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«Schweizer Geschichten» mit Leonard Jost
- Samstag, 14. Dezember 2013, 10:44 Uhr, aktualisiert um 10:49 Uhr
Der Lehrerberuf war gleichzeitig sein Traumberuf. Leonard Jost arbeitete sich bis zum Präsidenten des Schweizer Lehrerverbands hoch. Einen wichtigen Abschnitt seines Lebens verbrachte er aber als Zivildienstleistender in England.
Im englischen Leeds trat Jost 1947 einem Camp des Service Civil International bei. Hier lernte er mitunter das Mauerhandwerk kennen. Viel wichtiger war ihm aber der soziale Aspekt des ganzen Projekts. Anschliessend trat er gleich noch einem Quäker-College bei, bevor es ihn wieder zurück in die Schweiz zog.
Schickslalshafte Kindheit
Jost kam 1923 in Steffisburg zur Welt. Seine Mutter verstab früh. Leonard war damals gerade einmal 14 Jahre alt. Sein Vater sollte alsbald ein zweites Mal heiraten, aber auch Leonards Stiefmutter kam bald danach bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Sein Vater erlitt im Alter eine Diabetes und musste sich ein Raucherbein amputieren lassen, ehe er 1964 ebenfalls verstarb.
« Militärkarriere wollte ich nicht machen. »
Leonard Jost
Als Jost am 1. September 1939 mit seiner Klasse des Lehrerseminars Lyss nach einer Exkursion zurückkehrte, wurde am Bahnhof bereits mobil gemacht. Der zweite Weltkrieg war offiziell ausgebrochen. Obschon Jost selber dato schon 16 Jahre alt war, wurde er vom Krieg nur wenig getroffen. Er wurde zwar später selber zum Grenzwachdienst einberufen und hätte auch die Chance gehabt eine Militärkarriere anzustreben. Dies alles passte aber nicht in seine Welt, in der er sich vor allem für soziale Belange interessierte.
So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass er als Lehrer auch gleich seinen Traumberuf gewählt hatte. Nach zwei Jahren als Primarschullehrer erbte Jost Geld von einer Tante. Damit ermöglichte er sich einen fünf monatigen Ausflug nach England. Zuerst besuchte er London und trat danach in Leeds dem Service Civil International und anschliessend einem Quäker-College bei.
In Paris schlug die Liebe zu
In der Stadt der Liebe selbtst sollte er schliesslich seine zukünftige Gemahlin finden. Während eines Ausflugs nach Paris, traf er seine Frau, die ursprünglich aus Lengg stammte und selber Lehrerin war.
Mit seiner Ausbildung als Primarlehrer war Jost noch nicht zufrieden. So schloss er vorerst sein Studium zum Sekundar- und später zum Gymnasiallehrer ab. In diesem Beruf blühte er dann so richtig auf. Er wurde in der Folge Chefredaktor der Schweizerischen Lehrerzeitung, setzte sich ein Leben lang fürs Schulwesen ein und wurde schliesslich sogar Präsident der Schweizer Lehrervereinigung.
« Heute sind Lehrer keine Respektpersonen mehr. Wer unterrichtet, muss durch Kompetenz überzeugen, auch in sozialer Hinsicht. »
Leonard Jost
Heute verbringt der 90-Jährige seinen Lebensabend im Haus Martin in Dornach. Gerne blickt er auf seine Lehrerzeit zurück. Allerdings würde er heutzutage wohl nicht mehr so gerne selber unterrichten.