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1. Überblick
Die Harnröhrenentzündung (Urethritis) ist eine Entzündung der Harnröhrenschleimhaut, die sich allgemein durch Ausfluss, Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen äussert. Eine frühzeitig erkannte und hinreichend behandelte Harnröhrenentzündung hat eine gute Prognose.
Eine Harnröhrenentzündung kann je nach Ursache in spezifischer oder unspezifischer Form vorliegen. Die spezifische Urethritis ist am häufigsten. Für sie sind sexuell übertragbare Bakterien verantwortlich, die zur Geschlechtskrankheit namens Tripper (Gonorrhoe) führen: die sogenannten Gonokokken. Die unspezifische Urethritis kann ebenfalls durch Infektionen mit bestimmten Erregern entstehen, aber auch durch nicht-infektiöse allergische oder mechanische Reizungen. Meistens liegt bei der unspezifischen Form der Harnröhrenentzündung eine bakterielle Infektion mit den ebenfalls sexuell übertragbaren Chlamydien vor.
Wenn eine Harnröhrenentzündung Symptome verursacht, dann oft in Form von weisslichem bis grünlichem Ausfluss aus der Harnröhre (Urethralfluor). Typisch für die Harnröhrenentzündung sind dann auch ein ständiges Jucken und Brennen der Harnröhre und ein gehäuftes, schmerzhaftes Wasserlassen. Bei Frauen verläuft die Urethritis jedoch häufig ohne Beschwerden oder äussert sich nur durch ein unangenehmes Gefühl beim Wasserlassen. Dadurch ist die Harnröhrenentzündung bei einer Frau in vielen Fällen nicht oder erst sehr spät erkennbar. Die Diagnose der Urethritis erfolgt durch klinische Untersuchungen und Nachweis der Erreger, wozu ein Abstrich aus der entzündeten Harnröhre notwendig ist.
Die Urethritis-Therapie richtet sich nach der auslösenden Ursache, wobei gegen eine infektiöse Harnröhrenentzündung Medikamente – Antibiotika oder Antipilzmittel – zum Einsatz kommen. Bei einer Urethritis ist es allgemein ratsam, viel zu trinken und häufig zur Toilette zu gehen. Bei einer zu spät behandelten Harnröhrenentzündung können schwere Komplikationen auftreten. Um bei einem Gonokokken-Befall der Scheide während der Schwangerschaft Komplikationen für das Neugeborene in Form einer eitrigen Bindehautentzündung mit nachfolgend möglicher Erblindung zu verhindern, kann der Säugling nach der Geburt erregerabtötende Augentropfen bekommen (sogenannte Credé-Prophylaxe).
2. Definition
Eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) ist eine akute Entzündung der Schleimhaut der Harnröhre. Die Entzündung der Harnröhre ist ebenso wie die Blasenentzündung ein sogenannter unterer Harnwegsinfekt. Die Einteilung der Harnröhrenentzündung richtet sich nach ihrem Auslöser:
- Spezifische Harnröhrenentzündung: Diese Form ist am häufigsten. Sie entsteht durch Infektion mit bestimmten Bakterien, den Gonokokken, und tritt im Rahmen der Geschlechtskrankheit namens Tripper (Gonorrhoe) auf – daher bezeichnen Ärzte sie auch als gonorrhoische Urethritis.
- Unspezifische Harnröhrenentzündung: Für diese Form sind meist verschiedene andere nicht-gonorrhoische Erreger wie zum Beispiel Chlamydien, Korynebakterien, Mykoplasmen oder Trichomonaden verantwortlich. Eine unspezifische Urethritis kann aber auch durch nicht-infektiöse allergische oder mechanische Reizungen entstehen und ist dann nicht ansteckend.
Die infektiöse Harnröhrenentzündung ist sexuell übertragbar und gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten.
3. Ursachen
Einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) liegen als Ursachen meist Infektionen mit Bakterien zugrunde. Es kommen jedoch auch weitere Erreger (Pilze, Einzeller) und nicht-infektiöse Ursachen für Harnröhrenentzündungen infrage. Der häufigste Auslöser für eine Entzündung der Harnröhre ist die sexuelle Übertragung der Erreger beim Geschlechtsverkehr. Daneben ist in vielen Fällen (etwa im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts) ein Harnkatheter der Grund dafür, dass Erreger in die Harnröhre gelangen.
