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Helene Bossert: Schutzängel sy nit dick gsääit
Leben und Werk der Baselbieter Mundartdichterin. Dass «Schutzängel nit dick gsääit sy», das musste die originelle, mutige und tapfere Mundartdichterin Helene Bossert (1907 – 1999) hin und wieder selber erleben. Nach Jahren der Ächtung wegen einer Russlandreise erhielt sie im Jahr 1987 den Baselbieter Literaturpreis.
Martin Stingelin, bis 2019 Kirchenratspräsident, amtet zur Zeit als stellvertretender Pfarrer in der Kirchgemeinde Münchenstein. Neben theologischen pflegt er auch literarische und heimatkundliche Interessen. Er wird aus dem Leben und dem Werk der Mundartdichterin Helene Bossert erzählen, die einige von uns vielleicht noch persönlich gekannt haben.
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Helene Bossert wuchs in Zunzgen in einfachen Verhältnissen auf und besuchte dort die Primarschule. Danach arbeitete sie als Haushalts- oder Fabrikaushilfe. Später absolvierte sie eine sprachpädagogische Ausbildung. 1944 heiratete sie Ulrich Fausch und wurde Hausfrau. Bekanntheit erlangte Fausch-Bossert als Dichterin und Autorin unter ihrem ledigen Namen in Baselbieter Mundart, besonders mit den Gedichten «Blüemli am Wääg» von 1942 und «Stärnschnuppe» von 1980, ihrem Erzählband «Änedra» von 1972 und der Verserzählung «Mit verbundne Auge» von 1994. Ihre Gedichte «Was wäiss e Möntsch vom andere?» und «Frooge» vertonte der Komponist Peter Escher in den 1990er-Jahren. Bis 1953 war Bossert freie Mitarbeiterin beim Radio-Studio Basel, für das sie Hörspiele verfasste und als ‹Hitspielerin› tätig war. Zudem war sie während des Zweiten Weltkriegs beim Frauenhilfsdienst als Soldatenmutter aktiv. Nachdem sie 1953 mit der Basler Frauenvereinigung für Frieden und Fortschritt (BFFF) eine Studienreise in die Sowjetunion unternommen hatte, bekam Fausch-Bossert im Kanton Basel-Landschaft politische Probleme. Sie wurde in Presseberichten öffentlich diskreditiert. Ihr wurde vorgeworfen, Kommunistin oder zumindest Sympathisantin der Kommunistischen Partei zu sein, da die Reise von dieser bezahlt worden sei. Das Radio-Studio Basel entliess sie daraufhin und ihre Publikationsmöglichkeiten waren fortan eingeschränkt. Darüber hinaus wurde sie von der Politischen Polizei überwacht. Selbst eine Interpellation von 1954 im Landrat durch den späteren Regierungsrat Paul Manz konnte ihre Wiedereinstellung beim Radio nicht erwirken. Bossert wurde erst 1970 rehabilitiert. 1971 gab die Baselbieter Literaturkommission als Zeichen der Wiedergutmachung eine Auswahl von Bosserts Erzählungen heraus. 1988 erhielt die damals in Sissach lebende Dichterin in Anerkennung ihres Werkes den Baselbieter Kulturpreis. Ein Postulat im Landrat, in dem öffentliche Wiedergutmachung für die staatliche Diskriminierung gefordert wurde, scheiterte 1999 mit dem Hinweis auf die verliehene Auszeichnung. Bossert verstarb im selben Jahr im Jakobushaus in Thürnen. (Quelle: Personenlexikon.bl.ch)