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Ich habe soeben mit grossem Vergnügen Ihre Ode an den Milchkaffee gelesen köstlich im doppelten Sinn! In diesem Zusammenhang eine weitere Frage: Wie steht es mit dem Genuss von Schwarztee? Wie gesund bzw. ungesund ist er, und kann er für den Organismus auch übersäuernd wirken wie zu starker Kaffee?
B.B., CH-4003 Basel
Antwort: Schwarztee kann genau gleich wie Kaffee im Körper übersäuernd wirken. Das liegt am Koffein (früher: Caffein), das 1820 vom deutschen Chemiker Friedrich Ferdinand Runge (1794 1867) angeblich auf eine Anregung von Goethe isoliert worden ist (1,3,7-Trimethylxanthin) und im Kaffee sowie im Schwarztee (und auch in der südamerikanischen Guarana) vorkommt. Ursprünglich, das heisst bis 1838, meinte man, Koffein und Theïn seien 2 verschiedene Substanzen; inzwischen ist erwiesen, dass es chemisch ein und dasselbe ist. Chemisch steht das Purin-Alkaloid Koffein der Harnsäure nahe, ebenso wie das in Kakao enthaltene Theobromin und das Xanthin [1]. Im Körper wird das Koffein zu Harnsäure abgebaut und dann (hoffentlich) ausgeschieden statt rheumafördernd abgelagert.
Allerdings kommt das Koffein im Tee nicht in gleicher Begleitung wie jenes im Kaffee vor. Der Luzerner Drogist Peter Oppliger, ein ausgezeichneter Kenner exotischer Pflanzen, erklärte den Unterschied einmal wie folgt: "Im frischen Teeblatt ist das Koffein an Gerbstoffe (Gerbsäure) gebunden, das Koffein im Kaffee aber ist an Chlorogensäure gebunden. Dieses Koffein spielt für die gesundheitliche Wirkung beider Getränke eine wichtige Rolle. Der Tee erhöht den Fettsäuregehalt des Blutes nicht. Der Kaffee verursacht jedoch eine erhebliche Erhöhung des Fettsäureanteiles im Blut. Der Tee hat sogar eine antiarteriosklerotische Wirkung (gegen Arterienverkalkung). Zudem enthält er keine Kaffee-Röstrückstände. Zu Schlafstörungen kann es, allerdings in etwas differenzierter Ausprägung, bei beiden Getränken kommen."
Dennoch liegt es mir fern, vor dem Schwarzteegenuss generell zu warnen. Gegen Schwarztee ist, solange er mit Mass getrunken wird, wenig einzuwenden. Denn es wäre falsch, diesen bekanntesten Kräutertee nur unter dem einen Aspekt des Säure-Basen-Gleichgewichtes zu betrachten, so lange keine besondere Anfälligkeit für rheumatische Erkrankungen (wie auch Gicht) vorhanden ist. Er entfaltet vielseitige andere Wirkungen, die bei jedem Menschen etwas unterschiedlich sein mögen. Genau wie verschiedene Kaffeesorten gehört bei mir auch gelegentlich ein Schwarztee zum Repertoire der kleinen täglichen Freuden, wie alle möglichen anderen, diesmal koffeinfreien, stoffwechselfördernden Kräutertees aus einheimischen Grundlagen, vom Pfefferminztee, welcher die Leber und Gallenabsonderung leicht anregt, bis zum blutreinigenden Brennnesseltee; das Jäten und Ernten ist hier ein und dasselbe. Selbst Erdbeerblätter und Himbeerblätter können zu feinen Tees zubereitet werden, welche ebenfalls der Leber Freude bereiten. Tee im weitesten Sinne ist kein Getränk, sondern eine Medizin und zudem auch eine Geisteshaltung.
Schwarztee ist ein anregendes Genussmittel er stimuliert das zentrale Nervensystem: Je nach verwendeter Teesorte von Flowery Orange Pekoe, Orange Pekoe, Pekoe bis zum etwas groben, weniger aromatischen Souchong und der Dauer des Ziehenlassens lässt er sich beliebig manipulieren, d.h. auf die eigenen Bedürfnisse und Vorlieben zurechtstylen. Für die anregende Wirkung sorgt das Koffein. Während der ersten 1 bis 2 Minuten wird nach dem Aufgiessen des heissen Wassers fast die gesamte Koffein-Menge gelöst (Koffein ist leicht wasserlöslich). Lässt man den Tee länger ziehen, ist die anregende Wirkung etwas vermindert, weil dann allmählich auch Gerbstoffe ins Teewasser gelangen.
Die Wirkungen des Tees sind überaus vielschichtig. William E. Gladstone beschrieb einige davon 1890 wie folgt: "Wenn dir kalt ist, wird Tee dich wärmen - wenn du erhitzt bist, wird er dich abkühlen wenn du bedrückt bist, wird er dich aufheitern - und wenn du erregt bist, wird er dich beruhigen." Schwarztee kann Magen- und Darmprobleme lindern und sogar etwas karieshemmend sein. Er soll im Weiteren die Blutgefässe stärken und die Schilddrüsenfunktionen regulieren.
Noch ein Gratistip: Wollen Sie vielleicht einmal Schwarztee mit Rosenblüten oder Jasminblüten bereichern, wie es im alten China Usus war, oder ihn mit einem Tropfen Bergamottöl parfümieren, wenn Sie Ihren Souchong-Vorrat endlich aufbrauchen wollen? So oder so können Sie beim Teegenuss den Lärm der Welt vergessen dies suggerierte jedenfalls früher einmal die Tee-Werbung. Und dementsprechend müsste man in dieser lärmigen Welt heutzutage in aller Ruhe viel mehr Tee trinken. Aber es muss nicht ausschliesslich Schwarztee sein.
wh.
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[1] Der Mensch produziert in allen seinen Zellen ständig Harnsäure (Purine); sie resultiert am Ende der Reaktionskette des physiologischen Zellabbaus (aus der Nukleinsäure der Zellkerne). Diese Harnsäure gelangt mit dem Blut in Nieren und Darm, wird herausgefiltert und (als "Harn") ausgeschieden. Aber nicht allein die Purine aus dem eigenen Stoffwechsel, sondern auch jene aus der Nahrung (z.B. aus dem Koffein) müssen in einem komplizierten Abbauprozess vorerst zu Hypoxanthin und mit Hilfe des Enzyms Xanthinoxidase zu Xanthin und am Ende eben zu Harnsäure umgewandelt werden.
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