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Ein Autor auf der Suche nach einem neuen Stoff trifft auf eine kühle Prostituierte. Seine Faszination für sie wird obsessiv, als er den Ehrgeiz entwickelt, in ihr Gefühle zu wecken. Alles unter dem Vorwand der literarischen Recherche.
Der Roman Eve des britischen Autors James Hadley Chase wurde 1962 von Joseph Losey verfilmt, unter dem Titel Eva und mit Jeanne Moreau in der Titelrolle. Schon Losey hat versucht, das Buch mit einigen Eingriffen zu bändigen, unter anderem hat er einen Teil der Handlung nach Venedig verlegt.
In Benoit Jacquots neuer Interpretation des Stoffes taucht Venedig als kleine Referenz mehrfach auf. Die Freundin des von Gaspar Ulliel gespielten Autors möchte mit ihm da hin auf Hochzeitsreise. Und er schlägt seinerseits der von Isabelle Huppert gespielten Eva vor, mit ihm ein Wochenende in der Lagunenstadt zu verbringen.
Allerdings konstruiert Benoit Jacquot den Plot neu als amoralischen Versuch eines amoralischen Mannes. Dieser Bertrand Valade wird eingeführt bei seiner Arbeit als privater Pfleger beim abendlichen Besuch bei einem greisen englischen Autor in Paris.
Er klaut seinem Patienten schon mal beiläufig zwei Silberdosen, nimmt auch das Geld an, als ihn der sehnsüchtige alte Autor bittet, nackt zu ihm in die Badewanne zu steigen. Vor allem aber schaut er ihm ungerührt zu, als er einen Herzinfarkt erleidet und in der Wanne ertrinkt. Dann verschwindet er mit dem Typoskript des letzten Theaterstückes des Autors, wirft seinen Laptop in die Seine und gibt sich als Autor aus.
Ein paar Monate später ist er berühmt, das Stück ein Erfolg und der Verleger will mehr.
Da trifft Bertrand dann eben unter seltsamen Umständen im Schnee im Ferienchalet der Eltern seiner Freundin auf Eva. Und bekommt die Frau nicht mehr aus dem Kopf.
Benoit Jacquots Film bemüht sich um möglichst lineare Vielschichtigkeit. Die Hauptfigur ist der von Gaspard Ulliel sehr eindimensional brütend unsympathisch gespielte Bertrand. Mit ihm erleben wir so gut wie alle Szenen, vor allem jene, in denen Isabelle Huppert gewohnt souverän die unerschütterlich kühle, souveräne, spöttische Eva gibt.
Die Dialoge zwischen ihr und dem sichtlich beeindruckten und nervösen Bertrand sind grossartig, so lange Isabelle Huppert sie spricht. Und sie verwandeln sich in absolut platte Belanglosigkeiten, sobald Bertrand sie – durchaus wörtlich – als Theaterszenen zu Papier bringt.
Diese Diskrepanz und ihre Wirkung ist letztlich das Scharnier und das geheimnisvolle Zentrum dieses Films. Denn der grösste Teil der Handlung verläuft einigermassen absehbar, Ulliel verschafft seiner Figur auch nicht den Hauch eines Sympathieträgers und ohne Isabelle Huppert würde das alles reichlich mechanisch wirken.
Nun ist Eva also keine unter die Haut gehende Charakterstudie, kein Psychothriller mit Erotik und Todessehnsucht, keiner jener Filme, die lange im Gedächtnis bleiben, weil sie an die eigenen Sehnsuchtsängste rühren.
Aber eine faszinierend kühl gebaute kleine Maschine, eine Art Laufwerk, dem man mehrfach beim Abschnurren zuschauen kann, ohne alles gleich zu begreifen. Also nicht eigentlich ein Remake, sondern eine Reduktion, mit Isabelle Huppert als Reaktor im Zentrum.