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Zwischen 1983 und 1992 (bzw. 2004 für die beiden Registerbände, die als ein Band 5 gezählt werden) erschien im Verlag C. H. Beck der Briefwechsel von Georg Christoph Lichtenberg als historisch-kritische Ausgabe, herausgegeben von Ulrich Joost und Albrecht Schöne. Das sind vier dicke Leinenbände à jeweils über 1’000 Seiten Dünndruckpaper (sog. Bibelpapier) mit den Briefen, ein genau so dicker Halbband mit einem Personen- und ein eben solcher mit einem Sachregister.
Die Ausgabe umfasst alle heute bekannten Briefe von und an Lichtenberg, wenn möglich nach dem Original abgedruckt. In vielen Fällen war das nicht mehr möglich, sind doch einige Originalbriefe seit ihrer Publikation verschollen. Vor allem die Wirren des Zweiten Weltkriegs haben auch hier ihre Opfer gefordert. Dennoch sind fast 3’000 nachgewiesene Briefe hier wiedergegeben, oder zumindest ihre Existenz und ev. Stichwort zu ihrem Inhalt aufgezeigt. (Vor allem in späteren Jahren hat es sich Lichtenberg zur Gewohnheit gemacht, ein- und ausgehende Briefe in seinem Tagebuch zu notieren, oft eben auch mit Stichworten zum Inhalt. Diese Stichworte sind zwar oft für den aussenstehenden Leser irritierend – was „Trauriger Brief von meinem Bruder!“ genau meinen könnte, kann man heute höchstens erahnen angesichts der Tatsache, dass der Brief zur Zeit der Koalitionskriege gegen Frankreich verfasst wurde.)
Dem Leser gefällt, dass die Anmerkungen der Herausgeber unmittelbar jedem Brief folgen – man erspart sich so vieles Blättern. Allerdings nicht jedes, denn oft verweist die Anmerkung auf eine weitere Anmerkung zu einem andern Brief (wenn möglich in einem andern Band) oder auf das Personen- bzw. Sachregister (auch in einem separaten Band). Das entspricht dem wissenschaftlichen Usus des 20. Jahrhunderts, ärgert aber den an bequeme Hyperlinks gewöhnten Leser des 21. Jahrhunderts doch. Neben dem in einem separaten Band geführten Personenregister wurde auch noch jedem Band ein Register der in diesem Band erwähnten Personen beigefügt, auch das eine verdankenswerte Idee.
Zum separaten Band des Personenregisters kann ich wenig sagen. Dort, wo ich es benützt bzw. kontrolliert habe, erscheint es mir vollständig und erschöpfend. Die biografischen Angaben sind ausführlich genug, aber nicht zu lang. Ähnliches gilt fürs Sachregister. Zwar hätte ich mir das eine oder andere Mal andere Informationen gewünscht als reine Sacherklärungen. Ich weiss, was ein „Sofa“ ist, hatte aber im frühen Briefwechsel mit Madame Dieterich bei Lichtenbergs häufiger Verwendung des Worts dahinter eine sexuelle Anspielung vermutet. Nun – insofern, als dieses nicht bestätigt wurde, kann ich wohl auch davon ausgehen, dass dies nicht der Fall war. Weshalb der „Kaminfeger“ nicht nur mit Belegstellen nachgewiesen, sondern auch als „Schornsteinfeger“ übersetzt wird, erschliesst sich mir definitiv nicht. Andererseits sind die Anmerkungen zu den physikalischen Theorien und Messinstrumenten des 18. Jahrhunderts sehr erhellend.
Eine sehr gelungene, mustergültige Ausgabe, die jedem Liebhaber von Briefwechseln und/oder Lichtenberg nur zu empfehlen ist.