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2) Die nördlichste Niederlassung der britisch-austral. KolonieQueensland auf der Kap-York-Halbinsel, mit sicherm Zufluchtshafen.
Das früher hier bestehende Regierungsetablissement wurde nach der Thursdayinsel und die hier 1872 errichtete
Hauptstation der Londoner Missionsgesellschaft nach der Murrayinsel (Neuguinea) verlegt.
Einen Gegner dieser Verbindung, SirThomas Overbury, ließ der mächtige Günstling im Tower vergiften, ward aber später durch
GeorgeVilliers, nachmaligen Herzog von Buckingham, aus des KönigsGunst verdrängt und samt seiner Gemahlin
als Mörder Overburys zum Tod verurteilt. Nachdem beide mehrere Jahre im Gefängnis gesessen, woselbst S. mit der Enthüllung
von Geheimnissen drohte, die den König kompromittieren würden, erhielten sie die Freiheit und lebten seitdem in stiller
Zurückgezogenheit. S. starb im Juli 1645. Aus der Ehe seiner einzigen Tochter mit dem Herzog von Bedford
entsprang der unter Karl II. hingerichtete LordWilliamRussell (s. d. 1). Schon im 16. Jahrh. war der Herzogstitel von S. an die
FamilieSeymour (s. d.) gekommen.
Darauf trat S. wieder in den Rat ein; aber seine alte Macht erlangte er nicht wieder, und seine Zerwürfnisse
mit Warwick dauerten trotz einer zwischen beiden geschlossenen Familienverbindung fort. Nachdem sich Warwick des Königs bemächtigt
und die Staatsgewaltan sich gerissen, ließ er S. verhaften und beschuldigte denselben, ihm nach dem Leben getrachtet
und verräterische Anschläge auf die Staatsgewalt gemacht zu haben. Von der Anklage des Verrats freigesprochen,
aber wegen Felonie verurteilt, da er einen Vasallen des Königs habe ermorden wollen, ward S. auf TowerHill enthauptet.
ein gefälliges didaktisch-deskriptives Gedicht in reimlosen Versen, in welchen
die Sportsmen besonders die Sachkenntnis, die sich darin ausspricht, hervorheben. Seine »Works«
erschienen zu London 1742, 1776 u. öfter.
2) Mary, engl. Schriftstellerin im Fach der Physik und Astronomie,
[* 17] Tochter des Vizeadmirals SirWilliamFairfax, geb. zu
Jedburg in Roxburghshire, wurde in der Nähe von Edinburg erzogen und heiratete den KapitänSamuel Greig,
der sie in den exakten Wissenschaften unterrichtete. Schon 1811 hatte sie mehrere wissenschaftliche Probleme gelöst, 1826 veröffentlichte
sie eine Arbeit über die magnetisierende Kraft der Sonnenstrahlen; dann folgten unter dem Titel: »Mechanism of the heavens«
(Lond. 1831) eine Einleitung in das Studium der Astronomie und »On the connexion of the physical sciences«
(das. 1851; 10. Aufl., das. 1877), ihr
Hauptwerk, welches wegen seiner Tiefe und Klarheit außerordentlichen Beifall fand. S. wurde 1835 zum Mitglied der königlichen
Gesellschaft der wissenschaften ernannt. Sie vermählte sich nach dem Tod ihres ersten Gatten mit dem ArztWilliam
S., mit dem sie in London lebte. 1838 siedelte sie mit den Ihrigen nach Italien
[* 18] über, wo sie 1860 von neuem Witwe ward und in
Neapel
[* 19] starb. Von ihren Werken sind noch die treffliche »Physical geography«
(Lond. 1848, 2 Bde.; 7. Aufl.
1877; deutsch, Leipz. 1852) und »On
the molecular and microscopic science« (1869, 2 Bde.)
zu erwähnen.
Vgl. ihre »Personal recollections from early life to old age« (1873).
2) (S. Vesuviana) Flecken in der ital. ProvinzNeapel, am nördlichen Abhang des Vesuvs, hat ein Schloß,
Reste von alten Stadtmauern, Weinbau und (1881) 4533 Einw. Hiernach
ist auch der nördliche Gipfel des Vesuvs »S.« benannt.
Dialektdichter, geb. zu Rudolstadt,
[* 47] studierte 1835-38 in Jena
[* 48] Theologie, übernahm 1847 die
Leitung einer Töchterschule in seiner Vaterstadt und daneben das Pfarramt zu Schaala und wurde 1864 zum Garnisonprediger
in Rudolstadt ernannt, wo er, halb erblindet und seit 1881 Ehrenbürger, starb.
Seine gemütvollen
»Bilder und Klänge aus Rudolstadt in Volksmundart« (11. Aufl., Rudolst. 1886, 2 Bde.)
haben vielen Beifall gefunden.
(Sommerflecke, Ephelides), kleine, rundliche, bräunliche Flecke, welche sich namentlich bei blonden
und rothaarigen Menschen, unter der Einwirkung des Sonnenlichts und der Sonnenwärme, der Feuchtigkeit und des Windes an den
unbedeckten Stellen der Haut
[* 59] bilden. Die S. beruhen auf der Ablagerung eines bräunlichen Pigments in den oberflächlichen Hautschichten.
Während des
¶
mehr
Winters blassen sie ab oder verschwinden auch ganz. Durch Mittel, welche eine Abstoßung der Epidermis
[* 61] mit Einschluß ihrer
tiefern pigmenthaltigen Schichten bewirken, kann man die S. vertreiben; sie kehren aber nach wenigen Wochen wieder, wenn die
Haut von neuem den erwähnten Schädlichkeiten ausgesetzt wird. Auf diese Weise wirken die Lilionese und
Umschläge mit einprozentiger Lösung von Sublimat (Quecksilberchlorid, höchst giftig!). Man läßt diese Umschläge nur einige
Stunden lang wirken und sorgt dafür, daß die mit der Sublimatlösung befeuchteten Leinwandläppchen keine Falten schlagen.
Zeigt sich die Haut hiernach stärker entzündet, so bedeckt man sie mit in Öl getränkten Kompressen.
(lat.), im engern Sinn das »Umherwandeln im Schlaf«, das Schlafwandeln;
dann das habituell gewordene,
dem Anschein nach mit Überlegung vor sich gehende, in Wahrheit aber nur traumbewußte Verrichten von Handlungen während des
Schlafs, das Schlafhandeln;
gewöhnlich rechnet man zum S. auch diejenigen meist auf Selbsttäuschung
oder Betrug beruhenden Fälle, in welchen gewisse PersonenDinge oder Ereignisse wahrzunehmen glauben oder vorgeben, welche mittels
gesunder Sinne nicht wahrzunehmen sind (das Hellsehen, clairvoyance);
Nur die höchsten Grade dieser Erscheinungen kommen aber hier in Betracht, insofern bei ihnen die charakteristischen Bedingungen
des Schlafs nicht mehr vorhanden zu sein scheinen. Dahin ist vor allem zu rechnen, daß die Nachtwandler ungeachtet der
größten Anstrengung beim Erklettern von Fenstern, Dächern etc. nicht erwachen, was doch der Fall sein würde, wenn bei ihnen,
wie beim gewöhnlichen Schlaf, die Fähigkeit zur Empfindung und Bewegung in gleichem Maß ab- und zunähme.
Vielmehr geben sie bei äußerer ordentlicher Bethätigung ihres ganzen Muskelsystems zuweilen eine so gänzliche Empfindungslosigkeit
kund, daß weder das
stärkste Licht,
[* 67] noch der Schall
[* 68] von lärmenden Instrumenten, noch die schärfsten Gerüche, noch Verletzungen
der Haut den geringsten Eindruck auf sie machen. Auch haben die Reden des Nachtwandlers nicht jenen Charakter der Zerfahrenheit
und des Unzusammenhängenden wie die des Träumenden, sondern meist logischen Zusammenhang und bewegen
sich, wie seine Handlungen, größtenteils im Kreis früherer Erinnerungen.
