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Die königlichen Corgis
Es ist cool, der Liebling der Königin zu sein
Die Mehrheit des Personals am englischen Hof teilt die Liebe der Königin zu ihren Corgis nicht. Nicht zuletzt weil die Hunde dazu neigen, mit hochnäsiger Nonchalance Teppiche und Möbel zu markieren. Selbst reichliche Vorräte an Haushaltpapier und Sodawasser können es mit den Flecken nicht aufnehmen und Blut ist noch schwieriger zu entfernen. So sehr man auch schrubbt, kann man nicht verbergen, dass die tragische Tötung des Lieblingscorgis der Königin nur ein Zwischenfall war in einer langen Reihe von unglückseligen Ereignissen von Eifersucht, unprovozierten Beissereien, unerwünschten Trächtigkeiten und sogar Mord unter den königlichen Begleitern.
Trotz ihrer geringen Grösse sind Corgis schnell und energisch genug, um während den vergangenen Jahrhunderten die Herden gegen Wölfe und andere Raubtiere zu bewachen. Und mit vereinten Kräften gelang es dem königlichen Rudel, den Butler Paul Burrell auf einer vereisten Treppe zu Fall zu bringen.
Es war also Pech für den pummeligen Pharos - nach dem Leuchtturm von Alexandria benannt - dass er einem Bull Terrier in die Quere kam, der seinem Leben ein Ende setzte.
Das tragische Ereignis an Weihnachten 2003 nahm seinen Lauf unter festlichen Vorzeichen, als sich die königliche Familie für die Feiertage im Schloss Sandringham in Norfolk versammelte. Als Prinzessin Anne mit ihren Bull Terriern Dottie und Eglantyne eintraf, sausten die Corgis der Königin die Treppe hinunter, um sie zu begrüssen. Laut einstimmiger Zeugenaussagen warf sich die dreijährige Dottie auf Pharos, verbiss sich mit ihren kräftigen Kiefern in sein Hinterbein und weigerte sich, ihr Opfer loszulassen. Dabei verursachte sie so grossen Schaden an Pharos, dass man gezwungen war, ihn einzuschläfern.
Für solche Zwischenfälle gibt es zwar einen Notplan. 1991 wurde ein Dog Stop Alarm angeschafft, ironischerweise auf Veranlassung von Prinzessin Anne. Es handelt sich dabei um eine Pfeife mit einem schrillen Ton von 120 Dezibel. Bei dieser Gelegenheit kam die Pfeife nicht zur Anwendung.
So etwas geschieht in den besten Familien und es war absolut nicht das erste Mal, dass unter den vierbeinigen Mitgliedern der Familie Windsor ein Mord geschah. Ein ähnlicher Fall ereignete sich 1989, als der damalige Favorit der Königin, der "Dorgi" Chipper (Dackel-Corgi-Mischling) von Ranger, einem Corgi der Königinmutter, "zerfleischt" wurde.
Pharos Tod war besonders schmerzlich für die Königin, hatte sie doch kurz zuvor einen Weihnachtsstrumpf für ihren Liebling gefüllt.
Die Geschenke für die Hunde, die alle vom Tierfutterhersteller Armitage in Nottingham stammen, enthalten Donuts, Schokolade Drops, Spielzeug (seit 2011 ohne "Squeek"!), ein Knallbonbon und ein Stück Kuchen.
Man kann den Schmerz der Königin nachvollziehen. Die königlichen Corgis, die seit bald 80 Jahren zum Palastleben gehören, haben einen besonderen Platz im Herzen der Königin. Sie füttert sie eigenhändig, sorgt dafür, dass sie keine Flöhe haben, und schimpft mit ihnen, wenn sie sich nicht ordentlich aufführen.
Sie haben einen sehr hohen Status und können sich mit den prominentesten Gästen messen.
Bei einem Anlass entdeckte ein nervöser Bischof, dass er einen Fauxpas begangen hatte. Er hatte einen Hundekeks von einem Silbertablett genommen in Unkenntnis darüber, dass die Königin die Gewohnheit hatte, den Hunden nach dem Mittagessen einen Leckerbissen zu geben.
Ein anderer Gast war so gerührt als er sah, wie die Königin Kekse auf den Boden warf, dass er einen vorsichtigen Scherz wagte. "Meine Hunde betteln auch, Ma'am", sagte er. Die Antwort der Königin war eisig: "Meine Hunde betteln nicht."
Was sieht die Königin in diesen Hunden, die von der Dienerschaft des Schlosses einhellig verabscheut werden. Die Prinzessin Michael sagt, dass sie manchmal Lust hat, sie zu erschiessen. (Die Königin soll dazu bemerkt haben: "Sie benehmen sich besser als sie.")
Sie stellen die Geduld des Herzogs von Edinburgh auf die Probe. "Die verflixten Hunde! Warum musst du so viele haben?", hörte man ihn einmal murren. Sie beissen sogar die königliche Hand, die sie füttert: 1991 musste die Hand der Königin mit drei Stichen genäht werden, nachdem sie versucht hatte, eine Rauferei unter den Corgis zu verhindern.
