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Der Maler, Schriftsteller und Kunstkritiker Walter Kern (1898–1966) stellte bereits 1917 im Kunsthaus Zürich aus und zog 1919 mit seinem Jugendfreund, dem Zeichner und Maler Robert Schürch, nach Genf. 1920–22 arbeitete Kern als kaufmännischer Angestellter und als freischaffender Maler in Madrid und Florenz. 1922–27 fand er in Thun eine Anstellung als Fremdsprachen-korrespondent und publizierte 1924 seinen ersten Gedichtband. 1928–1930 arbeitete er als Werbe- und Verkaufschef in Zürich, 1928 stellte er ausserdem an der Nationalen Kunstausstellung aus und gab 1930 Gedichte von Hans Arp heraus. 1930–1943 amtete er als Verkehrsdirektor von Davos und schrieb in dieser Zeit Monografien über Oscar Lüthy, Franz Rederer, Hermann Huber, Oskar Kokoschka und über die Malerei in Graubünden. 1944–1953 arbeitete Kern als selbständiger Werbeberater und publizierte zu Otto Meyer-Amden, Henri de Toulouse-Lautrec und Turo Pedretti. 1948–1961 war er Mitglied der AICA, der Association Internationale des Critiques d’Art, 1965 wurde er zum Ehrenpräsident der Sektion Schweiz ernannt. 1953–1964 führte Kern die Buchdruckerei Winterthur und arbeitete bis zu seinem Tod als Schriftsteller und Maler in Uttwil am Bodensee.
Walter Kern unterhielt zeitlebens eine rege Korrespondenz. Für Publikations- und Ausstellungsprojekte schrieb er weit über hundert Kunstschaffende an, mit denen er zum Teil über Jahrzehnte in engem Austausch blieb. Von Robert Schürch sind allein über zweihundert Briefe erhalten, von Otto Baumberger, Eduard Gubler, Hermann Huber, Fritz Pauli, Franz Rederer oder Albert Schnyder sind es mehrere Dutzend. In den 1920er-Jahren beschäftigte sich Walter Kern intensiv mit den Arbeiten der Dadaisten und Surrealisten. Aus dieser Zeit sind Briefe von Kurt Schwitters erhalten, von Hans Arp neben wertvollen Katalogen das Typoskript eines Gedichtbandes. Die Liste der übrigen Korrespondenzpartner, von denen mehrere Briefe erhalten sind, liest sich wie ein Who is Who des Schweizer Kunstbetriebs der 1920er- bis 1960er-Jahre: Cuno Amiet, Max Bill, Hans Erni, Hans Fischli, Augusto Giacometti, Max Gubler, Leo Leuppi, Turo Pedretti oder Matias Spescha sind nur die bekanntesten. Dank der grosszügigen Schenkung von Walter Kerns Sohn, Rätus Kern, sind die Briefe seit 2008 im Nachlassarchiv von SIK-ISEA öffentlich zugänglich.
Signatur
SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 277
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Einführungstext und Auswahl Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 9.4.2010