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Rapperswil BE
Kirche Rapperswil BE
Mit ihrem hohen Kirchturm von weit her zu sehen, gilt die Rapperswiler Kirche mit ihrem neugotischen Baustil als das «Münster des Seelandes». Sie wurde 1860-1862 in Anlehnung an den mittelalterlichen Baustil mit Frontturm, repräsentativem Eingangsportal, Treppengiebel, Fialen, polygonalem Chorabschluss sowie Stern- und Netzgewölben errichtet. Der eindrückliche Bau ist eine der seltenen neugotischen Landkirchen des Kantons Bern und von herausragender Bedeutung für das Rapperswiler Ortsbild.
Entgegen der Tradition wählte der damalige Architekt Bernhard Stengele für die Kirche eine Ausrichtung gegen Westen, d. h. der Chor befindet sich nicht - wie sonst üblich - im Osten. Die Kirche Rapperswil empfängt ihre Besucherinnen und Besucher daher von der Bern-Büren-Strasse her mit der eindrücklichen Eingangsfassade und dem insgesamt 48 Meter hohen Turm (inklusive Kreuz).
Die kleinere, ursprünglich wohl aus dem 5. Jahrhundert stammende Vorgängerkirche befand sich weiter nordwestlich des heutigen Baus. Diese wurde aufgrund des schlechten baulichen Zustandes abgerissen, eine umfassende Sanierung sah man damals nicht vor. Übernommen wurden lediglich drei Glocken aus dem Jahr 1825, zwei neue kamen 1861 dazu. Eine der drei alten Glocken bekam kurz vor dem ersten Weltkrieg einen Riss und wurde entfernt. Ersetzt wurde sie erst knapp sieben Jahrzehnte später im Jahr 1986. Seitdem erklingen die Glocken in der Tonfolge E, Gis, H, Cis und E.
Im hellen und weiten Kirchenraum ist neben den neogotischen Architekturelementen die historische Holzausstattung erhalten geblieben. Drei der vier Buntglasfenster im Chor wurden 1861/62 vom Glasmaler Johann Jakob Röttinger gestaltet. In der Mitte empfängt Jesus Christus mit einladender Geste die Gemeinde. Auf den Bildfenstern links und rechts davon sind die vier Apostel mit ihren Attributen zu sehen: Matthäus mit dem Engel, Lukas mit dem Löwen, Markus mit dem Stier und Johannes mit dem Adler. Die Attribute beziehen sich auf die Anfänge der jeweiligen Evangelien. 1947 kam mit dem Auferstehungsfenster auf der rechten Chorseite ein viertes Glasfenster dazu, gestaltet vom Kunstmaler Paul Zehnder. Da die Kirche nach Westen ausgerichtet ist, leuchten die Fenster im Abendlicht besonders schön. Zum hundertjährigen Jubiläum der Kirche wurde 1962 eine Wälti-Orgel eingebaut, auf welcher seither Organistinnen und Organisten aus ganz Europa Konzerte gegeben haben.
Eine Besonderheit befindet sich beim alten Pfarrhaus unterhalb der Kirche: Zwei der vier Freiheitssteine, welche die mittelalterliche Freistätte (Ort des Kirchenasyls) markierten. Der eine Stein befindet sich neben dem alten Pfarrhaus an der Hauptstrasse und der zweite Stein etwa 50 Meter entfernt vor dem neuen Pfarrhaus.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 389.
- Caviezel-Rüegg, Zita und Matthias Walter, Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Landbd. 4 (Der ehemalige Amtsbezirk Aarberg), Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, 2018, S. 335-343.
- Graf, Konrad, Die Kirche Rapperswil, in: Rapperswil. Zehn Dörfer - eine Gemeinde, Rapperswil [BE]: Einwohnergemeinde Rapperswil, 2009.