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1. Herkunft des Familiennamens
Der Familienname Zehnder entstand im Mittelalter und hat sich aus der Tätigkeit des Zehnteneinzügers entwickelt. Der Zehnte war ursprünglich eine freiwillige Naturalabgabe der Gläubiger an ihre Kirche und wurde in fränkischer Zeit zu einer kirchlichen Verpflichtung. Der Zehnte wurde in der Regel viergeteilt (Quarten) und war bestimmt für den Bischof, die Armen, die Geistlichen und für den Unterhalt der Kirchengebäude.
Grössere Zehntenherren, so wie zum Beispiel auch das Kloster Tänikon, beauftragten an Orten, wo sie ansehnliche Quantitäten zu beziehen hatten, Zehntenmänner aus der Bauernschaft mit der Einsammlung. Die Bezeichnung für dieses Amt ist da und dort im Familiennamen erhalten geblieben.
2. Die Schreibweisen
Die Schreibweise des Familiennamens Zehnder ist verschieden und variiert je nach Region und Aussprache. Die heutige Schreibweise wurde in der Regel schon ab 1550 beziehungsweise ab 1659 in den Tauf- und Ehebüchern von Elgg und Tänikon verwendet. In Einzelfällen wurde auch Zechendter oder Zächender geschrieben. In der Gegend von Ettenhausen waren Zender, Zeender oder Zehender eher nicht gebräuchlich.
Die Elgger Chronik bezeichnet anno 1550 Einwohner von Bucheren - ungefähr zwischen Heurüti und Rappenstein - und von Schlatt als Zächender. Erst mit dem Beginn der zivilstandsamtlichen Aufzeichnungen im Jahre 1876 wurde die Schreibweise des Familiennames einheitlich und verbindlich festgelegt.
3. Ursprungsorte und Verbreitung der Zehnder Familien
Auf einer kleinen Pergament-Urkunde im Thurgauer Staatsarchiv werden erstmals um 1400 Wälti Zehender, Inhaber des "Schletter guot" und Ruedy Zehender, Inhaber des "Lindenberg gout" erwähnt.
Thurgauer Zehnder gibt es in Ettenhausen, Einzelfamilien in Guntershausen, Maischhausen und Aadorf. Ein Stamm, beheimatet in Basadingen, ist ausgestorben. In Elgg waren Zehnder oder Zächender nur sporadisch vorhanden und zwar ungefähr ab 1430.
Mit der Aadorfer Gemeindefusion im Jahre 1996 wurden die Ortsgemeinden rund um Aadorf politisch und bürgerrechtlich zusammengelegt. Seither sind die Zehnder Familien von Ettenhausen, Iltishausen, Guntershausen und Maischhausen Bürger von Aadorf.
Neben Aadorf sind auch Einsiedeln, Menzingen, Birmenstorf und Gränichen ursprüngliche Heimatorte der Schweizer Zehnder. Eine verwandtschaftliche Verbindung zwischen den verschiedenen Zehndern ist aber, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, nicht nachweisbar. Auch die Familienwappen sind unterschiedlich, beinhalten aber in den meisten Fällen das Symbol der gebundenen Ähre. Zudem stammen die meisten Schweizer Zehnder aus Regionen von grossen oder bedeutenden Klosteranlagen.
Mit der aufkommenden Industriealisierung und Mobilität im 19. und 20. Jahrhundert haben sich die Zehnders in allen Teilen der Schweiz niedergelassen. Nicht selten haben sich diese auch am neuen Wohnort einbürgern lassen. So gibt es heute auch Zehnder Familien mit Bürgerrecht in Zürich, Winterthur, Luzern, Bern, Basel etc.
