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Die Landwirtschaft war in Zwingen bis ins 19. Jh. der wichtigste Erwerbszweig. Daneben wurde dörfliches Handwerk betrieben. Beschäftigung boten zudem die Flösserei auf der Birs und der Transport auf der Strasse, da Zwingen Brückenort und Zollstelle war. Deren Bedeutung nahm im 18. Jh. zu, als zur Umgehung des Basler Zolls die Strasse vom Sundgau über den Passwang ausgebaut wurde.
Obwohl Zwingen mit dem Bau der Bahnlinie Basel–Delsberg 1875 einen Anschluss an das Bahnnetz erhielt, profitierte die Gemeinde nur beschränkt und verzögert von der industriellen Entwicklung. Die Erstausgabe der Siegfriedkarte von 1875/77 zeigt den Ort kurz nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie Basel–Laufen. Die Siedlung hatte damals eine T-förmige Struktur, wie sie schon Aubry in seiner Karte um 1770/80 festhielt. Sie bestand aus dem Wasserschloss, dem gekrümmten Strassendorfteil entlang der Passwangstrasse sowie der Häuserreihe gegen die Brücke zu. Entlang der Basel-/Laufen-Strasse standen ebenfalls einige Häuser. Da der Bahnhof in grösserer Distanz zum Dorf an den Südrand des Talbodens zu liegen kam, hatte er wenig Einfluss auf die Siedlungsentwicklung – im Unterschied zur neuen östlich des Dorfes liegende Passwangstrasse. Diese wurde um die Jahrhundertwende als geradlinige Verbindung der beiden Dorfenden gebaut und nimmt seither den Durchgangsverkehr in Richtung Passwang auf.
Im Rahmen der Industrialisierung wurde der Lauf der Birs deutlich verändert und ein Kanal gebaut. Die Karte Zeitreise 1878/1917 dokumentiert diese Entwicklung.Das Projekt einer elektrischen Schmalspurbahn, die Zwingen mit den Industriestandorten im Lüsseltal verbunden hätte, scheiterte 1920 unter anderem an der Intervention des Konkurrenten Laufen.Bis Mitte des 20. Jh. entwickelte sich Zwingen einerseits entlang der Kantonsstrasse in beide Richtungen und anderseits im Bereich der Passwangstrasse, wo sich die Häuser immer mehr Richtung Brislach ausdehnten. Ab den 1970er-Jahren begann die Besiedlung des Talbodens im Bereich Strängenfeld sowie des Südhangs Hard. Heute ist der Talboden östlich der Lüssel gänzlich überbaut (inklusive Golfplatz), während westlich davon der Blick auf die Birsschlaufen noch frei ist. Die unten dargestellte neue Quartierplanung wird das Bild verändern.
Zu Beginn des 21. Jh. überflügelte der Dienstleistungssektor erstmals den Industrie- und Gewerbesektor. Damit wurde auch die Pendlerbilanz, die bis 1980 positiv und 1990 noch praktisch ausgeglichen war, 2000 erstmals negativ. Das Industriedorf hatte sich zur Wohngemeinde entwickelt.
Die Industrialisierung von Zwingen begann 1898 mit der Niederlassung der «Laufentaler Portlandzementfabrik». Sie musste den Betrieb allerdings schon 1913 einstellen, unter anderem weil sie sich den Bau eines Gleisanschlusses nicht leisten konnte. Auf ihrem Areal entstand 1913 die Holzstoff- und Papierfabrik Zwingen. Diese Papierindustriegründung wurde für Zwingen zum prägenden Ereignis im 20. Jh. Zwingen wandelte sich vom traditionellen Bauerndorf zum Arbeiter- und Bauerndorf. Die Firma kaufte die Schlossanlage und nutzte gleichzeitig die alten Ökonomieteile. Daneben erstellte sie eine neue Fabrik und baute zur Stromerzeugung einen Fabrikkanal. Auf dem flachen Gelände östlich des Ortskerns entstand ein Arbeiterwohnquartier mit Mietshäusern und frei stehenden Einfamilienhäusern.
In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde die Papierfabrik baulich erneuert und stark vergrössert. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen änderten sich in der zweiten Hälfte des 20. Jh. dramatisch. Einerseits wurde der Papiermarkt durch den Beitritt der Schweiz zur EFTA geöffnet, andererseits wurden erhöhte Anforderungen an die Infrastruktur bezüglich Umweltschutz (vor allem Abwasser) gestellt. 1981 wurde die Papierfabrik Zwingen an einen grossen Konzern verkauft, aber schon 2004 endgültig geschlossen. Seither stehen die Anlagen still.
Neben der Papierfabrik Zwingen waren noch zwei weitere Papierfabriken im Laufental von Bedeutung. Im Dittingerrangg entstand 1928 die «Papierfabrik Laufen» als Folgeindustrie. Die Fabrik wurde auf dem Areal der früheren Zementfabrik Dittingen an der Strasse nach Zwingen erbaut. Die Lage direkt an der Birs bot als Vorteil zwei vorhandene Kraftwerke, welche die Bernische Kraftwerke AG zum Verkauf anbot, sowie einen Anschluss an die Bahnlinie. 1972 musste diese Papierfabrik schliessen.
Die dritte und älteste Papierfabrik im Laufental siedelte sich in Grellingen an und überlebte die ganze wirtschaftliche Entwicklung bis heute. Die Papierfarbrik Kaiser Ziegler & Co, die spätere Ziegler Papier AG, wurde um 1860 gegründet. Die Wasserkraft spielte eine grosse Rolle. Ebenso hatte die Nähe zu Basel und den dortigen Seidenbandindustrien eine wichtige Funktion. Diese waren Grossabnehmer von Papier, welches für die Zwischenlagen in den Bandrollen verwendet wurde. Die Konzentration von Papierfabriken an der Birs, die zusammen zeitweise zu den wichtigsten Arbeitgebern im Birstal zählten, prägten die Gesellschaft und die Geschichte der Talschaft neben anderen wichtigen Industrien wie der Steinhauerei oder der Zement- und Keramikherstellung. Sowohl auf der internationalen wie auf der nationalen Ebene war und ist die Bedeutung und Dimension der Laufentaler Papierindustrie jedoch begrenzt, ihr Anteil an Beschäftigten und an der Gesamtproduktion war eher klein.
Zwingen steht vor dem wichtigsten Entwicklungsschritt der letzten Jahrzehnte. Die frühere Papierfabrik soll umgenutzt und die Etzmatt (Under Chleebode), das ehemalige Holzlagergelände, für eine bauliche Entwicklung geöffnet werden. Damit erschliesst Zwingen zwei grosse, brach liegende Areale für neuen Wohn- und Gewerberaum.
Der neue Teilzonenplan soll insgesamt rund 150 bis 200 Wohneinheiten und über 10 000 Quadratmeter Gewerbe- und Dienstleistungsfläche ermöglichen. Konkret sieht das Konzept zwei neue Quartiere vor: Der industrielle Charakter der alten Papierfabrik soll grundsätzlich erhalten oder weiterentwickelt werden. Dieses Quartier soll dem Wohnen, Arbeiten und Einkaufen dienen. Auf der Etzmatt wiederum ist ein neues kompaktes Wohnquartier geplant. Eine wichtige Anforderung an die Neukonzeption dieses Entwicklungsgebiets war der Umwelt- und Hochwasserschutz. Nicht zuletzt das grosse Hochwasser vom August 2007 beeinflusste den Planungsprozess. Der neue Teilzonenplan wurde 2013 vom Regierungsrat genehmigt.
HPM