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Morgens waren die Tourenverhältnisse mit geringer Gefahr für trockene Lawinen (Stufe 1) meist günstig. Mit der tageszeitlichen Erwärmung und Sonneneinstrahlung stieg die Gefahr von nassen Lawinen im Tagesverlauf jeweils etwas an (Stufe 2) und in den hohen Lagen schritt die Durchfeuchtung der Schneedecke voran. Es gingen einige nasse Lawinen nieder, auch an Nordhängen bis auf rund 2400 m. Insgesamt war die Aktivität von nassen Lawinen aber relativ bescheiden. Am Schluss der Berichtswoche stieg die Lawinengefahr mit Neuschnee bzw. Regen bis auf 2000 m an, vor allem im Westen und im Süden.
Freitag, 23. bis Sonntag, 25. April: Sonnig und mild, günstige Lawinensituation
Es war meist sonnig mit nur wenigen Quellwolken im Tagesverlauf. Die Nullgradgrenze stieg im Westen und Süden gegen 3000 m, im Osten gegen 2500 m (Abbildung 1). Der Wind wehte schwach bis mässig aus West bis Nord, an den Voralpen wehte zeitweise eine mässige Bise. In meist klaren Nächten waren die Abstrahlungsbedingungen gut, sodass die Schneeoberfläche gefrieren konnte und am Morgen meist tragfähig war. Vor allem an sehr steilen Nordhängen in der Höhe lag teils noch etwas lockerer Schnee oder Bruchharsch. Die Tourenverhältnisse waren günstig, auch im Hochgebirge (Bildstrecke).
Die Gefahr von trockenen Lawinen nahm weiter ab und war verbreitet gering (Stufe 1). Im Tagesverlauf stieg die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen an (Stufe 2, mässig). Vor allem an West- und Osthängen gingen in hohen Lagen nasse Lawinen nieder, zunehmend auch an Nordhängen bis auf rund 2400 m (Abbildung 2 und Bildstrecke).
Montag, 26. bis Mittwoch, 28. April: Wechselhaft, teils reduzierte nächtliche Abstrahlung, nasse Lawinen an Nord- und Osthängen
Am Montag und Dienstag war es im Westen teils und im Süden oft bewölkt. Oberhalb von rund 2000 m fielen lokal wenige Zentimeter Schnee. In den übrigen Gebieten war es wechselnd bewölkt mit sonnigen Abschnitten. Am Mittwoch war es meist bewölkt, mit Aufhellungen vor allem in Graubünden. Die Nullgradgrenze stieg im Tagesverlauf weniger stark an: jeweils auf 2500 bis 2700 m (Abbildung 1). Der Wind wehte schwach bis mässig aus Süd. Nach teils bedeckten Nächten war die Abstrahlung reduziert und die Schneeoberfläche teils nur schwach gefroren. Für genussvolle Firnabfahrten war eine gute Zeitplanung nötig. Darüber hinaus stieg die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen jeweils bereits im Verlauf vom Vormittag rasch an. Nasse Lawinen waren meist klein bis mittel, einzelne wurden gross (Abbildungen 3 und 4). Auch Gleitschneelawinen konnten in den schneereichen Gebieten gross werden.
Donnerstag 29.04.: Anstieg der Lawinengefahr im Westen und Süden
Am Donnerstag war es meist stark bewölkt mit Aufhellungen in den inneralpinen Gebieten. Im Westen und im Süden fiel Niederschlag, oberhalb von rund 2000 m als Schnee. Bis am frühen Nachmittag fielen oberhalb von rund 2500 m im nördlichen Wallis, im westlichen Unterwallis und im nördlichen Tessin 10 bis 20 cm Schnee, sonst weniger. Der Wind blies in der Höhe meist mässig aus Süd bis Südwest und in der Höhe entstanden teils störanfällige Triebschneeansammlungen. Die Gefahr von trockenen Lawinen stieg auf mässig (Stufe 2). Unterhalb von rund 2400 m war die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen erhöht, mit dem Regen auch während der Nacht.
Ende April lagen auf 2000 m im Norden noch verbreitet 1 bis 2 m Schnee, nach Süden nahmen die Schneehöhen deutlich ab (Karte Schneehöhe auf 2000 m). Eine geschlossene Schneedecke lag an Nordhängen in den Gebieten am Alpennordhang von den östlichen Berner Alpen bis ins Alpensteingebiet sowie im nördlichen Oberwallis, in Nordbünden und im Unterengadin oberhalb von 1000 bis 1400 m, sonst oberhalb von 1400 bis 1800 m. An Südhängen lag die Schneegrenze rund 600 m höher.
Die Durchfeuchtung der Schneedecke schritt in hohen Lagen weiter voran (Abbildung 5). Nordhänge wurden in einem Höhenbereich von rund 2000 m bis 2400 m erstmals durchfeuchtet. Südhänge wurden bis ins Hochgebirge durchfeuchtet, was Ende März schon einmal der Fall war (Wochenbericht Ende März). Auch Ost- und Westhänge wurden bis auf rund 3000 m durchfeuchtet, wobei Osthänge Ende März bereits bis auf 2400 m, Westhänge bis auf 2800 m durchfeuchtet waren.
Die Schneedecke ist besonders bei der ersten Anfeuchtung störanfällig und es kommt dabei in der Regel vermehrt zu nassen Lawinenabgängen, wie es dieses Jahr schon Ende März der Fall war (vgl. Winterrückblick). Dass die Lawinenaktivität in dieser Berichtswoche deutlich geringer war als Ende März hängt wohl damit zusammen, dass es sich um eine wiederholte Anfeuchtung der Ost-, Süd- und Westhänge in hohen Lagen handelte. Die Nordhänge zwischen 2000 bis 2400 m wurden jedoch erstmals durchfeuchtet und es wurden einige nasse Lawinen in den Expositionen Nordwest über Nord bis Nordost in diesen Höhenlagen beobachtet (Abbildungen 3 und 4).
Der Zeitrafferfilm in Abbildung 6 zeigt nicht nur die Schneelage im Gebiet des Glacier du Trient (VS) während des letzten Winters, sondern auch die Bewegung des Gletschers. Die Fliessgeschwindigkeit liegt - über den ganzen Gletscher gemittelt - bei Dutzenden von Metern pro Jahr. In steileren und dickeren Bereichen (wie im Zeitrafferfilm) liegt sie bei bis zu 100 m pro Jahr. In den letzten Jahrzehnten hat die Fliessgeschwindigkeit des Gletschers abgenommen. Dies, da sie stark von der Eisdicke beeinflusst ist, und diese in den letzten Jahrzehnten abgenommen hat (pers. Komm., D. Farinotti/WSL).
Abb. 6: Zeitrafferfilm der letzten 6 Monate vom Glacier du Trient (VS), aufgenommen an der Station Ecandies (O. Couach, GAIASENS Technologies, Martigny).
In dieser Berichtswoche ereigneten sich keine Lawinenunfälle.
Das Lawinenbulletin erscheint bis auf Weiteres täglich um 17 Uhr.
Der nächste Wochenbericht erscheint auf Deutsch am Dienstag, 11. Mai 2021, auf Französisch am Mittwoch, 12. Mai.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.