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Die Familie Lopez* wird schon seit mehr als zehn Jahren von der Fundación Niño Feliz unterstützt. Die Mutter, Señora Monica, 42-jährig, hat sich im Februar 2018 Zeit genommen, um Nina Fauser, welche in dieser Zeit als Volontärin arbeitete, von ihrer Familiengeschichte zu erzählen.
Monica und ihr Ehemann, Señor Juan, haben fünf Kinder. Die jüngsten zwei, Laura (6-jährig) und Alexander (9-jährig), besuchen immer noch den Esssaal Enrique Bujold und kriegen dank ihren Essenspaten fünf Mal pro Woche ein gutes Mittagessen. Während dieser Zeit kann die Mutter immer arbeiten, was ihre finanzielle Situation verbessert. Der älteste Sohn Pablo wohnt nicht mehr zu Hause und studiert im Zentrum von Santa Cruz. Die älteste Tochter Maria (19-jährig) ist in der Ausbildung zur Krankenschwester. Der zweitälteste Sohn Alvaro besucht seit anfangs 2018 für ein Jahr das Militär und wohnt vorübergehend nicht in der Familie.
Monica erinnert sich, dass sie, als Alvaro dreijährig war, finanzielle Schwierigkeiten hatten und nicht immer genug Geld für das Essen übrig war. Sie arbeitete damals und auch heute noch als Verkäuferin – sie verkauft Schuhe und andere Waren – , aber ohne festen Verkaufsstand. Ihr Ehemann Juan und sie arbeiteten beide sehr viel, doch reichte das Geld trotzdem nicht aus. Was erschwerend war und ist, sind die unregelmässigen Einnahmen von Monica, da sie keine feste Arbeit hat. Zum Glück kannte Monica eine Frau, die damals bei Niño Feliz arbeitete und ihr die Organisation empfahl. So kam sie etwa 2001 zur Stiftung Niño Feliz, wo sie um Unterstützung bat. Die älteren Kinder konnten dann bald regelmässig im Comedor essen gehen, was eine grosse finanzielle Erleichterung war.
Die Familie lebte damals in der Nähe von der Stiftung. Die zu Beginn kleine Familie ist gewachsen, es kam Alexander und später Laura zur Welt. So stiegen im Verlaufe der Zeit auch die Ausgaben. Da die Familie immer ihre Pflichten erfüllte bei der Organisation Niño Feliz, erhielten auch die jüngeren Kinder Unterstützung. Die Kinder hatten z.T. eine Ausbildungs- oder eben eine Essenspatenschaft. So hatte Alvaro eine Ausbildungspatenschaft, was das Budget der Familie erleichterte. Denn für vier bzw. fünf Kinder jährlich das Schulmaterial zu kaufen, übersteigt schnell den Monatslohn von beiden Elternteilen.
Die Familie wohnte früher in nur einem Zimmer. Monica und ihr Ehemann wünschten sich mehr Platz, da sie zur siebenköpfigen Familie gewachsen sind. Die Fundación gab ihnen deshalb in Zusammenarbeit mit einer Bank einen Kredit, damit sie sich im Norden der Stadt ein Stück Land kaufen konnten. Dort bauten sie ein Zimmer und ein Bad, später nahmen sie erneut einen Kredit auf und bauten ein zweites Zimmer und eine Küche. Vor fünf Jahren zogen sie dorthin und Monica erwähnt: „Dies war schon eine grosse Verbesserung unserer Situation.“ Einige Monate nach dem Einzug bauten sie einen Zaun, damit ihr Haus geschützt war.
Da die ältesten Kinder schon grösser waren, entstand der Wunsch nach noch mehr Raum – zwei Zimmer für sieben Personen ist immer noch sehr knapp. So entschied sich das Paar, ein eigenes Haus zu bauen. Señor Juan hatte das Glück, einen sicheren Arbeitsplatz bei einem Bauunternehmen zu haben. Er arbeitet seit er jung ist als Maurer und ist seit einigen Jahren als „maestro“ angestellt und verdient monatlich 1000.- bolivianische pesos (ca. 142.- CHF). Sein Chef zeigte sich sehr hilfsbereit, zeichnete ihm die Pläne für das Haus und lieh ihm Geld und half viel mit beim Hausbau. Einiges vom Haus hat der Arbeitgeber jedoch geschenkt, d.h. die Familie musste einiges an Material nicht zurückzahlen. Dies ist ein Glück, welches nicht alle Familien haben. Monica sagt nicht ohne Stolz: „Wir haben immer alle Kredite rasch abbezahlt und gehen stets verantwortungsbewussst mit dem Geld um.“ Dadurch wurde ihnen erneut einen Kredit zur Verfügung gestellt von derselben Bank. So begann Juan vor ca. drei Jahren, mit Freunden und dem Chef das Haus zu bauen. Monica erwähnt, dass Juan immer wieder Überstunden leistete, damit mehr Geld für die Familie zur Verfügung steht, bzw. damit sie die Kredite abzahlen konnten. Auch Monica arbeitete viel – bis heute arbeitet sie oft samstags und sonntags. Unter der Woche hilft ihr oft die älteste Tochter im Haushalt, so hat sie mehr Zeit um anderes im Haushalt zu erledigen oder eben zu arbeiten.
Im nun fertig gebauten Haus haben sie nebst den Schlafzimmern – nun hat jedes Familienmitglied ein eigenes Schlafzimmer! – eine Küche, ein Wohnzimmer und zwei Badezimmer gebaut. Dies ist für viele Familien ein Luxus und tatsächlich ist das Haus von Familie Lopez im Vergleich mit wohl allen anderen Familien ein Einzelfall und war nur möglich dank ihrem verantwortungsbewussten Umgang mit Geld, dank der Hilfe von Nino Feliz und der Unterstützung von Juans Arbeitgeber.
Als sie vor gut einem Jahr in das Haus umgezogen sind, war dies ein besonderer Moment für das Ehepaar und die Kinder. Sie hatten viel mehr Platz, plötzlich mehr Privatsphäre und darüber waren alle sehr zufrieden. Gerade für die älteren Kinder ist es dies sehr wichtig.
Auf die Frage, wie es in den letzten zehn Jahren mit den Kindern gelaufen ist, antwortet sie, dass sie zum Teil schulische Probleme hatten, aber nie gravierende. Monica meint „ich habe selber nicht die ganze obligatorische Schulzeit besucht und kann nicht gut schreiben, nur lesen“. Deshalb konnte sie oft nicht helfen bei den Hausaufgaben und ist deshalb sehr dankbar, dass die Kinder Alvaro und Maria sowie der älteste, Pablo, in das schulische Zentrum von Niño Feliz gehen konnten. Dort wurde ihnen geholfen.
Auch die jüngeren Kinder können jetzt von der Organisation profitieren: sie besuchen die „clase de pintura“, eine Kunst-Klasse, wo sie malen und zeichnen. Nur sie beide haben noch Paten. Die ältesten brauchen keine Unterstützung mehr, bzw. kriegt Maria ein bisschen finanzielle Unterstützung für ihre Ausbildung zur Krankenschwester. Bei Niño Feliz gibt es einen Fonds für Jugendliche in Ausbildung, welche keine Ausbildungspaten haben. So kriegen sie trotzdem eine finanzielle Unterstützung.
Ein weiteres Angebot von Niño Feliz sind auch die monatlichen Zusammenkünfte der Eltern, wo zu verschiedenen Themen gearbeitet und diskutiert wird. Monica erwähnt, dass sie und ihr Ehemann mehrmals schwierigere Zeiten erlebten in der Ehe. Bei Niño Feliz erhielt sie Hilfe von der Psychologin. Auch ihr Mann ging einige Male zur Psychologin – doch er war weniger interessiert als sie. Viele denken, psychologische Hilfe sei nur etwas für „Verrückte“, wie Monica sagt. Die Überweisung an die interne Psychologin der Stiftung initiierte die zuständige Sozialarbeiterin. Für Monica war dies eine wichtige Unterstützung: „Es hat vor allem mir, aber auch meinem Ehemann geholfen, jetzt ist es ein bisschen ruhiger in unserer Beziehung, es geht uns besser.“
Auch die medizinische Hilfe schätzt sie sehr. Es ist obligatorisch, eine jährliche Kontrolle, und dient zur Prävention. Sie erwähnt schmunzelnd, dass ihr Sohn Alvaro einmal gesagt hat, Niño Feliz sei quasi seine Eltern, weil die Stiftung ja viel für ihn gemacht hat: Schulmaterial abgegeben, Schulsack, Schuhe und das Essen.
