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Fans haben häufig sehr romantische und teils auch engstirnige Ansichten über einen Künstler und dessen Musik, die häufig nicht ganz mit der Realität übereinstimmen. Oddisee wird von vielen als ein in den Crates diggender, massiv unterschätzter Producer, der seine MPC mit alten Platten füttert, damit einen Kontrapunkt zu Mainstream-Rap setzen will und aus purem Idealismus Musik macht, betrachtet. Alles nicht komplett falsch aber auch nicht die ganze Wahrheit. Dass seine Beats am Computer entstehen und man ihn nur selten in Plattenläden antrifft ist dabei nur eine Randnotiz. Tatsächlich kann man seinen Sound auch als einen Gegenentwurf zum kommerziellen Rap sehen was aber nicht bedeutet, dass er diesen bekämpfen will. Er will die bestmögliche Musik machen aber halt auch von dieser Leben können und daher spielen auch geschäftliche Aspekte stets eine Rolle. Als unterschätzt will er sowieso nicht bezeichnet werden, er verdient sein Geld mit Rap und kann dank der Musik um die Welt reisen. An verschiedensten Orten kreiert der Weltenbummler dabei hervorragende Alben wie die zuletzt erschienen „The Beauty In All“ und „Tangible Dream“. Über diese beiden unterhielten wir uns mit ihm genau so wie über Erfolg, Kanye West, kasachische Diktatoren, den Sudan oder Rick Ross.
Bei unserem letzten Interview erzähltest du mir von deinem speziellen Deal mit deinem Label Mello Music Group, welcher dir ermöglicht um die Welt zu reisen und an verschiedenen Orten Musik zu produzieren. Wo entstanden denn deine aktuellen Releases „Beauty In All“ und „Tangible Dream“?
(überlegt) „The Beauty In All“ produzierte ich für einmal zu Hause in New York. Der Grossteil des Mixtapes „Tangible Dream“ entstand in Berlin. Ich arbeitete daran im Sommer als ich ein bisschen mehr als zwei Monate in Berlin verbrachte.
Der kulturelle Mix in Neukölln soll sehr inspirierend gewesen sein für dich.
Ich habe es sehr genossen durch die Strassen zu gehen und dabei meine Reime zu schreiben. Die Atmosphäre in diesem von türkischen Immigranten geprägten Viertel hat mir sehr gefallen.
„The Beauty In All“ soll inspiriert sein von den Fehlern die jedermann begeht oder von den Dingen, die wir als Selbstverständlich erachten. Wie war die Herangehensweise an dieses Instrumentalprojekt, welches aber gleichzeitig auch eine Botschaft hat?
Mein Ziel bei dieser Platte war die Simplizität denn manchmal geht die Einfachheit der Dinge vergessen. Wir tendieren dazu vieles als kompliziert anzusehen während die einfachen Dinge übersehen werden. Ich habe daher die Produktion sehr schlicht gehalten um damit zu zeigen, dass man auch mit etwas Einfachem ein hohes Skill-Level erreichen kann ohne die Produktion zu überladen.
„Tangible Dream“ (ungefähr: greifbarer Traum) ist ein Statement gegen das Verkaufen falscher Träume. Du bist also kein Fan von „fake it till you make it“?
Doch das ist völlig okay nur braucht auch das Gegenteil eine Stimme. Wir leben in einer freien Welt und jeder kann sagen was er will besonders als Rapper aus den USA. In den Staaten ist es möglich bei einem Label unter Vertrag zu stehen und auf deinen Platten über Künstler herzuziehen, die beim selben Label gesignt sind. Es ist gut wenn jeder sagen kann was er will es braucht einfach für jede Richtung eine Stimme. Wenn es eine Stimme gibt für Champagnerkorken knallen lassen im Stripclub braucht es auch eine Stimme für das Gegenteil.
Dein Hauptziel ist es von der Musik zu leben, damit du dein Leben der Musik widmen kannst. Denkst du den meisten Rappern die ins Game kommen ist das zu wenig?
