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Ägypten hat zwar nicht so viele Petrodollar, die andere grosse arabische Staaten dazu nutzen, um im Ausland Vermögenswerte zu kaufen, aber das Land hat die Familie Sawiris.
Die berühmteste Unternehmerfamilie Ägyptens hat lange Zeit eine breite Schneise durch den Mittleren Osten und andere nahegelegene sich entwickelnde Märkte geschlagen und eine Handvoll grosser Unternehmen aufgebaut – von Telekommunikation über das Baugewerbe bis hin zur Tourismusentwicklung. Erst unlängst drängte die Familie Sawiris weiter vorwärts und schloss sich etlichen regionalen Anlegern an, die Anteile an westlichen Unternehmen kaufen.
So engagierte sich Nasef Sawiris, der jüngste der drei Söhne von Familienpatriarch Onsi Sawiris, das erste Mal in Frankreich, indem er zustimmte, das Zementunternehmen der Orascom-Gruppe für 8,8 Mrd Euro an Lafarge zu verkaufen. Als Teil des Geschäftsabschlusses soll die Familie zwei Sitze im Verwaltungsrat von Lafarge erhalten.
Die Familie hat bereits Interesse an den Telekommunikationsindustrien in Italien und Griechenland bekundet. Nasefs ältester Bruder Nagib, das prominenteste Familienmitglied, leitet die Oracom Telecom Holding, nach Kundenzahlen das grösste Telekomimperium im Mittleren Osten und in Afrika. Er baute das Unternehmen auf, indem er in so riskanten, aber wachstumsträchtigen Märkten wie Algerien und Irak geschäftlich aktiv wurde, wohin sich nur wenige westliche Unternehmen hinwagen würden.
Vor zwei Jahren betätigte er sich in einem anderen Markt: Er kaufte den italienischen Telefonserviceprovider Wind Telecomunicazioni, reorganisierte dessen Management, senkte die Kosten und verwandelte das Verlustgeschäft in ein profitables. Auf diese Weise formte er das Unternehmen von einem regionalen Schwergewicht zu einem weltweiten Player um.
Die Geschäftserweiterung der Familie Sawiris ist ein weiteres Kapitel des wirtschaftlichen Erwachens der arabischen Welt. Steigende Ölerlöse, liberalisierte Volkswirtschaften und eine neue Bereitschaft, näher am Heimatmarkt zu investieren, helfen dabei, ein noch nie da gewesenes Wachstum in dieser Region anzutreiben. Zur gleichen Zeit erhöhen die lokalen Regierungen und Anleger das Profil der Region auf der weltweiten Wirtschaftskarte, indem sie gierig Vermögenswerte im Westen kaufen. Der Lafarge-Deal ist laut Dealogic die grösste Transaktion, bei der ein Unternehmen aus dem Mittleren Osten das Ziel war.
Das Vermögen der Sawiris wird auf über 20 Mrd Dollar geschätzt. Damit ist die Familie laut der jährlichen Vermögensliste des Wirtschaftsmagazins «Forbes» die reichste Ägyptens. Die Unternehmensgruppe Orascom wurde in den 50er Jahren als ägyptische Baufirma gegründet. Als sie in den frühen 60er Jahren verstaatlicht wurde, zog Onsi Sawiris nach Libyen um und betrieb dort Geschäfte. Jahre später kehrte er unter einem geschäftsfreundlicheren Regime wieder nach Ägypten zurück.
Die drei Hauptunternehmungen der Familie werden jeweils von einem Sohn von Onsi Sawiris geleitet. Nagib Sawiris, der Chef von Orascom Telecom, befindet sich in Gesprächen mit einigen Private-Equity-Gruppen, die einen Anteil an seiner Telekomholding Weather Investments übernehmen wollen. Das Unternehmen hält 51% an Orascom Telecom, ausserdem einen beherrschenden Anteil an Wind sowie an Mobilfunk- und Festnetzanbietern in Griechenland.
Die Firmen sind unabhängig
Nasef Sawiris steht an der Spitze von Orascom Construction Industries, Mutterkonzern von OCI Cement Group, der Firma, die die Familie an Lafarge verkaufte. Und Samih Sawiris führt eine Restaurant- und Hotelentwicklungsfirma und will in Andermatt ein Touristenresort bauen. Onsi Sawiris sitzt im Vorstand aller drei Unternehmen.
Die Brüder sagen, sie führten ihre Unternehmen unabhängig – so sitzt zum Beispiel keiner im Vorstand eines Unternehmens seiner Brüder – und sie verfolgten unterschiedliche Managementstile. Aber sie tauschen untereinander Risikoeinschätzungen aus und teilen ihre Erfahrungen, wie man in den harten Märkten, in denen sie geschäftlich aktiv geworden sind, operiert.
«Wenn einer von uns in einem Land gute Erfahrungen gemacht hat, erzählt er den anderen davon», sagt Nasef Sawiris. Er investierte beispielsweise in diesem Jahr 115 Mio Dollar in Nordkorea.
Das 1997 gegründete Orascom Telecom ist mit etwa 65 Mio Mobilfunkkunden das Kronjuwel der Familie. Das sind fast so viele Abonnenten wie AT&T Wireless, nach Kundenzahl der grösste amerikanische Mobilfunkanbieter. Die Familienmitglieder sind eng miteinander verbunden, und Naguib sagt, er sei sehr stark von seinem unternehmerischen Vater beeinflusst worden.
Orascom Telecom baute das Telekomgeschäft sehr schnell auf, indem sie Kredite aufnahm und mit dem Geld in ein paar neue Märkte expandierte. Das Unternehmen baute schnell Netzwerke aus, übernahm hohe Anfangskosten, um weite Räume abzudecken und früh Kunden zu überzeugen. Nagib ist dafür bekannt, genau die Preise der Konkurrenten zu beobachten und dann die eigenen diesen anzugleichen oder sie zu unterschreiten. «Er ist ein aggressiver Rivale», sagt Ian Gray, Chef der ägyptischen Geschäfte der Vodafone Group.
Orascom Telecom besitzt eine Marktkapitalisierung in Höhe von etwa 15,5 Mrd Dollar, bei einem Jahresertrag von 4,4 Mrd Dollar und Nettoeinnahmen von 719 Millionen Dollar im vergangenen Jahr. Die Familie besitzt einen 55%- Anteil an dem Unternehmen, das meiste davon gehört Unternehmensangaben zufolge Naguib. Der Rest wird öffentlich gehandelt.
Ein früherer Geldgeber war Jassir Arafat, der verstorbene palästinensische Anführer, der vor einigen Jahren bestätigt hat, einen signifikanten Anteil an Orascom Telecom gekauft zu haben. Der Palestine Investment Fund investierte laut Sawiris etwa 280 Mio Dollar. Eine dem Fonds nahestehende Person sagt jedoch, dass der Fonds nicht länger Aktien von Orascom halte.