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Kaposi Sarkom: Doch nicht sexuell übertragen?
Seit einigen Jahren wird vermutet, dass das Kaposi Sarkom sexuell uebertragen werden kann. Nun scheint eine Studie aus Suedafrika diese Gewissheit etwas zu relativieren.
Das Kaposi Sarkom ist ein Tumor der Gefässwandzellen. Es ist schon seit über Hundert Jahren bakannt, ist in Afrika endemisch und trat früher vor allem bei älteren Menschen, vorwiegend Männern auf. Seit dem Auftreten von HIV wurde es gehäuft bei HIV-infizierten Menschen mit leichter bis fortgeschrittener Immunschwäche bebachtet. Mit der Einführung von potenten HIV-Therapien ist der Tumor viel seltener geworden.
Der Tumor manifestiert sich durch rötlich-livide, leicht erhabene Flecken auf der Haut und der Schleimhaut. Er kann aber auch die inneren Organe (meist Magen-Darm-Trakt, Lungen) betreffen. Seit über 10 Jahren wissen wir, dass der Tumor durch ein Virus (humanes Herpes virus 8, HHV-8) verursacht wird. Da wir Kaposi Sarkomen praktisch ausschliesslich bei HIV infizierten homosexuellen Männern und praktisch nie bei Drogensüchtigen Männern fanden, hat man eine sexuelle Übertragung des Virus vermutet und einige epidemiologische Studien weisen auf diese Hypothese.
Nun hat eine grössere Studie aus Südafrika die Epidemiologie bei heterosexuellen Personen untersucht. Serum von gut 2100 Männer und Frauen mit unterschiedlichem Risiko für sexuell übertragbaren Krankheiten (STD) wurde auf HIV und andere STDs sowie auf HHV-8 Antikörper untersucht. HHV-8 fand sich in 48% der Untersuchten, und HIV bei 40%. Interessanterweise waren HIV-Positivität und Seropositivität für HSV-2 (Herpes genitalis) deutlich assoziiert mit dem Risiko für STD (z.B. hoch bei Sexworkern). Doch die HHV-8 Seropositivität fand sich mit ähnlicher Häufigkeit bei allen Risikogruppen.
Die Arbeit spricht dagegen, dass HHV-8 in dieser Population durch Sexualkontakte erworben wird. Ein ungewöhnlicher Punkt ist jedoch die hohe Prävalenz für HHV-8. Es ist natürlich möglich, dass in diesem Hoch-Endemiegebiet für HHV-8 der Effekt der sexuellen Übertragung einfach nicht sichtbar ist. Es ist bekannt, dass in Hochendemiegebieten HHV-8 schon häufig vertikal übertragen wird (Mutter-Kind). Wenn somit die Erkrankung schon sehr häufig von Geburt auf besteht, so kann ein zusätzlicher Effekt durch sexuelle Übertragung unsichtbar werden.
Quelle: Malope et al, AIDS 2008, 22:519