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Der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen und Friedensnobelpreisträger Kofi Annan ist am Samstag, 18. August, in Bern mit 80 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben.
Kofi Annan wurde 1938 in der Stadt Kumasi in Ghana geboren. Zu dieser Zeit war Ghana noch eine britische Kronkolonie. Die Mitglieder seiner Familie versahen über Generationen wichtige Ämter. Seine Ausbildung durchlief er zunächst in Ghana. Während dieser Zeit erlebte er 1957 als prägendes Ereignis die Unabhängigkeitserklärung seiner Heimat. Später studierte er in den USA. In Genf besuchte er das Hochschulinstitut für internationale Studien der Universität Genf und absolvierte auch noch einen MBA am Massachusetts Institute of Technology.
1962 trat er eine Stelle bei der Weltgesundheitsorganisation in Genf an. In den folgenden Jahrzehnten übte er verschiedene Funktionen für die Vereinten Nationen aus. Darunter befanden sich auch heikle Missionen.
Im Dezember 1996 wurde er von der UN-Vollversammlung zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt und versah dieses Amt während zehn Jahren. Die Wahl geschah gegen Widerstände. Denn Annan plante eine Reorganisation.
Er wollte die Vereinten Nationen unabhängiger von einzelnen Mitgliedern machen. Veraltete Strukturen sollten erneuert werden. Ihm schwebten die Vereinten Nationen als echte Gemeinschaft vor, welche jederzeit den Menschen im Zentrum ihrer Arbeit sah. Diese Sicht behielt er während seiner ganzen Amtszeit bei. So straffte er die Organisation, baute im Hauptquartier von New York Stellen ab, schuf einen neuen Nothilfefonds, stärkte den Sicherheitsrat und sorgte für ein effizienteres System für Blauhelmeinsätze. Er konnte die Mitgliedstaaten überzeugen, bei der Konfliktbekämpfung eine aktivere Rolle zu übernehmen.
Der Generalsekretär sah sich enormen Herausforderungen gegenüber in einer Zeit der Umbrüche und der Globalisierung. Terror, Kriege und Konflikte in verschiedenen Regionen der Welt stellten ihn als Repräsentanten der Vereinten Nationen vor schier unlösbare Aufgaben.
2001 wurde ihm und den UN der Friedensnobelpreis verliehen. Er habe den Vereinten Nationen neues Leben eingehaucht, hiess es in der Laudatio. Die internationale Anerkennung und Wertschätzung zeigte sich in weiteren unzähligen Preisen und Ehrendoktoraten, mit denen sein überzeugendes Engagement für Frieden und Entwicklung in der Welt anerkannt und gewürdigt wurde.
Schweizerische Persönlichkeiten aus allen Lagern engagierten sich im Dienste der UNO. Auch sie nehmen in diesen Tagen Abschied und würdigen Kofi Annan.
Alt Bundesrat Joseph Deiss amtete 2010/2011 als Präsident der UNO-Generalversammlung. Er sagt, dass Kofi Annan ein Freund unseres Landes gewesen sei. Dank seiner Persönlichkeit habe er bei Schweizerinnen und Schweizer eine positive Einstellung zur UNO bewirkt. Das habe sich 2002 in der entsprechenden Volksabstimmung niedergeschlagen.
Alt Bundesrat Adolf Ogi verband seit Jahren eine besondere Freundschaft mit Kofi Annan. Berührend ist die Erzählung, dass ihm dieser Trost spendete, als Ogi 2009 seinen Sohn durch Krebstod verlor. Von 2001 bis 2007 war Ogi Sonderberater des Generalsekretärs für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden.
Auch alt Nationalrat Jean Ziegler gibt seiner Dankbarkeit und Bewunderung Ausdruck. Er nennt Kofi Annan einen treuen Freund, der ihn im Rahmen seines UNO-Einsatzes vor Anfeindungen geschützt habe. Ziegler wurde 2000 zum ersten UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung ernannt. Seit 2008 gehört er dem Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrates an.
Ich denke zurück an die UNO-Abstimmungen in unserem Land. 1986 mit negativem Ausgang, 2002 mit positivem Ausgang. An all die Argumente, die für und gegen eine Mitgliedschaft ausgetauscht wurden. An all die Generalsekretäre, welche die UNO in den vergangenen Jahren repräsentierten.
Kofi Annan war in seinem Engagement für Frieden, Menschenrechte und Entwicklung unermüdlich und hartnäckig. Während seiner Zeit an der Spitze der UNO galt er als das moralische Gewissen der Welt.
Welche Auszeichnung, welche Last, der er sich mit Charisma und diplomatischen Geschick gewachsen zeigte.