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1. Überblick
Affektive Störungen sind sehr häufige Stimmungsstörungen, bei denen die Gefühlszustände abnorm gehoben (bzw. manisch) und/oder gedrückt (bzw. depressiv) sind.
Meistens (in ca. zwei Drittel der Fälle) treten affektive Störungen in Form von Depressionen auf. In den restlichen Fällen wechseln sich manische und depressive Phasen ab – nur vereinzelt treten Manien alleine auf. Entsprechend unterscheidet man bei affektiven Störungen verschiedene Verlaufsformen:
- Affektive Störungen, bei denen nur eine Depression oder nur eine Manie besteht, zeigen eine sogenannte unipolare Verlaufsform.
- Wechseln sich Manie und Depression ab, handelt es sich hingegen um eine sogenannte bipolare affektive Störung (auch manisch-depressive Erkrankung genannt).
Affektive Störungen sind sehr häufig: Etwa 16 bis 20 Prozent der Menschen entwickeln im Lauf ihres Lebens eine Depression, wobei Frauen etwa doppelt so oft betroffen sind wie Männer. Das Risiko für eine bipolare affektive Störung beträgt – unabhängig vom Geschlecht – 1 Prozent. Die meisten affektiven Störungen entstehen erst im Erwachsenenalter.
Die Ursachen für affektive Störungen sind vielfältig: Bei der Entstehung einer affektiven Störung spielen erbliche und psychologische Faktoren sowie biologische Veränderungen der Signalübertragung im Gehirn eine Rolle. Die Symptome unterscheiden sich je nachdem, welche Form der Stimmungsstörung vorliegt: Die manischen und/oder depressiven Zustände entwickeln sich mit unterschiedlichem Schweregrad und treten in der Regel phasenweise auf. Neben der Stimmung beeinflussen affektive Störungen aber auch die körperliche und geistige Leistung: So können beispielsweise Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen durch Depressionen und Manien beeinträchtigt sein.
Für eine Depression sind vor allem folgende Symptome kennzeichnend:
- gedrückte Stimmung
- Interesse- und Freudlosigkeit
- mangelnder Antrieb und starke Ermüdbarkeit
Eine Manie äussert sich hingegen durch:
- unangemessen gehobene oder reizbare Stimmung
- Antriebssteigerung
- beschleunigtes Denken und Selbstüberschätzung
Typischerweise verlaufen affektive Störungen als depressive Phasen, die mehrere Monate andauern und dann in beschwerdefreie oder manische Phasen übergehen. Bei der unipolaren Depression ist mit etwa vier Erkrankungsphasen im Leben zu rechnen. Entscheidend für den Verlauf affektiver Störungen ist es, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Gegen affektive Störungen helfen in erster Linie Medikamente und eine Psychotherapie; ergänzend kommen in manchen Fällen auch eine Lichttherapie oder Schlafentzug sowie eine Beschäftigungs- oder Arbeitstherapie zum Einsatz.
Affektive Störungen sind Stimmungsstörungen, die per Definition Zustände gedrückter und gehobener Gefühlslage – Depressionen und Manien – umfassen. Je nachdem, ob affektive Störungen nur mit einer Depression oder Manie oder mit beiden Gefühlslagen einhergehen, unterteilt man sie wie folgt:
- Ist die affektive Störung nur durch eine manische oder depressive Gefühlslage gekennzeichnet, liegt eine sogenannte unipolare Störung vor.
- Wechseln sich manische und depressive Phasen ab, besteht eine bipolare affektive Störung (früher: manisch-depressive Erkrankung).
Depression
Die Depression ist ein Gefühlszustand, der durch grosse Traurigkeit und durch Selbstzweifel gekennzeichnet ist. Affektive Störungen gehen meist mit Depressionen einher, weshalb die Depression die bekanntere Form der affektiven Störung ist.
Affektive Störungen unterscheiden sich im Ausmass der Stimmungsveränderung, in den auftretenden Anzeichen und im Verlauf: So unterteilt man eine depressive Episode in drei Schweregrade (leicht, mittelgradig, schwer), die sich in Anzahl und Stärke der Symptome einer Depression unterscheiden. Wenn es im Lauf der Zeit zu mehreren depressiven Episoden kommt, liegt eine sogenannte rezidivierende depressive Störung vor. Ausserdem lässt sich noch folgende Form abgrenzen:
Die Dysthymia ist eine chronische depressive Verstimmung leichten Grads. Diese affektive Störung beginnt meist im frühen Erwachsenenalter.
Die Manie ist ein Zustand intensiver, aber unbegründet gehobener Stimmung. Diese äussert sich in übersteigerter (oft sinnloser) Aktivität, Rededrang, sprunghaftem Denken, Ablenkbarkeit und unrealistischen Plänen. Affektive Störungen äussern sich selten nur durch eine Manie; meist wechseln sich manische und depressive Phasen ab.
Eine manische Episode unterteilt man nach Stärke und Dauer der Symptome und vor allem danach, wie stark die Betroffenen durch die affektive Störung sozial beeinträchtigt sind, in drei Untertypen (Hypomanie, Manie und Manie mit psychotischen Symptomen).
Häufigkeit
Affektive Störungen zeigen sich mit grösster Häufigkeit (in ungefähr zwei Drittel aller Fälle) in Form von Depressionen. Da Manien selten alleine auftreten und sich meist manische und depressive Phasen abwechseln, macht die bipolare Verlaufsform etwa das restliche Drittel der affektiven Störungen aus. Meist entwickeln sich affektive Störungen erst im Erwachsenenalter: Die bipolar verlaufende affektive Störung beginnt meist in einem Alter von 30 bis 35 Jahren, während eine Depression häufig später, zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr, einsetzt.
Insgesamt weisen affektive Störungen eine grosse Häufigkeit auf: Das Risiko, eine Depression zu entwickeln, liegt bei etwa 16 bis 20 Prozent, wobei Frauen etwa doppelt so oft betroffen sind wie Männer. Das Risiko für eine bipolare affektive Störung beträgt – unabhängig vom Geschlecht – 1 Prozent.
Hypomanie
Die Hypomanie ist eine leicht ausgeprägte Manie (griech. hypo = unter). Die Lebensführung der Betroffenen ist durch die hypomanischen Symptome kaum beeinträchtigt.
Zyklothymia
Die Zyklothymia ist eine mindestens zwei Jahre lang anhaltende, leichte bipolare affektive Störung. Sie beginnt meist im frühen Erwachsenenalter und verläuft chronisch. Die Stimmung ist fast ständig instabil – es kommt zu zahlreichen Perioden leichter Depression und leicht gehobener Gefühlslage. Die Stimmungsschwankungen stehen bei der Zyklothymia meist nicht im Zusammenhang mit Lebensereignissen.
Für affektive Störungen kommen als Ursachen neben einer anlagebedingten Verletzlichkeit viele weitere äussere Faktoren infrage. Ob ein Lebensereignis eine affektive Störung auslöst, hängt also davon ab, wie empfänglich die einzelnen Betroffenen für derartige Störungen sind.
Affektive Störungen gehen meistens mit Depressionen einher. Im Vorfeld von Depressionen treten gehäuft traumatische Ereignisse auf (wie z.B. der Verlust eines geliebten Menschen oder anhaltende Konflikte). Diese Faktoren scheinen einer Depression allerdings nicht als Ursachen zugrunde zu liegen, sondern eher zu einer unspezifischen Stressreaktion zu führen, die sich in Depressionen äussern kann.
Erblich bedingte Faktoren
Als Ursachen für affektive Störungen spielen erblich bedingte Faktoren eine grosse Rolle. Ein Hinweis hierfür ist die Tatsache, dass unter Verwandten ersten Grads affektive Störungen gehäuft auftreten. Wenn beispielsweise ein Elternteil eine affektive Störung hat, besteht eine Wahrscheinlichkeit von 10 bis 20 Prozent, dass das Kind dieselbe Störung entwickelt. Sind beide Elternteile betroffen, beträgt das Erkrankungsrisiko des Kindes 50 bis 60 Prozent. Liegt eine affektive Störung bei einem eineiigen Zwilling vor, so ist der andere Zwilling mit einer 65-prozentigen Wahrscheinlichkeit ebenfalls betroffen.
Biologische Faktoren
Für affektive Störungen kommen als Ursachen auch biologische Faktoren infrage. Bei Menschen mit affektiven Störungen sind Veränderungen bestimmter chemischer Botenstoffe im Gehirn (sog. Neurotransmitter) feststellbar, die an der Weiterleitung von Nervenreizen beteiligt sind:
- So liegen bei einer Depression die Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin in zu geringen Mengen vor. Medikamente, welche die Konzentration dieser Botenstoffe erhöhen, helfen gegen Depressionen.
- Bei einer Manie hingegen liegen die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin in erhöhter Konzentration vor.
Inzwischen geht man davon aus, dass nicht einzelne Veränderungen bei den Botenstoffen die Ursachen für affektive Störungen sind, sondern ein gestörtes Gleichgewicht zwischen den Botenstoffen. Ausserdem ist bei Depressiven die Empfindlichkeit und Dichte der reizaufnehmenden Zellen (Rezeptoren), auf welche die Botenstoffe einwirken, verändert.
Ein weiterer Hinweis auf biologische Faktoren als Ursachen für affektive Störungen ergibt sich daraus, dass die Aktivierung verschiedener Hirngebiete bei manchen Betroffenen Besonderheiten aufweist: Während bei Depressiven die Hirnstrukturen, die mit der Entwicklung von Zielen im Zusammenhang stehen weniger aktiv sind, sind Gebiete, die an der Entstehung negativer Gefühle beteiligt sind, übermässig erregt.
Ausserdem scheint ein gestörter Hormonhaushalt im Zusammenhang mit affektiven Störungen zu stehen. So ist beispielsweise bei manchen Menschen, die depressiv sind, ein Überschuss des Hormons Kortisol nachweisbar. Möglicherweise steht dies in Verbindung mit dem gestörten Botenstoffhaushalt. Beispielsweise kann eine hohe Kortisolkonzentration die Dichte der Serotoninrezeptoren verringern. Eine depressive Störung kann ihre Ursachen auch im plötzlichen Abfall der Hormone Östrogen und Progesteron nach einer Geburt haben (sog. Wochenbettdepression).
Des Weiteren können körperliche Erkrankungen und Medikamente Ursachen, Begleitfaktoren oder Auslöser für affektive Störungen sein: Beispiele hierfür sind Parkinson oder eine Behandlung mit Kortison.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass ein Virus an der Entstehung affektiver Störungen beteiligt ist: Bei Menschen mit Depressionen oder bipolaren affektiven Störungen gelang es, im Blut ein sogenanntes Bornavirus zu identifizieren, das nur während der Krankheitsschübe aktiv ist. Dieses Virus scheint bei Menschen, die anfällig für affektive Störungen sind, Krankheitsschübe auszulösen beziehungsweise bestehende Symptome zu verstärken.
Bipolare affektive Störung
Affektive Störungen, bei denen sich manische und depressive Phasen abwechseln, sind sogenannte bipolare affektive Störungen (früher: manisch-depressive Erkrankungen). Die genauen Ursachen für die bipolare affektive Störung sind nicht bekannt. Für die depressiven Phasen kommen dieselben Erklärungsmodelle in Betracht wie für die Depression selbst. Im Hinblick auf die manischen Schübe ist allgemein anzunehmen, dass es sich um die Vermeidung eines negativen Zustands (z.B. niedriges Selbstwertgefühl) handelt. Das Risiko für bipolare affektive Störungen scheint biologisch-erblich bedingt zu sein. Kommen belastende Lebensereignisse hinzu, können erste Anzeichen der Stimmungsstörung auftreten.
Auch ein Teufelskreis von Symptomen und negativen Denkmustern ist mit dafür verantwortlich, dass bipolare affektive Störungen entstehen und fortgesetzt weiterbestehen: Wer eine bipolare affektive Störung hat und aufgrund seines manischen Erlebens sehr euphorisch ist und sich selbst überschätzt, ruft bei seiner Umwelt meist Unverständnis oder Ablehnung hervor. Dies kann bestehende negative Denkmuster aktivieren (z.B. Die anderen sind neidisch und gönnen mir meine Fähigkeiten nicht) und misstrauisches und gereiztes Verhalten verursachen, das wiederum weitere negative Reaktionen des Umfelds hervorruft.
