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Künstlername: Juninho Pernambuco
Kompletter Name: Antônio Augusto Ribeiro Reis Junior
Geburtsdatum: 30/01/1975
Geburtsort: Recife (PE)
Position: Mittelfeld
Link: Fehlanzeige
Vereine:
01/2014: Karriereende
2013: New York Red Bulls (USA)
2011: Vasco da Gama (RJ)
2009 bis 2011: Al Gharafa – Qatar
2001 bis 2009: Olympique Lyon
1995 bis 2001: Vasco da Gama (RJ)
1993 bis 1994: Sport Recife (PE)
WM-Einsätze Seleção:
WM 1998 Frankreich
WM 2006 Deutschland
Es gibt bestimmt grössere Namen und Spieler als Juninho Pernambuco in der brasilianischen Seleção, jedoch wird er wegen seiner Fähigkeiten im Mittelfeld als essentiell in der brasilianischen Aufstellung gesehen und wurde bei der Weltmeisterschaft 2006 von Coach Parreira deshalb eingesetzt. Spieler im Mittelfeld sind von Haus aus nicht so im Rampenlicht der Presse und des öffentlichen Lebens, es ist aber sicherlich auch Juninhos ruhige, entspannte Art und seine Lebensweise, die ihn nicht ganz so in den Vordergrund rücken.
Juninho wurde im Jahre 1975 am 30. Januar in Recife geboren und wuchs dort auch im Schoss der Familie auf. Ein echter Pernambucaner – deshalb auch sein Beiname unter den vielen vielen Juninhos, die es mittlerweile in der Fussballerszene gibt. Sein eigentlicher Name ist Antônio Augusto Ribeiro Reis Júnior – einfach ein viel zu langer Name, deshalb die Abkürzung auf Júnior in der Verkleinerungsform. Mit 10 Jahren begann Juninho in der Fussballschule von Recife zu kicken. Nach zwei Jahren wechselte er zum Futsal, dem Salon-Fussball, und spielte dort bis zu seinem 16. Lebensjahr. Juninho sagt selbst zu seiner Zeit beim Futsal: “Im Futsal habe ich mir das technische Rüstzeug geholt. Blitzschnelles Denken, rascher Spielaufbau über wenige Stationen und gutes Positionsspiel prägen den Futsal, der einem körperlich enorm viel abverlangt. Jeder Spieler, der mit Futsal begonnen hat, ist der Konkurrenz einen Schritt voraus.“ Zurück ins Juniorenteam von Sport Recife, gewann er auf Anhieb die Staatsmeisterschaft von Pernambuco. Daraufhin wurde er sofort ins Profiteam berufen, mit dem er 1994 neuerlich die Meisterschaft des Bundesstaates von Pernambuco gewann. Er wurde als bester Spieler der Mannschaft ausgezeichnet und erhielt von der Junioren-Nationalmannschaft ein Aufgebot für das U-21-Turnier im französischen Toulon. Die Entdeckung seines Talents durch einen grösseren Club Brasiliens liess nicht mehr lange auf sich warten, bald ging es in den Süden – genauer gesagt nach Rio de Janeiro zum bekannten Club Vasco da Gama.
In Rio erhielt er seinen Beinamen Pernambucano und er selbst spricht von seiner menschlichen und spielerischen Reifung in den Jahren dort. Grosse Erfolge wurden erzielt, Sprung ins Nationalteam und die Fangemeinde wuchs und wuchs. Mit eines der wichtigsten Ereignisse bei Vasco war mit Sicherheit der Gewinn der Copa Libertadores im Jahre 1998, zu dem er signifikant beitrug und für ihn persönlich auch eine der schönsten Erinnerungen: “Zweifellos eine der schönsten. Der Titel ist etwas ganz Besonderes, weil ich ihn mit Vasco da Gama geholt habe und im schwierigen Halbfinale gegen River Plate in Buenos Aires per Freistoss den entscheidenden Treffer erzielt habe.“ Neben diesem Titel gewann Juninho aber noch weitaus mehr mit seinem Verein: Copa Brasileira 1997 und 2000, Campeonato Carioca 1998, Copa Mercosur 2000. Mit insgesamt 110 Ligaspielen bei Vasco spielte er eine ausgezeichnete Periode und wurde von den Fans geliebt und verehrt. Er gewann in seinem letzten Jahr in Brasilien 2000 den persönlichen Titel des Silbernen Balles.
Im selben Jahr erschien Lyons Trainer Bernard Lacombe das erste Mal auf der Bildfläche und bekundete sein Interesse. Da sein Vertrag bei Vasco aber noch lief und der Verein darauf pochte, verzögerte sich sein Wechsel. Erst per Gerichtsentscheid wurde schliesslich dieser Wechsel klargemacht, das Gericht erklärte den Vertrag schlicht und einfach als abgelaufen. 3 Brasilianer standen bereits im Kader von Lyon, Juninho hatte also Landsleute um sich und seine Eingewöhnung beim Traditionsverein Lyon fiel ihm nicht schwer. Mit seinem Kommen begann die ruhmreiche Phase von Olympique Lyon, die bis dato nicht beendet ist. Er spielte eine tragende Rolle beim Gewinn der ersten Meisterschaft der Vereinsgeschichte und steuerte in 29 Spielen 5 Treffer bei.
