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Streichquartett F-Dur
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf das Streichquartett in F-Dur Hess 34.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand nicht nur ein erheblicher Bedarf an neuen Klaviersonaten, sondern auch an Streichquartetten. Vor allem in Wien, das 1780 von Wolfgang Amadeus Mozarts noch als ein «Clavierland» bezeichnet worden war, hatten sich in den ersten zwei Dekaden zahllose private Ensembles zusammengefunden. Sie wollten sowohl mit originären Werken versorgt werden als auch mit Bearbeitungen aus bekannten Opern und Oratorien, aber auch ganzer Sinfonien und Sonaten. Doch so wie der Markt florierte, so galt es unter den Arrangements die Spreu vom Weizen zu trennen: Das blosse mechanische Übertragen mag zwar rasch zu einer marktgängigen Druckausgabe geführt haben, aber längst nicht immer zu einer wirklich musikalisch adäquaten Bearbeitung. Denn so wie jedes Instrument seine eigene Idiomatik hat, so gilt dies auch für die unterschiedlichen Gattungen und Besetzungen. Beethoven sah sich im Herbst 1802 gar gezwungen, in der Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung vor Streichquintett-Bearbeitungen seiner Sinfonie C-Dur op. 21 und dem Septett Es-Dur op. 20 zu warnen, die ohne sein Zutun erschienen waren.
Wie drängend die Problematik war, macht auch ein nur wenige Monate früher an Breitkopf & Härtel gerichteter Brief vom 13. Juli 1802 deutlich, in dem sich Beethoven für das anständige Verhalten dieses Verlages gegenüber solchen Produkten bedankt. Darüber hinaus referiert er ausführlich über die wahren Anforderungen beim Bearbeiten: «in Ansehung der arrangirten Sachen bin ich herzlich froh, daß Sie dieselben von sich gewiesen; die unnatürliche Wuth, die man hat, sogar Klaviersachen auf Geigeninstrumente überpflanzen zu wollen, Instrumente, die so einander in allem entgegengesetzt sind, möchte wohl aufhören können, ich behaupte fest, nur Mozart könne sich selbst vom Klavier auf andere Instrumente übersetzen, sowie Haydn auch – und ohne mich an beide große Männer anschließen zu wollen, behaupte ich es von meinen Klaviersonaten auch, da nicht allein ganze Stellen gänzlich wegbleiben und umgeändert werden müssen. so muß man – noch hinzuthun, und hier steht der mißliche Stein des Anstoßes, den um zu überwinden man entweder selbst der Meister sein muß, oder wenigstens dieselbe Gewandtheit und Erfindung haben muß – ich habe eine einzige Sonate von mir in ein Quartett von G.I. [Geigeninstrumenten] verwandelt, worum man mich so sehr bat, und ich weiß gewiß, das macht mir nicht so leicht ein andrer nach.»
Bei der erwähnten Komposition handelt es sich um das eigenhändige Arrangement der Klaviersonate E-Dur op. 14/1. Beethoven hat dabei das Werk nicht nur nach F-Dur transponiert, sondern auch nahezu alle Begleitmodelle grundlegend umgestaltet. Zudem erfuhren die Mittelstimmen eine dem Quartettsatz gemässe Individualisierung, so dass am Ende eine vollständig neue, selbständige Fassung vorlag. – Wer diesen geradezu experimentellen Bearbeitungsprozesses einmal im Detail nachvollziehen möchte, dem sei die Taschenpartitur der Edition Eulenburg empfohlen (ETP 297), bei der beide Fassungen der Komposition untereinander abdruckt sind. Ein Lehrstück.
Hier hören Sie die dem Streichquartett zugrunde liegende Sonate Nr. 9 E-Dur op. 14/1.
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