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Arno Camenisch, 1978 im bündnerischen Tavanasa geboren, ist deutsch und rätoromanisch sprechend aufgewachsen. Sein Roman «Sez Ner» erschien in beiden Sprachen. In «Hinter dem Bahnhof» schreibt er deutsch. Doch die Sätze, mit denen er das Dorfleben in einem engen Tal beschreibt, kocht er mit bündnerischen und rätoromanischen Wörtern auf.
Wir spazieren mit dem kindlichen Ich-Erzähler und seinem Bruder durch das Dorf, wir schneiden die Curva zum Bahnhof, wo die Soldaten die Cofferrums öffnen, Coffer und Teschas rausholen – und die Gewehre. Dann sitzen wir im Restorant Helvezia und lernen Marina kennen.
Im Dorf hat es unter anderem acht Heustalls, eine Autogarascha, eine Töffgarascha, die Poscht, die Halla und die Buda vom Tat, eine Telefoncabina, einen Kiosk, vier Abfallconteiners und sechzehn Cüalschrancs. Überall dürfen wir rein und lernen sie kennen: Die Mutter schimpft, weil die Weschmaschina caput ist; der Giacasep verkauft Schrubazihers, Bormaschinas, Mars und Glacés und ist ein Wetterstudiosi; Gion Bi, der Dorfpoet, wohnt im Usego und hat Antenna auf dem Kopf; und Silvana sitzt überm Restorant in der Badvanna.
Und «als wir angelangt sind am anderen Dorfrand, gehen wir nochmals durchs Dorf und zählen die Leute, die im Dorf wohnen. Nicht zählen dürfen wir die Marionna vom Dorfladen, die nicht im Dorf wohnt, und auch nicht den Tonimaissen, der am Bahnhofschalter steht, aber auch nicht im Dorf wohnt. Es hat einundvierzig oder zweiundvierzig Einwohner. Wir wissen nicht, ob der Toni Blutt ein Mensch ist oder zwei. Das müssen wir noch herausfinden.»
Camenisch schreibt das alles so farruct hinterlistig auf, dass wir das Leben mit all der Carambolascha im Dorf haarscharf sehen, unmittelbar riechen und glasklar hören. Die Capella geht in Formaziun auf dem Parcplatz. Silvana hat die rote Regenjacca an, und die Leute aus dem Dorf stehen um das Grab. Tancavilmol!