Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03552.jsonl.gz/2119

Die Mittelschicht muss in einem gesunden Staat neben der Oberschicht und der Unterschicht immer die weitaus grösste Gesellschaftsschicht bilden. Zur Mittelschicht (in der Schweiz auch "Mittelstand" genannt) gehörten 2011 in unserem Staat gemäss einer Statistik von Radio DRS rund 60% der Bevölkerung. Dazu zählt, wer zwischen 70 und 150% des durchschnittlich verfügbaren Äquivalenzeinkommens verdient (internationaler Standard). Das Äquivalenzeinkommen entspricht dem Einkommen eines Haushalts, von dem ein Fünftel für feste Abgaben abgezogen worden sind. Im Jahr 2010 entsprach dieses Nettoeinkommen für einen Einpersonenhaushalt 70 bis 150% von 42000 CHF. (nach Wikipedia)
Wesentliches Merkmal der Mittelschicht: Sie kommt ohne staatliche Unterstützungen aus und ist in der Lage, sich etwas mehr als das Notwendige zu leisten. Im unteren Bereich der Mittelschicht hat heute etwa jeder vierte Haushalt einige Probleme, innerhalb eines Monats eine unerwartete Rechnung von über 2500 Franken zu begleichen. Im oberen Bereich der Mittelschicht ist es nur jeder zehnte. Seit 2009 geht der Anteil der Mittelschicht zurück – und die Schere zwischen Vermögenden (Oberschicht) und Armutsgefährdeten (Unterschicht) öffnet sich weiter. Nach:
tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Der-Mittelstand-ist-zweigeteilt/story/28772329
Verursacht wird der Abstieg in die Unterschicht vor allem durch die Zunahme der Krankenkassenprämien, durch die steigenden Mieten (gesetzliche Senkungsvorschriften werden kaum durchgesetzt) und durch den Abbau von staatlichen Leistungen (Bildung, etc.). Der Abstieg in die Unterschicht bedroht bzw. betrifft vor allem Familien mit Kindern. Kinder sind ein Armutsrisiko. Es trifft jedoch nicht zu, dass die Belastung durch die direkten Steuern beim Abstieg der Mittelschicht in die Unterschicht eine Rolle spielt. (Die viel höhere Belastung durch die Mehrwertsteuern wird nicht erfasst.)
"Zwar lassen sich die verbreiteten Klagen, der Mittelstand werde heute finanziell übermässig belastet, statistisch nicht erhärten. Die Umverteilung durch Steuern und Abgaben blieb zwischen 1998 und 2013 konstant. In dieser Gruppe nahm das Einkommen abzüglich der obligatorischen Abgaben mit 13 Prozent sogar am stärksten zu. Bei den untersten und obersten Einkommen betrug der Zuwachs nur je 9 Prozent."
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Der-Mittelstand-ist-zweigeteilt/story/28772329
Die Aufstiegschancen einkommensschwacher Haushalte der Unterschicht in die Mittelschicht sind generell gesunken, und für die Mittelschicht wächst das Risiko, finanziell in die Unterschicht abzusteigen. – Welche politischen Massnahmen müssen in der Schweiz getroffen werden, um die Mittelschicht zu erhalten bzw. zu vergrössern? Haben Sie gute Vorschläge, liebe Leserinnen*? Welchen Parteien trauen Sie die Unterstützung dieser Massnahmen zu?
Den bereits 5000 (!) Leserinnen* dieses Blogs am 5. November 2019 danke ich für ihr Interesse. Ich zitiere Vimentis: "Anz. Leser 5000".
(* Männer sind mit gemeint.)