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Am 16. Juli 1952 als NYON vom Stapel gelaufen und am 17. Oktober an Suisse-Atlantique Société de Navigation Maritime S.A., Lausanne, mit Heimathafen Bâle (Basel) abgeliefert. Rufzeichen HBFC. Länge über alles: 136.39 Meter, GRT: 4'956, NRT: 2'894, DWT: 9'540.
1956 verkauft an Helica S.A., Genève (Management: Suisse-Atlantique Soc. d'Armement Maritime S.A., Lausanne), Bâle (Basel).
Von 1956-1958 fungierte die Suisse Outremer S.A. de Gérance et d'Affretement Maritimes, Genève, als Manager.
Das Schiff lief am 15. November 1958 auf der Ballastreise von Leith nach Dakar um 19:06 Uhr bei St. Abb's Head an der Schottischen Ostküste auf Grund.
Unglücklicherweise lief das Schiff kurz nach Hochwasser auf, so dass das Vorschiff weit auf den Felsen festsass und die Räume I, II und III voll Wasser liefen. Nach vergeblichen Abschleppversuchen, entschloss sich die Bergungsfirma "Bureau Wijssmuller", das Schiff vor dem Maschinenraum entzweizuschneiden, nach dem Motto "half a ship is better than none". Das Achterschiff wurde am 27.11.1958 freibekommen und zum River Tyne geschleppt.
Später überführt nach Bolnes in Holland zu Boeles S.W. & M.F. Dort wurde am 08. Juni 1959 mit dem Zusammenbau des neu gebauten Vorschiffes mit dem Achterschiff begonnen. Im Juli 1959 konnte das Schiff an den Eigner Übergeben werden. Die NYON wurde auf 141,69m. verlängert und mit 5364 BRT / 10'000 Dwt neu vermessen.
Das auf den Felsen verbliebene Vorschiff wurde in den nachfolgenden Winterstürmen innerhalb weniger Tage total zerstört.
Dem praktisch neuen Schiff war jedoch kein langes Leben beschieden, denn am 15.Juni 1962 kollidierte die NYON im englischen Kanal mit dem indischen Frachter "Jalazad" (6199/55) im Nebel und ist bei Beachy Head innerhalb von 14 Minuten in der Position 50°32' N 01°30' E gesunken. Die 32 Mann starke Besatzung konnte sich unverletzt retten. Das Schiff befand sich auf der Reise von Antwerpen und Bremen nach Montreal mit Stückgut.
Zusätzliche Informationen und Geschichten
Igarka, Sibirien
Die NYON fuhr insgesamt dreimal nach Igarka und zwar in den Jahren 1957, 1959 und 1960, jeweils im Monat August - September, wenn der Fluss Jenissei eisfrei war. Igarka liegt ungefähr 360 Seemeilen flussaufwärts, das ist fast zweimal die Distanz nach Baton Rouge, auf dem besser bekannten Fluss Mississippi. Auch die ST. CERGUE fuhr mehrere Male nach Igarka. Zu jener Zeit, der Diktator Joseph Stalin starb im März 1953, herrschte im Moskauer Kreml noch Eiszeit und die Welt war aufgeteilt in Ost und West. Niemand, besonders keine Touristen, konnten Sibirien besuchen, die Wenigen die normalerweise Sibirien kennen lernten, waren deutsche Kriegsgefangene und politische Häftlinge.
Igarka, am Jenissei gelegen (© www.freeworldmaps.net)
Igarka, eine erst 1929 gegründete Siedlung mit ungefähr 15'000 Einwohnern besass Sägewerke und einen kleinen Hafen um Hochseeschiffe mit Schnittholz für den Export zu beladen. Stalin liess von Zwangsarbeitern die „Polarkreiseisenbahn“ bauen, die im Osten in Igarka endete. Diese Eisenbahn wurde nie fertig gebaut und ist heute nur auf Teilstrecken in Betrieb. Sogar ein Marinestützpunkt war in Igarka geplant, aber beide Projekte wurden nach Stalins Tod gestoppt. Von 1975 bis 1980 erlebte Igarka seine Glanzzeit, ungefähr 1'200'000 m³ Holz pro Jahr gingen in den Export und war somit der zweitgrösste Holzhafen der Sowjetunion. Ein kleiner Flugplatz, auf einer Insel gelegen, bietet Flugverbindungen nach Krasnojarsk, Norilsk und Surgut. Somit kann man wohl sagen, dass diese Reisen eines ausländischen Frachters nach Igarka zu jener Zeit etwas Besonders darstellten.
Persönlicher Bericht von Steward Emil Gremaud
Wir waren mit der NYON dort im September 1959 für ca. drei Wochen. Hinfahrt nur mit Ballast. Geladen wurden Holzbretter. Wir lagen an der Boje wie die beiden andern nicht Russischen Schiffe, ein Norweger und ein Spanier.
