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© Blick 8. Januar 2021 / Cuenis Geschichtskolumne 078
»Nur weil ich blond bin, glaub nicht, dass ich blöd bin.» Das ist eine Zeile aus dem Song «Dumb Blond» (1967) der damals 21-jährigen US-amerikanischen Country-Sängerin Dolly Parton. Mit zunehmendem Erfolg (über 100 Millionen verkaufte Alben) wuchsen auch ihre blonde Perücke und ihre Brustimplantate. Rasch hatte sie den Ruf der dummen Blondine, aber die temperamentvolle Senkrechtstarterin reagierte stets selbstbewusst und mit viel Selbstironie.
Seit Marilyn Monroe («Blondinen bevorzugt», 1953) assoziierte man blondes Haar mit Sex, Naivität und Blödheit. Mit den Komödien der kichernden Goldie Hawn erreichte der Blondinenwitz in den 1980er-Jahren den Höhepunkt. Oft schrieb man alte Witze um und ersetzte die «dummen Ostfriesen» oder den «dummen Mantafahrer» durch die «dumme Blondine».
Dolly Parton, die Paten-Tante von Miley Cyrus, feiert am 19. Januar ihren 75. Geburtstag: «Die Leute fragen mich immer, ob es meine eigenen Brüste sind. Ja, sie gehören mir – ich habe sie gekauft und gut dafür bezahlt.» Bisher hat sie für ihre Inszenierung als blondes Kunstobjekt über 600 000 Dollar ausgegeben: «Nichts an mir ist echt, aber alles kommt von Herzen.»
Und ja, sie hat ein grosses Herz: Der Firma Moderna spendete sie eine Million Dollar für die Impfstoff-Forschung. Ihre gemeinnützige Organisation «Imagination Library» verschenkt monatlich Bücher an Kinder im Vorschulalter, bisher über 150 Millionen Mal. Sie setzte sich bereits für die Gay-Community und gleichgeschlechtliche Ehe ein, als die Mütter heutiger Feministinnen noch in der Küche standen. Der Preis waren Morddrohungen und eine Ehrendoktorwürde. Als Songwriterin schrieb sie die Welthits «Jolene» ( 44 Cover-Versionen) und «I Will Always Love You», das achtzehn Jahre später von Whitney Houston gecovert wurde. Egal ob sie als Autorin Bücher schrieb oder als Unternehmerin ihren Freizeitpark «Dollywood» zum Erfolg führte: Die Powerfrau setzte sich durch.
In ihrem Ratgeber «Dream More» rät sie der Leserschaft, mehr zu träumen, mehr zu lernen und mehr zu sein. Die meisten Menschen bereuen am Ende des Lebens, dass sie nie den Mut hatten, das zu sein, was sie sein wollten. Dolly Parton hatte diesen Mut. Happy Birthday, Dolly!