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Sophie in Trogen
Die Künstlerin
Am 14. Januar 2023 jährte sich der Todestag von Sophie Taeuber-Arp zum 80. Mal. Am 19. Januar 1943 wäre sie 54 Jahre alt geworden.
Sophie Taeuber-Arp (1889–1943) war Malerin, Bildhauerin, Textilgestalterin, Architektin und Tänzerin der Avantgarde – eine Pionierin der abstrakten Kunst. Sie verwob die Experimentierfreude der Dadaisten in Zürich, der Künstlerkreise in Paris, denen sie angehörte, und ihre eigenen kunsthandwerklichen Tätigkeiten ineinander. Die Vielseitigkeit ihres Schaffens durchdrang fast alle Lebensbereiche. Hierfür wird sie heute international gefeiert und gewürdigt. Von 1995 bis 2016 zierte ihr Konterfei die Schweizer 50-Franken-Note.
Was aber hat eine der vielseitigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts mit Trogen im Kanton Appenzell Ausserrhoden zu tun?
Ihre Mutter Sophie Taeuber-Krüsi (1854–1908) stammt aus einer Apothekerfamilie in Heiden AR. Nach der Heirat mit Emil Taeuber 1882 lebte sie in Davos. Das Ehepaar führte neben der Apotheke auch ein Weisswarengeschäft. Fünf Kinder kamen zur Welt: Paul (1883), Erika (1884), Ernst (1886), Hans (1887) und Sophie (1889). Ernst starb als Kleinkind und Paul 1901 auf seiner ersten Segelschifffahrt als Hamburger Seemannsschüler in Brasilien an Gelbfieber.
Nach dem frühen Tod von Emil Taeuber übersiedelte die Mutter Sophie Taeuber-Krüsi 1895 mit den Kindern nach Trogen. Hier führte eine ihrer Schwestern, Mathilde Krüsi, mit ihrem Mann, dem Arzt Hans Zellweger, im Sonnenhof am Landsgemeindeplatz 11 die Zellweger’sche Kinderkuranstalt. Hans vermietete seiner Schwägerin die «Solitude» an der Altstätterstrasse 9, ein kleines Wohnhaus. Sechs Jahre später bezog die alleinerziehende Mutter mit Erika, Hans und Sophie die von ihr entworfene «Villa Taeuber» an der Altstätterstrasse 3.
Am «Boulevard du Sud», wie die Altstätterstrasse gemäss Zeugnis von Elisabeth Pletscher (1908–2003) genannt wurde, ging es lebendig, städtisch modern und multikulturell zu und her. Trogen hatte sich um die Jahrhundertwende einen Ruf als Luftkurort erworben. Die textile Heimindustrie – die Weberei und vor allem die Maschinenstickerei – war der prägende Wirtschaftszweig. Die Kantonsschule, deren Schüler von überallher kamen und in Privathäusern im Dorf lebten, begünstigte die internationale Atmosphäre.
Die Kindheit und Jugend von Sophie Taeuber ist dank der bis heute in Privatbesitz überlieferten Fotografien ihrer Mutter visuell sehr gut dokumentiert. Eine dreibändige Briefedition bietet seit 2021 eine Art «Autobiografie in Fragmenten» und dadurch die Möglichkeit, Sophie Taeuber als Person neu und anders zu entdecken.
Kennenlernen und Weitersagen
Den Anstoss zu Aktivitäten in Trogen, die sich mit Sophie Taeuber und ihrer Kindheit und Jugend im Dorf befassen, gab eine kleine «IG» mit Dieter Bürgi, Charlotte Kehl, Sämi Eugster und Heidi Eisenhut, Leiterin der Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden. Seit den Anfängen inhaltlich involviert ist zudem Gabriela Falkner. Für Konzept- und Textarbeiten beigezogen wurde Kristin Haefele.
Aus Anlass des 80. Todesjahrs arbeitete die IG ein Jahresprogramm aus. Stöbern Sie darin und notieren Sie sich die eine oder andere Veranstaltung.
Die IG verfolgt das Ziel, die Biografie von Sophie Taeuber und weiterer Persönlichkeiten in ihrem Umfeld sowie die Zeit um 1900 in der Ostschweiz bekannter zu machen und mit Fragestellungen der heutigen Zeit zu verbinden. Dabei wird nicht nur das Jahr 2023 in den Fokus genommen: Es wäre schön, «Trogen um 1900 mit Sophie Taeuber» könnte als Ergänzung zu «Jahrhundert der Zellweger» einen Platz in der Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte bekommen.
Zum Kennenlernen des Werks der Künstlerin ist der hervorragende virtuelle Rundgang durch die Ausstellung «Sophie Taeuber-Arp. Gelebte Abstraktion» im Kunstmuseum Basel (20.03. bis 20.06.2021) empfohlen. Der SRF-Film «Die bekannte Unbekannte – Sophie Taeuber-Arp» von Marina Rumjanzewa (D, 2012, 52 Min.) wurde am «Fest für Sophie» am 3. Juni 2023 in Trogen gezeigt und ist auch online verfügbar. Zum Kennenlernen der Biografie bieten sich die Einträge im SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz und im Historischen Lexikon der Schweiz an.
Impressionen der Veranstaltungen 2023
Am «Fest für Sophie» vom 3. Juni 2023 im Garten und im Innern des Fünfeckpalasts am Landsgemeindeplatz 7 in Trogen hat Fotograf Hanspeter Schiess Bilder gemacht: Begrüssung und Apéro im Garten | Im Kulturraum | Heidi Eisenhut und Silvia Boadella bei der Lesung | Mark Staff Brandl bei seiner Performance | Dada-Tanz im Innenhof des Fünfeckpalasts | Susanna Benenati im Innenhof des Fünfeckpalasts | Lesesaal mit Publikationen zum Leben und Werk von Sophie Taueber-Arp | Werk von H.R. Fricker | Villa-Taeuber-Raum | SRF-Film «Die bekannte Unbekannte» von Marina Rumjanzewa (2012).
Alle diese Fotografien sind urheberrechtlich geschützt. Bei Interesse wenden Sie sich an <email-pii>.