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Bauten der 50er Jahre
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einführung
- 2 Warenhaus Meyer Söhne 1950, Löwenkreuzung
- 3 Alte Neue Post 1953, Rainstrasse
- 4 Luterbacherhof 1954/55, Rainstrasse/Marktplatz
- 5 Nivadahaus 1949/50, Marktgasse Grenchen
- 6 Hochhaus Sorag 1952
- 7 Ebosahaus 1958, Kapellstrasse
- 8 Schweizerischer Bankverein am Postplatz 1956
- 9 Polizeiposten Kantonspolizei, Solothurnstrasse
- 10 Gartenschwimmbad Grenchen 1956
- 11 Schulhaus IV
- 12 Hallgarten 1953 - Bahnhof Süd
- 13 Fabrikgebäude Certina (heute ETA AG) 1956, Bahnhofstrasse
- 14 Rainstrasse, Marktplatz, Marktgasse
- 15 Neue Wohnbaugenossenschaft Grenchen NWG und die genossenschaftliche Mehrfamilienhaus-Siedlung an der Solothurnstrasse 147-169
- 16 Publikationen
- 17 Dank
- 18 Quellen
- 19 Einzelnachweis
Einführung[Bearbeiten]
Was sich in Grenchen während den 50er Jahren abspielte, lässt sich rückblickend und etwas oberflächlich in drei Wörter fassen: Wohnungsnot, Wachstum und Wohlstand. Die drei W der 50er Jahre. Wichtige Ursache und Folge dieser Entwicklung war die rege, zeitweise überhitzte Bautätigkeit. Grosse Wohnquartiere im Osten und Westen der Stadt entstanden, im Stadtzentrum ersetzten neue Fabrikbauten, Wohn- und Geschäftshäuser die Altbauten und letzte Bauernhäuser.
Die Wohnungsbauten der 50er Jahre trugen als fast typisches Kennzeichen eine karge Bescheidenheit zur Schau. Die Architekten hatten strenge, knappe Finanzrahmen einzuhalten. So entstand eine Baukultur, die es verstand, bescheidene Voraussetzungen optimal zu nutzen durch solide Qualität der Bauten, gute Grundrisse, sanitäre Einrichtungen (eigene Toilette, Bad und Boiler) und Einbauküchen, z.T. schon mit Kühlschrank. Zentralheizungen sorgten im Winter für warme Wohnräume. Viele der damals erstellten Wohnungen genügen nach sanften Renovationen selbst noch heutigen Ansprüchen.
Die Uhrenindustrie verlegte ihre Produktionsstätten kaum an die Peripherie der Stadt, sondern entwickelte sich an ihren angestammten Standorten entlang der Bäche. Zudem verfügte die Stadt in den 50er Jahren über keine ausgeschiedenen und entsprechend erschlossenen zusammenhängenden Industriezonen. Die A. Schild SA (ASSA), die Eterna AG und die Certina AG erstellten Fabrikneubauten mitten in Grenchen. So baute und wuchs die Uhrenindustrie in der Stadt, bildete mir ihr eine Einheit. Eine Eigenart, die zum Stadtbild und Stadtleben Grenchens gehört und nicht wegzudenken ist. In Grenchen arbeitet, lebt und wohnt man nah beieinander, bunt und vielfältig.
Das äussere Erscheinungsbild einiger sonst weniger beachteten Bauten der 50er Jahre soll etwas näher betrachtet werden. Die starke Bautätigkeit in diesem Jahrzehnt hinterliess ein grosses Bauvolumen. Ganze Strassenzüge und Quartiere sind selbst heute noch, ein halbes Jahrhundert später, unverkennbar von den 50er Jahren geprägt. In der Stadt Grenchen entstanden Gebäude, deren architekturgeschichtlicher Wert erst heute von breiteren Kreisen wahrgenommen wird. Gebäude, die ganz unverkennbar die Stilelemente der 50er Jahre-Architektur zur Schau tragen und verkörpern.
