Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03520.jsonl.gz/692

Sie hatten vor einigen Monaten im BLICK zum Kauf von fünf börsenkotierten Aktienfonds (ETF) geraten. Halten Sie an dieser Empfehlung fest oder ist der Zeitpunkt ungünstig? M. R., via E-Mail
Der beste Zeitpunkt für Aktienkäufe lässt sich immer erst im Nachhinein feststellen. Folgerichtig lehrt die Theorie, den Zeitpunkt der Anlage nicht zu beachten, sondern regelmässig einen bestimmten Betrag anzulegen. Vielversprechend ist also nicht das Timing. Anzustreben ist vielmehr eine breite Streuung der Aktien, ein zeitlich gestaffeltes Investieren und eine genügend lange Anlagedauer. So gesehen hat sich an meiner Empfehlung nichts geändert. In der Tabelle (unten) ein Beispiel, wie ein diversifiziertes Portefeuille mit börsenkotierten Anlagefonds (ETF) aussehen könnte.
«Nur wenigen Leuten gelingt es, für den Kauf oder Verkauf von Aktien den richtigen Zeitpunkt zu treffen», sagt Wallstreet-Guru Heiko Thieme, wobei ich bewusst Guru und nicht Experte sage. Der deutschstämmige Fondsmanager ist nämlich ein hervorragender Rhetoriker und vergnüglicher Geselle, nicht unbedingt aber ein erfolgreicher Börsianer. Nichtsdestotrotz: Seine träfen Sprüche treffen meist ins Schwarze.
Buchautor Jacques Trachsel hat für den Schweizer Aktienmarkt folgende Rechnung gemacht: Der Glückspilz in dieser Rechnung hat von 1974 bis 1993 stets am Tiefstpunkt des jeweiligen Jahres für 10000 Franken Aktien gekauft. Die eingesetzten 200000 Franken sind in dieser Zeit auf 765000 Franken gestiegen, was einer jährlichen Rendite von 12 Prozent entspricht. Der Pechvogel hingegen hat stets auf dem Höchstpunkt des jeweiligen Jahres gekauft. Trotz diesem Pech ist auch sein Kapitaleinsatz von 200000 Franken auf 628000 Franken gestiegen, eine Rendite von 10,4 Prozent.
Erschienen im BLICK am 31. Oktober 2007