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In dieser Serie berichtet die Wiler Zeitung in loser Folge über die Menschen im Kapuzinerkloster Wil.
Leben im Kloster (3) Bruder Fortunat Diethelm bekleidete viele Ämter, so war er Gymnasiumsrektor, Bildungshausleiter und Regionaloberer. Er erzählt humorvoll aus seinem Leben und beschreibt, wie im Kapuzinerkloster Wil der Advent gefeiert wird.
Beatrice Oesch
Wil. Der rüstige 79-jährige Bruder Fortunat Diethelm fühlt sich wohl im Kapuzinerkloster Wil: „Ich bin sehr glücklich hier und geniesse die Gemeinschaft mit meinen Mitbrüdern“, erzählt er gegenüber der Wiler Zeitung. Schon früh war für ihn klar, dass er Kapuziner werden wollte; nach seiner Matura 1952 trat er als Novize ins Kapuzinerkloster in Luzern ein. Er studierte drei Jahre in Stans Philosophie, Soziologie, Ordensgeschichte und Musik und wurde dann nach Solothurn zum Theologiestudium gesandt. Nach dem dritten Jahr fand seine Priesterweihe statt, und während seines 4. Studienjahres amtete er bereits als Priester. Weitere Studien wie Germanistik, und schliesslich sein Doktorat in Pädagogik prädestinierten ihn für seine spätere Laufbahn als Lehrer und später Rektor des Gymnasiums St. Fidelis in Stans während 25 Jahren. Sechs Jahre war er Bildungshausleiter in Dulliken, und weitere sechs Jahre Regionaloberer der Kapuzinerprovinz der Region Deutschschweiz. Heute ist er im Kloster für Aushilfeseelsorge und die Betreuung der Computer zuständig, und ist auch „Donnerstagskoch“.
Lausbub und Lehrerschreck
Bis zur 6. Primarklasse wuchs er in Gossau auf, dann begann seine Gymnasialzeit in Appenzell. „Ich war kein Musterschüler“ schmunzelt er und beweist das gleich mit einer Lausbubengeschichte. Damals sei einer seiner Mitschüler irgendwie in den Besitz einer toten Maus gekommen, und dies inspirierte ihn zu folgendem Plan, um seinen Lateinlehrer zu erschrecken: „Ich band die Maus an einen Faden, und als der Lehrer mit einem Stapel Heften beladen ins Schulzimmer kam, zog ich die Maus blitzschnell vor ihm über den Boden“. Der Plan funktionierte – in seinem Schreck schleuderte der Lehrer die Hefte von sich. Natürlich stand der Missetäter schnell fest, und der Lateinlehrer fragte ihn unwirsch, was er eigentlich später einmal werden wolle. Als der junge Fortunat antwortete: „Kapuziner!“, habe der Lehrer laut gelacht und prophezeit: „Aus dir wird bestimmt nie ein Kapuziner!“. Später lachten der ehemalige Schüler und sein Lateinlehrer über diesen Streich, denn sie hielten den Kontakt zueinander aufrecht.
Wenn der Nikolaus ins Kloster kommt
Bereits an der Klosterpforte erinnert ein schlichtes, aber sehr wirkungsvolles Arrangement aus Jutegeflecht mit einer durchblitzenden Lichterkette, mit Misteln und Weidensternen den Besucher an die Adventszeit, und auch drinnen im Kloster und in der Kirche findet man stimmungsvollen Adventsschmuck, den Bruder Paul kreiert hat. Die tägliche Eucharistie und die Chorgebete seien nun von adventlichen Texten geprägt, erklärt Bruder Fortunat, und fügt lächelnd hinzu: „Auch in den Genuss von Guetzli kommen wir, sogar ohne selber zu backen, denn immer wieder bekommen wir von lieben Menschen Weihnachtsgebäck geschenkt.“ Sogar der Nikolaus komme ins Kloster; meistens sei das ein verkleideter Mitbruder. Dann werde zu Mandarinen und Nüssli gefeiert. Schon Mitte November erhalte jeder Bruder eine Karte für einen persönlichen Geschenkswunsch, und diese Geschenke werden dann vom Guardian verteilt. „Dieses Jahr habe ich mir etwas Technisches gewünscht: 2 Gigabyte-RAM, mit denen ich meinen Computer aufrüsten kann.“