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Avantgarde, Surrealismus und abstrakter Expressionismus in den Vereinigten Staaten (New York),
erste Hälfte 20. Jahrhundert
August 2016: Besuch der Ausstellung „Sonja Sekula, Max Ernst, Jackson Pollock and friends“ im KKL Luzern (Kunst und Kongresshaus Luzern)
Meine Neuentdeckung:
- Sonja Sekula (1918-1963)
Schweizerisch-amerikanische Künstlerin
Ihr Werk umfasst Malerei, Zeichnungen, Collage und Texte.
1918 in Luzern geboren, Einzelkind. Ihre Mutter Berta Huguenin war vermögend (Confiserie Huguenin Luzern) ihr Vater Bela Sekula war Ungare.
1936 wanderte sie mit ihren Eltern nach New York aus. (Ihr Vater war Jude)
Dort fand Sonja Sekula bereits als junge Künstlerin Anschluss an die lebhafte Kunstszene.
Sie begann in der „Art Students League“ zu studieren, wo auch folgende Maler studierten:
- Robert Barrell,
- Peter Busa,
- Jackson Pollock
- Steve Wheeler
Zu ihrem Bekannten/Freundeskreis zählten die aus Europa ausgewanderten Surrealisten André Breton (Dichter, Schriftsteller und wichtigster Theoretiker des Surrealismus) und Marcel Duchamp (Maler, Objektkünstler), aber auch die Amerikaner Jackson Pollock und Barnett Newman, mit denen sie ausstellte.
Mit ihren Arbeiten gehörte sie zur New Yorker Avantgarde und schon bald war Peggy Guggenheim ihre Galeristin.
Engen Kontakt pflegte sie auch mit Frieda Kahlo.
Wie viele andere Künstler jener Zeit suchte Sekula intensiv nach neuer Form und Ausdruckswiese. Die Darstellungen sollten aus dem tiefsten Inneren entstehen, geleitet durch Intuition,. Diese neuen Ansätze waren nicht zuletzt auch begründet durch den Einfluss der Psychoanalyse und Traumdeutung von Sigmund Freud.
Sonja Sekula experimentierte mit Surrealismus und Motiven indianischer Volkskunst aus Alaska und Mexiko.
Sie verbrachte längere Zeit in Mexiko, wo sie den engl. Surrealisten-Künstler Gordon Onslow Ford besuchte. (Enkel des bekannten Skulpturen Künstlers Edward Onslow Ford). Ford starb 2003 mit 90 Jahren als letztes Mitglied der Pariser Surrealistengruppe um Andre Breton, die in den 30er Jahren von sich reden machten.
Sonja Sekula war ungewöhnlich begabt; ihre Arbeit hatte grosse Ueberzeugungskraft und Authentizität. Eine ihrer Besonderheiten sind die mehr- und tiefschichtigen Kritzelzeichnungen mit manchmal skurrilen Titeln und handschriftlichen Texten. Diese Frottagen, Sand- und Scratchbilder geben ihre Geheimnisse nicht auf den ersten Blick preis.
Ihre Kratzbilder erinnern an Paul Klee (siehe Post „Sonja Sekula – Paul Klee, Mirò, Picasso“)
Andere Bilder, besonders Gemälde, erinnern an Mirò und Picasso.
In ihrer New York Zeit zwischen 1936 und 1953 liess sie sich von allem inspirieren, was in der Luft lag: Surrealismus, Kubismus und abstrakter Expressionismus (ev. auch Dada in ihren Texten?)
Sonja Sekula hatte eine Affinität zu Frauen: in ihrer Jugend verliebte sie sich in Annemarie Schwarzenbach (Schriftstellerin und Photographin, Tochter von einem Schweizer Seidenfabrikanten, der zu den grössten der Welt gehörte). Später in den USA verliebte sie sich in die franz. Künstlerin Alice Rahon.
Auf Grund der Empfehlung von Max Ernst und Marcel Duchamp nahm sie 1943 an der Ausstellung „31 Women“ in der Peggy Guggenheim Kunstgalerie teil, neben anderen bekannten Künstlerinnen wie Frieda Kahlo, Meret Oppenheim und Sophie Teuber-Arp.
Peggy Guggenheim ermöglicht Sekula’s erste Einzelausstellung. Es folgten 4 weitere, alle ziemlich erfolgreich.
Nach Schliessung der Guggenheim Galerie wechselte Sekula zur Galeristin Betty Parson.
In New York befreundet sie sich mit dem Komponisten John Cage.
Sekula malte das Gemälde „Silence“ (1951) und widmet es Cage. Dieser widmet ihr dann ebenfalls eine Komposition.
Cage komponierte 1952 dann das damals skandalträchtige und heute berühmte Stück 4’33’’ for piano (4. Min. 33 Sek. sitzt er am Klavier und spielt keinen Ton, sondern verharrt in Stille).
Leider litt Sonja Sekula an psychischen Problemen. Bereits mit 20 Jahren unternahm sie ihren ersten Selbsttötungsversuch. Immer wieder im Laufe ihrer Karriere musste sie sich in psychiatrische Behandlung begeben. Auf Grund ihres schlechten Zustandes entschied sie sich, 1953 in die Schweiz zurück zu kehren wo sie später in der Zürcher Gallerie Palette auch eine Einzelausstellung erhielt. Ihre Verkäufe in New York in der Betty Parson Gallerie gingen schlechter als erwartet und in Zürich stiessen ihre Bilder auf Unverständnis. 1963 nahm sie sich im Atelier das Leben.
Ihre Freunde wurden berühmt und blieben es bis heute, sie jedoch nicht. Vielleicht sind ihre starken psychischen Schwankungen ein Grund dafür.