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Die Diskussion um die Sammlung Bührle im Kunsthaus geht weiter: Das Zürcher Stadtparlament hat zwei weitere Forschungen in Zusammenhang mit dem Waffenhändler in Auftrag gegeben.
Die eine Forschungsarbeit, welche der Stadtrat nach dem Entscheid des Parlaments durchführen lassen wird, betrifft das «Marienheim» in Dietfurt SG, eine Spinnerei, die dem Waffenhändler und Kunstsammler Emil Bührle gehörte und von Ingenbohler Schwestern geführt wurde.
Fürsorgebehörden aus der ganzen Deutschschweiz, darunter auch jene der Stadt Zürich, sollen dort mindestens 300 minderjährige Mädchen gegen ihren Willen untergebracht haben. Die Arbeit in der Spinnerei soll faktisch Zwangsarbeit gewesen sein, obwohl diese in der Schweiz damals schon verboten war.
Emil Bührle und seine Sammlung
Der im deutschen Pforzheim geborene Unternehmer Emil Bührle kam in den 1920er Jahren in die Schweiz und wurde später eingebürgert.
Er steht im Fokus der Öffentlichkeit, seit das Kunsthaus in Zürich im Herbst seine in eine Stiftung eingebrachte Kunstsammlung in einem Neubau präsentiert. Sie enthält mehr als 200 Werke unter anderem von Auguste Renoir, Claude Monet und Paul Cézanne.
Historiker haben Zweifel, dass die Stiftung einwandfrei geklärt hat, ob sich unter den Werken nicht Fluchtgut befindet. Damit werden Kunstwerke bezeichnet, die vor den Nazis in Deutschland Flüchtende in ihrer Not billig verkaufen mussten, um ihre Flucht zu finanzieren.
Das Kunsthaus hat nach Aufbranden der Kontroverse den Leihvertrag mit der Stiftung überarbeitet und sich das Recht auf eigene weitere Erforschung der Herkunft der Werke gesichert.
Die zweite Forschungsarbeit betrifft die Maschinenfabrik Velten GmbH Ikaria in Deutschland, in der Frauen aus Polen, Russland, Frankreich, Deutschland, Rumänien, Ungarn und Lettland unter Zwangsarbeit Flügelkanonen herstellen mussten. Die meisten von ihnen waren Jüdinnen, Sinti und Roma.
Weil diese Flügelkanonen von Bührle entwickelt worden waren, flossen pro verkaufter Kanone zehn Prozent direkt an Bührle. Dies soll dem Kunstsammler zwischen 1941 und 1944 rund 870'000 Franken eingebracht haben. Mit diesem Geld soll er zahlreiche Werke gekauft haben, die heute im Erweiterungsbau des Kunsthauses ausgestellt sind.