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Asthma ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege. Bei prädisponierten Personen führt die Entzündung zu anfallsweiser Atemnot und Husten. Entzündete, geschwollene Schleimhäute und eine vermehrte Sekretproduktion verengen die Luftwege. Zusätzlich beeinträchtigt wird das Atmen durch krampfartiges Zusammenziehen der Bronchien (der tiefen Luftwege). Diese anfallsweise Atemnot verschwindet spontan oder durch entsprechende Behandlung wieder. Die Entzündung verursacht jedoch eine zunehmende Empfindlichkeit der Atemwege auf eine Vielzahl von Reizen (bronchiale Hyperreaktivität).
Beim Asthma sind die Schleimhäute der Luftwege entzündet, geschwollen und produzieren vermehrt Sekret (Abbildung). Zudem besteht eine übermässige Reaktionsbereitschaft des Atemwegsystems (Nase, Rachen, Luftröhre, Bronchien). Als Reaktion auf verschiedene, aber individuell typische Reize verstärkt sich die Entzündung, die Muskulatur zieht sich krampfartig zusammen, und es entstehen Anfälle von Husten und Atemnot („Asthmaanfall“).
Asthma ist vielfach allergisch bedingt, insbesondere bei Kindern, bei denen es die häufigste chronische Krankheit überhaupt darstellt. Das Leben in Städten, in Kleinfamilien sowie vermehrte Hygienemassnahmen scheinen bei Kindern solche Erkrankungen zu begünstigen. Dem gegenüber sind Menschen, die auf Bauernhöfen oder in Kinderkrippen aufwuchsen, weniger häufig von Asthma und anderen allergischen Krankheiten betroffen.
In hochentwickelten Ländern scheint das Leiden zahlenmässig in den letzten 40 Jahren zuzunehmen und betrifft in der Schweiz etwa 7% der Gesamtbevölkerung, wobei das männliche Geschlecht überwiegt.
Die Krankheit verläuft chronisch und ihr Verlauf, bezogen auf das Leben, ist wenig beeinflussbar. Nicht selten verschwindet sie gegen Ende der Pubertät oder im jüngeren Erwachsenenalter oder sie schwächt sich ab – das Gegenteil ist indessen auch möglich.
Die Bronchialschleimhaut ist verdickt, chronisch entzündet und produziert zähen Schleim (Abb. b). Es ist bis heute unklar, wieso es bei manchen Menschen zu dieser andauernden Entzündungsbereitschaft kommt. Gleichzeitig besteht eine Übererregbarkeit im Bereich der Atemwege. Die Antwort auf einen Reiz löst den Asthmaanfall aus; die Muskulatur der Bronchien krampft sich zusammen (Abb. c) und verengt den Querschnitt der Atemwege zusätzlich, so dass der Luftstrom mechanisch behindert wird und Atemnot entsteht.
Beim am häufigsten vorkommenden allergischen Asthma (Allergie) reagiert das Immunsystem überschiessend auf Stoffe, die gewöhnlich unschädlich sind. Für das Entstehen der Krankheit sind allerdings neben allergischen auch nicht-allergische Ursachen wie genetische und Umweltfaktoren verantwortlich. Leiden beispielsweise beide Elternteile an Asthma, so haben deren Kinder ein Erkrankungsrisiko für allergisches Asthma von 60-80%. Bei Säuglingen sind manchmal zunächst virale Erkrankungen Auslöser von Asthma, das später in die allergische Form übergehen kann.
Seltener ist das nicht-allergische (endogene oder intrinsische) Asthma, bei dem unspezifische Faktoren wie Stress oder körperliche Anstrengung und Umweltbedingungen zu Atemnotanfällen führen.
Auslöser oder Verstärker von Asthma und insbesondere von Anfällen können also sein:
Die beiden Hauptsymptome, Husten und Atemnot, können jederzeit auftreten, bisweilen auch nur nachts. Kurzatmigkeit, Lufthunger und manchmal ein Engegefühl in der Brust leiten den Asthmaanfall ein. Der Atem wird keuchend, manchmal hört man schon auf Distanz ein pfeifendes Geräusch (das griechische Wort ασθμαίνω, asthmaino bedeutet „keuchen“). Erschwert ist vor allem das Ausatmen, die Atemphasen sind aber insgesamt verlängert. Die genannten Symptome können einzeln oder zusammen auftreten und bei Kindern sind noch weitere möglich, zum Beispiel Bauchschmerzen.
