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Wenn etwas so richtig deftig schiefgeht, darf man nicht zimperlich sein. Etwa, wenn ein Grossbrand tobt, der mit konventionellen Mitteln nicht zu löschen ist. Genau das geschah einst im Ural – und die Russen hatten eine zündende Idee: Sie schraubten das Strahltriebwerk eines Kampfjets auf das Fahrgestell eines Panzers – und bliesen das Feuer mit enorm viel Wasser und noch mehr Winddruck einfach aus. Der «Turbolöscher» war erfunden!
Einer der ersten Turbolöscher ausserhalb Russlands entstand 1980 am Institut der Feuerwehr in Heyrothsberge – auf Basis eines ADK-70-Allrad-Lkw mit sowjetischem Klimow-WK-1-Turbojet-Triebwerk. Zwei dieser Löschfahrzeuge wurden 1982 durch die Abteilung Betriebsbauten des Gaskombinats «Schwarze Pumpe» in Betrieb gestellt. Eines davon, mittlerweile auf ein MAN-LKW-Fahrgestell mit geschlossener Kabine umgepflanzt, steht bis heute bei der Werkfeuerwehr des Braunkohle-Kraftwerks «Schwarze Pumpe»
im Einsatz – und leistet auch bei Waldbränden wertvolle Dienste.
Zehn Jahre nach den DDR-Ingenieuren, 1990, stellten ungarische Entwickler das Aerosollöschfahrzeug (ALF) «Big Wind» auf die Räder – sorry – Ketten: ein ferngesteuertes Monster auf Basis eines T-34-Panzers, garniert mit gleich zwei MIG-21-Triebwerken und sechs Wasserdüsen, die bis zu 830 Liter Wasser pro Sekunde speien können. Genug Lösch-Power, um zahlreiche der knapp 1’000 während des Irakkriegs (1990 und 1991) in Kuwait mutwillig entzündeten Ölquellen zu löschen! Mit diesem Erfolg läutete «Big Wind» den weltweiten Siegeszug der Turbolöscher ein.
Ein Erfolg, der die Russen ärgerte – und die Deutschen. Letztere liessen nämlich von Mai 1991 bis Juli 1993 durch die Erdöl-Erdgas Gommern in Neubrandenburg das Abgaslöschfahrzeug «Hurricane» mit MIG-21MF-Triebwerk und T-55A-Panzerfahrgestell aufbauen. Dessen Entwicklung, in die das Bundesministerium für Bildung und Forschung 750’000 Euro Fördergelder pumpte, dauerte aber viel zu lange – und so blieb das heute im Deutschen Feuerwehrmuseum Fulda ausgestellte ALF ein sündteures Experiment.
Die Russen indes entwickelten ihre Turbolöscher kontinuierlich weiter. Der Hersteller Pozhtechnika stellte auf der Interschutz 2010 das MRU GVT-150 auf Kettenbagger-Basis mit Mono-Strahltriebwerk vor. Dieses kann aus der Fahrerkabine heraus oder via Fernsteuerung gesteuert werden. Nochmals deutlich grösser ist der von Omsktransmash entwickelte T-80-Feuerwehr-Panzer. Dieser wiegt 60 Tonnen, verfügt über einen 25’000-Liter-Löschwassertank und Hochleistungsdüsen mit bis zu 100 Meter Reichweite und steht seit 2016 in kleiner Stückzahl im Dienst der russischen Armee – überall dort, wo mit erhöhter Explosionsgefahr zu rechnen ist. Laut Hersteller kann den drei Besatzungsmitgliedern des vermutlich sichersten Feuerwehrfahrzeugs der Welt selbst ein in nur fünf Meter Entfernung detonierender 152-mm-Sprengkopf nichts anhaben.
Auch die Deutschen gaben nicht klein bei – und bauen heute die besten Lkw-gestützten ALF. Diese leisten gute Dienste bei der Brandbekämpfung in der chemischen Industrie, bei der Kühlung und Abriegelung von Produktionsanlagen, beim Niederschlagen von Gasen und im Fall grösserer Vegetationsbrände – und stehen daher vor allem bei Werkfeuerwehren (WF) hoch im Kurs. So nutzt die WF von BASF in Ludwigshafen gleich zwei mit Alphajet-Triebwerken arbeitende Turbolöscher – einen mit und einen ohne 180-Grad-Drehkranz. Konstruiert wurden die Fahrzeuge, deren Wasserdüsen bis zu 6’000 respektive 8’000 Liter pro Minute speien, von der Firma Zikun, die ähnliche ALF auch für die WF von Bayer, BASF Antwerpen und Wacker Chemie (Burghausen, Nünchritz und Charlestone/Tennessee USA) lieferte.
