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Autor: URS HAENNI
«Unser Ziel ist, den Namen Gruyère für die Schweizer Produktion zu bewahren», beschreibt Direktor Philippe Bardet die Aufgabe der Sortenorganisation «Interprofession du Gruyère». Sie wacht über den Schutz der Herkunftsbezeichnung Gruyère AOC.
«Doch jetzt macht ausgerechnet eines unserer Mitglieder genau das Gegenteil von dem, was unsere Sortenorganisation eigentlich will», so Bardet. Die Emmi, Hauptexporteur für Greyerzer Käse mit Schweizer Herkunftsbezeichnung, plant in Wisconsin eine Käserei zur Produktion von amerikanischem Greyerzer (siehe Kasten).
Für Philippe Bardet ist die Marke Gruyère gefährdet: «Wir haben keine Probleme damit, wenn Emmi im Ausland produziert, aber es gibt keinen Grund, dafür den Namen Gruyère zu verwenden.»
Gruyère mit Löchern
Der Direktor der Sortenorganisation hat in Amerika bereits den Gruyère AOC und den amerikanischen Gruyère zum Verkauf im gleichen Laden gesehen. Und er hat auch Unterschiede entdeckt: «Der amerikanische Gruyère hat kleine Löcher und ist körniger als der in der Schweiz produzierte.»
Er widerspricht damit einem Argument von Emmi, wonach der US-Gruyère für Gastrobetriebe bestimmt sei und der AOC-Käse für den Detailhandel. Bardet verweist auch auf die Webseite der amerikanischen Emmi Tochter Roth Käse. Dort sind der Schweizer und der amerikanische Gruyère auf einem Bild vermischt.
Beim amerikanischen Käse wird amerikanischer Milch zu einem Kilopreis von etwa 30 bis 40 Rappen verarbeitet. Der Milchpreis für den Gruyère AOC liegt hingegen bei 80 Rappen. Entsprechend ist der amerikanische Käse in den Geschäften auch etwas billiger. Bardet weist aber darauf hin, dass dieser Käse nicht in Billigläden verkauft wird, sondern eher in Delikatessenläden. «Der amerikanische Kunde merkt sicher einen Unterschied. Er hat eine Vorstellung von Schweizer Produkten, man kann ihn nicht für dumm verkaufen.»
Philippe Bardet sieht auch Marktanteile für den Gruyère AOC gefährdet: «Je mehr US-Käse unter dem Namen Gruyère produziert wird, umso weniger Schweizer Produkte lassen sich dort verkaufen.»
Wie Bardet sagt, werden pro Jahr 2500 bis 3000 Tonnen Schweizer Gruyère in die USA exportiert; die geplante Emmi-Käserei in Wisconsin plant eine Produktion von 1700 Tonnen Käse. «Für die Schweizer Landwirtschaft ist es doch besser zu exportieren, als auswärts zu produzieren», so Bardet: «Vom Schweizer Gruyère hängen 4000 Stellen ab.»
Auch wenn der Direktor die Marktverluste nicht abzuschätzen vermag, so befürchtet er, dass das Emmi-Beispiel auch anderswo Schule machen wird. Er denkt etwa an Neuseeland oder Australien, wohin ebenfalls Gruyère exportiert wird. «Es sind vor allem Länder, welche gegen die Reglementierung der Namensrechte durch die WTO kämpfen.»
Diskussionen laufen
«Mit dieser Politik haben wir heute grosse Probleme beim Emmentaler», zieht Philippe Bardet einen Vergleich. «Man macht heute mit dem Gruyère genau die gleichen Fehler wie vor 30 bis 50 Jahren mit dem Emmentaler.» Und er ergänzt, dass die Amerikaner nun versuchen, Emmentaler ohne Löcher zu produzieren.
Dem Freiburger und seiner Organisation sind aber bezüglich der Emmi-Pläne die Hände gebunden. Anders als in Europa geniessen Herkunftsbezeichnungen in den USA keinen Schutz. Auch ist die Sortenorganisation für den Greyerzer Käse in den USA nicht direkt präsent. «Wir sind dort durch unsere Exporteure vertreten», so Bardet. «Mifroma oder Emmi.»
Wie Bardet sagt, habe er mit Emmi bereits Diskussionen auf verschiedenen Ebenen aufgenommen. Über deren Inhalt will er allerdings in der Öffentlichkeit nichts verraten. «Emmi wird auf die Produktion in den USA nicht verzichten», er macht sich keine Illusionen. «Aber wir wollen eine Lösung im Interesse des Gruyère.»
Uncle Sam bereitet Gruyère-AOC-Direktor Philippe Bardet Sorgen.Bild Alain Wicht/a
Emmi: Tochter in Amerika
Der Schweizer Milchverarbeiter Emmi plant im US-Bundesstaat Wisconsin für 40 Millionen Franken den Bau einer neuen Käserei. Die Emmi-Tochter Roth Käse produziert seit 2009 drei Käsesorten, darunter den Grand Cru Gruyère. Der Ausbau soll die Produktion von Emmi in den USA um 1700 Tonnen erweitern. Emmi verweist darauf, dass für den amerikanischen Gruyère pasteurisierte Milch verwendet wird, während Gruyère AOC auf Rohmilch basiert.
In den USA existiert keine AOC-Gesetzgebung, und gemäss dem Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) ist so bald auch kein solcher Schutz über WTO-Verhandlungen zu erwarten. Wie IGE-Vertreter Mathias Schaeli der SDA sagte, sei seit letztem Jahr ein solches Abkommen mit Russland in Kraft; mit den USA sei eine Einigung aber noch nicht absehbar.uh/sda