Nach dem bisherigen Stand unsers Wissens unerklärlich ist der angebliche, im Volksmund allgemein behauptete Einfluß des Mondes
auf die Nachtwandler, welcher zu der Bezeichnung Mondsucht (Lunatismus) Veranlassung gegeben hat. Die oft erzählten Sagen von
Mondsüchtigen, welche auf Bäume, Dächer und Türme gleichsam dem Mond
[* 69] entgegengeklettert seien etc., sind
noch zu wenig beglaubigt, als daß man sie unbedenklich gelten lassen könnte. Erwähnung verdient noch, daß die Nachtwandler
ihre Bewegungen auch auf gefährlichen Wegen mit der größten Sicherheit ausführen sollen, wobei das Freibleiben von Schwindel
eine wirksame Unterstützung gewähren mag. Da das Nachtwandeln gewöhnlich einen völlig konstitutionellen
Zustand darstellt, welcher als solcher das Individuum Jahrzehnte behaften kann, so läßt es sich höchstens durch kräftige
diätetische Maßregeln mit einigem Erfolg bekämpfen. Zu letztern würden vor allem angemessene Körperanstrengungen, um
einen möglichst festen und tiefen Schlaf zu bewirken, und Vermeidung aller das Nervensystem stärker aufregenden
psychischen und physischen Reize, z. B. allzu reichliche Abendmahlzeiten, zu rechnen sein. Entschieden abzuraten
ist von den gebräuchlichen Gewaltmitteln, wie z. B. den vor das Bett
[* 70] gestellten Wassergefäßen, Prügeln u. dgl.
Jedenfalls hat man die Nachtwandler unter eine angemessene Aufsicht zu stellen, damit sie in ihren Paroxysmen weder sich noch
andern Schaden zufügen können. Vgl. Magnetische Kuren.
(spr. schómodj,Sümeg), Komitat in Ungarn,
[* 71] am rechten Donauufer zwischen dem Plattensee und der Drau, hat 6531 qkm
(118,6 QM.) Areal mit (1881) 307,448 meist ungarischen, kath.
Einwohnern. Es wird von zahlreichen kleinen Flüssen bewässert, ist sehr fruchtbar und im Süden an der Drau teilweise sumpfig;
und fließt in nordöstlicher Richtung dem Ganges zu, den er oberhalb Patna nach einem Laufe von 748 km erreicht. Im Unterlauf
ist er schiffbar und seit 1871 durch einen bei Dehri vollendeten Querdamm, wodurch fünf Kanäle gespeist werden, zur künstlichen
Überflutung seiner Ufer eingerichtet.
(ital. sonata, suonata), ein in der Regel aus drei oder vier abgeschlossenen, aber durch
innere Verwandtschaft unter sich verbundenen Sätzen bestehendes Tonwerk von ganz bestimmter Form, zunächst für ein Soloinstrument,
namentlich Klavier, Cello, Flöte, Violine, Orgel etc., bestimmt, jedoch, als Duo, Trio, Quartett etc., auch auf mehrere Instrumente
und, als Symphonie, sogar auf großes Orchesterübertragen. Der erste Satz ist der speziell für die S.
charakteristische und sie von der Suite, Serenade etc. unterscheidende; seine Form ist die darum speziell so genannte Sonatenform.
Er beginnt entweder mit einer langsamen Einleitung (Grave, Largo) oder gleich mit dem Hauptthema (Hauptsatz) in bewegtem Tempo
(Allegro), von welchem geschlossene, modulierende (nicht in allzufern liegende Tonarten ausschweifende)
Gänge zum zweiten Thema (Nebensatz, Seitensatz) überleiten, das zwar in gleichem Tempo, aber in längern Notenwerten, gesangartiger
gehalten ist.
