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Freundlich werde ich vom Lockenkopf Ian Peres, dem Keyboarder von Wolfmother begrüsst. In der Garderobe lümmelt zudem noch der deutlich weniger frische Aidan Nemeth, der Gitarrist.
Seit Wolfmother im Jahr 2000 gegründet wurde, gab es viele Änderungen im Line-Up. Ian, Du bist letztes Jahr dazugekommen. Wie kam es dazu?
Ian Peres: Es geschah durch ein Freundes-Freund des Freunds eines Freundes. Ich spielte in einer kleinen Cover-Band am Strand in einem Surfclub. Und der Schlagzeuger, mit dem ich da spielte kannte Dave (Atkins, Schlagzeuger, Anm.d.Red), der mit Andrew (Stockdale, Sänger& Gründungsmitglied. Anm.d.Red.) spielte. Eigentlich ist die Geschichte echt langweilig…Naja. Jedenfalls, als Andrew Dave dann sagte, dass er einen Keyboarder brauche, sagte Dave „Ein Freund von einem Freund ist ein Keyboarder! Er spielt da in so einer Coverband…“ Es geschah also schlicht über Kontakte.
Was hast du denn damals gecovert?
Ian: Was haben wir NICHT gecovert (lacht)?! Wir haben hauptsächlich Reagge-Versionen von allem möglichem gemacht. Beatles, Rolling Stones, Pink Floyd. Es war alles sehr entspannt.
Und fühlst du dich inzwischen als Teil von Wolfmother?
Ian: Ich habe zumindest das Gefühl, ich werde immer mehr ein Teil davon.
Also nicht wie das gemobbte, neue Kind an der High School?
Ian: Nein nein, nicht mehr. Aber für ein paar Monate war das wohl schon so, das war seltsam. Man kommt in eine Band und nimmt den Platz des Vorgängers ein. Schon da gab’s Leute, die mich genau dafür hassten. Ich musste mich durch ein paar Schwierigkeiten arbeiten, aber ich hab mich in dieser Zeit weiterentwickelt.
Ihr habt in den letzten zehn Jahren nur zwei Alben veröffentlicht. Weshalb?
Ian: Da fragst du wahrscheinlich den falschen Typen, da ich ja der Neuling bin, aber wenn ich jetzt eine Vermutung anstellen müsste, würde ich Folgendes sagen: Die Jungs haben ziemlich lange rumgejammt. Dann kam das erste Album 2006 raus und es wurde bis aufs letzte durchgetourt. Und als sie dann zurückkamen, gab es einige Probleme und Spannungen. Ich glaube, sie haben nicht viel zusammen geschrieben. Alle brauchten ein bisschen Abstand voneinander. Andrew hat in dieser Zeit zwar viel geschrieben, aber die Band als Ganzes hat kaum Fortschritte gemacht. Also kam dann die Trennung, Andrew suchte sich neue Leute, das hat dann noch mehr Zeit geschluckt.
Was würdest du sagen, worin unterscheidet sich Cosmic Egg von Wolfmother?
Ian: (schaut mich verwirrt an, Stille)
Du weisst schon, das erste Album..
Ian: Also, ja, ich denke, dass es (Cosmic Egg, Anm.d.Red) ein bisschen reifer ist. (Dieser Satz beanspruchte etwa 30 Sekunden Denkzeit. Mit kunstvoller Pause nach jedem Wort). Die Schreibweise der Songs ist mehrschichtiger geworden. Das ganze hat irgendwie mehr Substanz. Die Gitarrenparts, die Melodien – einfach alles. Das erste Album klang, and I really enjoyed it, mehr nach Gitarrenriff und dann Bassriff und so weiter. Das zweite Album hingegen ist kompakter, alle spielen wirklich zusammen.
Ihr wurdet schon mit grossartigen Künstlern wie Led Zeppelin, MC5 und Black Sabbath verglichen. Wie ist das für euch?
Ian: Wie hiess die zweite?
MC5?
Aidan: (im liegen) Kick out the jams, motherfuckers!
