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Der Ansatz beim funktionellen Training
Die deutsche Übersetzung des Begriffs "Functional Training" heisst "zweckmässige Leibesübungen". Es ist eine Trainingsmethode, die bereits seit Langem im Ausdauer- und Leistungssport eingesetzt wird und durch die Veröffentlichung von Michael Boyle mit dem gleichnamigen Titel "Functional Training" in der Sportwelt so richtig Fahrt aufnahm. Diese Trainingsmethode basiert im Wesentlichen auf freien Übungen zur Gesunderhaltung und Stabilisierung des Bewegungsapparates mit einem Fokus auf die Gelenke und die Sehnen. Dass dabei auch die Muskulatur formschön ausgebildet wird, versteht sich von selbst.
Zur Historie
Das funktionelle Training ist eine (orthopädische) Folgerichtigkeit der Bemühungen um die Rehabilitation von Menschen mit Verletzungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparats. Bereits in den 1980er Jahren reisten Physiotherapeuten in die Schweiz, um Weiterbildungskurse über den Themenkomplex "ganzheitliche und aktive funktionelle Bewegungstherapie", die von Susanne Klein-Vogelbach angeboten wurden, zu besuchen. Schon ab 1950 lebte und arbeitete sie auf der Basis ihrer Ausbildung in rhythmischer Gymnastik und Schauspiel in Basel.
In den USA war es vor allem Mark Verstegen, der auf Grundlage des funktionellen Trainings bereits 1996 das etwas anders geartete Trainingskonzept mit der Bezeichnung Core-Training entwickelte. Aber auch Namen wie Vern Gambetta oder Gary Gray finden wir als Autoren für Veröffentlichungen zu diesem Thema.
Was ist "Functional Training"
Bei dieser Methode stellt der Sportler nicht nur das Training seiner Muskeln in den Fokus, sondern zugleich auch und mit hoher Priorität die Minimierung des Verletzungsrisikos, denn eine plötzlich eintretende Sehnenzerrung ist absolut kontraproduktiv für das Training, wenn man deshalb die nächsten sieben Wochen nicht mehr trainieren kann. Betrachten wir dazu mal unsere ganz normalen Bewegungsabläufe im Alltag. Es handelt sich um Tausende ganz verschiedene Bewegungen, die im Ergebnis alle Muskeln des Körpers auch mehr oder weniger intensiv trainieren. Das Ansprechen und intensive Fordern eines ganz bestimmten Muskels und eines ganz bestimmten Gelenks ist also eher widernatürlich.
So steht konzeptionell das isolierte Training ganz vereinzelter Muskelgruppen im totalen Widerspruch zum funktionellen Training. Bei der Benutzung von Geräten im Fitness-Center stabilisieren diese den Körper des Sportlers. Natürliche Bewegungsabläufe sind aber dadurch gekennzeichnet, dass uns unser Bewegungsapparat mit allen Knochen, Bändern, Sehnen und Muskeln den nötigen Halt gibt.
Funktionelle Trainingsprogramme versetzen daher den Athleten gezielt in eine relativ instabile Lage, die eine instantane Reaktion des Sportlers erfordert, um seine Stabilität wiederzuerlangen. Die Übungen verwenden also bewusst das eigene, individuelle Körpergewicht des Sportlers. Die Steigerung besteht dann darin, dass die Übungen mit der Zeit immer komplexer und schwieriger werden. Dieses Prinzip kann sowohl auf einen Patienten im Rahmen einer Rehabilitationsmassnahme als auch auf einen Athleten angewendet werden, der seine Höchstleistungen noch erreichen möchte. Dabei spielt auch das Training des Gleichgewichtssinns eine zentrale Rolle.
Das funktionelle Training zeichnet sich dadurch aus, dass die Leistungssteigerung eher eine untergeordnete Rolle spielt und als sekundäre Folge gern mitgenommen wird. Der Fokus der Methode liegt auf ihrem ganzheitlichen Ansatz, der die gesamte Palette - Kraft, Balance, Schnellkraft, Flexibilität, Stabilität und Ausdauer - nachhaltig verbessert.
Zusammenfassung
Beim funktionellen Training geht es nicht um das oberflächliche und optisch wirksame "Aufpumpen" bestimmter Muskelgruppen. Der Fokus ist bei dieser Methode auf die ganzheitliche Stabilisierung des Körpers, also möglichst aller Muskeln und deren Ansätze, der Sehnen und Gelenke sowie des Gleichgewichtssinns gerichtet, um auch immer allen Anforderungen des Alltags gewappnet zu sein. Dabei spielt unser Rumpf im Sinne des Hauptstabilisators unseres Körpers eine zentrale Rolle.
Eine stabile Positionierung der Hüfte wirkt sich zum Beispiel sehr positiv auf das Hüftgelenk aus, aber zugleich auch auf die Knie- und Fussgelenke. Die Schulterblattstabilisatoren und die tiefe Bauchmuskulatur werden gleichzeitig trainiert mit dem Ziel eines standhaften Köpers. Im Laufe der Zeit und des Fortschritts können die Übungen des funktionellen Trainings beliebig in ihrem Anspruch gesteigert werden. Zum Beispiel darf der Fortgeschrittene dann Liegestützen auf einem Gymnastikball und Kniebeugen auf einem Balancebrett machen.
Bildquelle: janeb13 / pixabay.com