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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Fünftes Buch
14. Wer Gott ist, der ist auch wahrer Gott.
Und (zwar) frage ich zunächst: Was für eine Bedeutung soll denn „wahrer Gott” und „nicht wahrer Gott” haben? Denn ich erfasse nicht den Sinn dieser Redeweise, wenn man mir sagt: (das) ist Feuer, aber es ist kein wahres Feuer; oder: (das) ist Wasser, aber es ist kein wahres Wasser. Ich frage: Worin soll sich die wirkliche Wahrheit einer (bestimmten) Art von der wirklichen Wahrheit derselben Art unterscheiden? Denn was Feuer ist, das vermag das nicht zu sein, ohne es in Wahrheit [S. 232] zu sein; und ein Ding von Dauer vermag dessen nicht zu entbehren, daß es wahr ist.
Nimm dem Wasser, daß es Wasser sei, und dadurch wirst du es dazu vernichten können, kein wahres (Wasser) zu sein. Wenn es im übrigen als Wasser Bestand haben soll, so muß es auch darin Dauer haben, daß es wahres (Wasser) sei. Es kann ein wesenhaftes Ding dann erst zugrunde gehen, wenn es kein Dasein hat; es kann aber nicht unwahr sein, wenn es Bestand hat.
Der Sohn Gottes ist (also) entweder wahrer Gott, um Gott zu sein; oder aber, wenn er nicht wahrer Gott ist, so kann er auch dies nicht sein, daß er Gott sei. Denn wenn ihm das Wesen fehlt, kommt ihm auch der Name dieses Wesens nicht zu; wenn er aber den Namen dieses Wesens (zu Recht) besitzt, so kann ihm die Wirklichkeit dieses Wesens nicht fehlen.