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Etwas ging im Trubel rund um die „herausragenden“ Pläne von Herzog & de Meuron auf dem „Perimeter B“ an der Schanzenstrasse beim Unispital unter: Auf dem genannten Perimeter stehen heute Bauten von besonderem baukulturellem Wert. Bauten, die bis anhin im kantonalen „Inventar der schützenswerten Bauten“ aufgeführt waren und damit gemäss Definition „für das Basler Stadtbild kulturellen, geschichtlichen, künstlerischen oder städtebaulichen Wert haben.“
Es ist befremdlich, dass im Bericht über den Studienauftrag im Kapitel „Bestehende Bauten und Anlagen“ mit keinem Wort auf die „schützenswerten“ Bauten im Inventar eingegangen wird. Hervorgehoben werden lediglich die drei denkmalgeschützten Bauten auf dem Areal: Der barocke Markgräflerhof, der Holsteinerhof, sowie das Klinikum 1 von Hermann Baur.
Unerwähnt bliebt, dass zwei inventarisierte Bauten auf „Perimeter B“ vor dem Abbruch stehen. Dabei ist insbesondere das ehemalige „Infektionskrankenhaus“ an der Schanzenstrasse 55 von besonderer architekturhistorischer Bedeutung.
Es stammt aus der Feder von Architekt Hans Schmidt (1893-1972), einem der wichtigsten Vertreter der modernen Architektur in Basel. Schmidt gehörte zu den führenden Architekten und Theoretikern des Neuen Bauens in der Schweiz. Einige seiner Beiträge, wie das „Haus zum neuen Singer“ (1929) in Basel oder das „Haus Huber“ (1930) in Riehen, waren wegweisend für die Bestrebungen der modernistischen Avantgarde in der Schweiz.
Den Spitalbau an der Schanzenstrasse entwarf Schmidt kurz nach seiner Rückkehr aus der Sowjetunion. „Im Anschluss an die Nichtwahl Schmidts als Stadtplaner von Basel sorgten seine Kollegen aus dem BSA (als treibende Kraft soll Hermann Baur gewirkt haben) dafür, dass ihm 1939 vom Kanton Basel-Stadt der Auftrag für das Infektionskrankenhaus des Bürgerspitals zugesprochen wurde“, kann in der Monografie über Schmidt nachgelesen werden. An der Schanzenstrasse kam das besondere technisch-konstruktive Interesse Schmidts zum Tragen: Durch versetzbare Glasabschlüsse im durchgehenden Korridor konnte die Grösse der Stationen je nach Bedarf variiert werden.
„Die damit erreichte Elastizität wurde mit Rücksicht darauf geschaffen, dass die Infektionskrankheiten großen Schwankungen unterworfen sind“, erklärte Schmidt 1948 in der Zwitschrift Werk seinen Bau. Das Gebäude nimmt in der Fassadengestaltung auf der Gartenseite Themen der Sanatoriums-Architektur auf. Durch geschossweise abgetreppte Liegeterrassen wird die Gartenfassade horizontal zusammengefasst und gleichzeitig der Sonneneintrag optimiert. Der Bau stiess „auf reges Interesse im In- und Ausland“, wie verschiedene Artikel in Fachzeitschriften aus Italien, Deutschland oder den USA belegen.
Ebenfalls vor dem Abbruch steht das „Schwesternhaus“ an der Hebelstrasse 34-36. Es wurde von Architekt Fritz Beckmann entworfen und zwischen 1948 und 1950 errichtet. In unmittelbarer Nähe zum historischen Holsteiner Hof wählte Beckmann mit Bedacht und Rücksicht ein zurückhaltendes Walmdach und suchte in Form einer symmetrischen Fassadengliederung den Dialog zum barocken Gegenüber. Insgesamt 88 Schwesternzimmer befinden sich in dem als Doppelhaus konzipierten Gebäude.
Es handelt sich um ein exemplarisches Beispiel der schweizerischen Nachkriegsmoderne. Sorgfältig durchgearbeitete Details werden mit einer nüchtern-bescheidenen, aber durchaus rational-modernistischen Architektursprache verknüpft. Bei Beckmann äussert sich das beispielsweise in der Materialisierung der Fassade, wo ein leicht aufgerauter, heller Verputz mit den weiss gestrichenen Fensterrahmen angenehm kontrastiert und der Dachrand als auskragendes, feines „Flugdach“ daherschwebt.
Beide Bauten werden mit grösster Wahrscheinlichkeit den Plänen von Herzog & de Meuron weichen müssen. Das allgemeine Interesse an einer hochstehenden Gesundheitsversorgung wurden dem Wunsch nach dem Erhalt der Baukultur in diesem spezifischen Fall übergeordnet. Beide Bauten werden demnächst aus dem Inventar entlassen. „Bauen heisst Zerstörung“, pflegt der Tessiner Architekturprofessor Luigi Snozzi zu sagen. Das bewahrheitet sich einmal mehr an der Schanzenstrasse. „…zerstöre mit Verstand und Freude“, lautet der zweite Teil des Aphorismus. Trotz allem Wehmut über den Verlust von bedeutender Baukultur, bleibt nichts anderes übrig, als den Projektverantwortlichen genau das zu wünschen: Verstand und Freude.
Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel
Literatur:
- Hans Schmidt 1893-1972 : Architekt in Basel, Moskau, Berlin-Ost, gta Verlag, Zürich, 1993, S. 228-229
- Hans Schmidt, „Das Infektionskrankenhaus des Bürgerspitals in Basel“, in: Das Werk, 1948, Nr. 6, S. 165-168