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Classement thématique série 1848–1945:
VI. L’APRÈS-GUERRE ET LES ORGANISATIONS INTERNATIONALES
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Etwa drei Wochen nachdem der Präsident dem Amerikanischen Parlament Bericht erstattet hatte über die Ergebnisse der Yalta Konferenz, sicherte es, wohl auf Grund einer journalistischen Indiskretion durch, dass Herr Roosevelt und Herr Churchill, Herrn Stalin gegenüber ihr Einverständnis dazu ausgedrückt hatten, dass Russland in der Generalversammlung der «Vereinigten Nationen» 3 Stimmen haben würde. Es setzten hierauf hier in der Presse, aber auch in engeren Kreisen der Regierung, lebhafte Diskussionen ein, in welchen dieses Zugeständnis zum Teil recht scharf kritisiert wurde. Es zeigte sich dann, dass die Russen und die Engländer sich auch damit einverstanden erklärt hatten, dass die Vereinigten Staaten ebenfalls 3 Stimmen haben sollten. Aber auch diese Abmachung fand wenig Gnade bei der Presse und bei der öffentlichen Meinung, sodass Präsident Roosevelt schliesslich erklärte, er halte sein Begehren betreffend 3 Stimmen für Amerika nicht aufrecht und hoffe, dass Russland auf seine entsprechende Forderung verzichten werde, wenn nicht, so würde er sich allerdings verpflichtet fühlen, den russischen Anspruch gleichwohl zu unterstützen, da er dies versprochen habe.
Die Besprechung in Yalta, welche zu der genannten Abmachung geführt hat, ist in Einzelheiten nicht ohne Interesse. Es scheint, dass Stalin die betreffende Frage aufwarf, ohne zunächst nur von 3 Stimmen zu reden, sodass Herr Roosevelt glaubte, Herr Stalin wünsche für jede einzelne sowjetrussische Republik - ich glaube, es sind deren 16 - je eine Stimme. Er habe nun gleich zu anfangs Herrn Stalin gesagt, «kommen Sie mir nicht mit einer solchen Forderung, denn ich müsste ansonst der öffentlichen Meinung wegen eine Forderung für 48 Stimmen stellen, entsprechend der Zahl der amerikanischen Bundesstaaten». Darauf habe sich Stalin vom Tisch erhoben, was bisher nur in besonders kritischen Momenten geschehen sei, sei auf Herrn Roosevelt hingegangen und habe ihm gesagt, er, Stalin, müsse aus internen Gründen für Russland 3 Stimmen bekommen, je eine für Weissrussland, die Ukraine und das übrige Russland. Er habe intern mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen und eine solche Konzession von Seite der Alliierten würde ihm die Lage erleichtern. Darauf habe Herr Roosevelt, einesteils weil er froh war, dass nicht 16 Stimmen verlangt wurden, anderseits beeindruckt durch die Bitte Stalins und «weil die Russen sich so heldenmütig geschlagen hätten» Herrn Stalin versprochen, die Forderung auf 3 Stimmen zu unterstützen, vorausgesetzt, dass Amerika ebenfalls 3 Stimmen haben werde.
Diese Haltung des Präsidenten verdient aus manchen Gründen Beachtung. Einmal zeigt sich darin die absolut labile Art des Amerikaners, der irgendeinen Grundsatz sofort preisgibt, wenn ihm dies aus praktischen Gründen momentan opportun scheint. Der Grundsatz der Gleichheit aller Staaten, wenigstens in Bezug auf die Generalversammlung, schien bisher stillschweigend festzustehen. Aber der Präsident hat ihn sofort, ohne weiter zu denken, geopfert, wie mir scheint, aus ganz unkommensurablen Gründen. Vielleicht ist auch der Gesundheitszustand des Präsidenten zur Erklärung herbeizuziehen, denn nach allem, was ich von Leuten höre, die es wissen sollten, ist es damit nicht gut bestellt. Man hört sehr häufig, dass der Präsident den an seine Gesundheit gestellten Anforderungen nicht mehr genügen könne, und dass hier wichtige Beschlüsse eher von seiner Umgebung, als von ihm selber gefasst würden.
Ob die San Francisco Konferenz die neue Weltorganisation so fördern kann wie es geplant ist, bleibt fraglich. Schon in der amerikanischen Delegation zeigen sich die Differenzen, wie ich in einem Spezialbericht geschildert habe. Die Tendenzen des rechten Flügels der Republikaner, welcher an der Konferenz durch Senator Vandenberg vertreten sein wird, neigen zu einem vorderhand noch versteckten Isolationismus. Genau besehen will Vandenberg eher mit grossen Worten den Zusammenschluss der Völker fördern, und mit den Taten von Seite Amerikas zurückhalten. Er könnte damit einen Ton zum Klingen bringen, welcher in sehr weiten Kreisen schliesslich Widerhall finden würde. Denn natürlich werden die meisten Amerikaner, sobald der Sieg errungen ist, vorab an das eigene Interesse denken wollen, und es dürfte dann nicht allzuschwer sein, sie glauben zu machen, dass durch möglichste Abschliessung dieses Ziel am besten erreicht würde.
Auch die Tendenz, die Mitgliedschaft zu einer Weltorganisation zeitlich, also etwa auf 10 oder maximum 15 Jahre zu begrenzen, so wie Vandenberg, aber vielleicht auch Stassen zu wünschen scheinen, könnte hier rasch populär werden.
Trotzdem ist man vorderhand in Regierungskreisen zuversichtlich, man glaubt, dass die genannte zeitliche Begrenzung in San Francisco nicht vorgenommen werde, man hofft auch, dass die Vorschläge der Bretton Woods Konferenz vom amerikanischen Senat gebilligt würden, und dass eine Handelspolitik durchgesetzt werden könne, welche die wirtschaftliche Erholung Europas nach dem Kriege fördern werde.
Alles in Allem glaube ich, dass es für unser Land das wichtigste sein wird, diese Entwicklungen ruhig, aber ohne allzu grossen Optimismus zu verfolgen und mit eigenen Entschliessungen zurückzuhalten2.
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