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Geschichte des Zürcher Waldes
Die heutigen Eigentumsverhältnisse am Wald sind das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung. Seit dem frühen Mittelalter erhoben bestimmte Personengruppen Anspruch auf das Wild. Die Waldweide und die Nutzung der Waldfrüchte waren lange die Hauptnutzung im Wald. Dem standen die Ansprüche der Gutsherren gegenüber. Sie verlangten neben Jagdprivilegien auch Aufsichtsrechte und Mitnutzung an den Wäldern in ihrem Bannbereich. Als das Holz in Siedlungsnähe allmählich rar wurde, reagierten die Nutzniesser mit entsprechenden Eigentumsansprüchen.
Man begann etwa ab dem 13. Jahrhundert, die Rechte der verschiedenen Nutzniesser genauer zu formulieren. Im Bemühen, die Holzversorgung der Stadt Zürich sicherzustellen, betrieb die zur Selbstverwaltung gelangte Zürcher Bürgerschaft seit dem 14. Jahrhundert eine eigenständige Forstpolitik.
Private Eigentumsrechte
Private Eigentumsrechte am Wald haben sich auf vielfältige Art und in verschiedenen Zeitabschnitten herausgebildet:
- Bei der einzelhofweisen Besiedlung der Landschaft fehlte eine engere Nachbarschaft und es bildete sich zwischen den zerstreuten Betrieben keine Feld- oder Waldgemeinschaft heraus. Das urbar gemachte Land ging meist als freies Gut mit dem angrenzenden Wald an den Rodungsbauer über.
- Durch die Auflösung von Allmenden: Mit der Teilung und Privatisierung der Allmenden erhoffte man sich eine grössere Produktivität.
- Durch die Übernahme der Lehenwälder von den Hofbesitzern: Im Spätmittelalter unterstanden die meisten Einzelhöfe einem Grundherrn. Diese Lehenshöfe verfügten im Allgemeinen über einzelne Waldungen, die den Inhabern für Sondernutzungen zugeteilt waren. Die Inhaber der Höfe betrachteten den Lehenwald als alleinige Nutzniesser oft als ihr Privateigentum. Bis 1800 waren die meisten Lehenwälder Eigentum der Hofbesitzer geworden.
Uetliberg
Die Waldungen am Uetliberg sind erst seit gut 100 Jahren Eigentum der Stadt. Bis 1892 besass die Stadt am Uetliberg keinen eigenen Wald. Der städtische Wald stammt von den früheren Gemeinden Wiedikon und Albisrieden, der ehemaligen Holzkorporation Wiedikon sowie aus ehemaligen Privatwaldungen.
Im Jahr 1900 beauftragte das Stadtparlament den Stadtrat, die Erwerbung der sich in Privateigentum befindenden Waldparzellen an den der Stadt Zürich zugewandten Uetliberghängen an die Hand zu nehmen. Der stark parzellierte Wald umfasste in den Quartieren Leimbach und Wiedikon rund 130 ha. Davon erwarb die Stadt Zürich in den folgenden 30 Jahren den grössten Teil. Heute beschränkt sich das Privatwaldeigentum auf wenige Parzellen in Leimbach. Im Jahre 1944 verkaufte die Stadt 7 ha Wald an die ETH, um deren Lehrrevier zu ergänzen. Somit hatte der ETH- Lehrwald nun ganze 190 ha. Im Jahre 2012 gab es einen Waldabtausch mit dem Kanton. Der Lehrwald gehört jetzt zum Waldrevier Uetliberg. Dafür ist der Kanton Zürich Waldeigentümer eines Grossteils des Hönggerberges geworden.
Altstetten
Die Vogtei Altstetten wurde 1432 von den Habsburgern für 35'000 Franken an die Stadt Zürich verkauft. Im Jahre 1803 wurden die Waldungen in Korporationswald und Gemeindewald aufgeteilt. Der Fronwald (heutiger Altstetterwald) wurde der Korporation Altstetten zugeschlagen; der Auenwald beim Werdhölzli wurde Gemeindegut.
Zürichberg/Adlisberg
Die Waldungen zwischen Oberstrass, Fluntern und Schwamendingen haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Im Jahr 1127 schenkte Rudolf von Fluntern seinen vom Chorherrenstift erworbenen Wald Augustinermönchen zur Errichtung eines Klosters. Im 12. und 13. Jahrhundert erwarb das Kloster weitere Güter und Wälder und schuf einen geschlossenen Waldkomplex. Die Mönche betrieben Milchwirtschaft, Waldwirtschaft und Rebbau. Im Zuge der Reformation (1523) wurden die Waldungen der Klöster Eigentum der Stadt Zürich.
