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1. Wer spielte gegen wen?
Die San Francisco 49ers gegen die Kansas City Chiefs. Einen grossen Favoriten gibt es nicht, die meisten Experten erwarten einen heissen Fight zwischen einer der besten Defenses (49ers) und einer der besten Offenses (Chiefs) der Liga. San Francisco muss Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes stoppen, Kansas City gegen das Laufspiel der 49ers bestehen.
Es ist erst das 14. Duell in der NFL-Geschichte zwischen den beiden Teams. Zuletzt traf man in der Regular Season 2018 aufeinander. Die Chiefs gewannen im heimischen Arrowhead Stadium mit 38:27, damals schon mit dabei: die beiden Quarterbacks Patrick Mahomes und Jimmy Garoppolo. Mahomes bestritt eine überragende erste Saison als Starter, nach der er zum MVP gewählt wurde. Garoppolo erlitt in diesem Spiel einen Kreuzbandriss, worauf seine Saison vorzeitig beendet war.
2. Wo wurde gespielt?
Im Hard Rock Stadium in Miami. Die riesige Multifunktionsarena wurde von 2015 bis 2016 umfassend renoviert. Für geschätzte 550 Millionen US-Dollar entstand so die topmoderne, neue Heimstätte der Miami Dolphins. Der Super Bowl findet bereits zum sechsten Mal im Hard Rock Stadium statt: 1989, 1995, 1999, 2007 und 2010 war man schon dort. Zwei dieser Spiele gewannen die 49ers.
Das Hard Rock Stadium ist seit 1996 jährlich Austragungsort des Orange Bowl. Seit 2019 findet auch das Tennis-Masters-1000-Turnier von Miami in der Arena statt. Bei der ersten Austragung wurde ins Stadioninnere aus Stahlrohrtribünen ein Centre Court gebaut. Am Ende triumphierte Roger Federer vor 13'800 Zuschauern. Beim Super Bowl LIV gehen 65'326 Zuschauer rein.
3. Wie viele schauen zu?
Vor einem Jahr lockte der grosse NFL-Final im Schnitt 98,2 Millionen Amerikaner vor den Bildschirm – so wenige wie seit 2009 nicht mehr. Weltweit soll dagegen fast eine Milliarde Zuschauer live dabei gewesen sein, als die Patriots in einem der langweiligsten Super Bowls aller Zeiten die Los Angeles Rams bodigten. Diese Zahl scheint aber etwas gar hoch berechnet zu sein und beruht wohl auf einem Mythos, den die NFL selbst in die Welt gesetzt hat.
4. Wie lange dauert das Ganze?
Wenn du in der Schweiz schaust, solltest du genügend vorschlafen und ausreichend Kaffee kochen. Die reine Spielzeit eines Football-Spiels beträgt zwar nur 4 × 15 Minuten. Aber mit Halbzeitshow, Analysen und den endlosen Werbeunterbrechungen muss man beim Super Bowl mit vier Stunden rechnen. So gegen 4.30 Uhr wird die Entscheidung erwartet
Am besten gleich eine Party veranstalten, das machen die Amerikaner ja auch so. Was da nicht fehlen darf? Bier und Chicken Wings. Rund 1,3 Milliarden «Poulet-Flügeli» werden am Super-Bowl-Abend gemäss Hochrechnungen jeweils verspeist – vier pro Amerikaner. Hinzu kommen 120 Millionen Liter Bier.
5. Kann ich das Spiel auch live im Stadion sehen?
Klar kannst du, aber dafür musst du dich beeilen und tief in die Tasche greifen. Die billigsten Tickets kosten auf der Verkaufsplattform Ticketmaster über 4500 Dollar. Direkt am Spielfeldrand und auf der Höhe der Mittellinie kannst du auch noch sitzen – allerdings nur alleine. Das würde dich bei Seatgeek knapp 12'000 Dollar kosten. Für eine «einfache» VIP-Box musste man im Vorfeld über 40'000 Dollar auf den Tisch legen. Für V-VIPs gibt's auch Suites für 750'000 Dollar. Flug und Hotel nicht vergessen, gell!
Übrigens: Jeder Spieler erhält nur zwei Gratis-Tickets für Freunde oder Familie, alle weiteren müssen selbst bezahlt werden. Bis zu 13 Tickets können dazugekauft werden, für je 1800 Dollar.
6. Was gibt es zu gewinnen?
Zunächst einmal die 3,5 kg schwere, 55 cm hohe und aus Sterling-Silber gefertigte Vince Lombardi Trophy (Materialwert 3500 Dollar). Ausserdem einen Super-Bowl-Ring im Wert von 35'000 Dollar, eine Prämie von 124'000 Dollar pro Spieler und jede Menge Prestige. Die Verlierer erhalten immerhin auch noch 62'000 Dollar.
