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Ein politisches Instrument zur Bestätigung der Grösse der Kirche
In der Zwischenzeit hat sich das Umfeld verändert: der Kolonialimperialismus der grossen europäischen Mächte hat im «Grossen Krieg» von 1914-1918 geendet, der tiefe und dauerhafte Schäden zurücklässt. Die Zeit zwischen den beiden Kriegen kennzeichnet sowohl die Blütezeit als auch den Beginn des Niedergangs der im 19. Jahrhundert errichteten Kolonialimperien.
Unter dem Pontifikat von Pius XI., das 1922 beginnt, erfolgen zahlreiche Aufrufe zum missionarischen Einsatz, insbesondere durch die Veröffentlichung einer Vielzahl päpstlicher Weisungen zur Ausbreitung des Katholizismus. Den krönenden Abschluss dieser neuen Eroberungsstrategie bildet die Weltmissionsausstellung 1925 im Vatikan. Sie lehnt sich an ähnliche Anlässe an, welche seit dem Ende des 19. Jahrhunderts von verschiedenen europäischen Nationen organisiert werden. Obwohl sie mehrere Merkmale dieser Kolonialausstellungen übernimmt, unterscheidet sie sich von diesen doch in zwei Punkten.
Einerseits werden die kommerziellen Stände durch Stände ersetzt, welche die Verdienste der Missionen anpreisen. Andererseits besteht eine gewisse moralische Distanz zu den «ethnologischen Ausstellungen», insbesondere zu den «Negerdörfern», die auch «menschlicher Zoo» genannt werden und die noch an der Weltausstellung 1931 in Paris zu sehen sind. Im Rahmen der Missionsausstellungen werden sie durch Puppen ersetzt. Dieser bedeutende Anlass, der bis heute die grösste je vom Heiligen Stuhl organisierte Ausstellung geblieben ist, stellt ein politisches Instrument dar, um die Grösse der Kirche zu bestätigen: der Heilige Stuhl soll im Rahmen der neuen Nationen wieder das Prestige erlangen, das er vor der Auflösung der militärischen Truppen des Papstes bei der Einnahme Roms am 20. September 1870 besessen hat. Diese Frage wird rechtlich durch die Lateranverträge von 1929 geregelt. Bis zu diesem Zeitpunkt betrachten sich die Päpste offiziell als Gefangene innerhalb der Mauern des Vatikans. Da der Heilige Stuhl keine Armee mehr besitzt, mit der er seinen Einfluss in der ganzen Welt ausbauen kann, versucht er nun nicht mehr, Territorien zu erobern, sondern eine weltweite Kampagne der «Eroberung der Seelen», wie sie zu der Zeit genannt wird, zu lancieren.
Referenzen
Erick CAKPO, « L’exposition missionnaire de 1925. Une affirmation de la puissance de l’Église catholique », in Revue des sciences religieuses, 87/1 (2013), S. 41-59.
Claude SOETENS, « Pie XI et les missions. Influences et circonstances majeures (1922-1926) », in Achille Ratti pape Pie XI. Akten des Kolloquiums von Rom (15.-18. März 1989) organisiert von der École française von Rom in Zusammenarbeit mit der Universität von Lille III - Greco n° 2 du CNRS, l'Università degli studi di Milano, l'Università degli studi di Roma - «La Sapienza», la Biblioteca Ambrosiana. Rome : École Française de Rome, 1996. S. 719-734.