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Betroffen seien auch Grossbritannien, Frankreich und Australien. Auslöser waren demnach Hinweise auf 55.000 verdächtige Konten einer Schweizer Bank. Die Credit Suisse gab daraufhin bekannt, ihre Büros in London, Paris und Amsterdam seien in Steuerangelegenheiten kontaktiert worden. "Wir arbeiten mit den Behörden zusammen", erklärte das Züricher Institut.
Der niederländischen Behörde zur Verfolgung von Finanzdelikten (FIOD) zufolge begannen international abgestimmten Durchsuchungen bereits am Donnerstag. Die Untersuchungen in den einzelnen Ländern würden noch Wochen dauern. Die britischen Fahnder bestätigten, Ermittlungen wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Geldwäsche eingeleitet zu haben. Diese richteten sich zunächst gegen hochrangige Beschäftigte eines "weltweit tätigen Finanzinstituts" und eine nicht genannte Zahl von Kunden.
Schweiz reagiert empört
Auch die australische Ministerin für Staatseinnahmen und Finanzdienstleistungen, Kelly O'Dwyer, bestätigte Steuerermittlungen. Diese konzentrierten sich auf 340 namentlich bislang nicht bekannte Australier, die mit Schweizer Bankkonten in Verbindung stünden. "Die Tatsache, dass diese Konten nicht mit Namen versehen sind, bedeutet wahrscheinlich, dass sie eigens dazu eingerichtet wurden, um die Identität des Kontobesitzers zu verschleiern", erklärte O'Dwyer. Keine der Behörden wollte den Namen der betroffenen Bank nennen. Vom Bundesfinanzministerium in Berlin war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Aus der Schweiz kam eine empörte Reaktion. Die dortige Bundesanwaltschaft äusserte sich verärgert über das Vorgehen der niederländischen Behörden und sprach von einem Verstoss gegen Regeln der internationalen Zusammenarbeit. "Die Bundesanwaltschaft der Schweiz ist befremdet über die Art und Weise, wie diese Operation unter bewusstem Nichteinbezug der Schweiz organisiert worden ist", erklärte eine Sprecherin.
Teure Gemälde, Gold und Schmuck beschlagnahmt
In den Niederlanden wurden bei Razzien in mehreren Städten zwei Personen festgenommen und Vermögenswerte in Millionenhöhe beschlagnahmt. Dabei handelte es sich etwa um Grundbesitz, teure Gemälde, Goldbarren, Schmuck und ein Luxusauto. Nach Auskunft der FIOD werden Dutzende von Personen des Steuerbetrugs und der Geldwäsche verdächtigt. Sie sollen Geld bei einer Schweizer Bank deponiert haben, ohne dies den Behörden zu melden. Anlass der Ermittlungen sei ein Hinweis auf verdächtige Konten gewesen. Die FIOD überprüft 3800 Konten mit Verbindungen in die Niederlande. Sie machte keine Angaben darüber, wie die Besitzer der Bankkonten ausfindig gemacht wurden. Zu den Untersuchungen in den anderen Ländern wollten sich die Niederländer nicht äussern.
Für viele Schweizer Banken war das Verwalten von unversteuerten Vermögen jahrzehntelang ein wichtiges Standbein. Nach der Finanzkrise begannen aber die ausländische Behörden gegen die lukrative Praxis vorzugehen. Nur mit der Bezahlung von Milliardenbeträgen konnten sich die Institute freikaufen. Die Credit Suisse zahlte allein in den USA 2014 eine Busse von 2,8 Milliarden Dollar. In Deutschland hatte die Bank bereits 2011 ein ähnliches Verfahren gegen Bezahlung von 150 Millionen Euro beigelegt. Parallel zur Einigung mit den Behörden versuchte die zweitgrösste Schweizer Bank in den vergangenen Jahren Schwarzgeld-Kunden loszuwerden. Mehrere Schweizer Geldhäuser waren in Deutschland den vergangenen Jahren unter Druck geraten, nachdem die Behörden in Nordrhein-Westfalen CDs mit Insiderinformationen über mutmassliche Steuerhinterzieher gekauft hatten.
(Reuters)