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Ein Bild von einer Pfalz
In Zeiten des mittelalterlichen Reisekönigtums wählten die Herrscher des römisch-deutschen Reiches mehrmals Zürich zu ihrem temporären Aufenthaltsort. Als Residenz diente den Königen und Kaisern die Pfalz auf dem Lindenhof. Hier wurden Amtshandlungen durchgeführt und Empfänge gegeben. Vom Hügel aus überragte die repräsentative Königspfalz die frühstädtische Siedlung an der Limmat.
In Zürich sind zwei grosse Pfalzgebäude archäologisch nachgewiesen. Ein älterer, karolingischer Bau wurde wahrscheinlich unter den Saliern in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts abgetragen und durch einen Neubau ersetzt. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts erfolgte der endgültige Abbruch. Mauerreste der Pfalz können heute im Archäologischen Fenster auf dem Lindenhof (Lindenhof-Keller) besichtigt werden.
Rekonstruktion der zweiten Königspfalz auf dem Lindenhof in Zürich
Der Blickwinkel entspricht einem imaginären Standort auf der Kanzel am gegenüberliegenden Limmatufer der heutigen Rudolf-Brun-Brücke, Blickrichtung Südwesten. Die Pfalz ist als zweigeschossiger, verputzter Steinbau mit Ziegeldächern dargestellt. Verputzt waren auch die Sandstein-Vorlagen an den Fassaden. Vergleichbare Bauten zeigen, dass der eigentliche Hauptsaal über dem Erdgeschoss-Saal zu lokalisieren ist. Im Obergeschoss des Anbaus in der Nordostecke (Raum H) lässt sich ein Abtritterker vermuten. Die Kapelle mit Zugang ist rechts erkennbar. Gegen die Limmat erhebt sich die Kastellmauer aus spätrömischer Zeit (4. Jahrhundert), die im Mittelalter noch zu weiten Teilen aufrecht stand und eine von der Pfalz aus zugängliche Terrasse bildete. Links ist die St. Peter-Kirche erkennbar. Die hölzerne Uferverbauung an der Schipfe ist einer in Konstanz freigelegten Konstruktion nachempfunden. In der Limmat stehende Fischerhüttli sind seit dem 13. Jahrhundert sicher nachweisbar.
Grafische Umsetzung: Marco Bernasconi, archäologie & CAD/CG, www.archaeolab.ch
© 2011 Stadt Zürich, Amt für Städtebau, Archäologie
Die Pfalz im Grundriss
Der Haupttrakt war mindestens 75 Meter lang und 13 Meter breit. In die Raumabfolge integriert war der grosse Kaisersaal (Raum D, Innenmasse 31,2 x 11,4 Meter). An die Nordwestecke war eine Kapelle angebaut (Raum A). Wegen ihrer geringen Grösse ist sie als eine Art Privatkapelle der Herrscherfamilie zu betrachten. Für Raum I im Osttrakt lassen sich wegen der Feuerstelle Wohnzwecke vermuten.
Der ergänzte Grabungsplan zeigt die Lage des zweiten Zürcher Pfalzgebäudes im spätrömischen Kastell auf dem Lindenhof. (Plan AfS/Archäologie)