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Wie die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Ausgabe vom 4. März 2010 schreibt, hat die Krise bei Holcim tiefe Spuren hinterlassen. Die in den Schwellenländern erzielten Umsätze konnten zwar knapp gehalten, im Fall von Asien und Ozeanien (teilweise akquisitionsbedingt) gar gesteigert werden. Der massive Einbruch von 21,6% in der nach wie vor wichtigsten Einzelregion, Europa, und der Rückgang von 21,8% in Nordamerika sorgten jedoch dafür, dass der Zement- und Zuschlagstoffe-Konzern insgesamt eine Erlösminderung von 16% hinnehmen musste. Dieser Einbruch war zu 6,8 Prozentpunkten währungsbedingt; der wesentliche Teil, 10 Prozentpunkte, ging auf das Konto geschrumpfter Volumina, derweil die Zementpreise in einzelnen Schwellenländern wie etwa Brasilien oder Indonesien regelrechte Haussen verzeichneten.
Sparziel übertroffen
Die mit der Umsatz-Schmelze verbundenen Gefahren vor Augen, handelte die Konzernführung rasch und begann, parallel zum negativen Erlös-Trend die betrieblichen Aufwendungen mittels Verschlankung von Abläufen und Strukturen zu reduzieren – und dies mit unerwartetem Elan; aus der ursprünglich anvisierten Senkung der Fixkosten um 600 Mio. Fr. wurde bis Ende Jahr ein Betrag von 857 Mio. Fr. Einschneidende Massnahmen wurden vor allem in den krisengeplagten Regionen Europa und Nordamerika getroffen, wo Werke temporär oder definitiv stillgelegt und Zementproduktions-Kapazitäten im Umfang von 10 Mio. t (7% des gesamten Absatzes) ausser Betrieb genommen wurden. Die Schattenseite dieser Rosskur bestand aus einer deutlichen Dezimierung der Belegschaft.
Zugute kam die Sparübung dagegen dem Ebitda, der für den Konzern massgebenden Betriebsgewinn-Grösse; hatte dessen Einbruch im ersten Halbjahr 2009 noch 24% betragen, konnte er in der Zwölf-Monate-Periode immerhin auf 13% eingedämmt werden. In der Ertragsstruktur zeigte sich sodann dasselbe geografische Muster wie beim Umsatz. Den stärksten Ebitda-Rückgang erlitt der Konzern in Europa (-33,3%), den zweitstärksten in Nordamerika (-15,6%), und in diesen reifen Märkten erzielte Holcim (mit 16,8% bzw. 11,5%) auch die bescheidensten Betriebsmargen.
Dieser kargen Ausbeute standen Ebitda-Steigerungen von 10,9% (Lateinamerika), 8,2% (Afrika, Naher Osten) und 21,5% (Asien, Ozeanien) gegenüber sowie Ebitda-Margen zwischen 27% und 32%. Trotz dem strikten Austerity-Kurs ist Holcim keineswegs darauf bedacht, sich in der Krise gesundzuschrumpfen. Der Konzern hat 2009 ein strategisches Investitionsprogramm in Angriff genommen, das von wenigen Abstrichen abgesehen wie geplant fortgeführt und 2012 abgeschlossen werden soll. Der Plan umfasst sowohl Werkserweiterungen wie auch Neubauten im Zementbereich und konzentriert sich auf Wachstumsmärkte, namentlich im indischen Subkontinent. Grossinvestitionen werden jedoch nicht nur in den Schwellenländern vorgenommen, sondern auch in den USA; im Bundesstaat Missouri ist im Juli ein Zementwerk eingeweiht worden, das mit einer Kapazität von 4 Mio. t das grösste und modernste des ganzen Landes ist.
Hoher Investitionsrhythmus
Die Erweiterungsinvestitionen beliefen sich gesamthaft auf 1,9 (i. V. 3,3) Mrd. Fr. und sollen im laufenden Jahr 1,5 Mrd. Fr. ausmachen. Dazu kommen Instandhaltungsinvestitionen von 500 Mio. Fr. Bis 2012 will Holcim die Kapazität um 16 Mio. t erweitern, die Hälfte des Ausbaus wird in Asien/Ozeanien anfallen. Die Finanzierung dieser Vorhaben bereitete dem Konzern keine besondere Mühe; Kapitalmarkttransaktionen, eine Kapitalerhöhung sowie ein erhöhter Cashflow erlaubten, nebst den Kapazitätserweiterungen auch Zukäufe in Australien und China vorzunehmen, ohne dabei die Bilanz zu beeinträchtigen, im Gegenteil: Die Nettoschulden-Position konnte reduziert werden.
Was den Ausblick für das laufende Jahr betrifft, gab sich die Firmenführung an der Bilanzpressekonferenz zurückhaltend und verzichtete angesichts der unsicheren Entwicklung in Europa und Nordamerika auf eine detaillierte Prognose. Der Geschäftsgang werde davon abhängen, in welchem Ausmass namentlich in den USA die Stimulierungsprogramme zum Ausbau der Infrastruktur tatsächlich realisiert würden, hiess es. Klar ist dagegen schon jetzt, dass aus einer konzerninternen Transaktion (dem Übergang einer Beteiligung an Holcim Kanada von Holcim US an die Muttergesellschaft Holcim Ltd.) ein Steuerbetrag von 200 Mio. Fr. zulasten des Reingewinns anfallen wird.