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Höhlenwelt im Dschungel von Borneo – der Gunung Mulu-Nationalpark
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Der Gunung Mulu-Nationalpark im Norden der Insel Borneo ist eine der faszinierendsten Naturlandschaften der Erde. Er bietet Besuchern eine einzigartige Kombination aus tropisch-feuchtem Regenwald, Karstgebieten, Bergregionen und einer Höhlenwelt, die auf der Erde ihresgleichen sucht.
Der Park liegt im Bundesstaat Sarawak des südostasiatischen Staates Malaysia. Sarawak bildet das Gros des malaysischen Anteils an Borneo, der fast den gesamten Norden der Insel umfasst. Der Nationalpark befindet sich dabei im Landesinneren in der südlichen Nachbarschaft des ebenso kleinen wie ölreichen Sultanats Brunei.
Aus dem Meeresboden entstanden
Der Gunung Mulu ist mit 2.377 Metern der zweithöchste Gipfel von Borneo. Rund um den Berg erstreckt sich das Gelände des Nationalparks. Es umfasst eine Fläche von etwa 520 Quadratkilometern, die zu grossen Teilen von Regenwald bedeckt sind. Während der Gunung Mulu selbst überwiegend aus Sandstein besteht, finden sich in den übrigen Bergen der Region auch umfangreiche Kalksteinformationen. Diese sind im Laufe der Zeit stark verkarstet. Karstgebiete bieten durch die natürlichen Verwitterungsprozesse und das Wirken des Wassers ideale Voraussetzungen zur Höhlenbildung – so auch im Umfeld des Gunung Mulu. Hier ist im Verlauf von Jahrmillionen das ausgedehntestes Höhlensystem der Erde entstanden.
Die geologische Geschichte des Gunung Mulu begann einst im Meer. Vor 60 Millionen Jahren bildete die Fläche des heutigen Nationalparks Meeresboden. Durch Verschiebungen in der Erdkruste bewegten sich die Teile des Meeresbodens übereinander, so dass der hier befindliche Sand zusammengepresst und quasi zementiert wurde. Dadurch entstand der Sandstein als Kern des heutigen Mulu-Gebirges. Dieser Prozess dauerte etwa 20 Millionen Jahre. Danach liess die tektonische Aktivität nach und Korallen entwickelten in weiten Lagunen ihre typischen Kalkskelett-Strukturen. Es bildeten sich in der Folge grosse Korallenriffe, die die geologische Grundlage des Kalksteins in der heutigen Region sind. Vor 5 Millionen Jahren wurde der Meeresboden dann durch Bewegungen der asiatischen und australischen Erdplatte über die Wasseroberfläche gehoben. Durch die Auffaltung entstanden Borneo und das Mulu-Gebirge. Mit der neuen Lage ausserhalb des Meeres startete dann der Verwitterungsprozess, der immer noch anhält.
Einer der letzten weissen Flecken
Das Gebiet um den Gunung Mulu war lange quasi eine „Terra incognita“ – einer der letzten weissen Flecken der Erde. Erst 1978 wurde die Region erstmals von einer Expedition der britischen Royal Geographic Society systematisch erkundet. Über hundert Wissenschaftler verbrachten damals mehr als ein Jahr in der abgelegenen Gegend. Dann ging es Schlag auf Schlag. Zahlreiche weitere Expeditionen folgten – vor allem, um das umfangreiche Höhlensystem noch näher zu erforschen. Der malaysische Staat richtete hier einen Nationalpark ein, um die einzigartige Naturlandschaft besonders zu schützen. Im Jahre 2000 wurde der Gunung Mulu-Nationalpark zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Seit 1985 ist der Park auch für Besucher zugänglich, die Parkverwaltung achtet dabei auf einen selektiven Zugang, um Touristenströme in Grenzen zu halten. Viele der Sehenswürdigkeiten sind nur mit akkreditierten Führern zu besichtigen. Für den Aufenthalt im Park sind ausserdem Eintrittsgebühren zu zahlen.
Wer das Abenteuer liebt, ist hier richtig. Allerdings sind auch gute Kondition und Fitness erforderlich. Das tropisch-feuchte Monsunklima ist nichts für Kreislaufschwache. Zwischen 4000 und 5000 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter sind hier normal und für die üppige Pflanzenvielfalt des Regenwaldes lebensnotwendig. Oft versperren dunstige Nebel eine klare Sicht. Neben den typischen Bäumen des Regenwaldes gedeihen in der tropischen Welt Farne, Lianen, Rattan-Gewächse, Moose, Blütenpflanzen und Pilze in einer überwältigenden Vielfalt. Alleine mehr als 170 Orchideenarten wurden in den Wäldern des Gunung Mulu-Nationalparks gezählt. Einige der Pflanzen sind endemisch, kommen also nur im Bereich des Nationalparks vor. Auch die Tierwelt ist einzigartig. Hier lebt u.a. die Etruskerspitzmaus, das kleinste Säugetier der Welt. Auch der Rhinozerosvogel – Sarawaks Wappentier – ist im Nationalpark heimisch. Darüber hinaus bilden die Wälder einen idealen Lebensraum für zahlreiche Vogel- und Fledermausarten, Borneo-typische Säugetiere des Regenwaldes wie das Bartschwein, Insekten und Amphibien.
Sarawak Chamber – Platz für vierzig Boeings
Das Highlight sind aber die Höhlen. Den gewaltigsten Höhlenraum bietet die Sarawak Chamber. Mit fast 700 Meter Länge, nahezu 400 Meter Breite und 70 Meter Höhe gilt er als die umfangreichste Höhlenkammer weltweit mit ausreichend Platz um vierzig Boeing 747 aufzunehmen. Trotz dieser riesigen Ausmasse ist die Sarawak Chamber nicht die grösste Höhle im Nationalpark. Dies sagt man der Clearwater-Höhle nach, einem Höhlensystem, das eine Länge von über zweihundert Kilometern umfassen soll und ein Raumvolumen von über 30 Millionen Kubikmetern umschliesst. Sie ist damit zwar nicht die längste, aber vom Volumen her betrachtet die grösste Höhle der Welt.
Das sind aber nur zwei Beispiele für die eindrucksvolle Höhlenlandschaft im Umfeld des Gunung Mulu. Es gibt etliche weitere natürliche Hohlräume, die sich mit Höhlenwanderungen erkunden lassen. Menschliche Spuren hat man übrigens in der Gegend bisher nur ganz wenige gefunden. Eine Ausnahme ist die sogenannte Höhle der Winde. Dort wurden Hinweise auf Totenbestattungen durch die Ureinwohner von Sarawak gefunden. Aber spätestens um 500 nach Christus wurde die Region verlassen – warum, ist ungeklärt.
Balance zwischen Naturschutz und Tourismus
Auch ausserhalb der Höhlenwelt verfügt der Park über beeindruckende Landschaftsformationen. Der Gunung Api, ein weiterer Berg der Region, bezaubert zum Beispiel mit bizarren Felsnadeln aus Kalkstein. Auch hier befindet sich eine grossartige Höhle. Sie besitzt ebenfalls eine riesige Kammer, die nur von der Sarawak Chamber übertroffen wird. In eine wunderschöne Wasserwelt führt ein Besuch im Tal des Melinau Paku, einer der zahlreichen Flüsse des wasserreichen Gebiets. Etliche Wasserfälle säumen seinen Lauf.
Ein Aufenthalt im Gunung Mulu-Nationalpark ist sicher ein aussergewöhnliches Erlebnis. Die Parkverwaltung bemüht sich dabei darum, den Naturschutz mit den Bedürfnissen des Tourismus in Einklang zu bringen, so dass eine Balance gewahrt bleibt. Sie bietet Besuchern dazu eine Reihe an Touren unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade an. Vom mehrtägigen Trekking über Ein-Tages-Ausflüge, Bootstouren und natürlich Höhlenerkundungen ist alles dabei. Auch eine Tour durch die Baumkronen auf einem speziellen Höhenweg findet sich im Angebot. Mehr Informationen dazu gibt es hier.
Artikelbild: © Juhku – Shutterstock.com