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Recht vorteilhaft stellt man die Töpfe zarter
Pflanzen in größere, mit
Moos gut ausgepolsterte Töpfe. Im
Sommer ist
reichliche Lüftung empfehlenswert, im
Winter dürfen die
Pflanzen jedenfalls nicht von kalter
Luft getroffen werden, und ebenso
sind sie im
Sommer vor direktem Sonnenlicht zu schützen.
MancheBlattpflanzen gedeihen trefflich, wenn man sie im
Sommer einige Zeit an
einem geschützten
Ortins Freie stellt. Im allgemeinen verlangen Blattpflanzen vielWasser, aber im
Winter muß man
mit dem
Begießen höchst vorsichtig sein, und stets sollte die
Temperatur des
Wassers 2-3° höher sein als die des
Zimmers.
So oft wie möglich wasche man die Blattpflanzen mit reinem warmen
Wasser und einem weichen
Schwamm auf beiden Seiten der
Blätter, bespritze
sie auch (im
Sommer mehrere
Male des
Tags) mittels einer feinen Brause mit reinem lauwarmen
Wasser und stelle
zwischen den Töpfen flache
Gefäße mit
Wasser auf, damit sich die
Luft des
Zimmers immer möglichst feucht erhalte.
Das
Verpflanzen der
Gewächse überläßt man am besten einem mit der
Pflege von Gewächshauspflanzen vertrauten
Gärtner; man
wird selten Gelegenheit haben, die richtige Erdmischung selbst zu bereiten, und überdies verlangen die Blattpflanzen mit
meist dicken
Wurzeln eine geschickte und sehr verschiedenartige Behandlung. Sehr gefördert wird das Wachstum und die
Farbe
der
Pflanzen, wenn man sie während des
Sommers wiederholt mit Leimwasser (15 g
Leim auf 1
Lit. Wasser) begießt.
Insekten
[* 10] werden bei häufigem Abwaschen der
Pflanzen nicht leicht überhandnehmen können, etwa vorhandene vertilgt man am
besten durch
Waschen mit einer Abkochung von persischem
Insektenpulver.
Die dankbarsten Blattpflanzen sind die
Palmen, weil sie am leichtesten zu kultivieren sind und sich durch
Schönheit und Mannigfaltigkeit
der
Formen auszeichnen; ihre
Kultur breitet sich immer mehr aus, viele sind schon Marktpflanzen geworden.
Besonders empfehlenswert sind: Chamaerops excelsa, welche aber im
Winter eine höhere
Temperatur fordert und vorteilhaft gleich
als größeres
Exemplar angeschafft wird;
C. humilis, die sich auch unter den ungünstigsten Verhältnissen sehr lange im
Zimmer erhält;
Corypha australis, gleichfalls sehr dauerhaft und wie die vorige sehr dankbar für einen
Aufenhalt im
Freien während des
Sommers;
die ungemein
zierliche, sehr beachtenswert
Phoenix reclinata;
die derbere P. sylvestris;
mehrere Chamädoreen, wie
lunata, elegans,
ErnestiAugusti, graminifolia, welche schnell hoch werden;
die harte, prachtvolle
Cocos flexuosa und die seltsame
Caryota Cuminghii.
Alle diese
Palmen sind
hart und gedeihen vorzüglich, während die außerordentlich schönen
Arten von
Areca
und
Calamus nur bei sorgsamster
Pflege fortkommen. Von
Cykadeen ist der zierliche Encephalartos spiralis,
von
Pandaneen sind der ungemein schnellwüchsige
Pandanus furcatus, welcher bald mächtige
Dimensionen erreicht, und der zierliche,
sehr ausdauernde P. utilis, auch P. javanicus und P. gramineus, mit sehr schmalen Blättern, empfehlenswert. Die Dracänen
stellen sehr viele Blattpflanzen, sind aber im allgemeinen bei weitem nicht so ausdauernd wie die
Palmen, besonders viel empfindlicher gegen nicht ganz regelmäßiges
Begießen.
Sehr schön ist
Dracaena marginata, bei guter
Pflege eine prachtvolle
Pflanze, nur übertroffen von D. Cooperi, die aber in
voller
Schönheit schwer zu erhalten ist; auch die buntblätterigen
Formen von D. terminalis sind nicht leicht zu kultivieren,
während die sehr verbreitete D. rubra und D. stricta wie die neuern D. nutans, D. gloriosa, Barroni,
ignea, auch D. umbraculifera, regina und D. congesta weniger Schwierigkeiten machen. Zur Ausfüllung dunkler
Winkel
[* 11] eignet
sich vortrefflich
Plectogyne elatior, mit großen, schnellwüchsigen Blättern, die jede Unbill erträgt und auch mit panaschierten
Blättern (fol. variegatis) vorkommt.
Die großartigsten
Formen entwickeln die
Bananen, von denen mehrere
Arten recht gut im
Zimmer gedeihen; besonders empfehlenswert
sind
Musa Cavendishii, discolor, ornata und speciosa; die nahe verwandten schönen Maranten sind zart und erfordern sorgsamste
Pflege, wenn sie imZimmer gedeihen sollen.
Recht dauerhaft ist Phrynium
(Maranta)
[* 12] Selloi, weit schöner,
aber auch weit vergänglicher
Maranta zebrina. Von den zahlreichen
Canna-Arten, die besonders im
Garten
[* 13] kultiviert werden, eignen
sich einige mit Faserwurzeln und die, welche auch im
Winter ihre
Blätter nicht ganz abwerfen, zur Zimmerkultur, verlangen
aber viel
Licht. Ungemein artenreich ist die
Familie der
Aroideen, im ganzen dauerhafte
Pflanzen, zum Teil
mit mächtigen
Formen und für den
Liebhaber von hohem
Interesse. Sie sind gegenwärtig von der
Mode zurückgedrängt, aber einzelne,
wie das
¶
herrliche Philodendron pertusum (Monstera deliciosa), gehören zu den verbreitetsten Marktpflanzen und entwickeln sich im
Zimmer fast schöner als im Gewächshaus. Vielgestaltig und zum Teil farbenprächtig sind die Anthurien, von denen Anthurium
magnificum vielleicht die schönste Art ist. Auch A. leuconeuron hält sich gut im Zimmer, und Gleiches wird von vielen
andern Arten gerühmt. Beachtenswert sind auch die Dieffenbachien, deren eine Art, die bunte Dieffenbachia seguine picta, sich
bei sorgsamer Pflege kräftig entwickelt.
Große Farbenpracht entfalten die Blätter der Kalladien, die in reicher Mannigfaltigkeit gezogen werden; bei hinreichende
Luftfeuchtigkeit halten sie sich während des Sommers recht gut im Zimmer, aber im Winter ziehen sie ein,
und es gelingt nicht, sie im Frühjahr ohne Bodenwärme wieder zu voller Schönheit anzutreiben. Sehr bekannt ist die Calla
aethiopica, welche namentlich in feuchten Zimmern sich kräftig entfaltet und schöne weiße Blüten treibt; eine niedrige
Form blüht dankbarer, ist aber weniger schön; eine andre Form, C. albo-maculata, hat kleine, pfeilförmige,
silberweiß gefleckte Blätter.
Von den Dikotyledonen ist vor allen die GattungFicus mit dem allverbreiteten Gummibaum zu erwähnen, zu welchem F. australis
ein Seitenstück bildet. Dieser ist ungemein hart, während F. Cooperi und Porteana zwar viel schöner, aber auch schwieriger
zu kultivieren sind. Schnellwüchsig und durch schöne Blattformen ausgezeichnet sind Aralia papyrifera
und Sieboldii, welchen man im Sommer einen Standort im Freien geben muß. In schönen Exemplaren bilden diese Pflanzen den herrlichsten
Zimmerschmuck.
Ganz eigenartig sind die Begonien, welche bei sorgsamer Pflege, aber auch nur dann sich sehr dankbar erweisen;
sie erfordern
große Gleichmäßigkeit im Begießen und sind sehr empfindlich gegen Staub, Zugluft, Sonnenlicht und Benetzung;
andre Arten, wie Blattpflanzen boliviensis und Blattpflanzen magnifica,
entwickeln zahlreiche und schöne Blüten.
Die Begonien bilden den Übergang zu den buntblätterigen Pflanzen, welche durch
die GattungenColeus,
[* 18] Aphelandra, Eranthemum, Peperomia etc. vertreten werden. Sie ersetzen einigermaßen
die Blüten, sind aber kaum recht empfehlenswert und werden gegenwärtig nur durch die Mode begünstigt; ziemlich dauerhaft
ist Peperomia argyraea. Die Farne gehören zu den prächtigsten und zierlichsten und sind besonders in England sehr beliebt;
sie eignen sich namentlich zur Zusammenstellung mit Palmen, sind aber sehr empfindlich und gedeihen im
Zimmer nur, wenn man für große Feuchtigkeit der Luft sorgt, die Pflanzen gleichmäßig begießt, vor Staub schützt und fleißig
bespritzt; sie wachsen zwar im Schatten der Wälder, verlangen im Zimmer aber reichliches Licht, wenn auch durchaus Schutz vor
den Sonnenstrahlen. Recht empfehlenswert sind Adiantum assimile, Blechnum brasiliense, Gymnogramma Laucheana,
Phlobopodium aureum und Polypodium aureum, neben welchen von den tropischen Lykopodien die herrlich metallblau schimmernde
Selaginella caesia arborea (laevigata) kultiviert werden kann.
[* 2] nennt man, im Gegensatze zu den Pflanzen mit schönen Blüten, alle diejenigen Gewächse, deren Blätter
durch bedeutende Größe und Farbenpracht, durch besondere
Eleganz des Schnittes oder durch gefällige Anordnung, zuweilen
durch alle diese Vorzüge zusammen einen angenehmen, bisweilen sogar überraschenden Eindruck machen.
Während die Gartenfreunde früherer Jahrhunderte vorzugsweise mit Blumenzucht sich beschäftigten, huldigen in neuerer Zeit
Geschmack und Mode mehr den Blattpflanzen. Da sehr viele Pflanzenfamilien einen größern oder geringern Beitrag
zu den Gewächsen dieser Art geliefert haben, so sind auch die Existenz- und Kulturbedingungen der letztern sehr verschiedener
Art. Eine geringe Anzahl begnügt sich mit der Kultur im freien Lande, der weitaus größere Teil erfordert
das Gewächshaus, vorzugsweise das niedrige Warmhaus.
Als Blattpflanzen des freien Landes, die keinen Winterschutz bedürfen, sind hervorzuheben: Mehrere Arten der Gattungen Rheum (Rhabarber)
und Heracleum (Bärenklau), FerulacommunisL., ein großes Doldengewächs aus dem Mittelmeergebiet, und
Bocconia cordata Willd., eine
chilen. Papaveracee. Als Einzelpflanzen für kleinere Plätze eignen sich: VeratrumnigrumL. und VeratrumalbumL., der schwarze
und der weiße Germer, Funkia ovataSpr., Funkia subcordataSpr. und Funkia albo-marginataHook. Zur Ausschmückung von Teichufern
eignen sich die deutschen Petasitesofficinalis Mönch und PetasitesniveusBaumg.; ferner Polygonum cuspidatumSieb. und Polygonum sacchalinense F. Schmidt, beide aus Ostasien.
Winterschutz bedürftige Freilandblattpflanzen sind Gunnera scabra R. et Pav.
aus Chile
[* 23] (s. Tafel: Blattpflanzen, Fig. 3), eine der schönsten ornamentalen Pflanzen, die im Habitus an Rhabarber erinnert,
aber bedeutend mächtiger wird. Ferner die schönen Akanthusarten, wie der südeurop. Acanthus
[* 24] mollisL. mit der wertvollen Abart var. latifolius, Acanthus longifolius Hort. und AcanthusspinosusL. Prächtige Blattpflanzen sind auch die
Artischoken (Cynara scolymusL.) mit ihren großen, weißen zerteilten Blättern.
Eine viel größere Auswahl bieten diejenigen Blattpflanzen, welche eigentlich Gewächshauspflanzen sind, sich aber
während des Sommers zur Freilandkultur eignen und bei solcher in verhältnismäßig kurzer Zeit zu schönen
Solitärpflanzen heranwachsen. Solche sind die nordamerik. Wigandia caracasana H. Blattpflanzen mit fast 1 m langen
und halb so breiten Blättern von dunkelsaftgrüner Färbung und etwas rauher Konsistenz; Ferdinanda emininens Lag., Uhdea
pinnatifida Knth.
und mehrere Nachtschatten-(Solanum-)Arten, von denen Solanummarginatum L. fil.,
Solanum robustum H. und Solanum Warscewiczii Hort. wegen ihrer Schönheit sich besonderer Beliebtheit erfreuen. Die größte
Verbreitung aber hat die Gattung Canna (s. d.), Blumenrohr, gefunden. Eine der besten Blattpflanzen aus
dieser Gruppe ist Musa Ensete Gmel (s. Tafel: Blattpflanzen,
[* 25]
Fig. 4); sie ist in
¶
mehr
Abessinien hennisch und unterscheidet sich auf den ersten Blick durch den dicken, aus mächtigen Blattscheiden gebildeten Staunn
und den viel straffern Wuchs von andern Arten dieser Gattung. Im Mai ins freie Land gepflanzt, entwickelt sie sich bei guter
Pflege in erstaunlich kurzer Zeit zu riesigen Dimensionen. Im Herbst muß sie aus der Erde genommen und
bei +6 bis 8° R. im Gewächshaus überwintert werden. Andere schöne Gewächshauspflanzen für Freilandkultur sind Amicia
zygomeris DC. aus Mexiko,
[* 27] eine strauchige Papilionacee,
und SenecioPetasites DC., eine strauchige mexik. Komposite.
Auch unter den einjährigen Gewächsen befinden sich einige, die als Blattpflanzen hochgeschätzt sind; so
z. B. die Gattung Ricinus mit ihren Arten und Abarten, die, obwohl nicht einjährig, bei uns als Zierpflanzen gehalten werden.
Weiter liefern die Tabakarten (Nicotiana) sehr schöne Blattpflanzen, unter welchen Nicotiana colossea Hort. als prächtigste hervorgehoben
zu werden verdient. Sie kann, im Herbst in einen Kübel gepflanzt, im Gewächshaus überwintert werden.
Einige erwähnenswerte, weniger als Einzelpflanzen, als zu wirkungsvollen Gruppierungen geeignete Blattpflanzen sind
die Fuchsschwanzarten (Amarantus, von denen AmarantuscaudatusL. und AmarantusmelancholicusL. mit ihren Varietäten als die
besten angesehen werden können, Perilla nankinensis Desn., eine dunkelbraunrotblätterige Labiate von vorzüglicher Wirkung,
der Riesenhanf (CannabissativaL. var. gigantea) u. a. m.
Sehr groß ist die Zahl der Blattpflanzen, welche beständig des Schutzes der Gewächshäuser bedürfen und sich hier
in tropischer Pracht entfalten. Von ihnen werden mit großer Vorliebe die zahlreichen Varietäten und Blendlinge der Gattung
Coleus (s. d.), welche zu den Labiaten gehört, kultiviert. Die ersten schon
vor 3-4 Jahrzehnten aus Java eingeführten Species waren Coleus BlumeiBenth. und Verschaffelti Lem.
Wesentlich aus diesen Arten und ihren direkten Nachkommen sind außerordentlich zahlreiche Mischlinge entstanden, die nicht
nur an Größe der Blätter, sondern auch an Mannigfaltigkeit und Glanz ihrer Farben die Stammeltern weit übertreffen.
Auf ihren Blättern prangen und schimmern alle möglichen Töne von Gelb, Braun, Rosa, Karmin, Not, Karmesin
und Purpur in verschiedenartiger Anordnung, und sehr häufig tritt das Grün des Grundes als Zeichnungsfarbe oder am Rande des
Blattes in Form einer Perlenschnur auf. (S. Coleus mit Textfigur: 3 Varietäten von Coleus BlumeiBenth.) Eine ähnliche große
Artenzahl von hat die Gattung Begonia. (s. d.) geliefert. Die bedeutendste der zu ihr gehörigen Arten
ist Begoniarex Putz., ausgezeichnet
durch sehr stattliche Blätter mit einer silberweißen, fast verkrusteten Zone und unzähligen verstreuten Tüpfeln und Punkten
von derselben Farbe. (S. Tafel: Blattpflanzen, Fig. 5.) Sie hat eine große Menge von Spielarten hervorgebracht, welche
von der Stammpflanze durch Form und Färbung der Zone und der Flecken abweichen.
Aber noch viele andere Arten sind von der Natur kaum minder freigebig ausgestattet worden, z. B. Begoniasmaragdina Lem., Begonia
robusta Hort., Begoniaheracleifolia Cham.
et Schldl., und viele andere. Neuerdings sind diese Blattbegonien durch andere Blattpflanzenarten in den
Hintergrund gedrängt worden. Ebenfalls nur noch in beschränktem Maße werden jetzt die früher so beliebten Caladien kultiviert.
Diese zu der Familie der
Araceen (Aroideen) gehörige Gattung kennzeichnet sich in betreff der hier vorzugsweise in das Auge
[* 28] zu fassenden Belaubung durch breite, schild- oder herzförmige Blätter, die, um nur einige der hervorragendsten
Arten anzuführen, bei Caladium argyrites W. durch unregelmäßige mattweiße Flecken und Punkte, bei CaladiumChantinia Lem.
durch rosenrote Rippen und weiße rosenrot gemalte Tüpfel, bei Caladiumagyrospilum Lem. durch
einen großen über dem Mittelfelde liegenden karminroten Flecken und einen ebenso gefärbten Rand und Blattgrund verziert
sind.
Die zahlreichen Arten, Spielarten und Blendlinge erheben die Gattung Caladium zu einem der glänzendsten
Geschlechter des Pflanzenreichs. Die Blätter sterben im Herbst nach und nach ab und in demselben Maße muß mit dem Gießen
[* 29] nachgelassen werden. Die in der Erde befindlichen Knollen
[* 30] werden herausgenommen und in feuchtem Sande im Warmhaus überwintert.
Im Frühjahr, sobald sich der Trieb zu regen beginnt, pflanzt man sie wieder in nahrhafte sandige Lauberde
und hält sie beständig warm und feucht. S. Caladium mit Textfigur (Caladium bicolor W.) und Tafel: Araceen,
[* 26]
Fig. 5 (Caldium
Belleymei Hort.).
In ihrer Erscheinung abweichend ist die Gattung Codiaeum
[* 31] (s. d.), welche gegenwärtig bei den Freunden
von Blattpflanzen, soweit sie über gut eingerichtete Warmhäuser verfügen, in der höchsten Gunst steht. Die Mehrzahl
der zu ihr gehörigen Arten hat große lederartige, auf frischem Grün längs der Haupt- und Nebenrippen prächtig gelb oder
rot gezeichnete und marmorierte Blätter. S. Codiaeum mit Textfigur (Codiaeum variegatum Müll. var. trilobatum).
Sie stammen fast alle von den Inseln des Stillen Oceans. Da sie aber für die Stubenkultur wenig Wert haben und auch als Zierpflanzen
des Warmhauses bald ihre Schönheit verlieren, so werden sie kaum jemals die dauernde Beliebtheit gewinnen, die vielen andern
Blattpflanzen, z. B. den Dracaenen und Cordylinen, zu teil geworden
ist.
Letztere aber verdienen diese Gunst in vollem Maße, nicht nur wegen ihrer Fähigkeit, den übeln Einflüssen der Wohnstuben
für längere Zeit zu widerstehen, sondern auch in Rücksicht auf die ausgezeichnete Gruppierung. Form, Färbung und Zeichnung
ihrer graziös geschwungenen, meist zu einem federbuschartigen oder palmenwipfligen Ganzen zusammentretenden Blätter. Dracaena
Goldieana Hort. hat herzförmig eirunde, zugespitzte Blätter mit gelblichgrüner Mittelrippe und mit
Marmorflecken und unregelmäßigen Bändern, abwechselnd in Dunkelgrün und Silbergrau.
Die auf Tafel: Blattpflanzen, Fig. 2, abgebildete Cordyline (Dracaena) hybrida trägt an purpurrosenroten
Stielen ausgebreitete, graziös gebogene, dunkelbronzegrüne, leuchtend karminrosa gezeichnete Blätter. Dracaena terminalisL. (Dracaena) ist eine der beliebtesten Arten und die Stammpflanze der zahlreichen Gartenformen mit purpur-bronzegrünen,
karminrosenrot gestreiften Blättern. Außer den angeführten neuern Arten und Formen sind auch die zahlreichen ältern, sowohl
grün- wie buntblätterigen, in ihrer Art schön und kulturwürdig: Cordyline australisEndl., Cooperi, cannaefolia, heliconiaefolia,
indivisa Forst.,
[* 32] mit ihren buntliniierten Varietäten, lentiginosa, Mooreana, nigrescans, Reginae, rubra, terminalis (ferreaL.) und viele andere (s. Cordyline).
Den Dracaenen und Cordylinen schließt sich die Gattung Maranta an, von der die schöne Maranta
¶
mehr
zebrina Sims.
[* 34] (s. Maranta mit Textfigur) die am meisten beliebte Art ist. Die großen ovalen 60 cm langen und bis 20 cm breiten
Blätter sind unten schön violett, oben in den verschiedensten Abstufungen vom hellsten bis zum dunkelsten Sammetrün
querstreifig gefärbt. Bei Maranta leopardina Hort. sind die blaßgrünen, etwas schiefen Blätter zwischen
den Nebenrippen mit fast gegenständigen länglichen, zugespitzten, dunkelgrünen Flecken gezeichnet. Viele andere Arten haben
eine ähnliche Zeichnung, sodaß die ganze Gattung eine der merkwürdigsten der Familie der Scitamineen ist.
Auch die Familie der Melastomaceen hat die Gewächshäuser mit einer Menge der schönsten Blattpflanzen beschenkt,
wie die Gattungen Cyanophyllum, Miconia, Phyllagatis, Sphaerogyne und Sonerila beweisen. Sphaearogyne
latifolia Naud.
mit ihren großen, schön geschnittenen, auf der Oberfläche sammetartig grünen, auf der Unterseite rotgefärbten Blättern
ist in der nachstehenden
[* 33]
Fig. 1 dargestellt. Sphaerogyne imperialisLindl. ist ihr ähnlich; die Blätter aber sind nicht so
groß wie bei der genannten Art. Noch schöner ist: CyanophyllummagnificumLindl., eine mexik. Pflanze
mit 40 cm langen und fast halb so breiten Blättern von länglich-lanzettförmiger Gestalt, oben prächtig sammetgrün mit
weißlichen Mittel- und hellgrünen Seitennerven, unten dunkelpurpurblau.
Eine ganze Reihe sehr zierlicher Blattpflanzen des niedrigen Warmhauses mag hier eine Gruppe für sich darstellen,
in der die Sonerilen und Fittonien die ersteStelle einnehmen, jene der Familie der Melastomaceen, diese der der Acanthaceen
angehörig. Bei jenen ist die Oberfläche der Blätter mit weißen, perlartigen Flecken in verschiedenster Anordnung besetzt.
Ihr bekanntester Vertreter ist Sonerila margaritaceaLindl. mit mehrern durch größere und kleinere weiße Flecke
ausgezeichnete Formen. Vorstehende
[* 33]
Fig. 2 zeigt die Varietät superbia. Bei
Fittonia werden die Blätter von einem höchst
zierlichen Adernetze bedeckt, bei Fittonia argyroneura Coem. (s. nachstehende
[* 33]
Fig.
3) von einem weißen, bei Fittonia giganteaLindl. von einem roten. Am zierlichsten gestaltet sich dieses weiße, gelbe, goldgelbe
oder rote Netzwerk
[* 35] der oft bräunlich- oder bronzegrünen Blattfläche bei den Orchideengattungen Anoectochilus
und Macodes, in ähnlicher Weise bei Erathemum; bei Eranthemum igneum Hort. sind die schwärzlichgrünen Blätter mit einem
lebhaft goldgelben, bei Eranthemum sanguinolentum auf dunkelgrünem Grunde mit einem dunkelroten Adernetze auf das ansprechendste
gezeichnet. Dem Charakter dieser zierlichen Blattpflanzen schließen sich Peperomia arifolia Miq.
(s. beistehende
[* 33]
Fig. 4) und ihre Spielart var.
argyreia an. Zu den in solcher Weise reich geschmückten Pflanzengestalten gehört auch die Gattung Dichorisandra.
Bei Dichorisandra mosaica C. Koch
etLindl. sind die großen, unten purpurnen Blätter oben metallisch grün und mit vielen kleinen weißen Linien zwischen den
parallelen Seitennerven durchzogen, während die mehr rundlichen, breiten, wellenförmig bewegten, oben
silberglänzendgrünen der in umstehender
[* 33]
Fig. 5 abgebildeten Dichorisandra undata C. Kock etLindl. mit Flecken von dunklerm
Grün bezeichnet sind. Prächtige Blattpflanzen enthält auch die Familie der Araceen oder Aroideen (s. Tafel: Araceen), besonders die Gattungen
Anthurium, aus welcher AnthuriumcrystallinumLindl. etAndr. hervorzuheben ist. Ähnlich dieser Art istAnthuriummagnificumLindl. und AnthuriumregaleLindl. Sehr schöne Arten bietet auch die Gattung Alocasia, von welcher Alocasia metallicaHook. mit kupferig schillernden schildförmigen Blättern und Alocasia macrorhizaSweet. var. variegata mit großen grünen,
weißbunten, pfeilförmigen Blättern die besten sind. Die Gattung Dieffenbachia ist mit mehrern ganz
ausge-