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Hast du schonmal von der „Slow Motion Tribe“ gehört? Nein, ich spreche nicht von einem indigenen Stamm. Was ich meine ist eine Gemeinschaft von Menschen, die ähnliche Werte, Vorstellungen und Lebensgewohnheiten teilen. Identifikation durch nationale Zugehörigkeit oder sprachliche Hintergründe ist in einer Gesellschaft wie der Unseren, wo die meisten Grenzen lediglich in unserer Vorstellung existieren, überaltert. Teil eines Stammes zu sein bedeutet, deine Identität innerhalb einer Gemeinschaft durch geteilte Werte zu festigen.
Stämme- und Zugehörigkeiten können ganz verschieden sein. Es gibt Menschen, die sich über Marken identifizieren, andere durch Musik, Spiele, Kleidung oder Ernährung. Diesem Trend folgend, kreiert der Co-Working Space „Impact Hub“ in Bern seine eigenen Bewegungen: Selbst organisierte Gemeinschaften von Menschen, die sich miteinander verbinden, um neue Ideen zu entwickeln, zu diskutieren, auszuprobieren und geteilte Ideen, Werte und Vorstellungen zu verbreiten.
„Slow Motion Tribe“ ist ein Zusammenschluss von ähnlich eingestellten Menschen, gegründet und aufrecht erhalten wird die Bewegung von Sylvie Schneuwly. Die Bewegung beinhaltet Bewusstsein, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit und wendet diese Werte auf unterschiedliche Bereiche unseres Lebens an. Du kannst gewöhnliche Dinge des Lebens wie essen, anziehen, reisen oder einkaufen neu lernen und sie mit gesteigerter Aufmerksamkeit tun. Was du denkst, was du tust, was du sagst, was du konsumierst und was du aus all den Situationen machst die dir gerade begegnen, hat eine Bedeutung und einen direkten Einfluss.
Wie Sylvie anmerkt, bringt dich Achtsamkeit zurück in den gegenwärtigen Moment, der stets vielfache Möglichkeiten enthält. Möglicherweise ist es hart dies zur Kenntnis zu nehmen, aber jeder Moment beinhaltet alles was du brauchst. Wenn du diesen Eindruck nicht hast, dann bist du möglicherweise nicht bewusst genug. Achtsamkeit braucht Anstrengung um erreicht zu werden, letztendlich wirst du jedoch bemerken dass es sich lohnt, Zeit und Energie dafür zu investieren. Die Technik kann dir dabei helfen, eine grössere Bewusstheit über deine gegenwärtige Situation zu erreichen und mehr Dankbarkeit zu entwickeln für das was du hast.
Achtsamkeit bedeutet auch, Details zu bemerken die nicht vordergründig im Fokus deiner Aufmerksamkeit stehen. Fällt dir zum Beispiel auf, wieviele Geschäfte und Märkte unser Bewusstsein mit der Absicht bombardieren, einen vorweihnachtlichen Kaufrausch auszulösen?
Als ein Teil des Experiments ging ich mit dem Team auf eine Reise durch die vorweihnachtlichen Läden- und Märkte in Bern. Sylvie erklärte, dass sie extra einen Tag ausgewählt hatte, an dem die Geschäfte zum Abendverkauf länger geöffnet waren. Es war ebenso gedacht als Experiment innerhalb einer Gruppe mit unterschiedlichen Dynamiken und um eine Art kollektives Bewusstsein zu erzeugen. Ebenso gab es unterschiedliche Bedingungen, die wir dabei erfüllen mussten. Wir sollten nicht sprechen, nicht zu schnell laufen und uns auf unsere Atmung konzentrieren. Die erste Bedingung war ungewöhnlich aber interessant. In einem der Läden wurde unsere Gruppe mit dem professionellen „Kann ich Ihnen helfen?“ angesprochen. Kollektives Schweigen war die Antwort.
Plötzlich realisierte ich, wie müde meine Augen von all dieser grellen Beleuchtung der Vitrinen waren, wo das irritierende Rot irgendwie omnipräsent ist.
Ich habe ebenfalls realisiert, wie laut eine Stadt in der vorweihnachtlichen Zeit sein kann. Besonders die Geräusche rund um den Weihnachtsmarkt erinnerten irgendwie an eine Art Wettbewerb. Ich bemitleidete die Verkäufer, die diesem Lärm den ganzen Tag hindurch zuhören müssen. Ein anderer irritierender Faktor war der Geruch. Mir wurde plötzlich klar, wie hartnäckig er durch den weihnachtlichen Verkauf sein kann. Stände mit Gewürzen, Kerzen, Seifen, Süssigkeiten und Glühwein betäuben dich mit dem einzigen Ziel, zur Theke zu gehen und den Geldbeutel zu zücken.
Die zweite Bedingung des gemeinsamen Experiments, das langsame Gehen, war nicht so einfach für mich als ein Mensch, der ständig eilig unterwegs ist. Wenn du schnell gehst dann denkst du auch schnell und triffst hastige und impulsive Entscheidungen. Du gibst dir selbst keine Zeit, die Situation zu analysieren und deine eigene Antwort auf sie zu finden. Langsam zu gehen ist eine Aufgabe, die dich in den gegenwärtigen Moment zurückbringt und dich auch für eine Weile dort sein lässt. Wenn du dem Jetzt nicht entkommen kannst, fängst du an die Gegenwart zu umarmen und dein Verhalten demenstprechend anzupassen. Beispielsweise würdest du dann nicht in Eile ein Geschenk kaufen, von dem du glaubst es hier und jetzt unbedingt zu brauchen. Anstatt von einem Geschäft zum Nächsten zu laufen, würdest du erkennen, dass nichts von dem was du siehst wirklich Wert ist gekauft zu werden.
Das kann dir zum Beispiel durch einen überzogenen Preis, eine nicht recyclebare Verpackung, eine fragwürdige Herkunft oder die allgemeine Nutzlosigkeit eines Objektes bewusst werden.
„Slow Motion tribe“ beabsichtigt einen langsamen und bedächtigen Weg zu Leben: Achtsam und frei von Druck Entscheidungen zu fällen ist wesentlich. Als ein bewusster Konsument wirst du bemerken, dass nicht jeder von deinen Freunden ein Geschenk braucht und das manche von ihnen mit etwas selbst Gemachtem glücklicher sind. Ein anderer Punkt ist, dass du mehr Zeit für ein qualitativ hochwertiges Geschenk investieren wirst: In umweltfreundliche oder nachhaltige Produkte, in Bezug auf die Gemeinschaft die diese produziert hat. Du wirst vielleicht auch etwas schenken, das nicht ein materielles Objekt, sondern eine Erfahrung ist, sehr persönlich und erinnerungswürdig.
Zuletzt ist der Fokus auf die Atmung der Kern der Achtsamkeit. Wenn du das Gefühl hast dieses oder jenes Geschenk kaufen zu wollen, halte einen Moment Inne und beobachte, ob du anfängst schneller zu atmen? Wenn du Aufregung fühlst, versuche dir selbst zu erklären warum. Ist es, weil dir das was du dort in der Vitrine siehst wirklich gefällt oder ist es weil das externe Marketing in dir diese Gefühle verursacht?
Manchmal gehen wir in einige Geschäfte immer und immer wieder aus einem Grund den wir nicht erklären können. In der Tat können Geschenke voneinander grundverschieden sein, aus einem verpackungsfreien Geschäft, selbstgemacht oder immateriell wie ein Gedicht oder ein Lied. Wenn du das nächste Mal Weihnachtsgeschenke kaufen gehst, versuche die drei vorgestellten Taktiken zu befolgen die Sylvie empfiehlt und beobachte, ob du anders handelst!
Interessiert am Slow-Motion Tribe? Learn more: https://www.facebook.com/Tribe-slow-motion-537883093341199/?ref=br_rs
Sylvie Schneuwly ist die Gründerin des “Slow-Motion tribe”, Gründerin des “boreout.ch” Projekts, geistreiche Yoga-Enthusiastin und Befürworterin eines nachhaltigen und ausgeglichenen Lebensstils. https://sylvieschneuwly.com/
Impact Hub ist ein moderner Co-working Space in Bern , der ein buntes Cluster für die Umsetzung unterschiedlichster Ideen ermöglicht. http://bern.impacthub.net