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Genaues kann der Bundesrat nicht sagen, da in der Schweiz keine Meldepflicht für Hepatitis E-Erkrankungen besteht. Gewisse Informationen liessen aber einen steigenden Trend der Fallzahlen vermuten, schreibt er.
So sei die Zahl von Hospitalisierungen aufgrund akuter Hepatitis E zwischen 2011 und 2015 kontinuierlich angestiegen, von 11 auf 25 Fälle im Jahr. In Blutspenden seien je nach Kanton 13 bis 34 Prozent der Proben positiv getestet worden.
Eine vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) finanzierte Studie schätzt, dass in der Schweiz jährlich 1500 Personen an akuter Hepatitis E erkranken.
Mortadella mit roher Schweineleber
Gemäss dem BLV stehen gewisse Lebensmittel im Verdacht, beim Menschen eine HEV-Infektion auszulösen. Es handelt sich insbesondere um Produkte mit roher Schweineleber. Ignazio Cassis nennt entsprechende Mortadella-Spezialitäten als Beispiel.
Das BLV empfiehlt in einem Informationsschreiben Senioren, Schwangeren, immungeschwächten Personen und Kindern, auf den Konsum von rohen Fleischerzeugnissen zu verzichten. Die Lebensmittelproduzenten werden mit dem Schreiben aufgefordert, Massnahmen zur Risikominimierung zu treffen.
Produzenten in der Verantwortung
Das Risiko könne durch die Erhitzung der Erzeugnisse und die Auswahl und Prüfung des Rohmaterials verkleinert werden, schreibt das BLV. Denkbar wäre auch, auf Erzeugnisse mit roher Schweineleber zu verzichten.
Die kantonalen Behörden prüfen, ob die Betriebe bei der Selbstkontrolle Hepatitis E berücksichtigen, wie es im Informationsschreiben vom Mai weiter heisst. Es liegt in der Verantwortung der Produzenten, nur gesundheitlich unbedenkliche Produkte auf den Markt zu bringen.
Häufig Symptome
Hepatitis E ist eine infektiöse Leberentzündung. Das Virus wird in Ländern mit geringem Hygienestandard in verunreinigtem Trinkwasser oder Lebensmittel gefunden, aber auch in Schweinen Mitteleuropas. Die meisten Infektionen bleiben unbemerkt und verlaufen ohne klinische Symptome.
Infektionen mit Symptomen beginnen nach einer Inkubationszeit von zwei bis sechs Wochen oft mit Fieber, bevor Symptome wie Oberbauchschmerzen oder Durchfall auftreten. Häufig verliefen die Infektionen ohne Gelbsucht, schreibt der Bundesrat.
Auch neurologische Erkrankungen
In den meisten Fällen kommt es nach Tagen oder Wochen zur Genesung. Schwere Verläufe wie Leberversagen können bei Schwangeren und bei Personen mit Vorschädigungen der Leber auftreten.
Im Tessin wurde laut dem Bundesrat eine Häufung von neurologischen Erkrankungen beobachtet, die mit dem Virus in Zusammenhang gebracht werden – unter anderem Nervenentzündungen der oberen Extremitäten. Die Ursache und Bedeutung wird noch abgeklärt.
Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit werde das Risiko für die Gesamtbevölkerung zurzeit als eher gering eingeschätzt, da Hepatitis E-Infektionen seit Jahrzehnten als harmlose Erkrankung bekannt seien, hält der Bundesrat fest. Unbestritten sei aber, dass Bedarf nach einer solideren Datengrundlage bestehe. Gemäss dem Informationsschreiben prüft das Bundesamt für Gesundheit die Einführung einer Meldepflicht.
Impfungen nicht zugelassen
Cassis erkundigte sich in seiner Interpellation auch nach Impfungen. In China existiere ein offenbar wirksamer und sicherer Impfstoff, stellte er fest. Dazu schreibt der Bundesrat, der Impfstoff sei in der Schweiz nicht zugelassen. Eine routinemässige Impfung werde von der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht empfohlen, da noch zu viele Fragen bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit offen seien.
Die WHO schätzt, dass sich weltweit jährlich ungefähr 20 Millionen Menschen neu mit Hepatitis E infizieren. Ungefähr 57’000 Menschen sterben demnach jedes Jahr an der Krankheit.
(SDA)