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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1990 von Fritz Schwarzenbach
WIE DIE STIFTUNG ENTSTAND
Im Anfang unseres Jahrhunderts war die Tuberkulose die verbreitetste und gefürchtetste ansteckende Krankheit der Kinder. Noch erinnere ich mich an zwei Klassenkameradinnen, die Opfer dieses Leidens wurden, die eine während der Primarschulzeit, die andere im jugendlichen Alter. Es war fast ein Wunder, dass in dem mit 60 Schülern vollgestopften, niedrigen Schulzimmer nicht weitere angesteckt wurden.
Wie kann die Krankheit eingedämmt werden? Gibt es Wege mit vorbeugender Aufklärung in allen Gegenden unseres Landes, die helfen? Diese Fragen beschäftigten 1912 Dr. Carl Horber, Sekretär der stadtzürcherischen Tuberkulosekommission, und Major Wille, den späteren Korpskommandanten. Gemeinsam schufen sie einen Statutenentwurf für ein schweizerisches Sekretariat zur Bekämpfung dieser Krankheit und für weitere Aufgaben zum Wohle unserer Jugend. Aufgrund dieses Entwurfes wurde im September 1912 an der Jahresversammlung der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft ein Stiftungsrat von 70 Mitgliedern, Vertretern aller Landesteile und gemeinnütziger Organisationen, gewählt. Vorsitzender war der St. Galler Bundesrat Arthur Hofmann. Bis heute hat sich die Tradition erhalten, immer einen Bundesrat oder alt Bundesrat als Präsidenten der Stiftung zu wählen. Gegenwärtig ist dies als Bundesrat Dr. Rudolf Friedrich. Eine Stiftungskommission von 10 Mitgliedern steht dem Zentralsekretär zur Seite. Als erster amtete während fünf Jahren Dr. Carl Horber; ihm folgte Dr. Heinrich Hanselmann während sechs Jahren, bis zu seiner Ernennung zum Professor der Universität Zürich.
Für die Mittelbeschaffung gelang es, Sonderdrucke von Briefmarken der PTT zu erhalten; die ersten erschienen im Dezember 1912. Später kamen Glückwunschkarten und Telegramme dazu.
SCHAFFUNG DER PRO-JUVENTUTE-BEZIRKE
Für die Zusammenarbeit der Zentralstelle mit den verschiedenen Regionen erwies sich die Schaffung von Pro-Juventute-Bezirken als zweckmässig. Die rund 190 Bezirke fallen weitgehend mit den politischen Bezirken zusammen. In unserer Gegend übernahm der Richterswiler Kaufmann August Gattiker-Sautter den Aufbau einer Bezirksorganisation für die Gemeinden Wädenswil, Richterswil, Schönenberg und Hütten: des Pro-Juventute-Bezirks Wädenswil.
Die erste Sitzung von Ortsvertretern der vier Gemeinden fand am 24. November 1915 statt, im Auftrag des Zentralsekretariats geleitet von Herrn Gattiker. Als Vertreter von Wädenswil waren anwesend: Dr. Bürgi, Dr. Hess, Herr Pfenninger-Roth, Frau Streuli-Schmidt, Lehrer Baumann, Lehrer Walder, Frau Direktor Hauser, Frau Zürrer vom Kinderheim Bühl, Fräulein Bollier, Fräulein Hofmann sowie Fräulein Kunz, die vom Zentralsekretariat gewählte Bezirkssekretärin. Von Richterswil waren zugegen: Herr Gattiker, Dr. Blattmann, Dr. Amrain, Direktor Meier, Herr Nauer, Fräulein Sennhauser. Entschuldigt hatten sich Pfr. Schreiber von Wädenswil, Pfr. Keller und Lehrer Sigg von Richterswil, Pfr. Wespi und Herr Schärer von Schönenberg sowie Herr Leuthold von Hütten. Herr Gattiker wurde als Präsident gewählt. Es wurde beschlossen, dass der Arbeitsausschuss der Bezirkskommission über die Hälfte des Reinertrags verfügen sollte, die andere Hälfte den Gemeindekommissionen zukam. Im Dezember 1915 wurde der Markenverkauf durchgeführt; als Verkäufer amteten die Mitglieder der Gemeindekommissionen. In Wädenswil war auch der Sohn von Frau Streuli, der spätere Bundesrat, dafür tätig.
