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Pantalone redet nie schlecht über Abwesende. Wenn er in einer Tischrunde eine Person anschwärzen will, dann redet er so lange gut über die Person, bis es auch ihren besten Freunden zu viel wird, und dann lässt er sich so lange widersprechen, bis die Person genug angeschwärzt ist. So funktioniert Ironie.
Ironie sagt das Gegenteil dessen, was sie meint. Sie sagt es mit solcher Inbrunst und so lange, bis das Publikum innerlich zu widersprechen beginnt. Ein Stammtisch mit einem Tabaklobbyisten, mit einer Alkohollobbyistin und mit einem Lobbyisten der Handfeuerwaffenhersteller hat zweifellos grosses ironisches Potential. Der Film Thank you for Smoking scheint beim Basler Publikum aber nicht so gut anzukommen, er läuft nur einmal täglich in einem kleinen Kino. Für Pantalone ist der Film ein satirisches Meisterwerk.
Die Satirikerin und der Satiriker sind Menschen mit Sendungsbewusstsein. Da sie wissen, dass ihr Sendungsbewusstsein schlecht ankommen und letztlich ihre Mission gefährden kann, tun sie so, als ob sie kein Sendungsbewusstsein hätten. Satire oszilliert zwischen Sendungsbewusstsein und Nihilismus. Müsste Pantalone in einem Satz sagen, worum’s in Thank you for Smoking geht, würde er sagen: Sei vorsichtig, wenn einer aufsteht und die Wahrheit verkündigt. Pantalone erinnert sich in diesem Zusammenhang an den Buchtitel: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Das Buch enthält ein Gespräch, das Bernhard Pörksen mit Heinz von Foerster geführt hat.
Gäbe es einen goldenen Ehren-Pantalone, Heinz von Foerster würde als erster damit ausgezeichnet. Er starb 2002, 91-jährig, und er hat bis ins höchste Alter immer wieder Neues angezettelt. Den goldenen Ehren-Pantalone würde er für den Satz erhalten: Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten grösser wird. – Der Satz irritiert, weil wir die Erfahrung machen, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten mit fortschreitender Zeit immer kleiner wird, was uns (vor allem im Alter) sehr beengt. Wenn wir uns bemühen, nach von Foersters Satz zu handeln, können wir diese Enge aufbrechen. Das ist doch extrem pantalonisch!