Ich denke das Ziel jedes Rappers, zumindest wenn er smart ist, ist es von der Musik leben zu können. Natürlich will jeder so gut wie möglich davon leben und dort beginnen die Unterschiede. Erfolg bedeutet für mich vielleicht etwas ganz anderes als für andere Rapper. Das hängt ganz von deinen Sehnsüchten ab. Ich wache nicht mitten in der Nacht auf und wünsche mir vor 30’000 Leuten in einem Stadium zu spielen. Im Gegenteil: das klingt für mich wie ein Albtraum. Wenn jemand von klein auf den Traum hat ein erfolgreicher Entertainer zu sein und Stadien zu füllen dann ist dies das Ziel, welches er verfolgt. Mir persönlich ist das aber nicht wichtig.
Wieso ist das für dich ein Albtraum? Es wäre doch wünschenswert liessen sich so viele Leute durch gute Musik mobilisieren!
Ja das wäre es wohl (lacht). Wie soll ich das genau erklären? Ich bin wohl einfach ziemlich schnell zufrieden. Ich habe in meinem Leben das ganze Spektrum von Reichtum und Armut gesehen. Ich sah Leute, die nichts haben und sehr hart arbeiten um sich etwas leisten zu können. Gleichzeitig sah ich Leute, die viel haben das aber gar nicht realisieren und sich sogar beschweren. Dieses ganze Spektrum sah ich innerhalb meiner Familie. Dadurch wurde mir klar, was genug zu haben für mich bedeutet. Was ich als genug bezeichne ist weit mehr als die durchschnittliche Person auf diesem Planeten jemals haben wird. Noch mehr zu verlangen ist meiner Meinung nach übertrieben. Du sitzt hier vor mir und willst wissen was ich denke während sich niemand für die Gedanken der meisten Leute interessiert. Wir chillen in einem Backstage, haben vier verschiedene Arten von Fleisch, zwei Sorten Trauben, verschiedene Früchte und Süssigkeiten. Das ist viel mehr als ein Durschnittsbürger hat und dies ist nur mein Backstage (lacht). Alles mehr ist doch nur Bonus.
Auf „Outro Flow“ sagst du ja auch du seiest zufrieden mit deiner Position. Auf „Yeezus Was A Mortal Man“ meinst du aber auch: “If record sales and talent was ever one and the same
I’d be running the game if that rule were ever to change“. Denkst du manchmal darüber nach wie es wäre, wenn sich Talent mehr auf die Verkäufe auswirken würde?
Es geht nicht darum, dass es mein Wunsch ist diese Regel zu ändern ich sage damit nur, würde sie sich ändern wäre ich wohl Millionär. Würde es sich nur um Talent drehen dann hätte das grossen Einfluss auf mein Bankkonto. Nur leben wir nicht in einer solchen Welt und in der Realität geht es um viel mehr als nur Talent.
Einer der meistdiskutierten Songs von „Tangible Dream“ ist „Yeezus Was A Mortal Man“. Um was geht es auf dem Track?
Zuerst muss ich klarstellen, dass dies kein Diss-Song ist. Mit dem Track versuche ich den Leuten zu erklären, dass die Superstars, die wir häufig als Überlebensgross wahrnehmen, genau wie wir aus Fleisch und Knochen bestehen. Sie haben viele ähnliche Dinge wie wir erlebt und müssen sich denselben Dingen unterwerfen. Das wollte ich mit dem Chorus ausdrücken, es sollte kein Diss an Kanye, Jay Z oder wen auch immer darstellen. Auf die Idee des Songs kam ich als ich Kanye in einem Shop namens Colette in Paris über den Weg lief. Da fiel mir auf, dass er also in denselben Läden wie ich einkauft. Kanye kam gerade aus Kasachstan, wo er drei Millionen Dollar vom Präsidenten des Landes bekam um in irgendeinem Club für einige geladene Gäste zu performen. Er konnte weder seine Entourage mitbringen noch sonst irgend etwas Extravagantes unternehmen. Ausserdem gab es eine Klausel, die ihn dazu verpflichtete mit jedem im Publikum ein Foto zu schiessen. Für diesen hohen Betrag sagte er zu. Alles was er auf seinem neuen Album erzählt von wegen er sei Anti-Corporate, ein Black Skinhead und er habe nur den Mittelfinger übrig für alle die ihm reinreden wollen, wurde direkt aus dem Fenster geworfen. Er stand also auf dieser kleinen Bühne und alle Leute machten Fotos von ihm. Ich dachte mir das sieht ja aus wie bei vielen meiner Shows (lacht). Ich gehe ebenfalls dorthin wo die Leute mich bezahlen. Natürlich kriege ich keine drei Millionen dafür aber doch viel mehr als der Durchschnittsbürger hat um durchzukommen. Damit unterstelle ich mich ebenfalls den Leuten die mich dafür bezahlen und halte mich an ihre Vorgaben auch wenn ich damit nicht immer einverstanden bin. Es ist also genau dasselbe wie bei Kanye und dabei spielt es keine Rolle, ob er Stadien füllt, er ist ein ganz normaler Mensch. Das will ich mit dem Song aussagen.