Die königliche Corgi-Geschichte begann, als die junge Prinzessin Elizabeth im Hyde Park mit einem Corgi spielte, der dem Viscount Weymouth gehörte, und ihre Eltern, den damaligen Herzog und die Herzogin von York dazu überredete, ihr doch auch so einen Hund zu schenken.
Dieser Hund, dessen Name auf dem Stammbaum Rozavel Golden Eagle lautete, wurde Dookie genannt - eine Abkürzung für Duke (Herzog) - wegen seines hochnäsigen Wesens und seiner Weigerung, in Anwesenheit anderer Hunde zu fressen.
Trotz Dookies Angewohnheit, in Fersen und ausgestreckte Hände zu schnappen, wurde nach drei Jahren noch ein Corgi, Rozavel Lady Jane, für Prinzessin Margaret angeschafft. Das Paar gründete aber keine Dynastie. Dookies Hochnäsigkeit entwickelte sich zu einer Abneigung gegen das andere Geschlecht.
Jane wurde 1944 im Windsor Park von einem Auto überfahren und als Ersatz erhielt Prinzessin Elizabeth zu ihrem 18. Geburtstag am 21. April 1944 ihren ersten eigenen Corgi, die zwei Monate alte Susan (Hickathrift Pippa).
Bis anhin waren die Corgis eine recht unbekannte Rasse, die erst 1928 vom Kennel Club als Rasse mit dem Recht auf einen Championtitel anerkannt wurde. Während andere die Corgis lächerlich fanden, erkannte Elizabeth ihre Qualitäten, mit denen man sie offiziell verbindet: lebhaft, anhänglich, mutig, intelligent und lernfreudig.
Als Elizabeth und Prinz Philip als neuvermähltes Paar im offenen Wagen durch London in die Flitterwochen in Hampshire fuhren, fuhr Susan mit, versteckt unter der Reisedecke.
Susan wurde die Stammmutter von über 30 Corgis, war aber nicht gerade ein Vorbild. Ihre Aggressivität war legendarisch. Als Susan 1959 im Alter von 15 Jahren starb, wurde sie mit allen Ehren auf Sandringham begraben.
Die Kinder der Königin beklagten sich später, dass sie ihre Mutter nie gesehen haben, ohne dass ihre Corgis dabei waren. Prinz Charles gibt zu, dass er die Rasse nicht mag und Labradors bevorzugt. Die Corgis herrschten immer alleine, Katzen waren nicht willkommen. Eine reinrassige Siamesen-Katze, die Prinzessin Elizabeth als Hochzeitsgeschenk erhielt, wurde einer Köchin übergeben.
Die Corgi-Rituale sind Teil des Palast-Alltags. Man sagt, dass die Hunde jeden Morgen am Fuss der Treppe auf die Königin warten. Offiziell übernachten sie im "Corgi Zimmer", einem umgebauten Stauraum, in speziell angefertigten Weidenkörben, die auf niedrigen Füssen stehen, um die Hunde vor Zugluft zu schützen.
Nach dem Mittagessen macht sie gerne einen Spaziergang im Park mit mehreren Hunden und später, beim 5 Uhr Tee, erhalten die Hunde ihre Hauptmahlzeit.
In seinem Buch "A Royal Duty" (Eine königliche Pflicht) beschreibt Burrell, wie die Königin die Futterportionen mit einem silbernen Löffel und einer Gabel anrichtet: frisches Kaninchenfleisch und Hundebiskuits und dazu noch etwas Fleischsauce. Es war seine Aufgabe, die gelben Futterschüsseln auf ihren Untersetzern im Halbkreis anzuordnen, um jeglichen Verdacht der Bevorzugung unter dem eifersüchtigen Rudel zu vermeiden, während die Hunde speichelnd auf das Zeichen warteten, dass sie fressen durften.
"Sie ist die fürsorglichste Hundebesitzerin, die man sich vorstellen kann", sagt Burrell. "Wenn ein Corgi einen Hustenanfall hatte, kroch sie auf dem Boden, um ihn festzuhalten und seine Kiefer zu öffnen, während ich die von ihrer Majestät verordnete Dosis Hustenmedizin hineinspritzte."
Die "königlichen" Corgis aus dem Film The Queen
Am 25. Mai 2009 berichtete Mail Online, dass die Queen beschlossen hatte, nach über 60 Jahren mit der Corgi Zucht unter dem Zwingernamen Windsor aufzuhören. Jede Hündin hatte jeweils nur einen Wurf und die Welpen, welche die Queen nicht selbst behielt, wurden nicht verkauft sondern an gute Plätze abgegeben. Aber die Königin scheint realisiert zu haben, dass sie älter wird und sich nicht mehr um eine grosse Meute kümmern kann.
Zur Zeit besitzt die Königin drei Corgis: Monty, Willow and Holly und drei "Dorgis": Cider, Candy and Vulcan.
Januar 2012