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«Wir haben erlebt, was es bedeutet – auch für die, die in den Kirchen nichts zu sagen haben – dass sie spüren: Da sind Frauen, die wagen es, und wir könnten es ja auch wagen. … Und daraus sind ganz viele Initiativen gewachsen.»
Ruth Epting stammte aus Basel, wo sie als Tochter eines Lehrers aus Süddeutschland und seiner Frau Johanna, Tochter von Schweizer Missionaren in Indien, aufwuchs. Das Missionshaus, in dem sie geboren wurde und in dem ihr Vater Lehrer war, prägte sie ihr ganzes Leben. Epting war die Jüngste von fünf Geschwistern.
Von 1939 bis 1941 wurde sie im Berliner Burckhardthaus zur Gemeindehelferin ausgebildet und absolvierte das Seminar für den kirchlichen Frauendienst. Erst nach dem Tod einer ihrer Brüder an der Front im Zweiten Weltkrieg bekam sie die elterliche Erlaubnis an seiner Statt ab 1942 in Basel (u.a. bei Karl Barth) und am Zentrum der Bekennenden Kirche in Berlin Theologie zu studieren. Die Kriegszeit beschrieb sie später als Moment, in dem man entscheiden muss, welche Werte wichtig sind. «Christsein fordert von uns eine Stellungnahme.» Ihre Professoren wurden teilweise verhaftet oder kaltgestellt, Epting verbrachte das Kriegsende in der sicheren Schweiz.
1946 wurde sie Vikarin in Basel. Gleichzeitig pflegte sie ihre schwerkranke Mutter bis zu deren Tod. Von 1948 bis 1953 widmete sie sich als Reisesekretärin dem Wiederaufbau der Frauen- und Jugendarbeit des CVJF in Deutschland, half traumatisierten jungen Frauen mit Seelsorge, Weiterbildungen aber auch Hilfsgütern. Ab 1954 unterstützte sie als Sekretärin die Frauen- und Mädchenbibelkreise der Schweiz, wurde dann Klinikseelsorgerin und Pfarrhelferin. Hier baute sie Frauengruppen auf und vernetzte sie über Konfessionsgrenzen hinweg. Obwohl ordiniert konnte Epting noch nicht Pfarrerin werden, da die gesetzliche Grundlage fehlte. Sie machte sich 1955 zusammen mit Theologinnen und dem Kirchenrat der Basler Kirche für das passive Frauenwahlrecht in der Kirche stark, die Kirchenverfassung wurde 1957 dahingehend geändert. Epting wurde darauf in Basel eine der ersten Pfarrerinnen (1960–1974). Da das Pfarramt für Frauen damals mit einem Zölibat verbunden war, blieb Epting zeitlebens ledig. Bei ihrer Kirche machte sie sich immer wieder für eine weibliche Kirchenleitung stark und legte dazu eine Studie vor. Sie stellte fest, dass es weniger theologische Gründe waren, die den Frauen so lange Amt und Einfluss in der Kirche verwehrten als gesellschaftliche und soziologische.
1971 bis 1972 arbeitete sie als Dozentin für Neues Testament am Theological College der Presbyterian Church in Kamerun. Ausserdem war Epting bis 1981 Referentin für Erwachsenenbildung bei der Basler Mission und Sekretärin für Frauenarbeit auf drei Kontinenten (Afrika, Asien und Lateinamerika). Sie stiess den Wandel des Hauses von einem Seminar hin zu einem Begegnungszentrum für die Erste und die Dritte Welt an. Für sie bedeutete Mission stets ein Leben aus dem Glauben in ökumenischer Offenheit.
1975 trat sie in die Frauenarbeit für den ÖRK ein, da Frauen erstmals an der Vollversammlung (Nairobi) sprechen durften. Ein weiblicher Wortbeitrag führte damals zu einer der gewichtigsten Interventionen des ÖRK: gegen die Apartheid.
Danach bat der ÖRK sie, die Konsultation der europäischen Frauen zu moderieren, die 1978 in Brüssel stattfand. Dies zog die Gründung und den Aufbau des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Europa EFECW nach sich, in dem auch die katholischen Frauen vertreten sind. Epting und ihre Kolleginnen trieben die Ausgestaltung voran, nicht ohne Gegenwind aus den eigenen Kirchen, die keinen Frauenrat wünschten. Ein Forum mit dem Ziel gleichberechtigter Beteiligung der Frauen in den Kirchenstrukturen auf allen Ebenen wurde aber akzeptiert. Um sich zu vernetzen und die weibliche Spiritualität in anderen Konfessionen kennenzulernen, besuchte Epting beispielsweise orthodoxe Frauenklöster in Rumänien und Griechenland. 1982 wurde Epting Vorsitzende des Forums und 1986 Ehrenpräsidentin. So förderte sie die Partizipation von Frauen in der europäischen Ökumene.
Sie galt als eine gute Zuhörerin und sah im Zuhören den Weg zum Frieden. «Von West nach Ost ist es unsere Aufgabe, gemeinsam aufeinander zu hören.» Epting hatte die Vision eines versöhnten und friedlichen Europas und den grossen Wunsch, Frauen zu stärken und ihre Talente zu fördern. Auch deshalb hat das Ökumenische Forum Europäischer Christlicher Frauen ihr zu Ehren einen Fund für Neueinsteigerinnen in die weltweite Ökumene ins Leben gerufen.