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Wenn es nur ein oder zweimal pro Nacht passieren würde, würde es wohl keiner merken. Aber leider ist Schlafapnoe eine Erkrankung, bei der die Apnoephasen gehäuft auftreten – aus diesem Grunde spricht man von einem Syndrom – und bewirken, dass sich der Patient am Morgen völlig erschöpft fühlt. Dieser Effekt der chronischen Erkrankung entfaltet eine verheerende Wirkung.
Erschöpfungszustände, Entkräftung, Schläfrigkeit: Wenn der Organismus im Schlaf wiederholt nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, ist das eine echte Prüfung für ihn. In der Schweiz befinden sich 150 000 Personen wegen dieser Erkrankung in Behandlung – aber die Schlafapnoe betrifft wahrscheinlich 5 bis 10% der Bevölkerung. Diese Zahl sowie die Konsequenzen für den Organismus machen die Erkrankungen zu einem großen Problem für die öffentliche Gesundheit, wie Doktor Frédéric Lador, der als Pneumologe am Universitätsspital Genf (HUG) tätig ist, unterstreicht: „Obstruktive Schlafapnoen führen nicht nur zu einer ausgeprägten Verschlechterung der Schlafqualität, sondern ziehen auch kardiovaskulären Stress nach sich. Genau wie ein zu hoher Cholesterinspiegel muss Schlafapnoe als Risikofaktor für das Herz-Kreislaufsystem angesehen werden.“
Viele Menschen schnarchen und der Prozentsatz der Betroffenen steigt mit zunehmendem Alter. Bei den über 60-Jährigen schnarchen 40% der Frauen und 60% der Männer episodisch, während ein Viertel der Männer und 10% der Frauen starke Schnarcher sind. Schnarchen und Schlafapnoe sind nah miteinander verwandt. In beiden Fällen ist eine Verengung der Atemwege im hinteren Rachenbereich zu beobachten. Diese Verengung ist hauptsächlich auf die Erschlaffung der Muskulatur beim Einschlafen zurückzuführen. Die Zirkulation der Atemluft wird behindert und das Gewebe beginnt zu vibrieren: man schnarcht. Wenn dieser Verengungsprozess weiter fortschreitet, kann der Rachen sogar ganz verschlossen werden. In diesem Fall spricht man dann von einer obstruktiven Schlafapnoe. Das Stocken der Atmung führt zu einer Verschlechterung der Sauerstoffversorgung und zur Beschleunigung des Herzschlags. Die betroffene Person wacht nach mehreren Sekunden abrupt auf und beginnt wieder zu atmen, bisweilen, ohne das zu merken. „Als Apnoe bezeichnet man eine Unterbrechung der Atmung, die länger als 10 Sekunden dauert“ erläutert der Pneumologe. Um die Diagnose zu bestätigen, muss eine sogenannte Polysomnographie durchgeführt werden, also eine Aufzeichnung des Schlafs. Einige wenige Apnoen – bis zu 5 pro Stunde – können auch bei normalen Individuen auftreten, aber zahlreiche Patienten kommen auf 30 bis 100 Apnoen pro Stunden, die teilweise 1 Minute lang dauern.“ Man versteht besser, warum die obstruktive Schlafapnoe zu Müdigkeit durch Schlafmangel führt und Stress für das Herz-Kreislauf-System bedeutet. Die Apnoen können auch zentralen Ursprungs sein; in diesem Fall funktioniert der Atemantrieb im Gehirn nicht richtig. Zentrale Apnoen können von Medikamenten hervorgerufen werden oder als Folge eines Schlaganfalls oder einer Herzinsuffizienz auftreten.
Oft ist es der Lebenspartner, der, geängstigt von dem Schnarchen und den beeindruckenden Atemstillständen des Schlafenden, den Alarm auslöst. Die betroffene Person merkt ihre Schläfrigkeit daran, dass sie vor dem Fernseher, im Auto, nach dem Essen einfach einschläft oder ein unkontrollierbares Bedürfnis an den Tag legt, ein Mittagsschläfchen zu halten. „Zu den klassischen Beschwerden zählen: nach Luft ringend aufzuwachen und nachts auf die Toilette zu müssen“ erklärt Frédéric Lador. Das höchste Schlafapnoen-Risiko haben Männer mit einer sitzenden Tätigkeit, die schnarchen und übergewichtig sind. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen und Alkoholgenuss. Die Beatmungsgeräte bringen unter OSA leidenden Patienten eine unschätzbare Erleichterung. Die Standard-Behandlung für diese Erkrankungen ist eine unter der englischen Bezeichnung „Continuous Positive Airway Pressure (CPAP)“ bekannte Behandlung, bei der die Atemwege durch einen ununterbrochenen Luftstrom durchgängig gehalten werden, was die Atemstillstände und das Schnarchen verhindert. Die Kompliziertheit des Geräts ist im Vergleich zu dem unschätzbaren Vorteil, endlich wieder richtig schlafen zu können, das kleinere Übel. „Viele unserer Patienten wirken mit der CPAP Behandlung wie ausgewechselt“ meint Frédéric Lador. Bei leichten OSA-Formen kann ein Gerät zum Vorschieben des Unterkiefers eine wirksame Alternative darstellen. Dieses schiebt den Unterkiefer und die Zunge nach vorne, damit die Atemluft besser zirkulieren kann. Darüber hinaus wurden Westen entwickelt, die Patienten, bei denen sich die Apnoen größtenteils beim Liegen auf dem Rücken einstellen, beim Schlafen in die Seitenlage zwingen. Eine andere Methode ist das Implantieren eines Pacemakers (Schrittmachers), um den Nervus hypoglossus (der die Zunge kontrolliert, A.d.R.) zu stimulieren. Dieses Gerät sendet einen Impuls an die Zunge, um ihren Muskeln wieder Spannkraft zu verleihen, wenn diese sich entspannen und so die Zunge den Rachenraum versperrt. Eine interessante Technik, die sich jedoch erst noch bewähren muss.“
Mit Frédéric Lador, Pneumologe im Schlaflabor des Universitätsspitals Genf
Doktor Frédéric Lador ist Oberarzt am Universitätsspital Genf (HUG) und als Pneumologe im Schlaflabor tätig. In dieser fachübergreifenden Abteilung werden Patienten mit Schlafstörungen behandelt; außerdem werden hier funktionelle Untersuchungen wie Polysomnographien und Elektroenzephalogramme ausgeführt. Frédéric Lador ist ferner Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Pulmonale Hypertonie (SGPH).
Einige Anti-Schnarch-Tipps: