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06.08.2010
Container/Stahl-Plus und Mineralöl-Minus ergeben -10%
Der Gesamt-Umschlag der «Schweizerischen Rheinhäfen» im ersten Halbjahr 2010 sank trotz der verbesserten wirtschaftlichen Situation um 10% gegenüber der Vergleichsperiode 2009. Dass ein negatives Ergebnis resultierte, ist in erster Linie dem deutlich geringeren Import von Mineralöl zuzuschreiben. Klar im Aufwind sind der Containerverkehr und der Stahlverkehr.
Mit dem Juni-Monatsergebnis von 550'276 t summiert sich der Gesamtumschlag in den Häfen beider Basel für das erste Halbjahr 2010 auf 3,08 Mio. t. Im ersten Semester des Vorjahres hatten noch 3,44 Mio. t resultiert. Die Verminderung beträgt 10,4%. 1,38 Mio. t (+11,4) wurden in Kleinhüningen umgeschlagen, 0,71 Mio. (-24,0%) in Birsfelden und 1 Mio. t (-10,9%) im Auhafen Muttenz.
Die Prozentzahlen in den einzelnen Häfen weisen darauf hin: Das Aufkommen in den einzelnen Gütersparten entwickelt sich sehr unterschiedlich. Der vor allem in den Häfen Birsfelden und Muttenz-Au wichtige Import von «Erdöl, Mineralölerzeugnisse» erlebte ein Umschlags-Minus von fast 30%. Der hauptsächlich im Hafen Kleinhüningen getätigte Containerumschlag nahm dagegen im 1. Halbjahr 2010 gegenüber der Vorjahresperiode um 14% zu.
Containerverkehr
Die Container-Terminals der Seehäfen melden für das erste Halbjahr 2010 wieder deutliche Zuwächse. Diese Entwicklung ist speziell in den für den Rheinverkehr wichtigen ARA-Häfen (Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) festzustellen. Diese schlägt so langsam auf den Binnenverkehr, auch auf dem Rhein, durch. Dabei werden die (Rekord-)Zahlen aus 2008 aber noch nicht erreicht.
8'591 TEU wurden im Juni 2010 über die Schweizerischen Häfen abgewickelt. Gegenüber dem Vormonat (8'296 TEU) entspricht dies einer Steigerung um 3,6%. Der aussagekräftigere Vergleich mit Juni 2009 (6'360 TEU) zeigt die massive Erholung dieser Verkehrssparte: Der Zuwachs beträgt 35,1%.
Entsprechend sehen auch die Halbjahreszahlen aus: Mit 47'285 TEU verzeichnete der Gesamtumschlag gegenüber der Vorjahresperiode (41'488 TEU) eine klare Steigerung um 14,0%. Die Verkehre sind allerdings ziemlich «unpaarig». Angezogen hat vor allem der Importverkehr mit 21'904 TEU und einer Zunahme um 28%. Der Exportverkehr steigerte sich bei einem Total von 25'384 lediglich um 4%.
Für das gesamte 2010 ist im Bereich Container aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage und den steigenden Mengen im Seeverkehr ein gegenüber dem Vorjahr deutlich positiveres Ergebnis zu erwarten. Als Unwägbarkeiten bleiben allerdings die Entwicklung in der EU, vor allem in Deutschland und das Kursverhältnis des Schweizer Frankens zu Euro und Dollar.
Flüssige Treib- und Brennstoffe
Gegenüber dem Vorjahr wurden 540'000 t oder 29% weniger flüssige Treib- und Brennstoffe über die Schweizerischen Rheinhäfen importiert. Der starke Rückgang ist hauptsächlich in der rückläufigen Nachfrage begründet. So ist per Ende Juni der Absatz von Heizöl gegenüber dem Vorjahr um 40% eingebrochen. Verbraucher von Heizöl decken sich nicht mehr wie in früheren Jahren im Sommer mit genügenden Mengen ein, sondern spekulieren permanent auf günstigere Preise. Ob diese Rechnung aufgehen wird, kann niemand im Voraus sagen. Tatsache ist, dass die Notierungen an den internationalen Börsen grossen Fluktuationen ausgesetzt sind. Zudem spielen die starken Ausschläge an den Devisenmärkten und speziell im Dollarsegment eine entscheidende Rolle in der Preisfindung.