Briefmarke zum 25jährigen Bestehen von Pro Juventute, 1937.
Briefmarke von 1929, mit Porträt von Niklaus von der Flühe.
Der Reinertrag belief sich auf 1848.05 Franken. In der Sitzung des Arbeitsausschusses vom 19. März 1916 wurden Grundsätze für die Verteilung der gesammelten Gelder festgelegt. Es kamen Kinder und Jugendliche bis zwanzig Jahre für Beiträge in Betracht, vor allem sollten die Mittel für die Heilung von Tuberkulose und Skrophulose verwendet werden, wobei der Arbeitsausschuss über die Dringlichkeit der einzelnen Fälle entschied.
Seit der Kriegszeit blieb auch 1917 der Reinertrag ungefähr gleich hoch wie im Vorjahr. Die Bezirkskommission entschied, 70 Prozent sollten den Gemeindekommissionen zur Verfügung stehen. Diese verwendeten das Geld vor allem für die Finanzierung von Höhenkuren tuberkulosekranker Kinder, in Zusammenarbeit mit den lokalen Tuberkulosekommissionen.
Die Statuten der Stiftung bestimmten einen Dreijahresturnus der Tätigkeit Kleinkinder, Schulkinder, Jugendliche. In den ersten Jahren der Tätigkeit im Bezirk Wädenswil stand vor allem die Heilung kranker Kinder im Vordergrund. Erst nach und nach richtete sich der Einsatz nach den Jahreszwecken, ohne aber besondere Fälle ausserhalb dieser Reihenfolge zu vernachlässigen. 1917 war als Jahreszweck die Hilfe für Jugendliche festgelegt. Unser Bezirk leistete Beiträge an die Jugendarbeit des Blauen Kreuzes, an die Fürsorgestelle für Lehrlinge und an den Lesesaal der Freischule Wädenswil.
WARUM ZWEI PRO-JUVENTUTE-BEZIRKE IM BEZIRK HORGEN?
Im Jahre 1920 ersuchte die neugeschaffene Pro-Juventute-Bezirkskommission Horgen-Thalwil das Zentralsekretariat in Zürich, sich um eine Vereinigung der beiden Bezirksteile zu bemühen. Der Zentralsekretär, Dr. Hanselmann, brachte dieses Anliegen an einer Sitzung der Bezirkskommission Wädenswil zur Sprache. Er wies auf die neugeschaffene Bezirksstelle des Kantonalen Jugendamtes in Horgen hin; für manche Fälle war eine Zusammenarbeit mit dieser Stelle unumgänglich. Eine längere Aussprache zeigte, dass beide Bezirksgruppen nebeneinanderstehen konnten, wobei eine Zusammenarbeit, wenn eine solche gegenüber einer Amtsstelle zweckmässig war, durchaus in Frage kam.
Briefmarke von 1931, mit Silser- und Silvaplanersee.
Mit allen gegen eine Stimme wurde beschlossen, am bisherigen Zustand festzuhalten.
NEUE AUFGABEN FÜR DAS ZENTRALSEKRETARIAT
Immer neue Probleme traten an das Zentralsekretariat heran. Manche wurden als Anregung an die Bezirke weitergeleitet. So wurden Ferienplätze in Familien für Auslandschweizerkinder gesucht. Ein Wanderausstellung über Freizeitbeschäftigung Jugendlicher brachte manchem auch in unserem Bezirk Anregungen zu wertvoller Betätigung. Für tuberkulosekranke Kinder war in Davos die Alpine Kinderklinik Pro Juventute geschaffen worden. Die Erstellung von Spielplätzen wurde den Bezirken empfohlen; in Richterswil fand sie unter tatkräftiger Mitarbeit von Eltern und bald eine Verwirklichung. 1920 wurden in der Bezirkskommission die Fürsorge für unterentwickelte Kinder und die Bekämpfung von Schundliteratur intensiv besprochen, 1922 Kurse über die Pflege von Kleinkindern organisiert; junge Eltern erhielten eine Schrift zu diesem Thema.
ZUTEILUNG DES REINERTRAGS AN GEMEINDEN UND BEZIRK
Während nach den Statuten der Stiftung die Bezirkssekretäre zusammen mit dem Arbeitsausschuss für die Verwendung der Mittel zuständig waren, wurden bei uns 70 bis 80 Prozent des Reinertrags den Gemeindekommissionen überlassen. Dies trotz eines Einwandes des Präsidenten des Stiftungsrates, Oberst Wille, gegen unsere Art der Verteilung des Reinertrags. Man fand, die Gemeindesekretäre hätten den besseren Einblick in die Verhältnisse ihres Dorfes, sowohl bezüglich Einzelfürsorge als auch Beitragssprechung an Organisationen, natürlich jeweils im Rahmen des Jahreszweckes.
1929 trat Fräulein Kunz, die aus der Gemeinde wegzog, als Bezirkssekretärin zurück. Herr Schweizer übernahm deren Aufgabe.
BRAND DES KINDERHEIMS BÜHL
Kurz vor der Jahresversammlung kamen 1932 beim Brand des Kinderheims Bühl am Rotweg ein Dutzend Kinder und eine Angestellte ums Leben. Eine neugegründete Stiftung übernahm die Erstellung eines neuen Heims südöstlich Untermosen und dessen Betrieb. Das Bezirkssekretariat leistete einen grösseren Beitrag an die Innenausstattung.
Briefmarken von 1933 und 1935: Waadländerin, Genferin.
NEUE AUFGABEN
In Wädenswil leitete Lehrer Heinrich Eschmann einen gut besuchten Kurs für Eltern zur Herstellung von zweckmässigem Kinderspielzeug. Für Mädchen wurden ebenfalls Haushaltungskurse im Ferienheim Schwende des Pestalozzivereins durchgeführt. Es waren die Jahre der Arbeitslosigkeit, von der auch manche Jugendliche betroffen waren. Die früher festgelegte Altersgrenze von zwanzig Jahren für Unterstützungen wurde erhöht. In Wädenswil gab es 1932 15 jugendliche Arbeitslose. Auf eine Anfrage zur Teilnahme an einem freiwilligen Arbeitslager in Rotschuo am Vierwaldstättersee meldeten sich nur fünf, doch arbeiteten dann einige weitere kräftig an der Verbesserung des Badeweihers am Aabach in der Stocken mit.
Schon seit einigen Jahren forderte die Zentralstelle Gemeinden mit einem grossen Bestand an Obstbäumen zu Obstsammlungen zugunsten von Bergschulen auf. 1933 war ein gutes Obstjahr. Schülerinnen und Schüler sammelten in den vielen Gemeinden während den Herbstferien 9500 Kilogramm Äpfel und verpackten sie in Kisten und Körbe zum Versand an die zugeteilten Bergdörfer. In die Landschaf Davos und nach Klosters fuhr ein Lastwagen der Ölfirma Hürlimann. Kohlenhändler Treichler bediente mit seinem Lieferwagen das Safiental. Zwar bestand im Bündnerland noch ein Autoverbot, doch wurde bereitwillig eine Ausnahmebewilligung erteilt. Ich fuhr mit ins Safiental und erlebte dort die Freude, mit der die Kisten von den Schülern der fünf Schulen an der Strasse abgeholt wurden.
