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Der neue britische Premierminister Boris Johnson hat einen Rückschlag erlitten: Seine konservativen Tories verloren am Donnerstag eine Nachwahl zum Unterhaus in einem Wahlkreis in Wales. Damit reduziert sich ihre Regierungsmehrheit im Unterhaus auf einen Sitz.
Der konservative Kandidat Chris Davies unterlag im Wahlkreis Brecon und Radnorshire der Kandidatin der europafreundlichen Liberaldemokraten, Jane Dodds, wie in der Nacht auf Freitag veröffentlichte Ergebnisse zeigen. Dodds holte 13.826 Stimmen, Davies 12'401 Stimmen. Der Kandidat der Brexit-Partei kam auf 3331 Stimmen, während die Arbeiterpartei mit 1680 Stimmen den vierten Platz belegte.
Bei der Abstimmung galt die Kandidatin der europafreundlichen Liberaldemokraten als Favoritin. Ihr Sieg erschwert es Johnson zusätzlich, seine Ankündigung umzusetzen, den Brexit bis zum 31. Oktober notfalls auch ohne Abkommen abzuwickeln.
Für Johnson war die Nachwahl der erste Test nach seiner Amtseinführung in der vergangenen Woche. Im Unterhaus haben die Konservativen und ihr Koalitionspartner DUP aus Nordirland jetzt nur noch 319 Sitze, gegenüber 318 Abgeordneten der gesamten Opposition.
Während ihrer Kampagne hatte Dodd vor einem harten Brexit gewarnt, also einem Austritt Grossbritanniens aus der EU ohne Abkommen. Ein solcher würde die Bauern in Wales vermutlich wirtschaftlich hart treffen. «Meine allererste Handlung als Parlamentsabgeordnete, wenn ich nach Westminster komme, wird sein, Boris Johnson zu finden, wo immer er sich versteckt, und ihm laut und deutlich zu sagen: Hör auf, mit der Zukunft unserer Gemeinschaft zu spielen und verzichte auf einen harten Brexit», sagte Dodds nach ihrem Sieg.
Die Nachwahl war nötig geworden, nachdem der konservative Abgeordnete Davies sein Mandat hatte aufgeben müssen. Er war wegen falscher Abrechnungen verurteilt worden. Davies räumte daraufhin Fehler ein, trat bei der Nachwahl aber erneut für die Tories an.
Der Wahlkreis Brecon und Radnorshire stimmte beim Brexit-Referendum 2016 mit 52 Prozent für einen Austritt aus der Europäischen Union. (sda/afp/dpa/ap)