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Der Verwaltungsrat des Telekomkonzerns Sunrise geht auf Konfrontationskurs mit seinem Hauptaktionär Freenet. Letzterer stemmt sich gegen die 6,3 Milliarden Franken schwere Übernahme der Kabelnetzbetreiberin UPC Schweiz.
Der Sunrise-Verwaltungsrat sei zum Schluss gekommen, dass die von Freenet vorgebrachten Bedenken weder gerechtfertigt noch im besten Interesse aller Aktionäre seien, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Vielmehr - so die deutlichen Worte - sei Freenet von «eigennützigen Zielen» geleitet, die nun auf Kosten der anderen Aktionäre erreicht werden sollten.
Von zukünftigen Beratungen ausgeschlossen
So habe Sunrise seinem Hauptaktionär die Bereitschaft signalisiert, die Finanzierung der Transaktion zu ändern. Die Kapitalerhöhung sollte geringer als ursprünglich geplant ausfallen und stattdessen die Verschuldung erhöht werden. Freenet habe aber auch diese Option abgelehnt.
Man sei daher zum Schluss gekommen, dass die Freenet-Vertreter im Verwaltungsrat von Sunrise unter einem Interessenkonflikt litten. Der Sunrise-Verwaltungsrat schliesse nun die Freenet-Vertreter von den zukünftigen Beratungen über die UPC-Transaktion aus. Wegen einer möglichen Verletzung der Treuepflicht werde zudem eine interne Untersuchung gegen die Freenet-Vertreter im Verwaltungsrat eingeleitet.
Freenet soll mit dem Rücken zur Wand stehen
Der Verwaltungsrat empfehle allen Aktionären, jedem Kommentar von Freenet zur Transaktion mit Skepsis zu begegnen, weil die Freenet-Vertreter nur für kurzfristige Ziele eine «strategisch wertvolle und wertschaffende Transaktion» versenken wollten.
Freenet stehe vor grossen «strategischen und finanziellen Herausforderungen» und die Dividenden aus der Sunrise-Beteiligung repräsentierten über 15 Prozent des jährlichen Kapitalflusses der Firma.
Der Hauptaktionär wolle seine Sunrise-Anteile loswerden, um die Verschuldung zu reduzieren. So habe Freenet in den Verhandlungen gefordert, dass Sunrise oder UPC-Eigner Liberty Global die Aktien zu einem Vorzugspreis kaufe. «Der Verwaltungsrat hat dieses Ansinnen abgelehnt, weil er es für unangemessen und illegal hält.»
Das eigentliche Ziel von Freenet sei die Überwälzung eines Teils der eigenen Schulden auf Sunrise und die anderen Aktionäre.
Abschluss per Ende November
Zudem bringe der UPC-Deal höhere Synergien als bisher angenommen. Es sei mit jährlich 280 Millionen statt der bisher genannten 235 Millionen zu rechnen. Gleichzeitig sei aber auch mit höheren einmaligen Integrationskosten zu rechnen (230-250 statt 140-150 Millionen).
Sunrise geht davon aus, dass der Deal – sofern die Generalversammlung zustimmt – per Ende November 2019 abgeschlossen werden kann.
Schwächerer Umsatz, besserer Gewinn
Gleichzeitig hat Sunrise seine Geschäftszahlen zum zweiten Quartal vorgelegt. Der Umsatz sank zwischen April und Juni um 1,7 Prozent auf 455 Millionen Franken. Der bereinigte Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) stieg hingegen um 3,4 Prozent auf 155 Millionen und der Reingewinn um knapp 12 Prozent auf 27 Millionen.
Der Umsatz war zwar rückläufig, gleichwohl war Sunrise erfolgreich beim Gewinnen von Kunden. So seien über 40'000 Handy-Abokunden gewonnen worden. Auch mit den Bereichen TV und Internet ist das Unternehmen zufrieden. Beim Gewinnwachstum wirkte sich positiv aus, dass sich der Geschäftsmix verbesserte.
Mit den Resultaten hat das Unternehmen die Erwartungen der Analysten beim Umsatz verfehlt, bei der Profitabilität aber übertroffen.
Der Deal: Sunrise will UPC kaufen
Mit dem Jahresabschluss gab Sunrise Ende Februar bekannt, das Kabelnetzgeschäft von UPC in der Schweiz kaufen zu wollen. Die bisherige Eignerin Liberty Global soll gegen Zahlung von 2,7 Milliarden Franken ausgekauft werden. Zudem übernimmt Sunrise Schulden, womit eine Gesamtbewertung von 6,3 Milliarden Franken resultiert.
Die Bewertung entspricht in etwa dem zehnfachen operativen Cashflow von UPC und liegt damit im Bereich der Bewertungen der kürzlich ebenfalls verkauften Bereiche UPC Österreich (Faktor 11) und UPC Deutschland (Faktor 12).
(awp/gku)