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Der extreme Anstieg der Weltmarktpreise für Getreide 2007 und Anfang 2008 wurde nicht durch exzessive Spekulationen ausgelöst. Aber Bioenergie ist mitschuldig.
Der extreme Anstieg der Weltmarktpreise für Getreide 2007 und Anfang 2008 wurde nicht durch exzessive Spekulationen ausgelöst. Das hat eine Untersuchung des Landbauökonomischen Instituts (LEI) in den Niederlanden ergeben. Der Importpreis für US-Weizen war am Rotterdamer Hafen von durchschnittlich 240 Euro pro Tonne im Jahr 2006 auf 382 Euro pro Tonne im ersten Semester 2008 in die Höhe geschnellt.
Das LEI fand keinen Beweis für einen Zusammenhang zwischen den höheren Getreidepreisen und Spekulation an den Agrarmärkten. Zwar habe der spekulative Handel zugenommen, aber auch das Volumen der anderweitigen Geschäfte sei gestiegen, zitiert der Agrarpressedienst AIz die Agrarökonomen. Die Ursachen der heftigen Preisausschläge sehen sie in anderen Faktoren auf der Angebots- und Nachfrageseite.
Die Untersuchung war von Oxfam in Auftrag gegeben worden. Die Nichtregierungsorganisation wollte auch geklärt wissen, ob die Dominanz weniger multinationaler Konzerne wie Bunge, Cargill und ADM im internationalen Getreidehandel zu den Preisschüben und damit zu höheren Gewinnen dieser Unternehmen geführt habe. Der LEI-Studie zufolge haben die Grosskonzerne in der Phase hoher Getreidepreise tatsächlich höhere Gewinne erzielt.
Die Wissenschafter konnten aber nicht nachweisen, dass spekulative Geschäfte der Handelshäuser dafür ursächlich gewesen wären. Allerdings stellten die Experten fest, die multinationalen Konzerne könnten durch ihr weltumspannendes Netzwerk an An- und Verkaufsstellen sehr flexibel reagieren. Da sie sowohl auf der Produktseite des Marktes handelten, nämlich mit Getreide, als auch auf der Vorleistungsseite, wie zum Beispiel mit Düngemitteln, bildeten sie eine integrierte Wertschöpfungskette.
Bioenergie mitschuldig am Anstieg der Getreidepreise
Professor Awudu Abdulai vom Institut für Ernährungswirtschaft und Verbrauchslehre an der Universität Kiel stellte fest, dass aufgrund der alternativen Verwendung von Agrarprodukten als Treibstoff die Preise für Energie und landwirtschaftliche Produkte mehr und mehr miteinander verflochten seien. Seit dem Jahr 2000 sei die Biotreibstoffproduktion exponentiell gestiegen und trete daher potentiell in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.
Die vermehrte Nachfrage nach Biotreibstoffen mache nach vorsichtigen Schätzungen des International Food Policy Research Institute (IFPRI) 30 Prozent des gewichteten durchschnittlichen Preisanstiegs bei Getreide aus, erklärte Abdulai gemäss einem Bericht von Agra-Europe. Die Auswirkungen höherer und volatiler Nahrungsmittelpreise seien von Land zu Land sehr unterschiedlich.
Die meisten Entwicklungsländer seien Nettoimporteure von Lebensmitteln und gehörten damit zu den Verlierern. Hunger und Fehlernährung seien dort die Folgen. Zuletzt seien die Lebensmittelpreise aufgrund einer hohen Getreideernte und der Rezession der Weltwirtschaft zwar wieder gesunken; allerdings könne nicht von einer Rückkehr der Preise auf das Niveau vor der Hausse ausgegangen werden. Auch die erhöhte Volatilität werde bleiben und mehr Menschen würden von Unterernährung betroffen sein. (Quelle: LID)
(gb)
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