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Fehler auf beiden Seiten führten zum Tod eines Blockierers beim deutsch-französischen Castortransport.
Ein Atommülltransport per Eisenbahn, bestehend aus zwölf Waggons mit so genannten Castorbehältern, rollte vergangenen Sonntag von der französischen Atommüllfabrik in La Hague in Richtung des deutschen Endlagers Gorleben. Der Zug wurde kurz vor Mittag durch an die Geleise gekettete DemonstrantInnen in einem Vorort von Nancy blockiert. Nach zwei Stunden war die Blockade beendet, und der Zug fuhr weiter. Dann bahnte sich das Drama an: Einige Kilometer weiter östlich, im lothringischen Avricourt, sass eine Gruppe von sieben jungen Demonstranten auf den Geleisen. Vier von ihnen hatten sich angekettet. Als er sie erblickte, zog der Lokführer verzweifelt die Notbremse, konnte den 400 Meter langen und 2000 Tonnen schweren Zug jedoch nicht rechtzeitig zum Stehen bringen. Sechs Blockierer konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Der angekettete Sébastien Briard schaffte es nicht mehr. Der Zug fuhr über seine Beine, nach wenigen Minuten war er verblutet.
Die kleine Gruppe hatte sich nicht auf einer weithin übersehbaren Strecke, sondern kurz nach einer Kurve auf den Geleisen niedergelassen. Die Sichtweite betrug an jener Stelle nur zirka 200 Meter. Beim französischen Netzwerk für den Atomausstieg (Réseau Sortir du Nucléaire) gibt man an, die Protestgruppe bisher nicht gekannt zu haben.
Doch auch die TransportbetreiberInnen haben erhebliche Fehler begangen. So fuhr der Zug mit hundert Kilometern pro Stunde durch die Kurve, während Atommülltransporte nach gesetzlichen Vorschriften nie schneller als achtzig Stundenkilometer fahren dürfen. Der Helikopter, der normalerweise den Transport von oben überwacht, flog zum fraglichen Zeitpunkt nicht über dem Zug, sondern war zum Auftanken abgebogen. Der Motorradfahrer der Gendarmerie, der dem Konvoi um zwei bis drei Minuten vorausfuhr, hatte bei seiner Durchfahrt nichts Auffälliges bemerkt, da die Gruppe sehr kurz vor der Durchfahrt des Transports aus einem Wald- und Gebüschstreifen hervorkam.
Bei den AtomkraftgegnerInnen in Gorleben löste der Tod von Sébastien Briard grosse Trauer aus. Am Sonntagabend fanden in verschiedenen Kirchen der Umgebung Gedenkgottesdienste statt. Die Kirche in Langendorf wie auch die Gotteshäuser in Dannenberg, Hitzacker und vielen anderen Dörfern blieben die ganze Nacht geöffnet.
Auf einem Acker bei Splietau, in der Nähe des Verladebahnhofs für die Castoren, strömten am späten Montagnachmittag hunderte zu einer weiteren Trauerkundgebung zusammen. Die DemonstrantInnen trugen schwarze Fahnen, auch viele Fahrzeuge waren mit schwarzem Flor geschmückt.
«Die bunten, karnevalistischen Veranstaltungen haben wir abgesagt», so Dieter Metk von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg. «Resignation kann aber nicht das Ergebnis des erschütternden Unfalls sein.» Er kündigte an, dass die Protestaktionen weitergehen, dies sei sicher auch im Sinn des getöteten Sébastien Briard. Dieser stammte aus der Region um Bure südwestlich von Nancy, wo die Pariser Regierung ein Endlager für Atommüll bauen will.
Am Montagabend erreichte der Castortransport die Gemeinde Dannenberg. Dort wurden die Castoren auf Tieflader verladen. Diese sollten die gefährliche Fracht per Landstrasse ins zwanzig Kilometer entfernte Endlager Gorleben bringen. Zwischen Dannenberg und Gorleben musste die Polizei jedoch noch mehrere Strassenblockaden räumen. In Langendorf rückten Hundertschaften mit schwerem Räumgerät an, um rund fünfzig Traktoren wegzuschaffen, die ineinander verkeilt die Dorfstrasse blockierten. In Gross Gusborn kletterten Beamte in die Fahrerkabinen von quer gestellten Schleppern und erklärten sie für beschlagnahmt. Der Atommüllkonvoi erreichte Gorleben schliesslich am Dienstagmittag. Rund 5000 Leute hatten sich in den letzten Tagen allein in Deutschland mit Protest- und Blockadeaktionen gegen den Atommülltransport beteiligt.