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Nach dem Kontakt mit einer chemischen Ätzsubstanz sind die Kleider des Verletzten zu entfernen, und die betroffenen Gewebe müssen schnellstens abgespült werden. Wasser war die erste zur chemischen Dekontamination eingesetzte Spülung, und dieses Dogma existiert weiter fort, mehr aus praktischen als aus wissenschaftlichen Erwägungen, eben wegen des polyvalenten und nichttoxischen Charakters und wegen der meistens schnellen Verfügbarkeit des Wassers. Es ermöglicht durch die mechanische Spülwirkung die chemische Substanz auf der Oberfläche des betroffenen Gewebes zu entfernen, unabhängig von dessen Art und Konzentration.
Vorzüge und Grenzen einer Spülung mit Wasser bei einer Kontamination mit Chemikalien
Jedoch hat das Spülen mit Wasser seine Grenzen:
- Es hat keine chemische Wirkung auf das reizende oder ätzende Potential der chemischen Substanz
- Es besteht keine schnelle Wiederherstellung des physiologischen Zustands (der Effekt des Abspülens der chemischen Substanz ist auf die Oberfläche der Gewebe beschränkt und hat keine Tiefenwirkung)
- Das Wasser begünstigt das Eindringen der chemischen Substanz in tiefere Bereiche der Gewebe
- Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, ist innerhalb eines kurzen Zeitraums (10 Sekunden gemäss der Norm ANSI) nach dem Kontakt mit der chemischen Substanz zu handeln. Jedoch ist die Wirksamkeit manchmal nur partiell, insbesondere bei den wichtigsten Ätzmitteln
- Über Beobachtungen zu grossen Komplikationen, Behandlungen und chirurgischen Eingriffen mit ständiger Arbeitsunfähigkeit, gar über fatale Ausgänge, wird regelmäSSig in der Literatur berichtet
Zu erweiternde Grenzen, um die Chancen zur Rettung zu erhöhen
Das Spülen mit Wasser zu verbessern bedeutet, seine Grenzen zu erweitern, damit die Chancen zur Rettung des Verletzten erhöht werden und ein Minimum an Komplikationen eintritt.
Um die Grenzen des Spülens mit Wasser zu erweitern, ist Diphotérine, ein amphoteres und chelatbildendes Molekül, in Form einer wässrigen Lösungen entwickelt worden. Die sich ergebende Lösung hat zum Ziel, das Auftreten einer Verätzung zu verhindern oder deren Schwere zu vermindern.
Die Diphotérine-Lösung® für die chemische Dekontaminierung ermöglicht folgende Verbesserungen:
- die Wirkung der Reizstoffe und Ätzsubstanzen auf das Auge und die Haut dank seiner amphoteren und chelatbildenden Eigenschaften zu stoppen
- das Eindringen der chemischen Substanz in tiefere Bereiche der Gewebe zu stoppen und einen Rückfluss vom Inneren zum Äusseren der Gewebe dank seiner Hypertonizität zu erzeugen
- ein schnelles Wiederherstellen des pH-Wertes auf 5.5 bis 9 zu erreichen, womit weitere Verätzungsgefahr gestoppt wird
- eine verlängerte Interventionszeit im Vergleich zum Wasser nach dem Kontakt mit der chemischen Substanz zu erzielen, bei verbesserter Sicherstellung der Wirksamkeit der Spülung: Ausbleiben von Komplikationen, keine oder geringe Notwendigkeit von Nachbehandlungen, keine oder geringe Arbeitsausfälle
Die Diphotérine-Lösung® ist nach den Regelungen als Medizinprodukt gemäss der Direktive 93/42 CEE klassifiziert. Sie fordert Massnahmen gegen die chemische Substanz mit dem Ziel, die Entwicklung einer Verätzung zu stoppen oder zu minimieren. Das Agens ist mit IIa eingestuft, denn es kann auf der geschädigten Haut eingesetzt werden. (Dr. Maurizio Cavallini) (Verweis auf die Veröffentlichungen: Cavallini, Annals of Burns and Fire disasters 2004, vol XVII-2, 84-87 und Cavallini, European Journal of Anaesthesiology 2004, 21, 389-392). Da die Diphotérine-Lösung® keine Wirkung auf den menschlichen Organismus hat und ihre Wirkung nicht durch pharmakologische oder immunologische Mittel und auch nicht durch Metabolismus erzielt wird, wird es nicht als Medikament eingestuft.
Wichtige Erkenntnisse
Die sofortige Spülung mit Wasser war ein erster entscheidender Schritt bei der Dekontaminierung nach Kontakt mit chemischen Ätzsubstanzen. Aber das Spülen mit Wasser hat Grenzen, die wir mit der Diphotérine-Lösung® erweitern konnten.
Die Diphotérine-Lösung® kann auf zwei Arten und Weisen eingesetzt werden:
- entweder sofort, im Unternehmen, am Ort des Unfalls bei Anwendung sofort nach dem Kontakt mit der chemischen Substanz
- oder in späterer Anwendung vor der Übernahme zur Krankenhausbehandlung oder im Krankenhaus; hier stoppt die Diphotérine-Lösung® die Entwicklung der Verätzung und ermöglicht eine schnelle Wiederherstellung des physiologischen Zustands; eine der Schwere der Verätzung angepasste Behandlung kann dann unter optimalen Bedingungen vorgenommen werden
Wenn die Substanz ätzend ist oder wenn das Risiko einer Verzögerung der Erste-Hilfe-Massnahme in den ersten Sekunden besteht, stellt die Anwendung von Wasser einen Chancenverlust im Vergleich zu der Diphotérine-Lösung® dar.