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Am 6.8.32 kam ich als erstes Kind des in Aachen gebürtigen, aber in Arlesheim aufgewachsenen Christian Heinrich Overstolz und seiner aus Laufen stammenden Frau Frieda Gonser in Basel zur Welt. Fünf Jahre später kam meine Schwester Margret dazu, mit der mich bis zu ihrem Tod im 57. Lebensjahr ein sehr herzliches Verhältnis verband.
Auf vier Jahre Primarschule folgten acht Jahre am Humanistischen Gymnasium Basel, das ich ohne grössere Schwierigkeiten durchlief. Das im ersten Gymnasialjahr mit sieben Wochenstunden einsetzende Latein liebte ich nicht sonderlich. Ich hielt mich schadlos vor allem an den griechischen Sagen, die wir sehr ausführlich erzählt bekamen. Meine Liebe zur griechischen Mythologie hat hier ihre Wurzeln. Im zweiten Gymnasialjahr begann der Französisch-, im vierten der Griechischunterricht, der mich sofort begeisterte. Ich liebte diese Sprache schon um ihres Vokalreichtums und ihrer Musikalität willen, aber bald noch mehr wegen des wunderbaren Stoffes, den sie vermittelt. Wir lasen sehr viel Homer und Platon, auch Aeschylus, Sophokles, Euripides, etwas Thukydides und im privaten Kreis mit unserem Lehrer Georg Landmann Sappho und Pindar. Aristoteles war nicht im Angebot. Für meine spätere verlegerische Tätigkeit erwies sich der humanistische Schulsack als ein wertvolles Fundament. Meine Matur erweiterte ich mit dem Hebraicum, und an der Schlussfeier in der Martinskirche spielte ich Schumanns „Aufschwung“.
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Das von mir mit Begeisterung aufgenommene Jus-Studium verlief in den letzten Semestern harzig. Die selbstgewählte Dissertation aus dem Gebiet des Gewohnheitsrechts und der Verkehrssitte hielt mich jahrelang fest im Griff, bis ich sie, wütend über mich selbst, mit einer Parforcesitzung abschloss. Nach meiner Promotion stellte mich der mit meinem Vater befreundete Lucien Levaillant in seiner Anwaltskanzlei als Substituten ein. Er widmete mir sehr viel Zeit und war ein brillanter Jurist und gleichzeitig ein humorvoller und gütiger Mensch, der den Sinn seines Lebens darin sah, das jüdische Altersheim ‚La Charmille’ zu fördern. Seiner Initiative und seinem unentwegten Optimismus verdankt das Alters- und Pflegeheim Humanitas, eine Gründung der Basler Freimaurer, seine Entstehung. Ich durfte ihn bei dieser Gründung durch das Verfassen der Protokolle assistieren. Zur Erinnerung an ihn hat mir seine Schwester seine goldene Armbanduhr geschenkt. Mein Wunsch, einmal ein erfolgreicher Anwalt wie er zu werden, stand fest.
Doch es kam anders. Streitigkeiten in der Schwabe-Familie (mein Vater gehörte mütterlicherseits dazu), die zum Austritt und zur Auszahlung einiger Gesellschafter und damit in einen finanziellen Engpass führten (Schwabe war damals noch keine AG), bewogen mich dazu, in das von meinem Vater geführte Geschäft einzutreten. Er hätte sonst, enttäuscht wie er war, aufgegeben. Das wollte ich ihm, unseren Autoren und unseren Mitarbeitern um einer noch unbestimmten Karriere willen nicht antun. Der nicht einfache Start in meinen neuen Beruf wurde mir durch Josef Niederberger, einen bewährten Mitarbeiter meines Vaters, sehr erleichtert. Er vor allem war es, der mich mit den verschiedensten Setz- und Druckmaschinen vertraut machte und so mein wichtigstes Defizit zu beseitigen half. Er besuchte mit mir Ausstellungen wie die Drupa und die Ipex und bereitete mich auf diese Anlässe durch eigens für mich verfasste, sorgfältig ausgearbeitete Arbeitspapiere jeweils bestens vor. Er sah die Ablösung des Buchdrucks durch den Offset kommen und gewann in mir einen Verbündeten im Bestreben, von den veralteten Techniken wegzukommen. Eine Spätfolge dieser Bemühungen war der Kauf unseres ersten Computers, der 1979 in Betrieb genommen werden konnte.
1971 lernte ich auf einer Skitour mit vielen Teilnehmern meine spätere Frau kennen, eine Ärztin aus Hamburg, die in Basel ihre Fachausbildung zur Kinderärztin durchlief. Es folgten einige weitere Touren zu zweit und schliesslich die schicksalsentscheidende Tour von der Belalp zur Oberaletschhütte und von dort über den Beichpass hinunter ins Lötschental, auf der mir mein Schutzengel zur Seite stand. Ich hatte übersehen, dass der Beichpass etwas oberhalb der tiefsten Einsattelung des Geländes liegt (etwas in Richtung Lonzahörner) und war in überaus schwieriges Gelände geraten. Auf einem kritischen Abschnitt – Angelika war bereits weiter unten einigermassen in Deckung – hörte ich einen hellen Klang und sah einen grossen Stein, der in wildem Zickzack herunterschoss und nach seinem letzten Aufprall direkt auf mich zuflog. Ich warf mich zu Boden und spürte einen heftigen Schlag: Der Stein hatte meinen Rucksack getroffen, ein Stück aus dem hölzernen Schaft des aufgebundenen Pickels herausgeschlagen, meinen Kopf aber knapp verfehlt. Dieses Ereignis hat sich uns tief eingeprägt und war entscheidend, unseren weiteren Lebensweg gemeinsam zu gehen. Wir heirateten am 25.8.72. 1973 wurde Thomas, 1975 Michael geboren. Um ganz für die Kinder da zu sein, schlug meine Frau, obwohl leidenschaftliche Kinderärztin, das Angebot Praders aus, im Kinderspital Zürich Oberärztin zu werden, und begnügte sich damit, unsern Haushalt zu führen und gelegentlich im Lektorat mitzuarbeiten (FMH = Frau Mit Haushalt).
Meine berufliche Arbeit intensivierte sich allmählich sehr. Mit dem „Historischen Wörterbuch der Philosophie“ (HWP) und dem Ueberweg ging ich an die Verwirklichung von zwei philosophischen Grossprojekten, an denen mein Vater nach einer langen und wechselvollen Vorgeschichte für unsere Firma die Verlagsrechte erworben hatte, die aber noch der Realisierung harrten. Beim dritten Grossprojekt, dem Augustinus-Lexikon, war diese Vorgeschichte bereits abgeschlossen, als wir als Nachzügler in die Verlagsevaluation einbezogen wurden und gegen starke Konkurrenz wider Erwarten in Würzburg von Cornelius Mayer den Zuschlag der Augustiner erhielten. Ausschlaggebend war die Qualität unserer Bewerbung (sie war noch verfasst von unserem Lektor Jakob Lanz) und der gute Ruf, den unser im Erscheinen begriffenes HWP bereits genoss. Dass bei unsern Vorgängern, den Johannes tres (Amerbach, Petri und Froben), 1506 die erste Augustinus-Gesamtausgabe erschienen war, wurde erst später wahrgenommen. Auch in der Medizin musste dringend etwas geschehen, da unser Verkaufsschlager, Guido Fanconis Lehrbuch der Pädiatrie, entgegen den ursprünglichen Plänen von Prader und Rossi nicht weitergeführt wurde. Ich ergriff daher die Gelegenheit, die 10. (1983) und die 11. (1987) Auflage von „Harrison’s Principles of Internal Medicine“, die beim amerikanischen Verlag McGraw-Hill erschienen und in sehr hohem Ansehen standen, in deutscher Übersetzung herauszubringen. Ehe ich die damit verbundenen Verpflichtungen eingehen konnte, musste sichergestellt sein, dass nach der Bereinigung der letzten Übersetzungen innert weniger Tage ein sehr detailreiches Register von höchster Qualität gedruckt werden konnte. Wie ich dies erreichte, habe ich auf S. 2505 unserer Harrison-Ausgabe von 1989 (Übersetzung der 11. Auflage) beschrieben. Dort ist auch angedeutet, mit welcher Akribie eine einheitliche Schreibweise sämtlicher medizinischen Fachausdrücke sichergestellt werden musste, weil jede noch so kleine Abweichung im Register Zusammengehöriges auseinandergerissen hätte. Für die Übersetzung des imposanten zweibändigen Werkes standen bis zum Schluss gut 50 Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung, die von Werner Straub, damals Klinikchef am Inselspital, nach ihren besonderen Kenntnissen ausgewählt und von uns grosszügig honoriert wurden. Im Gegensatz zu den philosophischen Werken, wo tüchtige Lektoren die eigentliche Arbeit besorgten (anfänglich Jakob Lanz, dann vor allem Walter Tinner und, bis zu seinem Ausscheiden, Wolfgang Rother), übernahmen beim Harrison meine Frau und ich die Satz für Satz notwendige Übersetzungskontrolle und stilistische Bearbeitung selber. Die Bücher fanden sehr guten Absatz, die vom Buchhandel (inkl. Grossisten) verlangten Margen von über 40% standen aber einem finanziellen Erfolg im Weg. Da zudem mit McGraw-Hill Unstimmigkeiten über die Auslegung des Vertrags entstanden, blieb es bei diesen zwei Auflagen. Ich hatte mit ihnen immerhin erreicht, dass unser Verlag von den Medizinern wieder besser wahrgenommen wurde, was der Gründung des EMH-Verlags (s.u.) zugute kam.
Am 26. November 1988 feierten wir im Beisein von Bundespräsident Otto Stich und viel Prominenz aus Politik und Wissenschaft in der Theodorskirche zu den Klängen der Krönungsmesse Mozarts unser 500-Jahr-Jubiläum. Mit einer umfassenden, von Frank Hieronymus organisierten Buchausstellung in der UB Basel und dem von ihm verfassten zweibändigen Katalog „1488 Petri / Schwabe 1988. Eine traditionsreiche Basler Offizin im Spiegel ihrer frühen Drucke“ wurde die Frühgeschichte unseres Hauses sehr ausführlich dokumentiert. Frank Hieronymus hat das riesige Werk aus eigenem Antrieb und ohne jede finanzielle Entschädigung verfasst. In meiner Ansprache stellte ich Urs Breitenstein, Werner Stöcklin und Ruedi Bienz als meine dereinstigen Nachfolger vor. Am 23.8.1989 schenkte ich ihnen in der Konsequenz in einem ersten Schritt je 40 Aktien. Am 18.9.1989 zog meine Schwester in gleicher Weise nach, sodass 240 von 1000 Aktien in den Händen meiner Nachfolger waren. (Für Details s. Corina Lanfranchi, Gut zum Druck! Streifzüge durch 525 Jahre Druck- und Verlagsgeschichte in Basel, S.327)
Es mag an der Resonanz unseres Jubiläums gelegen haben – jedenfalls gelang es kurz danach einem üblen Spekulanten, ohne dass wir ihm zuvorkommen konnten, die unsere Druckerei beherbergende Liegenschaft in Muttenz zu erwerben. Uns gegenüber wurde ein Mietpreis in Aussicht gestellt, der uns zu Knechten des Vermieters gemacht hätte. Ein Ausweichen in eine andere Liegenschaft innert nützlicher Frist war unmöglich. Ich entschloss mich daher zum Kauf. Um die Firma nicht zu gefährden, trat ich selber als Käufer auf. Ich konnte in dieses Geschäft von meinem Vater geerbte Liegenschaften einbringen. Aber es blieb immer noch eine Finanzierungslücke von 17 Mio. Franken. Sie zu schliessen war möglich, weil der damals für Muttenz zuständige Direktor der BL Kantonalbank, einseitig auf die Ausweitung seines Geschäfts bedacht, mich als Käufer akzeptierte und mir bedenkenlos eine Hypothek in dieser Höhe gewährte (er wurde später entlassen). Bald zeigten sich versteckte Mängel an der Liegenschaft und ergaben sich wegen falsch deklarierter Nutzungsflächen Schwierigkeiten mit den Mietern. Ich erhob Klage in Zug, dem Wohnsitz des Verkäufers. Es dauerte sehr lange, bis es zur ersten Verhandlung kam. In der zweiten oder dritten Verhandlung nahm der Gerichtspräsident während einer Pause den Verkäufer und mich zur Seite und riet meinem Gegner, mit einem substanziellen Entgegenkommen Hand für einen Kompromiss zu bieten. Dies war seine letzte Handlung. Ohne weitere Nachricht wurde er ausgewechselt und meine Klage nach kürzester Zeit abgewiesen. Auch vor der zweiten Instanz verlor ich. Mein Gegner war in Zug ein guter Steuerzahler ... . Den Kanton Zug habe ich seither nie wieder betreten.
Da meine Hypothekarzinsen von anfänglich 5% bis auf 7¾% anstiegen, wurde die Lage prekär. Die Bank zeigte ein erstes Entgegenkommen. Sie hätte mir gegen die Überlassung der Aktienmehrheit alle Schulden erlassen und mich noch eine Zeitlang als Verwaltungsrat behalten, um den Übergang auf neue Eigentümer zu erleichtern. Da die Firma so in fremde Hände gelangt wäre, liess ich mich nicht auf den Vorschlag ein, sondern beauftragte Peter Lenz, Advokat und Notar, den ich vom Studium her als brillanten und zähen Debattierer kannte, mit der Wahrnehmung meiner Interessen. Er hatte immerhin eine von mir sorgfältig gehütete Trumpfkarte in der Hand: Ich war nach der Schenkung an meine Nachfolger und nach Abzug der meiner Schwester gehörenden Aktien Minderheitsaktionär und deshalb für die Bank und jeden, der es auf meine Firma abgesehen hatte, kein lohnendes Angriffsziel. Peter Lenz gelang es in Verhandlungen, die sich fast über zwei Jahre hinzogen, der Bank eine Konzession von 5,1 Mio. abzuringen. Dies erlaubte es Schwabe, d.h. Urs Breitenstein und Ruedi Bienz (Werner Stöcklin war bereits ausgeschieden, s.u.), mit dem Einverständnis der Bank die Liegenschaft in Muttenz zu annehmbaren Bedingungen von mir zu übernehmen. Die noch in unserm Besitz befindlichen Aktien – Margret, schon todkrank, hatte ihr Aktienpaket auf meine Veranlassung vorsichtshalber nicht an mich, sondern an meine Frau vererbt – verkauften wir an unsere Nachfolger, wobei wir ihnen die Möglichkeit gaben, mit einem Zeithorizont von etwa 10 Jahren den Kaufpreis nach und nach aus den Gewinnen der Firma zurückzuzahlen.
Die gute Wendung erfüllt mich noch heute mit Dankbarkeit gegenüber meinen Mitstreitern: gegenüber Peter Lenz, der mich gegen ein ganz geringes, symbolisches Honorar mit viel Geschick aus tiefer Not rettete; gegenüber den Verantwortlichen der Bank, die sich zu guter Letzt meiner Not nicht verschlossen; gegenüber meiner Schwester Margret, die immer treu zu mir hielt; gegenüber meiner lieben Frau, die auch in den dunkelsten Stunden nie die Zuversicht verlor. Zeitgleich mit der Befreiung von meinem Schuldenberg, Ende 1997, wurde nach langer Vorarbeit der Verlag EMH (Editores Medicorum Helveticorum) gegründet, ein Gemeinschaftsunternehmen der FMH (Foederatio Medicorum Helveticorum) mit unserem Verlag, das uns den Druck der Schweizerischen Ärztezeitung einbrachte und unsere verlegerischen Möglichkeiten ausserordentlich erweiterte. Eine überaus wichtige Rolle im mit den strategischen Vorarbeiten betreuten Team unserer Firma spielte unsere junge, kreative Lektorin Natalie Marty, die nach der Gründung des neuen Verlages als Mitglied der Geschäftsleitung dorthin wechselte und in enger Zusammenarbeit mit den Redaktionen jeder unserer medizinischen Zeitschriften ein klares Profil gab. Mein Glück war gross. Meinem Rückzug aus der Firma stand nun nichts mehr im Wege. Ich hatte ihn sehr frühzeitig angekündigt, nun galt es, ihn zu vollziehen.
Die von mir geplante und in der Theodorskirche verkündete Dreier-Nachfolge war von kurzer Dauer. Werner Stöcklin realisierte, wie wenig Zeit ihm als Unternehmer für seine Familie übriggeblieben wäre, und gab seine Aktien zurück. Er ist uns glücklicherweise bis zu seiner Pensionierung und darüber hinaus als versierter Fachmann für alle den Satz betreffenden EDV-Belange erhalten geblieben. Urs Breitenstein wurde zu meiner nicht geringen Verwunderung im Dezember 2006 von der Philosophisch-historischen Fakultät der Universität Bern „für die verlegerische Förderung der Geisteswissenschaften, andererseits für vielfältigen Einsatz um eine Buch- und Lesekultur im In- und Ausland“ mit dem Dr.phil.h.c. geehrt. Wenn einer, wäre es Walter Tinner gewesen, der um seiner Verdienste willen diese Ehrung verdient hätte. Derselbe Urs Breitenstein, den ich als meinen Freund und Verleger-Nachfolger angesehen und nur deswegen mit Gratisaktien bedacht hatte, hat sich erdreistet, unter Zuhilfenahme eines Anwalts diese Aktien für nicht weniger als 2 Mio. Franken an Ruedi Bienz zu verkaufen, und ist per 30. November 2007 aus der Firma ausgeschieden. Ruedi Bienz musste sich auf diesen Handel einlassen, weil nach dem Ausscheiden Werner Stöcklins Breitenstein 50% der Aktien besass, was Anlass zu Besorgnis gab. Die Last der unternehmerischen und finanziellen Verantwortung, schon immer allein von Ruedi Bienz wahrgenommen, ging damit auch formell auf ihn über. Im Januar 2014 hat er nach nahezu 20 Jahren unternehmerischer Tätigkeit 30% der Petri Holding, im Dezember 2017 weitere 40% an seinen Freund Ludwig Theodor Heuss, Enkel des ersten deutschen Bundespräsidenten, selber Chefarzt der Klinik Zollikerberg, verkauft und sich, immer noch Verwaltungsrat, ins zweite Glied zurückgezogen. Dies als ein kleiner Ausblick in meine ehemalige, sich in einem grossen und dramatischen Umbruch befindliche Firma. Doch zurück zu meinem Lebenslauf.