Ebenso waren im Berichtszeitraum die Lagerzufuhren im Diesel (-9,4%) und Benzin (- 1,5%) rückläufig. Insgesamt gingen die Lagerzufuhren aller Mineralölprodukte im Vorjahresvergleich um 19% zurück. Solange die beiden inländischen Raffinerien auf voller Leistung produzieren, geht dieser Rückgang fast völlig zu Lasten des Imports. Die (geplanten) Shutdowns der Tamoil- wie auch die Petroplus-Raffinerie brachten zumindest für die Monate Mai und Juni einige zusätzlichen Mengen auf den Rhein.
Bei der Ganzjahresprognose herrscht verhaltener Optimismus: Für das zweite Halbjahr erhofft sich die Branche im Bereich Heizöl aufgrund der niedrigen Füllstände bei den Endverbrauchern eine deutliche Belebung der Nachfrage.
Im Exportbereich von schwerem Heizöl sind die Mengen ebenfalls rückläufig. Zum Teil werden die anfallenden Mengen per Bahn nach Italien und Frankreich exportiert. Offensichtlich bringen diese Verkaufskanäle bessere finanzielle Ergebnisse als der Export über Basel in die Seehäfen.
Für die Tankschifffahrt war es unter den geschilderten Umständen schwierig, ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Über längere Zeit pendelten die Frachten für die Relation Rotterdam - Basel bei CHF 10.-- pro Tonne. Mit diesen Einnahmen konnten die Kosten nur noch zum Teil gedeckt werden. Neben der schwachen Nachfrage nach Transportleistungen wirkte sich die gute Wasserführung auf die verfügbaren Kapazitäten aus. Mit wenigen Ausnahmen konnten die Schiffe fast immer voll beladen werden. Immer mehr machen sich die zahlreichen Neubauten auf dem Markt bemerkbar. Da in Zukunft gefährliche Güter (wozu flüssige Treib- und Brennstoffe gehören) nur noch in Doppelhüllentankern transportiert werden dürfen und dies heute schon von vielen Kunden verlangt wird, werden immer mehr solche Schiffe gebaut. Gleichzeitig werden aber nur wenige Einhüllentanker vom Markt genommen.
Landwirtschaftliche Erzeugnisse / Nahrungs- und Futtermittel
Der Mengenzuwachs im 1. Quartal 2010 hat sich bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen im 2. Quartal weiter fortgesetzt. Verglichen zum gleichen Zeitraum im Vorjahr konnte die Menge erneut um 28'214 t gesteigert werden. Dies entspricht einer Steigerung um 48 %.
Nach einem Rückgang im 1. Quartal um fast 8 % haben sich auch die Nahrungs- und Futtermittel etwas erholt. Im Vergleich zum Vorjahr konnte im 2. Quartal eine Zunahme von 11'293 t oder fast 10 % verzeichnet werden.
Im Vergleich zum Vorjahr kann man insgesamt nach den ersten 6 Monaten eine Mengenzunahme von 35'225 t verzeichnen was einer Zunahme um fast 10 % entspricht, womit der schlechte Start in das Jahr 2010 etwas aufgefangen wurde.
Diese positiven Zahlen sollten jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die beiden Sparten noch immer um 17 % unter dem Ergebnis aus dem ersten Semester 2008 liegen. Dieser Vergleich macht deshalb Sinn, weil das Jahr 2009 ein ausserordentlich schlechtes Jahr war und sich daher ein Vergleich mit dem Jahr 2008 aussagekräftiger darstellt.
Feste mineralische Brennstoffe
Die Einfuhr von festen Brennstoffen liegt mit 49'212 Tonnen um 23,2% unter der gleichen Periode des Vorjahres. Wie erwartet, verharrten die Importe auf tiefem Niveau, da die hohen Lagerbestände von Ende 2009 langsam reduziert werden. Die Entwicklung für das zweite Halbjahr bleibt ungewiss. Es wird jedoch mit steigenden Mengen gerechnet.
Eisen und Stahl
Die über die Schweizerischen Rheinhäfen laufenden Import- und Transitverkehre nach Italien haben sich von ihrem Tief des vergangenen Jahres erholt. Die Zunahme betrug 84% gegenüber dem ersten Halbjahr 2009. Die Gesamtmenge von 345'000 Tonnen darf als befriedigend angesehen werden.
Zellstoff und Chemische Produkte
Bei Zellstoff und chemischen Produkten kann nach einem deutlichen Zuwachs im 1. Quartal ein weiterer Aufwärtstrend festgestellt werden. Das Plus von 11% und eine Gesamtmenge von 261’636 Tonnen im Import von Zellstoff deutet auf eine nachhaltige Erholung der Papierproduktion in der Schweiz hin.