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RN4 Madagaskar:
Die Brücken des Betsiboka und Kamoro
Brückenbau in Madagaskar
Die RN4 verläuft von der Hauptstadt Antananarivo nach Norden und führt nach Maevatanana. Das kleine Landstädtchen liegt an der Grenze vom Hochland hin zur Küstenebene. Maevatanana ist auch die Hauptstadt der Region Betsiboka, benannt nach dem Fluss, der das Territorium in Süd-Nord-Richtung durchfliesst.
Die Kleinstadt Maevatanana liegt auf nur 70 m ü. M. am Fluss Ikopa, der die Wasser aus der Hauptstadt heranführt. 40 km nördlich von Maevatanana fliesst der Ikopa in den Betsiboka ein, der sich seinerseits das grosse Binnendelta von Mahajunga ergiesst.
Die Brücken des Betsiboka und Kamoro
Die Brücke über den Betsiboka
20 km östlich von Maevatanana führt bei PK 336+700 eine geradlinige Stahlbrücke über den stürmischen Fluss Betsiboka.
An dieser Stelle wurde bereits 1934 eine erste Hängebrücke mit einer Spannweite von 130 m vom französischen Unternehmen Leinekugel Le Coq erstellt.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde diese Hängebrücke 1942 durch die sich rückziehenden Vichy-Truppen beschädigt. Der Mittelteil der Brücke lag zwar im Wasser, doch die anrückenden britisch-südafrikanischen Truppen konnten die eingefallene Fahrbahn trotzdem nutzen.
Am 11. September 1942 überquerte ein alliierter Stosstrupp die Brücke – trotz Beschuss der französischen Vichy-Armee. Die vom Krieg schwer beschädigte Eisenbrücke wurde abgerissen und an fast gleicher Stelle eine einfache Metallbrücke im Stil von Bailey mit gitterartigen Metallverstrebungen erstellt. Die einspurige Brücke mit 280 m Länge ist jetzt noch in Gebrauch. 2015 wurde sie renoviert.
Mit dieser Brücke führt die RN4 über ein dramatisches Szenario zwischen Wasserfall und Stromschnellen, die stufenweise hinunter in eine Schlucht führen. Während der Regenzeit drücken sich die gewaltigen Wassermengen schäumend zwischen die Felsen. Ein eindrückliches Erlebnis.
Am Ende der Trockenzeit wirken die Massen etwas weniger aufregend. Immer jedoch sind sie rotgefärbt mit Erosionserde.
Die Brücken des Betsiboka und Kamoro
Die Brücke über den Kamoro
Die charakteristische Hängebrücke über den Kamoro schaffte es im September 2017 auf eine neue Serie madagassischer Banknoten, es war der 1000 Ariary Geldschein.
Bei PK 406 führt die imposante Hängebrücke auf 206,5 Metern über den Fluss Kamoro. Die Hängebrücke wurde vom Unternehmen Gaston Leinekugel Le Cocq erbaut. (Das Unternehmen baute zwischen 1931 und 1934 drei eiserne Hängebrücken in Madagaskar: Mananjary, Betsiboka und Kamoro.)
Die Hängebrücke über den Kamoro hat eine Spannweite von 206,5 Metern. Die 12 Befestigungsseile verlaufen über die beiden metallenen H-Pylone 22,7 m über der Fahrbahn. Die Fahrbahnträger hängen an den Trageseilen. Die zweihüftige Brücke ist vernietet.
Die elegante Brücke beinhaltet 876 Tonnen Metall. Während der eine Pylon auf einem landseitigen Sockel steht, ruht der andere auf einer Stützmauer. Von dort führt eine Zufahrtsbrücke von 56 Metern bis zum Land. Die Fahrbahn von vier Metern Breite erlaubt auf der Totallänge von 262,5 m keinen Kreuzungsverkehr.
Die ehrwürdige Brücke geriet allmählich ins Alter. Sie bildete zunehmend einen einspurigen Flaschenhals zwischen der Hauptstadt und dem Norden, durch den sich täglich rund 1000 Fahrzeuge drücken. Es gab keine Alternative zu dieser Brücke: sie war die einzige über den 145 km langen Kamoro Fluss.
2017 wurde sie vom Unternehmen Eiffage TP ausgebessert, finanziert von der Weltbank.
Die Société Eiffage ist ein 1993 durch Fusion entstandenes Baukonglomerat, zu dessen Ursprung nebst vielen anderen Bauunternehmen auch das Unternehmen von Gustave Eiffel (Eiffelturm in Paris) gehört.
Die Brücke ist ein Zeugnis industrieller Kultur und erhaltenswert. Fälschlicherweise wird sie als Eiffelbrücke bezeichnet.
Die Brücken des Betsiboka und Kamoro
Eiffage TP erhielt auch den Auftrag für den Neubau einer 265,5 Meter langen Brücke gleich nebenan, ebenfalls finanziert durch die Weltbank. Die Arbeiten dauerten zwei Jahre und erfolgten ohne Arbeitsunfall.
Die neue Hängebrücke steht 14 Meter flussabwärts. Ihre 36 Meter über die Fahrbahn hinausragenden Betonpfeiler (Pylone) scheinen leichter und fragiler zu sein als die behäbigen Eisenpfeiler nebenan. Die zweispurige Fahrbahn von 7 Metern Breite liegt 206 Meter zwischen den Pfeilern auf einem verschraubten Eisenbett. 80 Kilometer Stahlkabel wurden benötigt und 4600 m3 Beton verbaut.
Am 17. Juli 2017 wurde die neue Brücke eingeweiht. Der damalige Staatspräsident sagte: ‘Die beiden Bauwerke symbolisieren die Vergangenheit und die Zukunft. Wir dürfen nicht ignorieren, was früher gemacht wurde zur Entwicklung unseres Landes’.
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