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Neun Monate alt war König Carl XVI. Gustaf von Schweden, als sein Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Ein Schicksalsschlag, der eine Familie zusammenrücken lässt. Obwohl es eigentlich viel Zündstoff gegeben hätte. Denn der heute 76-Jährige hat gleich vier ältere Schwestern, die «Haga-Prinzessinnen», benannt nach dem Schloss, wo sie zur Welt kamen und grösstenteils aufwuchsen: Prinzessin Margaretha (87), Prinzessin Brigitta (85), Prinzessin Désirée (84) und Prinzessin Christina (79). Als Frauen aber waren sie alle nicht thronberechtigt, und so stand das Baby plötzlich auf Platz zwei der schwedischen Thronfolge.
In den 1960er-Jahren schliesslich heirateten Carl Gustafs älteste drei Schwestern und gründeten selber Familien. Und so war es nach dem Tod von Carl Gustafs Mutter im Jahr 1972 Prinzessin Christina, die als einzige ledige Prinzessin ihren Bruder regelmässig an offizielle Anlässe begleitete. Das ging sogar so weit, dass der damals amtierende König Gustav VI. Adolf ihr die eigene, bürgerliche Hochzeit verbot, da «Carl Gustaf nicht alleine im Schloss zurückbleiben» sollte, wie Prinzessin Christina gemäss «Bunte» in ihrem Buch «Tage auf Drottningholm» verrät. Ein Verbot, mit dem sie zu kämpfen hatte, aber das sie akzeptierte. «Es war klar, warum er das machte. Zu dieser Zeit waren wir nicht viele in der Familie. Meine Schwestern lebten im Ausland oder woanders, es gab nur meinen Bruder und mich. Also warteten wir.»
Ein halbes Jahr später verstarb der Grossvater im Alter von 90 Jahren und etwas später fragte Prinzessin Christina ihren Bruder – den nun amtierenden König – erneut um die Hochzeitserlaubnis. «Mein Bruder hatte keine Einwände.»
Und diese Hochzeit bedeutete keinesfalls, dass Christina ihren Bruder fortan nicht mehr unterstützte. Auch wenn dieser zwei Jahre später im Jahr 1976 selber heiratete, war Prinzessin Christina ihrem Bruder und der gesamten Königsfamilie eine wichtige Stütze, übernahm zahlreiche repräsentative Aufgaben und setzte sich für das Rote Kreuz und den Kampf gegen HIV ein.
2018 schliesslich verkündete sie ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit. Schon 2010 erhielt sie die Diagnose Brustkrebs, sechs Jahre später chronische Leukämie. «Ich habe erkannt, dass das Leben nicht unendlich ist», meinte Prinzessin Christina damals. Und weiter: «Ich will in Zukunft nicht an so viele Dinge gebunden sein, sondern das schätzen, was ich habe und mich um die Menschen in meinem Umfeld kümmern.» Das hat sie sich mehr als verdient nach all den Jahren im Einsatz für ihren Bruder und für Schweden.
Was die «Haga-Prinzessinnen» in Schweden waren, waren Margrethe, Benedikte und Anne-Marie in den 1950er- und 1960er-Jahren in Dänemark. Im Unterschied zum Nachbarland aber gab es in Dänemark keinen männlichen Thronfolger. So wurde 1953 die Verfassung angepasst – und plötzlich standen die Schwestern hinter ihrem Vater König Frederik IX. auf den Plätzen eins bis drei der dänischen Thronfolge. Und schon durch ihre Kleiderwahl machten sie klar: sie gehören zusammen!
In den Folgejahren gingen die Schwestern zwar ihre eigenen Wege: Anne-Marie von Dänemark (76) heiratete Konstantin von Griechenland und wurde damit wenig später Königin von Griechenland, bis 1972 in Griechenland die Monarchie abgeschafft wurde. Prinzessin Benedikte (78) wiederum heiratete 1968 Richard zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und lebt seither in Bad Berleburg. Ihren Wohnsitz auf Schloss Amalienborg aber behielt sie bis heute – und steht ihrer Schwester Margrethe (82) auch bis heute zur Seite.
Solche gemeinsame Bilder der drei Schwestern gab es seither immer wieder zu sehen. Vor allem Benedikte zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, deren Mann 2017 verstorben ist, unterstützt ihre Schwester in der täglichen Arbeit, hat gemäss Gala.de inzwischen 34 Schirmherrschaften inne. Aber auch Anne-Marie scheint sich regelmässig in Dänemark aufzuhalten. Zum Beispiel in den diesjährigen Sommerferien mit ihren Schwestern.
Eine Gelegenheit, bei der die drei Schwestern auch alle ihre Kinder zu sich holten – und stolz fürs Familienfoto posierten.
