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Starker Anstieg an psychischer Belastung in der zweiten Covid-19-Welle
Die neueste Umfrage der Universität Basel zur psychischen Belastung in der zweiten Covid-19-Welle hat ergeben, dass der psychische Stress im Vergleich zum Frühjahr deutlich zugenommen hat. Der Anteil Personen mit schweren depressiven Symptomen betrug während des Lockdowns im April rund 9 Prozent und stieg im November auf 18 Prozent. Besonders stark betroffen sind junge Leute und Personen, die durch die Pandemie finanzielle Einbussen erfahren. Ferner ist die Romandie stärker betroffen als die übrige Schweiz.
An der erneuten Umfrage im Rahmen der Swiss Corona Stress Study unter der Leitung von Prof. Dr. Dominique de Quervain haben sich über 11'000 Personen aus der gesamten Schweiz beteiligt. Aufgrund der Art der Datenerhebung handelt es sich per Definition nicht um eine repräsentative Umfrage. Allerdings bildet die Population der Befragten bezüglich soziodemographischer Merkmale ein breites Spektrum der Schweizer Bevölkerung ab und die aktuelle Erhebung unterscheidet sich in diesen Merkmalen nicht von der ersten Umfrage während des Lockdowns im April 2020. Alle berichteten Zusammenhänge und Vergleiche sind statistisch hoch signifikant.
Der aktuellen Erhebung zufolge hat der Stress im Vergleich zur ersten Welle deutlich zugenommen. Betrug der Anteil an Personen, die maximalen Stress angaben, während des Lockdowns im April rund 11 Prozent, stieg er in der zweiten Welle im November auf 20 Prozent an. Auch die depressiven Symptome nahmen zu.
Finanzielle Probleme, Konflikte zuhause und Zukunftsängste
Zu den Haupttreibern von psychischem Stress und depressiven Symptomen zählen die Belastung durch eine Covid-19-bedingte veränderte Situation bei der Arbeit, an der Schule oder in der Ausbildung. Weitere Faktoren sind die Belastung durch Covid-19-bedingte finanzielle Einbussen, die Belastung durch die Zunahme von Konflikten zuhause und Zukunftsängste.
Im Vergleich zur Zeit des Lockdowns im April werden diese Faktoren von den Befragten aktuell als belastender gewertet. Als nach wie vor belastend empfanden die Studienteilnehmenden die Angst, dass jemand aus dem engsten Umfeld an Covid-19 schwer erkranken oder sterben könnte sowie die Belastung durch die sozialen Einschränkungen.
Zunahme schwerer depressiver Symptome
Während der Anteil von Befragten mit schweren depressiven Symptomen vor der Pandemie 3 Prozent betrug, während des Lockdowns im April 9 Prozent und in der Zeit der Lockerungen im Mai 12 Prozent, stieg er im November auf 18 Prozent an.
Besonders stark betroffen, sind:
- Junge Leute: Die Häufigkeit schwerer depressiver Symptome beträgt bei den 14–24-Jährigen 29 Prozent, bei den 25–34-Jährigen 21 Prozent, bei den 35–44-Jährigen 17 Prozent, bei den 45–54-Jährigen 14 Prozent, bei den 55–64-Jährigen 13 Prozent und bei den über 65–Jährigen 6 Prozent.
- Personen, die in einer Branche tätig sind, die aufgrund der Massnahmen von Bund und Kantonen finanziell betroffen ist (z.B. Gastgewerbe, Kultur, Tourismus). Zudem sind Personen, bei denen die finanziellen Reserven abgenommen haben, mit 28 Prozent doppelt so häufig von schweren depressiven Symptomen betroffen als Personen mit unveränderten oder gewachsenen Reserven (14 Prozent).
- Personen aus der französischen Schweiz sind mit einer Häufigkeit schwerer depressiver Symptome von 22 Prozent stärker betroffen als Personen aus der Deutschschweiz mit 17 Prozent oder der italienischen Schweiz mit 16 Prozent. Zudem fanden die Forschenden einen Zusammenhang zwischen der Stärke der zweiten Welle (Inzidenz von Neuinfektionen) und der Häufigkeit schwerer depressiver Symptome in den Kantonen.
Stressreduzierende Faktoren
Wie schon in den früheren Datenerhebungen fand das Forschungsteam auch bei der aktuellen Umfrage, dass Personen, die körperlich aktiv sind, durchschnittlich leicht weniger Stress und depressive Symptome aufweisen als die körperlich weniger aktiven. Aus früheren Studien ist die stressreduzierende Wirkung von Sport bekannt.