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In seinen ersten vier Klavierkonzerten hatte Ludwig van Beethoven ganz unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten durchgespielt: Brillanz und Humor in den Konzerten 1 und 2, Pathos (Nr. 3) sowie Gesanglichkeit (Nr. 4). Was hier im Vergleich mit den Sinfonien noch fehlte, war die Sphäre des Heroischen, und sie klingt bereits in den Anfangstakten des 5. Konzerts unmissverständlich an. Den vom Orchester gesetzten Akkord greift der Solist sofort auf und formt ihn zur grossen, rauschhaften Gebärde um – im Stil eines vor Selbstbewusstsein nur so strotzenden Akteurs.
Aber: Dieses Konzert in der heroischen Tonart Es-Dur ist auch Dokument seiner Zeit. Einer Zeit, geprägt von Krieg, Gewalt und Unsicherheit: Während Beethoven über der Komposition sass, marschierten Napoleons Truppen auf Wien zu und eroberten es im Mai 1809. Beethovens Opposition gegen den früher bewunderten Korsen schlug endgültig in Ablehnung, ja in Hass um: „Östreich löhne Napoleon“, ist im Autograph über dem Beginn des 2. Satzes zu lesen.
Extreme Begleitumstände also, die sich im Werk spiegeln: Immer wieder wird der militärische Tonfall des 1. Satzes attackiert, in der Durchführung mutiert Heroismus zu roher Gewalt. Auf den flehentlichen Bittgesang des 2. Satzes folgt als trotzige Selbstbehauptung ein Finale, das Jubel und Grimm auf typisch Beethoven'sche Weise vereinigt. Damit erweist sich op. 73 als „sinfonisches“ Konzert, in dem die solistische Selbstdarstellung – anders, als es die Anfangstakte vermuten lassen – hinter der musikalischen Aussage zurücksteht. Es ist zudem Beethovens einziges Klavierkonzert, an dessen Uraufführung er nicht beteiligt war.