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Eine spannende Frage stelle ich mir immer am Gründonnerstag. Hat Leonardo da Vinci auf seinem Gemälde „Das letzte Abendmahl“ eines der grössten Geheimnisse der Menschheitsgeschichte dargestellt? Sehen wir auf diesem Bild die Ehefrau von Jesus? Eine Flut von Büchern behauptet und belegt dies, seitdem Dan Brown in seinem Thriller „Der Da Vinci Code“ die Öffentlichkeit auf ein Geheimnis hingewiesen hat, das unser Wissen über Gott und Welt fundamental auf den Kopf stellt. Im „Da Vinci Code“ wird argumentiert, dass Maria Magdalena in dem Abendmahlsgemälde von Leonardo da Vinci dargestellt sei. Sie ist die Person zur Rechten Jesu – die also nicht den Jünger Johannes darstellt, wie seit Jahrhunderten von der Kirche behauptet wurde. Als Beweis führt Brown die V-förmige Linie an, die die beiden Figuren auf dem Gemälde bilden. Das V sei das Symbol des Weiblichen. Da Vinci wusste von dem Geheimnis der Ehe zwischen Jesus und Maria Magdalena und versteckte in seinem Gemälde den entsprechende Hinweis. Daher auch der Name der amerikanischen Originalausgabe des Buches „The Da Vinci Code“.
Sie denken vielleicht, liebe Leserin, lieber Leser, die Frage, ob Jesus tatsächlich verheiratet war, sei doch bloss ein Detail in der Menschheitsgeschichte? Dann irren Sie sich ganz gewaltig. Wenn es tatsächlich zutreffen sollte, dass Maria Magdalena die Ehefrau von Jesus war und mit ihm Kinder hatte, hätte die katholische Kirche Jahrhunderte lang ein grosses Geheimnis vertuscht und uns alle betrogen. Denn die Ehe Jesu mit Maria Magdalena würde die Lehre von der Göttlichkeit Jesu untergraben. Dazu passt, dass die Kirchenväter über Jahrhunderte Maria Magdalena zur Hure gemacht haben. Niemand sollte auf den Verdacht kommen, dass sie in Wahrheit die Ehefrau von Jesus war.
„Da Vinci Code“ ist die Geschichte des sagenumwobenen Heiligen Grals, um den sich seit vielen Jahrhunderten Geheimnisse ranken. Nach Dan Brown besteht der Heilige Gral nicht etwa aus einem Gefäss, das Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern benutzte (eine der vielen Theorien), sondern in der Person Maria Magdalena und in einer königlichen Linie, an deren Anfang die Ehe mit Jesus steht. Brown verwendet in seinem Roman das Wortspiel zwischen San Greal („Heiliger Gral“) und Sang Real („königliches Blut“). Die französische Abstammungslinie Jesu und Maria Magdalenas lebte in Frankreich und reicht bis in die Gegenwart. Wer nun glaubt, diese faszinierende These stamme ja bloss aus einem Thriller von Dan Brown, der irrt. Die Idee wird bereits in einem Sachbuch aus dem Jahr 1980 vertreten. Das Buch heisst „Der heilige Gral und seine Erben“, verfasst von Henry Lincoln, Michael Baignet und Richard Leigh.
Was nun ist wirklich auf dem Gemälde „Das letzte Abendmahl“ dargestellt? Persönlich kann ich ohne weiteres eine feminine Person erkennen, und das V zwischen Jesus und Maria Magdalena – Symbol für das Weibliche – ist überdeutlich.