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Der Raum für Sozialreformen, der nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Rumänien entsteht, wird insbesondere auch durch transnationale Institutionen konturiert. Dabei nimmt die Rockefeller-Stiftung eine herausragende Stellung ein, was vor allem mit ihrer politischen Unabhängigkeit sowie mit ihrer Bereitschaft zu tun hat, vor Ort aktiv zu werden. Das lokale Akteursnetzwerk, das sich aus einem ursprünglich universitären Nukleus entwickelte, war beseelt von einem «Zivilisierungswillen» und machte seinen Einfluss nach und nach in der staatlichen Verwaltung, in Frauenvereinen und feministischen Organisationen sowie – allerdings nur vorübergehend – in der Politik geltend. Dank einer Reihe von günstigen internen und internationalen Konjunkturen gelang im Rahmen dieses Reformvorhabens zwar eine Veränderung der lokalen Sozialpolitik insbesondere durch die Institutionalisierung der Sozialbefragung als Instrument. Dieser relative sozialreformerische Erfolg wird allerdings am Vorabend des Zweiten Weltkriegs durch den Verlust der transnationalen Verbindungen kontrastiert. Diese Einbusse beschleunigte den Zerfall des Netzwerks, zunächst in der Form seiner stillschweigenden Zwangseingliederung in die «Sozialprogramme» der autoritären Regime, worauf die Phase des Misskredits und schliesslich jene der Auflösung folgten. Am Fallbeispiel von Rumänien befasst sich der Beitrag mit der Ausweitung der «Reformära» des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in der europäischen Peripherie, indem er nach möglichen Kontinuitäten auf der Ebene von Akteuren und Praktiken aus einer Perspektive des Transfers und der Übersetzung von Reformwissen und reformerischer Programmatik fragt.
Transnationale Herausforderungen beim Aufbau einer sozialen Reformpolitik vor Ort: das Beispiel der Rockefeller-Stiftung in Rumänien (1920–1940)(L’enjeu transnational dans la construction d’un chantier réformateur local. La Fondation Rockefeller en Roumanie (1920–1940))
Erschienen in: traverse 2013/2, S. 5