Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03504.jsonl.gz/1460

Mit zwei Postulaten von der ehemaligen Nationalrätin Natalie Rickli (16.3637) und Ständerat Daniel Jositsch (16.3644) «Präventionsprojekt ‹Kein Täter werden› für die Schweiz» wurde der Bundesrat beauftragt, einen Bericht über die Wirkung von Präventionsangeboten wie «Kein Täter werden» aus Deutschland oder «DIS NO» aus der Westschweiz auf potentielle pädosexuelle Straftäter zu verfassen. Falls sich zeigt, dass solche Präventionsangebote sexuelle Übergriffe auf Kinder verhindern können, soll zudem untersucht werden, wie ein solches Angebot in der Schweiz sichergestellt werden könnte und welche Rolle dabei dem Bund zukommen würde.
Bericht des Bundesrates
Der Bundesrat hat am 11. September 2020 in Erfüllung der Postulate den Bericht «Präventionsangebote für Personen mit sexuellen Interessen an Kindern» verabschiedet:
In seinem Bericht stützt sich der Bundesrat auf eine Studie, die unter der Leitung der Hochschule Luzern im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen erstellt wurde. Darin werden Präventionsangebote für Personen mit sexuellen Interessen an Kindern in ausgewählten Ländern beschrieben und es wird ein Überblick über das Beratungs- und Therapieangebot in der Schweiz gegeben. Der Bericht fasst die Erkenntnisse zu den Auswirkungen solcher Präventionsangebote zusammen und setzt sich mit der Frage auseinander, ob die Angebote sexuelle Übergriffe auf Kinder verhindern können.
Beratungs- und Therapieangebote
Personen mit sexuellen Interessen an Kindern stehen oft unter einer hohen psychischen Belastung, auch wenn sie ihren sexuellen Impulsen nicht nachgegeben und keine Straftat begangen haben. Psychische Probleme und soziale Isolation erhöhen aber das Risiko für das Begehen von sexuellen Handlungen an Kindern. Hier setzen präventive Massnahmen an. Sie richten sich an Personen mit sexuellen Interessen an Kindern, die unter ihrer Neigung leiden oder befürchten, zukünftig die Integrität von Kindern zu verletzen.
Bei den Präventionsangeboten kann unterschieden werden zwischen Beratungs- und Therapieangeboten: Beratungsangebote bieten Informationen zum Thema sowie eine anonyme Beratung (online oder per Telefon). Sie vermitteln anfragenden Personen bei Bedarf spezialisierte Therapieangebote oder leiten sie an niedergelassene Therapeutinnen und Therapeuten weiter. Befragungen haben ergeben, dass solche Präventionsangebote positive Effekte haben: Sie scheinen die psychische Belastung der Betroffenen zu mindern und Strategien zur besseren Bewältigung von problematischen Alltagssituationen mit Kindern zu fördern.
In der Schweiz gibt es spezialisierte Beratungs- und Therapieangebote für Personen mit sexuellen Interessen an Kindern.
|Region||Angebot||Anbieter|
|Deutschschweiz||Information und Therapiemöglichkeit||forio AG|
|Romandie||Information und Beratung|
|Information und Therapiemöglichkeit||Consultation de sexologie HUG|
|Consultation Claude Balier CHUV|
|Tessin||Information und Beratung||Associazione io-NO!|
Die Studie hat jedoch gezeigt, dass vor allem im Tessin und in der Deutschschweiz Lücken bestehen. Zudem fehlt es in der ganzen Schweiz an niedergelassenen Therapeutinnen und Therapeuten, die bereit sind, Personen mit sexuellen Interessen an Kindern zu behandeln.
Aus Sicht des Bundesrates ist es wichtig, die Lücken im Schweizer Präventionsangebot zu schliessen und die Angebote aufeinander abzustimmen. Bereits heute richtet der Bund Finanzhilfen aus an das Beratungsangebot «DIS NO» in der Romandie. Der Bundesrat ist bereit, diese Finanzhilfen auszuweiten und auch in anderen Sprachregionen Beratungsangebote zu subventionieren sowie die gesamtschweizerische Koordination der Präventionsangebote zu fördern.
Zudem soll in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung, den für die Weiter- und Fortbildung von Psychologinnen und Psychologen zuständigen Berufsverbänden sowie den medizinischen Fachgesellschaften geprüft werden, wie das Thema der pädophilen Neigung, der Stigmatisierung der Betroffenen sowie der Prävention von sexuellen Handlungen mit Kindern noch stärker in die Weiter- und Fortbildung von Fachpersonen des Gesundheitswesens integriert werden könnte. Die Bereitstellung von spezialisierten Therapieangeboten für Personen mit sexuellen Interessen an Kindern liegt hingegen in der Kompetenz der Kantone, die für die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung zuständig sind.
Letzte Änderung 11.09.2020