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Puccini als Orgelkomponist
Vor seinen Meisterwerken für die Opernbühne schrieb der junge Giacomo Puccini auch Werke für Orgel.
Für jene, die sich beim Betrachten dieser Partitur die Augen reiben, sei es grad vorneweg gesagt: Ja, es handelt sich um den Komponisten von Tosca oder Turandot, und nein – mit dem Stil Puccinis, den man von der Opernbühne kennt, haben die hier veröffentlichten 7 Sonaten, 6 Versetti und 4 Märsche nur wenig zu tun. Als Abkömmling einer Musikerfamilie, die über vier Generationen das Musikleben der Stadt Lucca prägte – sein Vater war u. a. Domorganist –, gelangte Giacomo Puccini sicher schon sehr früh in Kontakt mit Kirchenmusik, erlernte das Orgelspiel und trat als Organist zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. Von 1872 bis 74 war er als Assistenz-Organist der Kathedrale angestellt und bis 1882 wirkte er an der Kirche San Girolamo. Aus dieser Zeit scheinen auch die bisher unveröffentlichten insgesamt 61 Orgelwerke zu stammen, von denen Carus hier eine Auswahledition präsentiert; eine komplette Publikation scheint in der Puccini-Gesamtausgabe geplant zu sein.
Auch wenn man noch wenig von Puccinis späterem Klang-Raffinement spürt, reiht er sich mit diesen Werken doch in eine Tradition ein, die von Komponisten wie Vincenzo Petrali oder Padre Davide da Bergamo geprägt worden war: schwungvolle, an Blasmusik oder Rossini-Opern erinnernde, durchwegs kurze und leicht zu spielende Sätzchen, die einen selbstsicheren, bereits souverän schreibenden Komponisten verraten und hie und da sogar schon eine Rückwendung zu einem «seriöseren» Stil kirchenmusikalischen Komponierens andeuten. Parallel zur Notenedition hat der niederländische, in Bologna wirkende Organist Liuwe Tamminga beim Label Passacaille übrigens eine Einspielung dieser Werke vorgelegt (PAS 1029). Dank Orgeln, die Puccini gekannt oder gespielt haben könnte, vermittelt sie einen guten Eindruck davon, wie sich auch eine auf dem Papier etwas simpel wirkende Musik auf einem passenden Instrument grandios orchestrieren lässt. Eine wertvolle Bereicherung des italienischen Repertoires also, für einmal von einem grossen und bekannten Komponisten, vielseitig verwendbar in Gottesdienst und Konzert – und mit Erfolgsgarantie!
Giacomo Puccini: Sonate, Versetti, Marce –
Ausgewählte Orgelwerke, hg. von Virgilio Bernardoni,
CV 18190, € 28.00, Carus, Stuttgart 2018