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Tadschikistan, der ärmste Staat Zentralasiens, ist mit zahlreichen Herausforderungen im Gesundheitsbereich konfrontiert. Die Bevölkerung leidet nicht nur an Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und Aids, sondern auch an nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die führende Krankheits- und Todesursache. Auch im Bereich der Müttergesundheit sind Anstrengungen nötig. Die Kinder- und Müttersterblichkeit ist zwar rückläufig, gehört aber nach wie vor zu den höchsten der Region. Die Regierung investiert nur wenig Geld in die Gesundheit: 86% der Kosten müssen die Patientinnen und Patienten selbst bezahlen (Zahlen für 2013).
Vor diesem Hintergrund hat die tadschikische Regierung eine neue Nationale Gesundheitsstrategie (2010–2020) verabschiedet, die den Zugang der Bevölkerung zur Gesundheitsversorgung in räumlicher und in finanzieller Hinsicht verbessern soll. Dies erfordert einen Paradigmenwechsel. Anstelle der grossen und teuren Spitäler, die noch aus der Sowjetzeit stammen, liegt das Schwergewicht fortan auf der Stärkung der Basisgesundheitsversorgung, unter anderem durch die Förderung der Hausarztmedizin. Das Projekt, das sich derzeit in der fünften Phase befindet, wird in den sechs Bezirken Shahrinav, Tursunzade, Vose, Hamadoni, Faizobod und Rudaki umgesetzt.
Gesundheitszentren renovieren und besser verwalten
Der erste Pfeiler des Projekts umfasst den Bau oder die Renovation von Gesundheitszentren in ländlichen Gebieten. Bis heute wurden über 120 Einrichtungen saniert, wodurch über 600'000 Personen einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung erhielten. Das Projekt enthält auch eine Ausbildungskomponente für das medizinische Personal und das Verwaltungspersonal der Zentren. In Zusammenarbeit mit einem weiteren Projekt der DEZA werden Gesundheitsfachleute in Hausarztmedizin ausgebildet. Bislang haben rund 230 Ärztinnen und Ärzte und gleich viele Pflegefachkräfte diese Ausbildung absolviert. Die Verwaltungsangestellten lernen, das Budget ihrer Einrichtung besser zu verwalten und dem effektiven Bedarf entsprechend Schwerpunkte zu setzen. Ihr Spielraum ist jedoch sehr begrenzt: Nur ein Anteil von knapp 4% des Budgets ist flexibel und kann zum Beispiel für Renovationsarbeiten oder für den Kauf von Medikamenten eingesetzt werden.
Bevölkerung einbinden
Mit dem Projekt soll die lokale Bevölkerung zudem motiviert werden, sich aktiv für ihre eigenen Gesundheitsbelange zu engagieren. Dazu werden in den Dörfern Gesundheitsgruppen gebildet. In den sechs Bezirken, in denen das Projekt umgesetzt wird, sind bis anhin 780 Gruppen entstanden. Diese erfüllen zwei Aufgaben.
Einerseits versuchen sie im Gespräch mit der Bevölkerung die dringendsten gesundheitlichen Bedürfnisse zu ermitteln, und sie arbeiten mit den Gesundheitszentren zusammen, damit diese Prioritäten in deren Planung aufgenommen werden. Andererseits engagieren sie sich in der lokalen Gesundheitsförderung. In Partnerschaft mit den für Gesundheitsförderung zuständigen Einrichtungen werden sie in den Bereichen Hygiene, Kinderbetreuung/-pflege sowie Prävention von Grundkrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck ausgebildet. Zudem erhalten sie Informationsmaterial, das es ihnen erlaubt, ihr Wissen im Rahmen von Präventionsworkshops an die Bevölkerung weiterzugeben.
Die Initiativen zahlreicher Gesundheitsgruppen in den Dörfern sind ermutigende Zeichen: Die meisten haben aus eigener Initiative einen Transport-Notfonds eingerichtet, einen Gemeinschaftsfonds, aus dem bei Notfällen der Transport zum nächstgelegenen Spital finanziert wird.
Politischer Erfolg
Die tadschikische Regierung anerkennt den Nutzen und die Wirksamkeit des «Business Plans», eines Managementinstruments, das im Rahmen dieses Projekts in mehreren Grundversorgungszentren eingeführt wurde. Im April 2014 beschloss sie, diesen Ansatz in ihre nationale Gesundheitsstrategie aufzunehmen und auf das ganze Land auszudehnen.