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Die durchschnittliche Spielzeit liegt in der neuen olympischen Curling-Disziplin Mixed-Doppel deutlich unter zwei Stunden. Vielen aus dem TV-Publikum wird der kompaktere Ablauf zusagen.
Ein Match der Disziplin Mixed-Doppel führt über maximal acht statt über zehn Ends. Pro End werden nicht 16 Steine gespielt, sondern zehn.
Die Vorstandsmitglieder des Curling-Weltverbandes unter der schottischen Präsidentin Kate Caithness dürfen einander auf jeden Fall auf die Schultern klopfen. Sie haben es geschafft, eine Disziplin ins olympische Programm zu bringen, die vor zehn Jahren noch nicht einmal erfunden war: das Mixed-Doppel. In Pyeongchang werden für die Besten dieser Nischensparte Medaillen vergeben, die für den Medaillenspiegel so viel gelten wie die Medaillen des klassischen Vierer-Curlings der Männer und der Frauen.
Ein Spieler gibt im Haus die Befehle, ein Spieler spielt den Stein, zwei Spieler begleiten den Stein über die rund 40 Meter, um ihn nötigenfalls mit kräftigem Wischeinsatz zu beeinflussen. Dieses vertraute Bild werden Zuschauer an den Schirmen während der Übertragungen des Mixed-Doppels vermissen.
Bevor ein Spielabschnitt (End) der Zweierkonkurrenz überhaupt beginnt, liegt schon je ein Stein pro Team auf dem Eis. Die vorbestimmten Steine werden vom Schiedsrichter millimetergenau gesetzt. Der eine Stein direkt vor der Hausmitte, der andere als Schutzstein (Guard) vor dem Haus. Der Mann und die Frau spielen zusammen fünf Steine. Die restlichen zwei Steine im Set werden nicht gebraucht. Das Ganze wird durch das sogenannte Power Play noch ein wenig verkompliziert: Einmal pro Match kann ein Team gleichsam eine Joker-Situation verlangen, indem die vorplatzierten Steine nicht auf der Mittellinie des Rinks, sondern seitlich hingestellt werden. Mit dieser Grundaufstellung wird das offensive Spiel forciert.
Wer den Stein spielt, muss ihm hinterherrennen und die Rolle des einzigen Wischers oder der einzigen Wischerin übernehmen. Von End zu End kann das Team die Spielreihenfolge ändern. Der eine spielt den ersten und den letzten der fünf Steine, der andere demnach die Steine 2 bis 4.
Mit ihrem im vergangenen April im kanadischen Lethbridge errungenen Weltmeistertitel haben sich die Bielerin Jenny Perret und der Glarner Martin Rios auch unter die Favoriten auf den Gewinn einer Olympia-Medaille geschoben.
Weder Rios noch Perret haben jemals im klassischen Curling eine WM bestritten. Aber auch die Mitglieder der meisten übrigen Teams weisen kaum bedeutende Meriten vor. Sieht man vom kanadischen Team ab, war Matthew Hamilton der einzige Medaillengewinner an einer Vierer-WM. Er wurde 2016 in Basel auf der zweiten Position Dritter mit dem US-Team um Skip John Shuster - der wiederum in Pyeongchang das US-Männerteam anführen wird. Wie die Schweiz bringen auch Russland und Südkorea keine Erfahrung aus einer grossen WM mit.
Den Kontrast zu den wenig bekannten Curlern im Feld bilden die Kanadier. John Morris wurde 2010 als Nummer 3 im Team des mittlerweile zurückgetretenen Kevin Martin Olympiasieger. Dieser grösste Triumph gelang auch Morris' Partnerin Kaitlyn Lawes. Sie war bei Jennifer Jones, der Olympiasiegerin 2014, ebenfalls die Nummer 3.
Gerade die besten Kanadierinnen und Kanadier richten ihr Interesse ausschliesslich auf die Vierer. Wenn es aber um den Olympiasieg geht, gehen sie kurzzeitig fremd. Anfang Januar führte der kanadische Verband eine Mixed-Doppel-Ausscheidung durch. Teilnehmen durften die besten Spielerinnen und Spieler, die sich nicht für die beidem klassischen Olympia-Turniere qualifiziert hatten. Praktisch aus dem Stand setzten sie sich also mit den Eigenheiten des nicht selten belächelten Mixed-Doppels auseinander. Um sich nach den Winterspielen sogleich wieder dem "richtigen" Curling zuzuwenden.
Die besten Curler weltweit spielen jahraus, jahrein das traditionelle Curling in den Viererteams. So gesehen, ist das Mixed-Doppel auch eine Alternative für weniger Erfolgreiche.
SDA-ATS