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| Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)

Drittes Buch [361—363]
10. Apollo von Daphne und der heilige Babylas
Als Julian gegen die Perser zu Felde ziehen wollte, schickte er die ergebensten seiner Diener zu allen im römischen Reiche befindlichen Orakeln; er selbst aber bat den Pythius in Daphne flehentlich, ihm doch die Zukunft zu offenbaren. Allein dieser erwiderte, die in der Nähe bestatteten Toten stünden der Weissagung hinderlich im Wege; erst müßten diese an einen anderen Ort verbracht werden, dann erst könnte er die Vorhersagung bekanntmachen. „Denn ich kann nicht wohl etwas kundgeben, so lange der mir geweihte Hain nicht vollständig gereinigt ist.”
Es ruhten damals an diesem Orte die Reliquien des siegreichen Martyrers Babylas und der Jünglinge, [S. 182] welche mit ihm das Martyrium bestanden hatten, und es war klar, daß der Lügenprophet um des Heiligen willen an seiner gewohnten lügenhaften Wahrsagerei gehindert wurde. Dieses sah auch Julian ein, denn er kannte von seinem früheren christlichen Leben her die Macht der Martyrer; darum ließ er auch keinen anderen Leichnam von dort entfernen, sondern befahl nur den Verehrern Christi, die Reliquien der siegreichen Martyrer hinwegzubringen. Diese aber begaben sich mit Freuden in den Tempelhain, luden den Reliquienschrein auf einen Wagen und gingen alle miteinander vor demselben her, bildeten Chöre, sangen die Psalmen Davids und antworteten zu jedem Verse: „Zu Schanden werden sollen alle, die Götzenbilder anbeten1!” Denn sie betrachteten die Übertragung des Martyrers als eine Niederlage des Teufels.
1: Ps. 96, 7 [Ps. 97, 7].