Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03418.jsonl.gz/741

Wir erhielten von einem jungen Handwerker den Auftrag, auf einer kleinen Parzelle mit schönen Obstbäumen auf dem Gelände einer alten Sägerei ein Werkstattgebäude zu bauen. Um das steinerne alte Hauptgebäude herum breitete sich eine ständig verändernde Stadt von Bretterhäusern aus.
Wir wollten diese Landschaft von alten, stabilen wie beweglichen Teilen nicht durch ein weiteres Gebäude mit Fundamenten, Fenstern und Dächern verletzen. Deshalb haben wir die Werkstatt als fragilen, beweglichen Verschlag aus sieben grossen, vorfabrizierten Holzplatten entworfen. Die Konstruktion liegt lediglich auf offen verlegten Betonbalken auf. Die Paneele – selbsttragende Rahmen – lehnen gegeneinander und stützen sich wie ein Kartenhaus, Licht dringt durch die Ritzen zwischen den Platten und durch Löcher ein. Türen sind nicht sichtbar, «Fenster» sind Perforationen, das Dach lässt sich in den Garten hinausfahren und ganze Wände können zur Seite geschoben werden. Dadurch verwandelt sich der Innenraum in einen Hof, und beim Übereinanderschieben reduzieren die Melnikov-Öffnungen den Lichteinfall wie Fotoblenden.
Die Fügung der Hölzer weist jede Tendenz zur Perfektionierung zurück und stellt die Bauteile gewissermassen als einzelne Bretter aus wie bei einer Baumhütte von Kindern. Auch dort sind die Fenster die Lücken zwischen leidlich vernagelten Wänden. Ähnlich wie das STUAG-Projekt vermeidet die Konstruktion den Ausdruck einer konventionellen Architektur zugunsten der zweifelhaften Stabilität von schwer identifizierbaren Stücken, welche in offener und vager Beziehung zueinander stehen. Der Entwurf ist auch eine Untersuchung darüber, ob die Zufälligkeit und Zerbrechlichkeit einer gewachsenen, alltäglichen Stimmung auf einem ländlichen Hof in einer neuen Architektur weiterleben kann.
Zehn Jahre später wurden wir an die «Parasite»-Ausstellung in Holland eingeladen, wo das Provisorische und Subversive Gegenstand urbanistischer Strategien war. Wir haben das «Haus Hodel» als Readymade für einen situationistischen Urbanismus gezeigt. Es wurde als Informations- und Gemeinschaftspavillon in einer riesigen Rotterdamer Satellitenstadt realisiert, welche einer vollständigen Neuplanung weichen wird.≥ Download Projektdokumentation