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Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts kann als Hochblüte der barocken Orgelmusik bezeichnet werden. In Mitteldeutschland wirkten nebst Johann Sebastian Bach u. a. sein Vetter Johann Gottfried Walther, in Frankreich Louis-Nicolas Clérambault, Jean-François Dandrieu und Louis-Claude Daquin.
Louis-Claude Daquin (1694–1772) war ein virtuoser Pariser Organist und Cembalist der Barockzeit. Er wurde von seiner Patin Élisabeth Jacquet de La Guerre unterrichtet, und trat bereits im Alter von sechs Jahren vor Ludwig XIV. auf. Später wurde Louis Marchand sein Orgellehrer. Im Alter von acht Jahren leitete er in der Sainte-Chapelle die Aufführung einer eigenen Motette Beatus Vir für Chor und Orchester. Mit zwölf Jahren lehnte er das Organistenamt an der Sainte-Chapelle ab und nahm das Angebot im Kloster Le Petit Saint-Antoine an. 1727 wurde er Organist an der Pfarrkirche Saint-Paul, 1732 in der Cordeliers, 1739 in der Chapelle Royale als Nachfolger von Jean-François Dandrieu. Nach dem Tod von Antoine Calvière folgte er diesem 1755 als Organist der Kathedrale Notre Dame de Paris. Daquin galt zu seiner Zeit als ein herausragender Orgelimprovisator seiner Generation.
Orgelwerke von Louis-Claude Daquin
Er veröffentlichte 1735 sein Premier Livre de clavecin und ca. 1740 als op. 2 das Nouveau Livre de Noëls. Diese zweite Sammlung blieb erhalten und wurde von Alexandre Guilmant erstmals wieder herausgegeben. Sie enthält 12 Variationen über Weihnachtslieder enthalten.
- Noël sur les jeux d’anches
- Noël en Dialogue, Duo et Trio
- Noël en Musette, en Dialogue, et en Duo
- Noël en Duo, sur les jeux d’anches
- Noël en Duo
- Noël sur les jeux d’anches, et en Duo
- Noël en Trio, et en Dialogue
- Noël Etranger sur les jeux d’anches, et en Duo
- Noël sur les flûtes
- Noël grand jeu et Duo
- Noël en récit en taille, et en Duo
- Noël Suisse, grand jeu et Duo
Ferner sind vier Cembalo-Suiten erhalten. Viele von Daquins Werken sind verloren gegangen, darunter zahlreiche Vokalwerke und Kammermusik sowie Opern.
Josef Ferdinand Norbert Seger (1716–1782) war ein böhmischer Organist und Komponist. Er besuchte das Jesuitengymnasium und sang in dieser Zeit als Altist in der Prager St.-Jacobi-Kirche. Seger war vermutlich Schüler von Bohuslav Černohorský. Vor seinem Amtsantritt in der Teynkirche wirkte er als Sänger und Violinist in der St.-Martin-Kirche. 1741 wurde er Organist an der Teynkirche und 1745 an der Kreuzherrenkirche. 1782 wollte ihm Kaiser Joseph II. die Stelle als Hoforganist in Wien anbieten, Seger starb aber vor dem Erhalt des Angebots.
Josef Seger war einer der fruchtbarsten Orgelkomponisten seiner Zeit. Seine Werke gerieten aber in Vergessenheit und wurden erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Weiterlesen
Tomaso Albinoni (1671–1751) war ein italienischer Komponist und Violinist. Sein Vater Antonio erbte 1684 nach dem Tod seiner Arbeitgeberin deren gesamtes Unternehmen, wodurch die Familie zu beträchtlichem Wohlstand kam. Tomaso Albinoni liess sich zunächst im väterlichen Unternehmen zum Spielkartenhersteller ausbilden und nahm daneben Violin-, Gesangs- und Kompositionsunterricht. 1694 trat er erstmals als Komponist an die Öffentlichkeit, und zwar sowohl mit einer Oper (Zenobia, regina de Palmireni) als auch mit einer Sammlung von Instrumentalwerken (12 Suonate a tre op. 1). Weiterlesen
Georg Friedrich Kauffmann (1679–1735) wurde im thüringischen Ostermondra geboren. Er erhielt ersten Orgelunterricht bei Johann Heinrich Buttstedt in Erfurt und Johann Friedrich Alberti in Merseburg. Er wurde Albertis Nachfolger als sächsisch-merseburgischen Hof- und Domorganist und später Kirchenmusikdirektor und Hofkapellmeister.
