Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03292.jsonl.gz/599

Pinguine sind nicht nur rund um die Antarktis zu finden. Tatsächlich lebt die Hälfte aller Arten jenseits der Antarktis und wandern auch in temperate Gebiete, wenn der Nachwuchs erwachsen ist. Auch Magellanpinguine an der Küste Argentiniens folgen diesem Zyklus. Eine Studie hat nun gezeigt, dass es dabei Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, wohin sie ziehen und dass dies ein gewisses Konfliktpotential mit der nationalen Fischerei birgt.
Nach Angaben des Forschungsteams ziehen weibliche Pinguine generell im Winter weiter nach Norden als die männlichen Tiere, besonders zwischen Mai und August. Gegen Ende des Winters ziehen die beide Geschlechter dafür eher in Richtung Süden, in patagonische Gewässer. Einen Unterschied entdeckten die Forscherinnen und Forscher auch bei der Tiefe der Tauchgänge: Weibliche Pinguine tauchten in der Regel weniger tief als ihre männlichen Artgenossen, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit, an der auch der bekannte deutsche Forscher Klemens Pütz beteiligt gewesen ist. Sie erschien vor kurzem in der Fachzeitschrift PLoS ONE. Beide Geschlechter ziehen aber gemäss den Ergebnissen der Studie, in Regionen, in denen im Winter auch die Fischer häufig unterwegs sind. In den Regionen wird dabei vor allem auf Garnelen, Tintenfische und am Meeresboden gefischt. Dadurch konkurrieren sie mit beiden Geschlechtern, die unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten zu haben scheinen. Bei männlichen Pinguinen scheinen eher Tintenfische und Fische, die in der Tiefe leben, auf der Liste ganz oben zu stehen. Dagegen bevorzugen weibliche Tiere mehr Garnelen und kleinere Fische im oberen Bereich der Wassersäule.
Die Autoren der Studie untersuchten Magellanpinguine in der Provinz Tierra del Fuego und besenderten insgesamt 26 Tiere mit Geologgern. Mit diesen Geräten konnten sie die Bewegungen der Tiere, ihre Tauchtiefen und -dauer berechnen. Die Logger blieben während des ganzen Winters an den besenderten Tieren. So konnten sie die Bewegungsmuster der Pinguine mit den Schiffsbewegungen der Fischereiboote abgleichen. Ausserdem sammelten die Forscher Blutproben von den Pinguinen, um darin Nachweise der Ernährung in der Winterzeit zu untersuchen. Doch die Forscher konnten nur neun Datensätze insgesamt auswerten, was nach Angaben des Forschungsteams die Aussagekraft der Studie etwas reduziert. Trotzdem glauben sie, dass ihre Daten eine Annäherung an ein potentielles Risiko für die Tiere darstellen und dabei helfen können, Schutzmassnahmen für die Pinguine zu erstellen. Sie weisen auch darauf hin, dass Argentinien bereits seit 2010 einen nationalen Aktionsplan zum Schutz von Seevögeln besitzt, um die Tiere vor Beifang zu schützen.
Magellanpinguine gehören zwar nicht zu den gefährdetsten Pinguinarten und man schätzt ihre Population auf 2 -3 Millionen Tiere. Doch immer mehr Fischereischiffe ziehen in die Gebiete, in denen auch die Pinguine und viele weitere Meerestiere den Winter verbringen. Dabei handelt es sich noch nicht einmal um einheimische Schiffe. Immer häufiger entdecken argentinische Behörden chinesische Trawler, die nahe der Seegrenzen Argentiniens fischen und auch vor illegalen Aktivitäten innerhalb der argentinischen Gewässer nicht zurückschrecken. Mehrfach kam es dabei zu Konflikten zwischen der Marine und den Fangschiffen. 2016 versenkte ein argentinisches Küstenwachschiff einen illegal fischenden Trawler aus China, nachdem dieser sich einer Kontrolle widersetzen wollte und das Schiff der Küstenwache mehrfach zu rammen versucht hatte. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal
Link zur Studie: Dodino S, Lois NA, Riccialdelli L, Polito MJ, Pütz K, et al. (2021) Sex-specific spatial use of the winter foraging areas by Magellanic penguins and assessment of potential conflicts with fisheries during winter dispersal. PLOS ONE 16(8): e0256339. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0256339