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ChinareiseEindrücke aus vorträgen und Tischgesprächen in Hongkong. Shanghai und Peking
Empfang auf der Schweizer Botschaft in Peking
Das asiatische Modell ist kollektivistisch, das westliche individualistisch. Das Zusammenleben ist so eng, dass man als Westler aggressiv werden könnte. Gesellschaftlich herrscht eine starke Segregation nach Hautfarben.
Chinesen arbeiten für ihre Familie. Nur hier besteht Harmonie, sonst geht es brutal zu. Missbräuche bestehen z.B. darin, dass der Sonntagsausflug im Firmenwagen erfolgt.
Die Unterscheidung Arbeit/Freizeit wird nicht gemacht.
Bei Personalproblemen ist die Beherrschung der chinesischen Sprache unerlässlich. Man muss in China besonders personenorientiert arbeiten. Konziliantes Verhalten und kooperativer Führungsstil werden als Schwäche ausgelegt. (Schwangere Chinesin wollte auf Halbtagsarbeit reduzieren, jedoch die vollen Zulagen. Es blieb nur, ihr zu kündigen.)
Schweizer Firmen, die im eigenen Land finanzielle Schwierigkeiten haben, sollten nicht meinen, Rettung komme vom Riesenmarkt China. Im Gegenteil erfordert das Fussfassen hier hohen Einsatz von Mitteln.
Die Realität wird als fliessend gesehen, auch das Rechtsverständnis, was bei Vertragsabschlüssen zu berücksichtigen ist. Planung auf längere Sicht ist nicht vorhanden.
Wer in China arbeitet, muss die Ambiguität akzeptieren.
Die Stadt ist so gross wie der Kanton Thurgau, jedoch mit 7 Millionen Einwohnern, davon weniger als 1 % Westler. Die Stadt ist sehr sicher und weist eine geringe Kriminalität auf. Korrupt war sie in den 60er Jahren, doch ging man erfolgreich dagegen vor.
Bis 2047 hat HK eine eigene Währung, den HK-$.
Die Stadt weist die freiste Marktwirtschaft der Welt auf (gemäss Heritage-Foundation).
Wer baut, bekommt das Land im Baurecht auf 50 Jahre.
Gearbeitet wird hart mit langen Arbeitszeiten.
Altersvorsorge und Krankenversicherung sind unbekannt. Spitalaufenthalte sind gratis, jedoch in Sälen mit 20 Personen. Abgegeben werden nur billige Medikamente. Bei der Einrichtung einer Krankenversicherung studiert man auch das Schweizer Modell.
Wer unter 100'000 HK-$ verdient, zahlt keine Steuern, darüber zahlt man eine Flat-Tax von 15 %. Eine Mehrwertsteuer existiert nicht. Mit dem mittleren Einkommen von 70'000 HK-$ kann man gerade die Miete einer 40-60 Quadratmeter-Wohnung entrichten. Es sind mindestens zwei Einkommen erforderlich. In solchen Wohnungen leben bis zu acht Personen.
Die Reichen wohnen auf dem Viktoria-Hügel. Ihr Lieblingsauto ist der Mercedes. Für Durchschnittsverdiener wurde ein massives Wohnbauprogramm gestartet, wie es auch Singapur kennt. Die 95 Quadratmeter grosse 5-Zimmer-Wohnung eines CH-Bankers kostet umgerechnet 8'500 Franken im Monat. Ein wirklicher Wohnungsmarkt besteht nicht.
„Die Hongkonger halten Ihnen nie die Türe auf.“
Die Swiss Chamber of Commerce zählt 139 Firmen und Einzelmitglieder, davon 60 % KMU.
Die UBS ist mit Abstand grösster Privatebanker in Asien.
UBS-Kunden stellen viele Fragen, wie die Entwicklung weiter geht. Im 1. Quartal nahmen die Zuflüsse im Wealth Management noch zu. Sollte die Subprime-Krise der UBS noch 6 Monate andauern, wird es kritisch.
In China ist die Schweiz extrem positiv besetzt, während sie in Indien als Land der Geldwäscherei gilt.
In HK lebt nur ein einziger Schweizer Korrespondent. Er schreibt für die „Finanz und Wirtschaft“.
China verliert jedes Jahr 80 Milliarden $ auf ihren US-Staatspapieren.
In Vietnam liegen die Arbeitskosten bei einem Drittel gegenüber Südchina.
Den chinesischen Investor interessiert nicht, dass die Geberit-Spülkasten auch in 30 Jahren noch funktionieren. Er denkt in zwei Jahres-Zyklen, da er bis dann ohnehin verkauft hat. Als Generalunternehmer interessiert ihn nur seine Marge.
