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In der Region Petorca in Chile – gemeinsam mit Peru das wichtigste Herkunftsland von Avocados in der Schweiz – hat sich die Anbaufläche für Avocados in den letzten 30 Jahren verzehnfacht. Neue Plantagen sind vor allem an Berghängen am Rande des Tals entstanden. Dort ist Land billig und die Bäume sind besser vor Frost geschützt.
Produzenten zweigen Wasser ab
Aber die Avocados in der Höhe sind für die Menschen im Tal ein Ärgernis. Sie grüben den Bewohnern buchstäblich das Wasser ab, erklärt Rodrigo Mundaca von der Organisation Modatima, die sich für faire Wasserverteilung einsetzt: «Die Grossproduzenten erhielten das Recht, Wasser aus dem Fluss abzuzweigen. Sie haben es auf die Hänge umgeleitet, um ihr Business zu machen: Avocados für den Export.»
Die Folgen im Tal sind weit herum sichtbar: Ausgetrocknete Flüsse, versiegende Brunnen. Wie jener, von dem Kleinbauer Ricardo Sangüesa Wasser bezog. Der Gemeinschaftsbrunnen versorgte einst siebzig Bauernfamilien, heute ist er nahezu leer: «Ich habe viel kleinere Erträge. Oft nur noch ganz kleine Avocados, die viel weniger einbringen und sich nicht für den Export eignen.»
Avocados im Test: Keine Pestizide gefunden
Gemeinsam mit der Westschweizer Konsumentensendung «A Bon Entendeur» hat «Kassensturz» acht ganze Avocados und zwei Convenience-Produkte mit geschnittenen Avocado-Stücken aus dem Detailhandel auf Pestizide testen lassen. In den vorgeschnittenen Produkten fand das Labor lediglich Spuren eines Pestizids. In den ganzen Früchten hat es gar keine Rückstände nachgewiesen.
Wasser ist in Chile eine Ware. Der Staat vergibt Rechte zum Bezug von Wasser, die gehandelt werden können. Auf Grund der Trockenheit sind diese Rechte ein teures Gut. Grossproduzenten können sich das leisten. «Ein öffentliches Gut wird so für private Interessen missbraucht», sagt Rodrigo Mundaca von Modatima.
Derweil sind viele Bewohner auf rationierte Wasserlieferungen angewiesen. Der Bürgermeister der Stadt Petorca, Gustavo Valdenegro, beklagt: «Avocados bewässern sie mit 100 bis 120 Liter pro Tag. Die Menschen hier müssen mit Lieferungen von 50 Litern pro Tag auskommen. Ist das gerecht?»
Einen Avocadobaum bewässern sie mit 100 bis 120 Liter pro Tag. Die Menschen hier müssen mit Lieferungen von 50 Litern pro Tag auskommen. Ist das gerecht?
Regenmangel verschärft den Verteilkampf
Das Thema Wasserverbrauch ist bei den grossen Exportfirmen heikel. Keine erlaubte den Reportern von RTS Dreharbeiten. Der Exportverband sagt, zu oft hätten ausländische Medien falsch berichtet.
Grossproduzenten betonen, der klimabedingte Regenmangel der letzten Jahre sei verantwortlich für die Dürre. Den Reportern zeigt man eine Vorzeigeplantage, jene von Produzent Guillermo Correa.
Lokale Behörden wehren sich
Dank moderner Bewässerung spare er Wasser und könne einen Teil davon der Bevölkerung zurückgeben. Er wehrt sich gegen Kritik an den Grossproduzenten: «Alle müssen Mass halten, die Grossen und die Kleinen. Wir Grossproduzenten stehlen kein Wasser, wir werden laufend kontrolliert.»
Doch in manchen Fällen geraten die Avocado-Produzenten sehr wohl in Konflikt mit den Behörden. Der Bürgermeister von Petorca zeigt Fimaufnahmen, wie er eine unterirdische Wasserleitung entfernen lässt, die er nicht bewilligt hat. Sie gehört gemäss Behörden Guillermo Correa, dem Vorzeige-Produzenten, der vorgibt Wasser fair zu teilen. Fragen dazu mag er nicht beantworten.
Fakt ist: Der Verteilkampf um das Wasser tobt, weil zu wenig Wasser in Flüsse und Brunnen gelangt – und zu viel an den Hängen zu wertvollen Avocados für den Export veredelt wird.