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Das MotoGP WM-Finale in Valencia / Spanien brachte zwar keine Sensationen mehr (Marc Marquez ist bereits seit drei Rennen Weltmeister, Valentino Rossi ist seit zwei Wochen Vize-Weltmeister), zeigte aber durchaus interessante Fakten und Entwicklungen auf. Die Startaufstellung verriet, wer beim Qualifying die besten EInzelrunden auf das Parkett legte - was in der Regel für das Rennen am nächsten Tag nur bedingt aussagekräftig ist. Jorge Lorenzo machte seiner Favoriten-Rolle aber alle Ehre und zauberte mit seiner Yamaha einen Start-Ziel-Sieg hin, der wieder mal, wenn auch in der heurigen Saison etwas seltener, seine typische "Uhrwerk-Präzision" belegte.
Marquez im Stress, Iannone Kanone!
Zweiter wurde der Weltmeister 2016, Marc Marquez, der nach einem mehr oder weniger verpatzten Start mit seiner Honda (von Position zwei auf sechs) wie immer einen spektakulären Fahrstil an den Tag legte und sich in harten Kämpfen gegen Andrea Iannone und Valentino Rossi durchsetzen konnte. Eine grosse Überraschung war der drittplatzierte Andrea Iannone, der immer noch an einer groben Verletzung laboriert und von Startplatz sieben aus ins Rennen ging. Aber schon beim Start liess er der Ducati-Power freien Lauf, setzte sich an die zweite Stelle und konnte nach harten Gefechten mit Marquez, Rossi und Maverick Vinales den dritten Rang sichern.
Rossi nach harten Gefechten am Ende nur Vierter
Etwas unglücklicher Vierter wurde Valentino Rossi, der mit seiner Yamaha zwar in den Kurven stets schneller fahren konnte als Iannone, gegen die Ducati-Power auf den Geraden am Ende aber keine Chance hatte. Fünfter wurde schliesslich Maverick Vinales, der sich mit seiner Suzuki zwar einen Podestplatz gewünscht hätte, am Ende aber auch Iannones Ducati-Kraftwerk und dem Altmeister Rossi den Vortritt lassen musste.
Was können wir von der MotoGP 2017 erwarten!?
Soweit der Verlauf des, dank Andrea Iannone doch spannenden und somit würdigen Saisonabschlusses. Welche Schlüsse lassen sich aber daraus und aus der gesamten abgelaufenen Saison für die MotoGP-Rennen 2017 ziehen? Immerhin war 2016 für uns Zuschauer ja wohl eine der besten überhaupt, mit 9 Siegern in der Saison war es spannender denn je! Ich fasse meine persönlichen Erkenntnisse in eingen Worten zu den zehn besten Fahrern zusammen, in der Reihenfolge ihrer Platzierung in der heurigen Saison 2016:
1. Marc Marquez, 298 Punkte, 2016 und 2017 Repsol Honda:
Die spanische Grinsekatze brauchte offensichtlich 2015 als Lehrjahr, um zu verstehen, dass sein ausserirdischer Fahrstil nicht immer gut geht und zeitweise taktieren angesagt ist. 2016 konnte er diese Weisheit sogleich umsetzen und sicherte sich prompt bereits drei Rennen vor Schluss seinen dritten WM-Titel in der MotoGP-Klasse. Das Paket Honda-Marquez funktionierte ausgezeichnet, er holte in jedem Rennen Punkte, seine einzige Nullnummer in Australien passierte erst, nachdem er sich den Titel schon gesichert hatte. Die Honda scheint auf ihn perfekt zugeschnitten zu sein, Teamkollege Dani Pedrosa (Gesamtrang 6) kommt mit ihr ja nicht ganz so gut zurecht. Marquez wird auf seiner Repsol-Honda also auch 2017 wieder der Fahrer sein, den es zu besiegen gilt. Allerdings kommt mit Maverick Vinales nun ein neuer unbeschwerter Tausendsassa auf Topmaterial daher, der Marquez mit seinen eigenen Waffen schlagen könnte!
2. Valentino Rossi, 249 Punkte, 2016 und 2017 Movistar Yamaha:
Der Altmeister hat es 2016 schon wieder nicht geschafft - könnte man ganz kritisch behaupten. Tatsächlich schreibt Valentino Rossi aber sogar als WM-Zweiter Geschichte: Niemand war öfter Vize-Weltmeister als der 9-fache Weltmeister! 2016 scheiterte er durch vier Ausfälle (einer davon ganz unverschuldet ein Motorplatzer) und in weiterer Folge an Marquez´ unschlagbarer Konstanz. Faszinierend an Rossi ist jedoch, dass er einfach nicht aufgibt - 2016 ist abgehakt, 2017 wird wieder voll angegriffen! Er ist und bleibt ein unverzichtbarer Publikumsmagnet und ich kann mir gut vorstellen, dass es Rossi eher Spass macht, gegen den talentierten Neuling im Movistar Yamaha-Team, Maverick Vinales, zu kämpfen, als sich mit seiner Nummer 1-Position zu brüsten. Daher scheint es mir sehr wahrscheinlich, dass Rossi im Sinne der Synergie-Effekte innerhalb des Teams Vinales helfen und Tipps geben wird - solange der hinter ihm bleibt...
3. Jorge Lorenzo, 233 Punkte, 2016 Movistar Yamaha, 2017 Team Ducati:
Der Spanier schien 2016 etwas verzweifelt, nichts wollte so recht funktionieren, seine Performance bei Regen etwa war desaströs. Nur, wenn alles perfekt für ihn passte, wie eben beim Saisonfinale in Valencia, konnte er seine Uhrwerk-typische Performance hervorkehren. Mit vier Ausfällen dennoch den dritten Gesamtrang zu sichern, ist ein Beweis für Lorenzos Klasse. Der Sieg im letzten Rennen und die Sicherung des Konstrukteurs-Titels für Yamaha gibt ihm enormes Selbstvertrauen - das er 2017 gut brauchen kann. Denn Lorenzo startet in der nächsten Saison nicht mehr auf einer Yamaha sondern auf einer Ducati, an die er sich erst einmal gewöhnen muss. Schon Rossi scheiterte an diesem Unterfangen, die rote Italienerin funktioniert offenbar ganz anders als die blaue Japanerin. Vermutlich hilft Lorenzo aber auch, den permanenten Stall-internen Druck durch Publikums-Liebling Rossi nicht mehr spüren zu müssen - und vielleicht kann er so mit der bärenstarken Ducati ganz vorne mitmischen.
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4. Maverick Vinales, 202 Punkte, 2016 Team Suzuki, 2017 Movistar Yamaha:
Das junge Talent wurde schon vor seinem Debüt in der MotoGP als Wunderkind bezeichnet - ein Erfolgsdruck, mit dem nicht jeder so gut klar kommen würde. Er aber schon, zumal er mit einer Suzuki die Saison bestritt, die wirklich niemand auf der Liste jener Maschinen hatte, mit denen um den dritten Gesamtrang in der WM gefahren werden könnte. Umso schöner für den Spanier, dass er auf Anhieb vorne mitmischen konnte und eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit seinem Team präsentierte, sogar ein Sieg geht auf sein Konto. Das lässt für 2017 einiges erwarten, wenn Vinales zu Yamaha wechselt - wo er vermutlich ein noch besseres Motorrad zur Verfügung gestellt bekommt. Abzuwarten bleibt, wie er sich mit dem Altmeister Valentino Rossi versteht - so manchem jungen Talent zwingt der nämlich einen Psychokrieg auf, vor allem, wenn er sich anschickt, besser zu werden als der neunfache Weltmeister selbst. Wenn Vinales diese Hürden meistert, wird auch er versuchen, Marquez vom Thron zu hieven.
5. Andrea Dovizioso, 171 Punkte, 2016 und 2017 Team Ducati:
Gleich fünf Nullrunden musste der Italiener hinnehmen, nach einem guten Saisonstart als Zweiter wurde er bereits im zweiten Rennen just von Teamkollegen Iannone in einer eher hirnlosen Aktion abgeräumt und hatte auch die folgenden drei Rennen nichts als Pech. Da ich davon ausgehe, dass so viel Unglück niemanden kalt lässt, liegt die Spekulation nahe, dass eigentlich mehr als der fünfte Gesamtrang für den Ducati-Piloten drinnen gewesen wäre. Ob Dovizioso nun für 2017 alle Probleme der heurigen Saison wegstecken kann, bleibt abzuwarten. Seine Desmosedici ist jedenfalls eine Diva, die zwar höllisch schnell, aber auch schwer zu beherschen ist. Mit Jorge Lorenzo bekommt er ausserdem einen neuen Teamkollegen, der zwar einerseits nicht für solche Kamikaze-Aktionen wie Andrea Iannone berühmt ist, allerdings grossen Wert darauf legt, als ehemaliger Weltmeister auch als solcher gewürdigt zu werden. Meiner Meinung nach keine einfache Situation für Dovi.
6. Dani Pedrosa, 155 Punkte, 2016 und 2017 Repsol Honda:
Der kleine Spanier sieht jünger aus, als er ist - mit 31 Jahren gehört er zu den ältesten Stammfahrern im MotoGP-Zirkus. 2016 war definitiv nicht seine Saison, zwei dritte Plätze in den ersten 12 Rennen waren bis dahin die besten Ergebnisse. Der Sieg in Italien war zwar sehr schön, danach folgte allerdings gleich eine verletzungsbedingte Zwangspause von drei Rennen und beim Abschluss in Valencia stürtzte er erneut, glücklicherweise ohne weitreichende Folgen. Für 2017 sehe ich aufgrund der starken Konkurrenz nur wenig Chancen für Pedrosa, ganz vorne mitmischen zu können. Sein niedriges Körpergewicht hat zur Folge, dass er sich besonders schwer tut, mit den rund 270 PS seiner Honda und deren Fahrbarkeit zurecht zu kommen. Ich fürchte für 2017 eine noch schlechtere Saison - aber es würde mich überaus freuen, wenn mich der ruhige und sympathische Spanier eines Besseren belehren würde!
7. Cal Crutchlow, 141 Punkte, 2016 und 2017 LCR Honda:
Ich liebe Geschichten, in denen ein völlig unterlegener Kleiner den vermeintlich unschlagbaren Grossen besiegt. David gegen Goliath sozusagen. Also Cal Crutchlow auf der LCR-Honda gegen alle Werksteams! Am beeindruckendsten waren gleich zwei Siege des Briten, einmal in Brünn, einmal in Australien - und er bewies, dass ihm bei Regenrennen niemand so leicht etwas vormachen kann. Gleich sechs Nuller verhagelten zwar ein besseres Ergebnis, bester Privatier wurde er dennoch. Dass er für 2017 kein "besseres" Team bekommt, stört mich gar nicht - und ihn wohl noch weniger. MIt LCR feierte er nun 2016 seine grössten Erfolge, das Team steht voll hinter ihm und den ganz Grossen ans Bein zu pinkeln ,ist für einen Briten, der ganz gerne mal aus der Haut fährt, immer noch das Schönste!
8. Pol Espargaro, 134 Punkte, 2016 Tech 3 Yamaha, 2017 KTM:
Der jüngere der beiden Espargaro-Brüder im MotoGP-Zirkus muss sich Cal Crutchlow im Kampf um den besten Privatfahrer geschlagen geben. Obwohl Crutchlow in Valencia stürzte, reichten Espargaros 10 Punkte am Ende nicht aus. Ein achter Platz ist natürlich auch nicht von schlechten Eltern, für einen ehrgeizigen Rennfahrer vermutlich aber nur ein schwacher Trost. Für die kommende Saison stehen aber ohnehin neue Aufgaben am Programm, die den Spanier ablenken dürften: Er hat die Ehre, 2017 die neue KTM RC16 zu pilotieren und vielleicht sogar in die vorderen Punkteränge zu bringen! Wer weiss, meine persönlichen Erwartungen sind nach aussen hin nicht allzu hoch gesteckt, immerhin ist das erste Jahr ein Lernjahr. Als Patriot würde ich mich über das eine oder andere Sensationsergebnis aber natürlich ganz narrisch freuen!
9. Andrea Iannone, 112 Punkte, 2016 Team Ducati, 2017 Team Suzuki:
Der Italiener war 2016 nicht nur der Buhmann der Nation sondern vieler Nationen - sein Harakiri-Fahrstil, mit dem er auch viele andere Fahrer abräumte wie bei einer guten Kegelpartie, erzürnte die Gemüter. Zu Recht, wie ich finde, manchmal schien es nämlich schon so, als wollte "The Maniac" (der Verückte) seinem Ruf alle Ehre machen und überholte mit seiner Ducati völlig rücksichts- und hirnlos. Schon klar, ein Rennfahrer muss ein gewisses Mass an Ehrgeiz vorweisen können, sonst wäre er gleich Beamter geworden, aber wenn schon alle anderen Fahrer nur noch den Kopf schütteln, sollte man sich vielleicht doch ein wenig zusammen reissen. Das führte auch dazu, dass er 2016 mehr als die Hälfte der Rennen punktelos absolvierte. Für 2017 wurde er vermutlich auch deshalb von den Italienern entlassen - fiel aber meiner Meinung nach butterweich in den Schoss von Suzuki. Denn wofür die Japaner imstande sind, sieht man sehr gut am viertplatzierten der WM, Maverick Vinales. Jetzt muss Iannone nur noch seinen Fahrstil auf der Suzuki etwas mässigen und schon könnte er ein neuer Superstar werden - insgesamt ist der Italiener nämlich ein ziemlich sympathischer Kerl.
10. Hector Barbera, 102 Punkte, 2016 und 2017 Avintia Ducati:
Mühsam ernährt sich das Murmeltier, wer das Kleine nicht ehrt, ist das Grosse nicht wert, auch Kleinvieh macht Mist. So ähnlich verlief die Saison 2016 für den Spanier Hector Barbera, lediglich bei drei Rennen erzielte er keine Punkte, das beste Ergebnis war sogar ein vierter Platz in Japan. An Konstanz mangelte es also weder Barbera noch seiner Privat-Ducati, die allen Werksbikes natürlich chancenlos unterlegen ist. Am Ende war sie durch fleissiges Punkte hamstern aber doch für den 10. Gesamtrang gut. Für die Saison 2017 muss da nicht allzu viel geändert werden, mit mehr Glück sind vielleicht sogar noch mehr vordere Positionen möglich und ein einstelliger Gesamtrang am Ende der Saison.
Bericht vom 15.11.2016
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