Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03657.jsonl.gz/2444

OSCILLDRAW_NotRecognized von Ted Davis, einem amerikanischen Künstler, der in Basel lebt, basiert auf dem Online-Tool Quick, Draw!, einem von Google als Experiment entwickeltem Projekt, bei dem ein neuronales Netzwerk versucht, die von Usern gezeichneten Objekte zu erkennen. Das Projekt sollte damit weltweit zur Verbesserung von maschinellem Lernen auf dem Gebiet der Erkennung von Zeichnungen beitragen. Diejenigen Zeichnungen, die von Googles künstlicher Intelligenz nicht erkannt wurden, nutzt Davis für seine Arbeit und lässt sie von analogen Oszillographen reproduzieren. Benutzerdefinierte Software, die vom Künstler entwickelt wurde, konvertiert die Zeichnungen in Audiosignale, die in das Oszilloskop im XY-Modus eingespeist werden und das Bild reproduzieren.
Basierend auf einem gross angelegten Forschungsprojekt, an dem Millionen von Usern weltweit teilgenommen haben, übersetzt Davis die Ergebnisse zurück in eine ästhetische Form, die an die frühe Computergrafik erinnert.
Artwork: Link
Artist website: http://teddavis.org
Das Werk Political Campaigns - Battle of Opinion on Social Media des Schweizer Künstlers Marc Lee basiert auf seiner früheren Arbeit TV-Bot, für die Lee einen von ihm programmierten Bot einsetzte, um in Echtzeit ein automatisiertes TV-Programm zu generieren, basierend auf den aktuellsten Twitter, Instagram und YouTube Posts. In dieser neuen Version wird wieder ein TV-Programm erzeugt - diesmal mit dem Fokus auf politischen Kampagnen. Auf der ganzen Welt beobachten wir, wie politische Wahlkämpfe heute vor allem auch über die Social Media-Kanäle ausgefochten und manipuliert werden. Was heute zählt sind die "Likes" und "Retweets", die auch in Lees Arbeit dominant über den Screen flackern und Aufschluss über den aktuellen "Marktwert" von Politikern geben. Schon seit vielen Jahren setzt sich Lee in seinen Werken mit dem Thema der sozialen Netzwerke und der Reflexion von politischen Debatten auf diesen Plattformen auseinander. Auch in Political Campaigns wählt er die Form einer interaktiven netzbasierten TV-Show, um uns mit einem Blick auf die gängigen Meinungen zu konfrontieren, die weit über unsere eigene "Filterbubble" hinausgehen.
Artwork: Link
Artist homepage: http://marclee.io
Mit einer gehörigen Portion Ironie und Humor zweckentfremdet dieses Werk das Präsentationsprogramm Prezi, um die Geschichte eines Cloud-Arbeiters in der ersten Person Plural zu erzählen, zu einer Zeit, als die Menschen die Rolle der Algorithmen zur Verrichtung niederer Tätigkeiten übernommen haben … Durch das Spiel mit Paradoxen, mit der Aufhebung der Grenzen zwischen Online und Offline, mit der Screenshot-Ästhetik des Präsentationsprogramms, im Netz und in anderen sozialen Netzwerken, stellt Sébastian Schmieg die tief algorithmische Natur des Menschen in einer Gesellschaft infrage, die die Entwicklung der künstlichen Intelligenz als Bedrohung wahrnimmt.
Artwork: Link
Artist homepage: http://sebastianschmieg.com
Lady Chatterley’s Tinderbot ist das unwahrscheinliche Aufeinandertreffen zwischen dem skandalösen, 1928 erschienenen Roman Lady Chatterleys Liebhaber von D.H. Lawrence und der App für sexuelle Begegnungen Tinder. Die Künstlerin Libby Heaney hat einen Bot programmiert, der in den Dialog mit Tinder-Nutzern tritt, indem er ihnen Auszüge aus dem Roman schickt. Die damit hervorgerufenen Reaktionen und Fragen sind überraschend bis pikant und stören so das Protokoll, das die auf der App üblichen Diskussionen beherrscht. Eine Auswahl dieses Austauschs wird auf einem Touchscreen und in Form eines Buches präsentiert.
Dieses Werk beschäftigt sich nicht nur mit der Begegnung zweier Ausdrucksformen von Verführung – die eine aus dem Verliebtsein heraus motiviert, die andere eine grundsätzlich zwanghaftere Form – es hinterfragt auch das Verhältnis zum Anderen in dieser einzigartigen Sphäre des Verführungsspiels, ob durch den Menschen oder den Bot.
