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Teppich der Erinnerung, 1914,193
Das Werk ist eines der frühesten abstrakten Werke Klees. Die 1914 entstandene erste Fassung übermalte er bis 1921 immer wieder. Das Bild weist eine einzigartige Materialität auf. Durch künstlich herbeigeführte Verschmutzungen der Oberfläche, durch die ausgefransten Ränder und einen scheinbar unsorgfältigen Farbauftrag erzeugt der Künstler den Effekt eines stark abgenutzten alten Teppichs, eines lange gebrauchten, lieb gewonnenen Gegenstands.
Die Spuren der Alterung wecken Erinnerungen und Gedanken an Vergangenes. Klee begann das Gemälde unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges. «Ich habe diesen Krieg in mir längst gehabt. Daher geht er mich nichts an. Um mich aus meinen Trümmern herauszuarbeiten, musste ich fliegen. Und ich flog. In jener zertrümmerten Welt weile ich nur noch in der Erinnerung, wie man zuweilen zurückdenkt. Somit bin ich, ‘abstract mit Erinnerungen’», schrieb er 1915 in sein Tagebuch.
Die Formelemente des Teppichs wirken wie unentzifferbare Runen. Klee war von lesbaren ebenso wie von unlesbaren Schriftzeichen und Formen fasziniert, die ihm ein unerschöpfliches Potenzial an Gestaltungsmöglichkeiten eröffneten. Bis in sein Spätwerk nutzte er dieses Vokabular, das er besonders in den sogenannten Zeichen-Bildern der 1930er Jahre zu einem Höhepunkt führte.
Saaltext Fondation Beyeler, Ausstellung ‹Paul Klee. Die abstrakte Dimension›
1. Oktober 2017 bis 21. Januar 2018