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Es ist so eine Sache mit dieser gendergerechten Sprache. Den einen stösst sie sauer auf, die anderen erachten sie als absolut notwendig und dann gibt es – wie bei den meisten Themen – die, denen das alles relativ schnuppe ist.
Auch ich dachte früher, dass das ja nicht so wichtig sei, in jedem Text darauf zu achten, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt. Aber je länger ich mit Sprache arbeite, desto mehr wird mir bewusst:
Gendergerechte Sprache muss sein.
Mein Blog ist nicht der richtige Ort, um die Gründe für (oder gegen) eine gendergerechte Sprache aus feministischer, gesellschaftlicher oder politischer Perspektive aufzuführen.
Deshalb beschränke ich mich hier auf eine rein praktische Komponente: Wenn Sie Texte verfassen wollen, die ankommen sollen – im Sinne von verkaufen, motivieren, erklären – dann müssen Sie dafür sorgen, dass Ihr Publikum sich angesprochen fühlt. Und wenn Sie sich nicht an ein rein männliches Publikum richten, dann kommen Sie um gendergerechte Sprache nicht herum.
Im Folgenden zeige ich Ihnen, wie Sie in Texten mit dem Thema Gender umgehen können.
Nur männliche Form
Früher war alles einfacher: Man verwendete konsequent die männliche Form, das generische Maskulinum. Und meinte damit die Frauen gleich mit, oder auch nicht. Diese Form wird seit Jahren stark kritisiert, weil Frauen (und Personen, die sich nicht strikt als männlich oder weiblich bezeichnen) damit nicht mitgemeint sind – oder es zumindest so empfinden.
Um das generische Maskulinum etwas frauenfreundlicher zu machen, steht in vielen Publikationen in einer Fussnote so etwas wie «Wir verwenden in diesem Text die männliche Form. Frauen sind selbstverständlich mitgemeint.»
Würde ich Ihnen heute nicht empfehlen, ausser Sie möchten absichtlich provozieren.
Beispiel: Der Architekt, die Architekten
Nur weibliche Form
Das wurde kaum praktiziert bislang, in einigen, meist feministisch geprägten Publikationen ist es aber zu finden: Das generische Femininum. Hier wird also konsequent die weibliche Form verwendet, die Männer werden je nachdem mitgemeint und mit einer Fussnote ähnlich der oben genannten angesprochen.
Würde ich ebenso wenig empfehlen wie das generische Maskulinum, wenn Sie ein gemischtes Publikum haben.
Ausserdem: Als Gegenentwurf zum generischen Maskulinum insofern ungeeignet, als dass es weitere Geschlechtsidentitäten auch ausschliesst.
Bespiel: Die Abteilungsleiterin, die Abteilungsleiterinnen
Doppelte Nennung
Um explizit Frauen und Männer anzusprechen, können Sie ganz einfach jeweils beide Formen verwenden:
- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- Leserinnen und Leser
Das hat den Vorteil, dass sich sowohl Männer als auch Frauen angesprochen fühlen, aber den Nachteil, dass alle, die sich nicht im Spektrum männlich – weiblich einordnen, eben nicht gemeint sind. Zudem werden Texte unter Umständen recht lang und gerade in Marketingtexten ist das Ergebnis nicht unbedingt «knackig».
Bei eher längeren Texten, die nicht mit Wortspielen und knackigen Rhythmen punkten, ist die Paarform durchaus zu empfehlen.
Klammer, Schrägstrich und Binnen-I
Um die weibliche Form zu inkludieren, wurden zahlreiche Varianten erarbeitet, die die weibliche und männliche Form in irgendeiner Art kombinieren.
Klammer: Schüler(innen)
Da hier der Eindruck entstehen kann, die weibliche Form werde «weggeklammert», stösst diese Variante auf wenig Zuspruch.
Schrägstrich: Genossenschafter/-innen
Diese Form wird vom Duden als korrekt angesehen und ist geeignet, weil Männer und Frauen sich damit angesprochen fühlen. Allerdings kann es zu grammatikalischen Schwierigkeiten kommen, wenn in einer Stellenanzeige ein Schulpsycholog/-in gesucht wird.
