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Die Valenzgrammatik ist wie die Mehrzahl moderner Grammatiktheorien eine projektionistische Theorie. Sie geht davon aus, dass Verben (und andere Valenzträger) mit einer Fügungspotenz (Valenz) ausgestattet sind, die die Satzstruktur bzw. die Konstruktion determiniert. Köpfe von Phrasen (Valenzträger) projizieren die Phrase. In seinem ersten Teil gibt das Buch auf der Grundlage eines funktionalen, monostratalen und prototypentheoretischen Ansatzes einen Abriss einer projektionistischen Valenztheorie. Es wird gezeigt, dass eine Reihe von Problemen eine Revision der bisherigen Valenztheorie verlangt. Notwendig sind die Aufhebung des Invarianzpostulats zu Gunsten von Prototypik und die Aufhebung der starren Trennung von langue und parole und von Synchronie und Diachronie. Im Gegensatz zu projektionistischen Grammatiktheorien gelangt die Konstruktionsgrammatik nicht von Köpfen (z.B. Verben) zu Phrasen (Konstruktionen), sondern setzt bei Konstruktionen an. Im zweiten Teil des Buches werden Ideen der Valenzgrammatik mit Ideen der Konstruktionsgrammatik verbunden. Es wird gezeigt, dass und wie Wörter und Konstruktionen sich wechselseitig determinieren und wie aus diesem Wechselverhältnis kreativer Sprachgebrauch entsteht.
Rezension
"Diese neue und umfassende Einführung in die Valenzgrammatik verbindet die herkömmliche Valenzvorstellung mit dem Ansatz der Konstruktionsgrammatik (KG), behanldet die beiden Zugriffe aber nicht in ihrer Konkurrenz, sondern in ihrer Wechselwirkung. [...] Die Integration von Valenztheorie und KG ermöglicht so den Aufbau einer kompletten Grammatik." Hans-Werner Eroms in: Germanistik Redaktion 2011, Band 52, Heft 1-2