Affektive Störungen können sich durch vielfältige Symptome äussern: Je nachdem, welche Form der Stimmungsstörung vorliegt, entwickeln sich manische und/oder depressive Zustände mit unterschiedlichem Schweregrad. In der Regel treten diese Zustände phasenweise auf. Neben der veränderten Stimmung wirken sich affektive Störungen auch auf das Verhalten sowie auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit aus: So ist es beispielsweise in vielen Fällen möglich, dass Depressionen und Manien die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis der Betroffenen beeinträchtigen oder eine Depression die Anpassungsfähigkeit der Denk- und Verhaltensweise vermindert.
Symptome einer Depression
Affektive Störungen äussern sich meist nur durch Symptome einer Depression (= unipolare Störung) oder durch depressive Episoden, die im Wechsel mit manisch oder gemischt verlaufenden Episoden (mit manischen und depressiven Merkmalen) auftreten (= bipolare Störung). Eine depressive Episode ist eine Verstimmung, die mit Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Interesselosigkeit sowie mit gehemmtem Denk- oder Konzentrationsvermögen einhergeht. Bei einer Depression reicht das Ausmass der Symptome von leicht gedrückter Stimmung bis zu einem schwermütigen Gefühl der Gefühllosigkeit. Oft herrschen bei einer Depression quälende Angst und innere Unruhe. Menschen, die depressiv sind, zeigen häufig kaum Mimik oder Gestik und sprechen mit leiser, zögernder Stimme.
Weitere Symptome einer Depression sind Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Mangel an sexuellem Interesse. Affektive Störungen führen in ihrer depressiven Episode oft dazu, dass die Betroffenen ihre Umwelt als grau erleben und sich wertlos und schuldig fühlen, so dass sie sich häufig von ihren Mitmenschen zurückziehen. Das Risiko für Selbstmord (Suizid) ist bei Depressionen sehr hoch: 60 bis 70 Prozent der Betroffenen haben Selbstmordgedanken. Je nachdem, wie viele Symptome auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, unterteilt man depressive Episoden in drei Schweregrade (leicht, mittelgradig, schwer).
Eine Dysthymia ist eine ständige oder immer wiederkehrende, leicht depressive Verstimmung. Anhaltende affektive Störungen in dieser Form entwickeln sich meist im frühen Erwachsenenalter. Trotz der typischen Symptome einer Depression wie Müdigkeit, Unzulänglichkeit, Anstrengung, Schlafstörungen und Verlust der Genussfähigkeit sind die Betroffenen in der Regel fähig, mit dem Alltag zurechtzukommen.
Symptome einer Manie
Affektive Störungen äussern sich nur selten ausschliesslich durch Symptome einer Manie (= unipolare Störung). Meist wechseln sich manische oder gemischte Episoden (mit manischen und depressiven Anzeichen) mit depressiven Phasen ab. Die Manie ist durch folgende Symptome gekennzeichnet:
- unangemessen gehobene oder reizbare Stimmung
- Antriebssteigerung
- beschleunigtes Denken und Selbstüberschätzung
Häufig geben Menschen, die von einer Manie betroffen sind, leichtsinnig Geld aus und sind sexuell enthemmt. Daher können bipolare affektive Störungen oder reine Manien schwere familiäre, finanzielle und gesundheitliche Folgen haben. Bei einer Manie können auch wahnhafte Symptome (z.B. Grössenwahn) auftreten. Den Betroffenen fehlt meist die Einsicht, krank zu sein. Bei einer Hypomanie sind die manischen Symptome nur leicht ausgeprägt.
Bipolare affektive Störungen
Affektive Störungen, bei denen sich manische und depressive Symptome abwechseln, sind sogenannte bipolare affektive Störungen. Eine bipolare affektive Störung – auch manisch-depressive Erkrankung genannt – zeigt immer einen Wechsel von voneinander abgrenzbaren Episoden, von denen mindestens eine Anzeichen einer Manie oder der leichter ausgeprägten Hypomanie aufweist. Dabei kann es sich auch um eine gemischte Episode mit gleichzeitig oder im schnellen Wechsel auftretenden depressiven und manischen Symptomen handeln (z.B. depressive Stimmung mit Rededrang). Ein gleichzeitiges Auftreten ist jedoch selten. Zwischen den Episoden bipolarer affektiver Störungen liegen Phasen, in denen keine Symptome auftreten. Die bipolare Störung ist – nach den zum jeweiligen Zeitpunkt vorherrschenden Symptomen – in verschiedene Episoden unterteilbar (z.B. bipolare affektive Episode, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome).
Bipolare affektive Störungen können auch dauerhaft leichte Symptome auslösen: Die Zyklothymia ist eine mindestens zwei Jahre lang anhaltende bipolare affektive Störung mit nur leicht ausgeprägten Symptomen. Die ersten Anzeichen setzen meist im frühen Erwachsenenalter ein. Typisches Merkmal dieser chronischen Stimmungsstörung ist eine instabile Stimmung mit zahlreichen Perioden leichter Depression und leicht gehobener Gefühlslage. Es gibt nur selten Zeiten, in denen die Stimmung stabil ist.
Affektive Störungen lassen sich durch ausführliche Gespräche über die bestehenden Symptome und früheren Krankheitsanzeichen diagnostizieren. Als Hilfestellung für die Diagnose dienen häufig strukturierte Interviewleitfäden. Ausserdem gibt es eine Reihe von Fragebögen, mit denen die typischen Krankheitsanzeichen erfassbar sind.
Entscheidend für die Diagnose von affektiven Störungen ist, welche Beschwerden wie stark ausgeprägt sind und wie lange sie bestehen. So gilt etwa eine manische Episode erst dann als diagnostiziert, wenn mindestens eine Woche lang wenigstens drei der folgenden Merkmale vorlagen und die affektive Störung so stark ausgeprägt ist, dass sie die berufliche und soziale Funktionsfähigkeit beeinträchtigt:
- unangemessen gehobene Stimmung
- Euphorie oder Gereiztheit
- erhöhter Antrieb
- Rededrang
- vermindertes Schlafbedürfnis und Grössenwahn
Bipolare affektive Störungen (manisch-depressive Erkrankungen) sind häufig erst spät diagnostizierbar: Wer manisch-depressiv ist, begibt sich meist während einer depressiven Phase in Behandlung, so dass die behandelnden Ärzte oft zunächst die Diagnose einer Depression stellen. Erst wenn ein Arzt die gesamte Krankheitsgeschichte ausführlich erhebt, können sich Hinweise auf frühere manische Symptome ergeben, die notwendig sind, um eine bipolare Störung feststellen zu können. Da die Betroffenen selbst aber Anzeichen einer Manie oder Hypomanie häufig nicht als krankhaft wahrnehmen, bleibt der charakteristische Wechsel der Stimmungslagen oft lange unentdeckt und wird manchmal erst bei der Befragung von nahe stehenden Personen deutlich.
Welche Behandlung gegen affektive Störungen erfolgt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: vom Grad der sozialen Beeinträchtigung, Ausmass der Symptome und sozialen Umfeld. In der Regel ist eine ambulante Therapie möglich, bei der vor allem Medikamente und eine Psychotherapie zum Einsatz kommen.
Medikamente
Affektive Störungen lassen sich durch eine medikamentöse Therapie meist erfolgreich behandeln. Welche Medikamente infrage kommen, hängt in jedem Einzelfall von Form, Ursache und Ausprägung der affektiven Störung ab.
Gegen eine Depression können Ihnen beispielsweise Antidepressiva, selektive Serotonin-Rückaufnahme-Hemmer (SSRI) oder Johanniskrautextrakte helfen. Welches Mittel der Arzt Ihnen verschreibt, richtet sich in erster Linie nach Ihren Symptomen sowie nach den erwarteten Nebenwirkungen (z.B. Mundtrockenheit und Blutdrucksenkung). So sind bei Depressionen, die mit grosser Unruhe einhergehen, Medikamente empfehlenswert, die neben antidepressiver auch eine beruhigende Wirkung haben. Auch gegen einzelne Symptome, wie Schlafstörungen oder Unruhe, sollte eine spezifische medikamentöse Therapie erfolgen. Wenn Ihre Beschwerden abgeklungen sind, setzen Sie die Behandlung am besten mindestens sechs bis zwölf Monate fort, da affektive Störungen ein hohes Rückfallrisiko haben.
In ihren manischen Phasen lassen sich affektive Störungen mit einer Kombination verschiedener Medikamente behandeln, die der wahnhaften Symptomatik entgegenwirken und die eine allgemein beruhigende Wirkung haben. Gegen Symptome einer Manie kommz vor allem Lithium zum Einsatz. Mit dieser Therapie ist ausserdem vermeidbar, dass erneut depressive und manische Symptome auftreten.
Biologische Verfahren
Gegen affektive Störungen können neben der medikamentösen Therapie auch biologische Verfahren zum Einsatz kommen. So haben sich bei der Depression je nach Unterform auch der Schlafentzug (zur Korrektur des gestörten Wach-Schlaf-Rhythmus) und die Lichttherapie (bei Depressionen, die jahreszeitlich bedingt auftreten) bewährt.
Die Akutbehandlung von Manien ist aufgrund der häufig fehlenden Krankheitseinsicht der Betroffenen oftmals schwierig. Daher ist es gerade bei ausgeprägter Symptomatik ratsam, affektive Störungen in einer manischen Episode stationär behandeln zu lassen. Es ist wichtig, die Betroffenen von anregenden Aussenreizen abzuschirmen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich innerhalb eines geschützten Rahmens abzureagieren.
Psychotheapie
Gegen affektive Störungen können begleitend zur Therapie auch psychologische Verfahren zum Einsatz kommen. Eine ausgeprägte affektive Störung ausschliesslich durch Psychotherapie zu behandeln, führt jedoch zu keinem Erfolg.
Bei der Psychotherapie affektiver Störungen geht es darum, Realitäts- und Selbstbewertungen zu prüfen und zu korrigieren. Das bedeutet: Sie betrachten zusammen mit Ihrem Therapeuten Ihre Alltagsprobleme und untersuchen, wie Sie denken, erleben und mit Ihrer Umwelt in Kontakt treten. So lassen sich unrealistische Erwartungen und depressive Gedankenverzerrungen aufdecken. Das Ziel der Behandlung besteht darin, dass Sie zugrunde liegenden Probleme begreifen und so die Fähigkeit zur Problembewältigung entwickeln. Dies ermöglicht es Ihnen, Ihre Aktivität, Ihre sozialen Fähigkeiten und Ihr Selbstvertrauen zu steigern.
In den Therapiesitzungen erhalten Sie zunächst Informationen über die Symptomatik Ihrer Stimmungsstörung, darüber, wie affektive Störungen entstehen und welche Medikamente zur Therapie verfügbar sind. Anschliessend erarbeiten Sie gemeinsam mit Ihrem Therapeuten individuelle Anzeichen und Auslöser einer erneuten depressiven oder manischen Phase. Ein besonderer Schwerpunkt der Psychotherapie liegt dabei auf den unangemessenen Denkmustern, die dazu beitragen, die affektive Störung aufrechtzuerhalten. Sie erfahren, wie Sie diese Denkmuster verändern können. Abschliessend entwickeln Sie Strategien, mit denen Rückfälle vermeidbar sind. Nach einer akuten Depression kann es sinnvoll sein, in einer psychoanalytischen Therapie den grundlegenden Ursachen nachzugehen, um weiteren Episoden vorzubeugen.
Soziotherapie
Ein weiteres mögliches Element der gegen affektive Störungen wirksamen Therapie ist die Soziotherapie: Bei der stationären Behandlung einer affektiven Störung ist die Arbeits- und Beschäftigungstherapie ein wichtiger Bestandteil. Je nach individueller Problematik besteht das Ziel der Behandlung darin, Ihnen dabei zu helfen, Ihren Tag zu strukturieren, kreative Fähigkeiten zu entdecken, Gefühle nicht-sprachlich zu verarbeiten oder Konzentration und Ausdauer zu trainieren.
Wenn Sie eine affektive Störung haben, denken Sie am besten daran, während der akuten Phasen möglichst keine wichtigen Entscheidungen zu treffen. Bei der Therapie kann es hilfreich sein, Ihre Familie mit einzubeziehen.
