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Uf de Spure vane Walser
[Auf den Spuren der Walser]
Dieser Artikel von Dr. Max Waibel setzt sich in einem kulturell historischen Rundgang mit der Walserfrage auseinander (Text und Bild, wenn nichts anderes angegeben stammen vom Autoren):
Wüstung Giätrich (1540 m) im Lötschental.
Die Auflassung fällt zeitlich zusammen mit der Gründung der ersten Lötscher Kolonien im Lauterbrunnental Ende 13. Jh.
Les Allemands (Chablais)
Walsersippen auf Wanderschaft.
In den Ansiedlungs-Urkunden im rätischen Osten erscheinen die Auswanderer als Walliser oder Walser. Allmählich setzte sich die aus Walliser gekürzte Form Walser durch. Auch die Walserforschung macht sich diese Unterscheidung zu Nutzen: Als Walliser bezeichnet sie die Nachkommenschaft der im Lande Wallis gebliebenen Deutschsprachigen, als Walser die im Hoch- und Spätmittelalter ausgewanderten Walliser samt deren Nachkommenschaft. In den italienischen Walsergebieten fasste die Bezeichnung «Walser» erst in den 1970er Jahren mit der Entdeckung des Walserbewusstseins Fuss.
Über die Bedingungen der Ansiedlung der Walser in den italienischen Aussenorten, die in der Regel über Klöster erfolgte, sind wir weniger informiert als über jene im rätischen Osten, wo das Herrschaftsverhältnis durch Freiheits- und Erblehensbriefe geregelt wurde: Vertragsparteien waren die Grundherren auf den einen, die Walser auf der andern Seite.
Lehenbrief der Landschaft Davos vom 31. August 1289
Streifzug durch die Walsergebiete.
Davos ist die andere rätische Walser Stammkolonie. Die Walser dürften um 1280 in der Landschaft Davos aufgetaucht sein. Im Jahre 1289 übergab Hugo II. von Werdenberg im Namen der minderjährigen Söhne Walters V. von Vaz «Wilhelm ammen und seinen gesellen – die sich nach einer Probezeit zum Bleiben entschieden hatten – daz guot ze Tavaus ze rechten lehen». Im Brief sind die Rechte und Pflichten der unter Führung des Ammanns Wilhelm stehenden Siedler aufgeführt. Es heisst: «Dasselbig Guot söllend si ewigklich (auf alle Zeiten) besizen. Und wenn sie ihren Zinß verrichtend, so sind sie frey und habend mit nieman nüdt ze schaffen...»
Alpe Uga über Damüls (rechte Bildhälfte).
Belehnungsurkunde von 1313; Aussteller: Rudolf und Berthold Grafen v. Montfort. Wie im gleichentags abgeschlossenen Laternser Vertrag ist festgehalten, dass Söhne und Töchter erbberechtigt sind.
Ausone/Opso in der Valle Antigorio
Beziehungen über die Berge hinweg.
In Graubünden und Vorarlberg sorgte die Abgeschlossenheit inmitten der rätoromanischen Nachbarschaft dafür, dass die Walser während längerer Zeit weit mehr Kontakte zu ihren Stammesgenossen pflegten als zu den rätoromanischen Nachbarn. Walser Männer heirateten Frauen aus der eigenen Siedlung, oder sie gingen in einem benachbarten oder weiter entfernten Walsersgebiet auf Brautschau, was die Beziehungen zwischen den Walsersiedlungen festigte.
Splügen.
Kaum eine Siedlung im Alpenraum ist vom Passverkehr geprägt wie Splügen am Fuss der Pässe Splügen und S. Bernardino. Die südländisch anmutenden Palazzi der Handelsherren gehören zum Dorfbild wie die Häuser der Säumerbauern.
Weilersiedlung Rimella im Mastallone-Tal. Die Siedlung erstreckt sich über zwei Täler. Links: Das Dörfchen S. Gottardo (1329 m), das die Walser in Anlehnung an Rondo, die erste Rimeller Walsersiedlung, erstmals erwähnt 1255, ä Runt nannten.
Rathaus von Luzern (1602–1606), geschaffen vom Baumeister Anton Isenmann. Es gehört zu den kunsthistorisch bedeutendsten Rathäusern der Schweiz. Sein Heimweh fasste der Baumeister in die Worte: «sich durch der Hände Arbeit in der Fremde das Brot zu vedien
Die Verteilung des Umlauts von ahd. â. Im oberen deutschsprachigen Wallis, im Pomatt und im westlichen Graubünden gilt offenes ää, es heissst schwäär, im unteren deutschsprachigen Wallis, bei den Monte Rosa Walsern und im östlichen Graubünden aber ist geschlossenes ee geläufig, es heisst schweer. Die Zweiteilung ää/ee ist schon für das Berner Oberland, die Urheimat der Walliser und Walser, nachgewiesen.
Die Sprache der Walser.
Zur Sprache nur gerade soviel: Deutschsprechenden Besuchern fällt im Oberwallis rasch auf, dass aus dem Esel ein Eschil, wird, aus sie schi und aus dem Zahlwort sechs säggsch. Dieser sch-Laut, für altes 's' galt früher auch von Gressoney im Westen bis hinüber ins Kleinwalsertal im Vorarlberg. Er ist also mit den Walsern gewandert. Ein eben so wichtiges sprachliches Zeugnis für die Walserwanderungen hat Paul Zinsli mit der unterschiedlichen Entwicklung des Umlautes vom althochdeutschen Langvokal â in Wörtern wie althochdeutsch swâri (= schwer) und lâri (= leer) dargestellt.
Stürfis (1577 m).
Die Siedlung, in der rund 50 Gebäude standen, wurde in den 1630er Jahren geräumt und in eine Alp umgewandelt. Geografisch gehört Stürfis ins Prättigau, politisch zu Maienfeld in der Bündner Herrschaft. 1351 wurden Walser aus Stürfis im vorarlbergischen Ebnit beliehen; spätere Abwanderer wurden ins Bürgerrecht von Maienfeld aufgenommen.