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Flavia Giorgetta, NEWS (19.10.2009)
Opernhaus Zürich inszeniert Puccinis zeitlose Geschichte der «Madama Butterfly» karg und klingend.
Die chinesische Sopranistin Xiu Wei Sun muss in grosse Fussstapfen treten: Sie singt am Zürcher Opernhaus die Titelrolle in Giacomo Puccinis «Madama Butterfly» – in der ersten Neuinszenierung, seit die grosse Yoko Watanabe hier 1986 die Butterfly sang. An der Premiere am Samstagabend bestand sie souverän, wenn sie auch (noch) keine eigenen Akzente zu setzen vermochte.
In der Mezzosopranistin Judith Schmid hat sie grosse Konkurrenz: Die Aargauerin spielte Butterflys Dienerin Suzuki nuancenreich und mit grandioser Stimme.
Kulturen-Clash
Das moderne, minimalistische Bühnenbild betont das Zeitlose der Oper: Kommunikationsprobleme zwischen den Kulturen sind heute so aktuell wie vor hundert Jahren. Die japanische Geisha Cio-Cio San, mit Kosenamen Butterfly genannt, heiratet den amerikanischen Kriegsmarinisten Pinkerton. Auf Zeit, wie er meint: Ehe- wie Mietvertrag kann er nach japanischem Recht monatlich künden.
Butterfly allerdings passt sich der Kultur ihres Mannes an: Sie konvertiert zum Christentum und ist sich Pinkertons Treue sicher – auch als er für drei Jahre in die USA zurückkehrt. Alle ausser Suzuki verstossen sie.
Als Pinkerton mit einer Amerikanerin verheiratet auftaucht, wird Butterfly wieder Japanerin: Sie begeht Harakiri. Aufgespiesst wie ein Schmetterling stirbt sie. Ihr Verhängnis wird, dass sie Pinkertons Besitzanspruch ernst genommen hat: «Ich habe dich gefangen... Du gehörst mir», befahl er einst – freilich ohne es ernst zu meinen.