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Der aus Vertretern aller Gemeinden bestehende, 40 Mitglieder (13 Stadt, je 9 aus den 3 andern Gemeinden) zählende Stadt- und Amtrat war verwaltende und vollziehende Behörde, die vielfach auch (auf Anrufen hin oder von Amteswegen) richterliche Funktionen ausübte. Wenn der Stadt- und Amtsrat einen Angeschuldeten für todeswürdig erachtete, überwies er den «armen Sünder» dem Blut- oder Malefiz-Gericht zur gutfindenden Aburteilung. - Zur Behandlung von Testamentssachen, Zivilstreiten, Abwandlung von Injurien u. dergl. bestanden zwei kant. Instanzen, die letztinstanzlich entschieden, nämlich das sog. Herrschafts- und das Grossgericht. Der Name des ersteren stammt noch aus der Zeit, da Zug unter Oesterreich stand. Das (nebst einem Teil von Aegeri) bis 1679 unter Einsiedeln stehende Menzingen hatte ein eigenes Gericht (Gotteshausgericht geheissen). Hauptort des Kantons war von jeher tatsächlich die Stadt Zug; seit 1802 ist dies auch verfassungsrechtlich anerkannt.
Mit 1798 wurden die innerhalb der Kantonsgrenzen gelegenen Vogteien selbständige Gemeinden, nämlich Cham, Hünenberg, Risch, Steinhausen und Walchwil; in Folge Abtrennung von Menzingen wurde 1848 auch Neuheim eine selbständige Gemeinde. Der Kanton Zug zählt 11 politische Gemeinden: Zug, Ober Aegeri, Unter Aegeri (seit 1814 von Ober Aegeri abgetrennt), Menzingen, Baar, Cham, Hünenberg, Risch, Steinhausen, Walchwil und Neuheim.
1848 wurde das Recht zur Vornahme der Wahlen, welche bisher die Landsgemeinde traf, dem Grossen Rate übertragen, ebenso das ausschliessliche Recht der Gesetzgebung, die Verfassung wurde für die ersten 10 Jahre als unabänderlich und eine vorherige Revision als unzulässig erklärt.
Die jetzige Verfassung (vom brachte wesentliche Aenderungen hinsichtlich Ausdehnung der Rechte des Volkes an der Gesetzgebung, nämlich durch Einführung des fakultativen Referendums (auf Begehren von 500 Stimmberechtigten) und für Einführung der Initiative (800 Stimmfähige für Gesetze, 1000 für Abänderung der Verfassung); ferner hinsichtlich des Wahlverfahrens durch Einführung der obligatorischen Verhältniswahl (Proporzes) an Stelle des bisherigen Majoritätsprinzipes bei den Regierungsrats-, den Kantonsrats- und bei den Richterwahlen. Auch bei den Wahlen der Gemeindekollegien ist dieses Verfahren fakultativ zulässig.
Der Kantonsrat (auf 350 und einen Bruchteil von 150 Einwohnern einer Gemeinde ein Mitglied) ist die gesetzgebende und die Oberaufsicht führende, der Regierungsrat (7 Mitglieder) die verwaltende und vollziehende, ein 5gliedriges Kantons- und ein aus 7 Mitgliedern bestehendes Obergericht richterliche Behörde, welche auch als Strafgericht zu urteilen hat, eine Abteilung des Obergerichts überdies noch als Kassations- und Revisions-Instanz. In jeder Gemeinde hat ein Friedensrichter die Aufgabe, Zivilstreitigkeiten zu vermitteln oder sie zur Erledigung ans Kantonsgericht zu weisen. Ueber Wertstreite bis 30 fr. entscheidet er in Einzelkompetenz. - Amtsdauer aller kantonalen Beamtungen vier Jahre.
Die Verfassung von 1803 kannte nur einen Gemeinderat für jede Gemeinde; diejenige von 1814 ebenfalls; es wurde aber damals erstmals denjenigen Gemeinden, die besondere Gemeindegüter - Allmenden, Feld und Wald - besitzen, das Recht, selbe gesondert zu verwalten, ausdrücklich zugesichert. Die Verfassung vom setzte fest, dass da, wo es noch nicht geschehen wäre, Güter und Verwaltung der Korporationsgenossen vom übrigen Gemeindehaushalte ausgeschieden und getrennt behandelt werden sollen.
Im Gesetze betr. Organisation des Gemeindewesens vom wurden nach dieser Richtung hin noch weitere wegleitende Bestimmungen erlassen.
