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Indem Menschen mit chronischen und/oder degenerativen Krankheiten sowie ihren Angehörigen ein von einer geschulten Fachperson moderierter Diskussionsprozess angeboten wird, sind mit dem Advance Care Planning die Entscheidungen absehbar, die aufgrund des Krankheitsverlaufs bei Urteilsunfähigkeit zu treffen sind.
Advance Care Planning
Das Wichtigste zur Entlastung betreuender Angehöriger
Die erste Etappe ermöglicht der erkrankten Person, ihre Werte und Vorstellungen vom Leben und vom Tod zu erkennen und auszudrücken. Sie kann dabei auch eine/n therapeutische/n Vertreter/in (TV) unter ihren Angehörigen bestimmen. Im zweiten Schritt wird der/die TV ermutigt, sich an den Diskussionen zu beteiligen. Die erkrankte Person wird gebeten, ein therapeutisches Ziel zu wählen, das ihr ermöglicht, ihre Patientenverfügung (PV) zu verfassen.
Diese Diskussionen bereiten den/die TV auf seine/ihre Rolle vor, indem sie ihm/ihr ermöglichen, die Werte und Wünsche der erkrankten Person kennen zu lernen. Der/die TV wird damit zu gegebener Zeit besser in der Lage sein, als Sprachrohr der erkrankten Person aufzutreten. Wenn die erkrankte Person ihre PV geschrieben hat, werden die Angehörigen von dieser oft schwierigen Entscheidungsfindung befreit. Die emotionale Belastung für die Angehörigen wird erleichtert. Die Veränderung im Alltag des/der betreuenden Angehörigen beim Tod der erkrankten Person ist weniger abrupt. Das Gefühl der Nutzlosigkeit oder auch Schuldgefühle sind ebenfalls weniger ausgeprägt
Initiierung
Das Projekt entstand aus mehreren Feststellungen der Mitglieder des RSRL:
- Die Patientenverfügung ist kaum bekannt und wird selten genutzt.
- Die Angehörigen werden sehr oft in die Behandlungsplanung einbezogen, haben aber nicht zwingend die Mittel, um diese Rolle wahrzunehmen.
- Die getroffenen Entscheidungen müssen allen bekannt sein.
- Manche Fachpersonen müssen sich auf ein im Voraus festgelegtes Behandlungsniveau einstellen können, damit sie wissen, was in einer lebensbedrohlichen Notsituation zu tun ist.
Erfolgsfaktoren
- Patientinnen, Patienten, Angehörige, Fachpersonen auf diesem Gebiet und Geschäftsleitungen von Einrichtungen müssen sich an das Konzept der Partnerschaft mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen halten.
- Gespräche mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen erfordern eine spezifische Schulung der Fachpersonen, die diese Gespräche führen, damit sie die notwendigen Kompetenzen erwerben und sich von ihrer eigenen Vorstellung distanzieren können.
- Die Geschäftsleitungen von Einrichtungen müssen sich für dieses Projekt engagieren, indem sie die notwendigen Ressourcen bereitstellen sowie für eine interne Dynamik sorgen, die eine gemeinsame Gestaltung ermöglicht.
- Das Projekt muss so weit wie möglich in die üblichen Praktiken der Fachpersonen eingebunden werden, damit es zu einem Versorgungsstandard wird.
Herausforderungen
- Kultur: Die Partnerschaft zwischen Patient/in und Gesundheitsfachperson ist zu wenig präsent; der Tod ist ein Thema, das noch oft tabuisiert und von allen (Patient/in, Angehörige, Fachpersonen) bekämpft wird; die Antizipation ist weder im Gesundheitssystem (eher auf die Behandlung der Krankheit und ihrer Symptome als auf die Prävention ausgerichtet) noch bei Patientinnen, Patienten und Angehörigen (Fähigkeit, sich in eine unerwünschte Zukunft zu projizieren) verankert.
- Anpassung: Auf der Umsetzungsebene (jede Einrichtung ist anders, jede Fachperson ist anders) und auf der Gesprächsebene mit den Patientinnen, Patienten und ihren jeweiligen Angehörigen (jede Paarung ist anders). Es gibt daher keinen einheitlichen Ansatz, sondern eine Vielzahl von Ansätzen, die eine kontinuierliche Verbesserung ermöglichen und auf die Bedürfnisse der Beteiligten und des Umfelds eingehen. Zudem ist darauf zu achten, dass sich nicht zu viele unterschiedliche Ansätze innerhalb ein und derselben Institution entwickeln.
Erkenntnisse
- Die Entscheidungsfindung und der Austausch werden durch einen ganzheitlichen Ansatz erleichtert, der sich weniger auf die Krankheit und spezifische Behandlungen konzentriert, sondern eher auf eine Vision und Präferenzen im weiten Sinne ausgerichtet ist. Die Anwesenheit der Angehörigen bei Gesprächen im Zusammenhang mit Notsituationen und Urteilsunfähigkeit erleichtert die Entscheidungsfindung der betroffenen Person. Der oder die Angehörige formuliert mit eigenen Worten neu, gibt konkrete Beispiele, welche die betroffene Person erlebt hat, und stellt die Verbindung zu ihrem Alltag her.
Evaluation
- Ja
Kosten
- Zusatzkosten über CHF 50’000 jährlich
Finanzierung durch
- Das Pilotprojekt wird von Gesundheitsförderung Schweiz (Programm Prävention in der Gesundheitsversorgung), der Generaldirektion für Gesundheit des Kantons Waadt, der Stiftung Leenaards und der Westschweizer Lotterie unterstützt.
- Die Kosten zur Projektumsetzung (Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeitenden, Anpassung der bestehenden Arbeitsabläufe, Gespräche, Dokumentation) werden von den Einrichtungen getragen. Sie hängen von der Grösse der Einrichtung und der Anzahl Mitarbeitender ab. Die Abrechnung der Gespräche variiert je nach Einrichtung. Stossrichtungen zur nachhaltigen Finanzierung werden im Rahmen des Pilotprojekts geprüft.
Professur für Geriatrische Palliative Care (Universität Lausanne und Waadtländer Universitätsklinikum), Waadtländer Rotes Kreuz, Stiftung Leenaards, Westschweizer Lotterie, Generaldirektion für Gesundheit des Kantons Waadt, Gesundheitsförderung Schweiz (Unterstützung von Präventionsprojekten in der Gesundheitsversorgung), Gesundheitsnetzwerke Waadt.
Steckbrief
Anbieter / Anbieterin
Art der Massnahme
- Information & Beratung
- Austausch
- Koordination
Alter betreute Person
- Alle Altersgruppen
Interventionsbereich
- Freizeiteinrichtung
- Privatbereich
Region
- Genferseeregion
Sprachen
- Französisch
Laufzeit
- 2017 bis heute. Die Konzeptionsphase begann 2018 und die Pilotphase 2019. Die operative Phase läuft im 2. Halbjahr 2020 an.
Stand
- Pilotphase
Ähnliche Projekte
Gemeinsamer elektronischer Pflegeplan (Plan de Soins Partagé informatisé, ePSP)
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Das Projekt soll einen Koordinationsprozess zwischen den Patientinnen und Patienten, ihren Angehörigen, den Pflegefachpersonen sowie den Ärztinnen und Ärzten implementieren. Die Beteiligten bauen ein gemeinsames Verständnis der Situation auf, was zur Kontinuität der Versorgung beiträgt und die Selbstbestimmung des Patienten oder der Patientin fördert. Die Hauptelemente, die aus dem Treffen hervorgehen, werden in einem ePSP konkretisiert. Dabei handelt es sich um eine interoperable Anwendung, die von allen mit dem Patienten oder der Patientin arbeitenden Personen auf ihren jeweiligen Plattformen gelesen und mitgestaltet werden kann. Dieses Projekt wurde von der Vereinigung PRISM in Partnerschaft mit der Generaldirektion für Gesundheit des Kantons Genf, der Genfer Institution für häusliche Pflege (institution genevoise de maintien à domicile, imad) und den Pflegefachpersonen entwickelt. Der Verband CARA ist für die Steuerung des Projekts verantwortlich.
Förderung und effiziente Implementierung des gemeinsamen Krisenplans (Plan de Crise Conjoint, PCC)
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Der PCC ist ein Aktionsplan, der von Patientinnen und Patienten, ihren Angehörigen und Fachpersonen gemeinsam in vorausschauender Weise erarbeitet wurde, um künftige Krisen zu verhindern und besser zu bewältigen. Der Plan gilt insofern als «gemeinsam», als die Rolle jedes beteiligten Partners, seien es Angehörige und/oder Fachpersonen, zunächst zwischen den Parteien ausgehandelt werden muss. Er ist insbesondere deshalb interessant, weil er in sehr frühen Stadien psychischer Störungen erarbeitet werden kann, ohne dass die Akzeptanz der psychiatrischen Diagnose durch die Patientinnen und Patienten oder ihr Umfeld eine notwendige Voraussetzung ist. Der PCC ist Teil des Heilungsprozesses und stellt eine neue und innovative Form der gemeinsamen Entscheidungsfindung dar (siehe Formular).
Im Auftrag der Gesundheitsnetzwerke Waadt und mit Unterstützung eines Konsortiums von Akteuren aus dem Bereich psychische Gesundheit soll das Projekt "ProPCC" sowohl die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten der Psychiatrie verbessern als auch einen Kulturwandel innerhalb des sozialgesundheitlichen Netzwerks herbeizuführen. Das Projekt wird vom Programm «Prävention in der Gesundheitsversorgung» von Gesundheitsförderung Schweiz und der Generaldirektion für Gesundheit des Kantons Waadt unterstützt.
Letzte Änderung 09.09.2020