Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03305.jsonl.gz/988

- Medikamentöse Erstbehandlung
- Wiedereröffnung der Arterie (Revaskularisation)
- Koronarangiographie, Koronarangioplastie und Stents
- Aortokoronarer Bypass
Um dem Sauerstoffmangel des Herzmuskels abzuhelfen werden bei Eintreffen medizinischer Hilfe mehrere Behandlungsmethoden begonnen:
- Wenn notwendig Sauerstoffzufuhr über eine Maske oder kleine Schläuche die in den Nasenlöchern platziert werden;
- Verabreichung von bestimmten Medikamenten, meistens per Infusion, mit dem Ziel das Blut zu verflüssigen (Aspirin, Antikoagulantien), die Herzarbeit zu verringern (Betablocker) und gegebenenfalls Ihre Schmerzen zu lindern und Ihren Blutdruck zu senken (Nitroglycerin, Morphin).
Während dieser Zeit werden Ihr Elektrokardiogramm, Ihr Blutdruck und Ihr Sauerstoffgehalt im Blut permanent vom medizinischen Personal mithilfe medizinischer Geräte überwacht.
Je nach den Ergebnissen des Elektrokardiogramms und der Bestimmung bestimmter Substanzen im Blut, der sogenannten Herzenzyme (Troponin und Kreatinkinase) unterscheidet man zwei Situationen :
Herzinfarkt
- Eine Herzkranzarterie ist vollständig verschlossen: sie muss so schnell wie möglich wieder eröffnet werden durch eine Maßnahme die man notfallmäßige Revaskularisation nennt;
- Eine Herzkranzarterie ist nur teilweise verschlossen: in diesem Fall hat man etwas mehr Zeit um zu handeln und eine Koronarangiographie (Kontrastdarstellung der Herzkranzgefäße) wird im Allgemeinen nach 24 bis 48 Stunden durchgeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es unerlässlich, dass Sie auf einer Intensivstation überwacht werden. Eine Koronarangioplastie, ein Aortokoronarer Bypass oder eine medikamentöse Behandlung kommen je nach Ergebnis der Koronarangiographie in Frage.
Instabile Angina pectoris
- Eine Arterie ist verengt aber es liegen keine Anzeichen für einen Herzinfarkt vor. In diesem Fall kann entweder eine Koronarangiographie oder eine nicht invasive Untersuchung wie ein Belastungselektrokardiogramm oder ein bildgebendes diagnostisches Verfahren durchgeführt werden (Belastungsechokardiographie, Belastungs- Myokardszintigrafie, Belastungs-Kernspintomographie, Computer-Tomographie).
Die Koronarangiographie oder Kontrastdarstellung der Herzkranzgefäße (Koronararterien) ist eine Untersuchung um Veränderungen der Herzkranzgefäße darzustellen. Unter lokaler Betäubung (Lokalanästhesie) wird ein kleiner Plastikschlauch (Katheter) entweder über eine Arterie in der Leistengegend oder am Unterarm bis in die Herzkranzarterien eingeführt. Das Anästhetikum kann am Injektionsort leichtes Brennen hervorrufen. Durch Einspritzen von jodhaltigem Röntgenkontrastmittel können die Herzkranzgefäße (rechte und linke Herzschlagader) durch Röntgenstrahlung sichtbar gemacht werden. Eventuelle Gefäßverengungen oder Verschlüsse, die für Ihre Beschwerden (Angina pectoris oder Herzinfarkt) verantwortlich sind, können auf diese Weise sichtbar gemacht werden.
Diese Untersuchung ermöglicht gleichzeitig die Behandlung der Gefäßverengungen und sogar der Verschlüsse durch eine Technik die Koronarangioplastie genannt wird. Ein Katheter mit einem kleinen Ballon wird in die Herzkranzarterie eingeführt. Das verengte oder verschlossene Gefäß wird dann durch Aufblasen des Ballons aufgedehnt um wieder einen normalen Blutfluss zu ermöglichen. Um das Resultat der Behandlung zu verbessern wird im Allgemeinen eine zylinderförmige Metallprothese (Metallgitter), Stent (Gefäßstütze) genannt, in der kranken Arterie platziert.
