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Pulsstatus
Im Anschluss an eine ausführliche Anamnese folgen die Inspektion und die Palpation. Letzteres beinhaltet neben der Objektivierung von Temperaturunterschieden und der Hautbeschaffenheit eine Erhebung der Pulse. Fehlende Pulse sind ein wichtiger Prädiktor für das Vorhandensein einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit.
Verschlussdruckwerte
Ähnlich wie bei der Blutdruckmessung am Oberarm kann auch an den Beinen mittels einer Manschette der Verschlussdruck ermittelt werden. Die Perfusionsdrücke sind wichtig um den Schwerergrad bei PAVK zu quantifizieren (kritische Ischämie: Perfusionsdruck <50 mmHg). Ausserdem lässt sich mit dem höheren (pro Bein) gemessenen Perfusiondruck im Vergleich zum Oberarm-Blutdruck der Ankle-Brachial-Index (ABI) ermitteln. Ein ABI <0.9 dient als Definition für das Vorliegen einer PAVK; unabhängig ob jemand Beschwerden hat oder nicht.
Oszillographie
Währenddessen mit den Verschlussdrücken noch keine Aussage über die Lokalisation einer Gefäss-Obstruktion gemacht werden kann, dient dazu die Ozsillographie. Bei der Oszillographie handelt es sich um eine Aufzeichnung der mit dem Herzzyklus auftretenden Druck-/Volumenschwankungen der Extremitäten. Form und Höhe der Amplitude geben dabei Aufschluss über Schweregrad und Lokalisation des Gefässproblems.
Farbkodierte Duplexsonographie
Die Duplexsonographie ist eine nicht-invasive Untersuchung um einerseits das Gefässproblem genau lokalisieren und abschliessend beurteilen zu können, andererseits aber auch die Aussagen über die Therapie Möglichkeiten machen zu können.
Hierbei geht es um Fragen ob es sich um eine Stenose oder einen kompletten Gefässverschluss handelt, die Länge der Gefässobstruktion und deren genaue Lokalisation. Basierend auf diesen Informationen können erste Aussagen über das optimale Behandlungsverfahren gemacht werden.
Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
Neben einer optimalen Kontrolle der kardiovaskulären Risikofaktoren ist die Verbesserung der Bein Durchblutung oft notwendig. Diese kann minimal-invasiv (kathetertechnisch) oder chirurgisch erfolgen.
Bei der Katheter-basierten Behandlung (PTA: perkutane transluminale Angioplastie) wird (meist) die Leistenarterie lokal unempfindlich gemacht und punktiert. Über den Arterien-Zugang kann mit dem Draht die Gefässengstelle sondiert werden. Das Ganze erfolgt unter Röntgenstrahlung und die Gefässe werden mittels Kontrastmittel dargestellt.
Die Gefässobstruktion kann mittels Ballon- und/oder Stentkathetern behandelt werden. Mit den Ballonen wird die Engstelle aufgedehnt und diese nachfolgend wieder entfernt, währenddessen die Stents (=Gefässstütze) im Gefäss verbleiben. Ob ein Stent notwendig ist, hängt weitgehend vom Resultat nach der Ballon Dilatation ab und kann meist nicht sicher im Voraus festgelegt werden.
Nach erfolgter Behandlung wird die Punktionsstelle entweder manuell durch abdrücken oder durch ein Verschlusssystem verschlossen. Unabhängig davon erfolgt eine Kompression der Punktionsstelle (in der Regel für 6 Stunden) währenddessen der Patient nicht aufstehen darf.
Am Tag nach dem Eingriff können die meisten Patienten nach erfolgter Nachkontrolle und komplikationslosem Verlauf das Spital wieder verlassen und nach Hause.
Mögliche Komplikationen einer PTA:
- Blutung / Hämatom im Bereiche der Punktionsstelle
- Persistierende (dumpfe) Schmerzen im Bereiche des behandelten Gefässabschnitts
- Frühverschluss des behandelten Gefässabschnitts
Chirurgische Therapieverfahren
Die chirurgischen Therapieverfahren bieten wir von der Gefässmedizin Südost in Zusammenarbeit mit unseren geschätzten Kollegen Dr. Looser & Dr. Traber an. Unsere beiden erfahrenen Gefässchirurgen kommen jeweils freitags nach Schiers um das chirurgische Therapiespektrum anzubieten.
