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Mein Name ist Sascha und ich bin 1992 in Zwolle (Niederlande) geboren, wohne zurzeit in Olten und hole dort die Matura nach.
Wie die meisten Trans*personen habe auch ich zwei Coming-outs erlebt: Das erste Mal als lesbische Frau, das zweite Mal als Trans*person. Mir ist es sehr leicht gefallen, mich als lesbische Frau zu outen. Das wurde durchweg akzeptiert. Bei meinem zweiten Outing war das schon schwieriger, da vor allem Menschen, die ich schon lange – mitunter ein ganzes Leben lang – kenne, es mir nicht glauben wollten, mit der Begründung, sie hätten mich ja aufwachsen sehen und wüssten daher, wer ich sei – und ein „Mann“ wäre ich garantiert nicht.
Das hat damit zu tun, dass ich zwar früh – mit circa fünf Jahren – wusste, dass ich mich nicht mit dem Geschlecht identifizieren konnte, das mir bei meiner Geburt zugewiesen wurde. Dieses Bewusstsein war allerdings ein eher latentes, und ich hatte auch nicht den Mut, es meinen Eltern gegenüber anzusprechen. Als Kind ging ich nicht davon aus, dass es Trans*gender gibt, weswegen ich mich damit abfand, einfach „nicht gerne ein Mädchen zu sein“.
Bis zum Beginn meiner Pubertät waren Gedanken, die mein Geschlecht betrafen, relativ präsent; während der Pubertät wurde es dann sehr schwierig, meinen heranwachsenden Frauenkörper zu akzeptieren. Ich dachte mir aber, dass das einfach sein müsse, dass diese Entwicklung einem universellen Gesetz unterliege und es keine Möglichkeit für mich gebe, nicht „Frau“ zu sein. In dieser Zeit versuchte ich, jenem „Frauenbild“ zu entsprechen, von dem ich glaubte, dass es von mir erwartet würde. So konnte ich meine wahre Identität erfolgreich vor mir selbst verstecken, hatte aber mit depressiven Phasen zu kämpfen, die mir lange „grundlos“ erschienen.
Nach meinem Outing als lesbische Frau im Alter von 18 Jahren fühlte ich mich zum ersten Mal wieder wohl, denn die Sexualität stimmte, und ich begann mich auch wieder jungenhafter und androgyner zu kleiden. Aber auch da fühlte ich nach einer gewissen Zeit, dass etwas nicht stimmen konnte. Mit etwa 20 fand ich heraus, dass ich meine Brüste nicht mag und nicht haben möchte, stellte allerdings keine Verbindung zu einer Nicht-Cis-Identität her. Im Internet recherchierte ich zum Thema Mastektomie. Ich las, dass es möglich ist, aber viel Geld kostet. Ausserdem wurde empfohlen Testosteron einzunehmen, was ich nicht wollte. Erst mit dem Outing einer Lehrperson an meiner Schule als Trans*mann fand ich den Mut, mir meine eigene Trans*gender-Identität einzugestehen. Ich erfuhr auch, dass eine Mastektomie mit Kostengutsprache der Krankenkasse auch ohne Hormongabe eine realistische Option ist.
Seit dem Outing als Trans*mann habe ich mich aber wieder etwas von der transidenten Trans*mann-Identität entfernt und verorte mich aktuell als „non-binär“ – ein Abwechseln von „agender“ und „bigender“ (das heisst: manchmal verorte ich mich zwischen den Geschlechtern, manchmal ausserhalb) – oder einfach als „genderqueer“ mit der Gender-Expression „demiboy“. Solche Labels helfen mir einerseits, mich anderen zu erklären, schränken mich andererseits aber auch ein, da so „nur“ eine weitere Schublade geöffnet wird. Es hilft mir zugleich dabei, mich selbst besser zu verstehen, denn auch ich bin in einem binären Geschlechtersystem aufgewachsen und mit dem Dogma „Es gibt nur Männer und Frauen“ sozialisiert worden. Es ist schliesslich schwierig, etwas zu benennen, was es offiziell „nicht gibt“. Bei vielen Menschen stösst das auf Unverständnis.
Seither habe ich nicht nur viel über mich selbst gelernt, sondern fühle mich auch mehr mit mir im Einklang. Gespräche mit der erwähnten Trans*mann-Lehrkraft, aber auch anderen Menschen aus der Trans*Community bestärkten mich darin, mich normal zu fühlen. Dieses Gefühl möchte ich weitergeben, weswegen ich mich hier, bei du-bist-du engagiere – insbesondere in Bezug auf „non-binäre“ Personen. Denn mich wieder „normal“ zu fühlen, ist wohl eines der schönsten Gefühle, die ich erlebt habe, seit ich fünf bin.
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