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zum offenen Kampf zwischen beiden zu kommen drohte, 1542 (s. Fladenkrieg), und vertrieb als Haupt des Schmalkaldischen Bundes im Verein mit Landgraf Philipp von Hessen [* 2] in demselben Jahr den Herzog Heinrich von Braunschweig, [* 3] einen leidenschaftlichen Gegner der Reformation, aus seinem Land. Aber den rechten Zeitpunkt, um dem Kaiser, der sich nunmehr zur gewaltsamen Unterwerfung der Protestanten anschickte, entgegenzutreten, versäumte seine Bedenklichkeit und Unschlüssigkeit. Am sprach Karl V. über ihn und Philipp von Hessen die Acht aus.
Beide Fürsten führten das schmalkaldische Bundesheer an die Donau, ließen aber den Vorsprung ihrer Rüstungen [* 4] vor denen des Kaisers unbenutzt, bis der Einfall des Herzogs Moritz in das ernestinische Sachsen [* 5] den erzürnten Kurfürsten heimrief. Mit einer an ihm ungewohnten Energie eroberte er sein Land wieder, bemächtigte sich selbst des größten Teils des albertinischen Sachsen, ließ aber durch die vergebliche Belagerung Leipzigs dem Kaiser Zeit herbeizukommen und verlor bei Mühlberg trotz persönlicher Tapferkeit Sieg und Freiheit (vgl. Schmalkaldischer Krieg).
Die schnellere Übergabe des noch standhaltenden Wittenberg [* 6] zu erzwingen, ließ Karl V. das Todesurteil über den Gefangenen sprechen. Die Fassung, mit der er dieses vernahm, der Gleichmut, mit dem er in der Wittenberger Kapitulation (19. Mai) auf Land und Kur zu Moritz' gunsten verzichtete, die Standhaftigkeit, mit der er seine Gefangenschaft ertrug und jede Verschärfung derselben lieber über sich ergehen ließ, als daß er, wie der Kaiser verlangte, in die Annahme des Augsburger Interim gewilligt hätte, haben ihm den Beinamen des Großmütigen verschafft. Erst infolge von Moritz' Erhebung gegen den Kaiser erhielt der fürstliche Märtyrer der evangelischen Lehre [* 7] 1552 zu Innsbruck [* 8] seine Freiheit wieder und kehrte in das seinen Söhnen überwiesene thüringische Besitztum zurück. In dem am mit Kurfürst August geschlossenen Naumburger Vertrag wurde ihm der Titel »geborner Kurfürst« zugestanden, ihm auch die Ämter Altenburg, [* 9] Eisenberg, Sachsenburg und Herbisleben nebst einer Entschädigungssumme von 100,000 Gulden überlassen. Nach dem Tod seines Bruders Johann Ernst (1552) fiel auch die Pflege Koburg [* 10] an ihn zurück. Er starb der letzte Ernestiner, der die Kurwürde getragen. Seine Gemahlin Sibylle von Kleve hatte ihm drei Söhne geboren. J. Friedrichs eherne Bildsäule von Drake auf dem Markt in Jena [* 11] wurde bei der 300jährigen Jubelfeier der auf sein Anraten gestifteten Universität enthüllt.
[Herzöge zu Sachsen.]
32) J. Friedrich II., der Mittlere, Herzog zu Sachsen, Sohn Kurfürst Johann Friedrichs des Großmütigen (s. Johann 31), geb. zu Torgau, [* 12] wurde sehr gelehrt erzogen und frühzeitig in die Staatsgeschäfte eingeführt. Aus der Schlacht bei Mühlberg, wo er tapfer gefochten hatte und zweimal verwundet worden war, rettete er sich nach Wittenberg. Nach der Wittenberger Kapitulation übernahm er die Regierung des kleinen Gebiets, das seinem Haus blieb, für sich und seine zwei minderjährigen Brüder, bis sein Vater restituiert wurde, auf dessen Anraten er die Universität Jena stiftete, die 1558 eingeweiht wurde.
