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Thymian wächst ursprünglich in den Bergen im Süden Europas. Wer schon einmal in der Gegend rund um das Mittelmeer war, konnte mit eigenen Augen sehen, wie Thymian dort selbst zwischen Pflastersteinen wachsen kann! Der Thymus vulgaris ist die kultivierte Form des Thymus serpyllum (wilder Thymian). Der Ursprung des Namens ist unklar. Es gibt Autoren, die glauben das Wort "Thymus" ist vom griechischen Wort "thumon" abgeleitet. Thumon war in früheren Zeiten ein Gewürz, dass bei Opferfesten als eine Art "Reinigungsmittel" gebraucht wurde anstelle von Weihrauch. Andere Autoren glauben, dass sich der Name auf das schlangenartige Wachstum der Pflanze bezieht: Thymian ist eine kriechende, mehrjährige Pflanze mit dünnen, harten Stielen und kleinen Blättern. Thymian gehört wahrscheinlich zu einer der ältesten, meist verwendeten, meist geschätzten und beliebtesten Heilpflanzen in Europa. Verwendet als unverzichtbares Küchenkraut zum Beispiel in einem "Bouquet garni", geschätzt für seine heilenden Eigenschaften und beliebt wegen seines besonders aromatischen Geruchs. Auch heute wird Thymian noch sehr oft verwendet, vor allem in der Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie. Gerade das ätherische Öl, das starke antibakterielle und fungizide Eigenschaften besitzt, ist besonders beliebt.
Volksmedizin
Im antiken Rom war der Thymianhonig bereits als der beste Honig von Athen bekannt. Die Römer verbrannten regelmässig getrockneten Thymian, weil sie dachten, dass der Rauch von Thymian Skorpione fernhält. Plinius riet, Thymian als Gegengift bei Schlangenbissen und "Gift von Meerestieren" zu verwenden. Gemäss Plinius brachte Thymian Linderung bei Kopfschmerzen. In seinen Büchern (77 n. Chr.) schrieb er: "Bei Kopfschmerzen, einen Aufguss in Essig auf den Schläfen verteilen." Die verbrannten Blätter wurden auch als Insektizid eingesetzt. Schon die Ägypter kannten die antiseptischen und konservierenden Eigenschaften von Thymian, sie verwendeten Thymianöl bei der Einbalsamierung. Unterschiedliche Quellen deuten darauf hin, dass Thymian bei Menstruationsstörungen wegen der krampflösenden und adstringierenden Wirkung empfohlen wurde. Durch alle Jahrhunderte hindurch wurde Thymian am meisten eingesetzt bei Husten, Entzündungen der Atemwege und Beschwerden des Verdauungstraktes. Im 18. Jahrhundert isolierten Wissenschaftler den Wirkstoff Thymol. Sie entdeckten, dass Thymol starke antiseptische Eigenschaften besitzt.
Wirkstoffe
Ätherische Öle (> 1,2%) mit den Hauptbestandteilen Phenole als Thymol (30-70%), Carvacrol (2,5-15%), p-Cymol und Terpinen; den Nebenbestandteilen Thymolmethylester, alpha-Pinen, Borneol, Bornylacetat, Linalool, Cineol, Geraniol, Geranylacetat, Citral, Limonen, p-Cymol, beta-Pinen, Camphen und Caryophillen; Flavonglycoside und Flavone wie Thymonin, Cirsilineol, 8-Methoxycirsilineol, Luteolin, Luteolin-7-Glucosid, Luteolin-7-Diglucosid; Tannine, Triterpene als Kaffeesäure, Rosmarinsäure, Ursolsäure und Oleanolsäure; Saponine (mit antibiotischen Eigenschaften); n-Triacontan.
Hinweis: Deutscher Thymian enthält durchschnittlich 2.16% Thymianöl und französischer 3.6%. Die niederländische Pharmakopöe schreibt einen Mindestgehalt von 8% ätherischen Öls vor.
Wirkungsmechanismus
Studien haben eindeutig gezeigt, dass Thymian blähungswidrige, spasmolytische, antitussive, expektorierende, sekretomotorische, antibakterielle, anthelminthische, fungizide, antiseptische und adstringierende Eigenschaften besitzt. Diese Studien unterstützen weitgehend die traditionellen volksmedizinischen Anwendungen bei Dyspepsie, chronischer Gastritis, Asthma, Durchfall, Enuresis nocturna, Kehlkopfentzündung und Mandelentzündung (als Gurgelwasser) und vor allem bei Husten und Bronchitis.
