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In Kürze:
Schafe, Ziegen, Rinder, Hühner etc. sind verschiedene domestizierte Tierarten. Innerhalb dieser einzelnen Arten wiederum haben sich im Laufe der Zeit ganz verschiedene Rassen entwickelt, bzw. wurden aktiv vom Menschen gezüchtet. Also bei den Hühnern beispielsweise das Appenzeller Barthuhn, das Schweizerhuhn und das Appenzeller Spitzhaubenhuhn, um nur die seltenen Schweizer Rassen zu nennen.
Etwas ausführlicher:
Aber wie ist nun eine Rasse genau definiert? Auf diese Fragen gibt es ganz unterschiedliche Antworten. Die einen sehen es technisch und argumentieren mit der Genetik der Tiere, die innerhalb einer Rasse eine gewisse Ähnlichkeit aufweise. Andere sagen, es sei das einheitliche, typische Äussere der Tiere, und dass dieses bei Paarungen zweier Tiere der gleichen Rasse verlässlich an die Jungtiere vererbt werde. Andere wiederum definieren Rassen über deren kulturellen Werte oder über die Regionen, in denen die Tiere gehalten werden. Die Wahrheit liegt in der Kombination dieser unterschiedlichen Aspekte.
Die Entstehung von Rassen
Darüber hinaus gibt es auch eine Definition von Rasse, welche die Züchter*innen ins Zentrum stellt: «Eine Rasse ist, wenn genügend Menschen sagen, dass es eine ist». Diese mag im ersten Moment etwas weit hergeholt klingen, benennt aber durchaus einen wichtigen Aspekt, der bei der Rassenbildung mitspielt. Denn Rassen entstehen und bleiben erhalten, wenn eine Gruppe von Tierhalter*innen gemeinsame Ziele verfolgt. Geschieht dies in einer gemeinsamen Region, passen sich die Tiere den gleichen klimatischen Bedingungen, Bodenbeschaffenheiten und Futtergrundlagen an. So wird z.B. im Verzascatal nur mit Ziegen gezüchtet, die auf den steilen, hochgelgenen Alpweiden die besten Leistungen erbringen.
Etabliert sich dazu ein lokales Schönheitsideal bezüglich Fell- oder Federfarbe, Haarlänge, Hornform etc., wird sich über viele Jahrzehnte eine optisch einheitliche Rasse mit gemeinsamen Merkmalen entwickeln. Von Rassen und Rassezucht wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts gesprochen. In dieser Zeit begann der Prozess weg von der traditionellen Tierhaltung mit vielen züchterisch nicht explizit bearbeiteten Lokalrassen und -schlägen hin zur organisierten und damit zielgerichteten Rassezucht, welche zur Etablierung überregionaler Rassen aber auch zur Verdrängung vieler lokaler Rassen führte (siehe «Die Rassenbereinigung von 1938»).
Oft wird für alte, traditionelle Rassen auch der Begriff «Landrasse» verwendet. Er umschreibt eine Rasse, die über viele Menschengenerationen in ursprünglichen, meist extensiven Haltungssystemen entstanden ist. Der Begriff unterstreicht die Angepassheit, Robustheit und Genügsamkeit der Tiere genauso, wie deren traditionellen und kulturellen Werte.
Aus einer Wildtierart wird eine Nutztierrasse
Der wilde Vorfahr des Hausschafes ist das Mufflon. Es lebt vom Kaukasus bis in den Iran in freier Wildbahn, ist ein scheues Wildtier und hat ein kurzes Fell, das nicht geschoren werden muss. Vor über 10'000 Jahren nahm der Mensch Mufflons in seine Obhut und domestizierte diese über viele Generationen. So entstanden unzählige verschiedene Schafrassen, die ganz unterschiedliche menschliche Bedürfnisse befriedigen.
Das Bankivahuhn, das in den südostasiatischen Wäldern lebt, ist der Vorfahre unserer Haushühner. Es lebt in kleinen Gruppen und legt, wie alle wilden Vogelarten, nicht jeden Tag ein Ei, sondern brütet pro Jahr nur wenige Gelege aus. Indem Menschen schon vor vielen tausend Jahren damit begonnen haben, jeweils die zahmsten und legefreudigsten Tiere zu selektionieren, züchteten sie aus dem Bankivahuhn nach und nach das Haushuhn, aus dem wiederum hunderte verschiedener Hühnerrassen entstanden sind.
Rassenerhaltung vs. Arterhaltung
Wir bei ProSpecieRara sorgen für das Überleben der Vielfalt der Rassen und somit der Vielfalt der domestizierten Haus- oder Nutztiere. Im Gegensatz zur Erhaltung von Wildarten, wie das Naturschutzorganisationen wie WWF oder Pro Natura tun indem sie deren Lebensräume schützen, sorgen wir dafür, dass unsere Schützlinge genutzt werden. Denn dafür wurden sie vom Menschen gezüchtet. Sie lieferten und liefern uns Nahrung, Rohstoffe für Kleidung oder Arbeitskraft. Dies erklärt auch unsere Slogans «Fördern durch Nutzen» oder «Erhalten durch Aufessen».
Die Rassenvielfalt – ein wertvoller Schatz
Unsere Vorfahren haben durch ihre Tierhaltung in den viele Regionen, den viele Klimatypen und den verschiedenen Futtergrundlagen unseres Landes eine Vielfalt an Nutztierrassen erschaffen. Diese sind sowohl aus agronomischer, kultureller und genetischer Sicht ein enorm wertvolles Gut mit vielen bekannten, aber auch noch zu entdeckenden Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten. Diese wertvolle Vielfalt zu erhalten ist unsere Mission.