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>> The english version of this interview is here.
Dies ist unsere traditionelle Einstiegsfrage: Welches deiner Biere hättest du Bierhunter Michael Jackson serviert?
Perscia, unser Golden Sour Ale, ausgebaut in Eichenfässern mit Zugabe von Pfirsichen. Es ist von allen Bieren, die wir brauen, mein absolutes Lieblingsbier. Ich liebe wie sich die Aromen des Biers und der lokalen Pfirsiche aus Colorado verbinden.
Wenn du darüber nachdenkst, ein neues Bier zu brauen, was möchtest du mit dem Bier erreichen?
Ich mag es anhand von Visionen zu arbeiten: Ich versuche ein Resultat basierend auf einer Inspiration oder einer Vision zu erreichen. Ich denke also zuerst an das fertige Bier und kreiere das Rezept in meinem Kopf, in dem ich die Zutaten mit der Inspiration verbinde – immer in der Hoffnung damit meine ursprüngliche Vision zu erfüllen.
Machst du das eher auf wissenschaftliche oder gastronomische Art und Weise? Oder anders gefragt, versuchst du deine Vision mittels den Zutaten oder mittels der Hefe zu erreichen?
Wahrscheinlich ist es zu 100% visuell und gastronomisch. Für mich dreht sich alles darum, das Endprodukt geniessen zu können und dieses Ziel probiere ich vom Anfang bis zum Schluss zu verfolgen.
Du hast aber einen wissenschaftlichen Hintergrund. Wie zeigt sich das in deinen Bieren?
Jedes von unseren Bieren ist ein Experiment. Wir schauen uns immer alle Variablen an und machen Anpassungen, je nachdem wie das vorherige Resultat war. Auch wenn die Kunst vielleicht etwas stärker durchdrückt als die Wissenschaft; unsere Biere sind von der Wissenschaft getrieben. Und das sieht man anhand den wohlkalkulierten und komplexen Bieren, die wir machen. Unsere Biere haben Eigenschaften, welche die meisten anderen Biere nicht haben. Dies erreichen wir anhand der extensiven Analysen, welche wir während dem ganzen Prozess durchführen.
Seid ihr eher „was wurde noch nie zuvor gemacht?“ oder „wo würde ich gerne meine eigene Interpretation beitragen?“-Brauer?
Inspiration ist ein mächtiges Werkzeug und treibt meine kreative Seele an. Meine Augen sind immer offen, die Möglichkeiten sind endlos und das zeigt sich in unseren Biere.
Ihr seid also ein „keines von beidem“ oder vielleicht auch ein „beides“ Brauer [lacht]. Doch warum Farmhouse Biere und nicht Biere im englischen Stil?
Das liegt wohl daran, dass mir die Farmhouse Biere mehr Spielraum geben. Ich komme ursprünglich vom Wein. Beim Wein geht es immer um den Stil. Doch ich möchte nicht immer die gleichen Bierstile brauen, sondern Kunst machen. Die Art von Bieren, welche wir brauen, machen es möglich, dass sie ihre Eigenart ausdrücken können. Biere der englischen Stile haben diese Eigenschaft typischerweise nicht und deswegen zieht es mich eher zu den Geschmäckern und Eigenschaften der Farmhouse-igen Biere.
Zeigen sich Trends irgendwie in deinen Bieren oder vermeidest du diese bewusst?
Wir brauen was wir lieben und wir lieben was wir brauen. Sich daran zu halten ist am Allerwichtigsten. Dies und dabei keine Kompromisse einzugehen!
Was meinst du, wird der nächste Trend sein?
Wenn ich das voraussagen könnte, dann würde damit die ganze Freude an der Entdeckung und Kreativität verloren gehen, welche in der Innovation steckt.
Erkennst du eine Gruppenzwang-Mentalität beim Brauen?
Ich habe ein paar enge Freunde in der Bierbraubranche und wir inspirieren uns gegenseitig. Leider sehen wir uns nicht so oft, aber wenn wir uns treffen, dann sind es immer grossartige Momente.
Was denkst du über die Brett trois Geschichte?
Ich habe das nicht wirklich eng verfolgt, da es für mich, als es dieses Mal diskutiert wurde, bereits ein alter Hut war. Ich machte damals vor 5 bis 6 Jahren während meiner Forschungen ähnliche Entdeckungen mit verschiedenen Brett und Sacch Stämmen…
Unterdessen akzeptiere ich, dass die Hefen halt einfach Hefen sind. Ich suhle mich nicht in reinen Kulturen, Reinkultur-Vergärungen. Stattdessen konzentriere ich mich auf die Gäreigenschaften und welche Magie die Hefe währenddessen vollbringt.
Bier hinkt bezüglich Wissen über Hefen dem Wein hinterher. Das ist eigentlich schockierend.
Bei Crooked Stave untersuchen wir unterdessen nicht-Saccharomyces und nicht-Brett Hefestämme und was es bedeutet, mit ihnen Malz zu vergären.
Welche Hefen sprichst du hier an und welchen Beitrag leisten sie?
Sie geben dem Bier ein anderes Mundgefühl und andere Komplexität sowie Ecken und Kanten. Das ist ähnlich wie bei Brett, denn die Biere brauchen wohl ihre Zeit um sich zu formen und gestalten.
Wie bildest du dich selber weiter, in allen Bereichen von Bier?
Fachzeitschriften und andere Artikel ermöglichen es mir auf dem neusten Stand der Wissenschaft zu sein.
Doch den Kern der Wahrheit finde ich bei uns selber, in unserer Brauerei und in unserem Keller. Wir bewegen uns ständig vorwärts und machen auf unseren Pfaden immer wieder neue Fortschritte.
