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Sexsüchtig im Internet?
Aus ganz unterschiedlichen Gründen geraten jugendliche und bejahrte Internet-User(innen) immer tiefer in den Sog des Netzes und seiner verführerischen Inhalte.
Sie werden regelrecht Internet-süchtig oder gar Internetsex-süchtig. Sind Sie vielleicht selbst in der Gefahr, internetsüchtig zu werden, oder sind Sie es vielleicht schon? Testen Sie sich anhand der folgenden Kennzeichen.
Die Kennzeichen
- Sie spüren einen unwiderstehlichen Zwang zum Einloggen.
- Sie Verletzen bei Ihrem Internet-Verhalten Ihre ethisch-moralischen Werte, denen Sie sich eigentlich verpflichtet fühlen.
- Sie erfahren Kontrollverluste (das heißt, Sie verweilen länger «online» als beabsichtigt) und empfinden anschließend Schuldgefühle.
- Sie verursachen sozial störende Auffälligkeiten im engsten Kreis Ihrer Bezugspersonen (Freunde, Partner, Familie) und hören häufige Rügen durch unmittelbare Bezugspersonen.
- Sie stellen eine PIG*-bedingte nachlassende Arbeitsleistung fest.
- Sie haben mehrmalige vergebliche Versuche von Einschränkungen gemacht.
- Sie verheimlichen oder bagatellisieren Ihre Online-Aktivitäten vor der Umwelt
- Sie fühlen sich irritiert, wenn Sie am Internet-Gebrauch behindert werden, zum Beispiel in Form von Nervosität, Reizbarkeit und Depression
- Sie spüren «Entzugserscheinungen» wie Nervosität, Reizbarkeit und Depression
(Auflistung in Anlehnung an Zimmerl & Panosch 1998)
*PIG = Pathologischer (krankhafter) Internetgebrauch
Drei Stadien der Internet-Sucht
Krankhafter Internetgebrauch (PIG) zeigt drei Stadien der Gefährdung:
1. Gefährdungsstadium
In einem Zeitraum von bis zu sechs Monaten erfüllen Sie bis zu drei der obigen Kriterien.
2. Kritisches Stadium
In einem Zeitraum von bis zu sechs Monaten erfüllen Sie mindestens vier der obigen Kriterien.
3. Chronisches Stadium
In einem Zeitraum von mehr als sechs Monaten erfüllen Sie vier oder mehr der obigen Kriterien.
Hinweise auf Internet-Sex-Sucht
- Intensive Beschäftigung mit sexuellen Internetinhalten.
- Häufiges Aufsuchen von Sexseiten im Internet, länger als beabsichtigt.
- Wiederholte erfolglose Versuche, den Sex-Konsum im Internet zu kontrollieren, zu vermindern und damit aufzuhören.
- Ruhelosigkeit und Nervosität beim Versuch, mit Internetsex aufzuhören.
- Verwendung von Internetsex als einen Weg, Problemen zu entfliehen oder negative Gefühle wie Hilflosigkeit, Schuld, Angst oder Depression zu überdecken.
- Tägliches Wiedereinloggen ins Internet auf der Suche nach intensiveren oder riskanteren sexuellen Erfahrungen.
- Lügen gegenüber Familienmitgliedern, Therapeuten oder andern Bezugspersonen, um das Ausmass der Internetaktivitäten zu verheimlichen.
- Begehen von illegalen sexuellen Handlungen im Internet (wie Versenden oder das Herunterladen von Kinderpornografie oder das Vermitteln von illegalen sexuellen Aktivitäten via Internet).
- Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, einer Arbeitsstelle oder einer beruflichen Aufstiegsmöglichkeit wegen Internet-Sex-Sucht.
- Erleiden von einschneidenden finanziellen Konsequenzen als Folge von Internet-Sex.
Beispiel
Ein Mann berichtet über die enorme Kraft der Bilder: «Manchmal erschrak ich, wenn etwas ‹Abartiges› erschien. Doch allmählich baute sich meine innere Hemmschwelle ab. Die Spirale drehte sich schneller, und mein Umgang mit dem Bildmaterial wurden raffinierter. Die Sammlerleidenschaft erfasste mich ... Die heimliche Lust entwickelt sich zur heimlichen Sucht ... Selbst mit meiner riesigen Sammlung war ich nicht gesättigt. Die Bilder verloren für mich ihren Reiz, sobald ich sie besass. Ich wollte ‹Neues›, noch Besseres, täglich frisches Fleisch. Aber satt wurde ich nie.»
(aus: Wolf Deling: «Der sexte Sinn», Brunnen-Verlag)
SMS-Textaholics
Auch SMS kann süchtig machen, sagt der englische Psychologe Roy Bailey: «Ein Text kann dieselbe Wirkung wie eine Zigarette haben.» Der Empfang einer SMS löst im Gehirn Genuss und Vergnügen, je nach Botschaft auch Angst und innere Spannung aus und bewirkt im Empfänger das Bestreben, die Nachricht umgehend zu beantworten, um möglichst schnell eine Antwort zu erhalten. Allein in Deutschland werden pro Jahr über 25 Milliarden Kurznachrichten versendet.
Autor: Dr. med. Samuel Pfeifer
Quelle: „Internet-Sucht. Verstehen - Beraten - Bewältigen"
Bearbeitung: Lebenshilfe-net.ch