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Yana Savina - Endlich in Ruhe und Sicherheit
Bis sie nach Lichtensteig kam, war es ein weiter Weg. Mit Tränen in den Augen berichtet Yana Savina, die in Mariupol geboren ist und ihr ganzes bisheriges Leben dort verbracht hat, von den Kriegsgeschehnissen: “Mariupol war die erste Stadt, die bombardiert wurde in der Ukraine. Drei Tage nach dem Bombardement gab es weder Wasser, Strom noch Heizung. Es war kalt, -15 Grad. Die Menschen haben am Feuer Schnee aufgetaut um etwas zu trinken zu haben. Die Stadt wurde Tag und Nacht bombardiert. “ Yana Savina sass mit vielen anderen gemeinsam im Keller. Sie berichtet von der Enge dort: “Niemand konnte sich zum Schlafen ausstrecken.“
Am 16. März 2022 wurde das Theater bombardiert. Es befanden sich 600 Menschen im Theater und es starben mehr als 300 von ihnen, darunter auch viele Kinder. Auch die Bibliothek, in der Yana Savina 40 Jahre lang als Bibliothekarin gearbeitet hatte, wurde durch russische Bomben zur Ruine.
Ende März 2022 gab es keine Lebensmittel mehr in der Stadt. Yana Savina konnte nur noch alle zwei bis drei Tage einmal etwas essen. Als dann auch ihr Haus zerstört war, wusste Yana Savina, dass sie die Stadt verlassen musste. Am 28. März 2022 lief sie sieben Stunden lang unter Bomben zu Fuss in die Nachbarstadt. Auf der Strasse lagen viele tote Menschen. Aber auch die Nachbarstadt lag bereits in Schutt und Asche. So musste Yana Savina weiter laufen. Korrupte russische Soldaten liessen sie erst passieren, nachdem sie Geld gezahlt hatte. Als Grund dafür wurde ihr gesagt, dass sie ukrainische Informationen auf dem Handy habe und dass dies verboten sei. Um nach Georgien zu kommen hätte sie durch Russland gehen müssen. Sie wusste nicht wie weiter. Eine Cousine, die früher geflüchtet war, befand sich bereits in der Schweiz. So kam Yana Savina am 3. Mai 2022 nach Altstätten und von dort aus nach Lichtensteig.
Yana Savina ist sehr froh, hier sein zu können. Sie hat sehr freundliche und gute Menschen getroffen und fühlt sich das erste Mal seit langer Zeit wieder sicher. Dafür ist sie sehr dankbar. Sie wohnt bei einer sehr freundlichen Familie und hat nette Nachbarn. Sie mag es sehr, in der kleinen Stadt Lichtensteig zu sein. Sie geht gern spazieren und findet Ruhe in der Natur. Sie besucht den Deutschkurs gemeinsam mit Menschen aus Afghanistan, Syrien und der Ukraine. Sie ist bereits bei Deutsch Level A2.2 angelangt.
Die ehemalige Bibliothekarin hat noch Verwandte in Russland und ihre Tochter lebt mit ihrem Mann in Italien. Sie hat nur einen grossen Wunsch: “Der Krieg soll enden! Ich bin zu Hause in der Ukraine, ich möchte in meine Heimat zurück!” Vor dem Krieg war Mariupol eine freundliche, grüne Stadt am Meer. Es lebten dort eine halbe Million Menschen, jetzt sind es vielleicht noch 100.000. “Es sind schon viel zu viele Menschen gestorben", findet Yana Savina.
Foto: Silke kleine Kalvelage