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Oft hatten die Landwirte Mühe, bei sinkenden Preisen für ihre Produkte oder bei Missernten den fälligen Zinsbetrag für ihre Hypotheken aufzubringen. In den 1920er Jahren stand deshalb die Forderung im Raum, bei sinkendem Milchpreis automatisch auch den Hypothekarzins auf landwirtschaftliche Immobilien zu senken. Die Forderung nach der sogenannten «Milchfranken- Hypothek» wurde aber rasch ad acta gelegt, als Bankkreise im Umkehrschluss auch eine Zinserhöhung bei steigenden Milchpreisen ins Spiel brachten. Wenn man die Einschätzungen zur Situation der Landwirtschaft im Geschäftsbericht von 1922 liest, scheint das Anliegen der Landwirte aber nicht aus der Luft gegriffen: «Durch den rapiden Rückgang des Milchpreises in den ersten Monaten des Jahres und durch den dadurch bedingten erneuten starken Rückgang namentlich der Nutzviehpreise ist der Landwirtschaft grosser Schaden erwachsen. Dazu kamen der ungünstige Ausfall der Futterernte und die Missernte des Getreides, beides verursacht durch die kühle und nasse Sommerwitterung.»
Sinkender Milchpreis, sinkender Hypothekarzins?
Das Einkommen der Landwirte hing schon immer stark vom Milchpreis ab. In schlechten Jahren gerieten die Bauern deshalb oft mit Zinszahlungen für Kredite in Rückstand. Wäre es da nicht sinnvoll, den Hypothekarzins an den Milchpreis zu koppeln? Genau das fragte man sich in den 1920er Jahren.
Milchmann mit Kundin, Mitte 20. Jahrhundert.
Plakat zur Propagierung des Milchkonsums, 1922.
Keine Hilfe bei Müssiggang
Die Bank war sich also bewusst, dass Landwirte besonderen Risiken ausgesetzt waren und mit den Zinszahlungen in Rückstand geraten konnten. Bei schweren Gewitter- oder Hagelschäden, wie sie z. B. 1881 und 1891 entstanden, gewährte die Bank den betroffenen Schuldnern Stundung oder gar Erlass der Zinsen. Bei länger ausbleibenden Zinszahlungen wurde in jedem einzelnen Fall geprüft, ob eine unverschuldete Notlage oder Müssiggang, Nachlässigkeit beziehungsweise Misswirtschaft die Ursache war. Entsprechend lange wartete die Bank mit den Betreibungen zu. Auch bei Hypothekarzinserhöhungen nahm sie auf die äusseren Umstände Rücksicht. So verzichtete sie im Frühling 1913 bei landwirtschaftlichen Darlehen vorerst auf eine Zinserhöhung, da gerade schwere Frostschäden an den Nutzpflanzungen aufgetreten waren. Die Bank bewahrte sich mit der Einzelfallprüfung die volle Handlungsfreiheit. Sie war so aber auch in der Lage, schnell und grosszügig zu reagieren, wenn einzelne Landwirte plötzlich unverschuldet in grosse Not gerieten – Milchpreis hin oder her.