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quel monstre vois-je là?
„Nie genug haben und immer begehren. So geht es demjenigen, der die Welt liebt“: Die „Vanitas“, die Vergänglichkeit und Nichtigkeit der materiellen Welt spielte bereits im Denken der Renaissance und später im Barock eine zentrale Rolle – und scheint heute aktueller denn je. Der reformierte französische Komponist Paschal de L’Estocart vertonte diese Thematik in seinen „Octonaires de la Vanité du Monde“ (1582) in betörend schönen drei-, vier- und fünfstimmigen Madrigalen. Inhaltlich korrespondierende einstimmige Psalmen aus dem Genfer Psalter, die allein oder zu mehreren unisono gesungen wurden, bildeten zusammen mit den Solobeiträgen des französischen Ambient- und Elektronikkünstlers Sylvain Chauveau ein spannungsreiches Programm. Mit viel Können und Engagement nahm sich das Vokalensemble „chant 1450“ der Werke d’Estocarts an. Lebendig und ausdrucksstark, mit einem feinen Sinn für die klangliche Balance und die stimmlichen Nuancen bildete die Musik gleichsam einen utopischen Gegenpol zu den düsteren Texten. Während Sylvain Chauveau die einstimmigen Psalmen mit ruhigen, einfachen Klängen untermalte und harmonisierte, schufen seine Zwischenspiele einen scharfen Kontrast. Mittels exakt positionierten Magneten erzeugte er auf einer akustischen, mit Stahlsaiten bespannten Gitarre Schwingungen und Geräusche, die sich einer fassbaren Einordnung weitestgehend verweigerten. Umso prachtvoller blühten die Gesänge des Vokalensembles auf, die das Publikum nachhaltig beeindruckten. So verbanden sich die Widersprüche und Gegensätze von Inhalt, Form und Ausdruck zu einem starken, berührenden und durchaus auch irritierenden Ereignis.
Christian Brühwiler
Die folgenden vier Stücke bilden einen zusammenhängenden Ausschnitt aus dem Konzertprogramm. Daran schliesst "Vanité 1" als Beispiel für die Soloteile von Sylvain Chauveau an.