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Beschreibung
Weidenmangel in den Tälern Blenio und Leventina, Alpenüberschuss in der dünner besiedelten oberen Surselva, der gut ausgebaute Lukmanierweg und ein dichtes Netz lokaler Pässe liessen in der hochalpinen Region Lukmanier-Piora eine den Alpenkamm und politisch-kulturelle Grenzen überschreitende Interessengemeinschaft entstehen. Spätestens seit der Mitte des 14. Jahrhunderts verpachteten Kloster und Gerichtsgemeinde Disentis Alpen in Medel und Tavetsch an südliche Nachbarschaften. Alpnutzung, regionaler Handel und Verkehr, soziale und kulturelle Kontakte bedingten einander.
Die meisten Konflikte wurden friedlich, vor allem schiedsgerichtlich, beigelegt. In Prozessakten und Grenzbeschreibungen wird die Mentalität von Bauern, Hirten und politischen Führungsschichten fassbar. Ortsnamen bezeugen die alpinlombardisch-rätoromanische Sprachbegegnung. Die Territorialgrenze zwischen der Cadi und den eidgenössischen Landvogteien Blenio und Leventina entwickelte sich vom 13. bis zum 16. Jahrhundert in engem Zusammenhang mit den Alpgrenzen. Die im Anhang dieses Bandes edierten Quellen stammen aus den Lokalarchiven der Leventina und des Bleniotales; entsprechende bündnerische Dokumente gingen in den Bränden des Klosters Disentis verloren.
Chur, 1986
ISBN 3-85637-111-7