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Erschienen in der Zürichsee-Zeitung: www.zsz.ch/spielend
Wer "Ra" sagt...
Obwohl Ravensburger für viele als der Spieleverlag schlechthin gilt, ist es schon über ein Jahrzehnt her, dass ein Spiel mit dem blauen Dreieck die Auszeichnung "Spiel des Jahres" erhielt ("Heimlich & Co" gewann 1986). Dem wollte der Verlag dieses Jahr Abhilfe schaffen: Nicht nur brachte er mit "Tikal" einen der meistgenannten Anwärter auf den begehrten Titel auf den Markt, er schuf auch gleich eine neue Marke. Die Reihe "Alea" soll Spiele "mit gehobenem Anspruch" enthalten. "Ra", der erste "Alea"-Titel, ist aber keineswegs nur für Freaks gedacht. Der Versteigerungsmechanismus, der dem Spiel zugrunde liegt, ist zwar ausgeklügelt, aber man hat ihn spätestens nach dem ersten Spiel begriffen. Es geht darum, farbige Plättchen zu ersteigern, die Pharaonen, Götter, Monumente und ähnliches darstellen - die Wahl des Themas Ägypten scheint eher zufällig. Die Plättchen werden reihum aufgedeckt und auf dem Spielfeld aufgereiht. Zeigt das aufgedeckte Plättchen jedoch den Sonnengott Ra, wird es auf einer speziellen Reihe abgelegt, und es findet eine Versteigerung aller anderen bisher aufgedeckten Plättchen statt. Das Spiel geht über drei Epochen. Sobald die "Ra-Reihe" voll ist, endet eine Epoche, und die Spieler erhalten Punkte für ihre Plättchen. Je nach deren Art wird anders gewertet. Wer etwa die meisten Pharaonen besitzt, erhält fünf Punkte, derjenige mit den wenigsten muss zwei Punkte abgeben. Die Monumente wiederum zählen erst nach der dritten Epoche, dafür aber saftig. Wer nach drei Epochen die meisten Punkte hat, ist Sieger. Als "Währung" in den Versteigerungen dienen Sonnensteine mit Werten von 1 bis 16, von denen jeder Spieler drei besitzt. Wer den höchsten Stein geboten hat, bekommt alle Plättchen sowie - eine geniale Idee - den Sonnenstein, der in der Mitte des Spielfeldes liegt. Die so gewonnenen Steine bilden den Vorrat für die nächste Epoche. Liegt also ein tiefer Stein in der Mitte, überlegt man sich zweimal, ob man für die ausliegenden Plättchen bieten will. Autor Reiner Knizia hat aber noch eine zusätzliche taktische Finesse eingebaut: Anstatt ein weiteres Plättchen aufzudecken, kann ein Spieler, wenn er an der Reihe ist, auch "Ra" rufen, und es kommt ebenfalls zur Versteigerung. Wer nur (noch) tiefe Sonnensteine besitzt, ruft schnell einmal "Ra" - in der Hoffnung, dass die Spieler mit höheren Steinen auf ein besseres Angebot warten und er so die wenigen ausliegenden Plättchen bekommt. Ständig muss man in "Ra" Entscheidungen treffen: Soll ich ein weiteres Plättchen aufdecken oder eher "Ra" rufen? Soll ich in dieser Versteigerung mitbieten, und wenn ja, wieviel? Doch diese Entscheidungen sind meist schnell gefällt, und so verläuft das Spiel recht zackig. Dies wiederum bedeutet, dass man die ganze Zeit "dranbleiben" muss, und da das Spiel keine Verhandlungen vorsieht, kann es schon einmal passieren, dass sich die Kommunikation auf die Worte "Ra" und die gebotenen Zahlenwerte beschränkt - bei der kurzen Spieldauer (maximal 45 Minuten, zu dritt sogar nur 30) ist das aber keine Katastrophe. "Ra" hat einen hohen Wiederspielwert, denn je nach der Reihenfolge der aufgedeckten Plättchen bietet jedes Spiel wieder neue knifflige Situationen. Und noch einen grossen Vorteil hat das Spiel: Es ist eines der wenigen, die hervorragend zu dritt funtkionieren - sogar noch besser als zu fünft, denn zwei Mitspieler sind berechenbarer als vier, und dies erlaubt fiese taktische Spielchen.
Übrigens: "Ra" landete nicht auf der Auswahlliste zum "Spiel des Jahres", wohl aber "Chinatown", die Nummer zwei der "Alea"-Reihe. Der Sieger wird Ende Juni gekürt."Ra" von Reiner Knizia, für 3 bis 5 Personen ab 12 Jahren. Spieldauer etwa 30 bis 45 Minuten, Preis rund XXX Franken. Verlag: XXX.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christian Egg im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -