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Eine Flasche Madeira für
22.000 US Dollars
Madeira-Wein kann sehr wertvoll
werden: so wurde eine Flasche Madeira-Wein berühmt, weil sie im Auktionshaus
Sotheby’s in New York am 10 Mai 1997 für rund 22.000 Dollar ersteigert wurde. Es
handelte sich um einen Madeira-Wein aus dem Jahr 1800, der einst im Besitz von
Thomas Jefferson war. Zur Versteigerung gebracht wurde die Flasche von Barrie
Larvin, dem Besitzer des Hotel Casino Rio de Las Vegas.
Madeira ist nicht nur ein
Archipel, sondern DOC-Bereich für einen der berühmtesten und langlebigsten
Dessertweine der Welt. Bei geöffneter Flasche kann ein Wein bis zu 9-12 Monate
noch schmecken. Verschlossen kann sie - wie das obige Beispiel zeigt - weit über
150 Jahre noch geniessbar sein.
Geographie und Geschichte
Madeira gehört zu Portugal und
liegt im Atlantischen Ozean 32º38' W und 16º54' W von Greenwich. Das sind 545 km
von Nordafrika in Höhe von Casablanca und ca. 1000 km - 1,5 Flugstunden - von
Lissabon in Portugal und somit nur etwa vier Flugstunden von Zürich entfernt.
Zum Archipel gehören die Inseln Madeira, Porto Santo, Desertas und Selvagens.
Die beiden letzteren sind unbewohnt und bedeutende Naturschutzgebiete.
Hauptstadt ist Funchal auf der Insel Madeira und insgesamt zählt der ganze
Archipel knapp 250.000 Einwohner.
Anno 1351 erscheint der Archipel erstmalig auf einer Florentiner Seekarte unter
dem Namen "Isola di Legname" (= Holzinsel); dieser Name wird dann später von den
Portugiesen übernommen (portug. madeira = Holz). Rund 100 Jahre danach - anno
1420 - "entdeckte" sie der portugiesische Seefahrer João Goncalves.
In früheren Zeiten war es der Zuckerrohranbau, dem Madeira seinen Reichtum
verdankte. Genauso stark aber entwickelte sich später auch der Weinanbau, der
durch die milde Witterung und den reichhaltigen
Boden begünstigt wurde. Die
Portugiesen steckten die Insel in Brand und angeblich wütete dieser sieben Jahre
lang. Es wurde beinahe die gesamte Vegetation vernichtet, aber die Holzasche und
der vulkanische Boden schufen für den Weinbau geradezu ideale
Bedingungen.
Die ersten Weinreben wurden wahrscheinlich schon im
15. Jh. auf die Initiative von Heinrich dem Seefahrer nach Madeira gebracht. Im
Jahr 1478 wurde Herzog Georg, der Bruder des englischen Königs Eduard IV.
(1442-1483), wegen konspirativer Tätigkeit zum Tod verurteilt. Man überliess ihm
die Wahl der Hinrichtungsart und er entschied sich für den Tod durch Ertrinken
in einem mit Madeira gefüllten Fass. Der Nachweis für die Existenz der
Madeira-Weine war auf etwas makabre Art erbracht.
Für die weitere Entwicklung des Weinanbaus waren dann später die
Jesuitenpriester, die grosse Grundbesitze und Weinfelder besassen und die auch
den Weinhandel in Madeira aufbauten, verantwortlich. Den grössten Aufschwung
bekam die Weinerzeugung allerdings erst in der zweiten Hälfte des 18. Jh. als
einige englische Geschäftsleute mit dem Ausbau des Exports in viele Länder
begannen und damit den Madeirawein in der ganzen Welt berühmt machten.
Der Madeira-Wein
Der Madeira-Wein mit seinem
einzigartigen Geschmack ist auf keinen Fall mit Port-Wein zu verwechseln! Durch
die spezielle Produktionsweise entsteht ein typischer Weincharakter (oxidativer
