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Züge, Last- und Lieferwagen bewegen in der Schweiz jährlich hunderte Milliarden Tonnen Güter. Dieser Verkehr wird mit wachsender Wirtschaftsleistung zunehmen. Eine Ausnahme ist der Treibstoff- und Heizöltransport auf der Schiene. Er nimmt ab, weil aufgrund des hohen Anteils an E-Autos und dank klimafreundlicherer Heizungen weniger Treib- und Brennstoff importiert werden muss. Die Anzahl an Fahrten kleiner Lieferwagen steigt aufgrund des zunehmenden Onlinehandels.
Um den Güterverkehr quantitativ zu erfassen, wird die Transportleistung in Tonnenkilometern berechnet. Dabei entsprechen zwei Tonnen, die über eine Strecke von 10 km transportiert werden, einem Wert von 20 Tonnenkilometern (Tkm). Der gleiche Wert ergibt sich, wenn 1 Tonne über eine Strecke von 20 km transportiert wird.
Gütertransport steigt mit der Wirtschaftsleistung
In den nächsten 30 Jahren wird die Transportleistung in allen Szenarien zunehmen. Dies hauptsächlich, weil Bevölkerung und Wirtschaft wachsen und daher mehr Waren und Güter verbraucht werden. Im Szenario «Individualisierte Gesellschaft» (ITG), welches durch hohen materiellen Konsum geprägt ist, wächst die Transportleistung demzufolge auch am stärksten. Im Vergleich zu den Szenarien «Basis» und «Weiter-Wie-Bisher» (WWB) verändert sich der Güterverkehr im Szenario «Nachhaltige Gesellschaft» (NTG): Es gibt weniger Im- und Exporte und dafür mehr Binnenverkehr. Der Grund ist, dass in diesem, von Nachhaltigkeit geprägten Szenario, die lokale Produktion zunimmt, so dass mehr Waren innerhalb der Schweiz transportiert werden.
Schon heute findet der überwiegende Teil des Transitverkehrs auf der Schiene statt. Dieser Anteil der Schiene wird weiter steigen und bereits im Jahr 2025 über 80 Prozent betragen. Im Vergleich zum Transitverkehr werden im Bereich Binnen-, Im- und Exportverkehr nur 20 Prozent der Güter über die Schiene transportiert. Dieser Unterschied erklärt sich dadurch, dass die gute Schieneninfrastruktur der Schweiz für den Transitverkehr über lange Distanzen besser geeignet ist als die Strasse.
Weniger Brenn- und Treibstofftransport auf der Schiene
Der Anteil, welchen Strasse und Schiene an der Transportleistung im Jahr 2050 haben werden, der sogenannte Modal-Split, verändert sich. Im Szenario «Weiter-Wie-Bisher» (WWB) verringert sich etwa der Anteil der Schiene. Dies ist hauptsächlich eine Folge davon, dass weniger fossile Energie benötigt wird. Da Erdöl dasjenige Gut ist, das am meisten auf der Schiene transportiert wird, führt die Abnahme des Brenn- und Treibstofftransports zu einer Abnahme des Schienentransports.
In den Szenarien «Basis» und «Nachhaltige Gesellschaft» (NTG) nimmt die transportierte Brenn- und Treibstoffmenge zwar ebenfalls ab. Allerdings sinkt der Anteil der Schiene am Modal-Split nicht so stark. Dies weil politische Massnahmen wie eine Erhöhung der Schwerverkehrsabgabe LSVA dazu führen, dass Schienentransporte im Vergleich zur Strasse preiswerter werden.
In anderen Warengruppen, zum Beispiel den Abfällen und den Stück- und Sammelgütern, gewinnt die Schiene in den Szenarien «Basis» und «Nachhaltige Gesellschaft» (NTG) Anteile am Modal-Split hinzu. Eine wichtige Voraussetzung für diese Entwicklung ist eine verstärkte Bündelung von Gütern an Terminals, an denen ein effizienter Umschlag von der Strasse auf die Schiene möglich ist.
Mehr Lieferwagen unterwegs
Lieferwagen haben im Vergleich zu grossen Lastwagen und -zügen einen geringen Anteil an der Transportleistung in Tonnenkilometern, da sie keine oder nur kleinere Lasten transportieren. Ihr Anteil an der Fahrleistung in Fahrzeugkilometern ist hingegen gross, sie stellen also einen erheblichen Teil des Strassenverkehrs.
Das hat mehrere Gründe: Zum einen benutzen Handwerksbetriebe und andere kleine und mittelständische Unternehmen solche Fahrzeuge, und mit einer Zunahme der Wirtschaftsleistung steigt auch deren Nutzung. Zum anderen nimmt der Onlinehandel zu, wodurch sich der Anteil Fahrten von Kurier-, Express- und Paket-Diensten (KEP) erhöht. Schon heute machen diese etwa 7 Prozent der Fahrleistung der Lieferfahrzeuge aus.
In den nächsten 30 Jahren werden Lieferwagen das Bild auf den Strassen noch stärker prägen. Das bedeutet: Obwohl die Verkehrsentwicklung im Personenverkehr stagniert, kommt es im Szenario «Basis» zu höheren Auslastungen im Schweizer Strassennetz. Dies weil die Fahrleistungen der Lieferwagen steigen.
Auswirkungen des Onlinehandels
In den Verkehrsperspektiven 2050 wurde die Annahme getätigt, dass eine Paketsendung einem vermiedenen Einkaufsweg entspricht. Aus den Annahmen im Personenverkehr zur Reduktion an Einkaufswegen wurde je Szenario eine Zunahme an Paketen ermittelt. Proportional zur Abnahme dieser Einkaufswege wächst also der Lieferverkehr auf den Strassen. Das bedeutet, dass zum Beispiel 10 Prozent mehr Pakete in 9 Prozent mehr Fahrten des KEP-Segments münden.
Das Wachstum der KEP-Fahrten ist dabei viel höher als das Wachstum für andere Lieferfahrten, zum Beispiel Dienstleistungen. Dies ist besonders in den Szenarien «Individualisierte Gesellschaft» (ITG) und «Nachhaltige Gesellschaft» (NTG) der Fall, für die eine starke Zunahme des Onlinehandels erwartet wird.
Die Verkehrsbelastungen pro Segment des Strassennetzes sind als Karten auf dem Geoportal des Bundes verfügbar.