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Autor: Anton Jungo
Freiburg«Ich halte es für möglich, den Pflichtzölibat für Priester abzuschaffen», erklärte Norbert Brunner, zukünftiger Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz, in einem Interview mit der NZZ am Sonntag. Nicolas Betticher, Generalvikar des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg, zeigt sich nicht überrascht von diesen Aussagen. Dieses Anliegen werde von der Basis immer wieder an die Bischöfe herangetragen, und diese hätten es in Rom schon mehrmals zur Sprache gebracht, führt er am Montag auf Anfrage aus.
Nicolas Betticher glaubt aber nicht, dass sich so rasch etwas ändern werde. «In Rom ist dieses Thema nicht aktuell, solange es nicht von der Gesamtkirche thematisiert wird», hält er fest. Er ist sich aber bewusst, dass die Frage der verheirateten Priester in der Schweiz, wo zahlreiche Laien seelsorgerliche Aufgaben übernehmen, eine Realität bleibt.
«Der Zölibat ist eine Frage der kirchlichen Disziplin und nicht eine Glaubensfrage. Die Bischöfe könnten zusammen mit dem Papst diese Vorschrift jederzeit ändern», betont er und weist darauf hin, dass auch Petrus, der erste Papst, verheiratet gewesen sei.
Nicolas Betticher glaubt zwar nicht, dass mit der Abschaffung des Zölibats die Frage des Priestermangels gelöst werden könnte. Der Priestermangel sei vor allem ein gesellschaftliches Problem. Er würde in der Abschaffung aber eine Chance für die Kirche sehen. «Man hätte dann zwei Erfahrungsbereiche des gleichen Priestertums, die einander ergänzen. Auf der einen Seite jene, die die Erfahrung als Ehemann und Vater mit sich bringen, und auf der andern Seite jene, die zölibatär leben wollen», führt er aus.