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Charles Taylor (* 1939), kanadischer Religionssoziologe, fasst das Unbehagen in drei Dimensionen zusammen (in “Das Unbehagen an der Moderne”, Suhrkamp 2020, 11. Auflage):
Unbehagen: Merkmale unserer heutigen Kultur und Gesellschaft, die trotz aller Entwicklungen unserer Zivilisation als Verlust oder Niedergang erlebt werden.
Unbehagen Nr. 1 Individualismus: Menschen haben das Recht, “ihr eigenes Lebensmuster selbständig zu wählen, ihrem eigenen Gewissen folgend zu entscheiden, welche Überzeugungen sie vertreten wollen, und die Form der Lebensführung in zahllosen Hinsichten zu bestimmen, der die ihre Vorfahren keine Kontrolle hatten. … Nur sehr wenige wollen diese Errungenschaft rückgängig machen. Viele halten sie sogar für immer noch unvollendet.” Die damit zusammenhängende Sorge: “Den Menschen fehle nun das Gefühl für einen höheren Zweck, also etwas, wofür es sich zu sterben lohne.”
Unbehagen Nr. 2 Vorrang der instrumentellen Vernunft: Es geht um eine “Art von Rationalität, auf die wir uns stützen, wenn wir die ökonomischste Anwendung der Mittel zu einem gegebenen Zweck berechnen. Das Mass des Erfolgs ist hierbei die maximale Effizienz, also das günstigste Verhältnis zwischen Kosten und Produktivität.” Durch diesen eng umschriebenen Nutzen gebe es einen Verlust an Resonanz, Tiefe oder Fülle.
Unbehagen Nr. 3 Milder Despotismus: Einrichtungen und Strukturen der industriell und technisch ausgerichteten Gesellschaft schränken unsere Wahlfreiheit stark ein. Es entsteht eine Form der Vormundschaftsgewalt des Staates mit dessen Bürokratie. Der Einzelne entfremdet sich gleichzeitig von der öffentlichen Sphäre.