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Dieses Bild aus einem Buch von 1573 zeigt eine Szene aus dem Bergbau. Ob zu dieser Zeit im Einzugsgebiet des Hinterrheins Bergbau betrieben wurde, lässt sich nicht mehr nachweisen. Erste urkundliche Erwähnung geht nämlich ins Jahr 1605 zurück.
Lesen Sie den Nachfolgenden Beitrag von unserem geschätzten Vereinsmitglied Hans Stäbler. Er hat die Ergebnisse seiner Nachforschungen in einem Buch veröffentlicht, "Bergbau im Schams, im Ferreratal und im vorderen Rheinwald", erschien 1981 im Verlag, Freunde des Bündner Bergbaus.
An dieser Stelle möchten wir Hans Stäbler recht herzlich danken für seine grossartige Arbeit. Recht herzlichen Dank auch, dass wir diese Zusammenfassung veröffentlichen dürfen.
In historischer Zeit, als Metalle noch keine Massenprodukte waren und die Verkehrsverbindungen und Transportmöglichkeiten den Austausch von Metallen über grössere Distanzen in engen Grenzen hielten, wurde versucht, aus den einheimischen Erzlagern die wertvollen Metalle zu gewinnen.
Das Gebiet des Schams, des Ferreratales und des vorderen Rheinwalds weist eine grosse Konzentration solcher Zeugen des ehemaligen Bergbaus auf.[1] (Abb.1)
16 Plan Tischdatscha
17 Haus Rosales
18 Schmelze Sufers
19 SchmelzeAusserferrera
20 Schmelze Innerferrera
21 Schmelze Sut Fuina
1.1 "HANS JAKOB HOLTZHALB, ERBUWER DER SCHAMBSCHISCHEN UND RINWALDISCHEN BERGWAERCHEN"
Im Jahre 1605 erlaubt die Gemeinde Sufers Hans Jakob Holtzhalb auf ihrem Gebiet nach Erz zu suchen, bei der Einmündung des Surettabaches in den Hinterrhein eine "Schmelze" zur Metallerzeugung zu erstellen und in den umliegenden Wäldern das nötige Holz zu schlagen.[1] Dies ist die älteste urkundliche Erwähnung des Bergbaus im Hinterrheingebiet. Von den Erzlagerstätten des Surettatales und der Sufner Schmelzi dehnte Holtzhalb seine Bergbautätigkeit ins benachbarte Ferreratal aus.
Holtzhalb beschränkte sich auf die Eisenerzeugung. Trotzdem widersetzte er sich im Jahre 1611 einer Verpachtung der Blei-, Silber- und Kupfererze an den Freiherrn von Haldenstein, der kurz zuvor das Recht zur Münzherstellung (Münzregal) erhalten hatte. Holtzhalb prozessierte gegen die Landschaft Rheinwald und Schams. Während diesen Streitigkeiten, im Jahre 1617, verschied Holtzhalb im 75. Altersjahr.
1.2 Buntmetallbergbau des Freiherrn von Haldenstein 1611 - 1623
Im Jahre 1612 erhielt Freiherr Thomas von Haldenstein das Münzregal.[2] Natürlich versuchte der Freiherr, das Metall zur Münzherstellung möglichst nahe und auf eigene Rechnung zu gewinnen, damit der Gewinn aus den selbstgeprägten Münzen grösser wurde. Der Freiherr pachtete Gruben im Schams und Rheinwald.
Am 16. Juni 1611 verlieh die Landschaft Schams dem Freiherrn "alle bergwerk von ertz, so in unserem gebiet erfunden werden, oder in khünftigen zytt machtind erfunden werden, usgenommen ysen, stachel (Stahl) und kristallenertz". [3] Für dieses Recht musste der Freiherr jährlich einen Zins von 100 Gulden in guter Währung bezahlen. Den Zins bis zum Jahre 1614 übergab er schon bei der Vertragsunterzeichnung.
Auch mit der Landschaft Rheinwald schloss der Freiherr am 1. April 1613 einen entsprechenden Vertrag[4] über den Abbau aller Erze ausgenommen Eisenerz. Der Pachtzins betrug jährlich 40 Gulden.
Dem Vertrag mit der Landschaft Rheinwald kam wahrscheinlich keine grosse Bedeutung zu. Der Freiherr wird kaum die kleinen Buntmetallvorkommen des Rheinwalds ausgebeutet haben, wenn im Schams weit reichhaltigere Vorkommen zur Verfügung standen.
Der Bergbau des Freiherrn beschränkte sich nur auf die Buntmetallgewinnung, vor allem auf den Abbau von Silbererzen. Das zeigen die Verträge deutlich, und bei einer Verwendung der Metalle zur Herstellung von Münzen ist das auch nicht anders zu erwarten.
Für den Abbau der Buntmetallerze kommen zwei Lagerstätten in Frage; diejenige von Taspegn und diejenige von Ursera (evtl. noch Valle di Lei). In den zeitgenössischen Schriftstücken[5],[6] steht der Name Silberbergwerk immer in der Einzahl. Mit diesem Silberbergwerk waren, wie später der Standort der Verhüttungsanlagen zeigt, sicher die Gruben von Ursera gemeint. Die Behauptung, der Freiherr habe in Taspegn ebenfalls Erz abgebaut, kann auf keine Weise belegt werden. Auch der Abbau der Gruben im Valle di Lei ist nicht eindeutig. Im Grenzstreit um das Valle di Lei von 1644 erklärten die Schamser, die Landschaft hätte die dortigen Erzgruben verlost. Also waren die dortigen Erzvorkommen nicht nur bekannt, sondern sie wurden zeitweise auch abgebaut. Für einen etwas später als in Ursera begonnenen Bergbau im Valle di Lei spricht auch die nachträgliche Verleihung des Privilegs zum Prägen Goldmünzen an den Freiherrn, denn die Erze des Valle di Lei waren nach damaligen Dafürhalten goldhaltig. Unerfahrene Laien konnten Gold und Pyrit nicht unterscheiden.
