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Durch einen glücklichen Zufall kam ich in den Besitz dieser schmucken Kleinschreibmaschine mit Namen Neya. Es handelt sich um eine dreireihige Schreibmaschine, die von 1925 bis 1931 in Berlin hergestellt wurde. 1
Frühes und späteres Modell
Das hier vorgestellte Exemplar ist die zweite Variante, in Sammlerkreisen auch einfach Neya 2 genannt. Ernst Martin spricht in seinem Buch zunächst von der ersten Variante der Neya:
„Dreireihige Kleinschreibmaschine mit Vorderanschlag, Zweifarbenband, RM. 198. Sie beruht auf der ursprünglichen Erfindung von Arpad Krejniker, Berlin. Hersteller: A. Ney, Ritterstr. 123, Berlin. Bei allen bisher beschriebenen Maschinen, bei welchen die Typenhebel in Segmentschlitzen geführt werden, befinden sich diese Segmentschlitze am unteren Teil des Segmentes. Bei der hier gezeigten Konstruktion weist das Segment unten nur 18, dagegen oben 11 weitere Schlitze auf. Diese Maschine benötigt infolgedessen zwei Serien von Typenhebeln, eine untere und eine obere, und letztere mussten, weil die Typen sehr nahe an der Aufschlagstelle liegen sollen, eine besondere, bisher unbekannte Form erhalten. Weil diese Hebel verhältnismässig kurz sind, hat die Maschine eine grosse Durchschlagskraft, wie man sie bei dreireihigen Maschinen sonst nicht gewöhnt ist.“ 2
Die erste Variante sei aber „nur sehr wenig bekannt“ geworden, so Martin weiter, und die Fabrik sei dazu übergegangen, alle Hebel in Schlitzen am unteren Segment zu führen. Dieser Übergang sei laut L. Dingwerth ca. 1927 erfolgt. 3
Die Firma
Auf dem Segment der Schreibmaschine ist ein Zierdeckel angeschraubt. Durch vieles Putzen ist die ursprüngliche Aufschrift scheinbar verschwunden, im Gegenlicht ist jedoch perfekt lesbar: „FABRIKAT / S. ROEDER – A. NEY / D.R. PATENT“
L. Dingwerth wirft in seinem Buch über die deutschen Schreibmaschinenfabrikanten Licht auf die Firmengeschichte. 4 Danach handelt es sich bei „S. Roeder“ und „A. Ney“ um über Jahrzehnte parallel geführte Firmen. Sowohl die 1872 gegründete Fa. S. Roeder als auch die 1888 gegründete Firma A. Ney hatten ihren Geschäftssitz in der Ritterstrasse 123 in Berlin. Beider Gesellschafter waren Jacob Fuchs und Max Roeder. Auch nach dem Tod von Max Roeder (1902) und Jacob Fuchs (1915) folgen jeweils Familienmitglieder in die Leitung der Firmen nach.
Wieder nach Dingwerth verlief die Aufgabenteilung zwischen den Firmen Roeder und Ney wie folgt: S. Roeder erzeugte Stahlfedern, A. Ney „die dazugehörigen Federhalter und artverwandte Artikel der Bürobranche“. Im Februar 1914 sei die Firma aber in die Schreibmaschinenproduktion eingestiegen. Von der liquidierten Kanzler Schreibmaschinen AG seien die Fabrikationseinrichtungen für die Helios genannte und nur zweireihige Typenradmaschine übernommen worden. Unter dem Namen Helios-Klimax sei sie dann von der Firma A. Ney herausgebracht worden.
Während dem Krieg sei die Produktion der Helios-Klimax unterbrochen gewesen, hätte sich aber ab 1919 wieder und gut verkauft. Steigende Konkurrenz durch drei- und vierreihige Kleinschreibmaschinen hätte aber den Niedergang der Helios-Klimax eingeläutet. Die Produktion sei ca. 1925 ausgelaufen.
Im gleichen Jahr 1925 begann aber die Produktion der dreireihigen Neya.
Ende der 1920er Jahre, im Umfeld der Weltwirtschaftskrise, nahmen die finanziellen Schwierigkeiten der Firma zu. Als dann im Sommer 1932 der Gesellschafter Hans Roeder starb, wurde die Firma A. Ney aufgelöst und das verbleibende Firmenvermögen auf die Firma S. Roeder übertragen. Die Familie Roeder muss jüdischer Herkunft gewesen sein, denn im Jahr 1939 wurde per Verfügung auf Grund der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens von den Nazis ein Treuhänder eingesetzt. Der Geschäftsbetrieb wurde eingestellt und 1940 zeichnet die Firma als erloschen. 5
Arpad Krejniker
Arpad Krejniker hiess der Konstrukteur der Neya. Viel mehr als sein Name und drei auf ihn lautende Patente sind mir nicht bekannt. Weitere Informationen wären sehr willkommen.
Weitere „Neyas“ im Netz
Notes:
- H. Schinke, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, 10. Aufl., Burghagen Verlag, Hamburg 1955. ↩
- Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 334 ↩
- L. Dingwerth, Helios-Klimax, Neya: Die Metallwarenfabrik A. Net, in: L. Dingwerth, Die Geschichte der deutschen Schreibmaschinen-Fabriken. Band 2: Mittlere und kleine Hersteller, BoD – Books on Demand, 2008, S. 223 – 226, S. 226 ↩
- L. Dingwerth, Helios-Klimax, Neya: Die Metallwarenfabrik A. Net, in: L. Dingwerth, Die Geschichte der deutschen Schreibmaschinen-Fabriken. Band 2: Mittlere und kleine Hersteller, BoD – Books on Demand, 2008, S. 223 – 226 ↩
- L. Dingwerth, Helios-Klimax, Neya: Die Metallwarenfabrik A. Net, in: L. Dingwerth, Die Geschichte der deutschen Schreibmaschinen-Fabriken. Band 2: Mittlere und kleine Hersteller, BoD – Books on Demand, 2008, S. 223 – 226, S. 226 ↩