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150 Jahre Siegfriedkarte (swisstopo)
Schon während der Fertigstellung der Arbeiten an der Dufourkarte wurde vor allem aus wissenschaftlich-technischen Kreisen (Geologie, Eisenbahnbau) und von Seiten des 1863 gegründeten Schweizer Alpen-Club (SAC) der Wunsch geäussert, die Aufnahmen in ihrem Original-Aufnahmemassstab 1:25 000 (Jura, Mittelland, Südtessin) bzw. 1:50 000 (Alpenraum) zu publizieren. Parallel dazu wurden im Militärdepartement strukturelle Massnahmen ergriffen und nach dem Vorbild des französischen Dépôt de la Guerre ein Eidgenössisches Stabsbureau geschaffen. Dessen Leiter wurde Hermann Siegfried (1819–1879) aus Zofingen. Zu seinen Aufgaben als Generalstabschef gehörte in erster Linie die Erstellung und Herausgabe des Topographischen Atlas der Schweiz 1:25 000/1:50 000, der ihm zu Ehren auch «Siegfriedkarte» genannt wird.
Gestaltung
Die Siegfriedkarte sollte nach dem Vorbild der Karte des Kantons Zürich erstellt werden, welche 1852–65 als Höhenkurvenkarte im Massstab 1:25 000 erschienen war und die Geländeformen anhand von Höhenlinien wiedergab. In jenen Landesteilen, in denen Schraffenkarten als Grundlagen für die Dufourkarte erstellt worden waren, kam somit für die Siegfriedkarte nur eine Neuaufnahme in Frage. Zudem musste vorwiegend auf Gebirgsblättern häufig entschieden werden, ob die Grundlagen «nur» revidiert werden sollten, oder ob eine Neuaufnahme sinnvoll war.
Gesetzliche Grundlagen
Am 18. Dezember 1868 wurden die beiden Bundesgesetze betreffend die Fortsetzung und betreffend die Publikation der topographischen Aufnahmen erlassen.
Geodätisches Bezugssstem
Die Siegfriedkarte beruht auf dem gleichen geodätischen Bezugssystem wie die Dufourkarte. Einzig als Ausgangshorizont für die Höhen wurde der von Siegfried bestimmte Wert von 376.86 m für den Repère Pierre du Niton eingeführt (der so genannte «alte Horizont»). Als 1903 dieser Wert durch den «neuen Horizont» von 373.6 m ersetzt wurde, blieben sowohl die Höhenkoten als auch die Höhenkurven der Siegfriedkarte unverändert im alten System.
Technischer Ablauf bei der Aufnahme
Weil neben Siegfried in den ersten Jahren nur ein bis zwei Topografen fest angestellt waren, musste der Hauptteil zur Aufnahme der topografischen Grundlagen im Auftragsverhältnis an Privattopografen vergeben werden. Diese mussten sich an die Instruktionen halten, damit trotzdem eine gewisse Einheitlichkeit erzielt werden konnte. Für Revisionen mussten spezielle Vorschriften berücksichtigt werden.
In neu aufzunehmenden Gebieten mussten zuerst mit einer Triangulation 3. Ordnung nach geodätischen Methoden die Koordinaten und Höhen einer genügenden Anzahl von Punkten (Punktabstand 3–5 km) bestimmt werden. Diese wurden vor Beginn der eigentlichen topografischen Aufnahmen im Aufnahmemassstab auf das Messtischblatt übertragen. Im Gelände mussten die Ingenieur-Topografen die Anzahl der Fixpunkte anhand des Messtisches mit einer grafischen Triangulation zuerst noch verdichten, bevor mit den eigentlichen Aufnahmen begonnen werden konnte. Die Geländeformen wurden mittels Höhenlinien wiedergegeben, deren Äquidistanz 10 m (Mittelland, Jura und Südtessin) bzw. 30 m (Alpengebiet) beträgt. Das in Tusche ausgezeichnete Messtischblatt und in der Regel drei Feldbüchlein (Höhen-Register, Strassen- und Wege-Register sowie Nomenklatur) bildeten die Endresultate der Topografenarbeit.
Blatteinteilung
Die Blatteinteilung der Siegfriedkarte beruht auf den bereits von Dufour festgelegten Grundwerten. Zusätzlich zu den Sektionen mit ihrer eigenen Nummerierung wurde eine Blattnummerierung festgelegt, welche aber nicht systematisch aufgebaut ist. Neben der eigentlichen Blattnummer tragen mehrere Blätter noch den Nummernzusatz – bis oder gar – ter.
Reproduktion
Die Blätter des Topographischen Atlas 1:25 000 wurden als Kupferstich in drei Farben (schwarz, braun, blau) reproduziert, jene des Alpengebietes in 1:50 000 als Lithografien. Die ersten Blätter wurden ab 1870 veröffentlicht; die Erstausgabe konnte 1922 (1:25 000, 462 Blätter) bzw. 1926 (1:50 000, 142 Blätter, wovon 118 von Rudolf Leuzinger bearbeitet wurden) abgeschlossen werden. Das Kartenwerk wurde bis 1949 nachgeführt, wobei kein eigentlicher Revisionszyklus erkennbar ist.
Genauigkeit
Die Instruktion von 1888 verlangt für 1:50 000, dass das arithmetische Mittel der Abweichungen von zehn Punkten von ihrer Soll-Lage 0,7 mm [35 m] in der Projektion nicht überschreiten darf. Fehler von 1,5 mm [75 m] sind unzulässig. In 1:25 000 mussten diese Werte unter 0,5 mm [12,5 m] bzw. 1,2 mm [30 m] bleiben. Die Instruktionen enthalten noch differenziertere Angaben. Bei Überlagerungen von Siegfriedkarten mit modernen Landeskarten in Geografischen Informationssystemen (GIS) müssen daher diese Genauigkeitsverhältnisse unbedingt beachtet werden.
Würdigung
War die Dufourkarte die Karte des jungen Bundesstaates, so kann die Siegfriedkarte als jene der Bundesrevision von 1874 bezeichnet werden. Das Kartenbild ist mit der Geländedarstellung anhand von Höhenkurven von wissenschaftlicher Nüchternheit geprägt. Internationale Beachtung fand vor allem die Felsdarstellung, bei denen einzelne Topografen aufgrund ihrer geologischen Kenntnisse grossartige Leistungen erzielten (sog. „genetische“ Felsdarstellung, die vor allem von Fridolin Becker und Xaver Imfeld, beides Schüler des bedeutenden Alpengeologen Albert Heim, zu hoher Perfektion entwickelt wurde).