Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03098.jsonl.gz/1401

Die zweiminütigen Videoanimationen Satellite Daylight Pavilion (2017) des Lausanner Studios für Architektur, Interaktion und Forschung fabric | ch zeigen vier Ansichten eines virtuellen, für Kensington Gardens in London entworfenen, interaktiven Teehauses. Eine sich entlang der Nord-Süd-Achse erstreckende und gegen Süden verjüngende Plattform trägt zwei ineinandergeschobene, trapezförmige Räume. Das Trapez des nördlichen Raumes weitet sich nach unten, während sich das südliche Trapez gegengleich nach unten hin verjüngt. Die mit filigranen, modularen Sitz- und Liegemöglichkeiten möblierten Teehausräume sind aus der Verschränkung je einer Satellite Daylight Lichtinstallation der südlichen und der nördlichen Erdhemisphäre entstanden: London auf nördlichem Breitengrad 51°30’N und Hope Bay, eine wissenschaftliche Station in der Antarktis mit 63°23’S südlichem Breitengrad. Wo die beiden Trapeze aufeinandertreffen befindet sich im Innern auf jeder Seite ein ca. 4 x 4 Meter grosses, LED-basiertes Lichtdisplay, das sich über die ganze Wand erstreckt und eine Art virtuelles Fenster zum jeweiligen Standort ausbildet. Wie bei Satellite Daylight 47°33’N für den Breitengrad von Basel, errechnet eine eigens programmierte Software den Lichteinfall aus Satellitenperspektive auf beide Orte in Echtzeit: die Metropole und den Südpol.
Die vier Videoanimationen decken die unterschiedlichen Lichtstimmungen im Jahres- und Tagesverlauf ab. So beginnt das erste Video mit der Aussenansicht des nördlichen Pavillons an einem 21. März morgens von 8:00 – 9:30 Uhr. Das zweite Video zeigt den Innenraum des Londoner Pavillons mit Blick auf die Lichtinstallation an einem 12. Juni mittags von 12:00 – 12:30 Uhr. Das dritte Video zeigt den Innenraum der südlichen Seite an einem 21. September nachmittags von 16:00 – 17:30 Uhr. Das letzte Video schliesst den Kreis mit einer Aussenansicht der Südterrasse an einem 21. Dezember um Mitternacht von 24:00 – 1:30 Uhr. In der gegenpoligen Architektur verschränken sich Nord- und Südhemisphäre, virtuelles und natürliches Licht, Tag und Nachtverläufe ineinander. Im Mikrokosmos der Pavillon-Architektur wird unser Bezug zu dem Makrokosmos unseres Planeten physisch greif- und erfahrbar.
(Text: Bettina Back)
Das Studio für Architektur, Interaktion und Forschung wurde 1997 von Christian Babski, Stéphane Carion, Christophe Guignard und Patrick Keller in Lausanne gegründet.