Nach des Vaters Tod übertrugen ihm (1557) die Brüder die Regierung auch ferner; nachdem aber Johann Friedrich III. 1565 kinderlos gestorben, mußte er mit seinem Bruder Johann Wilhelm teilen, wobei dieser Koburg, J. Friedrich Weimar [* 13] mit Gotha [* 14] erhielt. Er war ein eifriger Verfechter des strengen Luthertums und strebte nach Wiedererlangung der Kur. Seine Parteinahme für den geächteten Wilhelm v. Grumbach (s. d.) hatte für J. Friedrich selbst die kaiserliche Acht zur Folge, deren Vollstreckung der Kurfürst August übertragen erhielt. J. Friedrich mußte sich in Gotha dem Kaiser auf Gnade und Ungnade ergeben und ward nach Wien [* 15] geführt.
Seine harte Gefangenschaft zu Wiener-Neustadt teilte von 1572 an seine zweite Gemahlin, Elisabeth von der Pfalz (gest. 1594), und längere Zeit sein Sohn Johann Ernst. Er beschäftigte sich meist mit theologischen Arbeiten und unterhielt einen lebhaften Briefwechsel mit seinen Söhnen. Er starb im Gefängnis auf Schloß Steier, wohin er wegen des Türkenkriegs gebracht worden war. Seine erste Ehe mit Agnes, der Witwe des Kurfürsten Moritz, war kinderlos geblieben. Aus der zweiten überlebten ihn von vier Söhnen Johann Kasimir und Johann Ernst. Dieselben hatten nach der Gefangennahme des Vaters 1570 dessen Besitzungen unter Vormundschaft erhalten.
Vgl. Beck, J. Friedrich der Mittlere (Weim. 1858, 2 Bde.).
33) J. Wilhelm, Herzog zu Sachsen, Bruder des vorigen, geb. zu Torgau, übertrug seinem Bruder 1557 durch Vertrag die Regierung auf vier Jahre, zog dem König Heinrich II. von Frankreich zu Hilfe und erhielt dafür die Grafschaft Châtillon an der Seine, kehrte jedoch 1558 in sein Vaterland zurück. Nachdem ihm bei der Teilung der fränkische Teil der Besitzungen der Ernestinischen Linie zugefallen, verlegte er seinen Sitz nach Koburg. Er mußte die Acht an seinem Bruder vollstrecken helfen und erhielt dafür vom Kaiser dessen Länder zugesprochen. Er starb 1573 in Weimar. Durch seine Gemahlin Dorothea Susanna von der Pfalz ward er der Stammvater des ältern altenburgischen und des neuen weimarischen Hauses.
34) J. Kasimir, Herzog zu Sachsen, Sohn von J. 32), geb. wurde nach der Gefangennahme seines Vaters (1567) mit seinem Bruder Johann Ernst auf der Wartburg von seiner Mutter Elisabeth erzogen, bis diese sich nach Österreich [* 16] begab, um ihres Gatten Los zu teilen. Die beiden Brüder wurden nun nach Koburg gebracht, erhielten von Sebastian Leonhard eine sorgfältige Erziehung und studierten dann zu Leipzig. [* 17] Kurfürst August, der die Brüder an seinen Hof [* 18] zog, gab J. Kasimir seine Tochter Anna zur Gemahlin; doch war die Ehe keine glückliche, und Anna ließ sich durch ihres Gemahls Härte zur Untreue verleiten, wofür sie mit lebenslänglicher Haft büßen mußte.
Vom Dreißigjährigen Krieg hielt sich J. Kasimir lange fern. Erst als Gustav Adolf in Franken erschien, vereinigte er sich mit ihm; doch versuchte er umsonst, das feste Kronach zu nehmen, und als Wallenstein nach Sachsen aufbrach, ging Koburg an die Kaiserlichen verloren. J. Kasimir, der damals außer Landes weilen mußte, verlor dabei seine mit vieler Mühe zusammengebrachte Bibliothek. Nach der Entscheidung bei Lützen [* 19] kehrte er wieder in sein Land zurück, starb aber schon Auch seine zweite Ehe mit Margarete von Braunschweig war kinderlos geblieben. Seine Länder fielen daher an seinen jüngsten Bruder, Johann Ernst III., geb. der, nachdem er nach langem Streit 1602 mit seinem Bruder geteilt, zu Eisenach [* 20] residierte, später sich frommer Schriftstellerei zuwandte und 1638 kinderlos starb, worauf Sachsen-Koburg und Eisenach an Altenburg und Weimar fielen. ¶
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35) J. Adolf II., Herzog zu Sachsen-Weißenfels, des Herzogs Johann Adolf I. dritter Sohn, geb. trat 1702 in hessen-kasselsche Dienste, [* 22] sodann in die Augusts I. von Polen und Sachsen. Im pommerschen Krieg 1711-16 focht er als Generalmajor. Als Generalleutnant befehligte er 1716 das sächsische Hilfskorps gegen die Türken in Ungarn. [* 23] Nach dem Passarowitzer Frieden lebte er bis 1733 auf seiner Residenz zu Dahme, führte aber beim Ausbruch des polnischen Erbfolgekriegs den Danzig [* 24] belagernden Russen ein sächsisches Korps zu. 1737 kam er nach dem Tod seines Bruders Christian in dem Fürstentum Weißenfels [* 25] zur Regierung und half dem tief verschuldeten Land, an welches 1739 die Grafschaft Barby zurückfiel, durch weise Beschränkung wieder auf. Während des österreichischen Erbfolgekriegs kommandierte er als Feldmarschall die sächsische Armee in Böhmen. [* 26] Nachdem er die Preußen [* 27] aus Böhmen hatte vertreiben helfen, wurde er 1745 mit den Österreichern bei Hohenfriedeberg [* 28] geschlagen und legte 12. Dez. sein Kommando nieder. Mit seinem Tod, in Leipzig, erlosch die Linie Sachsen-Weißenfels, und sein Fürstentum fiel an Sachsen.
[Sachsen-Weimar.]
36) J. (III.), Herzog von Sachsen-Weimar, geb. 1570, zweiter Sohn von J. 33), regierte mit seinem Bruder Friedrich Wilhelm die gesamten weimarischen Lande gemeinschaftlich bis zu dessen Tod 1602, dann allein, that während seiner kurzen Regierung viel für Kirche und Schule; starb 1605. Er ist der Stifter der neuen weimarischen Linie und Stammvater der jetzt noch blühenden sachsen-ernestinischen Häuser.
37) J. Ernst I., Herzog von Sachsen-Weimar, ältester Sohn des vorigen, geb. zu Altenburg, übernahm erst 1615 die Regierung selbst, trat beim Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs in die Dienste des Böhmenkönigs und verließ denselben auch nach der Schlacht am Weißen Berg nicht. »Lieber ein dürftiger Kavalier, als von dem Kaiser Lehen tragen«, erklärte er den abmahnenden Verwandten und nahm in den Niederlanden eine Rittmeisterstelle an, war auch eine Zeitlang im Heer Christians von Braunschweig. 1625 trat er in die Dienste Christians von Dänemark, [* 29] der ihm nebst Mansfeld den Feldzug in die kaiserlichen Erblande übertrug. J. Ernst zog an der Oder bis nach Troppau [* 30] und schlug sich bis nach Ungarn durch. Er starb im Lager [* 31] von St. Martin auf der Rückkehr von Schemnitz.
38) J. Friedrich IV., Herzog von Sachsen-Weimar, geb. zu Altenburg, der fünfte unter den Söhnen Johanns III., erhielt mit seinem jüngern Bruder, Ernst (dem Frommen), eine gemeinschaftliche Erziehung. Er begleitete seine Brüder Wilhelm und Bernhard auf ihren Kriegszügen in der Pfalz und den Niederlanden. Seine Neigung zur Alchimie und zum Aberglauben steigerte sich, als er 1627 bei Nordheim in Tillys Hände fiel und eingekerkert wurde. Endlich verfiel er in stille Melancholie und wies alle Nahrung von sich. Am fand man ihn tot, mit einer Wunde in der Seite. Sein Leben gab Wolff den Stoff zu dem Drama »J. Friedrich IV. von Weimar« (Leipz. 1831).
[Schwaben.]
39) J. Parricida oder J. von Schwaben, Sohn des Herzogs Rudolf II. von Schwaben und der Tochter Ottokars von Böhmen, Agnes, Enkel Rudolfs von Habsburg, geb. 1290, wurde nach dem frühen Tod seiner Eltern am böhmischen Hof erzogen, forderte, mündig geworden, von seinem Oheim, König Albrecht I., einen Anteil an den habsburgischen Besitzungen und verschwor sich, abgewiesen und aufgestachelt von dem Erzbischof von Mainz, [* 32] Peter von Aspelt, mit mehreren oberschwäbischen Rittern gegen das Leben des Königs.
