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von Jürg Schoop, 31.08.2015
Jürg Schoop
Aby Warburg, der einer jüdischen Bankiersfamilie in Hamburg entstammte, lebte von 1866-1929. Er gilt als vielseitiger Anreger für die Kunst- und Kulturwissenschaft. Zu seinen Lebzeiten ist nur Weniges veröffentlicht worden und am Ende des 2. Weltkrieges war er nahezu vergessen. Erst die Biografie von Ernst Gombrich, die 1970 in England erschien, weckte wieder neues Interesse. Dazu beigetragen hat auch, dass Warburgs riesige Bibliothek 1933 vor den Nazis gerettet werden musste und nach London übersiedelt wurde und auch die Gründung eines Warburg-Instituts zur Folge hatte. Der immense Nachlass von Warburg erscheint seit einige Jahren in gut kommentierten Editionen.
Video/Bilder: Jürg Schoop.
Von der Renaissance und der Antike ausgehend hat sich Warburg mit breit gestreuten Interessen zum Beispiel an Ort und Stelle mit dem Schlangenritual der Hopi-Indianer befasst oder mit der Rolle der Astrologie ab Beginn des Protestantismus. Bei einem ersten Blick auf Warburg wird nicht so richtig klar, was bei ihm Forschung ist und was sich an Ausstrahlung wirksam in seinem eigenen Bewusstsein festgesetzt hatte. Da hilft nur, um sich ein Urteil bilden zu können, eine Vertiefung in seine Schriften.
Warburg, dem nachgesagt wird, dass er schon als Kind psychisch ziemlich labil gewesen sei, geriet nach dem ersten Weltkrieg, 1918, in eine schwere psychotische Krise, die in einen vierjährigen Aufenthalt in Ludwig Binswangers Sanatorium Bellevue in Kreuzlingen mündete. Kreative Phasen wechselten da ab mit weitgehender geistiger Verwirrtheit. Nach seiner Entlassung aus der Klinik arbeitete Warburg an seinem Bilderatlas „Mnemosyne“, von ihm „Bilderreihe zur Untersuchung der Funktion vorgeprägter antiker Ausdruckswerke bei der Darstellung bewegten Lebens in der Kunst der europäischen Renaissance“ genannt. Indem er Bild neben Bild zum assozierenden Vergleich auf Tafeln anbringt, kreiert er eine absolut unkonventionelle Art und Weise mit Phänomenen der Kunst umzugehn.
Wolfgang Ullrich, Professor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, meint dazu in einer kritischen Interpretation „Heikler und zugleich interessanter ist, wie gut Warburg und die Aura des Geheimnisvollen zu einem Zeitgeist der Spekulation passen, zu einem Glauben an noch unentdeckte Bedeutungsressource. Allenthalben herrscht heute Schatzsuchestimmung, man hofft, aus geschickten Kombinationen gewaltige semantische Funken schlagen zu können. (....) Und so wurde aus einem Forscher, der dem Kapitalismus den Rücken kehrte, Motor und Feigenblatt eines rastlosen Kunstmarkts.“
Womit wir jetzt mitten in der Diskussion um zeitgenössische Kunst angelangt sind. Vielleicht hat das und die Nachbarschaft zum Kreuzlinger Sanatorium Bellevue, (das unter europäischen Denkmalschutz gestellt gehört hätte und nicht den Spekulanten zum Frass vorgeworfen), den Initianten und Ausstellungsmacher Kurt Schmid, ehemals Professor an der PH in Kreuzlingen, dazu bewogen, uns diese fundiert und geschickt gemachte Ausstellung im BildungsTURM Konstanz angedeihen zu lassen.
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Oh // Fortuna Aby Warburg im Kreuzlinger Belle-Vue 1921 - 1924
11.08. - 20.09.2015. Ausstellung im BildungsTURM im Kulturzentrum am Münster Konstanz (Di-Fr. 10-18, Sa/So 10-17).
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