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Romanhaftwerden. Skandinavische Prosaliteratur der späten Vormoderne
Leitung: Prof. Dr. Lena Rohrbach, Prof. Dr. Klaus Müller-Wille
Projektstart: 01.02.2020 bis 31.10.23 (abgeschlossen)
Finanzierung: SNF
Das Projekt nahm in einem breiten Zugriff die Überlieferung von Erzählliteratur im Übergang von der Vormoderne in die Moderne in den skandinavischen Ländern in den Blick. Das Projekt widmete sich einer bisher in der Forschung wenig beachteten Übergangsphase der skandinavischen Literaturgeschichte und profitierte von der Verbindung der skandinavistisch-mediävistischen und der neuskandinavistischen Expertise der beiden Gesuchsteller. Untersuchungsgegenstand war die Prosaüberlieferung des langen 18. Jahrhunderts aus Dänemark, Island und Schweden, die auf erzählerische Neuformen hin untersucht werden sollten, die als Romanhaftwerdung im Sinne Michail Bachtins gelesen werden können. Das Projekt wendete sich dezidiert von einer Definition des Romans als historisch verortbarer Gattung mit statischen bzw. festen Gattungscharakteristiken ab und nahm vielmehr Reformierungen von Konstituenten des Erzählens in verschiedenen Gruppen von Prosatexten in den Blick, die teilweise auf eine jahrhundertelange eigene Tradition zurückgriffen (wie im Falle der isländischen Sagaliteratur), teilweise zeitgenössische kontinentaleuropäische Entwicklungen adaptierten (wie im Falle skandinavischer Briefromane oder Robinsonaden). Der Fortsetzung eigener Traditionslinien wie dem Aufgreifen europäischer Trends gemeinsam ist eine zunehmende Selbstreflexivität erzählerischer wie textueller und medialer Verfasstheit im Laufe des 18. Jahrhunderts. Die exemplarische Aufarbeitung des in der Forschung nahezu unbeachtet gebliebenen Materials kann für die Entwicklung einer Reihe von theoretisch zugespitzten Fragen genutzt werden, die Fragestellungen der historischen Narratologie und der historischen Mediologie in Richtung einer Formierung einer mediologisch orientierten historischen Narratologie zueinander in Beziehung setzen. Eine solcherart historisch wie mediologisch informierte Narratologie wird für den skandinavischen Kontext und darüber hinaus einen dynamischeren, offeneren Gattungsbegriff des Romans eröffnen, der historisch veränderlichen Formen des Erzählens Rechnung trägt und diese Veränderungen als konstituierendes Element in der Formierung und Reformierung von Gattungen identifiziert.
Projektbeschrieb auf der Seite der Univeristät Zürich (Link)