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Was ist eigentlich ein Fjell in Norwegen?
Das norwegische Wort Fjell entspricht in erster Linie dem deutschen Begriff des Gebirges. Durch die einzigartige und im Vergleich zu den „klassischen“ Gebirgen wie den Alpen andersartige Topographie in den norwegischen Bergen wird es aber auch häufig umgangssprachlich genutzt, um das typische karge und baumlose Hochland in Norwegen oder auch Schweden (Fjäll) zu beschreiben.
Die Vegetation besteht oftmals nur aus wenigen Bäumen wie einigen Birken oder Nadelhölzern. Primär prägen bodennahe Pflanzen, Moose und Gräser sowie Heidelandschaften das Landschaftsbild. Die abgerundete, im Vergleich zu den schroffen Formen der Alpen nur wenig Höhenunterschied aufweisende Landschaftsform im Fjell ist durch eiszeitliche Gletscherbewegungen geprägt und je nach Region auch mit vielen kleineren und grösseren Seen durchzogen.
In Norwegen und in Schweden weisen Fjell-Landschaften oft nur wenig Infrastruktur auf. Charakteristisch sind die teilweise schnurgeraden, wie mit einem Lineal gezogenen Strassen, die das Gebiet durchziehen. Weitläufige Fjells wie zum Beispiel die Hardangervidda in Norwegen sind ein beliebtes Wander- und Trekkinggebiet. Aufgrund der weiten Distanzen und der exponierten Höhenlage müssen diese Gebiete allerdings auch mit entsprechender Ausrüstung und Vorbereitung besucht werden, da dort kaum eine vergleichbare und dichte Hütteninfrastruktur wie in den Alpen vorzufinden ist.
Wo findet man Fjells?
Die typischen Landschaften findet man gar nicht mal unbedingt nur in Norwegen, wo dieses Landschaftsfoto entstanden ist. Schweden und der nördliche Teil der britischen Insel mit Schottland weisen ebenfalls sehr ähnliche Landschaftsformen auf. Und sogar in den Alpen gibt es teilweise kleinere Regionen, die ich persönlich als Fjell beschreiben würde, das mag geologisch betrachtet allerdings nicht unbedingt korrekt sein.
Da dieses Foto aus Norwegen stammt, möchte ich mich hier auf dieses weitläufige Land beschränken. In Norwegen findet man Fjells in recht vielen Regionen, als zwei charakteristische Beispiele würde ich den Jotunheimen-Nationalpark und die Hardangervidda im südlichen Drittel Norwegens aufführen. Beide Regionen liegen in Höhenlagen zwischen 800-1200 Meter, wobei einzelne Berge diese Marke auch deutlich überschreiten. Im Jotunheimen befinden sich mit dem Glittertinden und dem Galdhøppigen die beiden höchsten Berge Norwegens, die beide über 2400 Meter hoch sind.
Aber auch in Nordnorwegen und Schweden gibt es viele Regionen, die in die Kategorie Fjell fallen. Nicht selten ist es uns passiert, dass uns die Strasse bei der Reiseetappe durch Norwegen unvermittelt und wenige Kurven später in genau solche kargen Hochlandschaften geführt hat, die wir dort gar nicht erwartet hätten.
Über dieses Bild
Landschaftsfotografie lebt von Tiefenwirkung im Bild. Ein wichtiges Element, um diese Tiefenwirkung erreichen zu können, ist der Himmel — idealerweise, wenn er mit interessanten Wolkenformen bedeckt ist. Nun haben wir leider keinen Einfluss darauf, ob und wann Wolken am Himmel auftauchen — und das ist sicherlich auch gut so.
Bei unserer Übernachtung im norwegischen Fjell mit dem Van in der Region Nore og Uvdal treffen wir auf bestes Wetter, einen wolkenlosen Himmel und farbenfrohe Vegetation. Durch die langgezogenen, flachen Höhenzüge im Landschaftsbild fehlen mir bei der Suche nach einem geeigneten Motiv an diesem Abend im September Elemente für den Bildaufbau: ein schroffer Berg, ein knorziger Baum oder imposante Wolkenformen am Himmel. Nach einigem Herumstreifen mit der Kamera in der Hand muss ich mich schliesslich mit einigen farbenfrohen Moosen und dem leuchtenden Abendhimmel zufrieden geben.
Ich versuche, meinen Bildaufbau so zu gestalten, dass durch den Verlauf der Flechten und Sträucher mit den Bergzügen am Horizont eine gewisse Tiefenwirkung entsteht. Der tiefblau bis orange leuchtende Himmel steuert seinen Teil dazu bei, dass die Komponente Licht nicht zu kurz kommt. Das lilafarbene Moos an beiden Bildrändern sorgt für einen Klecks Farbe und obwohl Lila, Orange und Blau nicht direkt zu den Komplementärfarben gehören, bin ich mit dem Ergebnis recht zufrieden. Wenn es jetzt noch ein paar leichte Wolkenschlieren am Himmel hätte… Aber den Gedanken muss ich gar nicht weiter verfolgen, es ist weit und breit kein noch so kleines Wölkchen zu sehen und in wenigen Minuten wird die Dunkelheit ohnehin überhand nehmen.
Neben der einbrechenden Nacht bin ich aber auch aus einem anderen Grund froh, mit meiner Aufnahme einer norwegischen Fjell-Landschaft fertig zu sein: Mücken. Aus meiner Perspektive gerade auch so eine Erfindung der eher überflüssigen Art. Wie halten das die norwegischen Trolle mit diesen Viechern nur aus, denke ich mir, während ich fuchtelnd mein Stativ und die Kamera zusammenpacke und mich auf den Rückweg zum Van mache. Aber vermutlich stellen die sich einfach nur nicht so an wie ich.