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Doulos und die Erweckung
Lateinamerika war noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fast ausschliesslich katholisch. Obwohl die Gute Nachricht schon seit Jahrzehnten gepredigt worden war, wuchsen die evangelischen Kirchen in südamerikanischen Ländern nur minim. 1970 bekannten sich ganze 4% der Bevölkerung zum evangelischen Glauben und der Kontinent galt als Missionsfeld. Doch dies sollte sich bald ändern.
Operation Mobilisation (OM) begann zwar mit einem Einsatz in Mexiko, der Schwerpunkt der OM-Arbeit richtete sich jedoch bald auf Europa, die muslimische Welt und Indien. Deshalb arbeitete die MV Logos, das erste OM-Schiff, damals auch in diesen Teilen der Welt. Die Aussicht auf ein zweites Schiff ermöglichte es OM, wirkungsvoll nach Lateinamerika zurückzukehren.
1977 kaufte OM in Genua, Italien, das Schiff Doulos (Griechisch: Diener). Nachdem es in Bremen, Deutschland, repariert und umgebaut worden war, begann das Schiff seinen Dienst in Europa. Neun Häfen wurden in Europa angelaufen bevor die Doulos über den Atlantik nach Portsmouth in den USA übersetzte. Am 4. Dezember 1978 lief sie als erstes OM-Schiff in Lateinamerika, in den Hafen von Tampico in Mexiko ein.
Zu jener Zeit war der Amerikaner Frank Dietz, einer der Pioniere der OM-Schiffsarbeit, Direktor der Doulos. „Wir entschieden uns, mit der Doulos nach Südamerika zu fahren. Wir hatten den Eindruck, dass dort eine junge dynamische Kirche auf die Herausforderung der Mission wartete“, erzählte Frank.
Neben dem Weitergeben der Guten Nachricht, war die Sensibilisierung für Mission das Hauptanliegen der Mannschaft. „Wir predigten Mission an unseren Konferenzen, Teams, die durchs Land zogen, sprachen über Mission und in den Kirchen sprachen wir über Mission. Mission war unsere Priorität!“, erklärte Frank.
Eine Nachricht für alle
Durch den Besuch der Doulos hörten viele das erste Mal von der Notwendigkeit, die Gute Nachricht nach Afrika, in den Nahen Osten und nach Asien zu tragen – und eine Antwort blieb nicht aus. „Viele junge Leute wollten auf dem Schiff mitarbeiten“, erzählte Frank weiter. „Andere sagten: ‚Sag uns einfach, was wir tun sollen, wir sind bereit zu gehen.“ Damit begann eine neue Epoche für die lateinamerikanische Kirche. Der argentinische Pastor Federico Bertuzzi verbrachte mit seiner Familie zwei Monate auf der Doulos. Er war Pastor der Mannschaft, predigte zu den Besuchern und erklärte Mission in den Gemeinden. Später wurde er CEO der COMIBAM, der „Ibero-American Missions Cooperation“, eine der wichtigsten Missions-Netzwerke Lateinamerikas.
„Die Doulos-Mannschaft organisierte die ersten Missionskonferenzen in Lateinamerika“, berichtet Federico. „Von Anfang an konzentrierten sie sich auf die am wenigsten erreichten Volksgruppen. Das war komplett neu und ungewohnt für die meisten evangelischen, lateinamerikanischen Christen.“
Der Doulos-Besuch hatte einen unmittelbaren Einfluss auf die junge, dynamische Kirche Lateinamerikas und brachte sie dazu, sich in lokaler und globaler Mission zu engagieren. Der Langzeiteffekt verdient besondere Aufmerksamkeit: „Jeder Automotor braucht einen Startermotor. Dieser ist viel kleiner als der Motor selbst. Der Startermotor für die lateinamerikanische Missionsbewegung war die Doulos!“, sagt Federico. „Als die Doulos Lateinamerika 1983 verliess, übernahm COMIBAM die Leitung der Missionsbewegung, die von der Doulos begonnen worden war.“
Im Juni 1983 verliess die Doulos den Hafen von Vitoria in Brasilien und beendete damit ihren fünfjährigen Besuch in Lateinamerika. 4,1 Millionen Menschen hatten das Schiff während dieser Zeit besucht und die Mitarbeitenden hatten über 400‘000 Stück christliche Bücher und Fachliteratur verteilt.
In den folgenden Jahren wuchs die Mission im Gleichschritt mit dem Wachstum der Kirche. Heute bekennen sich 20% der Bevölkerung zum evangelischen Glauben und der Kontinent wird nicht mehr zu den traditionellen Missionsgebieten, sondern zu den grossen sendenden Gebieten gerechnet. Durch die Arbeit von Organisationen wie COMIBAM sendet Lateinamerika heute Mitarbeitende in die am wenigsten erreichten Volksgruppen dieser Welt. Die meisten Missions-Organisationen finden ihre Wurzeln im Besuch der Doulos und OM-Teams, welche die neue Idee von Mission propagierten.
OM hat seinen Dienst in Lateinamerika seit der Doulos beibehalten, mobilisiert lokale Gemeinden und sendet Mitarbeitende in alle Welt. Laut Frank Dietz wird Lateinamerika, zusammen mit Afrika und Asien, bald den Ton in der Weltmission angeben. Die Doulos hatte wirklich einen verändernden Einfluss in Lateinamerika und seiner Kirche und wird als Initiator dieser Bewegung nicht vergessen werden.
Nathan Schmutz kommt aus der Schweiz und arbeitet in Lateinamerika. Er fotografiert, schreibt Artikel und unterstützt die Arbeit von OM Guatemala. Nathan dient seinem Herrn, wo immer er kann.