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„Oh. You’re only a boat in a magical land! Can’t you row yourself?!“
Die Arbeiten an The Voyage of the Dawn Treader, dem letzten mit Edmund und Lucy als Protagonisten, wurden vorallem von Streitereien zwischen Walden und Disney überschattet, die darin gipfelten, dass Disney sich aus dem Projekt Narnia ausklinkte. In der Folge sprang 20th Century Fox ein, doch dieser Wechsel war nicht der einzige an der Filmreihe. So wurde zuvor auch Regisseur Andrew Adamson aus unbekannten Gründen durch Michael Apted ersetzt, und auch Harry Gregson-Williams Filmmusik wurde nicht mehr erwünscht, für ihn holte man Bond-Hauskomponist David Arnold an Bord (Wortspiel!). Der Ausstieg Disneys zu diesem Zeitpunkt, vermutlich auch durch den mässigen Erfolg von „Prince Caspian“ hervorgerufen, wurde mit Kopfschütteln quittiert – galt doch gerade „The Voyage of the Dawn Treader“ als einer der Fanfavoriten (eine Meinung, die ich völlig teile) und somit als grösserer Erfolgsgarant als der Vorgänger.
Zum letzten Mal kehren Lucy und Edmund, die bei ihrem ätzenden Cousin Eustace Scrubb leben müssen, per Zufall durch ein Gemälde, gemeinsam mit Eustace nach Narnia zurück. Ihre Wege kreuzen sich mit Prinz Kaspian, der auf dem Schiff Morgenröte (Dawn Treader) auf dem Weg ist, die Meere, sowie das Schicksal sieben von Miraz verjagten Lords, zu ergründen. Dabei stossen sie auf das pure Böse in Form des grünen Nebels, das sie nur besiegen können, indem sie alle sieben Schwerter der Lords auf Aslan’s Tisch legen. Doch die Schwerter sind meist, wie auch die Lords, an den unmöglichsten Stellen verschollen, sodass der Morgenröte und ihrer Crew eine weit schwerere Aufgabe bevorsteht, als es den Anschein hat…
Obwohl die Story eine der beliebtesten der Narnia-Geschichten ist, wurden die Macher, bzw. vorallem die Autoren vor eine schwierige Herausforderung gestellt, indem sie die sehr episodenhafte Geschichte ohne wirklichen Bösewicht, in einen zusammenhängenden Plot mit Antagonisten, der aber doch noch möglichst nahe an der Vorlage liegt, umschreiben mussten. Kurz und schmerzlos: Es gelang ihnen nicht wirklich. Zwar gibt es so etwas wie einen Antagonisten in Form der grünen/weissen Hexe, die offenbar nun nicht mehr zwei verschiedene Figuren sind, die als Inkarnation des puren Bösen Leute in Versuchung bringt, doch so wirklich viel zu melden hat sie nicht. Und auch die Story nimmt nicht wirklich eine kontinuierlichere Form an, als im Buch, wenn man das Ergebnis so betrachtet, so haben die Änderungen nicht viel Positives bewirkt.
Doch sie wurden, wie auch viele Ungereimtheiten, in Kauf genommen, da bei einem Sequel eines erfolgreichen Films (ich zähle jetzt den ersten Film, und nicht „Prince Caspian“, als Vorgänger) ein gewisses Mass an Einnahmen ohnehin schon garantiert ist, und man sich nicht so sehr ins Zeug legen muss, was die Detailgenauigkeit betrifft. Wenn der erste Film flopt, ist die Reihe am Ende, tut er dies nicht, dann kann ein zweiter Film noch so mies sein, man kann sich immer auf den Vorgänger berufen, und sagen, dass der zweite Teil ein Ausrutscher sei. Diese Haltung sah man schon beim zweiten Film, aber auch in diesem Film wird klar ersichtlich, dass man sich zeitweise auf seinen Lorbeeren ausruht, und mit weniger Liebe zum Detail an die Sache geht.
Doch die Macher konnten diesen Film gar nicht zu sehr auf die leichte Schulter nehmen, was gewissermassen den eher schlechten Kritiken für „Prince Caspian“ zu verdanken ist. Denn, wenn dieser Film nicht zünden würde, hätte es ein vierter Teil wohl sehr schwer, überhaupt grünes Licht vom Studio zu erhalten. Aus diesem Grund war man auch bemüht, den Zauber und die Magie des ersten Teils, die im zweiten Film ganz fehlten, wieder nach Narnia zurückzubringen, und mit Fabelwesen, Zauberbüchern und traumhaften Bildern ist es den Machern mit Bravour gelungen, eines der wichtigsten Elemente für den Erfolg des ersten Films in seiner alten Pracht wieder in die Welt jenseits des Wandschranks oder wie in diesem Film der Fall, jenseits des Gemäldes, zu bringen.
Ebenfalls gute Noten gibt es für die Schauspielleistungen, die wie auch schon in den Vorgängerfilmen, zu überzeugen wissen. Diesmal müssen Skandar Keynes und Georgie Henley die Lorbeeren nicht mit den Schauspielern der älteren Geschwister teilen, die diesmal nicht, oder nur als Gastrollen, mit von der Partie sind. Doch das wäre ohnehin nicht nötig, denn die beiden spielen richtig gut, gerade Keynes Edmund, dem zum ersten Mal mehr oder weniger die Rolle des Anführers zuteil wird. Teilen muss er sich diese Rolle mit Ben Barnes, der ein zweites Mal Prinz Kaspian mimt, und der eine solide Leistung abgibt. Alle in den Schatten stellt jedoch Newcomer Will Poulter („Son of Rambow“) als Eustace Scrubb (oder Eustachius Knilch im Deutschen, wobei man im Film beide Nachnamen verwendet), den nervigen, arroganten und feigen Cousin der Pevensies, der auf der Reise vom Saulus zum Paulus gewandelt wird, und der für so manchen (unfreiwilligen) Lacher sorgt.
Ebenfalls neu dabei ist David Arnold, nicht als Schauspieler, dafür aber als Komponist, der Harry Gregson-Williams ersetzt. Arnold zaubert aus den charakteristischen Melodien seines Vorgängers und einigen neuen Klängen, wie beispielsweise einem Thema für die Morgenröte, einen Soundtrack, der sich nahtlos in die Reihe der Vorgänger einreiht und doch so anders und eigenständig ist, dass seine Klänge nur zu diesem Film passen. So hat er zwar die Melodien der vorherigen Scores übernommen, diese aber mit mehr Streicherklängen versetzt, sodass sie magischer und ausufernder klingen. Leider haben Arnolds Melodien nicht den Wiedererkennungsfaktor, den Gregson-Williams Themen so auszeichnete. Lediglich das Thema für die Morgenröte schliesst man rasch ins Herz, und es ist auch das einzige, das neben den Themen von Gregson-Williams noch nachhallen.
Dennoch hat der Soundtrack eine Golden Globe-Nomination erhalten, dies aber nicht für Arnolds Arbeit, sondern für das gesungene Stück von Carrie Underwood, das im Abspann erklingt. Der Track mit dem Titel „There’s a Place for Us“ hat die verschiedensten internationalen Versionen erhalten, so gibt es eine amerikanische, eine britische, eine italienische, eine deutsche und sogar eine russische Version davon, mir gefällt persönlich die Version für den deutschen Raum von Victoria S. am Besten, vermutlich, weil es auch diese Version war, die ich im Kino gehört habe.
Ich komme nicht umhin, auch im dritten Teil die Bilder und gelungenen Kamerafahrten zu loben, die, wie ich oben bereits erwähnt hatte, einen grossen Teil zur Magie und dem Zauber des Films beitragen, und die dem Zuschauer das Gefühl geben, auch an Bord der Morgenröte zu sein. Ebenfalls dazu trägt eine der grossartigsten Aufnahmen des Films, bei der man aus [Drachen-Eustaces‘ Perspektive im Anflug auf die Morgenröte seinen Schatten und das näherkommende Schiff sieht, und erst dann erfahrt, wer da eigentlich auf das Schiff zuschiesst]. Aber auch die Effekte sind nicht ohne, vorallem Aslan, der etwas an goldener Fellfarbe verloren hat, und Reepicheep gefallen durch realistisches Aussehen und authentisches Zusammenspiel mit den „realen“ Figuren.
„The Voyage of the Dawn Treader“ ist eine gelungene Fortsetzung des schlecht bewerteten „Prince Caspian“ und stellt das magische Feeling sowie einen Teil des Vertrauens in die Reihe, das mit dem düsteren zweiten Teil zuletzt erschüttert wurde, wieder her. Der Versuch, eine kohärente Story zu machen, scheitert jedoch kläglich und trägt dazu bei, dass diesem Film, trotz grossartiger Bilder, einer mehrheitlich guten Musik und überzeugenden Schauspielern, ein bitterer Nachgeschmack anhaftet, der wohl auch durch den christlichen Overflow in den Schlussminuten verstärkt wird. So kann man den dritten Film mit etwas Goodwill auf eine Ebene mit dem ersten stellen, besser als dieser ist er jedoch mangels logischem Plot nicht.