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Beim Ceneri-Pass oberhalb des Dorfs Rivera TI befindet sich eine der schönsten Rennstrecken der Schweiz. Einmal im Jahr duellieren sich die Mountainbikerinnen und Mountainbiker in den Wäldern zwischen der Magadinoebene und dem Vedeggiotal. Bekannt wurde die Strecke am Monte Tamaro durch den Swiss Cup, im Coronajahr 2020 sprangen die Tessiner Organisatoren kurzfristig ein, um die Europameisterschaften zu organisieren. Seit dem letzten Jahr zählt das Rennen im Tessin zur damals neuen Rennserie ÖKK Bike Revolution. Am Wochenende ging die Bike Revolution auf dem Monte Tamaro in seine zweite Saison.
Knapp hinter Sina Frei und vor der Weltranglisten-Ersten
Die Rennserie ist von drei auf fünf Rennen angewachsen, was den Kampf um die Gesamtwertungen interessanter macht. Eine Woche nach dem Auftakt des CIC ON Swiss Bike Cups in Gränichen AG standen im Frauenrennen ausser Olympiasiegerin Jolanda Neff, Dritte in Gränichen, alle Top-Mountainbikerinnen der Schweiz am Start. Mit der Niederländerin Anne Terpstra und der Italienerin Martina Berta waren zudem zwei starke Ausländerinnen dabei.
Die U23-Fahrerin Ronja Blöchlinger (Liv Factory Racing) nutzte die Gelegenheit, um sich mit einigen Weltklassefahrerinnen zu messen. Vor einer Woche in Gränichen führte sie das Rennen nach dem Start an, mit dem Ergebnis, dass sie zu viel Kraft verpuffte, um weiter nach vorne als auf Rang 7 zu fahren. «Diesmal fasste ich den Plan, das Rennen etwas langsamer anzugehen», sagt Ronja Blöchlinger. Wie sie es sich vorgestellt hatte, bog sie zwischen Position 3 und 5 in die erste Trail-Passage ein. Anne Terpstra setzte sich schon in der ersten Runde ab, fiel dann aber wegen eine Plattens weit zurück. Weder von Terpstras Alleingang, noch von den folgenden Positionskämpfen liess sich Blöchlinger beirren. «Ich fuhr mein Tempo und machte die Spielchen nicht mit», sagt die Vorderländerin.
Nachdem sich Martina Berta kurz vor Rennhälfte auf Nimmerwiedersehen von ihren Konkurrentinnen entfernt hatte, fuhr Blöchlinger im Bereich von Sina Frei, Nicole Koller und Alessandra Keller. Dabei liess sie stets eine kleine Lücke zu den vor ihr fahrenden Frei und Koller, hielt aber die Erste der Weltrangliste – Alessandra Keller – ebenfalls einige Meter hinter sich. Wie sich herausstellte, war das nicht nur Taktik der Siegerin von Gränichen: Zwischendurch lag die Nidwaldnerin zwar vor Blöchlinger, aber im Ziel kam sie eine Position hinter Blöchlinger an. In der hektischen Schlussphase mit vielen Defekten lag Ronja Blöchlinger zwischenzeitlich gar auf dem zweiten Rang. Aber trotz verhaltenen Starts musste sie auf der letzten Runde etwas büssen: «In der U23 bin ich Rennen von 1:10 Stunden gewohnt, dieses dauerte 20 Minuten länger.» Dennoch freute sich Blöchlinger über ein «tipptoppes Rennen» und den vierten Rang hinter Solosiegerin Berta sowie Koller und Frei.
Optimale Vorbereitung dank Rekrutenschule
Für viele war Blöchlingers starker Auftritt überraschend, ohne Ansage kam er indes nicht. Die in Biel wohnende Vorderländerin zeigte schon letztes Jahr in einzelnen Rennen, dass sie sich der Weltspitze nähert. Die technisch sehr anspruchsvolle Strecke im Tessin behagt ihr, und als Absolventin der Spitzensport-Rekrutenschule genoss sie eine Profi-Saisonvorbereitung. «Die RS ging vor einer Woche zu Ende, jetzt bin ich wieder Studentin», sagt Blöchlinger. Allerdings blieben die Mitglieder des Nationalteams für diese Woche im Tessin, wo Techniktraining auf dem Programm steht. Der April steht immer noch im Zeichen der Saisonvorbereitung, denn der Weltcup beginnt in diesem Jahr erst Mitte Mai in Nove Mesto (Tschechien). Zwei Wochen vorher, am 29. April, startet sie in Chur zum zweiten Rennen der Bike Revolution.