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Die Hauptberufung von Pharmaciens Sans Frontières (PSF) Schweiz ist es, den Bevölkerungsgruppen in der Not Zugang zu qualitativen hochwertigen Medikamenten zu ermöglichen. Es erscheint uns wichtig hervorzuheben, dass Medikamente, die im Zentrum unseres Tuns stehen, sehr spezifische Produkte sind die, wenn sie falsch eingesetzt werden, ein Risiko für die Gesundheit darstellen.
Medikamente spenden
Die Spende von Medikamente ist grosszügige solidarische Geste, jedoch müssen einige wesentliche Prinzipien beachtet werden. Ein Medikament ist ein spezifisches Produkt das Risiken für die Gesundheit darstellen kann, wenn es nicht richtig verwendet und eingenommen wird. Daher ist die Spende von Nicht Verwendeten Medikamenten (NVM) strenge Regeln und Vorschriften untersetzt, um höchste qualitative Ansprüche zu erfüllen.
Zurzeit haben sich zahlreiche humanitäre Vereine, die im Gesundheitswesen tätig sind, wie das CICR, UNHCR, MSF und PSF, dazu verpflichtet, die Richtlinien der OMS in Bezug auf die Medikamentenspenden zu befolgen. Das Ziel dieser Richtlinien ist es, die Qualität der gespendeten Medikamente zu verbessern, eine optimale Benutzung der Medikamente zum Wohle der Empfängerbevölkerungen zu erreichen und Probleme im Zusammenhang mit dem Schwarzmarkt zu vermeiden. Zudem verpflichten Sie sich, keine Nicht Verwendeten Medikamente (NVM) mehr in die Länder, die sie unterstützen, zu senden.
Die Richtlinien raten folgende Punkte an:
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Die Hilfe muss den lokalen Bedürfnissen angepasst sein. Jegliche Hilfe geschieht erst nach Abwägung der örtlichen Situation oder auf genaueste Anfrage des einheimischen medizinischen Personals.
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Das Medikament muss in den Händen von professionellem Personal des Gesundheitswesens bleiben. Der Qualitätsstandard muss im Empfänger- und im Spenderland derselbe sein.
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Die Nicht Verwendeten Medikamente (NVM) die hier bei uns eingesammelt werden dürfen nicht zur humanitären Hilfe eingesetzt werden.
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Medikamentenspenden müssen der Gesundheitspolitik der Empfängerländer entsprechen.
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Punktuelle Hilfe sollte vermieden werden, längerfristige Hilfe die eine Zusammenarbeit mit dem einheimischen Personal beinhaltet und das Erstellen eines lokalen Versorgungsnetzwerkes das auch nach dem Fortgehen der Helfer bestehen bleibt, sollte prioritär sein.
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Vor dem Versenden der Medikamente muss man sich den Zustellungsschwierigkeiten und der Gefahr der Unterschlagung der Medikamente bewusst sein.
Seit 1999 hat sich PSF Schweiz verpflichtet, die Charta der Weltgesundheitsorganisation (WHO) [1] zu befolgen, welche die Spende von Medikamenten reglementiert, und daher nicht mehr mit NVM zu arbeiten. Obwohl es auf dem ersten Blick bedauerlich erscheinen kann, dass man diese Medikamente zerstört anstatt sie der benachteiligten Bevölkerungen zur Verfügung zu stellen, generiert der Versand von NVM mehr Probleme als Lösungen. Anschliessend werden die Argumente aufgelistet, welche begründen, warum der der Versand von NVM unangemessen ist:
Die Qualität der NVM können nicht garantiert werden
Die Transports-, Lager- und Verteilbedingungen der NVM können die Erhaltung der Ausgangsqualität des Produktes nicht garantieren.
NVM sind oft nicht der lokalen gesundheitlichen Situation angepasst
Die Entwicklungsländer oder die Länder die in einer Notsituation sind haben nicht die gleichen Bedürfnisse an Medikamenten wie die europäischen oder westlichen Länder. Ein allgemein oft benütztes Medikament in der Schweiz ist oft wertlos und unbrauchbar, da es nicht den epidemiologischen Profilen vor Ort entspricht. Die meisten Medikamente sind ausserdem nicht den klimatischen Bedingungen der südlichen Länder angepasst, wie zum Beispiel die Zäpfchen, die der Hitze nicht standhalten. Darüber hinaus sind in den Ausnahmesituationen nur begrenzte Ärzteteams vor Ort welche eine regelmässige Belieferung von spezifischen Medikamenten benötigen, die den lokalen Pathologien entsprechen (Antibiotika zur Injektion, Perfusionen usw.) und die der Situation entsprechend verpackt sind (Spitalpackungsformat).
