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Kurzbeschrieb
Der Bündner Standard ist ein umfassendes, praxiserprobtes Instrument zur strukturierten Erfassung und zur professionellen Bearbeitung von Grenzverletzungen im organisierten Kontext. Mit der Umsetzung von zehn Bausteinen (Kernelementen) steht ein umfassendes, differenziertes und dennoch einfach anzuwendendes Konzept zur Verfügung, welches präventiv wirkt und allen Beteiligten Orientierung und Handlungssicherheit vermittelt.
Visionen
Der Bündner Standard verfolgt folgende Visionen:
- Schutz der Integrität aller Personen, die im institutionellen und organisierten Kontext aufeinandertreffen.
- Minimierung der Gefahr von Überschreitungen von Grenzen und den daraus resultierenden belastenden Folgen.
- Gewährleistung einer sicheren Handhabung bei Grenzverletzungen.
- Professionelle Bearbeitung von Vorfällen, die Grenzüberschreitungen betreffen.
Was sind Grenzverletzungen?
Grenzverletzungen sind Verletzungen der Integrität von anderen oder bei selbstverletzenden Verhaltensweisen der eigenen Integrität. Sie zeigen sich in Form von physischen, psychischen, sexualisierten, materiellen oder strukturellen Grenzverletzungen. Diese können absichtlich oder unabsichtlich aufgrund eines unterschiedlichen Entwicklungsstands, aus Unkenntnis, Nichtbeachten von Verhaltensregeln, unterschiedlichem Empfinden von Nähe und Distanz oder einer psychischen Störung in Bezug auf den Umgang mit Macht oder pädosexuellen Neigungen geschehen. Sie sind je nach Schwergrad und Konstellation strafrechtlich relevant.
Bündner Standard zur Prävention & Vermeidung von Grenzverletzungen
Mit der Einführung des Bündner Standards werden gleichzeitig präventive Massnahmen zur Vermeidung von Grenzverletzungen thematisiert und implementiert.
Einsatzmöglichkeiten des Bündner Standards
Der Bündner Standard stellt Instrumente zur Verfügung, die dem Ziel dienen, Grenzverletzungen zu erfassen, einzustufen, einem professionellen Bearbeitungsprozess zuzuführen und diese für alle involvierten Personen und Gremien in sinnvoller Weise transparent zu machen. Er ersetzt weder Institutions- bzw. Organisationsstrukturen noch Konzepte und Abläufe oder die Fachlichkeit von Mitarbeitenden. Vielmehr ergänzt der Bündner Standard diese bei Fällen von Grenzverletzungen.
Der Bündner Standard kann überall dort eingesetzt werden, wo sich Menschen in freiwillig oder unfreiwillig organisierter Form zusammenfinden und eine Hierarchie aufgrund eines Machtgefälles bzw. einer Schutzbedürftigkeit besteht.
Die Anwendungsmöglichkeiten umfassen ebenso Bereiche der Laien- und Freiwilligenarbeit wie sie in Verbänden, Vereinen, Kirchen und diversen Treffs stattfinden. Sowohl in der semiprofessionellen als auch in der professionellen Arbeit wie bei der familienergänzenden Betreuung, in Kinder und Jugendeinrichtungen, in Institutionen für Erwachsene mit Behinderungen, in Beratungseinrichtungen etc. ist der Einsatz möglich. Ursprünglich entwickelt wurde das Instrument «Bündner Standard» in erster Linie für den Bereich Kinder- und Jugendinstitutionen. Herausgeber war bis im Herbst 2022 der Bündner Spital- und Heimverband. Die im September 2022 neu gegründete Stiftung Bündner Standard wurde unter anderem zwecks spezifischer Weiterentwicklung für verschiedene neue Zielgruppen wie die Regelschule, Sportvereine, Altersheime, Institutionen für erwachsene Menschen mit Beeinträchtigung usw. errichtet.