Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03156.jsonl.gz/398

Der fast 60 m hohe Stadtturm wurde als Glocken- und Wachturm von der Bürgerschaft zwischen 1564 und 1568 erbaut. Er vereint Stilelemente der ausgehende Gotik mit der Renaissance. Über 157 Stufen erreicht man die Galerie, von der man einen wunderbaren Ausblick hat.
Stadtgeschichte:
Bereits die Römer errichteten hier ca. 15 v. Chr. das Legionslager Lauriacum auf dem bisher von Kelten besiedelten Boden.
Südlich und westlich des Lagers befand sich die gleichnamige zivile Siedlung. Lauriacum war ab dem 4. Jh. Bischofsitz und war die Wirkungsstätte der Heiligen Florian*) und Severin. Durch die Hunnenstürme 451/453 wurde Lauriacum zerstört. Ab 550 wurde die Steiermark, zu der Enns und auch Steyr damals gehörten, ein Teil von Bayern. Die Agilolfinger Herzöge (Tassilo I - III) und später die Welfen setzten Markgrafen mit Sitz in Steyr für die Verwaltung der Grafschaft Steiermark ein.
Im 11. Jh. wurde durch die steirischen Otakare der Markt Ense neu errichtet.
Der Streit zwischen dem Staufer Friedrich I. Barbarossa und dem Welfen Heinrich dem Löwen endete 1180 mit der Abtrennung der Steiermark vom Herzogtum Bayern.
Am 17. August 1186 kam es zur Unterzeichnung eines bilateralen Staatsvertrages, der in die Geschichte als Georgenberger Handfeste eingegangen ist. Dieser Vertrag sicherte nach dem Aussterben der steirischen Otakare den Babenbergern die Nachfolge im neu gegründeten Herzogtum Steiermark.
Enns erhielt am 22. April 1212 das Stadtrecht. Diese Urkunde stellt das älteste erhaltene Stadtrecht Österreichs dar.
Einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung erlebte die Stadt in der Renaissancezeit. Das sehen wir auch heute noch an den schönen Häusern aus dieser Zeit.
Enns musste aber auch schwere Jahre hinnehmen. Durch kriegerische Auseinandersetzungen – zuletzt die napoleonischen Kriege – erlahmte das wirtschaftliche Leben.
Im 19. Jh. wurde Enns Garnisonstadt. Nach dem 2. Weltkrieg, den Enns ohne größeren Schaden überstanden hat, war der Ennsfluss 10 Jahre lang Demarkationslinie (die Grenze zwischen den Besatzungszonen im besetzten Nachkriegsösterreich).
Der Hauptplatz mit Barock und Renaissancehäusern
Die Pfarrkirche Enns - St. Marien
ist eine der ältesten Bettelordenskirchen Österreichs und wurde um 1276 errichtet und im 14. und 15. Jh. erweitert.
Die angebaute Wallseerkapelle ist ein Juwel österreichischer Gotik. Die Seccomalerei (1625) und die Madonna (1300) schmücken diese interessante Kapelle.
Der Kreuzgang wurde im 15. Jh. als bauliches Bindeglied zwischen Kirche und Kloster (der Minoriten) angebaut.
palmenförmige Auffächerung der gotischen Rippen
Madonna in der Wallseerkapelle
Schloss Ennsegg
Um 900 wurde die "Enisiburg", eine Fliehburg, auf dem Georgenberg zum Schutz gegen die Einfälle durch die Ungarn errichtet. Aus ihr dürfte das Schloss Ennsegg hervorgegangen sein, das nach wechselhaften Besitzverhältnissen in der zweiten Hälfte des 17. Jh. ausgebaut wurde.
Basilika St. Laurenz
Im Stadtteil Lorch, direkt am Jakobsweg durch die Stadt, befindet sich die Basilika St. Laurenz. Die 3-schiffige Pfeilerbasilika wurde um 1290 errichtet. Die untersten 12 m des Kirchturms sind aus der Römerzeit. Reste der römischen Tempelanlage von 180 n. Chr., der ersten christlichen Basilika um 370 und der frühkarolingischen Kirchenanlage von 740, sowie römische Heizungsanlagen sind in der Kirche und Unterkirche zu sehen.
Die Großgemälde von Dallinger, das Sakramentshäuschen (1480), die Pieta (1430) und die Madonna (1330) sind überaus sehenswert. Östlich der Kirche befindet sich ein Karner mit gotischer Kapelle. Bemerkenswert ist die Figurengruppe „Ecce Homo“, bei der Pilatus im Gewand eines türkischen Großwesirs dargestellt wird.