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| Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

DREIZEHNTES BUCH. Nochmals der Unterschied von Weisheit und Wissenschaft. Zum Bereiche der Wissenschaft gehört der Glaube an das Erlösungswerk Christi, durch den wir zur wahren Glückseligkeit gelangen. Im geistigen Besitz des Glaubens läßt sich eine Dreiheit feststellen.
11. Kapitel. Wieso wir durch das Blut Christi gerechtfertigt wurden.
15. Was aber heißt das: „Gerechtfertigt in seinem Blute?“1 Welche Kraft hat, bitte, dieses Blut, daß in ihm die Glaubenden gerechtfertigt werden? Und was heißt: „Versöhnt durch den Tod seines Sohnes?“2 Hat etwa Gott Vater, als er uns zürnte, den Tod seines Sohnes für uns gesehen, und wurde er uns so geneigt? War also sein Sohn bis dahin uns schon so geneigt, daß er sich sogar würdigte, für uns zu sterben, während der Vater bis dahin noch so sehr zürnte, daß er, wenn nicht der Sohn für uns gestorben wäre, uns nicht geneigt geworden wäre? Was hat denn dann das Wort für einen Sinn, das an einer anderen Stelle eben der gleiche Lehrer der Heiden spricht: „Was sollen wir also dazu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer ist da wider uns? Der seinen eigenen Sohn nicht geschont hat, sondern ihn für uns alle dahingab, wie sollte er uns in ihm nicht auch alles geschenkt haben?“3 Würde der Vater, wenn er uns nicht schon geneigt wäre, seinen eigenen Sohn, ihn nicht schonend, für uns dahingeben? Scheint dieser Ausspruch zu jenem nicht gleichsam in Gegensatz zu stehen? Nach jenem stirbt der Sohn für uns und wird der Vater durch seinen Tod mit uns versöhnt; nach diesem aber liebte uns der Vater gleichsam zuvor, er selbst hat um unsertwillen den Sohn nicht geschont, er selbst hat ihn für uns in den Tod hingegeben. Aber ich sehe, daß auch [S. 184] vorher schon der Vater uns liebte, nicht nur bevor der Sohn für uns starb, sondern auch bevor er die Welt schuf; der gleiche Apostel bezeugt es, wenn er sagt: „wie Gott uns in ihm vor Grundlegung der Welt auserwählte.“4 Es ist auch nicht so, als ob der Sohn, da ihn der Vater nicht schonte, gleichsam gegen seinen Willen für uns hingegeben worden wäre. Heißt es doch auch von ihm: „der mich liebte und sich für mich dahingab.“5 Alles wirkt also zugleich der Vater, der Sohn und beider Geist in gleicher und einträchtiger Weise, und doch sind wir gerechtfertigt im Blute Christi und mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes. Wie dies geschehen ist, werde ich, so gut ich kann, hier ebenfalls erklären, so wie es hinreichend erscheint.
1: Röm. 5, 9.
2: Röm. 5, 10.
3: Röm. 8, 31 f.
4: Eph. 1, 4.
5: Gal. 2, 20.