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"His Dark Materials" Season 1: Recap Episode 1 - Lyra's Jordan
Nach einem gefloppten Versuch im Kino kommt nun die TV-Serie. Ist die von HBO und BBC produzierte Serie "His Dark Materials" das neue "Game of Thrones"? Wir verraten, was die erste Folge taugt.
Pre-Show: Wie war das noch mal...?
2007 versuchte sich New Line Cinema das erste Mal an einer Adaption von Philip Pullmans Fantasytrilogie "His Dark Materials". Drei Filme sollten es werden, angefangen mit dem ersten (und letztlich einzigen) Teil The Golden Compass, wofür man u. a. Stars wie Daniel Craig, Nicole Kidman und Ian McKellen engagierte und stolze 180 Millionen Dollar springen liess. Aller Aufwand konnte aber nicht verhindern, dass der Film gleich mehrfach floppte: Fans der Bücher empörte, dass das Thema Religion weitgehend weggelassen wurde (religiöse Proteste versucht Hollywood ja möglichst zu vermeiden). Pech war auch, dass man die Filmrechte im Ausland, wo der Film eigentlich recht erfolgreich war, längst verkauft hatte, während das US-Publikum wenig Interesse am Film zeigte. So wurden die geplanten Fortsetzungen bald einmal gestrichen und der Film gilt mittlerweile gemeinhin als Stinker unter den Fantasyfilmen der letzten Jahre. (Kleine Anekdote am Rande: The Golden Compass war damals eine der allerersten Kritiken, die ich für OutNow schreiben durfte, und nein, ich finde den Film immer noch nicht so mies, wie viele behaupten!)
Weil aber die Buchvorlage viel zu gut ist, um sie länger brachliegen zu lassen, folgt nun 12 Jahre später der zweite Adaptionsversuch, und der hat es in sich. Die TV-Giganten HBO und BBC inszenieren die Buchreihe als aufwändiges TV-Event, wobei die erste Staffel mit acht Folgen das erste Buch "Northern Lights" umfasst; die bereits bestellte zweite Season wird in genauso vielen Episoden den zweiten Band "The Subtle Knife" umsetzen. Und auch dieses Mal sind berühmte Namen mit dabei, u. a. James McAvoy, Ruth Wilson, Lin-Manuel Miranda sowie in der Hauptrolle Dafne Keen, die uns bereits als Mini-Wolverine in Logan begeistern konnte. Die Erwartungen sind also hoch und wir sind bei jeder Folge mit einem Recap mit dabei.
Anmerkung: Die Episoden-Recaps enthalten keine Spoiler für zukünftige Episoden oder spätere Inhalte der Bücher.
Einstieg in die Welt
Wir betreten die fabelhafte Welt von His Dark Materials mit einem zugegebenermassen nicht sehr anmächeligen Infodump, indem die Prämisse der Serie eher unoriginell als Text eingeblendet wird: Wir befinden uns in einer Welt nicht unähnlich der unseren, in der die Seelen der Menschen sich in Tierform, als sogenannte Daemons, manifestieren. Unheilschwanger wird auch von einem allmächtigen Magisterium, von Hexen und einem Kind sowie einer Prophezeiung berichtet. Dun-dun-duuunnn!
Dann geht's los: Ein Helikopter fliegt durch die Nacht auf Oxford zu, das erste vieler Fantasy-ungewohnter und steampunkig designter Fluggeräte. James McAvoy aka Lord Asriel kämpft sich mit einem Baby im Arm und seinem Schneeleoparden Stelmaria an der Seite durch das überflutete Gelände und bittet für Lyra und Pantalaimon um... Uni-Asyl? Lord Asriel hakt dabei noch schnell einige Punkte im Helden-Bullshit-Bingo ab ("Pass auf sie auf!", "Sie ist nicht sicher!", "Keine Zeit für Erklärungen!", "Ich muss gehen!"), aber das ist egal, denn es gibt einen ersten Blick auf Baby-Pantalaimon zu sehen, der hier ein winzig kleines Hermelinchen ist. Jöööö-Faktor-Alarm! Show, you had me at cute baby animals! #herzliaugen
Zwölf Jahre später tollen Lyra und ihr Kumpel Roger durchs Jordan College und zeigen uns nicht nur Lyras Welt, sondern stellen zugleich das Konzept der Daemons genauer vor: Diese können nämlich bei Kindern je nach Laune die Gestalt ändern, bei Erwachsenen haben sie jedoch eine feste Tierform. Das sieht man, als Tony Costa seinen Falken heiratet. Halt, er heiratet nicht, sondern ist erwachsen geworden und deshalb gibt es ein Fest und für den jungen Mann einen Ring. Crowd-Szenen sind in dieser Serie übrigens immer toll, weil es in praktisch jeder Einstellung Tiere zu entdecken gibt. "Spot the Daemon" wäre bestimmt ein tolles Trinkspiel!
