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SRF «Kassensturz» über Elektroautos beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 1. November 2017 beanstandeten Sie den Beitrag „Elektroautos im Realitäts-Check“ in der Sendung „Kassensturz“ (Fernsehen SRF) vom 31. Oktober 2017.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
- „Die gezeigten Grafiken zu CO2-Emissionen sind falsch und irreführend, da sie auf fiktiven Werten beruhen und die Realität vertuschen. Da der Stromkonsum entgegen des Absenkpfades des Bundes jedes Jahr weiter ansteigt, wozu die Elektromobilität beiträgt, werden die Stromdefizite in der Praxis mit Stromimporten aus dem benachbarten Ausland abgedeckt. Nehmen wir den Strommix irgendeines benachbarten Landes, so wurden die Elektrofahrzeuge negativer als die Vergleichsfahrzeuge bewertet.
- Die graue Energie der Elektrofahrzeuge wurde von einem Befürworter der Elektromobilität zugunsten der Elektrofahrzeuge zu tief angesetzt. In Realität werden die Batterien in China gefertigt, und nicht in den USA, wodurch die CO2-Belastung pro Kilometer bei einem TESLA-Fahrzeug allein aufgrund der grauen Energie der Batterie von 100 auf 170 g/km steigt.
- Im Bericht des Kassensturzes kamen AUSSCHLIESSLICH Befürworter der Elektrofahrzeuge zu Wort.
- Alternative Energieträger mit gleichem CO2-Ausstoss wie Elektrofahrzeuge, aber bedeutend höherer Reichweite und 10-fach schnelleren Tankfüllzeiten wie Biogas-Fahrzeuge wurden mit keinem Wort erwähnt.
- Die langen Ladezeiten (10-100 Mal länger als bei Benzin, Diesel, Biogas oder Wasserstofffahrzeugen) wurden mit keinem Wort erwähnt, ebenso wenig wie die Kosten der mit öffentlichen Geldern erstellten Ladestationen von rund 500‘000 Franken pro Säule und den statistisch nachgewiesenen 1-2 Ladevorgängen pro Tag à 10 Franken, was die Steuerzahler massiv belastet und einer einseitigen Förderung der e-Mobilität gleichkommt. Der Kassensturz behauptet vielmehr, e-Mobilität erhielte überhaupt keine Förderung, was als Lüge bezeichnet werden darf. E-Fahrzeuge benutzen beispielsweise im Gegensatz zu fossil betriebenen Fahrzeugen (Mineralölsteuer usw.) unsere Strassen gratis.
- Das Kritik an den realen CO2-Emissionen von Elektrofahrzeugen besteht, wurde eingangs des Beitrags zwar erwähnt. Auf keiner der Kritikpunkte, die in so vielen wissenschaftlich und technisch fundierten Artikeln aufgeführt sind, wurde im Bericht des Kassensturzes in irgendeiner Weise kurz eingegangen.
Fazit: Der Beitrag des Kassensturzes ist so unausgewogen und einseitig, wie ich noch nie Bericht erlebt habe, der für sich in Anspruch nimmt, neutral zu sein (siehe Einleitung zum Bericht). Es war eine reine Werbeveranstaltung zugunsten der Elektrofahrzeuge ohne auf andere gleichwertige alternative Mobilitätsformen irgendwie einzugehen oder faire Vergleichsmöglichkeiten zu einem fossil betriebenen Fahrzeug zu schaffen. Der Bericht war politisch gesehen ultralinks und hat die Zuschauer mit Falschinformationen und unterschlagenen Fakten bewusst und arglistig in die Irre geführt. Deshalb gilt es, den Machern einen scharfen Verweis auszusprechen.“
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die Sendung „Kassensturz“ antwortete deren Redaktionsleiterin, Frau Ursula Gabathuler:
„Zur Beanstandung von X gegen den ‚Kassensturz‘-Beitrag vom 31. Oktober 2017 zum Thema ‚Elektroautos im Realitätscheck‘ nehmen wir gerne Stellung.
Zu Vorwurf 1: Falsche und irreführende Grafiken zu CO2-Emissionen
Die Grafiken sind weder falsch noch irreführend: ‚Kassensturz‘ hat für die Berechnung der Ökobilanz Rolf Frischknecht, einen renommierten Experten für Lifecycle-Berechnungen, herangezogen, welcher auf der Grundlage der besten aktuell verfügbaren Daten gerechnet hat. Der ETH-Dozent ist seit 25 Jahren im Bereich Ökobilanzierung tätig. Rolf Frischknecht rechnete grundsätzlich konservativ. Er hat in den gezeigten Bilanzen den Schweizer Strommix als Grundlage genommen, mit Treibhausgasemissionen von ca. 180g/kWh. Er begründet seine Berechnungen konkret wie folgt: <Das neue, vom Volk angenommene Energiegesetz setzt die erste Etappe der Energiestrategie 2050 des Bundesrates um. In den Grundlagendokumenten, insbesondere den Energieszenarien, ist ein Wachstum der Elektroautos miteingerechnet (ca. 13% der Neuwagen im Jahr 2035). Solange erstens die Entwicklung der Verkaufszahlen von Elektroautos der prognostizierten Entwicklung entspricht oder das Wachstum tiefer ist als prognostiziert, und zweitens der spezifische Verbrauch der Elektroautos den Werten entspricht, kann in den Ökobilanzen von Elektroautos mit dem Strommix der Energiestrategie gerechnet werden.> Wir teilen Rolf Frischknechts Überlegungen.
Zu Vorwurf 2: Graue Energie wurde zu tief angesetzt
‚Kassensturz‘ hat im TV-Beitrag die Ökobilanz eines Elektro-Kleinwagens gezeigt. Die von Rolf Frischknecht herbeigezogene Ökobilanz der Batterie repräsentiert eine Fertigung in Südostasien (inkl. China) mit Strom aus vorwiegend fossilen Kraftwerken. Die Batterie des bilanzierten Elektroautos ist knapp 310 Kg schwer und trägt 50 Gramm CO2/km bei. Zudem sind 1.5 Batterien bilanziert und nicht nur eine. Im Online-Beitrag wurde die Ökobilanz eines grösseren Teslas gezeigt, die bilanzierte graue Energie der Batterie wurde entsprechend angepasst. Auch hier wurde konservativ gerechnet, die graue Energie wurde nicht zu tief angesetzt.
Zu Vorwurf 3: Es kamen im Beitrag ausschliesslich Befürworter der Elektrofahrzeuge zu Wort.
Das ist falsch. Im Teil ‚Reichweite‘ kam der TCS-Experte zu Wort, im Teil ‚Klimabilanz‘ ein renommierter Fachmann für Umweltanalysen. Die weiteren Personen, die im Beitrag auftraten, waren Besitzer von Elektroautos, die aus ihrer persönlichen Erfahrung berichtet haben bezüglich Reichweiten, Verfügbarkeit von Ladestationen, Bezahlung etc. Die Aussagen dieser Personen decken sich mit Aussagen in Internet-Foren.
Zum Vorwurf 4: Alternative Energieträger wie etwa Biogas-Fahrzeuge wurden mit keinem Wort erwähnt.
Das war auch nicht das Thema des Beitrags ‚Elektroauto im Realitätscheck‘. Das Thema des Beitrags war, gängige Vorurteile bezüglich Elektroautos durch Experten und Nutzer beurteilen zu lassen, und nicht bezüglich Biogas-Fahrzeugen.
Zum Vorwurf 5a: Lange Ladezeiten nicht erwähnt
Die Ladezeit des Elektroautos wurden sehr wohl erwähnt. In der Anmoderation, wie auch im Beitrag: <Im Alltag braucht Heinz Polster selten eine externe Schnell-Lade-Stationen. Der Vorteil solcher Stromtankstellen: Sie bieten Starkstrom bis zu 50 Kilowatt, hier in Winterthur sogar gratis Ökostrom. Eine halbe Stunde am Ladekabel füllt die entladene Batterie fast ganz auf. Bei voller Batterie versprach ihm der Kauf-Prospekt eine Reichweite von 270 Kilometern.>
Zum Vorwurf 5b: Ladestationen belasten Steuerzahlung und «Kassensturz» behauptet E-Mobilität erhielte keine Förderung
Die möglichen volkswirtschaftlichen Kosten der Lade-Infrastruktur in der Schweiz waren nicht das Thema des Beitrags. Zudem: Die allermeisten Ladestationen dürften privat betrieben werden, ohne Einsatz von Steuergeldern. In unserem Beitrag haben wir keine Behauptung aufgestellt, die E-Mobilität würde überhaupt nicht gefördert. Auch im Studio-Gespräch wird diese Behauptung nie aufgestellt.
