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“Mein Leben: Eine lange Geschichte”, verfasst mit David Ritz, beginnt mit einem Ende. An einem solchen fühlte sich Willie Nelson Anfang der 1990er Jahre, als er eine Rechnung in der Höhe von mehr als 32 Millionen Dollar an Steuerschulden präsentiert bekam.
Auf die Frage eines Beraters, was er nun zu tun gedenke, antworte der Künstler: “Einen rauchen, eine Partie Golf spielen, ein Nickerchen machen und dann Domino spielen.” Ein echter Willie Nelson bleibt eben entspannt und sucht dann nach Lösungen.
Als der spätere Barde am 29. April 1933 geboren wurde, “war Hoffnung ein seltenes Gut”, wie er schreibt. “Die Weltwirtschaft hatte das Land schwer getroffen.” Die Oma förderte klein Willie beim Musizieren, sein Schwager stellte dem jugendlichen Nelson eine erste Band zusammen.
Doch es dauerte lange, bis sich erste Hits – zunächst noch für andere Künstler geschrieben – einstellten. Als DJ, Tellerwäscher und Staubsaugerverkäufer versuchte Nelson, genug Geld zu verdienen, um für seine erste Frau, die er mit 19 heiratete, und seine Kinder zu sorgen.
Nelson schildert seine frühen Jahre ausgiebig und mit Anekdoten angereichert, verdeutlicht den schwierigen Weg eines ambitionierten Musikers, dem man wegen seiner “seltsamen Phrasierung” beim Singen wenig zutraut. “Ich bin ein Wanderer. Ich bin ein Rebell. So war ich immer. Das ist meine Natur”, schreibt er.
Man kann sich bei der Lektüre der Biografie, die sich wie ein langer Nelson-Song liest, oft ein Grinsen nicht verbeissen. Etwa wenn Nelson, der sich seit langem für die Legalisierung von Marihuana ausspricht, schildert, wie er beim Weissen Haus einen Joint rauchte.
Oder wenn er die Tatsache, dass er fast zwei Jahre mit zwei Frauen verheiratet war, trocken kommentiert: “Ich weiss, dass das nicht in Ordnung war, aber so sind die Fakten.”
In den vergangenen zehn Jahren hat Nelson zwei Alben pro Jahr herausgebracht. “Ich singe ganz okay, ich spiele ganz okay, und ich weiss, dass ich gute Songs schreiben kann, aber trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, viel mehr bekommen zu haben, als mir zusteht”, bilanziert er bescheiden.
(SDA)