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Unmittelbarer Anlass zur Wiederaufnahme der Komposition, die Dvořák bereits zwischen Februar und Mai 1876 skizziert, dann aber beiseitegelegt hatte, dürfte der plötzliche Tod seiner Kinder, der elfmonatigen Ruzena und des vierjährigen Otakar im August bzw. September 1877 gewesen sein. In knapp zwei Monaten war das Stabat mater orchestriert und am 13. November die Partitur abgeschlossen.
Das Werk wurde am 23. Dezember 1880 in Prag uraufgeführt. Dass Dvořák gerade den Stabat mater-Text zur Vertonung wählte, mag auch damit zusammenhängen, dass er seit Februar 1874
als Organist an der Kirche
St. Adalbert angestellt war und in dieser Funktion an kirchenmusikalischen Aufführungen beteiligt war; so auch an der Aufführung des Stabat mater von Franz Xaver Witt im November 1875, wodurch er auf diesen Text aufmerksam wurde.
Die nach dem Anfangsvers Stabat mater dolorosa benannte Dichtung ist spät-mittelaterlicher Herkunft. Die lateinische Dichtung, in der das Leid der Mutter Maria angesichts ihres gekreuzigten Sohnes Christus auf Golgatha in einer geistlichen Betrachtung nachempfunden wird, besteht aus zwanzig Versterzetten. Dvořák gliedert die zwanzig Strophen in zehn musikalische Sätze, von denen der erste und der letzte, Stabat mater und Quando corpus, durch thematische Beziehungen verbunden sind. Die in den ersten beiden Nummern vorherrschende Trauerstimmung, die mittels Molltonart, absteigender Chromatik und schmerzlichen Leittonvorhalten musikalisch umgesetzt wird, bleibt zunächst erhalten, ab der fünften Nummer tritt jedoch Dur an die Stelle von Moll. Der Moll-Beginn der Finalnummer hat sicherlich - neben seiner Bedeutung als deutlich hörbare Reminiszenz an den Anfang des Werks - auch die Funktion, den Übergang zum Allegro molto-Teil wirkungsvoller zu gestalten. Die Idee, die abschliessende Nummer thematisch mit dem Anfang zu verknüpfen, scheint von Rossinis Stabat mater, das Dvořák zweifellos gekannt hat, angeregt zu sein. Dvořák geht allerdings über Rossini hinaus, indem er das H-moll nach der parallelen Durtonart wendet und das Werk in leisen, verschwebenden D-dur-Harmonien verklingen lässt.
Dvořáks Vertonung vermittelt den Eindruck grosser Einheitlichkeit, wozu das langsame, bis zum Schlussteil zwischen Largo und Andante con moto angesiedelte Tempo und die Vorliebe für gedämpfte Dynamik beitragen. Entsprechend der Textvorlage vermeidet Dvořák allzu laute oder gar aufbrausende Ausbrüche; bei der Instrumentierung des Werks fällt besonders der äusserst zurückhaltende, z.T. geradezu kammermusikalische Einsatz der in den grossen kirchenmusikalischen Werken des 19. Jahrhunderts bevorzugten Bläser auf.