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«Mein Sohn Lukas (8) sagt, er spürt seinen Heuschnupfen dieses Jahr sogar im Mund, kann das sein?» fragt Tabea Gross die Gesundheitsberaterin am santé24-Telefon. Lukas ist dieses Jahr besonders schwer von Heuschnupfen betroffen, hat aber Medikamente, mit denen er seine Symptome lindern kann. Seine Mutter weiss vom Allergietest, dass Lukas sehr stark auf Birkenpollen reagiert, die gerade Hochsaison haben. In den letzten Tagen, in denen Lukas massiv unter Heuschnupfen litt, hatte er zweimal das Gefühl, einen pelzigen Mund und ein Kribbeln im Gaumen zu spüren, nachdem er einen Apfel gegessen hatte. «Lukas vermutet, das könne mit seinem Heuschnupfen zusammenhängen», erklärt Tabea Gross. Dass Lukas recht hat, finden die Gesundheitsberaterin und die erstaunte Mutter zusammen heraus.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Heuschnupfen und Lebensmitteln?
Ja, diesen Zusammenhang kann es tatsächlich geben. Weil bestimmte Bestandteile von Pollen, die Pollenallergene, eine ähnliche Struktur haben wie Bestandteile in Obst, Gemüse oder Nüssen, kann es passieren, dass das Immunsystem diese «verwechselt» und plötzlich auch auf die Nahrungsmittel lokal allergisch reagiert; es kommt zu einer sogenannten Kreuzreaktion. Rund 70 Prozent der Birkenpollenallergikerinnen und -allergiker sind von so einer Kreuzallergie betroffen, die in der Regel «nur» lokale Symptome im Mundbereich macht, weshalb das Ganze auch orales Allergiesyndrom heisst. Besonders häufig sind zwei Kreuzreaktionen: das Birkenpollen–Nuss–Kernobst- und das Beifuss-Sellerie-Gewürz-Syndrom.
Was für Symptome treten bei einem oralen Allergiesyndrom auf?
Häufige Symptome sind Kribbeln im Gaumen, ein Brennen und Jucken im Mundbereich und an den Lippen oder gar eine Schwellung im Mund- und Lippenbereich nach dem Verzehr von rohen Lebensmitteln. Normalerweise lassen die Symptome jedoch auch schnell wieder nach. Bei der Birkenpollen-Nuss-Kernobstallergie können Kreuzallergien mit folgenden Nahrungsmitteln vorkommen: Kern- und Steinobst (Äpfel, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Kirschen, Nektarine usw.), Haselnuss, Walnuss, Mandeln, Karotten, Sellerie, Kiwi, Soja, Mungbohnen oder Erdnüsse. Wenn sich die Symptome mit demselben rohen Lebensmittel reproduzieren lassen, ist die Diagnose eigentlich klar.
Was kann man gegen dieses Allergiesyndrom machen?
Die sicherste Variante ist, das oder die Lebensmittel, zumindest im rohen Zustand, erst einmal aus dem Speiseplan zu streichen. Meistens ist ein Verzehr in erhitztem oder gekochtem Zustand, beim Apfel z.B. als Apfelkompott, dagegen gut möglich. So kann man es auch von einer eigentlichen Nahrungsmittelallergie unterscheiden, bei der es keine Rolle spielt, ob man mit dem Lebensmittel in roher oder verarbeiteter Form oder in kleinsten Mengen in Kontakt kommt. Bei der Kreuzallergie werden häufig geringe Mengen des entsprechenden Nahrungsmittels vertragen. Zudem werden einzelne Lebensmittel ausserhalb der Pollensaison besser toleriert. Sollte man trotzdem einmal etwas essen, das heftigere oder länger andauernde Beschwerden verursacht, können antiallergische Medikamente wie Antihistaminika helfen.
Gibt es noch andere Kreuzallergien?
Bei den Pollenallergien kommt öfters das oben genannte Beifuss-Sellerie-Gewürz-Syndrom vor mit möglichen Reaktionen von Beifuss-Allergikern auf Sellerie, Karotten, Fenchel, Kamille, Pfeffer, Senf, Dill, Petersilie, Koriander, Kümmel, Anis, Sonnenblumenkerne, Litschi, Mango, Trauben, Pfirsich oder Cashew Nüsse. Andere Atemwegsallergene, die in eher seltenen Fällen Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel verursachen können, sind Latex (Naturgummi) mit einer möglichen Kreuzallergie auf Avocado, Banane, Edelkastanie (Vermicelles, Maroni) oder Kiwi und die Hausstaubmilbenallergie mit einer potenziellen Kreuzallergie auf Crevetten, Hummer, Langusten, Krebse, Schnecken oder Ess-Insekten.
Kann Desensibilisieren auch Kreuzallergien lindern?
Ja, eine Desensibilisierung, also eine langsame Gewöhnung des Körpers an die zugrundeliegende allergieauslösende Substanz, also z.B. die Pollen oder Hausstaubmilben kann auch die Kreuzallergie gegen das Nahrungsmittel mildern. Desensibilisierungen muss man über längere Zeit mit steigenden Dosierungen entweder als Spritzen oder in Form von Tabletten oder Tröpfchen durchführen.
Tabea Gross ist überrascht, dass ihr Sohn Lukas richtig lag mit der Vermutung, dass seine Symptome im Mund nach dem Apfelessen und sein Heuschupfen einen Zusammenhang haben könnten. Zufälligerweise gab es in derselbe Woche auch eine von Lukas Lieblingsspeisen, nämlich Hörnli mit Ghacktem und Apfelkompott, was bei Lukas gar keine Symptome ausgelöst hat und sehr gut zum Vorliegen einer Kreuzallergie mit oralem Allergiesyndrom passt. Da Lukas aber auch sehr gerne rohe Äpfel isst, hat sich seine Mutter auch gleich noch zu den Möglichkeiten einer Birkenpollen-Desensibilisierung beraten lassen.
Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Chefärztin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.