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Wilhelm Benjamin Hermann, Landschafts- und Marinemaler, geb. zu Berlin,
erhielt zuerst unterricht vom Marinemaler Wilh.
Krause (gest. 1864) und lernte sodann in Paris unter Eugène
Le Poittevin, der einen großen Einfluß auf ihn ausübte. Mit Vorliebe wählt er die Motive seiner Bilder aus der ernsten
Poesie der nordischen Küsten und machte daher wiederholte Reisen in den Küstengegenden des nördlichen Deutschland,
Englands, Frankreichs und Norwegens, obgleich er nach Beendigung seiner Studien 1850 auch die Küsten des Mittelländischen
Meers besuchte.
Seine Bilder haben eine große Tiefe und Leuchtkraft des Kolorits und sind von einer vollendeten harmonischen Wirkung. Besonders
gut gelingt ihm der Effekt des
Sonnen- und Mondlichts, doch geht er hierin nie auf das Seltsame, künstlerisch
nicht Darstellbare aus. Zu seinen bedeutendsten Bildern gehören aus den 60er Jahren: die Insel Neuwerk an der Mündung der
Elbe, Montorgueil von der Seeseite, Wartturm bei L'Etacq, Westküste von Helgoland, Weiher bei Dämmerung, Reiher im Schilf,
Sturm auf hoher See, die blaue Grotte von Capri, Rettungsboot einem strandenden Schoner zu Hülfe
kommend, das Steinbachthal im Harz; aus den 70er Jahren:
Sturm an der Küste von Capri, der Polyphem auf Capri, Vorgebirge
Arkona auf Rügen, Whatcombebai auf der InselWight u. v. a. -
Auch sein Sohn und Schüler
Otto widmete sich der Landschaftsmalerei und ging 1875 zur Beobachtung des
Durchgangs der Venus nach China, von wo er zahlreiche
Skizzen heimbrachte.
Leon Ignazio d', span. Genremaler, geboren in Asturien, wurde Schüler von
Gérôme in Paris, malt Interieurs oder Gartenscenen mit reicher Staffage, gewöhnlich historische Personen des 17. oder 18. Jahrh.
Seine Bilder, ohne große Tiefe
undFrische des Gedankens und der Motive, sind sehr ungleich ausgeführt:
einige fleißig und sorgfältig, andre flüchtig und fast roh, stets aber mit Gefühl für harmonisches Kolorit. Dahin gehören:
Philipp IV., der
Rubens bei Velazquez einführt (1867), Murillo bei den Kapuzinern und die Gallerie Philipps IV. im Prado
(1868), Lucrezia Borgia in Venedig (1869), die Unversöhnlichen, die
Freunde des Malers, die Zeit
Ludwigs
XV. (1870), Empfang des Gesandten, unerwarteter Besuch, der Gang zur Audienz, eine meisterhafte
Kampfscene in der Rivolistraße in Paris u. a.
August Ottmar, Architekt, geb. zu Karlsruhe, besuchte bis 1847 das
Gymnasium, dann die polytechnische Schule daselbst und bezog 1852 die Bauakademie in Berlin. Später
arbeitete er bei der Baudirektion in Karlsruhe und in
Ferstels Atelier in Wien, wo er 1856-64 Ingenieur und Büreauchef der
Österreichischen Staatseisenbahngesellschaft war. 1864-65 war er städtischer Baurat in Graz und Professor für den Hochbau
an der dortigen technischen Hochschule. 1866 wurde er erster Vorstand und Direktor des Germanischen Museums
in Nürnberg.
Schon von Karlsruhe aus machte er 1853-56 mehrere Reisen in Deutschland wie ins Ausland, trat in lebhaften Verkehr mit hervorragenden
Fachgenossen, leitete die Ausstattung und Ausmalung von St. Maria auf dem Kapitol in Köln wie des Doms zu Braunschweig,
errichtete mehrere kleinere Kirchenbauten und entwarf verschiedene zum Teil nicht oder von andern ausgeführte Bauprojekte.
Unter seinen sehr gediegenen litterarischen Arbeiten sind neben zahlreichen Aufsätzen in archäologischen Zeitschriften
hervorzuheben: «Norddeutschlands Backsteinbau im Mittelalter» (1855 bis 1856);
«Die mittelalterlichen Kunstdenkmäler in
Krakau» (1867);
«Quellen zur Geschichte der Feuerwaffen»;
Atlas der Architektur für den Brockhausschen
Bilderatlas und «Kunst- und kulturgeschichtliche Denkmäler des Germanischen Nationalmuseums».
produktiver Bildhauer, zugleich Historienmaler und Architekt, geb. zu Paris, empfing
von seinem Vater, der ebenfalls Künstler war, den ersten Unterricht, wurde dann Schüler von Dupaty und Pradier in der Skulptur,
von Ingres in der Malerei und von Duban in der Architektur. 1828 empfing er für das Plastische Werk:
der von Apollo getötete Hyacinth einen Preis und eine Pension, und nachdem er noch in den Julitagen des Jahrs 1830 mitgefochten
hatte, ging er nach Italien, bildete sich dort zwei Jahre und besuchte dann Algerien, Corsica, Spanien, Deutschland und England.
Eine große Gruppe: Kain und sein Geschlecht von Gott verflucht (1833), brachte ihm eine erste Medaille
und den (bald nachher von ihm ausgeführten) Auftrag für zwei Gruppen an der Westseite des Triumphbogens in Paris: Widerstand
des französischen Volks gegen die eindringenden Alliierten 1814 und Friede von 1815. Gleichzeitig mit diesen Arbeiten und
nach denselben entstanden mehrere Monumentalstatuen und ideale Werke, bis er 1841 das Grabmal Géricaults
schuf, das ihm das Kreuz der Ehrenlegion eintrug und bald nachher das Denkmal Vaubans nebst den beiden allegorischen Figuren
Wissenschaft und Krieg (Dom der Invaliden) zur Folge hatte.
Von seinen übrigen, großenteils später entstandenen plastischen Werken erwähnen wir nur: die Statuen der Leda,
der Olympia und des Komponisten Rossini (1842), an der Oper;
Blanca von Kastilien, im Museum zu Versailles;
Hero und Leander,
im Museum zu Caen;
Karl d. Gr., und St. Benedikt, beide im Luxembourg;
das Denkmal des Malers Ingres, in Montauban, mit dem meisterhaften
Relief der Apotheose Homers;
die Gruppe der Schiffbrüchigen etc.;
dann eine große Zahl von Porträtbüsten, unter denen wir
nur die bekanntesten Persönlichkeiten, wie: Thiers, LouisBlanc, Odilon Barrot, Proudhon, Chateaubriand,
Eugène Delacroix, Alex.
Dumas Vater, Alfred de Vigny, Cavaignac und Berryer nennen.
Auch von seiner Thätigkeit als Maler
gab er manche sehr schätzbare Beweise, z. B.: der Märtyrertod des heil.
Sebastian, Joseph seinen Brüdern die Träume auslegend (1844), der lehrende Christus, Romeo und Julie,
die Flucht nach Ägypten und mehrere Scenen aus dem Leben des Patriarchen Jakob. Seine Thätigkeit auf dem Gebiet der Baukunst
beschränkte sich allerdings fast ganz auf Entwürfe, z. B. für die Neue Oper (1861), für
die Schwimmanstalt im Bois de Boulogne und in Vincennes (1863), für die Kirche der sieben Sakramente
(1864); doch führte er auch einzelne architektonische Grabmäler aus. Auch als Kunstschriftsteller war er thätig und gab
heraus: «Essai sur le beau» (1851);
«Cours élémentaire de dessin» (1853);
Biographien von Pradier und von Ary Scheffer
(1859) sowie zahlreiche Artikel für künstlerische und für politische Journale.
2) Louis Jules, jüngerer Bruder des vorigen, geb. 1810 zu Paris, Historien-,
Genre- und Porträtmaler, ebenfalls Schüler von Ingres. Nachdem er 1833 mit Glück debütiert hatte, ging er im Auftrag
der Regierung nach Dresden und kopierte die Sixtinische Madonna für die Kirche von Agen, dann bereiste er Italien. Unter
den seit 1838 von ihm bekannt gewordenen zahlreichen Bildern nennen wir nur: der erste Anblick des Meers,
der Mönch und der Philosoph, eine Postkutsche am Meeresufer bei stürmischem Wetter, Auferweckung des Jünglings zu Nain,
Laskaris bringt nach der Eroberung von Konstantinopel (1453) die Schätze der Litteratur und Kunst nach Italien, Fischerfamilie
bei einem Schiffbruch, die Vestalin beim Anblick des erloschenen Feuers im Tempel (1866), die heil.
Genoveva, Diana als Jägerin und zahlreiche Bildnisse.