Kauffmann war weit über den Merseburger Raum hinaus als Komponist und Orgelsachverständiger bekannt. Seine Musik wurde auch in Halle und Leipzig gespielt. Weiterlesen
Domenico Zipoli (1688–1726) war ein italienischer Komponist und Organist. Seinen ersten Musikunterricht erhielt er bei den Kapellmeistern der Kathedrale von Prato. Dank finanzieller Unterstützung durch einen Großherzog konnte Zipoli später in Florenz und Rom studieren.
In Rom war Domenico Zipoli bis 1716 Organist an der Jesuitenkirche. Während dieser Zeit komponierte er seine ersten Messen und Oratorien und lernte die Werke Bernardo Pasquinis kennen. 1716 veröffentlichte Zipoli seine Sonate d’Intavolatura per Organo e Cimbalo. Diese Sammlung von Versetten, Canzonen und Suiten erreichte eine grosse Verbreitung. Weiterlesen
Christoph Wolfgang Druckenmüller (1687–1741) stammt aus einer weit verzweigten Organistenfamilie. Sein Grossvater Georg Wolfgang war Schüler von Heinrich Scheidemann in Hamburg, sein Vater Johann Jacob war Organist in Ratzeburg und im ostfriesischen Norden an der berühmten Arp-Schnitger-Orgel. Die Stelle in Norden hatte zuvor Johann Dietrich, ein Onkel von Christoph Wolfgang inne. Auch sein Halbbruder Johann Lorenz war ein bekannter Organist. Weiterlesen
(José Antonio) Carlos de Seixas (1704–1742) war ein portugiesischer Komponist, Organist und Cembalist. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Carlos Seixas mit erst 14 Jahren das Organistenamt an der Dreifaltigkeitskirche in seiner heimatstadt Coimbra. Ab 1720 lebte Seixas in Lissabon, zuerst als Organist in der Kathedrale Santa Maria und später als Vizekapellmeister der Königlichen Kapelle. 1729 wurde er Nachfolger von Domenico Scarlatti, der die Kapelle seit 1719 leitete. Carlos de Seixas blieb bis zu seinem Tod Hofkapellmeister der Königlichen Kapelle. Weiterlesen
Antonio Lucio Vivaldi (1678–1741) war ein venezianischer Komponist und Violinist der Barockzeit. Vivaldis Vater Giovanni Battista war zunächst Barbier und wurde später beruflicher Violinist. Antonio wurde der einzige professionelle Musiker unter seinen Geschwistern. 1685 erhielt Vater Vivaldi eine Anstellung als Violinist am Markusdom; er genoss einen guten Ruf als Musiker, hatte als Mitglied des Cäcilienvereins vielfältige Beziehungen innerhalb des venezianischen Musiklebens. Antonio zeigte früh seine Musikbegabung an der Violine und soll schon in seiner Jugend den Vater im Orchester vertreten haben.
Johann Gottfried Walther (1684–1748) erhielt seine Ausbildung in Erfurt u. a. bei Johann Bernhard Bach, aber auch bei verschiedenen weniger bedeutenden Kantoren und Organisten. Den Unterricht bei Johann Heinrich Buttstedt malte er später als unangenehm und wenig nützlich aus. Walther wurde 1702 Organist an der Erfurter Thomaskirche. 1707, mit nur 23 Jahren, wurde er zum Organisten der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar gewählt, wo er Freundschaft mit Johann Sebastian Bach schloss. Walther und Bach waren entfernte Vettern (seine Grossmutter war eine Halbschwester von Bachs Mutter). Kurz darauf wurde er zum Musiklehrer des Prinzen Johann Ernst, Sohn des Herzogs Johann Ernst III. von Sachsen-Weimar und dessen Stiefschwester ernannt, was ihm hohes Ansehen verschaffte.
Jean-Adam Guilain (um 1680–nach 1739) war ein deutscher Komponist, Organist und Cembalist, der ab 1702 in Paris tätig, genaue Lebensdaten sind nicht bekannt. Er war ein Schüler oder Assistent Louis Marchands gewesen, dem sein Werk gewidmet ist. 1706 veröffentlichte er seine acht Suiten für das Magnifikat, von denen vier bis heute überliefert sind. Die Musik Guilains steht in der französischen Tradition seiner Zeit.