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Arbeitsaufenthalte in der Casa Pantrovà
Seit 2005 offeriert der STV seinen Mitgliedern die Möglichkeit, in Ruhe und in einem ebenso zauberhaften wie inspirierenden Ambiente zu arbeiten.
In Carona über dem Luganersee, oberhalb eines typischen Tessiner Dorfs, können STV-Mitglieder die Casa Pantrovà zu einem Vorzugspreis während dem ganzen Jahr mieten, je nach Verfügbarkeit der Räume. Über dieses Angebot hinaus schreibt der Tonkünstlerverein jedes Jahr auch zwei Gratisaufenthalte von zwei Wochen aus. Um davon zu profitieren, schicken Sie unserem Sekretariat (<email-pii>) per E-Mail eine kurze Beschreibung des Werks, des Projekts oder der Arbeit, die sie während Ihres Aufenthalts realisieren wollen, zusammen mit einer Biographie und natürlich einem Begleitbrief. Einsendeschluss ist der 20. August 2014.
Die Casa Pantrovà
Am Anfang der Casa Pantrovà steht das deutsche Schriftstellerpaar Lisa Tetzner (1894-1963) und Kurt Kläber (1897-1959). Die beiden Jugendbuchautoren, die sich stark im Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit engagierten, kamen seit 1924 regelmässig nach Carona oberhalb des Luganersees in die Sommerferien. Diesen zauberhaften Ort hatten ihnen Hermann Hesse und die Mutter von dessen zweiter Frau, die Schriftstellerin Lisa Wenger, empfohlen, die bereits in dieser Gemeinde lebte. Auf der Flucht vor den Nazis gingen Tetzner und Kläber dann endgültig in die Schweiz, wo Kläber zunächst Publikationsverbot erhielt. Er nahm bald danach das Pseudonym Kurt Held an und begann mit seiner Frau jene Jugendbücher zu schreiben, durch die beide weltweit bekannt wurden, so Die rote Zora oder Die schwarzen Brüder. Ins Zentrum ihre Werke stellten sie eine Solidarität, die die rechtlosen, unter ungerechten Gesetzen von der Gesellschaft ausgestossenen und perspektivelosen Kinder vereint. In der Freundschaft mit ähnlich benachteiligten und leidenden Kindern finden sie Hoffnung. Die Autoren verstanden Kunst also als erzieherisches Werk im Dienst der Gesellschaft.
1936 erwarben Tetzner und Kläber in Carona ein Grundstück, das sie zunächst landwirtschaftlich zur Selbstversorgung nutzten. Dank der Tantiemen und der Bucheinnahmen konnten sie 1955 hier das schöne Haus bauen, dem sie den Namen Casa Pantrovà gaben – « das gefundene Brot ». Dieser Name bezieht sich nicht nur darauf, dass eine Lebensgrundlage gesichert ist, der die Armen in ihrer harten Realität oft entbehren müssen, sondern auch auf die geistige Nahrung, die eine gelebte Kunst als Emanzipationsmittel bietet.
Während der Jahre, die ihn noch zu leben blieben, empfingen die beiden Schriftsteller bereits zahlreiche befreundete Besucher in ihrem grosszügigen Heim, das sie auch als Begegnungsstätte verstanden. Nach ihrem Tod vermachten sie das Haus der Pro Helvetia, unter der Bedingung, es werde Künstlern zur Verfügung gestellt, damit sie ungestört arbeiten können. 2005 kaufte die Gemeinde Carona das Haus zurück. Der Verein Casa Pantrovà wurde daraufhin gegründet, der sich um das Anwesen kümmert. Der Tonkünstlerverein engagiert sich seit Beginn in diesem neuen Verein und führt das Sekretariat. STV-Mitglieder kommen dadurch in den Genuss von Privilegien. Erstens können sie für einen der beiden zweiwöchigen Gratis-Aufenthalte ausgewählt werden, die der STV jedes Jahr exklusiv für seine Mitglieder ausschreibt; zweitens haben sie die Möglichkeit, das Haus für einen Vorzugspreis zu mieten.
Die Casa Pantrovà ist ein Haus, das Künstlern für Arbeitsaufenthalte offen steht. Ein Verein verwaltet das Haus, eine Intendantin betreut es vor Ort. Die bisherigen Benützer schätzen den Ort und seinen Frieden und beurteilen das Ambiente als sehr "inspirierend".
Umgeben von einem schönen Garten mit Bäumen, befindet sich die Casa Pantrovà mit ihrer wunderschönen Aussicht genügend abseits, so dass die Sommerfrische allenfalls von der Natur gestört wird. Das dreistöckige Haus umfasst unter anderem ein grosses Zimmer mit reicher Bibliothek (vor allem mit deutschsprachigen Büchern) und einem Bechstein-Flügel.
Der Verein Casa Pantrovà sucht übrigens neue Partner; Verbände können gegen einen jährlichen Beitrag ebenfalls davon profitieren, ihren Mitgliedern dieses Haus zur Verfügung stellen zu können (vgl. die Statuten auf der unten erwähnten Homepage)
Site : www.pantrova.ch
Aufenthalt in der Casa Pantrovà
Der Komponist Lukas Langlotz war eines der beiden STV-Mitglieder, die 2013 für einen Studienaufenthalt ausgewählt wurde. Er schickt uns folgenden Bericht:
«Am letzten Montag habe ich meinen zweiwöchigen Aufenthalt in der Casa Pantrovà beendet und blicke auf eine wunderbare Zeit der Einkehr und des Schaffens in Carona zurück. Ich möchte mich sehr herzlich bei Ihnen bedanken, dass mir dieser Arbeitsaufenthalt gewährt wurde!
Für mich war es das erste Mal in der Casa, und ich muss sagen, dass ich mir kaum einen besseren und schöneren Ort zum Komponieren vorstellen kann. Es war ein ganzes Ensemble von positiven Aspekten, die bewirkten, dass ich mich sofort wohl fühlte und mit dem Schreiben beginnen konnte. Nicht zuletzt liegt das auch an der liebenswürdigen und ausgezeichneten Betreuung durch Sylvia de Stoutz, die mich herzlich empfing und dafür sorgte, dass ich alles hatte, was ich brauchte. So konnte ich die mir gegebene Zeit intensiv nutzen, was meinem Projekt Amer – Tänze im Labyrinth (UA November 2013) sehr zugute kam.
Amer ist ein etwa 80-minütiger Zyklus für Ensemble (Flöte, Klarinette, Klavier, Perkussion und Streichquartett), der sich mit den Motetten von Guillaume de Machaut beschäftigt. Die Tänze im Labyrinth bestehen aus Kompositionen, die einerseits konstruktive Verfahren Machauts aufnehmen, andererseits zentrale inhaltliche und kontextuelle Aspekte verarbeiten, die sich im Spannungsfeld von Liebeslyrik und sakraler Thematik bewegen. Die Palette der kompositorischen Annäherungen reicht dabei von der Bearbeitung bis zur freien musikalischen Reflexion. Der für die spätmittelalterliche mystische Literatur typische Stufenweg zur ‚unio mystica‘ mit seinen erotischen Konnotationen bildet den Leitfaden: Gemäss einer These der Musikwissenschaftlerin A. W. Robertson können seine Stationen in der Anlage von Machauts Motetten nachvollzogen werden. So beschreiben die einzelnen Sätze von Amer den Tanz des Pilgers durch die Windungen des Labyrinths, das als Symbol für den Stufenweg steht.
Die Casa Pantrovà bot ideale Bedingungen und die nötige Ruhe, die ich brauchte, um in diese Ideenwelt einzutauchen.»
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- association Casa Pantrovà