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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Erste Rede
44.
Dies ist meines Erachtens der Sinn der Stelle, wie er besonders auch der kirchlichen Auffassung entspricht. Doch könnte man die Stelle auch anders auffassen und doch dasselbe in entsprechender Weise zum Ausdruck bringen, indem man sagt, sie rede nicht von der Erhöhung des Wortes selbst, insoweit es Wort sei. Denn es ist, wie kurz vorher gesagt, der Höchste und dem Vater ähnlich, aber wegen seiner Menschwerdung deutet die Stelle die Auferstehung von den Toten an. Daher fügte er den Worten: "Er erniedrigte sich bis zum Tode" sogleich bei: "Darum erhöhte er ihn". Er wollte zu erkennen geben, daß, wenn man auch von ihm als Menschen sagt, daß er gestorben sei, er doch, da er das Leben war, in der Auferstehung erhöht wurde. "Denn der, welcher herabkam, ist derselbe wie der, der auferstand"1. Denn er stieg herab leiblich, stand aber wieder auf, weil Gott selbst im Leibe war. Und eben dies ist wiederum der Grund, weshalb er in diesem Sinne das Bindewort "darum" beigefügt hat, das nicht einen Lohn der Tugend oder der Zunahme, sondern den Grund angibt, warum die Auferstehung erfolgt ist, und warum die andern Menschen von Adam bis jetzt gestorben sind und tot blieben, dieser allein aber unversehrt von den Toten auferstand. Der Grund aber ist der, den er selbst zuvor angegeben hat, nämlich daß er, der Gott war, Mensch geworden ist. Denn alle andern Menschen, die nur von Adam stammten, sind gestorben und sie hatten den Tod als Herrscher über sich. Dieser zweite Mensch aber ist vom Himmel2; "denn das Wort ist Fleisch geworden". Und man nennt diesen Menschen "vom Himmel stammend" und einen "himmlischen", weil das Wort vom Himmel herabgekommen ist. Und deshalb ist er auch vom Tode nicht überwältigt worden. Denn wenn er auch sich selbst erniedrigte, indem er seinen eigenen Leib dem Tode überantwortete, da dieser ja dem Tode zugänglich war, so wurde er doch von der Erde erhöht, weil im Leibe Gottes Sohn war. Es ist sonach das hier Gesagte: "Darum hat ihn Gott auch erhöht" dem gleichbedeutend, was Petrus in der Apostelgeschichte sagt: "Diesen hat Gott auferweckt, indem er die Schmerzen des Todes löste, wie es denn unmöglich war, daß er von demselben festgehalten wurde"3. Denn wie bei Paulus geschrieben steht: "Da er, obschon er die Gestalt Gottes besaß, Mensch geworden ist und sich bis in den Tod erniedrigte, so hat darum auch Gott ihn erhöht"4, so sagt auch Petrus: "Weil er, da er Gott war, Mensch geworden ist, die Zeichen und Wunder aber denen, die sie sahen, ihn als Gott bekundeten, deshalb war es unmöglich, daß er vom Tode festgehalten wurde". Einem Menschen aber war es nicht möglich, dies zu leisten; denn den Menschen eigen ist der Tod. Deshalb ist das Wort, da er Gott war, Fleisch geworden, damit er, im Fleische getötet, alle durch seine Macht lebendig mache.
1: Ephes. 4,10.
2: 1 Kor. 15,47.
3: Apg. 2,24.
4: Phil. 2,6.