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Laut IPBES (Das globale Assessment der Biologischen Vielfalt und Ökosystemleistungen) sind bereits 75 Prozent der natürlichen Landoberfläche durch die menschliche Hand verändert worden. Der Flächenbedarf für den Siedlungsbau hat sich seit 1992 verdoppelt und wächst stetig. Diese Entwicklung ist einer der primären Gründe für das fortschreitende globale Artensterben. Um dem Verlust von Grünflächen und der einhergehenden Biodiversitätskrise entgegenzuwirken, bietet die Begrünung von Gebäuden ein grosses Potenzial zur Förderung eines ökologischen Ausgleichs innerhalb des intensiv genutzten städtischen Bereichs.
Das Anlegen von natürlichen Strukturen auf einem Flachdach oder einer Fassade erfordert eine sorgfältige Planung. Die Pflanzen müssen an die extremen Verhältnisse wie Hitze und Trockenheit angepasst sein. Ein geeignetes Substrat, welches nicht nur Wasser und Nährstoffe speichert, sondern diese an die Pflanzen über die Wurzeln abgeben kann, ist unablässig. Um die Anziehungskraft für standorttypische Tierarten zu gewährleisten, ist eine Auswahl an einheimischen Pflanzen ein Muss wie zum Beispiel Arten, die an Schotter und Sandflächen von regionalen Flüssen vorkommen und aufgrund von zahlreichen Kanalisierungen beinahe komplett verschwunden sind. Neben der passenden Nahrungsquelle bieten Kleinstrukturen aus Totholz, Sand oder Steinen einen geeigneten Schutz und Platz für eine mögliche Fortpflanzung.
Mehrere auf Basler Dächern durchgeführte Studien zeigen das Potenzial auf: 237 Käferarten, von denen vier auf der Roten Liste stehen, besiedelten diese neu entstandenen Habitate, die wiederum das Potenzial bieten, als mosaikartig verteilte ungestörte Biotope die Vernetzung von ökologisch wertvollen Flächen zu unterstützen
Die grünen Oasen bringen noch eine Reihe weitere Vorteile mit sich. Das städtische Mikroklima profitiert durch die neu angelegte Begrünung, die das Absorbieren vom Regenwasser und Schadstoffen aus der Luft ermöglicht. Das wirkt sich positiv auf die Reduktion des Wärmeinseleffekts und auf die Verbesserung der Luftqualität aus. Die grünen Flächen umhüllen das Haus wie ein schützender Mantel, der im Sommer Abkühlung verschafft und im Winter Wärmeverlust verhindert. Lärmminderung als auch Entlastung des Abwassersystems sind weitere Benefits, die die Lebensqualität begünstigen. Nicht zuletzt ist der ästhetische Vorteil der grü nen Oasen nicht zu unterschätzen, die zu einer attraktiven und natürlichen Optik im grauen Betondschungel verhelfen.
Monika Mráz,
Vorstand WWF Aargau
Für weitere Informationen: sfg-gruen.ch