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Schweizer Maler und Fotograf, 1883 - 1969
"Ich war von Kind auf immer in der freien Natur und bin es heute immer noch, und ich gestalte meine Bilder nach dem Sehen und Fühlen, bis zum Tode"
Das sagte Nyfeler, als er 70 Jahre alt wurde.
Albert Nyfeler wurde im Oberaargauischen Lünisberg – Ursenbach, auf einem abgelegenen Bauernhof mit dem Namen "Spränghüsi", in der Nähe von Langenthal, am 25. September 1883 geboren. Er war das jüngste von 10 Kindern als sein Vater Andreas Nyfeler 1893 starb. Schon früh war das Zeichnen und Malen seine Lieblingsbeschäftigung, die er dank seiner Lehrerin in der Volksschule Lünisberg nach Lust und Laune ausüben durfte.
Nach der obligatorischen Schulzeit lernte Albert Nyfeler bei seinem Bruder Fritz den Beruf als Maler. Gleichzeitig besuchte er Zeichenstunden in der Handwerkerschule Langenthal und bildete sich zum Dekorationsmaler aus. In dieser Zeit hinterlässt bei ihm Ferdinand Hodler und dessen Werk grossen Eindruck und lässt ihn aussagen, Hodler sei der "grösste Meister für Figur und Landschaft". Dies führte in den ersten Jahren als Künstler zu einem starken Hodlerschen Einfluss, von dem er sich jedoch später distanzierte.
Die Lehre als Dekorationsmaler schloss er 1902, mit 19 Jahren, erfolgreich ab. Adele Tatarinoff-Eggenschwiler (1887-1978), Sprach- und Geschichtslehrerin in Solothurn, schrieb 1953 zu Nyfelers 70. Geburtstag in einer Festschrift folgendes:
"Als Albert 1902 die Lehrlingsprüfung in Langenthal ablegen sollte, wollten die Examinatoren seine vollkommene Imitation einer Eichenholzmaserung nicht als selbstgemacht, sondern als Werk von Malermeister Fritz Nyfeler erkennen. Sie glaubten ihm erst, als er vor ihren eigenen Augen eine noch schönere Maserierung hervorzauberte. Inspektor Huber vom Technikum Burgdorf schenkte ihm dafür 20 Franken, mit den besten Wünschen für seine Malerlaufbahn".
Albert Nyfeler absolvierte im Anschluss an seine Lehre den Militärdienst als Sanitätsrekrut in der Kaserne Basel. Von 1903 bis 1905 arbeitete er in der Basler Malerfirma Bauer & Sohn auf seinem erlernten Beruf. Daneben besuchte er zweimal wöchentlich die Zeichenkurse an der Allgemeinen Gewerbeschule. 1906 führt ihn seine berufliche Tätigkeit als Kirchenmaler an verschiedene Orte im Jura, nach Montreux, Monthey und zum ersten Mal ins Lötschental, nach Kippel, wo er zusammen mit zwei Berufskollegen die Kirche restaurierte. Sein Verdienst betrug damals Fr. 2.70 pro Tag. Mit dem Malen von Kulissen für den «Willhelm Tell», für die Kippeler Theateraufführungen, verdiente er sich noch etwas dazu. Auch bemalte er Wohnstuben, Truhen und andere Gegenstände, die ihm die Kippeler brachten.
Zwischen 1907 und 1908 führen ihn Renovationsaufträge für Kirchen nach Deutschland, ins Ruhrgebiet und ins Rheinland. 1908 erfüllte sich sein Wunsch und er wandert wieder ins Lötschental. Die Bergwelt nahm ihn dermassen unwiderstehlich ein, dass er im Lötschental blieb und eine Stube am "kleinen Platz" in Kippel mietete, welche ihm als Wohnort und Atelier diente.
Frau Farner-Seiler, eine Kunstfreundin, ermöglichte ihm in ihrem Haus in Langenthal die im Lötschental entstanden Werke auszustellen. Durch den Verkauf seiner Bilder nahm er 3000 Franken ein, was dem damaligen Verkaufspreis von acht bis zehn Kühen entsprach…
Dieser Erlös und die Anerkennung, die er erfahren durfte, gaben ihm die Möglichkeit, in München ein Kunststudium zu absolvieren. Er besuchte die Städtische Malschule und die Königliche Akademie der freien Künste. In einem Wettbewerb an der Akademie, gewann er 1913 den ersten Preis mit einem Bild des Kippeler Friedhofs, welchem er den Titel "Die letzte Ruhestätte" gab.
