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Habanos-Produktion: Zahlen und AusblickDie Habanos-Produktion ist im vergangen Jahr eingebrochen. Mit Lohnerhöhungen versucht Kuba, die Fachkräfte-Abwanderung zu stoppen.
Die Umsatzzahlen von Habanos für das Jahr 2022 liessen darauf schliessen: Die produzierten Stückzahlen sind im vergangenen Jahr massiv gesunken. Trotz einer historischen Preiserhöhung wuchs der Umsatz nur um zwei Prozent. Habanos kommuniziert offiziell keine Produktionszahlen, trotzdem sickern manchmal Zahlen durch. Bekannt ist, dass Habanos ein Produktionsziel von 100 Millionen Zigarren anstrebt. In den Jahren vor der Pandemie produzierte Kuba rund 70 Millionen Zigarren pro Jahr. Im Gespräch mit verschiedenen Vertretern der Industrie zeigt sich, dass die Produktion im vergangenen Jahr noch einmal um rund 30 Prozent eingebrochen ist.
Am meisten belastet Kuba die anhaltend hohe Emigration. Die Inflation verteuert das Leben, wer die Chance hat, verlässt das Land und Fachkräfte aus der Zigarrenindustrie werden in Nicaragua oder der Dominikanischen Republik mit Handkuss aufgenommen. Diese Entwicklung soll mit Lohnerhöhungen gestoppt werden. Die Fabriken geniessen eine gewisse Autonomie und stehen im Wettbewerb zueinander. Als Musterbetrieb gilt die Manufaktur La Corona. Spitzenroller können in dieser Fabrik 45’000 Pesos plus Bonus im Monat verdienen. Das entspricht etwa 250 Franken oder dem 10-15-fachen des Durchschnittslohns. Roller mit weniger Erfahrung verdienen rund die Hälfte. Dazu profitieren die Mitarbeiter von Verpflegung, kostenlosem Transport und dem vergünstigten Einkauf von Lebensmitteln.
Deutlich niedriger sind die Saläre bei Partagás. Hier beträgt der Spitzenlohn etwa 20’000 Pesos. Partagás kämpft entsprechend mit einem deutlich grösseren Personalmangel. Die Manufakturen bilden mit Hochdruck neue Roller aus. Bei Partagás lernen zur Zeit über 100 Schüler, bei La Corona rund 60. Sind die jungen Roller einmal ausgebildet, haben sie ein Produktionspotenzial von rund 4 Millionen Zigarren pro Jahr.
Die Folgen von Hurrican Ian trüben den Ausblick auf der Seite der Rohtabak-Produktion. Davon unabhängig sind seit einigen Jahren grosse Deckblätter von hoher Qualität knapp. Offenbar gelingt es nicht, mit der aktuellen Saatgut-Generation eine ausreichende Menge an Deckblättern in der gewünschten Grösse und Qualität zu produzieren. In der Partagás-Fabrik wickeln die Roller Zigarren mit groben Blattadern nach dem Aufbringen des Deckblatts für eine Weile in Zeitungspapier ein. Dies soll, wenn sich die frische Zigarre nach dem Pressvorgang wieder etwas ausdehnt, die Adern glätten.
Weiter fehlt es an Verpackungsmaterial, zum Beispiel an ganz simplen Dingen wie Papier. Weil das Land mit Sanktionen belegt ist, treten bei der Bezahlung von ausländischen Lieferanten Schwierigkeiten auf. Habanos will darauf mit einer neuen Finanzeinheit ausserhalb Kubas reagieren. Schätzungen gehen davon aus, dass im vergangen Jahr 16 Millionen Zigarren nicht verkauft werden konnten, weil Zuliefermaterial aller Art fehlte. Diese Zigarren lagern in den Fabriken und wären grundsätzlich verkaufsbereit.
Habanos strebt für das laufende Jahr wieder ein Produktionsvolumen von 70 Millionen Zigarren an. Eine rasche und deutliche Erholung der Produktion erscheint angesichts der aktuellen Lage nicht realistisch. Die Verantwortlichen vor Ort bemühen sich aber nach Kräften, um die verbleibenden Fachkräfte zu halten und neues Personal zu rekrutieren.