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Die Leventina bildet bei Faido eine breite, für landwirtschaftliche Nutzung geeignete Talsohle, an deren unterem Ende sich der mittelalterliche Dorfkern von Chiggiogna erstreckt. Wir haben Kunde von einigen Burganlagen, die sich im Raum von Faido befunden haben müssen, doch ist über ihren genauen Standort nichts Sicheres bekannt, da die meisten schon vor dem Ausgang des Mittelalters verlassen worden sein dürften. Nicht einmal über die Lage eines erst 1828 abgebrochenen Burgturms, der sich in Chiggiogna erhob, sind wir zufriedenstellend orientiert. Die einzigen grösseren Mauerreste in der Umgebung von Faido, die von einer mittelalterlichen Burg stammen, sind die Trümmer der Grottenburg von Chiggiogna. Diese befinden sich rund 300 Meter südöstlich der romanischen Kirche auf einem schmalen, schwer zugänglichen Felsband. Der alte Zugang führte durch das steil ansteigenden Felsgewirr am Fuss der Burg. Er wird noch heute von Trittstufen und Treppenpartien markiert. Die Burganlage selbst besteht aus einem langgestreckten Komplex von Mauerteilen. Den Eingang schützt eine Traverse aus kantigen Bruchsteinen. Eine Türöffnung mit erhöhter schwelle, erreichbar über eine Holztreppe, führt ins Innere der Anlage. Die rückwärtige Begrenzung er Burg wurde von einer zweiten Traverse gebildet, welche ein feindliches Eindringen von Südosten her verhinderte. Vom Wohnbau, einem schmalen, rückwärts an die überhängende Felswand gelehnten Trakt, ist noch die in Stein ausgeführte Partie mit ebenerdigem Eingang und talseitigem Austritt auf eine Laube erhalten, während die anschliessenden Holzpartien verschwunden, anhand von Balkenlöchern im Ansatz aber noch zu erkennen sind. Die zur Burg gehörenden Ökonomiegebäude sind wohl am Fuss des Felsabsturzes zu suchen, wo die landwirtschaftlich nutzbare Zone beginnt.
Von der Burganlage gibt es keine historischen Nachrichten. Vergleiche mit den ähnlich gebauten Case dei Pagani des Bleniotals datieren die Burg von Chiggiogna ungefähr ins 12. oder 13. Jahrhundert. Sie darf vermutlich als Wohnsitz eines Geschlechts ritterlichen Rangs betrachtet werden, das in den Urkunden des Hoch- und Spätmittelalters verschiedentlich bezeugt ist und in der Leventina eine geachtete Stellung einnahm. Ein gewisser Guarnerius von Chiggiogna war im Tal als Richter tätig, seine Nachfahren übten im 13. und 14. Jahrhundert das Amt des Landvogts aus; sie waren also die Stellvertreter der Domherren von Mailand, die damals die Grafschaftsrechte in der Leventina besassen. Weitere Güter und Rechte gehörten den Herren von Ghiggiogna im Bleniotal und in Iragna. Die unbequeme Grottenburg wird von ihren Bewohnern um 1300 zugunsten angenehmer Behausungen preisgegeben worden sein.
Bibliographie