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Dutzende Arten vor dem Aussterben gerettet
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Vor ziemlich genau 50 Jahren starb das Wildpferd in freier Wildbahn aus. Im Jahr 1968 oder 1969, je nach Quelle, wurde in der Nähe einer Wasserstelle am Rand der Wüste Gobi in der Mongolei letztmals ein Przewalski-Pferd gesichtet.
Zum Glück heisst ausgestorben nicht unwiederbringlich verloren. Schon um das Jahr 1900 hatten Tierhändler diverse Przewalski-Pferde gefangen und nach Europa gebracht. Einige landeten in Zoos. Diese starteten in den 1980er-Jahren ein Erhaltungszuchtprogramm – und begannen Ende der 1990er-Jahre, unter Beteiligung von Schweizer Parks wie dem Wildnispark Zürich, mit der Wiederansiedelung der Pferde in der Mongolei. Heute beträgt die Anzahl wild lebender Przewalski-Pferde einige Hundert Tiere.
Solche Artenschutzerfolge sind gar nicht so selten. Das zeigt eine Untersuchung, die ein internationales Team von Naturschutz-Forschern kürzlich im Fachmagazin «Conservation Letters» veröffentlicht hat. Demnach haben die Bemühungen von Artenschützern und Zoos in den letzten 30 Jahren zwischen 28 und 48 Vogel- und Säugetierarten vor dem Aussterben gerettet.
Die ungenaue Anzahl rührt daher, dass sich im Nachhinein nicht immer mit letzter Sicherheit eruieren lässt, ob Schutzmassnahmen eine Art gerettet haben – und ob sie ohne diese tatsächlich verschwunden wäre. Die Forscher versuchten dies zu berechnen, indem sie für jede Tierart Bestandesentwicklungen und die Ansichten von Experten einfliessen liessen.
Kaninchen für den Iberischen Luchs
Beim Przewalski-Pferd ist das eindeutig, es war in freier Wildbahn bereits ausgestorben. Dasselbe gilt für die Guamralle, einen flugunfähigen Vogel, der nur auf der Pazifikinsel Guam heimisch ist. Sie wurde durch menschliche Jagd und eingeschleppte Tiere dezimiert und starb in den 1980er-Jahren in freier Wildbahn aus. In Zoos vermehrte sich die Guamralle aber gut und so konnte sie ab den 1990er-Jahren ausgewildert werden.
Die Rettung des Iberischen Luchses hingegen ist zwar wahrscheinlich, aber nicht ganz sicher Artenschutzmassnahmen zu verdanken. Im Jahr 2000 gab es noch 100 wild lebende Tiere im Süden Spaniens. Inzwischen haben Naturschützer Luchse ausgewildert und seine Hauptbeute, das Wildkaninchen, gefördert. Der Bestand steigt an – doch theoretisch ist es möglich, dass der Iberische Luchs auch ohne diese Massnahmen überlebt hätte.
Bei den 32 Vogelarten, welche die Forscher als sicher oder höchstwahrscheinlich durch Naturschutzmassnahmen gerettet bezeichnen, fällt auf, dass zwei Drittel ausschliesslich auf Inseln vorkommen (siehe Kästchen unten). Sechs konnten alleine in Neuseeland vor dem Aussterben bewahrt werden. Bedroht sind oder waren die Vögel insbesondere durch eingeschleppte Arten, durch den Verlust von Lebensraum und durch die Jagd.
Die Gefährdung der 16 Säugetierarten geht auf dieselben drei Hauptfaktoren zurück, allerdings steht bei ihnen die Jagd an erster Stelle. Fünf der vom Aussterben bewahrten Arten leben in China, drei in Vietnam, ebenfalls drei in den USA.
15 Arten gingen tatsächlich verloren
Vor dem Aussterben bewahrt heisst aber noch lange nicht, dass die Arten auf der Liste der Forscher über den Berg sind. Ein Beispiel dafür ist der Kalifornische Schweinswal, auch Vaquita genannt. Für diesen nur eineinhalb Meter langen, im Golf von Kalifornien lebenden Meeressäuger sind diverse Schutzprojekte eingeleitet worden. Trotzdem gab es Ende 2019 laut Zählungen nur noch 19 Tiere («Tierwelt online» berichtete). Ob der Vaquita überleben wird, ist ungewiss.
Trotzdem, schreiben die Forscher, seien die Resultate mehr als ein Hoffnungsschimmer. «Trotz des anhaltenden Biodiversitätsverlusts ist eine beträchtliche Anzahl von Tierarten vor dem Aussterben bewahrt worden.» Wie beträchtlich zeigt ein Vergleich mit den tatsächlich ausgestorbenen Vogel- und Säugetierarten: In den letzten 30 Jahren gingen zehn Vögel und fünf Säugetiere unwiederbringlich verloren. Ohne Schutzmassnahmen würde diese Zahl also drei bis vier Mal höher liegen.