In der Landschaft Schams bestanden um 1611 keine Verhüttungsanlagen. Das beweist die Vereinbarung, die der Freiherr mit den Besitzern des Filisurer Bergwerkes, dem Vikar Johann Salis von Samedan und den Vettern Nicolo und Ottavio Vertemati-Franchi von Plurs, am 11. März 1613 abgeschlossen hatte. In diesem italienisch geschriebenen Vertrag verpflichtet sich der Freiherr, das abgebaute Silber- und Kupfererz gereinigt in Andeer abzuliefern. Die Eigentümer des Filisurer Bergwerkes versprachen, das Erz mit Sorgfalt zu schmelzen und von Zeit zu Zeit dem Freiherrn das gewonnene Metall zu übergeben. Das erschmolzene Kupfer verblieb bei der Filisurer Gesellschaft zur Deckung der Unkosten.
Der Erneuerungsvertrag aus dem Jahre 1614[7] lässt auch Rückschlüsse auf den Umfang der Abbauarbeiten des Freiherrn zu. Der Freiherr musste nämlich monatlich 80 Zentner geschiedenes Silbererz zur Schmelze nach Filisur liefern.
Interessant ist auch der zweite Teil des Vertrags. Dort erhält der Freiherr das Recht, die übrige Erzmenge "nella mia schmelza novamente fatta in Ferrera" zu verarbeiten. Über den Standort der neuen Schmelze sagt der Vertrag nichts. Wichtig ist jedoch, dass der Freiherr zwischen 1611 und 1614 im Schams die erste urkundlich belegte Verhüttungsanlage errichtet hat. Die Lage der Schmelze lässt sich leicht rekonstruieren. Gemäss Vertrag stand sie im Ferreratal. Für den Herantransport der Erze von Ursera bot sich der Platz an, wo alle später gebauten Schmelzen des Raumes Ausserferrera standen, nämlich nördlich von Ausserferrera an der Averser Strasse, am rechten Ufer des Averser Rheins.
Der Freiherr von Haldenstein betrieb im Schams für damalige Begriffe sicher einen umfangreichen Bergbau, denn er lieferte, auch nach der Errichtung der eigenen Schmelze, weiterhin monatlich 8 Tonnen Erze nach Filisur.
[1] Landschaftsarchiv Rheinwald, Urkunde 60, vom 19. August 1609
[2] Berger M.: Rechtsgeschichte der Herrschaft Haldenstein. Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich, Chur 1952
[3] Landschaftsarchiv Schams, Urkunde 21, vom 6. Juni 1611
[4] Landschaftsarchiv Rheinwald, Urkunde 72, vom 1. April 1616
[5] Landschaftsarchiv Schams, Mappe 3, Couvert 4, Urkunde 1
[6] Landschaftsarchiv Schams, Urkunde 24 vom 20. September 1613
[7] Manuskripte im Staatsarchiv Chur über die Filisurer Bergwerke, Standort B 1893
1.3 Epoche des ungeordneten Bergbaus
Nach den Bündner Wirren (europaweit 30jähriger Krieg) zwischen den Jahren 1654 und 1733 wurde an den verschiedenen Stellen Erz gegraben. Diese "Schatzgräberei" führten einzelne Erzsucher auf eigene Faust mit meist ungenügenden Vorkenntnissen durch. Man versuchte dann auch, aus dem gewonnenen Erz mit mehr oder weniger Sachverstand Metalle zu verhütten. Vermutlich mit geringem Erfolg, denn die Namen der einzelnen "Gewerken" finden nur während einem, höchstens zwei Jahren Erwähnung, um dann von neuen abgelöst zu werden.
1.4 Erste Bergbaugesellschaften
Zwischen 1733 und 1786 nahmen erstmals zwei organisierte Bergbaugesellschaften den Bergbau im Hinterrheingebiet auf. Die Abbautätigkeit konzentrierte sich auf die Eisenerzlager des Ferreratals.
Da die erste Gesellschaft unter Leitung von Landammann Buol die Erze nicht im Schams oder Ferreratal verhüttete, stand diese ständig im Streit mit der einheimischen Bevölkerung, die sich mit den so entgangenen Verdienstmöglichkeiten nicht abfinden wollte. Nachdem die Schmelze, die in Sils im Domleschg bei der Einmündung der Albula in den Hinterrhein stand, im Jahre 1762 durch ein Hochwasser zerstört worden war, stellt die Gesellschaft ihre Abbautätigkeit ein.
Damit die Interessen der Talbevölkerung besser gewahrt werden konnten, gründeten einflussreiche Schamser Bürger im Jahre 1767 mit einem Anfangskapital von 20'000 Gulden eine Nachfolgegesellschaft. Unerfahrene Arbeiter, unsachgemäss angelegte Zechen und grosse Schwierigkeiten bei der Erzverhüttung führten zu ständigen Verlusten, die von den Teilhabern durch Bezahlung von sogenannten "Zubussen" ausgeglichen werden mussten. 1786 wurde die bankrotte Gesellschaft aufgelöst.[1],[2], [3]
[1] Archiv der Familie Simonett-Marchion im Staatsarchiv Graubünden in Chur, Urkunde vom 19. Juli 1769
[2] Archiv der Familie Simonett-Marchion im Staatsarchiv Graubünden in Chur, Urkunden vom 9. Juni, 9. Juli, 20. Juli und 18. September 1769
[3] Archiv der Familie Simonett-Marchion im Staatsarchiv Graubünden in Chur, Urkunde vom 9. März 1771
1.5 Blüte des Eisenbergbaus
Im Jahre 1805 begannen rund 200 Arbeiter unter Leitung der Gebrüder Venini, die aus dem nahen Veltlin eingewandert waren, mit einer gross angelegten Eisengewinnung, Mit ebenso grossem Aufwand mussten die abgebauten Erze verhüttet werden. Der riesige Holzbedarf für diese Verhüttung führte zu einem vollständigen Kahlschlag des Waldes im Ferreratal, denn zur Erzeugung einer Tonne Roheisen benötigte man 30 m3 Holz. Als die Veninis im Jahre 1827 merkten, dass die erwiesenermassen gewinnbringende Eisenerzeugung wegen des nun fehlenden Waldes nicht mehr im gewohnten Umfang weitergeführt werden konnte, zogen sie sich zurück. Der Holzmangel schränkte in der Folge den Bergbau drastisch ein. Er verlagerte sich, nachdem 200 Jahre lang das Ferreratal im Zentrum des Interessens gestanden hatte, zurück in die Sufner Schmelze und die Eisenerzgruben des Surettatales.[1], [2], [3], [4]
1.6 Bergbau im Dienste des italienischen Freiheitskampfes
Dem serbelnden Bergbau verlieh 1835 Marcheses Gaspare Ordogno de Rosales neue Impulse. Rosales, ein Spross einer spanischen Adelsfamilie, die sich in der Lombardei niedergelassen hatte und dort ein ansehnliches Vermögen besass, wollte zusammen mit seinem Kompagnon del Negri das im Hinterrheingebiet erzeugte Eisen zur Herstellung von Waffen für den italienischen Freiheits- und Unabhängigkeitskampf unter Mazzini, Cavour und Garibaldi verwenden.
Da wegen des fehlenden Waldes im Ferreratal eine Verhütung weiterhin unmöglich war, errichtet man in Andeer einen imposanten, heute noch erhaltenen Blashochofen, und in der Sufner Schmelze entstand eine Frischfeueranlage, in der das kohlenstoffreiche, spröde Roheisen in ein schmiedbares Produkt umgewandelt wurde.
Besonders die etwas abgelegene Sufner Schmelzi wurde zum Sammelpunkt der vorübergehend aus Italien geflohenen Unabhängigkeitskämpfer, und auch Mazzini weilte mehrere Male dort und führte einen regen Briefkontakt mit den Bergwerksbetreibern.
Die Freiheitskämpfer kamen nicht dazu, die etwa 15'000 Tonnen Eisen, die in den Jahren 1838 bis 1848 erzeugt wurden, in Form von Waffen zu gebrauchen. Rosales musste das Metall zu handelsüblichen Preisen verkaufen. Die hoch im Gebirge gelegenen Eisenerzgruben und die langen Transportdistanzen führten zu Produktionskosten, die viel höher als der Verkaufpreis lagen. Das Vermögen von Rosales wurde aufgezehrt und der Bergbau kam zum Erliegen.
[1] Archiv der Familie Simonett-Marchion im Staatsarchiv Graubünden in Chur, Urkunde vom 22. August 1772
[2] Landschaftsarchiv Schams, B 25
[3] Cutolo A.: Vita romantica di un mazzinaiano, Hoepli, Mailand, 1938
[4] Ragaz I.: Einige Betrachtungen über Bergbau, 1. Teil: Der Bergbau im Schams während der letzten hunder Jahre. Rätia, Bündnerische Zeitschrift für Kultur, 3. Jahrgang, 1939/40, S 220 ff
[5] Mani B.: Heimatbuch Schams, 2. Auflage, Herausgeber und Verlag: Kulturelle Vereinigung Val Schons, 1961, S 269
1.7 Val Sassam Mines Company 1864 - 1870
In den Jahren 1860 bis 1865 durchstreiften Ingenieure bekannter englischer Bergbauunternehmungen Graubünden und das Tirol, um abbauwürdige Erzlager zu finden. Ihr Augenmerk richteten die Ingenieure besonders auf Gebiete, in denen schon früher Bergbau betrieben worden war. Sie untersuchten unter anderen auch die Gruben in S-charl und bei Bergün, fanden aber die Schamser vorkommen Ursera und Taspegn am reichhaltigsten.
Im Jahre 1864 wurde als Tochterfirma der Bergwerksgesellschaft "John Taylor and Co" die Val Sassam Mines Company gegründet. Die Firma "John Taylor and Co" ist noch heute ein bekanntes Unternehmen in England, welches sich unter anderem auf den Glockenguss spezialisiert hat. Das Aktienkapital der VSM betrug 60'000 Pfund. Das entsprach beim damaligen Pfundwert von sFr. 25 etwa einem Betrag von 1.5 Mio. Franken. Das Aktienkapital wurde durch die Ausgabe von 6000 10-Pfund-Aktien beschafft. Die 10 Pfund mussten jedoch nicht auf einmal einbezahlt werden. Zum Kauf einer Aktie genügte 1 Pfund. Drei Monate später zahlte der Aktienbesitzer weitere 5 Pfund pro Aktie. Gemäss Kostenvoranschlag der Gebrüder Taylor sollten die so einbezahlten 36'000 Pfund für die Erstellung der Gebäude und die Aufnahme des Bergbaus ausreichen. Die restlichen 24'000 Pfund durften dann nur noch auf Beschluss der Generalversammlung hin abgerufen werden.
Das für die damalige Zeit gewaltige Aktienkapital und die Namen der sieben Direktoren der Gesellschaft zeigen, mit welchem Aufwand man den Buntmetallbergbau im Schams aufnehmen wollte und welche Gewinne man von ihm erwartete.
Die Berichte der Gebrüder Taylor, die im Jahre 1864 die Erzlager von Ursera und Taspegn auf eigene Kosten untersuchten und sogar abbauen liessen, konnten an einem Erfolg gar keinen Zweifel offen lassen.
Besonders erfolgsversprechend sahen die Erzanalyen aus:
Ursera
Durchschnitt von 4 Erzanalysen: Kupfer 6.25 % Silber 3.6 %
Gewaschene Proben (angereichert) Kupfer 45 % Silber 8.5 %
Taspegn
Durchschnitt von 10 Einzelanalysen Blei 35 % Silber 2.3 %
Mit solchen reichhaltigen Erzen standen die Gruben von Ursera und Taspegn nicht hinter den Bergwerken in englischen Kolonien zurück.
Auch das Angebot der Schamser, keinen Pachtzins für die Bergwerke zu verlangen, lockte zu einer Aufnahme des Bergbaus. Vermutlich hoffte man im Tal, dass bei einer Wiederaufnahme des Bergbaus neue Arbeitsplätze entstehen würden und so die Auswanderung nach Übersee gestoppt werden konnte, die nach dem Scheitern des Bergbaus unter Rosales in ungewohntem Masse zugenommen hatte.
Die VSM wurde zuerst von einem Sohn des John Taylor geleitet. Später amtete Thomas Rickard als Direktor. Die Gesellschaft führte im Jahre 1865 umfangreiche Vorbereitungsarbeiten für den Bergbau aus. Von den Gruben Ursera wurde eine Rollbahn mit Holzschienen bis zum Steilabsturz ins Val Ferrera erstellt. Von dort entstand eine 400 m lange Seilbahn zur Schmelze Ausserferrera. wo die verfallenen Knappenhäuser, die Poch- und Waschanlagen der Gebr. Venini standen. Die Gesellschaft errichtete in der Schmelze ein neues Erzaufbereitungsgebäude, das aus Poche und Wasche bestand und stellte die alten Knappenhäuser wieder in Stand. In Andeer erwarb sie die Catrinische Mühle links des Rheins, nördlich des Hauses Rosales, und richtete die Direktionsbüros und ein Laboratorium ein.
Im Jahre 1865 nahm die Gesellschaft Schmelzversuche vor, einen neuen Ofen errichtete sie aber nicht, denn es war geplant, die angereicherten Erze nach Swansea in Wales zu transportieren, um sie dort in den bestehenden Anlagen der Firma Taylor zu verhütten. Damit möglichst wenig taubes, wertloses Gestein mit den Erzen nach England transportiert werden musste, wendete man folgendes Anreicherungsverfahren an: Zuerst wurde das Erz von Hand geschieden, hierauf durch Pochhämmer zu Sand zerstampft und zum Schluss gewaschen, wobei die Erzkörner, die schwerer als das taube Gestein sind, zurückblieben. Nachher sollte das so angereicherte Erz zum Transport nach Swansea in Fässer verpackt werden.
Im Jahre 1866 nahm die Gesellschaft ihre Abbautätigkeit in vollem Umfang auf. Das Hauptgewicht des Abbaus sollte in den Gruben von Ursera liegen. Man versuchte dort, das Hauptlager mit einem tieferen Stollen zu unterfahren und damit zugleich die beiden oberen Abbaustollen zu entwässern. Leider stiess man aber nicht so schnell wie erwartet auf die Erzlager, sondern man musste zuerst 45 m Gneis durchörtern, bevor die Erzzone erreicht wurde. Dies aber erst, nachdem man bei 40 m noch einen 37 m langen Stollenquerschlag erstellt hatte, bei dem, wie ein Kreuz an der Stollenwand schliessen lässt, möglicherweise ein Menschenleben zu beklagen war. Dieser nicht geplante Zubau im tauben Gestein verzögerte den Erzabbau in Ursera entscheiden. Im Jahre 1866 konnten darum nur 17.5 Tonnen angereichertes, das heisst gepochtes und gewaschenes Erz hergestellt werden. Im Jahre 1867 gelang es, 56 Tonnen angereichertes Erz zu erzeugen.
