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geschmückte Terrasse ausbreitet, über der sich; dann die Gräte und Gipfel erheben. Am auffälligsten zeigt diese Erscheinung das Schilzbachthal, dessen in drei weite Kessel geteilter Hintergrund von einer 15 km langen und stellenweise fast 2 km breiten Terrasse umsäumt wird. Von den Gipfeln der Seitenketten erwähnen wir den Blattengrat (2248 m) und den aussichtsreichen Fahnenstock (2168 m) in der Kette zwischen Raminthal und Krauchthal, den Gulderstock (2522 m) zwischen Krauchthal und Mühlebachthal, die Faulegg (2459 m) und die Guscha (2412 m) zwischen Weisstannenthal und Schilzbachthal und den Brodkamm (2009 m) n. vom Schilzbachthal.
Die Hauptkette der Schildgruppe erscheint als Fortsetzung der vom Magereu westwärts zum Rottor ziehenden Kette. Sie beginnt w. der Widersteinerfurkel (2014 m) mit dem Gufelstock (2436 m) und zieht sich parallel zum Linththal nordwärts über das Schwarzstöckli (2312 m), den dreigipfligen Schild (2283 m, 2302 m, 2310 m) und die Pyramide des Fronalpstocks (2127 m) bis zum Neuenkamm (1906 m). Im s. Teil, im Gebiet des Gufelstocks, treten im Niveau von 1800-2200 m nochmals die ausgedehnten, welligen Plateaux auf, die uns im Magereugebiet aufgefallen sind.
Gegen das Linththal fällt die Kette, ohne sich in deutliche Seitenäste zu verzweigen, im S. steil, im N. mit sanftern, terrassierten Gehängen ab. Oestl. vom Schild dagegen wird der Gebirgskörper durch das auf das Murgthal ausmündende Thal der Mürtschenalp und die gegen den Walensee absteigenden Thälchen des Thalalpsees, des Meerenbachs und des Rötibaches in mehrere kurze Ketten zerlegt, von denen die zwischen dem oberen Murgthal und der Mürtschenalp liegende, von der Schildkette durch die Murgseefurkel (2002 m) getrennte Verrucanokette des Silberspitz (2234 m) und die ö. vom Kessel des Thalalpsees sich erhebende wilde Kalkmauer des Mürtschenstocks (2442 m), in der die Schildgruppe ihren Kulminationspunkt besitzt, die bedeutendsten sind. Die Ketten verflachen sich wie diejenigen der Magereugruppe nordwärts und sinken mit schönen Terrassen gegen den Walensee ab.
Zahlreiche Passübergänge verbinden die
Thäler der
Sardonagruppe sowohl unter sich als auch mit den Hauptthälern am
Rande
der Gebirgsgruppe; jedoch besitzt kein einziger derselben eine fahrbare Strasse. Von den Uebergängen über die Hochgebirgskette
im S. ist der östlichste, der
Kunkelspass (1351 m), der aus dem Taminathal ins Bündner
Rheinthal führt,
der tiefste und bequemste, der mittlere, der
Segnespass (2625 m), der
Elm im
Sernfthal mit
Flims im Vorderrheinthal verbindet,
der höchste und mühsamste, der an der W.-Grenze der
Sardonagruppe liegende
Panixerpass (2407 m) der wichtigste, da er die
beste Verbindung zwischen dem Linthgebiet und dem Bündner
Rheinthal bildet.
Wiederholt ist schon der Wunsch aufgetaucht, es möchte über diesen Pass eine Strasse gebaut werden. Eine Reihe von leicht gangbaren Pässen führen aus dem Linthgebiet über die von der Sardona nordwärts sich erstreckende Hauptkette ins Seez-Walenseethal hinüber, nämlich der Foopass (2229 m) aus dem Raminthal ins Weisstannenthal, der Riesetenpass (2188 m) aus dem Krauchthal ins Weisstannenthal, der Schönegg- oder Spitzmeilenpass (2210 m) aus dem Krauchthal ins Schilzbachthal und die Widersteinerfurkel (2014 m) aus dem Mühlebachthal ins Murgthal und an den Walensee.
