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Klare Rollenverteilung als Erfolgsrezept für Zürcher Ehen?
Zürich wurde kürzlich zur Ehehochburg im Schweizer Städtevergleich erkoren. «Vielleicht liegt es daran, dass es in Zürich ein breites Angebot an Beratungsstellen, Paartherapeuten und Therapeutinnen gibt und die Menschen hier offener sind, solche Angebote anzunehmen?» wiegt Felix Würsten von bewegterleben.ch, Paartherapeut aus Zürich, ab.
Studien warum es zu Scheidungen kommt, gibt es einige. Welches das Erfolgsrezept einer funktionierenden Ehe ist, lässt sich schwerer sagen, mit folgenden Erkenntnissen aber erahnen. Psychologin und Autorin Gwendolin J. Blossfeld hat Daten des «National Education Panel Study» (NEPS) analysiert und ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass Ehen, in denen beide Partner Akademiker sind und den selben Bildungsstand haben, am längsten halten. Denn Partnern mit ähnlichem Wissensstand fällt es leichter zu kommunizieren. Sie haben ähnliche Gesprächsthemen, ein besseres Verständnis füreinander, teilen kulturelle Interessen und haben gemeinsame Freundeskreise.
Traditionelles Familienmodell auf Platz 2
Platz zwei geht an die «traditionelle Ehe». Hier hat der Mann eine niedriger gebildete Frau geheiratet. Oft verdient der Mann das Einkommen und bestimmt damit den Status der Familie. Die Frau kümmert sich um Kindererziehung und den Haushalt. Das traditionelle Familienmodell zwingt Frauen in eine wirtschaftliche Abhängigkeit von ihren Ehemännern und ist deshalb oft der Grund, weshalb diese Ehen lange halten.
Dies bestätigt auch eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2012 und weist auf folgenden Scheidungsrisikofaktor für Paare hin: Ob der Ehemann einem Vollzeitjob nachgeht. Arbeitslosigkeit sei ein ernsthafter Grund zur Sorge unter Ehemännern, schreibt dazu das Portal today.com. Viele Männer fürchten um ihre Identität, wenn sie sich in der täglichen Hausarbeit verlieren, anstatt eine sinnvolle Beschäftigung zu suchen.
Noch eine weitere Studie bestätigt diesen Fakt, die die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Oslo und Akershus in Norwegen, durchführte: Bei Paaren, die sich die Hausarbeit gleichmässig aufteilten, war die Scheidungsrate um 50 Prozent höher als in den Beziehungen, in denen die Frau den Grossteil der Arbeit übernahm.
Paartherapeut Würsten sieht es so: «Die Beteiligung am Haushalt und an der Kinderbetreuung, aber auch die Beteiligung am Erwerbseinkommen führen bei vielen Paaren immer wieder zu Konflikten. Oft schwelen diese Konflikte im Verborgenen und kommen dann in einer Krise umso heftiger zum Vorschein.»
Akademikerinnen brauchen gleiches Level
An dritter Stelle im Ranking unter den stabilsten Ehen sind die Nicht-Akademiker mit dem selben Bildungslevel. Das Scheidungsrisiko ist am höchsten, wenn Frauen einen weniger gebildeten Partner heiraten. Das treffe laut Studienergebnissen bei Akademikerinnen am ehesten zu. Wenn Frauen höher gebildet sind, entsteht häufig ein Konkurrenzkampf zwischen den Ehepartnern. Das Scheidungsrisiko ist allerdings wesentlich niedriger als das von Nicht-Akademikerinnen, die einen niedriger gebildeten Mann geheiratet haben.
«Viele Paare wollen zwar eine moderne Beziehungsform leben, doch oft tragen sie unbewusst immer noch traditionelle Beziehungsvorstellungen in sich. Das kommt ihnen dann im Alltag in die Quere», sagt Würsten. Es sei wichtig, dass sich Paare frühzeitig und offen über diese Themen austauschen und dabei auch verbindliche Regeln vereinbaren, die beide Seiten als gerecht empfinden. Das sei zwar anstrengend, aber der Einsatz lohne sich auf jeden Fall.
Wie siehst du das? Warum gibt es weniger Scheidungen in Zürich als in anderen Städten? Sag uns deine Meinung in der Umfrage oder in den Kommentaren!