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Die Burg Schenkenberg wurde wohl im Auftrag der Habsburger Anfangs des 13. Jahrhunderts errichtet. Sie war Teil eines eigentlichen Burgensystems zur Absicherung des damaligen Kerngebietes habsburgischer Besitzungen rund um die Stadt Brugg und den Stammsitz Schloss Habsburg.
Errichtung der Burg Schenkenberg
Zuerst wurden Bergfried und Palas auf dem Berggrat errichtet, anschliessend die Wirtschaftsbauten und Begrenzungsmauern am Südhang. Gebaut wurde mit an Ort und Stelle gebrochenen kleinen Kalksteinen.
Burg Schenkenberg um 1682
Auf der Burg sassen am Anfang im Auftrag der Habsburger die Schenken von Schenkenberg, ein erster von ihnen wird 1243 genannt. Dies ist gleichzeitig die erste schriftliche Erwähnung der Burganlage.
Habsburger auf Schenkenberg
Eine Zeitlang wohnte hier auch Albrecht von Schenkenberg, ein ausserehelicher Sohn des Grafen Rudolf von Habsburg, des späteren ersten Königs aus dem Hause Habsburg.Bedeutende Inhaber von Burg und Herrschaft Schenkenberg waren ab 1373 die Herren von Schönau, Ritter im habsburgischen Gefolge.
In der Folge wechselte der Besitz zwischen mehreren Gefolgsleuten der Habsburger, deren Machtschwerpunkt sich unterdessen allerdings weg vom Gebiet der heutigen Schweiz nach Österreich verlagert hatte.
Komplizierte Besitzverhältnisse
Dann aber wurden die Besitzverhältnisse immer komplizierter. Es war die schwierige Zeit nach der katastrophalen Niederlage des Herzogs Leopold III. von Österreich gegen die Eidgenossen bei >Sempach 1386. Die Herrschaft Schenkenberg wurde mehrfach verpfändet, wieder ausgelöst, getauscht und auch vom Haus Habsburg - Österreich wieder an sich gezogen.
Vögte auf Schenkenberg
Hinzu kam, dass die jeweiligen Herren gar nicht immer anwesend waren und sich durch Vögte vertreten liessen. 1396 - 1398 zum Beispiel amtete ein gewisser Konrad Brümsy als "Vogt ze Schenkenberg und uff dem Bötzberg", dies "an statt des frommen, festen Ritters, mines gnedigen Herrn, Herrn Wilhelms im Turme". Im Jahre 1405 tauschte Walther im Thurm, wohl ein Erbe des obengenannten Wilhelm, mit Einverständnis des Herzogs Friedrich, Schenkenberg gegen >Gutenberg bei >Balzers. Aber auch die Herrschaft des neuen Besitzers, Ritter Hermann Gessler, dauerte nicht lange.
Die Herrinnen von Schenkenberg
Anfang 1408 ging sie an seine Schwester, Margaretha von Fridingen, geborene Gessler. Sie war bereits die zweite Herrin auf Schenkenberg (nach Elsbeth von Eptingen, geborene von Schönau 1385). Offensichtlich hatten aber ihre Beamten, die Vögte Uli Fischer und Wernli Müller, Mühe, eine Frau über sich anzuerkennen. Bei Amtsgeschäften traten sie jeweils im Namen ihres "gnädigen Herrn" Ritter Hans von Fridingen auf, selbst als dieser bereits verstorben war. Letztlich blieb aber Uli Fischer, welcher länger im Amt war, doch nichts anderes übrig, als den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend "im Namen der gnädigen Frau" zu handeln. Über der neuen Herrin zogen sich schon bald dunkle Wolken zusammen. Sie drohte in den Strudel der hohen Reichspolitik zu geraten. Ihr österreichischer Landesherr, Herzog Friedrich IV. von Habsburg, geriet in schweren Streit mit seinem Lehensherrn, dem deutschen König Sigismund (kein Habsburger). Der König verhängte im März 1415 die Reichsacht über den Habsburger. Dies kam sozusagen einer Absetzung gleich, verbunden mit der Aufforderung an die Nachbarn, so auch die Eidgenossen, dem geächteten Habsburger dessen Territorien zuhanden des Reiches wegzunehmen.
