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Rotkäppchen Sekt - eine turbulente Geschichte
Die Rotkäppchen Sektkellerei hat ihren Sitz in Freyburg (Unstrut), mitten im Weinbaugebiet Saale-Unstrut, das nördlichste Anbaugebiet für Qualitätswein in Deutschland. Das Haus hat eine langjährige Tradition, die bis ins Jahr 1856 zurück reicht. In diesem Jahr entscheiden sich Moritz und Julius Kloss, zusammen mit ihrem Freund Carl Foerster, eine Weinhandlung in Freyburg zu eröffnen. Nur ein Jahr später lassen sie eine Fabrik zur Herstellung von Schaumweinen errichten, die "Freyburger Champagner-Fabrik-Gesellschaft". Der Sekt wird unter dem Namen Kloss & Foerster vermarktet. Die Namen sind damals der Mode entsprechend alle französisch, so verkauft man "Monopol", "Crémant Rosé" oder "Sillery Grand Mousseux".
In den nächsten Jahren sorgen die umtriebigen Geschäftsleute für allerlei Bekanntheit ihres neuen Produkts, so wird der Sekt bei der Reichstagsweinprobe 1876 oder auf der Gewerbeausstellung in Halle 1881 mit Gold prämiert. Stetig wuchs das Unternehmen. Im Jahr 1894 tritt schließlich das "Gesetz zum Schutz von Warenzeichen" in Kraft, und ein neuer Name für den Sekt muss gefunden werden. Die Kapsel des Freyburger Sekts dient als Namenspatrin, und so trägt er ab dann den Namen Rotkäppchen Sekt.
Das Auf und Ab von Rotkäppchen Sekt im 20. Jahrhundert
Der Erfolg der Marke wächst stetig, so wird Rotkäppchen Sekt beispielsweise zum Lieferanten der Offiziere des Militärs. Den ersten Dämpfer erlebt das Unternehmen mit dem ersten Weltkrieg und der folgenden Inflation in den 20er Jahren. Die folgende Weltwirtschaftskrise tut ihr übliches. In den 30er Jahren erholt sich die Marke, um dann mit dem zweiten Weltkrieg erneut einzubrechen. Nach dem Krieg wird die Marke Rotkäppchen Sekt zuerst der sowjetischen Militäradministration unterstellt, danach in Volkseingentum überführt und so weitergeführt. Derweil gründet Markenerbe Günther Kloss in Westdeutschland die Kloss & Foerster Sektkellerei neu und erzeugt dort Sekt unter diesem Namen.
In der DDR erholt sich die Marke Rotkäppchen Sekt und schwingt sich zu neuen Höhenflügen auf. Mit der Wende jedoch bricht der Absatz erneut ein. Der Betrieb verkleinert sich massiv. Letzten Endes sind es ehemalige Mitarbeiter von Rokäppchen, die zusammen mit Investoren das schwächelnde Unternehmen übernehmen und es erneut aufbauen. In nur einem Jahr übertrifft man bereits den erwarteteten Absatz. Der Sekt mit der roten Kappe wird wettbewerbsfähig für die Marktwirtschaft gemacht, es wird ein erster Werbespot für das Fernsehen gedreht.
Aufschwung von Rotkäppchen Sekt im neuen Jahrtausend
Im Jahr 1996 muss man bereits eine neue Produktionshalle errichten, um der Nachfrage Herr zu werden. 1997 bekommen die Flaschen das Gesicht, welches sie auch heute noch tragen. In den 2000ern beginnt man, Anteile an anderen Sekthäusern wie Mumm und MM extra zu übernehmen. Im Jahre 2006 erwarb man die Rechte an der Sektmarke Kloss & Foerster und führte so die Marken nach 60 Jahren Trennung wieder zusammen.
Heute stellt das Unternehmen neben Schaumwein, welchen es seit 2008 auch in alkoholfreien Varianten gibt, auch Stillwein her. Daneben hat es bereits Fuß im Spirituosenmarkt gefasst, so gehören die "Flaggschiff"-Spirituosen aus Nordhausen oder die Weinbrände "Chantré" ebenfalls zu Rotkäppchen.
Die Herstellung von Rotkäppchen Sekt
Drei Herstellungsverfahren setzt man heute bei Rotkäppchen Sekt für die Schaumweinherstellung ein:
- Großraumgärung
- Flaschengärverfahren/Transvasierverfahren
- Klassische Flaschengärung
Großraumgärung
Hierbei wird die Reifung in großen Druckbehältern durchgeführt. Das Verfahren ist international als Charmat-Methode, benannt nach dem Entwickler des heutigen Verfahrens mit druckfesten Armaturen Èugene Charmat, oder auch als Metodo Martinotti in Italien, benannt nach dem Önologen Federico Martinotti, welcher die grundlegende Idee zum Verfahren hatte, bekannt. Das Verfahren verbreitete sich nach seinem ersten Einsatz Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland, welches technologischen Fortschritten gegenüber recht offen war, sehr schnell.
Die Traditions-Linie von Rotkäppchen Sekt, das Hauptprodukt der Marke, wird in diesem Verfahren hergestellt.
Transvasierverfahren
Dieses Verfahren stellt eine Abwandlung der klassischen Flaschengärung dar, wobei der Sekt nicht per Hand degorgiert (also die Gärhefe entfernt wird), sondern aus speziellen Gärflaschen entleert und filtriert, um dann unter Druck dosiert und dann in die letztendliche Flasche gefüllt, in welcher die zweite Gärung stattfindet. Die "Flaschengärung"-Linie von Rotkäppchen Sekt entsteht auf diese Weise.
Klassische Flaschengärung
Auch als Méthode champenoise oder Méthode traditionelle bekannt, ist sie der Standard für weltbekannte Schaumweine wie Champagner, Crémant oder Cava. Der Sektgrundwein wird für die zweite Gärung mit der Zucker- und Hefemischung versetzt und in die Flasche gefüllt. Nach der Gärung wird die Hefe durch Rütteln in den Flaschenhals bewegt und der Hefepfropfen entfernt. Der Verlust an Sekt wird durch die Dosage ausgeglichen, einem Gemisch aus Wein und Zuckersirup, der entscheidend für den Geschmack ist. Rotkäppchen-Sekte, welche nach diesem Verfahren hergestellt werden, sind mit dem Aufdruck "klassische Flaschengärung" versehen.