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Gemeinschaftlichkeit und Privatheit – Vom Weiterdenken an der Reihenhaustypologie
Patrick Goldinger
Das vorliegende Thesisprojekt befasst sich mit der Thematik des Transformierens und Verdichtens einer brachliegenden Stadtfläche zu einem genossenschaftlichen Wohnungsbau. Im Zentrum der Arbeit steht die Beschäftigung mit dem Gurzelen Areal in Biel. Den theoretischen Rahmen dieser Arbeit bilden die analysierten Haltungen von Hans Bernoulli, Le Corbusier und die zeitgenössische Beschäftigung von Patrick Gmür und Jakob Steib. Aus der Synthese und Interpretation des Theorieteils wurde eine eigene Entwurfshaltung für die Schaffung einer angenehmen Dichte abgeleitet. Es folgt daraus die These, dass die Weiterentwicklung der Reihenhaustypologie mit ihren charakteristischen Eigenschaften von Gemeinschaftlichkeit und Privatheit eine Antwort auf die nachhaltige Umnutzung des Gurzelen Areals in Biel ist. Durch den methodischen Entwurf von vier Aspekten – Der Städtebau, die Schwelle, der Innenraum und das Erscheinungsbild – wurde die These praktisch untersucht. Auf die Aufgabenstellung wird mit einer Architektur reagiert, die sich als gesellschaftliche Aufgabe versteht. Der menschliche Massstab steht trotz der grossflächigen Parzelle im Fokus. Das Erscheinungsbild drückt etwas ruhiges und alltägliches aus. Im Wissen, dass es sich beim Wohnungsbau um eines der alltäglichsten architektonische Programme handelt. Über gemeinschaftliche Hofräume werden jeweils alle Wohnungen erschlossen. Die Wohnungen im Erdgeschoss besitzen private Eingangsnischen, ähnlich die eines Reihenhauses. Auf der gegenüberliegenden Fassadenseite befinden sich die privaten Gärten und die mehrgeschossigen Loggias in den Obergeschossen. Eine dichte Vegetation und eine Vielzahl von Bäumen sorgen für eine privatisierende Filterschicht. Die übrigen Wohnungen werden über Laubengänge und jeweils einen privaten Dachgarten erschlossen. Der Dachgarten ist ausschliesslich nach oben zum Himmel geöffnet und bildet so den privaten Gegenpol zum genossenschaftlichen Leben. Die Wohngebäude werden durch unterschiedliche Kopfbauten, mit öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss, jeweils auf beide Seiten abgeschlossen. Ein offener und urbaner Platz im Westen der Parzelle ergänzt das dichte Siedlungsgefüge. Auf ihm wird ein städtisches Auditorium frei platziert, das durch seine elliptische Form als architektonisches Objekt in Erscheinung tritt. Die zentralen Erkenntnisse dieser Masterarbeit sind die Potentiale der klar definierte Aussenräume, der vielfältigen Wohnungstypologien geschaffen durch differenzierte Schwellenräume, die Wichtigkeit der Privatsphäre im Innenraum und der architektonische Ausdruck der Grossform als Zeichen für Gemeinschaftlichkeit.
Studienbetreuer/in: Felix Wettstein, Ludovica Molo