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Den Schmuckherstellern in den Maghreb-Ländern und in der Sahara ist nur eines gemeinsam. Ihr Handwerk wird in der Familie vererbt. Werdegang, Spezialisierungsgrad, Ansehen und Wohlstand der Handwerker unterscheiden sich. K. Boujibar beschreibt sehr anschaulich die Lehrjahre eines marokkanischen Silberschmieds. Er durchwandert die Produktionsstätten der Region Sous, er lernt in Tiznit das Emaillieren, in Taguemout die Niello-Technik und lässt sich schliesslich in Essaouira nieder. Der Schmuckhersteller scheint in Marokko in aller Regel seine Erzeugnisse auch selbst zu verkaufen. Werkstätten und Verkaufsräume haben ihre Standorte immer in den Suqs (Bazaren) des alten Stadtkerns (der Medina). In Marokko scheint das Handwerk des Waffen- und des Silberschmieds oft von einer Person ausgeübt zu werden. Der gesamte Schmuckbedarf der Grossen Kabylei wird in fünf 700-3000 Einwohnern zählenden Dörfern der Benni Yenni hergestellt. Allgemein herrscht die Meinung, dass sich hier ein Zentrum der Silberschmiede, aber auch der Waffenschmiede gebildet hat weil die Böden zu karg waren, um die dichte, ständig wachsende Bevölkerung zu ernähren. Um 1900 soll es in diesem Gebiet 120 - 130 Werkstätten gegeben haben. Ende der 60er Jahre waren noch 28 Werkstätten übrig. Die Silberschmiede vermarkteten ihre Erzeugnisse nicht selbst, sondern gaben sie an Schmuckhändler ab. In jüngster Zeit wurden mit Unterstützung der Regierung Verkaufsgenossenschaften gebildet. Eine jetzt starke Exportorientierung der Produktion führte zu einem Wandel der Strukturen der Handwerksbetriebe und mit Rücksicht auf die Nachfrage zur Änderung der Schmuckformen. Welch handwerklich hohes Niveau die Produktion aber auch heute noch hat, zeigt z. B. ein moderner Armreif. Schwer zu beurteilen ist die Bedeutung des Anteils jüdischer Handwerker an der Schmuckherstellung in den Maghreb-Ländern. In Marokko wird eine grosse Anzahl jüdischer Silberschmiede angenommen. Die Silberschmiede der Benni Yenni sollen alle Nachkommen islamisierter Juden sein. Es wäre interessant, der Frage nachzugehen, wie sich die Auswanderung der meisten jüdischen Handwerker in der Zeit nach 1967 auf die zukünftige Entwicklung dieses traditionsreichen Handwerks auswirkt. Das Ansehen der Schmuckhersteller in Marokko scheint sich in nichts von dem anderer tüchtiger Handwerker zu unterscheiden. Aus der Grossen Kabylei wird ausdrücklich berichtet, die Silberschmiede seien dort sehr respektiert. Die Werkstatteinrichtung der Silberschmiede im Maghreb scheint heute, dem uns zugänglichen Bildmaterial nach zu urteilen, weitgehend jener der europäischen Werkstätten zu gleichen. Von einer bekannten Deutschen Werkzeug-Grosshandlung erfuhren wir, dass sie in beachtlichem Umfang Juwelier-Werkzeuge nach Nordafrika exportiert. Ein völlig anderes Bild bietet sich uns bei den Handwerkern der Mauren und Tuareg. Wie oben schon erläutert, sind diese Gesellschaften kastenähnlich geschichtet. In Mauretanien bilden Handwerker, Griots, Fischer und Jäger zusammen die Gruppe der Verachteten. Die Bezeichnung »Handwerker« wurde bewusst gewählt, die Angehörigen dieses Berufsstands sind nämlich die Handwerker überhaupt. Sie übernehmen Grob- und Silberschmiedearbeit, schnitzen Möbelstücke, Holzgefässe, Zeltstangen etc. und fertigen aus Leder Taschen und Zaumzeug. Ihre Frauen beherrschen die Techniken des Webens, Färbens, Flechtens und der Schneiderei. Die Gründe für die Verachtung der Handwerker sind sicher vielschichtig. Bauern und vor allem Viehzüchter verachten sie, weil sie weder Land noch Herden besitzen und weil sie in ihrer Ernährung total von ihnen abhängig sind. Die Verachtung ist gemischt mit Furcht, weil die Handwerker den gefährlichen Werkstoff Eisen bearbeiten. Die Angst vor dem Eisen ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass dieser Werkstoff bei den Nomaden der Sahara erst seit rund 100 Jahren in Gebrauch ist und als Material zur Herstellung gefährlicher Waffen zu einer grundlegenden Veränderung ihrer Lebensumstände geführt hat. Sicher richtet sich die Verachtung der Bauern und Nomaden aber auch gegen Männer, die Waffen herstellen, ohne sie je selbst zu gebrauchen. Die häufig betonte Abscheu vor der schmutzigen Arbeit des Schmiedes dürfte daneben nur von untergeordneter Bedeutung sein. Die bisher genannten Gründe führen zur Erblichkeit des Handwerks und dazu, dass Schmiede nur unter sich heiraten können, was dann als weiteres Moment zu ihrer Isolierung beiträgt. Ihre bescheidene Bezahlung entspricht ihrem geringen Ansehen. Auch die »Schmiede« der Tuareg üben alle bei den maurischen Handwerkern erwähnten Tätigkeiten aus. Ihre soziale Situation scheint aber etwas günstiger zu sein. so wird berichtet: »Die soziale Stellung der Schmiede bei den Imohag-Stämmen (Tuareg-Stämmen) ist recht eigenartig; sie gehören weder dem Stande der Edlen noch dem der Vasallen an, doch gehören sie zu einem Imohag-Stamm als solchem, ohne dabei einen eigenen Stamm oder eine 'Kaste' zu bilden. Fast könnte man sagen, die Schmiede gehören samt ihrer Familie zur 'Klientel' dieser oder jener Edlen-Sippe. Dabei geniessen die Schmiede eine sehr weitgehende Freizügigkeit in ihrer Lebensgestaltung, womit nach ihrer Auffassung auch nicht im Widerspruch steht, dass sie ihren Imohag-Herrn oft nolens-volens auf seinen meist recht langen Zügen begleiten, ja sie sind sogar auf die Imohag-Familie oder den Stamm, dem sie angegliedert sind, stolz et vice versa. « Neuere Beobachter wollen von einer Diskriminierung der Schmiede nichts mehr bemerkt haben. Tatsache ist jedenfalls, dass auch Tuareg-Schmiede nur untereinander heiraten und dass das Gehöft oder Zelt der Schmiedefamilie sich immer ein paar Hundert Meter ausserhalb des Dorfes oder Lagers der Gruppe befindet. Bemerkenswert ist, dass Schmiede die Schriftzeichen des Tifinag beherrschen, eine Kunst, auf die sich sonst nur die Tuareg-Frauen verstehen. Sie versehen Ohrringe, Armreife und Amulettbehälter häufig mit ihrer Werkstattsignatur -- was immerhin auf einen gewissen Stolz schliessen lässt oder einer Widmung. Die südlichen Tuareg-Gruppen lassen ihren Schmuck häufig auch von Haussa-Schmieden arbeiten. Das für Schmiedearbeiten erforderliche Inventar der mauretanischen und Tuareg-Handwerker ist wenig umfangreich, aber ausserordentlich zweckmässig. ... einen Blasebalg aus zwei Ziegenbälgen ... einen Drillbohrer (Dreule), einen Ziselierhammer, einen Reisszirkel, eine handgeschmiedete Feile und einen ebenfalls geschmiedeten, aber wiederum zur Neutralisierung des Eisens mit einer Inschrift versehenen Amboss. Zur Einrichtung gehören ferner eine Blechschere, Zangen, Punzen und Stichel.
Schmuckherstellung und Goldschmiederei wurden in Marokko schon immer als hohe Kunst angesehen. Verspielt und verführerisch unterstreichen die Schmuckstücke die Schönheit der Frauen. Im Laufe der Zeit berühmt geworden ist der heutige marokkanische Schmuck das Ergebnis unzähliger Stunden des Forschens, der Geduld und gleichzeitig der angehäuften Fähigkeiten, die jeweils von Lehrer zu Schüler weiter gegeben wurden. Es können Armbänder, Ohrringe, Ringe und Halsketten in Gold, Silber oder jedem anderen gewünschten Metall gekauft oder auf Bestellung gefertigt werden. Geschmückt entweder mit Edel- oder Halbedelsteinen, Keramiken oder Glassarbeiten findet sich etwas für jeden Geschmack ... zur grossen Freude der Frauen, die hier die Kreationen unserer Kunsthandwerker entdecken.