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Dem in der Schale von Trauben enthaltenen Wirkstoff Resveratrol werden wunderbare Eigenschaften zugeschrieben: Die dem Molekül zugeschriebenen Wirkungen reichen von einer Verbesserung der Hirndurchblutung, der Optimierung eines entgleisten Glukosehaushalts, bis hin zur Erleichterung der Gewichtsabnahme. Ausserdem wirkt Resveratrol ausgeprägt antientzündlich, also antiinflammatorisch, was seine Wirkung bei der Verhinderung von Arteriosklerose erklären könnte. Diskutiert werden auch positive Effekt im Kampf gegen Krebs - dies indes bislang nur auf der Grundlage von Tierversuchen.
Aktiviert das Immunsystem
Eine Funktion von Resveratrol in der Traube ist die Aktivierung des Immunsystems zur Abwehr von Pilzen, Bakterien und Viren. Aber auch vor Umwelteinflüssen wie UV-Strahlen oder Toxinen schützt Resveratrol. Einen hohen Resveratrol-Gehalt haben daher jene Trauben, die härteren Witterungsbedingungen und gelegentlichen Feuchtigkeitsperioden ausgesetzt sind. Konkret: Eine Flasche chilenischen Rotweins enthält etwa 10 bis 12 Milligramm Resveratrol, ein sonnenverwöhnter Wein hingegen deutlich weniger. Spanische Weine enthalten - ohne dass man die Hintergründe genau kennt - im Durchschnitt besonders viel Resveratrol.
Eine kürzlich im «American Journal of Clinical Nutrition» publizierte Studie untersuchte den Einfluss von Resveratrol auf die Hirndurchblutung. Insgesamt 24 englische Probanden erhielten eine Kapsel mit 250 Milligramm Resveratrol und mussten anschliessend komplexe Aufgaben lösen. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Studenten unter Einnahme von Resveratrol die ihnen gestellten Aufgaben besser lösen konnten.
Offenbar die gleiche Wirkung wie Aspirin
Aus Tierexperimenten stammen die Beobachtungen, dass die prophylaktische Gabe von Resveratrol den Schweregrad eines Schlaganfalls (Experimental Neurology) oder Herzinfarkts minimieren kann.
Forscher um Sylvain Doré von der Johns Hopkins University erklären den Zusammenhang wie folgt: Resveratrol induziert die Bildung des Enzyms Häm-Oxygenase, welches sich wie ein Schutzschild vor die Gehirnzellen stellt. Forscher der University of Connecticut induzierten bei Mäusen Herzinfarkte und stellten fest, dass die Gabe des Traubenstoffs das geschädigte (infarzierte) Herzmuskelareal verkleinerte, ebenso die Infarktnarben.
Professor Dipak Das aus Connecticut geht gar so weit, dem Resveratrol wegen seiner blutverdünnenden Eigenschaften einen ebenso hohen Stellenwert wie Aspirin in der Kardioprotektion zuzuschreiben: «Resveratrol hindert die Blutplättchen in den Koronararterien am Verklumpen, ausserdem werden atherogene Plaques durch Adhäsionsmoleküle daran gehindert, sich an der Gefässwand festzusetzen.»
Eine aufsehenerregende Entdeckung machte der Forscher Roberto Coppari von der University of Texas. Er injizierte einer Reihe Mäusen mit Typ2-Diabetes Resveratrol direkt in das Gehirn. Hier kommen bestimmte Proteine ins Spiel, die Sirtuine. Diese werden durch Resveratrol aktiviert und regulieren den Glukosehaushalt.
Eine Wirkung von Resveratrol sorgt in der Anti-Aging-Medizin für Aufsehen. Denn Resveratrol hat auf unterschiedliche Organismen offenbar die gleiche lebensverlängernde Wirkung wie eine anhaltende Kalorienrestriktion. Die Kalorienrestriktion gehört zu den am längsten bekannten, am besten untersuchten und umfassend dokumentierten Therapieansätzen der Anti-Aging-Medizin. Bis heute ist sie die einzige interventionelle Massnahme, für die experimentell eine tatsächliche Lebensverlängerung nachgewiesen werden konnte.
Warum eine Kalorienrestriktion lebensverlängernd wirkt, war lange Zeit unbekannt. Offenbar scheint es so zu sein, dass während einer Kalorienrestriktion Sirtuine, von denen sieben humane nachgewiesen sind, aktiviert werden. Ihr Geheimnis: Sie sorgen für eine Reparatur geschädigter DNA, mit der Folge, dass die Zelle insgesamt länger lebt.
Vielleicht hilfts sogar gegen Karzinome
Schliesslich werden dem Resveratrol auch antikanzerogene Eigenschaften attestiert. «A glass of red wine a day keeps prostate cancer away.» Das ist die Quintessenz von Arbeiten eines Forscherteams um Janet Stanford vom Fred Hutchinson Cancer Center in Seattle. Demnach haben Männer, die vier Gläser Rotwein pro Woche konsumieren, nur ein halb so grosses Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken.
Das sind zweifelsohne gute Nachrichten für jene, die einem kleinen Schoppen guten Rotweines nicht abgeneigt sind. Das Nachsehen haben Weisswein- und Biertrinker. Die Erklärung der Forscher für den Schutzeffekt: Resveratrol wirkt ausgeprägt antioxidativ und antientzündlich. Ausserdem kann das Molekül entartete Zellen offenbar in den programmierten Zelltod, die sogenannte Apoptose, treiben.