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Katze
[* 2]
(Felis L., hierzu Tafel »
Katzen«),
[* 3]
Säugetiergattung aus der
Ordnung der
Raubtiere
[* 4] und der
Familie der
Katzen
(Felida),
Zehengänger mit kräftigem und doch schlankem, zum
Sprung befähigtem Leib, kugeligem
Kopf auf starkem
Hals, kurzen
Kiefern,
mäßig hohen
Beinen, fünfzehigen Vorder- und vierzehigen Hinterfüßen, kräftigen, durch elastische
Bänder zurückziehbaren
Krallen, langem
Schwanz, 6 kleinen Vorderzähnen, je einem großen starken, kaum gekrümmten Reißzahn,
je 2
Lückenzähnen und
oben je 2, unten einem Backenzahn.
Die dicke, fleischige
Zunge ist mit hornigen, nach hinten gerichteten
Stacheln besetzt. In keiner andern
Gruppe prägt sich
das Raubtiernaturell so entschieden aus wie hier. Das letzte Zehenglied ist senkrecht aufgerichtet, so
daß dasselbe den
Boden nicht berührt, und das
Tier tritt mit den weichen, oft dicht behaarten
Ballen der
Sohle auf.
Katzen
finden sich überall in der Alten und
Neuen Welt, meist im
Wald, aber auch in
Steppen und
Wüsten, in der
Ebene
und im
Gebirge.
Als Versteck dienen ihnen Bäume, Gebüsch, Felsspalten und verlassene Baue andrer Tiere; sie halten sich bei Tage verborgen und ziehen sich, wenn angegriffen, feig zurück; mit der Dunkelheit aber gehen sie auf Raub aus und streifen umher oder legen sich auf die Lauer. Alle sind stark und sehr gewandt; sie gehen langsam, geräuschlos, laufen schnell, machen Sprünge von 10-15facher Leibeslänge, klettern meist sehr geschickt, sind dem Wasser abhold, schwimmen aber im Notfall recht gut und vermögen mit ihren Tatzen die Beute sehr geschickt zu treffen.
Die größern
Arten strecken mit einem einzigen
Schlage große
Tiere zu
Boden und schleppen enorme
Lasten
mit dem
Maul fort.
Gehör
[* 5] und
Gesicht
[* 6] sind gut entwickelt; bei den kleinern ist die
Pupille elliptisch, zieht sich am
Tag zu einem
feinen
Spalt zusammen, rundet sich aber im
Zorn und in der Dunkelheit zu einem fast vollkommenen
Kreis
[* 7] aus; Bartschnurren am
Maul und über den
Augen dienen als Tastorgane, die
Empfindlichkeit aber ist über den ganzen
Körper verbreitet,
und alle
Katzen sind höchst empfänglich für Einflüsse von außen.
Auch der Geschmackssinn ist gut entwickelt, während die eigentümliche Vorliebe für stark duftende
Pflanzen
(Baldrian,
Katzengamander),
auf welchen sich z. B. die Haus
katze wie im
Rausch wälzt, nicht für eine sehr feine
Ausbildung des
Geruchs
spricht.
In den geistigen Fähigkeiten stehen die
Katzen hinter den
Hunden zurück, doch sind auch
sie der
Erziehung und
Veredelung
fähig. Der
Charakter der meisten
Arten ist ein Gemisch von
Besonnenheit,
List, Blutgier und
Tollkühnheit; viele werden rückhaltlos
zahm, doch brechen oft ihre tief eingewurzelten natürlichen Begabungen unvermutet wieder durch.
Sie leben vom Raub der Wirbeltiere, namentlich der Säugetiere, und nur sehr wenige fressen Aas. Sie beschleichen ihre Beute und ergreifen sie im Sprung, quälen sie bisweilen noch lange wie spielend, stehen aber von weiterer Verfolgung ab, wenn der Angriffssprung mißlang. Selbst die größten fürchten anfangs den Menschen, scheinen aber, wenn sie ihn mehrfach besiegt haben, das Menschenfleisch allem andern vorzuziehen. In beutereicher Gegend morden sie viel mehr, als sie selbst verzehren können. Die Weibchen ¶
Zwerg
katze (Felis undata). 1/6.
Falb
katze oder Nubische Katze (Felis maniculata). 1/5.
Angora
katze (Felis
domestica angorensis). 1/7.
Wildkatze (Felis catus). 1/5.
Zum Artikel »Katzen«. ¶
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werfen 1-6 Junge, für welche die Mutter zärtlich sorgt, während der Vater sich nur gelegentlich um sie kümmert, die noch blinden Jungen sogar häufig frißt. Bei allen Katzen wiederholt sich die Grundform des Leibes sehr streng, und wohl in keiner andern Tiergruppe unterscheiden sich die einzelnen Gattungen und Arten so wenig voneinander. Daher sind für die Einteilung ziemlich nebensächliche Merkmale maßgebend, oft schon Haarwucherungen, Färbung etc. Man kann die Gattung in drei Untergattungen teilen: Katzen im engern Sinn (Felis), Krallen völlig zurückziehbar, Schwanz in der Regel fast so lang wie der Rumpf, Beine niedrig, keine Ohrpinsel.
Geparde (Cynailurus), Krallen nicht ganz zurückziehbar, in der Fährte [* 10] sichtbar, höhere Beine. Luchse (Lynx), hochbeinige Tiere mit Ohrpinsel und kurzem Schwanz. Von den Katzen im engern Sinn unterscheidet man: A. Altkontinentale Formen: Löwen [* 11] (Leonina Wagn.), ungefleckt, groß, gemähnt, mit Endquaste am Schwanz;
Tiger (Tigrina Wagn.), gestreift, groß, mähnenlos;
Pardelkatzen (Pardina Gieb.), groß, mit vollen oder geringelten Flecken und runder Pupille;
Servale (Servalina Wagn.), kleiner, mit vollen Flecken;
echte Katzen (Cati Wagn.), klein, ungefleckt, bisweilen gestreift, mit senkrecht elliptischer Pupille. B. Neukontinentale Formen: Löwenartige (Puma), ungefleckt, ohne Mähne, und Pardelkatzen (Jaguar), sämtlich kleiner als die altkontinentalen Formen.
Die Wildkatze (Waldkatze, Kuder, Baumreiter, F. Catus L., s. Tafel) wird 80 cm lang, mit 30 cm langem Schwanz, und 35-42 cm hoch;
sie ist sehr gedrungen gebaut, mit dickem Kopf, sehr dichtem, langem Pelz, welcher beim Männchen fahl- oder schwarzgrau, beim Weibchen gelblichgrau ist;
das Gesicht ist rotgelb mit vier schwarzen Streifen, der Leib mit schwarzem Rückenstreif und vielen verwaschenen Querstreifen gezeichnet;
der Bauch [* 12] ist gelblich, schwarz gefleckt, die Beine sind schwarz gestreift;
charakteristisch ist ein gelblichweißer Kehlfleck und der starke, bis zur Spitze gleichmäßig dicke, schwarz geringelte Schwanz.
Die Spur der Wildkatze ist der der Hauskatze, der Trittform nach, sehr ähnlich, nur sind die Tritte größer, runder und markieren sich tiefer und schärfer im Boden. Die Trittstellung ist beim Schleichen etwas geschränkt. In der Flucht setzt die Wildkatze ähnlich wie der Fuchs [* 13] (s. d., S. 767) und schnürt auch ziemlich so wie dieser. Die Wildkatze findet sich in ganz Europa [* 14] mit Ausnahme des Nordens, einzeln in allen deutschen Mittelgebirgen, von wo sie weit in die Waldungen der Ebene hinausschweift, viel häufiger in Süd- und namentlich in Südosteuropa.
Sie bewohnt besonders dichte, ausgedehnte Gebirgswaldungen, namentlich Nadelwälder, und haust in Felslöchern, hohlen Bäumen, Dachs- und Fuchsbauten, im Gebüsch etc., im Winter auch in Scheunen. Sie lebt einzeln, beschleicht in der Dämmerung Vögel, [* 15] Hasen, Kaninchen, [* 16] auch Reh- und Hirschkälber und Fische. [* 17] Ihre Hauptnahrung bilden aber Mäuse und Ratten; in Gehegen, besonders Fasanerien, wird sie schädlich, auch plündert sie Hühner- und Taubenställe.
Sie paart sich im Februar und wirft im April in den angedeuteten Verstecken 5-6 blinde Junge, welche sie in der Gefahr nicht verteidigt. Sie scheint sich auch mit der Hauskatze zu paaren. Ihre Jagd kann unter Umständen gefährlich werden, da sie angeschossen nicht selten den Menschen angreift und sich hartnäckig verteidigt, während sie sonst in der Regel vor dem Menschen große Furcht zeigt. Große Hunde [* 18] bekämpft sie erfolgreich. In der Gefangenschaft wird sie bisweilen zahm.
