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Denkmal für unbekannte Chemiearbeiter
von Carlo Angelos Michel
Mein Großvater, Gastarbeiter aus Italien, starb im Alter von 39 Jahren an den Folgen einer Vergiftung, die er sich bei der Arbeit in der chemischen Industrie in Basel zugezogen hatte.
Ich möchte das nicht aus persönlichen Gründen oder aus Betroffenheit thematisieren, aber ich denke, dass er nicht der einzige Mensch war, dem damals ein solches Schicksal beschieden war. Die Firmen haben sich in jener Zeit kaum oder gar nicht um das gesundheitliche Wohl der Angestellten gekümmert. Sie selber aber sind munter herangewachsen und haben tüchtig Geld verdient.
Es soll hier nicht um eine Anklage der Industrie gehen. Ihr Verhalten muss man im Kontext der damaligen Umstände sehen. Die Behörden haben zu jener Zeit viel weniger strenge Auflagen an die Fabriken gemacht.
Wir alle profitieren hier in Basel sicher auch von der chemischen Industrie. Aber die Industrie profitiert ihrerseits bis heute von Basel und seiner Bevölkerung. Schaden gab es allerdings nur für die arbeitenden Menschen, während die Chemie unversehrt über die Runden kam.
Deshalb denke ich, dass sich heute für die chemische Industrie eine gute Gelegenheit ergäbe, der Bevölkerung und der Stadt etwas zurückzugeben: ein großzügiges Entgegenkommen beim Verkauf ihrer über Jahrzehnte erworbenen Bauten und Grundstücke auf dem Klybeck-Areal.
Zudem fände ich es angebracht, auf dem Areal ein Denkmal des unbekannten Chemiearbeiters und der unbekannten Chemiearbeiterin zu erstellen. Zum Beispiel einen Turm mit einer Aussichtsplattform, einer Skulptur und einem kleinen Ausstellungsraum, einer Informationsstation zur Geschichte der hier ansässigen Industrie und ihres Wachstums, zu ihren Sonnen- und Schattenseiten und ihrem allmählichen Abschied aus dem Quartier.