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I Der Krieg
Historische Figuren:
Fiktive Figuren:
Aus dem Kirchenbuch Bergün erfahren wir, dass Dans Polckla und Barbla l’g Plesch am 2. Juli 1592 geheiratet haben. Barbla war möglicherweise die Tochter oder Enkelin von Plesch Fallett, der im Estim von 1568 zum letzten Mal auftaucht. Danz hatte drei Brüder, von denen zwei mit ihm im Estim von 1599 auftauchen: Christoffel und Bernardin. Seine Eltern hiessen Jacum und Catrina (vgl. die Liste der Pol Clos bei den Stammbäumen).
Das Durchschnittsalter bei der ersten Heirat lag damals beim Bauernstand für Männer bei ungefähr 25-27 Jahren und bei Frauen bei ungefähr 23-27 Jahren. Es werden daher für Danz und Barbla Geburtsjahre um 1565-1570 angenommen. Beim Einsetzen der Handlung von "Bergünerstein“ wären die beiden ungefähr 33-38 Jahre alt.
Die Wegzollpacht
Am 15. November 1603 wurde in Bergün eine Urkunde ausgestellt, in der die für die neue Strasse durch den Bergünerstein zu erhebenden Weggelder im Detail aufgeführt sind. Zudem wird gesagt, dass "Dantz Paul Clau, dieser Zÿtt Dorffmeister in Bergin" die Erhebung dieses Weggeldes für die Summe von 570 Gulden gepachtet hat.
Danz Pol Clo hatte 1603 das Amt des Dorfmeisters inne, auf Romanisch Cuvih (Bergünerisch: Cuej). Dorfmeister waren für die Organisation der Zusammenarbeit im Dorf, auf den Wiesen, Weiden und Äckern sowie auf den Alpen zuständig, sie organisierten die Einsätze im Gemeinwerk, beaufsichtigten beispielsweise die Instandhaltung von Zäunen und Wegen auf Gemeindegebiet, regelten Streitfälle und zogen Bussen ein.
Verarmung
In den Estims lässt sich der finanzielle Niedergang der Familie Danz Pol Clo verfolgen. In den Estims von 1599 und 1609 erscheint Danz Pol Clo jeweils mit einem Vermögen von 2000 Gulden. Die Familie bewegte sich damit im unteren Bereich der unabhängig wirtschaftenden Bauernfamilien. Im Estim von 1622 sind die "Dantz Polclo Erben" noch mit 750 Gulden aufgeführt, im nächsten, undatierten Estim mit 200, und 1633 schliesslich erscheinen Dantz PolCla Töchter Malgaretta und Urschla, immer noch mit 200 Gulden.
Im besten Fall bedeutet dies, dass ein Teil des Besitzes den Kindern bei deren Heirat überschrieben wurde, also beispielsweise Tochter Anna, die am 12. Juni 1631 Jachiam Crastoffel dilg Tschiender heiratete. Es ist auch möglich, dass weitere Kinder im Rahmen eines Erbvorbezugs Vermögenswerte erhielten, von denen wir nichts wissen. (Vgl. den Artikel über die fiktiven Söhne der Familie hier.)
Wahrscheinlicher ist aber, dass die Familie nach dem Tod des Vaters vor 1622 verarmte. Die die beiden unverheiratet gebliebenen Töchter Malgaretta und Urschla könnten noch eine letzte Wiese besassen haben und hätten als arme Tanten bei bessergestellten Verwandten unterkommen müssen.
Quellen/Bildnachweis
Kirchenbuch Bergün, Gemeindearchiv Bergün und Staatsarchiv Graubünden (Mikrofilm).
Cudesch da Estims, in Privatbesitz, digitaliserte Version online hier.
Dokument Nr. 47, 15. November 1603, Vertrag über die Wegzollpacht. Gemeindearchiv Bergün.
