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Mit einem Anhang von

Für Miriam und Nicolas

Vorwort
Unter dem Titel "Schizophrenie und Familie" erschienen im Jahre 1969 die wichtigsten Arbeiten der sogenannten Palo Alto-Gruppe in deutscher Übersetzung. Ich studierte damals Psychologie, und ich kann mich noch gut erinnern, wie sehr mich die paradoxen Aussagen Gregory Batesons und seiner Mitarbeiter beeindruckten. Schon auf den ersten Seiten dieses Buches wird darauf hingewiesen, dass wir stets auf verschiedenen Ebenen kommunizieren. Wir können eine verbale Botschaft vermitteln (zum Beispiel: "Ich mag etwas") und dabei gleichzeitig körpersprachlich eine gegenteilige Aussage machen (indem wir etwa unser Gesicht angewidert verziehen). Oft ist uns dies gar nicht bewusst. Wir können ferner eine Botschaft in einer wörtlichen ("expliziten") und einer metaphorischen ("impliziten") Weise kommunizieren. Dabei kann das offen Ausgesprochene durch das indirekt Thematisierte völlig in Frage gestellt werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn jemand verächtlich grinsend beteuert, das Fachwissen seines Vorgesetzten zu schätzen.
Die implizite Kommunikation spielt bei der Entstehung früher Beschämungen eine ganz entscheidende Rolle. Im abweisenden Gesichtsausdruck und im kalten Blick seiner Bezugsperson, "liest" das Kind die verhängnisvolle Botschaft: Du bist nicht liebenswert, du gehörst nicht dazu ... Das Beschämende daran ist, dass diese Botschaft nicht begründet wird und nicht hinterfragt werden darf (und daher auch nicht korrigiertwerden kann). Denn eine solche Botschaft wird nicht explizit geäussert.
Derartige kommunikative "Doppelbindungen" sind paradox. Sie sprengen den Rahmen des gesunden Menschenverstandes, der nur eindeutige Aussagen zulässt. Wer sich aus solchen alogischen und metakommunikativen Zwickmühlen befreien will, der muss den paradoxen Weg konsequent weitergehen. Bateson und seine Mitarbeiter entdeckten in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Humors. Sie beschrieben seine Wirkung so: "Es ist zum Beispiel eine Entdeckung, wenn plötzlich klar wird, dass eine Botschaft nicht nur metaphorisch gemeint ist, sondern auch wörtlich - und umgekehrt. Das heisst, das explosive Moment im Humor kommt in jenem Augenblick zur Wirkung, in dem die Markierung der Kommunikationsmodi aufgelöst und zu einer neuen Synthese zusammengesetzt wird." Damit wurden die analytischen Studien Sigmund Freuds über den Witz aus einer neuen Perspektive heraus bestätigt.
In den folgenden Jahren zeigte mir die Lektüre der faszinierenden Werke von Paul Watzlawick, der ebenfalls zur Palo Alto-Gruppe gehörte, weitere ungeahnte Möglichkeiten paradoxer Auflösungen kommunikativer Doppelbindungen auf. Es wurde mir dabei immer bewusster, dass die Symptomatik neurotischer und psychotischer Krankheitsbilder nicht allein unter dem Aspekt eines defizitären Abweichens von der Norm gesehen werden kann. Jedes Symptom bringt vielmehr auch etwas Kreatives zum Ausdruck. Es entspricht einem kommunikativen "Arrangement", das schon den (unverstandenen) Ansatz eines Lösungsversuchs in sich birgt.
Diese - gleicherweise ermutigende wie paradoxe - Sichtweise wurde mir auch in den Werken Alfred Adlers vor Augen geführt. Hier bekam ich ein Menschenbild vermittelt, das optimistisch und ressourcenorientiert ist. Denn die schöpferische Kraft lässt den Menschen nicht zum blossen Opfer widriger Lebensumstände werden. Sie ermöglicht - selbst in den schwersten Formen psychischer Erkrankung - ein Streben nach Überwindung entsprechender Mangelzustände. Das Symptom bringt dies in verschlüsselter Form zum Ausdruck. Es ist, wie Viktor Frankl es ausgedrückt hat, somit gleichzeitig "Mittel und Ausdruck". Der Psychotherapeut muss diesen Sinngehalt dechiffrieren und seinem Klienten "bewusst zu machen". Er lenkt damit die Aufmerksamkeit auf die im vordergründig Krankhaften verborgene Lebenskraft. Damit wird ein Symptom (paradoxerweise) "annehmbar"! Adlers Schüler Rudolf Dreikurs fasste dies vor über sechzig Jahren in die Worte: "Man rät dem Patienten, gerade das zu üben, was er bis jetzt scheinbar bekämpft hat, also sein Symptom zu verstärken." So wird ein "Mut zur Unvollkommenheit" angeregt, der die eigentliche Voraussetzung für die Überwindung neurotischer Fehlhaltung ist.
