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Konjunktur und Geldpolitik: Was sind die Perspektiven?
Jean-Pierre Roth, Präsident des Direktoriums
Generalversammlung der „Fédération Patronale et Economique“, Bulle, 20.10.2005
Die schweizerische Wirtschaft befindet sich seit dem dritten Quartal 2003 in einer Erholungsphase. Nach einer anfänglichen Beschleunigung haben allerdings die Verlangsamung des internationalen Handels und die schleppende europäische Konjunktur den Aufschwung der Exporte gebremst, und die Erholung war nicht stark genug, um sich voll und ganz auf den Binnensektor auszudehnen. Vor diesem Hintergrund hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die kurzfristigen Zinssätze auf einem historischen Tiefstniveau beibehalten. Das tiefe Niveau der kurzfristigen Zinssätze und das Fehlen von Inflationserwartungen haben gemeinsam zu einem deutlichen Rückgang der langfristigen Zinssätze geführt. Unsere expansive Geldpolitik wirkte als Wachstumsstütze. Wir haben eine deutliche Erhöhung des Auslastungsgrads der technischen Produktionskapazitäten und eine Verbesserung der Finanzlage vieler Firmen beobachtet. Trotzdem haben die Unsicherheiten bis jetzt die Investitionstätigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen gebremst.
Aufgrund der beträchtlichen Preiserhöhungen bei den Energierohstoffen, der verheerenden Wetterbedingungen in den USA und der schwache Binnennachfrage in Kontinentaleuropa besteht die Gefahr einer baldigen Abschwächung der Wirtschaft. Falls eine Abschwächung eintreten würde, geht die SNB geht davon aus, dass sie vorübergehend und nicht sehr stark sein wird und sich das globale Wachstum rasch wieder in der Nähe seines Potenzialwachstums einpendeln wird. Sicherlich setzt dieses Szenario den Beginn bzw. die Fortsetzung des Normalisierungsprozesses bei den monetären Bedingungen voraus, die in den meisten Ländern sehr locker sind. Unter der Annahme einer Erholung der internationalen Konjunktur erwartet die SNB ein sich beschleunigendes Wachstum der schweizerischen Wirtschaft.