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Erneuerung und energetische Optimierung der in die Jahre gekommenen Anlagen
Die EW Schils verpflichtete sich im Rahmen der Konzessionsübernahme, die bestehenden Anlagen zu sanieren und energietechnisch im Rahmen der bestehenden Gesetze möglichst gut auszunutzen. Die bestehenden Grundlagen wurden hinterfragt, verschiedene Varianten wurden verglichen und mit verschieden Stakeholdern (Kanton, Anwohnern, Dorfbach-Kraftwerkbesitzern und Umweltverbänden) diskutiert und vor Ort begutachtet.
Durch diese Diskussionen entwickelte sich ein sehr interessantes Projekt. Die heute aus fünf Zentralen und acht Maschinengruppen bestehende Anlage wird auf eine Zentrale mit zwei Maschinengruppen (Aeuli 2 MW und Bruggwiti 12 MW) reduziert werden können. Die Zwischenstufe Pravizin wird aufgelöst und die Druckleitungen von den Wasserfassungen Bruggwiti beziehungsweise Aeuli werden direkt bis ins Tal Flums weitergezogen. Durch diese Massnahmen kann das Gefälle optimal ausgenutzt werden. Weiter konnte in Verhandlungen mit den Umweltverbänden die Ausbauwassermenge bei den Fassungen Bruggwiti erhöht und bei der Fassung Aeuli besser ausgenutzt werden. Im Gegenzug musste die EW Schils die Restwassermengen einer saisonalen Dotierung anpassen.
beschreibung der änderungen gegenüber dem heutigen system
- Die Ausbauwassermenge der Wasserfassung Bruggwiti wird auf 3'000 Liter pro Sekunde erhöht. Die Fischwanderung wird wieder hergestellt und die Hochwasserentlastung wird verbessert.
- Automatisierung der Wasserfassung Aeuli, leichte Erhöhung der Ausbauwassermenge auf 700 Liter pro Sekunde und Auflösung Fassung Gallibach.
- Triebwasserweg Bruggwiti-Pravizin wurde im Herbst 2015 bis Sommer 2016 erneuert.
- Alte Leitung Aeuli-Pravizin bleibt bestehen, punktuell werden Rodungen und Instandhaltungen der Fixpunkte und Viadukte vorgenommen.
- Zwischenstufe Pravizin wird aufgelöst, es muss eine Lösung für die seltene Fledermausart (kleine Hufeisennase) gefunden werden.
- Erstellung der neuen Druckleitungen zwischen Pravizin und Sägengüetli.
- Rückbau der Zentralen «Altes und Neues Sägengüetli» und Neubau der neuen Zentrale (Turbine Bruggwiti = 2'600 Liter pro Sekunde, Turbine Aeuli = 700 Liter pro Sekunde).
Durch die Erneuerung kann die heutige Energieproduktion von 39 GWh um ca. 20% auf 48 GWh erhöht werden. Dadurch können rund 2'000 Haushalte zusätzlich mit Strom versorgt werden. Das Baugesuch wurde bei der Gemeinde Flums vom 8. Januar bis am 7. Februar 2018 öffentlich aufgelegt. Und die Baubewilligung mit der bereinigten Wasserkonzession erreichte uns im Januar 2019. Somit war der Weg frei für die Vorbereitungsarbeiten des Neubauprojekts.
Es werde Licht – das Elektrizitätswerk Spoerry
Industrielle Produktion ist auf Energie angewiesen. Die Brüder Heinrich, Hans Jakob und Johannes Spörri suchten in der Umgebung ihrer 1849 gekauften Spinnerei in Oberurnen im Kanton Glarus vergeblich nach mehr Wasserkraft. Schliesslich wurden sie durch ein Inserat in der Zeitung auf die noch ungenutzte Schils oberhalb von Flums aufmerksam. Sie nahmen Kontakt auf mit den Flumser Behörden mit dem Ziel, eine neue, grössere Baumwollspinnerei zu bauen.
Der erste Schritt bei der Planung der Spinnerei bestand für die Brüder und deren Partner darin, einen Wasserrechtsvertrag mit der Gemeinde Flums abzuschliessen. Erst danach konnte ernsthaft über den Bau der Fabrik nachgedacht werden. Am 28. März 1860 konnte dieser Vertrag unterzeichnet werden, welcher ihnen erlaubte, das Wasser des nahegelegenen Schilsbaches zwischen Pravizin und Flums-Dorf zu nutzen. Dieses Recht war allerdings nicht kostenlos, sondern an die Bedingung gebunden,100 bis 140 Arbeitsplätze für die Gemeinde bereitzustellen. Nachdem die Energiefrage gelöst war, konnte mit dem Bau der Spinnerei in Flums begonnen werden. 1866 wurde die Fabrik fertiggestellt und schon sechs Jahre später um einen Neubau erweitert. Ende der 80er Jahre verfügte die Fabrik bereits über 100'000 Spindeln und lief auf Hochtouren.
Wie funktionierte die Nutzung der Wasserkraft der Schils in dieser Zeit?
Die Wissenschaft der Elektrizität war zwar bekannt, deren Anwendung mit elektrischen Anlagen aber noch nicht. Daher wurden die Spinnereimaschinen mechanisch angetrieben. Das Wasser der Schils wurde oberhalb der Spinnerei im Pravizintobel gefasst und durch einen 200 Meter langen Stollen zum Wasserhaus geführt. Von dort wurde es in einer 500 Meter langen Druckleitung auf die Spinnereiturbine geleitet. Die so erzeugte Energie wurde über horizontalachsige Transmissionswellen erst auf die verschiedenen Stockwerke der Fabrik und anschliessend mit Transmissionsriemen auf die Spinnereimaschinen übertragen. Diese funktionierten so zuverlässig, dass dieses System bis 1957 in Betrieb blieb, also so lange, bis die letzten rein mechanischen durch elektrische Maschinen ersetzt wurden. Eine Energiegewinnung dieser Art hatte allerdings den entscheidenden Nachteil, dass sie stark vom Abflussverhalten des Baches abhängig war. Bei Regengüssen floss die Schils in Strömen und man gewann einen Überschuss an Energie, welche aber nicht gespeichert werden konnte. In Trockenperioden im Sommer und im Winter war die Wasserversorgung regelmässig knapp. Um diesem Nachteil zu begegnen, wurde in den 1880er Jahren in Bruggwiti der Wald gerodet und ein Ausgleichsbecken angelegt, welches das Wasser nachts und an den Sonntagen speichern konnte. An den Arbeitstagen wurde morgens eine Stunde vor Schichtbeginn das Wasser in ausreichender Menge in die Schils abgelassen, im Pravizintobel gefasst und auf die Turbine geleitet. Auf diese Weises war eine konstante und flexible Energieversorgung möglich.
Die jahrhundertwende und wirtschaftliche flaute
Einen gravierenden Einschnitt für die Energieversorgung bedeutete der Durchbruch der Elektrizität in der Industrie um die Jahrhundertwende, Durch neue technische Methoden ergaben sich eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Bereits ab 1893 planten die Gebrüder Spörry den Bau eines eigenen Elektrizitätswerkes. Dies bedeutete, die Wassermengen des Schilsbaches in grossem Umfang zu nutzen. Es waren neue Wasserrechtsverträge mit der Gemeinde Flums nötig. 1899 kam ein neuer Vertrag zustande, welcher den Brüdern eine Erweiterung der Wassernutzung und den Bau einer Starkstromleitung von Pravizin bis nach Flums erlaubte. Dank dieser Übereinkunft war es möglich, das 330m hohe Gefälle zwischen Bruggwiti und Pravizin für die Erzeugung von elektrischem Strom zu verwenden. Es entstand nach und nach das heute noch bestehende System. Die traditionelle Spinnereiturbine wurde 1957 endgültig ausser Betrieb genommen und durch eine Francis-Spiralturbine in der Zentrale Neues Sägengüetli ersetzt.
Aufgrund der wirtschaftlichen Flaute in der Textilindustrie, der Marktanteilverluste und des zunehmenden Preiszerfalles musste 2009 die Spinnerei Spoerry liquidiert werden. Die Spoerry & Co. AG wurde in zwei Gesellschaften aufgeteilt, in die Innobas AG und die Spoerry 1866 AG. Im Zuge dieser Aufteilung wurde das Elektrizitätswerk zusammen mit den Immobilien in die Zuständigkeit der Innobas AG übergeben. 2013 entschloss sich die Innobas schliesslich, sich ganz auf die Bewirtschaftung der Immobilien zu konzentrieren. Die hohen anstehenden Investitionen in die Wasserkraftanlagen sowie die Komplexität des Strommarktes und die sich rasch ändernden politischen Rahmenbedingungen liessen es ratsam erscheinen, das EW an einen professionellen Anbieter zu übergeben. Im Mai 2014 wurden sämtliche Kraftwerks- und Verteilungsanlagen an die EW Schils AG übergeben und deren Aktien zu 100% an die SAK verkauft.