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Report Public Eye, 2020
Rohstoffhändler bezeichnen sich selbst gerne als Logistiker, welche die Lieferung von Waren von A nach B organisieren. Die Realität des Rohstoffhandels ist etwas komplexer. Die grossen Handelshäuser sind zu Meistern von Finanzinstrumenten geworden, die ihnen mehr finanzielle Flexibilität bieten und es ihnen ermöglichen, jegliche Kontrolle durch Banken zu vermeiden.
Zu diesen Instrumenten gehören «Revolving Credit Facilities», die je nach Situation ähnlich wie ein «Blankoscheck» der Banken an die Handelshäuser wirken. Vorfinanzierungen, welche die Trader den Regierungen der Förderländer gewähren, ermöglichen es ihnen, über mehrere Jahre hinweg Öl zu sehr undurchsichtigen Preisberechnungen zu beziehen, die sich der Kontrolle der Finanzinstitutionen entziehen. «Swaps» - der Tausch von Rohöl gegen raffinierte Erdölprodukte - und andere alternative Finanzprodukte schliesslich werden fast gänzlich unter dem Radar der Banken abgewickelt.
Diese sehr komplexen Instrumente zu verstehen, ist entscheidend, um die Schwachstellen und Auswüchse in einem Sektor zu erkennen, der sich weiterhin jeder Form von Regulierung widersetzt.
Dieser Bericht mit dem Titel «Trade Finance Demystified» lehnt sich an Publikationen wie «Commodities Demystified» des Schweizer Händlers Trafigura an. Während Trafiguras Berichte jedoch eine positive Geschichte der Globalisierung erzählen, beleuchten wir die schädlichen Finanzexzesse und Missbräuche, die sich immer mehr der Kontrolle durch die Banken entziehen - wie diverse Skandale und Fälle zeigen, die sich auf dem Schreibtisch der Schweizer Staatsanwaltschaft häufen.