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nach Balda hin, die zweite, übrigens weniger zu Höhlen geeignete, ist das Plateau von Brilon, die dritte die Mulde von Attendorn,
die vierte die Insel von Warstein. Zwischen 30 und 40 Höhlen sind erschlossen, alle mehr oder weniger voneinander verschieden,
manche ganz trocken, andre mit Tropfstein oder Schlamm und Tropfstein in wechselnden Verhältnissen erfüllt.
Manche enthalten organische Reste, andre wieder nicht. Der Lehm in den Höhlen enthält keine nordischen Geschiebe, das vorkommende
Geröll entstammt sämtlich den in der Nähe anstehenden Gesteinen, und die gefundenen Feuersteine sind bearbeitet ebenso wie
die vereinzelt auftretenden Bernsteinstücke.
Hippotherium und Hippopotamus sind mehr als zweifelhaft. In denHöhlen der Lenne, dem erstbezeichneten Höhlengebiet, sind die
genannten Tiere sämtlich vorhanden, in den übrigen nur teilweise und in wechselnden Verhältnissen. Reste menschlicher Thätigkeit,
rohe Topfscherben, Holzkohle, bearbeitete Kieselschiefer, finden sich in verschiedenen Schichten, zuweilen
gerade in den tiefsten, jedenfalls nie derart neben Mammutresten, daß man berechtigt wäre, eine gleichzeitige Existenz von
Mensch und Mammut anzunehmen. Im Diluvium finden sich überhaupt keine Gegenstände aus der Hinterlassenschaft des Menschen,
bez. scheint es, als wenn die hier und da gefundenen Geräte
und Waffen
[* 24] erst nachträglich in die betreffenden Erdschichten hineingeraten sind; erst die jetzige geologische Epoche zeigt
sichere Spuren des Menschen.
Das Diluvium erfüllt einen großen Teil des Münsterschen Beckens und findet sich ferner am Teutoburger Wald, wo es bis 190 m
aufsteigt. Von N. bis zur Lippe
[* 25] enthält es nordische Geschiebe, südlich dieses Flusses Rheingeröll. Die
Tierreste des Diluviums umfassen in der Hauptsache die großen Pflanzenfresser des Diluviums. Sie sind sicher in jener Zeit
dort gewesen und nicht nachträglich hineingeraten; die Knochen
[* 26] sind besser erhalten als die Knochen der Höhlentiere; merkwürdigerweise
kommen sie gerade in den untersten Schichten zahlreich, in den mittlern spärlich, in den obersten gar
nicht mehr vor.
Dies deutet auf ein Aussterben, eine Vertreibung der Tiere, jedenfalls veranlaßt durch die Eisverhältnisse der Diluvialzeit.
Aus den eben angedeuteten Verhältnissen der Geschiebe ergibt sich, daß das nordische Eis
[* 27] in der Vergletscherungsperiode mit
den Gletschern der rheinischen Mittelgebirge etwa an der Lippe zusammengestoßen ist; diejenigen Tiere, welche
nicht einen Ausweg nach der rheinischen Ebene fanden, gingen aus Mangel an Nahrung und Wärme
[* 28] zu Grunde.
Nach dem wissenschaftlichen Jahresbericht des Generalsekretärs Prof. Ranke - München
[* 29] erläuterte Landesbauinspektor Honthumb
das Modell eines westfälischen Bauernhauses aus der Nähe von Osnabrück.
[* 30] Nach langem Suchen hatte er das
betreffende Haus als ein den reinen Typus des schon mehr entwickelten niedersächsischen Hauses noch möglichst getreu wiedergebendes
ermittelt, genau vermessen und in 0,05 der natürlichen Größe nebst
allem Mobiliar und Inventar in den entsprechenden Materialien
nachbilden lassen.
In der zweiten Sitzung sprach Prof. Nordhoff über eine Reihe wichtiger vorgeschichtlicher Funde aus Westfalen,
die er vorlegte, und gedachte dabei einer neuerdings mehrfach aufgetauchten Ansicht, der zufolge die Hünengräber (Riesenbetten)
erst nach der Römerzeit errichtet sein sollen. Zur Begründung dieser Ansicht, die schon um deswillen nicht sehr wahrscheinlich
ist, weil bei so jugendlichem Alter jener Denkmäler wohl noch Überlieferungen über ihre Entstehung und
Bedeutung im Volk aufzuspüren sein würden, wird angeführt, daß auffallenderweise die römischen Schriftsteller, welche
über Deutschland berichten, der Hünengräber nirgends Erwähnung thun, obschon vielfach die Römerstraßen gerade mitten
durch die Steinsetzungen hindurchführen, daß ferner aber neben ältern Gegenständen solche neuern Ursprungs, namentlich
auch Eisengerät, in den Hünengräbern gefunden werden.
Nach Tischler - Königsberg
[* 31] sind aber diese Begründungsversuche hinfällig. Zunächst charakterisieren sich die megalithischen
Denkmäler in ihren Einschlüssen an keramischen Gegenständen und Steingeräten so augenscheinlich als der jüngern
Steinzeit
[* 32] angehörig, daß die vereinzelten jüngern Gegenstände, die hin und wieder gefunden sein mögen, dagegen gar
nicht in Betracht kommen. Die Denkmäler sind so oft (von den alten Schatzgräbern) durchwühlt, daß
bei diesen Besuchen sehr wohl Geräte, Werkzeuge
[* 33] u. dgl. von den Schatzgräbern verloren,
bez. zurückgelassen sein können.
Daß die römischen Schriftsteller über die Hünengräber schweigen, erklärt sich leicht, da in damaliger Zeit überhaupt
noch nicht eine so eingehende, umfassende und objektive Art der Reisebeschreibung üblich, zudem aber
schon damals im Volksbewußtsein nichts mehr über Entstehung und Bedeutung der Steinmassen übriggeblieben war, also auch
dieser Anreiz zur Aufmerksamkeit fehlte. Daß Römerstraßen durch die Riesenbetten gehen, mag durch die Lage mancher der letztern
bedingt, oft aber auch Werk des Zufalls gewesen oder durch Kuriositätensucht veranlaßt worden sein,
insofern die Erbauer die Steine möglicherweise aus der Nachbarschaft an die Straße versetzten.
Zinn an prähistorischen Fundstätten ist man nun aber auf Antimon gestoßen. Antimonknöpfe fanden sich in Gräbern am Nordrande
des Gebirges, ferner ist Antimon aus assyrisch-babylonischen Fundstätten bekannt geworden und im Mestem, der Augenschminke
der alten Ägypter, enthalten. Hierdurch widerlegt sich die frühere Annahme, als sei das Antimon erst im Mittelalter
bekannt geworden. Bessere Aufschlüsse über den Gang
[* 40] der kaukasischen Kultur erhält man bei Berücksichtigung der Ornamente
[* 41] auf den kaukasischen Bronzen.
Prof. Schaaffhausen - Bonn
[* 47] sprach über das Alter des Menschengeschlechts. Nach der mosaischen Überlieferung ist das Menschengeschlecht 6000 Jahre
alt, nach Lyell 200,000 Jahre. Am wahrscheinlichsten dürfte ein Alter von 15-20,000 Jahren sein; immerhin beruht auch das auf
bloßer Schätzung. Als man die Spuren der Eiszeit
[* 48] entdeckte, meinte man zunächst, der Mensch könne erst
nach dieser entstanden sein. Aber die Funde von Wetzikon, welche Beweise für das gleichzeitige Dasein von Mensch und Moschusrind
zeigten, bewiesen, daß der Mensch schon während der Eiszeit gelebt habe.
Die große Alveole der letzten Mahlzähne bei jenen entspricht den letzten großen Mahlzähnen der Australier.
