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Lange konische Holztrompete ohne Ventile, Grifflöcher oder Klappen, mit einem abgebogenen Becherteil. Ein Mundstück erleichtert die Übertragung der Lippenvibrationen. Es erklingen nur Naturtöne (Obertöne) und zwar der Fähigkeit des Bläsers entsprechend 13-22 über 3-4 Oktaven. Bis um 1900 baute man A.er ausschliessl. aus jungen, an der Wurzel krumm gewachsenen Tannen, die geschält, halbiert, ausgehöhlt und mit Weiden- oder Holzstreifen zusammengebunden wurden. Heute werden A.er aus zusammengesetzten Tannenklötzen in bestimmter Länge gehauen, halbiert und nach wie vor mit dem Hohlmeissel ausgehöhlt. Zur soliden Umwicklung dient Peddigrohr. Der sog. Büchel ist ein gewundenes kürzeres A. in Trompetenform, das seit dem frühen 19. Jh. in der Innerschweiz verwendet wird.
Ein ca. 60 cm langes, krummes Blashorn aus Holz (1. Hälfte 14. Jh.) wurde bei der archäolog. Untersuchung (1976-79) der Burgruine Friedberg bei Meilen gefunden. Der Begriff A. ist erstmals 1527 im Rechnungsbuch des Klosters St. Urban überliefert, die älteste bekannte Abb. auf einer Glasscheibe von 1595 aus Adelboden erhalten. Früher diente das A. in allen Alpengebieten, mit Ausnahme des Tessins, sommersüber als Signalinstrument der Hirten. Im Winter wurde es auch als Bettelinstrument gespielt. Im 18. Jh. geriet das Alphornblasen in Vergessenheit. Es wurde erst durch die Älpler- und Hirtenfeste von Unspunnen (1805, 1808) neu belebt und danach v.a. im Bernbiet gefördert. In der Folge nahm das Bettelblasen als Selbstzweck indes derart zu, dass es bekämpft wurde.
Das dadurch wieder nahezu verschwundene A. erlebte erst durch die Pflege des 1910 gegr. Eidg. Jodlerverbands neuen Aufschwung. U.a. dank dessen Kurswesen wird das A. heute als Amateurinstrument wieder in der ganzen Schweiz geblasen. Die genormte Stimmung ermöglicht das Alphornspiel im Duo, Trio, Quartett und im Alphornchor. Seit 1972 sind über 50 Kompositionen, u.a. von Jean Dätwyler, für A. mit Orchester- oder Orgelbegleitung entstanden. Neuerdings wird das A. auch im Ethnojazz, Ethnorock und in der Weltmusik verwendet.
Literatur
– B. Geiser, Das A. in der Schweiz, 1976 (21998)
– B. Bachmann-Geiser, Das A.: Vom Lock- zum Rockinstrument, 1999
Autorin/Autor: Brigitte Bachmann