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Stiftskirche St. Leodegar Schönenwerd
Zur Geschichte
In Schönenwerd gab es ein frühes Kloster, welches im Jahr 778 erstmals urkundlich erwähnt wird. Im 11. Jahrhundert wurde die Kirche am heutigen Standort und der jetzigen Grösse gebaut; es könnte in den Jahren um 1040 gewesen sein. Von der romanischen Kirche sind äusserlich noch die drei Rund-Apsiden und die vertikalen Strukturen sichtbar.
Im Laufe des Mittelalters wurde es in ein Chorherrenstift umgewandelt. Mehrere Chorherren und Kapläne hatten ihre Verpflichtungen zu Gottesdiensten und seelsorgerlicher Tätigkeit am Stift und in der Umgebung, und als Lehrer in der kleinen Schule.
Nicht zuletzt wegen der Industrialisierung durch die Schuhfabrikation hatte es immer mehr Reformierte in Schönenwerd, welche eine Kirchgemeinde gründeten und ab den 1880er Jahren die Stiftskirche mitbenützten. Als „Untermieter“ unterhalten die Reformierten gemeinsam mit den Christkatholiken das Gebäude.
In der neueren Zeit besserte sich das früher schwierige konfessionelle Klima stark und heute finden viele Anlässe und Gottesdienste statt, bei denen die Römisch-Katholische Gemeinde in der Stiftskirche mitfeiert.
Architektur
Die Stiftskirche steht auf dem früheren Klosterbezirk, welcher noch heute durch den Vorplatz, den ‚Bühl‘, sichtbar ist. Die Gebäude um den Kreuzgang dienten als Ökonomiegebäude und als Wohnung für Kaplane und Sigristen.
Das Mauerwerk der Kirche stammt teilweise noch aus dem 11. Jh. Im 14. Jh. musste die Kirche während eines Kriegszugs der Berner einen Brand erleiden und wiederhergestellt werden. Die gotischen Gewölbe der Seitenkapellen zeugen davon.
Der Kreuzgang aus dem Mittelalter musste zu Beginn des 17. Jahrhunderts restauriert werden. In den Massen und im Gesamteindruck gibt er immer noch den alten Zustand wider, die Säulenformen verraten das 17. Jh.
Ursprünglich zierten wie im Mittelalter üblich zwei Türme in den Ecken des Westwerks die Kirche. Als der eine mit der Last der Glocken überfordert war, entschloss man sich, die Türme bis auf Dachhöhe abzutragen und einen neuen, viel grösseren Turm zu errichten, der zentral vor den Eingang gebaut wurde. Dies geschah in der Zeit um 1680. Bis das neue Geläut seinen Dienst aufnehmen konnte, dienten zwei kleine Glöcklein in einem Dachreiter für den Glockenschlag. Sie sind bis heute erhalten und eines ist das Totenglöcklein, welches traditionell „ins End läutet“.
Die Innenausstattung
Im Inneren zeigt die Kirche heute die barocke Epoche.
Die Holzarbeiten, d.h. die beiden Portale, die Kanzel und das Chorgestühl, sowie die Schränke in der Sakristei, stammen aus den 1620er Jahren. Die Altäre wurden in den 1760er Jahren eingebaut.
Die Orgelempore stammt aus derselben Zeit. Nach der ersten barocken Orgel wurde im 19. Jh. ein Instrument gebaut, das zeitweise im Turm über der Marienkapelle stand, damit es auf der Empore mehr Platz für den Kirchenchor gab. Später kam sie wieder auf die Empore zu stehen. Anlässlich der letzten Restauration von 1978-80 wurde eine neue Orgel von Kuhn gebaut und mit einem barocken Gehäuse versehen. Das Instrument ist bestens für Konzerte geeignet.
Von den früheren Malereien an den Wänden des Schiffs ist eine Partie erhalten worden. Im Laufe der Zeit wurden mehrere Ölgemälde zum Schmuck der Kirche angebracht.
Kirchenpatrone
Der erste Patron war offenbar der Heilige Trophimus von Arles, der zweite der Heilige Leodegar (Léger), der vor allem im Elsass verehrt wurde. Der zweite verweist auf die kulturellen Beziehungen zum alten Königreich Burgund; eine der Heiligenstatuen auf dem Hauptaltar zeigt eine königliche Dame, und ist wahrscheinlich eine Stifterin aus dem burgundischen Geschlecht.
Ein Ort der Marienwallfahrt
Die Entwicklung des Stiftes von Schönenwerd nahm einen Aufschwung zur Zeit der Gegenreformation, als eine ursprünglich aus dem Kanton Bern stammende Marienstatue nach Schönenwerd gelangte. Ein Altar für sie wurde in der Kapelle über der Orgelempore eingerichtet. Bald kam es zu einer regen Wallfahrt in die Stiftskirche, welche auch einen Aufschwung für die Region bedeutete.