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Fortpflanzung: Was heisst schon Leben!
Wir pfuschen dem Herrgott ins Handwerk, und zwar dauernd. Jedenfalls, wenn "Herrgott" mit "natürlichem Verlauf der Dinge ohne menschliche Einwirkung" gleichgesetzt wird. Wir lassen uns operieren, nehmen Medikamente, verkleinern Nasen, vergrössern Brüste. Wir betreiben Geburtenkontrolle und schlucken die Pille danach, wenn wir versehentlich ungeschützten Sex hatten, und sind wir dennoch schwanger geworden, können wir die befruchtete Eizelle innert definierten Fristen entfernen lassen, ob gesund oder krank, hormonell oder operativ. Das sind die Fakten.
Bevor eine Schwangerschaft entsteht, dürfen einer Frau, die auf natürlichem Weg nicht schwanger wird, Eizellen entnommen und in vitro (im Reagenzglas) befruchtet werden. Gelingt die Befruchtung, dürfen maximal drei davon weiterentwickelt und der Frau eingesetzt werden, die andern müssen entsorgt werden. Die befruchteten Eizellen dürfen nicht analysiert werden, weshalb niemand weiss, ob die richtigen Embryonen eingesetzt wurden, oder ob ausgerechnet die kranken heranreifen, und die gesunden beseitigt wurden.
Die werdenden Eltern erfahren dies, wenn die Schwangerschaft soweit gediehen ist, dass die pränatalen Untersuchungen gemacht werden können. Ist der Fötus – ab der neunten Schwangerschafts-Woche sind die inneren Organe entwickelt – krank, wird er in der Regel abgetrieben, und die Prozedur fängt von vorne an: hormonelle Stimulation mit allen Beschwerden für die Frau, Entnahme der Eizellen, Befruchtung in vitro, Einsetzen der Embryonen. Entwickeln sich dann alle drei gesund, kommt es zu Mehrlingsgeburten mit allen Komplikationen, oder einer der gesunden Embryonen muss im Mutterleib abgetötet werden, um die andern zu retten.
Nicht wahr, das hier liest sich wie ein Gruselroman, man möchte das gar nicht so genau wissen. Aber es ginge auch anders. Dürften die Embryonen nämlich vor dem Einsetzen in den Mutterleib untersucht werden, würden die Chancen einer gesunden Schwangerschaft drastisch erhöht, denn dann würden natürlich die gesunden Embryonen eingesetzt, und die kranken entsorgt. Und dürften bis zu zwölf überzählige eingefroren werden für den Fall, dass sich der eingesetzte nicht entwickelt, wären neuerliche Hormonbehandlungen und die neuerliche Entwicklung von Embryonen nicht nötig, das Paar würde schneller zu Mutter und Vater. Ein Gewinn für alle, vor allem aber für das Kind.
Blaue Augen, schwarze Locken, Bub oder ein Mädchen dürfen wir uns auch unter dem neuen Gesetz nicht fabrizieren lassen. Es geht nur um gesund oder nicht gesund. Wir, die wir gesund sind, haben kein Recht, einem Kind ein Leben in Leiden aufzuzwingen. Wir haben es vielmehr davor zu schützen und dafür zu sorgen, dass sich aus einer defekten, kranken befruchteten Eizelle kein Leben entwickelt. Embryonen für Versuche zu verwenden ist nicht gestattet, die Kontrollen sind streng. Und klar ist auch: Wer Gesetze brechen will, kann das jetzt schon, und im Ausland geht zum Teil eh alles.
Stimmen Sie also der Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes zu und helfen Sie, schweres Leid zu verhindern. Wir pfuschen dem Herrgott ohnehin dauernd ins Handwerk. Tun wir es wenigstens mit Verstand.
9. Mai 2016
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