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Das Herrenhaus wurde als Wohnstock eines grossen Landwirtschaftsbetriebes um 1790 für den Berner Patrizier Franz Salomon Wyss erbaut. Beim Zusammenbruch des Ancien Régime verliess Wyss die Heimat und das Gut wurde versteigert, es wechselte in den folgenden Jahren mehrmals den Besitzer. 1874 wurde die Domäne, die ausser dem Wohnstock ein grosses Bauernhaus mit Scheune und angebautem Ofenhaus und Speicher, ein Brennereigebäude mit Scheune, einen kleinen Schweinestall, drei Brunnen, eine Baumhofstatt sowie Wiesen, Ackerland und Waldungen von fast 40 Hektaren umfasste, erneut versteigert. Das Herrenhaus, in dem man angeblich immer wieder illegal wirtete, wurde zeitweise vermietet und bot bis zu drei Parteien Unterkunft. Während des zweiten Weltkrieges diente es als Treffpunkt internierter Polen. 1974 wurde die Campagne von der heutigen Familie gekauft und etappenweise saniert und renoviert.
Das grosse zweigeschossige Hauptgebäude besteht aus einem massiven verputzten Mittelteil mit vier Fensterachsen und zwei breiten, verschindelten Holzlauben auf den Schmalseiten. Über dem ganzen Baukörper steht das mächtige Mansardwalmdach mit Lukarnen.
Das Untergeschoss enthält vier Gewölbekeller. In den beiden Geschossen befinden sich die Wohnräume, die Küche und Nebenräume. Das voluminöse Dachgeschoss mit den zwei Zwischenböden diente ursprünglich wohl als Kornspeicher, neben den Kammern für die Dienstleute. Nach 1974 wurde das Dachgeschoss zu Wohnzwecken umgebaut und das Dach mit zusätzlichen Lukarnen ergänzt.
Die Campagne von Grächwil ist der wichtigste Handlungsort in der Erzählung "Unspunne" von Rudolf von Tavel, erstmals veröffentlicht im Jahr 1924. Er beschrieb das Wohnhaus der Familie Gatschet: "Das heimelige Huus mit dem breite bhäbige Dach und de schönen Urne-Chnöpf uf der Firscht. Di bruun beizte Felläden und der dunkel-bluetrot Birespalier a der wyße Muure. Vor em Huus der Gchöchgarte mit syne Buchsheegli und de beide Pavillons i den Egge. Und dert zwitzeret der Brunnestrahl zwüschem farbige Loub. D’Tube sunne sech uf em Dach, und i der Hoschtet spaziert der Güggel mit sym Hofstaat. Und wyter usse weide d’Chüe. Es brändtelet vo Hüeterfüürleni und Mutthüüffe. Was wott me Heimeligers?" Mit dieser Erzählung erhielt die Campagne von Grächwil einen Platz in der Literatur.
Der Landsitz ist ein wichtiger Teil des noch stark bäuerlich geprägten Weilers Alt-Grächwil, das im Jahr 1311 erstmals in einer schriftlichen Quelle erwähnt ist. Im 15. Jahrhundert gab es schon mindestens drei landwirtschaftliche Güter, 1847 zehn Haushaltungen mit 69 Einwohnern. Die Bauerhäuser stammen vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurden mehrfach erneuert, zum Teil mit zusätzlichen Wohnungen ergänzt. Wichtig sind die zahlreichen Nebenbauten (Stöckli, Speicher, Schuppen), von denen die meisten älter sind als die Bauernhäuser.
Das Ortsbild von Grächwil hat sich in sehr ursprünglichem Zustand erhalten, insbesondere, weil der Weiler 1960 nicht als Wohnzone ausgeschieden wurde und 1973 eine neue Einfamilienhauszone im Westen des Weilers ausgeschieden wurde und dort Neu-Grächwil entstand
Quellen:
Caviezel-Rüegg, Zita/Walter, Matthias: Der ehemalige Amtsbezirk Aarberg. Die Kunstdenkmäler der Schweiz, hrsg. von der Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte. Bern, 2018, S. 290-292.
Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS): Kanton Bern, Gemeinde Meikirch, Ort Grächwil, 8/81.
von Tavel, Rudolf: Unspunne : wie's der Haselmuus wyter ergangen isch (Erstausgabe 1924)