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Geschichte
Der Gottschalkenberg, der im 16. Jahrhundert erstmals in historischen Dokumenten erwähnt wird, war über Jahrhunderte ein landwirtschaftliches Gut. Der Grundstein für seine heutige Bedeutung als Ausflugsziel und Lagerhaus wurde mit dem Bau eines Kurhauses in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt.
Ueli Gottschalk und sein Berg
Der Gottschalkenberg ist der Berg des Gottschalk. Berg meint dabei nicht eine Bergspitze, sondern ein hochgelegenes, landwirtschaftlich genutztes Grundstück. Sein erster bekannter Besitzer hiess Ueli Gottschalk. In einem Urbar (Güterverzeichnis) des Klosters Einsiedeln heisst es 1507: Der alte Ueli Gottschalk schuldet zwei Pfund ab der «Weÿd genantt der Berg». Bereits 1525 erscheint das Grundstück unter der Bezeichnung «Gottschalcks Berg». Der Name Gottschalkenberg war geboren.
Gottschalk, Götsch und Gotschäli
Gottschalk ist ein Personenname. Von 1353 bis ins 17. Jahrhundert lässt er sich in Menzingen als Familienname nachweisen. Im Namen stecken die althochdeutschen Wörter got 'Gott' und scalk 'Diener'. Gottschalk bedeutet also «Diener Gottes».
Die Kurzform des Personennamens lautet Götschi. Diese Form ist dem Namen ähnlich, den viele für den Gottschalkenberg verwenden: Götsch. Die zweite umgangssprachliche Form Gotschäli kommt schon in den historischen Quellen des 17. Jahrhundert unter der Bezeichnung «Gottschollenberg» vor.
20 Stück Vieh Sömmerung
Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bezeichnete der Name Gottschalkenberg ein landwirtschaftliches Grundstück. Zunächst war dieser «Berg» reines Weideland. Aus einem Schuldbrief von 1532 erfahren wir, dass auf der Weide 20 Stück Vieh gesömmert und auf der Matte vier Kühe gewintert werden konnten. Das Gut war also ganzjährig bewohnt, wurde aber vor allem im Sommer als Alpweide genutzt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war der Gottschalkenberg ein Bauerngut, auf dem elf Kühe im Sommer und im Winter gehalten werden konnten.
Ein Luftkurort mit Alpenklima
Ein neues Kapitel in der Geschichte des Gottschalkenbergs eröffnete 1867 Jakob Staub. Er richtete auf dem Bauerngut eine kleine Wirtschaft ein, die er in den folgenden Jahren mit einem Kurhaus erweiterte.
Staub und seine Nachfolger priesen den Gottschalkenberg als Luftkurort «mit Alpenklima» und verglichen ihn mit den Höhenkurorten Churwalden, Klosters, Zuoz oder Engelberg. Damit profitierten sie von dem im 19. Jahrhundert aufkommenden Fremdenverkehr.
Die kräftigen Tannenwaldungen in der Umgebung garantierten laut einer Werbeschrift «eine wirklich staubfreie, weiche und sehr sauerstoffreiche Luft». Die Botschaft richtete sich an das reiche städtische Bürgertum, das im Alpenraum Erholung und Genesung suchte.
Die «kleine Rigi»
Dem Wohlbefinden der international gemischten Kurgäste dienten nicht nur die Spazierwege durch die Tannenwaldungen, sondern auch die prächtige Fernsicht auf dem Bellevue und auf dem Belvedere, dem höchsten Punkt der Bergkette im Gebiet Muetegg. Dort liess Staub einen Turm um eine hohe Tanne errichten, damit seine Gäste die Aussicht noch besser geniessen konnten. Später zerstörte ein Sturmwind diese einmalige Attraktion.
In Werbeschriften wurde der Gottschalkenberg wegen seiner guten Aussicht als die «Kleine Rigi» bezeichnet. Die Besitzer des Kurhauses erhofften sich damit, von der europaweit bekannten Ausstrahlung der Rigi zu profitieren.
Der Gottschalkenberg entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel für Vereine und Gesellschaften aus der Stadt Zürich. Über Biberbrugg, das im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts mit der Eisenbahn erschlossen wurde, war der Gottschalkenberg gut erreichbar.
Feuerflammen loderten empor
Das Kurhaus erfuhr mehrere bauliche Veränderungen. Seine grösste Ausdehnung erhielt es 1897, als direkt am Waldrand ein Anbau errichtet wurde. Das Kurhaus bot 60-70 Schlafplätze. In den zwei Speisesälen fanden 250 Menschen Platz.
In der Nacht vom 5. März 1903 brach im unbesetzten Kurhaus ein Feuer aus. Weil in der Telefonstation Biberbrugg die Nachtglocke ausgeschaltet war, wurde der Alarm nicht weitergeleitet. Das Kurhaus brannte vollständig nieder. Bereits im darauf folgenden Jahr begann ein Konsortium mit dem Bau eines neuen Kurhauses.
Vom Salvatorianer-Kollegium zum Schul- und Ferienheim
Der Kurbetrieb im neuen Haus überdauerte die Krisenjahre des Ersten Weltkrieges. Ab 1937 aber wehte ein neuer Geist. Der Orden der Salvatorianer führte in den Räumen während 20 Jahren ein Gymnasium. Aus dem Kurhaus war eine Bildungsstätte geworden.
1957 gelangte das Institut mit dem Restaurationsbetrieb in den Besitz der Stadt Zug. Sie richtete im Haus ein Schul- und Ferienheim ein. Mit dem Bau des heutigen Restaurants und des Tiergeheges 1976, sowie dem Bau des Wohnhauses 1983 erhielt der Gottschalkenberg seine heutige Gestalt. Das Lagerhaus und das Restaurant wurden von 2001 bis 2004 umfassend saniert.
Literaturhinweise:
- Koch, Hans: Das Kurhaus ob Gottschalkenberg.
In: Zuger Nachrichten 7.5.1980.
- Schön, Willi: Die Geschichte vom Gottschalkenberg.
In: Besinnliche Stunde. Beilage der Zuger Nachrichten Nr. 11, 1957.
- Sonne, Molke, Parfümwolke, hrsg. zum 100-Jahr-Jubiläum der
Schiffahrtsgesellschaft für den Zugersee, Zug 1997.
- Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis
zum Ausgang des Mittelalters 1352-1528. 2 Bde. Zug 1964.
- Weber, Anton: Der Kurort Gottschalkenberg.
In: Zuger Kalender 1903, 18-29.
Zug, Oktober 2005, Alex Baumgartner, Peter Raimann
Die 1867 eröffnete Wirtschaft im alten Bauernhaus (rechter Flügel) wurde später mit einem Kurhaus erweitert.
Ein Zürcher Konsortium erweiterte das bestehende Kurhaus 1897 mit einem Neubau. (Ausschnitt Illustration Zuger Kalender 1903)