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Ein D. ist ein Amtsbezirk, der innerhalb eines Bistums mehrere Pfarreien umfasst. Auch die Amtsstelle des Vorstehers einer solchen Verwaltungseinheit, des Dekans, wird D. genannt. Im 9. bis 13. Jh. wurden die Archidiakonate, die meist den von Karl dem Grossen geschaffenen Gauen entsprachen, territorial in D.e gegliedert. In kleinen Bistümern gab es nur die Einteilung in D.e. Allgemein fassbar wurde die Gliederung im 13. Jh.
Im SpätMA entsprachen die zwölf D.e im Bistum Basel territorial den zwölf Archidiakonaten. Im Bistum Konstanz gab es 64 D.e, die in zehn Archidiakonate zusammengefasst waren. Im Bistum Chur scheinen dagegen die sieben D.e die älteren Archidiakonate verdrängt zu haben, während die Bistümer Lausanne mit neun und Genf mit sieben D.en das Institut des Archidiakonats nicht kannten. Das Bistum Sitten zählte im Wallis zehn D.e, die den polit. Zenden entsprachen. Im Tessin blieben die Funktionen des Dekans dem Archipresbyter oder Propst (praepositus) der ältesten Mutterkirchen (pievi) vorbehalten.
Das Amt des Dekans war nicht nur ein Instrument der Diözesanverwaltung, es hatte auch genossenschaftl. Wurzeln. Das Landkapitel hatte das Recht, den Dekan zu wählen oder dem Bischof einen Kandidaten für das D. vorzuschlagen. Dagegen dienten die Archidiakone (der sog. jüngeren Ordnung) in Verwaltung und Gericht als verlängerter Arm des Bischofs. Mit der Zentralisierung der bischöfl. Gewalt schwächten sich die Kompetenzen des Dekans ab dem 13. Jh. ab, erfuhren aber in Statuten spätma. Diözesan- und Landkapitel eine genauere Umschreibung. Der Dekan übte ein allg. Aufsichtsrecht - ohne richterl. Funktionen - über den Klerus aus, kontrollierte die Besetzung der Pfründen, berief und präsidierte die Landkapitel, setzte den Klerus über die Synodalbeschlüsse in Kenntnis und waltete als Haupt der Priesterbruderschaft seines Sprengels. In der Zeit der kath. Reform wurden die Dekane als Beauftragte der Bischöfe mit erweiterten Visitationspflichten zur verschärften Kontrolle des Pfarrklerus ausgestattet. Im Verlauf des 19. und 20. Jh. entstanden mit der Gründung von kath. Pfarreien in den ref. Kantonen neue D. (z.B. Zürich). Der vom Diözesanbischof ernannte Dekan hat gemäss dem geltenden Gesetzbuch v.a. die Aufgabe, das gemeinsame pastorale Handeln im D. zu koordinieren, ohne lokale Gewohnheiten (Partikularrecht) ganz ausser Acht zu lassen.
Dekane sind auch in ref. Landeskirchen Vorsteher eines Kirchenkreises. Nach der Reformation unterteilte Bern das alte Territorium in acht Kapitel. Auf ihren Vorschlag hin wählte die Obrigkeit die Dekane. An der Spitze stand als Dekan der erste Münsterpfarrer, dessen Befugnisse vergleichbar mit jenen des Antistes am Zürcher Grossmünster waren. Die bern. Waadt wurde ab 1567 in fünf Pfarrkapitel gegliedert, die ebenfalls ihre Dekane wählten. Diese unterstanden dem sog. surintendant général des classes, die Oberaufsicht führten der bern. Dekan und sein Kirchenkonvent. Eigene Dekane wählten auch die Synoden im Toggenburg und im Kt. Glarus.
Ausserhalb des kirchl. Bereichs wird unter D. auch der Vorsitz einer universitären Fakultät verstanden. Ein Dekan der Universität hat sein Amt jeweils für ein oder zwei Jahre inne.
Literatur
– J. Ahlhaus, Die Landdekanate des Bistums Konstanz im MA, 1929
– L. Waeber «Les décanats de l'ancien diocèse de Lausanne et leur transformation après la Réforme», in ZSK, 1941, 35-61, 98-113
– R. Pfister, Kirchengesch. der Schweiz 1-2, 1964-74
– H.E. Feine, Kirchl. Rechtsgesch.: die kath. Kirche, 51972
– H. Maurer, «Die Hegau-Priester», in ZRG KA 61, 1975, 37-52
– G. Vismara et al., Ticino medievale, 1990, 281-297
Autorin/Autor: Carl Pfaff