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Die Schweiz hat zwar viele Freihandelsabkommen, aber grosse Namen wie die USA fehlen im Portfolio. (Bild: Shutterstock.com/Porcupen)
Nimmt man als Messlatte China, USA und EU, fällt eines sofort auf: Diese Handelsblöcke weisen sowohl prozentual als auch nominell viel weniger Abkommen als die Schweiz auf. Die USA – einstmals vehemente Verfechter des Freihandels – sichern sich nur zu knapp 25% des Welthandels den Zugang über Freihandelsabkommen. "Zum einen spielt die Grösse des Binnenmarktes eine entscheidende Rolle. Zum andern sind die gescheiterten Verhandlungen zum Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) und zur Transpazifischen Partnerschaft (TTP) ein gutes Beispiel für den wachsenden Unwillen grosser Volkswirtschaften, sich gegenüber dem Freihandel zu öffnen", stellt Mario Bonato von Avenir Suisse fest. Auch in der EU müssten neue Abkommen immer grössere innenpolitische Hürden nehmen. Sowohl beim kürzlich ratifizierten Ceta-Abkommen mit Kanada als auch bei den Verhandlungen mit dem Mercosur regte und regt sich grosser Widerstand von Globalisierungskritikern und Umweltaktivisten in den einzelnen Mitgliedsstaaten.
Auf der Schweizer Liste fehlen noch "grosse" Namen
Als kleine Volkswirtschaft (0,81% der globalen Wirtschaftsleistung, 2019) hat die Schweiz nach Ansicht Bonatos sinnvollerweise einen anderen Weg beschritten. Insbesondere in den letzten beiden Jahrzehnten konnte sie die Zahl ihrer FHA verdoppeln, und zwar auf derzeit 77 (bilateral oder im Verbund mit der Efta). Sie deckt aber nur 55% des Weltmarktes ab. Tatsächlich wurden viele Abkommen mit sehr kleinen Partnern geschlossen, wie etwa Nordmazedonien (BIP: 34 Mrd. USD), Albanien (BIP: 40 Mrd. USD) oder Georgien (BIP 56 Mrd. USD).
Es sei wichtig, dass auch Kleinstaaten nicht vergessen gehen – umso mehr, wenn ein beträchtlicher Teil der Diaspora hierzulande lebt. Nicht aus dem Blick geraten dürften jedoch die Handelsmächte, so Bonato. Noch fehlen auf der Schweizer Liste "grosse" Namen wie die USA, Indien oder die von Russland geprägte, eurasische Zollunion (EAEU). Bei allen dreien scheint ein Abschluss in weiter Ferne. Bei den USA scheiterte 2019 nur schon die Wiederaufnahme formeller Verhandlungen, die 2006 vor allem aufgrund des Widerstandes der Schweizer Agrarlobby gestoppt wurden.
Fragezeichen im Schweizer Freihandel
Wie der Avenir-Suisse-Experte weiter ausführt, gelingt auch anderen Kleinstaaten die Kooperation mit grösseren Partnern nicht immer nach Lehrbuch. Das Freihandelsnetz von Neuseeland deckt mit gerade mal 19 Partnern ein Drittel des Weltmarktes ab. Von den grossen Volkswirtschaften konnte einzig mit China ein Abkommen abgeschlossen werden. Doch seien die Voraussetzungen Neuseelands für zukünftige Abschlüsse intakt, denn anders als in der Schweiz sei die dortige Agrarlobby kein Klotz am Bein des Freihandels.
Wiederum anders ist die Lage in Singapur. Dem Stadtstaat gelang mit wesentlich weniger Partnern (36) eine viel grössere Abdeckung des Welthandels durch FHA. Verträge bestehen sowohl mit den USA, aber auch mit China und Indien.
Gerade die durch die Corona-Krise gebeutelte Wirtschaft benötige dringend frische Luft und neuen Schub, sagt Bonato. Die Förderung von Freihandel wäre hier die richtige Arznei. Insgesamt sei es der Schweiz bis dato gelungen, ein ansehnliches Netz an Freihandelsabkommen zu weben und sich einen Ruf als verlässliche Freihändlerin zu erarbeiten.
Auch gegenüber China und der EU wurde die Öffnung und Vereinfachung des Handels durch FHA erreicht. "Dennoch: die Zukunft scheint weniger rosig. Das prominententeste Beispiel sind die Unsicherheiten in Bezug auf das Rahmenabkommen mit der EU. Aber auch das Mercosur-Abkommen hängt u.a. wegen Umweltbedenken in der Schwebe. Vor steigendem Druck durch Umweltaktivisten und Globalisierungskritiker sind selbst bestehende Handelsbeziehungen nicht gefeit", schliesst Bonato den ersten Teil seiner Analyse des Schweizer Freihandelsnetzes im internationalen Vergleich.
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