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Januar bis März 2015
Von Panama kommend, machte ich als nächstes ein Insel-Hopping in den Kleinen Antillen. Meine Reise führte mich von Guadeloupe nach Grenada. Da die Gegend bekannt ist für ihre Rum-Produktion, wollte ich möglichst viele Distillerien besuchen und deren Rum degustieren.
Guadeloupe
Guadeloupe ist Teil von Frankreich, sodass ich bei der Einreise bloss die Schweizer Identitätskarte vorweisen konnte. Da der öffentliche Verkehr kaum existiert und Taxis sehr teuer waren, mietete ich ein Auto, um die Insel zu erkunden. Ich wohnte in einem tollen Resort direkt am Strand Grande Anse, wohl der beste und nicht überlaufene Strand in Guadeloupe. Es ist ein tolles Gefühl, bereits vor dem Frühstück ein paar Runden im glasklaren Meer zu schwimmen. Guadeloupe besteht aus den beiden Hauptinseln Grande Terre und Basse Terre, die durch einen engen Kanal getrennt sind. Grande Terre ist flach und hat beim Ort Saint Anne den touristischsten Strand. Basse Terre ist weniger touristisch und sehr hügelig. Der Vulkan Soufriere dominiert den südlichen Teil dieser Insel. Das Gebiet um den Vulkan ist ein Nationalpark und bietet Wandermöglichkeiten.
Botanischer Garten Deshaies
Der Botanischen Garten Deshaies auf der Insel Basse-Terre
Insel Marie-Galante
Als nächstes besuchte ich die zu Guadeloupe gehörende kleine Insel Marie-Galante, auf der sich drei Distillerien befinden. Mit dem Velo klapperte ich die Distillerien ab. Die Distillerien konnten mich nicht begeistern, ebenso wenig wie die auf der Hauptinsel Guadeloupe. Bis auf eine sind es sehr alte Anlagen. Unter diesen Bedingungen ist es schwierig, beim Distillieren die exakte Temperatur konstant einzuhalten, was man beim Degustieren merkte. Trotzdem war es interessant, diese historischen Anlagen zu besuchen.
Ein weiterer perfekter Strand
Distillerie Bellevue
Dominica
Die nächste Insel auf meiner Reise war Dominica. Obwohl die Insel nur 30 km von Guadeloupe entfernt liegt, sind die beiden Inseln sehr unterschiedlich. Auf der ehemaligen britischen Kronkolonie Dominica wird englisch gesprochen und es herrscht Linksverkehr. Die Währung ist hier wie auf den meisten Inseln der Kleinen Antillen der East Carribean Dollar, der fix an den US Dollar gekoppelt ist. Dominica wurde 1978 ein eigenständiges Land, das mit rund 72‘000 Einwohner eines der kleinsten Länder der Welt ist. Die Hauptstadt Roseau ist mit 16‘000 Einwohner eher ein Dorf als eine Hauptstadt. Auf der Fähre von Martinique nach Dominica habe ich zwei Schweizer kennen gelernt, mit denen ich ein Auto mietete. Ich war sehr froh um meine beiden Reisekollegen, denn alleine wäre ich als Vorsichtsmassnahme nicht wandern gegangen und hätte wohl bloss mit einer Tour gehen können. Da Dominica sehr steil aufragt, regnet es jeden Tag kurz und heftig. Das Klima ist warm und sehr feucht, so dass extrem dichte Wälder mit einer unglaublichen Pflanzenvielfalt entstehen konnten, wie ich sie bisher nirgends angetroffen habe. Dominica vermarktet sich als Natur-Destination und entsprechend sind die Wanderungen die Hauptattraktionen. Auf dem Schiff habe ich ein Deutsches Pärchen kennengelernt, das den sogenannten Waitukubuli National Trail in 14 Tagen erwandern wollte. Dieser Wanderweg führt über 184 km durch die ganze Insel und deckt alle Höhepunkte Dominicas ab. Mit den beiden Schweizern habe ich mehrere Wanderungen zu imposanten Wasserfällen gemacht. Wegen der hohen Feuchtigkeit waren die Wege sehr glitschig.
