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IPCA, the International Prison Chaplains Association
(die Internationale Vereinigung der Gefängnisseelsorgenden) äußert sich besorgt über
die Auswirkungen von Covid 19 auf die Seelsorge für die Menschen in den Gefängnissen der Welt
Lockdown für die Gefangenen
Die Coronavirus-Pandemie stellt die Welt vor eine Herausforderung. Wenn von vulnerablen (schutzbedürftige) Gruppen die Rede ist, sind inhaftierte Menschen selten gemeint. Dabei
können Gefängnisse leicht zu Hotspots für COVID-19 werden. In zu vielen Gefängnissen auf der ganzen Welt tötet COVID-19 Menschen entweder direkt oder indirekt. Nach den
Nelson-Mandela-Regeln haben Gefangene das gleiche Recht auf Gesundheit wie alle anderen.
Die weltweite Gefängnispopulation wird auf 11 Millionen geschätzt. Zu viele Gefängnisse in zu vielen Ländern sind überfüllt und es herrschen unhygienische Zustände. Insassen haben
nicht immer Zugang zu sauberem Wasser. Das Gefängnis selbst ist kaum eine gesunde Umgebung. Lebensmittel sind in der Regel von schlechter Qualität, und an vielen Orten sind sogar
Lebensmittel von schlechter Qualität selten. In vielen Ländern sind Insassen auf Familie und Freund*innen angewiesen, um Lebensmittel und anderes Notwendige zu erhalten,
insbesondere in Situationen von Untersuchungshaft. Mit dem Lockdown verschwinden diese Möglichkeiten.
IPCA
erkennt an, dass die Gefängnisverwaltungen in vielen Ländern ihr Bestes tun, um die Pandemie durch Lockdown - Maßnahmen aus ihren
Gefängnissen fernzuhalten, indem der Kontakt mit praktisch allen anstaltsfremden Personen von außerhalb der Mauern minimiert wird. Infolgedessen wurden viele Gefängnisse vor
COVID-19-Ausbrüchen geschützt.
IPCA
unterstützt die Bemühungen zum Schutz des Lebens der Gefängnis-gemeinschaft, der Insassen genauso wie des Personals weltweit, bedauert
jedoch Einschränkungen, die über das unbedingt Erforderliche hinausgehen
und den Zugang zu Arbeitsplätzen und Beratung für Insassen
einschränken.
IPCA
möchte auch deutlich auf die Konsequenzen solcher Einschränkungen hinweisen:
Freunde und Familien können aufgrund ihrer Situation außerhalb der Mauern und der Kontaktbeschränkungen nicht helfen.Einschränkungen bei Besuchen von Familienmitgliedern und
Freunden, kein Zugang zu Gefängnisseelsorger*innen, Freiwilligen, zu Rehabilitations- Programmen und vielen anderen Beratungsdiensten sowie keine religiösen oder spirituellen
Dienste - all dies führt nicht nur zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten für Gefangene, sondern auch zu geistlicher und spiritueller Not. Das Coronavirus tötet in einigen Teilen der
Welt Menschen im Gefängnis und wir sollten alles tun, um diese zu schützen. Aber auf lange Sicht können auch mangelnder Kontakt, das Fehlen von Besuchen sowie religiöser,
spiritueller und anderer Fürsorge tödlich sein.
IPCA
äußert die Sorge, dass viele aus gesundheitlichen Gründen erforderliche Einschränkungen auch dann bestehen bleiben könnten, wenn sie
nicht mehr angemessen sind.
IPCA
begrüßt es, dass Michelle Bachelet, die Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, die Regierungen ermutigt hat,
Insassen, die besonders anfällig für COVID-19 sind, wie ältere Menschen und Straftäter mit geringem Risiko, freizulassen. "Die Inhaftierung sollte ein letzter Ausweg sein,
insbesondere während dieser Krise", sagte sie in einer Erklärung vom 25. März 2020. Experten glaubten, dass es genügend Spielraum für die Freilassung von Gefangenen gibt. In
mindestens 46 Ländern weltweit würde die Mehrheit der Gefangenen bisher nicht wegen eines Verbrechens verurteilt. Die Zahlen der in Untersuchungshaft einsitzenden Menschen (vor
dem Prozess) seien hoch. Beispielsweise befände sich ein Drittel der beträchtlichen Gefängnispopulation Brasiliens in Untersuchungshaft. (Quelle: The Lancet, 2. Mai 2020).
IPCA
ruft die Gefängnisbehörden weltweit dazu auf - wo und wann immer die Möglichkeit besteht - denjenigen, die Unterstützung in Form von
religiöser und spiritueller, aber auch anderer Beratung leisten, den Zugang zu Gefängnissen wieder zu öffnen.
Diese Erklärung wurde beim weltweiten „Keep Hope Alive“ webinar von IPCA am 11. November 2020 mit über 120 Teilnehmer*innen verschiedener Religionen angenommen und
verabschiedet.
Pfarrer Dr. Frank Stüfen, IPCA UN-Team (<email-pii>)