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Und jetzt kommt diese neue «Odyssee», zu der Joyce ein wunderbares Sprungbrett darstellt. «Eine Odyssee» von Daniel Mendelsohn, amerikanischer Autor jüdischer Abstammung, Chefredaktor der «New York Times Review of Books».
Das Buch, 2017 im Original, 2019 auf deutsch erschienen, trägt den Untertitel «Mein Vater, ein Epos und ich» (im Original allerdings knuspriger als «A Father, a Son and an Epic» geschrieben.
Es setzt damit ein, dass der schweigsame, 81-jährige pensionierte Mathematiker Jay Mendelsohn beschliesst, ins universitäre Seminar seines Sohnes Daniel über die «Odyssee» zu sitzen. Da sitzt er nun, etwas abseits, grantig und grummelig, ein wenig Leopold Bloom aus «Ulysses», während sein Sohn versucht, 15 junge Erwachsene für den griechischen Klassiker zu begeistern. Die wenigen Interventionen des Alten gleichen in den Augen seines Sohnes Katastrophen, doch die Studenten sind begeistert. Philosophie und literarische Theorie reiben sich an Lebensweisheit. Vor allem aber reiben sich die Generationen aneinander, genauso, wie sie es in der «Odyssee» auch tun.
Was heisst Vater sein, was Sohn? Je länger das Semester dauert, umso mehr erweist sich die Odyssee als Meisterwerk, das die existentiellen Fragen vorausformuliert und die Geschichte von Annäherung, Prüfung, Wahrhaftigkeit und Eltern- wie Sohnesliebe längst niedergeschrieben hat. «Eine Odyssee» verwebt so auf witzige und unterhaltsame Weise zwei Texte: Homers Epos und die Familiengeschichte der Mendelsohn, die auch nicht ohne ist.
Das Ergebnis ist eine Kreuzfahrt auf den Spuren von Odysseus, die Vater und Sohn gemeinsam absolvieren, nicht ohne weitere Überraschung.