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von Kurt Meyer
Anfangs des 19. Jahrhunderts stand es um die Schulen in Netstal schlecht. Da die Kinder zuhause oder in der Fabrik gute Arbeitskräfte waren, hatten viele Eltern kein Interesse an einer guten Schule, und sie weigerten sich, ihre Kinder regelmässig in die Schule zu schicken. Auch die Behörden glänzten durch Desinteresse, weil sie die Kosten einer Schule scheuten. Es gab aber immer wieder Gruppen, denen die Bildung ihrer Kinder am Herzen lag. Sie schickten ihre Kinder in eine Privatschule, von denen es auch in Netstal einige gab. Erst das kantonale Gemeindegesetz von 1837, das die Schule zur Kantonssache machte, brachte Bewegung ins glarnerische Schulwesen. 1838 wurde nach den Plänen von Zimmermeister Heinrich Leuzinger das heutige "Alte Schulhaus" gebaut.
Das Schulgesetz von 1861 schrieb vor, dass die Alltagsschule sechs Jahre dauerte und dass der Austritt erst nach beendigtem Schuljahr möglich war. Pfarrer Georg Heussi gründete 1864 einen Realschulverein und erarbeitete einen Lehrplan für die Sekundarschule. Sie war seit 1841 im "Alten Schulhaus" eingemietet. 1873 erhöhte die Landsgemeinde die obligatorische Schulzeit von sechs auf sieben Jahre.
Vor dem ersten Weltkrieg entstanden in Mollis, Niederurnen und Glarus Turnhallen. In Netstal wollte man da nicht zurückstehen, doch verunmöglichte der Erste Weltkrieg dieses Vorhaben. Unter Schulpräsident Alfred Stöckli-Kubli wurde den Stimmbürgern 1920 ein grosszügiges Projekt vorgelegt. Doch die Schulgenossen strichen das Bauprogramm auf das Nötigste zusammen. Am 17. August 1921 konnte die Turnhalle eingeweiht werden. Zwischen dem Schulhaus und der Turnhalle entstanden noch weitere Räume: die Arbeitsschule, ein Lehrer- und ein Physikzimmer.
Nachdem die Landsgemeinde 1930 die Einführung des achten Schuljahres beschlossen hatte, stellte die Sozialdemokratische Partei an der Gemeindeversammlung 1932 den Antrag, ein Sekundarschulhaus zu bauen. 1934 wurde der Bau beschlossen und am 6. November 1936 eingeweiht. Das neue Gebäude beherbergte die Handarbeitsschule, die Kochschule, den Handfertigkeitsunterricht sowie drei Sekundarschulzimmer. Im Erdgeschoss, neben der Kochschule, wurde ein Feuerwehrlokal eingebaut, was die Baukosten für die Schulgemeinde um 50'000 Franken senkte so dass diese schliesslich 286'000 Franken betrugen. Die Zunahme der Schülerzahlen und die damit verbundene Raumnot zwangen den Schulrat Mitte der 50er-Jahre mit einem Neubauprojekt vor die Schulgemeinde zu treten. Diese bewilligte für das Projekt "Neues Primarschulhaus" von Architekt Jakob Zweifel einen Kredit von 1,239 Millionen Franken. In diesem Kredit enthalten waren acht Primarschulzimmer mit Mobiliar, Luftschutzräume, die öffentliche Bibliothek und ein Verbindungsbau über die Geissgasse zum Sekundarschulhaus. Darin befanden sich das Lehrerzimmer und ein Materialraum. Die Turnhalle erhielt eine Dusche, Garderoben und einen Geräteraum. Am 22. August lud der Schulrat zur Einweihung des neuen Primarschulhauses ein. An diesem Fest gab es einen Umzug durchs Dorf und ein von Florian Riffel geschriebenes Theaterstück.
Bilder von der Einweihung des "Neuen Primarschulhauses" am 22. - 24. August 1959
Fotos von Sekundarlehrer A. Zuberbühler
Besammlung der Gäste vor dem neuen Schulhaus
Schulpräsident Brunner dankt Lehrer Fritz Stähli, dahinter Florian Riffel (Autor des Festspiels)
Klassenzimmer mit Schülern
Bühne mit Festspiel
Gesang der ganzen Schule im Freien
In den Räumen im "Alten Schulhaus" wurden nun die Abschlussklassen unterrichtet (7. und 8. Klasse) sowie Gesangs- und Religionsunterricht erteilt. Die Landsgemeinde von 1970 hiess ein neues Schulgesetz gut, in dem die Oberstufe in drei Züge aufgeteilt wurde: die Ober-, die Real- und die Sekundarschule. Die Schülerinnen und Schüler der Handwerkerschule Glarus, auch diejenigen von Netstal, besuchten nun die neu geschaffene Realschule in Glarus. Die 1921 erbaute Turnhalle wurde durch die Schule, die Vereine, Festanlässe, Gemeindeversammlungen und das Militär immer stärker belegt, so dass die Herbstgemeindeversammlung 1975 den Antrag des Schulrates zum Bau einer neuen Turnhalle nach grossen Diskussionen guthiess. Die Baukosten beliefen sich auf 1,7 Millionen Franken. Im Juni 1978 konnte die neue Turnhalle samt dem Pausenplatz über den Garderoben eingeweiht werden.
Als 1980 das Oberstufenzentrum Buchholz in Glarus seinen Betrieb aufnahm, besuchten die Netstaler der siebten und achten Klasse, die vorher im "Alten Schulhaus" unterrichtet worden waren, in der Folge ihre zwei letzten Schuljahre im Buchholz in Glarus.
Als die Schülerzahlen in Netstal weiter stiegen, benötigte man mehr Schulraum. So brachte die Schulbehörde drei Primarklassen im "Alten Schulhaus" unter, das noch freie Schulzimmer aufwies. Verschiedene Mängel und Schäden am "Neuen Schulhaus" machten eine Gesamtrenovation im Jahre 1993 unumgänglich. Während der Bauzeit wurden vier Schulklassen ins leerstehende Bürogebäude der ehemaligen "Giessi" und späteren Firma Fondel umquartiert.
Die Bausubstanz der Gebäudehülle war so schlecht, dass man einen Abriss und Neubau in Erwägung zog. Doch konnte diese Idee nicht weiter verfolgt werden, weil der Denkmalschutz das Ortsbild mit der evangelischen Kirche und dem Schulhaus für eine schützenswerte Einheit hielt. So musste dem maroden Mauerwerk eine Eternit-Fassade vorgehängt werden.
Ein Jahr nach Renovationsbeginn konnte die Primarschule die hellen, mit neuestem Mobiliar ausgerüsteten Schulräume, beziehen.
Nachdem die Schulgemeinde an der Frühjahrsgemeindeversammlung 1994 sich für einen Verbleib der Sekundarschule in Netstal entschieden hatte, musste auch dieses Schulhaus saniert werden. Da die Feuerwehr in den neu erbauten Werkhof umzog, gab es mehr Schulraum. Für fast drei Millionen Franken wurden 1996 im Parterre die Küche erneuert und im ehemaligen Feuerwehrgebäude ein Raum für den Werkunterricht geschaffen. Im Weiteren richtete man ein Informatikzimmer ein und brachte das bestehende Physikzimmer im Dachstock auf den neuesten Stand. Auch die Schulzimmer erhielten eine Auffrischung und neues Mobiliar.
Nur fünf Jahre nach dieser teuren Renovation beschlossen die gleichen Stimmbürger, die Sekundarschule im Jahr 2002 nach Glarus ins Buchholz zu verlegen. Dadurch wurden im Sekundarschulhaus vier Zimmer für die Primarschule frei. Nun mussten im Physikzimmer die vier Energieblöcke wieder herausgerissen und alle Zimmer für Primarklassen hergerichtet werden. Im "Alten Schulhaus" gab es nun wieder freien Schulraum, der zunächst einmal von der Primarschule für verschiedenste Zwecke genutzt wurde. Im Jahre 2004 vermietete die Schulgemeinde Netstal das "Alte Schulhaus" an die vom Kanton getragene neu geschaffene "Sportschule Glarnerland". Diese ermöglicht sportbegabten Schülerinnen und Schülern nach einer Schulzeit von drei Jahren einen Oberstufenabschluss zu machen. Die Lehrpersonen müssen für ihre Sportlerinnen und Sportler individuelle Lehrpläne zusammenstellen, da diese in ihrem sportlichen Bereich von Verbandstrainern unterrichtet werden. Die verschiedenen Sportarten haben sehr unterschiedliche Wettkampfzeiten und demzufolge auch terminlich andere Trainingslager (Fussball und Skifahren).
An der Schulgemeindeversammlung vom 30. November 2007 wurde der Umbau der “Alten Turnhalle“ in eine Mehrzweckhalle beschlossen. Mit dem Bau begann man im Juli 2008. Die Garderoben und Duschen verlegte man unter den Boden. Auf der Nordseite wurde eine grosse, gut ausstraffierte Bühne angebaut. Durch den neugestalteten Haupteingang gelangt man zwischen der Mehrzweckhalle und dem “Alten Schulhaus“ in ein helles, freundliches Foyer. Darin untergebracht ist ein Anlieferungsraum mit einer kleinen Küche. Im September 2009 war der Umbau, der 3,98 Millionen Franken kostete, fertig. Zur Einweihung führten die Netstaler Schülerinnen und Schüler ein Musical auf, mit dem die Bühne und ihre Einrichtung die Feuertaufe mit Bravour bestanden.
Bilder zum Umbau der alten Turnhalle in die Mehrzweckhalle:
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