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Malermeister, Ehrenzünfter, "Bürgermeister von Wiedikon"
Aus der Geschichte des Quartiervereins (1)
Caspar Koller, Wiediker Zunftmeister und erster Präsident des
Quartiervereins
Die Geschichte des Quartiervereins ist eng verbunden mit der Zunft zu Wiedikon. Einen ersten Quartierverein gab es bereits im 19. Jahrhundert. Schreibt doch die Zunft zu
Wiedikon in ihrem Gründungsprotokoll: "Im Schosse des Quartiervereins Wiedikon referierte deren Aktuar Carl Gattiker in der Generalversammlung vom 13. Februar 1897 über die
Gründung einer Zunft." Die Zunftgründung fand dann am 11. Dezember 1897 tatsächlich abends um 8 Uhr im Restaurant Falken statt. Zum Zunftmeister wurde Carl Gattiker gewählt.
Leider wissen wir praktisch nichts über Ursprünge und Entwicklung dieses "ersten" Quartiervereins. Anfangs des 20. Jahrhunderts jedenfalls ging er ein, weiss Hermann Schumacher,
der noch lebende langjährige Wiediker Kartellpräsident.
Im Jahr 1917 vermerkt ein Zunft-Protokoll, dass – diesmal im Schoss der Zunft – über die Gründung eines neuen Quartiervereins nachgedacht werde. Am 7. Mai 1917 trafen sich 28
Vertreter von Wiediker Vereinen und Einzelpersonen auf Einladung der Zunft zu Wiedikon in ihrem Stammlokal "Falken". Der damalige Zunftmeister Caspar Koller eröffnete um halb Neun
die Versammlung und rief zur Gründung eines Quartiervereins auf, "der parteilos sein sollte". Zur offiziellen Gründung kam es am 31. August 1917. Zunftmeister Koller, der Inhaber
eines Malereigeschäfts an der Dietzingerstrasse war, wurde zum ersten Präsidenten des neugegründeten Quartiervereins gewählt.
Brief von Quartiervereins-Präsident Hans Kleiner an
die Trauerfamilie Koller vom 1. März 1935
Caspar Koller (1862-1935) verkörperte idealtypisch den Quartiervereinspräsidenten. Er war Sänger (Mitglied des Männerchors Wiedikon), Schütze (Schiessverein Wiedikon-Zürich),
Turner (Turnverein Wiedikon), Feuerwehrkommandant, Gemeinderat der FDP, Zunftmeister und eben Präsident des Quartiervereins. Diese Ämterfülle machte aus dem Malermeister, der seit
1892 das väterliche Geschäft führte, eine gesellschaftliche und politische Drehscheibe im neuen Stadtkreis 3. In der Koller-Familienchronik wird der energische, etwas autoritäre
Mann beschrieben als "von Natur aus eher zum Herrschen und Führen veranlagt als zum Dienen und Gehorchen". Heute würde man ihn etwas zurückhaltender wohl ein Alphatier nennen.
Sein Nachfolger Hans Kleiner wusste jedoch zu berichten, dass "unter der etwas derben Schale ein grundgütiges Wesen verborgen lag". In einem anderen Nachruf wurde Koller wegen
seines magistralen Auftretens auch "Bürgermeister von Wiedikon" genannt.
Schreiben von Bauvorstand
Emil Klöti vom 11. Juni 1919
Von Beginn weg engagierte sich der neue Quartierverein für typische Bürgeranliegen. In einem Brief vom 4. Juni 1919 bat Präsident Koller die Bauverwaltung der Stadt Zürich,
sie möge doch bitte einige Sitzbänke am Goldbrunnenplatz aufstellen, dort wo die Kalkbreite- in die Birmensdorferstrasse einmündet. Bereits eine Woche später – am 11. Juni 1919 –
antwortete Bauvorstand Emil Klöti (der spätere Stadtpräsident), "dass dieser Platz bereits vom Gartenbauamt zur Aufstellung von 2 Bänken in Aussicht genommen war und dieselbe
inzwischen erfolgt ist. Damit ist Ihren Wünschen entsprochen."
Schreiben des Gaswerks vom 6. Dezember 1920
Vorstösse des Quartiervereins wurden von der Stadt stets wohlwollend geprüft und oft zügig umgesetzt. So wandte sich Ende November 1920 Quartiervereins-Aktuar A. Hochuli mit
der Bitte an das städtische Gaswerk, doch bitte die Strassenbeleuchtung an der Birmensdorferstrasse bis zum Stadtrand etwas länger brennen zu lassen. Das Gaswerk reagierte innert
acht Tagen und teilte dem Quartierverein mit, man habe seinen Wunsch "nicht unberechtigt gefunden". Es ordnete an, dass von 10 ausser Betrieb stehenden Laternen "vier wieder
halbnächtig brennen sollen."
Die Schweizerische Volksbank kündigt dem
Quartierverein am 24. April 1919 eine Spende von 100 Franken an
In der Öffentlichkeit genoss der Quartierverein rasch Anerkennung und Unterstützung. Die Schweizerische Volksbank gewährte dem Verein im April 1919 "einen freiwilligen
Beitrag von Fr. 100.-", der „gegen Rückgabe der beigefügten Quittung“ abgeholt werden könne. Zu den ständigen Vereinsaufgaben gehörte die Organisation der Bundesfeier. Am 1.
August 1920 fand diese abends um 8 Uhr im Schützenhaus Albisgüetli statt. Die Metallharmonie spielte Märsche, Walzer und Schweizerlieder, verschiedene Chöre traten auf sowie
Männer- und Damen-Turnvereine. Die Festrede hielt der 1920 neugewählte Stadtrat Ulrich Ribi (EVP). Bis zwei Uhr morgens wurde Freinacht bewilligt.
Auffällig am Schriftverkehr zwischen Quartierverein und städtischen Ämtern sowie mit anderen Vereinen aus dieser Zeit ist
der respektvolle, höfliche und gelegentlich auch leicht ironische Tonfall. Eine Absage des Armbrust-Schiessvereins, an der Bundesfeier 1919 mitzuwirken, lautete nicht einfach:
Leider ist es uns nicht möglich, an Ihrer Feier aufzutreten. Nein, der besagte Verein schrieb dem Tit. Quartierverein, Wiedikon, Zürich 3 in einem wunderschönen handschriftlichen
Brief: "Wir teilen Ihnen mit, dass es dem Armbrustschiessverein vergönnt ist, Ihrem werten Anlasse Aktiv teil zu nehmen. Wir werden natürlich Passiv dem Anlasse beiwohnen. Und
grüssen freundschaftlich ..."
Programm des Quartiervereins für die Bundesfeier 1920
Schreiben Armbrustschiessverein vom 26. Juni 1919
Das Malergeschäft Koller gibt’s übrigens bis heute. Gegenwärtig wird es in fünfter Generation geführt von Fredi Koller,
dem Urenkel von Caspar, und seiner Frau Verena. Auch Fredi Koller ist Mitglied der Zunft zu Wiedikon sowie mit seinem Geschäft Firmenmitglied des Quartiervereins.
Aus der Geschichte des Quartiervereins