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1946 wurde die Theatergruppe Friesenberg (TGF) von Leo Seidl gegründet. Bis heute konnte die TGF über 73 Theaterstücke inszenieren, darunter auch einige Uraufführungen. Wie alles begann.
Im Frühjahr 1946 gründete der idealistische Bankangestellte Leo Seidl (* 27. Januar 1906; † 11. Februar 1969), zusammen mit seiner Frau Anna, die Theatergruppe Friesenberg. Es entstand nicht etwa ein neuer dramatischer Verein, in dessen Repertoire Zigeuner unschuldige Grafentöchter verschleppten oder oberbayrische Förster und Wilddiebe um die Wette knallten.
Dem kitschigen Rührstück hatte der Regisseur und Charakterdarsteller Leo Seidl, der oft mit Emil Hegetschweiler verglichen wurde, den Kampf angesagt. Statt dessen wollte er gutes, lustiges Volkstheater bieten, dem wir heute noch treu sind. Der Anfang war allerdings nicht gerade ermutigend. Ein Saal stand zwar im Kirchgemeindehaus zur Verfügung, doch fehlte es am Probelokal. In den kleinen Stuben der Mitglieder und sogar in einer Garage musste zunächst geübt werden. Das dauerte bis 1960. Dann konnte man den Schweighofsaal samt Probelokal in Betrieb nehmen. Seit 1993 finden die Aufführungen wieder im neu gestalteten Kirchgemeindesaal statt.
Szene aus der Reprise des Theaterstücks „Winkelgässli 7“ aus dem Jahr 1966.
Kehren wir nochmals in das Jahr 1946 zurück. Die erste Vorstellung konnte ausverkauft und eine zweite angesetzt werden. Später gab es bis zu drei Wiederholungen, nebst auswärtigen Gastspielen. Im Laufe der Ära Leo Seidl, sie dauerte bis zu seinem Tode im Jahre 1969, sind 29 abendfüllende Dialektstücke, darunter einige Uraufführungen, über die Friesenberger Bühne gegangen. Bis weit über die Quartiergrenzen hinaus bekam die Theatergruppe Friesenberg einen beachtlichen Ruf. Leider wurde nach dem Tod von Leo Seidl kein Nachfolger gefunden, und damit ruhte der Spielbetrieb für eine längere Zeit.
Doch die Liebe zum Volkstheater blieb in den Schauspielern haften. Am 12. März 1976 wurde die Theatergruppe Friesenberg durch die Initianten Hans Bont, Gusti Kopp und Walter Schmid wieder neu ins Leben gerufen. Wie vor 30 Jahren war der Start keine Leichtigkeit. Es musste mit vereinten Kräften am gleichen Strick gezogen werden. Doch was man mit Liebe tut, hat Erfolg. Am 28. Januar 1978 gelangte das Theaterstück „Gueti Vorsätz“ für ein erstes Engagement in Horgen auf die Bühne, und bereits ein Jahr später, am 27. Januar 1979, hiess es im Friesenberg „Vorhang auf“ für die Uraufführung des Stücks „Pension Seeblick“. Der Erfolg war gross. Das treue Publikum hatte die guten Leistungen der Friesenbergler nicht vergessen. Somit hatte das Quartier seine eigene Theaterkultur wieder gefunden, die bis heute besteht.
Einladung vom 1. März 1976 zur Gründungsversammlung der Theatergruppe Friesenberg.
1992 führte Edi Huber das erste Mal Regie bei der Theatergruppe Friesenberg. Danach inszenierte er von 1995 bis 2015 jedes Jahr ein Theaterstück mit dem Verein, formte und forderte die Amateurschauspieler und trieb sie zu Höchstleistungen an. Damit verschaffte er der Theatergruppe den Namen und Erfolg, den sie heute geniessen darf. Sein sicheres Gespür für Humor, seine strikte Forderung nach natürlichem Spielen und auch seine an Sturheit grenzende Aversion gegen Falschbetonungen sind in den vergangenen Jahren auf die Schauspieler übergegangen und haben diese grossen Erfolge erst möglich gemacht. Aus Altersgründen trat Edi Huber mit 88 Jahren an der Derniere vom 28. März 2015 zurück. Am 16. August 2016 verstarb er im Alter von 89 Jahren nach anhaltenden gesundheitlichen Problemen in Zürich.
Szene aus dem Theaterstück „Pension Seeblick“ im Jahr 1979 mit den Gründungsmitglieder Hans und Rösli Bont.
In der neueren Geschichte der Theatergruppe Friesenberg dürfen zwei Highlights nicht unerwähnt bleiben.
Im Mai 2000 erhielten wir die Möglichkeit, unsere Kriminalkomödie „Eine Leiche auf Abwegen“ im Bernhard-Theater Zürich aufzuführen. Damit ging für uns ein Traum in Erfüllung, konnten wir doch einmal auf dieser legendären und bekannten Schweizer Unterhaltungsbühne spielen.
Im Juni 2019 fand in Meiringen das 1. Volkstheaterfestival der Schweiz statt, an dem wir als eine von acht nominierten Theatergruppen mit unserem Theaterstück Wie wär's mit Tee? teilnehmen durften. Was für ein toller Erfolg: Unser Gian Valenti gewann für seine Rolle als Zimmerkellner Felix die „Goldene Meringue“ als bester Nebendarsteller.
Seit Jahren nun darf sich die Theatergruppe Friesenberg auf ein treues Stammpublikum verlassen, welches mit jedem Jahr mehr Theaterfreunde für sich gewinnt. Das zeigt sich auch in der Anzahl der Aufführungen. Waren es im Jahr 2000 noch deren neun, so zählen heute jeweils 14 Aufführungen im Jahr fest zum Programm, drei davon mit dem beliebten Spaghettiplausch. Rund 3000 Personen jährlich besuchen unsere Aufführungen. Viele der Aufführungen sind jeweils rasch ausverkauft.
Den Vorverkauf haben wir in den letzten Jahren konsequent ausgebaut und modernisiert. Wer schon seit mehreren Jahren unsere Aufführungen besucht weiss, wie schwer es früher war, Tickets zu reservieren. Die Telefonleitung war ständig besetzt. Kein Wunder, war es doch der Privatanschluss von Mitgliedern wie Margrit und Joosli Brunold, die geduldig und mit viel Ausdauer stundenlang die Anrufe entgegennahmen. Abhilfe schaffte 2004 die Zusammenarbeit mit der Profi Office GmbH, einem Callcenter, welches bis heute für uns den telefonischen Vorverkauf abwickelt. Zeitgleich konnte man erstmals auch über unsere Internetseite Tickets reservieren. 2014 führten wir die sitzplatzgenaue Reservation ein, womit erstmals die aufwendige manuelle Platzierung aller Reservationen entfiel.
Rund 75 Mitglieder und Helfer sind heute mit viel Leidenschaft dabei, wenn es darum geht, Jahr für Jahr wieder eine erfolgreiche Theatersaison auf die Beine zu stellen.
Unsere Besucher kommen mittlerweile aus über einem Dutzend Kantonen. Damit hat die Theatergruppe Friesenberg heute weit über die Quartiergrenzen hinaus einen Platz eingenommen, der verpflichtet, gutes Volkstheater zu bieten. Wir stellen uns gerne dieser Aufgabe und hoffen, dass wir noch viele Jahre all unseren Theaterfreunden gute Unterhaltung und einen tollen Theaterbesuch bieten können.