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Einen Tag, bevor die Euronext-Aktionäre über die Angebote der New Yorker (NYSE) und der Deutschen Börse entscheiden, lehnt die Schweizer Börse Fusionierungspläne ab.
Falls Euronext das Angebot von NYSE annimmt, müssen kleine Börsen wie Zürich ihre Strategie überdenken, sagt eine Börsenexpertin gegenüber swissinfo.
"Die Zusammenführung der europäischen Börsen ist nur eine Frage der Zeit, und kleinere Gesellschaften werden Wettbewerbsschwierigkeiten haben, wenn die Finanzmärkte globalisiert werden", sagt Hilary Cook, Direktorin für Anlagestrategie bei Barclays Stockbrokers in London.
Nach dem Angebot von New York Stock Exchange (NYSE) für Euronext wiederholte die Schweizer Börse, dass sie eine Fusion mit einer grossen europäischen Börse ausschliesse.
Zu Kooperationen sei sie allerdings bereit und erwarte, Anfang nächstes Jahr eine solche im Derivate-Handel mit der Deutschen Börse zum Abschluss zu bringen.
swissinfo: Was wären die Konsequenzen einer Fusion zwischen NYSE und Euronext?
Hilary Cook: Bis jetzt gibt es noch keine wirkliche Verdichtung bei den Börsenunternehmen, doch die NYSE strebt offenbar eine Globalisierung des Börsenmarktes an.
Wenn sie die Deutsche Börse schlägt, dann wird es wohl auch Druck auf die anderen geben, sich zusammenzuschliessen, da sie im Vergleich zum neuen Riesen NYSE/Euronext sehr klein aussehen würden.
Sowohl die SWX als auch die Londoner Börse können zwar sagen, Unabhängigkeit sei schön, aber der Londoner Aktienkurs sagt uns, dass ein Angebot angenommen würde, wahrscheinlich von Nasdaq, der elektronischen Börse der USA.
swissinfo: Warum ist die Grösse eines Börsenunternehmens entscheidend?
Hilary Cook: Um Kosten zu sparen. Was wir als Benutzer der Börsen wollen, ist ein kostengünstiger, gut regulierter Markt mit grosser Liquidität. Je grösser die Börse, desto tiefer sind die Kosten und desto besser die Liquidität.
swissinfo: Was bedeutet dies für SWX?
Hilary Cook: Es wird weiterhin Möglichkeiten geben, kleinere Aktien bei einzelnen Börsen zu handeln. Wenn es um die Globalisierung der Börsenmärkte geht, bezieht sich das auf internationale Unternehmen.
Die kleinen Börsen, die spezialisiert sind auf den Aktienhandel von kleinen Unternehmen mit einer kleinen Liquidität, brauchen keinen grösseren Partner, die können ohne weiteres unabhängig bleiben. Doch für die meisten der kleinen Börsen besteht nach wie vor der Druck, einen Partner zu finden.
swissinfo: Warum waren Börsenunternehmen bisher zurückhaltend gegenüber Fusionen? Ist das eine Frage des nationalen Stolzes?
Hilary Cook: Das ist zweifellos so. Sowohl London wie die Schweiz wollen an der Spitze der Finanzzentren sein.
Wer auch immer fusioniert, sollte erkennen, dass London und Zürich entscheidende Handelszentren sind. In Grossbritannien ist es interessant zu beobachten, wie viele Unternehmen Ausländern gehören. Dies ist auch bei der Börse möglich.
Wer sagt also, dass eine Offerte abzulehnen nicht bloss ein Bluff ist, um einen besseren Preis zu erzielen? Die Londoner Börse wies Angebote von £6 (Fr. 13.70) pro Aktie zurück und die Aktien stehen nun bei £12. Sie hatten also Recht, diese Angebote abzulehnen.
swissinfo-Interview: Jonas Hughes
(Übertragung aus dem Englischen: Susanne Schanda)
In Kürze
Euronext ist Europas zweitgrösste Börse und betreibt die Börsen von Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon wie auch die London International Financial Futures Exchange.
Am Montag hat die New Yorker Börse (NYSE) ein Übernahmeangebot von 8 Mrd. € (12,5 Mrd. Franken) für Euronext gemacht. Das entspricht rund 71 € pro Aktie, während das Angebot der Deutschen Börse 90 € pro Aktie beträgt.
Eine Fusion würde einen transatlantischen Riesen mit einem Börsenwert von 25,5 Mrd. Franken ergeben. Der Börsenwert der Schweizer Börse zusammen mit virt-x beträgt 1,17 Mrd. Franken.
Die Aktionäre von Euronext werden sich am Dienstag zum Angebot äussern.
Fakten
Die Schweizer Börse SWX wird von einer Gesellschaft von 55 Banken mit gleichem Stimmrecht kontrolliert.
Sie hat Anteile an verschiedenen anderen Börsenunternehmen, so an virt-x und EXFEED, Eurex und Stoxx.
Die Schweizer Börse wies 2004 ein Fusionsangebot der Deutschen Börse ab und hat wiederholt andere Angebote ausgeschlossen.