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Der Flüelapass, wie wir ihn kennen, wurde erst 1867 angelegt. Er verbindet das Landwassertal mit dem Unterengadin. Seine Wichtigkeit verdankt der Flüelaübergang dem Umstand, dass er die kürzeste
Strecke zwischen dem Rheintal und dem Unterengadin ist.

Rekognoszierung der Bündner Pässe
Im Frühsommer 1936 arbeitete ein Kurs für Ingenieuroffiziere Vorschläge für Grenzbefestigungen in Graubünden aus. Diese bildeten dann die Grundlage für eine Rekognoszierung, welche vom Chef der
Generalstabsabteilung (damals Oberstdiv Labhard) im August 1936 geleitet und durchgeführt wurde. Die Rekognoszierung hatte den Zweck, "an den gegnerischen Einfallstrassen im Kanton Graubünden,
speziell an den verschiedenen Pässen, die permanenten Verteidigungsanlagen (Sprengobjekte, Tankbarrikaden, Werke) festzulegen".
Für den Flüelapass wurde nach der Rekognoszierung gefordert: "Hier handelt es sich um eine nachhaltige Sperre, die bis zum Aufmarsch der Armee zu halten ist - gleich wie Splügen, Julier und Albula."
Dazu sollte eine Strassenbarrikade und ein Sprengobjekt bei der Brücke Chanta Sura erstellt werden. Dieses sollte flankiert werden durch je ein Werk mit 3 MG am linken und rechten Talhang. Auf den
Bau eines Artilleriewerks, wie vom Kdt. der damals zuständigen 6 Division gefordert, wurde verzichtet. Dies, weil Davos als Korpssammelplatz für mobile Artillerie vorgesehen war und somit genügend
Feuerkraft zur Verfügung gestellt werden konnte.
Nach der Rekognoszierung "wünschte" Labhard, dass noch überall im laufenden Jahr die Barrikaden gebaut würden (19 an der Zahl). Überdies sollten noch für die definierten Werke Geländeaufnahmen gemacht
werden, damit während des Winters 1936/37 die Projektpläne erstellt werden konnten. Im Frühjahr 1937 sollte so früh als möglich mit dem Bau begonnen werden, damit bis Mitte 1937 die ersten Anlagen
fertig gestellt werden könnten. Der "Wunsch" des Chefs der Generalstabsabteilung ging nicht in Erfüllung. Zwar wurden 1936 im Bergell und Puschlav noch einige Tankbarrikaden erstellt, aber bis Ende
1937 waren von den bis dahin 21 geplanten Tankbarrikaden erst 19 fertiggestellt.
Im Winter 1936/37 arbeitete die Generalstabsabteilung ein "umfassendes Befestigungsprogramm" aus. Bei der Projektierung der einzelnen Werke gab es Änderungen. Standorte wurde geändert und auch bei der
Bewaffnung wurden teilweise Verstärkungen vorgenommen. Nachdem durch Reduzierungen die Kosten von 69 Mio. auf 52 CHF gesenkt werden konnten, beinhaltete das Programm für Graubünden Sperrstellen bei
Splügen, Maloja, Bernina, Ofen, Lavin, Julier, Albula und Flüela. Im Oktober 1937 bewilligte das Parlament das gekürzte Befestigungsprogramm. Endlich konnte in letzter Minute mit dem Bau begonnen werden.
Sperrstellen an der Flüela
Gemäss dem reduzierten Befestigungsprogramm erstellte das BBB ab Mai 1938 die Sperre an der Brücke Chanta Sura sowie das Hauptwerk A7701 Flüela rechts und das Gegenwerk A7702 Flüela links. A7701 wurde
entgegen der ursprünglichen Planung um eine IK verstärkt. Der Rohbau war bis Ende 1938 fertig gestellt und die Bewaffnung eingebaut. Jedoch dauerte der Innenausbau der Werke bis über den Sommer 1939 hinaus.
Während nach der Mobilmachung im September 1939 das BBB in Graubünden die bereits in Bau befindlichen Werke noch fertig stellte, begann das Baubüro der Geb Br 12 mit der Projektierung von Stellungen und
Sperren, welche von den Truppenkommandanten festgelegt wurden. Dies führte bei der Sperre am Flüelapass dazu, dass ab Herbst 1940 bei Murtera eine vorgelagerte Sperre, bestehend aus zwei MG Kavernen, errichtet
wurde. Die Hauptsperre an der Flüela wurde mit einer Vorsperre, bestehend aus zwei MG Kavernen ergänzt. Diese sollten eine Umgehung der Sperre via Val Grialetsch durch Infanterie verhindern.
Plan des Infanteriewerks A7701 Flüela rechts
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Die alte Forderung nach einem Artilleriewerk an der Flüela wurde 1966 erfüllt. Rückgelagert zur Sperre wurde kurz hinter dem Hospiz ein Festungsminenwerfer (8.1 cm) errichtet. Dieser konnte mit seiner
Reichweite von ca. 5 km zwar die Hauptsperre unterstützen, jedoch lag die Vorsperre bei Murtera ausserhalb seiner Reichweite. Neben dieser artilleristischen Verstärkung errichtet man während des Kalten
Krieges noch zusätzliche Anlagen für die mobile Verteidigung in Form von Unterständen, ASU und Waffenstellungen.
Eine kleine, oft unbemerkte Besonderheit dieser Sperrstelle ist das GPH in Form von Natursteinblöcken, welche direkt vor der Brücke bei Chanta Sura erstellt wurden Heute sind die Anlagen an der Flüela alle
entklassifiziert. Der Minenwerfer ist längs leer geräumt und auch die Scharten bei der MG Kaverne A7702 sind zugemauert. Auch beim Hauptwerk A7701 ist die Bewaffnung schon lange ausgebaut worden und im Herbst
2010 hat man auch die restliche Infrastruktur ausgebaut. Einzig die Schartentarnungen sind zum grossen Teil erhalten geblieben. Heute handelt es sich bei allen Werken um "Tote Wölfe im Schafspelz".

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A7701 Flüela rechts
A7702 Flüela links
Anlagen Chanta Sura
Festungsminenwerfer A7756
Sperrstelle Murtera