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Eine Eigenart junger Heranwachsender ist es, sich von den Erwachsenen abzuheben. Zumindest bei Menschen ist die immer wieder zu beobachten. Aus dem Tierreich sind diesbezüglich wenigere Beispiele bekannt. Doch zumindest ein Beispiel hat ein irisch-britisches Forschungsteam bei einer Fischart entdeckt, die auch in den arktischen Gewässern zwischen Nunavut und Svalbard vorkommt.
Neongrün leuchteten die untersuchten Seehasen-Jungfische, als Dr. Thomas Juhasz-Dora, Tierarzt und Doktorand an der Universität von Cork, Irland, die Tiere mit königsblauem Spektrallicht anleuchtete und er sie danach mit einer Digitalkamera und einem speziellen Gelbfilter fotografierte. «Ich dachte «Wow!», erklärte der Forscher in einem Interview. Die Fische zeigten eine starke Biofluoreszenz-Reaktion, was bedeutet, dass sie auch in der Tiefe wahrscheinlich so leuchten. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Journal of Fish Biology veröffentlicht.
Das Leuchten ist nach Angaben des Forschungsteams biofluoreszent, was bedeutet, dass die Tiere dies nicht selber verursachen. Vielmehr entsteht diese Form des Leuchtens, wenn die Fische absorbiertes Licht (in diesem Fall im Bereich blau bis ultraviolett) mit einer niedrigeren Wellenlänge wieder absondern (in diesem Fall grün). Biofluoreszenz ist nicht zu verwechseln mit der anderen Form von Leuchten, der sogenannten Bioluminiszenz, bei der Organismen die Fähigkeit haben, Licht zu generieren. Das Forschungsteam konnte auch beobachten, dass verschiedene Stellen des Körpers mit unterschiedlicher Intensität leuchteten. Besonders die kleinen Tuberkel an den Rändern und der Seitenlinie des ansonsten schuppenlosen Fisches leuchteten stark auf.
Man weiss von einigen Meeresarten, die biofluoreszent sind. Doch die meisten davon kommen in tropischen und subtropischen Gewässern und in grösseren Tiefen vor. Sie dient in der Regel der Kommunikation, der Fressfeindvermeidung und dem Anlocken von potentieller Beute. Von arktischen Meerestieren sind nur wenige Hinweise auf Biofluoreszenz bekannt. Seehasen sind diesbezüglich sehr bemerkenswert, sind sich Experten einig. Die Tiere, die ein grosses Verbreitungsgebiet aufweisen und von Spanien bis Svalbard vorkommen, leben in Tiefen bis zu 800 Metern, kommen im Sommer jedoch nahe an die Oberfläche, um ihre Eier dort abzulegen und zu befruchten. Diese sind eine beliebte Delikatesse und wird auch als «Kaviar des Nordens» verkauft. Auch in Fischzuchten sind Seehasen sehr beliebt, da sie dort die Fischläuse in Schach halten.
Warum die Tiere leuchten, ist noch nicht geklärt. Das Forschungsteam vermutet Kommunikation als Hauptgrund. Ausserdem ist noch nicht klar, ob das Leuchten in allen Entwicklungsstadien der Fische auftritt, ob es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt und ob die Fische überhaupt das notwendige Werkzeug besitzen, um das Leuchten zu sehen, sprich einen Gelbfilter in der intraokularen Hornhaut. Das würde zumindest einen weiteren Hinweis liefern, ob Kommunikation tatsächlich der Hauptgrund für das Leuchten im Dunkeln der subarktischen Gewässer sein könnte.
Dr. Michael Wenger, Polarjournal