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31. Rudolf III. von Sax
Rudolf III. von Sax (1438-47)663. Abt Rudolf III. war der fünfte Sohn des Freiherren Ulrich Eberhard von Sax und der Gräfin Elisabeth von Werdenberg-Sargans664. Die Familie selber, die eine Reihe von Angehörigen in verschiedenen Stiften versorgte, gehörte der Jüngern Linie des Hauses Sax an und hatte ihren Stammsitz auf der Burg Sax, sie nannte sich auch Hohensax665.
Rudolf wird 1428 anläßlich der Verteilung der Klosterämter resp. Pfründen erstmals erwähnt; er erhielt die Kämmerei. Als solcher erscheint er 1432 bei der Bestellung der Prokuratoren im Streit mit Bischof Otto III. und 1433 bei Schlichtung der Zwistigkeiten mit Heinrich von Roggwil in Eschenz, das ja zum Kammeramte gehörte (s. o.).
Seine Wahl zum Abte erfolgte den 31. Dezember 1439, wie ein Eintrag in Handschrift 89 besagt: «Anno domini MCCCCXXXVIIII in die sancti Siluestri pape (Nativitätsstil) Reuerendus pater ac generosus Domius Rudolffus Desax electus est in dominum et abbatem huius loci.» Die Benediktion muß unmittelbar nachher stattgefunden haben, denn schon am 12. Januar 1439 kam Abt Rudolf mit dem Bischof von Konstanz überein wegen Zahlung der «ersten Früchte», die auf 800 Gulden festgesetzt wurden666. Wie seine Vorgänger erneuerte auch er alsbald mit Zürich das Burgrecht auf Lebzeiten667. Gerade die Beziehungen zu Zürich sollten unter Abt Rudolf eine wesentliche Änderung erfahren.
Noch zu Lebzeiten seines Vorgängers war der alle Zürichkrieg ausgebrochen. Der am 30. April 1436 erfolgte Tod des letzten Toggenburger Grafen, Friedrich VII., gab dazu das Signal. Zürich besetzte gleich zu Anfang die Feste Pfäffikon, Schwyz aber legte seine Mannschaft nach Einsiedeln, der March und Uznach. Zwar kam es noch nicht zu blutigen Auseinandersetzungen. Als aber Zürich die Marktsperre verhängte, drängten die Dinge zu einer blutigen Lösung. Die Schwyzer weigerten sich, auf einen Rechtstag in Einsiedeln, den 21. September 1438, zu erscheinen. So brach im Mai 1439 der eigentliche Krieg aus. Die Zürcher, deren Banner am 3. Mai nach Pfäffikon gekommen war, sandten in der Nacht auf den 5. Mai den Schwyzern, die auf dem Etzel lagerten, den Absagebrief. Am folgenden Tag kam es zum ersten blutigen Zusammenstoß auf dem Etzel, der für die Zürcher ungünstig ausfiel. Am 14. Mai wurde ein Friede geschlossen. Zur Erinnerung an diesen Kampf wurde eine Schlachtkapelle auf dem Hochetzel errichtet, nach der die Pfarreien von Einsiedeln, der March und den Höfen jeweilen am 26. Juni pilgerten; Einsiedeln führt diesen Bittgang heute noch aus (freilich nicht mehr auf den Hochetzel, wo die Kapelle längst verschwunden ist, sondern zur St. Meinradskapelle auf dem Etzelpaß), während die andern Orte den Kreuzgang längst eingestellt haben.
Die Feindseligkeiten brachen indessen im Herbste 1440 erneut aus. Die Eidgenossen zogen schon am 2. November in die March, während die Zürcher erst am 4. November mit 6000 Mann nach Pfäffikon kamen. Sie zogen aber wieder ab, als sie von der Verbindung der Urner und Unterwaldner mit den Schwyzern hörten; nur in der Feste Pfäffikon blieben zwei Hauptleute mit ihrer Mannschaft zurück. Die Schwyzer nahmen nun die Hofleute von Pfäffikon in Pflicht und Eid und zogen so die Vogtei über die Höfe an sich. Abt Rudolf, der im nahen Rapperswil weilte, mußte wohl oder übel, um Schlimmeres abzuwenden, seine Zustimmung geben. Als in der Folge die Eidgenossen geschlossen gegen Zürich vorrückten, lenkte dieses ein und es kam den 1. Dezember 1440 zum sogen. Kilchberger Frieden, in dem u. a. bestimmt wurde, daß die Vogtei über die Höfe bei Schwyz bleiben sollte. Da die weitern Verhandlungen zwischen Zürich und Schwyz (in Einsiedeln den 1. Januar 1441) erfolglos blieben, mußte das Schwert weiter die Entscheidung haben. Zürich und Rapperswil verbündeten sich mit Kaiser Friedrich III., der im September 1442 selber nach Zürich und Rapperswil kam. Es kam darum bald zu kleinen Reibereien zwischen den Rapperswilern und denen aus der March und den Höfen. Im Januar 1443 besetzte Schwyz Pfäffikon und im Mai