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In Zeiten des neuen Kalten Krieges zwischen der Nato und Russland sollten Medien mit Informationen aus Regierungs- und Geheimdienstkreisen aller Seiten besonders vorsichtig umgehen, die ursprünglichen Quellen genau nennen und vorsichtigerweise den Konjunktiv verwenden.
Die Darstellung der «Washington Post», dass Russen Computer der Elektrizitätsgesellschaft von Vermont angegriffen hätten, entpuppte sich als Zeitungsente. Die Redaktion nahm die Darstellung am 2. Januar zurück.
Angegriffen wurde lediglich ein Laptop wie unzählige andere auf der ganzen Welt. Eine Verbindung zur Elektrizitätsversorgung hatte dieser nicht. Der Angriff sei mit der bösartigen Software «Grizzly Steppe» erfolgt, welche Russen gelegentlich benutzen würden.
So berichteten am Sonntag 1. Januar die Zeitungen in der Schweiz:
- Die «NZZ am Sonntag» setzte über einen Korrespondentenbericht den unmissverständlichen Titel «Russen hacken US-Stromversorger». Erst im Lead wurde diese Tatsachen-Darstellung mit dem Wörtchen «offenbar» relativiert, dann aber sofort wieder mit einer Tatsachen-Darstellung ergänzt: «Die neue Enthüllung bringt Donald Trump in einen ernsten Konflikt mit der eigenen Partei».
- Die «Schweiz am Sonntag» übernahm eine Meldung der SDA und titelte «Cyber-Angriff auf Stromversorger» ebenfalls als Tatsachen-Darstellung. Im Text wird dann präzisiert, es «sollen Hacker aus Russland» gewesen sein. Als Quelle wird die «Washington Post» genannt, die sich auf «namentlich nicht genannte US-Behörden» berufe.
- Die «Sonntags-Zeitung» hielt es für klüger, diese vagen Informationen der «Washington Post» nicht zu verbreiten.
In den USA dagegen forderten Vermonts Governor Peter Shumlin und der republikanische Senator John McCain die US-Regierung auf, dem Treiben der Russen endlich härter zu begegnen.
«Washington Post» online am 2. Januar 2017: Die Redaktion dementiert ihre Darstellung vom Vortag: Die Computer der Elektrizitätsgesellschaft wurden nicht angegriffen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine