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Vorlage des Hörspiels Hintergedanken: Auf dem Sofa mit Viktor Frankenstein ist der Roman von Mary Shelley Frankenstein. Oder ein moderner Prometheus. Die Regisseurin Gisela Nyfeler plante 2020 unter dem Titel Unser Frankenstein eine Laientheaterproduktion in Ruswil, welche im Herbst 2020 Premiere feiern sollte. Corona-bedingt wurde das Projekt im Juni 2020 endgültig abgesagt. Für Gisela Nyfeler, bekannt durch die Produktionen Comiclesungen 1. bis 3. Streich und der Veranstaltungsreihe Ist Dada Da?, war das Projekt deswegen nicht gestorben. Zu universell und zeitlos sind die Themen und Motive dieser Geschichte, die über die Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung, Inklusion, aber auch Erfolg und Macht, Seelenfrieden und Vergebung handeln. Neu als Hörspiel konzipiert, wechselt sie nun mit zwei Schauspieler*innen und einem Musiker von der Bühne ins Tonstudio. Mit dem bewussten Konzept der Live-Vertonung und dem gleichzeitigen Zusammenkommen des Publikums vor den Lautsprechern kann dieses Unmittelbare und Gemeinsame, was das Theater ausmacht und fasziniert, direkt in die Stube gebracht werden.
Mary Shelley: Frankenstein. Oder der moderne Prometheus
Verfasst wurde Frankenstein. Oder ein moderner Prometheus 1816 von der englischen Schriftstellerin Mary Shelley. Die damals 19-jährige Shelley war zusammen mit ihrem Verlobten bei Lord Byron am Genfersee zu Gast. Nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora (1815) ging 1816 als «das Jahr ohne Sommer» in die Geschichte ein: Es regnete wochenlang. Lord Byron schlug vor, sich die Zeit mit einem Schreibwettbewerb zu vertreiben. Daraufhin verfasste Shelley ihre Geschichte, inspiriert durch die Schauerromane der Romantik und die Diskussionen rund um die Frage, ob mittels Galvanismus totes Material zum Leben erweckt werden könne.
Frankenstein. Oder ein moderner Prometheus wurde einige Jahre später – zuerst anonym – veröffentlicht. Viel Unglaube machte sich breit, als bekannt wurde, dass es sich bei der Autorenschaft um eine Frau handelte. Schnell war das Wesen aus dem Roman als «Frankensteins Monster» und fälschlicherweise auch unter dem Namen «Frankenstein» in aller Munde. Der Roman wurde jedoch erst viel später breit rezipiert.
Shelley begründete mit ihrem Roman das neue Genre Science-Fiction und prägt bis heute unsere Vorstellung, was ein Monster ist oder sein könnte.
Synopsis
Robert Walton, Polarforscher im späten 18. Jahrhundert, steckt mit seinem Schiff im ewigen Eis der Arktis fest. Walton schreibt seiner Schwester Briefe, um ihr eine unglaubliche Geschichte zu berichten: Seine Mannschaft hat einen erschöpften jungen Mann bei sich aufgenommen, der aus dem Nichts auf einer Eisscholle aufgetaucht ist. Sein Name ist Viktor Frankenstein. Walton erzählt in den folgenden Briefen die Lebens- und Leidensgeschichte von Frankenstein.
Der junger Schweizer Galvanismus-Forscher Frankenstein erschafft in seinem Labor aus Leichenteilen ein Wesen, das er mit Elektroschocks zum Leben erweckt. Ob dem Erfolg und der Hässlichkeit der Kreatur erschrickt Frankenstein. Fluchtartig verlässt er sein Labor und verstösst seine Schöpfung.
Das Geschöpf ist bald mehr oder weniger im Vollbesitz seiner Kräfte und Fähigkeiten und wagt sich hinaus in die Welt. Es lebt einsam im Wald und ernährt sich von Beeren und Nüssen. Als die Nahrung immer spärlicher wird, sieht es sich gezwungen, seinen Weg fortzusetzen. Erstmals nähert es sich unbemerkt den Menschen. Es eignet sich durch Beobachtung Wissen und Sprache an und entwickelt Gefühle. Die Sehnsucht nach Liebe treibt das Wesen dazu, scheu mit den Menschen in direkten Kontakt zu treten. Die extreme Abneigung und Verstossung als Monster, die es daraufhin erfährt, lassen es verzweifeln. Es leidet enorm unter der sozialen Isolation, immer mehr macht sich Wut in ihm breit. Wut auf seinen Schöpfer Frankenstein, von dem es dermassen im Stich gelassen wurde. Sein Wunsch nach Rache wächst. Es macht sich auf die Suche nach Frankenstein. Traurig und wütend tötet es auf seinem Weg alles, was Frankenstein lieb ist.
Auf einem Gletscher treffen Frankenstein und das Wesen schliesslich aufeinander. Das Wesen verlangt von seinem Schöpfer, ihm eine Gefährtin zu schaffen. Frankenstein verspricht, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Während des Schaffensprozesses überkommen Frankenstein Zweifel, er zerstört die fast fertiggestellte Kreatur. Das bricht dem Wesen das Herz. Es rächt sich, indem es während Frankensteins Hochzeitsnacht dessen Braut tötet. Daraufhin beginnt eine monatelange Jagd, bei der nie so ganz klar ist, wer Jäger und wer Gejagter ist.
Diese Jagd führt Frankenstein in die Arktis und letztlich auf das Schiff von Walton. Frankenstein ist am Ende seiner Kräfte und stirbt in seiner Kajüte. Zeitgleich steigt das Wesen durch die Luke ins Schiff. Es findet seinen sterbenden Schöpfer vor und wird von grosser Trauer ergriffen. Walton erscheint. Mit dem Versprechen, sich selber zu richten, verschwindet das Wesen im ewigen Eis.