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Regulierung durch Exklusion? Praktiken der Regulierung des Ressourcenzugangs in vormodernen Genossenschaften der Zentralschweiz (1500-1750)
Das Referat behandelt anhand von Fallbeispielen aus der vormodernen Zentralschweiz (Kantone Luzern und Unterwalden) die Frage, wie dörfliche Genossenschaften den Zugang zu kollektiven Ressourcen, z.B. Weideflächen und Holzressourcen, reguliert haben. Zwischen Spätmittelalter und früher Neuzeit entstand ein System von Regeln, das sich zusehends auf die Unterscheidung von sozialen Gruppen mit unterschiedlichen ökonomischen und politischen Rechten abstützte. Nachkommen der weiblichen Linie, uneheliche Nachfahren, die Nachfahren von Zugezogenen (Hintersassen, Beisassen) sowie Angehörige von Untertanengebieten waren soziale Gruppen mit minderen Nutzungs- und Mitspracherechten. Ausserdem wurden der Erwerb von Grundbesitz für Nicht-Mitglieder sowie die Aufnahme in die Korporation durch hohe Einkaufsgebühren und erbrechtliche Massnahmen erschwert.
Das Referat geht der Frage nach, wie dieses System von rechtlichen Ungleichheiten soziale und ökonomische Strukturen prägte und veränderte. Was bedeutete die rechtliche Benachteiligung für die verschiedenen marginalisierten Gruppen und welche Handlungsspielräume standen ihnen offen? Bewirkte die gestufte Berechtigung zu kollektiven Ressourcen eine weitere Stratifikation der Gesellschaft oder garantierte sie wenn auch nicht egalitäre, so doch gewisse Partizipationsmöglichkeiten für breite Schichten der Gesellschaft? Ein weiterer Fokus liegt auf den verschiedenen Praktiken der Entscheidungsfindung, Konfliktschlichtung und Sanktionierung, mittels welcher die Massnahmen ausgehandelt, durchgesetzt und überwacht wurden. Schliesslich wird im Referat auch nach den situativen Auslösern und Motiven hinter Exklusionsmassnahmen gefragt. Dabei lässt sich beobachten, dass verschiedene Faktoren, wie eine faktische Ressourcenknappheit, aber auch demographische Veränderungen, ökonomische Anreize oder Herrschaftsverhältnisse die Verteilung der Ressourcen beeinflussten.