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Das Stück spielt um 1900 auf einem russischen Landgut, dessen altes Herrenhaus von einem riesigen Kirschgarten umgeben ist. Die seit sechs Jahren verwitwete Gutsherrin, Ljubov Andreevna Ranevskaja, hat fünf Jahre mit einem Geliebten in Frankreich verbracht und kehrt heim. Sie ist überwältigt von Kindheitserinnerungen und von der Schönheit des blühenden Kirschgartens. Doch sie hat weit über ihre Verhältnisse gelebt. Das Gut ist überschuldet und zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben. Leonid Gaev, der Bruder Ljubovs, steht seiner Schwester im aufwändigen und verspielten Lebenswandel in nichts nach. Der Kaufmann Ermolaj Lopachin, dessen Grossvater und Vater auf demselben Gut noch Leibeigene gewesen waren, schlägt Ljubov vor, den Kirschgarten abzuholzen und zu parzellieren und auf dem Gelände am Fluss Sommerhäuser (Datschen) errichten zu lassen. Ökonomisch betrachtet der einzig richtige Ausweg, wozu sich aber weder Ljubov noch Gaev entschliessen können. „Sommerhäuser! Sommergäste! Verzeihen Sie. Das ist so gewöhnlich!" Sie pflegen ihren gewohnten Lebensstil weiter und geben ein Fest, obwohl sie wissen, dass die Versteigerung in wenigen Wochen stattfindet. Eine entfernte Tante soll aus der Patsche helfen. In der Tat lässt sie auch Rubel schicken. Doch der bescheidene Betrag erwies sich kaum als Eintritt zur Auktion. Lopachin jedoch bietet neunzigtausend über die Schulden und wird neuer Gutsbesitzer. Die „alte Herrschaft" muss sich neu ausrichten. Gaev nimmt eine Stelle an und Ljubov fährt zu ihrem Geliebten nach Frankreich zurück.
Das Stück umfasst den Zeitraum von der Kirschblüte bis zum ersten Frost. Es beginnt mit der Ankunft der Herrschaften und endet mit der Abfahrt derselben - sie sind jetzt keine Herrschaften mehr. Der alte Diener Firs bleibt zurück - er wurde eingeschlossen, vergessen - und stirbt. Man hört die Axthiebe der Holzfäller, die die Stille des Untergangs durchbrechen.

Personen
LJUBOV ANDREEVNARANEVSKAJA, Gutsbesitzerin
ANJA, ihre Tochter
VARJA, ihre Pflegetochter
LEONID ANDREEVIČ GAEV, Bruder der Ranevskaja
ERMOLAJ ALEKSEEVIČ LOPACHIN, Kaufmann
PËTR SERGEEVIČ TROFIMOV, Student
BORIS BORSOVIČ SIMEONOV-PIŠČIK, Gutsbesitzer
ŠARLOTTA IVANOVNA, Gouvernante
DUNJAŠA, ein Dienstmädchen
FIRS, Lakai, ein Greis von 87 Jahren
JAŠA, ein junger Lakai

Darsteller
Annegret Trachsel
Rina Hofmann
Annette Frommherz
Paul Luternauer
Jean-Rudolf Stoll
Marcel Zarske
Peter Müller
Rosmarie Keller
Marlene Schadegg
Helmuth Stanisch
Andreas Trachsel
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Anton Čechov 1860 – 1904
Čechovs Kindheit in der südrussischen Hafenstadt Taganrog am Asowschen Meer war überschattet von Armut und sozialer Deklassierung, sein Vater, noch Sohn eines Leibeigenen, despotisch und bankrott. 1879 begann er in Moskau ein Medizinstudium. Bereits im ersten Studienjahr veröffentlichte Čechov kurze Humoresken in literarischen Zeitschriften. Dahinter stand kein schriftstellerischer Ehrgeiz – wie Čechov selbst immer wieder versicherte – sondern er verdiente sich mit wöchentlich zu liefernden Kurzgeschichten den eigenen Unterhalt und den seiner Angehörigen (Eltern und fünf Geschwister) dazu. Bald aber nahmen auch die renommierten Zeitschriften, die besser bezahlten, seine Geschichten an. Bis zum Studienabschluss hatte er die Rolle des Familienoberhauptes, des Ernährers und angehenden Arztes und Schriftstellers durch eigene übergebührliche Beanspruchung eingenommen. Es folgten Jahre des schriftstellerischen Erfolges, die 1888 in der Verleihung des Puschkinpreises gipfelten.
