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• Nestlé - Ein Apotheker war der Gründer
• Nestlé macht ein Joint Venture mit Coca-Cola
• Das Unternehmen steigt in die Kosmetik- und Gesundheitsbranche ein
Nestlés erstes Produkt und was es mit dem Firmenlogo auf sich hat
Nestlés Produkte sind in so gut wie jedem Supermarkt vertreten, von Maggi über Schokolade bis hin zu Kondensmilch. Nestlé, der grösste Nahrungsmittelkonzern der Welt, hat seinen Hauptsitz nach wie vor im schweizerischen Vevey, wo der Apotheker Henri Nestlé die Firma 1866 gründete. Gleichzeitig entschied sich damit das Design des Firmenlogos, bei dem sich Henri Nestlé auf sein Familienwappen festlegte. Das Wappen mit dem Vogelnest ist bis heute Nestlés Firmenlogo.
Henri Nestlé gründete das Unternehmen zunächst auf Basis eines Produkts: dem Kindermehl Farine Lactée. Das Mehl sollte Kinder, die nicht gestillt werden konnten, davor bewahren, zu verhungern. Kurz darauf verkaufte Henri Nestlé sein Unternehmen an drei Geschäftsmänner, die die Produktion ausweiteten.
Konkurrenzkampf mit Anglo-Swiss
Zu ungefähr derselben Zeit wurde das Unternehmen Anglo-Swiss Condensed Milk Company gegründet und sollte zu Nestlés grösster Konkurrenz werden. Anglo-Swiss wurde auf Basis seiner neu erfundenen Kondensmilch gegründet und nahm zudem Nestlés Kindermehl in sein Produktportfolio auf. Nestlé tat es Anglo-Swiss gleich und nahm wiederum dessen Kondensmilch in sein Angebot auf. Der Konkurrenzkampf endete 1905, als Nestlé und Anglo-Swiss fusionierten, nachdem einer der Anglo-Swiss-Gründer während der Expansion in die USA starb und das Unternehmen vorerst seine Vergrösserung in Übersee stoppte. Aus Nestlé wurde aus diesem Grund Nestlé & Anglo-Swiss Milk Company. In den weiteren Jahren sollten Nestlé & Anglo-Swiss ihre Milchproduktsparte weiter ausbauen.
Erster Weltkrieg und steigende Nachfrage
Im Gegensatz zu anderen Branchen erlebte Nestlé & Anglo Swiss keinen Nachfrageeinbruch während des ersten Weltkriegs, sondern sogar einen Nachfragezuwachs - obwohl es zu Liefer- und Produktionsschwierigkeiten während des Krieges kam. Besonders die Kondensmilch war auch auf Seiten des Militärs sehr gefragt und Nestlé & Anglo Swiss erhielt verschiedene Regierungsaufträge. Um der Nachfrage und den neuen Umständen gerecht zu werden, kaufte Nestlé & Anglo-Swiss in dieser Zeit das norwegische Unternehmen Egron und weitere Firmen aus den USA und Australien auf.
Krise in der Nachkriegszeit: Nescafé wird eingeführt
Mit dem Ende des Krieges sank auch die Nachfrage nach Dosenmilch und Nestlé & Anglo Swiss nahm 1921 einige Restrukturierungen und Optimierungen in dem Unternehmen vor. Produktmanager wurden ernannt, ein Krisenmanager eingestellt und das Management zentralisiert. Teil der Restrukturierungen war der Launch neuer Produkte. So kaufte Nestlé & Anglo-Swiss die Schokoladenfirma Callier auf, welche in der Schweiz als sehr traditionsreich galt. Ausserdem entwickelte Nestlé & Anglo-Swiss das Malz-Getränk Milo in Australien und 1934 folgte das Babymilchpulver Pelargon. 1936 führte das Unternehmen weisse Schokolade und verschiedene Geschmacksrichtungen bei Schokolade ein und rund ein Jahr später launchte der Nahrungsmittelgigant Nescafé.
Von Maggi und Bouillon
Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs sah sich Nestlé & Anglo-Swiss mit einem ähnlichen Szenario wie im ersten Weltkrieg konfrontiert. Der Krieg macht Nestlés Produkte gerade in Amerika bekannter und Nescafé wurde sogar Teil von weltweiten Notlieferungen. Ausserdem tätigte Nestlé & Anglo-Swiss eine grosse Fusion, bei der sich der Name des Unternehmens ändern sollte. 1947 fusionierte die Firma mit dem Schweizer Unternehmen Alimentana, welches Maggi und Bouillon herstellte - noch heute sind diese ein Teil von Nestlés Produktportfolio. Nestlé & Anlgo-Swiss wurde mit der Fusion zu Nestlé Alimentana umbenannt.
Fertiggerichte, Cerelac und Nesquick erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit
1948 hatte das lösliche Teegetränk Nestea sein Marktdebüt in den USA, wo es sich schnell etablieren sollte. Weitere Produktneuheiten umfassten in den 50er Jahren die Einführung von Dosenravioli und weiteren Fertiggerichten unter der Marke Maggi und die strategische Neuorientierung von Babynahrung unter dem neuen Namen Cerelac. Allerdings wurden in den darauffolgenden Jahren die Proteste immer lauter, dass Nestlé mit der Vermarktung seiner Babynahrung unethisch handeln würde.
