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Tadelakt ist nicht nur eine Putz- oder Stucktechnik, sondern auch ein Material, ein natürlicher Kalkverputz, der seinen Ursprung in Marakech, oder im unteren Atlasgebirge hat, wo das Material, Kalkmortel, heutzutage immer noch in der traditionellen Form gewonnen wird.
Der Kalkstein wird nach sorgfältiger Auswahl durch den Handwerker zu einem Kalkofen errichtet und mit Palmblättern und -holz befeuert. Dieser Prozess dauert mehrere Tage und es ist eine extrem harte Arbeit, den Ofen bei Tag und Nacht anzufeuern. Die Kalköfen befinden sich rund um Marrakech in einem wüstenartigen Gebiet. Das bedeutet für den Handwerker bei einer durchschnittlichen Temperatur von 50°C zu arbeiten. Nach dem Brennprozess, in welchem dem Stein all sein Wasser entzogen wird, entsteht Kalziumoxid, ein hochgradig reaktives Material, ungelöschter Kalk, der vom Handwerker durch Besprühung mit Wasser abgelöscht wird. Im diesem Prozess verbindet sich das Kalziumoxid (CaO) mit Wasser und expandiert, der Stein, der eben noch ganz aussah, zerfällt zu Pulver. Kalziumhydroxid (CaO2) ist entstanden. Der Brennvorgang ist jedoch durch seine so handwerkliche Art unvollständig geblieben, d.h. nicht alle Steine sind komplett gebrannt worden. Dadurch ergibt sich ein wichtiger zweiter Bestandteil unseres Mörtels, Kalksteinsand in unterschiedlichsten Korngrössen. Das entstandene Pulver wird gesiebt um die zu grossen Bestandteile des Sandes im Mörtel zu vermeiden. Danach ist unser Grundmaterial fertig zum Einsacken.
In unserem rudimentären Material sind jedoch immer noch grosse Sandteilchen vorhanden. Daher die Wichtigkeit der Anwendung des Steines. Mit dem Polierstein schafft es der Handwerker, nach dem Auftrag an der Wand, die restlichen, störenden Sandpartikel “ein zu massieren” und zu zerstören. Die so lästigen Sandbestandteile geben jedoch unserem Tadelakt eine besondere Festigkeit. An der Wand beginnt unser Kalkmörtel mit dem Prozess der Karbonatisierung, d.h. es schliesst sie der Kalkzyklus, in dem sich letztlich unser Kalziumhydroxid in Kalkstein verwandelt, wobei es wiederum CO2 aus der Luft entnimmt. Ein magischer Zyklus hat sich geschlossen. Der Mensch ist somit in der Lage, puren Kalkstein an seine Wände zu bringen, wo er wiederum Jahrtausende verbleiben kann und Jahr für Jahr härter und schöner wird.
Wir haben es also mit einem noblen Material zu tun. Seiner geologischen Komposition, Kalkgestein, verleiht ihm seine speziellen Eigenschaften wie Diffusionsoffenheit und Hyrophobie.