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Kodo Sawaki (1880 – 1965) war einer der einflussreichsten Zen-Meister der Soto-Schule im 20. Jahrhundert. Eine starke Persönlichkeit, unkonventionell, manchmal respektlos, gab er dem japanischen Zen seine ursprüngliche Frische zurück, nachdem es sich in einem Wust von Ritualen und Vetternwirtschaft verheddert hatte. Er legte allen Nachdruck auf Shikantaza (einfach nur Sitzen), war unermüdlich bemüht, die Praxis Laien wie Ordinierten gleichermaßen nahe zu bringen, und lehrte, dass Zazen und Satori eins sind – betonte dabei aber, dass Zazen „nichts bringt“.
Als Tada Sakichi kam er am 16. Juni 1880 in der Stadt Tsu, in der Präfektur Mie, in Japan auf die Welt. Als er fünf Jahre alt war, starb seine Mutter, mit acht verlor er seinen Vater. Als sein Adoptivonkel auch starb, kam er zu einem brutalen Spieler und dessen Frau, die sich prostituierte. In Spielhöllen musste er Aufpasser sein und in Bordellen putzen. Die Abgründe dieses elenden Daseins veranlassten den jungen Burschen, sich zu fragen, wie er leben sollte; er begann, heimlich in einen nahe gelegenen Tempel zu gehen und wurde vom Abt aufgefordert, dem Weg des Zen zu folgen.
Mit siebzehn riss er aus und ging zu Fuß zum Tempel von Eihei-ji, wo man ihn erst mehrere Tage draußen warten ließ, bis er erklärte, er wolle Mönch werden, oder sich sonst umbringen. Schließlich hereingelassen, begegneten ihm, wie er später zugab, „weder Himmel noch Erleuchtung“, nur gewöhnliche Menschen. „Und wie ihr wisst, sind Menschen sehr komplizierte Wesen.“ Das Konkurrenzdenken und der Formalismus, die er dort erlebte, hielten ihn den Großteil seines Lebens davon ab, sich in einem Tempel niederzulassen.
Schließlich traf er Meister Koho Sawada, der ihm die Mönchsordination und den Namen Kodo verlieh. Später wurde er Schüler eines anderen Meisters, Ryuun Fueoka, der ihn die Wichtigkeit von Shikantaza und den Respekt vor dem Kesa (Mönchsgewand) lehrte. Seine Unterweisung in Zen wurde unterbrochen, als er mit 25 Jahren zur Armee einberufen wurde. Im russisch-japanischen Krieg traf ihn ein Schuss durch den Mund und er konnte zur Genesung nach Japan zurück, wurde aber nach einem Jahr wieder an die russische Front beordert.
Nach dem Krieg studierte er Philosophie, übte eine Zeit lang zurückgezogen allein Zazen, hatte kurze Zeit in einigen Tempeln verschiedene Positionen inne, und war sechs Jahre lang Schüler von Meister Ota Sokan in Daijiji. Mit 43 begann er in ganz Japan zu reisen, hielt Vorträge und zeigte die Haltung in Schulen und Gefängnissen, veranstaltete Sesshins und Sommer-Retreats an verschiedenen Orten und gründete viele Dojos. Sein „bewegliches Kloster“, seine Weigerung, ein Mönch im üblichen Kloster-Stil zu werden, und sein Hang, allein zu reisen, brachten ihm den Namen „heimatloser Kodo“ ein. So war er bei Laien wie Mönchen und Nonnen bekannt, die er im Dharma unterwies, ohne Unterschiede zu machen.
Er war auch dafür bekannt, dass er das authentische Kesa nach der Methode von Meister Jiun Sonja nähte und lehrte, der hundert Jahre vor ihm gelebt hatte.
Nachdem er so viele Jahre durch ganz Japan umhergezogen war, wurde er sehr krank und zog sich nach Antai-ji zurück. Dort betrachtete er oft lange Zeit den Berg Takagamine vor seinem Fenster. „Schau!“, sagte er zu einer Nonne, „die Natur ist wundervoll. Während meines ganzen Lebens bin ich nie einem Menschen begegnet, dem ich mich unterordnen und bewundern konnte. Aber dieser Berg Takagamine schaut immer auf mich hinunter und sagt: ‚Kodo, Kodo‘“. Er starb drei Tage später, am 21. Dezember 1965.
Seine nahen Schüler – darunter Shuryu Narita, Tokugen Sakai, Kosho Uchiyama, Sodo Yokoyama, Kojun Kishigami und Taisen Deshimaru – blieben seiner Unterweisung treu und verbreiteten sie in Japan, Nordamerika und Europa.
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