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| Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)

Fünftes Buch [378—428]
6. Die Regierung und das Traumgesicht des Theodosius
Während der überaus tüchtige Feldherr bei Gratian verweilte, sah er ein wunderbares Traumgesicht, das ihm ohne Zweifel von Gott, dem Herrn aller Dinge, selbst gezeigt wurde. Es schien ihm nämlich, als sehe er den heiligen Meletius, den Bischof der Kirche von Antiochien, wie er ihm den Kaisermantel umhänge und mit einer ebensolchen Krone das Haupt schmücke. Dieses sah er in der Nacht und teilte es gleich am Morgen einem seiner Freunde mit, der ihm erwiderte, das Traumgesicht sei deutlich und habe nichts Rätselhaftes oder Zweideutiges an sich. Es vergingen in der Tat nur wenige Tage, da kehrten die Boten mit dem Bericht über das Geschehene zurück und meldeten, daß die vielen Tausende der Barbaren wirklich niedergemacht seien. Nun war der Kaiser überzeugt, daß er sehr gut daran getan habe, ihn zum Feldherrn zu erwählen, ernannte ihn jetzt zum Kaiser und übergab ihm die Herrschaft über den Anteil des Valens. Dann brach er selbst nach Italien auf, den Theodosius aber schickte er in das ihm verliehene Reich1.
Sobald dieser seine Herrschaft angetreten hatte, sorgte er vor allen Dingen für die Eintracht der Kirchen und forderte die Bischöfe seines Reichsanteiles auf, nach Konstantinopel zu kommen. Denn dieser Teil war allein von der arianischen Seuche erfüllt, während das [S. 270] Abendland von dieser Krankheit frei geblieben war. Konstantin nämlich, der älteste von den Söhnen Konstantins, und Konstans, der jüngste, hatten den Glauben des Vaters unverfälscht bewahrt. Desgleichen hatte auch Valentinian, der Kaiser des Abendlandes, den wahren Glauben unversehrt erhalten.
1: Theodosius I., Kaiser vom 19. Jan. 379 bis 17. Jan. 395.