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Toubab - Zwei Münzen
In "Toubab - Zwei Münzen" leistet eine junge Frau aus Europa einen Hilfseinsatz im Senegal. Núria Tamarit lässt in ihrer Graphic Novel zwei Welten aufeinandertreffen und bringt so manches Klischee ins Wanken.
Mar ist 17 Jahre alt und leistet zusammen mit ihrer Mutter Sabina einen dreimonatigen Hilfseinsatz in einem kleinen Dorf im Senegal. Die Französinnen helfen dort beim Bau von Häusern. Was es mit dem Titel "Toubab - Zwei Münzen" auf sich hat, erklärt sich zum Teil schon zu Beginn: Mamadou empfängt Mar, erklärt ihr, wie hier alles läuft und auch, weshalb sie von den Senegales:innen mit "Toubab" gegrüsst wird. Es ist auf Wolof der Begriff für Weisse. Sich selbst, also die Schwarzen, nennen sie "Wolof". Die Begriffe stehen aber nicht wirklich für "Schwarze" und "Weisse", sondern bezeichnen einfach zwei verschiedene Gruppierungen. Im Verlaufe des Buches wird dann auch noch geklärt, wie es zum Begriff "Toubab - Zwei Münzen" kam. Es hat mit der Kolonialisierung des Senegal zu tun, aber den Rest müsst ihr selber herausfinden!
Stereotype Bilder im Kopf
Mar - typisch Jugendliche - hat am Anfang vor allem mit dem fehlenden Handyempfang zu kämpfen. Ohne Internet fühlt sie sich völlig von ihren Freund:innen zuhause und der Welt abgeschnitten. Doch nach und nach bilden sich auch Freundschaften vor Ort und sie gewöhnt sich an das etwas gemächlichere Tempo. Ja, Mar hat sogar den Eindruck, dass es den Menschen hier besser geht, obwohl sie viel weniger Materielles besitzen oder besser: gerade weil sie die Kultur des Teilens leben und wenig Wert auf Eigentum legen.
"Ich hatte Angst herzukommen. Ich dachte, ich sehe hier Leute sterben. Leute, die verzweifelt unsere Hilfe erwarten. Aber manchmal denke ich... euch geht es besser als uns." (64)
Die Graphic Novel bestätigt zwar einige Bilder, die viele Europäer:innen von afrikanischen Gesellschaften haben, und zementiert so auch das ein oder andere Stereotyp. Andererseits gelingt Núria Tamarit auch immer wieder der Bruch mit tief verankerten Klischees, spricht das Problem des White saviourism an und bringt so manche eurozentristische Wahrheit ins Wanken. Dabei schöpft sie aus den eigenen Erfahrungen eines Hilfseinsatzes, den sie 2017 ebenfalls im Senegal geleistet hat.
"Wir brauchen keinen Retter. Wir brauchen niemanden als unser Sprachrohr. Afrika hat selbst eine Stimme. Unsere eigene Stimme. Was wir jetzt brauchen, ist, dass man uns anhört. Und uns in Frieden lässt." (93)
Mit ihren Panels fängt Núria Tamarit, Illustratorin und Comiczeichnerin aus Valencia, die flirrende Hitze im Senegal sehr gut ein. Es dominieren Gelb- und Grautöne, durchzogen vom Blau der Gewässer und des Himmels und den schönen Mustern der afrikanischen Stoffe.
Fazit
Ich hätte mir noch etwas mehr Handlung und eine noch tiefere Auseinandersetzung mit der Problematik von humanitären Einsätzen gewünscht. Aber im Ansatz hat mir "Toubab - Zwei Münzen" von Núria Tamarit sehr gut gefallen. Es tut gut, eine weisse Protagonistin einmal in der ungewohnten Minderheitenrolle zu erleben und sich mit ihr Gedanken über alte Glaubenssätze, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Kulturen - in diesem Fall in Europa und im Senegal - zu machen.
Die Fakten
Núria Tamarit
Lea Hübner (Übersetzung aus dem Spanischen)
Reprodukt
128 Seiten
Erschienen am 14.02.2022
Hardcover
ISBN: 978-3-95640-305-7
PS: Herzlichen Dank an Reprodukt für das Rezensionsexemplar.
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