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Die Gegend von Birrwil war schon früh besiedelt was Funde aus der jüngeren Steinzeit der Römer- und Allemannenzeit beweisen. Urkundlich wird Birrwil erstmals im Jahre 1185 als Beriwillare (Weiler des Bero; bedeutet Bär) erwähnt, dann 1237 als Birnwile. Es stand unter der Oberherrschaft der Grafen von Lenzburg, dann unter den Kyburgern und seit 1273 unter den Habsburgern. Das niedere Adelsgeschlecht der Herren von Birrwil ist 1185 - 1331 bezeugt.
Die ev.-ref. Kirche Birrwil, zu der bis Mitte des 16. Jahrhunderts ein Teil von Zetzwil gehörte, wird erstmals 1275 genannt. Die Kirche steht seit 1950 unter kantonalem Denkmalschutz. Kilchensatz, Twing und Bann (niedere Gerichtsbarkeit) sind, von 1326 bis zum Untergang der alten Eidgenossenschaft, im Besitze der jeweiligen Herren des Schlosses Liebegg. Unter Johann Friedrich von Breitenlandenberg wurde 1689 die Kirche in der heutigen Form gebaut. Sehenswert sind Wappen- und Kabinettscheiben, Kanzel und Taufstein sowie die Moosbrugger’sche Stuckdecke von 1791. Zwei Kabinettscheiben: Graviseth-Erlach-Praroman, Allianzscheibe von 1640, und Breitenlandenberger-Hallwil, Allianzscheibe von 1689, aus dem Chor wurden im Jahre 2003 unter kantonalen Denkmalschutz gestellt. Diese beiden Kabinettscheiben befinden sich im Besitz des Kantons Aargau.
Mit der Eroberung des Aargaus durch die Berner wechselte 1415 nur die Oberherrschaft. Auf Berns Geheiss musste die Bevölkerung 1528 zum reformierten Glauben übertreten. Der ehemals selbständige Wilhof, der aber kirchlich zu Birrwil gehörte, wurde erst 1905 ganz mit dem Dorf vereinigt. Rund 100 Jahre früher waren der Hallwyler Gerichtsbezirk am See und der Schwaderhof dazugekommen.
Im 18. Jahrhundert verbreitete sich das Baumwollgewerbe - Spinnen, Spulen, Weben - als Heimarbeit in die Bauernhäuser. Daraus entwickelte sich die Textilindustrie, die bis in die jüngste Zeit neben Zigarrenindustrie, Landwirtschaft und Gewerbe der wichtigste Erwerbszweig im Dorfe war.
Zu Begin des 20. Jahrhunderts fielen der Gemeinde grosse Aufgaben zu. 1908 Bau des Gemeindehauses, 1910 Wasserversorgung, 1912 Elektrizitätsversorgung. In den letzten Jahrzehnten wurden diese Werke ausgebaut und durch Strassen und Kanalisation ergänzt. 1973 konnte die Mehrzweckhalle, 1981 die Waldhütte eingeweiht werden.
Leider ist im Industriesektor ein Rückschritt zu verzeichnen. Schon 1960 verschwand die letzte Zigarrenfabrik, und zu Beginn der Neunzigerjahre mussten die Weberei und die Färberei den Betrieb einstellen. Aber ein leistungsfähiges Gewerbe - neuerdings auch in der bestehenden Fabrikanlage - sorgt weiterhin für Beschäftigung, und die Fischspezialitäten unseres Gastgewerbes sind weit herum bekannt. Dank der bevorzugten Wohnlage erlebt das Dorf mit seinen rund 1000 Einwohnern eine erfreuliche Entwicklung.