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Anna Fischer-Dückelmann, Naturärztin, Publizistin, Aufklärerin
1856-1917, gestorben auf dem Monte Verità
von Hermann Müller
Anna Fischer-Dückelmann kam 1913 auf den Monte Verità, erwarb dort Grundstück und Haus. Sie war die bekannteste Naturärztin ihrer Zeit, eine Pionierin in diesem Feld. Ihr tausendseitiges Buch "Die Frau als Hausärztin" war ein Bestseller, erschien in Millionen-Auflagen und stand, wie es heisst, in jedem zweiten Haushalt. Schon 1914 waren ihre Schriften in 13 Sprachen übersetzt. Dabei hatte sie erst mit 33 Jahren, als Mutter von drei Kindern, mit dem Studium der Medizin begonnen. Ziel ihres Buches war, die Frauen und Mütter von der Schulmedizin und von den Ärzten überhaupt möglichst unabhängig zu machen. Sie bot damit erstmals speziell den Frauen ein Grundwissen in Naturheilkunde und Sexualaufklärung und damit ein Stück Emanzipation. Nicht männliche Ärzte, Ärztinnen sollten die Frauen behandeln. Eine gesunde Lebensweise ohne Fleisch, Alkohol und Nikotin sollte viele Krankheiten erst gar nicht aufkommen lassen. Schon um 1900 hatte sie, zusammen mit Karl Wilhelm Diefenbach und der Pazifistin Bertha von Suttner, in der Zeitschrift "Der Neue Mensch" des Naturpredigers Johannes Guttzeit geschrieben. Guttzeit war um die selbe Zeit einer der Lehrmeister von Gusto Gräser. Es versteht sich, dass die aufgeklärte Naturheilerin von der etablierten männlichen Schulmedizin als „Quacksalberin“ und „Krebsgeschwür“ angefeindet wurde. Dass Gusto Gräser die Mitkämpferin Dückelmann aufgesucht hat, ist wahrscheinlich aber nicht belegbar. Er kam 1911 im Pferdewagen mit seiner Familie nach Dresden, wo Fotoaufnahmen gemacht wurden. Möglicherweise war es Gräser, der Anna Fischer zum Monte Verità gelockt hat. 1925/26 wohnte er in der Nähe des Dresdner Hauses von Fischer-Dückelmann, dem sogenannten „Artushof“ in Loschwitz. Die Tochter der Naturärztin setzte damals deren publizistische Arbeit in aufopferungsvoller Weise fort. In Ascona betätigte sich Anna Fischer-Dückelmann im Sanatorium von Oedenkoven als Ärztin und Wirtschaftsleiterin. Sie lockerte die strengen Diätregeln und hoffte damit dem schwächelnden Unternehmen wieder Auftrieb zu geben, blieb aber ohne Erfolg. Enttäuscht zog sie sich vom Sanatorium zurück, widmete sich im Krieg besonders der Verwundetenpflege. Sie starb 1917 auf dem Monte Verità.