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In der 1935 erbauten Soldatenstube am Murmattweg wohnt seit 2018 eine Gruppierung, die sich Familie Eichwäldli nennt. Die Stadt legalisierte die einstige Besetzung mit einem Gebrauchsleihvertrag, der im September 2020 auslief. Sie gewährte den Bewohnerinnen und Bewohnern bis am 15. Februar 2021 eine Frist, um auszuziehen. Danach soll das als baufällig eingestufte Gebäude abgerissen werden.
Am Samstag demonstrierten 300 Personen gegen diese Pläne der Stadt, am Donnerstag unterstützte der Grosse Stadtrat das Anliegen der Familie Eichwäldli. Mit einem dringlichen Postulat forderte das Stadtparlament die Stadtregierung auf, die Soldatenstube vorläufig stehen zu lassen. Mit baulichen Massnahmen solle dafür gesorgt werden, dass das Gebäude noch ein weiteres Jahr bewohnt werden könne.
All dies konnte die Haltung der Stadtrats aber nicht ändern. Er habe die Situation der Soldatenstube im Hinblick auf die Parlamentsdebatte vom Donnerstag erneut überprüft, teilte er am Freitag mit. Er habe keinen Hinweis gefunden, der ein Zurückkommen auf den Rückbauentscheid rechtfertigen würde.
Nach Angaben des Stadtrats ergaben die in den letzten zwei Jahren durchgeführten Untersuchungen klar, dass die Soldatenstube statisch und baulich in einem sehr schlechten Zustand sei. Die im Dezember 2020 durchgeführten Messungen hätten gezeigt, dass sich das Gebäude trotz Stabilisierungsmassnahmen bewege.
Als Grund für die Bewegungen des Gebäudes genannt werden von der Stadt der schlechte Baugrund und das Grundwasser. Stadtpräsident Beat Züsli (SP) sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, es gehe von dem Gebäude eine latente Gefahr aus.
Für den Stadtrat ist die vom Grossen Stadtrat geforderte bauliche Sicherung für ein Jahr unverhältnismässig. Diese würde rund 100000 Franken kosten, sagte Züsli. Auch eine Gesamtsanierung wäre unverhältnismässig.
Ein Neubau ist gemäss Züsli auf diesem Areal aus planungsrechtlichen Gründen nicht möglich, es könnten aber Provisorien für eine mehrjährige Zwischennutzung erstellt werden. Die Stadt biete der Familie Eichwäldi weiterhin an, bei der Weiterentwicklung des Areals mitzuwirken, erklärte er.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Soldatenstube kommt ein Abriss aber nicht in Frage, wie sie am Freitagmorgen mitteilten. Sie schlagen vor, das Gebäude im Baurecht an eine Baugenossenschaft abzugeben. Die Nutzerinnen und Nutzer würden dann auch die Sanierungskosten übernehmen.
Züsli hofft, dass die Bewohnerinnen und Bewohner bis am 15. Februar das Gebäude verlassen. Ansonsten werde bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet.
(sda)