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«Wenn ich dein Casino nicht beschissen habe, war das eine Beleidigung.» Er war nicht einfach ein Fälscher, er war ein Meister seines Fachs und würde heute wohl als Gentleman-Dieb bezeichnet werden. Am 6. Juni starb Louis «The Coin» Colavecchio im Alter von 78 Jahren in Rhode Island.
Colavecchio wuchs als Kind italienischer Einwanderer katholisch auf – und entdeckte schon früh sein Talent. Er bastelte als Teenager selbst Rosenkränze und verkaufte sie vor Kirchen, angeblich im Namen eines Priesters, der damit seine Pilgerreise finanzieren wolle. Natürlich wanderte das Geld direkt in seine eigene Tasche.
Später hatte er mehrere Juweliergeschäfte, die er gleich auch selbst ausraubte oder anzündete, um das Versicherungsgeld zu bekommen. Doch sein grösster Coup sollte erst folgen.
Es ging nicht (nur) ums Geld
Es gibt an der US-Ostküste kaum ein Casino, das von ihm verschont blieb. Colavecchio sezierte die Spielautomaten-Münzen in ihre Einzelteile, damit er möglichst präzise ihre Beschaffenheit lernte. Danach baute er sich eine Stanzmaschine und produzierte perfekte Kopien.
«Ich sass drei Tage lang vor dem Mikroskop und untersuchte die Münzen. Und ich fand keinen Unterschied», sagte der Bundespolizist Jerry Longo, der Colavecchio zum ersten Mal verhaftete und später ein guter Freund des Fälschers wurde.
Ums Geld ging es Colavecchio nur nebenbei, er wollte viel lieber die perfekte Fälschung produzieren. Hatte er ein Casino um ein paar hunderttausend Dollar erleichtert, zog er weiter zum nächsten Spielpalast.
Ein Gauner hilft dem Staat
Seine Münzstanz-Maschine war angeblich so perfekt, dass sich – als er mal wieder im Gefängnis sass – sogar die US Mint (die Münzprägeanstalt der USA) bei Colavecchio meldete. «Ihre Maschinen gingen immer zu schnell kaputt, meine hielten fast ewig», sagte er in seinem Buch «You Thought It Was More». 18'000 Dollar soll er vom Staat erhalten haben, damit er sein Geheimnis verrät: «Es war ganz schlicht härterer Stahl.»
Ein erstes Mal für grossen Betrug verhaftet, wurde Colavecchio 1996. Geheimdienstmitarbeiter legten ihm im Caesars Palace in Atlantic City die Handschellen an – und Colavecchio musste lachen. Nicht wegen seiner Verhaftung, sondern weil die Beamten seine gefälschten Münzen im Kofferraum des Dienstwagens verstauten und dieser unter dem Gewicht von fast 400 Kilogramm zusammenbrach. In seiner Biographie erzählt Colavecchio ungezählte solcher Episoden.
Für die Bundesbeamten und Polizisten hatte Colavecchio wenig übrig. Nicht etwa, weil sie ihn jagten, sondern «weil sie sich einfach nicht stilvoll kleiden». Er selbst ging nie ohne perfekten massgeschneiderten Anzug aus dem Haus.
Dollar-Scheine gedruckt
Ein letztes Mal wurde Colavecchio 2019 verhaftet. Er druckte tausende perfekte 100-Dollar-Scheine. Der Richter verurteilte ihn zu 15 Monaten Gefängnis. Weil Colavecchio fürchtete, er könnte im Knast sterben, sagte der Richter zu ihm: «Das glaube ich nicht. Ich glaube viel eher, dass sie sogar Gott hereinlegen könnten, sie ewig zu verschonen.»
Der Richter behielt nur teilweise recht. Wenige Wochen nachdem Colavecchio wegen seiner schlechten Gesundheit aus dem Gefängnis vorzeitig entlassen worden ist, starb er.