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In den letzten drei Jahrzehnten schwankte die Januartemperatur auf der Alpennordseite unterhalb von 1'000 m meist zwischen -2 Grad und +3 Grad. Im Vergleich dazu lieferte der Januar 2017 mit -2,9 Grad einen ungewöhnlich tiefen Monatswert. Kälter war der nordalpine Januar letztmals in den Jahren 1987 mit -4,3 Grad und 1985 mit -5,4 Grad. In tieferen Lagen der Alpennordseite gehört der Januar 2017 selbst innerhalb der letzten 60 Jahre zur Eis-Elite. Vergleichbar kalt zeigte sich der Januar 1979 mit -3,0 Grad. Massiv kälter war der Seegfrörni-Januar 1963 mit einem Monatsmittel von -6,3 Grad.
Februar bringt Rekordwärme
Am 23. Februar schwappten mit stürmischen Südwestwinden extrem milde Luftmassen in die Schweiz. Mehrere Regionen registrierten eine Tagesmaximum-Temperatur von über 20 Grad. Am wärmsten wurde es in Sion im Zentralwallis mit 21,4 Grad. An 17 Messstandorten gab es neue Februarrekorde. Zwölf dieser Messreihen reichen mindestens 50 Jahre zurück. An Standorten mit über 100-jährigen Messreihen wurden die bisherigen Rekorde um mehr als 1 Grad übertroffen: Bern registrierte als neuen Rekordwert 18,5 Grad, Zürich 18,8 Grad und Luzern 19,9 Grad.
Extrem trockener und schneearmer Winter
Die winterlichen Niederschlagsmengen von Dezember 2016 bis Februar 2017 erreichten im landesweiten Mittel nur die Hälfte der Norm 1981–2010. In der Westschweiz und im Wallis fielen nur 30 bis 50 Prozent der Norm. Die Westschweiz verzeichnete regional den niederschlagsärmsten Winter seit 45 bis 55 Jahren. Im Wallis liegt eine vergleichbare Wintertrockenheit 40 Jahre zurück.
Wenig Niederschlag heisst auch wenig Schnee. Die Alpensüdseite registrierte lokal die dünnste Winterschneedecke seit Messbeginn vor 55 Jahren. In Bosco-Gurin in den Tessiner Bergen lagen im Durchschnitt der drei Wintermonate Dezember 2016 bis Februar 2017 nur 14 cm Schnee. Eine so dünne Winterschneedecke ist einmalig in der seit 1962 verfügbaren Messreihe von Bosco-Gurin. Im langjährigen Mittel liegen hier im Winter knapp 70 cm Schnee.
Auch in anderen Bergregionen bewegte sich die dünne Winterschneedecke 2016/17 im rekordnahen Bereich. Davos brachte es auf 27 cm, was nur 1 bis 3 cm über den bisher schneeärmsten Wintern 2006/07, 1995/96 und 1989/90 liegt. In Arosa lagen im Durchschnitt von Dezember 2016 bis Februar 2017 nur 31 cm Schnee, in Segl-Maria waren es sogar nur 12 cm. An beiden Messstandorten gab es bisher nur einen Winter mit einer noch dünneren Schneedecke. In Arosa war es der Winter 1989/90 mit 28 cm und in Segl-Maria der Winter 2001/02 mit nur 7 cm durchschnittlicher Schneehöhe.
Rekordnahe Wintersonne in den Bergen
Die winterliche Sonnenscheindauer erreichte verbreitet 110 bis 145 Prozent der Norm 1981–2010. In Berglagen beendete der überdurchschnittlich sonnige Winter 2016/17 eine mehrjährige Periode mit überwiegend unterdurchschnittlicher Sonnenscheindauer. Samedan registrierte mit 419 Sonnenstunden und Davos mit 409 Sonnenstunden den zweitsonnigsten Winter seit Beginn der homogenen Datenreihen 1959. Der Hauptbeitrag kam vom Sonnenscheinrekord des Dezembers 2016. Überdurchschnittlich sonnig war auch der Januar 2017. An beiden Messstandorten lag der Winter 2016/17 nur wenige Sonnenstunden hinter dem bisherigen Rekord.
Drittwärmster Frühling
Die Schweiz erlebte den drittwärmsten Frühling seit Messbeginn im Jahr 1864. Im landesweiten Mittel lag er 1,7 Grad über der Norm 1981–2010. Wärmer waren bisher nur der Frühling 2007 mit 2,3 Grad und der Frühling 2011 mit 2.5 Grad über der Norm. Die Frühlingsmonate waren durchwegs zu mild. Der März als zweitwärmster Monat seit Messbeginn stieg landesweit gemittelt 3,3 Grad, der April 0,5 Grad und der Mai 1,1 Grad über die Norm 1981–2010.
