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Alkohol in der Schwangerschaft: Die Gesellschaft ist gefordert
Rund eines von hundert Neugeborenen in Europa kommt auf Grund des Alkoholkonsums seiner Mutter mit Beeinträchtigungen zur Welt. Am heutigen 9. September, dem Tag des alkoholgeschädigten Kindes, findet diesbezüglich eine internationale Sensibilisierungskampagne statt. Auch die Stiftung Sucht Schweiz bietet Informationen zum Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und weist auf ihre Broschüren hin.
Gemäss Zahlen des Suchtmonitorings trinken rund 18,7% der Frauen in der Schweiz im Alter von 15 bis 45 Jahren mindestens einmal pro Monat zu viel Alkohol bei einer Gelegenheit (vier Standardgläser oder mehr). Unter den schwangeren und stillenden Frauen dieser Altersgruppe liegt diese Zahl zwischen 5 und 6%. Auch wenn nicht eindeutig belegt ist, ab welcher Alkoholmenge die Entwicklung des Kindes beeinträchtigt wird, so können die Schäden für Neugeborene beträchtlich sein: Verlässliche Zahlen fehlen zwar für die Schweiz, aber es wird geschätzt, dass in Europa zwischen 0,5 und 2 Kinder pro 1000 Neugeborenen mit dem FAS-Syndrom zur Welt kommen. Insgesamt sind rund ein Prozent aller Neugeborenen von FASD betroffen.
Alkoholbedingte Beeinträchtigungen
Alle Beeinträchtigungen auf Grund des Alkoholkonsums werden unter dem Kürzel „FASD“ (Fetal Alcohol Spectrum Disorder) zusammengefasst. In vielen Fällen manifestiert sich FASD in Merk- und Lernschwierigkeiten, Sprechstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität. Beim spezifischeren FAS (Fetales Alkoholsyndrom) sind speziell Wachstumsverzögerungen, körperliche Auffälligkeiten, insbesondere am Kopf und im Gesicht sowie Dysfunktionen des zentralen Nervensystems mit entsprechenden Folgeschäden zu beobachten. Letzteres kann auch verzögerte geistige Entwicklung und verminderte Intelligenz bedeuten.
Empfehlungen
Alkohol gelangt über die Plazenta direkt ins Blut des Kindes. Anders gesagt: Das Kind trinkt mit. Auch wenn gemäss heutigen Erkenntnissen nicht hinreichend geklärt ist, ab welcher Menge Alkohol die Gesundheit des Kindes schädigt, so ist Vorsicht geboten:
-> Am sichersten ist es, während der Schwangerschaft keinen Alkohol zu trinken. Wenn Alkohol getrunken wird, dann nur wenig (nicht mehr als ein Standardglas pro Tag) und dies auch nicht jeden Tag.
-> Auf jeden Fall grössere Mengen Alkohol bei einer Gelegenheit vermeiden.
-> Zögern Sie nicht, sich bei Fragen zum eigenen Alkoholkonsum vom Arzt oder Gynäkologen fachlich beraten lassen.
-> Der während der Stillzeit getrunkene Alkohol gelangt auch in die Muttermilch. Die dadurch vom Kind aufgenommene Menge ist allerdings sehr gering. Da das Risiko für das Kind aber noch unklar ist, empfiehlt sich auch während der Stillzeit eine Zurückhaltung beim Alkoholkonsum: Am besten kein Alkohol oder nur geringe Mengen, und pro Glas Alkohol mindestens zwei Stunden Pause bis zum nächsten Stillen.
Internationale Sensibilisierungskampagne: Schwangere Frauen unterstützen
An diesem 9. September hat die Europäische FASD-Allianz zu einer Informationskampagne "Too young to drink" aufgerufen, um die ganze Gesellschaft auf das Thema Alkohol und Schwangerschaft zu sensibilisieren. Denn die Verantwortung liegt nicht alleine bei den schwangeren Frauen: Auch deren Partner und die Gesellschaft sind gefordert, den Verzicht auf Alkohol zu unterstützen und schwangere Frauen nicht zum Mittrinken zu verleiten. Dies hat Einfluss darauf, wie viel Alkohol während der Schwangerschaft konsumiert wird. Gemeinsam mit zahlreichen Organisationen unterstützen Sucht Schweiz wie auch der Internationale Bund des Blauen Kreuzes diese Kampagne.
Zum Thema Alkohol in der Schwangerschaft hat Sucht Schweiz vor Kurzem eine neue Infobroschüre für schwangere Frauen und deren Partner sowie eine Dokumentation aus der Reihe „Im Fokus“ herausgegeben, die detaillierte Informationen zum Thema Alkohol und Schwangerschaft anbieten.
Auskunft:
Markus Meury
Mediensprecher
<email-pii>
Tel.: 021 321 29 63
Die Stiftung Sucht Schweiz ist ein nationales Kompetenzzentrum im Suchtbereich. Sie betreibt Forschung, konzipiert Präventionsprojekte und engagiert sich in der Gesundheitspolitik. Das Ziel der Stiftung ist, Probleme zu verhüten oder zu vermindern, die aus dem Konsum von Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen hervorgehen oder durch Glücksspiel und Internetnutzung entstehen. Mehr als 200`000 Personen unterstützen unsere NGO.