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von Dr. Michaela Knecht
Schon in vielen Studien konnte gezeigt werden, dass wenn Eltern Hoffnungen und Erwartungen in ihre Kinder stecken, die Kinder dann auch tatsächlich erfolgreicher sind. Beispielsweise zeigen Kinder bessere Schulleistungen, wenn Eltern höhere Leistungserwartungen an sie haben. Dieser Zusammenhang ist nicht sehr erstaunlich. Es ist naheliegend, dass Eltern, die viel von ihren Kindern erwarten, diese auch unterstützen und fördern.
Sind hohe Erwartungen aber in jedem Fall gut? Gibt es vielleicht auch ein „zu viel“ an Erwartungen? Können hohen Ambitionen sogar schädlich sein? Genau dieser Frage ging eine internationale Forschungsgruppe nach. Die Forscherinngen und Forscher vermuteten, dass überambitionierte Eltern, vor allem wenn sie unrealistische Erwartungen haben, die Leistungen ihrer Kinder eher negativ beeinflussen würden.
Um diese Vermutung zu untersuchen, wurde die Entwicklung von über 3500 Kindern aus 42 Schulen in Deutschland während 5 Jahren analysiert. Die Kinder und Eltern wurden von der 5. bis zur 10. Klasse einmal pro Jahr befragt. Unter anderem wurden von den Kindern die Leistungen in Mathematik erfasst. Die Eltern mussten angeben, welche Note sie von ihren Kindern in Mathematik im nächsten Zeugnis erwarteten. Ausserdem wurden die Eltern befragt, welche Note das Kind wohl realistisch erreichen würde.
Die Resultate haben gezeigt, dass Kinder, deren Eltern hohe Erwartungen an sie hatten, bessere Leistungen in Mathematik erbrachten. Das war aber nur der Fall, wenn die Ambitionen nicht unrealistisch hoch waren. Wenn die Ambitionen der Eltern die realistischen Erwartungen überschritten, zeigten die Kinder schlechtere Leistungen in Mathematik.
Um die Studienresultate noch besser abzusichern, haben die Forschenden eine sehr ähnliche Studie bei einer grossen amerikanischen Stichprobe durchgeführt. Insgesamt haben sie Daten von über 12'000 10. Klässern untersucht. Auch hier wurde die Mathematik-Note der Kinder analysiert. Ausserdem wurde erfasst, welchen Bildungsabschluss die Eltern von ihrem Kind erwarteten. Zudem wurde gefragt, welches Bildungsniveau das Kind wohl realistisch erreichen würde. Die Resultate dieser zweiten Studie haben das Ergebnismuster der ersten Studie bestätigt. Kinder erzielten bessere Mathematiknoten, wenn die Eltern einen höheren Bildungsabschluss von ihnen erwarteten. Aber nur, wenn die Erwartungen auch realistisch waren. Wenn die Eltern unrealistisch hohe Erwartungen hatten, hatte dies einen negativen Einfluss auf die Mathematikleistung der Kinder.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kinder höhere Leistungen zeigen, wenn Eltern Hoffnungen in sie setzen. Erwartungen sollten aber realistisch und nicht überambitioniert sein. Unrealistisch hohe Erwartungen der Eltern können den akademischen Erfolg der Kinder sogar behindern.
Literaturangaben:
Murayama, K., Pekrun, R., Suzuki, M., Marsh, H. W., & Lichtenfeld, S. (2015). Don’t Aim Too High for Your Kids: Parental Overaspiration Undermines Students’ Learning in Mathematics. Journal of Personality and Social Psychology. Advance online publication. http://dx.doi.org/10.1037/pspp0000079
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