Unter den Pässen, die über eine Seitenkette hinüber zwei benachbarte Seitenthäler verbinden, sind zu erwähnen: auf der bündnerischen Abdachung der Hauptkette die Ranasker Furka (2233 m), die das Panixerthal mit dem obersten Abschnitt des Sethertobels verbindet;
die Sagenser Furka (2385 m), die s. vom Vorab aus diesem Sethertobel in die Alp Sagens hinüberführt;
die Furka (2351 m), die zwischen Trinserhorn und Flimserstein aus dem Thal von Flims in dasjenige der Alp Rusna führt;
die Trinser Furka (2489 m), über die man zwischen Trinserhorn und Piz Sax aus dem Thal von Rusna in den Hintergrund des Calfeisenthals gelangt;
im Gebiet der Grauen Hörner der Heidelpass (2397 m), der zwischen Hangsackgrat und Seezberg liegt und das Calfeisenthal mit dem Weisstannenthal verbindet, und die Furggla (2577 m), die aus dem Thal von Calvina in dasjenige von Tersol hinüberführt;
in der Mürtschengruppe die Murgseefurkel (2002 m) zwischen Murgthal und Mürtschenalp, die Mürtschenfurkel (1848 m) zwischen Mürtschenalp und Thalalp und der Fronalppass (1850 m), der zwischen Schild und Fronalpstock aus dem Linththal in das Thal von Spannegg- und Thalalpsee fährt.
Stratigraphie.
Da das Zentralmassiv des
Finsteraarhorns ö. vom
Tödi rasch in die
Tiefe sinkt, treten die krystallinen Gesteine in unserer
Gebirgsgruppe nirgends mehr zu Tage; sie ist auch in ihren Hochgebirgsketten ganz aus Sedimentgesteinen aufgebaut. Der älteste
Vertreter derselben ist der Verrucano, der als Aequivalent der Karbon- und Permformation zu betrachten
ist und wohl in keinem andern Teile der
Alpen, sowohl was die horizontale Verbreitung als die vertikale Mächtigkeit anbetrifft,
so reich entwickelt ist wie in der
Sardonagruppe.
Sein Verbreitungsgebiet zerfällt in drei Zonen: eine nördl. Zone in der Magereugruppe zwischen Sernfthal und Seezthal, wo er mehr als 1000 m Mächtigkeit erreicht und ganze Berge fast völlig aus diesem Gesteine aufgebaut sind; eine südl. Zone im Bündner Rheinthal, wo er eine aus dem Thalgrund aufsteigende Decke über die sanft geneigten Abhänge der Vorab-, Ringelspitz- und Calandakette bildet, und eine mittlere Zone, wo er mützenartig auf den höchsten Gipfeln und Gräten sitzt. Im Gebiet des Vorderrheinthals und namentlich im Murgthal und n. Sernfthal tritt er als rotes Konglomerat auf, im Magereu- und Sardonagebiet wird er vorwiegend durch weiche, seidenglänzende, rotviolette oder grüne Schiefer repräsentiert. Als östlichster Ausläufer des grossen Eruptivgesteinslagers des Kärpfgebiets treten am Gulderstock und am Vorab Melaphyr und andere Eruptivgesteine im Verrucano auf.
Die Trias gliedert sich in den gelblichweiss oder rötlichgelb anwitternden Rötidolomit, dessen mittlere Schichten oft als Zellendolomit (Rauhwacke) ausgebildet sind, und den kirschroten Quartenschiefer. Diese Gesteine gewinnen namentlich in der Schild- und Magereugruppe als normale Decke über dem Verrucano grosse horizontale Verbreitung und treten im Landschaftsbild ihrer lebhaften Farbenkontraste wegen auffällig hervor. Nach der Vansalp im Hintergrund des Schilzbachthales ist der Rötidolomit früher auch Vanskalk genannt worden. Am Weissmeilen und Gipsgrat ist die Rauhwacke gipshaltig.
Der Lias tritt einzig im Magereugebiet zwischen Murgthal und Weisstannenthal auf, fehlt dagegen in der Schildgruppe zwischen der Trias und den jüngern Jurabildungen gänzlich. Er erreicht am Magereu, am Weissenberg und Guscha eine Mächtigkeit von 300 m und besteht aus eisenschüssigen Sandsteinen, Quarziten, rauhen Kalken, die oft von Quarzkörnern und Dolomitsplitterchen durchschwärmt sind u. Belemniten, Cardinien u. Echinodermenreste enthalten, u. aus weichen Mergelschiefern, die oft an Flyschschiefer erinnern. Er bildet sehr auffällige Gebirgsformen, steile gebänderte Felswände (Magereu, Guscha) oder zerrissene, schwierig zu erkletternde Türme (Spitzmeilen, Gulderstock, Sexmor).
