Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03577.jsonl.gz/1274

Handbuch: Thema: Abfall
Handlungsfeld Sachgerechte Entsorgung fördern
Kurz gesagt: Sachgerechte Entsorgung ist für diejenigen Stoffe wichtig, welche zu hohe Belastungen bei der Verbrennung oder in der Deponie von Aschen verursachen (insbesondere Elektronikabfälle, Batterien, etc.) oder für jene, deren sachgerechte Entsorgung grosse Einsparungen im Energie- und Ressourcenverbrauch bedeutet (Papier, Alu).
Kontrolle nötig
Die Entsorgung einer Reihe von Gebrauchsgütern - vom Auto über Batterien und Elektronikschrott bis zu PET-Flaschen - wird von den Versorgern organisiert und über vorgezogene Gebühren finanziert. Damit eine ökologisch und sozial verantwortliche Verwertung der Wertstoffe aus diesen zurückgenommenen Abfällen sichergestellt werden kann, sind Kontrollen notwendig. Die Gemeinde kann diese Kontrolle beschränkt, aber doch effektiv, durch hartnäckiges Nachfragen sicherstellen.
Gemeinden können Stoffströme beeinflussen
Abfall-Sackgebühren sind ein wirksames Instrument für die Lenkung der Stoffströme und zur Finanzierung des Entsorgungswesens (zusammen mit Grundgebühr). Durch inzwischen fast flächendeckende Einführung der Sackgebühren in den Gemeinden hat die Schweiz eine Recyclingquote von 43 % erreicht und steht im weltweiten Vergleich an der Spitze.
Die Qualität der Separatsammlungsinfrastruktur wirkt sich positiv auf das Verhalten der Bevölkerung bezüglich Abfalltrennung aus. Schätzungen gehen davon aus, dass ein Verbesserungspotenzial von 13% noch drin liegt.
Verwertungswege verändern sich
Die Verwertungswege von Abfällen sind nicht ein für alle Male festgeschrieben und die Strategie auf Gemeindeebene zur Optimierung der Separatsammlungsstrategie hängt von vorhandenen Technologien und Marktbedingungen ab.
Systemwechsel, die sich aus Gründen von Veränderungen in den zur Verfügung stehenden Technologien oder Märkte aufdrängen, müssen sorgfältig vorbereitet sein. Separatsammlungs-Gewohnheiten bei den Haushalten müssen bei Veränderungen berücksichtigt werden, um Frustration zu vermeiden. Hier ist es allenfalls sinnvoll, externe BeraterInnen (z.B. Kompostberater) beizuziehen (>> Externe Beratung beiziehen).
Infrastruktur beeinflusst Verhalten
Es ist bekannt, dass eine gut organisierte und ansprechende Infrastruktur die Gefahr von Verunreinigungen verhindert und damit eine bessere Qualität der Verwertung sichergestellt werden kann.
Mit einer gut organisierten Infrastruktur leistet die Gemeinde Vorarbeit für die Recyclingbetriebe, welche das Sammelgut weiterverarbeiten. Die Gemeinde stellt durch ihr Engagement sicher, dass Stoffströme von der Verbrennung zum Recycling umgeleitet werden können. Damit trägt die Gemeinde externe Kosten, die dazu beitragen, dass die Recyclingindustrie konkurrenzfähig werden kann. Da die Leistungen der Recyclingindustrie im volkswirtschaftlichen Interesse liegen, sind diese Kosten und somit das Handeln der Gemeinde im öffentlichen Interesse gerechtfertigt.
Sachgerechte Entsorgung, d.h. die Organisation und Gestaltung des Abfuhrwesens und der Sammelstellen sollte situativ an die Gegebenheiten einer Gemeinde (ländlich, städtisch, Agglomeration) angepasst werden (>> Lokale Situation beurteilen)
Phase A: Vorbereitung – wie fangen wir es an?

Für eine Sensibilisierung für den bewussten Umgang mit Ressourcen, Produkten und Abfällen bieten sich Informationsveranstaltungen und Aktionstage an (s. Beispielweise Pusch-Initiative „Wahre Werte“)(>> Öffentlichkeitsarbeit organisieren).
Um eine Lenkungswirkung zu erzielen, müssen die Kosten der verschiedenen Separatsammlungen so gestaltet werden, dass für die Haushalte ein finanzieller Anreiz für das Abfalltrennen besteht.
Die Akzeptanz der Höhe von Sackgebühren hängt u.a. vom Umfeld (Nachbargemeinden) und von der Sensibilisierung für nachhaltigen Stoffhaushalt ab. Zudem ist die Sackgebühr eine wichtige Finanzierungsquelle für das Abfallmanagement einer Gemeinde. Beispielsweise verursacht die separate Abfuhr von Grüngut für die Gemeinde Kosten, die in der gleichen Grösse liegen wie die Kosten für die Abfuhr von Hauskehricht zur Verbrennung in der KVA. Um die Grünabfälle der Kompostierung oder besser Vergärung zuzuführen, ist daher in der Regel eine Quersubventionierung der Grünabfur durch die Abfuhr von Kehricht (Sackgebühr) notwendig. Ob die Separatsammlung von Grüngut in einer städtischen Gemeinde ökologisch sinnvoll ist, ist nicht immer unbestritten (Fall Zürich).
Es gibt ein generelles Problem mit den Separatsammlungen: wenn die Abfallmengen zur Verbrennung dank einer wirksamen Lenkungsabgabe abnehmen, gehen die Einnahmen zurück und die Kosten für die Separatsammlungen steigen, was zu einem Defizit im Abfallmanagement führen kann, wenn die Grundgebühren nicht hoch genug sind.
Recycling kann nur gelingen, wenn es für Recyclingprodukte einen Markt gibt. Recyclingprodukte dürfen nicht teurer sein und müssen gegenüber ihren „jungfräulichen“ Konkurrenzprodukten einen ökologischen Vorteil aufweisen. Zudem muss die Qualität stimmen. Wenn alle diese Kriterien erfüllt sind, braucht es trotzdem oft noch Überzeugungsarbeit. Recyclingprodukte zu fördern hilft, Recycling wirtschaftlich möglich zu machen.
Phase B: Vision – welche Zukunft wollen wir?

Ein übergeordnetes Ziel im Sinne der nachhaltigen Entwicklung (>> Ziele einer nachhaltigen Entwicklung) stellt der sparsame und emissionsarme Umgang mit Rohstoffen und Produkten dar. Das impliziert eine hohe und ökologisch sinnvolle Recyclingquote. Die Recyclingquote ist auf einfache Art und Weise quantifizierbar und kann damit zur Fortschrittskontrolle und zum Vergleich mit anderen Gemeinden herangezogen werden.
Das Verursacherprinzip kann auf Gemeindeebene nicht allein durchgesetzt werden: Die Produktionskette ist heute nur noch selten im lokalen Einflussbereich. Dazu kommt, dass Stoffstrom-lenkende Massnahmen bei der Separatsammlung mit dem Verursacherprinzip oft in Konflikt stehen (Querfinanzierungen sind oft unumgänglich).
Das Einhalten eines ausgeglichenen Budgets ist für das Abfallwesen eine Herausforderung, da die Anpassung von kostendeckenden Grundgebühren und Lenkungsgebühren von sich im Laufe der Zeit verändernden Stoffmengen abhängen.
Phase C: Analyse – wo stehen wir?

Die Gemeinde kann für die in ihrer Verantwortung gesammelten Abfälle im Rahmen des Umweltschutzgesetzes entscheiden, welchen Weg sie nehmen will und kann sich durch verschiedene Abnehmer Angebote machen lassen, um die Kosten zu minimieren. Auch hier sollte das Entsorgungs- bzw. Verwertungsunternehmen über die vom Unternehmen praktizierten Verfahren und Verwertungswege befragt werden, um eine ökologisch und sozial optimale Verwertung sicherzustellen: Wieviel von den gesammelten Stoffen werden verwertet? Wie sieht die Energiebilanz aus? Was entstehen für Sekundärabfälle und wie werden diese entsorgt? Aus diesen Angaben kann die Gemeinde eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellen, die eine wichtige Grundlage für politische Entscheidungen für zukunftsgerichtete Verwertungslösungen liefern.
Indikatoren: Recyclingquote im nationalen Vergleich, Qualität (Reinheit) der gesammelten Wertstoffe, spezifische Kosten (pro Tonne), angemessene Profitabilität der Recyclingunternehmen. Es fehlen auf Gemeindeebene einfach zu quantifizierende Indikatoren für die ökologische Wirksamkeit des Abfallmanagements. Ein gut gemeinter Alleingang einer Gemeinde kann aus diesem Grund ökologisch nicht zielführend sein. Eine Abstimmung mit wissenschaftlich abgestützten nationalen und kantonalen Strategien ist daher sinnvoll (>> An die formale Politik anbinden).
Phase D: Strategie – wer macht was wann?

Gängige Instrumente sind:
Mengenbezogene und abgestimmte Entsorgungsgebühren (Sackgebühr);
Einfach zu handhabende und angemessene Separatsammlungslösungen;
Klare Kommunikation über die in der Gemeinde angebotenen Verwertungspfade und deren Erfolgskontrolle;
Vorgezogene Entsorgungsgebühren auf nationaler Ebene helfen, die Kosten für die Gemeinde zu reduzieren. Die Gemeinde bleibt gefordert, in Zusammenarbeit mit Handel und Gewerbe für die Sicherung einer attraktiven Sammelinfrastruktur und kostengünstigen Verwertungsdienstleistungen zu sorgen.
Phase E: Evaluation – was haben wir erreicht?

Die Gemeinde führt eine Buchhaltung über Mengenströme der verschiedenen Abfälle und Wertstoffe und deren Kosten. Sie vergleicht die Ergebnisse mit national oder kantonal erhobenen Daten und evaluiert Verbesserungsmöglichkeiten unter dem Aspekt einer nachhaltigen Entwicklung, bzw. nach den übergeordneten Zielsetzungen der Abfallwirtschaft.
Linkverzeichnis
- http://www.pusch.ch
Spezifisch für Gemeinden zugeschnittene Informationen; Tipps und Unterlagen für Aktions- und Informationsanlässe in der Gemeinde und in Schulen.