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Vision Wüstenstrom
Die Sonne versorgt die Erde seit Jahrmilliarden mit Energie – kostenlos, umweltneutral. Das Projekt DESERTEC will nun in südlichen Wüsten den Bau von solarthermischen Kraftwerken voranbringen, um die Sonnenenergie in grossem Stil nutzen.
In sechs Stunden empfangen die Wüsten der Erde von der Sonne mehr Energie, als wir Menschen in einem Jahr verbrauchen (Quelle: «Der DESERTEC-Atlas», 2012). «Wüstenstrom aus solarthermischen Kraftwerken ist dank Wärmespeicher Tag und Nacht verfügbar», erklärt Thiemo Gropp vom Vorstand der DESERTEC Foundation. Der Wüstenstrom ergänze Windkraft- und Fotovoltaik-Anlagen ideal, die nicht permanent Strom liefern. DESERTEC nutze die energiereichsten Standorte der Welt, produziere Strom aus erneuerbaren Energien und erfülle gleichzeitig Ziele des Klimaschutzes und der Entwicklung wirtschaftlich schwacher Regionen.
Verbesserung der Lebensumstände
«DESERTEC ist ein Win-Win-Projekt» ist Aeneas Wanner überzeugt. Profitieren soll nicht nur Europa, das rund 15 Prozent seines Strombedarfs aus den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens wird decken können. Auch den Wüsten-Ländern verspreche das Projekt eine Verbesserung der Lebensumstände. Thiemo Gropp ergänzt: «Europa mit seinen hohen Strompreisen und ambitionierten Klimaschutzzielen ist für Nordafrika und den Nahen Osten ein guter Absatzmarkt für sauberen Strom. Das ist eine ideale Ausgangslage, um eine eigene Solarindustrie aufzubauen und für die eigene Versorgung Meerwasserentsalzungsanlagen zu betreiben.» Trinkwasser ist eines der wichtigsten und gleichzeitig knappsten Güter auf der Erde. 97 Prozent der ursprünglich vorhandenen Oasen Ägyptens und Libyens sind durchs Abpumpen von Grundwasser ausgetrocknet (Quelle: «Der DESERTEC-Atlas», 2012). Konventionelle Meerwasserentsalzung mit fossilen Brennstoffen schädigt die Umwelt und das Klima. Der Einsatz solarthermischer Anlagen löst dieses Problem.
Eine grosse Herausforderung für DESERTEC ist der Energietransport von den Solarkraftwerken in der Wüste zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern nach Europa. Dazu braucht es Leitungen über tausende von Kilometern. Kann das funktionieren? Thiemo Gropp ist überzeugt, «dass der Transport dank der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) möglich ist.». Mit dieser Technik betragen die Energieverluste pro tausend Kilometer nur gerade drei Prozent.
Pläne zur Nutzung der Wüstensonne gibt es seit fast hundert Jahren. 1913 präsentierte der Amerikaner Frank Shuman in Ägypten das erste solarthermische Kraftwerk der Welt. Warum denn wurde DESERTEC nicht schon längst realisiert? – Erst die Dringlichkeit, den blauen Planeten nicht weiter mit Treibhausgasen zu belasten, und die wachsende Marktfähigkeit und Wirtschaftsfähigkeit der erneuerbaren Energien ermöglichen DESERTEC. Thiemo Gropp fordert, dass jetzt auf allen Ebenen gearbeitet werden müsse, «vom Ausbau der erneuerbaren Energien und verlustarmen Leitungen, über die Steigerung der Energieeffizienz bis hin zu Emissionsauflagen für fossile Brennstoffe». «Für so grosse Herausforderungen brauchen wir auch grosse Visionen», betont Aeneas Wanner, «und wir müssen sie hier und heute anpacken.»
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Foto: Bend Loewe, pixelio.de