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Beim Rohstoffkonzern Glencore reissen die Negativnachrichten um das Engagement in der Demokratischen Republik Kongo und anderen Ländern Afrikas und Südamerikas nicht ab. Die US-Tochter des Bergbaukonzerns wurde vom Justizministerium der Vereinigten Staaten vorgeladen.
Das United States Department of Justice (DOJ) verlangt die Vorlage von Dokumenten und anderen Unterlagen. Die US-Justiz will wissen, ob Anti-Korruptions- und Geldwäschegesetze eingehalten wurden.
Die Nachricht liess den Kurs der an der London Stock Exchange gehandelten Aktie einbrechen. Um 11.00 Uhr verlieren Glencore rund 10 Prozent auf 3,15 Britische Pfund. Zeitweise betrug das Minus bis zu 13 Prozent. Das ist der tiefste Stand der Aktie seit rund elf Monaten, nachdem Ende Januar bei 4,17 Pfund noch ein Sechs-Jahres-Hoch erreicht wurde.
Wie Glencore am Dienstag mitteilte, beziehen sich die angeforderten Dokumente auf Geschäfte der Gruppe in Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und Venezuela von 2007 bis zum heutigen Datum. Man prüfe die Vorladung und werde zu gegebener Zeit weitere Informationen zur Verfügung stellen, schreibt der Konzern weiter.
Bereits in den vergangenen Monaten hatte zunächst ein Rechtsstreit in der DRK den Aktienkurs belastet. Im Mai hatten Medienberichte um die Eröffnung einer offiziellen Untersuchung der britischen Anti-Korruptionsbehörde Serious Fraud Office (SFO) den Kurs ebenfalls kurzfristig einbrechen lassen.
Glencore immer wieder in der Kritik
Das Geschäftsgebahren von Glencore, insbesondere in der DRK, wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO’S) und Medien kritisiert. Der Konzern hatte dort beim Abschluss der Bergbaulizenzen für die Kupfer- und Kobalt-Minen Mutanda und Katanga offenbar mit dem israelischen Geschäftsmann Dan Gertler zusammengearbeitet und Berichten zufolge dessen enge Kontakte zur politischen Führung des Landes genutzt. Kredite von Glencore an Gertler waren mit der Veröffentlichung der «Paradise-Papers» in den Fokus geraten.
Gertler steht seit Dezember 2017 aufgrund von Korruptionsvorwürfen auf der Sanktionsliste der USA. Daraufhin hatte Glencore die Zahlung von Lizenzen an ihn und seine Firmen eingestellt. Dies führte zu einer Klage in der DRK, mit Forderungen in Höhe von bis zu 3 Milliarden Dollar sowie der Drohung der Liquidierung von Glencore Töchtern in dem afrikanischen Land. Der Streit wurde beigelegt, nachdem sich Glencore bereiterklärte, die Lizenzgebühren in Euro und unter Umgehung von US-Institutionen wieder aufzunehmen.
In Bezug auf Venezuela dürfte es einen Zusammenhang mit einer Klage des venezolanischen staatliche Erdölkonzern PDVSA in den USA geben. PDVSA wirft unter anderem dem Handelsarm des russischen Ölkonzerns Lukoil sowie den Handelsgesellschaften Glencore, Vitol und Trafigura vor, über ein Unternehmen mit dem Namen Helsinge jahrelang Mitarbeiter sowie venezulanische Beamte und Politiker bestochen zu haben. In diesem Fall untersucht auch die hiesige Finanzaufsicht Finma Verbindungen zu Schweizer Banken.
In Nigeria ist Glencore im Öl-Geschäft aktiv. Hier wird dem Konzern laut Medienberichten zusammen mit der Handelsgesellschaft Vitol ein Interesse an der nigerianischen Petrobras-Tochter zugeschrieben.