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In der aktuellen Ausgabe 2017-01 von CLASS:aktuell, der Publikation des Vereins CLASS (Association of Classical Independents in Germany e.V.) wird die CD «Sanges-Frühling und Maria Stuart» angepriesen.
Aufzeichnung vom 4. Dezember 2016
Konservatorium Zürich, Grosser Saal
Aufnahme vom 3. Dezember 2016
Tonhalle Zürich, Kleiner Saal
Eine hochkarätige, internationale Zusammenarbeit beim Schweizer Label DIVOX:
Sanges-Frühling op. 98 und Maria Stuart op. 172 von Joachim Raff, eingespielt mit der Schweizer Sopranistin Noëmi Nadelmann, der slowenischen Mezzosopranistin Barbara Koželj, dem niederländischen Bariton Thomas Oliemans und dem ebenfalls niederländischen Pianisten Jan Schultsz auf Super Audio CD (2 Discs).
Letzte Woche verliessen 31 Anträge für ein neues Projekt das Raff-Hauptquartier….
Wie Raffs Biografie eindrücklich zeigt, waren die ersten Jahre für einen angehenden Komponisten mit vielen Entbehrungen verbunden. Weil die Aufführung und der Druck der eigenen Werke nur wenig Geld einbrachten, mussten Teilzeit-Jobs angenommen werden, die ein Leben am Existenzminimum ermöglichten. Raff hielt sich mit zahlreichen Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Eine Sparte, in der er sich als gut gebildeter junger Herr schon früh betätigte, war das Schreiben von Korrespondenzen und Rezensionen für Zeitschriften. Ein wenig diplomatischer Artikel in der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ in seiner Kölner Zeit führte zum Beispiel dazu, dass ihm von seinen Arbeitgebern, Eck & Lefebvre, nahe gelegt wurde, den Dienst zu quittieren – was er wegen anhaltenden Spannungen mit seinen Vorgesetzten nur zu gerne annahm. Insgesamt sind uns zum jetzigen Zeitpunkt mehr als zehn Zeitschriften bekannt, für die Raff, zum Teil über Jahre hinweg, geschrieben hat. Die Suche nach den Artikeln gestaltet sich allerdings nicht immer leicht, da viele von ihnen unter einem Kürzel oder gar nicht signiert publiziert wurden (eine Ausnahme ist Franz Brendels „Neue Zeitschrift für Musik“, in der Raff mit seinem bürgerlichen Namen unterzeichnete). Nicht zuletzt dank seinen Briefwechseln sind wir jedoch über einige Kürzel und Pseudonyme unterrichtet. Hans von Bülow schreibt ihm beispielsweise in den 1850er-Jahren, dass ihm sein altes Kürzel „mf“ (für mezzoforte?) besser gefalle als sein neues „R.“. Dank der Biografie von Helene Raff wissen wir auch, dass ihr Vater für Richard Dehms Zeitschrift „Caecilia“, die Schott veröffentlichte, Texte verfasste. Bisher war jedoch unbekannt, welches Kürzel oder Pseudonym er in dieser Zeitschrift verwendete. Der von uns zum ersten Mal systematisch erschlossene Briefwechsel mit Schott löste diese Unklarheit nun auf: In seinem Brief an den Verleger vom 29.12.1846 erwähnt Raff die beiliegende Kritik eines „Lachner-Quartetts“ aus seiner Feder. Diese konnten wir im Band des Jahrgangs 1847 identifizieren: Es handelt sich um das Klavierquartett op. 10 von Vincenz Lachner, das in Karlsruhe ein Preisausschreiben gewonnen hatte. In dieser zehn Seiten langen Rezension geht Raff zunächst allgemein auf das Phänomen des Preisausschreibens ein (nur nebenbei erwähnt eine Institution, der Raff später Vieles zu verdanken hat: Seine erste Symphonie „An das Vaterland“ gewann 1861 ein Wiener Preisausschreiben), ehe er das Werk ziemlich ausführlich unter Abdruck einiger Passagen rezensiert. Unterzeichnet ist sein Text mit:
Es ist wenig überraschend, dass sich der altphilologisch gebildete Raff ein griechisches Pseudonym auswählt, das zudem auf die idealistische Ästhetik verweist, in deren Tradition er sich zum Beispiel in seiner „Wagnerfrage“ stellt (es bedeutet „Liebhaber des Schönen“). Das so ermittelte Pseudonym half dabei, weitere Texte Raffs ausfindig zu machen, die zu späterem Zeitpunkt in derselben Zeitschrift erschienen sind: einen Artikel über einen „Stapel“ an Klavierwerken, die ihm Schott zugeschickt habe, und eine Rezension der ersten Klaviersonate von Maurice Levy (über beide soll zu gegebenem Zeitpunkt berichtet werden). Leider ging die „Caecilia“ bereits 1848 ein und konnte Raff nicht länger ein Forum für seine schriftstellerischen Fähigkeiten bieten. Doch für diese ergaben sich anderswo später Gelegenheiten genug.
