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Die jüngste Entdeckung verbotener Substanzen in Proben von drei Schweizer Pferden
an internationalen Turnieren hat in den Medien sowie in der Öffentlichkeit zu vielen Diskussionen und Kommentaren geführt. Diese Kommentare zeigen, dass dieses Thema immer hitzige Reaktionen auslöst, wobei aber oft die Grundkenntnisse fehlen, was zu falschen, vereinfachten oder zumindest unvollständigen Aussagen führt. Hier lesen Sie also einen Klärungsversuch dieser komplizierten Thematik, die Sport, Recht, Pharmakologie, Chemie und das Wohlbefinden der Pferde vereint.
Was ist Doping?
Die von der FEI übernommene Definition der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) erklärt, dass Doping dann vorliegt, wenn die Anti-Doping-Regelungen verletzt wurden, unter anderem bei «Vorhandensein einer verbotenen Substanz, ihrer Metaboliten oder Marker in der Probe». Ob diese Substanz nun absichtlich verabreicht wurde oder nicht, spielt also keine Rolle in dieser Definition. Es gibt auch andere Verletzungen der Regelung, wie die Verweigerung einer Kontrolle, der Besitz von verbotenen Substanzen oder der Handel mit solchen Substanzen.
In Wörterbüchern und der öffentlichen Meinung ist Doping aber die Verabreichung leistungsmodifizierender Wirkstoffe vor einem Turnier, meistens, um die Leistung zu verbessern. Es ist offensichtlich, dass solch ein Vorgehen äusserst schockierend ist, da man absichtlich betrügen will, manchmal sogar auf Kosten der Gesundheit oder des Wohlbefindens des Athleten, sei es Mensch oder Tier.
Um welche Wirkstoffe geht es?
2009 hat die FEI neue «Bestimmungen für Anti-Doping und kontrollierte Medikation für Pferde» eingeführt. Diese Regelung klassiert die verbotenen Substanzen in zwei Kategorien: Doping («banned substances») und kontrollierte Medikation («controlled medication substances»). Die zweite Kategorie enthält Substanzen, die zwar als Arzneimittel verwendet werden können, sich aber zum Zeitpunkt des Turniers nicht im Körper des Pferdes befinden dürfen, da sie die Leistung beeinflussen können.
Die «banned substances» haben keine therapeutische Anwendung. Ihr Vorhandensein kann also nicht unter dem Vorwand einer Behandlung gerechtfertigt werden, egal zu welchem Zeitpunkt. Die Liste der verbotenen Substanzen und deren Klassifizierung in «banned» oder «controlled» wird jedes Jahr überarbeitet, um sie neuen Entdeckungen und Erkenntnissen anzupassen.
Wo findet man diese Wirkstoffe?
Die verbotenen Wirkstoffe können in verschiedenen Präparaten vorhanden sein.
Zuerst gibt es natürlich Dopingsubstanzen im engeren Sinne («banned substances») deren einzige Auswirkung ist, die Leistung zu verändern. Normalerweise findet man diese Substanzen nicht in Tierarzneien, sie können aber in bestimmten Präparaten für Menschen auftreten. Und sie können auch künstlich hergestellt werden.
Die zweite mögliche Herkunft sind Medikamente, die entweder zur Behandlung einer Krankheit oder, was auch möglich ist, zur Veränderung der Leistung verwendet werden. Es ist manchmal schwierig herauszufinden, zu welchem Zweck und wie die Substanz verabreicht wurde und folglich, ob man absichtlich betrügen wollte oder es ein unabsichtlicher Fehler war.
Verbotene Wirkstoffe können auch in Pflanzen, verschiedenen Futtermitteln, Kraft- oder Ergänzungsfutter und pflanzlichen Medikamenten vorhanden sein. Deswegen ist es wichtig, deren Herkunft und Zusammensetzung immer genau zu kontrollieren. Wenn das Futter oder die Nahrungsergänzungsmittel pflanzlichen Ursprungs sind, kann sich ihre Zusammensetzung sogar von einem Mal zum anderen verändern, was die Kontrolle erschwert.
Wenn verbotene Substanzen ungewollt und unvermutet in Futter, Ergänzungsfutter oder pflanzliche Arzneimittel gelangen, spricht man von Kontamination. Solche Verunreinigungen können sowohl mit den «banned substances» wie auch mit den «controlled medication substances» geschehen.
Was ist die Nachweiszeit?
Die Nachweiszeit ist die Zeit, die es braucht, bis man keine Spuren mehr von einem Wirkstoff oder seinen Metaboliten findet, sei es im Blut oder im Urin. Diese Zeit hängt von mehreren Faktoren wie der Dosis, der Art der Verabreichung (im Futter, intramuskuläre oder intravenöse Injektion, örtliche Applikation) und dem individuellen Stoffwechsel des Pferdes ab.