Spezifische Harnröhrenentzündung
Hat eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) ihre Ursachen in einer Infektion mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoea (Gonokokken), liegt eine spezifische Harnröhrenentzündung vor. Die Infektion mit Neisseria gonorrhoea bezeichnet man als Tripper (Gonorrhoe). Sie gehört zu den sexuell übertragbaren Krankheiten.
Unspezifische Harnröhrenentzündung
Die unspezifische Harnröhrenentzündung (Urethritis) kann verschiedene Ursachen haben. Häufigster Auslöser für die unspezifische Harnröhrenentzündung ist das Bakterium Chlamydia trachomatis, das durch sexuellen Kontakt übertragbar ist. Chlamydia trachomatis ist ein Schleimhautparasit, der ausschliesslich Menschen befällt.
Neben Chlamydien können weitere sexuell übertragbare Erreger wie bestimmte parasitäre Einzeller (Trichomonaden) oder andere Bakterien (Mykoplasmen oder Escherichia coli) eine unspezifische Urethritis auslösen. In selteneren Fällen sind Herpesviren oder Pilze die Ursachen für eine unspezifische Harnröhrenentzündung. Pilzinfektionen finden sich meist bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.
Eine unspezifische Harnröhrenentzündung entsteht manchmal auch ohne Infektion mit bestimmten Erregern, wenn die Harnröhre durch instrumentelle Eingriffe mechanisch gereizt ist und sich nachfolgend entzündet. Auch eine allergische Harnröhrenentzündung oder Reizungen infolge chronischer Erkrankungen sind mögliche Ursachen für eine unspezifische Harnröhrenentzündung. Nicht durch Erreger verursachte Harnröhrenentzündungen sind nicht ansteckend.
4. Symptome
Eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) äussert sich in der Regel durch schwach ausgeprägte Symptome. Häufig bemerken die Betroffenen einen weisslichen bis grünlichen Ausfluss aus der Harnröhre (Urethralfluor). Hinzu kommen ein ständiges Jucken und Brennen der entzündeten Harnröhre und ein gehäuftes, brennend schmerzhaftes Wasserlassen.
In 25 Prozent der Fälle verursacht die Harnröhrenentzündung jedoch keine Beschwerden – solche ohne Symptome verlaufenden Harnröhrenentzündungen betreffen besonders Frauen. Eine durch Chlamydien verursachte Urethritis verläuft sogar bei 75 Prozent der Frauen unbemerkt. Die entzündete Harnröhre ruft dann manchmal nur ein leicht unangenehmes Gefühl beim Wasserlassen hervor, das die Betroffenen nicht als Anzeichen einer Infektion wahrnehmen.
5. Diagnose
Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) erfolgt die Diagnose durch die körperliche Untersuchung und den Nachweis der möglichen Erreger. Bei der körperlichen Untersuchung der Betroffenen fällt eine deutliche Rötung der Harnröhrenöffnung auf. Um die Erreger zu bestimmen, entnimmt der Arzt einen Abstrich aus der Harnröhre. Der Abstrich erfolgt in der Regel mithilfe eines kleinen Drahtbügels, der sich am Ende eines bleistiftartigen Röhrchens befindet. Diesen Drahtbügel führt der Arzt ein kleines Stück in die entzündete Harnröhre ein. Eine grobe Beurteilung des Abstrichs unter dem Mikroskop liefert gegebenenfalls Hinweise auf den Auslöser der Harnröhrenentzündung: Dünnflüssiges, glasiges Sekret weist auf Mykoplasmen, eitriges eher auf Gonokokken, Chlamydien oder Trichomonaden hin.
Um die Diagnose der Harnröhrenentzündung zu sichern, ist es notwendig, die Erreger aus dem Sekret auf Nährböden anzuzüchten. Bei fehlenden sexuellen Kontakten sind bestimmte Erreger der Harnröhrenentzündung von vornherein ausgeschlossen.
6. Therapie
Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) richtet sich die Therapie nach der zugrunde liegenden Ursache. Gegen eine Harnröhrenentzündung, die durch Infektionen mit Erregern entstanden ist, kommen entsprechende Medikamente – Antibiotika oder gegebenenfalls Antipilzmittel – zum Einsatz.
Neben der medikamentösen Urethritis-Therapie ist es wichtig, dass Sie viel trinken und – auch wenn Sie wegen der Harnröhrenentzündung Schmerzen beim Wasserlassen haben – häufig auf die Toilette gehen. Weitere bei einer Harnröhrenentzündung empfehlenswerte Hausmittel bestehen darin, sich warm zu halten (besonders die Füsse), nach dem Schwimmen die nassen Badesachen schnell gegen trockene Kleidung auszutauschen und Fruchtsäfte zu trinken (zum Beispiel Johannisbeersaft, Preiselbeersaft, Cranberrysaft). Da eine Harnröhrenentzündung meist sexuell übertragbar ist, ist es für eine erfolgreiche Behandlung ausserdem wichtig, auf Sex zu verzichten, bis die Infektion ausgeheilt ist. Ausserdem ist es ratsam, dass sich Ihr Partner beziehungsweise Ihre Partnerin ebenfalls untersuchen und gegebenenfalls behandeln lässt.
7. Verlauf
Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) hängt der weitere Verlauf vom jeweiligen Auslöser ab. Bei einer Infektion mit einem Erreger dauert es einige Tage oder sogar Wochen, bis die Harnröhrenentzündung ausbricht. In vielen Fällen – besonders bei Frauen – verursacht eine Harnröhrenentzündung nur leichte oder keine Beschwerden.
Eine Harnröhrenentzündung hat bei frühzeitiger und angemessener Behandlung eine gute Prognose und heilt ohne Folgeschäden aus. Da die Beschwerden oft gering ausgeprägt sind oder ganz fehlen, bleibt die Harnröhrenentzündung jedoch häufig lange unentdeckt. Dies führt vor allem bei den sexuell übertragbaren Erregern dazu, dass sich Partner von Betroffenen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr anstecken. Ausserdem kann eine unbehandelte Harnröhrenentzündung im weiteren Verlauf zu Komplikationen führen.
Komplikationen
Eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) kann in ihrem Verlauf mit verschiedenen Komplikationen verbunden sein. Bleibt die Harnröhrenentzündung unbehandelt, kann sie sich je nach Erreger auf weitere Organe ausbreiten.
- Beim Mann führt vor allem die durch Chlamydien verursachte Urethritis zu einer akuten Entzündung der Vorsteherdrüse (sogenannte Prostatitis) und der Nebenhoden (Epididymitis): Bei jedem vierten Mann mit Chlamydieninfektion entwickeln sich diese Komplikationen. Die Entzündungen sind meist sehr schmerzhaft und mit Fieber und Schüttelfrost verbunden.
- Bei der Frau kann es durch aufsteigende Erreger zu einer akuten Entzündung der Eileiter und Eierstöcke (Adnexitis) kommen, die mit Fieber, Unterbauchschmerzen und starkem Krankheitsgefühl einhergeht. Wenn infolge der Eileiter- und Eierstockentzündung die Eileiter irreversibel verkleben, kann dies zu einer Unfruchtbarkeit (Sterilität) führen. Darüber hinaus begünstigen verklebte Eileiter die Entstehung von Bauchhöhlenschwangerschaften. Eine weitere besonders schwere Komplikation ist die akute Entzündung des Bauchfellüberzugs der Leber (Perihepatitis, auch Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom genannt).
Eine Komplikation der Harnröhrenentzündung, die durch die Infektion entstehen kann, ist die sogenannte reaktive Entzündung der Gelenke (Arthritis). Mitunter ist diese von einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) begleitet. Bei einem gleichzeitigen Verlauf aller drei Beschwerdebilder liegt die als Reiter-Syndrom bezeichnete Autoimmunerkrankung vor.
Ist die Scheide im Verlauf der Schwangerschaft oder während der Geburt mit Erregern der Harnröhrenentzündung (wie Chlamydien oder Gonokokken) besiedelt, können Komplikationen auftreten, wenn diese Erreger von der Mutter auf das neugeborene Kind gelangen: Bei den Säuglingen entwickelt sich dann eine eitrige Bindehautentzündung (Konjunktivitis), die in einigen Fällen zur Erblindung führen kann.
8. Vorbeugen
Einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) kann man mit einfachen Massnahmen wirksam vorbeugen: Da die Harnröhrenentzündung in den meisten Fällen durch sexuell übertragbare Erreger entsteht, verhindern Sie eine Infektion, indem Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden.
Bei Neugeborenen lässt sich mithilfe der sogenannten Credé-Prophylaxe einer Infektion der Augen mit den Erregern der spezifischen Harnröhrenentzündung (Gonokokken) vorbeugen: Hierbei bekommt der Säugling nach der Geburt Augentropfen in die Augen geträufelt, die die Erreger abtöten.