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Nach ihren herausragenden Auftritten in der Rezital-Runde und in der Mozart-Prüfung war das finale Schlusskonzert fast nur noch Formsache. Huangci dominierte den diesjährigen Concours Géza Anda und überzeugte Jury und Publikum gleichermassen.
Schon in der Interpretation der späten Sonate in A-Dur von Franz Schubert zeigte sich die 28-Jährige als reife Interpretin, die nicht virtuos auftrumpfen muss um aufzufallen.
In W. A. Mozarts Klavierkonzert in c-Moll stellte sie dann einerseits ihre Professionalität unter Beweis: Obwohl ausgerechnet während ihres ersten Einsatzes ein penetranter Handy-Klingelton störte, blieb sie gelassen und liess sich in ihrem Spiel nicht stören.
Gutes Zusammenspiel mit anderen Musikern
Andererseits bestach sie im Mozart-Konzert mit makellosem Spiel, mit lebendigen, perlenden Läufen, und mit einer Vielzahl an eigenen Einfällen: Geschmackvoll variierte sie etwa die Reprisen im 2. Satz, spielte eigens erdachte Eingänge und auch eine eigene Kadenz.
Ausserdem ging sie hellhörig auf die vielen musikalischen Impulse ein, die ihr die Musizierenden des Musikkollegiums Winterthur unter der Leitung von Theodor Guschlbauer zuspielten. Für diese Gesamtleistung wurde sie schliesslich auch noch mit dem Mozart-Preis ausgezeichnet.
Erfahrene Konzertpianistin
In ihrer Interpretation des G-Dur Klavierkonzerts von Ludwig van Beethoven im Final bestätigte sie ihre musikalischen und technischen Qualitäten. Mit dieser weiteren, sehr inspirierten Leistung erspielte sie sich den verdienten Sieg.
In allen Auftritten von Claire Huangci war auch die grosse Erfahrung zu spüren, die sie bereits mitbringt. Sie spielte schon auf diversen renommierten Bühnen der Welt, hat bisher vier Alben herausgebracht. Und sie hat in den letzten zehn Jahren schon mehrere bedeutende Preise gewonnen, etwa 2011 beim Musikwettbewerb der ARD in München.
Wettbewerb ist grosse Anstrengung
Dass sich bereits arrivierte Künstler den ausserordentlichen Anstrengungen eines Wettbewerbs unterziehen, um ihre Karriere weiterzutreiben, ist nicht die Regel, kommt aber immer wieder vor.
Im Jahr 2006 etwa war mit Nikolai Tokarev unter den Géza-Anda-Preisträgern ebenfalls ein Pianist, der schon gut im Geschäft war. Die Strategie ist gerade bei diesem Concours und dem für die Preisträger verbundenen Konzertmanagement auch nachvollziehbar.
Es fehlte die persönliche Note
Der zweite Preis ging dieses Jahr an den Südkoreaner Jong Hai Park. Er zeigte im Finale eine sehr gute Leistung im d-Moll Klavierkonzert von Johannes Brahms. Der 28-Jährige bewältigte die technischen Herausforderungen dieses Werks, seiner Interpretation fehlte jedoch noch die persönliche Note.
Der Russe Sergej Tanin, der mit 23 Jahren jüngste Finalist, erhielt für seinen Auftritt den dritten Preis. Auch er spielte gemeinsam mit dem engagiert musizierenden Tonhalle-Orchester Zürich unter Leitung des Jury-Präsidenten Christian Zacharias das 1. Klavierkonzert von Brahms.
Grosszügige Preisgelder
Obwohl Tanin seine feine Musikalität und sein ganzes künstlerisches Potential in einigen lyrischen Stellen voll entfalten konnte, so war die Gestaltung seines Parts in diesem Final-Konzert insgesamt noch zu unfertig.
Anders als etwa in der zweiten Runde, wo er hervorragende Bartók- und Liszt-Interpretationen hinlegte. Dies wie auch seine sympathisch zurückhaltende Art bescherten ihm schliesslich den Publikumspreis.
Alle drei Preistragenden erhalten ein grosszügiges Preisgeld sowie zahlreiche Konzertengagements. Die Géza-Anda-Stiftung übernimmt zudem während dreier Jahre – bis zum nächsten Concours – das Konzertmanagement der Laureaten; eine in diesem Umfang einzigartige Belohnung in der Musikwelt.