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Friedhof der Münstergemeinde / Elisabethenanlage

Elisabethenanlage / De Wette-Park
Tramhaltestelle Bahnhof SBB / Bushaltestelle Bahnhof SBB
Ein neuer Friedhof für die Münstergemeinde
Im Jahr 1814 forderte der Typhus in Basel zahlreiche Menschenleben. Der auf das Mittelalter zurückgehende Kirchhof von St.Martin war schon zuvor überfüllt. Er war einer der Bestattungsplätze der Münstergemeinde, in der neben dem Münster auch die Gotteshäuser St.Alban, St.Elisabethen und St.Martin vereinigt waren. Bereits die herkömmliche Überbelegung war ein Problem. Aber die Typhusepidemie gab den Ausschlag zur Suche nach einen Bestattungsorten.
Mit der Seuche kam in der Bevölkerung die Furcht auf, dass die vielen Typhustoten eine Ansteckungsfahr darstellten wenn man sie mitten in Wohnquartieren bestattete. Die besonders prekäre Situation zu St.Martin verlangte ein rasches Handeln. Im April 1814 legte der Bann der Münstergemeinde den Vorschlag eines neuen Friedhofs vor. Dieser sollte am Stadtrand liegen; bei der Spitalschüren an der oberen Elisabethen. Dort gab es unbebautes Gelände.
Das Deputatenamt unter seinem Vorsteher Peter Ochs (1752-1821) setzte sich für die Umsetzung des Vorhabens ein. Das Projekt war innerhalb des Gremiums nicht unumstritten. Auf einer Jucharte Land des einstigen Rebgeländes der Spitalschüren an der Stadtmauer beim Aeschenbollwerk sollten tausend Gräber Platz finden. Sie waren bestimmt für jene Verstorbenen die nicht im Münsterkreuzgang oder auf den Kirchhöfen der Münstergemeinde bestattet werden konnten.
Der Stadtrat überliess das Grundstück kostenlos dem Deputatenamt. Dieses sollte dafür die Ausgaben für das Anlegen des Friedhofes darauf tragen. Der Entwurf von 1816 sah einen Gottesacker von funktioneller Schlichtheit ohne Bäume und Büsche vor. Lediglich zwei Trauerweiden waren am Portal eingeplant. Die Leichenhalle (damals "Schargen- und Totenhaus") wurde unmittelbar an den benachbarten Schafstall (1830 abgerissen) der Spitalscheune angebaut.
Im Jahr 1817 wurde der neue Gottesacker eröffnet. Hier fanden neben den Toten der Münstergemeinde auch die verstorbenen Soldaten der Standeskompagnie ihre letzte Ruhe, wenn sie im Dienst das Zeitliche segnete. Der Verblichene wurde im Sarg von der Elisabethenkirche zum Friedhof getragen, begleitet von einem Trupp Kameraden mit gesenktem Gewehr. An der Spitze marschierte ein Tambour, dessen schwarz verhängte Trommel sie mit dumpfem Klang ans Grab führte.
A - Ursprünglicher Gottesacker ab 1817
B - Erweiterung des Gottesackers 1843/45
1 - heute Standort Strassburgerdenkmal (seit 1895)
2 - heute Musikpavillon in der Elisabethenanlage (seit 1905)
3 - Leichenhaus, ab 1903 Kapelle, ab 1918 Magazin, ab 2011 Cafeteria
4 - Schargen-/Totenhaus bis 1849 (und Schafstall)
5 - Gottesackerkapelle ab 1849 (1903 abgerissen)
6 - heute De Wette-Strasse (angelegt 1901)
7 - heute Frontpartie des De Wette-Schulhauses (seit 1903)
Erweiterung stösst auf Widerstand
Der ursprünglich karge Friedhof erhielt 1828 zaghafte Belebung durch Randbepflanzungen, kleine Bäumen entlang der Wege und Nischen mit Sitzbänken zum ausruhen. Bis zu diesem Jahr hatten auf dem Gottesacker insgesamt 379 Beerdigungen stattgefunden. Zu jener Zeit war der überfüllte Kirchhof von St.Elisabethen endgültig unbenutztbar geworden. Gemäss dem zuständigen Grabmacher, habe der obere Kirchhof um 1827 praktisch nur noch aus Knochen bestanden.
