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Steinzeug ist eine spezielle, meist bei 1200 bis 1400 °C gebrannte Keramik mit einem weitgehend verglasten bzw. glasartig dicht gesinterten, undurchsichtigen, lichtundurchlässigen, farbigen Scherben. Dieser weist nur einen geringen Anteil offener Poren auf. Meist ist keine Magerung vorhanden oder sichtbar. Frühe Steinzeuge haben oft eisenrote Engobeüberzüge oder Ascheanflugglassuren. Jüngere Steinzeuge tragen ab dem 15. Jahrhundert zunehmend Salzglasurüberzüge. Bemalung mit dem feuerfesten Kobalt („Smalte“, blau) oder Eisenmanganverbindungen (manganviolett) kommt in Mitteleuropa erst im 16. und 17. Jahrhundert auf.
Die Entwicklung von vollständig durchgesintertem Steinzeug gelang um 1300 erstmals in Siegburg bei Bonn. In Abhängigkeit von der Existenz qualitativ hochwertiger Tone entwickelten sich in den folgenden Jahrhunderten in Mitteleuropa verschiedene Steinzeugregionen und Töpferorte. Unter diesen sind die sächsischen Produktionszentren (z. B. Waldenburg, Bad Muskau/Triebel oder Dippoldiswalde) und die rheinischen Orte Siegburg, Köln, Frechen, Langerwehe und Aachen bzw. Raeren und Bouffioulx in Belgien und seit dem späten 16. Jahrhundert der Westerwald bzw. die Steinzeugzentren im Elsass (z.B. Oberbetschdorf, Zabern) und ihre jüngeren Filiationen in Baden-Württemberg oder Frankreich sowie die Produktion in Nordfrankreich (Pays de Bray beauvaisin) besonders hervorzuheben. Basierend auf ausgewanderten Töpfern und deutscher Steinzeugtechnologie entwickelte sich die Steinzeugproduktion schliesslich auch in England und den USA. Besonders hervorzuheben ist in England die lokale Entwicklung und Produktion von weissem, salzglasiertem Steinzeug zwischen etwa 1700 und 1780.
Im späten 19. und dem 20. Jahrhundert lassen sich echte Steinzeuge und industriell hergestellte, sehr hoch gebrannte Steingut-Produkte (sog. „Feinsteinzeuge“ oft nur sehr schwer makroskopisch unterscheiden. Hier gibt es ein grosses technologisches Übergangsfeld zwischen den Keramikgruppen.
Im Mittelalter und in langen Phasen der Neuzeit bestand aufgrund fehlender Tonqualitäten in der Schweiz, Österreich und in Liechtenstein sowie in grossen Teilen Süddeutschlands keine Möglichkeit zur Steinzeugproduktion. Alle dort gefundenen Steinzeuge sind demnach Import.
Engl.: Stoneware, salt-glazed stoneware, white salt-glazed stoneware
Frz.: Grés