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Als Roger Federer den Ball kurz nach 19.00 Uhr Ortszeit und knapp fünf Stunden Spielzeit bei einer Vorhand mit dem Rahmen traf, war das Drama vorbei. In einem Final, der alles beinhaltete, sorgte eine Premiere in der Geschichte des Turniers für die Entscheidung. Beim Stand von 12:12 war es erstmals in einer Einzel-Partie zu einem Tiebreak gekommen, in dem Djokovic wie in den Sätzen 1 und 3 das bessere Ende für sich hatte.
"Leider muss am Ende einer verlieren", sagte Djokovic an der Siegerehrung. Und später fügte der Serbe an: "Es war mental die härteste Partie, die ich jemals gespielt habe." Nachdem Djokovic während der ganzen Partie mehrheitlich in Führung gelegen war, stand er in der Schlussphase öfter mit dem Rücken zur Wand. Als Federer mit einem brillanten Crosscourt-Passierball das Break zum 8:7 geschafft hatte, boten sich dem Baselbieter bei 40:15 und eigenem Service zwei Matchbälle. Ein einfacher Fehler und ein Passierball Djokovics machten die beiden goldenen Möglichkeiten zunichte, später wehrte der Serbe bei 11:11 zudem noch zwei Breakchancen ab.
Einen ersten Vorteil hatte Djokovic aus der Hand gegeben. Nachdem er zu Beginn des finalen Durchgangs der bessere Spieler gewesen war, gelang das Break zum 4:2. Doch Federer schlug sogleich zurück und schaffte das Rebreak. "Wir hatten beide unsere Chancen", sagte Federer, dessen Enttäuschung über die Niederlage sich an der Siegerehrung in Grenzen zu halten schien. Er sei sehr zufrieden mit seiner Leistung und hoffe, er könne andere inspirieren, dass es mit 37 noch nicht vorbei sei.
Später an der Pressekonferenz drückte bei Federer die Enttäuschung über die verpasste Chance in seinem zwölften Wimbledon-Final durch. Er könne nicht beschreiben, wie er gerade fühle, sagte Federer. "Ich weiss einfach, dass ich eine unglaubliche Chance verpasst habe." Die Partie ähnelte jener 2008, als er im Final gegen Rafael Nadal im fünften Satz mit 7:9 den Kürzeren gezogen hatte. "Damals war ich nach der Niederlage sehr enttäuscht, heute bin ich wütend."
Letztlich kosteten den Rekordsieger neben den beiden Matchbällen drei schwächere Tiebreaks einen weiteren Titel im All England Club. Im ersten funktionierte die Vorhand nicht, im zweiten unterliefen ihm vier Fehler mit der Rückhand. Und bei der finalen Kurzentscheidung geriet er gleich zu Beginn in Rücklage - ebenfalls nach Eigenfehlern. Djokovic wirkte weniger unwiderstehlich als auch schon, schaffte es aber, sich in den entscheidenden Momenten zu steigern. "In den Tiebreaks habe ich mein bestes Tennis gezeigt", so die Weltnummer 1.
Mit Ausnahme der Tiebreaks konnte sich Federer wenig vorwerfen. Er schlug vier Sätze lang brillant auf und musste dem besten Returnspieler der Welt erst nach 2:47 Stunden den ersten Breakball und das erste Break zugestehen - bei 5:2 im vierten Satz.
Djokovic unterstrich mit seinem Triumph, dass er derzeit der beste Spieler ist. Mit seiner erfolgreichen Titelverteidigung und dem fünften Titel zog er mit Björn Borg gleich. Nur Federer (8) sowie William Renshaw und Pete Sampras (je 7) haben mehr Titel im All England Club gewonnen als der Serbe, der vier der letzten fünf Grand-Slam-Turniere gewann. Mit seinem 16. Grand-Slam-Erfolg näherte sich Djokovic bis auf vier Titel Federer an. Zwischen den beiden liegt noch Rafael Nadal, der 18 der vier wichtigsten Trophäen gewonnen hat.
(sda)