Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03462.jsonl.gz/2116

Der funktionale Raum Bern-Mittelland erstreckt sich von Limpach im Norden über Guggisberg im Süden nach Clavaleyres im Westen bis Bowil im Osten und umfasst auf einer Fläche von 947 Quadratkilometern knapp hundert Gemeinden. Im Siedlungsraum wohnen rund 40 Prozent der Berner Bevölkerung, und rund 50 Prozent der Arbeitsplätze des Kantons Bern sind hier angesiedelt. Im Raum waren sechs Organisationen aktiv, so zum Beispiel der Verein Region Bern und die Regionalplanung Kiesental, sowie zwei thematische Konferenzen, die regionale Kulturkonferenz und die regionale Verkehrskonferenz - zu viele Konferenzen, so die gemeinsame Erkenntnis der beteiligten Akteure. Ziel des Modellvorhabens war es daher, die verschiedenen Organisationen in eine neue Organisation, die Regionalkonferenz Bern-Mittelland, zu überführen, was Ende 2009 mit Zustimmung des Stimmvolks der betroffenen 101 Gemeinden auch gelang. Durch die neu geschaffene Organisation wird die Zusammenarbeit der städtischen und ländlichen Gemeinden auf regionaler Ebene verbindlich geregelt. Dadurch können auch schwierigere und langfristigere Themen angegangen werden. Dabei sorgt ein ausgeklügeltes System der Stimmengewichtung dafür, dass weder die Kernstadt noch eine Gruppe von kleinen Gemeinden die Abstimmungen dominieren kann.
...doch zurück zum Anfang
Bereits im Jahr 2005 haben sich die sechs teilregionalen Organisationen und die zwei thematischen Konferenzen zusammengeschlossen mit dem Ziel, die Zusammenarbeit innerhalb des Perimeters Bern-Mittelland zu intensivieren und zu vereinfachen. 2007 hat der Kanton Bern mit der «Strategie für Agglomeration und regionale Zusammenarbeit SARZ» die gesetzlichen Grundlagen für die Konstituierung von Regionalkonferenzen geschaffen, deren Perimeter und organisatorische Rahmenbedingungen kantonal vorgeschrieben sind. Eine Regionalkonferenz bearbeitet die vier gesetzlich vorgeschriebenen Themenbereiche Raumplanung, Verkehr, Kultur und Regionalpolitik und seit 2012 auch den Bereich Energieberatung, und sie kann freiwillig weitere Aufgaben übernehmen. Die Bildung einer Regionalkonferenz ist ebenfalls freiwillig, es bedarf dazu jedoch der Zustimmung der Mehrheit der Gemeinden und der Mehrheit der Stimmberechtigten der betreffenden Region. Bei «Bernplus» war dies dank überlegter und schrittweiser Vorarbeit im Rahmen des Modellvorhabens der Fall: Mit einem sehr deutlichen Ja wurde die Einführung der Regionalkonferenz Bern-Mittelland am 17. Mai 2009 vom Stimmvolk und den 101 Gemeinden beschlossen. Damit wurde das Hauptziel des Modellvorhabens, nämlich die Schaffung einer effizienten, verbindlichen Struktur für die Zusammenarbeit im funktionalen Raum Bern-Mittelland, erreicht. Dies auch dank dem Einbezug der Gemeindepräsidien, die von Anfang an in den Prozess involviert waren und die Regionalkonferenz durch jährlich stattfindende Konferenzen mitgestaltet haben.
Verbindliche Regionalkonferenz
Die Regionalkonferenz Bern-Mittelland ist im Kanton Bern die zweite Regionalkonferenz nach Oberland-Ost. Sie dient anderen Regionen wie Biel-Seeland, Oberaargau oder Emmental als Vorbild für die Einführung einer eigenen Regionalkonferenz. Die Regionalkonferenz setzt sich aus der Regionalversammlung der 95 Gemeindepräsidenten (Stand 2013), welche verbindliche Entscheide im einfachen Mehr treffen kann, der Geschäftsleitung und einer Geschäftsstelle sowie Fachkommissionen zusammen. Thematisch stösst die Regionalkonferenz Bern-Mittelland seit Aufnahme ihrer operativen Tätigkeit am 1. Januar 2010 nicht nur Projekte in den gesetzlich vorgeschriebenen Bereichen an, sondern darüber hinaus auch in den Aufgaben Wirtschaftsförderung oder Soziales. In den Pflichtbereichen werden insbesondere beim Thema Verkehr Schwerpunkte gesetzt, wie zum Beispiel Schülertransporte, Langsamverkehr und ÖV. Die Regionalkonferenzen des Kantons Bern gelten schweizweit als vorbildlich, da es ihnen gelungen ist, die Zusammenarbeit auf regionaler und Stadt-Land-übergreifender Ebene so weit zu institutionalisieren, dass gesetzliche Aufträge für die regionale Ebene in den Schlüsselthemen der Raumentwicklung entstanden sind.