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1. Motivationsmangel
„Ich habe keine Lust zum Lernen.“ „Ich bin zu dumm für Mathe.“ „Warum soll ich mich anstrengen, ich lerne das sowieso nie.“
Hinter all diesen Aussagen stecken die fehlende Motivation und der Frust beim Lernen. Doch was sind die Ursachen dafür?
Am häufigsten führen Über- oder Unterforderung in der Schule zum Motivationsverlust. Ist der Schulstoff zu leicht oder zu eintönig, langweile ich mich, suche mir andere Beschäftigungen und verpasse dadurch vielleicht das Wichtigste. Dies führt genauso zu schlechten Noten, wie wenn ich mich ständig überfordert fühle, weil der Stoff zu schwierig oder zu umfangreich ist. Der Misserfolg demotiviert. Ich werde unsicher und glaube nicht mehr an mich selbst. Ich traue mir zu wenig zu und der nächste Misserfolg ist garantiert.
Wenn ich kein Ziel vor Augen habe und nicht recht weiss, was überhaupt von mir erwartet wird, dann werde ich mich auch kaum motivieren könne, weil die Chance für einen „Leerlauf“ sehr gross ist.
Manchmal liegt der mangelnde Antrieb aber auch an meiner Umgebung. Wenn ich an einem düsteren, lärmigen und überfüllten Arbeitsplatz lernen soll, bin ich ständigen Ablenkungen ausgesetzt, welche mich vom Wesentlichen abhalten. Dadurch brauche ich viel länger für dieselbe Aufgabe, die Qualität der geleisteten Arbeit ist meistens schlechter und ich bin deswegen demotiviert.
Eine schlechte Planung kann ebenfalls für Unmut sorgen. Angenommen es ist Sonntagmittag und ich merke, dass ich am Montag einen selbst geschriebenen Text abgeben muss. Draussen scheint die Sonne und alle meine Kollegen unternehmen etwas zusammen, während ich alleine an meinem Pult sitze und schreiben muss …
Da fällt mir nur der Spruch „Meine Motivation ging heute Morgen winkend an mir vorbei“ ein.
2. Äussere und innere Motivation
Kennst du Sätze wie: „Ich lerne, damit ich gute Noten schreibe.“, „Ich lerne, damit meine Eltern stolz auf mich sind.“, „Ich lerne, weil ich mehr Taschengeld bekomme, wenn ich gute Noten schreibe.“
Diese äussere Motivation (extrinsische Motivation) wird durch Einflüsse von aussen erzeugt. Kurzfristig führen die finanzielle Belohnung und das Lob beim nächsten Sechser in Deutsch zu einem Motivationsschub. Längerfristig gesehen, nimmt aber bei mir die Motivation wieder ab, weil ich mich daran gewöhne, dass ich bei jeder guten Note Geld und Lob bekomme. Das Geld oder das Lob sind nichts Spezielles mehr und werden langweilig.
Sobald zudem der Anreiz von aussen wegfällt, verschwindet auch meine Motivation wieder, da ich nie aus eigenem Antrieb gelernt habe, sondern immer nur für die anderen oder fürs Geld. Kurzfristig ist die äussere Motivation also sehr anregend, aber auf lange Sicht nicht geeignet.
Doch was machen diese Menschen anders, welche über Stunden, Tage, Monate begeistert an etwas arbeiten?
Ihr Geheimnis heisst innere Motivation (intrinsische Motivation). Ihnen sind äussere Einflüsse wie Geld, Lob und Anerkennung egal. Klar freut sich jeder, wenn er Lob bekommt, aber das Lob ist nicht das Ziel sondern nur ein netter „Nebeneffekt“.
Wenn ich innerlich motiviert bin, lerne ich aus eigenem Antrieb, aus Neugier und Spass an der Sache selbst. Das Lernen ist kein „Müssen“ mehr, sondern ein „Dürfen“, auf das ich mich freue und welches mich innerlich erfüllt. Das Interesse und die Begeisterung für das Thema führen zu vielen kleinen Lernerfolgen, wodurch auch mein Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten wächst und ich mir in Zukunft mehr zutraue.
Die innere Motivation ist die erfolgreichste Antriebsquelle, da sie langfristig vorhanden ist und nicht resp. nur wenig von der Umwelt beeinflusst wird. Ich liebe beispielsweise die Musik und das konnte mir auch der schlechteste Musiklehrer nicht kaputt machen
Aber wie kommt man zu dieser inneren Motivation?
3. Erreichbare Ziele setzen
Wer kennt das nicht. Man sollte seine Hausaufgaben erledigen, sitzt aber unmotiviert davor, lässt sich durch alles Mögliche ablenken und nach einer Stunde ist das Blatt immer noch leer. Mir passiert das immer dann, wenn ich planlos an eine Aufgabe herangehe und eigentlich gar nicht so recht weiss, was am Ende als Ergebnis der Arbeit herauskommen soll.
Da ich aber nicht den ganzen Nachmittag vor meinem leeren Blatt sitzen, sondern die Arbeit möglichst rasch beenden möchte um danach die Freizeit zu geniessen, wende ich einen kleinen Trick an. Bevor ich mit der Arbeit beginne, setze ich mir ein Ziel, welches ich in einer Stunde erreichen sollte. Sobald mich beim Arbeiten etwas ablenkt, halte ich mir mein Ziel vor Augen und konzentriere mich wieder auf die Aufgabe. Mein Ehrgeiz, das gesteckte Ziel auch zu erreichen, sorgt für die nötige Motivation an der Aufgabe zu bleiben, bis sie erledigt ist.
Ziele können ganz verschieden sein. Es gibt kleine, kurzfristige Ziele wie „bis 16:00 Uhr habe ich sechs Matheaufgaben gelöst“ oder „bis zum Abendessen habe ich erstens den Text gelesen und verstanden und zweitens die Fragen dazu schriftlich beantwortet“. Durch das Eingrenzen der Stoffmenge und der dafür benötigten Zeit, entsteht eine Motivation, da ein Ziel bekannt ist und man nicht planlos herumirrt. Die grosse Kunst bei diesen Zielen ist, sich selbst richtig einzuschätzen, damit die Ziele nicht zu hoch oder zu tief gesteckt werden. Ist das Ziel zu hoch gesteckt, werde ich es nicht erreichen und bin deswegen frustriert. Ist das Ziel zu einfach, bin ich ebenfalls frustriert, weil das Erfolgsgefühl ausbleibt, da ich denke, das hätte doch sowieso jeder gekonnt. Sich selbst fordernde aber nicht über-/unterfordernde Ziele zu setzen, ist nicht so einfach und braucht etwas Übung. Also nicht gleich beim ersten Mal aufgeben, sondern beim nächste Mal ein besser geeignetes Ziel suchen!
Die zweite Art von Zielen sind die grossen, längerfristigen Ziele. Dazu gehören z.B. „Ich will im nächsten Zeugnis eine Fünf in Französisch haben“, „Ich will nach der 6. Klasse in die Sek A kommen“ oder „Ich will die Matura machen“. Diese Ziele helfen mir immer, wenn ich mich frage, wofür lerne ich das alles überhaupt, das braucht doch niemand. Mit diesen grossen Zielen kann ich mich für einen Lernstoff motivieren, auch wenn ich zurzeit den Sinn dahinter noch nicht sehe.
Damit ich die Ziele nicht vergesse, schreibe ich sie mir auf. Sobald ich ein Ziel erreicht habe, hake ich es ab oder streiche es durch. Ein gutes Gefühl. Manchmal, bei schwierigeren Zielen, locke ich mich zusätzlich mit einer kleinen Belohnung: Habe ich das Ziel erreicht, darf ich mein Lieblingsheftchen lesen, eine Stunde „gamen“, oder mich mit Freunden treffen.
4. Gegenseitig motivieren
Kennst du das? Du sitzt alleine in deinem Zimmer vor deinen Schulbüchern und hast keine Lust deine Hausaufgaben zu erledigen. Vielleicht liegt es ja gar nicht an den Hausaufgaben selbst, sondern daran, dass du nicht gerne alleine bist.
Wenn ich alleine bin und Arbeiten erledigen soll, brauche ich oft viel mehr Überwindungsenergie, um endlich damit zu beginnen. Auch lasse ich mich viel schneller ablenken, denn es sieht ja niemand, ob ich konzentriert arbeite, oder etwas anderes mache. Arbeite ich hingegen in einer Gruppe, z. B. einer Lerngruppe, so kann ich mich von der Begeisterung der Anderen mitreissen lassen. Wir streben gemeinsam Ziele an und motivieren uns gegenseitig. Der soziale Kontakt motiviert mich zusätzlich, weil ich bei Schwierigkeiten nicht auf mich allein gestellt bin, sondern jemanden fragen kann und so vielleicht schneller zu einer Lösung des Problems gelange.
Damit die Gruppenmitglieder sich gegenseitig motivieren können, müssen aber alle dieselben Ziele verfolgen, z.B. „In einer Stunde haben wir alle unser Aufgabenblatt 1 und 2 gelöst“. Gruppenmitglieder, die während dieser Zeit lieber tratschen, sich über die neue Frisur eines Popstars unterhalten oder den Spielgenuss des neuen PC-Games besprechen möchten, sollten besser ein eigenes Grüppchen bilden, damit sie nicht die andern vom Arbeiten abhalten.
