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Die Pub-Tour am Vorabend endete weit nach Mitternacht. Dennoch sieht Xenia Tchoumitcheva, 22, am nächsten Morgen um 9 Uhr aus, als sei sie gerade aus einem Wellness-Urlaub zurückgekehrt. Die Frau mit dem Femme-fatale-Aussehen öffnet die Tür zu ihrem Londoner Kurzzeit-Appartement in blauer Frottee-Hose und grauem T-Shirt. Die Haare zu einem lockeren Dutt zusammengedreht, die Füsse in Hotelpantoffeln («daheim in Lugano ärgert sich meine Mutter, weil ich die von überall mit nach Hause bringe»).
Bevor sie sie abstreift, wirft sie einen Kontrollblick in den Spiegel, dann auf ihren Blackberry («ich bin süchtig danach, hänge ständig mit Freunden am Messenger») und setzt sich dann aufs Sofa. Im Fernsehen laufen die neusten Videoclips englischer Popstars. Xenia kennt fast alle Songs, singt und wippt mit. Wie war das mit der Müdigkeit von der Pub-Tour? «Ja, gestern traf ich meine Jungs auf ein paar Drinks. Es wurde spät», erzählt sie.
Ihre Jungs. Damit meint die Vize-Miss-Schweiz 2006 ihre Bürokollegen der Londoner Asset-Management-Firma Duet Group. Das von zwei Westschweizern gegründete Unternehmen verwaltet Hedge-Funds und Immobilien im Wert von 2,4 Milliarden Dollar. Wirtschaftsstudentin Xenia absolviert hier in der Immobilienabteilung ein zweimonatiges Praktikum.
Sie erstellt Analysen, die ihren Kollegen als Grundlage für deren Arbeit dienen. Dass ihre Assistentin mit dem Schmollmund, der blonden Mähne sowie dem engen schwarzen Rock und zwölf Zentimeter hohen Louboutin-High-Heels unheimlich sexy aussieht, scheint Xenias Kollegen nicht zu kümmern. Sie haben nur Augen für die flimmernden Informationen auf den Bildschirmen vor ihnen.
Xenias Boss, Duet-Gründer Alain Schibl, schwärmt in den höchsten Tönen von Xenia. Und bestreitet, sie allein wegen ihres Aussehens angestellt zu haben. «Sie absolvierte ein erstes Praktikum bei Merrill Lynch und wurde mir vom dortigen Chef empfohlen, aber ich hatte keine Ahnung, wer sie ist», sagt er.
«In unserem Business spielt das Aussehen keine Rolle. Gefragt sind Performance und Leistung.» Das gefällt Xenia. Hier kann sie zeigen, was sie draufhat. «Ich liebe die Logik der Ökonomie. Sie passt zu meiner Persönlichkeit.» Eine schöne Frau mit Köpfchen, bestätigt Xenias Boss: «Ihr Einsatz, ihre Lernbereitschaft und rasche Auffassungsgabe überraschen mich. Auch ihr Ehrgeiz ist bewundernswert.»
Der Ehrgeiz. Den habe sie ihren russischen Wurzeln zu verdanken, glaubt Xenia. Schon ihre Grossmutter leitete einen Industriebetrieb, der Vater ist Unternehmer. Ihr Aussehen verdanke sie ebenfalls den russischen Wurzeln. Gepaart mit typisch schweizerischen Eigenschaften – Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Seriosität – will Xenia hoch hinaus.
Ihr Ziel: ein eigenes Business aufziehen. Der Zeitplan: nach ihrem Bachelor im nächsten Juni. «Es muss etwas sein, das mich zu hundert Prozent zufriedenstellt. Am liebsten in Verbindung mit dem Showbiz.» Wer die Tchoumitcheva kennt, weiss, sie wird es schaffen.
Dennoch wirkt sie nicht verbissen – ihrem italienischen Temperament sei Dank! «Ich bin lebenslustig, offen, kommunikativ und liebe die schönen Dinge im Leben», sagt die Tessinerin. Ihr Aussehen mag sie als unnahbare oder gar arrogante Lolita erscheinen lassen. Das Gegenteil ist der Fall. Ob im Pub, an ihrem Arbeitsplatz oder auf Londons Strassen – schnell wird klar: Xenia ist ein Kumpel-Typ, lacht, reisst Witze. Tritt aber auch selbstbewusst, bestimmt und zielorientiert auf.«Ich will verliebt sein und brauche keinen, der mich aushält. Geld verdiene ich selber»
Eine Mischung, die Männern Angst macht. Nur so lässt sich erklären, dass die schöne Blonde seit längerer Zeit keinen festen Freund hat. «Klar, ein Mann muss selbstbewusst sein, um mit mir durchs Leben zu gehen», sagt Xenia. Sie sei kein Typ für One-Night-Stands und Affären: «Das wäre mir zu oberflächlich.»Bisher wollten die meisten Männer sie einengen, kontrollieren. «Damit erreichen sie genau das Gegenteil», sagt Xenia. Eine wie sie könnte sich auch einen älteren reichen Mann anlachen. «Ja, nur: Zu einem Mann muss ich mich hingezogen fühlen. Ich will verliebt sein und brauche keinen, der mich aushält. Geld verdiene ich selber.»
Krise hin oder her – was sie auch tut, Xenia fährt auf der Überholspur. Nach ersten Schauspiel-Versuchen steht sie bereits im Gespräch für die Hauptrolle in einem Kinofilm. «Ob ich das wirklich machen will, muss ich mir erst noch überlegen. Aber ich habe ja noch etwas Zeit. Die Dreharbeiten beginnen voraussichtlich im Herbst 2010.»
Und falls sie sich dagegen entscheidet, stehen ihr in London die Türen offen. Ihr jetziger Chef: «Ich würde Xenia einen Job geben. Das heisst viel, denn bei uns ist jeder Arbeitsstuhl teuer und heiss begehrt.»