Gemäss den Aufzeichnungen von Tänikon und Aadorf sind vor allem im 19. Jahrhundert auch einige Aadorfer Zehnder nach Amerika ausgewandert. Über unsere Homepage hat sich interessanterweise eine Familie Zehnder aus Kalifornien und eine Familie aus Chile mit uns in Verbindung gesetzt. Die Vorfahren dieser beiden Familien sollen im vorletzten Jahrhundert aus der Schweiz gekommen sein. Ob es sich bei diesen Familien um ehemalige Aadorfer handelt, ist nach ausführlichen Abklärungen eher unwahrscheinlich. Vertiefte Nachforschungen haben ergeben, dass zum Beispiel die Einsiedler Zehnder nicht nur viel zahlreicher, sondern auch viel auswanderungswilliger gewesen sein mussten, als dies bei den Aadorfer Zehndern der Fall war. In der Gegend von Kentucky gibt es einen grösseren Zehnder Clan, der seinen Ursprung in Einsiedeln hat.
In Deutschland kennt man Zehnder oder Zehender hauptsächlich in den Landen Baden-Würtenberg und in Schwäbisch Gmünd. Zum Beispiel wird 1507 ein Jörg Zehnder von Pfahlbrunn beurkundet oder 1554 in Rechberg ein Mathias Zehender. Noch früher wurde im Neckargebiet - um 1315 - ein Friedrich Zehender von Kirchheim genannt, ferner 1318 ein Berthold Zehender von Esslingen.
4 . Stammbaum der Aadorfer Zehnder
Bis zur zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war die Klosterkirche Tänikon nicht öffentlich zugänglich und stand nur dem Klosterkonvent zur Verfügung. Zu jener Zeit gehörten die Einwohner von Ettenhausen und Iltishausen der Pfarrei Elgg an und wurden mit derselben zur Reformationszeit evangelisch. Nach der Restauration des Klosters im Jahre 1548 wurde dann sogleich auch die Gegenreformation eingeleitet und das Kloster öffnete sodann seine Kirche für seine Gläubigen von Guntershausen, Ettenhausen und Iltishausen. In Elgg wurde die letzte Taufe von Ettenhausen 1584 und von Iltishausen 1587 registriert. Die letzte Trauung von Iltishausen fand noch 1645 in Elgg statt.
Das Tänikoner Taufbuch beginnt 1659, das Totenbuch 4 Jahre später und die ersten Eintragungen ins Ehebuch stammen von 1665. Der zeitliche Unterbruch zwischen den Büchern von Elgg und Tänikon ist zu gross um eine sichere Verbindung der Familien herzustellen. Erschwerend kommt hinzu, dass zu jener Zeit sehr häufig über Generationen immer wieder die gleichen Vornamen benutzt wurden.
Erst ab 1876 beginnen dann auch die zivilstandsamtlichen Eintragungen der Gemeinde Aadorf.
Bruno Zehnder-Mathis hat in den Jahren 1981 - 83 die Stammbäume der Aadorfer Zehnder auf den Grundlagen der Kloster- und Pfarreibüchern von Tänikon und nach den zivilstandsamtlichen Eintragungen der Gemeinde Aadorf ermittelt und auf Grossformatbogen von 135 x 65 cm festgehalten. Im Interesse der Übersichtlichkeit enthält der Stammbaum nur die Familien der männlichen Nachkommen. Bruno Zehnder leistete in jahrelangem Suchen gründliche Forschungsarbeit. Die Stammtafeln mit den wertvollen Verweisen zeigen unter anderem auf, wie alle Ettenhauser Familien im Laufe der Generationen miteinander verwandt werden.
Die Herkunft der Aadorfer Zehnder geht zurück auf die beiden Stammväter Hans Heinrich Zehnder und Jacob Zehnder. Ob die beiden miteinander verwandt waren, kann nur vermutet werden. Mit der Heirat von Johannes Bernardus Zehnder (vom Stamm Hans Heinrich) und Maria Katharina Carolina Zehnder (vom Stamm Jacob) werden ab 1867 die Nachkommen der beiden Stämme nachweisbar verwandt.
2004 hat Philippe Zehnder den Stammbaum digitalisiert und vereinzelt nachgeführt. Zudem ist der Stammbaum mit über 300 Portraitaufnahmen ergänzt worden.
Mit Hilfe des Stammbaumes können die verwandtschaftlichen Beziehungen der Aadorfer Zehnder anschaulich erklärt und einfach nachvollzogen werden.
5. Lückenhafte Familiengeschichte aus der Zeit vor 1659
Mit dem Beginn der Aufzeichnungen von Geburten im Jahre 1659 und etwas später auch von Todesfällen und Eheschliessungen, können die verwandtschaftlichen Beziehungen der Zehnders von Aadorf verlässlich und nachweisbar aufgezeichnet werden. Vor dieser Zeit gibt es bedeutend weniger Schriften und Urkunden, welche die verwandtschaftlichen Verbindungen der Familien dokumentieren.
Das Kloster Tänikon führte aber bereits seit seiner Entstehung um 1249 Buch über Grundeigentum, Lehen und Lehensbauern des Klosters. Einige dieser Urkunden sind bis heute erhalten geblieben und im Thurgauer Stattsarchiv in Frauenfeld aufbewahrt. Aufgrund dieser Aufzeichnungen und mit den Kenntnissen damaliger Bräuche, Usanzen und Regeln kann die Familiengeschichte vom Stamm Hans Heinrich Zehnder von Iltishausen bis zu einem Dokument aus dem Jahre 1459 weiter zurückverfolgt werden.
Urkunden vom Kloster Tänikon bestätigen, dass Hans Heinrich Zehnder von Iltishausen über Reben in Ettenhausen verfügte und im Jahre 1662 den Iltishauser Oberhof von Hans Melchior Zehnder übernehmen konnte. Der Oberhof war dazumal eine Schupflehe des Klosters und wurde mit Beginn der Gegenreformation in der zweiten Hälte des 16. Jahrhunderts nur noch mit Katholiken besetzt. Reformierte Lehensbauern wurden konsequent vom Hof geschupft, daher auch die Bezeichnung der Schupflehe. Bei Familien, die dem katholischen Glauben treu geblieben sind oder wieder zum katholischen Glauben zurück gefunden haben, kann davon ausgegangen werden, dass die Lehe, wie dies vor der Reformation in Tänikon üblich war, an die Erben weiter gegeben wurde.
Aus einer anderen Urkunde geht hervor, dass im Jahre 1619 Andreas Zehnder, ebenfalls Lehensbauer auf dem Oberhof in Iltishausen war. Es besteht daher berechtigter Grund zur Annahme, dass Andreas der Vater von Hans Melchior und Grossvater von Hans Heinrich Zehnder gewesen sein könnte.
Aus einem Kaufbrief von 1629 geht hervor, dass Jakob Zehnder Klosterammann und Lehensbauer auf dem Iltishauser Unterhof gewesen sein könnte. Jakob verstarb 1650. Zu jener Zeit waren die Klosterammänner die wirtschaftlichen Leiter des Klosters mit weitreichenden Befugnissen. Die Äbtissin war zwar das geistliche Oberhaupt des Klosters, und ernannte die Klosterammänner, kümmerte sich aber kaum um die weltlichen und wirtschaftlichen Belangen des Klosters.
Urkundlich kann eine Verwandtschaft zwischen Andreas Zehnder vom Oberhof und Jakob Zehnder vom Unterhof nicht nachgewiesen werden. Es ist aber naheliegend und für jene Zeit nicht aussergewöhnlich, dass die beiden Klosterhöfe in Iltishausen vom damaligen Klosterammann Jakob Zehnder innerhalb der eigenen Familie weitergereicht wurden.
Aus einer anderen Urkunde des Klosters geht hervor, dass Ueli Zehnder im Jahre 1503 Lehensbauer auf dem Unterhof und ebenfalls Klosterammann von Tänikon war. Zudem wird erwähnt, dass der Unterhof von 1530 - 1651 eine Erblehe war. Das Kloster Tänikon war also verpflichtet, die Lehe (Bauernhof) den erblichen Nachfolgern weiter zu geben. Somit besteht eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass die beiden Klosterammänner Ueli Zehnder von 1503 und Jakob Zehnder von 1629 miteinander verwandt gewesen sein müssen.
