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Autor: Carole Schneuwly
Francis Bosco, der Hauptdarsteller des singapurischen Films «My Magic», konnte sich ein paar Freudentränen nicht verkneifen, als die internationale Jury den Gewinner des «Regard d’Or», des mit 30 000 Franken dotierten Hauptpreises des Fiff, bekannt gab. Nachdem Bosco den Preis aus den Händen von Staatsrätin Isabelle Chassot und Gemeinderätin Madeleine Genoud-Page entgegengenommen hatte, erklärte er den Anwesenden seine Rührung: «Ich hätte nie damit gerechnet, dass dieser kleine Film, der in nur neun Tagen gedreht wurde, den Hauptpreis gewinnen würde.» Regisseur Eric Khoo sei ein sehr vermögender Mann und drehe seine Filme nicht, um Geld zu verdienen. «My Magic» habe er mangels Sponsoren selber finanziert. «Eric Khoo hat diesen Film nur für mich gemacht», so Bosco. «Bis jetzt konnte ich ihm nichts dafür zurückgeben. Jetzt habe ich diesen Preis.»
«My Magic» handelt von einem ehemaligen Zauberer, der dick und alkoholsüchtig geworden ist und seinen zehnjährigen Sohn allein aufzieht. Um die Achtung seines Sohnes zu gewinnen, tritt er jeden Abend als Fakir auf. Die Stärke des Films gründet vor allem auf der überzeugenden Leistung von Francis Bosco, der selber auch als Fakir arbeitet.
Die internationale Jury habe den «Regard d’Or» einstimmig verliehen, sagte Jurypräsident Adoor Gopalakrishnan. Der Film verdiene den Preis mit «seiner minimalistischen Behandlung eines ungewöhnlichen Gegenstandes, seiner Sparsamkeit des Ausdrucks, seiner Nüchternheit und seinen Überraschungen».
Zwei Frauen überzeugten
Nebst «My Magic» standen an der Preisverleihung vom Samstagabend zwei Regisseurinnen im Mittelpunkt: die Mexikanerin Yulene Olaizola und die Pakistanerin Mehreen Jabbar. Die 26-jährige Yulene Olaizola gewann mit ihrem hitchcockesken Dokumentarfilm «Intimidades de Shakespeare y Victor Hugo» den Spezialpreis der internationalen Jury, den Preis der Fipresci-Jury der Filmkritiker sowie den Don-Quijote-Preis der internationalen Vereinigung der Filmclubs.
Die 38-jährige Mehreen Jabbar überzeugte mit ihrem Film «Ramchand Pakistani» am meisten Zuschauerinnen und Zuschauer und wurde mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Zudem erhielt sie lobende Erwähnungen von der Jugend- und der ökumenischen Jury.
Mutiger Regisseur
Die Jugendjury vergab ihren von der Organisation E-Changer gestifteten Preis an «Breathless» des Südkoreaners Yang Ik-june. «Dieser Film hat uns getroffen wie ein Faustschlag ins Gesicht», sagte Jurypräsident Sebastian Diaz. «Aber im Gegensatz zu den Zuschauern, die den Kinosaal vorzeitig verliessen, sahen wir nicht nur die omnipräsente Gewalt, sondern vor allem den Mut eines Regisseurs, der sich getraut, universelle Gewalt zu zeigen und zu verurteilen.»
Die ökumenische Jury von «Fastenopfer» und «Brot für alle» zeichnete den iranischen Film «Be calm and count to Seven» von Ramtin Lavafipour aus. Der zum ersten Mal verliehene Talent Tape Preis von Egli Film und Kodak schliesslich ging an den Chilenen Sebastián Silva, den Regisseur von «La nana». Der Preis besteht aus einer Tape-to-Film-Überspielung im Wert von 27 000 Franken.
Das Interesse wächst
Die Festivalleitung nutzte die Abschlusszeremonie für eine erste Bilanz zur 23. Ausgabe des Fiff: Die administrative Direktorin Franziska Burkhardt freute sich über das wachsende Interesse von Publikum und Fachleuten. Mit rund 29 700 Eintritten, zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr, erreichte man einen Zuschauerrekord. Auch das Medieninteresse habe zugenommen, so Burkhardt, besonders in der Deutschschweiz. «Die Leute haben erkannt, dass wir ein interessantes, modernes und junges Festival sind.»
Edouard Waintrop, der dem Festival zum zweiten Mal als künstlerischer Leiter vorstand, wand den Zuschauern ein Kränzchen: «Ich habe mich dieses Jahr noch mehr in dieses Publikum verliebt.»