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Lieber Herr Ramspeck, müsste ich die Stunden zusammenrechnen, in denen meine Freundinnen und ich versuchen, das männliche Geschlecht zu ergründen, könnten wir diese Tätigkeit als Nebenjob bezeichnen. Wir sind mit ihnen befreundet, gehen mit ihnen aus, haben sie geheiratet ... trotzdem gibt es so viel, was wir nicht verstehen können, obwohl wir es wollen. Ist das Bestreben, das Gegengeschlecht verstehen zu wollen, ein Bedürfnis der Jugend? Und wird man in dieser Hinsicht mit dem Alter klüger?
Liebe Joëlle
Die vergangenen Dekaden haben nun ja endlich den «Frauenversteher» hervorgebracht. Der es allerdings irritiert erleben muss, dass bei den Frauen oft immer noch der alte Macho besser ankommt. Ihr könnt eurem Nebenjob ruhig ein paar Jahrzehnte lang nachgehen, bis Ihr den «Mann» ergründet habt. Um dann festzustellen, dass euer Befund ausgerechnet auf dasjenige Objekt, auf das es euch ankommt, nicht zutrifft. Offenbar will die Natur, zum Zweck der Fortpflanzung, dass Gegensätze sich anziehen. Wenn sich nun aber die Gegensätze gegenseitig restlos durchleuchtet haben, sind die Verschiedenheiten nur noch Varianten einer Spezies mit zwei unterschiedlichen Organ-Ausstattungen.
Es macht aber sicher Spass, das männliche Wesen zu sezieren, wenn man eine angeregte gemischte Runde ist. Ich will euch da nicht entmutigen. Nur meine ich, nicht mit der Gabe der Prophetie gesegnet sein zu müssen, um vorauszusagen, dass ihr mit euren Genderstudien nie zu einem Abschluss kommt. In meinem Alter ist es dann nämlich so, dass man das andere Geschlecht noch immer nicht wirklich versteht. Aber man hat sich daran gewöhnt, dass man es nicht versteht.