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Seine Lehrweise soll dialogisch gewesen, allmählich jedoch der akroamatischen näher gekommen sein.
Seine von da an bis zu seinem Lebensende fortgesetzte Lehrthätigkeit wurde durch zwei weitere sizilische
Reisen unterbrochen,
durch welche Platon nach dem
Tode des ältern
Dionysios seinen Staatsidealen in
Syrakus
[* 9] vergebens
Boden zu verschaffen versuchte.
SeinTod erfolgte 347 (nach
Seneca an seinem 82.
Geburtstag); bestattet wurde Platon am Kerameikos in der
Nähe
der
Akademie, wo noch
Pausanias sein
Grabmal sah.
Seine
Schriften (44 in 64
Büchern, die unechten mitgezählt) sind vollständig auf uns gekommen.
Ihre keineswegs zufällige,
sondern aus der von
Sokrates überkommenen
Tendenz, zu eigner Forschung abzuleiten, entsprungene Darstellungsform ist die dialogische.
Fast keine einzige derselben ist rücksichtlich ihrer Echtheit unbestritten geblieben. Für ihr Verständnis
gilt der
Grundsatz, daß sie nicht (wie die
Aristotelischen) ein fertiges
System in seinen verschiedenen Teilen darstellen,
sondern eine steigende
Reife und Vertiefung nachweisen, und zwar nicht bloß eine methodische
Steigerung für die Lernenden
(SchleiermachersAnsicht), sondern verschiedene Entwickelungsstufen des Lehrenden (K. F.
HermannsAnsicht).
Die
Schriften der ersten beiden
Perioden stellen den epagogischen Weg, auf welchem Platon selbst zu seiner
eigentümlichen
Philosophie (der Ideenlehre) gelangte, die der letzten den konstruktiven Weg dar, auf welchem Platon die Gesamtheit
des menschlichen
Wissens aus dieser abzuleiten versuchte. Von den Alten sind dieselben teils in
Trilogien
(Aristophanes von
Byzanz), teils in
Tetralogien
(Thrasyllos) zusammengestellt; von den Neuern ist deren Reihenfolge sehr
verschieden bestimmt worden.
Durch beide wurde er bestimmt, im Gegensatz zu Sokrates, welcher im Kampf gegen die Sophisten die logischen und ethischen Probleme
vorangestellt hatte, wieder auf die metaphysischen zurückzugehen und an die Spitze derPhilosophie nicht
sowohl die Frage nach dem Wahren und Guten, als nach dem wahrhaft Wirklichen (dem schlechthin Seienden) zu stellen. Erstere
sollten dadurch keineswegs beseitigt oder zurückgesetzt, sondern vielmehr mit der letztern auf das innigste verschmolzen
werden.
Das Mittel dazu bot die Sokratische Lehre
[* 15] vom Begriff, welche dieser der Leugnung eines allgemeinen Wahren
und Guten durch die Sophisten entgegengestellt hatte. Der Begriff als Zusammenfassung der allen Gliedern einer Art gemeinsamen
Merkmale ist ein Unveränderliches und Bleibendes, das allen individuell verschiedenen Auffassungen desselben, wie der Gattungscharakter
allen individuell verschiedenen Exemplaren der Gattung, zu Grunde liegt. Derselbe besitzt (als Bleibendes)
diejenige Eigenschaft, welche sowohl Herakliteer, die das »Anderswerden«, als
Eleaten, welche die »Unveränderlichkeit« für das Bleibende erklären,
als Wesen des Seienden ansehen.
Derselbe besitzt aber ferner (als »Einheit der Vielheit«) jene Eigenschaften vereinigt, deren jede für sich von einer der
beiden entgegengesetzten Schulen (von den Eleaten die »Einheit ohne Vielheit«, von den Herakliteern die
»Vielheit ohne Einheit«) als Wesen des Seienden ausgegeben wird. Durch erstere Bemerkung wird Platon veranlaßt, den »Begriff« (das
Allgemeine, die Gattung) für das wahrhaft Seiende zu erklären. Letztere Bemerkung führt ihn dahin, jedes wahrhaft Seiende
als eine »Vereinigung von Gegensätzen«, als eine »Harmonie«, anzusehen. Da nun nach Sokrates der Begriff
allein Wissen (Wahrheit),
das Gute (die Tugend) aber »lehrbar«, also selbst Wissen (Begriff) ist, so fallen, nachdem der Begriff
durch Platon zum allein wahrhaft Seienden erhoben worden ist, die Umfänge des Wahren und Guten (also des Vernünftigen einer-)
und des Seienden (des Wirklichen anderseits) in Eins zusammen. Dieses Vernünftige, welches wirklich, und
Wirkliche, welches vernünftig ist (das realisierte Vernünftige), nennt Platon Idee und macht es zum ausschließlichen Gegenstand
seiner Philosophie als Ideenlehre.
Dasselbe ist jedoch keineswegs ein einziges (wie das Sein der Eleaten), sondern da es der Begriffe viele gibt
(z. B. Begriff des Guten, des Schönen, der Seele, des Staats etc.) und die Ideen eben nichts andres als hypostasierte Begriffe
sind, so muß es nicht nur viele Ideen geben, sondern dieselben müssen auch untereinander (wie es bei den Begriffen der Fall
ist) in mannigfache Verhältnissen der Über- und Unterordnung, Begründung und Abfolge etc.
zu einander stehen, und es muß eine Idee geben, welche als »Sonne
[* 16] im Ideenreich« alle übrigen Ideen unter sich befaßt.
Als diese wird von Platon die Idee des Guten bezeichnet und dadurch der streng ethisch vollkommene Charakter des gesamten Ideen-
als des schlechthinnigen Vernunftreichs aufs stärkste betont. Ebendarum aber sieht sich auch
Platon im
Hinblick auf den unvollkommenen Charakter der sinnlich wahrnehmbaren Welt genötigt, zuzugestehen, daß die Welt der Ideen »nicht
von dieser Welt«, sondern als metaphysische Welt zwar das Muster- und Vorbild dieser Welt, selbst aber eine »außer«-, bez.
»überweltliche« Welt sei. Platon versetzt daher dieselbe, indem er zum mythischen Ausdruck seine Zuflucht
nimmt, in eine jenseit des Fixsterngewölbes auf dessen von uns abgekehrter Seite gelegene und deshalb irdischen Blicken unzugängliche
Region, das sogen. Empyreum (den Feuerraum der Pythagoreer).
Die Methode, die er in diesen befolgt, besteht darin, daß er das Seiende, welches als Idee eine »Vereinigung
von Gegensätzen« ist, zuerst in seine Gegensätze zerlegt und durch ein gemeinsames Band
[* 17] dieser letztern das richtige Verhältnis,
die Harmonie zwischen den Gegensätzen, herstellt. So ist die Seele als Idee zwar ein »Einfaches«; aber sie setzt nichtsdestoweniger
»Teile« voraus, die sich zu einander wie »Vernünftiges«
und »Vernunftloses« (also als Gegensätze) verhalten, und deren letzterer abermals in zwei Teile, einen bessern (dem Vernünftigen
verwandten) und einen schlechtern (vom Vernünftigen abgewandten),
gespalten ist. Durch den zwar vernunftlosen, aber der
Vernunft nicht ab-, sondern zugewandten Teil (den Platon den »Mut« nennt) wird zwischen der Vernunft und ihrem
Gegenteil ein Band hergestellt und durch dieses das »Leben«, welches »Eins mit der Seele« ist und zu dieser gehört wie »die
Wärme
[* 18] zum Feuer«. Da nun das Feuer zu erwärmen nicht aufhören kann, so schließt Platon, daß auch die Seele zu leben nicht aufhören
und ebensowenig zu leben angefangen haben könne, und erweist mittels dessen sowohl die Präexistenz der
Seelevor der¶