Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03427.jsonl.gz/857

Ein GC-Spieler unter den letzten 16, das gab es noch nie, seit der Grasshopper Cup zur Goldkategorie der Profitour gehört. Dimitri Steinmann (WR 38) schaffte dieses Kunststück nun, obwohl sein Start ins Turnier alles andere als optimal verlief: Gegen den Deutschen Raphael Kandra (WR 19) gewann er im ersten Satz gerade einmal einen Punkt. Und weil dieses Jahr bis und mit Viertelfinals nach dem Best-of-3-Modus gespielt wurde, durfte sich die Nummer 1 des GC-Interclubteams keine Schwäche mehr erlauben. Der Druck wirkte offensichtlich stimulierend: Statt allzu rhythmisch und passiv spielte Steinmann in der Folge offensiv und druckvoll, setzte geschickt seinen Körper ein und brachte Kandra mehr und mehr aus dem Konzept. Am Ende behielt er mit 1:11, 11:9, 11:4 die Oberhand, wodurch er sich ein Duell mit Tarek Momen (WR 6), dem Weltmeister von 2019, verdiente. Auch wenn es gegen den flinken Ägypter, der die Bälle so gefühlvoll wie kaum ein Zweiter vom Racket abtropfen lässt, nicht ganz reichte, war das Turnier für Steinmann ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Top 30. «Eine sehr gute Woche, die mir Selbstvertrauen gibt und mir auch gezeigt hat, wo ich mich noch verbessern muss», so seine Bilanz.
Für Steinmanns Clubkollegin Cindy Merlo (WR 50) bot der Grasshopper Cup die perfekte Gelegenheit, sich nach dem enttäuschenden 4. Platz an den Schweizer Meisterschaften im September den Frust von der Seele zu spielen. Sie tat es im Erstrundenmatch gegen die in der Weltrangliste zwei Plätze vor ihr klassierte Tschechin Ana Serme mit Bravour, liess beim 11:7, 11:2 nie einen Zweifel am Ausgang der Partie aufkommen. Die sechsfache Weltmeisterin Nour El Sherbini (WR 3) war in Runde 2 dann allerdings eine Nummer zu gross für Merlo – 5:11, 6:11. Erst gegen Ende der beiden Sätze konnte die Schweizerin mit kreativem Spiel ein paar Punkte am Stück für sich verbuchen.
Europameister Nicolas Müller (WR 18), der zuletzt zwei Turniere wegen einer Wadenverletzung verpasst hatte, wischte die Fragezeichen hinter seinem Formstand mit einem 11:6, 11:7-Auftakterfolg gegen den Franzosen Sébastien Bonmalais (WR 34) auf überzeugende Weise weg. Richtig laut wurde es bei Müllers zweitem Auftritt vor ausverkauftem Haus in der Halle 622 in Oerlikon: Der Publikumsliebling besiegte den aktuellen Weltmeister Ali Farag (WR 1) mit 11:6, 11:8 und behielt auch kühlen Kopf, als der mit den Folgen einer Knieverletzung kämpfende Ägypter im zweiten Satz bis auf 8:9 herankam. «Ali ist sogar auf eineinhalb Beinen eine harte Nuss, und ich bin froh, dass ich hier endlich einmal den Sprung in die Viertelfinals geschafft habe», sagte Müller. Die Runde der letzten acht bedeutete leider auch für ihn Endstation. Marwan El Shorbagy (WR 7), den er in der vergangenen Saison zweimal hatte bezwingen können, spielte fast fehlerlos, während Müller Angriffsbälle viel zu oft im Tin landeten. 4:11, 6:11 lautete das Ergebnis aus Sicht des Schweizers.
Die beiden Finalspiele waren eine rein ägyptische Angelegenheit: Bei den Männern trafen Marwan El Shorbagy und Mostafa Asal (WR 3) aufeinander, bei den Frauen Nour El Sherbini und British-Open-Siegerin Hania El Hammamy (WR 2). Asal, der einen 85-minütigen Halbfinal gegen seinen Landsmann Fares Dessouky in den Beinen hatte, zeigte keinerlei Müdigkeit und dominierte El Shorbagy ab dem dem zweiten Satz nach Belieben. Seinen 13:11, 11:2, 11:5-Triumph feierte er wie gewohnt mit einem Tänzchen und schwärmte anschliessend von der Atmosphäre in Zürich: «Tolle Location, fantastisches Publikum. Das ist genau, was unser Sport braucht.» El Sherbini musste für ihren Titel weit härter kämpfen. Nachdem sie im Halbfinal gegen Rowan El Arabi (WR 7) ein 0:2 nach Sätzen noch gedreht hatte, bog sie nun einen 1:2-Satzrückstand noch um. Das 9:11, 11:9, 10:12, 11:3, 11:4 war auch eine Revanche für ihre jüngste Halbfinalniederlage gegen El Hammamy am Egyptian Open.
Das diesjährige Turnier war eines der erfolgreichsten der Geschichte des Gasshopper Cups. Noch nie wurden so viele Tickets verkauft. Die perfekte Organisation ist beim Publikum und den Squash-Profis hoch angesehen. Einer der Gründe, weshalb sich die besten Spieler der Welt hier treffen und eine tolle Atmosphäre mit vielen Fans erleben möchten.
Alex Kühn