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Woher kommen Sie? Was machen Sie beruflich»–typische Fragen, die ich in den letzten zwei Monaten oft hörte, da ich das Privileg hatte, privat in Südostasien zu reisen. Sobald ich sagte, ich sei Sportjournalistin, war das Thema für ein bisschen Small Talk gegeben. Eigentlich ganz angenehm, dachte ich, bis zu jener Taxifahrt in Penang in Malaysia, die meine Meinung radikal ändern sollte. Fortan beschloss ich, meinen Beruf zu verschweigen. Nein, nicht weil ich mich schämte, sondern weil ich keine Lust mehr hatte, mich in peinliche und unangenehme Situationen zu begeben.
«Wahrlich ein grosser Trauertag für den Sport heute», seufzte der Taxichauffeur, sobald ich verraten hatte, was ich beruflich mache. Was? Wie?, jagte es mir durch den Kopf. Ich war am Reisen und (bewusst) nicht immer über alle Aktualitäten informiert. Ich fragte: «Was ist denn passiert?» «Haben Sie es noch nicht mitbekommen? Eddy Choong ist gestorben.» Und ohne meine Reaktion abzuwarten: «Was denken Sie als Sportjournalistin: War er der Grösste oder nicht?» Irgendwie stammelte ich etwas, dass es mir leidtäte; aber so sehr ich mich anstrengte, konnte ich Eddy Choong keiner Sportart zuordnen, und so antwortete ich nur: «Ich weiss nicht.» Das kränkte den Taxichauffeur in seinem Nationalstolz, da er aus Sicht der Malaysier unbestritten der Grösste war. Das begriff ich am Tag danach, als ich in den Zeitungen seitenweise Würdigungen Choongs fand, der im Alter von 82 Jahren starb und in den 1950er-Jahren zu einer Badminton-Ikone wurde und in Malaysia als nur eine von fünf Personen den Titel «Malaysian Greatest Sportmen» trug.
Ich sagte nichts mehr zum Thema. Doch der Taxichauffeur wollte nun wissen, was ich Malaysia an den Südostasienmeisterschaften im Bogenschiessen zutraue. Wieder eine Frage, die ich nicht beantworten konnte und den Taxichauffeur daran zweifeln liess, dass ich Sportjournalistin bin. In dem Moment kam mir der Einfall, dies beweisen zu können, indem ich mit Wissen aus Malaysia auftrumpfte. «Wissen sie, dass ein Schweizer Nationaltrainer des malaysischen Eiskunstlaufverbands ist? Jamal Othman war als Athlet sogar an Olympischen Spielen», sagte ich begeistert, um gleich fest-stellen zu müssen, dass ich mit dem Versuch, meine Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, kläglich gescheitert war. «Es gebe gar keine Eisbahn in Malaysia, was ich für Märchen erzähle», entgegnete der Taxichauffeur nun genervt. Ich konnte ihm nicht übel nehmen, dass er nichts vom einzigen Eisfeld im Land in einem Einkaufscenter in der Hauptstadt Kuala Lumpur wusste. Ich gab auf und war froh, angekommen zu sein. Small Talk über Sport kann in einem Land mit ganz anderen Sportarten ganz schön anstrengend sein.