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Antworten auf häufige Fragen zur Forschung mit Tieren und Menschen finden Sie in den Themendossiers «Tierversuche in der Schweiz (FAQ)» und «Forschung mit Menschen (FAQ)».
Zahlen sprechen nie für sich alleine. Sie müssen zum korrekten Verständnis immer in den richtigen Kontext gesetzt werden. Die folgenden Fragen sollte man sich deshalb stellen, wenn man mit Zahlen über Tierversuche konfrontiert wird.
1) Wird eine Quelle angegeben - und ist diese vertrauenswürdig?
Geht es um Tierversuche, kursieren viele Behauptungen. Ohne nachprüfbare Quellenangabe gibt es in der Regel keinen Grund, den Behauptungen Glauben zu schenken. Auch die Vertrauenswürdigkeit einer Quelle sollte überprüft werden. Zahlen, die aus der öffentlichen Statistik stammen, sind grundsätzlich vertrauenswürdiger als solche, die von Organisationen stammen, welche mit der Veröffentlichung beispielsweise ein politisches oder wirtschaftliches Ziel verfolgen. Ebenso sind Zahlen, die aus systematischen wissenschaftlichen Meta-Analysen stammen, aussagekräftiger als die Ergebnisse einer einzelnen Studie.
2) Wie wurden die Zahlen erhoben?
Zahlen fallen nicht vom Himmel. In gewissen Fällen - wie beispielsweise bei der Schweizer Tierversuchsstatistik - werden sie von Gesetzes wegen erhoben. Häufig handelt es sich aber um Schätzungen, die auf bestimmten Annahmen oder Berechnungen beruhen. Wer beispielsweise behauptet, dass mehr Geld für Tierversuche als für tierversuchsfreie Methoden ausgegeben wird, muss darlegen, wie man zu diesem Ergebnis kommt.
3) Werden Äpfel mit Birnen verglichen?
Ob zwei Zahlen miteinander vergleichbar sind, hängt davon ab, ob sie auch das gleiche messen. Gerne wird mit Verweis auf die öffentlichen Fördergelder behauptet, dass für Tierversuche mehr Geld zur Verfügung steht als für tierversuchsfreie Methoden: Der SNF vergab 2019 391 Millionen Franken an Forschungsprojekte im Bereich der Medizin und der Biologie - demgegenüber standen nur 1.3 Millionen Franken des 3R-Kompetenzzentrums für die Erforschung von Alternativmethoden zur Verfügung. Nur: Von den SNF-Geldern werden nicht nur Tierversuche, sondern auch Versuche mit Alternativmethoden und Forschungsprojekte mit Menschen finanziert. Demgegenüber waren die Gelder des 3R-Kompetenzzentrum reserviert für die Erforschung von Methoden, welche Tierversuche ersetzen, reduzieren oder weniger belastend machen können (siehe dazu auch die Frage «Steht für Tierversuche mehr Geld zur Verfügung als für tierversuchsfreie Methoden» im FAQ Tierversuche).
4) Sind die Zahlen verallgemeinerbar?
Nicht jedes wissenschaftliche Ergebnis lässt sich verallgemeinern. Bei der Entwicklung von Medikamenten gibt es beispielsweise grosse Unterschiede in der Erfolgsrate: Medikamente gegen Herz-Kreislaufkrankheiten erhalten häufiger eine Marktzulassung als Medikamente gegen Krebs (siehe Behauptung B4). Es ist deshalb falsch, die krankheitsspezifischen Erfolgsraten bei der Medikamentenentwicklung auf alle Krankheiten zu extrapolieren.
5) Ich habe von zwei Studien mit Tieren gelesen, deren Ergebnisse sich komplett widersprechen - welcher Studie soll ich nun glauben?
Wissenschaftliche Studien untersuchen in der Regel nur eine spezifische Frage. Daher sollte man zuallererst versuchen, die wissenschaftliche Fragestellung nachzuvollziehen, bevor man Vergleiche zieht. Oft widersprechen sich die Studien gar nicht, sondern untersuchten lediglich sehr verwandte Forschungsfragen. Des weiteren ist eine einzige Studie in der Biomedizin eigentlich nie ausreichend, um eine Frage abschliessend zu klären. Gerade in der Grundlagenforschung kann es deshalb vorkommen, dass Studien publiziert werden, die bei einer Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Forschende versuchen dann, den Ursachen für die Unterschiede mittels Folgestudien auf den Grund zu gehen. Das gehört zum wissenschaftlichen Prozess, der nicht linear verläuft, sondern nur über mehrere sich ergänzende und aufeinander aufbauende Forschungsschritte neues Wissen schaffen kann.
Anders sieht die Sache aus, wenn es sich bei einer der beiden Studien um einen sogenannten «systematischen Review» oder eine «Meta-Analyse» handelt. Dabei werden alle vorhandenen Untersuchungen zu einer spezifischen Frage systematisch zusammengefasst und ausgewertet, um den aktuellen Stand der Wissenschaft zu dieser Frage abzubilden. Solche Studien haben eine höhere wissenschaftliche Aussagekraft als Studien, die nur die Ergebnisse eines einzelnen Experiments umfassen. Sobald also zahlreiche Untersuchungen zu einem Themengebiet zur Verfügung stehen, kann im Idealfall ein wissenschaftlicher Konsens entstehen, der auch von Expert*innen vertreten wird.
Noch einmal anders gelagert sind jene Fälle, in denen die Ergebnisse der Studie falsch oder verzerrt wiedergegeben wurden. Das geschieht - absichtlich oder unabsichtlich - wenn wissenschaftliche Inhalte nicht sorgfältig vermittelt werden. Erfahrene Wissenschaftsjournalist*innen mit dem entsprechenden Hintergrundwissen können diese Übersetzungsarbeit leisten. Bei Beiträgen, die von anderen Verfassern stammen, ist mehr Vorsicht geboten. Reisserische Schlagzeilen, einseitige Pauschalurteile und vollmundige Versprechungen sind allesamt Warnsignale für eine unseriöse Wiedergabe wissenschaftlicher Inhalte - selbst dann, wenn sie von Wissenschaftler*innen stammen.
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