Zweiter Titel im Jahre 2002/2003, wobei diesmal Juninho sich bereits als Torjäger feiern konnte. 2003/2004 der nächste Titel – was will man mehr! Juninho selbst fühlt sich wohl – sowohl in Frankreich: “Mir gefällt Frankreich. Hier habe ich Erfolg, das Comeback in die brasilianische Nationalmannschaft geschafft und neue Freunde gefunden. Meine jüngste Tochter wurde hier geboren und ist deshalb französische Staatsbürgerin.“ – als auch beim Club: “Ich kannte Sonny Anderson, der ebenfalls bei meinem damaligen Verein Vasco da Gama gespielt hatte. Ich forschte dann ein bisschen weiter, um mir ein umfassendes Bild vom Club zu verschaffen. Lyon ist ein Verein mit einer grossen Tradition, der mit insgesamt 14 Saisons in der zweiten Division auch Tiefpunkte erlebte, aber immer weiter an sich glaubte und dank seriöser Arbeit zum Erfolg zurückfand, wie die vier Meistertitel in Folge zeigen.“
Den Erfolg des Clubes sieht Juninho zum einen im sehr starken Kader, der über die Jahre hinweg aufgebaut wurde, Präsident Jean-Michel Aulas achtet stets darauf, Abgänge gleichwertig zu besetzen. “Ein weiterer Faktor ist die Kontinuität auf der Position des Trainers, die mit Paul Le Guen über mehrere Jahre gleich besetzt war.“ (Anmerkung – Trainer- und Präsidentenwechsel bei Olympique Lyon fanden ebenfalls statt) Juninho und seine Landsleute haben sich auch an den anderen europäischen Fussball gewöhnt und ihre eigene brasilianische Spielweise und Technik perfekt abgestimmt und erfolgreich eingesetzt – was man am mittlerweile viermaligen Gewinn der französischen Meisterschaft in den letzten Jahren sehen kann. Wobei ihm selbst eine wirklich wichtige Rolle zugeschrieben wird. Er wurde im Jahre 2004 nicht umsonst zur Persönlichkeit des Jahres der Stadt Lyon gewählt, er ist das grosse Idol im Club. Zu seinem 31. Geburtstag 2006 bekam er auf der offiziellen Website des Clubs ein “Obrigado“ für all das, was er bereits für den Club getan hat. Aber was ist es was ihn so von den anderen absetzte?!< Er ist ein eleganter Mittelfeldspieler, der sein Team und seine Stürmer mit ausgezeichneten Pässen nach vorne versorgt, er trägt dazu bei, dass die gegnerischen Abwehrreihen ständig unter Druck gesetzt werden. Er perfektionierte in den letzten Jahren sein Passspiel noch weiter und eröffnete seinem Team dadurch neue Dimensionen. Hinzu kommt, dass er mit seinen tödlichen Freistössen immer wieder auch selbst Tore schiesst. Diese unglaublich platzierten Freistösse sind mittlerweile seine Markenkennzeichen geworden – er gehört zu den begnadetsten Freistossschützen der Welt!
Selbst sagt er dazu: “Ich gebe mich niemals zufrieden, sondern versuche immer, mich weiter zu verbessern. So feile ich vielfach nach dem Mannschaftstraining an meiner Freistosstechnik, so wie das einst auch meine grossen Vorbilder Zico und Roberto Dinamita getan haben. Bereits habe ich in der Nationalmannschaft einige Freistösse aus grosser Distanz ausgeführt. Wenn der Trainer will, tue ich das öfter.“ Dies zeigt, was ihn so auszeichnet: er arbeitet an sich, er will sich perfektionieren.
Nach Ansicht seiner Fangemeinde (wie auch vieler Exprten) schiesst er die genauesten Freistösse im modernen Profifussball. Er hat die Fähigkeit, dem Ball einen starken Effet zu verleihen. 2 von 3 seiner Tore erzielt Juninho per Standardsituation. Im Durchschnitt schiesst er etwa 0,4 Tore pro Spiel.
Zico sagt: “Er hat einen guten Ballkontakt, markiert und macht gute Freistösse. Einen Athleten wie ihn möchte jeder Trainer gerne im Team haben“. Sein unerschöpflicher Verbesserungswillen zeigt sich auch an diesem Beispiel: Oktober 2005 – Brasilien spielt in Bolivien in der höchstgelegenen Metropole der Welt, ca. 3600 bis 4000m, der Mittelfeldspieler überraschte jeden, als er einige Bälle schnappte und kurz vor dem Spiel Freistösse zu üben begann. Er wollte sich an den Höheneffekt gewöhnen, der den Ball schneller fliegen lässt. Resultat war, dass Brasilien 1:1 spielte, das einzige Tor für die Brasilianer schoss Juninho mit einem Freistoss.
