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Autor: Nicole Jegerlehner
Als er seine Arbeit beim Regionalen Blutspendedienstes des Schweizerischen Roten Kreuzes Freiburg aufnahm, wurde das Blut noch in Glasflaschen gesammelt. «Seither hat sich einiges getan», sagt Paul Pugin. Der Hämatologe hat den Regionalen Blutspendedienst in den letzten 32 Jahren geleitet. Nun tritt er ab und macht seinem Nachfolger Emmanuel Levrat Platz. «Er ist mit seinen 36 Jahren halb so alt wie ich», sagt Pugin – der sich gar nicht auf seinen Ruhestand freut.
Aufgebot nach Bedarf
Paul Pugin hat rund dreissig Prozent seiner Arbeitszeit für die Leitung des Blutspendedienstes aufgebracht. Etwa 70 Prozent hat er als stellvertretender Chefarzt für Hämatologie und Onkologie am Freiburger Kantonsspital gearbeitet, bis er vor sieben Jahren pensioniert wurde. «Ich habe viel Befriedigung aus meiner Arbeit erhalten.» Darum hat er gerne den Blutspendedienst weitergeleitet.
1967, in den Anfängen des Blutspendens, arbeitete Pugin während seiner Ausbildung am Kantonsspital Freiburg. «Damals stand ein kleines Hüttchen vor dem Spital, und man bot die Blutspender je nach Bedarf auf.»
Bereits der Arzt von Louis XIV. stellte Versuche mit Lammblut an. 1825 rettete erstmals eine Bluttransfusion ein Leben: Eine gebärende Frau erhielt Blut direkt vom Arm des Spenders. «Es war reiner Zufall, dass dies glückte, denn den Ärzten waren die Blutgruppen noch unbekannt», sagt Paul Pugin. Diese wurden 1900 entdeckt, der Rhesusfaktor 1940. Und auch das Anti-Gerinnungsmittel, das die Aufbewahrung von Blut ermöglicht, musste erst gefunden werden, bevor das Blutspenden ab Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgreich eingesetzt werden konnte.
In den 1970er-Jahren arbeitete Pugin in Genf. Er untersuchte Blut auf Krankheiten. «Damals wussten wir noch nicht genau, was das Blut an Schlechtem transportieren kann.» In den 1980er-Jahren wurde dann der HI-Virus entdeckt. «Das war ein Wendepunkt», sagt Paul Pugin. «Zum Glück ist in Freiburg niemand durch eine Bluttransfusion angesteckt worden.»
«Vor fünfzehn Jahren gingen wir davon aus, dass Bluttransfusionen bald verschwinden würden», sagt Paul Pugin. Aber bis heute habe niemand einen Ersatz für Blut entdeckt. «Blut ist extrem komplex: In einem Quadratmillimeter Blut gibt es fünf Millionen rote Blutkörperchen, die sich nicht berühren; und in jedem von ihnen hat es 300 Millionen Hämoglobinmoleküle.»
Felix Bürdel, Verwaltungsratspräsident des Blutspendedienstes, nennt Paul Pugin einen Pionier: «Als er das Zentrum übernahm, steckte es von der Infrastruktur her und finanziell in Schwierigkeiten.» Paul Pugin habe das Zentrum stetig weiterentwickelt.
Nun gibt Paul Pugin die Leitung des Blutspendedienstes ab. Zumindest bis Ende Jahr vertritt er wenn nötig noch den neuen Leiter. Und er wird als Berater für ein privates Blutlabor tätig sein. So entkommt er dem Ruhestand doch noch.
«Blut ist ein Symbol für Leben, für Kraft und für Rüstigkeit», sagt Paul Pugin.Bild Charles Ellena
Blutspender:«Bin immer beeindruckt»
Gestern Abend wurden in der Kirche Christ-König in Freiburg 173 Frauen und Männer geehrt: Sie haben bisher bereits 25, 50, 100 oder gar 125 Mal Blut gespendet. «Ich bin immer beeindruckt, wenn ich unsere Spenderinnen und Spender sehe», sagt Paul Pugin, langjähriger Leiter des Regionalen Blutspendedienstes Freiburg. «Sie kommen auch nach einem langen Arbeitstag zu uns und finden, es sei normal, etwas für andere zu tun.» njb
125 Mal Blut gespendet hat Bertrand Chassot aus Riaz.100 Mal Blut gespendet haben Hans Aebischer (Tafers), Christian Chappuis (Vuadens), François Vallat (Belfaux), Claude Bapst (Freiburg), Michel Clerc (Marly).