Ähnlich wie in Ursera ging man den Abbau in Taspegn an. Man versuchte dort ebenfalls, das mächtige vererzte Barytlager mit einem Stollen zu unterfahren. Daneben vertiefte man auch noch die alten Abbaustellen und erstellt vier neue Tagbaue, nämlich die terrassenförmigen Gruben unmittelbar über dem Unterfahrungsstollen. Im Jahre 1866 wurden in Taspegn 15 Tonnen und im Jahre 1867 45 Tonnen angereichertes Erz hergestellt. Der gesamte Erzabbau betrug in diesen zwei Jahren 2600 Tonnen, das heisst 45 Tonnen abgebautes, erzhaltiges Gestein ergaben nur 1 Tonne angereichertes Erz. Um dieses Erz abzubauen, musste noch viel taubes Gestein losgebrochen werden. Das Ausmass dieser unrentablen Abbauweise zeigen am offensichtlichsten die auffallenden Abbauterrassen. Dort baute man, zwei 2 cm dicken Erzäderchen folgend, rund 200 m3 taubes Gestein ab.
Das gewonnene Erzgestein wurde mit einer Seilbahn über 350 Höhenmeter hinunter auf die Plan Tischatscha transportiert und dort gepocht und gewaschen.
Die gewaschenen Erze von Taspegn bildeten die einzigen Einnahmequellen der Gesellschaft. Nur sie konnten in Fässern nach Swansea transportiert werden. Die Erze von Ursera blieben in ihrem Silber- und Kupfergehalt weit hinter den Erwartungen zurück. Es gelang nicht, sie so anzureichern, dass sich ein Transport nach England gelohnt hätte.
Diesem Fehlschlag in der Anreicherung schrieb man, wie aus den Jahresberichten der Gesellschaft hervorgeht, auf Grund der falschen Analysenergebnisse nicht dem minderwertigen Erz, sondern dem ungünstigen spezifischen Gewicht der Gangart zu. Gangart und Erz hatten nach Taylor das gleiche spezifische Gewicht und liessen sich somit mit der herkömmlichen Waschmethode nicht trennen.
Der Umfang der Abbaue in Ursera und Taspegn wird am besten von den Abbau- und Aufbereitungskosten wiedergegeben:
Ursera 1866 26'989.39 Fr.
1867 73'187.48 Fr.
1868 64'162.39 Fr.
164'309.26 Fr.
Taspegn 1866 29'142.73 Fr.
1867 35'933.82 Fr.
1968 40'142.43 Fr.
105'218.98 Fr.
Da die angereicherten Erze von Ursera nicht transportwürdig waren, baute die VSM an die Aufbereitungsanlagen in Ausserferrera noch zwei Flammöfen an, deren Kamin wie bereits beschrieben, heute noch an der Strasse in beinahe unzerfallenem Zustand zu sehen ist. Der Verhüttungsprozess in diesen Öfen zeigte aber keine befriedigenden Ergebnisse. Die entstandenen Schlacken enthielten noch die Hälfte des Silber- und Kupfergehaltes.
Das vollkommene Fehlschlagen des Bergbaus in Ursera und die zu aufwendigen Abbaue in Taspegn brachten die Gesellschaft natürlich schnell in die roten Zahlen. Vergrössert wurde das Defizit noch durch die Arbeitsweise und die für damalige Verhältnisse hohen Löhne der 70 Arbeiter. Man baute im Dreischichtenbetrieb ab. Ein Minenarbeiter verdiente 2.50 Franken pro Tag. Wurden reiche Erzadern abgebaut, was aber wahrscheinlich selten vorkam, konnte sich das Tageseinkommen eines Einzelnen bis auf 20 Franken steigern. Der Direktor der Gesellschaft verdiente 10'000 Franken jährlich.
Trotz der guten Bezahlung bekam die Gesellschaft Schwierigkeiten mit den Schamser Arbeitern. Diese verlangten nämlich wegen Privatspekulationen ein Mitbestimmungsrecht in der Gesellschaft. Darauf wurden sie fristlos entlassen und Tiroler an ihre Stelle gesetzt. Thomas Rickard, der Bergwerksdirektor, schrieb an die Landschaft: "Die einheimischen Arbeiter meinen, sie seien richtige Bergleute, wenn sie einen Schlägel richtig halten können." Der Gemeindepräsident Fümberger aus Innerferrera, dessen Vorfahren als Knappen aus dem Tirol ins Schams eingewandert waren, erwiderte: "Bergleute der Landschaft, die mehrere Jahre im Bergwerk gearbeitet hatten, sollten als rechte Bergknappen anerkannt werden".
Zu diesem Streit kam noch eine Feuersbrunst im Verwaltungsgebäude in Andeer hinzu. Der Brand entstand während der Nacht im Laboratorium im Erdgeschoss, wo Silberproben auf glühende Holzkohle gelegt worden waren. Um das Mass voll zu machen, hatte die Gesellschaft auch noch Pech mit dem Wetter. Im Jahre 1868 konnte gemäss Jahresbericht wegen ungünstiger Witterung nur drei Monate in den Bergwerken gearbeitet werden, nämlich von anfangs Juni bis anfangs September.
Einen verzweifelten Versuch, die Verluste im Silber-, Kupfer- und Bleibergbau auszugleichen, unternahm Rickard im Jahre 1969, nachdem der Buntmetallerzabbau ganz zum Erliegen gekommen war. Er pachtete für einen gesamten Pachtzins von 12'000 Franken auf 35 Jahre sämtliche Eisenerzlager des Tales, die seit dem Rückzug von Rosales aus dem Schamser Bergwerksgeschäft im Jahre 1848 nicht mehr abgebaut wurden. In einem Brief an sämtliche Gemeinden der Talschaft vertrat der Kreisrat die Ansicht, dass angesichts der gegenwärtigen Eisenpreise und wegen des Holzmangels kein günstigerer Vertrag abgeschlossen werden könne.
Die Gesellschaft nahm den Eisenerzabbau wahrscheinlich nicht auf. Denn bereits im Jahre 1870, das heisst nach nur fünfjährigem Wirken im Schams, gab die Val Sassam Mines Company den Konkurs bekannt. Der Verlust der Gesellschaft betrug gemäss Liquidationszusammenstellung 1.2 Mio. Franken.[1], [2], [3], [4], [5]
[1] Jahresbericht und Liqidationszusammenstellung der Val Sassam Mines Company, Kantonsbibliothek Graubünden, Standort Bi 4/37
[2] Landschaftsarchiv Schams, BB 25, Urkunde vom Januar 1868
[3] Landschaftsarchiv Schams, BB 25, Urkunde vom Februar 1868
[4] Landschaftsarchiv Schams, BB 25
[5] Landschaftsarchiv Schams, BB 25, Urkunde vom 15. Februar 1869
1.8 Letzte Bergbauversuche in der Region Hinterrhein
Mit der Liquidation der Val Sassam Mines Company fand der Bergbau des 19. Jahrhunderts im Schams seinen Abschluss. Zwar wurden noch einige Konzessionsverträge abgeschlossen. diese blieben aber alle unausgenützt.
1.9 Asbestgewinnung in der Grube von Starlera
In den 1880er Jahren wurde im Ferreratal auch noch ein Nichterz-Mineral gewonnen. Rageth Joos und später Georg Mani, beide aus Andeer, schlossen mit der Landschaft einen Vertrag ab, der ihnen erlaubte, Steinflachs (Asbest) in der Grube von Starlera abzubauen. Über den Verlauf dieser Abbaue geben die Akten keine Auskunft. Sicher nahm er aber kein grosses Ausmass an, denn die Asbesteinlagerungen in Starlera sind ausserordentlich gering.[1], [2]
1.10 Bergbau im 20. Jahrhundert
1.10.1 Bergbau AG Chur 1917 - 1920
Im Jahre 1918 begann das letzte Kapitel des Schamser Bergbaus. Während des 1. Weltkrieges war es den Mittelmächten wegen der Blockade nicht möglich, Manganerz aus Übersee zu importieren, und auch Russland, das die grössten Manganerzlagerstätten Europas besitzt, lieferte kein solches Erz, da es auf Seiten der Alliierten stand. Die Manganerzpreise stiegen daher sprunghaft an. Die Eisenhüttenwerke zahlten einen Preis von 200 Franken für eine Tonne Erz mit 50 % Mangan- und 10 % bis 20 % Eisengehalt. Auch in der Schweizer Industrie machte sich neben dem Eisen- und Kohlemangel das Fehlen von Mangan stark bemerkbar. Darum wurde der Boden der Schweiz nach neuen Mineral- und Erzlagerstätten durchsucht.
Natürlich unterzog man dabei auch die Eisenerzlagerstätten des Ferreratales einer Untersuchung. Dabei entdecke Ingenieur Markwalder von Dänikon, der früher als Berbauingenieur in Brasilien tätig gewesen war, dass im Vorkommen von Starlera neben den bekannten Eisenerzen auch noch Manganerze auftreten. Angesichts des oben erwähnten hohen Preises für Manganerze entschloss sich Ingenieur Markwalder, den Bergbau in Starlera aufzunehmen, obwohl sich die Grube, denkbar ungünstig gelegen, 1000 Höhenmeter oberhalb Innerferrera befindet.
Auf Initiative von Herrn Markwalder hin entstand die Bergbau AG Chur. Am 2. Dezember 1917 schloss die Gesellschaft mit der Landschaft Schams über 60 Jahren einen Vertrag ab,[3] der ihr den Abbau sämtlicher Schamser Erze erlaubte. Der Pachtzins betrug in den ersten sechs Jahren je Jahr 2'000 Franken. Er sollte aber gesteigert werden und zwischen dem 46. und 60. Jahr 9'000 Franken betragen. Die Gesellschaft erhielt das Recht, die nötigen Gebäulichkeiten auf Landschaftsgebiet zu erstellen. Sie durfte den Vertrag direkt ohne Entschädigung künden.
Im Jahre 1918 wurde der Bergbau in Starlera aufgenommen. Unterhalb der Grube errichtete man eine kleine Arbeiterunterkunft. Der von früheren Abbauen herrührende 8 m lange Stollen, der mit Wasser gefüllt war, wurde erweitert. Da das Dach der Lagerstätte sehr tragfähig ist, konnte der linsenförmige Erzkörper voll ausgebrochen werden. Die Sprenglöcher wurden mit Handbohrern geschlagen. Da der Abbau mit maximal 30 m keine grosse Tiefe erreichte, genügte die natürliche Lüftung. In die Abbaueinrichtungen musste darum nicht viel Kapital investiert werden (ca. 30'000 Franken).
