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Erwartungen werden durch alle möglichen Einflüsse geformt. Etwa durch die elenden Oscar-Prognosen. Sowohl im Buzzmeter der «Los Angeles Times» als auch bei den «Gurus of Gold» taucht «Slumdog Millionaire» momentan an zweiter Stelle auf. Nachdem ich den Film gesehen habe, kann ich das nicht wirklich verstehen. Die Tragikomödie ist zu holprig erzählt und zu manipulativ, als das sie viele Nominationen geschweige den Trophäen erhalten wird. Unterhaltsam ist sie aber trotzdem.
Der wunderbar wandelbare Regisseur Danny Boyle («Sunshine») erzählt in «Slumdog Millionaire» die Geschichte von einem unglücklichen Trio aus den Slums von Mumbai (früher Bombay). Hauptfigur ist Jamal Malik, der in der Rahmenhandlung als Teilnehmer der indischen Ausgabe von «Wer wird Millionär?» alle Fragen richtig beantwortet. Da er des Betrugs verdächtigt wird, landet er auf dem Polizeiposten, wo er gefoltert und verhört wird. Dort erzählt er seine Lebensgeschichte.
Als Kind meisterte Jamal zusammen mit seinem Bruder Salim den beschwerlichen Alltag in den Armenvierteln. Als aber ihre Mutter bei Religionsunruhen getötet wird, landen sie in einem Waisenhaus. Dessen Leiter bildet die Kinder zu Bettlern aus. Dort lernen sie auch Latika kennen, in die sich Jamal sofort verliebt. Doch das Glück dauert nur kurz. Da blinde Bettler mehr verdienen als sehende, werden den Kindern die Augen verätzt. Nur Jamal und Salim gelingt die Flucht.
In der Folge schlagen sich die Jugendlichen mit kleinen Gaunereien durch das Leben. Jamal kann allerdings immer nur an Latika denken. So machen sich die Brüder einige Jahre später auf die Suche nach ihr. Sie wird gerade in einem Rotlichtbezirk ausgebildet, als die Jungen sie entdecken. Es kommt zur blutigen Konfrontation mit dem Leiter des Waisenhauses, und die Wege der Brüder trennen sich vorläufig.
Fast schon episch mutet die Handlung der Brüder an. Doch durch die etwas erzwungene Struktur mit den vielen Rückblenden, in denen erklärt wird, wie sich Jamal das für die «Millionär»-Sendung benötigte Wissen angeeignet hat, wird der Erzählfluss immer wieder unterbrochen. Hier kommen sich Form und Inhalt immer wieder in die Quere. Da manche Übergänge nicht wirklich gelungen sind, wird die an sich faszinierende Konstruktion zur Bürde.
Kommt hinzu, dass Boyle die Mechanismen zur vermeintlichen Steigerung der Spannung noch viel plumper einsetzt als die Moderatoren in der Gewinnsendung die Erwartungen manipulieren. Die Motivationen der eindimensionalen Figuren ist aber immer viel zu durchschaubar, so dass trotzdem nie wirklich Spannung aufkommt. Der Wissensgewinn drängt sich für gewöhnlich zu äuffällig in den Vordergrund. Dadurch können sich die Figuren nicht wirklich oder zumindest nur in vorbestimmten Bahnen entwickeln.
Doch durch die einzartig vibrierende Stimmung in den Strassen von Mumbai und die Fülle an Geschichten wird die gegen Ende doch noch berührende Tragikomödie keine Minute langweilig. «Slumdog Millionaire» ist eben auch das Porträt einer Stadt. Schwelgerisch wird die Verwandlung von den Armenvierteln in Bombay zu den Hochhäusern in Mumbai aufgezeigt. Wirklich mitreissend ist dann aber erst die Tanzeinlage im Abspann. Ein Meisterwerk hat Danny Boyle also nicht abgeliefert, aber er bietet immerhin einen schillernden Ausflug in eine fremde Welt.
Fazit: «Slumdog Millionaire» ist eine rasante Tragikomödie, die eindrücklich die Atmosphäre von Mumbai einfängt.
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2 Kommentare to “«Slumdog Millionaire» von Danny Boyle”
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