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Schimpanse
Pan troglodytes
© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion
und in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)
Vom Schimpansen (Pan troglodytes), der im westlichen und zentralen Afrika zu Hause ist, können wir viel über die Naturgeschichte unserer Urahnen lernen. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist der Schimpanse anatomisch, biochemisch und physiologisch gesehen von allen Affen und somit von sämtlichen Tieren am nächsten mit dem Menschen verwandt. Zum anderen ist er ein ökologisch besonders vielseitiger Affe: Er kommt in Regenwäldern ebenso vor wie in offenen Savannengebieten. Vermutlich lebten auch unsere frühesten Vorfahren in den Savannen Afrikas. Darum wohl zeigt das Verhalten der Schimpansen viele, zum Teil verblüffende Parallelen zu menschlichen Verhaltensweisen, so zum Beispiel den Gebrauch von «Werkzeugen» beim Nahrungserwerb und die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen benachbarten Männchentrupps.
In ihrer Heimat leben die Schimpansen in lockeren Gemeinschaften von zumeist 20 bis 60 Tieren beiderlei Geschlechts und aller Altersklassen. Selten oder nie halten sich jedoch alle Mitglieder einer Gemeinschaft beisammen auf. Zumeist streifen sie einzeln oder in kleinen Trupps, deren Zusammensetzung immer wieder ändert, im zehn bis fünfzig Quadratkilometer grossen Revier ihres «Clans» umher.
Enge Familienbande halten die Schimpansengemeinschaften zusammen: Männchen wie Weibchen pflegen nämlich auch noch als Erwachsene Kontakt mit ihrer Mutter sowie ihren Brüdern, Schwestern und Tanten. Normalerweise geht es deshalb in einer Schimpansengemeinschaft sehr friedlich zu. Die Weibchen verstehen einander überaus gut und hüten sich oft gegenseitig ihre Jungen. Und selbst die ranghohen Männchen haben ein ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis untereinander.
Mit Gesten und Bewegungen verständigen sich die Schimpansen untereinander oft auf eine Weise, die uns Menschen sehr vertraut vorkommt. Ausserdem verfügen sie über eine «Sprache» mit einem breiten Spektrum unterschiedlichster Laute.
Erwachsene Schimpansenmännchen sind deutlich grösser als erwachsene Weibchen: Sie können aufgerichtet bis 170 Zentimeter hoch werden und wiegen in freier Wildbahn ungefähr 50 Kilogramm, während erwachsene Weibchen höchstens 130 Zentimeter messen und um 40 Kilogramm wiegen. Ältere Männchen tragen oft einen weissen Bart und haben eine kahle Stirn, die ein bisschen an eine menschliche Glatze erinnert. Sehr junge Tiere besitzen hingegen richtige «Lausbubengesichter», mit heller Gesichtshaut, die später nachdunkelt.
Hauptsächlich ernähren sich die Schimpansen von reifen Früchten. Daneben verzehren sie junge Blätter, Knospen, Samen, Blüten, Rinde und andere Pflanzenteile, die sie in ihrem Lebensgebiet finden. Ausserdem nehmen sie regelmässig Termiten, Raupen und andere Insekten zu sich, und hin und wieder gelingt es den erwachsenen Männchen auch, kleinere Säugetiere wie Affen, Schweine und Ducker zu erlegen, von denen dann alle Mitglieder der Gemeinschaft etwas abbekommen.
Schimpansen fand man ursprünglich in weiten Teilen Afrikas - von Senegal im Westen bis Tansania im Osten. Heute ist die Art in mehreren afrikanischen Ländern vollständig ausgestorben; der Gesamtbestand hat massiv abgenommen und ist weiterhin rückläufig.
Jagd und Fang durch den Menschen sind ein Hauptgrund für diese beunruhigende Situation. Erfreulicherweise haben aber wirksame Handelsbeschränkungen auf internationaler Ebene, gute Zuchtergebnisse in den zoologischen Gärten sowie eine verbesserte Durchsetzung von Naturschutz- und Jagdgesetzen in den Ursprungsländern dazu geführt, dass den Schimpansen heute keine übermässige Gefahr mehr hierdurch droht.
Dafür macht ihnen mehr und mehr die rasch voranschreitende Zerstörung ihrer Lebensräume zu schaffen. Überall in Afrika wächst die menschliche Bevölkerung schnell, was zu einem enormen Erschliessungsdruck auf die letzten Wälder und Savannen führt. Zusätzlich beschleunigt wird dieser fatale Prozess durch die Nachfrage der westlichen Welt nach Edelhölzern für alle möglichen und unmöglichen Verwendungszwecke.
Soll der nächste Verwandte des Menschen überleben, so gilt es, möglichst grosse Teile der noch verbleibenden intakten Regenwälder und unberührten Savannen als Reservate und Nationalparks auszuweisen und so vor der Zerstörung durch den Menschen zu retten. Schimpansen findet man heute immerhin schon in über zehn grossräumigen Schutzgebieten. Weitere müssen unbedingt hinzukommen.
Schimpanse
Pan troglodytes
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Herrentiere
Familie: Menschenaffen
Körpermasse
Kopfrumpflänge: 65-95 cm
Erwachsenengewicht: 35-55 kg
Geburtsgewicht: 1,5-2 kg
Fortpflanzung
Jungenzahl: 1 (selten 2) je Geburt
Tragdauer: 7 Monate
Höchstalter: ca. 50 Jahre
Bestandssituation
Bestand: ca. 150 000
Rote Liste: «gefährdet»
CITES: Anhang I
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