Die öffentlichen Ehrungen verschafften Čechov wenig Antrieb, da er an sein Schreiben höhere Ansprüche als die Umwelt stellte. Mit dreissig geriet er in eine Schaffenskrise und konnte zudem den Beginn der unheilbaren Krankheit auch vor sich selbst nicht mehr länger verheimlichen. Er hustete immer wieder Blut und hegte den Wunsch, weit weg zu fliehen. Er reiste auf die Halbinsel Sachalin, die bevölkert war von Verbannten und politischen und kriminellen Sträflingen. Die Eindrücke des inhumanen russischen Strafvollzuges beschrieb er im Buch „Die Insel Sachalin". Čechovs Prosabände und die Theaterstücke spielten vermehrt Tantiemen ein. Er unternahm Reisen ins Ausland und erstand für sich und die Familie das Landgut Melichovo, 60 km südlich von Moskau.
Ab 1894 beschäftigte sich Anton Čechov vermehrt mit dem dramatischen Werk, das er, abgeschirmt vom Familienverband, in einem Gartenhaus in Melichovo zu schreiben begann. Hier entstand „Die Möwe", deren zweite Fassung er 1896 dem befreundeten Regisseur am Künstler-Theater Moskau, Nemirovič-Dančenko, vorlegt. Dieser und auch der Verleger Suvorin bemängelten „das Fehlen des Szenischen." Čechov hatte die Dramatik jenseits des von den Figuren selbst Gesagten oder über sie Gesagten in die Personentiefen verlegt. Die Bühnenhandlung wird durch diese psychologischen Prozesse nur oberflächlich bewegt. „Čechov wollte ohne äusserliche Effekte allein durch die innere Spannung der Charaktere und ihrer Beziehungen zueinander in Bann schlagen" (Frank Rainer Scheck). Die Uraufführung fiel gründlich durch und auch Čechovs Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Die Ärzte rieten Čechov, Mittelrussland zu verlassen und sich auf der Krim anzusiedeln. 1898 liess er sich in Autka, in der Nähe von Jalta, ein Haus nach eigenen Plänen bauen, in das er wiederum Familienmitglieder aufnahm. Allmählich aber litt er darunter, zu weit weg von Moskau, dem kulturellen Zentrum, zu sein. Die fehlenden Kontakte ersetzte er sich durch eine ausgiebige Korrespondenz. In den letzten Lebensjahren schrieb er vor allem an Olga Knipper, eine der bedeutendsten Schauspielerinnen des Moskauer Künstler-Theaters. In diesen Briefen instruiert er Olga Knipper, wie sie die Rollen in „Onkel Wanja", in den „Drei Schwestern" und im „Kirschgarten" zu verstehen und darzustellen habe. 1901 heirateten Čechov und Olga Knipper in aller Stille, lebten aber weiterhin getrennt. Während seine Frau am Künstler-Theater in Moskau Erfolge feierte, wurde Čechov auf Jalta zusehends schwächer.
Die letzte grosse Arbeit Čechovs, „Der Kirschgarten" wurde am 17. Januar 1904 uraufgeführt. Es war auch gleichzeitig der letzte Geburtstag Čechovs. Die öffentliche Ehrung im Künstler-Theater kostete ihn viel Kraft. Ein halbes Jahr später starb Čechov im deutschen Badenweiler, wohin er mit seiner Frau zur Kur gereist war.
Den weltweiten Ruhm, den der Dramatiker Čechov durch die Sicht und Interpretation der Moderne erfuhr, konnte er selbst nicht mehr erleben. Judith Bollinger