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Bisher habe ich mich genervt, wie das Wort disruptiv gebraucht und missbraucht wird. Nach dem Entscheid des Bundesrates, einen Monat lang nichts zu entscheiden, habe ich mich gefragt, ob diese Pandemie disruptiv ist.
Gemäss Wikipedia ist eine disruptive Technologie eine Innovation, die die Erfolgsserie einer bereits bestehenden Technologie, eines bestehenden Produkts oder einer bestehenden Dienstleistung ersetzt oder diese vollständig vom Markt verdrängt und die Investitionen der bisher beherrschenden Marktteilnehmer obsolet macht. Sie unterscheidet sich von der schöpferischen Zerstörung, die Neukombination von bestehenden Sachen, die sich erfolgreich durchsetzt, alte Strukturen verdrängt und schlieslich zerstört. Die Zerstörung ist also notwendig – und nicht etwa ein Systemfehler –, damit Neuordnung stattfinden kann.
Da philosophierte ich also am Freitag 19. März vor mich hin und fragte mich, ob die Pandemie schöpferisch zerstört oder ein disruptives Ereignis ist. Ist sie wirklich etwas komplett Neues, eine Innovation, oder ist sie "nur" eine Neukombination von bestehenden Sachen?
Ich glaubte, endlich etwas gefunden zu haben, dass auch ich disruptiv nennen würde, und stellte enttäuscht fest, das auch die Pandemie nicht disruptiv ist.
An dieser Pandemie ist das einzige Neue, dass sie bestehende Sachen kombiniert, die vorher nie so miteinander kombiniert wurden. Die einzelnen Elemente sind altbekannt, können teilweise mit uralten Theorien und Konzepten erklärt werden.