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<h2>SubmittedText<h2><p>An den Universitäten Zürich, Bern, Freiburg und Basel haben sich 2324 Personen für das Humanmedizinstudium angemeldet. Aus der Universität Zürich ist bekannt, dass sich immer mehr Interessenten für das Studium in Humanmedizin dem Eignungstest unterziehen (in diesem Jahr ein sprunghafter Anstieg auf 1120 Interessenten). Die Kapazitäten werden stark überschritten, bei der Humanmedizin um ein Mehrfaches (603 Plätze). Die schweizerische Universitätskonferenz empfiehlt, die Zulassung weiterhin zu beschränken. In der Westschweiz wird die Selektion während des Studiums vorgenommen. Auch wenn das Thema die beteiligten Kantone betrifft, stellen sich vor dem Hintergrund der demografischen Veränderungen, der hohen Zahl von ausländischen Ärzten und Ärztinnen in der Schweiz sowie der zunehmenden Bedürfnisse an ausgebildeten Ärzten beziehungsweise Ärztinnen in vielen weiteren Berufsfeldern folgende Fragen: </p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat die zukünftige Bedürfnislage für ausgebildete Ärzte und Ärztinnen? </p><p>2. Wie beurteilt er die heutige Zulassungspolitik (Numerus clausus) beziehungsweise die Selektionsverfahren? </p><p>3. Befürwortet er, dass die Zahl der Studienplätze erhöht werden sollte? </p><p>4. Im Hinblick auf die Notwendigkeit des "Importes" von ausländischen Ärzten und Ärztinnen stellt sich in Bezug auf die Kosten des Medizinstudiums die Frage, welchen (auch finanziellen) Beitrag andere Länder damit an die Versorgungssicherheit des schweizerischen Gesundheitswesens leisten.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bundesrat kommt aufgrund verschiedener Studien des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums bezüglich Prognosen für den Bedarf an ambulanten ärztlichen Leistungen im Jahr 2030 zum Schluss, dass die in den vergangenen Jahren erreichte Anzahl von 600 bis 700 eidgenössischen Diplomen in Humanmedizin pro Jahr nicht ausreichen wird, um den zukünftigen Bedarf zu decken. Der weiterhin wachsende Frauenanteil sowie die Erwartungen an die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben der jungen Ärzteschaft im Allgemeinen führen dazu, dass der Anteil der vollzeitbeschäftigten Ärztinnen und Ärzte sinkt. Der Bundesrat geht davon aus, dass für die Erhaltung der absoluten Zahl der heute rund 30 000 im ambulanten und stationären Bereich klinisch tätigen Ärztinnen und Ärzte mehr Diplomabschlüsse pro Jahr erreicht werden müssen. </p><p>2. Das Interesse am Medizinstudium ist ungebrochen. Die Rektorenkonferenz (Crus) meldet mit Stand vom 5. März 2009 3394 Anmeldungen zum Medizinstudium. Die Aufnahmekapazität beträgt 1034 Studienplätze für das erste Studienjahr. Die Anmeldungen übertreffen die Kapazitäten somit um ein Dreifaches. Deshalb ist eine Beschränkung der Zahl der Studentinnen und Studenten (Numerus clausus, NC), die zum Studium zugelassen werden, zur Sicherstellung der Qualität der Ausbildung empfehlenswert. Das an den Universitäten Bern, Zürich, Basel und Freiburg eingesetzte Verfahren zur Selektion der geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten (Eignungstest) ist insofern erfolgreich, als ein gutes Testresultat die Wahrscheinlichkeit des Studienerfolges erhöht. So betrug die Übertrittsquote ins dritte Studienjahr an der Universität Bern im Jahr 2007 rund 90 Prozent. Die Studienerfolgsquote an den NC-Universitäten dürfte ab 2010 bei insgesamt rund 80 Prozent liegen, während die Studienerfolgsquote an den Nicht-NC-Universitäten Lausanne, Genf und Neuenburg bei rund 50 Prozent stagniert. Diese Universitäten führen ihre Selektion während der ersten beiden Studienjahre mittels Prüfungen durch.