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Gute Unterhaltung, wenn auch mit wenig Tiefgang und einfach gehaltenem Erzählstil
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Nachdem sich das Familienoberhaupt der Hansens aus Angst vor dem wirtschaftlichen Ruin erschossen hat, erben die Brüder Robert, Karl und Georg das Kaffeekontor Hansen. Sie möchten das Familienunternehmen erhalten und treffen gemeinsam den Entschluss, eine florierende Kakaoplantage in Kamerun zu kaufen und zu bewirtschaften, um z... Nachdem sich das Familienoberhaupt der Hansens aus Angst vor dem wirtschaftlichen Ruin erschossen hat, erben die Brüder Robert, Karl und Georg das Kaffeekontor Hansen. Sie möchten das Familienunternehmen erhalten und treffen gemeinsam den Entschluss, eine florierende Kakaoplantage in Kamerun zu kaufen und zu bewirtschaften, um zukünftig Kakao an Kaffeehäuser zu verkaufen. Robert wagt dabei den größten Schritt und übernimmt die Verantwortung für die Plantage, was für seine Familie den Umzug in das afrikanische Land bedeutet. Während die jüngere Tochter Luise sich nicht vor Arbeit scheut und das Abenteuer sucht, ist ihre Schwester Martha wie Mutter Elisabeth mit der Entscheidung nicht einverstanden. Sie haben enorme Vorbehalte gegenüber den Einheimischen und können sich mit den Gegebenheiten vor Ort nur schwer anfreunden. Luise freundet sich eng mit Hamza, dem Sohn des Vorarbeiters auf der Plantage an, lehrt ihn die deutsche Sprache und verliebt sich in ihn. Eine Beziehung zu dem schwarzen Erntehelfer ist allerdings nicht standesgemäß. Zudem scheint eine gemeinsame Zukunft fraglich, träumt Hamza doch von einem Leben in Deutschland, während Luise später die Leitung der Farm in Kamerun von ihrem Vater übernehmen möchte. Karl eröffnet eine Kakaokontor in Wien, um Kakao direkt an die dortigen Kaffeehäuser zu verkaufen, wo Schokolade im Gegensatz zu Deutschland bereits ein beliebte Genussmittel ist. Er lernt dabei die Kaffeehausbesitzerin Therese kennen und heiratet die für diese Zeit sehr selbstständige Frau. Anschließend kommen ihm jedoch Zweifel, ob er für Therese nicht doch nur freundschaftliche Gefühle hegt. Georg ist der einzige Sohn, der zusammen mit Frau und Kindern in Hamburg bleibt. Ihn plagt das schlechte Gewissen, dass er nicht so viel wie seine Brüder für den Fortbestand des Familienunternehmens auf sich genommen hat und dass der Kaffeeabsatz in Hamburg weiterhin schleppend ist und für Kakao kaum eine Nachfrage besteht. Als seine Schwägerin Elisabeth aus Kamerun zurückkehrt, ist er dankbar für die Unterstützung, die er von ihr erfährt. Umschmeichelt von ihrer körperlichen Zuneigung lässt er sich auf ein gefährliches Spiel ein. Alle Ehen stehen vor einer Zerreißprobe. "Die ferne Hoffnung" ist der Auftakt der dreiteiligen Hansen-Saga, einem Familienepos rund um die Familie Hansen. Band 1 dreht sich um den Wiederaufbau des traditionsreichen Hamburger Familienunternehmens, der die einzelnen Mitglieder nicht nur vor wirtschaftliche und berufliche Herausforderungen stellt, sondern auch privat für viele Veränderungen sorgt und die droht, die bisher intakte Großfamilie zu entzweien. Die Geschichte wechselt zwischen den drei Schauplätzen Hamburg, Wien und Kamerun und damit zwischen den drei Brüdern und ihren Familien. Man taucht in die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts ein und versucht sich das Leben zur damaligen Zeit mit den unterschiedlichen Herausforderungen bildlich vorzustellen. Besonders gut gefallen hat mir, wenn die Autorin mehr ins Detail gegangen ist und beispielsweise die erste Kakaoröstung und -verköstigung in der Küche der Villa der Familie Hansen beschrieben hat. Diese anschaulichen Beschreibungen fehlten mir dagegen auf der Plantage in Kamerun und den vierwöchigen Schiffspassagen von Kamerun nach Hamburg. Auch wenn zahlreiche Charaktere eine Rolle spielen, erhält jede Figur genügend Raum sich zu entfalten und es ist spannend zu lesen, wie sie sich im Verlauf der Geschichte weiterentwickeln. Die Vielfalt der Personen und die schnellen Szenenwechsel machen den Roman auch so interessant und temporeich und lassen den Leser jeden der drei Erzählstränge gebannt verfolgen - egal, ob es sich um liebenswerte, intrigante, unsichere oder selbstbewusste Charaktere handelt, die unterschiedliche Sympathien des Lesers wecken. Band 1 der Hansen-Saga erstreckt sich über knapp zwei Jahre und liest sich ein wenig wie eine Seifenoper, sorgt damit aber auch für wunderbare Unterhaltung. Der Erzählstil ist einfach gehalten und bei mancher Entwicklung hätte ich mir ein wenig mehr Tiefgang gewünscht. Der Roman wird allerdings nie seicht, weshalb ich mich auf die Fortsetzung und ein Wiedersehen mit den Charakteren freue.