Als einer der ersten Iltishauser wird in einer Urkunde vom 7. Juni 1459 Hans Zehnder erwähnt. Im gleichen Jahr wird auch zum ersten Mal der Oberhof zu Iltishausen genannt. Eine Verbindung von Hans Zehnder zum Oberhof ist naheliegend.
In einem Schuldenverzeichnis von 1551 ist ein Jakob Zehnder von Iltishausen aufgeführt.
In den Ehebüchern von Elgg sind einige Zehnder von Iltishausen aufgeführt. Diese Eintragungen lassen aber keine schlüssigen Verbindungen zwischen den Iltishauser Zehndern zu.
Es ist aber naheliegend, dass der Oberhof in Iltishausen während der Zeit von 1459 bis 1662 innerhalb der gleichen Familie weitergereicht wurde und daher der erste urkundlich erwähnte Hans Zehnder von 1459 wohl ein direkter Vorfahre vom Stamm Hans Heinrich Zehnder von Iltishausen gewesen sein könnte.
Von diesem Stamm hat nur die "Post-Linie" (spätere Gründerfamilie der Post von Ettenhausen) überlebt. Alle anderen Zweige dieses Stammes sind inzwischen ausgestorben. Der heutige Stammhalter der Iltishauser Zehnder ist Simon Zehnder, geb. 1949 und Sohn von Anton Josef Zehnder, geb. 1906 in Ettenhausen TG.
Erlenbach ZH, im Oktober 2004
Philippe Zehnder
Quellenverzeichnis:
- Zehnder Stammbaum bis 1983 von Bruno Zehnder
- Thurgauer Wappenbuch, 1940 von Dr. Jul. Rickenmann
- Berner Wappenbuch 1932
- Ettenhausen, 1999 von Dr. Louis Hürlimann
- www.chgh.net
- Das ehemalige Frauenkloster Tänikon, Joh. Nater, Aadorf
- Geschichte von Aadorf und Umgebung, Joh. Nater, Aadorf
- Verschiedene Urkunden des Thurgauer Staatsarchivs
- Geschichte von Aadorf, von Albert Knoepfli
- Gygerkarte von 1667
- Diverse Stammbaumnachträge und Photos von:
- Klaudia Schmucki-Zehnder
- Josy und Cäcilia Zehnder
- Jürg Zehnder-Christen
- Maria Zehnder-Ruckstuhl
- Martin Zehnder-Schmid
- Patrick Zehnder
- Philipp Zehnder-Jara
- Richard Zehnder-Casutt
- Thomas Zehnder
- Wolfgang Zehnder-Buchner
Zukunft braucht Herkunft
Zehnder von Aadorf (ehemals von Ettenhausen) Thurgauer Wappenbuch, 1940
Zehnder von Aadorf (ehemals von Ettenhausen) Familienwappen auf Zürcher Zünften, von Andreas Hasler 2012
Zehnder von Einsiedeln Schweizer Archiv für Heraldik 1915, Heft 3
Zehnder von Luzern Staatsarchiv Luzern
Zehnder von Interlaken Wappentafel der Burgerschaft von Interlaken, 1933
Zehnder von Zimmerwald Staatsarchiv Bern
Zehnder von Zofingen (ehemals von Kölliken) Zofinger Wappenbuch 1937
Zehnder von Bern Berner Wappenbuch 1932
Zehnder von Bern (ehemals von Zofingen) Berner Wappenbuch 1932
Zehnder von Döttingen Die Bürgergeschlechter der Gemeinde Döttingen mit ihren Wappen, von Hermann J. Welti, 1974
Zehnder von Holziken Holziker Chronik, 1989
Zehnder von Eriswil Emmentaler Geschlechter- und Wappenbuch, Ergänzungsband, von Hans Rudolf Christen, 2008
Zehnder von Wahlern Staatsarchiv Bern