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annabelle: Halle Bailey, am Montagabend war der Hollywood Boulevard in Los Angeles blau beleuchtet – nach über fünf Jahren Arbeit an dem Projekt fand die Premiere von «Arielle, die Meerjungfrau» statt. Wie war das für Sie?
Halle Bailey: Ach, am wichtigsten war mir eigentlich, dass meine grosse Schwester dabei war. Sie hat den Film zum ersten Mal gesehen und sass neben mir, hat geweint und den ganzen Film über meine Hand ganz fest gedrückt. Sie ist meine beste Freundin, mein Fels in der Brandung. Ich war einfach nur erleichtert, dass meine grosse Schwester den Film liebt und stolz auf mich ist. Verglichen damit sind mir die Kritiken fast egal. (lacht)
Sie sind jetzt eine Disneyprinzessin, wie fühlt sich das an?
Es ist surreal, ich werde es erst in nächster Zeit wirklich begreifen. Ich erinnere mich daran, dass ich «Arielle, die Meerjungfrau» immer wieder gesehen und so getan habe, als wäre ich Arielle, die im Wasser schwimmt und die Lieder singt, aber nicht in einer Million Jahren hätte ich gedacht, dass ich sie selbst einmal wirklich spielen würde. Es ist etwas ganz Besonderes, eine Meerjungfrau zu sein, weil sie eine Mischung aus diesem mythischen, wunderschönen Wesen und dem eigenen Ich ist, und ich glaube, dass deshalb so viele kleine Kinder von dieser Figur fasziniert sind. Sie denken: Ja, ich kann diese Art von magischem Wesen sein, indem ich einfach so bin, wie ich bin, und ich bin besonders, so wie ich bin. Und da stehe ich wirklich komplett dahinter.
Was war das für ein Moment, als Sie die Zusage für die Rolle bekamen?
Meine Schwester, mein Bruder und ich waren gerade dabei, das Auto auszuladen, weil wir eine Party in einem Ferienhaus gefeiert hatten, als mein Telefon klingelte. Es war eine unbekannte Nummer, also steckte ich das Handy wieder weg. Aber mein kleiner Bruder rief: «Geh ran, Halle!» Also tat ich ihm den Gefallen und hörte am anderen Ende die Stimme von Rob Marshall, dem Regisseur des Films, der sagte: «Hallo, ich würde gerne mit Arielle sprechen.» Ich habe einen ganzen Tag lang nur geheult.
Der Hype war gross, als die Welt erfuhr, dass Arielle von einer Schwarzen Frau gespielt würde. Wie ist Ihre Beziehung zu Arielle?
Arielle hat mir geholfen, mich selbst zu finden. Ich bin jetzt eine junge Frau und lerne langsam, wer ich überhaupt bin. Ich habe das Gefühl, dass unsere Geschichten viele Parallelen haben. Ich war 18, als ich die Zusage für die Rolle bekam, jetzt bin ich 23. Das sind wirklich wichtige, intensive Jahre, in denen man sich verändert und versucht, zu sich zu finden. Arielle hat zwar Angst vor der Veränderung, aber sie muss die Welt entdecken, sie muss herausfinden, was es noch für andere Welten gibt – und das hat auch mich geprägt. Sie verliert erst ihre Stimme, um sie dann zu finden. Arielle ist leidenschaftlich, sie ist weise und hat das, was man wohl eine alte Seele nennt. Sie weiss, was sie will, und sie gibt nicht klein bei. Sie inspiriert mich dazu, meine Meinung zu sagen und zu mir zu stehen. Ich nehme mir an Arielles Mut ein Beispiel und sage mir selbst: Hey, Halle, schneid dir davon eine Scheibe ab!
Die Produktion ist unglaublich aufwendig, wie intensiv waren die Vorbereitungen auf die Rolle?
Wir haben drei Monate lang die Szenen geprobt und das gesamte Ensemble musste sehr viel trainieren: Es gab Kutschentraining, Stunttraining, Hundetraining, Rudertraining, Bootstraining, Tauchtraining und Fitnesstraining. Es war fast wie ein Boot Camp. Vor allem das Stunt-Training war sehr schwierig. Am Anfang war es eine echte körperliche Herausforderung, vor allem an diese Halterungen, die mir ein Gefühl für das Fliegen und Drehen geben sollten, musste ich mich gewöhnen. Es muss ja alles schwerelos aussehen, weil Arielle unter Wasser ist.
Sie haben viele Szenen in einem riesigen Wassertank gedreht. Wie war das?
Am Anfang dachte ich, ich schaffe das nie. Mein erster Tag mit Jonah Hauer-King, der Eric spielt, war sehr intensiv. Es ist die Szene, in der ich ihn vor dem Ertrinken rette. Er hatte diese schweren Stiefel an, die ihn ständig unter Wasser zogen, und ausserdem ist er so viel grösser als ich, aber ich musste ihn über Wasser halten. Und als dann der Donner, der Blitz, die Wellen und die Windmaschine angemacht wurden, hatte man wirklich das Gefühl, mitten im Meer in einem furchtbaren Sturm zu sein. Dabei muss es ja total leicht aussehen, weil ich nun mal eine Meerjungfrau bin – ich mache sowas ständig. (lacht)
Der Soundtrack des Films ist legendär. Sie sind selbst Sängerin, auch mit Ihrer Schwester zusammen als Pop-Duo Chloe x Halle. Was berührt Sie an den Arielle-Songs?
Die Songs aus dem Zeichentrickfilm sind Kult, sie werden für immer bleiben. Es war aufregend, an diesen Songs mitzuwirken, aber gleichzeitig auch beängstigend, weil sie ja schon so gut sind und jeder sie kennt. In unserer Version gibt es ein paar neue Songs: Arielle singt zum Beispiel «For the First Time», wenn sie an Land kommt und all diese neuen Eindrücke beschreibt. Dieser Song ist eine wunderbare Ergänzung zum Soundtrack und ich glaube, es könnte sogar neben «Part of Your World» mein Lieblingslied werden. Wir haben die Musik mit einem 100-köpfigen Orchester in einer umgebauten Kirche eingesungen. Kirchen und die Energie in ihnen hatten für mich schon immer etwas Magisches, daher waren diese Aufnahmen wirklich eine der ergreifendsten Erfahrungen meines Lebens.
Die Liebesgeschichte von Arielle und Eric hat ein Happy End. Ist diese Art von verklärter Liebesgeschichte noch zeitgemäss?
Ich glaube, wir erzählen diese Liebe auf eine neue Weise. Arielle und Eric sind nicht nur vernarrt ineinander, sie sind Suchende und sie sind Seelenverwandte. Sie werden Freunde, Verbündete und nicht nur Geliebte – ich glaube, das ist ein modernes Element in dieser ikonischen Liebesgeschichte, und es zeigt uns, wie eine gesunde Liebesbeziehung sein sollte: auf Augenhöhe und verbunden mit einer tiefen Freundschaft.
«Arielle, die Meerjungfrau», ab 25. Mai im Kino