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Ernst Georg Rüegg wächst in Mailand auf und beginnt anschliessend eine kaufmännische Lehre im Zürcher Seidenhaus Landolt. Zwei Jahre später besucht er die Kunstgewerbeschule in Zürich und absolviert in der Folge einige Semester an der Kunstakademie in Dresden. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit engagiert er sich zudem beruflich in diversen Kunstinstitutionen, beispielsweise als Vorstandsmitglied der Zürcher Kunstgesellschaft und als Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Zürich. In seiner Kunst beschäftigt sich Rüegg mit Landschaften, Porträts und Stillleben, und nach 1915 weisen seine Werke auch allegorische Bildinhalte auf. Im Jahre 1940 setzt sein thematisch und farblich düsteres Spätwerk ein. Bekannt wird Rüegg in den 1930er Jahren mit seinen Landschaftsbildern und diversen Wandbildern, die ihm von offiziellen Institutionen in Auftrag gegeben werden.
Seine Skizzenbücher enthalten hauptsächlich Landschafts- und Tierstudien sowie Porträtskizzen. Rüegg verfasste und publizierte auch viele Gedichte und weitere Texte und illustrierte diese zum Teil eigenhändig. Rüegg führte etliche Auftragsarbeiten aus, beispielsweise für die Kantonalbank Herisau oder Monumentalgemälde für die Landesausstellung in Zürich 1939. Auch bemalte und dekorierte er Puppen für ein Marionetten-Theater. Nebst Schriftstücken zu grossen Aufträgen von öffentlichen Institutionen sammeln sich in dem Nachlass Dokumente zu kleineren und persönlichen Kommissionen wie etwa Geburtstagseinladungen. Etliche Zeitungsartikel und persönliche Briefe verweisen auf die Rezeption des Künstlers zu seinen Lebzeiten und vermitteln einen Einblick in das damalige Mäzenatentum. So finden sich im Bestand auch einige Briefe der Winterthurer Kunstsammlerin Hedy Hahnloser an Ernst Georg Rüegg. In den Briefen aus dem Spätsommer 1919 beschreibt Hahnloser ihre ersten Begegnungen mit dem Schaffen Rüeggs und bekräftigt ihre Unterstützung des Künstlers als Sammlerin seiner Werke. In einem Brief der Architekten Gebrüder Pfister, Zürich, aus dem Jahr 1912 wird beschrieben, dass ein Auftrag des Lebensmittelvereins Zürich für eine Wandmalerei im St. Annahof, der ursprünglich an Rüegg vergeben worden war, schliesslich aber an Ferdinand Hodler ging. Der Entwurf Hodlers wurde allerdings nie ausgeführt. Dies verweist darauf, dass Rüegg, auch wenn er zu seiner Zeit recht gefragt war, nicht mit den bekanntesten Künstlern seiner Zeit konkurrieren konnte.
Der Teilnachlass befindet sich seit 1985 im Schweizerischen Kunstarchiv und deckt in etwa den Zeitraum zwischen 1898 und 1973 ab. Der Schwerpunkt des Bestands liegt auf den vielen Skizzenbüchern und schriftlichen Veröffentlichungen Rüeggs sowie auch auf fotografischen Studien und persönlichen Dokumenten wie Korrespondenzen, Studienmaterial oder Zeitungsartikeln. Die Diversität des Dokumentationsmaterials verweist auf das vielfältige Engagement Rüeggs in der Kunstszene seiner Zeit.
Signatur
SIK-ISEA, HNA 43
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Vivienne Heinzelmann, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl der Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 13.04.2022