In diesen ersten noch sommerlich-heissen Herbsttagen nimmt die Joachim Raff Gesellschaft eine Generalüberholung ihrer Website in Angriff, die mit neuem Leben gefüllt werden soll. Neben den bereits etablierten Themenbereichen wollen wir häufiger – mal ernsthaft, mal wie aus dem Nähkästchen – über Raffs Leben und Wirken berichten.
Im Laufe der nächsten Monate stehen mehrere Projekte der Joachim Raff Gesellschaft an, die darauf abzielen, Raffs Texte, Briefe und Werke besser zugänglich zu machen und seinen Geburtsort Lachen mit der Erinnerung an seinen berühmtesten Sohn zu durchdringen. Den Fortschritten und Ergebnissen dieser aufregenden und gewinnbringenden Arbeit ist die Kategorie „Raffiniertes Lachen“ gewidmet.
In der neuen Kategorie der „Trouvaillen“ wollen wir über kleinere und grösses Entdeckungen bei der Arbeit mit „Raffiana“ berichten. Die von uns bearbeiteten Briefe von und an Raff, die neu aufgefundenen Aufsätze des Komponisten, Artikel und Rezensionen über ihn und seine Werke ermöglichen uns, ein immer deutlicheres Profil des Lachners zu zeichnen.
Franz Liszt prägte in seinem höchst aufschlussreichen, aber auch ebenso unterhaltsamen Briefwechsel mit Raff den Begriff des „Herumraffens“, da der sich verletzt fühlende Raff gerne durch Ausfälligkeiten und die unverhüllte, oft verletzende Aussprache seiner „Wahrheit“ reagierte. In der Kategorie „Herumraffereien“ sollen gelegentlich solche Anfälle des Komponisten, die man im Neudeutschen wohl als „rant“ bezeichnen würde, dokumentiert werden.
Laudatio auf Res Marty anlässlich der Verleihung des Lachner Kulturpreises 2016
Montag, 1. August 2016
Franz-Xaver Risi, kantonaler Kulturbeauftragter
Geschätzter Pit Marty
Liebe Lachnerinnen und Lachner, geschätzte Festgemeinde
Es gehört zu den schönen Traditionen in unserem «Dorf am Sey», dass wir den 1. August nicht einfach vorbeistreichen lassen, sondern ihn bewusst feiern. Nicht als Hurra-Festivität im Sinne eines übertriebenen Patriotismus, sondern als einen Tag der Begegnung, als eine Gelegenheit zusammenzusitzen, miteinander zu reden, unser Dorf etwas anders zu entdecken, gemeinsam einen guten Tag zu verbringen. In einer Zeit, die von Hektik und weit verbreiteter Sprachlosigkeit gekennzeichnet ist, ist das eine grosse Qualität.
Seit vielen Jahren bildet die Verleihung des Ehrenpreises der Gemeinde Lachen einen festen Bestandteil der 1. August-Feierlichkeiten. Ich denke, es gibt kaum eine bessere Gelegenheit, um Persönlichkeiten auszuzeichnen, die sich um unser Dorf und seine Leben verdient gemacht haben. Persönlichkeiten, die aktiv dazu beitragen, dass wir uns in Lachen wohlfühlen und gerne hier zu Hause sind. Man kann deshalb den Stellenwert dieser Ehrung nicht hoch genug schätzen; der Preis ist Ausdruck von Anerkennung, von Freude und ganz besonders von Dank!
Ich freue mich ausserordentlich, dass ich Ihnen heute eine solche Persönlichkeit kurz vorstellen darf – jemanden, den ich seit vielen Jahren ungemein schätze, jemanden auch, vor dem und seiner Leistung ich grössten Respekt habe. Wer näher mit ihm zu tun hat, der weiss, dass er nicht ungefährlich ist: Wenn er den Kopf leicht nach vorne senkt und sein Gegenüber über den Brillenrand hinaus ins Visier nimmt, dann gilt’s ernst. Er hat eine charismatische Art zu überzeugen. Und er kann unglaublich begeistern und mitreissen; ihm eine Bitte abzuschlagen, ist gar nicht so einfach.