Die Kantons-Verfassung vom samt den Aenderungen vom und führte eine weitere gemeindliche Ausscheidung herbei, indem zu den bereits bestehenden Korporations- und Bürgergemeinden neu ins Leben gerufen wurden: die Einwohnergemeinden, zu welchen alle in der betreffenden Gemeinde sesshaften Einwohner (Bürger, Niedergelassene und Aufenthalter) gehören, und die Kirchgemeinden. Zu letztern gehören die in der betreffenden Pfarrei wohnhaften Personen von gleicher Konfession. Mit Ausnahme von Cham und Hünenberg, welche zusammen eine Pfarrei bilden, bestehen in allen andern politischen Gemeinden auch Kirchgemeinden. Zur protest. Kirchgemeinde des Kts. Zug (mit Sitz in Baar) gehören die in den verschiedenen Gemeinden des Kantons wohnenden Protestanten.
In Armensachen huldigt der Kt. Zug dem Heimatsprinzip. Es hat das zur Folge, dass die Bürgergemeinden viel von bedürftigen Angehörigen beansprucht werden, welche nicht in der Heimatgemeinde wohnen, sondern in Kantonen, welche das Territorialprinzip anerkennen, aber nur da, wo Gegenrecht geübt wird.
Die Gemeinden übertragen die Verwaltung ihrer öffentlichen Angelegenheiten einem Ratskollegium von je wenigstens 5 Mitgliedern. Im Kirchenrate hat der Ortspfarrer von Amteswegen Sitz und Stimme.
Finanzwesen. Die Normen, nach welchen der kantonale Haushalt geordnet ist, ergeben sich aus dem Gesetze vom Diejenigen, betr. den Haushalt der Gemeinden, aus dem seit 1876 bestehenden Gemeindegesetze. Zur Deckung der Staatsauslagen sind bestimmt: Ertrag des Staatsvermögens, des Salzregals, der Steuern, des Alkoholmonopols und der eidg. Patenttaxen von Handelsreisenden, sowie eine Anzahl anderer Abgaben, wie Patente für den Verkauf von Getränken, Wirtschafts-, Jagd- und Fischereipatente, Hundesteuer etc. Die Gemeinden sind befugt, Steuern zu erheben auf das Vermögen, jedoch unter Ausschluss der Progression, auf den Erwerb, die Patente, die Haushaltung und auf den majorennen Kopf. Die Steuerveranlagungen erfolgen durch das Mittel der Selbsttaxation des Pflichtigen, Taxierung durch die Einw.-Räte, dann diejenige der kantonalen Steuerkommission. Gegen Veranlagungen der Einw.-Räte oder der St. K. sind Steuerbeschwerden zulässig, gegen erstere an die kant. Steuerkommission, gegen die letztere an den Reg.-Rat; schliesslich steht dem Veranlagten noch gerichtlicher Entscheid offen.
14. Erziehungswesen.
Die Verfassung von 1814 überliess den Gemeinden die Organisation ihrer Schulen, dies erhielt sich, wenn auch vollständig fakultativ, mehr als 30 Jahre. Erst 1818 wurde die Organisation des öffentlichen Unterrichtswesens kantonal. Das Gesetz vom erklärte den Primarunterricht für sechs Schuljahre obligatorisch und ¶
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gestatete die Errichtung von Privatschulen unter der Aufsicht eines Erz.-Rates, dem ein von ihm gewählter Inspektor zur Seite stand. Die Gemeinden erhielten bescheidene Beiträge an die Gehälter des Lehrpersonals. Das Gesetz sah auch die Gründung von Sekundarschulen und einer Kantonsschule vor. Diese Schulen wurden dann, durch das Gesetz vom organisiert. Durch das Gesetz vom endlich erhielt das öffentliche Unterrichtswesen die den modernen Bedürfnissen entsprechende Ausgestaltung. Es teilt die staatlichen Schulen in obligatorische und fakultative.
Die ersteren sind: die Primarschule (7 Jahre), in welche die Kinder mit ihrem vollendeten siebenten Jahre eintreten müssen, und die Bürgerschule, die für alle Jünglinge vom 17. bis 19: Altersjahre obligatorisch ist (zwei Winterkurse mit je drei wöchentlichen Stunden und ein Wiederholungskurs von drei Tagen vor der Prüfung). Die fakultativen Schulen sind: Gewerbliche Fortbildungsschulen für Jünglinge und Töchter, die Knaben- und Mädchensekundarschulen und die Kantonsschule mit Industrie- und Gymnasialabteilung. Im Frühling 1906 zählten die Primarschulen 3399 Schiller, die Ergänzungsschulen 333, die Sekundarschulen 208, die Kantonsschule (5 Studienjahre) 73. Ausserdem gibt es in fünf Gemeinden noch elf Fortbildungsschulen. Der Staat gab für die 84 Primarschulen Fr. 58260, für die 7 Sekundarschulen Fr. 14148, für die Kantonsschule Fr. 12051 aus.