Würdest du denn für diese kasachischen Despoten performen?
Aber natürlich. Ich komme aus Amerika und hier geschieht auch viele Scheisse aber es beschwert sich niemand wenn ich eine Show in New York spiele. Das Schulsystem in Chicago ist eine Katastrophe und die Mörderrate unglaublich hoch aber es hat niemand etwas dagegen, wenn ich dort performe. Ich muss irgendwie leben. Kürzlich war ich im Sudan, wo meine Familie herkommt, in den Ferien und es beschwert sich auch niemand wenn ich meinen Urlaub an einem Ort verbringe, der als lebensgefährlich angeschaut wird. Natürlich würde ich auch in Kasachstan spielen. Politik und Unterhaltung sollten nicht immer verflochten sein. Manchmal kann die Unterhaltung eine Brücke sein für die Politik, wie als James Brown dazu benutzt wurde Unruhen zu beenden. Die Politik hat die Unruhen ausgelöst aber die Musik hat sie wieder beruhigt. In Kasachstan mögen die Menschenrechte nicht eingehalten werden aber das bedeutet ja nicht, dass die Leute deshalb nicht durch Musik unterhalten werden dürfen.
Nur war es halt nur die Elite, welche die Möglichkeit hatte bei dieser Kanye-Show dabeizusein.
Ja das stimmt. Würde ich es trotzdem tun? Ja ich denke schon, für drei Millionen Dollar würde ich es machen.
Du hast deinen Trip in den Sudan erwähnt. Hierzulande hört man über den Sudan nur aufgrund von Hunger oder Gewalt. Wie hast du den Aufenthalt erlebt?
Es war grossartig. Sudan ist eines dieser Länder bei dem die meisten gar nicht wirklich wissen wo es überhaupt liegt, vor allem hier in Europa. Ich denke in Amerika sind mehr Leute, vor allem Afroamerikaner, damit vertraut. Vielen fallen zu dem Land höchstens die üblichen Phrasen wie Sklaverei oder Genozid ein. Auf meinem letzten Trip wollte ich vor allem das alltägliche Leben der Menschen erfahren. Es ist ein wunderbares Land mit tollen Menschen aber leider sehr schlechten Politikern. Die Sudanesen haben den Witz, dass der Sudan grossartige Leute aber schlechte Politiker hat während es in den USA genau umgekehrt ist. Wenn man kein Geld hat ist der Sudan ein schlechter Ort, doch welcher Ort ist schon gut ohne Geld? Es ist ein sehr interessantes Land in welchem ich viel Armut sah aber trotzdem häufig das Gefühl hatte, die Leute seien glücklicher als die Arbeiterklasse in den Staaten. Im Durchschnitt sah ich dort wohl mehr glückliche Menschen als in den USA.
In jüngeren Jahren warst du regelmässig im Sudan. Dies war sicherlich Menschlich sehr inspirierend hat es dich aber auch als Musiker geprägt?
Nicht direkt denn es war nicht so, dass ich dort an Jam-Sessions teilgenommen und mir überlegt hätte, was ich in meine Musik einfliessen lassen könnte. Aber natürlich habe ich unbewusst alles in mich aufgesogen und so hat sicherlich einiges den Weg in meine Musik gefunden etwa die Patterns bei meinen Drums.