Das Erz wurde beim Abbau von Hand geschieden. Besonders musste man versuchen, das Eisenerz auszuscheiden, denn dieses konnte wegen seines meist geringen Eisengehaltes nicht verkauft werden. Zuerst wurde das geschiedene Manganerz von Einheimischen ins Tal getragen. Die Gesellschaft bezahlte dafür 30 bis 35 Rappen pro Kilogramm. Bei einer Last von 50 kg verdiente ein Träger mit 15 Franken einen für damalige Begriffe ansehnlichen Taglohn. Dieser Transport verteuerte natürlich das Erz, und es konnte auch nur eine beschränkte Menge ins Tal geführt werden. Darum wurde von der Talsohle zum Erzvorkommen eine Seilbahn erstellt, die eine Länge von ca. 2000 m besass und eine Höhendifferenz von 945 m überwinden musste. Die hölzernen Seilbahnwagen fassten 350 kg Gestein. Die Installation dieser ungewöhnlich langen Seilbahn verschlang weitere 80'000 Franken, denn es entstanden mannigfaltige Schwierigkeiten bei der Installation dieser Occassionsanlage. Der Bau der Seilbahn deutschen Fabrikates begann im Sommer 1918. Infolge des schlechten Zustandes des Seilbahnmaterials konnte sie jedoch nach zweijähriger Bauzeit erst im Sommer 1920 in Betrieb gesetzt werden.. Nun waren die Grundlagen geschaffen, den Abbau im geplanten Umfang zu betreiben. Durch Einstellung von insgesamt 20 Arbeitern dehnte man die Abbautätigkeit aus. Dennoch betrug die maximale Fördermenge nur 1400 kg pro Tag. Da das Manganerz unregelmässig im Eisenerz eingelagert auftritt, musste das Eisenerz mit abgebaut werden. Nach einer ersten Handscheidung in der Grube erfuhr das ins Tal transportierte Fördergut bei der Talstation der Seilbahn eine nochmalige Sortierung. Leider musste auch das mitabgebaute, unverkäufliche Eisenerz, infolge Fehlens eines geeigneten Deponieplatzes bei der Grube, mit der Seilbahn ins Tal geführt werden.
Weil der Autoverkehr in Graubünden - man staune - noch verboten war, erfolgte der Erztransport auf der Strecke Innerferrera - Thusis ausschliesslich mit Fuhrwerken in zwei Etappen. Die Transportkosten für die 25 km lange Strecke beliefen sich im Jahre 1919 auf 45 Franken pro Tonne Erz. Von Thusis gelangte das Erz per Eisenbahn als Kompensationslieferung in die rheinischen Eisenhütten ins Ruhrgebiet. [4]
Leider verunglückte im August 1920, kurz nach der Betriebsaufnahme der Seilbahn, Ingenieur Markwalder, der Initiant und Leiter des Unternehmens beim Abstieg von der Grube tödlich. Für den Aufstieg zum Bergwerk benutzte er und der Geologe Albert Heim die Seilbahn. Ein Föhnsturm verunmöglichte aber die Rückfahrt mit derselben. Das mangelhafte Schuhwerk wurde Ingenieur Markwalder beim Abstieg zu Fuss zum Verhängnis.
Der Tod des Sachverständigen, die ungenügende Förderleistung und die Manganerzpreise, die sich wieder normalisiert hatten, führten im Herbst des Jahres 1920 zur Einstellung des Betriebes. Die "Bergbau AG Chur" wurde noch im gleichen Jahr aufgelöst mit einem Verlust von mindestens 180'000 Franken.[5]
Da man bis September 1920 vor allem Einrichtungsarbeiten vornahm und den Erzabbau wegen Fehlens eines leistungsfähigen Abtransportmittels nur nebenbei betrieb, wurde nur eine geringe Manganerzmenge gewonnen. Über die Abbau- und Gestehungskosten zuverlässige Zahlen zu errechnen, erweist sich darum als unmöglich. Die Menge der geförderten und verkauften Manganerze betrug:
1918: 20 Tonnen
1919: 50 Tonnen
1920: 75 Tonnen
Total 145 Tonnen
Die kläglichen Abschlüsse der meisten Minenunternehmen im Schams während des 19. und 20. Jahrhunderts, bei denen bedeutende Summen verloren gingen (Rosales 1.5 Mio. Franken, VSM 1.3 Mio. Franken, Bergbau AG Chur 180'000 Franken), schreckte anscheinend noch nicht genug ab. Im Jahre 1929 bemühte sich sogar eine Frau um die Schamser Bergwerkskonzession. Frau Amort scheiterte aber an Finanzierungsschwierigkeiten.
Gleich erging es K. Dalvai aus Chur im Jahre 1937. Sein Projekt, mit 100 Arbeitern, die Sommer und Winter arbeiten sollten, um täglich 100 Tonnen Eisen- und Manganerz zu fördern, kam ebenfalls nie zur Ausführung.
1.10.2 Zweiter Weltkrieg
Als während des 2. Weltkrieges die Manganerzversorgung unseres Landes wieder unsicher wurde, unterzog man, nachdem im Oberhalbstein bereits Manganerz abgebaut wurde, auch die Manganerzlager des Schams erneut einer genauen Prüfung.
Der Geologe A. Glauser untersuchte im Auftrag des Büros für Bergbau unter Leitung von Dr. H. Fehlmann die Manganerzlager von Fianel und Starlera.[6]
Im Jahre 1945 wurden in Fianel Probeschürfungen vorgenommen. Man kam zum Schluss, dass dort ca. 2'000 Tonnen Manganerz mit einem Gehalt von 10 % Mangan abgebaut werden könnten. Im Jahre 1946 versuchte man auch mit Hilfe von magnetometrischen Messungen weitere Manganerzzonen aufzufinden. Der Untersuch fiel negativ aus. Die 2'000 Tonnen sicher vorhandener Manganerze konnten nicht abgebaut werden, da deren Abtransport zu aufwändige Anlagen nötig gemacht hätte.
Im Jahre 1942 führte Glauser auch in Starlera Untersuchungen durch. Man trieb sogar einen 6 m langen Versuchsstollen vor. Glauser kam zum Schluss, dass die mit 1'000 Tonnen vorsichtig geschätzten Manganerzvorräte mit einem Gehalt von 10 % bis 35 % einen Abbau rechtfertigen würden. Nach den schlechten Erfahrungen im 1. Weltkrieg fand sich aber kein Unternehmen mehr bereit, das Risiko eines Abbaus in Starlera auf sich zu nehmen.
[1] Landschaftsarchiv Schams, BB 25, Urkunde vom 11. April 1881
[2] Landschaftsarchiv Schams, BB 25, Urkunde vom 28. Mai 1885
[3] Landschaftsarchiv Schams, BB 25, Urkunde vom 2. Dezember 1917
[4] Die Eisen- und Manganerze der Schweiz. Herausgegeben von der Studiengesellschaft für die Nutzbarmachung der schweizerischen Erzlagerstätten. Erste Lieferung, Kümmerly und Frey, Bern 1923, S 221 ff
[5] Landschaftsarchiv Schams, BB 25
[6] Glauser A.: Bergbauakten, erstellt anlässlich der Untersuchungen während des 2. Weltkrieges, Nr. 2050, 4, 5, 7, 13, 19, 26. Sammelstelle geologischer Dokumente, Brunnhofweg 47, Bern
1.10.3 Letzter "Abbau" im 20. Jahrhundert
Alle drei Jahre findet im Frühjahr in Andeer die Gewerbeausstellung MUMA statt. Dabei wird jeweils als zusätzlicher Ausstellungsschwerpunkt ein spezielles Thema besonders beleuchtet. Bei der MUMA 1995 bildete das Thema Bergbau den roten Faden durch die Ausstellung. Mit Informationsstafeln an den einzelnen Ausstellungsständen der Betriebe wurde der Bergbau im Hinterrheingebiet dokumentiert.
Bauunternehmer Valentin Luzi aus Zillis wollte aber zusätzlich einen repräsentativen Erzblock ausstellen. Ende November 1994 begann die Suche nach einem solchen Block. Leider liess sich in den alten Erzgruben im Bereich der Talsohle kein passender Erzblock finden. Da der liebe Petrus den Wintereinbruch 1994/95 verzögerte und nur wenig Schnee lag, wurde ein kräfteraubender, nicht ganz risikoloser Aufstieg in die Manganerzgrube von Starlera unternommen. Als Belohnung für den anstrengenden Aufstieg über 700 Höhemeter durch Schneefelder und über Felsbänder wurde der Suchende im Eingangsbereich des Bergwerkes von einem rund 1500 kg schweren Eisen-Mangan-Erzblock "angelacht"! Mit einer aufwändigen Bergungsaktion mit Hubschrauber und Geländefahrzeug liess Bauunternehmer Valentin Luzi diesen Erzblock bergen. Der Block war der Blickfang an seinem Ausstellungsstand bei der MUMA 1995.
Heute bezeugt dieser Block beim Bergbaumuseum Innerferrera diesen bis jetzt letzten "Bergbauversuch" im Ferreratal.
2 Klimawandel und Bergbau am Beispiel des Chilchalphorns bei Hinterrhein
Ein Vergleich zwischen dem Schiesspanorama des Bunkers Valserberg links vorne, aufgenommen am 26. Juni 1944 mit einer Aufnahme aus dem Sommer 2006 zeigt: der Chilchalpgletscher bei Hinterrhein ist Geschichte. Nur noch wenige isolierte Eisinseln sind von ihm übrig geblieben.[1] Jetzt wird auch die Vermutung bestätigt, warum man sich früher auf dem Chilchalpgletscher mit einem Magnetkompass nicht orientieren konnte. Erzeinlagerungen im Fels unter dem Gletschereis, die heute am rostrot oxidierten Gestein zu erkennen sind, führten die Magnetnadel in die Irre. Auf einer Seitenmoräne des ehemaligen Chilchalpgletschers, auf 2400 m ü. M., finden sich die Überreste eines kleinen Schmelzofens (roter Kreis im Bild), mit dem die jetzt wieder zutage getretenen Erze hätten verhütet werden können. Der Ofen, der auf Grund seiner einfachen Konstruktion zwischen dem I5. und 18. Jahrhundert erbaut worden war, war vermutlich nie in Betrieb, es fehlen Hitzespuren an den Ofenmauern und Schlackenreste in der Ofenumgebung. Neben dem Eisenerz, das verhältnismässig leicht zum Ofen hinuntergezogen werden konnte, wäre für den Betrieb des Ofens auch Holzkohle notwendig gewesen. Heute liegt die Waldgrenze 600 Höhenmeter tiefer als der Ofen. Wollten seine Betreiber die Kohle so weit hinauftransportieren? Wohl kaum. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Waldgrenze zur Zeit des Ofenbaus höher lag als heute. Die Bilderfolge über eine Zeitspanne von wenigen hundert Jahren zeigt: Klimaschwankungen hat es auch in jüngerer Zeit immer wiedergegeben. Zu denken geben muss nur die grosse Geschwindigkeit, mit der sich die aktuelle Klimaveränderung vollzieht.
[1] Archiv Festungsmuseum Crestawald und Hans Stäbler, Filisur