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Zuerst hat er mit 73,5 Millionen Aktien einen Anteil von 9,2 Prozent an Twitter erworben. Dafür sollte er in den Verwaltungsrat gewählt werden. Inzwischen hat Elon Musk diese Idee aber wieder verworfen.
Stattdessen will er jetzt für gut 41 Milliarden Dollar das gesamte Aktienpaket von Twitter kaufen, um das Unternehmen danach von der Börse zu nehmen.
Nur so könne die Meinungsfreiheit auf der Plattform gewährleistet werden, schreibt Musk den US-Aufsichtsbehörden. Für das edle Vorhaben hat Musk vor Ostern 54,20 Dollar je Twitter-Aktie geboten, was einen Aufschlag von 38 Prozent auf den Schlusskurs vom 1. April bedeutet.
Nicht einverstanden mit diesem Geschäft ist der saudi-arabische Investor Prinz Al-Walid bin Talal. Er hat noch vor Karfreitag als einer der Hauptaktionäre von Twitter das Übernahmeangebot des Tesla-Gründers für den Kurznachrichtendienst abgelehnt.
Er glaube nicht, «dass das vorgeschlagene Angebot von 54,20 Dollar pro Aktie dem inneren Wert von Twitter angesichts seiner Wachstumsaussichten nahekommt», liess Prinz Al-Walid bin Talal, der über seine Holding Kingdom an dem Kurznachrichtendienst beteiligt ist, wissen. Musk antwortete: «Interessant» – und «Wie steht Kingdom zur journalistischen Meinungsfreiheit?»
Er habe nämlich in Twitter investiert, weil er an das Potenzial glaube, dass Twitter «die Plattform für freie Meinungsäusserung auf der ganzen Welt sei», schrieb Musk anlässlich des Übernahmeangebots in einem Brief an Twitter-Vorstand Bret Taylor. Inzwischen sei ihm aber klar, dass das Unternehmen in seiner jetzigen Form weder gedeihen noch diese gesellschaftliche Aufgabe erfüllen werde.
Die letzten Kommentare von Elon Musk waren auf der TED-Konferenz in Vancouver am Tag vor Karfreitag zu hören. Auch dort wiederholte er, dass es ihm bei dem Kaufversuch nicht ums Geldverdienen gehe, sondern darum, mit Twitter eine Plattform für Redefreiheit zu etablieren.
Insidern zufolge will Twitter sich einige Tage Zeit lassen, um direkt auf das Übernahmeangebot von Musk zu antworten. Dies werde vermutlich nicht am Osterwochenende geschehen.
Das Aufsehen um Twitter hat auch noch weitere Interessenten an dem Kurznachrichtendienst aktiv werden lassen. Die auf die Technologiebranche fokussierte Beteiligungsgesellschaft Thoma Bravo setzte laut Insidern Twitter darüber in Kenntnis, dass sie ein Gebot prüfe. Das hat inzwischen die Zeitung «New York Post» berichtet.
Andere Beteiligungsgesellschaften könnten folgen. Die Branche verfügt gemäss dem Datendienst Prequin über 1,8 Billionen Dollar an Mitteln, die für entsprechende Investitionen genutzt werden könnten. Es sei dabei auch nicht auszuschliessen, dass eine Gesellschaft sogar mit Musk «gemeinsame Sache macht», statt ein Gegenangebot vorzulegen.