Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03372.jsonl.gz/1047

Akne inversa (Hidradenitis suppurativa) ist eine chronische Hauterkrankung, die mit schmerzhaften knotigen Entzündungen einhergeht. Am häufigsten bilden sich diese unter den Achseln, in der Leistengegend sowie im Genital- und Afterbereich. Die wiederkehrenden Beschwerden sind für die Betroffenen meist nicht nur körperlich, sondern auch seelisch schwer belastend. Behandelt wird die Akne inversa mit Medikamenten und operativen Eingriffen.
Trotz des ähnlichen Namens darf die Akne inversa (Acne inversa) nicht mit der „Gewöhnlichen Akne“ (Acne vulgaris) verwechselt werden, die viele Jugendliche in der Pubertät plagt. Es handelt sich dabei vielmehr um eine schwer behandelbare chronische Hauterkrankung, bei der sich – meist in Schüben – schmerzhafte und oft auch nässende Hautveränderungen (Hautläsionen) an verschiedenen Körperstellen bilden.
In Westeuropa leidet schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung unter Akne inversa. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Meist bricht die Erkrankung im frühen Erwachsenenalter aus, genauer gesagt nach der Pubertät und vor dem 30. Lebensjahr. Prinzipiell kann die Akne inversa aber in jedem Lebensalter auftreten.
Eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Akne inversa scheint eine Verdickung der Hornschicht (Hyperkeratose) im Bereich der Haarfollikel zu spielen. Dadurch können sich die Einmündungsstellen von benachbarten Talg- und Schweissdrüsen verschliessen. Talg- und Schweisssekret stauen sich, was tiefliegende lokale Entzündungen hervorruft – unter anderem mit der Bildung von schmerzhaften Knötchen und abgekapselten Eiteransammlungen (Abszessen).
Die genauen Ursachen dieser schweren Hautveränderungen sind noch nicht bekannt. Wahrscheinlich sind aber mehrere Faktoren an der Entstehung von Akne inversa beteiligt. Wir gehen davon aus, dass es eine genetische Veranlagung für die Erkrankung gibt, weil sie manchmal familiär gehäuft auftritt. Im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren könnte sie dann zum Ausbruch kommen. Folgende Auslöser (Triggerfaktoren) für Akne inversa sind erwiesen beziehungsweise in Diskussion:
Akne inversa tritt häufiger im Rahmen bestimmter anderer Erkrankungen auf. Dazu gehören beispielsweise die beiden chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie rheumatische Erkrankungen.
Typischerweise bilden sich bei Akne inversa schmerzhafte, hochrote, feste Hautknötchen und Hautknoten. Diese können sich zu abgekapselten Eiteransammlungen (Abszessen) weiterentwickeln, die in der Tiefe miteinander verschmelzen und nach aussen aufbrechen können. Dann tritt eitriges oder blutig-wässriges Sekret aus. Die Hautveränderungen können sich spontan zurückbilden, aber wiederkehren und auch hartnäckig bestehen bleiben. Zudem können sich verzweigte röhrenförmige Gänge im Gewebe bilden, sogenannte Fisteln. Sie können an der Hautoberfläche ausmünden und ein Sekret absondern. Wenn die entzündlichen Hautveränderungen abheilen, hinterlassen sie oft Narben.
Je nach Schweregrad der Erkrankung unterscheiden wir drei Stadien (Hurley Score):
Von den entzündlichen Hautveränderungen bei Akne inversa sind vor allem Körperregionen betroffen, die Hautfalten aufweisen oder an denen Hautpartien aneinander reiben. Dazu zählen hauptsächlich:
Manchmal finden sich die entzündeten Hautstellen auch an anderen Körperstellen, etwa unter der Brust (bei Frauen) oder an der Innenseite der Oberschenkel. Nur selten betroffen sind Gesicht, die behaarte Kopfhaut und der Rücken.
Zuerst werden wir uns ausführlich mit Ihnen unterhalten, um ein Bild von Ihrer Krankengeschichte zu erhalten (Anamnese). Mögliche Fragen dabei sind unter anderem:
Aus der Körpergrösse und dem Gewicht können wir Ihren Body-Mass-Index (BMI) berechnen. Dieser zeigt dann an, ob sie übergewichtig sind. Denn wie oben erwähnt, wirkt sich starkes Übergewicht – ebenso wie Rauchen – begünstigend auf Akne inversa aus.
An das Anamnesegespräch können sich verschiedene Untersuchungen anschliessen, wobei nicht alle in jedem Fall notwendig sind:
Diese Untersuchungen können nicht nur helfen, den Verdacht auf Akne inversa zu erhärten, sondern auch Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschliessen. Zu diesen sogenannten Differenzialdiagnosen bei Akne inversa zählen unter anderem:
Zusammengefasst ist der Weg zur richtigen Diagnose bei Akne inversa oft lang. Nicht selten wird die Erkrankung erst Jahre nach ihrem Ausbruch diagnostiziert und behandelt. Ein Grund dafür ist, dass viele Betroffene aus Scham den ärztlichen Kontakt hinauszögern. Ausserdem gestaltet sich die Diagnose von Akne inversa oftmals schwierig. So werden die Hautveränderungen der schwerwiegenden Erkrankung besonders in frühen Stadien manchmal für gewöhnliche Abszesse gehalten oder auf eine Haarfollikel-Entzündung (Follikulitis) zurückgeführt.
Da die genauen Ursachen von Akne inversa noch nicht bekannt sind, lässt sich der Erkrankung kaum wirksam vorbeugen. Sollte es in Ihrer Familie bereits Fälle von Akne inversa geben, kann es aber von Nutzen sein, wenn Sie bekannte Risikofaktoren wie Rauchen oder starkes Übergewicht vermeiden.
Akne inversa ist eine chronische Erkrankung, die meist in Schüben verläuft. Die Behandlung kann eine Besserung der Symptome bringen, aber keine Heilung. Selbst nach operativer Entfernung befallener Hautläsionen kann es später erneut zu Abszessen und anderen Hautveränderungen kommen.
Komplikationen sind selten bei Akne inversa. Es zählen dazu beispielsweise Wundrose (Erysipel) sowie Schwellungen infolge gestauter Lymphflüssigkeit (Lymphödeme). Ebenfalls selten passiert es, dass sich die Hautläsionen der Akne inversa zu einer bestimmten Form von Hautkrebs weiterentwickeln (Plattenepithelkarzinom).
So schwerwiegend die körperlichen Symptome bei Akne inversa sein können – nicht zu unterschätzen ist auch die damit verbundene psychische Belastung. Sie kann dazu führen, dass sich die Betroffenen aus dem sozialen Leben zurückziehen und sogar depressiv werden.
Die Therapie bei Akne inversa hängt wesentlich vom Schweregrad der Erkrankung ab. Sie kann verschiedene Medikamente und/oder operative Eingriffe umfassen.