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Die Sitzung des Regierungsrates vom 18. April 1916 war so reich befrachtet, dass der Vormittagstermin nicht ausreichte, um alle Geschäfte zu behandeln. Die Sitzung wurde deshalb nachmittags um vier Uhr ausserordentlicherweise fortgesetzt.
Die Behörde behandelte u.a. zwei Gesuche, in denen eine Familie um einen Strafnachlass nachsuchte: Elisabeth Hefti-Flaig war wegen fortgesetzten, qualifizierten Diebstahls zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die Familie, ihr Ehemann und fünf Kinder im Alter von 17 bis 26 Jahren, bat darum, ihr vier Wochen davon zu erlassen: Dieses Begehren wird damit begründet, dass die Familie die Mutter stark entbehre und sie selbst ihre Tat tief bereue. Der Regierungsrat wies das Gesuch u.a. mit der Begründung ab, es handle sich um eine Gewohnheitsdiebin (Nr. 941).
Das zweite Gesuch betraf Edgar Fleury von Laufen, der wegen Betrug, Gebrauch von falschen Ausweisschriften und Unzucht zu sechs Monaten Arbeitshaus verurteilt worden war: Mit Schreiben vom 11. dieses Monats stellt dessen Frau von Laufen aus das Gesuch, es möchte dem Verurteilten ein Teil seiner Strafe erlassen werden. Dieses Begehren wird damit begründet, dass Edgar Fleury, welcher aus einer der angesehensten Bürgerfamilien von Laufen stamme, trotz allen Eifers sich nicht habe emporarbeiten können und dann in seinem Stolze, als ihm die Mittel ausgingen, gar nicht mehr gewagt habe, nach Hause zu kommen. Von 5 Kindern sei das jüngste nicht einmal 4 Monate alt. Die Familie befinde sich in Armut, weshalb Fleury möglichst viel von seiner harten Strafe erlassen werden möchte, damit der Vater wieder heimkehren könne und sie nicht mehr von milden Beiträgen leben müsste. Zudem empfinde derselbe tiefe Reue. Die Regierung glaubte der Darstellung nicht und wies das Gesuch aufgrund einer Stellungnahme des Direktors der Strafanstalt ab: Nach dem Berichte der Strafanstaltsdirektion steht die Darstellung der Verhältnisse durch die Gesuchstellerin zum Teil in krassem Widerspruch mit den Tatsachen, indem Fleury keineswegs das Bild eines besorgten, sondern vielmehr eines in höchstem Grade pflichtvergessenen Familienvaters biete. Im Juli 1915 habe er seine Familie böswillig verlassen; trotzdem die Frau sich in schwangerem Zustande befunden, habe er in Arbon mit einer Kellnerin ein Verhältnis angeknüpft. Da er dieser nach durchgeführter Ehescheidung die Heirat versprochen, habe er sie veranlasst, ihre Stelle aufzugeben und mit ihm in Konkubinat zu leben. Hiebei habe er sich von ihr unterhalten lassen, und als ihre Ersparnisse aufgezehrt gewesen seien, hätten sich die beiden durch schwindelhafte Vorgaben Kredit verschafft. So sei dann eine Hotelschuld von Fr. 452.20 aufgelaufen, worauf Fleury, der sich zur Legitimation der Polizei gegenüber eines falschen Heimatscheines bediente, als endlich Bezahlung erfolgen sollte, verduftet sei. Bei dieser Sachlage sei es unmöglich, ein Wort zu seinen Gunsten einzulegen und das Gesuch zu befürworten. (Nr. 942)
Ausserdem befasste sich die Regierung mit dem Fall eines Konditors und Sportlehrers, der seine Tanzkurse dazu benütze, um unerfahrene Mädchen anzulocken und zu verführen. (Nr. 962)
Alle übrigen, vom Regierungsrat an diesem Tag behandelten Geschäfte finden sich hier nachfolgend. Es ging u.a. um die Bereinigung der Kantonsgrenze zu Zürich (Nr. 958), eine uneheliche Mutter (Nr. 965), die Versorgung einer Trinkerin (Nr. 951), diverse Strassenfragen (Nrn. 936 und 937) und verschiedene Wirtschaftspatente (Nrn. 943 bis 948):
Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und Bezirks-Anzeiger für Neutoggenburg, Nr. 9, 04.03.1916 (Auszug aus einer Anzeige des Hotels Bahnhalle in Lichtensteig, )