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“Wir sind gerade daran, die letzten Dokumente in der Ukraine zusammenzustellen”, erklärt Daniel Oberer, Präsident des Vereins “Tschernobylkinder”. “Die Kinder brauchen Visa, und manchmal haben sie gar keine Pässe. Diese organisiert und bezahlt ebenfalls der Verein”, sagt Oberer. Jedes Jahr organisiert der Verein ein dreiwöchiges Ferienlager in den Flumserbergen für 34 Kinder aus der Ukraine.
Engagement seit 2003
Im Jahr 2003 wurde der Verein in Walenstadt gegründet, der sich auch für Kinder vor Ort einsetzt. Am 26. April 1986 explodierte der Kernreaktor in Tschernobyl und setzte eine grosse Menge an Radioaktivität frei. Radioaktive Partikel verteilten sich über ganz Europa. Auch in der Schweiz gab es Ablagerungen. Wieviele Menschen von den Strahlen tatsächlich betroffen waren beziehungsweise sind, ist unklar. Die WHO geht davon aus, dass 8000 Menschen aufgrund der Katastrophe direkt gestorben sind. Dazu kommen Opfer mit Krankheiten oder Missbildungen, die auf mehrere Millionen geschätzt werden.
Radioaktivität ist nicht sichtbar
Noch immer ist das Gebiet 30 Kilometer um Tschernobyl herum nicht bewohnbar. Der Verein “Tschernobylkinder” ist in der sogenannten Zone 3 tätig, also 100 Kilometer weg von dem Gebiet, wo der Reaktor explodierte. “Die Kinder aus dieser Zone 3 brauchen die Erholung bei uns in der Schweiz”, sagt Oberer. “Das Perfide ist: Radioaktivität sieht man nicht, riecht man nicht, und sie ist auch sonst nicht wahrnehmbar. Sie dringt in uns ein und schädigt Darm, Schilddrüse oder Brust, und das sieht niemand.” Die Kinder, die ins Ferienlager kommen, haben laut Oberer eine ganz bleiche Haut. Das sehe man sofort. “Nach vier fünf Tagen im Lager sehen sie aber meistens dank der guten Ernährung bereits viel besser aus.”
Gefährliche Selbstversorgung
Diese Kinder stammen aus armen Verhältnissen. Ihre Familien sind Selbstversorger, das heisst, sie bauen in oftmals verseuchten Gebieten an oder sammeln Beeren und Pilzen aus verseuchten Wäldern. Das belastet die Gesundheit wiederum.
Die Kinder kommen jeweils nur einmal in die Ferien in die Schweiz. Ist das nicht etwas schwierig, den Kindern das Paradies zu zeigen, und sie danach wieder in die Armut zu entlassen? “Nein. Die Kinder geniessen die Zeit hier, aber zwei Tage vor der Abreise spüren wir, dass sie wirklich auch gerne wieder nach Hause gehen. Es erleichtert uns den Abschied, zumindest ein bisschen”, sagt Oberer.
Erinnerungen an Tschernobyl aus dem Engadin
Daniel Oberer mag sich selbst auch noch an die Katastrophe erinnern, er war damals 17. “Es war ein grosses Thema in den Medien, aber bei uns im Engadin, wo ich aufgewachsten bin, mussten keine grossen Massnahmen ergriffen werden. Im Unterland war das schon anders, dort gab es Milchrezessionen, und man durfte in manchen Gewässern nicht fischen”, erzählt er. “Auch hier war die Katastrophe ein sehr akutes Problem.”