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Schon lange versuchen die weltgrössten Investmentbanken, Druck auf die Börsen auszuüben, indem sie deren Handelsrivalen mit Geldmitteln ausstatten. Drei Beispiele für die Unterstützung junger Systeme aus diesem Jahr lassen vermuten, dass dieses Vorgehen für die Banken immer interessanter wird.
Die Unterstützung durch die aktivsten Aktienhändler der Welt, wie etwa Credit Suisse, Citigroup oder Morgan Stanley, gilt als Bestätigung für das Geschäftsmodell einer Handelsplattform und bietet gleichzeitig interessante Wachstumsmöglichkeiten.
Die Banken, von denen die meisten Minderheitsanteile an verschiedenen Handelsplattformen halten, sagen, die Beteiligungen ermöglichten ihnen, die Entwicklung der Aktienmarkt-Infrastruktur zu beeinflussen, den Wettbewerb zu verstärken und die Tradingkosten zu reduzieren.
Broker halten dagegen, die Banken folgten einem «Herdentrieb» und kauften sich wahllos in verschiedene Systeme ein aus Angst, bei den ein, zwei erfolgreichen nicht dabei zu sein. Die Investments seien weder eine grosse Hilfe noch eine Garantie für Erfolg.
Investieren in zwei Systeme
Verschiedene Systeme haben sich die Beteiligung ihrer Hauptkunden schon vor dem Start gesichert, konnten dann aber nicht genügend langfristige Geldgeber finden, um zu überleben. Letztlich steht und fällt ihr Erfolg mit der Fähigkeit, einen regelmässigen Orderfluss zu sichern.
Über die Gründe für eine Beteiligung der Banken gibt es sehr unterschiedliche Meinungen, doch die meisten sind sich darin einig, dass sie wenig Einfluss auf den Erfolg eines neuen Handelssystems haben. Die Banken haben sich zwar finanziell beteiligt, sie haben sich aber nicht verpflichtet, auf dieser Plattform auch zu handeln. Sie müssen da agieren, wo sie die besten Preise finden.
Thomson TradeWeb, das Bondsystem der Thomson Corp., gab am 3. Januar 2008 bekannt, neun seiner grössten Kunden hätten insgesamt 180 Mio Dollar für einen 15%-Anteil bezahlt. Dieses Investment solle dazu beitragen, die Handelsplattform auszubauen, damit auch neue Assetklassen gehandelt werden können.
BATS Trading, die innerhalb von zwei Jahren nach Volumen im US-Aktienhandel zum drittgrössten Markt nach der NYSE Euronext und der Nasdaq aufgestiegen sind, verkündete am 8. Januar 2008, dass JP Morgan Chase und Deutsche Bank sich an der Plattform beteiligt hätten, wo sie sich in bester Gesellschaft von acht grossen US-Institutionen befänden. «Wir vertrauen darauf, dass unsere Beteiligung an BATS Trading uns hilft, die Entwicklungen der Marktstruktur zu nutzen und unsere Handelsspielräume weiter zu verbessern», sagt Robert Flatley von der Deutschen Bank.
Chi-X Europe, das Handelssystem der der Nomura Holding gehörenden Wertpapiergesellschaft Instinet, kündigte am 10. Januar 2008 an, dass 13 Banken und Broker eine Beteiligung an dem System eingegangen seien. Über die Höhe des Engagements wurde nichts bekannt. «Diese Beteiligung ist insofern bedeutsam, als sie zeigt, dass die Investoren eine gemeinsame Vision hinsichtlich der Zukunft dieses Geschäfts haben, dass sie eine Veränderung wünschen und die Kosten für den Handel in Europa senken wollen», erklärt Tony Mackay, der Präsident von Instinet Europa. «Als Anteilseigner haben sie ein unmittelbares Mitspracherecht bei der zukünftigen Entwicklung.»
Larry Tabb, CEO der Tabb Group, einer Forschungs- und strategischen Beratungsgesellschaft der Börsen, sagt, Banken investierten in diese alternativen Plattformen, um am Status quo zu rütteln und den Wettbewerb zu intensivieren. Denn die müssten dann ihre Gebühren senken oder ihren Service verbessern. «Die Börsen sind börsennotiert und müssen den Interessen der Aktionäre Rechnung tragen, indem sie den Gewinn vergrössern und die Kosten reduzieren», betont er. «Das kann dann zum Nachteil für die Kunden werden, die lieber niedrigere Gebühren und besseren Service hätten.»
Lee Hodgkinson, CEO von virt-x, der Handelsplattform von Swiss Exchange, glaubt: «Die Banken sponsern die neuen Systeme aus zwei Gründen: Um die übermächtigen Börsen einzuschüchtern und um die Erfolgschancen der neuen Systeme zu erhöhen. Wenn eine Reihe grosser, finanzkräftiger Banken beschliesst, dass ein Projekt erfolgreich wird, dann wird es schwierig, das zu verhindern.»
Unklar ist allerdings, wie viel Einfluss diese Minderheitsaktionäre erhalten. Die meisten Banken wollen über die Höhe der Beteiligungen und deren Wert keine genauen Angaben machen. «Für uns ist es wichtig, mit unseren Nutzern einen offenen Dialog über die Marktthemen zu führen, aber die Anteilseigner haben keinen unangemessenen Einfluss auf die Entwicklung des Handelssystems», beruhigt Randy Williams, Direktor bei BATS Trading. Er fügte hinzu, BATS schätze die Beiträge seiner Minderheitseigner, doch die Entscheidungen über die strategische Ausrichtung der Firma treffe der CEO Joe Ratterman ganz allein.
Dennoch warnen einige davor, den Einfluss der Anteilseigner zu unterschätzen. «Die Firmen können leicht sagen, die Anteilseigner würden die Strategie nicht diktieren, doch mitsprechen werden sie immer», weiss Alasdair Haynes, CEO für internationale Geschäfte bei der Dienstleistungsgruppe für Aktienhandel ITG. «Grossaktionäre haben Anspruch auf einen Sitz im Board und dadurch dann massive Einflussmöglichkeiten.»
Haynes sagt, er glaube, Banken hätten ein starkes Interesse am Kauf von Beteiligungen an neuen Handelsprojekten, weil sie fürchten, sie würden als Zwischenhändler ausgeschaltet. «Die Investmentbanken waren bei der Orderabwicklung langsam. Über Investitionen in diese Systeme könnten sie jetzt wieder mitmischen.»