Was sind die äusseren Stilmerkmale der Architektur der 50er Jahre? Gibt es tatsächlich Merkmale oder behaupten wir rein gefühlsmässig von gewissen Gebäuden und Quartieren: „Typisch 50er Jahre!“
Monumentale Bauten, solitär wirkende Baukörper lehnten viele Architekten der 50er Jahre als undemokratische Bauweise ab. Das geforderte Bauvolumen verteilte sich auf verschiedene, funktionsbezogene Bauten, die als Gruppen von selbständigen oder baulich verbundenen Einzelbauten in Erscheinung traten. Mit in die Raumgestaltung einbezogen waren grosszügige Grünanlagen mit hochstämmigen Bäumen. In Grenchen finden wir Beispiele wie das Parktheater, das Schwimmbad, das Schulhaus IV, die Schulanlagen Kastels und Eichholz wie auch verschiedene Wohnsiedlungen.
Diese offene Bauweise brauchte grosse Grundstücke, konnte für Bauten im Stadtzentrum nur selten angewendet werden.
Die äusseren Merkmale der Bauten hängen ab von den zur Verfügung stehenden Materialien. Neue Materialien, vorfabrizierte Fassadenelemente und Bauteile künden sich in den 50er Jahren an. Elemente, die sich am Ende der 50er Jahre vehement durchsetzten und das Äussere der Bauten bestimmten. Die Fortschritte der Bautechnik ermöglichten nicht nur den Bau von Hochhäusern wie das Sorag-Haus am Marktplatz und den Hallgarten beim Bahnhof Süd, sondern auch den virtuosen, gestalterischen Umgang mit Beton.
Der Aussenraum wird mit dem Baukörper verbunden, nicht selten mit mehreren räumlichen Stufungen. Überdachte Vorbereiche, Loggien oder Vorhallen bildeten Verbindungen zum Aussenraum, luden zum Eintreten.
Eines der ganz wichtigen Stilelemente der 50er Jahre, das Flugdach, beschreibt Bernhard Furrer sehr schön in seinem Buch „Aufbruch in die 50er Jahre“: „Die Verbindung des Baukörpers mit dem Aussenraum beschränkt sich nicht nur auf die tatsächliche Zugangszone, auf die Verbindung von Innen und Aussen, sondern zeigt sich ebenso in der Ausbildung von Dächern und Fassaden. So wurde das häufig als blosse Modeerscheinung missverstandene grosse „Flugdach“ – die dünnschichtige, horizontale, weit vor die Fassadenflucht vorkragende, fast schwebende Vordachkonstruktion, die durch eine kräftige Nut von der Fassadenflucht abesetzt ist – von den Architekten bewusst zur Schaffung einer raumhaltigen Übergangszone an der oberen Begrenzung eingesetzt.“
Auch die gekonnte mehrstufige Rückstaffelung von Fensterfronten diente sowohl der Raumbildung als auch dem Übergang zum Aussenraum. Die Raumwirkung von Licht und Schatten in der Fassadengestaltung wird bewusst eingesetzt, die Wirkung mit der Gegenübersetzung von glatten, fensterlosen Fassadenteilen klug gesteigert und mit Farben unterstützt. Nicht selten trifft man auf bildnerisch gestaltete Fassadenteile, eine räumliche Illusion wird szenisch unterstützt.
Leben in den 50er Jahren[Bearbeiten]
Die Seite "Grenchner Allerlei in den 50er Jahren" gibt Auskunft über Alltag und Lifestyle dieser Zeit.
Warenhaus Meyer Söhne 1950, Löwenkreuzung[Bearbeiten]
Ein wahres Bijou von einem Bau der 50er Jahre verkörpert das Geschäftshaus des ehemaligen Warenhauses Meyer Söhne AG (Architekten Gebr. Bernasconi, Nidau und Biel) - später Innovation - an der Löwenkreuzung in Grenchen. Obwohl der Bau sehr früh, nämlich schon im Jahre 1950, ausgeführt wurde, vereinigt er alle Merkmale des 50er Jahre Stils auf sich.
Das Gebäude zählt gewiss zu den schönsten Vertretern dieser Epoche in Grenchen. Der untere Teil ist den Schaufenstern und dem Eingang reserviert. Abgetrennt und geschützt von einem Vordach, bilden Eingang und Schaufenster den tragenden Teil der dreigeschossigen Fassade. Im oberen Teil der Fassade, jeweils über den Fensterfronten setzten die Erbauer Kunststeinplatten ein mit quadratischer Musterung unten und über der oberen Fensterfront mit Mäandermuster.
Das durch Stufengesimse und Nut abgesetzte Flugdach mit seinen vertieften Rechteckmustern schliesst die Fassade nach oben ab und setzt sie in ihren eigenen Raum. Die beiden Fensterfronten wirken als aufgesetzte Bänder. Die grossen, zurückgestuften Glasflächen mit der filigranen Unterteilung verleihen dem Gebäude Eleganz und Leichtigkeit.
Die abgeschrägte Schaufensterecke an der Löwenkreuzung (pfeilergestützter Unterzug) sollte der Uebersicht der vielbefahrenen Kreuzung dienen, wie aus dem damaligen Projektbeschrieb hervorgeht. Verkehrssicherheit war schon vor einem halben Jahrhundert eine wichtige Sache.
Alte Neue Post 1953, Rainstrasse[Bearbeiten]
Die alte Neue Post, Baujahr 1953. Ein Gebäude mit rechteckigem Grundriss, das viele Merkmale der 50er Jahre mustergültig auf sich vereinigt.
Von besonderem Interesse ist die leicht konvexe Ostfassade. Verschiedene Grautöne, strukturierende, links und rechts auf den Fassadengrund gesetzte viereckige Leerflächen, nach innen leicht zurückgestuft, und die mehrfach zurückgestaffelte dreifache Fensterkolonne in der Mitte verleihen der Fassade mit dem markanten Flugdach Spannung und Lebendigkeit.
Die Loggia an der Nordostecke, nach oben begrenzt mit einem kleinen Flugdach, verkleidet mit Kunststeinplatten und gestützt von viereckigen Säulen, gibt dem Postkunden Wetterschutz und holt ihn ab in die Schalterhalle, welche die Stimmung der Loggia aufnimmt und ins Innere führt.
Die Fenstergestaltung der Ostfassade setzt sich in den zwei oberen Fensterreihen auf der langen Nordfassade fort. Die Loggia und die Aussenfassade der Schalterhalle bilden den tragend gestalteten Unterteil der Nordfassade. Ganz oben stellt das Flugdach, auf ein zurückgestuftes Gesimse gesetzt, die Fassade in einen Raum. Die Untersicht des Flugdachs ist mit abgehobenen Vierecken ornamental gestaltet (Betonguss).
Weitere interessante Informationenen findet man auf der Seite über den Postplatz und die Baugeschichte der Postgebäude in Grenchen.
Luterbacherhof 1954/55, Rainstrasse/Marktplatz[Bearbeiten]
An der Rainstrasse, Ecke Marktplatz steht der Luterbacherhof (1954/55), ein sehr markantes Gebäude der 50er Jahre. Die Architekten Straumann und Blaser, Grenchen, setzten bei der Fassadengestaltung Farbe ein in rötlichen und grünlichen Tönen.
Auf der Nordfassade kommt die steigernde Wirkung einer Leerfläche in Kontrast zur leicht zurückgestuften Fensterfassade zum Tragen. Zu beachten gilt es die ganz bewusst eingesetzten verschiedenen Unterteilungen der mehrfach zurückgestaffelten Fenster. Dem flüchtigen Betrachter fallen diese Unterschiede kaum auf, sie tragen jedoch stark zur Lebendigkeit und Rhythmik der Fassade bei. Interessant ist die Verwendung von schmaleren Fenstern zur Höhenbetonung der Ostfassade in Richtung Marktplatz. Auch beim Luterbacherhof wird zur Raumbildung das Flugdach eingesetzt. Getrennt durch eine Nut schliesst es mit seiner Rechteck-Ornamentik die Fassade nach oben ab.
Der grosse Bau verliert etwas an Masse bzw. gewinnt an Leichtigkeit durch die teilweise zurückgesetzten Schaufensterfronten im Erdgeschoss.
