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Bild: Noriko Hayashi / NZZ
- Anja Jardine, «Neue Zürcher Zeitung»
Ein Jahr vor ihrem 70. Geburtstag beginnt Orin, die kerngesunde und resolute Matriarchin, ihre Angelegenheiten zu regeln. Sie hat gesehen, wie der Nachbar seinen Vater bereits auf den Berg Narayama getragen hat, wie es Brauch ist in dem Bergdorf, wo Nahrung knapp ist und jeder unnütze Esser eine Last. Nun ist es an ihr. Noch sträubt sich ihr Sohn, doch sie gemahnt ihn an seine Pflicht. Und als der Tag kommt, trägt er seine Mutter auf dem Rücken den dicht bewaldeten Berg hinauf und überlässt sie dem Hungertod.
Oyasute, wörtlich: «ein Elternteil zurücklassen», ist keine historische Wahrheit in Japan, dennoch hält sich die Legende von der Altenaussetzung hartnäckig in Theater, Literatur und Filmen. «Die Ballade von Narayama» aus dem Jahr 1983 ist ein Filmklassiker. In jüngster Zeit erfährt das Sujet neue Interpretationen. Als eine Beratungskommission der Regierung empfahl, alte Leute durch finanzielle Anreize zu ermutigen, aufs Land zu ziehen, wo Pflegeeinrichtungen weniger überlaufen seien, um Tokio zu entlasten, nannte ein Kritiker es «Operation Oyasute».
Tatsächlich zeigt der letzte gemeinsame Weg von Mutter und Sohn, wortkarg und vor archaischer Kulisse, das ganze Drama eines zwischen den Generationen immer aufs Neue auszuhandelnden Vertrages – von Bürde und Verbundenheit, Verpflichtung und Fürsorge, Liebe und Trauer. In der letzten Szene dreht sich der Sohn noch einmal um und sieht, wie der Schnee auf den grauen Haarschopf seiner Mutter fällt, bevor er seinen Weg fortsetzt.
Kawakami droht zu verschwinden
In Kawakami, einer Berggemeinde drei Stunden östlich von Tokio, könnte es gespielt haben. Noch vor hundert Jahren herrschte hier bittere Armut; die Reisernte auf 1200 Meter Höhe reichte nur für zwei Monate und zwang die Menschen zur Wanderarbeit. Erst der Vitaminbedarf der amerikanischen Streitkräfte während des Koreakrieges und später des Vietnamkrieges verhalf dem Dorf unverhofft zu Wohlstand.
Seitdem wird hier im Hochland von April bis Oktober auf jedem Plateau Kopfsalat angebaut. «Wunderdorf» nannten es die Japaner noch in den 1990er Jahren, weil es das einzige Bauerndorf war, das wuchs. Doch in absehbarer Zeit droht auch Kawakami von der Landkarte zu verschwinden, wie die Hälfte aller Gemeinden in Japan. Noch leben hier 3700 Menschen.
Toshiko Shinkai war nie fort. Die 83-jährige Bäuerin lebt noch immer in dem Haus, in dem sie aufgewachsen ist. Jahrein, jahraus pendelt ihr Leben im Takt der langen weissen Winter und der arbeitsreichen Sommer, unterbrochen nur vom gelben Herbstlaub der Lärchen.
Morgens geht Toshiko Shinkai, 83, als Erstes zum Butsodan, dem Hausaltar. Wenn sich der Todestag eines Verwandten jährt, holt sie dessen Ahnentäfelchen im Stapel nach vorn.
Quelle: Noriko Hayashi / NZZ
Wenn jetzt im April mit der Schneeschmelze die Wildkräuter hervorspriessen, weiss Toshika, welche man essen kann. Und welche besser nicht. Sie beackert noch immer ein kleines Feld neben dem Haus, aber in der Salatsaison hilft sie jeden Tag ein paar Stunden auf den grossen Feldern.
Ihr Mann starb vor dreizehn Jahren. Wenn sie morgens erwacht, geht Toshika als Erstes zum Butsodan, dem Hausaltar, wo Fotos von ihm und anderen Vorfahren stehen, und schaut, ob die Blumen noch frisch sind. Jährt sich ein Todestag, holt sie das Holztäfelchen mit dem buddhistischen Namen desjenigen im Stapel nach vorn: Vier Generationen reichen die Namenstafeln zurück. «Manchmal halte ich auch ein Schwätzchen mit ihm», sagt Toshika und deutet auf das Foto ihres Mannes.
