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«Ich hoffe darauf, dass es Sarigai einmal nicht mehr braucht», sagt Alexandre Robatel den FN. Er ist Präsident der Organisation Sarigai, die sich für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transmenschen einsetzt und 2016 ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Denn sein Ziel sei, dass es für die Organisation, die monatliche Treffen sowie Spielabende und Informationsanlässe organisiert, keine Arbeit mehr gebe. «Im Moment ist aber noch genug zu tun», so Robatel.
Durchzogene Bilanz
Zieht Robatel eine Bilanz der letzten zwanzig Jahre, so fällt diese durchzogen aus. Grossen Handlungsbedarf sieht Robatel auf der politischen Ebene: Zu heiraten oder ein Kind zu adoptieren sei für homosexuelle Paare nach wie vor nicht möglich. «Dabei würde eine Eheschliessung vieles einfacher machen, beispielsweise beim Erbe.» Transmenschen müssten sich bei einer Geschlechtsumwandlung sterilisieren lassen, und noch immer würden intersexuelle Babys nach der Geburt operiert, um ihnen ein Geschlecht zuzuweisen.
Auch die gesellschaftliche Diskussion brauche es weiterhin, sagt Robatel. Als er etwa für die Gay Pride ein Zimmer reservieren wollte, habe er von einem Hotel eine Absage erhalten mit der Begründung, der Anlass entspreche nicht den Werten des Hotels, erzählt er. Solch offene Diskriminierungen erfahre er zwar eher selten. «Aber stellt Sie jemand nicht ein, weil Sie eine Frau sind, wird er Ihnen das auch nicht so offen sagen. Einen Beweis gibt es meist nicht.»
Dennoch habe sich seit 1996 sehr viel getan, sagt Alexandre Robatel. «Vor 20 Jahren wurde Homosexualität als eine Krankheit angesehen. Heute nicht mehr.» Habe die Organisation Sarigai ihr erstes Lokal noch in den Neiglen und damit etwas abseits eingerichtet, seien mittlerweile viele Lokale in der Stadt «gay-friendly» und offen für Veranstaltungen von Homosexuellen. Dass mit der Bar «Elvis et moi» erst kürzlich ein bekannter Treffpunkt für Schwule und Lesben verschwunden ist, findet er zwar schade. «Heute ist es aber nicht mehr nötig, dass wir einen für uns haben, um uns geschützt zu fühlen.»
Dass sich die Mentalität geändert habe, zeige sich auch bei der Organisation der Pride, sagt Alexandre Robatel. Er präsidiert die Veranstaltung, die am kommenden Wochenende in Freiburg stattfindet (siehe Kasten). Die Organisation der ersten Gay Pride in Freiburg im Jahr 1999 habe in der Bevölkerung noch für einige Kritik gesorgt. Nun spürten die Organisatoren eine echte Unterstützung, auch vonseiten des Oberamts, der Stadt und der Kantonspolizei.
Stärkere Zusammenarbeit
Die Verbesserungen in der Gesellschaft hätten auch Auswirkungen auf Sarigai, sagt Robatel. «Die Phase der grossen Revolution ist vorbei. Bei vielen besteht deshalb das Gefühl, dass es uns nicht mehr braucht.» Hatte Sarigai noch vor einigen Jahren bis zu 160 Mitglieder, sind es heute noch etwa 50. Auch werde es immer schwieriger, Freiwillige zu finden, und da Sarigai keine Subventionen erhalte, fehlten die finanziellen Mittel. Anderen, gleich gesinnten Vereinigungen ergehe es ähnlich. Ein erstes Treffen, um die Zusammenarbeit untereinander zu fördern, hat bereits stattgefunden. Ein weiteres Treffen ist im Herbst geplant. Er könne sich vorstellen, dass es in Zukunft eine grosse Vereinigung gebe, die für Finanzen und Material zuständig sei, den Mitgliedern aber dennoch grosse Freiheiten lasse, um eigene kleine Projekte anzubieten.
Hoffnung auf eine neue Dynamik setzt Robatel zudem in ein Genfer Projekt, das auch in Freiburg lanciert werden könnte: Die Organisation «Le Refuge» bietet Jugendlichen, die wegen ihrer sexuellen Ausrichtung von ihrem Umfeld und ihrer Familie zurückgewiesen werden, eine Notunterkunft. Zurzeit werde abgeklärt, ob es auch in Freiburg Bedarf für eine solche Unterkunft gebe. Ist dies der Fall, hofft Robatel auf Subventionen. «Und hätten wir ein eigenes Lokal, würde dies schon vieles vereinfachen.»
Programm
Ein Stand und ein Wagen an der Pride
Vom 24. bis zum 26. Juni findet in Freiburg die Pride statt, eine Veranstaltung für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transmenschen. Am Freitag und Samstag gibt es Musik und Unterhaltung im Dorf der Pride auf dem Gelände der Universität Perolles. Die Parade beginnt am Samstag um 14 Uhr auf dem Python-Platz. Die Organisation Sarigai, die ihr 20-Jahr-Jubiläum feiert, ist mit einem Stand im Dorf der Pride und einem Wagen am Umzug präsent.rb