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Bis vor wenigen Jahrzehnten waren die Gebirgswälder
weitgehend unerschlossen. Eine Stammholznutzung war daher
nicht möglich. Die Köhlerei bot die Möglichkeit,
die Heiz-kraft des Holzes beinahe voll zu nutzen.Das Holz-Volumen
wird auf etwa 30, das Holz-Gewicht auf 10 Prozent reduziert.
Der Weltholzbestand beläuft sich auf 330‘000‘000‘000
Kubikmeter. Pro Jahr werden 2.8 Milliarden Kubikmeter Holz
geschlagen, 7 bis 9 Milliarden Kubikmeter wachsen nach.
In Europa wird wenig Holz als Brennstoff verwendet. In andern
Ländern (Tansania) werden bis zu 98 Prozent (!) des
Holzes verheizt.
Die Holzverkohlung ergibt als Rohprodukte Holzgas, Holzkohle,
Holzessig, Holzteer, etc.. Als Endprodukte sind zu nennen
Aktivkohle, Methanol, Essigsäure, Teeröle und
Holzpeche.
Wird luftgetrocknetes Holz in einem geschlossenen Raum ohne
Luftzutritt auf über 100° Celsius erhitzt, beginnen
chemische Zersetzungsreaktionen. Bis 170° C wird das
Wasser ausgetrieben. Bei etwa 380° C entstehen die grössten
Mengen der flüssigen und gasförmigen Zersetzungsprodukte.
Einer der Rückstände (35 %) ist Holzkohle. Vom
Wärmeinhalt des Holzes gehen bei der Verkohlung etwa
10 % verloren. Verkohlt werden können alle Holzarten,
bevorzugt wird aber Buche.
Holzkohle ist ein Gemisch organischer Verbindungen mit etwa
80 % Kohlenstoff, 3 % Wasserstoff, 6 % Sauerstoff, 1 % Stickstoff,
6 % Feuchtigkeit und 2 % Asche.
Holzkohle brennt schon bei 200 bis 250° Celsius ohne
Flamme, weil die flammenbilden-den Gase bereits bei der
Verkohlung entwichen sind. Holzkohle findet vielfache Verwen-dung,
da sie schwefelfrei ist. So wird sie in Hochöfen und
beim Grillieren genutzt. Sie wurde gemahlen zum Schleifen
und Polieren verwendet und war Bestandteil von Schiess-pulver.
Ihre Asche wurde zu Seifenlauge für die Garnwäsche
weiterverarbeitet.
Die Holzverkohlung ist so alt wie die Nutzbarmachung der
Erze durch den Menschen. Mit dem Bergbau ist zugleich die
Köhlerei betrieben worden. Das Kohlenbrennen galt als
Gewerbe und der Köhler als Handwerker. Die Köhlerei
war allen anderen Handwerken untergeordnet und der Köhler
galt seit jeher als Inbegriff des armen Mannes.
Verbrannte sein Meiler oder entstand ein Waldbrand, war
er zur Leistung des vollen Schadenersatzes verpflichtet.
Die Meilerverkohlung ist die klassische und schwierigste
Form der Holzverkohlung. Der Bau eines Meilers (für
120 Ster Holz rechnet der Köhler mit 1000 Arbeitsstunden)
und die Überwachung des Brandes erfordern viel Erfahrung
und Geduld. Sowohl Ausbeute als auch Qualität der Kohle
sind von der Kunst des Köhlers abhängig.
Für den Aufbau eines Meilers gibt es unterschiedliche
Methoden, es existieren keine allgemein gültigen Re-geln.
Der Köhler achtet darauf, dass nicht mehr Holz verbrennt,
als erforderlich ist, um die gsamte Holzmasse auf die Verkohlungstemperatur
zu erhitzen. Im Wesentlichen sollen nur die aus dem Holz
entweichenden Gase und Dämpfe verbrennen. Der Meiler
brennt von oben nach unten und von innen nach aussen. Wenn
nach etwa 14 Tagen bläulicher Rauch aus dem Meiler
aufsteigt, ist die Verkohlung abgeschlossen. Bei zu starker
Gasent-wicklung beginnt der Meiler zu klopfen, im Extremfall
kann er explodieren. Die Verkoh-lung von 120 Ster Holz dauert
10 bis 15 Tage. Ausbeute sind etwa 12 Tonnen Holzkohle (15
% des Holzgewichtes).
Herkunftswörterbuch:
Meiler bedeutet „zum Verkohlen bestimmter Holzstoss“
Das Wort stammt vermutlich vom Lateinischen milarium (=
Anzahl von tausend Stück) ab.
kohlen: schwelen, Kohlen brennen
bekohlen: mit Kohlen versorgen
verkohlen: zu Kohle verbrennen
Der Köhler (vom Mittelhochdeutschen koler und köler)
ist der Kohlenbrenner.
weiterer Begriff: Atommeiler