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Sie fordern demokratische Reformen: In Hongkong haben Tausende Studenten einen einwöchigen Ausstand begonnen. Sie boykottieren in 24 Hochschulen den Unterricht - auch Lehrer beteiligen sich.
Aus Protest gegen unzureichende demokratische Reformen in Hongkong haben Tausende Studenten am Montag einen einwöchigen Streik gestartet. Sie boykottierten in 24 Hochschulen der chinesischen Sonderverwaltungsregion den Unterricht. Bei einer Demonstration auf dem Campus der Chinesischen Universität von Hongkong verlangten Studenten von der kommunistischen Führung in Peking, ihre umstrittenen Pläne für die erste Direktwahl in Hongkong zurückzunehmen.
Laut den Plänen dürfen beispielsweise keine Kandidaten für Wahlen frei aufgestellt werden. Der Zentralregierung in Peking wird deshalb eine «diktatorische» Kontrolle der Wahlverfahren in der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole vorgeworfen.
Der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses in Peking hatte Ende August verkündet, die Bewohner Hongkongs dürften im Jahr 2017 einen neuen Verwaltungschef wählen, die Kandidaten für das Amt würden allerdings zuvor von einem pekingtreuen Ausschuss ausgewählt. Demokratie-Aktivisten riefen daraufhin aus Protest zu Sitzstreiks im Finanzzentrum von Hongkong und zu einer «Ära des zivilen Ungehorsams» auf.
Anfang September gab es erste Festnahmen. Hongkong geniesst seit der Rückgabe an China durch Grossbritannien im Jahr 1997 einen besonderen Autonomiestatus. Dieser gewährt Bürgerrechte wie Presse- und Versammlungsfreiheit, die auf dem chinesischen Festland teils massiv eingeschränkt sind. Freie Wahlen sind allerdings nicht vorgesehen.
Hongkongs Regierungschef Leung Chun-ying appellierte in einem Leitartikel in der «Financial Times» an die Hongkonger, die begrenzten Reformen für die Wahl 2017 zu akzeptieren. Nach der gemeinsamen Erklärung mit Grossbritannien von 1984 über die Rückgabe Hongkongs sei China nicht verpflichtet, das freie Wahlrecht einzuführen, hob Leung hervor.
Dennoch planen Studenten von Dienstag an nahe des Hongkonger Regierungssitzes tägliche Aufmärsche und Veranstaltungen zu politischen Reformen, an denen auch Lehrkräfte teilnehmen werden. Rund 400 Mitarbeiter von Universitäten, darunter knapp 300 Mitglieder des Lehrkörpers, unterstützen den Boykott.
Der Studentenstreik ist nur ein Vorläufer weiterer Proteste. Die prodemokratische Occupy-Central-Bewegung plant am 1. Oktober eine Demonstration, in deren Folge auch die Strassen des Central genannten Finanzdistrikts von Hongkong blockiert werden sollen. Vor dem Hintergrund der Kontroverse ist die Stimmung in Hongkong gegenwärtig so schlecht, dass in einer Umfrage jeder Fünfte darüber nachdenkt, die Metropole zu verlassen, wie die «South China Morning Post» berichtet. (heb/dpa/Reuters)