Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03105.jsonl.gz/530

Mit starken Worten eröffnete Kronprinzessin Mary von Dänemark, 49, die Menschenrechtskonferenz, die gerade in Kopenhagen stattfindet und im Zeichen der Rechte der LGBTQ+-Community steht. «Es gibt keinen Platz für Diskriminierung, wenn man liebt, wen man liebt!», mahnte Mary und setzte damit unter anderem auch ein Zeichen für die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren. Ihr Einsatz als Frau des dänischen Königs dürfte viel Aufmerksamkeit erzeugen und hat Strahlkraft, dennoch ist es eher untypisch, dass sich gekrönte Häupter zu politischen Themen äussern.
In früheren Zeiten waren es zwar Königinnen und Könige, welche die Politik ihres Landes machten, seit Hunderten von Jahren haben europäische Königshäuser jedoch nur noch eine repräsentative Aufgabe und nicht mehr sonderlich viel zu melden. In diesen sogenannten konstitutionellen Monarchien wird die Macht der Royals durch die Verfassung geregelt, welche wiederum vom Parlament verabschiedet wird.
Queen ist Staatsoberhaupt ohne echten Einfluss
Bis 1688 konnten englische Königinnen und Könige quasi machen, was sie wollten. Sie konnte das ganze Parlament rauswerfen, Dekrete erlassen oder sogar Kriege erklären. Danach wurden ihre Rechte stark eingeschränkt und die politische Macht ging ans Parlament über, welches vom Volk gewählt wird. Journalist Walter Bagehot brachte die neue Rolle der Queen so auf den Punkt: «Sie hat das Recht, angehört zu werden, das Recht zu ermutigen und das Recht zu warnen», schrieb er im 19. Jahrhundert – und das ist bis heute so geblieben.
Die Queen muss politisch also streng neutral bleiben, was auch Vorteile hat. So bietet sie weltweit kaum Angriffsfläche und kann sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Und die sehen wie folgt aus:
- Sie eröffnet das Parlament mit einer Rede
- Sie ernennt den Premierminister
- Sie genehmigt parlamentarische Gesetzgebungen
- Sie empfängt ausländische Botschafter und Botschafterinnen
- Sie lädt den Premierminister zur regelmässigen Audienz
- Sie lädt Staatsgäste zu sich ein und gewährt Audienzen mit Führungspersönlichkeiten und Würdenträgern
Diana wurde erst nach der Scheidung politisch
Politische Neutralität ist für alle europäischen Königshäuser Pflicht und sorgt dafür, dass eine klare Trennung zwischen regierenden und repräsentierenden Staatsoberhäuptern gewahrt bleibt. Diese Regelung scheint auch beim Volk gut anzukommen: Über 65 Prozent der Befragten gaben bei Statista.com an, dass sich die Queen aus der Politik raushalten solle. Nur 23 Prozent wünschen sich von ihr eine aktivere Rolle, 11 Prozent ist es völlig egal, was die Königin so treibt. Sich für den guten Zweck einzusetzen, gehört aber spätestens seit dem Engagement von Lady Diana zum guten Ton in Königshäusern. Doch auch Diana konnte erst wirklich (politisch) aktiv werden, nachdem sie sich von Prinz Charles scheiden liess und aus dem Königshaus ausschied.
Viele Monarchen verkneifen sich eine Einmischung in die Politik auch aus persönlichen Gründen. Ihre Schlösser, Landgüter, aber auch ihre Apanage, überhaupt ihr ganzer Lifestyle werden zu einem grossen Teil vom Staat durch Steuern finanziert. Darum sind Royals wohl gut bedient, es sich weder mit der Politik noch mit dem Volk zu verscherzen.
Der Papst ist der letzte echte Monarch
Die letzte absolute Monarchie von Europa findet sich im Vatikan, wo der Papst judikative, legislative und exekutive Macht besitzt – und zwar auf Lebenszeit. Darum sollte es man sich bei einem Besuch im Vatikan mit Papst Franziskus besser nicht verscherzen.