Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03433.jsonl.gz/1317

Hauptinhalt
Bäume und Sträucher im Uferbereich von Fliessgewässern haben eine stabilisierende Wirkung und tragen zur ökologischen Vielfalt bei. Holz im Bach- und Flussbett führt zu zahlreichen, kleinräumigen morphologischen Strukturen, welche eine grosse Variabilität von Abflusstiefen und -geschwindigkeiten erzeugen. Diese Strukturen bieten Tieren Schutz, Ruhezonen und Nahrungsquellen. Demgegenüber kann Frisch- und Totholz während eines Hochwassers durch Rutschungen und Erosion aus den Einhängen und dem Gerinne mobilisiert und mittransportiert werden. Grössere Ansammlungen und Ablagerungen
von Schwemmholz können bei ungenügendem Abflussprofil zu Verklausungen führen, z. B. bei Brücken oder anderen Engnissen. Die Folgen sind oft Ausbrüche des Fliessgewässers wie Überschwemmungen und Übersarungen der angrenzenden Gebiete. Gebüsch und Holz in und an Fliessgewässern bildet somit sowohl ein ökologisch wertvolles Element als auch eine Gefahr für Menschen und Sachwerte.
Ereignisanalysen der Hochwasser in den letzten Jahrzehnten haben gezeigt, dass die anfallende Schwemmholzmenge während eines Hochwassers sehr stark variieren kann. Die Spannweite reicht von wenigen Kubikmetern bis hin zu einer Schwemmholzkubatur von bis zu 25'000
Kubikmetern pro Hochwasserereignis (z. B. in der Melezza 1978 und in der Reuss oder am Thunersee 2005). Aus demselben Einzugsgebiet können mehrere Male hintereinander bei Ereignissen grosse Schwemmholzmengen mitgeführt werden, so z.B. beobachtet an der Rhone in den Jahren 1987, 1993 und 2000. Auch die Herkunft des mitgeführten Schwemmholzes kann sehr unterschiedlich sein. Der Anteil Frischholz variierte zum Beispiel bei den Hochwassern im Jahr 2005 stark, belief sich aber immer auf über 50 Prozent der gesamten Schwemmholzmenge. Diese Analysen zeigen die Komplexität der vorherrschenden Mobilisierungs-,Transport- und Ablagerungsprozesse, für welche bis heute Forschungsbedarf besteht. Vorhersagen sind äusserst schwierig und mit vielen Unsicherheiten behaftet.
Schwemmholz soll und wird im Rahmen von Gefahrenbeurteilungen an Fliessgewässern berücksichtigt. Schwemmholz soll auch als fester Bestandteil in die Planung wasserbaulicher und waldbaulicher Massnahmen sowie in die Notfallplanung einbezogen werden. Es gilt dabei realistische Szenarien zu erarbeiten. Eine einheitliche Methodik von der Abschätzung des Schwemmholzpotentials über die Mobilisierung, den Transport bis hin zur Ablagerung und Beurteilung allfälliger Verklausungswahrscheinlichkeiten besteht aber bis heute nicht. In den Empfehlungen «Berücksichtigung der Hochwassergefahr bei raumwirksamen Tätigkeiten» (BWW, BRP, BUWAL, 1997) und in der «Wegleitung Hochwasserschutz an Fliessgewässern» (BWG, 2001) sind nur sehr wenige Angaben zum Umgang mit Schwemmholz vorhanden.
Das Bundesamt für Umwelt erkannte insbesondere nach der Ereignisanalyse 2005, dass wissenschaftlich robuste Methoden zur Abschätzung der durch Schwemmholz verursachten Gefahren noch lückenhaft sind. Nach einer ausgedehnten Auslegeordnung initiierte es deshalb das interdisziplinäre Forschungsprogramm WoodFlow.