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Das Jahr 1816 ist als sogenanntes «Jahr ohne Sommer» in die Geschichtsbücher eingegangen. Die Ursache für die anhaltende kühle und nasse Witterung lag hauptsächlich im Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien. Die ausgestossene Asche reduzierte die Sonneneinstrahlung. Zudem war die Sonnenaktivität vorübergehend reduziert.
Hungertote
Laut Wikipedia kam es auch zur Sommerzeit zu Schneefällen bis in tiefe Lagen, die ihrerseits als Tauwasser zu Überschwemmungen führten.
In der Folge reiften das Obst und die Früchte nicht, und die Kartoffeln verfaulten im Acker. Es kam zu Nahrungsmittelknappheit. Der Preis für Getreide und für Brot stiegen um das Achtfache.
Durch Unterernährungen starben in der Ostschweiz rund 15 000 Personen an Entkräftung, an Ruhr und an Typhus.
Polizeipräsenz
Die Menschen assen in ihrer Not unreifes Obst, Schnecken, Blätter und Gras. Und in Abfällen suchten sie nach Essebarem.
In einigen Gegenden des Landes kam es zu Aufständen und zu Hungerrevolten. In der Ostschweiz wurde vorsorglich die Polizeipräsenz verstärkt.
Um die Not zu lindern, spendeten verschiedene Bürger und hochrangige Personen Geldbeträge, Kleider sowie Essen. Vom Hunger war vor allem die Unterschicht betroffen. Der Zar von Russland seinerseits spendete 100 000 Rubel.
Habermus gegen Arbeit
Der Mangel an Nahrungsmitteln machte sich auch in Wil bemerkbar, wie der Chronist Karl Ehrat schreibt. 1817 wurden 17 Wiler Familien von der Gemeinde mit Nahrungsmitteln unterstützt.
Im weiteren Verlauf der Krise nahmen die Unterstützungsbedürftigen zu, auch weil die Preise für Lebensmittel weiter stiegen. In der Äbtestadt wurde an Notleidende unter anderem Habermus abgegeben, für das im Gegenzug eine Arbeitsleistung erwartet wurde.
Wachen auf den Feldern
Als sich Nahrungsmittelknappheit weiter verschärfte, ordnete die St. Galler Regierung die Einrichtung von Suppenküchen in den Gemeinden an. Finanziert wurden sie unter anderem aus Kirchenopfern.
Gegen Ende des Sommers 1817 wurde auf den Feldern um Wil eine neue Saat ausgebracht. «Vier Wächter zogen seit 11. August täglich von morgens 4 Uhr bis abends 10 Uhr auf die Wache, um Diebstähle, wie sie schon erfolgt waren, zu verhindern», schreibt Ehrat.
Solidarität
Die folgende Ernte brachte guten Ertrag. «Die gemeinsame Not hatte Behörden hatte Behörden, Stadt und Land, vermöglichere und ärmere Kreise der Bevölkerung einander näher gebracht und damit auch zu einer friedlicheren Zukunft beigetragen», bilanziert Chronist Ehrat.