Nivadahaus 1949/50, Marktgasse Grenchen[Bearbeiten]
Die Uhrenfabrik Nivada stellte mit dem Wohn- und Geschäftshaus, dem Nivadahaus, einen Bau an die Marktgasse, der seit mehr als einem halben Jahrhundert zu den charakteristischen Bauten des Stadtzentrums gehört. Der Neubau war zur Zeit seiner Einweihung das modernste Wohn- und Geschäftshaus in Grenchen.
Der Grenchner Architekt Carl Burkhard plante und gestaltete das Gebäude. Im Parterre sind die Ladengeschäfte untergebracht, geschützt vom ausladenden Vordach. Darüber zählt man, verteilt auf vier Stockwerken, 15 Wohnungen. Das südseits zurückgesetzte Attikageschoss belegte Burkhard mit den Erstrichräumen, Waschküchen und Trockenräumen. Die zum Attikageschoss gehörende herrliche Sonnenterrasse diente allein dem Wäschetrocknen. Diese Verwendung eines Attikageschosses entspricht wohl nicht mehr ganz heutigen Vorstellungen.
In der äusseren Gestalt des Gebäudes finden sich eindeutig die Kennzeichen der frühen 50er Jahre. Der viergeschossige Wohnteil wird mit einer durchgestalteten Nordfassade versehen. Ueber den Gebäudeeingängen begleiten je vier Pfeiler die Treppenhausfenster bis ins 4 Geschoss, wo die Pfeilergruppen mit einem Gesimse horizontal verbunden werden und gleichzeitig der Fassade eine räumliche Gestalt verleihen. Oben findet das Gebäude mit dem zurückgesetzen Attikageschoss mit Flugdach seinen Abschluss.
Die Westfassade ist mit ihren grossen Fenstern auf die Nachmittagssonne ausgerichtet. Schön ist die mittlere Fensterkolonne mit den Stichbogenrahmen, die durch darüber angebrachte Ziegelreihen, Vordächer imitierend, repliziert und gesteigert werden.
Hochhaus Sorag 1952[Bearbeiten]
Ende September 1950 reichte Architekt René Amici aus Solothurn im Namen der Sorag AG, Glarus, das Baugesuch für das Hochhaus Sorag bei der Grenchner Baubehörde ein. Die Baukommission Grenchen bewilligte das Gesuch am 4. April 1951. Dem Bau des ersten Hochhauses in Grenchen stand nichts mehr im Weg.
Das 35m hohe Gebäude konnte im Laufe des Jahres 1952 teilweise bezogen werden. 48 Dreizimmerwohnungen, 6 Vierzimmerwohnungen, 4 Geschäftslokale, 4 Ausstellungsräume, 1 Theatersaal ( Kino-Theater Scala) mit 492 Plätzen und Foyer entstanden innert kürzester Zeit.
Der Bau von Hochhäusern war eine wirkungsvolle Antwort auf die Wohnungsnot der 50er Jahre. Im Stadtzentrum Grenchens bildet das Hochhaus Sorag nach wie vor einen Blickfang und ist aus den Baulinien des Marktplatzes und der Marktgasse kaum mehr weg zu denken.
Der Bau ist auch heute noch, selbst nach einer gemässigten postmodernen Erneuerung, sehr leicht den 50er Jahren zuzuordnen.
Der grosse Bau verliert etwas an Masse bzw. gewinnt an Leichtigkeit durch die teilweise zurückgesetzten Schaufensterfronten im Erdgeschoss.
Ebosahaus 1958, Kapellstrasse[Bearbeiten]
Eine gewisse, jedoch bewundernswerte Eigenwilligkeit ist dem Ebosahaus (1958) an der Kapellstrasse beizumessen. Die schlicht gestaltete Ostfassade richtet sich aus auf die Wirkung der Aluminiumguss-Plastik des Tessiner Künstlers Remo Rossi[1]. Die kraftvolle Dynamik der Plastik hebt die die Fassade vollends in in die dritte Dimension. Titel der Plastik: Zusammenarbeit und Vorwärtsstreben.
Der südliche erkerartige Anbau wirkte in der ursprünglichen Farbgebung wie ein ins Gebäude hinein geschobenes kubisches Element. Leichtigkeit vermittelt die sich über die ganze Gebäudelänge ziehende Loggia mit dem Hauseingang.
