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Geologie und Geschichte
Vor rund 4100 Jahren formte ein gewaltiger Bergsturz das Talboden-Relief des Fernpasses. Die dabei entstandenen Senken füllten sich dann mit Oberflächen- oder Quellwasser, und es bildeten sich die Fernpassseen: Fernsteinsee, Samarangersee, Blindsee, Mittersee und Weissensee. Der Blindsee besitzt keinen Oberflächenabfluss, was vermutlich zu seinem Namen geführt hat.
Während des Zweiten Weltkrieges rückten amerikanische Truppen im März/April 1945 über den Fernpass in Richtung Innsbruck vor. Deutsche Truppen hatten zuvor die Passstrasse an zwei Stellen gesprengt und auf der Passhöhe Stellung bezogen. Zwei 8.8 cm Flakgeschütze standen gut getarnt an der Stelle des heutigen Restaurants Zugspitzblick und beschossen über den Blindsee hinweg auf der Passstrasse vorrückende amerikanische Panzer. Ein Panzer fiel dabei in den südlichen Teil des Sees. Mehrere Tage lang wurde die Stellung hart umkämpft, mit Verlusten von über hundert Soldaten auf beiden Seiten.
Nach starken Schneefällen im Februar 1984 rutschte an der Nordseite des Blindsees ein Abhang ab und riss zahlreiche Bäume mit. Diese verteilten sich auf dem zugefrorenen See. Kurze Zeit später gab die Eisdecke der Last nach und alle Bäume, Äste und Wurzeln verteilten sich auf dem Seegrund. Dies war kein einmaliges Ereignis. Schon früher rutschten Bäume den Abhang hinab und kamen kreuz und quer auf dem Seegrund zu liegen. Doch durch das plötzlich viele Holz drohte der See umzukippen, weshalb ein Grossteil der Stämme entfernt werden musste. Zusätzlich wurde der Bachlauf gefasst und mit einer Röhre auf 25 Meter Tiefe umgeleitet, um das sauerstoffarme Tiefenwasser mit Frischwasser zu versorgen.
Tauchgenehmigung und Anfahrt
Der Blindsee befindet sich in Privatbesitz des Mohr-Life-Resorts in Lermoos und liegt etwa 10 bis 15 Autominuten von diesem in Richtung Fernpass entfernt. Die meist einspurige Zufahrtsstrasse samt Parkplatz gehört der Gemeindeguts-Agrargemeinschaft Biberwier. Seit Juli regelt eine Schranke die Zufahrt zum Blindsee, da es an schönen Wochenendtagen des Öfteren zu wildem Parken auf der engen Zufahrtstrasse gekommen ist. Wenn alle 180 Stellplätze voll sind, bleibt die Schranke zu, bis wieder Autos ausgefahren sind.
Die Tauchgenehmigung kann in Lermoos im Mohr-Life-Resort an der Rezeption oder im Cafe «Il Ducatisti» gleich gegenüber geholt werden. Pro Person und Tag kostet diese 12.50 Euro. Es sind maximal 50 Taucher pro Tag erlaubt. Eine vorherige Reservierung ist daher empfohlen. Die Jetons für die Schranke können auch dort bezogen werden. Pro Auto ist ein Jeton notwendig. Für Hotelgäste ist das Tauchen kostenlos.
In den Wintermonaten bleibt der See geschlossen. Eine Ausnahme wird im Februar für Eistauchen gemacht. Dieses wird von der Tauchbasis «Tauchen im Tirol» in Innsbruck angeboten, welche auch geführte Tauchgänge anbietet für die, die nicht eigenständig tauchen möchten.
Tauchen
Der Blindsee befindet sich auf 1093 Metern über Meer, deshalb nicht vergessen, den Tauchcomputer in den Bergseemodus umzustellen. Die maximale Tiefe beträgt allerdings nur 25 Meter, weshalb man kaum dekopflichtige Tauchgänge machen kann. Bei sehr guten Verhältnissen sind Sichtweiten bis 30 Meter möglich. Im Sommer erreicht die oberste Wasserschicht Badetemperatur, doch die Sprungschicht liegt bereits bei wenigen Metern, und das darunter liegende Tiefenwasser ist maximal 9 °C warm. Ein Trockenanzug oder guter Halbtrockenanzug ist empfehlenswert, ausser man bleibt im Flachwasserbereich.
Vom Parkplatz aus muss eine kurze Strecke durch ein Stück Wald zurückgelegt werden. Der Einstieg befindet sich gleich bei den Felsen beim Bootshaus. Andere Einstiege sollten zum Schutz der Vegetation vermieden werden. Der Seegrund fällt flach ab. Auf verschiedenen Tiefen befinden sich einige Übungsplattformen. Taucht man nach rechts, gelangt man zum Mikadowald, der Hauptattraktion dieses Sees. Zahlreiche ineinander verkeilte Baumstämme reichen von 5 Metern bis in die Tiefe und verleiten dazu, zwischen den Ästen und unter den Stämmen durch zu tauchen. Hier ist Vorsicht geboten, denn wer weiss, wie stabil das ganze Gebilde ist – Mikado eben. Auf der Seeseite gegenüber dem Einstieg trifft man auf eine kleine Steilwand. Auf etwa 20 Meter Tiefe liegt ein kleines Ruderboot. Im Flachwasserbereich findet man viele Pflanzen, in denen sich gerne Fische verstecken. Man begegnet Zander, Karpfen, Schleien, Barsche und Forellen. Es wird einem also nicht so schnell langweilig unter Wasser.
Der südliche Teil des Sees ist nur via einem halbstündigen Fussmarsch vom Parkplatz aus zu erreichen. Auf der Tauchkarte des Hotels Mohr ist dort ehemaliges Kriegsmaterial eingezeichnet. Den legendären Panzer sucht man heute allerdings vergebens. Er wurde vor einigen Jahren für die Bergung gesprengt. Vereinzelt findet man noch Kriegsmaterial (meist Munition) im See. Das Berühren und die Mitnahme ist strengstens verboten. In so einem Falle ist die Stelle zu markieren und die nächste Polizeidienststelle zu informieren. Auch nach über 70 Jahren im Wasser sind noch nicht explodierte Geschosse gefährlich.
Getaucht werden darf nur zwischen 8 und 18 Uhr. Nachttauchgänge sind Gästen des Hotels Mohr vorbehalten. Eine Füllmöglichkeit für Tauchflaschen gibt es bei der Tauchbasis im Hotel Mohr. Dort kann man sich auch Flaschen leihen. Der Betrieb eigener Kompressoren am See ist nicht gestattet.
Unschönes
Zum Schluss leider noch ein Makel, welcher so ganz und gar nicht in die wunderschöne Tiroler Bergwelt passt: Am See gibt es leider keine Toiletten, weshalb an versteckten Stellen im Wald rund um den Parkplatz oft Toilettenpapier und die dazugehörigen Geschäfte zu finden sind. Die Gemeinde Biberwier überlegt die Erstellung von WC-Anlagen. Im Zuge des Umweltschutzes ist dies zu begrüssen, zumal für den Zugang zum See und fürs Tauchen Eintritt verlangt wird.