Seit die zwei grossen Enkel aus dem Haus sind, leben noch ihr Sohn, die Schwiegertochter und das Nesthäkchen Seira mit ihr unter einem Dach. «Seira ist unser Schatz», sagt Toshiko, und ein bisschen Wehmut über den bevorstehenden Abschied schwingt mit. Denn auch Seira beginnt demnächst ein Studium in der Stadt, internationale Kommunikation, nichts, was sie für ein Leben in Kawakami vorbereitete. «So ist es eben», sagt Toshiko gelassen. Sie selbst war als kleines Mädchen noch dem kinderlosen Onkel zur Adoption überlassen worden, um Haus und Familiennamen zu erhalten. «Die Zeiten ändern sich. Was soll sie hier?»
«Genkai Shuraku», grenzwertiges Dorf, nennen Japaner Orte, in denen bereits mehr als die Hälfte der Bewohner älter sind als 65. Dann wird es schwierig, eine kommunale Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Schulen und Ämter werden geschlossen, Strassen nicht mehr repariert.
Es ist einer von zahlreichen Begriffen, die das in der Menschheitsgeschichte bisher einmalige Phänomen einer hyperalternden und rapide schrumpfenden Gesellschaft hervorgebracht hat. Ein Vokabular des Schreckens.
«Kodokushi», der Tod in Einsamkeit. «Kaigo Satsujin», der Pflegemord. Oft verbunden mit «Kaigo Tsukare», der totalen Erschöpfung des Pflegenden, vor allem bei «Rou-Rou Kaigo», Alten-Alten-Pflege, unter Eheleuten zum Beispiel. Schon die Zwanzigjährigen kennen diese Wortschöpfungen, so allgegenwärtig sind sie in Gesellschaft und Medien – und lösen diffuse Ängste aus.
Wie bei einem Countdown publiziert das nationale Statistikamt Anfang jeden Jahres die neuen Zahlen: 2022 wurden erstmals weniger als 800 000 Kinder geboren, zum elften Mal in Folge ein Rekordtief; binnen eines Jahres schrumpfte die Bevölkerung um eine halbe Million. Da Japan kaum Zuwanderung erlaubt, lässt sich hier fast unter Laborbedingungen beobachten, was auf Industrienationen mit hoher Lebenserwartung und geringer Geburtenrate zukommt.
Bleibe die Geburtenrate auf dem heutigen Niveau, so die Prognose der Vereinten Nationen, werde sich Japans Bevölkerung bis 2100, also binnen achtzig Jahren, mit einem Rückgang auf 65 Millionen fast halbiert haben. Ohne Migration würde die Zahl auf 63 Millionen schrumpfen.
Die Jahreszahl 2025 ist fast schon Synonym für den Beginn der Endzeit: Dann verschwindet die Babyboomer-Generation vom Arbeitsmarkt, und zwei statt elf Berufstätige, wie noch in den 1960er Jahren, werden einen Rentner finanzieren müssen. Die gesamte Statik der Gesellschaftsstruktur droht zu kollabieren.
Auch in Kawakami bricht gerade das Mittelfeld weg. Ein substanzieller Teil der Alterskohorte 15 bis 64 ist innerhalb weniger Jahre ins Lager der über 65-Jährigen gewechselt und hat Anspruch auf Rente. Von unten wächst kaum Arbeitskraft nach; die wenigen Jungen gehen fort. Und die ohnehin niedrige Geburtenrate ist noch weiter gesunken.
Da erweist es sich als Glücksfall, dass ein weitsichtiger Bürgermeister vor dreissig Jahren, als die Kassen noch voll waren, einen Gesundheitspark gebaut hat, mit der Vision, «gesunde Alte zu schaffen», wie Hitoshi Kabayashi sagt, der damals bei der Planung dabei war.
Die Bilanz zum 20-Jahr-Jubiläum konnte sich sehen lassen: 97 Prozent der 65- bis 74-Jährigen waren gesund, also fast alle. Und bei den 75- bis 80-Jährigen waren es immerhin noch 86 Prozent. Kawakami verursachte die geringsten Krankenkosten in der Präfektur Nagano. Der nüchterne rote Klinkerbau ist heute der Dorfplatz, hier spielt die Musik. Und Donnerstagnachmittag ist «Sturzprävention».
«Wie lange werden diese Beine mich noch tragen?», ruft der junge Mann und schlägt sich auf die Oberschenkel, das sei doch die Frage, die sich jeder stelle. «Feldarbeit ist kein Sport, im Gegenteil», sagt er und macht vor, wie die meisten laufen: O-beinig, mit steifem Kreuz und krummem Rücken schlurft er durch ihre Mitte. Heiterkeit bricht aus. «Wer im Stehen sterben will, muss etwas dafür tun!» Zehn Frauen und ein Mann, alle um die 80 oder 90 Jahre alt, folgen belustigt und aufmerksam den Instruktionen.
Tsuzuko Imaeda, 86, macht immer noch jeden Tag ihren kleinen Laden auf. Früher wimmelte es nur so vor Kindern, die Süssigkeiten und Schulsachen kauften.
