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Geschichten & Märchen
Schatzkiste - Geschichten & Märchen
Der verrückte Königssohn
Es war einmal ein Königssohn, der plötzlich verrückt wurde und glaubte, er sei ein Truthahn. Er setzte sich nackt unter den Tisch und pickte Brotkrumen und Knochenstückchen vom Fußboden, wie es Truthähne tun. Kein Arzt konnte ihm helfen und ihn heilen, und der König war sehr bekümmert, bis eines Tages ein Weiser erschien und zu ihm sagte: „Ich werde ihn heilen.“
Er entkleidete sich ebenfalls, setzte sich nackt zu dem Königssohn unter den Tisch und begann, Brotkrumen und Knochenstückchen aufzupicken. Da fragte ihn der Königssohn: „Wer bist du, und was tust du hier?“ Und der Weise erwiderte: „Und was tust du hier?“ Darauf sagte der Königssohn: „Ich bin ein Truthahn.“ Und der Weise sagte: „Auch ich bin ein Truthahn.“ Und so hockten sie zusammen unter dem Tisch, bis sie sich aneinander gewöhnt hatten.
Dann gab der Weise den Dienern einen Wink, und sie legten ihnen zwei Hemden unter den Tisch, und der Weise sagte zu dem Königssohn: „Glaubst du, dass ein Truthahn kein Hemd tragen kann? Man kann sehr wohl ein Hemd tragen und trotzdem ein Truthahn bleiben.“ Und beide zogen sich Hemden über. Nach einiger Zeit verlangte der Weise, man möge ihnen Hosen bringen, und sagte zu dem Königssohn: „Meinst du nicht, dass man auch in Hosen ein Truthahn sein kann?“ Und beide zogen sich Hosen an, und so ging es weiter mit den übrigen Kleidungsstücken.
Danach ließ der Weise menschliche Speisen kommen und sagte zu dem Königssohn: „Glaubst du, man hört auf, ein Truthahn zu sein, wenn man gutes Essen zu sich nimmt? Man kann gut essen und trotzdem ein Truthahn bleiben.“ Sie aßen gemeinsam und dann sagte er: „Man kann sich auch als Truthahn an den Tisch setzen.“
Und so ging es weiter, bis er den Königssohn von seiner Krankheit geheilt hatte.
Und wer klug ist, wird die Geschichte verstehen.
Pinchas Sadeh: Jüdische Märchen und Legenden. Verlag Anaconda, Köln 2010, S. 433/434
Vom Fischer und dem Millionär
Das Glück ist wie ein Schmetterling
Die Geschichte der Schmetterlingsfrau
Vor der Entfaltung kommt der Aufbruch.
Wie beim Schmetterling.
Zuerst ist die Raupe. Sie frisst und frisst und frisst und zu guter Letzt weiß sie plötzlich nichjt mehr wie ihr geschieht.
Sie wird nervôs. Kein Ast passt für sie.
Sie hat den Drang sich zur Ruhe zu setzen, da es immer schwerer wird sich zu bewegen. Kein Vorankommen mehr. Kein Weitergehen. Stillstand.
In ihr kurze Panik, sie muss alles loslassen.
Die letzten Säfte kommen aus ihr bis sie sich verpuppt.
Dann Stille.
Atmen.
Stillstand.
Alles im Außen löst sich auf.
Ihre Welt existiert nicht mehr. Der Kokon beginnt sich zu entwickeln. Darin Dunkelheit.
Alles in ihr wird zu Brei und sie weiß nicht wie ihr geschieht. Alles in ihr löst sich auf.
Sie braucht Ruhe.
Alles formatiert sich neu.
Teile von ihr formieren sich neu.
Werden neu angesiedelt.
Und dann ist es da.
Das neue Konstrukt.
Die Schale wird immer enger.
Der Kokon bekommt Risse.
Es will sich ausdehnen aber es geht nicht.
Der Kokon ist zu eng.
Er muss zerbrechen.
Das neue Wesen kann sich nicht mehr kleiner machen. Es kann nichts mehr zurückhalten. Muss raus.
Und bumm.... Der Kokon bricht.
Müde von den ganzen Prozessen ruht das bunte Wesen.
Solange bis es wieder Kraft gefunden hat. Und plötzlich geht alles ganz schnell.
