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Anfang Mai heben Bertrand Piccard und André Borschberg im Silicon Valley zum Flug quer durch die USA ab – wenn das Wetter mitspielt. Die Solar-Impulse-Piloten wollen in den USA auch die notwendigen Millionen für ihr zweites Flugzeug und die für 2015 geplante Weltumrundung einsammeln.
«Wir suchen noch 30 Millionen Schweizer Franken», sagte Flugpionier Piccard für Solar Impulse am Gründonnerstag am Rande einer Pressekonferenz im kalifornischen Technologietal. Ob er mit milliardenschweren Unternehmern wie den an erneuerbaren Energien interessierten Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page verhandelt, wollte Piccard nicht sagen: «Wir führen viele Gespräche, aber es wäre verfrüht, mögliche Partner zu nennen.» Das Solar-Projekt stosse sowohl bei Unternehmern als auch bei Politikern in Kalifornien auf grosses Interesse, versicherte er.
Ob sich das Interesse in Sponsoringverträge ummünzen lässt, wird sich zeigen müssen. Das Solar-Impulse-Budget beläuft sich auf 140 Millionen Franken. 110 Millionen Franken haben Piccard und Borschberg bislang von Partnern wie der Deutschen Bank, Swiss Re und Omega eingesammelt. Partner wie der Chemiekonzern Solvay oder Bayer MaterialScience steuern auch technisches Knowhow für das Experimentalflugzeug bei. Für die Reise um den Globus muss das Duo und sein 80-köpfiges Team ein leichteres, auf längere Strecken ausgelegtes Flugzeug entwickeln.
Der Flug von der US-West- an die Ostküste ist bereits finanziert. Er soll die letzte Mission sein, bevor Solar Impulse im Jahr 2015 versuchen wird, eine Weltumrundung ohne einen Tropfen Treibstoff zu starten.
Maximal-Etappen von 24 Stunden
Am 1. Mai wollen Piccard und Borschberg mit ihrem Flieger, der von 12.000 in die Flügel integrierten Solarzellen betrieben wird, vom Moffett Airfield im Silicon Valley abheben. In fünf Etappen und bei einer durchschnittlichen Fluggeschwindigkeit von gerade einmal 70 km/h soll es an die Ostküste gehen. «Das Flugzeug könnte nonstop fliegen, aber es verfügt über keinen Autopiloten», sagte Borschberg. «Und da die Piloten – noch – nicht so ausdauernd sind wie das Flugzeug, beschränken wir uns aus Sicherheitsgründen auf Etappen von maximal 24 Stunden.»
Von Kalifornien geht es über Phoenix (Arizona) nach Dallas (Texas) und dann weiter nach Atlanta, Nashville oder St. Louis. Die Entscheidung über den dritten Stopp steht noch aus. Flughafen vier wird Washington D.C. sein. Im Juli soll die Solar Impulse auf dem John-F.-Kennedy-Flughafen in New York ihre «Across America Mission» beenden. Wie lange der Flug dauert, hängt auch vom Wetter ab. Bei Turbulenzen oder Gewittern bleibt die Solar Impulse auf dem Boden. Das Karbonfaserflugzeug hat die Spannweite einer Boeing 747 (63,4 Meter) und bringt nur so viel Gewicht auf die Waage wie ein Kleinwagen (1600 Kilo), ist also sehr fragil.
Die Solar Impulse wurde im Februar auf dem Militärflugplatz in Payerne VD demontiert, in einer Boeing 747 nach Kalifornien transportiert und in einem riesigen Hangar auf dem Moffett Airfield zusammengebaut. Der zivil-militärische Flugplatz, der an den Google Campus in Mountain View grenzt, wird von der Nasa betrieben. Piccard und Borschberg stellten den Prototypen auf der Pressekonferenz vom Donnerstag der amerikanischen Presse vor und nannten Details zur «Across America Mission».
Solar Impulse über der Golden Gate-Brücke
Der Berufsabenteurer und Psychiater Piccard, dessen Vater Jacques 1960 mit einem selbst entwickelten U-Boot «Trieste» fast 11.000 Meter auf den Grund des Marianengrabens sank, will mit dem transkontinentalen Flug das Projekt in den USA bekannt machen. Das Ziel seiner im Jahr 1999 gestarteten Mission: «Unternehmer, Studenten, Forscher, junge Leute, Politiker und Behörden auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene inspirieren und motivieren und die Diskussion rund um erneuerbare Energien anregen.» Er und Borschberg wollen zeigen, dass mit sauberen Technologien und Pioniergeist «das Unmögliche» erreicht werden könne.
Bis Sonnenenergie in der kommerziellen Luftfahrt eingesetzt werde, sei es noch ein sehr weiter Weg, räumte Borschberg ein. «Aber mit der Solar Impulse soll den Menschen vor Augen geführt werden, was mit Solartechnik möglich ist», sagte der Schweizer Militärpilot, Ingenieur und Absolvent der MIT Sloan School of Management.
Die Übungsflüge in der windigen Bay Area sollen so schnell wie möglich starten. Allerdings nicht am Osterwochenende, da Regen erwartet wird. Aber schon kommende Woche könnten Piccard und Borschberg mit der Solar Impulse lautlos über die Golden-Gate-Brücke Richtung Osten schweben.
Quellen
Website von Solar Impulse mit zahlreichen Videos