Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03633.jsonl.gz/2171

Die Vermittlung von Bauwissen in der Hausväterliteratur, den Schriften der Kameralisten und den Traktaten zur Landbaukunst im deutschsprachigen Raum ca. 1600 – 1800
Dr. Anja Buschow Oechslin, Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, Einsiedeln
1785 hielt der preussische Oberbauinspektor Heinrich Ludewig Manger im Vorwort seines in Leipzig publizierten Buches «Die ökonomische Bauwissenschaft zum Unterricht für den Landmann», das im gleichen Jahr auch anonym als zweiter Teil des vierten Bandes von Christian Friedrich Germershausens «Der Hausvater in systematischer Ordnung» erschienen ist, fest: „In der Mitte des jetzigen Jahrhunderts war noch grosse Klage über den Mangel an dergleichen Anleitungen. Man beschuldigte die Baumeister, dass sie zwar ganze Folianten von den Säulenordnungen und von Prachtgebäuden schrieben; keiner aber wisse, oder lasse wenigstens sich merken, dass er's wisse, wie viel z. B. Raum zu einem Stalle für zwanzig Ochsen, oder auch nur eine gleiche Anzahl Schweine erforderlich wäre, und wie dergleichen Ställe am besten zu erbauen wären».
Im deutschsprachigen Bereich lagen vor 1750 neben der von Joseph Furttenbach dem Jüngeren in Augsburg 1649 aus dem Nachlass seines Vater publizierten Schrift «Mayerhoffs Gebäw» und dem 1715 aus dem Nachlass von Nicolaus Goldmann durch Leonhard Christoph Sturm edierten und mit umfangreichen Anmerkungen versehenen Werk «(…) Land– Wohnungen und Meyereyen (…)» keine spezifischen Architekturtraktate zur Landbaukunst vor. 1759 erschien Johann Georg Leopolds «Oeconomische Civilbaukunst theoretisch und praktisch abgehandelt», in der erstmals sämtliche Bereiche der Landbaukunst thematisiert werden. Das Buch bildete die Grundlage für die zahlreichen im 18. Jahrhundert folgenden, der Landbaukunst gewidmeten Traktate.
Schon seit ca. 1600 gaben die Schriften der Hausväter, in denen alles Wissenswerte zur Führung eines Landgutes vermittelt wurde, dem bauinteressierten Landadel auch die notwendigen Informationen und Regeln zum Bauwesen. Nach der Gründung der ersten Lehrstühle für Kameralistik ab 1727 geriet das Bauen auf dem Land ins Visier der Oekonomen und Staatswissenschaftler, deren Ziel die allgemeine Verbesserung des Staatswesen und insbesondere der Landwirtschaft war.
Das Projekt wird die unterschiedlichen Formen der Vermittlung von Bauwissen und deren Umfang und Detaillierung in den verschiedenen Schriften und Traktaten aufzeigen, wobei für das 18. Jahrhundert auch auf die allgemeinen Bemühungen um die Hebung der Landwirtschaft eingegangen wird. Thematisiert werden zudem Bauordnungen und die Organisation der Ämter der Landbaumeister, die Organisation des Bauwesens im Bereich der insbesondere in Preussen forcierten Kolonisation im ländlichen Bereich zwecks Ansiedlung von zumeist ausländischer Bauernfamilien sowie «Innovationen» wie die Möglichkeiten der Holzersparnis, feuersicheres Bauen und der Lehmbau.
Vgl. Anja Buschow Oechslin, «Landbaukunst. Vermittlung von Bauwissen in den Hausbüchern, der Hausväterliteratur und in den Schriften der Kameralisten im deutschsprachigen Raum 1600–1770». In: Scholion. Bulletin der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin. 11. Basel, Colmena Verlag, 2019. S. 110–153.