Der Schmetterling kriecht aus dem kaputten Kokon heraus.
Der Kokon ist kaputt
Aber das ist ihm egal.
Er hat Flügel.
Und sobald diese getrocknet sind kann er sie entfalten und in die ewige Freiheit fliegen.
Der zehnte Esel
Einst lebte ein indischer Bauer, der zehn Esel hatte, mit denen er seine Felder bestellte. Eines Abends nach einem arbeitsreichen Tag, kam er mit den Eseln nach Hause und band sie an den Pflöcken, die dafür im Hof standen, fest. Nachdem er neun Esel festgebunden hatte, merkte er zu seinem Schrecken, dass er das zehnte Seil verloren hatte, sodass er den letzten Esel nicht festmachen konnte.
Was nun? Da bemerkte er einen Weisen, der unter einem Baum saß. Er fragte den Mann ehrfürchtig um Rat. Dieser dachte einen kurzen Moment nach und antwortete dann: Das einzige, was du tun musst, ist genau die gleichen Bewegungen zu machen, mit der du den Esel sonst immer festbindest. Tu so, als ob du ihn festmachst, das ist alles.“
Der Bauer tat, wie ihm geheißen, dann ging er mit gemischten Gefühlen ins Haus, halb darauf vertrauend, dass der Rat des Weisen helfen würde und halb mit dem Gedanken, dass der Esel in der Nacht weglaufen würde. Als er aber am folgenden Morgen vor die Tür trat, standen alle Esel brav im Hof, auch der zehnte. Freudig machte der Bauer die neun Esel los und wollte mit ihnen aufs Feld gehen, um zu arbeiten. Zu seiner großen Überraschung weigerte sich der zehnte Esel, auch nur einen Schritt vorwärts zu gehen. Der Bauer zog ihn und schrie, aber das Tier blieb stocksteif stehen.
Da ging der er zu dem Weisen, der noch immer unter dem Baum saß, und fragte ihn, was er tun solle. Der Weise fragte ihn: Hast du den Esel denn von seinem Pfahl wieder losgebunden?“
„Nein, natürlich nicht,“ sagte der Bauer. Er ist doch gar nicht festgebunden! Aha, sagte der Weise mit einem Lächeln, das weißt du, aber der Esel weiß es nicht, er denkt, dass er noch immer festgebunden ist. Daraufhin ging der Bauer zu dem Esel, tat so, als ob er das Seil lösen und es vom Hals des Tieres wegnehmen würde. Kaum hatte er dies getan, lief der Esel brav mit aufs Feld.
Der Schäfer
Es war einmal ein Schäfer, der in einer einsamen Gegend seine Schafe hütete.
Plötzlich tauchte in einer großen Staubwolke ein nagelneuer Jeep auf und hielt direkt neben ihm.
Der Fahrer des Jeeps, ein junger Mann in feinem Anzug, schicken Schuhen, modischer Sonnenbrille und Seidenkrawatte steigt aus und fragt ihn: „Wenn ich errate, wie viele Schafe Sie haben, bekomme ich dann eins?“
Der Schäfer schaut den jungen Mann an, dann seine friedlich grasenden Schafe und sagt ruhig: „ In Ordnung.“
Der junge Mann parkt den Jeep, verbindet sein Notebook mit dem Handy, geht im Internet auf eine NASA-Seite, scannt die Gegend mit Hilfe seines GPS-Satelliten-Navigationssystems, öffnet eine Datenbank mit 60 Excel-Tabellen mit einer Unmenge von Formeln. Schließlich druckt er einen 150 – seitigen Bericht auf seinem High-Tech-Minidrucker, dreht sich zu dem Schäfer um und sagt: „Sie haben hier exakt 1586 Schafe!“
Der Schäfer sagt. “Das ist richtig, suchen Sie sich ein Schaf aus“.
Der junge Mann nimmt ein Schaf und bringt es zu seinem Jeep.
Der Schäfer schaut ihm zu und sagt: „Wenn ich Ihren Beruf errate, geben Sie mir dann das Schaf zurück“? Der junge Mann antwortet: „Klar, warum nicht“.
Der Schäfer sagt: „Sie sind Unternehmensberater!“
„Das ist richtig, woher wissen Sie das?“ will der junge Mann wissen.
„Sehr einfach,“ sagt der Schäfer, „erst kommen Sie hierher, obwohl Sie niemand gerufen hat. Zweitens wollen Sie ein Schaf als Bezahlung haben dafür, dass Sie mir etwas sagen, was ich ohnehin schon weiß und drittens haben Sie keine Ahnung von dem, was ich mache, denn Sie haben sich meinen Hund ausgesucht.“
Ein schwedisches Märchen
Was ist eigentlich das Leben?
An einem schönen Sommertag um die Mittagszeit war große Stille am Waldrand. Die Vögel hatten ihre Köpfe unter die Flügel gesteckt, alles ruhte. Da steckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte: Was ist eigentlich das Leben? Alle waren betroffen über diese schwierige Frage. Die Heckenrose entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach: Das Leben ist eine Entwicklung. Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Er sagte: Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein. Drunten im Gras mühte sich eine Ameise mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst, und sagte: Das Leben ist nichts anderes als Mühsal und Arbeit. Geschäftig kam eine Biene meinte dazu: Nein, das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen. Wo so weise Reden geführt wurden, steckte auch der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und brummte: Das Leben? Es ist ein Kampf im Dunkeln. Nun hätte es fast einen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte: Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen. Dann zog er weiter zum Meer. Dort brandeten die Wogen und warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen und stöhnten: Das Leben ist ein stets vergebliches Ringen um Freiheit. Hoch über ihnen zog majestätisch der Adler seine Kreise. Er frohlockte: Das Leben, das Leben ist ein Streben nach oben. Nicht weit vom Ufer entfernt stand eine Weide, die der Sturm schon zur Seite gebogen hatte. Sie sagte: Das Leben ist ein Sich neigen unter eine höhere Macht.
Dann kam die Nacht. Mit lautlosen Flügeln glitt der Uhu über die Wiese. Er krächzte: Das Leben heißt: die Gelegenheit nutzen, wenn andere schlafen. Und schließlich wurde es still. Nach einer Weile kam ein junger Mann des Wegs. Er setzte sich müde ins Gras, streckte dann alle viere von sich und meinte erschöpft vom vielen Tanzen und Trinken: Das eben ist das ständige Suchen nach Glück und eine lange Kette von Enttäuschungen. Auf einmal stand die Morgenröte in ihrer vollen Pracht auf und sprach: Wie ich, die Morgenröte, der Beginn des neuen Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit.
Sich aus Liebe ändern
Ich war männlich, verwegen, ich war frei und hatte lange Haare.
Meine Frau lernte mich kennen, nicht umgekehrt. Sie stellte mir förmlich nach. Egal wo ich hinkam, sie war schon da. Es ist nun zwölf Jahre her. Damals war ich eingefleischter Motorradfahrer, trug nur schwarze Sweat-Shirts, ausgefranste Jeans und Bikerstiefel, und ich trug lange Haare.
Selbstverständlich hatte ich auch ein Outfit für besondere Anlässe. Dann trug ich ein schwarzes Sweat-Shirt, ausgefranste Jeans und weiße Turnschuhe.
Hausarbeit war ein Übel, dem ich wann immer es möglich war, aus dem Wege ging.
Aber ich mochte mich und mein Leben. So also lernte sie mich kennen. "Du bist mein Traummann. Du bist so männlich, so verwegen und so frei."
Mit der Freiheit war es alsbald vorbei, da wir beschlossen zu heiraten. Warum auch nicht, ich war männlich verwegen, fast frei und ich hatte lange Haare.
Allerdings nur bis zur Hochzeit. Kurz vorher hörte ich sie sagen:" Du könntest wenigstens zum Frisör gehen, schließlich kommen meine Eltern zur Trauung." Stunden, - nein Tage später und endlose Tränen weiter gab ich nach und ließ mir eine modische Kurzhaarfrisur verpassen, denn schließlich liebte ich sie, und was soll` s, ich war männlich, verwegen, fast frei und es zog auf meinem Kopf. Und ich war soooo lieb.
"Schatz ich liebe Dich so wie Du bist" hauchte sie. Das Leben war in Ordnung obwohl es auf dem Kopf etwas kühl war. Es folgten Wochen friedlichen Zusammenseins bis meine Frau eines Tages mit einer großen Tüte unterm Arm vor mir stand. Sie holte ein Hemd, einen Pollunder (Bei dem Wort läuft es mir schon eiskalt den Rücken runter) und eine neue Hose hervor und sagte:" Probier das bitte mal an." Tage, Wochen, nein Monate und endlose Papiertaschentücher weiter gab ich nach, und trug Hemden, Pollunder (Ärrrgh) und Stoffhosen. Es folgten schwarze Schuhe Sakkos, Krawatten und Designermäntel. Aber ich war männlich, verwegen, todschick und es zog auf meinem Kopf. Dann folgte der größte Kampf. Der Kampf ums Motorrad. Allerdings dauerte er nicht sehr lange, denn im schwarzen Anzug, der ständig kneift und zwickt, lässt es sich nicht sehr gut kämpfen. Außerdem drückten die Lackschuhe, was mich auch mürbe machte. Aber was soll` s, ich war männlich, spießig, fast frei, ich fuhr einen Kombi, und es zog auf meinem Kopf.
Mit den Jahren folgten viele Kämpfe, die ich allesamt in einem Meer von Tränen verlor. Ich spülte, bügelte, kaufte ein, lernte deutsche Schlager auswendig, trank lieblichen Rotwein und ging sonntags spazieren. Was soll` s dachte ich, ich war ein Weichei, gefangen, fühlte mich scheiße und es zog auf dem Kopf.
Eines schönen Tages stand meine Frau mit gepackten Koffern vor mir und sagte:" Ich verlasse Dich." Völlig erstaunt fragte ich sie nach dem Grund. "Ich liebe dich nicht mehr, denn du hast dich so verändert. Du bist nicht mehr der Mann den ich mal kennen gelernt habe."
Vor kurzem traf ich sie wieder. Ihr "Neuer" ist ein langhaariger Biker mit zerrissenen Jeans und Tätowierungen, der mich mitleidig ansah.
Ich glaube, ich werde Ihm eine Mütze schicken.
unbekannt
Rede von Charlie Chaplin
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.
Als ich mich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man „REIFE“.
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben, und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht, was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“, aber heute weiß ich, das ist „SELBSTLIEBE“.
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man DEMUT.
Der Tempel der 1000 Spiegel
Es gab in Indien den Tempel der tausend Spiegel. Er lag hoch oben auf einem Berg und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages kam ein Hund und erklomm den Berg. Er stieg die Stufen des Tempels hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel.
Als er in den Saal der tausend Spiegel kam, sah er tausend Hunde. Er bekam Angst, sträubte das Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und tausend Hunde sträubten das Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine, knurrten furchtbar und fletschten die Zähne.
Voller Panik rannte der Hund aus dem Tempel und glaubte von nun an, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden bestehe.
Einige Zeit später kam ein anderer Hund, der den Berg erklomm. Auch er stieg die Stufen hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel. Als er in den Saal mit den tausend Spiegeln kam, sah auch er tausend andere Hunde. Er aber freute sich. Er wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf.
Dieser Hund verließ den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden bestehe, die ihm wohl gesonnen sind.
Die Kraft des Universums
Drei Hüter der Menschheit berieten gemeinsam darüber wo sie die stärkste Kraft im Universum vor den Menschen verbergen könnten.
Sie hatten die Verhaltensweisen der Menschen über einen sehr langen Zeitraum hinweg beobachtet und waren zu der Erkenntnis gelangt, dass sie noch nicht reif dafür seien, mit dieser starken Kraft weise umzugehen.
Der erste Hüter der Menschheit schlug vor sie auf der Spitze des höchsten Berges zu verstecken. Doch die beiden anderen gaben zu bedenken, dass die Menschen diese Kraft finden könnten noch bevor sie reif für den Umgang mit ihr seien.
Der Zweite schlug vor sie in den tiefsten Tiefen des Meeres zu versenken.
Doch auch hier meinten die beiden anderen würden die Menschen diese Kraft noch finden können bevor sie reif dafür seien.
Der dritte Hüter sagte: „Wo die Menschen nach der stärksten Kraft im Universum nicht suchen werden ist in ihrem eigenen Inneren.
