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Medienkompetenz wird immer wichtiger. Doch gerade damit scheint es
bei Sek- und Mittelschülern in den USA zu happern.
Eine Untersuchung der Uni Stanford (an der 7804 Studenten gefragt worden sind)
zeigt dort, dass in diesem Alter Jugendlichen sehr schnell irregeführt
werden können. So wurden
die Schüler gefragt, Informationsquellen nach Glaubwürdigkeit zu
bewerten. Es zeigte sich, dass ein Foto schon den Eindruck erwecken kann,
dass ein Tweet glaubwürdig ist.
Viele wissen nicht, dass Nachrichten in sozialen Medien persönlich auf den
User abgestimmt sind, dass es Algorithmen sind, welche Nachrichten im sozialen
Netzwerk Facebook anzeigen. Auch das Unterscheiden von Werbung
und Nachrichten ist schwieriger geworden. Selbst bei einem Artikel mit der
Überschrift "Präsentiert von der Bank von Amerika" geschrieben von einem
Autor, der bei der Bank arbeitet, haben zwei von drei Schülern
den Artikel nicht als Werbung erkannt oder angeben können, ob der
Artikel vertrauensunwürdig sei.
Nach Yalda Uhls, einer Psychologin am "Children's Digital Media Center" von der
Uni California, Los Angeles sind Jugendliche heute schon in
der Sekundarschule mehr als 7 Stunden pro Tag online.
Sie texten, lesen, sehen Videos, und das alles gleichzeitig.
Im Alter von 18 Jahren, kriegen schon 88 Prozent der jungen Erwachsenen die News
regelmässig von Facebook und anderen sozialen Medien
(Studie vom Media Insight Projekt, das 1045 Leute im Alter 18-34 befragte).
Quelle.
Man muss aber auch die Medien etwas ins Gericht nehmen. Weder der Wallstreet Journal Artikel,
noch die vielen Meldungen darüber:
Beispiel 1,
Beispiel 2,
Beispiel 3,
Beispiel 4Beispiel 5, die den Wall street journal Artikel abklatschen, machen sich die Mühe, einen
Link zu Stanford anzugeben.
Hier ist ein Stanford News Artikel vom November 22.
Als kritischer Beobachter muss man auch die Studie selbst hinterfragen.
Erstens einmal wurde die Studie gesponsert von der
Robert Mc Cormick foundation.
Nicht, dass das die Studie diskreditiert, doch es ist gut, die Sponsoren zu kennen.
Auch ist die aktuelle Studie noch schwierig zu finden. Es wäre zum Beispiel wichtig zu wissen,
welche Fragen genau gefragt worden sind. Der Direktor der Studie ist
Sam Wineburg. Er ist sicher eine Autorität
zum Thema, hat er doch ein Buch über das Lehren der Schriftkundigkeit in der Sekundar und
Mittelschule geschrieben. Doch wie alle Studien, besteht auch die Gefahr der Vorselektion.
Wenn zum Beispiel eine Umfrage online gestartet wird, dann bei Definition sind praktisch alle
Teilnehmer im Internet zu Hause. Aber Hier ist ein Youtube Video:
Schliesslich gibts auf
Heise eine gute Zusammenfassung:
Die übergrosse Mehrheit junger Schüler in den Vereinigten
Staaten kann nicht zwischen einem als "sponsored" getarnten Werbetext im
Nachrichtenformat und einem richtigen Nachrichtentext unterscheiden. Das
ist eines der Ergebnisse einer umfassenden Umfrage unter fast 8000
US-amerikanischen Kindern und Jugendlichen im Alter von mindestens
10 Jahren, aus der das Wall Street Journal vorab berichtet. Demnach
bewerteten viele Schüler etwa die Glaubwürdigkeit eines
nachrichtlichen Tweets anhand der Menge der enthaltenen Details und daran,
ob ein grosses Foto dazugehört - nicht aber anhand der Quelle.
Zu diesem Bild wurden Schüler gefragt, welcher der abgebildteten
Tweets am vertrauenswürdigsten sei. Mehr als die Hälfte
wählte den von Lisa Bloom, nicht den der freien Radiosender NPR
mit weitferführendem Link. Ein Studen habe sogar geschrieben,
der erste Tweet sei am glaubwürdigsten, weil er ein Foto
umfasse. Zu diesem Bild wurden Schüler gefragt, welcher der
Tweets die beste Informationsquelle sei. Mehr als die Hälfte
wählte den von Lisa Bloom, nicht den der freien Radiosender NPR mit
weiterführendem Link. Einer habe sogar geschrieben, der erste Tweet
sei am glaubwürdigsten, weil er ein Foto umfasse. Vergrössern
Bild: Stanford History Education Group Wie die US-Zeitung unter Berufung
auf die Studienergebnisse zusammenfasst, konnten mehr als zwei Drittel
der Befragten Mittelschüler (ungefähr 10 bis 14 Jahre alt)
nicht begründen, warum sie einem Text misstrauen sollten, in dem ein
Bankmanager argumentiert, dass junge Menschen mehr finanzielle Beratung
bräuchten. Vier von zehn High-School-Schülern (14 bis 18 Jahre
alt) glaubten, das Bild eines deformierten Gänseblümchens
mit passender Überschrift sei Beweis genug für die toxischen
Verhältnisse in der Nähe des AKW Fukushima, auch wenn zu dem
Foto keine Quelle oder Ortsangabe gehörten. In einem anderen Test
konnten lediglich 40 Prozent der Befragten erklären, warum sie nicht
in einem Kommentar sondern in einem Nachrichtentext nach Fakten zu einem
bestimmten Thema suchen würden. Medienkompetenz stärken
Angesichts der aktuellen Debatte über den Einfluss von sozialen
Netzwerken wie Facebook und Twitter auf den Nachrichtenkonsum nicht nur
junger Menschen, plädiert der Studienverantwortliche Sam Wineburg
für die Unterrichtung grundsätzlicher Medienkompetenzen. Aber
auch Eltern sollten mit ihren Kindern sprechen und fragen, warum
sie auf bestimmte Links klicken. Ausserdem müssten Kinder und
Jugendliche verstehen, dass das erste Ergebnis etwa einer Google-Suche
nicht automatisch das beste sei. Darauf, dass derartige Fertigkeiten
auch später fehlen, hat jüngst die Soziologin Zeynep Tufekci
hingewiesen: Lediglich 10 Prozent ihrer Studenten wissen demnach auf
Nachfrage, dass Facebooks Algorithmen entscheiden, welche Nachrichten
im jeweiligen Newsfeed angezeigt werden.