Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03593.jsonl.gz/495

Sawinggrai ist eines der über hundert kleinen Dörfern in Raja Ampat, der Provinz West-Papua in Ost-Indonesien. All diese Dörfer in Raja Ampat sind in ihrer Art und Grösse ähnlich, somit steht Sawinggrai hier stellvertretend für alle anderen Dörfern in Raja Ampat. Auch wenn jedes dieser liebenswürdigen Dörfern natürlich seinen eigenen Charm besitzt. All diese Dörfer liegen im Herzen des sogenannten Korallen-Dreiecks, dem Ort mit der höchsten Marinen Biodiversität der Welt. In Sawinggrai leben rund 120 Menschen, davon sind über 70 Kinder. Obwohl der Tauchtourismus diese Gegend in den letzen paar Jahren erreicht hat, leben diese Menschen noch immer sehr einfach. Es gibt kein fliessend Wasser und nur manchmal Elektrizität. Rund 5-7 Personen teilen sich ein primitiv gebautes Haus, welches aus drei Zimmern besteht. Es existieren kaum Möbel. Geschlafen wird am Boden. Im Dorf gibt es einige Plumsklos, welche sich die Insulaner teilen. Die Sprache auf der Insel ist ihre Stammessprache "Papua-Biak", doch als zweite Sprache sprechen heutzutage fast alle auch die offizielle Landessprache Indonesisch.
Der Alltag eines Mannes besteht hauptsächlich aus Fischen, Boote und Häuser bauen, sowie anfallende Unterhaltsarbeiten erledigen. Die Frau ist für das Kochen und Waschen zuständig. Die Kinder gehen in die Schule, sofern der Lehrer anwesend ist. So findet der Unterricht leider nicht oft statt. Daher verbringen die Kinder viel Zeit mit Spielen, Musizieren, im Meer planschen bzw. Speer fischen und trauen sich in ihren selbst gebauten Baumbooten schon mal in tiefere Gewässer. Mit dem aufkommenden Tourismus gibt es mittlerweile diverse Homestays in Raja Ampat, und so auch in Sawinggrai. Touristen können in einem meist "über-Wasser-Bungalow" wohnen und werden von den einheimischen bekocht und versorgt. Das Gute daran ist, dass die einnahmen direkt ans Dorf gehen.
Leider gibt es für die Kinder kaum eine Möglichkeit in den Genuss von Bildung zu kommen. Zwar gibt es auf der Insel eine Schule und sogar auch Schuluniformen, doch die indonesische Regierung investiert kaum in Bildung in diesen Provinzen. Somit fehlt es an einfachsten Schulmaterialien und andererseits findet der Unterricht nur selten statt. Denn die externen Lehrpersonen haben keinen wirklichen Anreiz, diese einheimischen Kinder zu unterrichten. Selbstverständlich sind die Prioritäten betreffend Bildung unter diesen Lebensbedingungen anders zu setzen – trotzdem sollten die Kinder zumindest die Möglichkeit haben, lesen und schreiben zu lernen und sich geistigen Herausforderungen zu stellen. Ebenfalls wird mit dem stark ansteigenden Tourismus die Englische Sprache sehr wichtig. Des weiteren sollten sie lernen, wie sie ihr Zuhause schützen und vor Ausbeutung bewahren können, damit noch weitere Generationen in diesem tropischen Paradies ein einfach aber gutes Leben führen können. Die Kinder sind sehr wissenshungrig – leider haben sie kaum Möglichkeiten, diesen Hunger zu stillen.
Die Fangmethoden der Männer sind sehr einfach gehalten. Fische werden einzeln gefangen. Netze verwenden die Papuas nicht, denn mit Netzen kann nicht nachhaltig gefischt werden. Durch den Einzelfang wird sichergestellt, dass nur so viele Fische gefangen werden, wie die Familie gerade benötigt. Es gibt keinen Beifang. Mit ihrem Baumboot fahren die Männer früh morgens hinaus aufs Meer. Sie wissen genau, zu welcher Zeit und wo die besten Plätze zum Fischen sind. Vor Sonnenuntergang treffen sie dann wieder zu Hause ein. Auch Speerfischen ist sehr verbreitet unter ihren Fangmethoden. Mit einer selbst gebauten Harpune tauchen die Männer fünf bis zehn Meter in die Tiefe und schiessen die Harpune auf den vorbei schwimmenden Fisch. Ein Fisch nach dem anderen wird rausgezogen, bis genug für die ganze Familie da ist oder der Tag sich dem Ende zuneigt. Zum Glück gibt es rund um Sawinggrai hunderte von Korallenriffen welche in Weltklasse Zustand sind. Es sind nämlich gar die reichsten und besten Riffe unseres Planeten. Doch wie lange wird dies noch so bleiben, wenn die Menschen nicht lernen, wie sie diese vor dem aufkommenden Tourismus schützen können?
Musik hat für die Papuas einen sehr hohen Stellenwert. Deshalb wird sehr oft musiziert und getanzt. Oft tun sie dies noch in ihrer traditioneller Bekleidung, welche aus getrockneter Baumrinde und Vogelfedern sowie Muscheln besteht. Es kommt häufig vor, dass praktisch sämtliche Einwohnerinnen und Einwohner stundenlang um die Insel tanzen. Bei speziellen Anlässen wird sogar die ganze Nacht durchgetanzt. Der Takt des Tanzes wird durch dumpfe Trommelschläge vorgegeben und eine selbstgebaute Flöte bestimmt dabei die Dauer des einzelnen Tanzes.
Das Essen in Sawinggrai ist relativ eintönig; es wird mehr oder weniger immer das gleiche gegessen: Reis mit Fisch und etwas Gemüse. Der Reis wird in grossen Säcken von der nächst grösseren Insel (Waisai) angeschafft. Zum Teil gekauft, zum Teil auch gegen Fisch eingetauscht. Die Fahrt nach Waisai mit dem Boot ist für die Papuas sehr teuer. Denn Geld haben die wenigsten und das Benzin für das Boot kostet sehr viel. Diese weite Strecke wird daher so wenig wie möglich gefahren. Fisch ist absolutes Grundnahrungsmittel und gilt als wichtigste Essensquelle. Auf den Teller kommt, was am Tag gefangen wurde. Weiter gibt es auf der Insel grosse Mengen an Kokosnüssen und Mangos, welche bei Bedarf gepflückt werden. Dazu geht man nicht in den Supermarkt, sondern klettert eben einfach auf die nächstbeste Palme. Es gibt einige Wasserlöcher, von wo aus leicht meist gutes Wasser heraufgezogen werden kann. Dieses kann zum Abwaschen und Duschen oder gar zum Trinken verwendet werden. Ebenfalls gibt es im Tropenwald gleich hinter dem Dorf auch Wildschweine. Diese werden von den einheimischen mit Hunden und Speeren gejagt und so ist dieses Fleisch eine willkommene Abwechslung zu Fisch.