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Wie es zu der Idee kam:
Blutend, erschöpft und übermüdet schleppte sich Toby Benz spät nachts durch die letzten Büsche, die ihn noch von der grossen Strasse trennten. Er hatte die Strasse bereits gehört als er das Haus durch das angelehnte Kellerfenster verlassen hatte. Und nun hatte er sie tatsächlich erreicht. Hektisch schaute er sich um, während aus der Ferne die Lichter eines herannahenden Autos sichtbar wurden. Von Verfolgern war keine Spur. Gut. Als das Auto näher kam, wedelte er wie wild mit seinen Armen und signalisierte dem Autofahrer, dass er dringend Hilfe brauchte. Joel Frey hatte die Person am Strassenrand schon lange gesehen und hielt nun gemächlich neben ihr an. Toby erzählte ihm alles über die Entführung, den Keller und die Flucht. Joel hörte geschockt zu und bot ihm an mit ihm bis zum nächsten Gasthof mitzufahren. Die Fahrt dauerte keine Viertelstunde. Joel übernachtete oft hier und kannte den Wirt sehr gut. Sein Name war Sandro Derungs und als er ebenfalls die Schilderung über die Entführung gehört hatte wollte er von Toby kein Geld für eine Übernachtung entgegennehmen, sondern liess ihn umsonst in dem kleinen Massenschlag unter dem Dach schlafen. Die einzigen anderen Gäste waren Gregor Juon und Jakob Spörri. Die kleine, zusammengewürfelte Truppe sass noch die halbe Nacht an einem kleinen Holztisch im Erdgeschoss und trank Bier, welches fleissig von der Kellnerin Sarah Bollmann gezapft wurde. Irgendwann stiess auch noch Kyle Smith dazu, ein südafrikanischer Gastarbeiter, der den Sommer über bei Sandro Derungs als Aushilfe arbeitete. Und so kam es, dass gegen fünf Uhr in der Früh die Idee aufkam, die sechs Männer würden zusammen ein interaktives Filmprojekt realisieren. Ein Filmprojekt über ein Paket.
So ähnlich zumindest.
Wer kennt diese Mickey Mouse Heftchen von früher nicht, in welchen man den Lauf der Geschichte selber entscheiden kann? Man wird irgendwo auf Seite zehn gefragt wie Mickey Mouse vorgehen solle und muss dann der Antwort entsprechend auf Seite 37 oder 108 weiterlesen. Und genau so funktioniert das auch bei einem interaktiven Video. Der Zuschauer darf selber entscheiden, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln soll.
Die Story:
Als wir uns für dieses Projekt entschieden hatten, war die erste Aufgabe natürlich eine passende Story dazu zu entwickeln. Und das war wesentlich schwieriger als angenommen. Sehr viel schwieriger sogar. Vielleicht das Wichtigste war, darauf zu achten, dass die Geschichte nicht ausufert und sich nicht zu viele verschiedene Handlungsstränge entwickeln. Denn das alles zu filmen hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen. Desweiteren mussten wir darauf achten, dass die Geschichte Sinn ergibt und zwar egal wie man wo entscheidet. Am Schluss muss jeder einzelne Handlungsstrang eine eigene Logik und ganz wichtig, einen eigenen Spannungsverlauf enthalten. Aber als allererstes benötigten wir eine (gute) Story. Eine Story, die etwas hergibt. Und wir sind bei diesem Punkt zwar nicht vollkommen davon überzeugt, ob uns das gelungen ist, aber die Story ist nun einmal auch Geschmackssache und wird nie alle überzeugen können. Zudem könnte man eine Story vermutlich ewig weiterführen, verändern oder korrigieren.
Der Dreh:
Als dieser Teil endlich abgeschlossen war, ging es an die Ausarbeitung des Drehs. Dafür haben wir mit Storyboards, Timetables und Shotlists gearbeitet. Bei den Locations haben wir darauf geachtet, dass sich alle in Chur befinden, um so grössere Transporte und längere Reisezeiten zu vermeiden. Insgesamt haben wir während drei Tagen an drei Locations gedreht. Der Dreh ist alles in allem ziemlich reibungslos abgelaufen. Die Aufteilung der Rollen war gut und mit üblichen Problemherden wie Kostümen, Kamera, Ton oder Licht kamen wir sehr gut zurecht. Wir mussten jedoch von Zeit zu Zeit Änderungen am Drehplan und teils sogar an der Story vornehmen. Grund dafür war der Zeitdruck. Obwohl wir drei Drehtage eingeplant hatten, wurde die Zeit extrem knapp. Zur Sicherheit haben wir viele Shots teilweise bis zu zehn Mal aufgenommen, was wiederrum extrem viel Konzentration aller Beteiligten erforderte.
Fazit:
Wir haben uns zu Beginn des Projekt ein wenig überschätzt. Die Story war, obwohl wir bereits viele Ideen nicht mit einbezogen hatten, immer noch deutlich zu lange und hatte zu viele Wendungen. Diese haben wir schlussendlich erst während des Drehs gestrichen. Vielleicht war das aber gar nicht so schlecht. Es wäre vermutlich schwieriger gewesen sich während des Drehs noch einen weiteren Storypath auszudenken, als einen zu streichen. Ein weiterer Punkt war die Programmierung der Interaktivität. Wir hatten ursprünglich die Idee alles selber zu programmieren, mussten aber, nachdem wir zu viel Zeit darin investierten, einen anderen Weg finden und haben ein Programm gefunden, mit welchem der Zeitaufwand kontrollierbarer wurde. Nach einigen Emails stellte sich jedoch heraus, dass die Lizenz zu diesem Programm satte 15‘000 US Dollar pro Jahr kostet. In einer unglaublich kurzen Besprechung beschlossen wir dieses Geld nicht zu zahlen und hatten Glück, dass wir kurz darauf ein fast gleichwertiges Programm fanden, welches den Service kostenlos zur Verfügung stellte.
Alles in allem sind wir sehr zufrieden mit unserem Projekt. Vor allem der Schnitt und die After Effects haben reibungslos funktioniert. Allerdings hat es sehr viel Zeit in Anspruch genommen und wir sind froh, dass wir es nun geschafft haben.