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Reizdarm und kolorektales Karzinom
Peter Bauerfeind
Kolorektales Karzinom
Gemäss einer Modellrechnung, in welcher für eine Kohorte von 45'026 Teilnehmern verschiedene Qualitätsindikatoren geprüft wurden, ist eine hohe Adenomnachweisrate des die Screening-Koloskopie durchführenden Endoskopikers ein signifikanter Prädiktor für ein niedriges Risiko, im Zeitraum zwischen der ersten Untersuchung und der vorgesehenen Kontrolluntersuchung ein kolorektales Karzinom zu entwickeln [4]. Die Bedeutung der Rückzugstechnik bei der Endoskopie unterstreicht eine Studie, wonach sich die Endoskopiker mit einer mittleren oder hohen Adenomdetektionsrate im Vergleich zu denjenigen mit einer niedrigen Adenomdetektionsrate durch eine besser bewertete Rückzugtechnik auszeichneten [5].
Das Narrowband-Imaging kann aufgrund der Resultate einer italienischen Studie für das Screening nicht empfohlen werden, da die Treffsicherheit dieses neuen endoskopischen Untersuchungsverfahrens bezüglich des Nachweises von Polypen bei Patienten mit einem positiven Hämokkult-Test ähnlich war wie bei der konventionellen Koloskopie [6]. Ein besseres Ergebnis lieferte eine retrospektive Studie mit 2'430 Patienten für die hochauflösende Weisslicht-Endoskopie, mit welcher Polypen mit einer signifikant höheren Treffsicherheit erkannt wurden als mit der konventionellen Endoskopie [7]. Nach den Resultaten einer randomisierten Studie mit 100 Patienten wurde bei der Verwendung eines Koloskops mit einer aufgesetzten Kappe im Vergleich zu einem konventionellen Koloskop ein signifikant geringerer Anteil der kleinen Polypen übersehen [8], während in einer japanischen Studie mit 107 Patienten die Anzahl der gegenüber der konventionellen Koloskopie zusätzlich entdeckten Adenome beim Einsatz des Kappen-Koloskops deutlich höher war als beim Narrowband-Imaging [9]. Als weiteres Screeningverfahren wurde in einer prospektiven Multizenterstudie mit 328 Patienten die Kapselendoskopie untersucht, welche bezüglich der Identifikation von Polypen mit einer Grösse unter 6 Millimetern eine Sensitivität von lediglich 64 Prozent ergab [10].
Die Problematik der ungenügenden Akzeptanz der Screeninguntersuchung zeigt eine retrosepktive Studie mit 571'544 Teilnehmern, in welcher lediglich 40,5 Prozent der Männer und 44,4 Prozent der Frauen während fünf Jahren ein adäquates Screening mittels Koloskopie oder fäkalem Hämokkult-Test befolgten. In der Gruppe der Teilnehmer, denen nur der fäkale Hämokkult-Test als Screeningmethode angeboten wurde, war der Anteil mit korrekt eingehaltenem Screening mit 14,0 Prozent bei den Männern und 13,7 Prozent bei den Frauen sogar noch geringer [11]. Zur Wahl der Screeningmethoden ergab eine prospektive Studie, dass bei den Asiaten und den Lateinamerikanern ein signifikant grösserer Anteil den fäkalen Hämokkult-Test anwendet als bei den Weissen und Schwarzen, während umgekehrt bei den Weissen ein grösserer Anteil eine Koloskopie durchführen lässt als bei den anderen Bevölkerungsgruppen [12]. Die regionalen Unterschiede bei der Nutzung der Screeningverfahren gehen aus einer italienischen Multizenterstudie mit 9'889 Personen hervor, wonach die konventionelle Koloskopie, welche grundsätzlich in allen Regionen Italiens etwas weniger gut akzeptiert wird als der fäkale Hämokkult-Test, in Mittel- und Norditalien von einem grösseren Bevölkerungsanteil angewendet wird als in Süditalien [13]. Ein ähnliches geographisches Gefälle zeigt eine englische Studie, in welcher der fäkale Hämokkult-Test in London von 40 Prozent und in den übrigen Gebieten Englands von 55 bis 60 Prozent der Bevölkerung genutzt wurde [14].
Colon irritabile
Im Zusammenhang mit dem seit langem diskutierten Einfluss von faserreicher Ernährung zeigt eine niederländische Studie mit 275 Patienten mit einem Colon irritabile, dass nur die Einnahme der wasserlöslichen Fasern Ispaghula, nicht aber die Einnahme von wasserunlöslichen Fasern gegenüber Plazebo zu einer deutlichen Linderung der Symptome führt [16]. Die vermutete Bedeutung einer akuten Gastroenteritis bei der Pathogenese von funktionellen Darmerkrankungen wird durch die Resultate eine schwedischen Studie gestützt, in welcher bei einem signifikant grösseren Anteil der Patienten mit einem Reizdarmsyndrom eine Infektion mit Chlamydia trachomatis nachgewiesen wurde als bei den gesunden Kontrollpersonen [17]. Nachdem eine Metaanalyse von 10 Studien mit 918 Patienten für die Behandlung mit Probiotika gegenüber Plazebo eine um 29 Prozent stärkere Verbesserung der Symptome ergeben hatte, müssen nun in weiteren Studien die wirksamen Stämme und Dosierungen ermittelt werden [18]. Ein interessantes Resultat lieferte eine Umfrage, wonach bei den aktiven Sportlern ein signifikant geringerer Anteil an Obstipation oder Reizdarm leidet als bei den Nichtsportlern [19].
Prof. Dr. med. Peter Bauerfeind
Literatur