Der Dogger ist im Magereugebiet durch Abtragung fast ¶
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ganz verschwunden; dagegen erscheint er im Schildgebiet und im Grunde des Taminathales bei Vättis als schmales Band über der Trias und tritt am Vorab, am Flimserstein und in der Ringelspitzkette in verkehrter Lage zwischen dem Malm und dem darüber liegenden Verrucano auf. Er gliedert sich in schwarze, knollige Tonschiefer (Opalinuston), Eisensandstein, Echinodermenbreccie und Eisenoolith.
Der Malm nimmt blos im NW. und im S. einen erheblichen Anteil am Aufbau des Gebirges. Er zerfällt in den gelbfleckigen, 30-50 m mächtigen Schildkalk (Argovien), der z. B. im Schildgebiet durch seinen Reichtum an Belemniten und meist elliptisch verstreckten Ammoniten ausgezeichnet ist, den dunkel blaugrauen Hochgebirgskalk, der bis 400 m Mächtigkeit erreicht und hohe, kahle Steilwände bildet (Mürtschenstock, Schild, Fronalpstock, Vorab, Flimserstein, Calanda), und in das Tithon, das wieder aus dem schwarzgrauen Balfriesschiefer und dem hellgrauen, koralligenen Troskalk besteht.
Die Kreide ist noch in höherem Masse als der Malm durch Abtragung verschwunden und kommt ausschliesslich im äussersten NW., am Schild und Neuenkamm, und im S., im Ringelspitz- und Calandagebiet, vor. Es lassen sich darin stets das dunkel an witternde Neocom, der hellgraue, vegetationsfeindliche Schrattenkalk, der grünsandige, petrefaktenreiche Gault und der gelblichgrau anwitternde Seewerkalk unterscheiden. Im NW., am Kerenzerberg, tritt unter dem Neocom noch das Valangien auf und gliedert sich in eine untere mergelige Abteilung mit Exogyra Couloni und Alectryonia rectangularis und in eine obere, kalkige Stufe.
Das Eozän ist in noch grossartigerem Masse als der Verrucano am Aufbau der
Sardonagruppe beteiligt. Im NW., am Schild und
Neuenkamm, bildet es zwar über der Kreideformation nur dünne Decken von geringer horizontaler Ausdehnung.
Im zentralen Teile des Gebirges dagegen setzt es auf einer durchschnittlich 10 km breiten Zone, die sich vom mittleren und
südl. Teil des Sernfthales durch das Gebiet von Sardona, Ringelspitz und Graue Hörner bis nach Ragaz erstreckt, ganze Berge zusammen.
Der ältere Teil dieser Bildung besteht aus Nummulitenkalkbänken, Quarziten und weichen Mergelschiefern, die hie und da schöne Fucoiden einschliessen (Raminthal), der jüngere Teil, der vielleicht schon zum Oligozän gehört, aus harten Tonschiefern und grünlichgrauen Sandsteinen. Das eozäne Flyschgebirge zeichnet sich hier wie überall durch seine gleichförmig geneigten, von reich verästelten Bachfurchen durchzogenen und oft bis auf die höchsten Kämme begrasten Abhänge aus.
Das Diluvium ist nicht nur auf den Abhängen, welche die grossen Hauptthäler einfassen, sondern auch in allen Seitenthälchen durch Moränen und erratische Blöcke vertreten. Ausgedehnte Moränendecken, welche sich durch ihren Reichtum an krystallinen Gesteinen des Vorderrheinthales als Ablagerungen des Rheingletschers erweisen, überziehen namentlich die untern Teile der gegen den Walensee, das Seezthal und das st. gallische Rheinthal absteigenden Bergabhänge und bedingen grösstenteils die gerundeten, welligen Formen des Terrains, die Fruchtbarkeit und damit auch die starke Besiedelung jener Gebiete. Wirkungen der diluvialen Gletscher sind auch die Rundhöcker und Gletscherschliffe der breiten Hochterrassen des Spitzmeilengebietes und die vielen kleinen Seebecken (die Murgseen, die Seen von Alp Seewen s. von Oberterzen, Madsee beim Spitzmeilen, Wildsee, Schottensee, Schwarzsee, Viltersersee in den Grauen Hörnern etc.).
Tektonik.
Die
Sardonagruppe ist mit der westwärts angrenzenden Tödigruppe das Gebiet jener grossen Lagerungsstörung, die seit ihrer
Entdeckung durch Arnold Escher von der Linth und ihrer Darstellung durch Albert Heim bis in die jüngste
Zeit unter dem Namen der «Glarner Doppelfalte» bekannt war. Geht man von Vättis aus, wo im tief eingeschnittenen Taminathal
alle Sedimente vom Verrucano bis zum Eozän normal übereinander liegen, nach S., so sieht man an den S.-Abhängen der
Ringelspitz- und Sardonakette Kreide, Malm, Dogger und Trias und schliesslich auch den Verrucano mit scharfem Knie nach
N. umbiegen und in verkehrter Lagerung, weit nach N. ausgreifend, das Eozän überdecken.
Die verkehrt liegenden Kreide-, Malm- und Doggerschichten nehmen nordwärts infolge Auswalzung rasch an Mächtigkeit ab, so dass schliesslich der Verrucano auf dem Kamm der Ringelspitz- und der Sardonakette von dem darunter liegenden Eozän blos noch durch ein dünnes Band von mechanisch intensiv deformiertem Malmkalk (Lochseitenkalk) getrennt ist. Aber auch n. vom Raminthal und Calfeisenthal, in den Grauen Hörnern, im Weisstannenthal und Sernfthal und seinen Seitenthälern treffen wir überall im Thalgrund und an den Abhängen den jungen Flysch, auf den Gipfeln aber den alten Verrucano, von ersterem durch das Lochseitenkalkband getrennt.
Dieses zieht sich als eine auch für den Laien sehr auffällige Erscheinung oft viele Kilometer schnurgerade an den Berghängen dahin. Häufig ist es weniger als 1 m mächtig, stellenweise schwillt es zu 10-50 m, am Vorab zu 200-300 m Mächtigkeit an u. greift mit unregelmässigen Zacken in den Flysch hinunter (Tschingelhörner, Foostock), während seine obere Grenze meist eine vollkommen ebene Rutschfläche darstellt. Häufig liegt zwischen ihm und dem Verrucano noch eine dünne, oft nur wenige cm mächtige Rötidolomitschicht.
Der Flysch ist unter der Verrucanodecke in komplizierte, im einzelnen kaum zu entwirrende, nach N. überliegende Falten zusammen geschoben. Wie die Ueberschiebungsfläche vom Kamm des Vorab, der Sardona und des Ringelspitz rasch nach S. gegen das Rheinthal einsinkt, so senkt sie sich auch von der Gegend des Foostocks und der Grauen Hörner nach N. und verschwindet im Rheinthal bei Mels, im Linththal bei Schwanden unter der Thalsohle. Durch diese Erscheinung namentlich wurden Escher und Heim veranlasst, die Lagerungsumkehr durch zwei grosse Falten zu erklären, deren Wurzeln einerseits im Vorderrheinthal, anderseits am S.-Ufer des Walensees liegen und deren Stirngewölbe zu beiden Seiten einer von Elm über den Foopass und n. der Ringelspitzkette verlaufenden Linie zu suchen wären. Da jedoch diese Stirngewölbe nirgends zu beobachten sind und durch die Untersuchungen von Schardt und Lugeon sich immer mehr die Tatsache herausgestellt hat, dass die n. Kalkalpen grossen Ueberfaltungsdecken angehören, die von S. nach N. geschoben worden sind, muss man heute an Stelle der «Glarner ¶
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Doppelfalte» eine einzige grosse von S. nach N. übergelegte Falte annehmen.
Neuere Untersuchungen haben bewiesen, dass über dem Schichtensystem dieser untersten grossen Glarnerdecke im n. Teil der
Sardonagruppe noch die Reste von zwei oder drei andern Ueberfaltungsdecken liegen, deren Verbreitungsgebiet sich auch noch
in die Tödigruppe, die Sihlgruppe und die Thurgruppe erstreckt. So ruhen die schönen Falten von Mürtschenstock,
Fronalpstock und Neuenkamm mit anormalem Kontakt auf den verschiedensten Schichten der Glarnerdecke, und zwar im Gebiet von
Schild und Fronalpstock auf dem Eozän, im Murgthal auf Rötidolomit, s. von Mühlehorn auf Dogger und Malm.
Die Basis dieser Mürtschendecke wird stellenweise durch Verrucano (Fronalpstock, Murtschenstock, Murgthal),
stellenweise durch die Trias gebildet. Auf dem Eozän, mit dem die Mürtschendecke auf dem NW.-Abhang des Neuenkamm abschliesst,
schwimmt eine Scholle von Valangien und Neocom als Ueberrest einer neuen, höhern Ueberfaltungsdecke, deren Hauptmasse jedoch
ausserhalb der
Sardonagruppe liegt; sie baut die obern Teile der Wiggis- und der Churfirstenkette und
das Faltensystem des Säntis auf und kann die Säntisdecke genannt werden. Endlich sprechen manche Erscheinungen dafür, dass
die Liasgipfel des Magereugebietes durch eine Ueberschiebungsfläche von ihrer Trias- und Verrucanounterlage getrennt werden.
Wahrscheinlich gehören sie einer Ueberfaltungsdecke an, die sich zwischen die Mürtschendecke und die Säntisdecke hineinschiebt
und w. vom Linththal einen Hauptanteil am Aufbau der Glärnischkette nimmt.
Es ist eine tektonische Eigentümlichkeit der
Sardonagruppe, dass die Schichten aller Ueberfaltungsdecken nicht nur südwärts
gegen das Bündner Rheinthal, sondern auch westwärts gegen das Linththal, nordwärts gegen den Walensee und ostwärts gegen
das St. Galler Rheinthal sich senken. Daraus erklärt sich zunächst die früher hervorgehobene Tatsache,
dass in allen Ketten die gegen die Peripherie der Gebirgsgruppe gerichtete Abdachung auffällig flacher ist als die gegen
das Zentrum gewendete; ferner sind infolgedessen ö. vom Rheinthal die Ueberfaltungsdecken der Glarner Alpen unter der Falknis-
und der Rätikondecke verschwunden.
Während ein ganzer Kranz von volkreichen Ortschaften die
Sardonagruppe umgibt, ist ihr Inneres sehr
wenig bewohnt; von den vielen Thälern, welche sie durchziehen, weisen blos die beiden am tiefsten eingeschnittenen, das
Tamina-Calfeisenthal und das Weisstannenthal, einige ständig bewohnte Dörfchen und Weiler auf. Abgesehen von den Teilen des
Gebirges, die in der Nähe der grossen Kurorte und Fremdenzentren Ragaz, Chur und Flims liegen, spielt die
Sardonagruppe in Bezug auf Touristik und Fremdenverkehr keine sehr bedeutende Rolle; doch ist ihr Besuch seit einer Reihe
von Jahren in sichtlicher Zunahme begriffen.
Die Besteigung der Hochgipfel ist durch Errichtung von Klubhütten (Calandahütte, Segneshütte, Sardonahütte im Hintergrund des Calfeisenthales, Spitzmeilenhütte auf Matossa-Mad) und Unterkunftslokalen in Alphütten (auf den Alpen Lasa und Gaffia in den Grauen Hörnern und auf Schräa-Wiesli am Ringelspitz) erleichtert worden. Die kürzlich eröffnete Sernfthalbahn und die vielen kleinen Kurhäuser, die in den letzten Jahren auf den aussichtsreichen Terrassen über dem Walensee und dem Seezthal entstanden sind, tragen auch dazu bei, dem Gebiete stärkeren Besuch zuzuführen. Als lohnende Aussichtspunkte erfreuen sich besonderer Beliebtheit der Calanda, der Tschepp, der Fronalpstock, der Schild; unter den Thälern üben das Tamina- und Calfeisenthal und das Murgthal eine grosse Anziehungskraft aus. Die am meisten besuchte Naturmerkwürdigkeit der ganzen Gebirgsgruppe ist die Taminaschlucht bei Pfäfers.
Bibliographie. Heim, A. Mechanismus der Gebirgsbildung. Basel 1878; Heim, A. Geologie der Hochalpen zwischen Reuss und Rhein. (Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz. 25). Bern 1891; Heim, A. Itinerarium für das Exkursionsgebiet des S. A. C. 1876/77: Tödi-Sardona-Kärpfgruppe. Zürich 1876; Becker, F. Itinerarium für das Exkursionsgebiet des S. A. C. 1888: Graue Hörner-Calanda-Ringelspitz. Glarus 1888; Mösch, C. Kalkstein- und Schiefergebilde der Kantone Appenzell, St. Gallen, Glarus und Schwyz. (Beitr. z. geolog Karte der Schweiz. 15, 3). Bern 1881; Theobald, G. Naturbilder aus den rätischen Alpen. Chur 1893; Piperoff, Ch. Geologie des Calanda. (Beitr. zur geolog. Karte der Schweiz. 37). Bern 1897.
[J. Oberholzer.]