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29. August 2009
Angeregt durch den Vortrag von Wilfried Krenn, den ich hier erwähnt habe, habe ich letzte Woche im Unterricht ein visuelles Diktat ausprobiert.
Bei dieser Übungsform sehen die Lernenden einen Satz jeweils nur für ein paar Sekunden und notieren dann in einer ebenfalls kurzen Pause alle Wörter, an die sie sich erinnern.
Ich habe auf dem Beamer eine ganz simple Powerpointpräsentation gemacht. Jeder Satz steht in ausreichender Grösse auf einer Folie, dann folgt eine leere Folie. Ich habe jeden Satz ca. 5 Sekunden lang gezeigt, dann eine Pause von ca. 10 Sekunden eingelegt, gesagt “nächster Satz” und dann den nächsten eingeblendet, bis alle durch waren.
Anschliessend tauschten sie mit einem Partner die Ergebnisse aus und stellten Hypothesen über die Lücken in ihren Sätzen an. Nach 3-4 Minuten liess ich sie nochmals den Partner wechseln. Anschliessend haben wir dann ihre Texte mit der Vorlage verglichen und ein paar ausgewählte Stellen besprochen.
Wichtig ist, dass die Lernenden wissen,
- dass überhaupt nicht erwartet wird, dass sie alles aufschreiben können und
- dass die anschliessende Rekonstruktion (bei der Wissen über Grammatik, Wortschatz und auch über die Welt) aktiviert wird, das eigentliche Ziel der Übung ist.
Diese Erklärungen und den Ablauf habe ich auch gleich in die Powerpointfolie integriert. Die Übung hat gut geklappt. Die Lernenden hatten den Text fast richtig rekonstruiert und bei der Besprechung kamen einige sehr gute Fragen zum Text.
Dass in meinem Text ein Genitiv vorkommt, war übrigens Absicht. Auf diesem Niveau (A2/B1) müssen sie zwar den Genitiv noch nicht unbedingt benützen können, aber in authentischen Texten kommt er vor und man sollte verstehen, was er bedeutet. Da die Lernenden sich intensiv mit dem Satz auseinandergesetzt haben, ist die Bedeutung eigentlich schon kein Problem mehr. Einige Lernende hatten an der Stelle übrigens als Hypothese eine von-Konstruktion.