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Gut 250 Jahre lang blieben sie ungedruckt, Bodmers politische Trauerspiele zur frühen Geschichte seiner Vaterstadt Zürich: «Rudolf Brun», «Rudolf Schöno», «Die Schweizer über dir, Zürich». Ohne Rücksicht auf das damalige Lese- oder Theaterpublikum untersuchte Bodmer in diesen Stücken die Möglichkeiten und Schwierigkeiten einer freiheitlichen Politik. Die differenzierte Gestaltung politischer Konstellationen und ihrer moralisch ambivalenten Akteure bietet noch heute ein aufregendes Leseerlebnis.
Zwischen 1757 und 1761 entstanden drei Trauerspiele, in denen der Professor für helvetische Geschichte am Zürcher Carolinum, Johann Jakob Bodmer, am Beispiel der frühen Zürcher Geschichte zwischen 1336 und 1443 politische Probleme einer um Freiheit ringenden Stadtrepublik erörterte. Die Politiker Rudolf Brun, Rudolf Schöno und Rudolf Stüssi haben sich vor der Geschichte und in einer konkreten historischen Situation zu bewähren, ohne dass ihnen eine verbindliche moralische Richtschnur Orientierung bietet. Bodmer nahm die historischen Konstellationen so uneindeutig in seine Dramen auf, wie sie sich ihm in den Urkunden darstellten, um seine Schüler und Gleichgesinnte mit der Realität des öffentlichen Lebens zu konfrontieren. Die diskutierten politischen Probleme schienen ihm nur für einen engen, republikanisch gesinnten Zirkel geeignet; daher blieben die Stücke ungedruckt. In ihnen bediente sich Bodmer einer der vornehmsten Tugenden der Aufklärung: Er stellte zunächst einmal alles in Frage, auch die moralischen Massstäbe politischen Handelns. Dies sichert seinen Dramen eine anhaltende Aktualität.