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(Aquilinae, hierzu Tafel »Adler«),
Unterfamilie der Falken (Falconidae) aus der Ordnung der Raubvögel, große oder
sehr große, gedrungen gebaute Tiere mit mittelgroßem, durchaus befiedertem Kopf, hohem, am Grund geradem, gegen die Spitze
gekrümmtem Schnabel, welcher statt des seitlichen Zahns eine Ausbuchtung besitzt, und dessen Wachshaut
nicht vom Gefieder bedeckt wird, mit fast gerundeten Flügeln, welche bis zur Wurzel oder zum Ende des Schwanzes reichen, und
in denen die vierte und fünfte Schwinge meist am längsten sind, mit großem, langem und breitem, gerade abgeschnittenem
oder zugerundetem Schwanz, mittellangem, kräftigem, nur oben oder völlig befiedertem Lauf, der häufig
von dem lockern Schenkelgefieder (Hosen) bedeckt ist, mit starken, gekrümmten und spitzen Krallen.
Das Weibchen ist stets größer und meist auch schöner als das Männchen. Die Adler sind die stärksten und kühnsten
Raubvögel, sie fressen in der Regel nur frischen Raub, den sie mit den Fängen ergreifen und forttragen,
nehmen aber auch mit Aas vorlieb. Adlerarten bewohnen die ganze Erde, sie finden sich am häufigsten in den wärmern Gegenden
und mehr auf dem Festland als auf den Inseln. Die Mehrzahl lebt im Wald, einzelne sind Gebirgs-, andre Steppenbewohner,
und manche leben an Küsten oder Binnengewässern.
Die größern Arten sind bei uns Stand- und Strichvögel, die kleinern Arten wandern und dringen bis in das Innere von Afrika
vor, zwar in Gesellschaften, aber paarweise zusammenhaltend. Im April langen sie wieder an ihren Nistungsplätzen an, in deren
Nähe sie kein zweites Paar dulden. Manche bewohnen während ihrer langen Jugendzeit ganz andre Gegenden
und Länder als die alten gepaarten Vögel ihrer Art. Sie bauen auf einer hervorspringenden Felsplatte, in der Krone eines starken
Baums, im Notfall auf dem flachen Boden ihren Horst, der auf langen, oft armstarken Knüppeln ruht und so fest
geschichtet ist, daß er dem stärksten Sturm trotzt.
Das Weibchen legt im April oder Mai 1 oder 2, selten 3 Eier und zeitigt sie in 4-5 Wochen. Männchen und Weibchen zeigen sich
gleich besorgt um die Brut. Die selbständig gewordenen Jungen streichen mehrere Jahre einzeln umher, ehe sie sich an
einem bestimmten Ort ansiedeln. Die Alten aber verlassen ihren Brütort nur zeitweilig, suchen ihn, wenn sie wandern, regelmäßig
wieder auf und benutzen denselben Horst mehrere Jahre. In der Gefangenschaft werden manche Adlerarten bald zahm und dauern
außerordentlich lange aus. In Wien wurde ein Adler 104 Jahre im Käfig gehalten.
Zur Gattung Aquila Möhr., mit großem, langem Schnabel, dessen Firste schon unter der Wachshaut gebogen ist,
bis zum Ende des breiten, mittellangen, gerade abgeschnittenen Schwanzes reichenden Flügeln, in denen die vierte Schwinge die
längste ist, und mittelhohen, sehr kräftigen Läufen, gehören: Der Steinadler (gemeiner, schwarzer, brauner oder Rauchfußadler,
AdlerfulvaL.), bis 95 cm lang, 2 m und darüber breit (Weibchen), sehr gleichmäßig
dunkelbraun gefärbt; nur Nacken und Hinterhals sind rostbraungelb, der Schwanz ist an seiner Wurzelhälfte weiß, dann schwarz
gebändert oder gefleckt, an der Endhälfte schwarz; die Hosen sind braun, die Unterschwanzdeckfedern weiß. Junge Vögel sind
heller, das Hellbraun des Nackens dehnt sich weiter aus, der Flügel besitzt einen großen weißen Spiegel,
der Schwanz ist grauweiß, nur im Enddritteil schwarz, die Hose sehr hell. Die Färbung wechselt aber außerordentlich.
Ob der Goldadler (Adlerchrysaëtos Bp.,
s. Tafel) sich artlich von dem Steinadler unterscheidet, ist ungewiß; er ist kleiner, schlanker,
der Schwanz in der Mitte verlängert, in der Achselgegend mit weißem Fleck, am Schwanz bräunlich aschgrau,
schwarz gebändert. Der Steinadler bewohnt die Hochgebirge und großen Waldungen Europas und Asiens, horstet seit 30 oder 40 Jahren
in Deutschland nur im bayrischen Hochgebirge, in Ostpreußen und Pommern, viel häufiger in Südosteuropa; der Goldadler ist
in Skandinavien, Rußland, Ostsibirien heimisch und berührt Deutschland nur während seines jugendlichen
Umherschweifens. Er bevorzugt im Hochgebirge eine unzugängliche Felswand, wird aber erst nach sechs, vielleicht zehn Jahren
seßhaft und durchschweift auch dann noch weite Gebiete. Er lebt und jagt dann paarweise, ist sehr mutig und frech, raubt
alle kleinern Tiere und wird namentlich dem Kleinvieh der Herden sehr gefährlich; er stößt bisweilen
auf Kinder und greift selbst Erwachsene an. Er nimmt auch dem Wanderfalken die Beute ab und raubt dem Jäger das erlegte Wild.
