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Peter Ochs war ein grosser und begeisterter Briefeschreiber. Ich werde in den kommenden Wochen dieses Jahres regelmässig Auszüge aus seinen Briefen veröffentlichen, die seine persönlichen Verhältnisse und seine politischen Überlegungen reflektieren. Ich stütze mich dabei auf die von Gustav Steiner herausgegebene «Korrespondenz des Peter Ochs».
Woche 20
11. September 1792: Ochs an Leonhard Meister in Zürich
«Tranquillisez-vous pour ma sœur [Sibylle de Dietrich-Ochs]. Elle est arrivée hier ici, avec son mari [Philippe-Frédéric de Dietrich] et son fils [Fritz], sous le nom de Didier. Ils ont passé [von Metz aus] par Deux-Ponts [Zweibrücken], Francfort, Schaffhouse et Rheinfelden. Ils avaient des passeports de Deux-Ponts et Schaffhouse. Ils resteront cinq à six jours ici. Veuillez me mander si on leur permettrait de séjourner quelque temps dans votre canton […] Ils comptaient se rendre à Paris mais, avertis que leurs ennemis [die Jakobiner in Strassburg] en voulaient à leurs jours, ils ont été obligés de s’éloigner. Le massacre des prisonniers du 2 septembre prouve qu’on les avait bien avertis.
(«Seien Sie ohne Sorge wegen meiner Schwester [Sibylle de Dietrich-Ochs]. Sie ist gestern hier angekommen, mit ihrem Ehemann [Philippe-Frédéric de Dietrich] und ihrem Sohn [Fritz], unter dem Namen Didier. Sie sind [von Metz aus] über Zweibrücken, Frankfurt, Schaffhausen und Rheinfelden gereist. Sie hatten Passierscheine für Zweibrücken und Schaffhausen. Sie werden fünf bis sechs Tage hierbleiben. Teilen Sie mir doch bitte mit, ob man Ihnen erlauben wird, sich einige Zeit in Ihrem Kanton aufzuhalten […] Sie planten eigentlich nach Paris zu reisen, aber nach einer Warnung, dass ihre Feinde ihnen ans Leben wollten, waren sie gezwungen, das Land zu verlassen. Das Massaker an den Häftlingen am 2. September beweist, dass man sie gut beraten hatte.»)
(Steiner, Korr. I, Nr. 282, S. 375−376)
Kommentar: Ochs lässt sich nicht anmerken, welche Sorgen er sich um seine Schwester und ihre Familie machte. Philippe-Frédéric de Dietrich war vom Strassburger Jakobinerclub in Paris als Verräter denunziert worden. Nach dem 10. August 1792 (Tuileriensturm) erliess die Nationalversammlung ein Dekret, dass er sich persönlich in Paris vor Gericht zu verantworten habe. Zunächst leistete de Dietrich diesem Befehl folge und reiste in Begleitung seiner Frau nach Paris. Unterwegs − am 2. oder 3. September in Metz − entschloss sich das Ehepaar zur Flucht in die Schweiz, begleitet von ihrem ältesten Sohn Fritz, um sich einer drohenden Verhaftung zu entziehen. Ein zweiter Sohn blieb bei seinem Regiment in der Rheinarmee, ein dritter wurde einer Amme in Pflege gegeben. De Dietrich floh vor den Gewaltexzessen in Paris, nicht vor dem Prozess. In Basel kontaktierten sie Peter Ochs, logierten aber im Hotel Drei König unter falschem Namen, bis sie nach Winterthur weiterreisen konnten, wo de Dietrich seine Verteidigung vorbereiten wollte. Er stellte sich tatsächlich am 9. November 1792 in St. Louis den französischen Behörden, wurde verhaftet und – zusammen mit seiner Frau – in Besançon inhaftiert.