Scharfer Nachtfrost verursacht grosse Schäden
Die milde Temperatur im März und anfangs April gab der Vegetation einen kräftigen Entwicklungsschub. Die Obstbäume blühten rund 16 bis 18 Tage früher als im Durchschnitt der Vergleichsperiode 1981–2010. Es war eine der frühesten Obstblüten in den Messreihen. Scharfe Nachtfröste vom 20. und 21. April machten dann Vieles zunichte. Grosse Schäden gab es vor allem an den blühenden Obstbäumen und an den austreibenden Weinreben.
Bild: Ernst Vögeli
Später Schnee im Flachland
Kaltluft aus Norden brachte am 26. April auf der Alpennordseite winterliche Verhältnisse. In Basel lagen 2 cm Neuschnee. Es war der zweitspäteste Termin mit Neuschnee an diesem Messstandort. Ein späterer Neuschneefall ist in der Basler Neuschnee-Messreihe nur am 28. April 1985 zu finden, ebenfalls mit 2 cm. Die Messreihe reicht bis in den Winter 1930/31 zurück.
Grössere Neuschneemengen fielen vom 27. bis am 29. April entlang des Alpennordhangs und in den Alpen. Die Neuschneehöhen erreichten verbreitet 30 bis 50 cm, lokal auch 60 bis 70 cm.
Drittwärmster Sommer
Auf den drittwärmsten Frühling folgte der drittwärmste Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864. Im landesweiten Mittel stieg die Sommertemperatur 1.9 Grad über die Norm 1981–2010. Heisser waren bisher nur der Sommer 2015 mit 2,3 Grad und der legendäre Hitzesommer Sommer 2003 mit 3,6 Grad über der Norm. Heiss war vor allem der Sommerbeginn. Der Juni als zweitwärmster Monat seit Messbeginn stieg landesweit gemittelt 3,3 Grad über die Norm. Dieser Monat zeichnete sich durch eine anhaltend hohe Temperatur und eine fünftägige Hitzewelle in der zweiten Monatshälfte aus.
Extrem warme Augustnächte
Der Juli, leicht wärmer als die Norm, verlief ohne massive Hitze. Im August kehrte das heisse Sommerwetter zurück. In vielen Gebieten war es einer der zehn wärmsten Augustmonate seit Messbeginn im Jahr 1864. Die Wärme blieb auch nachts erhalten. Einige Messstandorte registrierten die höchste August-Minimumtemperatur seit Messbeginn: In Lugano sank die Temperatur am 5. August nicht unter 23,5 Grad, in Neuchâtel am 4. nicht unter 23 Grad. In Genf fiel das Minimum am 4. und in Basel am 3. nicht unter 21,8 Grad. Locarno-Monti verzeichnete am 5. mit 23,9 Grad das zweithöchste Augustminimum. Alle fünf Messreihen reichen über 100 Jahre zurück.
Neuer Schweizer Regenrekord
Am Abend des 1. und in der Nacht zum 2. August entluden sich auf der Alpennordseite heftige Gewitter mit Hagel und kräftigen Sturmböen. Am Nordrand der Schweiz erreichten die Windspitzen 90 bis 135 km/h, lokal sogar gegen 190 km/h. Der heftige Gewitterzug am frühen Morgen des 2. August am Nordrand der Schweiz brachte einen neuen Schweizer Regenrekord. Am Messstandort Eschenz fiel zwischen 02.40 Uhr und 02.50 Uhr eine Zehnminutensumme von 36.1 mm. Der bisherige Zehnminuten-Rekord lag bei 33.6 mm, gefallen am 29. August 2003 in Locarno-Monti.
Vergleichbar hoch war auch die Zehnminutensumme von 33.5 mm, registriert am 25. Juni 2017 am Tessiner Messstandort Crana-Torricella. Auf der Alpennordseite erreichte die bisher höchste Zehnminutensumme 32.8 mm, erfasst am 02. Mai 2013 in Schaffhausen.
Kühler Herbstbeginn
Der Herbst zeigte einen sehr bewegten Witterungsverlauf. Der September war ausgesprochen kühl, vor allem in den Bergen. In Gipfellagen grüsste der Winter mit zahlreichen Neuschneetagen. Das Weissfluhjoch in 2'540 m Höhe registrierte mit 15 Neuschneetagen einen neuen Septemberrekord. Das frühwinterliche Wetter hielt auch in den ersten Oktobertagen an. Auf der Alpennordseite fiel Schnee bis auf 1'200 m hinab.
