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Spenden, bis es wehtut. Das fordert der australische Philosoph Peter Singer – einer der einflussreichsten Denker der Gegenwart. Seiner Ansicht nach sollten wir so viel spenden, «bis jede weitere Gabe ein Opfer wäre, das annähernd so schwer wiegt wie die Not, die unsere Hilfe lindern soll». Mit anderen Worten: Solange es Menschen gibt, deren Leben von extremer Armut bedroht ist, muss ich spenden, bis ich selbst gerade noch genug zum Überleben habe. Aus moralischer Sicht leuchtet das ein: Wenn wir mit Singer davon ausgehen, dass 200 Franken genügen, um ein Menschenleben zu retten, wie kann ich es dann rechtfertigen, davon zwei gute Plätze im Schauspielhaus zu kaufen?
Aus persönlicher Sicht ist die Überforderung dagegen gross: Wer krempelt sein privilegiertes Leben um, weil moralphilosophische Gründe dafür sprechen? Dieser Überforderung ist sich auch Singer bewusst, der immerhin ein Viertel seines Einkommens spendet. Er anerkennt, dass wir unsere eigenen Interessen und die Bedürfnisse unserer Nächsten höher gewichten als die von Unbekannten. Um meine Mutter vor dem Erblinden zu bewahren, würde ich sofort 10ʼ000 Franken für eine Operation ausgeben, selbst wenn ich weiss, dass ich damit 50 Menschenleben retten könnte. Singers pragmatische Empfehlung ist daher, je nach Einkommen ein bis fünf Prozent zu spenden. Täten wir das alle, könnten wir die extremste Armut aus der Welt schaffen. Auch ohne unser letztes Hemd herzugeben.