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Seit dem Jahr 2000 hat sich das Wallis im Bereich Herdenschutz immer wieder neu organisiert und die Züchter haben unter oftmals schwierigen Bedingungen zahlreiche Massnahmen ergriffen. Die Zunahme der Zahl der Wölfe und deren ausgezeichnetes Anpassungsvermögen führen zu einem immer grösseren Druck auf die Landwirte. Ohne Möglichkeit zur Regulierung des Grossraubtiers wird die Zukunft der Weidewirtschaft und der Berglandwirtschaft im Wallis in Frage gestellt.
Seit 2010 wurden fast 30 der 150 Schafalpen im Wallis aufgegeben. Nächstes Jahr werden aufgrund des Drucks durch den Wolf zehn zusätzliche nicht mehr bewirtschaftet, davon drei allein in der Region Bourg-Saint-Pierre. Parallel dazu ist der Schafbestand um fast 20% zurückgegangen von ca. 50 000 auf 40 000 Tiere. Gleichzeitig ist der Herdenschutz im Wallis aber strukturierter worden. In Zusammenarbeit mit Agridea hat die Dienststelle für Landwirtschaft eine Herdenschutzpolitik ausgearbeitet, bei der der Einsatz von Hirten, Herdenschutzhunden und der Bau von Nachtpferchen gefördert wird. Zur Unterstützung der Züchter wurden explizit Büros für die Beratung und Begleitung im Ober- wie auch Unterwallis beauftragt.
Allerdings musste festgestellt werden, dass jede dieser Massnahmen neue Schwierigkeiten verursacht: wirtschaftliche (Kosten für den Hirten), agronomische (Auswirkungen auf die Bodenqualität durch grössere Herden) oder touristische (Präsenz von Herdenschutzhunden). Ausserdem verringern sie nur teilweise den stetig wachsenden Druck des Wolfs auf die Herden. Ohne die Aussicht, die immer häufigeren Angriffe auf die Herden wirksam bekämpfen zu können, werden in den nächsten Jahren immer mehr Alpen aufgegeben, was negative Folgen für die Biodiversität, die Erhaltung und den Schutz des Lebensraums sowie für die einheimischen Rassen hat, die aufgrund des ständig abnehmenden Viehbestandes vom Aussterben bedroht sind: -25% Schwarznasenschafe und -12% Schwarzhalsziegen im Vergleich zum Jahr 2015.
Die Möglichkeit zur Regulierung des Wolfbestands ist im Wallis im Hinblick auf ein lebensfähiges und nachhaltiges Zusammenleben zwingend nötig. Der Staat Wallis unterstützt die Revision des Jagdgesetzes, über die am 27. September 2020 abgestimmt wird. Die Regierung sieht darin ein guter Kompromiss, der den Schutz der Wildtiere stärkt und gleichzeitig den Kantonen ein moderates Instrument zur Regulierung der Wolfspopulation und zur Begrenzung der Schäden an den Herden bietet.