Original- und Kopialbücher mit alten Bergüner Dorfordnungen und Verträgen im Gemeindearchiv Bergün und Staatsarchiv Graubünden (STAGR A 313 und A 773).
Statuts Criminels d'ün hundro comön da Brawuoing, digitalisierte Kopie der Bibliothek der Universität Pennsylvania.
Tschantamaints da Bravuogn e Latsch, 1643-1784. Annalas da la Societad Retorumantscha, 84/1971
Schorta, Andrea: Tschantamaints/Dorfordnungen verschiedener Ortschaften. Veröffentlicht in Buchform und teilweise in den Annalas da la Societad Retorumantscha.
Literatur
Cloetta, Gian Gianett: Bergün-Bravuogn: Heimatkunde. Bergün, 1954
Mathieu, Jon: Von Bauern und Bären. Eine Geschichte des Unterengadins von 1650 bis 1800. Chur, 1987
Barbara von Planta Schalkett (Duonna Barbara) war die ältere Schwester von Rudolf von Planta (Chavalier Raduolf) und Pompejus von Planta, die in den Bündner Wirren eine zentrale Rolle spielten. Als Vertreterin dieser mächtigen Familie und Ehefrau des Podestà Johann Schalkett (Sar Giannin) war sie im Bergün um 1600 zweifellos die führende Dame.
In den Quellen hat sie trotzdem nur wenige Spuren hinterlassen: Das Kirchenbuch von Bergün vermerkt ihre Heirat mit Sar Jann Schalkett im September 1593, und das Staatsarchiv Graubünden bewahrt einen Brief von ihr an Johann von Salis-Samedan (Vicari Gian) vom Februar 1610.
Anna von Planta Prevosti, die jüngere Schwester von Barbara, Rudolf und Pompejus, erscheint im Zusammenhang mit dem Thusner Strafgericht von 1618 mehrmals in den Quellen: vor dem Strafgericht wie auch vor dem Bundestag fordert sie, dass ihr Anteil am väterlichen Erbe aus dem Besitz von Rudolf auszuscheiden sei, bevor dieser konfisziert würde. Zweifellos hatte auch Barbara von Planta in Zernez Vermögenswerte geerbt - wahrscheinlich landwirtschaftliche Grundstücke.
Barbara von Planta wurde vor 1569 geboren. Zu Beginn der Handlung von "Bergünerstein“ ist sie demnach ungefähr 35 Jahre alt. Sie hatte vier Kinder: Chiatrina, Balthasar, Rudolf und Barbla. In "Bergünerstein" werden die Kinder von ihr erzogen, wie es sich für Sprösslinge des Herrenstandes gehört: die Mädchen lernen lesen, schreiben, sticken und Haushaltsführung, die Knaben erhalten eine höhere Bildung und werden auf eine Ämter- oder Militärlaufbahn vorbereitet. Nachgewiesen ist, dass Balthasar 1615 an der höhere Schule in Zürich als Student eingeschrieben war.
Podestà Johann Schalkett verstarb im Oktober 1618, zum Ärger der Ankläger am Thusner Strafgericht, die ihn gerne wegen seiner Teilnahme am Zuozer Einverständnis von 1612 belangt hätten. (Das Gericht lehnte das Ansinnen der Bergüner ab, statt Johann Schalkett dessen Erben vorzuladen.)
Da Barbara von Planta im Bergüner Estim von 1622 weder als Erbin noch als neues Familienoberhaupt genannt wird, muss sie entweder ebenfalls gestorben sein oder aber Bergün nach dem Tod ihres Mannes verlassen haben.
Von den vier Kindern scheinen nach 1622 nur noch Rudolf und Barbla in Bergün gelebt zu haben. Chiatrina hatte bereits 1617 Sar Jan Liun, einen Verbündeten ihres Onkels Rudolf, geheiratet und war mit ihm nach Zernez gezogen. Balthasar wurde im Januar 1620 vom Strafgericht in Davos gefoltert und lebte danach in Zernez, wo er später das Amt des Landammanns (Mastrel) bekleidete. 1633 stand er als Hauptmann in französischen Diensten.
Barbara von Planta Schalkett ist nicht zu verwechseln mit ihrer Tante desselben Namens, der jüngeren Schwester ihres Vaters Balthasar. Diese ältere Barbara von Planta war ebenfalls mit einem Johannes Schalkett aus Bergün verheiratet, der 1549 als Landammann genannt wurde und wahrscheinlich der Grossvater von Podestà Johann Schalkett war. Eine Übersicht über die komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Schalkett und den Planta bietet der entsprechende Stammbaum "Die Verschwägerung der Schalkett mit den Planta".
Quellen/Bildnachweis
Kirchenbuch Bergün, GA Bergün/Staatsarchiv Graubünden (Mikrofilm)
Brief von Barbara von Planta an Johann von Salis-Samedan, 11. Februar 1610, StAGR D II a3
Brief von Hauptleuten in frz. Diensten vom 28.6.1633, unterschrieben u.A. von Balthasar Schalkett, StAGR D V/3.230.124
Literatur
Juvalta-Cloetta, L.: Einige Notizen über die Schalchett'sche Familie. Bündnerisches Monatsblatt, 1930
Sprecher von Bernegg, Fortunat; Mohr, Conradin von; Planta, Peter Conradin: Stemmatographia [...] der Familie Planta, 1898
Färber, Silvio: Der Bündnerische Herrenstand im 17. Jahrhundert. Zürich, 1983
Grimm, Paul Eugen: Die Anfänge der Bündner Aristokratie im 15. ud 16. Jahrhundert. Zürich, 1981
Bonorand, Conradin: Bündner Studierende an höhern Schulen der Schweiz und des Auslandes im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation. Jahresbericht der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft von Graubünden, 1949.
Mastrel Cla war ohne Zweifel die schillerndste Persönlichkeit Bergüns um 1600. Er taucht nicht nur in Bergüner Quellen auf, sondern hat wegen verschiedener Streitereien und Gerichtsfälle auch in den Akten des Bundestags in Chur zahlreiche Spuren hinterlassen.
Mastrel Cla hiess ursprünglich Cla Giargieli Pol Clo, änderte aber seinen Familiennamen zu Gregori. In den Quellen taucht er unter beiden Namen auf. Er entstammte einem wohlhabenden Zweig der in Bergün zahlreich vertretenen Familie Pol Clo. Bereits sein Vater, ebenfalls Giargieli genannt, war Mastrel gewesen. Eine Schwester oder Tante war mit Jannöli (Jakob) Schalkett verheiratet, einem Mitglied der im 16. Jahrhundert reichsten Familie im Dorf. Jannöli hatte im Jahr 1573 das Podestatenamt von Morbegno bekleidet und war mehrfach Mastrel von Bergün gewesen.
Mastrel Clas Familie
Mastrel Clas Geburtsjahr ist nicht bekannt, lässt sich aber ungefähr ermitteln. Als erstes seiner Kinder heiratete Tochter Urschla im Jahr 1601. Nimmt man für Urschla ein Heiratsalter von 20 Jahren an und war sie das älteste Kind des Mastrels, wäre sie also um 1581 geboren, und der Mastrel hätte 1580 geheiratet. Sein Geburtsdatum liegt somit wahrscheinlich irgendwo zwischen 1550 und 1560.
Da das Eheregister im Kirchenbuch Bergün erst 1585 einsetzt, ist der Name von Mastrel Clas erster Ehefrau nicht bekannt. Es könnte sich aber um eine Tochter der Familie Marchett (Marcket) handeln, dafür würde der ungewöhnliche Vorname Marchett des erstens Sohns von Mastrel Cla sprechen. Möglicherweise ist Mastrel Cla identisch mit dem Giargieli Polckla, der am 24. Mai 1586 Anna Modein geheiratet hat - dies wäre seine zweite Ehe gewesen. Sicher ist, dass Mastrel Cla am 11. Oktober 1614 Duonna Ursina Salice geheiratet hat, die Tochter des Bergwerksbetreibers Johann von Salis-Samedan (Vicari Gian).
Mastrel Cla hatte mindestens zehn Kinder, denn im Estim von 1622 erscheinen zehn Personen als seine Erben. Die meisten von ihnen haben sich in Bergün verheiratet, wobei sich in der Wahl der Ehefrauen für die Söhne eine zunehmende Vorliebe für Töchter aus dem Herrenstand der Bünde ablesen lässt. Details zu Mastrel Clas Kindern gibt es auf der Seite Stammbäume.
Kaufmann, Konditor und Politiker
Der Lokalhistoriker L. Juvalta-Cloetta berichtet (leider ohne Quellenangabe), dass Mastrel Cla vor 1590 als Kaufmann in Venedig tätig war und dass er nach seiner Rückkehr von dort der Kirche von Bergün eine Glocke spendete. In den Unterlagen von Gian Gianett Cloetta, dem bedeutendsten Bergüner Heimatforscher, findet sich zudem ein Hinweis, dass Mastrel Cla in Venedig eine Konditorei geführt habe und diese später gewinnbringend verkauft habe. Gemäss der Aufstellung in Cloettas "Heimatkunde" bekleidete Mastrel Cla mehrere Male das Amt des Mastrels (Ammanns), nämlich mindestens 1589, 1590, 1591 und 1607. Ein Dokument aus Bergün aus dem Jahr 1601 nennt ihn für dieses Jahr als amtierenden Mastrel.
In seiner Funktion als Mastrel, aber auch als ehemaliger Kaufmann in Venedig, sandte er am 4. Juli 1591 einen Brief an den Dogen von Venedig, in dem er um die Freilassung des jungen Bergüners Jacob Albiert bat, der zu einer Galeerenstrafe verurteilt worden war. Im Brief schreibt Mastrel Cla, es handle sich beim jungen Albiert um einen unbescholtenen Mann, der sich nie etwas habe zuschulden lassen kommen. Jacob müsse für seine 80jährige Mutter sorgen und sei überhaupt nur verurteilt worden, weil er in Brescia in schlechte Gesellschaft geraten sei. Ob seine Intervention Erfolg hatte, ist zweifelhaft - während Jacob Albierts Vater im Estim von 1562 noch genannt wurde, erscheint er selber nie.
Gerichtsfälle
Mastrel Cla war in zahlreiche Gerichtsfälle verwickelt. Von allen Einwohnern Bergüns um 1600 erscheint er daher mit Abstand am häufigsten in den Akten des Bundestags in Chur.
1598 wurden Ammann Clas Gregori und das Gericht Bergün zu je 50 Kronen Busse verurteilt, wegen „Zuwiderhandlung gegen Abschiede des Bundestags". Es könnte sich dabei um einen widerrechtlich erhobenen Viehzoll handeln, von dem in den Akten von 1594 die Rede ist.
Um 1600 finden sich mehrere Einträge im Bundestagsprotokoll bezüglich eines Streits zwischen Mastrel Cla und der Gemeinde Bergün. Worum es bei dem Streit ging, ist im Protokoll nicht vermerkt, aber wir erfahren, dass der Bundestag ein unparteiisches Schiedsgericht zur Schlichtung ernannt hat.
Im Jahr 1601, am 8. August und 23. Oktober, vertrat Mastrel Cla seinen Sohn Giargieli im Eheverfahren Gregori, Sohn des Mastrel Cla, gegen Ursula del Thöni del Galles von Bergün (Details s. Eintrag zu Giargieli).