Siedender See (Boiling Lake)
Der Höhepunkt war der 3-stündige Weg zum Boiling Lake (und wieder 3 Stunden zurück). Dieser See befindet sich in einem Krater, aus dem ständig heisse Dämpfe entweichen und den See zum sieden bringen. Weiter unten fliesst der Abfluss aus dem Boiling Lake in natürliche Becken, in denen wir im warmen, sehr mineralhaltigen Wasser baden konnten.
Auf dem Weg zum “Boiling Lake”
Der “Boiling Lake”
Der warme Abfluss vom “Boiling Lake” ist voller Mineralien
Champagne Pool
An einem Strand stiegen heisse Gase aus dem Sand, die das Wasser erwärmten und wie Champagnerbläschen durchs Wasser an die Oberfläche stiegen. Der Ort heisst denn auch treffend „Champagne Pool“.
Wie alle karibischen Staaten wird auch Dominica von Kreuzfahrtschiffen angelaufen.
Martinique
Martinique ist eine weitere französische Insel. Sie hat als einzige eine Appellation d’Origine Contrôlée (AOC) für ihren Rum zugesprochen erhalten. Hier wurde in die Distillerien investiert. Sie sind daher technisch auf einem sehr viel höheren Stand als in Guadeloupe. Mit dem Mietauto besuchte ich alle sieben Distillerien.
Distillerie Clement
Der „Single Cask Très Vieux Rhum Agricole“ aus dem Jahr 2003 von der Distillerie Clement war mein Favorit. Wie der Name „Single Cask“ sagt, kommt dieser Rum aus einem einzigen, speziell gut gelungenen Fass. Üblicherweise wird Rum vor der Abfüllung aus verschiedenen Fässern zusammen gemischt.
Das Plantagenhaus
Diese Rollen wurden zum Auspressen der Zuckerrohrstauden benutzt.
Ein Resort-Besitzer auf Saint Vincent, der die meisten Rums aus dem karibischen Raum kennt, war ebenso begeistert vom Clement Rum, was sich am Füllstand der Flasche bemerkbar machte. Ich habe im Süden der Insel in der Nähe von Saint Luce gewohnt. Ein paar Geh-Minuten vom meinem Resort entfernt befand sich ein perfekter Strand, der sich über vier Kilometer bis ins Dörfchen Saint Luce zog. Ein wunderschöner Spaziergang. Nicht weit von Saint Luce entfernt gibt es einen weiteren sehr schönen Strand, Grande Anse des Salines. Leider findet man in Martinique keine menschenleere Strände, erst recht nicht zur Zeit der französischen Sportferien.
Distillerie St. James
Ein Museum mit alten Brennapparaturen auf der Distillerie St. James
Zuckerrohr: Um diese Pflanze wurden Kriege geführt
Saint Lucia
Die Geschichte der nächsten Insel Saint Lucia ist wiederum wie die von Dominica von England geprägt. In der Hauptstadt Castries legen jeden Tag ein paar Kreuzfahrtschiffe an. Nördlich von Castries befindet sich die Rodney Bay, wo es Shopping Center, Läden internationaler Marken, schicke Restaurants und einen Jachthafen gibt. Hier traf ich eine Deutsche wieder, mit der ich vor ein paar Jahren auf Boracay auf einem Segelausflug war. Zufälle …
Soufrière
Das Dörfchen Soufrière liegt malerisch in einer Bucht
Eine Tankstelle in Soufrière
Ich wohnte in Soufrière im Süden der Insel. Das ist der weitaus schönere und ruhigere Teil. Zwei übrig gebliebene versteinerte Lava-Schlote ragen als mehrere Hundert Meter hohe Felsen auf. Die beiden Bergzacken werden Piton genannt und sind das Wahrzeichen von Saint Lucia.
Einer der beiden Piton’s, die Wahrzeichen Saint Lucias
In der Umgebung gibt es heisse Schwefelquellen, in deren Wasser man baden kann. Auf ein paar Wanderwegen kann man traumhafte Aussichten auf die Piton’s, die Palmenwälder und das unendliche blaue Meer geniessen.
Marigot Bay
Die Marigot Bay ist eine malerische Bucht mit ein paar tollen Resorts, die von Jachten besucht wird.
