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Nicht selten holen wir aber auch kranke Kinder aus externen Kliniken ab und versorgen sie auf unserer Neonatologie. In unserer Klinik stehen zwei grosse Stationen für die Patientenversorgung zur Verfügung. Die noch sehr unreifen oder schwerkranken Kinder liegen auf der Intensivstation (IPS), die stabileren Kinder auf der sogenannten Intermediate Care (IMC) Station.
Alle hospitalisierten Neugeborenen werden rund um die Uhr von einer erfahrenen Pflegekraft betreut und 24 h am Tag stehen mindestens eine Oberärztin/-arzt sowie eine Assistenzärztin/-arzt zur Verfügung. Neben der Frühgeburtlichkeit führen typischerweise die folgenden Gründe zu einer Aufnahme:
- Atemprobleme
- Neugeborenengelbsucht
- Infektionen
- Geburtsverletzungen
- Sauerstoffmangel unter Geburt
Atemprobleme
Störungen der Lungenfunktion können auf unterschiedliche Ursachen zurückgehen und bei Früh- und Neugeborenen zu schwerwiegenden Komplikationen nach der Geburt führen. Die klinischen Leitsymptome sind eine fehlende, zu langsame oder eine schnelle und angestrengte Atmung sowie eine blass-bläuliche Hautfarbe bei Sauerstoffmangel im Blut.
Atemnotsyndrom
Das Atemnotsyndrom ist eine typische Krankheit Frühgeborener. Es wird durch einen Mangel an Surfactant verursacht. Bei leichtem Atemnotsyndrom kann Sauerstoff verabreicht und die Atmung nicht-invasiv unterstützt werden. Bei deutlicher Atemanstrengung wird das Kind beatmet und der fehlende Surfactant durch Gabe in die Luftröhre ersetzt. Häufig sind Frühgeborene aufgrund Ihrer Unreife auch nach dem Abklingen von akuten Atemproblemen über Tage bis Wochen auf eine Atemunterstützung angewiesen.
Transiente Tachypnoe des Neugeborenen
Bei Termingeborenen steht die sogenannte «Transiente Tachypnoe des Neugeborenen» im Vordergrund, welche durch eine verzögerte Resorption von fetaler Lungenflüssigkeit verursacht wird. Im Gegensatz zum Atemnotsyndrom bei Frühgeborenen besteht kein Mangel an Surfactant, sodass die supportive Therapie in der Regel die Gabe von zusätzlichem Sauerstoff oder eine nicht-invasive Atemunterstützung umfasst. Nur selten ist eine invasive (künstliche) Beatmung notwendig. Die meisten Neugeborenen mit vorübergehender Tachypnoe erholen sich vollständig innerhalb von 2-3 Tagen.
Neugeborenengelbsucht
Über die Hälfte aller gesunder Neugeborenen ist von einer sogenannten „Neugeborenen-Gelbsucht“ betroffen, welche durch eine gelblich verfärbte Haut und Augen gekennzeichnet ist. Die Gelbsucht entsteht durch eine physiologische Anpassungsstörung in der Leber und tritt in den ersten Lebenstagen auf. Nicht selten liegen auch von der Mutter übertragene Antikörper gegen die kindlichen Blutzellen vor (z.B. bei Blutgruppen- oder Rhesus-Inkompatibilität), welche die Gelbsucht verstärken. Das Mass der Gelbverfärbung wird mit einem Haut- oder Bluttest regelmässig kontrolliert. Bei höheren Werten ist eine spezielle Licht-Therapie (Phototherapie) notwendig. Diese hilft dem Kind die für die Gelbverfärbung der Haut verantwortlichen Stoffe abzubauen und auszuscheiden.
In seltenen Fällen ist die Neugeborenen-Gelbsucht so stark ausgeprägt, dass die Phototherapie allein ungenügend ist und ein Teil des kindlichen Blutes gegen Spenderblut ausgetauscht werden muss. Dies wird als Austauschtransfusion bezeichnet und erfolgt über einen venösen Zugang.
Geburtsverletzungen
Unter der Geburt kann es zu Verletzungen kommen, wie z.B. kleinen Hautläsionen, Schwellungen am Köpfchen oder Knochenbrüchen. Das Ärzteteam der Neonatologie untersucht ihr Kind im Gebärsaal und überwacht die Befunde auf dem Wochenbett oder falls notwendig auf der Neonatologie. Nur selten sind längerfristige stationäre Behandlungen wegen Geburtsverletzungen notwendig.
Hypothermie-Behandlung
In seltenen Fällen (0.5-6‰) tritt als Geburtskomplikation, zum Beispiel bei einer Nabelschnurumschlingung, einer vorzeitigen Plazentaablösung oder einer Uterusruptur (Gebärmutterriss), kurz vor oder nach der Geburt ein Sauerstoffmangel auf.
Dieser zum Teil schwerwiegende und lebensbedrohliche Zustand kann insbesondere das Gehirn schädigen und zum Bild einer sogenannten hypoxisch-ischämisch Enzephalopathie führen. Diese kann in schweren Fällen zu langfristiger neurologischer Beeinträchtigung des Kindes führen.
Nachweislich kann eine Absenkung der Körpertemperatur auf 33.5 – 34.5°C für 72 h nach Geburt (Hypothermie-Behandlung) schwere neurologische Beeinträchtigungen abschwächen oder vermindern.