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Als bei mir vor gut 11 Jahren die Diagnose CML (chronisch myeloische Leukämie) gestellt wurde, haben sich in meiner Familie mehrere Personen zusammengetan, um sich auf der internationalen Datenbank als Knochenmark-Spender registrieren zu lassen. Ich selbst habe am 5. März 1997 Knochenmark von einem ausländischen Fremdspender erhalten und erfreue mich einer sehr guten Gesundheit.
Im März 2007 wurde nun einer meiner Cousins für eine Knochenmark- resp. Stammzell-Spende angefragt. Von anfangs mehreren möglichen Spendern fiel nach einer detaillierten Gewebetypisierung die Wahl auf meinen Cousin Willi Scherrer. Er ist 39 Jahre alt, verheiratet, Vater von vier Kindern und leitet ein Kies- und Betonwerk im Toggenburg.
Ich habe ihn am 4. Juni 2007, am Tag seiner Stammzellspende, im Universitätsspital Zürich besucht und ihm ein paar Fragen gestellt.
Nach über 10 Jahren bist du für die Stammzellspende aufgeboten worden. Welches waren deine ersten Gedanken?
Zuerst kam kurz ein Gefühl von Angst auf. Dieses wurde jedoch sogleich abgelöst von den Gedanken an deine Leukämie und dein geschenktes Leben dank einer Fremdspende. Ich dachte, ich lasse es einfach einmal auf mich zukommen.
War es für dich klar, dass du dich als Spender zur Verfügung stellst oder hattest du Zweifel?
Eigentlich war es für mich klar, dass ich dies tun wollte. Meine Familie hatte verständlicherweise etwas mehr Bedenken.
Konntest du dich zwischen einer Stammzellspende oder einer Knochenmarkspende entscheiden?
Diese Frage kam gar nicht richtig auf. Es war von Anfang an von einer Stammzellspende die Rede und dies war auch für mich die favorisierte Spendeform, da ich lieber keine Vollnarkose wollte.
Du bist Vater von vier Kindern, Unternehmer und spielst in der Dorfmusik. Wie hat dein Umfeld reagiert?
Meine Kollegen waren sehr erstaunt und wollten wissen, wieso ich so etwas auf mich nehme. Generell fanden sie mein Engagement jedoch toll. Meine Familie, im speziellen meine Frau, machte sich natürlich auch Sorgen um meine Gesundheit.
Welche Fragen und Ängste haben dich und deine Frau besonders belastet?
Die Frage nach den Nebenwirkungen und Spätfolgen der verabreichten Wachstumshormone haben uns besonders beschäftigt.
Während der Vorbereitungsphase musstest du 9 mal Neupogen spritzen, um die Blutstammzellen zu vermehren. Wie hast du dich während dieser Zeit gefühlt? Gab es Nebenwirkungen?
Ich verspürte vermehrt Rückenschmerzen und habe wahrgenommen, dass sich in meinem Körper etwas tut. Ansonsten habe ich mich gut gefühlt. Zwischendurch habe ich nicht gut geschlafen, vor allem je näher das Datum für die Spende kam.
Heute hat deine Stammzellspende im Universitätsspital Zürich stattgefunden. Wie hast du diesen Tag erlebt?
Ich bin früh mit dem Zug nach Zürich gereist. Um 8.30h sind die beiden Venenkatheter gesetzt worden. Durch den Venenkatheter am rechten Arm ist das Blut entnommen und zum Zellseparator geführt worden. Dort sind die angereicherten Stammzellen aus dem Blut abgetrennt und in einem Plastikbeutel gesammelt worden. Das übrige Blut ist über den Venenkatheter am linken Arm wieder in meinen Körper zurückgeführt worden. Von den entnommenen 15 Liter Blut konnten 185 ml Stammzellen gewonnen werden. In diesen ca. 4 Stunden ist alles problemlos abgelaufen und ausser etwas Kribbeln auf den Lippen und einem Hitzegefühl habe ich mich wohl gefühlt. Ich bin nun sehr erleichtert, dass es abgeschlossen ist.
Bemerkung: Da am Abend im Labor nur 4.5 Millionen anstelle der angestrebten 5 Millionen Stammzellen ausgezählt werden konnten, musste Willi noch zweimal Neupogen spritzen und am Folgetag für eine zweite Stammzellspende einrücken. Der zweite Durchgang dauerte ca. 1.5 Stunden und es wurden nochmals 6 Liter Blut durch den Zellseparator gelassen.
Warst du mit der Betreuung durch die verschiedenen Ärzte und Pflegefachfrauen zufrieden? Waren die Informationen ausführlich?
Die Betreuung durch das medizinische Personal war sowohl in der Vorbereitungsphase wie auch während der Stammzellspende ausgezeichnet. Ich wurde stets informiert und konnte jegliche Fragen stellen. Als Dank habe ich sogar noch zwei Flaschen Wein erhalten.
Über den Empfänger deiner Stammzellen hast du keine Informationen. Ist es für dich schwierig, damit umzugehen?
Natürlich hätte ich gerne gewusst, wer meine Stammzellen erhält und ob es ihr oder ihm gut geht, doch leider ist dies in der Schweiz nicht möglich. Es bleibt mir nur zu hoffen, dass meine Blutstammzellen einem anderen Menschen helfen können.
Wie fühlst du dich nach der Spende? Wie sieht die Nachkontrolle aus?
Ich bin froh, dass es nun vorbei ist. Ich war schon ziemlich angespannt. Doch nun muss ich sagen, ich kann es jedermann/-frau weiterempfehlen.
Die Nachkontrolle wird wieder im Kantonsspital St. Gallen stattfinden und zwar gemäss Information des Arztes nach einem Monat, nach einem halben Jahr und danach nach jedem weiteren Jahr.
Ich persönlich danke Willi ganz herzlich für seinen tollen Einsatz und seine wertvolle Stammzellspende und wünsche ihm und seiner Familie weiterhin gute Gesundheit und viele schöne Stunden.