Quelle: Noriko Hayashi / NZZ
«Das war bisher der beste Trainer», sagt Tsuzuko Imaeda, «der ist witzig, der gefällt mir.» Meist werden sie von ehrenamtlichen «Unterstützern» aus dem Dorf angeleitet, ein Profi kommt nur unregelmässig zur Supervision. Tsuzuko ist 86 und geht immer hin. Sie sitzt krumm auf einem Hocker in ihrem Dorfladen, den die Grosseltern ihres Mannes «vor hundert oder zweihundert Jahren» eröffnet haben, sagt sie. Die Einrichtung scheint unverändert. Und obwohl zwei Supermärkte das Dorf versorgen, macht Tsuzuko wochentags noch immer täglich auf.
«Warum auch nicht?», fragt sie im Halbschatten ihres versunkenen Reiches. Die Regale sind fast alle leer, ein paar wenige Süssigkeiten und Schreibwaren liegen auf den vordersten. Wer vorbeikommt, tut dies vor allem, um ein bisschen mit ihr zu plaudern. «Ich war früher Vorschullehrerin», erzählt Tsuzuko, «ich kannte alle Kinder im Dorf und deren Eltern. Und die davor.» Noch immer bekomme sie Briefe von ehemaligen Schülern, das sei heute ihre grösste Freude. Einer habe ihr kürzlich geschrieben, er sei grad 50 geworden. «Kann nicht sein», sagt Tsuzuko.
Auch sie kocht morgens als Erstes Tee für ihre Vorfahren, stellt ihn auf den Butsodan. «Im Winter muss ich für frische Blumen bis zum Supermarkt laufen», sagt Tsuzuko, ein langer Weg. Doch die Notwendigkeit steht ausser Frage; die Beziehung zu den Hotoke, den Seelen der Verstorbenen, will gepflegt sein. Diese alltäglichen Gesten des Gedenkens, so schreibt der Anthropologe Jason Danely, der sich mit dem Altern im Japan der Gegenwart beschäftigt, ermöglichten es den Menschen, Verlust in neue Verbindungen zu überführen. Für die Seelenverfassung spiele das eine grosse Rolle.
Um 6 Uhr 30 ist Frühsport im Radio, danach liest Tsuzuko die Zeitung. Später im Laden schreibt sie, schon allein um all die Schulhefte zu nutzen, die niemand mehr kauft. In einem Heft führt sie Tagebuch, in ein zweites notiert sie Haiku, Kurzgedichte, und in das dritte überträgt sie eine Gesellschaftskolumne aus der Zeitung. Wäre ja schade um die Hefte. «Früher», sagt Tsuzuko und schaut sich in dem verstaubten Laden um, «platzte es hier vor Kindern aus allen Nähten.»
Ihren Sohn sieht sie jede Woche, ihre Enkel nicht so oft. Würde sie gern bei ihnen leben? – «Nein», sagt Tsuzuko, ohne zu überlegen, «meine Freiheit gefällt mir. Am liebsten hätte ich gar nicht geheiratet.» Sie sei damals in die Stadt gegangen, um Lehrerin zu werden. «Aber mit 35 musste ich zurückkommen, so war das nun mal.» Allein fühle sie sich nie, wie denn auch? «Ich sehe sie ja alle jeden Tag im Bad.»
Im Sento, dem öffentlichen Bad, geht es zu wie im Taubenschlag. Wer eine Weile im Vorraum sitzt, gewinnt den Eindruck, in Kawakami lebe eine eigene Spezies. Kleine, knorrige Gestalten, alle ähnlich krumm, kommen und gehen von früh bis spät, wieselflink, selbst am Rollator.
Mit noch glühenden Wangen vom heissen Wasser, das Handtuch im Nacken, sitzt ein 84-jähriger Bauer behaglich auf dem Sofa, hat die Füsse auf einen Hocker gelagert und ist zum Plaudern aufgelegt. Sein Name ist Toshio Yui, nicht verwandt mit dem Astronauten, den dieses Dorf hervorgebracht hat, wie er hinzufügt. «Ich war 22, als die Amerikaner herkamen und Salat haben wollten. Vorher haben wir Forstwirtschaft gemacht, Kiefern und Lärchen, das war viel leichter als die Landwirtschaft.»
Das öffentliche Bad, getrennt nach Geschlechtern, ist der wichtigste Treffpunkt der Alten von Kawakami. Hier entspannen sie und halten ein Schwätzchen. Baseball ist zurzeit das grosse Thema.
