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(Cor), ein pulsierender Abschnitt in den Gefäßen eines Tiers zur Fortbewegung der in jenen enthaltenen Flüssigkeit.
Die gewöhnlich in rhythmischer Weise verlaufenden Verengerungen und Erweiterungen des Herzens kommen durch die in seiner Wandung
enthaltenen Muskelfasern zu stande und bewirken ein Aus-, resp. Einpumpen
des flüssigen Herzinhalts. Letzterer kann entweder Lymphe oder Blut sein, so daß man zwischen Lymphherzen (die in allen Wirbeltierklassen
mit Ausnahme der Säugetiere vorkommen) und Blutherzen (Herzen im engern Sinn) unterscheiden muß. Es kann ferner auch im Blutgefäßsystem
eines Tiers mehr als ein Herz vorhanden sein; so pulsieren z. B.
bei den Leptokardiern unter den Wirbeltieren alle größern Gefäßstämme.
Bei einfachem Bau des Herzens ist manchmal die Richtung des Blutstroms keine fixierte, wie denn bei den Tunikaten
[* 3] (Manteltieren)
das eine Zeitlang von vorn nach hinten pulsiert, dann einen Augenblick stillsteht und darauf seine Thätigkeit in umgekehrter
Weise beginnt, so daß die von ihm ausgehende Hauptader zeitweilig Arterie,
[* 4] resp. Vene ist. Je nachdem ferner
das Herz venöses (sauerstoffarmes) Blut zu den Atmungsorganen oder arterielles (sauerstoffreiches) in den übrigen Körper zu
schaffen hat, spricht man von einem venösen oder arteriellen Herzen.
durch die Aorta in den Körper oder (die rechte) in die Lungen zu treiben (s. auch Blutbewegung). Zugleich ändert das Herz seine
Lage in der Art, daß es vom Hals in die Brusthöhle rückt und sich dabei so dreht, daß die Kammern nach hinten gerichtet
sind. So enthält nun die rechte Hälfte des Herzens ausschließlich venöses, die linke ausschließlich
arterielles Blut; beide aber stehen in keinem direkten Zusammenhang miteinander. Die Kammern sind gegen die zugehörigen Vorhöfe
einerseits und die aus ihnen hervorgehenden Adern anderseits meist durch Klappen abgeschlossen. In dieser vervollkommten Gestalt
findet sich das auch beim Menschen vor.
Die Größe des Herzens wechselt nach dem Blutgehalt etc. sehr; in mittlerer Ausdehnung
[* 10] ist es etwa 150 mm lang und hat an der
weitesten Stelle etwa 250 mm im Umfang, kommt also ziemlich der geballten Faust an Größe gleich. Jede seiner
vier Höhlen kann etwa 160 g Blut fassen. An der Außenfläche des Herzens bemerkt man eine seichte Längsfurche und eine tiefere
Querfurche; in ihnen laufen die sogen. Kranzgefäße (s. unten). Innen wird das Herz durch eine muskulöse Scheidewand, deren
Richtung äußerlich durch die Längsfurche angedeutet ist, in eine rechte, mehr nach vorn, und eine
linke, mehr nach hinten zu liegende Hälfte zerlegt; die erste bezeichnet man, da sie den Lungenkreislauf besorgt, auch als
Lungenherz, die letzte aus dem entsprechenden Grund als Aortenherz.
Jede Herzhälfte zerfällt wieder in zwei Abteilungen, nämlich in die Herzkammer (ventriculus cordis) und in
die Vorkammer oder den Vorhof (atrium cordis; s. Tafel »Eingeweide II«,
[* 6]
Fig. 3). Von den letztern besteht jeder aus einem weitern
Schlauch und einer engern zipfelförmigen Verlängerung,
[* 11] dem Herzohr (auricula); der Schlauch (sinus) ist mit Öffnungen zur
Aufnahme der großen Venenstämme versehen und kommuniziert mit der betreffenden Herzkammer durch eine
weite Öffnung, das Ostium atrio-ventriculare.
Die Herzkammern nehmen den untern Teil des Herzens ein; ihre Wände sind beträchtlich dicker als die der Vorhöfe, und zwar
die Wand der linken Herzkammer wieder drei- bis viermal so dick wie die der rechten. Jede Kammer hat an ihrem obern breiten
Ende zwei weite Öffnungen; die eine ist das schon genannte Ostium atrio-ventriculare, die andre, das
Ostium arteriosum, führt in eine der beiden Hauptarterien; beide sind mit Klappen verschließbar. Die innere Oberfläche sämtlicher
Herzhöhlen ist glatt und glänzend, weil hier das Herzfleisch von einer zarten Haut
[* 12] (innere Herzhaut, endocardium) überzogen
ist, welche direkt in die innere Haut der großen Adern übergeht.
Die rechte Vorkammer nimmt die beiden Hohlvenenin sich auf und heißt daher auch Hohlvenensack. Die weite Mündung der obern
Hohlvene ist klappenlos; an der Mündung
der untern Hohlvene befindet sich eine ganz schmale, sichelförmige, oft durchlöcherte
Klappe, die Valvula Eustachii, welche sie aber bei weitem nicht abzuschließen vermag. Außerdem mündet
in den rechten Vorhof die große Herzvene; ihre Mündung wird durch eine zarte Klappe, die Valvula Thebesii, abgeschlossen.
An der Vorhofsscheidewand ist eine ovale Grube vorhanden, an deren Stelle beim Fötus eine Öffnung (eiförmiges Loch, foramen
ovale) angetroffen wird. Die rechte Herzkammer hat auf dem Querschnitt eine halbmondförmige Gestalt; ihre
fleischige Wand ist etwa 3-4 mm dick, auf ihrer Innenfläche treten zahlreiche Fleischbalken (s. Tafel »Blutgefäße«,
[* 7] Fig.
1) und mehrere kleine, zuckerhutförmige Muskeln
[* 13] (Warzenmuskeln, musculi papillares) hervor.
Von der Spitze der letztern gehen zarte weiße Sehnenfäden (chordae tendineae) zum untern Rande der dreizipfeligen
Klappe (valvula tricuspidalis) hin, durch welche die rechte Herzkammer vom rechten Vorhof abgeschlossen werden kann. Ferner liegt
neben dem Ostium venosum das runde Ostium arteriosum, durch welches das Blut in den Lungenarterienstamm übertritt. An dieser
letztern Öffnung ist eine Klappe (valvula pulmonalis, Lungenarterienklappe) in Gestalt von drei halbmondförmigen, in
einem Kreis
[* 14] zusammengestellten Taschen angebracht
[* 6]
(Fig. 1). In die linke Vorkammer, welche in ihrem Bau der rechten fast gleich
ist, öffnen sich die vier Lungenvenen, welche das Blut aus den Lungen nach dem Herzen zurückbringen.
Hier fehlen die Klappen. Die Verbindung mit der linken Kammer hingegen kann durch die zweizipfelige oder
Mützenklappe (valvula bicuspidalis, s. mitralis) abgeschlossen werden; letztere ist ähnlich der
schon genannten dreizipfeligen Klappe eingerichtet. Die linke Herzkammer endlich mit etwa 1 cm dicker Wand und kreisförmigem
Querschnitt nimmt ihr Blut aus dem linken Vorhof auf und treibt es durch eine zweite, an ihrer Basis befindliche runde Öffnung,
das Ostium aorticum, in die Körperschlagader hinüber; auch hier verhütet eine Klappe ähnlich der an der Lungenarterie den
Rückfluß des Bluts. - Das Muskelfleisch des Herzens besteht aus quergestreiften Muskelfasern, welche sich häufig gabelartig
spalten und durch die seitlichen Fortsätze zu einem Netz mit schmalen, langgestreckten Maschen zusammentreten.
Das Herzfleisch ist außen mit einer sehr wechselnden Menge von Fettgewebe überzogen; dieses tritt zuweilen
in solcher Mannhaftigkeit auf, daß es vielleicht die Bewegungen des Herzens zu erschweren und zu stören vermag. Man spricht
dann von einem Fettherzen, versteht darunter aber auch häufig die fettige Entartung des Herzfleisches, wobei die Muskelfasern
die Fähigkeit einbüßen, sich regelrecht zusammenzuziehen. Das Herz ist reich an Gefäßen und Nerven.
[* 15] Sein Ernährungsblut erhält es durch die beiden Kranzarterien (arteriae coronariae cordis;
[* 6]
Fig.
1), welche aus der Aorta unmittelbar nach deren Ursprung aus der linken Herzkammer abtreten und in den Quer- und Längsfurchen
am Herzen verlaufen.
Die Kranzvenen begleiten die Arterien und sammeln sich in der großen Herzvene, welche ihr Blut in den
rechten Vorhof entleert. Auch mit Lymphgefäßen sind und Herzbeutel reich versehen. Die sehr zahlreichen Nerven des Herzens stammen
teils aus dem zehnten Hirnnervenpaar (nervus vagus), teils aus dem sympathischen Nerv, deren für das Herz bestimmte
Zweige das zwischen Aorta und Lungenarterie liegende große Herznervengeflecht bilden (s. Sympathikus).
¶
1) Henriette, durch seltene Schönheit und hohe Geistesbildung sowie durch ihre persönlichen Beziehungen zu den
namhaftesten Männern ihrer Zeit ausgezeichnete Frau, war als Tochter eines israelitischen Arztes portugiesischer Abkunft,
Benjamin de Lemos, zu Berlin
[* 20] geboren und verheiratete sich schon auf den Wunsch ihrer
Eltern mit dem angesehenen, aber bedeutend ältern ArztMarkus Herz. In ihrem Haus verlebte Borne (s. d.) einen Teil seiner Jugend.
Ihre ausgezeichnete Geistesbildung, namentlich ihre Sprachkenntnisse, suchte sie durch Heranbilden junger Mädchen zu
Lehrerinnen nutzbar zu machen, und den größten Teil des Honorars ließ sie
wohlthätigen Anstalten zufließen.
Durch A. v. Humboldts Vermittelung ward sie 1845 durch eine königliche Pension aller äußern Sorgen überhoben. Sie starb
Dourlen und Reicha (Komposition) seine Ausbildung erhielt, und debütierte bereits 1818 erfolgreich
als Virtuose sowie als Komponist mit seinem Op. 1: »Air tyrolien varié«. Zum Jüngling gereift, unternahm er 1831 eine Kunstreise
mit dem Violinisten Lafont, welche ihm in allen Hauptstädten Europas glänzende Erfolge eintrug und seinen Weltruf begründete.
Auch in England erregte er einige Jahre später Enthusiasmus, und eine 1845 unternommene Reise nach Amerika
[* 24] war nicht minder
reich an materiellen Früchten und künstlerischen Ehren. 1851 nach Paris zurückgekehrt, widmete er sich
vorwiegend der schon in den 30er Jahren von ihm miterrichteten Klavierfabrik und brachte dieselbe bald auf eine solche Höhe,
daß ihre Erzeugnisse mit den besten konkurrieren konnten und bei der Weltausstellung von 1855 den höchsten Preis erhielten.
Zugleich wirkte er als Klavierlehrer am Konservatorium bis 1874, wo er in den Ruhestand trat. Herz ist der
Hauptvertreter jenes Virtuosentums, welches während der 20er und 30er Jahre die Konzertsäle Europas beherrschte und erst
mit dem Auftreten Mendelssohns, Schumanns, Chopins und FranzLiszts einer ernstern Richtung weichen mußte. Um die erwähnte Zeit
fehlten seine Kompositionen, deren er mehr als 200 veröffentlicht hat, darunter acht Klavierkonzerte
mit Orchester, auf keinem Konzertprogramm, waren als Vortrags- und Unterrichtsstoff gleich geschätzt und wurden von den Verlegern
mit den höchsten Preisen bezahlt. Als Schriftsteller hat sich Herz durch eine humoristische und geistreiche Beschreibung seiner
amerikanischen Reise (»Mes voyages en Amérique«, Par. 1866) bekannt gemacht.