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Einleitung
Wer sich mit der Baugeschichte von Basel beschäftigt, stösst unausweichlich auf den Vogelschauplan von Matthäus Merian. Der erst 22-jährige Merian zeichnete in den ersten Monaten des Jahres 1615 das Original von diesem Plan. Bis zur ersten genauen Vermessung um 1784 durch Samuel Ryhiner blieb dieser Plan die genauste Informationsquelle über Lage und Aussehen aller Gebäude in Basel.
Entstehung der Vogelschaupläne
Vorarbeiten
Über seine Vorgehensweise bei der Schaffung dieses Vogelschauplanes hat Merian keine Aufzeichnungen hinterlassen. Die Hügel um Basel sind zu flach und zu weit entfernt, als dass man von dort eine Skizze der Stadt erstellen könnte. Und da bis zum Aufstieg des ersten Heissluftballons noch 168 Jahre vergehen sollten, muss Merian den Plan aus zahllosen Beobachtungen, Zeichnungen und Vermessungen vom Boden aus zusammengesetzt haben.
Von den Zeichnungen sind einige einfache Federskizzen und Gemälde erhalten, aber auch fertig ausgearbeitete Kupferstiche, die Merian in späteren Jahren veröffentlicht hat. Wie viele Skizzen er genau gezeichnet hat und von welchen Standorten aus, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Da aber zahllose Details nachweislich korrekt wiedergegeben sind, muss Merian nicht nur ein hervorragender Beobachter, sondern auch ein zügiger Zeichner gewesen sein. Für alle Arbeiten an diesem Plan benötigte er nämlich nur wenige Monate.
Vermessungen als Grundlage
Neben den Skizzen hat Merian auch Vermessungen verwendet. Dies kann man aus der Tatsache schliessen, dass der Verlauf der Stadtmauern und wichtigen Strassen bei Merian überraschend gut mit einem modernen Plan übereinstimmen. Die früheren Varianten des Plans zeigen denn auch einen kleinen Zirkel mit einem Massstab und der Beschriftung „Passus Authoris“ (Schrittmass des Autors). Man ist also versucht anzunehmen, dass Merian die Strassen selbst abgeschritten hat und mit den so erhaltenen Zahlen einen Grundriss erstellte.
Nach einer anderen Theorie hat Merian als Grundlage einen Plan der Stadt verwendet, den Hans Bock d. Ä. im Jahre 1588 vermessen hat. Der Rat kam zu dieser Zeit zum Schluss, dass die Befestigung der Stadt nicht mehr genug Schutz bot und verpflichtete den renommierten Festungsbaumeister Daniel Specklin für die Planung der Verbesserungen. Dieser forderte am 10. Februar 1588 vom Rat "eine Grundlegung der Schanzen". Der Rat hat diese Aufgabe an den Basler Maler und Geometer Hans Bock d. Ä. vergeben, denn im Ratsprotokoll vom 1. April steht: "Hans Bockh belangend, der die statt Basell in Grund gelegt. Ist seiner Arbeit 40 fl. abzukhomen" (Hans Bock erhält für den Grundriss der Stadt 40 Gulden). Dieser Grundriss ist leider nicht mehr erhalten. Es ist aber durchaus denkbar, dass man Merian 27 Jahre später darauf Zugriff gewährte.
Die Federzeichnung
Seine Skizzen und die Vermessungsdaten als Grundlage nehmend, malte Merian nun eine erste Version des Vogelschauplan in Form einer kolorierten Federzeichnung. Obwohl er erst Anfang 1615 nach Basel kam, war er anscheinend schon am 6. Mai damit fertig. Zumindest erscheint im Ratsprotokoll von diesem Tag der Eintrag "Mattheus Merian dedicirt die Abcontrafactur der Statt Basell. Sein ihme verehrt worden 50 fl.". Der Rat zahlt also 50 Gulden an Matthäus Merian für die Widmung einer "Abbildung" der Stadt. Ob das Gemälde an diesem Tag dem Rat auch schon ausgehändigt wurde oder erst später, wird anhand dieses Eintrages nicht klar.
Das Original dieser Federzeichnung ist heute im Besitz des historischen Museums Basel. Leider hat der Zahn der Zeit dem Gemälde ziemlich zugesetzt und mehrere unvorsichtige "Restaurierungen" haben den Zustand noch weiter verschlechtert. Auf Basler-Bauten ist deshalb auch nicht das Original zu sehen, sondern eine Reproduktion, die 1948 von der "Graphischen Anstalt Morf & Co., Basel" herausgegeben wurde. Es handelt sich um eine Nachzeichnung, die aber unter wissenschaftlicher Aufsicht und mit grosser Sorgfalt entstand.
Die erste Radierung
Vermutlich noch während seines Aufenthalts in Basel hat Merian die gezeichnete Vorlage dann in Kupfer gestochen, bzw. radiert.
Zur Herstellung einer Radierung wird zuerst eine Kupferplatte mit einer dünnen undurchsichtigen Lackschicht (dem Ätzgrund) überzogen. Danach ritzt (radiert) der Künstler das Motiv mit einer Nadel in diese Lackschicht und zwar spiegelverkehrt. Ist das Motiv fertig, legt man die Kupferplatte für eine gewisse Zeit in ein Säurebad, wodurch überall dort, wo der Lack entfernt wurde, eine Vertiefung ins Kupfer geätzt wird. Durch Erwärmen wird die Platte von den Lackresten gereinigt und ist damit bereit für den Druck. Der Drucker zieht dazu Farbe mit einem Spachtel über die Platte, sodass sie in den geäzten Vertiefungen hängen bleibt, die vorher vom Lack geschützten Bereiche aber sauber bleiben. In der Druckpresse wird dann die Farbe aus den Vertiefungen auf einen Bogen Papier übertragen.
Merian hat den Plan auf vier gleich grosse Kupferplatten von 35 x 53.5 cm verteilt. Zusammengesetzt hat das Werk eine Grösse von 70 x 105 cm. Die Herstellung und Handhabung von nur einer grossen Platte ist wohl nicht möglich gewesen oder, weil zu aufwändig, finanziell nicht interessant.
Die Radierung ist nicht einfach eine Kopie der Zeichnung sondern zeigt viele zusätzliche Elemente, wie z. B. eine Figurengruppe (Bürgermeister, Ratsherr, Bürger, Junge, Ehefrau, Mädchen) in der Basler-Tracht. Die Gärten innerhalb der Stadt und die Gegend ausserhalb der Stadt sind mit Details angereichert. Die Strassen sind mit Personen, Reitern und Fuhrwerken und der Rhein mit Schiffen und Weidlingen bevölkert.
Diese Variante des Vogelschauplanes wird manchmal auch als „der Merianplan von 1617“ bezeichnet. Auf dem Kupferstich in der Titelzeile steht dazu aber der folgende Text zu lesen:
NOVA ET GENUINA DESCRIPTIO INCLYTAE URBIS BASILEAE PER MATTHAEUM MERIAN FIDELITER DEPICTA ET SCULPTA ANNO DOMINI MDCXV
(Neue und unverfälschte Beschreibung der Stadt Basel durch Matthäus Merian getreulich abgebildet und radiert im Jahre des Herrn 1615)
Es war wohl so, dass Merian die Platten 1615 in Basel radiert und einige Abzüge verkauft hat. 1616 begab er sich auf eine Reise, die ihn 1617 schliesslich nach Oppenheim führte. Von den Platten erstellte er dort weitere Abzüge, wobei bei diesen unten ein Drucktext angefügt ist, der eine kurze Geschichte Basels und eine Legende enthält. Dieser Text ist abgeschlossen mit dem Vermerk "Oppenheim / Bey dem Authore, 1617".
Es existieren vermutlich nur noch fünf Original-Abzüge von diesem Kupferstich. In Basel ist einer im Besitz vom Staatsarchiv Basel-Stadt (Signatur: "Bild 1, 291") und ein weiterer gehört der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Letzterer ist als Depositum im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums (Inventar-Nr.: X.2118) integriert.
Weitere Verwendungen
In späteren Jahren begann sich Merian als Verleger zu betätigen. In zwei seiner grössten Werke verwendete er veränderte Varianten seines Stadtplans als Illustration zur Stadtbeschreibung von Basel.
Dies war der Fall in der 1637 / 38 erschienen Auflage der „Archontologia Cosmica“, einer Weltbeschreibung und 1642 im Band „Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae“ der „Topographia Germanie“, die als Hauptwerk von Merian gilt.
Da der Stadtplan in diesen Werken auf einer Doppelseite eines Buches Platz finden musste, hat Merian die Vorlage verkleinert und verschiedene Elemente weggelassen (z. B. die Widmung, Massstab und Zirkel), dafür für das ortsunkundige Zielpublikum eine Legende hinzugefügt.
