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Bellevue-Bar
Lange Leine, kurzer Verstand
Liebe Hundehalterinnen und Hundehalter, heute muss ich Sie mit einem delikaten Thema belästigen. Es geht um meinen Vorschlag, dass Sie – Leinenzwang hin oder her – aus gesundem Menschenverstand Ihre oder Ihren Liebsten manchmal an die Leine nehmen. Zum Beispiel im Wald, wenn Sie bemerken, dass es Rehe mit Kitzen in der Nähe hat. Vor einem Monat quälte ich mich im Wald über den Vitaparcours, als 20 Meter vor mir eine Rehmutter mit ihren zwei Bambys meinen Weg querte. Entzückend! Stationen weiter begegnete mir eine Frau mit zwei frei neben ihr her trottenden Hunden. Plötzlich blieb der eine wie angewurzelt stehen, spitzte die Ohren und schlug sich ins Gebüsch. Auf meine Bemerkung, es habe eine Rehmutter mit Kitzen zwischen den Bäumen, meinte die Hundehalterin trocken: «Ja, ich habe sie gesehen.» Keine Minute später sprang eines der Kitze über den Weg, gehetzt vom Hund. Reaktion der Hundehalterin: null. Wiederholt bat ich sie, ihren Hund zurückzurufen. Sie liess sich nur zu einem müden Ruf in den Wald bewegen. Reaktion des Hundes: null. Etwas Empathie für die andere Kreatur im Wald dürfte man vom Menschen erwarten. Zum Glück trug der Hund schwer auf den Knochen.