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Bolivien
Bolivien, benannt nach dem Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar, ist ein Binnenstaat in Südamerika, der an die fünf Nachbarstaaten Paraguay, Argentinien, Peru, Chile und Brasilien grenzt. Mit einer Fläche von 1’098’581 Quadratkilometern gehört es zu den grössten Ländern der Welt, ist mit 11,8 Mio. Einwohnerinnen und Einwohnern jedoch das am dünnsten besiedelte Land Lateinamerikas. Seine ethnische und kulturelle Vielfalt kommt in der offiziellen Bezeichnung Plurinationaler Staat Bolivien zum Ausdruck.
Die Wirtschaft Boliviens hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Dennoch lebten im Jahr 2018 4,5 Prozent der Bevölkerung unterhalb der absoluten Armutsschwelle von 1.90 US-Dollar pro Tag. 34,6 Prozent der Bevölkerung in Armut, das heisst unter 5.50 USD am Tag. Bolivien liegt auf Rang 32 der ärmsten Länder weltweit und war beim Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index) im Jahr 2019 auf Rang 107 von 189 Ländern. Dies zeigt immerhin eine positive Tendenz im Vergleich zu 2018 (Rang 114).
Situation von Menschen mit Behinderungen
Menschen mit Behinderungen sind überproportional von Armut betroffen. Historisch gesehen waren sie in der bolivianischen Gesellschaft nicht sichtbar und wurden als krank und hilfsbedürftig angesehen. Diese Haltung änderte sich mit der Verabschiedung der neuen Verfassung im Jahr 2009, welche die Rechte der Menschen mit Behinderungen erweiterte und stärkte sowie Diskriminierung aufgrund von Behinderung verbot. Trotz dieser positiven Entwicklungen ist die Situation von Menschen mit Behinderungen häufig sehr prekär und bedarf weiterhin intensiver Bemühungen, um verbesserte Lebensbedingungen und die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
CBM fördert bessere Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen
Die CBM ist seit vielen Jahren in Bolivien aktiv und unterstützt ein landesweites Netz von Partnern, welches im Zuge der gemeindenahen inklusiven Entwicklung Menschen mit Behinderungen beim Zugang zu Gesundheits- und Bildungsdiensten stärkt und ihre gesellschaftliche und politische Teilhabe fördert.
Im Bereich Augengesundheit besteht das Ziel in der Verbesserung der augenmedizinischen Versorgung. Die Partnerorganisation Ojos del Mundo bildet medizinisches Personal aus und weiter, damit mehr Behandlungen (Korrektur von Sehschwächen) und Augenoperationen (Grauer Star) durchgeführt und vermehrt auch abgelegene Gebiete mit augenmedizinischen Kampagnen und Reihenuntersuchungen erreicht werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Prävention von Blindheit bei frühgeborenen Kindern (Frühgeborenen-Retinopathie – ROP).
Die CBM engagiert sich auch für die Bildung von Kindern mit Hörbehinderungen und arbeitet mit mehreren Institutionen zusammen, welche ihre Entwicklung umfassend fördern: die Behinderung erkennen, untersuchen, nach Möglichkeit behandeln, betroffene Kinder mit Hilfsmitteln ausrüsten, Familien in der Betreuung unterstützen, in Gebärdensprache schulen, die Einschulung in Regelschulen oder Berufsbildung ermöglichen. Zudem engagieren sich die Partner, um die Voraussetzungen für inklusive Bildung voranzubringen.
Schliesslich fördert die CBM in Bolivien auch die psychische Gesundheit. Dies beinhaltet die Verbesserung der Betreuung und Behandlung von Kindern mit psychosozialen Erkrankungen und von schwangeren Frauen in Risikosituationen. Der lokale CBM-Partner stärkt die Versorgung bezüglich psychischer Gesundheit durch gemeindenahe Massnahmen.
Corona-Krise
Derzeit hat Bolivien mit der globalen Corona-Krise zu kämpfen, welche das Land stark getroffen hat. Menschen mit Behinderungen sind auch hier besonders stark betroffen, zum Beispiel durch den Wegfall ihrer Existenzgrundlage, da sie meist im informellen Bereich als Kleinsthändler und Strassenverkäuferinnen ihren Lebensunterhalt verdienen. Ihre Gesundheitsversorgung ist zunehmend beeinträchtigt, da sie infolge der Schutzmassnahmen in ihrer Mobilität eingeschränkt werden und so die Gesundheitszentren weniger häufig besuchen können. Und durch Kontaktverbote und die Quarantänevorgaben können sie von ihren Pflegekräften kaum mehr besucht werden. Versorgungsengpässe und rasant steigende Preise machen zudem den Zugang zu dringend notwendigen Medikamenten und Hilfsmitteln teilweise unmöglich. Nicht zuletzt wirken sich die stark eingeschränkten Möglichkeiten für körperliche Aktivitäten und soziale Kontakte sehr nachteilig für den Gesundheitszustand aus und werfen viele Menschen mit Behinderungen in ihrem gesundheitlichen Zustand stark zurück.
Zur Prävention und Milderung der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Menschen mit Behinderungen hat die CBM jeweils einzelne Projektanpassungen vorgenommen. Dazu gehören Massnahmen wie Aufklärungskampagnen, die Erstellung von behinderungsspezifischen Aufklärungsmaterialien zu Covid-19 und die finanzielle Unterstützung für lokale Partnerorganisationen zur Durchführung virtueller Schulungen zu Hygienemassnahmen.
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