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Der Neuseeländer Len Lye (1901-1980) ist ein «Künstler Künstler», keiner, den die grosse Öffentlichkeit kennt. Im Museum Tinguely kann man das nun ändern. Lye arbeitete als Filmer für die britische Post und andere Institutionen und schuf Werbefilme auf höchstem künstlerischem Niveau. Die Grenzen zwischen «Hoch-» und «Alltagskunst» waren bei ihm fliessend. Er schuf etwa Filme, die ohne Kamera auskamen, benutzte schwarzes Filmmaterial und bekratzte die Beschichtung. Tanzende Muster aufleuchtender Linien und Strukturen, die an dramatische Blitze in nächtlichen Himmel erinnern, waren das Ergebnis.
Lye machte sich früh Gedanken über die breite Rezeption seiner Filme, die als Werbefilme auch in Kinos gezeigt wurden. Die Idee des Fernsehens faszinierte ihn, bereits 1939 schrieb er einen Text über die filmische Umsetzung von Musik im Farbfernsehen. Und er schuf Filme zu Musikstücken. Entsprechend verstand der TV-Sender MTV ihn als einen der Väter des Musikvideos.
Von 1944 bis zu seinem Tod 1980 lebte Lye in New York City. Nachdem das kommerzielle Umfeld für seine Filme immer schwieriger wurde, wandte er sich Ende der Fünfziger Jahre ganz der kinetischen Skulptur zu und schuf eine Serie von Plastiken, die er bis zu seinem Tod immer wieder in Grösse, Material und Einsatz variiert. Sie sind für Museen gedacht, aber auch für Freizeitparks, kulturelle Schranken existierten für Lye nicht.
Neben den Skulpturen und Filmen entstanden Gemälde, Fotogramme, Zeichnungen, Fotografien, Tonaufnahmen, Vorträge, Texte – Lye arbeitete in allen ihm zur Verfügung stehenden Medien und tat dies immer mit einem individuellen und spontanen Ansatz.