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„Ich komme, lieber Herr Nachbar.“ Ein Junge, ein Wort.
Im Nu drückt er die Klingel und die Nase platt an der Glasscheibe unserer Haustüre.
Tim ist mal elf, mal zwölf Jahre alt, es kommt auf die Tagesverfassung an. Er wohnt mit seiner Mutter im Nachbargebäude und besucht in einer Nachbargemeinde die Heilpädagogische Schule.
Ich wurde, zumindest an einem Abend vor einer Woche, von ihm zu seinem Lieblingsnachbarn auserkoren.
Tim hat Geschmack, immer wieder fragt er nach der Partnerin unseres älteren Sohnes.
Es macht ihm Freude Fotos anzuschauen. Von jeder Person möchte er wissen, wie alt sie ist, wann sie geboren ist, welche Haarfarbe sie hat.
Seine Neugierde ist enorm, zusammen erkunden wir unseren Keller. Gerne möchte er dort eine Nacht schlafen, wenn er dreizehn Jahre alt ist.
Leider kann ich ihm nicht helfen, als der Sattel sich von seinem Fahrrad löst. Dies erschüttert ihn nicht.
Am nächsten Tag blättern wir zusammen die Zeitung eines Detailhändlers durch. Seine Frage „wann bist du gestorben?“ überrascht mich ein wenig.
Ich ertappe mich, dass ich jeweils nach sieben Uhr auf die Begrüssung „Hallo lieber Herr Chauffeur“ warte, wenn Tim in den kleinen Bus steigt, welcher ihn zur Schule führt.
12. August 2020
Schön geschrieben
wie das Leben so spielt