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Gibt es Mindestlöhne, auf die ich mich berufen kann?
Gabriela Baumgartner: Es gibt Mindestlöhne - nicht gesetzlich vorgeschriebene - aber aus Gesamtarbeitsverträgen gibt es Mindestlöhne. Wenn Berufsverbände Mindestlöhne haben, kann ich mich dort erkundigen.
Ich muss aber auch schauen, ob ich die nötigen Ausbildungen und Berufserfahrungen habe. Mindestlöhne sind Richtwerte. Ich kann also bei Lohnverhandlungen sagen, dass laut KV oder dieser oder jener Gewerkschaft der Mindestlohn so und so hoch ist.
Jetzt geht es ja meistens nicht darum, dass die Mindestlöhne nicht eingehalten werden, sondern dass ich mehr will. Und da muss ich schon clever begründen, warum ich mehr verdienen sollte.
Welche Argumente funktionieren?
Man muss es wirklich sachlich begründen können: Wenn ich eine Weiterbildung gemacht und diese hier auch einsetzen kann. Wenn ich neue Aufgaben übernommen habe. Wenn ich zusätzliche Aufgaben übernommen habe, während jemand im Mutterschaftsurlaub war oder krank wurde. Wenn ich mich als Stütze entwickelt habe. Das sind gute Gründe, die ich anbringen kann für eine Lohnerhöhung.
Was sind denn schlechte Argumente?
Keine Gründe sind, dass die Kollegin mehr verdient, obwohl sie weniger lange da ist. Es kann ja andere Gründe geben, warum sie mehr verdient.
Auch ein schlechtes Argument ist, dass alles teurer geworden oder mein Auto abgelegen ist.
Der Arbeitgeber will meine Leistung sehen und diese kann er honorieren. Alles andere ist nicht wesentlich fürs Arbeitsverhältnis.
Wenn ich vorlege, was ich alles geleistet habe und es trotzdem nicht mehr Lohn gibt - was kann ich dann tun?
Dann kann man wirklich nichts machen. Ich würde den Chef nie erpressen und sagen, ja dann gehe ich halt. Wenn ich nicht wirklich eine andere Stelle habe, würde ich das nicht tun. Wenn ich eine andere Stelle habe, kann ich sagen, dass ich gerne bleiben würde, am anderen Ort aber mehr bekomme und fragen, ob man ins Geschäft kommt.
Dann muss man aber auch bedenken: Ein Stellenwechsel bringt das Risiko, dass es am neuen Ort nicht besser ist. Vielleicht verdiene ich mehr, aber die Umstände müssen nicht besser sein.
Vor einem Wechsel würde ich gut überlegen: Wie zufrieden bin ich mit der Stelle, wie zufrieden bin ich mit dem Lohn? Was kann ich tun, damit ich zufriedener werde?
Was ist mit dem Argument, dass man schon lange da ist und schon lange keine Lohnerhöhung bekommen hat?
Natürlich, ich finde, das ist ein Argument, vor allem wenn sich mein Aufgabengebiet verändert hat.
Wenn nicht, ist es nicht das beste Argument. Dann kann ich schauen, ob die Teuerung angepasst wurde, ob es sonst Sozialleistungen gegeben hat. Gibt es eine Kantine? Gibt es verbilligte Einkaufsmöglichkeiten? Das sind alles Dinge, die sich unter dem Strich auch rechnen.
Der Lohn ist nur ein Thema, es gibt aber auch weitere Aspekte und die sollte man alle anschauen, bevor man in ein Lohngespräch geht.
Gabriela Baumgartner
Gabriela Baumgartner ist Redaktorin und Rechtsexpertin der SRF-Konsumsendungen «Espresso» und «Kassensturz».
Kompass
In der Sendung «Kompass» beantworten Ranja Kamal und Nadine Nikles die grossen und kleinen Fragen rund um Job, Ausbildung und sonstige Lebensfragen.