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Das Sakramentar enthält die bei der Messe vom Priester zu sprechenden Gebete. Feste Bestandteile sind der Canon Missae mit den bei jeder Messe zu sprechenden Gebeten des Opfergottesdienstes und die Messformulare mit ergänzenden Gebeten, die sich im Laufe des Jahres ändern: Sie sind im Temporale (mit den Hochfesten und den Sonntagen) und im Sanctorale (mit den Festen der Heiligen) zeitlich geordnet. Ergänzend können Elemente wie der Kalender, der Ordo Missae (feste Gebete vor der Eucharistiefeier), die Ordines (Taufe, Beichte, Krankensalbung und Totenfeier) und die Benediktionen (Segnungen von Personen, Dingen oder Orten) hinzutreten. Die wichtigsten Textfassungen des Sakramentars sind das Gelasianum (nach Papst Gelasius) und das Gregorianum, als dessen Verfasser Gregor der Grosse galt.
Das Sakramentar ist ausschliesslich für den Gebrauch durch den Priester bei der Messliturgie bestimmt. Weil es die bei der Eucharistiefeier zu sprechenden Worte der Wandlung von Brot und Wein in den Leib Christi enthielt, nahm es in der Hierarchie der liturgischen Bücher eine sehr hohe Position ein. In Prachtsakramentaren wurde dieser herausgehobene Status durch eine aufwendige künstlerische Gestaltung der Handschriften und ihrer Einbände sichtbar gemacht.
Die künstlerische Gestaltung der Sakramentare folgt keinem standardisierten Modell und variiert stark von Handschrift zu Handschrift. Als wichtigster Anknüpfungspunkt etabliert sich um 800 die T-Initiale des Te igitur, die als Kreuzigungsbild (Sakramentar von Gellone) oder als Initialzierseite (Sakramentar Heinrichs II.) gestaltet wird. Auch andere Initialen können als Figureninitalen (Sakramentar von Gellone) oder als narrative Folge von historisierten Initialen (Drogo-Sakramentar) hervorgehoben sein. Autorenbilder von Papst Gregor betonen die römisch-päpstliche Herkunft des Sakramentars (Sakramentar Heinrichs II.).
Literatur: Palazzo 1998, S. 21-61.