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HIV-Therapie: Langzeitschaden für Fertilität?
Will ein HIV-positiver Mann mit seiner HIV-negativen Partnerin ein Kind, so geht der Weg praktisch nur ueber eine HIV-Therapie beim Mann. Doch was sind die Folgen der Therapie auf die Fertilitaet? Eine Studie aus Holland laesst aufhorchen!Ob sich das Paar nun für Sex ohne Kondom unter einer gut wirksamen HIV-Therapie entschliesst (mit oder ohne einer Pille davor, s. Beitrag) oder ob das Paar sich einer Inseminationsbehandlung in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum unterzieht: Eine HIV-Therapie des Mannes wird in jedem Fall empfohlen.
Allerdings wissen wir eigentlich sehr wenig über die Nebenwirkungen einer HIV-Therapie auf die Spermienqualität. Wir wissen, dass die mitochondriale Toxizität der Nukleosid-Analoga (NRTI) nachteilige Folgen für die Beweglichkeit der Spermien haben kann. Diese Beweglichkeit ist notwendig, damit die Spermien den Weg von der Vagina zum Ei in den Eileitern zurücklegen können.
HIV-Therapie könnte die Spermien negativ beeinflussen
Die Holländische Studie ist die erste, welche die Spermienqualität longitudinal während der HIV-Therapie untersucht. 34 Männer, die zum ersten Mal eine Therapie angefangen hatten, wurden während 48 Wochen beobachtet. Im Verlaufe des Jahres wurden 6 Spermaproben untersucht. Ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Spermien ist deren Beweglichkeit (Motilität). Dieser wichtige Parameter nahm während der HIV-Therapie ab. Allerdings war schien der Effekt vor allem zu Beginn der Therapie aufzutreten.
Effekt auch ohne mitochondrial toxische NRTIs
Besonders auffällig ist, dass dieser Effekt nicht nur einfach bei Patienten auftrat, welche die für die mitochondriale Toxizität bekannten NRTIs einnahmen (DDI, D4T). Für diese d-drugs hatten wir schon früher eine Nebenwirkung auf die Spermienmotilität gezeigt (Diehl et al, AIDS 2003). Doch in der hier untersuchten Population gab es praktisch keine solchen Therapien.
Was sind die Konsequenzen?
Auch wenn die Konsequenz aus dieser Arbeit noch nicht klar ist, die Resultate lassen aufhorchen. Sicher müssen die Resultate durch weitere Studien bestätigt werden. Doch in Zukunft brauchen wir sicher noch mehr Untersuchungen über die Wirkungen verschiedener HAART auf die Spermien-Qualität.
Editorial Comment: P. Vernazza, AIDS 2008