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Im letzten Blogbeitrag haben wir gesehen, die Kernkraft war Hoffnungsträger von Bund und Elektrizitätswerken. Sie sollte die Abhängigkeit der Schweiz von fossilen Energieträgern und vom Ausland mindern.
Zivile Nutzung der Kernkraft
1955 fand in Genf die Konferenz zur friedlichen Nutzung der Atomenergie statt. Der Bund unterschrieb 1956 ein Forschungsabkommen mit den Vereinigten Staaten. So konnte er günstig einen Reaktor und Kernbrennstoff in den USA kaufen. Von da an wurde in der Schweiz mit Subventionierungen des Bundes im Bereich der Kernspaltung und -energie geforscht.
Eine Schweiz ohne Rohstoffe
Durch den Kohlemangel und während der Ölkrise hatte die Schweiz bereits unter der Abhängigkeit des Auslands gelitten. Mit Wasserkraft und Holz konnte nicht das gesamte Land mit Energie versorgt werden. Die Kernenergie, so die Hoffnung, sollte diese Lücken füllen. Noch war der Stromverbrauch der Schweiz in den frühen 1960er-Jahren zu tief, um ein Kernkraftwerk zu bauen. Zwischen 1948 und 1973 betrug die Wachstumsrate des Bruttoenergieverbrauchs 6.25 Prozent. Als die USA 1963 das erste Grosskernkraftwerk auf den Markt brachte, kaufte die Schweiz ein solches. Für 68 Millionen Dollar konnte es gebaut, lizenziert und die nötigen Mitarbeitenden ausgebildet werden. Die NOK, heutige Axpo, gab einen Auftrag zur Errichtung des KKW Beznau I und die BKW zur Errichtung des KKW Mühleberg. Zwischen 1969 und 1972 gingen die beiden Kraftwerke in Betrieb. Gleichzeitig sank der Anteil an Erdöl im Energiemix in den 70er-Jahren etwa um die Hälfte.
Geplatzter Traum
Bereits Anfang der 70er-Jahre, nachdem die ersten Kraftwerke gebaut waren, entstand eine Gegenbewegung zu den Befürwortern der Kernkraft; eine Umweltschutzbewegung. Bis zu diesem Zeitpunkt waren vor allem Vertreter aus der Wirtschaft, aus Parteien und Behörden in der Energiepolitik tätig gewesen. Somit nahm nun eine neue Gedankenrichtung Einfluss. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Umweltschutzbewegung setzten sich für ein neues, nachhaltiges Energiesystem ein. Ihre Ziele und Vorstellungen fanden in der Bevölkerung jedoch keine breite Zustimmung. Mit dem Einfluss der neuen Bewegung begann die Energie vermehrt ein politisches Thema zu werden. Allein zwischen 1979 und 2003 fanden in der Schweiz 15 nationale Volksabstimmungen zu Energiethemen statt, sieben davon befassten sich mit der Kernenergie. Die Umweltschutzbewegung erreichte bei den Abstimmungen keine Mehrheiten, dennoch beeinflusste sie die Energiepolitik.
Bereits Anfang der 70er-Jahre, nachdem die ersten Kraftwerke gebaut waren, entstand eine Gegenbewegung zu den Befürwortern der Kernkraft; eine Umweltschutzbewegung.
Umweltschutz als Teil der Energiepolitik
Im Jahr 1971 wurde in der Schweiz das Bundesamt für Umwelt geschaffen. Ausserdem gab es eine Volksabstimmung über die Erweiterung der Bundesverfassung um einen Umweltschutzartikel. Diese wurde mit klaren 90 Prozent angenommen. Dieses ging als «Jahr der Umwelt» in die Geschichte ein.
