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Interreligiöse Partnerschaft zwischen Juden und Christen
In der Schweiz gaben im Jahr 2000 bei der Volkszählung 18'000 Menschen an, dass sie zur «Jüdischen Glaubensgemeinschaft» gehören. Die Mehrheit bilden die so genannten «Einheitsgemeinden», denen alle Menschen angehören können, die eine jüdische Mutter haben. Die Bandbreite innerhalb dieser Gemeinden ist sehr gross und reicht von orthodox bis liberal. Eine respektable Minderheit bilden die orthodoxen Gemeinden. Ausserdem gibt es einige liberale Gemeinden. Sie unterscheiden sich glaubensmässig nicht von den anderen Gemeinden, aber in der liberaleren Auslegung der jüdischen Gesetze. So sind bei ihnen zum Beispiel die Frauen gleichberechtigt an den Gottesdiensten beteiligt. Daneben gibt es eine beachtliche Zahl von Jüdinnen und Juden, die offiziell keiner Gemeinde angehören.
Heirat nach jüdischer Tradition
Die jüdische Hochzeit eines jüdischen Mannes mit einer jüdischen Frau gilt als der wichtigste Augenblick im jüdischen Leben. Ein Leben ohne Partner ist kein vollständiges Leben. Die Tora sieht erst mit der Eheschliessung den Augenblick der Reifung als erreicht.
Der Heirat voraus geht die Verlobung als Verpflichtung, sich zu gegebener Zeit zu heiraten. Nun werden die "Bedingungen" schriftlich festgehalten: Datum und Finanzierung der Hochzeit, Unterhalt des jungen Paares, Einverständnis des Brautpaares. Wenn die Bedingungen unterschrieben sind, wird ein Teller zerbrochen.
«Und der Mann nahm die Frau» (1. Mose 23, 13). Nach dieser Bibelstelle «nimmt» sich auch heute noch der Mann die Frau, das heisst, er «bezahlt» für sie. Heute geschieht dies dadurch, dass er ihr einen Goldring schenkt.
Da die Braut rituell rein sein muss, wird der Hochzeitstag nach ihrer Menstruation festgelegt. Dann wird der Ehevertrag (Ketubbá) aufgesetzt. Darin werden die Rechte der Frau festgeschrieben. Er wird vom Bräutigam und zwei Zeugen unterschrieben.
Paare, die in der Schweiz heiraten wollen, müssen vor der religiösen Zeremonie standesamtlich geheiratet haben.
Die Braut besucht das rituelle Bad (Mikwe), beide fasten am Hochzeitstag. Ein kompetenter Rabbiner leitet die Hochzeitszeremonie in der Synagoge. Die Feier findet unter der «Chuppa» (Traubaldachin) statt. Neben dem Bräutigam stehen die Väter, neben der Braut die Mütter. Elemente der Feier sind: Segensspruch über einem Glas Wein, von dem das Brautpaar trinkt. Der Bräutigam streift der Braut den Ring über den Finger. Der Rabbiner liest die Ketubbá vor, der Bräutigam überreicht sie der Braut. Der Rabbiner sagt die sieben Segenssprüche der Eheschliessung. Das Brautpaar trinkt nochmals einen Schluck Wein. Der Bräutigam zertritt das Glas mit dem rechten Fuss. Das Paar zieht sich allein in ein Zimmer zurück und isst die erste leichte Mahlzeit nach dem Fastentag. Erst nachdem die beiden eine Zeitlang allein waren, ist die Eheschliessungszeremonie beendet. Der Ablauf der Feier kann variieren.
Interreligiöse Partnerschaft
«Die "Ehe" eines Juden mit einem Nichtjuden hat nach jüdischem Religionsgesetz keine bindende Kraft und ist religiös ungültig, auch wenn sie von hundert Rabbinern gesegnet wurde.», schreibt der Rabbiner Chajim Halevy Donin. Damit ist eigentlich von jüdischer Seite alles gesagt.
Diese strikte Ablehnung hat ihre Begründung in der Bibel. So wurde schon im 5. Mose 7, 3-4 die Mischehe verboten, weil der israelitische Partner vom nichtisraelitischen zum Götzendienst verleitet werden könnte. Bei Esra (9, 1-2; 10, 10-11) und Nehemia (10, 31; 13, 23-25) wurde das Verbot verschärft. Auch das spätere talmudische Eherecht spricht der Mischehe die Gültigkeit ab.
Die Gefühle richten sich nicht immer nach Religionsgesetzen, deshalb gibt es viele jüdisch-christliche Mischehen. Nach vorsichtigen Schätzungen soll dies etwa ein Drittel der Eheschliessungen im deutschsprachigen Raum sein. Eine Hochzeitsfeier in einer Synagoge ist natürlich ausgeschlossen. Die einzige Möglichkeit, um doch jüdisch rechtsgültig heiraten zu können, wäre ein Übertritt zum Judentum. Dies ist allerdings nicht einfach. Wenn der Übertritt nur aus Heiratsgründen erfolgen soll, wird sich kaum ein Rabbiner finden, der ihn unterstützen wird.
Von christlicher Seite spricht grundsätzlich nichts gegen eine Heirat eines religionsverschiedenen Paares. Wenn eine Person der Römisch-katholischen Kirche angehört, braucht es einen Dispens vom Bischof. Die erste Ehe gilt immer als eine gültige Ehe, bei Getauften wie bei Ungetauften. Für getaufte Christen ist sie immer ein Sakrament, während sie bei Nichtgetauften als eine gültige «Naturehe» gilt. Wesentliche Merkmale beider Formen sind die Einheit und die Unauflöslichkeit. Bei der reformierten Kirche braucht es keinen Dispens. Einzelheiten sind mit der Gemeindepfarrerin oder dem Gemeindepfarrer zu klären.
Eine eigentliche interreligiöse Heiratsfeier ist in der Schweiz nicht gebräuchlich. Unbenommen ist es dem Brautpaar, jüdische Freunde einzuladen, die eine Ansprache halten und Segensgebete aus der jüdischen Tradition sprechen.
Wenn die Mutter jüdisch ist, gelten die Kinder nach jüdischem Recht als jüdisch, auch wenn die Ehe nicht als gültig betrachtet wird. Umgekehrt kann ein jüdischer Vater sein Judentum nicht an die Kinder weiter geben, wenn die Mutter nicht jüdisch ist - selbst wenn er ein praktizierender Jude ist und sich die ganze Familie an die Religionsgesetze hält. Das heisst, wenn die Familie zum Beispiel eine koschere Küche hat und die Sabbat-Gebote hält. Wenn die Mutter zum Judentum übertritt, dann werden auch die Kinder als jüdisch anerkannt.
Christoph Peter Baumann
Weitere Auskünfte sind erhältlich bei den jüdischen Gemeinden, den Pfarrämtern und bei INFOREL.
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[int.Nr.:i20e101]
Aktualisiert: 10.12.2009
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