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Seit Jahren “basteln” Nexter und die Deutschen an ihrem französisch-deutschen Kampfpanzer der Zukunft. Was sie bis jetzt präsentierten, war ein Leopard-Turm auf einem Leclerc-Chassis. Unser Panzerhistoriker Hagen Seehase entdeckte: So etwas gab es schon einmal im Zweiten Weltkrieg: die Wehrmachts-Pak auf französischem Fahrgestell. Lesen Sie selbst.
Wehrmachts-Pak auf französischen Fahrgestellen
Von unserem Korrespondenten Hagen Seehase
Im besetzten Frankreich arbeitete im Hotchkiss-Werk eine Gruppe von Technikern unter dem Kommando von Major Alfred Becker an der Ausrüstung französischer Panzerfahrgestelle mit Panzerabwehrkanonen.
Zur Verwendung kamen etliche 4,7-cm-PaK 36(t). Das war die deutsche Bezeichnung für die relativ leistungsfähige tschechoslowakische Pak 47 mm kanon P.U.V.vz.36, welche nach Besetzung der Tschechei 1939 in großen Mengen in deutsche Hände gefallen war.
Zwischen Mai 1941 und Oktober 1941 zog Becker 174 Pak 36 und Fahrgestelle des (ebenfalls erbeuteten) französischen Panzers Renault R-35 heran, um Panzerjägerselbstfahrlafetten zu produzieren. Die Umbauten nahm der von ihm geleitete „Baustab Becker“ in Frankreich vor. Die gingen dann an die Panzerjägerabteilungen 559, 561 und 611. die sie an der Ostfront einsetzten, und an die rumänische Armee (die sie ebenfalls an der Ostfront verwendete). Einige dieser „4,7 cm Pak(t) Sfl. Pz.Kpfw.35R(f)“ kamen aber noch im Jahre 1944 in Nordfrankreich zum Einsatz.
Ebenso auf erbeuteten französischen Fahrzeugen basierte der Marder I (Sd.Kfz.135): Auf Fahrgestellen verschiedener Beutefahrzeuge (Lorraine-Schlepper, FCM, Hotchkiss H39) entwickelte der Baustab Becker einen Panzerjäger mit offenem heckseitigen Kampfraum, Bewaffnung war die 75-mm-PaK 40/1 L46. Ab 1942 wurden 180 bis 200 Stück gebaut, das am häufigsten benutzte Fahrgestell war das des Lorraine-Schleppers. Verwendung erfolgte hauptsächlich in Frankreich, Anfang 1944 waren noch 131 Stück vorhanden.
Unter anderem im Rahmen der Sturmgeschützabteilung 200 der 21. Panzerdivision nahmen sie unter dem Kommando von Major Alfred Becker (also just dem Mann, der sie entwickelt hatte) an den Kämpfen an der Invasionsfront teil.
Vier Batterien waren mit jeweils zehn Fahrzeugen ausgerüstet (je sechs schwere 75mm-Pak auf Selbstfahrlafetten und vier 105-mm-Feldhaubitzen auf Lorraine-Fahrgestellen).
Zum Einsatz kamen auch überpanzerte ex-französische Halbkettenfahrzeuge des Typs Somua MCG, ebenfalls bewaffnet mit der 75-mm-Pak. Davon waren 16 Stück gebaut worden.
Bei den Kämpfen in in der Normandie konnten sich Beckers selbstgebaute Panzerjäger (zu dem Zeitpunkt waren noch 34 einsatzfähig) beim Dorf Cagny dank der klugen Führung Beckers im Kampf gegen britische Panzerverbände gut bewähren.