Jeder von uns bekam eine Abschrift von unserem Pass in kyrillischer Schrift, diese bestand aus zwei Teilen. Jeden Mittwoch und Samstag konnten wir mit einem russischen Boot an Land, dazu mussten wir den einen Teil dieses Passes an den Wachmann abgeben. Igarka bestand aus zwei Teilen. Einen Offenen, wo sich der Seemannsclub und die Sporthalle befand und einen Inneren, mit einer etwa drei Meter hohen Bretterwand abgegrenzten Teil der bewacht wurde (mit einer „Wild-West“ Siedlung vergleichbar).
Mit unserer schmutzigen Schiffswäsche gelangten wir, hinten auf einer Lastwagen-Ladebrücke sitzend, durch ein Tor in den bewachten Teil, wo sich die Wäscherei befand. Die Soldatin die das Tor bewachte grüsste militärisch zackig auf unser Winken. Das ganze Dorf war durchzogen mit Kanälen in welchen die Baumstämme zu den Sägereien transportiert wurden. Die Strassen bestanden aus Holzbohlen. Um Unebenheiten auszugleichen lag sie manchmal bis einen Meter über dem Boden. Da kam es dann auch mal vor dass ein Stück dieser Bohlen fehlte. Pech für den Benutzer wenn er dann noch nach Mitternacht auf der Strasse war, denn um zwölf Uhr wurde der Generator ausgeschaltet und das Licht erlosch.
Mittwochs war Tanz in der Sporthalle, das ganze wurde von einigen älteren Frauen überwacht. Die Musik wurde von LPs und Tonband gespielt, aber nur Russische Weisen, so kamen wir mit dem Veranstalter (alles wird vom Kommando im Ort organisiert) überein, dass wir ein Tonband mit unserer Musik (Rock 'n'Roll) mitbringen konnten. Von da an lief alles rund, wir versuchten den Mädchen Rock'n'Roll-Schritte beizubringen.
Im Seemannsclub gab es eine Bibliothek, da gab es auch ein Buch in Deutsch mit dem Titel „Vom Leninismus über den Kommunismus zum Sozialismus“ - die DDR lässt grüssen. Zum Essen gab es nur Brot mit Kaviar, zum Trinken Armenischen Wein und natürlich Wodka.
Zurück aufs Schiff musste wieder das Boot benützt werden, da konnte es auch vorkommen dass die Bootsbesatzung schon zu viel Wodka intus hatte und das Boot nicht mehr fuhr. Da halfen uns unsere russischen Kameraden aus, die waren mit ihren eigenen Booten an Land. Die sicherten uns zu, uns auf die NYON zu bringen, aber erst mussten wir sie auf ihrem Schiff besuchen. Besuchen hiess mit der ganzen Schiffsführung ein grosses Glas voll Wodka zu Trinken. Zurück auf unserem Schiff beim Wachmann den zweiten Teil des Passes wieder abholen.
Den zweiten Teil des Passes hätte er eigentlich nicht mehr zurückgeben dürfen an diejenigen, die nach Mitternacht zurückkamen. Aber das lief dann so, man ging zum Wachmann und sagte zu Ihm, „Kamerad Zigaretti Amerikanski“ und bot ihm eine Zigarette an, worauf er sich umschaute, eine Zigarette nahm, und im Gegenzug eine russische Zigarette anbot. Nach gemeinsamen Rauchen war alles in Ordnung. Moskau ist halt weit von Igarka entfernt.
Einmal hatten wir einen Fussball-Match mit der Mannschaft von Igarka (0 zu 2 für Igarka) das musste natürlich gefeiert werden mit vier Kisten Bier, welche wir aber an Land nicht durch die Kontrolle brachten, wieder halfen uns die Oberen von Igarka, die schickten einen Lastwagen der mit uns und dem Bier in den Seemannsclub fuhr.
Eine schöne Erinnerung war auch das Auslaufen, wenn ein russisches Schiff auslief haben immer alle mit dem Horn gegrüsst. So auch bei uns, bei den andern beiden Ausländern war das nicht so. Also haben wir den Kapitän gebeten, wenn wir bei unsern Wodka Kameraden vorbeifahren, und das waren inzwischen einige, zu Grüssen. Das hat er aber nicht gemacht, das hat aber unsere Kameraden nicht abgehalten zu Grüssen und so ist auch unserem Kapitän nichts anderes übrig geblieben als auch zu Grüssen. Ist schon eindrücklich wenn man von einem Dutzend Schiffen so verabschiedet wird. Übrigens alle Leute die ich hier getroffen habe, waren immer sehr nett.
Chefsteward Billat, Eugen Steinmann und Emil Gremaud auf der Rückfahrt von Igarka nach London
Stempel von Igarka in meinem Seemannsbuch
SwissShips, Emil Gremaud, HPS, April 2021