Auf dem Bundstag vom 17. Juni 1601 und dem Beitag im Mai 1603 vertrat Mastrel Cla wiederum seinen Sohn Giargieli, diesmal in einem Rechtshandel gegen Ursula Ambriesch von Bergün. Der Beitrag ordiniert, dass die beiden den Rechtsspruch des Gerichtes Bergün akzeptieren sollen. Es ist möglich, dass es auch hier um ein Eheverfahren ging.
1605 erwähnen die Akten einen Streit zwischen Mastrel Cla (und/oder seinem Sohn) und Ammann Peter Jecklin. Wieder ist nicht ersichtlich, worum es bei dem Streit ging. Dafür wird die renitente Natur Mastrel Clas deutlich: das vom Bundestag eingesetzte Schiedsgericht lehnte er ab und machte so lange Druck, bis ein neues bestellt wurde, bestehend aus Prefectenrichter Andreas Jenni, Landeshauptmann Rudolf von Planta (Chavalier Raduolf), Vicari Albert Dietegen von Salis, Vicari August von Travers und Landammann Fortunat von Juvalta.
Rudolf von Planta, Albert Dietegen von Salis und Augustin Travers waren in den kurze Zeit später ausbrechenden Bündner Wirren Anführer der spanischen Partei - falls Mastrel Cla, wie anzunehmen ist, ein Anhänger Venedigs war, muss ihm dieses Gericht noch weniger behagt haben als das ursprüngliche! Einem enervierten Brief von Ammann Peter Jecklin an Bürgermeister und Rat von Chur vom 28. Juli 1606 lässt sich entnehmen, dass der Streit auch ein Jahr danach noch nicht beigelegt war.
Am 16. Oktober 1610 ereignete sich der im Buch beschriebene Aufruhr bei der Ammannwahl, über den wir dank ausführlicher schriftlicher Aussagen der Streitparteien besser Bescheid wissen als über die anderen Gerichtsfälle Mastrel Clas.
Sagenhafter Reichtum
Gemäss Cudesch da Estims war Mastrel Cla Zeit seines Lebens einer der reichsten Männer Bergüns. Nach dem Tod seines Vaters erscheint er 1579 zum ersten Mal im Estim, mit einem Vermögen von 2000 Gulden, während seine Mutter 4000 Gulden versteuert. 1583 hat sich dieses Verhältnis umgedreht, jetzt versteuert die Mutter 2500 Gulden und der Sohn 4500. 1589 besitzt Mastrel Cla bereits 11'000 Gulden, seine Mutter noch 1500. 1599 besitzt er 30'000 und 1609 sagenhafte 80'000 Gulden. (Nur der adlige Peter Jecklin von Hohenrealta kann ihm das Wasser reichen, mit ebenfalls 80'000 Gulden im Estim von 1609.) Und im Unterschied zu den meisten anderen Bergünern konnte Mastrel Cla sein Vermögen durch die wirren 1610er Jahre halten: 1622 erscheinen nicht weniger als 10 Erben mit je einem Vermögen von 8100 Gulden. (Mehr zu den finanziellen Verhältnissen in Bergün um 1600 finden Sie unter Brauegn.)
1626 erscheint Mastrel Cla ein letztes Mal in den Akten – seinen Erben wird vom Bundestag in Chur beschieden, sie müssen der Gemeinde Bergün die geforderte Steuer, basierend auf dem letzten Schnitz (Estim), in vollständiger Höhe und mitsamt den aufgelaufenen Zinsen bezahlen.
Quellen/Bildnachweis
Kirchenbuch Bergün, Gemeindearchiv Bergün und Staatsarchiv Graubünden (Mikrofilm, StAGR A I 21 b 2/60.3)
Cudesch da Estims, in Privatbesitz, digitalisierte Version online hier.