Binnen-I: ReiseberaterInnen, JedeR
Hat den Vorteil, dass die weibliche Form explizit mitgelesen wird. Je nachdem sieht es aber so aus, als hätte man sich beim Schreiben vertippt. Die oben genannten grammatikalischen Schwierigkeiten treten auch hier auf. Gemäss Duden ist das Binnen-I übrigens falsch.
Wenn Sie sich für eine dieser Varianten entscheiden, empfehle ich Ihnen den Schrägstrich, da er vom Duden als korrekt angesehen wird.
Der Nachteil all dieser Formen ist, dass sie Personen, die sich nicht als männlich oder weiblich bezeichnen, nicht ansprechen.
Sternchen oder Unterstrich
Diese Lücke möchten das Sternchen und der Unterstrich füllen. Wenn Sie von Lehrer*innen und Professor*innen schreiben, dann sprechen Sie damit Männer, Frauen und jene an, die sich nicht im binären Geschlechtersystem verorten. Der Unterstrich funktioniert nach dem selben Schema.
Das gefällt mir an sich gut, allerdings stolpere ich dann bei Begriffen wie «Frauen*».
Aktuell wird diskutiert, wie mit dem Genderstern umgegangen werden soll: Ist das korrekt? Stört es den Lesefluss? Wo soll das Sternchen genau hin? In den Duden hat es der Stern noch nicht geschafft, in die Zeitungen jedoch schon.
Empfehle ich, den Genderstern zu verwenden? Wenn ich mich als Texterin streng an den Duden halte, dann nein. Wenn ich aber davon ausgehe, dass Sprache unser Denken beinflusst, dann ja.
Männliche und weibliche Form abwechseln
«Am Kongress sprachen Ärztinnen, Krankenpfleger, Psychotherapeutinnen und Seelsorger.»
Eine gute Methode, um Texte kurz und lesbar zu halten und trotzdem Männer wie Frauen anzusprechen. Der Nachteil ist, dass nicht klar ist, wann tatsächlich nur Menschen eines bestimmten Geschlechts gemeint sind.
Sprachen am oben genannten Kongress nur Ärztinnen oder auch Ärzte? Traten auch Psychotherapeuten ans Mikrophon oder war es ihren weiblichen Counterparts vorbehalten? War das Zufall oder Absicht?
Ich finde diese Variante nicht schlecht, achten Sie aber auf den Kontext und darauf, dass keine Missverständnisse entstehen.
Neutrale Begriffe verwenden
Um alle Geschlechter anzusprechen, können Sie auf geschlechtsneutrale Bezeichnungen wie Fachpersonen, Mieterschaft, Mitarbeitende, Kundschaft etc. zurückgreifen. Die Website geschicktgendern.de listet zahlreiche Optionen auf und dient mir immer wieder als Inspirationsquelle.
Der Vorteil an dieser Variante ist klar und einige Begriffe, wie zum Beispiel die Fachpersonen, haben sich bereits etabliert. Grösster Nachteil aus meiner Sicht als Texterin: Wenn Sie diese neutralen Bezeichnungen verwenden, geht ein Stück Lebendigkeit und Menschlichkeit in den Texten flöten. Grundsätzlich sollten Sie sich mit Ihren Texten nämlich immer an Menschen wenden. Schreiben Sie aber von der «Kundschaft» oder der «Belegschaft», dann werden die gemeinten Menschen zum Objekt, zu einer neutralen, unpersönlichen Masse.
Als Alternative zu den geschlechtsneutralen Begriffen können Sie auch versuchen, «problematische» Bezeichnungen wegzulassen und zu schreiben «Wir danken allen, die teilgenommen haben.» statt «Wir danken allen Teilnehmern.» Der Nachteil bleibt derselbe.
Auch diese Variante würde ich grundsätzlich empfehlen, finde es aber wichtig, dass man sich der Nachteile bewusst ist und mit diesen kreativ umgehen kann.
Gendergerechte Sprache: Meine Empfehlung
Wenn Sie bis hierhin aufmerksam gelesen haben, wissen Sie bereits, dass alle Varianten Vor- und Nachteile haben.
Meine Empfehlung ist also ein gutschweizerischer Kompromiss: Wägen Sie Vor- und Nachteile ab, passen Sie Ihre Entscheidung dem Kontext und den Platzverhältnissen an und bleiben Sie möglichst einheitlich.
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