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Das US Open erlebt in diesem Jahr eine Premiere: Mit Serena Williams, Viktoria Asarenka und Tsvetana Pironkova stehen erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier drei Mütter in den Viertelfinals. Ihre Geschichten sind so unterschiedlich wie inspirierend.
Erfolgreich Profitennis spielen und die Rolle als Mutter ausfüllen – das passt in der Regel nicht besonders gut zusammen. Nur drei Spielerinnen haben in den letzten 50 Jahren als Mutter Grand-Slam-Turniere gewonnen: die Australierinnen Margaret Court und Evonne Goolagong sowie die Belgierin Kim Clijsters. Nun machen sich gleich drei sehr unterschiedliche Spielerinnen daran, diese Liste zu verlängern.
Da ist zum einen die Turnierfavoritin und wahrscheinlich beste Spielerin der Geschichte. Serena Williams gewann im Januar 2017 am Australian Open ihren 23. und bislang letzten Major-Titel im Einzel. Am 1. September kam dann die gesunde Tochter Alexis Olympia nach einer schweren Geburt, bei der Williams zwei Lungenembolien erlitt, zur Welt.
Die bald 39-jährige Amerikanerin hatte immer betont, sie wolle ihre Karriere fortsetzen, damit ihre Tochter sie noch spielen sehe, und hielt Wort. Viermal stand sie seit ihrem Comeback im Final eines Grand-Slam-Turniers, verlor aber jedes Mal. Nun soll es klappen mit dem 24. Titel, mit dem sie mit Rekordhalterin Court, die allerdings die Mehrheit ihrer Siege in der Amateur-Ära geholt hat, gleichziehen würde.
Williams' Ehemann, der millionenschwere Internet-Unternehmer Alexis Ohanian, ist bei all ihren Matches als Fan auf der Tribüne – und nach getaner Arbeit zeigt sich meist auch das mittlerweile dreijährige Töchterchen Alexis. Die Freude und der Stolz der Mama sind offensichtlich. «Sie ist ein richtiger Tennisfan», erzählte sie nach dem hart erkämpften Achtelfinalsieg gegen Maria Sakkari. «Sie schaut auch zu, wenn ich auf diesem Platz (im gigantischen Arthur Ashe Stadium) trainiere. Sie liebt diesen Platz, weil sie hier sitzen und zuschauen kann.»
In einer etwas anderen, weniger glamourösen Welt lebt Williams' nächste Gegnerin Tsvetana Pironkova. «Ich habe meinen Sohn seit zwei Wochen nicht mehr gesehen», verriet die 32-jährige Bulgarin. «Es ist hart, und es wird jeden Tag härter.» Pironkova hatte auch nicht damit rechnen können, nach eineinhalb Wochen noch immer im Turnier zu sein. Sie hatte eine respektable Karriere gehabt, mit Weltranglistenplatz 31 (im September 2010) nach einem Halbfinal am French Open als Höhepunkte.
Sie hatte nach der Geburt von Sohn Alexander im April 2018 auch kein Comeback im Sinn. Nachdem die WTA aber mit einer Regeländerung die Mütter besser gestellt hatte, änderte sie ihre Meinung. Diese behalten nun bis drei Jahre nach der Geburt eines Kindes ihr geschütztes Ranking, das sie vor der Schwangerschaft hatten. Pironkova konnte daher am US Open teilnehmen, obwohl sie keine Weltranglisten-Position mehr hat. «Warum nicht», sagte sie sich und steht nun am Mittwoch sensationell im Viertelfinal gegen Serena Williams.
Eine Mutter steht also mit Sicherheit im Halbfinal, es könnten aber durchaus sogar zwei sein. Die Frau der Stunde ist nämlich Viktoria Asarenka (WTA 27), die im anderen Viertelfinal dieser Tableauhälfte auf die ebenfalls formstarke Belgierin Elise Mertens (WTA 18) trifft. Die 31-jährige Weissrussin gewann in der Woche vor dem US Open beim nach New York verlegten Cincinnati Open ihren 21. WTA-Titel, den ersten als Mutter. «Ich bin so glücklich und dankbar, jetzt hier zu sein», schwärmt sie.
Bei ihr erwies sich die Schwangerschaft nämlich gleich doppelt als Zäsur. Am 20. Dezember 2016 wurde Asarenka Mutter eines Buben namens Leo. Bereits wenige Monate nach der Geburt trennte sie sich jedoch von ihrem amerikanischen Freund und Vater des Kindes, mit dem sie in Kalifornien lebte. Während der Streit um das Sorgerecht lief, durfte sie den Bundesstaat nicht mit ihrem Sohn verlassen, also blieb sie zuhause und musste ihr Comeback nach nur zwei Turnieren wieder abbrechen.
Seit März 2018 ist die Angelegenheit geregelt und Asarenka reist wieder zu den Turnieren – mit mässigem Erfolg. Die ehemalige Weltnummer 1 und zweifache Australian-Open-Siegerin kehrte rasch in die Top 100 zurück, an den Grand-Slam-Turnieren kam sie aber nie mehr über die 3. Runde hinaus – bis jetzt. Im Gegensatz zu Pironkova hat sie ihren Sohn dabei. «Wenn ich ihm ein paar Bälle zuspiele, ist er begeistert.» Fast entschuldigend fügt sie hinzu: «Ich kann nicht zeigen, wie talentiert er ist. Er will nicht, dass ich ihn filme.»
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