Die Zwergkatze (Kueruck, F. undata Ruepp., s. Tafel), 65-70 cm lang, wovon 20-23 cm auf den Schwanz kommen, ist bräunlich fahlgrau, unten weiß, oben dunkel rostbraun, unten braunschwarz gefleckt; vier Längsstreifen ziehen sich über Stirn, Scheitel, Nacken, andre Streifen verlaufen im Gesicht und an der Brust. Diese Katze findet sich in Indien, auf den Sundainseln und in Ostasien, lebt meist auf Bäumen, ist äußerst blutgierig und nährt sich hauptsächlich von Vögeln.
Die Falbkatze (nubische Katze, F. maniculata Ruepp., s. Tafel) ist 50 cm lang, mit 25 cm langem Schwanz, oben fahlgelb oder fahlgrau, an den Seiten heller, am Bauch weißlich, am Rumpf und an den Beinen mit dunkeln, schmalen, verwaschenen Querbinden, am Oberkopf und im Nacken mit acht schwarzen Längsbinden. Der Schwanz ist oben fahlgelb, unten weiß, schwarz geringelt und hat eine schwarze Spitze. Sie bewohnt Ost- und Innerafrika und Palästina [* 19] und gilt als Stammmutter der Hauskatze (F. domestica L.). Die Mumien und die Abbildungen auf altägyptischen Denkmälern stimmen am meisten mit dieser Katze überein, und es ist wahrscheinlich, daß die Priester das heilige Tier von Meroe in Südnubien nach Ägypten [* 20] brachten, von wo es sich dann weiter verbreitete.
In der Schädelbildung stimmt die Falbkatze mit der Hauskatze sehr nahe überein, und die Hauskatzen Nordafrikas zeigen noch ganz das Gepräge der Falbkatze. Die Niam-Niam fangen noch heute Falbkatzen ein und wissen dieselben in kurzer Zeit so weit zu zähmen, daß sie sich an die Wohnung gewöhnen und in der Nähe derselben die zahlreichen Mäuse vertilgen. Den alten Ägyptern war die Katze wohl das heiligste aller Tiere, und wer eine Katze tötete, wurde unerbittlich mit dem Tod bestraft.
Die Göttin Bast [* 21] (s. d.) wurde mit einem Katzenkopf abgebildet, und in ihr Heiligtum brachte man gewöhnlich die Katzenmumien. Griechen und Römer [* 22] kannten die Katze nicht als Haustier; erst Palladius im 4. Jahrh. n. Chr. gebraucht den Namen catus, der seitdem von Italien [* 23] aus wie das Tier selbst zu europäischen und asiatischen Völkern wanderte. Bei den Germanen galt die (wilde) als Lieblingstier der Freyja, deren Wagen mit zwei Katzen bespannt war. Später wurde die Katze wegen ihres schleichenden, nachtwandlerischen Wesens und der im Finstern unheimlich glühenden Augen ein Gegenstand des Aberglaubens: Hexen und Zauberinnen verwandeln sich in Katzen;
namentlich an die dreifarbige und die schwarze Katze knüpft sich viel Aberglaube.
Von Ägypten aus ging die Katze wahrscheinlich zuerst östlich; sie war ein Liebling Mohammeds. Viel später kam sie in die nördlichen Länder, im 10. Jahrh. wird sie in der Gesetzsammlung für Wales als ein offenbar kostbares Tier erwähnt, und im 11. Jahrh. hatten vornehme Frauen kostbare Schoßkatzen. Ge-
[* 2] ^[Abb.: Trittstellung der Wildkatze. Beim Schleichen (geschränkt). In der Flucht (geschnürt).] ¶
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genwärtig ist die Katze im europäischen Süden und Osten und im Morgenland viel beliebter als bei den germanischen Völkern. In Ägypten genießt sie besonders große Achtung und wird in Kairo [* 25] auch öffentlich verpflegt. Sie wurde früh nach Amerika [* 26] verpflanzt, kam auch nach Australien [* 27] und ist auf Neuseeland verwildert. Erst vor 20 Jahren verbreitete sie sich am Amur. Sie hat sich durch die Zähmung viel weniger verändert als der Hund und läßt die Stammart immer noch deutlich erkennen.
Auch ihr Verhalten ist ein wesentlich andres als das des Hundes. Sie bewahrt stets eine gewisse Selbständigkeit, zeigt, auch wo sie wenig Pflege findet, mehr Anhänglichkeit an das Haus als an die Familie, entweicht selbst vollständig in den Wald und kehrt, obwohl stark verwildert, im Herbst zu demselben Haus zurück; vollständig verwildert sie nicht leicht. Sie ist stets reinlich und zierlich, geht gemessen und lautlos, bewegt sich aber auch in schnell fördernden Sätzen oder Sprüngen, wobei sie freilich von jedem Hund eingeholt wird.
