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Vergleicht man den Anteil der vom Arzt abgegebenen Medikamente und das Durchschnittseinkommen pro Kanton, so stellt sich die Frage ob hier ein Zusammenhang und gar eine ursächliche Wirkung besteht… Die obige Abbildung gibt einen Überblick über die Einkommen von frei praktizierenden Ärzten in den verschiedenen Kantonen verknüpft mit dem Anteil an abgegebenen Medikamenten. Die Linke …weiterlesen »
Vergleicht man den Anteil der vom Arzt abgegebenen Medikamente und das Durchschnittseinkommen pro Kanton, so stellt sich die Frage ob hier ein Zusammenhang und gar eine ursächliche Wirkung besteht…
Die obige Abbildung gibt einen Überblick über die Einkommen von frei praktizierenden Ärzten in den verschiedenen Kantonen verknüpft mit dem Anteil an abgegebenen Medikamenten. Die Linke y-Achse zeigt den Anteil der Medikamente am Gesamtumsatz der Arztpraxen in der obligatorischen Krankenversicherung (Quelle Datenpool OKP Ausgaben 2011 SASIS). Die untere Achse zeigt die Höhe des Einkommens der Praxisärzte (Median Wert, Quelle: SAEZ 2011; 92:36). Der Schnittpunkt der kantonalen Werte von Medikamentenanteil und Einkommen wird als Punkt mit der Abkürzung des Kantons angegeben. So liegt das Einkommen in Basel-Stadt bei rund Fr. 143‘000 und der Anteil abgegebener Medikamente bei rund 5%. In die Grafik eingezeichnet wurde mit einer Linie der schweizerische Durchschnittswert. Was nun auffällt ist, dass die frei praktizierenden Ärzte in sämtlichen Kantone, in denen die Abgabe der Medikamente erlaubt ist, einkommensmässig darüber liegen und in allen anderen Kantonen darunter. Der Korrelationskoeffizient, das Mass für den Zusammenhang der Zahlenwerte, liegt mit 0.74 relativ hoch und ist signifikant.
«Selbst dispensierendes Einkommen»
Wir können nun die Frage tatsächlich positiv beantworten, zumindest solange wir nicht eine bessere Erklärung für diesen Zusammenhang finden. Einem angehenden Arzt in der Region Basel würden wir aus dieser Analyse heraus empfehlen eher im Kanton Baselland eine Praxis zu übernehmen. Er könnte damit pro Jahr rund 56‘000 Franken mehr Einkommen erwarten als im Kanton Baselstadt, in dem die Selbstdispensation nicht erlaubt ist.
Die Nutzniesser…
Erklären lassen sich die zusätzlichen Einnahmen sicherlich mit den Margen und den Rabatten, die beim Einkauf der Medikamente erzielt werden können. Die Rabatte werden von den selbstdispensierenden Ärzten in der Regel nicht weitergegeben. Die für die Medikamentenabgabe benötigte Infrastruktur in einer Arztpraxis ist bescheiden und verursacht verhältnismässig geringe Kosten. santésuisse hat bereits mehrmals auf die zu hohen Margen im Bereich der Selbstmedikation hingewiesen (Pressmitteilung und Studie oder auch hier im Blog).
…und die Frommen
Erstaunlich sind in diesem Zusammenhang immer wieder die Erklärungen der Leistungserbringer, die ein Interesse an der Abgabe von Medikamenten haben. Im Zentrum steht nach ihrer Meinung immer der Nutzen für den Patienten (siehe auch Editorial vom Präsidenten der FMH in der Ärztezeitung). Die Frage wäre ob dies das Wirtschaftlichkeitsgebot in unseren gesetzlichen Rahmenbedingungen erfüllt. Der Preisüberwacher meint Nein und empfahl bereits im Juni 2010 eine rasche Anpassung der Margenordnung, die bis heute nicht erfolgt ist.
Wenn Sie andere Erklärungen für diesen erstaunlichen Zusammenhang haben, freut uns ihr Kommentar.