Alle vier Stunden, sieben Tage die Woche bietet das Kollektiv "Predictive Art Bot" der menschlichen Scharfsinnigkeit ein neues Konzept an: originell, unverschämt, lächerlich oder auch real. Über einen Twitter-Account (@predartbot) ruft der Bot andere Künstler dazu auf, sich diese gedanklichen Assoziationen zu eigen zu machen, sie zu interpretieren und daraus Kunstwerke entstehen zu lassen. Dafür kombiniert der Algorithmus aktuelle Themen mit zeitgenössischen Problemen, um zufallsbedingt und in unendlicher Folge neue Trends an der Schnittstelle von so verschiedenen Bereichen wie Kunst, Aktivismus, Wirtschaft, Medizin oder auch Transhumanismus vorherzusehen. Diese Herangehensweise, die in ihrem Funktionsprinzip den Zufall und die Interpretation vereint, erinnert auch an die Cadavres exquis der Surrealisten und der Cut-up-Technik von Bryon Gysin und William Burroughs. Mit diesem Projekt bringen Nicolas Maigret, Maria Roszkowska und Jérôme Saint-Clair uns dazu, unsere Inspirationsprozesse und Kollaboration mit diesen „intelligenten Agenten“ zu hinterfragen, die sich zunehmend in unsere Entscheidungen einmischen.
Artwork: Link
Artist homepage: http://disnovation.org
Mit Self-Portrait setzt Olia Lialina ihre Serie der „Netzwerk“-Portraits fort, die das Verhältnis zwischen dem Werk und seinem technologischen Kontext erkundet und dabei die sich ständig verändernden Bedingungen des Netzwerks und unsere Position darin beleuchten. Nachdem sie mit den verschiedenen Übertragungsgeschwindigkeiten im Netz gespielt hat (Summer, 2013) und die Auswirkungen der Abkehr von der Netzneutralität hinterfragt hat (Best Effort Network, 2015), lädt Olia Lialina uns mit ihrem aktuellen Werk ein, das Netz in seinen verschiedenen Dimensionen jenseits seines bekanntesten öffentlichen Gesichts zu begreifen. Um dieses Selbstportrait betrachten zu können, sind nicht weniger als drei Browser vonnöten: ein klassischer Browser (Firefox, Chrome, Safari etc.), ein anonymisierter, gesicherter Browser (Tor) und ein Peer-to-Peer-Browser (Beaker). Durch die Aneinanderreihung der drei geöffneten Fenster in verschiedenen Teilen des Netzwerks lässt sich das fragmentierte Gesicht der Künstlerin wieder zusammenfügen, deren Haar mit minimal verzögerten Bewegungen im Winde wehen.
Artwork: Link
Artist homepage: http://art.teleportacia.org/olia.html
ReadingClub beschreibt sich als ein Online-Ort (venue) für kollaboratives Lesen und Schreiben. Dies geschieht unter genau definierten Rahmenbedingungen: Abrahams und Guez laden «Lesende» ein, die einen bestehenden Text lesen, und im Text selbst kommentieren und umschreiben, wobei die Gesamtzeichenanzahl vorgegeben ist. Das Publikum kann in einem anderen Feld (Chat) den Prozess ebenfalls lesend und schreibend begleiten. Performances fanden bereits in verschiedenen Sprachen (auch gleichzeitig) statt, inklusive Code. Alle sind auf der Website, im zeitlichen Ablauf aufgezeichnet, dokumentiert. Das Echtzeit-Sprachspiel, die Verschränkung von Lesen und Schreiben im Netz, Fragen zu Autorschaft und nicht zuletzt eine humorvoll-kompetitive Seite machen das Projekt reizvoll. Reading Club reiht sich ein in die Werkgeschichte der Netzperformance-Pionierin Abrahams. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich in ihren Performances mit der Kommunikation unter den Bedingungen des Telematischen des Internets. Multilokal, mit wechselnden Mitwirkenden erkundigt sie diese Bedingungen etwa mittels körperlicher (Tele-)Präsenz, Gegenständen oder wie bei ReadingClub mit Text.
