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Agroscope hat Risikoindikatoren für Pflanzenschutzmittel entwickelt. Die Indikatoren zeigen den Risikoverlauf für wichtige Umweltkompartimente, beschreiben das Risikopotential der Wirkstoffe und berücksichtigen rechtliche Massnahmen zur Risikominderung.
Um den potentiellen Umweltauswirkungen des chemischen Pflanzenschutzes entgegenzuwirken, verabschiedete das Parlament 2021 das «Bundesgesetz über die Verminderung der Risiken durch den Einsatz von Pestiziden», welches am 1.1.2023 in Kraft trat. Agroscope hat drei Risikoindikatoren entwickelt, die basierend auf den Verkaufsmengen von Pflanzenschutzmitteln (PSM) den zeitlichen Verlauf des potentiellen Risikos für Organismen der Oberflächengewässer und naturnahen Lebensräume sowie die Belastung des Grundwassers abbilden können (Abb.1).
Dieser Bericht erläutert, wie die Indikatorwerte berechnet wurden, wie Massnahmen zur Reduktion von PSM-Einträgen in Oberflächengewässer berücksichtigt wurden und welchen Einfluss einzelne Parameter sowie Risikominderungsmassnahmen auf die Indikatorwerte haben. Zusätzlich wurden die Ergebnisse der Indikatorberechnungen mit Daten aus nationalen Messprogrammen verglichen.
Gesamtrisikopotential durch PSM-Metaboliten für das Grundwasser seit 2012 rückläufig
Die Gesamtrisikopotentiale für «Oberflächengewässer» werden durch Insektizide aus den Gruppen der Pyrethroide und Organophosphate bestimmt und zeigen im Untersuchungszeitraum 2012-2021 eine leicht abnehmende Tendenz, welche auf Risikominderungsmassnahmen, insbesondere den Bau von gewässerschutzkonformen Waschplätzen, sowie Massnahmen gegen Abschwemmung und Drift zurückzuführen ist. Zum Gesamtrisikopotential für «Naturnahe Lebensräume» tragen ebenfalls vorwiegend einige wenige Pyrethroide und Organophosphate sowie einige Herbizide bei. Der zeitliche Verlauf des Indikators lässt für den Untersuchungszeitraum keinen Trend erkennen. Zum Gesamtrisikopotential des Grundwassers tragen die Metaboliten von einigen wenigen Herbiziden und Fungiziden bei. Der zeitliche Verlauf des Risikoindikators «Grundwasser» zeigt, dass das Ziel einer Reduktion des Gesamtrisikopotentials um 50 % im Vergleich zu 2012-2015 bereits erreicht ist.
Weiterführende Analysen bestätigen grossen Einfluss bestimmter Wirkstoffe auf die Gesamtrisikopotentiale der Indikatoren
Um die berechneten Indikatoren zu plausibilisieren und deren Robustheit zu prüfen, wurde der Einfluss verschiedener Annahmen und der Auswahl der Parameter auf die Indikatorwerte, und auf deren relativen zeitlichen Verlauf getestet. Es zeigte sich, dass die Verwendung von zusätzlichen ökotoxikologischen Daten oder anderen ökotoxikologischen Kennzahlen keinen wesentlichen Einfluss auf den zeitlichen Verlauf der Gesamtrisikopotentiale für die Risikoindikatoren «Oberflächengewässer» und «Naturnahe Lebensräume» hat. Auch die Variation verschiedener Parameter, die in die Wirksamkeit von Risikominderungs-massnahmen einfliessen (Risikoindikator «Oberflächengewässer»), oder das Weglassen von Metaboliten, für die keine experimentell ermittelten Stoffeigenschaften, sondern nur Standardwerte vorlagen (Indikator «Grundwasser»), hatten keinen nennenswerten Einfluss auf den zeitlichen Verlauf der entsprechenden Risikoindikatoren.
Monitoring-Daten zeigen eine gute Übereinstimmung mit den berechneten Indikatorwerten
Weil die Ergebnisse der Überwachung von PSM-Konzentrationen in der Umwelt die tatsächlichen Konzentrationen an ausgewählten Standorten und zu bestimmten Zeitpunkten wiedergeben, ist ein direkter Vergleich zwischen Indikatorwerten und Monitoring-Daten nicht möglich. Aber auch Auswertungen von PSM-Wirkstoff-Messungen aus der «Nationalen Beobachtung Oberflächengewässer» (NAWA) zeigen verschiedentlich, dass Insektizide aus der Gruppe der Pyrethroide und Organophosphate wesentlich zum Gesamtrisikos in den untersuchten Gewässern beitragen. Monitoring-Daten aus dem Messprogramm der «Nationalen Beobachtung Grundwasser» (NAQUA) zeigen zudem eine gute Übereinstimmung mit den Indikatorwerten des Risikoindikators «Grundwasser», da häufig detektierte Metaboliten auch im Risikoindikator bezüglich ihres Risikopotentials hoch eingestuft sind. Weil die Erneuerung des Grundwassers oft Jahre bis Jahrzehnte dauert, wird sich die prognostizierte Abnahme im Indikator aber erst verzögert in den gemessenen Konzentrationen zeigen.
Fazit
- Mit den Risikoindikatoren lassen sich zeitliche Veränderungen der Gesamtrisikopotentiale für «Oberflächengewässer», «Naturnahe Lebensräume» und «Grundwasser» basierend auf den verkauften PSM für die gesamte Schweiz und pro Jahr aufzeigen.
- Die Risikoindikatoren sind ein Mass für das Gesamtrisikopotential auf Grundlage aller verkauften PSM-Wirkstoffe auf nationaler Ebene und pro Jahr.
- Die Risikoindikatoren geben Auskunft darüber, welche Wirkstoffe am meisten zum Gesamtrisikopotential beitragen. Rechtliche Massnahmen werden ebenfalls berücksichtigt, so dass die Wirkung neuer Risikominderungsmassnahmen abgebildet werden kann.
- Sie sind damit ein wichtiges Instrument für die Überwachung der Erreichung des gesetzlich vorgegebenen Risikoreduktionsziels.