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BiPis Traum in der Schweiz – Jubiläumsjahr im KISC 1923 - 2023
Nach dem ersten World Scout Jamboree 1920 in London wünschte sich Lord Baden-Powell (BiPi) ein permanentes Mini-Jamboree. Es sollte ein Ort sein, wo man auch ausserhalb der Lager Pfadfinder aus aller Welt antreffen und ausserdem etwas erleben kann und der erst noch in einmaliger Landschaft liegt. Doch wo gibt es einen Ort, an dem man dies verwirklichen kann und der gleichzeitig noch relativ gut zu erreichen ist? Der Schweizer Bundesfeldmeister Walter von Bonstetten entdeckte ihn in seinen Ferien 1921: Kandersteg.
Dort fand er ein Chalet, welches man für den Bau des Lötschbergtunnels gebraucht hatte und nun leer stand. Es war gut zugänglich und lag mitten in der Schweizer Bergwelt, man konnte also vieles unternehmen.
Walter von Bonstetten schrieb BiPi davon und die beiden vereinbarten einen Besuch. Sie hatten sich bereits früher getroffen, denn von Bonstetten war einer der ersten gewesen, die die Pfadi in die Schweiz brachten. Er gründete Anfang 1913 in Bern das Pfadicorps Patria, die älteste Berner Pfadi, und übernahm im selben Jahr die Führung im Schweizerischen Pfadfinderbund.
Doch zurück ins Jahr 1922, als BiPi in die Schweiz kam, um sich das Chalet in Kandersteg anzuschauen. Der Platz gefiel ihm und so entstand 1923 der Verein «Internationales Pfadiheim». Am 12. April 1923 wurde das Gelände gekauft und das Zentrum gegründet. Schon im August konnten die ersten Pfadfinder aus England und Holland empfangen werden.
1927 wurden die ersten Räume ausgebaut, einerseits von Holländern, andererseits auch von Schweizer Pfadigruppen, wie etwa dem Rheinbund Basel. In den folgenden Jahren erweiterte sich das Lagergelände immer mehr, da man die Möglichkeit hatte, mehr Land zu kaufen.
So entstand etwas das heutige Rovergelände. 1930/31 wurde besonders fleissig gebaut, da vom 29. Juli bis 8. August 1931 das erste Rovermoot hier stattfinden sollte, an dem 2500 Pfadis aus 32 Ländern erwartet wurden – darunter auch Lord Baden-Powell selbst. Gleichzeitig mit der Verbesserung der Infrastruktur vergrösserte sich das Lagergelände immer weiter und es wurden überall Bäume gepflanzt.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde keine besonderen Aktivitäten mehr durchgeführt. Das Zentrum war auch immer wieder Herberge von militärischen Einheiten. In dieser Zeit hatte das Chalet einen sehr prominenten Bewohner: Herbert Beutler, ein Schweizer Pfadileiter, wohnte im KISC. Er hatte im unbesetzten Frankreich Heime für Kinder und Jugendliche geleitet und war nach der deutschen Besatzung ausgewiesen worden. Später arbeitete er in der Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes mit.
Mit dem Ende des Krieges beginnt eine neue Blütezeit für das Heim. Es wird weiterhin viel gebaut und die Bergtouren werden wieder aufgenommen. 1953 findet das 5.Rovermoot ebenfalls wieder in Kandersteg statt. Es versinkt zwar im Regen – doch die Infrastruktur funktioniert.
In den 50er-Jahren startet man den Versuch, das Zentrum ganzjährig offen zu halten und auch im Winter Programm anzubieten. Dies wird bis heute so gemacht. Im KISC herrscht in den Folgejahren nie Ruhe, es wird immer weiter ausgebaut, neue Gebäude errichtet und mehr Räume bekommen ein Land als Paten. In Erinnerung an Walter von Bonstetten baut auch das Pfadicorps Patria Bern einen Raum aus.
1979 ist ein spezielles Jahr für das KISC. Es findet ein kleines Jamboree-Ersatzlager mit 1700 Teilnehmern aus 42 Nationen statt. Das eigentliche Jamboree war wegen der Revolution im Iran kurzfristig abgesagt worden.
Und dies bleibt nicht das letzte internationale Lager im KISC. 1992 findet ein weiterer Weltmoot in Kandersteg statt. Und jedes Jahr verwandelt sich das Lagergelände im Sommer in ein Mini-Jamboree. Auch im Alter von fast 90 Jahren ist das Zentrum in Kandersteg noch kein bisschen alt. Sommer wie Winter kann man im KISC tolle Sachen erleben und ausprobieren. Im Winter steht der Wintersport im Vordergrund, schliesslich liegt das Zentrum im schönen Berner Oberland, doch es gibt auch die Möglichkeit, eine finnische Sauna kennenzulernen oder Curling zu spielen. Im Sommer ist das Programm auf verschiedene Themen ausgerichtet. Unter den Mottos «Internationale Freundschaft», «Alpines Abenteuer» und «Abenteuer Umwelt» gibts verschiedenste Aktivitäten zu erleben. Und überall kann man Pfadis aus der ganzen Welt kennenlernen. BiPis Traum wurde wahr und jeder kann ihn in Kandersteg leben.