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In der heutigen Modewelt ist der 81-jährige Karl Lagerfeld der Inbegriff der Haute Couture. Im 20. Jahrhundert war es Coco Chanel. Hamburg widmet ihnen die zwei Ausstellungen «Mythos Chanel» im Museum für Kunst und Gewerbe und «Feuerbachs Musen, Lagerfelds Models» in der Kunsthalle. Doch was haben Chanel und Lagerfeld gemeinsam? Karl Lagerfeld hat 1983 das Erbe Chanel übernommen und dieses erfolgreich mit den Strömungen des Zeitgeistes verbunden.
Schlichte weibliche Kleider
Coco Chanel ist zweifelsohne eine der bekanntesten Modeschöpferinnen des 20 Jahrhunderts–selbstbewusst, unabhängig, geschäftstüchtig. 1908 macht sie sich als Hutmacherin selbstständig. 1913 eröffnet sie ihren ersten Couture-Salon in Paris, zu einer Zeit, als erst wenige Frauen berufstätig sind. Wenige Jahre später ist das Modehaus Chanel mit mehreren 1000 Mitarbeitern bereits international erfolgreich.
Chanel revolutioniert die weibliche Kleidung, indem sie sie schlicht und bequem macht. Mit ihrer Person sind so bedeutende Modeklassiker wie das kleine Schwarze, das Chanel-Kostüm und die Chanel-Tasche verbunden. Jacky Kennedy trug das rosa Chanel-Kostüm beim Attentat im Jahre 1963. Marlene Dietrich trug Chanel und hat massgeblich zum Mythos Chanel beigetragen.
Mit zwölf ins Waisenhaus
Dabei wurde der jungen Frau nichts in die Wiege gelegt. Gabrielle Chanel wird 1883 in einer Kleinstadt im Westen Frankreichs geboren. Als sie zwölf ist, stirbt ihre Mutter und sie wächst im Waisenhaus auf. Dort lernt sie zu nähen und arbeitet später in der Nähe von Vichy. Abends tritt sie als Sängerin in einem Soldatencafé auf, wo sie zu ihrem Spitznamen «Coco» kommt. Chanel schart wohlhabende Männer um sich, liiert sich mit ihnen, pflegt zahlreiche Liebschaften und lässt sich finanziell unterstützen. Heiratet aber nie. Sie pflegt Freundschaften mit vielen Künstlern ihrer Generation wie Picasso, Strawinsky, Cocteau. 1939 stoppt allerdings der Kriegsausbruch ihre Schaffensphase. 1954 aber gelingt ihr ein Comeback. Die 70-Jährige kehrt nach Paris zurück und führt das Modehaus bis zu ihrem Tod 1971.
Originalkleider von Chanel
Die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe zeigt neben 70 Originalkreationen und zahlreichen Adaptionen auch Modelle von Karl Lagerfeld. Zur genialen Revitalisierung des Labels hat Lagerfeld einiges beigetragen. «Lagerfeld lehnt sich in seinen Kreationen an Chanel an und übernimmt immer wieder Details wie etwa die Schleife», sagt die Kuratorin Angelika Riley beim Gang durch die Ausstellung.
Nebst den Kleidern trug aber auch das Parfum «Chanel Nr. 5» zum Mythos bei. «Die Schauspielerin Catherine Deneuve lieh dem überaus erfolgreichen Parfum über zehn Jahre lang ihr Gesicht», bemerkt die Kuratorin. Doch was prägt den typischen Chanel-Stil? «Mit der eleganten, schlichten und tragbaren Mode traf sie den Nerv der Zeit.» sagt Riley. Und sie kombinierte selbstbewusst Mode mit Echtschmuck. «Und Chanel hat früh begriffen, dass zu einem erfolgreichen Marketing die eigene Vermarktung gehört. Das hat sie konsequent umgesetzt.» Ein Film aus dem Jahr der Mondlandung 1969 zeigt die 86-Jährige, wie sie energisch zu allem ihre Meinung kundtut. «Diese Mondlandung ist nichts anderes als eine Geldgeschichte.» Und auf die Frage, warum ihr Stil keine Knie zeige, meint sie: «Wissen Sie, wenn man so alles auspackt, hat man keine Lust mehr auf nichts.» Und zu ihrem Kleidungsstil meint sie: «Es gibt nichts, was einen älter macht, als der Versuch, sich jünger zu machen.»
Muse und Model
Lagerfeld ist auch in der Kunsthalle präsent. Die Ausstellung führt 40 Gemälde von Anselm Feuerbach mit 60 Schwarz-Weiss-Fotografien im Grossformat von Lagerfeld zusammen. Maler Feuerbach (1829–1880) und Modedesigner Karl Lagerfeld teilen die gleichen Leidenschaften: Anmut, Erotik und die Verehrung von Musen und Models.
Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung von Hamburg Tourismus.
Die Modeikone wusste sich bestens in Szene zu setzen: Coco Chanel 1935.
«Es gibt nichts, was einen älter macht, als der Versuch, sich jünger zu machen.»
Coco Chanel
Modeschöpferin
Designerstadt: Tipps für Modefans
H amburg ist die Stadt der Designer schlechthin. Jil Sander, Uli Schneider und Joop sind in der Metropole gross geworden. Seit einigen Jahren ist das Karoviertel in Hamburg ein Mode-Geheimtipp. Begabte Jung-Modedesigner haben sich vorab an der Marktstrasse niedergelassen. In den vielen kleinen Boutiquen entwerfen sie direkt vor Ort, schneidern und verkaufen ihre neusten Modelle. Der Stadtteil mit seinem dörflichen Charakter eignet sich hervorragend zum Flanieren und Shoppen. Kleine Boutiquen und Beizen reihen sich aneinander.
Im Secondhand angefangen
Zu den etabliertesten unter den Designern des Karoviertels zählt das Modelabel Herr von Eden. Gründer ist der 37-jährige Däne Bent Angelo Jensen. Zu seinen Kunden zählen Prominente wie Thomas Gottschalk, Starkoch Tim Mälzer, Udo Lindenberg oder Lady Gaga. Der einstige Lumpensammler gilt als Autodidakt. Im Alter von 14 Jahren stöberte Jensen tatsächlich in Altkleidersammlungen und sortierte in Secondhandläden alte Anzüge. Doch mit seiner coolen Mode im Dandystil hat er sich zuletzt übernommen. Letztes Jahr musste der Star-Schneider Insolvenz anmelden und reduzieren.
Wer im Stile der deutschen Prominenz eingekleidet werden will, geht am besten zur Designerin Bettina Schoenbach im Neustadtviertel. Sie ist die Designerin der berühmten Drei-Knopf-Blazer der deutschen Bundeskanzlerin. Wenn man Glück hat, wird man in der Nobelboutique gleich von der Chefin selber empfangen. il