DIE BEZIRKSKOMMISSION
Der Wechsel der Mitarbeiter in der Bezirkskommission war stets gering. Ende 1933 starb Dr. Hess, der von Anfang an mitgearbeitet hatte. Da in der Kommission hie und da Fragen zur Tätigkeit des Zentralsekretariats auftauchten, vor allem in Bezug auf die Übernahme immer neuer Aufgaben, wurde Zentralsekretär Dr. Loeliger im März 1935 zu einer Aussprache eingeladen. Es kamen zur Diskussion: der sehr gute Stand unseres Bezirks in der Liste der Verkaufsergebnisse, die Überwachung der Arbeit des Zentralsekretariates durch die Stiftungskommission unter dem Vorsitz von alt Bundesrat Häberli und die Höhe der Verwaltungsspesen des Zentralsekretariats von 8 bis 13 Prozent, inbegriffen die Ausgaben für besondere Aufgaben, wie Ferienplatzvermittlung, Familienfürsorgestellen usw. Dr. Loeliger informierte zudem über die drei Wanderausstellungen für Säuglingspflege und die Sorge für Kleinkinder, die Aufgabe für Kinder der Landstrasse, die Bereitstellung von Verkaufsmaterial, die Vorbereitung der Obstsammlungen, die Betreuung der aus dem Schülerheim Albisbrunn entlassenen Jugendlichen, die Verwaltung für ein Dutzend Fürsorge- und Vorsorgewerke, die Jugendherbergen und Wanderwege. Es war eine wertvolle und überzeugende Aufklärung.
An der Jahresversammlung 1935 erwähnte der Präsident das zwanzigjährige Bestehen der Bezirkskommission. Hermann Schweizer erzählte von seinen Erfahrungen in freiwilligen Arbeitslagern für Jugendliche. Die Berggemeinden fragten, ob eine gemeinsame Förderklasse für minderbegabte Schüler möglich wäre, wenn auch Hirzel mitmachen würde. Etwas später ergab eine nähere Prüfung eine zu geringe Zahl solcher Schüler in den Berggemeinden, so dass sich eine Sonderklasse nicht lohnte.
1937 übernahm Herr Kägi das Amt des Bezirkssekretärs. Die Schaffung einer Mütterberatungsstelle in Schönenberg kam nicht zustande. Wädenswil übernahm diese Aufgabe auch für die Berggemeinde. Das älteste Mitglied der Bezirkskommission, Frau Streuli, die seit der Gründung aktiv mitgearbeitet hatte, trat 1938 zurück.
WÄHREND DES ZWEITEN WELTKRIEGES
Trotz des Krieges gingen die Dezemberverkaufsaktionen und auch die Obstsammlungen weiter. 1942 wurde ein Teil der Äpfel gedörrt, ein Teil der Dörrfrüchte kam dem Frauenhilfsdienst, ein anderer der Kinderkrippe Wädenswil zu.
Leider wurde wegen Wegzug von Herrn Kägi schon wieder ein Wechsel des Bezirkssekretärs nötig. An seine Stelle trat Fräulein Meta Waldburger.
Die Bezirkskasse ermöglichte mit einem Beitrag von 5000 Franken Gemeinden in Bergkantonen die Anschaffung von Skiern für Schüler. In Richterswil wurde die Freizeitwerkstätte stets rege benützt von Jugendlichen und von Vätern, die Spielzeug und kleine Möbel für Kinder herstellten.
Briefmarken von 1945 und 1946: Alpenheckenrose, Alpenmannstreu.
DIE NACHKRIEGSJAHRE
Die Unterstützungsgesuche gingen zurück; so war es den Gemeinden und der Bezirkskasse möglich, etwas Reserven zu schaffen.
Im November 1948 trat Herr Gattiker nach 33 Jahren Mitarbeit im Alter von 75 Jahren, wenige Wochen vor seinem Tode, als Präsident der Bezirkskommission zurück. Fritz Zurschmiede aus Wädenswil kam an seine Stelle.
1949 wurde beschlossen, an Mütter, die Ferien dringend nötig hatten, Beiträge zu gewähren, vor allem an alleinstehende. Schönenberg erhielt einen Beitrag an die Gründung einer Kinderkrippe, Hütten für eine Freizeitwerkstätte, die gemeinsam mit der Schulpflege geschaffen wurde.
Briefmarken von 1950: Insekten (Blaues Ordensband, Biene).
1951 feierte die Mütterberatung Wädenswil 25 Jahre ihres Bestehens. Kurz darauf starb Dr. Emil Ochsner, der die Stelle betreut hatte. In Wädenswil folgten sich 1952 fünf Vorträge über die Pflege des Familienlebens mit sehr gutem Besuch.
An den Versammlungen der Bezirkskommission nahm von nun an regelmässig ein Vertreter des Zentralsekretariats teil; so entstand eine ständige, wertvolle Verbindung. Durch den Rückgang der Tuberkulose war im Sanatorium der Stiftung in Davos Raum für asthmatische Kinder frei geworden.
Ein Film über Jugendliche gab einen Einblick in die Probleme dieses Alters. In Wädenswil fand in Zusammenarbeit mit Behörden ein Kurs statt, mit dem Thema «Schüler und Jugendliche in der Familie», der 148 Teilnehmer zählte. Ein ähnlicher in Richterswil brachte auch über 100 Personen zusammen.
1962 konnte im Tessin ein grosses Unternehmen von Pro Juventute verwirklicht werden: das Feriendorf Bosco della bella mit 27 Ferienhäusern für Familienferien. Schon im folgenden Jahr verbrachten hier 407 Familien frohe Ferientage. Unser Präsident besuchte das Feriendorf. In der Folge leisteten sowohl Wädenswil als auch der Bezirk Horgen dafür Beiträge an das Zentralsekretariat.
Frau Fanny Hauser-Schwarzenbach konnte 1962 auf vierzig Jahre Mitarbeit zurückblicken, Hermann Frei 1967 auf 43 Jahre. Christian Roggli übernahm 1963 das Bezirkssekretariat.
Immer mehr Gemeinden wurden von der Säuglingsfürsorge erfasst, 1965 waren es schon 1200. 1971 entstand der Verlag Pro Juventute; die Briefe für junge Eltern hatten schon 45‘000 junge Familien erreicht.
Die Frage der Schaffung von Spielplätzen tauchte im Bezirk immer wieder auf. So fand in der Sitzung vom 13. Dezember 1973 ein diesbezügliches Referat von Herrn Bommer vom Zentralsekretariat grosses Interesse. In Wädenswil entstand 1975 ein Verein zur Schaffung eines Gemeinschafts- und Freizeitzentrums Untermosen, ein grosszügiger Kredit der Behörde und die Überlassung von Maschinen und Werkzeug aus der Pro Juventute Freizeitwerkstätte halfen bei dessen Realisierung.
1976 wurde das Bezirkssekretariat von Willy KinzIer übernommen. Die Frage der Elternbildung beschäftigte in diesen Jahren die Bezirks- und die Gemeindekommissionen, denn in den Familien tauchten immer wieder Erziehungsprobleme auf, vor denen die Eltern ratlos dastanden. Vorträge in den einzelnen Gemeinden über besondere Fragen in der Entwicklung der Kinder konnten Hilfe bringen, durch Ratschläge oder auch nur durch den Hinweis, dass auch andere Eltern mit den gleichen Problemen zu ringen hatten. Um die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule und den EItern untereinander zu fördern, wurde im Januar 1979, dem «Jahr des Kindes» der UNO, beschlossen, eine frühere Schülerin der Schule für Soziale Arbeit für ein Jahr als Praktikantin für drei Tage pro Woche anzustellen. Herr Bruni vom Zentralsekretariat war bereit, die Leitung des Praktikums von Frau Hauser in Richterswil zu übernehmen. Die Bezirkskommission gewährte einen Beitrag von 10‘000 Franken für dieses Projekt. Die Arbeit von Frau Hauser wurde sehr geschätzt, vor allem bei der Zusammenarbeit mit Eltern, Schülern, Lehrern und Schulbehörden für den Pausenspielplatz Töss in Richterswil. Manche Handwerkerstunde wurde so gespart. 1980 konnte der Pausenspielplatz eingeweiht werden.
Eine neue Zielsetzung, eine neue Organisation beschäftigte die Stiftung zu Beginn der achtziger Jahre. Für die Bezirke, die in ihrer Arbeit weitgehend selbständig sind, wurde die Verbindung mit dem Zentralsekretariat enger gestaltet durch die Teilnahme eines Regionalsekretärs an den Sitzungen der Bezirkskommissionen. Zur Sicherung der Finanzierung grösserer Aufgaben wurde eine gewisse Reservebildung der Bezirkskassen empfohlen. Beiträge an andere Organisationen sollten ein Drittel der Jahreseinnahmen nicht übersteigen. Für das Vermögen der Bezirkskassen sollte in der Regel das Dreifache der Jahreseinnahmen während fünf Jahren die obere Grenze bilden.
Anfangs 1984 übernahm Froukje Bachmann das Bezirkssekretariat. Mitte der achtziger Jahre wurde von der Schweizerischen Vereinigung der Fahrenden das Problem «Kinder der Landstrasse» aufgegriffen. Diese Aufgabe wurde in den zwanziger Jahren auf die Aufforderung von Bundesrat Motta nach längerem Bedenken übernommen, eine Aktion, die zwar 1973 aufgegeben wurde, die aber in den letzten Jahren dem Ruf der Stiftung einen gewissen Abbruch brachte, was auch in einem vorübergehenden Rückgang der Verkaufsergebnisse spürbar war. Die Stiftung Pro Juventute stellte 1988 dem Wiedergutmachungsfonds der Stiftung Naschet Jenische eine Summe von rund 460‘000 Franken zur Verfügung.
Einzelne Vorträge und Vortragsreihen dienten in allen vier Gemeinden der Sorge für Kleinkinder. Schüler und Jugendliche − für letztere brachte die Drogensucht mancherlei Probleme. In Wädenswil entstand 1987 das «WIGEblatt», eine Publikation, die in regelmässigen Abständen an alle Familien der Gemeinde versandt wird, mit Artikeln über Probleme der Jugend und der Eltern.
Für die Verkaufsaktion 1988 stammte eine Kartenserie von einer Richterswiler Künstlerin, was der Gemeinde einen Mehrerlös beim Marken- und Kartenverkauf von 6000 Franken erbrachte.
Gelegentlich tauchten auch Ideen auf, die sich nicht verwirklichen liessen. So wurde in Wädenswil versucht, einen «Frauentreff» aufzubauen, ähnlich dem seit 1978 bestehenden «Frauentreff» in der Au, doch konnten sich die dafür angesprochenen Organisationen nicht zum Mitmachen entscheiden. Regelmässig erschienen in der Lokalpresse Artikel über die Arbeit von Pro Juventute, um der Bevölkerung einen Einblick in deren Tätigkeit zu vermitteln.
Briefmarken von 1988 und 1989 aus den Serien «Das Schulkind» (Lesen) und «Jugendliche» (Sozialeinsatz).
Blicken wir auf die 75 Jahre Tätigkeit der Stiftung in unserer Gegend zurück, sehen wir, wie die Organisation neben der stillen Einzelfürsorge sich ständig den wechselnden Zeitströmungen, mit immer wieder neuen Fragen anzupassen versucht. Aber bei allem Wandel bleibt die Grundaufgabe unverändert: die Hilfe in Einzelfällen, sei es in finanzieller, beratender oder betreuender Art. Wohl haben im Laufe der Zeit staatliche Stellen manche Aufgaben zum Wohle der Jugend übernommen, doch immer wieder zeigen sich Lücken, in die Pro Juventute helfend einspringen kann.