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Im Schulzimmer
des Lebens
11 Geschichten & ein Tagebuch
Captain Cook
Was die Arbeitswoche im Tessin an Ergebnissen brachte, hat sich längst in Nichts aufgelöst. Captain Cook jedoch, der mir zum ersten Rausch meines Lebens verhalf – ihn vergesse ich nie.
Ein Mann hat keine Angst
Ich erinnere mich an einen Abend im späten Herbst, als ich auf dem Heimweg von der Schule beschloss, einem Mädchen Angst einzujagen. Ich war damals 11, ein Junge im frechsten Alter, und der Nachhauseweg führte durch ein kleines, wenig begangenes Tobel, das bei Tage sehr lauschig, abends jedoch, wenn die Nacht einbrach, etwas unheimlich war.
Richtige Schuhe
Eines Tages fand meine Grossmutter, als ich bei ihr zu Besuch war, dass ich richtige Schuhe brauche. Ich blickte zu meinen Füssen hinunter, sah dort Schuhe, feste Halbschuhe, wie man sie nannte, und fand erstaunt:
«Aber ich habe doch Schuhe!»
«Das sind keine richtigen Schuhe», klärte mich meine Grossmutter auf, «die sind nichts wert.»
Eine Aktie zum zwölften Geburtstag
Dass meine Welt eine andere ist, zeigte sich schon, als ich zwölf war und Marcel, mein Mitschüler, mich auf dem Nachhauseweg von der Schule fragte, ob ich auch eine Aktie hätte.
Ärzte werden nie krank
Und dann — dann beging ich den wohl grössten Verrat am Doktorbild meiner Kindheit. Ich erwiderte den Gruss, den der junge Arzt mir bot, mit den Worten:«Guten Tag, Herr Schneider». Das sagte ich. Ich sagte «Herr Schneider», obwohl ich auf seinem Namensschild lesen konnte, dass er ein Herr Doktor war.
22 liebeshungrige Jünglinge
In diesem Moment ging die Tür auf, und ein Vater trat ein. Der Mann war ein Autohändler und, soviel wir wussten, geschieden. Doch er kam nicht allein. Hinter ihm folgte eine junge halbdunkle Schönheit aus der Karibik. Der Vater grinste, die Schöne lächelte, und sie setzten sich in die erste Reihe.
Nun wurde es schwierig. Aber nicht für uns.
Ein echtes Abenteuer
Die Spannung stieg, als das Scheinwerferlicht unseres Wagens eine am Strassenrand stehende Tafel erfasste. «Patrol 150 yards ahead» sagte die Tafel – der britische Kontrollposten befand sich unmittelbar vor uns.
Auf die Kontrolle durch die Armee hatten uns die Nordiren vorbereitet. Doch erst jetzt, da es zu spät war, begriffen wir, in welche Falle wir da geraten waren.
Das Geheimnis des Lehrerzimmers
In der Pause führt mich der Deutschlehrer, in dessen Klasse ich zu Besuch bin, ins Lehrerzimmer. Vor dessen Tür bleibt er stehen. Er sei gespannt, was ich sagen werde, meint er bedeutungsvoll. Er öffnet die Tür, ich trete ein –
Der Pferdefuss
Es stimmte wirklich fast alles. War es nicht genau das Haus, das wir suchten? Kaum hatten wir das erstemal inseriert, winkte uns schon das Glück. Unser Wunsch ging erstaunlich schnell in Erfüllung. Aber ich schöpfte damals keinen Verdacht.
Die Ungerechtigkeit der Welt in der ersten Halbzeit
Eigentlich war Rot meine Lieblingsfarbe, und sie ist es auch heute wieder. Doch dazwischen liegt jener unglückselige Freitagabend, den ich so schnell nicht vergessen werde, weil ich absolut nicht erwartete, dass mir das Leben so etwas antun würde.
Der Kampf mit dem Christbaum
Jedes Kind. das nicht erwachsen und nicht gross werden will, hat eigentlich recht, denn Erwachsen werden bedeutet Zweifel haben, bedeutet, nicht mehr sicher zu sein. Legte ich an einem der Abende im Advent den Wunschzettel vor das Fenster und war er am Morgen verschwunden, dann war ich sicher, dass ihn das Christkind abgeholt hatte.
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Wie mein Sohn und ich die Berge bezwangen
Vom Engadin zu Fuss nach Hause – ein Tagebuch
"Über die Berge nach Hause wandern und die Erfahrung machen, wie weit es ist, so zu Fuss, das wollte ich schon lange einmal. Und ich wusste, ich wollte es nicht nur für mich, ich wünschte es mir auch als Vater mit meinem Sohn. Es war der Wunsch nach dem guten Gefühl eines Vaters, mit seinem Sohn endlich einmal etwas Richtiges zu beginnen. Die Zeit drängte. Julian reicht mir schon bis zu den Schultern, seine Stimme nähert sich bedrohlich tieferen Lagen, und er ist nicht immer ganz meiner Meinung. Sobald wir aber zu zweit unterwegs sind, wissen wir wieder, wie gut wir uns tun. Wie unzertrennlich werden wir erst nach fünf Tagen sein!"
Eine mehrtägige Wanderung führte mich und meinen 13jährigen Sohn aus dem Engadin über die Bündner Berge nach Hause zurück: Ein kleines, aber feines Tagebuch voller Eindrücke und Einsichten - und dem Erlebnis der Freundschaft zwischen Vater und Sohn.
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"Nicolas Lindt überzeugt durch eine schnörkellose Sprache, die zugleich poetisch ist – und etwas vom Duft eines frisch gebackenen Brotes hat." Der Sonntag