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Der fast vollständig erhaltene, weiss getünchte Verputz der Wände war vor dem Brand von 1419 mit Wandgemälden geschmückt. Das belegen die Brandrötung und unlesbare Bildfragmente, die bei Sondierungen unter der heutigen Tünche zum Vorschein kamen. Seitlich begleitet das barocke Brusttäfer aus Rahmen und Füllung die Bankblöcke von 1949. Es endet am vorderen Schiffsende an den beidseits aufgestellten barocken Häuptergestühlen, das dreireihige linke war wohl für die Notabeln der Dorfschaft bestimmt, während das rechte vermutlich als Pfarrstuhl diente. Der teilweise ausgetretene Boden aus Muschelsandsteinplatten kündet von den vielen Generationen, die sich hier mit dem groben Schuhwerk vergangener Zeiten zum Gottesdienst versammelten. Der zwei Stufen höher liegende Chor ist auf dem ursprünglichen Niveau mit handgemachten rötlichen Tonplatten belegt.
Die reich gestaltete Kanzel
An der Turmecke, wo der Chor ansetzt, steht die reich gestaltete Kanzel. Über dem achteckigen Sockel von 1483 ruht sie auf einer spiraligen hölzernen Säule. Der achteckige Kanzelkorb folgt in zeitentsprechend barocken Formen dem seit der Renaissance üblichen Gliederungsschema als Rahmenwerk mit Füllungen. Über dem Fussgesims auf der volantartig mit durchbrochenen Schnitzereien behängten Bodenplatte tragen wiederum gewundene Säulen das profilierte Abschlussgesims mit dem Lesepult. Die Brüstungsfelder sind fast flächendeckend mit Reliefschnitzereien belegt. Ovale Kartuschen, umrahmt von Palmzweigen und Voluten, machen das Entstehungsjahr 1720 sowie den Pfarrherrn und lokale Amtsträger mit Wappen und Inschrift als Stifter kenntlich: Joh. Albrecht May, Hofmeister zu Königsfelden; Urech Herdi, Vogt und Kirchmeier zu Staufen; Urech Kull, Gerichtsvogt zu Niederlenz, 1720; Emmanuel Rohr, Prädikant auf Staufberg; Friedrich Wildi, Vogt zu Schafisheim. Am Schalldeckel erscheint nochmals das Entstehungsjahr, gefolgt vom ermahnenden Bibelwort «Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemein[d]en saget. Apoc. 2 v 7.» (Offenbarung Kap. 2, Vers 7).
Vom Podest der Kanzeltreppe führt eine Spitzbogentür mit gefastem gotischem Steingewände und Kielbogenabschluss in das Turmerdgeschoss, das ursprünglich als Sakristei diente. Darüber führt hoch oben an der Wand eine gleichartige Türe mit gerundetem Abschluss ins Leere, die sogenannte Läutertüre. Da das Turmerdgeschoss ursprünglich als Sakristei diente, war es der besonderen Bedeutung des Raumes aber auch der Sicherheit vor Brand und Einbruch wegen mit einem Gewölbe abgeschlossen und besass keinen Aufgang zum Turm. Sakristeien waren bei frühen ländlichen Kirchen häufig im Turm untergebracht und oft mit einer blechbeschlagenen Türe versehen. Der Zugang zum Turm erfolgte deshalb ein Geschoss höher, sei es vom Chor her oder an der Aussenseite des Turms. Zum Chor hin bestand eine Öffnung, die Läutertüre oder das Läuterfenster. Von hier konnte der Sakristan oder der Läuterbub den Ablauf der Messe verfolgen und, wie das noch heute im katholischen Gottesdienst üblich ist, bei der Wandlung (von Hostie und Wein zu Fleisch und Blut Christi), wenn die Sanktusschellen erklingen, eine Glocke läuten. Weiter vorne öffnet sich eine weitere Spitzbogentüre mit gekehltem Gewände zur einstigen Marienkapelle (jetzt Sakristei) von 1464, deren blechgedoppelte Türe auf die Archivfunktion nach der Reformation hinweist.
