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Was ist gute Entwicklungspolitik, Elísio Macamo?
Text: Elísio Macamo
Hilft es dem Süden wirtschaftlich, wenn ihm der Norden den vollen Marktzugang gewährt? Und wie kommen Entwicklungsländer zu funktionierenden Institutionen? Zwei Beiträge dazu, wie Entwicklungshilfe besser gelingen könnte.
Afrikaner müssen ihren Kontinent entwickeln. Sie müssen einerseits die Ärmel hochkrempeln und ihre Ressourcen besser nutzen und andererseits ihre Probleme friedlicher lösen. Sie brauchen vor allem aber bessere Institutionen und Regierungen – und vielleicht auch bessere Völker. Bei Letzteren gilt der Vorschlag von Douglass North, einem Nobelpreisträger der Ökonomie. Auf die Frage, was er den Russen zur eigenen Entwicklung empfehlen würde, erwiderte er trocken: Sie sollen sich eine andere Geschichte aussuchen.
Gemeint ist hier nicht die Art von Geschichte, die Afrika von Kolonialismus und Sklavenhandel verschont hätte, sondern eine Geschichte, die Afrika bessere Institutionen gegeben hätte. Auf die Institutionen kommt es an, behaupten viele Ökonomen, die sich mit Entwicklungsfragen befassen. Dem ist so, weil Entwicklung im Grunde ganz einfach ist. Man braucht: Rechtstaatlichkeit, freie Märkte und Konkurrenz. Die Notwendigkeit von guten Institutionen ergibt sich aus diesem einfachen Argument, wie die ganz Grossen der Ökonomie, die sich mit Entwicklungsfragen befassen, behaupten, also Daron Acemoglu, James Robinson und wie sie alle heissen. Nationen scheitern, weil sie keine guten Institutionen haben.
Warum tun Entwicklungsländer diese einfachen Dinge nicht? Für die einen liegt es daran, dass Regierungen nur für kurzfristige Gewinne belohnt werden, während der Aufbau und die Stärkung guter Institutionen langfristig ausgerichtet sind. Andere glauben, dass dies deswegen nicht gemacht wird, weil man nicht weiss, wer davon profitieren würde. Also, warum sich anstrengen, fragen sich die Politiker in diesen Ländern.
Inzwischen kursiert in Fachkreisen eine dritte Erklärung. Sie besagt, dass Politiker in Entwicklungsländern keine besseren Entscheidungen für ihre Länder treffen, weil sie sich in einer Gewaltfalle befinden. Alles, was das Gleichgewicht stört, könnte eine Spirale der Gewalt auslösen. In der Tat: Laut Statistiken sind die ärmsten Länder die gewalttätigsten Länder der Welt, also, Länder, in denen häufiger Regierungen mit Gewalt gestürzt werden. Die Latenz der Gewalt sei Ausdruck von fehlender Binnenintegration. Douglass North, Gary W. Cox und Barry Weingast schrieben schon vor einigen Jahren über diese Gewaltfalle und wiesen beispielsweise auf Frankreich, Südkorea und Taiwan hin. Diese Länder hätten sich durch Binnenintegration aus dieser Falle befreit. Im Fall von Frankreich war es die Gefahr, die im 18. Jahrhundert aus Deutschland kam, und in den andern beiden Fällen war es die Gefahr aus Nordkorea und China. So klug wird über Entwicklung sinniert.
Das Problem mit vielen entwicklungspolitischen Argumenten ist ihre Zirkularität. Länder sind deshalb entwickelt, weil sie sich entwickelt haben. So ungefähr. Wir wissen nämlich, dass gute Institutionen für die Entwicklung wichtig sind, weil Länder, die heute entwickelt sind, gute Institutionen haben, und Länder, die heute nicht entwickelt sind, schlechte Institutionen aufweisen. Nirgends in dieser, um mit Philipp Lepenies zu sprechen, «institutionalisierten Besserwisserei» drängt sich die Einsicht auf, dass gute Institutionen vielleicht nicht die Ursache, sondern das Ergebnis der Entwicklung sein könnten.