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Jeder Gegenstand weist verschiedene Werte auf. Der Materialwert ergibt sich aus den Rohstoffkosten, den Kosten für die Rohstoffaufbereitung und einem Teil der Herstellungskosten. Als Gebrauchsgegenstand besitzt jedes Objekt einen Nutzungswert. Dieser besteht meistens in einer praktisch-technischen Funktion, oftmals kommt dem Objekt eine ästhetische Funktion, eine Repräsentationsfunktion oder die Funktion als Bedeutungsträger zu. Letztere Funktion kann auch dem ideellen Wert zugeordnet werden. Als Abfall wird ein Gegenstand bezeichnet, dessen Nutzungswert für den weiteren Gebrauch als nicht mehr ausreichend hoch erachtet wird und der deshalb bewusst entsorgt wird.
Zwei archäologische Beispiele mögen das verdeutlichen: Unter den Bodenbrettern eines Holzhauses aus dem 15. Jahrhundert in Zug fanden die Archäologen unter anderem über 600 teilweise nur wenige Millimeter grosse Lederschnipsel. Untersuchungen durch Spezialistinnen zeigten, dass es sich dabei um die Reste aus einer Schuhmacherwerkstatt handelte, die sowohl alte Schuhe reparierte wie auch neue herstellte. Unglasierte Scherben einer groben Keramik aus einer Glashütte in Court (JU) aus dem frühen 18. Jahrhundert erwiesen sich als Reste von Kühltöpfen, in denen das frisch geblasene Glas sorgfältig gekühlt werden musste, damit es nicht zersprang.
Ohne die Zusammenarbeit zwischen Archäologen, LederexpertInnen und dem Historiker wären die Lederschnipsel Abfall geblieben und nicht zum wissenschaftlichen Kulturgut avanciert. Ebenso wären die unglasierten Scherben aus der Glashütte unansehnlich und unbedeutend geblieben, wäre nicht deren Funktion durch Bild- und Schriftquellen erschlossen worden. Durch die wissenschaftliche Bearbeitung wurde dem historischen Abfallobjekt ein kulturgeschichtlicher Wert zugefügt.
Bild: Kantonsarchäologie Zug, Res Eichenberger