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Werden Patientinnen oder Patienten am Lebensende sediert, sterben sie nicht zwingend schneller als Betroffene ohne Sedation in einer ähnlichen Situation. Das ist eine der Erkenntnisse aus einer neuen Studie. Sie gibt Aufschluss über die Praxis bezüglich Sedation in der Pallaitive Care in Österreich.
Eine Studie, die kürzlich im Journal «BMC Palliative Care» erschienen ist, zeigt, dass in Österreich rund 20 Prozent der Palliativpatientinnen und -patienten in ihren letzten zwei Lebenswochen sediert werden. Bis heute, so schreiben die Forscherinnen und Forscher der Studie «Sedation at the end of life - a nation-wide study in palliative care units in Austria», sei die vorliegende Studie die grösste bisher durchgeführte zum Thema. Sie biete einige grundlegende Einblicke in die Häufigkeit der palliativen Sedation und ihre Indikationen in der Praxis in Österreich. Die Untersuchung unterstützt bisherige Studienergebnisse, die belegen, dass die palliative Sedation - sofern sie richtig gehandhabt wird - eine angemessene Massnahme zur Linderung von Leiden sei, die die Dauer zwischen dem Eintritt in eine Palliative-Care-Einrichtung (stationär oder mobil) und dem Eintreten des Todes nicht verkürze.
Nationale Richtlinien für Österreich gefordert
Wichtig sei jedoch, dass nationale Richtlinien zum Einsatz der palliativen Sedation erlassen würden, schreiben die Forscher und Forscherinnen rund um Dr. Sophie Schur. Denn aktuell werde die Sedation bei den österreichischen Leistungserbringern der Palliative Care sehr unterschiedlich eingesetzt. Diese Unterschiede könnten minimiert, die Sicherheit erhöht werden, wenn nationale Richtlinien gälten, meinen die Autoren der Studie.
Die European Association for Palliative Care EAPC definiert die palliative Sedation als überwachten Einsatz von Medikation, um einen Zustand des verminterten oder fehlenden Bewusstseins herbeizuführen, um damit Leiden zu lindern, das auf andere Weise nicht mehr gelindert werden kann. Schur und ihre Kolleginnen und Kollegen stellten fest, dass die palliative Sedation zwar immer öfter angewandt wird, die Fachpersonen aber immer noch mit zahlreichen medizinischen und ethischen Herausforderungen diesbezüglich konfrontiert sind. Überdies habe es bisher an einer systematischen Untersuchung zum Thema in Österreich gefehlt.
Ein Fünftel der Palliativpatienten wurde am Ende sediert
Die Studie, die nun diese Lücke schliessen will, untersuchte die Daten von über 2400 verstorbenen Patientinnen und Patienten, die ihre letzten Tage in einer Palliative-Care-Station oder begleitet von einem mobilen Palliative-Care-Team verbracht hatten. Die Forschenden studierten die Dokumentationen der letzten zwei Lebenswochen dieser Patientinnen und verglichen sie mit Daten von Palliativpatienten, die nicht sediert worden waren. Rund 20 Prozent der Betroffenen wurden in den letzten zwei Wochen vor ihrem Tod sediert, wie die Untersuchung zeigt. Diese waren meist jünger als die nicht-sedierten Betroffenen, litten öfter an onkologischen Erkrankungen und waren öfter hospitalisiert worden als die Betroffenen aus der Vergleichsgruppe. In Bezug auf die Dauer zwischen dem Eintritt in eine Palliative-Care-Station oder dem Start einer Begleitung durch ein mobiles Palliative-Care-Team und dem Eintreten des Todes gab es jedoch keine Unterschiede zwischen den sedierten und nicht-sedierten Patientinnen und Patienten.
Die häufigsten Indikationen für die Sedierung waren in den untersuchten Fällen Delirium (51%), existenzielle Not (32%), Dyspnoe (30%) und Schmerz (20%). Viele Betroffene zeigten zwei oder drei Indikationen gleichzeitig.