Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03594.jsonl.gz/56

«Es gibt tausend Möglichkeiten, sein Geld auszugeben, aber nur zwei, Geld zu verdienen. Entweder wir arbeiten für Geld, oder Geld arbeitet für uns.»
Wer hat das behauptet? Bernard Baruch (1870–1965). Der US-amerikanische Financier begann seine berufliche Laufbahn als Börsenbroker. Noch vor Erreichen des 30. Lebensjahrs war er ein vermögender Mann, mit 40 der ungekrönte «König der Wall Street», mit 50 ein bedeutender Philanthrop (dank dem Kapital, das er arbeiten liess).
Solche Geschichten erwecken den Eindruck, der Aktienmarkt sei Gambling für Reiche, und man verdiene das Geld im Schlaf. Es gibt zwar den computergesteuerten Hochfrequenzhandel, aber in der Regel braucht es interdisziplinäres Wissen, um an den Finanzmärkten erfolgreich zu sein. Das Aneignen von Wissen ist zeitintensiv und setzt Arbeit voraus. Dagobert Duck gibt es nur im Comic.
Heute fressen Negativzinsen (und morgen die zu erwartende Inflation) unser Erspartes auf. Zur Sicherung der Altersvorsorge muss man zwingend sein bereits als Einkommen und Vermögen versteuertes Geld arbeiten lassen. Der eine braucht viel, der andere wenig. Wer in den 1980er-Jahren für 3500 Dollar Apple-Aktien kaufte, ist heute Millionär, auch wenn er ein Leben lang als Briefträger unterwegs war.
Die Welt wird durch Umverteilung nicht dauerhaft besser oder gerechter. Wir kennen alle die Geschichten von Geschwistern, die zu gleichen Teilen geerbt haben. Die einen verprassten ihren Anteil, die anderen vermehrten ihn. Superreiche haben stets die Möglichkeit, umgehend ihre Koffer zu packen. Hat man sie einmal verscheucht, bezahlt der Mittelstand den Steuerausfall mit höheren Abgaben, und der Standort Schweiz bleibt auf Jahre hinaus ramponiert. Man nimmt die Superreichen ins Visier, trifft aber KMU und Normalverdiener, die um 6 Uhr morgens aufstehen.
Neid ist ein schlechter Ratgeber, gefragt ist Pragmatismus. Auch wer astronomisch anmutende Einkommen und Vermögen stossend findet, sollte nicht vergessen, dass die 1 Prozent Superreichen 43 Prozent der Bundessteuer bezahlen.
Geld arbeitet nicht, wir schon? Ein klar ausformulierter Initiativtext hätte tatsächlich Arbeit bedeutet. Die 99-Prozent-Initiative ist ein Überraschungsei, Populismus aus Entenhausen.