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19.09.2005 - Solothurn - Vor dem Beginn der Umbauarbeiten im Solothurner Palais Besenval führt die Kantonsarchäologie ab Mitte September 2005 im Garten des Palais Ausgrabungen durch. Die Baubewilligung räumt den Archäologen eine Frist von vier Monaten für ihre Untersuchungen ein. Erwartet werden Spuren der älteren, mittelalterlichen Überbauung, namentlich eines ehemaligen Stadtbades.
Das Palais Besenval und sein Garten wurden in den Jahren 1703 bis 1706 errichtet. Die Gebrüder Johann Viktor und Peter Josef Besenval erwarben mehrere Grundstücke und Liegenschaften im Gebiet zwischen der damals neu erbauten Kreuzackerbrücke und der oberen Schifflände, dem Vorgängerbau des heutigen Landhauses, um ihr Stadtpalais an dieser Stelle erbauen zu können. Wie ein zeitgenössischer Plan zeigt, dürften von der älteren Überbauung dieses Areales noch Spuren von einer Badestube, von verschiedenen Holzspeichern und von einem Garten erhalten sein.
Die "Krutbad" genannte Badestube taucht erstmals im Jahre 1472 in einer Schriftquelle auf. Der Name kommt von der Verwendung von Kräuterbädern. Der Stadt- oder Goldbach, der heute noch unter dem Garten des Palais Besenval hindurch in die Aare fliesst, versorgte das Bad mit Wasser. Im 15. Jahrhundert war das Krutbad eines von fünf Badhäusern in Solothurn, im Jahre 1624 war es wahrscheinlich das letzte. 1642 wurde es von der Stadt übernommen, die es neu errichten oder renovieren liess. 1705, als ihr Palais bereits im Bau war, kauften die Brüder Besenval das Bad der Stadt ab. Sie mussten sich jedoch verpflichten, es an einem neuen Ort wieder zu eröffnen. Neben der Badestube lag ein kleiner Garten, der dem Doktor Franz Reinhardt gehörte. Vielleicht sind auch noch Reste dieses Gartens nachweisbar.
Wenige Spuren im Boden hinterliessen wahrscheinlich die Holzspeicher, die sich unter dem Garten des Palais Besenval befanden. Die erste Nennung eines solchen Speichers stammt aus dem Jahre 1579, als der Bader Werli Müller seinen Speicher an Hans Dodinger verkaufte. Die genaue Anzahl der Speicher lässt sich nicht mehr feststellen. Als die Gebrüder Besenval das Gebiet aufkauften, befanden sich hier vermutlich noch sechs Speicher.
1705/1706 wurde das ganze Gebiet zwischen dem neu errichteten Palais und der oberen Schifflände aufgeschüttet und ein Garten angelegt. Gleichzeitig erhöhte man die Ufermauer, so dass die neue Gartenanlage etwa zwei Meter über die heutige Fischergasse und damit auch über die ältere Bebauung zu liegen kam.
Das Palais Besenval und das Landhaus werden im Rahmen der Seminarmeile Solothurn zu einem Kongresszentrum umgebaut. Ein unterirdischer Gang wird in Zukunft die zwei Gebäude miteinander verbinden, und westlich des Palais wird ein unterirdischer Anbau errichtet.