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von Armand Baeriswyl
Es gibt offenbar klare Kriterien, welche mittelalterlichen Städten davon bedroht waren, wüst zu fallen und so entweder zu Dörfern abzusinken oder gar verlassen zu werden.
Diese Städte waren meist spät, erst im 14. Jh. zu Städten geworden. Sie waren im Konkurrenzkampf um die Territorialisierung zwischen konkurrierenden Adelsgeschlechtern entstanden. Ihre Gründer waren zum einen Adelsgeschlechter, deren machtpolitische und wirtschaftliche Potenz eher gering waren. Gerade sie strebten danach, nach dem Vorbild des Hochadels Städte zu gründen und so herrschaftliche Präsenz zu markieren, obwohl das damals bereits langsam wieder aus der Mode kam. Die Städte umfassten nur kleine Areale von 0,6-2,5 ha. Sie waren sehr oft in Konkurrenz zu bestehenden, meist viel grösseren Städten gegründet worden. Dementsprechend klein war das Umland dieser Städte und limitierte so deren Wachstum, da mittelalterliche Städte wirtschaftlich wie bevölkerungsmässig stark vom Umland abhingen. Trotzdem waren sie alle Verwaltungsmittelpunkt eines Amtes oder einer Vogtei. Die Burg sei sie älter oder erst zusammen mit der Stadt entstanden diente als Sitz des entsprechenden Beamten (Vogt, Landvogt, Kastellan).
Alle diese Grundvoraussetzungen führten dazu, dass solche Städte sich kaum richtig entwickeln konnten und bereits nach kurzem stagnierten oder gar im Niedergang begriffen waren. Fast immer war es ein oder mehrere äussere Anlässe, die die Wüstung einleiteten: eine Kriegszerstörung, ein Stadtbrand oder eine Epidemie. Und nun kommt das Entscheidende: Da die meisten dieser Städtchen zu klein und wirtschaftlich zu schwach waren, um den Wiederaufbau aus eigenen Kräften zu bewältigen, benötigten sie die Hilfe ihres Stadtherrn. Alle diese Städtchen hatten aber das Pech, zu diesem Zeitpunkt einen Stadtherrn zu haben, der ihnen nicht helfen konnte - oder meistens nicht helfen wollte.
Archäologische Ausgrabungen zeigen immer wieder deutlich, dass aussagekräftige Strukturen im Boden verborgen sind, die wichtige Erkenntnisse zur Geschichte der einzelnen Städte, aber auch zum Verständnis der mittelalterlichen Städtewesens im abendländischen Europa generell liefern können.
, Armand : Verbrannt - verwüstet - verlassen
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 20. Jahrgang 2015, Heft 2, 25 - 42.