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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Zweites Buch
14. Kapitel: Die heidnischen Quellen der Gnostiker
1.
Viel wahrscheinlicher und annehmbarer sprach über die Erschaffung der Welt einer von den alten Lustspieldichtern, ein gewisser Antiphanes, in seiner Theogonie. Dieser läßt aus der Nacht und der Stille das Chaos hervorgehen, aus dem Chaos und der Nacht den Eros, aus diesem das Licht, und darauf folgt das übrige erste Geschlecht der Götter. Auf diese folgt wiederum das zweite Geschlecht der Götter und die Erschaffung der Welt, und alsdann läßt er den Menschen von den zweiten Göttern gebildet werden. Diese Dichtung nahmen jene auf, erörterten sie wie einen natürlichen Vorgang und veränderten nur die Namen, indem sie dies für den Anfang der Weltschöpfung und Emanation ausgaben. Nacht und Stille nannten sie Bythos und Sige; für das Chaos setzten sie den Nous ein, für den Eros, durch den nach dem Lustspieldichter alles übrige angeordnet sein soll, nahmen sie den Logos, für die ersten und höchsten Götter bildeten sie die Äonen, für die zweiten Götter außerhalb des Pleroma die zweite Achtheit als ein Produkt ihrer Mutter, und dann lassen sie in ähnlicher Weise die Erschaffung der Welt und die Gestaltung des Menschen erfolgen, indem sie behaupten, daß nur sie die unaussprechlichen und verborgenen Geheimnisse wüßten. Und doch haben sie nur das sich angeeignet, was überall auf den Schaubühnen von den Komödianten in prunkenden Worten vorgetragen wird, ja tragen das als ihre eigene Lehre vor, obwohl sie nur die Namen geändert haben.