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Lawinen bilden eine der heimtückischsten und scheinbar unberechenbarsten Herausforderungen, welche die Natur den Berggesellschaften stellt. Der Artikel analysiert die Entwicklung von Lawinenabwehrstrategien und zeigt diese im Kontext des Übergangs von Berggesellschaften von deren «Risikokultur» zu ihrer technischen Kultur auf. Die Analyse zeigt, dass die Massnahmen, welche in den ersten Phasen der Lawinenbekämpfung entwickelt wurden – insbesondere Bannwälder und Schutzmauern – auf volkstümlichen Kenntnissen basierten, welche die Bewohner*innen der Alpen untereinander teilten. Die Modernisierung hat die Dynamik der transnationalen Zirkulation von Wissen und Erfahrung in der Lawinenbekämpfung verändert, als sie unter die Kontrolle von Bauingenieuren geriet. Die Gegenüberstellung des schweizerischen und des französischen Falls unterstreicht die jeweiligen Besonderheiten der beiden Länder. Während in Frankreich die Ecole des Ponts et Chaussées einen «technokratischen» und zentralistischen Ansatz vertrat, hat in der Schweiz der föderalistische Rahmen den Einfluss der Technik abgeschwächt und gleichzeitig einen dezentraleren und pragmatischeren Umgang mit «traditionellem» Wissen begünstigt.
Lawinenverteidigungsinfrastrukturen in der Schweiz und in Frankreich: Erfahrungen und Lösungen im Risikomanagement (1870–1970)(Les infrastructures défensives contre les avalanches en Suisse et en France: expériences et solutions dans la gestion des risques (1870–1970))
Erschienen in: traverse 2023/2, S. 66