Als dieser auf einer Reise zu seiner Gemahlin bei Rheinfelden über die Reuß [* 33] gehen wollte, drängten sich J., Rudolf v. Wart, Walter v. Eschenbach und Ulrich v. Balm in sein Schiff [* 34] und trennten ihn so von seinem übrigen Gefolge. Am andern Ufer angekommen, ermordeten sie ihn. J. ward samt seinen Genossen vom Kaiser Heinrich VII. geächtet und von der Gemahlin Albrechts, Elisabeth, und dessen Tochter, der verwitweten Königin von Ungarn, Agnes, mit unversöhnlicher Rache, die sich selbst auf die Angehörigen der Verschwornen erstreckte, verfolgt. J. warf sich nach der gewöhnlichen Überlieferung 1313 als Mönch zu Pisa [* 35] Heinrich VII. zu Füßen und verscholl sodann.
[Schweden.]
40) J. II. (bei den Dänen Hans), König von Schweden, Dänemark und Norwegen, [* 36] Christians I. Sohn, geb. 1455, folgte 1481 seinem Vater und ward zwar in Dänemark, Norwegen und Schweden allgemein anerkannt, jedoch durch die Reichsstände sehr eingeschränkt; ja, Sten Sture führte sogar in Schweden das Reichsverweseramt fort. Erst 1497 zog J. gegen diesen, zwang ihn, sich in Stockholm [* 37] zu ergeben, und ward darauf zum König von Schweden gekrönt. Das Herzogtum Holstein teilte er 1490 mit seinem jüngern Bruder, Friedrich. Da die Dithmarschen die vom Kaiser den Herzögen von Holstein über sie zugestandene Hoheit nicht anerkennen wollten, so unternahm J. mit seinem Bruder einen Feldzug gegen sie, erlitt aber bei Hemmingstedt eine Niederlage (1500). Die Schweden fielen 1501 während Johanns Abwesenheit unter Sten Stures Anführung von neuem ab, zwangen Johanns Gemahlin Christine von Sachsen, nach tapferer Verteidigung in Stockholm zu kapitulieren, und verbanden sich mit Lübeck [* 38] und den wendischen Hansestädten. Die auch in Norwegen ausgebrochenen, von den Schweden angezettelten Unruhen dämpfte J. durch große Härte gegen den Adel; mit den Hansestädten verglich er sich endlich zu Malmö. [* 39] Er starb ihm folgte sein Sohn Christian II., der Böse.
41) J. III., König von Schweden, Gustav Wasas zweiter Sohn, geb. 1537, erhielt von seinem Vater das Großfürstentum Finnland. Fein gebildet und ein Gönner der Künste und Wissenschaften, hielt er in Abo einen glänzenden Hof. Als sein ältester Bruder, Erich XIV., 1560 den schwedischen Thron [* 40] bestieg, faßte derselbe gegen J. den Verdacht, daß er im Bund mit seinem Schwiegervater Siegmund von Polen danach strebe, in Schweden die katholische Religion herzustellen und sich die Krone aufzusetzen, nahm ihn daher 1563 unerwartet zu Abo gefangen und ließ ihn nebst seiner Gemahlin zu Gripsholm in festem Gewahrsam halten, gab ihn aber, abwechselnd von Wahnsinn und Reue ergriffen, 1567 wieder frei. J. nahm darauf mit seinem jüngsten Bruder, Karl von Södermanland, und andern Mißvergnügten den König in Stockholm gefangen und bestieg mit Einwilligung der Stände, die er durch große Zugeständnisse erkaufte, 1568 selbst den Thron. Der Sicherheit halber ließ er Erich 1577 vergiften. Gleich beim Antritt seiner Regierung suchte er mit Dänemark Frieden zu schließen, der auch 1570 zu Stettin [* 41] zu stande kam. Wegen des mit Rußland um das schwedische Esthland [* 42] erneuerten Kriegs schloß J. 1580 ein Bündnis mit Polen, eroberte fast ganz Karelien und Ingermanland und behauptete beides in dem 1583 geschlossenen Waffenstillstand. Durch seine katholische Gemahlin ward J. zur ¶