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Die weltweite Nachfrage nach Konsumgütern erholt sich seit der zweiten Hälfte des Jahres 2020, zunächst aufgrund massiver staatlicher Konjunkturpakete und in jüngster Zeit durch robuste Investitionen und schnelle Impfstoff-Distributionsprogramme in den meisten entwickelten Märkten. Doch die beschränkte Lieferkapazität besteht weiterhin.
Einige grosse Fertigungsschwellenländer haben weiterhin Schwierigkeiten bei der Eindämmung des Virus, während sich Sektoren wie Halbleiter-Produktion aufgrund der rapide steigenden Nachfrage nach Fahrzeugen und elektronischen Geräten weiterhin mit Produktionsengpässen konfrontiert sehen. Logistische Kapazitätsengpässe, verursacht durch Störungen des Betriebs von Häfen, Schifffahrtslinien und Überlandtransporten, haben zu längeren Lieferzeiten geführt und grössere Versorgungsengpässe in einigen Regionen verursacht. Infolgedessen erschöpfen sich die Lagerbestände schnell, und die Inflation ist in den USA und anderen Märkten sprunghaft angestiegen.
Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Lieferengpässe gegen Jahresende wieder öffnen, wenn die Produktion wiederaufgenommen wird, die Überlastung der Transportrouten abnimmt, die Warennachfrage in den Industrieländern zurückgeht und die Konsumenten in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ihre Konsumausgaben auf Dienstleistungen verlagern (vorausgesetzt, das keine weiteren Pandemie-bedingten Disruptionen eintreten).
Ein differenziertes Lieferkapazitätsszenario
Insgesamt hat sich der Fertigungssektor in Asien besser erholt als in anderen Regionen. In Ostasien, wo die Pandemie relativ gut eingedämmt wurde und die meisten Fabriken offen geblieben sind, hat die industrielle Fertigung seit der zweiten Hälfte des Jahres 2020 schnell an Fahrt aufgenommen. Die Industrieproduktion in China hatte sich bereits im vergangenen Juni erholt und das Niveau von vor der Pandemie übertroffen, und ist seitdem solide, gestützt durch starke Exportzahlen und inländische Investitionen. Während die globalen Daten des Purchasing Manager's Index im Mai im Vergleich zum 1. Quartal allgemein längere Lieferzeiten aufwiesen, haben sich die asiatischen Volkswirtschaften besser entwickelt.
Engpässe bei Halbleiter-Mikrochips bilden nach wie vor einen enormen Lieferengpass für den Fertigungssektor weltweit. Der jüngste Coronavirus-Ausbruch in Taiwan könnte die Mangelperiode verlängern, obwohl sich dies bisher weitgehend auf den Binnenkonsum und die Verbraucherstimmung und nicht auf die Fertigungsaktivität ausgewirkt hat. Während industrielle Fertigungsanlagen grösstenteils automatisiert und nicht besonders arbeitsintensiv sind, wirkt sich die Pandemie auf andere Teile der Technologie-Lieferkette wie den Logistik-Sektor aus. Wir gehen weiterhin davon aus, dass sich der Mikrochip-Engpass in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 allmählich öffnen wird, insbesondere für Automobilhersteller, doch die Halbleiter-Versorgung wird wahrscheinlich knapp bleiben.
Logistik-Engpässe könnten das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage verschlimmern
Häfen in Europa und an der Westküste der USA sind nach wie vor überlastet. Obwohl die Überlastung in den USA bis Ende Juni weniger geworden ist, könnte sich die Warenauslieferung durch einen Mangel an Transportfahrern verzögern. Auch in den Häfen Südchinas haben die Verzögerungen durch die strengeren Pandemie-Kontrollen aufgrund des Coronavirus-Ausbruchs Ende Mai zugenommen. Der Yantian-Hafen in Shenzhen, der drittgrösste Hafen in China, nahm den Normalbetrieb erst Ende Juni
wieder auf, nachdem der Betrieb im Lauf des Monats bei unter 50 % der normalen Kapazität gehalten worden war. Auf den Hafen entfielen im Jahr 2020 etwa 6 % der Container-Auslandstransporte Chinas weshalb diese Disruptionen die Juni-Exporte von China, insbesondere Frachtsendungen nach Europa und die USA, beeinträchtigen könnten. Nun, da Yantian den Normalbetrieb wiederaufgenommen hat, erwarten wir einen Anstieg der Exportzahlen, was die Überlastung der Häfen in Europa und den USA in den kommenden Wochen weiter verschlimmern könnte.
