Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03228.jsonl.gz/317

Randalf
Nämlich mich. Hänu🤷♂️
Häuser in Italien, Jachten, einen persönlichen Koch, Madonnas Villa in Miami, einen Flussballclub und mit Blattgold verzierte Steaks – Gunther hat jeden Luxus, den sich ein Mensch vorstellen kann. Und das, obwohl Gunther ein Hund ist. In den 2000ern machte der Vierbeiner Schlagzeilen als reichster Hund der Welt. Gunthers Urgrossvater gehörte einer deutschen Gräfin, die keine Familie mehr hatte und deshalb ihr ganzes Vermögen ihrem Hund vermachte – so die Legende.
Doch wie kann ein Hund Häuser und Jachten besitzen? Hier kommt Maurizio Mian ins Spiel. Er ist Gunthers Betreuer, Verwalter des Geldes und das Köpfchen hinter der Geschichte.
Am Anfang der Netflix-Dokumentation erzählt Maurizio die Geschichte von Karlotta. Sie wurde reich durch den Pharmakonzern ihres Mannes, und sie und seine Mutter waren eng befreundet. Sie teilten ihre Liebe zu Tieren, und so war es kein Wunder, kümmerte sich Maurizios Mutter – und schlussendlich er selbst – um Gunther nach dem Tod von Karlotta. In ihrem Testament legte sie alles ganz klar dar, wie mit dem Geld umzugehen ist.
So weit, so erfunden.
Maurizios Familie war die mit der erfolgreichen Pharmafirma und sie benutzten Karlotta, um in ihrem Namen Geld in Liechtenstein zu deponieren, wo sie – im Gegensatz zu Italien – keine Steuern zahlen mussten. Gunther ist ein geglückter PR-Gag.
Damit aber nicht genug. Gunther ist berühmt. Sehr berühmt. Einer seiner Höhepunkte war im Jahr 2000, als er Madonnas Villa in Miami kaufte. Was sonst würde ein Schäferhund wollen? In diesem Anwesen lebte Gunther mit einer Gruppe von fünf jungen und attraktiven Leuten. Diese wurden von Maurizio gecastet und sollten eine singende, tanzende Popgruppe namens The Burgundians sein, denn Gunther mag Musik – so Maurizio.
Die Gruppe, bestehend aus drei Frauen und zwei Männern, musste einer Liste von Regeln befolgen. Sie hatten täglich eingeplante Zeit für Sport, Essen, Singen/Tanzen und Sex. Sie lebten das perfekte Leben. Plötzlich tauchten Männer in weissen Kitteln auf, die die Gruppe rund um die Uhr beobachtete und sich Notizen machte. Da Karlottas Sohn, der anscheinend Maurizios bester Freund war, an Depressionen litt und sich selbst das Leben nahm, wollte Maurizio herausfinden, was Menschen glücklich macht. Er startete sein eigenes soziales Experiment.
Damit immer noch nicht genug. Nicht nur in Miami, auch in Italien startete Maurizio eine solche Gruppe. Diesmal allerdings grösser – Promis waren involviert und Nachtclubs eröffnet. Denn wo kann man das Verhalten von jungen Leuten besser studieren, als in Clubs? Der Fussballclub von Pisa wurde gekauft und Pornodarstellerinnen als Präsidentinnen eingesetzt. Das Imperium wuchs und wuchs.
Und das alles im Namen eines Hundes. Ein Hund, der keine Vorstellung davon hat, was Geld überhaupt ist und welchen Stellenwert dieses in der Gesellschaft hat.
Das Kartenhaus, das Maurizio – und zum Teil seine Mutter – aufgebaut hat, bricht zusammen und die wahre Geschichte, die beim Schauen unerwartet an einen Krimi oder sogar einen Kult erinnert, entfaltet sich in dieser vierteiligen investigativen Dokumentation von Netflix. Die Dokumentation wird von Folge zu Folge verrückter, während die Macher in Interviews mit involvierten Personen und Archivmaterial die absurde Geschichte wie eine Zwiebel, Schicht für Schicht langsam aber sicher aufdecken. Angefangen als Dokumentation über den reichsten Hund der Welt, entwickelt sich die Serie mehr und mehr zu einer True-Crime-Dokumentation, in der es um Status, Sex und Macht geht.
«Gunthers Millionen» kann ab sofort auf Netflix geschaut werden.