In seiner Jugend ist er übrigens ein ausgezeichneter Athlet gewesen. Im Mehrkampf hat er es zur Meisterschaft gebracht. Seine Ausdauer, Zähigkeit und Hartnäckigkeit dürften hier ihre Wurzeln haben. Er ist aber von Anfang an sehr vielseitig begabt gewesen, nicht umsonst ist er Lehrer geworden – ein sehr guter, wie ich überzeugt bin. Noch heute sind seine pädagogischen Fähigkeiten exzellent. Ich kenne kaum jemanden, der so spannend wie er erzählen und vermitteln kann. Ihm zuzuhören, ist ein Vergnügen, zumal seine Stimme einen eher tiefen und sehr beruhigenden Charakter hat. Dass er auch deshalb ein ausgezeichneter Mediator ist, versteht sich fast von selber. Wenn’s brenzlig wird und schwierige Gespräche anstehen, dann holt man ihn. Er kann beruhigen, vermitteln und zu Lösungen führen. Er strahlt Gelassenheit und Ruhe aus, entscheidet überlegt und kann hervorragend strukturieren. Kein Wunder, hat man ihn auch immer wieder für öffentliche Ämter angefragt. Er ist im Rat der Lachner Genossame gewesen, Mitglied im Gemeinderat – allerdings in einer Nachbargemeinde – und einmal hätte er es fast in den Regierungsrat geschafft. Ich bin überzeugt, er wäre ein hervorragender Politiker geworden.
Anfangs habe ich seine Nichtwahl, die übrigens einzig dem Parteienproporz geschuldet gewesen ist, sehr bedauert. Heute sehe ich das auch mit einem lachenden Auge. Er hat nie den Kopf in den Sand gesteckt, sondern seine Energie halt einfach anders eingesetzt, einerseits für die Berufbildung – hier hat er sich schweizweit grösste Anerkennung erworben und massgeblich grundlegende Konzepte entwickelt; einen zweiten Schwerpunkt in seinem Leben hat immer seine Begeisterung für die Kultur gebildet. Diese ist ihm quasi in die Wiege gelegt worden. Vor allem sein Vater ist ein grosser Kulturliebhaber gewesen, selber Musiker und Sammler, ein Begeisterter eben. Das Elternhaus ist zu einem Treffpunkt von Kulturschaffenden geworden, noch heute erzählt er von einzigartigen Begegnungen, u.a. mit Meinrad Lienert und zahlreichen anderen, soweit ich weiss auch Othmar Schoeck. Und der Vater hat Konzertabende und Lesungen organisiert. Ihm ist eigentlich gar nichts anderes übrig geblieben, als sich ebenfalls für die Kunst zu begeistern, zumal er dank seiner tiefen Stimme ein gesuchter Sänger gewesen ist – und das übrigens auch heute noch bestens kann!
Dass er heute mit dem Ehrenpreis der Gemeinde Lachen ausgezeichnet wird, verdankt er vor allem seinem grossartigen Engagement für das Kulturleben in Lachen und im Kanton Schwyz. Immer wieder hat er aktiv in OK’s mitgearbeitet und diese zum Erfolg geführt, so u.a. als Präsident der kantonalen Kunstszene 1991 und jetzt eben wieder 2016. Wer diese Ausstellung in der Ital Reding-Hofstatt in Schwyz gesehen hat, weiss, welch auszeichnete Arbeit er da geleistet hat. Er ist in unzähligen AG’s, IG’s und Komitees tätig, bringt sein grosses Wissen ein und zieht sehr oft den Karren. Ob Musiksommer am Zürichsee oder jetzt gerade wieder das Kuratorium für das Othmar Schoeck Festival in Brunnen, sie alle profitieren von ihm. Und wenn dann mal eine Aufgabe erledigt ist, hat er längst eine nächste im Auge. So richtig ruhig wird es um ihn selten – und das ist gut so! Wir alle freuen uns auf nächste Projekte.
Die wichtigste kulturelle Leidenschaft unseres Preisträgers habe ich bewusst noch ausgeklammert; sie hätte Ihnen sofort verraten, um wen es sich handelt. Sie ist verknüpft mit einem Lachner Komponisten, der es auch und ganz besonders seinem Engagement verdankt, dass er heute wieder häufiger gespielt wird und wieder bekannter ist: Joachim Raff. Unser Preisträger ist seit vielen Jahren Präsident der Joachim Raff Gesellschaft – ein Amt, das er von seinem Vater übernommen hat. Er organisiert mit Leidenschaft Konzerte, Vorträge und er hat eine Ausstellung erarbeitet, die Raffs Leben anschaulich dokumentiert, die bereits in Lachen und Rapperswil gezeigt werden konnte und die nun nächstes Jahr in Winterthur zu sehen ist. Ich bin überzeugt, es dauert nicht mehr lange, bis die Ausstellung auch in London, Frankfurt und New York gastieren wird. Unser Preisträger kann sehr überzeugend und hartnäckig sein. Auf jeden Fall kann sich Joachim Raff und damit auch Lachen keinen besseren Botschafter als ihn wünschen.
