Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03312.jsonl.gz/361

Die Stifter
Henri Thiébaud wurde am 18. September 1906 in St. Imier geboren und verbrachte seine Jugend in einfachen Verhältnissen in La Chaux-de-Fonds. Nach dem Besuch der Uhrmacherschule und des Technikums fand er Ende der 1920er-Jahre seine erste Arbeitsstelle in der Bieler Uhrenmanufaktur Freco Watch. Der junge Henri Thiébaud fiel damals der Tochter des Patrons, Margrith Frey, mit welcher er über 60 Jahre später seine zweite Ehe einging, durch präzise Arbeit und Erfindungsgeist auf. In der Krisenzeit der 1930er-Jahre wechselte Henri Thiébaud zur Firma Gruen Watch, die im Besitz amerikanischer Investoren war und Uhren für die USA herstellte. Er machte dort rasch Karriere vom Techniker zum Generaldirektor, und er führte die Firma mit grossem Einsatz durch die schwierige Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs bis in die 1950er-Jahre.
Im Jahr 1935 ging Henri Thiébaud die Ehe mit Rachel Monnat ein, und 1936 kam ihre Tochter Francine zur Welt. Später nahm sein privates Leben einen unglücklichen Verlauf. Das einzige Kind, die geliebte Tochter Francine, verstarb 1968 mit 32 Jahren und hinterliess zwei Söhne im Alter von fünf und neun Jahren, die sich in der Folge von ihm entfremdeten. 1980 verstarb auch seine erste Ehefrau, und er lebte darauf allein in seiner prächtigen Villa, dem heutigen Stiftungssitz. Mitte der 1980er-Jahre traf er die ebenfalls verwitwete Margrith Tenger-Frey wieder und ging mit ihr 1993 seine zweite Ehe ein. Dieser Schritt stellte die materielle Basis für die Gründung der Stiftung Thiébaud-Frey im Jahre 1995 sicher.
Am 1. März 2001 verstarb Henri Thiébaud im Alter von 95 Jahren nach einem plötzlichen Schwächeanfall.
Margrith Frey wurde am 31.12.1909 in eine wohlhabende Bieler Industriellenfamilie geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete sie in der väterlichen Uhren-manufaktur Freco Watch in Biel mit. Ende der 1920er- Jahre kreuzte sich ihr Weg erstmals mit dem jungen Henri Thiébaud. 1950 ging Margrith Frey mit Walter Tenger, einem angesehenen Bieler Fürsprecher, die Ehe ein. Die Beziehung blieb kinderlos und endete früh durch den Hinschied des Gatten im Jahr 1961. Margrith Tenger-Frey lebte darauf zurückgezogen, bis sie Mitte der 1980er-Jahre zufällig wieder mit Henri Thiébaud zusammentraf, der sie mit seinem Charme und vielen gemeinsamen Erinnerungen rasch für sich einnahm. Nach ihrer Heirat im Jahr 1993 erlebte das Ehepaar noch weitere acht glückliche Jahre in Bellmund. Margrith Thiébaud-Frey verstarb drei Jahre nach ihrem Ehemann, am 15. Oktober 2004.
Die Stiftungsgründung
Henri und Margrith Thiébaud-Frey gründeten im Jahre 1995 die gemeinnützige Stiftung ihres Namens. Sie wollten ihren Wohnsitz, die Villa La Prairie in Bellmund, und die prächtige Aussicht auf den Bielersee, die Sankt Petersinsel und die ferne Jurakette der Nachwelt erhalten. Aus Sorge, dass die Grundstücke nach ihrem Ableben überbaut würden, schenkten sie der Stiftung bei ihrer Gründung die Villa und den grossen Umschwung, mit der Auflage, die Liegenschaft als Kulturzentrum für alle Zukunft zu erhalten.
In den Stiftungssatzungen legten die Gründer fest, dass an ihrem Wohnsitz später ein der Bevölkerung zugängliches Kulturzentrum aufgebaut, öffentliche Veranstaltungen in einem weit gefassten Kultur-, Kunst- und Musikbereich durchgeführt und junge Musikschaffende mit Wohnsitz in der Schweiz gefördert würden. Mit diesen gemeinnützigen Versprechen erreichten sie, dass die Eidgenössische Stiftungsaufsicht die Kontrolle übernahm und der Stiftung von Seiten des Kantons Bern auch Steuerbefreiung zuerkannt wurde – beides wichtige Voraussetzungen für den in den Satzungen ebenfalls festgehaltenen Auftrag, die Stiftung auf unbestimmte Zeit hinaus zu erhalten.