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Der moderne Lebensstil kann unseren Darm derart schwächen, dass er seine Fähigkeit verliert, den Organismus vor krankmachenden Eindringlingen zu schützen: Bei einem Leaky-Gut-Syndrom gelangen Unverdautes, Toxine und Krankheitserreger in die Blutbahn und verursachen allerlei Beschwerden.
Fühlen Sie sich krank und schlapp, obwohl sie eigentlich gesund sind? Reagieren Sie plötzlich empfindlich auf gewisse Nahrungsmittel? Leiden Sie unter chronischen Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung, Blähungen, Durchfall, Reflux oder Reizdarmsymptomen? Sind Sie anfälliger auf Infekte, ist die Nase immer wieder verstopft? Plagen Sie neuerdings Hautauschläge oder verschlimmern sich Schuppenflechte und Ekzeme ohne ersichtlichen Grund? Oder ist bei Ihnen gar eine Autoimmunerkrankung wie Morbus Crohn oder Rheumatoide Arthritis diagnostiziert worden?
Was auch immer Ihr Wohlbefinden schmälert: Hinter zahlreichen Gesundheitsstörungen und Erkrankungen, für die die Medizin keine plausible Erklärung findet, kann sich ein „Leaky Gut Syndrom“ verbergen. Der englische Begriff bedeutet „durchlässiger Darm“. Treffender wäre aber, von einer „löchrigen Darmwand“ zu sprechen.
Um dies besser zu verstehen, holen wir ein wenig aus: Unser Darm ist ein rund sieben Meter langer Schlauch, der den Nahrungsbrei transportiert und aufspaltet, um daraus die lebensnotwendigen Nahrungsbestandteile ins Blut aufzunehmen. Die Darmwand erfüllt dabei eine Doppelfunktion: Einerseits muss sie die wertvollen Nährstoffe aus dem Speisebrei durchlassen, andererseits schädliche Substanzen und Krankheitserreger abblocken, damit sie nicht weiter in den Körper eindringen. Um diese Aufgabe wahrnehmen zu können, ist die Darmwand mit einer schützenden Schleimhaut und einem Cocktail von rund 300 bis 400 verschiedenen Bakterienarten ausgestattet, die krankmachende und andere unnatürliche Stoffe erkennen, um sie ausser Gefecht zu setzen und über den Stuhlgang aus dem Körper hinauszubefördern.
Viel Arbeit für die Abwehr
Problematisch wird es, wenn die Darmwand nicht mehr intakt ist, weil an manchen Stellen Löcher entstanden sind – vergleichbar einem Eimer voller Löchern. Dadurch können Bakterien, Toxine, Stoffwechselrückstände sowie unvollständig verdaute Nahrung direkt und ungefiltert in die Blutbahn gelangen. Das schwächt die körperliche Abwehr, weil das Immunsystem nun ständig gegen diese unerwünschten Eindringlinge kämpfen muss (80 Prozent unseres Immunsystems befinden sich in und um den Darm!). Auch die Leber wird strapaziert, weil sie nun mit einer zusätzlichen Riesenflut an Toxinen und Verdauungsrückständen bombardiert wird.
Der Körper reagiert nun mit unterschiedlichsten Beschwerden wie etwa Reizdarmsyndrom, dauernden Erkältungen, Asthma, Hautauschlägen, Allergien, Adipositas, nicht-alkoholoische Fettleber oder (neuen) Nahrungsunverträglichkeiten. Aufgrund aktueller wissenschaftlicher Studien verdichten sich zudem die Hinweise, dass Autoimmunerkrankungen (wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Lupus erythematodes oder Hashimoto) Folge eines „Leaky Gut Syndroms“ sind.
Was sind die Auslöser?
Was genau die Abwehrbarriere im Darm schwächt und die Darmschleimhaut entzündet, wird laufend erforscht. Eine Hauptrolle spielt dabei die Darmflora bzw. ihre bakterielle Besiedelung. Wiederholte Antibiotika-Gaben (auch aus Massentierhaltung), Fehlernährung (insbesondere übermässiger Verzehr von Zucker und Weizenprodukten) und chronischer Stress bringen die Darmflora aus ihrem bakteriellen Gleichgewicht (sogenannte Dysbiose). Was der Darmschleimhaut zudem zusetzen kann sind bestehende Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten bzw. -Allergien, Alkoholkonsum, Umweltgifte, Schwermetalle, gewisse Medikamente, industriell verarbeitete Nahrung oder Mikroben (Darmpilze, Viren, Salmonellen).
Therapie des Leaky-Gut-Syndroms
Um einen „Leaky Gut“ zu diagnostizieren und von anderen Erkrankungen abzugrenzen, empfiehlt sich eine Laboruntersuchung des Zonulin im Serum. Eventuell gepaart mit Tests bezüglich Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. Auch die Dunkelfeldmikroskopie gibt Aufschluss.
Die Darmschleimhaut wieder in Form zu bringen und die Löcher zu schliessen, kann bis zu zwei Jahre dauern. In dieser Zeit ist es wichtig, die auslösenden Faktoren zu eliminieren und den Darm bzw. die Darmschleimhaut mit den richtigen Massnahmen zu unterstützen. An erster Stelle steht die Darmsanierung, gefolgt von der Zufuhr von Probiotika, um das gestörte Darmmilieu wieder aufzubauen. Parallel dazu gilt es die Leber bei ihrer Entgiftungsarbeit zu unterstützen, den Körper zu entsäuern und wo nötig, die Ernährung umzustellen.
Idealerweise lässt man sich bei der Wiederherstellung eines gesunden Darms von einer Naturheilärztin oder einem Heilpraktiker begleiten.
Das können Sie tun
Um den Darm und die Darmschleimhaut allgemein gesund zu halten, helfen folgende Massnahmen:
- Essen Sie weniger süsse und stärkehaltige Lebensmittel: Sie füttern die schlechten Bakterien im Darm und tragen dazu bei, dass diese sich überproportional vermehren und die Darmflora aus dem Gleichgewicht kippen.
- Vermeiden Sie Junk-Food und verarbeitete Nahrungsmittel, in denen Transfettsäuren, künstliche Zusatzstoffe, Konservierungsstoffe sowie allenfalls genveränderter Mais oder Soja stecken.
- Gönnen Sie sich bei Fleisch, Geflügel, Milchprodukten und Eier gute (Bio-)Qualität. Vorsicht vor Billigangeboten, da sie Antibiotika und Hormone enthalten können.
- Hände weg von künstlichen Süssstoffen. Sie schaden nicht nur der Darmflora, sondern fördern auch Heisshungerattacken.
- Bereichern Sie Ihre Ernährung regelmässig mit fermentierten Lebensmittel wie Sauerkraut, Kefir oder Brottrunk, die reich an guten Bakterien sind.
- Kaufen Sie auf dem Wochenmarkt oder direkt beim Bauern ein: Lokale und saisonale Produkte enthalten mehr Nährstoffe und sind frischer.
- Nehmen Sie Antibiotika-Medikamente nur ein, wenn es wirklich nötig ist.
- Vorsicht vor Protonenpumpenhemmer (PPI). Die Forschung hat gezeigt, dass die Darmflora von Menschen, die regelmässig solche Säureblocker einnehmen, weniger vielfältig ist.
- Lassen Sie Dampf ab – bewegen Sie sich oft oder meditieren Sie, um Stress abzubauen. Und gönnen Sie sich genügend Schlaf!
Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy