Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/1517

Schule und Kirche Wetzwil
|Gemäss archäologischen Befunden von 1975 muss im 8. Jahrhundert in Wetzwil eine Bartholomäus-kapelle gestanden haben. Der Priester Bernegard vergabte 797 Grundbesitz in Wetzwil an das Kloster St. Gallen. In der ersten Hälfte oder in der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Kapelle ostwärts ver-grössert. Der Ostteil dieses romanischen Baus, der 1370 im Liber Marcarum des Bistums Konstanz erstmals erwähnt wird, war zugleich Chor bzw. Altarraum. Im heutigen Bau stammen von dieser Kir-che Teile der Nord- und der Südmauer, die schmalen, hohen Rundbogenfensterchen und das romani-sche Portal bei der Südwestecke.|
Im 15. Jahrhundert verzierte man das Innere mit Wandmalereien. Diese wurden zur Zeit der Reforma-tion übertüncht und 1930 wieder freigelegt. 1658 erfolgte der Einbau der Empore. Um 1750 wurde die romanische Kapelle zur barocken Predigtkirche umgestaltet. Man brach die Ostmauer ab und schloss den Chor im Sinne der Spätgotik polygonal. Grosse Rundbogenfenster analog jenen im neuen Chor ersetzten die kleinen romanischen Fenster in der Südmauer. Als Ersatz für den zugemauerten bishe-rigen Eingang bei der Südwestecke schuf man ein neues, grosses Westportal. Auf der Nordseite ent-stand - als Ersatz für den abgebrochenen Dachreiter - bei der Nahtstelle von Schiff und Chor ein Turm mit je einem Rundbogenfenster im Glockengeschoss, einem Zifferblatt in den beiden Giebeln und ei-nem Käsbissen als Abschluss. Der Turm enthält ein 1868 von Jakob Keller II. in Unterstrass gegosse-nes dreiteiliges Geläute. Die letzte grössere bauliche Veränderung an der Kirche brachte 1840 der Bau einer Aussentreppe unter um die Südwestecke herumgezogenem Dach, als Zugang zur Empore. Das barocke Westportal wurde geschlossen, das romanische an der Südwestecke wieder geöffnet. 1952 baute man eine Orgel von Metzler & Söhne in Dietikon ein.
Die Restaurierung von 1975/76 hatte die Vereinheitlichung des Innenraums zum Ziel. Ein Tonplatten-boden betont durch zweimalige Stufung Schiff, Verkündigungsraum und Chor. Als Vorbild für die neue Bretterdecke diente die gotische Decke in der Kapelle Uhwiesen. Die Wandmalerei aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts an der Südwand zeigt oben die Schutzmantel-Madonna mit seitlichen Engeln und unten die Anbetung des Jesuskindes mit Maria durch die Heiligen Drei Könige.
Der achteckige Taufstein von 1630 - mit Wappen des Standes Zürich und der Dorfschaft Wetzwil - steht wieder an seinem angestammten Ort, ebenso die um zwei Stufen niedriger aufgesetzte Kanzel. Ihr gegenüber sind an der Nordwand die ältesten Bänke mit spätgotischem Profil aufgestellt. Ver-schiedene Krebsstühle aus dem 1750er-Jahren tragen auf den Rücklehnen den Vor- und Nachnamen sowie das Familienwappen des ersten Besitzers, die Hofbezeichnung und das Jahr, in dem der Kir-chenstuhl erworben wurde. Die farbigen Glasfenster stammen aus der Zeit um 1900. Jene im Chor weisen Glasflächen mit Grisaillescheibchen auf. Ein Medaillon mit Kelch ziert das mittlere Chorfenster.
Anfragen, Reservationen bitte an die reformierte Kirchengemeinde Herrliberg
| Quellen || Aus "Kirchen und Kapellen rund um den Zürichsee" von Peter Ziegler, Th. Gut Verlag, Erscheinungsjahr 2000, vergriffen. Mit der freundlichen Genehmigung des Autors.|