Die Hafenüberlastung und die starke Nachfrage haben zu einer deutlichen Erhöhung der Frachtraten innerhalb der letzten Monate geführt, und wir glauben, dass sich die Spotpreise weiterhin angemessen entwickeln, und erwarten eine starke Saison im 3. Quartal 2021. Während die Frachtkosten üblicherweise nur einen geringfügigen Teil des Endprodukt-Preises ausmachen, könnten logistische Engpässe das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage verschlimmern und zu weiterem Inflationsdruck auf den Zielmärkten führen.
Die Engpässe werden sich voraussichtlich bis Ende 2021 wieder öffnen
Insgesamt erwarten wir, dass sich die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage gegen Ende des Jahres wieder ausgleichen wird, wenn die Nachfrage nach Konsumgütern in den Industrieländern ihren Höhepunkt erreicht und die Verbraucherausgaben für den Dienstleistungssektor – der weniger importabhängig ist – steigen (vorausgesetzt, dass keine weiteren Pandemie-bedingten Disruptionen auftreten). Darüber hinaus dürfte sich auch die Produktion erholen und sich an die Erholung der Nachfrage anpassen, wodurch sich logistische Engpässe im Jahr 2022 wahrscheinlich wieder öffnen werden, wenn die Produktionskapazitäten erneut ansteigen und sich die Frachtkosten bis zum nächsten Jahr allmählich normalisieren.
Die Inflationsrate könnte in den kommenden Monaten weiter steigen und angesichts der aktuellen Engpässe und Disruptionen problematisch bleiben. Da die Produktion jedoch allmählich wieder anläuft und sich das Wachstum bis zum Jahr 2022 abschwächt, erwarten wir, dass die Inflationsrate in den Industrieländern in den kommenden Monaten ihren Höhepunkt erreichen und im Verlauf der zweiten Hälfte des Jahres 2021 sinken wird.
Implikationen für Investoren
Angesichts der starken Erholung der Nachfrage in den Industrieländern haben die Lieferengpässe zu einer Erhöhung der Rohstoffpreise geführt, was den Rohstoff-Exporteuren zugute kommt. Obwohl der Mikrochip-Mangel und die logistischen Verzögerungen zu einem Inflationsanstieg in den USA beigetragen haben, betrachtet die Fed die Inflationserhöhung immer noch als vorübergehend und wird wahrscheinlich eine abwartende Strategie umsetzen, potenziell in Kombination mit einer schnelleren Straffung der Geldpolitik an anderer Stelle.
Wir bevorzugen weiterhin eine Untergewichtung des Dollars gegenüber Rohstoff-bezogenen G-10-Währungen und ausgewählten Schwellenländer-Währungen. Rohstoff-Produzenten, Schifffahrtsunternehmen, Halbleiter-Lieferanten und Gebrauchtwagen-Händler profitieren von den Lieferengpässen, da sie inzwischen deutlich höhere Preise verlangen können. Die Gewinnmargen einiger nachgelagerter Hersteller dürften jedoch darunter leiden.
Die weltweite Eindämmung der Pandemie und der Fortschritt bei der Impfstoff-Distribution sind weiterhin die wichtigsten Faktoren. Jede diesbezügliche Verschlechterung könnte das globale Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage weiter verzerren, entweder durch Disruption der Lieferkette oder weitere Lieferengpässe, was zu einer langsameren Erholung des Wirtschaftswachstums oder einem über längere Zeit anhaltenden Inflationsdruck führen würde