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Kultur
Was erfolgreiche interkulturelle Kommunikation ausmacht
Menschen kommunizieren auf vielfältige Weise und nur wenige der dabei zu beobachtenden Kommunikationsformen und Inhalte sind "Cultural Universals", d.h. weltweit gleichermaßen verständlich. Überwiegend wird jedoch kulturspezifisch kommuniziert. Da in unserer globalisierten Welt niemand von Kontakten mit Menschen aus anderen Kulturen unbeeinflusst bleibt und interkulturelle Kommunikation sowohl im privaten wie auch im beruflichen Leben stattfindet, setzt eine Verständigung voraus, dass die Beteiligten über interkulturelle Kommunikationskompetenz verfügen und in der Lage sind, kulturspezifische Signale zu decodieren.
Hier knüpft das vorliegende Werk, das die Bezeichnung der jungen, interdisziplinären Fachrichtung "Interkulturelle Kommunikation" als Buchtitel gewählt hat, an. Ausgehend von E.T. Halls berühmter These, dass "Kommunikation Kultur ist und Kultur Kommunikation" widmen sich die Verfasser, Stefan Müller, bis 2011 Marketingprofessor an der Technischen Universität Dresden, und Katja Gelbrich, Professorin für Internationales Management an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Kulturabhängigkeit verschiedener Formen von Kommunikation. Im Einzelnen befassen sich die sieben Kapitel des Buches mit den folgenden Themengebieten:
A. Einführung & theoretische Grundlagen - Nach einem Überblick über die verschiedenen Modelle zur Erklärung des Kommunikationsprozesses folgt eine Erörterung der Kulturtheorie von Hall & Hall. Als überaus einflussreich haben sich hierbei die räumliche Dimension der Kommunikation (Low und High Touch-Kulturen), der Kontext der Kommunikation (Low und High Context-Kulturen in Verbindung mit expliziter vs. impliziter Kommunikation) sowie die zeitliche Struktur der Kommunikation (monochrone und polychrone Gesellschaften) erwiesen. Abschließend werden vor allem die Kulturtheorien von Hofstede und von House (sog. GLOBE-Kulturstudie) referiert.
B. Interpersonale Kommunikation - Aus sozialwissenschaftlicher Sicht ist eine Kommunikation ein komplexes und zu großen Teilen soziales Geschehen. Die verbale Kommunikation basiert auf der Sprache sowie dem gesprochenen Wort und bildet den Anfang zu diesem Kapitel. Aus der Vielzahl prinzipiell interessanter Sachverhalte werden die beiden Themen verbale Begrüßungsrituale sowie Lob & Kritik ausgewählt. Wie verbale Kommunikation decodiert wird, hängt in erheblichem Maße von der begleitenden paraverbalen Kommunikation ab. Dementsprechend widmet sich ein weiterer Abschnitt den verschiedensten Ausdrucksmitteln am Beispiel Stimmlage und Tonhöhe, Schweigen, Lautstärke und Lachen. Mimik, Gestik und Blickkontakt gelten als kleinster gemeinsamer Nenner der nonverbalen Kommunikation. Unstrittig jedoch ist, dass sie, anders als die verbale Kommunikation, zumeist unbewusst verläuft und deshalb häufig mehr über die Emotionen der kommunizierenden Personen aussagt, als der verbalisierte Anteil der Kommunikation. Den Abschluss dieses Kapitels bildet die Auseinandersetzung über die verschiedenen Formen der extraverbalen Kommunikation, illustriert anhand der Beispiele Distanz und Nähe sowie der extraverbalen Begrüßungsrituale.
C. Einfluss der Landeskultur - Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben sich die verschiedensten Weltbilder entwickelt. Zusammen mit dem jeweiligen Menschenbild und dem Selbstbild formt das kulturspezifische Weltbild ein vielschichtiges Interpretationsschema, das eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung der Realität spielt und Kommunikation beeinflusst. In diesem Zusammenhang werden auch Tabus, Normen, Werte und Einstellungen sowie deren Einflüsse auf die interkulturelle Kommunikation ausführlich untersucht.
