Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03656.jsonl.gz/1350

«Got a moon above me, but no one to love me» (Ich habe den Mond über mir, aber niemanden, der mich liebt) «Hugging and a kissing, oh, what I’ve been missing» (Umarmungen und Küsse, wie ich die vermisse).
So klingt die Melancholie, die sich durch den ganzen Song hindurch zieht. Die Melodie ist nicht eindeutig in Dur oder Moll gehalten, und auch der Schlussakkord lässt alles in der Schwebe. Es bleibt offen, ob es ein Happy End gibt oder ob alles eine Illusion ist.
Billie Holiday hat «Lover Man» heute vor 75 Jahren aufgenommen. Mit Milton Gabler, dem Produzenten von Decca Records, handelte sie aus, dass der Song mit Streicherbegleitung eingespielt würde. Als sie dann ins Aufnahmestudio kam und das Orchester tatsächlich dort sitzen sah, musste sie vor Freude den Raum gleich nochmals verlassen, sich sammeln und dann erneut eintreten.
Der Song kam zwar in die amerikanischen Charts, konnte sich dort aber nicht lange halten. Bereits nach einer Woche war er wieder weg. Dennoch mauserte sich der «Lover Man» nach und nach zu einem Jazzstandard, der dann auch von anderen Sängerinnen und Musikern gecovert wurde. Sarah Vaughan sang «Lover Man» bereits ein Jahr später und spielte ihn noch wenigstens zweimal ein. Aber auch Charlie Parker nahm eine Instrumentalversion dieses Songs auf.
1989 wurde der Song schliesslich in die Grammy Hall of Fame aufgenommen. Der Schmerz der unerfüllten Sehnsucht prägt ihn und machte ihn schliesslich auch gross. So sehr wir uns Freude und Erfüllung wünschen, so sehr sind es doch immer wieder der Schmerz und die Sehnsucht, die zu berührenden Werken inspirieren. «Lover Man» ist so eines.