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Vor etwa einem Monat hat US-Präsident Barack Obama mitgeteilt, er lasse jetzt seinen Vizepräsidenten Joe Biden wieder von der Leine, um im Wahlkampf mitzumischen. Zur grossen Freude der Medien und der republikanischen Konkurrenz und zur ebenso grossen Sorge seiner demokratischen Freunde. Joe Biden ist bekannt für seine überraschenden Wahrheiten und seine Neigung zu rhetorischen Fehlleistungen.
«Bin Laden ist tot, und General Motors ist am Leben. Das müsst Ihr Euch mal bewusst machen!» erklärte er kürzlich an auf einer Spendentournee im Kreis von Journalisten. Knapper kann man es kaum formulieren. Aber vielleicht reicht es für eine Wahlentscheidung.
Von einer langen Geschichte…
Man kann aber nicht immer sicher sein, ob Biden auch ernst meint, was er sagt. Zum Beispiel kurz vor den letzten Präsidentschaftswahlen: «Hillary Clinton ist ebenso oder sogar noch besser qualifiziert als ich für die Position des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Offen gesagt, sie wäre vielleicht eine bessere Wahl gewesen.» (September 2008)
Aber Obama wählte Biden – und das war wahrscheinlich gar keine so schlechte Entscheidung -, obwohl Biden ihm am Anfang des ersten Wahlkampfs eher zweifelhafte Komplimente gemacht hatte:»Jetzt habt Ihr den ersten durchschnittlichen Afro-Amerikaner, der sich klar ausdrücken kann, klug ist und sauber und auch noch gut aussieht. Das ist doch ein Drehbuch, Mann!» (Januar 2007)
…in die heisse Gegenwart
Mittlerweile wählt er für seine Komplimente andere Themen. Bei einer Spendenaktion in New Jersey (am 19. März 2012) offerierte er dem Pressepool eine ziemlich dramatisierte Sicht der Liquidierung von Osama Bin Laden: «Ihr könnt 500 Jahre zurück gehen. Ihr könnt keine kühnere Aktion finden. Wir waren nie sicher. Wir hatten nie mehr als 48 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass er wirkich dort war.»
Und über Obama: «Hat irgendeiner von Euch irgend einen Zweifel, dass dieser Mann ein one-term-Präsident gewesen wäre, wenn das schief gegangen wäre?»
Und: «Dieser Typ ist bereit, das Richtige zu tun und dabei zu riskieren, dass er verliert.»
Und dann kam der Satz vom toten bin Laden und den lebendigen General Motors.
Joe Biden meint das offenkundig ernst. An diesem Sonntag, 1. April 2012, erklärte er in «Face the Nation» (CBS News talk), der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney habe den Kontakt zur Mittelklasse verloren. Er wisse offenkundig nicht, was die amerikanische Mittelklasse umtreibt. Sonst könnte er nicht die Rettung von General Motors durch die Obama-Administration kritisieren. Und – ohne sich gross um Zahlen und Fakten zu kümmern -: «GM ist heute wieder das grösste Unternehmen der Welt, schafft Hunderttausende von Arbeitsplätzen.»
Und während Romney Russland als «den geopolitischen Feind Nummer eins der USA» bezeichnet, unterstreicht Biden die Zusammenarbeit mit Medwedews Russland und die russische Unterstützung für die amerikanische Politik gegenüber Iran und Afghanistan (wo Biden innerhalb der Administration immer gegen die Truppenaufstockung gekämpft hatte).
…und nie die Zuversicht verlieren.
Bei anderer Gelegenheit gibt sich Biden locker, lässig, zuversichtlich. Die republikanischen Kandidaten, meint er, könnten Obama sowieso nicht schlagen. Geschlagen werden könnte er höchstens wegen einer dramatischen Entwicklung im Nahen Osten, wegen einer Wirtschaftskrise im Europäischen Raum oder allenfalls von dem grossen Geld, das mittlerweile unbegrenzt in die republikanischen Wahlkampfkassen fliessen kann (seit den Urteilen u.a. des Obersten Gerichts von 2010 können sogenannte Super PACS – Political Action Committees unbegrenzte Mittel für Wahlkampagnen einsetzen, wenn sie von den Kandidaten «unabhängig» sind).
«Aber sonst», so Biden», habe ich ein sehr gutes Gefühl.»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine