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7. November 1991: Nachdem Basketball-Star Ervin «Magic» Johnson HIV-positiv getestet wird, tritt der Amerikaner mit einer Pressekonferenz vom Profisport zurück. Der sanfte Riese kehrt aber fünf Jahre später aufs Parkett zurück. Und hat seinen Traum verwirklicht. Sogar mehrfach.
Ervin Johnsons Talent fällt schon in seiner Jugend auf, sodass ihm der Übername «Magic» verpasst wird. Und bald ist aus «Magic» Johnson einer der besten Basketballer der NBA geworden. In den Achtzigern gewinnt der 2,06 Meter grosse Hüne mit den Los Angeles Lakers fünfmal die Meisterschaft (80/82/85/87/88) und liefert sich epische Duelle mit den Boston Celtics, bei denen mit Freund und Rivale Larry Bird sein grösster Konkurrent spielt.
Am 6. November ändert sich jedoch das Leben des stets fröhlichen Johnson. In einer Routineuntersuchung, die aufgrund einer Klausel in einer Lebensversicherungs-Police vorgenommen wird, werden abnormale Werte festgestellt. Weitere Tests bringen Schlimmes zu Tage, der Aufbauspieler der Lakers hat sich mit dem HI-Virus infiziert. Mit HIV beträgt die restliche Lebenserwartung zur damaligen Zeit acht Jahre. Er hat sich bei einer seiner zahlreichen Affären mit der Krankheit angesteckt.
Am nächsten Tag ruft der dreifache MVP eine Pressekonferenz ein und gibt seinen Rücktritt bekannt. Der damals 32-Jährige meint erstaunlich gefasst: «Das Leben geht weiter. Ich bin froh, dass meine Frau negativ getestet worden ist. Ich hoffe noch lange zu leben und werde nun andere Seiten des Lebens erleben. Des Weiteren habe ich das Amt als Sprechers für die AIDS-Organisation übernommen.» Damit will er das Vorurteil bekämpfen, nur Homosexuelle seien gefährdet.
Als einer der Ersten überhaupt meldet sich Larry Bird. Die beiden so unterschiedlichen Persönlichkeiten verstehen sich trotz aller Rivalität zwischen ihren Teams bestens. Obwohl er mit «dem Rücken zur Wand steht», bleibt Johnson optimistisch und hofft die «neuen Herausforderungen» zu überstehen. Als Traum gibt Johnson an, eines Tages Besitzer eines Sportteams zu sein.
Gemäss der «Welt» verzwanzigfachen sich die Anrufe beim Informationstelefon der «Nationalen Aids-Hilfe» nur Minuten nach seinem Outing. Zudem melden die Drogeriemärkte kurz darauf einen Ausverkauf ihrer Kondome. Johnson steigt schnell zum berühmtesten HIV-Patienten der Welt auf, zum Symbol für das grosse Sterben, das nicht nur Homosexuelle trifft.
Bei der Behandlung selbst kann der dreifache Familienvater auf die Hilfe von neuen Medikamenten bauen. Als Multimillionär kann sich Johnson die teure Therapie im Gegensatz zu vielen anderen Betroffenen leisten.
So gelingt Johnson nur ein Jahr später ein vielbeachtetes (erstes) Comeback. Von den Fans wird er ins All-Star Game gewählt. Obwohl sich mehrere Spieler vor einer allfälligen Infektion fürchten – darunter mit Karl Malone ein illustrer Name in der NBA – führt Johnson sein Team zum Sieg und wird dank seinen 25 Punkten, 9 Assists und 5 Rebounds sogar zum MVP gewählt. Danach ist er gemeinsam mit Kumpel Larry Bird und Michael Jordan Teil des legendären «Dream Team», das mit den USA 1992 in Barcelona überlegen Olympiagold holt.
Doch in die NBA kehrt Johnson vorerst nicht zurück. Die Skepsis ist immer noch zu gross bei einigen Gegnern, Johnson will sich nicht auf Diskussionen einlassen und lässt das geplante Comeback sausen.
Er schreibt ein Buch über Safer Sex, arbeitet als TV-Kommentator und versucht seinen Traum – Besitzer eines Sportteams – zu verwirklichen. Vorerst noch ohne Erfolg. 1994 übernimmt Johnson das Traineramt bei den Lakers. Nach einem guten Start verpasst das Team die Playoffs, Johnson zieht die Konsequenzen und tritt zurück. Doch kurz darauf erfüllt er sich seinen sehnlichen Wunsch und übernimmt einen (kleinen) Anteil bei den Lakers.
Auch als Geschäftsmann startet Johnson durch. So baut «Magic» Johnson ein Geschäftsimperium mit über 3000 Angestellten auf. Geschätzter Wert: 750 Millionen Franken. Johnson betreibt nicht nur fünf Multiplexkinos, 35 Starbucks-Cafés und zwei Restaurants, sondern auch eine Immobilien- und eine Plattenfirma.
Wie die «Weltwoche» ausführt, gründet sein Erfolgsrezept im Glauben an die Entwicklung der afroamerikanischen Gemeinschaft. Er überzeugt die Manager der mächtigen Kaffeehaus- und Kinoketten, in die schwarzen Ghettos der amerikanischen Grossstädte zu investieren, die bis dahin als Sperrzone gelten.
Auch auf das Parkett kehrt Johnson nochmals zurück. Als bereits 36-Jähriger streift er sich in Los Angeles nochmals während genau 32 Spielen seine berühmte Nummer «32» über und beendet dann seine Aktivkarriere definitiv: «Ich höre auf zu meinen Bedingungen. Davon konnte 1992 bei meinem abgebrochenen Comeback nicht die Rede sein.»
Später spricht er bezüglich des Rücktritts nach der HIV-Diagnose von einer «richtigen Entscheidung», auch wenn er mit dem heutigen Wissen über die Krankheit wahrscheinlich weitergemacht hätte.
2012 investiert Johnson in den teuersten Sport-Deal weltweit. Zusammen mit Finanz-Schwergewichten übernimmt er das Baseball-Team Los Angeles Dodgers aus den Klauen eines ungeliebten Investors von der Ostküste – für schlappe zwei Milliarden Dollar. Seither liegt ihm die Bevölkerung der Zwölf-Millionen-Stadt einmal mehr zu Füssen.