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Gab es eine Explosion an Bord des abgestürzten Egypt-Air-Flugs MS804? Ägyptische Ermittler dementieren eine solche Meldung. Wie ist der Stand der Untersuchung?
Mit 66 Menschen an Bord stürzte am Donnerstag der Egypt-Air-Flug MS804 auf dem Weg von Paris nach Kairo über dem östlichen Mittelmeer ab. Die Ursache ist bislang unklar.
Jetzt sorgte eine unbestätigte Meldung für Verwirrung, wonach sich an Bord der Maschine eine Explosion ereignet haben soll. Zuletzt hatte es geheissen, dass unmittelbar vor dem Absturz Rauchalarm ausgelöst wurde. Wie ist der Stand der Ermittlungen?
Für Aufregung sorgte eine Meldung der Nachrichtenagentur AP am Dienstag: Demnach lässt eine erste Untersuchung der menschlichen Überreste, die an der Absturzstelle gefunden wurden, angeblich darauf schliessen, dass es vor dem Absturz zu einer Explosion gekommen ist. Diese könne das Unglück verursacht haben, vermutet ein namentlich nicht genannter ägyptischer Gerichtsmediziner, der dem Ermittlerteam angehören soll, das in Kairo die Leichenteile analysiert.
Der Forensiker habe der AP gesagt, alle 80 bisher nach Kairo transferierten Überreste seien auffällig klein. «Es gibt nicht ein einziges intaktes Körperteil, wie einen Arm oder einen Kopf», wird er zitiert. Mindestens ein Leichenteil zeige Verbrennungsspuren. Die logische Erklärung sei, dass sich eine Explosion ereignet haben muss. Der Leiter der ägyptischen Forensikgruppe dementierte die Meldung umgehend: «Alles, was in dieser Sache veröffentlicht wurde, ist vollkommen falsch», heisst es in einer Stellungnahme von Hesham Abdelhamid. Es handele sich um Spekulationen, die nicht von den forensischen Behörden stammten.
Die Regierungen Frankreichs und Ägyptens haben seit dem Verschwinden der Maschine mehrfach darauf hingewiesen, dass keine Absturzursache ausgeschlossen werden kann – auch ein Terroranschlag nicht.
Die für eine Aufklärung der Absturzursache wichtigen Flugschreiber und Stimmenrekorder wurden bisher nicht gefunden. Die sogenannten Black Boxes senden 30 Tage lang im Sekundentakt Signale aus. Werden sie innerhalb dieses Zeitraums nicht gefunden, wird es sehr schwer, die Unglücksursache zu ermitteln. Sollten Flugschreiber und Stimmenrekorder auftauchen, obliegt es den ägyptischen Behörden, sie auszuwerten. Nur wenn sie beschädigt seien, werde man sich an ausländische Experten wenden, sagte der ägyptische Ermittler Hani Galal.
Am Freitag hatte das ägyptische Militär die ersten Trümmerteile rund 290 Kilometer vor der ägyptischen Küste geortet. Dort wird derzeit mit Unterstützung französischer Experten weiter nach Wrackteilen gesucht. Die Aktion gestaltet sich schwierig, da das Suchgebiet mehr als 74 Quadratkilometer gross und das Meer an manchen Stellen bis zu 3000 Meter tief ist.
Die 80 bisher gefundenen Leichenteile werden in einem rechtsmedizinischen Institut in Kairo analysiert. Hier finden auch die DNA-Untersuchungen statt, um möglichst schnell die Absturzopfer zu identifizieren.
Der Egypt-Air-Flug war kurz nach Eintritt in den ägyptischen Luftraum vom Radar verschwunden. An Bord waren zehn Besatzungsmitglieder und 56 Passagiere, darunter 30 Ägypter und 15 Franzosen. Schweizer sassen nicht in dem abgestürzten Flugzeug.
Das ägyptische Ermittlerteam ist dem zivilen Luftfahrtministerium unterstellt. Auch drei Vertreter der französischen Luftfahrtbehörde BEA sind in Begleitung eines Airbus-Spezialisten nach Kairo gekommen.
Die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft hat Frankreich und Griechenland gebeten, sämtliche Daten zu dem Absturz zur Verfügung zu stellen. Gemeint sind unter anderem Dokumente, Audio- und Videoaufnahmen, die auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle entstanden sind.
Die griechischen Behörden wurden gebeten, Protokolle der Gespräche zwischen dem Cockpit und der Flugsicherung bereitzustellen. Den ägyptischen Ermittlern zufolge wurde kein Notruf abgesetzt, bevor das Flugzeug vom Radar verschwand.
Griechische Ermittler erklärten, die Flugsicherung habe mit dem Piloten gesprochen, nachdem MS804 den griechischen Luftraum erreicht hatte. Er habe heiter geklungen und sich auf Griechisch bedankt. Als sie versucht hätten, den Piloten erneut zu erreichen, um ihn an die ägyptische Flugsicherung weiterzuleiten, hätten sie keine Antwort mehr erhalten. Dann sei das Flugzeug vom Radar verschwunden.
Die französische BEA hatte erklärt, das satellitengestützte Kommunikationssystem Acars (Aircraft Communications Addressing and Reporting System) habe kurz vor dem Verschwinden des Airbus 320 eine Reihe von Warnmeldungen verschickt, die auf Rauchentwicklung an Bord hindeuteten. Die Ursache der Rauchentwicklung in Toilette und Cockpit ist aber unklar.
Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos hatte bereits einen Tag nach dem Absturz unter Berufung auf Radardaten erklärt, das Flugzeug sei um 2.37 Uhr auf 11'277 Meter Höhe im ägyptischen Flugraum unterwegs gewesen, als es ins Taumeln geriet. Die Maschine habe eine Drehung von 90 Grad nach links und eine weitere von 360 Grad nach rechts vollzogen. Dann sei sie auf eine Höhe von 15'000 Fuss (rund 4570 Meter) abgesackt und kurz darauf vom Radar verschwunden.
Diese Version des Geschehens wurde von den ägyptischen Behörden offiziell nicht bestätigt. «Wir haben kein plötzliches Abweichen vom Kurs aufgezeichnet», sagte der Leiter der nationalen Flugbehörde, Ehab Mohieeldin, dem Privatsender CBC am Montagabend. Die ägyptischen Behörden hätten den Airbus 320 etwa eine Minute auf dem Radar gehabt, bevor er verschwand, ergänzte er. Es habe keinen Funkkontakt gegeben.
ala/AP/Reuters