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Seit geraumer Zeit sind vermehrt Probleme mit Mittelohrentzündungen bei Kälbern auf Geburts- sowie Mastbetrieben festzustellen. Die West- und Zentralschweiz scheint zurzeit häufiger betroffen als die Ostschweiz.
Eine klare Tatsache rund um die Ohrentzündungen besteht darin, dass Erreger vom Rachenraum über den Verbindungskanal (Eustachische Röhre) ins Mittelohr aufsteigen und eine Infektion bis hin zu einem Abszess verursachen können. Das Mittelohr stellt einen Hohlraum dar, der durch knöcherne Strukturen und zum Aussenohr hin durch das Trommelfell begrenzt ist. Da das Mittelohr durch die anatomischen Gegebenheiten nur wenig durchblutet ist, stellt die Behandlung von Ohrentzündungen eine besondere Herausforderung dar. Stichworte sind Früherkennung und intensive Behandlung der Erkrankung. In der Frühphase zeigen Kälber oft nur einen müden, möglicherweise schmerzvollen Gesichtsausdruck, vermehrtes Kopfschütteln, Kratzen hinter den Ohren und eine zeitweise asymmetrische Ohrstellung. Viele Kälber zeigen in diesem Stadium keine oder eine nur leicht erhöhte Körpertemperatur. Gemäss aktuellem Wissensstand sind Mittelohrentzündungen mit einer mindestens sechstägigen Behandlung mit Antibiotika und einer ein- bis dreimaligen Gabe von Entzündungshemmern in Absprache mit dem Bestandestierarzt zu behandeln. Tritt eitrige Flüssigkeit aus dem Ohr, ist die Infektion chronisch so weit fortgeschritten, dass sich ein Abszess gebildet hat und der Eiter sich durch das Trommelfell frisst. Betroffene Kälber erfahren durch den Austritt des Eiters zwar Linderung, zeigen aber deutlich geringere Tageszunahmen als gesunde Kälber. Von der Erregerseite her gibt es Indizien, dass Mycoplasmen eine zentrale Rolle spielen. Mycoplasmen leben auf Schleimhäuten von Tieren und können bei einem durch Stressbelastung reduzierten Immunsystem krankmachend wirken und die Vermehrung anderer Erreger begünstigen. Im Kampf gegen die Ohrentzündungen sind folgende Ziele zu befolgen:
- Stärkung des Immunsystems
- Reduktion von Stressfaktoren
- Früherkennung der Krankheit
Zur Stärkung des Immunsystems sind die optimale Versorgung des Kalbes in den ersten drei Lebenswochen mit Milch, Mineralstoffen und Vitaminen sowie die Impfung gegen Rindergrippe unabdingbar. Stress wird reduziert, indem Kälber in Klein- und Kleinstgruppen gehalten, frühestens ab der vierten Lebenswoche verstellt werden, genügend Frischluft erhalten und trotzdem vor Wind und Witterung geschützt sind. Die Früherkennung von Mittelohrentzündungen bedingt eine genaue und zeitintensive Beobachtung der Tiere.
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