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Karin Laager unterstützte über die Jahre mehrere Patenkinder. In ihrem Erfahrungsbericht erzählt sie von zwei prägenden Reisen in den Libanon.
Seit 25 Jahren führen mein Mann und ich eine Gemeinschaft für 4 Menschen mit Beeinträchtigungen. Wir leben als Grossfamilie zusammen und auch unsere zwei inzwischen erwachsenen Töchter sind in dieser Gemeinschaft aufgewachsen. Seit 20 Jahren wohnt die palästinensische Frau, Fadia, bei uns. Sie hat ihre ersten 6 Lebensjahre im palästinensischen Flüchtlingslager Ein El Helweh bei Saida verbracht. Dort lebte sie mit ihren 3 Brüdern in ärmlichsten Verhältnissen bei ihrer Grossmutter, die als 20-jährige aus Palästina dorthin geflüchtet war. Mit 6 Jahren kam Fadia mit ihren Brüdern in die Schweiz, wo sie zusammen mit andern Palästinenserkindern im Pestalozzidorf in Trogen aufwuchs. Sie machte später eine IV-Lehre und kam, weil sie in ihrem Alltag auch als Erwachsene weiterhin auf Begleitung angewiesen war, mit 20 Jahren in unsere Gemeinschaft.
Weil ich Sprachen und andere Kulturen liebe und es mir auch half, die schwer traumatisierte Fadia besser zu verstehen, setzte ich mich intensiv mit der palästinensischen Geschichte und Kultur auseinander und lernte auch die arabische Sprache. In dieser ersten Zeit machte ich auch Bekanntschaft mit dem Verein PalCH, lernte Ursula Hayek kennen und übernahm meine erste Patenschaft eines damals 8-jährigen Mädchens, gerade gleich alt wie meine ältere Tochter. Ich machte meine ersten Schreibversuche in Arabisch, indem ich dem Mädchen Briefe schrieb. Auch meine Kinder interessierten sich für das Schicksal der Kinder im Flüchtlingslager und wollten auf Weihnachtsgeschenke verzichten und damit eine zweite Patenschaft finanzieren. So hatten wir bald zwei Patenkinder.
Im Frühjahr 2006 beschloss ich, im Rahmen der Biographiearbeit, mit Fadia ihre Herkunftsfamilie und zugleich auch meine Patenkinder zu besuchen. Es war nicht ganz einfach, die Bewilligung zum Aufenthalt im Lager zu erhalten, denn ich war, so hiess es, die erste Patin, die im Lager übernachtete. Ohne die Zugehörigkeit zu Fadias Familie wäre dies wohl nicht möglich gewesen, aber auch so mussten wir eine Nacht ausserhalb des Lagers verbringen, bis uns das Militär die Einreise bewilligte.
Es war erschütternd die Verhältnisse des Lagers hautnah zu erleben, vor allem die eingeschränkten Platzverhältnisse, die fehlende Infrastruktur und die Perspektivenlosigkeit der Kinder. Zum Glück gab es noch das Zentrum von Beit Atfal Assumoud, das den Kindern einige glückliche und sorglose Stunden ermöglichte. Auch um unsere mitgebrachten Spiele und vor allem für die Zeit, die wir ihnen beim gemeinsamen Spiel schenkten, waren uns die Kinder sehr dankbar und beschenkten uns ihrerseits mit ihrer Freude.
Im Sommer 2012 besuchte ich das Lager Ein El Helweh zum zweiten Mal zusammen mit meinen beiden Töchtern, 13 und 17 Jahre alt. Wir verzichteten darauf viele Kleider einzupacken und füllten unsere Koffer dafür mit Memorykarten, Elferaus, Springseilen und Strassenkreide. So zogen wir im Lager von Familie zu Familie und packten überall unsere Spiele aus. Begeisterung zeigte sich bei Gross und Klein, aber nicht immer viel Eigenkontrolle und Disziplin, so dass wir gut auf unsere Spielsachen aufpassen mussten, damit sie nicht in Fetzen gerissen wurden. Unsere beiden Patenkinder wichen kaum von unserer Seite und wir wurden abwechslungsweise bei der einen und dann wieder bei der anderen Familie zum Essen eingeladen. Wir machten auch Ausflüge mit grossen Kindergruppen, denn was bei uns in der Schweiz ein Vermögen kostete, war dort gut erschwinglich. So konnten wir die 80 Kinder des BAS-Zentrums zum Beispiel für einen Nachmittag an den Jahrmarkt einladen und uns an den lachenden Gesichtern freuen. Obwohl wir nicht in einem modernen Hotel wohnten und den Tag am Strand verbrachten, kehrten meine beiden Mädchen nach den Ferien etwas nachdenklich aber doch auch sehr glücklich über diese besondere Erfahrung nach Hause zurück.
Unsere Freundschaft zu den Patenkindern lebte nach unserem zweiten Besuch über Briefe weiter, bis die beiden Patenkinder erwachsen waren. Das ältere der beiden ist nun verheiratet und hat 3 Kinder und wir schreiben uns immer noch ab und zu über WhatsApp. Ich habe auch wieder zwei neue Patenkinder bekommen, denn leider sind die Menschen im Lager ja auch heute, zwanzig Jahre später, weiter auf unsere Unterstützung angewiesen.
Zum Schluss möchte ich dem Vorstand von PalCH ein grosses Dankeschön aussprechen für seinen Einsatz und die professionelle und herzliche Unterstützung von uns Pateneltern.