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Projektbeschrieb
Als ich an meinem 29. Geburtstag in Jerusalem vor einer Mauer stand, die
kein Symbol war, sondern betonharte Tatsache und die ich dann überschreiten
durfte, konnte ich mir auch in Berlin alles besser vorstellen. Die Besetzung,
die Soldaten, die Waffen, die Angst, das Warten, die Fluchtgedanken. Jedes
Mal, wenn ich daraufhin in Berlin in der Nähe der Mauer spazierte, dachte ich:
Noch vor nur zwanzig Jahren hätte man hier scharf auf mich geschossen.
Das war der Todesstreifen. Die Berliner Mauer (1961–1989) war fast 140 Kilometer
lang. 1962 wurde rund 100 Meter entfernt auf ostdeutschem Gebiet
eine zweite, parallele Mauer gebaut. Die Häuser zwischen den Mauern wurden
abgerissen und die Bewohner umgesiedelt. Das Niemandsland bekam eine
Kiesabdeckung, um Spuren leicht erkennbar zu machen. Grenztürme, Stacheldraht
und andere Mittel der Abschreckung wurden eingesetzt. Die Zahl
der an der Mauer Ermordeten wird auf fast 240 geschätzt. Die Zahl der Ermordeten
im Todesstreifen ist umstritten. Noch heute verweigert die deutsche
Regierung die bedingungslose Rückgabe von enteignetem Land. Deswegen
stösst man in der Mitte der dynamischen Kunstkapitale ab und zu wieder auf
Flächen des Nichts, meistens genau dort, wo wichtige Ereignisse stattgefunden
haben und man ein Monument erwarten dürfte.
Ich fing an, mich aktiv dafür zu interessieren. Weil bald das zwanzigste Jubiläum
des Mauerfalls gefeiert wurde, glaubte ich, dass ich diesmal vielleicht
gute Chancen hätte, eine grössere Reportage veröffentlicht zu sehen.
Die Reportage konnte ich nicht verkaufen, die Fotoagentur machte Konkurs.
Dann allerdings veröffentlichte die Basler Zeitung ein Bild. Eine weitere
Veröffentlichung im Magazin der Zeitung wurde gestrichen. Auf bazonline.ch
wurde mir stattdessen Platz für eine Slideshow angeboten – Geld gab’s aber
keines. Immerhin: Dank der Veröffentlichung im Web konnte ich die Arbeit
bei der ewz.selection in der Kategorie Redaktionelle Fotografie einreichen.