Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03138.jsonl.gz/1609

“Sehnsuchtsorte, Erinnerungsräume – Annäherungen an ein literaturgeographisches Konzept”. Forschungsseminar an der Universität Basel (HS 2012) mit Wissenschaftsblog: www.ProjizierteOrte.wordpress.com
In Flauberts Madame Bovary (1856) träumt die Titelheldin in der normannischen Provinz von Paris. Ebenso sehnen sich Tschechows Drei Schwestern (1901), mehr oder minder gefangen in der langweiligen Garnisonsstadt, nach dem pulsierenden Moskau, Auch Max Frischs Montauk (1975) ist ein gutes Beispiel: Während die elegische Haupthandlung in New York und auf Long Island angesiedelt ist, besteht das Erzählte über weite Strecken aus Rückblenden, Erinnerungsfragmenten des Ich-Erzählers, durch die Schweizer Regionen wie das Tessin und Zürich gewissermassen in die Haupthandlung “hereingeholt” werden. Den drei Texten gemeinsam ist die Kategorie der projizierten Orte: Diese werden, so unsere Definition, von den handelnden Figuren nicht “betreten”, vielmehr werden sie im Modus von Erinnerungen, Sehnsüchten, Tag- und Nachtträumen in die effektiven Handlungsräume eingeblendet. Die beteiligten Studierenden und Doktorierenden nähern sich dem Thema in einem Wissenschaftsblog: www.projizierteorte.wordpress.com. Dort werden Lektürehinweise, Filmbeispiele, theoretische Impulse, Protokolle, Glossareinträge und vieles mehr abgelegt, bebildert und miteinander verknüpft. Mitdiskutieren ist ausdrücklich erwünscht!