Der Platz sei innerhalb von neun Jahren gleich zweimal umgegraben worden. Bei jedem Spatenstich musste man damit rechnen, auf halbverweste Leichenreste zu stossen. Das Deputatenamt schränkte daher weitere Bestattungen dort massiv ein. Nun kamen fast alle Leichen die früher auf dem Kirchhof begraben wurden auf den Gottesacker St.Elisabethen. Daher wurde 1830 eine Umgestaltung durchgeführt. Dabei wurde Erde von der nahen Schanze der Stadtmauer abgetragen.
Das Erdreich wurde auf den Gottesacker gebracht, um diesen für zusätzliche Bestattungen vorzubereiten. Die Holzbrücken für den Transport wurden bei Johann Jakob Stehelin dem Älteren (1803-1879) in Auftrag gegeben. Allerdings reichten die Massnahmen nicht aus, um die vielen neuen Bestattungen zu bewältigen. Zum Ende des Jahrzehnts wurde deutlich, dass nur eine Erweiterung Abhilfe schaffen konnte. Dagegen wehrten sich allerdings 1839 die Anwohner des Friedhofs.
Mittlerweile war das einst dünn bewohnte Quartier gewachsen, und wollte sein Wachstum und seine Reputation nicht durch einen massiv vergrösserten Bestattungsplatz geschmälert sehen. Zum einen wurde eine Wertminderung der benachbarten Liegenschaften befürchtet. Zum anderen spielte erneut die Furcht vor gesundheitlichen Risiken durch verwesenden Leichen in ihren Gräbern eine Rolle. Mehrfach verlangten Petitionen die Verlegung des Bestattungsplatzes.
Der Friedhof sollte dem gemäss vor der Stadtmauer zwischen Steinen- und Aeschentor einen neuen Platz kriegen. Nachdem die Rechnungskammer diesem Ansinnen erst zustimmte, beschloss der Stadtrat danach hingegen die Vergrösserung des Gottesackers am bestehenden Ort. Dem stimmte auch eine Mehrheit der Münstergemeinde zu. Diese war in Sorge um Gesundheit der Trauerzüge, die bei schlechtem Wetter auf dem längeren Weg vor das Aeschentor zu sehr belastet würden.
Entgegen dem fortgesetzten Widerstand besonders hartnäckiger Gegner der Erweiterung, konnte 1844/45 der Friedhof auf dreifache Grösse ausgebaut werden. Als besonderer Problempunkt erwies sich das 1841 von Melchior Berri (1801-1854) entworfene Leichenhaus. Die tief sitzende diffuse Angst vieler Leute vor Krankheiten die von Toten ausgingen die noch nicht in der Erde ruhten, führte zu einer Umdisponierung. Das Leichenhaus bekam einen andern Platz.
Ihr neuer Standort lag an der äussersten Ecke des Gottesackers, fast direkt bei der Stadtmauer. So weit wie möglich weg von Wohnhäusern. Während der neue Teil des Friedhofs 1845 seiner Bestimmung übergeben werden konnte, wurde die Kapelle für Abdankungen im Dezember 1849 eingeweiht. Wenig später waren Leichenhaus und Wärterwohnung fertig. Die Neuerungen fanden unter Aufsicht des Staates statt, der 1843 die Verwaltung der Friedhöfe übernommen hatte.
