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Theater der neuen Musik für Klavier
Die amerikanische Musikkultur des 20. Jahrhunderts bildet eine ungewöhnlich breite Palette von Stilrichtungen, Kompositionsmethoden und -techniken. Im Schaffen der amerikanischen Komponisten kommt erstmals grafische Notation und verbale Partitur, musikalisches Geschehen und musikalischer Minimalismus auf - philosophische Begriffe, die die Entwicklungsvektoren der zeitgenössischen Musikkunst massgeblich bestimmten. 1933 schlug der Komponist und Theoretiker Henry Cowell eine Klassifizierung der amerikanischen Komponisten vor, die in acht Hauptgruppen unterteilt wurde. Zur letzten gehörten Komponisten, die bewusst versuchen, amerikanisches Musikmaterial zu entwickeln und damit zu experimentieren.
Zweifellos war Jazz eines der wichtigsten Grundelemente, die die akademische amerikanische Musik beeinflussten. Der Einfluss der charmanten Jazzwelt wird in der winzigen “Jazz Sonata” (1922) von George Antheil (1900–1959) deutlich ausgeprägt. Dieses Werk dauert weniger als zwei Minuten, ist aber eine atemberaubende Collage verschiedener Jazzthemen, die in einem virtuosen Wirbelwind nacheinander brausen. Und in Anteyles späterem Werk “Two Toccats for Piano” (1948) wird der charakteristische “Klang” der amerikanischen Strasse scharfsinnig nachgebildet - hektische mechanische Rhythmen, brennende Synkopen, Nachahmung von Hörnern und fröhliche Strassenmotive.
Henry Cowell (1897–1965) - „der Ritter der neuen Musik“, John Cages Lehrer - betrachtete jeden Klang als musikalisches Material, mit dem man arbeiten konnte. Es ist kein Zufall, dass eine seiner wichtigsten Erreichungen die Erfindung von Clustern ist. Cowell macht die gewagtesten Experimente und erweitert die Möglichkeiten des Spektrums von Instrumenten unendlich – in der Äolischen Harfe (1923) für Klavier zeigt der Komponist dem Pianisten die Aufführungstechnik „innerhalb“ des Instruments an: „Saiten schlagen, kratzen, reissen und übertönen“. Natürlich ist Cowell einer der Pioniere der amerikanischen musikalischen Avantgarde, und im Laufe der Zeit führten seine Klangexperimente und Hepennig zu einer Welle gewagter musikalischer Äusserungen, die das Konzept und die Wahrnehmung eines Musikwerks endlos erweitern.
Der Stückzyklus „Little Midnight Music“ (2001) des amerikanischen Komponisten George Krum (geb. 1929) wurde speziell für das Projekt „Around Midnight“ geschrieben, das der gleichnamigen Klavierkomposition von Telonius Monk gewidmet ist. Trotz der Tatsache, dass das Werk von George Krum die meisten Merkmale der amerikanischen Musik widerspiegelt - Aleatorismus, Minimalismus, musikalisches Geschehen - ist er fest davon überzeugt, dass keine Musikstile und -konzepte die individuelle Sprache des Komponisten dominieren sollten. Und deshalb sind die Werke von Krum immer erkennbar, und der Komponist bleibt sich immer treu. Seine Musik ist eine besondere philosophische Welt, und einige der Erforscher zählen ihn sogar zu den Neoromantikern. Fast alle Werke in der einen oder anderen Form verwenden das Klavier, das Lieblingsinstrument des Komponisten, das dank verschiedener technischer Methoden - offene Saiten spielen, sezieren, auf den Deckel klopfen usw. - ein ganzes Orchester ersetzen kann.
Vladimir Ivanov
Vladimir Ivanov ist Klavier- und Hammerklavierspieler. Er ist 1986 in Baikal, im Gebiet Irkutsk, geboren. Nach dem Abschluss des Moskauer Konservatoriums setzte er sein Studium in Hannover bei Professor Zvi Meneker fort. Im Jahr 2012 trat er das Doktoranturstudium am Zürich Konservatorium an bei Professor K. Shcherbakov. Im Jahr 2015 absolvierte er das Moskauer Konservatorium bei Professor A.B. Lubimov.
Vladimir Ivanov erhielt 2012 das nationale Stipendium der Schweizer Regierung “ESKAS”, 2009 das Stipendium der Regierung von Deutschland (DAAD). Vladimir Ivanov ist Preisträger von namhaften russischen und internationalen Wettbewerben wie z.B.: I. Preis des internationalen M. V. Yudina Wettbewerbs (Sankt Petersburg 2013), III. Preis des internationalen Wettbewerbs für Interpreten am Hammerklavier «Fritz-Neumeyer-Wettbewerb» (Deutschland 2012), I. Platz des internationalen Wettbewerbs A. Skrjabin (Paris) und einige mehr.
Sein Repertoire umfasst die Musik von mehr als vier Jahrhunderten: von der Barockzeit bis zu den Werken von zeitgenössischen Komponisten. Vladimir Ivanov konzertiert sowohl in wichtigen Musiksäälen Russlands als auch international – er trat im Großen, Kleinen und Rachmaninow Saal des Moskauer Konservatoriums, im Internationalen Haus der Musik, in vielen Städten Russlands, Weissrusslands, in Deutschland, Polen und in der Schweiz auf.
Er ist der Initiator von mehreren internationalen und russischen Erstaufführungen zeitgenössischer Musik. Die Aufnahmen seiner Interpretationen wurden in den Radiowellen “Orpheus” und Radio Swiss Classic übertragen. Das Moskauer Konservatorium hat CDs mit Aufnahmen von ihm veröffentlicht: JohnCagek zum 100. Geburtstag des Komponisten (2012), und es kam auch eine DVD raus mit dem Titel: The Precise Music of Galina Ustvolskaya - The Six Piano Sonatas (2015).