Das Schlimmste an der Behandlung ist, dass man während (ungefähr 1 bis 2 Stunden) und einige Stunden nach ihrer Durchführung still auf dem Untersuchungstisch beziehungsweise im Krankenbett liegen muss, ohne dass man sich bewegen darf. Auf diese Weise kann die Punktionsstelle (Ort wo man den Katheter eingeführt hat) in der Leistengegend oder am Unterarm "vernarben" was Blutungen an dieser Stelle vermeidet.
Es gibt zwei Arten von Stents: unbeschichtete Stents und solche, die mit Medikamenten überzogen sind. Man nennt sie Drug-Eluting-Stents oder "aktive" Stents.
Diese Medikamente sollen verhindern, dass sich die betroffene Arterie erneut verschliesst.
Das Einsetzen eines mit Medikamenten beschichteten Stents (aktiver Stent) hat zur Konsequenz dass man außer Aspirin noch ein anderes blutverdünnendes Medikament mindestens ein Jahr lang einnehmen muss (im Gegensatz zu einen Monat bei einem unbeschichteten Stent). Die aktiven Stents erhöhen nämlich ein bisschen das Risiko der Blutgerinnselbildung (Thrombose) durch Kontakt des Blutes mit dem Metallgitter da es später als bei unbeschichteten Stents von menschlichem Gewebe bedeckt wird.
Um den Stent wählen zu können, der für Sie geeignet ist, müssen wir zum Beispiel wissen ob Sie in nächster Zukunft eine grössere Operation geplant haben. Wenn das der Fall ist, ist eher ein unbeschichteter Stent zu empfehlen da das Blutungsrisiko bei Einnahme eines Blutplättchenhemmers zusätzlich zum Aspirin erhöht ist. Deshalb dürfen Sie niemals die Blutplättchenhemmer absetzen ohne vorher mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen zu sprechen.
Wie jede invasive medizinische Untersuchung oder Eingriff sind die Koronarangiographie und die Angioplastie mit Risiken verbunden:
- Die häufigste Komplikation dieser Behandlung ist ein Hämatom an der Stelle, wo die Nadel in die Arterie gestochen hat. Diese Stelle nennt man Punktionsstelle. Um dieses Risiko so niedrig wie möglich zu halten und die passenden Vorsichtsmaßnahmen treffen zu können, ist ihre Mithilfe unumgänglich. Nach der Behandlung wird die Punktionsstelle entweder durch eine Naht, mit Kollagenklebstoff oder durch Kompression während mehrerer Minuten verschlossen. Danach darf man das Bein auf keinen Fall beugen. Es muss ausgestreckt ruhig liegen bis der Arzt oder die Krankenschwester Ihnen erlaubt es zu bewegen. Man darf auch kein Gewicht schwerer als 5 Kg tragen oder sich in den zwei Tagen nach der Behandlung körperlich so betätigen, dass man dabei außer Atem gerät.
Andere, sehr viel seltenere Komplikationen sind:
- Herzrhythmusstörungen (Beschleunigung oder Verlangsamung Ihrer Herzfrequenz bis zum Herzstillstand).
- Ein Herzinfarkt, durch den Eingriff selbst verursacht.
- Eine Verschlechterung Ihrer Nierenfunktion durch das Röntgenkontrastmittel.
- Die Gefäßverengungen können in bestimmten, technisch schwierigen Situationen nicht behandelt werden. In diesem Fall muss chirurgisch behandelt werden.
- Sehr selten kann es zu vorrübergehenden oder dauerhaften neurologischen Ausfällen kommen. Diese können durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht werden in Folge der Bildung kleiner Blutgerinnsel.
Es handelt sich um eine meist offene Herzoperation, im Regelfall mit vorübergehendem künstlichem Herzstillstand. Hierbei werden einzelne Abschnitte Ihrer Venen oder Arterien verwendet um arteriosklerotisch verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße zu überbrücken (Bypass = Umgehungsanastomose)
Heutzutage kommt die Chirurgie weniger zum Einsatz, denn die Angioplastie ist eine sichere und wirksame Technik. Es gibt jedoch Situationen in denen ein Aortokoronarer Bypass angemessener ist:
- Sehr komplexe und technisch schwierig durch Angioplastie behandelbare Gefäßverengungen.
- Komplikationen während der Angioplastie.