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Seit dem Mittelalter wohnten Basler Studenten in sogenannten Bursen internatsähnlich zusammen. Nach der Reformation entstand an deren Stelle das Alumneum, in dem besonders begabte Studenten wohnen konnten und unterrichtet wurden. 1844 wurde das «Neue Alumneum» eingerichtet, das bis heute an der Hebelgasse für 25 Studenten und Studentinnen aller Fakultäten ein Zuhause bietet.
Klösterliches Wohnen in den Bursen 1460-1529
Seit der Eröffnung der Universität 1460 war es für alle jungen Männer, die sich in Basel immatrikulierten, obligatorisch, sich zugleich in einer der offiziellen Studentenbursen einzumieten.
Die Bursen, in denen die jugendlichen Studenten untergebracht wurden (mindestens zwei Drittel waren noch minderjährig), waren als konviktartige Internate organisiert, die der Aufsicht von Magistern der Artistenfakultät unterstanden. Die Studenten wohnten nicht nur in den Bursen; hier wurden auch Lehrveranstaltungen abgehalten, welche der Vorbereitung und der Vertiefung des Unterrichtsstoffs aus den universitären Vorlesungen dienen sollten. Zur Einübung der akademischen Unterrichtssprache war das Lateinische als Umgangssprache vorgeschrieben.
Das studentische Wohnen glich in Vielem der Tagesstruktur klösterlicher Lebensformen. Zu genau geregelten Zeiten wurde gemeinsam gegessen, und abends um acht – im Sommer um neun Uhr – wurden die Tore geschlossen. Verboten war alles, was zu Ausschweifungen führen konnte: abendliches Ausgehen, Spielen um Geld und sogar Musizieren. Studentische Spione – sogenannte Wölfe – kontrollierten die Einhaltung der Regeln und waren gehalten, Säumige dem Rektor zu melden, dem ein Kontrollrecht über die Bursen zustand.
Die Basler Behörden versprachen sich von einem Bursenzwang für alle Studenten, dass Ruhe und Ordnung eingehalten und Kollisionen der Studenten mit der Bürgerschaft vermieden würden. Ein konsequenter Bursenzwang liess sich allerdings nicht durchsetzen. 1477 wurde er für die älteren Studenten der theologischen, rechtswissenschaftlichen und der medizinischen Fakultät aufgehoben, was einigen Stadtbürgern die willkommene Möglichkeit gab, mittels der Vermietung von Unterkünften an Studenten an deren Wohn- und Verpflegungsausgaben mitzuverdienen. Eine der Bursen, «burss» genannt, existierte bis 1529 im Gebäude der Alten Universität, dem «Unteren Collegium». Vermutlich befand sich zudem eine zweite Burse am Münsterhügel im Augustinerkloster. Beide Bursen gingen aber, mit den übrigen, im Juni 1529 in den Wirren der Reformation unter.
1533 entsteht das Alumneum: Nachwuchsförderung für den Staats- und Kirchendienst
Nachdem die Universität im September 1532 mit dem Erlass neuer Statuten wiedereröffnet wurde, beschloss der Rat der Stadt Basel ein Jahr später, ein Alumnat für 24 Studenten zu gründen. An Pfingsten 1533 fand die Eröffnung dieses «Collegium Alumnorum» im Predigerkloster statt, das auch «Collegium Erasmianum» genannt wurde. Bald übersiedelten die Studenten in Unterkünfte am Rheinsprung, in denen schon in der vorreformatorischen Zeit studentische Bursen bestanden hatten: Die einheimischen Studenten wurden im Augustinerkloster und die fremden in Räumlichkeiten des «Unteren Collegiums» untergebracht. Dass von Anfang an ein beachtlicher Teil der Plätze für auswärtige Studenten reserviert war, stellte ein besonderes Merkmal des Basler Alumneums dar, an dem bis in die Gegenwart festgehalten wird.
Einerseits entsprach die Errichtung des Alumneums der Forderung der Reformation, die Kirchengüter im Sinn der Stifter weiterhin für das Gemeinwohl, und insbesondere für das Schul- und Armenwesen, einzusetzen. Es bot den Stipendiaten nicht bloss Unterkunft, sondern auch kostenlose akademische Ausbildung. Andererseits beabsichtigte der Rat, im studentischen Alumnat fähige Staats- und Kirchenmänner für die Zukunft auszubilden. Die Regenz nahm die Auswahl der Stipendiaten vor, die ihre Berechtigung für ein Stipendium jedes Jahr von Neuem mittels einer Prüfung unter Beweis stellen mussten. 1624 wurden die beiden Kollegien zum Zwecke strafferer Führung schliesslich zusammengelegt und gemeinsam im «Oberen Kollegium» unter ein Dach gebracht.
Strenge Hausordnung und scharfe Rügen
In der Hoffnung, für Zucht und Ordnung zu sorgen, hielt die Regenz an den alten, strengen Statuten für das Alumneum fest. Nur zögerlich wurde die strikte Hausordnung gelockert, die zum Teil noch den klösterlichen Bursen entstammte. Die Essens- und Ausgehzeiten der Stipendiaten sowie ihre Studienleistungen wurden streng überwacht.
Allen Bestimmungen zum Trotz musste der Praepositus regelmässig Disziplinarstrafen wegen Trinkgelagen, Pöbeleien oder Schwänzen aussprechen. In besonders schlimmen Fällen kam es gar zum Ausschluss aus dem Alumnat. Offenbar waren die Ausschreitungen im Alumneum so augenfällig, dass der Rat 1745 verlauten liess, die meisten Alumnen führten ein «ärgerliches, gottloses und ungezähmtes Leben» und das Alumneum sei gar eine «Schule des Lasters und der Bosheit». Nicht zuletzt die Tatsache, dass man die Stipendiaten als Aushilfen im Paedagogium im Unterricht einsetzen konnte, scheint aber ein Argument für die Weiterführung der Anstalt gewesen zu sein. Erst die Revolution führte schliesslich zur Aufhebung des Alumneums, wenngleich die darin Wohnenden nicht sofort zum Ausziehen gezwungen wurden.
Nach dem Sturz der Helvetik bestand von Seiten der Regenz der Wille, das Alumneum zum Unterhalt armer Studenten weiter zu erhalten. Da man den Missständen der vergangenen Jahrhunderte entgegenwirken wollte, wurde 1828 die Stelle des Praepositus abgeschafft und an seiner Stelle der Theologieprofessor Wilhelm M. L. de Wette als Inspektor eingesetzt, der schon die Theologische Fakultät reorganisiert hatte. Als der Rat aber 1843 den Entschluss fasste, anstelle des Klostergebäudes das Naturhistorische Museum zu errichten und mit dem Bau sofort zu beginnen, war das «Alte Alumneum» definitiv an sein Ende gekommen.
1844 entsteht das «Neue Alumneum» und zieht an die Hebelgasse
Dem Alumneum, das – zählt man die mittelalterlichen Bursen zu seinen Vorläufern – seit der Basler Universitätsgründung bestand, konnte allerdings auch dieser Schicksalsschlag nichts anhaben. Schon 1844 feierte eine eigens zu diesem Zweck zusammengetretene Gesellschaft unter Antistes Jakob Burckhardt die Eröffnung des «Neuen Alumneums» an der Elisabethenstrasse. Auf den Grundsätzen von «Unterstützung, Beaufsichtigung und Vereinigung der Zöglinge zu einem Familienleben» sollte die neue Institution aufgebaut werden. Fortan wurde das «Neue Alumneum» aus privaten Geldern finanziert, erhielt aber eine jährliche Unterstützung durch die Universität. Den ersten fünf Alumnen, fünf Theologiestudenten, wurde anlässlich der Eröffnungsfeier die Hausordnung vorgelesen, die sie mit einem Handgelübde zu erwidern hatten; ein Ritual, das bis ins 20. Jahrhundert bestehen blieb.
Zwar standen die Alumnen im «Neuen Alumneum» unter der Obhut zweier Hauseltern, man war aber bestrebt, ihnen mehr Freiraum zu lassen als den Vorgängern im «Alten Alumneum». Man erlaubte zum Beispiel den Theaterbesuch bei den Studentenverbindungen, wenn auch nur mit Wissen des Hausvaters. Weil die Räumlichkeiten bald zu klein wurden, bezog die Anstalt unterstützt durch viele Spenden bald ihr neues Domizil an der Hebelstrasse 17 (bis 1872 «Neue Vorstadt 264» genannt). Bis 1884 wurden verschiede Aus- und Anbauten vorgenommen, um das Herrschaftshaus mit seinem grossen Garten dem Zweck eines Studentenheims dienlicher zu machen.
Hauselternschaft im Alumneum: keine einfache Aufgabe
Nachdem sich die Suche nach Nachfolgern für die Hauselternschaft 1884 schwierig gestaltet hatte – waren mit dem Amt doch eine geringe Entlöhnung und in vielen Fällen der Verzicht auf eine eigene Familie verbunden – , entschloss man sich dazu, den Wohnraum, der für die Hauseltern vorgesehen war, auszubauen. Damit waren die Wohnräume der Hauseltern auch deutlicher als zuvor von denjenigen der Alumnaten abgetrennt.
Die Aufgabe der Hauseltern war «keine ganz leichte», schrieb der Hausvater und Pfarrer Karl Stockmeyer im Jahresbericht von 1910. Dennoch war er sich sicher, dass es den Studenten zugute komme, dass die Hauseltern auf die Einhaltung von Disziplin im Haus Wert legten und ihnen «in der Hast und Unruhe des modernen Lebens und in dem Wirrwarr und Wechsel der geistigen und theologischen Zeitströmungen einen Halt und Führung» gaben. Gerade für die Hausmütter, die im Basler Alumneum sehr geschätzt waren, in den Jahresberichten und anderen Dokumenten zur Alumneumsgeschichte aber weitaus seltener zur Sprache kamen als die Hausväter, brachte die Versorgung des Grosshaushaltes ein umfangreiches Arbeitspensum mit sich.
Das Alumneum wird 1973 renoviert und auf Selbstversorgung umgestellt
Eine wesentliche Veränderung trat 1967 ein, als das Alumneum mit dem Kanton Basel-Stadt einen Vertrag darüber abschloss, zum Bau einer neuen Mensa einen Teil des Gartens abzutreten. Aus dem Verkauf wurde es dem Alumneum im Gegenzug möglich, längst fällige Renovationsarbeiten durchzuführen, die zwischen 1972 und 1973 gar eine temporäre Schliessung des Hauses notwendig machten. Die während der Bauperiode an der Feierabendstrasse einquartierten Alumnen hatten sich dort selbst verpflegt und reichten in der Folge das Gesuch ein, man möge ihnen auch im renovierten Alumneum Möglichkeiten zur Selbstverpflegung zur Verfügung stellen. Daraufhin wurden im Alumneum Koch- und Waschgelegenheiten installiert. Mit der Einführung der Selbstversorgung konnten zwar die Kosten für das Dienstpersonal eingespart werden, allerdings wurde es von einigen auch bedauert, dass die tägliche Tischgemeinschaft mit den Hausvorstehern wegfiel.
Mit der Wiedereröffnung des renovierten Alumneums wurden 1973 erstmals auch Frauen im Wohnheim aufgenommen. Zudem war mit Frau Dr. Monica Stucky von 1992 bis 2004 zum ersten Mal eine Frau die alleinige Leiterin des Alumneums.
Heute bietet das Alumneum an der Hebelgasse Platz für 25 Studierende, denen jeweils ein Einzelzimmer zur Verfügung steht. Ein Mal pro Woche findet in dem gepflegten Herrschaftshaus ein freiwilliges gemeinsames Abendessen statt. Die ehemals ausschliesslich aus Theologiestudenten bestehende Gemeinschaft setzt sich aus Studierenden aller Fakultäten zusammen und besteht je etwa zur Hälfte aus Männern und Frauen.