Genau!
Ian: Oh, die kenn ich nicht, aber ich hör‘ mal rein! Wie war noch mal die Frage?
Wie fühlt es sich an, mit solchen Legenden verglichen zu werden?
Ian: Manche Leute sagen das als Kompliment, andere wollen damit nur auf die Drogen anspielen. Ich denke ehrlich gesagt gar nicht zu viel darüber nach, was sie jetzt wohl damit meinen.
Ihr seid alle aus Australien, was würdest du sagen, wo ist der Platz von australischer Musik auf dem Weltmarkt?
Ian: Ich bin mir nicht wirklich sicher…
Zum Beispiel gilt England ja als der Schmelztiegel. Ihr seid übrigens die ersten, die ich interviewe, die nicht aus der Schweiz oder England kommen.
Ian: Wirklich, oh, ich bin geschmeichelt. Aber ich weiss es nicht wirklich, aber irgendwie ist es ein bisschen verstreut. Dort, wo ich herkomme ist Clubmusik und Trance am meisten vertreten. Es gibt nicht wirklich eine starke Rockbewegung. Wie ist das bei dir, Aidan? Weisst du, er kommt aus Sydney, er weiss darüber mehr bescheid.
Aidan: Es passiert ziemlich viel in Australien, weil wir da so isoliert sind. Es ist schwerer, aus Australien rauszukommen und Erfolg zu haben. Es ist ein grosser Sprung. Aber es gibt eine grossartige Punkrock und experimentelle Untergrundbewegung.
Ian: Ja, stimmt! Kennst du Tame Impala? Die sind grossartig.
Kenn ich leider nicht…
Ian: Warte, ich schreib es dir auf! (Pause, Stiftsuche) So, Tame Impala! Hör rein!
Ich hab eine Freundin, die aus Australien kommt und sie hasst AC/DC abgrundtief, weil die so omnipräsent seien. Wie steht’s mit euch? Mögt ihr AC/DC?
Ian: Kann man AC/DC überhaupt nicht mögen? Das ist schon beinahe australischer Gospel!
Ich hab eine Aufgabe. Beschreibt das Leben eines Musikers in sechs Worten. Craig Ferguson sagte zum Beispiel: I was drunk, it was great.
Ian: (schaut zu Aidan, der sich was an den Fingern abzählt) Willst du es laut sagen?
Aidan: (lacht) Es ist das ganz einfache Klischee…Sex, drugs and rock ‚n‘ roll
Ian: Aber das ist ein bisschen zu durchschnittlich, nicht? Also..uh..ehm.. Jesus, das von Craig Ferguson ist schwer zu toppen… Ah ich hab’s: It is like Craig Ferguson said.
Sehr gut. Wie lange habt ihr eigentlich vor, weiterzuspielen? Wollt ihr auch mit 60 noch auf der Bühne stehen wie die Stones?
Ian: Ich will einfach weiterhin etwas mit Musik zu tun haben. Ob nun als Musiker, Produzent oder Songwriter.
Also wirst du nicht der alte Mann sein, der über die Bühne hüpft?
Ian: Wieso, magst du keine alten Männer, die auf der Bühne hüpfen?
Also Mick Jagger darf das. Keith Richards auch! Aber ich denke, irgendwann muss man auch mal Platz für die jüngeren machen. Die Stones natürlich nicht, die dürfen das. Bei euch würde es mich auch nicht stören, wenn ihr auch noch 2035 auf der Bühne steht.
Ian: Stimmt, also wenn ich jemals jemandem im Weg stehen sollte, lasst mich das wissen und ich mach Platz!
Wie gesagt, ich denke nicht, dass ihr jemanden stören werdet.
Ian: Ok, das ist gut.
Letzte Frage: Was ist das Peinlichste, was du auf deinem Mp3-Player hast? Was ist dein guilty pleasure song?
Ian: Ok, das ist jetzt wirklich peinlich, aber „Girlfriend“ von Avril Lavigne ist wirklich ein grossartiger Song! Ein perfektes Stück Pop.