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Sie hasst Make-up, flucht wie ein Kutscher, sang als Kind in Bibel-Camps und probierte als Jugendliche an Drogen aus, was sich ohne Nadel konsumieren lässt – Pilze und LSD inklusive: Frances McDormand, 63, ein Hollywood-Star, der in der Traumfabrik den Oscar-Verantwortlichen schon mal den Schweiss auf die Stirn treibt.
Die goldene Trophäe holt sich McDormand nun zum dritten Mal als beste Hauptdarstellerin im Drama «Nomadland». Erst 2018 gewann sie das begehrte Goldmännchen in der Tragikomödie «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri». Es ist jetzt ihr dritter Oscar als beste Hauptdarstellerin, ihren ersten gewinnt sie vor 24 Jahren (1997 läuft sie noch im rückenfreien dunkelblauen Satin-Abendkleid über den roten Teppich) für ihre Rolle in der Krimikomödie «Fargo».
Was für eine starke Frau! Geboren 1957 als Cynthia Ann Smith im 3000-Seelen-Kaff Gibson City im US-Bundesstaat Illinois, wird sie mit 18 Monaten von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben. Vernon McDormand nimmt sie mit seiner Frau Noreen als drittes Adoptivkind in seiner Familie auf. «Wir sangen Hymnen, assen Spaghetti, und ich verbrachte viel Zeit in den Bibel-Camps meines Vaters», erinnert sich McDormand. Als Teenager lehnt sie es ab, ihre leibliche Mutter kennenzulernen. In einem Interview bezeichnet sie diese als «white trash», als Frau aus der weissen Unterschicht. Sie adoptiert selbst ein Kind: Pedro, aus Paraguay, sechs Monate alt. Heute ist er 27, arbeitet als Fitnesstrainer.
McDormand heiratete ihren Regisseur
Erfolg und Familie sind eng verbunden bei McDormand. 1984 soll eigentlich ihre damalige WG-Mitbewohnerin Holly Hunter in «Blood Simple» mitspielen, dem Debütfilm der berühmten Brüder Ethan und Joel Coen. Doch Hunter lehnt ab, schlägt McDormand vor – und so ergattert Frances ihre erste Rolle – und die grosse Liebe dazu!
Zwischen ihr und Co-Regisseur Joel funkts schon am ersten Tag, er leiht ihr Bücher, darunter «Wenn der Postmann zweimal klingelt». «Einige Abende später fragte ich ihn, ob er vorbeikommen und mit mir über die Bücher sprechen wolle. Er wollte, verführte mich mit Literatur.» Seit über 30 Jahren ist das Paar skandalfrei verheiratet. Noch vor #MeToo scherzte sie gerne, dass sie ihre Karriere der Tatsache verdanke, mit einem Regisseur zu schlafen.
Die Liebe zur Schauspielerei entdeckt Frances schon in ihrer Schulzeit. Das College schliesst sie mit einem Master of Fine Arts an der Yale School of Drama ab. Mehr als 40 Spielfilme dreht sie, darunter Meisterwerke wie Robert Altmans «Short Cuts». Oft hat sie zu hören bekommen, sie sei «zu jung, zu fett, zu dünn, zu gross, zu klein, zu blond, zu dunkel». Irgendwann verlegt sie sich darauf, «die zu sein, die nicht passt».
Heilig ist ihr das Privatleben. Sie kocht gern (Schweinskotelett), mag zum Dessert Engelskuchen mit Orangensaftglasur, dazu eine Tasse guten englischen Tee – und pendelt zwischen einer Wohnung an der New Yorker Upper West Side und einem Haus im Hippie-Paradies Bolinas, einer Küstenstadt bei San Francisco. Sie liebt Santana (Lieblingstitel: «Smooth»), trägt am liebsten Tanktops, Jeans und Birkenstocksandalen. Und eben: Sie verabscheut Make-up. Frances McDormand ist auch ungeschminkt schön erfolgreich!