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Wie schwer es Reformen im Islam haben, zeigte jüngst eine Tagung von Zukunft CH, bei der zwei Experten den Islam und seine Haltungen gegenüber westlichen Normen beleuchteten. Auch in Marokko belegt nun eine Studie, dass Neuerungen nicht willkommen sind: 82 Prozent der Marokkaner sind gegen eine Änderung des Erbschaftssystem, das Frauen klar benachteiligt.
Das Ergebnis der Studie „Das Erbschaftssystem in Marokko – Was sind die Meinungen der Marokkaner?“ zeigt: Eine klare Mehrheit von 82 Prozent unter den Befragten sprach sich für den umstrittenen Erbschaftanteil der Frauen und damit für den Erhalt der Regel „halber Anteil für ein Mädchen“ aus. 73,6 Prozent befürworten diese Regel sogar in Familien ohne Männer.
Die Studie wurde von der Vereinigung marokkanischer Frauen für Forschung und Entwicklung in Zusammenarbeit mit der marokkanischen Organisation für Menschenrechte durchgeführt und am 14. Juni 2022 auf einem Symposium an der Mohammed-V-Universität in der Hauptstadt Rabat vorgestellt. Ihre Ergebnisse zeigen, dass nach wie vor in Marokko eine Haltung der muslimischen Gesellschaft dominiert, die jede Änderung des Erbschaftssystems ablehnt, so wie es in Sure 4:11 steht: „Allah verordnet euch bezüglich (der Erbschaft) eurer Kinder: Dem Mann doppelt so viel als der Anteil der Frau“.
Eine Minderheit, welche eine Änderung des Erbschaftssystems befürworteten, begründeten ihre Position mit der Verfassung von 2011, den Verpflichtungen Marokkos gegenüber der internationalen Gemeinschaft und dem „Realitätsbezug“, insbesondere der wirtschaftlichen Rolle, die Frauen spielen. Die noch relativ junge Verfassung bekräftigt den Grundsatz der Gleichheit und Nichtdiskriminierung aufgrund des Geschlechts.
Was die Regeln des Erbschaftssystems zur Verhinderung von Erbschaften aufgrund von Glaubensunterschieden anbelangt, sprachen sich 52 Prozent der Befragten für das Verhindern von Erbschaften zwischen Muslimen und Nichtmuslimen aus. 87,4 Prozent von ihnen führten für ihre Haltung religiöse Gründe an.
Die Studie wurde unter 1200 marokkanischen muslimischen Bürgern und Bürgerinnen aus städtischen und ländlichen Gebieten durchgeführt.