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Die “Munduruku” sind ein traditionell kriegerisches Volk, und ihre Kultur beherrschte einst das gesamte Tal des Rio Tapajós – eine Region, die während des 19. Jahrhunderts bis zum Erstkontakt als “Mundurukãnia“ (Land der Munduruku) bezeichnet wurde. Heutzutage kämpfen sie um die Integrität ihres Territoriums, das von den illegalen Aktivitäten der Goldsucher bedroht wird, durch hydroelektrische Projekte und durch die Konstruktion einer grossen Wasserstrasse im Rio Tapajós.
Munduruku

Andere Namen: Mundurucu, Maytapu, Cara Preta

Sprachfamilie: Munduruku
Population: 11.630 (2010)
Region: Bundesstaaten Amazonas, Mato Grosso und Pará
|INHALTSVERZEICHNIS|
Name und Sprache
Lebensraum und Bevölkerung
Geschichte des Erstkontakts
Die Zeit des Gummi-Booms
Die Präsenz der Missionare
Die gesellschaftliche Organisation
Kulturelle Aspekte
Religiosität
Materielle Kultur
Das produktive System
Gold am Rio Tapajós
Indigene Organisationen
Schule
Gesundheit
Munduruku anderer Territorien
Dieses indigene Volk gehört der linguistischen Familie “Munduruku“ an, aus dem Sprachstamm “Tupi“. Ihre Selbstbezeichnung ist “Wuy jugu“, und wie die Ältesten ihres Volkes sich erinnern, stammt die Bezeichnung “Munduruku“, wie sie seit Ende des 18. Jahrhunderts bezeichnet werden, von ihren Feinden, den “Parintintins“, die in derselben Region ansässig waren – zwischen dem rechten Ufer des Rio Tapajós und dem Rio Madeira. Diese Bezeichnung bedeutet “Rote Ameisen“ – in Anbetracht der rot bemalten Munduruku-Krieger, die in Massen das Territorium ihrer Feinde attackierten.
Die sozio-linguistische Situation der Munduruku ist nicht leicht zu definieren, bedingt durch ihre unterschiedlichen Kontakte mit den verschiedenen Kolonisations-Fronten und durch die Tatsache ihrer Verteilung auf verschiedene geografische Territorien, in denen Gruppen ihres Volkes leben. Die Bevölkerung in den kleinen Dörfern am Ufer des Rio Tapajós ist in ihrer Mehrheit zweisprachig. Im Dorf “Sai Cinza“ und den Dörfern an den Flüssen “Cururu“, “Kabitutu“ und anderen Nebenflüssen des Rio Tapajós, sprechen Kinder, Frauen und alte Leute nur ihre Muttersprache. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Munduruku-Sprache in Vergessenheit geraten ist, und die Bewohner sich fast ausschliesslich der portugiesischen Sprache bedienen, wie zum Beispiel in den Dörfern “Mangue“ und “Praia do Índio“, die sich an der Peripherie des Städtchens “taituba“ befinden, sowie in den Kommunen des ITs “Coata-Laranjal“ im Bundesstaat Amazonas.
Die Munduruku leben in unterschiedlichen Regionen und Territorien im Bundesstaat Pará (im Südwesten, am Rio Tapajós und seinen Nebenflüssen, in den Munizipien von Santarém, Itaituba und Jacareacanga), im Bundesstaat Amazonas (im Osten, am Rio Canumã, Munizip von Nova Olinda, und an der “Transamazônica”, im Munizip Borba), im Bundesstaat Mato Grosso (im Norden, Region des Rio do Peixe, im Munizip von Juara). Ihr Lebensraum sind Waldgebiete am Ufer von navigierbaren Flüssen – die traditionellen Dörfer ihres originalen Lebensraumes befinden sich auf den so genannten “Savannen des Tapajós” – das sind Graslichtungen innerhalb des Regenwaldes.
Die grosse Mehrheit der Munduruku-Bevölkerung konzentriert sich innerhalb des Indio-Territoriums (IT) mit ihrem Namen – die Mehrheit ihrer Dörfer befinden sich am Rio Cururu, einem Nebenfluss des Rio Tapajós.
Im Herkunftsmythos der Munduruku hat “Karosakaybo” sie einst im Dorf “Wakopadi” geschaffen, das in jenen “Savannen des Tapajós” gelegen war, unweit der Quellen des Rio Krepori, einem Ort, der sich heute im östlichen Grenzbereich ihres im Jahr 2001 demarkierten Territoriums befindet.
Die ersten Nachrichten von einem Kontakt der ins Land strömenden Kolonisten mit den Munduruku stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – der erste schriftlich festgehaltene Hinweis stammt von dem Vikar José Monteiro de Noronha, aus dem Jahr 1768, der die Indios “Maturucu” nannte, als er sie zum ersten Mal am Ufer des Rio Maués erblickte, einem Nebenfluss des Rio Madeira, heute einem Teil des Bundesstaates Amazonas, wo bis heute noch Gruppen dieses indigenen Volkes existieren. Ihre Geschichte und ihr Verhältnis zur nationalen Gesellschaft präsentieren unterschiedliche Aspekte im Vergleich mit den anderen Munduruku aus dem Gebiet des Oberen Tapajós. Heute bewohnt die Mehrheit der Munduruku-Bevölkerung aus dem Becken des Rio Madeira das IT “Coatá-Laranjal”, dessen Demarkation ebenfalls im Jahr 2001 abgeschlossen wurde. Es gibt auch Kommunen ausserhalb der demarkierten Territorien, entlang der “Transamazônica-Piste”, in der Nähe des Munizips von Humautá, im Bundesstaat Amazonas.
Die territoriale Expansion dieses indigenen Volkes führte zu unterschiedlichen Kontaktsituationen und man kann sie besser verstehen, wenn man ihre Geschichte ein Stück zurück verfolgt, als sie noch eine einzige tapfere Kriegernation waren, die grosse Wanderungen zwischen dem Rio Madeira und dem Rio Tocantins durchführten, unter anderem in der Absicht, Köpfe von Feinden zu erbeuten, die sie mumifizierten, und denen sie magische Kräfte zuschrieben. Die Munduruku beherrschten das Tal des Rio Tapajós kriegerisch und kulturell seit Ende des 18. Jahrhunderts – eine Region, die zu jener Zeit auch “Mundurukânia” genannt wurde, und in der sie bis heute existieren – entweder in bereits demarkierten Territorien oder in kleinen Fluss-Kommunen, wie zum Beispiel “Mamãeanã”, “São Luís” und “Pimental” – letztere befinden sich nur etwa eine Stunde per Motorboot vom Munizip “Itaituba” entfernt.
Die Munduruku wurden von den Kolonisatoren erst besiegt, nachdem sie verschiedene, von den Portugiesen organisierte Söldnertruppen gegen die wilden Indios angefordert hatten, um endlich die kontinuierlichen Angriffe jener “Wilden” auf die Siedlungen der Einwanderer zu beenden. Diese Expeditionen erreichten einen Waffenstillstand, der sich zu einem scheinbar freundschaftlichen Verhältnis zwischen Indios und Siedlern entwickelte, welches von einigen Gelehrten als “Friedensvereinbarung” zwischen den Munduruku-Führern und den kolonialen Autoritäten der Region des Unteren Madeira/Tapajós bezeichnet wurde – das war gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Von da an wurden die Munduruku in Missionsdörfern zusammengefasst, man nutzte sie bei der Ausbeutung der so genannten “Drogen des Sertão” (Tonkabohnen, Kakao, Pfeffer, etc.) – während ein paar Gruppen weiterhin Krieg gegen rivalisierende Ethnien führten und damit gewissermassen der Besetzung ihrer Region durch die Kolonisatoren Vorschub leisteten.
In Anbetracht der weiträumigen Territorien, die von ihnen besetzt waren, und in denen sie umherzogen, fielen die Kontakte der Munduruku mit den Expansionsfronten unterschiedlich aus, je nach Entfernung und Erreichbarkeit derselben. Und man stellte auch unterschiedliche Aspekte ihrer Kultur zwischen den Stämmen am Ufer der Flüsse Tapajós, Madeira und Cururú gegenüber jenen im Cerrado-Gebiet “Campos do Tapajós”, fest – letztere eine Region, in der sich ihre traditionellen Dörfer befanden, und in der auch das mythologische Szenario dieses Volkes seine Wurzeln hat.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann der wachsende Bedarf an Naturkautschuk sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor zu entwickeln – die “Ara des Gummi-Booms” brach an, die Amazonien, als Heimat des Gummibaumes (Hevea brasiliensis) über Nacht an die Spitze des internationalen Kapitalmarktes katapultierte. Diese Entwicklung beschleunigte die Besetzung des Oberen Tapajós, und anderer Gummibaum-Gebiete, durch Nicht-Indios – besonders ab dem Ende des Jahrhunderts, als sich Tausende von Arbeitern aus dem brasilianischen Nordosten nach Amazonien vorwagten, die als Latexsammler von den Besitzern der “Seringais” (Latex-Sammelstellen) angestellt wurden. Diese Wirtschaftslage führte zur Invasion der indigenen Territorien und zwang ihre Bewohner zu kontinuierlichem Rückzug in der gesamten Amazonasregion.
Für die Munduruku leiteten jene Geschehnisse, die mit der Errichtung ihres ersten Missionsdorfes oberhalb der Wasserfälle des Rio Tapajós zusammenfielen, einen neuen Zyklus in ihrer Geschichte ein, da sie nun kontinuierlich auf weisse Männer trafen in einer Region, die vorher allein unter ihrer Kontrolle gestanden hatte. Das erste indigene Dorf in dieser Region, bekannt als “Missão Bacabal”, wurde im Jahr 1872 gegründet, unterhalb der Mündung des Rio Crepuri, unter der Aufsicht von Franziskaner-Patern. Trotzdem verblieben die traditionellen Indio-Dörfer, an Orten mit schwierigem Zugang, während langer Zeit noch autonom – es gibt Berichte von Reisenden und Chronisten, die jene Region besuchten und kriegerische Zusammenstösse mit den Munduruku noch bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts registrierten.
