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Der Obere Hauenstein gehört als alte Verbindung zwischen der Oberrheinischen Tiefebene und dem Mittelland seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Juraübergängen. Sein Vorteil: eine niedrige Passhöhe von 731 Meter und gut erreichbare Zugänge von Nord und Süd. Waldenburg selbst ist Passfussort und liegt in der Enge eines Rippendurchbruchs der Vorderen Frenke durch Richtiflue und Schlossberg (Gerstelflue). Das Städtchen beherrschte und verriegelte die Strasse des Oberen Hauensteins. Auch der Bau des Schlosses Waldenburg um 1200 durch die Herren von Frohburg an der Talenge zeigt die Bedeutung der Lage, welche nicht nur die Gegend sicherte, sondern auch die Errichtung einer Zollstation ermöglichte.
Erst im Laufe der Zeit siedelten sich mit der Zunahme des Passverkehrs Handwerker und Gewerbetreibende wie Gastwirte, Fuhrleute, Schmiede, Wagner, Gerber, Sattler, Seiler, Bauhandwerker, Ziegelbrenner und Hafner an. Höhepunkt der damaligen Entwicklung war 1830/33 der Bau der neuen Hauensteinstrasse. Mit der Eröffnung der Bahnverbindung Basel–Olten 1858 drohten der Obere Hauenstein und damit das Waldenburgertal wirtschaftlich zu veröden. Die Situation veränderte sich erneut mit dem Bau der Waldenburgerbahn 1880. 1917 folgten die Autobus-Verbindungen zwischen Waldenburg und Langenbruck. Nach 1945 nahm der Autoverkehr am Oberen Hauenstein stark zu und bewirkte ein grosses Wachstum von Gast- und Autogewerbe. Mit der Eröffnung der Autobahn durch den Belchentunnel (1970) nahm der Passverkehr wieder stark ab.
Der Gemeindebann reicht im Osten und Westen weit in den Kettenjura hinein (Humbel und Wasserfalle). Im Mittelalter war Waldenburg ein Bauernstädtchen. Im 17. Jh. bestand das gänzlich ummauerte Waldenburg aus einer vierfachen Häuserzeile. Am unteren und am oberen Ende liefen Mauern quer über das Tal von Fels zu Fels. Der Mauerverlauf auf der Westseite ist noch sichtbar. Wichtig waren Obstbau und Viehwirtschaft. Für die Selbstversorgung wurde Ackerbau betreiben. Der grosse Waldreichtum ist bis heute erhalten geblieben.
Da die im Jahr 1858 eröffnete Hauenstein-Bahnlinie Waldenburg einen grossen Teil des Transitverkehrs über den Pass wegzunehmen drohte, bemühte sich die Gemeinde schon zuvor um die Ansiedlung der Uhrenindustrie als Heimindustrie. 1853 gründete die Gemeinde 12 Uhrenateliers als «Societé d'Horlogerie à Waldenburg». Die defizitäre Lage dieser Betriebe führte jedoch schon 1859 zur Übernahme der Societé durch Louis Tschopp und Gedeon Thommen. 1860 bauten diese die erste Uhrenfabrik am Fuss des Schlossberges. Mit der Inbetriebnahme der Waldenburgerbahn 1880 erfolgte eine erste grosse Erweiterung der Fabrik. Im Laufe der Zeit wurde die Fabrik durch den Bau verschiedener Gebäudekomplexe erweitert. Durch die Aufreihung der Fabrikgebäude entlang der Frenke beziehungsweise der Hauptstrasse fügten sich diese gut in das lang gestreckte Ortsbild ein und trugen zu einem geschlossenen Erscheinungsbild des Städtchens bei. Die Uhrenindustrie breitete sich nicht nur in Waldenburg, sondern auch in anderen Gemeinden des oberen Baselbiets aus, so etwa in Hölstein mit der Oris Watch.
Aus Kostengründen wurde bei Bau der Waldenburgerbahn eine Trasseeführung auf der Hauensteinstrasse mit einer Spurweite von nur 75 Zentimeter vorgeschlagen – es ist die einzige Bahn in der Schweiz mit dieser Spurweite. Die Waldenburgerbahn war das einzige von verschiedenen Projekte, welches verwirklicht wurde. Die 1872 konzessionierte Zweiglinie einer normalspurigen Wasserfallenbahn Liestal–Reigoldswil–Balsthal wurde wegen Finanzschwierigkeiten aufs Eis gelegt. Später stellte ein Initiativkomitee 1909 das Gesuch für eine Konzession für den Bau und Betrieb einer elektrischen Schmalspurbahn von Waldenburg über Langenbruck nach Balsthal. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte diese Verlängerung wie auch eine 1912 geplante Umspurung auf 100 Zentimeter und gleichzeitige Elektrifizierung der Waldenburgerbahn. Erst 1953 erfolgte deren Elektrifizierung. Es stand damals auch die Umstellung auf Autobusbetrieb zur Diskussion.
Die auf rund 1000 Meter liegende flache Mulde diente im ausgehenden Mittelalter als Witweide (=aufgelockerter Wald als Weide, Waldweide) für die Viehherden der Waldenburger Bauern. 1820 baute die Bürgergemeinde eine grosse Viehhütte mit Übernachtungsmöglichkeit. Damit wurde den Bauern der tägliche Melkgang von Waldenburg auf die Waldweide erspart. 1845 wurde die Weide in einzelne Parzellen aufgeteilt und durch die Bürger als Kulturland genutzt. Ende des 19. Jh. wurde die Waldweide jedoch nur noch gering genutzt und sie verwilderte. Der Betrieb mit Vieh wurde in der Folge erneut aufgenommen. Im Laufe der Zeit wurde die ursprüngliche Hütte umgebaut, erweitert und elektrifiziert. 1922 baute der Skiclub Basel eine eigene Unterkunft. Damit begann der Tourismus im Sommer, aber auch im Winter.
Grundsätzlich können die Einzelhöfe entsprechend ihrem Alter in ältere Höfe aus dem 18. Jh. und jüngere Höfe aus dem 19. und 20. Jh. eingeteilt werden.Schon Bruckner erwähnte 1755 Herrenhöfe, welche im Besitz von Stadt-Baslern oder der Obrigkeit waren: Schlossgut (Sennhaus), Humbel, Holznacht, Kellenberg und die Vordere Wasserfalle.Im 19. und 20. Jh. entstanden nach der Aufgabe der Dreifelderwirtschaft und des Flurzwanges neue Einzelhöfe wie Blüemlisalp, Burgmatt, Gerstel, Hauenstein (Pinli), Lammet, Sennmatt, Waldweid und Wil.
HPM
Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung