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Die alte Rheinbrücke

Mittlere Rheinbrücke
Tram/Bus - Schifflände, Rheingasse
Unsichere Datierung beim Bau
Es ist unklar, wann die mittelalterliche Rheinbrücke in Basel gebaut wurde. Auch wenn man lange an der Datierung 1225/26 festhielt ist nicht gesichert, dass das Bauwerk damals entstand, Der Historiker Werner Meyer (geboren 1937) unterstrich 1992, dass für 1225 urkundlich nur belegt ist, dass zwei Klöster vom Brückenzoll befreit wurden, weil sie Geld für den Brückenbau zuschossen.
Somit bestand damals das Projekt eines Brückenbaus. Aber eventuell war man erst dabei, dessen Finanzierung zu sichern. Konkret als vollendeter Bau wird die Rheinbrücke erst 1244 fassbar. Für dieses Jahr wird in einer Urkunde ein "Johannes an der Rinbrukke" erwähnt. Somit wäre dies das Datum zu dem erstmals eine vollendete Brücke über den Rhein in Basel wirklich belegt ist.
Lange hiess es, Basel habe die erste feste Brücke zwischen Bodensee und Niederrhein gebaut, und dass ihre Errichtung wichtig für die Handeslroute über den Gotthard gewesen sei. Beides ist laut Meyer falsch; denn Rheinfelden hatte schon Ende des 12. Jahrhunderts eine Brücke und die Gotthardroute erlangte für den Fernhandel erst im 14. Jahrhundert grössere Bedeutung.
Die Rheinbrücke mit Käppelijoch um 1640. Für grössere Ansicht mit Erklärungen Bild anklicken. | Stich von Matthäus Merian
Ehrgeiziges Bauprojekt zum Machtsicherung
Treibende Kraft hinter den Brückenbau war der energische Bischof von Basel, Heinrich von Thun (gestorben 1238). Das Motiv hinter dem Bauprojekt war wie erwähnt nicht der Handelsweg über die Alpen. Vielmehr stand dabei die Territorialpolitik im Mittelpunkt. Der Bischofsstuhl hatte ab 1100 im Südschwarzwald viel Macht an die Zährunger verloren, die 1218 ausstarben.
Mit dem Ableben des letzten Herzogs von Zähringen sah der Bischof die Chance, verlorenen Einfluss zurückzugewinnen, etwa über das Kloster St.Blasien. Eine Brücke, wie sie in der benachbarten Zähringerstadt Rheinfelden ab 1180 nachweisbar ist, sollte dabei helfen. Die Klöster St.Blasien und Bürglen steuerten Geld zum Brückenprojekt bei, im Austausch für Nutzungsrechte.
Zur Finanzierung des Vorhabens genügten aber die Spenden zweier Klöster alleine nicht. Bischof Heinrich wandte sich an die Juden von Basel um einen Kredit aufzunehmen. Dafür verpfändete er den Kirchenschatz, was belegt mit welcher Entschlossenheit er hinter dem Bau der Brücke stand. Auch die Basler Bürgerschaft vermochte der Bischof von seinem Bauprojekt zu überzeugen.
Der Brückenbau
Als Standort wurde eine niedrige Grossbasler Uferpartie bei der Mündung des Birsig gewählt. Vom Kleinbasler Ufer her wurden fünf Steinpfeiler im Rheinbett erstellt. Mit langen Holzbalken schuf man Wasserstuben, in denen das Wasser bis auf den Grund abgepumpt wurde. So konnte unter dem Wasserspiegel gemauert werden. Auf der Grossbasler Seite war dies aber nicht möglich.
Infolge des Wasserlaufs und der Beschaffenheit des Ufers war das Bett des Stromes dort derart tief, dass mit den Mitteln des 13. Jahrhunderts keine Steinpfeiler erstellt werden konnten. Stattdessen stützten auf dieser Seite sieben Stelzen aus Eichenpfählen die Brücke. Die Holzkonstruktion war nicht so beständig wie die Steinpfeiler und bei Hochwasser besonders gefährdet.
Die rechteckigen Mittelkörper der Steinpfeiler waren stromaufwärts und stromabwärts mit einem keilförmigen Abschluss versehen. Dies gab dem Grundriss des einzelnen Pfeilers das Aussehen einer langgezogenen Bienenwabe. Dabei waren sie nicht gleichförmig der Brücke angepasst. Sie richteten sich vielmehr auf den Strom des Wassers aus, um seiner Gewalt besser widerstehen zu können
Das Gehäuse eines jeden dieser fünf Steinpfeiler bestand aus eisenverdübelten roten Sandsteinen. Im Inneren waren die Pfeiler mit Kieselwacken und Mörtel ausgefüllt. Zehn Meter lang war jeder der Pfeiler, dazu kamen zweimal zwei Meter für die keilförmigen Abschlüsse. Bei einigen Pfeilern musste nachweislich mehrere Male mit der Maurerarbeit neu begonnen werden.
Auf der Grossbasler Seite vor dem Rheintor wurde die letzte Partie als Zugbrücke gestaltet. Sie erlaubte erlaubte, rasch den Weg über den Fluss zu sperren. Möglicherweise hatte die Brücke anfangs keine Geländer und später lediglich eines auf der Seite stromaufwärts. Die Brückenkapelle auf dem äussersten Steinpfeiler, das Käppelijoch, ist für 1392 erstmals bezeugt.
Die Rheinbrücke stromabwärts gesehen um 1743. Links am Grossbasler Ufer das Rheintor, wo der Brückenzoll bezahlt wurde | Stich von Caspar Jacobsz Philips (nach Emanuel Büchel)
Unterhalt als Pflicht der Bürgerschaft
Die fertiggestellte Rheinbrücke musste von der Basler Bürgerschaft unterhalten werden. Aus diesem Grund flossen zum Beispiel im 14. Jahrhundert die Gelder aus den Aufnahmen neuer Bürger in den Brückenunterhalt. Diese Verpflichtung brachte erheblich Kosten mit sich. Hauptsächlich waren es die Hochwasserschäden, welche die Brücke unpassierbar machten, die zu Buche schlugen.
Immer wieder rissen die Fluten wichtige Brückenteile mit sich, oft Holzpfeiler. Erstmals ist dies für 1268 belegt. 1274 beschädigte ein Hochwasser im Sommer die Brücke erheblich. Weitere schwere Schäden werden 1275, 1302, 1340 und 1343 erwähnt. Im Jahr 1374 riss das Wasser zwei Pfeiler weg. 1358 rammte ein Schiff einen Pfeiler der einstürzte, wobei viele Menschen umkamen.
Für das Erdbeben 1356 sind keine nennenswerten Schäden an der Brücke überliefert. Das 15. Jahrhundert brachte viele Reparaturen. Hochwasserschäden werden für 1408, 1421 und 1424 erwähnt. Das letztere am 15. Juli riss gleich drei Pfeiler fort. Mit Schiffen musste in der Zeit danach eine Pontonbrücke errichtet werden, die über Leitern mit der intakten Brücke verbunden war.
Fortwährender Kampf gegen Wasserschäden
Um die Brücke zu verstärken liess der Rat 1457 einen sechsten Steinpfeiler erbauen. Man be nannte ihn nach Bürgermeister Johannes von Bärenfels (gestorben 1495) "Bärenfelserjoch". Ein neues Hochwasser brachte am 24.Juli 1480 drei der Brückenpfeiler zum Einsturz. Immer wieder nahm die Brücke bei reissenden Fluten Schaden; so musste 1567 ein schadhafter Pfeiler ersetzt werden.
Von den Arbeiten zur Neujahrszeit berichtet eine zeitgenössische Aufzeichnung des Diebold Ryff (1516-1586). Es sei nötig geworden, ein steinernes Joch welches bei Hochwasser schadhaft geworden wäre, mit einer Wasserstube einzufassen und neu zu bauen. Doch es drang stetig zu viel Wasser in den trockengelegten Bereich um den Pfeiler. Daher konnte so nicht gemauert werden.
Der Rat wandte sich an die Bürgerschaft und bat sie um Mithilfe. Der Bitte wurde entsprochen. Am 29. Dezember 1567 zogen die Mannschaften Zünfte zum Schlüssel und zu Hausgenossen um 03.00 Uhr Morgens unter Trommeln und Pfeifen zur Brücke und machten sich an die Arbeit. Die Wasserstube musste solange ununterbrochen ausgepumpt werden, bis der Pfeiler neu erstellt war.
In vier Schichten zu drei Stunden hielten die Zunftbrüder im Schweisse ihres Angesichts die Wasserräder in Gang. Andere Zünfte folgten zur Ablösung beim Schöpfdienst. Man habe um die drei Wochen lang Tag und Nacht das Trommeln der Zunftmannschaften auf den Gassen gehört, die zum Wasserschöpfen zur Brücke hinaus zogen. Der Bau des Pfeilers war eine ausserordentliche Anstrengung.
Die Rheinbrücke um 1883 mit den veralteten Holzpfeiler und den steinernen Bänken als Gewichte auf den Pfeilern. Hinten das Café National (heute Spitz) | Holzschnitt aus "La suisse pittoresque" von Jules Gourdault
Altersschwach und schwer belastet
Der Stadtplan von Matthäus Merian dem Älteren (1593-1650) zeigt, dass damals die Fahrbahn der Brücke auf der Grossbasler Seite zu den beiden Torbogen des Rheintors hin keilförmig breiter wurde. Vermutlich wurde diese Verbreiterung lange nach dem Bau wegen des um 1440 erstmals erwähnten Niederen Rheintors notwendig. Die alte Rheinbrücke wölbte sich in einem Bogen von Ufer zu Ufer.
Der höchste Punkt dieses Bogens befand sich beim Bärenfelserjoch, wo die Fahrbahn der Brücke rund 180 Zentimeter höher als an den den Brückenköpfen lag. Zu Beginn muss die Fahrbahnbreite, entsprechend dem Torbogen des Rheintors, nur ca 420 Zentimeter betragen haben. Im 19. Jahrhundert wurde klar, dass die Brücke allmählich trotz steter Reparaturen altersschwach wurde.
In Laufe der Zeit war die Basler Rheinbrücke zu einen grossen Flickwerk geworden, das dem zunehmenden Verkehr nur mit Mühe gewachsen war. Eine der grössten Belastungen die sie zu ertragen hatte war der Durchmarsch der Alliierten 1813/14. Alleine am ersten Tag des Vorbeizugs, am 21. Dezember 1813, marschierten 80'000 Mann über die Brücke. Zehntausende weitere sollten folgen.
Letzte Massnahmen im 19. Jahrhundert
In der Zeit um 1835 wurden die Brücke und ihr Umfeld städtebaulich untersucht. Eine Folge davon war der Abriss des Rheintores, das dem Brückenzugang in Grossbasel im Weg stand. Auch das Bärenfelser Joch musste ersetzt werden. Der durch Unterspülung einsturzgefährdete Pfeiler wurde durch einen massiveren ersetzt, der danach auch zum neuen Standort für das Käppelijoch wurde.
Der Bau des Pfeilers löste aber nicht alle Probleme rund um die Brücke. Regierung und Parlament wussten, dass weitere Baumassnahmen notwendig waren. Aber aus Furcht vor Kosten verdrängte man Gedanken daran. Einige Pläne zu Baumassnahmen wurden zwar ausgearbeitet, aber nichts davon wurde ernsthaft umgesetzt. Das meiste kam nicht über die Planung hinaus und nichts geschah.
Als zwei Hochwasser 1851 und 1852 die alte Rheinbrücke beinahe ins Elsass hinab schwemmten, nahm das Zögern ein Ende. Die Brücke wurde ab 1853 umgebaut. Dabei wurde die Fahrfläche begradigt und breiter gemachte. Die Überhöhung der Wölbung beim Bärenfelserjoch wurde auf 140 Zentimeter gesenkt. Massive Sitzbänke aus Stein beschwerten nun die hölzernen Pfeiler zur Stabilisierung.
Gegenteilige Bemühungen gab es während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Im Rahmen der Landesverteidigung traf man für den Fall eines Einmarsches Vorbereitungen um die Brücke zu zerstören. Jeweils zwischen zwei Pfeilern wurde eine Kiste mit Sprengstoff montiert. Durch Rohre geschützte Zündschnüre führten an beide Ufer und verbanden die Ladungen zur Zündung.
Eine der Steinbänke welche die Pfeiler auf der alten Rheinbrücke beschwerten. Sie kamen nach dem Bau der neuen Brücke 1905 in die Lange Erlen und den Margarethenpark (wo diese Aufnahme 2004 nahe der Kunsteisbahn entstand)
Ersatz durch einen Neubau
Die Baumassnahmen und Neuerungen um die alte Brücke konnte jedoch auf Dauer keine Lösung sein. In den 1870er Jahren wurden in Basel zwei zeitgemässe Brücken über den Rhein gebaut. Unterhalb der Birsmündung entstand 1870/73 die Eisenbahnbrücke und 1877/79 kam die Wettsteinbrücke hinzu. Die antiquierte Rheinbrücke mit ihrer Holzpartie wirkte neben ihnen hoffnungslos veraltet.
Der Verkehr vermehrte sich im späten 19. Jahrhundert. Mit dem Aufkommen der elektrischen Strassenbahn 1895 stieg die Belastung für die alten Brücke noch einmal an. Ein Ersatz war nun unumgänglich geworden. Im April 1899 fällte der Grosse Rat den Entscheid, eine neue Brücke bauen zu lassen. Vollkommen aus Stein und fast 19 Meter breit sollte sie die alte Rheinbrücke ersetzen.
Am 27. Mai 1903 wurde die alte Brücke zum Auftakt der Abbrucharbeiten gesperrt. Wenige Meter rheinabwärts war eine provisorische Holzbrücke erstellt worden, über die zwei Jahre lang der Verkehr rollte. Die neue Rheinbrücke konnte am 11. November 1905 offiziell eingeweiht werden. Die auf den Bischof von Basel zurückgehende Brücke war nun definitiv Geschichte geworden.
Zusammenfassung
Die mittelalterliche Rheinbrücke entstand zwischen 1225 und 1244. Der Bau war ein Projekt des Basler Bischofs Heinrich von Thun. Er wollte nach dem Aussterben des mächtigen Geschlechts der Zähringer das entstandene Machtvakuum im Südschwarzwald nutzen, um nördlich des Rheines mit einer Brücke Fuss zu fassen. Das benachbarte Rheinfelden hatte schon um 1180 eine solche.
Die Brücke, deren Unterhalt die Pflicht der Basler Bürgerschaft war, ruhte in der seichteren Nordhälfte des Rheines auf Steinpfeilern. Auf der Grossbasler Seite, wo das Wasser damals zu tief war für Maurerarbeiten, wurde sie durch eine Vielzahl in den Grund gerammter Holzpfeiler gestützt. Dies blieb so, bis zum umfassenden Neubau der Brücke im frühen 20. Jahrhundert.
Die Bauweise der Brücke, auf der ab 1392 die kleine Kapelle "Käppelijoch" belegt ist, machte sie anfällig für Hochwasserschäden. Alleine für das 15. Jahrhundert sind vier gravierende Fälle überliefert. 1424 und 1480 rissen die Fluten gleich drei Pfeiler davon. Daher waren stete Ausbesserungen und Umbauten an der Brücke notwendig. 1457 wurde etwa ein zusätzlicher Steinpfeiler errichtet.
Der Neubau eines maroden Steinpfeilers machte im Winter 1567/68 einen ununterbrochenen dreiwöchigen Einsatz von Zunftmannschaften nötig, um die zum Bau nötige Wasserstube mit Pumpen trocken zu halten. Trotz ständiger baulicher Sanierungen litt die Brücke unter dem zunehmenden Verkehr. Beispielsweise überquerten sie im Winter 1813/14 zehntausende von alliierten Soldaten.
Mit der Einführung der elektrischen Strassenbahn 1895 wurde klar, dass eine zum Teil auf Holzpfeilern ruhende Brücke keine Option für den immer schwereren Stadtverkehr mehr ist. 1899 beschloss der Grosse Rat den Abriss der alten Rheinbrücke und ihren Ersatz durch einen Steinbau. Die Bauarbeiten begannen 1903. Am 11. November 1905 wurde die heutige Brücke eingeweiht.
Beitrag erstellt 19.03.04 / überarbeitet 05.11.19
Quellen:
Emil Blum / Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seite 170 bis 175
Casimir Hermann Baer, "Das Rheinbrücke zu Basel", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 1, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Birkhäuser Verlag, Basel, 1932, Seite 315 bis 336
Daniel Albert Fechter, "Topographie mit Berücksichtigung der Cultur- und Sittengeschichte", publiziert in Basel im vierzehnten Jahrhundert, herausgegeben von der Basler Historischen Gesellschaft, H. Georg's Verlag, Basel, 1856, Seite 132
Werner Meyer, "Der Zusammenschluss von Gross- und Kleinbasel im Spätmittelalter" publiziert in Leben in Kleinbasel 1392, 1892, 1992, Christoph Merian Verlag, Basel, 1992, ISBN 3-85616-051-5,, Seiten 14 bis 16
Walther P. Mosimann / Ernst Graf, Die Basler Rheinbrücken, Verlag Schiffahrt und Weltverkehr AG, Basel, 1962, Seiten 13 bis 24