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Rezensionen
Fröhlich ist das neue Traurig
„Are you gonna be alright?“, fragen Wintersleep im schwächsten Song ihrer neuen Platte. Wir versuchen zu eruieren, warum sie besser waren als sie Dinge wie “why you look so sad“ sangen.
Sicher, es ist relativ einfach, „The Great Detachment“ scheisse zu finden. Kommt man nicht über den Vocoder beim an sich tollen „Sante Fe“ oder die Nähe zu den Bee Gees in der Strophe vom ebenso überzeugenden „Lifting Cure“ hinaus, dann ist ein Urteil schnell gefällt. Tatsächlich krankt das sechste Album der Kanadier an anderen Dingen. „The Great Detachment“ ist weit weniger zwingend als das Meisterwerk „Welcome to the Night Sky“, ist weniger düster als das sperrige „New Inheritors“ und geht weiter als das bereits gewagte „Hello Hum“. Natürlich hat sich die Band längst emanzipiert vom Sound ihrer grandiosen Referenzwerke, zu denen auch der Zweitling „Untitled“ gehört. Dass die Band aus Halifax sich weiterentwickeln will und musste, liegt auf der Hand. „The Great Detachment“ hat damit zu kämpfen, dass es versucht, zu viele Stile unter einen durchaus ansehnlichen Hut zu vereinen. Paul Murphy ist ein ausgezeichneter Songwriter. Aber so doof es auch klingen mag: Melancholie sowie dunkle Gedanken stehen Wintersleep schlichtweg besser.
„The Great Detachment“ wagt sich mehr Pop. Es wird schnell klar, dass Songs wie „Metropolis“ oder das herausragende „Territory“ mehr Potential in sich tragen als die bemühten Versuche, Optimismus wie in „Spirit“ zu verbreiten. In diesem Zusammenhang darf man sicher auch mal die Frage stellen, warum ausgerechnet ein Song wie „Weighty Ghost“ zum grossen Hit der Band avancierte und nicht etwa Glanztaten wie „Archaeologists“ oder „Dead Letter & the Infinite Yes“. Aber das war damals eh egal, weil „Welcome to the Night Sky“ als Album alles überstrahlte. Davon entfernen sich Wintersleep seither leider immer mehr. Nicht etwa, weil sie Pop-Einflüsse zulassen oder keine guten Songs mehr schreiben würden – denn zugegeben: Die positive Grundstimmung in „Amerika“ funktioniert prima. Sondern weil sie den Faden mit Songs wie „Freak Out“, „Love Lies“ oder „Who Are You“ zusehends verlieren. Und so ist „The Great Detachment“ für Fans eine okaye Platte, während sie für alle anderen wohl eher verzichtbar bleibt – und ob sich das für Wintersleep ausserhalb von Kanada nochmals dreht, ist zu bezweifeln.
Ab 04.03.2016 im Handel erhältlich.