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Vor bald einem Jahr wurde in Ennenda das Anna Göldi Museum eröffnet. Seither strömen Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt in die Ausstellung im geschichtsträchtigen Hänggiturm.
Als «Vergifterin» verurteilt
Anna Göldi stammte aus armen Verhältnissen. Aus dem Rheintal zog es sie ins Glarnerland, wo sie in den besten Häusern als Magd diente. Zuletzt arbeitete sie für den Glarner Arzt, Ratsherrn und Richter Johann Jakob Tschudi. Mit ihm wurde Anna Göldi ein Verhältnis nachgesagt. Da dieses Gerücht von «fleischlichem Umgang» die Stellung und Würde von Tschudi bedrohte, musste Anna Göldi verschwinden. Sie wurde angeklagt, die Tochter von Tschudi verhext zu haben – sie soll dem Mädchen unter anderem Stecknadeln in die Milch gezaubert haben. Anna Göldi wurde als «Vergifterin» zum Tod verurteilt und am 13. Juni 1782 durch das Schwert hingerichtet. Erst am 27. August 2008 wurde «Europas letzte Hexe», wie Anna Göldi auch genannt wird, von aller Schuld freigesprochen. Es wurde amtlich bestätigt, dass sie Opfer eines Justizmords wurde. Die Glarner waren die Ersten, die eine sogenannte Hexe durch einen demokratischen Entscheid rehabilitiert haben.
Museum rund um Hexenwahn und Aufklärung
Der Fall von Anna Göldi ist der wohl bestdokumentierte Hexenprozess. Das Museum macht den Besucherinnen und Besuchern viele Akten und Dokumente zugänglich. Darunter befindet sich auch das Stammbuch, das durch Recherchen der Anna-Göldi-Stiftung veröffentlicht werden konnte. Es beweist, dass der damalige Gerichtsschreiber Melchior Kubli geheime Dokumente des Hexenprozesses dem deutschen Journalisten Heinrich Ludwig Lehmann ausgehändigt hatte. Gezeigt werden auch Auszüge des Todesurteils, der Verhör- und Folterprotokolle sowie des polizeilichen Steckbriefs, mit dem Anna Göldi gesucht wurde.
Das neue, modern konzipierte Museum zeigt die Stationen des dramatischen Lebens von Anna Göldi und der wichtigsten Menschen in ihrem Umfeld. Die Besucherinnen und Besucher werden zudem zu verschiedenen Themeninseln geführt mit Schwerpunkten wie «Hexenwahn», «Netzwerk der Macht», «Aufklärung», «Publizistik», «Erinnerungskultur» und «Rehabilitierung».
Auch eine Menschenrechtsausstellung
Trägerin des Museums ist die Anna-Göldi-Stiftung. Seit ihrer Gründung vor elf Jahren engagiert sich die Stiftung im Bereich Menschenrechte, gegen Amtsmissbrauch und Justizwillkür. Das Museum arbeitet eng mit den Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Humanrights zusammen. Ein Teil der Dauerausstellung befasst sich mit der Geschichte der Hinrichtung und der Frage, in welchen Ländern die Todesstrafe heute noch ausgeübt wird. Zudem vergibt die Stiftung in unregelmässigen Abständen den vielbeachteten Anna-Göldi-Menschenrechtspreis.

Einen Besuch wert
|Nach der rund dreijährigen Aufbauzeit ist das neue Anna Göldi Museum jeweils von April bis Oktober, von Mittwoch bis Sonntag zwischen 13.30 und 18.00 Uhr geöffnet. Führungen können in diesen Monaten auch ausserhalb der Öffnungszeiten gebucht werden. Lassen Sie sich vom einmaligen, beinahe mystischen Ambiente im Hänggiturm in die Zeit von Anna Göldi zurückversetzen.

Mehr Informationen finden Sie unter: annagoeldimuseum.ch
Bild/Foto: zVg Anna Göldi Museum