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Der Beitrag quasi due buchi (2017) von Vaclav Pozarek für das Atelier Amden folgt der Idee eines erweiterten Ausstellungsbegriffs und besteht in einer skulpturalen Intervention vor Ort aus zwei Löchern in der verwitterten Holzverplankung der Scheune, einer somit kaum wahrnehmbaren Veränderung, welche die durch die Konstruktion der Fassade bedingte Lichtdurchlässigkeit der Wände und den Blick thematisiert, sowie einer Publikation gleichen Titels, die das Motiv in einen weiteren inhaltlichen Kontext stellt. Der Künstler bohrte zwei Löcher in die Aussenwand, durch die man aus dem Inneren des Hauses den Walensee und die gegenüberliegenden Berge erspähen kann.
Der Abstand zwischen den beiden Löchern imitiert jenen zwischen einem Augenpaar. Thematisiert werden das Kontinuum von Innen- und Aussenraum, welches für dieses Gebäude kennzeichnend ist, aber auch das Haus als Aussichtspunkt in einer landschaftlich attraktiven Gegend, sowie das den Bildhauer künstlerisch faszinierende Verhältnis von Negativ- und Positivform. Er orientierte sich bei den Neubohrungen am Durchmesser bestehender Bohrlöcher. Ihre Platzierung auf Augenhöhe und die Anordnung als Augenpaar durch den Künstler folgt dagegen einer anderen Logik als jene der vorgefundenen Löcher und kann die Öffnungen somit als künstlerische Intervention lesbar machen. Das Künstlerheft hat zwei Leitmotive, einerseits wiederum die beiden Löcher, die nun wie auf einem Würfel als Rundformen in allen möglichen Konstellationen dargestellt sind, andererseits Fotografien aus dem Bildarchiv des Künstlers, auf denen als Positivform der Bohrungen jeweils ein Stab zu sehen ist. Pozarek nennt Rundhölzer, die er als Bestandteile seiner Skulpturen verwendet, in Anlehnung an die Leuchtstoffröhren, die Dan Flavin als Skulpturen eingesetzt hat, «Neon». Auf den Abbildungen, die Pozarek in der Publikation der Figur der Zwei gegenüberstellt, taucht der Stab zusammen mit Menschen in unterschiedlichen kulturellen, zeitlichen und instrumentellen, sowohl rituellen als auch alltäglichen Zusammenhängen auf. Die permanente Arbeit vor Ort im Atelier Amden, die als skulpturale Intervention nicht zu erkennen ist, und die Publikation bilden zusammen das Werk. Vaclav Pozarek ist Plastiker und Grafiker. Er arbeitet mit einer an Konstruktivismus, Minimalismus und der Konzeptkunst geschulten visuellen Sprache. 1940 in Böhmen geboren, studierte er 1965-66 Filmregie an der Prager Filmakademie. 1968 verliess Pozarek die Tschechoslowakei. Er zog zunächst in die Schweiz, um dann aber seine Ausbildung in Hamburg und 1971-73 in London in der Klasse von Anthony Caro an der St. Martin’s School of Art fortzusetzen. Von dort kehrte Pozarek nach Bern zurück, wo er bis heute lebt und arbeitet.
– Roman Kurzmeyer