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Jürg: Darf ich mich vorstellen? Ich heisse SweeTango, bin süss, temperamentvoll und anschmiegsam wie eine Tangotänzerin. Ich habe den idealen Genmix, sehe gut aus und begeistere alle! Meine LiebhaberInnen sind GeniesserInnen, die zuerst an mir schnuppern, meine feine Haut streicheln und dann zärtlich hineinbeissen. Mein Aroma turnt sie sofort an. Sie umschlingen mich mit der ganzen Hand und verschlingen mich genüsslich. Klar, das ist erschreckend, aber zu diesem Schicksal sind wir Früchtchen ja berufen.
Und was hast du zu bieten, liebe Goldparmäne?
Tabea: Nun wirst du staunen, liebe SweeTango. Ich bin ein orange-rot geflammter Herbstliebling und kann bereits auf 800 Jahre Geschichte zurückblicken. Und keinesfalls habe ich Staub angesetzt. Um 1200 bin ich in England entstanden. Damals war ich sehr beliebt. Sie gaben mir den französischen Namen «Königin der Reinetten», denn Reinetten galten als besonders edel. Mein herbstfarbenes Kleid ist wunderschön und ich überzeuge im Abgang mit einem leicht nussigen Geschmack.
SweeTango, weisst du welche Apfelsorte auf Walterlis Kopf, dem Sohn Tells, lag? Ha, das wirst du nie erraten. Man spekuliert nämlich, dass es eine Goldparmäne war. Fast zu schön, um wahr zu sein. Willhelm Tell ist für mich ein Symbol für Freiheit. ich würde mich sehr geehrt fühlen, dort die Hauptrolle gespielt zu haben.
SweeTango, was ist deine Lieblingsgeschichte, in der ein Apfel eine wichtige Rolle spielte?
«Goldparmäne» … das tönt ähnlich wie «goldene Löwenmähne». Das ist schon beeindruckend. Gratuliere!
Ich bin dagegen eher ein zivilisiertes, neumodisches Wesen, denn meine Vorfahren seien im Jahr 2009 an der Universität Minnesota, USA, entwickelt worden. Ich wachse jedoch in der Schweiz auf, an einem Ort, wo es nachts gerne nebelt. Aus dem Nebel steigen die Elfen und tanzen mit mir jede Nacht Tango. Meine roten Backen erhalte ich, wenn ich eng umschlungen und sexy tanze. Ferner bin ich spritzig und knackig. Darum bin ich sicher, dass mein Tango-Temperament argentinische Wurzeln hat. Mein Erfinder stammte von diesem Land ab und forschte in den USA. Ich bin also eine Weltbürgerin! Wir modernen SweeTangos lassen uns gerne verhätscheln und haben darum unseren Preis.
Und du Goldparmäne, gehörst du auch zu jenen alten Äpfeln, welche die NaturschützerInnen erhalten wollen? Wozu diese Nostalgie?
Wenn es eine Sorte gibt, die erhalten werden sollte, dann natürlich meine. Doch ich werde etwas skeptisch, wenn ich das Wort NaturschützerIn höre. Führen die nicht alle was im Schilde? Die wollen sicher nur von mir als Goldparmäne profitieren. Du kannst dir also nicht vorstellen, warum ich nostalgisch bin? Ich erinnere mich einfach gerne an die Zeiten, in denen wir noch bedeutsam waren. Ich wäre gerne wieder eine Königin. Mit diesen ganzen Demokratien und Rechten für alle kann ich nicht viel anfangen. Ich würde gerne mit dir tanzen, liebe SweeTango. Nächstes Wochenende spielen die fitten Äpfel gegen die fetten Süssgetränke auf dem Fussballplatz, wirst du auch dort sein?
Natürlich werde ich dabei sein. FussballspielerInnen tanzen ja um einen Lederball. Die quicklebendigen ÄpfelInnen werden gegen die schlappen Flaschen ein leichtes Spiel haben. Sehr gerne werde ich mit dir einen heissen Tango hinlegen, und zwar in Fussballschuhen mitten auf dem Rasen!
Für Menschen hast du vielleicht den Königinnentitel verloren, aber für uns Äpfelinnen bleibst du die Queen. Die hehre Kunst interessiert sich jetzt so sehr für uns, dass in Thun gleich ein ganzes Museum Porträts von uns ausstellt: riesige Fotos, alte Ölgemälde, Videos und eine grosse Installation mit natürlichen Äpfeln auf dem Boden des grössten Saales. Das ist unsere Krönung! Auch der Sündenfall ist dargestellt. An diesem war aber ein Granatapfel beteiligt. «Granate» tönt schon so gefährlich – das konnte ja nur danebengehen! Darf ich in die Zukunft blicken? Gerne würde ich als «la pomme» dereinst zum Apfelbaum werden und so weiteren SweeTangos das Leben schenken. Dabei würde ich viel lieber in einer natürlichen und weisen Anarchie leben, als in Reih und Glied zu stehen wie meine Mutter.
Puh, jetzt hat mich eben ein Mädchen angebissen und dann aus dem fahrenden Auto geworfen. Ich rolle eine Böschung hinunter und bleibe neben einem Bächlein im Gras liegen. An diesem schönen Plätzchen würde ich gerne zum Apfelbaum heranwachsen. Eben haben Wespen begonnen, an mir zu knabbern. Ich lache unbändig, weil das so kitzelt. Meine Kerne können sie jedoch nicht knacken und wenn doch, habe ich Blausäure drin – davon würden sie sofort gekillt werden. Wünsch mir bitte Glück, dass mir das Weiterleben gelingt! Ich wünsche dir in deinem Königinnen-Reich ein langes Leben.
«TiM – Tandem im Museum» bringt Menschen aus unterschiedlichen Generationen oder Lebenswelten im Museum zusammen. Zwei Personen gehen ins Museum, wählen ein Objekt, erfinden dazu eine Geschichte und stellen diese auf die Plattform «Musée imaginaire Suisse». Diese Aufgabe aktiviert, spornt an und motiviert, verbindet analog und digital.
Möchtest du selbst TiM-Guide werden, oder mit einem TiM Guide ins Museum gehen, dann kannst du dich hier anmelden: /www.tim-tam.ch/de/anmeldung
Am 17. Dezember 14:00 – 16:00 Uhr findet im Museum für Kommunikation in Bern ein Adventsanlass zu TiM statt.