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Idiosynkrasie
(griech.), ursprünglich die »eigentümliche Mischung« der Säfte des Körpers, aus welcher sich, der Ansicht der alten Ärzte zufolge, das verschiedene Verhalten der einzelnen Individuen im gesunden wie im kranken Zustand erklären sollte. Gegenwärtig versteht man unter I. die eigentümliche Abneigung oder allgemein das eigentümliche Verhalten, welches manche Personen gegen Eindrücke zeigen, welche der großen Mehrheit der Menschen nicht ähnliche Empfindungen oder Reaktionen erregen. So gibt es Menschen, welche in ganz abweichender Weise sich gegen bestimmte Speisen, Gerüche, Arzneien etc. verhalten.
Man kennt z. B.
Menschen, welche infolge des Genusses von
Erdbeeren oder von
Krebsen
Nesselsucht bekommen; andre können trotz
des Wohlgeschmacks gewisser
Speisen diese nicht genießen, ohne in heftiger
Weise zu erkranken.
Wieder andre zeigen Widerwillen
gegen gewisse
Farben,
Töne etc. (Miauen der
Katze:
[* 3]
Wallenstein,
Cäsar; Trompetenton:
Mozart).
Gewisse körperliche
Zustände, wie z. B. die
Schwangerschaft, sind häufig durch I. gegen
Speisen, die sonst wohl gelitten waren, ausgezeichnet.
Die
Ursache der sogen.
Idiosynkrasien ist unbekannt; jedenfalls liegt sie nicht in einer abweichenden
Mischung der Säfte, sondern wohl eher im
Nervensystem und zwar in einer nach gewissen
Richtungen hin abnorm
gesteigerten
Empfindlichkeit desselben. Hiermit mag es zusammenhängen, daß die
Idiosynkrasien bei den reizbareren
Frauen
viel häufiger als bei Männern
¶
mehr
beobachtet werden. In der Regel sind die
Idiosynkrasien angeboren; doch können sie auch, besonders infolge erschöpfender
Krankheiten, erworben werden, und in diesem Fall nähern sie sich dem Zustand der Hyperästhesie, d. h. einer krankhaft gesteigerten
Empfindlichkeit der Nerven.
[* 5]