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Es gibt drei Wege für das internationale Genf, um auf kritische Veränderungen bei Entwicklungs- und Bildungsfragen zu reagieren: den gemeinsamen Austausch und Abstimmen der Bemühungen ui fördern, und insbesondere den globalen Süden zu berücksichtigen.
Eunsoo Lee und Moira V. Faul
Kartierung des Ökosystems des internationalen Genfs
Die Welt sieht sich mit einem beispiellosen Wandel konfrontiert, zu dessen Symptomen zahlreiche menschliche und ökologische Stressoren gehören: von zunehmender Ungleichheit über den sich beschleunigenden Klimawandel bis hin zu wachsender Autokratie und abnehmender Artenvielfalt. Welche Veränderungen sind notwendig, um die Ursachen dieser gleichzeitigen und miteinander verwobenen Probleme anzugehen und systemische Lösungen voranzutreiben?
Das internationale Genf bietet einen einzigartigen geopolitischen Kontext für die Koexistenz von Organisationen und Einzelpersonen, die sich für Vorsätze wie die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) einsetzen. Es ist ein Ökosystem, das die Entscheidungsfindung, Zielerreichung und Finanzierung entweder einschränken oder beschleunigen kann. 45% der in Genf ansässigen Organisationen halten Bildung und kognitive, emotionale menschliche Entwicklung für wichtig, um die Veränderung auf unserem Planeten voranzutreiben. Welche Anforderungen ergeben sich aus den noch unklaren zukünftigen Ausrichtung bei der Bildung und der menschlichen Entwicklung? Wie kann das internationale Genf auf die kritischen Veränderungen bei der Steuerung und Finanzierung von Bildung und anderen damit einhergehenden Entwicklungsfragen reagieren?
Drei kritische Veränderungen
Auf Basis der geopolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre identifizierten wir drei miteinander verbundene Trends, die sich weiterhin auf die strategische Positionierung Genfs sowie auf die in der Stadt und in ihren internationalen Netzwerken tätigen Organisationen auswirken. Diese Trends sind nicht auf den Bildungsbereich beschränkt. Sie sind im gesamten internationalen Entwicklungssektor zu beobachten und verdeutlichen die Verflechtung von Bildung, anderen Entwicklungszielen und Governance.
Lokalisierung
Narrative der Lokalisierung wurden im gesamten Entwicklungs- und humanitären Sektor umgesetzt. Im Jahr 2021 verpflichtete sich USAID, in den nächsten vier Jahren 25% seines Budgets für lokale Partner bereitzustellen und bis zum Ende des Jahrzehnts 50% seiner Programme unter lokaler Leitung durchzuführen. Programme wie Centroamérica Local und die Africa Localization Initiative zeugen von dieser Verlagerung hin zur Lokalisierung, die als Reaktion auf die dekoloniale Kritik und den Wunsch der GeldgeberInnen, ihre Transaktionskosten zu senken, entstanden ist. Veränderungen in den Mandaten der Organisationen führen zu einer Neuausrichtung der Finanzierung: weg von traditionellen Internationalen Organisationen (IOs) und globalen Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) hin zu AkteurInnen, die in lokalen Kontexten verwurzelt sind. Diese Entwicklung verstärkt die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit im Ökosystem der Stadt Genf.