Unser Preisträger hat das Glück gehabt, dass er in seiner Familie immer viel Verständnis für sein kulturelles Engagement gefunden hat. Hier hat er die notwendige Unterstützung erhalten, sie ist ihm immer wichtig gewesen – das gilt heute noch genauso. In den letzten Jahren ist es vor allem Yvonne Götte gewesen, die ihn tatkräftig und mit viel Herzblut begleitet hat. Ihnen allen gebührt zweifellos auch ein grösserer Teil dieser verdienten Ehrung, die er heute bekommt.
Das Meisterstück unseres Preisträgers ist vor zwei Jahren der 2,7 Kg schwere Bildband über das Leben von Joachim Raff gewesen. Das Buch, gestaltet in der Lachner Druckerei Gutenberg, ist heute praktisch ausverkauft. X Jahre hat er dafür recherchiert, unzählige originale Handschriften angekauft, Bilder organisiert und ellenlang Sekundärliteratur gelesen. Das 440 Seiten starke Buch lässt Raff in all seinen Widersprüchlichkeiten lebendig werden, es ist ohne Zweifel ein aussergewöhnliches Werk, das Massstäbe gesetzt hat. Der bekannte Publizist Ludwig Hasler hat anlässlich der Vernissage festgestellt, eigentlich sei es gar nicht so verwunderlich, weshalb Joachim Raff so lang in Vergessenheit geraten sei: «Res Marty war noch nicht da», hat er völlig richtig gesagt. Und der damalige Kulturminister, Regierungsrat Walter Stählin, hat in Abwandlung eines Spruchs das Buch wie folgt bewertet: «Donnerwetter, ist der Marty gut!» Dem kann ich mich nur anschliessen.
Lieber Res Marty, ich freue mich sehr, dass ich zu Deiner Ehrung ein paar Worte habe sagen dürfen. Ich gratuliere Dir von Herzen und ich wünsche Dir persönlich und für die Zukunft alles Gute, viel Glück und alle Erfolg!
Dank guten Beziehung der Joachim Raff Gesellschaft zu Ingolf Turban kommen die Ausserschwyzer Klassikmusikfreunde zu einem seltenen Hörgenuss: Am 16. Januar 2016 gastiert der weltberühmte Violinist mit Raff-Werken in Lachen.
Der in allen grossen Konzertsälen der Welt präsente Violinvirtuose Ingolf Turban spielt auf Einladung der Joachim Raff Gesellschaft am Samstag, dem 16. Januar 2016, um 19.30 Uhr im Reformierten Kirchgemeindehaus von Lachen. Turban ist sowohl in München und Berlin wie auch in Mailand, New York und Washington und weltweit in vielen andern Konzerthäusern bekannt und beliebt. Er spielte unter grossen Dirigenten wie Sergiu Celibidache, Lorin Maazel, Zubin Metha oder auch Yehudi Menuhin. Dass er die Werke von Joachim Raff besonders schätzt, beweist die Tatsache, dass er sämtliche Raff‘schen Violinsonaten auf CD eingespielt hat. Ingolf Turban freut sich, erstmals in Lachen, dem Geburtsort von Joachim Raff, auftreten zu können.
Hochkarätiges Trio
Begleiten werden ihn der im Kanton Schwyz ansässige russische Pianist Dmitri Demiashkin und der noch junge, sehr talentierte Violinist Sebastian Bohren. Beide Musiker haben in der Schweiz ihr Berufsmusikstudium absolviert und geben weltweit in Konzerten Zeugnis ihres überragenden Könnens ab.
Neben der ersten grossen Violinsonate von Joachim Raff und seinem Duo Nr. 2 über Motive aus Richard Wagners Oper «Tannhäuser» werden ebenfalls Werke von Max Reger und Moritz Moszkowski, einem polnischen Komponisten und Zeitgenossen von Raff, erklingen. Im feurigen und mitreissenden Werk «Navarra» von Pablo de Sarasate kann Turban sein ganzes geigerisches Können demonstrieren.
Samstag, 16. Januar 2016, 1930 Uhr, Reformiertes Kirchgemeindehaus, Lachen
Freitag, 2. Dezember 2016, 19:30
Camerata Zürich unter der Leitung von Igor Karsko
mit Dmitri Demiashkin und Philippe Litzler
Dmitri Schostakowitsch: Zwei Stücke für Streichoktett, op. 11
Joachim Raff: Streichoktett C-Dur, op. 176
Aulis Sallinen: Some Aspects of Peltoniemi Hintrik’s Funeral March, op. 19
Dmitri Schostakowitsch: Konzert für Klavier und Trompete in c-Moll, op. 35
Das Konzert wird wiederholt am 3. Dezember in der Tonhalle Zürich und am 4. Dezember in der Musikschule Konservatorium Zürich, siehe Hinweis bei Crescendo Концерт Management.