Diese Zeitspanne ist länger als die «Wartezeit», die auf der Verpackung von Medikamenten angegeben wird. Letztere zeigt nur an, wie lange man warten muss, bevor man das Fleisch, die Milch oder die Eier der behandelten Tiere auf den Markt bringen darf.
Wer ist die «verantwortliche Person»?
Die «verantwortliche Person» ist immer der Reiter (bzw. der Fahrer), der mit dem Pferd an den Start geht. Andere Personen (Besitzer, Groom, Tierarzt usw.) können natürlich auch mitverantwortlich sein. Was aber auch passiert, es ist immer der Reiter, der in erster Linie die Verantwortung trägt und deshalb unter Umständen bestraft wird.
Was sind die möglichen Sanktionen?
Die FEI sieht differenzierte Sanktionen je nach Kategorie der verbotenen Substanz vor. Die «banned substances» ziehen automatisch eine provisorische Sperre von Pferd und Reiter mit sich, egal woher die Substanzen kommen. Nach einer Anhörung bestimmt dann das FEI-Tribunal über die Höhe der Strafe. In den meisten Fällen werden die Sanktionen bei «banned substances» strenger ausfallen, als wenn es um eine «controlled medication substance» geht.
Bei Letzterer sieht die FEI ein beschleunigtes Verwaltungsverfahren vor, sofern nur ein Wirkstoff im Spiel ist und es sich um den ersten Verstoss handelt. Diese Lösung wird oft von den Personen gewählt, die zugeben, nachlässig gehandelt zu haben, indem sie zum Beispiel nach einer Behandlung nicht lange genug gewartet haben, bevor sie ihr Pferd wieder in einem Wettkampf gestartet haben. In Wiederholungsfällen oder falls mehrere Wirkstoffe nachgewiesen werden können, wird das vollständige Verfahren durchgeführt.
Die Sanktionen beinhalten die Disqualifikation (die unumgänglich ist), unterschiedlich lange Sperren von Pferd und/oder Reiter sowie eine Geldstrafe je nach Schwere des Verstosses, egal welche Art von Substanzen gefunden wurden.
Nicole Basieux
Eine ethische Überlegung
Braucht ein Pferd, kurz vor einer Wettkampfprüfung, eine Behandlung wegen einer Krankheit oder einer Verletzung, geht es nicht nur darum, die Nachweiszeit der Medikamente zu beachten. Jeder Reiter sollte unbedingt auch die Überlegung anstellen, ob nach diesem Gesundheitsproblem das Pferd wieder fit und gut trainiert ist, um an einem Wettkampf teilnehmen zu können. Je nach Erkrankung oder Verletzung braucht das Pferd genügend Erholungszeit, bevor es wieder im Sport eingesetzt werden kann. Die Devise hier lautet: «Nichts erzwingen!»
Wie läuft es in der Schweiz?
Im Prinzip wendet der SVPS das Reglement der FEI an, insbesondere was die Liste der von der FEI verbotenen Substanzen betrifft.
Ein paar kleine Anpassungen des FEI-Reglements werden vorgenommen, damit spezifische Besonderheiten von nationalen Prüfungen berücksichtigt werden können.
Die Sanktionen ähneln denen der FEI und jeder Fall wird unabhängig behandelt.
Wie kann man verhindern, positiv kontrolliert zu werden?
- Sehr auf alle gebrauchten Futter- und Nahrungsergänzungsmittel achten. Sich vergewissern, dass sie keine Wirkstoffe enthalten, die auf der Liste der verbotenen Substanzen
- stehen.
- Sich gegebenenfalls über die genaue Zusammensetzung informieren und auf Produkte verzichten, bei denen die Hersteller die Zusammensetzung nicht bekanntgeben können oder wollen.
- Selbstmedikation vermeiden und nur mit Einwilligung des Tierarztes Medikamente verwenden. Den Tierarzt genau über die Turnierplanung informieren.
- Regelmässig die Liste der verbotenen Substanzen zu Rate ziehen, da diese jedes Jahr aktualisiert wird.
- Nicht dieselben Futter- und Wassereimer für die Pferde benutzen, die Medikamente bekommen, und die, die keine bekommen. Soweit möglich orale Behandlungen vermeiden (= Medikamente, die ins Futter gemischt werden).
- Die Boxen nicht wechseln und vor allem Pferde, die keine Medikamente bekommen, nicht in die Boxen von Pferden unter Behandlung stellen.
- Keine Medikamente brauchen, die für Menschen vorgesehen sind.
- Klar zwischen Anti-Doping-Regelung für Pferde und Menschen unterscheiden.
- Informationen aus dem Internet mit Vorsicht geniessen.