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Hochmoore
Die Torfmoore werden ihrer leicht über ihre Umgebung hinaus gewölbten Form auch Hochmoore genannt, was sie von den Flachmooren unterscheidet. Es sind mächtige Anhäufungen von Torf, die sich nach der letzten Eiszeit in durch Tonschichten odet wasserundurchlässigem Felsgrund abgedichteten Senken bildeten. Der Boden wird hauptsächlich durch Regenwasser gespeist und bleibt bis zur Obetfläche stets mit Wasser durchtränkt, ist folglich ohne Sauerstoff. Unter solchen Bedingungen werden die Pflanzenreste nur unvollständig abgebaut. Der Torf ist demnach eine Art reinen Humus, der sich über die Jahrtausende zu einer mehrere Meter dicken Schicht anhäuft. In dieser Schicht blieben die Pollenkörner praktisch über diese lange Zeit intakt, sodass Hochmoore ein wertvolles Archiv für die Geschichte det Vegetation seit den Eiszeiten darstellen. Torf ist ausseist sauer und nährstoffarm. Diesem besonderen Standort entspricht eine in hohem Masse spezialisierte Vegetation.
Am Ursprung eines Hochmoors steht eine Wasserfläche, die verlandet. Die organischen Abfälle häufen sich auf, der Boden der Wasserfläche wölbt sich. Bei diesem Vorgang spielr eine Moosgattung eine grundlegende Rolle: Sphagnum (Torfmoose). Wie ein Schwamm vermögen diese Moose mehr als das zwanzigfache ihres Trockengewichts an Regenwasser aufzunehmen! Wie alle Moose besitzen Totfmoose keine Wurzeln. Sie wachsen vor allem in die Höhe und bilden einen dichten Teppich. Unter einet 15 bis 20 cm dicken Schicht grüner, brauner oder roter Sprosse verfärben sich die unteten Teile braun und sterben ab; auf diese Weise leiten sie den Prozess der Torfbildung ein.
Eine ganze Reihe von Bedingungen müssen erfüllt sein, um die Bildung eines Hochmoors zu ermöglichen: wasserdichter Grund, bedeutende Niederschläge, sehr reines Wasser, Vorhandensein von Torfmoosen, saurer und nährstoffarmer Boden. Sollte eine dieser Voraussetzungen - durch menschlichen Eingriff- verändert werden, zerfallen diese Lebensräume, die sich über Jahrtausende gebildet und gehalten haben, sehr schnell.
Inhaltsverzeichnis
Hochmoore der Niederungen
Unser letztes Hochmoot im Haupttal befindet sich bei Vionnaz im Unterwallis (Abb. 108). Günstige Voraussetzungen: hohe Niederschläge in diesem Kantonsteil, milde Wintertempetaturen und eine in 4-5 m Tiefe verlaufende, wasserdichte Tonschicht haben dessen Entstehung begünstigt. Das Moor wird hauptsächlich durch Regenwasser gespeist, befindet sich indessen doch in einer labilen Situation. Hinzu kommen menschliche Eingriffe. Die auf sauren und kargen Boden spezialisierte Flora zählt deshalb wenige Arten. Erwähnt seien Rundblätttiger Sonnentau (Abb. 109) und das Weisse Schnabeltied. Folgen der Drainage und des Torfabbaus sind das Überhandnehmen von Besenheide, Weiden und Birken. Diese Arten sind im Begriff, das Biotop von Grund auf zu verändern. Gezielte Massnahmen, rechtzeitig ergriffen, sollten die Entwicklung stoppen können: Schliessen der Drainageröhren, Schneiden der Büsche, Fällen der Bäume, Ausheben von Wasserflächen. Das Moor war früher viel ausgedehnter. Die dunkle Erde der umliegenden Felder lässt dies abschätzen. Mit dem Trockenlegen und Anbauen grosser Flächen hat der Zerfall des Torfes wieder eingesetzt: der Boden hat sich, gegenüber den Wegen, bis zu mehr als einem Meter abgesenkt, was weitere Drainage erfordert.
Hochmoore der montanen Stufe
Auf der eher regenarmen montanen Stufe sind Moore selten. Sie befinden sich vor allem im Unterwallis, in Savalène oberhalb Torgon oder in Barme über Champéry, auf Kalkboden, oder aber in Plex oberhalb Collonges auf Silikat. Das Moor von Salvan liegt in einer "combasse" genannten Senke zwischen Rundhöckern. Es beherbergt den Rundblättrigen Sonnentau sowie das Weisse Schnabelried. Die Spitzblütige Binse hat hier ihren allerletzten Zufluchtsort gefunden. Ein Mischwald umgibt das Moor und schafft ein günstiges Mikroklima für das Gedeihen von Torfmoosen.
Tafel XXXV
Verbreitung der Hochmoore und ihre Flora
In den regenreichen Gegenden des Jura und der Voralpen gibt es zahlreiche Hochmoore. Im Wallis hingegen sind sie des kontinentalen Klimas wegen selten. Aber wir treffen sie auf vielerlei Höhenstufen und sie sind nach Gestalt und Flora voneinander recht verschieden. Untenstehende Karte orientiert über ihre geographische Verteilung im Kanton und über ihre Bedeutung. Sie konzentrieren sich auf die feuchten Gebiete des Ober- und Unterwallis, vor allem auf der subalpinen Stufe.
1. Torfmoor von Essertse - Dieses prächrige, terrassenförmig angelegte Hochmoor auf 2300 m Höhe oberhalb von Hérémence, befindet sich in einer Extremsituation und stellt für das Wallis, vermutlich sogar für die Schweiz, einen Höhenrekord dar. Die 3 m dicke Torfschicht bildete sich vermutlich in, verglichen mit heute, wärmeren und niederschlagsreicheren Zeitabschnitten der Nacheiszeit.
2. Rosmarinheide - Dieses zierliche Erika-Gewächs wächst im Wallis ausschliesslich in einem kleinen Hochmoor bei Champex.
3. Fieberklee - Diese, zu den Enziangewächsen gehörende Pflanze, erhielt den Namen "Klee" nach der Form ihrer Blätter. Hier wächst sie im Spbagnum-Teppich des Moores von Salvan. Ihr Vorkommen deutet mit Sicherheit auf das Vorhandensein von Torf hin.
4. Blutauge - Eine Moorpflanze, die vor allem im Oberwallis verbreitet ist (hier am Bonigersee).
Tafel XXXVI
Hochmoore
1. Hochmoor von Flesch - Dieses auf dem Gemeindegebiet von Goppisberg gelegene Moor beherbergt die einzige Walliser Population der Blumenbinse. Im jetzigen Zustand der Entwicklung ist die eiszeitliche Wasserfläche praktisch verschwunden. Man erkennt die dunkelbraunen Flecken der Schlamm-Segge, eine weniger feuchte Zone mit Besenheide und Heidelbeere (strohgelb), sowie einen äusseren Ring aus Schnabel-Seggen.
2. Bonigersee - Dieses Moor befindet sich auf 2090 m Höhe mitten im Arven- und Lärchenwald der Moosalp ob Visp. Wie schwimmende Flosse rücken die Sphagnum-Teppiche der noch freien, schwarzbraunen Wasserfläche auf den Leib. Diese elastischen Teppiche tragen meist das Gewicht eines Menschen. Doch ist äusserste Vorsicht am Platz, denn die Moosschicht kann zerreissen und den Weg in tiefes Wasser freigeben. In diesem noch nicht sehr weit gediehenen Entwicklungsstadium weist das Moor mehrere scharf abgegrenzte Vegetationstypen auf, die auf untenstehender Vegetationskarte eingezeichnet und auf nebenstehender Luftaufnahme deutlich auszumachen sind: Schwingrasen (dunkelbraun, Mitte), Teppich aus Torfmoosen (grüne Flächen), Bestände der Schlamm-Segge (strohgelb), grüner Gürtel der Schnabel-Segge.
Hochmoore der subalpinen Stufe
Auf dieser Stufe nehmen die Niederschläge zu und verteilen sich regelmässiger auf die Wachstumsperiode. So gibt es kleine alpine Hochmoore im ganzen Kanton, das Mittelwallis inbegriffen. Die tiefen Temperaturen verlangsamen deren Entwicklung. Einige haben Reste der nacheiszeitlichen Wasserfläche noch behalten! So bei der Arpille oberhalb Martigny und am Bonigersee bei Moosalp, oberhalb Visp. In diesem Stadium umfasst die spezialisierte Flora Arten wie die Schlamm-Segge (Abb. 110), das Blutauge oder den Fieberklee.Gewisse Hochmoore entwickelten sich schneller: dank starker, höhenbedingter Niederschläge (Champex, Oberwald); dank relativ hoher Jahrestemperaturen (Flesch/Riederalp); dank starker Hangneigung (Beialp). Diese Moore haben die eiszeitliche Wasserfläche eingebüsst, was den typischen Hochmoorpflanzen mehr Bedeutung einräumt. Neben den schon erwähnten Arten bemerkt man Zwergsträucher aus der Familie der Ericaceen: Besenheide, Moorbeere, vielleicht Moosbeere (nur in Champéry), Rosmarinheide (nur in Champex).
Von 2000 m Höhe an werden die Hochmoore der Kälte wegen äusserst selten und sind kaum mehr aktiv. Die mittlere Temperatur von 2° C bedeutet anscheinend eine Grenze für das Wachsen von Torfmoosen. Doch, machen Sie Halt in der Simplongegend: es gibt dort noch einige Torfmoore unter den zahlreichen Schnabelseggenriedern, welche die Senken zwischen den Rundhöckern ausfüllen. Diese eigenartige Landschaft erinnert an Grönland.
Siehe auch