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In den 1060er Jahren beteiligte sich Mabilia von Bellême an der Fehde ihrer Familie mit denen von Giroie, indem sie sich mit großer Gefolgschaft in das Kloster Saint-Evroult einlud. Sie brachte die den Giroie verbundene Klostergemeinschaft schlicht durch feindselige Gefrässigkeit in wirtschaftliche Schwierigkeiten. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts suchten sich die Bischöfe von Chichester die königliche Gründung Battle Abbey untertan zu machen. Der Streit wurde wechselseitig mit Embargen auf Chrisam oder Gastungsverweigerung ausgetragen. Als sich die englischen Könige von Heinrich II. bis Heinrich III. Wales unterwerfen wollten, fochten sie abseits ihrer Kriegszüge mit Blockaden von Lebensmittelimporten und mit Waffenverboten.
Derlei Praktiken sind uns heute unter dem Begriff der Wirtschaftssanktionen oder Wirtschaftskriege geläufig. Haben Wirtschaftssanktionen und Wirtschaftskriege also eine mittelalterliche Geschichte? Wie lässt sich diese Geschichte fassen, wenn von der Instrumentalisierung eines separat gedachten Wirtschaftssystems nicht die Rede sein kann? Die wirtschafts- und politikwissenschaftliche Sanktionsforschung geht meist davon aus, dass es Wirtschaftssanktionen als eigenständige Massnahmen abseits von Kriegen vor dem 20. Jahrhundert nicht gab. Die mediävistische Sanktionsforschung fokussiert bisher zumeist Handelskriege entlang der Glaubensgrenzen im Mittelmeerraum, die vordringlichster Gegenstand der päpstlichen Embargogesetzgebung seit dem späten 12. Jahrhundert waren.
Dieses Projekt blickt auf den anglo-normannischen Raum zwischen ca. 1100 und 1300. Es untersucht, von welchen Praktiken wirtschaftlicher Feindseligkeit die zeitgenössische Historiographie erzählte und wie sie davon erzählte. Wer sanktionierte wen, aus welchem Anlass und zu welchem Zweck? Spielten schriftliche Normen dabei eine Rolle? In welchem Verhältnis standen wirtschaftliche Sanktionen nach Auffassung der Zeitgenossen zu Kriegen? Schliesslich, wie verhält sich eine solche Geschichte mittelalterlicher Wirtschaftssanktionen zu Geschichten der Juridifizierung von Herrschaft oder der Entstehung von Gewaltmonopolen?