Thrombendarterektomie (TEA)
Die chirurgische Thrombendarterektomie wird meist bei Befall der Leistenarterie und deren Abgänge (Oberschenkelarterien) angewendet. Dabei wird die Leistenarterie chirurgisch freigelegt und eröffnet. Die arteriosklerotischen Verkalkungen werden anschliessend ausgeschabt und entfernt woraufhin die Arterie und die Haut wieder verschlossen wird. Hierbei handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff was im Anschluss an die Operation einen längeren Spitalaufenthalt (2-4 Tage) zur Folge hat.
Bypass-Anlage
Es gibt Situation wo eine minimal-invasive Katheterbehandlung nicht aussichtsreich ist. Das bei gewissen Aortenerkrankungen oder auch langen / chronischen Verschlüssen der Becken- oder meist der Oberschenkelarterien sowie auch rezidiverenden Re-Verschlüssen nach erfolgter Katheter Behandlung. In solchen Fällen kann es sein, dass die Anlage eines Bypasses (Umgehung des verschlossenen Gefässes) mit Ihnen diskutiert wird. Hierfür können sowohl prothetische (Kunststoff) Bypässe oder ein Venenbypass zum Einsatz kommen. Deshalb erfolgt vorgängig immer eine Duplexsonographie zum Schauen ob überhaupt eine geeignete Vene bei Ihnen vorhanden ist; in der Regel werden hierfür oberflächliche Beinvenen verwendet.
Eine Bypass Operation ist eine grössere Sache – die Operation dauert je nach Komplexität meist um die 2 Stunden. Die Arterie wird ober- und unterhalb des Verschlusses freigelegt, die körpereigene Vene oder der Kunststoffbypass eingenäht und anschliessend die Haut wieder verschlossen. Die Operationen erfolgen in der Regel in Vollnarkose und auch hier ist mit einem mehrtägigen Spitalaufenthalt im Anschluss an die OP zu rechnen.
Dilatative Arteriopathie
Neben den verengenden gibt es auch erweiternde Arterienerkrankungen (=Aneurysmata).
Häufig ist die Bauchschlagader (=Aorta) und das bei Männern >65-jährig und mit Nikotin (aktiv / stattgehabt) betroffen. Das Bauchaorten Aneurysma ist definiert als eine fokale Erweiterung von >3.0 cm. Mit zunehmendem Durchmesser steigt das Risiko, dass das Aneurysma platzen kann. Die Ruptur eines Bauchaorten Aneurysmas ist mit einem sehr hohen Mortalitätsrisiko (>50%) behaftet weswegen die Prävention sehr wichtig ist. Deswegen hat das Screening von allen Männern und Frauen im Alter von 65 Jahren mit einer Nikotin-Anamnese eine grosse Bedeutung. Beim Bauchaorten Aneurysma ist neben dem absoluten Durchmesser (Männer >5.5 cm // Frauen >5.0 cm) die Indikation zur Ausschaltung bei einem Wachstum von >10% im Jahr und/oder Beschwerden als Folge des Aneurysma’s gegeben. Hier richten sich die Therapieverfahren nach der Morphologie des Bauchaorten Aneurysmas weswegen zur Therapieplanung immer eine Schnittbildgebung (meist eine Computertomograhie mit Kontrastmittel) zu erfolgen hat.
Nach dem Bauchaorten-Aneurysma ist das Poplitealaneurysma die 2. Häufigste Aneurysma Manifestation. Im Gegensatz zu Bauchaorten Aneurysma steht hier die das Ruptur-, sondern das Embolisationsrisiko im Vordergrund. Als Folge des Aneurysmas kommt es zu Verwirbelungen des Blutflusses in der Kniekehlenarterie was zu Blutgerinnseln führen kann. Diese können spontan abgehen und die Unterschenkelarterien verschliessen. Je nach Lokalisation und Schweregrad der Embolisation führt das zu einer akuten Ischämie was ein hohes Amputationsrisiko mit sich bringt.
Bei der akuten Ischämie handelt es sich um einen gefässmedizinischen Notfall. Klinisch präsentiert sich eine akute Ischämie in Form von akuten, stärksten Schmerzen, einem blassen / lividen Fuss/Bein und möglicherweise einer Einschränkung der Sensomotorik (des Gespürs und der Beweglichkeit). Die Wiederherstellung der Beindurchblutung hat in diesem Fall oberste Priorität um eine Bein-Amputation zu vermeiden.
Damit es gar nicht erst soweit kommt, ist bei Patienten mit einem Poplitealaneurysma mit Thrombusnachweis eine Antikoagulationstherapie (Blutverdünnung) indiziert. Weiter kann ein chirurgisches Venen-Interponat zur Ausschaltung des Aneurysmas mit Ihnen diskutiert werden; das v.a. um die Blutverdünnung absetzen zu können.