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Was sollten wir für eine vierköpfige Familie fürs Essen budgetieren? Wie hoch darf das Sackgeld eines Drittklässlers sein? Und sieben weitere Fragen zu Budget und Sackgeld.
1. Meine 23-jährige Tochter nimmt ein Studium in Angriff. Sie lebt zu Hause. Mit welchem Betrag muss ich sie unterstützen? Kann ich von ihr verlangen, dass sie jobben geht?
Das mit dem Jobben ist abhängig vom Studium. Grundsätzlich ist es positiv, wenn Studentinnen und Studenten einen Teil der Kosten selber berappen. Bei gewissen Studiengängen, etwa Medizin, dürfte ein Nebenerwerb schwierig zu bewerkstelligen sein. Die Budgetberatung sieht für Studierende, die zu Hause wohnen, Kosten zwischen 870 bis 1640 Franken vor. Sehr unterschiedlich können die Fahrtkosten ausfallen, je nach dem, ob die Tochter mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Ziemlich ins Geld geht auch die auswärtige Verpflegung. Diese kann beim bescheidenen Budget von 870 Franken bei null liegen, wenn die Tochter das Essen von zu Hause mitbringt. Beim grosszügigeren Budget von 1640 Franken sind für die Verpflegung 220 Franken vorgesehen.
2. Mit unserem 14-jährigen Sohn führen wir wiederholt Diskussionen wegen des Geldes. Er will neue Schuhe, obschon er eben erst welche erhalten hat. Er will häufiger zum Coiffeur als nötig.
In Ihrem Fall könnte es sich lohnen, Ihrem Sohn nicht ein Sackgeld, sondern einen Jugendlohn zu bezahlen. Damit übergeben Sie ihm die Verantwortung, das Geld selber einzuteilen. Mit diesem Geld soll er für Kleider, den Coiffeur, die neuen Schuhe, Sportgeräte, Eintritte, Fahrkosten, Freizeitgestaltung, Handys, Computer inklusive der damit zusammenhängenden Gebühren aufkommen. So kann Ihr Sohn selber entscheiden, wofür er das Geld ausgibt. Er erfährt mit dem eigenen Portemonnaie, was das Leben so kostet. Auf keinen Fall sollten Sie ihm den Jugendlohn aufstocken, wenn sein Konto vor dem Monatsende leer ist.
3. Mein Sohn wird seinen ersten Lehrlingslohn von 600 Franken erhalten. Soll er zu Hause etwas abgeben, obgleich es uns finanziell gut geht?
Kinder sollten schon früh erfahren, dass das Hotel Mama nicht gratis ist. Falls der Sohn am Mittag zu Hause isst, sollte er 200 Franken abgeben. Häufig wird folgende Faustregel angewandt, die man als «Drittelsregel» bezeichnen könnte. Ein Drittel ist als Sackgeld zur freien Verfügung bestimmt, das etwa für den Ausgang gebraucht wird. Ein Drittel ist für Kleider, Krankenkasse, Fahrten zum Arbeitsplatz oder Coiffeur einzusetzen. Das dritte Drittel ist zu Hause abzugeben.
4. Was sollten wir für eine vierköpfige Familie fürs Essen budgetieren?
Das hängt vom Einkommen ab. Für einen monatlichen Nettolohn von 7500 bis 8000 Franken sollten Sie mit 1150 Franken fürs Essen auskommen; bei einem Nettolohn von 9000 Franken rechnen wir mit 1200
Franken. Dazu kommen 250 Franken Nebenkosten für Haushaltsartikel.
5. Was sollen wir unserem Drittklässler für ein Sackgeld geben?
Die Budgetberatung Schweiz empfiehlt als Grundregel 1 Franken pro Schuljahr und Woche. Für einen Drittklässler wären dies also 3 Franken pro Woche. Über dieses Geld kann er frei verfügen, ohne darüber Rechenschaft abzulegen. Ab dem fünften Schuljahr empfiehlt die Budgetberatung, vom wöchentlichen auf den monatlichen Zahlungsrhythmus zu wechseln. Im fünften und sechsten Schuljahr sind 25 bis 30, fürs siebente bis achte Schuljahr 30 bis 40 Franken vorzusehen. Das ist gewissermassen das Basissackgeld. Darüber hinaus können Sie ein erweitertes Sackgeld ausrichten, je nach dem, was das Kind selber zu berappen hat.
6. Unsere Tochter ist erwachsen, voll berufstätig und kommt jeden Mittag zum Essen. Was können wir von ihr verlangen?
Rund 200 Franken oder 10 Franken pro Mahlzeit. Das hängt auch von Ihrem persönlichen Budget ab. Wenn Sie aufs Geld nicht angewiesen sind, brauchen Sie auch nichts zu verlangen, da Ihre Tochter erwachsen ist. Bei Lehrlingen ist das anders: Unmündige Kinder sollten aus erzieherischen Gründen auch dann etwas abgeben, wenn die Eltern aufs Geld nicht angewiesen sind.
7. Unsere Tochter kommt ins Gymnasium; nebenbei verdient sie noch Geld bei der Migros. Sollen wir ihren Verdienst am Sackgeld anrechnen?
Primär sollte sich Ihre Tochter aufs Gymnasium konzentrieren. Wenn sie unbedingt mit einem Nebenverdienst ihr Sackgeld aufbessern will, ist nichts dagegen einzuwenden, sofern die Schulleistung darunter nicht leidet. Es ist jedoch nicht empfehlenswert, ihr deshalb das Sackgeld zu kürzen. Vielleicht könnten Sie mit ihr vereinbaren, dass sie das bei der Migros verdiente Geld für einen speziellen Zweck auf die Seite tut, zum Beispiel für persönliche Ferien oder Fahrstunden.
8. Ich habe immer eine Zehnernote in der Schublade für den Fall, dass meine Enkel in Not sind. Ist es falsch, wenn ich als Grossmutter den Kindern Geld gebe?
Will man einem Kind beibringen, wie man Schulden macht, so muss man ihm die Sicherheit geben, dass die Schulden getilgt werden. Sie sehen, das ist eine heikle Sache. Auf der anderen Seite ist Grossmüttern und Grossvätern eine gewisse Narrenfreiheit zuzugestehen. Sie sollten es aber nicht übertreiben und dem Kind nicht die Gewissheit geben, dass Sie immer und in jedem Fall für die Tilgung der Schulden einstehen werden.
9. Unser hungriger 20-jähriger Sohn lebt in einer WG. Wie viel sollen wir ihm fürs Essen zahlen, wenn er sich gesund ernähren will?
Ob der Sohn alleine oder in einer WG wohnt, ändert nichts an den Verpflegungskosten. Sie müssen mit 450 bis 550 Franken rechnen. Wenn Sie sagen, dass Ihr Sohn viel Früchte isst und auch sonst nicht nur billige Ware verspeist, so empfehle ich Ihnen, von Ihrem Sohn eine kleine Buchhaltung zu verlangen. Er soll täglich aufschreiben, was er fürs Essen ausgibt. Die besagten 450 bis 550 Franken sind nur Richtlinien. Im einen oder anderen Fall kann es auch weniger oder mehr sein. Schliesslich hängt dies auch von Ihrem Budget ab.
Psychologe Urs Abt von der Pro Juventute Bern und Hansueli Mesmer von der Berner Schuldenberatung beantworteten letzten Mittwoch Leserfragen zum Thema Budget und Sackgeld.
Erschienen in der BZ am 6. August 2013
Die nächste Telefonhotline der Serie Familien-Sommer findet am Donnerstag, 8. August, von 11.15 bis 13.30 Uhr und von 16.30 bis 19 Uhr statt. Das Thema: «Hilfe, meine Eltern werden alt.» Tel.-Nummer: 031 330 38 38.