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Gesundheitliche Probleme, eine Vaterschaftsklage, Streit mit dem Plattenlabel und eifersüchtige Groupies: Die letzten Wochen vor Jimi Hendrix' Tod waren ein einziges Chaos. Und auch in den Stunden, bevor der Gitarrist am 18. September 1970 in einem Hotelbett an seinem Erbrochenen erstickte, muss es drunter und drüber gegangen sein. Selbst heute, 45 Jahre danach, ist der Fall nicht eindeutig. Grund dafür sind Ex-Freundinnen und Kollegen, die widersprüchliche Aussagen machten. SI online hat die Akte Hendrix geöffnet und blickt zurück auf einen verhängnsivollen Herbst in London.
15. September 1970
Sharon Lawrence, eine Vertraute von Jimi Hendrix, trifft sich in London mit dem Musiker. «Ich kann nicht mehr schlafen, kann mich nicht konzentrieren und keine Songs schreiben», soll er ihr gesagt haben. Am gleichen Tag hätte Hendrix bei seinem Freund Eric Burdon in einem Jazz Club spielen dürfen. Er sei aber so betrunken gewesen, dass man ihn nach Hause geschickt habe.
16. September 1970
Hendrix kreuzt wieder im Jazz Club auf, dieses Mal darf er auftreten. Das Publikum sei begeistert gewesen von der Performance - es ist das letzte Mal, dass Jimi Hendrix in der Öffentlichkeit Gitarre spielt.
17. September 1970 - Morgen/Nachmittag
Hendrix wohnt im Samarkand Hotel im Londoner Stadtteil Notting Hill. An seiner Seite erwacht an diesem Morgen seine deutsche Freundin, Eiskunstläuferin Monika Dannemann. Zusammen gehen sie auf den Markt, wo sie Hendrix' Ex-Freundin Kathy Etchingham treffen. Er lädt sie auf einen Besuch in sein Hotel ein, sie lehnt ab. Später wird sie sagen, dass sie die Entscheidung «seither jeden Tag bereut».
17. September 1970 - Nachmittag/Abend
Gegen 17.30 Uhr rauchen Hendrix und Dannemann mit Freunden Joints, trinken Tee und Wein. Um 22 Uhr soll es zum ersten Streit zwischen dem Gitarristen und seiner Freundin gekommen sein. Sie soll Hendrix als «elendes Schwein» bezeichnet haben. Das Paar die Runde, gemäss Aussagen von Dannemann gehen sie um 23 Uhr in ihr Appartment, wo sie eine weitere Flasche Wein trinken. Hendrix habe gebadet und dann ein Gedicht mit dem Titel «The Story of Life» geschrieben.
18. September 1970 - Nacht/Morgen
Um 1.45 Uhr fahren die zwei an eine weitere Party, Hendrix soll da mindestens eine Amphetamin-Tablette genommen haben. Nach einer halben Stunde beginnt ein nächster Streit. Musikerkollege Eric Burdon sagt aus, die Gäste des Festes hätten Dannemann gebeten, das Haus zu verlassen. Um etwa 3 Uhr morgens verlässt Hendrix mit seiner Freundin die Gesellschaft. Sie sagt aus, dass sie im Hotel noch zwei Tunfisch-Sandwiches gemacht hat. Sie selber habe um ungefähr 6 Uhr eine Schlaftablette genommen, Hendrix aber keine gegeben. Als sie um ungefähr 10 Uhr aufgewacht sei, habe Hendrix geschlafen. Sie sei Zigaretten kaufen gegangen und habe ihren Freund um 11 Uhr leblos im Bett gefunden. Um 11.18 Uhr ruft sie die Ambulanz.
18. September 1970 - Mittag
Die Nothelfer berichten von fatalen Zuständen im Hotelzimmer. Hendrix liegt im Bett, überdeckt vom eigenen Erbrochenen in allen Farben - «schwarz und braun» sei es gewesen - und zeigt keine Reaktion. Um 11.45 Uhr erreicht die Ambulanz das St Mary Abbot's Spital, wo Dr. John Bannister eine Stunde später den Tod des legendären Musikers feststellt. «Er war schon bei der Einlieferung tot, hatte keinen Puls, keinen Herzschlag, alle Wiederbelebungsversuche waren reine Formsache.»
Die Autopsie
Der Pathologe hält in seinem Bericht fest, dass Jimi Hendrix «gut genährt und muskulös» gewesen sei. Es gebe keine Anzeichen von Drogensucht. Ein Lungenflügel sei kolabiert, beide Lungen seien verstopft und Teile der Bronchien mit Erbrochenem gefüllt gewesen. Hendrix Blutalkoholwert sei ungefähr so, wie nach dem Konsum von vier grossen Bieren gewesen. Man findet spuren des Schlafmittels Vasparax sowie Amphetamine und Cannabis. Offizielle Todesursache ist «das Einatmen von Erbrochenem unter Einfluss von betäubenden Substanzen».
Die Rolle von Monika Dannemann
Am 19. September gibt die Deutsche der «Bild»-Zeitung ein Interview, in dem sie sagt, sie habe Hendrix Schlaftabletten gegeben. Am 20. September sagt ihr Bruder dem «Daily Telegraph», dass ihm seine Schwester gesagt habe, sie hätte Hendrix neun Tabletten gegeben, weil er eineinhalb Tage schlafen wollte, bever er nach Amerika reisen sollte. Zwischen 1980 und 1996 spricht der Autor Tony Brown diverse Male mit Dannemann und stellt Ungereimtheiten in ihren Aussagen fest. Einmal sagt sie, sie sei um 11 Uhr aufgewacht und habe Jimi in seinem Erbrochenen gesehen. Erst nachdem sie die Ambulanz gerufen habe, habe sie die fehlenden Schlaftabletten entdeckt. Einmal sagt sie, er habe Schlaftabletten genommen, sei dann ins Bett und als sie ihn leblos gefunden habe, sei sie mit ihm ins Spital gefahren. Mal ging sie Zigaretten kaufen, mal nicht. Niemals erwähnte sie allerdings, dass sie am Morgen des 18. September Hendrix' Freund Eric Burdon angerufen hat.
Die Rolle von Eric Burdon
Hendrix' Musikerkollege ist am Todestag im Hotelzimmer, bevor der Krankenwagen eintrifft. Burdon ist besorgt, dass die Polizei Drogen finden könnte und entfernt Beweismittel. Er findet das «The Story of Life»-Gedicht und interpretiert es als Abschiedsbrief. Er sagt den Medien, Jimi Hendrix habe sich wohl umgebracht, widerruft diese Aussage jedoch später: «Ich habe falsche Schlüsse gezogen, ich habe schlicht nicht verstanden, worum es ging.» Burdon relativiert auch Dannemanns Aussagen. Sie sei nie mit Hendrix ins Spital gefahren. Das bestätigen später auch die Sanitäter: Die Zimmertür sei weit offen gestanden, niemand ausser Jimi Hendrix habe sich im Raum befunden.
Die Rolle von Kathy Etchingham
Die Ex-Freundin des Musikers kann dessen Tod lange nicht verkraften. 1992 bringt sie Scotland Yard dazu, den Fall nochmal genau zu durchleuchten. 1993 wird die Untersuchung ohne Ergenbis geschlossen. Die Ermittlungen bringen immerhin die Londoner Rettungsdienste zu einem offiziellen Statement. Niemand war im Hotelzimmer, als die Ambulanz eintraf und niemand fuhr im Krankenwagen mit ins Spital.
The End
Am 1. Oktober 1970 findet Jimi Hendrix die letzte Ruhe. Er wird auf dem Greenwood-Friedhof in Washington beerdigt.