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Handys heilen Alzheimer!?
Handystrahlen hätten bei speziell präparierten Mäusen die Erkrankung an Alzheimer verhindert und bei gesunden Mäusen das Erinnerungsvermögen verbessert. Dies sei das Resultat einer neuen Studie an der Universität von Tampa im Süden Floridas unter der Leitung eines Mister Gary Arendash.
<<<Bild links: 100 Mäuse, während 2 Jahren in Plastikbehältern gefangen, wurden mit einer Rundstrahl-Antenne (in der Mitte der Versuchsanordnung) mit einer Strahlungsart beschossen, die derjenigen von einem Handy geglichen haben soll.
von Hans-U. Jakob, 14.1.2010
Das Dumme an diesem Hoax ist nur, dass Mäuse gar nicht an Alzheimer erkranken können, weil sie gar kein Gedächtnis haben, welches mit demjenigen der Menschen nur im Entferntesten vergleichbar ist.
Wenn sich das Erinnerungsvermögen der Mäuse schon verbessert haben sollte, hätten sich diese laut Alzheimer-Test, für Menschen, mindestens an folgende Fakten erinnern müssen:
Wie ist ihr Name, wie alt sind sie, wann und wo wurden sie geboren, wo wohnen Sie (Ort, Strasse, Hausnummer) Mit wem sind Sie verheiratet, wann ist ihr Hochzeitstag, wie heissen ihre Nachbarn, welches Datum haben wir heute, wie spät ist es, zeichnen Sie ein Zifferblatt mit der aktuellen Zeigerstellung, zeichnen sie einen Grundriss Ihrer Wohnung, erklären Sie den Weg vom Bahnhof zu Ihrer Wohnung. Wie viel gibt 7×12, wie viel ist ein Viertel von 24 Usw. usw.
So ein Schmarren, werden sie sagen. Mäuse haben gar kein solches Gedächtnis. Richtig! Mäuse haben gar kein solches! Mäusen kann zwar, meistens mit tierquälerischen Massnahmen, ein gewünschtes Verhaltensmuster aufgezwungen werden. Mit menschlicher Gedächtnisleistung oder gar Intelligenz hat dieses jedoch nichts zu tun. Das ist bestenfalls ein natürlicher Selbsterhaltungsinstinkt. Weil Mäuse weder eine menschliche Gedächtnisleistung noch menschliche Intelligenz besitzen, können sie diese auch nicht verlieren. Somit können Mäuse auch nicht an Alzheimer erkranken. Was Maus nicht hat, kann Maus auch nicht verlieren und noch weniger muss sie davon geheilt werden.
Eine komplette Nullrunde?
Im Versuch unter einem „Wissenschafter“ namens Gary Arendaash ist denn auch nur die Rede dass während des 2-jährigen Versuchs unter der täglich 2-stündigen Bestrahlung mit 0.25Watt pro kg Mäusegewicht in den wenigen jungen Mäusegehirnen keine sogenannten Beta-Amyloyd-Plaques entstanden und dass sich bei den ältern, zuvor gentechnisch veränderten Mäusen die kognitiven Fähigkeiten nicht verändert hätten. Das war’s denn schon. Keine Spur von Verhinderung von Alzheimer, geschweige denn von einer Heilung
Da staunt der Laie und der Fachmann ärgert sich!
Denn die Bestrahlungsintensität von nur 0.25Watt pro kg Mäusegewicht entspricht rechnerisch etwa 2.3Vm (Volt pro Meter). Ein modernes I-Phone erzeugt am Kopf des Menschen jedoch gut und gerne mal Spitzen von 120V/m.
Doch nicht genug mit diesem Mumpitz. Die von den „Wissenschaftern“ publizierte Ganglinie zeigt, dass die Versuchsmäuse bloss einer Strahlung zwischen 0.25 und 1.75V/m ausgesetzt waren. Je nachdem, wo im Behälter sie sich gerade aufhielten.
