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Schweizer Kochlegende Elfie Casty im Porträt
Elfie Casty lebte bis zum Ende in Klosters und arbeitete dort an ihren Rezepten und Büchern.
© Privat Archiv Elfie Casty
Die ausgebildete Krankenschwester kam durch die Heirat mit Tschiery Casty und ohne Kochlehre in die Gastronomie. Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie bis 1981 das Restaurant «Tschiery's Landhaus» in Davos Laret, das sie zu einem exklusiven «Relais Gourmand» in der Vereinigung «Relais & Châteaux» machte. 1978 wurde sie als erste Nichtfranzösin in die «Association des Restauratrices-Cuisinieres» aufgenommen und im Jahr darauf vom französischen Staat mit dem «Ordre du Mérite Agricole» ausgezeichnet. Elfie Casty trat zudem als Fernsehköchin in der Sendung «Karussell» des Schweizerischen Fernsehen (SRF) sowie in Sendungen im Deutschen Fernsehen auf.
Mit ihrem Kochstil brachte sie die Nouvelle Cuisine in die Schweiz, die sie selbst als «ehrliche Küche» bezeichnete. Casty war kein Fan des Begriffs, der in den 1970er-Jahren aufkam. In der Nouvelle Cuisine sollen die Nahrungsmittel authentisch auftreten und deren Eigengeschmack nicht überdeckt werden. Diesem Motto folgen auch die Rezepte in Casty's Kochbüchern. Die Idee für das erste Kochbuch kam, weil sie schon immer gerne geschrieben hat und ihr Wissen weitergeben wollte. Dass die Bücher alle im Eigenverlag erschienen, war für Casty wichtig. So konnte sie sicher gehen, dass nur qualitativ hochwertige Bücher auf den Markt kommen. Sie hat die Vorfinanzierung selber übernommen und die Bücher unter der eigenen Leitung veröffentlicht.
Wie Elfie Casty arbeitete
1979 erschien als erstes Buch «Seitensprünge in der Küche», ein Rezept-Tagebuch aus den Jahren 1977-1979. Drei weitere Kochbücher folgten. Dabei wurde sie von ihrem Mann Tschiery immer unterstützt. Für das Kochbuch «Mit Liebe, Lust und Thymian» machte das Ehepaar alle Fotos selbst. Elfie Casty’s Enkelin Anina Andrea Engeler erinnert sich gerne an die Entstehung dieser Fotos: «So kam ich einmal in den Genuss zu beobachten, wie Elfie zuerst die Suppe kochte und auf drei Tellern anrichtete. Danach wählte sie den schönsten aus und wir trugen ihn dann ins Arbeitszimmer. Dort wurde der Teller fotografiert und danach wieder ins Esszimmer gebracht und gegessen.»
Die Kochleidenschaft Elfie Casty’s wurde in der Familie weitergegeben. Anina A. Engeler hat das bereits bei ihrer Mutter mitbekommen, die ausgezeichnet kocht und oft neue Gerichte kreiert – jedoch nur für private Zwecke. Die Enkelin entdeckte das Kochen erst am Ende ihres Studiums. Ihre Grossmutter gab ihr damals Kochunterricht per Telefon und erklärte ihr kleine Kniffs, Tricks und Ideen. Casty kreierte ihre Rezepte entweder direkt während des Kochens oder spielte mit Variationen beim Überarbeiten am Tisch. «Oftmals kamen ihr neue Ideen auch zu den unmöglichsten Zeiten in den Sinn und so lag neben ihrem Bett immer ein Notizblock und Stift», erzählt Anina A. Engeler. Sie geniesst die ganze Art des Kochens ihrer Grossmutter, im Moment kocht sie gerne Taglierini an einer erfrischenden Zitronensauce.
Von 1998 bis 2000 schrieb Elfie Casty Kolumnen mit dem Titel «Bouquet Garni» für die NZZ, die unter demselben Titel 2002 als Buch veröffentlich wurden. Ihren Hang zur Poesie präsentierte sie auch in den Kochbüchern: Nicht nur in den einfachen Beschreibungen der Rezepte, sondern auch in den Anmerkungen und den selbstgereimten Gedichten ist dieser zu erkennen. Für längere Zeit war die Köchin auch Chefredakteurin des Schweizerischen Kochmagazins «Marmite».
Nach Elfie Casty’s Tod übernahm ihre Enkelin den Verlag. Für die Wirtschaftsjuristin war das Verlagswesen Neuland. Zuerst arbeitete sie sich in den administrativen Bereich ein und widmete sich der Neuauflage von «Mit einer Prise Leidenschaft», das 2015 erschien. Das Kochbuch wurde von ihr digitalisiert, überarbeitet und neu gedruckt. Im Moment arbeitet Engeler an einer Überarbeitung und Digitalisierung von «Seitensprünge in der Küche», das in der Erstauflage handgeschrieben und teilweise ohne Mengenangaben erschienen ist. Die Neuauflage soll diese Umstände vereinfachen und das vergriffene Buch wieder allen zugänglich machen.
Frankfurter Buchmesse und Kulturpreis
Ihr Alter verriet Casty nie. Wenn danach gefragt wurde, wich sie aus: «Ist es nicht wichtiger beim Huhn, das gekocht werden soll, zu wissen, wie alt es ist?» Mit 200'000 verkauften Exemplaren ihrer vier im Eigenverlag erschienenen Kochbücher gehörte Elfie Casty zu den erfolgreichsten Kochbuchautorinnen der Schweiz. Für ihre kreativen Leistungen wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Anlässlich der Frankfurter Buchmesse wurde ihr erstes Buch «Geliebte Küche» mit der Goldmedaille und wenige Jahre später «Mit einer Prise Leidenschaft» mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Von der Bündner Regierung wurde sie mit dem Kulturpreis geehrt.
Anschliessend finden Sie ein Menü, zusammengestellt aus «Mit einer Prise Leidenschaft», und das Lieblingsrezept der Enkelin aus «Mit Liebe, Lust und Thymian».
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