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Studie zur Outdoor-Branche zeigt: Aussen hui und innen pfui
25. Juni 2009
Wenn The North Face eine Jacke zu 176 Franken verkauft, verdient die Näherin im Produktionsbetrieb gerade mal 1 Franken. Das entspricht 0,56% des Verkaufspreises. In El Salvador werden so miserable Löhne bezahlt, dass eine Familie zur Deckung des Existenzminimums vier Mindestlöhne bräuchte. Der deutsche Hersteller VAUDE produziert Teile seiner Kollektion gar in Myanmar und behauptet, die dortigen Standards seien "für asiatische Verhältnisse relativ hoch". Dies obwohl der UNO-Menschenrechtsrat erst im März 2009 seine tiefe Besorgnis wegen der schwerwiegenden und systematischen Menschenrechtsverletzungen im ehemaligen Burma ausgedrückt hat. Der Gigant Columbia Sportswear mit europäischem Hauptsitz in Genf schliesslich hat die Anfrage der CCC/EvB gänzlich ignoriert. Und selbst das in anderen Bereichen vorbildliche Unternehmen Patagonia verpflichtet sich nicht, seinen ArbeiterInnen einen Lohn zu zahlen, der ein Leben in Würde ermöglicht.
Insgesamt war nicht einmal die Hälfte der angefragten Firmen bereit, Auskunft über ihre Produktionsstandards zu geben. Auch einen öffentlich zugänglichen Verhaltenskodex oder Informationen zur Unternehmensverantwortung sucht man bei den meisten Firmen vergeblich. Es muss daher angenommen werden, dass die Hausaufgaben für eine faire Zulieferkette bislang nicht gemacht wurden. Abheben von diesem düsteren Branchenbild tun sich einzig Mammut und Odlo, die kürzlich der Verifizierungsstelle Fair Wear Foundation beigetreten sind, sowie Patagonia, das Mitglied der Fair Labour Association ist.
Neben 15 grossen, international tätigen Firmen hat die CCC/EvB auch 13 Schweizer KMU sowie den Ausrüster der Schweizer Ski-Nati durchleuchtet. Denn auch wenn KMU nicht die gleiche Durchsetzungskraft bei den Lieferanten haben, entlässt sie das bei den Produktionsstandards nicht aus der Verantwortung. Im Windschatten der grossen Marken werben viele Kleinanbieter mit fairen Herstellungsbedingungen, ohne jedoch die geringste Garantie dafür geben zu können und ohne glaubwürdige Instrumente zur Überprüfung zu präsentieren. Fast alle untersuchten KMU landen daher im Ranking bei den "Ignoranten". Auch DESCENTE, der Ausrüster der Schweizer Ski-Nati gehört zu dieser schlechtesten Kategorie.
Aufgrund dieser ernüchternden Befunde fordert die EvB/CCC von den Outdoorfirmen deutlich mehr Transparenz und Engagement. Konkret sind folgende fünf Schritte zu einer fairen Zulieferkette nötig: 1. Verhaltenskodex erarbeiten, 2. Verhaltenskodex umsetzen, 3. Beitritt zu einer Multistakeholder-Initiative, 4. Organisationsfreiheit und Kollektivvertragsverhandlungen fördern, 5. KleinbäuerInnen im Rohstoffanbau unterstützen. Wer diesen Weg nicht beschreitet, bleibt aussen hui und innen pfui.
Weitere Informationen bei
Christa Luginbühl, CCC-Koordinatorin der Erklärung von Bern, Tel. 044 277 70 19, ccc[at]evb.ch
Hintergrund: Die Clean Clothes Campaign (CCC) setzt sich für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie ein. Die CCC unterhält nationale Kampagnen in 12 europäischen Ländern und ein Netzwerk von 250 Organisationen weltweit. In der Schweiz wird die CCC-Arbeit von der Erklärung von Bern koordiniert und von 19 nationalen NGO mitgetragen