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Regie: Kiran Rao
Produzent: Aamir Khan
Dauer: 100 Minuten
Musik: Gustavo Santaolalla
Cast: Aamir Khan (Arun), Monica Dogra (Shai), Prateik Babbar (Munna)
Kiri Malhotra (Yasmin)
Handlung:
Der Maler Arun (Aamir Khan), die indischstämmige Bankerin Shai (Monica Dogra), Munna (Prateik Babbar) und Yasmin (Kiri Malhotra) sind nach Bombay (Mumbai) gekommen, um hier ihr Glück zu suchen. Munna ist vor dem Hunger geflohen, Arun will nach seiner Scheidung einen Neuanfang wagen, Shai, die in New York als Investmentbankerin arbeitet, plant in ihrer Heimatstadt ein Sabbatical und Yasmin ist wegen ihrem Ehemann unfreiwillig in Bombay gestrandet.
Arun und Shai begegnen sich an der Vernissage seiner Bilder und verbringen eine Nacht miteinander. Als Arun umzieht, verlieren sie sich aus den Augen. Munna, der Dhobi, fungiert als eine Art Bindeglied zwischen den beiden, denn sowohl Shai wie auch Arun sind seine Kunden. Shai fängt an, sich für das Leben von Munna zu interessieren und begleitet ihn mit ihrer Kamera. In seiner neuen Wohnung entdeckt Arun drei Videotapes. Beim Anschauen stellt sich heraus, dass es sich um Botschaften der früheren Bewohnerin an ihren Bruder handelt. Die Tapes wurden aber nie abgeschickt.
Shai hat sich nach der gemeinsam verbrachten Nacht in Arun verliebt, etwas, das man nicht wirklich nachvollziehen kann. Sie ist die verwöhnte Tochter eines Baumoguls, die sich eine Auszeit nimmt, um ihrem Hobby, der Fotografie zu frönen. Mit Munna hat sie ein Studienobjekt für ihre Fotografien gefunden – er zeigt ihr, wie das wirkliche Bombay, jenseits von eigenem Chauffeur und klimatisierten Appartements, aussieht. Munna verliebt sich in sie, er ist für Shai aber nichts weiter als eine interessante Abwechslung zu ihrem behüteten Leben, eine Art exotisches Wesen.
Kritik
Aamir Khan (Arun) agiert recht hölzern. In einigen Sequenzen wird gezeigt, wie eines seiner Bilder entsteht. Zudem setzt er sich nie ohne seinen Skizzenblock vor den Fernseher, wenn er sich eines der Videotapes von Yasmin ansieht. Dies wohl, damit auch der Hinterletzte begreift, dass Arun Künstler bzw. Maler ist. Es ist ein unheimlich platter Einfall und schreit irgendwie nach Regisseurstudentin im 1. Semester, zufälligerweise ist der Film auch Kiran Raos Regiedebüt.
Monica Dogra wirkt in ihrer Rolle NRA (Non-residential-Indian) und höhere Tochter einigermassen überzeugend. Es ist allerdings nicht nachvollziebar, warum sie sich in Arun verliebt hat – eine sehr sympathische Ausstrahlung hat er nicht gerade, zudem ist er auch nicht wirklich kommunikativ. Ist es das Interesse einer Frau an einem Künstler als ihre Trophäe? In Munna sieht sie wohl eher ein exotisches Studienobjekt denn den Menschen/Mann. Sie lädt ihn zwar zum Tee ein, was ihre Haushälterin ganz unerhört findet, aber sie macht keine Anstalten, ihn zu untersützen, damit er sich aus seinem mühevollen Dasein befreien kann. Ihre Teilnahme an seinem Leben ist eher oberflächlich – sie will schöne Bilder machen, aber die Menschen dahinter interessieren sie nicht. Schlussendlich bleibt sie in ihrer Rolle gefangen – sie bemüht sich nicht, ihrem Leben im Sabbatical eine neue Wendung zu geben.
Prateik Babbar als Munna ist die einzige Figur, die in Bombay Diaries vollends überzeugen kann, denn er ist der einzige der drei (oder vier) Personen, die ein Ziel vor Augen hat – ein besseres Leben nämlich für sich und seine Mutter. Denn im Gegensatz zu Shai und Arun ist sein Kampf ums Glück ein Kampf ums nackte Ueberleben. Und am Schluss ist er derjenige, der alles verliert. Die Welt ist und bleibt ungerecht. Ist dies die Botschaft, die uns Kiran Rao vermitteln wollte?
Yasmin existiert nur durch ihre Videobotschaften – auch sie wird schlussendlich scheitern. Allerdings wird einem nicht ganz klar, was für eine Rolle sie in diesem Film einnimmt – sie kann nicht an der Handlung teilnehmen und zudem hat sie nur eine Verbindung zu Arun. Die Präsenz mittels Videobotschaft ist ein netter Einfall, meines Erachtens wird aber viel zuwenig daraus gemacht. Das Ganze ist ein Schlag ins Leere.
Noch ein Wort zur Musik: Aus welchem Grund Kiran Rao argentinische Gitarrenmusik zur Untermalung gewählt hat, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Die Musik passt jedenfalls wie die Faust aufs Auge – sowohl zur Thematik wie auch zur Stadt – also gar nicht.
Der Film ist sehr nett, zeigt schöne Menschen und schöne Bilder, aber gemessen an den Ansprüchen ist „Bombay Diaries“ gescheitert. Der Plot – unterschiedliche Menschen werden in ihrem Leben ein Stückweit begleitet und ihre Wege kreuzen sich auf die eine oder andere Art – ist weder neu, noch besonders originell. Von der Thematik könnte der Film irgendwo auf der Welt gedreht worden sein.
Die Kritik hat „Bombay Diaries“ als Anti-Bollywood-Film gefeiert. „(…) Ein radikaler Abschied von den überlangen, übertriebenen Musicals, ein erfrischendes Beispiel einer bescheideneren Indenpendent-Produktion des Landes.“ (The New York Post). Diesem Klischee entspricht Bombay Diaries sicher nicht. Aber wie die meisten Produktionen aus Bollywood wird das Leben der Inder nur in Hochglanz gezeigt. Selbst die Arbeit der Rattentotschläger wird in ein mildes Licht getaucht. Es scheint, als ob sich Kiran Rao nicht hätte durchringen können, auch die hässlichen Bilder zu zeigen.
Trailer
Copyright Corinne Mathieu