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Diese Kolumne sollte eine philosophische sein, und sie sollte die Welt erklären. Rückblickend merke ich, dass ich hauptsächlich über Selbsterkenntnis geschrieben habe. Stanley Cavell antwortete einmal auf die Frage, was Philosophinnen und Philosophen denn im Wesentlichen täten, dass sie sich mit genau dieser ihm gestellten Frage auseinandersetzten.
Selbsterkenntnis ist durchaus ein Teil der Philosophie, aber was hat das mit der Welt zu tun? Dass Selbsterkenntnis etwas Privates, sozusagen Biedermeier und Gärtchenromantik sei, ist ein Missverständnis. Ich bin überzeugt, dass wer sich selbst kennt, auch andere Menschen und damit die Gesellschaft besser verstehen kann. Und dies ist Grundlage für jegliche Gesellschaftskritik. Wer in sich schaut, sieht, dass ihn die Umstände dazu nötigen, sich in einem ständigen Kampf um Macht und Erfolg zu behaupten.
Dann wird er merken, dass es seinen Mitmenschen im Grunde gleich geht. Und er wird zum Schluss kommen, dass der grösste Irrtum der bestehenden Verhältnisse darin besteht, in den Menschen rationale Egoistinnen und Egoisten zu sehen, die im ständigen Wettkampf mit anderen am besten zum Florieren einer gesunden Gesellschaft beitragen. Ich glaube im Gegenteil, dass alle wirklich guten Dinge, die Menschen hervorbringen, aus Kooperation und wechselseitiger Anerkennung hervorgehen. Weil aber die Realität dies oft nicht zulässt, sitzt der Philosoph alleine zuhause und philosophiert.