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Viele Notenbanken haben ihre Goldbestände in den letzten Jahren aufgestockt. Dahinter steckt unter anderem ein wachsendes Misstrauen gegenüber dem Dollar und der Geldpolitik der grossen Notenbanken.
Zentralbanken kaufen seit gut einem Jahrzehnt still und leise Gold. Seit 2010 sind die Notenbanken am Goldmarkt jedes Jahr als Nettokäufer aufgetreten. Sie haben deutlich mehr Gold erworben als verkauft. Vor allem in den Schwellenländern hat die Goldnachfrage der Notenbanken seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 kräftig zugenommen.
Notenbanken auf der Käuferseite
Nach Angaben des in London ansässigen World Gold Council (WGC), einer Branchenorganisation der Goldminenbetreiber, verwalten Zentralbanken und supranationale Organisationen – wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – fast einen Fünftel der weltweit erschlossenen Goldbestände als Vermögenswerte in ihren Reserven. Im vergangenen Jahrzehnt waren diese Institutionen für durchschnittlich 11 Prozent der jährlichen Goldnachfrage verantwortlich. Der grösste Teil der Nachfrage stammt nach wie vor aus der Schmuckindustrie. Daneben hat Gold aber auch als Anlagevehikel für Investoren an Bedeutung gewonnen.
Goldnachfrage nach Sektor (Zehnjahresdurchschnitt)
Koordinierte Goldverkäufe vor der Finanzkrise
In den Neunziger-Jahren herrschte unter Zentralbanken noch die Meinung vor, Gold sei ein Relikt aus Zeiten des Goldstandards und eine zu wenig ertragreiche Komponente der Währungsreserven. Viele Notenbanken verringerten deshalb ihre Bestände. Zwischen 1999 und 2001 veräusserte beispielsweise die Bank of England (BOE) die Hälfte ihrer Goldreserven. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat zwischen 2000 und 2009 in zwei Schritten insgesamt 1‘550 Tonnen Gold verkauft. Dies entsprach einer Reduktion des Goldbestands um 60 Prozent. Die BOE und die SNB waren bei Weitem nicht die einzigen Notenbanken, die Goldverkäufe tätigten: Ende 1999 einigten sich beispielsweise 15 europäische Zentralbanken auf eine Verkaufsbeschränkung. Diese hatte zum Ziel, deren Goldverkäufe zu koordinieren, um einen zu starken Einbruch des Preises für das gelbe Metall zu verhindern.
Stattdessen setzten die Zentralbanken stärker auf zinstragende Devisenanlagen, wobei der Dollar mit Abstand am gefragtesten war. Am Dollar führt in der Reservehaltung auch heute noch kein Weg vorbei, denn der Greenback dient als Weltwährung. Viele Unternehmen sind in Dollar verschuldet. Ausserdem wird der Rohstoffhandel mehrheitlich in Dollar abgewickelt. In Krisenzeiten ist Dollar-Liquidität deshalb unabdingbar. Aber die Zentralbanken sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, ihre Reserven stärker zu diversifizieren. Gold hat dabei markant an Bedeutung gewonnen.
Goldbestände der Notenbanken in Tonnen
Die ultimative Hartwährung
Hinter dem neuen Interesse der Zentralbanken an Gold stehen einerseits geopolitische Überlegungen und die Bestrebung grösserer Schwellenländer, sich von der Dominanz des Dollars zu lösen und die Abhängigkeit von den USA zu verringern. Der Hauptgrund für die steigende Goldnachfrage dürfte aber darin liegen, dass sich die Notenbanken in den USA, Japan und der Eurozone seit 2008/09 nie gänzlich vom Krisenmodus verabschiedet haben – mit entsprechenden Konsequenzen für die traditionellen Reservewährungen Dollar, Euro und Yen. Ein steigender Goldpreis widerspiegelt den Wertverlust dieser ungedeckten Währungen als Folge der äusserst expansiven Geldpolitik. Hinzu kam ein stetiger Rückgang der Verzinsung von Staatsanleihen in diesen Währungen, obwohl die Staatsverschuldung weiter zunimmt. Kurzum: Die Stabilität dieser Anlagen wird zunehmend infrage gestellt.
Gold wirft zwar keinen Zins ab, es kann im Gegenzug aber auch nicht beliebig vermehrt werden. Ausserdem hat physisches Gold kein Schuldnerrisiko. Es geniesst deshalb einen jahrtausendealten Vertrauensbonus. Finanzkrisen können starke Werteinbussen bei Devisenreserven zur Folge haben – sowohl auf den Währungen selber, als auch auf den Finanzanlagen in diesen Währungen (Obligationen, Aktien). Gold verleiht der Bilanz einer Notenbank hingegen einen gewissen Krisenschutz.
Physische Lagerung verursacht hohe Kosten
Auch für Privatanleger kann Gold als Portfolio-Bestandteil Sinn machen. Gold weist eine schwache Korrelation mit anderen Anlageklassen auf. Es bewegt sich somit nicht gleichläufig mit anderen Anlagen wie Aktien, Obligationen oder Immobilien, was die Schwankungsanfälligkeit der Portfolios verringert. Wichtig ist jedoch, dass man Gold nur als Portfolio-Ergänzung betrachtet. Denn auch Gold weist hohe Kursschwankungen auf. Der Goldpreis tendiert nicht stetig aufwärts.
Goldpreis pro Feinunze in Dollar
Als Gold-Anleger muss man jahrelange Baissen aussitzen können. Gegenwärtig sind die Treiber einer Fortsetzung der Gold-Hausse allerdings intakt: Die offenen Geldschleusen der Notenbanken, steigende Staatsschulden, das zunehmende Inflationspotenzial und die hohen politischen Risiken dürften die Goldnachfrage stützen. Aus ähnlichen Überlegungen wird Gold wohl auch bei den Zentralbanken gefragt bleiben.
Die sichere Aufbewahrung von Gold ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. Für Privatanleger ist es deshalb häufig sinnvoller, über einen börsengehandelten Fonds in Gold zu investieren. Weitere Infos zu den verschiedenen Gold-Anlagemöglichkeiten finden sie in unserem Blog-Artikel «Wie in Gold investieren?». Bei der Auswahl des geeigneten Produkts hilft Ihnen Ihr Kundenberater gerne weiter.