NVM sind dem lokalen Personal oft unbekannt
Die Mehrzahl der Verpackungen von den versandten NVM sind nicht mit den internationalen Freinamen (INN) beschriftet, und tragen den Namen der Marke des Herstellerlandes, die jedoch meistens im Empfängerland unbekannt ist. Ebenfalls ist die Packungsbeilage oft in Sprachen geschrieben, welche vom einheimischen Personal nicht verstanden werden, was oft eine falsche Benutzung des Medikamentes zur Folge hat.
Einer Studie von PSF International zufolge, waren von den hunderten von Tonnen gesandten Medikamenten nach dem Tsunami im Jahre 2004 70 % in den Empfängerländern unbekannt.
NVM mit zu kurzem Haltbarkeitsdatum
Eine Grosszahl von NVM ist unbrauchbar da sie entweder das Auslaufdatum überschritten haben, kurz davor sind, oder sogar kein Datum enthalten. Darüber ist auf das Auslaufdatum nur Verlass, wenn die Lagerungsbedingen optimal sind (Optimale Temperatur, Feuchtigkeit, Lichtbedingungen). Die Behandlung von Patienten mit ausgelaufenen Medikamenten hat eine verminderte therapeutische Wirkung und kann schwere Folgen haben, wenn das Medikament stark degradiert ist.
Laut WHO ist der Gebrauch von Antibiotika von schlechter Qualität, von abgelaufene Medikamente und gefälschten Medikamente eine der Hauptursachen, in der Entstehung von resistenten Bakterien Stämmen in den Entwicklungsländern.
Eine Studie von PSF International hat ergeben, dass 25% der hunderten von Tonnen von Medikamenten die 2004 in die vom Tsunami betroffenen Regionen versendet wurden, abgelaufen waren. 600 Tonnen abgelaufene Medikamente mussten sofort entsorgt werden, was 2‘400‘000 Euros Kosten zur Ursache hatte.
NVM verursachen hohe Kosten im Empfängerland
Die Arbeitsbelastung des lokale Personal die NVM zu sortieren, zu lagern und zu koordinieren hat einen hohen Preis, der nicht nur finanziell ist, sondern werden dadurch auf die einheimische Krafte der Menschen belasten, sowie auch an Platz kostet. Dies sind in Krisensituationen gerade auch Mangelware.
Besonders wenn die Medien aktiv über eine Katastrophe berichten wird eine Flut von Medikamenten geschickt, die die Lagermöglichkeiten vor Ort bei weitem übertreffen. Man muss also entweder auf Behandlungsräume ausweichen oder extra Räumlichkeiten anmieten, um die NVM auszusortieren. Dies so entstandenen Kosten übertreffen oft den Wert der Medikamente.
Die ungeeigneten und abgelaufenen Medikamente müssen letztendlich von den Empfänger Ländern vernichtet werden, was horrende Kosten verursacht.
Im Jahre 2000, bei den grossen Überschwemmungen in Venezuela, mussten 70% der Medikamente vernichtet werden. 16‘000 Dollars wurden ausgegeben für das personal dass die NVM sortiert hat, und zur gleichen Zeit musste eine Telefonhilfslinie zur Psychologischen Unterstützung der Opfer aus Geldmangel geschlossen werden. ( Thomas M., Drug Donations: Corporate Charity or Taxpayer Subsidy? in War On Want, 2001)
Eine Konkurrenz für die lokale Wirtschaft
NVM können die lokale Wirtschaft aus dem Gleichgewicht bringen da sie in direkte Konkurrenz einerseits zu den vor Ort erstellten Medikamenten sind sowie zu den Medikamenten die aus den Nachbarländern importiert werden. Dazu kommt da sie nicht durch das normale Verteilernetz kommen, dass die Gefahr besteht dass sie auf dem Schwarzmarkt landen und somit durch nicht geschultes Personal verkauft werden, mit all den Risiken die das mit sich bringt.
Darum bevorzugt PSF Schweiz es in all den Ländern wo es aktiv ist den Ankauf von wesentlichen Generika in den lokalen Einkaufszentralen zu tätigen, dies unterstützt die Anstrengungen der lokalen Regierung ein nachhaltiges Verkaufsnetz zu etablieren.
Gefahr für die Umwelt
Medikamente die nicht relevant sind oder die abgelaufen sind, müssen zerstört werden. Dies hat einen hohen Preis, nicht nur finanziell sondern auch für die Umwelt, da die Verbrennungsanlagen in den Empfängerländern nicht immer die Umweltvorschriften befolgen.
[1] OMS, Principes directeurs applicables aux dons de médicaments, 1999