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Nello Scavo: Bergoglios Liste. Papst Franziskus und die argentinische Militärdiktatur. Eine Geschichte von verschwundenen Menschen und geretteten Leben. (Verlag Herder) Freiburg i. Br. 2014, 223 S.
Ich las das Buch kurz nach Erscheinen in der italienischen Originalfassung («La lista di Bergoglio»), als die Diskussion, ob der Jesuitenprovinzial Bergoglio mit der argentinischen Militärdiktatur kollaboriert haben und Mitbrüder zu wenig geschützt haben soll, noch voll im Gange war. Heute ist sie verstummt. Nello Scavo zeigt auf, dass Bergoglio im Untergrund ein Netzwerk aufgebaut hat, mit dem er unter Einsatz des eigenen Lebens zahlreiche Menschen retten konnte. Im Kolleg in San Miguel versteckte er Verfolgte und organisierte den Weg ins Ausland. Im Anhang des Buches ist die Mitschrift der Befragung im sog. ESMA-Prozess von 2010 abgedruckt; das Gericht stellte die Unschuld von Kardinal Bergoglio fest. Der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolf Pérez Esquivel stützt im Vorwort diese Meinung.
Elisabetta Piqué: Francesco. Vita e rivoluzione. (Lindau) Torino 2013, 377 p.
Die argentinische Journalistin pflegt zu Bergoglio seit 2001 direkten Kontakt (was u. a. ein Telefonanruf des Papstes vom 14. März 2013 bestätigt) und kennt viele Freunde und Bekannte von ihm; seit 1999 arbeitet sie als Korrespondentin für Argentinien in Rom. Die Autorin schildert Einschätzungen und Ereignisse, die so in anderen Büchern über Franziskus nicht greifbar sind. Es ist bedauerlich, dass noch keine deutsche Übersetzung des Buches vorliegt. Besonders interessant sind die Ausführungen über das Konklave, vielleicht gespiesen durch päpstliche Direktinformationen (Antonio Socci sah sich veranlasst, auf dieses Buch gestützt die Gültigkeit der Papstwahl anzuzweifeln, weil die Bestimmungen von «Universi Dominici Gregis» nicht eingehalten worden seien!). Bei der Schilderung von Intrigen gegen Bergoglio wird der aktuelle Nuntius in Argentinien, der Walliser Emil Paul Tscherrig, positiv als «gentiluomo» hervorgehoben.