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Ákos Moravánszky, Albert H. Kirchengast (Hg.)
Publikationsreihe „TheorieBau“, Band II
Beschreibung des Projekts
Die Wissensfelder im Bereich der Architektur sind gegenwärtig in Bewegung, insbesondere Fragen nach der "Wissenschaftlichkeit" und dem Aspekt der "Forschung" innerhalb der Disziplin stehen aus verschiedenen Gründen zur Debatte. Heute, da Architektur- und Kunsthochschulen Forschung als Schwerpunkt ihrer Aktivitäten zu bezeichnen begonnen haben, gewinnt ein relativ neuer Erfahrungstypus, die experimentelle Erfahrung als technisches, theoretisch reflektiertes und messendes Handeln auch hier besondere Relevanz.
Die Bedeutung des Experiments in der Architektur wird allerdings oft auf bautechnische Aspekte reduziert, taucht im Zusammenhang mit digitalem Entwurf und digitaler Fabrikation auf, während ein Begriff wie „experimentelle Architektur“ in einem eher metaphorischen Sinn verwendet wird, um den utopischen nicht zur Realisierung bestimmten Charakter von Architekturprojekten der 1960er Jahre oder formale Extravaganzen zu betonen. Doch scheint im theoretischen Diskurs eine grundsätzliche Reflexion über das Experiment in der Architektur zu fehlen, welche die Versuchsanordnungen, die Methoden und Apparate und ihr Verhältnis zum Erkenntnisakt kritisch befragt.
Eine ähnliche Annäherung an die Wissenschaft sehen wir heute in der bildenden Kunst, wo eine immer grössere Anzahl von Künstlern Methoden verwendet, die aus Naturwissenschaften wie Biologie, Genetik oder Geographie entlehnt sind. In den 1990er Jahren gelangten zunehmend wissenschaftliche Strategien zur Anwendung - beispielsweise bei der von Catherine David kuratierten Documenta X, welche künstlerische Reaktionen auf Phänomene wie globale Migrationsströme und die dadurch ausgelösten Transformationen der Städte und Landschaften oder biologische Crossover-Experimente versammelte.
Aber gibt es überhaupt ein genuin künstlerisches oder architektonisches "Experimentieren"? Welche Übereinstimmungen, Ähnlichkeiten und Unterschiede kennzeichnen es dann in Naturwissenschaften, Kunst und Architektur? Wie stellt sich diese architektonisch-experimentelle Versuchsanordnung dar; welches sind ihre Methoden und Apparate?
Eine kritische Untersuchung dieser Fragestellungen steht für die Architekturtheorie noch aus.
Ziel der Publikation ist es, über die Bestimmung des Begriffs „Experiment“ Übereinstimmungen, Ähnlichkeiten und Unterschiede in Naturwissenschaft, Kunst und Architektur zu untersuchen. Wir erwarten von einer genaueren Definition der experimentellen Kausalität Interferenzen zwischen diesen Disziplinen, die der Architektur(theorie) neue Impulse geben können.
Die Publikation "Experiments" fußt auf einem von der Professur Moravánszky 2008 veranstalteten internationalen Nachwuchssymposium. Dessen Beiträge werden durch Essays ausgewählter weiterer Autoren ergänzt.