Historische und anthropologische Studien weisen darauf hin, dass dem Kommerz mit den so genannten “Regatões” (Händler, die mit ihren Booten die Flüsse befuhren und den Bewohnern Industrieprodukten verkauften, wie Zucker, Salz, Stoffe, Alkohol, etc.) ab Ende des 19. Jahrhunderts ein starker Einfluss auf die Munduruku zuzuschreiben ist, die ihre traditionellen Dörfer im Cerrado verliessen, um an die Ufer der schiffbaren Flüsse umzuziehen – besonders zum Rio Tapajós und zum Rio Cururú – um Latex und andere Produkte des Waldes gegen Industriegüter einzutauschen.
Jedoch haben die Munduruku selbst, ihrer oralen Tradition gemäss, für ihren Umzug an die Flussufer ganz andere Erklärungen. Obwohl sie den saisonbedingten Umzügen zum Tapajós und später zum Cururú zustimmen, waren andere Faktoren entscheidend für ihre Festsetzung an den Flussufern, zum Beispiel eine grosse Masernepidemie, die Anfang der 40er Jahre grassierte und einen bedeutenden Teil der Bevölkerung dezimierte – auch Häuptlinge grosser traditioneller Dörfer des Cerrado starben an dieser Krankheit.
Diese Tendenz des Umzugs ans Flussufer – auch noch in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung der Mission São Francisco am Rio Cururú, im Jahr 1911 – behielt einen saisonalen Charakter, das heisst, die Umzüge fanden nur während der Trockenzeit statt. Später etablierte sich der “Serviço de Proteção aos Índios (SPI)” (staatliche Indioschutz-Behörde) in der Region, mit dem “Kontaktposten Kayabi” (1940) am Rio São Manuel, und 1942 mit dem “Kontaktposten Munduruku” am Rio Cururú – zusammen mit der Mission der Franziskaner trugen die Regierungsbeamten dazu bei, den Umzug der Munduruku, Kayabi und Apiaká zu beschleunigen und zu konsolidieren. Beide Institutionen spielten eine bedeutende Rolle bei der Einführung der Latex-Extraktion unter den Indios und beim Umzug eines grossen Teils ihrer Bevölkerung von der Cerrado-Savanne an den Rio Cururú.
Es ist ebenfalls eine Tatsache, dass sowohl die Mission als auch der SPI dazu beigetragen haben, das Territorium der Munduruku gegen den Expansionsdruck der Gummisammler freizuhalten, der in zwei unterschiedlichen Perioden besonders intensiv war: der erste zwischen 1880 bis 1920, als die Wirtschaft mit dem Gummi in ganz Amazonien florierte, und deren Niedergang die Folge der englischen Konkurrenz aus den Kolonien in Malaysia war – der zweite Zyklus fiel auf die Periode des Zweiten Weltkriegs und das Jahrzehnt danach, wegen Beendigung der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Extremen Orient, als Brasilien, mit Unterstützung der amerikanischen Regierung, eine Politik zur Intensivierung der Gummiproduktion betrieb und mit Subventionen die Sammleraktivitäten stimulierte und Tausende Nordestinos als Gummisammler anstellte, die bald ihren Spitznamen “Gummisoldaten” weg hatten.
Die katholische Mission – neben ihrem Einfluss, der eine Konzentration der Munduruku-Bevölkerung am Ufer des Rio Cururú bewirkte – erhob die Prinzipien des Katholizismus, wie zum Beispiel die Taufe der Neugeborenen und die kirchliche Eheschliessung, zur Pflicht. Trotzdem, wenn man einen Vergleich zieht zu der indigenen Glaubenswelt – selbst unter Einbeziehung der Tatsache, dass die Praktiken der Bekehrung sich seit der Kolonialzeit nicht wesentlich geändert hatten, inklusive des Verbots der schamanistischen Rituale – muss man doch die Fortschritte hinsichtlich der Bekehrung zum Katholizismus als bescheiden bezeichnen, weil die Munduruku ausserordentlich fest mit ihren traditionellen Glaubensvorstellungen verbunden sind.
Noch heute leistet die Mission einen bedeutenden Beitrag zur Erziehung und zur Gesundheit. In letzter Zeit hat sich die Kirche bemüht, obwohl sie die indigene “Religion” ablehnt, die Munduruku bei der Organisation und den Vorbereitungen für die Demarkation und den Schutz ihres Territoriums zu unterstützen – und sie hilft ihnen bei der Wiedererlangung ihrer Rechte.
Im Dorf “Sai Cinza”, am Rio Tapajós, befindet sich seit mehr als 30 Jahren eine Mission der Baptisten, welche innerhalb ihrer Ziele einen religiöse Einfluss von respektabler Effizienz ausübt, parallel zum Widerstand der Munduruku bezüglich ihrer kulturellen Tradition. Sowohl die Baptisten wie die Katholiken leisteten einen wichtigen Beitrag zur schulischen Erziehung, unter anderem haben sie den jungen Indios beigebracht, sich in der Munduruku-Sprache auch schriftlich ausdrücken zu können. Obwohl sie ihre Rolle als Evangelisatoren noch nicht aufgegeben haben, bemühen sich die Missionare, die alltäglichen Fragen und Probleme der indigenen Bevölkerung zu lösen und ihnen im Kampf um ihre Rechte beizustehen.
In der Gesellschaft der Munduruku geben zwei exogame Hälften (als “Exogamie” bezeichnet man eine Heiratsordnung, die eine Heirat innerhalb der eigenen gesellschaftlichen Ordnung verbietet – Gegenstück ist “Endogamie”) den Ton an – sie identifizieren sich selbst als die “Rote Hälfte” und die “Weisse Hälfte”. Gegenwärtig existieren zirka 38 Clans, die sich auf diese beiden Hälften verteilen, und aus denen nicht nur die verwandtschaftlichen Beziehungen erwachsen, sondern auch diverse Beziehungen zum Alltag, zur Natur und zur Religion.
In der Organisation der Munduruku-Gesellschaft wird die Abstammung patrilinear gehandhabt, das heisst, die Söhne erben den Clan ihres Vaters – während die Regel der Wohnungsnahme matrilocal gehandhabt wird, das heisst, dass der frisch verheiratete Mann ins Haus des Schwiegervaters umzieht, dem er dann bei den üblichen Arbeiten – Feldbearbeitung, Fischen, Jagd und allem andern, was ein Mann zum Haushalt beitragen muss – zur Hand geht. In der Regel wird diese Periode in den ersten Jahren nach der Eheschliessung eingehalten – bis zur Geburt des zweiten Sohnes – danach kümmert sich der Ehemann um den Bau eines eigenen Hauses für seine wachsende Familie.
Als exogame Clans können ihre Mitglieder eine Ehe nur mit Personen der “anderen Hälfte” eingehen. So kann eine Person des Clans “Bõrõ” aus der Weissen Hälfte, sich nur mit einer anderen aus der Roten Hälfte, wie zum Beispiel dem “Karo”-Clan verheiraten. Die Möglichkeiten sind allerdings sehr variabel wegen der Vielzahl von Clans auf jeder Seite – da gibt es die “Kirixi, Akai, Saw” und andere in der Weissen Hälfte – die “Kabá, Tawé, Wako” und andere in der Roten Hälfte” – diese Clan-Namen sind aus verschiedenen Elementen der Natur entnommen, wie zum Beispiel von Bäumen, Vögeln und Säugetieren, die zum Bestand der reichhaltigen Kosmologie der Munduruku gehören, und oft in Erzählungen und traditionellen Gesängen vorkommen, welche das Weltgefüge erklären und die Rolle des Menschen darin.
Die bevorzugte Eheschliessung ist die zwischen “gekreuzten Cousins”, was bedeutet, dass der Jüngling oder die Jungfrau die Tochter des Bruders ihrer Mutter oder den Sohn der Schwester ihres Vaters ehelichen. So wie die Munduruku berichten, war eine Heirat bei ihnen niemals ein Grund für besondere Rituale oder Feste, obgleich es dazu klare und genaue Regeln für die Annäherung, Liebesbeziehung, Antrag und Konsolidierung gibt. Eine Scheidung ist erlaubt. Die Ehe ist eine bedeutende Sphäre im Gleichgewicht der Gesellschaft, Basis für ein gutes Verhältnis zwischen den Familien, für die Tauschgeschäfte und Solidarität, sowie für die politische Organisation der Dorfgemeinschaft.
Mit Beginn des Kontakts mit den Wirtschaftsfronten und den nicht-indigenen Institutionen (Mission und SPI) veränderten sich verschiedene Aspekte des kulturellen Lebens der Munduruku wesentlich. Als ein kriegerisches Volk, gründeten viele signifikante kulturelle Ausdrucksformen auf kriegerischen Aktivitäten und hatten einen markanten symbolischen Charakter für die Konstitution des Mannes und der Munduruku-Gesellschaft. Die Verlegung ihrer traditionellen Dörfer an die Ufer der Flüsse, wo sie kleinere Ansiedlungen bildeten, hat sicherlich auch zum Verschwinden des traditionellen Männerhauses beigetragen, einer wichtigen Einheit im traditionellen Dorf zur Erhaltung einiger Rituale kollektiven Charakters die mit der Beschaffung von Lebensmitteln einhergingen, aufgeteilt zwischen Trockenzeit (April bis September) und der Regenperiode (Oktober bis März). Unter diesen Ritualen befand sich auch das der “Mãe do mato” (Mutter des Waldes), ausgeführt zu Beginn der Regenperiode, mit der Bitte um Erlaubnis zur Jagd, um Schutz bei den Wanderungen durch den Wald und eine Jagd mit reicher Beute. Einige Elemente dieser Rituale sind noch gegenwärtig oder wurden neu erschaffen mit neuen Inhalten, besonders was den Respekt gegenüber den jagdbaren Tieren betrifft, was die alltäglichen Praktiken des Jägers angeht und die Regeln der Ernährung ebenfalls.
Die Munduruku pflegen einige kulturelle Praktiken bezüglich des Fischfangs – einer Aktivität, die intensiver während des Sommers betrieben wird – zu denen auch jene kollektiven “Spiele” gehören, die einem gemeinsamen Fischzug mit “Timbó” vorausgehen (Timbó ist eine Wurzel, die durch Zerstampfen einen Saft absondert, der die Fische betäubt an der Wasseroberfläche treiben lässt, wo sie dann leicht eingesammelt werden können). Einen Tag vor dem Fischzug werden die Timbó-Wurzeln von den Männern in Holzmörsern zerstampft. Das geschieht in einem bestimmten Rhythmus – während die Frauen sich mit roter Urucum-Paste oder weisser “Sorva” rüsten, um den Männern diese Farbe ins Gesicht und in die Haare zu schmieren – aber die flüchten vor den rabiaten Frauen, und es entwickelt sich ein “Spiel”, dass sich durchs ganze Dorf hinzieht. Dies ist eine Art und Weise der Munduruku “die Fische zu erfreuen” und am nächsten Tag einen erfolgreichen Fang zu tätigen.
Gegenwärtig werden in einigen Dörfern auch noch die “Parasuy”-Flöten gespielt – Instrumente von religiöser Bedeutung in ihrer Mythologie. Aber die Männer, die sie zu spielen verstehen, sind alt, wodurch der Fortbestand dieser Tradition infrage gestellt ist. Jedoch gibt es Initiativen von Seiten der jüngeren Leute – besonders von Lehrern und neuen Führungskräften – welche für die Erhaltung von traditionellen Gesängen und Ritualen eintreten.
Der Kulturreichtum der Munduruku ist aussergewöhnlich, sie besitzen ein Lieder-Repertoire von ungewöhnlicher Musikalität und Poesie, das sich mit dem alltäglichen Leben befasst. Ihre Kosmologie präsentiert Erzählungen, aus denen hervorgeht, dass sie Kenntnisse der Sterne besitzen, Konstellationen der Milchstrasse (genannt: “Kabikodepu”) kennen und die Sterne identifizieren, aus denen sie besteht.
Bei den religiösen Praktiken spielen die “Pajés” (Schamanen) eine herausragende Rolle – sie können Krankheiten bannen, austreiben und heilen durch Anwendungen von Kräutern, Rauch-Ritualen und den Kontakt mit übernatürlichen Wesen. Die traditionelle Religiosität ist stark präsent unter den Munduruku – auch heute noch, trotz aller Veränderungen, die sie durch die Kolonisierung erfuhren. Ihre Religiosität ist in allen Aspekten ihres täglichen Lebens gegenwärtig, sie bestimmt ihre Verbindungen zur Natur, die Praktiken innerhalb ihrer Arbeitswelt und auch die gesellschaftlichen Verbindungen.
Es gibt zwei christliche Missionen unter ihnen: Die “Missão São Francisco” (katholisch) im Dorf “Missão” am Rio Cururu, die dort seit 1911 besteht – und die “Missão Batista” (protestantisch), die ihre Aktivitäten Ende der 60er Jahre aufnahm, sie befindet sich im Dorf “Sai Cinza” am Rio Tapajós, in einer Entfernung von 40 Bootsminuten des Städtchens “Jacareacanga” (liegt auch an der “Transamazônica”). Wie schon gesagt, gibt es Interferenzen im kulturellen und religiösen Leben der Munduruku durch die beiden genannten religiösen Institutionen, und obwohl sie an den katholischen und protestantischen Zeremonien teilnehmen, kann man sie auf keinen Fall als bekehrt bezeichnen. Letztlich gibt es von Seiten der beiden Missionen keine Einwände mehr gegen die Praktiken ihrer Schamanen. Und es sieht so aus, dass die Munduruku auch gelegentlichen Ablehnungen durch Christen gegenüber ihrer traditionellen Religiosität keine Bedeutung beimessen. Die Präsenz unterschiedlicher Religionen hat unter den Munduruku keine Rivalitäten oder Diskussionen verursacht, eine Tatsache, die bedeuten kann, dass sie ihre eigenen Lösungen und Interprätationen hinsichtlich Religiosität bevorzugen.
In ihrer materiellen Kultur sind vor allem Korb- und Mattenflechterei hervorzuheben, Aktivitäten der Männer – nur ein Mann kann zum Beispiel den “Iço” konfektionieren – einen Korb, in dem die Frauen gesammelte Früchte und Feldprodukte transportieren – Siebe und andere Haushaltsprodukte stellen die Männer ebenfalls aus Naturfasern her.
Auf den Körben der Munduruku sind Zeichnungen mit Urucum (rote Pflanzenfarbe) angebracht, welche den Clan des Ehemannes ausweisen. Zum Beispiel die “Tipóias” – grosse Körbe mit Deckel zum Transportieren der Kleinkinder – die in diesem besonderen Fall von den Müttern hergestellt werden – geben in roter oder weisser Farbe die exogame Clan-Hälfte an, zu der das Baby gehört.
Einige Männer, und besonders die Frauen, sind geschickte Kunsthandwerker bei der Herstellung von zoomorphen Figuren (Fische, Schildkröten, Wildkatzen, Kaimane, etc.), die sie aus Samen und Schalen von Wildfrüchten schnitzen.
Die Keramik ist ausschliesslich eine den Frauen zugeordnete Aktivität. Aber sie ist am Verschwinden – lediglich ein paar Frauen in den Dörfern “Kaburuá” und “Katõ” beherrschen noch die traditionellen Techniken. Es gibt Informationen, die besagen, dass diese Praxis den Munduruku des Indio-Territoriums (IT) “Coatá”, im Bundesstaat Amazonas, noch geläufiger ist.
Das Weben, besonders von Hängematten, ist ebenfalls nur noch wenig gebräuchlich, obwohl es eine beachtliche Zahl von erwachsenen und älteren Frauen gibt, die diese Technik noch beherrschen und sie noch hie und da kunsthandwerklich nutzen, um solche Webprodukte zu verkaufen.
Die Lebenshaltung der Munduruku in Bezug auf ihre Nahrungsmittelproduktion bedient sich in traditioneller Form vorwiegend der Landwirtschaft – obgleich sie inzwischen einige Industrieprodukte als unverzichtbar betrachten, die regelmässig einkaufen, um ihre Essgewohnheiten zu ergänzen – die wichtigsten sind Salz, Kaffee und Zucker.
Die Feldarbeit wird entsprechend ihrer oralen Überlieferung praktiziert – auf festem Boden (der durch seine erhöhte Lage nie vom Fluss überschwemmt wird), mit Gesamtnutzung einer gerodeten Fläche und einer Bepflanzung mit unterschiedlichen Kulturen, die auf die Gemeinschaft verteilt werden. Die beliebtesten Kulturen sind: Verschiedene Maniok-Arten, Bananen, Süsskartoffeln, Zuckerrohr und “Cará”-Wurzeln. Fruchtbäume und –büsche werden an den Zugangswegen zu den Feldern gepflanzt.
Bei der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, übernimmt der Mann das Fällen der Bäume und das Roden des Dickichts (durch Feuer) zur Vorbereitung der Feldfläche. Die anschliessende Säuberung und Vorbereitung des Bodens wird von allen Familienmitgliedern besorgt. Die Pflanzung der Maniok geschieht durch Mann und Frau – andere Kulturen, wie Kartoffeln, “Cará”, Ananas und Pfefferschoten werden allein von den Frauen angelegt, denen auch das Unkrautjäten und die Ernte obliegen.
Aktivitäten wie Fischfang, die Jagd und das Sammeln von Waldprodukten gehören zur Ernährung, und man organisiert sie je nach Jahreszeit. Der Fischfang gehört gegenwärtig sicherlich zur wichtigsten Aktivität, um den Speisenplan mit tierischem Protein zu bereichern – während der Trockenzeit wird täglich gefischt, mit guten Ergebnissen – weniger während der Regenperiode, wenn die Flüsse über die Ufer treten, die Fische sich weit verteilen und diese Aktivität dadurch erschwert wird.
Das Sammeln von Früchten wird in verschiedenen Monaten des Jahres durchgeführt, denn das hängt von den unterschiedlichen Reifezeiten der verschiedenen Früchte ab (“Açaí, Patauá, Bacaba, Uxi, Jubá, Pupunha, Murici, Ingá, Castanha” etc.). Die dickflüssigen Säfte, die man in der Region auch “Vinhos” (Weine) nennt, spielen eine bedeutende Rolle in der Ernährung, besonders während der Regenzeit, wenn der Fisch knapp wird, dann bilden die Säfte, zusammen mit Maniokmehl und Wildfleisch, die Basis der “Winternahrung”.
Um die finanziellen Mittel zum Einkauf von Industrieprodukten (Salz, Zucker, Seife, Kleidung, Flip-Flops, Benzin, etc.) zu erhalten, entwickeln die Munduruku gegenwärtig Aktivitäten zur Überproduktion von Farinha in einigen Kommunen des Rio Tapajós, sie sammeln Paranüsse in zahlreichen Kommunen für denselben Zweck und Latex für die Gummiindustrie – letztere nur noch vorübergehend, denn die Preise gehen immer weiter zurück. Wie bereits im Abschnitt “Geschichte des Erstkontakts” behandelt, haben die Munduruku zur Zeit des Gummi-Booms bereits als Latex-Sammler gedient, und auf diese Weise ist diese Aktivität in ihr kulturelles Universum aufgenommen worden.
Nach dem Rückgang der Latex-Preise entdeckte man in dem Gebiet des Rio Tapajós gegen Ende der 50er Jahre grosse Goldvorkommen. Und der Zustrom der Goldsucher und Goldwäscher nahm zu nach dem Bau der “Transamazônica”-Piste im Jahr 1972 – er erreichte seinen Höhepunkt zwischen 1975 bis 1990. Die Munduruku beteiligten sich an der Goldsuche mit grösserem Einsatz ab der 80er Jahre, indem sie in Handarbeit, mit der “Bateia” (Schale zum Goldwaschen) in der Hand, jene Stellen absuchten, die bereits von Maschinen aufgebrochen und wegen zu geringem Ertrag wieder verlassen worden waren – für viele junge Familienväter reichte die Produktion von winzigen Mengen Goldstaub immerhin um ihre Familien durchzubringen.
In den letzten Jahren, mit dem Niedergang der Goldfunde in der gesamten Region, mit dem Wissen um die kulturellen und gesellschaftlichen Einbussen, mit den Folgen für die Gesundheit, die sich durch diese Aktivitäten in der Bevölkerung ausbreiteten, haben einige indigene Kommunen kehrt gemacht und interessieren sich nunmehr wieder für Aktivitäten zur Erhaltung des Waldes – sie versuchen Alternativen zu finden, mit denen sie Produkte wie Latex, Paranüsse und “Copaíba” (medizinisch genutzter Baumsaft) wieder gewinnbringend vermarkten können. Dieser Prozess befindet sich noch in einem embrionalen Stadium, er benötigt die Erarbeitung spezifischer Projekte, die eine Finanzierung der Aktivitäten gewährleisten. Auf jeden Fall ist dieses Thema enthalten in den Diskussionen, mit denen sich die Munduruku in den letzten Jahren beschäftigen – es geht um die Verteidigung des Territoriums und die Erhaltung der natürlichen Ressourcen und ihrer Kultur.
