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Die römische Gesellschaft
Die Angehörigen der römischen Gesellschaft kann man unter verschiedenen Gesichtspunkten in unterschiedliche Gruppen einteilen.
Zunächst gibt es eine grundlegende Unterscheidung in zwei Gruppen: Die rechtlich Freien und die rechtlich Unfreien, d. h. römische Bürger auf der einen, Sklaven auf der anderen Seite.
Die Gruppe der rechtlich Freien, der Bürger, war wieder unterteilt: Zunächst in den Geburtsadel (nobiles, Patrizier) und Plebejer (Plebs, Nichtadlige). Dazu kamen die liberti (freigelassene Sklaven), die freilich in mancher Hinsicht benachteiligt waren, und peregrini (freie Bürger fremder Staaten oder Städte), die ebenfalls nicht alle römische Bürgerrechte besassen.
Wichtiger als die Gliederung in Patrizier und Plebejer war schliesslich aber die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Vermögensklasse: Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal für die Zugehörigkeit zum Adel und zu den fünf unteren "Klassen" (classes; hiervon kommt auch unser Begriff "Gesellschaftsklasse") war das Vermögen. Nach diesem wurden zur Zeit der Republik alle 5 Jahre von einem censor (censere: schätzen), die Zugehörigkeit jedes einzelnen Bürgers zu den "classes" festgelegt und seine politischen Rechte bemessen.
Zum Adel im weiteren Sinn gehörten Senatoren (senatores) und "Ritter" (equites).
Der römische Bürger
Zur Zeit des 1. Jh. n. Chr. sind alle Bewohner Italiens, sofern frei, römische Bürger. Das beinhaltet, dass sie keine Steuern zahlten, denn Steuern wurden als Tribut aufgefasst, den nur unterworfene Staaten und Völker den Römern zu zahlen hatten.
Liess sich ein römischer Bürger, ein Kaufmann etwa, in einer Stadt des Reiches ausserhalb Italiens nieder, so blieb er wie auch seine Nachkommen römischer Bürger. Meist schloss er sich in der Fremde mit anderen Römern zu "Konventen" zusammen.
Es gab auch Städte mit römischem Recht ausserhalb Italiens, z. B. in Gallien, die zur Ansiedlung entlassener Soldaten gegründet worden waren.
Nicht nur steuerlich, auch juristisch geniessst der römische Bürger Vorteile gegenüber dem nichtrömischen Reichsbewohner (peregrinus). So kann er nicht von einem Provinzstatthalter, sondern nur von dem kaiserlichen Gericht in Rom zum Tode verurteilt werden. Die Reise des Apostels Paulus von Caesarea nach Rom hat aus diesem Grunde stattgefunden.
Minderbemittelte Bürger in Rom erhielten regelmässig Getreide für ihren Unterhalt; unter Augustus gab es ca. 320000 Personen, die auf diese monatliche Ration angewiesen waren.
Für die Kinder bedürftiger freier Bürger gab es in der Kaiserzeit Unterstützungsfonds (alimentatio), die vor allem wegen des Bevölkerungsrückgangs in Italien eingerichtet wurden.
Die Senatoren
Oberste Gesellschaftsschicht der Republik wie der Kaiserzeit war der Senat, dessen Bedeutung jedoch seit Augustus stark eingeschränkt war.
Zum Senat gehörte z. Zt. der Republik jeder, der vorher ein Staatsamt (magistratus) bekleidet hatte; am angesehensten waren die Senatoren, die das höchste Staatsamt, das Konsulat, innegehabt hatten. Sie stammten meistens aus den stadtrömischen Adelsfamilien (Nobilität): kam der Betreffende aus einer einfacheren, z. B. einer Ritterfamilie, dann bezeichnete man ihn als homo novus.
In der Kaiserzeit wird er Senat politisch mehr und mehr entmachtet. Die alten Adelsgeschlechter sind grossenteils ausgestorben oder werden ausgerottet (gerade von den Kaisern). Anders als in der Republik kann nur der ein hohes Staatsamt (z. B. das Konsulat) bekleiden, der dem Senatorenstand angehört, die Zugehörigkeit ist also erblich und bezieht sich auf die ganze Familie und nicht nur auf den Amtsträger selbst. Darüber hinaus kann der Kaiser jemanden zum Senator ernennen, bzw. ihm diesen Rang auch wieder nehmen. Bedingung für die Zugehörigkeit ist ein Vermögen von 1 Million Sesterzen.
Der Ritterstand
M. Pomponius Marcellus ist eques, gehört dem Ritterstand (ordo equester) an, das bedeutet, dass er gesellschaftlich höher steht als ein einfacher römischer Bürger, aber niedriger als ein Senator.
In der frühen Kaiserzeit - also der Zeit unserer Pomponii - beinhaltete die Zugehörigkeit zum Ritterstand nichts weiter, als dass der Betreffende ein Vermögen von mindestens 400000 Sesterzen besass, und das war ein ganz ansehnliches Vermögen. Die Zugehörigkeit zu dieser Art "Geldadel" war, anders als beim Geburtsadel, nicht erblich; der Sohn eines Ritters musste seinerseits wieder das entsprechende Vermögen nachweisen, um in den Ritterstand aufgenommen zu werden.
Anders als zur Zeit der Republik erfolgte die Ernennung in der Kaiserzeit durch den Kaiser. Die Vorteile dieser Praxis für den Kaiser liegen auf der Hand: Er gewann so eine Schicht reicher freier Bürger (notfalls schenkte er dem entsprechenden Kandidaten den noch fehlenden Geldbetrag), die ihm verpflichtet war, seine Politik unterstützte, meist über eine gute Bildung verfügt und aufgrund dieser Vorzüge wichtige Positionen im Heer und in der Zivilverwaltung übernehmen konnte. So gehörte Pomponius in Pompeji zum ordo decurionum (Dekurionenstand), d. h. er war Ratsherr.
Die Rolle, die der Ritterstand in der Kaiserzeit spielte, ist ganz verschieden von seiner Bedeutung in der Republik: Ritter war ursprünglich, wer im Heeresdienst ein Pferd stellen konnte, also wer grössere Ausgaben für die Landesverteidigung leistet als etwa ein Leichtbewaffneter, der nur Lanze und Schild mitbrachte. Dafür genoss der Ritter ein höheres Ansehen, seine Stimme hatte bei Abstimmungen grösseres Gewicht (s. o.: census). (Selbstverständlich stellten auch die nobiles, die politisch führenden Männer, ein Pferd, wenn sie den Heeresdienst ableisteten.)
Zu besonderer Bedeutung gelangten die Ritter, als den Senatoren durch ein Gesetz im Jahre 218 v. Chr. der Handel (insbes. Seehandel) untersagt wurde. Mit diesem Gesetz sollte die bisherige Ordnung gewahrt werden, bei der die politisch Verantwortlichen Landbesitzer waren, die einen Teil des Jahres auf ihren Gütern verbrachten.
Durch das Handelsverbot für Senatoren ergaben sich für die bisher nicht als eigener Stand hervorgetretene Ritterschaft neue Möglichkeiten: Die Eroberung der Staaten des östlichen Mittelmeeres im 2. Jh. v. Chr. machte die Römer, die bisher Bauern waren, mit dem ausgedehnten Seehandel dieser Länder bekannt. Nun waren es aufgrund des Gesetzes von 218 v. Chr. gerade die Ritter, die, obwohl weniger vermögend und politisch bisher nicht aktiv, sich dem Handel verschrieben und Schiffe ausrüsteten. Damit gingen sie einerseits grosse Risiken ein - viele Schiffe versanken oder wurden von Piraten gekapert -, machten aber andererseits riesige Gewinne.
Doch solche risikoreichen Geschäfte betrieb nur ein kleiner Teil der Ritter, die meisten haben wohl weiterhin als Gutsherren auf dem Lande gelebt und sich auf Geschäfte innerhalb Italiens beschränkt.
Die Sklaven
Sklaven waren Menschen ohne Rechte, juristisch galten sie als "Sache". Sie wurden wie Waren gehandelt und hatten für ihre Besitzer zu arbeiten. Die antike Gesellschaft ist ohne Sklaven nicht denkbar. Ob als Rudersklave auf einer Galeere, als Sklave im staatlichen Bergwerk, als Ackersklave, Handwerkersklave, Lehrer, Arzt, Sekretär, Bibliothekar, ja (als servus publicus) sogar als Polizist - überall waren Sklaven beschäftigt. Reiche Leute hatten teils Hunderte von Sklaven, und natürlich waren die Sklaven je nach "Qualität" und Ausbildung unterschiedlich teuer.
Ursprünglich waren Sklaven Kriegsgefangene, die der Sieger, statt sie zu töten, verkaufte, damit sie arbeiteten. So gesehen, war die Sklaverei für die Betroffenen vielleicht sogar noch Glück im Unglück. Viele Kriege wurden nicht zuletzt der Sklavenbeschaffung wegen geführt. In der Frühzeit wurde auch als Sklave verkauft, wer seine Schulden nicht bezahlen konnte. Andere Quellen waren Menschenraub und Piraterie. Es wird von siegreichen Feldherrn berichtet (z. B. von Caesar), die Zehntausende von Gefangenen in die Sklaverei verkauften.
Hauptsklavenmarkt der antiken Welt war die Insel Delos. In Rom wurden Sklaven vor allem vor dem Tempel des Castor und Pollux gehandelt.
Dass die Sklaven rechtlich unfrei waren, bedeutete nicht, dass sie sich nicht auch frei hätten bewegen können. Viele wurden Vertraute ihres Herrn, viele wurden nach einer gewissen Zeit freigelassen (liberti). Genauso kam es aber vor, dass Sklaven fortzulaufen oder gar ihren Herrn umzubringen versuchten. So waren ihr Schicksal und ihr Leben weitgehend auch vom Charakter ihres Herrn oder auch ihrem Arbeitsbereich abhängig.