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So, 24. September 2017
Bach Ensemble Luzern
Das Credo der h-Moll Messe ist gleichsam das Herzstück dieser grossartigen Messevertonung. Der
neunteilige Satz ist symmetrisch angeordnet, in dessen Mitte das «Crucifixus» platziert ist. Bach übergibt die
zentralen Aussagen «Et incarnatus», «Crucifixus» und «Et resurrexit» allesamt dem Chor und stellt diese so
hörfällig heraus.
Einige Male verwendet Bach Kompositionstechniken, die an ältere Vorbilder erinnern, an Giovanni Pierluigi
da Palestrina (1514?–1594) zum Beispiel. Das sind bewusst gewählte kompositorische Rückgriffe, um zu
unterstreichen, dass die Aussagen von alters her ihre Gültigkeit haben. Es scheint Bach zudem ein Anliegen
gewesen zu sein, für einen zentralen Satz der h-Moll Messe einen früheren Satz wieder zu verwenden. Er
stellt in der Folge den Kreuzestod Jesu («Crucifixus») als Parodie des Kantatensatzes «Weinen, klagen»
(BWV 12) in einen neuen, umfangreicheren Zusammenhang. Alter Stil, Zeitgenössisches und
Vorausweisendes – alles ist in diesem Credo vorhanden. So zeigt sich das «Symbolum Nicenum», wie Bach
dieses Credo überschrieb, in einer grossartigen Universalität. Der Text des Credo wurde auf den Konzilien
von Nicea und Konstantinopel (325 resp. 381 n. Chr.) festgelegt.
Das Sanctus der h-Moll Messe ist deren ältester Teil. Bereits 1724 erklang diese Musik im Rahmen eines
Weihnachtsgottesdiensts. Das «Dreimal Heilig» erfährt gerade im Eröffnungssatz vielfachen Ausdruck:
Triolen beherrschen den Rhythmus, dreifache Besetzung in den Bläsern, Dreiertakt im «Pleni sunt coeli» –
die Aufzählung liesse sich beliebig erweitern. In grösstmöglichem Gegensatz ist das folgende Benedictus
gestaltet; auf die grösste Besetzung folgt die kleinste: Bloss drei Stimmen geben der Arie eine meditative
Verhaltenheit. Den Bogen schliesst die Wiederholung des klangprächtigen Osanna.
Durch die Wiederverwendung des ersten Agnus Dei-Satzes aus einer früheren Kantate, nämlich dem
Himmelfahrtsoratorium BWV 11, stellt Bach diese ausdrucksstarke Musik in einen größeren
Zusammenhang, in den der globalen Aussage. Das «Dona nobis pacem» schliesslich erklingt hier als Musik
zum zweiten Mal. Es greift das musikalische Material aus der Kantate BWV 29 «Wir danken dir, Herr» wieder auf, hier natürlich mit lateinischem Text.