Das ist aber noch nicht alles. Wäre noch das Antennendiagramm der Sendeantenne publiziert worden, wäre noch zu sehen gewesen, dass die Mäuse in den unteren und oberen Etagen gegenüber den mittleren, nochmals einer um die Hälfte reduzierten Strahlung ausgesetzt gewesen wären.
Noch der grössere Mumpitz war, dass die „Wissenschaftler“ für ihre Strahlung nur eine Trägerfrequenz von 918Megaherz verwendeten und offensichtlich deren Pulsierung mit 217 Hertz „vergassen“. Die Trägerfrequenz von 918 Megahertz entspricht zwar älteren GSM-Handys. Die meisten heutigen Handys laufen jedoch auf einer Trägerfrequenz von 1800Megahertz und die neuen UMTS-Handys sogar auf 2100Megaherz. Mit diesen wesentlich kürzeren Wellen und dazu noch gepulst, hätten die Mäusegehirne auch viel effizienter gestört werden können.
Es sieht so aus, als hätten die Leute von der Arendash-Gruppe messtechnisch keine Ahnung gehabt. Es wurde regelrecht „Mist gebaut“
Gestiegene Hirnleistung?
Plötzlich ist dann noch von einer gestiegenen Hirnleistung gesunder Tiere unter der oben beschriebenen Strahlung die Rede. Die Aktivitäten der Hirnzellen seien angeregt worden, der Blutfluss und der gesamte Energieumsatz höher.
Das war’s denn auch schon wieder. Auch hier sei die Frage erlaubt, was eine Maus denn überhaupt für eine Hirnleistung haben soll.
Eine mögliche Antwort kannte man schon vor 1000 Jahren:
Mäuse überlistet man bekanntlich mit Speck und garantiert nicht mit Handystrahlung.
Und wieso soll etwa gesteigerter Blutfluss und erhöhter Energieumsatz gesundheitsfördernd sein? Diese ergeben sich doch vor allem in Schreck- und Stresssituationen. Mit Heilwirkung gegen Alzheimer haben diese Phänomene sicher nicht das Geringste zu tun. Diese ergeben sich auch dann, wenn elektrosensible Menschen im elektromagnetischen Feld über Herzrasen klagen.
Unter diesen Aspekten ist die Schlussfolgerung der Arendash-Gruppe, dass die möglichen positiven Effekte der Handystrahlung auf das Gedächtnis bisher verborgen blieben eine Folge der fehlenden Langzeitstudien seien, als eine bodenlose Frechheit zu werten. Denn Anwohner einer Mobilfunk-Basisstation, die wie die Versuchsmäuse nur während 2 Stunden täglich mit 0.25 bis maximal 1.75V/m bestrahlt werden, könnten sich direkt glücklich schätzen. Hier liegen die Feldstärken in den meisten Fällen nämlich zwischen 0.6 und 6 V/m und dies während 24 Stunden täglich.
Fazit:
Mit bloss 100 Versuchsmäusen und einem gezinkten Versuchsaufbau den Rest der Welt mittels Handystrahlung von der Alzheimer-Krankheit erlösen zu wollen, muss als beispiellose „wissenschaftliche“ Arroganz bezeichnet werden.
Die Verbreitung der Arendash-Story ist gemäss der wissenschaftlich gefärbten Wortwahl und der Gleichzeitigkeit in allen europäischen Medien, als ein von langer Hand vorbereiteter und koordinierter Coup der Mobilfunkindustrie zu werten. Einmal mehr zeigt sich, wie mit Hilfe von in Geldnöten steckenden Hochschulinstituten, mit dem nötigen Kleingeld jedes beliebige Forschungsresultat eingekauft werden kann.
Fahrlässig bis kriminell ist auch das Verhalten der Journalisten und Zeitungsverleger, die solche PR-Meldungen verbreiten. Vielleicht nicht aus purer Dummheit, aber ganz sicher in der Hoffnung auf fette Inseratenaufträge.