Seit 1974 bis heute floss ein Grossteil der finanziellen Mittel zur Energieforschung in die Kernenergie. 1974 setzte der Bund die Eidgenössische Kommission für die Gesamtenergiekonzeption (GEK) ein. Sie war dafür verantwortlich, den Gesamtzustand der Schweizer Energieversorgung zu beschreiben, Ziele für die Energiepolitik zu definieren und darauf abgestimmte Massnahmen zu definieren. Anfangs waren nur Vertreter der Energiewirtschaft in der Kommission. Nach Protesten trat zudem je ein Vertreter der Umweltbewegung und der Wissenschaft der Kommission bei.
Die definierten Ziele der GEK waren eine ausreichende und sichere Energieversorgung, optimale Energiepreise und der Schutz von Menschen und der Umwelt. Als Massnahmen empfahl die GEK die verfassungsmässige Verankerung eines Energieartikels und die Einführung einer Energieabgabe. Ausserdem sollte die Bevölkerung informiert und aufgeklärt, Marktinstrumente, also Preismechanismen, benutzt, Vorschriften aufgestellt, eine Besteuerung verlangt und Subventionierungen bestimmter Energieträger zur Verfügung gestellt werden. Daraufhin stiegen die Investitionen in den Energiebereich zwischen 1974 und 1980 von 37.4 Millionen auf 97.5 Millionen. 1990 wurde der Energieverfassungsartikel zum ersten Mal mit 71% angenommen. Im Mittelpunkt standen die Kernenergie und die Treibhausproblematik. Der Artikel ermächtigte ausserdem den Bund und die Kantone, sich für eine diversifizierte, sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung einzusetzen.
Energiestrategien seit 1990 bis heute
1990 lancierte das Departement für Verkehr und Energie das Programm «Energie 2000». Dessen Fokus lag bei Energiesparmassnahmen und beim Ausbau erneuerbarer Energien. Die Kantone unterstützten das Programm. Es beinhaltete Ziele zur Reduktion des Energie-, Erdöl- und Stromverbrauchs. Ausserdem wurde das Ziel definiert, den Anteil erneuerbarer Energien im Strommix bis im Jahr 2000 auf 3.5 Prozent und die Stromerzeugung durch Wasserkraft um fünf Prozent zu steigern. Zudem wollten die Befürworter die Leistung der bestehenden KKW um 10 Prozent erhöhen.
2001 wurde «Energie 2000» von EnergieSchweiz abgelöst. Auch hier wurden neue Ziele für die nächsten zehn Jahre definiert, unter anderem die CO2 Emissionen in der Schweiz um 10 Prozent zu senken, den Stromverbrauch nicht mehr als fünf Prozent zu steigern, die Fossilenergienutzung zu reduzieren und somit auch mehr erneuerbare Energien zu nutzen. Die ersten beiden Ziele zur Senkung der CO2 Emissionen und des Stromverbrauchs konnten nicht, wie gewünscht, bis im Jahr 2010 erreicht werden. Die anderen beiden schon.
In den Abstimmungsvorschlägen von den 70er Jahren bis ins 2008 handelte es sich seitens der Umweltbewegung um den Ausstieg aus der Kernkraft und seitens Bund um deren Ausbau. Die Vorlagen beider Seiten wurden von der Bevölkerung immer abgelehnt. Als Folge der Nuklearkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 entschied der Bundesrat schlussendlich im gleichen Jahr, schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen. Im 2013 verabschiedete der Bundesrat das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050, welche das Stimmvolk 2017 angenommen hat. Die drei Hauptmassnahmen der Strategie sind der Ausbau von erneuerbaren Energien, die Steigerung der Energieeffizienz und der schrittweise Ausstieg aus der Kernkraft. Somit dürfen keine neuen Kernkraftwerke gebaut werden und die bestehenden dürfen noch so lange betrieben werden, wie sie sicher sind.
Auch diese Massnahmen bringen neue Herausforderungen mit sich, unter anderem für den Netzbetreiber Swissgrid. Das Stromnetz muss optimiert, ausgebaut und strategisch erneuert werden. Wie Swissgrid das macht, erfahren Sie in unserem nächsten Blogbeitrag.