Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03131.jsonl.gz/1694

Plaire, aimer et courir vite
Regie: Christophe Honoré
Darst.: Vincent Lacoste, Pierre Deladonchamps, Denis Podalydès, Adèle Wismes, Thomas Gonzalez, Clément Métayer, Quentin Thébault, Tristan Farge, Sophie Letourneur u.a.
Paris, 1993: Der Schriftsteller Jacques ist Mitte 30, finanziell völlig abgebrannt und hat eine Reihe unglücklicher Affären mit jüngeren Männern hinter sich. Einer ist aidskrank und liegt im Sterben, was Jacques sehr mitnimmt. Sein väterlicher Freund Mathieu rät ihm, künftig die Finger von so jungen Typen zu lassen. Als Jacques eines Tages für eine Theateraufführung nach Rennes in die Bretagne reist, lernt er den 22-jährigen Arthur kennen. Zwar ist die Anziehung gegenseitig und es dauert nicht lange, bis die beiden miteinander herumknutschen, doch Jacques erinnert sich an Mathieus Rat und so trennen sich ihre Wege wieder. Arthur tröstet sich mit Bettbekanntschaften beiderlei Geschlechts darüber hinweg, dass er bei Jacques abblitzte, einige Wochen später jedoch ruft er ihn an und eine heftige Affäre entbrennt zwischen den beiden. Was Arthur zu diesem Zeitpunkt nicht weiss: Jacques ist gesundheitlich angeschlagen und hat zudem einen kleinen Sohn, für den er sorgen muss. Nach dem starbesetzten, Kontinente und Jahrzehnte überspringenden Liebesfilm «Les bien-aimés» (2011) erzählt Christophe Honoré in «Plaire, aimer et courir vite» eine tragische schwule Liebesgeschichte, die man auch als französische Variante von «Call Me by Your Name» bezeichnen könnte. Doch im Gegensatz zu Luca Guadagninos Oscar-gekrönter Liebesromanze wird hier in schneidend klugen Dialogen viel gesprochen. Was die Dialoglastigkeit angeht, liesse sich Christophe Honorés Liebesparcours auch als homosexuelle Version von Richard Linklaters «Before Sunrise/Sunset/Midnight»-Trilogie charakterisieren. Die zeitliche Situierung und das dominierende Aids-Thema legt den Vergleich mit Robin Campillos «120 BPM (battements par minute)» nahe. Richard Lawson schrieb in Vanity Fair über «Plaire, aimer et courir vite», der seine Weltpremiere im Wettbewerb des Filmfestivals Cannes feierte: «Ein romanhafter und doch mit Leichtigkeit inszenierter Film voll von durchdringender Intelligenz und herzzerreissender Schönheit. Christophe Honoré wirft einen epischen Blick auf zwei aufeinander treffende (Liebes-)Leben, von denen eines in vielerlei Hinsicht erst gerade beginnt und das andere zu Ende geht. ‹Plaire, aimer et courir vite› ist ein Werk, in das man sich von der ersten Filmminute an verliebt.»