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• Hansjörg Wyss hat sein Vermögen selbst aufgebaut - und wurde 2011 zum vermutlich reichsten Schweizer überhaupt
• Seit Jahrzehnten investiert Wyss Milliarden in Umweltschutz und Forschung
• Seine jüngste Investition in den FC Chelsea fällt aus der Reihe und wirft Fragen auf
Seit Anfang März ist die Rede davon, dass Hansjörg Wyss, self-made Milliardär aus der Schweiz, den FC Chelsea kaufen will. Mit ihm investieren Jonathan Goldstein, Mark Walter und Todd Boehly.
Wyss bislang hauptsächlich für sein Interesse an Umweltschutz bekannt
Dieses Vorhaben sorgte für Erstaunen - eigentlich ist Wyss anders als Boehly für seine Investitionen in die Umwelt bekannt, die NZZ zitiert ihn aus einem Gastbeitrag bei der New York Times aus dem Jahr 2018 wie folgt: "Lasst uns um aller Lebewesen Willen dafür sorgen, dass noch viel mehr von unserem Planeten geschützt wird - von den Menschen für die Menschen, und für alle Zeiten." Damals hatte er angekündigt, innerhalb der nächsten zehn Jahre an verschiedene Umweltschutzprojekte weltweit insgesamt eine Milliarde US-Dollar spenden zu wollen. Und das mit einer drastischen Vision: Bis 2030 sollte ein Drittel der Erdoberfläche unter Umweltschutz stehen.
In den 90er Jahren investierte Wyss der NZZ zufolge in viele internationale und amerikanische Natur- und Landschaftsschutzprojekte. Später habe er 120 Millionen Franken in den Bau eines gemeinsamen Forschungszentrums für die ETH und die Universität Zürich investiert, 30 Millionen Franken in die Renovierung eines schweizerischen Kunstmuseums gesteckt und 2013 in Genf das Wyss Center, eine Forschungseinrichtung für Neurowissenschaften, gegründet. Seit 2013 ist er zudem Mitglied bei Bill und Melinda Gates’ The Giving Pledge und hat sich damit dazu verpflichtet, einen Grossteil seines Vermögens für gute Zwecke einzusetzen. In der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt 2022 steht Wyss auf Platz 552, wobei sein Vermögen seit 2013 deutlich geschrumpft ist.
Wyss’ Ziel: Als Einzelperson selektiv so viel Land wie möglich retten
Geboren wurde Hansjörg Wyss 1935 in Bern. Der heute 86-Jährige reiste 1958 als Austauschstudent das erste Mal in die USA, wo er in den 60er-Jahren an der Harvard Business School einen MBA absolvierte. Nach seinem Studium arbeitete Wyss in der Textilindustrie und später bei Monsanto. Sein Vermögen hat der self-made Milliardär im Bereich Medizintechnik bei der Orthopädiefirma Synthes aufgebaut, zu deren Präsident er im Jahr 1977 gewählt wurde. Wyss gehört zu den wichtigsten Harvard-Alumni: 2009 wurde das Harvard Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering gegründet. Zwei Jahre später verkaufte er seine Synthes-Anteile im Rahmen der Firmenübernahme durch Johnson & Johnson für rund zehn Milliarden US-Dollar an das amerikanische Biotech-Unternehmen und wurde so der NZZ zufolge zum schätzungsweise reichsten Schweizer. Vergangenes Jahr bezeichnete ihn die WELT als einen der spendabelsten Menschen überhaupt und zitiert ihn mit den Worten: "Zehn Milliarden sinnvoll auszugeben ist schwieriger, als sie zu verdienen!"
Gegenüber der NZZ erzählte er, man habe ihm bereits in seiner Kindheit den Wert der Umwelt beigebracht. Während seines Studiums habe er die herbe Enttäuschung erleben müssen, dass sich im Ingenieurwesen alles um Effizienzsteigerung drehe - und da er keine systemische Lösung für dieses Problem sehe, setze er als Privatperson mit enormen finanziellen Mitteln alles daran, "selektiv Landschaften zu retten".
Grund für den Kauf des FC Chelsea offiziell noch nicht bekannt
Politisch befürworte er die Annäherung der Schweiz an die EU. 2021 wurde er Medienberichten zufolge der "illegalen Einmischung in den Wahlkampf" in den USA beschuldigt. Seine Stiftung habe über 200 Millionen US-Dollar an gemeinnützige Fonds gestiftet, die diese Gelder an Demokraten ausgegeben hätten. Illegal sei dies, da Wyss zwar seit Jahrzehnten mit seiner Familie in Wyoming lebt, aber keinen US-amerikanischen Pass und auch keine Green Card besitzt. Nachgewiesen werden konnte ihm eine Einmischung in den Wahlkampf jedoch nicht, und er selbst streitet derartiges Handeln ab.
Seine klare Meinung zur Position der Schweiz und die mögliche Wahlkampfeinmischung in den USA lassen jedoch darauf schliessen, dass er den FC Chelsea möglicherweise insbesondere aus politischen Gründen kaufen möchte: Wie die NZZ berichtet, ist der Verkäufer des Fussballclubs Roman Abramowitsch. Dieser hat offenbar vor dem Verkauf angekündigt, das Geld an eine eigens gegründete wohltätige Stiftung für die Opfer des Kriegs in der Ukraine zu spenden. Es ist jedoch nicht sicher, dass diese politische Komponente hinter dem Kauf des Fussballclubs steht - Wyss hat sich Stand Anfang Mai noch nicht öffentlich zu dem Thema geäussert. Dies könnte auch daran liegen, dass die britische Regierung den Kauf noch absegnen muss, bevor der Verein den Besitzer wechseln kann.
Redaktion finanzen.net