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Bei jedem Ausschlagen des CHF/EUR Wechselkurses sind Journalisten zur Stelle, die entweder eine Entspannung (wenn der CHF steigt) oder eine Anspannung (wenn der CHF sinkt) diagnostizieren. Diese Wortwahl suggeriert, dass der eigentliche, natürliche Wert des CHF schwächer sein sollte. Aber ist der Franken wirklich überbewertet?
Es kann ja durchaus sein, dass die gegenwärtigen Unsicherheiten bezüglich der Kreditwürdigkeit von Italien den CHF gegenüber dem EUR aufwerten lassen. Aber selbst ein solcher Zusammenhang ist schwer zu belegen, auch wenn er im Zusammenhang des Narrativs des strukturell überbewerten Frankens vertraut wirkt.
Nehmen wir trotzdem an, dass der Anstieg des CHF durch das neue Regierungsprogramm von Italien verursacht sei. Das heisst aber noch lange nicht, dass der neue, höhere Wert jetzt einer Ueberbewertung darstellt.
Ich betrachte deshalb Aeusserungen, die vorgeben zu wissen, wo der Wechselkurs stehen sollte, mit einer gehörigen Portion Misstrauen.
Ein Beispiel für Journalismus im Dienste eines Narrativs bot heute Markus Diem Meier in «Die Eurokrise ist zurück und könnte schlimmer werden als die letzte». Zitat: Die Italien-Ängste habe den Franken deutlich verteuert. Bisher habe die Nationalbank noch nicht gross interveniert. Doch das könne sich rasch ändern. In den Kommentaren antworte ich wie folgt:
So ein fertiger Unsinn, dass der Franken bei 1.15 EUR überbewertet sei und dass eine “endgültige Entspannung” einen noch schwächeren Franken bringen würde. Mit Blick auf die Zinsen müsste er schwächer sein, mit Blick auf die Kaufkraft-Parität gegenüber dem EUR leicht schwächer und dem USD stärker, und angesichts der Innovationskraft, Attraktivität und Solidität der Schweiz müsste er viel stärker sein.
Es kann aber nur einen Wechselkurs geben, und der ergibt sich im Spiel der Marktkräfte mit obigen Einflüssen. Auch die EUR-Parität wäre durchaus angemessen. Die SNB hat aber aus freien Stücken einen Treibanker im Fremdwährungs-Meer ausgeworfen, um der Exportindustrie zu helfen. Das ist ein gewollter Eingriff und damit nicht wie von Herrn Diem Meier suggeriert eine Annäherung an “den richtigen” Kurs, sondern das Gegenteil davon.
Um nicht missverstanden zu werden: ich halte den Eingriff der SNB für legitim und sinnvoll. Es ist ihr Auftrag, für Stabilität und Berechenbarkeit zu sorgen. Soweit ich mir ein Urteil anmasse, macht sie einen guten Job.
Ich möchte hingegen davor warnen, die Worte von Journalisten für bare Münze zu nehmen, die nur zu gerne das Wünschbare für das Wirkliche halten. Was laut sprechen würde ist, wenn Personen mit “skin in the game” auf einen schwächeren Franken setzen würden, wenn also Schweizer Private, Unternehmen und Banken Engagements in EUR-Nominalwerten zulasten von solchen in CHF aufbauten. Getan haben sie aber das Gegenteil: Neben Umschichtungen im Ausland eine anhaltende Rapatriierung von EUR-Guthaben in den CHF. Das bedeutet, dass sie einen längerfristig stärkeren CHF erwarten, nicht einen schwächeren!
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SW/2018-06-05