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Leistungsklassen sind sinnlos und für die Volksschule schlecht!
Entgegnung auf den Leserbrief von M. Casanova
Was Marco Casanova auf der Webseite der CVP zum Thema Leistungsklassen zum Besten gibt, würden Erziehungswissenschafter und Soziologen als Unwahrheit und die Sprecherin Trumps als Alternative-Fakten bezeichnen. Es sind mehr als 100 anerkannte wissenschaftliche Studien diesbezüglich bekannt, die aufzeigen, dass separierte Leistungsklassen keinen Gewinn für das Lernen einzelner Schüler darstellen (vgl. Hattie, Baeriswil, Lüönd, Stein, Moser, Kronig, König, Huber u.a.m.). Die Aussage von Michael Stähli ist richtig, die von Casanova jedoch eine haltlose Behauptung. Vielleicht braucht Casanova deshalb so viele Kraftausdrücke?
Leistungsklassen entstehen im preussischen Denken, in der deutschen Elitekultur. Entsprechend gibt es in Mitteleuropa genau fünf Staaten, die die Selektion der Jugendlichen in drei oder vier verschiedenen Stufen vor dem 17. Altersjahr durchführen. Davon sind vier deutschsprachig: Deutschland, Österreich, Schweiz, Lichtenstein und Frankreich. Alle in den PISA-Tests führenden Staaten kennen keine Selektion in der Sekundarstufe 1. Marco Casanova behauptet hier einfach Quatsch, im Glauben, andere werden das nicht überprüfen können. Sein gesunder Menschenverstand ist in diesem Falle eher preussische Kultur und entsprechend veraltet und entbehrt jeglicher Grundlage!
Eine Abwanderung an Privatschulen gibt es langfristig gesehen kaum. Die erwähnten Phänomene sind am Zürichberg sein mind. zwei Jahrzehnten bekannt, trotz Langzeitgymi und Vorbereitungskursen und haben mit der Segregation der Bevölkerung durch Steuerpolitik zu tun. Das weiss ich als ehemaliger Schulleiter der Goldküste auch aus der Praxis. Die nachweisbaren Effekte, die solche Leistungsklassen haben, sind die Erhöhung der Zufälligkeit der Selektion, die Verstärkung des Drucks auf die Primarschullehrpersonen und die Verstärkung der Ungerechtigkeit im Bildungswesen. Jeglicher Grundlage entbehrt auch seine Äusserung bezüglich Sozialismus. Die Chancengleichheit ist im Schwyzerischen Gesetz verankert. Die Idee der Leistungsklasse, wie sie der Bezirk Höfe praktiziert widersprechen diesem Prinzip fundamental.
Der Kanton hat anlässlich der Gespräche mit dem Schulpräsidium des Bezirks Höfe der Leitung angeboten, bilinguale Klassen zu ermöglichen. Der Präsident, das Rektorat und ein Teil der Schulleitung lehnten jedoch das Angebot ab, sie wollten unbedingt eine zusätzliche Selektion. Entsprechend geht es ihnen nicht um das Wohle der Kinder, sondern nur um das Wohl einzelner Privilegierter. Demagogisch ist nicht Stählins, sondern vielmehr Casanovas Äusserungen, die veraltet und nicht mehr zeitgemäss sind.
Stephan Ulrich, Schwyz
Lehrer, Schulleiter, M.A. Schulentwicklung und Bildungsmanagement