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Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft. Das Land werde bei der langfristigen Bonität fortan mit der Note A statt A+ bewertet, teilte S&P mit.
Grund seien «die sich abschwächenden Wachstumsaussichten» und die Einschätzung, dass die derzeitige Koalition die Fähigkeit Roms einschränke, entschlossen auf die Schuldenkrise zu reagieren, hiess es in der Mitteilung.
Auch bei der kurzfristigen Kreditwürdigkeit setzte die Agentur das Rating für die drittgrösste Wirtschaft der Euro-Zone um eine Stufe von A-1+ auf A-1 herab. Der weitere Ausblick für Italien wird als «negativ» eingeschätzt, was bedeutet, dass die Agentur weitere Herabstufungen vornehmen könnte.
Standard & Poor's ist die erste Ratingagentur, die Italiens Kreditwürdigkeit seit Beginn der Euro-Schuldenkrise herabstuft. Durch eine Senkung der Bonitätsnote wird es für Länder in der Regel teurer, an den Finanzmärkten Kredite aufzunehmen.
Zweifel an Umsetzung des Sparprogramms
Damit könnte sich Italiens Schuldenproblem verschärfen, auch wenn die Einstufung noch weit vom Ramschstatus entfernt ist. Das Land hat mit etwa 120 Prozent des Bruttoinlandprodukts nach Griechenland den höchsten Schuldenstand in der Eurozone und muss entsprechende Zinszahlungen leisten.
Standard & Poor's hatte die Herabstufung bereits im Mai angedroht. Die Agentur vollzog diese nun, obwohl das italienische Parlament erst vor wenigen Tagen ein weiteres Sparpaket der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi in Höhe von 54,2 Milliarden Euro verabschiedet hatte.
Die Agentur hat jedoch Zweifel, ob das Programm wirklich umgesetzt wird. «Wir glauben, dass die bisher reduzierte Geschwindigkeit von Italiens wirtschaftlicher Aktivität es schwer machen wird, die überarbeiteten Haushaltsziele der Regierung zu erreichen», teilte Standard & Poor's mit.
Die Agentur begründete ihre Einschätzung mit einer niedrigen Beschäftigungsquote, einem ineffizienten öffentlichen Sektor und geringen Investitionen aus dem Ausland. «Aus unserer Sicht scheut sich die Regierung davor, diese Fragen anzugehen», erklärte die Agentur mit Blick auf fehlende Strukturreformen.
Moody's entscheidet im Oktober
Im schlimmsten Szenario geht Standard & Poor's davon aus aus, dass Italien 2012 in eine Rezession gerät. Die Wirtschaftsleistung würde dabei um 0,6 Prozent sinken, gefolgt von einer «bescheidenen Erholung» in den Jahren 2013 und 2014.
Auch die Ratingagentur Moodys's hat Italien bereits eine Herabstufung angedroht. Derzeit hat Italien dort für langfristige Darlehen noch ein Aa2-Rating - es liegt damit zwei Stufen unter der Bestnote Aaa.
Am Freitag hatte Moody's mitgeteilt, die Prüfung der Lage in Italien zu verlängern. Eine Entscheidung sei «im kommenden Monat» zu erwarten.
Herabstufung belastet Nikkei-Index
Die Herabstufung sorgte für Kursverluste an der Tokioter Börse. Der Nikkei-Index verlor 1,4 Prozent auf 8740 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index gab 1,5 Prozent nach auf 756 Zähler.
Investoren befürchten, dass der S&P-Schritt zu einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise führen könnte. «Der Markt konzentriert sich auf die Situation in Europa», sagte Analyst Yumi Nishimura von Daiwa Securities.
(tno/laf/sda)