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Tom BrühwilerKategorie:
in
Internet & Recht
Veröffentlicht am 18. Juni 2021
Eigentlich wollte Gary Thuerk nur die Macher des Arpanet ans Telefon bekommen. Doch die sassen lieber im Computerlabor als im Büro. Also schrieb er eine E-Mail. Und erfand damit 1978 etwas unbedacht den E-Mail-Spam.
Ende der 70-er Jahre war das Arpanet, ein Vorläufer des heutigen Internets, unter Forschungseinrichtungen und Universitäten in den USA längst etabliert. An den raren Bildschirmarbeitsplätzen in den Computerlabs der Unis tummelten sich die Netzwerk-Gurus und Computer-Expertinnen von damals.
Für Marketing-Manager Gary Thuerk genau das richtige Klientel. Sein Job beim damaligen Computerhersteller DEC (Digital Equipment Corporation) war es nämlich, die neuesten Computer aus der DECSystem 20-Reihe zu vermarkten.
«Ich wollte die Leute an der Westküste erreichen, die für das Arpanet verantwortlich waren», erklärte Thuerk vor einigen Jahren in einem Interview auf YouTube. «Das Telefon war im Büro, aber die Leute die ich erreichen wollte, sassen die ganze Zeit im Computerlabor. Und dort gab es keine Telefone».
Also beschloss er, die Leute via E-Mail zur Demo der neuen Computer einzuladen. Die Möglichkeit, Personen an entfernten Computern Nachrichten zu senden, hatte Internet-Pionier Ray Tomlinson ja bereits 1971 erfunden, wie regelmässige cyon-Blog-Lesende längst wissen. Gesagt, getan: Thuerk griff zum gedruckten(!) E-Mail-Verzeichnis, in dem fein säuberlich bereits 2’600 E-Mail-Adressen aufgelistet waren und markierte mit einem gelben Marker rund 600 Adressat*innen, die er an eine Demo der neuen DEC-Computer einladen wollte.
Uns so geschah am 3. Mai 1978 etwas, das später in die Geschichte eingehen würde: Thuerk versandte die erste Spam-E-Mail. Allerdings erreichte die E-Mail nur knapp 320 der 600 Empfängerinnen und Empfänger. Thuerk hatte nämlich übersehen, dass die Anzahl Kontakte durch das Mailprogramm SNDMSG limitiert war. Und so landeten rund 270 E-Mail-Adressen statt im «To»-Feld im «Body» der Nachricht, also dem eigentlichen E-Mail-Inhalt.
Die Reaktionen auf seine E-Mail liessen nicht lange auf sich warten. Er kassierte einige Beschwerden und bei seinem Chef ging sogar ein Telefonanruf eines Majors der Airforce ein. Die lustigste Beschwerde sei aber von einem Mitarbeiter der Universität Utah gekommen, so Thuerk. Dieser hätte am Morgen im Büro seinen Computer nicht mehr nutzen können, weil die Spam-Mails den gesamten Speicherplatz seiner Firma verbraucht hätten.
Auch bei den damaligen Computer-Pionieren sorgte seine E-Mail für Gesprächsstoff. Zum Beispiel bei Elizabeth «Jake» Feinler, der Hüterin der Hostnamen-Liste, deren Arbeit wir bereits portraitiert haben. Sie sprach sich dafür aus, dass Werbung, Jobausschreibungen und Stellengesuche nichts im Netz zu suchen hätten. Schliesslich, so «Jake», sei es schlicht unfair wenn die, die Zugriff hätten, ihre Produkte in einem sehr ausgewählten Markt bewerben können und die anderen nicht.
Für Thuerk, der sich selbst übrigens lieber als «Vater des E-Marketing» denn als Spam-Erfinder sieht, war die Aktion aber so oder so ein Erfolg. Rund 40 Teilnehmende sollen zu den beiden Veranstaltungen gekommen sein, an denen die neuen DEC-Rechner gezeigt wurden. Danach habe er Rechner im Wert von 12 Millionen Dollar verkaufen können, wie er nicht ohne Stolz immer wieder erklärt. Und damit ist auch gleich erklärt, warum Spam-E-Mails heutzutage leider täglich milliardenfach verschickt werden: «It costs them time and resources, but not money», wie Thuerk es einmal treffend ausdrückte.
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2 Kommentare
Eure Posts über die historischen Meilensteine des Internets/Webs sind immer total spannend und sehr gut geschrieben. Grosses Kompliment für die Arbeit.
Herzlichen Dank, Marco, das freut uns sehr. Wir haben noch ein paar Ideen für weitere solche Posts. 🙌