Verfolgst du Diskussionen online, oder nimmst du sogar an diesen Teil?
Das habe ich früher gemacht, damals, als ich angefangen habe. Doch es gibt da draussen so viel zu tun und ich konzentriere mich auf Crooked Stave und auf das Licht am Ende des Tunnels… kann es jemand sehen?
Damit sprichst du wohl die Erweiterung der Brauerei an. Kannst du etwas darüber erzählen?
Erweiterungen sind schon eine komische Sache. Denn nachdem diese abgeschlossen ist, gibt’s wohl nochmals genügend Zeug zum Kaufen und aufstellen, was nochmals ein Jahr gehen würde. Und sobald wir damit fertig wären, müssten wir wohl schon wieder expandieren.
Im Moment ist’s ziemlich wild: Wir installieren ein 25 Hektoliter System und bauen es gleichzeitig völlig um, damit alles so ist wie wir das gerne hätten. Dann haben wir unser Kühlschiff angehoben und einen Steg darum herum gebaut. Jetzt können wir direkt von der Ladungspufferung auf den Steg steigen. Die Temperatur im Keller hat eine automatisierte Steuerung und wir können die Temperatur von einem iPhone aus steuern. All unsere Rohre sind jetzt aus rostfreiem Stahl und zusammengeschweisst und verbinden die Keller inklusive gefiltertes heisses und kaltes Wasser per Knopfdruck. Dann haben wir eine neue Abfüllanlage für Flaschen und Kegs, neue Abpackhalle, Foeder Keller, eine Bar für Familie und Freunde und bald auch einen neuen Taproom. Es hört einfach nie auf!
Ihr seid in Denver. Ist es einfacher, weil so viele so grossartige Brauereien in der Gegend stehen oder eher schwieriger?
Die lokale Kameradschaft ist grossartig. Die Einzigartigkeit unserer Biere und unseres Prozesses sind aber eine ganz andere Geschichte. Wir haben zum Beispiel sehr viel Unterstützung von Epic erfahren, als wir während diesem ewig langen Ausbau bei ihnen brauen durften. Das war für uns grossartig.
In den Interviews mit Raphael und Jeff haben sie uns erzählt, wie sie sich kennen gelernt haben. Wie hast du sie getroffen?
Ich hatte schon immer sehr grössen Respekt für Jeff und der ganzen Mannschaft von JesterKing! Ich reiste nach Austin an eine Brau-Konferenz und habe im Vorfeld Jeff kontaktiert und nach einer Collabo gefragt. Es hat sich dann per Zufall ergeben, dass Raphael gleichzeitig auch in der Stadt war.
Wir vertreiben Trois Dames in Colorado und mir haben die Biere von Raphael schon immer sehr gefallen. Die Möglichkeit diese Dreier-Collabo auszuhecken entwickelte sich zu einer der coolsten Brau-Erfahrungen an denen ich je teilnehmen konnte.
Ich habe Raphael vorher schon einmal kurz am Festival der Shelton Brothers getroffen. Doch miteinander zu brauen ist eine Erfahrung die einen nachhaltig miteinander verbindet.
Vertrieb? Was beinhaltet das?
Das ist ein ganz eigenes Biest… und ich liebe es! Wir sind in der glücklichen Lage einige der besten Brauereien aus den USA und der Welt zu vertreiben. Mittels grossartigen Beziehungen und in dem wir den Brauer an erste Stelle stellen, bauen wir etwas ziemlich revolutionäres bezüglich Vertrieb in den USA auf. Neben Bier vertreiben wir auch Wein, Cider und Gebranntes. Das ist grossartig.
Es ist offensichtlich, dass ich vergorene Getränke liebe und ich liebe es den Leuten etwas Neues näher zu bringen und gleichzeitig all die grossartigen Künstler und ihre Biere in Colorado zu unterstützen.
Du kennst Europa ziemlich gut: Was kann die Bierszene in Europa von den USA lernen und was diejenige in den USA von Europa?
Die USA wurden schon immer auf verschiedene Art von Europa inspiriert. Wir haben keine Brautradition in der Art wie sie Europa kennt. Die allerersten US-Biere wurden von europäischen Bieren inspiriert und eigentlich hat sich diesbezüglich nichts geändert.
Was die US-Bierszene aber hervorragend macht, ist es, Inspiration zu finden und anhand dieser wirklich kreativ zu sein. In den USA gibt es Querdenker, die keine Angst davor haben eine nicht-traditionelle Version eines normalerweise ziemlich gradlinigen, traditionellen Bierstils zu brauen. Diese Kreativität fehlt manchmal in Europa. Risiken einzugehen und Sachen zu verändern ist manchmal schwierig, doch das ist etwas was die Europäische Bierszene von den USA übernehmen könnte. Obschon, das passiert bereits und ist zu einem gewissen Grad auch ein grosser Erfolg.
Was kommt als nächstes von Crooke Stave?
Viele Sauerbiere mit Früchten! In diesem Jahr haben wir mit lokalen Bauern zusammengearbeitet um frische Aprikosen, Pfirsiche, Kirschen, Himbeeren und Blaubeeren zu bekommen.
Und nun unsere traditionelle letzte Frage: Welche fünf Biere empfiehlst du uns zu trinken, bevor wir sterben?
In keiner bestimmten Reihenfolge:
Cantillon – Fou’ Foune
Jester King – Atrial Rubicite
Drie Fonteinen – Oude Gueze
Hill Farmstead – Edward
Crooked Stave – Persica