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Das israelische Volk trauert um seine «First Lady»
Dies wurde am Morgen von Bei HaNassi, dem offiziellen Sitz des Staatspräsidenten verkündet, wo die Fahnen auf Halbmast gesetzt wurden (Video). Ebenso gab das Aussenministerium Kenntnis vom Hinschied der Gattin des Präsidenten.
Die Trauerfeierlichkeiten fanden am folgenden Tag, dem 74. Geburtstag der Verstorbenen, statt (Bild 2).
Aufbahrung im Jerusalemer Theater
Vor der Bestattung wurde die Verstorbene in ihrem Sarg, eingehüllt in eine israelische Flagge, im Jersualem Theater während drei Stunden aufgebahrt, damit das Volk ihr die letzte Ehre erweisen konnte.
Vor der Überführung der Leiche zum Nationalfriedhof auf dem Herzlberg in Jerusalem traf auch Präsident Herzog mit seiner Familie im Jerusalem Theater ein (Video)
«Ich bin froh, dass Nechama nicht mehr leidet. Sie verdient wirklich die Liebe, die sie jetzt bekommt, und die Anerkennung ihres Dienstes und ihrer Arbeit», zitierten die Nachrichten von Kanal 12 Rivlin.
Bestattung auf dem Herzlberg in Jerusalem
Nechama Rivlin wurde auf dem Great Leaders of the Nation plot, dem Gräberfeld der Grossen Führer der Nation bestattet (wo auch mal ihr Gatte neben ihr zur letzten Ruhe gebettet werden wird). Auf Wunsch ihrer Familie war die Beisetzung öffentlich. Sie wollte sich damit für die grosse Anteilnahme der Bevölkerung in den vergangenen Wochen und Monaten bedanken.
Präsident Rivlin sprach in Begleitung seiner Kinder das Kaddisch, das traditionelle jüdische Trauergebet (Video) und hielt eine bewegende Trauerrede für seine Frau, zollte ihr Tribut (Bild 3 und Video).
Auch die Tochter Anat und der Schriftsteller Haim Be'er, ein enger Freund Nechamas, hielten Grabreden.
Unter den Teilnehmern der Beerdigung waren Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der Sprecher (Vorsitzende) der Knesset Yuli (Yoel) Edelstein, der stellvertretende Präsident des Obersten Gerichtshofes Richter Hanan Melcer, der IDF-Generalsstabchef Generalleutnant Aviv Kochavi, der sephardische Oberrabbiner Yitzhak Yosef, der aschkenasische Oberrabbiner David Lau, der amtierende Polizeichef Moti Cohen, derzeitige und ehemalige Minister und Mitglieder der Knesset, Botschafter aus der ganzen Welt, religiöse Führer aus den christlichen, muslimischen und drusischen Gemeinschaften in Israel, Künstler, Schriftsteller und Dichter.
Die Zeremonie wurde von Kantor Shai Abramson und Rabbi Benny Lau geleitet, der das folgende schöne Stück las: «Jerusalem wirkte seine Magie an einer jungen Studentin vom Moschaw Herut in der Gegend von Sharon. Alle ihre Sinne waren dieser magischen Stadt und ihren Menschen gewidmet. Vor zwei Jahren schrieb Nechama einen kurzen Artikel über Psalm 122 auf der Website der Initiative 929, in dem sie sagte: ‹Ich bin nicht in Jerusalem geboren und bin nicht hier aufgewachsen. Aber ich habe länger in Jerusalem gelebt als irgendwo sonst. Ich kam im Alter von 19 Jahren hierher, um an der Hebräischen Universität zu studieren. Auf dem Weg dorthin baute ich ein Haus mit Ruvi, einem Jerusalemer Sohn der Jerusalemer. Doch jedes Mal, wenn ich Jerusalem sehe, das vor mir am Eingang der Stadt liegt, spüre ich die Bibelstelle ‹Unsere Füsse werden vor deinen Toren stehen, o Jerusalem›. Ich liebe es durch die Strassen Jerusalems zu gehen mit ihrem Herzen und ihrer Seele. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Gebäude eine Geschichte erzählen. Mein Jerusalem ist das der Händler auf dem Machane Yehuda Markt, von denen ich einige beim Namen kenne, der Hebräischen Universität, der Museen, der heiligen Stätten, der Künstlerhäuser und meines Hauses.
So wurde Nechama zu einem der Juwelen Jerusalems, nach dem Geschmack des Marktes, der Tänzer im Gerard Behar Center, des Israel Museums und des Smadar Kinos. Aber vor allem liebte sie Poesie und Literatur.»
