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Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern zu eliminieren. Die epidemiologische Überwachung dieser Krankheit ist wichtig, um sporadische Fälle und Ausbrüche zu erkennen, Massnahmen zur Verhinderung einer Übertragung zu ergreifen, und die Fortschritte auf dem Weg zur Elimination zu dokumentieren.
Stand: 15.11.2017
Das Ziel: Elimination der Masern
Die WHO zielt darauf ab, die Masern zu eliminieren. Die Schweiz hat sich - wie alle anderen europäischen Länder auch - hinter dieses Ziel gestellt. Sie möchte dies durch eine Erhöhung der Durchimpfung in der Bevölkerung, ein griffiges Meldesystem und die Kontrolle von Ausbrüchen erreichen. Die WHO hat festgelegt, dass die Masern dann eliminiert sind, wenn während mindestens 12 Monaten keine endemischen Fälle mehr auftreten. Die importierten Fälle werden dabei nicht gezählt, und es ist die Aufgabe des Meldesystems, diesen Nachweis zu erbringen. Weiter sind bei jedem sporadisch auftretenden Fall - unabhängig davon ob importiert oder endemisch - Massnahmen zu treffen, um die Übertragung der Krankheit zu verhindern. Dies ist umso wichtiger, wenn ein Ausbruch mit mindestens zwei miteinander verbundenen Fällen auftritt. Voraussetzung dafür ist, dass Masernfälle rasch erkannt, durch einen Labornachweis bestätigt und innerhalb kurzer Frist den zuständigen Gesundheitsbehörden gemeldet werden. Der Lagebericht zur Masernsituation beschreibt die im Rahmen der obligatorischen Meldepflicht verzeichneten Fälle und fasst die getroffenen Massnahmen zusammen. Er dokumentiert damit die Fortschritte der Schweiz im Bemühen, die Masern zu eliminieren.
Allgemeine Lage
Bis Mitte November 2017 wurden zweimal so viele Masernfälle verzeichnet wie im 2016 (102 Fälle versus 51 im Vorjahr), und fast dreimal so viele wie im 2015. Die Inzidenz stieg demnach im Jahr 2016 auf 7.8 Fälle pro Million Einwohner und erreichte in den ersten 10 Monaten des 2017 einen Wert von 12,1 pro Million Einwohner (nicht annualisierte Inzidenz). Bei ca. 20% der 102 im Jahr 2017 verzeichneten Fälle handelte es sich um isolierte Fälle, die über 13 Kantone verteilt auftraten. Die Mehrheit der Fälle (80%) konnte elf bestimmten Ausbrüchen zugeordnet werden. Im 2017 waren 24 % der Fälle jünger als 10 Jahre alt, 29% zwischen 10- und 19-jährig; 47% waren 20-jährig oder älter. 78% der Fälle waren nicht oder nur unzureichend geimpft. 17% der Fälle mussten hospitalisiert werden, und bei 6% der Fälle wurde eine Pneumonie diagnostiziert.
Ausbrüche
Die elf Ausbrüche, welche bisher im 2017 verzeichnet wurden, umfassten je zwischen 2 und 22 Fälle und traten - teils grenzüberschreitend - in neun verschiedenen Kantonen auf (siehe Grafik). Die grössten wurden in folgenden Kantonen festgestellt:
- Tessin und Graubünden - 22 Fälle zwischen Ende Dezember 2016 und Anfang Februar 2017, vor allem bei Erwachsenen.
- Freiburg - 12 Fälle zwischen Januar und Februar 2017, betroffen sind vor allem Schülerinnen und Schüler
einer Primarschule und Personen in ihrem Umfeld.
- Wallis und Neuenburg - 22 Fälle, davon 17 im Wallis zwischen Ende August und Ende September; betroffen sind hauptsächlich Kinder (20 dieser Fälle waren jünger als 15-jährig, davon vier jünger als zweijährig). 90 % der Fälle waren ungeimpft. Die ersten vier Fälle waren im selben Walliser Freizeitpark exponiert. Genetische Analysen konnten zeigen, dass das Virus bei acht Fällen, die in diesen zwei Kantonen auftraten, identisch war.
Bewertung im Hinblick auf das Eliminationsziel
Das Ziel der Masernelimination ist in der Schweiz noch nicht erreicht, trotz beachtlicher Fortschritte in den vergangenen Jahren. Die Jahre 2014 und 2015 zeichneten sich mit 23 resp. 35 Fällen durch ein niedriges Niveau der Masernerkrankungen aus, d.h. es gab lediglich 3 bis 4 Fälle pro Million Einwohner jährlich. In den letzten drei Monaten des Jahres 2015 wurde sogar kein einziger Fall gemeldet. Diese Entwicklung in Richtung Elimination wurde im Jahr 2016 durch eine quasi Verdoppelung der Fälle unterbrochen (65 Fälle) - eine Tendenz, die sich im 2017 fortgesetzt hat (bereits 102 Fälle).
Die Durchimpfung nimmt jedoch zu - aktuell sind 87% der 2-Jährigen und 93% der 16-Jährigen mit 2 Dosen geimpft - und sollte damit verhindern, dass es zu grösseren oder lang anhaltenden Masern-Epidemien kommt. In Anbetracht der detaillierten Schweizer Daten zur Masernüberwachung ist die WHO erstmals zum Schluss gekommen, dass in unserem Land im 2016 die endemische Zirkulation der Masernviren unterbrochen wurde; dies, weil jeder der Ausbrüche weniger als 12 Monate gedauert hatte. Die vorläufigen Daten für 2017 zeigen, dass auch in diesem Jahr kein Ausbruch länger als zwei Monate anhielt. Weiter wurde während drei Monaten kein einziger Fall verzeichnet (Frühjahr bis Sommer), und zahlreiche Verdachtsfälle konnten dank eines negativen Laborbefunds von der Fallstatistik ausgeschlossen werden.
Die Elimination der Masern kann erreicht werden, wenn mindestens 95% der Bevölkerung, die nach 1963 geboren wurde, mit zwei Dosen geimpft ist. Anhand der durchgeführten Massnahmen bei den bedeutendsten kürzlich aufgetretenen Ausbrüchen in der Schweiz konnte gezeigt werden, dass zusätzliche Massnahmen erforderlich sind, um die verbleibenden Ausbrüche einzudämmen. Dazu gehören zum Beispiel die Identifizierung der Kontaktpersonen, der Schulausschluss von nicht geimpften Kindern und Jugendlichen, Impfung des Umfeldes von Erkrankten sowie die postexpositionelle Impfung.
Dokumente
Meldepflichtige Infektionskrankheiten 2018 (PDF, 2 MB, 10.01.2018)Leitfaden zur Meldepflicht 2018
Links
Medien
Zahlen zu Masern
Entwicklung der wöchentlichen Fallzahlen auf der Basis des obligatorischen Meldesystems, welches aufgrund von Meldungen der Ärzte erstellt wird.
Letzte Änderung 10.01.2018