Diversifizierung und Fragmentierung
In zahlreichen Artikeln wurde über das Phänomen des „Peak Aid“ berichtet, das besagt, dass die traditionelle Bildungsförderung in den letzten zehn Jahren keine Fortschritte mehr machte. Es gibt inbesondere Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Pandemie und der Sparmassnahmen infolge der weltweiten Rezession. Veränderungen sind bei der Diversifizierung der Finanzierungsquellen zu beobachten, von der verstärkten (aber immer noch unzureichenden) Beteiligung privaten Kapitals in Bereichen, die früher von öffentlichen Einrichtungen dominiert wurden, bis hin zum wachsenden Anteil an Hilfe und Darlehen von „nicht traditionellen“ Geberländern wie China, Indien und Saudi-Arabien. Auch die Finanzierungsmechanismen haben sich vervielfacht, z. Bsp. durch gebündelte Finanzierungseinrichtungen für SDG 4 (wie die Global Partnership for Education) oder durch Kombinationen mit anderen SDGs oder humanitären Anliegen (z. Bsp. „Education Cannot Wait“ zur Finanzierung von Bildung in Krisensituationen). Aber die Diversifizierung ist ein zweischneidiges Schwert, kann sie doch zu Innovationen führen, aber auch zu einer Fragmentierung der Hilfeleistungen, bei der übergeordnete Ziele in kleinere Programme aufgeteilt werden, die miteinander um knappe Ressourcen konkurrieren. Als Reaktion darauf wurden Forderungen nach einem neuen Global Compact zur Bildungsfinanzierung laut.
Dezentralisierung
Das wachsende Vertrauen in die Remote-Arbeit nach den COVID-19-Lockdowns führte zu einer dezentralen Arbeitsweise bei Organisationen, die ihren Hauptsitz in bekannten westlichen Städten haben. In einer Umfrage aus dem Jahr 2021 berichteten 65% der in Genf ansässigen NGOs, dass sie auf dem Höhepunkt der Pandemie in Europa weniger mit den IOs zusammenarbeiteten, und einige von ihnen zogen bereits einen Umzug an kostengünstigere Standorte in Erwägung. Einige Organisationen haben bereits ihre Hauptsitze in den globalen Süden verlegt, wie Oxfam International 2018 nach Nairobi und ActionAid 2004 nach Johannesburg.
Diese drei sich abzeichnenden Veränderungen - Lokalisierung, Diversifizierung und Dezentralisierung - zeigen, dass sich die Räume, in denen wir uns organisieren - die physischen Standorte, die Zusammensetzung der AkteurInnen und die Governance-Systeme - fortlaufend verändern. Aus diesem Grund sind neue Formen von Zusammenarbeit erforderlich, die sich nicht allein auf die Taktik der Konzentration und der Nähe zu den wichtigsten Organisationen stützen, eine Taktik, die nie ausreichend war.
Drei Wege zur Veränderung
Wir haben eine Systemübersicht (Abbildung 1) entwickelt, in der wir drei Wege identifizieren, die sich aus der Kartierung von 65 Knotenpunkten und der Analyse der Muster ihrer 143 Verbindungen ergeben. Diese drei Wege fungieren als Hypothesen, die uns, basierend auf den oben beschriebenen Entwicklungen, zu den folgenden Aussagen führen.
Synergien im Ökosystem schaffen
Die Diversifizierung der AkteurInnen, neue Arbeitsweisen und sektorübergreifende Initiativen für mehrere SDGs gleichzeitig deuten auf einen wachsenden Bedarf an stärker vernetzten und kooperativen Arbeitsweisen hin. Der Erfolg hängt davon ab, ob es gelingt, ein Ökosystem zu schaffen, das die AkteurInnen sowohl innerhalb als auch ausserhalb von Genf miteinander verbindet. Es müssen auch Synergien zwischen grossen und kleinen Organisationen mit unterschiedlichen Werten und Organisationsformen geschaffen werden. Die bestehenden Netzwerke und Abläufe in Genf sind jedoch stark zentralisiert - eine Folge der Ansammlung der wichtigsten SystemakteurInnen an einem Ort. Könnten wir uns angesichts der sich unter geopolitischen und wirtschaftlichen Einflüssen verschiebenden Machtverhältnisse eine dezentralisiertere Version dieses Ökosystems vorstellen?
Aufbau einer neuen Architektur der Bildungsfinanzierung
Die Notwendigkeit neuer Finanzierungsregelungen wurde von vielen Seiten angemahnt, aber die bisherigen Lösungen haben zu einer weiteren Zersplitterung der Hilfsstruktur und ihrer Ziele geführt. Wir müssen in eine neue Architektur der Bildungsfinanzierung investieren, die effizient verbinden und Zusammenarbeit fördern kann, sowie neue Vertrauensmechanismen aufbauen, mit der Finanzströme auf eine Art und Weise verarbeitet und gelenkt werden können, die über die Nutzung bestehender Institutionen und Infrastrukturen hinausgeht.
Genf als Plattform für planetare menschliche Entwicklung denken
Genf ist eine einzigartige Stadt, die sich durch ihr historisches Engagement für den Multilateralismus und die Diplomatie auszeichnet und in der sich wichtige IOs, NGOs und Stiftungen konzentrieren, die sich für die miteinander verknüpften SDGs einsetzen. Könnten wir uns eine Plattform für eine „planetare menschliche Entwicklung“ vorstellen, die das vorhandene Erbe und die Ressourcen einer Stadt nutzt, in der viele AkteurInnen ihren Hauptsitz haben - Treffen von zentralen AkteurInnen, diplomatische Fähigkeiten und die Zusammenarbeit von Finanzierung, Information und Lobbyarbeit -, um neue Modelle der geteilten Governance zu entwickeln?
Drei wichtige Massnahmen
Für das internationale Genf und seine Unterstützenden bietet sich aktuell eine strategische Gelegenheit, neu zu denken und zu handeln, um Bildung und die damit verbundenen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Bereiche als Grundlage für den Aufbau globaler Entwicklungskapazitäten zu nutzen. Dafür müssen wir untersuchen, wie sich die Arbeit in Genf und in der Welt gegenseitig beeinflussen und das bestehende Genfer Ökosystem nutzen, während wir Macht und Entscheidungsfindung durch die folgenden drei entscheidenden Massnahmen dezentralisieren:
- Neuausrichtung der Governance weg von Kontrolle hin zu Versammlungen - Erleichterung strategischer Diplomatie und systemischer Zusammenarbeit.
- In aufeinander abgestimmte Bemühungen investieren - Verknüpfung verschiedener SDGs, ohne den Beitrag jedes einzelnen Ziels aus den Augen zu verlieren und die Zusammenarbeit zwischen Institutionen in Genf, die zu einzelnen Zielen arbeiten, ermöglichen.
- Die Mission vom internationalen Genf wiederherstellen, indem wir den am meisten Betroffenen, die aber am wenigsten Gehör finden, zuhören und sie stärken, insbesondere den Menschen aus dem globalen Süden.
Den Übergang gestalten
Die Neuerfindung und Förderung eines Ökosystems im Bildungsbereich im internationalen Genf wird dazu beitragen, von Institutionen unterstützte florierende Bildungssysteme aufzubauen, die sich selbst ständig weiterentwickeln. Als Reaktion auf die geopolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen können das internationale Genf und sein lernendes Ökosystem eine solide Grundlage für planetare menschliche Entwicklung schaffen, indem sie eine standortübergreifende, geteilte Governance fördern.
Zu den Autorinnen
Eunsoo Lee
Als strategische Designerin und Forscherin bei Dark Matter Labs hat Eunsoo mit verschiedenen Partnern wie UNDP, RewirEd, The END Fund und Bloomberg Philanthropies an Themen aus den Bereichen internationale Entwicklung und städtische Verwaltung gearbeitet.
Moira V. Faul
Moira ist Senior Lecturer am Geneva Graduate Institute und Executive Director von NORRAG. Sie verwendet systemische, narrative und Netzwerkansätze, um Macht, Partnerschaften, Finanzierung und Ungleichheiten in Bereichen wie Klimawandel, Bildung, Gesundheit und Flüchtlingskrisen zu erforschen.
Disclaimer
Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Meinungen sind die der Autoren. Sie geben nicht vor, die Meinungen oder Ansichten des Geneva Policy Outlook oder seiner Partnerorganisationen wiederzugeben.
Dieser Artikel ist eine Übersetzung einer englischen Originalversion. Für jegliche offizielle Verwendung des Artikels beziehen Sie sich bitte auf die englische Version.