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Heinz und Barbara Kunz-Stutz aus Mönchaltdorf möchten gerne wissen, was der Name „Chessliwag“ bedeutet. Hat der Name etwas mit einem kleinen Kessel, einem Chesseli, zu tun? Einen Kessel, den man auf eine Waage stellen kann?
Blick in die Vergangenheit
Schauen wir zuerst einmal nach, wo der Name genau liegt. Das Landstück „Chessliwag“ liegt zwischen Mönchaltdorf und Gossau direkt am Wasserlauf der Mönchaltdorfer Aa. Ein Blick in die Vergangenheit, auf die Siegfriedkarte von 1926, zeigt die Namenform „Kesselwag“. Mit Kessel oder der Verkleinerungsform „Chess(e)li“ werden Vertiefungen in der Landschaft bezeichnet. Zum Beispiel können dies kesselförmige Bodenvertiefungen, aber auch kesselförmige Anhöhen, etwa nach dem Bild eines umgekehrten Kessels sein. Und was bedeutet der zweite Wortbestandteil „wag“?
Das schweizerdeutsche Wort „wag“
Das schweizerdeutsche Wort „wag“ hat gemäss dem schweizerdeutschen Wörterbuch Idiotikon mehrere Bedeutungen. Einerseits kann „wag“ Wasser, das in Bewegung ist, wie auch Stellen im Gewässer mit einem Wasserwirbel bezeichnen. Andererseits kann „wag“ eine Einrichtung für den Lachsfang meinen, ein sogenanntes Waghäuschen.
Für die Verwendung des Wortes „wag“ im Namengut trifft meist die erste Bedeutung (für Wasser, das in Bewegung ist) zu. Die „Chessliwag“ in Mönchaltdorf ist sogar als Beispiel dafür im schweizerdeutschen Wörterbuch verzeichnet: „Torf- und Streueland im innern Kesselwog“. Tatsächlich zeigt die Siegfriedkarte aus dem 19. Jahrhundert, dass die Landschaft vom Dorfzentrum Mönchaltdorf bis nach Tägernau Sumpfgebiet umfasste. Der Name „Chessliwag“ bezeichnet also eine Vertiefung in einem Feucht- oder Sumpfgebiet, in der das Wasser durch Wind oder Schilf in leichte Bewegung gerät.
Neben der „Chessliwag“, auf der anderen Flussseite finden wir den Namen „Gossauerriet“ auf der Karte. Das Wort „Riet, Ried“ verweist auf feuchtes Gebiet und bezeichnet damit Rohrstaude, Röhricht, Schilf oder ganz allgemein feuchter Boden oder Sumpfgrund. Das Sumpfgebiet in Mönchaltdorf hat also mehreren Flurstücken zum Namen verholfen.
Die Glocke in der Rankwog
Wog-Namen gibt es einige in der Schweiz, beispielsweise die Rankwog in Trimbach im Kanton Solothurn, die eine Aareschlaufe zwischen Winznau und Trimbach bezeichnet. Die ältesten Belege aus dem 16. Jahrhundert zeigen, dass der Name auf das mittelhochdeutsche Wort „anntwog“ zurückgeht, das eine Gegenströmung oder Widerwasser bezeichnet. Diese Aareschlaufe war zur Zeit der Flösserei als gefährliche Stelle bekannt. Einst muss kurz vor Weihnachten eine frisch gegossene Glocke aus der Stadt Solothurn auf einem Floss auf der Aare transportiert werden. Doch die Flösser verloren auf der heutigen Rankwog die Kontrolle über ihr Floss und sanken samt Glocke. Noch heute soll man angeblich um die Weihnachtszeit tief im Wasserwirbel eine Glocke läuten hören – so erzählt es auf jeden Fall die Sage.
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin am aktuellen Band "Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu". Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.
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