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NEUMÜNSTER - Es muss im Jahre 1950 gewesen sein, als eine Nachbarin unserer Mutter erzählte, dass ein Monteur in ihrer Wohnung eine Reparatur vorgenommen und ihr von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage erzählt hatte. Sie war begeistert und lud unsere Eltern ein, die Kirche auch zu besuchen. Am 6. Januar 1951 wurde unsere Nachbarin in der Ostsee getauft.
Mutter ist in ihrer Kindheit mit der Bibel aufgewachsen. Ihre gläubige Großmutter hatte ihr gute Kenntnisse daraus vermittelt. In dieser Kirche sprach man jedoch von einem Nephi und Alma, von denen sie nie vorher gehört hatte. Dennoch kam ihr alles so vertraut vor. Sie staunte über das Wissen der anderen Besucher und wollte selber auch mehr wissen. Sie fühlte sich wohl und geborgen und die ganze Familie besuchte die Versammlungen. Vater hat seinen Töchtern zu Hause aus dem Buch Mormon vorgelesen. Nach einer unbedachten Bemerkung eines Sonntagsschullehrers zog er sich zurück und kam nicht mehr mit zur Kirche. Unsere Mutter ging sehr wohl weiter regelmäßig zur Kirche.
Unsere Mutter durfte sich nicht taufen lassen, da sie das Einverständnis unseres Vaters nicht bekam. Zu dieser Zeit wurde eine weitere Frau gefunden und deren Ehemann stimmte der Taufe seiner Frau und ihrer beider Söhne zu. Der Ehemann war ein Arbeitskollegen unseres Vaters. Unsere Mutter bot sich an, das Taufkleid für die Schwester zu nähen, was sie mit großer Freude aber unter sehr sehr vielen Tränen auch tat. Vater sah die Traurigkeit seiner geliebten Frau, der Herr erweichte sein Herz und er sagte zu ihr : „Dann lass Dich taufen, nimm aber auch gleich die Kinder mit.“ Und so geschah es.
Unsere Mutter, wurde am 15. August 1953 mit unserer ältesten Schwester getauft. Meine beiden weiteren Schwestern wurden 1956 getauft. Ich selber bin am 3. Oktober 1953 gesegnet und am 27. Januar 1962 getauft worden. Beinahe 3 Jahre harrte Mutter aus, besuchte jeden Sonntag die Kirche, bis sie die Zustimmung ihres Mannes erhielt. Dennoch führten unsere Eltern eine glückliche, vorbildliche Ehe. Sie liebten ihre Kinder und gaben uns alles, was sie konnten.
All die Jahre unserer Kindheit hat unsere Mutter uns jeden Sonntag an die Hand genommen und ist mit uns zur Sonntagsschule gegangen. Das war sicherlich nicht immer einfach, da Kinder und Jugendliche mit viel Liebe und Überredung so manchen Sonntag auf den Weg gebracht werden müssen. Das war damals nicht anders als heute! Mutter hat es getan, Sonntag für Sonntag. Sie hat uns ihren Glauben an Christus 60 Jahre lang vorgelebt, immer gebetet und gelehrt, dass wir im Gebet wirklich mit dem großen Gott sprechen dürfen. Und dafür ist meine Mutter meine Heldin und wird es immer sein.