Affektive Störungen zeigen in der Regel einen phasenweisen Verlauf: Es kommt zu mehr oder weniger ausgeprägten Schüben mit gedrückter oder gehobener Stimmung. Die Symptome klingen nach einer Weile ab, so dass die Stimmung bis zur nächsten Phase auf ein normales Niveau zurückkehrt. Dabei kann der Beginn einer depressiven Phase sowohl schleichend als auch plötzlich einsetzen, während eine manische Phase meist rasch (innerhalb weniger Stunden oder Tage) beginnt.
Wenn affektive Störungen unipolar sind, also nur durch Symptome einer Manie oder Depression gekennzeichnet sind, ist mit etwa vier Phasen im Laufe des Lebens zu rechnen. Eine bipolare Störung mit abwechselnd manischen und depressiven Zuständen (manisch-depressive Erkrankung) nimmt einen aus mehreren kürzeren Phasen bestehenden Verlauf. Je länger die affektive Störung besteht, desto schneller folgen die Phasen aufeinander. Unbehandelte manische oder depressive Phasen dauern etwa vier bis zwölf Monate – auch hier verkürzt sich mit steigender Phasenzahl die symptomfreie Zeit zwischen den Schüben.
Bipolare affektive Störungen beginnen meist in einem Alter von 30 bis 35 Jahren, während der Verlauf von Depressionen meist später, zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr, einsetzt. Je früher bei affektiven Störungen die Diagnose und Behandlung erfolgt, desto günstiger ist die Prognose.
Komplikationen
Vor allem affektive Störungen mit schwerem Verlauf können verschiedene Komplikationen mit sich bringen: Durch schwere Depressionen, Manien und bipolare Störungen entstehen meist begleitende Probleme, die den Verlauf ungünstig beeinflussen. In vielen Fällen treten Probleme am Arbeitsplatz bis hin zur Arbeitsunfähigkeit auf; meist ist auch die Partnerschaft stark beeinträchtigt. Durch grosse Geldausgaben während manischer Phasen verschulden sich viele Betroffene stark. 10 bis 15 Prozent der Menschen mit schweren Depressionen begehen Selbstmord.
Oft liegen bei affektiven Störungen andere begleitende Komplikationen vor: Gerade affektive Störungen, deren Verlauf bipolar ist, sind sehr häufig mit Alkohol- und Drogenmissbrauch verbunden. Dies kann wiederum dazu führen, dass die affektive Störung stärkere Symptome entwickelt oder ein erneuter Schub auftritt.
Wenn Sie für affektive Störungen anfällig sind, können Sie der Entstehung entsprechender Symptome nicht vorbeugen. Da Stimmungsstörungen häufig im Zusammenhang mit vorangegangenen belastenden Lebensereignissen auftreten, ist es jedoch allgemein ratsam, in schwierigen Lebensphasen schon frühzeitig für Unterstützung zu sorgen, sei es durch nahe stehende Menschen oder durch professionelle Hilfe.
Wenn Sie eine affektive Störung haben, können Sie jedoch einem Rückfall vorbeugen: Dazu ist es ratsam, dass Sie frühzeitig – sobald die akuten Symptome abgeklungen sind – Strategien erarbeiten, um das erneute Auftreten der Symptome zu verhindern. Dabei ist gerade für die bipolare affektive Störung (manisch-depressive Erkrankung) eine medikamentöse Therapie von zentraler Bedeutung. Aufgrund der Nebenwirkungen dieser Medikamente fällt es jedoch vielen Betroffenen schwer, nach dem Abklingen der akuten Symptome die Medikamente weiter einzunehmen. Auch sehen Betroffene, die noch manische Restsymptome zeigen, oft die Notwendigkeit einer weiteren Behandlung nicht ein, da sie sich nicht als krank empfinden. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt, in der Sie auch solche Bedenken besprechen können, kann das Risiko von Rückfällen senken.
Um zu vermeiden, dass affektive Störungen erneut auftreten, ist auch eine Psychotherapie wichtig: Hier können Sie lernen, mögliche Anzeichen für einen drohenden Rückfall zu erkennen und geeignete Bewältigungsstrategien zu entwickeln. So ist es für Sie gerade in kritischen Lebensphasen zum Beispiel empfehlenswert, Stress zu vermeiden, einen regelmässigen Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten und angenehme, entspannende Aktivitäten auszuüben.