Aas verschmäht er nicht. Er schlingt stets Haare und Federn hinab und speit sie als Gewölle wieder aus. Er horstet auf Felsen
oder Bäumen und legt 2-3 weißliche oder grünlichgraue, grau und bräunlich gefleckte Eier, welche das
Weibchen in fünf Wochen ausbrütet.
Jung eingefangene Adler werden bald zahm, die Baschkiren richten sie zur Jagd auf Füchse, Wölfe, Antilopen ab. Die Unterschwanzdeckfedern
(Adlerflaumen) und die Krallen werden im Gebirge als Schmuck getragen; die Mongolen benutzen die Schwingen
zu Fächern, zur Befiederung der Pfeile und als Opfergabe. Der Königs- oder Kaiseradler (Adlerimperialis Bchst.), 86 cm lang und
2,2 m breit, ist gedrungen gebaut, mit langen Flügeln, aber verhältnismäßig kurzem Schwanz, gleichmäßig tief dunkelbraun,
mit hellerm Kopf und Nacken, einem großen weißen Fleck auf den Schultern und aschgrauem, schwarz gebändertem
Schwanz. Er bewohnt Südosteuropa und findet sich von Ungarn und Galizien an bis zur Mongolei und südlich bis Indien, ist ein
Zugvogel, bewohnt die Ebenen und findet sich selbst in baumlosen Steppen und in der Nähe von Ortschaften; er ist schwächer
als die beiden erstern, jagt hauptsächlich kleineres Wild (Ziesel etc.). Der Horst steht auf Bäumen, in der
Steppe auf dem flachen Boden. Im April legt das Weibchen 2-3 weiße, violettgrün, blaß purpurrot oder hellbraun gefleckte
Eier, welche beide Geschlechter bebrüten.
Jung eingefangen, wird er sehr zahm, läßt sich auch zur Beize abrichten, leistet aber bei weitem nicht
die Dienste wie der Steinadler. Der gefleckte Adler (Schrei-, Rauchfuß-, Gänse- oder Entenadler, Adler naevia Gmel.),
65-70 cm lang und 1,7-1,85 m breit, gleichmäßig kaffeebraun (im Frühjahr
und Herbst erdbraun), im Nacken heller, unterseits heller als auf dem Rücken, Handschwingen mattschwarz, dunkler gebändert,
Schwanzfedern heller als die Schwingen, Unterschwanzdecken blaß erdbraun mit hellern Spitzen, Fußwurzeln
hell erdbraun; das Auge ist gelb, dunkler gepunktet, die Wachshaut gelb, der Schnabel hornblau,
an der Spitze schwarz, der Fuß
gelb.
Junge Vögel sind stets merklich dunkler, die Federn des Nackens, Hand- und Unterarmschwingendecken sowie die der Kropfgegend
und die Unterschwanzdecken mit Spitzenflecken. Er bewohnt als Brutvogel Norddeutschland, Polen, Westrußland,
Ungarn, Galizien, die Türkei und Griechenland, weilt bei uns vom März bis September, erscheint in der Zugzeit auch in Westdeutschland,
lebt in feuchten Au- und Laubhölzern, ist feig, harmlos, schreit laut, jagt neben Fröschen auch Schlangen, Nager, in der Brutzeit
auch Vögel, junge Hasen und frißt Aas. Er nistet an Waldblößen auf hohen Bäumen in Bussard- und Habichthorsten,
das Weibchen legt 2 weiße, blaßbläulich gefleckte Eier, welche beide Eltern ausbrüten.
Zu der durch niedere Fußwurzeln charakterisierten Gattung Zwergadler (Hieraëtus Kp.)
gehören: Der gestiefelte Adler (H. pennatus Gm.), 51 cm lang, 121 cm breit (Weibchen), mit gelblichweißer
Stirn, rötlichbraunem Nacken, schwarzbraunem, hell schattiertem Mantel und Flügeln, weißem Schulterfleck und braunen Schaftflecken
auf der hellgelblichen Unterseite;
das Auge ist hell erzfarben, der Schnabel hellblau, an der Spitze schwarz, Fuß und Wachshaut
gelb. Er bewohnt Südwest- und Südosteuropa, auch einen Teil Asiens, weilt in Deutschland vom April bis
September, durchzieht im Winter ganz Afrika, lebt stets paarweise, gleicht in seinem Wesen den edelsten Adlern, jagt hauptsächlich
kleine Vögel, nistet in Laubwäldern in der Nähe größerer Flüsse, am liebsten in fremden Horsten, und legt im Mai 2 gelbliche
oder hellgrünliche, gelb oder rot gefleckte Eier, welche beide Eltern bebrüten.
In der Gefangenschaft
wird er so zahm wie andre Adler. Der Schopfadler (Spizaëtos occipitalis Gray, s. Tafel), 50-52 cm lang, 120-130 cm breit, ist gedrungen
gebaut, mit langen Flügeln, hohen Läufen, kurzem Schwanze, ziemlich einfarbig dunkelbraun, mit aufrichtbarem Schopf, hochgelbem
Auge, hornblauem Schnabel, hellgelber Wachshaut und strohgelbem Fuß, findet sich weitverbreitet in Afrika
vom 17.° nördl. Br. bis zum Kap, vom Senegal bis Madagaskar, in der Ebene und im Gebirge, ist im Wesen unserm Habicht vergleichbar.
