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Seit seiner um 1788/89 einsetzenden Zeit als Privatschüler bei Professor Johann Georg Tralles an der Berner Akademie hat sich Hassler intensiv mit Fragen der Landesvermessung auseinander gesetzt. So finanzierte er 1791 und 1797 die ersten beiden Messungen der Basis im Grossen Moos im Hinblick auf die Landesvermessung der Schweiz. An diese Längengrundlage wurden verschiedene Dreiecksmessungen angeschlossen; ein aus jener Zeit nachgewiesenes Koordinatenverzeichnis umfasst die geographische Breite und Länge von 51 Punkten zwischen Moléson und Chasseron im Westen und der Linie Hörnli-Hohentwiel im Osten. Auch wenn in jener Zeit auf dieser Grundlage keine Karte zustande kam, so handelt es sich dabei doch um wesentliche Vorarbeiten zu einem solchen Werk.
Zur Zeit der Helvetik wurde Hassler vom Finanzminister mit der Erstellung eines Verzeichnisses aller vorhandenen Karten und Pläne beauftragt. Im Januar 1799 reichte er eine Denkschrift «Ueber ein Vermessungsbureau» ein, welche als wissenschaftliches Konzept für die Landesvermessung bezeichnet werden darf und deren Zweck wie folgt umreisst: «Genaue Landeskenntnis ist das erste Bedürfnis einer Regierung in Rücksicht auf innere Verwaltung; nichts kann sie so richtig verschaffen, so anschaulich jeden Teil des Landes und jedes Bedürfnis und (die) Hülfsmittel desselben vor Augen legen, als genaue, systematisch betriebene Vermessung des ganzen Landes, mit welcher stat(ist)ische und ökonomische Tabellen verbunden sind, die bei systematischer Einrichtung alles enthalten müssen was, ausser der Situation, an Landeskenntnis zu jedem Zweck der Regierung immer gefordert werden kann.» Bereits im Sommer 1798 hatte Philipp Albert Stapfer als helvetischer Minister der schönen Künste und der Wissenschaften aus politischer Optik die Schaffung eines bureau du cadastre bzw. eines bureau de travail géodésique gefordert, und Hassler wäre von seiner Ausbildung und seinen Fähigkeiten her bestens geeignet gewesen, eine solche Institution zu leiten. Doch in einer Zeit, in der das unstabile Gebilde der Helvetischen Republik von Staatskrisen geschüttelt wurde, blieben diese weitsichtigen Ideen leider unrealisiert.
Die Regierung der «Einen und unteilbaren helvetischen Republik» hatte Tralles im Sommer 1798 zum Vertreter beim Internationalen Komitee zur Feststellung eines neuen Mass- und Gewichtssystems in Paris bestimmt, von wo er je zwei Exemplare des so genannten Komitee-Meters und des Komitee-Kilogramms nach Bern zurück brachte. Je ein Exemplar dieser Kopien des «Mètre und Kilogramme des Archives» dienten in den folgenden Jahrzehnten als Schweizer Urmasse. Seine Stellung als helvetischer Experte in Sachen Mass und Gewicht krönte Tralles 1801 mit seinem Bericht der Festsetzung der Grundeinheiten des von der fränkischen Republik angenommenen metrischen Systems, der noch im selben Jahr zu einem entsprechenden Gesetz führte. Dank seiner Nähe zu Tralles war Hassler stets auch über die Entwicklungen im Bereich von Mass und Gewicht bestens im Bild. Bei seiner Überfahrt nach Amerika führte er gar das andere Exemplar der beiden Komitee-Meter in seinem Gepäck mit. Er erzielte damit für das Mass- und Gewichtswesen der Vereinigten Staaten einen ähnlichen Effekt wie Jahre zuvor Tralles für die Schweiz. Überhaupt ist Hassler als einer der ersten Wissenschafter von überragender Bedeutung in die amerikanische Geschichte eingegangen.
