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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1999 von Peter Ziegler
STOCKEN – EIN RODUNGSNAME
Der Weiler Stocken liegt im westlichen Abschnitt des Wädenswiler Bergs, in einer sanften Geländemulde der Moränenlandschaft, rund 577 Meter über Meer. Für Alteingesessene ist Stocken das Zentrum des Hinterbergs, im Gegensatz zur Langrüti, die als Vorderberg bezeichnet wird.
Der Name «Stocken» ist ein Rodungsname, abgeleitet von Baumstock oder Wurzelstock. Er gehört in eine Reihe von hochmittelalterlichen Flurnamen, die sich auf der Terrasse ob der A3, zwischen Gerenholz und Sackholz beim Aabach-Weiher, erhalten haben. Möglicherweise bereits unter dem Einfluss des Zisterzienserklosters Wettingen und sicher der Johanniterkommende Wädenswil wurden hier vom 13. bis 16. Jahrhundert grössere Waldflächen gerodet und das urbar gemachte Land zur Anlage von Höfen und für den Ackerbau genutzt. Der Name Langrüti für ein langgestrecktes Rodungsgebiet ist − für 1342 erstmals bezeugt.1 Schon 1270 wird der Hof Herrlisberg (Hergesberch) erwähnt2, für den sich seit 1347 die Johanniterkomturei als Eigentümerin nachweisen lässt.3 Aus diesem zwischen Wendel und Stocken gelegenen Grosshof wurden um 1450 der Hof Widen4, um 1483 der Furthof5 und ebenfalls um 1483 vom Widen-Hof die Oedischwänd abgespalten.6 Während der Name Widen auf «Widum» (= das Gewidmete) zurückgeht, das heisst einen Hof bezeichnete, dessen Nutzen der Kirche zufloss, bezeichnete Oedischwänd einen Platz, der mitten aus dem Wald herausgehauen wurde. 1420 ist erstmals die Rede vom Lehenhof Luggenbüel der Johanniterkomturei Wädenswil.7 Kurz zuvor muss auch die Besiedlung auf Stocken eingesetzt haben, denn dieser Hof wird 1413 zum ersten Mal genannt.8 Einiges älter waren zwei weiter westlich gelegene Höfe: Der verschwundene Hof Schründlen «scrundeln») in der Gegend des heutigen Autobahnstützpunktes der A3 taucht 1310 erstmals in den Urkunden auf;9 der Burstel («burgstal») ist seit 1318 nachweisbar.10 Der Hof (Vordere) Rüti schliesslich, auch hier liegt ein Rodungsname vor, wird erstmals 1555 in den Kirchenurbaren erwähnt, dürfte aber älter sein.11
Stocken und weitere Höfe im Hinterberg. Ausschnitt aus der Zürcher Kantonskarte von Hans Conrad Gyger von 1667.
FAMILIE HÖHN AUF STOCKEN
Seit Generationen wohnt die Familie Höhn auf Stocken. 1464 kam es zum Streit zwischen Peter Höhn, dem Besitzer des Stocken-Hofs, und Walter von Bussnang, dem Komtur des Johanniterhauses Wädenswil, wegen der Ablieferung des Zehnten. Die Differenzen wurden dadurch beseitigt, dass Peter Höhn sich verpflichtete, fortan den Johannitern den Zehnten von seinem Gut wieder zu bezahlen.12
Für das Jahr 1550 lässt sich Richter Egolf Höhn als Besitzer des Hofes Stocken nachweisen. Sein Viehzüchterhof grenzte an die Oedischwänd-Güter der Familie Hofmann, an die Höfe Kotten und Luggenbüel sowie an das Waggital («Waggenthal») und lieferte ganzjährig Futter für 20 Kühe.13 Damit zählte Stocken zu den grössten Viehzüchterhöfen der Gegend. Dreissig Haupt gab es 1528 auf dem Zweierhof, 25 im Jahre 1576 auf dem Hof Schwarzenbach und ebenfalls zwanzig 1566 in der Gisenrüti.14 1568 wird in einer Grenzbeschreibung des Hofes von Werner Isler im Waggital ein Hans Höhn als Eigentümer des Bauernhofes Stocken genannt.15 Für 1592 ist dann Uli Höhn bezeugt. Sein Besitz umfasste damals ein Haus, eine Scheune, einen Heugaden, Äcker, Wiesen, Wald und Weiden und war gross genug, um 17 Kühe zu halten. Die Grenzbeschreibungen sind gegenüber früheren Aufzeichnungen detaillierter. Sie belegen, dass in der Zwischenzeit in der Umgebung weitere Bauernhöfe entstanden sind. So werden als Anstösser neu Kleinhans Trinklers Hof auf der Aahalde («Aahalten»), Heini Höhns Burstel-Hof und der Kalchtaren-Hof der Familie Pfister angeführt.16
BLOCKBAU VON 1584
Ältester Bau der Siedlung Stocken, die sich haufendorfartig um eine Strassenkreuzung und Wegäste gruppiert, ist das quer zum First geteilte Doppelbauernhaus Vers.-Nrn. 1431/1432. Wegen seiner im Raum Wädenswil selten gewordenen Blockbaukonstruktion kommt ihm hohe kulturhistorische Bedeutung zu. Das Gebäude gilt daher seit 1979 als kantonales Denkmalschutzobjekt.
Der Blockbau, dem auf der Nordseite ein Schleppdachanbau angefügt worden ist, erhebt sich über leicht erhöhtem Kellergeschoss mit zwei Vollgeschossen und wird von einem Satteldach mit offenen Untersichten und Biberschwanzziegeln gedeckt. Auf der Südseite sind Aufschieblinge und Flugpfette sichtbar, auf der Ostseite zwei Flugsparrendreiecke mit verzierten Hängesäulen.
Wohnhaus Vers.-Nrn. 1431/1432 von 1584/1787. Ansicht der Giebelfassade mit seitlichem Anbau. Aufnahme von 1979.
Die östliche Giebelseite, ein Vierkantholzblock mit vorkragend verbrettertem Giebelfeld, zeigt gekuppelte oder hochrechteckige Einzelfenster und ein Kellerportal mit Bohlentüre. Die westliche Giebelwand ist in Bruchsteinmauerwerk ausgeführt, Die mit Sandsteingewänden gefassten Fenster weisen waagrechte Verdachungen auf. Der eingeschossige, massiv konstruierte Anbau an der Südecke − ursprünglich ein Schweinestall − trägt ein Satteldach.
Schaufassade ist die zum Zier- und Nutzgarten ausgerichtete südliche Traufseite − teils als Vierkantholzblock sichtbar, teils verbrettert − mit den Eingängen zu den beiden Wohnungen. Das Erdgeschoss zeigt Reihenfenster mit Sprossenteilung, ostseits noch mit profilierter, durchlaufender Fensterbank. Vor dem massiv gemauerten Anbau mit Schleppdach auf der nördlichen Traufseite erhebt sich eine geländerlose Steintreppe. die zu den gekuppelten Sandsteinportalen mit gekehlten und verzierten Gewänden führt. Unter dem Podest befindet sich der Kellerzugang.
Der Gang in beiden Hausteilen und beiden Geschossen weist Bohlenwände auf. In den zwei Stuben des Erdgeschosses sind neben Riemenböden und Türen mit Beschlagwerk auch Kachelöfen erhalten. Der ältere, mit Holzstiege, trägt die Inschrift «HHK 1707», ein Hinweis auf den Horgner Hafner Hans Heinrich Kölliker.17 Der jüngere Ofen in der an dem Stube, mit grün patronierten Kacheln aus der Werkstatt von Rudolf Margstaller, enthält eine von 1774 datierte Allianzkachel mit Inschrift «Rudolf Pfister». In der seIben Stube findet sich ein Einbauschrank mit Uhrgehäuse sowie ein Eckkästchen aus Nussbaumholz aus den 1840er Jahren.
Kranzkachel von 1774 mit Hafnersignatur von «Rudollff Margstaller» in Ebertswil.
Im und am Haus angebrachte Jahreszahlen geben Hinweise auf das Alter und die verschiedenen Bauetappen des kunsthistorisch bedeutenden Blockbaus im Weiler Stocken. Gemäss Datierung an einem Balken im Hausflur stammt der Kernbau − der seeseitige Teil − aus dem Jahre 1584. Es war die Zeit, da einzig die Familie Höhn auf Stocken wohnte, die folglich als Bauherrin anzusehen ist. Der Sturz der Gangtüre zwischen dem ehemaligen Wohnteil und dem Anbau auf der Bergseite trägt das Datum 1707. Damit dürfte die Hauserweiterung zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfolgt sein. Der Schleppdachanbau wurde noch später hinzugefügt, findet man doch im westlichen Türsturz der Nordseite die Jahreszahl 1787. Der Schweinestallanbau an der Südecke lässt sich in den Lagerbüchern der Brandassekuranz erstmals 1895 belegen.
Wohnhaus Vers.-Nrn. 1431/1432. Türsturz in der Nordfassade des Schleppdach-Anbaus, datiert 1787.
FAMILIEN PFISTER AUF STOCKEN
Laut Bevölkerungsverzeichnis von 1634 wohnten damals im Weiler Stocken drei Familien. Es waren dies: Hans Pfister mit seiner Frau Cathrin geb. Höhn und der Kindern Hans und Annali; Rudolf Pfister mit Gattin Anna geb. Landis und dem Sohn Hans Jagli sowie Egolf Höhns Witwe Barbel, geb. Frey, mit den Kindern Hans, EIsbethli und Annali.18 Zur ursprünglich einzig auf Stocken ansässigen Familie Höhn kam in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts als zweite die Familie Pfister. Sie war hier gar zahlreicher vertreten als das Geschlecht Höhn. Die Familie des Rudolf Pfister-Landis war 1654 bereits auf neun Kinder angewachsen, während andererseits auf Stocken nur noch die 1594 geborene Cathrin Höhn mit den erwachsenen Kindern Verena und Rudolf sowie die Familie von Hans und Regula Höhn-Ammann mit dem Säugling Hans wohnten. Der das Verzeichnis führende Pfarrer vermerkte bei Cathrin, Verena und Rudolf Höhn, sie seien Täufer.19
Noch mehr Familien hausten 1687 auf Stocken, nämlich jene von Hans und Anna Pfister-Rusterholz, Jakob und Verena Pfister-Brupbacher, Caspar und Barbel Pfister-Höhn, Hans Jakob und Elsbeth Pfister-Herdener, Hans und Elisabeth Höhn-Knabenhans, Hans Rudolf und Elsbeth Höhn-Schärer. Im Weiteren wurden hier noch Rudolf Pfisters Witwe Susanna geb. Eschmann mit zwei Kindern sowie die ledigen Heinrich Pfister und Hans Höhn registriert.20
DOPPELWOHNHAUS VERS.-NRN. 1431/1432
Parallel mit diesem Bevölkerungsanstieg − 1687 wurden 29 Personen erfasst − kam es auf Stocken zu Hausteilungen und Hauserweiterungen, die in den Grundprotokollen fassbar werden. So für den Blockbau von 1584. Die Eigentümer des wohl ältesten noch erhaltenen Wohnhauses auf Stocken, Vers.-Nrn. 1431/1432, lassen sich in den Grundprotokollen erst seit Martini 1737 belegen. Damals besassen Hans Jakob und Barbara Höhn-Pfister den oberen Hausteil und Rudolf Pfister den untern.21 1744 konnte Rudolf Pfister von einem Zugrecht Gebrauch machen und Hans Jakob Höhns Anteil erwerben. Er wurde damit Eigentümer der Gesamtliegenschaft, wie nach ihm 1750 Uli Pfister.22
1776 kam der Althof Stocken von der Familie Pfister wieder an die Familie Höhn. 1783 war Schützenmeister Heinrich Höhn − ein Bruder des Landrichters Rudolf Höhn im Bachgaden − dessen Eigentümer.23 Nach seinem Ableben kam es 1826 zur Erbteilung. Die Töchter Barbara Höhn-Höhn in Neuhof. Margaretha Hofmann-Höhn in Luggenbüel, Catharina Zollinger-Höhn ob dem Schloss, Jakob Höhn im Chüefer und Lehrer Caspar Höhn in Kilchberg wurden ausgekauft, und die Söhne Heinrich, Johannes und Conrad teilten die väterlichen Liegenschaften unter sich auf.24 Johannes Höhn übernahm die obere Hälfte des Wohnhauses Vers.-Nrn. 1433/1434.
