Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03508.jsonl.gz/818

Modellautos ohne konkrete Vorbilder
Bis in die 1930er-Jahre wurden viele Modellautos nicht nach konkreten Vorbildern gefertigt, sondern gaben einfach eine bestimmte Karosserieform oder eine bestimmte Fahrzeuggattung wieder. Etliche Firmen haben solche Modellautos in jüngerer Zeit wieder neu aufgelegt. Doch auch bei modernen Modellfahrzeugen, namentlich bei günstigen Werbemodellen, fehlt manchmal der Hinweis auf die Vorbildmarke. Der Hersteller des Modells spart sich so die Zahlung von Lizenzgebühren an den Hersteller des Originals.
Einige Modelle ohne konkrete Vorbilder sind auch in meiner Sammlung vertreten. Da sie mangels Angaben zum Vorbild oder zum Massstab nicht in der Datenbank gelistet werden können, ist ihnen diese Seite gewidmet.
1911 brachte die Firma Dowst aus Chicago eine winzige Limousine heraus. Es handelt sich dabei möglicherweise um das erste "richtige" Diecast-Modellauto der Welt. Die Firma, die ihre Modelle später unter dem Namen Tootsietoy anbot, hatte bereits einige Jahre zuvor dreidimensionale Nachbildungen von Autos in einer Serie mit Figuren aus Bleidruckguss gefertigt, aber die Limousine war die erste Miniatur mit beweglichen Rädern und Achsen.
Dowst Nr. 4528: Limousine
Das Modell ist nur 5 cm lang und besteht aus Blei – Zinklegierungen wurden erst in den 1930er-Jahren eingeführt. Es blieb bis 1928 im Firmenkatalog; spätere Versionen aus den 1920er-Jahren verfügen über Scheibenräder anstelle der ursprünglichen Speichenräder. Es wurde auch von anderen Herstellern kopiert, darunter SR aus Frankreich.
Seit Anfang der 1980er-Jahre stellt die deutsche Firma Schuco Wiederauflagen von historischen Blechmodellen her. Die Modelle stammen ursprünglich aus den 1930er- bis 1960er-Jahren, verfügen meist über Uhrwerk-Motoren und werden teilweise mit alten Original-Werkzeugen gefertigt. Neben exakten Kopien der alten Modelle sind mittlerweile auch Neuentwicklungen aus Blech in ähnlichem Stil entstanden.
Examico 4001
Der Examico wurde erstmals 1936 produziert und verfügt über vier Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang, Leerlauf, Kupplung Handbremse und Lenkung. Die Form erinnert an den BMW 328. Länge des Modells: 143 mm.
Wendeauto 1010
Das ebenfalls in den 1930er-Jahren erstmals vorgestellte Wendeauto ist einer stromlinienförmigen Maybach-Limousine nachempfunden. An Tischkanten dreht das Modell wegen eines querlaufenden Antriebsrads automatisch nach links ab und fährt weiter. Länge des Modells: 139 mm.
Studio 1050
Der Studio-Rennwagen blieb ab Mitte der 1930er-Jahre viele Jahrzehnte in Produktion. Er wurde vom Mercedes-Benz W25 von 1936 inspiriert und verfügt über lenkbare Vorderräder und eine Hinterachse mit Differential. Mit dem beiliegenden Werkzeug-Set können die Räder ausgewechselt werden. Länge des Modells: 140 mm.
Kurz nach dem zweiten Weltkrieg kopierte ein kleiner Betrieb in der Schweiz die Schuco-Konzepte: Die Firma Gysin & Heinimann aus Eptingen im Kanton Basel-Landschaft stellte von 1945 bis 1953 Blechautos mit Uhrwerk-Motoren und Modelleisenbahnen unter dem Markennamen Jibby her. Eines ihrer Spielzeugautos war eine Kopie des Examico von Schuco, entweder mit Getriebe ("Jibby 303") oder mit einer Musikdose ("Radio Car"). Ein Wendeauto war ebenfalls im Sortiment, aber mit einer eigenständigen Karosserie. Der Export ging hauptsächlich nach Belgien und in die Niederlande. Obwohl Jibby keine Lizenz von Schuco hatte, duldete der deutsche Hersteller die Kopien.
Jibby Wendeauto
Das Jibby-Wendeauto hat eine andere Karosserie als das Schuco-Modell und erinnert eher an eine amerikanische Limousine aus der frühen Nachkriegszeit. Die Karosserie entspricht auch nicht anderen Schuco-Produkten. Das Auto war in vier Farben erhältlich: rot, dunkelgrün, weiss und blau. Länge: 13 cm.
Die frühen Modellautos des englischen Herstellers Dinky Toys werden heute zu sehr hohen Preisen gehandelt. Doch heute sind auch Nachgüsse dieser seltenen Modelle aus den 1930er-Jahren erhältlich. Seit den 1970er-Jahren haben verschiedene Hersteller solche Kopien herausgebracht, zum Beispiel Dave Gilbert, der später unter dem Namen D.G. Models auch selbst entwickelte Modelle im Stil der Vorkriegs-Dinky-Toys anbot. Aber die meisten Dinky-Toys-Nachgüsse tragen keine Herstellerbezeichnung. Die Modelle sind meist exakte Kopien, können aber einfach von den teuren Originalen unterschieden werden, weil sie nicht aus Diecast, sondern aus Weissmetall gegossen und somit deutlich schwerer sind. Zudem weisen die meisten originalen Dinky Toys aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg - anders als natürlich die Kopien - Spuren von Zinkpest auf.
Town Sedan
Artikel Nr. 24c, produziert von 1934 bis 1940. Dies ist eine genaue Kopie eines sehr frühen Automodells von Dinky Toys England. Länge des Modells: 97 mm.
Royal Mail Van
Artikel Nr. 34b, produziert von 1938 bis 1940 und von 1948 bis 1952. Wegen seiner von den originalen Dinky Toys abweichenden Räder ist dieses Exemplar leicht als Kopie zu erkennen. Der Hersteller der Kopie ist auf der Bodenplatte angegeben. Dort steht geschrieben: "Model Road Productions - Morris Van - Nr. 4". Länge des Modells: 83 mm.
Royal Air Mail Service Car
Artikel Nr. 34a, produziert von 1935 bis 1940. Dieses Modell wurde von einem realen Vorbild inspiriert, einem Werbefahrzeug der königlichen britischen Luftpost, das ab 1934 im Einsatz stand (Autocult hat ein detailliertes Modell des gleichen Autos herausgebracht). Länge des Modells: 83 mm.
Die Herstellung von Holzspielzeug hat im südlichen Teil des französischen Juras eine lange Tradition. Bis ins 19. Jahrhundert waren die Handwerker oft Bauern, die zu Hause eine Werkstatt eingerichtet hatten. Zwischen 1890 und 1930 entstanden die ersten Industriebetriebe, die sich auf die Spielzeugproduktion spezialisierten, und die Kleinstadt Moirans-en-Montagne wurde zu einem Zentrum der französischen Spielzeugindustrie. In den 1950er- und 1960er-Jahren stellten etliche lokale Firmen die Produktion auf Plastikartikel um, andere wie Vilac, L'Arbre à Jouer, Charliluce, Janod und Jeujura blieben aber dem Werkstoff Holz treu und produzieren bis heute in der Region. Automodelle aus lackiertem Holz finden sich namentlich im Angebot von Vilac (gegründet 1911 von Narcisse Villet unter dem Namen "Villet Frères") und Foulon (gegründet 1953). In der Regel handelt es sich dabei um stilisierte Nachbildungen von Fahrzeugtypen ohne konkretes Vorbild. Sehr beliebt sind Rennwagen, von denen es unter anderem bei Vilac eine grosse Auswahl in unterschiedlichen Formen, Farben und Grössen gibt. Die Geschichte der Spielzeugproduktion im französischen Jura ist im Spielzeugmuseum von Moirans-en-Montagne ausführlich dokumentiert.
Vilac "Old Sport"
Der "Old Sport" von Vilac ist einem einsitzigen Rennwagen aus den 1930er-Jahren nachempfunden. Neben der schwarzen Version (Artikel Nr. 2286K) existieren noch mehrere andere Farbvarianten. Die Karosserie ist aus massivem Holz, Achsen und Räder aus Metall, die Reifen aus Gummi. Länge des Modells: 20 cm.
Foulon "Formule 1"
Der "Formule 1" von Foulon stellt einen moderneren Rennwagen mit Motor hinter dem Fahrer und Heckflügel dar. Das abgebildete Modell (Artikel Nr. 8052) ist 22 cm lang, es existiert aber noch eine kleinere, 14 cm lange Version. Beide Versionen sind in blau oder rot erhältlich. Karosserie und Räder bestehen aus Buchenholz.
In der peruanischen Hauptstadt Lima verdienen sich einige Architekturstudierende einen Teil ihres Studiums damit, Fahrzeugmodelle aus Karton zu basteln, die als Dekoration auf Architekturmodellen verwendet werden können. Diese Fahrzeugmodelle sind in Läden für Architekturbedarf erhältlich und normalerweise in den für Architekturmodelle üblichen Massstäben wie 1:50, 1:100 oder 1:200 gehalten. Es werden viele unterschiedliche Modelle produziert: Limousinen, Lieferwagen, Busse, Einsatz- und Baufahrzeuge. Während einige Modelle wie der Nissan Fiera Pick-up oder der Caterpillar-Muldenkipper als Nachbildungen realer Fahrzeuge erkennbar sind, haben viele kein konkretes Vorbild. Die Modelle in meiner Sammlung habe ich von einem deutschen Sammler erhalten, der sie auf einer Reise nach Südamerika entdeckt hat.
Peruanisches Polizeiauto (alt)
Eine Limousine im historischen schwarz-weissen Farbschema der peruanischen Polizei mit einem Lichtbalken auf dem Dach. Die Länge beträgt 80 mm, was einem angenäherten Massstab von 1:50 entspricht.
Peruanisches Polizeiauto (neu)
Das gleiche Polizeiauto in einem moderneren Farbschema. Dieses Modell ist geringfügig kleiner. Länge: 75 mm.
Das ursprüngliche Ziel der 1984 in Kalmar gegründeten schwedischen Firma Playsam war die Produktion von qualitativ hochwertigem und gut designtem Kinderspielzeug aus Holz. Ihr erstes und bekanntestes Produkt ist der von Ulf Hanses entworfene Streamliner: ein Stück Holz ohne scharfe Ecken und Kanten auf vier Rädern, hochglänzend lackiert. Wegen seiner klaren und einfachen Linien weckte das Spielzeugauto auch das Interesse von erwachsenen Liebhabern skandinavischen Designs und wurde vom schwedischen Nationalmuseum als Designklassiker ausgezeichnet. Der Streamliner wurde die Basis einer ganzen Produktlinie mit Einsitzern, Zweisitzern, Cabriolets und sogar Bussen. Die minimalistische Machart des Streamliners ist auch charakteristisch für die Playsam-Modelle von realen Autos, die nur die wesentlichen Linien ihrer Vorbilder wiedergeben, aber dennoch klar zu identifizieren sind.
Playsam Streamliner "Espresso"
Playsam-Streamliner gibt es in vielen verschiedenen Farben. Die klassischen Kombinationen sind schwarz mit roten Rädern und rot mit schwarzen Rädern. Die Version "Espresso" mit dunkelbrauner Karosserie und hellbeigen Rädern (Artikel Nr. 12656) war ab 2012 erhältlich. Länge des Modells: 13,5 cm.
Grosse Sportereignisse können für Modellautosammler recht interessant sein, da sich unter den vielen Werbeartikeln manchmal auch Sondermodelle finden lassen. Dies war auch an der UEFA Euro 2008 nicht anders, der Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich im Juni 2008. Drei offiziell von der UEFA lizenzierte Lastwagen- und Busmodelle waren erhältlich: ein Werbelastwagen im Massstab 1:87 mit dem Logo des Anlasses und Zeichnungen der Euro-2008-Maskottchen Trix und Flix, ein ähnlicher Lastwagen im Massstab 1:64 und ein Mannschaftsbus, ebenfalls im Massstab 1:64.
Die Modelle wurden in China für M&S Global International in Waldenhofen (Deutschland) hergestellt und von einer Firma namens Living Picture vertrieben. Gemäss den Angaben auf der Verpackung wurden alle Modelle in 16 verschiedenen Versionen herausgebracht, die jeweils eines der Teilnehmerländer repräsentierten. Allerdings gab es anscheinend Modelle für England, dessen Mannschaft sich nicht für die Euro 2008 qualifizierte, aber keine Modelle für Russland, das nicht nur teilnahm, sondern gleich bis ins Halbfinale vorstiess. In der Schweiz waren die roten und weissen Lastwagen und Busse der Schweizer Nationalmannschaft in grossen Stückzahlen in vielen Läden erhältlich, während die Modelle der anderen Teams sehr selten blieben. In Österreich war es einfacher, Modelle verschiedener Teams zu finden.
Die Lastwagenmodelle sind in blauen Blisterpackungen verpackt. Die Qualität ist vergleichbar mit den preiswerten Werbelastwagen für Brauereien und andere Firmen, wie sie von Herstellern wie Grell, Hümmer oder Top-Style gefertigt werden. Die Fahrerhäuser bestehen aus Diecast, alle anderen Teile sind aus Plastik. Die Internetadresse des Distributors, Living Picture (www.livingpicture.com), ist auf den Bodenplatten beider Modelle aufgeprägt. Es gibt auf den Modellen keine Hinweise auf die Vorbildmarken, aber das Modell in 1:87 sieht aus wie ein Scania, und das Modell in 1:64 ist offensichtlich ein Mercedes-Benz Actros.
Der Mannschaftsbus ist das Modell eines modernen Autocars ohne konkretes Vorbild. Er ist aus Diecast und hat sehr grosse Räder mit breiten Reifen. Dieses Modell ist in einer blauen Schachtel mit Sichtfenster verpackt. Auf der Bodenplatte ist als Hersteller 2BToys angegeben, eine niederländische Firma, die auf den Vertrieb von Modellautos und Bussen mit aufgedruckten Logos von europäischen Fussballklubs und Radrennteams spezialisiert ist. Das Modell stammt aber ursprünglich von Maisto, denn diese Firma hat einige Jahre zuvor Busse aus den gleichen Formen herausgebracht.