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Autor L.G. - Im Einsatz für Gott in Afrika
Am 4. Mai 1958 kamen wir in der Hauptstadt vom Tschad an und wurden dort am Flughafen abgeholt. Die ersten Eindrücke waren unbeschreiblich. Diese Hitze, das Hotel ohne Klimaanlage. Die Fenster, die wegen möglichen Dieben nicht geöffnet werden durften… Wo waren wir da hingeraten? Fred holte Sirup mit Eiswürfeln. Jedes Mal, wenn ich den kommenden Jahren diesen Sirup trank, kam die Erinnerung an diese Nacht. Bald schon flogen wir weiter in den Süden nach Moundou, der zweitgrössten Stadt des Landes. Wir wurden auf der Missionsstation in Koutou, dem Vorort von Moundou, untergebracht. Beim Nachtessen hörten wir Löwengeschichten… Kurz danach kam jemand mit einer getöteten Kobraschlage, die soeben vor dem Haus getötet wurde… Unser Zuhause war ein Strohhaus, ohne Glasfenster, mit Fliegengittern. Fledermäuse flogen uns um die Köpfe. Nachts hörte man Grillen, Frösche und auch unbekannte Geräusche. Wir erlebten unsere erste «Tropenprüfung».
Unser Ziel war Béré, eine Stadt, ca. 100 Kilometer von Moundou entfernt, die bekannt ist für seinen Wochenmarkt am Samstag. Die Wirtschaft in Béré basiert auf der Landwirtschaft und produzieret Reis, Erdnüsse, Sesam und Baumwolle. Dort erwartete uns ein Ehepaar. Unser Wirkungsort war eine Bubenschule, die von der einheimischen Kirche gegründet wurde. Es gab damals noch keine offiziellen Schulen. Oder dann waren sie zu weit weg. Die Kirche wollte sie engagieren. Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag beim Unterrichten der französischen Sprache. 80 Burschen, die in verschiedenen Klassen unterteilt sind, nahmen am Unterricht teil. Die Jungen erhielten bei uns eine gute Bildung. Als später auch staatliche Schulen gegründet wurden, hatten die Jungen, die bei uns waren, einen grossen Vorsprung und übernahmen später oft höhere Ämter. In Bére bewohnten wir ein eigenes Häuschen. Wir wurden von den «Nancere» (1) herzlich empfangen. Neben der Bubenschule gab es auf der Missionsstation auch eine Bibelschule und eine Krankenstation. Wir wohnten fortan im «Busch». Wir realisierten es: Da gab es keine Bäckerei und kein Einkaufszentrum. Man lebte von dem, was auf dem Markt angeboten wurde. Mehl kaufte man per Sack und hoffte, dass es nicht zu viele Würmer drinnen hat. Das Brot mussten wir selber backen. Nie haben wir das Dörrobst so sehr schätzen gelernt wie damals. Das Wasser musste filtriert werden. Ein sparsamer Umgang mit dem Wasser war angesagt. Nach dem Gebrauch wurde das Wasser aufgefangen, um die Bäume und Pflanzen damit zu giessen. Der Arbeitstag begann sehr früh, weil die Hitze um die Mittagszeit unerträglich wurde und das Arbeiten kaum mehr möglich war. Die «Siesta» gehört zum Tagesablauf. Wie gut tat danach eine kalte Dusche. Wegen der Medikamente (Malaria Prophylaxe) verspürten wir trotzdem eine Dauermüdigkeit, die auch in Zusammenhang stand mit den klimatischen Veränderungen (Regen- und Trockenzeit). Trotzdem konnten wir unsere Arbeit frohen Mutes verrichten. Während der Regenzeit konnten wir kaum Post empfangen. Umso mehr war es ein Fest, wenn dann doch mal ein Brief ankam. Wenn wir von unseren Familien und Freunden Post bekamen, war dies immer eine grosse Ermutigung für uns. Im September 1958 mussten wir nach Koutou gehen, dem Vorort der zweitgrössten Stadt des Landes, Moundou. Die Geburt unseres Kindes stand bevor. Während Fred in der Druckerei auf der Missionsstation beschäftigt war, quälte ich mich durch die gefühlsmässig langen Tage durch. Dann ging es plötzlich los. Mitten in der Geburt ging das elektrische Licht aus. Noch während man die Petrollampe versuchte anzuzünden kam unser kleiner Junge zur Welt. Ich strahlte übers ganze Gesicht, wie bei der Verlobung damals. Der 28. September war auch der Tag des Referendums, an dem Frankreich erklärte, dass die Kolonien unabhängig werden sollten. Im Spital wurde ich gut versorgt. Aber für die Verpflegung musste man selber sorgen. Da es bei der Geburt keine Komplikationen gab, konnte ich das Spital bereits nach fünf Tagen verlassen und wir reisten zurück auf die Missionsstation. Dort kam ein Einheimischer auf uns zu und erzählte uns, dass er seit fünf Tagen nichts gegessen habe. Wir erschraken und gingen sofort in unsere Speisekammer um nach etwas Essbarem zu suchen. Als wir dies einem älteren Missionar erzählten, lachte er. Es sei hier eine Redewendung, wenn man seit fünf Tagen keinen Hirsebrei mehr gegessen hätte. Man müsste antworten: «Was ist sonst durch deinen Magen gegangen?» Also, wieder einmal was gelernt!
Nun kam die Anfrage, ob wir bereit wären nach Kamerun zu gehen, um die Missionsarbeit dort aufzubauen. Es fiel uns schwer, unser geliebtes «Béré» zu verlassen.
(1) Die «Nancere» sind eine Volksgruppe im Tschad. Ca. 70% von ihnen sind Christen. Ihre Sprache heisst «Nancere». Es gibt mittlerweile viel christliche Literatur.
Episode 18 - L.G. Im Einsatz für Gott in Afrika