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Seit dem Neuroscience-Kongress vor fünf Jahren in San Diego ist klar: Das Gehirn von Babys mit sportlich aktiven Müttern entwickelt sich schneller als das von Couch-Potato-Müttern, also von unsportlichen Mamas.
Ein kanadisches Forscherteam teilte schwangere Frauen im vierten bis sechsten Monat in zwei Gruppen. Die eine war dreimal pro Woche 20 Minuten sportlich aktiv. Dabei wurden die Frauen so belastet, dass sie leicht ausser Atem kamen, aber nicht total erschöpft waren. Die andere Gruppe betrieb in dieser Zeit keinen Sport. In der zweiten Woche nach der Geburt untersuchten die Forscher die Hirnaktivität der Babys. Dazu platzierten sie 100 Elektroden auf dem Köpfchen des Kindes.
Im Schlaf untersuchten sie das auditorische Gedächtnis der Babys, also das Hörzentrum im Gehirn, sowie dessen Reaktion auf unbekannte Geräusche. Dabei stellten sie fest, dass sich das Gehirn der Babys von sportlich aktiven Müttern schneller entwickelte.
Fazit von Studienleiter Dave Ellemberg: «Ganz simple sportliche Betätigung während der Schwangerschaft kann die Zukunft des Kindes beeinflussen.»
Inzwischen ist auch bekannt, dass sportliche Schwangere weniger Komplikationen während der Schwangerschaft und bei der Geburt haben. Laut zahlreichen Studien ist Sport in der Schwangerschaft mit einem verminderten Risiko für Frühgeburten, LGA (large for gestational age, zu grosse Kinder für die Schwangerschaftsdauer), Kaiserschnitt, Schwangerschaftsdiabetes, schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck, übermässige Gewichtszunahme, Inkontinenz und Rückenschmerzen sowie mit einem verbesserten psychosozialen Wohlbefinden verbunden.
Empfohlen werden vor allem aerobe Ausdauerbelastungen in moderater Intensität. Das heisst, die Bewegung wird als anstrengend empfunden, eine Unterhaltung ist aber noch möglich.
Wichtig: Sport in der Schwangerschaft ist kein Ersatz für Schwangerschaftsgymnastik und Geburtsvorbereitung.
Sport in der Schwangerschaft: Die Expertin rät
Dr. Katharina Quack Lötscher ist Fachärztin für Public Health am Universitätsspital Zürich.
Frau Dr. Quack Lötscher, warum gibt es neu Bewegungsempfehlungen für werdende Mütter?
Bisher lagen keine einheitlichen Empfehlungen für die Bewegung in der Schwangerschaft und nach der Geburt im deutschsprachigen Raum vor. Diese Lücke wurde nun von Gesundheitsförderung Schweiz geschlossen. Wie für die übrige Bevölkerung gilt auch für Schwangere: Gesund sind 2,5 Stunden pro Woche Bewegung in mittlerer Intensität.
Welche Art von Bewegung wird während der Schwangerschaft empfohlen?
Die Palette reicht von Velofahren über zügiges Gehen bis zu Tanzen, Schwimmen oder Wassergymnastik. Wichtig ist, dass die Schwangeren bei der körperlichen Betätigung etwas ausser Atem kommen. Schwitzen ist nicht unbedingt notwendig.
Wenn man bisher eher wenig bis keinen Sport gemacht hat, kann man noch in der Schwangerschaft damit beginnen?
Auch bisher eher inaktive Frauen können und sollen sich ab Schwangerschaftsbeginn regelmässig 2,5 Stunden pro Woche bewegen. Einschränkungen gibt es bei Frauen mit vorbestehenden gesundheitlichen Problemen wie schlecht eingestelltem Blutdruck oder Herz-Kreislauf-Störungen.
Gibt es Risiken, wenn man sich in der Schwangerschaft sportlich betätigt?
Grundsätzlich gibt es weder für Mutter noch Kind Risiken. Bei Schwangerschaftskomplikationen wie Blutungen, vorzeitigem Blasensprung sowie vorzeitigen Wehen sollte mit der betreuenden Ärztin, dem Arzt oder der Hebamme Rücksprache genommen werden.
Gibt es Sportarten, die Schwangere meiden sollten?
Sportarten mit hohem Sturzrisiko und bei denen Kollisionen möglich sind wie Kampfoder einige Mannschaftssportarten sollten besser gemieden werden (siehe Box).
Wie sieht es mit Krafttraining und Stretching aus?
Leichtes Krafttraining trägt zum Wohlbefinden bei und wird mindestens zweimal wöchentlich empfohlen. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass ab Mitte der Schwangerschaft Übungen in Rückenlage vermieden werden. Stretching kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen. Da das Bindegewebe in der Schwangerschaft generell lockerer ist, sollten die Übungen langsam durchgeführt werden.
Warum sollte nach der Geburt der Beckenboden trainiert werden?
Der Beckenboden war über neun Monate stark belastet und hat dadurch seine Spannung verloren. Da hilft nur zielgerichtetes Beckenbodentraining. Deshalb wird allen Frauen eine Rückbildungsgymnastik mit Aktivierung des Beckenbodens empfohlen.
Kann man mit allen Sportarten nach der Geburt wieder starten?
In den ersten Wochen nach der Geburt sollte auf Sportarten verzichtet werden, die den Beckenboden stark belasten. Dazu gehören Aktivitäten mit hohem Impact wie Rennen und Hüpfen. Erst muss eine gute Aktivierung des Beckenbodens stattgefunden haben, bevor wieder trainiert werden kann. Ähnliches gilt für die Bauchwand.
Experten-Empfehlungen
Mitte September 2018 hat Gesundheitsförderung Schweiz erstmals nationale Empfehlungen zur Bewegung in der Schwangerschaft und nach der Geburt herausgegeben. Dr. Katharina Quack Lötscher war bei der Ausarbeitung als Expertin dabei.