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Monitoranzeige 11.07.2019, 10:37 Uhr
PC-Monitor richtig einstellen und kalibrieren
Ein Monitor zeigt oft nicht die Farben an, die Ihre Kamera aufgenommen hat und Ihr Drucker ausdruckt. Mit den richtigen Einstellungen passen Sie die Monitoranzeige an.
Hochpreisige Profi-Monitore sind kalibriert. Das bedeutet, dass der Monitor ein Bild genau so anzeigt, wie es hinterher auf Papier gedruckt aussieht. Der Monitor, der bei Ihnen zu Hause steht, ist im Normalfall nicht farbecht und meist auch viel zu hell und kontrastreich eingestellt. Fotos sehen dann auf dem Monitor anders aus als im Druck. Richtiges Farbmanagement ist allerdings keine einfache Sache.
Dieser Artikel erläutert die wichtigsten Fachbegriffe und zeigt, wie Sie mit wenigen Handgriffen eine wirklichkeitsgetreuere Monitordarstellung erreichen. Das kann zwar eine Hardware-Kalibrierung mit einem Colorimeter nicht ersetzen, ist aber besser als gar nichts.
Farbe, Farbprofil und Farbraum eines Monitors
Die folgenden Abschnitte erläutern die wichtigsten Begriffe, die im Farbmanagement gebräuchlich sind.
Farbe hängt vom Umgebungslicht ab
Physikalisch gesehen ist Farbe eine Wahrnehmung elektromagnetischer Wellen mit einer Wellenlänge zwischen 380 (Violett) und 780 Nanometern (Rot). Farben sind relativ: Ein Monitor hat eine konstante Hintergrundbeleuchtung. Die Farben eines Papierbilds hingegen hängen von der Farbe des Umgebungslichts ab.
Farbprofile definieren exakte Farben
Farbmanagement benötigt immer zwei Farbprofile: ein Quellprofil und ein Zielprofil, etwa Foto und Monitor. Das Farbprofil beschreibt den Farbraum.
Ein Beispiel: Ein Pixel auf einem Foto hat den RGB-Wert 99,184,255. Das ist irgendein helles Blau. Erst das Farbprofil definiert, welche exakte Farbe damit gemeint ist. Ohne Farbprofil wäre eine solche Zuordnung nicht möglich.
Der Monitor hat nicht denselben Farbraum wie das Foto. Um dasselbe Blau auf einem Monitor darzustellen, muss man wissen, welche RGB-Werte es dort hat. Dieser Wert lässt sich dem Farbprofil des Monitors entnehmen, etwa 105,188,245. Diese Umrechnung findet für jedes Pixel statt. Das Farbprofil heisst auch ICC-Profil, benannt nach dem International Color Consortium.
Farbräume bestimmen das Mischen von Farben
Der Farbraum – auch Gamut genannt – umfasst alle Farben, die innerhalb eines Farbmodells darstellbar sind. In der Praxis haben Sie es mit den Farbräumen RGB und CMYK zu tun. RGB ist ein additiver Farbraum, der Farbwahrnehmungen durch das additive Mischen der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau nachbildet. Den RGB-Farbraum setzen etwa Monitore und Kameras ein.
Gammawerte und Kalibrierung
Farbtemperatur, Gammawerte und Kalibrierung
Eine exotisch anmutende Farbeigenschaft ist die Farbtemperatur. Das ist die Temperatur, auf die ein theoretischer schwarzer Körper aufgeheizt werden muss, um Licht in der entsprechenden Farbe abzustrahlen.
Die Einheit der Farbtemperatur ist Kelvin. Um Kelvin in Grad Celsius umzurechnen, ziehen Sie vom Kelvinwert einfach 273,15 ab.
Kerzenlicht hat eine Farbtemperatur von 1500 Kelvin und wird als warm empfunden. Tageslicht hat etwa 5500 Kelvin. Blauer Himmel hat über 10'000 Kelvin und wird als kalt empfunden. Kelvinangaben finden Sie zum Beispiel auch bei Energiesparlampen.
