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Rünenberg liegt inmitten einer Hochebene des Tafeljuras. Der Vorteil dieser zentralen Lage ist, dass die Siedlung im Gegensatz zu Kilchberg inmitten der ebenen Flur liegt. Dafür liegt Rünenberg etwas abgeschlossen gegenüber Nachbargemeinden. Das führte aber auch zu mehr Eigenständigkeit der Gemeinde. Rünenberg wird von drei Seiten durch Strassen erschlossen: aus Westen von Sissach, aus Norden von Gelterkinden und aus Südosten von Kilchberg/Zeglingen. Schon im Frühmittelalter ging eine wichtige Verkehrsachse über Gelterkinden beziehungsweise Sissach nach Rünenberg und zog dann weiter über die Schafmatt oder den Unteren Hauenstein ins Mittelland. Mit dem Bahnbau wurde Rünenberg zur verkehrsarmen Insel. Die Siedlung liegt auf einer Wasserscheide und vor allem das Oberdorf im Süden ist im Laufe der Zeit gerade wegen der Südlage besonders gewachsen.
Die Tafel zwischen Homburger- und Eital besteht gegen die Täler zu aus leicht aus Süden ansteigenden wasserdurchlässigen Rogensteinplatten und Rogensteinfelsen. Im Norden begrenzt das Ergolztal und im Süden die Überschiebungszone Wisenberg die Tafel. Es sind keine Verwerfungen vorhanden. Da die Kalkplatten wasserdurchlässig sind, fehlen Fliessgewässer und Quellen. Deshalb hat die Wasserversorgung über Jahrhunderte Probleme verursacht. Die Brunnen bildeten somit wichtige Akzente des Dorfbildes. Der beachtliche Weiher aus dem Jahr 1723 diente als Wasserreserve und ist auch heute immer noch Löschreserve für die Feuerwehr. Ausserdem entwickelten sich in diesen Kalkplatten Karstformen. Ein schönes Beispiel für eine solche Karstform ist eine nicht aufgefüllte Doline südöstlich Rünenberg.
Rünenberg ist als Posamenterdorf bekannt. Die Seidenbandweberei setzte sich Mitte des 18. Jh. durch. Ein immer grösser werdender Teil der Bevölkerung wurde im 19. Jh. wirtschaftlich vom Erfolg beziehungsweise Misserfolg des baslerischen Seidenhandels abhängig. Mit der Wirtschaftskrise in den 1920er- und 1930er-Jahren ging die Posamenterei zurück. Im Film «Die Heimposamenterei» von Yves Yersin (1972) wird eine der letzten Heimposamenterinnen aus Rünenberg porträtiert.
Die Posamenterei prägte auch das Ortsbild und führte unter anderem dazu, dass alle Hochstud-Ständerbauten durch die Vielzweckbauten abgelöst wurden. Hochstudbauten besassen in der Mittelachse Ständer, die vom Erdgeschoss bis zum First durchgingen und damit die Dachkonstruktion stützten. Sie waren in den Baselbieter Dörfern bis ins ausgehende 17. Jh. weit verbreitet. Der Vielzweckbau vereinigt Wohn- und Ökonomieteil unter einem First, wobei die Traufe über dem Ökonomieteil weiter hinuntergezogen ist (Regenschatten). Im Wohnteil brauchte man für die Posamenterei viel Licht. Aus diesem Grund sind die Fenster dort vergrössert und das Dach reduziert.
Ein Kennzeichen von Rünenberg sind die locker gestreuten Posamenter-Bauernhäuser mit Garten und Baumgärten. Das fast vollständige Fehlen von Taunerhäusern weist auf frühen Wohlstand der Bewohner hin. Auch fehlen mehrfach zusammengebaute Häuserzeilen.
Ursprünglich war der Ackerbau ein wichtiger Betriebszweig in der Landwirtschaft. Zur Zeit der alten Dreifelderwirtschaft 1774 betrug der Anteil des Ackerlandes an der Betriebsfläche rund 57 %. Nach der Auflösung der Dreifelderwirtschaft und der immer wichtiger werdenden Posamenterei konzentrierten sich die Bauern fast nur noch auf die Graswirtschaft. So betrug der Anteil des Ackerlandes 1916 nur noch 16 %. Erst als die Landwirtschaft im Rahmen des Niedergangs der Posamenterei wieder zur einzigen Einnahmequelle wurde, wandte man sich wieder dem Ackerbau zu. So betrug der Anteil des Ackerlandes 1969 wiederum rund 30 %.
Rünenberg war eine eher obstbaumarme Gemeinde. Das hängt in erster Linie mit den geringen Anstrengungen zusammen, die man auf landwirtschaftlichem Gebiet unternahm, solange die Posamenterei Hauptverdienstquelle war. Dann aber erkannte man die günstigen naturräumlichen Voraussetzungen vor allem für Kirschbäume. Mit der Technisierung und Modernisierung der landwirtschaftlichen Arbeit nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der Kirschenanbau verständlicherweise nicht Schritt halten. Die Früchte mussten nach wie vor mühselig von Hand abgelesen und rasch hintereinander, das heisst meist mit drastisch erhöhtem Personalbedarf geerntet werden. Deshalb entstanden einige Niederstammanlagen.
HPM
Ölsaaten: Raps, Sonnenblumen und Soja.
Quellen: Statistisches Amt des Kantons Basel-Landschaft
Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung
Quellen: 1856–1954: Heimatkunde Rünenberg, 1971, 1972-1978: www.ruenenberg.ch