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Die Dissertation von Claudia Willms (Cotutelles-de-thèse der Universitäten Basel und Frankfurt a.M.) widmet sich Franz Oppenheimer, einem liberaler Sozialisten, Zionisten und utopisch anmutenden Vordenker der Genossenschaftsökonomie. Im Fokus stehen die deutsch-jüdische Identitätskonstruktionen im Verlaufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Im Jahre 1919 wurde an der Universität in Frankfurt am Main (gegründet 1914) die erste ordentliche Soziologie-Professur Deutschlands besetzt. Aufgrund des Engagements des Lehrstuhl-Stifters Karl Kotzenberg wird der 55-jährige Berliner Privatdozent und Extraordinarius Franz Oppenheimer berufen und bleibt bis zu seiner Emeritierung 1929 auf diesem Posten. Franz Oppenheimer ist von der Historischen Schule der Nationalökonomie geprägt, die sich mit der Geschichte der Ökonomie im Verhältnis zur Entwicklung des Menschen auseinandersetzte. Seine erzwungene Emigration aus NS-Deutschland kontrastiert nicht nur mit den Erfahrungen der Weimarer Republik sondern auch mit der neuen Lebenssituation in Kalifornien am Ende seines Lebens.
Die geplante Untersuchung versucht zu klären, in welchem Verhältnis Oppenheimers Theorie und sein Menschenbild zu den allgemeinen gesellschaftlichen Annahmen und Erfahrungen seiner Zeit stand. Welches Milieu war es, das ihn prägte und welche selbstverständlichen Bezüge waren es, die seine Handlungen auf all seinen Wegen, Umwegen und Abwegen beeinflussten und stützten. Auch die Frage nach den objektiven gesellschaftlichen Umständen, die diesen Lebensweg beeinflussten und ermöglichten, soll dabei behandelt werden. Die besonders grenzüberschreitenden Erfahrungen in den persönlichen und gesellschaftlichen Lebensbezügen und -umständen Franz Oppenheimers machten die Wissenschaft und Ethik des Liberalen Sozialismus (mit dem theoretischen und praktischen Grundbaustein der Siedlungsgenossenschaftlichen Organisation) zur Zeit der Jahrhundertwende überhaupt erst möglich. Die tiefe Verknüpfung von Leben und Werk, von Praxis und Theorie und von politischem Engagement und Selbstaufgabe lassen ein erstaunliches Bild eines umfassenden Gelehrten entstehen, welches es auch mit anderen Wissenschaftlern dieser Zeit zu vergleichen gilt.