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Meiner Erfahrung nach kommt der Sommer nicht «trotz» oder «wegen» etwas, sondern einfach, weil er kommen muss. Fragen wir diejenigen, die es wissen, ziehen wir Wikipedia zu Rate: «Der Sommer ist die wärmste der vier Jahreszeiten» heisst es da. Daran zweifelt wohl im laufenden Jahr niemand.
Weiter vernehme ich, dass man von einem «Nordsommer» und einem «Südsommer» spricht, je nachdem ob er gerade auf der nördlichen oder der südlichen Erdhalbkugel herrscht. Und, sehr beruhigend: «Der Nordsommer findet gleichzeitig mit dem Südwinter statt». Nicht auszudenken, wie es wäre, wenn auf der ganzen Erde gleichzeitig nur der Sommer oder nur der Winter regieren würden!
Was wäre ein Jahr ohne Sommer? Die Antwort darauf findet sich in den Chroniken von 1816.
Selbstverständlich sind für Beginn und Ende des Sommers auch noch präzise Daten angegeben. Ordnung muss sein, auf jeden Fall. Auch wenn das Klima verrückt spielt.
Der besungene Sommer
Da ich schon am Stöbern im Internet war, suchte ich auch nach dem von Poeten und fröhlichen Geistern besungenen Sommer. Sehr angesprochen fühlte ich mich von Mark Twain (1835-1910): «Sommer ist die Zeit, in der es zu heiss ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war». Einem Brief von Friedrich Nietzsche (1844-1900) ist zu entnehmen: «Lieber Freund, was für ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzen(d), mehr Omelette als Mensch». Und um auch noch die praktische Seite des Lebens zu streifen: «Sommer ist die Zeit des miserablen Schlittenfahrens». Dieses Zitat soll aus der Welt der Eskimos stammen.
Das Jahr ohne Sommer
Nicht aus dem Kopf geht mir beim Stichwort «Sommer», dass wir auch ein «Jahr ohne Sommer» hatten, nämlich 1816. Unwetter, unzeitige Schneefälle, katastrophale Überschwemmungen ereigneten sich weltweit, auch in der Schweiz. Missernten, Steigerung der Getreidepreise, Hungersnöte waren die Folgen.
Ein Lichtblick waren da die 100’000 Goldrubel als Nothilfe, welche Zar Alexander der Erste (1777-1825) 1817 der Ostschweiz schenkte, damit Getreide gekauft werden konnte. Darauf spielte Bundespräsident Arnold Koller 1997 in einem Grusswort an, als er eine Gruppe russischer Politiker bei einem Mittagessen willkommen hiess. Die Erinnerung an gute Taten überdauert die Jahre und die Systeme!
Sommerferien
Einen längst vergessenen Ärger aus Kindertagen spült meine Erinnerung auch noch an die Oberfläche. Während der Primarschulzeit erlebte ich, dass die Sommerferien in Zürich fünf Wochen dauerten. Andernorts aber hatten die Kinder sechs oder sogar acht Wochen schulfrei. Das war vermutlich meine erste Begegnung mit dem schweizerischen Föderalismus. Anderswo würden die Kinder während den Ferien bereits zu Erntearbeiten herangezogen, war die Begründung. Das vermochte aber dieser «Ungerechtigkeit», als das empfand ich die unterschiedlichen Regelungen, den Stachel nicht zu nehmen.
Altweibersommer
Nicht verzeihen könnte ich es mir, wenn ich mich unter dem Stichwort «Sommer» nicht auch noch um den «Altweibersommer» kümmern würde. Da lese ich unter «garteln.com», dass der Altweibersommer eine sogenannte meteorologische Singularität sei. Etwa wie die «Eisheiligen» im Mai, die «Schafskälte» im Juni und der «Martini Sommer» im November. Einer fixen Datierung entzieht er sich, gilt einfach als «Schönwetterphase im Herbst».
So schön kann ein Altweibersommer sein …
Verblüfft lese ich, dass der Altweibersommer nichts mit frierenden alten Damen zu tun habe, die in ihren Wollschal gehüllt noch die letzten Sonnenstrahlen eines ausklingenden Sommers geniessen. Nein, nein, nein! Der Name soll sich von jungen Baldachinspinnen herleiten, die mit ihren Spinnfäden im Herbst durch die Luft segeln. Denn mit «weiben» soll im Althochdeutschen das Knüpfen von Spinnweben bezeichnet worden sein. Ob das wohl so zutrifft?
… wenn kleine Spinnen ihre Netze zwischen Grashalme weben, «weiben» wie das im Althochdeutschen hiess. (alle Bilder Pixabay)
Auch das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz befasst sich mit dem Altweibersommer. Und stellt zu meiner Belustigung im Abschnitt über die Herkunft des Namens als erstes fest: «Die Herkunft des Namens wird in der meteorologischen Fachliteratur nicht diskutiert». Dann aber schliesst es sich der oben bereits skizzierten Erklärung an. Und äussert sich auch noch darüber, dass in diesem Zusammenhang der Begriff «alt» in der Bedeutung von «spät» verwendet werde. Der Altweibersommer sei demgemäss als «Spätsommer «oder «Nachsommer «zu verstehen.
Spätsommer, später Sommer. Das erinnert mich doch an etwas! Ja, an ein Buch mit dem Titel: «Das Glück der späten Jahre». Muss das sofort googeln!
Hier finden Sie alle bisher erschienenen Beiträge zur Serie Sommer trotz allem der Redaktionsmitglieder:
Josef Ritler: «Die Schweiz verhäbt»
Fritz Vollenweider: Sommerbilder
Linus Baur: Einmaliges Zusammenspiel von Natur und Kunst
Bernadette Reichlin: Sommer ohne Ferien – geht das?
Ruth Vuilleumier: Mit Oma ausfahren
Maja Petzold: Träumereien unter der Himmelskuppel
Eva Caflisch: Aus der Not ein Hobby machen