Laut Van Hellemont wird das Thymianöl teilweise durch die Lungen ausgeschieden. Er stellt fest, dass Thymian ein Expektorans, Sekretomotorikum und schwaches Spasmolytikum ist und sieht Thymol als Hauptbestandteil des ätherischen Öls mit den Eigenschaften:
- Bakteriostatische und fungizide Eigenschaften;
- Vermizide Eigenschaften (bei niedriger Konzentration: Stimulation der Wurmmuskulatur, bei hoher Konzentrationen: Lähmung der Wurmmuskulatur);
- Hautantiseptische Eigenschaften: eine 1:3000 hydrophile Thymianlösung würde das Bakterienwachstum in eiternden Wunden hemmen. Thymol ist weniger hydrophil als Phenol oder Kresol und damit ein besseres und sichereres Antiseptikum. Thymol würde die Schleimhäute auch weniger reizen als Phenol.
Darüber hinaus nennt Van Hellemont als Eigenschaften:
- Expektorans
- Secretolytikum
- Antitussivum
- Spasmolytikum
- Schwaches Diuretikum
- Carminativum
- Choleretikum
- Antiseptikum
- Tonikum
- Afrodisium
- Diaphoretikum
- Anti-Durchfall-Mittel für Kinder
Studien an Tieren haben - nach dem ESCOP - gezeigt, dass die Flavonoide Thymonin, Cirsilineol und 8-Methoxycirsilineol zur bronchialen spasmolytischen Aktivität beitragen. Es ist bewiesen, dass die ätherischen Öle besonders starke antibakterielle und fungizige Eigenschaften besitzen. Diese Öle wurden auf verschiedene grampositive und gramnegative Bakterien, Pilze und Hefen, wie Candida albicans getestet. Man schreibt diese Eigenschaften vor allem Thymol und Carvacrol zu. Rosmarinsäure wirkt entzündungs- und ödemhemmend. Tierversuche haben gezeigt, dass neben Thymol und Carvacrol auch Flavonoide antitussive, spasmolytische und expektorierende Eigenschaften besitzen. Tierstudien wiesen auf blutdrucksenkende und analgetische Wirkungen hin. In Studien am Menschen verwendeten Experten Thymianöl in der Behandlung von Enuresis nocturna bei Kindern.
Die Monographie der ESCOP über Thymus vulgaris beschreibt die Indikation Katarrh der oberen Atemwege, Bronchialkatarrh, Husten, Stomatitis und Foetor ex ore (Halitosis).
Thymianöl ist toxisch und sollte mit Vorsicht verwendet werden. Von der Einnahme von Thymianöl wird dringend abgeraten. Nur sehr geringe Mengen von Thymianöl mit einem geeigneten "Träger" (Öl, Emulgator) können äusserlich aufgetragen werden. Von der Aufnahme während der Schwangerschaft oder Stillzeit wird dringend abgeraten, da Thymian den Menstruationszyklus beeinflusst und als Abortivum bekannt ist. Allerdings kann man Thymian in geringen Mengen als Küchenkraut verwenden. Die Anwendung als Vermicid ist veraltet. Obwohl Thymian ein echtes "Kindermittel" ist, können natürlich auch Erwachsene von der vielseitigen Wirkung profitieren!
Thymianöl reizt die Haut und die Schleimhäute und in hohen Dosen gibt es eine intensive Reizung des Magens und Darms. In sehr hohen Dosen drückt es sogar auf das zentrale Nervensystem. Als toxische Symptome von Thymol sind Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Krämpfe, Koma, Herz-und Atemstillstand beschrieben. Thymolvergiftung (6 Gramm oder mehr) verursacht Leberschäden und Stoffwechselstörungen wie Albuminurie und Hämoglobinurie. Anämische Patienten oder geschwächte Personen sind besonders anfällig für Überdosierungen. Thymol wird manchmal der Zahnpasta hinzugefügt und kann deshalb Cheilitis (Entzündung der Lippen) und Glossitis verursachen. Bei längerer Anwendung von thymolhaltigen Produkten (z. B. Thymol Mundspülungen) kann Thyreotoxikose entstehen. Die Literatur erwähnt Hyperämie und schwere Hautentzündungen als Folge von thymianölhaltigen Badezusätzen.