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Der Zustand der Schweizer Seen und Flüsse in der Nähe von Siedlungsgebieten war erbärmlich in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Foto- und Filmdokumente aus dieser Zeit zeigen, wie Algenteppiche am Ufer angeschwemmt wurden.
Es kam zu Fischsterben, Badeverbote mussten ausgesprochen werden, weil die Algen teilweise giftige Stoffe absonderten. Schaumteppiche schwammen an der Oberfläche der Gewässer.
Drei Hauptursachen wurden für die überdüngten Gewässer verantwortlich gemacht: 1. Die Abwässer (Fäkalien) aus den Haushalten. 2. Die Landwirtschaft. 3. Das Phosphat in Waschmitteln, mit dem das Wasser enthärtet, Kalk gebunden und Essensreste aufgelöst wurden.
Es wurden Massnahmen ergriffen. Millionen wurden in den Bau von Kläranlagen investiert und diese ständig erneuert. Ausserdem sollte ein Phosphatverbot in Textilwaschmitteln den Seen und Flüssen Linderung verschaffen.
«Nur Phosphat wäscht weiss genug»
Doch die Waschmittelindustrie setzte sich zur Wehr. 1982 gab ein Vertreter der Waschmittelherstellerin Steinfels in der Konsumentensendung «Index» von Radio DRS zu bedenken, dass ein Phosphatverbot das Problem der überdüngten Gewässer alleine auch nicht lösen könne.
Der Radioredaktor hakte nach: «Es spricht nichts dagegen, dass man das Phosphat aus den Waschmitteln verbannt, wenn man es schon fertiggebracht hat, Alternativen auf den Markt zu bringen.» Der Mann von Steinfels blieb hart, «denn bei schwierigen Waschproblemen erreicht man nur mit Phosphat ein akzeptables Resultat.»
Doch der Druck einer zunehmenden Zahl von kritischen Konsumentinnen und Konsumenten, der Behörden und auch der Wissenschaft nahm stetig zu. Bundesrat Alphons Egli setzte schliesslich per 1. Juli 1986 ein schweizweites Verbot von Phosphat in Textilwaschmitteln durch.
Während man in Kanada bereits früher Versuche mit phosphatfreien Waschmitteln machte, war die Schweiz in Europa der Taktgeber. In Deutschland beschlossen die Waschmittelhersteller später freiwillig einen Phosphat-Ausstieg und kamen so einem Verbot zuvor.
In Frankreich wurde eine Steuer auf phosphathaltiges Waschmittel erhoben. Aus dem gesamten EU-Raum ist Phosphat aber erst seit 2013 aus Textilwaschmitteln verbannt.
«Eine Umwelt-Erfolgsgeschichte»
Forscher des eidgenössischen Wasserforschungsinstituts Eawag haben Ursachen und Folgen des Phosphatverbots laufend untersucht und stellen 30 Jahre später zufrieden fest, dass sich die Gewässer zum grössten Teil gut erholen konnten. Beispiele wie der Baldeggersee, der noch immer künstlich mit Sauerstoff versorgt werden muss, sind selten geworden.
Eawag-Sprecher Andri Bryner verweist darauf, dass man in der Schweiz bereits wieder neue Wege beschreite: «Nun geht es darum, die Mikroverunreinigungen zu eliminieren, also Inhaltsstoffe aus Medikamenten und Kosmetika.» Dazu muss erneut in den Ausbau der Kläranlagen investiert werden.
Fischer fordern Phosphor…
Aus Fischereikreisen hört man immer wieder, dass die phosphorarmen Seen nun zu sauber seien, und die Fische darum keine genügende Nahrungsgrundlage mehr hätten. Fischereiverbände fordern darum immer wieder, dass man die Phosphatelimination in Kläranlagen minimiere.
Eawag-Sprecher Bryner warnt jedoch davor, die erfolgreichen Anstrengungen des Gewässerschutzes in Frage zu stellen: «Das wäre ein heikles Spiel, denn unsere Untersuchungen belegen, dass der Umkehrschluss, also dass Fische in zu sauberen Seen ausgehungert werden nicht stimmt.»
Bryner fügt an: «Die Fische werden zwar nicht mehr so gross wie zu den phosphatfetten 70er und 80er Jahren. Vor allem aber leben sie in tieferen Seeregionen, da dort jetzt wieder genügend Sauerstoff vorhanden ist.»
Um die Jahrtausendwende seien die Gewässer noch sauberer gewesen als heute und die Artenvielfalt sei viel grösser gewesen. «Arten verschwanden wegen der Überdüngung und sie kamen nie mehr zurück. Auch mehr Phosphat im Wasser würde sie nicht mehr zurückholen.»