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Darlehen an Aktionäre
Freiburger Nachrichten vom 30. September 2010
In der Praxis kommt es häufig vor, dass eine Kapitalgesellschaft (Bsp. AG) an einen Aktionär oder einer nahestehenden Person ein Darlehen gewährt.
Grundsätzlich ist die AG zwar im Rahmen der gesetzlichen und statutarischen Vorschriften in der Anlage des Geschäftsvermögens frei. Da sich der Darlehensgeber und der Darlehensnehmer jedoch nahe stehen oder wirtschaftlich sogar identisch sind, besteht die Versuchung zur Begünstigung des Aktionärs. Dies kann unter Umständen diverse aktienrechtliche, steuerliche oder zivil- und strafrechtliche Folgen nach sich ziehen:
So kann die Begünstigung dazu führen, dass die wirtschaftlichen Interessen der übrigen Aktionäre und/oder der Gläubiger verletzt werden. Dies kann spätestens im Falle des Konkurses zu Verantwortlichkeitsklagen führen.
Die Begünstigung kann auch zu einem Missbrauch werden, wenn das Einlagerückgewährverbot (Art. 680 Abs. 2 OR) verletzt wird. Dieser Gesetzesartikel untersagt es, dem Aktionär das einbezahlte Aktienkapital zurückzuzahlen. Darlehen an Aktionäre oder diesen nahestehenden Personen verstossen insbesondere dann gegen diese Vorschrift, wenn aus den Umständen darauf zu schliessen ist, dass der Darlehensnehmer nicht oder nicht mehr willens ist oder von Anfang an nicht in der Lage war, das Darlehen zurückzuzahlen und dieses Darlehen grösser ist als die Differenz zwischen dem Eigenkapital (inkl. offener und stiller Reserven) der Gesellschaft und dem Aktienkapital. Ein Verstoss gegen Art. 680 Abs. 2 führt zur Nichtigkeit des Vertrages und einem Rückerstattungsanspruch der Gesellschaft.
Gewährt die AG ihrem Aktionär ein Darlehen, das sie zu denselben Konditionen einem unabhängigen Dritten nicht gewähren würde, kann dies steuerlich als geldwerte Leistung (verdeckte Gewinnausschüttung) qualifiziert werden. Die Steuerverwaltung wird den „Drittvergleich“ aufgrund diverser Kriterien (kein Vertrag, keine Sicherheit, keine Rückzahlung, keine oder zu tiefe Zinszahlung, Verwendung als Konsumkredit, Höhe des Darlehens, Bonität des Aktionärs) vornehmen.
Wenn Darlehen an Aktionäre den Tatbestand der geldwerten Leistungen erfüllen, sind die allenfalls zu erwartenden Steuernachforderungen zu berücksichtigen: Die verdeckten Gewinnausschüttungen unterliegen bei der Gesellschaft der Gewinnsteuer und beim Aktionär der Einkommenssteuer. Zudem können Verrechnungssteuerforderungen entstehen.
Wir empfehlen, Darlehen an Aktionäre sorgfältig und restriktiv anzugehen. Ein schriftlicher Vertrag mit marktkonformen Bedingungen und die Einhaltung derselben, schützt vor unangenehmen Überraschungen.
Markus Jungo
Dipl. Wirtschaftsprüfer