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Die Bank of America schätzt, dass Venezuela über Vermögenswerte und Reserven im Umfang von knapp 50 Milliarden Dollar zur Zahlungen von Anleihen und Importen verfügt. Barclays geht hingegen von einer Summe nahe 30 Milliarden Dollar aus. Und Nomura Holdings meint, das Land habe lediglich Zugang zu 10 Milliarden Dollar.
Die grossen Unterschiede bei den Schätzungen zeigen, wie schwierig zu bestimmen ist, ob das Land und sein staatlicher Ölkonzern genug Geld auftreiben können, um die rund 14 Milliarden Dollar an fälligen Anleihe-Zahlungen bis April 2017 vorzunehmen.
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Niedrigstes Niveau seit 2003
Analysten und Investoren gleichermassen versuchen die Frage zu beantworten, ob es Präsident Nicolas Maduro gelingt, bei allen Zahlungsverpflichtungen Schritt zu halten. Die Reserven des Landes waren zuletzt immerhin auf das niedrigste Niveau seit 2003 geschrumpft. Zudem leidet die Wirtschaft Venezuelas unter dem Einbruch der Ölpreise.
Der Mangel an Transparenz, der seit langem die tatsächliche Finanzlage Venezuelas verschleiert, erschwert die Konsensbildung. Ein Beispiel dafür ist der Verkauf billigen Öls an Verbündete in der Karibik und Mittelamerika. Während Bank of America die Transaktionen mit einem Wert von rund 5,4 Milliarden Dollar in den eigenen Berechnungen ansetzt, werden sie von Barclays überhaupt nicht berücksichtigt.
Höchste Kreditausfallversicherung der Welt
«Wir alle versuchen die Frage zu beantworten, ob Venezuela Geld hat, ob es Wege hat, um Geld für die Zahlungen aufzutreiben. Und dafür muss man wissen, wie viele Aktiva es flüssig machen kann», sagt Analyst Francisco Rodriguez von Bank of America.
Die Kreditausfallversicherungen für Venezuela sind so hoch wie für kein anderes Land in der Welt. Händler sehen derzeit eine Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall bis Juni nächsten Jahres von 69 Prozent. Anleihen mit einer Laufzeit bis 2027 rentierten am Dienstag dieser Woche bei 26,6 Prozent - verglichen mit einem Durchschnitt von 5 Prozent für Schwellenländer insgesamt.
«Umgang undurchsichtig»
Venezuelas Zentralbank hatte für das dritte Quartal auf ihrer Webseite von Aktiva des öffentlichen Sektors im Umfang von 95 Milliarden Dollar berichtet. Am 1. April bezifferte das Land seine Fremdwährungsreserven auf 13,2 Milliarden Dollar. Das Finanzministerium reagierte nicht auf Nachfragen von Bloomberg.
«Der Umgang Venezuelas mit diesen Daten ist sehr undurchsichtig. Daher gibt es all diese verschiedenen Schätzungen von Analysten und in der Wahrnehmung von Investoren», sagt Alejandro Arreaza von Barclays in New York. «Grundsätzlich betrachtet der Markt die Ressourcen, auf die sich Venezuela wirklich verlassen kann, sehr skeptisch.»
Angesichts eines geringen Bestands an harten Devisen fällt es Venezuela schwer, für Importe zu bezahlen. Den Einwohner mangelt es daher an Gütern von Toilettenpapier bis hin zu Deodorant. Einem Bericht von Reuters zufolge nutzt Venezuela Anleihen, um für Pharma-Importe zu bezahlen.
Laut Nomura haben die Aktiva des Landes im Falle eines Ausfalls zwar einen gewissen Wert, sie seien aber nicht liquide genug, um das Defizit in diesem Jahr finanzieren.
«Wenn sie Lieferanten mit Anleihen bezahlen und sich durch geringere Importe quälen, dann legt das den Schluss nahe, dass es keine anderen Quellen für Finanzmittel gibt», sagt Siobhan Morden, Chefin für Festverzinslichen-Strategien bei Nomura in New York.
(bloomberg/chb)