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Sanyo

überarbeitet am 30.12.2010

Wenn schon Rainer Lichte im Testbericht vor dreissig Jahren geschrieben hat: "Das uns zur Verfügung gestellte Testgerät war in schlechtem Zustand...." - so will es mir auch nicht besser ergehen: Sämtliche drei Geräte, welche ich in Händen hatte, funktionierten nicht so, wie sich der Hersteller das wohl vorgestellt hatte, bei allen liess sich mit einiger Mühe der Lang- und Mittelwellenbereich zum Leben erwecken, brauchbaren Kurzwellenempfang konnte ich mit keinem der drei Geräte realisieren.
Die meisten Schalter knacken und krachen und lassen sich mit Tunerspray einigermassen in Ordnung bringen, das ganze Chassis erscheint mechanisch nicht sehr stabil, so dass Manipulationen an einem Schalter infolge von Kontaktstörungen zu starken Signalschwankungen führen, in den Kurzwellenbereichen war - wenn überhaupt - dann nur mit grossen Schwierigkeiten ein Signal zu empfangen, das Signal des Eichmarkengebers in der Regel aber vorhanden.
Falls jemand in meiner Umgebung sich einmal der Herausforderung stellen möchte, einen RP-8880 abzugleichen und auf die Originalspezifikationen zu bringen, so möge er sich bei mir melden, als Nicht-Techniker traue ich mich nicht so recht daran...
Das Kunststoffgehäuse des optisch sehr imposanten Empfängers ist zu beiden Seiten mit Metall - Schutzbügeln und einem Traggriff sowie einer drehbaren (nicht abschaltbaren) Ferritantenne für LW und MW ausgestattet, daneben finden sich zwei Teleskopantennen. Das 48 x 24 x 15 cm messende Gerät bringt 4,5 kg auf die Waage.
Auf der linken Seite der Frontplatte finden sich oberhalb des Lautsprechers
der Schalter für Skalenbeleuchtung und der Hauptschalter; in einem vertikalen
Feld von Bedienelementen gleich daneben unter den Schaltern für AFC und dem
Umschalter für das Signalstärkemessinstrument der als wenig störanfälliger
Drehregler ausgeführte Lautstärkeregler und die ungleich mehr anfälligen Schiebepotis
für Bässe und Höhen.
Auf der linken Geräteschmalseite findet sich der Netzeingang und ein 12 Volt- Eingang, der Empfänger kann auch mit 8 UM-1 Batterien betrieben werden, auf der Rückseite eine DIN-Tonbandbuchse und die Aussenantennenanschlüsse.
In den Kurzwellenbereichen arbeitet der Empfänger als Doppelsuper, mit den Zwischenfrequenzen von 10,7 und 455 kHz liessen sich billige Standardbauteile einsetzen und die UKW-Zwischenfrequenzen im Doppelsuperkonzept mitnutzen. Zwischen den Kurzwellenbereichen 2300 - 5950 / 5950 - 6200 / 6200 - 10000 kHz und 11700 - 20000 / 20000 - 30000 kHz liegt aufgrund der Zwischenfrequenz von 10,7 MHz eine Empfangslücke. In den LW / MW / Grenzwellenbereichen arbeitet der RP-8880 als Einfachsuper. Im Eichmarkengeber arbeitet ein 4 MHz - Oszillator mit einem entsprechenden Frequenzteiler für 1 MHZ, 0,1 MHz und 10 kHz.
Der Betrieb in den LW/MW/MB - Bereichen ist an sich unkompliziert, die Feinabstimmung
auf der Kurzwelle hat es dann aber in sich - der RP-8880 verwendet ein etwas
exotisches Tuning - Konzept mit einer Kombination von kalibriertem VFO /
Feinabstimmung und Eichmarkengeber: Teleskopantennen ausziehen, Netz anschliessen,
Hauptschalter auf ON, Volume etwa auf 4 bis ein deutliches Rauschen hörbar wird.
Zum AM-Empfang sollte der RF Gain auf dem Maximum stehen, Bandwidth auf WIDE
und der BFO ausgeschaltet sein. Zum Empfang im 49 m Band wird die rechte
Bandbereichsgruppe gewählt und mit SW2 das schön gespreizte 49 m-Band
ausgewählt, in welchem dank der Bandspreizung ganz schön abgestimmt werden
kann. Zur Einstellung einer bekannten Frequenz wird der Feintuningknopf auf 0 gestellt,
der Eichmarkengeber auf 100 kHz aktiviert und die Eichmarke auf der nächstunteren durch 100 kHz
teilbaren Frequenz aufgesucht, für 6155 kHz wäre das 6,1 MHz. Mit dem BAND SPREAD DIAL
Knopf wird dann auf 55 (kHz) eingestellt, das Signal aus Wien sollte hörbar werden.
Mit der 10 kHz - Position des Eichmarkengebers kann noch zwischen zwei 10 kHz-Punkten
feineingestellt werden, diese Position ist aber in der Regel ziemlich praxisfremd.
In den höheren Frequenzbereichen können die dünnen Signale des Eichmarkengebers
kaum mehr wahrgenommen werden, zudem wird die Zuordnung auf die korrekte 100 kHz - Marke
zu einem Ding der Unmöglichkeit, wenn man sich 30 MHz nähert.
Zusammenfassend verfolgt der Sanyo RP-8880 mit der Kombination von Eichmarkengeber und VFO ein eigenwilliges und aus heutiger Sicht völlig überholtes Bedienkonzept, eine zufriedenstellende Abstimmgenauigkeit lässt das Gerät vor allem in den höheren Frequenzbereichen (vielleicht mit Ausnahme des gespreizten 49 m - Bandes) vermissen, die Frequenzstabilität ist schlecht und die keramischen ZF-Filter trennen genauso schlecht. Zusammen mit der offenbar bedenklichen Fertigungsqualität und dem auf einen billigen Preis ausgerichteten Empfängerkonzept und Bauteileauswahl kag trotz des ansprechenden Äusseren bei mir keine Begeisterung für den RP-8880 aufkommen. Sanyo konnte in der Folge nie ins Geschäft mit hochwertigen Weltempfängern einsteigen und zum gleichen Preis kamen wesentlich bessere Empfänger auf den Markt - so bleibt der Sanyo RP-8880 heute für mich weiterhin eine technische Herausforderung, das Geld für das Gerät ist höchstens im Falle eines absoluten Flohmarkt - Schnäppchenpreises gut investiert. Aber man möchte in der Empfängersammlung manchmal auch die Entwicklungs - Flops dokumentieren...
weitere Informationen:
d: Chassisdemontage
d: Testbericht RP-8880, Rainer Lichte, Kurzwellenempfänger - Qual der Wahl
© Martin Bösch, 30.12.2010