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Gold
Emanuel Schaeublin untersucht in seinem sozialanthropologischen Aufsatz «Islam in face-to-face interaction: direct zakat giving in Nablus (Palestine)», der 2019 in der Zeitschrift «Contemporary Levant» erschien, den sogenannten «Zakat», eine Abgabe für die Armen, in der palästinensischen Stadt Nablus und zeigt, wie religiöse Traditionen auf den soziopolitischen Wandel im Kontext des Nahostkonflikts reagieren. In der Unterstützung Bedürftiger scheint das grosse Paradox auf, dass Menschen vor Gott gleich sind und gleichzeitig in einer Gesellschaft mit ausgeprägten sozialen Unterschieden zusammenleben. Jury-Präsident Jakob Tanner würdigt den Text als «innovativen Versuch, eine lokale Untersuchung auf die übergeordnete Frage zu beziehen, wie die westliche akademische Forschung Wissen über die arabische Welt produziert». Emanuel Schaeublin hat in Genf Arabistik studiert und in Oxford in Anthropologie promoviert. Derzeit ist er am Center for Security Studies an der ETH Zürich tätig.
Silber
Beatrix Eugster befasst sich in ihrem 2019 im «Journal of Political Economy» erschienenen Aufsatz «Culture and Taxes» mit dem Steuerwettbewerb in der Schweiz. Sie untersucht die Frage, ob dieser die politischen Präferenzen beeinflussen oder gar aushebeln kann. Der Aufsatz vergleicht mit einer neuen empirischen Strategie Gemeinden in unmittelbarer Nähe zur deutsch-französischen Sprachgrenze und zeigt, dass Kultur einen Einfluss auf die Höhe der Steuern hat, dass aber der Druck des Steuerwettbewerbs diese kulturellen Unterschiede über die Sprachgrenze hinweg verringert. Die Jury bewertete den Aufsatz als «demokratietheoretisch wichtigen Beitrag zur Kontroverse um eine nachhaltige Ausgestaltung von Steuersystemen». Beatrix Eugster ist Assistenzprofessorin am «Center for Disability and Integration» der Universität St. Gallen. Den Aufsatz verfasste sie in Co-Autorschaft mit Raphaël Parchet (Università Svizzera italiana).
Bronze
Der Aufsatz «When masters of abstraction run into a concrete wall: Experts failing arithmetic word problems» von Hippolyte Gros befasst sich mit dem Einfluss, den unser Wissen aus dem täglichen Leben auf unser mathematisches Denken haben kann. Der Autor weist nach, dass die konkrete menschliche Körperlichkeit sowie für die Mathematik eigentlich irrelevantes Vorwissen selbst bei erfahrenen Mathematikern einen direkten Einfluss auf ihre Problemlösungen haben. Hippolyte Gros arbeitet als Postdoc an der Universität Genf. Seine Forschung bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Psychologie, Mathematik und Informatik. Der Aufsatz entstand in Co-Autorschaft mit Emmanuel Sander (Universität Genf) und Jean-Pierre Thibaut (Universität Bourgogne Franche-Comté).
101 Kandidaturen aus 17 Schweizer Hochschulen
101 Kandidaturen sind für den Nachwuchspreis eingegangen. Dabei hielten sich Bewerbungen von Frauen und Männern die Waage und machten je die Hälfte aus. Rund zwei Drittel der eingereichten Texte wurden auf Englisch publiziert, das übrige Drittel auf Französisch, Deutsch und Italienisch. Die Kandidatinnen und Kandidaten vertreten 17 Schweizer Hochschulen und mehr als 20 Disziplinen. Am stärksten vertreten ist die Psychologie mit 18 Gesuchen. Die zehnköpfige Jury wählte die Preisträger und die Preisträgerin in einem dreistufigen Evaluationsverfahren aus. Die Schlussabstimmung erfolgte in diesem Jahr aufgrund des Versammlungsverbots per E-Mail.
Der 1996 ins Leben gerufene Nachwuchspreis wird jährlich vergeben, seit 2019 in dreigeteilter Form. Er richtet sich an Forscherinnen und Forscher in der Schweiz im Alter bis 38 Jahre und ist mit insgesamt 18 000 Franken dotiert. Die Preisverleihung findet am 12. September im Rahmen der Jahresversammlung der SAGW in Bern statt.
Kontakt
Lea Berger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin+41 (0)31 306 92 59