1 - Standort der 1903 abgerissenen Gottesackerkapelle (1849)
2 - Standort des ehemaligen Friedhofsportals
3 - ehemalige Leichenhalle (1850)
Das Umfeld verändert sich
Der erweiterte Gottesacker wurde nicht nur von Trauernden besucht. Öfter wurden die Gräber mittlerweile mit privatem Blumenschmuck versehen. Diese Blumen strahlten jedoch eine unerwünschte Attraktivität aus. Im Jahr 1858 gingen beim Bauamt vermehrt Klagen ein. Es wurde beobachtet dass sich Frauen mit Körben auf den Friedhof begäben. Dort pflückten sie die Blätter von Rosen auf Gräbern und Rabatten, um diese dann an Tabakhersteller zu verkaufen.
Mit der 1858 erfolgten Auffüllung des Stadtgrabens und dem wenig später einsetzenden Abriss der Stadtmauer bekam der Gottesacker Freiraum auf seinen zwei Feldseiten. Der Abbruch des alten Mauerringes an diesem Ort war durch einen im September 1857 gefällten Ratsbeschluss motiviert. Es war nämlich entschieden worden, vor der Elisabethenschanze (Aeschenbollwerk) einen definitiven Bahnhof für die Schweizerischen Centralbahnen zu errichten.
Der einfachste Zugangsweg dorthin führte über die Elisabethenstrasse, die im Mittelalter durch die Stadtmauer vom Umland abgeschnitten worden war. Mit einem Mauerdurchbruch an diesem Ort konnte wieder ein Weg hinaus geschaffen werden, an jenen Ort wo der Bahnhof entstehen sollte. Einem provisorischen Gittertor bei der Spitalschüren 1858 folgte der Abbruch der Mauer 1861/62. Der alte Ring der grossbasler Befestigung sollte in Grünanlagen umgewandelt werden.
Diese Aufgabe unterstand dem Vorsitzenden der Basler Baukollegiums, dem Ratsherrn und Siedenbandfabrikanten Karl Sarasin (1815-1886). Er holte 1859 den königlich bayerischen Hofgärtner Carl Effner (1831-1884) aus München nach Basel um ihm die Planung zu übertragen. Effner erarbeitete 1860 Vorschläge auf deren Basis die Stadtgärtnerei als wichtiges Werkzeug für die Begrünung entstand. Erster Stadtgärtner wurde 1861 der Münchner Georg Schuster.
Schuster hatte wesentlichen Anteil an der Gestaltung der Grünanlage die beim Friedhof entlang der früheren Stadtmauer entstand. In folgenden Jahrzehnt wuchs die Stadt unaufhörlich weiter. Damit wurden auch neue Friedhöfe notwendig. Um der Entwicklung Rechnung zu tragen, wurde auf dem Wolffeld an der Münchensteinerstrasse 1870/72 der Gottesacker Wolf angelegt. Weit vor der Stadt gelegen, entsprach der den veränderten Bedingungen der Zeit.
Der Friedhof wird zum Park
Mit der Eröffnung des Wolfgottesackers am 23. Mai 1872 wurden die Friedhöfe von St.Alban und St.Jakob aufgegeben. Auch der Elisabethengottesacker wurde für Bestattungen geschlossen, und sollte langfristig eine Parkanlage werden. Einige seiner Grabmäler stehen heute auf dem Wolfgottesacker. Ein versetzter Grabstein liegt bis heute auf dem Kirchhof von St.Alban. Es handelt sich um jenen des Baselbieter Volksführers Hans Georg Stehlin (1760-1832).
Der eingebürgerte Holzhändler aus Benken wurde mit der Helvetik 1798 Präsident der Basler Nationalversammlung, 1803 Mitglied des Kleinen Rates und 1809 Mitglied des Staatsrats. Bestattet wurde er auf dem Gottesacker der Münstergemeinde. Nach der Aufhebung des Friedhofs versetzte man den Grabstein zum Familiengrab seines Bruders. Noch zwanzig Jahre, die man dem Gottesacker als Ruhefrist einräumte, wurde die Kapelle aus dem Jahr 1849 für Abdankungen benutzt.
Heute auf dem Kirchhof St.Alban - der Grabstein des Hans Georg Stehlin. Er befand sich von 1832 bis 1872 auf dem Gottesacker der Münstergemeinde.
Für die meisten Trauernden wäre der weite Fussweg hinaus zum Wolf bei jedem Wetter zu lange gewesen. Daher fanden bestimmte Abdankungen für die grosse Trauergemeinde in alter Gewohnheit auf dem aufgehobenen Friedhof statt. Danach folgten die engeren Verwandten dem Leichenwagen hinaus zum Wolfgottesacker. Die Parkanlage um den Friedhof am Centralbahnplatz wurde 1895 durch das Strassburgerdenkmal von Auguste-Fréderic Bartholdi (1834-1904) bereichert.
Zu dieser Zeit waren über zwei Jahrzehnte seit der letzten Bestattung vergangen. Man konnte nun eine Umnutzung des Aeals angehen. Ein Teil davon war der Bau der 1901 entstandenen De Wette-Strasse. Ihr Name geht auf Wilhelm Martin Leberecht De Wette (1780-1849) zurück. Er war 1822 aus Weimar nach Basel gekommen und wirkte hier als Professor für Theologie. 1829 erlangte er das Bürgerecht. Viermal wählte man ihn zum Rektor der Universität.
Nach seinem Tod am 16. Juni 1849, wurde De Wette auf dem neuen Teil des ausgebauten Friedhofs beigesetzt. Exakt da wo sein Grab gelegen hatte, wurde die Strasse mit seinem Namen gebaut. Ebenfalls nach ihm wurde das 1901/03 entstandene Schulhaus benannt. Es wurde in neubarockem Stil nach den Plänen von Fritz Stehlin (1861-1923) und Emanuel La Roche (1863-1922) erbaut. Der Bau der Schulhauses rief Unbehagen in Teilen der Bevölkerung hervor.
Der Park im Wandel der Zeiten
Der Schulhausneubau beanspruchte einen grossen Teil des ehemaligen Friedhofs. Unausweichlich war, dass zum Bau Gräber freigelegt wurden, was für viele Leute ein Eingriff in die Totenruhe darstellte. Die Behörden sagten zu, für die betroffenen sterblichen Überreste eine Bestatungskapelle bereitzustellen. Dazu wurde 1903 durch Theodor Hünerwadel (1864-1956) die klassizistische Leichenhalle von 1849 umgebaut; mit dem Schulhaus harmonierend in neubarockem Stil.
Im Jahr 1899 hatte Emanuel La Roche bereits ein Projekt vorgelegt, welches die Umgestaltung des ehemaligen Geländes des Gottesackers vor dem geplanten De Wette-Schulhaus zum Inhalt hatte. Im Oktober 1901 bekam der abgeänderte Plan die Erlaubnis zur Umsetzung. In der Folge entstand an der De Wette-Strasse ein abgesenktes Rasenrechteck im Barockstil. In der südöstlichen Ecke des ehemaligen Friedhofes wurde 1905 der heute noch bestehende Musikpavillon erstellt.
Der 1905 erstellte Musikpavillon in der Elisabethenanlage. Er steht dort wo sich früher die südöstliche Ecke des Gottesackers befand.
Die eigentliche Friedhofskapelle von Melchior Berri verschwand beim Schulhausbau. Ihren Platz als kleines Gotteshaus nahm somit die umgestaltete Leichenhalle ein. Sie wurde allerdings nur kurze Zeit in diesem Sinne genutzt. Offenbar hatten sich die Gemüter über die Störung der Totenruhe bald beruhigt, und die Bestattungskapelle wurde nicht mehr als solche benötigt. Auf jeden Fall wurde sie 1918 zum Magazin des Kanalisationsbüros umfunktioniert.
Im Rahmen der Umnutzung wurde auf der Parkseite auch ein Schuppen angebaut. Das kleine Bauwerk war das letzte Relikt des einstigen Friedhofs. Es fristete in den folgenden Jahrzehnten eine Randexistenz, was sich auch äusserlich zeigte. Als zu Beginn des 21. Jahrhunders die Neugestaltung der Parkanlage greifbar wurde, rückte auch das alte Leichenhaus ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Es sollte im Kontext mit dem Park aktiv genutzt werden.
