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Die Kartoffeln auf dem Feld von Landwirt Florian Sturny in Galteren liegen noch unter der Erde. In einigen Wochen wird er das Kraut abbrennen, danach bleiben die Kartoffeln noch sechs Wochen liegen, damit die Schale fest wird. Erst Ende September steht die Ernte an. Doch bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es kaum ein gutes Kartoffeljahr geben wird.
Mit einer Hacke gräbt Sturny einige Kartoffeln aus. «Hier, sie haben wieder ausgetrieben.» Er nimmt eine Kartoffel in die Hand, ein weisser Trieb verbindet sie mit einer kleineren Kartoffel; die zweite Generation sozusagen. Die beiden Kartoffeln sind unterschiedlich gross, die ältere ist dunkler als die kleinere und ihr Stärkegehalt ist verschieden. «Das kann einem die ganze Ernte versauen», sagt Sturny.
Zur sogenannten Kindelbildung ist es gekommen, weil es im Juli sehr trocken war, dann jedoch am Wochenende vor einer Woche etwas regnete. So haben die Kartoffeln wieder ausgetrieben. «Einige haben auch wieder geblüht, es ist alles durcheinander», sagt Sturny. Auf dem Feld hat er Agria-Kartoffeln angepflanzt, auf einem anderen solche der Sorte Innovator. «Jede Sorte reagiert anders, die Agria-Kartoffeln sind viel anfälliger als die Innovator.»
Sturny liefert die Kartoffeln der Spesag in Düdingen, von dort gehen sie weiter zur Frigemo im Neuenburgischen, die sie schliesslich zu Pommes frites oder Chips verarbeitet. Etwa 115 Tonnen Kartoffeln wachsen normalerweise auf seinen Feldern. In diesem Jahr werden es weniger sein; dies aber nicht in erster Linie wegen der Trockenheit, sondern wegen der Nässe im Mai: Die Saatkartoffeln hatten keinen Sauerstoff, konnten deshalb nicht austreiben und verfaulten schliesslich. Im Feld von Florian Sturny hat es deshalb braune Flecken; etwa ein Drittel der üblichen Ernte fällt aus.
Weniger Ertrag
Werden die Kartoffeln zu Pommes frites verarbeitet, erhält Florian Sturny etwa 35 Franken pro hundert Kilogramm. Genügt die Qualität nicht, entsteht aus den Kartoffeln Futter, dann fällt der Preis auf fünf bis sieben Franken. Für die Qualität sind Stärkegehalt und Grösse der Kartoffeln ausschlaggebend. Auch der sogenannte Backtest wird durchgeführt: Eine Kartoffelprobe wird im Öl gebacken, verfärbt sich die Kartoffel braun, ist das ungünstig. «Niemand will braune Kartoffeln essen», sagt Sturny. Da seine Kartoffeln erneut ausgetrieben haben, sei das Risiko hoch, dass sie den Backtest nicht bestünden. Die braune Färbung entsteht, wenn der Stärkegehalt ungenügend respektive der Zuckergehalt zu hoch ist–und genau das passiert bei der Kindelbildung. «Mein Nachbar hatte vor ein paar Jahren dasselbe Problem. Da die Zweitaustriebe lange genug wachsen konnten, hat dann die Qualität trotzdem genügt. Ich hoffe also noch.»
Gute Qualität
Nur wenige Kilometer von Florian Sturnys Feldern entfernt ernten der Taferser Landwirt Beat Siegenthaler und seine Helfer bereits Kartoffeln. Siegenthaler hat im Gegensatz zu Sturny nicht Verarbeitungskartoffeln angepflanzt, sondern Saatkartoffeln: Nächsten Frühling werden diese andere Landwirte setzen, damit daraus Speise- und Verarbeitungskartoffeln wachsen. Wie Siegenthaler erklärt, sind Pflanzkartoffeln früher dran als die anderen. Er hat seine Ende April gepflanzt. Anfang Juli brannte er das Kraut chemisch ab, so dass die Kartoffeln nicht mehr weiter wachsen konnten. Der Durchmesser von Pflanzkartoffeln sollte nicht grösser sein als fünf Zentimeter, und es ist wichtig, sie früh zu ernten, damit sich Viruskrankheiten nicht ausbreiten können. «Das würde sich sonst auf die folgende Ernte auswirken», sagt Siegenthaler. Die Qualität der Kartoffeln stimme in diesem Jahr. Aber: «Wegen der Nässe im Mai habe ich etwa 25 Prozent Ertragseinbusse.» Wie bei Landwirt Sturny ertranken die Kartoffeln dort, wo das Wasser nicht abfliessen konnte. «Kartoffeln haben hohe Ansprüche an den Boden und das Wetter. Sie mögen Frost, Hitze, Staunässe und Trockenheit nicht.» Deshalb gebe es grosse Ertragsschwankungen.
Die Trockenheit habe beispielsweise auch dem Gras geschadet, doch da dieses viel weniger Investition an Zeit, Geld und Arbeit benötige, falle das weniger ins Gewicht als bei den Kartoffeln. «Aber das ist halt Berufsrisiko», sagt Siegenthaler.
Spesag: Nächste Woche genaue Erhebungen
W ie hoch die Quantitäts- und Qualitätseinbussen bei der Kartoffelernte sein werden, sei zurzeit schwierig einzuschätzen, sagt Oswald Perler, Geschäftsführer der Annahmestelle Spesag in Düdingen. Je nach Boden und Bewässerungsmöglichkeit gebe es grosse Unterschiede. Nächste Woche werde es schweiz- weit Ertragserhebungen geben, dann wisse man mehr.
Da der Wiederaustrieb zu Qualitätseinbussen führt, ernten laut Perler viele Landwirte bereits jetzt ihre Kartoffeln. Wegen der Hitze besteht auch Gefahr, dass die Kartoffeln Würmer haben oder Löcher aufweisen.
Die Spesag nimmt Kartoffeln aus ganz Deutschfreiburg entgegen. Aus dem Sensebezirk sind drei Viertel der gelieferten Kartoffeln Pflanzkartoffeln. Vom restlichen Viertel machen die Verarbeitungskartoffeln 90 Prozent aus; aus ihnen entstehen Pommes frites, Chips, Kroketten etc. Aus der Sorte Innovator entstehen McDonald’s-Frites. Der Rest wird als Speisekartoffeln verkauft. mir