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Stall in Plaun da Lej
Plaun da Lej, 1987
Wenn die Strasse, die am Silsersee vorbeigeht, das kleine Dorf Plaun da Lej erreicht, kann man an dem steilen Hang, der in Richtung Piz Lagrev emporsteigt, eine gut gezeichnete Gebäudegruppe nicht übersehen. Ihre Bezeichnung ist einfach: Haus mit anliegendem Stall und Heuboden. Die architekturbezogene Wirklichkeit sieht aber anders aus: Hinter der Einfachheit steckt viel Überlegung. Die Deutlichkeit der volumetrischen Entwicklung, ein Merkmal von Mauritius Sprache, ist das Ergebnis einer genauen und überzeugenden Auslegung der betont steilen Topographie des Ortes und der etwas „bauchigen“ Morphologie des Bodens sowie des Vorhandenseins des felsigen Grundes. Nicht zu übersehen sind auch ein paar andere Faktoren, die Maurizio beachtet hat: das Panorama zum Beispiel und die Art wie die Landschaft der Sonne ausgesetzt ist. Diese rein technischen Ansätze hätten aber zu nichts geführt, wenn man sie nicht durch eine beständige, „regionalistische“, architektonische Idee interpretiert hätte. Das bedeutet von der für die Region typische Kombination Stall (Heuboden) – Haus auszugehen, um sie in ein angemesseneres Verhältnis mit der Umwelt tief gehend zu reformieren. In diesem Fall bestand die Entdeckung darin, die Funktionen zu teilen, indem man einen Teil für die Arbeit und einen für das Wohnen, fächerartig angeordnet, schuf, um sie dann durch ein drittes, gebogenes Volumen zu verbinden. So wurde der schattigere, gegen den Wald gerichtete ,Teil als Lage für das landwirtschaftliche Gebäude bestimmt. Um den besonders steilen Hang auszunutzen, hat Maurizio dieses Gebäude so entworfen, dass es von der Seeseite her fast einem kleinen Turm auf einem mit steinernen Pfeilern versehenen Sockel gleicht. Hier Steht eine längliche „baita“ (Berghütte) aus Beton und Holzbrettern. Vom Berg her sieht es hingegen einer einstöckigen Hütte ähnlich, mit Blendungen aus senkrecht montierten Holzbretter. Im Haus ist der Kontrast der Höhen vorhanden, jedoch weniger betont. Innen interessieren vielmehr die Anspielungen auf das bergeller Haus und seine Variationen, besonders hervorgehoben durch das dreiseitige Walmdach aus Schieferplatten und durch die Fassade. Schliesslich verleiht der niedrige, mit der konvexen Beschaffenheit des Bodens übereinstimmend gebogene Verbindungskörper, eine moderne Stimmung: eine rationalistische Loggia aus Holz, grosszügig mit Glas versehen, die gegen das unvergleichliche Panorama des Silsersees und der Berge gerichtet ist.
Aus: „Häuser in den Bergen“ Architekt Renato Maurizio