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Schleudertrauma-Patienten mit chronischem Krankheitsbild sind erfahrungsgemäss nach wiederholten Konsultationen, ohne entsprechende Diagnose, meist verzweifelt. Viele fühlen sich von den Spezialisten und vom Umfeld nicht ernst genommen und beginnen nach einer Weile am eigenen Geisteszustand zu zweifeln. Mit Hypochondrie oder Einbildung hat ein Schleudertrauma aber definitiv nichts zu tun. Die Beschwerden sind real und können den Alltag zur Qual machen.
Die häufigste Ursache eines Schleudertraumas ist ein Verkehrsunfall. Durch die starke Kraft (starkes Beugen und anschliessendes Überstrecken), die beispielsweise bei einem Auffahrunfall auf den Nacken einwirkt, kommt es zu Verletzungen an der Halswirbelsäule. In erster Linie sind dabei meistens das Bindegewebe und die Muskeln betroffen – weshalb medizinisch von einer Weichteilverletzung gesprochen wird. Neben Autounfällen zählen Sportarten wie Kampfsport oder Tauchen sowie Achterbahnfahrten zu den Aktivitäten, von denen nach einer unnatürlichen Bewegung häufig ein Schleudertrauma ausgeht.
Die häufigsten Symptome nach einem Schleudertrauma sind Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich, die üblicherweise kurze Zeit nach dem Unfall auftreten. Manche Betroffene klagen ausserdem über Schwindelgefühle, Seh- und Schlafstörungen, Schluckbeschwerden, Ohrgeräusche, Benommenheit, Schwächezustände und depressive Verstimmungen. Dies alles können Zeichen einer Störung im vegetativen Nervensystem sein. Sollten Symptome wie Bewusstlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Gedächtnisschwund auftreten, sollte schnellstmöglich ein Arzt konsultiert werden.
Beantworten Sie folgende Fragen um herauszufinden, ob Sie von einem Schleudertrauma betroffen sein können:
1. Was habe ich für Beschwerden?
2. Habe ich einen Unfall (Auto, Sport, Sturz, etc.) vor dem Auftreten der ersten Symptome erlitten? (Dazu kann selbst ein kleiner Sturz in der Badewanne gezählt werden)
Nun vergleichen Sie Ihre Antworten mit den oben genannten Symptomen. Falls mehrere davon auf Sie zutreffen und Sie die zweite Frage mit ja beantwortet haben, ist es wahrscheinlich, dass Sie unter einem Schleudertrauma (med. HWS-Distorsion) leiden. Doch bleiben Sie beruhigt: Es existieren viele Möglichkeiten, um eine Distorsion der Halswirbelsäule zu therapieren.
1. Lassen Sie sich so schnell wie möglich von einem Arzt untersuchen. Auch wenn in Röntgen- oder MRI-Bilder keine strukturellen Schäden sichtbar sind, kann eine Wirbelfehlstellungen die Beschwerden verursachen.
2. Lassen Sie sich beraten und suchen Sie sich eine sanfte und behutsame Behandlungsmethode aus.
3. Bewegung hilft und sollte nach und nach wieder in den Alltag integriert werden. Meiden Sie eine Schonhaltung, aber bewegen Sie sich vorsichtig und möglichst normal.
4. Erlernen Sie eine Entspannungstechnik, um Nackenverspannungen besser lösen zu können und sich auch mental von Ballast zu befreien.
5. Seien Sie geduldig. Der Weg zur Genesung kann lang und mit Hindernissen verbunden sein.
6. Wenn Sie einen erfolgreichen Tag erleben, markieren Sie ihn im Kalender und nutzen Sie diesen als Motivation für anstrengendere Etappen.
Die Bandbreite an möglichen Therapien nach einem Schleudertrauma ist gross. Beachten Sie bei Ihrer Wahl, dass die Methode zu Ihren individuellen Bedürfnissen passt und beginnen Sie frühzeitig mit einer Behandlung, um einen chronischen Verlauf zu vermeiden.
1. Physiotherapie: Bewegung statt Schonung
Während früher auch bei schwachen Symptomen die Ruhigstellung des Nackens durch eine Halskrause empfohlen wurde, raten immer mehr Therapeuten zu einer Behandlung mit der Physiotherapie. Denn aktuelle Studien belegen, dass die Schonhaltung nach einem Unfall eine Heilung sogar verzögern kann. Krankengymnastische Bewegungsübungen hingegen, wie sie bei der Physiotherapie angewandt werden, unterstützen den Heilungsprozess.
2. Craniosacral Therapie: Tiefgreifende Entspannung der Wirbel
Beschwerden, die vom Nacken und Halswirbelsäulenbereich ausgehen, können ausserdem mit der Craniosacral Therapie behandelt werden. Auch wenn bislang nicht endgültig belegt ist, welcher Wirkmechanismus für die Linderung der Symptome eines Schleudertraumas verantwortlich ist, verspüren viele Klienten nach der Therapie einen tiefgreifenden, entspannenden Effekt, der durch die feinen Tastgriffe am Kopf und an den Schädelknochen bei der Craniosacral Behandlung erzeugt wird.
3. Entspannungsverfahren: Die Psyche stärken
Ob Meditation, Autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga – Entspannungsübungen bauen seelischen Ballast ab und entspannen den Nackenbereich. Da laut Studien rund 55 Prozent aller Schleudertrauma-Betroffenen auch Jahre nach ihrem Unfall noch an dem Erlebnis leiden, sind Entspannungsverfahren vor allem für die mentale Genesung von grosser Hilfe.
Die meisten Krankenkassen übernehmen im Rahmen der Zusatzversicherung die Behandlungskosten. Doch beachten Sie, dass einige Krankenkassen die Kosten nur bei einer ärztlichen Therapieverordnung übernehmen.
In der Regel heilt ein Schleudertrauma nach Tagen oder Wochen vollständig aus. Der Zeitraum ist allerdings von der Schwere der Verletzungen bedingt. Bei leichten, kaum spürbaren Beschwerden können Schleudertrauma-Betroffene in der Regel ihren Alltag wie gewohnt fortführen. Bei schweren Verletzungen kann der Heilungsprozess länger andauern und Betroffene an alltäglichen Aufgaben hindern. Besprechen Sie in diesem Fall mit Ihrem Arzt, welche Bewegungen ausgeführt werden dürfen und in welchen Situationen Sie Ihre Halswirbel schonen sollten.
Chronischer Verlauf: Was tun?
Nimmt ein Schleudertrauma einen chronischen Verlauf an, bleiben die Beschwerden auch noch nach Wochen und Monaten bestehen. Eine Ursache dafür könnte sein, dass der Betroffene ein Schmerzgedächtnis entwickeln, welches verhindert, dass die Schmerzen abklingen. Um einem chronischen Verlauf entgegenzuwirken und ein Schmerzgedächtnis vorzubeugen, ist es besonders wichtig, die Beschwerden frühzeitig zu behandeln.
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