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Die Vorstellungen über die Bedeutung von Glück sind zahllos. Sie lassen sich jedoch in zwei Kategorien einteilen: Das eine ist ein egoistisches Glück, das allein das Wohl der eigenen Person und allenfalls noch der eigenen Familie zum Inhalt hat. Das andere ist ein Glück, das das eigene Glück an dasjenige des Nächsten und an das Wohl aller Geschöpfe knüpft. Diese zweite Definition konfrontiert einen unweigerlich mit dem Begriff der Gerechtigkeit. Ohne Gerechtigkeit gibt es kein umfassendes Glück. Die Gültigkeit dieses Gesetzes wird täglich und überall auf der Welt offenbar. Was aber heisst eigentlich Gerechtigkeit?
Beiträge zum Thema
Das Erlebnis einer Katastrophe kann Anlass sein, herrschende Verhältnisse und Anschauungen zu hinterfragen. In diesem Sinne führten die Geschehnisse des 11. September 2001 zu Diskussionen in verschiedenen Bereichen von Gesellschaft und Politik. Man fühlt die Notwendigkeit, sich über gewisse Themen auszusprechen und sie neu zu überdenken.
Warum achtet man ein Gebot oder ein Gesetz? Ist es die Erkenntnis seines hohen Wertes, die Einsicht in seine Notwendigkeit, oder ist es der Druck des Zwangs, das heisst die Furcht vor Entdeckung und Strafe? In Platons »Staat« werden solche empfindlichen Gesinnungsfragen zum Thema Recht und Gerechtigkeit zur Sprache gebracht. Im hier vorgestellten zweiten Teil des Dialogs vermitteln die beiden Brüder Platons, Glaukon und Adeimantos, ein Bild der damaligen Gesellschaft Athens und der allgemein verbreiteten Einstellung zum Begriff Gerechtigkeit.