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Wie sehr dann ein Verlobungsring eine öffentliche Karriere machen kann und quasi «Talk of the town» wird, zeigt sich dieser Tage am Verlobungsring von Diana, der verstorbenen Prinzessin von Wales. Er spielt in der Netflix-Serie «The Crown», die derzeit millionenfach gestreamt wird, eine wichtige Rolle.
Der Kate-Effekt
Das Bild der damaligen Kate Middleton in ihrem blauen Wickelkleid von Issa markiert nicht nur den Beginn des sogenannten Kate-Effekts (dieses Kleid, wie Hunderte andere Modelle, die sie seither trug, war Stunden nach dem Auftritt ausverkauft).
Das Bild ist auch charakteristisch für die Vorliebe der Herzogin für perfekt koordinierte Kleidung. Sie wählte den tiefblauen Farbton, um den Saphir, der sich neu an ihrem Ringfinger befand, in Szene zu setzen. Es ist der wohl berühmteste Verlobungsring der Geschichte – und der wohl am meisten imitierte Ring der Welt.
Ursprünglich gehörte der Ring der verstorbenen Mutter des Herzogs, Prinzessin Diana. Es wird vermutet, dass nach ihrem Tod ihre jungen Söhne ermutigt wurden, Stücke aus ihrer Sammlung auszuwählen, die sie für ihre zukünftigen Ehefrauen aufbewahren sollten.
Dianas Garrard-Ring
Der Ring besteht aus einem 12-karätigen sri-lankischen Saphir, der von 14 weissen Diamanten umrahmt und in 18 Karat Gold gefasst ist. Er wurde von Garrard, dem Kronjuwelier von 1843 bis 2007, hergestellt; seine Clusterfassung wurde von einer Garrard-Saphir-Diamant-Brosche inspiriert, die Königin Victoria von ihrem Ehemann Albert am Tag vor ihrer Hochzeit geschenkt wurde. Victoria liebte die Brosche so sehr, dass sie sie an ihrem Hochzeitstag als ihr «etwas Blaues» trug.
In einem für royale Verhältnisse bemerkenswert modernen Zug soll Lady Diana den Ring selbst ausgewählt haben, und zwar aus einer Auswahl, die ihr an einem Abend im Februar 1981 nach dem Abendessen im Schloss Windsor überreicht wurde.
Laut einer Szene aus der Staffel der Netflix-Serie «The Crown» bot die Königin Diana eine «ganz besondere Pralinenschachtel» an, welche die verfügbaren Optionen enthielt und speziell für diesen Abend von Garrard zur Verfügung gestellt wurde. Dianas Augen fixierten bald den Saphir-Ring – offenbar, weil der Ring sie an den Verlobungsring ihrer Mutter erinnerte.
In der Nachstellung der Szene bei Netflix hebt die Königin die Augenbrauen über die Wahl. Als sie fragt, warum Diana ihn ausgesucht hat, scherzt Prinz Charles: «Es ist der teuerste.» Diese Aussage entspricht allerdings nicht der Wahrheit.
Der Ring fand ausserhalb des Palastes keine breite Zustimmung. Als Prinz Charles und Diana ihre Verlobung bekannt gaben, bewunderte die versammelte Presse seine Grösse und die Tatsache, dass der blaue Stein die Farbe ihrer Augen spiegelte.
Kein Einzelstück
Doch dann kamen Berichte auf, wonach es sich bei dem Ring nicht um eine einmalige Sonderanfertigung handelte, sondern dass er aus der regulären Kollektion von Garrard ausgewählt wurde.
Dies bedeutete, dass jedermann zum königlichen Juwelier gehen und sich den gleichen Ring wie Diana kaufen konnte – nun, jedenfalls all jene, die damals knapp 29'000 Pfund für einen Ring aufwerfen konnten (die Summe entspricht heute rund 110'000 Pfund oder rund 132'000 Franken).
Dennoch: Dass Diana kein Einzelstück wählte, wurde als unpassend für eine königliche Braut angesehen. Schliesslich sind Sonderanfertigungen quasi Tradition. Der Verlobungsring der Königin wurde von Prinz Philip in Auftrag gegeben, wobei Diamanten aus dem Diadem seiner Mutter verwendet wurden. Prinzessin Margaret erhielt einen von Diamanten umgebenen Rubin in Form einer Rosenknospe.
Und die heutigen königlichen Bräute haben die Tradition der massgeschneiderten Ringe fortgesetzt. Meghan Markles Diamantring aus drei Steinen wurde von Prinz Harry entworfen und enthält Diamanten, die von Dianas Schmuckstücken stammen.
Herkunft aus dem «Ladenbestand»
Prinzessin Eugenies Padparadscha-Saphir-Cluster-Ring ist vermutlich ebenfalls eine Sonderanfertigung. Und Edo Mapelli Mozzi schlug Prinzessin Beatrice einen Diamantring vor, den er zusammen mit dem britischen Juwelier Shaun Leane entwarf.
Aber seine Herkunft aus dem «Ladenbestand» schien Lady Di nicht zu stören, die den Ring so sehr liebte, dass sie ihn nach dem Scheitern ihrer Ehe mit Charles weiterhin trug. Er hat auch nicht die Tausende von Bräuten abgeschreckt, die ihn als Inspiration für ihre eigenen Verlobungsringe verwenden.
Noch heute gehört die von Dianas Verlobungsring inspirierte Kollektion zu den beliebtesten Serien des Hauses Garrard. Die blauen Saphirringe, die mit Smaragd, Rubin, Saphir und Aquamarin in der Mitte erhältlich sind, sind seit der Einführung der Serie im Jahr 2016 ein weltweiter Bestseller für das Haus, berichtet Sara Prentice, Kreativdirektorin von Garrard.
«Dianas Ring war ein wichtiger Moment in der Schmuckgeschichte – und die Tatsache, dass seine Geschichte an der Hand von Catherine, Herzogin von Cambridge, weitergeht, ist ein Zeugnis für den Klassizismus des Designs», sagt sie. Der erste Entwurf für den Ring habe das Haus bereits 1735 entworfen – wahrlich zeitlos.
Blaue Saphire sind gefragt
«Verlobungsringe aus Saphir symbolisieren seit langem Liebe und Hingabe. Es ist schön, zu sehen, dass eine neue Generation dieses ikonische Design schätzt, das ein so starkes Indiz für seine Langlebigkeit ist», sagt Prentice.
Blaue Saphire stehen nach wie vor ganz oben auf der Liste, wenn es um Verlobungsringe mit farbigen Edelsteinen geht. Viele künftige Bräute beziehen sich, auch ein Jahrzehnt nachdem der «Kate Middleton-Ring» wieder ins Rampenlicht gerückt ist, immer noch auf diesen Ring.
«Blaue Saphire sind nach wie vor der klar am meisten nachgefragte Farbedelstein. Und die Herzogin von Cambridge, die einen Saphir trägt, hat deren Popularität immens gesteigert», sagt die in London lebende Schmuckdesignerin Emma Clarkson Webb.
«Paare kommen immer noch mit Dianas Ring als Inspiration auf ihrem Moodboard zu mir. Die Vielfalt an Tönen und Schattierungen, die blaue Saphire bieten, macht sie für ein breites Publikum attraktiv. Ausserdem sind sie sehr strapazierfähig und haben nicht denselben Preis wie ein Diamant, was definitiv hilft», so die Designerin weiter.