Nach vollendeter Umgestaltung des Parks 2008 kam das Gebäude ins Gespräch für eine Nutzung als soziale Einrichtung für Randständige. Ein Vorhaben das zwar im Oktober 2009 vom Grossen Rat gutgeheissen, aber schlussendlich doch nicht umgesetzt wurde. Das Baudepartement hatte Bedenken wegen der baulichen Sicherheit. Der Zustand des Bauwerks wird in diesem Zusammenhang beschrieben. Sowohl Dach wie Aussenhülle waren demnach sanierungsbedürftig.
Die sanitären Anlagen seien in desolatem Zustand gewesen. Geheizt wurde die ehemalige Leichenhalle mit einzelnen Gasöfen. Die Kosten für die Sanierung wurden auf 1 Million Franken geschätzt. Der Schuppen der nach der Profanisierung der Bestattungskapelle hinzugekommen war wurde abgerissen. Der Umbau wurde vom Architekturbüro Christ & Gantenbein geplant. Zum Park hin bekam das Gebäude ein grosses Rundfenster, welches den Innenraum aufhellte.
Die neue Parkanlage wurde am 18. April 2008 der Öffentlichkeit übergeben. Bei der Umgestaltung waren auch Sicherheitsfragen Rechnung getragen worden. In diesem Zusammenhang wurden die Sträucher entfernt und eine überschaubare Rasenlandschaft mit alten und neuen Bäumen so wie geschlungenen Wegen geschaffen. In der umgebauten einstigen Leichenhalle konnte im Juni 2011 (ein Jahr später als geplant) eine Cafeteria mit Vorplatz zum Park eröffnen.
Das von Melchior Berri errichtete und von Theodor Hünerwadel umgestaltete ehemalige Leichenhaus. Seit Juni 2011 wird es als Cafeteria genutzt.
Zusammenfassung
Die Überfüllung althergerbrachter Bestattungsplätze und die Typhusepidemie 1814 zeigten dass die Münstergemeinde einen zeitgemässen Friedhof brauchte. Ein Platz dafür wurde bei der Spitalschüren an der Stadtmauer gefunden, an der heutigen oberen Elisabethenstrasse. Der 1817 eröffnete Gottesacker war schlicht gestaltet und verfügte lediglich über ein an einen Schafstall angebautes Totenhaus. Der Friedhof wurde auch von der Standestruppe genutzt.
Der alte Kirchhof bei der Elisabethenkirche war um 1827 überfüllt. Es wurde notwendig die Bestattungen dieses Kirchsprengels auch auf den neuen Gottesacker zu verlegen. Doch da dieser dafür bald zu klein wurde, war in den 1830er Jahren eine Erweiterung notwendig geworden. Der geplante Ausbau des Friedhofs stiess im wachsenden Quartier auf Widerstand. Namentlich das geplante Leichenhaus löste Ängste vor ansteckenden Krankheiten aus, und musste verlegt werden.
Nach der Erweiterung 1843/44 verfügte der Bestattungsplatz über die dreifache Fläche. 1849 konnte eine Friedhofskapelle eingeweiht werden. Wenig später folgte ein Leichenhaus mit Wärterwohnung. Zwischen 1858 und 1862 verschwand die Stadtmauer die den Friedhof an zwei Seiten umgab, und in der Nähe wurde der Bahnhof der Centralbahnen eröffnet. Damit geriet der Bestattungsplatz in ein belebtes Umfeld. Die Zeiten der stadtnahen Friedhöfe neigten sich dem Ende zu.
Weit vor der Stadt wurde 1872 der Gottsacker Wolf eröffnet. Zugleich wurden die Kirchhöfe von St.Alban und St.Jakob und der Gottesacker der Münstergemeinde für Bestattungen geschlossen. Bereits um 1861 war unter der Aufsicht der neu gegründeten Stadtgärtnerei an Stelle der Stadtmauer beim Friedhof eine Parkanlage entstanden. Man liess dem Gottesacker über zwei Jahrzehnte Zeit, bevor man das Aral anders nutzte. Zum einen sollte ein Schulhaus entstehen.