Diese Varianten sind aber auch sonst nicht einfach verkleinerte Kopien des Planes von 1615. Die Perspektive ist verändert, der Betrachter schwebt höher über der Stadt und etwas weiter links, weshalb die Gebäude von einer leicht anderen Seite gezeichnet sind (z. B. das Münster). Zahllose bauliche Details sind der Verkleinerung zum Opfer gefallen, wodurch der ganze Plan etwas hölzern wirkt. Davon abgesehen scheint die Anzahl und Lage der Gebäude beinahe unverändert mit der grossen Ausnahme der Befestigungsanlagen.
Wegen der sehr realen Bedrohung durch den 30-jährigen Krieg beschloss man nämlich ca. 1620 eine erneute Verbesserung der Stadtbefestigung. Vier Schanzen (Erdwälle, welche die eigene Artillerie vor feindlichem Feuer schützen) in Grossbasel und zwei Vorwerke in Kleinbasel wurden von 1622 bis 1628 gebaut. Merian, der von 1620 – 1624 in Basel wohnte und einer Zunft angehörte, hatte wohl die Diskussionen über den Bau und die Bauarbeiten selbst miterlebt. Vermutlich hat er die neuen Festungsbauten während seiner Basler Zeit skizziert und dann später in den Vogelschauplan eingearbeitet.
Vogelschauplan aus Südwesten
Von Merian stammt auch ein Vogelschauplan von Basel aus der Gegenrichtung (also mit Blick nach Nordosten statt Südwesten). Diese sehr seltene Variante wurde anscheinend als Buchseite geplant (die bekannten Blätter haben einen Mittelfaltz), dann aber doch nicht verwendet.
Da in der Signatur keine Jahreszahl erwähnt ist, kann man über das Datum der Veröffentlichung nur spekulieren. Die Schanzen und Vorwerke fehlen noch, weshalb man vermuten kann, dass der Plan noch vor deren Fertigstellung im Jahre 1628 entstand. Die Signatur „Matthäus Merian / Basiliensis fecit“ (Matthäus Merian von Basel hat dies gemacht) sagt nach damaligen Regeln aus, dass Merian nicht in Basel war (sonst würde die Signatur „Matthäus Merian Basilea“ lauten). Wohl aufgrund von diesen widersprüchlichen Fakten wird je nach Quelle 1622 [Stabs] oder 1626 [Wüthrich] als Veröffentlichungs-Datum angegeben.
Auch über die Art und Weise der Entstehung kann man nur Vermutungen anstellen. Hat Merian seinen Plan mit Blick nach Südwesten einfach nur „umgestülpt“? Oder hatte er schon 1615 zwei Varianten gezeichnet und dann zuerst nur eine veröffentlicht? Die wichtigen Gebäude sind auf dem Plan in üblicher Merian-Manier sehr präzise und detailliert dargestellt, weshalb ihm wohl Skizzen der Südseite der jeweiligen Bauten vorlagen.
Der Plan hat keine Legende oder Verzierungen – von einer einfachen Windrose und einem Basler Wappenschild abgesehen. Einige wichtige Bauten sind direkt im Plan angeschrieben und zwar in eher ungewöhnlicher Schreibweise (z. B. "Richeimer thor" statt "Riechemerthor").
Diskussion
Vogelschau oder Grundriss?
Auffällig an den verschiedenen Versionen des Merian‘schen Vogelschauplan ist, dass der Blickpunkt für die Abbildung der Strassen und Stadtmauern so hoch liegt, dass man eher von einem Grundriss sprechen möchte. Die Häuser sind jedoch so dargestellt, wie man es von der Vogelperspektive gewohnt ist. Diese unterschiedlichen Perspektiven weisen darauf hin, dass es sich bei Merians Werken um eine Zusammenführung von Vermessungen und Handskizzen handelt.
Keine Topographie
Die Höhenunterschiede des Geländes sind nicht wiedergegeben. Vom Birsigtal, das den Münsterhügel vom Petersplatz trennt, ist nichts zu sehen und die steilen Gässchen (z. B. der Rheinsprung) wirken eben. Verschiedene Treppen (z. B. Kellergässlein, Elftausendjungfern-Gässlein) und Erhebungen (Pfalz, Leonhardskirchplatz) sind aber zu erkennen.
Realitätsnähe
Kupferstiche und Gemälde waren nur für die Oberschicht erschwinglich. Merian hat deshalb darauf geachtet, dass die Darstellung von Basel für seine zukünftige Käuferschaft möglichst schmeichelhaft ausfiel.
Zum Beispiel wirken die Strassen sauber und alle Gebäude sehen aus wie frisch gestrichen. Sicher gab es aber in den ärmlicheren Teilen der Stadt vernachlässigte und baufällige Gebäude. Davon ist aber rein gar nichts zu erkennen.
Die Stadtmauer gab in dieser Zeit viel zu reden wegen ihres schlechten Zustandes. 1619 befahlt der Rat z. B. alle, von Bürgern in die Mauer geschlagenen Öffnungen, unverzüglich zu schliessen. Und Bedenken über die Sicherheit der Mauer gaben den Ausschlag für den Bau von Schanzen und Vorwerken in den 1620er Jahren. Bei Merian sieht die Mauer jedoch so makellos aus wie in einem Lehrbuch für Festungsbau. Die Bollwerke vermitteln einen Eindruck von unzerstörbarer Massigkeit und die Gräben wirken unüberwindbar breit und tief.
Merian vermittelt also das Bild einer wohlhabenden Stadt mit einer grossen Anzahl von beeindruckenden Kirchen und modernsten militärische Anlagen.
Biografie
Vorfahren
Die Vorfahren von Matthäus Merian stammen aus dem Fürstbistum Basel. Ein Bruder seines Urgrossvaters (Theobald Merian) war der erste, der nach Basel zog, ein Grossvater und ein Grossonkel taten es ihm einige Jahre später gleich. Burkhard Merian (1518 – 1562), der Grossvater von Matthäus Merian, liess sich im Kleinbasel nieder und gründete eine Sägerei und Holzhandlung (am ehemaligen Sägergässlein 1, mit einem Wohnhaus am Sägergässlein 3). Im Jahre 1553 erwarb er das Bürgerrecht und trat der Zunft zu Spinnwettern (Bauleute) bei.
Matthäus Merians Vater - Walter Merian (1558 - 1617) - führte die Geschäfte weiter und wurde Zunftmeister zu Spinnwettern und Ratsherr. Er heiratete Margaretha Falkner, die aus einem angesehenen Basler Geschlecht stammte. Der Ehe entsprangen sieben Töchter und drei Söhne.
Kindheit und Jugend
Als mittlerer Sohn wurde Matthäus Merian am 21. (am Namenstag des Evangelisten Matthäus) oder 22. September 1593 geboren und gemäss Taufregister am 25. September in der St. Theodors Pfarrkirche getauft.
Sein Vater schickte Matthäus, wie alle seine drei Söhne, in eine Lehre und zwar als Glasmaler. Für den Sohn eines Sägers ist dies eher eine ungewöhnliche Wahl, aber vielleicht hatte sich das künstlerische Talent von Matthäus schon früh gezeigt. Da Matthäus Merian der lateinischen Sprache mächtig war, muss er auch eine Schule besucht haben, z. B. das Gymnasium auf Burg, das kurz zuvor gegründet worden war (und noch heute besteht).
Seine Lehre trat Matthäus ungefähr im Jahre 1606 an, also im Alter von ca. 13 Jahren. Wer in Basel sein Lehrmeister war, ist nicht bekannt. Es sind jedoch einige Scheibenrisse (Glasgravur) und Glasgemälde des jungen Merian erhalten geblieben, die er während seiner Lehrzeit geschaffen hat.
Lehrzeit in Zürich
Schon im Jahre 1609 gab der knapp 17-jährige Merian seine Lehre als Glasmaler auf und wechselte zum Radierer und Kupferstecher Dietrich Meyer nach Zürich. Über die Gründe für diesen Entscheid kann nur spekuliert werden. Von Meister Meyer lernte Merian die für das Ätzen von Kupferplatten nötigen Techniken. Das Verfahren von Meyer mit dem sogenannten weichen Ätzgrund behielt Merian sein ganzes Leben bei und gab es auch an seine Schüler weiter.
Strassburg 1611
Offenbar war Merian ein sehr talentierter Schüler, denn schon nach einem Jahr, am 1. Oktober 1610, reiste er wieder zurück nach Basel. Auch in Basel blieb er nicht lange, sondern verliess Anfang 1611 seine Heimatstadt Richtung Strassburg. Dort arbeitet er für den Maler und Kupferstecher Friedrich Brentel der mit der Fertigstellung eines monumentalen Kupferstichwerks in Verzug geraten war.