Ihre Kinder kommen nun alle klar in der Schule. Auf die Frage, was besonders schwierig war, antwortete sie: „Meine Tochter Maria konnte nicht an die Uni, da wir das Geld jemandem zahlten, der vorgab uns zu helfen. Doch dies war Betrug – nichts passierte, obwohl wir 3500.- pesos bezahlt haben und davon ausgingen, dass Maria dann in die Universität gehen kann.“ Das Geld ging also verloren, sie hatten danach nichts mehr übrig, damit sie doch noch hätte an die Uni eintreten können. Doch hat sie sich danach bei einer „carrera tecnica“, einer praktischen Ausbildung zur Krankenschwester eingeschrieben. Es ist tatsächlich so, dass es zuviele Jugendliche gibt, die an die öffentliche Universität eintreten wollen. Alle müssen deshalb ein Examen machen. In diesem Zulassungsprozess gibt es Personen, die vorgeben, den Jugendlichen Zugang zur Uni zu verschaffen, auch wenn sie das Examen nicht bestehen. Diese Personen werden bezahlt, aber am Ende können die Jugendlichen trotzdem nicht an die Uni gehen. Dies zeigt, dass es auch bei der Zulassung an die Universität Korruption gibt.
Maria hat gemäss Monica gute Noten und wird ca. in einem Jahr nochmals versuchen, an die Universität zu gehen. Ihr Wunsch ist es, Bio-Chemie zu studieren.
Die Mutter war sehr stolz, als ihre Tochter in der weissen Uniform die Schule beginnen konnte.
Nun will die Familie monatlich ihre beide Kredite zurückzahlen und die letzten Arbeiten im Haus beenden: der Garten und Kleinigkeiten in der Küche müssen sie noch fertigstellen. Zudem fehlen noch ein paar Möbel in den Zimmern. Monica ist eine Geschäftsfrau, sie arbeitet gerne und ist motiviert, ihr Geschäft zu vergrössern. Umso mehr ist sie dankbar, können ihre zwei jüngsten Kinder im Esssaal essen – in dieser Zeit kann sie arbeiten. Diese Hilfe sowie die Ausbildungspatenschaft war sehr wertvoll, wie sie sagt. Die Schulmaterialien sind für zwei Kinder mehr als 700.- pesos anfangs Jahr, dann kommen noch Uniform dazu und nun teure Bücher für die Ausbildung von Maria.
Die Familie wohnt zwar weiter weg, doch Monica meint, sie hätten sich daran gewöhnt. Sie lebt gerne dort und wünscht sich, dass sie ein eigenes Geschäft gründen könnte und nicht mehr als Hausiererin arbeiten muss. Zudem hofft sie sehr, dass ihre Kinder studieren können und einmal eine gute und sichere Arbeit haben. Denn sie hat das nicht erlebt und kennt die negative Seiten eines unsicheren Einkommens. Monica wünscht sich auch, dass die Beziehung zu ihrem Ehemann stabiler wird bzw. sich nicht verschlechtert.
Was sie anderen Familien raten würde, die noch jung sind? „Nicht allzuviele Kinder kriegen und vor allem nicht zu früh! Und wenn es nötig ist, sollte man zum Arzt gehen. Zudem muss man lernen, das Geld immer gut einzuteilen, und halt auch samstags und sonntags manchmal arbeiten.“ Das sagt sie auch ihren Kindern immer wieder, damit sie möglichst rasch selbständig werden.
Im Namen von Niño Feliz danken wir Monica herzlich für das Erzählen ihrer Geschichte, welche zeigt, dass Niño Feliz viel beigetragen hat zur materiellen Verbesserung ihrer Situation und nicht nur das: sie müssen nicht mehr in Armut leben. Und ein Stück weit hat sich auch die elterliche Beziehung verbessert. Dank der Unterstützung können sicherlich auch die jüngsten Kinder eine Ausbildung in Angriff nehmen und müssen somit nicht dieselbe schwierige Situation erleben wie ihre Eltern.
* alle Namen wurden geändert.