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Die Schweiz hat im Weltklassement der menschlichen Entwicklung des UNO-Entwicklungsprogramms UNDP zwei Plätze verloren.Dieser Inhalt wurde am 10. November 2006 - 09:25 publiziert
Sie fiel von Rang 7 im Vorjahr dieses Jahr auf Rang 9 zurück. Norwegen bleibt an der Spitze, Niger ist weiterhin Schlusslicht.
Das UNO-Entwicklungsprogramm UNDP stellte am Donnerstag in Genf seinen "Bericht über die menschliche Entwicklung 2006" vor. Jedem sechsten Menschen auf der Welt werde der Zugang zu sauberem Trinkwasser verweigert, sagte UNDP-Vizechef Ad Melkert vor den Medien.
Trotz des beispiellosen Reichtums in den Industriestaaten habe diese "Rechtsverletzung" den vermeidbaren Tod von 1,8 Mio. Kindern zur Folge, so Melkert.
Schweiz stagniert und wird überholt
Die Situation der Schweiz im weltweiten Entwicklungs-Klassement habe sich nicht von einem Jahr aufs andere verändert, sagte Cecilia Ugaz, Koordinatorin bei der Verfassung des jährlichen Berichts der Schweiz an das UNDP. Aber andere Länder hätten sich vorwärts bewegt, so dass die Schweiz verloren habe.
So überholte Irland die Schweiz, ebenso die Vereinigten Staaten und Japan. Luxemburg fiel wie die Schweiz zurück.
Später Einschulungs-Grad
Der Grad der Einschulung der Kinder behindert gemäss UNDP die Entwicklung der Schweiz nach wie vor. In der Schweiz beginnen die Kinder vergleichsweise spät mit dem Schulunterricht. Diesbezüglich rangiert die Schweiz hinter Norwegen, Island, Australien, Irland, Schweden, Kanada, Japan und den USA.
Gesamthaft direkt hinter der Schweiz liegen die Niederlande, Finnland, Luxemburg, Belgien, Österreich und Dänemark. Die Plätze ab dem 16. Rang besetzen Frankreich, Italien, Grossbritannien, Spanien, Neuseeland und Deutschland.
Disparitäten nehmen zu
Am Schluss der Liste findet sich Niger als 177. Land nach Sierra Leone, Mali und Burkina-Gaso. Die 30 letzten Staaten der Liste befinden sich allesamt in Afrika, mit Ausnahme von Haiti (154.) und Jemen (150.).
Einwohner von Norwegen sind durchschnittlich 40 mal reicher als solche von Niger und leben doppelt so lange. Das UNDP unterstreicht, dass der Unterschied zwischen reichen und armen Ländern grösser werde.
Gründe dafür sei die Stagnation der afrikanischen Länder südlich der Sahara und die Beschleunigung des Fortschritts in den stärker entwickelten Ländern.
Wasser-Aktionsplan gefordert
Die Autoren des Berichts forderten angesichts der sich verschärfenden Wasserkrise einen Aktionsplan unter Führung der G-8-Staaten und eine höhere Entwicklungshilfe.
Unter anderem solle der Zugang zu sauberem Wasser zu einem Menschenrecht erhoben und jedem Bürger ein Anspruch auf 20 Liter Wasser täglich zugestanden werden.
Etwa 1,1 Milliarden Menschen haben dem Bericht zufolge keinen Zugang zu Wasser. 2,6 Mrd. Menschen verfügen nicht über ausreichend sanitäre Einrichtungen.
"Die globale Wasserkrise resultiert nicht etwa aus Knappheit, sondern hat ihren Ursprung in Armut und Ungleichheit", sagte Melkert.
Zudem sei der Umgang mit menschlichen Ausscheidungen oft ein Tabu und erschwere so sachgerechte Lösungen. Dabei verursache der Mangel an sanitären Mindeststandards weltweit Millionen Todesfälle und schwere Erkrankungen.
Wasser zu teuer
Die Autoren kritisieren weiter, dass gerade arme Menschen mehr für Wasser bezahlen müssten als wohlhabende.
Die ärmsten Haushalte in Ländern wie Nicaragua oder Jamaika müssten rund zehn Prozent ihres Einkommens für Wasser ausgeben, in Grossbritannien seien es gerade einmal drei Prozent.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Das UNO-Entwicklungsprogramm UNDP publiziert jährlich seinen Weltindex der menschlichen Entwicklung.
Dieses Jahr wurden 177 Länder untersucht, darunter auch die Schweiz.
Der Index basiert auf drei Faktoren: Lebenserwartung, Bildungsniveau und Einkommen pro Einwohner.
UNDP
Das UNO-Entwicklungsprogramm (UNDP) ist eine spezialisierte Agentur der Vereinten Nationen. Der Sitz ist in New York.
Das UNDP berät Entwicklungsländer und hilft ihnen, Finanzquellen zu erschliessen. Dafür arbeitet es mit anderen internationalen Organisationen zusammen.
Die UNDP-Aktivitäten basieren auf sechs prioritären Bereichen: Demokratie, Kampf gegen die Armut, Krisenprävention, Kampf gegen AIDS, nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen und menschliche Entwicklung.