Paris 1612 - 1615
Nach Abschluss dieses Auftrages reiste er weiter nach Paris, wo er zuerst bei Claude Chastillon Arbeit und vermutlich auch Unterkunft fand. Chastillon war Festungsbauer, Architekt und Ingenieur und bereiste in seiner Funktion als „Topographe du Roi“ ganz Frankreich. Seine Arbeit dokumentierte er mit Stadtansichten und Vogelschaubildern, die er von Matthäus Merian und anderen Künstlern in Kupfer stechen und in einem umfangreichen Werk zusammenfassen liess.
Vermutlich nach Abschluss dieses Werkes arbeitete Merian hauptsächlich für den Verleger Nicolas de Mathonière und wohnte auch bei diesem. Er erledigte zahlreiche Auftragsarbeiten, veröffentlichte aber auch schon eigene Werke. So zum Beispiel einen grossen Vogelschauplan von Paris. Er basiert auf damals aktuellen Stadtplänen und zeigt einen fast flachen Grundriss mit seitlich perspektivischer Darstellung der Gebäude, ähnlich wie beim Plan von Basel. Die unwichtigen Gebäude sind schematisiert, die Kirchen und Paläste jedoch in merian‘scher Detailliertheit ausgearbeitet.
Basel 1615
Nach seinem dreijährigen Aufenthalt in Paris begab er sich Anfang 1615 zurück nach Basel, wo er dann den grossen Vogelschauplan zeichnete und radierte.
Reisejahr 1616
Spätestens Anfang 1616 war er aber schon wieder auf Reisen, diesmal mit dem Ziel Italien. In Chur wurde er allerdings aufgehalten, da die Pässe wegen einer Seuche gesperrt waren. Statt nach Italien wandte sich Merian deshalb nach Deutschland und erreichte mit Zwischenhalten in Augsburg und Stuttgart im Herbst 1616 die Buchmesse in Frankfurt.
Oppenheim 1617 - 1620
Vermutlich auf der Buchmesse lernte er den Verleger Johann Theodor de Bry kennen. In dessen Verlagshaus in Oppenheim arbeitete Merian ab Ende 1616 als Kupferstecher und auch im Verlag.
Offensichtlich lebte sich Merian schnell in der Familie de Bry ein, denn schon am 11. Februar 1617 heiratete er Maria Magdalena de Bry, die älteste Tochter seines Arbeitgebers. Auch sonst schien Merian grösstes Vertrauen zu geniessen, denn im selben Jahr veröffentlichte er in eigener Regie die zweite Version seines Vogelschauplanes von Basel.
De Bry verlegte 1619 seinen Wohnsitz und sein Verlagshaus nach Frankfurt. Merian folgte ihm dorthin mit seiner Frau und seiner im selben Jahr geborenen Tochter.
Basel 1620 - 1624
Mitte 1620 zog Merian mit seiner Familie nach Basel, um den Kriegswirren in Frankfurt und vielleicht auch dem Einfluss seines Schwiegervaters zu entgehen. Er kam im elterlichen Haus an der Sägergasse unter und da er das Basler Bürgerrecht nie aufgegeben hatte, konnte er noch im gleichen Jahr in die Zunft zu Spinnwettern eintreten. Während seiner Zeit in Basel entstanden ca. 300 kleinformatige Blätter mit Ansichten aus der Umgebung von Basel.
Frankfurt 1624 - 1650
Der Schwiegervater von Matthäus Merian, Johann Theodor de Bry, starb im Jahre 1623. Seine Schwiegermutter bat Merian darauf den Verlag für sie weiterzuführen. Also verliess 1624 die inzwischen fünfköpfige Familie die Stadt Basel und liess sich in Frankfurt nieder.
Im Jahre 1626 konnte Merian das Bürgerrecht in Frankfurt erwerben und wurde in Folge Inhaber des de Bry’schen Verlags. Er verlegte einerseits die Bücher aus dem Nachlass seines Schwiegervaters, brachte aber in den folgenden Jahren viele Bücher unter eigenem Namen heraus.
Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Merian 1845 Johanna Sibylla Heim und hatte mit ihr nochmals zwei Kinder.
Matthäus Merian starb im Alter von 56 Jahren am 19. Juni 1650 in Bad Schwalbach, einem Kurort in der Nähe von Frankfurt. Sein Sohn Matthäus Merian der Jüngere und später Caspar Merian führten den Verlag weiter.
Quellen: