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In Begegnungszonen ist der Fussverkehr vortrittsberechtigt. Fussgängerinnen und Fussgänger dürfen die gesamte Verkehrsfläche nutzen, sofern sie den Fahrverkehr nicht behindern. Mit der maximalen Fahrgeschwindigkeit von 20 km/h haben die Verkehrsteilnehmenden mehr Zeit zu reagieren und Konflikten auszuweichen, als dies bei höheren Fahrgeschwindigkeiten der Fall ist. Dies setzt jedoch die Fähigkeit voraus, die Verkehrssituation zu überblicken und einschätzen zu können. Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung, mit Einschränkungen in der Beweglichkeit und der Reaktionsfähigkeit sind dabei benachteiligt.
Mit eingeschränkten Sehfähigkeiten, ist die Übersicht über das Verkehrsgeschehen reduziert oder gar nicht vorhanden. So besteht auch keine Möglichkeit visuell, d.h. über Augenkontakt oder mittels Handzeichen, zu kommunizieren. Für Menschen mit Hörbehinderung besteht auf gemeinsam mit dem Fahrverkehr genutzten Flächen eine erhöhte Gefahr durch Fahrzeuge ausserhalb ihres Blickfeldes. Dabei ist zu bedenken, dass eine Hörbehinderung für andere Verkehrsteilnehmende nicht erkennbar ist und dadurch nicht nachvollziehbar ist, wenn eine Person aufgrund einer Hörbeeinträchtigung ein Hupen, Klingeln oder Zurufen nicht wahrnehmen kann. Diese Benachteiligungen treffen auch viele leicht hör- und sehbehinderte ältere Menschen.
Je nach Verkehrsmengen und Zusammensetzung des Verkehrs kann darum auch in Begegnungszonen, trotz Vortritt für den Fussverkehr, die Abgrenzung von für den Fussverkehr reservierten Bereichen erforderlich sein, um die Sicherheit und Aufenthaltsqualität für diese Nutzergruppen zu erfüllen. Die Norm SN 640 075 nennt die Kriterien für eine Abgrenzung von Fussgängereichen.
Abgrenzung von Fahrbereichen in Begegnungszonen
Nach SN 640 075 «Hindernisfreier Verkehrsraum» Ziffer 15.1 muss zuerst analysiert werden, ob eine Abgrenzung zwischen Fussgänger- und Fahrbereich erforderlich ist, danach ist zu beurteilen, ob diese Abgrenzung mit Trenn- oder mit Führungselementen vorgenommen werden kann.
Die Abgrenzung von Fussgängereichen ist in folgenden Situationen erforderlich:
- publikumsintensive Nutzungen der angrenzenden Bauten
- mittleres oder hohes Fussgäneraufkommen
- Busangebot mit hoher Taktfrequenz
- viel Schwerverkehr
- mittlere oder hohe Fahrzeugfrequenzen
- eingeschränkte Sichtverhältnisse
In diesen Situationen sind nach Möglichkeit abgegrenzte Fussgängerbereiche gemäss Ziffer 15.2 vorzugsweise mit Trennelementen zu realisieren. Diese Abgrenzung darf in Begegnungszonen auch mit Führungselementen erfolgen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- kein Busangebot oder Busangebot mit geringer Taktfrequenz
- wenig Schwerverkehr
- geringe bis mittlere Fahrzeugfrequenzen
Bei Schienenverkehr muss immer, auch in Begegnungszonen, eine Abgrenzung mit Trennelementen ausgeführt werden.
Wegführung
Unabhängig von der Frage, ob in einer Begegnungszone eine Abgrenzung von Fussgängerbereichen erforderlich ist oder nicht, muss in jedem Fall die Orientierung und Wegführung sein. Nach Möglichkeit ist eine direkte Wegführung ohne Behinderung durch Parkfelder oder Möblierungselemente zu gewährleisten (Ziff. 15.1). Begegnungszonen ohne Abgegrenzte Fussgängerbereiche sind in der Regel weiträumige Fussgängerflächen. Die Wegführung muss gemäss SN 640 075 Ziffer 18.1 eindeutig erkennbar, eitastbar und möglichst geradlinig sein. Nach Möglichkeit ist dies mit baulichen Elementen wie Trenn- und Führungselemente, Fassaden, Mauern, Geländer, Zäune, Stellplatten und Grünflächen zu erfüllen.
Reichen die baulichen Elemente nicht aus um die Wegführung zu gewährleisten, z.B. aufgrund von Hindernissen entlang der Wegbegrenzung, können taktil-visuelle Markierungen erforderlich sein.
Fussgängerstreifen in Begegnungszonen
Begegnungszonen sind grundsätzlich nach dem Prinzip des flächigen Querens konzipiert. Da der Fussverkehr in diesen Zonen Vortritt hat, dürfen gemäss der Verordnung des Bundes über die Tempo-30-Zonen und die Begegnungszonen (SR 741.213.3) keine Fussgängerstreifen markiert werden. Insbesondere wenn in Begegnungszonen Parkfelder markiert sind, kann es für Menschen mit Sehbehinderung sehr schwierig oder gar unmöglich sein, zu erkennen, wo sie die Fahrbahn sicher queren können, so dass sie von Fahrzeugen rechtzeitig wahrgenommen werden.
Wenn sich nicht der gesamte Streckenabschnitt zum queren eignet, müssen geeignete Querungsstellen speziell hervorgehoben werden. Dazu sind taktil-visuelle Markierungen am besten geeignet.