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Antimalarika wirken kardioprotektiv bei SLE
Antimalarials exert a cardioprotective effect in lupus patients: Insights from the Spanish Society of Rheumatology Lupus Register (RELESSER) analysis of factors associated with heart failure
Rúa-Figueroa I. et al. Sem Arthritis Rheum 2022:online ahead of print
Besonders in der initialen Phase von COVID-19 wurden Antimalarika häufig eingesetzt, teils mit kardiotoxischen Nebenwirkungen. Chronisches Herzversagen ist eine prognostisch ernsthafte Komplikation des SLE. Um die Rolle der Antimalarika näher zu beleuchten, wurde in dieser klinischen Studie deren Assoziation aufgrund der Daten aller SLE-Patienten in der Spanischen Lupus Registerdatenbank analysiert.
Patienten mit Herzproblemen vor Auftreten des SLE wurden ausgeschlossen. Identifiziert wurden 117 SLE-Patienten mit Herzinsuffizienz, analytisch verglichen mit 3506 SLE-Patienten ohne Herzprobleme als Kontrolle. Patienten mit Herzinsuffizienz waren älter und zeigten eine höhere SLE-Krankheitsaktivität, mehr Organschaden und erhöhte Mortalität im Vergleich zu jenen ohne Herzprobleme. Weibliches Geschlecht und insbesondere Antimalarika zeigten sich als protektive Faktoren (relatives Risiko für chronische Herzinsuffizienz unter Antimalarika nur 0,28).
Fazit:
Herzinsuffizienz ist eine späte Komplikation des SLE mit hoher Mortalität. Bei Vorliegen einer Herzinsuffizienz erwies sich der SLE als schwerere Erkrankung mit erhöhtem kumulativem Schaden und erhöhter Rate an Behandlungsresistenzen. Die Therapie mit Antimalarika zeigte sich in dieser Studie nicht nur als kardial sicher, sondern diese scheinen zudem einen kardioprotektiven Effekt auszuüben. Einmal mehr eine weitere Empfehlung, bei SLE-Patienten, Antimalarika einzusetzen.
Mepolizumab für EGPA
Mepolizumab for Eosinophilic Granulomatosis With Polyangiitis: A European Multicenter Observational Study
Bettiol A. et al. Arthritis Rheumatol 2022;74:295
Unter allen 203 EGPA-Patienten (Eosinophilic Granulomatosis With Polyangiitis), die in den Jahren 2015-2020 mit Mepolizumab in den Rekrutierungszentren behandelt wurden, erhielten 191 eine stabile Dosis Mepolizumab (158 erhielten 100 mg alle 4 Wochen und 33 erhielten 300 mg alle 4 Wochen). 25 Patienten (12.3%) hatten nach 3 Monaten ein vollständiges Ansprechen auf die Behandlung; dies stieg auf 30.4% bzw. 35.7% nach 12 Monaten bzw. 24 Monaten. Zwischen Mepolizumab 100 mg/4 Wo und 300 mg/4 Wo fand sich kein Unterschied. 82 Patienten (40.4%) hatten Asthma-Exazerbationen (57 von 158 [36%] mit 100 mg und 17 von 33 [52%] mit 300 mg), und 31 Patienten (15%) hatten HNO-Exazerbationen. Nebenwirkungen traten bei 24 Patienten (21.7%) auf, von denen die meisten nicht schwerwiegend waren (38 von 44).
Nach der Zusammenstellung von 147 Patienten (/Weekly/2021/29.11.2021/Studien) zeigt nun auch diese grössere Beobachtungsstudie eine Wirksamkeit des Interleukin-5-Antikörpers (Anti-IL-5) Mepolizumab, welcher von der EMA am 12.11.2021 zur Behandlung der EGPA zugelassen wurde. Die Dosis 100mg/4 Wo (analog Asthma) scheint auszureichen. Vergleichsstudien wären wünschenswert.
Hämatologische Malignität bei primärem Sjögren Syndrom
Characterization and outcomes of 414 patients with primary SS who developed hematological malignancies
Hernández-Molina G. et al. Rheumatology 2022:online ahead of print
Die «Big Data Sjögren Project Consortium database» wurde untersucht bezüglich hämatologischer Malignitäten: Diese wurden bei 414 von den insgesamt 11 966 klar klassifizierten Patienten mit primärem Sjögren gemäss WHO Klassifikation diagnostiziert. Das mittlere Alter der meist weiblichen Patienten lag bei 57 Jahren. Bei 43/414 Patienten ging die Malignität der Diagnose eines Sjögren Syndromes bereits mindestens ein Jahr voraus.
In den meisten Fällen (91%) lag ein B-Zell Lymphom vor. In absteigender Häufigkeit fanden sich MALT Lymphome, diffuse «large-Bcell» Lymphome, nodale Marginalzell-Lymphome, chronisch lymphatische Leukämien und letztlich follikuläre Lymphome.
Unter Standardtherapien konnte bei 80% der Patienten ein komplettes Therapieansprechen erzielt werden, welches bei MALT Patienten am besten ausfiel; Patienten mit einem large-Bcell Lymphom wiesen die schlechteste Prognose auf. Dennoch lag die Fallsterblichkeit bei 13% bei einem durchschnittlichen 5-Jahresüberleben von 86.5% im Rahmen einer Nachbeobachtungszeit von 8 Jahren.
Die weitere Charakterisierung zeigte Altersunterschiede bezogen auf die unterschiedlichen Manifestationen mit MALT Lymphom Patienten als jüngste Population versus CLL Patienten als älteste Patienten. Zudem zeigte sich beim MALT Lymphom gehäuft eine Manifestation der Speicheldrüsen gegenüber einer peripheren Lymphadenopathie bei nodalem Marginalzelllymphom.
Kommentar
Fast erwartet liegt die Zahl der B Zell Lymphome in der untersuchten, wahrscheinlich grössten SS-Patientenpopulation am höchsten, insbesondere derjenigen der MALT Lymphome. Zwar geben die Autoren die 5-Jahresüberlebensrate als sehr positiv an, dies repräsentiert jedoch den Durchschnitt aller Patienten. Die Differenzierung der Lymphomarten lässt jedoch auch wesentlich schlechtere Prognosen erwarten.
Zudem sollte der Fokus auf der Früherkennung einer möglichen hämatologischen Neoplasie bei SS-Patienten liegen. Neben einer ausführlichen Anamnese bezüglich konstitutioneller Symptome sollte die körperliche Untersuchung die Evaluation des Lymphknotenstatus einschliessen. Aufgrund der Hauptmanifestation der Speicheldrüsen – insbesondere beim MALT Lymphom – stellt sich die Frage nach einem eventuell einzuführenden sonographischen Screening der Speicheldrüsen, ggfs zumindest bei auffälligem Tastbefund. Letztlich erscheint ein Lymphomscreen nach wie vor sinnvoll, und eine Biopsieindikation bei SS-Patienten darf bei geringstem Verdacht grosszügig gestellt werden.
Schützen Bisphosphonate vor einem Ovarialkarzinom?
Nitrogen-Based Bisphosphonate Use and Ovarian Cancer Risk in Women Aged 50 Years and Older
Tuesley K et al., J Natl Cancer Inst 2022:online ahead of print
In dieser nested-controlled Case Study aus Australien wurde die Hypothese untersucht, ob nitrogen-basierte Bisphosphonate wie Zoledronat, Alendronat, Pamidronat und Risedronat das Risiko für die Entwicklung eines Ovarialkarzinoms vermindern.
Es wird seit längerem vermutet, dass nitrogen-basierte Bisphosphonate die Krebsentwicklung beeinflussen. In Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, dass Bisphosphonate das Wachstum von Ovarialtumorzellen hemmen. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurden aus einer grossen Medicare Datenbank > 50 Jahre alte Frauen mit der Diagnose eines Ovarialkarzinoms zwischen 2004 und 2013 analysiert und randomisiert mit bis zu 5 vergleichbaren Frauen ohne Karzinom verglichen (sogenannte nested-controlled case study).
Insgesamt fanden sich in diesem Zeitraum 9367 Patientinnen mit der Diagnose eines Ovarialkarzinoms. Die Daten dieser Patientinnen wurden mit den Daten von insgesamt 46830 vergleichbaren Frauen ohne Karzinomdiagnose gematcht und aus den zur Verfügung stehenden Angaben zur Medikation wurde der Gebrauch von Bisphosphonaten vor der Karzinomdiagnose untersucht.
Es fand sich ein reduziertes Risiko für die Entwicklung eines Ovarialkarzinoms bei Frauen, die vor der Tumordiagnose Bisphosphonate eingenommen hatten. Die Odds Ratio betrug 0.81 (95% CI von 0.75–0.88). Die Risikoreduktion war signifikant beim endometroiden Ovarialkarzinom (50% Risikoreduktion) und dem serösen Histiotyp (16% Risikoreduktion). Es zeigte sich jedoch kein positiver Effekt für die muzinösen oder Klarzelltypen des Ovarialkarzinoms. Der protektive Effekt war grösser bei einem Bisphosphonatgebrauch von > 1 Jahr.
Kommentar:
Obwohl dies eine retrospektive Studie ist, kann aufgrund der grossen Fallzahl und des Studiendesigns einer nested-controlled Case Study angenommen werden, dass nitrogen-basierte Bisphosphonate einen protektiven Effekt für das Ovarialkarzinoms ausüben.
Damit hat diese Medikamentenklasse neben den (zu) viel diskutierten Nebenwirkungen wie Kieferosteonekrose oder atypische Femurfrakturen doch auch mögliche positive Effekte jenseits der Effektivität zur Behandlung der Osteoporose. Ob dieser Effekt auch auf andere Malignome zutrifft, ist offen. Es ist jedoch zu hoffen, dass weitere epidemiologische Studien dazu folgen werden.