Bild: DFB/Jean-Paul Ketterer
Ungewöhnlich sonniger Altweibersommer
Die Oktobermitte war dann während 10 Tagen fest in der Hand von Hochdrucklagen. Die Herbstsonne lachte häufig von einem wolkenlosen stahlblauen Himmel. In den Tieflagen stieg die Tagesmaximumtemperatur verbreitet auf 22 bis 25 Grad. Das anhaltende Schönwetter bescherte dem Mittelland und der Südschweiz regional den sonnigsten Oktober in den mindestens 50-jährigen homogenen Messreihen. An weiteren Messstandorten mit mindestens 50-jährigen homogenen Messreihen war es der zweit- oder drittsonnigste Oktober.
Extrem trockene Alpensüdseite
Auf der Alpensüdseite dauerte die Schönwetterperiode 20 Tage. Während des ganzen Oktobers fiel kaum Niederschlag. Die Niederschlags-Monatssummen bewegten sich im Tessin verbreitet nur zwischen 0.5 und 5.0 mm und in Südbünden zwischen 10 und 17 mm. Der häufige Nordföhn trug zusätzlich zur Austrocknung bei. Im Tessin gehört der Oktober 2017 zu den fünf trockensten Oktobermonaten in den über 100-jährigen Messreihen. Gar keinen Oktoberniederschlag auf der Alpensüdseite gab es bisher nur im Jahr 1969.
Bild: zVg
Wintereinzug im November
Im November fiel auf der Alpennordseite mehrmals Schnee bis in tiefere Lagen. Einsiedeln auf 910 m und Elm auf 938 m Höhe registrierten 20 Tage mit einer Schneedecke. In Davos auf 1600 m und Arosa auf knapp 1880 m war es ab dem 6. November weiss. Dank guter Neuschneeverhältnisse starteten einige Wintersportorte mit dem Skibetrieb.
Viel Schnee im Dezember
Auf die ersten Dezembertage hin, präzise zum meteorologischen Winterbeginn, gab es auch in tiefen Lagen der Alpennordseite vorübergehend eine Schneedecke von wenigen Zentimetern. Am 8. und am 17./18. Dezember wurde es auf der Alpennordseite abermals verbreitet weiss bis in tiefste Lagen.
Am 10./11. überzogen sich auch die tiefsten Lagen der Alpensüdseite mit einer Schneedecke von wenigen Zentimetern. In den Niederungen des Zentralwallis fielen derweil Rekordschneemengen. Sion registrierte den Extremwert von 60 cm innerhalb eines Tages. Er liegt weit über dem bisherigen Höchstwert von 43 cm, gefallen im November 1971. Selbst die bisher höchsten 2-Tagessummen erreichten in Sion nur knapp über 50 cm.
Viel Schnee fiel im Dezember in den Bergen. Kurz nach Monatsmitte lagen in den Alpen verbreitet über 170 Prozent der normalen Schneemengen (Daten SLF, Davos). Im ganzen Alpenraum der Schweiz herrschten ideale Voraussetzungen für den weihnachtlichen Skitourismus.
Jahresbilanz
Die Jahrestemperatur 2017 stieg in den meisten Gebieten der Schweiz 0,5 bis 1,0 Grad über die Norm 1981–2010. Auf der Alpensüdseite und im Wallis lagen die Werte 0,8 bis 1,2 Grad über der Norm. Im landesweiten Mittel ist im Vergleich zur Norm 1981–2010 ein Temperaturüberschuss von 0.8 Grad zu erwarten. Damit blickt die Schweiz auf das sechstwärmste Jahr seit Messbeginn 1864 zurück. Fünf der sechs wärmsten Jahre wurden nach dem Jahr 2000 registriert.
Die Jahresniederschläge erreichten nördlich der Alpen verbreitet 70 bis 90 Prozent der Norm 1981–2010. Die Alpen erhielten meist 90 bis 115 Prozent, die Walliser Südtäler jedoch nur 60 bis 80 Prozent der Norm. Auf der Alpensüdseite fielen 80 bis 95 Prozent des normalen Jahresniederschlags.
Die Jahressumme der Sonnenscheindauer bewegte sich nördlich der Alpen und im Südtessin zwischen 110 und 120 Prozent der Norm 1981–2010. In den übrigen Gebieten der Schweiz gab es 100 bis 110 Prozent der Norm. Einige Regionen der Schweiz registrierten das dritt- oder viertsonnigste, Lugano das zweitsonnigste Jahr in den über 50-jährigen homogenen Messreihen.
Artikelfoto: Urs Graf