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Annuaire du Club alpin français
Ungefähr wie letztes Jahr ist die Hauptpublikation des französischen Alpenclubs geteilt zwischen dem eigentlich alpinen Arbeitsfeld und dem touristischen Interesse. Wir finden in demselben eine Reihe von „ Fahrten " und „ Abhandlungen ", die ein größeres und weiteres Interesse beanspruchen dürfen. „ Autour de Modane " betitelt M. Henri Ferrand seine an topographischen Aufklärungen reiche Begehung der francoitalienischen Grenze zwischen Mont Thabor und Mont Cenis. Die „ Première ascension féminine de l' Aiguille méridionale d' Arves " von Mlle. Mary Paillon ( in Gesellschaft von Miss Richardson ) mit den vorangeschickten Bemerkungen über Ausrüstung beigsteigender Damen liest sich sehr angenehm. Bei der Aufzählung der bisherigen Besteigungen auf Seite 86 ist die von Dr. W. Gröbli vom 23. Juli 1890 ( S.A.C. XXVI, p. 168 ) übersehen worden. M. Edmond Hitzel bringt, theoretisch und praktisch, die schwierige Frage der „ Courses sans Guide " aufs Tapet. Gegen seine Empfehlung dieser Art des Bergsteigens wäre nicht so viel einzuwenden, wenn aus der Darstellung nicht hervorginge, daß er oft ganz allein auch über verschneite Gletscher geht, und das ist zum mindesten ein gefährliches Vergnügen.
M. Pierre Puiseux behandelt die Geschichte des Monte Rosa vor 1855. Als Sohn von Victor Puiseux, der zu den ersten Erforschern dieses Gebietes gehört, und selber ein tüchtiger Kenner, hat er seine Aufgabe für seine Landsleute richtig gelöst, Neues allerdings zu der Forschung wenig beigetragen. Es sind mir drei Fehler aufgefallen, das ganz Unverständliche: „ Scheuchzer nomme le Monte Rosa dès 1751 dans son itinéraire des Alpes ", p. 120, die unberechtigte Vermutung, daß die Führer von M. Ulrich, 1848, vielleicht den Ostgipfel erreicht hätten, p. 162, und der ebenso unberechtigte Zweifel darüber, ob wirklich die Dufourspitze höher als der Ostgipfel sei, p. 164. Einige patriotische Stoßseufzer bei Anlaß der „ deutschen Wache " am Monte Rosa, p. 131, haben uns nicht weiter gestört, obschon sie eigentlich mit der Sache wenig zu thun haben. Sehr lebendig erzählt M. Th. Camus seine Ersteigung des Weißhorns. Etwas ferner liegen unserem Interesse „ Le Matteo et l' Argenterà " ( in den Seealpen ) von M. Valentin de Gerloff und die „ Ascensions " in den Pyrenäen von Comte Henry Russell.
Unser Clubmitglied M. E. A. Martel beschreibt seine „ Quatrième campagne sous terre ", durch welche die Menge der erforschten unterirdischen Kanäle wieder um einige Kilometer vermehrt worden ist. In die gleiche Kategorie, d.h. eigentlich nicht in ein Alpenclubjahrbuch, gehört die Arbeit von M. A.J.anet: „ L' Aven de Réméjadou et le Caïïon de la Beaume ".
Die Artikel „ En Ardenne, La vallée du Viroin " par M. Paul Collinet, „ En Corse " par M. Edouard Rochat, „ La Sardaigne minière " par M. L. ( le Launay, „ Au pays des Ksours ( Südtunisien ) " par M. l' abbé Bauron haben nur touristisches Interesse. Ebenso der sonst sehr hübsche Aufsatz von Mme. Aline Martel: „ Sparte et les gorges du Taygètedenn wenn ihre Gesellschaft auch häufig an Abgründen vorbeikommt, so sitzt sie doch immer auf Pferden, die von den „ Agoyates " mit dem mehr bayrisch als hellenisch klingenden Zuruf: HU... Ochs! angetrieben werden. Der Artikel „ Majorque et Monserrat " hat ein gewisses Anrecht auf Aufnahme im Annuaire darin, daß er einen Clubausflug schildert, dessen höchste Leistung allerdings nur im Pic de San Geronimo, 1237 m, gipfelt, auf welchen ein Maultierweg führt.
