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Programm zur Überprüfung der geistigen Gesundheit setzt Elternrechte außer Kraft
Im April 2002 stellte US-Präsident Bush eine Kommission zusammen, die aus 22 Mitgliedern bestand – die „New Freedom Commission on Mental Health“ (neue Freiheitskommission für geistige Gesundheit) des US-Präsidenten. Die Kommission hatte den Auftrag, „Strategien zu ersinnen, mittels derer Regierung, Bundesstaaten und lokale Behörden bestehende Ressourcen bestmöglich einsetzen, um die Koordination von ärztlicher Versorgung und medizinischen Dienstleistungen verbessern und ein erfolgreiches Integrationsprogramm für geistig schwer behinderte Erwachsene und emotional schwer gestörte Kinder erstellen zu können“. Zu der Kommission gehörten Psychologen sowie mindestens ein ehemaliger Mitarbeiter (Robert N. Postlethwait) des Pharmagiganten Ely Lilly & Co.
Im Juli 2003 veröffentlichte die Kommission das Ergebnis ihrer Untersuchung. Sie hatte herausgefunden, daß geistige Störungen oft nicht diagnostiziert würden, und empfahlen dem Präsidenten, Menschen aller Altersgruppen, auch Kinder im Vorschulalter, verstärkt auf Geisteskrankheiten untersuchen zu lassen. In Berufung auf dieses Ergebnis schlug die Kommission vor, daß Schulen, die ja eine „Schlüsselposition“ innehätten, ihre 52 Millionen Schüler und sechs Millionen erwachsenen Mitarbeiter zuerst untersuchen lassen sollten. Zudem empfahl die Kommission, die Untersuchung direkt mit einer begleitenden Behandlung zu koppeln und das „Texas Medication Algorithm Project“ (TMAP) als Modell für ein Behandlungssystem zu nutzen. TMAP, das im öffentlichen Gesundheitssystem von Texas eingeführt wurde, als George W. Bush dort Gouverneur war, ist ein Behandlungsprogramm, das Ärzten bei der Verschreibung von Medikamenten helfen soll, wobei es sich auf klinische Erfahrungen, Hintergründe, Symptome und bestehende Erkenntnisse beruft. Es war das erste Programm in den USA, das darauf abzielte, Richtlinien für die Medikation bei Geisteskrankheiten zu entwerfen.
Die Kritiker von TMAP und der Überprüfung der geistigen Gesundheit behaupten, beides diene nur den Interessen der Pharmaindustrie. Viele führen Allen Jones an, einen ehemaligen Angestellten des „Office of the Inspector General“ von Pennsylvania, das in jedem US-Bundesministerium die Aufgabe hat, interne Verwaltungstätigkeiten offenzulegen. Er wurde entlassen, nachdem er aufgedeckt hatte, daß viele Beamte in Schlüsselpositionen, die Einfluß auf den Medikationsplan hatten, von den Pharmakonzernen, die davon profitierten, daß ihre Medikamente im TMAP auftauchten, Schmiergelder bezogen.
TMAP macht sich auch für den Einsatz neuer und teurerer Psychopharmaka stark. Studien, die in den USA und in Großbritannien durchgeführt wurden, belegen, daß der vorrangige Einsatz altbewährter Psychopharmaka oft wirkungsvoller ist als der Einsatz neuerer, noch unerprobter Medikamente. So wird im Rahmen von TMAP vor allem Olanzapin, ein neues atypisches Psychopharmakum des Konzerns Ely Lilly , statt herkömmlicher Medikamente eingesetzt. Vielleicht ist das so, weil Ely Lilly enge Beziehungen zur Familie Bush pflegt, denn George Bush senior saß einst im Vorstand des Konzerns. Von den 1,6 Millionen Dollar, die Ely Lilly im Jahr 2000 in die Politik fließen ließ, gingen 82 Prozent an die Republikaner und George W. Bush. Im Juni 2002 berief George W. Bush Sidney Taurel, den Chief Executive Officer von Ely Lilly, in den Beirat der Heimatschutzbehörde.
Im November 2004 bewilligte der US-Kongreß 20 Millionen Dollar, um die Ergebnisse der „New Freedom Commission on Mental Health“ in die Tat umzusetzen. Teil des Programms sollte die Pflichtuntersuchung auf Geisteskrankheiten an Schulen werden. Der texanische Kongreßabgeordnete Ron Paul fügte der Bewilligungsvorlage einen Zusatzartikel an, der die bewilligten Gelder zurückhalten und die Kontrolle nur mit Einwilligung und Kenntnisnahme der Eltern möglich machen sollte. Der Zusatz wurde jedoch mit großer Mehrheit (mit 315 zu 95 Stimmen) im Repräsentantenhaus abgelehnt.
Paul, der selbst Arzt und langjähriges Mitglied des amerikanischen Ärzte- und Chirurgenverbands „American Association of Physicians and Surgeons“ (AAPS) ist, warnt davor, daß die Untersuchung auf Geisteskrankheiten dazu mißbraucht werden könnte, Kinder zu brandmarken, deren Haltung, Glauben oder politische Ansichten nicht dem etablierten Dogma entsprechen. Zudem weist er darauf hin, daß der offenkundige Hauptnutznießer dieses Gesetzes die Pharmaindustrie sei. Die AAPS bemängelt an der Gesetzgebung, daß sie zu einer für jedes amerikanische Kind verpflichtenden psychologischen Untersuchung führen könnte, für die keine elterliche Zustimmung erforderlich wäre, was Eltern „nur noch stärker dazu drängen würde, ihren Kindern Medikamente mit möglicherweise gefährlichen Nebenwirkungen zu verabreichen“.
Quellen: Asheville Global Report, Nr. 284, 24. bis 30. Juni 2004, www.agrnews.org ; Truth News, 13. September 2004
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