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Alpen sind diese Seen weit tiefer, weil hier das Absinken des Alpenkörpers beträchtlicher war als am Nordrand und daher eine vor dem Einsinken horizontale Ebene nachher im Süden um 500 m tiefer zu liegen kam als eine solche im N. Wo in Thalrinnen keine Seen entstanden, sind doch wenigstens die Gefälle so reduziert worden, dass sich Alluvialanhäufungen bilden mussten, indem der Fluss nicht mehr das nötige Gefälle zur Wegführung seiner Geschiebe hatte.
Die Thalrinnen haben sich im Laufe der Zeit gegenseitig in ihrer Entwicklung gestört. Rückwärts einschneidende Flüsse konnten höher gelegene Wasserläufe seitlich anzapfen und so einen Flusslauf ablenken und dessen Unterlauf fast trocken legen. Auch Moränen haben zu solchen Flussverlegungen beigetragen, und anderswo waren es Bergstürze, welche die gleiche Erscheinung verursachten. Daraus erklären sich die oft recht tief gelegenen Trockenthäler, welche einzelne Thalrinnen miteinander verbinden und als Pässe benutzt werden, so z. B. die Lenzerheide, der Kunkelspass, das tief gelegene Thal des Walensees. In der Westschweiz sind solche Flussverschiebungen weniger häufig, weil hier die tief eingeschnittene alte Thalrinne der Rhone beizeiten alle Gewässer des Wallis und der Südwestschweiz dem Mittelmeer zuleitete.
Dass die Rhone, wie behauptet wurde, früher über Attalens und Moudon nach Norden geflossen sei, ist absolut unmöglich. Der Einschnitt von Attalens ist eine zufällige Vertiefung im Jorat, welche durch Gletschererosion entstanden ist. Ebensowenig kann der Vermutung Raum gegeben werden, dass die Rhone in der Längsrichtung über den Col de la Forclaz jemals das Thal von Chamonix erreicht habe. Dass die verschiedenen Nebenflüsse hin und wieder durch Bergstürze, Moränen etc. lokale Verlegungen erlitten haben, ist selbstverständlich, waren ja nach der Gletscherzeit die meisten Nebenthäler, besonders an ihren untern Enden und hauptsächlich auch beidseitig des untern Teiles der Hauptthäler, bis hoch hinauf mit Moränenschutt aufgefüllt. In diesem musste sich nachher eine neue Rinne austiefen, wobei der Fluss oder Bach oft den früheren Thalweg verfehlte und sich seitlich in den Felsboden ein neues Bett eingrub, sodass gewisse Strecken seines alten Bettes mit Moräne ausgefüllt blieben (Entstehung von Grundwasserquellen in dem ausgefüllt gebliebenen alten Thalstück).
Die jetzige Gestalt der Alpen ist auch noch weiterhin zu Veränderungen bestimmt. Die hohen Gräte gehen sicherer Zerstörung entgegen; das Gefälle der Thalrinnen nimmt ab im Verhältnis zu der mehr und mehr zunehmenden Vertiefung im obern Teil und der anwachsenden Auffüllung im untern Teil. Zuletzt werden zwischen schwach geneigten Thalrinnen nur noch in ihrem eigenen Schutt begrabene Bergrücken übrig bleiben, denen der träge dazwischen hinfliessende Fluss nichts mehr anhaben kann, auf welche aber die Verwitterung noch so lange einwirkt, bis die Verwitterungskruste so mächtig geworden ist, dass sie den innern Felskern vor weiterer Zerstörung zu schützen vermag. Die Gletscher, welche heute als glänzende Zierde der Alpen die oberen Thalrinnen ausfüllen oder hoch oben an den Flanken der Gräte hängen, werden dann infolge der Abtragung des Gebirges schon lange verschwunden sein.
2. Mittelland.
Die Orographie des Mittellandes geht aus den beschriebenen tektonischen Verhältnissen und der vorangeschickten Darstellung des landschaftlichen Bildes hervor. Einer schwach geneigten Hochebene gleich senkte sich das Mittelland ursprünglich vom Alpenrand - 800-1000 m (ausnahmsweise mehr als 1200 m bis nahezu 2000 m; Pélerin 1216 m, Napf 1408 m, Rigi 1800 m, Speer 1950 m) - gegen den Jura zu, wo zwischen 500 und 300 m der Uebergang zwischen diesen beiden tektonischen Gliedern unseres Landes sich vollzieht.
In dieses von SO. nach NW. geneigte Plateauland haben sich die Gewässer ihre Thalrinnen eingeschnitten und so den spezifischen Charakter unseres Molasselandes geschaffen, welches nunmehr als ein von unzähligen Furchen durchzogenes Hügelland vor uns liegt. Am auffallendsten ist die auf ein beschränktes Einzugsgebiet fallende Thalfurche des Lemansees *) (* Diese Form [anstatt Genfersee] wird hier auf ausdrücklichen Wunsch des Verfassers gebraucht. [Red.]) und des unteren Rhonelaufes mit ihren steilen Böschungen.
Zuerst quer verlaufend, senkt sich diese Furche, halbkreisförmig umschwenkend und parallel zwischen Alpen und Jura hinziehend, mitten in das Molasseland, um dann wieder quer zur Streichrichtung des Gebirges dem Jura sich zuzuwenden, welcher in enger Kluse durchbrochen wird. Nur wenige und mit steilen Gefällen versehene Bachrinnen münden in diese tiefe Senke ein; einige derselben (Venoge, Aubonne, Versoix, London) zeigen indessen eine ziemlich bedeutende horizontale Entwicklung und schwächere Gefälle. Sie leiten die Gewässer vom Jurafuss nach der Hauptrinne.
Die im übrigen Mittelland vorhandenen Thalrinnen sind in von den Alpen ausgehender und annähernd quer zu deren Streichen ziehender Richtung in die Tertiärablagerungen eingeschnitten. Mit Ausnahme ¶
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derjenigen des St. Gallerlandes und des Thurgaues, welche sich direkt dem Rhein zuwenden, richten sich alle diese Rinnen deutlich konvergierend gegen den Aaredurchbruch bei Brugg. Dem Jurafuss entlang zieht sich auf eine lange Strecke ein Sammellauf parallel zum Gebirgsrande. Es ist dies die Thalsenke der Orbe-Zihl, welche sowohl die Gewässer des Jura, als diejenigen des anliegenden Mittellandes sammelt und dann der Aare zuleitet, welch' letztere bis zum Durchbruch bei Brugg ebenfalls der Streichrichtung des Jura parallel fliesst. Alle übrigen Thalrinnen sind dagegen mehr oder weniger quer zum Jura gerichtet. Deshalb erscheint das Mittelland von ganz verschiedenem orographischen Charakter, je nachdem wir dasselbe in der Südwestschweiz, dem Jurafuss entlang, im eigentlichen Herzen, d. h. zwischen Bern und Zürich, oder dem Alpenrand entlang kennen lernen.
In der Umgebung des Genfersees hat das Mittelland, von der tiefen Rinne der Rhone abgesehen, wohl noch am meisten den Charakter einer Hochebene behalten, indem hier nördlich der Wasserscheide die Thalrinnen verhältnismässig wenig zahlreich und auch weniger tief eingeschnitten sind. Dem Jurafuss entlang ziehen sich hingegen die Ueberbleibsel der früheren Hochebene in langgestreckten Rücken zwischen den Thalrinnen hin, so der Wistenlacherberg (Mont Vully), der Jolimont, der Brüttelenberg, der Jensberg und der Büttenberg.
Ganz anders erscheint der orographische Charakter wieder im zentralen Mittelland, woselbst die weitverzeigten Querthäler das Gebiet in unzählige, quer zur Streichrichtung von Jura und Alpen verlaufende Hügel und Kuppen zerlegen, an deren Halden oft senkrecht angeschnittene Schichten sichtbar sind. Durch die zahlreichen Verzweigungen sind die Querthäler miteinander in Verbindung gesetzt, aber selten in gleicher Höhe wie die Hauptfurchen. Wieder anders gestalten sich die Oberflächenformen in nächster Nähe der Alpen.
Hier treten, dank der bedeutenden Erhöhung der Molasseschichten, sowie besonders dank deren intensiver Faltung und des Vorhandenseins von mächtigen Nagelfluhlagern, fast alpine orographische Formen auf, so am Rigi, am Napf und im Gebiet des Toggenburgs. Immerhin ist der Kontrast mit den rein alpinen Ketten unschwer zu erkennen. Dass in allen diesen orographischen Gestaltungsformen ausser Flusserosion auch die Gletschertätigkeit von hervorragendem Einfluss war, braucht gewiss nicht besonders betont zu werden.
Die diluvialen Gletscher, welche viermal das Mittelland ganz oder doch zum grossen Teil bedeckten, haben in diesen verschiedenen Gebieten auch verschieden gewirkt. Am deutlichsten zeigt sich diese Erosionswirkung am Fusse der Alpen in der Ausweitung der Thalfurchen. Im zentralen Mittelland wurden die vorhandenen Thalrinnen zwar z. T. ebenfalls erweitert, aber besonders die dazwischen liegenden Hügel abgerundet und allfällig vorhandene grössere Flächen mit Grundmoränen überdeckt.
Die Thalfurchen wurden während den Vor- und Rückstossperioden abwechslungsweise aufgefüllt und wieder neu vertieft. Am Jurafuss zeigen sich hingegen ausser diesen Erscheinungen noch die beträchtlichen Wallmoränen des Stirngebietes der letzten Gletscherzeit, deren Höhe und Ausdehnung so bedeutend ist, dass dadurch ein besonderes orographisches Bild entsteht. Einzelne Gletscher haben im Verlauf der Rückzugsphase längere Zwischenstadien eingenommen, so der Aaregletscher bei Bern, der Linthgletscher bei Zürich etc. Auch der Rhonegletscher zeigt solche Zwischenstadien, doch liegen seine Stirnmoränen auf dem Boden des Lemansees, während seine Randmoränen auf der Abdachung des Jorat, wo sie die schroffe Topographie des Gehänges ausgleichen, deutlich sichtbar sind. Zwischen dem Lauf der Wigger und dem der Limmat, in welchem Gebiet die letzte Vergletscherung kaum den Jurafuss erreichte, bildet die Moränenlandschaft fast ausschliesslich das orographische Bild, indem die Molasse hier topographisch fast vollständig verwischt ist.
Bezüglich der Richtung der Flussläufe hat das Mittelland während der Eiszeiten ausserordentlich viele Veränderungen erlitten und zwar hauptsächlich infolge von Abdämmungen, weniger dagegen durch Erosionserscheinungen, vielleicht aber auch durch tektonische Vorgänge. So wurde vorerst die Aare, welche ursprünglich von Bern über Utzensdorf und Wangen nach N. floss, durch Moränen nördlich von Bern gegen W. abgelenkt und zwar zweimal, da auch das Trockenthal von Lyss-Zollikofen ein altes Aarebett darstellt.
Die vorglaziale Linth soll über Gossau und Bülach geflossen sein und durch Abzapfung der Sihl in Folge von rückschreitender Erosion in ihren jetzigen Lauf gebracht worden sein, während die Sihl selber durch Moränen gezwungen wurde, eine andere Richtung anzunehmen. Moränen sind es auch, welche die Seen des Mittellandes (Sempacher-, Hallwiler-, Baldegger-, Greifensee etc.) abgedämmt haben. Andererseits ist der Jurafuss der Westschweiz durch tektonische Vorgänge gründlich umgeändert worden. Hier ist infolge Einsenkung eines Teiles des Mittellandes und des Jurarandes ¶