Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03128.jsonl.gz/896

Was würde die SNB tun, wenn die Eurozone zusammenbrechen würde und es zu einem Run auf den Schweizer Franken käme? SNB-Präsident Thomas Jordan gab in der «SonntagsZeitung» eine brisante Antwort:
Eine Massnahme wären Kapitalverkehrskontrollen, also Vorkehrungen, die den Zufluss von Kapital in die Schweiz direkt beeinflussen. Ich kann hier nicht in die Details gehen. Wir identifizieren diese Instrumente für den Fall, dass weitere Massnahmen nötig wären.
Welche Massnahmen meint Jordan? Wir wissen es nicht, aber es gibt im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Besteuerung oder Verbot, wobei wir die erste Möglichkeit von vorneherein ausschliessen können. Negativzinsen oder Steuern auf Anlagen in Schweizer Franken können sehr leicht umgangen werden. Wenn Anleger zum Beispiel Franken auf dem Devisenmarkt in London kaufen, können sie ihre Frankenguthaben irgendwo auf der Welt halten, wo die Schweizer Behörden keinen Zugriff haben. Was auch gegen steuerliche Massnahmen spricht, sind die negativen Erfahrungen, die man in den 1970er-Jahren gemacht hat. Man kann also davon ausgehen, dass die SNB weiter gehende Massnahmen im Auge hat.
Die Tatsache, dass der wichtigste Devisenmarkt in London lokalisiert sind, stellt auch die Wirksamkeit von Verboten in Frage. Ich muss aber zugeben, dass ich zu wenig über die Funktionsweise von Devisenmärkten weiss, um hier eine kompetente Antwort zu geben. Kommentare von Profis sind also sehr willkommen.
Vor allem müsste man wissen, wie hoch das Volumen von frei flottierenden Schweizer Franken ist. Wenn das Volumen klein ist, könnte ein Verbot wirken. Die Behörden müssten lediglich den Schweizer Grossbanken für eine bestimmte Zeit verbieten, Franken auf den internationalen Devisenmärkten anzubieten. Wenn das Volumen an frei flottierenden Schweizer Franken gross ist, wird es äusserst schwierig, ein Verbot durchzusetzen.
Eine andere Frage ist, ob es sich die Schweiz mit ihrem internationalen Finanzplatz überhaupt leisten kann, einen so massiven Eingriff in den freien Kapitalverkehr vorzunehmen. Es würde sich ja um einen fundamentalen Bruch mit der Tradition handeln. Ich würde die Frage bejahen, aber nur unter der Bedingung, dass Kapitalkontrollen nur im äussersten Notfall für eine befristete Periode eingeführt würden. Würde die Schweiz deswegen angeprangert? Kaum, denn es ist seit 2008 normal geworden, dass die Staaten und Zentralbanken permanent mit unkonventionellen Massnahmen eingreifen.
Möglicherweise geht es der SNB ohnehin nur darum, kommunikativ in die Offensive zu gehen. Nachdem in der Öffentlichkeit klar geworden ist, dass sie die Untergrenze nicht auf 1.25 oder 1.30 CHF pro Euro anheben möchte, muss sie versuchen, ihre Entschlossenheit mit anderen Aussagen zu untermauern. Allerdings besteht dann wieder die Gefahr, dass die Drohung der SNB nicht glaubwürdig ist, da viele Anleger glauben, dass die Schweiz es nicht wagen würde, mit der Tradition zu brechen. Immerhin kann man feststellen, dass die Botschaft des SNB-Präsidenten überall angekommen ist – bei «Bloomberg News», der «Financial Times» und dem «Wall Street Journal».
Schlagworte: SNB