Die Munduruku nahmen teil an der zweiten Versammlung der indigenen Führer in Brasilien, die im Mai 1975 im Dorf “Missão Cururu” stattfand, dabei waren Stammesführer verschiedener Ethnien (die erste Versammlung dieser Art fand in der “Missão Anchieta” statt, im April 1974 – ohne die Munduruku). Die ersten Versammlungen auf Initiative und unter Anwesenheit von Häuptlingen und Repräsentanten der Mehrheit aller Munduruku-Dörfer fanden in den Jahren 1985 und 1986 statt und hatten ein zentrales Thema: die Demarkierung des Territoriums, ausserdem wurden Probleme der Erziehung, Gesundheit, Umwelt und Projekte der Wirtschaft in den Kommunen diskutiert. Diese Zusammenkünfte wurden allerdings erst ab der “1. Assembléia Geral do Povo Munduruku” im Jahr 1989 registriert. Im Verlauf der Jahre reifte die Organisation, die Beteiligung wuchs und die Diskussionsthemen nahmen an Vielfalt zu.
Als Mittel einer formellen Organisation schufen die Munduruku des Oberen Tapajós 1991 die “Associação Indígena Pusuru” auf Initiative einiger ihre Führer hin, in der Absicht, ihre Forderungen hinsichtlich der Demarkierung ihrer Ländereien zu organisieren, ausserdem Aktionen bezüglich des Umweltschutzes, der Erziehung, der Gesundheit und anderer Probleme zu entwickeln, die ihre Bevölkerung betreffen. Im gleichen Jahr fanden die Führer heraus, dass sie eine Form der Organisation brauchten, die in der Lage ist, direkten politischen Druck auszuüben, und die ihre Diskussionen leitet und die Möglichkeit einer breiten Beteiligung der Repräsentanten aus verschiedenen Munduruku-Kommunen bietet. Es entstand der “Conselho Indígena Munduruku do Alto Tapajós (CIMAT)” (Indigener Munduruku-Rat vom Oberen Tapajós). 2002 fand die “14. Assembléia Geral” statt, die erste Versammlung nach Beendigung der Demarkation ihres Territoriums, für die so viele Führer mit ihren Kommunen gerungen hatten.
Die Herausforderungen sind endlos. Die schwierige Lokalisation, unter anderen Faktoren, entmutigt regelmässige Relationen mit anderen indigenen Gemeinschaften, das Kennenlernen anderer Erfahrungen und den Zusammenschluss mit anderen Alliierten zur Aufarbeitung aktueller Probleme. Die Organisation der Munduruku, wie auch zahlreicher anderer indigener Völker Brasiliens, steht vor einer Situation der Fast-Isolation, die eine grössere politische Reife erschwert und sie abhängig macht von lokalen Vermittlern, die ihrerseits durch die indigene Rechte nicht kompromittiert sind.
Auch in dieser Situation agieren die beiden Organisationen gemeinsam und haben bereits verschiedene wichtige Aktionen für die Stärkung des Mundurukuvolkes durchgeführt. Sie haben zum Beispiel 1998 ein Projekt vorgestellt, welches vom PPTAL genehmigt worden ist – eine Kommunikation per Funk zwischen zehn Dörfern zu schaffen, die an strategisch wichtigen Stellen gelegen sind, um das Indio-Territorium vor Invasionen zu schützen und gemeinsame Aktivitäten zu artikulieren – diese Einrichtung hat massgeblich dazu beigetragen, die Kommunikation und die gegenseitigen Beziehungen zu verbessern und die ganze Organisation zu festigen.
Im Jahr 2001 realisierten die beiden Organisationen, mit Unterstützung des PPTAL, das Projekt zur Begleitung der Demarkierung des IT Munduruku – im Folgejahr 2002 wurde dann das Projekt zur Kontrolle des besagten Indio-Territoriums durchgeführt. Die “Pusuru” und die CIMAT koordinieren die Mobilisierung der Munduruku-Aktivitäten, leiten Forderungen betreffs ihrer Rechte in die Wege und sind Vermittler bei Auseinandersetzungen mit den Behörden. Um diesen Belangen zu entsprechen, wurde in “Jacareacanga” ein Büro eingerichtet.
Indessen haben jedoch die Eingriffe der lokalen Politiker in das Leben der Munduruku zugenommen. Diese Tatsache, zusammen mit dem Rückzug und offensichtlichem Desinteresse der regionalen FUNAI an der Zusammenarbeit mit den Indios, bedroht den Prozess einer Konsolidierung der Munduruku als autonome und unabhängige Organisation.
Ein anderer Aspekt, der es wert ist, im Organisationsprozess der Munduruku festgehalten zu werden, ist ihr Interesse an einer Verbesserung ihrer schulischen Erziehung, das sie schon seit längerer Zeit geäussert haben. Viele der existierenden Schulen entstanden auf Initiative der Kommunen – viele indigene Lehrer stellten sich jahrelang als Volontäre zur Verfügung – sie trugen zur Alphabetisierung bei und entzündeten das Interesse vieler Jugendlicher, die sich heute an Aktionen beteiligen, welche der Gemeinschaft zugutekommen. Die Ausbildung der ersten indigenen Lehrer fand ab der 70er Jahre statt – mit Unterstützung des SIL (Sociedade Internacional de Lingüística) und der “Missão San Francisco”.
Nach längerer Pause wurden die schulischen Aktivitäten, in neuem Format und neuen Prinzipien, Ende der 80er Jahre wieder aufgenommen, einige durch die Initiative des CIMI (Conselho Indigenista Missionário) und andere durch die FUNAI. Gegenwärtig läuft das Projekt “Formação de Magistério Indígena Munduruku” (Bildung eines indigenen Lehramtes) mit Koordination der FUNAI, in Partnerschaft mit der Sektion für indigene Erziehung der SEDUC-PA (Secretaria de Educação do Pará), ausserdem unterstützt von den Munduruku, der Batista-Mission und der Cururu-Mission.
Unter den Problemen, mit denen die Munduruku gegenwärtig zu kämpfen haben – besonders jene Kommunen in der Region des Rio Tapajós – ist vor allem auch die prekäre Situation der medizinischen Betreuung zu nennen. Verantwortlich dafür ist die FUNASA (der FUNAI angeschlossene Organisation für die medizinische Betreuung der Indios) in Zusammenarbeit mit der Präfektur von Jacareacanga.
Die Gesundheitsprobleme häufen sich im Lauf der Zeit – einige Aspekte wurden schon vor Jahren gezielt untersucht, wie zum Beispiel die Kontaminierung durch Quecksilber (Goldsucher benutzen Quecksilber zur Abscheidung von Gold, das dann die Flüsse verseucht, von den Fischen und vom Wasser selbst in den menschlichen Organismus gelangt), sowie die zahlreichen Fälle von Hepatitis B, nachgewiesen durch Studien des Instituts “Evandro Chagas” seit Beginn der 90er Jahre. Parallel zu diesen Krankheiten sind die Fälle von Tuberkulose, Malaria und Ateminfektionen besorgniserregend angestiegen, die zahlreiche Todesfälle verursachen. Die Beteiligung und gesellschaftliche Kontrolle in der Gesundheitspolitik sind noch sehr schwach, es gibt noch nicht genügend Artikulation zur Kontrolle oder zum Einfordern von Rechten – und so wird die Betreuung ignoriert von einer Organisation, welche nicht einmal den minimalsten Erfordernissen einer gesundheitlichen Betreuung des Mundurukuvolkes entspricht.
Ein weiteres Problem, welches die Gesundheit der Munduruku untergräbt, sind die zunehmenden Verbindungen mit der Stadt “Jacareacanga” (innerhalb des Munizips gleichen Namens, das 1993 offiziell bestätigt wurde) – ganze Familien wandern aus den Munduruku-Dörfern ab, um sich dort niederzulassen. Zunehmend häufiger treten inzwischen auch Geschlechtskrankheiten auf und verbreiten sich durch die Gier der Jugendlichen, die zwischen ihrem Dorf und der nur fünfzehn Bootsminuten entfernten Stadt hin und herziehen.
Die Munduruku-Kommunen anderer Gebiete – teilweise weit entfernt vom Rio Tapajós – haben jedoch im Kampf um ihre Rechte und in der Konsolidierung ihrer Organisationen, ähnliche Wege eingeschlagen. In “Praia do Índio” und in “Mangue” – kleineren Territorien in der Nähe von “Itaituba”, gibt es die Vereinigung “Pari’rip” und ein Projekt zur Wiederbelebung der Sprache und der Kultur Munduruku, ins Leben gerufen von der “Escola Indigena” (indigene Schule), welche von der Kommune mit Unterstützung einer NGO und der FUNAI unterhalten wird.
Im IT “Coará-Laranjal”, im Bundesstaat Amazonas, wurde die Demarkation ebenfalls von der dortigen “Assocoação Indigena” begleitet – sie wird finanziert vom PPTAL (Projeto Integrado de Proteção às Terras e às Populações Indígenas da Amazônia Legal Brasileira). Gegenwärtig existiert in dieser Kommune ein Projekt zur Produktion von Zuckerrohr-Sirup und “Rapadura” (ausgehärtete Melasse – ein beliebter Energiespender), finanziert von der regionalen FUNAI-Administration in Manaus.
In den letzten Jahren haben die Munduruku jener unterschiedlichen Gebiete versucht, Mittel und Wege zu finden, um sich einander anzunähern und regelmässige Kontakte aufzubauen mit dem Ziel, Erfahrungen auszutauschen und in den verschiedenen Aspekten ihrer gemeinsamen Kultur wieder zusammenzukommen. Dies ist ein Wunsch, falls er trotz der Schwierigkeiten in Erfüllung gehen sollte, der Kenntnisse und neue Alternativen mit sich bringen würde, sicherer voran zu schreiten und neuen Herausforderungen begegnen zu können.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung Klaus D. Günther