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Bevölkerungsrepräsentative Befragung (DE)
Als Schweizerische Nationale Stiftung für Organspende und Transplantation bezweckt Swisstransplant die landesweite Förderung, Entwicklung und Koordination der Transplantation von Organen, Geweben und Zellen. Im Rahmen des Aktionsplans «Mehr Organe für Transplantationen» beauftragte Swisstransplant DemoSCOPE mit einer gesamtschweizerischen Telefonbefragung zum Thema Organspende. Ziel der Befragung war die Erhebung bevölkerungsrepräsentativer Meinungen und Einstellungen sowie von Informationen zum Verhalten im Zusammenhang mit der Organspendenthematik. Die telefonische Bevölkerungsbefragung wurde im Zeitraum vom 16. bis 28. März 2015 durchgeführt, die durchschnittliche Interviewdauer lag bei 15 Minuten. Insgesamt wurden 1'000 Personen in der gesamten Schweiz im Alter ab 15 Jahren befragt. Im vorliegenden Management Summary werden die wichtigsten Ergebnisse thematisch gegliedert und in verdichteter Form aufgeführt. Das Summary schliesst mit Empfehlungen, die sich aus den Ergebnissen ableiten.
Positive Verankerung der Organspendenthematik in der Bevölkerung
Das Thema Organspende ruft ist in der Bevölkerung vielfältige und überwiegend positive Assoziationen hervor. Entsprechend hoch ist mit rund 90% der Anteil an Personen, welche gegenüber dem Thema Organspende klar oder eher positiv eingestellt ist. Das Thema wird meistens mit «Leben retten», mit «einer guten Sache» oder mit «(jemandem) helfen» in Verbindung gebracht. Negativ konnotierte Assoziationen wie «Tod», «heikles Thema», «Zweifel» oder «Angst» wurden vergleichsweise selten geäussert. Bei den Gründen, die gegen eine Organspende sprechen, kristallisieren sich im Wesentlichen folgende Themen heraus: die Angst vor medizinischen Komplikationen und damit zusammenhängend das fehlende Vertrauen in die Hirntoddiagnostik, die Gefahr von Missbrauch und Organhandel sowie religiöse und ethische Bedenken. Ebenfalls genannt wurden gängige «Mythen» (Gesundheit, Alter). Für gut einen Drittel der Befragten gibt es jedoch keinen Grund, der gegen eine Organspende spricht. Das generell differenzierte und positive Bild widerspiegelt sich auch in der medialen Wahrnehmung der Thematik. Gut 40% der Befragten gaben an, in letzter Zeit in den Medien etwas zum Thema Organspende wahrgenommen zu haben. Dies ist ein vergleichsweise hoher Wert, was auf die Präsenz und die Anschlussfähigkeit der Thematik hinweist. Der Eindruck, welcher die Berichterstattung dabei hinterlässt, ist in der Tendenz positiv.
Hohe Spenden- und Empfangsbereitschaft…
Vier von fünf Schweizer/innen sind grundsätzlich bereit, nach dem Tod Organe zu spenden, insbesondere Personen aus der Westschweiz und dem Tessin. In etwa gleich fällt die persönliche Empfangsbereitschaft aus, am geringsten ist sie bei den über 55-jährigen Personen. Sowohl bei der Spenden- wie auch der Empfangsbereitschaft liegt der Anteil der unentschlossenen Personen bei rund 10%.
… doch nur gut die Hälfte der Bevölkerung hat den Spendenwillen geäussert
Zwischen der eigentlichen Spendenbereitschaft und der Äusserung des Spendenwillens klafft eine erhebliche Lücke. 9 von 10 Personen haben die Fragen nach der persönlichen Spendenbereitschaft qualifiziert beantwortet1. Jedoch hat nur gut die Hälfte diesen Entscheid auch geäussert.
Bei den Gründen, warum Personen ihren Spendenwillen äussern, akzentuieren sich im Wesentlichen zwei Motive. Durch die Äusserung sollen einerseits Klarheit geschaffen und die Angehörigen von der Entscheidung entlastet werden. Andererseits spielen aber auch altruistische Motive eine wichtige Rolle. Äussert jemand seinen Spendenwillen, werden praktisch immer die Angehörigen informiert. Die Organspendenkarte nutzte bis anhin rund die Hälfte der Personen, welche ihren Willen geäussert haben. Diese beiden Kanäle sowie die Möglichkeit des Festhaltens der Willensäusserung in einer Patientenverfügung werden als die geeignetsten Kanäle bewertet.
Bei jenen Personen, welche ihren Willen noch nicht geäussert haben, hat das Thema oftmals keine Priorität. So gibt eine klare Mehrheit als Grund für die Nicht-Äusserung an, sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben, noch unsicher und nicht ausreichend informiert zu sein. «Falsche Argumente» wie das Alter, gesundheitliche oder religiöse Gründen werden auch genannt, spielen vergleichsweise aber eine untergeordnete Rolle. Gleiches gilt für die aktive Verdrängung des Entscheids (bspw. aufgrund von Angst).
In diesem Zusammenhang zentral ist, dass die Wichtigkeit der Mitteilung des Spendenwillens an die Angehörigen vor dem Hintergrund eines möglichen Dilemmas im Angehörigengespräch erkannt wird und bei den Personen etwas auslöst.
Alternative Modelle nicht mehrheitsfähig
Eine Mehrheit spricht sich gegen das Modell aus, wonach Spendenwillige bei der Vergabe von Spenderorganen bevorzugt behandelt werden sollen. Das klare Hauptargument bildet dabei die Gleichbehandlung und Chancengleichheit aller potenziellen Empfänger. Ebenfalls sprechen sich robuste Mehrheiten dafür aus, dass eine Organspende ein Geschenk an die Allgemeinheit bleiben und diese nicht belohnt werden soll.
Zu wenig Information – doch auf welchen Kanälen?
Schweizer/innen wissen grossmehrheitlich, dass es in ihrem Land zu wenige Spenderorgane gibt. Eine mögliche Erklärung für diese geringe Spenderrate sehen die meisten in der mangelnden Information der Bevölkerung. Als besonders geeignete Informationskanäle erweisen sich Informationen von Fachexperten (beim Hausarzt und in Spitälern) und in Form von Informationskampagnen. Darüber hinaus empfohlen werden Informationen in den Massenmedien (insbesondere TV und Zeitungen/Zeitschriften) sowie generelle Informationsarbeit (Plakate, Flyer, Veranstaltungen).
DemoSCOPE (2015)