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“Von hier aus stehen wir in Kontakt mit Berlin und der ganzen Welt”, erklärt Gräfin Ilse von Hausner ihrer neu angeworbenen Agentin und Rotkreuz-Schwester Johanna Gabathuler in der Spionageserie Davos 1917. Im Hintergrund tickt ein Morseapparat, auf einem Papierstreifen werden die codierten Nachrichten übermittelt.
Das Morsegerät, das in dieser – zugegeben eher dunklen – Szene im Mittelpunkt steht, gehört der deutschen Spionageabteilung, welche mittels Spionen und Agentinnen von Davos aus den Ersten Weltkrieg zu beeinflussen versucht. Aufträge der Spionageabteilung empfangen ihre Spione in der Serie über den Morseapparat.
Beim gezeigten Gerät handelt es sich um einen Farbschreiber. Mittels elektromagnetischer Impulse zeichnet dieser schwarze Striche und Punkte auf einen Papierstreifen, die mithilfe des Morsecodes decodiert werden konnten.
Der Farbschreiber war eine Weiterentwicklung des 1840 patentierten Schreibtelegraphen von Samuel Morse und geht auf den in der Schweiz tätigen Uhrmacher Matthäus Hipp zurück. Während Morses Apparat die Impulse in das Papier einritzte, erfand Matthäus Hipp einen Apparat, bei dem bei jedem Impuls ein Graphitblock an den vorüberziehenden Papierstreifen gedrückt wurde. Dieser zeichnete lange oder kurze Striche, welche vom Telegrafenpersonal (oder eben den Agenten) im Unterschied zu den zarten Einritzungen gut entziffert werden konnten.
Farbschreiber lösten den sogenannten Reliefschreiber nach Morse in den 1860er Jahren ab und waren bis 1945 im Einsatz. Matthäus Hipp, von 1852 bis 1860 Leiter der Eidg. Telegraphenwerkstätte in Bern, gründete 1860 eine Fabrik für Telegrafen und elektrische Apparate in Neuchâtel und verkaufte hier auch seine Farbschreiber. Aus dieser Fabrik stammt auch der Farbschreiber in der Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel. Er trägt die Seriennummer 9110.
Dieser Morseapparat sieht jenem in der Serie Davos 1917 zwar sehr ähnlich, wurde aber ziemlich sicher nicht für die Übermittlung von Spionageaktivitäten verwendet. Er kam aus dem ehemaligen Physikalischen Institut der ETH in die Sammlung. Ob er dort für die Lehre als Anschauungsobjekt verwendet wurde oder allenfalls noch in einem Sekretariat zum Einsatz gekommen ist, ist leider nicht mehr rekonstruierbar. Überliefert ist, dass Matthäus Hipp dem Polytechnikum 1891 einen von ihm erfundenen Buchstabenschreiber schenkte, der im Unterschied zu diesem Farbschreiber nicht nur lange und kurze Striche zeichnete, sondern ganze Buchstaben zu zeichnen vermochte. Die Kenntnis des Morsealphabets war damit nicht mehr notwendig. Indes hatte Hipp zu wenig Geld, ihn breit zu vermarkten. Im Unterschied zum Farbschreiber konnte sich der Buchstabenschreiber nicht durchsetzen. Hipp hatte aber offenbar ein Interesse daran, seine Erfindungen dem Polytechnikum bekannt zu machen und somit ist gut möglich, dass auch dieser Farbschreiber als Geschenk von Matthäus Hipp an die ETH gekommen ist.