Der nun folgende zweite Teil (Durchführungssatz) besteht ausschließlich in Verarbeitung des vorausgegangenen thematischen
Materials (selten bringt er noch ein selbständiges Thema) und leitet ohne Wiederholung durch den sogen. Rückgang zum dritten
Teil über. Dieser bringt wieder das Hauptthema in der Haupttonart, führt jedoch diesmal (mit oder ohne
Gang)
[* 77] den Seitensatz und etwanigen Schlußsatz gleichfalls in der Haupttonart oder gleichnamigen Molltonart ein und beschließt
entweder hiermit das Tonstück, oder es folgt ihm noch ein besonderer Anhang (coda), der hier meistens etwas länger ausgeführt
ist als im ersten Teil. Bildungen wie die der ersten Sätze der sogen. Mondscheinsonate (Op. 27, Cis moll)
oder der As dur-Sonate (Op. 26) von Beethoven haben mit diesem Schema nichts zu thun.
Beiden Sonaten fehlt der eigentliche erste Satz; sie beginnen mit dem langsamen, der in der Regel der zweite ist.
Charakteristikum des zweiten Satzes ist die langsame Bewegung (nur ausnahmsweise vertauschen der langsame Satz und das gleich
zu besprechende Scherzo ihren Platz). Seine Form kann eine sehr verschiedenartige sein. Ist er wie der erste mit zwei kontrastiernden
Themata ausgestattet, so ist das bewegtere das zweite; die Reprise und Durchführung fallen weg, dagegen
erscheint gern das Hauptthema dreimal, meist mit immer gesteigerter Figuration.
Oft begnügt sich der Tonsetzer mit der Liedform, d. h. der Themataordnung I-II-I. Sehr beliebt
ist auch die Variationenform für den zweiten Satz. Die Tonart des zweiten Satzes ist meist die der Unterdominante. Der dritte
Satz bringt Menuett oder Scherzo, gewöhnlich wieder in der Haupt- oder doch in einer eng verwandten
Tonart.
In ältern Sonaten fehlt Menuett oder Scherzo gänzlich, so daß man gleich vom zweiten zum letzten Satz, dem Finale, gelangt.
Dieser steht bei durchschnittlich schneller Bewegung immer in der Haupttonart, verwandelt sie aber nicht selten aus Moll inDur. Seine Form ist entweder die Sonatenform, in der Regel ohne Reprise, aber mit Durchführung, oder eine weit ausgesponnene
Rondoform mit mehr als zwei meist kurzen Themata. In seltenen Fällen läuft er in eine Fuge aus. Beethoven handhabt die Form
sehr frei und beschränkt sich manchmal auf nur zwei Sätze und zwar nicht nur in der kleinen S. (Sonatine),
bei der das fast die Regel ist, sondern auch in groß und ernst angelegten Werken (Op. 53, 54, 78, 90, 101, 111).
Geschichte. Sonata (»Klingstück«) ist ursprünglich, d. h.
als die Anfänge einer selbständigen Instrumentalmusik sich entwickelten (gegen Ende des 15. Jahrh.),
Ihre praktische Bestimmung war die, einem kirchlichen Gesangswerk als Einleitung vorausgeschickt zu werden, die S. tritt in der
Folge (völlig gleichbedeutend mit Symphonia) als Einleitung der Kantate auf. Gegen Ende des 17. Jahrh.
begann man die Sonata da chiesa (Kirchensonate) von der Sonata da camera (Kammersonate) zu unterscheiden. Die letztere schied
die Blasinstrumente aus und wurde schließlich die Prärogative der Violine (Biber, Corelli), ja die alte Art der für die Kirche
bestimmten S. wurde gleichfalls nach Art der Kammersonate zugestutzt und nur, statt mit Cembalo, mit der
Orgel begleitet.
Neben beiden bestand die vielstimmige, besonders mit Blasinstrumenten besetzte S. fort für Tafelmusik und ähnliche weltliche
Bestimmungen. Diese Sonaten, auch die Corellischen und Biberschen, haben mit der neuern Sonatenform noch wenig mehr gemeinsam
als die Zusammensetzung aus mehreren Teilen von verschiedener Bewegungsart, welche bereits J. Gabrieli seinen
letzten Sonaten gegeben hatte. Corelli schrieb sie viersätzig: Adagio, Allegro, Adagio, Allegro.