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Die Monopoly-Story
Charles Brace Darrow hätte es sich wohl damals nicht träumen lassen: Der arbeitslose Heizungsbauingenieur und „Erfinder“ des erfolgreichsten Brettspiels aller Zeiten wurde dank Monopoly zum Millionär. Die Entstehungsgeschichte von Monopoly ist die klassische Verwirklichung des amerikanischen Traums: Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, bescherte Darrow der Welt ein Spiel, das nach einem etwas holprigem Start einen beispiellosen Siegeszug antreten sollte.
Charles Darrow in der Monopoly-Küche
In wirtschaftlich mageren Zeiten entstanden, wurde das berühmte Spiel um Mieten, Macht und Moneten finanziell ein Riesenerfolg. Mitten in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre fertigte der damals arbeitslose Heizungsbauingenieur Darrow, inspiriert von einem frühen Vorläufer namens „The Landlord’s Game“, am Küchentisch seine Version des Spiels, das heute als Jahrhundertspiel gilt. Aus Holzabfällen und Kartons bastelte er kleine Häuschen, Hotels sowie Besitzrechtskarten. Für die Spielsteine musste ein Armreif seiner Frau herhalten. So entstand in Germantown, Pennsylvania, mit Hilfe von Fingerhüten, Garnrollen und Radiergummis der Vorläufer des heutigen Monopoly mit seinen typischen Farbfeldern und Bahnhofsikonen. Er zeichnete einige Strassenzüge der Stadt Atlantic City auf das runde Wachstuch seines Küchentisches. Die aufgemalten 21 Strassen stammten alle aus einem einzigen Viertel des beliebten Ausflugsziels in New Jersey. Dabei unterlief ihm ein kleineraber nachhaltiger Schreibfehler: Statt „Marven Gardens“ trug Darrow den Namen „Marvin Gardens“ ein. Obwohl die Stadtväter von Atlantic City später immer wieder auf eine Änderung drängten, hält sich der Fehler bis heute wacker in den amerikanischen Editionen. 1972 erwägte Atlantic City die Strassennamen der Baltic- und Mediterranean Avenue zu ändern. Entsprechende Reaktionen gegen die Umbenennung aus der Öffentlichkeit liessen das Vorhaben scheitern. Die Strassen behielten bis heute ihre Namen.
Die Monopoly-Kunde verbreitet sich wie ein Lauffeuer
Im Freundeskreis fand das Spiel selbst gebastelte Spiel solchen Anklang, dass Darrow begann, pro Tag zwei Stück herzustellen und sie für zwei Dollar an Bekannte zu verkaufen. Schon bald konnte er die Nachfrage der handgefertigten Spiele nicht mehr decken, denn die Nachricht vom Zockerspiel verbreitete sich über Mund-zu-Mund-Propaganda wie ein Lauffeuer. Dank eines befreundeten Druckerei-Betreibers konnte Darrow die Tagesproduktion bald auf sechs Spiele erhöhen. Als John Wannamaker in Philadelphia 1934 als erstes Warenhaus Monopoly einführte, musste sich der Vater des erfolgreichsten Brettspiels aller Zeiten entscheiden: Sollte er weiterhin selbst die Produktion mit Kostenrisiko erweitern oder die Lizenzrechte an einen Spielwarenkonzern verkaufen?
Parker lehnt ab: 52 fundamentale Fehler
Im Jahr 1934 entschied sich Darrow, den Verkauf der Lizenzrechte voranzutreiben und schrieb einen Brief an Parker Brothers. Diese durch George S. Parker in Salem gegründete Spielefirma verfügte damals bereits über 50 Jahre Erfahrung. Die Redaktion der Firma Parker Brothers lehnte Monopoly aber einstimmig wegen 52 fundamentaler Fehler ab: Nach ihren Vorstellungen durfte ein Spiel höchstens 45 Minuten dauern und musste ein eindeutiges Ziel erkennen lassen. In den Augen der Spieleredakteure war jedoch das einzige erkennbare Ziel, die Mitspieler zu ruinieren. Auch den Umgang mit Hypotheken, Mieten und Zinsen traute man den potentiellen Käufern nicht zu.
Darrow liess sich trotz dieser grossen Enttäuschung nicht entmutigen und investierte selbst: Er liess weitere 5.000 Exemplare produzieren, 200 davon gelangten in das damals grösste New Yorker Spielwarengeschäft F.A.O. Schwarz. So kam es, dass Sally Barton, Tochter des Parker-Gründer George Parker, vom grossen Monopoly-Erfolg erfuhr, als sie mit einer guten Freundin telefonierte. Diese schwärmte von einem prächtigen neuen Spiel, das nur in einer begrenzten Auflage zu erhalten sei. Sally erzählte die Geschichte ihrem Mann Robert Barton, damals Präsident der Firma, der sich direkt eine Ausgabe besorgte. Begeistert vom Spielprinzip nahm er sofort Kontakt mit Darrow auf.
1935 – Parker erwirbt Monopoly-Rechte
Drei Tage später trafen sich Barton und Darrow im Flatiron-Building in New York und wurden handelseinig: Parker erwarb die Monopoly Lizenz und nahm das Spiel ins Sortiment auf. Dem Erwerb der Rechte im Jahre 1935 folgte ein regelrechter Boom: Parker Brothers erstickten in Anfragen und telegrafischen Aufträgen. Bereits innerhalb des ersten Jahres produzierte Parker 20.000 Spiele pro Woche. Am Ende des ersten Jahres – als das Land sich weiterhin in der Rezession befand – hatte Parker mehr als eine Million Spiele verkauft! Darrow bereute seine Entscheidung trotzdem nicht: „Ich habe diese Vereinbarung gerne angenommen und meinen Entschluss nie hinterfragt.“ Noch 1935 schwappte die Monopoly Welle auch nach Europa – und zwar zunächst nach Grossbritannien. Um das Spiel auch für Konsumenten in England attraktiv zu machen, wurden die Grundstücke vom englischen Lizenznehmer Waddigntons in bekannte Londoner Strassen umbenannt.
Wenig später begeisterten sich die Schweizer ebenfalls am spielerischen Geldanhäufen. In der Schweiz wurde die Lizenz 1936 an die Firma Carlit vergeben. Hierzulande hielten bei Monopoly real existierende Schweizer Strassen und Plätze Einzug. Die Währung des Monopoly Geldes ist der Schweizer Franken. Die teuersten Strassen waren Lausanne Place St-François und der Zürich Paradeplatz. Das Spiel sorgte für viel Aufmerksamkeit.
Von Atlantic City in die Welt
1967 starb Charles Darrow im Alter von 78 Jahren in Ottsville, Pennsylvania, und hinterliess seinen Erben ein ansehnliches Vermögen. Auf der Gedenktafel, die ihm Atlantic City 1970 widmete, können Passanten seitdem an der Ecke Boardwalk und Park Place lesen: „Charles B. Darrow 1889 – 1967, Erfinder des Spiels Monopoly“.
Der Erfolg rettete die Firma Parker vor dem Bankrott, denn durch die allgemeine schwierige Wirtschaftslage waren viele Existenzen bedroht. „Monopoly war ein Geschenk des Himmels. Es rettete unsere Firma, die nur ein paar Millimeter vom Abgrund entfernt war. Monopoly war eindeutig ein Kind seiner Zeit. Es gaukelte den Leuten vor, dass sie auch in der Realität mit dem Kauf und Verkauf von Grund und Boden ein Vermögen machen könnten“, so der damalige Präsident der Firma Robert Barton.
Parker blieb trotz des Riesenerfolgs skeptisch und erwartete nach zwei erfolgreichen Jahren einen Abverkaufseinbruch: Das reine Erwachsenenspiel sei zu schwierig für Kinder. Die Erfahrung lehrte den Konzern, dass die meisten Spiele bereits nach ein bis zwei Jahren eingestellt werden mussten. Und tatsächlich ging der Verkauf 1936 zurück. George Parker ordnete kurz vor dem Weihnachtsgeschäft des Jahres 1936 den Stopp der Monopoly Produktion „wegen der Wahrscheinlichkeit eines baldigen Verkaufseinbruchs“ an. Doch bevor es soweit kommen konnte, begann ein bis heute andauernder Siegeszug des Spiels, und es wurde schnell deutlich, dass keine verlässlichen Prognosen über den Erfolg des Spiels möglich waren. Schon bald war Monopoly bei Erwachsenen wie Kindern sehr beliebt.
Wie sich Experten doch irren können! Seit der Einführung durch Parker im Jahre 1935 wurden weltweit mehr als geschätzte 275 Millionen Monopoly-Spiele verkauft. Mehr als eine Milliarde Menschen haben seitdem Monopoly gespielt. Mittlerweile ist der Familienspielklassiker in 111 Ländern und in 43 verschiedenen Sprachen erhältlich. Aber ist das Spiel wirklich allein Charles Darrow zu verdanken? Die Erfolgsgeschichte des arbeitslosen Heizungsbauers geriet Jahrzehnte später ins Wanken.
Elizabeth J. Magie – die Mutter von Monopoly?
1969 präsentierte Sid Sackson, ein amerikanischer Spieleexperte, eine Patentamts-Fundsache: The Landlord’s Game, eine Art Ur-Monopoly. Juristischer Streit entfachte aber erst 1976 vor dem Bezirksgericht in San Francisco. Dort hatte sich der amerikanische Wirtschaftsprofessor Ralph Anspach wegen Missbrauchs des Monopoly-Warenzeichens zu verantworten. Während des Verfahrens sagten mehrere Personen aus, sie hätten Monopoly bereits 1910 gespielt. Hatte Darrow also abgekupfert?
Bald fand man heraus, dass eine gewisse Elizabeth J. Magie 1904 ein Patent für ein Spiel namens „The Landlord’s Game“ erhielt. Das Spielbrett ähnelte stark dem heutigen Monopoly: Auf jeder Seite befanden sich neun rechteckige Felder, insgesamt 22 Eigentumsfelder, dazu Gefängnis und Armenhaus. Ursprünglich von der Quäkerin entworfen, um die antisoziale Struktur des Monopols aufzuzeigen, wurde das Spiel 1924 erneut in veränderter Form von Elizabeth Magie Phillips patentiert, die offenbar inzwischen geheiratet hatte. Magie liess ihr Spiel nie produzieren – wem das Prinzip gefiel, musste sich sein eigenes Spiel basteln. Parker wollte sichergehen und kaufte Elisabeth Magie Phillips 1936 beide Patentrechte für 500 Dollar ab. Den Verkauf hat Magie nie bereut, war sie doch eine Anhängerin des Volkswirtschaftlers Henry George, der Einzelsteuer für Grundbesitz und eine grosse Bodenreform propagierte: „Hauptsache, die Single-Tax-Theorie bleibt durch das Spiel im Gespräch.“ Im Laufe der Jahre entwickelten sich die Regeln weiter, variierten die Strassennamen von Stadt zu Stadt. Gab das Darrow den Anstoss für sein Spiel?
Eine weitere Spielvariante erschien in den frühen 30er Jahren bei der Knapp Electric Company unter dem Namen „Finance“. Der Erfinder Dan Layman hatte am College das Magie Phillips Spiel gespielt.
Randolph Barton, einst Parker-Präsident, sah die Entstehungsgeschichte trotz ihrer Irrungen und Wirrungen gelassen: „Tatsache ist, dass es Charles Darrow war, der die Dinge zusammengefügt hat, der das Spiel auf den Markt brachte, es erst selbst und dann uns verkaufte. Es gab damals eine Menge Leute, die mit Grundstücksspielen handelten, aber Darrow war der Bursche, der mit seinem Spiel herauskam und, in bester Tradition des amerikanischen Traums, sein Glück machte.“
1991 kaufte der amerikanische Spielwarenkonzern Hasbro das Unternehmen Kenner-Parker-Tonka und übernahm damit auch die Rechte an Monopoly.
Monopoly – immer auf dem neuesten Stand
Seit der Erstausgabe von Monopoly mit den Strassenzügen des Zockerparadieses Atlantic City besitzt fast jedes Land sein eigenes Spielbrett mit national bekannten Prachtstrassen. In Frankreich ist die Pariser Rue de la Paix das, was in Spanien der Paseo del Prado und in den USA der Boardwalk ist. Die Benennung der Strassennamen ist dabei von Land zu Land verschieden. In der Türkei befinden sich die Originalstrassen in Istanbul und nicht in Ankara; in Italien nicht in Rom, sondern in Mailand. In den Niederlanden sind die Farbgruppen einzelnen Städten zugeordnet.
Nur die deutsche, klassische Edition weist vollständig fiktive Namen auf. Möglicherweise war bei der Neueinführung von Monopoly im Jahre 1953 noch nicht abzusehen, ob Berlin weiterhin deutsche Hauptstadt bleibt; Bonn galt seit Beginn nur als ein Provisorium. Aber auch das bleibt Theorie.
Im Laufe der Jahre erschienen immer wieder neue Sondereditionen wie beispielsweise eine Ausgabe für Blinde, regionale Editionen wie die bayerische Version, Jubiläumsausgaben wie 50 und 60 Jahre Monopoly sowie die Europa-Ausgabe oder Monopoly Junior. Mittlerweile gibt es zahlreiche Städte- und Regionalausgaben, aber auch exklusive Firmenausgaben. Seit 2008 gilt weltweit (ausser in den USA) der Monopoly-Dollar als gültige Spielwährung.