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Mit dem Ziel, das Projekt Transrun bis 2020 umzusetzen, ist eine Aktiengesellschaft gegründet worden
Öffentlich-private Partnerschaft ist keine Lösung für den Transrun
Patrick Vianin ist der neue Direktor der Aktiengesellschaft Transrun SA, die am 28. Juni gegründet wurde, um zwischen La Chaux-de-Fonds und Neuenburg die schnelle Bahnverbindung Transrun zu bauen.
kontakt.sev: Sie sind der neue Direktor der Transrun SA. Zurzeit arbeiten Sie in den Büros der Kantonsverwaltung. Ist ein Umzug geplant?
Patrick Vianin: Ja. Wir suchen Räumlichkeiten für die neue Gesellschaft, da wir gegenwärtig im kantonalen Amt für Verkehr untergebracht sind. Wir möchten näher zum Bahnhof und damit sichtbarer werden.
In der Tat hat der Transrun im Kanton Neuenburg ein Imageproblem, nicht wahr?
Ja, genau. Die Neuenburger/ innen sind über das Projekt und seine Zusammenhänge zu wenig gut informiert. Wir werden versuchen, die Kommunikation zu verbessern. Wir beginnen damit im September anlässlich des 150. Geburtstags der Jurasüdfuss-Linie.
Welche Ziele sollen mit dem Transrun erreicht werden?
Die Fahrzeit zwischen dem oberen und dem unteren Kantonsteil soll von aktuell 30 bis 40 Minuten auf 13 Minuten verkürzt werden. Damit soll der Zug für Pendlerinnen und Pendler, die für die Autofahrt von La Chaux-de-Fonds nach Neuenburg 15 bis 20 Minuten benötigen, attraktiver werden. Die Autobahn ist praktisch ausgelastet. Zudem soll der Transrun das Funktionieren des Staates und der kantonalen Institutionen verbessern.
Stimmt es, dass die Züge im Viertelstundentakt verkehren sollen?
Ja, man weiss jetzt, dass dies technisch möglich ist.
RUN oder Transrun?
• Der RUN ist die globale Entwicklungsstrategie des Kantons Neuenburg.
Die Agglomerationsgemeinden werden vernetzt, um zusammen die kritische Grösse von 120 000 Einwohner/innen zu erreichen. Damit gehören sie zur Gruppe der Städte mit den wichtigsten Entwicklungsmotoren, und sie können eine eigentliche Agglomerationspolitik betreiben.
Die Strategie ist eine Antwort auf die Gefahr der Isolierung und Marginalisierung des Kantons auf schweizerischer und europäischer Ebene sowie intern auf den sterilen Gegensatz zwischen dem oberen und unteren Kantonsteil.
Das Agglomerationsprojekt RUN umfasst zahlreiche Infrastrukturprojekte. Dazu gehören P+R-Parkplätze und ein Konzept für den öffentlichen Verkehr, das bessere Verbindungen zwischen allen Regionen des Kantons anstrebt.
• Der Transrun ist eines der Projekte von RUN – und wohl das Wichtigste von allen.
Ziel ist eine schnelle Bahnverbindung zwischen den Neuenburger «Bergen» und dem unteren Kantonsteil. Diese soll die Fahrzeit zwischen La Chaux-de-Fonds und Neuenburg auf 13 Minuten verkürzen.
Wer wird den Transrun benutzen?
Natürlich die Pendlerinnen und Pendler. Ihre Zahl könnte sogar noch stark zunehmen. La Chaux-de- Fonds rückt dank dem Transrun auf 55 Minuten an Lausanne heran, eine akzeptable Fahrzeit. Es ist sehr wichtig, den Transrun ins SBB-Netz zu integrieren. Die Jurasüdfuss-Linie ist zwar schon fast überlastet, doch kann man darauf trotzdem noch zusätzliche Züge verkehren lassen. Pro Stunde könnte ein Zug bis Lausanne weiterfahren. So würden die Neuenburger Berge, das Tal von St-Imier und die Freiberge besser erschlossen. Damit könnten sie Leute, die im sehr teuren Genferseebogen arbeiten, als Einwohner/ innen gewinnen.
