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Wirtschaft
2021-09-01 07:20:12
Besser früher als später (Bild: Avenir Suisse)
Die öffentlichen Bildungsinvestitionen fallen fast ausschliesslich im ersten Drittel des Lebens an, wodurch über möglichst viele Jahre von einer Bildungsrendite profitiert werden kann, wie Avenir Suisse berichtet.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass kein lebenslanges Lernen praktiziert werde – vielmehr spielt der Staat bei Bildungsinvestitionen während des Erwerbslebens eine kleinere Rolle, da diese von Unternehmen und Individuen getragen werden. Die öffentlichen Bildungsinvestitionen fallen fast ausschliesslich im ersten Drittel des Lebens an, wodurch über möglichst viele Jahre von einer Bildungsrendite profitiert werden kann.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass kein lebenslanges Lernen praktiziert werde – vielmehr spielt der Staat bei Bildungsinvestitionen während des Erwerbslebens eine kleinere Rolle, da diese von Unternehmen und Individuen getragen werden. Das heutige Bildungssystem geht nach wie vor von einer Dreiteilung des Lebens aus: Ausbildung, Erwerbsleben und Ruhestand.
Der Grossteil der öffentlichen Ausgaben fällt in den frühen Lebensjahren an. Dies verdeutlicht eine Schätzung der Verteilung der öffentlichen Bildungsausgaben über den Lebenszyklus (vgl.
Abbildung). Dabei fällt folgendes auf:Das «Frontloading» bei den öffentlichen Bildungsausgaben bedeutet jedoch nicht, dass die Lernkarrieren mit 30 Jahren abgeschlossen sind.
Denn nach der (vorwiegend staatlich finanzierten) Ausbildung werde während des Erwerbslebens regelmässig in Weiterbildung investiert. Zudem sei der Arbeitsplatz eine wichtige Lernumgebung: Viele berufliche Fähigkeiten und branchenspezifisches Wissen werden im Berufsalltag erworben und vertieft.
Die Tatsache, dass der Lohn in der Regel mit zusätzlicher Arbeitserfahrung steigt, verdeutlicht die Bedeutung des Lernens im Arbeitsalltag. Die Lohnzuschläge für zusätzliche Arbeitserfahrung haben sich in der Schweiz während der letzten 25 Jahre kaum verändert – das Lernen «on the job» habe also nicht an Bedeutung verloren.Doch inwiefern sollte sich der Staat an den Kosten der Bildungsinvestitionen beteiligen? Generell gilt: Bildung bringt nicht nur Vorteile für die bildungsaktiven, sondern auch für weitere Personen mit sich: So profitiert die Gesellschaft zum Beispiel von gebildeten Menschen, da diese den Fortschritt vorantreiben und eine höhere Produktivität erzielen.
Zudem entstehen Wissensexternalitäten: Abgesehen von dem Forschenden selbst profitieren viele weitere Personen vom neu gewonnenen Wissen.Da ein Teil des Bildungsnutzens der Gesellschaft zugutekommt, wären wohl nicht alle bereit, die gesamten Kosten für ihre Ausbildung zu tragen, wodurch es aus Sicht des Staates eine zu geringe Nachfrage nach Bildung gäbe. Allerdings nimmt mit jeder höheren Bildungsstufe der Anteil der «privaten» Erträge zu.
Der Vorteil einer Ausbildung fällt am Ende der Bildungskarriere vorwiegend der Person zu, die sie in Anspruch nimmt.Der Ertrag von Weiterbildung und dem Lernen im Arbeitsalltag kommt vor allem den Individuen und den Unternehmen zugute, weshalb diese auch die Kosten tragen. Je individueller oder je betriebsspezifischer die Weiterbildung ausgestaltet ist, desto grösser der Anteil, für den die Arbeitnehmer beziehungsweise die Arbeitgeber aufkommen sollten: Wird an einer Schulung beispielsweise nur Wissen vermittelt, das die Angestellten nach einem Jobwechsel nicht mehr gebrauchen können, so kommt in der Regel der Arbeitgeber für die gesamten Kosten auf.
Die Ausgaben für die Verbesserung von generell einsetzbaren Fähigkeiten, die den Angestellten auch ausserhalb des Unternehmens einen Mehrwert bringen – wie zum Beispiel allgemeine berufliche Fähigkeiten oder Sprachkompetenzen – dürften hingegen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geteilt werden.Eine gleichmässigere Verteilung der öffentlichen Bildungsausgaben über den Lebenszyklus sei daher nicht angebracht. Ein höheres staatliches Engagement würde in erster Linie die Weiterbildungsinvestitionen der Individuen und Unternehmen verdrängen.
Jedoch gibt es auch hier Ausnahmen: Staatliche Unterstützung für die Weiterbildung von Arbeitskräften könne dann sinnvoll sein, wenn eine gesellschaftlich wünschenswerte Versorgung nicht erfolgt. Dies sei beispielsweise der Fall, wenn Arbeitskräfte aufgrund mangelnder Weiterbildung den Anschluss an die Arbeitswelt verlieren könnten.Valérie Müller sei seit April 2019 bei Avenir Suisse und als Researcher tätig.
Sie hält einen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre sowie einen Master in Volkswirtschaftslehre von der Universität Freiburg. Zuvor arbeitete sie und andere bei der Schweizerischen Nationalbank sowie im Bereich Qualitätsmanagement an der Universität Freiburg.
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