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Die Gründung der heutigen Geiger AG fällt in eine Zeit des Umbruchs. Wädenswil erlebte in den späten 1960er Jahren einen eigentlichen Wachstumsschub. Zahlreiche Wohnsiedlungen entstanden, ganze Strassenzüge wurden umgestaltet. Innerhalb weniger Jahre stieg die Zahl der Häuser und damit einhergehend die Einwohnerzahl um rund die Hälfte an. Die starke Bautätigkeit spiegelt sich in der Statistik der Haushaltungen: 1960 wurden in Wädenswil 3349 Haushalte gezählt, zehn Jahre später waren es bereits 5123.
Sanitärinstallationen fügen sich ins Gebäude ein, aber für den Wohnkomfort spielen sie eine wichtige Rolle.
Als Hubert Geiger 1967 die Firma gründete, konnte er bereits auf 20 Jahre Berufstätigkeit zurück blicken. Er wuchs in Güntersleben, einem kleinen Ort im Umland von Würzburg mit damals rund 1500 Einwohnern auf. 1947 fing er seine Berufslehre als Spengler-Installateur in der nahen Stadt Würzburg an, mitten in den schwierigen Nachkriegsjahren, die von enormen Zerstörungen, miserabler Lebensmittelversorgung und grosser Ungewissheit geprägt waren. Die Berufswahl lag für das älteste von drei Kindern nahe, war doch sein Vater bereits Spengler. Aber eine Lehre im väterlichen Betrieb war nicht möglich, weil der Vater im Krieg gefallen war.
Erwin Etterichs Spenglerei als Vorläufer
Nach Abschluss der Lehre wollte Hubert Geiger berufliche Erfahrungen in anderen Städten sammeln. Sein Ziel war die Schweiz. Das Land hatte den Zweiten Weltkrieg weitgehend unversehrt überstanden und bot in den Jahren des anziehenden Wirtschaftswachstums in der Nachkriegszeit viele berufliche Möglichkeiten. Nicht wenige Deutsche fassten damals die Schweiz ins Auge, wenn sie sich für berufliche Wanderjahre entschieden. Über ein Inserat in der «Schweizerischen Allgemeinen Volkszeitung» kam der Kontakt zu Erwin Etterich zustande, der einen jungen Spengler suchte.
Etterich betrieb seit Mitte der 1920er Jahre ein Spenglerei- und Installationsgeschäft in Wädenswil an der Gartenstrasse. Er hatte die Ausschreibung für die Spenglerarbeiten am Neubau des Schulhauses Fuhr gewonnen. Es war ein grosser Auftrag, den Etterich nicht allein ausführen wollte, weil er damals schon knapp 70 Jahre alt war. Er bot Hubert Geiger eine befristete Anstellung für die Arbeiten am Sekundarschulhaus an. Im Frühjahr 1953 reiste Hubert Geiger nach Wädenswil. Zunächst arbeitete er am Schulhaus Fuhr, das im Mai 1954 eingeweiht wurde. Danach übernahm er auch andere Arbeiten, aber Etterich wollte sich altershalber in den Ruhestand zurückziehen. So vermittelte Etterich ihm eine Anstellung in der Spenglerei Gustav Kull in Zürich-Wiedikon. Die Anstellung ermöglichte es ihm, die Meisterprüfung zu machen. Gleichzeitig lernte er seine spätere Frau Luise kennen und blieb in Wädenswil.
Walter Kessler auf dem Turm der katholischen Kirche: 1969 wurde das Turmkreuz erneuert.
Die Gründung 1967: Geiger + Kessler
Die Gelegenheit, sich als Spenglermeister selbständig zu machen, ergab sich für Hubert Geiger 1967. Schon im Jahr zuvor hatte ihm Erwin Etterich sein Haus an der Gartenstrasse 1 angeboten. Denn die Familie Geiger war inzwischen gewachsen und benötigte Platz: Vier Kinder waren schon da, ein fünftes war unterwegs. So kaufte die junge Familie das Haus von Erwin Etterich, in dem sich auch dessen stillgelegte Werkstatt befand. Etterich war zu diesem Zeitpunkt über 90 Jahre alt und längst im Ruhestand.
Den Schritt in die Selbständigkeit unternahm Hubert Geiger zusammen mit Walter Kessler. Mit ihm hatte er bei Gustav Kull zusammengearbeitet. Gemeinsam bauten sie mit der Unterstützung und dem Segen ihrer Ehefrauen eine eigene Firma in den Werkstatträumen an der Gartenstrasse in Wädenswil auf. «Unsere Tätigkeit umfasst alle Arbeiten der Bau-, Apparate- und Ventilationsspenglerei sowie Reparaturen», kündigten sie in einem Inserat im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» an.
Der Zeitpunkt, eine Firma zu gründen, war 1967 günstig. Die Wirtschaft wuchs in den 1960er Jahren jedes Jahr um vier oder fünf Prozent – Wachstumsraten, wie sie heute nur noch Schwellenländer kennen. Aber auch wenn man von «Hochkonjunktur» sprach und viel gebaut wurde, war es für eine neue Spenglerei auf dem Platz Wädenswil nicht einfach, ins Geschäft zu kommen. Der Wettbewerb war angesichts einer ganzen Reihe bereits bestehender Spenglereien hart. Auf Geiger + Kessler hatte niemand gewartet.
So war Klinkenputzen angesagt. Hubert Geiger stellte sich bei den Wädenswiler Industriebetrieben persönlich vor. Von der Brauerei kamen dank der Vermittlung des Schwiegervaters bald einmal die ersten Aufträge. Dann folgte ein Auftrag der Stärkefabrik Blattmann. Diese stellte damals die Kindernahrung «Paidol» her, ein Produkt aus fein gemahlenem Griess und Weizenkeimen. Der Brei lief in der Herstellung über eine geheizte Walze und trocknete dann auf einem Förderband. Die Trocknung war allerdings nicht zuverlässig. So fragte die Stärkefabrik um Vorschläge für die Verbesserung der Maschine an. Hubert Geigers Optimierungen funktionierten – und waren eine ausgezeichnete Referenz, die zu weiteren Aufträgen im Anlagenbau führten.
Erwin Etterich – hier 1935 mit dem Turmhahn der reformierten Kirche – betrieb seit den 1920er Jahren eine Spenglerei an der Gartenstrasse. 1967 erwarb Hubert Geiger das Gebäude.
Jahr für Jahr verbesserte sich die Auftragslage nach der Firmengründung 1967. Bereits 1970 stellten Geiger + Kessler den ersten Lehrling ein. Trotzdem wuchsen die Bäume nicht in den Himmel. Es standen Investitionen in Material, Werkzeug und Maschinen an. Mehr als einmal verzichteten Walter Kessler und Hubert Geiger darauf, sich einen Lohn auszuzahlen, um Blech und Kupfer bezahlen zu können. Im Hintergrund kümmerte sich Luise Geiger um den wachsenden Haushalt. Als gelernte Schneiderin nähte sie für die Kinder die Kleider selbst, um Geld zu sparen. Sie war der ruhende Pol am Mittagstisch und übernahm Büroaufgaben sobald die Kinder grösser waren.
Aufschwung und Rückschläge
Von Rückschlägen blieb die Firma nicht verschont. Im Herbst 1971 erlitt Walter Kessler einen schweren Unfall. Als er dabei war, auf dem Dach des Restaurants Bierquelle einen Kaminhut aus Kupfer zu montieren, rutschte er auf dem nassen, laubbedeckten Dach aus und verlor den Halt. Er stürzte elf Meter in die Tiefe. Man kann von Glück im Unglück sprechen: Es gelang ihm, den Sturz auf allen Vieren aufzufangen. So blieb der Kopf unverletzt, aber in beiden Händen hatte er komplizierte Trümmerbrüche, und mehrere Rippen waren gebrochen. Über zwei Monate lag Walter Kessler im Spital, erholte sich aber glücklicherweise von seinen Verletzungen. Schon bald stand er wieder in der Werkstatt und begab sich auch wieder auf Dächer. «Als Spengler darf man keine Angst haben, auf dem Dach zu sein», sagte er immer.
Langsam aber stetig wuchs der Betrieb. 1983 wurde eine Erweiterung der Werkstatt an der Gartenstrasse nötig. Der Ausbau im dicht überbauten Gebiet um die Schlossbergstrasse war keine einfache Sache. Er war nur möglich, weil die damalige Obst- und Weinbaugenossenschaft OWG als Eigentümerin des Nachbarhauses einem Näherbaurecht zustimmte. So war es möglich, zwischen den Häusern ein flaches Werkstattgeschoss zu erstellen. Der Anbau war einer der ersten Aufträge des Baugeschäfts Füchslin, zu dem die Geiger AG bis heute gute Kontakte pflegt.
1985: Geiger + Söhne AG
Bis 1984 blieb Geiger + Kessler ein Zwei-Mann-Unternehmen, das jeweils einen Lehrling ausbildete. In diesem Jahr traten Thomas und Andreas als älteste Söhne von Hubert und Luise Geiger in die Firma ein. Während Thomas kurz nach der bestandenen Prüfung als Sanitärmeister den Sanitärbereich verstärkte, entstand mit dem Eintritt von Andreas die neue Sparte Heizung. Er legte die Meisterprüfung als Heizungsinstallateur 1987 erfolgreich ab.
Walter Kessler hatte von Anfang an angekündigt, dass er sich schrittweise zurückziehen würde, wenn Hubert Geigers Söhne ins Geschäft eintreten. Daher markiert das Jahr 1985 einen Wendepunkt in der Firmengeschichte. Im Frühjahr gründeten Hubert, Thomas und Andreas Geiger gemeinsam mit Walter Kessler eine Aktiengesellschaft. Fortan hiess die Firma Geiger + Söhne AG. Der Eintrag im Handelsregister erfolgte am 12. April 1985. Walter Kessler reduzierte ab diesem Zeitpunkt sein Pensum um einen Tag pro Woche. 1989 zog er sich im Alter von 62 Jahren in den Ruhestand zurück. So gelang ein reibungsloser Generationenwechsel, für den die AG-Gründung eine wichtige Grundlage gelegt hatte.
In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre stieg der Personalbestand. Felix Bischof, heute als Spenglermeister Leiter der Spenglerei, begann seine Lehre 1984 und blieb danach bei der Geiger + Söhne AG. Ein Jahr später fing Ruedi Isler die Lehre als Spengler und Sanitärinstallateur an. Schon bald spezialisierte er sich auf Sanitärreparaturen und später zusätzlich auf kleinere Umbauten. Damit stärkte er das Standbein Reparaturen und gestaltete es mit. Auch er blieb der Firma bis heute treu.
Das Wachstum führte zu einer zweiten Erweiterung der Werkstatt. Hinzu kamen weitere Aufgaben, welche die Verankerung der Firma zeigen: Von 1986 bis 1997 war Hubert Geiger Blitzschutzaufseher im Bezirk Horgen. In dieser Funktion betreute er etwa 6000 Anlagen. Auch im Büro wuchs mit dem wachsendem Auftragsvolumen der Personalbedarf. Ab 1989 übernahm Erika Geiger Aufgaben im Rechnungswesen. Bereits zwei Jahre zuvor entlastete sie aushilfsweise ihre Schwiegermutter Luise. Personelle Aufgaben übernahm ab 1993 Prisca Geiger. Beide arbeiteten jeweils zwei Tage pro Woche im Büro. Möglich war dies dank der gegenseitigen Unterstützung innerhalb der Familie, obwohl die Kinder noch klein waren. Während der Arbeitszeit der Schwiegertöchter betreute Luise Geiger die zahlreichen Enkelkinder.
Umzug nach Samstagern: Hubert Geiger gibt den neuen Firmenschild den letzten Schliff.
Umzug nach Samstagern
1997 zog sich Hubert Geiger nach fünfzig aktiven Berufsjahren aus dem operativen Geschäft zurück, blieb aber im Verwaltungsrat der gemeinsamen AG. Die Leitung der Abteilung Spenglerei wurde Felix Bischof übertragen. Zur gleichen Zeit stand eine wichtige Entscheidung an: Mit dem Wachstum des Betriebs war die Werkstatt an der Gartenstrasse zu klein geworden. Man musste sich nach einem anderen Standort umschauen und prüfte verschiedene Möglichkeiten, unter anderem ein Neubau in der Au.
Die Idee eines Neubaus war bereits weit gereift, als sich ausserhalb von Wädenswil eine ideale Lösung der Platzprobleme ergab. Nachdem Ende 1999 der Konkurs über das Baugeschäft Spelgatti eröffnet worden war, stand dessen Werkhof an der Fälmisstrasse in Samstagern zum Verkauf. Der Entscheid, Wädenswil zu verlassen, fiel nicht leicht und sorgte für einige Diskussionen in der Familie. Rückblickend erwies er sich aber als richtig. «Die räumlichen Verhältnisse in Samstagern sind optimal», sagt Andreas Geiger.
Voraussetzung war allerdings ein Umbau des Werkhofs. Wo heute die Abteilungen Spenglerei und Sanitär untergebracht sind, waren offene Lagerhallen. Tore wurden eingebaut und Zwischenböden eingezogen. Damit aus den Lagerhallen eine Werkstatt werden konnte, mussten die Räume isoliert, beheizt und elektrifiziert werden. Unverändert blieben vorerst nur die Büros, die im Vergleich zu den beengten Verhältnissen an der Gartenstrasse sehr grosszügig waren.
