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Da in meinem direkten Umfeld ein paar Menschen davon betroffen sind und ich selber immer wieder an meine Grenzen stosse mit Borderlinern, hier ein Artikel, der (hoffentlich) etwas aufklärt!
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung gehört zu den am häufigsten missverstandenen und gleichzeitig am häufigsten anzutreffenden psychischen Erkrankungen. Schwierigkeiten bei der Erstellung einer Diagnose können zur Verwechslung mit anderen Krankheiten führen. So wird beispielsweise eine vorübergehende (Borderline-)Psychose für Schizophrenie gehalten.
Vor allem ist dies eine Krankheit der Jugend. Zum ersten Mal tritt Borderline zwischen Teenageralter bis Anfang 30 auf. Mit der Zeit klingen die Symptome ab. Zwar besteht die Störung auch bei älteren Menschen fort, dennoch ist sie dann wesentlich schwächer ausgeprägt.
Man schätzt die Verbreitung der Borderline-Persönlichkeitsstörung in der Bevölkerung auf zwei bis vier Prozent. Dabei ist die Anzahl der betroffenen Frauen dreimal so hoch wie die von Männern.
Diese Persönlichkeitsstörung erscheint nicht allein. Die Borderline-Patienten leiden meist auch unter Depressionen. Männliche Borderliner sind häufiger von Drogenmissbrauch und Soziopathie betroffen, weibliche – von Essstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen.
Fünf von neun
„Impulsivität und Instabilität in Beziehungen, im Selbstbild und in den Stimmungen“ bilden die primären Züge der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Weltweit akzeptierte Kriterien führen zur entsprechenden Diagnose, wenn fünf von den neun Symptomen vorhanden sind:
1. Enorme Ängste vor Verlassenwerden und verzweifelter Kampf um Erhalt der Beziehung; unabhängig davon, ob die Bedrohung real oder eingebildet ist.
2. Intensive und unbeständige Beziehungen, die zwischen Idealisierung und Schlechtmachen schwanken.
3. Instabiles Selbstbild und Selbstgefühl (Eine häufige Klage von Borderline-Kranken lautet: „Ich weiß nicht, wer ich bin“).
4. Selbstzerstörerische Impulsivität in mindestens zwei Bereichen wie Kaufsucht, Spielsucht, Sex, Drogen, Fressanfälle, Magersucht usw. Meistens tritt sie als Reaktion auf Enttäuschungen seitens nahe stehenden Menschen auf.
5. Suizidales (zum Selbstmord führendes) oder selbstverletzendes Verhalten (häufig als selbst zugefügte Schnitt- und Verbrennungswunden).
6. Situationsabhängige und affektive gravierende Stimmungsschwankungen.
7. Gefühle der inneren Leere, „überwältigendes Gefühl von Sinnlosigkeit“.
8. Häufige unberechenbare Wutausbrüche ohne offensichtlichen Grund.
9. Vorübergehende Paranoia (beispielsweise Halluzinationen, eingebildete Gerüche) oder schwere Dissoziation (Gefühl von Unwirklichkeit).
Erfolgreiche Methode
Unter den vielen Methoden verspricht die psychodynamische Psychotherapie einen Erfolg in der Behandlung von Borderline-Kranken. Der Therapeut überwacht hier die Selbsterforschung des Patienten, der sein Verhalten zu erkennen und zu ändern versucht. Vorerst ist der Therapeut passiv und lässt dem Kranken Zeit und Raum für die Selbsterkundung. Im weiteren Verlauf der Therapie wird er auch aktiv, ermutigt und gibt Rat.
Beziehung mit einem Borderliner
Im Kontakt mit einem Borderline-Kranken ist das richtige Maß sehr wichtig. Dies betrifft hauptsächlich zwei Bereiche: Mitgefühl und Abstand. Mitgefühl setzt Verständnis voraus. Das wechselhafte Verhalten zu verstehen fällt den Personen aus dem Umfeld eines Borderliners oft sehr schwierig. Es ist aber nötig, um die Beziehung zu steuern, statt lediglich alle Bedürfnisse des Kranken zu Erfüllen. Solch ein Vorgehen, die die unrealistischen Erwartungen bestätigt, ist zum Scheitern verurteilt.
Ein Borderliner wird versuchen, die Schuldgefühle zu schüren, und den Partner ganz zu vereinnahmen. Jener darf eigene Interessen nicht opfern, muss dem Druck widerstehen und sich eine Auszeit gönnen. Dem Kranken werden dadurch klare Grenzen gezeigt und die Möglichkeit gegeben, sich ihnen anzupassen.
Als Grundlage für derartige Beziehung – aber auch für jede andere – ist Aufrichtigkeit und Respekt unerlässlich: „Da viele Borderliner in ihrer Vergangenheit ausgenutzt wurden, macht die Begegnung mit integren Personen, die ‚das Richtige tun’ ihnen Hoffnung, dass es in der Welt doch noch vertrauenswürdige Menschen gibt“.
Zitate und Quelle: Jerold. J. Kreisman/Hal Straus, Zerrissen zwischen Extremen. 2005