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Maßstab [* 2] 1:4.500.000.
Die Provinzen werden nach ihren unterstrichenen Hauptstädten genannt, ältere Bezeichnungen sind mit Haarschrift beigefügt.
Eisenbahnen Dampfer Untersseische Telegraphen. [* 3]
Zum Artikel »Italien«. ¶
Maßstab 1:2500000.
Die Provinzhauptstädte sind unterstrichen.
Zum Artikel »Italien«. ¶
Maßstab = 1:2.500.000.
Die Provinzhauptstädte sind unterstrichen.
Zum Artikel »Italien«. ¶
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die Breite [* 7] der eigentlichen Halbinsel von W. nach O. 350-230 km, die der beiden südlichen Landzungen 51-105 km, während im N. die Breite des zum Königreich I. gehörigen Gebiets 780 km ausmacht. Man zählt zu I. auch mehrere in den genannten Meeren liegende Inseln. Es sind, außer Sizilien, [* 8] das durchaus im Zusammenhang mit dem Festland zu betrachten ist, Sardinien [* 9] und Corsica; [* 10] zu den kleinern gehören: Elba und die übrigen Inseln des Toscanischen Archipels, die Gruppe der pontinischen und der neapolitanischen Inseln, die Liparen, Ägaten, Malta und die Tremiten. Mit den Inseln (aber ohne Malta und Corsica) beträgt der Flächenraum 296,323 qkm (5381 QM.), ohne dieselben 242,490 qkm (4403 QM.).
Die Küstenlänge Italiens [* 11] wird auf 3300 km veranschlagt. Die Küstenumrisse Italiens zeigen sehr verschiedenen Charakter und sind weit weniger günstig gestaltet als die der östlichen, günstiger jedoch als die der westlichen Mittelmeerhalbinsel Europas. Die Küsten des Ligurischen Meers von der Var- bis zur Magramündung sind durchaus steil, große Meerestiefen drängen sich ans Ufer heran, über beide Schenkel dieses Golfs aber, die Riviera di Ponente wie die Riviera di Levante, die in der Spitze bei Genua [* 12] zusammentreffen, ist aller Zauber der Natur ausgegossen, beide sind reich an herrlichen Häfen, wie die der Golfe von La Spezia [* 13] und Rapallo, von Genua, Savona und Porto Maurizio.
Von der Magramündung bis zum Kap Circello folgt ein ursprünglich in ähnlicher Weise geradlinig, buchten- und hafenlos verlaufendes Küstenstück wie das entsprechende der Ostküste von Rimini bis Kap Santa Maria di Leuca, wo sich nur der eine, aber treffliche Hafen von Brindisi findet, und nur der Vorsprung von Ancona, [* 14] an welchem ein durch Kunst leicht zu verbessernder Naturhafen lag, wie die landfest gewordene Insel des Monte Gargano unterbrechen etwas die geradlinige Küste, an die zwar der Apennin nahe herantritt, ohne daß aber eine eigentliche Steilküste entstände.
Die Küste Mittelitaliens ist von der Natur für Seeverkehr sehr schlecht ausgestattet, und wir begreifen somit, daß Rom [* 15] sich sehr spät und erst, als es sich zum Herrn günstigerer Küsten gemacht hatte, zur Seemacht entwickelte. Nur hat die westliche Flachküste dadurch größere Mannigfaltigkeit erhalten, daß hier größere Flüsse, [* 16] namentlich Tiber und Arno, münden und ihr Delta [* 17] vorgeschoben haben, während gleichzeitig der Küste naheliegende Felseninseln, Kap Piombino, Monte Argentario, Kap Circello und Gaeta, durch die von der Küstenströmung mitgeführten Sinkstoffe landfest geworden sind.
Dadurch ist eine Reihe flacher Golfe entstanden, während gleichzeitig die Anlage künstlicher Häfen (Ostia, die Häfen des Claudius und Trajan, Civitavecchia, Livorno) [* 18] in dem angeschwemmten Land nicht schwer war. Reicher ausgestattet ist die Küste vom Kap Circello an. Dort dringen drei Golfe tiefer in das Land ein, von Gaeta, Neapel [* 19] und Salerno, der mittlere der von der Natur in jeder Hinsicht am reichsten begabte, der sich zwischen Kap Miseno und Punta della Campanella 30 km breit, 13 km tief öffnet, noch geschützt durch die vorliegenden Inseln Ischia [* 20] und Capri, [* 21] reich an Häfen, denen die Erzeugnisse der reichen Ebene von Kampanien zuströmen. So mußte sich hier dichte Bevölkerung [* 22] und ein großes Handelszentrum entwickeln, erst Cumä, dann in römischer Zeit und wieder seit dem Ende des Mittelalters Neapel.
Die geringere Veranlagung des Golfs von Salerno prägt sich deutlich darin aus, daß die Städte, die hier nacheinander geblüht haben, Pästum, Salerno und Amalfi, an die Bedeutung jener nicht heranreichen. Die Küste Kalabriens vom Golf von Policastro bis zur Cratimündung im Golf von Tarent ist sowohl am Tyrrhenischen als am Ionischen Meer, außer am Golf von Sant' Eufemia, durchaus Steilküste und ohne Häfen, aber reich an schönen Szenerien. Den griechischen Städten dieser Küste, deren Bedeutung wesentlich auf dem Ackerbau beruhte, genügten kleine Einbuchtungen und der schmale sandige Strand der Küste für den Seeverkehr.
