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Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer hat es auf den Punkt gebracht: «Wenn es keine Hunde gäbe, würde ich nicht leben wollen.» Ganz so martialisch sehen es Katzenliebhaber womöglich nicht. Aber auch sie müssen zugeben: Selten empfängt eine Katze ihr Herrchen an der Tür, schaut ihm treu in die Augen, schmiegt sich dicht an Frauchens Bein und tappt gehorsam überall hin mit.
Den Genen sei dank
Diese einzigartige Beziehung zwischen Herrchen und Hund wurde lange auf dessen Aufzucht zurückgeführt. Der Mensch, so die gängige Theorie, habe den Cousins der Wölfe durch stetige Domestizierung ihre wilde Seite ab- und eine sanftere Seite angewöhnt. Ihre Liebe sei deshalb Ausdruck und Resultat der liebevollen Erziehung, die unsere vierbeinigen Freunde bei uns Menschen geniessen dürfen.
Falsch, sagt nun eine aktuelle Studie aus den USA. Vor wenigen Tagen veröffentlichten Bridgett vonHoldt und ihr Forscherteam der amerikanischen Princeton University eine Studie, die belegt, dass nicht der Mensch, sondern die Gene für Fidos Menschenliebe verantwortlich sind. Bei Menschen führt eine grössere Störung auf einem Chromosom zum sogenannten Williams-Beuren-Syndrom (WBS). Menschen mit Williams-Beuren-Syndrom sind, unter anderem, hypersozial. Sie zeigen keine Scheu, quatschen mit Jedermann und machen zwischen Fremden und Freunden keinerlei Unterschied.
Bei Hunden führen strukturelle Genvarianten in einer vergleichbaren Umgebung zu einem WBS-ähnlichen Verhalten. Ihre Cousins, die Wölfe, haben diese Varianten nicht und sind deshalb weniger zutraulich.
Die Biologin Bridgett vonHoldt und ihr Team vermuten, dass sich das Sozialverhalten von Hunden und Wölfen in Bezug auf den Menschen unterscheidet, weil diesen die Genvariante fehlt. Hunde, so die Forscher weiter, seien rein genetisch dazu prädestiniert, des Menschen Freund zu sein. Zum Beweis führten die Wissenschafter ein Experiment durch: Den Tieren wurde eine Box vorgesetzt, in deren Innenraum eine Wurst lag. Die galt es mit den Pfoten so lange zu traktieren, bis die Wurst verspeist werden konnte.
Schliesslich sollte getestet werden, ob sich das Sozialverhalten von Hunden und Wölfen verändert, sobald ein Mensch anwesend ist. Dazu nahm zunächst ein fremdes, danach ein bekanntes Herrchen im Umfeld der Tiere Platz. Das verhielt sich zunächst ruhig, begann mit der Zeit allerdings, das Tier mit Zurufen abzulenken.
Sensibel, aber abgelenkt
Das Experiment zeigt: Hunde achten viel mehr auf Menschen als Wölfe. Hechelnd sitzen sie vor den Menschen. Sie achten, ob fremd oder Freund, schweigend oder rufend, darauf, was die Herrchen tun oder nicht tun, und vergessen darüber sogar die Wurst in der Box. Wölfe hingegen nehmen den Menschen auch unter Zurufen nur schnell zur Kenntnis. Dann gehts bei ihnen um die Wurst. Ablenkungen schlagen hier fehl.
Diesen Verhaltensunterschied führen die Forscher auf den unterschiedlichen Genpool von Hunden und Wölfen zurück. Der macht Hunde hypersozial, lässt sie bei aller Sozialität allerdings auch den Blick für die eigentliche Problemstellung wie etwa die Wurst in der Box häufiger verlieren.
Von Julia Monn