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Die Einführung nichtstrategischer Nuklearwaffen (Reichweite unter 5’500 km) in Europa hat in den 1950er Jahren durch die USA eingesetzt.
Die zuständige US-Administration Eisenhower führte damals die Verteidigungsstrategie „New Look“ ein.
Aufgrund dieser Strategie beschlossen die USA ab 1954, Nuklearwaffen für das Gefechtsfeld – nukleare Artillerie – in Westeuropa zu stationieren.
Durch den Ersteinsatz dieser Nuklearwaffen sollte ein Angriff der Sowjetunion auf Westeuropa gestoppt werden.
Bereits mit dem Start des Sputnik-Satelliten im Oktober 1957 nahm aber die Glaubwürdigkeit des angedrohten Ersteinsatz dieser Waffen immer mehr ab.
1971 verfügten die USA in Europa noch über 7’000 nichtstrategische Nuklearwaffen (1). Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sollen in Europa noch 200 nukleare Freifallbomben der USA lagern, die durch Kampfflugzeuge F-35A eingesetzt werden könnten.
Nach dem Sputnik-Erfolg befahl in der UdSSR Generalsekretär Nikita Chruschtschow die Entwicklung weitreichender Boden-Boden-Flugkörper und den Ersatz der Landstreitkräfte durch Nuklearwaffen.
Im Nachgang zur Kuba-Krise wurden neben den strategischen Flugkörpern mit Priorität Mittel- und Kurzstreckenflugkörper, Artillerie, nukleare Minen, Torpedos und Fliegerabwehr-Lenkwaffen mit nuklearen Gefechtsköpfen entwickelt.
Ab 1970 wurden die Landstreitkräfte nicht mehr reduziert. Neu wurden Kampfflugzeuge für den Abwurf nuklearer Bomben eingeführt.
Auf dem gesamten Territorium des Warschauer Paktes wurden nichtstrategische Nuklearwaffen stationiert.
Einsatz und Freigabe verblieben aber unter sowjetischer Kontrolle. 1989 und 1990 erfolgte die Rückführung dieser Nuklearwaffen in die UdSSR.
Von Beginn hat Russland die nichtstrategischen Nuklearwaffen in taktische und operative Nuklearwaffen unterteilt.
Taktische Nuklearwaffen dienten respektive dienen der Unterstützung des Gefechtsfeldes und weisen eine Reichweite bis 300 km auf.
Mit den operativen Nuklearwaffen sollten und sollen Ziele in einem Kriegstheater in der Reichweite von 500 bis 5’500 km abgedeckt werden.
Gemäss öffentlich zugänglichen Publikationen – so das Buch Militär-Strategie von Marschall der Sowjetunion Sokolowski (2) – waren zur Zeit des Kalten Krieges die nichtstrategischen Nuklearwaffen gegen Einsatzführung, Häfen und Flugplätze der NATO gerichtet.
Das russische Arsenal der nichtstrategischen Nuklearwaffen wurde noch vor 1989 auf über 20’000 nukleare Gefechtsköpfe geschätzt.
Als Folge der Kriege der USA von 1991, 1995, 1999 und 2003 stoppte die politische Führung von Russland die Abrüstung der nichtstrategischen Nuklearwaffen.
Ab 2006 wurden die Streitkräfte mit neuen Systemen, wie die ballistischen Boden-Boden-Flugkörper Iskander-M (Reichweite 500 km), ausgerüstet.
Viele der seit 2009 durchgeführten Militärmanöver weisen darauf hin, dass die nichtstrategischen Nuklearwaffen immer noch ein Bestandteil der russischen Streitkräfte sind.
In den Manövern Zapad-2013 und Vostok-2014 wurde die Einsatzfähigkeit der operativen Nuklearwaffen vordemonstriert.
Denkbar ist, dass Russland in einem Krieg mit der NATO durch einen angedrohten Einsatz dieser Waffen eine Art Gegenabschreckung zu den nuklearen Freifallbomben der USA anstreben könnte.
Dies wäre eine Eskalationsdominanz gegenüber den nichtstrategischen Nuklearwaffen der USA.
Die jetzt erfolgte Stationierung nuklearfähiger Iskander-M und Marschflugkörper in Belarus und die Nuklearisierung deren Erdkampfflugzeuge Su-25 weisen daraufhin, dass Russland den nichtstrategischen Nuklearwaffen des operativen Bereichs eine hohe Bedeutung zumisst.
1 Alberque, W., Russian Thought and Doctrine related to Nonstrategic Nuclear Weapons: Change and Continuity, IISS, London, January 2024, S. 10.
2 Sokolowski, W.D., Militär-Strategie, Markus Verlag, Köln, 1969.