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Habsburg
(Kt. Aargau,
Bez. Brugg).
471 m. Gem. und Dorf, auf einer Terrasse über dem rechten Ufer der
Aare, 3 km
sw.
Brugg und 1,3 km nö. der Station
Schinznach der Linie
Zürich-Brugg-Aarau. Postablage, Telephon. 29
Häuser, 144 reform.
Ew. Kirchgemeinde
Birr.
^[Supplement:
Windisch.] Acker- und Weinbau. Viehzucht. Auf einer Kuppe unmittelbar n. über
dem Dorf steht in 513 m die
Habsburg, die Wiege des österreichischen Kaiserhauses. Die Burg ist heute noch ziemlich gut
erhalten und besteht aus einem Wohnhaus, sowie dem sogenannten alten und dem kleinen
Turm. Jener ist 24 m hoch und aus rechteckigen
Bruchsteinen von wechselnder Grösse erbaut, hat eine Mauerdicke von 2,2 m und zählt im Innern etwa 70 Treppenstufen.
Vom ganzen heutigen Bau gehört einzig noch dieser
Turm der ursprünglichen Anlage (11. Jahrhundert) an. Die Regierung des Kantons Aargau
hat neuerdings einen Teil der Burg restaurieren lassen und eine kleine Gastwirtschaft in ihr eingerichtet. Im Wohnhaus sind
noch einige Wohn- und Vorratsräume und im zweiten
Stock der sog. Rittersaal, im alten
Turm das heute vom
Burgwart
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bezogene Zimmer über dem Erdgeschoss erhalten, das in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Rudolf von
Habsburg zeitweise
zur Wohnung gedient haben soll. Sehr schöne Aussicht auf die umliegende Landschaft, in zahlreichen Panoramen gezeichnet.
1027: Habesburch;
1114 und 1124: Habesburg, Habesburc, Havesborc;
1153: Habespurch;
1213: Habisburch;
1234: Habispurc;
später Habechesburg, Habspurc etc. = Habichtsburg.
Das Geschlecht des Stifters der Burg entstammte dem begüterten alten Herzogsgeschlecht
des Elsasses und nannte schon im 10. Jahrhundert auch im Aargau
ein bedeutendes Herrschaftsgebiet sein Eigen. Ein Teil desselben
war wohl durch Heirat an das Geschlecht gekommen. Dieses sog. Eigenamt umfasste die Gegend zwischen der
Aare, der Reuss und dem Kestenberg mit der Burg Altenburg, deren Namen sich die Grafen später zueigneten. Graf Lantold oder Lanzelin
von Altenburg hatte zwei Söhne: Radbot, den Stammhalter des Geschlechtes, und Bischof Wernher von Strassburg, den Gründer
der
Habsburg.
Diesen beiden tatkräftigen Edeln verdanken auch die Burgen Wildegg und Brunegg ihre Enstehung. Da zu Beginn
des 11. Jahrhunderts die deutschen Könige und Edeln mehrfach Kriegszüge nach Burgund unternommen hatten, war es für Bischof
Wernher «geboten, das eigene Gebiet, zumal es der Grenze nahe war, zu befestigen,
um gegen Ueberfälle seitens der Gegner zu Schutz und Trutz gewappnet zu sein.» Diesem Umstand verdankt
die
Habsburg ihren Ursprung. Auf dem höchsten Punkte der Jurakette, die, unweit Brugg beginnend, längs der Aare nach Wildegg
sich hinzieht, um von dort aus im Kestenberge einen Seitenarm ostwärts ins Gelände vorzuschieben und so in Verbindung mit
der Reuss auf der dritten Seite das ganze Amt im Eigen rings einzufassen, auf dieser Kuppe, die nach O.
und S. zugleich über das ganze Amt und die benachbarten Gebiete einen Ausblick bot, nach N. das Aarethal überschaute und
ihr waldiges Gehänge unmittelbar bis an die Aare hinabsenkte, legte Bischof Wernher in jenen Tagen - wohl gerade im
Jahre 1020 - den Grund zu einer starken Veste, die sowohl die Strasse längs der Aare beherrschen als die Gegend gegen Morgen
und Mittag beschützen sollte.
Habsburg, das ist Habichtsburg, nannte er sie und bestimmte sie zum Sitz des Grafenhauses,
dessen ältestem Sprossen er nachmals die Kastvogtei des wenige Jahre später gegründeten Klosters Muri
übertrug. Der Gründer der Burg starb auf einer Gesandtschaftsreise in Byzanz am 28. Weinmonat 1028 und fand dort auch sein
Grab.
Im 13. Jahrhundert schwangen sich die Grafen von
Habsburg zu einem der mächtigsten Herrengeschlechter in Schwaben auf. Graf
Rudolf III. (1218-1291), das Haupt der ältern Linie des damals in zwei Linien gespaltenen Hauses
Habsburg,
ward 1273 zum deutschen König erwählt, brachte
1282 Oesterreich, Steiermark und Krain als erbliche Fürstentümer an sein
Geschlecht und ist der Stammvater des Kaiserhauses
Habsburg-Oesterreich, dessen letzter männlicher Spross, Karl VI. (der
Vater der Kaiserin Maria Theresia), 1740 starb. Im Laufe der Jahrhunderte hat die
Habsburg baulich manche
Umänderungen erfahren.
Wie schon bemerkt, stammt der 24 m hohe sog. alte Turm noch aus der Zeit der Gründung der Burg; er war ursprünglich als Wohnturm angelegt, wie ein in einer seiner Mauern von Dr. W. Merz entdeckter Kamin beweist. Erst viel später, 1559, wurde daran das Wohnhaus angeschlossen, dann nahmen die Berner 1628 ziemlich umfassende Umänderungen vor, nachdem sie vielleicht schon früher auch den nach O. schauenden kleinen Turm zur Herstellung von Kornschütten errichtet hatten.
Das Ganze war von einer Mauer und an den weniger geschützten Stellen auch von einem Burggraben umgeben.
Im Laufe des 13. Jahrhunderts verliessen die mächtig gewordenen
Habsburger ihren bescheidenen alten Familiensitz und selbst
Graf Rudolf hielt sich nur selten und vorübergehend hier auf (urkundlich bezeugt ist seine Anwesenheit nur ein einziges
Mal, am 5. Christmonat 1256). Nachdem er König geworden, scheint er die Burg nie mehr besucht zu haben,
ebensowenig wie sein Sohn, der Herzog und König Albrecht.
Die Stammburg blieb als Lehen in den Händen von Dienstmannen, und zwar wohnten im vorderen gegen Brugg zu gelegenen Teil der
Veste, dem heute verschwundenen sog. Wülpelsberg, die Ritter von Wohlen und im hintern Turm die früher auf Burg
Wildegg sitzenden Truchsessen von
Habsburg-Wildegg. 1371 verkauften dann die in Schulden geratenen Truchsessen ihren
Anteil an die Ritter von Wohlen, die damit in den Besitz des ganzen Burglehens gelangten. Auf ihrem Kriegszug in den Aargau
berannten
die Berner 1415 auch die
Habsburg, die ihnen vom damaligen Eigentümer Henman von Wohlen bald übergeben
wurde.
Dieser «musste den Bernern huldigen und schwören, die Veste
Habsburg fürderhin
ihnen offen zu halten in Fahr und Not gegen jedermann, nichts zu unternehmen noch zu begünstigen, was Bern
zum Schaden gereichen
könnte, und die Burg nur mit Wissen und Willen der Eroberer zu veräussern oder zu versetzen ...» In den
folgenden Jahren wechselte die Burg noch zweimal ihren Inhaber und kam dann 1469 durch Kauf an das Kloster Königsfelden.
Unter dem Einfluss der Reformation fiel sie 1528 wieder an Bern
zurück, das sie dem neuen Hofmeisteramt Königsfelden zuteilte
und im Laufe des 16.-18. Jahrhunderts neben kleineren Reparaturen auch die schon erwähnten grösseren
Um- und Neubauten vornehmen liess. Die Burg scheint von nun an zeitweise gar nicht bewohnt gewesen zu sein; nur in Zeiten
der Gefahr wurde ein Wachtposten dorthin gelegt und gegen Ende des 17. Jahrhunderts dann ein ständiger
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Hochwächter mit ihrer Hut betraut. 1804 ward das Kloster Königsfelden mit seinen Gütern und damit auch die
Habsburg dem Kanton Aargau
zugeteilt, der seither zu verschiedenen Malen Reparaturen (1866 Zinnenbekrönung des alten Turmes, Verbesserung des Treppenhauses)
und neuestens eine würdige Restauration der Burg ausführen liess. Eine ganze Reihe von Kaufsofferten
hat der Kanton bis heute konsequent abschlägig beschieden. Der jetzige Burgwart ist beauftragt, bei Feuerausbruch in der
Umgegend mit der Kanone zu schiessen. Fragmente einer lateinischen Inschrift. Im Dorf
Habsburg ist vor Kurzem eine römische
Armspange gefunden worden. Siehe über die Habsburg: Merz, Walther. Die Habsburg. Aarau und Leipzig 1896.