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Wo hat das Jodeln seinen Ursprung? Volksmusiker wie auch Wissenschaftler wissen das selbst nicht so genau. „Schriftlich nachgewiesen ist das Jodeln bereits im 18. Jahrhundert im deutschsprachigen Alpenraum“, erklärt Dieter Ringli, Dozent an der Hochschule Luzern – Musik. Die Überlieferungen seien zumeist Reiseberichte deutscher Wanderer. In der gleichen Zeit dürfte auch in der Schweiz schon gejodelt worden sein. Traditionelle Gebiete in der Schweiz sind die Ostschweiz (Appenzell, Toggenburg), die Innerschweiz sowie das Berner Oberland.
Über die Entstehung gibt es gibt mehrere Hypothesen. Darunter auch ziemlich weit hergeholte. Etwa, dass sich die Stimme der Bergler aus Freude oder Leid beim Rufen oder Schreien überschlagen habe, oder, dass das Echo in den Bergen zur Melodiebildung beigetragen habe. Vermutet wird auch, dass man das Alphorn imitiert habe, oder aber, dass das Jodeln die Topografie mit hohen Bergen und tiefen Tälern beschreibe. Weit verbreitet ist dafür die Ansicht, dass die Menschen in den Bergen durch Jodelrufe Informationen ausgetauscht hätten. „Doch auch das halte ich für nicht sehr wahrscheinlich“, sagt Dieter Ringli. Denn man habe in den Jodellauten keinerlei Hinweise auf codierte Informationen gefunden, während solche Formen von Kommunikation in anderen Weltgegenden durchaus existierten. Apropos andere Weltgegenden: Die spezielle Gesangsform, bei der kunstvoll zwischen Brust- und Falsettstimme gewechselt wird, findet man auch bei Pygmäen im Kongo oder in Indonesien. Ebenfalls als „Jodeln“ werden textfreie Gesangsformen in Skandinavien, bei den Inuit und in Osteuropa bezeichnet. Der traditionelle Jodel, wie wir ihn kennen, wird auch in den USA seit Jahrzehnten gepflegt und hat dort sogar Eingang in die Countrymusic gefunden.
1943 – ein wichtiges Jahr
Einen Boom in den städtischen Zentren erlebte der Jodel bereits Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem in Deutschland und Österreich. In der Schweiz erfuhr das Jodeln ab dem 20. Jahrhundert eine grosse Entwicklung. Diese begann mit der Gründung des Eidgenössischen Jodlerverbands (EJV) im Jahr 1910, dem auch die Alphornbläser und Fahnenschwinger untergeordnet sind. „Ziel war es damals, die Eigenheit des Schweizer Jodels vor den fremden Einflüssen aus Österreich und Bayern zu schützen“, erklärt Josef Röösli, Präsident des Eidgenössischen Jodler-Dirigenten- und -Komponistenverbands. Damals habe es eine starke Vermischung gegeben. In der Folge wurde das Jodeln vereinheitlicht und das Jodellied stark gefördert. Ab den 30er-Jahren folgte die Zeit der Vereinsgründungen, die sich bis in die 60er- und 70er-Jahre fortsetzte. Vereinzelte Vereine gab es bereits vorher.
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg setzte der EJV zu einer Offensive an, um den Jodel ins ganze Land hinauszutragen. Massgeblichen Anteil daran hatte Komponist Robert Fellmann mit seiner 1943 verfassten Grundschule; einer Anleitung zum Jodeln. Die Grundschule wurde in der Folge – vor allem im Mittelland – als verbindliches Regelwerk für das Jodeln betrachtet. Regionale Unterschiede, die bis heute das Jodeln prägen und ausmachen, wurden teils ausgemerzt. Dies hatte Fellmann nicht beabsichtigt.
Von Generation zu Generation
Der Naturjutz, wie die Jodler aus den traditionellen Regionen ihn pflegen, wurde früher an den Jodlerfesten oft belächelt. Mittlerweile hat er seine kulturelle Bedeutung zurückerlangt. In den verschiedenen Regionen wird er unterschiedlich genannt, zum Beispiel Juiz (OW, NW) oder Juuz (SZ). Die Appenzeller kennen das Zäuerli und das etwas langsamere Rugguserli, die Berner den „bhäbigen“ Jutz. Eine der urtümlichsten Formen ist der Muotataler Jutz. Den Naturjutz gibt es in unterschiedlichsten Formen und Prägungen, sowohl ein- wie auch mehrstimmig. Jutze wurden zumeist von Generation zu Generation weitergegeben, aber nicht aufgeschrieben. Man geht davon aus, dass die ältesten Naturjutze 80 bis 100 Jahre alt sind.
Text: Luzerner Zeitung
Bilder: Unspunnenfest.ch, Bkjv.ch