Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03181.jsonl.gz/901

Zusammen mit Jean Calvins Confession de la Rochelle von 1559, Zacharias Ursinus’ Heidelberger Katechismus von 1563 und Heinrich Bullingers Confessio Helvetica Posterior von 1566 bildet die Westminster Confession von 1646 das Quartett der grossen reformierten Lehrbekenntnisse, das die Epoche von 1550–1650 als Jahrhundert der Lehrbildung erweist. Keine Bekenntnisse sind dies, die eine Gemeinde im Gottesdienst liturgisch sprechen könnte, sondern Glaubenslehren, in denen Theologin und Theologe zur Orientierung oder Vergewisserung nachschlagen.
In der Westminster-Synode treffen sich 1643–1649 englische und schottische Presbyterianer, um im Auftrag des englischen Parlaments, das mit dem konservativen Königshaus im Streit liegt, Fragen des neuen nachrömischen Glaubens verbindlich zu klären. Das Misstrauen gegenüber verbliebenen römisch-katholischen Restbeständen einerseits und anglikanischen Kompromissen andererseits hat die Puritaner gestärkt. Diese haben sich allerdings 1582 aufgespalten in einen radikalen Zweig, der weder den Anglikanern noch den Presbyterianern eine Erneuerung zutraut und deshalb 1620 mit der Mayflower auswandert, um ein neues England zu gründen, und in einen gemässigten Zweig, der mit den Presbyterianern nun auf das erneuerte alte England setzt. 1646 ist das Bekenntnis geschrieben, 1647 folgen der Larger und der Shorter Westminster Catechism. Das ganze Reformwerk ist bis heute verbindlich für alle presbyterianischen Kirchen und integraler Bestandteil der Reformierten Bekenntnisschriften.
Erwartungsgemäss hat der Shorter Catechism die grösste Nutzung und Wirkung. Er besteht aus 107 Fragen und Antworten, zweigeteilt in Inhalte des Glaubens (1–38) und Pflichten gegenüber Gott (39–107). Breiten Raum nimmt die Erklärung der Zehn Gebote in Anspruch (39–84), den puritanisch orientierten Mitgliedern der siebenjährigen Kommission geschuldet.
Zwar gibt es auch von Luther den grossen und kleinen Katechismus (1529), die Menge der reformierten Katechismen aber, vom ersten Leo Juds (1524) bis zu diesem letzten aus Westminster (1647), rechtfertigt es, die literarische Gattung des Katechismus eine typisch reformierte zu nennen: Um als mündiger Christ selbst denken zu können, bedarf es der Einführung in die Grundlagen des Glaubens.