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Polarfüchse übertragen die Tollwut auf Hunde, die sich in den Städten vermehren, in denen die indigenen Gemeinschaften in den 1950er Jahren sesshaft geworden sind. Die Bevölkerung ist sich der Risiken, denen sie ausgesetzt ist, nicht bewusst, stellt eine von Tierärzten durchgeführte Studie fest.
Am 10. Januar 2023 wurde in Resolute Bay in der Region Nunavut in Kanada ein Hund vom Gesundheitsamt posititv auf Tollwut getestet, nachdem er von einem Polarfuchs angegriffen worden war. Im Norden Albertas wurde am ersten Märzwochenende ein fünfjähriges Kind in einer indigenen Gemeinde von einem mutmaßlich tollwütigen Hund getötet.
Das Tollwutinfektionsrisiko in indigenen Gemeinden in Kanada steigt unerwartet an, seit sie in ihrem Alltag weniger Hunde einsetzen. Zu den dringendsten Anforderungen dieser Personengruppen gehört es, sich der Risiken bewusst zu werden und zu lernen, wie man eine mögliche Infektion erkennt, bevor die ersten Symptome auftreten. Dies unterstreicht eine Studie, die Ende Februar in Frontiers in Veterinary Science erschienen ist.
Laurence Daigle und ihre Partner, Tierärzte aus den südlichen Regionen Kanadas, führten eine Untersuchung in indigenen Gemeinden durch, in denen Hunde bekanntermaßen eine entscheidende Rolle im täglichen Leben spielen, sei es bei der Jagd, beim Transport und beim Schutz der Familien. Ab den 1950er Jahren wurden die Gemeinden jedoch unter anderem durch den Einsatz von Schneemobilen soziokulturell verändert, was zu einem Rückgang der Nutzung von Hunden führte. Die Innu, die jenseits des 54. nördlichen Breitengrades leben, machen 48,4 % der Einwohner dieser Region aus.
Je nach Region geben zwischen 27 und 63 % der Einwohner an, in ihrem Leben schon einmal von einem Hund gebissen worden zu sein. Vierzig Prozent der Besitzer geben an, dass ihre Hunde sie oder ein Familienmitglied schon einmal gebissen haben. Das Tollwutvirus wird jedoch von Polarfüchsen übertragen und die Impfung von Hunden ist nicht vorgeschrieben. Zur Erinnerung: Laut WHO ist Tollwut bei Menschen ab dem Auftreten der ersten Symptome in 100 % der Fälle tödlich. Seit 1924 gab es in Kanada nur 25 registrierte Todesfälle aufgrund von Tollwut.
In den von den Forschern befragten Bevölkerungsgruppen sind sich junge Erwachsene am meisten der Risiken bewusst, die diese Krankheit mit sich bringt. Dennoch kennt fast ein Drittel der Einwohner Nunaviks keine Präventionsmaßnahmen, um das Risiko einer Tollwutinfektion zu verringern oder auch nur rechtzeitig diagnostiziert zu werden. Den Autoren zufolge wäre diese Bevölkerungsgruppe empfänglicher dafür, Kindern gegenüber aufmerksamer zu sein, wenn diese mit Hunden zusammen sind.
Der streunende Hund, der frei in den Gemeinden herumlaufen kann, wird heute positiv wahrgenommen. Einige haben keine Besitzer. Die Studie zeigt, dass es den Gemeinden an Wissen über die Übertragung dieser Krankheit mangelt. Ein erheblicher Anteil derjenigen, die gebissen werden, sucht nicht die örtlichen Gesundheitsdienste auf.
Denn auch wenn die meisten Bisse harmlos sind, ist es besser, einen Arzt aufzusuchen, um vor den ersten Symptomen eine Infektion auszuschließen. Die Untersuchung des angreifenden Hundes liefert den besten Beweis für eine mögliche Tollwutinfektion. Zunächst ist es ratsam, das Tier nicht zu töten, um die Diagnose zu fördern.
Eine Mehrheit der Befragten der Umfrage gaben an, dass es in ihrer Gemeinde zu viele Hunde gibt. Sie bemängeln, dass es keinen Beamten gibt, der für die Kontrolle von Hunden zuständig ist.
Camille Lin, PolarJournal
Link zur Studie : Daigle, L., Ravel, A., Rondenay, Y., Simon, A., Mokoush, K.N., Aenishaenslin, C., 2023. Knowledge, attitudes, and practices regarding dogs and dog bites in Indigenous northern communities: A mixed methods study. Frontiers in Veterinary Science 10. https://doi.org/10.3389/fvets.2023.1080152.
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