begannen - nachdem ein letzter Versuch, in Einsiedeln den Frieden herzustellen (1. bis 4. Mai), gescheitert war - die Feindseligkeiten. Am 22. Mai fiel das Treffen bei Freienbach, in dem die Schwyzer sich behaupteten. Dann zogen die Sieger dem Zürichsee entlang hinunter, gingen aber bald zur Heuernte heim, um nachher erneut den Kampf aufzunehmen. Bei St. Jakob an der Sihl unterlagen die Zürcher wiederum. Es gelang nun einigen Herren, darunter auch Abt Rudolf, vor Rapperswil, das die Eidgenossen belagerten, am 9. August 1443 einen Waffenstillstand auf acht Monate anzubahnen. Aber niemand kümmerte sich um diesen «faulen» Frieden. Auch die Friedenskonferenz in Baden verlief resultatlos. Die Eidgenossen zogen alsdann vor Greifensee und nach dem Fall dieser Feste vor Zürich selber. Zürich und Österreich aber sahen sich bei Frankreich um neue Hilfe um, die denn auch kam, aber bei St. Jakob an der Birs zu nichts gemacht wurde. Um die gleiche Zeit machten sich die Eidgenossen erneut an die Belagerung von Rapperswil (April 1444 bis Dezember 1445), wobei die Feste Pfäffikon, als Ausgangspunkt der eidgenössischen Unternehmungen eine große Rolle spielte. Die Gebiete in den Höfen wurden dabei schwer in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Besitzungen in Fahr hatten zu leiden; die Kirche in Weiningen wurde 1443 sogar niedergebrannt668. Man war froh, daß am 12. Juni 1446 in Konstanz endlich ein vorläufiger Friede zustandekam669.
Begreiflich, daß unter diesen schwierigen Zeitläufen auch die Wallfahrt zurückging. Basel, das 1439 unter der Pest litt, unternahm am 10. Juli eine große Wallfahrt nach Einsiedeln, an der sich 1400 Personen beteiligten670. Im gleichen Jahre kamen auch die von Zurzach, Willisau und Straßburg nach Einsiedeln; 1440 kamen sogar niederländische Pilger. Die Eidgenossen nahmen während des Krieges mehrfach nach Einsiedeln ihre Zuflucht; 1445 regte Luzern an, daß aus jeder Pfarrei der Eidgenossenschaft eine ehrbare Person nach Einsiedeln wallfahren solle, um das Ende des Krieges zu erflehen. Für die Pilger erneuerte die Basler Synode am 11. Januar und 3. März 1442 das seiner Zeit von Eugen IV. auf zehn Jahre erteilte Privileg, die fremden Pilger beichthören zu dürfen, auf weitere zehn Jahre671.
Von König Friedrich III. erbat sich Abt Rudolf 1442, als der Herrscher in Zürich weilte, die Belehnung mit den Regalien und die Bestätigung der alten Rechte und Freiheiten, was der König am 22. September 1442 gewährte672. In Einsiedeln wurde um diese Zeit das sogen. Waldstattbuch aufgesetzt, das die Rechte und Pflichten der Waldleute enthielt673. Auf der Insel Ufnau legte man für diese Kirche 1444 ein neues Jahrzeitbuch an. Der dortige Pfarrer, Reinhard Stahler, hat im gleichen Jahre auch ein Inventar der Kirche angelegt674. In der Pfarrkirche Freienbach weihte der Konstanzer Weihbischof, Johannes, den 13. Januar 1444 den St. Theodulsaltar unter dem Chorbogen ein675. Auf der Stiftspfarrei Oberkirch bei Kaltbrunn wurde 1442 der dortige Pfarrer, Oswald Pistoris, von zwei seiner Pfarrkinder aus nicht näher bekannten Ursachen ermordet676. Über die Jahrzeitstiftung der Witwe des letzten Toggenburger Grafen, Elisabeth von Mätsch, im Kloster Rüti, erhielt der Abt von Einsiedeln ein gewisses Aufsichtsrecht677.
Die Rechte des Stiftes wahrte Abt Rudolf, als Bürgermeister und Rat von Konstanz in Weinfelden ein neues Gericht eröffneten, dem auch die Gotteshausleute schwören sollten678. In Eschenz wurde 1446 ein neues Verzeichnis der zehntpflichtigen Güter aufgenommen679. Abt Rudolf III. erscheint urkundlich das letzte Mal den 11. November 1446680; sein Nachfolger erscheint bereits den 12. Februar 1447. Zwischenhinein muß er also gestorben sein; das genauere Todesdatum ist uns nirgends überliefert.
Von Abt Rudolf hat sich ein Rundsiegel erhalten und zwar einzig an seiner letzten Urkunde681. Es weist im Siegelfeld den Abtsstab auf und zu beiden Seiten die Wappen, das des Stiftes und das Familienwappen mit dem von Gold und Rot gespaltenen Schild. Die Umschrift lautet: «Sigillvm. rudolffi. abbatis. monasterii. loci. heremitaru»682.