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Fossile Funde zeigen, dass Rosen bereits vor rund 30 Millionen Jahren wuchsen. Zu den wichtigsten Wildarten gehört die Essigrose (Rosa gallica), die in Europa heimisch ist. Dazu zählt auch die in der Heilkunde verwendete Apothekerrose (Rosa gallica officinalis), die ein fester Bestandteil mittelalterlicher Klostergärten war. In der Mitte ihrer rosaroten, halbgefüllten Blüten thronen zahlreiche, goldgelbe Staubgefässe.
Im 14. Jahrhundert wurde sie in Frankreich aufgrund ihres intensiven Dufts grossflächig kultiviert, um daraus Rosenwasser, Rosenöl und Arzneien herzustellen. Dank ihres üppigen, aromatischen Wohlgeruchs werden aus halbgefüllten oder gefüllten Damaszenerrosen ebenfalls duftende Essenzen gewonnen.
Aus dem Morgenland und China
Die Ursprünge der Damaszenerrose befinden sich im Orient, wo sie schon seit langer Zeit als Blumenkönigin verehrt wird. Über ihren Einzug in unser Abendland gibt es verschiedene Vermutungen: Denkbar ist, dass vereinzelte Exemplare auf römischen Strassen in den barbarischen Norden gelangten. Ein anderer Weg verlief möglicherweise über Südspanien, das im Jahr 711 von den Mauren eingenommen wurde – und die Eroberer diese kostbare Blume aus dem sagenumwobenen Morgenland mitbrachten.
Sicher ist, dass Kreuzritter des 13. Jahrhunderts das edle Gewächs bei ihrer Rückkehr aus Jerusalem im Gepäck mitführten.
Etwa ab dem 16. Jahrhundert begannen viele Rosenliebhaber, eifrig zu züchten: Infolgedessen nahm die Farben- und Formenvielfalt des Rosensortiments rasant zu. Entscheidende Impulse setzte das Aufkommen von öfter blühenden, aber kälteempfindlichen Chinarosen aus Fernost um 1800. Als der Züchter Guillot im Jahr 1867 die erste winterharte Teehybride „La France“ auf den Markt brachte, revolutionierte er die Rosenzüchtung – die Ära der modernen Rosen wurde eingeläutet.
Ein dorniges Gewächs?
Rosen gehören, wie könnte es auch anders sein, zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Charakteristisch sind fünf grüne Kelchblätter und fünf farbenfrohe Blütenkronblätter, die ein Büschel von Staubgefässen einfassen. Diesem Bauplan folgen auch gefüllte Rosen, allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass die meisten Staubblätter augenscheinlich in Blütenblätter umgewandelt wurden.
Dies erfolgt jedoch häufig auf Kosten der Fruchtbarkeit: Denn wenn nur noch wenige echte Staubblätter vorhanden sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Hagebuttenfrüchte mit Samen bilden. Rosen haben übrigens keine Dornen, wie es in der Redensart „Keine Rose ohne Dornen“ so schön heisst, sondern in Wirklichkeit handelt es sich um Stacheln.
Zum Vergleich: Dornen sind umgewandelte Sprossachsen, Blätter oder Nebenblätter, wohingegen Stacheln aus der Rindenhaut entspriessen.
Duftende Schätze
Für die Gewinnung des kostbaren Rosenöls eignen sich vornehmlich alte Rosensorten, da der Gehalt an ätherischem Öl in den neueren Züchtungen häufig zu gering ist – dies merkt man leicht am fehlenden Duft.
Bei der Wasserdampfdestillation ergeben etwa 5000 kg Rosenblätter rund ein Kilogramm ätherisches Öl – es ist also kein Wunder, dass es sehr teuer ist.
Zu seinen Hauptkomponenten gehören die Inhaltsstoffe Geraniol, Nerol und Citronellol. Es bildet die Herznote vieler Parfüms und ist aus der Aromatherapie nicht wegzudenken. So wirkt Rosenöl leicht entzündungshemmend, zellregenerierend und hautpflegend. Darüber hinaus ist es ein Seelenschmeichler bei Stimmungsschwankungen und tristen Gedanken. Zudem kann es durchaus erotische Gefühle wecken, womit die Rose ihrem Ruf als Pflanze der Liebe mehr als gerecht wird.
Marzipanleckerei
Als Nebenprodukt bei der Rosenöldestillation fällt Rosenwasser an. Es entfaltet ebenfalls einen betörenden Duft, weshalb es vielfach für die Herstellung kosmetischer Produkte verwendet wird.
Doch auch in der Küche hat es einen festen Platz. Denn was wäre ein leckeres Marzipan ohne Rosenwasser! Dazu werden ganze Mandeln mit heissem Wasser überbrüht, damit sich die Haut leicht ablösen lässt. Anschliessend werden sie in der Küchenmaschine fein gemahlen. Zusammen mit der halben Menge an Puderzucker wird die Mischung nochmals in der Küchenmaschine gemahlen. Zum Schluss wird alles gut durchgeknetet und nach Belieben mit Rosenwasser aromatisiert. Wer mag, kann den Geschmack noch mit etwas Bittermandelöl abrunden.
Gesunde Pflanzenkraft
In der traditionellen Heilkunde lindert Rosenblättertee leichte Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Insbesondere die darin enthaltenen Gerbstoffe entfalten dabei ihre adstringierende Wirkung. Auch leichte Durchfallerkrankungen können damit gut behandelt werden: Dazu werden ein bis zwei Gramm Rosenblätter in einer Tasse mit heissem Wasser überbrüht. Nach rund zehn Minuten wird der Tee dann am besten schluckweise getrunken. Hiervon wird dreimal täglich je eine Tasse empfohlen. Indem der Tee mehrmals täglich äusserlich aufgetragen wird, lassen sich auch kleine Hautabschürfungen kurieren.
Aufgrund ihrer Schönheit, ihres Dufts und ihrer Heilkräfte verdient die Rose zu Recht den Titel „Königin der Blumen“!