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Nord- und Südkorea liefern sich seit Jahren eine erbitterte Propagandaschlacht. Neben klassischer Propaganda per Radio oder Fernsehen greift Südkorea in letzter Zeit auch auf Popmusik als Überzeugungsmittel zurück. Wir haben einen Blick auf südkoreanisches Propagandamaterial geworfen.
Nach dem angeblichen Wasserstoffbomben-Test Nordkoreas hat Südkorea seine Propagandabemühungen an der Grenze intensiviert. Mit Lautsprechern, die jeden Zürcher Clubbetreiber vor Neid erblassen lassen würden, pumpt Südkorea seinem kommunistischen Nachbarn antisozialistische Parolen über die Grenze. Wir haben eine Südkoreanerin gebeten, eine ältere Propagandabotschaft für uns zu übersetzen. Hier ein Auszug:
Eun Sun Cho, die den Text übersetzt hat, sagte gegenüber watson, die Propagandabotschaft hätte sie in der Machart und im Tonfall des Sprechers an alte Propagandasendungen aus der DDR erinnert. «Der Wortschatz wurde wohl bewusst altmodisch gewählt, vielleicht, damit er möglichst viele Menschen in Nordkorea erreicht», mutmasst Cho. Auch sei die Stimme sehr aggressiv und gleite teilweise fast ins Primitive ab.
Die Propagandabeschallung aus Südkorea über die Grenze nach Nordkorea umfasst dieses Mal auch aktuelle Musikhits aus dem Süden: Aus den Lautsprechern erschallt unter anderem der jüngste K-Pop-Hit «Bang, Bang, Bang».
Zudem ist eine beliebte Ballade über einen «Todesengel» zu hören – möglicherweise eine Anspielung auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Nach dem jüngsten Atomtest Nordkoreas am Mittwoch hatte der Süden am Freitag pünktlich zu Kims 33. Geburtstag die Propagandabeschallung des Nordens wiederaufgenommen.
«Wir haben eine breite Auswahl der jüngsten beliebten Hits getroffen, um es interessant zu machen», sagte ein Vertreter des südkoreanischen Verteidigungsministeriums vor den Medien. Keine Hinweise gab er darauf, ob mit den Liedern versteckte Botschaften gesendet werden sollen.
Im Song der Boyband Big Bang lautet der Refrain: «Wie du erschossen wurdest, Bang, Bang, Bang». In einem Lied der Girlband GFriend heisst es: «Wir sind beide so scheu, aber ich will dir näherkommen». Der Song vom «Todesengel» basiert auf einem in beiden Staaten beliebten Volkslied. (wst/sda)