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Mit dem Nobelpreisträger Milton Friedman (1912 – 2006) beenden wir unsere Sommerreihe über liberale Vordenker. Friedman war einer der einflussreichsten Ökonomen des 20 Jahrhunderts. Er konzentrierte sich auf die Themen des klassischen Liberalismus und gab Anstösse zur praktischen Sozial- und Bildungspolitik. Mit der Finanz- und Eurokrise gewinnen auch seine geldpolitischen Positionen an Aktualität.
«Wie die zentrale Steuerung der Geldmenge funktioniert, ist leicht zu beschreiben – aber kaum zu glauben. Ich habe festgestellt, dass es Nicht-Wissenschaftlern äusserst schwerfällt, sich vorzustellen, dass zwölf von insgesamt neunzehn Menschen, die in einem prachtvollen griechischen Tempel an der Constitution Avenue in Washington tagen – und die alle nicht vom Volke gewählt sind –, qua Gesetz über die furchteinflössende Macht verfügen, die gesamte im Land befindliche Geldmenge verdoppeln oder halbieren zu können. ..Es liegt allein in ihrem Ermessen, die Menge dessen festzulegen, was von den Wirtschaftswissenschaften als «Geldbasis» oder monetäre Basis bezeichnet wird: Bargeldumlauf plus Einlagen der Kreditinstitute bei den zwölf Federal Reserve Banks oder Bargeldumlauf plus Bankreserven. Die Gesamtstruktur der liquiden Mittel, Bankeinlagen, Geldmarktfonds, Anleihen usw. eingeschlossen, stellt eine umgedrehte Pyramide dar, bei der die Menge des Basisgeldes in der Spitze versammelt ist und von der das gesamte Gebilde abhängt.»
«Die grosse Gefahr liegt darin, dass die Kooperation der Zentralbanken … die einzelnen Länder dazu verleitet, die grundlegende Anpassung an veränderte Umstände hinauszuschieben, indem sie für Abhilfen sorgen, die höchstens kurzfristige Ungleichgewichte bereinigen können. Die Konsequenz ist, dass es kleineren Ungleichgewichten gestattet wird, sich zu grösseren auszuwachsen; dass Situationen, die durch allmähliche, behutsame Politik des knappen oder leichten Geldes oder durch geringfügige Veränderung der Wechselkurse hätten korrigiert werden können, sich in Situationen verwandeln, die grössere Veränderungen der Geldpolitik oder Wechselkurse erforderlich machen. Die Konsequenz daraus sind vermutlich nicht nur internationale Finanzkrisen, sondern auch eine Ermutigung im Gebrauch (von) … direkten Kontrollen. Paradoxerweise werden die meisten Ökonomen und die meisten Politiker zustimmen, dass von allen dreien die letztere als grösseres Übel anzusehen ist; jedoch gerade bei dieser Methode hat man in der Nachkriegsperiode am regelmässigsten Zuflucht gesucht.»
«Das Endergebnis aus der Erhöhung der Staatsausgaben, der Vollbeschäftigung und der Zinsbesessenheit der Fed war eine seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs anhaltende Berg-und-Tal-Fahrt mit immer höheren Gipfeln und tieferen Tälern, die sich allerdings in den Achtzigerjahren etwas verlangsamte. Die Inflation ist gestiegen und anschliessend wieder zurückgegangen. Bis 1980 erreichte die Teuerung bei jedem Anstieg einen jeweils höheren Gipfel als zuvor. Bei jeder Talfahrt ging es weiter zurück als zuvor. Die Staatsausgaben nahmen im Verhältnis zum Volkseinkommen zu. Die Steuereinnahmen steigen jedoch nicht so rasch wie die Ausgaben, sodass auch das Haushaltsdefizit im Verhältnis zum Volkseinkommen zunahm…Diese Entwicklung beschränkte sich weder auf die Vereinigten Staaten noch auf die jüngste Zeit. Seit jeher waren Herrscher – Könige, Kaiser oder Parlamente – versucht, sich in eine Steigerung der Geldmenge zu flüchten, um sich mit Mitteln zur Führung von Kriegen, zum Bau von Denkmälern oder für andere Vorhaben zu versorgen. Sie sind dieser Versuchung oft erlegen, und immer war Inflation die unmittelbare Folge.»
Diese Zitate von Milton Friedman stammen aus dem Buch «Markt, Freiheit und Reform – Ein Milton-Friedman-Brevier» von Gérard Bökenkamp (Hrsg.), publiziert in der Reihe «Meisterdenker der Freiheitsphilosophie» bei NZZ Libro.
In dieser Artikelreihe über Klassiker der liberalen Schule, deren Aussagen bis heute Gültigkeit haben, erschienen auch Texte von Adam Smith, Benjamin Constant, Lord Acton, Ludwig von Mises, Alexander Rüstow, Wilhelm Röpke, Ludwig Erhard sowie Friedrich August von Hayek.