Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03362.jsonl.gz/1038

Bild
Titel:
Vom Privatbesitz zum Staatswald
Thema: Land
Datum: --.--.1874
Masse: 44.5 x 56.5 cm
Standort: Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, D.077
Urheber/-in: Jacob Hagmann, Lichtensteig
Beschreibung:
„Plan vom Untern Teufenberg“, Eigentum von Herrn J.F. Nef, Gemeindeschreiber in Urnäsch, aufgenommen im Massstab 1:2000 von Jacob Hagmann, Lichtensteig, im Jahre 1874. Wald, Weiden, Gewässer, Gebäude, der Verlauf der alten Verkehrswege sowie der Grundstücks- und Gemeindegrenzen lassen sich massgenau identifizieren.
Geschichte:
Der prächtige kolorierte Plan ist ein eindrückliches Zeugnis einer für die Waldentwicklung von Appenzell Ausserrhoden entscheidenden Epoche. Liegenschaftsbesitzer Gemeindeschreiber Johann Friedrich Nef in Urnäsch, der über 77 Jucharten Land am Teufenberg besass, liess im Jahre 1874 sein Eigentum vermessen. Auf diesem Gebiet wurde später der Staatswald Teufenberg begründet.
Im 19. Jahrhundert war es um die Ausserrhoder Wälder schlecht bestellt. Die Textilwirtschaft blühte und die Kantonsbevölkerung wuchs bis 1860 auf über 48 000 Personen an. Ausserrhoden war damals mit einer Dichte von 200 Einwohnern pro km² eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Europas. Der Holzhunger war enorm, die Wälder wurden ungehemmt ausgebeutet und kurzfristigen ökonomischen Interessen geopfert. In einem Bericht über die forstlichen Zustände in Ausserrhoden stellte der St. Galler Kantonsforstinspektor Johann Josef Keel 1859 fest, dass «das Übel der Entwaldung sehr grosse Ausdehnungen angenommen hat». Er sah den Grund für diese Misere unter anderem im Privatwald. «Weitaus der grösste Teil der Waldungen ist in den Händen von Privaten; kaum 1/12 ist Gemeindewald. Der Staat ist ganz ohne Waldeigentum. Der Private hat keine besonderen Verpflichtungen gegen das holzbedürftige Publikum. Kein Gesetz beengt seinen freien Willen; er verfügt daher je nach Laune oder Zufälligkeit über seinen Wald.»
Die Appenzellische Gemeinnützige Gesellschaft gelangte wiederholt mit Vorstössen für eine bessere Forstkultur an die Ausserrhoder Regierung. Dies führte zusammen mit dem Bericht Keel zur Wende. 1861 bewilligte der Grosse Rat den Betrag von 50 000 Franken für den Kauf von Waldboden und setzte dazu eine Forstkommission ein. 1862 wurden am Rütiberg in Schwellbrunn zwei Weiden erworben und zu Wald aufgeforstet. Weitere Landkäufe folgten, langsam stellte sich der Erfolg ein. Von 1859 bis 1908 stieg die Gesamtwaldfläche von 3935 auf 5582 Hektaren, wovon 112 Hektaren nun dem Staat gehörten. Die Waldfläche im Kanton hat sich in den letzten 150 Jahren verdoppelt! Heute umfasst der Staatswald 383 Hektaren oder 5 % von total 76,6 km2. Noch rund 67 % sind privat.
Der Plan vom Unteren Teufenberg besticht mit seiner Detailtreue und sorgfältigen Ausführung. Er lässt sich ohne weiteres mit der modernen amtlichen Vermessung vergleichen. Der Plan zeugt vom hohen kartographischen Können des wohl an der Forstschule des Polytechnikums (ETH) in Zürich ausgebildeten Bezirksförsters Jacob Hagmann in Lichtensteig. Er ist zugleich ein einzigartiges Dokument zur Waldentwicklung der letzten 150 Jahre. 1899 wurde der südliche Teil der Fläche als «abgeholztes Stück Waldes am Teufenberg» vom Staat erworben. Wenig später kam die im Plan identifizierbare Parzelle der Witwe Ehrbar hinzu. Der neue Besitz wurde aufgeforstet und wird bis heute als Staatswald Teufenberg vom Oberforstamt bewirtschaftet. Die Waldfläche im Perimeter des Planes hat sich von 11 Hektaren im Jahre 1874 auf heute 14 Hektaren vergrössert. Auch das ist ein Erfolgsausweis der 1861 eingeleiteten Massnahmen zur Verbesserung der Forstkultur in Ausserrhoden.
Autor: Heinz Nigg, Herisau
Literatur:
Amtsblatt des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Herisau 1861, S. 106f.
Frankenhauser, H: Die Waldwirtschaft von Appenzell A.Rh.. In: Statistik von Appenzell Ausserrhoden. Bern 1908, S. 479.
Keel, Johann Josef: Bericht über die forstlichen Zustände im Kanton Appenzell A.Rh.. [S.l.] 1859.
Oberforstamt Appenzell Ausserrhoden (Hrsg.): Der Wald in Appenzell Ausserrhoden – Zahlen und Fakten. Herisau 2011, S. 12.
Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen. Jg. 20, Nr. 6 (1869), S. 106.
StAAR, D.077 Oberforstamt.
Witschi, Peter: Zivilisation und Waldveränderung im Appenzellerland. In: Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen. Jg. 145, Nr. 8 (1994), S. 627–638.
Tags:
Ähnliche Themen: