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Nevermore! (Please!)
“Das Grab der Ligeia” von Michael Staininger
Edgar Allan Poe gehört bis heute zu den faszinierendsten literarischen Gestalten der Amerikanischen Literatur und seine Horrorgeschichten sind nach wie vor beliebte Klassiker. Die Verfilmung einer der berühmtesten dieser Geschichten, “Ligeia”, könnte dies jedoch ändern. Der Film tut sein Möglichstes, um Poe zu Mehrfachumdrehungen in seinem Grab zu provozieren.
Von Lukas Hunziker.
Der erfolgreiche Literaturwissenschaftler und Autor Jonathan Merrick lernt nach einer seiner Vorlesungen die attraktive Studentin Ligeia kennen. Diese arbeitet, wie wir bald erfahren, an einem Verfahren, um die ausgehauchte Seele kürzlich Verstorbener einzufangen und als Quelle für ewiges Leben zu brauchen. Was Ligeia jedoch auch ohne die Wissenschaft kann, ist Menschen ihren Willen aufzuzwingen. Jonathan wird das Opfer dieser Fähigkeit, verlässt seine Verlobte Rowena und zieht mit Ligeia auf deren Familienbesitz am Schwarzen Meer zurück. Dort lassen Ligeias Kräfte jedoch langsam nach und als Jonathan sie schliesslich verlässt, nimmt sie sich das Leben. Oder besser gesagt, sie nimmt sich den Körper, den Ligeias Seele zurücklässt, um sich einen neuen zu suchen, in dem sie Jonathan zurückgewinnen kann.
Ligeia verschandet
Die deutsche Fassung trägt den Titel “Das Grab der Ligeia”, während der Titel der Originalfassung von “Edgar Allan Poe’s Ligeia” zu “The Tomb” abgeschwächt wurde. Diese Titeländerung ist eine der wenigen Taten, für welche man die Filmemacher loben muss, denn um eine Literaturverfilmung von Poes short story handelt es sich bei diesem Film keineswegs. Vielmehr basiert der Film auf der Idee des Originals, dass die Seele einer verstorbenen Frau Besitz vom Körper der neuen Frau ihres einstigen Ehegatten ergreift. “Das Grab der Ligeia” spielt allerdings nicht im 19. Jahrhundert, sondern in unserer Zeit, was der Stimmung schon einmal erheblich schadet. Dazu kommt, dass während in Poes Geschichte nie wirklich klar wird, ob sich der Erzähler nur einbildet, Ligeias in seiner neuen Frau zu sehen, der Film eine plumpe “mad scientist” Erklärung einbaut und aus Ligeia eine Mischung aus Gothic Girl und Frankenstein macht. Im Vergleich mit der Titelheldin bei Poe, die ausführlich beschrieben und psychologisiert ist, wirkt die Leinwandligeia zudem wie ein Versammlungsort von gängigen femme fatale Klischees.
Wäre nur die Story schlecht, der Film aber immerhin anständig gemacht, könnte er knapp noch als unterhaltend durchgehen. Leider ist das Gegenteil der Fall: beim Casting, beim Make-up, bei den Kulissen und bei den Special Effects scheint man sich ganz besonders Mühe gegeben zu haben, möglichst noch schlechtere Arbeit zu leisten als der Drehbuchautor John Shirley. Sofya Skya, immerhin Miss World 2006, nahm man durch Make-up und Kostüm jeden Reiz, Wes Bentley (bekannt als der schräge Nachbarsjunge aus “American Beauty”) ist als Literaturwissenschaftler so unglaubwürdig wie Bruce Willis als Nelson Mandela, und Michael Maddsen wurde jene Rolle zugeteilt, die keine andere Funktion zu haben scheint, als einige zusätzliche Filmminuten zu füllen. Die Special Effects sind weiter unter B-Movie Niveau, die Belichtung unüberlegt bis nervig, die Sexszenen unerotischer als eine ungeduschte Amy Winehouse. Mit anderen Worten, “Das Grab der Ligeia” ist einer der wenigen Filme, dem man auch mit viel gutem Willen und bei niedrigsten Ansprüchen nichts, aber einfach gar nichts angewinnen kann. Einer der sehr wenigen Filmen, bei welchem man als Kritiker wirklich nur sagen kann: “Hände weg!”.
Ausstattung
Ähm … Sie haben den obigen Satz gelesen und wollen dennoch wissen, welches Bonusmaterial die DVD liefert? Tatsächlich ist es so, dass das Bonusmaterial interessanter und sehenswerter ist als der Film. Eine halbe Stunde lang geben Cast und Crew Auskunft darüber, warum sie bei “Ligeia” mitgewirkt haben und warum das Projekt so wahnsinnig toll war. Sie wirken dabei alle so überzeugend, dass man sich fragt, ob man wirklich jenen Film gesehen hat, welchen sie gedreht haben. Zusätzlich zu den Interviews finden sich Trailer und ca. 10 Minuten nicht verwendete Szenen in durchaus guter Qualität. Eher unpassend, wenn auch gut gemeint, ist das Booklet, welches Interpretationsansätze von Poes Kurzgeschichte zusammenfasst. Ob das Zielpublikum des Films tatsächlich entsprechende literaturwissenschaftliche Interessen hat, bleibt aber anzuzweifeln.
Seit dem 27. Mai 2010 im Handel.
Originaltitel: Edgar Allen Poe’s Ligeia (USA 2009)
Regie: Michael Staininger
Darsteller: Wes Bentley, Sofya Skya, Kaitlin Doubleday, Michael Madsen, Eric Roberts
Genre: Mysterytrash
Dauer: 86 Minuten
Bildformat: 2.35:1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Interviews, Deleted Scenes
Vertrieb: Impuls
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