Umbau und Umzug während des laufenden Betriebs zu bewerkstelligen, war logistisch anspruchsvoll. Der Umzug von Wädenswil nach Samstagern dauerte in mehreren Phasen fast drei Monate. Mit dem Standortwechsel ging eine weitere Veränderung einher. Aus der Geiger + Söhne AG wurde die Geiger AG. So wurde das Jahr 2001 zu einem weiteren Meilenstein in der Firmengeschichte.
Trotz des Umzugs versteht sich die Geiger AG weiterhin auch als Wädenswiler Firma. Unterstrichen wird dies mit der Postfachadresse 8820 Wädenswil, die bis heute in allen Briefköpfen steht, und mit der regelmässigen Teilnahme an den Gewerbeausstellungen in Wädenswil. Hinzu kommt die Präsenz im sportlichen und gesellschaftlichen Umfeld: Die Geiger AG engagiert sich bei zahlreichen Vereinen – bei Sportvereinen vom Fussball- über den Handballclub bis zum Kavallerieverein mit Banden- und Tricot-Werbung sowie im kulturellen Bereich mit Inseraten in Programmheften und Preisen für Tombolas.
Erweiterung um die Abteilung Planung
2003 trat Michael als jüngster von Hubert und Luise Geigers Söhnen in die Firma ein. Damit erhielt das Unternehmen seine heutige Struktur. Als Ingenieur HTL Heizung Lüftung Klima baute Michael Geiger die Sparte Engineering/Planung auf. Sie kam zu den bestehenden drei Standbeinen in den Bereichen Spenglerei, Sanitär und Heizung dazu. Nun war es möglich, vom Konzept bis zur fertigen Umsetzung alles aus einer Hand anzubieten. Dadurch kann die Geiger AG mit ihren verschiedenen Abteilungen bei Neu- und Umbauten Gesamtpakete für die Gebäudetechnik schnüren.
Planung ermöglicht es, dass alle Arbeiten aus einer Hand kommen.
Seit 2014 arbeitet auch Esther Geiger, die Frau von Michael, im Betrieb. Sie übernahm administrative Aufgaben. Verbreitert wurden die Dienstleistungen auch im Bereich der Heizungen. Schon 1997 übernahm die Geiger AG die Feuerungstechnik AG von Josef Küng und Max Ammann. Diese Firma, die bis heute unter eigenem Namen weiterbesteht, führt Feuerungskontrollen sowie Brenner- und Heizungsservicearbeiten durch. Firmen, die Feuerungskontrollen durchführen, müssen gemäss den kantonalen Vorgaben über spezifisch ausgebildete Mitarbeiter verfügen. Sie erhalten vom Kanton eine Zulassung. Daher gibt es vergleichsweise wenige Betriebe in diesem Bereich. Im Bezirk Horgen sind es neben der Feuerungstechnik AG nur noch drei weitere. Im Jahr 2005 wurde die Feuerungsfirma Max Fuchs und 2012 die Feuerungstechnik Albert Weilenmann übernommen.
2016 übernahm die Geiger AG die Dorigo AG, die 1922 in Richterswil gegründet wurde und später ihren Sitz in Pfäffikon SZ hatte. Josef Dorigo, der das Unternehmen im Bereich Wärme- und Kältetechnik in dritter Generation führte, suchte altershalber eine Nachfolgeregelung. Er entschied sich, den Betrieb in die Hände der Geiger AG zu übergeben.
Die Energiezentrale Untermosen ist eine der grössten Holzschnitzelanlagen der Region.
Badewanne mit Seesicht.
Mit vierzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Geiger AG im Jubiläumsjahr 2017 ein Unternehmen, das im ganzen Bezirk Horgen und darüber hinaus tätig ist. Die wichtigsten Kundengruppen sind private Auftraggeber, gefolgt von Architekten und Immobilienverwaltungen. Bedeutende Auftraggeber sind aber auch die öffentliche Hand und Industriebetriebe – vor allem im Anlagenbau und bei der Heizungs- und Kältetechnik. Das abteilungsübergreifende Zusammenspiel aller Bereiche gehört zu den Stärken des Unternehmens. Spenglerei, Sanitär, Heizung und die gesamte Planung aus einer Hand kommen sowohl bei Sanierungen und Umbauten als auch bei Neubauten zum Tragen.