„ En ballon libre " betitelt sich ein Artikel von M. G. Gaupillat, in welchem geschildert wird, wie sich der Verfasser mit M. und Mme. Martel, unter Führung des Kapitän H. Laehambre, nach den Gletschern und den unterirdischen Strömen, auch die „ Emotions aériennes " einer Ballonfahrt zu verschaffen gewußt hat. Die Eindrücke scheinen ziemlich lebhaft gewesen zu sein, besonders bei der Landung, die beinahe eine Katastrophe geworden wäre.
Viel mehr alpinen Charakter haben die Abhandlungen. In erster Linie ist hier zu nennen der Artikel von M. Ch. Durier: Les travaux de M. Eiffel au Montblanc, d.h. die Arbeit, die im Auftrag und auf Kosten des bekannten Unternehmers unser Herr X. Imfeid auf dem Gipfel ausführte " und die den Lesern dieses Jahrbuches schon bekannt sind. Immerhin werden sie aus vorliegendem Referat nach den Originalberiehten Imfeids und aus den Bemerkungen von Mr. Durier selber, der bekanntlich ein genauer Kenner des Montblanc ist, manches lernen können.
Mit den Gletscherphänomenen befassen sich zwei Arbeiten: „ Les variations périodiques des glaciers français " par le prince Roland Bonaparte, die Fortsetzung der im vorhergehenden Annuaire niedergelegten Studien. Es ist schmeichelhaft für den S.A.C., daß der Beobachter genau das Programm von Prof. Forel und der Rhonegletschervermessung sich zum Muster genommen hat. Auch M. Lourde-Rocheblave erklärt, daß sein Artikel „ Meteorologie et glaciers ", der von den bezüglichen Phänomenen in den Pyrenäen handelt, aus den Anregungen Foreis hervorgegangen sei. Dr. L. Le Pileur belehrt uns in einer kurzen Notiz, daß auf Veranlassung des französischen Residenten in Genf, P. M. Hennin, auf dem Mer de glace im November 1772 eine Linie von vier Jalons abgesteckt wurde, um die Bewegung des Gletschers zu messen. Über die Resultate des Versuchs liegt kein weiteres Material vor. Auf eine physikalische Arbeit, „ Application de la méthode expérimentale au rôle possible des gaz souterrains dans l' histoire des montagnes volcaniques " par M. A. Daubrée, und auf das „ Aperçu de la structure géologique des Pyrénées " par MM. Emm. de Margerie et Fr. Schrader will ich nur kurz hinweisen; dagegen wird der Artikel „ La Photographie en voyage " par M. A. Davanne gewiß für manche unserer Leser belehrend sein.
„ Miscellanées " finden sich diesmal nur zwei. Eine „ Ascension du Viso par l' arête est " von J. Favrichon und eine Notiz: „ Du Val de Bagnes à la Tarentaise " von Charles Bioche, in welcher vom Val de Bagnes nichts steht als die Geschichte von einer versuchten Prellerei in einem ungenannten Hotel. Der Verfasser hat seiner Anekdote eine Moral angehängt. Wirksamer und „ moralischer " wäre gewesen, das betreffende Hotel rund heraus zu nennen. Unter den Illustrationen nennen wir eine Panoramaskizze vom Montblanc von F. Schrader und eine solche aus den Pyrenäen von dem Gleichen. Die erste ist nach Photographien von Vallot und Imfeid gezeichnet, die zweite mit dem „ Orographe Schrader ". Die zahlreichen Holzschnitte sind meist gut ausgeführt.
Aus der „ Chronique du Club alpin français ersehen wir, daß die Direction centrale mit dem Gang der Vereinsthätigkeit zufrieden ist. Hervorgehoben wird, daß der C.A.F. seit seiner Gründung, 1874, gegen 100,000 Fr. für Hütten ausgegeben habe. Die Zahl der Sektionen betrug auf 1. Juli 1892 40, der Mitglieder 5389.Red.