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Gegen 1925
Nach den Restaurierungen enthüllt dieses Meisterhaus der belebten Geschichte künstlerische Schätze, die Kunstkenner beglücken. Forschungen wurden von Valentine Chaudet (für die Periode vom 15. bis 17. Jahrhundert) und von Catherine Schmutz Nicod (für die Periode vom 18. bis 20. Jahrhundert) durchgeführt.
Der erste Teil des 17. Jahrhunderts sah die Niederlassung mehrerer wichtiger Berner im Waadtland. Aufgrund des Sieges über Savoyen kauften diese Männer Territorien oder Immobilien von den besiegten Herren. In 1630 liess die Familie Manuel, die dem Patrizierbürgertum der Stadt der Bären angehörte - trotz ihres lateinischen Familiennamens, einen grossen Wohnsitz in Valeyres-sous-Rances errichten. Mit einem typischen Berner Stil trägt das Herrenhaus die Initialen eines Meister-Maurers zur Schau, der am Konstruktionsdatum angehängt wurde. Angesiedelt über dem Eingangstor bestätigen die Buchstaben AS zweifellos die Arbeit, die von Albrecht Schmid durchgeführt wurde, der in diesen Zeiten in Yverdon sowie Baulmes arbeitete.
Ein Jahrhundert nach seiner Erbauung, geriet das Schloss in andere Hände. Es gelangte an die Barone von Bonstetten durch Erbe. Diese Edelleute zählen zu den einflussreichsten Berner dieser Zeit. Zwei Familienmitglieder spielten eine wichtige Rolle für den Kanton Waadt. Der Erste, Karl Victor de Bonstetten (1745-1832), war Vogt von Nyon von 1787 bis 1793. Er wurde durch die Philosophie des Lumières beeinflusst und zog sich die Sympathien seiner Subjekte genauso an wie die Missbilligung der Hierarchie aus Bern. Als Schriftsteller und Philosoph verfasste er Recherches sur les facultés de sentir et de penser et L’Homme de Midi ou l’Homme du Nord ou l’Influence des climats.
Die waadtländische Unabhängigkeit zwang ihn nach Dänemark zu flüchten. Allerdings musste er seine Güter nicht aufgeben, am Beispiel des Schlosses Valeyres, das durch seine Frau und ihrem Sohn besetzt blieb. Der Letztere, der oben erwähnte Karl David, machte grosse Umwandlungen. Er riss die Reben heraus, die am Haus angrenzten, um sie mit einem romantischen Garten zu ersetzen. Dieser Park wurde von der Nouvelle Héloïse geprägt und umfasste mehrere Bassins, die mit Bächen verbunden wurden, eine Orangenplantage, Eibendickicht, und eine Hütte. Heute ist alles ausser zwei grossen Bäumen - eine Linde und ein Sequoia, die den letzten Wohnsitz der Frau von Karl Victor schützten verschwunden.
Um 1820 wurde die Südostfassade von Grund bis zum Dach umgewandelt. Die neue Struktur wurde von der neo-klassischen Art, die gerade in Genf beliebt war, wo die Bonstetten zurzeit lebten, inspiriert. Eine grosse Loggia und die Kolonnaden gaben dem alten Berner Haus ein italienisches Flair. Innere Ausbauarbeiten fanden im gleichen Zeitalter statt. Ein grossartiger ovalen Salon sowie eine Bibliothek wurden erschaffen. Trotz dieser Arbeiten blieb der Wohnsitz während des grössten Teiles des Jahres unbewohnt. Er diente als Sommerhaus und schloss seine Tore nach der Weinlese.
Nach Karl Victor war der zweite bekannte Mensch der Familie Gustave, der Sohn von Karl David. Als bedeutender Archeolog führte er zahlreiche Ausgrabungen in der französischen Schweiz durch. Sein Fleiss erlaubte es ihm, die prächtigen römischen Mosaiken von Orbe auszugraben. Erstaunlich ist, dass es diesem, der diese antiken Werke aufdeckte, nicht gelang, die erstaunlichen Malereien, die das Schloss tapezierten, zu Tage zu fördern.
Diese aus 1639 datierenden Malereien, waren seit langem von den Familienmitgliedern der Familie Morel bekannt, die das Herrenhaus im Jahre 1945 erwarb. Man musste allerdings die derzeitigen Umwandlungen abwarten, um den ganzen Umfang zu bewundern. Ein erstaunliches Gefolge, das eine Art Farandole tanzt, empfängt die Besucher im Eingangsvorzimmer. Das Esszimmer und die angrenzenden Zimmer bieten Jagdszenen. Man kann dort einen Elefanten wie auch eine zweifellos wirkliche Episode bewundern, in der einer der Nemrods in Schwierigkeiten durch einen Bären gerät. Leider werden diese Mauermalereien die Dunkelheit wieder finden, die ihr Schicksal während langer Jahrzehnte war am Ende der Modernisierungsarbeiten.
Die Familie Morel, Eigentümerin des Schlosses Valeyres, zeigte immer eine gewisse Exzentrizität in ihren Berichten mit ihren Reben. Die grosse durch die dritte Generation eingeleitete Umstrukturierung bildete keine Ausnahme. Der kleine Ort von Côtes-de-l'Orbe bildete früher den grössten Weinbaudistrikt des Kantons von Waadt. Hart getroffen durch die Verwüstungen der Reblaus, wurde dieser Weinberg kümmerlich reduziert. Einige Spuren seiner alten Ehre kann man noch am historischen Museum in Bern auf einem Bild, gemalt von Albrecht Kauw in 1678, erkennen. In dieser Jagdszene, erkennt man im Hintergrund das Neben-Dorf von Valeyres-sous-Rances, umgeben von einem Meer von Reben. Heute befindet sich hier nur noch von Gestrüpp überwucherten Parzelle. Mehrere Texte, die aus der Korrespondenz der Bonstetten stammen, zeigen, dass die Weinbauaktivität seit jeher eine grosse wirtschaftliche Bedeutung hatte. Die von Catherine Nicod ausgearbeiteten Archive heben hervor, dass das Produkt der Weinlese für die Ausfuhr bestimmt war. In der Tat wurden die Jahrgänge des Gebiets auf den Tischen der Patrizier der Stadt Bern während der ganzen Dauer der Besetzung des Waadtlandes gereicht. Leider überlieferten die wieder gefundenen Berichte keine Einzelheiten zur gepflanzten Vielfalt oder zu den Modalitäten der Ernte. Unmöglich ist es auch die Farbe Weins aus diesem Gebiet zu bestimmen.
Als Alphons Morel das Schloss der Bonstetten im Jahre 1945 kaufte, umfasste die Gesamtheit ein Gebiet von 3,5 Hektar. Als Berufsrechtsanwalt war der neue Schlossherr kein Erbe einer Weinbautradition. Doch mit Leidenschaft erfüllt, lernte er die Weinbereitungslehre aus Büchern. Als Pionier schämte er sich nicht, seine Versuche zu multiplizieren. Seine erste Aktion bestand darin, den Chasselas, den er durch Riesling Sylvaner ersetzte, der zum weissen Fetisch des Gebiets wurde.
Sein Sohn, Marc Antoine, setzte seine Diversifizierungspolitik fort. In den achtziger Jahren, schützten die sieben Hektar, die am Herrenhaus angrenzten in der Reihenfolge ihrer Bedeutung, Riesling - Sylvaner, Pinot noir, Gamay, Chasselas, Freiburger und Pinot Blanc. Ein kleiner Teil wird ebenfalls den Versuchen der föderalen Stationen von Weinbauforschungsarbeiten gewidmet.
Die dritte Generation nahm unter der Schirmherrschaft von Benjamin Morel die Fackel im Jahre 2003 zurück. Der junge Mann traf eine radikale Wahl, indem er beschloss, anderen Winzern die Arbeit der Rebe anzuvertrauen, um sich auf die Aktivitäten des Kellers zu konzentrieren. Er verkaufte den Grossteil seiner Territorien, um nur zwei Hektar zu behalten, mit denen er sich persönlich beschäftigte. Fünf zusätzliche Hektar, die im Keller des Schlosses gelagert wurden, wurden von vier von ihn gewählten Fachleuten bearbeitet. Diese Verbindung der Kompetenzen erlaubte es dem Önologen, sich auf der Ausarbeitung von Qualitätsweinen sowie auf ihrer Aufwertung zu konzentrieren. Der beste jedoch relative Mehrwert, da Côtes-de-l' Orbe zweifellos das beste Preis-Leistungsverhältnis des Kantons bietet, garantierte den Produzenten ein angemessenes Einkommen für seine Trauben.
Benjamin Morel setzt alles auf die Qualität, und führte auch in enger Zusammenarbeit mit seinem Freund und Kollegen, dem Winzer Frédéric Hostettler, drei Rebsortenweine ein, die den Gamme Confidentiel bilden. Mit der Begrenzung der Erträge, hofften die zwei Komplizen, Jahrgänge mit wichtigem Potential zu schaffen. Es ist noch zu früh, um sich dazu zu äussern, da die erste Ernte in 2005 abgefüllt wurde. Trotzdem, nach dem Probieren, scheint das Resultat sehr viel versprechend, genauso wie die durch den neuen Schlossherrn eingeleitete Umstrukturierung. Ein Symbol der dynamischen Erneuerung von dieser zu verkannten Region Côtes-de-l' Orbe.
Alexandre Truffer
@RomanDuVin.ch 2006
Le château en 1678
Bibliographie