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Mathematisch gesehen ist es einfach: Spannen die drei bürgerlichen Parteien CVP, FDP und SVP im Saanebezirk zusammen, haben sie die Mehrheit. Bei den Nationalratswahlen haben 49,95 Prozent der Wählenden für diese drei Parteien gestimmt; zusammen mit ihren Jungparteien hatten sie gar einen Wähleranteil von 54,9 Prozent.
Vor diesem Hintergrund haben sich die sechs Präsidenten der Sektionen Saane-Land und Stadt im Verlaufe des Jahres wiederholt getroffen. Ihr Ziel: das Oberamt–das heute in SP-Hand ist–zurückzuholen. Und sie waren sich schnell einig: Ein unabhängiger Kandidat, hinter dem alle stehen können, wäre ideal. «Wir hätten Mühe, einen Kandidaten einer anderen Partei zu unterstützen», sagt beispielsweise Fabien Peiry, Präsident der CVP Saane-Land. Benjamin Papaux, Präsident der SVP Saane-Land, meint: «Alleine hätten wir keine Chance, aber hinter einem gemeinsamen unabhängigen Kandidaten können wir stehen.»
Der Kandidat
Und so haben die Parteien mit Adrien de Steiger gesprochen: Der langjährige Syndic von Autafond kandidierte 1996 erfolglos auf der SVP-Liste für den Grossen Rat; heute bezeichnet er sich als parteilos. Er hat Ende November seine Kandidatur bekannt gegeben. Seither tröpfeln alle paar Tage Mitteilungen von CVP-, FDP- und SVP-Sektionen herein. Die Aussage: Der Vorstand steht hinter de Steiger, doch muss die Generalversammlung der Sektion noch ihre Unterstützung beschliessen.
Wäre eine gemeinsame Medienkonferenz, an der die Parteien geschlossen hinter de Steiger stehen, nicht ein stärkeres Zeichen gewesen? «Alle Sektionen wollen ihre Unabhängigkeit wahren», sagt Emanuel Kilchenmann, Präsident der SVP Stadt. Und Vincent Jacquat, Präsident der FDP Stadt, fügt an: «Wichtig ist, dass wir alle den gleichen Kandidaten unterstützen, aber einen gemeinsamen Marschplan gibt es nicht.»
Und Charles de Reyff?
Der Vorstand der städtischen CVP hat zwar eine Mitteilung verschickt, doch ist ihr Aussagewert gering: Der Vorstand nehme die Kandidatur de Steigers zur Kenntnis und freue sich, dass sich so eine Alternative zum jetzigen Oberamtmann biete. Eine Aussage der Unterstützung findet sich nicht. Liegt die Zurückhaltung daran, dass die CVP Stadt mit Charles de Reyff ein Mitglied hat, das Interesse am Oberamt zeigt (siehe Kasten)? Ob de Reyff kandidiere, wisse er nicht, sagt Sektionspräsident Joël Gapany. «Das müssen sie ihn selber fragen.»
Sébastien Dorthe, Präsident der FDP Saane-Land, hat aus der Zeitung erfahren, dass de Reyff interessiert ist. «Es gibt aber nichts Offizielles dazu.» Fabien Peiry, Präsident der CVP Saane-Land, fügt an: «Würde er offiziell als Kandidat präsentiert, müssten wir mit den Diskussionen wieder von vorne anfangen.» Dass de Reyff nicht unabhängig sei, mache eine Kandidatur im Namen aller drei Parteien jedoch fast von vornherein unmöglich.
Der Bisherigenbonus
SP-Kantonalpräsident Benoît Piller sagt zum bürgerlichen Angriff auf das Oberamt nur: «Bisher gibt es keine formelle Allianz der bürgerlichen Parteien für das Oberamt–und es zirkulieren nach wie vor andere Namen als jener von Adrien de Steiger.» Er mache sich keine Sorgen: Ridoré leiste gute Arbeit und gehe mit dem Bisherigenbonus ins Rennen.
Adrien de Steiger. Bild vm/a
Chronologie
Oberamt war lange Zeit eine CVP-Bastion
Das Oberamt des Saanebezirks entstand 1848, als die Oberämter von Freiburg und Farvagny zusammengefasst wurden. Es ist das grösste Oberamt im Kanton. Die CVP und ihre Vorgängerin, die Konservativ-Katholische Partei, hatten das Oberamt fest im Griff: Der jetzige Oberamtmann Carl-Alex Ridoré ist der erste Sozialdemokrat und Nicht-CVP-Politiker in diesem Amt. Erst ernannte der Staatsrat den Oberamtmann. In der ersten Volkswahl 1976 wurde Hubert Lauper gewählt; der CVP-Mann bliebt zwanzig Jahre im Amt. Sein Nachfolger und Parteikollege Nicolas Deiss trat 2008 nach zwölf Jahren ab; auf ihn folgte Ridoré. Am 6.November 2016 steht die nächste Wahl an.njb
Charles de Reyff: «Niemand sucht Kandidaten»
D er frühere Freiburger Gemeinderat und jetzige Leiter des Amts für den Arbeitsmarkt Charles de Reyff hat sein Interesse am Oberamt angemeldet (die FN berichteten). Dennoch ist der CVP-Politiker nicht Kandidat. «Niemand hat eine Prozedur eröffnet und Interessenten aufgerufen, sich zu melden», sagte de Reyff gestern den FN. «Niemand sucht Kandidaten.» Zwar habe nun Adrien de Steiger seine Kandidatur angemeldet und werde auch von den Parteivorständen unterstützt. «Die Basis der sechs betroffenen Parteisektionen hat sich aber noch nicht zu seiner Kandidatur geäussert.» Die Liste der Kandidaten werde erste Ende September eingereicht, «bis dahin kann noch viel geschehen». njb