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Industrie und Dienstleistungssektor
Die Industrie und der Dienstleistungssektor müssen ihre Verantwortung bei der Bewältigung der Klimakrise wahrnehmen, sodass wir die Dinge, die wir brauchen, konsumieren können, ohne die Klimakrise zu befeuern.
Du liest die Kurzfassung des Klimaaktionsplans. Hier kannst du das Kapitel in voller Länge lesen:
Überblick
Der Industriesektor verursacht Emissionen einerseits durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe und andererseits durch industrielle Prozesse, die CO2 und andere Treibhausgase ausstossen. Die Sektoren mit dem höchsten Verbrauch an fossilen Brennstoffen sind die Zementherstellung, die Chemie und die Lebensmittelverarbeitung. Zusammen sind sie für über 90% der Emissionen der Industrie verantwortlich. Fast sämtliche der notwendigen Prozesse können durch erneuerbare Erhitzungsmethoden ersetzt werden. Nur Arbeitsschritte, die eine Hochtemperatur (über 120 Grad) verlangen, lassen sich dadurch nicht bewerkstelligen.
Der Grossteil der Emissionen, die im Zusammenhang mit industriellen Prozessen entstehen, stammt aus der Zementherstellung und dem Gebrauch von Fluorkohlenwasserstoffen in Kühl- und Klimaanlagen. Mittlerweile trägt auch der Dienstleistungssektor hauptsächlich durch heizungsbedingte Emissionen zur Erderhitzung bei.
In den letzten Jahren sind die Emissionen in der Schweizer Industrie zurückgegangen, was hauptsächlich auf die Auslagerung von CO2-intensiven Tätigkeiten zurückzuführen ist. Mit anderen Worten: Emissionen wurden nicht wirklich reduziert, sondern lediglich ins Ausland verlagert.
Die Instrumente, die diesen Sektor derzeit abdecken sollten, sind in ihrer Wirksamkeit höchst unzureichend. Das schweizerische Emissionshandelssystem (EHS) hat gemäss der Eidgenössischen Finanzkontrolle bisher kaum Anreize für Emissionsreduktionen geschaffen. Auch die Zielvereinbarungen, mit denen sich Grossemittent*innen von der regulären CO2-Abgabe befreien können, führen nicht zu mehr Emissionsreduktionen, sondern subventionieren vielmehr das Business-as-usual.
Für ihre Vereinbarkeit mit einer klimaverträglichen und sicheren Zukunft müssen Industrie und Dienstleistungssektor zwingend ihre Verantwortung wahrnehmen und sich so rasch wie möglich dekarbonisieren. Wir müssen diejenigen Produkte und Dienstleistungen konsumieren können, die wir brauchen, und zwar ohne befürchten zu müssen, dass unser Konsum die Klimakrise anheizt.Gleichzeitig muss die Innovation von nachhaltigen Technologien und Materialien und deren Umsetzung gefördert werden.
Die Umgestaltung dieses Sektors hängt in hohem Masse von einigen umfassenderen politischen Massnahmen ab, die bereits in anderen Kapiteln des CAP behandelt werden. Die wichtigsten davon sind das Moratorium für neue Infrastruktur, das Verbot und die Ersatzpflicht für fossile Heizsysteme, die allgemeine THG-Bepreisung und der THG-Grenzausgleich.
Zusätzlich zu diesen beschreiben wir sieben sektorspezifische Massnahmen. Erstens schlagen wir ein Verbot der Herstellung, des Imports und der Verwendung von Produkten vor, die synthetische Substanzen mit einem Treibhauspotenzial (GWP) > 50 verwenden (d.h. sie sind 50 Mal klimaschädlicher als CO2). Für Anwendungsbereiche, die kurzfristig keine Freigabe für neue Substanzen erhalten, wie z.B. medizinische Anwendungen, wird eine Abgabesteuer von 500 CHF/t CO2eq erhoben.