Auf den ersten Blick könnten Schwestern nicht unterschiedlicher sein: Da die pflichtbewusste, ruhige Queen Elizabeth II. (†96), dort Prinzessin Margaret (†71), die ein Jetset-Leben schlechthin führte. Und trotzdem standen sich die beiden Schwestern zeitlebens sehr nah und unterstützten sich gegenseitig auf ihre Weise.
Als Kinder waren die beiden Töchter des späteren Königs George VI. untrennbar – schliesslich wuchsen sie praktisch ohne andere Kinder mit Privatlehrern und Kindermädchen auf. Dass ihre Schwester auch später immer einen Rang über ihr stand, habe Margaret anders als weit herum vermutet nichts ausgemacht. Vielmehr könne das Leben der Königin «sehr formell und langweilig sein», so Margaret einst gemäss «Gala» in einem Interview mit Andrew Duncan. Auch habe sie versucht, Queen Elizabeth II. immer zu unterstützen: «Auf meine eigene bescheidene Art habe ich immer versucht, meiner Schwester etwas von der Last abzunehmen.»
Queen Elizabeth versuchte ebenfalls, ihrer Schwester so gut wie möglich zur Seite zu stehen. Etwas, das durch die engen Regeln der Monarchie jedoch nicht immer möglich war. Zum Beispiel als 1953 die Beziehung von Prinzessin Margaret mit dem 16 Jahre älteren, geschiedenen und bürgerlichen Peter Townsend öffentlich wurde. Eine Hochzeit der beiden kam für Kirche und Parlament nicht infrage. Trotzdem soll Queen Elizabeth noch versucht haben, einen Kompromiss anzubieten, bei dem ihre Schwester aber auf ihren Platz in der Thronfolge hätte verzichten müssen. Für Margaret soll das keine Option gewesen sein.
Auch in den Folgejahren dürfte Queen Elizabeth nicht immer «amused» gewesen sein vom Lebenswandel ihrer Schwester. Klar aber ist: Die königliche Familie im Stich zu lassen, kam für Prinzessin Margaret nie infrage. Unermüdlich setzte sie sich für verschiedenste Organisationen ein und übernahm regelmässig repräsentative Aufgaben. Selbst, als es ihr gesundheitlich nicht mehr gut ging. Am Ende ihres Lebens auch war sie vermehrt wieder an der Seite ihrer Schwester Queen Elizabeth und zusammen mit ihrer Mutter Queen Mum. Im Februar 2002 starb Prinzessin Margaret nach einem schweren Schlaganfall. Im September 2022, rund 20 Jahre später, folgte ihr Queen Elizabeth II.
Ein ähnlich starkes Schwestern-Duo wie in Grossbritannien, gibt es auch in Spanien. Und das gleich zweimal. Da wären Alt-Königin Sofia (83) und deren jüngere Schwester Prinzessin Irene (80), die seit dem Tod ihrer Mutter 1981 in Madrid lebt und ihre Schwester regelmässig bei Auftritten begleitet.
Quasi die jüngere Version von Sofia und Irene sind Leonor (16) und Sofia (15) von Spanien, die beiden Töchter von König Felipe und Königin Letizia von Spanien. Die Schwestern trennen nur eineinhalb Jahre Altersunterschied. Entsprechend eng sind sie aufgewachsen. Auch dass Leonor eines Tages Königin wird, soll nicht zwischen den Prinzessinnen stehen, wie «Adelswelt» schreibt. Felipe und Letizia hätten von Anfang an versucht, ihre Töchter gleichwertig zu behandeln und Sofia habe ihre Rolle als «Ersatzspielerin der Krone» akzeptiert.
Tatsächlich zeigt sich auch bei öffentlichen Auftritten immer wieder, wie eng sich die beiden Schwestern sind. Zum Beispiel 2019, als Leonor ihre erste öffentliche Rede hielt. Sofia stand ihr damals zur Seite und war die erste Gratulantin nach erfüllter Aufgabe. Oder im Sommer 2022, als sich die Schwestern gemeinsam auf die Reise nach London machten: der erste Auslandseinsatz im Dienst der Krone ohne ihre Eltern. Ihren Auftritt bei einem Gruppenspiel der spanischen Fussballnationalmannschaft an der WM der Frauen meisterten Leonor und Sofia bravourös.
Es dürfte nicht der letzte gemeinsame Auftritt des starken Schwestern-Duos im Dienste der spanischen Krone gewesen sein. Denn es ist gemäss «Adelswelt» gut möglich, dass Leonor mangels royalen Repräsentanten im spanischen Königshaus noch lange froh sein wird um die Hilfe ihrer Schwester beim Erfüllen ihrer Pflichten. Zum Glück gibt es Geschwister!