In der Sakristei werden die bemerkenswerten Geräte aufbewahrt, die bis heute bei der Feier des Abendmahls benützt werden: Die zwei silbernen Abendmahlskelche stammen aus der Spätgotik und von 1730. Einfachheit und Festlichkeit zugleich ist dem nur in der evangelisch-reformierten Liturgie gebräuchlichen Zinngeschirr eigen: Drei Abendmahlskannen von 1730, 1777 und 1809 sowie ein Zinnteller aus dem 18. Jahrhundert für das Abendmahlsbrot. Teile dieser liturgischen Geräte sind als Leihgaben im Museum Burghalde in Lenzburg ausgestellt.
Neben der Türe zur Sakristei ist das Sakramentshäuschen in die Wand eingelassen, das in der Reformation teilweise weggeschlagen und zugemauert wurde. Die Überreste kamen erst 1877 wieder zum Vorschein und wurden danach freigelegt. Erhalten haben sich die Sakramentsnische mit ihrem Gewände aus Hohlkehlen und überschnittenen aufgelegten Rundstäben und zwei doppelbahnige Blindfenster mit Fischblasenmasswerk. Die über die Wandflucht vortretenden Teile wurden abgeschlagen. Nach den kurvig geschwungenen unteren Abschlüssen der Blindfenster und den noch lesbaren Spuren dürfen wir seitlich der Sakramentsnische Wandvorlagen (Dreiviertelsäulchen?) vermuten, die einen Kielbogenabschluss mit reliefiertem Masswerk trugen. Die Bogenspitze mündete in eine krabbenbesetzte Fiale mit Kreuzblume, die bis ans obere Ende zwischen den Blindfenstern aufstieg. Ähnliche, aber zierlichere Fialen begleiteten die Blindfenster auch seitlich auf ihrer ganzen Höhe. Ein leicht überstehendes Gesims muss den horizontalen oberen Abschluss gebildet haben. Auch unter der Sakramentsnische muss sich ein kräftiges Gesims befunden haben, das sich – nach den sichtbaren Werkstücken zu schliessen – nach unten konsolartig verjüngt hatte und auf einer zentrierten Abstützung ruhte.
Die stilistischen Anhaltspunkte weisen in das späte 15. Jahrhundert. Eine zeitliche Übereinstimmung mit dem 1473 bewilligten Bettelbrief ist denkbar, muss aber ungewiss bleiben. Ein vergleichbares, 1488 datiertes Sakramentshäuschen in der alten Pfarrkirche St. Justus in Flums/SG konkretisiert unsere Vorstellung über die ursprüngliche Gestalt der Anlage auf dem Staufberg.
Im Zentrum des Chors steht der säulenförmige Taufstein aus grauem Sandstein, der nach dem formalen Vorbild des Taufsteins von 1763 in der Stadtkirche Lenzburg geschaffen wurde. Sein glatter Schaft von ovalem Querschnitt wird von kräftigen gewulsteten Profilen an der verbreiterten Basis und der auskragenden Platte eingefasst. Die frontseitig flach eingeschnittene Rokokokartusche gibt mit dem Wappen den Stifter Johann Rudolf Schmalz, Landvogt auf Lenzburg, preis, dessen Amtszeit von 1765 – 1771 die Entstehungszeit eingrenzt. Von gleicher Form aber reicherer Ausführung ist der Taufstein in Ammerswil, den Schmalz aus Anlass der Renovation 1770 in die dortige Pfarrkirche stiftete.
Blick auf Empore und Orgel
Ob die Empore bei der Anschaffung der ersten Orgel 1824 erbaut wurde oder schon vorher bestand, ist nicht bekannt. Die heutige Orgel wurde 1967/68 als traditionelle Gehäuseorgel mit mechanischer Traktur von Th. Kuhn in Männedorf errichtet. Die 20 klingenden Register verteilen sich auf das Hauptwerk und ein Rückpositiv in der Emporenbrüstung. Das schnörkellose Gehäuse mit seinem Prospekt in zurückhaltend modernen Formen war ursprünglich naturbelassen; bei der Innenrestaurierung erhielt es eine blaue Farbfassung in Anlehnung an die Decke und die Kanzel.