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In der Strahlenschutz- und Röntgenverordnung sind die Strahlenschutzprinzipien „Rechtfertigung" und „Vermeidung unnötiger Strahlenexposition und Dosisreduzierung" formuliert. Der Strahlenschutz bedient sich dabei weltweit des „ALARA-Prinzips". ALARA = „As Low As Reasonably Achievable". Umgesetzt bedeutet dies, dass Massnahmen ergriffen werden müssen, um die Strahlenexposition so gering wie möglich zu halten, die unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und sozialer Faktoren vernünftig und sinnvoll sind.
Rechtfertigung
Jede Anwendung radioaktiver Stoffe oder ionisierender Strahlung oder der Betrieb einer Anlage, die eine Strahlenexposition verursacht, muss gerechtfertigt sein. Das bedeutet, dass diese Anwendung oder der Betrieb der Anlage einen Nutzen für den Einzelnen oder die Gesellschaft erbringen muss, der auf anderem Weg nicht zu erlangen ist und der das Risiko, dadurch einen Schaden zu verursachen, mehr als aufwiegt.
Vermeidung unnötiger Strahlenexposition
Jede unnötige Strahlenexposition von Mensch und Umwelt ist zu vermeiden. Diese generelle Verpflichtung gilt für jeden, der eine Tätigkeit plant oder ausübt. Beim Umgang mit radioaktiven Stoffen ist die Vermeidung auch auf Kontamination erweitert.
Minimierungsgebot
Jede Strahlenexposition oder Kontamination (beim Umgang mit radioaktiven Stoffen) ist durch Strahlenschutzmassnahmen unter Beachtung des Stands von Wissenschaft und Technik auch unterhalb der in der Verordnung festgesetzten Grenzwerte so gering wie möglich zu halten.
Umsetzung der Strahlenschutz-Grundsätze in der Medizin
In der Medizin muss jede Strahlenanwendung gerechtfertigt sein. Diese muss einen hinreichenden Nutzen erbringen, wobei ihr Gesamtpotenzial an diagnostischem oder therapeutischem Nutzen, einschliesslich des unmittelbaren gesundheitlichen Nutzens für den Einzelnen und des Nutzens für die Gesellschaft gegenüber der von der Strahlenexposition möglicherweise verursachten Schädigung des Einzelnen abzuwägen ist.
Rechtfertigende Indikationsstellung Strahlenschutz gewährleisten!
Strahlung darf in der Medizin auf Menschen nur angewendet werden, wenn eine sogenannte berechtigte Person dies festgestellt hat. Diese Feststellung ist die sogenannte rechtfertigende Indikation. Die rechtfertigende Indikation erfordert nicht nur die Festlegung, wie und in welchem Umfang die Anwendung der Röntgenstrahlen vorgenommen werden soll, sondern erfordert auch, dass der Nutzen der Anwendung der Röntgenstrahlung am Menschen gegenüber dem bestehenden Gesundheitsrisiko überwiegt. In diese Abwägung sind insbesondere andere Verfahren mit einzubeziehen, die einen vergleichbaren Nutzen bei keiner oder einer erheblich geringeren Strahlenexposition mit sich bringen.
Beispiele:
- Bei Röntgenuntersuchungen sollten diagnostisch nicht relevante Bereiche und strahlensensible Organe (Hoden, Ovarien) mit Bleischürzen abgedeckt werden.
- Lange Durchleuchtungszeiten sollten vermieden werden.
Vermeidung
Wird Strahlung zu medizinischen Zwecken eingesetzt, so sollte vor der Anwendung eine Entscheidung für die geeignete Untersuchungsmethode und die Wahl der Reihenfolge der Untersuchungen vorgenommen werden. Vor allem sollten aber Mehrfachuntersuchungen unbedingt vermieden werden. Ebenso gilt die generelle Forderung nach Einsatz möglichst dosissparender Verfahren bei Sicherung der diagnostischen Aussage.
Dosisreduzierung
Die Strahlenanwendung sollte optimiert werden, d.h., dass alle Strahlenexpositionen so niedrig zu halten sind, wie es unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und sozialer Faktoren vernünftig erreichbar ist. Deshalb sind bei der ärztlichen Untersuchung von Menschen diagnostische Referenzwerte zugrunde zu legen. Für häufig vorkommende Untersuchungen und Behandlungen müssen schriftliche Arbeitsanweisungen vorliegen. Optimierung heisst aber auch Anwendung der anerkannten Normen des DIN und der IEC. Es können aber auch Empfehlungen der Strahlenschutz-Kommission sowie Leitlinien und Empfehlungen von Fach- und Berufsverbänden als Grundlage herangezogen werden.