Seit meinem Rückzug aus dem Geschäft sind über zwanzig lange Jahre vergangen. Ich kann es aber nicht aus meinen Gedanken entlassen. In unserem Wohnzimmer in Arlesheim steht ein Teil meiner Bibliothek, darunter 13 Bände HWP, 4 Bände Augustinus-Lexikon, 4 Bände Harrison, 2 Bände Hieronymus, über 30 Bände Ueberweg, teils in meiner Aktivzeit, teils später entstanden, dazu sehr viel anderes, an das meine Frau und ich auf die eine oder andere Weise persönlich beigetragen haben. – In unserem Wohnzimmer steht auch noch mein geliebter Bechsteinflügel, den ich von meiner Mutter zur Herausgabe des Harrison geschenkt bekam. Meist ist aber sein Deckel geschlossen, weil mir die Noten vor den Augen verschwimmen und mir meine Finger nicht mehr richtig gehorchen. – Unsere Söhne, beide in Naturwissenschaften promoviert, haben eigene Familien gegründet. Von Thomas und Stéphanie haben wir unsere in St-Blaise wohnenden, französisch sprechenden Grosskinder Noah, Johan und Noémie, von Michael und Jenna , die in Kings Langley (GB) ansässig sind, haben wir Oliver und Charlotte, die englisch sprechen. Sie stehen jetzt alle im Schulalter. Es sind unsere glücklichsten Momente, wenn wir, was selten genug der Fall ist, mit den Familien unserer Söhne zusammen sein können.– Mit meiner Pensionierung haben wir auf der Riederalp eine Wohnung gekauft. Sie gewährt einen freien Blick auf zwölf Viertausender und viele andere Gipfel und erinnert uns an die vielen, grossen Bergtouren, die wir miteinander unternommen haben. Noch immer unternehmen wir Wanderungen in den Bergen. Sie sind altersbedingt in der letzten Zeit seltener und kürzer geworden.– Mit Lesen, häufigem Besuch von Konzerten und mit Kunstreisen versuchen Angelika und ich, uns auch im Alter mit kulturellen Erlebnissen geistig beweglich zu halten. Viel Zeit verwende ich ausserdem auf mein Hobby, die Bachforschung, die ich völlig frei von Bindungen, nur meinem Gewissen verpflichtet, betreiben kann.
Christian Overstolz
Arlesheim, Ende 2019
Zu den auf meiner Website vereinigten Forschungsarbeiten ist Folgendes zu bemerken:
1. Mein Cornelius Mayer und meiner Frau gewidmetes Buch: „Ein stilles Credo J.S. Bachs. Präludium und Fuge in A-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier I“ ist in zweiter Auflage 2012 bei Schwabe, Basel, erschienen und noch lieferbar (ISBN 978-3-7965-2779-1). Eine erste Auflage davon gibt es nicht. Ich habe sämtliche Bücher der ersten Auflage wegen eines schwerwiegenden Fehlers, den ich nach dem Versand einiger Geschenkexemplare bemerkte und der eine völlige Neubearbeitung nötig machte, makulieren lassen. Der Fehler: Ich hatte das in den Takten 22/3 der Fuge aufscheinende Magnificat-Motiv (e-a-gis-fis-e-d-cis-d-e) und dessen Vorgänger in den Takten 3/4 nicht erkannt und damit die wunderschönen Marienbezüge der Fuge übersehen.
2. Mein Beitrag „Bach meets Augustinus. Inkarnation und ‚dispensatio temporalis’ in der A-Dur-Fuge von Teil I des Wohltemperierten Klaviers“ ist in unserer Augustinus gewidmeten „Officina 2009“ sowie in „Spiritus et Littera“, Festschrift zum 80. Geburtstag von Cornelius Petrus Mayer OSA, 2009 bei Echter, Würzburg, erschienen. Insofern als in ihm die wichtigsten Marienbezüge zur Sprache kommen, ist dieser Aufsatz ein Vorläufer der Zweitauflage meines oben genannten Buches. Die Fassung der website enthält gegenüber den beiden gedruckten Fassungen ein paar kleinere Verbesserungen.
3. Eine grössere Arbeit mit dem Titel „Die vier Duette Bachs aus dem dritten Teil der Clavierübung. Versuch einer Deutung“ ist nur auf der website verfügbar.
4. Die Arbeit mit dem Titel „Zum Monogramm und zum Taufstein Johann Sebastian Bachs“ ist nur auf der website verfügbar.