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Jedermann
Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes
Mundartfassung von Annemarie Voss frei nach Hugo von Hofmannsthal
Regie: Alexander Muheim
Jedermann ist ein alter Stoff. Schon im 14. Jahrhundert tauchten zwei Versionen des "Jedermann" in Europa auf, auf welche unzählige Neubearbeitungen folgten. 1911 wurde die Fassung von Hugo von Hofmannsthal in Berlin unter der Regie von Max Reinhardt uraufgeführt. Seit 1920 wird das Stück jedes Jahr bei den Salzburger Festspielen aufgeführt.
Warum also so ein altes Stück in Thun aufführen?
Das Spiel vom Jedermann ist eine Moralität, ein Lehrstück, aber ein Spiel, das immer und überall Gültigkeit hat. Der Mensch hat sich im Lauf der Jahrhunderte kaum geändert. Er strebt wie eh und je nach dem eigenen Vorteil, nach Macht, Reichtum und Ruhm.
Jedermann verkörpert das Idealbild eines überaus reichen Mannes, der glaubt, sich jeden Wunsch mit Geld oder Macht erfüllen zu können, so herzlich und herzlos, wie das in seinen Kreisen üblich ist.
Bei einem Fest mit seinen Verwandten, Freunden, seinen Angestellten und vor allem mit seiner Liebsten (Buhlschaft), fühlt er sich krank und hat seltsame Erscheinungen. Als einziger hört er das Glockenläuten und dass jemand seinen Namen ruft. Seine Gäste denken, dass er Fieber hat, doch Jedermann hat es mit der grausamen Wirklichkeit zu tun. Er wird mit dem Tod konfrontiert, der ihn auffordert, ihm zu folgen und vor das göttliche Gericht zu treten. Er fleht den Tod an, ihm eine Frist zu gewähren, um einen Freund zu finden, der mit ihm geht.
In der Stunde die ihm als Aufschub gewährt wird, ist es ihm nicht möglich, jemanden zu finden, der den Weg mit ihm geht. Nun ist Jedermann völlig einsam und der Verzweiflung nahe. Da meldet sich eine gebrechliche Frau, seine guten Taten, die ihn ins Jenseits begleiten will. Sie ist aber so schwach, dass er nicht auf seine guten Taten vertrauen will.
Sehen Sie sich an, wie unser Jedermann ins Jenseits tritt, wie er die Angst vor dem Tod verliert und einsieht, dass die Werte nach denen er sein Leben ausgerichtet hatte, nicht diejenigen waren, die einem Leben Sinn verleihen.
- Regie: Alexander Muheim
- Leitung: Annemarie Voss