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Brauchen wir Milch für starke Knochen?
Die offizielle Empfehlung des Schweizer Osteoporose-Verbandes Osteoswiss zur Vorbeugung von Osteoporose lautet: «Es gilt auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, die abwechslungsreich, vor allem aber reich an Calcium sein soll, um der Osteoporose vorzubeugen. Milch und Milchprodukte sind die wichtigsten Calciumlieferanten. Sie dürfen deshalb auf keinem Menüplan fehlen.»
Die These, dass Milchprodukte aufgrund ihres hohen Calciumgehalts vorbeugend gegen Osteoporose wirken können, wird von den meisten Ernährungsexperten unkritisch so weitergegeben. Dabei gibt es einige handfeste Argumente, die dagegen sprechen:
Milchkonsum und Osteoporose
Asiaten und Afrikaner haben zu fast 100% eine Unverträglichkeit gegen die in der Milch enthaltene Laktose. Sie konsumieren demnach praktisch keine Milchprodukte und trotzdem war Osteoporose bis vor einigen Jahren in diesen Ländern so gut wie unbekannt. In Europa leben in Frankreich mit 42% am meisten Menschen mit einer Laktoseintoleranz, die demnach keine Milchprodukte zu sich nehmen. Interessanterweise ist Frankreich auch das Land in Europa mit den wenigsten Osteoporosefällen. Im Gegensatz dazu Schweden: Gerade einmal 3% der Einwohner vertragen keine Milch und dennoch ist es das Land in Europa, in dem am meisten Menschen an Osteoporose leiden.1
Diese Beobachtungen zeigen sehr deutlich, dass etwas mit der Theorie «Hohe Calciumaufnahme = weniger Osteoporose» nicht stimmen kann. Unabhängige Studien bestätigen zudem, dass eine hohe Calciumaufnahme nichts mit einer hohen Knochendichte zu tun hat:
Ein Forscherteam am Zentrum für Alter und Mobilität der Universität Zürich unter Leitung von Prof. Heike Bischoff-Ferrari war in einer umfassenden Meta-Studie mit insgesamt über 190000 teilnehmenden Frauen der Frage nachgegangen, ob mit einer Ernährung reich an Milch und Milchprodukten die Gefahr von Knochenbrüchen vermindert werden könnte – mit enttäuschendem Ergebnis: Ein Zusammenhang von Milchkonsum mit Hüftknochenbrüchen konnte nicht beobachtet werden, gleichgültig wie viel Milch die Frauen täglich zu sich nahmen.2
Diese Ergebnisse decken sich auch mit anderen Studien.3
Sonnenschein für starke Knochen
Immer deutlicher erkennen die Mediziner die Bedeutung des sogenannten «Sonnenschein»-Vitamins, des Vitamins D. Dieses wird zu 90% durch die UVB-Strahlen der Sonne im Körper selbst gebildet. Es ist nicht nur notwendig, um Calcium in den Knochen einzulagern, sondern verhindert auch Ablagerungen an den Wänden der Blutgefässe und damit die Verengung der Adern bis hin zum Verschluss.
Brauchen wir also Milch?
Ein Vergleich zwischen dem Milchkonsum und dem Osteoporoserisiko der verschiedenen Länder sowie die neusten medizinischen Studien machen deutlich: Die Milch machts nicht! Ein Grund mehr also, bei seiner Gesundheitsvorsorge auf ausreichend Bewegung bei Tageslicht zu vertrauen zusammen mit einer pflanzlichen Ernährung, die reich an Gemüse, Nüssen, Samen und Früchten ist.
Bernadette Raschle
Weitere Infos: www.sonnennews.de/ category/osteoporose/
- International Osteoporosis Foundation, «Osteoporosis in Europe: Indicators of progress» 2004
- H. A. Bischoff-Ferrari et al., Milk intake and risk of hip fracture in men and women: A meta-analysis of prospective cohort studies, Journal of Bone and Mineral Research, 14. Oktober 2010 (online vorab publiziert)
- EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and nutrition)