Die schicke Marigot Bay
Saint Lucia Distellery
Die einzige Distillerie auf der Insel liegt zwischen Soufrière und Castries. Da der Zuckerrohranbau auf der Insel zu Gunsten von Bananen aufgegeben wurde, wird hier Rum auf der Basis von importierter Molasse, einem Abfallprodukt aus der Zuckerproduktion, hergestellt. Daher weicht der Geschmack des Rum‘s von dem in Martinique ab, wo die frisch geernteten Zuckerrohre direkt auf der Distillerie verarbeitet werden.
Auf der Saint Lucia Distellery
Saint Vincent and the Grenadines
Als nächstes auf meiner Route nach Grenada besuchte ich das Land „Saint Vincent and the Grenadines“. Es besteht aus der Hauptinsel Saint Vincent und eine Reihe kleinerer Inseln, die Richtung Grenada über 60 km verteilt sind.
Kingstown
Die Hauptstadt von Saint Vincent, Kingstown, ist direkt am Meer gelegen.
Die Hauptstadt Kingstown vom Fort aus gesehen
Der Fischmarkt von Kingstown
Trotzdem gibt es hier kein einziges Restaurant oder Bar mit Meeresblick. Der Tourismus konzentriert sich halt auf ein paar Resorts nur wenige Kilometer von Kingstown entfernt.
Saint Vincent Distillers
Die einzige Distillerie auf der Insel produziert Rum aus Molasse. Trotzdem war der Rum, der nach Captain Bligh benannt wurde (der Captain des gemeuterten Schiffes „Bounty“), erstaunlich gut und hat auch einige Preise gewonnen.
Saint Vincent Distillers
Auf meinem Weg nach Grenada reiste ich weiter zu den Grenadine Inseln.
Bequia
Die erste Insel war Bequia, deren Hauptort Port Elizabeth idyllisch in einer Bucht liegt. Die vielen Restaurants und Cafes werden vor allem von den Leute auf den Jachten besucht. Ein toller Badestrand befindet sich nur wenige Geh-Minuten vom Ort entfernt. Manchmal spielte abends eine Band auf ihren Fässern karibische Melodien und die Gäste tanzten dazu in die Nacht hinein.
Union Insel
Die Union Insel mit dem Hauptort Clifton war mein nächstes Ziel. Einige Resorts und Restaurants befinden sich direkt am glasklaren, hellblauen Meer. Ein historisches Fort steht an strategisch wichtiger Lage mit einer phantastischen Sicht über die nahen Inseln Palm Island und Mayreau und deren Korallenriffe.
Aussicht vom Fort auf der Union Insel
Tobago Cays
Auch die Inseln des geschützen Gebietes der Tobago Cays konnte man sehen. Ein Besuch der Tobago Cays darf auf keinem Reiseplan fehlen. Die fünf kleinen Inseln sind unbewohnt, so dass die wenigen Besucher, die vor allem mit der eigenen Jacht kommen, die wunderschönen Strände und Riffe für sich haben. Wie die Bilder zeigen, ist es ein extrem sehenswerter Ort.
Nationalpark der Tobago Cays: Der schönste Ort auf meiner Karibik-Reise
Auch dieser Echse bin ich im Nationalpark der Tobago Cays begegnet.
Grenada
Insel Carriacou
Mein nächstes Ziel, die Insel Carriacou, war schon Teil des nächsten Landes Grenada. Da am kleinen Hafen meines Ausgangspunktes auf Union Island keine Passkontrolle existiert, musste ich am Tag zuvor am Flughafen den Ausreisestempel einholen. Dann ging’s früh morgens mit einem alten Kahn, dessen Segel den Schiffsmotor unterstützten, auf die Überfahrt. Der Hauptort von Carriacou ist ein verschlafenes Städtchen. Ich war gerade angekommen und sah eine westliche Frau heran spazieren, die aussah, wie wenn sie schon länger auf der Insel lebt. Ich sprach sie an, damit ich vielleicht ein paar Informationen über die Insel erhalten konnte. Die Frau stellte sich als Hilde, eine Bio-Bäuerin aus dem Toggenburg, heraus. Sie traf gerade ihre Kollegin Astrid, eine Bündnerin und Zumba-Instruktorin. Ich zog kurzerhand in ihr Resort am schönsten Strand der Insel mit dem treffenden Namen „Paradise Beach“, wo noch die Kanadierin Sylvia für ein paar Monate dem Winter entfloh. Die drei Frauen bemutterten mich wie einen zurück gekehrten Sohn.
Der Paradies-Strand: Vom Resort sind es nur wenige Schritte zum Strand.
