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Theater National, Bern BE
Gastspielbetrieb
An der Stelle der ehemaligen Wirtschaft und Brauerei "Maulbeerbaum" liess die Eigentümerin Typographia Bern zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihr neues Gesellschaftshaus errichten. Neben einem kleinen Hotel, verschiedenen Restaurationslokalitäten, Billardzimmern und Kegelbahnen wurden ein kleiner Theatersaal zur kostenlosen Benutzung sowie ein grosser Konzert- und Theatersaal, der vermietet wurde, eingerichtet. Das Gesellschaftshaus wurde in Pacht betrieben und am 26.10.1912 eingeweiht. Anfang November desselben Jahres wurde im grossen Saal das "Theater Varieté"eröffnet. Seit Anbeginn wurde über das ganze Jahr ein vielfältiges Varieté-Programm inklusive Tierdressuren und Kinematografenvorführungen gezeigt, das jeweils im Sommer durch Operettengastspiele, später auch durch Lustspiele verschiedener wandernder Schauspielertruppen ergänzt wurde. So gastierte 1913 Karl Weiss aus Wien mit seinem Operetten-Ensemble im Theater Varieté. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Theater für ein Jahr geschlossen und im Sommer 1915 unter dem Namen Neues Operettentheater wieder eröffnet. Von Mai bis August 1916 gastierte der damalige Direktor des →Stadttheaters Luzern, Hans Edmund, mit seinem Ensemble im Neuen Operettentheater. 1919 änderte sich der offizielle Name des Gesellschaftshauses in "Hotel und Restaurant National". Im Theater fanden nun nicht mehr nur sommers Operettengastspiele statt, 1922/23 gastierte Paul Sundts Wiener Operetten-Ensemble ganzjährig, 1923/24 von September bis April im Neuen Operettentheater. Ab 1924 war Leander Hauser, zugleich Direktor des →Schänzli-Theaters in Bern, für mehrere Spielzeiten Direktor. Anfang 1927 wechselte nebst der Direktion erneut auch der Name des Theaters. Im «Theater Alhambra» wurden nun als Hauptprogramm Filme gezeigt, welche von kurzen Varietédarbietungen begleitet wurden. Während den dreissiger und vierziger Jahren fanden hauptsächlich Vereinsanlässe und Tanzveranstaltungen statt. 1953 wurde beschlossen, das Vereinshaus wieder in eigener Regie zu leiten, der Betrieb wurde der neu gegründeten Hotel National AG übertragen. Im grossen Saal, nun "Theater am Hirschengraben", später auch "Theater im National" oder nach dem heute gebräuchlichen Namen T. genannt, fanden nebst gelegentlichen Aufführungen des →Stadttheaters Bern, das während →Stephan Beinls Direktionszeit das Theater als Filialbühne benutzte, vor allem Gastspiele aus dem Ausland statt. Es wurden vor allem Tanz- und Musiktheateraufführungen aus Europa, jedoch auch aus Nord- und Südamerika sowie Afrika gezeigt. Um finanziellen Verlusten vorzubeugen, wurde 1956 ein Teil des Erdgeschosses zum Kino Alhambra umgebaut. 1982–84 nutzte das Stadttheater Bern während des Umbaus das T. als Ausweichspielstätte. In der ganzen Schweiz grosse Beachtung fand die im Rahmen der Ausstellung "Der blaue Reiter" des Kunstmuseums Bern am 12.2.1987 stattfindende Schweizer Erstaufführung des von Wassily Kandinsky konzipierten Gesamtkunstwerks "Der gelbe Klang" (Regie: Wolfgang Schön). 1994–96 mietete die freie Kompanie Ballett-Art François Klaus (→François Klaus) das T. als Aufführungs- und Probenraum. Nach mehreren Besitzerwechseln, die auf den Verkauf der Liegenschaft 1958 durch die Typographia folgten, wurde der Betrieb am 18.5.1998 vom Besitzer Friedrich Grünenwald der Hotel National AG übertragen. Seitdem finden im T. nebst wenigen Tanz- und Theatergastspielen vor allem Konzerte statt.
Spielstätte
Hirschengraben 24, 3011 Bern. Architekt: Gottfried Läderach. Grosser Saal: Guckkastenbühne, Zuschauerraum mit hufeisenförmiger Galerie. Platzkapazität: rund 1300 Plätze. Bühne: 11,4 m breit, 8 m tief, Portal: 7,2 m hoch. Umbauten: 1927 Innenausbau, 1937 Renovation des grossen Saals, 1956 Einbau des Kinos, Platzkapazität neu: rund 800 Plätze, 1979 Renovation und Umbau für das Stadttheater Bern (Architekt: Rolf Glur; Einrichtung einer Vorbühne und zweier Seitenbühnen), 1984–88 Renovation der Sandsteinfassaden und des Dachstocks.
Autorin: Eveline Gfeller
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Gfeller, Eveline: Theater National, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1878–1879.