Erster Auftritt der Eidgenossen
Die Eidgenossen hatten zwar noch vor kurzem ein eigentliches Friedensabkommen mit Österreich für fünfzig Jahre geschlossen. Doch dieses war jetzt plötzlich vergessen. Schon im April 1415 rückten Berner Truppen im Aargau ein und eroberten das Gebiet bis zum Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat bei Brugg und Windisch. Auch die Stadt Brugg musste sich ergeben und erklärte sich am 29. April 1415 offiziell für bernisch. Hingegen war das Land links des Flusses, also auch das schenkenbergische Territorium, von den Bernern nicht berührt worden. Die untere Aare war nun Grenzfluss zwischen Bern und Österreich.
Herrschaft Schenkenberg wird Reichslehen
Frau Margaretha von Fridingen befand sich nun in einer ungemütlichen Grenzlandsituation. Sie trachtete deshalb, sich nach allen Seiten abzusichern. So erwarb sie ein Haus in Brugg und das Bürgerrecht der Stadt, um sich mit den Bernern zu arrangieren. Gleichzeitig versuchte sie, die verbliebene Oberhoheit Österreichs abzustreifen, indem sie sich direkt unter den Schutz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation begab.
Sie erreichte von König Sigismund einen Lehensbrief, datiert vom 29. März 1417, der ihr erblich "das Schloss Schenkenberg mit aller Herrlichkeit", also allen Leuten, Gütern und Hoheitsrechten, verlieh. Dafür musste Schenkenberg jederzeit für die Geschäfte des Königs und des Reiches zur Verfügung stehen, "unser offen Schloss und Haus sein" und ein allfälligen Verkauf bedurfte zukünftig der Zustimmung des Reiches.
Schenkenberg unter dem Schutz des Königs
Mehr über Sigismund ...
Auf die Dauer verleidete Margarethe ihre Herrschaft. Sie hatte verschiedentlich Schwierigkeiten mit ihren Untertanen, sah sich aber jeweils ausserstande mit ihren Knechten ihre diversen Forderungen nach mehr Steuern, Abgaben und Frondiensten gegenüber den Bauern durchzusetzen, welche auf alte Rechte und Freiheiten pochten.
Die Herrschaft Schenkenberg als souveränes Fürstentum
Mit Urkunde vom 19. Januar 1431 hiess König Sigismund den Verkauf an Freiherr Thüring von Aarburg gut und bestätigte alle bisherigen Rechte. Auch die hohe Gerichtsbarkeit, der Blutbann, d.h. das Recht über Leben und Tod zu richten, war ausdrücklich mit eingeschlossen. Die Herrschaft Schenkenberg, die sich von Bözen bis Stilli und von Thalheim bis Mönthal und Villigen erstreckte, bildete also ein ziemlich souveränes kleines Fürstentum. Wie schon seine Vorgängerin, bemühte sich Thüring von Aarburg um gutes Einvernehmen mit seinen Nachbarn. Er wurde ebenfalls Bürger von Brugg und versprach, allenfalls mit seinen Leuten gemeinsam mit der Stadt in den Krieg zu ziehen und notfalls auch seine Burg zur Verfügung zu stellen. Vor allem aber sicherte er den Bruggern das seit 1415 im "Ausland" liegende wirtschaftliche Hinterland. Das Verhältnis war so gut, dass in einem militärischen Auszug von 1439 sich die Brugger sogar unter das Kommando des Schenkenbergers stellten. Privat hatte Thüring von Aarburg weniger Glück. Er steckte häufig in finanziellen Schwierigkeiten und seine Frau brachte keinen Stammhalter zur Welt. Seine einzige Tochter Verena, verheiratet mit Hans von Baldegg, starb 1451. Sein Bruder war schon früher kinderlos verschieden. Das Aussterben des Geschlechts von Aarburg war vorhersehbar.
