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Lateinamerika
Seit dem Ende des Kalten Krieges hat Lateinamerika eine erfreuliche Wende weg von Führerkult und Befreiungsideologie hin zu mehr Demokratie und Pragmatismus vollzogen. Nachdem die Mischung von Caudillismus und Kommunismus den Kontinent über Jahrzehnte in eine politische Sackgasse geführt hatte, wuchs die Einsicht, dass der Weg zu Fortschritt und Wohlstand über eine reformierte Politik und eine liberalisierte Wirtschaft führt. Richtungweisend war hier Chile, das sich von einer rechten Militärdiktatur zu einer stabilen Demokratie und erfolgreichen sozialen Marktwirtschaft entwickelt hat. Auslösender Faktor dieser markanten Änderungen war in erster Linie der Anstieg der Preise von Rohstoffen. Als Folge davon ist in Lateinamerika mit seinen fast 600 Millionen Einwohnern eine starke, konsumorientierte Mittelschicht entstanden, die eine neue wirtschaftliche Dynamik entfaltet, gegenüber dem Staat aber auch politische Forderungen stellt und soziale Ansprüche erhebt. Gleichzeitig ging die Zahl der Armen zurück. Heute gefährdet der tiefe Fall der Rohstoffpreise diese Aufwärtsentwicklung. Zudem zeigt das Beispiel Brasiliens, dass das Problem von Elitenarroganz, Misswirtschaft und Korruption noch keineswegs gelöst ist.
Einleitungsreferat von Michi Strausfeld