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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Dritte Rede
2.
Wir wollen nun aber auch den Anwalt der Häresie, den Sophisten Asterius, hören. Denn auch er hat im Wetteifer mit den Juden folgendes geschrieben: "Es ist ja ganz klar, daß er deshalb gesagt hat, er sei im Vater und der Vater wieder in ihm, weil er sagen will, daß seine Rede nicht sein, sondern des Vaters sei, noch auch die Werke sein seien, sondern des Vaters, der ihm die Macht gegeben habe". Wäre es ein Kind, das in naiver Weise geredet hätte, so könnte man es ihm wegen seines Alters verzeihen. Da aber ein sogenannter Sophist und einer, der alles wissen will, es ist, der es geschrieben hat, wie hart gehört nicht ein solcher verurteilt? Und wie deutlich verrät er nicht, daß er vom Apostel abweicht, wenn er in einnehmenden Worten menschlicher Weisheit1 sich überhebt und mit diesen betrügen zu können wähnt, ohne selbst zu verstehen, was er sagt, noch worüber er Behauptungen aufstellt?2 Denn was der Sohn als nur zum Sohne gehörig und passend gesagt hat, insoweit er Wort und Weisheit und Bild der Substanz des Vaters ist, das überträgt dieser auf alle Geschöpfe und eignet es dem Sohne und diesen gemeinsam zu, und es behauptet der Gesetzwidrige, die Kraft des Vaters empfange Kraft, um aus seiner Gottlosigkeit folgern zu können, daß auch der Sohn im Sohne zum Sohn gemacht wurde und das Wort die Kraft des Wortes annahm. Und er will nicht mehr, daß er dies als Sohn gesagt habe, sondern wie wenn er es auch in ähnlicher Weise gelernt hätte, stellt er ihn mit allen Geschöpfen zusammen?3 Denn wenn der Sohn deshalb, weil die Worte, die er äußerte, nicht seine, sondern des Vaters Worte waren, und ebenso die Werke, den Ausspruch tat: "Ich im Vater und der Vater in mir", und wenn auch David sagt: "Ich will hören, was Gott der Herr in mir reden wird"4, und Salomo: "Meine Worte sind vom Herrn gesprochen"5, und wenn Moses Diener am Worte Gottes war, und die [S. 245] Propheten jeweils nicht ihre eigenen, sondern Gottes Wort verkündeten — "dies spricht der Herr" —, und wenn die Heiligen die Werke, die sie verrichteten, nicht als ihre eigenen bezeichneten, sondern als die Werke Gottes, der ihnen die Macht gegeben hat, wie z. B. Elias und Elisäus, die Gott anriefen, damit Er die Toten erwecke, und da Elisäus zu Naaman nach seiner Reinigung vom Aussatz sagt: "Damit du erkennest, daß ein Gott in Israel ist"6, ferner auch Samuel in den Tagen der Ernte zu Gott flehte, er möge Regen geben und endlich auch die Apostel sagten, daß sie nicht aus eigener Kraft die Zeichen wirkten, sondern mit der Gnade des Herrn, so könnten nach seiner Ansicht offenbar alle miteinander eine solche Sprache führen, und jeder könnte sagen: "Ich im Vater und der Vater in mir", und es wäre von nun an dieser [unser] Sohn Gottes, Wort und Weisheit nicht mehr Einer, vielmehr wäre auch Er nur einer von vielen.
1: 1 Kor. 2,4.
2: 1 Tim. 1,7.
3: Vgl. II. Rede c. 28.
4: Ps. 84,9.
5: Vgl. 3 König. 8,59; 10,24.
6: Diese Worte finden sich in 4 Kön. c. 8 nicht ausdrücklich. In Vs. 8 sagt Jeremias: "Damit er erkenne, daß ein Prophet in Israel ist", und in Vs. 15 lauten die Worte Naamans: "Nun erkenne ich, daß kein anderer Gott ist auf der ganzen Erde als allein in Israel".