Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03345.jsonl.gz/1312

Wir brechen heute nach dem Frühstück vom De Hoop Village auf und fahren auf holpriger Gravel Road die acht Kilometer zum Main Gate zurück und verlassen das Nature Reserve. Weitere 40 Kilometer geht es quer durchs Land auf guter Schotterpiste, an abgelegenen Farmen vorbei bis nach Bredasdorp mit seinen grossen Getreidesilos. Hier biegen wir auf die geteerte R319 zu unserem ersten Zwischenstop Cape Agulhas ab, das wir nach kurzer Fahrt gegen halb zwölf Uhr erreichen.
Cape Agulhas - «Southernmost Tip of Africa»
Nicht das wegen seiner guten Erreichbarkeit von Cape Town aus bekannte Kap der Guten Hoffnung ist der südlichste Punkt des Kontinents Afrika, wie oft fälschlicherweise angenommen, sondern Cape Agulhas. Dieses liegt ziemlich genau weitere 50 Kilometer südlich und exakt auf dem 20. Meridian. Es bildet die geografische Trennungslinie zwischen Atlantischem und Indischem Ozean.
Die Agulhas-Ebene, als die sie auch bezeichnet wird, weist einen großen Artenreichtum an Fynbos auf; der Landstrich wurde deshalb am 23. September 1999 zum Nationalpark erklärt. Es gibt hier über 2000 verschiedene Pflanzen, von denen 100 ausschließlich hier vorkommen; 110 Gewächse stehen auf der roten Liste für bedrohte Arten. Ein hölzerner Holzsteg schützt die Flora und führt 150 Meter am Meer entlang über den Fynbos zum südlichsten Punkt des Kontinents Afrika. Eine Kupfertafel befestigt an einem Sockel aus Steinen weist auf diesen geografischen Umstand hin.
Portugiesische Seefahrer nannten Afrikas südlichste Spitze «Nadelkap», weil ihre Kompassnadel hier ohne Missweisung genau nach Norden zeigte. Daher der Name Cape Agulhas. Dem Kap vorgelagert sind scharfkantige Riffe, und deshalb hält sich die alternative Sichtweise, dass sich die Namensgebung daraus ableitet. Das Kontinentalschelf vor dem Kap erstreckt sich über 250 Kilometer seewärts und wird als «Agulhas Bank» bezeichnet. Das Meer ist hier ziemlich flach; bis maximal 110 Meter tief und fällt erst danach steil in die Tiefe ab. Das Gewässer, rauh und windgepeitscht gilt als sehr gefährlich; es zählt zu den fischreichsten und kommerziell besten Fanggebieten der Welt.
Überreste der «Meisho Maru 38»
Hinter dem historischen Leuchtturm von Cape Agulhas machen wir am Meer halt. Es ist windig und die Brandung sehr laut. Fast versteht man das eigene Wort nicht. Das Meer färbt sich von türkisgrün am Ufer bis zu tintenblau am dunstigen Horizont. Wir sind am «Southernmost Tip of Africa», dem Punkt, «where the oceans meet», angekommen. Zu dieser Landmarke und den etwas weiter entfernten Überresten der 1982 havarierten «Meisho Maru 38» machen wir uns nun auf.
Die Meisho Maru No 38 war ein kleiner japanischer Fischtrawler, der hier bei stürmischer See am 16. November 1982 auf Grund lief. Der Unfall ereignete sich nahe der Küste, deshalb schafften es alle 17 Crew-Mitglieder sich schwimmend in Sicherheit zu bringen. Bei bis zu 30 Metern hohen Wellen brach das Schiff schliesslich auseinander, nur der Bug ist noch zu sehen.
Steht hier seit 1848
Geografische Position: 34° 49′ 45.8″ südliche Breite, 20° 00′ 32.4 Länge. Hier steht – exakt vermessen – seit 1848 der runde, rotweiss gestrichene Leuchtturm von Cape Agulhas auf einer kleinen Anhöhe. Mit seinen 27 Metern Höhe und gebaut aus hellem Sandstein wirkt er wie eine kleine Burg: Zur Seeseite hin abweisend und unnahbar, zur Landseite hin einladend, mit fein gegliedertem neuem Vorbau und Eingang. Der Turm hat eine Reichweite von fast 60 Kilometern und verrichtet – trotz moderner Satelliten-Navigation auf den heutigen Schiffen – noch immer seine Dienste.
Der Leuchtturm kann besichtigt werden; es gibt ein kleines Museum sowie einen kleinen Shop. Nur für Mutige: Der Aufstieg über drei steile Holzleitern, die letzte mit gewöhnungsbedürftigem Ausstieg, bis zur Plattform. Nach Öffnen der Stahltür steht man unvermittelt draussen, hier ist es richtig zugig und ungemütlich. Aber mit schönem Blick auf das Meer und die Stinkbaai. Schnell rundum gelaufen, einige Fotos gemacht, die kleine Eisentreppe hoch gekraxelt um einen Blick auf das Leuchtfeuer, eine vier Kilowatt-Lampe mit Fresnel-Linse, zu erhaschen. Das war`s schon, schnell ging es wieder ins Innere und nach unten, wo Trudi wartete.
Ich wollte noch schnell fünf Minuten Fotos von der Landseite des Leuchtturms machen. Daraus wurden zwanzig – das Motiv war trotz hochstehender Sonne einfach zu schön. Dann war es auch schon wieder Zeit uns von diesem schönen Ort zu verabschieden. Auf der Terrasse des Weinguts «Black Oystercatcher» gab es eine wunderbare, schön dekorierte, fein schmeckende Käseplatte mit regionalen Spezialitäten, ein Glas hauseigenen Wein und reichlich Mineralwasser. «Absolutely gorgeous». Gestärkt nahmen wir danach den restlichen Weg nach Hermanus unter die Räder.