Wohnhaus Vers.-Nrn. 1431/1432. Nordwestansicht mit Anbau von 1787. Der 1895 erstellte Schweinestall-Anbau dient heute als Garage. Aufnahme von 1976.
Friedensrichter Heinrich und Lehrer Conrad Höhn teilten sich ins Doppelhaus Vers.-Nrn. 1431/1432 samt Trotthaus, Scheune und Land. Bei dieser Ausscheidung erhielt Heinrich die untere Haushälfte mit einer Stube, einer Küche, drei Kammern und einer Winde. Bereits 1847 konnte indessen Lehrer und Sittenrichter Conrad Höhn den angrenzenden Hausteil von seinem Neffen käuflich erwerben und wurde so Eigentümer der gesamten Liegenschaft.25 Für 1864 lassen sich der Tochtermann Jakob Höhn aus dem Bachgaden, 1872 Landwirt Heinrich Hitz und 1905 dessen gleichnamiger Sohn als neue Besitzer des Althofes Stocken nachweisen.26 Anlässlich der letzter Handänderung wird der Schweinestallanbau am oberen Hausteil erwähnt, während andererseits das 1872 registrierte, zur untere Haushälfte gehörende Waschhaus nicht mehr aufgeführt ist.
Stocken. Ausschnitt aus dem Topografischen Atlas des Kantons Zürich (Wildkarte), um 1850.
Von 1936 bis 1989 teilten sich erneut zwei Eigentümer in den Besitz des Doppelwohnhauses. Dann konnte Felix Waldmeier-Hauser, seit 1997 Inhaber des untern Hausteils, auch die obere Haushälfte erwerben und damit die ursprüngliche Einheit wiederherstellen.
TROTTE UND HAUS VERS.-NR. 1430
Zum heutigen Haus Vers.-Nrn. 1431/ 1432 gehörte eine Trotte, die 1826 Landrichter Höhns Erben zustand und 1829 je zur Hälfte Friedensrichter Heinrich Höhn und Lehrer Conrad Höhn. Heinrich Höhn liess 1835 in seinem Anteil eine Wohnung mit Waschhaus einbauen. Jakob Höhn, seit 1864 Besitzer des ganzen Gebäudes, beseitigte in diesem Jahr das Trottwerk. Seit 1895 ist die ehemalige Trotte bei der Brandassekuranz als Wohnhaus Vers.-Nr. 1430 registriert.27
DOPPELWOHNHAUS VERS.-NRN. 1433/1434
Südlich der Waggitalstrasse steht ein weiteres altes Doppelwohnhaus. Es ist Zentrum eines Hofes, der sich nicht genau datieren lässt, aber ebenfalls ein beträchtliches Alter aufweist. Das Land, auf dem sich das Hauptgebäude erhebt, war noch 1719 mit Hypotheken belastet, die 1562, 1564 und 1580 aufgenommen worden waren.28
1715 lässt sich dieser Hof in den Grundprotokollen erstmals genauer belegen. Das Wohnhaus war damals bereits in zwei Haushaltungen aufgeteilt, von denen die eine einem Hans Rudolf Pfister gehörte. Zu seinem Besitz zählten eine Scheune, der vierte Teil eines Speichers sowie Garten-, Matt- und Weideland, das zwei Kühen ganzjährig Futter liefern konnte.
Doppelwohnhaus Vers.-Nrn. 1433/1434. Südostfassade. Aufnahme von 1976.
