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• US-Luftfahrtriese mit deutschen Wurzeln
• Technische Meilensteine während des zweiten Weltkrieges
• Milliardenstrafe nach jüngsten Flugzeugabstürzen
Die Corona-Krise hat auch den Flugzeug- und Rüstungskonzern Boeing schwer getroffen. Doch bereits vor Beginn der Pandemie, hatte der Konzern aufgrund zweier Flugzeugabstürze Schwierigkeiten. In seiner über 100-jährigen Geschichte überstand der Konzern aber schon so manche Krise.
Begonnen hat alles 1846 mit der Geburt von Wilhelm Böing in Hohenlimburg, der 1868 in die USA auswanderte. Sein Sohn William E. Boeing gründete 1916 die Pacific Aero Products Company und legte damit den Grundstein für den weltweit zweitgrössten Hersteller für Luft- und Raumfahrttechnik: The Boeing Company.
Die Geschichte von Boeing
William E. Boeing wurde 1881 in Detroit geboren. Seine Schulausbildung absolvierte er sowohl in den USA als auch in einem schweizerischen Internat. Anschliessend besuchte er die amerikanische Eliteuniversität Yale, die er ohne Abschluss wieder verliess. Er stieg in das Holzverarbeitungs-Unternehmen seines Vaters ein und erwarb auf diesem Weg wichtige Kenntnisse über die Eigenschaften von Holz, welche ihm bei seiner späteren Leidenschaft, dem Flugzeugbau, hilfreich waren.
1916 gründete Boeing mit einem befreundeten Ingenieur die Pacific Aero Products Company, die ein Jahr später zur Boeing Airline Company umbenannt wurde. Nachdem die USA 1917 dem ersten Weltkrieg beigetreten waren, vergab das Militär einen Auftrag zur Lieferung mehrerer Schulungsflugzeuge. Diesen Auftrag konnte sich Boeing mit dem Model C sichern. Nachdem das Unternehmen durch die Zusammenarbeit mit der US-Navy zunächst wachsen konnte, drohte nach Ende des ersten Weltkrieges die Pleite. Aus diesem Grund verkleinerte William E. Boeing das Unternehmen wieder und konzentrierte sich zunächst stärker auf Passagier-, Fracht und Postflugzeuge.
Erste Fluglinien und ein Luftpost-Skandal
Nachdem Boeing mit dem Postflugzeug Model 40A und dem Passagierflugzeug Model 80 erste Erfolge feiern konnte, wurde 1927 die erste Fluglinie mit der Bezeichnung Boeing Air Transport gegründet. Nach einigen Fusionen und Zukäufen gründete Boeing 1931 dann die United Air Lines, unter deren Namen Passagier- und Postflüge angeboten wurden.
Doch der erste Skandal liess nicht lange auf sich warten. 1934 sah sich das Unternehmen dem Vorwurf ausgesetzt, ein Monopol gebildet zu haben. Im sogenannten Luftpost-Skandal musste die wenige Jahre zuvor gegründete Gesellschaft in die Firmen Boeing Airplane Company, United Aircraft Company und United Air Lines aufgeteilt werden.
Nach diesem Skandal zog sich der Gründer William E. Boeing aus dem Unternehmen zurück und widmete sich verschiedenen Tätigkeiten, wie der Pferdezucht und Immobiliengeschäften. Er verstarb 1956 an einem Herzinfarkt.
Der zweite Weltkrieg und viele neue Modelle
Mit rund 800 Beschäftigten war Boeing 1928 einer der grössten Flugzeughersteller Amerikas. Während des zweiten Weltkriegs konnte der Konzern die US-Luftwaffe vor allem mit der Boeing 299, auch bekannt unter der Bezeichnung B-17, überzeugen. Das Flugzeug hatte eine Reichweite von rund 2'900 Kilometern bei normaler Beladung und zudem eine für damalige Verhältnisse enorme Nutzlast. Eine maximale Bombenzuladung von 5'800 Kilogramm und eine zehn Mann starke Besatzung fügten Deutschland während des zweiten Weltkrieges enorme Schäden zu. Insgesamt baute Boeing bis Kriegsende über 12'700 B-17-Flugzeuge und leistete damit einen grossen Beitrag zum Sieg der Alliierten über Deutschland.
