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Keine Filesysteme, kein Fibre Channel, keine Storage-Server. Seagate propagiert Disks, die von Applikationen direkt über Ethernet angesprochen werden.
Segate hat einen Technologievorschlag präsentiert, der das Potential hat, die Storagewelt gehörig aufzumischen. Ob das Potential allerdings auch realisiert werden kann, ist eine andere Frage.
Die Grundidee von Seagates "Kinetic Open Storage Platform"
ist es, einen grossen Teil der "Storage-Intelligenz" in die Disks zu verlegen, seien es nun Harddisks oder Solid State Disks. Die Disks selbst sollen dabei zu Servern werden. Applikationen kommunizieren über Ethernet und APIs direkt mit den Disks, ohne Umweg über Betriebssysteme, Filesysteme, Storage-Server und ähnliches. (Siehe Diagramme). Auf den Disks sollen die Files nicht in einem traditionellen Filesystem sondern in einem "Key-Value"-System als Objekte abgelegt werden.
Die traditionelle Speicherarchitektur, bei der Applikationen über viele Zwischenschichten auf die auf den Speichern abgelegten Daten zugreifen, sei aufgrund früherer physischer Eigenschaften dieser Massenspeicher entstanden, die heute keine Rolle mehr spielen, argumentiert Seagate. Zudem habe sich die Art der gespeicherten Daten geändert: Die grosse Masse der heutigen Daten - Bilder, Videoclips, Webeinträge, Logdaten usw. - bestehe aus Files, die geschrieben, gelesen und schlussendlich gelöscht, aber nie modifiziert werden müssen.
Bei der Kinetic-Plattform sollen Applikationen diese drei Grundoperationen vornehmen und zudem selbst Speichercluster verwalten können. Die APIs dazu werden von Seagate unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Die Disks, die auch untereinander kommunizieren, sollen Aufgaben wie das Management der Objekte, Quality of Service, regelbasierte Datenmigration zwischen Disks oder den Ausgleich von Diskausfällen übernehmen.
Durch die neue Architektur, so Seagate, könnte ein grosser Teil der Ressourcen, die bisher für den Betrieb der Zwischenschichten verwendet werden müssen, zum Beispiel Storage-Server, RAID-Controller und vieles mehr, weggelassen werden. Dies ermögliche es, dichtere und energieeffizientere Storage-Racks als heute zu bauen und verringere die Management-Kosten. Zudem könne auch die Leistung der Disks steigen. Ein signifikanter Teil des heutigen I/O-Verkehrs sei auf Metadaten und mit dem File-System zusammenhängende Daten zurückzuführen, die beim Kinetic-System nicht mehr anfallen würden.
Und zu guter Letzt, so Seagate, wäre es auch deutlich einfacher, eine "Kinetic"-Plattform auf die für massive Web- bzw. Cloud-Services notwendigen Kapazitäten auszubauen, als traditionelle Speichersysteme.
Eine neue grüne Wiese?
Segate steht mit dieser Idee keineswegs allein. Googles verteiltes Filesystem funktioniert ähnlich. Wie 'Ars Technica' anmerkt, verwenden zudem auch andere Cloud-Riesen wie Facebook oder Amazon ähnliche Ansätze in ihren Rechzenzentren. Seagates "Kinetic" wäre allerdings das erste derartige System, das kommerziell erhältlich werden soll. Darüber, wann das der Fall sein könnte, äusserte sich der Harddiskhersteller allerdings noch nicht.
Womit wir denn auch bei den vielen Fragezeichen angelangt sind, ob die "Kinetic"-Idee ihr revolutionäres Potential auch verwirklichen können wird. Ob der kommerzielle Launch solcher Disks und darauf basierender Storage-Systeme überhaupt sinnvoll wird, hängt davon ab, wie die IT-Branche und grosse Kunden reagieren. Damit die Kinetic-Open-Storage-Plattform zum Erfolg wird, müssten genügend bestehende Applikationen angepasst werden. Auch wenn Seagate die APIs kostenlos zur Verfügung stellt, würde dies eine massive Investition erfordern. (hjm)