Sie springt 2-3 m hoch, klettert sehr geschickt durch Einhäkeln ihrer Krallen und weiß, wenn sie fällt, stets den Boden mit den Füßen zuerst zu berühren. Wasser meidet sie, doch schwimmt sie im Notfall recht gut. Zum Schlaf legt sie sich zusammengerollt am liebsten auf Heu. Ihre an und für sich rauhe Stimme ist ungemein biegsam. Unter ihren Sinnen ist das Gehör und Gefühl am schärfsten entwickelt. Sie besitzt großen Mut und bewährt ihn im Kampf mit den stärksten Hunden, sie ist aber auch rauflustig und balgt sich besonders mit andern Katzen zur Nachtzeit.
Sie schmeichelt gern und läßt sich schmeicheln, sie befreundet sich auf das innigste mit ihrem Pfleger; aber sie ist nicht gutmütig wie der Hund und beißt und kratzt oft, wenn man es gar nicht vermutet. Sie paart sich Ende Februar oder Anfang März und Anfang Juni. Nach 55 Tagen wirft sie 5-6 blinde Junge, welche am neunten Tag sehen lernen. Die Alte hält die Jungen namentlich vor dem Kater möglichst lange verborgen und verteidigt sie mit größter Tapferkeit, zeigt aber, während sie säugt, großes Mitleid auch gegen andre Tiere, nimmt kleine Hunde, Hasen, Ratten, Mäuse etc. als Pfleglinge an und widmet ihnen dieselbe Sorgfalt wie den eignen Jungen.
Sie zeigt überhaupt eine überraschende Mutterliebe und widmet sich den Jungen mit vollkommenster Hingebung. Die Hauptnahrung der Katze bilden Mäuse;
an Ratten wagt sich nicht jede, Spitzmäuse bleiben von ältern Katzen meist unbehelligt;
Eidechsen, [* 28] Schlangen, [* 29] Frösche [* 30] werden nur gelegentlich von der Katze gefressen;
sie fängt aber auch Vögel, wagt sich an ziemlich große Hasen und legt sich sogar auf den Fischfang. Im Haus plündert sie den Speiseschrank.
Die Hauskatze hat wenig Spielarten, ihre Färbungen erben nicht fort und haben keinen zoologischen Wert. Die hellgrauen, mit schwarzen Fußballen und an den Hinterfüßen schwarzen Sohlen, heißen Cyperkatzen. Eine schöne Rasse ist die sogen. Angorakatze (F. domestica angorensis, s. Tafel), mit langem, seidenweichem, weißem, gelblichem oder gräulichem Haar, [* 31] auch bunt, mit fleischfarbenen Lippen und Sohlen. Sie gilt als faul, aber auch als besonders klug und anhänglich.
Über ihre Abstammung ist nichts Sicheres bekannt. Die Katze ist im ganzen denselben Krankheiten unterworfen wie der Hund. Relativ häufig kommt der infektiöse Katarrh der Kopfschleimhäute (Schnupfen) und die Krätze (Räude) vor. Leicht wird die Katze auch von dem Rotz des Pferdes und von der Tollwut des Hundes angesteckt. Außerdem ist dieselbe das Wohntier für einige parasitäre Bandwurmlarven (Blasenwürmer), durch welche aber keine erheblichen Störungen veranlaßt werden.
Von den sporadischen Krankheiten sind Darmkatarrhe nicht selten. Da der Katze die Medikamente nicht gut eingegeben werden können, so ist die Behandlung auf die diätetische Pflege zu beschränken. Am besten bewährt sich die Verabreichung von frischem, nahrhaftem Fleisch. Vegetabilische Nahrungsmittel, [* 32] welche leicht der Gärung verfallen, sind beim Darmkatarrh zu vermeiden. Vom Ungeziefer wird sie nicht sehr geplagt. Man benutzt von der Katze das Fell als Pelzwerk [* 33] und züchtet sie zu diesem Zweck an mehreren Orten; das weiße Fleisch ist zart und erinnert im Geschmack einigermaßen an Kalbfleisch. Früher benutzte man verschiedene Teile der Katze medizinisch.
Vgl. Michel, Das Buch der Katzen (Weim. 1876);
Martin, Das Leben der Hauskatze und ihrer Verwandten (2. Aufl., das. 1883).