Das Ebosahaus war das Wohlfahrtshaus der Ebosa AG. Dem Personal stand ein reiches Angebot zur Verfügung, wie Bad- und Duschenräume, Personalrestaurant mit 300 Plätzen, Aufenthaltsraum mit Büchern, Tageszeitungen und Zeitschriften, gut ausgerüsteter Bastel- und Werkraum. Es war ein Anliegen von Paul Glocker (Direktor der Ebosa AG), das Haus bildenden Künstlern als Ausstellungsplattform zur Verfügung zu stellen. Zeitgenössische Kunst bereicherte den Besuch des Wohlfahrtshauses.
Bei der Eröffnungsfeier des Ebosahauses, am 7. Februar 1958, führte ein Ensemble des Berner Stadtorchesters die Komposition "EBOSA-CAPRICCIO à la Gloire de la Machine" des Grenchner Musikers Hans Haug auf. Haug komponierte das Stück eigens für die Eröffnungsfeier des Ebosahauses.
Schweizerischer Bankverein am Postplatz 1956[Bearbeiten]
Die repräsentative Ostfassade des Gebäudes am Postplatz, später Regiobank, zeigt sich in strenger geometrischer Regelmässigkeit. Die beiden Eckpfeiler begrenzen die leicht zurückgesetzte, anthrazitfarbene Fassade seitlich, oben besorgt das Flugdach den Abschluss. Die Fenster und der Eingang sind in einem klaren Raster angeordnet, das Fassadenbild wirkt ruhig und ausgeglichen. Durch die aufgesetzten und im hellen Rahmen zurückgestuften Fenster gewinnt die Fassade an Struktur und an Räumlichkeit, die sich je nach Lichteinwirkung verändert. Auch mit dem Gebäude des Schweizerischen Bankvereins gelang den Architekten Straumann & Blaser, Grenchen, ein gutes Stück 50er Jahre Architektur.
Im Grenchner Tagblatt vom 17. Mai 1956 schrieben die Architekten:
"Der Neubau präsentiert sich als ein Werk unserer Zeit, ohne historische Elemente und ohne modische Extreme."
Polizeiposten Kantonspolizei, Solothurnstrasse[Bearbeiten]
Einmal mehr war es die Neue Wohnbaugenossenschaft Grenchen, die zusammen mit Architekt Alfred Christen ein architekturgeschichtliches Zeichen der 50er Jahre setzte. Der Bau an der Solothurnstrasse umfasste 22 Wohnungen und den neuen Polizeiposten der Kantonspolizei. Die noch junge Baugenossenschaft erstellte die Liegenschaft ohne Unterstützung der öffentlichen Hand für rund 1 Million Franken. Der Bau erfuhr kürzlich eine gelungene sanfte Renovation. Die Charakteristiken blieben erhalten.
Das Gebäude umfasst zwei Wohntrakte und als Südanbau, rechtwinklig nach Westen verlaufend, den Polizeiposten. Der Architekt sah sich gezwungen, die Planung des Hauses den unregelmässigen Grundstückgrenzen anzupassen. Gerade diese Konzession war es, die das Bauwerk in seine originelle, fast ein wenig verwinkelte Form einpasste. Dem Grenchner Architekt Alfred Christen gelang mit dem Polizeiposten und Wohnhaus an der Solothurnstrasse eines seiner besten Werke. Charme und Attraktivität verbunden mit den Eigenheiten der 50er Jahre Architektur kennzeichnen den Bau.
Gartenschwimmbad Grenchen 1956[Bearbeiten]
Das städtische Gartenschwimmbad Grenchen ist eine Grossanlage, die beste Architektur der 50er Jahre weitgehend original überliefert. Als Architekt zeichnete der renommierte Freiburger Ingenieur Béda Hefti, bekannt als Architekt von Sportbauten in der ganzen Schweiz.
