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Der Jahrhundertentscheid für die Käsewirtschaft fiel diskussionslos und einstimmig: Nach den Beschlüssen von Bundesrat und Parlament im Rahmen des Reformpakets "Agrarpolitik (AP) 2002" hatten die 20 anwesenden Aktionäre an der letzten Generalversammlung der Schweizerischen Käseunion AG (SK) am vergangenen 15. Januar nur noch "nachzuvollziehen", wie SK-Verwaltungsratspräsident Erich Gugelmann es nannte. Da es ab dem kommenden 1. Mai keine gesetzliche Grundlage für das halbstaatliche Unternehmen mehr geben wird, kann es seine Tätigkeit als schützendes Dach über der schweizerischen Käsewirtschaft nicht mehr ausüben, und sein Weiterbestehen wäre nach den Worten von SK-Direktor Pierre Goetschi "absurd".
Damit wird die SK 85 Jahre nach ihrer Gründung aufgelöst. Sie wird ihren Betrieb rund hundert Tage nach dem Liquidationsentscheid der Generalsversammlung, nämlich am 30. April 1999, definitiv einstellen. Mit der im Rahmen der AP 2002 am 1. Mai 1999 in Kraft tretenden neuen und liberaleren Milchmarktordnung wird den Bauern, Käsern und Händlern mehr Eigenverantwortung und Risiko übertragen. Die öffentlich-rechtlichen Aufgaben der Schweizerischen Käseunion (SK) werden entfallen; an ihrer Stelle werden die Handelsfirmen sowie privatrechtliche Sortenorganisationen selber für die Vermarktung des Käses sorgen müssen.
Liquidationsbudget und Sozialplan
Auf Anordung des Bundes und parallel zu den Liquidationsarbeiten, die bis zum 31. Dezember 1999 abgeschlossen sein müssen, wird die SK ab dem 1. Mai 1999 nur noch jene Käse vermarkten, die bis und mit 30. April hergestellt sein werden. Dafür hat ihr der Bund ein Liquidationsbudget zur Verfügung gestellt.
Von der Schliessung sind im In- und Ausland 150 Angestellte betroffen. Um Härtefälle bei den Entlassungen zu vermeiden, wurde für sie in Zusammenarbeit mit den Bundesbehörden ein Sozialplan erarbeitet. Die SK geht inzwischen davon aus, dass rund 20 Angestellte ihrer ausländischen Tochtergesellschaften von den privaten Nachfolgeorganisationen übernommen werden.
Verlustreiche Planwirtschaft
Die Käseunion war bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Selbsthilfeorganisation der Käsebranche gegründet worden. Seit 1969 vollzieht sie im Rahmen der Käsemarktordnung (KMO) fast ausschliesslich Bundesaufgaben: Im Auftrag des Bundes kauft sie sämtliche Emmentaler, Gruyère und Sbrinz zu vom Bundesrat festgelegten Preisen auf und bestimmt die Verkaufspreise an den Handel. Weitere Aufgaben sind die Qualitätssicherung sowie das Marketing für diese Käse in der ganzen Welt. Da die Exporterlöse nicht kostendeckend sind und da bei hohen Lagern verlustreiche Sondergeschäfte getätigt werden müssen, weist die halbstaatliche Käseunion seit Jahrzehnten ein Defizit auf, das in den letzten Jahren jeweils mehrere hundert Millionen Franken betrug. Dieses wird vom Bund getragen.