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«Nach einem Abbruch letzte Woche und nach Rücksprache mit dem Meteorologen hat sich Alain Charmey entschieden, heute bei Villeneuve ins Wasser zu steigen. Er versucht, den Genfersee in seiner Gesamtlänge von 72 Kilometern zu durchqueren.» So lautete die Meldung der Pressebildagentur Actualités Suisses Lausanne (ASL) vom 5. August 1986.
Am nächsten Tag dann die Erfolgsmeldung: «Dank seiner bemerkenswerten Vorbereitungsarbeit […] hat er es nicht nur unter den gesetzten 26 Stunden geschafft, sondern in der rekordverdächtigen Zeit von 22 Stunden, 42 Minuten und 30 Sekunden».
Die ASL schickte einen Sonderkorrespondenten nach Lausanne und Genf, um den Start und die Ankunft von Alain Charmey nach diesem sportlichen Exploit festzuhalten. Die Bilder am Start zeigen Charmey lachend mit eingefettetem Körper (der See ist an diesem Tag 18 Grad kalt), dicker Schwimmbrille, Badekappe auf dem Kopf und einer Digitaluhr am Handgelenk.
Der Waadtländer ist entschlossen, die Herausforderung anzugehen. Er kann dabei auf prominente Unterstützung zählen: Der Meteorologe und Silbermedaillengewinner von 1968 im Segeln, Bernard Dunand, berät den Schwimmer in Sachen Wetter und Ernährung im Wasser.
Bei der Ankunft in Genf empfingen eine jubelnde Menge und unzählige Journalisten den Schwimmer. Ein Bild des ASL-Fotografen zeigt Charmey sitzend, zwischen Schaulustigen, belagert von Mikrofon und Kamera, erschöpft mit tiefem Abdruck der Schwimmbrille im Gesicht. Auf die Frage des Reporters, ob er bereits die nächste Herausforderung plane, meint Charmey lachend: «Nein, ich werde erst ein Bad nehmen und mich ausruhen.»
Nach Charmey gelang die Längs-Durchquerung des Genfersees unter 26 Stunden offiziell nur zwei weiteren Schwimmern: 2016 unterbot der Spanier Jamie Caballero Charmeys Zeit um drei Minuten. Und erst kürzlich, am 17. Juli 2021, stellte der Waadtländer Noam Yaron einen neuen Rekord von 19 Stunden und 53 Minuten auf.
Wäre der Taxifahrer Giovanni Bertoldo nicht so ein pflichtbewusster Mensch gewesen, er hätte ein langes Leben haben können. Aber er musste ja zwei Minuten vor Schichtende noch eine Passagierin aufnehmen. Nach der geheimnisvollen Schönen wurde lange gefahndet. Bis eine zweite Tat alles ins rechte Licht rückte...