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Mitten unter den Leuten
Was Ulrich Zwingli und seine Zeitgenossen in Zürich bewirkten, war beim Stadtrundgang «Orte der Reformation» zu erfahren.
Die Reformation in Zürich war nicht das Werk von Ulrich Zwingli allein. «Die ganze Stadt hat beschlossen, die Reformation durchzuführen.» Das sagt Peter Opitz, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Zürich, am Stadtrundgang zur Reformation. Dieser bildet den Auftakt zur Vernissage des Buches «Orte der Reformation: Zürich», das Opitz mit der Theologin Käthi Koenig-Siegrist herausgegeben hat.
Rund 50 Personen folgen Opitz und Mitautorin Judith Engeler. Die Helferei oberhalb des Grossmünsters war die Amtswohnung von Pfarrer Zwingli. «Von diesem Hause aus zog er am 11. Oktober 1531 mit dem Heere der Zürcher nach Kappel aus, wo er für seinen Glauben starb», steht auf einer Inschrift. Zwingli sei aber kein Kriegstreiber gewesen, sondern ein Realist, der bereit war, für die freie Predigt der evangelischen Pfarrer zu kämpfen, erklärt Engeler.
Vor dem Zwingli-Portal des Grossmünsters erfahren die Zuhörenden vom ersten reformierten Abendmahl, das Zwingli 1525 im Grossmünster nach der Abschaffung der Messe hielt. Statt vom Altar zu predigen, habe er einen Holztisch mitten unter die Leute gestellt, der bedeutete: «Christus ist inmitten von uns wie Jesus damals unter den Jüngern.» Das sei «revolutionär» gewesen, kommentiert Opitz.
Eine andere Erfindung Zwinglis war die «Prophezeih». Früher habe ein Knabenchor während der Messe lateinische Bibeltexte gesungen. Diesen Gesang ersetzte Zwingli durch eine Bibellesung mit Auslegung, die «Prophezeih». Daraus entwickelte sich eine theologische Schule und später die Universität Zürich. «Die Reformation war also auch eine Bildungsbewegung», schliesst der Reformationshistoriker.
Vor dem Rathaus erläutert Opitz seine Aussage, die Stadt habe die Reformation vorangetrieben. Im damaligen Rathaus habe Zwingli anlässlich einer Zürcher Disputation seine 67 Thesen vor den Ratsherren vorgetragen. Diese gaben Zwingli grünes Licht für sein Vorgehen.
Die Führung und das Buch «Orte der Reformation» waren ein «Update zum Reformationsjubiläum 2017». Dieses wird unter anderem mit einer Informationskampagne und einem Festgottesdienst am Reformationstag (5. November) in Zürich gefeiert.
Text: Regula Pfeifer
Angebot laufend
«Orte der Reformation: Zürich»
TVZ-Verlag 2016.
96 Seiten. Fr. 16.80.
ISBN 978-3-290-17883-3