7. Wie funktioniert Football schon wieder?
Im Video unten findest du einen kleinen Football-Crashkurs. Der Rest ist «Learning by watching!» 😉
8. Wer sind die grossen Stars?
San Francisco 49ers
- Jimmy Garoppolo (Quarterback): Vor der Saison waren alle Augen auf ihn gerichtet. Der 28-Jährige wurde 2014 von den New England Patriots gedraftet und war dort drei Jahre lang der Backup von Tom Brady. 2017 tradeten ihn die Patriots zu den 49ers, wo er nun nach seinem Kreuzbandriss seine erste komplette Saison als Starter absolviert hat. Sein Spiel ist zwar nicht spektakulär, aber perfekt auf die spielerische Ausrichtung der 49ers ausgerichtet.
- George Kittle (Tight End): Schrill, exzentrisch und beinahe unstoppable – der 1,93-Meter-Hüne ist vor allem nach dem Catch eine Wucht und kaum zu tacklen. Immer wieder sorgt er so für ein paar Extra-Yards. Mit 1377 Yards brach er im Vorjahr den siebenjährigen Rekord von Rob Gronkowski für den grössten Raumgewinn eines Tight Ends. Auch als Run-Blocker ist er für die 49ers unglaublich wichtig.
- Raheem Mostert (Runningback): Vor der Saison war das Kraftpaket (178 cm, 93 kg) kaum einem Football-Fan ein Begriff. Kein Wunder, bei sechs Teams wurde der 27-Jährige meist nach nur wenigen Wochen wieder entlassen. Lange war er auch bei den 49ers nur eine Randfigur, doch in dieser Saison ist er als Ersatzmann des verletzten Tevin Coleman regelrecht explodiert. Der bisherige Höhepunkt waren seine vier Touchdowns im Championship Game gegen die Green Bay Packers, mit denen er sich einen Platz in den NFL-Rekordbüchern sicherte.
- Nick Bosa (Defensive End): Eine der defensiven Entdeckungen der NFL-Saison. Der Rookie startete seine Profikarriere direkt mit einem Sack gegen die Buccaneers und trieb die 49ers-Defensive auch in der Folge zu Höchstleistungen. Der explosive Defensive End ist einer der Gründe, warum die 49ers die beste Passdefensive der Liga haben, und er wird auch Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes kaum Zeit zum Werfen geben. Vor allem in entscheidenden Spielen wusste der 22-jährige Nummer-2-Draft zu überzeugen.
- Richard Sherman (Cornerback): Wegen seiner Erfahrung und mitreissenden Art ist der 31-jährige Pass-Verteidiger extrem wichtig für das Team. Nach zahlreichen Verletzten ist der Super-Bowl-Sieger von 2013 (mit den Seattle Seahawks) endlich wieder voll im Saft.
Kansas City Chiefs
- Patrick Mahomes (Quarterback): Kein Spieler in der NFL hat einen Wurfarm wie der Chiefs-Spielmacher, der vergangene Saison 50 Touchdowns mit seinen Pässen erzielte und als MVP ausgezeichnet wurde. Dieses Jahr wurde der 24-Jährige zwar von Verletzungen etwas gebremst, in den Playoffs spielte er aber wieder gross auf. Mit seiner unglaublichen Spielintelligenz und Kreativität kann er Spiele im Alleingang entscheiden.
- Travis Kelce (Tight End): Der 1,96 Meter grosse 118-Kilogramm-Koloss gilt seit dem Rücktritt von Rob Gronkowski als bester Tight End der Liga. Zum vierten Mal in Serie übertraf er in dieser Saison die 1000-Yard-Marke, was vor ihm noch keinem gelungen ist. Der 30-Jährige ist extrem variabel und deshalb so gefährlich.
- Damien Williams (Runningback): Da die Chiefs nicht allzu häufig auf das Laufspiel setzen, kommt der 27-Jährige auf deutlich weniger Durchschnitts-Yards als Kollege Mostert. Williams ist aber auch im Passspiel einsetzbar, was ihn für die Defense schwierig auszurechnen macht.
- Tyreek Hill (Wide Receiver): Sein Spitzname ist «Cheetah», also «Gepard». Das sagt schon fast alles über die Qualitäten von Hill – der 25-Jährige gilt als schnellster Spieler der gesamten Liga, 2012 gewann er bei der Junioren-WM der Leichtathleten Gold mit der US-4×100-Meter-Staffel.
