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Der Kanton St.Gallen unterhielt in jedem Bezirk mindestens eine sogenannte Naturalverpflegungsstation, so z.B. in Altstätten, Buchs, Nesslau, Degersheim, Flawil und Wil. Dort erhielten bedürftige Personen, meist mittellose Wanderarbeiter, Nahrung und Unterkunft. Gegen Vorweisung eines offiziellen „Unterstützungswanderpasses“ und einer Gegenleistung in Form von Arbeit – für ein Mittagessen nicht mehr als zwei Stunden – wurde man mit Suppe, Wurst oder Käse und Brot verpflegt.
Die Stationen waren der sogenannten Vagabundenpolizei unterstellt. Sie existierten ab den 1880er Jahren bis ca. 1950. Entstanden aus einem sozialfürsorgerischen Grund-gedanken, dienten sie aber nicht zuletzt der staatlichen Kontrolle von arbeitslosen Personen ohne festen Wohnsitz.
Im Protokoll zur Sitzung der Betriebskommission der Verpflegungsstation Altstätten vom 13. Januar 1916 ist zu lesen:
Sitzung der Betriebs-Commission den 13 Januar 1916 in der Weinburg.
Die per 31. Dezbr. 1915 abgeschlossene Jahres-Rechnung liegt zur Prüfung vor, die Total Ausgaben betrugen Fr. 1304.85[,] per Kopf der Bevölkerung 5,5 Cts[.,] eine abermalige Verminderung von 4.5 Cts. gegenüber dem Vorjahr. Beschluss[,] die Rechnung sei dem V.R. zur Genehmigung zu empfehlen.
Die vom Präsidium der V.C. angeregte Neuerung, Zinsen u Provisionen aus dem C.Corrent durch die Casse gehen zu lassen[,] ergiebt [sic] einen Mehrbetrag der Ausgaben scheinbar von Fr. 91.28. Eine ganz genaue Uebereinstimmung beider Rechnungen ist dennoch nicht erhältlich.
Der vom Controlleur ausgefüllte Fragebogen über Führung der Verpflegungsstation wird von der R.C. als richtig beantwortet anerkannt.
Die Gehalte u. Sitzungsgelder einzelner Commission[s] Mitglieder, werden vom Cassier im Betrag von Fr. 92.- ausbezahlt.
Eine Inspektion, der für die Verpflegungs Station benützten Räumlichkeiten befriedigte uns.
Der Regierung des Kantons St.Gallen lagen am 18. Februar 1916 die Jahresrechnungen der einzelnen Naturalverpflegungsstationen vor. Die Stationen hatten 1915 insgesamt 12’538 Durchreisende betreut. 1914 waren es noch 30’170 Personen gewesen. Die starke Abnahme führte man auf die Kriegszeiten zurück.
Hinweis: Ein weiterer Beitrag zu den Naturalverpflegungsstationen erscheint am 17. Januar.
Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, KA R.99 B 4.1 und ARR B2-1916, Nr. 461 (Informationen zur Anzahl Personen, die von den Naturalverpflegungsstationen in den Jahren 1914 und 1915 betreut worden waren) sowie KA R.99-2