Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/230402

<h2>SubmittedText<h2><p>Im Juni 2021 hat der Bundesrat Dirk Reich als Verwaltungsratsmitglied der Post nominiert. Dies trotz der Zusicherungen, die er im Jahr 2019 nach der Nominierung von Corrado Pardini in Bezug auf den nächsten vakanten Sitz und auf die Einhaltung der gerechten Vertretung aller Sprachregionen gegeben hat.</p><p>In seiner Stellungnahme auf meine Interpellation 21.3793 antwortet der Bundesrat, dass "[eine] Kandidatur aus der italienischsprachigen Schweiz mit vergleichbaren Qualifikationen und Erfahrungen [...] sich trotz gezielten Bemühungen durch das beauftragte Beratungsbüro nicht finden [liess]." Daher ist es wichtig, einige Verfahrensschritte zu klären:</p><p>1. Wurde in den Bedingungen, des durch den Bundesrat erteilten Mandats, explizit erwähnt, dass es notwendig ist, die Kandidatur von Bewerberinnen und Bewerbern italienischer Muttersprache zu priorisieren?</p><p>2. Was waren konkret die "gezielten Bemühungen" des beauftragten Beratungsbüros?</p><p>3. Wie hat das Beratungsbüro dem Bundesrat aufgezeigt, dass sichergestellt wurde, dass die Suche nach Bewerberinnen und Bewerbern aus der italienischsprachigen Schweiz gegenüber solchen aus der Deutschschweiz Vorrang hat?</p><p>4. Wie viele Kandidaturen aus der italienischsprachigen Schweiz wurden berücksichtigt und bewertet? Wie viele Kandidaturen wurden insgesamt berücksichtigt?</p><p>5. Arbeitet der Bundesrat mit Beratungsbüros (Personalsuche) mit Sitz in der italienischsprachigen Schweiz zusammen?</p><p>5.1 Falls ja, wäre es nicht angebracht, bei den nächsten vakanten Sitzen ein Beratungsbüro mit Sitz in der italienischsprachigen Schweiz zu beauftragen, das umfassendere Kenntnis des regionalen Arbeitsmarkt hat und das lokal wahrscheinlich besser vernetzt ist?</p><p>5.2 Falls nein, warum arbeitet der Bundesrat nicht mit einem Beratungsbüro mit Sitz in der italienischsprachigen Schweiz zusammen?</p><p>6. Wie viele Unternehmen werden regelmässig vom Bundesrat beauftragt mit der Suche nach obersten Kadern des Bundes oder Mitgliedern des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung von Betrieben, an denen der Bund beteiligt ist?</p><p>7. Wie werden diese Unternehmen ausgewählt? Sind es immer dieselben Unternehmen oder stossen von Zeit zu Zeit neue dazu, um die Mandate zu diversifizieren und aufzuteilen?</p><p>8. Wie werden die Kenntnisse der Arbeitsmärkte der Randregionen und das Beherrschen von Minderheitensprachen gewichtet?</p><p>9. Ist der Bundesrat der Ansicht, dass es Spielraum für Verbesserungen in diesem Bereich gibt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Fragen 1-9</p><p>Die Wahl der Verwaltungsratsmitglieder von bundesnahen Unternehmen stellt ein zentrales Element zur Steuerung durch den Eigner dar. Die Verantwortung für das Auswahlverfahren liegt beim betreffenden Fachdepartement, das dem Bundesrat den Wahlantrag zum Beschluss unterbreitet. Im Nachgang des Corporate Governance Expertenberichts 2019 (CG-Expertenbericht) beschloss der Bundesrat, die Informationen in den Wahlanträgen zu ergänzen. Neben Angaben zum Anforderungsprofil sowie zu den Interessenbindungen sollen die verantwortlichen Fachdepartemente auch transparent über das Wahlverfahren informieren (z.B. Beschreibung des Auswahlverfahrens, allfälliger Einbezug von Executive-Search-Unternehmen, Art und Weise der Evaluation der Kandierenden, Anzahl der durchgeführten Bewerbungsgespräche). Es ist vorgesehen, diese Praxis Mitte 2022 zu evaluieren.</p><p>Zentrale Grundlage für die Auswahl von Verwaltungsratsmitgliedern sowie des Präsidiums der bundesnahen Unternehmen ist das Anforderungsprofil des Eigners. Dieses beinhaltet auch Vorgaben zur Vertretung der Landessprachen und der Geschlechter.</p><p>Zur Unterstützung des Suchprozesses für die Nachfolge von Peter Hug im Verwaltungsrat hat die Post ein Beratungsunternehmen (Executive-Search-Firma) beauftragt. Bei der Definition des entsprechenden Mandats stützte sich die Post auf das Anforderungsprofil für den Verwaltungsrat der Post. Zudem wurde der Fokus - unter Berücksichtigung der neuen Strategie der Post - auf Erfahrung in der internationalen Güterlogistik sowie auf einen Bezug zur Westschweiz und/oder dem Tessin gelegt. Entlang dem Suchprofil wurde in der Folge eine Long List bzw. eine Short List erstellt. Von den 19 Personen auf der Long List waren 2 Personen italienischer Muttersprache. Im Verlaufe des Selektionsprozesses zeigte sich, dass die Auswahl an Kandidatinnen und Kandidaten mit profundem Fachwissen und Erfahrung im Bereich Logistik sowie "Mergers and Akquisitions" in der Schweiz und im angrenzenden Ausland beschränkt ist. Unter Berücksichtigung der neuen Strategie der Post wurde daher die Bedeutung der fachlichen Kompetenzen gegenüber dem sprachlichen Hintergrund erhöht. Gestützt auf das dargelegte Auswahlverfahren wurde dem Eigner eine Kandidatur für die Besetzung der Vakanz im Verwaltungsrat der Post beantragt.</p>  Antwort des Bundesrates.