Aussicht von einer Wanderung auf der Insel Carriacou
Grenada
Die letzte Station meiner Karibik-Reise war die Insel Grenada mit dem Hauptort St. George, der malerisch in einer Bucht liegt.
Die Insel wird auch Gewürz-Insel genannt, da hier unzählige Gewürze wachsen. Die Insel ist einer der grössten Exporteure von Muskatnuss.
Muskatnüsse werden getrocknet
… und dann für den Abtransport in Säcke gefüllt.
Auf Grenada gibt es drei Distillerien, zwei Schokoladefabriken, eine Mikro-Brauerei und eine herkömmliche Brauerei.
Die Distillerien orientieren sich nach der Nachfrage und das heisst, dass hier hochprozentiges produziert wird (69% Alkohol aufwärts). Den Kunden geht es vor allem darum, möglichst schnell betrunken zu werden. Der Geschmack des Rums ist sekundär.
Antoine Rum Distillery
Antoine Rum Distillery: Die einzige Distillerie im Karibischen Raum, die den Saft der Zuckerrohre noch mit Hilfe eines Wasserrades auspresst. Eine wunderbare historische Anlage!
Grenada Chocolate Factory
Grenada produziert seit Jahrhunderten Kakao. 1999 gründete ein Amerikanischer Weltverbesserer die Grenada Chocolate Factory und konnte damit die gesamte Wertschöpfung von der Bohne bis zur Schokolade im Lande behalten. Es war die einzige Schokoladefabrik in einem kakaoproduzierenden Land. Verschiedene Sorten mit bis zu 100% Kakao werden angeboten. Welch intensiver Geschmack! Sogar im Luxus-Warenhaus Harrods in London ist die Schokolade im Sortiment. Vor rund einem Jahr hat eine zweite Schokoladefabrik die Tore geöffnet.
Von der Kakao-Bohne bis zur Tafel Schokolade werden alle Herstellungsschritte selbst durch geführt.
Die Kakaobohnen
… trocknen
Die Mikro-Brauerei war wohl mehr eine Bieridee von ein paar Engländern, denn sie wird nicht professionell betrieben.
“Le phare bleu” in der Calvigny Bay
Weiter besuchte ich das von der Schweizer Ex-Fernsehfrau Jana Caniga und ihrem Mann eröffnete Resort mit dem dazu gehörenden Jachthafen. Obwohl ihr Mann ein schwerreicher Industriellenerbe ist, haben sie mit dem Resort und seit neuestem mit der Führung des Schweizer Konsulats viel zu viel zu tun, so dass kaum Freizeit übrig bleibt. Es ist für mich unverständlich, warum diese Leute sich selbst unter Druck setzen, obwohl sie das Leben geniessen könnten.
Calvigny Bay: Ein ehemaliges schwedisches Leuchtturm-Schiff ist das Wahrzeichen des Resorts “Le phare bleu” der Ex-Fernsehfrau Jana Caniga und ihrem Mann
Am letzten Tag machte ich eine Wanderung vom Grand Etang zum zweithöchsten Gipfel der Insel, dem Mount Qua Qua. Grand Etang ist ein See in einem riesigen Krater eines erloschenen Vulkans.
Grand Etang
Ein See in einem riesigen erloschenen Vulkan (die hinteren Berge bilden den Kraterrand)
Die Geschichte der Kleinen Antillen ist interessant. Alle Inseln wurden im 17. und 18. Jahrhundert mehr als ein Dutzend Mal abwechslungsweise von Frankreich und England erobert, denn die Inseln warfen mit ihren Zuckerrohr- und Gewürzplantagen, auf denen afrikanische Sklaven arbeiteten, hohe Gewinne ab. In den Verträgen von Paris (1763) und Versailles (1783), die nach Kriegen die weltweiten Gebietsrechte zwischen den damaligen Weltmächten regelten, wurden die Inseln schlussendlich dem französischen oder englischen Einflussbereich zugeschlagen. Während Guadeloupe und Martinique französisch blieben, wurden die England zugeschlagenen Inseln in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts eigene Staaten.
Ich habe viele freundliche Menschen getroffen. Die Kriminalität ist dank dem dörflichem Charakter dieser Inseln sehr tief, so dass ich mich jederzeit sicher und wohl fühlte.