Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03449.jsonl.gz/2852

Auf den kältesten Frühling seit 30 Jahren folgte der viertwärmste Juni seit Messbeginn. Mit dem Einzug der Wärme und der Durchfeuchtung gingen auch aus Nordhängen in hohen Lagen und im Hochgebirge teils flächige Schneebrettlawinen ab. Die Anfang Juni stark überdurchschnittlichen Schneehöhen nahmen rasch ab und näherten sich Durchschnittswerten an. Viele Gewitter zogen übers Land. Der Schwerpunkt der Niederschläge lag in den Voralpen und im Flachland. Trotzdem fiel in schauerartigen Niederschlägen und Gewittern vor allem im Hochgebirge einiges an Schnee.
Der ausgesprochen milde Juni (vgl. Abbildung 1) führte vor allem zu Schneeschmelze und nassen Lawinen. Auf den automatischen IMIS-Schneestationen des SLF, welche zwischen rund 1700 und 2900 m liegen, wurde während des ganzen Monats kaum Neuschnee registriert. Schnee fiel fast ausschliesslich im Hochgebirge. Dem Lawinenwarndienst wurden aber keine trockenen Lawinen in Zusammenhang mit Neuschnee gemeldet.
1.-9. Juni: feucht und gewittrig
Nach einem sonnigen Junistart gab es bis zum 9. Juni immer wieder Gewitter. In den hohen Bergen, welche die Schneefallgrenze überragten, fiel etwas Schnee. So wurden im Wallis und im Berner Oberland in Summe bis zum 9. Juni 20 bis 40 mm, in Graubünden verbreitet 15 bis 30 mm Regen registriert. Diese Mengen dürften nur oberhalb von rund 3500 m komplett in Form von Schnee gefallen sein und können dort in etwa als Zentimeter Neuschnee interpretiert werden.
9.-17. Juni: Sonnig und heiss
In dieser Phase fiel kaum Niederschlag und es war sehr heiss. Zwischen Anfang Juni und Mitte Juni wurden einige grossflächige Schneebrettlawinen aus steilen Nordhängen oberhalb von rund 2600 m gemeldet. Diese liessen sich nicht genau datieren. Es ist davon auszugehen, dass in dieser Höhenlage die Schneedecke zuvor noch nicht komplett durchfeuchtet war und die Schichtung bzw. besonders die Schwachschichten tief in der Schneedecke noch vorhanden waren. Mit dem Einsickern des Wassers wurden diese Schichten geschwächt und Lawinen konnten grossflächig anbrechen (vgl. Abbildung 2 und 3).
In dieser Periode boten die frühen Morgenstunden aber auch die Gelegenheit für sommerliche Skitouren. An hohen Ausgangspunkten liessen sich noch gute Tourenbedingungen finden (Vgl. Abbildung 4).
18. bis 30. Juni: erneut viele Gewitter
Mit anhaltender Südwestströmung gab es wiederholt Gewitter, Starkniederschläge, Hagel und Sturmböen. Das Zentrum der Gewittertätigkeit und der Niederschläge lag wie schon Anfang Juni im Flachland und in den Voralpen. An einzelnen Messstationen wurden Stunden- und Monats-Niederschlagsrekorde gebrochen. Die Unwetter, teils mit Hagel, verursachten auch grosse Schäden.
Auf den höchsten Alpengipfeln – oberhalb der Höhenlage der SLF-Messnetze – fiel in dieser Periode auch Schnee. Aufgrund des schauerartigen Charakters der Niederschläge sind die Mengen nur schwer abschätzbar Auf den höchsten Gipfeln des Trientgebiets und im Mont Rosa dürfte in Summe etwa ein halber Meter Neuschnee gefallen sein, von der Jungfrau bis in die höchsten Gipfel des Gotthardgebiets etwa ein Meter. In einzelnen Rückmeldungen wurde denn auch von ‘winterlichen Verhältnissen’ auf den höchsten Gipfeln berichtet. Zwischen den Schauern und Gewittern gab es immer wieder Sonne, so dass sich der Schnee jeweils rasch setzte. Lawinen wurden keine gemeldet.
Anfang Monat war die Schneehöhe an 51 von 87 IMIS Stationen auf Rang 1, 2 oder 3. Bereits Mitte Monat lag die Schneehöhe "nur" noch an 21 von 87 IMIS Stationen innerhalb der ersten drei Ränge.
Auf dem Messfeld Weissfluhjoch lag Mitte Juni letztmals 2019 (177 cm) und 2004 (169 cm) mehr Schnee als in diesem Jahr (160 cm). Aufgrund der stark überdurchschnittlichen Juni-Temperaturen und dem Ausbleiben von Neuschnee auf Höhe der SLF-Messfelder nahmen die Schneehöhen in der Folge rasch ab. Entsprechend zeigte Ende Monat keine IMIS-Schneestation mehr Rekordwerte für die Jahreszeit. Auf dem Weissfluhjoch bedeuteten die noch knapp 50 cm Schneehöhe gerade mal Durchschnitt für Ende Juni.
Die starke Abnahme der Schneehöhen im Juni zeigte sich aber nicht nur am Weissfluhjoch, sondern über die ganzen Schweizer Alpen dargestellt am Verlauf des Schneewasseräquivalent-Index (vgl. Abbildung 5). Dieser Index gibt an, wie viel Wasser in der Schneedecke gespeichert ist.
Im Juni ereignete sich ein tödlicher Lawinenunfall. Am Sonntagnachmittag, 13.6. wurde eine Person beim Lac de Mauvoisin (VS) von einer Lawine verschüttet. Die Lawine löste sich höchstwahrscheinlich spontan mehr als 1000 Höhenmeter oberhalb der Person am Nordwesthang des Mont Rouge du Giétro. Eine sofort eingeleitete Suchaktion blieb erfolglos. Die Person konnte erst eine Woche später tot geborgen werden.
Am 4.6. wurde das letzte Lawinenbulletin einer langen Schneesaison publiziert. Danach blieb es ruhig in der Warnküche. Die Kriterien für die Herausgabe eine situationsbezogenen Lawinenbulletins wurden im Juni nicht erreicht. Lawinenbulletins erscheinen im Sommer nämlich nur bei grossen Schneefällen. Auch wenn das SLF kein Lawinenbulletin publiziert, sollte vor allem bei Neuschnee die Lawinensituation beachtet werden. Sie können sich über einen Push alert in der App White Risk oder per RSS-Feed über die Herausgabe eines Bulletins informieren lassen.
Bisher hat der LWD im Sommer seinen Wochenbericht ungeachtet der Ereignisse jeweils einmal im Monat publiziert. Ab Juli 2021 werden das Format und der Ausgabemodus angepasst. Neu werden lawinenrelevante Ereignisse ausserhalb der Schneesaison in einem Blog beschrieben. Gebloggt wird normalerweise nur im Anschluss an grössere Schneefälle, welche die Kriterien für ein Sommerbulletin erfüllen. Über neue Blogeinträge können Sie sich demnächst in der App WhiteRisk via Push-Notification informieren lassen.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.