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Drei Arten von Verwaltung
Die zentrale Idee der Dreigliederung ist die Freiheit. Der Staat ist in der Gesellschaftsordnung nicht die oberste Instanz, von der alles ausgeht und die in allem das letzte Wort hat. Dieses Prinzip der Souveränität, das seit dem Absolutismus als Eigenschaft des Staates gilt, wurde zuerst den Monarchen zugebilligt und damals direkt aus dem göttlichen Willen abgeleitet. Seit der Französischen Revolution sprechen wir von Volkssouveränität, die durch die Regierungsform der Demokratie verwirklicht werden soll. In beiden Fällen ist der souveräne Staat als Spitze des ganzen gesellschaftlichen Lebens gedacht und selbst auf eine oberste Spitze hin orientiert. Dieses Modell der menschlichen Gesellschaft kommt unserem Vorstellungsvermögen sehr entgegen. Jede Maschine konstruieren wir mit einer zentralen Steuerung. Es fällt uns leicht, zentralistische Systeme zu denken.
Heute redet der Staat immer detaillierter in das öffentliche Leben hinein, die Gesetze werden immer umfangreicher und komplizierter. Genau das Gegenteil wäre zeitgemäß. Die tätigen und die betroffenen Menschen können ihre Angelegenheiten in großen Bereichen selber regeln. Dies sind vor allem die Angelegenheiten des gesamten Bildungswesens, der Kulturförderung und der Wirtschaft.
Als Menschen der Gegenwart lehnen wir uns dagegen auf, ein Teil einer großen Maschinerie zu sein. Die Dreigliederung hebt die zentralistisch gedachte Steuerung aus den Angeln. Sie sieht im Staat nur eines von drei selbständigen Systemen, von denen keines den anderen beiden übergeordnet ist.
Ein derartiges System ist als Mechanismus unvorstellbar; die Teile würden auseinanderstreben und kein Ganzes bilden. In lebendigen Systemen ist jedoch die relative Selbständigkeit der Teile die Regel, weil in jedem Teil die Bildekräfte des Ganzen enthalten sind, so dass jeder Teil sich auf Grund seiner inneren Eigenschaften in das Ganze einfügt.
Deshalb geht die Dreigliederung vom einzelnen Menschen aus und nicht von der alten Souveränität des Staates. Es hängt von der Initiative jedes Einzelnen ab, ob die Dreigliederung in den sozialen Strukturen zum Tragen kommt.
Was die Staatspolitik zur Dreigliederung beizutragen hat, ist nicht, sie einzuführen, sondern nur, sie zuzulassen und freie Initiativen nicht zu behindern. In dem Maße, wie wir die wirtschaftlich-sozialen Aufgaben und die Aufgaben der Bildung selbst in die Hand nehmen, kann der Staat sich aus der Verantwortung, die er jetzt hat, zurückziehen. Es gibt nur einen Bereich, aus dem der Staat sich nicht zurückziehen darf: Für die Rechtssicherheit zu sorgen ist seine ureigene Sache. Die polizeilichen und militärischen Aufgaben, Ordnung und Sicherheit im Verkehr, Unfallverhütung, Feuerwehr, Vorsorge gegen Schäden für Leib und Leben, Schutz des privaten Eigentums im Rahmen des für alle Menschen in gleicher Weise geltenden Rechtes sind das Kerngebiet der Staatsverwaltung.