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Hund der Tolteken und Mayas
Die Geschichte der Chihuahuas enthält viel Legende und wenig gesicherte Wahrheit, und so bleibt es dem Leser überlassen, Dichtung und Wahrheit nach eigenem Gutdünken zu trennen.
Nach der einen Version soll der Vorfahre des Chihuahuas ein kleiner Hund namens „Techichi“ der Tolteken in Mexiko gewesen sein. Was „Techichi“ bedeutet, weiss man nicht, vielleicht war es einfach die Bezeichnung für Hund. Sie , die Tolteken, besiedelten Mexiko vor den Azteken und waren ein altes, ackerbautreibendes Kulturvolk, dessen Hauptgottheit die gefiederte Schlange (Quetzalcoatl) überall in den von den Tolteken und Mayas hinterlassenen Tempeln auftaucht.
Ausgrabungen in den Toltekensiedlungen Mexikos förderten Tonfiguren und Steinmetzarbeiten zutage, die mit einiger Phantasie chihuahuaähnliche Hunde erkennen lassen. Die ältesten Steinfiguren mit Hundemotiven wurden in der alten Mayastadt Chichen Itza auf der Halbinsel Yucatan gefunden. Die Gründung dieser Stadt fällt ins Jahr 530 n. Chr. Toltekenhunde waren aber offensichtlich grösser und kompakter als der heutige Chihuahua.
In den berühmten Mayaruinen auf der Halbinsel Yucatan fanden die Archäologen Tonfiguren von stehorigen Hunden. Über die Grösse der lebenden Vorbilder sagen die Funde nichts aus.
Die Mexikaner betrachten den heutigen „Pero Chihuahueno“ der nach dem grössten Bundesstaat im innermexikanischen Hochland benannt ist, als Produkt einer Kreuzung zwischen dem alten Techichi der Tolteken und Mayas und einem aus Asien stammenden, haarlosen Hund.
Hund der Azteken
Tolteken und Mayas wurden von den Azteken unterworfen, deren Reich dann später durch die Spanier zerstört worden ist.
Nach der Meinung einiger mexikanischer Kynologen soll der Techichi durch Montezuma, den letzten Herrscher der Atzteken (1520) nach Chihuahua gebracht worden sein. Man will sogar wissen, dass die Hunde in die freie Wildbahn ausgesetzt wurden, damit sie sich dort schneller vermehrten. Nach Meinung anderer Autoren sollen die Hunde von den Spaniern, die sie schlachteten, in die Berge geflohen und wieder verwildert sein. Hier hätten sie sich mit Präriehunden (einem murmelartigen Nagetier) gekreuzt und in Höhlen gelebt. Nach einer anderen Version ist der Chihuahua aus einer Kreuzung zwischen Hund und Eichhörnchen entstanden, vom Eichhörnchen habe er die langen Zehennägel geerbt!
Solche Ansichten sind natürlich Unsinn, und dass die Hunde von Mrs. Ida Garrets, einer der ersten Chihuahuazüchterinnen in den USA Höhlen gruben, ist noch lange kein Beweis für einen höhlenbewohnenden Zwerghund, den auch Hunde anderer Rassen graben sich mitunter Höhlen, wenn man sie gewähren lässt.
Im Nationalmuseum Mexiko City sind einige Hunde aus füherer Zeit ausgestellt, die einem Chihuahua ähnlich sind. Die Hunde sind sehr klein, haben dünne Beinchen und einen gekrümmten Rücken (daran kann freilich auch der Präparator schuld sein!).
Prof. F. Beltran von der Universität Puebla meint, der Chihuahua habe zur Zeit Montezumas gar nicht existiert. Er, oder besser seine Vorfahren, seien von den Spaniern ins Land gebracht worden. Die gehobenen Stände im alten Aztekenreiche hielten zwar Haustiere, sicher auch Hunde, doch mit dem Zusammenbruch der Aztekenkultur verschwanden auch die Haustiere des alten Kulturvolkes.
Obwohl über die Hunde der Azteken – auch von Spaniern – nichts schriftliches überliefert worden ist , haben sich viele Berichte die wohl mündlich weitergegeben worden sind, bis in unsere Zeit erhalten, da der Chihuahua von den Amerikanern als mexikanische Hunderasse entdeckt worden ist.
Derartige Überlieferungen hat Hilary Harman in ihrem erschienen Buch „The Complete Chihuahua“ festgehalten. Nach diesen alten Berichten sollen die Tolteken den Techichi von den Mayas übernommen haben. Beweise dafür sind freilich kaum vorhanden, es sei denn, man nehme die spärlichen Funde als sichere Beweisstücke. So liegt z.B. an der Strasse von Mexiko City nach Puebla das Kloster Huejotzingo, das von Franziskanermönchen aus Steinen erbaut worden ist, die sie von den Tolteken-Pyramiden Cholula geholt hatten. An diesen Steinen finden sich Steinmetzarbeiten, die Hunde, vermutlich eben Techichis, darstellen, und die eine gewisse Ähnlichkeit mit einem heutigen Chihuahua haben.
Die Toltekenkultur wurde von den aus dem Norden kommenden Azteken zerstört.
Deren Herrschaft dauerte rund 500 Jahre, bis sie Anfang 16. Jahrhundert durch die Spanier vernichtet wurde. Der amerikanische Historiker William Presscott (1796-1859) beschrieb in zwei dreibändigen Werken die Eroberung Mexikos durch die Spanier und die Sitten und Gebräuche der Azteken. Darin geht er ausführlich auf die „zoologischen Sammlungen “ der Azteken ein, aber von Hunden lesen wir nichts. Das würde sich mit der Meinung Beltrans decken.
Nach mündlicher Überlieferung sollen die Azteken jedoch Zwerghunde besessen haben, wobei nur der Adel berechtigt war diese zu halten und züchten. Ganz besonders beliebt, weil selten, sollen die „blauen“ Hunde gewesen sein. Eine aztekische Prinzessin soll 1500 Hunde in ihrem Palast gehalten haben, und nicht selten besassen Adelige an die 500, wobei jeder Hund von einem Sklaven betreut wurde. Starb der Hund, so hatte ihm der Sklave in den Tod zu folgen.
Gefüttert wurden die Hunde mit gehackten Hoden junger Sklaven, die während drei Monaten vor der Kastration mit einer speziellen Diät aus scharfen Kräutern ernährt wurden. Nach anderer Version bestand die Nahrung der Hunde aus dem Fleische kleiner Sklavenkinder. Aktenkundig ist, dass Montezumas Speisekarte Gulasch aus Kinderfleisch stand, und so ist es durchaus möglich, dass auch die Hunde von den Überresten der königlichen Tafel Menschenfleisch erhielten. Wir wissen über dies von den grauenhaften Menschenopfern Montzumas – ein Menschenleben galt eben nichts – und wir wissen auch vom Niedergang der aztekischen Kultur unmittelbar vor der Ankunft der Spanier.
Wie weit diese Geschichten stimmen, ist nicht nachprüfbar. Mit Recht sagt H. Harman: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Geschichte im Prozess der Weitergabe von Mund zu Mund übertrieben wurde. Die Zwinger mit 1500 Hunden werden vielleicht auf 50 schwinden. Statt mit Kinderfleisch gefüttert zu werden, frassen die Hunde vielleicht das gleiche Essen, das den Kindern gegeben wurde. Statt ein Sklave pro Hund wurde vielleicht ein Sklave eingestellt, um auf die Hunde achtzugeben“.
Und an anderer Stelle sagt sie:“ Auch wenn man alle Informationen in eine Ordnung bringt und zusammen trägt, sind sie nicht recht stichhaltig. Sie sind eine Kombination aus Traditionen, Märchen, Romantik, Gewäsch, Mutmassungen, und Altweibergeschichten. Das alles hat wenig mit verbürgter Geschichte zu tun. Wir sind gezwungen, Spreu und Weizen zu akzeptieren… um am Ende zu einem Körnchen Wahrheit zu gelangen.“
(Quelle: Enzyklopädie)