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77.250 – Eine neue «alte Bekannte» bei der Eurovapor
Die Ursprünge der 77 250 liegen in der Lokbaureihe 629 der k.k. privilegierten Südbahn mit den Betriebsnummern 629.01–15, die zwischen 1913 und 1915 gebaut wurden.
Sie waren für Personen- und leichte Schnellzüge vorgesehen. Verschiedene Vorgaben wie Metergewicht und Leistungssteigerung führten zur Achsfolge 2’C1’ und einer Ausführung als Heissdampflokomotive.
Die erfolgreiche Konstruktion entstand unter Federführung von Ing. Ernst Prossy in enger Zusammenarbeit mit der Lokomotivfabrik der Staatseisenbahngesellschaft (StEG) in Wien. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 85 km/h festgesetzt,
obwohl bei Probefahrten auf der Südbahn (Wien – Triest) 110 km/h problemlos erreicht
wurden. Später wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h heraufgesetzt. Die Betriebsvorräte waren für eine Reichweite von ca. 200 km bemessen. Die extreme Laufruhe der Lokomotiven waren bei den Personalen sehr geschätzt.
Die guten Ergebnisse bewogen Karl Gölsdorf, anstelle einer eigenen Konstruktion für die königlich kaiserliche Staatsbahn (k.k.St.B.), ebenfalls Lokomotiven dieser Bauart zu beschaffen, welche nur in Details an die Normalien der Staatsbahn angepasst waren. Diese 25 Lokomotiven wurden zwischen 1917 und 1918 geliefert.
Von den Bundesbahnen Österreichs (B.B.Ö) wurden weitere 60 Lokomotiven in den Jahren 1920 bis 1922 und 1927/28 beschafft. Durch die guten Erfahrungen mit den Lokomotiven auf den damals zu der k.k.St.B gehörenden Strecken in Polen, beschaffte die Polnische Staatsbahn 1921/22 ebenfalls zehn Lokomotiven dieses Typs und reihte sie als OKm 11 ein. Durch den verlorenen 1. Weltkrieg gelangten 15 Lokomotiven in den Bestand der Tschechischen Eisenbahnen. Durch die OSD wurde der Weiterbau dieser Lokbaureihe in leicht geänderter Form als Reihe 354 betrieben. Diese wurden durch die Lokfabrik škoda in Pilsen sogar bis in das Jahr 1941 gebaut. Unsere 77 250 entstammt dieser letzten Lieferserie und wurde von der Lokfabrik Krauss & Companie in Linz an der Donau als 629.65 mit der Fabriknummer 1429 gebaut.
Nach einer bahnamtlichen Abnahme am 7.4.1927 war zunächst bis 1938 das Heizhaus Graz an der Südbahn ihre erste Heimat. Im Zuge des Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich kam die Lok zunächst nach Bruck an der Mur, danach zum BW Eger, von wo aus diese bis Anfang 1945 eingesetzt wurde. Durch die Eingliederung der Österreichischen Lokomotiven ins Baureihenschema der Deutschen Reichsbahn, erhielt unsere Lok ihre deutsche Loknummer 77 250.
Im April 1945 befand sich unsere Lok in Klagenfurt und war zuvor bei einem Alliierten Bombenangriff in Bleiburg schwer beschädigt worden. Durch den akuten Fahrzeugmangel der Nachkriegszeit wurde die beschädigte Lok wieder instandgesetzt. Erst im Jahre 1949 kehrte sie in den Bestand und den Betriebsdienst des Heizhauses Graz an der Südbahn zurück. Mit der Einführung der Österreichischen Bundesbahn ÖBB im Jahr 1953 wurde unsere Lok abermals zur 77 250 umgezeichnet. Im Jahr 1967 wurde die Lok nach Wien-Ost um beheimatet, was auch ihre letzte ÖBB-Einsatzstelle werden sollte.
Am 22.5.1973 wurde 77 250 ausgemustert und auf ein Schrottlokgleis in Strasshof an der Nordbahn zur Verschrottung hinterstellt. Durch die Gemeinde Schaan im Fürstentum Liechtenstein wurde die Lok als eine der letzten ihrer Baureihe abermals vor dem Schneidbrenner gerettet. Für das Fürstentum Liechtenstein hatte die Lokomotive eine gewisse historische Bedeutung, da vor der Elektrifizierung der Bahnstrecke Feldkirch – Schaan – Buchs SG dort Loks dieser Gattung von Bregenz aus zum Einsatz kamen.
Optisch aufgearbeitet wurde die Lok als Denkmal beim Bahnhof Schaan-Vaduz ausgestellt und erinnerte an den Dampflokbetrieb im Fürstentum Liechtenstein.
Im Jahr 2005 begann die Demontage der Lok durch die Eurovapor in Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnclub Schaan-Vaduz. Eine betriebsfähige Aufarbeitung sollte im tschechischen Ausbesserungswerk ZOS Ceske Velencice erfolgen. Nach der Vollaufarbeitung in Tschechien ging die Maschine, nunmehr betriebsfähige Lokomotive, in den Besitz der damals neu gegründeten «Fürstlich Liechtensteinischen
Eisenbahn Romantik Stiftung» über.
Trotz eines immensem Arbeits- und Kostenaufwandes, welcher durch die Eurovapor seinerzeit in die Lok investiert wurde, war die Eurovapor nicht berücksichtigt worden. Durch die Auflösung der «Fürstlich Liechtensteinischen Eisenbahn Romantik Stiftung» in Folge von Konkurs ging nun ein lange gehegter Wunsch für die Eurovapor in Erfüllung.
Freuen wir uns nun über diese formschöne und universell einsetzbare Dampflokomotive im Bestand der Eurovapor. In Kooperation mit weiteren Partnern sind bereits regelmässige Fahrten in der Bodenseeregion durch Deutschland, Österreich und der Schweiz angedacht.
Aktuell laufen die Planungen mit Hochrüstung der Zugsicherungsanlage und dem Einbau einer neuen Zugfunkanlage zur Wiederinbetriebnahme.