Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03538.jsonl.gz/643

Über die letzten Jahre hat die Beliebtheit von Factor Investing stark zugenommen. In diesem Kontext hat auch die Diskussion über die Vor- und Nachteile von solchen Anlagen an Intensität gewonnen. Während gezeigt werden kann, dass es bewährte Faktoren gibt, welche den breiten Markt systematisch schlagen können, weisen solche Anlagestrategien auch spezifische Risiken über die kurze und mittlere Frist auf. Diese Risiken können durch die Kraft der Diversifikation deutlich reduziert werden.
Was ist Factor Investing?
Factor Investing ist ein Anlageansatz, bei welchem systematisch in Aktien investiert wird, welche klar definierte und quantifizierbare Eigenschaften (Faktoren) aufweisen. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass diese Faktoren einen nachweislichen Beitrag zur Erklärung von Aktienrenditen liefern können. Das theoretische Fundament von Factor Investing entstand grösstenteils in den letzten 30 Jahren. Die akademische Forschung hat neben dem allgemeinen Markt (Beta) zusätzliche Faktoren identifiziert, welche langfristig Überrenditen (Outperformance) erzielen können.
Welche Faktoren gibt es?
Der Nobelpreisträger Eugen Fama zeigte beispielsweise, dass sowohl Aktien von kleineren Unternehmen (Size-Faktor) wie auch solche von unterbewerteten Unternehmen (Value-Faktor) einerseits dabei helfen, Aktienrenditen besser erklären zu können, und anderseits auch systematisch eine bessere Performance erzielen als der breite Markt. Zusätzlich zu diesen Faktoren wurden mit der Zeit weitere Quellen für systematische Überrenditen entdeckt. Heutzutage sind sowohl in der Akademie wie in der Praxis neben Size und Value auch die folgenden Faktoren breit akzeptiert: Momentum (positiver Trend), Residual Momentum (positiver, titelspezifischer Trend), Reversal (Trendumkehr), Low Risk (geringes Risiko) und Quality (Qualität). Die Abbildung 1 zeigt das starke, langfristige Outperformance-Potenzial am Beispiel der drei Faktoren Value, Size und Momentum.
Eine Investition in einen einzelnen Faktor birgt hohe Risiken
Gezielte Investitionen in einzelne Faktoren können Anlegern langfristig also zu sehr attraktiven Renditen verhelfen. Zwischenzeitlich treten dabei aber auch immer wieder Phasen mit deutlichen Einbrüchen sowie Seitwärtsbewegungen ohne Performancezuwachs ein. Am Beispiel des Value-Faktors lässt sich dies veranschaulichen. Dieser erlitt immer wieder deutliche Wertverluste – so beispielsweise um die Jahrtausendwende (siehe Abbildung 2). Auch über die letzten Jahre weist der Value-Faktor eine mässige Performance auf. Da Einbrüche meist in eher langfristigen Zyklen auftreten, können sie zu anhaltenden und hohen relativen Wertverlusten von Investitionen in einen einzelnen Faktor führen. Das Resultat des Abschöpfens einzelner Faktorprämien ist daher für Anleger meistens nicht befriedigend.
Tiefe Korrelationen zwischen den Faktoren eröffnen ein hohes Diversifikationspotenzial
Während die Performance der einzelnen Faktoren schwankt, besteht allerdings eine tiefe Korrelation zwischen den Schwankungen der verschiedenen Faktoren. Die Abbildung 3 zeigt die Rangfolgen der Performance der verschiedenen Faktoren über die letzten 15 Jahre. Dabei zeigt sich klar, dass über die Zeit kein Faktor dominiert.
Die unterschiedlichen und tief korrelierten Performance-Eigenschaften der verschiedenen Faktoren eröffnen ein hohes Diversifikationspotenzial für Anleger. So können die Risiken von Investitionen in einzelne Faktoren durch die Kombination von verschiedenen Faktoren deutlich reduziert werden. In Jahren mit erhöhten Turbulenzen an den Aktienmärkten etwa erleiden die etwas defensiveren Faktoren Low Risk und Quality oftmals deutlich weniger starke Einbrüche. Dies zeigte sich auch im vergangenen Jahr 2018: Ein Low Risk Portfolio schloss mit -2.5% und ein Quality Portfolio mit -6.1%, während ein herkömmliches Aktienportfolio MSCI World mit -8.2% schloss. Durch eine Beimischung dieser defensiveren Faktoren ins Portfolio konnten daher die Wertverluste deutlich reduziert werden. Noch deutlicher wird dieser Effekt in Krisenjahren wie etwa während der letzten Finanzkrise. Im Jahr 2008 schloss ein herkömmliches Aktienportfolio MSCI World mit einem Verlust von über -40%, während ein Low Risk Portfolio mit -28.5% schloss. In anderen Marktphasen können wiederum andere Faktoren ihr volles Outperformancepotenzial entfalten. So beispielsweise im Bullenmarkt im Jahr 2017, in welchem insbesondere der prozyklische Momentum Faktor eine starke Performance aufwies. Oder aber im Jahr 2016, in welchem insbesondere die eher antizyklischen Faktoren Reversal und Value stark abschneiden konnten.
Multifaktor-Anlagen als Lösungsansatz
Multifaktor-Anlagelösungen setzen auf die Kraft der Diversifikation. Durch die Kombination von mehreren, wenig korrelierten Outperformance-Treibern können die Risiken deutlich reduziert werden, während die Robustheit der Performance-Eigenschaften erhöht werden kann. Dies hilft nicht nur bei der Reduktion der absoluten Risiken, sondern auch bei jenen der relativen Risiken. Mit Multifaktor-Portfolios können die relative Risikomasse wie etwa der Tracking Error oder aber auch die Wahrscheinlichkeit einer Underperformance gegenüber einer Benchmark signifikant reduziert werden. Aufgrund der asynchronen Verteilung der Risiken und Erträge der einzelnen Faktoren kann den Schwächen von Einzelfaktor-Investitionen entgegengewirkt und zugleich zusätzliche Performance abgeschöpft werden. Dadurch können Multifaktor-Investitionen eine wertvolle Ergänzung für die Portfolios von Anlegern sein – für institutionelle Investoren wie auch für Privatanleger.