Quelle: Noriko Hayashi / NZZ
Tatsächlich ist der Salatanbau harte körperliche Arbeit. Sie beginnt um Mitternacht, weil die Salate vor dem Sonnenaufgang geschnitten und verpackt werden müssen, um nicht zu welken. Danach werden bis 5 Uhr nachmittags die Felder gerichtet, von Unkraut befreit und neue Setzlinge gepflanzt. So geht es von April bis Ende Oktober, jeden Tag. «Aber wir wussten ja immer: Im Herbst kommt der grosse Lohn!», erzählt Toshio. In den 1990er Jahren verdiente ein Landwirt um die 200 000 Dollar pro Jahr. «Und fünf Monate Ferien.» Also Ski fahren, Golf spielen, reisen. «Ein schönes Leben.» Oder wie es der damalige Bürgermeister formulierte: «Aus Wanderarbeitern wurden Wanderplayboys.»
Im Sommer kommen 800 Erntehelfer nach Kawakami, «technische Praktikanten» genannt. Das Technical Internship Program (TIP) war 1989 von der japanischen Regierung lanciert worden, um Menschen aus Entwicklungsländern Einblick in japanische Technologien zu gewähren; tatsächlich werden die Praktikanten oft als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Zufällig beschäftigt sich eine Doktorarbeit aus dem Jahr 2013 speziell mit der Situation der Chinesen in Kawakami.
Für sie galten klare Regeln: Sie durften in der Öffentlichkeit nicht zusammenstehen, nur mit Sondererlaubnis das Dorf verlassen, weder Internet noch Mobiltelefone nutzen, nicht einmal Fahrrad fahren. Für sie gab es keinerlei Freizeitangebot, null Teilhabe am Dorfleben. Ihren Lohn erhielten sie erst direkt vor der Heimreise am Flughafen.
Ähnlich erging es den Technical Interns überall im Land. Nach zahlreichen Gerichtsverfahren hat sich ihre Situation etwas verbessert, im geringen Umfang werden Visa für Aufenthalte bis zu fünf Jahren gewährt, aber eines ist unverkennbar: In Kawakami wird nicht in Betracht gezogen, dass die Erntehelfer ja auch bleiben könnten. Heute stammen die Erntehelfer aus Burma, Vietnam oder von den Philippinen.
Auf die Frage in die Runde der rüstigen Senioren, ob sich im Laufe der Jahre auch Freundschaften mit den Erntehelfern entwickelt hätten, bleibt das höfliche Lächeln, aber der Gesichtsausdruck wird seltsam vage. Einzelne Bauern veranstalteten Feste für die Arbeiter, sagt eine Frau zögerlich, bevor man sich schnell wieder anderen Themen zuwendet. Baseball zum Beispiel. Der Bauer Toshio erhebt sich strahlend, er bekommt jetzt noch eine Massage, dann bringt ihn der Fahrdienst zurück nach Hause. Ihn kostet all das nichts.
Dem Salat sei zu verdanken, dass es ihnen heute so gut gehe, sagt der Bauer. Krankenversorgung und Altenpflege werden anteilig aus Versicherungsprämien und staatlichen Subventionen finanziert. Die Monatsprämien waren in Kawakami höher als anderswo und die Kassen der Kommune viele Jahrzehnte gut gefüllt. Zudem entscheidet die Kommune, wie sie die Gelder nutzt. Und Kawakami setzt auf Prävention.
Doch die steigende Zahl allein lebender Alter und auch alter Paare bringt das System schon jetzt an seine Grenzen. Acht Hundertjährige zählt das Dorf inzwischen. Und wie die akribisch geführten Statistiken zeigen, explodieren ab Mitte 80 die Pflegekosten. Informationsabende über Demenz sind in Kawakami Kultur- und ein bisschen auch Pflichtprogramm, nicht nur für die Angehörigen, sondern für sämtliche Dorfbewohner, damit jeder weiss, wie man mit einer orientierungslosen alten Person umgeht. Alle sollen ein bisschen aufeinander aufpassen.
Grosse Sorgen bereiten auch die Fünfzigjährigen, die bei weitem nicht so gut in Schuss sind wie ihre Eltern. Auch in Kawakami. Sie kämpfen bereits in diesem Alter mit Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Problemen. Um dieser drohenden Welle ungesunder Alter irgendwie Einhalt zu gebieten, hat die Gemeinde beschlossen, die mittleren Jahrgänge regelmässig zu untersuchen und zu vermessen. «Bei schlechten Werten rufen wir sie an und fragen: ‹Was ist los bei dir?›»
Denn ein zentrales Problem konnte auch der Wohlstand nicht lösen: Die Männer von Kawakami finden keine Frauen, die hier am Ende der Welt mit ihnen leben wollen. Was schon vor dreissig Jahren auch daran gelegen haben könnte, wie eine Bademeisterin hinter vorgehaltener Hand andeutet, dass es die jungen Frauen nicht mehr verlockt, mit der Heirat auch die Betreuung der Schwiegereltern übernehmen zu müssen.
