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Die Kirchen- und Baugeschichte
Seit einer archäologischen Grabung im Jahr 1953 ist die vorreformatorische Baugeschichte der Talkirche Rued im Wesentlichen geklärt, auch wenn das genaue Alter des ältesten Vorläuferkirchleins weiterhin nur vermutet werden kann.
Wie der Grundrissplan zeigt, liegen im Inneren des heutigen Kirchengebäudes Grundmauern eines deutlich kleineren Gotteshauses, dessen Alter auf die Zeit um das Jahr 1000 geschätzt wird. Es macht den Anschein, dass bereits vor den aufgefundenen Mauerresten – also im 9. oder 10. Jahrhundert – hier ein einfaches Holzkirchlein gestanden hat. Dies wäre mit der Besiedlungsgeschichte des Tals vereinbar.
Dieses Kirchlein ersetzte die Herrschaft vielleicht ein Jahrhundert nach seiner Errichtung durch einen einfachen Steinbau, an den später eine halbrunde Apsis angesetzt wurde. Diese Situation ist im Grabungsplan erkennbar, wo Chor (mit dem Altar) und Laiensaal (Kirchenschiff) – durch eine Chorschranke abgetrennt – nachgewiesen werden konnten. Grabungsleiter und Kantonsarchäologe Reinhold Bosch hat in den 1950er-Jahren einen Rekonstruktionsversuch der ältesten nachweisbaren Kirche im Ruedertal vorgelegt.
Das Kirchenschiff dürfte in seinem noch heute gültigen Umfang im 12. Jahrhundert erbaut worden sein. Die halbrunde Apsis der Vorgängerbaus blieb bei dieser romanischen Kirche aber weiter in Gebrauch und wurde erst um 1500 durch den noch immer vorhandenen dreiseitigen Chor ergänzt. Damals ist im spätgotischen Stil eine Umgestaltung vorgenommen worden, was unter anderem am Neuaufbau der Südwand des Schiffes ersichtlich ist.
Ihr heutiges Gesicht erhielt das Rueder Gotteshaus in wesentlichen Teilen im Jahr 1683. In einer später aufgefundenen «Turmknopfurkunde» wird über die damalige Kirche berichtet, dass diese «eine merkliche Difformität habe in den Fenstern». Zudem habe «ein vor Alters beschädigtes, in der Mitte ob der Kirchen auf einer grossen Saul (Säule) ruhendes, mit Schindeln wie auch das übrige Gebäu bedecktes Türnlin (Türmchen) gestanden». Da sei entschieden worden, «eine Reparation vorzunehmen, neue Fensterlöcher zu brechen und neue Fenster einzusetzen, die grosse Saul (Säule) aus der Kirche zu thun, einen neuen Helm zu hinterst auf die Kirche zu setzen und alles mit Ziegeln zu decken». Diese Baumassnahmen haben vor allem die äussere Erscheinung der Talkirche verändert. Der in der Mitte des Kirchendachs sitzende Dachreiter wurde an seine heutige Stelle am westlichen Ende des Kirchenschiffs versetzt. Eingänge und Vorzeichen der Nord- und Westseite sowie die Empore entstanden erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts bzw. um 1800.
Die Renovation von 1953/54 umfasste bei einem Kostenaufwand von 51’000 Franken die Erneuerung bzw. Sanierung des bröckelnden Innenverputzes, der elektrischen Anlage und der Beleuchtung. Damals erhielt die Kirche auch eine elektrische Heizung und einen neuen Boden. Es wurde besonders darauf geachtet, den alten Raumcharakter zu erhalten, etwa durch die authentische Nachbildung der aus der Zeit um 1800 stammenden markanten Abschlüsse der Bankreihen (Doggen). Die ebenfalls 1953 durchgeführten archäologischen Grabungen sind bereits erwähnt und kurz beschrieben worden.
Weit aufwändiger gestaltete sich die Innen- und Aussenrenovation von 1962–1965. Damals musste das Mauerwerk saniert und die Fassade erneuert werden. Auch Dach und Dachreiter wiesen altersbedingte Schäden auf. Das Vorzeichen und der Aussenaufgang zur Empore sollten wegen der anstehenden Beschaffung einer neuen Orgel umgestaltet werden.
Da bei Bau des dreiseitigen Chores um 1500 die Ostmauer auf einem Rost von Baumstämmen errichtet worden war, zeigten sich im Lauf der Jahrhunderte Risse in Decke und Mauerwerk. Hauptgrund waren die zwischenzeitlich verfaulten und zerfallenen Baumstämme, welche die Mauern nicht mehr stützten konnten. Durch eine Untermauerung des Fundaments und das Einziehen einer Sickerleitung konnte eindringende Feuchtigkeit dauerhaft ferngehalten werden.
Bei diesen Arbeiten wurden erneut ältere Gebäudeteile entdeckt, unter anderem die Überreste eines Anbaus, in welchem viele Knochen lagen – wohl das vorreformatorische Beinhaus. Durch den Einbau eines neuen Orgelinstruments musste – wie bereits erwähnt – die Empore neu konstruiert werden. Ihr Aufgang wurde ins Kircheninnere verlegt und die Fläche deutlich verkleinert. Das Vorzeichen blieb in seiner alten, schönen Form erhalten
Der Dachreiter, das typische, direkt auf dem Dach aufgesetzte kleine Glockentürmchen, erhielt einen neuen, die gesamte Konstruktion tragenden mächtigen Mittelstud.
Bei der Renovation von 1992/1995 wurden einerseits Mauern, Fenster und Fassaden wieder hergestellt, sowie Beleuchtung und akustischen Anlage erneuert, sodass die Kirche in ihrer schlichten, aber eindrücklichen Erscheinungsform Besucherinnen und Besucher gleichermassen erfreut.