Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03116.jsonl.gz/844

Was steckt hinter dem Misery Index? Was sagt er aus? Wie wird es sinnvoll verwendet und wie besser nicht? Das alles und auch die Konstruktion des Misery Index wird in diesem Artikel erklärt.
Der Misery Index: eine Kombination von Inflation und Arbeitslosigkeit
Der Misery Index (zu Deutsch auch gelegentlich als Elendsindex bezeichnet) wurde in den 1970er Jahren von Arthur Okun entwickelt. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um eine andere Lesart der Phillips-Kurve. Auch der Misery Index verwendet als Eingangsgrössen die Inflationsrate und die Arbeitslosenquote. Allerdings werden diese für den Misery Index einfach zusammengezählt. Wenn in einem Land also eine Inflation von 3% und eine Arbeitslosenquote von 5% gemessen werden, ergibt dies einen Misery Index von 8 (das %-Zeichen wird beim Misery Index in der Regel weggelassen).
Was der Misery Index aussagt
Der Misery Index befasst sich im Gegensatz zur Interpretation der Phillips-Kurve nicht mit dem Trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit, sondern mit der kombinierten Höhe der beiden. Die Aussage ist: Je höher, desto schlechter. Dies leitet sich wiederum aus dem erwähnten Trade-off ab: Eine Notenbank müsste einerseits die Zinsen erhöhen, um Inflation zu bekämpfen – andererseits aber die Zinsen senken, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Dieser Trade-off stellt kein Problem dar, wenn zumindest einer der Werte tief ist. Dann ist (zumindest aus dieser Sicht) völlig klar, was die Notenbank tun sollte. Sind jedoch beide Werte erhöht – und nimmt somit auch der Misery Index hohe Werte an – steckt die Notenbank in der Zwickmühle und muss entscheiden, welches Ziel sie prioritär verfolgt. In der Regel läuft die Gesamtwirtschaft in einem Land mit einem hohen Misery Index schlechter, als in einem Land mit einem tiefen Misery Index.
Als Faustregel lässt sich sagen, dass ein einstelliger Wert des Misery Index für eine gute Verfassung einer Volkswirtschaft steht, ein zweistelliger Wert steht eher für Probleme. Allerdings sind zu tiefe Werte auch nicht wünschenswert: Deflation wird gemeinhin als gefährlicher als Inflation betrachtet. Negative Inflationswerte sind also nicht erwünscht. Tiefe Arbeitslosenzahlen sehen zwar auf den ersten Blick verlockend aus, jedoch darf nicht vergessen werden, dass ein gewisses Reservoir an schnell verfügbaren Arbeitskräften für eine Wirtschaft wichtig ist.
Was der Misery Index nicht aussagt
Der Misery Index gibt keine Handlungsempfehlung an die Notenbank ab. Ein hoher Indexstand mag zwar nahelegen, dass gehandelt werden sollte. Welches Ziel prioritär zu verfolgen ist, darüber schweigt sich der Index jedoch aus. Ausserdem gibt es keine festen Bereiche für “gut” oder “schlecht”. Häufig werden einstellige Werte wie oben beschrieben für eine gute Verfassung der Volkswirtschaft stehen, jedoch sind die Eigenheiten der einzelnen Länder zu beachten: Beispielsweise darf der Misery Index in einer schnell wachsenden Volkswirtschaft durchaus auch etwas höher sein. Für sehr tiefe Werte ist die Aussagekraft des Misery Index ebenfalls eingeschränkt: Hier ist weniger nicht zwingend besser, sondern kann durchaus auch “schlechter” bedeuten.
Grafische Darstellung
Grafisch lässt sich der Misery Index am besten als Balkendiagramm darstellen (hier mit den Daten, welche per Ende September 2017 verfügbar waren):