</p><p>3. Aus den obengenannten Gründen empfiehlt der Bundesrat den Universitätskantonen eine Erhöhung der Studienplatzkapazität sowie geeignete Massnahmen, die zu einer effizienteren Nutzung der bestehenden Kapazitäten führen (beispielsweise die Steigerung der Studienerfolgsquote). Die Qualität der Ausbildung muss dabei gewährleistet werden.</p><p>4. Stationärer Sektor: Gemäss FMH-Ärztestatistik 2008 verfügen 4270 (30 Prozent) von insgesamt 14 104 im stationären Bereich beschäftigten Ärztinnen und Ärzten über ein ausländisches Arztdiplom. Die Aufschlüsselung der vom Bundesamt für Gesundheit seit Inkrafttreten des Freizügigkeitsabkommens am 1. Juni 2002 anerkannten Diplome nach Ausstellungsland ergibt folgende Aufteilung: Rund 60 Prozent der Diplome wurden in Deutschland, 10 Prozent in Italien und weitere knappe 10 Prozent in Frankreich erworben. Da das Medizinstudium in allen europäischen Ländern mit zu den teuersten Studien gehört, leisten diese Länder in Form von qualifizierten Arbeitskräften, deren Ausbildungskosten die Herkunftsländer bezahlen, auch einen beträchtlichen finanziellen Beitrag. </p><p>Die Ausbildungskosten für das Humanmedizinstudium sind seit Jahren Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Spinatsch (2004) beziffert die reinen Ausbildungskosten bis zum eidgenössischen Diplom mit rund 240 000 Franken. Werden die mit der Lehre eng verbundenen Forschungskosten in der vorklinischen Phase zur Hälfte, in der klinischen Phase vollumfänglich mit einberechnet, beläuft sich der Betrag auf 450 000 Franken. Es handelt sich dabei um Richtwerte. Neue Kostenschätzungen werden gegenwärtig im Rahmen des BFS-Projektes "Kosten der akademischen Lehre und Forschung in den Universitätsspitälern" Ende 2009 erwartet. </p><p>Müssten diese ausländischen, im stationären Sektor beschäftigten Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz ausgebildet werden, beliefe sich der finanzielle Aufwand für die reine Ausbildung (Berechnung auf der Basis der Schweizer Ausbildungskosten gemäss Spinatsch) auf rund 1,02 Milliarden Franken; werden auch die Forschungskosten mit einberechnet, beliefe sich der Betrag auf rund 1,9 Milliarden Franken. </p><p>Ambulanter Sektor: Gemäss Angaben der FMH verfügten im Jahr 2008 2216 (15 Prozent) von insgesamt 15 090 im ambulanten Sektor tätigen Ärzten und Ärztinnen über ein ausländisches Diplom. Da diese Ärztinnen und Ärzte punkto Alter eine sehr heterogene Gruppe darstellt, die ihre Ausbildung vor mehr als 20-30 Jahren absolviert haben, erscheint es wenig sinnvoll, ihre Ausbildungskosten auf der aktuellen für die Schweiz geltenden Kostenbasis zu berechnen. </p><p>Für das Erstellen einer Gesamtrechnung der Nettobeiträge ausländischer Staaten an das schweizerische Gesundheitswesen müssten allerdings noch zusätzliche Informationen bekannt sein: Wie lange bleiben die ausländischen Ärztinnen und Ärzte (insbesondere die Assistenzärztinnen und -ärzte) in der Schweiz? Welchen Beitrag leistet das schweizerische Gesundheitswesen an die Weiterbildung der ausländischen Assistenzärztinnen und -ärzte? Weiter müsste in einer Gesamtrechnung auch die (aktuell unbekannte) Zahl der im Ausland tätigen Schweizer Ärztinnen und Ärzte berücksichtigt werden.</p>  Antwort des Bundesrates.