Ausbau und bewusste Erhitzung des Weines). Die besondere Art der Herstellung -
die auch als Maderisierung bezeichnet wird - hat sich im 17. Jahrhundert mehr
oder weniger zufällig ergeben, als grosse Mengen von der Hauptstadt Funchal aus per Schiff
nach Amerika und in alle anderen europäischen
Kolonien exportiert wurden. Besonders die Niederländer waren darin sehr aktiv.
Bei den ersten Exporten stellte
man fest, dass der Madeirawein am Zielort wesentlich besser schmeckte als auf
Madeira selber. Ähnliches erfuhr man auch beim süssen Muskateller der Region
Setúbal. Man glaubte, dass alleine die Schaukelbewegungen der Schiffe den
Qualitätsunterschied verursachten. Viele Boote wurden mit Wein beladen und bis
nach Ostindien und zurück geschickt. Die Weine überquerten damit zweimal den
Äquator, absolvierten eine Rundreise oder auf portugiesisch "Torna Viagem". Dieser Begriff ist auch auf alten Madeiraflaschen auf dem Etikett
ersichtlich
(Kurzbezeichnung VDE). Später baute man auf Madeira Schaukel-Vorrichtungen aber
das Resultat war nicht befriedigend. Erst Temperaturmessungen auf einer der
nächsten Äquatorüberquerungen bei tropischer Hitze brachten die richtigen
Antworten und führten zu der Verarbeitungsmethode "Maderisierung". Damit dieser aussergewöhnliche Wein auf
der langen Schiffsreise seine Qualität nicht verlor, wurde er
mit Brandy
verstärkt, also gespritet. Versuche zeigten auch, dass durch Erhitzen der Weinfässer (ein
Verfahren, das in portugiesisch 'Estufagem' heisst) der Wein nicht nur
haltbarer gemacht wird, sondern durch diese Behandlung auch sein einzigartiges
‘gebranntes’ Aroma erhält, das den Geschmack erheblich verfeinert. Seitdem
erfüllt der Madeira-Wein geschmacklich auch auf Madeira die Erwartungen.
Insgesamt werden jährlich ca. 4 Mio l Wein
exportiert. Davon gehen ca. 545.000 l nach Deutschland, rund 27.000 l
nach Oesterreich und nur bescheidene ca. 450 l in die Schweiz. Nicht
berücksichtigt in dieser Statistik sind natürlich die vielen Flaschen, die durch
Touristen selbst nach Hause gebracht werden.
Die traditionellen fünf edlen
Rebsorten, aus denen heute die besten und teuersten Weine reinsortig (zumindest
zu 85%) produziert werden, sind Boal (hier Bual),
Malvasia (hier Malmsey),
Sercial,
Verdelho und in ganz kleinen Mengen die schon legendäre
Terrantez.
Auf den insgesamt rund 2.100 Hektar Rebfläche
dominiert aber mit 80% die Tinta Negra Mole, die zur Erzeugung billigerer und
einfacherer Madeiras verwendet wird. Diese Rebsorte darf aber seit 1993 nicht
mehr auf dem Flaschen-Etikett erscheinen. Diese Madeiras werden nur noch mit dem
Süssigkeitsgrad bezeichnet (seco, meio seco, meio doce und doce – ergänzt durch
pale=hell und dark=dunkel).
Das Instituto Do Vinho Da Madeira - das
Wein-Institut von Madeira - ist sehr streng in der Vergabe des Titels
Madeira-Wein. Hier finden Sie den
Direktlink zu diesem Institut, das übrigens ein eigenes Weinmuseum führt...
Einige der famosen Madeira vintages
vor dem Jahr 1900 waren 1789, 1795, 1806,
1808, 1815, 1822, 1836, 1844, 1846, 1851, 1862, 1865, 1868, 1870 and 1880.
Einige der nach 1900 sind 1900, 1902, 1905, 1906, 1907, 1910, 1914,
1915, 1916, 1920, 1926, 1934, 1940, 1941, 1950, 1954 und 1956.
Sehenswürdigkeiten in
Funchal
In der Hauptstadt Funchal besuchten wir

•

die Altstadt mit ihren engen Gassen, den Dom, die Prachtstrassen und Parks.

•

den Hafen mit dem Schiff, dass einst im Besitz der Beatles war, heute
Gaststätte

•

öfter die Markthalle mit reichhaltigem Angebot an Gemüse, Obst, Blumen und
Fisch, wie Thunfisch und Espada. Der Espadafisch ist ein tiefschwarzer
unansehnlicher Fisch mit schneeweissem Fleisch, der in 1.000 m Tiefe gefangen
wird und wunderbar schmeckt. In den Restaurants wird er unterschiedlich
zubereitet, auch mit viel Knoblauch.

•

die Spitzenklöppeleien und Stickereien mit reichhaltigen Angeboten, aber
auch mit deftigen Preisen. Beim Eintritt in den Laden wurde Madeira-Wein
gereicht.

•

den Botanischen Garten mit seinen vielen Orchideen, Kakteen, Stralizien und
der einheimischen Vogelwelt. Von hier aus hatte man wieder einen weiten Blick
über Funchal bis hinaus auf den Ozean.

•

die ständige Orchideenausstellung "Jardim Tropical Orchdeas" des
österreichischen Einwanderers Richter aus Wien.

•

den Park und die Kirche in Monte mit der Gruft, wo der letzte
österreichische Kaiser beigesetzt wurde. Sissi lässt grüssen...

•

verschiedene Restaurants, wo wir immer nur pikante Fischgerichte speisten
und uns u.a. der berühmte Madeira-Wein angeboten wurde.

•

Die malerische Blumeninsel Madeira ist nicht nur
durch den Wein bekannt. Sie bietet ein äusserst gesundes Klima und ist seit
über hundert Jahre als Kurort bekannt. (Bild: Porto Santo)

Viele
hilfreiche Informationen über Hotels und die Touristikangebote Madeiras
erhalten Sie hier....
Madeira und George
Washington
Im 17. Jahrhundert kam der
Madeira besonders an der Ostküste Amerikas in Mode. Es ist zum Beispiel
überliefert, dass der erste amerikanische Präsident, George Washington (Bild
links),
täglich
zu seinem Essen eine "pint" Madeira zu sich nahm. Auch Thomas Jefferson war ein
Verehrer und selbst die amerikanische Unabhängigkeits-Erklärung im Jahre 1776
wurde mit einem Madeira feierlich besiegelt. Überliefert ist auch, dass die
Gründung der Hauptstadt Washington D.C. mit einem Glas Madeira besiegelt wurde.
Im 19. Jahrhundert war Madeira in den USA so populär, dass eigene
Veranstaltungen - richtige Madeira Partys - abgehalten und Vereine gegründet wurden. Einer
davon in Savanah (Ohio) besteht heute noch.
Ward
McAllister beschrieb in einem Buch 1890 folgendes dazu: "Afternoon wine parties were the custom. You were asked to
come and taste Madeira, at 5 p.m., after your dinner. The hour of dining in
these cities was then always 3 p.m. The mahogany table, which reflected your
face, was set with finger bowls, with four pipe-stem glasses in each bowl,
olives, parched ground nuts and almonds and half a dozen bottles of Madeira.
There you sat, tasted and commented on these wines for an hour or more."
Das Geheimnis der Madeira -
Herstellung
In 25.000-Liter-Behältern aus
Holz oder beschichtetem Beton erfolgt die Gärung bei Malvasia- und Boaltrauben
zumeist mittels Maische-Gärung. Die gerebelte Maische wird bei optimaler
Temperatur (ca. 25 °C) zur Gärung gebracht. Bei Sercial und Verdelho wird der
Most vorher von seinen Schalen getrennt und sie werden meist trocken ausgegoren.
Bei Weinen aus Malvasia erfolgt schon frühzeitig und bei jenen aus Boal nach
Hälfte der Gärung ein Abstoppen durch hochprozentigen Branntwein (Aguardente).
Die Herstellungstechnik Estufagem wurde oben schon kurz beschrieben. Das ist die
Erhitzung des Weines, der er früher auf den Schiffsreisen über den Äqutor in
natürlicher Form ausgesetzt war. Für die Massen-Produktion werden dazu riesige,
gekachelte Betontanks mit 20.000 bis 50.000 Liter
Volumen verwendet. Durch diese verläuft eine von heissem Wasser durchströmte
Heizschlange aus Edelstahl, die den Wein über meist mehr als drei bis sechs
Monate auf zumindest 40 bis 50 °C erwärmt. Bei der zweiten, viel aufwändigeren
aber schonenderen Art wird der Wein in die typischen 600-Liter-Fässer (Lodge
Pipes) gefüllt und in beheizten Räumen bei etwas niedrigeren Temperaturen
gelagert. In diesem Fall sind es zumeist sechs bis zwölf Monate. Manche
Produzenten lehnen es aber ab, den Wein künstlich zu erwärmen, sondern lagern
die Fässer unter den Dächern der Lodges (den Canteiros), wo sie auf natürliche
Weise durch die Sonne erhitzt lagern, in de Nacht wieder abgekühlt werden und
dadurch gegenüber den anderen Varainten extremen Temperatur-Schwankungen
ausgesetzt sind.
In allen Fällen wird durch das Erwärmen der enthaltene Zucker
teilweise karamellisiert. Der Wein bekommt den typischen Geschmack und durch
starke Oxidation den Maderisierungs-Ton. Nach dem Estufagem muss der Wein
vorsichtig abgekühlt werden. Das Alter der Weine wird ab Ende der
Estufagem-Phase berechnet.
Je Form der Gärung werden manche
Weine zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal gespritet, bei süss ausgebauten kann
dies schon zum zweiten oder dritten mal Mal sein. Dadurch wird ein
Alkohol-Gehalt von rund 17% vol erreicht. Bei den besseren Weinen erfolgt die
Süssung durch die Gärungs-Unterbrechung, bei den billigeren wird verdickter
Vinho Surdo (Süssmost) nach der Gärung zugesetzt und farblich durch Zusatz von
Karamell korrigiert. Nach dem Schönen oder einer Filtration ruht der Wein 12 bis
18 Monate und wird anschliessend entsprechend der vorgesehenen Qualität
eingestuft. Nach dem Abstechen in Holzfässer erfolgt die weitere Reifung. Ab
Estufagem sind dies zumindest drei Jahre (z.B. die einfachen aus Tinta Negra
Mole). Sie werden mit „Finest“ oder „3-Year-Old Madeira“ bezeichnet. Das
Mindestalter für Weine aus den edlen Sorten ist fünf Jahre. Sie tragen die
Bezeichnung „Reserve“ oder „5-Year-Old Madeira“. Ab „Special Reserve“ oder
„10-Year-Old Madeira“ beginnen die „guten“ Weine. Die nächste Alterungs-Stufe
ist „Extra Reserve“ oder „Over 15-Years-Old Madeira“. Die Spitzen-Produkte sind
die „Vintage Madeira“, die zumindest 20, aber auch 30 bis 50 Jahre lang reifen.
Bei allen Varianten ist ein
Madeira sofort trinkfertig und geniessbar, wenn er in den Verkauf kommt. Er
lagert davor nochmals mindestens zwei Jahre in der Flasche. Madeira entwickelt
(zum Beispiel gegenüber Portwein) viel weniger Depot, ein Dekantieren muss (wenn
überhaupt) nur bei sehr alten Weinen erfolgen.
Die bekannten
Madeira-Häuser
Während des 20. Jahrhunderts
vereinigten sich viele bekannte Madeira-Weinhändler, wie Blandy, Cossart Gordon, Leacock
und
Rutherford & Miles, zu der Madeira Wine Company.
Hintergrund war die
Abschwächung des Madeira-Erfolgs weltweit. Die Gesellschaft, die heute rund 26
Unternehmen umfasst wurde ursprünglich durch die Blandy-Family kontrolliert.
1988 trat die Symington Group,
bekannt für ihre Portweinvertretungen (Dow, Graham, Warre and other brands), der Madeira Wine Company
bei und führte sie ab diesem Zeitpunkt. The Madeira Wine Company stellt ihre
Madeiras in den Sao Francisco Wine Cellars in
Funchal her. Eine zusätzliche Weinkellerei erbaut nach neusten Erfahrungen wurde
in Cabo Girao erstellt.
Möchten Sie mehr über Blandys und
ihre Geschichte erfahren?
http://www.blandys.com/chart.htm
Zu den bekanntesten Madeira-Produzenten bzw. Handels-Häusern zählen
auch Barbeito
(mehrheitlich japanischer Besitz), Borges, Barros e Sousa, Henriques & Henriques.
Spitzenmarken
sind Blandy, Cossart Gordon, Duke of Clarence Rich Madeira und Leacock), Miles
(berühmt durch die Marke Old Trinity House Medium Rich), Pereira d´Oliveira
Vinhos und Silva Vinhos.
Die
bekanten Madeira-Stile
Es gibt
drei verschiedene Madeira-Typen: Der Sercial ist hellfarben und trocken, der
Verdelho halbsüss, Bual und Malmsey dagegen süss. Von den
verschiedenen Madeira-Stilen führen wir nachstehend zur Information auch jene
auf, die nicht mehr erzeugt werden. Auf Grund der langen Haltbarkeit sind sie
teilweise noch erhältlich:
Solera: Mehr eine Qualitäts-Stufe als ein Weinstil. Das erst seit dem 19.
Jahrhundert auf Madeira eingeführte System (wie
beim Sherry) wird heute aber kaum mehr angewendet.
Rainwater: Es gibt dazu zwei Erklärungen: Die erste besagt, dass der Wein
aus Reben gekeltert wurde, wo keine künstliche Bewässerung möglich und damit
eine Abhängigkeit vom Regenwasser gegeben war. Die zweite berichtet, dass auf
dem Seeweg nach Amerika ein Fass Madeira durch unglückliche Umstände mit
Regenwasser verdünnt wurde (als absichtlicher „Erfinder“ wird in den Quellen
aber auch ein Amerikaner namens Habisham genannt). Die Amerikaner fanden
Gefallen an diesem halbtrockenen, leichten Wein. Heute wird er nur mehr in
kleinen Mengen, zumeist aus der Tinta Negra Mole produziert. Man kann diesen
Madeira-Typ auch als milderen und leichteren Verdelho bezeichnen.
Bastardo, Moscatel und Terrantez: Diese drei Weine aus den gleichnamigen
Rebsorten werden, wenn überhaupt, nur mehr in kleinsten Mengen erzeugt. Ein Moscatel-Madeira wurde zum
letzten Mal im Jahre 1900 produziert. Ältere Jahrgänge von Terrantez erzielen
bei Auktionen regelmässig Phantasie-Preise. Beinahe berühmt sind die Jahrgänge 1789 und
besonders der von Barbeito produzierte 1795. Es gibt Bestrebungen, die Terrantez
und damit diesen Madeira-Stil wiederzubeleben.
Sercial: Der Sercial ist der trockenste und in der Jugend säuerliche und adstringierende
Stil. In der Farbe blass. Die gleichnamige Rebsorte wird vorwiegend in kühleren
Höhenlagen auf der Nordseite der Insel angebaut. Sie reift selten aus. Nach mehr
als zehnjähriger Alterung entwickelt sie ein mandelähnliches Aroma. Der
Restzucker-Gehalt darf 18 bis 65 g/l betragen, der Wein erscheint aber auch mit
40 g/l noch trocken.
Verdelho: Den halbtrocken bis halbsüss ausgebauten Verdelho ist an seinem
zartbitteren, nussartigen Geschmack erkennbar. Die gleichnamige Sorte (rote und weisse
Varietäten) wird auf der Nordseite der Insel angebaut, kommt aber zur besseren
Reife wie die Sercial. Selbst im Alter bleibt eine pikante Säure erhalten, die
goldgelbe Farbe entwickelt sich von goldgelb zu einem dunkleren Ton. Der
Restzucker-Gehalt darf 49 bis 78 g/l betragen.
Bual (Boal): Die Bual ist deutlich dunkler und süsser wie Sercial oder
Verdelho. Sie wird vor allem auf der wärmeren Südseite der Insel angebaut. Der
Wein hat eine goldfarbene Farbe und ein charakteristisches Rosinen- und
Trockenfrüchte-Aroma mit einer im Alter immer noch frischen Säure. Der
Restzucker-Gehalt darf 78 bis 96 g/l betragen.
Malmsey (Malvasia): Der süsseste und komplexeste Madeira, der von vielen
als der beste bezeichnet wird. Die roten und weissen Varietäten dieser Traube
wachsen in den niedrigsten und wärmsten Bereichen der Insel um Câmara de Lobos.
Der Wein mit seinem Honig-, Kaffee- und Karamell-Aroma schmeckt dank einer
prägnanten und ausgleichenden Säure trotzdem nicht klebrig. Er ist hundert Jahre
und länger haltbar. Der Restzucker-Gehalt darf 96 bis 135 g/l betragen.