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Titel
Gabapentin for hot flashes in 420 women with breast cancer: a randomised double-blind placebocontrolled trial.
Autoren
Pandya KJ, Morrow GR, Roscoe JA, Zhao H, Hickok JT, Pajon E, Sweeney TJ, Banerjee TK, Flynn PJ.
Quelle
Lancet 2005 Sep 3-9; 366(9488):818-824
Abstract
Fragestellung
Vergleich von Wirksamkeit und Nebenwirkungsprofil von Gabapentin in zwei verschiedenen Dosierungen mit Placebo bei Frauen mit Brustkrebs zur Therapie von Hitzewallungen.
Hintergrund
Die optimale Therapie zur Behandlung der Hitzewallungen bei Patientinnen mit Mammakarzinom ist nicht etabliert. Systemische Östrogene sind in dieser Situation kontraindiziert. Derzeit werden verschiedene nicht-hormonale Wirkstoffe zur Behandlung von Wallungen bei Brustkrebspatientinnen untersucht. Viel versprechend, aber auch mit unerwünschten Wirkungen verbunden, sind Untersuchungen zu verschiedenen SSRI und SNRI (Serotonin und Norepinephrine Reuptake Inhibitors). Gabapentin ist ein GABA-Analogon, das etabliert ist zur Therapie verschiedener neurologischer Leiden. Eine Pilotstudie hat positive Effekte von Gabapentin bei Frauen mit Brustkrebs gezeigt.
Methoden
Studiendesign
Randomisierte, placebokontrollierte, multiinstitutionale Doppelblindstudie.
Einschlusskriterien
Frauen mit Brustkrebs und durchschnittlich zwei oder mehr Wallungen pro Tag ohne aktuelle Chemotherapie. Endokrine Therapien waren zugelassen.
Ausschlusskriterien
Einnahme von Venlafaxin, Clonidin oder Antiepileptika, nicht aber der Gebrauch anderer Antidepressiva, inklusive SSRI/SNRI. Weitere Ausschlusskriterien waren: Schwangerschaft, Stillzeit, steroidhaltige Antikonzeption, kardiovaskuläre Erkrankungen, zerebrovaskuläre Erkrankungen, hepatische oder renale Dysfunktion.
Intervention
Placebo (n = 137), Gabapentin 300 mg (n = 139) oder Gabapentin 900 mg (n = 144). Einnahme per oral, aufgeteilt in drei Einzeldosen über 8 Wochen.
Primärer Endpunkt
Häufigkeit, Schweregrad gemessen an selbstreportierten Scores (1 = gering bis 4 = sehr schwer) von Hitzewallungen sowie durchschnittliche Dauer der Wallungen während einer Woche; unerwünschte Nebenwirkungen. Erfassung vor Beginn der Therapie, bei 4 und 8 Wochen.
Resultate
Patientencharakteristika
Einschluss von total 420 Patientinnen, 137 mit Placebo, 139 mit 300 mg Gabapentin, 144 mit 900 mg Gabapentin. Das durchschnittliche Alter betrug 55 Jahre, 75% waren verheiratet und 95% waren weiss. Die drei Gruppen waren ausgeglichen bezüglich Alter, Ethnie, Zivilstand sowie Häufigkeit und Intensität der Hitzewallungen. Allerdings nahmen in der Placebogruppe mehr Frauen Tamoxifen ein als in den Interventionsgruppen (75% bei Placebo vs. 68%, bzw. 69% bei Gabapentin).
Gruppenvergleich der Endpunkte
Häufigkeit und Schweregrad der Hitzewallungen wurden mit der höheren Dosierung von 900 mg Gabapentin, nicht aber mit der niedrigeren Dosierung, im Vergleich zu Placebo signifikant reduziert. Keine Gruppenunterschiede konnten festgestellt werden im Bezug auf die durchschnittliche Dauer der Hitzewallungen. Der grösste Teil des Effektes trat bereits nach einer vierwöchigen Therapie auf.
Tabelle 1: Geschätzte Wirksamkeit von Gabapentin im Vergleich zu Placebo
Von den untersuchten Nebenwirkungen erfüllte keine die geforderte Signifikanz von p<0.01. Eine weniger strenge Analyse mit p<0.05 zeigte eine Schmerzreduktion sowie eine Appetitverschlechterung nach 4 Wochen Therapie. Es gab geringfügig mehr Studienabbrüche wegen unerwünschten Wirkungen in der 900 mg Gabapentingruppe (10) als in der Placebogruppe (6).
Diskussion durch die Autoren
Gabapentin, in einer Dosierung von 900 mg täglich, reduziert Hitzewallungen bei Frauen mit Brustkrebs um 46% verglichen mit 31% bei einer Dosierung von 300 mg und 15% mit Placebo. Hinweise aus einer anderen, Open-Label-Studie zeigen, dass zum Erreichen des maximalen Effekts die Dosierung allenfalls sogar bis 1’200 mg täglich gesteigert werden müsste.
Zusammenfassender Kommentar
Der Bedarf nach Studien zur Untersuchung von Sicherheit und Wirksamkeit einer medikamentösen Therapie von Hitzewallungen bei Brustkrebspatientinnen ist gross. Im Gegensatz zu den SSRI/SNRI sind von Gabapentin keine Interaktionen mit Tamoxifen zu erwarten. Die vorliegende placebokontrollierte Studie an einem grossen Kollektiv zeigt eine gute Wirksamkeit bei wahrscheinlich akzeptablem Nebenwirkungsprofil. Die Wirksamkeit ist etwas weniger ausgeprägt als diejenige der SSRI/SNRI, wobei auch der Placeboarm mit einer 15%-Reduktion auffallend schlecht abschliesst. Allenfalls beurteilt die vorliegende Studie vielleicht das Nebenwirkungsprofil zu optimistisch. In einer kleineren randomisierten placebokontrollierten Studie mit 900 mg Gabapentin über 12 Wochen trat bei 50% der Studienteilnehmerinnen mindestens eine Nebenwirkung auf. Keine Untersuchungen liegen bisher vor bezüglich brustkrebsspezifischer Sicherheit sowie Wirksamkeit einer Langzeittherapie für diese Indikation.
Dr. med. Christina Schlatter Gentinetta, Oberärztin, Dep. Frauenheilkunde, UniversitätsSpital Zürich