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Als Sohn des Hauptmanns und Landvogts Johann Philipp von Roll und der Maria Gugger wird Johann Joseph am 30. Juli 1653 in Solothurn geboren. Beide Familien gehören zum Patriziat der Ambassadorenstadt. Der junge Johann Joseph kommt 1666 an die Klosterschule in Einsiedeln. 1669 legt er Profess ab und nimmt den Namen Maurus an. Mit den ersten Einsiedler Patres geht er 1675 an die von den Jesuiten übernommene Schule in Bellinzona. Er wird 1676 zum Priester geweiht, die Primiz feiert er in der Stadtkirche St. Ursus von Solothurn. In Bellinzona amtet er bis 1677 als Professor der Rhetorik, dann ab 1693 als Propst der Niederlassung. 1698 kehrt er zur Abtwahl nach Einsiedeln zurück, die in der neuen Sakristei, der heutigen Studentenkapelle, stattfindet. Hier wird Maurus von Roll am 4. Oktober 1698 mit 39 von 65 Stimmen zum 43. Abt des Klosters Einsiedeln gewählt. Der Konvent zählt zu dieser Zeit 87 Mitglieder. Das Kloster ist bei seinem Amtsantritt wegen der Erwerbungen und der Bautätigkeit unter Abt Augustin II. Reding noch immer verschuldet, dies trotz dem Verkauf der Herrschaft Ittendorf durch den nachfolgenden Abt Raphael Cottrau.[1] Abt Maurus entfaltet trotzdem sofort eine grosse Bautätigkeit. Als Auftakt kann 1700 die Einweihung der neuen Benediktinerinnen-Klosterkirche von Seedorf gelten. Hier ist Br. Caspar Moosbrugger von Einsiedeln seit 1681 vor allem beratend tätig. Der auch klosterintern geschätzte Moosbrugger liefert 1701 Pläne für den Klosterneubau in Einsiedeln. 1702 beschliesst das Kapitel auf diesen Plangrundlagen den Neubau unter dem Vorbehalt genügender Geldmittel. 1704 ist dies soweit und mit dem Bau wird begonnen. Noch bis 1708 verhandelt der Abt, schlussendlich erfolgreich, mit den störrischen Einsiedler Bürgern, da der bereits begonnene Bau nur mit einer Landabtretung durchführbar ist. Bis 1712 ist der Süd- und Ostflügel erstellt und der Nordflügel begonnen. Inzwischen treibt Abt Maurus auch die Planung der Stiftskirche voran und zieht zu Begutachtung Graf Luigi Fernando Marsigli aus Mailand bei, der 1705 den entscheidenden Anstoss zur Neuplanung durch Caspar Moosbrugger gibt. 1712 bricht der vom St. Galler Fürstabt ausgelöste Toggenburger- oder Villmergerkrieg aus, der die Hegemonie der katholischen Orte in der Eidgenossenschaft beendet. Er führt zu einem Unterbruch der Bauarbeiten, die aber schon 1713 wieder aufgenommen werden. Als Abt Maurus von Roll am 29. August 1714 im Alter von 61 Jahren auf einer Visitationsreise in Seedorf stirbt, ist der Klosterneubau zu zwei Dritteln fertig, für den Kirchenneubau fehlt noch die endgültige Planung. Für den Klosterneubau sind inzwischen 74 300 Gulden ausgegeben worden. Trotzdem hinterlässt der verstorbene Abt geordnete Finanzen, was auch auf die grossen Einnahmen der Abtei aus Herrschaft und Wallfahrt hinweist.
Sein geviertetes Wappen zeigt zweimal ein goldenes Rad auf Blau über einem Dreiberg und zweimal einen geteilten Schild, oben ein halber aufrechter Löwe auf Silber, unten Rot. Das Wappen findet sich an seinen Konventneubauten.
Sein Porträt als Brustbild im Ovalrahmen auf dem Thesenblatt von 1714 geht auf ein Ölporträt des Lachner Malers Leonz Fridolin Düggelin zurück.
Pius Bieri 2009
Literatur:
Henggeler, Rudolf, P.: Professbuch Einsiedeln, Einsiedeln 1933.
Salzgeber, Joachim: Einsiedeln, in: Helvetia Sacra, Abteilung II, Band 1, Erster Teil, Bern 1986.
Links:
[1]Raphael Cottrau resigniert 1698 freiwillig und aus Gründen der finanziellen Lage des Stiftes.
|Abt OSB Maurus von Roll (1653−1714) von Einsiedeln|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|30. Juli 1656||Solothurn CH||Eidg. Stand Solothurn|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OSB der Benediktinerabtei Einsiedeln||1698–1714|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|29. August 1714||Seedorf Uri CH||Eidg. Stand Uri|
|Kurzbiografie|

Abt Maurus von Roll entstammt einer Solothurner Patrizierfamilie. Er steht einer gefestigten und schuldenfreien Abtei vor, muss aber die deren Herrschaftsrechte dauernd gegen Schwyzer Ansprüche verteidigen. Die Wallfahrt zur Lieben Frau von Einsiedeln blüht und ist auch beim hohen Adel beliebt. Während der Regierung von Abt Maurus ist die Markgräfin von Baden-Baden viermal in Einsiedeln. Sie sieht das neue Kloster wachsen, das unter der Leitung von Br. Caspar Moosbrugger bis 1714 zum grossen Teil gebaut ist. Abt Maurus beschäftigt sich auch intensiv mit der laufenden Kirchenplanung und zieht 1705 zusätzlich den Grafen Marsigli als Berater bei. Wir verdanken dieser Intervention das schlussendlich von Br. Caspar geplante Oktogon über der Gnadenkapelle.
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