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60 Jahre lang war der Schweizer Fotograf Robert Frank unterwegs. Er schuf Bilder, Videos, Polaroids, Filme und Collagen von grossem künstlerischem Wert.Dieser Inhalt wurde am 03. Oktober 2005 - 16:17 publiziert
Eine Ausstellung im Fotomuseum Winterthur zeigt, wie Robert Frank auf seinem langen Weg zurück zum einfachen Bild gefunden hat.
Der heute 81 Jahre alte Schweizer Fotograf und Filmschaffende Robert Frank kommt in seiner Heimat spät zu einer grossen Ehre. Unter dem Titel "Storylines" zeigen das Fotomuseum und die Fotostiftung in Winterthur 250 Fotografien des Meisters.
In einem Rahmenprogramm präsentieren die Winterthurer Aussteller 24 Filme und Videos von Robert Frank und vervollständigen damit die Werkschau, die sechs Jahrzehnte umfasst.
Die Gesamtschau zum Werk von Robert Frank baut auf einer Ausstellung der Modern Tate Gallery in London auf. Die Fotostiftung und das Fotomuseum – beide in Winterthur beheimatet – haben zusammen 60 Werke des einzigartigen Fotokünstlers zur neuen Ausstellung "Storylines" dazu gegeben.
Es handelt sich vor allem um frühe Werke von Robert Frank, die vor seiner Emigration (1947) in die USA entstanden waren, und um Bilder aus seinem Zyklus "The Americans", die bisher kaum konzentriert zu sehen waren.
Bilder mit grosser Resonanz
Die Bilder von Robert Frank hängen in den beiden Winterthurer Museen an kahlen, weissen Wänden. Nichts ausser spärliche Orientierungstexte lenken das Auge des Betrachters ab.
"Eine Fotografie ist eine Fiktion", lässt Robert Frank die Besucher der Ausstellung in Winterthur wissen. "Und wenn sie sich bewegt, wird sie Wirklichkeit". Robert Frank liefert die Bilder, der Betrachter die Bewegung.
Die Ausstellung "Storylines" in Winterthur ist in 17 Kapitel gegliedert. In der Sequenz "Landesgemeinde Hundwil" (1949) wirft Robert Frank einen kritisch prüfenden und subjektiven Blick auf einen politischen Prozess in der Schweiz.
In der Serie "Black and White Things" (1952) zeigt Robert Frank in einem handgemachten Buch visuelle Muster und Resonanzen. Im Zyklus "London" (1951-52) wirft der Maestro einen scharfen Blick auf die Kontraste zwischen Arm und Reich im England der Nachkriegszeit.
Ein Aussenseiter schaut auf Amerika
Weltbekannt wurde Robert Frank mit seinem Buch "Les Américains" (1958). Aus dieser Bildstafette sind in Winterthur 83 Aufnahmen zu sehen. Robert Franks eindrückliche Bilddokumente werfen Licht auf die sozialen und rassistischen Unterschiede in den USA, die er in jenen Jahren vor Ort beobachten konnte.
Seine fotografischen Beobachtungen scheinen bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüsst zu haben. Robert Frank musste damals für sein entzaubertes Amerikabild Kritik einstecken. Heute gilt "The Americans" (1959) als eines der grossen Fotobücher der letzten fünfzig Jahre.
Robert Frank gibt den Besuchern seiner Ausstellung in Winterthur einen Wunsch mit: "Wenn Leute meine Bilder ansehen, möchte ich, dass sie so empfinden, als ob sie die Zeile eines Gedichts zweimal lesen sollten".
Die weiten Ausstellungshallen des Fotomuseums und der Fotostiftung ermöglichen diesen zweiten Blick. Man bleibt auf dem Weg durch die 17 Themen der Ausstellung an einzelnen Bildern hängen, geht weiter und will dann zurück zu einer Komposition, auf der Suche nach einer neuen Dimension des Bildes.
Der Filmer Robert Frank ist noch unentdeckt
Die Winterthurer Macher der Werkschau "Storylines" zeigen nicht nur einen imposanten Bilderberg von Robert Franke, sie heben auch den cinematografischen Schatz des Maestros an. Robert Frank schuf zwischen 1959 und 2004 eine Serie von 26 Filmen und Videos. Dieses Werk ist bisher weitgehend unentdeckt geblieben.
Einer der Filme – "Conversations in Vermont" (1969) - ist in die Ausstellung im Fotomuseum Winterthur integriert. Die übrigen Filme und Videos sind in einem Rahmenprogramm zu sehen.
In "Conversations in Vermont" zeigt Robert Frank ein filmisches Familienalbum. Der Autor besucht seine Kinder Pablo und Andrea. Frank führt sich selbst als Voice-over ins Geschehen ein, verwickelt seine Kinder in ein Gespräch. Frank relativiert und reflektiert: "Es gibt keinen entscheidenden Augenblick. Man muss ihn schaffen."
Augenblicke der wahren Empfindung
Robert Frank hat das Bild und den Film revolutioniert. Er macht keine klare Trennlinie zwischen der fotografischen und der filmischen Kunst. Entscheidend ist in beiden Ausdrucksformen die Tiefe, die Schönheit und die Komplexität der Bilder, so wie sie in der Ausstellung in Winterthur zu sehen sind.
Auf der Suche nach den Augenblicken der wahren Empfindung hat Robert Frank das Filmemachen zur Bildkritik entwickelt. Er lotete in sechs Jahrzehnten die Grenzen der Darstellungsmöglichkeiten von Fotografie und Kino aus.
An der Winterthurer Ausstellung ist im Rahmenprogramm auch "Paper Route" (2002) zu sehen, ein Werk, das im Umfeld der Expo 02 entstanden war. Robert Frank porträtiert den Zeitungsverträger Bobby MacMillan in Neuschottland in einem direkten und dokumentarischen Roadvideo, das die Rückkehr des Maestros zur Einfachheit signalisiert.
Zurück zum einfachen Bild
Die Ausstellung "Storylines" in Winterthur ist eine monumentale Werkschau und auch die Geschichte einer Metamorphose. Robert Frank findet auf seinem Langen weg über die Fotografie, den Film, das Video, das Polaroid, die Fotomontage und den Digital Print zurück zum einfachen Bild.
Erwin Dettling, Winterthur
In Kürze
Robert Frank, Schweizer Fotograf und Filmschaffender, ist 81-jährig geworden.
Frank wanderte 1947 nach Amerika aus.
Seine Werkschau umfasst sechs Jahrzehnte.
In Winterthur zeigen das Fotomuseum und die Fotostiftung 250 Bilder und 24 Filme und Videos des Altmeisters.
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