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Gleichstellung auf dem Zürcher Arbeitsmarkt, Vergleich: 1991 - heute
Frauen haben beim Bildungsstand aufgeholt
Zentrales Merkmal einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn ist die Ausbildung. Viele heute feststellbare Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt lassen sich mit den historisch bedingten Geschlechterunterschieden beim Bildungsstand erklären. Ähnliche Bildungsvoraussetzungen sind deshalb wichtig für das Erreichen der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt. Die markanteste Entwicklung seit 1991 ist die wachsende Zahl der tertiär (höhere Berufsbildung, Hochschule) ausgebildeten Frauen, ihr Anteil ist von 14% auf beinahe 50% angestiegen. Der Unterschied zu den Männern hat sich damit deutlich reduziert. Der Anteil der Frauen, die nur einen Abschluss auf Sekundarstufe I (obligatorische Schule) aufweisen, hat ebenfalls deutlich abgenommen und sich mit knapp 10% demjenigen der Männer angeglichen. In Sachen Bildungsstand haben sich die Profile von Frauen und Männern in den letzten Jahrzehnten also deutlich angeglichen, womit eine wichtige Voraussetzung für die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt erfüllt sein dürfte.
Erwerbsbeteiligung verändert sich kaum
Frauen und Männer nehmen unterschiedlich stark am Erwerbsleben teil. Die Erwerbsquote beziffert jenen Bevölkerungsanteil, der seine Dienstleistungen auf dem Arbeitsmarkt anbietet (Erwerbspersonen), gemessen an der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren. Die Erwerbsquoten der Frauen und Männer haben sich im Kanton Zürich seit 1991 etwas angenähert. Während diejenige der Männer leicht gesunken ist, ist diejenige der Frauen etwas angestiegen. Der Unterschied beträgt jedoch immer noch 10 Prozentpunkte. Wird die Erwerbsbeteiligung zusätzlich um den Beschäftigungsgrad bereinigt, fällt der Geschlechterunterschied bei der Erwerbsquote noch deutlich grösser aus.
Teilzeitarbeit bleibt ein vorwiegend weibliches Phänomen
Nach wie vor arbeiten Frauen häufig in Teilzeitpensen, während Männer deutlich öfter voll erwerbstätig sind. Für beide Geschlechter hat sich der Anteil derjenigen erhöht, welche in einem hohen Teilzeitpensum (50–89%) tätig sind, während sich der Anteil der Vollzeiterwerbstätigen parallel reduziert hat. Bei den Männern ist der Anteil derjenigen, welche in einem kleinen Teilzeitpensum (<50%) tätig sind, in den letzten 28 Jahren etwa in dem Umfang angestiegen wie er bei den Frauen zurückgegangen ist. Trotz dieser ausgleichenden Entwicklungen ist Teilzeitarbeit auch heute noch ein vorwiegend weibliches Phänomen. Die weibliche Teilzeitarbeit lediglich mit Kinderbetreuungspflichten zu begründen, wäre jedoch verfehlt. Frauen arbeiten auch ohne Kinder im Haushalt häufiger Teilzeit als Männer, wie ein Blick auf die Erwerbsmodelle von Paarhaushalten zeigt.
Frauen bleiben auf Führungspositionen untervertreten
Teilzeitarbeit führt nicht nur zu geringerem Erwerbseinkommen und damit einer schlechteren Altersvorsorge, sie erschwert auch das Erklimmen der Karriereleiter. Kaderstellen in Teilzeitpensen stellen noch immer eher die Ausnahme als die Regel dar. Der Frauenanteil in der Führung ist auch heute noch weit weg von der Parität. Im Jahr 1994 gaben 59'000 Frauen an, eine Führungsposition inne zu haben. Dies entsprach einem Frauenanteil von 30%. Heute haben 82'000 Frauen eine Führungsposition, was einem Anteil von 35% entspricht. Nach einem anfänglich leichten Anstieg des Frauenanteils in Führungspositionen, stagniert dieser nun seit einigen Jahren. Weibliche Führungskräfte könnten die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt in zwei Richtungen beschleunigen. Einerseits indem dadurch Gleichstellungsthemen stärker aufs Tapet kommen, andererseits indem weibliche Führungskräfte als Rollenvorbilder für die nächste Generation wirken.
Lohnlücke schliesst sich nur langsam
Der Bildungsstand und die berufliche Stellung sind zwei wesentliche Merkmale, die den auf dem Arbeitsmarkt erzielbaren Lohn bestimmen. Löhne werden jedoch oft individuell ausgehandelt und basieren auf persönlichen Qualifikationsmerkmalen sowie den Anforderungen einer Stelle. Der Vergleich von Löhnen über Unternehmen und Berufsgruppen hinweg ist deshalb nicht trivial, dazu müssen die Löhne standardisiert und möglichst alle lohnrelevanten Merkmale vergleichbar erfasst werden (für den standardisierten monatlichen Bruttolohn werden Teilzeitstellen umgerechnet auf Vollzeit, basierend auf monatlich 4.5 Wochen zu 40 Arbeitsstunden). Dieser standardisierte monatliche Bruttolohn betrug im Jahr 2016 in der Gesamtwirtschaft des Kantons Zürich für Frauen 6'200 Franken, für Männer 7'400 Franken. Dabei handelt es sich um den sogenannten Median, jenen Lohn, der die Geschlechtergruppen in jeweils zwei Hälften teilt; eine Hälfte der Arbeitnehmenden verdient mehr, die andere weniger als den ausgewiesenen Medianlohn. Zwischen den Geschlechtern gibt es also gesamthaft eine Medianlohndifferenz von 16%. Unterschieden nach den Sektoren «Privat» und «Öffentlich» zeigt sich ein deutlich grösserer Lohnunterschied in der Privatwirtschaft als im öffentlichen Sektor. Für den Kanton Zürich lassen sich die Lohnunterschiede erst seit 2002 untersuchen. Die Zahlen für die gesamte Schweiz weisen jedoch darauf hin, dass die Lohnunterschiede im Jahr 1994 noch höher waren und seither in der Privatwirtschaft tendenziell rückläufig sind. Im gesamten öffentlichen Sektor des Kantons Zürich stagniert der Lohnunterschied hingegen bei etwas über 10%.
Der individuelle Lohn hängt ab von persönlichen Qualifikationsmerkmalen (Ausbildung, Dienstjahre) sowie arbeitsplatzbezogenen Eigenschaften (berufliche Stellung, Anspruchsniveau der Tätigkeit, Branche, Unternehmensgrösse). Ein Teil des Lohnunterschieds kann also durch beobachtbare Merkmale erklärt werden, der restliche Unterschied bleibt «statistisch nicht erklärbar». Im Jahr 2014 waren 36% der Lohnunterschiede in der Zürcher Privatwirtschaft erklärbar, vgl. Schnell 2016.
Je höher das Ausbildungsniveau, desto grösser der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen, womit die Unterschiede auf Ebene der universitären Hochschule am grössten sind. Unterschieden nach beruflicher Stellung zeigt sich ebenfalls, dass die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern umso höher sind, je höher die Hierarchiestufe im Unternehmen und damit je praller gefüllt die Lohntüte ist.
Lohnunterschied wächst in Familiengründungsphase an
Eine bedeutende Stellung im Kontext von geschlechterspezifischen Lohnunterschieden nimmt auch das Alter ein. Einerseits hat es in Form von Berufserfahrung einen direkten Einfluss auf den Lohn, andererseits widerspiegelt es sich auch in zentralen lohnwirksamen Faktoren wie der beruflichen Stellung oder dem Bildungsstand. Wegen mutterschaftsbedingter Unterbrüche haben Frauen oft weniger Berufserfahrung als gleichaltrige Männer. Die Entwicklung der Medianlöhne von Frauen und Männern zeigt, dass der Lohnunterschied mit dem Alter ansteigt und den Höchstwert von knapp 1'900 Franken oder etwas über 20% Mitte 40 erreicht. In den verbleibenden Erwerbsjahren verharrt der Lohnunterschied bei diesen 20%. Die Lohnkluft zwischen den Geschlechtern entsteht also zwischen dem dreissigsten und dem vierzigsten Altersjahr. Es liegt nahe, hier einen Zusammenhang mit der Familiengründung zu vermuten, denn das Durchschnittsalter der Mütter bei der Erstgeburt beträgt im Kanton Zürich 31 Jahre. Der Vergleich mit 2002 zeigt, dass die Lohnunterschiede in allen Altersjahren heute tiefer ausfallen. Zudem geht die Lohnschere zwischen 30 und 40 nicht mehr ganz so stark auseinander wie noch 2002.
Wie steht es um die Gleichstellung auf dem Zürcher Arbeitsmarkt?
Die obigen Indikatoren zeigen ein gemischtes Bild. Beim Bildungsstand haben die Frauen stark aufgeholt und der Rückstand beim Anteil der Hochqualifizierten an den Erwerbstätigen dürfte sich schon bald ganz schliessen. Eine wichtige Voraussetzung zum Erreichen der Gleichstellung ist also gegeben. Wie stark die Frauen Ihre Qualifikationen in den Arbeitsmarkt einbringen, hängt jedoch auch stark davon ab, welches Erwerbsmodell sie in ihrer Partnerschaft verfolgen. Teilzeitarbeit ist nach wie vor ein vorwiegend weibliches Phänomen, was in tieferen Löhnen und weniger Zugang zu Führungspositionen resultiert. Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern schliesst sich nur langsam, der nicht erklärbare Lohnunterschied stagniert. Das Auseinanderdriften der Lohnentwicklung in der Familiengründungsphase weist darauf hin, dass sich eine Mutterschaft nach wie vor nachteilig auf das Erwerbspotential von Frauen auswirkt.