Im Rahmen der Trauerfeier sang die Sängerin Rona Keinan ihr Lied «Mabul» und Alon Eder sein Lied «Ahuvati Sheli Livnat Tzavar».
Israelis kondolieren ihrem Präsidenten
Am Donnerstag und Freitag empfingen Präsident Rivlin und seine Familie in seiner Residenz, der Beit HaNassi, Mitbürgerinnen und Mitbürger, um ihre Zeichen des Mitgefühls entgegenzunehmen.
Kondolenzbezeugungen aus der ganzen Welt
Leise und sanftmütig wurde Rivlin von israelischen Politikern aus dem gesamten politischen Spektrum gepriesen. Sie wurde auch von ausländischen Diplomaten, die in Israel stationiert sind, betrauert.
Der Papst, Staatschefs, Regierungschefs, Botschafter, Leiter jüdischer Gemeinschaften und jüdischer Organisationen auf der ganzen Welt haben Präsident Rivlin ihr Beileid ausgesprochen, nachdem sie die Nachricht vom Tod seiner Frau Nechama gehört haben. Unter den Kondolierenden befand sich auch die Schweiz.
Leaders from around the world send condolences on the passing of Nechama Rivlin (Ministry of Foreign Affairs)
Sari Halabli, die Mutter des 19-jährigen Yair Yehezkel, dessen Lunge am 11. März Nechama Rivlin transplantiert worden war, schrieb an Reuven Rivlin, ein weiterer Teil ihres Sohnes sei gestorben. Nechama werde «in Frieden ruhen, zusammen mit meinem bezaubernden Sohn». Yair (Bild 4) war in Eilat bei einem Tauchunfall ums Leben gekommen.
Biografie
Nehama Rivlin wurde am 5. Juni 1945 als Kind von Holocaust-Überlebenden aus der Ukraine im Moschaw Herut geboren, der von ihren Eltern mitaufgebaut worden war. Die ganze Familie mütterlicherseits war im Holocaust umgebracht worden.
Als Nechama fünf Jahre alt war, starb ihr Vater. Ihre Mutter arbeitete dann auf dem Hof, «mit Obstgarten, Rindern und Hühnern», wie die Tochter später schrieb.
Die Verstorbene studierte an der Hebräischen Universität Jerusalem Botanik und Zoologie, sowie später in einem weiteren Studium Kunst. Von 1967 bis 2007 lehrte sie an der Hebräischen Universität in Jerusalem.
Im Jahr 1979 heiratete sie den späteren Staatspräsidenten Reuven Rivlin. Sie hinterlässt drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn, sowie sieben Enkel.
Eine grosse Dame – eine beliebte Frau
2014 wurde Reuven Rivlin Israels 10. Staatspräsident. Wegen seines volksnahen und bescheidenen Auftretens wurde das Paar in Israel sehr beliebt (Bild 5). «Die Menschen lieben mich. Ich weiss nicht, warum», sagte sie vergangenes Jahr in einer Radioshow. Als First Lady kümmerte Nechama Rivlin sich vor allem um Naturschutz, Kunst sowie Kinder mit Behinderungen. Aus der Politik hielt sich sich raus.
Tatsächlich scheute die First Lady das politische Rampenlicht und zog es vor, ihre Zeit damit zu verbringen, den Bürgern Israels etwas zurückzugeben. Nechama war besonders stolz auf die Frauen, die in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) dienen (Bild 7).
Am Chanukka lud Nechama eine Reihe von Soldatinnen ein, die Chanukka-Kerzen mit ihr anzuzünden. «Was ihr tut, ist unglaublich, mutig und bahnbrechend», sagte sie ihnen. «Ihr marschierst voran und redet, setzt Grenzen, fordert Anerkennung, Gerechtigkeit und Gleichheit. Ist es nicht klar, dass wir Frauen stark sind? Ist es nicht offensichtlich, dass wir tun können, was wir wollen?» fragte sie.
Später berichteten die Soldatinnen ihr von ihren Erfahrungen im Rahmen des IDF-Pilotversuchs zur Eignung von Frauen als Soldaten im Panzercorps. «Ich sage euch», sagte Rivlin, «was ihr tut, ist wunderbar und mutig, nicht weil ihr Frauen seid, sondern weil ihr etwas Bedeutendes tut, genau wie die Jungs, die mit euch dienen.»
(Jerusalem online)
2018 gründete Nechama Rivlin die präsidiale Auszeichnung für hebräische Poesie, die sie bisher nur einmal verleihen konnte. Das israelische Volk trauert um eine große Dame, die der trockenen Politik des Landes einen Hauch Poesie verlieh.
Quellen: Amt des Staatspräsidenten / Aussenministerium
(RK)