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Boris Belge im Podcast über den sowjetisch-deutschen Musikkomponisten Alfred Schnittke
Der WDR-Podcast erinnert zum 85. Geburtstag von Alfred Schnittke (1934-1998) an dessen einzigartiges komponistisches Schaffen. Mit Boris Belge als Experten.
Aus einer vielschichtigen Identität heraus, die ihm in der Sowjetunion immer wieder Probleme machte, hat der 1934 in Engels geborene Alfred Schnittke seine Musik komponiert: katastrophische Sinfonien, doppelbödige Filmmusik, grelle Opern, Kammermusik am Rande des Verstummens.
Die Suche nach dem eigenen Weg war schwierig und sie war politisch blockiert durch die Doktrin des sozialistischen Realismus, die eine volksverbundene, eingängige Musik forderte. Schnittke profitierte vom Tod Stalins und der allmählichen Lockerung der rigiden Kulurpolitik und Chruschtschow Tauwetter-Politik. Schnittke wandte sich schliesslich an die Musikszene jenseits des Eisernen Vorhangs und hegte rege Briefkorrespondenzen zu westlichen Komponisten.
Alfred Schnittke zeichnete sich durch seine Polystilistik aus: die Idee, historische und neue Musiksprachen zu einem komplexen Gewebe zu spinnen, das nie eindeutig ist und immer davon abhängig ist, mit welchen politisch-kulturellen Ohren es gehört wird. Seine Musik vereinte westliche und sowjetische musikalische Symbolvorräte. Alfred Schnittke avancierte schliesslich zum wohl meist gespielten Komponisten der 1990er Jahren und zu einem der fleissigsten Komponisten seiner Generation.
Hören Sie hier den Podcast in voller Länge (14:53) - optimal als Pause im Alltag oder auf dem Weg zur Arbeit.
Bei vertiefter Auseinandersetzung lohnt sich ein Blick in die Dissertation von Boris Belge: "Klingende Sowjetmoderne. Eine Musik- und Gesellschaftsgeschichte des Spätsozialismus"