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Bücher bestehen nicht nur aus wunderbaren fiktionalen Welten, sie sind auch konkrete, materiell gestaltete Objekte in dieser Welt und als solche gehen sie wiederum in die fiktive Welt der Literatur selbst ein. Damit einher geht eine Reflexion über die Materialität des eigenen Mediums sowie die Bedeutung des Buchs und des Lesens.
Besonders augenfällig wird dieser Zusammenhang in der Kinderliteratur, die besonders häufig grundlegende Aspekte des Buchmediums und den Umgang damit thematisieren. So etwa lässt Lewis Carroll in seinem Kinderbuchklassiker «Alice im Wunderland» eine gelangweilte Alice über das Buch sinnieren, in das ihre Schwester gerade vertieft ist: «'and what ist the use of a book', thought Alice, 'without pictures or conversations?'» In H.C. Andersens «Feder und Tintenfass» hingegen streiten sich die Feder und das Tintenfass darüber, wer nun der oder die Wichtigere im Schaffensprozess sei, ohne dabei den Dichter in die Gleichung einzubeziehen, und thematisieren somit die Eigendynamik der Schreibwerkzeuge (Klaus Müller-Wille).
Dem Zusammenhang von Literatur und Materialität des Buchmediums geht ein Forschungsprojekt an der Universität Zürich nach. Im Fokus stehen vier Autoren und Autorinnen, die für verschiedene Zeiträume der europäischen Mediengeschichte stehen: der dänische Schriftsteller Hans Christian Andersen (1805-1875), der vor allem mit seinen Märchen berühmt wurde; der britische Schriftsteller Lewis Carroll (1832-1898), dessen „Alice im Wunderland“ zu den berühmtesten Kinderbücher überhaupt zählen dürfte; die bekannte schwedische Bilderbuchkünstlerin Elsa Beskow (Schweden, 1874-1953), deren Bücher im Bereich der Kinderbücher einen mediengeschichtlichen Paradigmenwechsel markieren sowie die finnlandschwedische Malerin und AutorinTove Jansson (1914-2011), die durch ihre Mumin-Bücher mit ihren liebenswürdigen Figuren, aber auch eigenwilligen und aufwändige Gestaltungen bekannt wurde.
Untersucht wird, wie die materielle Gestaltung der Bücher mit den poetischen Inhalten zusammenhängen, wie in den Werken selbst über das Buchmedium reflektiert wird, aber auch wie das Verhältnis zwischen der materiellen Gestaltung des Werks und seiner Poetologie in der Verbreitung dieser Kinderbuchklassiker in anderen Sprachkulturen adaptiert wird.
Beim Projekt handelt es sich um eine Zusammenarbeit der Abteilung für Nordische Philologie des Deutschen Seminars (Prof. Dr. Klaus Müller-Wille), des Instituts für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (Prof. Dr. Ingrid Tomkowiak) mit dem Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM) als der Universität Zürich assoziertes Institut. Finanziert wird das Projekt vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF).