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Rasche Ejakulation: Was ist das?
Oft hört man von schnellem oder vorzeitigem Samenerguss, wenn es um eine vorzeitige Ejakulation geht. Diese Störung ist sehr häufig und fast ein Drittel der Männer ist davon betroffen. Dennoch ist die vorzeitige Ejakulation ein Tabuthema und nur zwei von 3 betroffenen Männern möchten sich informieren.
Rasche Ejakulation: Vorurteile im Faktencheck
Es gibt viele Vorurteile zu vorzeitiger Ejakulation, die nicht immer als tatsächliche Störung zu betrachten ist.
Vorzeitige Ejakulation zu Beginn des Sexuallebens
Zu Beginn des Sexuallebens oder einer neuen Beziehung kann es zu vorzeitiger Ejakulation kommen. Das ist völlig normal. Sie tritt aufgrund einer Veränderung im Sexualleben und eines vorübergehenden Kontrollverlustes auf, der im Laufe der gesammelten Erfahrungen beseitigt werden kann. Eine solche vorzeitige Ejakulation wird nur zum Problem, wenn sie anhält und dem Mann oder der Partnerin/dem Partner Schwierigkeiten macht.
Die Partnerin/den Partner nicht zum Höhepunkt bringen
Verschiedene Faktoren können dazu führen, dass die Partnerin/der Partner nicht zum Orgasmus gelangt (äußere Sorgen, unzureichende Erregung, verminderte sexuelle Lust usw.). Wenn es nicht gelingt, die Partnerin/den Partner zum Orgasmus zu bringen, hat das nicht zwangsläufig mit der mangelnden Fähigkeit zu tun, den Samenerguss bei der Penetration zu steuern. Beispielsweise kann bei einem Mann, der nach 12 Minuten ejakuliert, dessen Partnerin/Partner allerdings 15 Minuten benötigt, um zum Orgasmus zu kommen, kein vorzeitiger Samenerguss festgestellt werden.
Nicht mindestens 15-20 Minuten zurückhalten können
Es wurde eine internationale Studie (1) in 5 Ländern mit 500 verschiedenen Paaren durchgeführt. Die durchschnittliche Zeit eines Geschlechtsaktes liegt danach bei ca. 5,4 Minuten (6,5 Minuten bei den 18- bis 30-Jährigen und 4,3 Minuten bei den über 50-Jährigen). Das bedeutet nicht, dass jeder Sex 5 Minuten dauern muss. Diese Durchschnittszeit widerlegt jedenfalls die Vorstellung, dass ein Samenerguss, der früher als 15 Minuten nach der Penetration eintritt, schon vorzeitig ist.
Vorzeitige Ejakulation: Wann kann man von einer Störung sprechen?
Eine vorzeitige Ejakulationsstörung erfüllt drei spezifische Kriterien:
Das Zeitkriterium
Die Ejakulation tritt nach der sexuellen Stimulation zu schnell ein. Kommt es früher als eine Minute nach der Penetration zu einem Samenerguss, spricht man von „vorzeitiger“ Ejakulation. Kommt es nach ungefähr zwei Minuten nach der Penetration dazu, spricht man von einer „raschen“ Ejakulation. In beiden Fällen handelt es sich um eine Ejaculatio praecox.
Das Kriterium „fehlende Kontrolle“
Beim Sex ist es größtenteils schwierig, die Erregung zu kontrollieren und die Ejakulation hinauszuzögern. In den meisten Fällen ist es daher unmöglich, den Augenblick für die Ejakulation zu wählen. Sie überrascht den Mann und tritt auf, bevor er es wünscht.
Das Kriterium „persönliche Belastung“
Fortbestehen vorzeitiger Ejakulation über einen kürzeren oder längeren Zeitraum hat psychologische Auswirkungen auf den Mann, der an dieser Störung leidet. Sie führt zu Unannehmlichkeiten oder Frustration und Schwierigkeiten in der Beziehung. Gerade dieses Kriterium macht eine Behandlung so wichtig.
Welche unterschiedlichen Arten vorzeitiger Ejakulation gibt es?
M. D. Waldinger, Arzt für Neuropsychiatrie, unterscheidet vier Typen der vorzeitigen Ejakulation:
Primäre vorzeitige Ejakulation
Sie tritt zu Beginn des Sexuallebens auf und zeigt sich generell bei jedem Sex unabhängig von der Partnerin/dem Partner und dem Umfeld. Die Ejakulation erfolgt fast immer unter einer Minute nach der Penetration.
Sekundäre vorzeitige Ejakulation
Sie tritt allmählich oder plötzlich zu einem bestimmten Zeitpunkt im Sexualleben auf. Vor ihrem Auftreten gelingt es dem Mann, seine Erregung zu kontrollieren und zu einer normalen Ejakulation zu gelangen. Sobald sich eine sekundäre Ejakulatio praecox zeigt, sinkt die Zeit bis zur Ejakulation deutlich auf unter 3 Minuten.
Natürliche oder isolierte vorzeitige Ejakulation
Sie zeigt sich als normale Schwankungen in der Zeit bis zur Ejakulation. Sie hängt ab vom Umfeld und tritt unregelmäßig und gelegentlich auf. Sie wird begleitet vom Eindruck einer verringerten Ejakulationskontrolle.
Die Pseudo-vorzeitige Ejakulation
Die Zeit bis zur Ejakulation ist normal, oft zwischen 5 und 25 Minuten. Die Person leidet daher nicht wirklich unter einem vorzeitigen Samenerguss, ist aber zutiefst davon überzeugt. Die Pseudo-Ejaculatio praecox zeigt sich in der Vorstellung einer fehlenden Ejakulationskontrolle.
Die vorzeitige Ejakulation wurde nur unter dem Blickwinkel eines Geschlechtsverkehrs mit Penetration betrachtet, sie kann allerdings auch bei anderen sexuellen Praktiken auftreten. Eine vorzeitige Ejakulation kann bei erotischem Streicheln oder Oralsex auftreten.
Eine vorzeitige Ejakulation kann sich also zu verschiedenen Zeitpunkten beim Sex zeigen:
- Vor der Penetration spricht man von Ejaculatio „ante portas“.
- Während der Penetration bezeichnet man sie als gleichzeitige Ejakulation.
- Kurz nach der Penetration handelt es sich um eine Ejaculatio „intra-portas“.
Vorzeitige Ejakulation ist keine Krankheit, sondern eine weit verbreitete sexuelle Störung, die mit zahlreichen Vorurteilen, Glaubenssätzen und Tabus belegt ist. Es ist daher sinnvoll, darüber zu sprechen, die Situation zu entschärfen und sich besser zu informieren.
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Quellenangaben: