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Haltung
Die Sprache zeichnet sich durch die Möglichkeit aus, von einem nicht vorhandenen Gegenstand oder von einem Ereignis zu sprechen, im Wissen, dass das Gegenüber das Erzählte verstehen kann.
Sprachentwicklungsauffällige Kinder zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie sich wenig für Sprache interessieren und nicht über adäquate Strategien verfügen, sich die Sprache anzueignen.
Die Therapie hat zum Ziel, gemeinsam mit dem Kind nach Wegen zu suchen, die ihm im täglichen Austausch mit Bezugspersonen und Gegenständen selbständige Erfahrungen ermöglichen. Sie soll ihm helfen, Neugier auf die Menschen und die Dinge zu entwickeln und damit neue Fähigkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten aufzubauen. Ist dies dem Kind gelungen, können Eltern und andere Bezugspersonen das Kind im Üben dieser Strategien und damit im Erwerb der Wörter unterstützen. In dieser Phase wird eine Therapiepause eingelegt (Dürmüller 2014).
Theoretische Grundlagen
Basis für das therapeutische Handeln bildet das von Dr. Barbara Zollinger beschriebene sprachentwicklungspsychologische Konzept (vgl. Publikationsliste im Anhang). Dieses beruht auf der Grundannahme, dass der Erwerb der Sprache als Repräsentations- und Kommunikationsmittel im Rahmen eines ganzheitlichen Prozesses erfolgt. Er steht in enger Wechselwirkung mit der allgemeinen Entwicklung des Kindes sowie seinem sozialen Kontext (Zollinger 2016).
„Die Voraussetzung für die Entwicklung der repräsentativen Funktion der Sprache liegt als erstes darin, verlässliche Vorstellungen von nicht vorhandenen, vergangenen oder zukünftigen Ereignissen, Personen oder Situationen aufzubauen. In einem zweiten Schritt geht es darum, diese Vorstellung in Symbole, d.h. Wörter und Sätze zu übersetzen. […] Die Prozesse, welche zu dieser Fähigkeit führen, geschehen in der Auseinandersetzung mit der Gegenstandswelt (Ich – Gegenstand), im Besonderen im Symbolspiel. Tatsächlich erfordert das Symbolspiel ganz ähnliche Fähigkeiten wie die Entwicklung der Sprache“ (Zollinger 2014a, 163).
Um die Sprache als Kommunikationsmittel aufzubauen, muss das Kind den Anspruch entwickeln, einem ‚Du’ etwas erzählen zu wollen mit dem Wissen, dass die andere Person nicht unbedingt das Gleiche denkt wie ich. „Das Kind erlebt, dass es zwar bezüglich vieler Ereignisse denkt und fühlt wie die anderen Menschen; es entdeckt aber auch, dass es eigene, individuelle Bedürfnisse hat, die die anderen nicht automatisch kennen. Deswegen braucht es jetzt Sprache, um sich mitzuteilen“ (Zollinger 2010, 281).
Einzeltherapie
„Die grundlegende Haltung der Therapeutin ist gekennzeichnet durch die Frage: Was könnte das Kind mir mit seinem (sprachlichen) Tun erzählen wollen?
Die Schwerpunkte sind daher, die Individuationsprozesse zu stützen, den Übergang vom Funktionsspiel ins Symbolspiel zu realisieren und das Kind zum Triangulieren und damit zum Sprachverstehen zu führen. […] Dieses therapeutische Vorgehen wirkt auf 3 Ebenen:
- Das Kind erlebt, dass es etwas kann. Damit erfährt es sich als selbstwirksam. Selbstwirksamkeit ist ein zentraler Aspekt der Individuationsentwicklung […] und einer der wichtigsten Resilienzfaktoren.
- Das Kind erlebt, dass seine Handlungen etwas bewirken. Dieses Erleben bildet die Grundlage für die Dezentrierung und damit für die Entwicklung des Symbolspiels, der Theory of Mind und der Mentalisierungsfähigkeit.
- Der fragende Blick „machst du’s nochmals?“ trianguliert Personen- und Gegenstandswelt und bildet somit auch die Grundlage für die Entwicklung des Sprachverstehens“ (Zollinger 2014a, 165).
Therapiegruppe
In Ergänzung zur Einzeltherapie bietet die Praxis für kleine Kinder auch eine Gruppentherapie an. Um die Bedeutung der Gruppenerfahrung zu betonen, wird dieses Angebot als ‚Therapiegruppe’ bezeichnet.
Das Angebot richtet sich an Kinder, bei welchen aufgrund von Diagnose und Ressourcen ein therapeutisch unterstützter Einstieg in Gruppenprozesse angezeigt ist. Meist verfügen diese Kinder über schlechte, wenige oder keine Erfahrungen in Kindergruppen wie Spielgruppe und/oder Kindertagesstätte. Die therapeutisch gestaltete Gruppenerfahrung fokussiert jene Aspekte, welche für die Teilnahme an Gruppengeschehen notwendig sind. Die angestrebte Gruppenfähigkeit ist insbesondere für die spätere Integration in Kindergarten und Schule von grosser Bedeutung. Das Setting (Gleichaltrige) und die Anforderung (Lernen in Gruppen) unterscheiden sich dabei naturgemäss von den Möglichkeiten des familiären Umfeldes.
Diese aufgrund ihrer Diagnostik und Lebensrealität ausgewählten drei bis sechs Kinder besuchen für eine gewisse Zeit die Therapiegruppe. Diese versteht sich als Ergänzung des Einzelsettings. Es sind diejenigen Kinder dazu eingeladen, welche bereits mindestens eine Phase Einzeltherapie besucht haben.
Geleitet wird die Gruppe durch zwei Logopädinnen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die pragmatisch-kommunikative Ebene. Die Kinder sollen im therapeutischen Umfeld Kommunikations- und Interaktionsmuster erfahren und erleben. Die Therapeutinnen fördern und begleiten die individuell initiierten Kontakte von Kindern zu Kindern.
Das Angebot versteht sich nicht als Sprachförderangebot und ist auch keine Spielgruppe. Die Therapiegruppe ist ein logopädisches Angebot, welches sich als Brücke an der Schnittstelle von der Einzeltherapie zur Spielgruppe oder zum Kindergarten positioniert.
Fütter- und Essstörung
Das Angebot richtet sich an Kinder mit Fütter- bzw. Essstörungen und deren Eltern. Unter Fütter- und Essstörungen versteht man Probleme bei der Nahrungsaufnahme, die mehr als 1 Monat anhalten und für die Kinder und deren Eltern zur Belastung werden (Fütterstörung im frühen Kindesalter ICD-10 F98.2). Sie können verschiedene Entstehungsbedingungen haben. Die Therapie orientiert sich an den theoretischen und methodischen Grundlagen des Kinderspitals Zürich. Diese sind interdisziplinär und multidimensional konzipiert.
Ziel der Intervention ist, das Essverhalten zu erleichtern und zu verbessern. Dies bedingt eine engmaschige Elternberatung, sowie Anleitung und Begleitung. Diese findet zu Beginn im Rahmen von Hausbesuchen statt und wird je nach Bedarf in der Praxis fortgesetzt.