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Baha’i
Im Jahr 1844 verkündete der in Shiraz/Iran geborene Mirza Ali Muhammad, er sei der Bab («Tor») des vom schiitischen Islam erwarteten Propheten Imam Mahdi – später behauptete er, dieser selbst zu sein. Er drohte der islamischen Welt die Katastrophe an, wenn sie sich nicht zu seiner neuen Wahrheit bekehre, und führte unter seinen Anhängern den Bayan («Erklärung») ein, eine Schrift, in der manche Bestimmungen des Korans aufgehoben und durch freiere Regeln ersetzt wurden. Dem Dschihad und der Hoffnung auf einen eigenen Bahi-Staat wird im Bayan ein wichtiger Platz eingeräumt. Die Gruppe der Bab-Anhänger wurde in der Folge grausam verfolgt und der Bab 1850 erschossen.
Mirza Husain Ali Nuri, der als Siebenundzwanzigjähriger Anhänger des Bab geworden war, erlebte daraufhin seine eigene Berufung und nannte sich – allerdings erst später offiziell – Baha’u’llah, d.h. «Herzlichkeit Gottes». Infolge Streitigkeiten wurde Baha’u’llah nach Akka verbannt, wo er mit seiner Familie bis zu seinem Lebensende 1892 blieb. In der Verbannung entstanden die meisten seiner zahlreichen Schriften, mit denen er die Baha’i-Religion begründete: Die wichtigste seiner Schriften ist das heilige Buch der Baha’i, der Kitabal-Aqdas. Bahu’u’llah sah sich als Vollender des Bayan und damit als den vom Bab angekündigten Gesandten Gottes. Er begründete eine eigenständige Baha’i-Religion, wodurch die Mission des Bab als abgeschlossen gilt.
Heute sind die Baha’i im Iran verboten. Wohl nicht zuletzt dank den verschiedenen Mehrjahresplänen Shoghi Effendis (des zweiten Nachfolgers und Urenkels des Baha’u’llah) zur Verbreitung der Baha’i-Religion gibt es heute weltweit – die Angaben sind sehr schwankend – etwa 5 Mio Baha’i.
Die von Shoghi Effendi in die Praxis umgesetzte «Verwaltungsordnung» soll Kern und Modell für eine neue Weltordnung sein. Zuoberst steht als geistiges Oberhaupt und unfehlbarer Ausleger des Wortes Gottes der sog. «Hüter der Sache Gottes». Da dieser ein direkter männlicher Nachkomme Baha’u’llahs sein muss und Shoghi Effendi keinen Sohn hatte, die übrigen in Frage kommenden Verwandten aber alle «Bündnisbrecher» geworden waren, wird das Amt seit Shoghi Effendis Tod (1957) nicht mehr besetzt.
Ausserdem gibt es neunköpfige, gewählte Gremien. Auf der untersten Ebene sind das die örtlichen geistigen Räte, die z.B. die Feste organisieren, die Armen unterstützen und den Glauben verbreiten. Über ihnen stehen die nationalen geistigen Räte, die u.a. die nationalen Besitztümer verwalten. Das oberste Verwaltungsorgan, das Universale Haus der Gerechtigkeit, hat seinen Sitz in Haifa. Es ist oberster Gerichtshof in der Rechtsprechung und erlässt Gesetze für die Gegenwart, in Ergänzung zu dem von Baha’u’llah gesetzten Recht, das als göttlich gilt.
Die Baha’i glauben an einen Gott, der allwissend, allmächtig, allgegenwärtig und absolut transzendent ist. Der Gedanke der Einheit Gottes ist zentral. Der Mensch muss Gott anerkennen und lieben. Ihn zu erkennen ist möglich durch die Schöpfung und v.a. durch sog. Manifestationen Gottes, als welche z.B. Krischna, Moses, Christus und Mohammed gelten. Ihre Offenbarungen sind göttliche Wahrheit, ihre jeweilige Form entspricht aber dem Erkenntnisvermögen der Menschen ihrer Zeit. Der Prophet für das gegenwärtige Zeitalter – aber nicht der letzte – ist Baha’u’llah. Er gilt als der Heilsbringer, den die einzelnen Religionen für die Endzeit erwarten.
Die Baha’i betonen die Aufgeklärtheit ihrer Religion. So soll jeder die Wahrheit selbst erforschen, und die Übereinstimmung, ja gegenseitige Bedingtheit von Religion und Wissenschaft wird gefordert.
Die Baha’i sind seit Abdul’I-Baha (dem ältesten Sohn und ersten Nachfolger von Baha’u’llah) zur Einehe verpflichtet und haben vor der Heirat die Zustimmung der Eltern einzuholen. Alkohol und andere Rauschmittel sind verboten. Wichtig und auch dem Grundsatz der Einheit verpflichtet ist die Forderung nach Nächstenliebe.
Das Bahai-Konferenzzentrum in Wienacht/CH über dem Bodensee entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer kleinen Universität (Landegg International University) mit Dozenten und Studierenden aus vielen Ländern. Dem Aufbau einer neuen Weltzivilisation dienen u.a. die Studienfächer «Moral Education», Konfliktbewältigung, spirituelle Psychologie, angewandte Ethik und integratives Studium der Religionen.
19-Tagefestbrief / One Country / Tempora
Weltweit ca. 5 Mio Mitglieder
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Landegg International University
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