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Der Plan des spanischen Bauriesen Ferrovial, seine Holdinggesellschaft in die Niederlande zu verlegen, sorgte in der vergangenen Woche für Schlagzeilen in Spanien. Im Vorfeld kam es zu einem innerfamiliären Schlagabtausch der besonderen Art. Selbst die spanische Regierung meldete sich wiederholt zu Wort.
Ferrovial ist ein globales Bauunternehmen für Flughäfen, Autobahnen und Stadien. In den vergangenen sieben Jahrzehnten hat die spanische Familie Del Pino die Kontrolle darüber ausgeübt und so eines der grössten Industrievermögen der Welt geschaffen. Der Plan, den Sitz des Konzerns in die Niederlande zu verlegen, hat die seit langem bestehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den Erben des Unternehmensimperiums wieder aufleben lassen und die Risse in der Dynastie vertieft.
Die entscheidende Abstimmung ging am Donnerstag über die Bühne. Die Sitzverlegung erhielt auf der Jahreshauptversammlung 93,3 Prozent Zustimmung. 5,8 Prozent votierten dagegen. Die Sitzverlegung geschieht vor dem Hintergrund, den Weg für eine Börsennotierung in den USA zu ebnen, wo das Unternehmen Zugang zu den neuen, grünen Subventionen aus dem Konjunkturpaket von Joe Biden sucht. Das sei mit einem Hauptsitz in Spanien nicht möglich, argumentiert die Firma. Zudem gebe es «wirtschaftliche Gründe». Die Niederlande böten einen stabilen Rechtsrahmen und niedrigere Finanzierungskosten.
«König der Ziegelsteine»
Leopoldo del Pino y Calvo-Sotelo, ein Sohn des Gründers von Ferrovial und Bruder des derzeitigen Vorstandsvorsitzenden Rafael, hat Medienberichten zufolge gegen den Plan gestimmt. Er besitzt knapp über 5 Prozent am Unternehmen, sein Bruder kommt auf über 20 Prozent. Das Veto von Leopoldo ist der Höhepunkt der jahrelangen Spannungen innerhalb des Clans.
Der Gründer von Ferrovial, Rafael del Pino y Moreno, der als Spaniens «König der Ziegelsteine» bezeichnet wurde, starb 2008 im Alter von 87 Jahren. Seine Kinder haben sich in den vergangenen Jahren um die Leitung des Unternehmens gestritten. Von den fünf Geschwistern – Rafael, Leopoldo, Maria, Joaquin und Fernando – haben drei ihre Verbindungen zu dem Konzern, mit dem sie ihr Vermögen gemacht haben, ganz oder teilweise abgebrochen.
Dem Bloomberg Billionaires Index zufolge verfügen die Del Pinos über ein gemeinsames Nettovermögen von mehr als 8 Milliarden Dollar, was grösstenteils auf ihre rund 35-prozentige Beteiligung an Ferrovial zurückzuführen ist. Ferrovial bringt es auf knapp 20 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung – in den Niederlanden würde das für einen Platz in den Top 20 der kotierten Gesellschaften reichen.
Misstrauische Regierung
Der Grund für die Sitzverlegung ist die Erleichterung der weiteren Expansion, obwohl das Image der Steueroase, das den Niederlanden manchmal anhaftet, einige Aktionäre misstrauisch gemacht hat. Das Unternehmen erklärte, dass der Schritt, der erstmals im Februar präsentiert wurde, ihm Zugang zu billigeren Krediten verschaffen und es für Aktienanleger attraktiver machen würde, bevor es schliesslich in den USA an die Börse geht.
Der norwegische Staatsfonds, der einen Anteil von 1,5 Prozent hält, erklärte zunächst, er werde gegen den Schritt stimmen, da «Fusionen, Übernahmen und andere Unternehmenstransaktionen die Renditen für die Aktionäre maximieren sollten» und er Bedenken hinsichtlich der Transparenz äusserte. Am Mittwoch erklärte der Fonds jedoch, er werde für den Vorschlag stimmen, ohne einen Grund für seine Kehrtwende zu nennen.
Nach dem von Rafael vorgeschlagenen Plan würde das Unternehmen seinen Sitz durch eine so genannte umgekehrte Fusion verlegen, bei der die niederländische Tochtergesellschaft des Konzerns die spanische Holdinggesellschaft übernehmen würde.
Die spanische Regierung beobachtet das mit Argusaugen. Beamte haben im Vorfeld der Abstimmung davor gewarnt, dass die spanischen Steuerbehörden den Schritt genau prüfen werden. Im Nachgang hiess es seitens der Regierung, dass sie die Entscheidung der Aktionäre «respektiert» und weiterhin «konstruktiv» mit den spanischen Unternehmen zusammenarbeiten werde, um ihre Interessen zu verteidigen und ihre Expansion und ihr Wachstum zu fördern.
Das amerikanische Konjunkturpaket von Präsident Joe Biden lockt erfolgreich Schweizer Firmen mit hohen Subventionen und Steuergutschriften an. Mehr lesen Sie hier.
(ise)