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<h2>SubmittedText<h2><p>In intensiv bewirtschafteten Landwirtschaftsregionen sind Bienen und andere Bestäuberinsekten häufig Pestiziden ausgesetzt - und zwar nicht nur einem Pestizid, sondern mehreren Pestiziden gleichzeitig. Dies kann bislang kaum bekannte Auswirkungen haben: Synthetische Fungizide können zum Beispiel die Giftigkeit von Pyrethroiden (Brittain, C. / Potts, S. G. 2011) für die Bienen verstärken. Es gilt ebenfalls als erwiesen, dass sich die Giftigkeit von Thiacloprid in Kombination mit dem Fungizid Propiconazol verdoppelt und in Kombination mit dem Fungizid Triflumizol sogar verdreifacht (Iwasa, T. u. a. 2004). Weitere Studien zeigen in dieselbe Richtung (Biddinger, D. J. u. a. 2012 und Gill, R. J. u. a. 2013).</p><p>In Anbetracht all der verschiedenen in der Schweiz verwendeten synthetischen Pestizide muss mit einer Vielzahl an potenziellen Synergieeffekten gerechnet werden. Diese sind noch sehr wenig bekannt. Nach Erkenntnissen der Wissenschaft sind Bestäuberinsekten regelmässig solchen "Cocktail-Effekten" ausgesetzt. Deren Folgen sind weitgehend unbekannt.</p><p>Ich ersuche den Bundesrat daher um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. In welchem Umfang kommt es in der Schweiz zu solchen "Cocktail-Effekten", wo und durch wen entstehen sie, und welche lebenden Organismen sind diesen Effekten ausgesetzt?</p><p>2. Ist der Bundesrat nicht auch der Auffassung, dass der gegenwärtige Wissensstand über synergetische und "Cocktail-Effekte" beunruhigend ist, insbesondere angesichts der vielen Wechselwirkungen, deren Auswirkungen unbekannt sind?</p><p>3. Was schlägt der Bundesrat vor, damit bei der Bewilligung von synthetischen Pestiziden die Kumulations- und Synergieeffekte von Pestiziden sowie deren Langzeitwirkungen auf Honigbienen, wilde Bestäuberinsekten und andere Lebewesen verstärkt berücksichtigt werden?</p><p>4. Was schlägt der Bundesrat zum besseren Schutz von Honigbienen, wilden Bestäuberinsekten und anderen Lebewesen vor den Cocktail-Wirkungen von Pestiziden vor?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat nimmt wie folgt zu den vier Fragen Stellung:</p><p>1. Herbizide, Fungizide und Insektizide sind zur Bekämpfung von Unkräutern, Krankheiten und Schädlingen in landwirtschaftlichen Kulturen notwendig. Um diese Aufgaben zu erfüllen und einem Resistenzrisiko vorzubeugen, sind in der Schweiz eine Vielzahl von Pflanzenschutzmitteln, die unterschiedliche Wirkungen haben, bewilligt. Dazu gehören synthetische und natürliche Stoffe. Produkte werden einzeln oder als Tankmischung auf Kulturen ausgebracht. Bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln gelangt ein Bruchteil der applizierten Menge unvermeidlich in angrenzende Gebiete. Prinzipiell können viele Organismen direkt oder indirekt mit Pflanzenschutzmitteln in Kontakt kommen. Gemäss der Pflanzenschutzmittelverordnung (PSMV) werden die Anwendungsbedingungen für jedes Produkt so festgelegt, dass sie entsprechend dem aktuellen Stand des Wissens und bei sachgerechter Anwendung keine unannehmbaren Wirkungen auf andere Organismen als die Schadorganismen haben. Dabei werden Risikobewertungen für Bienen, Insekten, aquatische Lebewesen, Vögel und Säuger vorgenommen und akute und chronische Effekte berücksichtigt. Im Fall von Produkten mit verschiedenen Stoffen wird eine mögliche Interaktion der Stoffe ebenfalls geprüft.</p><p>2. Der Bundesrat beurteilt den Zustand nicht als besorgniserregend. Die verfügbaren wissenschaftlichen Studien - sowohl für humantoxikologische als auch für ökotoxikologische Effekte - zeigen, dass synergistische Wirkungen selten sind. Für Mischungen von Pestiziden gilt, dass sich die Effekte addieren können. Dies wird bei der Produktebewertung berücksichtigt. Dazu kann die Zulassungsstelle für Pflanzenschutzmittel genehmigte Wirkstoffe aufgrund von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Daten von Kontrollen jederzeit überprüfen, um die Sicherheit der Produkte zu garantieren. 2008 wurde im Auftrag des Bundesrates das Schweizerische Zentrum für angewandte Ökotoxikologie (Ökotoxzentrum) gegründet. Dieses soll die praxisrelevante Forschung sichern, dazu gehört auch die Beurteilung der Auswirkungen von Substanzgemischen in der Umwelt.</p><p>3. Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln erfolgt nach internationalen Richtlinien und stellt die Sicherheit eines Produktes - nach aktuellem Wissensstand und gemäss den geprüften Kriterien - sicher. In diesen Richtlinien sind zum einen Testverfahren und -organismen festgelegt und zum anderen die Beurteilungskriterien definiert. Wenn ein Produkt mehrere Stoffe enthält, wird die ökotoxikologische Bewertung auch für die Mischung dieser Stoffe gemacht. Neben akuten Effekten werden auch Langzeiteffekte berücksichtigt. Die PSMV sieht nicht vor, alle möglichen Kombinationen von Pflanzenschutzmitteln, weiteren Chemikalien und Umwelteinflüssen, die in der Umwelt eintreten könnten, im Rahmen der Produktezulassung zu berücksichtigen. Eine solche Beurteilung von unzähligen Kombinationen aus synthetischen und natürlichen Stoffen wäre unmöglich. Internationale Entwicklungen im Rahmen der Beurteilung von Pflanzenschutzmitteln werden verfolgt und ggf. die sich daraus ergebenden Konsequenzen in der Schweiz gezogen.</p><p>4. Der Bundesrat ist überzeugt, dass die notwendigen Abklärungen für einen nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bereits eingeleitet wurden. Die Beantwortung der folgenden drei parlamentarischen Vorstösse muss zeigen, ob weitere Massnahmen zum Schutz der Honigbiene sowie anderer Bestäuber und Lebewesen notwendig sind: "Aktionsplan zur Risikominderung und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln" (Postulat Moser 12.3299 vom 16. März 2012); "Nationaler Massnahmenplan zur Gesundheit der Bienen" (Motion der UREK-N 13.3372 vom 6. Mai 2013); "Massnahmenpaket zum Schutz der Bienen" (Motion der WBK-N 13.3367 vom 2. Mai 2013).</p>  Antwort des Bundesrates.