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Rasen – das war für Belinda Bencic im erfolgreichen vergangenen Jahr der Heilsbringer. Auf der grünen Unterlage drehte die 19-jährige Ostschweizerin nach einem Saisonstart mit mässigen Resultaten gewaltig auf, erreichte in ‘s-Hertogenbosch ihren zweiten WTA-Final, holte in Eastbourne ihren ersten Titel und scheiterte in Wimbledon erst im Achtelfinal an Viktoria Asarenka.
Die Juniorensiegerin 2013 in Wimbledon liebt das Spiel auf Rasen, doch in diesem Jahr sind die Vorzeichen ein wenig anders. Das Comeback nach einer langwierigen Rückenverletzung gelang in ‘s-Hertogenbosch mit der Halbfinal-Qualifikation sehr gut, doch dann verlor sie in Birmingham und Eastbourne jeweils in der 1. Runde und zog sich nochmals eine leichte Zerrung an den Adduktoren zu.
Bencic, die am Montag zum Start in Wimbledon aus den Top Ten fallen wird, startet deshalb mit einigen Fragezeichen in ihr zweites Grand-Slam-Turnier des Jahres, nachdem sie das French Open verpasste. Die Wahl-Schwyzerin ist jedoch ein Wettkampftyp und kann sich in den Matches meist steigern – wenn sie fit ist.
Timea Bacsinszky brauchte wesentlich länger, ehe sie sich mit Rasen als Unterlage anfreunden konnte. Erst in ihrer “zweiten Karriere” nach dem zwischenzeitlichen Rücktritt kam sie zu Erfolgserlebnissen, mit der Viertelfinal-Qualifikation vor einem Jahr als vorläufigem Höhepunkt.
“Meine Rasenfähigkeiten liegen bei einem Prozent derer von Federer”, sagt sie bescheiden. Aber sie habe gelernt, dass sie mit ihren vielen Variationsmöglichkeiten auch hier eine durchaus gefährliche Gegnerin für alle sein könne.
Dass sie bei ihrem einzigen Vorbereitungsturnier in Eastbourne gleich zum Auftakt an der aufschlagstarken Französin Kristina Mladenovic scheiterte, muss kein schlechtes Zeichen sein. Im Vorjahr spielte sie vor Wimbledon gar keine Partie auf Rasen. Für Bacsinszky (in der ersten Runde gegen die Thailänderin Luksika Kumkhum) ist – wie für Bencic (gegen Tsvetana Pironkova/BUL) – fast alles möglich, von einer frühen Niederlage bis zu einem Auftritt bis weit in die zweite Woche.
Überhaupt ist das Frauentennis äusserst unberechenbar geworden. Zwar thront Serena Williams immer noch an der Spitze der Weltrangliste, doch die Überfliegerin jagt seit fast genau einem Jahr ihrem 22. Grand-Slam-Titel nach, mit dem sie Steffi Graf einholen würde. Seit die 34-Jährige aus Florida am US Open ihren grossen Traum vom Kalender-Grand-Slam verpasste, verlor sie in Australien und Paris zweimal im Final.
Die letzten drei Major-Turniere endeten allesamt mit Premieren-Siegen durch Flavia Pennetta, Angelique Kerber und Garbiñe Muguruza. Kehrt Williams im Südwesten Londons, wo sie bereits sechsmal triumphierte, zum Siegen zurück oder gibt es erneut eine Überraschungssiegerin? Zum Auftakt trifft sie auf die Schweizer Grand-Slam-Debütantin Amra Sadikovic.
Muguruza, die im letzten Jahr im Viertelfinal Bacsinszky bezwang und im Final Williams unterlag, ist erneut eine heisse Kandidatin. Die Bestätigung des French-Open-Titels wäre aber keine Überraschung mehr.
(SDA)