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Ganz kurz gesagt: Eurobraille ist eine 8-Punkte-Computerbrailleschrift, die 1986 als gemeinsamer Nenner verschiedener westeuropäischer Sprachen für die Computerbedienung definiert wurde. Es basiert auf folgendem Prinzip: Jedes Zeichen am Computer wird durch ein einziges Braillezeichen wiedergegeben und - umgekehrt - jedes Braillezeichen entspricht genau einem Bildschirmzeichen. Es besteht aus drei Tabellen von je 256 Zeichen, die drei (Schwarzschrift-) Computerzeichensätze abbilden.
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Mitte der 1980er Jahre, als Eurobraille erschaffen wurde, war der Zugang zu einigen Computerarten - nicht zuletzt auch zum PC - mittels Braillezeilen und Brailledrucker erschlossen. Deren Verbreitung führte zu Fragen von einheitlichen Standards für die Brailledarstellung der am Bildschirm erscheinenden Zeichen.
Typisch für Computer dieser Zeit waren Schwarzschrift-Zeichenbestände von jeweils 256 Zeichen (8-Bit-Zeichensätze). In den verschiedenen Sprachregionen und Einsatzbereichen wurden geeignete Zeichensätze ausgewählt und auf die einzelnen Computer geladen - je nachdem, was für Akzentbuchstaben, nicht lateinische Buchstaben, Elemente für die Zeichnung von Tabellen u. ä. gebraucht wurden. Die einzelnen Zeichen eines jeden Zeichensatzes wurden von 0 bis 255 durchnummeriert.
Um jeweils ein Schwarzschriftzeichen eindeutig durch ein Braillezeichen darstellen zu können, erweiterte man fürs Computerbraille die Brailleform von 6 auf 8 Punkte: Kombinationen von 8 Punkten ergeben ebenfalls 256 verschiedene Zeichen.
Die Schwarzschriftzeichensätze waren Sammlungen von jeweils 256 der unzähligen möglichen Zeichen und Symbole. Dagegen gibt es im 8-Punkte-Braille nicht mehr als 256 verschiedene Zeichen überhaupt. Somit musste man die Zuordnung der Braillezeichen für jeden Schwarzschriftzeichensatz neu definieren: Ein 8-Punkte-Zeichen konnte unterschiedlichen Zeichen in unterschiedlichen Zeichensätzen entsprechen.
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Eurobraille ist eine Zuordnung der 256 8-Punkte-Braillezeichen zu den Zeichen von drei in den 1980er Jahren in Westeuropa weit verbreiteten Schwarzschriftzeichensätzen:
In allen drei Zeichensätzen sind die Zeichen mit Nummern bis 127 identisch.
Ein Grundsatz von Eurobraille ist es, Schwarzschriftzeichen, die in mehreren dieser Zeichensätzen vorkommen, immer mit demselben Braillezeichen darzustellen.
Beispiel 1:
Beispiel 2:
Eurobraille besteht also aus drei verschiedenen Tabellen von jeweils 256 8-Punkte-Braillezeichen. Die Zeichen von Nummer 0 (streng genommen 32) bis Nummer 127 sind in allen drei Tabellen identisch, da in diesem Bereich die drei Schwarzschriftzeichensätze auch identisch sind. Im anderen Bereich gibt es Unterschiede in der Zuordnung der Braillezeichen zu den Schwarzschriftzeichen und in der Reihenfolge der Braillezeichen.
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Eurobraille scheint am konsequentesten im deutschen Sprachraum Anwendung gefunden zu haben. Im vorgesehenen westeuropäischen Geltungsbereich wurden und werden oft (eventuell sogar mehrheitlich) andere 8-Punkt-Codes verwendet. In Skandinavien und erst recht in den USA wird es nie eingesetzt und ist mit den dortigen Zeichensätzen inkompatibel (z. B. besteht in den USA die Ziffer 1 aus Punkt 2 - und ist also gleich wie das Komma im Eurobraille).
Solange Eurobraille für den Zugang zu Bildschirminformationen eingesetzt wird, ist die Internationalität nicht von Bedeutung: Ob Verfasser und Empfänger von E-Mails mit demselben Braillezeichensatz arbeiten, ist irrelevant; wichtig ist nur, dass sie beide an Hand ihrer Braillezeichensätze die Bildschirmzeichen richtig identifizieren können. (Ähnliches kennen wir bei Zahlen, wo 2 + 2 = 4, egal wie die einzelnen Zahlen ausgesprochen werden.)
Wenn Eurobraille ausgedruckt wird, muss natürlich gewährleistet sein, dass die Lesenden Eurobraille verstehen. (Bei Zahlen müsste man Deutsch verstehen um mit in Deutsch ausgeschriebenen Zahlen umzugehen.) Dieselben Punktkombinationen, die ein Amerikaner in seinem Computerbraille als "2005" versteht, liest der Eurobraille-Benutzer als ";))?". Für den Amerikaner sieht die Eurobraille-Version von "2005" wie "<++:" aus.
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Eurobraille wird manchmal auch außerhalb des Kontextes der Abbildung von Bildschirminformationen als allgemeine Blindenschrift eingesetzt. Hier gelten dieselben Einschränkungen wie Mitte der 80er Jahre am Computerbildschirm:
Die Frage der verwendeten Tabelle ist vor allem dann wichtig, wenn große Akzentbuchstaben in Französisch geschrieben werden sowie dort wo semigrafische Rahmenelemente eingesetzt werden. Diese Zeichen werden nicht in allen Tabellen gefunden. Zudem wurden die Zeichen für é und É bei jüngeren Normierungen geändert (s. unten).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Zeichenbestand zu erweitern sowie Abweichungen von der Grundlinie zu bewerkstelligen. Diese Möglichkeiten sind jedoch kein Bestandteil vom Eurobraille selber. Hier zwei Beispiele aus der Mathematik mit sich an "LaTeX" anlehnenden Lösungsansätzen:
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In den 1980er Jahren umging man die Einschränkung der Höchstanzahl von 256 (Schwarzschrift-) Zeichen am Computer, indem man jeweils für den aktuellen Zweck eine geeignete Kombination von 256 Zeichen für den Bildschirm aktivierte und den Drucker auch entsprechend einstellte. In dieser Umgebung mussten sich die wenigen Computer-Braille-Lesenden, die mit mehreren Schwarzschriftzeichensätzen arbeiteten, die aktuell gültige Bedeutung der Braillezeichen merken - aber die Zeichensätze für Schwarz- und für Brailleschrift waren auf vergleichbaren Entwicklungsständen.
Schwieriger wurde es schon, als man Möglichkeiten fand, auch innerhalb eines Dokumentes neue Schriftarten zu wählen. In Windows wurden oft Texte in "normalen" Schriftarten mit Pfeilen und Aufzählungssymbolen aus der speziellen Schriftart "Wingdings" gespickt. Auch wenn für jede einzelne Schriftart eine Abbildung in 8-Punkte-Braille definiert werden könnte, müsste man wissen, in welchem Zeichensatz ein Zeichen abgebildet wurde. Zeichensätze wie "Wingdings" liegen natürlich außerhalb des Rahmens von Eurobraille und deren Brailledarstellung wurde auch sonst nie genormt.
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Für die neue Art von Zeichensätzen wird an einer adäquaten Lösung für die Blindenschrift gearbeitet. (s. Resolutionen bezüglich der finanziellen Unterstützung der Standardisierung des 8-Punkt-Computer-Braille verabschiedet am Internationalen Braille-Seminar in Saanen, Schweiz, im Jahre 1997.)
Im Herbst 2000 wurde nicht zuletzt dank den Anstrengungen von Erich Schmid und Ernst-Dietrich Lorenz (beide Mitglieder des Brailleschrift-Komitees der Deutschsprachigen Länder) ein so genannter "Technical Report" der International Standards Organisation (ISO) verabschiedet, in dem die Basis für die Erschließung moderner, mehrsprachiger Zeichensätze gelegt wurde. Es wird vorgesehen solche Zeichensätze in sinnvolle Abschnitte aufzuteilen (wie dies sowieso auch computertechnisch der Fall ist). Die Zeichen eines jeden Abschnitts (gezwungenermaßen von nicht mehr als 256 Zeichen) werden Braillezeichen zugeordnet. Ein Braillezeichen kann also so viele verschiedene Bedeutungen haben, wie es Abschnitte gibt. Eine Ankündigungstechnik sorgt dafür, dass man weiß, aus welchem Abschnitt das Bildschirmzeichen stammt und daher wie das Punktschriftzeichen zu lesen ist.
Die Eurobraille-Tabellen wurden in leicht abgeänderter Form in diesen Technical Report integriert. Inzwischen war die Textverarbeitung von überwältigender Bedeutung und somit auch die Darstellung von Buchstaben im Gegensatz zu Semigrafiken. Die von der literarischen Schrift abweichende Darstellung von é und É (e und E mit Akut-Akzent) wurde "korrigiert", was die Neudefinition von insgesamt 6 Zeichen pro Tabelle bedingte.
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URL:
http://www.braille.ch/eurobrl.htm
© Vivian Aldridge 2004, 2005 (Letzte Änderung 2005-02-10)