Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/3459

Die Loretokapelle
"Das Innere der Loretokapelle wiederholt möglichst massstabgetreu die wichtigsten Elemente des italienischen Originals. Über dem profilierten Gesims – überwölbt von einer blau bemalten Tonne mit weissen Stuckrippen und rautenförmigen Kappen – erstrahlen goldene Sternen. Der Altar steht etwas erhöht. In einer Rundbogennische über dem so genannten „Santo Camino“ zeigt sich die schwarzbemalte Holzstatue der Loretomadonna mit der Inschrift „Wahre Abbildung Deβ Lauretanischen Bilds Mariæ“.
Die einzige, grössere Fensteröffnung der Kapelle befindet sich in der Südwand. Gemäss der Legende trat durch dieses Engelsfenster der Verkündungsengel.
Was wie Bruchstücke alter Malschichten aussieht, sind geschickte Kopien der 1625 in Loreto (IT) entdeckten spätmittelalterlichen Freskenfragmente. Sie zeigen Maria mit Christus nebst Heiligen und Engeln."
Die Felixkapelle
Die Felixkapelle wird von zwei Rundbogenfenstern belichtet – analog zu der ihr gegenüberliegenden Marienkapelle. Sie besteht aus einen kurzen Vorraum und einem dreiseitig geschlossenen Chor mit weit heruntergezogenem Stichkappengewölbe sowie aus zwei kleinen quadratischen Anbauten.
Sie wurde 1651 an das Langhaus der alten Marienkapelle angefügt und noch im selben Jahr als westliche Seitenkapelle in die Wallfahrtskirche integriert.
Die Liebfrauen- oder Sakramentskapelle
"Die östliche Seitenkapelle hiess ursprünglich „Unser Lieben Frauen Capell“. Sie besteht aus dem dreiseitigen geschlossenen Chor der Marienkapelle von 1621, die man 1651 in die grosse Kirche einverleibte.
Die farbig gefassten Stuckplastiken über dem alten Chorbogen stammen aus der Bauzeit der Kapelle und zeigen die Verkündigung Maria. Auf Konsolen knien die Jungfrau und der Erzengel, dazwischen in einem Wolkenknäuel sind Gottvater und die Verkündungstaube. Unter dem stuckierten Stichkappengewölbe des Chores steht der in Stuckmarmor ausgeführte Rokoko-Altar aus der Zeit um 1760."
Die Antoniuskapelle
"Ein gedrungener Rundbogen in der nördlichen Langhausmauer führt in das hinter der Loretokapelle versteckte „Antoniuschörli“.
Der Minderbruder Antonius von Padua war ein früher Gefährte des heiligen Franziskus und ein eifriger Prediger und Theologe.
In der Barockzeit wurde seine Verehrung speziell von den Franziskanern und den Kapuzinern gefördert. Beim Volk ist Antonius auch heute noch beliebt als Patron der Eheleute und Helfer der Vergesslichen.
Mit Bewilligung seiner Obern und des Papstes Innozenz VIII. verliess Johann Wagner, ein Kartäuserbruder aus Ittingen, im grauem, groben Ordenskleid und dem Bussgürtel um die Lenden, das Kloster und nahm seinen Weg in das Innere der Schweiz. Er wollte an einen Ort wo die himmelstrebenden Berge den Menschen ermahnen und gelangte nach Luzern.
Zwei Stunden von Luzern entfernt, schlägt er in einer von Tannen und Gesträuchen umgebenen und von einem überhängenden Felsen bedeckten Höhle seine Bleibe auf. Diese Höhle befand sich, wie es in alten Urkunden heisst, „zwei bis drei Steinwürfe“ südöstlich unterhalb der jetzigen Kirche. Bei der Höhle ist heute noch eine kleine Ebene, welche einige Schritte breit ist. In unmittelbarer Nähe
rauscht der Renggbach.
Ohne alle häusliche Einrichtung, mit nur einer Felsbank als Lager, verlebte Bruder Johannes hier seine seligsten Tage unter Fasten, Abtötung, Gebet und Betrachtung. Noch mehr als früher übte er sich hier in der klösterlichen Zucht und nach den strengen Regeln des Karthäuserordens. An Sonn- und Feiertagen ging Bruder Johannes in den Gottesdienst nach Kriens. Hie und da fragte er bei den umwohnenden Landleuten um Nahrung an, die ihm mit Freuden gegeben wurde. Er sagte nicht woher er kam und für die Leute war er der Bruder Johannes, ein heiligmässiger Mann. Das war alles, was man von ihm wusste.
Quellen: Dieter Bitterli, Die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau in Hergiswald (LU), Schweizerische Kunstführer GSK (2. Aufl. Bern 2007)