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Microsoft: "Ich bin auch eine Agentur für Entwicklungshilfe"
Microsoft lancierte gestern am "Government Leaders Forum" in Peking ein neues Programm, mit dem der US Software-Riese arme Länder bei der Ausbildung der Jugend und beim Aufbau einer eigenen Software-Industrie unterstützen will. Bill Gates stellte das Programm names "Unlimited Potential" im Beisein von Friedensnobelpreisträger Mohammed Yunus höchst persönlich vor. Yunus erinnerte die anwesenden 'Leaders' daran, dass 60 Prozent aller Menschen mit gerade mal sechs (6) Prozent der weltweit verfügbaren Einkommen auskommen müssen.
Als Teil von "Unlimited Potential" wird Microsoft ab der zweiten Jahreshälfte ein umfangreiches Software-Paket für einen symbolischen Betrag an Regierungen abgeben, die Schülerinnen und Studenten mit PCs unterstützen. In der "Microsoft Student Innovation Suite" ist eine abgespeckte Version von Windows ("XP Starter Edition"), Office Home and Student 2007, Math 3.0, ein Lernprogramm und der "Live" Mail-Client inbegriffen. Abgegeben wird das Paket für gerade mal drei Dollar - ein winziger Bruchteil des Ladenpreises.
Weiter will Microsoft mit dem Aufbau von über 60 "Innovation Centers" die Entwicklung von lokalen Software-Industrien in den armen Ländern fördern. In solchen Zentren werden Kurse zu Themen wie Software-Entwicklung aber auch Geschäftsentwicklung gegeben, und man will lokale Partnerschaften und Software-Clusters sowie die Forschung fördern.
Auf der Webseite von Microsoft zu "Unlimited Potential" gibt es Beispiele für die Aktivitäten im Rahmen des Programms. So hat Microsoft zusammen mit peruanischen Universitäten Windows in Quechua übersetzt. Quechua ist eine indianische Sprache, die in Peru von über sieben Millionen Menschen gesprochen wird. Solange keine Lehrmittel und Computerpgramme in dieser Sprache zur Verfügung stehen, sind diese Menschen von Bildung ausgeschlossen.
Halb voll oder halb leer?
Wie immer kann man die Microsoft'sche Initiative von zwei Seiten aus betrachten. Die einen werden sagen, Microsoft verschenke seine Software an arme Länder, um auch dort den Markt für Alternativen, vor allem für quelloffene und kostenlose Software, zu verschliessen.
Die anderen werden argumentieren, dass Microsoft seine Verantwortung als de-fakto-Monopolist wahr nimmt und einen Teil der gigantischen Gewinne für sinnvolle Entwicklungsprogramme benützt.
Auch die "Innovation Centers" kann man entweder als Anstalten für Pro-Microsoft-Propaganda verunglimpfen oder als Orte des kostenlosen Wissenstranfers loben. (Christoph Hugenschmidt)