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Der Ort soll bereits im sechsten Jahrhundert von einem Einsiedler bewohnt worden sein. Die Legende datiert den Anfang des Klosters auf das Jahr 708. Ihr zufolge erschien der Erzengel Michael dem heiligen Bischof Autbert von Avranches im Traum mit dem Auftrag, eine Kirche auf der Felseninsel zu bauen, die vordem den Kelten als Totenberg gedient hatte. Bischof Autbert liess aus Süditalien Reliquien zur Ausstattung der Kirche holen. Doch kurz darauf suchte die grosse Flut von 709 die Küste der Normandie heim. Bei ihrer Rückkehr fanden die zuvor geflüchteten Bewohner anstelle von Wäldern nur noch eine nackte Insel aus Granit inmitten von Sand vor. Dennoch errichteten sie ihre Kirche für anfangs zwölf Kanoniker. Weil der Erzengel Michael den Auftrag zum Bau einer Kirche gegeben hatte, wurde ihm zu Ehren der Ort «Mont Saint Michel» genannt.
Von Beginn an zog er Pilgerinnen und Pilger aus allen Himmelsrichtungen an; zudem bot die Abtei Schutz gegen die Wikinger. So entstand im neunten Jahrhundert auch ein Dorf am Fusse des Klosters. 966 liessen sich 30 Benediktiner aus dem Reformkloster Saint-Wandrille auf dem «Mont Saint-Michel» nieder.
1017 wurde die karolingische Kirche zur Krypta «Notre-Dame-sous-Terre» umgebaut; auf dem Unterbau von vier solcher Krypten ruht die grossartige Konstruktion bis heute. Sechs Jahre später begannen die Arbeiten an der heutigen, ursprünglich siebenjochigen Abteikirche.
Im Hochmittelalter entwickelte sich die Benediktinerabtei zur meistbesuchten Wallfahrtsstätte Frankreichs nach dem Grab des heiligen Martin in Tours; Wilhelm der Eroberer sowie französische Herzöge und Könige statteten das Kloster mit grossen finanziellen Mitteln aus.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts gelang eines der grossen architektonischen und logistischen Meisterwerke des Mittelalters: die dreigeschossigen gotischen Bauten der «Merveille» (Wunder), gekrönt von einem Kreuzgang mit 227 Säulen. Der Bau der Klosteranlage war eines der umfangreichsten, schwierigsten und kostspieligsten Bauprojekte des gesamten Mittelalters.