Über die Lektüre von Adlers Werken kam ich zu Viktor Frankl, der für kurze Zeit selbst im Einflussbereich der Individualpsychologie stand. Frankls Methode der "paradoxen Intention" ist für mich die genialste Entdeckung der Psychotherapie. Denn im Gegensatz zu vergleichbaren Methoden etwa der Verhaltenstherapie hatte Frankl ausdrücklich die geistige Kapazität des Menschen vor Augen. Er war zutiefst überzeugt, dass der Mensch unter allen Umständen über sich selbst hinauswachsen kann - sofern es ihm gelingt, sich "von sich selbst zu distanzieren". Dazu bedarf es eines "Mutes zur Lächerlichkeit", den der Therapeut aber nur dann vermitteln kann, wenn er diesen Mut selbst besitzt. Die Voraussetzung dafür ist, sich von den beschämenden Zwängen eines Denkens zu befreien, das eine Trennlinie zwischen "gut" und "schlecht", "krank" und "gesund" sowie "normal" und "verrückt" zieht. Nach Frankl kann die personale Unversehrtheit, die spezifisch geistige Kraft eines Menschen, selbst in Fällen schwerster psychischer Erkrankung geborgen werden. Dieses "Humanissimum" ist unverletzlich. Es sichert die Menschenwürde, und es ist die Quelle allen Selbstwertgefühls - sofern es nicht aus den Augen verloren wird! Und dies ist stets dann der Fall, wenn sich ein Mensch ("hyperreflektiv") auf defizitäre Aspekte seiner körperlichen und psychischen Funktionsfähigkeit zu konzentrieren begann. In meiner psychotherapeutischen Praxis habe ich zu verstehen gelernt, was der Grund dafür ist. Es ist die beschämende Überzeugung, im Hinblick auf die unkritisch hingenommenen Idealnormen eines starren Gewissens nicht "gut genug" zu sein. Und diese Überzeugung ist es, die zu der quälenden Furcht führt, sich vor den Augen der Welt lächerlich zu machen.

In Viktor Frankl habe ich einen grossartigen Menschenfreund kennen und schätzen gelernt. Er besitzt den unerschütterlichen Glauben, dass ein Mensch, ungeachtet aller Schicksalschläge, "trotzdem Ja zum Leben sagen" kann. Denn die "Trotzmacht" des Geistes vermag ihm die Kraft und die Fähigkeit zu einer sinnerfüllten Selbstentfaltung zu vermitteln. Und diese Trotzmacht ist es, die den Menschen über sich selbst hinauswachsen ("transzendieren") lässt. So lässt sich - "paradoxerweise" - auch dann ein "Urvertrauen zum Dasein" (wieder)herstellen, wenn die Logik der äusseren Umstände nur Hoffnungslosigkeit zulassen wollte.

Vieles von dem, was ich dem Leser vermitteln möchte, hat mich Frankl gelehrt. Ich habe mit ihm über den Sinn der paradoxen Intention längere Zeit korrespondiert. Doch zunächst war mir nicht recht bewusst, welche Bedeutung dabei dem Humor zukommt. Eines Tages gab mir Frankl die Anregung, einen Beitrag für das von William F. Fry und Waleed A. Salameh herausgegebene Handbook of Humor and Psychotherapy zu schreiben. Dies war eine grosse Ehre für mich, denn die Herausgeber hatten Frankl zunächst um seine eigene Mitarbeit gebeten. Doch ich fühlte mich dafür nicht kompetent genug, hatte ich mich doch noch nie ausdrücklich mit der Bedeutung des Humors für die Psychotherapie befasst! Frankl entgegnete darauf: "Aber Sie haben sich mit der paradoxen Intention befasst. Und der Humor ist nichts anderes als eine grosse Paradoxie!"