Er horstet auf Bäumen und legt 2 fast runde, bleiche, rotbraun gefleckte Eier.
Die Harpyie (Harpyia destructor L., s. Tafel), 1 m lang, mit sehr kräftigem Körper, großem Kopf, breitem
und langem Schwanz, stumpfen, kurzen Flügeln, ungemein hohem und kräftigem Schnabel und auffallend starken Füßen und Fängen,
ist am Kopf und Hals grau, die verlängerten Nackenfedern, Rücken, Flügel, Schwanz, Oberbrust und Rumpfseiten schwarz, Steuerfedern
weißlich gebändert, Unterseite weiß, schwarz getüpfelt, die Schenkel schwarz gewellt; das Auge ist
rotgelb, Schnabel und Krallen schwarz, der Fuß gelb. Sie bewohnt Amerika von Mexiko bis zur Mitte Brasiliens, lebt einzeln in
wasserreichen Wäldern, jagt Säugetiere und Vögel und wird wegen ihrer Räubereien sowie wegen ihres als Schmuck hochgeschätzten
Gefieders von den Indianern eifrig verfolgt.
Die Gattung Seeadler (Haliaëtus Sav.) umfaßt große Raubvögel mit sehr hohem, an den Seiten flach abfallendem
Schnabel, kräftigen, nur zur Hälfte befiederten Fußwurzeln, großen Fängen, stark gekrümmten, langen Nägeln und großen,
das Ende des mittellangen, breiten, mehr oder weniger abgerundeten Schwanzes beinahe erreichenden Flügeln, in denen die dritte
Schwungfeder am längsten ist. Der Schreiseeadler (H. vocifer (Gray, s. Tafel), 70 cm lang, an Kopf, Hals,
Nacken, Oberbrust und Schwanz,
mehr
Mantel und Schwingen bläulichschwarz, sonst braunrot, Augenring, Wachshaut und Füße lichtgelb, Schnabel braunschwarz, lebt
in Afrika vom 18.° nördl. Br. bis zum Kap, in den Urwäldern an großen Strömen, meist paarweise und erregt durch seine Schönheit
und seine laute Stimme allgemeine Bewunderung. Er nährt sich von Fischen und Aas, horstet auf hohen Bäumen
oder Felsen und legt 2-3 weiße Eier. Der gemeine See- oder Meeradler (Fisch-, Gänseadler, Steingeier, Bein- oder Steinbrecher,
H. albicilla Gray), bis 95 cm lang und 2,5 m breit, auf Kopf, Nacken, Oberhals hell fahlgraugelb, undeutlich dunkler gezeichnet,
Oberrücken und Mantel dunkel erdbraun, mit hell fahlgelblichgrauen Federrändern und dunkeln Schaftstrichen
gezeichnet, Unterrücken und Unterseite einfarbig dunkel erdbraun, Schwingen braun, Schwanz weiß; Augenring, Schnabel, Wachshaut
und Fuß sind gelb. Er bewohnt Europa, Nordasien, Ägypten, nistet bei uns in Ost- und Westpreußen sowie in Pommern und lebt vorzugsweise
in Küstenwäldern oder an großen Strömen.
Nur die jungen Tiere schweifen weit umher, und die wandernden Alten des Nordens ziehen im Frühjahr und
Herbst durch Deutschland. Außer der Brutzeit lebt er ziemlich gesellig, mehr nach Geier- als Adlerart, er jagt auf alles Wild,
welches er bewältigen kann, namentlich auf Wasservögel und Fische, und frißt auch Aas. Er nistet auf Felsen, Bäumen,
Gebüsch, im Röhricht und auf dem Boden, benutzt den Horst viele Jahre und legt Ende März 2-3 weiße, oft braun gefleckte
Eier, welche beide Eltern ausbrüten. Da er auch häufig in der Nähe von Ortschaften horstet, wird er schädlich. In der Gefangenschaft
hält er sich gut und wird sehr zahm. Auf Sizilien wird er gegessen.
Die Gattung Flußadler (Pandion Sav.) besitzt einen niedrigen, kurzen, bauchig gewölbten Schnabel mit sehr langer Hakenspitze,
lange, spitze, den kurzen Schwanz etwas überragende Flügel, in denen die zweite und dritte Schwinge am längsten sind, einen
kurzen Lauf und eine Wendezehe. Der Fluß- oder Fischadler (Weißfuß, Weißbauch, Fischraal, P. Haliaëtus
Cuv.), 56 cm lang, 164 cm breit, hat glattes, fettiges Gefieder, ist auf Kopf und Nacken gelblichweiß, schwarzbraun gestreift,
sonst braun mit heller gerandeten Federn, am Unterkörper weiß oder gelblichweiß, der Schwanz schwarz und braun gebändert,
vom Auge zur Halsmitte herab läuft ein dunkles Band; das Auge ist gelb, Wachshaut und Fuß grau, Schnabel
und Krallen schwarz. Er bewohnt die ganze Erde, lebt nur an Flüssen, weilt bei uns vom März bis Oktober, nährt sich nur von
Fischen, in der Not von Lurchen, nistet auf hohen Bäumen, benutzt denselben Horst viele Jahre und legt 3-4 weiße,
blaugrau oder rostfarben gefleckte Eier, welche beide Eltern ausbrüten. Er ist für die Teichwirtschaft sehr schädlich und
wird deshalb überall eifrig verfolgt, nur in Amerika schützt ihn der Aberglaube. In der Gefangenschaft hält er sich sehr
schlecht.
Symbolische Bedeutung des Adlers.
In der Mythologie ist der
Adler gewöhnlich die Sonne; der Blitz, der Donnerkeil, der Sonnenstrahl sind bald
der Schnabel, bald die Kralle des Raubvogels und bald auch der ganze Vogel selbst. Der mächtige mythische der Inder, Garuda,
ist das Roß des Gottes Wischnu, das Sonnenroß, durch seinen Glanz siegreich über alle Ungeheuer. In der skandinavischen und
deutschen Mythologie ist der Adler eine finstere Form, welche mit Vorliebe von den finstern Dämonen oder
doch von dem Gott (Odin), der in der finstern Nacht oder der windigen Wolke verborgen ist, angenommen wird.
Der Sturmriese Hräswelgr sitzt in Adlergestalt am Ende des Himmels und bläst den Wind über alle Völker. Auf
der Weltesche Yggdrasil sitzt ein Adler und beobachtet alles, was geschieht. Als Zeus sich zum Kampf gegen die Titanen rüstet,
bringt ihm der Adler seinen Pfeil, weshalb Zeus den Adler zu seinem Feldzeichen nahm. Er hält den Donnerkeil des Zeus in seinen Klauen
und verkündet den Helden bald den Sieg, bald die höchste Macht. Der griechische Adler ist gleich Zeus ein
Spender von Licht, Fruchtbarkeit und Glück, aber auch gleich diesem tyrannisch und frißt am Herzen des Prometheus.
Folgerecht wird nun der Adler auch der Bote des Zeus, welcher den Sterblichen den Willen des Gottes verkündet. Als Sinnbild der
unsterblichen Götter wird der Adler auch Sinnbild der Unsterblichkeit selbst und der menschlichen Seele, die
sich nach dem Tod emporschwingt. Auf ähnliche Weise wurde der Adler Sinnbild der irdischen Macht. Ptolemäos Soter schon machte
ihn zum Symbol des ägyptischen Reichs. Nach römischer Sage verkündigte ein Adler dem Tarquinius die königliche Herrschaft,
und unter den Attributen des Königtums, welche die Etrusker den Römern als Zeichen der Freundschaft schickten, war auch ein
Zepter mit einem von Elfenbein.
Seit dieser Zeit blieb der Adler eins der ersten Attribute der Republik, welches auch die Kaiser beibehielten und seit Karl d. Gr.
die mittelalterliche Heraldik aufnahm (s. unten). Die griechische Baukunst bediente sich des Adlers ebenfalls
zur Bezeichnung des Göttlichen, namentlich in den Tempelgiebeln, die daher selbst Adler genannt werden. Bei der Apotheose der
römischen Kaiser versinnlichte ein vom Scheiterhaufen emporsteigender Adler die Aufnahme des Abgeschiedenen unter die Götter,
ein aus dem Orient stammendes Bild. Für alle Augurien war der von günstiger Vorbedeutung. Auch in der
christlichen Symbolik hat er ähnliche Verwendung gefunden; dem Evangelisten Johannes hat die bildende Kunst den Adler als Symbol
göttlicher Begeisterung zugeteilt.
Als Feldzeichen kommt der Adler zuerst bei den Persern vor. Am berühmtesten sind aber die der römischen
Legionen (s. Fig. 1-3). Anfangs waren dieselben von Holz, dann von Silber mit goldenem Blitzstrahl, unter Cäsar und den Kaisern
ganz von Gold, aber ohne Blitzstrahl, immer aber als siegverheißendes Zeichen mit ausgebreiteten Flügeln. Sie wurden auf
langen Lanzen den Legionen vorgetragen und genossen göttlicher Verehrung (s. Legion). Seit
Guido, Musikschriftsteller, geb. 1. Nov. 1855 zu Eibenschütz in Mähren, studierte an der Universität und zugleich
am Konservatorium zu Wien und erwarb 1878 die juristische, 1880 mit der Abhandlung »Die
historischen Grundklassen der christlich-abendländischen Musik bis 1600« die philosophische Doktorwürde. 1881 habilitierte
er sich mit der »Studie zur Geschichte der Harmonie« (über Fauxbourdon) als Privatdozent für Musik an der Wiener Universität
und wurde 1885 als Professor der Musikwissenschaft an die deutsche Universität nach Prag berufen. Er
mehr
wurde besonders bekannt als Mitbegründer der »Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft«
(mit Chrysander und Spitta, Leipz., seit 1885), die er noch gegenwärtig redigiert. 1882 nahm er als Vertreter
Österreichs an dem internationalen liturgischen Kongreß zu Arezzo teil.
§. 1. Adler soll so viel sein als Edler, weil er für den König nnter den Vögeln
gehalten wird. Man beschreibt ihn als einen stoßenden, leichten und schnell stiegenden Vogel von der Größe einer Gans,
welcher scharfsehende Augen, einen krummen Schnabel und eine gräßliche Stimme hat. Er hält sich auf den Bergen In heißen
Ländern auf.
Er war den Israeliten verboten zu essen, 3 Mos. 11, 13. 5 Mos. 14, 12.
Wo ein Aas ist, da ist der Adler, Hiob 39, 30.
Ein Auge, das den Vater verspottet, und verachtet der Mutter zu gehorchen, das müssen die Raben am Vache aushacken, und
die jungen Adler sressen, Sprw, 30, 17.
Nebucadnezars Haar wuchs wie Adlers Federn, Dan. 4, 30.
§. 2. Die heilige Schrift führt von dem Adler an:
1) Den schnellen und hohen Flug, 5 Mos. 28,49. Jer. 48, 40. Klagel. 4, 19.
Saul und Jonathan leichter denn die Adler, 2 Sam. 1, 23.
Fliegt gen Himmel, Sprw. 23, 5. Hiob 9, 26. c. 39, 27. Jer. 4, 13.
Drei Dinge sind mir zu wunderlich etc.: des Adlers Weg im Himmel etc. Sprw. 13, 18. 19.
Aber die auf den HErrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler etc. Esa. 40, 31.
2) Das scharfe Gesicht, Hiob 39, 29. Ezech. 1, 10. c. 10, 14.
3) Das lange Leben, indem er sich zuweilen kahl macht.Mich. 1,16. und seine Feuchtigkeit so erregt,
daß ihm neue Federn wachsen, und dieses nennt man denn wieder Mng werden, sich verjüngen.
Und daß du (gleichsam) wieder jung wirst, wie ein Adler, Ps. 103, 5.
4) Die Wohnung, Hiob 39, 27.
Wenn du gleich dein Nest so hoch machtest, als die Adler, dennoch will ich dich von dannen herunter stürzen, Jer. 49, 16. Obad. 4.
5) Die Liebe zu seinen Jungen, 5 Mos. 32, 11.
§. 3. Der Adler ist I) ein Bild GOttes. Jener 1) liebt seine Jungen, und macht sein Nest auf hohcn Felsen;
GOtt liebt die Seinen, 5 Mos. 33, 3.
mehr
Röm. 5, 6.7. 8. c. 8, 32. und erhöht sie auf eiucn Felsen, Ps. 27, 5. und beschirmt sie, Ps. 17, 8. S. Adlers-Flügel.
Ein Adler hat 2) ein scharf Gesicht, GOtt sieht ins Verborgene des Herzens, Hiob 42. 2. Pred. 12, 14. Matth. 6, 6.
§. 4. II) Ein Bild der Lehrer und Prediger.
1) Der Adler wohnt auf hohen Felsen, Lehrer sollen ihre Zuhörer zu dem Fels des Heils, Christo, führen.
2) Der Adler sorgt für seine Jungen, Prediger für ihre Gemeinden, denn sie sollen für ihre Seelen Rechenschaft
geben, Ebr. 13, 17. 3) Der Adler sieht in die Sonne und führt seine Jungen dahin; also sollen
Lehrer und Prediger die hohen und himmlischen Geheimnisse recht erkennen und erleuchtete Augen ihres Verstandes haben, wenn
sie Andere führen und ihnen die Augen aufthun wollen, A.G. 26, 18. Matth. 15, 14.
§. 5. III) Ein Bild der Zuhörer, und besonders der Gläubigen. Diese sollen 1) sich, wie die jungen
Adler zur Sonne, führen lassen, die Sonne der Gerechtigkeit, Christum JEsum, anzusehen, Mal. 4, 2. Ps. 34, 6. 2)
sich in die Höhe schwingen, und das Irdische verlassen.Col. 3, 1. 2. 3) durch die Kraft GOttes gleichsam wieder
jung und stark in dem HErrn werden, Ps. 103, 5.
§. 6. IV) Ein Bild großer Regenten und Reiche, 5 Mos. 28, 49. Jer. 49, 16. 22. Ezech. 17, 3. 7. besonders der Monarchie
der Assyrer, Jer. 48, 40. Dan. 7, 4. Die Adler sind Könige uuter den Vögeln, Regenten sind des Volkes
Haupt, Jene beschützen ihre Jungen, diese sollen ihre Unterthanen wohl regieren, führen und schützen.
§. 7. V) Eines rüstigen und geschwind zum Verderben anderer Völker eilenden Kriegsheers, Hab. 1, 8. Matth.
24, 28. Luc. 17, 37. (S. Aas §. 4.) Johannes, der Evangelist, wird mit einem Adler verglichen, weil er
in die Sonne der Gerechtigkeit, Christum JEsum, in seine göttliche Nawr, in sein Herz, in sein Wort tiefere Blicke that
und eineil höhern Schwung nahm. Joh. 1, 1,.
Volat Avis sine meta
Quo nec vates nec propheta
Evolavit altius.
Tam implenda quam impleta
Nunquam vidit tot secreta
Purus homo purius.
Adlers-Flügel
§. 1. Zeigen I) GOttes väterliche Fürsorge, Schutz und Wohlthaten an, 2 Mos. 19, 4. 5 Mos. 32, 11.
§. 2. II) Eine geschwinde Vergänglichkeit.
Willst du etwan deine Augen fliegen lassen auf das, welches doch bald nicht mehr da ist (das wäre thöricht), denn es macht
sich ganz gewiß Flügel, wie ein Adler, der gen Himmel fliegt, Sprw. 23, 5.
§. 3. III) Adlers-Flügel, Offb. 12, 14. sind die Kraft und das Vermögen, wodurch das Weib (die christliche Kirche)
der Gefahr entrinnen, und in geschwinder Eile dem Drachen entfliehen könne, Esa. 40, 29. 31. Man kann es
auch anwenden auf den bürgerlichen Schutz, den die christliche Kirche, GOtt sei Dank, noch im christlichen Staate genießt;
obwohl nicht ohne Kämpfe und
Beängstigungcn, mit welchen dieselbe von ihren Feinden beunruhigt wird.
Friedrich, Architekt, geb. 15. Okt. 1827 zu Berlin, erhielt seine erste Ausbildung auf der dortigen
Kunstakademie, besuchte auch die Ateliers der Maler Ferd. Weiß und Grieben sowie von 1846 bis 1849 die
Universität und begann 1848 auf der Bauakademie seine Studien unter Strack, die er dann durch Reisen in Holland, Belgien,
Frankreich, Italien, später auch in Griechenland und Kleinasien vervollständigte. Nachdem er als praktischer Baumeister
in Berlin thätig gewesen war, wurde er Professor an der Bauakademie und später Mitglied des Direktoriums
für die Ausgrabungen in Olympia.
Seine monumentalen Bauwerke zeigen das Streben nach einer Durchdringung der klassischen Bauformen mit den Stilen und dem Struktursystem
des Mittelalters, z. B. eine Verbindung der antiken Elemente mit dem Rundbogenstil in der
Thomaskirche zu Berlin (1865-69). Eine andre in Berlin von ihm erbaute Kirche ist die kleine gotische
Christuskirche; ebenso außerhalb Berlins: die Pfarrkirche zu Heppens an der Jade, die Elisabethkirche in Wilhelmshaven (1869-72),
die St. Paulskirche in Bromberg (1872-76), mehrere kleine Pfarrkirchen, viele Privathäuser in Berlin von sehr edler Fassadenbildung
und die Siegesdenkmäler zu Gelnhausen und Marienburg. Er brachte zahlreiche Aufsätze in Erbkams «Zeitschrift
für Bauwesen» und im «Wochenblatt des Architekten-Vereins», mehrere
Monographien und als sein Hauptwerk in zwei Bänden «Mittelalterliche Backsteinbauwerke
des preußischen Staats» (Berl. 1859).
(Aquilinae), die größten Raubvögel, bilden eine Unterfamilie der Falkenfamilie; sie gehören
aber zu den unedeln Falken und sind mit den Bussarden am nächsten verwandt. Man kennt etwa 60 Arten, die über alle Erdteile
verbreitet sind. Ihre unterscheidenden Charaktere liegen in folgendem: der Kopf ist oben platt und mit länglichen Federn bedeckt;
die Augen groß, unter vorstehenden Brauenknochen;
der Schnabel stark, gerade, nur an der Spitze gekrümmt,
ohne Zahn und Seitenausschnitt, mit nackter, von den Nasenlöchern durchbohrter Wachshaut;
Kopf- und Halsfedern schmal zugespitzt;
an den Flügeln die erste Schwungfeder sehr kurz, die vierte die längste;
die Läufe stark, die Zehen nackt, die beiden äußern
am Grunde durch kurze Haut verbunden;
die Krallen oder Fänge sehr stark, gekrümmt und die hinterste länger.
Man unterscheidet eine Reihe von Untergattungen, von denen die wichtigsten folgende sind:
1) Die eigentlichen Adler (Aquila), deren Füße bis zur Zehenwurzel befiedert (deshalb auch Hosenadler genannt) und deren äußere
Zehen durch eine Bindehaut verbunden sind, wozu der Königsadler (Aquila imperialis Bchst.) im südl. Europa,
der Stein- oder Goldadler (Aquila fulva L., s. Tafel: Adler I,
Fig. 2), mit seinen Färbungsvarietäten in Europa, Asien und Nordamerika,
und der kleinere Schreiadler (Aquila naevia Briss.) in den Waldgebirgen Deutschlands gehören. Sie kreisen hoch in der Luft,
stoßen gern auf sitzende und laufende Tiere und fressen nur im äußersten Notfalle Aas.
2) Die Seeadler (Haliaëtus), mit nur halb befiederten Fußwurzeln und unten gerinnten Krallen, halten sich besonders
gern an den Seeküsten, an großen Flüssen und Seen auf, stoßen im Sommer auf Fische und Wasservögel, jagen aber im Winter
meist auf dem Lande. Hierher gehört der besonders im Norden Europas vorkommende weißschwänzige Seeadler
(Haliaëtus albicilla L., s. Tafel: Adler II,
Fig. 3) und der weißköpfige Adler(HaliaëtusleucocephalusL.) Nordamerikas.
3) Die kleinern Fischadler (Pandion), mit falkenartig zugespitzten, langen Flügeln und sehr stark gekrümmten, unten scharfen
Krallen, jagen besonders auf Flüssen und Teichen; eine deutsche
mehr
Art ist Pandion haliaëtus L. (s. Tafel: Adler II,
Fig. 1). 4) Die Harpyien (Thrasaëtus), südamerikanische Adler mit einem Federschopf;
die bekannteste Art ist Thrasaëtus harpyia L. (s. Tafel: Adler I,
Fig. 1). 5) Die Haubenadler (Spizaëtus), indisch und afrikanisch,
gleichfalls mit Federschopf; hierher Spizaëtus occipitalis Daud. (s.
Tafel: Adler II,
Fig. 2). Alle Adler leben paarweise und bauen ihr kunstloses, aus Reisern geflochtenes Nest,
in welches die großen Arten zwei, die kleinern drei bis vier Eier legen, auf unzugänglichen Felsen oder hohen Bäumen.
In der Umgebung des Horstes liegen gewöhnlich Haufen von Knochen und Gewöllen, die Überbleibsel der Mahlzeiten
der Jungen. Diese werden erst sehr spät flügge, haben bei dem ersten Ausfluge fast die Größe der Alten, stets aber eine
sehr verschiedene (dunklere) Färbung. Es vergehen in der Regel Jahre, bevor sie das Kleid der alten Tiere erhalten. Die Adlerweibchen
sind immer etwas größer als die Männchen. Der Flug ist sehr anhaltend, kräftig, aber weder so flink
wie derjenige der Falken, noch so hoch als derjenige der Geier.
Die breite und stumpfe äußere Rundung der Flügel läßt den kreisenden Adler auch schon in bedeutender Entfernung
von den Geiern und Bussarden unterscheiden. Sie töten ihre Beute durch Schnabelhiebe auf den Kopf und in
die Augen, worauf sie den Bauch aufreißen und die Eingeweide herauszerren. Haare, Federn und größere Knochen werden nach der
Verdauung in einem Ballen, als sog. Gewölle, ausgebrochen. In der Gefangenschaft dauern die Adler sehr gut aus und man hat Beispiele,
wonach dieselben gegen 100 Jahre gelebt haben. Zur Fütterung benutzt man Pferdefleisch und giebt ab und
zu Ratten, Mäuse und Sperlinge, um die Gewöllebildung zu befördern. Die Preise schwanken zwischen 20 M. für einen Seeadler, 40 M.
für einen Steinadler und 600 M. für eine Harpyie.
als Symbol. Der Adler spielt in der Mythologie der indogerman. Völker einerseits als König
der Vögel, andererseits als Attribut der höchsten Gottheiten eine wichtige Rolle. Bei den Hellenen war er der heilige Vogel
des Zeus, der Bote und Begleiter des Weltkönigs. Er sitzt in den künstlerischen Darstellungen entweder zur Seite seines Gebieters
oder auch (wie bei dem berühmten Bilde des Phidias) auf dessen Scepter und trägt den Blitz in den Klauen.
Der Adler des Zeus ist vielfach in die griech. Mythen verflochten. Von ihm wird Ganymed als Hirt oder Jäger auf freiem Felde
ergriffen und zu Zeus emporgehoben. In der Gestalt eines Adler entführt Zeus die schöne Nymphe Aigina dnrch
die Lüfte. Spätere griech. Maler und Steinschneider stellen oft Ganymed oder Hebe dar, wie sie den Adler des Zeus liebkosen
und ihm Nektar reichen. Zeus versetzte dankbar seinen Adler als Sternbild an den Himmel.
Als königl. Vogel und Sinnbild siegreicher Stärke ist der Adler schon von alters her zum Symbol für Völker,
Fürsten und Heere gewählt worden. Als Heereszeichen erscheint er zuerst nach den Berichten des Xenophon bei den Persern, bei
denen schon unter Cyrus ein goldener Adler mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Spieße dem Heere vorangetragen wurde. Dieser
Gebrauch ging unter Ptolemäus Soter, der den Adler als Wappen auf Münzen führte, 305 v. Chr. auf das ägypt.
Reich über.
Bei den Römern war der mit Blitzen und Donnerkeilen in den Fängen bewaffnete Adler, als das Symbol des obersten latin. Bundesgottes
(Jupiter), das Sinnbild
des röm. Staates. Der Adler erscheint daher nicht nur auf röm. Münzen, auf den Sceptern und
Helmen der Kaiser und anderwärts, sondern er wurde auch durch Marius während seines zweiten Konsulats (104
v. Chr.) zum Feldzeichen der Legionen erhoben, nachdem er bereits das Feldzeichen des ersten Manipels jeder Legion gewesen war.
Der röm. Legionsadler schwebte auf einer hohen Stange oder Lanze mit ausgebreiteten Fittichen, in den Klauen bisweilen
Blitze haltend, in späterer Zeit mit Lorbeeren geschmückt. Anfangs waren die von Holz, dann von Silber mit goldenen Blitzstrahlen;
später war unter ihm eine kleine Fahne (vexillum) angebracht, seit Augustus mit der Nummer und Devise der Legion. Der Legionsadler
befand sich stets bei der ersten Kohorte. Es galt für ein böses Vorzeichen, wenn es Mühe machte, die
Stange bei dem Abmarsche wieder herauszuziehen.
Namentlich später genoß der röm. Legionsadler eine fast göttliche Verehrung, da bei ihm das
Asyl (s. d.) war und bei ihm geschworen wurde. In spätern Zeiten finden sich an den Lanzen, auf denen die Legionsadler getragen
wurden, Kränze, Schilde, Inschriften, ja selbst Kaiserbüsten. Der Verlust des Adler galt den Truppen für
einen grossen Schimpf und wurde streng bestraft. Die ranghöchste Centurio hatte die Schutzwache und übergab den Adler beim
Aufbruche dem Adlerträger (aquilifer), der über Helm und Panzer noch ein Bärenfell trug. In der Schlacht stand der
Adler im dritten Treffen bei den Triariern, später am rechten Flügel der Legion bei der ersten Centurie der ersten Kohorte.
Als Heereszeichen kennt das Mittelalter den Adler nur in seiner heraldischen Bedeutung auf Fahnentüchern. Erst durch
Napoleon I. wurde er wieder zum Heereszeichen wie überhaupt zum Symbol des kaiserl. Frankreich. Jedes
Regiment erhielt bei der Krönung 2. Dez. 1804 einen der beim ersten Bataillon geführt wurde. Der Fahnenträger (porte-drapeau)
war Offizier. Der französische Adler hat jedoch nicht die heraldische Form, sondern er erscheint als goldener Adler des
Zeus, in natürlicher Gestalt, zum Aufschwung bereit sitzend und Blitze in den Fängen tragend. Nach dem
Sturze Napoleons I. beseitigten die Bourbonen den Adler; Napoleon III. stellte ihn 1852 in der Form des ersten Kaiserreichs wieder
her; die Republik von 1870 schaffte ihn ab. Auf Fahnen findet sich der Adler im preuß.,
österr. und russ., auf Helmen (s. Haarbusch) im preuß. Heere.
In der christlichen Kunst ist der Adler das Attribut des Evangelisten Johannes.
In der Heraldik ist der Adler das verbreitetste aller Wappenbilder; er findet sich in den Wappen von Staaten,Fürsten,
Edelleuten und vielen Städten. Der heraldische Adler erscheint frei schwebend mit ausgebreiteten Flügeln, senkrecht gehaltenem
Körper und rechts gewandtem Kopfe (gewöhnlich mit ausgeschlagener Zunge), ausgespreizten Beinen und Krallen
und abhängendem, krausem Schwanze. Gestümmelt (bei den Franzosen alérion) heißt er, wenn er der untern Teile der Beine und
des Schnabels beraubt ist. Meist erscheint der Adler einköpfig, in einzelnen Fällen zweiköpfig. Der schwarze zweiköpfige
oder Doppeladler des Römisch-Deutschen Kaiserreichs ist mit dem einen Kopfe und Halse rechts, mit dem
andern links gewendet, beiderseits rotgezungt, goldgeschnabelt, goldgekrönt und goldumscheint, mit ausgebreiteten Flügeln,
ausgespreizten Beinen, goldenen Fängen und krausfedrigem
mehr
Schwanze, mit dem rechten Fange das Scepter, mit dem linken den Reichsapfel haltend. Auch der deutsche Reichsadler war ursprünglich
einköpfig. Er soll von Karl d. Gr. bei seiner Krönung 800 nach dem Vorbilde der Römer zum Symbol seines Reichs erhoben sein.
Als solches läßt er sich für das Deutsche Reich nachweisen: auf der Reichsfahne bereits unter Kaiser
Otto II., auf den Siegeln der Mark- und Pfalzgrafen 977, auf Münzen 1195, in Siegeln 1299, überall noch einköpfig.
Zweiköpfig findet er sich zuerst auf einer Reichsmünze um 1325; doch trägt das Siegel der Goldenen Bulle von 1356 wieder
einen einköpfigen Adler Wenzel führte seit 1378 den zweiköpfigen Adler im Majestätssiegel,
und unter Sigismund ward er von 1433 an beständiges Zeichen des Deutschen Kaisers und Kaiserreichs bis zu dessen Auflösung.
Österreich hat den Doppeladler des alten Deutschen Reichs beibehalten. (S. Österreichisch-Ungarische Monarchie, Wappen.) –
Vgl. Römer-Büchner, Der deutsche Adler nach Siegeln geschichtlich erläutert (Frankf. 1858);
von Köhne,
Über den Doppeladler (Berl. 1871);
Hohenlohe-Waldenburg, Zur Geschichte des heraldischen Doppeladlers (Stuttg. 1871).
– Über den Adler im Wappen des neuen Deutschen Reichs, Preußens, Rußlands, der Vereinigten Staaten s. diese Artikel; vgl. Adlerorden.
auch Erlitz, czech.
Orlice, Nebenfluß der Elbe in Böhmen, nächst der Moldau und Eger der wasserreichste Zufluß
in Böhmen, 82 km lang, entsteht aus der Wilden und Stillen und mündet bei Königgrätz (241 m).
Die Adler hat ein Flußgebiet
von 2041 qkm. Die Wilde Adler entspringt auf der Südwestseite
des Glatzer Gebirgskessels, umfließt östlich das Adlergebirge (Böhmischer Kamm).
Die Stille Adler entspringt am Schneeberg.
Friedr., Baumeister, geb. 15. Okt. 1827 zu Berlin, besuchte die Bauakademie daselbst, war dann unter Strack, Drewitz
und Stüler praktisch thätig und baute für letztern 1854–57 die Bartholomäuskirche zu Berlin. Architekt
und Archäologe zugleich, machte er sich dann durch seine «Mittelalterlichen Backsteinwerke
des preuß. Staates» (2 Bde., 1859–69) bekannt. Seit 1863 Professor
der Berliner Bauakademie, wurde er 1877 Geh. Baurat und vortragender Rat im Ministerium der öffentlichen Arbeiten zu Berlin. Er
baute die gotische Christuskirche zu Berlin (1863–68), und versuchte dann in der Thomaskirche daselbst
(1864–69) antike, romanische und Renaissance-Elemente in moderner Weise zu verbinden. Es folgten von Kirchenbauten noch
die Elisabethkirche zu Wilhelmshaven (1869–72) und die Paulskirche zu Bromberg (1874–79). 1875–81 beteiligte er sich
an den Ausgrabungen zu Olympia. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind noch hervorzuheben: Abhandlungen
über das «Pantheon» (Berl. 1872),
über die «Stoa des Königs Attalos II. zu Athen» (ebd. 1875),
die «Baugeschichtlichen Forschungen
in Deutschland» (ebd. 1870–79),
«Ausgeführte Bauwerke» (ebd. 1872–75).