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Wenn man bei der historischen Aumüli in Stallikon die geschwungene Türklinke der Holztür nach unten drückt und hinein geht, betritt man ein Stück Vergangenheit. In dieser Wassermühle wird das Korn seit einiger Zeit wieder mit über 100-jährigen Maschinen gereinigt und nachher zwischen 450 Kilogramm schweren Mühlsteinen gemahlen. Die Mühle, die in den letzten Jahren von Grund auf renoviert wurde, ist ein Überbleibsel der einst blühenden Mühlen-Ära der Schweiz.
Der grosse Aufschwung
Die Wassermühle ist die älteste Maschine der Welt, die nicht durch menschliche oder tierische Muskelkraft angetrieben wird. Rund 300 Jahre vor Christus wurden in China die ersten Wassermühlen in Betrieb genommen. Es dauerte nicht lange, bis sie sich von Asien bis nach Europa ausbreiteten. In der Schweiz belegen schriftliche Dokumente, dass eine der ersten Wassermühlen um das Jahr 560 nach Christus in Genf stand.
In den folgenden Jahrhunderten des Mittelalters erlebten Wassermühlen einen wahren Boom. Aufgrund der hohen Baukosten befanden sie sich allerdings fast ausschliesslich in der Hand der Oberschicht. Machthaber und Grundherren kontrollierten so die Nahrungsmittelversorgung und nutzten sie als Einnahmequelle für Steuern.
Das Ende einer Ära
Im Zuge der Industrialisierung erhielten die Wassermühlen ab Ende des 18. Jahrhunderts jedoch zunehmend Konkurrenz. Zuerst durch Dampfmühlen, später durch Mühlen mit Verbrennungsmotoren und schliesslich durch die elektrisch betriebenen Anlagen. Auch in der Schweiz ging das Müllerhandwerk mehr und mehr in die Hände industrieller Grossmühlen über. Das führte ab Ende des 19. Jahrhunderts zu einem grossen Mühlensterben.
Doch die Wassermühlen erlangten wieder Bedeutung – allerdings als Technologie-Denkmale. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden vielerorts stillgelegte Mühlen reaktiviert und als Museen zugänglich gemacht. So auch die Aumüli in Stallikon, deren Müllereibetrieb um 1886 eingestellt worden war. Mehr als 120 Jahre nachdem dort zum letzten Mal Korn gemahlen wurde, liess eine Stiftung die Aumüli wieder aufleben. «Es war fast nichts mehr übrig von den Maschinen in der Mühle. Wir mussten praktisch von Grund auf neu beginnen», sagt Toni Amrein. Er ist Mitgleid des Vereins Pro Aumüli, der gegründet wurde, um die Mühle zu renovieren und anschliessend in Stand zu halten.
Heute treibt das Wasserrad der Aumüli die historischen Mühlenanlagen wieder mit einer Leistung von 10 PS oder circa 8 Kilowatt an. So wenig Energie reicht aus, um die Maschinen - darunter das Mahlwerk – zum Laufen zu bringen und aus Korn Mehl zu produzieren – so wie schon vor mehr als hundert Jahren.
Nicht nur nostalgische Wassermühlen sind wieder interessant, sondern vor allem die Wasserräder. Im Zuge der Energiewende wird das Wasserrad als sauberer Energielieferant neu entdeckt.