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Liebesdrama. Indien. Hindi
Alternativer Titel -
Regie
Bimal Roy
Drehbuch Nabendu Ghosh
Produktion Savak B. Warha
Songs Shankar Jaikishan
Kamera Dilip Gupta
Choreografie Suryakumar, Vinod Chopra, Satyanarayan
Darsteller Dilip Kumar, Meena Kumari, Sohrab Modi, Nasir Hussain,
Nigar Sultana, Murad, Tiwari, Naaz, Helen, Cuckoo, Kamala Kumari
Länge 151 Min.
Kinostart 1958
Box office classification Hit
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 6
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.|
© Text Marco,
molodezhnaja 9.4.07
© Bilder Babu, Screenshots molodezhnaja
STORY
Rom vor über 2000 Jahren: Der jüdische Bub Elijah wirft versehentlich einen Ziegel auf den Konvoi des Gouverneurs Brutus (Nasir Hussain). Dafür wird er verhaftet und trotz des Flehens seines Vaters Ezra (Sohrab Modi) exekutiert. Ezras treuer Diener Emanuel, der sich verantwortlich fühlt, entführt aus Rache für den Kindsmord Brutus' Tochter Lydia (Naaz) aus dem Palast. Ezra hindert Emanuel daran, das Mädchen umzubringen und zieht es stattdessen unter dem Namen Hannah als seine eigene Tochter gross. Jahre später ist aus Hannah (Meena Kumari) eine attraktive junge Frau geworden, die das Interesse von Prinz Marcus (Dilip Kumar) weckt, dem Sohn des römischen Kaisers (Murad). Um seiner Liebsten nah zu sein, verkleidet sich Marcus als Jude und quartiert sich bei Ezra ein. Schon bald blüht die Liebe zwischen Hannah und Marcus auf - doch der Kaiser hat bereits die Hochzeit seines Sohnes mit der Adeligen Octavia geplant.
REVIEW
Tragödienkönig Dilip Kumar und Dramakönigin Meena Kumari in einem Film von Melodrama-Experte Bimal Roy? Bei dieser Kombination überlegt man sich mal kurz, sich von der nächsten Brücke zu stürzen, statt zweieinhalb Stunden konzentriertes Leid über sich ergehen zu lassen. Doch die Vorahnung erweist sich rasch als falsch: "Yahudi" ist ein vergleichsweise lockerer Film für die drei Beteiligten. Und ein aussergewöhnlicher noch dazu, denn er spielt im antiken Rom. Das macht ihn interessant, zeigt er doch einen Blick auf das Römische Reich, das wir, die von Hollywoods Monumentalepen und Italiens Sandalenfilmen geprägt sind, durchaus als ungewöhnlich empfinden. Roy legt denn auch nicht den grössten Wert auf historische Korrektheit, sondern stülpt den Sitten Roms ein indisches Gewand über, wodurch die Unterschiede zu einem indischen Epos, das etwa am Mughal-Hof spielt, gar nicht so gross sind.
Die Sets und Kostüme sind dennoch eine kleine Freude. Rom-Flair kommt nur bedingt auf, doch Roy nutzt den Hintergrund eh primär für eine Parabel auf universelle Probleme: So klagt "Yahudi" den Konflikt zwischen Religionsgruppen an, zwischen Mächtigen und Armen - und dies stets mit indischer Sensibilität im Hinterkopf. Obwohl in diesem Fall die Juden die unterdrückte Gruppe sind, kann problemlos jede andere Religion eingesetzt werden, massgeblich natürlich der Islam in Indien. Abseits dieser gesellschaftlichen Deutung ist "Yahudi" aber auch ein unterhaltsames Spektakel mit Liebe, Eifersucht und Konflikten. Dilip Kumar, der sich, soweit man das bei den schwarzweissen Bildern sehen kann, die Haare aufhellen liess, verkörpert den römischen Prinzen mit rustikalem Charme, wenngleich etwas zu passiv.
Deutlich besser ist Meena Kumari, die in ihren Roben und beim Gesang wunderbar aufblüht und später im Film die Zerreissprobe zwischen Liebe und Familie bestens interpretiert. Solide Unterstützung gibts von Nasir Hussain, der den Namen Brutus primär als Charakterzeichnung zu verstehen scheint, Murad, Nigar Sultana, Baby Naaz und der jungen Helen als Tänzerin. Diese Schauspieler in solch ungewohnten Kleidern und Kulissen zu sehen, ist an sich schon reizvoll, doch Roy, unter anderem Dank der Hilfe von Cutter Hrishikesh Mukherjee, erzählt dazu den Plot auch flott und ereignisreich, so dass Langeweile nie entsteht.
Würde "Yahudi" bis zum Schluss auf dieser Schiene bleiben, er wäre ein gefälliger, wenngleich wohl auch etwas trivialer Unterhaltungsfilm. Doch gegen Schluss kommt eben doch das Melodrama hinzu, das man bei der Kombination Kumar-Kumari-Roy schon von Anfang an befürchtet hat. Römische Gesetze werden dabei ziemlich pervertiert, Argumentation verkommen zu typisch indischen Wortgefechten und tragen kaum mehr etwas Römisches in sich. Und die Dramatik wird derart akzentuiert, dass sie Überhand nimmt. Fast aus heiterem Himmel schlagen sich Figuren mit Blindheit, es droht der Tod im siedenden Öl und sei all das nicht dramatisch genug, holt sich Roy stimmungsmässige Inspiration aus seinem Hit Madhumati und beendet die Show mit einem etwas gar aufgedrückten Moment von Mystery und Melancholie.
Tolerieren kann man dies, indem man die schicken Bilder bestaunt, der angenehmen Musik lauscht oder die spielfreudigen Akteure beobachtet. Mir hätte der Film als triviale Unterhaltung tatsächlich besser gefallen, dann kann man auch kleine Logiklöcher wie etwa den Umstand, dass es nach der Ermordung eines römischen Soldaten im Judenviertel keine Ermittlungen gibt, leichter verschmerzen. Aber dadurch, dass Roy den Film auf übertrieben theatralisches Terrain lenkt, verleiht er ihm fast zuviel Gewicht. Mag sein, dass ich da etwas überreagiere, denn ich bin nicht der grösste Fan von Bimal Roys Melodramatik - eher von seiner Melancholie (Bandini) und seines Neorealismus' (Do Bigha Zamin). Doch so oder so bietet "Yahudi" genügend gelungenes Material für eine Empfehlung. Die gilt für Bollywood-Fans ebenso wie für alle Freunde historischen Kinos, die sehen wollen, wie eine andere Filmnation das römische Reich porträtiert. So historisch unhaltbar es hier auch daher kommen mag.
MEINE DVD
Babu (IND), Code 0, NTSC
Bild: 4:3
Ton: Hindi 5.1 mit englischen Untertiteln (Film und Songs).
Disk Rating * * (Mit Nachzieheffekten und Verunreinigungen, an manchen Stellen flackert das Bild. Ton dürftig, an mindestens einem Ort deutlich nachsynchronisiert).
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