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Es gibt nicht mehr viele holy grails (Damnation Alley, biiiiitteeee!) von Jerry Goldsmith, die noch auf eine Veröffentlichung warten, haben uns doch die letzten Jahre so manch wundervolle CDs beschert, deren Aufzählung alleine einen ausführlichen Absatz füllen würden. Für manchen Fan gehörte auch The List of Adrian Messenger dazu, der bisher nur auf Bootlegs wie jenes Soundtrack Library (ca. 38 Min.) zu erhalten war. Nun ist es der allzu lang stille Varèse Club, der den 38minütigen Score zu John Hustons Film endlich ohne Grauzonenappeal auf den Markt brachte (natürlich schweigt sich Robert Townson in seinen Liner Notes über jeglichen Bestand an Schwarzbrennereien aus).
John Hustons mit Stars besetzter Film gehört nicht zu seinen bekannteren Werken, Huston selbst geht auf The List of Adrian Messenger in seiner Biografie „An Open Book“ so gut wie gar nicht ein und erwähnt nur, als Pferdenarr, die Fuchsjagdszenen, und dass sein Sohn Tony hier mitspielte. Im Film sind George C. Scott, Kirk Douglas, Dana Wynter und Gladys Cooper sowie mehr oder weniger gut „versteckt“ Tony Curtis, Frank Sinatra, Burt Lancaster oder Robert Mitchum zu sehen – wobei es Aussagen gibt, die behaupten, einige der aufgeführten Namen seien nur im Schlusstitelspann, wo sie sich „entmaskieren“, zu sehen, im Film selber seien sie durch einen begnadeten Imitator vertreten worden. Wer den Film kennt, wird sich ein eigenes Bild machen können. Gewagt ist die Behauptung auf jeden Fall.
Zum Inhalt: Messenger ist ein Buchautor, der seinen Freund, den ehemaligen MI-5 Agenten Gethryn (mit leicht amerikanischem Akzent, aber bemüht: Scott) bittet eine Liste mit Namen zu überprüfen. Beinahe jeder der gelisteten Personen ist umgekommen und auch Messenger stirbt bei einem Bombenattentat auf seinen Flug nach Kanada, was Gethryn schliesslich überzeugt dieser ominösen Liste nachzugehen.
Nur ein Jahr vor Adrian Messenger schrieb Goldsmith für Huston die grossartige Musik zu Freud, für den er seine erste Oscarnomination erhielt. Es sollten die beiden einzigen Zusammenarbeiten der beiden Filmgrössen bleiben.
Goldsmiths Titelthema ist als Tango verkleidet. Es würde nicht sein einziger bleiben, Jahrzehnte später, für Fred Schepisis Six Degrees of Separation, holte Goldsmith ein weiteres Mal aus und dirigierte einen dieser leidenschaftlichen Vierteltäkter, der hier gleich zu Beginn in „Prologue/Main Title/Gleneyre“ zu hören ist. Es ist allerdings ein eher zurückhaltend ruhiger, mysteriös anmutender und nicht schwungvoll feuriger Tango, den Goldsmith in Adrian Messenger verwendet, eingangs gehört von einem Saxophon, ausgeprägter und mysteriöser als in „Main Title“ dann in „Prelude“. Die Streicher, von denen es nur Celli und Kontrabässe gibt, spielen zunächst wortwörtlich die zweite Geige. Auch ist das Gefahrenmotiv gleich zu Beginn zu hören. Ein weiteres Motiv ist in „Gleneyre“ enthalten, nämlich jenes der Fuchsjagd, allerdings noch verhalten, später wird es ein wichtiger Bestandteil in „Beagles and Fox“. Für Suspense ist in „Death in Disguise“ gesot, hier wie auch im folgenden Stück „Le Borg Remembers“ und in etlichen weiteren Stücken ist das Gefahrenmotiv (gespielt vom Fagott) erneut zu vernehmen, in letzterem setzt Goldsmith ausserdem einen monologen Synthesizer ein, der einen fremdartigen, spukigen Sound vermittelt.
Kurz und bündig aber einer der feinsten Tracks ist „It’s a Gasser“ mit seinen „twilight zone’schen“ Celli. Einen kurzen Verschnaufer gibt es mit Klarinette, Oboe, Harfe und Streicher in „Lost Love“. In der zweiten Hälfte schliesslich sind es die Fuchsjagdsequenzenen, die den Film prägen und auch musikalisch Platz finden: pfundige fortissimo Hörner, Trompeten über rhythmischen Sreichern und Timpanieinsätzen wie in „Beagles and Fox“, ein kleiner Leckerbissen. In „It’s a Drag““ vermischt Goldsmith das Gefahrenmotiv, das Hauptthema und das Fuchsjagdambiente in einen der besten und lebhaftesten Stücke des Scores.
„End Cast“ schliesslich, in dem sich die mit Masken und viel Make-Up verunstalteten Stars zu erkennen geben, sorgt für den schwungvollen Abschluss des Scores.
Gegenüber dem Bootleg zeichnet die Varèse Club Scheibe ein hervorragender Klang und die Aufteilung in die originalen Tracks aus – das Bootleg zog mehrere Stücke zu kleinen Suiten zusammen – wieso auch immer. Plus haben wir hier Liner Notes von Robert Townson, die allerdings etwas gar glorifizierend sind und man so meinen könnte hier das ultimative Meisterwerk Goldsmiths vorliegen zu haben. Ja, ein hübscher oder sagen wir besser spezieller Score, aber beide, Film als auch Musik gehören nicht unbedingt zu den allerbesten ihrer jeweiligen Macher.
THE LIST OF ADRIAN MESSENGER Jerry Goldsmith Varèse Club VCL 0214 1149 38 Min. / 16 Tracks Limitiert auf 3000 Stk.