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Aufgrund eines Kaltluftsees im Mittelland und Temperaturen, die in Bodennähe häufig unter null waren, konnte an einigen Tagen im Januar 2017 auf den Seen das Phänomen des Verdunstungsnebels beobachtet werden. Dabei entsteht der Eindruck, dass der See direkt über der Oberfläche „raucht“...
„Rauchende“ Seen
Mechanismus für die Bildung von Verdunstungsnebel
Dieses Phänomen tritt auf, wenn sich eine eher trockene und kalte oder sogar sehr kalte Luftmasse über eine relativ laue Wasseroberfläche bewegt. Die dünne Luftschicht, die sich in direktem Kontakt mit der Wasseroberfläche befindet, wird durch diese aufgeheizt. Da sich diese dünne Schicht mit der noch kälteren Luftschicht, die sich darüber befindet, vermischt, kondensiert der Wasserdampf und es bildet sich Verdunstungsnebel.
Dieses Phänomen kann ebenfalls auf eine zweite Art und Weise in Bodennähe entstehen, wenn Wasser aus kürzlich erfolgten Niederschlägen, beispielsweise nach einem Sommergewitter, auf dem warmen Boden (z.B. Teerfläche) verdunstet. Eine ähnliche Erfahrung können auch Sportler machen, wenn ihre schweissgetränkten Kleider im Winter in der kälteren Umgebungsluft durch die Verdunstung zu „rauchen“ beginnen.
Günstige Wettersituation für Verdunstungsnebel
Indem sich kontinentale Subpolarluft (CP) oder kontinentale, arktische Luftmassen (cA) über relativ milde Wasseroberflächen schieben, entsteht Verdunstungsnebel. Da die kalte Luft weniger Feuchtigkeit als die warme Luft aufnehmen kann, ist der kontinentale (trockene) Aspekt wichtig. Er macht möglich, dass eine ausreichende Menge an Wasserdampf verdunstet und kondensiert, damit der „Rauch“ entsteht.
In den meisten Fällen ist ein Temperaturunterschied von mindestens 10 bis 12°C zwischen der Wasseroberfläche und der Luftmasse nötig, damit Verdunstungsnebel entsteht. Dieses instabile Profil, angetrieben durch die Übertragung von fühlbarer und latenter Wärme vom Wasser in Richtung kalter und trockener Luft, verleiht dem „Rauch“ ein oft turbulentes Erscheinungsbild, das sogar durch kleinere Wärmegewitter begleitet werden kann (gilt über der Nord- oder Ostsee oder auf dem Atlantik, aber nicht für Schweizer Seen).
Der Verdunstungsnebel entsteht am häufigsten Ende Herbst oder Anfang Winter mit dem Einfliessen der ersten wirklich kalten Luftmassen, wenn das Wasser der Seen immer noch relativ warm und natürlich noch nicht gefroren ist. Er kann sowohl bei starken Winden (z. B. Bisenströmung) als auch bei Windstille entstehen, was ihn vom Strahlungsnebel unterscheidet, der ausschliesslich bei windschwacher Wetterlage gebildet wird.
Im Januar 2017 konnte auf den Mittelland-Seen Verdunstungsnebel beobachtet werden
Obwohl die Schweiz im Januar 2017 nicht wirklich von kontinentaler Subpolarluft profitiert hat, sorgte ein Kaltluftsee, der sich im Mittelland angestaut hat, zeitweise für ausreichend kalte Luft in Bodennähe und begünstigte so die Bildung von Verdunstungsnebel.
Am Morgen des 2. Januar 2017 wurde auf dem Genfersee Verdunstungsnebel beobachtet. Der Temperaturverlauf zwischen der Seeoberfläche (+6°C) und der minimalen Lufttemperatur im Umfeld von Genf (–5°C) bestätigte das Potenzial der Bildung von Verdunstungsnebel.