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Afghanistan ist eigentlich ein reiches Land, zumindest was die Bodenschätze angeht. Bis zu drei Billionen Dollar wert dürften die dortigen natürlichen Rohstoffe wert sein, schätzte ein ehemaliger Bergbauminister des Landes.
Die Summe dürfte sogar noch höher sein, denn diese Schätzung stammt aus dem Jahr 2010. Seither sind die Preise wegen der weltweit starken konjunkturellen Erholung von der Corona-Pandemie teils explodiert. Darauf könnten nun die Taliban Zugriff erhalten. Nachdem die Taliban 2001 durch die USA von der Macht vertrieben worden waren, bauten sie ihre Organisation allmählich wieder auf. Sie finanzierten sich durch Opium und illegalen Bergbau.
Kupfer, Gold, Öl, Erdgas, Uran, Bauxit, Kohle, Eisenerz, Seltene Erden, Lithium, Chrom, Blei, Zink, Edelsteine, Talk, Schwefel, Travertin, Gips und Marmor. Das alles schlummert in den afghanischen Böden. Nachfolgend eine Übersicht über die wichtigsten Rohstoffe des Landes und deren Wert:
KUPFER
Ein Bericht des afghanischen Ministeriums für Bergbau und Erdöl aus dem Jahr 2019 beziffert die Kupferressourcen auf fast 30 Millionen Tonnen. Weitere 28,5 Millionen Tonnen sollen sich in noch unentdeckten Porphyr-Vorkommen befinden. Das würde die Gesamtmenge auf fast 60 Millionen Tonnen bringen, was zu den derzeitigen Preisen Hunderte von Milliarden Dollar wert ist. Denn die Nachfrage nach dem Metall wächst.
Ein Konsortium um die chinesischen Unternehmen Metallurgical Corp of China (MCC) und Jiangxi Copper hat 2008 mit einem 30-jährigen Pachtvertrag Mes Aynak übernommen, das größte Kupferprojekt des Landes. Allein die gut elf Millionen Tonnen, die MCC hält, sind den aktuellen Preisen der Börse London Metal Exchange zufolge mehr als 100 Milliarden Dollar wert.
ANDERE METALLE
In dem Regierungsbericht von 2019 heißt es auch, dass Afghanistan über mehr als 2,2 Milliarden Tonnen Eisenerz-Vorkommen verfügt. Das Rohmaterial wird für die Stahlerzeugung verwendet und hat einen Wert von mehr als 350 Milliarden Dollar.
Die Goldressourcen können da mit schätzungsweise 2700 Kilogramm und einem Wert von fast 170 Millionen Dollar nicht mithalten. Auch Aluminium, Zinn, Blei und Zink seien "in mehreren Gebieten des Landes vorhanden", heißt es im Bericht des Bergbauministeriums.
LITHIUM UND SELTENE ERDEN
Ein internes Papier des US-Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 2010 beschrieb Afghanistan angeblich als "das Saudi-Arabien des Lithiums". Mit anderen Worten: Afghanistan ist für die globale Versorgung mit diesem wichtigen Batteriemetall genauso wichtig wie das Land im Nahen Osten für Rohöl. Der Vergleich wurde zu einer Zeit gezogen, als Lithium bereits weit verbreitet in Batterien für elektronische Geräte wie Handys verwendet wurde. Inzwischen ist noch eine wichtige Anwendung hinzugekommen: Lithium für Batterien von Elektrofahrzeugen, die weltweit auf dem Vormarsch sind und einen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels beitragen sollen.
Im Bericht des Ministeriums wird zudem darauf verwiesen, dass in Afghanistan 1,4 Millionen Tonnen an Seltenen Erden vermutet werden. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von 17 Elementen, die beispielsweise für Computer, Handys, Windturbinen und Batterien unerlässlich sind, ebenso für viele Hightech-Waffen.
ÖL UND GAS
Afghanistan beherbergt rund 1,6 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Rohöl. Hinzu kommen 16 Billionen Kubikfuß Erdgas und weitere 500 Millionen Barrel flüssiges Erdgas. Das geht aus dem Bericht von 2019 hervor, der eine gemeinsame US-afghanische Einschätzung zitiert. Allein das Rohöl soll etwa 107 Milliarden Dollar wert sein. "Das meiste unentdeckte Rohöl befindet sich im afghanisch-tadschikischen Becken, das meiste noch nicht entdeckte Erdgas im Amu-Darya-Becken", heißt es in dem Bericht.
EDELSTEINE
Afghanistan war in der Vergangenheit eine wichtige Quelle für Lapislazuli, einen tiefblauen Halbedelstein, der seit Tausenden von Jahren in der nördlichen Provinz Badakhshan abgebaut wird, sowie für andere Edelsteine wie Rubine und Smaragde. Die feinsten Sorten von Lapislazuli können dem Regierungsbericht von 2019 zufolge bis zu 150 Dollar pro Karat einbringen. Die Mehrheit der abgebauten Edelsteine verlässt das Land allerdings illegal, und zwar hauptsächlich nach Peshawar in Pakistan.
(Reuters)