Das Gartenschwimmbad Grenchen war für Hefti eine besondere Herausforderung. Das schwierige Baugelände im Brühl mit seinem hohem Grundwasserstand einerseits und anderseits die Ausrichtung der Architektur zur Eindämmung der Bise, die bekanntlich in der Grenchner Witi ihre volle Kraft entfalten kann. Die flache Eintönigkeit des Geländes musste gebrochen werden mit einem durchgestalteten Landschaftsraum, mit künstlichen Erhebungen und schattenspendender Bepflanzung. Hefti meisterte diese Herausforderungen brilliant und mit beeindruckendem Gestaltungswille.
Bei den Hochbauten verwendet Hefti konsequent luftig aufgesetzte, in Beton gegossene Flugdächer. Es entstand eine Sommerarchitektur, spiegelnd die erfrischende Funktion des Gartenbades.
Schulhaus IV[Bearbeiten]
Im Oktober 1951 fand die Einweihung des neuen Schulhauses statt. Die Schulanlage ist die erste in Grenchen, bei der die Architekten das für die 50er Jahre typische Gruppierungsmodell anwendeten: Aufteilung des Bauvolumens in funktionsbezogene Baueinheiten. Die heute international bekannten Architekten Alfons Barth und Hans Zaugg, Olten, wollten ursprünglich eine räumlich grosszügigere Variante mit gruppierten Einzelgebäuden realisieren, doch das Gelände erwies sich als zu klein. So ergab sich eine dreigliedrige Anlage mit Turnhallentrakt, Schultrakt und Aula-Hauswirtschaftstrakt. Als Pausenareal gestaltete man eine moderne Grünanlage, einbezogen ins Raumkonzept des Projekts.
Ein sehr schönes Beispiel der Fassadenarchitektur (Rasterfassade) verkörpert die Westfassade des Turnhallentrakts. Zwischen ein Pfeilersystem sind die beiden Fensterreihen der sechsfach unterteilten Fassade der oberen Turnhalle eingelegt. Die Fenster liegen in tiefen Kunststeinrahmen und unterstützen die Reliefwirkung. Oben und unten fangen Zierbänder mit eingelassenen Rechteckmustern die kräftige Räumlichkeit der Fassade auf.
Hallgarten 1953 - Bahnhof Süd[Bearbeiten]
Mit dem Hallgarten, dem zweiten Hochhaus in Grenchen, entstanden in den Jahren der Wohnungsnot auf einen Schlag 55 Wohnungen. Ueber zehn Geschosse zieht sich der Bau in die Höhe. Im Erdgeschoss befinden sich Geschäftslokale und das Hotel-Restaurant Bahnhof, das teilweise in einem nach Osten verlaufenden Anbau untergebracht ist. Die Baugesellschaft Hallgarten AG, Grenchen, wählte ihren Namen nach dem Flurnamen „Hallgarten“, Standort des geplanten Gebäudes. Bis heute ist das Hochhaus in Grenchen allgemein bekannt unter dem Namen „Hallgarten“.
Hauswartin Frau Sonja Schär zog 1952 als erste Mieterin im Hallgarten ein. Anlässlich der Feier 50 Jahre Hallgarten erinnern sich Sonja Schär und Max Ris an frühere Zeiten und an das Kommen und Gehen der Bewohnerinnen und Bewohner während den fünf Jahrzehnten:
«Die Wohnungsnot in Grenchen war damals so gross, dass niemand von aussen zuziehen durfte», erinnert sich die Hauswartin. «So konnte ich über Mittag nicht heim und mein Mann musste deshalb auswärts essen. Das führte bei mir zu Überstunden im Geschäft, und in der Familie zu Kosten.» Dank Beziehungen habe sie in den «Hallgarten» einziehen können, noch bevor es dort fliessendes Wasser gab, am 25. November 1952. Statt über die Treppe (die noch nicht existierte) sei die Familie über Holzbretter in die Wohnung im Rohbau geklettert, erinnert sie sich an die ersten Wochen. Wenig später zog Max Ris in den Block ein. Gleich im doppelten Sinn. Im Erdgeschoss eröffnete er das Coiffeurgeschäft, in dem er während Jahrzehnten die Hausbewohner und, neben vielen anderen, die Bachtelenkinder frisierte. Ausserdem mietete er die Wohnung über derjenigen von Schär. «Damals war der Block voller junger Leute», erzählen die beiden Rentner. Insgesamt seien bisher 67 Kinder im Haus aufgewachsen, einmal habe es in den engen Verhältnissen gar eine Familie mit sechs Sprösslingen gegeben. Heute sei die Mehrheit der Mieter gesetzteren Alters und weiblich. Nur noch sieben oder acht Männer seien in den 55 Wohnungen daheim, rechnet Ris vor, dagegen gebe es viele Witwen.»[2]
Zusammen mit dem Neubau des Bahnhofs Grenchen-Süd (1949) bilden Hallgarten und Hotel-Restaurant Bahnhof einen eindrücklichen Gebäudekomplex, der auch auf Grund seiner Stilmerkmale eindeutig in den 50er Jahren verankert ist.
