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Fast zwei Drittel der Treibhausgasemissionen der Schweizerinnen und Schweizer fallen im Ausland an. Auch andere Umweltschäden werden bevorzugt ins Ausland ausgelagert. Aber nicht nur die Umwelt leidet unter den von der Wirtschaft verursachten Externalitäten. Viele Schweizer Produkte werden unter menschenverachtenden Bedingungen hergestellt.
Opfer der verlagerten ökologischen und gesellschaftlichen Schäden sind oftmals die Menschen in Ländern der sogenannten zweiten und dritten Welt. So etwa in Guatemala: Am grössten See des mittelamerikanischen Staates steht eine umstrittene Nickel-Mine. Schon lange berichteten Einheimische und Medien über Wasser- und Luftverschmutzung in der Umgebung der Mine, ohne dass sie Gehör fanden. Im Jahr 2020 wurde die Mine schliesslich von der Guatemaltekischen Regierung vorübergehend stillgelegt, da die indigene Bevölkerung ihr Mitspracherecht endlich geltend machen konnte. Daraufhin fanden Befragungen statt: nun aber mit Partnern, die laut Amnesty International nicht als legitime Vertreter der Indigenen Bevölkerung gezählt werden können.
Schockierende Enthüllungen in diesem Jahr
Im März 2022 wurden nun vertrauliche Dokumente enthüllt, welche von einem internationalen Journalistenkonsortium - unter Beteiligung der deutschen „Die Zeit“, der britischen „Guardian“, der französischen „Le Monde“ und der El País aus Spanien - ausgewertet wurden. Das Journalistennetzwerk bat zahlreiche Experten um eine Bewertung der enthüllten Daten zum Umweltzustand nahe der Mine. Nach den Experteneinschätzungen gelangen unkontrollierte mineralische Abfälle in den See Izabel und die umliegenden Flüsse. Die Feinstaubbelastung sei hoch. Unweit der Mine erreichten die Nickelkonzentrationen im Feinstaub zwischen 150 und 800 Nanogramm – in Europa liegt die geltende Norm bei 20 Nanogramm. Die dahinterstehende Firma soll Geld an „Schlüsselakteure“ verteilt und verschiedene illegale Strategien gegeneinander abgewogen haben, um ihre Ziele durchzusetzen: Darunter etwa Diffamierung oder Brandstiftung.
Das brisante an der Geschichte: Die Nickelabbaufirma gehört der Schweizerischen „Solway Investment Group“ mit Sitz in Zug. Die Solway Group ist jedoch längst nicht die einzige Schweizer Firma, die sich ernstzunehmenden Anschuldigungen zur Verletzung von Menschenrechten oder Umweltzerstörung gegenübersieht. Der Zuger Rohstoffkonzern IMR Holding AG baute kürzlich eine Mine inmitten eines Gebietes, in dem einige kurz vor dem Aussterben stehenden bedrohten Tier- und Pflanzenarten leben – dies obwohl sie über den hohen ökologischen Wert des Gebiets Bescheid wusste.
Konzerne sollen Verantwortung übernehmen
Trotz dieser Missstände – unter anderem verursacht durch Schweizer Konzerne - ist im Jahr 2020 eine Initiative gescheitert, welche genau dieses Problem angehen wollte. Die Frage der Konzernverantwortung bleibt somit in der Schweiz weiterhin ungeklärt.
Einer der Gründe für die Ablehnung der Vorlage war das Versprechen des Bundesrates, sich für ein „international abgestimmtes“ Vorgehen und für „gleich lange Spiesse“ für Konzerne in der Schweiz und in der EU einzusetzen. Inzwischen haben immer mehr europäische Länder Konzerngesetze eingeführt. Auch die EU plant ein entsprechendes Gesetz. Der Schweizer Bundesrat hingegen hat seither nichts unternommen.