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Madonnas neueste Coups sind ihr Film «The Next Best Thing» und ein Remake des Evergreens «American Pie».
–: Madonna, in Ihrem neuesten Film, «The Next Best Thing» von John Schlesinger, spielen Sie eine allein erziehende Mutter. Identifizieren Sie sich mit der Rolle?
Madonna: Nur zum Teil. In dieser Filmrolle werde ich von einem Mann geschwängert, den ich nicht liebe. Das wäre für mich im richtigen Leben unmöglich. Auch würde es mir zu schwer fallen, den Vater meines Kindes zu verheimlichen. Ich hätte ein schlechtes Gewissen.
–: Früher haben Sie viel mehr Filme gedreht.
Madonna: Stimmt; dafür habe ich heute einen besseren Geschmack.
–: Sind Sie mit Lust ins Filmgeschäft zurückgekehrt?
Madonna: Es hat mir gut getan, wieder in der Filmszene zu sein. Ich hatte Glück, weil ich das Drehbuch lange genug studieren durfte, und ich konnte sogar noch mit den Autoren darüber sprechen. Ich habe für meine Rolle als Yoga-Anhängerin einen Schauspiellehrer beigezogen und mit ihm mehrere Monate lang geprobt. Ich interpretierte meine Rolle nach dem Charakter meiner Yoga-Lehrerin in Los Angeles.
–: Warum das?
Madonna: Ich habe viele Yoga-Lehrerinnen auf der ganzen Welt. Aber diese ist die beste. Ich arbeitete eine Weile als ihre Assistentin und half ihr beim Yoga-Unterrichten, so dass ich diese Kunst wirklich beherrsche.
–: Wie kamen Sie dazu, «American Pie» als Song für «The Next Best Thing» auszugraben?
Madonna: Ein Kollege hatte die Idee. Ursprünglich war ich gar nicht begeistert. Aber er insistierte so lange, bis ich einwilligte.
–: Langweilt es Sie nicht, einen Uraltsong zu wiederholen?
Madonna: Das Remake war eine anspruchsvolle Aufgabe. Zwar hatte ich den Song seit meiner Kindheit noch genau im Kopf, aber wir mussten ihn kürzen. Das Original dauert acht Minuten – viel zu lange. Die Melodie ist übrigens ziemlich kompliziert.
–: Wie tönt Ihr nächstes Album?
Madonna: Es wird einen neuen Sound haben. Ich arbeite gegenwärtig mit einem afghanisch-französischen Produzenten, der von der elektronischen Musik her kommt. Das Album wird Dance enthalten, Elektrik und Futuristisches, aber kein Newage.
–: Ihr Label Time Warner hat mit AOL fusioniert. Ändert das etwas für Sie?
Madonna: Ich hoffe, die Fusion führt zum Erfolg. Aber ich bin nicht die knallharte Geschäftsfrau, wie alle immer wieder denken. Wenn ich zu sehr ans Business denke, schadet das meiner Kreativität. Im Übrigen ändert sich bei Time Warner ohnehin laufend alles.
–: Wie leben Sie als Star und allein erziehende Mutter?
Madonna: Gut. Wichtig ist, dass die Leute verstehen, dass es heutzutage verschiedene Familienformen gibt. Die Vorstellung von einem Elternpaar mit einem oder zwei Kindern ist ziemlich überholt. Ich kenne nur noch wenige so genannte Musterfamilien.
–: Ist es für ein Kind nicht wichtig, bei seinen biologischen Eltern aufzuwachsen?
Madonna: Am wichtigsten sind Liebe und Fürsorge, das können beispielsweise auch schwule Männer vermitteln. Oder wenn eine Frau ein Kind allein erziehen will, darf ihr das nicht verwehrt werden. Ich plädiere für mehr Toleranz gegenüber neuen Formen des Zusammenlebens. Es ist falsch, wenn Leute zusammenbleiben, die nicht auskommen miteinander. Ein solches Milieu kann sehr giftig sein.
–: Sehen Sie sich als allein erziehende Vorzeigemutter?
Madonna: Ach was, ich bin ja nicht die erste Alleinerziehende auf der Welt. Es gibt Hunderte von Prominenten, die ihre Kinder allein erziehen. Aber die Mutterschaft lässt mich in den Augen vieler Leute als weniger bedrohlich erscheinen. Ich bin für sie menschlicher geworden.
–: Ist es für Ihr Kind eine Belastung, dass Sie so berühmt sind?
Madonna: Nein, die meisten meiner Bekannten sind ebenso bekannt. Darum denkt Lourdes, alle Leute seien Berühmtheiten.
–: Was halten Sie von Melissa Etheridges Freundin, die sich von David Crosby befruchten liess?
Madonna: Man nimmt halt, was man bekommt.
–: Können Sie sich vorstellen, Ihr zweites Kind von einem Rockstar zu bekommen?
Madonna: Nein, Rockstars faszinieren mich überhaupt nicht.
–: Es gibt Gerüchte, Sie wollten sich in Italien künstlich befruchten lassen. Wollen Sie überhaupt ein zweites Kind?
Madonna: Also ich hoffe, dass ich eines Tages ein zweites Kind haben werde. Ich hoffe auch, dass ich nicht ewig allein erziehende Mutter bin. Schliesslich habe ich mir das nicht so gewünscht. Aber ich weiss nicht, wie meine private Zukunft aussehen wird.
–: Wie ist denn Ihre Tochter Lourdes?
Madonna: Sie hat einen unheimlich starken Willen, und sie ist eine Exhibitionistin. Ihr Humor ist ziemlich bösartig.
–: Ganz die Mama. Kann sie auch singen?
Madonna: Oh, ja, sie singt perfekt. Und sie kennt meine Stimme, wenn ich am Radio zu hören bin. Meine Tochter liebt Musik; ihr Geschmack ist ziemlich aussergewöhnlich. Sie hört Charlotte Church und Mary J. Bilge.
–: Und hat Sie Ihre Spleens?
Madonna: Nein, andere. Sie ist sehr modebewusst. Ich glaube, ich war nicht so als Kind. Aber ich hatte auch niemals so schöne Kleider.
–: Sind Sie eigentlich ein sozialer Mensch, oder eine Ikone auf dem Egotrip?
Madonna: Freundschaften sind extrem wichtig für mich. Ich habe ein paar wirklich gute Freunde.
–: Und die halten Sie aus?
Madonna: Ich hatte schon oft schwierige Zeiten mit Freunden, so dass ich nicht mehr mit ihnen reden konnte. Aber wenn eine Freundschaft wirklich beständig ist, wächst man daran.
–: Belastet Ihr öffentlicher Status Ihre Beziehungen?
Madonna: Es ist schon vorgekommen, dass ich gespürt habe, wie mein Erfolg eine enge Beziehung verunmöglicht. Ich glaubte nämlich lange Zeit, dass eine erfolgreiche Karriere allein genügt und dass ich Geborgenheit nicht nötig habe. Das war extrem naiv. Es hat sehr lange gedauert, bis ich herausgefunden habe, was entscheidend ist im Leben. Ich war stets extrem zielorientiert. Jetzt habe ich gelernt, für den Moment zu leben.
–: Und sich für die Liebe Zeit zu nehmen?
Madonna: Dazu sage ich nichts. Aber ich bin ein Mensch, der sich heftig verliebt. Das macht verletzbar.
–: Ex-Beatle George Harrison hatte vor kurzem unliebsamen Besuch und wurde angegriffen. Machen Sie sich Sorgen um Ihre Sicherheit?
Madonna: Ich bin immer sehr vorsichtig gewesen. Man kann Stacheldraht um das Haus ziehen sowie Hunderte von Sicherheitsleuten engagieren, und trotzdem passiert etwas. Viele Leute sind übervorsichtig, und es sind ihnen die schrecklichsten Dinge zugestossen. Für mich ist ein gutes Karma die beste Sicherheit.