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Sabine Haupt
Eunuchenglück
1994
Aus: Sabine Haupt. Eunuchenglück. 1994
Der Brief musste vernichtet werden, Bevor S. aus P. zurückkam. Ich setzte mich auf die zerfetzte Affenhaut, angelte mir eine Gitane und benebelte mich mit seinem Duft; im Gesicht duftete S. aus P nach schwerem, dunklen Tabak, zwischen den Fingern aber tödlich süss nach versengter Haut. Wie die Gabel ins Affenfell drückte sich die Zigarette ans Papier, es war ganz leicht, zwischen Lippen und Zähnen dirigierte ich beim Rauchen die Anordnung der verkohlenden Löche.r Hautnah frass sich die Glut in den Brief hinein, immer weiter, immer schwärzer umkreiste sie die verräterische Schrift. Buchstabe für Buchstabe lösten sich die Aschenflitter vom Blatt, dunkler, heisser Schnee regnete auf die zerstochene Haut rings umher. Überzogen vom Fett jahrelanger Berührungen saugte sie geschmeidig die Hitze an, und es bedurfte nur noch weniger Funken, um auch sie vollständig dem Feuer zu übergeben. Eine Weile blieb ich noch sitzen, inmitten der Flammen, beobachtete, wie sie sich zielsicher nach vorne schlängelten, den Schreibtisch eroberten und dort ihr herrliches Zerstörungswerk vollendeten. Neben dem russenden Mäusefell schmorte klebrig das Plastikgehäuse des Computers, es knisterte in allen verknoteten Schaltkreisen, bald stiegen seltsame süsssaure Dämpfe auf, vom Feuer aufgeschreckte, geistige Abspeicherungen. Entlöst aus ihrer binären Verschlüsselung, befreit von der Herrschaft des exilierten Mausekönigs, heiter, schwebten sie in ungeordneten Bahnen durchs offene Fenster dem nun kaum noch sichtbaren Himmel entgegen.