Neben 3'970 Stück der B-29 "Superfortress"-Bomber und dem Verkehrsflugzeug Stratoliner sowie dem Luxus-Flugboot Clipper wurde auch die Douglas C-47 bei Boeing vom Band gelassen. Das Flugzeugmodell erlangte in Deutschland vor allem wegen seiner Bezeichnung als "Rosinenbomber" während der Berliner Luftbrücke grosse Bekanntheit und versorgte das durch die Sowjetunion blockierte West-Berlin mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Gütern.
Boeing liefert an die deutsche Lufthansa
1960 erhielt die deutsche Lufthansa als erste Fluggesellschaft ein Modell der Boeing 737-100-Flugzeuge. Insgesamt wurde die Reihe der Boeing 737 bis heute über 10'600-mal ausgeliefert (Stand: Ende Dezember 2020).
Nach dem Ende der Ölkrise in den Siebzigerjahren gelang es, den Flugverkehr auch für die breite Masse zugänglich zu machen. Boeing konnte sich auf dem Flugzeugmarkt gegen einige Konkurrenten durchsetzen und übernahm 1997 das Unternehmen McDonnell Douglas. Damit brachte sich Boeing sowohl im Rüstungssektor als auch an der Börse in eine bessere Position. In Europa entstand mit Airbus allerdings ein neuer grosser Konkurrent.
Boeing in der Krise
Die Baureihe der 737-Modelle dürfte bei Boeing inzwischen ein Wechselbad der Gefühle auslösen. Nachdem zwei Flugzeuge der Baureihe 737 Max im Oktober 2018 und März 2019 abstürzten, gerieten Boeing und die US-Luftfahraufsicht FAA stark in die Kritik. Als Ursache gilt eine fehlerhafte Steuerungssoftware, was dazu führte, dass insgesamt 346 Menschen bei diesen zwei Abstürzen starben.
Erst im November 2020 hoben die Aufsichtsbehörden nach anderthalb Jahren das Startverbot für die 737 Max auf. Für Boeing entpuppte sich dieser Skandal als ein wirtschaftliches Desaster und hatte enorme Auswirkungen auf das Image des Konzerns. Im September 2019 schrieb die Neue Züricher Zeitung (NZZ), dass schätzungsweise rund 200 737-Max-Flugzeuge aufgrund des Start- und Verkaufsverbots zwischengelagert werden müssen. Jedes dieser Flugzeuge habe einen Marktwert von über 100 Millionen US-Dollar.
Anfang Januar 2021 verurteilte das US-Justizministerium den US-Luftfahrtriesen Boeing zu einer Strafzahlung von über 2,5 Milliarden US-Dollar. 1,77 Milliarden US-Dollar sollen Fluggesellschaften zugutekommen, die als Kunden von Boeing geschädigt wurden. 500 Millionen US-Dollar sollen in einen Entschädigungsfond für die Angehörigen der Absturzopfer fliessen und 234,6 Millionen US-Dollar wurden als Strafe von den Justizbehörden auferlegt, wie Der Spiegel schrieb. Es bleibt abzuwarten, ob dies das Ende der Kosten für Boeing ist, da wegen der beiden Abstürze gegen den Konzern immer noch eine Vielzahl von Klagen laufen.
Der Konzern reagierte und will bis Ende 2021 die Zahl der Mitarbeiter auf rund 130'000 senken. Anfang 2020 waren bei Boeing noch rund 160'000 Menschen beschäftigt.
Felix Spies / Redaktion finanzen.ch