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Das Neugeborene hat angeborene Reflexe oder sogenannte Primitivreflexe, die meistens seinem Selbstschutz dienen und bei einem entsprechenden Reiz instinktiv ausgeführt werden. Kurz nach der Geburt dominieren die angeborenen Reflexe noch. Einige davon sind für das Überleben des Neugeborenen unerlässlich, z.B. der Saugreflex, Atemreflex und Schluckreflex. Diese Fähigkeiten müssen sofort funktionieren, sonst würde es verhungern oder ersticken.
Sobald das Baby lernt, seine Muskeln zu kontrollieren, verlieren sich diese Reflexbewegungen allmählich und spontane Bewegungen treten immer mehr in den Vordergrund. Mittels Ultraschallaufnahmen konnten spontane Bewegungen bereits ab der 10. Woche bei Embryonen nachgewiesen werden.
Der Greifreflex
Bis zum Alter von etwa drei Monaten umschliessen die Finger des Babys automatisch alles, womit seine Handflächen in Berührung kommen. Dabei können sie so fest zugreifen, dass sie ihr eigenes Körpergewicht halten und kurzzeitig hochgezogen werden können. Dies wird auch als Darwin-Reflex bezeichnet.
Ein ähnlicher Reflex wird ausgelöst, wenn man die Fusssohlen streichelt. Der Fuss krümmt sich nach innen, als wolle das Kind damit etwas umklammern.
Der Handgreifreflex wird im 3. bis 5. Monat vom (willentlichen) Greifen abgelöst, der Fussgreif-Reflex ist bis zum 9. Monat nachweisbar.
Der Moro-Reflex
Als "Schreckreflex" oder "Umklammerungsreflex" bezeichnet man die unwillkürliche Reaktion von Neugeborenen und jungen Säuglingen, wenn sie mit Erschütterungen, abrupten Lageveränderungen, lauten Geräuschen, hellem Licht, starken Gerüchen konfrontiert werden, auch wenn sie das Gefühl haben zu fallen. Sogar das eigene Schreien kann den Moro-Reflex auslösen. Er gilt als gemeinsame Reaktion des Gleichgewichtsorgans (Vestibuläres System) im Innenohr und des Gehirns.
Bei der Untersuchung wird das Köpfchen zunächst mit der Hand gestützt und dann plötzlich ein wenig nach hinten abgesenkt. Das Baby atmet mit offenem Mund ein, streckt Arme und Beine aus und krümmt den Rücken, als wollte es sich an etwas festhalten. Dann “rollt” es sich sofort wieder ein und ballt die Händchen vor der Brust zu Fäusten.
Der Moro-Reflex ist nach der Geburt besonders ausgeprägt und normalerweise nur in den ersten zwei Lebensmonaten zu sehen. Spätestens im zweiten Lebenshalbjahr ist er bei gesunden Babys nicht mehr nachweisbar, andernfalls weist dies unter Umständen auf eine Schädigung des Grosshirns hin. Auch ein deutlich schwächer oder stärker ausgeprägter oder asymmetrischer Schreckreflex kann auf eine neurologische Störung oder auch auf einen unentdeckten Geburtsschaden wie einen Schlüsselbeinbruch hindeuten.
Der Suchreflex
Wenn Sie die Wange Ihres Kindes sanft streicheln oder mit der Brustwarze berühren, wird es den Kopf zur gestreichelten Seite hin wenden und mit geöffnetem Mund Ihre Brust suchen. Es folgt eine Saugbewegung.
Der Suchreflex bleibt bis etwa zum 3. oder 4. Lebensmonat erhalten, danach ist ein Baby in der Lage, die Nahrungsquelle wahrzunehmen, zu erkennen und bewusst anzusteuern. Bei manchen Babys lässt er sich im Schlaf aber auch noch zu einem späteren Zeitpunkt auslösen.
Der Saugreflex
Babys haben einen starken Saugreflex, der zum Stillen unerlässlich ist. Wenn Sie mit einem Finger behutsam gegen seine Lippen, die Mundschleimhaut oder den Gaumen des Babys drücken, fängt es an, intensiv zu saugen und zu schlucken. Der Reflex hält auch noch eine Weile an, nachdem Sie den Finger zurückgezogen haben.
Funktionierte der Saugreflex nicht, musste ein Neugeborenes früher verhungern. Heute kann es über eine Sonde ernährt werden. Der Saugreflex ist bis zum 3. Monat nachweisbar.
Der Schluckreflex
Babys werden mit einem ausgeprägten Schluckreflex geboren, da sie bereits im Mutterleib Flüssigkeit zu schlucken gelernt haben. Das ist wichtig, damit sie gleich nach der Geburt trinken können. Babys verfügen auch über einen starken Würgereflex, der verhindert, dass sie sich verschlucken.
Der Schreitreflex
Hebt man ein neugeborenes Baby hoch und hält es aufrecht über eine ebene Oberfläche, so dass ein Fuss mit dieser in Berührung kommt, wird es kleine Schreitbewegungen ausführen, als wolle es laufen. Wenn man den Rumpf nachführt, "geht" es am unbewegten Fuss vorbei vorwärts und setzt den bewegten Fuss wieder ab.
Dieser Reflex setzt kurz nach der Geburt ein und verliert sich nach ca. zwei Monaten. Er ist nicht mit dem eigentlichen Laufen zu verwechseln, denn Kopf und Beine sind noch zu schwer für echte Schreitbewegungen.
Der Kriechreflex
Liegt das Kind auf dem Bauch und wird auf die Sohle des Füsschens Druck ausgeübt, beginnt es, Krabbelbewegungen auszuführen, als wolle es die Flucht ergreifen. Diese Reaktion ist bis zum 2. oder 3. Monat auslösbar.
Der Stehreflex
Das Neugeborene wird aufrecht gehalten, der Rumpf gestützt. Bei Berührung der Unterlage mit den Füssen versteift es seine Beine. Diese Stützreaktion wird im 4. Lebensmonat allmählich abgelöst, so dass ab dem 8. Monat die Beine das Körpergewicht mit voller Belastung der Fusssohlen tragen, wenn der Rumpf gestützt wird.
Der Galantreflex
Man bestreicht in Bauchlage des Säuglings die Haut neben der Wirbelsäule mit dem Finger. Es erfolgt eine Beugung der Wirbelsäule zur Seite des Reizes hin. Der Reflex ist in der Regel etwa bis zum sechsten Lebensmonat nachweisbar.