15. Militærwesen.
Bis zum Erlass der Napoleonschen Vermittlungsakte vom 19. II. 1803 war der Kanton Zug in militärischen Dingen souverän. Von da an hatte er zum Bundesheer, das ganze 15200 Mann zählte, sein Kontingent (121 Mann) zu stellen. Ueber Krieg und Frieden, Rüstungen und Auszüge (auch über solche zu fremden Fürsten) u. dgl. entschieden jeweilen die Landsgemeinden sofern nicht, wie in der Regel geschah, Friedensschlüsse im Felde oder am Diplomatentisch vereinbart, bezw. von den Siegern (wie 1656 und 1712) diktiert worden waren.
Die Landsgemeinde besetzte auch die obersten Kriegs-Chargen, die Stellen des Landeshauptmanns, des Pannerherren und des Landesfähndrichs. Der erstgenannte wurde in frühern Zeiten nur dann gewählt, wenn kriegerische Aktionen in Aussicht standen. Er war oberster Befehlshaber, allerdings an die Weisungen des Stadts- und Amt-Rates und seines Ausschusses (des Kriegsrates) gebunden, im übrigen aber mit weitgehenden Kompetenzen ausgerüstet. Von 1808 an wurde die Stelle des Landeshauptmanns auch in Friedenszeiten, also regelmässig besetzt. Den Namen Landeshauptmann (mit Obersten-Rang) behielt der Präsident der kant. Militärkommission bis 1873.
Pannerherr (von 1422-1798 bekleideten, mit einer kurzen Ausnahme, Angehörige des Familie Kolin dieses Ehrenamt) und Landesfähndrich, welch letzterer auch in einer Gemeinde des «äussern» Amtes wohnen durfte, wurden jeweilen ebenfalls und zwar auf Lebenszeit von der Landsgemeinde gewählt. Der Pannerherr war Hüter und Bewahrer des eigentlichen Landespanners und als solcher autoritativer Repräsentant der obersten kant. Militärgewalt. Erst dann, wenn die gesamte streitbare Mannschaft zum Kriege auszog, musste der Pannerherr dabei sein. Bei den andern krieg. Anlässen war - wenigstens in späterer Zeit - der Landesfähndrich der Träger des «Zuger Fähnleins».
Allgemeine Wehrpflicht war Regel, jedoch bis 1848 die Stellvertretung gestattet. Das Reglement vom 1. IV. 1757 sah als auf dem «Piquet» stehende und für den ersten Aufbruch bestimmte Mannschaft vor: ein aus 4 Kompagnien (à 100 Mann) gebildetes Bataillon. Es bildeten dessen Stab je 1 Kommandant, Major, Fähndrich, Feldprediger, Feldscherer, Tambourmajor und «Margententer». Kompagniebestand: 1 Hauptmann, 3 Lieutnants, 2 Tambouren, 4 Wachtmeister, 6 Korporale, 84 Gemeine.
Die Militär-Organisation von 1809 teilte die Landmiliz in ein Auszüger- und ein Reserve-Bataillon. Zum erstern gehörte die waffenfähige Mannschaft vom 20. bis 26., zum letzteren jene vom 27. bis 45. Altersjahr. Die Truppen waren eingeteilt in Füsilier-Scharfschützen- und Feldjäger-Kompagnien, wozu noch etwas Artillerie kam. Die Militär-Organisation vom dehnte die Dienstpflicht vom 19. bis zum 60. Altersjahr aus. Die Mannschaft vom 19. bis 27. Jahre gehörte zum Auszüger-, jene vom 28. bis 46. zum Reserve-Bataillon und diejenige vom 47. bis 60. Jahre zum «Panner» (Landsturm). Alle diese Truppen standen unter dem Oberbefehl des Landeshauptmanns. Bestand des Auszuges: Stab 43, 2 Schützenkompagnien 200, 6 Komp. Füsiliere 552, total 795 Mann; der Reserve je: 1 Komp. Schützen und Feldjäger, ½ K. Artillerie, 7 Komp. Füsiliere; des «Panners» (Landsturmes) 1188 Mann (Stab 18 Mann, Schützen 1, «Lanziers» 3, Füsiliere 7 Komp.).
Das Jahr 1852 brachte eine (bis zum erfüllten 44. Jahre) reduzierte Dienstpflicht, an die Stelle des Panners trat die Landwehr (40. bis 44. Jahr), ordnete dann für Urlauber und Untaugliche eine Ersatztaxe an und verpflichtete im weitern die Mannschaft (neuerdings) zur Zahlung der Uniform, was mit Uebernahme der gesamten Ausrüstung durch den Bund wegfiel.
An der Spitze der jetzt nach eidg. Vorschriften sich vollziehenden Militärverwaltung des Kts. Zug, der als 12. Rekrutierungskreis der IV. Division zugeteilt ist, steht ¶