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Spielende Kinder im Sonntagsstaat. Frauen in golddurchwirkten Saris. Männer in konservativer englischer Kleidung. Grosse Töpfe, in denen es über Spiritusbrennern kocht. Vollreife Früchte, die in verzinnten Schalen im Eiswasser dümpeln. Messingsamoware, aus denen man Tee in tönerne Becher ausschenkt. Das sonntägliche Picknick ist in Indien eine ernst zu nehmende Angelegenheit. Picknick in Delhi, im Schatten der grossen Mauer des «roten Forts», ist gar eine Lebenshaltung.
Flucht vor der Sommerhitze
Seit den Tagen der legendären Mogule fliehen die Bewohner der Stadt am Yamuna vor der brütenden Hitze des Sommers. Einst, als die legendären Machthaber auf dem Pfauenthron der «alten Stadt» regierten, verbrachten sie den Sommer im fernen, hoch gelegenen Kaschmir. Der ganze Hofstaat zog damals mit dem Herrscher in die kühlen Berge. Elefanten trugen die Sänften mit den Frauen des Moguls. Armeen von Bediensteten umschwärmten den glanzvollen Tross, hinter dem die Beamten und Soldaten samt ihren Familien in Ochsenkarren folgten.
Im 19. Jahrhundert übernahmen die Engländer das Zepter. Auch sie zogen in den Sommermonaten ins Vorgebirge des Himalajas. Allerdings nur die Frauen und Familien der Beamten und Militärs. Die Männer hatten in der sengenden Hitze der Yamunaebene auszuhalten. Rudyard Kipling hat über dieses Leben zwischen der Ebene und den Kaschmirtälern faszinierende Menschenporträts geschrieben.
Inzwischen zerfallen die Hotelpaläste in Srinagar und um den Dal-See. Die Sommerresidenzen der Mogule stehen leer oder sind zu Museen geworden. Die Parkanlagen verwildern hinter verschlossenen Gittern. Sind sie öffentlich, so halten die Inder selbst hier ihre Picknicks ab.
Auch im Haus der Jahanars steht ein Picknick an. Seit dem frühen Morgen haben sich die Frauen der Familie in der Küche des Hauses versammelt. Die Jahanars führen ihr Geschlecht auf jenes des legendären Moguls Shah Jahan zurück. Ihr prächtiges Haus im alten Delhi erzählt von dieser Vergangenheit. Virtuose Brotjongleurin.
Unter der Aufsicht der Ältesten, der Witwe jenes Jahanars, der sich noch direkt auf den Shah zurückbezog, arbeiten die Frauen an Herden und Tischen. Samosas, mit chilischarfen Kartoffeln gefüllte Teigtäschchen, warten bereits. Aus dem Backofen werden gefüllte Okras sowie mit Mandeln und Korinthen geschmortes Huhn gezogen.
Am wichtigsten jedoch sind die Brotbäckerinnen. Es braucht langes Training, um genauso luftige wie dünne Chapatis zu formen. Wie virtuose Jongleurinnen lassen zwei Frauen die Fladenbrote zwischen ihren Handflächen kreisen.
Mit Argusaugen bewacht Witwe Jahanar den Topf mit Qaberagh. Es ist ein genauso einfaches wie raffiniertes Lammragout die Essenz von ganz wenig. Aber die richtigen Zutaten und das am Knochen gegarte Fleisch lassen daraus eine absolute Köstlichkeit mit einem speziell dichten Aroma entstehen. Es ist ein so genanntes trockenes Ragout aus Kaschmir. Man isst es, zusammen mit Trockenreis, am besten mit den Fingern der Rechten. Ganz nach indischer Art beim Picknick.