Nyfeler blieb 4 Jahre in München, wo ihm seine Akademieprofessoren Feuerstein, Hengeler und Göber eine solide und fundierte Ausbildung boten. Er wäre gerne noch länger geblieben, hätten ihn nicht die zunehmenden Anzeichen des bevorstehenden Krieges alarmiert. Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges kehrte er nach Langental zurück und wird in die Armee einberufen.
Während seiner Dienstzeit an der Grenze im Jura war der Zeichenstift sein treuer Begleiter. Zeichnen und malen waren ihm ein Lebensbedürfnis. Er pflegte zu sagen: "Rast ich, so rost ich"!
Täglich zeichnete er in seine Skizzenbücher, Soldaten in den Schützengräben, in den Wirtshäusern, Dörfer der Ajoie, Portraits seiner Dienstkollegen, Frauen in den Soldatenstuben. Der bei jeder Gelegenheit skizzierende Sanitätssoldat war vermutlich eine auffällige Figur.
Wenn immer möglich kehrte er in diesen Kriegsjahren ins Lötschental zurück, erledigte für die Einheimischen verschiedene Arbeiten, unterstützte die Aktivitäten des Theatervereins, der Musikgesellschaft, malte Kulissen, entwarf Zierschriften, setzte Gönnerbriefe auf – und wurde mit der Bergwelt des Lötschentals und seinen Bewohnern immer vertrauter.
Nach Kriegsende kehrte Albert Nyffeler nach Langenthal zurück, wo er ein Haus kaufte und sich um seine kranke Mutter kümmerte. Nach dem Tod seiner Mutter 1922, verliess er das Oberaargau und zog ins Lötschental, das ihn bisher über 15 Jahre lang immer wieder faszinierte.
1922/23 baute er in Kippel ein Atelierhaus nach seinen eigenen Ideen. Manch eine/r dachte, Nyfeler sei ein bisschen verrückt; die von ihm selbst entworfenen Plänen schienen mehr malerisch als architektonisch zu sein. Doch er verwies gerne auf den Spruch an einem alten Lötschentaler Haus: "Ein jeder baut nach seinem Sinn, denn niemand kommt und zahlt für ihn".
Er war Bauherr und Bauleiter zugleich, packte gerne selber mit an oder verfolgte die Bautätigkeit mit Skizzen oder Fotografien. Bevor er das merkwürdige Haus fertig gebaut hatte, erweckte er Aufsehen bis weit über das Lötschental hinaus. Beim Aushub für das Fundament stiess man auf archäologische Funde.
1923 war das Haus bezugsbereit, doch Nyfeler zog es 1924, zum zwieten Mal nach 1920, in den Süden auf eine Studienreise nach Südfrankreich. Dort entdeckte er seine unbändige Liebe zum Licht und es gelang ihm, die akademische Tradition aus seiner Münchner Zeit hinter sich zu lassen. Seine Auseinandersetzung mit Van Gogh spielte dabei eine entscheidende Rolle. "Entscheidend für Form und Atmosphäre. Ich beginne von Grund aus freier zu werden. mit der Farbe drücke ich das Licht aus, welches sich über die Landschaft, ja über alles ausbreitet." Er kehrte "Lichtbesessen" von seiner Reise heim.
Wiederholt wurde Nyfeler an Kunst- und Gewerbeschulen berufen, doch bevorzugte er das einfache Leben in Unabhängigkeit im Lötschental, anstelle eines gesicherten Lebens in einem Lehrerberuf.
1925 heirateten Nyfeler und Lydia Röthlisberger, eine junge Frau, welche wie er aus der Gegend von Langenthal stammte. Im Jahre 1929 kam die gemeinsame Tochter Rea-Nina (Rehli) zur Welt.
Albert sagte einmal:
"Das Lötschental bietet mir alles was ich fühle, Wasser, Bäume, und Hütten, Tiere, Menschen, Berge mit den gleissenden Gletschern und dem blauen Himmel, wie nirgends farbenrein und dunkel... ich bin froh, dieses Tal gefunden und gewählt zu haben. Dies als Ausgangspunkt für weiteres Arbeiten, verbunden mit den Menschen, dem einfachen, schlichten Bergvolk. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass ich heute für immer in einer Stadt leben und arbeiten würde. Immer würde es mich in die Berge ziehen".
Für Nyfeler waren die Berge, welche er selber immer wieder bestiegen hatte, keine Mysterien, die es zu deuten bedurfte, sondern Wirklichkeiten, die es zu erobern galt, zu Fuss und mit Farbe und Pinsel.Nyfeler empfand das Tal mit jedem Tag mehr als seine Heimat. Seine weiteren Reisen und die vielen Ausstellungen in der Schweiz und im nahen Ausland, liessen ihn weltoffen bleiben.
Nyfeler wurde als Freilichtmaler bekannt, weil er seine Bilder grösstenteils vor der Natur fertig stellte. Selten nur wurden Bildstellen im Atelier vollendet. Oft biwakierte er mit seinem Zelt tagelang in den Bergen, in der Kälte oder Wärme, bei Sonnenschein oder Regenwetter und bannte die spektakuläre Landschaft des Lötschentals auf Leinwand oder Papier. In seinem Atelier bemalte er die Lötschentaler Holzmasken, als "Tschäggätä" bekannt. Es war etwas Besonderes, eine durch Meisterhand geschnitzte Maske vom "Kunstmaler" vollenden zu lassen.
Nyfeler hat mit seiner Sammelleidenschaft Brauchtum und Handwerk erhalten, er zeichnete, malte und fotografierte das Alltagsleben «eines vergessenen Tals» (Maurice Chappaz). Er sammelte scheinbar unwichtige Gegenstände aus den Haushalten, die er mit einem künstlerischen Blick betrachtete und die Schönheit von Form, Farbe und Material schätzte. Weil damals die Leute arm waren und beim "reichen" Maler gerne an die Stubentür klopften, boten sie ihm für ein kleines Darlehen die Gegenstände an. Andere kamen mit leeren Händen und legten Versprechen für eine Rückzahlung ab. Nyfeler wies niemanden ab, auch jene nicht, von denen er annehmen musste, dass er das geliehene Geld nie mehr sehen würde. Albert bedrängte keinen, mit seinem guten Herz überliess er die Buchführung seinem Nächsten.
Alle diese gesammelten Gegenstände bildeten den Grundstock für das heutige Lötschentaler Museum in Kippel.
Mit 70 Jahren erbaute sich Nyfeler auf der Lauchernalp sein Bergheim, welches zu seinem zweiten Atelier wurde und in dem er oft tagelang malte. Dort juchzte er seine schönsten Töne in die Natur. So manch eine/r erzählte von seinen fröhlichen Gefühlsausbrüchen.
Vier Jahre später, 1954 brach er noch einmal zu einer Reise auf, diesmal nach Südspanien und Mallorca. Um viele Bilder reicher kehrte er zurück und malte noch freier, noch mutiger und es schien, dass er nie müde wurde. Zu jener Zeit hatte er überall in der Schweiz Ausstellungen, was dazu führte, dass er in der ganzen Schweiz eine grosse Anhängerschaft und Anerkennung seiner Werke fand.
Auch nach seinem Schlaganfall im Jahre 1967 konnte er es nicht lassen zu zeichnen und zu malen. Noch im Krankenbett bat er seine Frau Lydia nach Zeichenblock und Stift. Er wollte einfach wissen, ob er noch zeichnen konnte, obwohl er linksseitig gelähmt bleib. Er verbrachte die Zeit zeichnend und malend auf der Dachterrasse oder blieb in der Nähe des Hauses. Noch kurz vor seinem Tod im Spital Burgdorf, schmiedete er Pläne für seine Heimkehr in sein geliebtes Tal.
"Nur ein Leben, nur ein Schatten, nur ein Glas, das bald zerbricht." (altes Lötschentaler Volkslied). Mit 86 Jahren starb Albert Nyfeler und hinterlässt ein immenses Werk mit rund 10'000 Zeichnungen, Aquarellen, Ölbildern und tausenden von Fotografien.
Ein grosser Teil seiner Werke befindet sich im Nachlass der Familie und wird vom Verein Albert Nyfeler betreut. Weitere Werke sind in verschiedenen Schweizer Kunstmuseen und Privatsammlungen deponiert. Die von Nyfeler gesammelten Gegenstände aus den Lötschentaler Haushalten sowie weitere Werke befinden sich im Lötschentaler Museum.