Sie werden dort erst dann nach ihr suchen, wenn sie reif für den weisen Umgang mit dieser großen Kraft sind.“
Die drei Hüter der Menschheit ließen es so geschehen.
Seitdem ruht die stärkste Kraft im Universum im Inneren der Menschen und wartet darauf entdeckt und weise genutzt zu werden.
Die Kekse
Eine Frau saß in einem großen Flughafen und wartete auf ihren Flug, der mehreren Stunden Verspätung hatte. Um die Zeit irgendwie tot zu schlagen, kaufte sie sich ein Buch und eine Packung Kekse und machte es sich auf den Sitzen im Flughafen gemütlich.
Neben ihr war ein leerer Sitz, auf dem eine Packung Kekse lag und einen Sitz weiter saß ein junger Mann, der in einer Zeitschrift blätterte. Die Frau schlug ihr Buch auf und nahm sich einen Keks aus der Packung. Der Mann nahm sich ebenfalls einen Keks aus der Packung!
Das empörte sie, doch sie wollte keine Szene machen, sagte nichts und las einfach weiter. Aber jedes Mal, wenn sie einen Keks aus der Packung nahm, tat der Mann es ihr gleich. Das machte sie wütend, doch sie wollte in einem überfüllten Flughafen keinen Streit anfangen.
Als nur ein Keks in der Packung übrig blieb, dachte sie: "Jetzt möchte ich aber sehen, was dieser Flegel tut!"
Als ob er ihre Gedanken lesen konnte, nahm der Mann den Keks, brach ihn in der Mitte und reichte ihr eine Hälfte, ohne sie auch nur anzuschauen. Das brachte ihr Fass zum Überlaufen: Sie wollte ihn schon beschimpfen, konnte sich aber in letzter Sekunde beherrschen, stand auf, nahm ihre Sachen und ging weg.
Als sie später in ihrem Flieger saß, suchte sie in ihrer Tasche nach ihrer Brille und fand…. eine Packung Kekse! Da erinnerte sie sich, dass sie ihre Kekse in ihre Tasche gelegt hatte und der Mann, den sie für einen Grobian hielt, hatte SEINE Kekse mit ihr geteilt. Und das tat er einfach so aus Gutherzigkeit, ohne auch nur ein wenig wütend zu werden.
Sie schämte sich, doch konnte sie sich nicht mehr entschuldigen.
Die Geschichte von der Libelle
Am Boden eines kleinen, ruhigen Teiches lebte eine Gemeinschaft von Wasserkäfern.
Es war eine zufriedene Gemeinschaft, die dort im Halbdunkel lebte und damit beschäftigt war, über den Schlamm am Boden des Teiches hin und her zu laufen und nach etwas Nahrung zu suchen.
Immer wieder bemerkten die Wasserkäfer jedoch, dass der eine oder der andere von ihnen anscheinend nach einiger Zeit das Interesse daran verlor, bei ihnen zu bleiben. Er klammerte sich dann an den Stängel einer Teichrose und kroch langsam daran empor, bis er verschwunden war. Dann wurde er nie mehr gesehen.
Eines Tages, als dies wieder geschah, sagten die Wasserkäfer zueinander:
"Da klettert wieder einer unserer Freunde den Stängel der Teichrose empor. Wohin mag er wohl gehen?"
Aber obwohl sie ganz genau zuschauten, entschwand auch dieses Mal der Freund schließlich aus ihren Augen. Die Zurückgebliebenen warteten noch eine lange Zeit, aber er kam nicht zurück.
"Ist das nicht eigentümlich?" sagte der erste Wasserkäfer.
"War er denn hier bei uns nicht glücklich?" fragte der zweite.
"Wo er jetzt wohl ist?" wunderte sich der dritte.
Keiner wußte eine Antwort. Sie standen vor einem Rätsel.
Schließlich berief der Älteste der Wasserkäfer eine Versammlung ein. "Ich habe eine Idee," sagte er.
"Der nächste von uns, der den Teichrosenstängel hochklettert, muß versprechen, daß er zurückkommt und uns erzählt, wohin er gegangen ist, und warum."
"Wir versprechen es," sagten alle feierlich.
Nicht lange danach, an einem Frühlingstag, bemerkte genau derselbe Wasserkäfer, der diesen Vorschlag gemacht hatte, daß er dabei war, den Teichrosenstängel emporzuklettern. Höher und immer höher kletterte er.
