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An jedem 1. November gedenkt die Kirche all er ihrer Heiligen. Es
ist ja eigentlich ermutigend, dass deren weit mehr sind als „Tagesheilige"
in den Jahreskalender hinein passen! Wie aus der Präfation zum Hochfest
Allerheiligen hervorgeht, wird an diesem Tag, über die bereits kanonisierten
Heiligen hinaus, auch all jener Glieder der Kirche gedacht, die „schon
zur Vollendung gelangt sind" — eine sicherlich große Zahl, die nur
Gott allein bekannt ist. In der Festmesse findet sich auch die Vision der
Geheimen Offenbarung von den vielen Geretteten: „Dann
sah ich eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern
und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen
Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in
ihren Händen (Off 7, 9)." Es werden an diesem Tag die Seligpreisungen
der Bergpredigt gelesen — mit der Intention: Gerettet und gerechtfertigt
vor Gottes Angesicht sind auch all jene, die sich die Weisung Christi,
wie sie sich in der Bergpredigt prägnant zusammengefasst findet, zur
Richtschnur ihres Lebens genommen haben.
Die Ursprünge von Allerheiligen reichen bis ins 4. Jahrhundert zurück — also noch bis ins Römische Reich hinein. Zunächst wurde Allerheiligen für gewöhnlich am Sonntag nach Pfingsten gefeiert, wodurch der Zusammenhang mit dem Auferstehungsfest Ostern verdeutlicht werden sollte. Zu Beginn des 7. Jahrhunderts weihte Papst Bonifaz den zentralen Tempel in Rom, das Pantheon, zur christlichen Kirche „Santa Maria ad martyres". Zwei Jahrhunderte darauf wurde der Feiertag von Papst Gregor IV. - zunächst für die Stadt Rom - auf den 1. November verlegt.
Da Maria in der Verehrung der Heiligen klar der erste Platz gebührt, ist das Allerheiligenfest unausgesprochen immer auch ein Marienfest. Das bezeugt auch das Patrozinium des ehemaligen Pantheons. Dieses („S. Maria ad martyres") legt allerdings zu Recht noch einen weiteren Schluss nahe: Der Anfang des Festes ist mit der Verehrung der Märtyrer verbunden. — Und eben auch mit Maria. So lautet ein sehr altes Gebet an Christus aus der Allerheiligenliturgie der Syrer (der Priester spricht hierbei stellvertretend für alle Verstorbenen): „ ... So legen wir vor Dich, Herr, das Flehen und die Gebete, die die Jungfrau Maria, die Dich getragen, und all [...] Deine Diener und Freunde, Dir für uns [Tote] dargebracht haben." Ergreifend beleuchtet dieses Gebet auch den Zusammenhang und Zusammenhalt, die Einheit der Lebenden und Toten vor Gottes Angesicht.
Der Allerheiligentag ist gegenwärtig allerdings skurillen und kuriosen Bedrohungen ausgesetzt. .... Ernster gefährdet sind das Hochfest des 1. Novembers und das Allerseelenfest allerdings durch das Spektakel rund um „Halloween". Es wäre schrecklich — und diesmal wirklich „gruselig" — , wenn der damit betriebene morbide Ulk das Gedenken an unsere Heiligen und Verstorbenen in absehbarer Zeit aus unserem sozialen Leben verdrängte.
In Liebe zu Maria verbunden Ihr Diakon Sigmund Bonk
(Quelle: Auszg aus: "Bote
von Fatima", Nov. 2016, S. 90, IMR Regensburg)