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Mit tiefgefrorenen Eizellen schwanger werden
Das Einfrieren von Eizellen ( Kryokonservierung) ist heute üblich, um jungen Frauen mit Krebserkrankung eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Nach Beendigung der Krebstherapie können die Eizellen aufgetaut, künstlich befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt werden (in-vitro-Fertilisierung). Damit will man vermeiden, dass das Kind durch aggressive Behandlungsmethoden wie Bestrahlung und Chemotherapie genetisch geschädigt sein könnte.
Immer häufiger bitten aber auch gesunde Frauen darum, ihre Eizellen einfrieren zu lassen. Ihre Absicht ist es, sich die Option auf eine spätere Schwangerschaft offen zu lassen, während sie in der aktuellen Lebensphase wegen fehlenden Partners, konkurrierender Karrierepläne, wirtschaftlicher Engpässe oder aus anderen Gründen kein Kind bekommen wollen. Das Einfrieren von Eizellen aus nicht-medizinischen Gründen wird im angloamerikanischen Sprachraum „social freezing“ genannt.
Das Durchschnittsalter der Frauen, die mit diesem Wunsch in die Kinderwunschsprechstunde kommen, liegt bei 38 Jahren, wie Prof. Frank Nawroth, Hamburg, erläutert. Damit sind allerdings die Erfolgschancen für eine spätere Schwangerschaft nicht besonders hoch: Statistisch müssen 10 - 15 Eizellen aus dem Eierstock entnommen, gefroren, aufgetaut, befruchtet und in die Gebärmutter eingepflanzt werden, bis es zu einer erfolgreich beendeten Schwangerschaft kommt. Nach neueren Untersuchungen ist die Erfolgsrate also nur etwa 10%.
Die Gründe sind vielfältig. Der wichtigste: Nur jede dritte Eizelle, die von einer 38jährigen Frau entnommen wird, übersteht den Auftauprozess unbeschadet. Dagegen sind Eizellen, die von 25-jährigen Frauen entnommen wurden, nach dem Auftauen fast zu 100% intakt. Ausserdem steigt mit dem Alter – unabhängig vom Überleben nach dem Einfrieren – die Wahrscheinlichkeit, dass das Erbmaterial der Eizellen auffällig wird. Von Frauen über 35 Jahre müssten also noch viel mehr Eizellen entnommen werden, damit die Chance auf eine glückliche Schwangerschaft einigermassen realistisch wird – eine sehr anstrengende und belastende Prozedur.
Wenn die Eizellen erst jenseits des 40. Lebensjahres befruchtet und wieder in die Gebärmutter eingesetzt werden, sinkt zudem die Chance, dass die Schwangerschaft ohne Komplikationen mit der Geburt eines gesunden Kindes endet. Das Risiko für Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht, Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck nimmt – auch ohne künstliche Befruchtung - mit steigendem Alter der Mutter deutlich zu.
Das Tiefgefrieren und Auftauen von Eizellen ist in der Fortpflanzungsmedizin kann deshalb kein Routineverfahren gegen die „biologische Uhr“ werden.
Quelle: Nawroth et al.: Frauenarzt 53, S. 528-533; 2012
Stand: 9/12, BH