Es war benannt nach dem 1849 auf dem Friedhof bestatteten Theologen Wilhelm Martin Leberecht De Wette und war 1901/03 von den Architekten Fritz Stehlin und Emanuel La Roche erbaut worden. Es beanspruchte einen grossen Teil der ehemaligen Friedhofsfläche. Die gleichnamige Strasse wurde direkt über die Stelle geführt, an der De Wette bestattet worden war. Die Friedhofskapelle riss man ab und baute zugleich das Leichenhaus zur Bestattungskapelle um.
Diese Kapelle war nötig um jene Gemüter zu beruhigen, die im Schulhausbau über den Gräbern eine Störung der Totenruhe sahen. Der einstige Friedhof wurde mit der Grünanlage verschmolzen, die um 1861 entstanden war, und in der seit 1895 das Strassburgerdenkmal stand. Dieser neue Park erhielt 1905 einen Musikpavillon. Rund hundert Jahre später wurde er umgestaltet und 2008 eingeweiht. Die Kapelle wurde 1918 profanisiert und ist seit 2011 eine Cafeteria.
Interne Querverweise zur Elisabethenanlage:
>> Das Strassburgerdenkmal
>> Geschichte der Elisabethenstrasse
Beitrag erstellt 27.07.04 / Korrektur Quellen 09.01.17
Quellen:
Othmar Birkner, "Friedhof - Bestattungspark - Volksgarten", publiziert in Gärten in Basel, herausgegeben von der Öffentliche Basler Denkmalpflege, Basel, 1980, ISBN 3-85556, Seiten 41 bis 43
Othmar Birkner / Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920 - Basel, von der Christoph Merian Stiftung ermöglichter Seperatdruck aus Band 2 der Gesamtreihe, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Zürich, 1986, Seiten 46 (Carl Effener) 54 (Stadtgärtner Georg Schuster) und 144 bis 145 (Elisabethen-Anlage und De Wette-Oberrealschulhaus)
Emil Blum / Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seiten 27 und 31
Rolf Brönnimann, Basler Bauten 1860-1910, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1973, ISBN 3-7190-0624-7, Seite 130
Guido Helmig / Christoph Philipp Matt, Beitrag "Inventar der Basler Stadtbefestigung - Planvorlage und Katalog, 1. Die landseitige Äussere Grossbasler Stadtmauer", publiziert im Jahresbericht 1989 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von Rolf d'Aujourd'hui, Basel, 1991, ISBN 3-905098-10-5, Seiten 80
Paul Koelner, Basler Friedhöfe, Verlag der National-Zeitung, Basel, 1927, Seiten 68 bis 70
Eugen Anton Meier, "Der Gottesacker zu St.Elisabethen", publiziert in Basel - einst und jetzt, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 3. Auflage 1995, ISBN 3-85815-266-3, Seite 129
André Salvisberg, Die Basler Strassennamen, Christoph Merian Verlag, Basel, 1999, ISBN 3-85616-104-X, Seite 137
Jochen Wiede "Die Elisabethenanlage als garten- und kulturgeschichtliches Denkmal von städtebaulicher Bedeutung" publiziert im Basler Stadtbuch 1989, Christoph Merian Verlag, Basel, 1990, ISBN 3-856-16-038-8, Seiten 149 bis 155
Patricia Zihlmann-Märki, "Gott gebe das wie das Engelein mit Freüden wieder sehen Mögen" - Eine kulturgeschichtliche Untersuchung des Todes in Basel 1750-1850, Chronos Verlag, Zürich, 2010, ISBN 978-3-0340-1040-5, Seiten 75 bis 102 so wie 108 bis 121
o.A. Erklärung des Banns des Münsters an die Gemeinde in Bezug auf die Angelegenheit des Gottesackers, Broschüre, 1841