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Als unattraktiv eingestufte Frauen, die mit gutaussehenden Männern verheiratet sind, machen eher eine Diät und neigen häufiger zu Essstörungen. Frauen, die hingegen als anziehend eingestuft werden, zeigen diesen Ansporn weniger stark. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Florida State University in ihrer neuen Studie. Bei Männern war der Wille zum Halten einer Diät in beiden Szenarien gering, ungeachtet der Attraktivität ihrer Frauen.
Zu hohe Ansprüche
"Ein starker Faktor ist hierbei die Selbstakzeptanz. Frauen streben hierzulande immer noch sehr stark danach, dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen", erklärt die Wiener Psychotherapeutin Sabine Fischer im Gespräch mit "pressetext". Laut Fischer ist ein schöner Mann für eine Frau mit relativ wenig Selbstliebe am Anfang eine positive Bestärkung, langfristig könne sich das allerdings ändern.
Studienleiterin Tania Reynolds ergänzt: "Die Ergebnisse zeigen, dass es negative Konsequenzen für Frauen haben könnte, einen physisch attraktiven Mann zu haben, vor allem wenn diese Frauen nicht besonders attraktiv sind." Die im Journal "Body Image" veröffentlichte Studie bietet produktive Einblicke über Beziehungen, in denen sich Frauen fürchten, den Ansprüchen ihres Partners nicht gerecht zu werden.
Das kann zu Essstörungen oder anderen gesundheitlichen Problemen führen. "Die Studie weist auf soziale Faktoren als Auslöser für gestörtes Essverhalten hin. Frauen, die bereits mit anderen Formen von psychologischem Stress kämpfen, wie Depressionen, Angst, Substanz-Missbrauch oder Lebensunzufriedenheit, neigen stärker zu krankhaftem Essverhalten", sagt Reynolds.
113 Paare untersucht
Andrea Meltzer, Assistenzprofessorin für Psychologie und ebenfalls beteiligt an der Studie, baut auf ihre eigenen Studienergebnisse auf. Meltzers vorhergehende Untersuchungen zeigen, dass Ehen als glücklicher empfunden werden, wenn Frauen objektiv attraktiver als ihre Männer sind. Dazu wurden 113 frisch verheiratete Paare untersucht, die einwilligten, ihre Attraktivität einschätzen zu lassen.
Die Paare füllten einen langen Fragebogen aus. Manche Fragen enthielten Antwortmöglichkeiten, wie "Ich fühle mich extrem schuldig nach dem essen", "Ich will, dass mein Magen leer ist" oder "Ich habe Angst davor, Gewicht zuzulegen". Von jedem Teilnehmer wurde ein Ganzkörperbild gemacht, und danach wurde die Attraktivität auf einer Skala von eins bis zehn festgelegt.
Bestätigung als Therapie
Die Studie zeigt, dass Frauen zu viel Wert darauf legen, wie dünn ihre Partner sie haben wollen und als Resultat daraus übertrieben abnehmen. Partner sollten daher bestätigend sein und ihre Frauen immer wieder an ihre Schönheit erinnern. Auch das Bestärken anderer Faktoren wie Klugheit, Freundlichkeit oder Unterstützungsbereitschaft sei eine gute Hilfe.
"Man muss seine Defizite erkennen, ehrlich zu sich sein und diese akzeptieren. Als Aussenstehender lässt sich nur bedingt helfen, denn man kann vielleicht kleine Unsicherheiten ausgleichen, aber nicht das Ursprungsproblem. Jeder Mensch braucht Bestätigung, das ist ein menschliches Grundbedürfnis. Paare sollten jedoch den Grund für das wirkliche Problem finden", sagt Fischer gegenüber pressetext.
Reynolds will die Studie noch weiter ausbauen. Sie will untersuchen, ob Frauen motivierter sind abzunehmen, wenn sie von attraktiven, weiblichen Freunden umgeben sind. "Wenn wir verstehen, wie die Beziehungen von Frauen ihr Essverhalten beeinträchtigen und die frühen Faktoren von Essstörungen erkennen, werden wir ihnen besser helfen können", so Reynolds.
Artikelfoto: PublicDomainPictures (CC0 Public Domain)