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Der milliardenschwere Unternehmer Michael Pieper regelt seine Nachfolge. Sein 35-jähriger Sohn Alexander zieht als Vize-Präsident in den Verwaltungsrat der Franke Holding ein, wie das Unternehmen am Freitagmorgen in einem Communiqué schreibt. Die Holding ist das Herzstück im Imperium des Küchen- und Gastrogerätebauers aus dem aargauischen Aarburg.
Alexander erbt das Amt des Vize-Präsidenten von seinem Vater Michael, der seit 2013 diese Schlüsselfunktion ausübte. Pieper senior bleibt im strategischen Gremium, aber nur noch als einfacher Verwaltungsrat.
Der Vater hat die Stabübergabe an den Sohn über Jahre vorbereitet. Alexander studierte in den USA und trat, laut Linkedin, 2004 in den Familienbetrieb ein. Er startete seine Laufbahn als Projektmanager in Nashville, im US-Bundesstaat Tennessee. Der Ort gilt als «Buckle of the Bible Belt», als Herzstück im religiös-konservativen Amerika.
Drei Jahre weilte Alexander in Nashville. Daraufhin zog er für zwei Jahre auf die Philippinen, arbeitete kurz im Gruppenmanagement in Aargau, zog erneut ins Ausland (Vereinigte Arabische Emirate), nur um abermals in die Schweiz zurückzukehren. 2016 dann die Feuertaufe: Alexander übernahm die Führung der Werkzeugherstellers Kraftwerk.
Nina Pieper bei Artemis
Seither beherrschen Schraubenschlüssel, Stecknüsse und Kneifzangen den Tag des Milliardenerben. Alexander installierte einen Weggefährten, Alexander Wüthrich, als operativen Chef und übernahm die Verantwortung für den deutschen Markt gleich selbst. Er galt schon länger als würdiger Nachfolger für seinen Vater. Der gelernte Metallbauer mit höherem Wirtschaftsdiplom hatte aber einen Nebenbuhlerin: seine Schwester Nina.
Die beiden sind die einzigen Kinder von Pieper, zu dessen Imperium über 80 Gesellschaften und Beteiligungen gehören, darunter Adval Tech (21 Prozent), Arbonia (27 Prozent), Feintool (50,3 Prozent), Forbo (27 Prozent), Rieter (11,5 Prozent) und Autoneum (21 Prozent). Nina ist zwei Jahre älter als ihr Bruder, hat in München Modedesign studiert, arbeitete für Tom Tailor in Hamburg, für Jean Yu in New York und im Yoh-Atelier in Zürich und besitzt auch ein eigenes Label Emma Pepper. 2014 hat sie sich in den Verwaltungsrat der Artemis wählen lassen.
Die Lancierung von Alexander als Vize-Präsident bei Franke ist nun ein starkes Indiz dafür, dass das Imperiums von Michael Pieper aufgeteilt wird. Der männliche Erbe macht dabei das Rennen um den Industriethron. In der Medienmitteilung vom Freitag heisst es: «Durch all die personellen Veränderungen haben wir (...) die Unabhängigkeit der Franke Gruppe von der Artemis Holding AG erhöht –und durch den Einsitz meines Sohnes ins Gremium langfristig die Nachfolge geregelt.»
Neuer Präsident bei der Franke Holding
Neben Alexander Pieper ziehen neu auch Patrick Naef und Michael Reinhard in den Verwaltungsrat ein. Der 53-jährige Naef war die letzten zwölf Jahre bei der Emirates Group als CIO – Chief Information Officer – tätig. Davor arbeitete der gelernte Informatikingenieur in gleicher Funktion beim Verpackungshersteller SIG und bei Swissair sowie in leitender Funktion bei der Zürich Versicherung, bei HP und Julius Bär.
Der 62-jährige Reinhard arbeitete von 2005 und 2017 bei Geberit als Mitglied der Konzernleitung für verschiedene Konzernbereiche. Er war Vertriebschef und Produktechef. Davor war er unter anderem in leitenden Funktionen beim Unternehmensberater McKinsey.
Franke-Präsident Thomas Erb dagegen legt sein Amt nach über 13 Jahren nieder. Er tritt an der kommenden Generalversammlung im Mai nicht mehr an. Christian Mäder soll den Veteranen an der Spitze ablösen. Der 49-Jährige ist aktuell Finanzchef der Artemis Group. Neben Erb legen auch Andreas Hauswirth und Michael Soormann ihr Mandat nieder.
Pieper: Mäzen, Vollblut-Unternehmer, Industrieveteran
- Michael Pieper ist Milliardär, Grossinvestor und Patron der alten Schule. Franke zählte er zu seinem wichtigsten Mandat. Auf einer Stufe mit Forbo, Autoneum, Arbonia und Rieter. Bei Feintool ist er schon länger nicht mehr im Verwaltungsrat. Bei Hero ist er im Frühjahr ausgetreten, bei Adval Tech ebenfalls im letzten Jahr.
- Pieper nimmt laut «Forbes»-Liste der reichsten Milliardäre der Welt Platz 414 ein. «Forbes» schätzt sein Vermögen auf 4,3 Milliarden Franken, die «Bilanz» schätzt sogar 4,75 Milliarden Franken. Das entspricht mehr als einer Versechsfachung seines Vermögens seit 2003. Dazu gekommen ist Pieper mit der Produktion von Küchen und Kaffeemaschinen sowie der Beteiligung an Immobilien, Autozulieferern und Bauausrüstern.
- Pieper gilt als wertkonservativ. Handschlagqualität und mündliche Vereinbarungen sind ihm etwas wert. Dabei ist er auch ein glühender Schweizer. So sorgt er sich schon mal um den Fortbestand des Landes. In einem «Handelszeitung»-Gespräch fiel er einmal auf mit den Worten: «Der Schweiz geht es zu gut und sie wird bequem. In der Schweiz haben wir viele Politiker, aber kaum einer der Politiker ist Unternehmer.» Geschäftsleute vom Format eines Gottlieb Duttweiler oder eines Peter Spuhler fehlen ihm heute. Über seinen Kollegen und Weggefährten Spuhler sagte er einmal: «Er gilt als Macher, ist klar, schnell und hält sein Wort.»