Andere Teile des Waldes gehörten dem Spital oder befanden sich in Privateigentum. Während der Helvetik (1798 - 1803) fielen die mittlerweile zu Nationalwäldern erklärten Bestände dem Krieg und Raubbau zum Opfer. Auf die erste Schlacht von Zürich hin (1799) wurden die Waldkuppen abgeholzt, damit die französische Artillerie die aus dem Glatttal vorrückenden österreichischen Truppen beschiessen konnte, und es wurden sich von Witikon bis Hönggerberg erstreckende, bis 600 m lange Verhaue errichtet. Als der Wald der Stadt Zürich im Jahre 1803 zur Nutzung zurückgegeben wurde, war er zugrunde gerichtet.
In den Jahren 1837 und 1857 verkaufte die Stadt Zürich sämtlichen Wald auf dem Zürichberg und besass nur noch 97 ha auf dem Adlisberg. Mit der Eingemeindung von Fluntern und Hottingen im Jahre 1892 wurde der Wald wieder Eigentum der Stadt. Gleichzeitig gingen auch die Gemeinde- und Korporationswälder von Oberstrass an die Gemeinde Zürich über.
Hönggerberg
Der Gemeindewald auf dem Hönggerberg ist nach der Reformation durch die Zusammenlegung des Stiftswaldes mit Waldungen anderer Besitzer entstanden. Im Zuge der Eingemeindung der Bürgergemeinde Höngg 1934 wurde der Wald an die Stadt Zürich abgetreten. Die Laubholzflächen und insbesondere die zahlreichen alten Eichen sind Überreste von ehemaligen Mittelwaldformen. Die Fichtenbestände sind teils aus Freilandaufforstungen, teils aus Mittelwaldumwandlungen entstanden. Während des 2. Weltkrieges wurden grosse Flächen gerodet und mit Kartoffeln bepflanzt. Sie wurden erst Jahre nach dem Krieg wieder aufgeforstet.
Käferberg
Im Zuge der Eingemeindung trat die Bürgergemeinde Höngg ihren Wald am Käferberg an die Stadt Zürich ab. Die übrigen Stadtwaldungen sind punktuell an die Stadt Zürich abgetreten worden, z.B. 1904 der Korporationswald Wipkingen.
Witikon
Die Waldungen am Oetlisberg waren lange Zeit Eigentum des Züricher Spitals und wurden 1868 vom Kanton an die Holzkorporation Witikon verkauft. Die Holzkorporation hat anschliessend zusätzliche Parzellen für die Arrondierung erworben. Wichtig war der Ankauf der Staatswaldung «Im Bogenholz» im Jahre 1873 von Mitgliedern der damaligen Korporation Lybenstein. Zur Bewirtschaftung des Areals wurde die Korporation Bogen gegründet. Im Jahre 1966 wurden die Korporationen Lybenstein und Bogen in der Holzkorporation Witikon vereinigt. Die Holzkorporation Binz wurde 1874 gegründet.
Der Wald musste von den «Herren der Stadt Zürich» gekauft werden und heisst deshalb das «Herrenholz». 1912 haben 5 Mannen von Binz 0,7 ha gekauft. Damit es nicht zu teuer kam, wurde der Wald erst gekauft, nachdem ein früherer Käufer die Bäume genutzt hatte. So musste nur noch der Waldboden bezahlt werden. Das war die sogenannte kleine Korporation oder eben die «Weiberkorporation». Es war nämlich Kriegszeit und die Frauen mussten die Bepflanzung der kahlen Fläche ausführen. Später kam die kleine Korporation zur Holzkorporation Binz dazu. Die Privatwaldkorporation Zürich-Witikon wurde am 11. Februar 1983 im Rahmen der Waldzusammenlegung gegründet.
Literaturtipp
650 Jahre Zürcherische Forstgeschichte:
Leo Weisz, Heinrich Grossmann, Ernst Krebs, Karl Ritzler, Carlo Oldani. Hrsg. Regierungsrat des Kantons ZH und Stadtrat von ZH., 2 Bde., Zürich, Berichthaus, 1983.
Stadtforstamt Zürich, Sihlwald
Eine Auswahl der bis in die 1870er Jahre zurückreichenden Fotografien zum Sihlwald hat das Stadtarchiv zusammen mit Grün Stadt Zürich, dem das ehemalige Stadtforstamt zugeordnet ist, digitalisiert. Die Originalaufnahmen werden im Stadtarchiv aufbewahrt.
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