Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03547.jsonl.gz/2217

Pamela Weiss hat ein ganz wunderbares Buch geschrieben über den Buddhismus, die Bedeutung der Achtsamkeit in der Geschäftswelt und die Notwendigkeit, dem Weiblichen im Buddhismus seinen Platz zu geben. Es ist ein unterhaltsames, spannendes und mutiges Buch mit vielen Denkanstössen und einem tiefen Einblick in ihre persönliche Lebensgeschichte.
Wie jede religiöse Tradition wurde der Buddhismus in der Vergangenheit überwiegend von Männern für Männer geprägt. Buddha, der Frau und Kind verliess, um Erleuchtung zu erlangen, hatte ein schwieriges Verhältnis zu Frauen. Während klar war, dass er seine Lehren ohne Vorbehalte allen gab und die monastische Gemeinschaft für Männer aller sozialen Klassen öffnete, gestatte er Frauen erst später die Aufnahme in die Gemeinschaft – mit acht strikten Regeln. «Die ungeheuerlichste dieser Regeln ist jene, die besagt, dass selbst die älteste Nonne sich vor dem jüngsten Mönch verbeugen und ihm Respekt bezeugen muss, auch wenn dieser erst am Vortag ordiniert wurde.» Somit wurden Frauen als zweitrangige Mitglieder der Gemeinschaft definiert.
Pamela Weiss lebte als junge Frau mehrere Jahre im Zen-Kloster Tassajara in San Francisco, wurde Meditationslehrerin im spirituellen Ausbildungszentrum Spirit Rock in Kalifornien und ist höchst erfolgreiche Achtsamkeits-Coachin in grossen Unternehmen. Ihre intensive spirituelle Praxis hatte sie weit gebracht, doch der schwere Unfall ihres Mannes, den sie danach lange Zeit intensiv betreute, war ein Rückschlag. Plötzlich war sie ans Haus gebunden, steckte in der traditionellen Frauenrolle fest und musste versuchen, ihre spirituelle Praxis im Alltag zu vertiefen und umzusetzen.
Ein Teil davon war, dass sie sich ganz bewusst mit dem Weiblichen im Buddhismus auseinanderzusetzen begann. Gegen Ende ihres Buches schreibt sie: «Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu erforschen, sondern darin, Altes mit neuen Augen zu sehen.»
Ohne der männlich geprägten buddhistischen Praxis ihre Kraft abzusprechen, plädiert die Autorin dafür, das Weibliche vollständig zu integrieren. Die weibliche Ausprägung des Spirituellen neigt dazu, sich aktiv in der Welt einzubringen und sich nicht in ein Kloster oder ein Zentrum zurückzuziehen – ein entscheidender Aspekt, um unsere heutige Welt zu heilen. Pamela Weiss weist darauf hin, dass die Geschichten der Frauen in Buddhas Leben – seine Ehefrau, seine Mutter, seine Ziehmutter – universell sind: sie beschreiben die Freuden und die Schwierigkeiten, die allen Frauen gemeinsam sind. «Die Geschichten der Frauen in Buddhas Leben zu erzählen ist ein Akt der Wiedergutmachung. Ihren weiblichen Archetypen eine Stimme zu verleihen und ihr Leben darzustellen bedeutet, sie wieder in das Gewebe der buddhistischen Lehre einzuweben. So brechen Vulkane aus, neue spirituelle Landkarten entstehen, und wir können Zeug:innen der Schöpfung neuer Berge werden.»
Sie lädt mit ihrem berührenden, zutiefst weisen Buch dazu ein, Altes zu hinterfragen, Definitionen zu sprengen, in die Tiefe zu gehen und den vielen Frauen in der Menschheitsgeschichte eine klare Stimme zu geben. So können wir heilen und das Tor zu einem grösseren Himmel öffnet sich.
Pamela Weiss. Ein grösserer Himmel. Wie wir das Weibliche im Buddhismus stärken. O.W. Barth Verlag 2022. 288 Seiten, Fr. 31.90