Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03204.jsonl.gz/2652

Sulzer befindet sich mit dem US-Wettbewerber Dresser-Rand in Gesprächen um eine Transaktion. Die Winterthurer reagierten mit einer entsprechenden Mitteilung auf einen Bericht unserer Schwester-Publikation «Handelszeitung». Die Aktien beider Unternehmen quittierten die Meldung vom Mittwochabend mit deutlichen Kursgewinnen.
Laut Sulzer handelt es sich um «nicht-exklusive Gespräche». Es sei somit nicht garantiert, dass die Gespräche tatsächlich zu einer Fusion führen würden. Sulzer werde dazu nicht weiter Stellung nehmen, bis eine Vereinbarung getroffen sei.
Auch interessant
Zwei Traditionskonzerne
Sulzer und Dresser-Rand stellen Kompressoren, Pumpen, Zentrifugen und Turbinen her, die im Öl- und Gasgeschäft, der chemischen Industrie und im Energiesektor zum Einsatz kommen. Das US-Unternehmen hat in den vergangenen Jahren - ebenso wie Sulzer - von einer Ausweitung der US-Ölförderung und insbesondere der Schiefergasförderung und Förderung durch Fracking profitiert. Beide Unternehmen blicken auf eine lange Geschichte zurück und haben ihre Ursprünge im Zeitalter der Industriealisierung des neunzehnten Jahrhunderts.
Im Grössenvergleich ist Dresser Rand nach Marktkapitalisierung mit rund 5,6 Milliarden Dollar (umgerechnet 5,2 Milliarden Franken) schwergewichiger als Sulzer, die auf einen Börsenwert von rund 4,3 Milliarden Franken kommen. 2013 erzielte Sulzer mit rund 15'000 Mitarbeitenden einen Umsatz von rund 3,2 Milliarden Franken. Dresser-Rand beschäftigt 8'100 Mitarbeitende und wies zuletzt einen Jahresumsatz von 3,0 Milliarden Dollar aus. Das Unternehmen verfügt über 14 Produktionsstätten in acht Ländern. Die beiden Hauptsitze befindet sich in Houston (Texas) und in Paris.
Sulzer auf der Suche nach Wachstumsmöglichkeiten
Die Geldkoffer des Schweizer Unternehmens sind gut gefüllt. Sulzer hatte mit dem Abschluss des Verkaufs der Beschichtunssparte Metco an OC Oerlikon ein Ergebnis von 850 Millionen Franken nach Steuern erzielt und ist nach Aussagen des Managements auf der Suche nach Möglichkeiten, um weiter zu wachsen. Erst am Dienstag hatte Sulzer den Kauf der niederländischen Unternehmen Advanced Separation Company (ASCOM) und ProLabNL in der Unternehmensdivision Chemtech bekanntgegeben.
Die Analysten hatten bei Sulzer zwar mit Zukäufen gerechnet, eine Transaktion dieser Grösse wohl aber nicht unbedingt erwartet. Nach dem Metco-Verkauf sei nun Wachstum in dem klar definierten Markt strategisch richtig, so der Tenor der Expertenmeinungen. Dabei würden sich sowohl Synergie- als auch Skalen-Effekte ergeben. Das fusionierte Unternehmen könne zudem ein deutlich stärkeres Produktportfolio an ihre Kunden verkaufen.
Der Analyst der CS sieht ebenfalls die strategischen Vorteile. Aus Aktionärssicht seien die Vorteile jedoch weniger deutlich und unsicher. Eine Fusion führe seiner Rechnung nach nur zu einer Kapitalverdichtung von 13 Prozent, während der Einsatz der Cash-Position für einen Aktienrückkauf eine Verdichtung um 18 Prozent zur Folge hätte, so sein Einwand.
Detailierte Pläne
Laut dem Bericht der «Handelszeitung» lägen bereits detailierte Pläne für ein Zusammengehen vor. So solle Sulzer-VRP Peter Löscher Verwaltungsratspräsident des neuen Konzerns werden. Löscher ist Delegierter der Beteiligungsgesellschaft Renova. Sie gehört zum Firmengeflecht des Grossaktionärs Viktor Vekselberg, der über verschiedene Gesellschaften rund 33,2 Prozent an Sulzer hält. Dem Bericht zufolge ist der russische Investor in die Fusions-Gespräche involviert.
Delegierter des Verwaltungsrates solle Vincent Volpe werden, derzeit Konzernchef von Dresser-Rand. Noch sei offen, wo die neue Gesellschaft ihren Sitz haben werde. Derzeit laufe das Verfahren der Buchprüfung (due diligence). Die Transaktion soll im 1. Quartal 2015 abgeschlossen werden, wie die «Handelszeitung» weiter schreibt.
Zuvor hatte es Gespräche zwischen dem deutschen Industriekonzern Siemens und Dresser-Rand gegeben. Diese Verhandlungen waren jedoch gescheitert. Sulzer-Verwaltungsratspräsident Löscher war vor seinem Wechsel in die Schweiz lange Zeit als Konzernchef für Siemens tätig. Laut Analysten sei es denkbar, dass Siemens auch weiterhin Interesse an Dresser-Rand hat und das Sulzer-Angebot überbieten könne.
Aktien im Aufwind
Die Aktien von Sulzer liegen am Donnerstag kurz von Börsenschluss mit 7,8 Prozent im Plus bei 135,60 Franken (Gesamtmarkt SPI +0,04%). Die Papiere von Dresser-Rand beendeten am Mittwoch den Handel an der US-Börse mit +7,3 Prozent auf 72,81 Dollar. Zeitweise betrug das Plus mehr als zehn Prozent. Am Berichtstag notieren die Titel an der US-Börse aktuell 1,1 Prozent im Plus.
(awp/ccr)