Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03303.jsonl.gz/176

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Wagen blitzesschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen sassen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschoss’ner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.
Und ein blondgelockter Knabe
mit kohlrabenschwarzem Haar
auf die grüne Bank sich setzte,
die gelb angestrichen war.
Neben ihm ’ne alte Schrulle,
zählte kaum erst sechzehn Jahr‘,
in der Hand ’ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.
Droben auf dem Apfelbaume,
der sehr süsse Birnen trug,
hing des Frühlings letzte Pflaume
und an Nüssen noch genug.
Kennen Sie dieses Gedicht? In einer anderen Form vielleicht? Ja, das kann gut sein. Es gibt mehrere Versionen; wer die originale Version geschrieben oder gedichtet hat, ist nicht bekannt.
Rhetorische Figuren.
Mir geht es aber weniger um die Autorin oder den Autoren, sondern mehr um das Gedicht an sich bzw. um die hauptsächlich benutzte rhetorische Figur. Wie unschwer zu erkennen ist, handelt es sich um das Oxymoron. Das Oxymoron ist eine paradoxe Verknüpfung gegensätzlicher Begriffe in einem Wort oder einer Phrase. Es ist auch selbst schon ein Oxymoron: Im Griechischen heisst oxý-mōros scharf(sinnig)-dumm. Ich mag das Oxymoron.
Allgemein mag ich rhetorische Figuren, die haben immer so lustige Namen. Das entbehrliche, aber schmückende Epitheton Ornans zum Beispiel, die nicht ganz langweilige Litotes oder das Anakoluth, das, wenn ich es in einem Text entdecke, fasziniert mich.
Und bei Ihnen?
Sie sehen, ich meine es ernst. Wie ernst meinen es Sie? Verwenden Sie beim Schreiben rhetorische Figuren (bewusst)? Oder haben Sie gar eine Lieblingsfigur? Ich möchte es wissen.