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Zurück zum Schulhäuschen, dem ersten, das der Gemeinde gehörte – also nicht mehr den Freis. Mit dem Schulzwang ab 1832 mehrten sich in Gütighausen die Stimmen, dort wieder eine eigene Schule zu haben. Jedenfalls erscheint 1863 folgende Bemerkung im Visitationsbuch: «Pfarrer Kraus eröffnet mit Gebet die Schule, in welcher laut regierungsrätlichem Beschluss auch die Schüler von Gütighausen für das Sommersemester vereinigt sind.» Doch schon ein halbes Jahr später ist zu lesen: «Es beginnt das Winterschuljahr … Die Schüler von Gütighausen, obwohl tags zuvor in der Kirche vom Beginn der Schule benachrichtigt, sind aus unbekannten Gründen nicht erschienen.»
1879 konnte in Gütighausen ein neues Schulhaus erstellt werden. Noch immer beherbergte das Thalheimer Schulhäuschen eine rund 50 Schüler umfassende Schar, verteilt auf acht Klassen. Auch die Eltern von uns Zwillingsbrüdern wurden da erzogen.
Obwohl man in Dorlikon bereits in den 1870er Jahren von einem Neubau des zu kleinen Schulzimmers sprach, konnten die Thalheimer Schulkinder erst 1927 in ein neues Schulhaus einziehen. Doch schon sechs Jahre später mussten dann alle Elementarschüler (also die Erst- bis Drittklässler) von Thalheim ihren mit Znüni, Schiefertafel und Federschachtel gefüllten Schulthek nach Gütighausen tragen. Dort wurden sie von Fräulein Elsa Peter, der späteren Frau Vitali, unterrichtet. Über sie, die Gattin des so berühmt gewordenen Spielzeugherstellers Antonio Vitali und Mutter von Christoph Vitali, dem heute begehrten Kultur- und Kunstchef im deutschsprachigen Raum, über sie haben wir vor Jahresfrist Erinnerungen festgehalten, weil dieses Schulhaus zum Verkauf angeboten worden ist (s. Anm. 7).
Seit dieser grossen Umstellung im Jahre 1933 (die Unterstufe wurde, wie erwähnt, von da an in Gütighausen geführt und die Mittelstufe, also die 4. bis 6. Klasse, in Thalheim) begann auch für die Repetierschule (gemeint ist damit die 7. und 8. Klasse) der Ganzjahresunterricht. In Thalheim gab damals Lehrer Brenner diesen fünf Klassen Unterricht. Bedrohliche Zeiten kündigten sich an. Während der ersten Wochen des Jahres 1939, wir Zwillinge waren damals zehnjährig, blieben beide Schulen – die Thalheimer wie die Gütighauser – wegen der Maul- und Klauenseuche geschlossen. Man fürchtete die Ansteckung (etwa durch Kot an den Schuhen, der vom einen Stall zum andern übertragen werden konnte). Die Schulen mussten anschliessend noch einige Zeit als dorfinternen Achtklassenunterricht geführt werden.
Aber das war nur der Auftakt zu weiteren Schulausfällen. Ab dem zweiten September 1939, dem Tag der Generalmobilmachung, fehlte uns entweder der Lehrer oder das Klassenzimmer, im Winter auch die Kohle, um dieses zu heizen. Wo der «Herr Lehrer» war, das wussten wir nicht. Die Verweserinnen sagten – ich erinnere mich an die Namen von Fräulein Scheuchzer, Fräulein Egli und Fräulein Viola -, wir sollten auf unseren Brief an Lehrer Brenner einfach «im Felde» schreiben. Weil die deutsche Wehrmacht Holland, Belgien und Luxemburg überrannte und von Frankreich aus gegen die Schweizergrenze vorstiess, suchten über 40’000 französische und polnische Wehrmänner Zuflucht in der Schweiz. So wurde im Herbst 1940 unser Schulhaus durch die «Internierten» belegt.
Vergeblich wehrte sich die Schulpflege wenigstens für das Schulzimmer im doch grossen Hause. Militär habe der Schule vorzugehen, antwortete ihr die Zürcher Erziehungsdirektion. Die Grenzschutz-Kompagnie I/261 besetzte während vier Wochen unser Schulhaus. Wir Schulkinder halfen bei der «Anbauschlacht» mit, denn der Selbstversorgungsgrad unseres Landes lag unter 60%. Und die Nahrungsmittel wurden rationiert. Einmal sandte uns die Schulpflege auf die in Blüte stehenden Kartoffeläcker hinaus. Man entdeckte dort den so gefürchteten Schädling «Coloradokäfer» – hier in der Gegend des «Grossen Steins» war das, nämlich in Lienhards Acker «im Moos».
Eine Dauersorge der Pflege war die Sulzer-Heizung, die beim Schulhausneubau 1927 als modernste bezeichnet wurde. Aber diese Zentralheizung konnte nicht von Kohle auf Brennholz umgestellt werden. Und eigene Kohle gab es kaum. Man stach daher wieder Torf. Man stellte die Schule am Samstag ein; und einmal zog man auch die Gütighauser und Thalheimer Klassen zusammen, um Brennmaterial zu sparen. Schliesslich, im Winter 1941/42, verlängerte Gottlieb Roggensinger – er amtete über viele Jahre hin als Schulpflegepräsident – die Weihnachtsferien, weil Kohle zum Heizen fehlte.
Konrad Basler
Anmerkungen