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Brasilien könnte einen ehrgeizigeren Beitrag zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beisteuern, als beim Weltklimagipfel in Paris versprochen. Davon geht das “Observatório do Clima“ aus, das am Dienstag eine Analyse des brasilianischen INDC-Klimaplans und neueste Daten vorgelegt hat. Es fordert zudem anstatt angepeilter Prozentwerte absolute Zahlen, da sich die Berechnungsgrundlagen verändert haben.
Nach den im September 2015 vorgelegten Plänen will sich Brasilien verpflichten, die Emissionen bis 2025 um 37 Prozent und bis 2030 um 43 Prozent zu senken. Ausgehend von den bisherigen Daten des Basisjahres 2005 würde dies einem Ausstoß von respektive 1,3 und 1,2 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entsprechen.
Die Berechnungen der brasilianischen Regierung fußen dabei auf dem Inventar aus dem Jahr 2010, das von 2,133 Milliarden Tonnen Kohlendioxidausstoß ausgeht. Nach dem neuesten Inventar (2016) mit genaueren Berechnungen sind diese jedoch bei 2,8 Milliarden Tonnen gelegen.
Würde die Regierung lediglich an der Verringerung der Emissionen via Prozentwerte festhalten, würde dies einer Erhöhung im Vergleich zu den momentanen Werten entsprechen. Dann würden die Ziele umgerechnet bei 1,7 im Jahr 2025 und 2030 bei 1,6 Milliarden Tonnen liegen, während laut dem SEEG (Sistema de Estimativa de Emissão de Gases de Efeito Estufa) 2014 etwa 1,3 Milliarden Tonnen Kohlendioxide in die Atmosphäre freigesetzt worden sind.
Gefordert wird deshalb eine Anpassung des INDC-Planes. Die könnte entweder mit einer Reduzierung von 53 Prozent bis 2025 und 57 Prozent bis 2030 geschehen oder mit den absoluten Werten von 1,3 und 1,2 Milliarden Tonnen. Beides kann nach Meinung der Forschergruppe ohne Probleme mit den vorgeschlagenen Maßnahmen erreicht werden. Möglich wäre bis 2030 damit sogar eine Verringerung der Treibhausgase auf 1,047 Milliarden Tonnen.
Vorgesehen ist die Aufforstung von 12 Millionen Hektar Wald, die Rekuperation von 15 Millionen Hektar degradierter Weiden, eine Ausweitung des Anteils der erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft) auf 28 bis 33 Prozent der Energiematrix und die Ausmerzung der illegalen Kahlschläge im Amazonas-Regenwald.
SEEG-Koordenator Tasso Azevedo geht davon aus, dass Brasilien sogar eine Reduzierung auf 800 Millionen Tonnen CO2-Emissionen erreichen könnte, würden die Abholzungen nicht nur im Amazonas-Regenwald, sondern ebenso in den anderen Biomen des Landes, wie dem Cerrado und dem Atlantischen Regenwald, gestoppt.
Die Veränderung der Landnutzung sind für 42 Prozent der Treibhausgasemissionen Brasiliens verantwortlich. Sie werden allen voran von den Kahlschlägen verursacht, die häufig eine landwirtschaftliche Nutzung nach sich ziehen. Auf das Konto der Landwirtschaft gehen wiederum 23 Prozent der Ausstoße.
Während der Kongress dem bisher vorgelegten Klima-Plan bereits zugestimmt hat, ist noch offen, wie sich die Regierung nun angesichts der neuen Berechnungsgrundlagen zur Aufnahme neuer Zielvorgaben entscheiden wird. Ratifizieren wird das südamerikanische Land das Klima-Abkommen voraussichtlich am 12. September.