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Eine kunstgemäße mehrstimmige Bearbeitung für
Instrumente erfuhren sie, wie es scheint, zuerst im Anfang
des 16. Jahrh., aus welcher Zeit uns viele gedruckte Sammlungen erhalten sind. Eine Sammlung
deutscher Tanzlieder und Tanzmelodien enthält
Böhmes »Geschichte des
Tanzes in
Deutschland«
[* 4] (Bd. 2, Leipz.
1886). In eine neue
Phase der
Entwickelung traten die Tanzstücke, als man anfing, ihrer mehrere zu cyklischenFormen
zu vereinigen, wobei zunächst die
Einheit derTonart das
Bindemittel bildete.
Auf die Kette des leinwandartigen Gewebes wird das auf durchsichtiges Papier gezeichnete Muster gelegt und mit Punkten auf die
Ketteübertragen, worauf jede Farbe, welche auf der Zeichnung isoliert steht, in Schußfäden mittels kleiner Spulen aus freier
Hand
[* 33] eingezogen wird. Die Savonnerietapeten (nach dem Ort ihrer Anfertigung, einer frühern Seifenfabrik in Chaillot, benannt)
ahmen persische und türkische Tapeten nach und erfordern gleichfalls viel Handarbeit, indem die Noppen einzeln an die Kettenfäden
angeknüpft werden.
Heutigestags versteht man unter Tapeten die zur Wandbekleidung angewendeten Papiertapeten, welche in Stücken (Rollen)
[* 36] von etwa
0,5 m Breite
[* 37] und 10 bis 11 m Länge oder als Borten von geringerer Breite oder auch in abgepaßten Größen
(Plafond- und Füllungstapeten) einfarbig und gemustert hergestellt werden. Zur Erzeugung derselben dient im Stoff gefärbtes
oder einseitig mit Farbe überzogenes (grundiertes)
Papier. Man trägt die mit Leimlösung gemischte Farbe mit Bürsten oder
auf der Grundier- (Foncier-) Maschine
[* 38] auf.
Hierbei läuft das Papier von einer Rolle ab über eine große Trommel, nachdem es von einer Filzwalze die Farbe erhalten hat,
welche durch hin- und hergehende Bürsten verstrichen wird. Darauf folgt ein Trocknen in einer Hängemaschine, welche sich
unmittelbar an die Grundiermaschine anschließt. Sollen die Tapeten Glanz erhalten (Glanztapeten), so werden
sie nach dem Grundieren satiniert, indem man sie mit Talkum abbürstet. Glätte erhalten sie mittels Kalander
[* 39] (s. d.). So vorbereitet
gelangen die Rollen zum Bedrucken, wobei entweder, wie beim Kattundruck, Druckformen oder neuerdings vielfach Tapetendruckmaschinen,
welche in der Stunde 800-900 m Papier bedrucken, zur Verwendung kommen.
Besondere Arten von Tapeten sind: Veloutierte Tapeten (Wolltapeten, Samttapeten), auf welchen der Grund oder ein Teil des Musters mit
festklebenden, gefärbten kurzen Wollhärchen (Scherwolle) oder auch fein zerriebenen Holzspänchen (Holzwolle) derart bedeckt
ist, daß diese Stellen eine dichte und gleichmäßig wollige Oberfläche zeigen. Das Veloutieren wird nach dem Drucken dadurch
vorgenommen, daß man die Stellen der Tapeten, welche Wolle annehmen sollen, mittels hölzerner Formen mit einem sehr zähen Leinölfirnis
bedruckt oder bestreicht, dann in einem langen Kasten mit einem Boden aus Kalbleder oder Pergament ausbreitet, Scherwolle ausstreut
und den Deckel des Kastens schließt.
Durch Trommeln auf dem Boden desselben mit Holzstäben werden die Wollstäubchen in die Höhe geworfen und verteilen sich herabfallend
auf den Tapeten, wo sie an den noch nassen gefirnißten Stellen kleben bleiben und mit antrocknen. Vergoldete
und versilberte Tapeten stellt man durch Andrücken von Blattgold oder Blattsilber an mit Leinöl bedruckte Stellen oder durch direktes
Bedrucken mit pulverförmigem Gold, Silber oder Bronze
[* 42] her. Gepreßte (gaufrierte) Tapeten heißen solche, welchen mittels eines
besondern Walzwerks (Gaufriermaschine) ein Reliefmuster aufgedruckt ist.
Gefirnißte Tapeten. Mit dem Firnissen bezweckt man, den Tapeten ein hohen Glanz zu geben, sie gegen Feuchtigkeit zu schützen, so daß
sie abgewaschen werden können, und widerstandsfähiger zu machen. Man bedient sich dazu in der Regel des Kopalfirnisses,
der mit großen Bürsten wie beim Grundieren aufgetragen wird. Namentlich sind es die die Holzmaserung
nachahmenden Holztapeten, welche gefirnißt werden, um ihnen das Ansehen polierter Holzflächen zu geben. Iristapeten sind
solche, bei denen zwei oder mehrere nebeneinander aufgetragene Farben durch sanft verwaschene Mitteltöne ineinander übergehen,
woraus ein buntes, dem Farbenreichtum des Regenbogens zuvergleichendes Ansehen hervorgeht. Die Irisierung kann entweder beim
Grundieren oder beim Drucken vorgenommen werden.