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Bern den 20 März 1852
Mein lieber Freund!
Meinen Dank für das übersandte Buch, das ich mit Intreße lesen werde. Deine Darstellung über die Zürcher. Verhältniße klingt nicht so gar schlimm; allein jetzt geht es an die Feuerprobe. Wenn wirklich eine Motion über Progreßivsteuern gestellt wird, so muß der große Rath zeigen, weß Geistes Kind er ist; er muß entschieden die Erheblichkeit ablehnen u von vorn herein das Schwerdt gegen dieses Princip schwingen. Die Regierung sollte eine lojale u kräftige Unterstützung gegen diese Tendenzen verlangen u dieses quasi zu einer Kabinetsfrage machen. Was die andern Motionen betrifft, so kann man sie ja prächtig aus formellen Gründen den Bach abschicken, indem man ihnen den Werth zuschreibt, Gegenstand einer Prüfung zu bilden. -
Hier nichts wesentliches! – Wir haben die Replick noch nicht beantwortet u die Ansichten sind verschieden, ob man sie über| haupt beantworten soll. Kern ist der Meinung, man sollte nicht mehr antworten, sondern einfach handeln. Allein die Sache hat auch ihre andre Seite; einmal erwartet Frankreich eine Antwortu würde es vielleicht verlangen, sodan ist in der Replik wieder so viel falsches u mißbeliebiges, daß ein Straussenmagen es schwerlich verdauen könnte. Inzwischen sammle ich Material u Notizen beim Justiz Departement. Hr. Dr. hat mir nicht weniger als 25 Foli Seiten geschickt! Es fällt mir zwar lange nicht ein, dieses alles zu benutzen. Ich würde gerne deine Ansicht vernehmen über die Frage, ob man antworten soll. Du weißt, in unsrer Antwort wurden die zwey Gedanken ausgeführt: 1) Es war überhaupt keine Veranlaßung zu Beschwerden vorhanden 2) Wenn aber auch, so konnte sich das gestellte Begehren in keiner Weise rechtfertigen; daher Protestation, jedoch unter Versicherung, alles zu thun, was recht u billig. Nun kommt die Replik u führt etwa folgendes Räsonnement: Wir bestreiten, daß wir die Absicht hatten, in die innern Verhältniße der Schweiz einzugreifen; wir wollten nur der Gefahr wehren u dem Heerde der Anarchie entgegentreten. (Folgen eine Menge Anschuldigungen u dann die alte Drohung einer Allianz mit den der Schweiz feindlichen Staaten). |
Sage Rüttimann, ich habe seinen Brief erhalten u werde gerne für Hartung wirken; jedenfalls sey es gut, daß er an Hrn Näf selbst geschrieben, der eine gewiße Aversion gegen ihn zu haben scheint. Das ist ein wahres Kreuz mit diesen Wahlen, weil man auch für andre Candidaten zB. Wild u Wethli sehr in Anspruch genommen wird.
Ich wünsche Euch Glück für den nächsten großen Rath u grüße Euch alle herzlich.
Dein
F J