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Weshalb braucht es die Thursanierung?
1. Dringende Sanierung des Flussufers und der Flusssohle
Die über 100 Jahre alten Uferverbauungen, erstellt im Rahmen der Thurkorrektion von 1907 bis 1914, sind heute teilweise stark beschädigt und müssen erneuert werden: Die Flusssohle hat sich abschnittsweise mehr als einen Meter eingetieft. Der Uferschutz wird dadurch unterspült, aufgelöst oder gar fortgeschwemmt. Dadurch können Böschungen und das angrenzende Land bei Hochwasser erodiert werden.
Durch die Eintiefung der Sohle wurden in einzelnen Abschnitten die tiefer liegenden Seebodenlehme frei gelegt. Diese können im Hochwasserfall abgeschwemmt werden, wodurch in der Folge grosse Schäden durch weitere Erosionen nicht ausgeschlossen werden können. Die Eintiefung der Sohle führte zudem zu einem Absinken des Wasserspiegels und damit zu einer Verringerung des nutzbaren Grundwasservorkommens.
Aufgrund dieser Mängel mussten bereits Sofortmassnahmen zur Sicherung der abgetragenen Uferbefestigung getroffen werden, zuletzt 2011, als im Quartier Ulisbach 3000 Tonnen Felsblöcke und 4000 Tonnen Kies verbaut wurden. Weitere notwendige Sofortmassnahmen sind für das Jahr 2017 geplant.
Das muss getan werden:
Verbreitern des Flussbetts zur Stabilisierung und Anhebung der Flusssohle. Sanierung oder Ersatz der beschädigten Uferverbauungen.
2. Notwendige Verbesserung der Hochwassersicherheit
Nebst den heute bestehenden Mängel an der Flusssohle geht von der Thur eine ernst zu nehmende Hochwassergefahr aus. Die Thur verfügt im Siedlungsgebiet von Wattwil nicht über die notwendige Abflusskapazität, um ein grösseres Hochwasserereignis schadlos abzuleiten. Die 2016 überarbeitete Gefahrenkarte des Kantons St. Gallen weist eine erhebliche Gefährdung aus.
In den vergangenen Jahrzehnten ist die Siedlung von Wattwil immer näher an den Flussraum herangewachsen. Zahlreiche Wohnsiedlungen und Anlagen wie das Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg, die Schulanlagen Grüenau oder Firmenstandorte liegen direkt am Thurufer. Zudem liegen auch die wichtigen Entwicklungszonen der Gemeinde direkt am Fluss. Ein ausreichender Schutz gegen Hochwasser ist deshalb zwingend.
Bei einem Hochwasser, das durchschnittlich einmal pro 100 Jahre zu erwarten ist (ein sogenanntes 100-jährliches Hochwasser), muss heute mit massiven Überschwemmungen im Siedlungsgebiet gerechnet werden. Die Naturgefahrenkarte des Kantons St. Gallen zeigt die zu erwartenden Überschwemmungsgebiete auf. Gemäss heute geltenden Schutzziel-Vorgaben des Kantons muss eine ausreichende Sicherheit gegen 100-jährliche Hochwasserereignisse gewährleistet sein (→ Anforderungen an den Hochwasserschutz: PDF, 94 KB).
Das muss getan werden:
Sicherstellung einer ausreichenden Abflusskapazität im Siedlungsgebiet Wattwil für 100-jährliche Hochwasserereignisse durch Vergrösserung des Abflussprofils.
3. Gewünschte Aufwertung der Thur als Siedlungselement
Für Wattwil stellt die Thur ein einzigartiges, prägendes Siedlungselement dar. Sie wird als Herzstück des Dorfes wahrgenommen, aber auch als raumtrennendes, für den Fuss- und Veloverkehr schwer zu querendes Objekt. Dies der Befund des breit abgestützten, öffentlichen Strategieworkshops «Zentrum Wattwil» der Gemeinde im Jahr 2015 (→ Workshop «Zentrum Wattwil»).
Der Fluss selbst kann im heutigen Zustand nur eine untergeordnete Erholungsfunktion wahrnehmen. Die Böschungen sind steil und monoton, ein direkter Wasserzugang ist einzig in der «Hinteren Schomatten» gegeben. Stark genutzt werden die beidseitigen Thuruferwege, welche neben ihrer wichtigen Funktion für den Langsamverkehr auch eine grosse Bedeutung für Erholungssuchende haben.
Eine räumliche Aufwertung der Thur bietet für Wattwil eine grosse Chance. Der Fluss mit seinen neu entstehenden Kiesbänken und flachen Ufern soll ein einfach zu erreichendes und zugängliches Naherholungselement des Siedlungsraumes werden, das für den Langsamverkehr bestens mit den angrenzenden Raumnutzungen und Verkehrsachsen verbunden ist und ausreichende Möglichkeiten zur Querung bietet.
Das kann getan werden:
Schaffen von Zugängen und Aufenthaltsbereichen am Wasser im Siedlungsgebiet und Abflachen der Ufer ausserhalb des Siedlungsgebiets. Bessere Verknüpfung der Uferwege und Thur-Zugänge mit den angrenzenden Nutzungen wie Schul-, Sport- und Freizeitanlagen.
4. Notwendige ökologische Aufwertung
Flussläufe sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen und dienen der ökologischen Vernetzung. Um diese Funktionen erfüllen zu können, müssen ausreichend Raum und naturnahe Flächen vorhanden sein. Beide Bedingungen sind heute an der Thur in Wattwil nicht gegeben. Die heutigen Thurufer sind monoton und strukturarm. Sie verfügen nur stellenweise über einen schmalen Ufergehölzstreifen. Die Bodenbedeckung der Ufer besteht aus einer extensiv genutzten Wiese.
Die korrigierte Thur selbst kann im heutigen Zustand die natürlichen Lebensraumansprüche vieler Fischarten nur noch bedingt erfüllen. Die verbleibenden Strukturen im Gewässer reichen nicht aus, um Fischen aller Altersklassen geeignete Standorte anzubieten. Der Fluss braucht wieder mehr tiefe Stellen für die großen Fische, Flach- und Hinterwasserbereiche für Jungfische und lockere Kiesflächen, auf denen Arten wie Forellen und Äschen ihre Eier vergraben können. Die Thur verfügt über viele seitliche Zuflüsse, die wegen der Sohleneintiefung der Thur an der Mündung einen Absturz aufweisen. Diese Hindernisse verhindern die freie Fischwanderung.
Das muss getan werden:
Verbreitern des Flussbetts und der Ufer, so dass sich Kies- und Sandbänke sowie naturnahe Ufersäume entwickeln können. Absturzfreier Anschluss von Seitenbächen, damit Fische ungehindert wandern können.