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Say it With Music!
Volare, der Siegersong des Sanremo-Festivals 1958, beschreibt wie kaum ein anderer Song die Aufbruchsstimmung der Nachkriegsjahre. Welch scheinbar unbeschwerte Zeit! Volare, das Fliegen wird einer immer breiteren Bevölkerung zugänglich. Gleichzeitig nimmt die Königin der Lüfte, die Lockheed Super Constellation, Abschied zugunsten der moderneren und kostengünstigeren Düsenmaschinen. Ein Rest von Glamour blieb mit dem Jetset.
Fly Me to the Moon, 1954 berühmt geworden durch den damaligen Megastar Frank Sinatra, nimmt den Wettlauf zum Mond voraus, ausgelöst durch den Sputnikschock von 1957. Wer hat damals nicht in den Himmel gestarrt, um das kleine Pünktchen am Nachthimmel zu erspähen?
Sous le Ciel de Paris, 1951 bekannt geworden durch Juliette Greco und natürlich Edith Piaf, den Spatz von Paris. Paris war damals eine Art Kulturhauptstadt Europas bezüglich Philosophie, Design, Musik oder Mode. Aber es gab auch eine Gegenströmung, inspiriert von Idolen aus den USA … Im deutschsprachigen Raum nannte man diese Figuren „die Halbstarken“.
Jailhouse Rock (1957) von Elvis Presley repräsentiert den Zeitgeist der Rebellion und des Aufbegehrens der Jugend. Skandale und Verbrechen lauern überall. Da kommt die Geschichte von Donald Hume, dem Bankräuber und Mörder, gerade richtig als Opener der Erstausgabe des Blicks am 14. Oktober 1959.
Take Five (1959), der Jazzklassiker im 5/4-Takt von Dave Brubeck, nimmt es da gelassener, cooler. Der Jazz wurde in den 50er-Jahren moderner, intellektueller. Das Auto-Design ebenfalls. Der Citroën DS19, die „Déesse“, war der Star am Automobilsalon Paris von 1955. Der französische Philosoph Roland Barthes war hingerissen und schrieb eine der schönsten Designkritiken.
Estate (1960): Sommer, Meer, Italien … Der Bossa Nova aus der Feder des italienischen Komponisten Bruno Martino umschreibt das Sehnsuchtsziel Italien des aufkommenden Tourismus. Vor allem im Nachkriegsdeutschland fuhr, wer konnte, gen Süden, zunächst mit der Eisenbahn, aber bald mit dem eigenen Zwei- oder Vierrad.
Doodlin’(1954), Horace Silvers Hymne ans Nichtstun, besinnt sich auf die Wurzeln des Jazz, den Blues, jedoch neu interpretiert. Doodling … gemütlich durch den Tag gehen, tun, was einem gefällt … Die Arbeitsstunden wurden weniger, Freizeit und Hobbys wurden wichtiger. Der Sport ganz besonders der Fussball gewinnt an Bedeutung. Das Schlüsselerlebnis wird das Wunder von Bern, als Deutschland Ungarn am 4. Juli 1954 an der Weltmeisterschaft im Berner Wankdorf 3:2 besiegt.
Whisper Not (1956), ein wunderschöner Song von Benny Golson über eine verlorene Liebe. Es ist die Melancholie, welche die Brücke zum Thema der Hybris menschlichen Tuns schlägt. Am 8. Dezember 1953 präsentierte der amerikanische Präsident Dwight Eisenhower vor der Uno seine Initiative Atoms for Peace. Sie soll das ramponierte Image der USA nach den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki wiederherstellen. Alfred Rasser wusste um die Gefahren in seinem Sketch „S Schwämmli (Pilze)-Männli“ (1965) wohl besser.
What a Wonderful World (1967) – mit diesem Song, der sehr schnell sehr erfolgreich war, versuchte Louis Armstrong gegen die Widrigkeiten der Zeit anzusingen und Hoffnung zu stiften. Und die Zeiten waren dunkel. Am 5. November 1956 marschierten sowjetische Truppen in Ungarn ein. Und das eben erst gegründete Schweizer Fernsehen berichtete darüber. Der Globus drehte sich weiter. Die langen 60er-Jahre brachen an und mit ihnen das Wirtschaftswunder.
Chega de Saudade, 1958. No More Blues von Antonio Carlos Jobim erzählt vom Rückzug ins Private, in die Zweisamkeit der eigenen vier Wände. Es ist die Zeit der Haushaltsmaschinen und einer Neuerfindung des klassischen Bildes der Frau am Herd. Die britische Zeitschrift “Housekeeping Monthly“ schildert den damaligen Zeitgeist in ihrer Ausgabe vom 13. Mai 1955:
„Verwöhnen Sie ihn!“