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Das Schicksal der Franklin-Expedition 1845, die auf der Suche nach der arktischen Nordwest-Passage war, wirft auch heute noch viele Fragen auf. Unbestritten ist, dass alle 129 Mitglieder der Expedition den Tod fanden. Einer der diskutierten Gründe dafür soll eine massive Bleivergiftung durch verunreinigte Konserven gewesen sein. Forscher der McMaster Universität haben nun an Haarproben eines Crew-Mitglieds herausgefunden, dass diese Bleibelastung nur einer der Faktoren war, die zum Tode geführt hatten.
Als im Jahr 1845 zwei britische Schiffe, die HMS Erebus und die HMS Terror, auf der Suche nach der Nordwestpassage in See stachen, wusste niemand, dass dies eine Reise ohne Wiederkehr sein würde. Alle 129 Crewmitglieder kamen im Verlauf der nächsten Jahre ums Leben. Die Hintergründe dafür sind jedoch bis heute nicht klar. Anthropologen der McMasters Universität benutzten nun spezielle Techniken, um die Bleikonzentrationen in Haarproben von den Überresten eines Crewmitgliedes zu bestimmen. Die Proben stammen von Harry Goodsir, einem schottischen Arzt und Wissenschaftler. Weil Haar schrittweise wächst (rund 1 Zentimeter pro Monat), konnten die Forscher präzise die Bleiexposition in Goodsir’s letzten Lebenswochen messen. „Die gemessene Bleibelastung wurde bis zum Todeszeitpunkt von Harry Goodsir berechnet. Das liefert neue Informationen in diesem mysteriösen Rätsel“, erklärt Lori D’Ortenzio, Hauptautorin der Arbeit und Wissenschaftlerin an der Abteilung für Anthropologie an der Universität. Die Wissenschaftler verglichen die Bleikonzentrationen von drei Zentimeter Haar, was einer 3-monatigen Zeitperiode vor dem Tod von Goodsir entspricht. Dieser verstarb irgendwann zwischen September 1846 und dem Frühjahr 1848.
Das Team um D’Ortenzio führte auch eine Isotopenanalyse durch, um die möglichen Quellen des Bleis zu entdecken. Diese Quellen waren sehr wahrscheinlich Konserven, Medizin und die Wasserleitungen an Bord. Die Tests bestätigten, dass Goodsir identischen oder sehr ähnlichen Bleiquellen ausgesetzt gewesen war wie andere Opfer, die auf King William Island und Beechey Island entdeckt worden waren. Obwohl diese Bleiwerte im Vergleich zu heutigen Standards sehr hoch waren, war der Giftgehalt nicht hoch genug, um andere mentale oder physische Symptome, an denen die Männer gelitten hatten, zu verstärken. „Unsere Analysen zeigen auch, wie hoch damals die Bleimengen waren, denen die Menschen in Grossbritannien ausgesetzt waren“, meint Michael Inskip, ein Experte für Isotopenanalyse. „Die Menschen haben damals Blei fast überall aufgenommen: im Essen, im Wein, Medizin und im Wasser zum Beispiel.“ Und obwohl die Bleibelastungen den physischen Verfall der Männer in den letzten Monaten der Expedition verschärft haben könnte, war das finale Ende zu dem Zeitpunkt bereits unausweichlich, schreiben die Forscher.
Quelle: McMaster University
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