Zweitens müssen alle Unternehmen, die direkte Emissionen produzieren, die nicht bereits durch die anderen sektorspezifischen Massnahmen abgedeckt sind, zusätzlich Netto-Null-Aktionspläne zur vollständigen Dekarbonisierungentwickeln und regelmässig aktualisieren. Bis 2030 müssen alle Netto-Null-Aktionspläne umgesetzt sein. Andernfalls wird ihnen die Betriebsgenehmigung entzogen. Für die Umsetzung unrentablen Massnahmen kann sowohl finanzielle als auch technische Unterstützung für Prozess- und Produktinnovationen bereitgestellt werden. Gleichzeitig sollte ein Netto-Null-Technologieprogramm den Unternehmen helfen, Massnahmen zu erreichen, die heute technisch noch nicht umsetzbar sind. Der Patentschutz dieser neuen Technologien wird nur begrenzt wirksam sein, um das geschaffene Wissen schnell verbreiten zu können, weil der Kampf gegen die Klimakrise gemeinsame Anstrengungen erfordert.
Massnahmen
Massnahme 4.1: Verbot von technischen Gasen mit hohem Erhitzungspotenzial
Ein sofortiges Verbot der Produktion, des Imports und der Verwendung neuer Produkte und Geräte, die synthetische Substanzen mit einem globalen Erhitzungspotenzial (GWP) > 50 (100 Jahre Zeithorizont) haben. Für nicht substituierbare Anwendungen (z.B. medizinische Anwendungen) wird eine Abgabe von 500 CHF/t CO2eq erhoben. Um Emissionen von bereits installierten F-Gasen zu vermeiden, kauft eine dafür vorgesehene Stelle diese zu einem Preis von z.B. 200 CHF/t CO2eq und verbrennt sie kostenlos.
Massnahme 4.2: Vom Emissionshandelssystem zum CCS-Finanzierungsinstrument
Die Emissionsobergrenze des heutigen Emissionshandelssystems (ETS) muss an das Netto-Null-Ziel 2030 angepasst werden. Sobald die Emissionsobergrenze im Jahre 2030 erreicht wird, würde sich das ETS zu einem Markt für negative Emissionen für alle verbleibenden Emissionen entwickeln.
Massnahme 4.3: Regelungen für den Schweizer Rohstoffhandel
Ab 2025 ist es in der Schweiz ansässigen Unternehmen verboten, mit fossilen Brennstoffen zu handeln, sie zu fördern oder finanzielle, administrative oder technische Unterstützung für ihre Produktion zu leisten.
Massnahme 4.4: Netto Null-Aktionspläne für alle produzierenden Unternehmen.
Alle Unternehmen, die zusätzliche direkte Emissionen produzieren, welche nicht bereits durch die anderen Sektormassnahmen abgedeckt sind, müssen Netto Null-Aktionspläne entwickeln und regelmässig aktualisieren, um bis 2030 eine vollständige Dekarbonisierung zu erreichen. Es gibt drei Kategorien von Massnahmen: a) wirtschaftlich machbar, b) technisch machbar, aber unrentabel und c) fehlende technische Realisierbarkeit.
Massnahme 4.5: Umsetzung aller fertigen und umsetzbaren Netto-Null-Massnahmen
Bis 2030 müssen alle Massnahmen des Typs a) umgesetzt sein. Andernfalls wird dem Unternehmen die Betriebsgenehmigung entzogen. Um die Umsetzung zu beschleunigen, erhalten Unternehmen einen Early-Mover-Bonus.
Massnahme 4.6: Unterstützung aller fertigen, aber unwirtschaftlichen Netto-Null-Massnahmen
Für die Durchführung von Massnahmen des Typs b) stellt eine Fachstelle sowohl finanzielle als auch technische Unterstützung für Prozess- und Produktinnovationen zur Verfügung. Dies senkt die Kosten für die Unternehmen.
Massnahme 4.7: Netto Null-Technologie-Programm
Um alle Netto-Null-Pläne umzusetzen, sind neue Technologien erforderlich. Unternehmen, die auf die Entwicklung von Massnahmen des Typs c) angewiesen sind, werden auf ihre langfristigen Perspektiven hin untersucht und dann dabei unterstützt, diese neuen Technologien frühzeitig zu implementieren.