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Die Medikamentenpreise sind in der Schweiz verglichen mit dem Ausland zu hoch. Die Differenz beträgt 19% bei den patentgeschützten Präparaten und 45% bei Generika. Im Krankenversicherungsgesetz (Art. 32) ist festgelegt, dass Leistungen im medizinischen Bereich also auch Medikamente wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich, das heisst kostengünstig sein müssen. Der Preisüberwacher spricht von einem Kostengünstigkeitsprinzip, das im …weiterlesen »
Die Medikamentenpreise sind in der Schweiz verglichen mit dem Ausland zu hoch. Die Differenz beträgt 19% bei den patentgeschützten Präparaten und 45% bei Generika.
Im Krankenversicherungsgesetz (Art. 32) ist festgelegt, dass Leistungen im medizinischen Bereich also auch Medikamente wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich, das heisst kostengünstig sein müssen. Der Preisüberwacher spricht von einem Kostengünstigkeitsprinzip, das im Gesetz verankert ist. Die Preise entscheidet das Bundesamt für Gesundheit. Die Kriterien für die Wirtschaftlichkeit sind in einer Verordnung festgelegt (KLV Art. 35). Das Bundesamt hat den Auftrag alle drei Jahre zu überprüfen ob Medikamente die Kriterien für die Vergütung durch die obligatorische Krankenversicherung noch erfüllen.
Da wir nun im Gesundheitswesen keinen freien Wettbewerb haben, stellt sich die Frage wie Wirtschaftlichkeit definiert und gemessen wird. Als Ersatz für den Wettbewerb wurden bei den Medikamenten zwei Kriterien verwendet: Der Vergleich der Preise mit dem Ausland und mit Preisen anderer Medikamente, die therapeutisch vergleichbar sind.
Auslandspreisvergleich:
Beim Auslandpreisvergleich wird mit Ländern verglichen, die ein vergleichbares Gesundheitswesen haben. Es sind dies Deutschland, Österreich, Frankreich, Holland, Dänemark und England. Die Auswahl zeigt, dass dies nicht unbedingt die Länder mit den günstigsten Medikamentenpreisen in Europa sind. Die von santésuisse jährlich durchgeführten Preisvergleiche zeigen, dass die Schweizer Preise in den vergangenen Jahren regelmässig über dem Durchschnitt dieser Länder lagen. Im letzten Preisvergleich von santésuisse lagen die Unterschiede bei 19% bei patentgeschützten Medikamenten und 45% bei Generika auf der Basis von einem durchschnittlichen Wechselkurs, der bei Fr. 1.26/€ lag. Die Schweizer Preise sind also zu hoch und sind weltweit auf einem der höchsten Niveaus. Um eine gewisse Wirtschaftlichkeit im Medikamentenbereich zu erreichen, ist eine regelmässige Überprüfung und Anpassung der Preise alle drei Jahre vorgesehen. Diese Regelung ist vorteilhaft für die Industrie aber nicht für den Prämienzahler/Konsumenten. Der Prämienzahler wartet nämlich drei Jahre bis ein Preis angepasst wird und subventioniert so die Pharmaindustrie. Zwie Drittel der in Schweiz verwendeten Medikamente kommt aus dem Ausland. Die Industrie ist aufgrund der Wechselkursänderungen unzufrieden und interveniert nun um die Regeln, die einmal gemeinsam vereinbart wurden, zu ändern. Sie lobbyiert und regt parlamentarische Vorstösse an, um den Preisabschlag zu verhindern. Der Bundesrat gerät dadurch zunehmend unter Druck und ist bereits der Industrie entgegengekommen, was der Industrie allerdings zu wenig ist. Die Industrie möchte die Preise möglichst hoch halten, um so, wie sie sagt, den Standortvorteil zu erhalten.
Aus der Sicht der Prämienzahler ist dies inakzeptabel, weil so eine florierende Industrie mit Prämiengeldern subventioniert wird. Es ist nicht einzusehen, warum ein in der Schweiz lebender Patient mehr als sein französischer oder deutscher Nachbar für dasselbe Medikament zahlen soll.
Therapeutischer Quervergleich:
Das zweite Kriterium der therapeutische Quervergleich wird vor allem beim Antrag zur Aufnahme auf die Liste der kassenvergüteten Medikament herangezogen. Verglichen werden soll der Preis des neu beantragten Medikamentes mit dem Preis eines Arzneimittels gleicher Indikation oder ähnlicher Wirkungsweise. Stellt das neue Medikament eine Innovation dar, so ist ein bis zu 20% höherer Preis möglich. Die Innovation wird durch den wissenschaftlichen Vergleich zur bisher besten zur Verfügung stehenden Therapie dokumentiert. Beim wirtschaftlichen Vergleich gelingt es der Pharmaindustrie aber immer wieder, dieses Instrument auszuhebeln mit der Argumentation, dass das neue Medikament etwas ganz anderes und neues sei und daher nicht verglichen werden könne. Was wissenschaftlich verglichen werden kann, kann nun gemäss der Industrie auf der Kostenebene nicht mehr verglichen werden. Bei Industrien wie z.B. die Auto- oder Computerindustrie, die sich im freien Wettbewerb befinden, werden innovative Produkte zu vergleichbaren oder günstigeren Preisen angeboten. Warum sollen für die Pharmaindustrie andere Massstäbe gelten?
Monsieur Santé und santésuisse setzen sich für die Prämienzahler ein, dass die bestehenden Regeln eingehalten werden und keine Standortpolitik für die Pharmaindustrie betrieben wird.