Seit ihrer Zerstörung haben jedoch die ungeregelten Wasserläufe einen Fieberkordon rings um Kalabrien erzeugt, und sarazenische Seeräuber haben die Bewohner auf die Höhen zurückgescheucht, so daß die Küsten dieser Halbinsel verödeten und dieselbe vom Verkehr mit der übrigen Welt abgesperrt wurde und in der Kultur zurückblieb. Nur an der Meerenge von Messina [* 23] finden wir daher eine namhafte Küstenstadt, Reggio, welche von der Lage an dieser wichtigen, nur 2-3 km breiten Wasserstraße Vorteil zog. Erst jetzt erwacht hier durch die Eisenbahn wieder neues Leben und zieht dieser Magnet die Bevölkerung aus ihren Felsennestern wieder herab an die Küste.
Die Küsten der Insel Sizilien sind fast durchaus steil, an der Ostseite reich an kleinen Buchten und Häfen, daher hier die blühenden Griechenstädte, die bedeutendsten von allen Messina und Syrakus. [* 24] Auch die Nordseite ist noch reich gegliedert und besitzt den ehemals trefflichen Hafen von Palermo, [* 25] welcher der Stadt den Namen gegeben hat; nachdem er im Mittelalter unbrauchbar geworden, ist durch einen künstlichen Molo ein neuer geschaffen worden. Die Afrika [* 26] zugekehrte Küste ist ohne alle Häfen, unter großen Kosten wird ein solcher in Porto Empedocle, dem Hafen von Girgenti, geschaffen.
Am günstigsten ist die Küste Süditaliens gebildet am viereckigen Golf von Tarent, der mit 130 km breiter Öffnung zwischen Kap Nao und Santa Maria di Leuca in den Rumpf der Halbinsel eindringt, zwei kleinern Halbinselgliedern, Apulien und Kalabrien, Ursprung gebend. Seine Ufer sind nur an der Nordwestseite flach, von Sümpfen und Dünen begleitet und jetzt zum Teil von Malaria heimgesucht; aber dennoch ist der Golf von Tarent als das Organ zu bezeichnen, das, jetzt durch zwei Eisenbahnen mit der Ost- und Westküste verbunden und neuem Leben erschlossen, wie im Altertum, wo hier Tarent, Metapont, Heraklea, Sybaris, Thurii und Croton blühten, I. mit dem Orient verbinden wird.
Tarent hat noch immer einen der besten Häfen Italiens. Durch die 75 km breite Meerenge von Otranto treten wir in das Adriatische Meer ein, dessen Küste bis Rimini bereits geschildert ist. Von Rimini bis zur Mündung des Isonzo [* 27] haben wir wieder eine durch die Anschwemmungen der zahlreichen dort mündenden Flüsse beständig vorrückende, flache, sumpfige Küste vor uns, die auf weite Strecken von Lagunen begleitet ist, welche durch Dünen (lidi) vom Meer geschieden, durch Öffnungen in denselben (porti) damit verbunden sind und dann treffliche Häfen, wie bei Venedig [* 28] und Chioggia, bilden.
Bodengestaltung.
Faßt man die orographischen Verhältnisse der Halbinsel ins Auge, [* 29] so treten zunächst die Alpen [* 30] bedeutsam hervor, die, I. im NW. und N. von Frankreich und dem übrigen Festland Europas scheidend, als ein ungeheurer Gebirgswall sich von Nizza [* 31] im W. bis Triest [* 32] im O. bogenförmig herumziehen und auch einen Teil Piemonts, der Lombardei und des Venezianischen bedecken. Gerade an der italienischen Seite tritt der einseitige Steilabfall der Alpen deutlich, am ¶
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deutlichsten in Piemont hervor, und man erkennt, daß die Alpen geographisch zu Frankreich und Deutschland [* 34] gehören. Von dort aus sind sie leicht, von I. aus sehr schwer zu ersteigen, und dies erklärt auch, daß die Alpen bis an den Rand der Ebene von Leuten andern Ursprungs u. andrer Sprache [* 35] bewohnt sind, daß die deutsche Sprache erst in den letzten Jahrhunderten, das Französische in den piemontesischen Bergen [* 36] erst in diesem Jahrhundert zurückgedrängt wird. Die Ligurischen Alpen vom Col di Tenda bis zum Paß [* 37] von Altare nordwestlich von Savona sind in jeder Hinsicht als Bindeglied zwischen Alpen und Apenninen anzusehen.
Die nun folgenden Apenninen (s. d.) bestimmen zumeist die Gestalt der Halbinsel; sie ziehen sich zuerst in südöstlicher Richtung bis ins Toscanische, soweit die größere Breite Norditaliens reicht. Zwischen ihnen und den Alpen breitet sich die große Ebene der Lombardei aus, welche in ihrer ganzen Ausdehnung [* 38] von W. nach O. vom Po mit seinen Nebenflüssen aus den Alpen und Apenninen bewässert wird. Die Lombardei, von der Halbinsel durch die Apenninen getrennt, hat nichts mit der Charakteristik des eigentlichen italischen Bodens, des Halbinsellandes, gemein und ist auch häufig längere Zeit hindurch politisch und historisch davon getrennt gewesen.
Vom Pothal wendet sich der Längenzug der Apenninen mehr gegen SO. in der Hauptrichtung der ganzen Halbinsel und wird zu ihrem zentralen Gebirgssystem. Von hier an nimmt die Zahl der Gebirgsketten zu, welche die ganze Mitte der Längenerstreckung Italiens mit Berglandschaften füllen, die nach S. immer mehr den schroffen, wilden Apenninencharakter annehmen. Während sie im Knie der Wendung, im Toscanischen, wo zugleich der breiteste Saum für die östlichen Abfälle bleibt, kaum zu 1600 m aufsteigen, beträgt weiter gegen S. ihre mittlere Höhe etwa 1800 m, und einzelne Gipfel (Monte Corno, Monte Majella) ragen 2500 bis nahezu 3000 m empor. Es beginnt mit diesem Wechsel der Normalrichtung das mehr einförmige, dichte, feste, vorherrschende Kalksteingebirge, dessen Gleichartigkeit auch die des landschaftlichen Charakters bedingt und sich mit den mannigfaltigen Abstufungen der Höhenzüge und mit seinen wechselnden pittoresken, eigentümlich zerrissenen und zerspaltenen Formen bis zum Süden der Halbinsel deutlich verfolgen läßt.
Der hohe zentrale Apenninenzug, der ganz I. dammartig der Länge nach durchzieht, dacht sich nach beiden Meeren hin in mehr oder weniger breiten Hügellandschaften ab. Nach O. ist die Abdachung steiler, wilder, nach W. hin sanfter und thalreichere Uferlandschaften darstellend. Wenn demnach der hohe Apennin zwischen Ost- und Westitalien eine starke natürliche Scheide bildete, in Bezug sowohl auf die Verbreitung der Völkerstämme und die Kultur als auf Politik, so mußte der Westseite, sobald eine Wechselwirkung eintrat, naturgemäß die Herrschaft über die Ostseite zufallen, zumal auch die Westseite dem äußern Verkehr günstiger gestaltet war, während die hafenlose Ostseite noch überdies die des Hinterlandes entbehrende Steilküste von Dalmatien als Gegengestade hatte.
In der That haben sich auch alle bedeutenden Städte und Mittelpunkte mittelitalischer Herrschaften (Etrurien, Rom, das süditalische Normannenreich etc.) auf der Westseite der Apenninen emporgearbeitet, keine auf der Ostseite. Den ganzen Süden der Halbinsel füllen die Neapolitanischen Apenninen. Sie bilden die sehr wilde Gebirgslandschaft der Abruzzen (s. d.), die aber in keinerlei Zusammenhang mit dem Vorgebirge Gargano stehen. Die Hauptwasserscheide zieht sich mehr nach W. und tritt am Golf von Policastro ans Tyrrhenische Meer, während sich östlich die Ebene von Apulien und eine flache, trockne, weiter nach SO. der Wasserläufe auf dem porösen Kalkstein ganz entbehrende Kalkplatte anlegt, welche auch die Apulische Halbinsel bildet.
Die Apenninen enden eigentlich im Monte Pollino an der Wurzel [* 39] der Kalabrischen Halbinsel, welche, aus altkristallinischem Gestein bestehend, nur noch Reste von Apenninkalk aufweist, der dafür in Sizilien wieder bedeutungsvoll hervortritt, so daß man von einer Fortsetzung der Apenninen bis nach Sizilien sprechen kann. Während außer in Apulien der Ostseite der Halbinsel die Form der Ebene ganz fehlt, besitzt die Westseite die fruchtbare Kampanische Ebene, welche in wenig unterbrochenem Zusammenhang mit den Pontinischen Sümpfen und der Ebene am untern Tiber steht. Eine lange, dem Kamm der Apenninen parallele Reihe von Vulkanen charakterisiert ferner die Westseite der Halbinsel, der Vesuv [* 40] ist der südlichste u. einzig jetzt thätige; die Ostseite hat nur den erloschenen Vultur aufzuweisen.
I. ist geognostisch weniger durchforscht als die meisten übrigen Länder Europas, teilweise sogar vernachlässigt. Insbesondere gilt dies von mehreren Teilen des Südens. Verhältnismäßig am besten bekannt ist wohl die große Po-Ebene mit ihrer alpinen Umwallung. In der Ebene herrschen Alluvionen jeder Art vor, an ihrem nördlichen und westlichen Rand, beim Übergang in das Hügelland, spielen die als Erdmoränen der Gletscher der Eiszeit [* 41] hier abgelagerten Geröllmassen eine große Rolle, aus denen z. B. die Hügellandschaften südlich vom Gardasee und südlich von Ivrea bestehen.
Die isoliert aus der Ebene aufsteigenden Monti Berici, südlich Vicenza, und die Euganeen, südwestlich Padua, [* 42] sind vulkanischen Ursprungs. Die Alpen bestehen auf italienischem Gebiet östlich vom Langensee in den Vorhöhen aus tertiären und Kreidebildungen, vorzugsweise Kalken und Sandsteinen, im höhern Gebirge aus triassischen und jurassischen Kalken und Dolomiten. Vom Langensee an reichen altkristallinische Gesteine, [* 43] Gneis, Granit, Schiefer bis an die Ebene heran, aus ihnen bestehen auch noch überwiegend die Ligurischen Alpen.
Die Apenninen bestehen bis zum Golf von Tarent und Kalabrien vorwiegend aus Kalksteinschichten der Jura- und Kreideformation, [* 44] welchen in langer, schmaler Zone an der Ostseite vom Bergland von Montserrat, das vom Po umflossen wird, bis zum Golf von Tarent jüngere Tertiärschichten auflagern. Diese bilden mehr die niedern Gehänge, jene die höhern Gebirge, den Hintergrund jeder italienischen Landschaft, nicht als schroffe Felswände, auch nicht als fortlaufender Wall, aber doch mit kühnen Formen der Gipfel und häufiger stufenweiser Unterbrechung der Abhänge, zuweilen mit jähen Felsabstürzen, im Schmuck ihrer Eichen- und Kastanienwälder reich an malerischen Ansichten.
Keinem andern Kalkgebirge der Erde ist eine solche Mischung des Erhabenen und Lieblichen eigen. Wesentlich trägt dazu bei die den Kalkgebirgen des Mittelmeergebiets eigentümliche Terra rossa, eine Art roter Thon, ein Verwitterungsrückstand des Kalksteins, auf welchem die Rebe, der Ölbaum, die Kastanie trefflich gedeihen. Es herrscht so im geographischen Bau der Halbinsel außerordentliche Einheit. Der Ligurische Apennin und selbst der Etruskische in seinen nördlichen Teilen besteht aus tertiären, eocänen Kalk- u. Sandsteinschichten von außerordentlicher Mächtigkeit, häufig aber, namentlich in einem 600 qkm großen Gebiet westlich von Genua, durchbrochen von ungeheuern Serpentinmassen. Im ¶
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Etruskischen Apennin sind das charakteristische Gestein die sogen. Scherbenthone, welche der Kreide-, vielleicht auch der Eocänformation angehören und als Erzeugnisse kolossaler Schlammeruptionen aufgefaßt werden. Auch in den römischen und neapolitanischen Apenninen, obwohl sie wilder, zerrissener und höher sind, herrschen die charakteristischen Kalksteine des ganzen Systems bis zum Monte Pollino. Diesem Teil der Apenninen sind zahlreiche ausgefüllte und abgeflossene Seebecken eigentümlich, die sich ursprünglich zwischen seinen Wölbungen gesammelt hatten, jetzt aber fruchtbare Hochebenen bilden.
Ein Querschnitt durch das Gebirge, wie ihn neuerdings der Bau der Eisenbahn im Pescarathal aufwärts bis Aquila gegeben hat, zeigt uns zunächst von der Küste bis zur Hochebene von Sulmona aus lockern Tertiärschichten bestehende Küstenterrassen, von da eocäne und Kreidekalke; die Basis des Gran [* 46] Sasso-Stockes besteht aus dem untern Jura angehörigen roten Ammonitenkalken. Von besonderm Interesse sind aber die Subapenninen, namentlich wegen ihrer vulkanischen und damit zusammenhängenden sonstigen Erscheinungen.
Die sedimentären, namentlich tertiären, Gesteine überwiegen auch hier, aber neben in Toscana noch häufig auftretenden ältern Eruptivgesteinen begleitet die Apenninen hier vom südlichen Toscana bis an den Golf von Neapel eine Reihe von Vulkanen, deren nördlichster der Trachytkegel des Monte Amiata ist, von wo sich die Reihe über die Kraterseen und die Vulkane [* 47] der Gegend von Viterbo, über das in verschiedenen Epochen vulkanischer Thätigkeit entstandene Albanergebirge und die Rocca Monfina in Kampanien bis zu dem noch einzig thätigen Vesuv fortsetzt.
Vielleicht kreuzt sich diese Reihe hier mit einer andern, durch die Pontinischen Inseln, Ischia u. weiter auswärts den Lago d'Ansanto und den Vultur bezeichneten. Vulkanische Tuffe, von der Rocca Monfina, wohl auch von den Kratern der Phlegräischen Felder und dem Vesuv ausgeworfen, bilden überwiegend die Ebene von Kampanien, die römische Campagna und die Gegend von Viterbo. In welchen Beziehungen aber die Borsäure-Lagoni Toscanas im Quellgebiet der Cecina und Merse zu den vulkanischen Erscheinungen stehen, ist noch dunkel.
Der Kalabrische Apennin besteht ganz aus Granit, Gneis und kristallinischen Schiefern mit nur sehr geringen Resten von Apenninkalk, aber rings umlagert von jungtertiären Schichten, so daß die ältern Gesteine nur an wenigen Punkten an das Meer reichen. Dieselben kristallinischen Gesteine bilden auch die Nordostecke von Sizilien, während im Nebradischen Gebirge, der Madonie und fast an der ganzen Nordküste wiederum Apenninkalk vorherrscht. Dagegen besteht das Innere und der Süden der Insel aus tertiären Kalksteinen, Mergeln, Thonen und vor allem Gipsen, den Trägern der so wichtigen Schwefellager. Im SO. sowie im Ätna [* 48] liegen vulkanische Gesteine vor. Sardinien besteht überwiegend aus altkristallinischem Gestein wie die Schwesterinsel Corsica, aber auch paläozoische Schiefer, Kreidekalke und vulkanisches Gestein nehmen bedeutenden Anteil am Aufbau der Insel. Wir gewinnen die Anschauung, daß I. wesentlich jüngerer Entstehung ist und erst in der Tertiärzeit seine eigentümliche Gestalt erlangt hat.
Gewässer.
Auch in hydrographischer Hinsicht zeigt Oberitalien einen wesentlichen Unterschied gegen die eigentliche Halbinsel und die Inseln. Nur im kontinentalen I. und zwar in den Alpen mit ihren Schnee- und Gletschermassen, ihren Seen und ihren auch im Sommer noch reichlichen Regen findet sich die zur Speisung von Flüssen hinreichende Wassermenge. Auf der eigentlichen Halbinsel drängen sich die Regen um die Winterszeit zusammen, und die Schneemassen, welche die Apenninen von 1500 m an, selbst noch die Sila und die Madonie Siziliens sechs Monate lang bedecken, vermögen die Flüsse im heißen Sommer kaum mehr zu nähren.
Nur in den italienischen Niederlanden finden wir daher das ganze Jahr wasserreiche Flüsse, sonst ist der Wasserstand derselben im Sommer ein sehr niedriger, je weiter nach S., um so mehr; ja, die meisten Flüsse führen im S. nur im Winter und oft auch nur nach heftigen Regen Wasser, sie sind Torrenten oder Fiumaren. Auf der Halbinsel selbst sind die zum Tyrrhenischen Meer gehenden Flüsse die wasserreichern, aber nur der Tiber und in geringerm Maß der Arno und Garigliano sind schiffbar.
Noch unbedeutender sind der Volturno, der Sele, Ombrone, Serchio und Magra. Selbst die größten der ins Adriatische und Ionische Meer mündenden Flüsse, der Crati und Bradano in den Golf von Tarent, der Ofanto, Pescara, Metauro, sind nur Küstenflüsse. Das Gleiche gilt vom Simeto, Platani und Salso Siziliens. Dagegen ist der Po trotz seiner geringen Lauflänge einer der verhältnismäßig wasserreichsten Flüsse Europas und in hohem Grad schiffbar, welche Eigenschaft nur durch die Flachheit seiner zahlreichen Mündungsarme (s. Po) beeinträchtigt wird.
Auch die Etsch, obwohl weit reißender, ist im Unterlauf schiffbar, ebenso Ticino, Adda, Mincio, Oglio und einige andre Alpenzuflüsse des Po, während die von den Apenninen kommenden, außer dem Tanaro, sowie die Alpenflüsse des Venezianischen, Brenta, Piave, Tagliamento, die Natur der süditalienischen Torrenten haben. Es beruht dies wesentlich darauf, daß ihnen so herrliche Sammelbecken wie Langensee, Comer-, Iseo- und Gardasee fehlen. Die Seen der Halbinsel sind entweder flache Wasserbedeckungen von Mulden im Gebirge, wie der Trasimenische, oder Kraterseen, wie der von Bracciano, oder aber Strandlagunen, wie die von Salpi oder Comacchio.
Klima.
Zu den großen Vorzügen Italiens gehört auch sein herrliches, außerordentlich mildes Klima, [* 49] das es dem Wall der Alpen, dem überall wirksamen Einfluß des Meers und der günstigen südlichen Exposition ganzer Landschaften verdankt. Doch ist auch hier ein bedeutender Unterschied zwischen dem kontinentalen und dem peninsularen I. bemerkbar; jenes hat auffallend kontinentales, dieses überwiegend maritimes Klima. Es lassen sich drei Regionen unterscheiden: das Pogebiet, Mittelitalien und Süditalien, zu welchem die ligurische Küste zu rechnen ist. Im Pogebiet wechseln kalte Winter mit heißen Sommern;
trotz einer mittlern Jahrestemperatur von 13° C. kommen Temperaturen von -17° C. vor, und der Winter ist, wenn auch kürzer, so doch meist kälter als im Rheinthal zwischen Koblenz [* 50] und Bonn. [* 51] Nur ein schmaler Saum unmittelbar am Fuß der Alpen und an den lombardischen Seen macht eine Ausnahme.
Dem entsprechend ist die Vegetation in der Lombardei durchaus mitteleuropäisch, nur solche Pflanzen des Südens können hier angebaut werden, welchen, wie dem Reis, die Sommerwärme gerade lange genug anhält; nur an den Seen kehren zahlreiche Formen der Mediterranflora und auch der Ölbaum wieder. In Mittelitalien ist die tyrrhenische Abdachung vor der adriatischen bevorzugt durch höhere Wintertemperatur, was sich namentlich darin ausprägt, daß am ganzen Küstensaum Dattelpalmen bis auf kurze ¶
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Unterbrechung, in Toscana auch Agrumen bei einigem Schutz fortkommen. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 14,5° C., aber noch in Rom sind -5,9° C. beobachtet worden, und Schnee [* 53] ist jeden Winter ein- bis zweimal zu erwarten, wenn er auch nicht liegen bleibt. Auch hier überwiegt noch der mitteleuropäische Charakter der Flora, nur in der Küstenzone sind immergrüne mediterrane Bäume und Sträucher häufig, und dem Ölbaum sind bedeutende Flächen gewidmet.
Erst in Süditalien und der durch die Apenninen gebildeten klimatischen Oase von Ligurien herrscht volle Mediterranflora, und der Nordländer findet das I., welches er schon am Fuß der Alpen suchte. Erst hier, vom Monte Gargano und Terracina an, werden Agrumen im großen gebaut und sind Dattelpalmen häufig; erst von hier an sind die mitteleuropäischen Holzgewächse auf die Höhen der Berge zurückgedrängt und finden sich in Fülle die Opuntien und Agaven und die Vertreter der Mediterranflora, die immergrünen Eichen, die Karuben, Pistacia lentiscus, der Erdbeerbaum, die Phyllyreen, Lorbeer, Myrte, Oleander und jene große Zahl südlicher aromatischer Halbsträucher und Zwiebelgewächse, finden sich die winterlich grünen, mit buntem Blütenschmuck überdeckten Matten des Südens, welche an die Stelle der Wiesen des Nordens treten.
Die mittlere Jahrestemperatur dieses Gebiets beträgt 17° C., steigt aber in Sizilien bis auf 18,5° C.; der Winter ist sehr mild, 10-11° C., so daß keine Unterbrechung in der Vegetation eintritt und nur die Berge längere Zeit von Schnee bedeckt sind. Hier erhebt sich die immergrüne Zone, die in Mittelitalien 500 m nicht erreicht, bis auf 800 m, erst dann beginnt meist mit Edelkastanien der Gürtel [* 54] der laubabwerfenden Bäume; die Region von 1000-2000 m ist der Buche und der Kiefer eigen, aber nur auf den höchsten Höhen der Abruzzen u. Corsicas findet sich alpine Vegetation.
Eine Schattenseite Italiens ist die weite Verbreitung der Malaria (s. d.), die hervorgerufen wird durch stagnierende Süßwasser und große Hitze; sie herrscht daher nur vom Juli bis September, macht aber ganze Landschaften, wie die Maremmen von Toscana und die römische Campagna, unbewohnbar. Nur sechs Provinzen sind überhaupt frei von Malaria. In der kühlern Jahreszeit, die hier zugleich die Regenzeit ist, indem sich diese von N. nach S. immer mehr von drei Jahreszeiten, [* 55] Herbst, Winter, Frühling, auf den Winter konzentriert, wo also die Gewässer fließen, schwindet die Malaria (vgl. Graf Torelli, Carta della malaria dell' Italia, Flor. 1882). Auch der heiße, trockne Sciroccowind, der von der Sahara her weht, ist lästig und zuweilen der Vegetation schädlich.
Areal und Bevölkerung.
Das Königreich I. umfaßt nach Strelbitskys Berechnung einen Flächenraum von 288,540 qkm (5240,4 QM.) mit (1881) 28,459,628 Einw., deren Zahl sich in den 20 Jahren 1861-81 um 3,442,827 und jährlich durchschnittlich um 0,86 Proz. vermehrt hat. Offiziell wird der Flächeninhalt auf 296,323 qkm (5381,5 QM.) angegeben, während eine neuere planimetrische Messung nur 286,588 qkm (5204,7 QM.) ergab. Die Bevölkerung wurde Ende 1885 auf 29,7 Mill. Seelen berechnet. Als einzige auswärtige Besitzung gehört ein Landstrich an der Westküste des Roten Meers zu I. Er reicht von der Assabbai im S. bis Massaua [* 56] (s. d.) im N. Das Gebiet an der Assabbai zählte 1881 auf 632 qkm (11,5 QM.) 1300 Einw. I. zerfällt in 16 Landschaften (compartimenti), welche in 69 Provinzen eingeteilt sind; vgl. nachfolgende Übersicht:
Übersicht der Provinzen Italiens.
|Provinzen und Landschaften||QKilometer||QMeilen||Einwohner|
|Alessandria||4937||89.7||729710|
|Cuneo||7491||136.0||635400|
|Novara||6614||120.1||675926|
|Turin||10452||189.8||1029214|
|Piemont:||29494||535.6||3070250|
|Genua||4194||76.2||760122|
|Porto Maurizio||1213||22.0||132251|
|Ligurien:||5407||98.2||892373|
|Bergamo||2828||51.3||390775|
|Brescia||4779||86.8||471568|
|Como||2796||50.8||515050|
|Cremona||1778||32.3||302138|
|Mailand||3143||57.1||1114991|
|Mantua||2359||42.8||295728|
|Pavia||3399||61.8||469831|
|Sondrio||3123||56.7||120534|
|Lombardei:||24205||439.6||3680615|
|Belluno||3347||60.8||174140|
|Padua||2063||37.5||397762|
|Rovigo||1665||30.2||217700|
|Treviso||2467||44.8||375704|
|Udine||6619||120.2||501745|
|Venedig||1898||34.4||356708|
|Verona||3181||57.8||394065|
|Vicenza||2785||50.6||396349|
|Venetien:||24025||436.3||2814173|
|Bologna||3593||65.3||457474|
|Ferrara||2627||47.7||230807|
|Forli||1989||36.1||251110|
|Modena||2573||46.7||279254|
|Parma||3310||60.1||267306|
|Piacenza||2355||42.8||226717|
|Ravenna||2134||38.8||225764|
|Reggio||2169||39.4||244959|
|Emilia:||20750||376.9||2183391|
|Perugia (Umbrien)||9474||172.1||572060|
|Ancona||2041||37.4||267338|
|Ascoli Piceno||1995||36.1||209185|
|Macerata||2777||50.4||239713|
|Pesaro-Urbino||3023||54.8||223043|
|Marken:||9836||178.7||939279|
|Arezzo||3297||59.9||238744|
|Florenz||5799||105.3||790776|
|Grosseto||4586||83.3||114295|
|Livorno||343||6.2||121612|
|Lucca||1410||25.6||284484|
|Massa-Carrara||1678||30.5||169469|
|Pisa||3123||56.7||283563|
|Siena||3826||69.5||205926|
|Toscana:||24062||437.0||2208869|
|Rom||12170||221.0||903472|
|Aquila||6625||120.3||353027|
|Campobasso||4416||80.2||365434|
|Chieti||3092||56.2||343948|
|Teramo||2875||52.2||254806|
|Abruzzen und Molise:||17008||308.9||1317215|
|Avellino||3034||55.1||392619|
|Benevent||2168||39.4||238425|
|Caserta||5412||98.3||714131|
|Neapel||871||15.8||1001245|
|Salerno||5071||92.1||550157|
|Kampanien:||16556||300.7||2896577|
|Bari||5926||107.6||679499|
|Foggia||6693||121.6||356267|
|Lecce||7891||143.3||553298|
|Apulien:||20510||372.5||1589064|
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|Provinzen und Landschaften||QKilometer||QMeilen||Einwohner|
|Potenza (Basilicata)||10354||188.1||524504|
|Catanzaro||5174||94.0||433975|
|Cosenza||6698||121.6||451185|
|Reggio di Calabria||3177||57.7||372723|
|Kalabrien:||15049||273.3||1257883|
|Caltanissetta||3289||59.8||266379|
|Catania||4984||90.5||563457|
|Girgenti||3019||54.8||312487|
|Messina||3227||58.6||460924|
|Palermo||5142||93.4||699151|
|Syrakus||3729||67.7||341526|
|Trapani||2408||43.7||283977|
|Sizilien:||25798||468.5||2927901|
|Cagliari||13683||248.5||420635|
|Sassari||10159||184.5||261367|
|Sardinien:||23842||433.0||682002|
|Königreich Italien:||288540||5240.4||28459628|
Bevölkerungsverhältnisse.
I. ist im ganzen dicht bevölkert, indem 99 Bewohner auf das Quadratkilometer kommen; doch zeigen die Landschaften und noch mehr die einzelnen Provinzen, in welche jene zerfallen, große Differenzen hinsichtlich ihrer relativen Bevölkerung. Die Extreme bilden die Landschaft Kampanien mit 175 und die Insel Sardinien mit 29, unter den Provinzen einerseits Neapel mit 1149, anderseits Sassari mit 26 und Grosseto mit 25 Einw. auf 1 qkm. Sehr dicht bevölkert sind auch die Landschaften Ligurien und Lombardei. Im ganzen wird I. hinsichtlich der Dichtigkeit seiner Bevölkerung unter den europäischen Staaten nur von Belgien, [* 58] den Niederlanden und Großbritannien [* 59] mit Irland übertroffen.
Nach der letzten Erhebung zählt I. 8259 Gemeinden mit 6,240,874 bewohnten Häusern und 4,469,500 Familien so daß je 100 Familien 72 Häuser bewohnen und 455 Individuen zählen. Die Gemeinden sind häufig von großem Umfang, da sie in der Regel mehrere Orte (frazioni), im ganzen 26,006, umfassen und außer den in zusammenhängenden Wohnplätzen (centri) befindlichen Personen auch die in getrennten Vorwerken und Häusern wohnenden in sich schließen. In manchen Gegenden Italiens, wie in Sizilien, gibt es fast gar keine kleinern Ortschaften, Dörfer im deutschen Sinn, sondern nur städtische Orte von mehreren Tausend Einwohnern. Von der Gesamtbevölkerung leben 20,684,255 oder 72,7 Proz. in zusammenhängenden Wohnplätzen beisammen und 7,775,373 oder 27,3 Proz. auf dem Land zerstreut. Die bevölkertsten Orte waren nach der Zählung von 1881: Neapel mit 463,172, Mailand [* 60] mit 295,543, Rom mit 273,268, Turin [* 61] mit 230,183, Palermo mit 205,712, Genua mit 138,081, Florenz [* 62] mit 134,992, Venedig mit 129,445, Bologna mit 103,998 Einw.
Nach dem Geschlecht wurden 1881: 14,265,383 Männer und 14,194,245 Weiber gezählt, so daß sich ein geringer Männerüberschuß (auf 1000 Männer 995 Weiber) ergibt. Dieser Überschuß steigert sich am höchsten in der Provinz Rom (auf 1000 Männer nur 862 Weiber). Die Bevölkerungsbewegung ergibt folgende Durchschnittsresultate: auf 1000 Bewohner kommen 37 Geburten und 30 Sterbefälle;
auf 1000 Geburten 72 uneheliche und 27 Totgeborne.
Die Bevölkerung Italiens erleidet alljährlich durch Auswanderung einen nicht unbeträchtlichen Verlust, welcher in den letzten zwei Dezennien nur selten hinter der Ziffer von 100,00 pro Jahr zurückgeblieben ist, 1883 aber das Maximum von 169,101 erreicht und 1885: 157,193 betragen hat. Die größte Zahl von Auswanderern kommt aus Venetien, Piemont und der Lombardei. Für die Mehrzahl der Auswanderer waren europäische Länder das Reiseziel (Frankreich, Österreich, [* 63] Schweiz, [* 64] Deutschland u. a.). Unter den außereuropäischen Ländern dagegen übten die La Plata-Staaten (Argentina, [* 65] Uruguay und Paraguay) sowie Brasilien [* 66] die größte Anziehungskraft aus. Jährlich gehen 20-30,000 (1885 sogar 50,000) Italiener dahin. Im J. 1881 wurde die Zahl der im Ausland lebenden Italiener mit 1,032,392 Personen ermittelt. In europäischen Staaten leben hiervon 380,352 (Frankreich 240,733, Österreich-Ungarn [* 67] 44,601, Schweiz 41,645), in Amerika [* 68] 579,335 (Argentina 254,388, Brasilien 82,196, Uruguay 40,000, Vereinigte Staaten 170,000), in den Küstengebieten Afrikas 62,203 Personen.
Mit wenigen Staaten Europas teilt I. den großen Vorzug, daß es auch eine nationale Einheit bildet, daß es, wenn auch von zahlreichen einzelnen Fremden längere oder kürzere Zeit bewohnt, fast nur Italiener innerhalb seiner politischen Grenzen [* 69] umfaßt und diese sich auch fast ganz mit dem Gebiet des italienischen Volkstums decken. Von allen Idiomen, welche von der lateinischen Sprache ausgingen, steht das Italienische der Muttersprache, deren Wiege es einnimmt, am nächsten.
Die italienische Sprache hat den Charakter der Weichheit, und die Gesetze des Wohllautes bilden die ersten Grundpfeiler ihres grammatischen Gebäudes. Daher stehen die logischen Begriffe gewissermaßen der musikalischen Harmonie untergeordnet zur Seite. Die Sprache ist ein gleichsam erweichtes, gemildertes Latein, dessen Wortschatz kaum durch einige fremde Wörter bereichert ist. Sie herrscht in der ganzen Halbinsel südlich von den Alpen, in einem Teil der südlichen Schweiz und Tirols, in Triest, Görz [* 70] und in den Küstenstädten Istriens und Dalmatiens. Im Venezianischen, wo noch heute in einigen Dörfern der sogen. 13 Gemeinden, wie der 7 Gemeinden nördlich von Verona [* 71] und Vicenza, deutsch gesprochen wird, ist das Italienische erst mit dem Ausgang des Mittelalters die herrschende Sprache geworden.
Auch südlich vom Monte Rosa sitzen noch Deutsche [* 72] (in ganz I. zusammen ca. 25,000), wie in den Bergen Piemonts Franzosen (140,000). In den an Görz grenzenden Distrikten Friauls wohnen 30,000 Slowenen. In Apulien, Kalabrien und auf Sizilien finden sich schon seit dem 15. Jahrh. Albanesen und Arnauten (55,000), in den erstern beiden Landschaften sowie in Venedig auch Griechen (20,000) und in der Stadt Alghero und Umgebung auf der Insel Sardinien Katalonier (7000). Das Italienische zerfällt in viele Dialekte, die im gewöhnlichen Verkehr selbst von den Gebildeten gesprochen werden und so voneinander abweichen, daß es schwer hält, sich durch dieselben zu verständigen (vgl. Italienische Sprache).
Religion.
Beinahe die Gesamtheit der Bewohner des Königreichs I. (99,70 Proz.) bekennt sich zur katholischen Religion. Protestanten gibt es nur etwa 62,000, darunter 22,000 Waldenser, welche im Kreis [* 73] Pinerolo wohnen und die gottesdienstlichen Gebräuche der reformierten Kirche befolgen; Juden 38,000. Nach den Bestimmungen des Fundamentalstatuts vom ist die römisch-katholische Religion die Staatsreligion, und sind die andern Kulte den Gesetzen gemäß nur toleriert. Die letztern genießen ¶