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Die 64ème Coupe Aéronautique Gordon Bennett startete am vergangenen Samstag (21. September 2021) im polnischen Toruń. Bei der Langdistanzweltmeisterschaft der Gasballonpiloten versuchten 15 Teams, eine möglichst grosse Distanz zum Startort zurückzulegen. Das Schweizer Siegerteam mit Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger als Team SUI-2 legte dabei während gut 85 Stunden 1’560 km zurück und landete nahe der Atlantikküste südöstlich von Nantes in Frankreich.
Der bereits im Jahr 1906 erstmals durchgeführte Wettkampf gilt als härtestes Gasballon-Rennen der Welt. Über 85 Stunden waren die Teams dieses Jahr am Himmel unterwegs. In einer beeindruckenden Aufholjagd und nach einer äusserst anspruchsvollen Fahrt, die dreieinhalb Tage und vier Nächte dauerte, konnten Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger als Team SUI-2 den 64. Coupe Aéronautique Gordon Bennett für sich entscheiden und wurden damit zum vierten Mal Weltmeister. Das Team distanzierte Frankreich 2 um lediglich 3,59 Kilometer. Laurent Sciboz und Nicolas Tièche belegten Rang 5 und SUI 3 mit Walter Gschwendtner und Balthasar Wicki erreichten den 8. Rang.
Die Letzten werden die ersten sein
Dieses Sprichwort ist treffend, um den diesjährigen Gordon Bennett Cup zusammenfassen. Frieden und Witprächtiger harrten sehr lange in der Nähe des Startgebietes im polnischen Toruń aus. Am Vormittag des Montags wiesen sie gerade einmal eine zurückgelegte Distanz von 73.40 km auf. Das bedeutete zu diesem Zeitpunkt den 15. und letzten Rang. «Wir haben es nicht eilig», kommunizierte das Team auf seinem Blog. In Deutschland regnete es an diesem Tag an verschiedenen Orten, was unter anderem das Team von Polen-1 zur vorzeitigen Landung zwang.
Auf den Fersen von FRA-2
Rund 100 km hinter dem Ballon von FRA-2 nahmen Frieden/Witprächtiger das Rennen ab Montagnacht so richtig auf. Zu diesem Zeitpunkt lag POL-3 an der Spitze, gefolgt von FRA-1 und SUI-1 mit Laurent Sciboz und Nicolas Tièche knapp dahinter auf Position 2. Der polnische und der Schweizer Ballon mussten ihr Rennen allerdings vor der französischen Grenze beenden. Noch zu dritt bewegten sich die Ballone nun gegen die Mitte Frankreichs. Dort wurde gestern Nachmittag ein militärisch gesperrter Luftraum dem dann führenden Team von FRA-1 zum Verhängnis. Die Ausweichmanöver hatten zuviel Wasserstoff und zuviel Ballast gekostet.
Frankreich oder Schweiz
Der französische Ballon mit den Piloten Eric Décellières und Benoit Havret fuhr nun rund 80 km voraus in die Nacht. Noch vor 7.30 Uhr landete FRA-2 südöstlich von Nantes. Jetzt waren Frieden und Witprächtiger alleine unterwegs. Mit gegen 40 km/h Fahrt ging es dem Sieg entgegen. Um 10.50 Uhr vormittags landete das Schweizer Team nach einer zurückgelegten Strecke von 1559.68 km, 3.59 km vor FRA-2. Wie gut die beiden Schweizer Piloten ihre Fahrt eingeteilt haben, zeigt auch die Tatsache, wieviel Ballast sie für die Landung noch zur Verfügung hatten.
Gasballonfahren als besondere Herausforderung
Verglichen mit dem Heissluftballon sind mit dem Gasballon längere Fahrten möglich. Anstatt mit heisser Luft wird die Hülle mit Wasserstoff gefüllt. Beim Start wird der Ballon in den Ausgleich gebracht, also so viel Ballast in Form von Sand angehängt, bis der Ballon stabil über dem Boden schwebt. Will man nun steigen, muss man Sand abwerfen. Will man sinken, lässt man Gas ab. Mit diesem Prinzip sind Fahrten von über 90 Stunden möglich, eine Herausforderung für die beiden Piloten, die sich während dieser Zeit eine Fläche von rund 1.5 m2 teilen.
Gordon Bennett 2022 in der Schweiz
Traditionell organisiert die Nation des Gewinnerteams die Coupe Aéronautique Gordon Bennett im übernächsten Jahr. Im Herbst 2019 konnte das Team von Laurent Sciboz und Nicolas Tièche aus Freiburg das Gordon Bennett für sich entscheiden. Somit wäre die Schweiz 2021 an der Reihe gewesen. Nach einer Verschiebung um ein Jahr soll das Gordon Bennet 2022 in der Stadt St. Gallen starten. Und bereits 2023 wäre dann die Schweiz nach dem Sieg 2021 erneut an der Reihe, das prestigeträchtige Rennen zu organisieren.