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Biographie von Otto Wäspi (1904 - 1959)
Der Zeichner und Grafiker Otto (Philipp) Wäspi - er arbeitete im Laufe der Jahre auch als kaufmännischer Angestellter und Redaktor - wurde am 6. November 1904 in St. Gallen geboren. Seine Eltern waren der Buchhalter Otto Josef Wäspi (1871-1951) und Elisabeth Hofstetter (1877-1968).
Er war der älteste von insgesamt vier Kindern mit Max Wäspi (1907-?), Hans Wäspi (1908-1968) und Kurt Wäspi (1916-1984).
Otto Waespi beendete seine schulische Ausbildung im Gymnasium an der Kantonsschule St. Gallen.
Danach begann er seine berufliche Laufbahn bei einer Filmgesellschaft, die ihn 1927 nach Algerien führte, welches damals noch zu Frankreich gehörte. Dort lebte er bis 1929 mit seiner späteren Ehefrau Maria Magdalena Pizzamiglio zusammen.
1929 kehrten die beiden zurück nach St. Gallen, doch schon kurze Zeit später zog Otto Waespi nach Paris und Mailand, wohin ihm Maria Magdalena folgte.
Als die beiden in Paris in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, reisten sie erneut zurück in die Schweiz und liessen sich in Genf nieder. Dort erhielt Otto Waespi erneut eine Anstellung als Zeichner bei einer Filmgesellschaft.
Einen Tag vor Heiligabend im Jahr 1933 heirateten er und Maria Magdalena (geb. 1907) in Carouge.
Doch schon bald rief ein weiteres Mal die Ferne und das Ehepaar ging erneut nach Algerien, wo Otto Waespi bei seinem früheren Arbeitgeber wieder eine Anstellung annehmen wollte.
Doch die Filmgesellschaft hatte sich in der Zwischenzeit aufgelöst und Otto Waespi blieb in Algerien ohne Arbeit.
Da er und seine Frau ohne finanzielle Reserven nach Algerien aufgebrochen waren, fehlte das Geld für eine Rückreise in die Schweiz und Maria Magdalena arbeitete als Mannequin, um das Geld für die Rückreise zusammen zu bekommen.
Als die Finanzen für die Rückreise ausreichten, kehrten sie wieder in Schweiz zurück und die beiden wohnten zunächst bei den Eltern von Otto Waespi und er suchte eine neue Anstellung.
In dieser Zeit konnte er erstmals für den Nebelspalter Zeichnungen beisteuern, doch reichte dies noch nicht aus, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten. So nahm er zusätzlich an Zeichenwettbewerben teil, die vom Nebelspalter ausgeschrieben wurden, während Maria Magdalena weiter als Mannequin arbeitete. In den nächsten Jahren bekam Otto Waespi das so häufig zitierte harte Brot eines Künstlers zu spüren.
Erst ab 1937 avancierte er zu einem regelmässig publizierten Cartoonisten beim Nebelspalter, wo er bis 1956 mit einem längeren Unterbruch zwischen 1948 bis 1954 arbeitete.
Seine finanziellen Sorgen in den 30er Jahren zeigt auch ein Auszug aus der Dezembersession 1937 über Begnadigunsgesuche in Bern. 1934 sollte er eine Zahlung über CH 72.- für den Militärplichtersatz leisten, konnte das Geld aber nicht entbehren. Drei Jahre später wurde er zu 24 Stunden Haft verurteilt, das eingereichte Begnadigungsgesuch zur Ablehnung empfohlen.
1938 folgte die Trennung von seiner Ehefrau. Diese lebte zunächst bei ihrer Schwester und zog später nach Genf. Die Ehe, welche kinderlos blieb, wurde jedoch erst 1953 – nach 15 Jahren Trennung - geschieden.
Für die Schweizer Illustrierte Zeitung zeichnete Otto Waespi zusammen mit dem Zeichner Lindi (Albert Lindegger) einen ganzseitigen, aus mehreren humorvollen Bildern bestehenden Cartoon mit dem Titel „Wir sind Junggesellen...“, obwohl er zu diesem Zeitpunkt zumindest auf dem Papier noch verheiratet war. Da das Ehepaar jedoch getrennt lebte, erfuhr er diese Zeit jedoch wie die eines Junggesellen und strich mit humorvoller Feder die Vor- und Nachteile eines Junggesellenlebens hervor. Für die Schweizer Illustrierte Zeitung schuf er zahlreiche weitere Cartoons.
Daneben zeichnete er auch Buch-Illustrationen wie für „Lustige Verse“ (42) von Franz Gschwend und er kreierte
Werbeplakate wie „Mis Bachme Chäsli!“ (45) für Chäs Bachme in Luzern.
In den 40er Jahren konnte er sich einen Ruf als bekannten Karikaturisten erarbeiten. Davon zeugte u.a. ein Galaabend im Waldhotel Vaduz am 3. August 1943, wo er als Nebelspalter-Karikaturist im Programm angekündigt wurde. Ebenfalls zu diesem Programm gehörten die 3 Babettes (Sängerinnen des Schweizer Radios), der Zauberkünstler Jaks Stanley und der Klaviervirtuose und Jazz-Komponist Tibos Kasics.
Nach seinem Umzug nach Basel 1947 arbeitete er dort als freier Grafiker. Zudem erhielt er eine Anstellung bei der Filmgesellschaft „Kern-Film“, welche 1948 von Produzent August Kern gegründet wurde.
Weniger bekannt ist, dass Otto Wäspi auch als Texter tätig war. Er schrieb zahlreiche humorvolle Reime, zudem verfasste er Musiktexte zu vielen Kompositionen, meist für den Komponisten Freddy Fritz und einige für Cédric Dumont.
Desweiteren gründete Otto Wäspi die gleichnamige Firma für Filmproduktion und Studio für Filmtechnik mit Sitz in Basel. Die Firma konzentrierte sich auf das Erstellen von Dokumentar- und Kulturfilme, Werbe- und Trickfilme sowie wissenschaftliche Aufnahmen und Synchronisationen.
Otto Waespi war gesundheitlich angeschlagen und litt an Lungentuberkulose. Als er einen Blutsturz erlitt, kümmerte sich seine von ihm getrennt lebende Ehefrau aus freundschaftlicher Verbundenheit in dieser Zeit um ihn.
Nach seiner Scheidung arbeitete er weiter für den Nebelspalter und andere Publikationen.
1959 verstarb er im Alter von nur 55 Jahren in Basel.
Hinweis:
Alle abgebildeten Zeichnungen auf dieser und den nachfolgenden Seiten des Künstlers Otto Wäspi mit freundlicher Genehmigung der Erben (Roland Wäspi) von Otto Wäspi.
Die Abbildungen der Werke von Otto Wäspi dienen ausschliesslich der Illustration der Arbeiten des
Künstlers. Die Verwendung von Dritten ist ohne Erlaubnis der Rechteinhaber nicht zulässig.
Ein herzlicher Dank geht an das Staatsarchiv St. Gallen und speziell P. Schnitzer.