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Die Hälfte aller Sprachen steht vor dem Aussterben
Seit dem Jahr 2000 wird jährlich am 21. Februar der internationale Tag der Muttersprache begangen. Grund dafür ist die akute Bedrohung vor dem Aussterben von rund der Hälfte aller gesprochenen Sprachen.
Auf Anraten der Unesco haben die Vereinten Nationen den 21. Februar zum internationalen Tag der Muttersprache erkoren. Seit dem Jahr 2000 wird der Tag jährlich begangen und soll auf die akute Bedrohung der Sprachvielfalt aufmerksam machen. Nach Einschätzung der Unesco sind die Hälfte der rund 6000 Sprachen, die heute weltweit gesprochen werden, vom Verschwinden bedroht.
Der Internationale Tag der Muttersprache soll an die Bedeutung des Kulturguts Sprache erinnern. Ausserdem soll der Tag die Sprachvielfalt und den Gebrauch der Muttersprache fördern und das Bewusstsein für sprachliche und kulturelle Traditionen stärken, heisst es bei der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Gefahr auch bei uns spürbar
Doch die Gefahr vor dem sprachlichen Verfall bedroht nicht nur weit entfernte Regionen und fremde Kulturkreise auf unserem Planeten, sondern ist auch mitten unter uns spürbar. Romanisch ist seit 80 Jahren eine der vier Amtssprachen in der Schweiz und wird von Bund und Kanton gefördert. Trotzdem wird Romanisch in der ganzen Schweiz nur noch von rund 35 000 Menschen als Hauptsprache gesprochen. Die rätoromanische Sprache gehört daher zu den gefährdeten Sprachen Europas.
Insgesamt gibt es heute noch fünf Idiome im Rätoromanischen. Idiome sind unterschiedliche Spracheigenschaften, die von einer kleinen Anzahl Personen gesprochen und geschrieben werden.
Die fünf Idiome heissen:
- Sursilvan:
Am meisten gesprochenes Idiom.
- Sutsilvan:
Noch von etwa 1000 Personen gesprochen.
- Surmiran:
Knapp die Hälfte der Bündner Bevölkerung beherrscht dieses Idiom.
- Puter:
Wird von einem Drittel der Bevölkerung Graubündens gesprochen.
- Vallader:
Rund 6000 Leute in der Region sprechen Vallader.
Doch es besteht auch Hoffnung. Denn solange die Einwohner Graubündens die Sprache sprechen und lernen wollen, solange wird es diesen zum Italienisch gehörenden Sprachzweig auch geben.
Konflikt in Pakistan als Ursprung
Im geschichtlichen Kontext nimmt der Tag der Muttersprache Bezug auf den 21. Februar 1952. Damals fand in Dhaka, der Hauptstadt des damaligen Ost-Pakistans, eine Demonstration gegen den Beschluss der Regierung statt, die Sprache Urdu zur Amtssprache zu erheben.
Urdu war damals die Sprache der herrschenden Schichten in Pakistan und der Muslim-Liga, auf deren Betreiben der Staat Pakistan gegründet wurde. Allerdings hatten nur etwa drei Prozent der Bevölkerung Urdu gesprochen, während die Muttersprache von über 56 Prozent der Gesamtbevölkerung in West- und Ost-Pakistans Bengali (Bangla) war.
In Ost-Pakistan lag der Anteil damals sogar bei 98 Prozent. In der Folge erklärte Ost-Pakistan 1971 nach einem neunmonatigen Bürgerkrieg seine Unabhängigkeit von Pakistan. Die Landessprache im neuen Staat Bangladesch war fortan Bengali.