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Vielerorts haben Bauern ein kleines Schild an die Strasse gestellt mit der Forderung nach einem fairen Milchpreis (Webseite). Fairness ist immer gut. Nur: Was ist ein fairer Milchpreis? Die Webseite informiert über die heutige komplizierte Preisbildung bei der Milch, welche alles andere als die ihr zukommende echte marktwirtschaftliche Koordinationsfunktion erfüllt. Ordnungspolitisch ist klar: Der Preis müsste koordinieren wieviel Milch produziert und konsumiert wird. Das funktioniert, wenn er frei und ohne Zwang verhandelt und vereinbart wird. Die Bauern auf der Webseite fordern hingegen zwei Sachen, die nicht ganz zueinander passen: Preisbildung nach den Produktionskosten (eine schon fast lustige und naive Forderung, Zitat: “Ein Produkt soll das kosten, was es braucht um es herzustellen.”) und mehr Markt. Ersteres wäre ein (teures) Privileg, das kein anderes Unternehmen in diesem Land hat. Alle müssen ihre Kosten dem Erlös auf dem freien Markt anpassen, um etwas zu verdienen. Zweiteres scheint uns schon sinnvoller, hat aber Konsequenzen.
Der Verband der Schweizer Milchproduzenten will die Marktmacht der Bauern stärken und einen nationalen Verkaufspool einrichten (Mitteilung). Dieser hätte grossen Einfluss (ungleich grösser als die heute bestehenden 27 Vermarktungsorganisationen) und würde direkt mit den Abnehmern (im wesentlichen Emmi, Migros und Cremo) den Preis aushandeln. Wenn eine Mehrheit der Produzenten diesem Verkaufspool angehört, dann dürfte der Preis automatisch steigen – solange die Grenze für ausländische Milch geschlossen bleibt.
Ordnungspolitisch ist der Milchpool durchaus zu begrüssen, aber zu Ende gedacht müsste gleichzeitig die Abschottung der Schweizer Landwirtschaft aufgehoben werden. Sonst handelt es sich um ein plumpes Milchkartell auf Kosten der Konsumentinnen und Konsumenten. Wer nach dem Markt ruft, muss sich der Konkurrenz stellen. Dann entsteht etwas, das man durchaus “fairen Milchpreis” nennen kann.
(Foto: pixelio)