Zum Vorwurf 6: Auf Kritikpunkte bezüglich CO2-Emissions-Berechnungen wurde nicht eingegangen
Leider nennt Herr X keinen der von ihm vermissten Kritikpunkte explizit, deshalb ist es schwierig, auf diesen Vorwurf einzugehen. Grundsätzlich hat ‚Kassensturz‘ nach gründlicher Recherche zum Thema die Experten Frischknecht und De Haan beigezogen, die einen guten Überblick über die aktuelle Datenlage haben. Welche Fakten dabei unterschlagen worden sein sollen, erschliesst sich uns nicht.
Unser Fazit:
Der Beitrag war weder unausgewogen noch einseitig, wie dies der Beanstander schreibt. Das Publikum wurde nicht arglistig in die Irre geführt. ‚Kassensturz‘ kündigte einen Realitäts-Check bezüglich Elektro-Autos an: Bezüglich Reichweite, Ladeinfrastruktur und Ökobilanz. Im Reichweite-Test kamen die Elektroautos nicht gut weg, bezüglich Ladeinfrastruktur zeigten wir anhand zweier Elektroauto-Besitzer auf, wo allfällige Knackpunkte liegen (Ladezeit, Auffinden der Ladestationen, viele verschiedene Anbieter) und die Ökobilanz liessen wir (wie bereits oben erklärt) betont konservativ-realistisch berechnen. Es lag uns fern, das Publikum arglistig in die Irre zu führen, vielmehr war unsere Absicht, dem Publikum aufgrund von Fakten einen Überblick zu geben zu Vor- und Nachteilen von Elektroautos.
Aufgrund unserer Ausführungen bitte ich Sie, Herr Blum, die Beanstandung als unbegründet zurückzuweisen.“
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Ich bin weder ein Physiker noch ein Ingenieur noch ein Umweltwissenschaftler. Insofern bin ich weniger fachkundig als Sie. Ich musste daher die Sendung so auf mich wirken lassen, wie die Mehrheit des Publikums sie erlebt hat. Und wenn ich mir diese Sendung ansehe, dann erhalte ich ein durchaus kritisches Bild von den Elektroautos: Sie kosten relativ viel. Es gibt noch zu wenig Ladestationen, man findet die Ladestationen nicht auf dem Navi, und wenn man eine findet, ist sie womöglich schon besetzt. Die Tarife sind unübersichtlich, und für Einsteiger ist alles ziemlich kompliziert. Die Aufladezeit beträgt eine halbe bis eine ganze Stunde. Die von den Herstellern angegebene Reichweite des geladenen Stroms ist jeweils um etwa 40 Prozent zu hoch, unter Realbedingungen kommt man je nach Fahrzeugtyp zwischen 144 und 304 Kilometer weit. All diese Kritikpunkte entnahm ich der gleichen Sendung, die Sie als „reine Werbeveranstaltung zugunsten der Elektrofahrzeuge“ und als „ultralinks“ bezeichneten.
Natürlich gab es auch positive Punkte für die Elektroautos, so die Ökobilanz, die Wendigkeit, die Lautlosigkeit und die Tatsache, dass die Besitzer begeistert sind. Weder die Auffassung, dass dem Elektroauto die Zukunft gehöre und dass sich seine Werte von Jahr zu Jahr verbessern werden, noch die statistische Evidenz, dass die Ökobilanz doppelt so günstig ist wie bei einem benzingetriebenen Auto, entsprangen einer tendenziösen Haltung des „Kassensturz“, sondern dafür standen seriöse Experten der ETH wie Dr. Peter de Haan, ein Physiker[2], und Dr. Rolf Frischknecht, ein Umweltwissenschaftler[3]. Ich glaube nicht, dass man „Kassensturz“ vorwerfen kann, einseitig berichtet zu haben. Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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