Mastrel Cla gegen Gemeinde Bergün: Bundestagsprotokoll Bd. 7, S. 289 und 291, 19. Oktober 1598, und Bd. 8, S. 146, 3. Juli 1602 (StAGR AB IV 1/7 und 1/8). Ratsakten der Stadt Chur, 22. Juli 1600, (Stadtarchiv Chur, RA.1600.011)
Busse gegen Mastrel Cla und Bergün (Viehzoll?): Bundestagsprotokoll Bd. 7, S. 485 und 488, 17. Juni 1598; S. 532, 19. Juni 1599 (StAGR AB IV 1/7)
Ammannwahl 1610: Landesakten: 1610, Oktober 10. und 27. (StAGR A II LA 1)
Ehesache mit Urschla del Galles: Abschiede Dr. Ruinelli, Bd. 21, S. 57, 69-71, 8. August und 23. Oktober 1601 (StAGR AB IV 5/21)
Streit mit Urschla Ambriesch: Bundestagsprotokoll Bd. 8, S. 65, 19. Juni 1601, und S. 197, Mai 1603 (StAGR AB IV 1/8)
Streit zwischen Ammann Klaus Gregori und Ammann Peter Jecklin: Protokoll des Gotteshausbundes, Bd. 26, S. 5-6, 8. Mai 1605 (StAGR AB IV 3/26) und Abschiede Dr. Ruinelli, Bd. 21, S. 117-119, 3. Juni 1605 (StAGR AB IV 5/21; im Bild: S. 118). Ratsakten der Stadt Chur, 28. Juli 1606 (Stadtarchiv Chur, RA.1606.008)
Erben: Bundestagsprotokoll Bd. 14, S. 47 und 49, 20. Juni 1626 (StAGR AB IV 1/14)
Literatur
Cloetta, Gian Gianett: Bergün-Bravuogn: Heimatkunde. Bergün, 1954
Juvalta-Cloetta, L: Die Kirche von Bergün. Bündnerisches Monatsblatt, 1932.
Luzia ist eine fiktive Figur, und auch ihre Erlebnisse in "Bergünerstein" sind fiktiv. Nicht fiktiv hingegen sind die Orte, Situationen und Berufe, die sie durchwandert: vom armen Bauernkind zum Verdingkind im Prättigau, von der "Schwabengängerin" in Süddeutschland zur Magd in Churer Bürgerhäusern und in den grossen Häusern der Familie Salis; von der Prostituierten im Krieg zur Taglöhnerin im Prättigau und Schanfigg zur Stickerin und Näherin im Kloster. Auf ihrem weiten Weg erleidet Luzia ein schlimmes Schicksal, doch ihre Liebe zum Schönen und ihr Glaube helfen ihr, wieder Zuversicht zu fassen.
Mit Ausnahme der fiktiven Handelsfamilie Bavier und der bösen Schwanenwirtin sind alle Arbeitgeber von Luzia historisch belegt. Informationen über sie findet sich in den entsprechenden Einträgen unter Historische Nebenfiguren.
Im Rahmen des "Bergünerstein"-Crowdfundings ab 27. September 2018 besteht die Möglichkeit, Luzia als Figurenpatin oder -pate zu unterstützen. Näheres dazu erfahren Sie hier.
Bildnachweis
Bündner Schwabenkinder 1907: Rätisches Museum (Fotograf unbekannt)
Magd in der Küche: Schweizerisches Nationalmuseum, LM-13617)
Literatur
Prättigau
Fient, Georg: Lustig Gschichtenä. Chur 1898. (Sage von den Ruobästain)
Schallert, Elmar: Fidelis von Sigmaringen im Urteil und Andenken der Prättigauer. Bündner Monatsblatt, 1973.
Pieth, Friedrich: Das denkwürdige Jahr 1622. Schiers, 1922.
Ludwig, D.A.: Der Prättigauer Freiheitskampf. Schiers, 1902.
Anhorn, Bartholomäus: Der Graw-Pünter Krieg. Herausgegeben von Conradin von Moor, Chur 1873.