Gammawerte und die Helligkeitsverteilung
Ein Monitor gibt Helligkeiten nicht linear wieder. Ein Helligkeitswert von 100 ist also nicht doppelt so hell wie ein Helligkeitswert von 50. Die Helligkeitsverteilung lässt sich als Kurve darstellen. Mathematisch gesehen steckt die Gleichung y = xγ dahinter. γ ist der Gammawert. Er beträgt in der Regel 2,2 und ist Bestandteil des Farbprofils.
Kalibrierung und Profilierung eines Monitors
Die Begriffe Kalibrieren und Profilieren werden oft synonym gebraucht. Bei der Kalibrierung wird der Farbraum des Monitors linearisiert, sodass die Graustufen gleichmässig sind. Zudem werden Helligkeit und Farbtemperatur des Monitors eingestellt und über den Gammawert wird eine Helligkeitsverteilung festgelegt.
Anschliessend wird ein Profil des Monitors ausgemessen und als Standardmonitorprofil hinterlegt. Das ist die Profilierung. Alle Programme, die das Farbmanagement beherrschen, können das Profil nutzen, um die Farben der Bilder an den Monitorfarbraum anzupassen. Dazu sind die meisten Bildbearbeitungsprogramme und Browser in der Lage.
Testbilder zeigen, wie gut ein Monitor eingestellt ist
Die nächsten Abschnitte stellen drei Testbilder vor. Sie zeigen, wie gut oder wie schlecht Ihr Monitor eingestellt ist.
- Wer findet die Einser: Rufen Sie die Test-Webseite auf. Im schwarzen und im weissen Feld befinden sich jeweils die Zahlen 1 bis 8 in aufsteigenden Helligkeiten. Im Idealfall sehen Sie alle Zahlen. In vielen Fällen ist die 1 nicht zu sehen. Dann ist der Monitor in der Regel zu hell eingestellt. Wenn Sie auch die 2 nicht sehen, dann ist Ihr Monitor viel zu hell eingestellt und der Kontrast stimmt nicht.
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Helligkeit und Kontrast: Perfekte Monitore zeigen in beiden Hälften die Zahlen 1 bis 8 anQuelle: NMGZ
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Monitorsetup.com: Auf richtig eingestellten Monitoren lassen sich alle 21 Graustufen voneinander unterscheidenQuelle: NMGZ
Die wichtigsten Einstellungen eines PC-Monitors
Es gibt drei Wege, die Darstellung des Monitorbilds zu ändern: allein über die Regler am Monitor, mithilfe von Software oder mithilfe eines Colorimeters. Alle drei Wege stellen wir hier vor.
Machen Sie ein Bildschirmfoto von den Testbildern, nehmen Sie anschliessend die Monitor-Einstellungen vor und vergleichen Sie am Ende das Ergebnis. Alle Einstellungen sollten Sie in einem abgedunkelten Raum vornehmen. Schauen Sie dabei möglichst senkrecht auf den Monitor.
Werkseinstellungen
Werkseinstellungen
Der erste Schritt besteht darin, den Monitor auf die Werkseinstellungen zurückzustellen. Damit eliminieren Sie auch automatische Einstellungen wie Magic Bright und Magic Color, das viele Samsung-Monitore benutzen. Rufen Sie dazu das Menü Ihres Monitors auf und suchen Sie nach einem Eintrag wie Werkseinstellungen, Setup & Reset oder ähnlich. Setzen Sie Ihren Monitor zurück.
Schwarzpunkt einstellen
Der Schwarzpunkt ist reines Schwarz. Wenn der Schwarzpunkt auf einen höheren Wert als null verschoben ist, dann sind alle Pixel ununterscheidbar schwarz, die zwischen null und dem verschobenen Wert liegen. Um den Schwarzpunkt einzustellen, öffnen Sie die Test-Webseite.
Wenn Sie im schwarzen Feld die Zahlen 1 bis 6 sehen, dann ist der Schwarzpunkt Ihres Monitors bereits optimal. Andernfalls erhöhen Sie über die Regler am Monitor die Helligkeit so weit, bis alle Zahlen gerade eben zu erkennen sind.