Artwork: Link
Artist homepage: https://aabrahams.wordpress.com
«What’s on your mind?» fragt Facebook als Aufforderung, einen neuen Beitrag zu veröffentlichen. Einblick in den ‹mind›, eben den Verstand, die Gedanken der User, erhält Facebook tatsächlich und damit auf der individuellen Ebene feine Profile, nach denen Werbung zugeschnitten wird. Bei zwei Milliarden Nutzerinnen und Nutern hat Facebook aber auch einen guten Einblick in den kollek- tiven ‹mind› der User, ein gigantischer, dynamischer Korpus an Information zur Analyse. Benjamin Grosser hat bereits mehrere Arbeiten am Beispiel von Facebook realisiert. So ermöglicht sein ‹Textbook›, Facebook ganz ohne Bilder zu konsumieren, sein ‹Facebook Demetricator› ent- fernt sämtliche Zahlen z.B. bei Likes. ‹Go Rando› reagiert auf die relativ neue Möglichkeit, statt mit einem simplen Like mit einer Emoticon auf einen Beitrag eines anderen Users zu reagieren. Uns ermöglicht dies eine verfeinerte Kommunikation. Die Firma Facebook bekommt im Gegenzug feinere Information, quantifizierbare Emotionen. Grosser regt uns dazu an, hier doch etwas weniger verwertbare Informationen zu liefern. Installieren wir ‹Go Rando›, werden die Emotions-Reaktionen von Liebe bis Ärger zufällig verteilt. Unser emotionales Profil wird mit der Zeit schön ausgeglichen, keine Tendenz ablesbar (Ausnahmen sind möglich, wenn man beispielsweise vermeiden will, auf Geburtsanzeigen mit einem weinenden Emoji zu reagieren). Letztlich geht es um die Frage, bis zu welchem Grad wir zulassen, dass unsere Emotionen und unser ‹mind› zu Ware wird.
Artwork: Link
Artist homepage: https://bengrosser.com
Werke, die die reale und die virtuelle Welt verknüpfen, sind nichts Ungewöhnliches. Aber wenigen gelingt ein nahezu nahtloser Übergang. Jan Robert Leegtes Google Maps as a Sculpture ist eines dieser Werke. Technisch ist es ein glatter Würfel, dessen Oberfläche ein hochauflösendes Bild einer chinesischen Berbauregion aus Google Earth zeigt. Auf der Erlebnisebene erscheint dieser Block jedoch als virtuelles Element, das zwischen den Welten verloren ist. Das Objekt wirkt seltsam fehl am Platz, wie ein mit Photoshop bearbeiteter Ausschnitt, der physisch in eine Gallerie verfrachtet wurde. Obwohl der Titel Bezug auf Youtube as a Sculpture von Constant Dullaart nimmt, eine schreinartige Installation des Ladesymbols von Youtube, unterscheidet sich Leegtes Google Maps as a Sculpture in seiner Haptik und in seinem Fokus. Jan Robert Leegtes Werk stellt auf spielerische Weise die Materialität von digitalen Objekten und Strukturen heraus und erinnert uns an die entscheidende Rolle, die ihnen zukommt, wenn es um unsere Erfahrung geht. Der Künstler spielt gern mit der Erwartungshaltung der Zuschauer, indem er mit Trompe-l’oeuil-Effekten arbeitet. In Google Earth as a Sculpture geht Leegte jedoch einen Schritt weiter und stellt die Wirklichkeit des Google-Blicks auf unsere Erde infrage.
Artwork: Link
Artist homepage: http://www.leegte.org
Täglich veröffentlichen Millionen von Menschen leichtfertig vertrauliche Daten über ihr Privatleben. Owen Mundys I Know Where Your Cat Lives ist eine humorvolle Erinnerung daran, dass dies keine so gute Idee ist. Mit Mobiltelefonen lassen sich Fotos mit Ortsmarkierungen versehen. Indem er auf die Möglichkeiten zurückgreift, die beliebte Seiten zum Online-Austausch von Fotos anbieten, um solche Daten zu sammeln und zu verarbeiten, erstellte Mundy eine Karte von Millionen Haushalten auf der ganzen Welt, in denen Katzen und ihre Besitzer zu Hause sind. Die daraus entstandende webbasierte Arbeit avancierte rasch zum Hit in den sozialen Netzwerken. I Know Where Your Cat Lives nutzt geschickt die Beliebtheit von Katzenbildern in den sozialen Netzwerken für seine künstlerische Aussage. Owen Mundy ist Künstler, Designer und Programmierer. Seine Arbeiten haben oft einen kritischen Unterton. Ein anderes Werk mit dem Titel Commodify.us, eine Kollaboration mit Tim Schwartz, gibt Leuten die Möglichkeit, ihre Daten zu verkaufen, statt sie zu verschenken. Wie bei Commodify.us geht es auch bei I Know Where Your Cat Lives darum, ein öffentliches Bewusstsein für die dringenden politischen Probleme zu schaffen, die das Informationszeitalter mit sich bringt. Mit I Know Where Your Cat Lives meistert Mundy dieses Anliegen mit Bravour. Es gelingt ihm, auf subtile, aber dennoch überzeugende Weise, Millionen von Menschen auf der ganzen Welt vor der Sorglosigkeit ihres eigenen Verhaltens zu warnen: Die vom Künstler genutzten Daten können zur Erstellung von Karten über jedes beliebige fotografierte Objekt der Zuneigung verwendet werden, auch von Kindern.