Bei unserem letzten Gespräch sagtest du, deine Musik verändere sich stets in kleinen Schritten. Welche Schritte hast du genommen seit deinem letzten Projekt „People Hear What They See“?
Ich denke meine beiden neuen Projekte sind ein bisschen roher und haben mehr Ecken und Kanten auch was die Themenwahl betrifft. Das ist wohl einfach mein gegenwärtiger Mindstate. Wenn es etwas gibt, dass mich frustriert an meiner Karriere, ist es die grosse Anzahl von Fans, die mich als unterschätzt bezeichnen. Ich höre das ständig und es löst bei mir seine Serie von Gefühlen aus. Zuerst fühlt man sich geschmeichelt, dass sie sich wünschen mehr Leute würden meine Musik kennen. Irgendwann wird mir dann aber bewusst, dass ich mein Geld mit der Musik verdiene und dank ihr die Welt bereisen kann. Was will ich mehr als tausende Fans überall auf der Welt die es mir ermöglichen davon zu leben? Ausserdem geht es mir besser als den meisten Independent-Rappern. Viele meiner Fans haben also eine andere Vorstellung davon was Erfolg ist. Daher wollte ich mit „Tangible Dream“ meinen Hörern erklären, was ich mir unter Erfolg vorstelle.
Auch wenn sich nicht alles um den Erfolg dreht sagtest du, bei dir sei es 60 Prozent Business und 40 Prozent Kunst. Inwiefern beeinflusst dich dies beim kreieren deiner Musik?
Wenn ich kreativ bin habe ich definitiv den Business-Aspekt im Hinterkopf. Ich lasse mir davon nicht diktieren was ich mache aber ich behalte es einfach im Kopf. Wenn ich etwas produziert habe frage ich mich, ob ich das mag oder ob es auch wirklich gut ist. Diese Frage ist sehr entscheidend wenn man als Künstler erfolgreich sein will. Es spielt dabei keine Rolle ob du diese Frage selbst beantwortest oder dein Manager oder A&R aber man muss sich fragen, ob dies nur deinem Geschmack entspricht oder ob es wirklich gut ist. Das ist die Verbindung aus Kunst und Business.
Überlegst du dir auch konkret ob ein Song eine grössere Masse ansprechen könnte?
Ehrlich gesagt kann ich nicht wirklich Songs für die breite Masse machen ausser es geschieht wie ein Unfall. Geplant habe ich das aber noch nie. Will man den kleinsten gemeinsamen Nenner im HipHop finden gibt es nur einige wenige Themen über die man sprechen kann: Trinken. Ich trinke nicht. Clubbing. Ich gehe nicht in Clubs. Fuckin a whole bunch of bitches. Das mache ich nicht. Drogen. Ich nehme keine Drogen. Genau so wenig bin ich Teil der Tattookultur oder habe den Stripclub-Background. Ich habe keine kriminelle Vergangenheit und war auch nie in einer Gang. Man kann mich nicht mal in diese verrückte Avantgarde-Schublade stecken, bei der die Fans den Künstler mögen weil er schräg und anders ist. Wie soll ich also die grosse Masse erreichen wenn alle diese Themen wegfallen? Das habe ich akzeptiert. Ich könnte mich tätowieren lassen, anfangen Weed zu rauchen und Ecstasy zu nehmen, einen Grill in meinen Mund stecken und ein paar Bitches in meinem nächsten Video tanzen lassen, dann würde ich vielleicht durch die Decke gehen (lacht). Einige dieser Dinge müsste ich kombinieren um die grosse Masse zu erreichen.
Wie ich gelesen habe war es geplant ein „A Rosenberg Oddisee 2“ zu machen auf dem Rick Ross hätte dabei sein sollen. Du erwähntest, dass du dies gerne nachholen würdest. Gibt es noch andere Künstler mit denen du gerne arbeiten würdest von denen man es nicht erwarten würde?
Genau das hätte in Zusammenarbeit mit Fader erscheinen sollen doch sie zogen kurz vor Schluss den Stecker. Da gäbe es noch einige Künstler aber anstatt dir diese aufzuzählen sage ich dir, welche Künstler auf mich zukamen und nach Beats fragten. Vor einigen Wochen erhielt ich erneut die Anfrage mit Rick Ross zu arbeiten. Er ist beinahe fertig mit seinem neuen Album. Macklemore will Beats von mir ebenso Casey Veggies, Kendrick Lamar, J. Cole, Wale oder Brother Ali. Daran erkennt man das Spektrum der Leute die sich meine Musik anhören. Deshalb verwundert es mich, wenn viele Leute überrascht sind, dass ich mit Rick Ross arbeiten möchte. Wenn man sich meine Musik und die Alben von Rick Ross genau anhört versteht man eigentlich sofort wieso. Er verwendet viele Sounds die wie Filmsoundtracks klingen und oftmals wird über meine Musik gesagt sie sei cineastisch. So wie Rick Ross verwende ich viele Streicher und rollende Drums. Für mich ist es offensichtlich, dass dies zusammenpassen würde und ich denke für viele Mainstream-Künstler, die sich nun bei mir melden, ebenso.
Auf „Own Appeal“ sagst du: „Like minded people are the only ones I’m messing with“ . Würdest du Rick Ross als einen Gleichgesinnten bezeichnen?
Ja, er will sein eigener Boss sein, ein eigenes Business aufziehen und mit der Musik sein Geld verdienen.
Ist Rick Ross nicht einer dieser Künstler die falsche Träume verkaufen?
Wie anfangs erwähnt habe ich eigentlich gar kein wirkliches Problem damit, wenn Künstler diese falschen Träume verkaufen. Es braucht einfach eine Balance und das ist bereits seit Mitte der Neunziger so. Es gab eine Zeit als ein Gangsta Rapper und ein Conscious Rapper gleichzeitig im Radio laufen konnten. Mit der Zeit verschwanden die Conscious Rapper jedoch aus den Radioprogrammen womit nur noch eine Seite im Rampenlicht stand. Das ist mein einziges Problem, es braucht alle Facetten. Es braucht auch stumpfsinnige Club-Musik, denn ich möchte nicht meine Musik hören wenn ich im Club Girls klarmachen will. Wenn ich aber Koche, mein Haus putze oder auf dem Heimweg bin vom Einkaufen dann höre ich lieber meine Musik. Ich finde diese Leute schräg die auf dem Weg zum Einkaufen in voller Lautstärke irgendwelche Clubsongs hören (lacht). Ich kann es nicht genug betonen, es braucht alle Seiten. Ich lasse mich nicht zum Posterboy für eine Anti-Kommerz-Bewegung machen, ich liebe Mainstream-Rap. Ich finde es grossartig, dass Rick Ross weiterhin in die Rolle eines Drogenbosses schlüpfen kann obwohl längst bekannt ist, dass er als Gefängniswärter gearbeitet hat. Für mich ist Rick Ross sehr glaubwürdig als Gangster. Rap sollte mehr auf Fantasie als auf der Realität beruhen, denn sonst wird HipHop als Kunstform nur unterdrückt. Es gibt keine andere Musik, die so sehr auf der Realität beruht. In anderen Musikstilen kannst du in einem Song davon singen wie sehr du eine Frau liebt und im nächsten wie sehr du sie hasst. Wenn ein Singer Songwriter einen Track darüber schreibt, ein Bauerbeiter zu sein ist es den Hörern egal, dass er keinen Tag in seinem Leben auf dem Bau gearbeitet hat. Das hält HipHop in kreativer Hinsicht zurück.
Bevor du mit einem Projekt beginnst ist es jeweils in deinem Kopf bereits vollendet. Welche Projekte schwirren also momentan in deinem Kopf herum?
Das neue Diamond District-Album „March On Washington“, welches wir bis Ende Dezember fertig haben werden. Zudem werde ich mit meiner Band Good Compny ein Album aufnehmen. Viele von uns sind Produzenten, Multiinstrumentalisten und Sänger, das dürfte also ziemlich grossartig werden. Das entsteht gerade in meinem Kopf.
Interview: Fabian Merlo