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Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Ein zentrales Anliegen in der Ethik besteht darin, Moraltheorien zu entwickeln, d.h. Theorien, welche unsere konkreten moralischen Urteile („Es war falsch meinen Bruder zu belügen“, „Wir sind verpflichtet, die Umwelt für unsere Nachkommen zu erhalten“) zu systematisieren und zu erklären suchen. Dabei zeigt sich ein scheinbar widersprüchlicher Befund: Zum einen werden verschiedene Moraltheorien den meisten Lehrbüchern zufolge als miteinander im Widerspruch befindlich verstanden. Zum anderen können sich Vertreter unterschiedlicher Theorien erstaunlich einig sein, was ihre konkreten moralischen Urteile angeht. Die Dissertation formuliert und diskutiert eine bislang nicht berücksichtigte Erklärung für diesen Befund, indem auf eine These aus dem Bereich der Wissenschaftstheorie zurückgegriffen wird. Die Unterbestimmtheits-These von Theorien durch die Daten besagt, dass alternative Theorien sich direkt widersprechen können, gleichzeitig jedoch genau dieselben Daten erklären. Die vorgesehene Erstanwendung dieser These auf die Ethik soll eine Neubeurteilung insbesondere des Verhältnisses alternativer Moraltheorien zueinander, sowie der Relevanz moraltheoretischer Dispute ermöglichen. Wenn es so ist, dass verschiedene, miteinander teilweise inkompatible Theorien zu genau denselben moralischen Urteilen führen, so hat dies weitreichende Auswirkungen auf unser Verständnis davon, wie Moraltheorien funktionieren.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Die Dissertation schlägt eine Brücke zwischen Wissenschaftstheorie und Ethik und liefert damit einen neuen Erklärungsansatz für das Verhältnis moralischer Theorien zueinander. Dies ermöglicht eine kritische Beurteilung der Dialektik und Relevanz moraltheoretischer Debatten.