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Aussenwacht Neuburg
Der Weiler Neuburg liegt auf einer sonnigen Geländeterrassse im Naherholungsgebiet westlich der Stadt Winterthur zwischen den beiden Vororten Wülflingen und Töss.
Hoh-Wülflingen (Hoch-Wülflingen) war eine zweite Burg (neben der alten Grafenburg Alt-Wülflingen) auf einem steilen Hügel zwischen dem Totentäli und dem heutigen Dättnau (595 Meter ü. M.). Ursprünglich hiess diese Burganlage „Neuburg“. In einer Urkunde aus dem Jahr 1254 nennt sich Rudolf III. Meier von Oberwinterthur erstmals "Rudolf, der Meier von Neuburg". Die Meier von Oberwinterthur waren Dienstleute des Bischofs von Konstanz und der Grafen von Habsburg. Durch König Rudolf von Habsburg wurden sie mit der Verwaltung der Mörsburg nördlich von Winterthur betreut, nach der sich bald eine Seitenlinie des Geschlechts nannte. Die Neuburg war ein habsburgisches Lehen. 1293 wird erstmals Rudolf IV. Meier von Neuburg erwähnt, der bereits in den Ritterstand aufgestiegen war. Sein Sohn Johannes von Neuburg trat als Mönch ins Kloster Kappel ein, wo er Subprior wurde. Mit seinem Tod um 1340 starben die Meier von Neuburg aus. Über die weiteren Besitzverhältnisse sind keine Urkunden erhalten geblieben. Auch ist nicht bekannt, ob die Burg zerstört wurde oder ob sie ganz einfach im Nichtgebrauch zerfallen ist. Der Name „Neuburg“ hingegen ging nicht verloren, sondern er ging auf den bestehenden Weiler südlich unterhalb des Burghügels über. Ab 1880 gehörte die Burgstelle dem Schweizerischen Alpen-Club (SAC), der sie 1906 dem Verkehrsverein Winterthur schenkte.
Heute versteht man unter dem Namen Neuburg nur noch den kleinen Weiler auf dem Vorsprung des Ebnet zwischen Wülflingen und Töss-Dättnau. Neuburg zählte 2013 167 Einwohner, die von einer bevorzugten und ruhigen Wohnlage profitieren. Allerdings fehlt ihnen ein Anschluss ans öffentliche Verkehrsnetz. Darum ist das Auto fast zwangläufig das übliche Verkehrsmittel. Neuburg hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht gross verändert. Zwar wurde der Weiler 1988 an die Kanalisation und das Kabelfernsehnetz angeschlossen. Die Kernzonen-Verordnung verhindert aber grosszügige Überbauungen, sodass der idyllische dörfliche Charakter weitgehend erhalten blieb.
Das romantische Schulhäuschen mit einen Turm und Glocke (erbaut 1838, Ersatz eines Vorgängerbaus von 1805, renoviert 1917 und 1978, Turmaufbau 1951), auf das die Neuburger stolz sind, gibt dem Dorfkern sein spezielles Gepräge. Dem zweigeschossigen Satteldachbau wurde 1951 ein Dachreiter aufgesetzt, der als Uhr- und Glockenturm dient. Ein Dachgeschoss-Ausbau erfolgte 1993. Der Bau stellt ein typisches Einklassen-Landschulhaus mit der Lehrerwohnung im ersten Obergeschoss dar. In Betrieb ist es nicht mehr, der Schulbus bringt die Kinder in die Schullokale von Wülflingen. 2014 schrieb die Stadt das Schulhäuschen zum Verkauf aus. 1,05 Mio. Franken oder mehr soll ein neuer Besitzer dafür bezahlen. Einen Laden für die täglichen Einkäufe gibt es seit langen nicht mehr. Auch der Migros-Wagen hat gegen Ende des letzten Jahrhunderts seinen Service eingestellt.
Die Bewohnerinnen und Bewohner von Neuburg sind im guten alten Sinne eine Dorfgemeinschaft. So blüht auch das Vereinsleben ganz eigenständig. Vier Vereine sind es noch: Der Frauenverein, gegründet 1878, der Frauenchor seit 1946 und der Männerchor seit 1850. Seit 1953 gibt es den Fassdaubenclub Neuburg. In den Zeiten als die Winter noch Winter waren, wurde das legendäre Fassdaubenrennen veranstaltet. Der Club ist aber auch als Veranstalter des alle zwei Jahre stattfindenden Rutschbahnfestes bekannt. Dabei wird jeweils eine 160 m lange Rutschbahn aufgebaut, die jung und alt gegen ein kleinen Batzen zur Verfügung steht. Der jeweilige Grossaufmarsch dokumentiert, dass man Neuburg und seine Veranstaltung kennt.
Fassdaubenclub Neuburg-Wülflingen
Als Daube/Fassdaube bezeichnet man die Längshölzer, aus denen ein Küfer in der historischen Bauweise ein Wein- oder Bierfass zusammensetzt. Früher wurden Dauben auch als Skier verwendet. Dieses Skifahren wurde früher auch in Neuburg praktiziert. So entstand der Fassdaubenclub Neuburg. Mangels Schnee ist dieser Brauch längst Vergangenheit. Der steile Hang bei Neuburg wird sportlich seit 1953 anders genutzt. Alle zwei Jahre organisiert der Fassdaubenclub das Rutschbahnfest. Pfeilgerade erstreckt sich eine 160 Meter lange Rutschbahn das Wiesenbort hinunter. Alt und Jung stürzt sich jeweils auf kleinen Plastikschlitten im Tempo 50 ins Abenteuer. Strohballen bremsen die Wagemutigen an Ende der Bahn auf.