Etwas anders konstruiert ist das ALF der WF des Chemieunternehmens Evonik am Standort Worms. Dieses arbeitet mit der «Turbo Hydro Jet»-Box von Dicosy, die auf der Interschutz 2015 erstmals gezeigt wurde. Am Standort Rheinfelden unweit von Basel setzt Evonik indes wie andere Werkfeuerwehren auch auf einen Turbolöscher von Zikun.
Ähnlich wie die grossen Panzerlöscher funktionieren fernsteuerbare ALF-Roboter wie das Löschunterstützungsfahrzeug (LUF) 60 des österreichischen Herstellers Rechner. Dieses fährt auf Raupen, zerstäubt pro Minute maximal 3’000 Liter Wasser oder Schaum und wirft das Gemisch bis zu 90 respektive 35 bis 70 Meter weit (je nach Schaumart). Genutzt wird das Kompakt-ALF von Werkfeuerwehren ebenso wie von öffentlichen Feuerwehren wie etwa der Stützpunktfeuerwehr Küssnacht SZ.
Das deutsche Pendant zum LUF 60 ist der AirCore, den Herstellerin Magirus als «Mehrzweckwaffe für Feuerwehren» anpreist und in Kooperation mit der auf Schneekanonen spezialisierten TechnoAlpin-Gruppe entwickelt hat. Das auf einer 360 Grad dreh- und von –20 bis +50 Grad schwenkbaren Hochleistungsturbine basierende Löschgerät ist in diversen Varianten erhältlich: Als Modell mit Lieferwagen-Fahrgestell (z. B. Iveco Daily), als Modell «AirCore TAF35» mit Raupenfahrwerk und Räumschild und – für Bahn-Feuerwehren – mit Schienenfahreinrichtung.
Speziell für die Bekämpfung von Vegetationsbränden entwickelt wurde der im September 2020 präsentierte Magirus FireBull. Er basiert auf dem PowerBully-Fahrgestell der Kässbohrer Geländefahrzeug AG, ist 310 PS stark, bietet 1,40 Meter Wattiefe, 60 Prozent Steig- und 40 Grad Neigefähigkeit, einen 10’000-Liter-Wassertank sowie eine Löschturbine. Besonders faszinierend an diesem ALF ist die Tatsache, dass es trotz 30 Tonnen maximalem Gesamtgewicht nur 300 g/cm2 Bodendruck erzeugt – und so selbst in Mooren nicht absackt.
Im Vergleich zum FireBull winzig sind Kleinst-ALF wie der LUF Micro. Dieser ist nur 1,25 Meter lang, 550 Kilogramm leicht, rollt auf Rädern und findet in einem grösseren TLF locker einen Stellplatz. Dennoch kann er 2’000 Liter/Minute mit 16 bar Druck vernebeln und seine Düsen schaffen immerhin 20 Liter/Minute. Etwa dieselben Leistungsdaten hat die Löschkanone des von Alpha Robotics Germany entwickelten «Alpha Wolf R1». Dieser verfügt über einen umweltfreundlichen Elektroantrieb, ist mit bis zu 15 km/h vergleichsweise pfeilschnell und so etwas wie das Schweizer Sackmesser unter den Micro-LUF. Denn neben der Löschkanone kann das 1,67 Meter lange, 1,23 Meter breite, 850 Kilogramm schwere und mit sieben Kameras (4 davon IR-fähig) sowie zwölf Hochleistungs-LED-Scheinwerfern bestückte Vehikel auch mit Seilwinde, Krallenstützen, Raman-Spektrometer und Roboterarm bestückt werden.
Vor rund drei Jahren, am 1. Januar 2018, wurde mit dem Programm «DaziT» die digitale Transformation der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) lanciert. Seither finden bei der EZV tiefschürfende Veränderungen statt – auf zwei Ebenen. Einerseits wird die IT-Umgebung modernisiert, um die Prozesse mittels Digitalisierung zu vereinfachen, zu vereinheitlichen und durchgängiger zu gestalten. Andererseits fokussiert die EZV auf die eigene Weiterentwicklung als Organisation – zum Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG).
Diese zweite Ebene umfasst sieben Themenbereiche: «Organisation», «kulturelle Transformation», «einheitliches Erscheinungsbild», «neue Immobilienstrategie», «Modernisierung der Einsatzmittel», «Totalrevision des Zollgesetzes» und «neues Berufsbild». Bei letzterem geht es um nicht weniger als die Verschmelzung der Berufe «Zollfachmann/-frau» und «Grenzwächter/-in» im neuen Berufsbild «Fachspezialist/-in Zoll und Grenzsicherheit». Diese Fusion wurde nötig, weil im Rahmen von DaziT die operativen Bereiche von Zoll und Grenzwachtkorps im neuen Direktionsbereich Operationen zusammengelegt wurden. Durch diese organisatorische Vereinheitlichung in Kombination mit breiter ausgebildeten Fachkräften, die 360-Grad-Kontrollen von Personen, Waren und Transportmitteln gemeinsam und nicht nach Fachrichtung getrennt erledigen, will das künftige BAZG als Gesamtorganisation rascher auf Lageveränderungen reagieren und Personalressourcen effizienter einsetzen können.
Natürlich bedingt die Fusion der bisherigen Berufsbilder eine Neuausrichtung der Ausbildung. Die konzeptionellen Arbeiten dafür sind abgeschlossen – und im August 2021 soll der erste und bereits voll besetzte Lehrgang «Fachspezialist/-in Zoll und Grenzsicherheit» starten. Ab 2022 folgen gezielte Weiterbildungsmassnahmen für das bestehende Personal.
Die Berufsausbildung «Fachspezialist/-in Zoll und Grenzsicherheit» dauert zwei Jahre, ist breit gefasst und in zwei Phasen gegliedert: In der Basisausbildung eignen sich die künftigen BAZG-Einsatzkräfte das grundlegend Nötige für effiziente Waren-, Personen- und Transportmittelkontrollen an. In der zweiten Phase erfolgt die vertiefende Spezialisierung auf eine der drei Fachrichtungen.
Wie bei den Prozessen setzt die EZV auch bei der neuen Ausbildung auf moderne, digital unterstützte Lehr- und Lernmethoden. Neben Theorie- und Praxisschulungen im Klassenverband sowie Lerneinheiten in den regionalen Ausbildungsteams kommen Selbststudium-Einheiten und E-Learning-Tools zum Einsatz. Und natürlich erlernen die Aspirant/-innen auch die Anwendung der im Rahmen von DaziT neu entwickelten Apps und digitalen Hilfsmittel.
Im Zentrum des Ausbildungskonzeptes steht die Vermittlung effektiver beruflicher Kompetenzen. Zu diesem Zweck werden – analog zur reorganisierten Ausbildung der Polizeikräfte (siehe Blaulicht 03/2020) – typische Arbeitssituationen, etwa die Prüfung von Waren im Reiseverkehr, handlungsbezogen erfasst und in Lerninhalte überführt. Insgesamt werden in der Basisausbildung 70 solche Handlungskompetenzen vermittelt – theoretisch und vor allem praktisch, damit sich die Auszubildenden zu fähigen Berufspersonen entwickeln, die über effektives Können und vielfältige Einsatzkompetenzen verfügen. Da hierfür ein möglichst unmittelbarer Praxistransfer eminent wichtig ist, wechseln sich mehrwöchige Unterrichtsblöcke am Campus EZV in Liestal oder Interlaken mit vier bis fünf Wochen langen Praxiseinheiten in regionalen Ausbildungsteams ab. Dort werden die Aspirant/-innen von praxis- und einsatzerfahrenen Berufsbildner/-innen betreut und begleitet – und wenden das blockweise im Klassenverband vermittelte Fachwissen im Einsatz an. Selbstständige Lernerfolgskontrollen und Debriefings mit den Berufsbildner/-innen stellen sicher, dass die Auszubildenden ihre Fähigkeiten reflektieren und gezielt verbessern, erweitern und festigen können.
Im Rahmen der Basisausbildung werden Kenntnisse und Fähigkeiten aus neun Themenkreisen vermittelt: «Organisationsgrundlagen», «Gesundheit», «Sozial- und Selbstkompetenz», «Recht», «Prozesse und Verfahren», «Zollabgaben», «Risikoanalyse», «Kriminalistik» sowie «Sicherheit im Einsatz und Intervention». Die Basisausbildung dauert 64 Wochen und ist in vier Niveaustufen zu je 16 Wochen gegliedert. Diese werden nacheinander absolviert und abgeschlossen. Niveau 1 «Erkennen und sich sicher verhalten» fokussiert auf Grundlagen der Kontrolle und Sicherheit. Niveau 2 widmet sich der «360-Grad-Kontrolle», Niveau 3 dem «Ergreifen erster Massnahmen» und in Niveau 4 steht das «Erledigen häufiger Fälle» im Zentrum. Nach erfolgreichem Durchlaufen aller vier Ausbildungsabschnitte werden die neuen Einsatzkräfte vereidigt – und erhalten das erste Zertifikat.
Im Anschluss an die Basisausbildung spezialisieren sich die zur Einsatzreife gelangten Anwärter/-innen auf eine der drei Fachrichtungen «Waren-», «Personen-» oder «Transportmittelkontrolle». Diese zweite Ausbildungsphase ist modular konzipiert. Pro Fachrichtung müssen zwei Module absolviert werden. Am Ende der Spezialisierungsphase, in der je nach Fachrichtung sechs bis zwölf zusätzliche Kompetenzen vermittelt werden, steht die Berufsprüfung zur Erlangung des Eidgenössischen Fachausweises «Fachspezialist/-in Zoll und Grenzsicherheit».
Im Anschluss an die zweijährige Berufsausbildung stehen den Absolvent/-innen diverse Weiterbildungen offen. Beispielsweise als Diensthundeführer/-in, Air-Marshal, Unternehmensprüfer/-in, Ausbildner/-in im Campus EZV, Berufsbildner/-in, Dokumentenberater/-in, Ermittler/-in bei der Strafverfolgung und beim mobilen Einsatzkommando oder als Spezialist/-in für Fahrzeugbeschau, Helikoptereinsätze und biometrische Daten.
Erinnern Sie sich? In den vergangenen Monaten wurden, bedingt durch aufgrund der Corona-Pandemie auftretende Lieferschwierigkeiten in allen erdenklichen Branchen, vermehrt Stimmen laut, die fordern, die Schweiz solle künftig mehr auf Unabhängigkeit vom Ausland achten und essenzielle Technologien und Produkte im nationalen Rahmen entwickeln und herstellen. In Frankreich zeigte sich unlängst bei einer Ausschreibung des französischen Innenministeriums, wie das funktionieren kann: Dort nämlich wurde entschieden, dass mit Crosscall und Orange Business Services zwei inländische Anbieter die Versorgung der Einsatzkräfte der Gendarmerie und der Police nationale für die kommenden vier Jahre übernehmen. Bisher vertrauten diese auf Geräte des japanischen Herstellers Sony.
Ab November 2021 bis ins Jahr 2024 wird Crosscall, Spezialistin für widerstandsfähige Smartphones und Tablets, mehr als 220’000 mit entsprechenden Anwendungen vernetzte Endgeräte liefern. Orange Business Services ist dabei für die gesicherte, schnelle und qualitativ hochwertige Netzverbindung der Geräte zuständig.
Laut Crosscall haben insbesondere «die Kompatibilität mit den Standards des privaten Mobilfunks respektive der öffentlichen Sicherheit sowie die Robustheit, Langlebigkeit und lange Durchhaltedauer der Endgeräte» den Ausschlag gegeben – neben der Erfüllung der anspruchsvollen Nutzungsbedingungen, welche die französischen Polizeien im Vorfeld so detailliert formuliert hatten, dass die Ausschreibung rund 500 Seiten umfasste.
Konkret erhalten die französischen Einsatzkräfte für die speziellen Anforderungen der Sicherheitskräfte rund 200’000 optimierte Smartphones des Typs CORE-X4 Neo und etwa 20’000 Tablets des Typs Core-T4 NEO von Crosscall. Alle Endgeräte sind mit spezifischen Orange-SIM-Karten bestückt und kompatibel mit der PC-STORM-Lösung. Damit wird sichergestellt, dass die Einsatzkräfte von Priorisierungs- und Pre-Emption-Mechanismen profitieren – zugunsten grösstmöglicher Kommunikationssicherheit und
-zuverlässigkeit auch bei sehr hoher Auslastung oder gar Überlastung der lokalen Mobilfunknetze.
Im mobilen Einsatz können die Polizistinnen und Polizisten mit den neuen Endgeräten in Echtzeit spezielle Push-to-X-Gruppenkommunikationslösungen für Sprache, Text, Fotos und Videos nutzen. Überdies haben sie Zugriff auf mehr als sechzig berufsspezifische Anwendungen und die mit diesen verknüpften Datenbanken – etwa zur Überprüfung der Echtheit und Gültigkeit von Führerausweisen. Darüber hinaus werden sie in der Lage sein, offizielle Berichte zu erstellen, und es wird eine neue Mobile-Office-Lösung getestet, die es den Anwenderinnen und Anwendern ermöglicht, die Mobilgeräte mit passivem Bildschirm zu nutzen – als Computer-Ersatz.
Die von Crosscall entwickelten Endgeräte sind ohne zusätzliche Schutzhülle gegen Stösse, Staub und Stürze nach MIL STD 810G gesichert, wasserdicht (IP68) und mit leistungsstarken Akkus bestückt. Die mit Gorilla-Glass geschützten Displays lassen sich auch bei Regen, unter Wasser und mit Handschuhen bedienen. Als Betriebssystem kommt eine «Google Android Open Source Project»-Lösung ohne Hersteller- oder Betreiber-Overlay zum Einsatz. Auf diesem «lupenreinen» Android-System installiert das französische Innenministerium sodann ein eigenes Sicherheits-Overlay. Dieses wurde vom Betreiber klassifizierter interministerieller Informationssysteme (OSIIC), einer Einheit des Generalsekretariats für Landesverteidigung (SGDSN), entwickelt und dient der Verschlüsselung der gesamten Kommunikation sowie der Sicherung aller mobilen Anwendungen und sämtlicher gespeicherten Daten auf dem Endgerät.
Pfiffig ist die Crosscall-typische, magnetische X-Link-Schnittstelle auf der Geräterückseite. Dank ihr und entsprechenden Adaptern haftet das Gerät überall – im Büro, im Autocockpit, am Arm- oder Brustgurt oder auf einem Stativ. Zudem dient die X-Link-Schnittstelle für induktives Laden und für den schnellen Datentransfer.
Im Industriegebiet von Volketswil ZH, in einer rund 1’500 Quadratmeter grossen Halle, stehen Ambulanz- und Feuerwehrfahrzeuge in Reih und Glied – und an diesen kann man verfolgen, wie eine Rohkarosse in ein Einsatzfahrzeug für Blaulichtkräfte verwandelt wird. Die Arbeitsschritte sind so zahlreich wie komplex – und Firmengründer Raphael Londero wacht mit Argusaugen über jeden einzelnen.
Der 41-Jährige ist Perfektionist – und beschäftigt sich schon sein halbes Leben mit Einsatzfahrzeugen. Zuerst sass er als gelernter Rettungssanitäter HF selbst im RTW, später war er als Bereichsleiter beim Rettungsdienst Winterthur rund zehn Jahre in die Beschaffung entsprechender Fahrzeuge involviert. Seit 2013, als er von Willy Bertolaso die Schweizer Vertretung der System Strobel übernahm, ist Raphael Londero selbstständig – und stets auf dem Sprung nach vorne, wie er erklärt: «Zunächst war der Plan, als Handelsunternehmen zu agieren. Doch rasch wurde mir klar, dass bei den Systemen, mit denen ich handelte, teils enormes Optimierungspotenzial brachlag. Also beschloss ich, dieses auszuschöpfen, um sicherere, rundum durchdachtere Fahrzeuge anbieten zu können.»
Das beste Beispiel hierfür ist die firmeneigene Luftfederung: «Als ich dieses System vor rund zwei Jahren von einem deutschen Hersteller übernahm, war es kaum mehr als eine geniale Idee – konzeptionell wegweisend, aber nicht zu Ende gedacht», sagt Londero. «Der Drucklufttank war anfällig für Korrosion, die Programmierung zu komplex und die Anbindung ans Fahrzeug aufgrund der 24-Volt-Technik aufwendig und fehleranfällig.» Andererseits aber waren ausgewählte Kunden, denen Londero das System zu Testfahrten überliess, verblüfft von der Effizienz dieser Luftfederung. «Das einhellige Lob der potenziellen Kunden spornte mich an, dieses Luftfederungssystem vom Konzept zur Marktreife weiterzuentwickeln», sagt Londero.
Unterstützt von zwei Ingenieuren, externen Spezialisten und Beratern machte sich Londero ans Werk. Heute, knapp 18 Monate später, deutet er auf die Hinterachse eines im Bau befindlichen RTW und sagt: «Das ist die beste derzeit am Markt erhältliche Luftfederung für Einsatz- und Spezialfahrzeuge! Sie arbeitet progressiv, mit einzeln angesteuerten Luftbälgen und unter Berücksichtigung zahlreicher fahrphysikalisch relevanter Parameter wie Geschwindigkeit, Lenkwinkel oder Fahrzeugneigung, um nur einige zu nennen. Bei niedrigem Tempo, innerorts, wo die Strassen eher holprig sind, oder auf unbefestigtem Untergrund spricht die Federung besonders sanft an. Mit steigendem Tempo agiert sie zunehmend straffer, was Wankbewegungen des Aufbaus vermeidet. Dank Niveauausgleich meistert das Fahrzeug Kurven souverän, die Reifen erhitzen und verschleissen weniger – und Patienten liegen ruhiger und damit sicherer.»
