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I. Die ersten Glaubensbekenntnisse
Es gibt viele Anhänger der Theosophie, die ernsthafte Christen waren und es wirklich noch immer sind; und obwohl ihr Glaube allmählich über eine strenge Rechtgläubigkeit hinausgewachsen ist, haben sie eine große Neigung für die Formen und Gebräuche der Religion bewahrt, in welche sie hineingeboren wurden. Es ist für sie eine Freude, dem Sprechgesang der uralten Gebete und Bekenntnisse zu folgen, den altehrwürdigen Psalmen und Gesängen zu lauschen, wenngleich sie allerdings danach streben, eine tiefere und weitere Bedeutung hineinzulegen, als es die übliche rechtgläubige Auslegung zulässt.
Deshalb dachte ich mir, dass es solche Forscher und Suchende interessieren würde, eine Darstellung, wenn auch nur in leichtem Umriss, zu haben von dem wirklichen Sinn und Ursprung jener sehr bedeutsamen Grundformeln der Kirche, welche man die Glaubensbekenntnisse nennt. Hören sie diese dann wieder oder fallen sie in ihre Rezitation in der Kirche mit ein, so können die Vorstellungen, die dadurch in ihrem Geist erwachen, jene gewaltigeren und edleren sein, die ursprünglich damit verknüpft waren, statt des irreführenden Materialismus, der dem neuzeitlichen Missverständnis eigen ist.
Ich sprach von den Vorstellungen, die ursprünglich mit den Glaubensbekenntnissen verknüpft waren; ich hätte vielleicht besser sagen sollen, die Vorstellungen, die verknüpft waren mit der uralten Formel, auf welche sich der wertvollste Teil der Bekenntnisse gründet. Ich habe keineswegs im Sinn zu sagen, dass irgendeine beträchtliche Anzahl von Kirchenmitgliedern, selbst von Geistlichen der Kirche, die bis auf den heutigen Tag diese Bekenntnisse rezitiert, seit vielen Jahrhunderten deren wahren Sinn gekannt hat. Ich behaupte nicht einmal, dass die Kirchenkonzilien, die sie herausgaben und beglaubigten, je die volle und glorreiche Bedeutung der wohltönenden Sätze erfassten, die sie gebrauchten, denn viel von dem wahren Sinn war schon verloren gegangen, viel von der materiell vergröbernden Verderbnis war hineingekommen, lange bevor jene unglückseligen Versammlungen einberufen wurden.
Aber dies zumindest scheint sicher, dass, beschränkt, entwürdigt und materiell vergröbert, wie der christliche Glaube schon geworden war, fast zur Unkenntlichkeit verdorben, wie es seine Heilige Schrift ist, wenigstens ein Versuch von höheren Mächten gemacht wurde, die zu leiten, die für die Kirche diese großen Symbola (Bekenntnis- und Erkennungszeichen), Glaubensbekenntnisse genannt, zusammenstellten. Was auch immer sie selbst gewusst haben mögen, ihre Worte verkünden noch immer klar die großen Wahrheiten der uralten Weisheit allen, die Ohren haben zu hören. Vieles, was in diesen Glaubensformeln falsch und unverständlich erscheint, wird, wenn man sich anstrengt, sie im Einklang mit neuzeitlichen verkehrten Auffassungen zu lesen, sofort erhellt und bedeutungsvoll, wenn es in jenem inneren Sinn verstanden wird, der ein Bruchstück unverlässlicher Überlieferung zu einer Verkündigung ewiger Wahrheit erhebt.
Die Aufhellung dieses inneren Sinnes der Glaubensbekenntnisse ist es, womit ich mich hier befasse. Obgleich es im Laufe der Darstellung nötig sein wird, auf ihre wirkliche Geschichte anzuspielen, so brauche ich doch kaum hervorzuheben, dass ich mich dem Gegenstand in keiner Weise vom üblichen gelehrten Standpunkt aus zu nähern versuche. Der Aufschluss, den ich über die Bekenntnisse zu geben habe, ist weder aus dem Vergleich alter Handschriften gewonnen noch aus dem Studium der bändereichen Werke theologischer Schriftsteller, sondern er ist einfach das Ergebnis einer geistigen Forschung in den Aufzeichnungen der Natur. Deren Aufmerksamkeit wurde nämlich gelegentlich auf diese Frage gelenkt, während sie einer ganz anderen Forschungslinie nachgingen, und man sah dann, dass die Sache von genügendem Interesse war, um eine weitere und eingehendere Prüfung als wertvoll erachten.
Es wird vielleicht für einige meiner Leser eine neue Vorstellung sein, dass es so etwas wie eine Aufzeichnung der Natur sowie Methoden gibt, die es ermöglichen, mit unbedingter Sicherheit den wahren Vorgang der Vergangenheit wiederaufzufinden. Die Tatsache, dass dies geschehen kann, ist jenen wohlbekannt, die diesen Gegenstand studiert haben, und so sind schon weite Gebiete alter Geschichte von höchst lebendigem Reiz auf diese Weise untersucht worden.1 Zu erklären, wie man Einsicht in dieses Gedächtnis der Natur bekommt, liegt außerhalb der Absicht dieser Abhandlung. Wer über diesen Gegenstand nähere Auskunft wünscht, sei auf mein kleines Buch »Hellsehen«2 verwiesen.
Die christliche Kirche gebraucht gegenwärtig drei Formen des Glaubensbekenntnisses, das Apostolische, das Nicänische und das Athanasianische Glaubensbekenntnis genannt. Das erste und zweite haben viele Punkte gemeinsam, so dass man sie leicht zusammen untersuchen kann. Das dritte ist so viel länger und von so verschiedenem Gepräge, dass es ratsam erscheint, es in einem späteren Kapitel besonders zu betrachten.
In heutigen Gebetsbüchern lauten diese Glaubensbekenntnisse wie folgt:
Das Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erde. Und an Jesum Christum, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn; der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren aus Maria, der Jungfrau; gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben; abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tag wieder auferstanden von den Toten; aufgefahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist; die heilige Katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen; Nachlass der Sünden; Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.
Das Nicänische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und an Einen Herrn Jesum Christum, den eingeborenen Sohn Gottes, aus dem Vater geboren von Ewigkeit. Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott; gezeugt, nicht erschaffen, einer Wesenheit mit dem Vater; durch ihn ist alles erschaffen; er ist für uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen und hat vom Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau Fleisch angenommen und ist Mensch geworden. Auch ist er für uns unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden, hat gelitten und ist begraben worden. Und er ist wieder auferstanden am dritten Tag, der Schrift gemäß, und ist aufgefahren in den Himmel, sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten, und seines Reiches wird kein Ende sein. Und an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebendigmacher, der vom Vater und Sohn ausgeht; der mit dem Vater und Sohn zugleich angebetet und verherrlicht wird, der durch die Propheten gesprochen hat. Und Eine heilige, Katholische und Apostolische Kirche. Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden und erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.
Da für das Verständnis des nicänischen Glaubensbekenntnisses so viel von einer genauen Übertragung aus der griechischen Urschrift abhängt, so füge ich hier den von der Kirche angenommenen Text zum Vergleich an.
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Entstehungszeit und Geschichte der...