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Die Frage, woher wir kommen und was uns einzigartig macht, beschäftigte die Menschheit von alters her, gibt das Nobelkomitee in seiner Begründung für die Vergabe des Medizin-Nobelpreises an Svante Pääbo zu verstehen. Die Arbeit des Forschers zu den genetischen Unterschieden zwischen modernen Menschen und den ausgestorbenen Verwandten bilde nach Ansicht des Komitees die Grundlage für die Beantwortung dieser Frage.
Ein wesentliches Forschungsergebnis von Svante Pääbo ist die Erkenntnis, dass Erbgut-Spuren des Neandertalers noch heute in der menschlichen DNA zu finden sind - die beiden Arten hatten sich in ihrer gemeinsamen Zeit auf der Erde untereinander vermehrt. Des Weiteren entdeckte der Forscher den Denisova-Menschen, einen anderen ausgestorbenen Verwandten des modernen Homo sapiens.
Bereits früh in seiner wissenschaftlichen Karriere hatte sich Pääbo mit der Möglichkeit beschäftigt, DNA von Neandertalern zu untersuchen. Dem Forschenden gelang es, Erbgut des Neandertalers aus alten Knochenfragmenten zu isolieren und zu analysieren. Eine erste Version des Neandertaler-Genoms stellte der Schwede 2010 vor. Dabei stellte er fest, dass bei Menschen mit europäischer oder asiatischer Herkunft etwa 1 bis 4 Prozent des Genoms auf den Neandertaler zurückgehen. Dies führte zu der Schlussfolgerung, dass Homo sapiens und Homo neandertalensis miteinander Kinder gezeugt haben.
Ebenso entdeckte der Medizin-Nobelpreisträger den Denisova-Menschen, eine bisher unbekannte Frühmenschen-Form: Ein winziges, 40.000 Jahre altes Fingerknochenfragment war 2008 in der sibirischen Denisova-Höhle gefunden worden. Untersuchungen der daraus gewonnenen DNA wiesen auf, dass sich diese von menschlicher DNA und Neandertaler-DNA unterschied.
Auch in Sachsen führt die Vergabe des Medizin-Nobelpreises an Svante Pääbo zu großem Jubel: Der gebürtige Schwede ist Direktor und Wissenschaftliches Mitglied am Leipziger Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie. Leipzigs Bürgermeister Burkhard Jung (SPD) betitelt Pääbo als "begnadeten Wissenschaftler, der über Jahrzehnte akribisch und zielstrebig gearbeitet hat", Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht in dem Nobelpreisgewinner einen "großartigen Wissenschaftler und Forscher".
Die Vergabe des Medizin-Nobelpreises an einen einzelnen Forscher kommt eher selten vor. Dies war zuletzt 2016, 2010 und 1999 der Fall.