Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03587.jsonl.gz/2117

[* 1] (Ssewastópol),
Handels- und Kriegshafen im russ.
GouvernementTaurien, an der Südwestspitze der
HalbinselKrim,
[* 20] Endpunkt der
Eisenbahn Losowo-S., liegt an der Südseite einer von W. her eindringenden
Bucht, welche eine der schönsten
Reeden der
Welt bildet.
IhreLänge von der Einfahrt in dieselbe bis zur Mündung des Flüßchens
Tschernaja beträgt 7 km,
die größte
Breite
[* 21] 1 km und die Tiefe 11-18 m. Da die Hauptbucht einige kleinere Verzweigungen bildet, namentlich
die
Artillerie-, die südliche, die
Schiffer- und die Kielbucht, so wird die Stadt durch diese in drei Teile geteilt: die südliche,
die
Schiffer- und die nördliche Seite. S. hat 6
Kirchen, eine
Synagoge,
Zollamt,
Bank, Schiffahrtsschule
und (1885) 33,803 Einw. Der
Handel hat sich neuerdings wieder gehoben; die Ausfuhr hatte 1887 einen Wert von 13½ Mill.
Rubel,
die Einfuhr von 6 Mill.
Rub. Im auswärtigen
Verkehr liefen 280
Schiffe
[* 22] mit 270,816
Ton., im Küstenverkehr 866 Fahrzeuge mit
427,040 T. ein. - Die Gegend, wo heute S. liegt, war im
Altertum von Griechen bewohnt, die hier die
KolonieChersones gründeten; später gehörte sie zum pontisch-bosporanischen
Reich und kam nach
Eroberung des letztern an die
Römer.
[* 23]
Die Verteidigungslinie an der Landseite bestand zur Zeit der Landung der Truppen der Westmächte, außer einigen in Angriff
genommenen Werken, nur aus einer frei stehenden, krenelierten Mauer, welche an einigen Stellen durch Defensivkasernen
verstärkt war. Ganz vollendet war außer einigen andern Punkten namentlich der Malakowturm. Auf der Nordseite lag etwa 1200 Schritt
vom Ufer entfernt das Nordfort und westlich davon der Wolochowturm. Alle andern Werke wurden angesichts, sogar meist unter
dem Feuer des Feindes unter Oberleitung des GeneralsTotleben errichtet.
Durch Erstürmung des Kornilewbastions ward der Fall Sebastopols nach elfmonatlicher Belagerung herbeigeführt.
Fast die ganze Stadt war bei der Einnahme ein Trümmerhaufe. Die noch unversehrten Docks und Forts an der Südseite der Reede
wurden von den Alliierten durch Sprengung gänzlich zerstört (s. Krimkrieg). Nach dem PariserFrieden baute
man sich allmählich wieder hier an, jedoch gelangte der Ort nicht zum frühern Wohlstand. Die beim Beginn der Belagerung
in der Einfahrt zum Hafen versenkten sechs russischen Linienschiffe sind bisher noch nicht gehoben. Seit 1885 beginnt man die
Festungswerke und Docks wiederherzustellen und hat S. zum Kriegshafen für die Flotte des SchwarzenMeers
ausersehen.