Der Vorspann
Anfänglich könnte man meinen, es gibt lediglich einen 08/15-Vorspann zu sehen, aber Achtung, der hat's in sich! Der fängt nämlich erst ganz brav an und zeigt Bilder von Dust und dem Alethiometer. Dann legt das Ganze aber einen Zahn zu und weist auf die verschiedenen Orte voraus, die (wahrscheinlich) in der Serie vorkommen werden: alte Gemäuer, Schneeberge, ein Heissluftballon. Das Ganze wird zunehmend absurder - Escher lässt grüssen! - und mündet schliesslich in das eindeutige Highlight des Vorspanns: die Hammer-Einstellung, in der die verschiedenen Parallelwelten übereinander zu sehen sind. Gänsehaut! Zum Glück hat Season 2 das Greenlight längst bekommen - wenn es nach dieser visuellen Ankündigung nicht zu einer Fortsetzung kommen sollte, wäre das echt eine Tragödie.
Lyra & Pan
Mit Dafne Keen hat man sich bei Lyra schon rein äusserlich für einen ganz anderen Typen entschieden als die blonde Dakota Blue Richards im Film gab. Einen Vergleich der Interpretationen ist natürlich nach nur einer Folge kaum möglich. Abenteuerlust, das Fernweh und die Sehnsucht nach einer Familie werden aber schon sehr schön etabliert. Noch etwas zu kurz kommt Pan vor, wobei er als tierischer, herzig animierter Begleiter zumindest immer anwesend ist, aber erst wenig als eigene Figur auftreten darf.
Another One Bites the Dust
James McAvoy als Lord Asriel passt optisch wie auch mit seinem eher unsympathischen Auftreten sehr gut in die Rolle: Als getriebener Forscher und Rebell überzeugt er und kann auch die etwas unterkühlte Beziehung zu Lyra gut umsetzen (Arschlöcher konnte McAvoy ja schon immer gut spielen). Dass der Einsatz von Lyra als Spionin letztlich nirgendwohin führt, sollte man wohl am besten gleich wieder vergessen. Etwas schwieriger ist es da mit seiner ganzen Forschung um "Dust", denn das bisschen Erklärung, das wir an dieser Stelle bekommen, flitzt schon arg schnell vorbei. Zumindest wird schon mal die Vorstellung unterschiedlicher Welten eingeführt und dass diese anderen Welten gerade deshalb von Interesse sind, weil das Magisterium dort keine Macht hat.
Dieses findet als Gegenpol Asriels verschiedentlich Erwähnung, tritt aber erst mal an einer Stelle richtig in Erscheinung. Beim konspirierenden Gespräch zwischen Lord Boreal und Father MacPhail (übrigens gespielt vom Dafne Keens Papa) erinnert das Magisterium als Ort eher an pompöse Nazi-Bauten als an eine religiöse Einrichtung. Spätestens wenn in Oxford beim Gebet vor dem Essen deutlich Christus erwähnt wird, sollte aber klar sein, dass Religion hier ganz sicher nicht dem Rotstift zum Opfer gefallen ist.
London Calling
Gleich mehrere der Storylines führen nach London. Zum einen wären da die Gyptians, die nach den verschwundenen Kindern suchen und den sogenannten Gobblern nach London folgen. Zum anderen wäre da natürlich Mrs. Coulter - die von Ruth Wilson wiederum (und wohl auch nicht zufällig) ganz anders verkörpert wird als die aalglatte Nicole Kidman in der Filmversion -, die Lyra durch ihr grosses Interesse an dem Mädchen schnell für sich gewinnt und als Assistentin mit nach London nimmt. Aber Vorsicht: Der unheimliche Affe hat den Alethiometer in Lyras Tasche wahrscheinlich schon entdeckt! Dun-dun-duuuunnn!!!!!
Fazit
Ist His Dark Materials das neue Game of Thrones, wie es vielenorts angekündigt wurde? Natürlich nicht. Der Vergleich hinkt hinten und vorne, handelt es sich doch um völlig unterschiedliche Geschichten. Der enorme Produktionsaufwand lässt aber schon mal erahnen, dass wir viel von der Serie erwarten dürfen. Ob diese Erwartungen erfüllt werden können, wird wohl erst nach ein paar Folgen klar werden. "Lyra's Oxford" ist eine klassische Expositionsfolge, welche erst viel einführen muss, bevor wirklich etwas passieren kann. Weil man aber die Vorteile des Serienformats nutzt und sich entsprechend Zeit lässt, um die verschiedenen Storylines, Figuren und natürlich die knuffigen Daemons einzuführen - und dafür auch die richtigen Darsteller und Effekte hat - macht dieser Einstieg schon mal Lust auf mehr.
Zuschauer in der Schweiz können His Dark Materials jeweils sonntags um 21:00 (MEZ) auf BBC sehen sowie ab dem 25.11. im Pay-TV auf Sky Atlantic.