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Vorbemerkung: Das Interesse an «How Music Works»
Ich interessiere mich sehr für Musik. Ich habe auch ein paar Freunde aus der Musikbranche. Der eine ist ein DJ und zudem noch Produzent. Der andere schreibt Musik, unter anderem für Werbespots sowie Filme, und hat ein Familiengeschäft daraus gemacht, alle in der Familie machen mit: Der ältere Bruder sorgt für neue, fruchtbare Bekanntschaften bzw. potentielle Auftraggeber, die jüngere Schwester singt und schreibt Texte für Lieder, und er selber bildet den Kern des Betriebs, indem er Musik komponiert. Beide Freunde besitzen je ein Studio, der zweite hat es mit diversen Musikinstrumenten wie verschiedene Arten von Gitarren ausgestattet. Inspiriert durch die Kreativität meiner zwei Kollegen, habe ich selber eine Zeit lang als DJ aufgelegt. Aufgrund meiner Liebe für die Musik habe ich das Modul «How Music Works» gebucht.
Einleitung
Für unsere letzte schriftliche Arbeit habe ich mich entschieden, einen von diesen zwei Freunden zu gewissen Ansätzen aus dem Kapitel «In the Recording Studio» zu befragen. Hauptsächlich aus zeitlichen Gründen hat sich Robert Jan Meyer, DJ und Produzent, für ein kurzes Interview mit mir bereit erklärt. In den letzten paar Jahren legt er immer öfters an Hochzeiten auf und nimmt ab und zu Freunde als Begleitung mit. Letzthin hat er mich wieder einmal angefragt, ob ich an eine Hochzeit in Meggen, in der Nähe von Luzern, mitkommen mag, worauf ich mit „ja“ geantwortet habe, denn ich habe sofort auch an die wunderbare Möglichkeit für das Gespräch gedacht, sodass man das Vergnügen mit der Arbeit verbinden kann. Die Hochzeit fand in einer wunderschönen Villa mit einer herrlichen Aussicht auf den See statt. Vor der festlichen Mahlzeit habe ich tatsächlich die Zeit genutzt, um Robert Meyers Meinung zu bestimmten Ansichten von Byrne zu erfahren. Nun gehe ich auf das Verfahren ein – ich bin folgenderweise vorgegangen: Ich habe vier Textpassagen aus dem Buchkapitel «In the Recording Studio» ausgesucht, sie kurz vorgestellt und ihn nach seiner Sichtweise betreffend Byrnes Thesen gefragt.
Musikstudio
Ganz zu Beginn schreibt Byrne, dass zu dieser Zeit, als er ins Musikgeschäft einstieg, es üblich war, dass man Lieder aufnahm, indem man jedes einzelne Instrument auf je eine Bandspur aufnahm („multitrack recording“). Dies geschah in einem dafür spezialisierten Musikstudio, das mit einer dicken Tür, viel Holz und mit einer umfangreichen, musikalischen Apparatur ausgestattet war. Die Band spielte zunächst in einem Zimmer, danach hörte sie sich die Aufnahmen in einem anderen Zimmer an. Byrne meint jedoch, dass diese Ära nun zu Ende geht.1 Meyer sagt, dass Byrne in dieser Hinsicht Recht habe, denn das Aufnehmen von Musik gilt als Sache der Technologie, die sich mit der Zeit verändert hat: Früher war es schwierig und teuer, viele Spuren aufzunehmen, heute geschieht dies digital, demzufolge kann man mehrere Spuren problemlos aufnehmen. Dies stellt vor allem einen Unterschied dar. Aber das Verfahren ist im Prinzip immer noch gleich wie damals, jedoch erfolgt es mithilfe einer neuen Technologie: eine Band spielt, sie wird aufgenommen, wobei es nicht darauf ankommt, ob digital oder analog, und anschliessend werden die Aufnahmen abgehört. Dabei differenziert Meyer Musik in zwei Richtungen: Band-Musik und eine elektronisch hergestellte Musik, die nicht in Echtzeit aufgenommen werden muss. Es kann somit sein, dass jemand die Musik aufnimmt, eine andere Person spielt sie elektronisch ein, in diesem Fall ist die Rede von einem Projektstudio. Mit dem Internet ergeben sich wiederum auch viele neue Möglichkeiten, wie zum Beispiel, dass zwei Künstler, einer von Amerika aus, ein anderer von der Schweiz aus, die Musik in Echtzeit zusammen aufnehmen können.
Bezüglich der Ausstattung des Studios meint Meyer, dass Attribute wie dicke Tür, Holz, auch wenn nicht ganz so optimal, immer noch aktuell sind bzw. die Gesetze der Physik sind heutzutage immer noch gleich. Die alten musikalischen Geräte der 50er-, 60er-, 70er-Jahre sind ebenfalls immer noch gesucht und begehrt. Sie sind auch immer noch so teuer, auch wenn es digitale Simulationen von diesen Geräten gibt, die zwar das Gleiche wie in einem grossen Studio reproduzieren, aber eben digital auf dem Computer, dementsprechend sind sie viel günstiger, „aber fast so gut wie die Originale“, so Meyer.
«Finanzen singen Romanzen»2
Byrne meint, dass Finanzen, vor allem die, die von den Aufnahmetechnologien diktiert wurden, die Musik beeinflussten. Begrenzte Finanzen fördern ihrerseits Kreativität und dies sei gut, so Byrne. Damals mussten die Entscheidungen, ob zum Beispiel die Musik gut gespielt wurde, schnell getroffen werden, Verzögerungen kosteten wiederum Zeit, dementsprechend Geld. Somit haben die Finanzen zwar keine direkte Wirkung auf die Melodie, Texte oder Harmonie, dafür aber auf die Klangqualität.3 Robert Meyer meint dazu, dass die Digitalisierung den grössten Wandel gebracht hat, denn früher kostete eine Aufnahme mehrere Tausend Franken, es brauchte also hohe Vorschüsse, und durch die Digitalisierung sind die Kosten extrem gesunken. Heute hat ein Bedroom-Producer wie Martin Garrix, der quasi nur einen Lap-Top hat, minimale Produktionskosten, die nicht ein paar Hundert Franken übersteigen. Im Gegensatz dazu investiere Madonna viel mehr Geld in die Produktion, sie stelle nämlich viele Personen ein, damit ihre Stücke überhaupt gut klingen, so Meyer. Wer also heute eine gute Musik-Idee hat, könne schon mit wenig Geld eine Top-Produktion machen. Daraufhin kommt Meyer auf Punk- und Rock’n’Roll-Musik zu sprechen, diese Musik wurde seiner Meinung nach auf eine schnelle, günstige, aber auch unperfekte Weise produziert, dies stelle auch die Idee hinter dieser Musik dar. Geld sei somit kein entscheidender Faktor, man müsse es schon in die Produktion investieren, damit die Qualität auch stimme. Anschliessend sagt Meyer, dass David Guetta zum Beispiel mehr Geld ausgebe als jetzt Meyer selber, aber Guetta sei auch ein Weltklassen-DJ, bei dem müsse die Qualität gut sein. Die Idee sei aber viel wichtiger als das Geld, zieht Meyer als Schlussfolgerung. Dies illustriert er an einem aktuellen Beispiel: Die neuen, jungen Künstler wie Robin Schulz machen ihre Lieder auf eine einfache, laienhafte Art, ohne hohe Kosten und stürmen damit die Hitparaden, so Meyer.
Remixes
In einem weiteren Abschnitt erwähnt Byrne die 80er-Jahre und die Clubmusik, es war die Zeit der innovativen Mischung und Entwicklungen in der Pop-Musik. Er wollte damals, dass seine Lieder auch in den Clubs gespielt werden, weil es für die Künstler quasi als eine Art von Bestätigung galt. DJs nutzten somit die Lieder der anderen Künstler und machten etwas Eigenes daraus.4 Meyer meint dazu, dass in den 80ern die DJs aufkamen und dass Vorreiter wie Ben Liebrand „tanzbare Editions“ von den Stücken machten. Im Vergleich zu heute war es jedoch eher ein Auftrag von den Künstlern an die Remixes-Macher, es brauchte folglich ein Einverständnis seitens der Künstler. Heutzutage nehmen die jungen Remixer die Lieder, ohne um Erlaubnis bei den Künstlern zu fragen, „tun den Beat drunter“, sodass die Stücke für die Clubs geeignet sind, und laden sie auf «Soundcloud» hoch und haben vielleicht sogar Erfolg damit, so Meyer. Seine eigenen Lieder werden auch immer wieder zum Beispiel im Radio gespielt, worüber er sich dann auch freut.