Je nach Häufigkeit Intensität und Dauer der Asthmaanfälle werden verschiedene Schwergrade unterschieden.
Wenn die Atemnot ein grosses Ausmass annimmt, können sich Lippen und Fingernägel bläulich verfärben, wenn sie lange anhält, entstehen Erschöpfung und gelegentlich Verwirrung.
Asthma geht oft (zu 30%) einher mit anderen allergischen oder so genannten atopischen Krankheiten (Heuschnupfen, chronischer Schnupfen (Rhinitis) oder Neurodermitis usw.), die weitere Symptome mit sich bringen und auch behandelt werden müssen.
Die Symptome verschwinden oder bessern sich, wenn die Exposition gegenüber der auslösenden Substanz endet, eventuell durch einen Berufswechsel. Je länger und intensiver ein Mensch jedoch dem Schadstoff ausgesetzt war, desto eher verbleiben Restbeschwerden.
Grundsätzlich behandelt der Asthmapatient sich selbst, wobei der Arzt ihm die nötigen Kenntnisse vermittelt, unter Beizug einer Atemtherapeutin (Atemtechniken, Entspannungsübungen). Es ist deshalb unerlässlich, dass der Patient die Grundlagen der Krankheit sowie nötige Massnahmen kennt und versteht („Selbstmanagement“). Selbständiges Messen des Luftstroms mit einem Gerät („Peak-Flow-Meter“) ermöglicht es, die Medikamente und deren Dosierung der momentanen Situation anzupassen.
Verwendete Arzneimittel sind hauptsächlich kortisonhaltige Sprays (gegen die Entzündung) und andere Medikamente, die überwiegend den Krampf der Bronchialmuskulatur lösen (so genannte Beta-Mimetika). Auch Kombinationspräparate mit beiden Substanzen sind erhältlich. Der Arzt berät, welcher Spray geeignet ist, ob zusätzliche Medikamente eingenommen werden müssen und ob eine Dauerbehandlung angezeigt ist. Der Vorrat an Medikamenten sollte jederzeit ausreichend sein, auch für die Ferienzeit.
Es wird ein Aktions- oder Stufenplan erstellt, der Richtlinien zur Therapie enthält. Daraufbasierend kann man dann die Medikamente und deren Dosierung auf die momentane Situation abstimmen. Das Messergebnis des Peak-Flow-Meters gibt die Geschwindigkeit des Luftstroms beim Ausatmen an und ermöglicht so eine Einschätzung des Schweregrades der Verengung in den Bronchien. Das Peak-Flow-Meter besteht im Wesentlichen aus einem Strömungsrohr, durch das man forciert ausatmet und die Geschwindigkeit des Luftstroms an einer Skala ablesen kann.
Ein Protokoll, in dem Umgebungsbedingungen, Arzneimittel und Messwerte notiert sind, erleichtert es dem Arzt, die Empfehlungen bei einer allfälligen Änderung im Krankheitsverlauf anzupassen.
Stoffe, gegen die bekanntermassen eine Allergie besteht, sind mögliche Asthmaauslöser und werden – soweit möglich – gemieden. Zu nennen sind hier hauptsächlich Massnahmen zur Reduktion von Hausstaubmilben und das Verhalten bei Pollenallergie (solche Massnahmen sind beim Stichwort Allergie beschrieben). Säuglinge sollten zur Prophylaxe möglichst lange gestillt werden, auf Haustiere sollte man verzichten.
Auch die Wahl eines günstigen Ferienortes, einer geeigneten Sportart und eines passenden Berufs können zur Vermeidung von Asthmaanfällen beitragen. Leider ist jedoch bei vielen Kranken die Anzahl nachweisbarer Allergene recht gross und ideale Umweltbedingungen sind schwer zu erreichen.
Nicht rauchen gehört auf jeden Fall zur Prophylaxe.
Körperliche Bewegung, schon das regelmässige Gehen an der frischen Luft, kann vorbeugend wirken. Asthmatiker müssen und sollen keinesfalls auf sportliche Aktivitäten verzichten. Rudern und Schwimmen sind ideal. Allgemein lässt sich sagen, dass Intervallbelastungen besonders geeignet sind. Wichtig sind ausserdem das Aufwärmen vor dem Sport und ein langsames, nicht abruptes Beenden der Tätigkeiten.
Übergewicht sollte vermieden werden, denn es kann die Krankheit verschlechtern.
Manchmal bringt ein Klimawechsel Linderung.
Methoden der Alternativmedizin haben bei manchen Asthmatikern eine Besserung der Symptome gebracht. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse reichen jedoch nicht aus, diese Erfolge zu erklären und zu bestätigen, weshalb dringend empfohlen wird, komplementärmedizinische Verfahren nur ergänzend anzuwenden, die bewährte Therapie also sicher beizubehalten.
Für den Anfall sollte jeder Asthmapatient einen Inhalationsspray griffbereit haben.
Atemschulung, Atemgymnastik und Entspannungsmethoden helfen, sich zweckmässig zu verhalten, Atemnot zu lindern und manchmal sogar einen Asthmaanfall zu vermeiden. Verschiedene Körperhaltungen erleichtern das Atmen. Ihnen gemeinsam ist das Einbeziehen der Atemhilfsmuskulatur, das folgendermassen erreicht wird:
Die so genannte Lippenbremse, eine besondere Atemtechnik, verbessert bei Asthma die Atmung:
Asthma ist in der Regel kein Grund, auf eine Schwangerschaft zu verzichten. Eine Schwangerschaft wirkt sich gelegentlich sogar günstig auf den Verlauf aus – wobei vereinzelt auch das Gegenteil vorkommt. Wichtig ist auf jeden Fall, dass der Arzt informiert ist, und dass die Behandlung entsprechend angepasst wird. Da die Medikamente inhaliert werden, geraten nur ganz geringe Mengen in den Körper. Das Kind hat ein erhöhtes Risiko, auch an Asthma zu erkranken, das Stillen mit Muttermilch hat jedoch eine prophylaktische Wirkung.
Der Arzt führt Untersuchungen durch, die es erlauben, andere Krankheiten auszuschliessen und versucht die Ursache zu ermitteln. Regelmässige Kontrollen sind nötig – auch wenn keine deutlichen Symptome verspürt werden –, um die Behandlung zu optimieren oder allfälligen Veränderungen anzupassen. Zudem ist jeder schwere Asthmaanfall ein Grund, mit dem Arzt eine neue Standortbestimmung vorzunehmen. Ein solches Ereignis weist darauf hin, dass die Therapie angepasst werden muss.
Jede Infektion der Atemwege (Husten, Bronchitis) erfordert ärztliche Beratung, weil Asthmatiker anfällig für Lungenentzündungen sind, und ausserdem kann die Infektion ihrerseits Asthmaanfälle auslösen.
Eine notfallmässige Arztkonsultation ist angezeigt:
Die Lungenfunktionsprüfung ist eine der wichtigsten Untersuchungsmethoden. Speziell um das Asthma von der COPD abgrenzen zu können. Daneben werden Bluttests gemacht und allenfalls ausgehusteter Bronchialschleim untersucht.
Die Behandlung umfasst Empfehlungen zum Vermeiden von Asthmaanfällen (Expositionsprophylaxe hinsichtlich bekannter Risikofaktoren) und Medikamente. Die medikamentöse Therapie setzt sich zusammen aus entzündungshemmenden (kortisonhaltigen) Substanzen und Bronchien erweiternden (Beta-Mimetika). Man unterscheidet:
Die Medikamente werden – mit wenigen Ausnahmen – inhaliert, was den Vorteil hat, dass eine geringere Dosis nötig ist, weniger Nebenwirkungen auftreten und die erwünschte Wirkung bei Bedarf schnell eintritt.
Methodisch beruht die Therapie darauf, dass der Asthmapatient die verordneten Medikamente und Massnahmen selbst anzuwenden lernt („Selbstmanagement“).
Im Verlauf erreichen 50% der von Asthma betroffenen Kindern im späteren Leben Beschwerdefreiheit. Bei den betroffenen Erwachsenen Patienten erreichen ca. 20% Beschwerdefreiheit und 40% immerhin eine Besserung der Symptomatik. Eine konsequente, längerfristige Therapie mit Glukokortikoiden (Kortison, Steroide) verbessert die Prognose entscheidend. Die Folgen eines unzureichend behandelten Asthmas (Lungenemphysem, Herzbelastung) sind wesentlich ernster als allfällige Nebenwirkungen von kortisonhaltigen Substanzen.
Asthma kann auch Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit und Leistungsfähigkeit haben. Vermindertes Selbstwertgefühl, Angst, Zweifel, Entwicklungsrückstand bei Kindern, aber auch sekundäre Schädigungen von Organen (Herz, Lungen, Knochen) machen bisweilen Rehabilitationsmassnahmen nötig.
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