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Luchs-Genetik Projekt
Das Projekt untersucht die genetische Struktur der beiden wiederangesiedelten Luchspopulationen in der Schweiz (Alpen und Jura): Wie unterscheiden sie sich und wie sieht die genetische Vielfalt im Vergleich zu anderen europäischen Populationen aus? Weitere wichtige Fragen sind Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Schweizer Luchspopulationen und Austausch von Tieren zwischen den Teilpopulationen.
Genetische Untersuchungen der beiden wiederangesiedelten Luchspopulationen in der Schweiz
Der Luchs wurde in den 1970er Jahren in der Schweiz, in den Alpen und im Jura wiederangesiedelt. Weitere Freilassungen folgten in Slowenien, Österreich und Italien. Die Tiere stammten aus den slowakischen Karpaten. Die Anzahl freigelassener Tiere war überall gering, in den Schweizer Alpen und im Jura waren es offiziell je 4 Tiere. Zusätzliche Freilassungen erhöhten diese Zahl auf 14-16 für die Alpen und 8-10 für den Jura. Nach einer Populationsgründung und einer anfänglich raschen Ausdehnung des besiedelten Gebietes verlangsamte sich die Ausbreitung ab Mitte der 1980er Jahre stark. 2001-2008 erfolgten Umsiedlungen von 12 Tieren aus dem Jura und den Nordwestalpen in die Ostschweiz im Rahmen des Projekts LUNO.
Das Luchs-Genetik Projekt untersucht rund 40 Jahre nach den ersten Freilassungen folgende Fragestellungen :
- Vergleich der genetischen Variabilität der beiden wiederangesiedelten Populationen in der Schweiz mit jener der Spenderpopulation in der Slowakei und anderer autochthoner Populationen Europas (Fennoskandien, Baltikum, Karpaten, Balkan): Wie gross war der Einfluss des Flaschenhalses in den 1970er Jahren auf die genetische Variabilität von heute?
- Vergleich der genetischen Struktur der beiden wiederangesiedelten Populationen der Schweiz (Alpen und Jura): Können die beiden Populationen heute genetisch differenziert werden? Gibt es einen Austausch zwischen Jura und Alpen?
- Soziale Struktur innerhalb der Luchspopulationen (Verwandtschaftsbeziehungen).
Methoden
Zur Beantwortung der genannten Fragestellungen wird die Variabilität von Mikrosatelliten analysiert. Über 200 Typ II Loci der Hauskatze stehen heute zur Verfügung. Eine Auswahl von 20 Mikrosatelliten hat sich auch beim Luchs als geeignet erwiesen. Blut- oder Gewebeproben werden von allen lebend gefangenen oder tot aufgefundenen Luchsen genommen.
Projekt Information
Projektdauer: laufend
Untersuchungsgebiet: Schweiz, Europa
Projektpartner: Die Untersuchungen werden am Institut für Genetik (Direktor Prof. T. Leeb) an der VetSuisse Fakultät der Universität Bern von Dr. Gabriela Obexer-Ruff und Dr. Christine Breitenmoser-Würsten durchgeführt.
Finanzierung: Das Projekt wurde in einer Anfangsphase vom Schweizerischen Nationalfonds für die Wissenschaftliche Forschung (Marie Heim-Vögtli Stiftung; Projekt-Nr. 3234-058427.99/1 und 3100-058966.99/1) finanziert.
Kontakt KORA: Christine Breitenmoser
Weitere Informationen: Im Rahmen dieses Projekts werden heute auch genetische Untersuchungen von Tieren gemacht, die an einem unerwarteten Ort auftauchen, z. B. verwaiste Jungtiere in Dörfern oder Tiere weitab von den bekannten Populationen. So konnte z.B. nachgewiesen werden, dass der Luchs B132, der 2007 im Nationalpark aufgetaucht ist aus der LUNO-Population stammte (siehe auch Medienmitteilung vom 5. Mai 2008).