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/ Kongresshaus Biel
Konzert 2017: Mozart & Beethoven
Ludwig van Beethoven 1770-1827
Kantate auf den Tod Kaiser Josephs II., WoO 87 (Bonn, 1790)
Der „Aufklärungs-Kaiser“ Joseph II. setzte viele Reformen durch. Nur ein Aspekt ist seine Kunstpolitik. So wurde das Burgtheater zum deutschen Nationaltheater erklärt und W.A. Mozart wurde 1782 beauftragt, mit Die Entführung aus dem Serail die Gattung des Singspiels in deutscher Sprache auf künstlerisch ernstzunehmendes Niveau zu heben. Die Zusammenarbeit mit Mozart wurde auch in den folgenden Jahren beibehalten. Nach dem Tod Kaiser Josephs II. 1790 organisierte die Lese- und Erholungsgesellschaft eine Trauerfeier und beauftragte den 20-jährigen Beethoven mit der Komposition einer Trauerkantate.
Für die Orchesterbehandlung orientierte sich Beethoven an Opern von Franz Benda, Christoph Willibald Gluck, Wolfgang Amadé Mozart und Giovanni Paisiello, deren Partituren er in den Archiven des kurfürstlichen Theaters einsehen konnte. Der Textdichter Severin Averdonk arbeitete mit typischen Sprachbildern der Spätaufklärung, die den verstorbenen Kaiser mit der Sonne und den Strahlen der Gottheit gleichsetzen. Weil die kompositorischen Ambitionen Beethovens die Fähigkeiten der kurfürstlichen Kapelle scheinbar überstiegen, kam es nicht zu einer Aufführung. Nicht einmal zu Lebzeiten des Komponisten. 1884, 57 Jahre nach Beethovens Tod, wurde die Kantate wiederentdeckt.
Wolfgang Amadé Mozart 1756-1791
Requiem | KV 626 (Wien, 1791) unvollendet
Neufassung von Benjamin-Gunnar Cohrs, 2013
Franz Graf von Walsegg-Stuppach war ein begeisterter Musikliebhaber und hatte die Gewohnheit, bei anerkannten Komponisten Werke zu bestellen, die er dann als seine eigenen ausgab. Dieser Musikleidenschaft verdankt die Welt das Requiem von Mozart. Als nämlich am 14. Februar 1791 die junge Gattin des Grafen starb, kam er auf die Idee, zu ihrem Andenken von Mozart ein Requiem komponieren zu lassen. Da der Graf unerkannt zu bleiben wünschte, geschah die Bestellung bei Mozart auf eine Weise, die diesem geheimnisvoll erscheinen musste. Der zu literarischer Berühmtheit gewordene „graue Bote“ war der Überbringer des gräflichen Wunsches.
Mozart versah seit kurzer Zeit das Amt eines unbesoldeten stellvertretenden Kapellmeisters bei St. Stephan, da mochte es ihm als günstig erscheinen, wieder einmal Gelegenheit zu haben, ein grösseres Werk für die Kirchenmusik zu schreiben. Dass der Unbekannte mit der Bestellung gleichzeitig 25 Dukaten als erste Hälfte des Honorars auf den Tisch legte, musste Mozart in seinen damaligen Verhältnissen auch willkommen sein; so nahm er an.
Nach Mozarts Tod war eine der vordringlichsten Sorgen der Witwe Constance die Vollendung des Requiems, von dem nur Introitus und Kyrie vollendet vorlagen. Der unbekannte Besteller hatte eine Anzahlung geleistet und damit das Recht erworben, ein vollständiges Werk zu erhalten.
Wer sollte das Requiem vollenden? Ab hier wird die Geschichte um das unvollendete Requiem sehr kompliziert. Mehrere Zeitgenossen, vor allem Schüler Mozarts, wurden mit der Vollendung beauftragt.
Franz Xaver Süssmayr war der Schnellste und seine Fassung wird bis heute wohl am häufigsten aufgeführt. Viele Fragezeichen und Bedenken an seiner Arbeit haben unzählige Musikwissenschaftler und Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts motiviert, eine Neufassung zu erarbeiten.
Die wohl jüngste Fassung legte Benjamin-Gunnar Cohrs 2013 vor. Er behielt – mit geringfügigen Modifikationen – diejenigen Passagen Süssmayrs bei, die seiner Ansicht nach auf Skizzen Mozarts zurückgehen; neu komponierte er den Schluss des Lacrymosa, die Fortsetzungen des Sanctus, des Benedictus und des Agnus Dei, die Amen-Fuge (ausgehend von Mozarts Skizzenblatt) und die Osanna-Fuge. Die Instrumentierung fasste er auf der Grundlage von Eyblers Manuskript neu.
Unsere Solisten
Corinne A. Sutter, Sopran
Judith Lüpold, Alt
Pawel Grzyb, Tenor
Mkhanyiseli Mlombi, Bass