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Tatort: Die Europameisterschaft 2000 in Holland und Belgien, Schiedsrichter Pierluigi Collina leitet das Gruppenspiel von Gastgeber Holland gegen Tschechien, den Vize-Europameister von 1996. Es kommt zu einem Handgemenge zwischen Tomas Repka und Clarence Seedorf und was macht der Italiener? Er regelt die Situation auf seine ganz eigene Art.
Collina lässt sich zuerst von Edgar Davids' Wortschwall in keinster Weise beeindrucken und auch Tomas Repka dürfte nicht mit einer solchen Reaktion gerechnet haben: Für einen Schiedsrichter unüblich, stösst Collina den Tschechen weg und teilt ihm unmissverständlich mit, was er von solchen Aktionen hält.
Das Spiel wird in der 89. Minute durch einen umstrittenen Elfmeter für Holland entschieden. Erboste Tschechen werfen darauf dem Italiener und der UEFA vor, bewusst dafür zu sorgen, das der Gastgeber möglichst lange im Turnier bleibt. Trotz der vieldiskutierten Entscheidung leitet Collina an der EM 2000 zwei weitere Partien (England – Deutschland 1:0; Spanien – Frankreich 1:2). Die Franzosen holen sich am Ende den Titel, David Trezeguet entscheidet das Finale gegen Italien mit seinem Golden Goal.
Die Karriere des grossgewachsenen Italieners beginnt 1977. Pierluigi Collina nimmt an einem Schiedsrichterlehrgang teil, sofort wird sein Talent für diese Tätigkeit entdeckt. Der Aufstieg gelingt dann zügig, bereits 1988 leitet Collina Spiele in der Serie C. Drei Saisons später, am 15. Dezember 1991 folgt seine erste Partie in der höchsten italienischen Spielklasse, beim 1:0-Sieg von Hellas Verona über Ascoli zückt Collina auch gleich die erste Rote Karte. Neben seiner Tätigkeit als Unparteiischer holt sich der Italiener an der Universität Bologna einen Abschluss in Wirtschaft.
1995, nach vier Spielzeiten in der Serie A, wird Pierluigi Collina in die Liste der FIFA-Schiedsrichter aufgenommen. Nach den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta folgt eines der Highlights in der Karriere des legendären Schiedsrichters: Das Endspiel in der Champions League 1999 zwischen Bayern München und Manchester United. Die Engländer schreiben dort Geschichte und drehen die Partie in der Nachspielzeit.
Pierluigi Collina wird auf dem Platz akzeptiert wie kein Zweiter, mitverantwortlich ist sein markantes Äusseres. Mit 1,88 Meter ist der Italiener grösser als die meisten Spieler, dazu die stechenden Augen und die auffällige Glatze. Collina trägt diese allerdings nicht freiwillig, mit 24 Jahren erkrankte er an einer Stoffwechselkrankheit und verlor dabei sein komplettes Körperhaar.
Zwischen 1998 und 2003 wird Collina sechsmal in Folge zum «Weltschiedsrichter des Jahres» gewählt, der Höhepunkt seiner Karriere ist die Leitung des WM-Finales 2002 zwischen Deutschland und Brasilien.
Der Abgang von der Schiedsrichterbühne ist 2005 abrupt und unwürdig. Wegen seines millionenschweren Werbedeals mit Autobauer Opel darf Collina keine Spiele der Serie A mehr leiten, dies entscheidet der italienische Fussballverband. Weil die AC Milan ebenfalls von Opel gesponsert ist, befürchtet man beim Referee Interessenskonflikte.
Collina wehrt sich erfolglos gegen das Urteil, will aber auch nicht auf das Geld verzichten und erklärt anschliessend nach 28 Jahren als Schiedsrichter seinen Rücktritt. An der Pressekonferenz erklärt er: «Ich habe in der letzten Nacht weniger als vor dem WM-Finale geschlafen, ich habe jedoch diesen Entschluss gefasst. Am Schluss haben wir alle verloren.»
Finanziell ist das Karrierenende verkraftbar, denn Collina verkörpert zu dieser Zeit längst ein gefragtes Werbegesicht und verdient sich dabei eine goldene Nase. Nach der EM 2004 wird der Italiener von der Universität Hull geehrt, sie verleiht ihm den Ehrendoktor der Sportwissenschaften für seine zahlreichen Verdienste um den Sport. 2011 wird er zudem in die italienische Hall of Fame des Fussballs aufgenommen.
Wer kennt es nicht: Dieses Gefühl, wenn man eigentlich nur ruhig da sitzen und zuhören müsste. Doch aus irgendeinem Grund findet man alles unglaublich witzig und muss auf einmal loslachen. Und je mehr man mit dem Lachen eigentlich aufhören müsste, desto schlimmer wird es. Genau so geht es an diesem Tag auch Roger Federer.