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«Chicago-Kolb» nennen ihn seine Freunde, als Otto Kolb (1921–1996) 1960 aus den USA in die Schweiz zurückkehrt. Im Gepäck hat er seine Erfahrungen als Dozent am Institute of Design in Chicago, an das er 1948 berufen wurde, einen Fundus an Bildern und Plänen von Bauten und Projekten sowie Entwürfe aus verschiedenen Bereichen des Designs, die ein bereits ansehnliches Œuvre dokumentieren. Kolb besitzt aber auch ein ganzes Kompendium von Skizzen, in dem sich der Keim seines gebauten Manifests findet: des zylinderförmigen Glashauses im Zürcher Oberland. Anfang der 1980er Jahre realisiert, avanciert die Villa in Wermatswil zu einem Mekka für Architekturinteressierte. 2012 wurde es von der Kantonalen Denkmalpflege Zürich als Schutzobjekt von regionaler Bedeutung eingestuft.
Kolb war ein Pionier und Grenzgänger – nicht nur geografisch, im Sinne des Aufbruchs in die Neue Welt. Ebenso, wie er sich zwischen den Disziplinen Architektur, Ingenieurwesen, Kunst und Design bewegte, tastete er sich auf Terrains vor, die seinerzeit argwöhnisch beäugt wurden: Ökologie und Schonung der Ressourcen waren für ihn zeitlebens Gebote – lange bevor 1972 Donella und Dennis L. Meadows mit ihrer Studie The Limits to Growth die Grenzen des Wachstums aufzeigten.
1944 diplomiert, liess sich Kolb im Umfeld von Alfred Roth, Max Bill, Richard Paul Lohse und Felix Schwarz ebensosehr von der traditionellen japanischen Architektur inspirieren. Davon zeugen sein erster Bau in der Schweiz, das Atelierhaus in Brüttisellen (1944–1945), genauso wie sein Début in den USA, das Haus Horner (1948–1950) in Indiana, das in den 1990er Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurde. Er versöhnte organische Architektur und industrielles Bauen, liess sich von antiken Tempelarchitekturen inspirieren und experimentierte mit seilverspannten Konstruktionen. In Anlehnung an musikalische Proportionssysteme entstanden Baukörper, die in labilem Gleichgewicht balancieren. Neben der Musik spielte die Kunst eine tragende Rolle: vom «Fenster als Bild» im Atelierhaus in Brüttisellen bis zum «Haus als Kamera» in der Villa in Wermatswil (1980–1982).
Die im Entwurf zum Haus Solotorovsky in Princeton (1958–1959) skizzierte, von Max Bills «Kontinuität» (1947) inspirierte Skulptur transformiert Kolb Mitte der 1960er Jahre zu einer Wendeltreppe, für die er das Patent bekommt. In der Villa Wermatswil macht er sie zum Dreh- und Angelpunkt.
Im Anschluss an die Einführung sind alle Besucher herzlich eingeladen, bei einem feinen Kündig Käsefondue und einem Glas Weisswein das Forumsjahr ausklingen zu lassen.
Eintritt 10.–/ Mitglieder gratis