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Der ehemalige australische Ministerpräsident Kevin Rudd will zurück an die Macht. Bei einer Kampfabstimmung über den Vorsitz der regierenden Labor-Partei am kommenden Montag will er Ministerpräsidentin Julia Gillard herausfordern, wie er am Freitag sagte.
Diese hatte die Abstimmung am Vortag nach einem monatelangen bitteren Machtkampf angekündigt und erklärt, sie werde auf die Parteiführung verzichten, sollten sich die Abgeordneten für Rudd entscheiden.
"Es ist kein Geheimnis, dass unsere Regierung eine Menge tun muss, um das Vertrauen des australischen Volkes zurückzugewinnen", sagte Rudd in einer Rede in der Stadt Brisbane im Osten des Landes. "Ich werde ab Montag damit beginnen, dieses Vertrauen wiederherzustellen."
Rudd war am Mittwoch als Aussenminister zurückgetreten und begründete dies damit, dass er seine Rolle nicht ohne die Unterstützung der Ministerpräsidentin ausführen könne.
Arbeit zu Ende führen
In den vergangenen Monaten war immer wieder spekuliert worden, Anhänger Rudds wollten Gillard stürzen. Die Regierungschefin war selbst nach einem innerparteilichen Putsch gegen ihren Vorgänger Rudd im Juni 2010 an die Macht gekommen. Viele Australier reagierten damals erbost auf die Entmachtung Rudds, der seit 2007 im Amt war.
"Ich möchte den Job beenden, für den das australische Volk mich gewählt hat, als es für mich als Ministerpräsidenten stimmte", sagte Rudd am Freitag. Sollte Rudd gewinnen, könnte es zu Neuwahlen kommen, falls weder die Labor-Partei noch die konservative Oppositionskoalition eine Mehrheit im Repräsentantenhaus aufbringen können.
Die Labor-Partei hält in dem Unterhaus des australischen Parlaments nur eine hauchdünne Mehrheit von einem Sitz, die von einer Koalition mit zwei unabhängigen Abgeordneten und einem Abgeordneten der Grünen abhängt.
Kein "Big Brother"
Die Abgeordneten müssten sich am Montag entscheiden, wer von ihnen den Charakter, das Temperament und die Stärke habe, Australien zu regieren, sagte Gillard. "Das ist nicht 'Celebrity Big Brother'; es geht darum, wer das Land führen kann, wer das nötige Durchsetzungsvermögen hat", fügte sie hinzu.
Rudds Kollegen hätten sich 2010 von ihm abgewandt, weil seine Regierung in einem "chaotischen" und "gelähmten" Zustand gewesen sei. Sie setze auf die "sehr starke Unterstützung" unter ihren 103 Kollegen bei der Abstimmung am Montag und werde die Labor-Partei bei den Wahlen im kommenden Jahr zum Sieg führen.
Beobachter gehen davon aus, dass Gillard vorerst an der Macht bleiben wird, doch sie und ihre Regierung sind bei den Wählern sehr unbeliebt.