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Ich bin männlich
Diese Woche war wieder voll Drama. Weil ich aufgeschlossen bin, erlebe ich etwa 30 Prozent mehr als der Durchschnitt. Mein Produzent liegt mir in den Ohren: «Beni, schreib endlich ein Buch über deine Abenteuer!» Ich antworte dann: «Du meinst so einen Bestseller, der nachher verfilmt wird?» Er: «Ja, Beni, ich meine einen Bestseller, der nachher verfilmt wird!»
Mal schauen, was habe ich diese Woche Geiles erlebt? Tolle Story: Ich fahre seit einem Monat mit einem Damenvelo. Also ein Fahrrad, wo man die Beine nicht spreizen muss, um auf den Sattel zu gelangen. Das Velo ist von meiner Alten. Sie so: «Verliere nicht zum dritten Mal den Schlüssel vom Fahrradschloss!»
Ich fahre in die Stadt. Der Frauensattel ist viel bequemer. Weich und breit. Hinter mir klingeln andere Velofahrer, weil ich zu langsam fahre und den Velostreifen blockiere. Besonders fies: Ich fahre extra Slalom.
Am Abend kehre ich zurück. Ich schliesse das Schloss zu und merke zu spät, dass ich den Schlüssel verloren habe. Dreimal Schlüssel verloren in einem halben Jahr. Wie schafft man das? Das ist gar nicht so schwierig. Man steckt den kleinen Schlüssel in die Gesässtasche, und irgendwann fällt er runter.
Meine Frau rastet aus. Wo hast du den Schlüssel verloren? Irgendwo auf der Mutschellenstrasse. Es ist schon Abend, und ich bin müde. Die Frau will echt, dass ich die ganze Mutschellenstrasse ablaufe und nach diesem kleinen Schlüssel Ausschau halte.
Ich versuche, meine Frau am Rücken zu massieren. Vielleicht kommt sie so wieder runter. Das half noch nie, aber vielleicht heute. Sie guckt mich böse an, nein, richtig böse.
Tamminomal. Die Mutschellenstrasse ist über einen Kilometer lang. Ich laufe sie ab, das Gesicht nach unten gerichtet. Mit den Augen scanne ich den Boden: links, rechts. Ich sehe aus wie K.I.T.T., das Auto von Knight Rider. Damit mich die Leute für noch verrückter halten, mache ich die gleichen Geräusche wie K.I.T.T.: «Schuschuschuschu.»
Aber es hilft nichts: «Verlorn ist das sluzzelîn.» Traurig kehre ich zum zweiten Mal nach Hause zurück. Vor unserem Haus ist eine Baustelle. Ich sehe einen halb nackten, muskulösen Italiener. Ich renne zu ihm: «Io ho perduto lo sluzzelîn della mia moglie. Hai un Bolzenschneider?» Er guckt mich blöd an, denn er ist Spanier. Ich mache eine Bolzenschneider-Bewegung. Sein Gesicht leuchtet auf. Er hat mich verstanden.
Mit dem riesigen Bolzenschneider nähere ich mich dem Damenvelo. Wie Butter trenne ich die daumendicke Kette. Ein schönes Gefühl. Ich zerschneide die Kette in viele Stücke und gebe dem Spanier einen Fünfliber: «Una bira per te!»
Auch meine Frau strahlt, als ich ihr die Geschichte mit dem Bolzenschneider erzähle. Das macht mich so . . . männlich. Jetzt darf ich sie massieren. Und Abspann.