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Anfang April lief die Frist für britische Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten ab, ihre geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede anzugeben. Weltweit steigt der Druck, die anhaltende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in der Erwerbsbevölkerung anzugehen.
Zwar wurden in der Vergangenheit einige Fortschritte bei der Verringerung des Lohngefälles erzielt - das geschlechtsspezifische Lohngefälle ist von 19,4% im Jahr 1995 auf 14,1% im Jahr 2016 zurückgegangen -, doch es wurde trotz der vergleichsweise höheren Anteile von Frauen mit Hochschulbildung nicht beseitigt. Allerdings gibt es je nach Land grosse Unterschiede (siehe Grafik). "Das geschlechtsspezifische Lohngefälle selbst ist auch nur ein stumpfes Mass für die Beurteilung der Gleichstellung der Geschlechter in der Erwerbsbevölkerung, da es die Einkommensverteilung innerhalb und zwischen den Sektoren nicht berücksichtigt", erklärt Jeremy Lawson, Chief Economist, Aberdeen Standard Investments. Das Lohngefälle sei auch nur ein Teil des Rätsels, mit dem sich Frauen am Arbeitsplatz konfrontiert sehen. Denn Frauen sind im Verhältnis zu ihren Fähigkeiten mit grösserer Wahrscheinlichkeit unterbeschäftigt oder in unsicheren Teilzeitarbeitsverhältnissen angestellt.
Lohnungleichheit sorgt für Ineffizienzen
"Das geschlechtsspezifische Lohngefälle zu beheben, ist nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern würde auch wirtschaftliche Ineffizienzen beheben. Denn dort, wo Fähigkeiten und Anstrengungen systematisch unterbelohnt werden, werden Ressourcen nicht optimal verteilt bzw. genutzt", argumentiert Lawson. Die Forschung des Centre for Economic Policy Research (CEPR) deutet darauf hin, dass ein grösseres geschlechtsspezifisches Lohngefälle zu einer geringeren Pro-Kopf-Leistung führt, was zum Teil auf eine geringere Beteiligung der Frauen am Erwerbsleben zurückzuführen ist. Die OECD schätzt, dass eine Halbierung der geschlechtsspezifischen Unterschiede bis 2025 die durchschnittlichen jährlichen BIP-Wachstumsraten in der OECD um 0,2 Prozentpunkte erhöhen würde. Mikroökonomische Evidenz für die Behauptungen einer verbesserten Rentabilität von Unternehmen mit gemischten Aufsichtsgremien sind in der Literatur jedoch laut Lawson nicht zu finden. Der verstärkte Fokus auf Corporate Social Responsibility bei den Investoren kann jedoch für Unternehmen ein finanzielles Argument sein.
Komplexe Gründe
"Die Herausforderung für politische Entscheidungsträger besteht darin, dass es mehrere komplexe und tief verwurzelte Gründe für die Ungleichheit der Geschlechter in der Erwerbsbevölkerung gibt", so der Aberdeen Standard Investments-Experte. Dazu gehören Unterbrechungen der beruflichen Laufbahn, Geschlechtertrennung in Bildung und Arbeit sowie bewusste und unbewusste Vorurteile. Hinzu kommt, dass ein grosser Teil des geschlechtsspezifischen Lohngefälles noch unerklärt ist. Eine Politik, die darauf abzielt, Karrierestörungen zu minimieren und flexibleres Arbeiten zu ermöglichen, führt durchaus zu geringeren geschlechtsspezifischen Lohn- und Beteiligungsunterschieden. Um tiefere grundlegende Überzeugungen in Bezug auf Geschlecht und Arbeit in den verschiedenen Kulturen zu ändern, braucht es aber gemäss Lawson auch nach der Verabschiedung einer entsprechenden Politik deutlich länger.