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Eine grosse Feier wie im letzten Frühjahr nach dem Gewinn des ersten Meistertitels seit der Gründung des Vereins im Jahr 1905 hat der Genève-Servette Hockey Club in dieser Saison mit dem Triumph in der Champions Hockey League schon erlebt. Eine weitere Sause wird es nach dem Ausscheiden in der 1. Runde des Play-In gegen den letztjährigen Finalgegner EHC Biel für die Genfer jedoch nicht geben.
Erst zum vierten Mal seit Einführung der Playoffs im Jahr 1986 hat der Meister damit nicht einmal den Viertelfinal erreicht. Das ist bisher einzig dem SC Bern (2014 und 2020) und den ZSC Lions (2019) widerfahren.
Qualifikationssieg - Würde und Bürde
Wie vor einem Jahr Servette steigen heuer die ZSC Lions aus der Pole-Position in die Playoffs, die oft ihre eigenen Gesetze haben. Die Zürcher wollen es ihren unmittelbaren Vorgängern gleichtun und aus dem Qualifikationssieg den maximalen Nutzen ziehen: Fünf der letzten sechs Qualifikationssieger stemmten am Ende auch die Meistertrophäe in die Höhe.
Dass der 1. Platz noch lange keine Garantie für erfolgreiche Playoffs ist, musste der ZSC 2016 am eigenen Leib erfahren, als er als bislang letzter Qualifikationssieger bereits in der ersten Playoff-Runde scheiterte. Zuvor mussten diese schmerzliche Erfahrung auch Lugano (2004) sowie gleich drei Mal Bern (2006, 2008 und 2009) machen.
Bis Ostern (fast) täglich Hockey
Die ZSC Lions bekommen es zum Auftakt mit Biel zu tun, das sich über zwei Play-In-Duelle das letzte Ticket für die Viertelfinals gesichert hat. Auch der Qualifikationszweite Fribourg-Gottéron ist im Duell mit Lugano (7.) zu favorisieren. Weitaus offener scheinen die Serien zwischen Lausanne (3.) und Rekordmeister Davos (6.) sowie Zug (4.) und Bern (5.).
Die Playoffs werden im gewohnten Modus ausgetragen: Eine Serie dauert maximal sieben Partien, steht ein Spiel nach 60 Minuten unentschieden, wird bis zur Entscheidung ausgespielt. In den Viertelfinals finden mit der Ausnahme des spielfreien Karfreitags täglich je zwei Playoff-Spiele statt. Die am Ostermontag beginnenden Halbfinalserien werden im Zwei-Tages-Rhythmus ausgetragen. Der Meister steht spätestens am 30. April und damit zehn Tage vor Beginn der WM in Tschechien fest.
Die Viertelfinal-Serien im Überblick:
ZSC Lions - Biel: Lange Pause oder Spielrhythmus
Die Erwartungshaltung beim ZSC ist wie immer gross. Alles andere als der erste Meistertitel seit 2018 käme für das Zürcher Starensemble einer grossen Enttäuschung gleich. Nach elf spielfreien Tagen treffen die Lions ab Samstag allerdings auf einen Gegner, der bereits voll im Rhythmus ist. Während sich die Zürcher erholen konnten, mussten die Bieler mit vier zusätzlichen Spielen den Umweg über das Play-In nehmen, um nach einer schwierigen Qualifikation doch noch die Playoffs zu erreichen. Der Trainerwechsel vor knapp drei Wochen von Petri Matikainen zu Sportchef Martin Steinegger verfehlte seine Wirkung beim Playoff-Finalisten der letzten Saison nicht. Zusätzlich beflügeln dürften die Seeländer die Erinnerungen ans letzte Jahr, als der EHCB in den Halbfinals den ZSC mit einem 4:0 in der Serie demütigte.
Fribourg-Gottéron - Lugano: Duell der Topskorer
In Freiburg träumt man nach einer starken Qualifikation - Gottéron erreichte wie der ZSC einen vereinseigenen Punkterekord - vom ersten Meistertitel der Klubgeschichte. Im Viertelfinal sinnt das Team von Trainer und Sportchef Christian Dubé nach Revanche, nachdem es vor Jahresfrist in den Pre-Playoffs an Lugano gescheitert war. Die Südtessiner, die im Play-In in der 1. Runde Erzrivale Ambri-Piotta bezwangen, kämpfen derweil gegen einen kleinen Playoff-Fluch: Seit dem Finaleinzug 2018 hat Lugano in vier Anläufen keine einzige Best-of-7-Serie mehr gewonnen. Die Affiche zwischen der gefährlichsten und drittbesten Offensivmannschaft der Liga ist auch ein Duell zwischen den beiden besten Topskorern der Qualifikation (Marcus Sörensen und Calvin Thürkauf).
Lausanne - Davos: «Playoff-Neulinge» im Fokus
Die bislang einzige Begegnung in den Playoffs endete 2017 im Viertelfinal mit einem 4:0 für Lausanne. Diesmal zeichnet sich eine längere Serie ab. Die beiden Teams waren am Ende der Qualifikation nur durch sechs Punkte getrennt. Knapp waren auch die vier Direktduelle dieser Saison: Sie endeten allesamt mit einem Tor Differenz, dreimal hiess der Sieger Lausanne. Den Unterschied könnten die Torhüter ausmachen. Lausanne stellte mit Connor Hughes und dem 21-jährige Eigengewächs Kevin Pasche in der Qualifikation das statistisch beste Goalieduo, den beiden fehlt es allerdings noch gänzlich an Playoff-Erfahrung. Das gilt auf Davoser Seite auch für Josh Holden, der erstmals als Headcoach in eine Playoff-Serie steigt.
Zug - Bern: Formschwache Zuger gegen hungrige Bären
Die Affiche gilt als Playoff-Klassiker, treffen die beiden Klubs doch schon zum zwölften Mal in der finalen Phase aufeinander. Zwei Mal (2017 und 2019) kreuzten sie sogar im Final die Klingen, wobei Bern jeweils als Sieger hervorging. Nun hat es der SCB seit dem letzten Meistertitel 2019 erstmals wieder direkt in die Playoffs geschafft. Der Finne Jussi Tapola, Europas erfolgreichster Trainer der letzten Jahre, hat die Berner wieder in die Spur gebracht. Ab Sonntag wartet mit dem EVZ ein Gegner, der nach schwierigen letzten Wochen selbst auf eine sportliche Auferstehung hofft. Der Meister der Jahre 2021 und 2022 ging in den vergangenen zehn Spielen neun (!) Mal als Verlierer vom Eis. Zugs Trainer Dan Tangnes, auch er ein Nordländer, ist deshalb besonders gefordert.