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"Unternehmerische Entscheidungen wären meist trivial, wenn die Zukunft sicher vorhersehbar wäre – also keine Risiken existieren würden. Der Umgang mit Chancen und Gefahren (Risiken) ist die zentrale Herausforderung für jede Unternehmensführung, insbesondere bei der Vorbereitung unternehmerischer Entscheidungen." Ausgehend von der Idee eines ganzheitlichen Managements von Risiken macht der Verfasser des vorliegenden Werks in seinem einleitenden Vorwort deutlich, dass das Risikomanagement (RM) nicht (nur) einzelnen Abteilungen überlassen werden sollte, sondern dass jedes Management auch als RM zu verstehen ist.
Seit der Verabschiedung des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) im Jahr 1998 hat sich das RM zu einem komplexen betriebswirtschaftlichen Instrumentarium entwickelt und gerade in den letzten Jahren wurde seine Bedeutung besonders evident. Unter den diversen politischen, gesellschaftlichen, ökologischen, rechtlichen und ökonomischen Unsicherheiten sind beispielsweise die durch die COVID-19-Pandemie ausgelöste "Corona-Krise" und die durch die militärische Intervention Russlands in der Ukraine verursachte Krise, einschließlich aller die Wirtschaft und Gesellschaft betreffenden Auswirkungen, zu erwähnen. Demnach sind Krisen meist das Resultat von eingetretenen Risiken. Hierzu zählen auch Unsicherheiten über die Auswirkungen des Klimawandels oder die mit der Digitalisierung von Geschäftsmodellen einhergehenden neuen Risiken, wie etwa Cyber-Risiken.
Die sechs Hauptkapitel des Handbuchs setzen sich mit den folgenden Schwerpunkten auseinander:
Das einführende Kapitel "Unternehmensführung in einer Welt mit Chancen und Gefahren" startet mit einem Überblick über die Bedeutung, Historie und Probleme des RM, erörtert danach grundlegende themenrelevante Begriffe und zeigt den ökonomischen Mehrwert eines RM auf. Dabei wird RM als ein System verstanden, "das dazu beiträgt, Transparenz über den Risikoumfang im Unternehmen zu schaffen und Entscheidungen unter Unsicherheit durch die Unternehmensführung zu unterstützen." Des Weiteren werden grundlegende Fragen des strategischen RM und die Problematik der Risikoblindheit thematisiert. Ergänzend werden auch die wesentlichen rechtlichen Rahmenbedingungen des RM – beginnend mit dem KonTraG bis hin zum Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) sowie dem Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (FISG) – und die für deutsche Unternehmen besonders wichtigen Standards referiert.
Im zweiten Kapitel "Risikoanalyse" werden die auf das Unternehmen einwirkenden Einzelrisiken systematisch identifiziert und anschließend im Hinblick auf ihre Eintrittswahrscheinlichkeit und quantitativen Auswirkungen bewertet. In diesem Zusammenhang werden auch ausgewählte Methoden für die Identifikation von Risiken, die Risikofelder im Einzelnen und die Verfahren zur quantitativen Beschreibung der Risiken durch geeignete Wahrscheinlichkeitsverteilungen näher behandelt. Zudem werden auch wichtige Risikomaße vorgestellt, welche einen Vergleich und eine Priorisierung unterschiedlicher Risiken ermöglichen.
Im Mittelpunkt des dritten Kapitels "Risikoaggregation, Gesamtrisikoumfang und stochastische Planung" steht die Aggregation von Risiken im Kontext mit der Unternehmensplanung, d.h. der Einsatz von Szenario-Simulationsverfahren (Monte-Carlo-Simulation), weil Risiken – anders als etwa Umsätze und Kosten – nicht addierbar sind. Zielsetzung ist die Bestimmung der Gesamtrisikomenge eines Unternehmens, die Beurteilung des Grads der Bestandsgefährdung sowie die Ermittlung der relativen Bedeutung der Einzelrisiken unter Berücksichtigung von Wechselwirkungen. Auf dieser Basis können zum einen die Planungssicherheit eines Unternehmens eingeschätzt und der Eigenkapitalbedarf zur Risikodeckung berechnet werden, zum anderen beispielsweise auch Ratingprognosen erstellt und risikogerechte Kapitalkostensätze für eine wertorientierte Unternehmensführung abgeleitet werden. Nicht zuletzt bildet die Transparenz über die Höhe einzelner Risiken und über den Gesamtrisikoumfang die notwendige Voraussetzung für die Initiierung von Risikobewältigungsmaßnahmen.
Mit Letzteren befasst sich das vierte Kapitel "Risikosteuerung, Risikobewältigung und Zukunftssicherung", welches die unterschiedlichen Ansatzpunkte für die Optimierung der Risikopositionen betrachtet. Die Risikobewältigung basiert auf Versicherungen (Risikotransfer) sowie diversen Strategien zur Risikovermeidung, -verminderung oder -begrenzung. Der traditionelle Fokus des RM, der sich mit vorhandenen Risiken auseinandersetzt, greift jedoch zu kurz. Deshalb bilden Konzepte für die nachhaltige Zukunftssicherung von Unternehmen einen Schwerpunkt der Ausführungen. Vorgestellt wird das Konzept eines robusten Unternehmens, das neben einer finanziellen Nachhaltigkeit eine robuste Strategie, eine resiliente Leistungserstellung und hohe Fähigkeiten im Umgang mit Chancen und Gefahren aufweist. In diesem Zusammenhang wird das Q-Score-Modell, ein Messkonzept für die Zukunftsfähigkeit und Überlebensfähigkeit von Unternehmen, vorgestellt. "Auf der höchsten Reifegrad-Stufe 6 eines "Embedded Risk Management" steht ein das gesamte Unternehmen durchdringender ganzheitlicher und alle Mitarbeiter einbeziehender Risikosteuerungsansatz ("Risk Governance")."