Die Männer der Höhle von Spy lassen erkennen, daß der aufrechte Gang desMenschen sich allmählich entwickelt hat. Dem entsprechend
gehen die rohesten Wilden mit vorgebeugtem Körper und gebogenem Knie. Die Lage des Hinterhauptloches, die hinten abgerundete
Tibia, die geringe Entwickelung der Wadenmuskeln, die mehr ausgehöhlte hintere Gelenkfläche des Metatarsus
der großen Zehe beim Wilden wie beim vorgeschichtlichen Menschen - das alles steht im notwendigen Zusammenhang.
Daß aber die Rassen als solche schon sehr alt sind, beweisen die ägyptischen Wandmalereien, die 1500 v. Chr. hellfarbige,
blauäugige Menschen neben dem Neger, dem Juden, Mongolen und dem bezopften Chinesen zeigen. Neben diesen
rohen Rassen geben sie aber auch edlere Züge in den Bildern der Herrschergeschlechter, die schon erkennbar auf das griechische
Schönheitsideal hinweisen. In Fayum haben sich Abbildungen menschlicher Gesichter gefunden, die aussehen, als wenn sie Leuten
von heutzutage angehörten.
In der Größe des Gehirns drückt sich der Unterschied zwischen Mensch und Tier am greifbarsten aus. Zwischen
höhern und niedern Rassen beträgt der Unterschied in der Größe des Gehirns 150-200 ccm. Schon in der Vorzeit gab esKurz- und
Langschädel ebenso wie Mittelformen, aber der Schädelindex erschöpft die Eigenart der Schädelform nicht, also auch nicht
die Bildung des Gehirns, und der große Fortschritt der Menschheit ist undenkbar ohne die Fortentwickelung
des Gehirns, also auch des Schädels.
Der Gorillaschädel hat einen durchschnittlichen Inhalt von 485 ccm, der des Neanderthalmenschen einen solchen von 1099, der
des PhilosophenKant einen solchen von 1730 ccm. Sicher hat das Klima Einfluß auf die Schädelbildung; ist
der Mensch in den Tropen entstanden, so hat er doch seine höchste Ausbildung in den gemäßigten Klimaten erlangt. In Europa
wohnte vor den Kelten ein den Lappen verwandtes Volk; wer vor diesem da war, wissen wir nicht. Der Neanderthaler hat nichts
vom Kelten und nichts vom Lappen. Da der in ihm vertretene eigentümliche Formenbau in den Skeletten von
Spy sich nahezu wiederfindet, so kann man mit Wahrscheinlichkeit schließen, daß dieser Formenbau der Typus einer eingebornen
Rasse ist.
Amerika hatte keine ureingeborne Rasse; überall weist die Überlieferung auf erfolgte Einwanderung hin. Der Affe
[* 57] brachte es in
Amerika nicht über die geschwänzten Formen hinaus. Auch Australien
[* 58] besitzt nur eingewanderte Bewohner,
die Tierwelt leistet dort ihr Höchstes in den niedrigstehenden Beuteltieren. Was übrigens die Thatsachen der Brachy- und Dolichokephalie
betrifft, so sind diese nicht so unveränderlich, wie es vielleicht scheinen könnte. Unter den kurzköpfigen Mongolen treten
langköpfige Chinesen auf, und unter den langköpfigen Negern stößt man auf nicht wenige kurzschädelige
Stämme und Individuen. Der Neanderthaler ist langschädelig, aber die große Länge wird hervorgebracht durch den Bau der Stirnteile
und der Augenhöhlen; rechnet man diese Vorsprünge ab, so bleibt eine Mittelform, ja fast Kurzköpfigkeit übrig. Über
alle diese Verhältnisse kann man auf keine andre Weise endgültigen Aufschluß gewinnen als mit Hilfe
der Entwickelungsgeschichte.
[* 59]