Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03637.jsonl.gz/2382

Sein Name wird für immer mit einem Song verbunden sein – «Me and Bobby McGhee». Auch wenn den Erfolg eine andere Künstlerin damit hatte: Der Song wurde von Kris Kristoffersons ehemaliger Freundin Janis Joplin gesungen und zum Hit.
Der vierminütige Song über ein junges Paar, das die Vereinigten Staaten bereist, und der wehmütigen Zeile «Freedom’s just another word for nothing left to lose» (Freiheit heisst nichts anderes, als dass man nichts zu verlieren hat), berührte Massen weit über die Grenzen der Country Music, zu der er sich zählte.
Mentor Johnny Cash
Kris Kristoffersons Werdegang war ein unüblicher. Der 1936 in Texas geborene Songschreiber schloss ein Universitätsstudium in englischer Literatur ab, verdingte sich dann bei der US-amerikanischen Armee aus der 1965 wieder ausstieg, um in Nashville, der Hauptstadt der Country Music, Fuss zu fassen.
Die Karriere lief langsam an, doch Kristofferson erhielt Schützenhilfe von einem Grossen: Johnny Cash nahm dessen Lied «Sunday Mornin’ Coming Down» auf und machte daraus einen Nummer 1-Hit in den Country-Charts. Kristofferson, der anfangs eigentlich nur Songs schreiben und nicht selbst singen wollte, war plötzlich ein Star.
Bier zum Frühstück
Er war einer jener Country-Grössen die sich – wie sein Mentor Johnny Cash – nicht an das Standard-Rezept und -Image des Genres hielten. Kristofferson identifizierte sich mit der Hippie-Bewegung, etwa in «Blame it on the Stones», wo er mit ironischem Ton alle gesellschaftlichen Übel auf die Rolling Stones zurückführt. Oder dann das einsame Drama des Mannes in «Sunday Mornin’ Coming Down», der von der Familie verlassen wird und sich deshalb zum Frühstück ein Bier gönnt – und auch zum Nachtisch.
Schon mit dem ersten Album war also der Weg vorgegeben, der seine Karriere über Jahrzehnte bestimmen sollte, bis hin zur Supergruppe der Country Outlaws The Highwaymen mit Johnny Cash, Waylon Jennings und Willie Nelson.
Stilikone mit zweitem Standbein
In den 1970er-Jahren begann Kristofferson eine parallele Karriere. Sein verwegenes, kantiges Aussehen schien wie geschaffen für das Genre des Western. So trat er unter anderem in Sam Peckinpah’s «Pat Garrett and Billy the Kid» an der Seite von Bob Dylan auf.
Der grösste Erfolg auf der Filmleinwand war dann das Remake von «A Star is Born» neben Barbra Streisand, das ihm einen Golden Globe Award und eine Oscar-Nomination einbrachte. Das Bild auf dem gleichnamigen Album von Streisand und Kristofferson in enger Liebespose machte beide erst recht zu Stilikonen der späten 1970er-Jahre.
Nun ist Kris Kristofferson 80. Von Zeit zu Zeit singt er seine alten Lieder, geht nochmals auf Tournee. Sein neustes Album heisst «Feeling Mortal» (sich sterblich fühlen). Von seiner liebevollen Ironie scheint er nichts verloren zu haben.