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Bald ist Advent und in der National League A laufen wieder die Verhandlungen mit den Trainern um eine vorzeitige Verlängerung des Vertrags. Die Klubs werfen dadurch Millionen zum Fenster hinaus.
Die Nordamerikaner sagen, es sei einfacher, den Stuhl als das Klavier zu zügeln. Deshalb werden die Trainer gefeuert und nicht die Spieler entlassen. Die Absetzung, Suspendierung, Beurlaubung, Entlassung oder Amtsenthebung des Trainers war, ist und bleibt die häufigste Massnahme in Zeiten der Krise.
Die Auswechslung des Trainers kostet viel Geld. In der Regel muss der Lohn bis zum Ende des laufenden Vertrages bezahlt worden. Oder zumindest ein Teil davon. Das geht bei Kontrakten über mehrere Jahre (bei Patrick Fischer bis ins Jahr 2018) ganz schön ins Geld. Natürlich unterliegt der geschasste Trainer der sogenannten Schadenminderungspflicht. Aber nur ein gleichwertiger Job ist ihm zuzumuten. Die Klubs haben seit Einführung der Playoffs im Jahr 1986 mindestens 20 Millionen Franken für die Auszahlung gefeuerter Trainer buchstäblich zum Fenster hinausgeworfen.
Inzwischen müssten die Klubmanager das grösste Interesse daran haben, die Trainer nicht mit langfristigen Verträgen auszustatten. Logisch wäre es, wenn die Coaches nur Einjahresverträge bekommen würden.
Aber die Klubmanager «vergolden» ihre Trainer (bzw. den Klavierstuhl). Fribourg-Gottéron verlängerte Anfang September 2014 mit Hans Kossmann vorzeitig bis 2016 – und feuerte ihn ein paar Wochen später. Lugano prolongierte den Kontrakt mit Patrick Fischer im September 2015 vorzeitig bis 2018 und hat ihn bereits im Oktober entlassen. Soeben hat Fribourg schon wieder den gleichen Fehler gemacht wie bei Hans Kossmann und dem neuen Trainer Gerd Zenhäusern ohne Not den Vertrag vorzeitig um zwei Jahre verlängert. Nun können wir davon ausgehen, dass auch Lugano wenig aus der Vergangenheit gelernt hat und Doug Shedden – er ist vorerst nur bis Saisonende verpflichtet – den Klavierstuhl bald mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung vergolden wird (um beim Bild mit dem Klavier und dem Stuhl wieder zu bemühen).
Spätestens im November laufen also jedes Jahr die ersten Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung – obwohl die Qualität der Trainerarbeit erst im Frühjahr, nach dem letzten Saisonspiel verlässlich beurteilt werden kann.
Warum ist das so? Weil Sport Emotionen weckt. Es ist nie der Verstand, der einen Investor dazu verleitet, sein Geld ins Eishockey zu investieren. Es sind immer Emotionen. Oder wie es Biels Verwaltungsrätin Stéphanie Mérillat einmal so treffend gesagt hat: «Eigentlich wecken nur zwei Dinge Emotionen: Eishockey und Sex.»
Daher ist es logisch, dass auch die Mehrzahl der Personalentscheide emotional und nicht rational gefällt werden. Kluge Agenten kapitalisieren diese Emotionen, indem sie für ihre Trainer und Spieler langfristige Verträge herausholen. Die Befürchtung, der im Augenblick erfolgreiche Trainer könnte gehen und gar bei der Konkurrenz anheuern, verleitet immer wieder zu unnötigen, emotionalen Vertragsverlängerungen.
Ein Trainer, der auf einen Mehrjahresvertrag drängt, ist allerdings kein Erfolgstrainer. Ihm fehlt das für ganz grosse Trainer so typische Selbstvertrauen. Bis heute ist Bill Gilligan der erfolgreichste Trainer seit Einführung der Playoffs und der bestbezahlte aller Zeiten. Seine Bilanz aus vier Jahren Amtszeit beim SCB: Drei Titel (1989, 1991 und 1992) und ein Final (1990).
Der smarte Amerikaner hat immer nur Einjahresverträge unterschrieben. Mit der Vertragsverlängerung liess er sich nach der Saison wochenlang Zeit. Kein Wunder, ist er nach wie vor der bestverdienende NLA-Trainer aller Zeiten. Im Frühjahr 1991 handelte er einen bis heute unerreichten Vertrag aus: 400'000 Franken netto Basissalär, 200'000 Franken Prämie für das Erreichen der Halbfinals und noch einmal 200'000 Franken Meisterprämie. Im Frühjahr 1992 musste ihm der damalige SCB-Manager Willi Vögtlin 800'000 Franken überweisen. Allerdings hatte nicht Vögtlin den Vertrag ausgehandelt, sondern der Präsident.
So viel wie damals Bill Gilligan könnte Arno Del Curto seit mehr als zehn Jahren jede Saison verdienen. Wenn er nach seinem ersten Titel im Frühjahr 2002 in jedem Frühjahr mit der Vertragsverlängerung bis im Juni gewartet hätte. Erst jetzt ist er bei den Verhandlungen so cool wie Bill Gilligan und hat erst nach dem Saisonende um bloss ein Jahr verlängert. Aber so viel wie Bill Gilligan verdient er nicht.
Der Mehrjahresvertrag bietet dem Trainer ja sowieso keine Jobsicherheit. Nur eine angemessene Abgangsentschädigung. Wenn der Erfolg ausbleibt, muss jeder Trainer gehen. Weil im Sport für das Führungspersonal nichts so gefährlich ist wie enttäuschte Emotionen. Das Beispiel von Patrick Fischer hat uns zudem gezeigt: Selbst eine demonstrative vorzeitige Vertragsverlängerung rettet die Autorität des Trainers so wenig wie ein Cabrio als Zweitauto für die Gattin eine Ehe. Und hätte Kevin Schläpfer im Mai den Ende Saison auslaufenden Vertrag nicht vorzeitig bis 2018 verlängert, dann hätte er sich im nächsten Frühjahr den Traum vom Nationaltrainer erfüllen können.
Ich nehme nun jede Wette an, dass Kevin Schläpfer Biel vor Vertragsablauf verlässt. Und trotzdem nicht Nationaltrainer wird.