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3.1 Gründung 1961 und Aufbau
1956 gründeten katholische Bäuerinnenvereinigungen der Innerschweiz innerhalb des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF) einen beruflichen Arbeitszweig für die Bäuerinnen, "die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft katholischer Bäuerinnen". Damit war der Grundstein für den Schweizerischen Verband Katholischer Bäuerinnen (SVKB) gelegt. 1958 schlossen sich auch die Deutschfreiburgerinnen und die Oberwalliserinnen an. Federführend in dieser Arbeitsgemeinschaft waren Josefa Blättler-Bucher, Elisabeth Blunschy-Steiner und Leny Voellmy, die wichtige Vorarbeiten leisteten für den SVKB, der am 20. Februar 1961 als eigenständiger Verband aus der Taufe gehoben wurde. Als erste Verbandspräsidentin amtete Cäcilia Anthamatten von Visp, Wallis.
Schon bald anerkannte das damalige BIGA den SVKB als Berufsverband. Bis zu seiner Auflösung 2006 blieb der SVKB einer der 12 Mitgliederverbände des SKF. Wie Bonaventura Egli, Inspektorin Uri, in ihren Aufzeichnungen zur Geschichte des SVKB festhielt, erachtete der SVKB "seine Sendung als katholische Organisation als sehr wichtig und insbesondere die Heranbildung von charakterfesten, berufsfreudigen und fachtüchtigen Bäuerinnen für das Schweizerland und das Schweizervolk". Nebst der Förderung der beruflichen und religiösen Bildung der Bäuerin waren wichtige Ziele des SVKB die Wahrung seiner Interessen innerhalb der schweizerischen Frauenbewegung und gegenüber den Behörden. Offizielles Verbands- und Mitteilungsorgan war die bäuerliche Zeitung "Katholischer Schweizerbauer", das spätere "Schweizer Land und Leben", in dem der SVKB ab 1970 auf der Seite der Bäuerin seine Anliegen publizieren konnte.
Wichtige katholische Bäuerinnenschulen waren und sind grösstenteils immer noch die Bäuerinnenschule Ilanz, die Bergheimatschule Gurtnellen, die Bäuerinnenschulen Pfäffikon, Melchtal und Fahr sowie die Klosterschule Frauental bei Cham. 1975 zählte der SVKB ca. 9,500 Mitglieder, ein kleiner Verband verglichen mit der Mutterorganisation, dem Schweizerischen Katholischen Frauenbund mit 250,000 Mitgliedern. Bis 1992 hatten sich die Mitgliedschaften auf 12,000 erhöht. Ende 2000 zählte der Verband 7,500 Mitglieder.
Zu den wichtigsten Tätigkeiten des SVKB gehörte die Mitarbeit am ersten eidgenössischen Reglement für die Berufsprüfung der Bäuerinnen, das Ende 1962 in Kraft trat. Die Prüfung dauerte drei Tage und beinhaltete 12 Fachgebiete. Somit war das grosse Ziel, einen vom BIGA anerkannten Beruf "Bäuerin" zu haben, erreicht: Die erfolgreichen Bäuerinnen erhielten nun das eidgenössische Diplom. Fragen der Aus- und Weiterbildung der Bäuerinnen standen auch nachher im Zentrum der Tätigkeiten des SVKB.
3.2 Verehrung von Dorothea von Flüe
Als konfessioneller Berufsverband unterhielt der SVKB enge und gute Beziehungen zur Kirche, hatte immer einen geistlichen Berater und organisierte auch regelmässig Wallfahrten. Dem SVKB war es ein besonderes Anliegen, auf die Erhaltung der christlichen Werte in Kirche und Staat aufmerksam zu machen. Zur 700 Jahr Feier der Eidgenossenschaft 1991 spendete der SVKB eine Statue der Dorothea von Flüe, die der Künstler Rolf Brem geschaffen hatte. Für die Mitglieder des SVKB war Dorothea, die Frau von Bruder Klaus, immer eine besondere Frau gewesen, eine "heiligmässige" Mutter und Ehegattin, auch wenn sie noch nicht heilig gesprochen werden konnte. 2005 schrieb Ingeborg Schmid, die letzte Präsidentin des SVKB, einen Brief an Papst Benedikt XVI, worin sie ihn um den Segen Gottes bittet, um den Zukunftsängsten der Bauernfamilien entgegenzuwirken.
3.3 Förderung sozialer Aktivitäten
Zu den Verbandszielen des SVKB gehörte auch die Förderung von sozialen Tätigkeiten. Mit dem Sorge-Chrattä schuf der SVKB eine eigene soziale Institution, die es ihm ermöglichte, finanzielle und materielle Zustüpfe an Bäuerinnen weiterzuleiten. Die Durchführung von Ferienwochen für Bäuerinnen und Bauern mit organisierten Bildungsangeboten und geistlicher Betreuung war eine weitere wichtige soziale Aktivität des SVKB. Auch nahm der SVKB Beisitz im Vorstand der Schweizerischen reformierten Arbeitsgemeinschaft Kirche und Landwirtschaft (SRAKLA). Die SRAKLA, der SVKB, die Schweizerische katholische Bauernvereinigung sowie die Landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea bildeten zusammen die Trägerschaft des "Bäuerlichen Sorgentelefons". Diese Institution bietet bäuerlichen Familien, die durch den raschen Strukturwandel in der Schweizer Landwirtschaft aus persönlichen und familiären Gründen in Not geraten sind und nicht mehr weiter wissen, Hilfe.
3.4 Dankbar rückwärts – mutig vorwärts: die Auflösung
Auch wenn der SVKB aus konfessionellen Gründen entstand, so hatte er doch von Beginn weg Kontakt mit dem konfessionell neutralen Schweizerischen Landfrauenverband (SLVF) in Brugg. 1997 wurde der SVKB Kollektivmitglied des SLFV und von 2001 weg wurde die Zusammenführung der beiden Verbände in die Wege geleitet. Die Gründe für die Zusammenführung der beiden Verbände sind in Kapitel 4.1 dargelegt.
An der letzten Vorstandssitzung im Februar 2006 brachen die Vorstandsmitglieder des SVKB mit dem Gedanken "Dankbar rückwärts – mutig vorwärts" in die Zukunft auf. Am 2. Mai 2006 wurden die kantonalen Sektionen des SVKB in den Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLF), die Nachfolgeorganisation des SLVF, integriert und damit aufgelöst.
Der Vorstand des SVKB übertrug die Archivierung der Verbandsakten dem Archiv für Agrargeschichte (AfA) in Zollikofen. Das AfA sichtete, bewertete, erschloss, verzeichnete und verpackte die Archivalien. Physisch sind sie im Bundesarchiv gelagert und können dort eingesehen werden.
Dossier Nr. 424 Bäuerinnen vom 23. August 2007
3. Der Schweizerische Verband Katholischer Bäuerinnen (SVKB)
3.1 Gründung 1961 und Aufbau