Da die Luftfederung als Fahrwerkskomponente zahlreichen gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen genügen muss, erwarb Londero für diese das GRA-Zertifikat (GRA = genehmigungsrelevante Anforderungen) des Kraftfahrtbundesamtes KBA – als erster und bislang einziger Anbieter im BORS-Sektor in der Schweiz, wie er betont. Zudem habe das Luftfahrwerk auch bei den strengen, im Juni 2021 bei der FAKT Sennwald absolvierten Fahreignungstests absolut überzeugt, sagt Londero – und blickt den im Sommer 2021 anstehenden EMV- und EC-10-Prüfungen entsprechend zuversichtlich entgegen.
Damit die Luftfederung ihre Vorteile voll ausspielen kann, ist sie mit einer topmodernen Steuerung versehen. Bei deren Anbindung an die Fahrzeugelektronik ist Raphael Londero auf eine enge Kooperation mit den Fahrzeugherstellern angewiesen. «Mit Mercedes-Benz konnten wir eine Vereinbarung treffen, die uns direkten Zugriff auf die Programmierung eröffnet», sagt Londero. Das sei der Optimalfall – effektiv, schnell und nachhaltig. Bei anderen Herstellern gehe es aber auch – indem Londero deren Entwicklern die nötigen Software-Komponenten zur Verfügung stellt und dann eine entsprechend adaptierte Programmierung für das Fahrzeug «ab Entwicklungsabteilung» geliefert bekommt.
Mit der Entwicklung der Luftfederung ging bei der Londero GmbH ein massiver Stellenausbau einher. «2018 waren wir zwei Mann, heute sind es 15 meist hochspezialisierte Mitarbeitende sowie, ab August, vier Lehrlinge. Entsprechend absolvierten wir einen Quantensprung bei den Möglichkeiten und konnten bereits diverse Ideen und Lösungen mit hoher Qualität realisieren», sagt Londero – und führt uns zu einem im Bau befindlichen RTW für den Rettungsdienst Winterthur.
«Das hier», sagt Londero und deutet auf eine Konsole an der Decke im Patientenraum, «ist eine von uns konzipierte Klimatisierungseinheit, die den Patientenraum viel effizienter klimatisiert – nahezu ohne spürbare Luftströmung.» Dann zeigt er auf die Türgriffe, in denen LEDs leuchten: «Das ist unsere elektrische Zuziehhilfe, die wir für alle Arten von Türen anbieten.» Zudem verweist er auf die neuartige Zugangskontrolle, dank der das Fahrzeug mit dem Mitarbeiter-Badge ver- und entriegelt sowie gestartet werden kann. «Der Zugriff auf das Fahrzeug sowie auf alles, was sich hinter dessen Nebentüren, etwa im Medikamentenschrank, befindet, bleibt so exakt jenen Personen vorbehalten, die dazu berechtigt sind», erklärt Londero.
Weitere Besonderheiten sind das wasserdichte Aussenstaufach im Seitenschweller, elektrische Seitentritte und ein desinfizierbarer, rutschfester Innenboden. «Der wird gespritzt und ist in fast allen RAL-Farben erhältlich», sagt Londero – und deutet durch das Fenster des Patientenraums auf zwei grosse Displays in der Mitte des Armaturenträgers: «Eine weitere Spezialität von uns: Wir verlagern das Display des originalen Infotainment-Systems nach unten und bauen an seiner Stelle das Display für die Steuerung der Einsatzsysteme ein. So hat die Person, die das Fahrzeug steuert, alle relevanten Anzeigen stets optimal im Blick, was natürlich der Sicherheit zugutekommt.»
Es sind solche und viele weitere Details, die zeigen, wie gut Raphael Londero die Bedürfnisse der Einsatzkräfte versteht – und in Lösungen überführt. Die Zukunft wird zeigen, ob diese im Markt die Chance erhalten, die sie verdienen. Immerhin, das zeigt die Erfahrung, scheitern immer wieder wegweisende Neuerungen, weil sie durch das oft genug auf veraltetem Wissen basierende «Raster des Üblichen» fallen, das vielen Submissionen zugrunde liegt. Nicht zuletzt deshalb sollten Blaulichtorganisationen darauf achten, dass die für Beschaffung respektive Ausschreibungen zuständigen Personen und Dienststellen hinsichtlich der neuesten Technologien und Lösungen stets à jour sind.