Die Ritter von Baldegg als neue Herren
Am 11. November 1451 verkaufte deshalb Thüring von Aarburg Burg und Herrschaft Schenkenberg an seinen Schwiegersohn Hans und dessen Bruder Markwart von Baldegg für 7100 Gulden und die Übernahme von bestehenden Verpflichtungen im Betrage von 5300 Gulden. Mit den Baldeggern begann ein neuer, schärferer Wind zu wehen. Ihr Geschlecht stand schon seit Jahrhunderten in treuen Diensten Habsburg - Österreichs. Der Grossvater war sogar bei >Sempach 1386 gegen die Eidgenossen gefallen. Der tatkräftigere Markwart war als direkter Vertreter Erzherzog Albrechts von Österreich Vogt von Stadt und Herrschaft Rheinfelden. Er war auch österreichischer Rat und begleitete als solcher sogar 1452 den neuen deutschen König Friedrich III., einen Habsburger, zur Kaiserkrönung durch den Papst nach Rom.
Aufgabe der Reichsunmittelbarkeit
Das Verhältnis zwischen >Bern und Schenkenberg verschlechterte sich augenblicklich. Die Brüder von Baldegg bewarben sich nicht um das Bürgerrecht von Brugg. Stattdessen liessen sie sich vom Landesherzog in Wien demonstrativ ihre Herrschaft Schenkenberg als österreichisches Lehen aushändigen. Kaiser Friedrich III. hatte nichts dagegen, schliesslich war er ja selbst ein Habsburger.
Schenkenberg wieder habsburgisches Lehen
Im Lehensbrief vom 23. April 1457 übergab Erzherzog Albrecht seinem "getreuen, lieben" Markwart und dessen Bruder Hans die Herrschaft Schenkenberg samt Bözberg und Burg Besserstein (Villigen) mit hohem und niederem Gericht, mit Leuten und Dörfern, Zöllen, Zehnten, Fischenzen und sonstigen Rechten zu erblichem Lehen. Erst nach Aussterben des Geschlechtes sollte der Besitz an Habsburg - Österreich zurückfallen. Markwart von Baldegg wollte in seinem Gebiet unumschränkter Herrscher sein. Dagegen machte die Stadt Brugg auf der linken Aareseite, auf schenkenberger Territorium, diverse alte Rechte und wirtschaftliche Privilegien geltend. Konfliktstoff gab es demnach in beliebiger Menge.
Grenzstreitigkeiten mit der Stadt Brugg
Ein Problem war der Grenzverlauf. Nach Ansicht Markwarts verlief dieser in der Mitte der Aare, seine Herrschaft reiche deshalb bis zur Mitte der Brücke von Brugg. Damit waren die Brugger überhaupt nicht einverstanden, für sie hätte dies die Preisgabe der Vorstadt bedeutet. Es kam auch bald zu Zusammenstössen und Tätlichkeiten. Stadtbürger welche auf eigene Faust links der Aare ihre alten Rechte wahrnehmen wollten, Holz sammelten, die Schweine hinübertrieben u.s.w., wurden ergriffen und auf der Burg Schenkenberg in den Turm geworfen. Andererseits schikanierten die Brugger Torwächter die Bauern aus dem Schenkenbergischen oder liessen sie gar nicht passieren, wenn sie über die Brücke wollten, zum Beispiel zum Markt in Baden.
Krieg ! Herrschaft Schenkenberg erobert
Der Streit eskalierte soweit, dass mehrfach auswärtige Vermittlung nötig wurde. Schliesslich wurde das ganze Theater der mächtigen Stadt Bern zu bunt und sie löste das Problem mit dem ungeliebten Nachbarn auf ihre Weise. Am Rande des nächsten Krieges zwischen der Eidgenossenschaft und Österreich (Eroberung des Thurgaus) besetzten bernische Truppen 1460 kurzerhand die Herrschaft Schenkenberg und jagten Markwart von Baldegg ausser Landes.
Burg Schenkenberg beschädigt
Burg Schenkenberg wurde bei der Eroberung beschädigt, von den neuen Herren aber sofort wieder instandgestellt. Ein grosses Bernerwappen wurde auf die Mauern gemalt und ein Landvogt nahm als Vertreter der neuen Obrigkeit Wohnung auf dem Schloss.
Berner Herrschaft über Schenkenberg
Die Herrschaft Berns sollte genau 338 Jahre, nämlich bis zum Einmarsch der Franzosen und der Helvetischen Revolution von 1798, andauern. Insgesamt 260 Jahre davon, 1460 bis 1720, wurde das bernische Amt Schenkenberg von der Burg Schenkenberg aus im Namen der gnädigen Herren von Bern regiert ....
Markwart von Baldegg, der ausser Landes gejagte ehemalige Herr von Schenkenberg, war nicht der Mann, der schnell aufzugeben bereit war. Schliesslich besass er mächtige Freunde und Gönner. Er stand in hoher, warscheinlich persönlicher Gunst des Kaisers Friedrich III. und der Herzöge von Habsburg - Österreich. Er vertraute darauf, dass deren militärische Macht über kurz oder lang die Eidgenossen und davon besonders die Berner, in die Schranken weisen würde. In diesem Sinne war er zuversichtlich, sein Eigentum bald zurückzuerhalten und nannte sich weiterhin "Herr zu Schenkenberg".
Die Gelegenheit zur Rückeroberung schien sich bereits 1468 im nächsten Konflikt zwischen Eidgenossen und Habsburgern, dem Gerangel um die Stadt Waldshut, zu ergeben. Doch die Sache nahm nicht die von Markwart erhoffte Wendung, die Berner konnten ihr Territorium im Aargau sogar noch um die dem Amt Schenkenberg benachbarte Herrschaft Wessenberg mit den Dörfern Hottwil und Mandach erweitern.
Frieden zwischen Eidgenossen und Habsburgern
Doch damit nicht genug, 1474 kam es noch schlimmer für ihn. Herzog Sigmund schloss mit den Eidgenossen Frieden und verzichtete in der "Ewigen Richtung" auf alle ehemaligen österreichischen und nun eidgenössischen Gebiete.
Der Herzog von Burgund rüstet zu neuem Krieg
Noch einmal hoffte Markwart von Baldegg 1476, als Herzog Karl der Kühne von Burgund, der reichste, strahlendste und wohl auch mächtigste Fürst Europas und Schwiegervater des jungen Habsburgererbens Maximilian von Österreich, gegen die Eidgenossen antrat. Charles le Téméraire wird im Etang Saint-Jean bei Nancy tot aufgefunden Doch in der Nacht vom 9. Januar 1477 wird der steifgefrorene und bereits von Wölfen angefressene Leichnam Karls aus einem Weiher nahe Nancy (F) geborgen. Er war vier Tage zuvor nach der Entsetzungsschlacht um die Stadt, welche er erfolglos belagert hatte, auf der Flucht erschlagen worden. Nach Murten und Grandson war dies seine dritte und letzte Niederlage gegen die Eidgenossen und die mit ihnen verbündeten Lothringer.
Wieder hatten die Schweizer gewonnen und Bern triumphierte. Adrian von Bubenberg, ein Neffe Markwarts von Baldegg, war der gefeiertste Kriegsheld. Onkel Markwart, tief erschüttert, dürfte gar keine Freude an ihm gehabt haben. Schliesslich stand Bubenberg auf der falschen Seite, hatte er doch die Stadt Murten für Bern gegen den Herzog von Burgund verteidigt. Einige Jahre später, vermutlich nach 1481, starb Markwart von Baldegg. Er hat seine Herrschaft Schenkenberg nie mehr gesehen.
Erneuerter Anspruch auf Burg und Herrschaft Schenkenberg
Markwart hinterliess einen Sohn, Hans von Baldegg, der sich mit einer Tochter des Ritters Thomas von Falkenstein, des Anführers des Überfalls und der Brandschatzung der bernischen Stadt Brugg von 1444, verheiratete. Dieser Hans von Baldegg hielt zäh am Anspruch seines Vaters fest. Zuerst versuchte er es auf die sanfte Tour, indem er Bern um die Rückgabe seiner Ländereien bat. Dies wurde von Schultheiss und Rat mit Hinweis auf die "ehrliche" Eroberung von 1460 und die erwähnte "Ewige Richtung" abgelehnt. Es nützte auch nichts, dass er mit Hilfe seines berühmten Cousins Adrian von Bubenberg sogar Bürger der Stadt Bern (Bernburger) wurde.
Schon wieder Krieg
Ab 1497 verlegte er sich aufs Drohen. 1499 brach wieder Krieg aus, diesmal zwischen den Schweizern und dem Schwäbischen Bund, einem Zusammenschluss vornehmer süddeutscher Herren und Städte. Mitglied des Schwäbischen Bundes war auch der der schon erwähnte Schwiegersohn Karls des Kühnen. Er war unterdessen als Maximilian I. deutscher König geworden. An diesem "Schwabenkrieg", bei dem auch das Amt Schenkenberg unter Einfällen aus dem Norden litt, nahm Junker Hans von Baldegg, voller Eifer und Hass gegen die Eidgenossen und vor allem Bern, teil.
Gemäss der Überlieferung soll er mit viel Fluchen gedroht haben, er wolle "die Kuh, so sie ihm an sein Haus gemalet, wieder abtilgen". Mit Kuh war der Berner Bär gemeint, der überlebensgross auf die Mauern von Schloss Schenkenberg gepinselt war.
Hans von Baldegg verteidigt die belagerte Stadt Tiengen
Tiengener Stadtbefestigung Hans von Baldegg wurde das Kommando über die Besatzung des Städtchens Tiengen bei Waldshut übertragen. Dieses wurde jedoch bald ausgerechnet durch bernische Truppen schwer belagert. Hans von Baldegg wollte aushalten bis zum letzten Mann. Heldenhaft erklärte er: "Si wöltid e alsamen bi enandren sterben". Die Tiengener Bürger waren aber gar nicht so scharf auf solches Heldentum. Sie ergaben sich um ihr Leben möglichst zu schonen und lieferten Hans von Baldegg am 18. April 1499 an die Berner aus.
Im Kerker auf Burg Stein zu Baden Nach der Übergabe der Stadt Tiengen
April 1499, Grausamkeiten der Sieger nach der Übergabe. Im Hintergrund der Rhein und am anderen Ufer das brennende Tiengen.
Hans von Baldegg hatte nichts Gutes zu erwarten. Eigentlich sollte ihm kurzerhand der Kopf abgeschlagen werden. Doch dank der Fürsprache seines einflussreichen Cousins Adrian von Bubenberg entging er der Hinrichtung. Er wurde vorübergehend auf Schloss Stein in Baden eingekerkert, musste 2000 Gulden Lösegeld für seine Freilassung bezahlen und ausdrücklich auf alle seine Ansprüche gegenüber Bern verzichten.
Auch die Anwälte des Königs können nichts ausrichten
Diesen Verzicht widerrief er später und versuchte es nun auf juristischem Wege, unterstützt von Anwälten des deutschen Königs (des Habsburgers Maximilian I.). Doch die in der Sache zuständige eidgenössische Tagsatzung verschleppte das Geschäft über Jahre hinweg.
Der Schenkenberger wird zum Raubritter
Hans von Baldegg kämpfte weiter verzweifelt mit allen diplomatischen und verschwörerischen Mitteln um sein Erbe. Er betätigte sich sogar als Raubritter, indem er schweizerische Kaufleute auf dem Weg nach Frankfurt überfiel, dies um Druck auf die Eidgenossenschaft auszuüben. Schliesslich erledigte sich die Sache für Bern von selbst. Hans von Baldegg starb als Letzter seines Geschlechts irgendwann um 1510 an der Pest.
Bedeutung der Burg Schenkenberg
Das Amt Schenkenberg galt wegen seiner Grenzlage zum österreichischen Fricktal aber weiterhin als gefährdet. Man befürchtete Überfälle auf das Landvogteischloss und auf das Kloster Königsfelden. Die Burg Schenkenberg, ganz in der Nordostecke des bernischen Staates gelegen, besass deshalb erhebliche strategische Bedeutung und war gut mit Munition und Mannschaften versehen. Das bernische Amt Schenkenberg umfasste alle eroberten Gebiete links vom Unterlauf der Aare. Dazu gehörte das eigentliche Schenkenbergertal von Thalheim über Veltheim bis Villnachern. Der ganze Bözberg und die Dörfer Mönthal, Remigen, Riniken, Rüfenach, Rein, Lauffohr, Umiken, Stilli und Villigen. Hinzu kamen Gebiete auf der anderen Seite der Juraübergänge Staffelegg und Bürersteig, nämlich Densbüren und Asp, bzw. Hottwil und Mandach
Das Regiment der " Gnädigen Herren " der alten Republik Bern
Die alte Republik Bern war eine Aristokratie. Eine extrem dünne Oberschicht von nur etwa 1000 Personen, inklusive Frauen und Kindern, besassen die Macht im Staate und besetzten alle Schlüsselämter. Dies bei einer Gesamtbevölkerung von über 400 000 Menschen am Ende des 18. Jahrhunderts. Der Grosse Rat der Stadt war oberstes Organ der Staatsmacht, der kleine Rat führte die Tagesgeschäfte. Beide Räte wurden vom Schultheissen präsidiert. Den Flächenstaat verwaltete und kontrollierte die Regierung über ihre Landvögte. Der Landvogt wurde für jeweils 6 Jahre ernannt und war in seinem Gebiet wie ein kleiner König. Ihm waren Polizei, Militär, Finanzen, Schul- und Armenwesen und auch die Gerichte unterstellt. Allerdings engten viele Vorschriften und Gesetze die Kompetenz des Landvogtes ein. Sein Finanzspielraum war äusserst klein, die "Gnädigen Herren zu Bern" waren sehr knauserig. Sparsamkeit schien ihnen höchste Tugend zu sein. Auch achtete Bern mit strengen Kontrollen und Buchprüfungen darauf, dass ein Landvogt seine Macht nicht missbrauchte.
Schloss Schenkenberg als Residenz des Landvogtes
Der Landvogt für das Amt Schenkenberg residierte also auf Schloss Schenkenberg hoch über Thalheim. Die Burg war ein typischer mittelalterlicher Festungs- und Repräsentationsbau: Mit wuchtigem Bergfried mit über 2 Meter dicken Mauern, einem fast gleich hohen Palas als Wohnung für den Landvogt und seine Familie, mit Sälen und Audienzräumen. Dazu gab es mehrere Wohn- und Ökonomiegebäude für die Knechte und Mägde, welche den Haushalt führten oder für Amtsgeschäfte und Botengänge zur Verfügung standen. Dazwischen lagen Höfe und Gärten. Zur Wasserversorgung diente ein Sodbrunnen sowie eine Zisterne. Der Weg zum Schloss führte über eine lange, überdachte Treppe und eine Fallbrücke, sowie durch zwei Tore. Die eigentliche, noch heute bestehende Schlossscheune (erbaut 1573) mit den Stallungen lag dagegen nördlich der Burg ausserhalb der Festungsmauern.
Der bauliche Zustand von Schloss Schenkenberg verschlechtert sich Allerdings schien die Anlage von Anfang an in nicht besonders gutem baulichem Zustand gewesen zu sein. Die ab 1555 erhaltenen Rechnungsbücher des Amtes Schenkenberg berichten wiederholt vom Einsturz von Böden, Dächern und sogar Mauerteilen. Alle paar Jahre waren grössere Unterhaltsarbeiten nötig: 1565/66 "neuer Ofen in der grossen Stube", 1571/72 unteres Tor, Wehrgänge und Gartenmauern neu erstellt, 1605/06 die verfaulte obere Wehrlaube ersetzt, 1606/07 dekorative Malereien, 1608/09 neue Mauer und Treppenanlage am Bergfried, 1639/40 neue Toranlage, 1673/74 neue Audienzstube.
Das Problem war, dass die sparsame Regierung eine grundsätzliche Erneuerung aus Kostengründen scheute und immer nur das Nötigste herrichten liess. Um 1720 war die überalterte, schlecht gemauerte und vielfach zusammengeflickte Burg in so schlechtem Zustand, dass der Landvogt um sein und seiner Familie Leben fürchtete, weil ständig Steine aus den Mauern fielen. Der Rat zu Bern musste ihm gestatten, seinen Wohnsitz vorübergehend nach Brugg zu verlegen.
Der Landvogt verfasste in der Folge einen Bericht zuhanden des Rates zu Bern und führte aus, die Burg sei von oben bis unten "ganz faul und verderbt". "Von oben an biss unden auss, von aussen und innen, von hinden und vornen... nichts nutz". Eine dauerhafte Reparatur sei nicht möglich.
Burg Schenkenberg wird aufgegeben und dem Zerfall überlassen
Die Regierung holte daraufhin verschiedene Gutachten ein und entschloss sich, da ein Neubau für sie nicht in Frage kam, die Burg Schenkenberg aufzugeben.
Ende 1720 erwarb der Rat von Bern Schloss Wildenstein an der Aare bei Veltheim als neue Residenz für die Landvögte.
Die alte Burg Schenkenberg diente noch eine Zeitlang als Hochwacht , wurde aber dann ganz verlassen und dem Zerfall preisgegeben. Die Bauern der Umgebung begannen, die Überreste als Steinbruch zu nutzen....
Im Jahre 1798 endete das "Ancien Régime" der alten Republik Bern mit dem Einmarsch der Truppen der Französischen Revolution in der Schweiz. Mit der Entstehung des Kantons Aargau als Rechtsnachfolger Berns wurde die Ruine Schenkenberg automatisch dessen Eigentum.
Um 1837 erwarb sie ein etwas dubioser "Herr von Schenkenberg". Von diesem war allerdings rätselhafterweise bald kein Lebenszeichen mehr zu vernehmen, er galt fortan als verschollen. Die Ruine war deshalb während Jahrzehnten buchstäblich herrenlos.
Die Ruine Schenkenberg wird versteigert
Schliesslich ersteigerte 1918 die Aargauische Vereinigung für Heimatschutz die gesamte Anlage für 50.- (!) Franken. Dieser Preis muss aber als eher symbolisch angesehen werden. Die seither zur Erhaltung der noch vorhandenen Bausubstanz aufgewendeten Summen sind um ein vielfaches höher ausgefallen als anfänglich wohl vermutet wurde.
In den Jahren 1919, 1931, 1935, 1938 und 1969/70 wurden umfangreiche Sicherungs- und Konservierungsarbeiten durchgeführt. Zurzeit stehen wieder dringende und kostspielige Unterhaltsarbeiten an. Das erinnert doch stark an die berner Landvögte und ihre Sorgen mit der Burg !
Die Burgruine Schenkenberg steht heute unter dem Schutz der Schweizerischen Eidgenossenschaft und ist als Baudenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft.
Die Burg Schenkenberg als beliebtes Ausflugsziel Die immer noch imposante Anlage ist ein beliebtes Ausflugsziel für Gross und Klein und vom Dorf Thalheim (ca. 40 Minuten) oder von den Schenkenbergerhöfen aus (ca. 15 Minuten) leicht zu Fuss zu erreichen.
Willi Schaffner
Quellen:
- Reinhold Bosch, "Die Burgen und Schlösser des Kantons Aargau", Aarau 1949
- Max Baumann "Leben auf dem Bözberg"
- "Brugger Neujahrsblätter", diverse Ausgaben
- "Aargauer Baudenkmäler"
- Peter Dürrenmatt "Schweizer Geschichte", Zürich 1963
- Christophe Seiler / Andreas Steigmeier "Geschichte des Aargaus", Aarau 1991
-Jean Jacques Siegrist / Hans Weber "Burgen, Schlösser und Landsitze im Aargau", Aarau 1984
-J. J. Bäbler, "Thomas von Falkenstein und der Überfall von Brugg", Aarau 1867
- Georg Weber / Alfred Baldamus, "Geschichte des Mittelalters", Phaidon Verlag Essen
Bibliographie