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Die Ganterbrücke
«Scheens Gantertal, minu Sunnustrahl» wird im bekannten Volkslied von Adolf Imhof gesungen. Das einst ganzjährige besiedelte Tal, wo sich im «Grund» auch ein Eisenbergwerk des Grossen Stockalper befand, liegt auf der Nordseite des Simplons. Die reizvolle Naturlandschaft wird von einer spektakulären Brücke dominiert, die sich über den Talgrund schwingt und in der Fachwelt grosse Bewunderung geniesst. Die von Prof. Christian Menn entworfene neue Ganterbrücke, auch Europabrücke genannt, wurde 1980 fertigerstellt. Sie bildet Teil der Nationalstrasse auf der Strecke von Brig nach Gondo.
Obwohl die im Auftrag von Napoleon gebaute alte Ganterbrücke im hinteren Teil des Tals eine erstaunliche Beständigkeit aufwies und heute noch befahrbar ist, genügte sie beim Bau der Nationalstrasse nicht mehr den Anforderungen. Der ETH-Professor Christian Menn (1927) wurde mit dem schwierigen Auftrag betraut, eine neue Brücke zu realisieren. Der Auftrag war deshalb schwierig, weil Topographie und Geologie eine besondere Machart nötig machten. Ausserdem galt es, eine hohe Gestaltungsqualität zu erreichen. Beides gelang Menn. Er wählte eine Kombination aus Balkenbrücke und Schrägseilbrücke. Über zwei riesige Pylone laufen Seilpaare, die dem Strassenverlauf in die anschliessenden Kurven folgen. Zur Stabilisierung wurden die Seilpaare ebenfalls mit Beton verkleidet und verleihen der Ganterbrücke ihre aussergewöhnliche Erscheinung. Eine spezielle Lagerung der Pfeiler berücksichtigt den starken Kriechgang des Baugrundes. Die Ganterbrücke – 678 Meter lang, gebaut aus 18’500 Kubikmeter Beton und 2’000 Tonnen Stahl – kann im Bedarfsfall bis zu 50 Zentimeter Richtung Berg zurück in ihre korrekte Position geschoben werden!