D. Einfluss der Religion - Angesichts ihrer theologischen Divergenzen kann es nicht überraschen, dass die Weltreligionen verschiedene Lebensbereiche grundlegend beeinflusst haben. Sie formten durch ihre jeweiligen Werte und Schlüsselkonzepte die Art und Weise der zwischenmenschlichen Kommunikation. Im Mittelpunkt dieses Kapitels stehen zunächst die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, sodann der Hinduismus als polytheistische und der Buddhismus als atheistische Religion. Obwohl er keine Religion ist, sondern eine Staats- und Gesellschaftslehre, die jedoch im ostasiatischen Raum in vielerlei Hinsicht religionsähnliche Funktionen erfüllt, wird auch der Konfuzianismus behandelt.
E. Einfluss der Sprache - Kulturen unterscheiden sich am offensichtlichsten durch ihre Sprachen. Es zeigt sich, dass Sprach- und Kulturräume aufgrund ihrer Besonderheiten bspw. hinsichtlich der präferierten Denk- und Problemlösungsstrategien differieren. Zu den Besonderheiten zählen weiterhin Sprachcodes und -routinen sowie Sprachstrukturen und -stile, welche einerseits zu einer grenzenlosen Kommunikation beitragen, andererseits auch Kommunikationsbarrieren errichten können.
F. Kommerzielle Kommunikation - Jede Form von Kommunikation, welche mittelbar bzw. unmittelbar den Absatz von Waren oder Dienstleistungen fördert, wird als kommerzielle Kommunikation eingestuft. Unternehmen kommunizieren mit den verschiedenen Zielgruppen, um ihren Bekanntheitsgrad bzw. den ihrer Produkte zu steigern, Goodwill zu schaffen bzw. zu mehren und letztlich die Verbraucher zu Kauf und Kundentreue zu animieren. Hierzu werden u a. die Print- und elektronische Werbung, Public Relations, Verkaufsförderung, Sponsoring, Vergleichende Werbung, Direktmarketing und Empfehlungsmanagement eingesetzt. Häufig treten jedoch schon in der frühen Phase solcher Kommunikationsprozesse fundamentale Verständnisschwierigkeiten auf. Entsprechende Störungen aber auch die Ansätze bzw. Möglichkeiten, solche zu umgehen, bilden den Kern dieses Kapitels.
G. Kommunikationsstil - Gegenstand dieses Schlusskapitels sind die Denk-, Argumentations- und Verhandlungsstile sowie die Konflikt- und Führungsstile, jeweils in ihrer Prägung durch das kulturelle Umfeld.
Das interdisziplinär angelegte Buch geht über eine Vermittlung der Grundlagen der interkulturellen Kommunikation weit hinaus. Neben den einschlägigen Rahmenbedingungen zum besseren Verständnis der Kulturabhängigkeit der verschiedenen Formen von Kommunikation werden viele spezifischen Besonderheiten und Gesetzmäßigkeiten, einschließlich der relevanten Aspekte der interkulturellen kommerziellen Kommunikation, untersucht. Zahlreiche gelungene Praxisbeispiele und empirische Befunde unterstützen das Verständnis für die gelegentlich auch komplexeren Zusammenhänge und tragen zur hohen Attraktivität dieser Lektüre bei. Weiterführendes Material zu diesem Buch wird im Internet bereitgestellt und Dozenten finden auf der Website des Verlags hierzu vorlesungsunterstützende Zusatzmaterialien.
Das Buch wendet sich vor allem an Studierende von Bachelor- und Masterstudiengängen in den Bereichen Kommunikations- und Kulturwissenschaften sowie Internationales Management und Marketing. Dieser Zielgruppe - aber auch den Praktikern, welche bei ihren internationalen Aktivitäten auf interkulturelle Kommunikationsprobleme stoßen - kann dieses moderne und umfassende Lehrbuch mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnis bestens empfohlen werden.