Wie andere Firmen hatte Geberit vor 11 Jahren eine schwierige Anfangsphase. 2002 wurde ein Neuanfang gewagt, der erfolgreich verlaufen ist.
Erfahrung im Miethaus: Die Badewanne im oberen Stockwerk verliert Wasser, das die Decke darunter beschädigt. Der chinesische Vermieter schickt die Maler vorbei, statt die teurere Sanierung der Wanne in Auftrag zu geben.
Die Fluktuationsrate in einer Firma in China sollte idealerweise unter 15 % liegen, die Wanderarbeiter nicht eingerechnet.
Als Faustregel gilt: Der CEO und der Finanzchef sollten je ein Schweizer und ein Chinese sein.
Ein einheimischer Verkaufsleiter verdient umgerechnet 70'000 Franken, davon gehen 40 % an Steuern und anderen Abzügen ab.
In den nächsten 20 Jahren ziehen 350 Millionen Menschen vom Land in die Stadt. 50'000 über 30 Stockwerke zählende Hochhäuser müssen gebaut werden. Über 130 neue U-Bahnen werden entstehen.
Der „Kantönligeist“ ist ausgeprägter als in der Schweiz. Vom zentralistischen System erlassene Gesetze werden in den Provinzen lange nicht verwirklicht.
China ist ein korruptes Land, je weiter westlich, desto schlimmer. Malaysia ist im Vergleich noch ärger.
Shanghai ist eine sichere Stadt. Frauen können morgens um 1 Uhr allein durch die Strassen gehen.
Otis als Konkurrent von Schindler hat bei Peking eine Fabrik und gute Beziehungen zur Regierung. Diese erlässt Gesetze, welche Otis bevorzugen und Schindler benachteiligen. In Europa sind die Margen bei Neubauten gering. Wir verdienen beim Unterhalt.
Schwieriges Chinesisch: Ich benötigte zwei Jahre, bis ich meine Adresse richtig aussprach, sodass Taxifahrer sie verstehen.
China ist auch eine Finanzgrossmacht wie im Tourismus, aber noch keine militärische Grossmacht. Das Militärbudget wächst jedoch, vorab bei der Marine zum Schutz der Erdölversorgung.
Die Schweiz hat in China auf allen Gebieten das beste Image aller Länder, und zwar laut Umfragen in sämtlichen Bevölkerungsschichten. Weitaus am bekanntesten ist sie als Uhrenproduzent, dann wegen der landschaftlichen Reize, des Finanzplatzes und der Neutralität. Dass sie als eines der ersten Länder die Volksrepublik 1950 anerkannt hat, wird ihr hoch angerechnet. Die Schweiz wird jedoch nicht als wettbewerbsfähiges Land wahrgenommen.
Der Export der Schweiz nach China erreichte 2007 5,4 Mrd. Franken (+ 13 %). Die Importe aus China machten 4,8 Mrd. Franken aus (+ 12 %)
Die Botschaft in Peking hat innert 4 Jahren ihren Personalbestand auf 63 verdoppelt.
Wer die Macht und Bedeutung der chinesischen Regierung nicht kennt, hat als Unternehmen keinen Erfolg.
Prof. Wu Jianmin, Präsident der Foreign Affairs University, Peking, früher Botschafter in den USA und in Genf bei der UNO:
China feiert den 30. Jahrestag der Reformen Deng Xiaopings. Diese begannen nicht in den Städten, sondern auf dem Land, weil erkannt worden war, dass die sowjetischen Sowchosen kein gutes Beispiel boten. Durch gewisse Privatisierungen und dadurch höhere Ertragsmöglichkeiten errang die Regierung die Unterstützung der Bevölkerung. Sie erkannte, dass das Leben mit solchen Reformen besser wurde. Die Globalisierung geht weiter, ob man sie schätzt oder nicht.
Ein wichtiger Unterschied Chinas zur UdSSR: Perestroika war eine politische Reform, die chinesische ist eine ökonomische. Der 65-Prozent-Anteil des Privatsektors am Ganzen ist sehr dynamisch. Von 1980 bis 2000 vervierfachte sich das BIP.
Wohin geht China? Richtung Demokratie, Zivilisation, Harmonie. Der Westen fürchtet, China strebe eine Machtstellung wie damals die UdSSR an. China will jedoch sein Modell nicht exportieren, sondern eine friedliche Entwicklung, eine Win-Win-Situation für beide Seiten.
Ausserordentliche Anstrengungen sind beim Umweltschutz nötig. Die Bauern haben kein sauberes Wasser. Energiefragen sind schon deshalb hoch aktuell, weil zu den 56 Millionen Autos jedes Jahr 8 Millionen hinzukommen.
In Tibet besteht eine von vielen separatistischen Bewegungen.
Europa hat nicht den Optimismus Chinas, sondern Angst vor Reformen.