis und die dabei gehandelte Menge zu bestimmen, genügt es, die aggregierten Angebots- und Nachfragekurven zu betrachten. In der folgenden Grafik kann so der Marktpreis bestimmt werden.
Da der Marktpreis als Funktion der angebotenen und nachgefragten Mengen betrachtet wird, ist hier der Preis auf der y-Achse und die Menge auf der x-Achse abgetragen. Der Marktpreis liegt dort, wo sich die beiden Kurven schneiden – in diesem Beispiel also bei 11. Zu diesem Preis werden 28 Einheiten gehandelt. Der Marktpreis und die dazugehörige Menge werden gemeinsam als Marktgleichgewicht bezeichnet.
Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass das Marktgleichgewicht ein Optimum bezüglich der gehandelten Menge darstellt: Bei einem höheren Preis würde zwar mehr angeboten, aber weniger nachgefragt. Da nicht mehr gehandelt wird, als nachgefragt wird, sinkt die gehandelte Menge. Auf der anderen Seite würde bei einem tieferen Preis zwar mehr nachgefragt, aber weniger angeboten. Da nicht mehr gehandelt wird, als angeboten wird, sinkt auch in diesem Fall die gehandelte Menge.
Was hier exemplarisch an den Produktionsentscheidungen, den Kaufentscheidungen und schliesslich an der Preisfindung für ein Gut in einem vollkommenen Markt dargestellt ist, lässt sich auch auch andere Entscheide und Preis-Mengen-Mechanismen anwenden. Beispielsweise für Dienstleistungen, oder die Entscheidung zwischen (bezahlter) Arbeit und Freizeit.
Einschränkungen
Einschränkungen gelten, wenn der Markt kein vollkommener ist, sondern einzelne Marktteilnehmer die Preise beeinflussen können. Dies Können sowohl Verkäufer als auch Käufer sein. Man spricht dann von einem Oligopol, wenn einige Käufer oder Verkäufer den Markt dominieren oder von einem Monopol, wenn es nur einen einzigen Anbieter oder Käufer gibt. Häufig ist mit Monopolen oder Oligopolen nur die Situation gemeint, wenn es auf der Anbieter-Seite nur einen oder wenige Marktteilnehmer gibt(beispielsweise im Telekom-Markt). Allerdings sind durchaus auch Nachfrage-Oligopole oder -Monopole denkbar. Ein Beispiel dafür sind die Detailhändler (Migros, Coop, Aldi, Lidl), welche zum Beispiel für die Schweizer Bauern neben dem Direktverkauf praktisch die einzigen Abnehmer sind.
In viele Märkte greift der Staat regulierend ein. Auch dies führt zu einem Resultat, welches meistens nicht im Marktgleichgewicht liegt. Beispiele für solche staatlichen Eingriffe sind:
- Steuer und Zölle
- Mindestlöhne und Höchstarbeitszeiten
- Qualitätsvorgaben und Normen
- Vorschriften bezüglich Verpackung und Packungsbeilagen
- Ausbildungsvorschriften und Zulassungen (z.B. Ärzte)
- Zoneneinteilungen von Land