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Zurzeit gibt es in Simbabwe drei SOS-Kinderdörfer, drei SOS-Jugendeinrichtungen, drei SOS-Kindergärten, fünf SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, ein SOS-Berufsbildungszentren (Mütter und Mitarbeiterschulung) und sieben SOS-Sozialzentren.
Simbabwe hatte einst eine afrikanische Vorbildfunktion auf dem Bereich des Bildungssektors. Da Tausende von Schulen aufgrund der schlechten Finanzlage schließen mussten, sieht das Bild heute ganz anders aus. Obwohl sich die Wirtschaft etwas stabilisiert hat, kämpfen Millionen von Menschen um ihr Überleben. Die Kinder gehören zu der am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppe; viele von ihnen wachsen ohne elterliche Fürsorge auf.
Einige Fakten über Simbabwe
Schulkinder zeigen ihre Arbeiten für die Kamera (Foto: SOS-Archiv)
Simbabwe ist ein Binnenland im Süden des afrikanischen Kontinents und grenzt an Südafrika, Botsuana, Sambia und Mosambik. Im Jahr 1965 erklärte Rhodesien einseitig seine Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Erst 1980 wurde das unabhängige Simbabwe proklamiert, nachdem ein Aufstand der Guerilla zu freien Wahlen geführt hatte.
Seit der Unabhängigkeit ist das Schicksal des Landes eng mit dem Präsidenten Robert Mugabe verknüpft. Er regierte Simbabwe bis 2008 als Einparteienstaat. Dann willigte Mugabe in eine Machtaufteilung ein, nach einer Wahl, in der Oppositionsführer Tsvangirai zwar die meisten Stimmen erhalten hatte, sie aber nicht für die Sicherung der einfachen Mehrheit reichten.
Trotz der politischen Unruhen scheint sich die Wirtschaft Simbabwes langsam zu stabilisieren. Nach zehnjähriger Stagnation und einer beunruhigend hohen Inflationsrate konnte im Jahr 2010 ein reales Wachstum von etwa fünf Prozent verzeichnet werden. Dennoch ist die Schuldenlast des Landes nach wie vor sehr hoch, und die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt äußerst angespannt, da die Mehrheit der Simbabwer arbeitslos ist. Das Land leidet unter einem "Brain Drain", da Zehntausende von hochqualifizierten, dringend benötigten Fachkräften ihre Heimat verlassen, um im Ausland eine Arbeit zu finden.
HIV/AIDS nach wie vor ein großes Problem der öffentlichen Gesundheit
14 Prozent der Simbabwer sind mit HIV/AIDS infiziert - das ist eine der höchsten Prävalenzraten auf der ganzen Welt. Unter einer Million von Infizierten sind 150 000 Kinder unter 14 Jahren. Die Krankheit stellt daher das größte Problem der öffentlichen Gesundheit des Landes dar. Kinder von HIV-infizierten Eltern sind einer Reihe von Gefahren ausgesetzt. Sie können selbst angesteckt werden und sind vom Verlust der elterlichen Fürsorge sowie sozialer Diskriminierung und Vernachlässigung bedroht.
Simbabwe rühmt sich mit einer der höchsten Alphabetisierungsraten in ganz Afrika, und das Bildungssystem hatte einst eine Vorbildfunktion für die gesamte Region. Die Lage auf dem Bildungssektor hat sich in den letzten Jahren jedoch verschlechtert. Circa neun von zehn Schulen sind nach wie vor geschlossen, und Millionen von Familien am Rande der Gesellschaft können sich eine Grundschulbildung für ihre Kinder schlichtweg nicht leisten.
Etwa 39 Prozent der Menschen in Simbabwe fristen ein Leben in Armut. Hunderttausende haben keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen, Abwassersystemen oder sauberem Trinkwasser. Die ländlichen Regionen sind besonderes betroffen - circa 60 Prozent der Wasserpumpen funktionieren nicht, circa zwei Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser.
In Simbabwe herrscht ein hohes Niveau an Ungleichheiten. Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung verfügen über etwa 40 Prozent des gesamten Haushaltseinkommens. Während manche Simbabwer ein Leben im Luxus genießen, fehlt es vielen anderen an grundlegenden Dingen wie menschenwürdigen Behausungen, Nahrung und Trinkwasser
Die Lage der Kinder in Simbabwe
Junge lächelt in die Kamera (Foto: SOS-Archiv)
Obwohl eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen zum Schutz der Kinder in Simbabwe erlassen worden sind, ist ihre Umsetzung aufgrund mangelnder Ressourcen nach wie vor sehr schwierig. Eine Vielzahl von Kindern erhalten keine Geburtsurkunde, wodurch ihre Einschulung und medizinische Versorgung erschwert werden. Obwohl einige Fortschritte beim Kinderschutz erzielt worden sind, werden nach wie vor viele Kinder vergewaltigt und missbraucht.
Nach Angaben von Polizeiberichten hat sich die Zahl der Kindesvergewaltigungen von 2005 bis 2007 fast verdreifacht. Junge Mädchen sind besonders stark gefährdet, da einige Männer in Simbabwe glauben, dass sie durch Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau von HIV/AIDS geheilt werden können. Berichten zufolge ist die Verheiratung Minderjähriger in einigen entlegenen ländlichen Gebieten äußerst weit verbreitet.
In Simbabwe sind endemische Armut und alarmierend hohe HIV/AIDS-Infektionsraten von Kindern, vor allem Waisenkindern, weit verbreitet. Aufgrund der sozioökonomischen Bedingungen des Landes haben Zehntausende von Kindern keinen Zugang zum Gesundheitssystem. Jeden Tag sterben mehr als einhundert Kinder an Krankheiten, die im Westen leicht geheilt werden könnten.
Nach Schätzungen von UNICEF leben etwa 1 400 000 Waisenkinder, darunter circa eine Million Aidswaise, in Simbabwe. Die HIV/AIDS-Pandemie ist einer der Hauptgründe für den Verlust der elterlichen Fürsorge. Circa 80 Prozent der Waisenkinder bekommen überhaupt keine Form von Unterstützung. Etwa ein Drittel aller Kinder leiden an chronischer Unterernährung, und rund zehn Prozent aller Kinder in Simbabwe haben ein zu niedriges Geburtsgewicht.
SOS-Kinderdorf in Simbabwe
Die Tätigkeit von SOS-Kinderdorf begann in Simbabwe in den 80er Jahren, als der damalige österreichische Botschafter die Organisation mit der Bitte um Schutz und Hilfe für die Waisenkinder des Landes kontaktierte. Durch die Einführung von SOS-Familienstärkungsprogrammen geht unsere Organisation auf das zunehmend verbreitete Problem von HIV/AIDS im Land ein. Die Programme ermöglichen vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedrohten Kindern das Aufwachsen in einer liebevollen familiären Umgebung. Dafür arbeitet unsere Organisation eng mit Familien und Gemeinden zusammen, um sie in die Lage zu versetzen, ihre Kinder effektiv zu versorgen und zu beschützen. Wenn Kinder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, werden sie von SOS-Müttern in einer der SOS-Familien betreut. Derzeit unterstützen wir Kinder und Jugendliche in Simbabwe an drei verschiedenen Standorten durch Kindertagesstätten, Schulen und Berufsbildungszentren.