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«Weil ich Kinder über alles liebe, habe ich mich entschlossen, dir zu helfen», schrieb Rosmarie B. aus der Schweiz an Ilzamir S. in Recife (Brasilien). Die allein stehende Schweizerin hat «leider keine eigenen Kinder» und zahlte deshalb monatlich 45 Franken für ihr zehnjähriges Patenkind in Südamerika. Das christliche Hilfswerk World Vision aus Dübendorf ZH hatte ihr die Einzelpatenschaft im letzten Herbst vermittelt.
Rosmarie B. erhielt vom Hilfswerk einen Ausweis samt Foto «ihres» Patenkindes, Angaben über dessen Familie und einer Identitätsnummer. Ihre Spende werde für «vitaminreiche Ernährung, medizinische Betreuung, Schulbildung» und anderes eingesetzt, betonte World Vision. Davon würden neben Ilzamir und ihrer Familie die «ganze Dorfgemeinschaft» profitieren. World Vision unterhält gegen 28000 solcher Kinderpatenschaften, davon rund 700 in Brasilien. Das Hilfswerk ist nicht der schweizerischen Fachstelle für Spenden sammelnde, gemeinnützige Institutionen (Zewo) angeschlossen.
Zewo-Sprecherin Jacqueline Augsburger äussert sich skeptisch über Kinderpatenschaften: «Sie sind nur Marketinginstrument. Denn es geht nicht ums einzelne Kind, sondern um Projekte. Dagegen haben wir nichts, aber man sollte nicht die Kinder als Werbezweck missbrauchen.» Auch der Beobachter hat die World-Vision-Patenschaften kritisiert (Nr. 10/93).
Nach einem halben Jahr erhielt Rosmarie B. einen Brief von Ilzamir in portugiesischer Sprache sowie eine Übersetzung von World Vision. Doch sie stutzte, weil sie sah, dass der handgeschriebene Brief nicht von Ilzamir stammen konnte. «Ein zehnjähriges Kind weiss sicher nicht die Nummer, unter der ich für es einbezahlt habe.»
Zweifel an der Glaubwürdigkeit
Nun kamen Rosmarie B. auch Zweifel an anderen Angaben des Hilfswerks. Sie vermutete, ihre Patengelder seien «zweckentfremdet» worden, und bat um Rückzahlung ihrer Spende von insgesamt 270 Franken. Erstaunlicherweise gab das Hilfswerk sofort zu, dass «unsere Mitarbeiter den Kindern oftmals beim Verfassen der Schreiben behilflich sind, was sicherlich auch bei Ihrem Schreiben der Fall war». In der Regel sei dies aber auf dem Brief vermerkt. Nicht so bei dem auf World-Vision-Papier verfassten Brief an Rosmarie B.
Dort war in der Rubrik «Wer hat den Brief geschrieben?» das Kästchen «Kind» angekreuzt statt jenes für «andere Person».
Eine kleine Schummelei, sicher. World-Vision-Sprecher Andreas Nievergelt findet es denn auch «nicht fair», darüber zu schreiben. Kratzt sie an der Glaubwürdigkeit des Hilfswerks insgesamt? Zewo-Sprecherin Augsburger diplomatisch: «Wir haben da auch unsere Zweifel.» Immerhin und das ist fair hat World Vision die Spende inzwischen zurückbezahlt.