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Hepatitis B
- Hepatitis B ist eine der schwersten und am weitest verbreiteten Infektionskrankheiten, die durch einen Virus ausgelöst werden: Weltweit leben 257 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion.
- In der Schweiz gibt es schätzungsweise 44'000 Betroffene.
- Das Virus wird über Blut und sexuell übertragen.
- Das Hepatitis-B-Virus schädigt die Leber und führt in 25 bis 30 Prozent der Fälle zu einer Leberzirrhose. Das Risiko für Leberkrebs ist stark erhöht.
- Es gibt eine wirksame und sichere Impfung, die in der Schweiz für alle Neugeborenen empfohlen ist.
Hepatitis B ist eine der häufigsten und schwersten Infektionskrankheiten, die durch Viren verursacht werden. Die WHO schätzt, dass weltweit 257 Millionen Menschen, die mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) infiziert sind, chronisch erkrankt sind. Mehr als 880'000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen, insbesondere an einer Zirrhose oder an Leberkrebs. In der Schweiz leben etwa 44’000 Menschen mit Hepatitis B. Damit gehört Hepatitis B zusammen mit Hepatitis C (rund 40'000 Betroffene) zu den häufigsten Formen von viraler Hepatitis in der Schweiz. Hepatitis B ist hochansteckend. Bei einer Infektion durch eine verunreinigte Spritze ist die Ansteckungsgefahr 50 bis 100 Mal so hoch wie bei einer Infektion mit dem HI-Virus. Seit der Einführung der Impfung nehmen Neuansteckungen ab. Meistens heilt die akute Infektion ohne Folgeschäden aus. Die Infektion gilt als chronisch, wenn die Viren länger als sechs Monate im Blut nachweisbar sind.
Übertragung
Die Übertragung des Virus erfolgt vor allem durch kontaminiertes Blut. Das Virus lässt sich aber auch - in geringerer Menge - in anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Tränen, Samenflüssigkeit oder Vaginalsekret nachweisen. Ungeschützter Geschlechtsverkehr, Tauschen von Konsum- oder Zubereitungsmaterialien bei intravenösem oder nasalem Drogenkonsum sowie die Übertragung von der infizierten Mutter auf das Neugeborene sind die häufigsten Infektionswege. Ansteckungen über Bluttransfusionen gibt es in der Schweiz kaum mehr, da seit 1980 alles Blut auf Hepatitis-B-Viren getestet wird. Ungenügend steril durchgeführte Tätowierungen, Piercings, Maniküre, Pediküre oder Rasuren mit Klingen sind weitere mögliche Risikofaktoren für eine Ansteckung mit Hepatitis B.
Risikogruppen
Früher zählten Konsumenten von Drogen, die intravenös eingenommen werden, zur grössten Risikogruppe; heute sind es Personen mit ungeschützten sexuellen Kontakten – sowohl Hetero- wie Homosexuelle. Bei den Berufsgruppen im Gesundheitswesen gehört Hepatitis B zu den häufigsten Berufserkrankungen. Einem sehr hohen Infektionsrisiko sind Kinder von Hepatitis-B-infizierten Müttern ausgesetzt. Zudem haben Migranten aus Ländern mit hoher Hepatitis-B-Infektionsrate ein erhöhtes Risiko, selbst Träger des Virus zu sein – oft ohne es zu wissen. Denn in Ländern, in denen Hepatitis B weit verbreitet ist, ist die Mutter-auf-Kind-Übertragung ein häufiger Übertragungsweg. Zu Regionen mit weiter Verbreitung gehören Asien, Afrika südlich der Sahara, Südamerika, der Mittlere Osten, der Mittelmeerraum und Osteuropa.
Symptome und Verlauf
Die Inkubationszeit nach einer Infektion mit dem Hepatitis B Virus beträgt 60 bis 120 Tage. Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Die meisten Menschen mit einer Hepatitis-B-Infektion zeigen nur unspezifische oder gar keine Symptome, weder bei der akuten noch bei der chronischen Infektion. Manche entwickeln Symptome wie die Gelbfärbung von Haut und Augen, dunklem Urin, extremer Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Die Hepatitis-B-Infektion kann sich zu einer chronischen Leberinfektion entwickeln, die später zu einer Leberzirrhose oder zu Leberkrebs führen kann. Mehr als 90 Prozent der gesunden Erwachsenen mit einer Hepatitis-B-Infektion erholen sich jedoch innert eines Jahres ganz von der akuten Hepatitis B. Dagegen entwickeln bis zu 90 Prozent der infizierten Neugeborenen und Kinder eine chronische Infektion.
Diagnose
Ein Hinweis auf das Vorliegen einer Hepatitis B kann die Erhöhung bestimmter Leberwerte sein. Verschiedene Laboruntersuchungen können den Nachweis von Antikörpern und Virusproteinen erbringen. Diese Tests ermöglichen es, zwischen frischer und chronischer Infektion zu unterscheiden. Sie zeigen auch, ob eine Immunität vorliegt.
Prävention
Schutz vor Hepatitis B bietet ein hochwirksamer Impfstoff, der in drei Injektionen verabreicht wird. Empfohlen wird, alle Säuglinge sowie alle Risikogruppen gegen Hepatitis B zu impfen. Dazu gehören auch die Kinder von infizierten Müttern, die unmittelbar nach der Geburt geimpft werden, um eine Infektion des Säuglings zu verhindern. Beim Zusammenleben im selben Haushalt oder bei Sexualkontakten ist eine Impfung ebenfalls empfehlenswert. Auch Angestellte im Gesundheitswesen sollten sich gegen Hepatitis B impfen lassen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung.
Die Verwendung von Kondomen bei Sexualkontakten verringert das Risiko einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus. Im Alltag ist die Ansteckungsgefahr gering. Trotzdem sollten Rasierapparate oder Zahnbürsten nicht gemeinsam benutzt werden. Vorsicht ist auch bei Tattoos, Piercings sowie Maniküre und Pediküre und bei kommerziellen Rasuren mit Klingen geboten.
Therapie
Da die akute Hepatitis B bei den meisten Erwachsenen ohne Folgeschäden selber ausheilt, ist keine spezifische Therapie erforderlich.
Eine chronische Hepatitis B kann mit Medikamenten behandelt werden, insbesondere mit antiviral wirkenden Therapien. Eine Heilung ist nur in seltenen Fällen möglich, da auch bei erfolgreicher Therapie meist Erbgut von Viren in den Leberzellen verbleibt. Mit der Behandlung wird aber die Menge der Viren im Blut reduziert – und damit das Risiko für eine Leberentzündung und die Entstehung von Leberzirrhose und Leberkrebs.
Nicht für alle Personen mit einer chronischen Hepatitis B ist eine Therapie angezeigt. Betroffene sollten jedoch in regelmässiger ärztlicher Kontrolle zur Überwachung sein.
Bei Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung ist die Lebertransplantation eine Therapiemöglichkeit.