In der Schweiz und im benachbarten Ausland vertrauen Hunderte Firmen mit Zigtausenden Mitarbeitenden sowie zahlreiche Blaulichtinstitutionen auf die Workforce-Management-Software «E3» der Schweizer Ethelred AG. Diese ging vor 35 Jahren aus der vor 40 Jahren gegründeten Firma Haas + Wollmann hervor, beschäftigt heute 25 Mitarbeitende, hat sich auf die Entwicklung von Standardsoftware für die Personal- und Einsatzplanung, die Zeit- und Leistungserfassung, das Ausbildungs- und Qualitätsmanagement sowie das Betriebsdaten- und das Zutrittsmanagement spezialisiert.
Die von Ethelred selbst entwickelte, mehrsprachig erhältliche und sowohl stationär als auch mobil nutzbare Standardsoftware «E3» gilt unter Fachleuten als eine der besten Lösungen am Markt. Das hat laut Daniel Haas, Leiter Entwicklung und Geschäftsführer, mehrere Gründe: «Einerseits besitzen wir die Erfahrung aus vier Jahrzehnten Entwicklungsarbeit und Hunderten Kundenprojekten. Andererseits sind wir als Familienunternehmen sehr agil und realisieren Kundenwünsche inhouse. Vor allem aber haben wir vom ersten Tag an auf ein Modulkonzept gesetzt: Alle Funktionen, auch jene, die wir auf Kundenwunsch entwickeln, werden als vollintegrierte Erweiterung der Standardsoftware realisiert. So können wir auch ohne teure Individualentwicklungen für alle Bedürfnisse passgenaue Lösungen anbieten.»
Gerade Letzteres kommt Polizeien, Feuerwehren, Rettungs- und Sicherheitsorganisationen zugute, betont Monique Haas-Fischer, administrative Geschäftsleiterin der Ethelred AG: «Blaulichtkräfte benötigen massgeschneiderte Lösungen – und mit ‹E3› können selbst hochspezifische Bedürfnisse von Einsatzorganisationen perfekt abgebildet werden. Zudem kann ‹E3› jederzeit an sich verändernde Anforderungen angepasst werden. So erhalten Blaulichtkräfte individuelle Lösungen, die mitwachsen – zugunsten von Investitions- und Zukunftssicherheit.»
Hinzu kommt, dass die auf unterschiedlichsten Plattformen einsatzfähige und voll parametrierbare «E3»-Standardsoftware nahezu jedes beliebige institutionelle Modell abzudecken vermag, wie Daniel Haas erklärt: «Unsere Software wird im Handel, in der Gastronomie, in der Industrie, im Gesundheitswesen, auf Verwaltungen und bei Blaulichtorganisationen genutzt. Mit jedem realisierten Projekt wächst unser modularer Fundus von Lösungen. Daher ist ‹E3› für alle Herausforderungen und für Organisationen jeder Grösse, von einigen Dutzend bis zu Tausenden Mitarbeitenden, geeignet.»
Für Blaulichtorganisationen essenziell sind laut Monique Haas-Fischer die Module für die Personal- und Einsatzplanung. Ersteres ermöglicht das Management der gesamten Personaldisposition, insbesondere der Dienst- und Schichtplanung samt Fahrzeugen und anderen Einsatzmitteln. Zweiteres wird für die konkrete Planung von Ereignissen, etwa Demonstrationen, Grossveranstaltungen oder Staatsempfängen, genutzt. Die mit diesen Modulen erstellten Dienst-, Schicht-, Tages- und Einsatzpläne werden mithilfe von «E3 Web» auf die mobilen Endgeräte der Mitarbeitenden ausgerollt – damit diese jederzeit wissen, welche Ereignisse anstehen und wo sie wann für welche Aufgabe eingeteilt sind.
Dank der vollen Integration der Module für die Zeit- und Leistungserfassung werden die geleisteten Dienste ebenfalls in «E3» erfasst – und zwar regelbasiert. «So können auch Pikett-, Bereitschafts- oder Sonderdienste korrekt verbucht und abgerechnet werden», erklärt Daniel Haas – und verweist auf das Modul Absenzenmanagement, mit dem auch Abwesenheiten aufgrund von Krankheit, Ferien oder Aus- und Weiterbildungen gemanagt werden können: «Gerade für Blaulichtkräfte, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten stets up- to- date halten müssen, ist das Modul Qualitätsmanagement und Ausbildungsplanung besonders nützlich. Mit ihm können regelmässige sowie einmalige Kurse, Trainings oder Fortbildungen geplant und die entsprechenden Qualifikationen verwaltet werden. Ausbilder können Kurse erstellen und die für diese aufzubietenden Mitarbeitenden eruieren und kontaktieren. Die adressierten Mitarbeitenden sehen, wozu sie aufgefordert sind, und melden sich via Mobilgerät direkt an. Die geplante Absenz wird dann sofort auch in der Einsatzplanung angezeigt und in der Zeiterfassung gebucht – und nach erfolgreichem Kursbesuch wird dem Mitarbeitenden automatisch die entsprechende Qualifikation zugeteilt. Zugleich sieht die Verwaltung auf der ‹E3›-Plattform, welcher Kurs welchen Status hat und in welches Budget die allfälligen Kurskosten einfliessen.»
«Nicht zuletzt», ergänzt Monique Haas-Fischer, «nutzen viele unserer Kunden – auch aus dem Blaulichtsegment –
das Modul Zutrittskontrolle. Mit diesem und von uns vertriebenen Terminals von Dormakaba, PCS und Datafox, unserem Terminalanbindungsmodul ‹E3-Comm› sowie Identifikationsmedien wie Legic, Schlüsselanhängern oder Smart Cards können alle erdenklichen Zutrittsorte wie Türen, Tore, Schranken oder Lifte überwacht und sämtliche Zutritte erfasst und kontrolliert werden.»
Eine zentrale Besonderheit von «E3» ist die Möglichkeit, sich frei auf der Zeitachse zu bewegen. So sind – die entsprechende Berechtigung vorausgesetzt – rückwirkende Korrekturen von Daten ebenso möglich wie vorausschauende Simulationen und Optimierungen. Buchungen werden dabei automatisch und revisionstauglich ausgeführt, nötigenfalls inklusive der automatischen Korrekturbuchungen in den über modulare Schnittstellen angebundenen Umsystemen wie SAP, POLIS oder dem jeweiligen Einsatzleitsystem. «So können Planungen für Einsätze, Schichten, Dienste, Absenzen et cetera auch in der Vergangenheit geändert werden, wobei alle nachfolgenden Korrekturen in der Abrechnung vollautomatisch ausgeführt werden», erläutert Daniel Haas.
Zugunsten intuitiv einfacher Bedienbarkeit ist «E3» zudem ereignisorientiert konzipiert. Die Anwendenden arbeiten mittels «Ereignissen» anstelle abstrakter Daten – und das System berechnet dann anhand der definierten Reglemente die zugehörigen buchungswirksamen Zeit- oder Geldbeträge. «Damit steigt die Datenkorrektheit – und mit dieser die Qualität des Reportings, für das Standardlisten und Listengeneratoren, aber auch Direktabfragen mittels Abfrage-Assistent oder Script-Sprache (Datawarehousing) zur Verfügung stehen», erklärt Monique Haas-Fischer.
Die stattliche Zahl von Blaulichtorganisationen, welche die Standardsoftware «E3» bereits einsetzen, verwundert nicht. Eher ist man geneigt zu fragen, weshalb nicht alle es tun. Erstens handelt es sich um ein zu 100 Prozent im Inland entwickeltes Produkt. Zweitens ist die Lösung dank ihrer modularen Konzeption vielfältig an die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen der BORS-Institutionen adaptierbar. Drittens läuft die Standardsoftware auf praktisch jedem System und kombiniert eine effiziente Personal- und Einsatzplanung mit umfassenden Möglichkeiten zur Zeit- und Leistungserfassung sowie zur Zutrittskontrolle und für weitere Aufgaben. All dies führt zu mehr Sicherheit und Effizienz sowie – dank automatisierter, regelbasierter Datenberechnungen und rollenbasierter Berechtigungen – einer markant höheren Datenqualität. In Kombination mit vielfältigen Schnittstellen zur Anbindung an über- und untergeordnete Umsysteme automatisiert und präzisiert «E3» redundante Tätigkeiten und ermöglicht ein umfassendes Reporting – zugunsten schlankerer Prozesse und einer effektiveren Qualitäts- und Planungskontrolle.