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Der akute ischämische Hirnschlag ist heute eine behandelbare Erkrankung. Seit der Einführung der rekanalisierenden Therapie in den 1990er Jahren, zunächst mit rekombinantem Gewebethromboplasminaktivator, dann mittels Kathetertechnik, kann der akute Hirnschlag erfolgreich behandelt werden [1]. Es ist erwiesen, dass der akute ischämische Hirnschlag innerhalb einer begrenzten Zeit von 4,5 Stunden nach Symptombeginn mittels intravenös applizierter Thrombolyse behandelt mit einem besseren Verlauf einhergeht (rund 50% der Betroffenen weisen keine oder leichtgradige Restbehinderung auf). Patienten mit akuten Okklusionen der proximalen Hirnbasisarterien weisen bessere Resultate auf, wenn, gegebenenfalls zusätzlich zur intravenösen Behandlung, der Thrombus mittels Kathetertechnik extrahiert wird [2]. Mit neuerer Bildtechnik unter Darstellung von Perfusion und Infarktkern ist die Erkenntnis gewachsen, dass Behandlungen mit Wiedererlangen von neurologischen Funktionen bis acht Stunden und mehr nach Symptombeginn möglich sind [3].
Gross sind die Herausforderungen an Personal und Infrastruktur. Ohne Organisation des Behandlungspfades vom Ort des Auftretens bis zur rekanalisierenden Behandlung, weiter zur Entlassung und Nachbehandlung sind keine verbesserten Resultate zu erwarten. In der Schweiz besteht ein Netz von Hirnschlagbehandlungszentren (Stroke Centers) und -behandlungseinheiten (Stroke Units), das so ausgerichtet ist, dass alle betroffenen Patienten, bei Indikation mittels Thrombolyse und falls notwendig, auch mittels Thrombektomie, behandelt werden [4, 5]. So wurden im Jahre 2019 19,6% der 14 067 registrierten Patienten mit einer revaskularisierenden Massnahme behandelt (Swiss Stroke Registry, unpubliziert). Eine Herausforderung in der Schweiz ist, flächendeckend die Spitäler, die keine Stroke Unit aufweisen, am Behandlungspfad zu beteiligen und die maximale Therapie möglichst direkt zu planen. Das Krankheitsbild muss sofort mit klinischer und neuroradiologischer Erstdiagnostik erkannt werden, um die Patienten dort zu behandeln, wo sie die Behandlung rechtzeitig erhalten. In der Nachbehandlung sind alle Patienten, nebst dem Einsatz von Thrombozytenaggregationshemmern, mit antihypertensiven und lipidsenkenden Substanzen zu behandeln. Hochgradige symptomatische Karotisstenosen sind zusätzlich mit einer chirurgischen Behandlung oder, in geeigneten Fällen, mit Dilatation und Stent-Implantation anzugehen [6]. Bei Vorhofflimmern soll nach Hirnschlägen mit den neuen oralen Antikoagulanzien behandelt werden [7].
Kopfbild: Science Photo Library / Alamy Stock Photo
Korrespondenz:
Prof. Dr. med.
Philippe A. Lyrer
Neurologische Klinik und Poliklinik,
Leiter Stroke Center
Universitätsspital Basel
Petersgraben 4
CH-4031 Basel
philippe.lyrer[at]usb.ch