Am 24. Mai 1758 erwarb Hans Heinrich Rusterholz aus dem Grindel (heut Neutal) von den Erben des Johannes Pfister die untere Haushälfte, samt einem halben Speicher mit halbem Schweinestall und halber Trotte darunter und wurde Nachbar von Jakob Pfister im oberen Hausteil.29 Jakob Pfister begab sich dann in französische Dienste, weshalb sein Stiefvater, Geschworener Jakob Höhn im Ort, den oberen Hausteil samt Nebenbauten und Umschwung im Herbst 1810 auf die Gant brachte, wo der Besitz alt Landrichter Heinrich Höhn zugeschlagen wurde. Die detaillierte Beschreibung zeigt, was alles zum oberen Hofteil gehörte: eine Matte mit Ried hinterhalb der Scheune, die Breitmatt mit einer Scheune darin, die Hausweide, Weide und Wald hinterhalb der Schlieregg, Wald im Rinderholz, Weide und Holz ausserhalb Spitzen, ferner ein Viertel Anteil an der Sennhütte Stocken.30
Der obere Hofteil gehörte 1826 Landrichter Heinrich Höhns Erben, 1829 Johannes Höhn und 1869 dem jüngeren Jakob Höhn.31
Bald wechselte auch der untere Hausteil den Besitzer. Im November 1825 verkaufte Heinrich Rusterholz sein Eigentum dem Vetter Hans Jakob Hofmann, Vieharzt im Oedischwänd, und zwar in dem Umfang, wie es sein Grossvater laut Kaufbrief vom 24. Mai 1758 erworben hatte.32 Jakob Hofmanns halber Hof gehörte nach einer Handänderung 1841 Heinrich Stocker, 1855 Jakob Stocker und 1868 dem jüngeren Jakob Höhn, der sich seit 1869 als Eigentümer des Gesamthofes belegen lässt. Dazu gehörte immer noch die Scheune Vers.-Nrn. 1427/ 1428. Die 1818 anstelle eines Vorgängerbaus erstellte Scheune Vers.-Nr. 1438 dagegen war 1855 an Albert Mantel verkauft worden; eine zweite Scheune (Vers.-Nr. 474f) war am 12. Februar 1867 abgebrannt.33
Das Doppelwohnhaus Vers.-Nrn. 1433/1434 ist ein eigenwilliger Gebäudekomplex. Entstanden ist er aus einem ortsüblichen traufbetonten, quer zum First geteilten Doppelwohnhaus des 17./18. Jahrhunderts durch An- und Umbauten im 19. Jahrhundert. Der nordöstliche Teil (Vers.-Nr. 1433) ist noch vorwiegend in Holzbauweise erhalten. Südost- und Nordostfassade zeigen einen Schindelschirm und Fenster mit verschindelten Wetterschutzdächlein und Zahnschnittfries. Das südwestliche Haus Vers.-Nr. 1434 dagegen ist weitgehend in Mauerwerk erstellt. Im Türsturz des klassizistisch geprägten Eingangs steht die Jahreszahl 1828. In diesem Jahr wurde der südwestliche Hausteil zu einem Massivbau mit zwei Wohnungen umgestaltet.
Teil des Hof-Ensembles ist das zweigeschossige Waschhaus Vers. Nr. 1436 mit massivem Erdgeschoss, bretterverschaltem Obergeschoss und Satteldach mit Biberschwanzeindeckung. Es wurde 1863 gegenüber dem Wohnhaus erstellt. Auf der Ostseite des Wohnhauses steht der eingeschossige, gemauerte Schweinestall Vers.-Nr. 1435. Er stammt vermutlich aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Die 1819 gebaute Scheune Vers.-Nr. 1437 erhebt sich weiter südlich. Der langgestreckte Komplex mit westlichem Quergiebelanbau unter höherem First ist auf den Stocken-Weg ausgerichtet.34
Doppelwohnhaus Vers.-Nrn. 1433/1434. Hofansicht von Südwesten. Links das Waschhaus, Vers.-Nr. 1436, rechts das Schweinestallgebäude, Vers.-Nr. 1435. Aufnahme von 1976.
SENNHÜTTE VERS.-NR. 1429A
Zum oberen Hof gehörte die seit 1744 in den Grundprotokollen belegte Sennhütte Stocken Vers-Nr. 1429a. 1826 stand deren Nutzung je zur Hälfte alt Landrichter Heinrich Höhns Erben und Jakob Hofmann zu. 1829 konnten bereits vier Einwohner des Weilers Stocken hier Nutzungsrechte geltend machen. Es besassen: Johannes Höhn ½, Jakob Hofmann ¼, Leutnant Heinrich Höhn und Lehrer Caspar Höhn je 1/8. Im Jahre 1869 zeigte sich noch eine grössere Aufsplitterung: Damals standen dem jüngeren Jakob Höhn 3/8, Jakob Höhn 2/8 sowie Albert Höhn, Heinrich Stocker und Rudolf Stocker je 1/8 Anteil zu.35
VON DER WOHNSTUBE ZUM ERSTEN SCHULHAUS
Bis 1716 besuchten die Kinder des Weilers Stocken entweder die Schule Mittelberg oder die Dorfschule in Wädenswil. Dann wurde mit Unterstützung des Stillstandes (Kirchenpflege) in einem Privathaus in der Mittleren Chalchtaren eine Winterschule für den Berg geschaffen. Hier unterrichtete zuletzt Schulmeister Hans Jacob Pfister-Bär (1740–1818).36 Nach dessen Tod wollten die Erben das Haus nicht mehr zu Schulzwecken hergeben. Darum entschloss sich die Schulgenossenschaft Stocken zum Bau eines Schulhauses. Eine Kommission von zwölf Mitgliedern erhielt den Auftrag, einen Bauplatz zu suchen und Baupläne anfertigen zu lassen. Sie unterbreitete das von Zimmermann Bachmann in Wädenswil ausgearbeitete Projekt der Schulgemeindeversammlung, wo es «mit jauchzendem Gewühl» verworfen wurde. Mit 48 gegen 22 Stimmen drängten die Sparer auf eine einfachere und damit billigere Baute.
Erstes Schulhaus der bis 1925 selbständigen Schulgemeinde Stocken, erbaut 1818, seit 1908 Wohnhaus.
Die unterlegene Minderheit, darunter angesehene Bürger, wandte sich nach dem unerfreulichen Ausgang der Abstimmung an den Erziehungsrat des Kantons Zürich und rief ihn als Schiedsrichter an. Mit freundlichem Zureden schlug dieser der Schulgemeinde vor, nach dem Plan des Zürcher Architekten Hans Conrad Stadler zu bauen, was gutgeheissen wurde. Zimmermeister Bachmann übernahm die Ausführung des Baus (Vers.-Nr. 1425) und vollendete ihn im November 1818.