Nestlés Einstieg in die Eis- und Kosmetikbranche
In den 60er und 70er Jahren baute Nestlé Alimentana seine Produktsparte Fertigprodukte und Kaffee kontinuierlich durch Akquisationen und Fusionen weiter aus. Ausserdem erschloss sich der Konzern neue Märkte. 1960 erwarb Nestlé Alimentana deutsche und französische Eisunternehmen und offerierte seinen Kunden ab diesem Zeitpunkt Eis und gekühlte Joghurtprodukte. Ausserdem wagte Nestlé 1969 mit dem Kauf von Vittel den Schritt in das Mineralwassergeschäft.
1974 brach Nestlé erstmals aus der Nahrungsmittelbranche aus, indem es in massgebliche Anteile des Kosmetikherstellers L’Oréal erwarb. Nestlé begann damit unter seinem neuen Namen Nestlé S.A. seine Diversifikationsstrategie. Mit dem Einstieg in die Pharmazie- und Kosmetikbranche geriet Nestlé jedoch immer mehr in Kritik, gerade die Babynahrung des Unternehmens stand dabei weiterhin im Zentrum der Diskussionen.
Mehr Qualitätsfokus - KitKat, Nespresso und Smarties halten Einzug bei Nestlé
Nestlé expandierte zwar weiter in den USA, Europa und Asien, veräusserte jedoch zur gleichen Zeit viele unrentable Marken und Tochterunternehmen. Ausserdem verpflichtete sich Nestlé 1982 dazu, sich an neue Regulationen der WHO für Säuglings- und Babynahrung zu halten.
Neben diesen strategischen Massnahmen launchte Nestlé 1986 Nespresso. Die dahinterstehende Idee war, dass jeder seinen Kaffee selbst so zubereiten kann, wie auch ein Barista es machen würde. Ausserdem erreichte der Nahrungsmittelriese 1988 mit dem Kauf des britischen Süsswarenunternehmens Rowntree Mackintosh einen weiteren Meilenstein. Das Unternehmen brachte die Produkte KitKat, Smarties, After Eight und Nuts zu Nestlé.
1991 sollte ein weiteres grosses Jahr für Nestlé werden. Neben einem Joint Venture mit General Mills, um mehr Frühstücksprodukte auf den Markt zu bringen, erzielte Nestlé auch ein Joint Venture mit der Coca-Cola Company, welches die Herstellung und Vermarktung von Getränken beflügeln sollte.
Auch das Mineralwassergeschäft baute Nestlé in den 1990er Jahren weiter aus und gründete 1993 ein eigenes Wassergeschäft, welches 2002 zu Nestlé Waters umbenannt wurde. Als Teil dessen kaufte Nestlé 1998 das italienische Mineralwasserunternehmen Sanpellegrino Group und brachte wenig später Nestlé Pure Life auf den Markt.
2000 bis heute
Seit den 2000er Jahren setzt Nestlé nach stetiger Kritik vermehrt auf die nachhaltige Entwicklung und Produktion seiner Waren. Aus diesem Grund startete Nestlé 2000 mit der Sustainable Agricultural Initiative Nestlé (SAIN). 2006 führte der Nahrungsmittelgigant seine Strategie Creating Shared Value ein, im Rahmen dessen regelmässige Foren abgehalten werden und Experten darüber diskutieren, wie die Nahrungsmittel- und Getränkebranche einen ganzheitlichen Mehrwert für die Wirtschaft und die Gesellschaft schaffen kann. Teil dieser Initiative sind auch Diskussionen um nachhaltigere Lieferketten.
Ausserdem weitete Nestlé in den 2000er Jahren seine Vormachtstellung in den Bereichen Tiernahrung und Eiscreme aus. Fusionen mit Friskies und Purina liessen Nestlé Marktführer im Bereich Tiernahrung werden. Darüber hinaus kaufte Nestlé die Lizenzen von Häagen-Dazs in Kanada und den USA und erwarb 2003 hinzukommend Mövenpick Eiscreme und Dreyer’s Grand Eiscreme.
Neben diesen Bereichen setzte Nestlé in den letzten Jahren auch vermehrt auf medizinische Ernährung, Gesundheit und Kosmetik. So kaufte der Konzern 2012 Wyeth Nutrition, ehemals Pfizer Nutrition und 2013 das auf medizinische Ernährung spezialisierte US-Unternehmen Pamlab. Nestlé Health Sciene war gerade in diesen Jahren ein wachsender Bereich des Unternehmens.
Weitere Neuerungen umfassten neue Produkteinführungen wie das KitKat-Matcha 2019 und der Start des Maggi-Kochstudios.
Kritik an Nestlé wächst
Mit Nestlés zahlreichen Unternehmensbereichen wuchs jedoch auch die Kritik an dem Konzern, gerade Nestlés Wassersparte stand in den letzen Jahren im Verruf und geriet immer wieder in die Schlagzeilen. Hintergrund dazu war Nestlés Wasserpolitik, insbesondere in von Wasserknappheit betroffenen Ländern auf dem afrikanischen Kontinent. Um dort Wasser aus den Brunnen abpumpen zu können und dieses später als Tafelwasser verkaufen zu können, kaufte Nestlé die Wasserrechte verschiedener Staaten und privatisierte somit das Trinkwasser.
Doch nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent sorgte Nestlés Wassermanagement für Empörung, auch in Pakistan und der französischen Stadt Vittel wuchs die Besorgnis, da Nestlé dort ebenfalls Grundwasser abpumpt. Neben dem Wasserverbrauch steht Nestlé zusätzlich wegen Tierversuchen, der Abholzung von Regenwald zur Gewinnung von Palmöl und dem Verkauf von schadhafter Babynahrung in der Kritik, so das Handelsblatt.
Marie-Sophie Steinbach / Redaktion finanzen.net