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Nach der Pressevorführung des enttäuschenden Abschlussfilms von Costa-Gavras heute morgen liessen wir diese Berlinale am Nachmittag mit der neuen Ausstellung im Berliner KW Institute for Contemporary Art ausklingen. Die von Susanne Pfeffer kuratierte Ausstellung zeigt 54 Filmvorspänne aus diversen Epochen des Kinos in vier raffiniert einfachen Ausstellungskinos. Kino 1 funktioniert wie ein gewöhnlicher Kinosaal, man setzt sich in Holzkinostühle und schaut sich fasziniert 19 Vorspänne an, über die ganze Bandbreite der Gestaltung hinweg. Lotte Reinigers Scherenschnittfilm Die Abenteuer des Prinzen Achmed von 1926 folgt auf die alten Fotos im Titelvorspann von Arthur Penns Bonnie and Clyde von 1976. Jean Luc Godard zitiert mit den mündlich vorgetragenen „credits“ seines Le mépris von 1963 den Trick, den Orson Welles 1942 für den Vorspann von The Magnificent Ambersons verwendet hat.Im Kino 2 wird dann der Raum ausgemessen, ein Beamer nach dem anderen projiziert Maurice Binders frühe Bond-Titelsequenzen, Saul Bass‘ Montage zu John Frankenheimer Grand Prix, und man bewegt sich von einer aufleuchtenden Leinwand zur nächsten, bis man am Ende des Raums vor Penny Causers grafischer Einleitung zu Terry Gilliams Twelve Monkeys steht.
Kino 3 verzichtet auf das bereits liebgewonnene Ratespiel, hier sind die Filmtitel als Standbilder projiziert, die dann allerdings der Reihe nach zum Leben erwachen. Fritz Frelengs animierter Pink Panther treibt seinen Schabernack im Vorspann von Blake Edwards gleichnamigem Welterfolg von 1963, Olivier Kuntzel und Florence Deygas zitieren die grafischen Vorspänne der sechziger Jahre mit ihrer Titelsequenz von Steven Spielbergs Catch Me if You Can von 2002, und John De Bello lässt auf der Leinwand die Titelmonster von Attack of the Killertomatoes zerplatzen.
Und schliesslich findet man sich im Kino 4 im obersten Raum des KW wieder, auf einem schaumgummigepolsterten Boden, der das Gehen zu einer weichen, etwas unsicheren Sache macht, und möglicherweise jene vor Verletzungen schützen soll, die vor Schreck in Ohnmacht fallen. Denn hier prasselt Saul Bass‘ Linienschrecken von Hitchcocks Psycho auf einen ein, Kyle Cooper erzeugt Gänsehaut mit seinen Titelsequenzen zu David Finchers Se7en von 1995 und Zack Snyders Dawn of the Dead-Remake von 2004. Und wer bis dahin noch cool bleiben konnte bekommt die finale Abreibung mit Jörg Buttgereits Titelsequenz zu seinem Nekromantik 2, in der sich ein junger Mann auf seinem Bett liegend selber ein Messer in den Bauch rammt, immer und immer wieder, in einer unverblümt phallischen Doppelkonstruktion mit Messer und Penis, bei der diverse Körpersäfte in diverse Richtungen spritzen.
Die Ausstellung ist wie ein grosses Apero-Buffet, bei dem man sich so mit Häppchen vollstopft, dass man danach keinen Hauptgang mehr braucht. Und weil sie nicht einfach chronologisch aufgebaut ist, sondern diverse stilbezogene und inhaltsbezogene Brücken schlägt, bleibt das spannend auch noch zwischen dem 40 und dem 54 Vorspann. Ganz abgesehen davon, dass man sich von Kino 1 bis Kino 4 jedes Mal ein wenig mehr bewegt und dadurch nie in Gefahr gerät, schläfrig zu werden. Eine sehr sehenswerte Ausstellung, die im KW noch bis zum 19. April 2009 zu sehen ist.