Und was macht man, wenn die Klassenkammeraden keine Zeit haben oder zu weit weg wohnen? Ich musste für eine grosse Prüfung lernen und konnte mich einfach nicht für das Thema begeistern. Meinem Vater ging es ähnlich, er sollte Gutachten für seine Kunden schreiben und hatte ebenfalls keine Lust dazu. Also beschlossen wir, uns gegenseitig zu motivieren. Wir setzten uns jeden Abend zusammen und erzählten uns gegenseitig, wie viele Seiten wir heute gelernt respektive geschrieben hatten, was uns dabei Schwierigkeiten bereitet hatte, was super gelaufen war und ob wir die angestrebten Ziele erreicht hatten oder nicht. Dann legten wir jeweils fest, was das Ziel bis morgen Abend sei. Dadurch, dass beide erzählten, war das Gespräch nicht einseitig. Ich hatte nie das Gefühl ich stehle meinem Vater seine Zeit mit meinen Angelegenheiten. Zudem sah ich, dass andere auch Mühe haben, sich zu motivieren. Und zuletzt waren die Gespräche auch eine Art äussere Kontrolle. Ich wollte am Abend ja nicht erzählen müssen, ich hätte den ganzen Tag nichts gemacht ausser gefaulenzt und meine Zeit vertrödelt.
Dieses Beispiel zeigt, dass man, auch wenn man an ganz verschiedenen Dingen arbeitet, sich gegenseitig motivieren kann. Dabei motiviert nicht das Thema selbst, sondern andere Faktoren wie der soziale Kontakt, das Zugehörigkeitsgefühl (weil es anderen genau gleich ergeht) und die äussere Kontrolle (ohne Bestrafung im Falle des nicht Erreichens der Ziele).
Also suche dir jemanden, egal ob Mutter, Vater, grosse Schwester, Onkel oder sonst wer, und vereinbare mit ihm/ihr einen Gesprächstermin und die Ziele bis dahin.
5. Abwechslung beim Lernen
Seit gefühlten Stunden sitze ich an derselben Arbeit und dabei gäbe es noch viele andere Dinge, die ich erledigen sollte. Die anfängliche Freude ist der Langeweile und der Frustration gewichen.
Kommt dir das bekannt vor? Dann hast du vielleicht denselben Fehler gemacht wie ich. Ich habe vergessen etwas Abwechslung einzuplanen.
Bei meinen Hobbies würde mir dies nie passieren, denn dort bin ich sowieso motiviert, sonst würde ich mir ein anderes Hobby suchen. Bei meiner Arbeit und in der Schule hingegen gibt es Tätigkeiten, welche ich lieber, und andere, welche ich weniger gerne mache. Oft habe ich die Aufgaben eigentlich gern, aber wenn ich zu lange an ihnen arbeite, verlieren sie den Anreiz für mich. Damit ich also nicht stundenlang am selben Thema bleibe, plane ich etwas Abwechslung ein.
Beispielsweise habe ich zwei Stunden für meine Hausaufgaben zur Verfügung und muss in dieser Zeit ein Blatt mit 18 Mathematikaufgaben lösen, zwei Fragen zu Geschichte beantworten und eine Übungsaufgabe in Französisch erledigen. Angenommen ich habe alle Fächer gleich gern, vor Mathematik aber Respekt, weil es so viele Aufgaben sind, so teile ich sie auf.
Mein Plan sieht dann wie folgt aus:
Mathematikaufgaben 1-6, Französischübung, Mathematikaufgaben 7-12, kurze Pause, Mathematikaufgaben 13-18, Geschichtsfragen.
Mit dieser Einteilung bin ich nie lange am Mathematikaufgaben lösen, sondern habe immer wieder Abwechslung durch andere Fächer oder kurze Pausen (in welchen ich etwas ganz anderes mache). Diese Abwechslung verhindert, dass die Langeweile eintritt oder die Frustration wächst, weil ich schon soooo lange am Gleichen arbeite und für mich kein Ende in Sicht ist.
Versuche beim nächsten Mal, wenn du viele Hausaufgaben im selben Fach hast, diese in Blöcke aufzuteilen. Kurze Pausen oder andere Fächer bieten eine willkommene Unterbrechung.
6. Angenehme Umgebung
Wenn ich mich für etwas motivieren möchte, dann ist für mich immer auch die Umgebung wichtig. Alleine zu Hause auf dem zwei Meter Streifen zwischen Esstisch und Sofa eine Liste von Fitnessübungen abzuarbeiten ist definitiv weniger motivierend als im Fitnesscenter in einem grossen Raum mit anderen zusammen. Nicht nur beim Sport ist der Ort wichtig, sondern auch beim Hausaufgaben lösen, bei Gruppenarbeiten oder Nachhilfestunden.
Arbeite ich alleine an meinen Hausaufgaben, dann suche ich mir einen ruhigen Arbeitsort mit genügend Licht, damit sich meine Augen nicht unnötig anstrengen müssen. Am besten eignet sich ein aufgeräumtes Pult in einem gut gelüfteten Raum, denn bei stickiger Luft werde ich schnell müde. Fühle ich mich an meinem Arbeitsort wohl, so habe ich die besten Voraussetzungen um lange, motiviert und konzentriert an einer Aufgabe zu bleiben.
Bei einer Gruppenarbeit sollten sich alle Mitglieder wohl fühlen. Lautet die Aufgabe z.B. „diskutiere“, so wähle ich immer einen Ort, wo wir uns gegenüber sitzen können, so dass jeder jeden sieht. Verlangt die Aufgabe hingegen eine Arbeit am Computer, so müssen alle so sitzen, dass sie eine gute Sicht auf den Bildschirm haben. Auch bei Gruppenarbeiten achte ich darauf, dass der gewählte Ort möglichst ruhig, angenehm hell und gut gelüftet ist.
Und wie sieht es in der Nachhilfe aus? Eigentlich genau gleich. Auch dort hätte ich gerne einen ruhigen, hellen Raum mit einem aufgeräumten, grosszügigen Arbeitsplatz. Allerdings muss ich als Nachhilfelehrerin auch damit leben können, dass diese Voraussetzungen beim Kunden zu Hause nicht immer gegeben sind. Dann muss ich eben flexibel sein. Manchmal hilft aber auch ein Gespräch mit den Eltern, damit z.B. die lärmenden Geschwister in ein anderes Zimmer gehen um zu spielen.
Für mich gilt: Fühle ich mich an einem Ort wohl, so kann ich mich viel einfacher zum Arbeiten motivieren, deshalb versuche ich Störungen möglichst rasch zu beheben.
7. Selbstvertrauen gewinnen
Früher wurde ich immer äusserst nervös, wenn ich einen Vortrag halten musste. Gedanken wie „Ich verspreche mich sicherlich wieder beim Vortragen dieser Textstelle.“, „Was mach ich nur, wenn ich die richtige Hellraumprojektor-Folie nicht finde.“ oder „Hoffentlich werde ich nicht wieder rot wie eine Tomate und zittere überall.“ schossen mir durch den Kopf. Mein Selbstvertrauen war in dieser Beziehung sehr klein.
Ich gehörte zu jenen, die den gesamten Vortrag als Text aufschreiben und ablesen. Meine Idee war, dass ich immer wusste was ich sagen sollte. Allerdings führte das Ablesen dazu, dass ich mit den Augen ständig am Text klebte um ja nicht in der Zeile zu verrutschen und den Faden zu verlieren. Meine Vorträge müssen für die Zuhörer grauenhaft gewesen sein.
Da das Ablesen irgendwann einen Notenabzug gab, musste ich mir etwas Neues überlegen. Ich schrieb also den Vortragstext auf und lernte ihn Wort für Wort auswendig. Das funktionierte gut und ich wurde mit der Zeit sicherer. Allerdings ist diese Methode sehr zeitaufwändig und ein heruntergeleierter Text ist für die Zuhörer nicht sehr attraktiv. Also begann ich nicht mehr ganze Sätze aufzuschreiben, sondern nur noch Satzfragmente. Die Übergänge zwischen diesen Teilsätzen erfand ich bei jedem Übungsdurchlauf neu. Beim Vortrag selbst klappte es auch, was mich stolz machte. Um noch etwas mehr Zeit zu sparen, schrieb ich irgendwann nur noch Stichworte auf. Mit jedem Mal, bei dem ich freier redete und das Resultat in Ordnung war, stieg mein Selbstvertrauen. Das Gefühl zu bekommen „Es ist alles gut gegangen. Ich kann es.“ ist eine wichtige Erfahrung um selbstbewusst an die nächste Herausforderung heranzutreten.
Ich bin auch heute noch innerlich nervös vor Referaten, aber dank den positiven Erlebnissen, die mein Selbstvertrauen gestärkt haben, und der inzwischen gewonnenen Routine, vertraue ich darauf, dass alles reibungslos ablaufen wird.
Verfügt man über ein gesundes Selbstvertrauen, so tritt man auch selbstsicherer auf und hinterlässt einen besseren Eindruck bei den Zuhörern, sei dies der benotende Lehrer, die Mittschüler oder die zukünftige Chefin im Büro. Die positiven Rückmeldungen motivieren für weitere Auftritte. Also versuche dein Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten zu stärken.