Fabrikgebäude Certina (heute ETA AG) 1956, Bahnhofstrasse[Bearbeiten]
Mitten in der Stadt Grenchen stellte die Uhrenfabrik Certina einen Fabrikneubau ins Areal der alten Fabrik. Der Bau nimmt schon Mitte der 50er Jahre viele Merkmale des kubischen Baustils der 60er Jahre voraus.
Im Fassadenbau setzten die Grenchner Architekten Straumann & Blaser moderne Baumaterialen und viel Glas ein. Das Flugdach macht seinem Namen alle Ehre. Fast frei schwebend und luftig setzt es, pergolenähnlich verbunden mit dem Attikageschoss, die Fassade in einen lichten Raum. Den viergeschossigen Baublock umfassen vertikale und horizontale Eckpfeiler, welche die leicht zurückgesetzte, graugrüne Fassade klar umfassen. Die grosszügigen Fensterreihen ziehen das Tageslicht in die Arbeitsräume.
Heute beherbergt das Gebäude einen Betriebsteil er ETA AG, Grenchen.
Rainstrasse, Marktplatz, Marktgasse[Bearbeiten]
Die rege Bautätigkeit in den 50er Jahren macht auch vor dem Stadtzentrum Grenchen nicht Halt. So gibt es im Bereich des Marktplatzes fast eine Konzentration von Bauten aus den 50er Jahren, die das Erscheinungsbild der Rainstrasse, des Marktplatzes und der Marktgasse besonders veränderten und bis heute bestimmen.
Rainstrasse[Bearbeiten]
In Richtung Marktplatz stehen rechts die alte Neue Post, das Haus mit der Buchhandlung Lüthy und die dominierende Gestalt des Luterbacherhofs.
Marktplatz[Bearbeiten]
In Richtung Süd stehen links das Hochhaus Sorag, rechts der Luterbacherhof, das ehemalige Gebäude der Migros (heute Hotel Passage) und etwas weiter südlich der 1953 erstellte Neubau des Schmiedehofs.
Marktgasse[Bearbeiten]
Die Marktgasse wird eingenommen von der Mächtigkeit des Hochhauses Sorag auf der Nordseite, südlich steht das Nivadahaus mit dem östlich angebauten, ebenfalls aus den 50er Jahren stammenden Wohn- und Geschäftshaus.
Neue Wohnbaugenossenschaft Grenchen NWG und die genossenschaftliche Mehrfamilienhaus-Siedlung an der Solothurnstrasse 147-169[Bearbeiten]
Informationen zu der Wohnbaugenossenschaft Grenchen NWG sind auf einer separaten Seite zu finden.
Publikationen[Bearbeiten]
Zum Thema 50er Jahre in Grenchen bringt die folgende, reich illustrierte Publikation eine gute Uebersicht:
- Planen, bauen, eine Stadt werden. Grenchen in den 50er Jahren. Hrsg. von der Stadt Grenchen, Grenchen, 2004.
Dank[Bearbeiten]
Ein grosses Dankeschön an:
- Jürg Vifian, Baudirektion der Stadt Grenchen (Auskünfte über Gebäude und besondere Stilelemente)
- Lukas Walter (Bilder und Bericht Barackensiedlung Grenchen)
- Rainer W. Walter (Angaben zur Baugeschichte Grenchens)
Quellen[Bearbeiten]
- Text von Alfred Fasnacht