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Einleitung
Willkommen auf der neuen Seite des Historischen Atlas des Jura (Atlas historique du Jura - ahj). Sie wurde am 29. August 2015 zur Feier des 10jährigen Bestehens des Lexikon des Jura online geschaltet. Der Textkorpus umfasst derzeit einige Artikel (bisher alle auf Französisch) und wird ab sofort regelässig mit einer Auswahl von Artikeln aus der gedruckten Version von 2012 ergänzt. Auch Übersetzungen auf Deutsch sind geplant. Für den Moment verweisen wir auf diese Einleitung des Herausgebers, Clément Crevoisier.
Ein Instrument zur Reflexion über territoriale Zugehörigkeiten: Vorwort
monte Iura altissimo
«Der Jura, ein hoher Berg zwischen den Sequanern und den Helvetiern»: Aus den ersten Zeilen von Julius Caesars De bello Gallico geht hervor, dass der uns wohlbekannte Gebirgsbogen damals mit dem keltischen Wort «Jura» («bewaldete Höhe») in Verbindung gebracht wurde. Um 1790 stand das Wort dann für einen Verwaltungsbezirk: das französische Departement «Jura». Ab den 1830er Jahren bezeichnete es jenen Teil des ehemaligen Fürstbistums Basel, der 1815 dem Kanton Bern zugeschlagen worden war. Am 1. Januar 1979 schliesslich, erhielt es der 23. Kanton der Schweiz zum Namen. Diese vier Bedeutungen des Wortes stehen für vier unterschiedliche territoriale Realitäten.
Der Historische Atlas des Jura, herausgegeben vom Cercle d'études historiques der Société jurassienne d'Emulation, einer Gelehrtenvereinigung, die 1847 gegründet wurde, betrachtet das jurassische Territorium unter seiner dritten Bedeutung, d.h. jener der 1830er Jahre. Politisch gesehen erstreckt sich dieses Gebiet gegenwärtig über den Kanton Jura, die Amtsbezirke Berner Jura und Biel im Kanton Bern bis zum Laufental im Kanton Basel-Landschaft. Topografisch deckt das Gebiet die jurassische Gebirgskette zwischen Basel und Neuenburg ab und verbindet die Burgundische Pforte mit dem Mittelland. In der historischen Perspektive wechselte das Gebiet zwischen verschiedenen territorialen Zugehörigkeiten, erlebte mehrere Grenzverschiebungen und zahlreiche Wendungen in seinen Aussenbeziehungen. Das Ziel dieses Atlasses besteht darin, diese ganze Komplexität aufzuzeigen und zu erklären.
qui est inter
Das Fürstbistum (oder Bistum) Basel entstand im Mittelalter in Konfrontation mit den benachbarten Mächten der Region. Die dazugehörige Diözese deckt sich nicht mit seinem Gebiet, sondern erstreckt sich weitgehend ausserhalb seiner Grenzen. Nachdem die Reformation die Bischöfe aus ihrer Stadt vertrieben hatte, liessen sie sich in Pruntrut nieder, womit sie das Fürstbistum um ein bedeutsames urbanes Zentrum brachten. In der Neuzeit wurde das Fürstbistum durch den Westfälischen Frieden (1648) zu einem zwischen Frankreich und der Schweiz eingekeilten eigenen Herrschaftsgebiet. Die Bischöfe bemühten sich vergebens um die Aufnahme in die Eidgenossenschaft und wandten sich schliesslich Frankreich zu, mit dem sie 1739 eine militärische Allianz eingingen. Diese diente 1792 den französisch-revolutionären Truppen als Vorwand für die Invasion des Gebiets. Bis 1815 blieb das ehemalige Fürstbistum Teil der Grande Nation und wurde dann mit der Schweiz vereinigt, d.h. dem Kanton Bern einverleibt. Durch die Industrielle Revolution erhielt das Gebiet, das nunmehr «Jura» hiess, eine Zentrumsfunktion: Es wurde zur ersten Uhrenregion der Schweiz, schaffte den Anschluss an die Weltwirtschaft und betrachtete fortan Biel als wirtschaftliches Zentrum. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. erfasste eine Welle des Separatismus den Jura. Seine nördlichen Gebiete erlangten wie gesagt 1979 ihre Eigenständigkeit als Kanton. Ein fortbestehender Irredentismus bewirkt, dass die territoriale Aufteilung der Region bis heute Gegenstand von offiziellen Verhandlungen ist.
Sequanos et Helvetios
Der Historische Atlas des Jura wurde gleichzeitig und in bereicherndem Austausch mit zwei anderen, ähnlich gelagerten Projekten realisiert: dem Atlas historique d'Alsace – ein Online-Projekt der Université de Haute Alscace und der Société Savante d'Alsace – sowie dem Historischen Atlas der Region Basel, der 2010 von der Christoph Merian Stiftung herausgegeben wurde. Ausserdem orientierte er sich am Historisch-Statistischen Atlas des Kantons Bern: 1750-1995, der 1998 vom Historischen Verein des Kantons Bern publiziert wurde.
1984 erschien das grosse Referenzwerk des Cercle d'études historiques, die Nouvelle histoire du Jura. Wie der Historische Atlas des Jura deckt es alle Epochen von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart für die Region Jura ab. Der vorliegende Atlas steht zwar in dieser Nachfolge, ersetzt das Werk jedoch nicht: Er bringt eine Reihe von neuen Erkenntnissen zu einzelnen Themen und ist somit vor allem als Ausgangspunkt für eine künftige neue und umfassende Synthese der jurassischen Geschichte gedacht.
Die Erarbeitung des Historischen Atlas des Jura erforderte viel Kraft und Energie, die von zahlreichen Personen und Institutionen beigesteuert wurden. Ihre Beiträge sind am Ende des Buches im Detail aufgelistet, doch sollen sie alle an dieser Stelle schon ganz herzlich bedankt sein.
Clément Crevoisier (Mai 2012)