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Jacobo, der als Kind aus Polen flüchtete und sich in Uruguay eine neue Existenz aufbaute, hat eine Identitätskrise. Da erwähnt seine Grosstochter, dass am Strand ein Deutscher, den alle «el Nazi» nennen, eine kleine Bar betreibt…
Jacobo, genannt Yankele, hat den Grossteil seines Lebens hinter sich. Doch er macht sich Gedanken: was hat er denn in seinem Leben erreicht, verglichen mit Winston Churchill etwa oder Moses? Als seine Grosstochter Lottie von einem alten Deutschen erzählt, der eine Strandbar betreibt, wird er hellhörig: ist der alte Mann etwa wirklich ein Nazi? Da Jacobo selber nicht mehr Auto fahren darf, wird Wilson engagiert, ein alter Bekannter der Familie, Sohn eines ehemaligen Angestellten. Er wird so zu seinem Komplizen auf der Nazijagd…
Álvaro Brechners Literaturverfilmung ist eine seltsame, aber durchaus spannende Mischung aus Komödie und Drama. Die Opening Credits sind dabei mit Serge Gainsbourgs «SS in Uruguay» unterlegt, und dieser lustige, aber natürlich auch traurige Song passt wohl wirklich zu diesem aussergewöhnlichen Film. Interessant dabei, dass ein frankophoner Song so in den Film einstimmt, in einen spanischsprachigen Film notabene, in dem (mal abgesehen von etwas Jiddisch im Flashback) andere Sprachen kaum zum Zug kommen, der aber doch einen englischen Titel – «Mr. Kaplan», also «Mister Kaplan» – hat. Eine Anspielung an den französischen Film «Monsieur Klein», der meist «Mr. Klein» (und nicht etwa «M. Klein», wie im französischen üblich) geschrieben wird, ist wohl auszuschliessen – andererseits geht es in Joseph Loseys 1976er Meisterwerk auch um Identität. Der Elsässer Klein wird für einen Juden gehalten und kann das Stigma nicht mehr abschütteln – oder ist es nicht eher so, dass er selber seiner Identität nicht mehr sicher ist? Aber ganz so dramatisch und lebensbedrohend wie in Loseys Film wird es natürlich für Jacobo und die anderen Beteiligten hier wohl nie: schliesslich spielt der Film in einer glücklicherweise zumindest in der Region, in der der Film spielt, friedlicheren Zeit.
Auch wenn Jacobo keine grossartigen Werke erschaffen hat, kann er sich eigentlich zurücklehnen und seinen Lebensabend geniessen. Aber vielleicht ist es ja gerade die Pensionierung, die Jacobo zu schaffen macht. Zum Glück ist der Kampf gegen den Horror vacui am Schluss dann aber doch nur halb so schlimm – aber mehr sei hier nicht verraten. Wie «À la vie» werden hier schwierige Themen angesprochen, aber schlaflose Nächte dürfte der Film auch zartbesaiteten Gemütern nicht bereiten. Wie «À la vie» ist Brechners Streifen sicherlich auch kein grosses Meisterwerk, aber ein netter filmischer Snack für Zwischendurch. Ein Snack notabene, der es in sich hat.
«Mr. Kaplan». Spanien/Uruguay/Deutschland 2014. Regie: Álvaro Brechner. Mit Héctor Noguera, Néstor Guzzini, Nidia Telles, Gustavo Saffores, Nuria Fló, Rolf Becker u.a. Deutschschweizer Filmstart am 20. August 2015.
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