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Sie erleichterten den Büro-Alltag in früheren Zeiten: vorne die Remington, hinten die Underwood-Schreibmaschine. / Bild: Bernadette Waser-Unternährer (wbe)
Schüpfheim:
Die bekannte Typenhebelschreibmaschine gibts seit Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Ausstellung im Entlebucher Haus gibt Einblick in die Büro- und Schreibarbeit früherer Zeiten.
«Eine Schreibmaschine ist ein von Hand oder elektromagnetisch angetriebenes Gerät, das dazu dient, Text mit Druckertypen zu schreiben und hauptsächlich auf Papier darzustellen», so lautete die offizielle Definition. Früheste Angaben zu solchen Bürogeräten stammen aus dem Jahre 1714. Die erste funktionierende Schreibmaschine wurde 1808 gebaut. Konstrukteur Pellegrino Turri wollte mit diesem Gerät der erblindeten Gräfin Carolina Fanton da Fivizzano das Schreiben von Briefen ermöglichen.
Die bekannte Typenhebelschreibmaschine wurde jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts erfunden. 1897 meldeten der in die USA ausgewanderte Franz Wagner und sein Sohn Hermann dieses Gerät mit dem sogenannten Wagnergetriebe zum Patent an. Im selben Jahr kam in New York die Remington Standard Typewriter, eine 13 Kilogramm schwere, aber leicht zu reparierende Hebelschreibmaschine mit Holzgestänge auf den Markt, konstruiert von Wyckoff Seamans & Benedict, Ilion.
Der Breitwagen wurde erfunden
Ab 1901 produzierte John T. Underwood die erste Schreibmaschine mit Breitwagen, die Underwood Standard Typewriter. Mit der Firma Smith, die ab 1908 die Smith-Premier Typewriter herstellte, schlossen sie sich zur Union Company Typewriter zusammen. Ihre Maschinen sind in der Sonderausstellung zu sehen. Auch die ab 1929 produzierte, geräuschlose Remington Noiseless mit einem besonders leichten Anschlag gehört dazu.
In Dresden brachten 1910 Seider + Naumann mit der «Erika Nr. 1» die erste deutsche Reiseschreibmaschine auf den Markt. Die Schweizer Firma Paillard in Yverdon produzierte ab 1933 ihre Kleinschreibmaschine Hermes 2000, ein Erfolgsmodell, das auch exportiert wurde. Beide Maschinen sind Teil der Sonderausstellung, genauso wie die historische Schreibmaschine, die der Gemeindeschreiber von Schüpfheim, Johann Josef Unternährer (1855 – 1934) benützte.
Auch andere historische Bürogeräte und -utensilien werden gezeigt. Neben vielen Handstempeln steht die grosse Stempelmaschine namens Adressograph, mit Betriebsanleitung und grossem Aktenschrank voller Stempelplatten und alten Tischrechnern. Mecha-nische Rechnungsmaschinen gibt es schon lange. 1941 entwickelte Konrad Zuse die erste programmgesteuerte, binäre Rechnungsmaschine. Sie wog 500 Kilogramm.
Rasante Entwicklung nach dem Krieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Entwicklung rasant weiter. Die 1948 in der USA konstruierte Buchungsmaschine NRC 3000 mit elektrifiziertem Rechnungsteil ist das Glanzstück der Ausstellung. Die Berner Firma Thurnherr verkaufte die revidierte Maschine weiter als Occasionsgerät mit zehn Jahren Garantie. Ab 1950 wurden die ersten kommerziellen Serien-Computer gefertigt.
In den 1980er-Jahren verdrängten die Personal-Computer mehr und mehr die Schreibmaschinen. Es war die Blütezeit der Heim-Computer. Ohne sie wäre das heutige Home-Office gar nicht möglich. Aber wer denkt noch an die lange Geschichte dahinter?