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| Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)

Erstes Buch
18.
Wir könnten ihn da auffordern, dass er Bücher mit Büchern vergleiche, und zu ihm sagen: Bringe doch, mein Bester, uns die Gedichte "des Linos, Musaios und Orpheus", bring uns die Schrift des Pherekydes her und prüfe sie zusammen mit den Gesetzen des Moses, indem du Geschichten mit Geschichten und Sittenlehren mit Gesetzen und Anordnungen vergleichst, und dann sieh zu, welche nicht imstande sind, die Hörer ohne weiteres zu bessern, und welche davon etwa den Zuhörer verderben können, dann erwäge, dass die Schar deiner Schriftsteller um die Leute wenig besorgt gewesen ist, die ohne Vorbereitung auf ihre Schriften stoßen würden, sondern "allein für die zur geistigen und bildlichen Deutung Befähigten ihre eigene Philosophie",- wie du sagst- "verfaßt hat". Moses dagegen ist in seinen fünf Büchern ähnlich verfahren wie ein trefflicher Redner, der die Form der Darstellung erwägt und überall den Doppelsinn des Ausdrucks mit Bedacht anwendet; er hat weder der großen Mehrheit der Juden, welche die Gesetze erhielten, Veranlassung zu einer Schädigung im Bereiche der Sittlichkeit gegeben, noch eine Schrift ohne einen des Nachdenkens würdigen Inhalt der gebildeten Minderzahl der Leser, welche den Sinn derselben zu erforschen vermag, in die Hand gelegt. Und von deinen weisen Dichtern sind, wie es scheint, nicht einmal ihre Schriften mehr erhalten; sicherlich aber hätte man sie aufbewahrt, wenn der Leser Nutzen davon verspürt hätte. Die Schriften des Moses dagegen haben viele und darunter auch solche, die eine von der jüdischen abweichende Erziehung empfangen hatten, zu dem Glauben gebracht, dass, wie die Schrift berichtet, Gott, der Schöpfer der Welt, es war, der zuerst diese Gesetze aufgestellt und dem Moses übergeben hat. Es ziemte sich auch in der Tat, dass der Schöpfer des Weltalls, der der ganzen Welt Gesetze gegeben, seinen Worten auch eine Kraft verlieh, welche ihnen überall Geltung zu verschaffen vermochte. Und dies sage ich, indem ich die Untersuchung noch nicht auf Jesus ausdehne, sondern noch zeige, dass Moses, der tief unter dem Herrn steht, doch, wie die Vernunft erweisen wird, deine weisen Dichter und Philosophen bei weitem übertrifft.