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«Ich konnte sagen, was ich wollte – es nützte nichts»
Peter M. hat sich während Jahren mit seiner Frau um das Sorgerecht für die Kinder gestritten und es schliesslich bekommen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie erstellte mehrere Gutachten und unterstützte die beiden Söhne in Therapien. Der arbeitslose Vater lässt sich heute weiterbilden und hofft, bald eine Stelle zu finden.
Aus seiner ersten Ehe hat der 58-jährige Peter M. zwei Kinder, die längst erwachsen sind. Kontakt zu ihnen hat er keinen mehr. Sie leben 700 Kilometer entfernt im Ausland. Aus beruflichen Gründen konnte er sie irgendwann nicht mehr besuchen; darunter habe er sehr gelitten, sagt er. Er heiratete wieder und wurde 2006 und 2008 erneut Vater. «Ich war überglücklich und stolz auf meine beiden Söhne. Sie liessen mich die Schmerzen über den Verlust meiner Töchter besser ertragen.»
Zuerst fröhlich, dann haben die Probleme angefangen
Aber das Glück währte nicht lange: Die Mutter sei mit den Kindern zunehmend überfordert gewesen, erzählt Peter M. «Die Nachbarn berichteten mir über ihr aggressives Verhalten gegenüber den Kindern.» Zu Beginn ihrer Beziehung 2003 sei sie immer sehr fröhlich und unbeschwert gewesen, erinnert sich der Mann. «Auffällig war jedoch, dass sie immer zuhause war.» Sie seien als Paar in diesen Jahren nur zweimal in den Ausgang gegangen.
Die Probleme verschärften sich. Julian wurde von der Mutter immer vor den Fernseher gesetzt, sie zerstörte Spielsachen von Markus, ein andermal wurde sie wütend über einen ausgefallenen Haarschnitt des jüngeren Sohnes. «Mutti bemerkte mich oft gar nicht, da sie immer mit ihrem Handy beschäftigt war», erzählt Markus.
Peter M. sprach mit seiner Frau über ihr Verhalten. «Aber ich konnte sagen, was ich wollte – es nützte alles nichts.» Im Sommer 2012 verlangte sie die Scheidung. Die Eltern nahmen sich Anwälte, die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) wurde eingeschaltet und Beistände für die Kinder bestellt.
Oft den «Tränen nahe»
In den sechs Jahren bis zur Scheidung im Mai 2018 lieferten sich Peter M. und seine Frau eine harte Auseinandersetzung um das Sorgerecht der Kinder und darüber, bei welchem Elternteil sie wohnen sollten. Dazu waren viele Termine nötig – mit der KESB, Anwälten, Gerichten und der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland (KJP).
Die KJP fertigte mehrere Gutachten zu diesem Sorgerechtsfall an. «Bei fast allen diesen Gesprächen war ich den Tränen nahe», berichtet Peter M. Sohn Markus nahm in dieser Zeit an einer Gruppentherapie für Kinder mit einer Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) teil. Auch Julian hatten die Probleme seiner Eltern zugesetzt. «Er rebellierte, provozierte, gab zurück und verweigerte sich der Mutter», erzählt der Vater. Beide Kinder suchten in der Scheidungsgruppe der KJP einen Ausweg aus ihrem Gefühls-Chaos.
Bei den Gesprächen unter professioneller Anleitung waren sie mit anderen Scheidungskindern zusammen und haben erfahren, wie sie wieder zur Ruhe kommen konnten. Die Kinder lernten, die Probleme zu verstehen und darüber zu reden. «Das hat mir sehr geholfen», erinnert sich Julian. Für ihn waren der Fussballclub und die Schule wichtige Stützen in dieser schwierigen Zeit. Hier traf er Kollegen, deren Mütter und Väter auch geschieden waren.
Beruhigung nach der Scheidung
Nach der Scheidung beruhigte sich die Situation zwischen den Eltern deutlich. Heute besuchen die Kinder ihre Mutter jedes zweite Wochenende. Es gebe zwar immer wieder «kritische Situationen», sagt Peter M. «Aber die Mutter wendet sich dann immer an mich, wenn sie mit den Kindern nicht klarkommt.» Er selbst bildet sich derzeit weiter und hofft, bald wieder eine Stelle zu finden.
Wie die Psychiatrie Baselland Peter M. und seinen Kindern geholfen hat
In der Familie von Peter M. sind die Erziehungsstrategien der getrennt lebenden Eltern deutlich auseinandergegangen. Das führte zu pädagogischen Spannungen zwischen den beiden Söhnen und ihrer Mutter einerseits und zu Konflikten zwischen den Eltern andererseits. Die Besuche bei der Mutter an den Wochenenden waren oft angespannt und mussten vereinzelt abgebrochen werden. Von der Kinder- und Jugendpsychiatrie moderierte Familiengespräche brachten jedoch eine deutliche Beruhigung.
Im Auftrag des Gerichtes gab es ab Herbst 2017 etwa alle zwei Monate und später in grösseren zeitli-chen Abständen Familiengespräche mit beiden Elternteilen und ihren zwei Söhnen. Dabei besprachen die Therapierenden der Kinder- und Jugendpsychiatrie vor allem konkrete Handlungsanleitungen für die Mutter im Umgang mit den Söhnen. Auch wurde eine Lösung für den Einbezug von Peter M. als Vater erarbeitet. Dieser nahm gegenüber den Kindern eine klarere pädagogische Haltung ein.
Während der Therapie und Betreuung gab es schwierige Momente, etwa der Tod der Lebenspartnerin von Peter M. und mehrere neue Partnerschaften der Mutter. Darauf mussten sich die Kinder immer wieder neu einstellen. Im Sommer 2018 beruhigte sich die Familiensituation gesamthaft, sodass die Familiengespräche im Einverständnis aller Beteiligter beendet wurden. Parallel zur Familientherapie absolvierte der jüngere Sohn von Oktober bis Dezember 2017 die ADS-Gruppentherapie der Kinder- und Jugendpsychiatrie, wovon er profitierte.