- Tyrann Mathieu (Strong Safety): Der «Honey Badger» («Honigdachs») ist einer der besten Pass Rusher der Liga. Die Seele der Chiefs-Defense ist dynamisch, explosiv und vielseitig. Früher war der 27-Jährige, der eine schwierige Kindheit und später Drogenprobleme hatte, ein Hitzkopf. Mittlerweile hat er sich zum charismatischen Leader entwickelt, der die Teamkollegen mit seiner Authentizität mitreissen kann.
9. Wer sang die US-Hymne?
Sängerin Demi Lovato wird vor dem Super Bowl die US-Hymne zum besten geben. Die 27-Jährige hatte zuletzt vor allem wegen Drogenproblemen für Schlagzeilen gesorgt. Im Sommer 2018 war sie nach einer Überdosis, die sie nur knapp überlebt hatte, komplett von der Bildfläche verschwunden.
Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt seit fast zwei Jahren an den Grammy Awards 2020 musste sie ihren neusten Song «Anyone» zweimal anstimmen, weil sie emotional so aufgelöst war. Sie hatte den Song nur wenige Tage vor ihrer Überdosis geschrieben.
Bekannt wurde Lovato durch die Rolle der Mitchie Torres im Disney-Musikfilm «Camp Rock». Ihre grössten Hits sind «Heart Attack» und «Skyscraper».
Die Nationalhymne ist beim Super Bowl neben zahlreichen weiteren patriotischen Show-Einlagen ein wichtiger Bestandteil der Pre-Game-Show.
10. Wer war bei der Halftime-Show dabei?
Hauptact sind die beiden Superstars Shakira und Jennifer Lopez. «Grösser wird es nicht mehr», freute sich Shakira, die am Sonntag ihren 43. Geburtstag feiern wird. Die Kolumbianerin versprach: «Wir werden die Show unseres Lebens abliefern.» Lopez erklärte, sie habe seit 1996 davon geträumt, beim Super Bowl aufzutreten – damals habe sie Diana Ross bei der Halbzeitshow in den Himmel fliegen sehen.
«Möglichst wenig Risiko» war wohl das Motto der Veranstalter. Denn die Halbzeitshow des vergangenen Super Bowls hatte im Vorfeld für grosses Aufsehen gesorgt: Im Streit um den Umgang mit Quarterback Colin Kaepernick wollten Topstars wie Rihanna, Pink und Cardi B nicht auftreten. Schliesslich führte die umstrittene Popgruppe Maroon 5 die Halbzeitshow an – die Kritiker waren nicht sehr angetan.
11. Warum wollen alle die US-Werbung sehen?
Weil die TV-Zuschauerzahlen in den USA zuletzt fast immer im dreistelligen Millionen-Bereich lagen und damit so hoch sind wie bei keiner anderen TV-Sendung im Jahr, werfen die internationalen Top-Unternehmen bei der Produktion ihrer Werbespots das Geld nur so zum Fenster raus.
In diesem Jahr müssen Firmen für eine 30-sekündige Werbung mehr als 5,6 Millionen US-Dollar an den TV-Rechteinhaber CBS zahlen. Ob mit aberwitzigen Szenen oder Cameo-Auftritten grosser Pop- oder Hollywood-Stars – die Firmen kämpfen mit aller Macht um die Gunst der Kunden. Bei ProSieben ist die US-Werbung aus rechtlichen Gründen nicht zu sehen.
12. Wie kam der Super Bowl eigentlich zu seinem Namen?
Erfunden wurde der Begriff «Super Bowl» 1967 von Lamar Hunt. Der damalige Besitzer der Kansas City Chiefs war auf der Suche nach einem eingängigeren Namen für das Endspiel zwischen der AFL und der NFL, welches damals noch die nicht gerade simple Bezeichnung «AFL-NFL World Championship Game» trug.
Hunt sah damals seiner siebenjährigen Tochter Sharron dabei zu, wie sie sich mit einem 98 Cent teuren, tennisballgrossen Spielzeug namens «Wham-O Super Ball» vergnügte und dabei ständig «Super Ball, Super Bowl» vor sich hin murmelte. Schon war der Begriff «Super Bowl» geboren, der damit auch in Tradition mit den Finalspielen im College Football stand, die damals schon Bowl-Games genannt wurden.
Erst 1969 wurde der Begriff schliesslich offiziell für den NFL-Final verwendet. Die beiden zuvor ausgetragenen Endspiele von 1967 und 1968 wurden erst nachträglich in Super Bowl I und II umbenannt.