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Marie-Françoise Robert stammt aus einer Maler-Dynastie. Ihre Nische innerhalb des Clans hat sie mit einer Collage-Technik gefunden. Aktuell stellt die Künstlerin in der Galerie da Mihi aus.
Ihre erste Ausstellung Ende der Neunzigerjahre fiel sprichwörtlich ins Wasser. Marie-Françoise Robert stellte in der Galerie Suti im Mattenquartier aus, als die Aare überschwappte und ihre Werke von der Feuerwehr evakuiert werden mussten. Roberts Collagen hielten stand, die Arbeiten der Künstlerin waren seither in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Mit der Collage-Technik hat die Künstlerin eine Nische innerhalb der Malerdynastie, der sie entstammt, gefunden. Leicht kann man den Überblick über diesen komplexen Clan verlieren. Léo-Paul Robert (1851 bis 1923), seinerseits Sohn eines Malers, hatte einen berühmten Onkel namens Léopold Robert sowie mit Théophile, Philippe und Paul-André Robert drei Söhne, die alle Maler waren. PaulAndré Robert kennt man vor allem für seine verschiedenen naturwissenschaftlichen Bücher, in denen er Vögel, Pilze und Libellen illustrierte. Marie Françoise ist die Enkelin von Théophile Robert, der in St. Blaise sein Atelier hatte. «Man durfte ihn nicht stören», erinnert sie sich an den Grossvater, in dessen Haus es förmlich zu und her ging. Mit Jerry Haenggli, dem Sohn von Marie-Françoise, der in Biel lebt, wird die Malertradition fortgesetzt. Bewusst hat Haenggli den Namen Robert nicht übernommen, um seinen eigenen Weg zu gehen. Marie-Françoise Robert wiederum fand erst relativ spät zur Kunst. Sie arbeitete am Kunstmuseum Bern und war bereits Mutter zweier Kinder als sie sich nach einem Atelier sehnte. «Ich hatte einen grossen Fundus an Bildern in mir, die raus mussten», beschreibt sie ihr damaliges Gefühl.
Fische und Planeten
Warum die Collage? «Ich hatte wenig Zeit», so Robert lachend. «So kam mir die Idee, meine Bilder aus bereits bestehendem Material zusammenzusetzen.» Wer Robert in ihrem Atelier besucht, bekommt eine Idee ihrer Arbeitsweise. Im zweiten Stock eines Künstlerhauses, in dem auch die berühmte Meret Oppenheim einst arbeitete, befindet sich Roberts Reich. In Schränken stapeln sich Kartonschachteln voll mit aus Magazinen und Illustrierten ausgeschnittenen Bildelementen, die unter anderem nach Menschen, Tieren und Landschaften sortiert sind. Robert arbeitet in Serien. Aktuell stellt sie ihre neusten Arbeiten in der Berner Galerie da Mihi aus. Die Galeristen Barbara Marbot und ihr Mann Hans Ryser entdeckten die Künstlerin bei einer Gruppenausstellung in Büren an der Aare. Die diesen Mai zu Roberts Werken erscheinende Buchpublikation «Signes de Vie» nahmen sie als Anlass, um 21 Arbeiten von Robert im Kabinett der Galerie zu zeigen. Es sind poetische Bilder, die scheinbar Unvereinbares wie Fische und Planeten zusammenbringen. «Es geht mir um Gegenwelten, um das potenziell Mögliche», so die Künstlerin. Während der Pandemie hatte sie viel Zeit, um in ihrem Atelier zu arbeiten. «Klar, ich habe auch düstere Sachen gemacht, meine Angst gebannt.» Doch bei da Mihi überwiegt das Skurrile und Poetische: Roberts Bilder erlauben es, in einen phantasievollen Kosmos abzutauchen und die Weltlage für einen Moment zu vergessen. Ein wiederkehrendes Motiv ist der Kreis. Mal bläst ein junger Mann eine Seifenblase, mal wird eine ganze Froschparade in ein Tondo gepfercht. Natürlich muss man dabei an die Vorfahren Roberts denken, die eine Vorliebe für naturwissenschaftliche Illustrationen hatten. «Mir geht es um die Struktur, um das Ornamentale dieser Tiere», so Robert. Fasziniert ist sie von Metamorphosen, dem Moment in dem sich Knospen öffnen oder aus Laich ein Frosch entsteht. Die Maler Léo-Paul Robert und sein Sohn PaulAndré züchteten Raupen und illustrierten diese unter anderem auch, weil sie der Überzeugung waren, dass die göttliche Schöpfung sich auch in so kleinen Dingen wie Insekten offenbart. Marie-Françoise Robert hat die tiefe Religiosität ihrer Vorfahren nicht übernommen. Eine spirituelle Vorstellung und die Frage «Wo komme ich her, wo gehe ich hin?» treibt sie jedoch genau so um. Auch woher Inspiration plötzlich kommt, hat für die Künstlerin eine grosse Faszination. Ihr selbst geht diese nicht aus. «Es kommt vor, dass ich bei schönstem Sonnenschein in meinem Atelier sitze und geradezu obsessiv nach dem richtigen Bild suche.»
Helen Lagger