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Des einen Freud, des anderen Leid: Seit vor einem Jahr die Poyabrücke eröffnet wurde, ist zwar das Burgquartier vom Durchgangsverkehr entlastet, durch das Jura-Quartier fahren jedoch deutlich mehr Autos. Wie viel Verkehr sich effektiv durch die Strassen zwischen der Eishalle und dem Bahnhof zwängt–darüber herrscht Uneinigkeit: Stadt und Kanton hatten Ende Juni über die Auswertung der Verkehrszählungen informiert und vorgerechnet, die Zunahme des Verkehrs auf der General-Guisan-Allee betrage 43 Prozent (die FN berichteten). Das Bürgerkomitee JurAction erklärt sich jedoch nicht einverstanden damit, wie dieser Wert errechnet wurde.
Baustelle berücksichtigt
Springender Punkt sei der «Baustelleneffekt», wie Mitglieder von JurAction gestern an einer Medienorientierung darlegten. Damit das Ausmass des Mehrverkehrs auf der General-Guisan-Allee berechnet werden konnte, mussten die Messwerte der Verkehrszählung 2013 den Messwerten von 2015 gegenübergestellt werden. Metron–das Raumplanungsbüro, das die Messdaten im Auftrag von Stadt und Kanton auswertete–korrigierte bei dieser Berechnung aber zusätzlich noch einen «Baustelleneffekt»: Während der Baustellenphase im Jahr 2013 hätten viele Autofahrer das Jura-Quartier umfahren, um der Baustelle auszuweichen. Um für die Zeit vor der Eröffnung der Brücke einen Vergleichswert heranzuziehen, der aussagekräftig sei, sei der effektive Messwert von 2013 mit einem Kunstgriff um rund zehn Prozent erhöht worden–um jene Autos, die zusätzlich durch die General-Guisan-Allee gefahren wären, hätte sie die Baustelle nicht abgehalten.
Je mehr Autos wegen des «Baustelleneffekts» dazuaddiert werden, desto kleiner wird die Differenz zwischen den korrigierten Messwerten von 2013 und jenen von 2015. Nun kritisiert JurAction, dass die Stadt zwar auch 2014 Messungen durchgeführt, diese Erhebungen aber Metron nicht weitergeleitet habe. Die Werte von 2014 wären nämlich, so JurAction, aussagekräftiger gewesen als jene von 2013, da die Baustellenphase zu diesem Zeitpunkt bereits zu Ende war. JurAction habe deshalb eigene Berechnungen zur Verkehrszunahme angestellt: Der Messwert von Herbst 2014 zeige, dass der «Baustelleneffekt» nur minim war, also viel weniger ins Gewicht fiel, als Metron ihn einberechnete–der «Zuschlag» von zehn Prozent sei nicht begründet. JurAction erhält durch die eigenen Berechnungen mit den Werten von 2014 einen Zuwachs von nicht nur 43 Prozent, sondern von 56 Prozent.
Keine exakte Wissenschaft
«Hanebüchen» seien diese Berechnungen, sagt der Freiburger Gemeinderat Thierry Steiert (SP) den FN. Er könne nicht verstehen, dass JurAction aus einer Wissenschaft, die mit einem Ungenauigkeitsfaktor behaftet sei, eine exakte Wissenschaft machen wolle. Es würden mit der Brechstange Verschwörungstheorien untermauert. Die Poyabrücke sei nie ein Zaubermittel zur Verhinderung aller Verkehrsstaus gewesen. «Doch das System Poya funktioniert», so Thierry Steiert.
Ähnlich sieht es die kantonale Raumplanungsdirektion: Wie sie auf Anfrage schreibt, hätten die Messwerte gezeigt, dass das Hauptziel der Poyabrücke–die Entlastung des Burgquartiers–erreicht worden sei. Die Gemeinden seien bestrebt, die nötigen Begleitmassnahmen, die der Mehrverkehr erfordere, in die Wege zu leiten. Gemeinderat Thierry Steiert betont, diese Massnahmen würden noch vor Ende Jahr vorgestellt.
Mehrverkehr: JurAction will Massnahmen
I m Zusammenhang mit dem Baubewilligungsverfahren der Poyabrücke haben die Gemeinden Freiburg und Granges-Paccot einen Teilverkehrsrichtplan verabschiedet, der die Begleitmassnahmen bezüglich Mehrverkehr regelt. Diese Begleitmassnahmen sind für die Behörden verbindlich. Sollten die vorgesehenen Massnahmen den Zielsetzungen nicht genügen, müssten zusätzliche Massnahmen geplant und umgesetzt werden. «JurAction will nur die Einhaltung dieses Plans. Vier von sieben Zielen sind allerdings bis jetzt nicht erreicht worden», bilanziert Christoph Schütz, Mitglied des Bürgerkomitees. Der Plan laufe jedoch schon im Herbst 2016 aus. Seien die Ziele bis dann nicht erreicht, würde Freiburg die Kürzung von Bundessubventionen drohen. «Die schönen Projekte, die im Moment im Burgquartier gedeihen, dürfen nicht auf dem Rücken der Einwohner im Jura-Quartier durchgeführt werden.» ko