Weisspunkt einstellen
Der Weisspunkt ist reines Weiss. Wenn er verschoben ist, dann lassen sich bestimmte Weisswerte nicht voneinander unterscheiden. Surfen Sie zur Test-Webseite. Auch hier sehen Sie die Zahlen 1 bis 6. Wenn nicht, dann verändern Sie über den Regler am Monitor den Kontrast so weit, bis Sie die sechs Zahlen erkennen.
Farbtemperatur und Gamma
Farbtemperatur und Gamma lassen sich schwerlich anhand von Testbildern justieren. Wenn Ihr Monitor über entsprechende Einstellungsmöglichkeiten verfügt, dann wählen Sie eine Farbtemperatur von 6500 K und ein Gamma von 2,2. Damit sind die Einstellungen über die Regler des Monitors beendet. Als Nächstes lesen Sie, wie Ihnen Programme bei der Feinjustierung helfen.
Drei Wege, um einen PC-Monitor zu kalibrieren
Ein vielseitiges Tool zum Einstellen des Monitors ist Monitor Calibration Wizard. Es benötigt Administratorrechte für die Installation. Nach dem Start des Tools klicken Sie auf Run Wizard und danach auf Start. Stellen Sie am Monitor Helligkeit und Kontrast auf 50. Erhöhen Sie beide Werte, bis das weisse Quadrat nicht mehr heller und das schwarze nicht mehr dunkler wird.
Abschliessend klicken Sie auf 15 Second Test, um das Farbprofil zu beurteilen. Wenn Sie es übernehmen wollen, klicken Sie auf Save. Stellen Sie das Profil im Feld Load Profile ein und aktivieren Sie die Option darunter.
Windows
Seit Vista bringt Windows ein eigenes Programm zur Bildschirmkalibrierung mit, es heisst Display Color Calibration Wizard, kurz DCCW.
Sie starten es, indem Sie Windowstaste+R drücken und in das Feld dccw eingeben. Nach einem Einführungstext gelangen Sie mit zweimal Weiter zum ersten Schritt. Hier stellen Sie das Gamma ein. Dazu verschieben Sie den Regler so, dass die Kreise in der Mitte kaum noch zu sehen sind.
Anschliessend stellen Sie Helligkeit und Kontrast ein. Bei der Helligkeit sollte das X im Hintergrund gerade noch zu sehen sein. Den Kontrast stellen Sie so ein, dass das Bild wie das mittlere Vorschaubild aussieht und die Falten und Knöpfe des Hemds gut zu sehen sind.
Grün und Blau, um eventuelle Farbstiche aus den grauen Balken zu entfernen. Abschliessend erhalten Sie eine Vorher-Nachher-Ansicht. Um das Farbprofil zu übernehmen, klicken Sie auf Fertigstellen.
Grafikkartentreiber
Auch der Grafikkartentreiber hat Einstellungen für den Monitor. AMD-Grafikkarten verwenden den Catalyst-Treiber. Bei Nvidia heisst der Treiber etwa GeForce Experience. Beide bieten aber nur wenige grundlegende Einstellungsmöglichkeiten.
Grafikkartentreiber: Auch hier lassen sich Einstellungen wie Helligkeit, Kontrast und Gamma vornehmen
Quelle: NMGZ
Eine sehr präzise Kalibrierung ist nur mithilfe von Hardware möglich. Dafür kommt ein Colorimeter zum Einsatz, zum Beispiel das Spyder 4 von Datacolor, was aber eine kostspielige Angelegenheit ist. Der Sensor misst eine Reihe von Farben auf Ihrem Bildschirm und erstellt daraus ein Farbprofil. Dazu hängen Sie das Messgerät direkt an den Monitor und folgen den Anweisungen des Assistenten.
In erweiterten Tests lässt sich der Monitor noch genauer vermessen und bewerten. Der Kauf eines solchen Gerätslohnt sich für alle, die auf eine farbechte, originalgetreue Wiedergabe Wert legen, etwa Grafiker und Fotografen.