Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/139376

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Möglichkeit, gewisse Medikamente (z. B. Antibiotika) einzeln zu verkaufen, vertieft zu analysieren und einen Bericht dazu vorzulegen. So könnte die Wirksamkeit einer solchen Massnahme geprüft werden. Sollten die Ergebnisse überzeugen, könnte der Einzelverkauf auf andere Heilmittel ausgedehnt werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Abgabe von einzelnen Tabletten (auch Auseinzelung genannt) ist in Spitälern und Pflegeheimen bereits heute Standard. Auch die Apotheken bieten die entsprechende Dienstleistung an. Insbesondere ältere Patientinnen oder Patienten, die sehr viele Arzneimittel einnehmen müssen, können ihre Tabletten abgefüllt in sogenannten Wochendispensern erhalten. Unter entsprechend kontrollierten Bedingungen ist dies aus Sicht der Patientensicherheit vertretbar. Die Arzneimitteleinnahme erfolgt unter direkter Kontrolle medizinisch geschulter Fachleute (Spitex-Fachleute, Pflegepersonal usw.).</p><p>Eine generelle Abgabe von Teilen einer Packung birgt aber im ambulanten Bereich gewisse Risiken. Einerseits schützt die Verpackung das Arzneimittel vor Licht und Beschädigung. Einzelne Blister oder Teile von Blistern sind äusseren Einflüssen wesentlich stärker ausgesetzt als ganze Packungen. Andererseits erhält der Empfänger durch das Teilen einer Packung nur eingeschränkte Informationen. So erhöht sich durch die unvollständige Kennzeichnung die Gefahr, dass Arzneimittel verwechselt oder/und falsch angewendet werden. Bemühungen zur Vermeidung von solchen Medikationsfehlern werden so unterlaufen.</p><p>Auch bedeutet die generelle Auseinzelung einen wesentlichen Zusatzaufwand für Ärzte und Apotheken, welcher durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung abgegolten werden müsste. Der Bundesrat hält es daher für zielführender, wie bisher bei der Zulassung die Packungsgrössen so festzulegen, dass die kleinste Packung an die Therapiedauer und Dosierungsempfehlung gemäss Fachinformation angepasst ist. Diese Praxis wird durch Swissmedic bereits heute für alle Arzneimittel so umgesetzt. So sind insbesondere - aber nicht nur - bei speziellen Arzneimitteln wie Antibiotika exakte Packungsgrössen durchaus üblich, in manchen Fällen sind auch Einzeldosenpackungen auf dem Markt, wo dies therapeutisch sinnvoll ist. Weiter achtet auch das Bundesamt für Gesundheit bei der Aufnahme von Arzneimitteln in die Spezialitätenliste (SL) darauf, dass zweckmässige Packungsgrössen angeboten werden. So werden z. B. für Langzeittherapien Kleinpackungen zur Anfangsbehandlung und Grosspackungen für die Dauerbehandlung verlangt. Die Leistungserbringer sind nach Artikel 56 des Krankenversicherungsgesetzes (KVG, SR 832.10) gehalten, sich in ihren Leistungen auf das Mass zu beschränken, das im Interesse der Versicherten liegt und für den Behandlungszweck erforderlich ist. Massnahmen zur Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit der Leistungen sind in Tarifverträgen vorzusehen. Entsprechend sind die Apotheker und Apothekerinnen nach dem Tarifvertrag LOA IV zwischen Pharmasuisse und Santésuisse verpflichtet, jeweils diejenige Packungsgrösse abzugeben, die der vom Arzt verschriebenen Dosierung und Anwendungsdauer am besten entspricht und für den Versicherer am wirtschaftlichsten ist. Ebenso schränkt der Vertrag die Abgabemenge ein. Die abgegebene Menge darf in der Regel den dreimonatigen Bedarf nicht überschreiten.</p><p>Aus Sicht des Bundesrates besteht mehr Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Medikationsprozesse als bei der Grösse der Packungen. Halten sich Patientinnen und Patienten ungenügend an den Therapieplan oder werden sie überversorgt, kann dies zu einem wenig effizienten und effektiven Einsatz und damit zu einer Verschwendung von Arzneimitteln führen. Im Rahmen der Qualitätsstrategie des Bundes im schweizerischen Gesundheitswesen wird der Sicherung der Qualität und dem zweckmässigen Einsatz von Arzneimitteln entsprechend Beachtung geschenkt werden. In diesem Rahmen wird das EDI/BAG die Ergebnisse des im Postulat erwähnten Versuchs in Frankreich, sobald diese vorliegen, in einen grösseren Kontext setzen und eigenständig bewerten. Sollte sich ein Handlungsbedarf ergeben, wird der Bundesrat dieses Thema im Rahmen der Beantwortung des Postulates Humbel 12.3864, "Positionierung der Apotheken in der Grundversorgung", aufnehmen. Aus den aufgeführten Gründen erachtet der Bundesrat die Erarbeitung eines zusätzlichen Berichtes als nicht notwendig.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.