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"Helfer für den täglichen Dienst"
Das liturgische Amt des Diakons übt man für ein halbes Jahr aus oder für immer - die Weihe ist dieselbe. Dieses Amt zeigt beispielhaft, wie Liturgie und Leben sich verbinden sollen.
Grosses Gewicht legt das Weihegebet der Diakonenweihe auf die Erinnerung an die Bestellung der sieben Helfer durch die Apostel, wie es in der Apostelgeschichte überliefert wird (siehe Geistlicher Impuls). "Helfer ... für den täglichen Dienst" sollten sie sein, denen die Apostel "durch Handauflegung und Gebet den Dienst an den Tischen übertragen" haben. Allerdings ist in der Apostelgeschichte bei der Bestellung des heutzutage gerne als "Stephanuskreis" bezeichneten Siebenergremiums nirgends von Diakonen die Rede. Auch der vom Autor der Apostelgeschichte betonte "Dienst an den Tischen" entpuppte sich sehr schnell als Verkündigungs- und Zeugendienst (vgl. die Stephanus- und die Philippuserzählung: Apostelgeschichte 6-8). Trotzdem wurde dieser bedeutende Bericht einer ersten urkirchlichen Ämter- und Aufgabenverteilung schon im zweiten nachchristlichen Jahrhundert von Irenäus von Lyon mit den Diakonen in Verbindung gebracht. Und diese Tradition hat sich bis heute in der Diakonenweihe der römischen und auch der byzantinischen Liturgie erhalten. Dabei ist der Akzent "Helfer für den täglichen Dienst" von besonderer Bedeutung.
Der Diakonat – ein Amt der alten Kirche
Diakone begegnen uns im Neuen Testament wie auch in der frühchristlichen Literatur der Ignatianischen Briefe und vor allem in den Kirchenordnungen des zweiten bis vierten Jahrhunderts in starker Bindung zum Bischof. So waren die Diakone die Helfer des Bischofs im Dienst an den Nächsten ("Dienst an den Tischen"), aber auch im Verkündigungs- und Verwaltungsdienst. So begründet bereits die Kirchenordnung "Traditio Apostolica" im späten zweiten Jahrhundert die Handauflegung bei der Diakonenweihe allein durch den Bischof damit, dass der Diakon "nicht zum Presbyter ..., sondern zum Dienst für den Bischof" geweiht werde.
Als später die starke Bindung zum Bischof wegfiel, verlor der Diakonat seine grosse Bedeutung. Viele Päpste der frühen Jahrhunderte waren zuvor Diakone, aber auch bedeutende Kirchengelehrte hatten dieses Amt inne. Später verschwand er als eigenständiges Weiheamt völlig. Nur noch die "Archidiakone" des Mittelalters, quasi die Vorläufer der Generalvikare oder heutzutage der Regionalbischöfe, erinnerten an die Bedeutung des Diakonates in der alten Kirche.
Im Dienst des Wortes, des Altars und der Liebe
Erhalten hat sich aber der vielfältige Aufgabenkatalog diakonalen Dienstes in den Weihegebeten und Ansprachen der Diakonenweihe. Die Weiheansprache eines liturgischen Buches des 13. Jahrhunderts, zählt die Aufgaben des altkirchlichen Diakons auf: "Es ist nämlich Aufgabe des Diakons, am Altar zu dienen, zu taufen und zu predigen." Bis heute finden sich diese Aufgaben in der Weiheansprache des Bischofs und sie haben die erneuerte Ausgestaltung des Diakonates im 20. Jahrhundert wesentlich bestimmt. Allerdings benennt die Weiheansprache die Aufgaben des heutigen Diakonates von dem erweiterten Amtsverständnis aus, dass der Diakon Helfer der Bischofs, aber auch Helfer der Priester ist: Der Diakon steht "im Dienst des Wortes, im Dienst am Altar und im Dienst der Liebe". Der Dienstcharakter ist das "Markenzeichen des Diakons", allerdings nicht nur beschränkt auf einen einzigen Grundvollzug von Kirche. So kommt es dem Diakon zu, das Evangelium zu verkünden und gegebenenfalls auch auszulegen. Diakone bereiten den "Tisch für das eucharistische Mahl" und assistieren dem Bischof oder Priester. Sie leiten die Feier der Taufe und segnen die Brautleute. Sie begleiten die Kranken und Sterbenden und bestatten die Verstorbenen. Schliesslich versehen sie "im Auftrag des Bischofs oder Pfarrers den Dienst helfender Liebe" – die Diakonie im engeren Sinn.
Helfer des Bischofs und der Priester
Entsprechend dieser Aufgabenvielfalt gestalten sich auch die Weiheversprechen der Weihekandidaten und der ausdeutende Ritus der Diakonenweihe. Vor der Weihe fragt der Bischof die Kandidaten nach der Bereitschaft, den Bischof und den Priester im Dienst zum "Wohl des christlichen Volkes" zu unterstützen. Eine zweite Frage bezieht sich auf den Verkündigungsdienst. Nach Fragen zu Zölibat (in der Regel an jene Kandidaten, die sich auf das Priesteramt vorbereiten) und zum immerwährenden Gebet in der Stundenliturgie wird die Bereitschaft zum Dienst an "den Armen und Kranken ... den Heimatlosen und Notleidenden" erfragt, schliesslich auch zum Dienst am Altar und daraus folgend zur Lebensgestaltung nach Jesu Beispiel.
Die Bereitschaftserklärung zum Dienst an den Armen, Kranken, Heimatlosen und Notleidenden ist eine Besonderheit der deutschsprachigen Diakonenweihe. Sie ist im lateinischen Modellbuch nicht enthalten. Dies deutet auf eine stark diakonische Ausrichtung des Diakonates hin, die für den Ständigen Diakonat im deutschsprachigen Raum charakteristisch ist. Dabei sind die Motive durchaus von altkirchlichen Zeugnissen inspiriert. Beschreiben doch besonders syrische Kirchenordnungen die Sorge des Diakons um Arme, Kranke, Heimatlose und Notleidende.
Noch eine Besonderheit hat die deutschsprachige Diakonenweihe: Die Bereitschaftserklärung der Frauen verheirateter Weihekandidaten. Bevor die Kandidaten dem Bischof Ehrfurcht und Gehorsam versprechen, erklären die Frauen ihre Bereitschaft, ihre Männer im diakonalen Dienst zu unterstützen. Hier wird in der Weiheliturgie deutlich, was im Vorfeld Voraussetzung zur Weihezulassung ist: Die Ehefrau muss ihr Einverständnis zur Diakonenweihe ihres Mannes geben.
Vom Evangelium durchdrungen
Nachdem im Anschluss an das Weihegebet die neugeweihten Diakone Stola und Dalmatik, das diakonale Gewand (siehe auch Links), angelegt haben, wird im ausdeutenden Ritus ein besonderer Dienst des Diakons noch einmal unterstrichen: Der Bischof überreicht den Diakonen das Evangelienbuch und hebt damit den Verkündigungsdienst des Diakons hervor. Doch geht es um mehr als um die Verkündigung in der Liturgie. Das Evangelium, das der Diakon vorträgt, soll ihn ganz und gar ergreifen. "Was du verkündest, erfülle mit Leben!" (Begleitwort zur Überreichung des Evangeliars) Das bezieht sich auf den ganzen Dienst und das Sein des Diakons, das vom Evangelium durchdrungen wird.
Der die Weihehandlung abschliessende Friedensgruss des Bischofs und der anwesenden Diakone bringt die Zugehörigkeit der Neugeweihten zur Gemeinschaft der von Gott in den besonderen Dienst der Kirche Berufenen zum Ausdruck.
Was so in der Weiheansprache, in den Weiheversprechen und im ausdeutenden Ritus in der Diakonenweihe entfaltet wird, hat seine Entsprechung im Weihegebet im Zentrum der Weihehandlung. Der erste Teil des Gebetes, der das Heilshandeln Gottes verdeutlicht, will die dienende Haltung als Wesensmerkmal des Weiheamtes im Diakonat hervorheben, indem nicht nur auf die Bestellung des Siebenerkreises, sondern auch an das alttestamentliche Levitenamt des Jerusalemer Tempels erinnert wird. Der zweite Teil des Gebetes ist verdichtetes Bitten um die Geistesgaben Gottes und seine Gnadengaben für die diakonalen Aufgaben. Durchgängig ist vom Dienen die Rede, das Frucht der Lebensdurchdringung mit dem Evangelium Jesu Christi ist. So können Diakone dem gerecht werden, wozu sie berufen sind: "Helfer für den täglichen Dienst" zu sein, Helfer "zum Wohl des christlichen Volkes" in der "Unterstützung des Bischofs und der Priester".
Stephan Steger, Referent für Liturgie (Würzburg)

Stichwort
Wider-Worte
Kein Wider-Wort, aber wunderbar frech:
"Ausserdem spenden die Diakone die Taufe, beerdigen, helfen bei der Eheschliessung und haben als einzige Kleriker in der katholischen Kirche legale Sex."
Christian Wessely, Dozent für Fundamentaltheologie und Diakon (2010)
Geistlicher Impuls
aus dem Weihegebet:
"Du hast deine Kirche geschmückt mit dem Reichtum himmlischer Gnaden.
Als die Kirche zu wachsen begann, bestellten die Apostel deines Sohnes, geleitet vom Heiligen Geist, sieben bewährte Männer. Ihre Helfer sollten sie sein für den täglichen Dienst ... Diesen Erwählten haben sie durch Handauflegung und Gebet den Dienst an den Tischen übertragen.
So bitten wir dich, Herr, unser Gott: Schau in Gnaden herab auf diese deine Diener. ... Nimm sie als Diakone in den Dienst an deinem Altare. Sende auf sie herab, o Herr, den Heiligen Geist. Seine siebenfältige Gnade möge sie stärken, ihren Dienst getreu zu erfüllen.
Das Evangelium Christi durchdringe ihr Leben. Selbstlose Liebe sei ihnen eigen, unermüdliche Sorge für die Kranken und die Armen. Mit Würde und Bescheidenheit sollen sie allen begegnen ...
In ihrem Wirken sollen deine Weisungen aufleuchten; das Beispiel ihres Lebens soll die Gemeinde auf den Weg der Nachfolge führen. So bezeugen sie wahrhaft den Glauben und bleiben bis ans Ende fest in Christus verwurzelt. ..."
Facts"Die Diakone haben an der Sendung und der Gnade Christi auf besondere Weise teil. Das Sakrament der Weihe drückt ihnen ein Siegel [character] auf. Dieses kann nicht getilgt werden und gestaltet sie Christus gleich, der zum 'Diakon', das heißt zum Diener aller geworden ist. Aufgabe der Diakone ist es unter anderem, dem Bischof und den Priestern bei der Feier der göttlichen Geheimnisse, vor allem der Eucharistie, zu helfen, die heilige Kommunion zu spenden, der Eheschließung zu assistieren und das Brautpaar zu segnen, das Evangelium zu verkünden und zu predigen, den Begräbnissen vorzustehen und sich den verschiedenen karitativen Diensten zu widmen."
Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 1570
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