Da Lehrer Conrad Höhn den Bauplatz samt Garten geschenkt hatte und Schützenmeister Kaspar Hofmann auf Luggenbüel den Sand und die Steine sehr billig lieferte, konnten die Baukosten gesenkt werden. Bereits in den 1830er Jahren führte Stocken im Schulhaus, das 1908 einem Privaten verkauft wurde und seither ausschliesslich für Wohnzwecke genutzt wird, auch eine eigene Arbeitsschule.
Stocken. Ausschnitt aus der Karte der Gemeinde Wädenswil und Umgebung aus dem Jahre 1903.
Schon 1898 war Raummangel im alten Schulhaus Stocken. Baumeister Emil Kellersberger erhielt darum am 30. März 1899 den Auftrag, Skizzen für ein neues Schulhaus mit zwei Klassenzimmern, einem Arbeitsschulzimmer und zwei Lehrerwohnungen auszuarbeiten. Da die Standortfrage Schwierigkeiten bereitete − manche Schulgenossen hätten den Neubau lieber in der Nähe von Oedischwänd gesehen oder gar mit Langrüti kombiniert − wurde das Bauvorhaben hinausgeschoben. Dann schaltete sich am 4. Juni 1904 die Bezirksschulpflege ein und verlangte, dass angesichts der 83 schulpflichtigen Kinder mit dem Bau eines neuen Schulhauses nicht mehr länger zugewartet werde. Nur so könne die bisherige Gesamtschule in zwei Abteilungen − Unterstufe und Mittelstufe / Oberstufe − aufgeteilt werden.
1908: EIN NEUES SCHULHAUS BEZUGSBEREIT
Bis 31. März 1905 hatte die Schulpflege Pläne für einen Neubau vorzulegen und den Standort zu bestimmen. Im Auftrag der Baukommission erarbeitete der Wädenswiler Architekt Paul Hürlimann ein Projekt für ein Schulhaus mit zwei Klassenzimmern, einem Arbeitsschulzimmer und zwei Lehrerwohnungen. Der Vorschlag befriedigte indessen nicht, und so griff man auf die Pläne von Baumeister Kellersberger aus dem Jahre 1899 zurück. Die Schulgemeindeversammlung vom 23. September 1906 erteilte den Baukredit von 80‘000 Franken.
Die Baupläne wurden der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich zur Genehmigung eingereicht. Der mit der Planprüfung beauftragte Kantonsbaumeister Hermann Fietz fand, die gesetzlichen Vorschriften seien zwar alle erfüllt, doch passe der Neubau mit seinen monumentalen Formen nicht in die Landschaft. Er reichte ein eigenes Projekt ein, das die Schulgemeinde Stocken am 10. März 1907 bewilligte, zusammen mit einem Nachtragskredit von 35‘000 Franken. Der Neubau (Vers.-Nr. 1821) kam im Oktober 1907 unter Dach, konnte auf den 1. Mai 1908 bezogen und am 6. Juli 1908 eingeweiht werden.37
Das vom damals modernen Jugendstil geprägte typische neue Landschulhaus auf Stocken − mit Dachreiter für Turmuhr und drei Glocken − fand weit über Wädenswil hinaus Beachtung. Henry Baudin würdigte den für zwei Klassen zu je 60 Knaben und Mädchen berechneten Schulhausbau sogar in seiner 1917 in Genf erschienenen Schrift «Les nouvelles constructions scolaires en Suisse». Er lobte den rechteckigen Grundriss mit den zwei Klassenzimmern und dem vorgebauten Eingangstrakt mit den Toiletten im Erdgeschoss sowie der Fünfzimmerwohnung in der ersten Etage. Weiter hob er hervor, man finde im Untergeschoss ein Handarbeitszimmer und einen 11,2 x 7,25 Meter messenden Turnraum, und im ganzen Haus sei eine Zentralheizung mit Heisswassersystem installiert. Abschliessend schreibt Baudin: «Avec ses volets verts qui égaient ses façades claires, son porche d'entréeà arcade, sa toiture en tuiles rouges, agrémentée par le pignon de l'annexe et le clocheton à horloge, cette pittoresque maison d'école, qui ressemble à une habitation privée, plaît par son caractère de simplicité et de bonhomie.»
1925: AUFHEBUNG DER SCHULGEMEINDE STOCKEN
Die Sektionen Stocken, Langrüti und Ort (Au) waren ursprünglich selbständige Schulgemeinden mit eigener Gemeindeversammlung, eigenen Schulhäusern und eigenem Budget. Gemäss Beschluss des Kantonsrates vom 28. September 1925 mussten sie sich auf 1. Januar 1926 mit der Dorfsektion zur selbständigen Primarschulgemeinde Wädenswil vereinigen. Und diese wiederum wurde 1944 mit der Politischen Gemeinde Wädenswil verschmolzen. Anlässlich einer Feier im «Engel» wurde das Schulhaus Stocken am 29. Dezember 1925 der Gemeinde Wädenswil als Geschenk übergeben.38
KINDERGARTEN STOCKEN
Auf einem eigens dafür erworbenen Grundstück liess die Gemeinde Wädenswil im Jahre 1967 einen Pavillon für einen Kindergarten erstellen. Vor allem von den Kindern aus dem Hinterberg wurde er rege benützt. 1989 lohnte sich eine Reparatur nicht mehr. Auf Antrag der Primarschulpflege beschloss daher der Gemeinderat im Jahre 1989, den alten Pavillon durch ein neues Gebäude in Festbauweise zu ersetzen. Es wurde am 9. Dezember 1989 eingeweiht.39 Der eingeschossige, winkeIförmige Bau mit Sparrendach passt sich gut in die ländliche Gegend ein. Er enthält ausser dem Raum für den Kindergarten je einen Mehrzweck-, Geräte-, Material- und Putzraum, ferner eine Garderobe, Toilettenanlagen sowie im Untergeschoss einen Zivilschutzraum mit hundert Plätzen für die Sektion Stocken.
1997/98: RENOVATION DES SCHULHAUSES
Das Schulhaus Stocken, ein zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Walmdach und zentralem Dachreiter mit Uhr, ist ein typisches ländliches Jugendstil-Schulhaus.
Zum Walmdach gehören geknickte Dachflächen mit Biberschwanzziegel-Eindeckung sowie Schlepp- und Fledermausgauben. Erschlossen wird der Bau auf der Südwestseite über eine breite Freitreppe und eine kreuzgewölbte Vorhalle mit Bogenöffnung. 1995 enthielt er im Erdgeschoss zwei Schulzimmer, im oberen Geschoss zwei Vierzimmerwohnungen, im Dachgeschoss ein Handarbeitszimmer, ein Lehrerzimmer, zwei Mansardenzimmer und im Untergeschoss Turnkeller und Waschküche.40
Auf erhöhter, exponierter Lage erstellt, setzt das Schulhaus nicht nur im Weiler Stocken, sondern auch in der weiteren Umgebung einen markanten baulichen Akzent. Das Schulhaus wurde daher im Juli 1985 als Schutzobjekt von kommunaler Bedeutung inventarisiert. Die Gesamtrenovation, für welche der Gemeinderat am 7. April 1997 einen Bruttokredit von 1‘564‘000 Franken bewilligte, hatte nach Grundsätzen der Denkmalpflege zu erfolgen. Das Dach wurde neu gedeckt und isoliert, der Deckputz der Fassaden ersetzt, sanitäre Einrichtungen und elektrische Anlagen wurden saniert, und im Keller richtete man einen Werkenraum ein. Am 29. August 1998 konnte das renovierte Schulhaus Stocken wieder festlich eingeweiht werden. Es werden hier weiterhin zwei Mehrklassenabteilungen (1. bis 3. und 4.-6. Klasse) unterrichtet, und wie bis anhin stehen der Bevölkerung des Hinterbergs im renovierten Gebäude Räume zur Verfügung, die für Vereinsarbeit sowie für kirchliche und kulturelle Anlässe genutzt werden können.41
Das 1907/08 erbaute Schulhaus Stocken wurde 1998 einer Gesamtrenovation unterzogen. Ansicht von Westen 1999.
PROFILIERTE LEHRER
Die Lehrer, die auf Stocken unterrichteten, blieben ihrer Schule über Jahre und Jahrzehnte treu. Dadurch prägten sie die Bevölkerung des Hinterbergs in hohem Masse. Dreier verstorbener Lehrer sei hier besonders gedacht.
Salomon Grob,
Bürger von Hirzel, wurde 1864 an die Schule Stocken gewählt. Sekundarlehrer Johann Heinrich Kägi würdigte ihn in seiner 1867 erschienenen «Geschichte der Herrschaft und Gemeinde Wädensweil» mit folgenden Worten: «Stocken hat in diesem Manne gefunden, was es wünschte, einen still und segensreich wirkenden, gewissenhaften, treuen Lehrer.»42 Und in der Tat:
Salomon Grob unterrichtete hier bis im Frühling 1904 und übersiedelte dann nach Kilchberg. Ernst Höhn, einer der ältesten Einwohner der Sektion Stocken, ging noch bei Salomon Grob zur Schule und erinnerte sich 1982: «Eine Attraktion war das Tintenchübeli-Waschen, das durfte beileibe nicht am Schulbrunnen geschehen, dazu ging man, meist ein paar zusammen, an den alten Feuerweiher etwa 30 bis 40 Meter hinterhalb Waldmeiers Scheune und hatte dort meist reichlich lange, bis die Chübeli sauber waren. Wenn ich mich nicht irre, war jeweils am Freitag die letzte Stunde Singen; da konnte der Lehrer zu den etwa 80 übrigen Schülern uns Erstklässler nicht gebrauchen und schickte uns heim, von den Achtklässlerbuben waren meist einige, die sagten, sie hätten den Stimmbruch. Sie wurden somit auch vom Singen dispensiert, mussten aber dafür den Schulplatz wischen. Wir Erstklässler hielten uns heimlich versteckt, um im gegebenen Moment wieder Güsel und Steine auf den sauberen Platz zu werfen, suchten dann aber schleunigst das Weite. Am Mittwoch und am Samstag nach Schulschluss musste das Schulzimmer geputzt werden. Von einem Schulabwart wusste man dazumal noch nichts; das war Sache des Lehrers unter Mithilfe der Schüler. Lehrer Grob nahm dann jeweils zwei Trichter mit Wasser in die Hände, marschierte zwischen den Bankreihen durch und liess dabei immer etwas Wasser auf den Boden tropfen, damit die Mädchen beim nachfolgenden Wischen nicht zu viel Staub aufwarfen.
Wandbrunnen am alten Schulhaus Stocken. Hier wurden keine «Tintenchübeli» gewaschen.
In Bezug aufs Strafverfahren gegen widersetzliche Schüler war Lehrer Grob sehr gelinde; nur im äussersten Fall spedierte er sie ins Straflokal, den Loli in der obersten Schulhauswinde. Aber dann hatte meist die Lehrersfrau wieder Erbarmen mit den Sträflingen und brachte ihnen von ihren selbst gemachten Nidelzeltli.» 43
Lehrer Salomon Grob unterrichtete bis zum Frühling 1904 acht Klassen im seIben Schulzimmer. Dann ging er in Pension, übersiedelte nach Kilchberg und verbrachte schliesslich seinen Lebensabend bei seinem Sohn in Fällanden. Auf Salomon Grob folgten in Stocken je für zwei Jahre zuerst Emil Bosshard, dann Max Hartmann. Die grosse Schülerzahl überforderte die Lehrer; eine Aufteilung in zwei Klassen drängte sich auf. Sie wurde möglich nach der Einweihung des neuen Schulhauses im Jahre 1908. Und auf diesen Zeitpunkt trat hier ein Lehrer sein Amt an, der für die nächsten vierzig Jahre im Landschulhaus Stocken unterrichten sollte: Gottfried Gretler.
Gottfried Gretler,
1880 in Adetswil/Bauma geboren, schloss im Jahre 1900 am Evangelischen Seminar Unterstrass die Ausbildung zum Primarlehrer ab und erhielt eine erste Stelle in Dickbuch bei Elgg. Im Sommer 1907 verheiratete er sich mit der Schneiderin Adele Peter aus Zürich-Unterstrass und zog mit ihr 1908 in eine der beiden Lehrerwohnungen im neuen Schulhaus Stocken ein.44 Hermann Schweizer erinnerte sich an Gretlers Schulbetrieb: «Auf freie Art brachte er seinen Viert- bis Sechstklässlern, zu denen sich bis 1926 auch noch die Schüler der Oberstufe gesellten, die Elemente der Sprache und des Rechnens bei, liess Intelligente fröhlich nach dem Rechenbuch vorausarbeiten oder konnte seinen Schulkindern während einer vollen Stunde die Schlacht bei Sempach schildern. Jeden Montag und Donnerstag gab es Hände-, Hals-, Ohren- und Taschentuchkontrolle, und den Schul- und Heimweg überwachte der schmunzelnde Gestrenge oft aus den Schulhausfenstern auf dem Feldherrenhügel.»45
Das Lehrerehepaar Gottfried und Adele Greter-Peter wohnte und wirkte von 1908 bis 1948 im neuen Schulhaus Stocken.
Gottfried Gretler war auch als Mundartdichter tätig. Seine Verse für Kinder, die er 1910 unter dem Titel «Jugedzit» im Selbstverlag herausbrachte, zeigen, wie sehr er sich als Lehrer in seine Schüler einzufühlen vermochte. Zur Schulweihnacht verfasste er Jahr für Jahr Verse. Und er schmiedete solche für Familienanlässe seiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler auf Bestellung, was meist mit einem Kistchen Brissagos honoriert wurde. Als 1925 durchsickerte, die Aufhebung der selbständigen Schulgemeinde Stocken werde kommen, verfasste Genfried Greller zur Schulvereinigung mit Wädenswil das Gedicht «D Stöckler Stüraffäre»,46 welches mit den Worten schliesst:
«Ein Herz und eine Seele!
So luutet s Fäschtlied hüt.
Doch glaubi de Herr Rhyner
Singts nüd vo Herze mit.
Ei Schuelgmeind heisst d Parole.
Wie märchenhaft das töönt!
Ob würkli d Säktiöönler
Gliichrangs wie d Dörfler stönd?
Nu ein Herr Präses amtet,
Vom Büro underschtüzt.
Wie schöön am Schuelgmeindshimmel
Das Dreigeschtirn nüd blitzt!
Nu ein Herr Schuelverwalter!
Ob dä zur Zapfeziit
Ächt au wie doo miin alte
Türs Schwiinis z Aabig git?
Eis Psoldigsgsetz für ali!
So hät, mer prophezeit.
Händ ächt die Uniöönleer
Nüd schier echli z viI gseit?
Ei Heftsorte sell no gälte!
Ich cha mich schicke drii
Nu mues di Userwählte
Grad die, wo miir passt sii.
Ein Stüürfuess! Ooni Zwiifel
Stimmt dem no mänge bii.
Nu wirds nüd grad en Dörfler
Und au kän Örtler sii.
So chönnt mer a dem Eine
Ganz Nächte lang go sinne.
Doch überloon ichs Ine,
De Fade wiiter z schpine.»
Ein Hüftleiden zwang Gottfried Gretler in späteren Jahren, seine Schulreisen mit dem Autobus zu unternehmen. Dabei fuhren ebenso viele Erwachsene wie Schüler mit. Als 1941 alle Schülerinnen und Schüler der Primarschule Wädenswil geschlossen aufs Rütli reisten, war es Gretler, der dort die Festansprache hielt.
Da ihre Ehe vorerst kinderlos blieb, nahmen Gottfried und Adele Gretler zwei Pflegetöchter bei sich auf. 1917 wurde dann der eigene Sohn Friedel geboren. Er wurde Pfarrer in Thayngen und hatte vom Vater das Talent zum Dichten geerbt.
1948 trat Gottfried Gretler nach vierzigjährigem Wirken in der Sektion Stocken in den Ruhestand. Er verliess die Lehrerwohnung im Schulhaus und nahm in der Villa Weber an der Einsiedlerstrasse 9 in Wädenswil Wohnsitz. 1951 starb seine Frau Adele und im seIben Jahr auch der Sohn Friedel. Dies knickte den alternden Mann, doch war er bemüht, bei Reisen und Lektüre nicht dem Trübsinn zu verfallen. Lehrer Gretler starb am 21. Februar 1965.
Prägend wirkte in Stocken auch der langjährig hier tätige Primarlehrer Paul Nievergelt (1910–1997)
In Höngg aufgewachsen, besuchte er das Seminar Küsnacht und war zuerst Lehrer an der Primarschule Wiesendangen und darauf Privatlehrer in der Familie eines deutschen Grossgrundbesitzers in Argentinien. 1939 übernahm er eine Mittelstufenklasse im Glärnisch-Schulhaus in Wädenswil. Nach seiner Vermählung mit Ida Oetlinger wechselte er an die dreiklassige Mittelstufe ins Schulhaus Stocken. Das Vertrauen der Eltern half ihm bei seiner von Verantwortung getragenen täglichen Arbeit. Als Offizier bei der Feuerwehr kam er in engen Kontakt mit den Vätern seiner Schülerinnen und Schüler. Die Lesegesellschaft Stocken durfte stets auf seine spontane Mithilfe zählen. So setzte er sich 1953 mit Erfolg für die Erstellung der Badeanlage Bachgaden ein. Als Friedensrichter für den Berg − der Friedensrichterkreis Au wurde erst 1979 vom Dorf abgetrennt und dem Berg zugeteilt − sowie als Ersatzrichter am Bezirksgericht Horgen wurde Paul Nievergelt mit Situationen konfrontiert, die auch seinen Unterricht mitbestimmten. Nach der Pensionierung im Jahre 1976 übersiedelte er in sein Elternhaus nach Höngg. 1978 starb seine Gattin und am 18. August 1997 er selbst.47
Paul Nievergelt Lehrer auf Stocken von 1948 bis 1976.
Weiler Stocken, Ansicht von Norden, 1999. Links das alte und neue Schulhaus.
Das 1989 eingeweihte Gebäude für den Kindergarten Stocken steht auch Vereinen offen.
VEREINSLEBEN
Die Eigenständigkeit der Sektion Stocken zeigte sich früher und zeigt sich heute noch im Vereinsleben. Einen «Männerchor Stocken» gab es schon vor 1850.48 Die «Lesegesellschaft Stocken» wird bereits am 26. März 1853 im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» erwähnt. Sie ging später ein und wurde 1924 neu gegründet. 1906 bildete sich ein «Gemischter Chor Stocken». Daraus ist der «Gesangverein Stocken» hervorgegangen, der heute einzige Verein im Hinterberg. Im Januar 1999 führte er sei Jahreskonzert viermal auf. Zum traditionelIen Stöckler Chränzli gehört neben Tanz auch ein Laien-Theater. 1999 sorgte der Schwank «Das isch Näbesach» für spannende Unterhaltung.49
Peter Ziegler
ANMERKUNGEN
StAZH = Staatsarchiv Zürich.
1 Jakob Pfister, Die Ortsnamen der Pfarrei Wädenswil, Wädenswil 1924, S. 101.
2 Staatsarchiv Aargau. Nr. 3115, S.59/60.
3 StAZH,. C II 5, Nr. 40; C II 14, Nr. 24.
4 StAZH, C II 14, Nr. 61 und 62; C II 14. Nr. 127 und 128.
5 StAZH, C II15, Nr.91.
6 StAZH, C II 14, Nr. 62; C II 15. Nr. 91.
7 StAZH, C II 14. Nr. 658; C II 15. Nr. 155, 166.
8 StAZH, C II 14, Nr. 46.
9 StAZH, C II 14, Nr. 6.
10 Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bd. II/2, Aarau 1943, S. 255.
11 StAZH, F IIc 86.
12 StAZH, F lIa 429, S. 265.
13 StAZH, C II 15, Nr. 158.
14 Christian Renfer, Die Bauernhäuser des Kantons Zürich, Bd. 1, Basel 1982, S. 159.
15 StAZH, C 1II 15. Nr. 132.
16 StAZH, C II 15, Nr. 129a.
17 Thomas Brunner, Kachelofen und Hafnerhandwerk der Zürcher Landschaft im 17. und 18. Jahrhundert. In: Jahrbuch für Hausforschung Bd. 45, Marburg 1997, S. 109–126.
18 StAZH, E 11 700.116, 1634.
19 StAZH, E II 700.116, 1654.
20 StAZH, E II 700.116, 1687.
21 StAZH, B XI Wädenswil 5. Grundprotokoll Wädenswil Bd. 5, 1715, S. 421.
22 StAZH, B XI Wädenswil 6, Grundprotokoll Wädenswil Bd. 6, 1741, S. 168b,. 219a, 228b,c.
23 StAZH, B XI Wädenswil 13, Grundprotokoll Wädenswil Bd. 13, 1790, S. 1–4.
24 StAZH, B XI Wädenswil 304, Grundprotokoll Wädenswil Bd. 4,1851–1855, S. 408.
25 StAZH, B XI Wädenswil 304, Grundprotokoll Wädenswil Bd. 4, 1851–1855, S. 436–438.
26 StAZH, B Xl Wädenswil 308, Grundprotokoll Wädenswil Bd. 8, 1864–1866, S, 129–133; B XI Wädenswil 314, Grundprotokoll Wädenswil Bd. 14, 1871–1873, S, 597; B Xl Wädenswil 330, Grundprotokoll Wädenswil Bd. 30, 1905–1907, S, 7 und 16.
27 Stadtarchiv Wädenswil, IV B 59,5. Lagerbuch der Brandassekuranz, S. 869, – StAZH, RR I 260a, Brandassekuranz, S. 779 (Nr. 476b).
28 StAZH, B Xl Wädenswil 5, Grundprotokoll Wädenswil Bd.5, 1715, S. 52b.
29 StAZH, B Xl Wädenswil 7, Grundprotokoll Wädenswil Bd. 7, 1759, S. 29.