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Der Bürkliplatz ist einer der zentralsten Plätze der Stadt: Er befindet sich in unmittelbarer Nähe des Sees, der Limmat und der Bahnhofstrasse. Tausende überqueren den Bürkliplatz täglich zu Fuss, auf dem Velo, im Auto oder mit dem Tram. Doch der Platz mitten in der Stadt lädt auch zum Verweilen ein: Hier werden mehrmals wöchentlich Märkte aufgebaut, in den warmen Sommermonaten wird getanzt und im Dezember werden Kerzen gezogen. Zwar etwas unscheinbar, hat der Platz eine bewegte Geschichte.
Benannt ist der Bürkliplatz nach Arnold Bürkli, Zürichs erstem Stadtingenieur. In den Jahren von 1860 bis 1880 liess dieser nicht nur die Bahnhofsbrücke und die Bahnhofstrasse bauen, er plante auch das Stadelhofer- und das Industriequartier.
Zwischen 1882 und 1887 widmete er sich dann vor allem dem Gebiet rund um den heutigen Bürkliplatz. Hier waren in den Jahrzehnten zuvor die Schanzen – also die alten Stadtmauern – abgetragen worden. Als Leiter der sogenannten «Quaibaukommission» sorgte Bürkli nun dafür, dass sich Zürich zum See hin öffnete. Für den Bau des Quais nutzt er auch den Schutt der abgerissenen Mauern.
Der Bürkliplatz liegt im Herzen Zürichs.
Der Ingenieur liess die heutigen Seepromenaden und den Stadthausplatz anlegen, der 1887 fertiggestellt wurde. Zu Ehren des leitenden Ingenieurs der Bauarbeiten bekam dieser Platz 1908 seinen neuen Namen: Bürkliplatz. Zudem erhielt Arnold Bürkli ein eigenes Denkmal im Aboretum, der Parkanlage am westlichen Ende des Quais.
Von 1930 bis 1940 wurden sowohl der Bürkliplatz als auch die Quaibrücke, die den Platz mit dem Bellevueplatz verbindet, für den Tramverkehr umgebaut. Die Erweiterung der Brücke und die Tramgleiserneuerung prägen das Bild des Bürkliplatzes, wie wir ihn heute kennen.
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Seit 1952 thront auf der «Bürkliterrasse» – einer kleinen Anhöhe am Bürkliplatz – unter mächtigen Ahornbäumen eine Bronzeplastik des Schweizer Bildhauers Hermann Hubacher. Er schuf die Skulptur mit dem Namen «Entführung in den Olymp» für die Stadt Zürich. Auf dem Sockel der Skulptur steht in Grossbuchstaben «Ganymed». Es ist der Name der Figur des Knaben, der in der griechischen Mythologie als männliches Schönheitsideal galt. Vor ihm hockt ein Adler, Symbol für den Göttervater Zeus.
Der Sage nach soll Zeus Ganymed seiner Schönheit wegen als Bettgefährten in den Olymp entführt haben. Auf dem Sockel finden sich zudem die ersten Worte des Ganymed-Gedichts von Johann Wolfgang von Goethe: «Wie im Morgenglanze – Du rings mich anglühst, – Frühling, Geliebter!»
Den Anstoss zum Werk erhielt Hubacher 1942 vom Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin. In einem Brief an Hubacher träumte Wölfflin nämlich von einer «männlichen Figur mit strenger Form und zuchtvoller Schönheit». Es war dasselbe Jahr, in welchem homosexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen in Zürich nicht mehr als Straftat geahndet wurden. Die Schweiz, insbesondere Zürich, wurde in dieser Zeit zu einem Rückzugsort für Homosexuelle, die andernorts, inmitten des Krieges, häufig noch verfolgt, diskriminiert und ausgegrenzt wurden.
Zürich entwickelte sich zum Vorreiter der europäischen Schwulenbewegung. Und so schrieb die damalige Szenezeitung «Der Kreis» nach der Enthüllung der Ganymed-Plastik 1952: «Widerlege das Kunstwerk aufs Schönste die Behauptung von der Minderwertigkeit unserer Neigung und wird zum schlagenden Kampfmittel gegen Vorurteil und Unverstand.» Ganymed, der unscheinbare Knabe vom Bürkliplatz, wurde für viele Mitglieder der Zürcher Schwulenbewegung zu einem wichtigen Symbol.
Nur Männer durften hier baden.
Doch nicht nur die Plastik von Ganymed machte den Bürkliplatz für Männer interessant: Von 1840 bis 1964 konnten sie hier auch baden und sich sonnen.
Was zunächst als einfaches, mit Holzwänden getrenntes Männer- und Frauenbad konzipiert worden war, wich im Jahr 1883 einem Neubau. Es entstand eine Badi, die mit Booten verschoben werden konnte und zu welcher nur Männer Zutritt hatten.
Für einige Zeit trieb die Badi vor dem «Baur au Lac», ehe sie dann an den Bürkliplatz gebracht wurde. Bis 1964 konnten Männer hier die heissen Sommertage verbringen und sich im See erfrischen. Dann aber fegte ein heftiger Föhnsturm über Zürich hinweg und brachte die mittlerweile marode Anlage zum Kentern. Die Schwimmkörper füllten sich mit Wasser und ein Grossteil der Badi versank im See. Und obwohl von der Stadtverwaltung eine neue Anlage in Aussicht gestellt worden war, kam es bis heute nicht zu einem Neubau.