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Dr. Gisela Hürlimann
Die Vorlesung behandelt die Entwicklung der schweizerischen Wirtschaft, Gesellschaft und Technik im „langen 19. Jahrhundert“, das sich zwischen der Doppelrevolution (industrielle und politische) und dem Ersten Weltkrieg situieren lässt. Dabei kommen der europäische Kontext und langfristige Konjunkturbetrachtungen nicht zu kurz. Ausgangspunkte sind die Industrialisierung als Auftakt zu sozioökonomischer Modernisierung sowie die Auswirkungen der atlantischen Revolutionen (USA und Frankreich) auf die verfassungsrechtliche Neuordnung der Eidgenossenschaft. Der Modernisierungsprozess war verbunden mit Bevölkerungswachstum, wirtschaftlichem Strukturwandel und dynamischen technologischen Innovationsprozessen. Der 1848 nach kurzem Bürgerkrieg gegründete Bundesstaat war wichtig für die Etablierung eines Binnenmarktes und verlieh vor allem der Exportwirtschaft einen Boom, vermochte seine Zuständigkeiten aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts substanziell zu erweitern (z.B. Steuerwesen, Sozialversicherungen, Bahnverstaatlichung). Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Schweiz bereits eine der stärksten industrialisierten Nationen, was auch in eine frühe Regulierung der Industriearbeitsverhältnisse mündete (eidg. Fabrikgesetz von 1877). Der föderalistische Kompromiss zwischen Bund und Kantonen kam auch in der Hochschulfrage (kantonale Universitäten, eidg. Polytechnikum) zum Ausdruck. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte ein zunehmender Auf- und Ausbau von urbanen Versorgungs- und transregionalen Netzinfrastrukturen (Wasser/Abwasser, Gas und Elektrizität; Telegrafie, Schienenverkehr). Die Vorlesung schliesst mit Betrachtungen zum „fin de siècle“ sowie zur innen- und aussenpolitischen Situation der Schweiz beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Detailprogramm und Literaturliste werden im OLAT-Kurs zu dieser Vorlesung aufgeschaltet.
Die Studierenden erhalten einen Überblick über zentrale Themen der Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte der Schweiz im langen 19. Jahrhundert und können dadurch ihre Vertiefungen in anderen Lehrveranstaltungen im Bereich der Sozialwissenschaften sowie der Technikgeschichte und der Geschichte der Philosophie und des Wissens sowohl zeitlich wie inhaltlich besser einordnen.
Zeit
Do 10-12 Uhr
Beginn: 26.2.2015
Ort
KOL G221