Im Februar 1803 – kurz vor der Unterzeichnung der Mediationsakte – äusserte Hassler gegenüber der Regierung des Kantons Aargau seine Ideen Über die Einrichtung des Messungswesen im Kanton Aargau, welche aber vom Rat gar nicht behandelt wurden. Die fehlende Umsetzung der an sich vorhandenen weitsichtigen Ideen und die entwürdigende persönliche Erfahrung, die er bei der Einforderung seiner im staatlichen Auftrag ausgeführten Auslagen für die Landesvermessung im Rahmen der Liquidationskommission der Helvetischen Republik machen musste, dürfte dazu beigetragen haben, dass Hassler 1805 in der damaligen «Schweiz von Napoleons Gnaden» keine persönliche Zukunft mehr sah und nach Amerika auswanderte.
Aus dem Lebensabschnitt in der Schweiz sind bisher von Hassler keine Karten bekannt. Hingegen ist ein dreidimensionales Landschaftsrelief der Gegend um den Mont Blanc bekannt, das er in die Vereinigten Staaten mitgenommen hat. Er scheint somit eine ähnliche Arbeitsweise angewendet zu haben wie Joachim Eugen Müller aus Engelberg, der bei den Aufnahmen für den Atlas Suisse direkt im Gelände Gipsmodelle anfertigte und diese dann zu Hause in eine grundrissliche Landschaftszeichnung umsetzte. In Amerika sind dann unter Hassler grosse Flächen auch topografisch vermessen und kartiert worden.
Hassler war somit im Verlaufe seines Lebens auf sämtlichen Teilgebieten tätig, welche für die geodätische und topografische Vermessung und die kartografische Darstellung von Ländern von Bedeutung sind. Seine Tätigkeitsfelder waren die höhere Geodäsie (astronomische Positionsbestimmung, Basismessung und Triangulation), die Standardisierung der Masseinheiten, topografische Vermessungstechniken (Reliefbau, Einführung des Messtisches in Amerika), kartografische Projektionen und Instrumentenbau. In erster Linie aber war Hassler ein Wegbereiter für die Landesvermessung als eine der zentralen Aufgaben moderner Staaten. Was ihm in der Schweiz noch nicht gelang, konnte er in Amerika nach ausdauerndem Kampf gegen alle Widerstände im reifen Lebensalter endlich erreichen: Die Schaffung staatlicher Strukturen für die beiden Bereiche Landes- bzw. Küstenvermessung und Standardisierung von Mass und Gewicht.
Das Problem der Rückführbarkeit von Messungen auf so genannte Normale begleitete Hassler sein ganzes Leben. Seine grossen Verdienste auf dem Gebiet der Metrologie waren aber vor allem in Amerika (1832-43) evident. Der im 19. Jahrhundert reger werdende Handel Amerikas mit dem Ausland und die damit verbundenen Zölle erforderten nationale und internationale Vergleichsmöglichkeiten der unterschiedlichen Masseinheiten. Hassler untersuchte die verschiedenen Masse beim Volumen, der Länge und der Masse welche seinerzeit in Amerika angewendet wurden. Er untersuchte dies bei 47 Zollstationen und raportierte 1832 dem amerikanischen Senat seine Resultate (Comparisons of Weights and Measures of Length and Capacity). In der Folge war er massgebend am Aufbau des Bureau of Standards beteiligt.
Hassler entwickelte auch Hilfsmittel zum genaueren Messen und wies Konstrukteure an, seine Ideen umzusetzen. Er pflegte schon vor seinem Aufenthalt in Amerika rege Kontakte zu bedeutenden europäischen Geodäten, Mathematikern und andern Wissenschaftern. Diese Kontakte, die er auch von Amerika aus durch Europareisen und Briefverkehr weiter pflegte, hielten ihn immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und der Instrumentenbaukunst. Von dieser Situation profitierte vor allem das im Aufbau begriffene Bureau of Standards, kam es dadurch doch immer zu den neuesten Standards.
Charakteristisch für Hassler war, dass er seine Visionen auch bei widrigen Umständen nicht aufgab, sondern im Sinne eines Pioniers beharrlich an deren Verwirklichung arbeitete. Seine grossen theoretischen Kenntnisse konnte er stets in praktische Anwendungen umsetzen, und mit dieser sinnvollen gegenseitigen Wechselwirkung zwischen Theorie und Praxis hat er massgebend zum wissenschaftlichen Fortschritt beigetragen. Das macht ihn zu einer international bedeutenden Persönlichkeit auf den beiden Fachgebieten Landesvermessung und Metrologie.
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Das Siegelbild von
Ferdinand Rudolf Hassler