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Die Revolution fand erst spät statt
Die Sozialdemokratische Partei (SP) im Kanton Freiburg gedenkt ihrer Gründung im Frühjahr 1905
Wie auf Bundesebene hat sich die SP im Laufe der Jahrzehnte auch in Freiburg zu einer bestimmenden politischen Kraft mit Führungsanspruch beim Ausbau des sozialen Systems emporgearbeitet. Ihre Vertreter sind auf allen Stufen gemäss ihrer politischen Kraft vertreten. Die Entwicklung erfolgt in Freiburg etwas zeitverzögert.
Von WALTER BUCHS
Die ansatzmässig voranschreitende Industrialisierung zwischen 1891 und 1907 lässt im Kanton Freiburg die Arbeiterzahl in die Höhe schnellen. Es ist die Zeit des Niedergangs zahlreicher Berufsstände und des Anstiegs der Fabrikarbeiter. Doch schon in den Jahrzehnten vorher haben sich da und dort Arbeitervereine gebildet, die unterschiedliche Ziele verfolgen und zum Teil von bestehenden Parteien umworben wurden. Von einer einheitlich ausgerichteten Arbeiterbewegung kann nicht gsprochen werden, die Gewerkschaften sind verstreut und unkoordiniert.
Die Reorganisation der SP Schweiz (1888) wirkte sich auch auf Freiburg aus. 1890 feierten die Arbeiter zum ersten Male am 1. Mai den Tag der Arbeit, wobei bereits das Thema der internationalen Solidarität im Vordergrund stand. Am 6. Oktober 1891 entstand eine erste kantonale Arbeiterpartei, welche Mitglieder aus Bulle, Freiburg und Murten um sich schart. Aus den verschiedenen Arbeitervereinen und -unionen heraus bildet sich nach und nach eine eigentliche Koalition. Diese wagt sich zwar noch nicht sozialdemokratisch zu nennen, verkündet aber lautstark ihre Autonomie gegenüber den bestehenden politischen Kräften, namentlich dem etablierten Bürgertum.
1904 folgt dann ein eigentliches Schlüsseljahr in der Geschichte der freiburgischen Sozialdemokratie. Am 1. Mai kommt es zur Gründung der ersten sozialdemokratischen Sektion, die zum Vorspiel der Parteigründung wird. Im Februar 1905 wird nämlich ein politisches Komitee ins Leben gerufen. Das wird als Geburtsstunde der Partei betrachtet, die – von radikalen und liberalen Elementen befreit – zum ersten Mal als sozialdemokratische Arbeitspartei auftritt. In dieser euphorischen Stimmung erobert die Partei am 2. April 1905 auf Anhieb 17 Sitze im Generalrat der Stadt Freiburg und wird zur zweitstärksten Fraktion der Hauptstadt, direkt nach den Konservativen. 1907 werden die ersten zwei SP-Vertreter in den Gemeinderat der Stadt gewählt.
Am 4. Juli 1906 tritt die SP Freiburg der SP Schweiz bei, nicht ohne Bedenken einiger Mitglieder, da in der Bundespartei seit 1904 die Linkskräfte mit klassenkämpferischen Zielen eindeutig Oberwasser haben. Am 8. Juli 1907 erfolgt die Gründung einer Sektion in Murten und am 12. Februar 1908 wird die kantonale Partei offiziell gegründet.
Der mühsame Anstieg
Die folgenden Jahrzehnte bringen einige Tiefs und Hochs. In den 40er Jahren kommen dann die ersten Erfolge auf kantonaler Ebene mit dem ersten Freiburger SP-Nationalrat (René Mauroux 1943) und der Wahl der 13 ersten SP-Grossräte (1946).
Ein weiterer Aufschwung erfolgte in den 60er Jahren (siehe Grafik), der dann 1971 mit zwei Staatsratssitzen belohnt wurde. Die Wahl von Otto Piller in den Ständerat 1979 brachte einen weiteren Elan und für den Beginn der 80er Jahre die bis jetzt stärkste Phase (33 Grossräte und Festigung der zwei Staatsratssitze) während den 100 Jahren der SP Freiburg.
Einige Magistraten
1971 zog die SP Freiburg erstmals in den Staatsrat ein und gleich mit zwei Vertretern (Jean Riesen und Denis Clerc). Die Sitze gingen 1976 an die FDP verloren und wurden 1981 von diesen zurückerobert. Seither hält die SP ihre zwei Sitze in der Kantonsregierung. Die 1991 gewählte Ruth Lüthi ist die erste deutschsprachige Vertreterin der Partei. Im Moment bestreitet sie das 14. Amtsjahr und vertritt die Partei zusammen mit Claude Grandjean (seit 1996) im Staatsrat.
Seit 1943 ist die SP Freiburg ununterbrochen im Nationalrat vertreten, und hält seit 1999 wie bereits von 1975 bis 1983 zwei Sitze. 1967 wurde der in Flamatt wohnhafte Jean Riesen gewählt. Im Sommer 1987 rückte Cyrill Brügger, Plaffeien, nach. Nach dessen Rücktritt wurde 1995 Erwin Jutzet, Schmitten, damals Grossratspräsident, in den Nationalrat gewählt. Es ist gegenwärtig seine dritte Legislatur. Sein Freiburger Parteikollege in der Grossen Kammer ist der 2003 gewählte Christian Levrat.
Auf den 1979 in den Ständerat gewählten Otto Piller folgte 1995 Pierre Aeby, der 1999 abgewählt wurde. Alain Berset eroberte für die SP diesen Sitz in der Ständekammer 2003 wieder zurück. wb