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Die kleine Gemeinde St-Sous im Süden von Santa Lemusa ist hauptsächlich wegen des sogenannten Ingwergartens bekannt, der unmittelbar westlich des Dorfes beginnt. In den Jahren nach 1907 von der Comtesse Sheherazade Marie-Belle de Sousa angelegt, gehört der Jaden Jenjam zu den ältesten und schönsten Gärten der Insel. Ohne den Park würde das Dorf wohl auch kaum existieren. Denn St-Sous wurde von den Gärtnern und Arbeitern des Jardin du Gingembre gegründet: Sie bauten hier die ersten Hütten und Häuser auf Grundstücken, die ihnen die Comtesse überlassen hatte - aus Dankbarkeit für die geleisteten Dienste und zugleich wohl auch, um stets genügend Fachkräfte in ihrer Nähe zu wissen.
Mit der Zeit wuchsen diese Gebäude zu einem kleinen Dorf zusammen, das erst Cases Sousa, dann Sousa, Sous und heute St-Sous heisst - wobei niemand weiss, wie sich das «Saint» in den Namen der kleinen Siedlung geschlichen hat. Bei allem Respekt vor den Verdiensten der Gräfin – gegen ihre Heiligsprechung dürften doch manche Kreise leichte Einwände haben.
Natürlich ist St-Sous, das Dorf der Gärtner, ebenso sorgfältig wie kunstvoll begrünt. Ja es gibt sogar Leute, die behaupten, die Hauptstrasse des kleinen Weilers mit seinen 500 Einwohnern sei in Wahrheit der schönste Teil des Ingwergartens. Tatsächlich gibt es hier kaum eine Mauer, die nicht von Rosen oder Wicken bewachsen, von Bougainvillea oder Oleander überlappt und von prachtvollen Palmen beschattet wird.
Zwischen St-Sous und dem Park der Gräfin erhebt sich ein mächtiger Bambuswald. Hier liegt heute eine Aussenstation des Botanischen Instituts der Universität von Santa Lemusa – und gleich daneben bietet das Restaurant «Le Miskat» eine einfallsreiche Küche an, deren spezielles Merkmal es ist, dass jedes einzelne Gericht von der Vorspeise bis zum Dessert mit einer Prise Muskat (lemusisch Miskat) zubereitet ist – Muskat war das absolute Lieblingsgewürz der Gräfin de Sousa, deren Porträt hier allgegenwärtig ist. Ja Samson Bruni, der Besitzer und Chefkoch des «Miskat», hat gar Reproduktionen von diversen Gemälden von Jean-Léon Gérôme an den Wänden aufgehängt, deren Protagonistinnen er mit der Sousa identifiziert. Laut Quentin Le gall allerdings, dem Biographen der Gartengründerin, dürfte die Comtesse wohl für keines dieser Bilder Modell gestanden haben. Da keine Fotografien der Sousa greifbar sind (sie soll alle existierenden Bilder kurz vor ihrem Tod vernichtet haben), lässt sich nur schwer entscheiden, wer von den beiden wohl recht hat.
Die Begeisterung von Samson Bruni für die Gründerin des Ingwergartens hat übrigens einen guten Grund: Seine Grossmutter Arlena Bruni arbeitete von 1920 bis 1952 als Köchin der gartenliebenden Gräfin. Aus demselben Grund kennt er auch die kulinarischen Vorlieben der Comtesse und weiss ihre Liebe zu Miskat in allen Farben zu schildern: «Angesichts der Passion von Sheherazade für dieses Gewürz müsste man ihren Park eigentlich ‹Miskat-Garten› nennen», ist Bruni überzeugt. Nach Auskunft des passionierten Kochs gehen auch viele der Miskat-Spezialitäten, die man heute in seinem Restaurant serviert bekommt, ursprünglich auf Rezepte seiner Grossmutter zurück (mehr über die Gräfin und ihren Garten hier). Zu den Reizen des «Miskat» gehört neben der eigenwilligen und trotz der wiederholten Verwendung von Miskat sehr abwechslungsreichen Küche auch die wunderschöne Terrasse: Umringt von hohen Bambusstauden und Palmen, umweht von den Düften der Pflanzen und begleitet vom sanften Chor der ganzen Vögel und Insekten des Waldes kann man sich hier in aller Ruhe durch die diversen Leckereien des Lokals probieren. (Wir sprechen an dieser Stelle schon ausführlich über das «Miskat» weil sich die Ansichten der HOIO-Redaktion für einmal nur schwer mit jenem des «Guide Dismin» verbinden lassen, dessen Sicht der Dinge die eigentliche Seite zum Restaurant «Le Miskat» prägt).
First Publication: 12-2007
Modifications: 14-2-2009, 30-9-2011