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Als Wissenschaftler und Professor erlebe ich pro Jahr einige hundert Präsentationen. … Früher war Präsentationstechnik einfach: Mediziner hatten Dias, Psychologen Folien, Mathematiker erkannte man an den kreideweissen Fingern und Ingenieure hatten immer etwas dabei, das sich bewegte, Krach machte und/oder stank. … An den Schulen gab es Tafeln und Kreide, gelegentlich vielleicht einen Overhead-Projektor, sehr selten Dias und in Vertretungsstunden oder am Aschermittwoch ein Video. Ganz besonders gelitten haben Vorträge und Präsentationen überall – von den Schulen über die Geschäftswelt bis hinein in die Wissenschaft – mit der Einführung von Laptops, Video-Beamern und Präsentationssoftware. Es wird visualisiert und animiert, was das Zeug hält – vor allem von denjenigen, die auf sogenannte Professionalität Wert lege ohne wirklich ein Profi zu sein.
… In seinem neusten Buch The Cognitive Style of PowerPoint argumentiert der Graphik-Designer Edward Tufte (2003) sehr klar, dass die Grenzen und die Möglichkeiten moderner Präsentationssoftware zu einer Überfüllung der Präsentationen mit unnützer Grafik … und zugleich zu einer inhaltlichen Verarmung führen. … Viele Ideen lassen sich nicht in fünf Punkten mit jeweils vier Wörtern ausdrücken.
… Wenn Menschen sich treffen, um voneinander zu lernen, haben sie besseres verdient als PowerPoint.
Manfred Spitzer. Vorsicht Bildschirm! dtv: München 2011 (7. Auflage). (143-146)