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Die Cabins des Aurora Villages liegen mitten in der Tundra in Richtung des Dorfes Teriberka auf der Halbinsel Kola. Kola grenzt im Norden an die Barentsee, ein Randmeer des Arktischen Ozeans, und im Süden an das Weisse Meer. Am Morgen früh wurden wir von Roman, Fahrer des Aurora Villages, abgeholt.
In Murmansk verpassten wir vor lauter Hunden, Spitäler und Impfungen die eigentlichen Sehenswürdigkeiten. Wir fragten also unseren Fahrer, ob er ausnahmsweise einen Stopp beim ersten atombetriebenen Eisbrecher der Welt einlegen könnte.
Lenin heisst das geschichtsträchtige Schiff, das 1959 erbaut wurde und lediglich zwei volle Jahre im Weissen Meer im Einsatz war. Danach wurde es ausgemustert. Die Russen bemerkten nämlich, dass sie die Eisenwand am Bug des Schiffes zu wenig dick konstruiert hatten. Somit war die Wand bereits nach zwei Jahren so dünn, dass es zu gefährlich wurde, weiter durch die Eisschollen zu schippern. Seitdem liegt das Schiff im Hafen von Murmansk und dient als Schiffsmuseum.
Roman fuhr uns danach eine Stunde lang weiter in den Norden, auf schneebedeckter Strasse mit bis zu 120 Kilometer (!) pro Stunde. Das klare, sonnige Wetter liess die schier unendlichen Weiten der Tundra glitzern und es war unvorstellbar schön.
Während des Ankommens, immer noch schwer beeindruckt von der herrlichen Landschaft, entdeckten wir mitten im Schnee sechs Iglus. Sie sahen für uns wie die Hütten von Mark Watney im Film „Der Marsianer - Rettet Mark Watney“ aus.
Roman setzte uns ab und wir wurden von zwei Russen in Empfang genommen. Der einte war wohl der Inhaber – dieser lernten wir während unseres gesamten Aufenthaltes nicht kennen. Der andere nannten wir den „hippeligen Russen“. Schon bei unserer Ankunft klemmte ein Lautsprecher unter seinem Arm und laute elektronische Musik dröhnte daraus, zudem rannte er als einziger stets zwischen den Iglus umher. Er stellte sich uns nicht gross vor, sondern öffnete direkt eine der Mark Watney-Hütten.
Guru betrat das Iglu und hinterliess wie Neil Alden Armstrong damals auf dem Mond einen Abdruck auf dem Boden – nur dass es ein nasser Abdruck war. Banana öffnete die Türe zum Badezimmer und sah, dass der Duschschlauch ohne Brause wild Wasser herumspritzte. Wohl schon seit einiger Zeit, denn alles war Unterwasser. Sofort verständigten wir den hippeligen Russen. Nach ca. 20 Minuten lauter Musik und Einsatz von schwerem Werkzeug, war ein neuer Duschkopf montiert. Der Boden hatte er nicht trocken aufgenommen, was uns kurz wunderte, aber wir waren froh, endlich angekommen zu sein.
Wir richteten uns ein und bemerkten, dass der Boden plötzlich trocken war, ohne uns weitere Gedanken darüber zu machen. Dann kam auch schon ein weiterer Russe (der Dritte in der Bande) und überreichte uns Champagner und russische Schokolade. Er stellte sich kurz vor, wir konnten uns aber leider seinen komplizierten russischen Namen nicht merken. Wir tauften ihn heimlich Sergey 2.0, wobei „2.0“ für Allrounder steht.
Sergey 2.0 konnte etwas Englisch, etwas Deutsch und war mit Abstand der freundlichste Russe bis dato. Er vermietete uns Langlaufskier, Made in Russia, für 2000 Rubel (ca. CHF 31) für eine unbegrenzte Zeit. Der Preis war für russische Verhältnisse völlig überrissen und wir waren spätestens bei dem Hinweis darauf, dass wir ihn direkt bezahlen sollen, davon überzeugt, dass er ein Teil des Geldes für sich abzweigt. Wir dachten, o.k. das passt, er soll sich einen schönen Abend machen und wir sind nur einmal hier.
Wir packten die Skier und fragten Sergey ob der Ozero Kanent Yavr See wirklich gut vereist und stabil ist. Er machte uns klar, dass er heute bereits mit dem Schneemobil über den See gefahren ist und wir seinen Spuren auf dem See folgen können. Und falls wir wollen, wäre das Schneemobil auch noch zum mieten.....
Der Ausflug war atemberaubend. Die Stille konnten wir leider nicht auf den Bildern festhalten:
Gegen Abend machten wir es uns einmal mehr mit Nudelsuppen gemütlich und warteten auf die Nordlichter, von welchen wir schon so viel gehört hatten. Guru sah man an, dass ihm die Nudelsuppen langsam aus den Ohren hingen, er sagte aber kein Wort.
Die Nordlichter zeigten sich nicht. Unsere App meinte, dass wir an diesem Standort 1,8 Prozent Chance hätten, Nordlichter zu sehen. Wir wussten aber von Anfang an, dass alle vier Faktoren stimmen müssen:
Genug nördlich sein
Februar oder März
Bei klarem Himmel
Hohe Sonnenaktivität
Uns war also klar, dass wir entweder Glück haben oder nicht. Daher war für uns nebst die Lichter zu sehen ein Ziel, ganz im Norden Russlands die Natur zu spüren und die Mark Watney Hütten auszuprobieren.
Und dann sah Guru plötzlich durch die Verglasung etwas Grünes am Himmel schimmern. Da klopfte es auch schon an unserer Türe. Eine Thailänderin sagte ganz nervös: „It’s beginning, come out guys. Hurry!“. Sie gehörte zu einer Gruppe von 14 Thailänderinnen und Thailänder welche es sich in drei Hütten gemütlich gemacht hatten. Wir legten unsere Montur an und gingen raus in die minus 15 Grad kalte Nacht. Die Lichter schimmerten ganz wenig und wir waren stolz, doch noch was zu sehen.
Als die Nordlichter weniger wurden, stampften wir vom Schnee zurück zu den Hütten und bemerkten wie die thailändische Gruppe grillierte - bei unterdessen minus 20 Grad. Wir wurden sofort angesprochen, erhielten Fleisch und Bier angeboten und man machte sich bekannt. Einer der Thailänder war ein Reiseblogger, der die Reise organisierte (https://www.facebook.com/choovej). Insgesamt waren sie 8 Tage unterwegs, inklusive Murmansk, Moskau und Sankt Petersburg. Das Bier gefror in den Büchsen und Guru war unglaublich froh über die warmen und köstlichen Bissen thailändisch gewürztes Fleisch. Wir genossen das Zusammensein und es war ein herrlicher Moment.
Zurück in unsere Hütte heizte Guru den Ofen ein und fühlte sich wie im Wallis in der Alphütte seines bestens Freundes. Zusätzlich wärmte die Bodenheizung (!) unsere Hütte mit ca. 100 Grad heissem Wasser. Halleluja russische Sauna! Jetzt war uns auch klar, dass die Bodenheizung das Wasser vom Morgen so schnell verdampfen liess.
Nach kurzer Zeit betrug die Temparatur im Iglu 35 Grad. Wir schlummerten irgendwann ein, freuten uns auf den nächsten Tag und die neue Chance, die Aurora Borealis in voller Pracht zu sehen. To be continued...