Schwabenland
Seglias, Loretta: Die Schwabengänger aus Graubünden. Desertina-Verlag, 2007
Bühler, Linus: Die Geschichte der Bündner Schwabengängerei. Bündner Monatsblatt, 1975.
Pieth, Friedrich: Die Schwabenkinder. Bündnerisches Monatsblatt, 1946.
Braun, Josef: Handbuch der Paramentik, Freiburg i. Brsg. 1912.
Laroque, Claude: History and analysis of transparent papers. The Paper Conservator, 28:1, 2004.
Chur
Margadant, Silvio: Eine Seidenmanufaktur in Chur im frühen 17. Jahrhundert. Bündner Monatsblatt, 1999.
Zusätzliche Quelle: STAGR A II/2, Nr 129, 1609, 8. Januar (Mehren der Rebleutezunft, Bundsmannschaft Timotheo Gioncada aus Genf)
Zünfte
Seewis/Ganey
von Salis-Soglio, Niklaus: Notizen zu einer neuen Genealogie. STAGR D VI So [21/124] II.A.2., Heft VII, S. 55-65.
Meng, J. Ulrich: Vom alten Bad Ganey. Bündner Jahrbuch, 24/1982.
Krähenbühl, Hans: Schwefel-, Vitriol- und Alaungewinnung auch in der Schweiz. Bergknappe 96, 2/2001.
Grüsch
von Salis-Marschlins, Ulysses: Des Mareschal de Camp Ulysses von Salis-Marschlins Denkwürdigkeiten. Herausgegeben von Conradin von Mohr, Chur 1858.
Disentis
Müller, Iso: Der Kampf um die tridentinische Reform in Disentis von ca. 1600-1623. Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte, 42 (1948).
Kaufmann, Burkard: Die politische Tätigkeit des Abtes Sebastian von Castelberg 1614-1634. Bünderisches Monatsblatt, 1942.
Kaufmann, Burkard: Die letzte Abtwahl des Disentiser Hochgerichts 1614. Bündnerisches Monatsblatt, 1941.
Luzias Bücher
Carolus Borromaeus: Instructionum fabricae et supellectilis ecclesiasticae, Mailand. 1577.
Adam Lonitzer: Kreuterbuch, Kunstliche Conterfeytunge der Bäume, Stauden, Hecken, Kreuter, Getreyde, Gewürtze. Frankfurt a.M., 1593
Eucharius Rösslin: Der schwangerenn Frawen und Hebamen Rosengarte. Strassburg, 1513
Andreas Vesalius, Jacob Baumann: Anatomia. 1575
Modelbücher
Anders als ihre Eltern und Schwestern sind die Söhne der Familie Pol Clo fiktiv (obgleich es angesichts der bescheidenen Quellenlage nicht auszuschliessen ist, dass die Familie auch Söhne gehabt hat). Ihre Welt ist geprägt von Landwirtschaft, Krieg, Migration und der Burschenschaft, der Cumpagnia da Mats. Plesch leidet darunter, dass er seine Liebe nicht heiraten darf - ein häufiges Schicksal in einer Zeit, in der Bauernhöfe in Realteilung vererbt wurden: nur durch Eheverzicht eines Teils der Geschwister konnte gewährleistet werden, dass ein Gut nicht zu klein wurde, um eine Familie zu ernähren. Unverheiratete Geschwister emigrierten oder wohnten bei ihren Eltern oder verheirateten Geschwistern. Und auch die, die heiraten konnten, mussten damit oft warten, bis ihre Eltern gestorben waren: in der Regel lebte in einem Engadiner Bauernhaus eine Kernfamilie, keine Grossfamilie.
Literatur
Mathieu, Jon: Von Bauern und Bären. Eine Geschichte des Unterengadins von 1650 bis 1800. Chur, 1987.
Padrutt, Christian: Staat und Krieg im alten Bünden. Zürich, 1965.
Caduff, Gian: Die Knabenschaften Graubündens. Chur, 1929.
Der erste fest angestellte reformierte Pfarrer von Bergün war Thomas Zeuth (auch Tscheut oder Dschieud geschrieben), ab 1581. Einem erhaltenen Anstellungsvertrag von 1592 ist zu entnehmen, dass er für Predigt und Seelsorge in Bergün, Latsch und Stuls zuständig war und zudem in den Wintermonaten, vom 16. Oktober bis am 1. April, den Kindern der drei Nachbarschaften Schulunterricht zu erteilen hatte.
Zeuths Werdegang ist aus heutiger Sicht unüblich. Vor seinem Amtsantritt im Jahr 1581 hatte Zeuth in der Gemeinde Bergün weltliche Ämter innegehabt, war Mastrel und Schreiber bzw. Notar gewesen. In der letzteren Funktion gestaltete er beispielsweise das Titelblatt des Bergüner Cudesch da Estims von 1562. Ebenfalls war Zeuth in das Bergwerksunternehmen von Johann von Salis-Samedan am Bergüner Murtel da Fier involviert.
Über ein Studium oder eine sonstige theologische Ausbildung ist nichts überliefert, aber wie alle anderen reformierten Pfarrer damals musste auch Zeuth sich durch die Synode der Drei Bünde prüfen lassen. Diese Prüfung bestand er 1582.
Thomas Zeuth blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1613 Pfarrer in Bergün. 1599-1600 stand ihm eine junge Nachwuchskraft zur Seite: Johann Peter Janett, der ab 1618 einer der Anführer der radikalen reformierten Prädikanten wurde.
Thomas Zeuth hatte zwei Söhne, Thomas und Peter, die beide ebenfalls Pfarrer wurden. Thomas Junior amtete von 1598 bis zu seinem Tod 1614 in Safien-Platz, und Peter wurde der Nachfolger seines Vaters in Bergün.
Im Unterschied zu seinem Vater genoss Peter Zeuth eine gründliche Ausbildung. 1599 war er an der höheren Schule in Zürich immatrikuliert, ab 1604 an der Universität Basel, die er 1608 mit dem Magister Artium abschloss. Der Magister Artium hätte ihn zum Aufbaustudium in Theologie berechtigt, doch scheint er kein solches absolviert zu haben: im selben Jahr 1608 wurde er in die Synode der Drei Bünde aufgenommen.
Danach musste er aber zwei Jahre lang auf eine Anstellung warten. Erst 1610 wurde er Pfarrer in Misox, einer kleinen reformierten Gemeinde in einem katholischen Umfeld. Ebenfalls 1610 heiratete er Mierta Janett Casparett von Latsch, die wohl mit ihm als Frau Pfarrer nach Misox zog.
Als 1613 Thomas Zeuth senior starb, holte man Peter als Pfarrer nach Bergün, wo er bis zu seinem Tod 1629 blieb. In späteren Jahren war er, wie sein Vater früher, auch als Notar tätig. Im Staatsarchiv Graubünden finden sich mehrere von ihm verfasste Dokumente.
Peter Zeuth scheint keine überlebenden Kinder gehabt zu haben. Seine Witwe Mierta erscheint im Estim von 1633 als "D. Mierta H. Peter Zeut Fraw", ohne Erwähnung von Kindern.
Quellen/Bildnachweis
Cudesch da Estim von Bergün, Privatbesitz
Kirchenbuch Bergün, Mikrofilm, StAGR
Literatur
Bonorand, Constantin: Bündner Studierende an höhern Schulen der Schweiz und des Auslandes im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation. Jahresbericht der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft von Graubünden, 1949.
Camenisch, Emil: Bündnerische Reformationsgeschichte. Chur, 1920.
Truog, J.R.: Die Pfarrer der evangelischen Gemeinden in Graubünden und seinen ehemaligen Untertanenlanden. Jahresbericht der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft von Graubünden, 1934 und 1935.