Und dann, noch bevor er wußte, was ihm geschah, durchbrach er auf einmal die Wasseroberfläche und fiel auf ein großes, grünes Teichrosenblatt.
Als der Wasserkäfer wieder zu sich kam, schaute er sich verwundert um. Er konnte nicht glauben, was er da sah.
Alles war ganz anders, auch sein Körper schien auf merkwürdige Weise verändert. Als er ihn neugierig zu betrachten begann, fiel sein Blick auf vier glitzernde Flügel und einen langen Hinterleib, die nun anscheinen zu ihm gehörten.
Noch während er sich über seine ungewohnte Form wunderte, spürte er ein Drängen, die Flügel zu bewegen. Er gab dem Drängen nach, bewegte seine Flügel, und plötzlich, ohne zu wissen wie, befand er sich in der Luft.
Der Wasserkäfer war eine Libelle geworden.
Auf und ab, in engen und großen Kreisen, bewegte sich die neugeborene Libelle durch die Luft. Sie fühlte sich wunderbar in diesem so ganz andersartigen Element als bisher.
Nach einiger Zeit ließ sie sich auf einem Blatt zum Ausruhen nieder.
In diesem Moment sah die Libelle hinunter auf das Wasser. Und da waren ihre alten Freunde, die anderen Wasserkäfer, die hin und her liefen am Boden des Teiches, so wie sie selbst noch vor einiger Zeit.
Jetzt erinnerte sich die Libelle an das Versprechen: "Der nächste von uns, der den Teichrosenstängel emporklettert, verspricht, daß er zurückkommt und erzählt, wohin er gegangen ist, und warum."
Ohne lange zu überlegen, stürzte die Libelle hinab, um ihren alten Freunden zu berichten.
Aber sie prallte von der Oberfläche des Wassers ab.
Jetzt, wo sie eine Libelle geworden war, konnte sie nicht mehr in das Wasser eintauchen.
"Ich kann nicht zurück," sagte sie traurig. "Zwar habe ich es versucht, aber ich kann mein Versprechen nicht einhalten.
Und selbst wenn ich zurückkehren könnte, kein einziger von meinen Freunden, den Wasserkäfern, würde mich in meinem neuen Körper erkennen."
Und nach einigem Nachsinnen wurde ihr klar: "Ich muß wohl warten, bis sie ebenfalls zu Libellen geworden sind.
Dann wissen sie von selbst, was mir widerfahren ist und wohin ich gegangen bin."
Und damit flog die Libelle glücklich empor, in ihre wunderbare neue Welt aus Luft und Licht.
Der Spatz und der Kuhfladen
Es war einmal …
ein nonkonformistischer Zugvogel, der sich entschloss, für den Winter nicht nach Süden zu fliegen. Das Wetter wurde jedoch bald so kalt, dass er sich doch zögernd auf den Weg nach Süden machte.
Innerhalb kurzerZeit setzte sich jedoch Eis auf seinen Flügeln fest und fast steifgefroren fiel er auf einem Bauernhof auf den Boden.
Eine Kuh ging vorbei und schliss auf den kleinen Zugvogel. Der Vogel dachte, das ist das Ende, aber die Kuhscheiße wärmte ihn und taute seine Flügel auf. Warm und glücklich fing er an zu singen.
In diesem Moment schlich eine große Katze vorbei, und als sie das Gezwitscher hörte, untersuchte sie, woher es kam. Die Katze räumte die Kuhscheiße weg, fand den zwitschernden Vogel und fraß ihn auf.
Die Moral von der Geschichte:
1. Nicht jeder, der auf Dich scheißt, ist notwendigerweise dein Feind.
2. Nicht jeder, der Dich aus der Scheiße holt, ist notwendigerweise dein Freund.
Unbekannt
Das perfekte Herz
Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.
Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: "Nun, dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines." Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.
Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken.... Genau gesagt, an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an: wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie?
Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: "Du musst scherzen", sagte er, "dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen."
"Ja", sagte der alte Mann, deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde... und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?"
Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen.
Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit
die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte.
Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen.
Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.
Quelle unbekannt
Entfaltung statt Liften - Coaching & Weiterbildung mit Martina Flury
|Martina Flury

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