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| Cassian († 430/35) - Sieben Bücher über die Menschwerdung Christi (De incarnatione Domini contra Nestorium)

Viertes Buch
7. Er kehrt zu der frühern Betrachtung zurück, um gegen die Nestorianer zu zeigen, dass das, was der göttlichen Natur zukomme, von dem Menschen ausgesagt werde, als wäre er die Person der göttlichen Natur; und das, was Sache der menschlichen Natur sei, von Gott (gesagt werde), als wäre er die Person der menschlichen Natur, deshalb weil in Christus nur eine einzige und einfache Person ist.
So müssen wir nun also ohne Zagen und Zaudern bekennen, dass der Sohn des Menschen vom Himmel herabgestiegen und dass der Herr der Majestät gekreuzigt worden sei, weil nach dem Geheimnisse der Fleischannahme ebenso der Sohn Gottes Sohn des Menschen gewordn ist, wie im Sohne des Menschen der Herr der Majestät gekreuzigt wurde. Und wozu nun noch mehr? Es wäre zu lange, über das Einzelne vieles zu sagen; denn es wird mir der Tag nicht reichen, wenn ich versuchen will, alles, was hierfür angeführt werden kann, zusammenzusuchen und darzulegen. Wer dies will, muss die ganze hl. Schrift wieder durchgehen und lesen. Denn wo ist etwas was sich nicht hierauf bezöge, da doch alles gerade deswegen geschrieben ist? Kurz und knapp muss ich also einiges sagen, damit [S. 509] es überhaupt gesagt werden kann, muss manches mehr aufzählen als aufführen und so zu sagen Verlust durch Verlust verhindern; denn es muss fast alles werden, da es sich ziemt, dass einiges durchgenommen werde. „Es kam also“, sagt der Erlöser im Evangelium, „ der Sohn des Menschen, zu retten, was verloren war.“1 Und der Apostel sagt:2 „Es ist ein zuverlässiges Wort und aller Annahme würdig, dass Jesus Christum in die Welt kam, die Sünder zu retten, deren erster ich bin.“ Aber auch der Evangelist Johannes sagt:3 „Er kam in sein Eigentum, und die seinen nahmen ihn nicht auf.“ Siehst du also, dass die Schrift hier von dem Sohne des Menschen, dort von Jesus Christus und dann wieder von dem Worte Gottes lehrt, es sei in die Welt gekommen? Verstehe nun, dass die Unähnlichkeit nur in den Benennungen liege, nicht in der Sache, und dass in der verschiedenen Form der Namen die gleiche Bedeutung sei; denn obgleich nun der Sohn des Menschen, nun der Sohn Gottes, d. i. das Wort, als in die Welt gekommen bezeichnet wird, so wird doch mit beiden Namen nur einer bezeichnet.
1: Lk 19:10
2: 1 Tim 1:15
3: Joh 1:11