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Antibiotische Therapie bei akutem koronarem Syndrom???
Chlamydia pneumoniae ist in atherosklerotischen Plaques gefunden worden, und deshalb wurde das Risiko eines koronaren Events mit Chlamydien in Verbindung gebracht. Eine Pilotstudie hatte suggeriert, dass mit einer antibviotischen Therapie das Risiko eines koronaren Events gesenkt werden könne. Nun sind im NEJM gleich zwei Studien zu diesem Thema erschienen.
Cannon et al haben an 4162 Patienten , welche mit einem akuten koronaren Event hospitalisiert wurden, in diese randomisierte, placebo-kontrollierte Doppelblind Studie eingeschlossen. Die Patienten erhielten 2 Wochen nach Randomisierung für 2 Wochen 400 mg Gatifloxacin, und danach jeden Monat wiederum für 10 Tage Gatifloxacin, und dies während der gesamten Studienzeit. (2 Jahre).
Die Autoren fanden keinen Benefit für die antibiotische Therapie, weder bezüglich Todesfälle, noch Revaskularisationen , noch weitere akuten koronaren Syndromen!
Im gleichen NEJM erscheint auch die Studie von Graystone et al, welche eine prospektiv, randomisierte , placebo- kontrollierte Studie darstellt, welche an 4012 Patienten den Benefit von wöchentlich 600 mg Azithromycin versus Placebo untersuchte.
Auch Graystone fand über die Zeit keinen signifikanten Benefit von Azithromycin auf Verminderung der koronaren Evente.
Die Resultate dieser beiden Studien sind nicht erstaunlich, da man von der Pathogenese annehmen muss, dass wohl infektiöse Agentien wie z.b. Chlamydien oder CMV den Anstoss zur Bildung Atherosklerotischer Plaques geben, dass diese Atherosklerose sich jedoch danach verselbständigt und einen entzündlichen Prozess bildet, der nichts mehr mit dem ursprünlichen auslösenden Moment zu tun hat.
Obwohl dies eigentlich auch schon lange so vermutet wird, ist es wichtig, dass diese Studien nun endgültig zeigen, dass eine "Langzeit-Antibiose" keinen positiven Effekt auf den Verlauf atherosklerotischer Manifestationen zeigt. Denn das sollte nun definitiv alle Mediziner daran hindern, Antibiotika bei Patienten mit akutem koronaren Syndrom zur Prophylaxe weiterer Events zu verschreiben. Viel wichtiger sind hier sicher die etablierten Massnahmen mit Thrombozytenaggregationshemmer, Beta-Blocker, ACE Hemmer und Statine.
Im Editorial von Anderson werden nochmals alle Studien in einer Tabelle zusammengefasst, welche die antibiotische Therpaie beim akuten koronaren Syndrom untersucht haben, und auch hier ist ersichtlich, dass es definitiv keinen Benefit gibt.
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass eine antibiotische Therapie als Sekundärprophylaxe keinen Einfluss auf die Atherosklerose zeigt. Die Hypothese , dass infektiöse Agentien als Ursache von Atherosklerotischen Plaques anzusehen sind, bleibt hingegen und hier gilt es am Ball zu bleiben, und die Pathogenese besser zu verstehen.
Im gleichen Heft ist ein sehr spannender Übersichtsartikel zur Arteriosklerose erschienen.
Vielleicht steht uns in ein paar Jahren eine Impfung gegen die Arteriosklerose zur Verfügung?