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In Bolligen hat Rolf Mühlethaler ein Doppelwohnhaus für zwei junge Familien in Stahlbauweise realisiert.
Die «Solothurner Schule» diente als geistiges Vorbild in Architekturbelangen.
Ausgangslage
Die Bauherrschaften, zwei verschwisterte Familien, träumten von einem Haus wie aus dem «Case Study House Program»: «Uns hat die amerikanische klare Architektursprache aus den 40er- und 50er-Jahren immer gefallen. Wir waren mehrmals in Palm Springs und wurden von Peter Frey, Richard Neutra und Gebäuden wie den Case Study Homes inspiriert.»
Entwurfsidee
Das Grundstück, auf dem das Doppelwohnhaus realisiert wurde, weist eine leichte Hanglage auf. Gegen Süd-Westen erlaubt die Topografie einen weiten Panoramablick über die umgebende Landschaft bis in die Berge. Die ganze Architektur scheint auf diese Aussicht ausgerichtet zu sein, denn der Architekt hat die Panoramafassade mit einer grossflächigen Verglasung transparent gestaltet. Die Seitenfassaden sind hingegen mehrheitlich geschlossen. Ein grosszügiger, überdachter Aussenraum auf der Aussichtsseite unterstreicht die Wichtigkeit dieser Gebäudeseite.
Der dreigeschossige Neubau weist ein Untergeschoss, ein Erdgeschoss und ein Attikageschoss auf und die beiden Wohnungen sind in Längsrichtung achssymmetrisch aufgebaut. Die Bodenplatte liegt auf Strassenniveau, und durch das leicht nach Südwesten abfallende Gelände und die nach innen versetzten Kellerwände scheint das Gebäude fast über dem Boden zu schweben. Auf der Strassenseite ist ein Carport, durch den das Wohnhause betreten wird, vorgelagert. In der dahinterliegenden Schicht ist ein Atrium angeordnet, das den Carport vom Wohnbereich trennt. Die Wohnräume selbst sind offen gestaltet und durch einen in der Eingangssituation stehenden möbelartigen Einbau zoniert. Lediglich im Bereich der Küche und dem Atrium befindet sich ein weiteres Fenster in der Seitenwand, das, wie auch die Frontfenster, ganz nach Gusto der Bewohner mit Lamellenschiebeläden
geschlossen werden kann.
Projektierung
Der Konstruktion des Gebäudes liegt ein einfacher, klarer Stahlbau zugrunde. Üblicherweise wird die klassische Stahl-Beton-Verbundbauweise in der Schweiz für Industriebauten angewendet. Die Vorteile liegen vor allem im hohen Vorfertigungsgrad und damit einer kurzen Montage- bzw. Bauzeit, sowie einer hohen Wirtschaftlichkeit dank geringen Bauteildimensionen. Der Aspekt des Designs respektive der Ästhetik von konstruktiven Details steht dabei nicht im Vordergrund. Dies ist beim Bau von Rolf Mühlethaler und Schnetzer Puskas Ingenieuren anders. In der Tradition van der Rohes entwickelten sie Details mit dem Ziel, die Konstruktion räumlich erlebbar zu machen. Beim Doppelwohnhaus in Bolligen wollten sie beweisen, dass die akustische, thermische und feuerpolizeiliche Herausforderung,
die der Stahlbau mit sich bringt, auch in Wohnbauten überwunden werden können. Ausgangspunkt für den Stahl-Beton-Verbundbau war die architektonisch-räumliche Wahrnehmung der Konstruktion.
Besonderheiten
Die Neuinterpretation der klassischen Vorbilder der Solothurner Schule und Mies van der Rohes im Doppelwohnhaus in Bolligen waren das Ziel der Bauherrschaften und des Architekten Rolf Mühlethalers. Wie schon zu Zeiten der «Solothurner Schule», ist auch heute der Wohnungsbau in Form eines Stahlbaukonstruktion ein Wagnis. Die Bauherrschaft spricht von einem gelungenen Unterfangen, denn auch die risikoreichen Bereichen, wie akustische und thermische Fragestellungen, sind zu ihrer Zufriedenheit gelöst. Entstanden ist eine offene, helle und leichte sowie auf das notwenigste beschränkte Architektur für zwei Familien.
Das Potenzial des Grundstücks, das den Blick in die Weite gewährt, wird durch den Bau in Szene gesetzt und
die Materialwahl mit ihrem spezifischen Ausdruck wurde entsprechend konsequent umgesetzt.