Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03141.jsonl.gz/3887

Vor einem Monat verstarb Hugo Chávez an Krebs. Am kommenden Sonntag muss deshalb in Venezuela wieder gewählt werden. Laut den Umfragen liegt der von Chávez favorisierte Nicolas Maduro rund 20 Prozentpunkte vor seinem Herausforderer Henrique Capriles.
Nicolas Maduro versucht, im Wahlkampf die Wählerinnen und Wähler zu überzeugen, dass er die von Chávez begonnene Revolution weiterführen werde. Er tue dies manchmal auch auf etwas skurrile Weise, wie Ulrich Achermann im Gespräch mit Radio SRF erzählt: «Maduro hatte bei einem Gottesdienst in einer Kirche plötzlich eine Eingebung. Er sah Hugo Chávez in der Form eines kleinen Vogels.»
Das chavistische Publikum spreche auf diese Art Wahlkampf an, sagt Achermann. «In Venezuela kommen nur diejenigen Politiker gut an, die emotional aufzutreten wissen und keine Sachpolitik machen.»
Bei den letzten Wahlen 44 Prozent erreicht
Der Herausforderer Henrique Capriles erreichte bei den letzten Wahlen im Herbst gegen Chávez 44 Prozent der Stimmen. In seinem jetzigen Wahlkampf schlachte er die Fehler der Chávez-Regierung nicht schlecht aus, sagt Achermann. Capriles weist auf die Versorgungslage hin, er bringt die desolate Finanz-und Verschuldungslage ins Spiel und hält auch fest, dass befreundete Länder wie etwa Argentinien Venezuela noch 13 Milliarden Dollar schulden.
Sein letzter Oppositionsauftritt sei beindruckend gewesen: «Letzten Sonntag konnte er in Caracas eine riesige Wahlversammlung mit mehreren 100‘000 Oppositionellen durchführen», sagt Achermann. Allerdings rechnet der SRF-Korrespondent nicht damit, dass es Maduro für einen Sieg reicht.
Grenzen geschlossen
Venezuela schloss am Dienstag seine Grenze zu Kolumbien. Entlang der Grenzen sind strikte Kontrollen angeordnet worden, zudem werden unter anderem Stromverteiler und wichtige Telefonleitungen stärker überwacht. Bei der Wahl am Sonntag werdem nach Angaben von Innenminister Néstor Reverol 125'000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein.
Die Schliessung der Grenzen erfolgte deutlich früher als üblich. Bei der Präsidentschaftswahl im Oktober vergangenen Jahres war diese Massnahme erst einen Tag vor dem Urnengang erfolgt. Reverol begründete das derzeitige Handeln mit Erkenntnissen des Geheimdienstes, «dass bestimmte Elemente Gewalt auslösen und ein Klima der Instabilität schaffen» wollten.