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Der Tanz aus dem Grab
In allen Kulturen kannte man den Tanz zur Erhöhung der Festlichkeit. Zu einem Fest gehörte also auch der Tanz. In der christlichen Tradition kannte man den «Tanz der Engel im Himmel». Der weltliche Tanz hingegen wurde zwar geduldet, aber oft nicht gefördert. Im Zusammenhang mit kirchlichen Festen kannte man auch rituelle Tänze in kirchlichen Räumen. Bekannt ist der österliche Tanz, das Abschreiten des Labyrinths mit dem Tanzgesang «Victimae paschali laudes» – auf Deutsch «Singt das Lob dem Osterlamme».
Loben mit Reigentanz und Harfenspiel
Eine der bekanntesten Geschichten aus dem zweiten Buch Samuel (2 Sam 6,14f) ist die Geschichte vom tanzenden König David. Der König David tanzt zu Ehren Jahwes vor der Bundeslade. Ausserdem spricht auch ein weiteres biblisches Buch, das Buch der Psalmen vom Tanz und vom Tanzen: So, um nur einige Texte zu zitieren, im Psalm 149,2f.: «Israel soll sich über seinen Schöpfer freuen, die Kinder Zions über ihren König jauchzen. Seinen Namen sollen sie loben beim Reigentanz, ihm spielen auf Pauken und Harfen». Ferner im Psalm 150,4: «Lobt ihn mit Pauken und Tanz, lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel». Und zuletzt im Psalm 30,12: «Da hast du mein Klagen in Tanzen verwandelt, hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet».
Letztes Tagebuch
«Tanzen heisst auferstehen». Dies ist der Titel des letzten Tagebuches der Benediktinerin und bekannten Dichterin Silja Walter, das zwei Monate nach ihrem Tod erschien. Sie schrieb in den letzten Wochen ihres Lebens täglich ein paar Sätze. Dieses Tagebuch endet mit einem Dank an die Priorin und dem Satz: «Es ist hart für Dich und hart für mich, jetzt zu tanzen». Im Angesicht des nahenden Todes denkt man nicht an den Tanz – aber dann, am Ostermorgen vielleicht. Und da kommt einem der Satz «Tanzen heisst auferstehen» nun doch sehr nah.
«Tanzen heisst auferstehen»
In ihrem Werk stellte sich Silja Walter immer wieder dem Dialog mit Gott und der Welt. Und da ist der Tanz in ihrer Poesie allgegenwärtig. Und so schreibt sie in der Abgeschiedenheit der Klausur auch Tagebuch. Und im Nachdenken über das Darüber hinaus nach dem Tod weiss sie «Tanzen ist Auferstehen in Gott hinein».
Regina Osterwalder