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Hans Bellmann wurde 1911 in Turgi geboren. Nach einer Bauzeichnerlehre in Baden zog Bellmann 1931 nach Dessau, um am Bauhaus zu studieren. Nach seinem Diplom arbeitete er bei Mies van der Rohe in Berlin. 1934 kehrte er in die Schweiz zurück und arbeitete in verschiedenen Architekturbüros, bevor er sich 1946 selbstständig machte. Er arbeitete unter anderem für die Wohnbedarf AG und entwarf neben Möbeln auch Industrieprodukte. Bellmann war als Dozent an den Kunstgewerbeschulen in Zürich und Basel sowie an der Hochschule für Gestaltung in Ulm tätig. 1990 ist er in Wiggwil gestorben.
von Gabrielle Boller
So leicht, wie er optisch daherkommt, ist er auch tatsächlich: Der «Einpunktstuhl» von Hans Bellmann, ein Entwurf von 1951, ist mit gerade mal 3,8 Kilo ein Federgewicht unter den Stühlen. Er stammt aus einer Zeit, als Licht, Luft und Transparenz an die Stelle der landhausstilverliebten Wohnwelten der Schweizer Nachkriegszeit traten. Gleichzeitig liessen neue Verarbeitungstechniken es zu, schichtverleimte Furnierplatten mithilfe von Dampf zu verformen, die Sitze von Stühlen also wie aus einem Guss zu gestalten. Fast zur selben Zeit wie Hans Bellmann entwickelte etwa Arne Jacobsen einen auf solche Weise gefertigten dreibeinigen Stuhl, bekannt als die «Ameise». Diesen Namen erhielt er wegen seiner Taille, die Stabilität und Flexibilität gewährleistete, während Bellmann beim «Einpunktstuhl» zum selben Zweck die seinen Entwurf charakterisierende mittige Öffnung in die Rückenlehne einfügte. Damit hatte der Stuhl gleich einen praktischen Tragegriff und erinnerte ein klein wenig an die traditionellen bäuerlichen Stabellen. Die namensgebende Besonderheit des Stuhls ist jedoch die Befestigung des Untergestells mit einer einzigen Schraube – am Punkt auf der Sitzfläche zu erkennen. Die zwei überkreuz angeordneten und nach aussen laufenden Beinpaare lassen, chromglänzend, die Sitzschale schwebend erscheinen, den ganzen Stuhl wie ein exquisites Insekt auf zarten Beinen tanzen. Mit grösster Sparsamkeit der Mittel schuf Hans Bellmann einen modernen Möbelklassiker, der 1952 vom Schweizerischen Werkbund die Auszeichnung «Die gute Form» erhielt.
Auch wenn es Arne Jacobsens taillierter «Serie 7»-Stuhl war, der zu Weltberühmtheit gelangte, nachdem das Callgirl Christine Keeler – bekannt durch die Profumo-Spionageaffäre – 1962 auf ihm posierte, trafen Bellmanns Stuhlentwürfe nicht weniger den Nerv der Zeit. Für seinen «ga Stuhl» etwa entwickelte der Designer 1955 eine zweigeteilte Sitzschale, die mit einem Winkel in der Mitte auf raffinierte Weise optische Dreidimensionalität erreichte. Auch das grazile «Stapeltischchen», wie die beiden Stühle von Horgenglarus wieder neu aufgelegt, ist mit seinem aufgebogenen Rand ein transportables Multifunktionalmöbel, das bequem von einem Raum in den anderen, ja selbst in den Garten oder auf den Balkon getragen werden konnte. Mobilität bestimmte das neue Wohnen bei engeren Platzverhältnissen, und der am Bauhaus geschulte Hans Bellmann schuf mit seinen leicht zu transportierenden Möbeln ein variables Programm, bei dem alles auch ständig wieder umgeräumt werden konnte. In Zusammenarbeit mit der Firma Therma entwickelte Hans Bellmann Kücheneinrichtungen, für die Expo 1964 ein neues Schweizer Telefon, auch ein schnörkelloses Lavabo gehört zu seinen prämierten Entwürfen, mit denen er konsequent auf die veränderten Lebensbedingungen und Wünsche seiner Zeit einging.