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Die Bedingungen in der Arktis haben sich in den letzten Jahren so dramatisch verändert, dass sich mehrere Arten in abgelegene und noch nicht so stark erwärmte Regionen zurückziehen bzw. neue Lebensräume erschließen. Wissenschaftler fanden während ihrer Expedition durch die arktischen Gewässer Russlands unter anderen Heilbutt und Alaska-Seelachs, die normalerweise in weit entfernten Gewässern leben.
In diesem Jahr gab es einen massiven Zufluss an Wasser aus dem Atlantik, was die Ausbreitung in der russischen Arktis bisher nicht bekannter Arten vorangetrieben hat, erklärt das Forschungsinstitut VNIRO. Die Wissenschaftler an Bord der Professor Levanidov fanden Heilbutt in der Laptewsee, Schneekrabben in der Ostsibirischen See und der Tschuktschensee und Alaska-Seelachs ebenfalls in der Tschuktschensee. In der weiter westlich gelegenen Karasee entdeckten sie große Mengen von geschlechtsreifem Polardorsch, der in der Barentssee größtenteils verschwunden ist, da andere Arten, die aus gemäßigteren Breiten eingewandert sind, seinen Platz eingenommen haben.
“Die Klimaveränderungen der letzten zehn Jahre haben die Grenzen zwischen arktischen, atlantischen und pazifischen Wassermassen mit ihren jeweiligen Charakteristika verwischt und dies führt zu der Verschiebung im Ökosystem Ozean”, so die Wissenschaftler. So wurden beispielsweise in der Tschuktschensee die Bedingungen für den Alaska-Seelachs geschaffen, dessen ursprünglich nördlichstes Verbreitungsgebiet die Beringsee ist.
Die Expedition, die im Juli in Wladiwostok startete und Anfang Oktober den Zielhafen Murmansk erreichte, führte noch weitere Untersuchungen durch. Dazu gehörten die Analyse von biologischen Ressourcen, Nahrungsgrundlagen und von klimatischen und hydrographischen Bedingungen. Zum Beispiel wurden Wasserproben genommen, anhand derer das Alter von Wasser in Tiefwassergebieten bestimmt werden soll. Außerdem haben die Wissenschaftler mit einem sogenannten Mantanetz insgesamt 39 Proben von der Wasseroberfläche genommen, die in den kommenden Monaten auf die Belastung mit Mikroplastik untersucht werden sollen. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Forscher von Genproben aus dem Wasser, sogenannter aquaDNA: Jeder Organismus hinterlässt eine “Spur” in Form von Mikropartikeln aus Schleim, Schuppen und Blut, die im Wasser für mehrere Stunden bis Tage gespeichert werden. Für die Analyse der aquaDNA haben sie Proben von der Oberfläche und am Meeresboden genommen. Insgesamt sammelten die Forscher über 400 Kilogramm Proben während der dreimonatigen Expedition.
Laut Institutsleiter Kirill Kolonchin war diese transarktische Expedition die erste dieser Art für Russland. Weiter kommentierte er: “Bereits jetzt können wir feststellen, dass die gewonnenen Daten es ermöglichen, die Prognose für die Fangressourcen deutlich zu erhöhen und damit die Position Russlands beim arktischen Bioressourcenmanagement im Rahmen des Internationalen Übereinkommens zur Verhinderung der unregulierten Hochseefischerei im zentralen Arktischen Ozean zu stärken.”
Quellen: The Barents Observer, VNIRO