Bedeutende operative Maßnahmen der Risikobewältigung und Veränderungen der Strategie erfordern meist "unternehmerische Entscheidungen" (§93 AktG), die im Sinne der Business Judgement Rule nur von der Geschäftsleitung getroffen werden können. Die grundlegenden Methoden für die Vorbereitung solcher Entscheidungen werden im fünften Kapitel "Risiko bei unternehmerischen Entscheidungen: Controlling, Rating und wertorientierte Unternehmensführung" näher erläutert. Insbesondere wird gezeigt, wie bestehende Handlungsoptionen risikoadäquat bewertet können. Diese Verfahren zur Abwägung der jeweils erwarteten Erträge und der zugehörigen Risiken sind für die Verknüpfung von Controlling und RM sowie für die Weiterentwicklung des Controllings und der wertorientierten Unternehmensführung besonders wichtig. Speziell wird auch gezeigt, wie eine simulationsbasierte Unternehmensstrategie und Investitionsbewertung ein- und umgesetzt werden können, um eine sinnvolle Alternative zu den üblichen Unternehmensbewertungsansätzen auf der Grundlage des Capital Asset Pricing Modells (CAPM) zu erhalten, welche nur die Einschätzung des Kapitalmarkts hinsichtlich der Risikosituation eines Unternehmens berücksichtigen.
Das sechste Kapitel "Risikoüberwachung und die Organisation von Risikomanagement und Controlling" widmet sich vor allem der organisatorischen Gestaltung des RM. Eingangs wird die Bedeutung der Risikokultur erörtert und gezeigt, welche Inhalte eine Risikopolitik aufweisen sollte, um einen Rahmen für den organisatorischen Aufbau des RM abzustecken. Zudem werden gesetzliche und regulatorische Anforderungen an die Organisation des RM referiert. Einen Schwerpunkt bildet die anschließende Gegenüberstellung verschiedener, durchaus miteinander kombinierbarer Varianten für die Ausgestaltung des RM, ausgehend von einem traditionellen, eher "KonTraG-orientierten" und separaten Aufbau des RM bis hin zu modernen und integrativen Konzepten, welche enger an das Controlling angelehnt sind und andere Managementsysteme einbeziehen. Zusätzlich werden auch wichtige Praxishilfsmittel, z. B. Regelungen für die Überwachung von Risiken und zum Risikoreporting für die Unternehmensführung sowie typische Stellenbeschreibungen für Personen, welche im RM aktiv sind, vorgestellt. Da für die Optimierung des RM eine Beurteilung des Status Quo und der damit verbundenen Defizite notwendig ist, werden auch noch Strategien bzw. Methoden zur Prüfung der Leistungsfähigkeit des RM behandelt. Ergänzend wird auch gezeigt, wie sich die erstmalige Implementierung bzw. der Ausbau von RM-Systemen mit Hilfe eines Projektmanagements realisieren lassen und wie die konzipierten RM-Prozesse durch geeignete IT-Lösungen unterstützt werden können.
Mit diesem Handbuch, insbesondere mit dem darin entwickelten Ansatz eines integrativen RM, hat Werner Gleißner, Vorstand der FutureValue Group AG (eine forschungs- und entwicklungsorientierte Unternehmensberatung mit Schwerpunkt in den Bereichen wertorientiertes, strategisches Management und Risikomanagement sowie Verfahren für Performance-Messung, Portfoliosteuerung und Rating) und Honorarprofessor an der TU Dresden (BWL, insbes. RM) einen wichtigen Beitrag zum Diskurs über das Thema der Risikotransparenz für bessere Entscheidungen und Zukunftssicherung der Unternehmen geleistet. Das Werk zeichnet sich auch durch seinen gelungenen Mix aus einer fundierten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem State of the Art des RM einerseits und einer praxisnahen Handreichung für die Implementierung eines modernen integrierten RM andererseits aus. Zudem hat es der Verfasser gut verstanden, eine anspruchsvolle Materie weitgehend verständlich darzustellen. Praktische Erfahrungen aus Beratungsprojekten fließen in die zahlreichen Fallbeispiele ein und veranschaulichen oftmals die komplexen Zusammenhänge. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis erleichtert die Vertiefung in weiterführende Spezialthemen, mathematische Abhandlungen und spezielle quantitative Komponenten des RM werden in Exkursen und mehreren Anhängen behandelt, ohne den Lesefluss des Buchs zu stören. Nicht zuletzt stehen Checklisten, Excel-Tools, PowerPoint-Folien und vor allem Software, wie z. B. der "Strategie-Navigator – Light" für Risikoanalyse, Risikoaggregation (Monte-Carlo-Simulation) und Risikoüberwachung (Tools für die Erfüllung der StaRUG-Anforderungen" seit 2021), zum Download bereit.
Damit eignet sich das Handbuch in erster Linie für Führungskräfte kapitalmarktorientierter und größerer mittelständischer Unternehmen, welche sich mit dem Auf- und Ausbau des RM befassen. Aber auch Dozenten und fortgeschrittene Studierende, welche sich mit dem Instrumentarium des RM und dessen vielfältigen Verknüpfungen mit wertorientierten Management- und Controllingkonzepten auseinandersetzen wollen, kann die Lektüre dieses Buchs uneingeschränkt empfohlen werden.