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Während sich im amerikanischen Modern Dance zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein emphatisches Verständnis von Autorschaft herausbildete und die – vorwiegend weiblichen – Tänzerinnen sich als aus sich selbst schöpfende Individuen verstanden, wurde Autorschaft in den 1950-ern von Merce Cunningham dadurch, dass dieser seine Stücke mittels Aleatorik und Zufallsprinzip entwarf und somit seinem eigenen Gestaltungswillen entzog, abgelehnt und zu dekonstruieren versucht. Pina Bausch, Pionierin des deutschen Tanztheaters, entwarf ihre Stücke, indem sie ihre Tänzer/innen auf Fragen mittels Improvisation tänzerisch antworten liess, womit diese einen Teil ihrer ganz persönlichen (Tanz)Biographie in die Stücke hineintrugen und gewissermassen zu Co-Autoren der Stücke wurden. Im zeitgenössischen Tanz zeigen sich kollaborativ entstandene Stücke sowie Live-Improvisationen mit einer geteilten Autorschaft, womit auch urheberrechtliche Fragen aufgeworfen werden. Oder aber es wird wie bei Jérôme Bel und Xavier le Roy ein Verwirrspiel mit der Autorschaft betrieben.
In diesem Seminar sollen verschiedene Choreographinnen und Choreographen in den Blick genommen und deren Selbstverständnis als Autor/in oder eben Nicht-Autor/in seiner/ihrer Stücke untersucht werden. Der Frage richtet sich somit darauf, welcher Begriff von Autorschaft unterschiedlichen Tanzverständnissen und Tanzkonzepten des 20. Jahrhunderts zugrunde liegt. Unser Fokus beschränkt sich hierbei auf den abendländischen Bühnentanz.
Ziel dieses Seminars ist es, anhand gemeinsamer Lektüre ausgewählter Texte und Visionierungen von DVDs diese unterschiedlichen Arten der emphatischen, geteilten, kollektiven, bis hin zur verweigerten oder dekonstruierten Autorschaft im westlichen Bühnentanz des 20. Jahrhunderts zu rezipieren, zu beleuchten und zu diskutieren.
Brandstetter, Gabriele: Signatur des Tanzens. Autorschaft und Zeichnung der Bewegung mit einer Performance von Arnos Hetz: „I am drawing you are dancing. You are drawing I am dancing."In: Nicole Haitzinger und Karin Fenböck (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Schreiben und Denken. München 2010. S. 38-53
Huschka, Sabine: Moderner Tanz. Konzepte – Stile – Utopien. Frankfurt am Main 2002. Jannidis, Fotis / Lauer, Gerhard et. al. (Hg.): Texte zur Theorie der Autorschaft. Stuttgart 2000.
Ruhsam, Martina: Kollaborative Praxis: Choreographie. Die Inszenierung der Zusammenarbeit und ihre Aufführung. Berlin 2011.
Schmidt, Lisa: Die Frage nach der Autorschaft im zeitgenössischen Tanz. Diplomarbeit (Mag phil.) Universität Wien 2009. In: http://othes.univie.ac.at/5776/1/2009-06-25_0448713.pdf
Das Seminar wird durchgeführt von Mona DeWerdt, M.A.