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Nachhaltige Transformationen von Industrien und Infrastruktursystemen (sogenannte nachhaltige Transitionen) gewinnen sowohl in der Innovationsforschung als auch in der Humangeographie und Regionalwissenschaften zunehmend an Bedeutung. Die bestehende Literatur zum Thema konzentrierte sich bislang auf eine beschränkte Anzahl industrialisierter Länder. Seit neuem hat die Transitionsforschung aber auch Schwellen- und Entwicklungsländer als Orte identifiziert, wo bedeutende Herausforderungen für nachhaltige Transitionen anstehen.
Transitionen hin zu nachhaltigeren Sektorstrukturen hängen von der erfolgreichen Schaffung neuer Dienstleistungsangebote und deren breiter Implementierung innerhalb von lokalen Kontexten ab. Bezüglich der Entwicklung dieser Angebote hat die Transitionsforschung die Akteure, Netzwerke und Institutionen, die sich rund um sozio-technische Konfigurationen bilden, als Technologische Innovationssysteme (TIS) konzeptualisiert. Der Erfolg ihrer Implementierung hängt davon ab, ob und wie diese Konfigurationen in den institutionellen und infrastrukturellen Kontext oder die „sozio-technischen Regimes“ passen, welche die öffentlichen Dienstleistungen in Entwicklungsländern regulieren und verwalten. Hieraus ergibt sich eine fundamentale wissenschaftliche Herausforderung: Wie können Diffusion und Integration von TIS Innovationen in geografisch verschiedenen Regimes konzeptualisiert, operationalisiert und identifiziert werden, so dass sie althergebrachte Dienstleistungsangebote und Konsumsysteme im Sinne einer nachhaltigen Transition substituieren?
Dieses Projekt analysiert mögliche Transitionspfade von Grundversorgungsdienstleistungen insbesondere im Fall der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Es untersucht wie neue sozio-technische Konfigurationen mit den bestehenden Regimestrukturen dieser Sektoren interagieren. Drei konzeptuelle Bausteine werden zur Analyse dieser Interaktionen vorgeschlagen: i) Systemversagen bei der Beurteilung der Leistungskapazität des TIS für die Entwicklung radikaler Innovationen; ii) Nutzer und Dienstleistungsanbieter als Kernelement von Regimestrukturen; und iii) Legitimierung und Vertrauensbildung als Kernprozess bei der Einbettung von neuen Dienstleistungsangeboten in bestehende sozio-technische Regime. Mit der Untersuchung dieser Dimensionen und ihrem Zusammenspiel zielen wir darauf ab, Herausforderungen und Aussichten für mehr oder weniger radikale Innovationen zu identifizieren. Diese Forschung soll insgesamt einen Beitrag zur Forschung leisten, wie beim Design von neuen Versorgungsdienstleistungen der institutionelle Kontext besser reflektiert und miteinbezogen werden kann.