Warum wurde eine eigene Aktiengesellschaft gegründet, statt die Projektleitung der SBB zu überlassen, wie dies zum Beispiel bei der Ceva geschah?
Die SBB hat zu wenig Ingenieure. Zudem gehen für sie andere Projekte vor. Der Kanton will bestimmen können, wie schnell das Projekt vorangetrieben wird. Und die Gründung einer Gesellschaft ausserhalb der Kantonsverwaltung macht uns flexibler. Zudem kann der Verwaltungsrat aus Spezialisten mit wertvollen Kompetenzen zusammengesetzt werden, was im öffentlich-rechtlichen Rahmen nicht ohne Weiteres möglich wäre.
Beteiligt sich die SBB an dieser Gesellschaft?
Nein, zurzeit nicht. Einziger Aktionär ist gegenwärtig der Kanton. Die SBB wird vielleicht später einsteigen.
Inwiefern ist die Transrun SA eine Schweizer Premiere?
Kein anderer Kanton hat bisher eine Gesellschaft gegründet, um ein solches Verkehrsprojekt auf die Beine zu stellen und zu finanzieren. In der Deutschschweiz denkt man darüber nach. Die Alp- Transit AG, die gegenwärtig prüft, ob sie über den Neat- Tunnelbau hinaus aktiv bleiben will, ist ein Beispiel, von dem wir uns inspirieren liessen. Doch diese Gesellschaft hat nicht die Aufgabe, finanzielle Mittel zu beschaffen. Diese Art von Gesellschaft ermöglicht es der SBB, Projekte von einer gewissen Grösse rascher zu realisieren.
Wie viel Geld konnte schon aufgetrieben werden und wie sollen die noch fehlenden Mittel beschafft werden?
Der Bund sollte einen Teil übernehmen, doch ist noch nichts klar entschieden. Der Kanton dachte zuerst daran, seinen Teil über eine Öffentlich- private Partnerschaft ÖPP (Public-Private- Partnership PPP auf Englisch) zu finanzieren. Doch dieses System ist für den Transrun ungeeignet, wie Studien aufgezeigt haben, die das Bundesamt für Verkehr und die Eidgenössische Finanzverwaltung genau geprüft haben, denn es handelte sich um Pilotstudien für die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs. Das Ergebnis hat die Linke gefreut!
Die ÖPP ist wirtschaftlich nicht das beste System. Es ist vorteilhafter, das Geld aufzunehmen. Die ÖPP eignet sich vor allem für den gemeinsamen Betrieb. Beim Transrun aber würde der Bau den weitaus grössten Vertragsteil darstellen.
Diese Erfahrung des Kantons Neuenburg zerstört die Hoffnungen jener, die mit der ÖPP Bahninfrastrukturen finanzieren wollten, die in ein Netz integriert sind.
Wie aber soll nun das nötige Geld aufgetrieben werden?
Die Gesellschaft Transrun SA wird einen Kredit aufnehmen und der Kanton eine Garantie dafür leisten. Der Grosse Rat soll erst 2012 darüber entscheiden. Danach könnte es ein Referendum geben, das den Prozess verlangsamen würde. Daher stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, schon früher darüber abzustimmen. Irgendwie wäre es doch wichtig, dass das Volk zu einem Projekt Stellung nehmen kann, das für seine Zukunft so wichtig ist wie der Transrun.
Welche Rolle kommt der SBB genau zu?
Wir arbeiten mit der SBB sehr gut zusammen, denn sie hat alles Interesse daran, dass dieses Projekt kommt, da sie andernfalls Geld in die existierende veraltete und wenig leistungsfähige Linie stecken müsste. Sie könnte künftig zu den Aktionären der Gesellschaft gehören. Noch ist nichts konkretisiert worden.
Es werden Bahnhöfe aufgehoben. Gewisse Regionen werden also zu den Verlierern gehören?
Ja, gewisse Bahnhöfe gehen verloren, aber andere werden geschaffen. Die Dörfer, die ihre Bahnhöfe verlieren, werden mit einem Busnetz bedient werden.
Was soll nach 2020 aus der Gesellschaft Transrun SA werden?
Wenn die Linie gebaut und die Betriebskonzession vergeben ist, wird sie aufgelöst.
Interview: Henriette Schaffter / Fi