Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03564.jsonl.gz/3539

Countertenöre

Als Countertenor (vom lat.: contratenor; auch: Alto) werden Sänger bezeichnet, die in Alt- oder sogar Sopranlage singen.
In früheren Zeiten waren es die sogenannten
Kastraten (siehe weiter unten), welche in diesen Stimmlagen auftraten.
Heute sind es Sänger, die mit Hilfe einer durch Brustresonanz
verstärkten Kopfstimmen- beziehungsweise Falsett-Technik in die hohe
Gesangsstimme gelangen.
Die Schulung war von äusserster Härte, von langer Dauer und grosser Sorgfalt geprägt. Dieser Effort zahlte sich für die jungen Männer und ihre Familien meist aus, denn die Laufbahn eines Kastraten war oft mit einem sozialen Aufstieg verbunden.
Viele Komponisten der damaligen Zeit schrieben eigens für die hohen Männerstimmlagen Stücke beziehunsgweise Opernrollen, so auch Händel. Die bekanntesten Kastraten seiner Zeit waren Francesco Bernardi, genannt Senesino, und Carlo Broschi, auch Farinelli genannt.
Senesino
kam um 1690 in Siena zur Welt. Er war gross und stattlich, und hatte ein
rundes Gesicht. Nach ersten Auftritten in Venedig um 1707 bereiste er
verschiedene italienische Städte und war ab 1717 zunächst am Dresdner
Hof angestellt. Für die neu gegründete Opernakademie in London suchte
Georg Friedrich Händel auf dem Kontinent nach Sängern. Er versuchte
Senesino zusammen mit anderen Sängern in Dresden abzuwerben. Dies gelang
ihm auch, und so kam Senesino 1720 nach London. Mit den Heldenrollen in
Opern wie Giulio Cesare und Riccardo Primo feierte er dort grosse
Publikumserfolge. Ab 1734 gehörte zu diesem Ensemble auch Farinelli.
In der englischen Gesangstradition sind Countertenöre weiter verbreitet als auf dem Kontinent. Mit Alfred Deller war es dann auch ein Brite, der dieser Gesangstechnik ab den 1940er-Jahren wieder zu weltweiter Bedeutung verhalf.