Neue Technologien
In den 90er-Jahren erlaubten die neuen Technologien den Musikern von zuhause aus professionelle Aufnahmen zu machen. Infolgedessen meint Byrne, dass das Verlangen nach einem teuren klassischen Studio beginnt, überflüssig zu sein.5 Mit der technischen Entwicklung sparen die Künstler heutzutage die Produktionskosten. Der Vorteil dieser Tendenz zeigt sich in der Demokratisierung der Musikbranche, es kommen also immer wieder neue Sachen raus, der Nachteil dieser Entwicklung liegt darin, dass die Quantität nicht immer die geforderte Qualität erfüllt, so Meyer. Eine gute Musik zu machen erwies sich schon immer als schwierig, und mit den neuen Technologien ist es auch nicht anders. Die Technik hat in dem Sinne zwar einen Einfluss auf die Aufnahmequalität, jedoch keine Auswirkung auf die künstlerische Qualität.
Ausserdem teilt Meyer Byrnes Ansicht betreffend die klassischen Studios nicht: Wenn man «Oldschool-Sound» macht, wie dies bei Amy Winehouse der Fall war, ist man immer noch auf die guten Studios angewiesen. Anschliessend erwähnt Meyer «Abbey Road Studios», die immer noch unerreicht sind: „Wenn man diese Soundästhetik haben will, ist es immer noch am besten, in einem klassischen Tonstudio aufzunehmen“, so Meyer. Die modernen Bands begehren immer noch die alten, klassischen Studios. Die Technologie werde zwar günstiger und raffinierter, aber nicht unbedingt besser, präzisiert er. Er fügt hinzu, dass in den 70er-Jahren die Hörqualität dank den Kassettengeräten, Plattenspielern und grossen Boxen viel besser war im Vergleich zur Gegenwart, 90% der Menschen hören sich heutzutage die Musik mithilfe eines Smart-Phones oder eines Lap-Tops an, und dies sei keine gute Qualität. Daraufhin bezieht er sich auf die Röhrenerfindung der 50er-Jahre: Die Röhrentechnologie für Verstärker sei immer noch der digitalen Technologie überlegen, Röhren galten mit dem Aufkommen der Transistoren als veraltet, aber wenn man das Neuste und das Teuerste kauft, ist man wiederum auf dem guten Weg, weil die Röhren wieder darin vorhanden sind.
Schlusswort
Im Grossen und Ganzen stimmt Meyer Byrne eher zu, auch wenn er meint, dass Byrne in gewissen Ansichten zu voreilig sei, wenn er zum Beispiel sagt, dass die Studios im klassischen Sinne dank den neuen Technologien als überflüssig gelten können. In der Hinsicht, dass die neuen Technologien einen grossen Wandel in der Musikbranche ausgelöst haben, decken sich die Sichtweisen von Meyer und Byrne. Dank den neuen technischen Möglichkeiten rücken die Finanzen bzw. Produktionskosten eher in den Hintergrund, und die künstlerische Kreativität wird dafür gefördert bzw. in den Vordergrund gestellt.
Notes:
- Byrne, David. In the Recording Studio. In: How Music Works. Great Britain: Canongate Books Ltd, 2012: 145. ↩
- Strophe aus einem Lied von A. Bujnov ↩
- Byrne, David. In the Recording Studio. In: How Music Works. Great Britain: Canongate Books Ltd, 2012: 152-153. ↩
- Byrne, David. In the Recording Studio. In: How Music Works. Great Britain: Canongate Books Ltd, 2012: 159. ↩
- Byrne, David. In the Recording Studio. In: How Music Works. Great Britain: Canongate Books Ltd, 2012: 179-180. ↩