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SITUATION #182
Die Fotoserie The Sleepers der französischen Konzeptkünstlerin Sophie Calle beschäftigt sich mit der voyeuristischen Wechselseitigkeit von Fotografierten und Fotograf_innen und dem (un)bewussten Verzicht auf Privatsphäre. Auf telefonische Anfrage von Calle erklärten sich 24 fremde Personen bereit, acht Stunden im Bett der Künstlerin zu schlafen und sich dabei fotografieren zu lassen. Es wurden dabei gezielt Personen ausgewählt, deren Arbeit sie tagsüber zum Schlafen zwang. Der Kamera so ausgeliefert, blieb trotz des freiwilligen Zugeständnisses den Porträtierten unklar, was und wann Calle fotografierte, wann sie nur beobachtete oder wann sie sich gar abwandte. Calle fertigte jede Stunde ein Foto an, dokumentierte schriftlich, was die Teilnehmer_innen assen – denn je nach Tageszeit wurde jedem Frühstück, Mittag- oder Abendessen serviert –, und liess sie Fragen beantworten, die nichts mit Faktenwissen zu tun hatten, sondern dazu dienten, einen neutralen und distanzierten Kontakt herzustellen. Calles Arbeit gleicht dem Versuchsaufbau eines Schlaflabors, wenngleich sie nicht das Schlafverhalten ihrer Subjekte, sondern vielmehr das (Aus)Spielen von Macht durch den Akt des Fotografierens und das Austesten persönlicher Grenzen interessiert.