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Dieser Entwurf zu einer Kriminalerzählung, der nur wenige Seiten umfasst, ist eine Veröffentlichung aus dem Nachlass von Friedrich Dürrenmatts.
Erzählt wird die Geschichte zweier Juristen, eines alten Richters und eines jungen Staatsanwalts, die sich auf der Beerdigung des Vorgängers des jungen Staatsanwalts kennenlernen. Der Richter kommt mit dem Staatsanwalt ins Gespräch und erwähnt, dass er mit dem Verstorbenen befreundet war und sich mit ihm regelmässig zum Schachspiel getroffen habe. Auch der junge Kollege spielt Schach und man verabredet sich für den kommenden Sonntag zum Spiel. An diesem Tag ziehen sie sich nach einem Essen, bei dem auch die Tochter des Richters und die Gattin des Staatsanwaltes anwesend sind, ins Arbeitszimmer zurück. Dort spielen die beiden Juristen Schach: Jede der Figuren im Spiel repräsentiert eine vorher bestimmte Person. Wird die Figur geschlagen, muss der Spieler sie ermorden. Erleidet einer der Spieler ein Matt, dann ist er verpflichtet – so will es die tödliche Regel – sich selbst umzubringen. Die Erzählung hat noch zusätzlich eine böse Pointe.
Attraktiv wird der Band durch die handwerkliche aufwendige Herstellung und die opulente Ausstattung mit Graphiken des Zürcher Graphikers Hannes Binder, die den eigentlichen Gehalt des Bandes ausmachen, da der Entwurf der Erzählung allein kaum ein Büchlein füllen würde. Die Illustrationen sind konsequent schwarz-weiß gehalten und spiegeln im Format die Quadrate eines Schachbretts wider. Ästhetisch ist das Bändchen sehr gelungen, inhaltlich ist es etwas schmal geraten. – Ein Buch für Dürrenmatt- und/oder Schachfreunde.
Friedrich Dürrenmatt: Der Schachspieler. Ein Fragment, Officina Ludi, 28 Seiten (24,5 × 24,5 cm), ISBN: 978-3-00-022105-7