Er hat auch Bewunderer ausserhalb der Fussballerszene, so zum Beispiel Bernardinho, der Coach der brasilianischen Volleyballmannschaft der Herren. “Er ist derjenige Spieler der brasilianischen Seleção, der mir am besten gefallen hat. Er ist sehr fleissig und strebsam, er will sich ständig verbessern, wachsen, seine Technik ausfeilen und erweitern. Nicht umsonst wurde er vierfacher Meister in Frankreich.“ Juninho und sein Team sind gerade aus der aktuellen Champions-League gegen AC Mailand ausgeschieden und dies wird wie auch in der vergangenen Saison ein schwer verdaubarer Schock sein – man fühlte sich in der Lage, dieses Jahr den wichtigsten Pokal Europas nach Hause bringen zu können.
Juninho und die Nationalmannschaft – es gab Höhen und Tiefen. Ein früher Eintritt in die Seleção und leider auch Rückschläge musste der junge Spieler hinnehmen. 2002 wurde er von Scolari nicht ins Aufgebot berufen, das war eine grosse Enttäuschung für ihn. “Ich bin mir aber bewusst, dass er die Qual der Wahl hatte“. Dafür wurde für Juninho die WM 2006 zur Realität. “Ich gebe alles, sowohl bei Lyon als auch in der brasilianischen Nationalmannschaft“ weiter zum Team: “Seit einiger Zeit gehöre ich wieder zum Kader der Nationalelf. So wurde ich auch für den FIFA Konföderationen-Pokal vom Juni 2005 in Deutschland aufgeboten. Ich habe meinen Platz im Team gefunden, darf mich deswegen aber nicht zurücklehnen, denn die Konkurrenz im Team ist gross. Dieser Druck ist für mich, aber auch fürs Team von Vorteil, weil ich so weiter hart an mir arbeiten muss. Ich freue mich über jeden Einsatz im Nationalteam und war stolz, beim FIFA Konföderationen-Pokal zur Mannschaft zu gehören. Obwohl ich nicht viel gespielt habe, war das Turnier ein grossartiges Erlebnis. Immerhin habe ich mein erstes Tor (spektakuläres Freistosstor) für die Seleção erzielt und mit dem Team den Titel gewonnen.“
Für Juninho war aber klar, dass die wahre Nummer 10 des Teams sein Mitspieler Kaká ist. “Er ist schnell, hat eine wunderbare Technik, kann sich immer als Attackierender präsentieren und Tore vorbereiten bzw. selbst schiessen. Für ihn war es selbstverständlich, dass er nur der Ersatz für Kaká war, gab aber auch offen und ehrlich zu, dass er sehr gerne neben ihm gespielt hätte. Insgesamt lief Juninho 44-mal für die brasilianische Nationalmannschaft auf.
Juninho ist mit Renata verheiratet und hat zwei Töchter: Giovanna und Mariá Clara, die bereits in Frankreich geboren wurde. Seit 2004 ist er auch ausserhalb des Fussballfeldes positiv aufgefallen: FIFA/SOS-Botschafter und Schirmherr eines neu errichteten SOS-Kinderdorfes in Recife, seiner Heimatstadt, das im Rahmen der gemeinsamen Charity-Kampagne 6 Dörfer für 2006 steht. Er nutzte seinen Weihnachtsurlaub im selben Jahr, um eine enge Verbindung zum SOS-Kinderdorf einzugehen. Er sagte damals, er fühle sich geehrt, dazu beitragen zu können, dass viele verwaiste und verlassene Kinder in Recife die Chance erhalten würden, in einer SOS-Kinderdorf-Familie aufzuwachsen. Während der Feier im “Sport de Recife“-Club dankte der Präsident von SOS-Kinderdorf Brasilien.
Juninho stand seit 2001 in Lyon unter Vertrag und hatte wie ausführlich beschrieben massgeblichen Anteil an der Olympique-Erfolgsserie von sieben Titeln hintereinander. Nach der verpassten Titelverteidigung 2009 erteilte Lyon seinem Star die Freigabe aus seinem noch bis 2010 laufenden Vertrag für einen Wechsel und verzichtete als Zeichen der Dankbarkeit auf eine Ablöse.
Der mittlerweile 37-Jährige Juninho unterschrieb 2009 bei den Katari einen 2-Jahres Vertrag. 2,5 Millionen Euro war das Gehalt des Mittelfeldstars sein. Nach Erfüllung des Vertrages bei den Katari wechselte er auf die Saison 201/12 zum brasilianischen Erstligisten Vasco da Gama in Rio de Janeiro.
Im Dezember 2012 wurde bekannt, dass Juninho auf den Januar 2013 in die amerikanische Major League zu den New York Red Bulls wechselt.
Ende Januar 2014 hat der 39-jährige Juninho seine aktive Fussballkarriere nach 22 Jahren beendet.