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Die Urkundenlehre (Diplomatik) befasst sich sowohl mit Urkunden, die von souveränen Gewalten ausgestellt wurden, also Kaiser-, Königsurkunden sowie Papsturkunden, als auch mit Privaturkunden (von Institutionen ohne souveräne Gewalt, z. B. Klöster, Städte, Privatpersonen etc.) In diesem Kapitel soll ein besonderer Fokus auf die päpstliche Diplomatik gelegt werden, und zwar aus drei Gründen:
1) Das Papsttum kann als Institution eine einzigartige, jahrtausendealte und ungebrochene Tradition vorweisen. Wie kaum eine vergleichbare Instanz wirkte es im Mittelalter prägend und bestimmend auf das Leben von Individuen ein. Der Wirkungskreis erstreckte sich dabei über sämtliche partes des orbis christianus.
2) Vom Einflussbereich des Papsttums zeugt eine Vielzahl überlieferter päpstlicher Urkunden. Die päpstliche Kanzlei war der grösste Urkundenaussteller des Mittelalters und wurde auch in der Neuzeit nur von wenigen weltlichen Kanzleien in der Produktion von Urkunden übertroffen. - Man rechnet in etwa mit 30-40 Millionen Urkunden bis auf den heutigen Tag (Frenz).
3) Die päpstliche Kanzlei wurde zum massgeblichen Vorbild in der Urkundenproduktion und beeinflusste wesentlich weltliche Kanzleien.
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