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Tuggurt (Algerien) – Timbuktu (Mali)
Die erste Sahara-Durchquerung im Automobil
In den letzten Tagen kommen die Staaten Mali und Algerien nicht aus den Schlagzeilen. Das Gasfeld In Amenas in der Sahara ist durch das Geiseldrama von Mitte Januar 2012 auf der ganzen Welt bekannt geworden.
Die Sahara war auch vor 90 Jahren in den Zeitungen – allerdings aus anderen Gründen.
Am 17. Dezember 1922 starteten zehn Männer unter der Leitung von Georges-Marie Haardt und Louis Audouin-Dubreuil mit fünf Fahrzeugen vom Typ P4, basierend auf Citroën B2 10HP, ausgestattet mit Kegresse-Antrieb, um im Auftrag von André Citroën die Sahara erstmals mit Motorfahrzeugen zu durchqueren. Startort war Tuggurt im Nordosten von Algerien, Zielort war Tibuktu im damaligen Französisch-Westafrika, heute Mali. Die Route sollte über Ouargla, In-Salah, Tin Zaouaten und Kidal führen.
Der von Adolphe Kégresse entwickelte Raupenantrieb bewährte sich im unwegsamen, rauen Gelände, und die Karawane erreichte nach 21 Tagen und 3500 Kilometern am 7. Januar 1923 wohlbehalten das Ziel. Die Fahrzeuge waren mit besonderen Karosserien sowie mit Anhängern ausgestattet. Neben Werkzeug, Zelten und Ersatzteilen wurden auch Maschinengewehre und Munition mitgeführt.
Die Expeditionsleiter legten grossen Wert auf korrektes Auftreten und Hygiene; Körperpflege war ein wichtiges Element in den Biwaks.
Ziel der Expedition war, eine Autoverbindung zwischen Algerien und den Ländern südlich der Sahara zu schaffen, denn diese waren durch die Wüste fast völlig abgeschnitten und konnten allenfalls mit Kamelkarawanen erreicht werden.
Die Durchquerung der Sahara war während zweier Jahre von einer Spezialabteilung der Citroën-Werke mit systematischen Forschungen und Testfahren in der nördlichen Sahara vorbereitet worden.
Sechs Monate nach der 1. Saharadurchquerung wurden die Pisten ausgebaut und von der „Companie Transsaharienne Citroën“ eine regelmässige Verbindung zwischen Algier und Timbuktu eingerichtet, welche zwei Mal pro Woche verkehrte. Nicht zuletzt sollte mit dieser Verbindung der Tourismus (!) angekurbelt werden. Die „Companie Transsaharienne Citroën“ wurde beauftragt, diesbezügliche Studien durchzuführen und Hotels zu bauen.
Zwei Flugrouten – damals hauptsächlich zum Transport von Post – wurden errichtet, eine im Norden, von Algier über Colomb-Béchar, Beni Abbès nach Adar, die andere im Süden, von Timbuktu über Bourem nach Tessalit.
Die Saharadurchquerung war gewissermassen der Prolog für die „Expédition Citroën Centre Afrique“ bei der 1924/1925 ganz Afrika durchquert wurde. Diese Expedition ging als „Croisière Noire“ in die Geschichte ein. Am Viktoriasee trennte sich die Gruppe auf. Ein Teil gelangte über Kapstadt (Südafrika) und dann auf dem Seeweg nach Madagaskar, der Rest fuhr auf dem Landweg – zum Teil ebenfalls aufgeteilt und auf verschiedenen Routen – durch Tansania und Mosambik zur Insel Madagaskar.
Bei der Saharadurchquerung von 1924, dieses Mal auf einer direkteren Route als 1922/23, entwickelte über mehr als 500 Kilometer sich ein Wettkampf zwischen den Raupenfahrzeugen von Citroën und einer Gruppe von 6-rädrigen Renaults.
Erich Déschamps und seine P4 Kegresse
Eric Déschamps, den ich im Sommer 2007 kennenlernen konnte und seither zu meinen Freunden zähle, besitzt ein solches Versorgungsfahrzeug. Er gewährte mir bereits zweimal die Freude, mit diesem ganz besonderen Vehikel zu fahren und Spuren zu ziehen.
Erics P4 Kegresse basierend auf Citroën B2
Eric hat mehrere Bücher zum Thema „Kegresse“ geschrieben, darunter auch ein Kochbuch mit Rezepten, die an der Croisière Noire zur Anwendung gelangten. Wer einmal einen Elefantenrüssel auf dem Teller haben möchte, ist gut beraten, sich vorher mit dem Buch „La Cuisine des Croisères Citroën“ über die korrekte Zubereitung zu informieren…
Eric hatte die Gelegenheit, mit Mechanikern und Fahrern der Croisières zu sprechen, was sich in seinen Büchern niederschlägt, zum Beispiel im Werk Croisières Citroën "Carnets de route africains".
Eric Déschamps’ Webseite: www.croisieres-citroen.com
Auf Deutsch erhältlich ist das Buch „Expedition Afrika“ von Ariane Audouin-Dubreuil, einer Tochter des Expeditionsleiters Louis Audouin-Dubreuil. Dieses Buch ist reich bebildert. Für den Citroën-Freak geht es etwas wenig auf die technischen Details ein, erläutert dafür umso deutlicher die Hintergründe und die soziologischen, ethnologischen, biologischen und geografischen Erkenntnisse, welche dank der Expeditionen gewonnen wurden.
Der Autor auf den Spuren der Sahara-Expedition
Auf der CTAC-Webseite sind zwei Beiträge zum Thema Citroën Kegresse zu finden: