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Wie kann eine Essstörung erkannt werden?
Folgende Besonderheiten und Beobachtungen können als Warnsignale gelten (4):
Wie Ansprechen?
- Abmagerung oder starke Gewichtsschwankungen
- Abwertende Bemerkungen über Figur und Gewicht
- Zwanghaftes Diäten, obwohl das Gewicht normal oder zu niedrig ist
- Spuren von Erbrochenem (auf Toilette oder Kleidung)
- Vernarbungen auf Fingern oder Handrücken (Russell-Zeichen)
- Wunde Mundwinkel, gerötete Konjunktiven
- Intensives Interesse am gesunder Ernährung, „Kalorien-Lexikon“
- Genaue Unterscheidung zwischen „verbotenen“ und „erlaubten“ Nahrungsmitteln
- Kälteempfindlichkeit, Blauverfärbung von Finger und Zehen
- Schwindel und Ohnmachtsneigung
- Hamsterbacken infolge geschwollener Speicheldrüsen
- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Gedächtnisprobleme
- Körperliche Erschöpfung und Schwächeanfälle werden verleugnet oder heruntergespielt
- Frage nach oder Konsum von Medikamenten, die das Abnehmen unterstützen
- Rückzug aus der Klasse, dem Freundeskreis oder der Familie, sich abkapseln, isolieren
- Verabredungen nicht mehr einhalten, andere blöd und undiszipliniert finden
- Überlegenheitsgefühl («ich brauche nicht, was andere brauchen»)
- Übertriebene körperliche Betätigung, Sport dient zum Abnehmen und als Beweis dafür, diszipliniert zu sein.
- Starke motorische Unruhe, nicht oder kaum Stillsitzen können
- Starke Stimmungsschwankungen, Konfliktängste
- Bei Bulimie manchmal delikthaftes Verhalten (Stehlen von Nahrungsmitteln oder Geld für Anfälle, Verschuldung)
Angesichts von lebensgefährlicher Selbstkasteiung oder masslosem Essen und Erbrechen wird die Umwelt oft machtlos. Schuld-, Versagens- oder Ekelgefühle können ein notwendiges Gespräch oder den Gang zu einer Beratungsstelle behindern. In ihrem Innern fühlen sich Betroffene jedoch hilflos und befürchten, von anderen nicht verstanden und abgelehnt zu werden. Manchmal haben sie bereits solche negativen Erfahrungen gemacht.
Es ist daher nicht einfach, seine Beobachtung der Betroffenen gegenüber zu formulieren. Menschen mit einer Essstörung können sich oft nicht gut durchsetzen und kämpfen mit Selbstwert-Problemen. Sie erleben die Umgebung häufig als wenig kontrollierbar, sehen sich selbst als Versager. Nur im eigenen Körper finden sie das Feld, auf dem Kontrolle möglich ist. Belehrungen über ihr Essverhalten, auch wenn sie gut gemeint sind, werden oft als Angriff auf die letzte Bastion ihrer Autonomie empfunden. Also nichts sagen? Die Erfahrung zeigt, dass viele Menschen mit Essstörungen froh sind, wenn sie endlich adäquate Hilfe erhalten; viele suchen gar lange selber nach einem Therapieplatz. Daher ist ein einfühlsames Ansprechen unbedingt notwendig. Je früher die Krankheit erkannt und die Behandlung begonnen wird, desto besser ist die Prognose.
In der Praxis haben sich daher folgende Punkte beim Ansprechen bewährt (4):
Sprechen Sie die Betroffene zunächst alleine an. Teilen Sie der betroffenen Person einfach Ihre Beobachtungen mit (z.B. «mir fällt auf, dass Sie schon sehr schlank sind und sich trotzdem für das Abnehmen interessieren») und dass Sie sich Sorgen um ihre Gesundheit machen. Erwähnen Sie, dass dies mit einer Essstörung zu tun haben könne, dass jedoch nur die Betroffene selber dies bestätigen könne. Zeigen Sie Verständnis, ohne die Ess-Störung gut zu heissen. Geben Sie auch Ihren Gefühlen (Unsicherheit, Angst, Sorge) Ausdruck, ohne verletzend zu werden. Vereinbaren Sie danach eine definierte Verantwortungsübernahme. Bieten Sie in regelmässigen Abständen Gespräche an, aber vermeiden Sie die Übernahme von Kontrollfunktionen. Teilen Sie die Verantwortung mit anderen Fachpersonen und machen Sie auf weitere Hilfsangebote aufmerksam. Bieten Sie ggf. Hilfe an bei der Suche nach weiterer Unterstützung (Angehörige, Ausbildungs-, Arbeitsplatz, Fachstellen etc.).
Reduzieren Sie jedoch die Betroffenen nicht auf die Ess-Störung und schaffen Sie keinen künstlichen Schonraum. Versuchen Sie vielmehr die gesunden Anteile zu stärken.
Besprechen Sie die Situation in Ihrem Team: Bestimmen Sie eine oder wenige Kontaktperson(en), um nicht unnötigen Druck zu erzeugen und den Manipulationsspielraum für die Betroffene gering zu halten.
Als Angehörige ist es besonders wichtig, dass Sie auch ihre eigenen Bedürfnisse achten und durchsetzen, es hilft letztlich der Betroffenen nicht, wenn Sie zuhause nur noch Wunschkost kochen und aus Rücksicht oder Scham nicht mehr ausgehen oder keine Gäste mehr einladen.