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| Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Viertes Buch
13. Ursprung der Liebe.
Dies wußte ich damals nicht und liebte nur das Schöne niederer Ordnung, suchte den Abgrund auf und sagte zu meinen Freunden "Lieben wir wohl etwas anderes als das Schöne? Was ist also schön? Und was ist Schönheit? Was lockt uns an, was fesselt uns an die Gegenstände, die wir lieben? Denn wenn sie nicht Anmut und Schönheit besäßen, so würden sie uns nimmermehr zu sich hinziehen". Und ich sah hin und bemerkte, daß in der Körperwelt das Schöne auf der Harmonie des Ganzen beruhe, das Schickliche aber auf der Harmonie der einzelnen Teile, wie bei dem Verhältnis eines Gliedes zum ganzen Leibe oder eines Schuhes zum Fuße und so weiter. Diese Betrachtung, aus dem Innersten meines Herzens quellend, erfüllte meinen Geist, und ich schrieb Bücher "Über das Schöne und Schickliche", zwei, glaub' ich, oder drei; du weißt es, Gott, denn mir ist es entfallen. Denn ich besitze sie nicht mehr, da sie mir auf irgendeine Weise abhanden gekommen sind.