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Rheintaler, 23. Juli 2012, 08:49 Uhr
Captain-Crux im Team BMC
Mit den Vorjahresschnellsten ist es nicht ganz einfach an der Tour de France. Von 2006 bis 2008 waren sie gar nicht am Start (Armstrong, Landis, Contador), 2009 belegte Carlos Sastre nur Platz 17.
Benjamin Steffen, Paris
Und 2010 gab Contador eine positive Dopingprobe ab, die Sperre kassierte er aber erst mit grosser Verspätung – weshalb Andy Schleck 2011 noch gar nicht wusste, dass er eigentlich der Vorjahressieger gewesen wäre. Cadel Evans, der Tour-Sieger 2011, setzte die Tradition in den letzten Tagen fort.
Ging es bergauf, verlor der BMC-Captain bald den Anschluss; und im Zeitfahren vom Samstag fuhr der direkt nach ihm gestartete Teamkollege Tejay van Garderen an ihm vorbei. Der bald 24-jährige van Garderen ging als Evans-Helfer in die Tour – am Ziel indes klassierte er sich im fünften, Evans nur den siebenten Gesamtrang.
Der BMC-Manager Jim Ochowicz nimmt Evans in Schutz und verweist auf die vielen Verpflichtungen, die er als Vorjahressieger in den letzten Monaten gehabt habe. Der 35-Jährige selber sagt, er habe tagelang Magenprobleme gehabt, und wer an der Tour physisch limitiert sei, «der bezahlt cash». Oder in Minuten. 15:51 liegt Evans hinter dem Sieger Bradley Wiggins.
Van Garderen avancierte zum besten Jungprofi, was BMC trotz der Evans-Enttäuschung erlaubte, die Tour de France schönzureden. Der Amerikaner ist der beste Griff, den die BMC-Chefs in der Einkaufswut des letztes Sommers tätigten. Sie engagierten für viel Geld Thor Hushovd und Philippe Gilbert, die noch sieglos sind. Van Garderen hatte 2011 bei Highroad Sprints für Mark Cavendish angezogen, sah sich angesichts der Kletter- und Zeitfahren-Stärken aber nicht mehr länger in dieser Rolle.
Den Wechsel zu BMC erklären die einen mit gutem Scouting, die anderen mit dem dicken Portemonnaie des Schweizer Sponsors Andreas Rihs, das auch an van Garderen eine unwiderstehliche Offerte erlaubt haben soll. Intern wird van Garderen umfassend gelobt. Er werde nie laut, und wenn ihn ein BMC-Mitarbeiter zu spät vom Flughafen abhole, beschwere er sich nicht wie andere.
So ist kaum anzunehmen, dass van Garderen mit Blick auf die nächste Tour schon die Captainrolle von Evans einfordert. Ochowicz sagt, 2013 habe BMC wieder mehr Freiheiten – und über Vor- und Nachteile der Situation mit zwei potenziellen Chefs werde noch nicht geredet.
BMC tut gut daran, das heikle Thema nicht zu lange zu meiden. Denn eigentlich stehen die Chancen gut, dass Wiggins 2013 über irgendetwas stolpert. Die jüngere Tour-Geschichte will es so.