Die böse Verlobte
In dem Comic «Abandon the Old in Tokyo» ist es die Verlobte, die ihren Bräutigam drängt, die alte Mutter loszuwerden. Er quält sich mit der Entscheidung. Seine Mutter hat ihn allein grossgezogen, im Sexgewerbe gearbeitet, ihn abends oft allein gelassen. Heute ist sie bettlägerig, undankbar und eklig in ihrem Verfall. Der Sohn findet ein leerstehendes Appartement und trägt sie in klassischer Oyasute-Pose auf dem Rücken die Stiegen hinauf. Dann geht er mit der Verlobten auf Reisen. Doch von Panik erfasst, eilt er zu seiner Mutter zurück und findet sie leblos vor. Neben sich ein leeres Tablettenröhrchen. Es ist 1970.
Die Wirtschaft boomte, und im Grossraum der Städte schossen riesige Hochhaussiedlungen aus dem Boden, New Towns boten modernen Wohnraum für die pendelnden «Salarymen» und ihre jungen Familien. Verkehrsanschluss, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Spielplätze, Sportplätze, Parks, alles vor Ort. Dann wurden die Kinder gross, zogen fort, die Eltern blieben, trennten sich oder auch nicht, und jetzt werden sie alt oder gar schon sehr alt. Wie in Kawakami, nur in anderer Dimension.
In Kaihin New Town, eine Stunde Zugfahrt von Tokio, lebten in guten Zeiten etwa 160 000 Menschen, heute sind es noch 100 000. Vom achten Stock eines Hauses aus erinnert die Anordnung der vielen Wohnblöcke an ein Kugellabyrinth, dieses Spielzeug, bei dem man ein Kügelchen in die Mitte manövrieren muss. Es ist nicht schwer, hier verlorenzugehen.
Vor fünfzig Jahren war es schwer, hier eine Wohnung zu bekommen. Der Wohnkomplex Kaihin New Town war der Traum junger Familien im boomenden Japan der 1970er Jahre.
Quelle: Noriko Hayashi / NZZ
Das Shoppingcenter ist heute schon von fast poetischer Tristesse. Die meisten Läden stehen leer, manche Schaufenster sind mit Folie verklebt, bei anderen sind die Jalousien heruntergelassen. Der Coiffeur hat an diesem Tag zu, in einem Laden macht grad eine Gruppe Senioren Gymnastikübungen, vermutlich auch hier Sturzprävention. Einen anderen Laden nutzt ein Senioren-Bastelklub für seine Treffen.
Seit jüngst auch noch der Supermarkt geschlossen hat, gibt es nur noch ein Geschäft für chinesische Lebensmittel. Und nicht zu vergessen: der Blumenladen am Eingang. An einer Säule hängt skurrilerweise eine alte Wohnzimmer-Wanduhr, und mitten in der Passage stehen ein paar Stühle, als wollte es sich hier jemand gemütlich machen.
Als kurz nach Mittag völlig überraschend ein Dutzend Kinder hereinstürmt, bekommt man zunächst einen Schreck, dann wirkt es wie eine Infusion. Tatsächlich, sagt Ikuko Kamioka, die Hortleiterin, sei die Nachmittagsbetreuung ein Grund, warum junge Familien hierher gezogen seien. Viele können es nicht sein, der Hort hat zwei kleine Zimmer, aber immerhin.
Ikuko lebt seit 25 Jahren hier, sie frage sich oft, wo all die Energie hin sei, sagt sie. Japans Energie. Der Elan. Sie hat eine Vermutung, woran das alles liegen könnte, also dass die jungen Leute nicht mehr heiraten wollen, keine Kinder bekommen, dieser Niedergang. «Weil am Ende doch immer alles an den Frauen hängenbleibt», sagt Ikuko. Die grössten Konflikte, die sie im Kinderhort mitbekomme, seien immer jene zwischen jungen Müttern und deren Müttern oder Schwiegermüttern.
Die mischten sich in alles ein, wollten nicht, dass ihre Töchter nach der Geburt berufstätig blieben. «Sie sollen alles so machen, wie sie selbst es machen mussten», sagt Ikuko. Ihre Schwiegermutter wohne auch im selben Haus, doch vier Stockwerke tiefer, sagt sie und grinst. «So geht’s.»
Junko Okamoto hört schweigend zu. Sie ist Jahrgang 1941, hat drei Kinder grossgezogen, ist geschieden. Sie ist erst vor zehn Jahren herzogen, weil ihr Sohn hier wohnte. Und weil es relativ billig sei, sagt sie. Der Sohn ist inzwischen weitergezogen. Die Enkel sehe sie nicht oft. «Macht nichts», sagt Junko, «so spare ich Geld.» Ihre Miene verrät nicht, ob es ein Scherz sein sollte.
Sie holt ihren Kalender hervor, um zu zeigen, was sie diese Woche alles vorhat. Sie unterrichtet ehrenamtlich, wie man die traditionellen Puppen für den japanischen Mädchentag herstellt, und ist Mitglied in einem Fotografierklub. Es heisse immer, die Alten in Japan seien allein und einsam, sagt sie. Das stimme überhaupt nicht. Ihre gehe es so gut wie noch nie im Leben. Sie spaziere oft zum Strand, erzählt Junko, nur eine halbe Stunde von hier, um den Sonnenuntergang zu sehen.
Der Kinderhort war eine Idee des regionalen Revitalisierungsbüros, einer Bürgerinitiative in Zusammenarbeit mit der Universität Chiba. Dort amtet Mineki Hattori, emeritierter Professor für Architektur, selbst schon Anfang 80.
Die Organisation vermisst und dokumentiert mit japanischer Sorgfalt und Detailliebe den Niedergang des Wohnkomplexes, bis hin zur Frage, wie viele Schritte die Senioren zurückzulegen haben, um dies oder das zu erreichen. «Ohne unsere Grafiken und Statistiken wüssten die Politiker überhaupt nicht, was hier los ist», sagt Hattori. Der Versuch, junge Leute anzuziehen, indem Wohnungen entsprechend renoviert würden, trage kaum Früchte. Sie bevorzugen urbane Lage. Vor allem: Woher nehmen? Die jungen Leute!
Laut dem Forschungsinstitut des Wertpapierhauses Nomura in Tokio waren bereits 2013 etwa 8 Millionen Wohnungen im ganzen Land unbewohnt, bis zum Jahr 2033, so seine Prognose, dürften 30 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes in Japan leer stehen. In Kaihin New Town, so Hattori, sei dieser Anteil bereits erreicht.
Man erkenne es an den Balkonen, auf denen die montierten Wäsche-Aufhänger geschlossen seien, sagt Junko. Je weiter oben die Wohnungen, desto mehr verwaiste Balkone sieht man. In einem Schaukasten wirbt ein Wachdienst für Lichtkontrollen: Wenn 24 Stunden lang kein Licht angeschaltet wurde, kommt jemand und schaut, ob alles in Ordnung ist.
Manche Hausverwaltungen rufen ihre älteren Mieter einmal pro Woche an, um sich zu vergewissern, dass sie noch leben. «Kodukushi», der Tod in Einsamkeit, ist nicht nur ein Massenphänomen, sondern auch eine verwaltungstechnische Herausforderung. Und ein neuer Geschäftsbereich. Jedes Leben muss nach dem Tod abgewickelt werden, vom Entrümpeln der Wohnung bis hin zu administrativen Aufgaben.
Auch der Blumenladen von Yoshigaki Takashi in Kunitachi, einer Vorstadt von Tokio, bietet neuerdings «Syukatsu» an, Lebensende-Planung, einen Service, der weit über die Ausrichtung der Beerdigung hinausgeht. Von Erbangelegenheiten bis hin zur Versöhnung mit Angehörigen versucht Takashi, die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen, die zum Teil Jahre vor ihrem Tod mit der Planung beginnen. «Die meisten haben niemanden mehr, oder die Kinder leben weit weg, und sie wollen alles geregelt haben», sagt Takashi. Neben der Angst vor Gebrechlichkeit und Abhängigkeit im Alter ist «Kodukushi» der Albtraum von Millionen.
Die Annahme, Verwestlichung und Globalisierung hätten die Alten ihrer Geborgenheit in der japanischen Grossfamilie beraubt, treffe nicht zu, schreibt der Anthropologe Jason Danely. Ebenso wenig wie die Annahme, Werte und Traditionen Japans sicherten den Alten einen Ehrenplatz in Familie und Gesellschaft. Berichte über Misshandlung, Vernachlässigung und auch Tötung durch Angehörige, verbunden mit Pflege, datieren weit zurück in frühere Zeiten, wie in anderen Gesellschaften auch.
1989 erliess die Regierung einen «goldenen Plan», der jedem das Anrecht auf «Pflege durch die Gesellschaft» versprach, unabhängig von der Familiensituation. Das Versprechen konnte nicht gehalten werden. Insgesamt werden in Japan mehr als zwei Drittel der Altenpflege von Familienmitgliedern geleistet – von Ehepartnern, Kindern oder Schwiegertöchtern.
In zwei von drei Fällen sind es Frauen, die pflegen. Und in mehr als der Hälfte der Haushalte sind beide – Pflegender und Kranker – über 65. «Rou-Rou Kaigo», Alten-Alten-Pflege. Da verwundert es nicht, dass auch der erweiterte Suizid ein häufiges Phänomen ist.
«Beeil-dich-und-stirb-Versicherung»
Kaneo und Kyoko Ishikawa wohnen seit fünfzig Jahren im fünften Stock eines Wohnblocks in Shinjuku im Zentrum von Tokio. Kaneo hatte ein kleines Abrissunternehmen, bis er plötzlich zwei Autounfälle binnen kurzer Zeit verursachte, nachdem er ein Leben lang unfallfrei gefahren war. Er hatte Mühe zu schreiben, die Balance zu halten, beim Lesen zu fokussieren. Mit 70 wurde bei ihm PSP diagnostiziert, eine degenerative Erkrankung des Gehirns, ähnlich wie Parkinson. Das war vor sieben Jahren.
Mittlerweile kann er nicht mehr gehen, nicht mehr sprechen, kaum noch schlucken. Er hat Pflegestufe 5, die höchste. Doch nur an drei Tagen pro Woche besucht er die Tagespflege, mehr kann das Paar sich nicht leisten.
2008 wurde ein neues System eingeführt, das die Hochaltrigen aus der nationalen Krankenversicherung ausgegliedert und neu aufgestellt hat. Der Versicherungsschutz der Menschen über 75 wird seitdem separat finanziert und liegt in lokaler Zuständigkeit. In Städten wie Tokio zahlt man höhere Raten als in ländlichen Gebieten. Immer mehr Leistungen werden gestrichen. Ein Politiker nannte die Versicherung die «Beeil-dich-und-stirb-Versicherung».
Zweimal im Monat kommt der Arzt zu Kaneo, einmal in der Woche eine Pflegehelferin, um beim Baden zu helfen. Den Rest der Zeit pflegt Kyoko ihren Mann rund um die Uhr, hebt ihn vom Bett in den Rollstuhl, hilft ihm auf die Toilette, kocht ihm Brei, füttert ihn. Sie selbst ist 74 Jahre alt. Bevor er erkrankt ist, hat sie zehn Jahre ihre Schwiegermutter betreut, die an Alzheimer litt.
«Nein», sagt Kyoko, «ich hadere nicht.» Ihr Mann habe alles für die Familie getan, den Kindern beste Schulen ermöglicht, hart gearbeitet, bis er krank geworden sei. Sie werde ihn bis zum Schluss zu Hause pflegen. Auf einen Platz im Pflegeheim hätten sie ohnehin kaum eine Chance, die Wartelisten seien lang. «Ich hoffe nur, dass meine Kraft reicht.»
So weit das Auge reicht: schwarze Haarschöpfe
Nur wenige Busstationen sind es von hier ins Zentrum von Shinjuku, einem der belebtesten Bezirke Tokios. Wer in Shinjuku Station aus der Bahn steigt, wird zum Molekül, Teil eines reissenden Stroms. Knapp vier Millionen Menschen bewegen sich hier täglich auf rätselhaft geschmeidige Weise, formieren sich zu Warteschlangen vor Rolltreppen und Ticketmaschinen, lösen sie wieder auf, drosseln oder beschleunigen das Tempo an den Zu- und Abflüssen, warten an exakt vorgegebenen Markierungen. So weit das Auge reicht: schwarze Haarschöpfe. Nur vereinzelt sieht man Ergraute in der Menge.
Nichts scheint hier abwegiger als Überalterung und Entvölkerung. Doch auf zwei dieser jungen Menschen im erwerbsfähigen Alter kommt rechnerisch schon heute mehr als ein über 65-Jähriger, die es zu finanzieren gilt. – Denkt man darüber nach, wenn man blutjung ist? Fragen wir doch zwei aus dem Strom der Vorbeieilenden.
Rikako Okubo zum Beispiel, eine 21-jährige Studentin der Ökonomie, sagt: «Natürlich. Das Thema ist überall. Und es macht einem Angst.» Sie glaube nicht, dass sie jemals Rente bekommen werde. Sie wolle unbedingt so viel Geld verdienen, dass sie nie auf den Staat angewiesen sei. Am liebsten würde sie ins Ausland gehen.
Rikako Okubo, 21, vermisst in Japan ein kritisches Denken. Ihre Zukunft sieht die Studentin im Ausland, am liebsten in der Entwicklungshilfe.
Quelle: Noriko Hayashi / NZZ
«Japaner haben irgendwie keine Ambitionen», sagt Rikako. «Hier gibt es kein kritisches Denken, kein Hinterfragen.» Schon in der Schule sei ihr das aufgefallen; sie sei auch in Manila und Johannesburg zur Schule gegangen, weil ihr Vater dort gearbeitet habe, und kenne den Vergleich. «Hier zählen vor allem Auswendiglernen und Multiple Choice.»
Später würde sie gern in die Entwicklungshilfe gehen. Und heiraten. Aber mit dem Wunsch sei sie allein unter Gleichaltrigen. Vor kurzem habe sie sich mit Freundinnen über Kinder unterhalten, die meisten wollten keine. «Ich schon», sagt Rikako, «am liebsten zwei.» Aber wohl nicht in Japan.
Der Zweite, der überrascht innehält und freundlich Antwort gibt, ist Ryotaro, 35, Front-Office-Manager in einem Hotel. Er habe grad den Job gewechselt, erzählt er, weil er im letzten Hotel jeden Monat über hundert Überstunden habe machen müssen, unbezahlt. «Meine Freundin hat nur am dreckigen Geschirr bemerkt, dass ich nachts kurz da war.»
Er wünsche sich Kinder, unbedingt. Allerdings nicht in Tokio, sondern irgendwo, wo es ruhiger sei. Doch das sei nicht so einfach, sagt Ryotaro, allein könne man eine Familie nicht ernähren, null Chance, beide müssten arbeiten. Und wohin dann mit den Kindern? – Trotzdem: Das Alter sei weit weg. «Irgendwie wird das schon.»
Um Last von den Schultern der jetzt schon überarbeiteten Jungen zu nehmen, versucht der Staat Anreize zu schaffen, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten. So wird die Rente zum Beispiel nicht gekürzt, wenn das Einkommen plus Zusatzverdienst 4000 Franken nicht übersteigt. Schon heute arbeiten etwa 16 Prozent der über 75-Jährigen. Dennoch lebt jeder fünfte Japaner über 65 laut der OECD in relativer Armut, also im Vergleich zum sozialen Umfeld.
Im Parlament jedenfalls sei das Topthema zurzeit die Frage, wie man junge Menschen ermutigen könne, mehr Kinder zu bekommen, sagt Nobuhiko Isaka, Abgeordneter und Sozialpolitiker der Opposition. Japans Budget für Kinder und Familien sei nur halb so gross wie das anderer Industrienationen, was er gern ändern würde. «Doch ein Grossteil der regierenden Liberaldemokraten ist dagegen, unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Beziehungen oder Alleinerziehende finanziell mit Verheirateten gleichzustellen.»
Ausserhalb des Parlaments hat sich die Welt allerdings schon weitergedreht, und die Debatte zur Lastenverteilung wird deutlich aggressiver geführt. «Ich habe das Gefühl, die einzige Lösung ist ziemlich klar», sagte der Wirtschaftswissenschafter Yusuke Narita von der Yale-Universität 2021 auf einem Online-Portal und fragte provokativ: «Wird es am Ende nicht auf Massensuizid und Massen-Seppuko der Alten hinauslaufen?»
Seppuku war eine Form der rituellen Selbsttötung unter entehrten Samurai. Narita erklärte später, seine Aussage sei aus dem Kontext gerissen worden, ihm sei es um die Diskussion gegangen, sehr Alte aus den Führungspositionen in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu schubsen, um auch Jüngeren Platz zu machen. Also jenen, die die Zukunft noch etwas angehe.
Tatsächlich hat Japans Senioritätsprinzip zu einem extrem hohen Anteil sehr alter Männer in Spitzenämtern geführt. Ein klassisches Beispiel: Als der 83-jährige Olympia-Organisationschef Yoshiro Mori nach einer frauenfeindlichen Aussage 2021 zurücktreten musste, wollte er einen 84-Jährigen als Nachfolger inthronisieren.
«Bevölkerungsrückgang ist an sich nicht negativ», sagt Mikko Myrskylä, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock. Selbst wenn sich Japans Bevölkerung halbiere, sei sie immer noch siebenmal so gross wie die der Schweiz. Rapider Rückgang allerdings stelle eine Gesellschaft vor grosse Herausforderungen, wenn sie sich nicht vorbereite.
«Vorbereitung sollte aber kein Problem sein», so Myrskylä, «denn der Zeitraum umfasst Jahrzehnte, und die Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung sind sehr zuverlässig.» Niemand könne davon überrascht werden. Massnahmen zur Anpassung sind: Investition in Human Resources, also Ausbildung, Anpassung des Rentenalters, Steigerung der Teilhabe Älterer am Arbeitsmarkt und Migration.
«Plan 75» heisst der Film, den Japan 2022 bei den Filmfestspielen in Cannes vorstellte, vierzig Jahre nachdem «Die Ballade von Narayama» die Goldene Palme gewonnen hatte. Das Thema ist dasselbe. Dieses Mal versuchen junge Vertreter alte Menschen zur Teilnahme an «Plan 75» zu überreden, grad so, als ginge es um ein Fitness-Abo. Doch «Plan 75» ist ein Euthanasieprogramm der Regierung.
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