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Vor 25 Jahren ging die britische Kronkolonie Hongkong zurück an China. Nach über 150 Jahren unter britischer Verwaltung sollte der 1. Juli 1997 Hongkong sowohl Kontinuität als auch Veränderung bringen, sagte der britische Prinz Charles damals im Rahmen der Feierlichkeiten. Er bezog sich auf die in der Vereinbarung festgehaltene Formel «Ein Land, zwei Systeme», welche besagte, dass Hongkong während 50 Jahren seine Autonomie behalten sollte, seine eigene Regierung, sein kapitalistisches Wirtschaftssystem, aber auch seine bürgerlichen und sozialen Freiheiten. Auch Chinas damaliger Staatspräsident Jiang Zemin betonte, dieses «kreative Konzept» werde in die Geschichte eingehen.
Kaum 20 Jahre später bekam es indes bereits erste, tiefe Risse. 2014 beschloss China massive Einschränkungen der freien Wahlen in Hongkong. Nur von Peking abgesegnete Kandidierende durften fortan an Wahlen teilnehmen. Die so genannte Regenschirmbewegung protestierte erfolglos.
Im Sommer 2019 begann die bisher grösste Protestwelle in Hongkong. Über Monate hinweg legten hunderttausende vor allem junge Menschen die Stadt lahm, wehrten sich oft friedlich, teils auch äusserst gewaltsam gegen das neue Sicherheitsgesetz. Nicht von ungefähr befürchtete die Hongkonger Jugend, dass damit die Formel «ein Land, zwei Systeme» dem Untergang geweiht sein würde.
Im Sommer 2020 trat das umstrittene Sicherheitsgesetz schliesslich in Kraft und setzte der Demokratiebewegung ein abruptes Ende. Es stellt jegliche Handlungen und Meinungsäusserungen unter Strafe, welche die «nationale Sicherheit» gefährden könnten. Im Sommer 2021 fiel das erste Urteil. Der 24-Jährige Tong Ying-Kit wurde zu 9 Jahren Gefängnis verurteilt, wegen angeblichem Terrorismus und Anstiftung zur Abspaltung Hongkongs. Wenige Stunden nachdem das Gesetz in Kraft getreten war, fuhr Tong Ying-Kit in eine Polizeisperre. Zum Verhängnis wurde ihm, dass er einen Banner bei sich trug mit dem Slogan «Befreit Honkong – Revolution unserer Zeit».
Vor einigen Tagen, am 1. Juli 2022 gingen die pompösen Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Übergabe der britischen Kronkolonie an China über die Bühne. Dabei zeigte sich Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping voll des Lobes über den Grundsatz «Ein Land, zwei Systeme». Gleichentags trat der neue Regierungschef Jon Lee sein Amt an. Der ehemalige Hongkonger Sicherheitschef war massgeblich für die Niederschlagung der Demokratiebewegung verantwortlich. Der Peking-treue Wahlausschuss hatte ihn fast einstimmig gewählt. Proteste gab es nicht, nicht bei seiner Wahl, und nicht am 1. Juli – denn die Demokratiebewegung ist längst zerschlagen.