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Unsere Gemeinde verfügt bis heute über Dorf- und Weilerkennzeichnungen, aber über keine Strassennamen. Dies soll sich nun aufgrund der Eingemeindung in die Nachbargemeinde ändern. Seit einigen Tagen liegt der ausgearbeitete Vorschlag seitens der Behörde zur Besichtigung auf. Ansichten dazu, anfänglich von einzelnen Bewohnern zögernd geäussert, werden inzwischen laut kommentiert.
Viele Gebietsnamen stammen noch aus jener Zeit, in der fast alle Dorfbewohner in der Landwirtschaft tätig waren. Im Zuge der Melioration wurden Flurstrassen bereits benannt. Die Strassen im Dorf blieben weiterhin namenlos. Nein, nicht ganz. Natürlich verständigen wir uns untereinander über eigene oder althergebrachte Begriffskonstruktionen.
Das Dorf wird in Unter- und Oberdorf unterteilt. Die Strasse zum ehemaligen Schulhaus ist die Chindsgi- oder Schulhausstrasse. Nun wird diese umbenannt zur Rebstrasse, weil der nachfolgende Flurweg den Namen «Rebweg» besitzt. Eine Schulstrasse soll es weiter geben. Jedoch nur richtungsweisend zum Schulhaus, ohne daran vorbei zu führen. «Zumindest wohnen dort ein ehemaliger Lehrer und der Schulhausabwart», wird von einem Dorfkenner eingebracht. Über die geplante Maschinenstrasse – hier haben gewerbetreibende Betriebe ihre Maschinenstandplätze – schüttelt man nur den Kopf. Intensive Debatten über den misslichen Namen werden geführt. Naheliegender wäre, so das Votum eines Mitdiskutierenden, der Name «Trottenstrasse». In dem noch stehenden Schopf befand sich nämlich früher die Dorftrotte.
Unzumutbar scheint, dass eine Dickbucherstrasse durch das Dorf Dickbuch führen soll. «Das gibt es nirgends!», so die erbosten Kommentare. «Neudickbuch» wird der neu bebaute Dorfteil von den Bewohnern im alten Dorfkern genannt. Hier soll zukünftig die Bärenstrasse durchführen. Auch nicht nachvollziehbar ist die Namensgebung eines Hangs. Dieser habe zwei gänzlich andere Namen. Der obere Teil heisse «im Chnobler», der untere «im Götze». So hätten sie ihn seit Kindsbeinen an genannt, erklärt ein älterer Mann. Dass das frühere «Negerviertel» nun zur Eckstrasse wird, ist wiederum nachvollziehbar.
Auch die geplante Pfannenstielstrasse mitten durch das Dorf hinauf (diese verläuft übrigens in die entgegensetzte Richtung zum Pfannenstiel) erhitzt die Gemüter. Das könne unmöglich angenommen werden. Hier gehöre doch der Name Lindenstrasse hin, da die einzig verbliebene Dorfbeiz daran grenze. Der von uns getaufte Bäcker- oder Katzenweg erhält gar keinen Namensvorschlag. Auch weitere kleine Gemeindestrassen im Dorf wurden offenbar vergessen. Hier könnte als Ergänzung ja die Pfannenboden- und die Pfannendeckelstrasse eingeführt werden, so ein weiterer Vorschlag.
Einige reden sich in Rage, andere schmunzeln. Nicht deckungsgleiche Listen mit Namensvorschlägen entstehen. «Wir können froh sein, dass sich die Gemeinderäte nicht mit ihren Namen verewigen wollen», relativiert eine weitere Person.
Wir werden es erfahren. Spätestens dann, wenn sich die «Selbsthilfegruppe» (im Dorf inoffiziell benannter, enger Kreis von Personen, welcher täglich um neun Uhr in der Beiz sitzt) aktiv einmischt und ihre Erkenntnisse mittels der schnellen Drähte in der Gemeinderatsstube offenlegt.
Sabine Nussbaumer
Die wöchentliche Kolumne einer Bäuerin kommt diesmal von Sabine Nussbaumer.
Die wöchentliche Kolumne einer Bäuerin kommt diesmal von Daniela Rutz.