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1979 wurde der Kormoran der Europäischen Vogelschutzrichtlinie unterstellt. Das war der Startschuss für sein erfolgreiches Comeback. Das freute die Vogelschützer, ärgerte jedoch die Fischer. Die EU-Kommission hat sich inzwischen vom Totalschutz verabschiedet und den Mitgliedsstaaten rechtliche Möglichkeiten eingeräumt, regional Massnahmen zur Vermeidung von Kormoranschäden zu ergreifen. Gewisse Dienststellen verweigern jedoch immer wieder derartige Vorkehren, unter Berufung auf eine von «Europa» vorgegebene Pflicht zum Kormoranschutz. Daraus entwickelte sich ein Ping-Pong-Spiel, das vorderhand griffige gesamteuropäische Lösungen blockiert.
Als erster Schritt wäre eine europäisch abgestimmte, grenzüberschreitende und ökologisch verträgliche Regulation der Kormoranpopulation nötig. Grenzüberschreitende Managementmassnahmen sind in der EU nicht neu; sie werden seit Jahrzehnten etwa im Bereich der Meerfische angewandt (z.B. Schutz des Aals). Erstes Ziel künftiger Bemühungen zur Integration der Kormoranbestände in die europäische Kulturlandschaft müsste deren Halbierung sein
Dänemark
Dänemark ist das fortschrittlichste Land bezüglich Kormoranmanagement. Mit einem Bestand von 200'000 Vögeln im Juli/August und über 40'000 Brutstätten nimmt es im europäischen Vergleich eine prominente Stellung ein. Die ersten Brutkolonien entstanden 1971. Bis 1995 schnellten sie auf über 40'000 Brutplätze hoch.
1994 erfolgten erste Eingriffe (Einölen der Eier). 2002 wurden 3718 Nester erfasst, 2007 bereits deren 6440. Der Anteil der Interventionskolonien stieg in der gleichen Periode von 8,5% auf 16,9%. Die Öl-Methode ist so erfolgreich, weil 45% der Kormorane am Boden brüten. Sie hat den Vorteil, dass die brütenden Vögel die Nester nicht verlassen. Der Nahrungsbedarf wird entsprechend reduziert. Ferner konnte die Zahl der Spätbrüter vermindert werden. Seit 2003 nimmt die Zahl der Kolonien ab, die Bildung neuer Kolonien wird erfolgreich verhindert, die Grösse etablierter Kolonien reduziert. Flankierend wird der Kormoran bejagt, insbesondere an Meerforellen- und Lachsflüssen.
Niederlande
Die meisten grossen Brutkolonien befinden sich auf Privatgrundstücken. Da keine Fischartenschutzprobleme existieren, wurde die Kormoranfrage bisher vernachlässigt. Der nationale Sportfischerverband betonte stets, Eingriffe in Brutkolonien würden von der Gesellschaft abgelehnt.
Inzwischen hat sich die Stimmung gewandelt: Noch in diesem Jahr soll ein Runder Tisch über Eingriffe diskutieren und einen Managementplan ausarbeiten. Das ist umso wichtiger, als die Niederlande sehr viele Brutkolonien beherbergen. Auf die Resultate dieser Gespräche und den Managementplan darf man füglich gespannt sein.
Deutschland
Das Kormoranmanagement ist Ländersache, ähnlich wie bei uns. Es gibt diverse richtungsweisende Länderverordnungen, so in Nordrhein-Westfahlen, Sachsen und Bayern, andere werden nachgebessert. So werden in Brandenburg seit einigen Jahren Aktionen gegen die Brutkolonien durchgeführt. 2005 wurden, verteilt zwischen fünf Störversuchen, während der gesamten Brutperiode immer wieder Eier entnommen und auf die Brutentwicklung kontrolliert. Am Anfang waren die Eier nicht angebrütet, der Erfolg der Aktion daher nicht nachweisbar; erst beim letzten Mal war das Resultat zufriedenstellend. 2006 und 2007 wurde nur noch jeweils in zwei aufeinander folgenden Nächten bei gut angebrüteten Eiern gestört. Damit war der Aufwand am geringsten. Man konnte sich aufwärmen und musste nicht die ganze Nacht bei der Kolonie verbringen.
Für 2008 wurde ein Antrag für vier Kolonien gestellt, in mindestens zwei Kolonien sollten Störaktionen durchgeführt worden sein. Die Aktionen werden vom zuständigen Landesfischereiverband, mit dem man gut zusammenarbeite, beantragt und auch durchgeführt und jeweils von der Staatlichen Vogelwarte begleitet. In Brandenburg werden Kormorankolonien auch von Seeadlern, Minks und Waschbären «kontrolliert».
Aus schweizerischer Sicht war das benachbarte Baden-Württemberg weit im Hintertreffen: Die grenznahen Brutkolonien setzen unseren Fischbeständen stark zu. Dank einem mutigen Entscheid des Regierungspräsidiums Freiburg hat man nun eine Vergrämungsaktion im Naturschutzgebiet Radolfzeller Aachried durchgeführt. Die Erfolgsquote lag bei ca. 70%. Es ist jedoch ein grosses Anliegen der deutschen Angler, dass ein gesamteuropäischer Kormoranmanagementplan entwickelt wird, der dem schweizerischen Modell entsprechen sollte.