So habe ich vor über zehn Jahren meinen ersten Aufsatz über Therapeutischen Humor geschrieben. In William F. Fry, der lange Jahre an der Stanford-University lehrte, fand ich einen weiteren Lehrer. Er selbst gehört zu den "Urvätern" der Palo Alto-Gruppe. Sein Spezialgebiet war schon damals die Bedeutung des Humors im Bereich paradoxer Kommunikationsformen. Und in den siebziger Jahren hat William Fry die Humorphysiologie begründet. Sie wird auch als Gelotologie (=Wissenschaft vom Lachen) bezeichnet. Inzwischen gibt es einen ganzen Forschungszweig, der sich mit den positiven Auswirkungen des Lachens auf das menschliche Immunsystem befasst.
Vor drei Jahren habe ich William Fry auf einer Vortragsreise durch Mitteleuropa begleitet. Bei dieser Gelegenheit erwähnte er anekdotisch die Figur von Pinocchio, die sich in so vielen psychosomatischen Krankheitsbildern wiederfindet. Dieser Anregung verdanke ich es, dass ich mich seither mit dem Wesen des "Pinocchio-Komplexes" befassen konnte. Mit Frys kreativem Mitarbeiter Waleed A. Salameh verbindet mich mittlerweile freundschaftliche Kollegialität. Ich habe ihn bei seiner Arbeit mit Therapeutischem Humor in San Diego unmittelbar erlebt. Dies war ebenso anregend wie ermutigend für mich. Denn noch gibt es nur ganz wenige Psychotherapeuten, die so intensiv und so erfolgreich mit Therapeutischem Humor arbeiten wie Salameh.
Aber noch vielen anderen bin ich zu grossem Dank verpflichtet. An erster Stelle denke ich an Wolfgang Kretschmer, meinen langjährigen Lehrer und väterlichen Freund. Er machte mich auf die heute kaum mehr bekannten Studien seines Vaters Ernst Kretschmer über beschämende Insuffizienz bei paranoiden Krankheitsverläufen aufmerksam. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als die Bedeutung der Scham im Bereich der Psychotherapie noch gar nicht erkannt worden war. (Erst in den letzten Jahren haben amerikanische Autoren diesen "verkannten Affekt" zu beschreiben begonnen.) Wolfgang Kretschmer ist ganz unerwartet vor wenigen Monaten verstorben. Wenige Wochen vor seinem Tod hielt er noch einen beeindruckenden Vortrag im "Forschungskreis für Philosophie und Therapie".
Freundschaftliche Dankbarkeit empfinde ich auch gegenüber Rolf Kühn, dem Leiter des Forschungskreises. Er hat mich das Wesen der "Selbstaffektion" so verstehen lassen, wie es der französische Lebensphänomenologe Michel Henry in seinen unvergleichlichen Analysen herausgearbeitet hat. Inzwischen wird mir zunehmend bewusst, wie sehr die Lebensphänomenologie mein methodisches Verständnis im Umgang mit der menschlichen Affektivität beeinflusst hat. Denn der Therapeutische Humor ist vor allem ein Mittel, die scheinbar unverrückbaren Gegebenheitsweisen unserer naiv hingenommenen Alltagswelt "auszuklammern". Dies ist mehr als eine blosse Relativierung normativer Zwänge. Denn es ermöglicht den Zugang zum affektiven Kindsein als der Sphäre "reinen Lebens".
An dieser Stelle danke ich ferner den Kollegen des Forschungskreises, die mir viele Anregungen gegeben haben. Ich danke aber auch den Teilnehmern des "Werkreises Therapeutischer Humor", die voller Begeisterung, aber auch mit kritischen Anregungen den humorvollen "Weg aus der Scham" mit mir zusammen erprobt haben.
Schliesslich bin ich all jenen zu Dank verpflichtet, die mir bei der Entstehung dieses Buches mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind. An erster Stelle ist dies meine Frau Brigitte, ohne deren kompetente Unterstützung und aufwendigen Einsatz dieses Buch wohl erst zu einem viel späteren Zeitpunkt erschienen wäre. Ich danke Karlheinz Lepper, der sämtliche Probleme der Textverarbeitung souverän gelöst hat. Ferner bin ich Heidi Mayer, die alle Schreibarbeiten äusserst zuverlässig erledigt hat, zu grossem Dank verpflichtet. Ich danke auch Rosie Auerbach, Anneliese Braun, Christof T. Eschenröder, Simone Hauke, Dieter Kragl (für eine wichtige Anregung!), Helmut Pflumm, Hans-Rudolf Pricking, Karin Raub und nicht zuletzt meiner Mitarbeiterin Erika Kunz, die für dieses Buch ein eigenes Kapitel geschrieben hat.
Tuttlingen, Ostern1995