Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03468.jsonl.gz/2446

| Athanasius (295-373) - Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa (De decretis Nicaenae synodi)

16.
Daß nun hierin viele und große Gottlosigkeit liege, dieses wird, wie ich glaube, Niemand, der auch nur ein wenig Verstand hat, bezweifeln. Weil sie aber murmelnd sagen, Wort und Weisheit seyen bloß Namen des Sohnes, so ist es nothwendig sie zu fragen: Wenn dieses bloß Namen des Sohnes sind, so wird er wohl anders seyn, als diese Namen andeuten. Ist er aber vorzüglicher als dieseNamen, so ist es nicht erlaubt, den Vorzüglichern mit Niedrigerm zu bezeichnen. Ist er aber geringer als die Namen, so hat er gewiß nicht ohne Grund die Benennung nach dem Vorzüglichern erhalten; dieses ist aber eine Bezeichnung seines Fortschreitens und keine geringere Gottlosigkeit, als die vorhergehende. Denn von demjenigen, welcher in dem Vater ist, und in welchem der Vater ist, von ihm, welcher sagt:1 „Ich und der Vater sind Eins,“ so daß, wer ihn gesehen hat, dieser auch den Vater gesehen hat, durch diese Namen andeuten zu wollen, er werde durch irgend eine äussere Sache besser gemacht, übersteigt alle Thorheit. Allein da sie hierin unterliegen, und, wie die Eusebianer, in die größte Verlegenheit gerathen, bleibt ihnen dasjenige noch übrig, was auch Arius in seinen Liedchen und in seiner Thalia2 gleichsam aus Verzweiflung faselt. Gott, sagen sie, redet viele Worte. Welches also von diesen nennen wir den Sohn Gottes und das eingeborne Wort des Vaters? Die Thoren, welche alles mehr sind, als Christen! Denn erstens, nehmen sie, indem sie dieses von Gott sagen, beinahe an, daß Gott ein Mensch sey, der also rede und die frühern Worte mit neuen vertausche, als wenn Ein Wort von Gott nicht genügte, Alles zu erschaffen, was der Vater will, und seine Vorsehung zu vollziehen. Denn wenn er viele Worte redet, so ist dieses ein Zeichen, daß alle schwach sind, indem ein jedes die Hülfe des andern nöthig hat. Die Annahme aber, daß Gott sich nur Eines Wortes bediene, wie es auch in Wahrheit ist, zeigt sowohl die Macht Gottes, als auch die Vollkommenheit des von ihm ausgegangenen Wortes, so wie die Frömmigkeit der Gesinnung derjenigen, welche so denken.
1: Joh. X, 30.
2: Dieses Wörtchen erwähnt Sokrates in seiner Kirchengeschichte I. Buch 6. Kap. so: „Man muß wissen, daß Arius eine Schrift über seine Meinung verfaßt hat, welche er Thalia betitelte; der Styl dieses Buches ist weichlich und ungeregelt, und den sotadischen Liedern sehr ähnlich; die nicäische Synode verdammte es.“ Sieh auch Philostorgius Buch II, Kap. 2.