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Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Balthus’ Zeichnungen, die dem MCBA von der Familie des Künstlers als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt wurden.
Die Zeichnung steht im Mittelpunkt des Schaffens von Balthus (Paris 1908–2001 Rossinière), zum einen als System zum Verständnis und zur Analyse seiner Umwelt, zum anderen als entscheidende Etappe für die Anfertigung seiner Gemälde.
Als fragmentarische und vertrauliche einfache Studien und Wegmarken für seine grossen gemalten Kompositionen enthüllen diese Zeichnungen den kreativen Prozess des Künstlers. Sie sind die Spur eines eigenständigen geistigen Bilds und der Probleme, die sich bei dessen Übertragung auf die Leinwand stellen: Aufbau der Komposition, Behandlung der Volumen, Verteilung des Lichts, Studium von Details, die an der ganz besonderen Atmosphäre von Balthus’ Universum teilhaben.
Zunächst ein Arbeitsinstrument, wird die Zeichnung später zu einem eigenständigen Ausdrucksmittel für unabhängige, ausgearbeitete Werke, die um ihrer selbst willen bewundert werden sollen. Die Formate werden ambitionierter, die Träger vielfältiger. Symptomatisch dafür ist, dass der Künstler ein Zimmer in seiner Wohnung in der Villa Medici in Rom, die er von 1961 bis 1977 leitet, ausschliesslich zum Zeichnen nutzt.
Balthus zeichnet, wischt, radiert und aquarelliert. Er verwendet die Weichheit des schwarzen Farbstifts wie den prägnanten Strich der Feder. Einige in hastiger oder nervöser Geste auf das Papier geworfene Zeichnungen scheinen die Spannung des Denkprozesses zu spiegeln, während andere präzise gezeichnete Arbeiten das Nachdenken oder das Bestreben andeuten, ein formales Problem auszuloten. Die Themen sind vielfältig und zugleich repetitiv, geradezu zwanghaft. Auf der Suche nach dem adäquaten Bildausschnitt und der richtigen Körperhaltung beginnt Balthus mit jeder Zeichnung neu, berichtigt und setzt unermüdlich einen langen Reifungsprozess des Gestus fort.
Ausstellungskurator: Camille Lévêque-Claudet, Konservator