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«Es ist schon lange nicht mehr fünf vor zwölf, sondern längst halb eins», sagt Michael Zemp, Direktor des Weltgletscherbeobachtungsdienstes der Universität Zürich. Mit den steigenden Temperaturen schmelzen die Gletscher weltweit immer schneller. In den letzten 60 Jahren ist so viel Gletschereis geschmolzen, dass man die Schweiz unter einer 250 Meter dicken Eisschicht begraben könnte. Insgesamt 9 000 Gigatonnen Gletschereis sind seit den 60er Jahren verloren gegangen.
In der Schweiz zeigen sich die Auswirkungen der Klimaerwärmung laut Michael Zemp stets doppelt so stark wie an anderen Orten. Falls das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Übereinkommens erreicht wird, wären die grösseren Schweizer Gletscher wie beispielweise den Aletschgletscher gerettet. Ansonsten werden in den kommenden Jahrzehnten sämtliche Gletscher in der Schweiz verschwinden, was sich anfänglich durch vermehrtes Hochwasser und längerfristig durch Wassermangel in den heissen, trockenen Sommermonaten zeigen würde.
Laut Michael Zemp ist der Klimawandel die grösste Herausforderung, welche die Menschheit je gesehen hat. Gleichzeitig aber könne man ihn gerade in der Schweiz auch als Chance sehen, weil unsere Rohstoffe nicht fossile Energien sind, sondern Rohstoffe wie Wasser, Sonne und Wind. Zudem berge der Klimawandel auch die Chance, eine neue Gesellschaft zu entwickeln. Mit ihrem starken Forschungs- und Hightechstandort könne die Schweiz hier an vorderster Front mitwirken und bezüglich der Schadensbegrenzung auch profitieren.