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In der Zendsprache (s. Zend) lautender Name Zarathuschtra, woraus die griechischen Autoren des Altertums Zoroaster, die
ParsenZerduscht machten. Die Berichte der Griechen und diejenigen der Parsen (in dem »Zerduschtnameh«) über sein Leben sind
durchaus sagenhaft, und es läßt sich nur so viel daraus entnehmen, daß Zoroaster mit Hilfe eines ostiranischen, wahrscheinlich
baktrischen, KönigsHystaspes (Vistaspa, Gushtasp), der aber nicht mit dem viel spätern persischen König
Hystaspes, dem Vater des Dareios, verwechselt werden darf, die Religion seines Landes reformiert hat.
Hiernach ist der Gott, welcher die Welt geschaffen hat und erhält, Ahuramazda (daraus später Ormuzd); er wird der Herr, der
Herrscher, der Starke, am häufigsten aber der segenspendende und heilige Geist genannt. Von ihm gehen aus sechs gute Geister,
die spätern Amshaspands (»Unsterbliche, Heilige«),
Die beiden zusammen werden als die »Zwillinge« dargestellt, welche das Gute und Böse erschaffen haben, und es treten den sechs
guten Geistern ebenso viele böse, von Anramainyu geschaffene gegenüber, von denen jedoch nur die »Lüge«
und die »böse Gesinnung« bereits in den Gâthâs erscheinen, während die übrigen erst einProdukt der spätern Ausbildung der
Zoroastrischen Lehre
[* 6] sind. In der Menschenwelt stehen sich ebenso schroff die Frommen oder Gläubigen und die Götzendiener
gegenüber; letztere, die auch als »Blinde und Taube« bezeichnet werden, soll man auf jede Weise angreifen, aus ihrem Besitz
treiben und ums Leben bringen.
Auch der Kampf zwischen den guten Mächten des Lichts und den bösen der Finsternis und der Trockenheit
ist eine uralte Vorstellung und wurde in Iran nur potenziert, indem die letztern unter ein Oberhaupt gestellt und dieses mit
einem ähnlichen Hofstaat wie das Oberhaupt der guten Schöpfung umgeben wurde. AndreGottheiten oder Dämonen des primitiven
Naturdienstes der Urzeit fanden in der spiritualistischen und von philosophischen Tendenzen getragenen
Lehre Zoroasters keinen Platz, so: der SonnengottMithra, der in der Urzeit der unzertrennliche Genosse des Himmelsgottes gewesen
war;
dargebracht wurde, um sich damit zu berauschen; die Fravashi oder Seelen der Abgestorbenen, deren uralter Gottesdienst sich
auch bei den Römern in dem bekannten Manenkultus noch erhalten hat; die Wolkenschlange Aschi (Ahi), welche von dem Gotte des
Lichts mit seiner Blitzwaffe gezwungen wird, das befruchtende Wasser des Regens, das sie entführt hat,
zurückzugeben. Diese und andre sinnlich-realistische Gottheiten der Urzeit machten jedoch ihre Rechte wieder geltend in dem
spätern Parsismus, wie er in den jüngern Teilen des Zendavesta und den Angaben der Griechen über die Religion der Perser vorliegt,
indem die Priesterschaft es vorteilhaft fand, dem mit den ererbten derbern Vorstellungen angefüllten
Volksgeist zu schmeicheln.
Auch Personifikationen der reinen Elemente, vor allen des Feuers, das in verschiedenen Formen verehrt wird, und des Wassers, das
sich in der später mit der vorderasiatischen Mylitta vermischten Ardvisura Anahita verkörpert, spielen in dem reichbevölkerten
Götterhimmel des spätern Parsismus eine hervorragende Rolle. Kaum minder zahlreich sind die bösen Geister,
welche Daeva, Drudsch, Pairikas (Peri) genannt und teils als Unholdinnen gedacht wurden, die mit bösen Menschen in fleischlichem
Verkehr stehen und die guten zu verführen trachten, teils als tückische Dämonen, welche Trockenheit, Mißwachs, Seuchen und
andre Plagen über die Welt verhängen.
Dieses Ereignis fällt in das 31. Jahr der Regierung des Königs Vîstaspa, und von da an werden wieder 3000 Jahre vergehen,
bis der Heiland Saoschjant geboren wird, welcher die bösen Geister vernichten und eine neue, unvergängliche
Welt herbeiführen wird; auch die Toten sollen dann auferstehen. Statt des einen Messias werden an andern Stellen deren drei
genannt, wodurch sich also diese Lehre von der entsprechenden des Alten Testaments unterscheidet. Dagegen stimmt die Lehre von der
Auferstehung sogar in Details mit der christlichen überein, so daß die Annahme einer Entlehnung der letztern
aus der Religion der den Hebräern benachbarten Parsen eine nicht unbedeutende Wahrscheinlichkeit für sich hat.
Die Ethik des Parsismus scheint ursprünglich von großer Reinheit gewesen zu sein, abgesehen von der allen alten Religionen
anhaftenden Intoleranz gegen Andersgläubige: Wahrhaftigkeit und Heiligkeit in Gedanken, Worten und Werken,
insbesondere auch Heilighaltung des
gegebenen Wortes, galten für die Hauptpflichten des Mazdayasna (Verehrer des Ahuramazda).
Doch stellten die Priester, Athravan (»Feuerpriester«, in PersienMagier genannt), welche früh die Vorrechte eines privilegierten
Standes erlangten, einen sehr komplizierten Kanon von Vorschriften über Reinhaltung auf, der eine Menge
der abergläubischten Vorschriften enthielt und durch die Bußen, welche von den Priestern vorgeschrieben wurden, und die ihnen
teilweise zu gute kamen, den Laienstand in Abhängigkeit von ihnen bringen mußte.
Besonders bei Geburten und Todesfällen gehen die erforderlichen Reinigungen ins Endlose. Hiermit hängt auch die eigentümliche
Art der Totenbestattung bei den Parsen zusammen, die sich noch heute erhalten hat. Da das Feuer und die
Erde als reine Elemente durch die Berührung mit Leichnamen verunreinigt würden, so dürfen dieselben weder verbrannt noch
begraben werden, sondern man setzt sie auf Türmen, die an einsamen Plätzen errichtet werden und Dakhmas heißen, den Vögeln
zum Fraß aus.
Der Kultus war einfach, ohne Bilder und Tempel;
[* 11] die üblichen Feueropfer wurden unter freiem Himmel,
[* 12] am liebsten auf Anhöhen,
von den Priestern dargebracht, die sich dabei das Gesicht
[* 13] verhüllten, um das heilige Feuer nicht mit dem unreinen Hauch ihres
Mundes zu berühren. Bei den Tieropfern wurde das Opfertier nicht verbrannt, sondern der Zweck war nur
der, geweihtes Fleisch zu erhalten. Besonderes Gewicht wurde auf das Haomaopfer gelegt, wobei die Haomapflanze in einem Mörser
gestoßen und der ausgepreßte Saft in einer Schale den Göttern dargebracht wurde, während die Priester, heilige Tamarindenzweige
emporhaltend, ein langes Gebet aus dem Zendavesta absangen.
In der spätesten Epoche des Parsismus bildeten sich mehrere Sekten, welche den Gegensatz zwischen Ormuzd und Ahriman in einer
höhern Einheit aufzulösen suchten, indem sie als die gemeinsame Quelle beider die Zeit oder das Schicksal oder das Licht
[* 14] oder
den Raum annahmen. Die bekannteste darunter ist die der Zrvaniten, deren Lehrmeinung, daß die Zeit (zrvan)
das Urprinzip der Dinge sei, im 5. Jahrh. n. Chr. unter König Yezdegerd (Jesdegerd) die Staatsreligion des neupersischen Reichs
wurde; die »unermeßliche Zeit« (zrvan akerene) wird schon im Zendavesta angerufen.