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Im Zentrum der Katastrophe – Einsatz in Palu, Indonesien
Am Freitag, 28. September 2018, ereignete sich in Zentral-Sulawesi in Indonesien ein Erdbeben der Magnitude 7.5. Das Epizentrum lag 60km nördlich der Stadt Palu. Stunden zuvor gab es bereits Beben der Stärken 5.9 und 6.0. Die Beben und die Verschiebungen der Oberfläche von bis zu 7m haben die Infrastruktur stark beschädigt und Gebäude zum Einstürzen gebracht. Der vermutlich durch Unterwasserrutschungen ausgelöste Tsunami mit Wellen von bis zu 6m Höhe zerstörte auf einem Küstenstreifen von bis zu 300m Breite die meisten Bauten. Die Erdbebenwellen führten zudem zu einer Bodenverflüssigung, was die Häuser ganzer Quartiere im Schlamm versinken liess.
Rund 1,5 Mio. Menschen sind von der Katastrophe betroffen, über 2‘000 Tote wurden geborgen und nach eigenen Schätzungen werden noch über 5‘000 vermisst. Nach wie vor wird die Region von Nachbeben erschüttert.
Nach seinem Besuch im Katastrophengebiet richtete der indonesische Präsident einen Hilferuf an die Internationale Gemeinschaft mit der dringenden Bitte um Unterstützung in den Bereichen Trinkwasserversorgung, Notunterkünfte, Lufttransporte, Logistikkoordination und Stromversorgung.
Die Humanitäre Hilfe des Bundes (SKH) bot ein Team von total 13 Spezialisten auf, um Indonesien mit Trinkwasseraufbereitungsanlagen, Notunterkünften und Ingenieurknowhow zu unterstützen.
Im Voraus-Detachement flog Peter Hilty von dsp Ingenieure + Planer AG mit und landete nach einer mehrtägigen Flugreise am 4. Oktober in Palu, der vom Erdbeben am stärksten betroffenen Stadt. Da die Landebahn beschädigt war, konnte nur ein Teil des Teams mit einem Kleinflugzeug landen. Schon aus der Luft war die grosse Zerstörung sichtbar, die die Bodenverflüssigung sowie der Tsunami angerichtet hatten. In der Stadt angekommen wurde schnell klar, dass der Mangel an Trinkwasser, Essen, Strom und Treibstoff die Hilfe stark erschweren würde.
Als erstes musste der Kontakt zu Behörden und lokalen Hilfsorganisationen hergestellt werden, um die Bedürfnisse abzuklären, die nötigen Bewilligungen zu bekommen und lokale Partner zu finden. Weiter benötigte die Einsatzzentrale in Bern innert Tagen verlässliche Informationen, welche Hilfsgüter mit dem Cargoflieger eingeflogen werden sollten. Nicht zuletzt galt es auch, eine Basis of Operation aufzubauen, die ein Team von 10 – 15 Personen beherbergen konnte und Büro- und Lagermöglichkeiten aufwies.
Die Indonesische Rotkreuz Gesellschaft (PMI) erwies sich als kompetenter Partner. Gemeinsam wurden die Bedürfnisse der Bevölkerung und die mögliche Unterstützung durch die Schweiz abgeklärt. Es konnten gemeinsam 3 Camps für total 1‘500 Personen aufgebaut werden. Diese Camps wurden mit Trinkwasser und semipermanenten Sanitäranlagen ausgerüstet und erhielten zudem grosse Gemeinschaftszelte, die als Schulen, 1.Hilfezelte oder Gemeinschaftsräume genutzt werden können. Der Campbau erfolgte auch in Zusammenarbeit mit der indonesischen Armee, die mit ihrer „manpower“ eine grosse Unterstützung war, so dass schliesslich der eigentliche Campaufbau nur 3 Tage gedauert hat.
Bis die Hilfsgüter Palu erreichten, wurden zahlreiche Schulungen durchgeführt. Mitarbeiter des PMI, der städtischen Wasserwerke und Zuständige für die Spitalgebäude wurden in der Wasseraufbereitung mittels Chlorierung sowie der Wasseranalyse (mobiles Labor) geschult.
Viele der staatliche Spitäler versorgten ihre Patienten nach wie vor in Notunterkünften ausserhalb der Spitalgebäude. Diese waren noch nicht offiziell auf ihre Sicherheit überprüft und wo möglich wieder freigegeben worden. Im Verlaufe des Einsatzes wurden gemeinsam mit Ingenieuren der Stadtverwaltung 4 der 5 grossen Spitäler kontrolliert. Dabei zeigte sich, dass oft die älteren Gebäude das Erdbeben besser überstanden hatten. Im Spital Anutapura stürzte ein modernes Bettengebäude ein, da die darunterliegende Tiefgarage die Erdbebenlasten nicht abtragen konnte. Ein Behandlungs- und Bettenhochhaus eines zweiten Spitals, das in einigen Wochen hätte in Betrieb gehen sollten, wies erhebliche Schäden am Innenausbau auf (herabgestürzte untergehängte Decken, umgestürzte nichtragende Zwischenwände). Mit hoher Wahrscheinlichkeit wären im Betrieb duzende von Patienten und Angestellte verletzt oder getötet worden.
Neben einzelnen statisch ungünstig gebauten mehrstöckigen Stahlbetongebäuden wiesen die Gebiete in denen Bodenverflüssigung aufgetreten war, riesige flächendeckende Schäden auf. Die Erdbebenwellen hatten den Porenwasserdruck in den wassergesättigten Sanden erhöht und dadurch die Tragfähigkeit des Bodens auf 0 reduziert. Die über dieser verflüssigten Schicht liegende Bodenschicht begann zu gleiten, aufzubrechen und sich in ein Gemisch aus Wasser, Sand und Gebäuden zu verwandeln. Einige Quartiere bewegten sich um bis zu 300m, dabei wurde jegliche Infrastruktur zerstört und die Bewohner hatten fast keine Überlebenschance.
Bei der Abreise nach 2 Wochen Einsatz vor Ort hatte sich die Situation in Palu schon wieder stark verbessert. Die meisten Verkehrswege sind wieder offen und Wasser, Nahrung, Treibstoffe und Strom wieder erhältlich. Die Leistung von Behörden und lokalen Hilfskräften ist beeindruckend. Die Schweizerische Humanitäre Hilfe konnte einen Beitrag leisten, indem sie 3 Camps aufbaute, an verschiedenen Orten die Wasserversorgung wiederherstellte und eine statische Überprüfung eines Grossteils der staatlichen Spitäler durchführte. Trotz der schwierigen Verhältnisse konnte innert kurzer Zeit sehr viel erreicht werden. Leider kann aber noch lange nicht von Normalität gesprochen werden. Der Wiederaufbau wird noch lange dauern, da zum Beispiel noch unklar ist, was mit den riesigen Gebieten mit Bodenverflüssigung passieren soll. Die Einwohner von Palu werden das Erlebte wohl nie mehr vergessen.
› Link: Kartenansicht Indonesien
› Link: Bericht SRF News
› Link: Beitrag SRF Tagesschau