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Nürnberg, 17. Jh.
Elfenbein, gedrechselt; Muskatnuss
H. 14,1 cm (mit Deckel); H. 11,3 cm (ohne Deckel); B. 3 cm; B. 1,1 cm (Tellerchen); H. 1 cm (Kännchen)
Inv. 1978.48.
Das eigentümliche Kunstwerk besteht im unteren Teil aus einem spiralförmigen Stab. Auf diesem sitzt ein Kranz mit tief eingeschnittenen Zähnen, der eine stehende Krone mit einer ausgehöhlten Muskatnuss trägt. Auf den hohen, wiederum elfenbeinernen Mundrand ist ein flacher profilierter Deckel aufgeschraubt, auf dem sich ein Aufsatz aus sich verjüngenden Scheiben und eine abschliessende, ringsum eingesägte tulpenförmige Krone erheben. Im Innern der Muskatnuss befindet sich ein Miniaturgeschirr aus Elfenbein, das drei Teller, eine Schale, zwei Becher und zwei Kannen umfasst.
So wie hier das polierte helle Elfenbein auf die raue dunkle Muskatnuss stösst, wurden filigrane Elfenbeinarbeiten gelegentlich mit kontrastierenden Materialien kombiniert. In der Königlichen Dänischen Kunstkammer haben sich zum Beispiel zwei winzige Elfenbeinpokale erhalten, bei denen ein Pfefferkorn als Zwischenstück fungiert (Gundestrup 1991, I, S. 267). Den Charakter als Kunstkammerstück steigert bei dem vorliegenden Exemplar das zwergenhafte Geschirr, das zu seinem Behältnis in keinem inhaltlichen Zusammenhang steht, mit diesem aber als Kuriosum wohl immer vereinigt war. Die Spirale mit dem Aufsatz war sicher Teil eines grösseren Ganzen, denn vermutlich handelt es sich bei diesem fusslosen Miniaturpokal um die Deckelbekrönung eines Pokals. Spiralen dieser Art finden sich häufig in Pokalschäften oder -deckeln, deren oberster Abschluss oft eine besondere Spielerei birgt (Gundestrup 1991, I, S. 263–265). Eine ähnliche Spirale stützt die Contrefait-Kugel an dem grösseren der beiden Elfenbein-Deckelpokale des Historischen Museums Basel (Inv. 1882.91.). In einem anderen Fall bewahrt nicht der Deckel, sondern der Standfuss einer Contrefait-Kugel in den Stiftssammlungen von Kremsmünster eine Vielzahl von miniaturhaften Haushaltsgegenständen (Philippovich 1982, S. 417–419, s. a. Hartmann 1998, S. 66).
Wie häufig bei Elfenbeinarbeiten und auch bei den beiden Basler Pokalen ist die Datierung und Lokalisierung dieses Aufsatzes schwierig, hier vermehrt noch durch das Fehlen konkreter stilistischer Charakteristika. Das erwähnte Kunstkammerstück in Kremsmünster wird der Nürnberger Drechslerfamilie Zick zugeschrieben. Wegen der im Vergleich zu anderen Elfenbeinarbeiten schlichten Formen ist für das vorliegende Fragment derzeit eine Entstehung in Deutschland in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, möglicherweise aber auch später anzusetzen.