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Die Werbung war in den letzten Wochen unübersehbar: "Wieder ein grosser Konzern für ein kleines Land: LafargeHolcim". Mit der Kampagne sollten die Aktionäre von Holcim an der heutigen ausserordentlichen Generalversammlung für ein "Ja" mit dem französischen Konkurrenten überzeugt werden.
Die Kampagne hatte natürlichen ihren Grund: Seit über einem Jahr wird um den Zusammenschluss des weltgrössten Zementkonzerns mit dem französischen Konkurrenten gerungen. Erst wurde das Umtauschverhältnis der Aktien zugunsten Holcims korrigiert. Dann musste der designierte CEO auf den Chefsessel verzichten, schliesslich meckerten Grossaktionäre gegen den Zusammenschluss. Der Deal stand auf der Kippe.
Einer, der sich von Beginn an für den Zusammenschluss eingesetzt hatte, ist Holcim-Verwaltungsrat Thomas Schmidheiny. Er kontrolliert das Erbe seines Grossvaters und Firmengründers, das Aktienpaket von Schmidheiny beträgt 20 Prozent, was ihn zum grössten Investor macht. "Ich habe immer betont, dass ich mich nicht gegen eine Fusion sperren würde, die auf beiden Seiten einen wertsteigernden Effekt hätte", sagte Schmidheiny schon vor sechs Jahren in einem Interview.
Diese Überlegungen haben ihre Hintergründe. Der Aktienkurs von Holcim kommt einfach nicht richtig vom Fleck. Derzeit notiert er bei 75 Franken. So hoch bzw. tief notierte der Titel schon im Jahr 2008. Kurse von 134 Franken im Jahr 2007 oder 114 Franken aus dem Jahr 2000 liegen aus heutiger Sicht im Reich der Träume. Vor allem, wenn nichts unternommen wird, denkt sich Schmidheiny.
"Aargauische Portlandcementfabrik Holderbank-Wildegg"
Schmidheiny, der im Dezember 70 Jahre alt wird und an der ETH Maschinenbau studierte, trat 1976 in die Konzernleitung von Holcim ein, wurde zwei Jahre später CEO und 1984 auch VR-Präsident. Damals hiess Holcim noch "Cementfabrik Holderbank", benannt nach einem Ort im Kanton Aargau. Gegründet wurde Holcim 1912 als "Aargauische Portlandcementfabrik Holderbank-Wildegg". Börsenkotiert ist das Unternehmen seit 1958.
Schmidheiny, der in Rapperswil-Jona lebt, in Gehdistanz zum Wohnsitz des schwerreichen Brasilien-Schweizers Jorge Paulo Lemann (geschätztes Vermögen: 27 Milliarden Dollar), ist öffentlichkeitsscheu. Das mag mit der harschen öffentlichen Kritik und der Anklage der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich zusammenhängen, die er als Verwaltungsrat von Swissair zu ertragen hatte. Aber auch mit dem Rücktritt als Holcim-Verwaltungsratspräsident im Jahr 2003 nach einem ruchbar gewordenen Insiderhandel, für den Schmidheiny in Spanien mit 1,5 Millionen Euro gebüsst wurde.
Schmidheiny sieht die Fusion mit Lafarge nun als Chance, den Aktienkurs und damit sein Aktienpaket endlich nachhaltig nach oben zu drücken. Die Chancen für den Zusammenschluss stehen besser. Denn mit einigem Zögern haben in den letzten Wochen andere Grossaktionäre dem schweizerisch-französischen Zusammenschluss ihre Zustimmung gegeben, allen voran der der russische Oligarch Filaret Iljitsch Galtchev.
Die Befürworter der Fusion, die zwei Drittel der Stimmen erreichen müssen, kommen auf etwa 40 Prozent. Das müsste reichen. Abgestimmt wird am Freitag übrigens nicht direkt über die Fusion, sondern über eine Aktienkapitalerhöhung, damit die Lafarge-Aktien in HolcimLafarge-Aktien umgetauscht werden können. Lafarge-Aktionäre stimmen im Juni separat über den Zusammenschluss ab.
Fusionen grosser Unternehmen bergen Risiken
Schmidheinys Beteiligung würde bei einer LafargeHolcim auf etwa elf Prozent sinken. Der Kunstsammler, der eine der grössten Privatkollektionen von Werken von Ferdinand Hodler besitzt, hat das einkalkuliert. Er bliebe der grösste Aktionär des kombinierten Unternehmens.
Bloss: Schmidheiny geht mit dem Zusammenschluss ein grosses Risiko ein. Fusionen grosser Unternehmen binden immer viel Ressourcen und bergen grosses Konfliktpotenzial. Die Liste gescheiterter Fusionen ist lang. Die Anlagestiftung Ethos zum Beispiel lehnt die Fusion ab. Es bestehe ein beträchtliches Risiko, dass LafargeHolcim weniger Rendite erwirtschaften und eine tiefere Dividende ausbezahlen werde als eine nicht-fusionierte Holcim, argumentieren die Stimmrechtsvertreter aus Genf.
Die angestrebten Synergien aus der Fusion erscheinen Ethos überdies als viel zu hoch. Ethos setzt auch Fragezeichen zur Vereinbarkeit der beiden Unternehmenskulturen und zum Co-Verwaltungsratspräsidium von Wolfgang Reitzle und Bruno Lafont.
Es ist absehbar, dass sich der Merger LafargeHolcim erst in einigen Jahren ausbezahlen wird. Wenn überhaupt.