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| Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift an Kaiser Constantius (Apologia ad Constantium)

16.
Ich will aber an meinen Verleumder noch diese Frage stellen: Wo war es geziemend, daß das Volk betete, an verlassenen Orten, oder an einem Ort des Gebetes, an dem man einen Bau aufführte? Wo war es angemessen und geziemend, daß das Volk das Amen antwortete, an verlassenen Orten, oder an einem Orte, den man bereits Haus des Herrn nannte? Und wo würdest Du, o gottesfürchtiger Kaiser, eher wünschen, daß die Menschen die Hände ausstrecken und für Dich beten, da, wo auch die Heiden vorbeigehen und stehen bleiben, oder an dem Orte, der von Dir den Namen führt, den Alle bereits, ja vielmehr schon zugleich mit der Grundsteinlegung Haus des Herrn nennen? Ich weiß, daß Du Deinen Ort vorziehst; denn Du lächelst und gibst das durch Dein Lächeln zu erkennen. Aber es hätte das, sagt der Verleumder, in den Kirchen geschehen sollen. Die sind eben, wie gesagt, für die Volksmenge sämmtlich zu klein und zu enge. Ferner, in welcher Weise geziemte es sich, daß das Gebet verrichtet wurde? Und war es besser, daß das Volk getheilt und getrennt in gefährlichem Gedränge oder, da bereits ein Ort vorhanden war, der Alle fassen konnte, an diesem sich versammelte und ein und derselbe gemeinsame Laut aus dem Mund des Volles emporstieg? Letzteres war besser. Letzteres stellte nämlich auch das Volk als ein Herz und eine Seele dar. So erhört Gott auch schnell. Denn wenn nach der Verheissung des Heilandes selbst, wenn Zwei ihre Stimme vereinigen, sie Alles, um was sie bitten, erlangen [S. 191] werden,1 wie erst, wenn so viele Menschen sich versammeln und wie aus einem Munde zu Gott „Amen“ rufen? Wer wäre nicht mit Staunen erfüllt worden? Wer hätte Dich nicht glücklich gepriesen, wenn er eine so große Volksmasse an einem Orte versammelt sah? Wie freuten sich die Menschen, sich gegenseitig zu sehen, da sie früher an getrennten Orten zusammenkamen? Das machte Allen Vergnügen und bereitete dem Verleumder allein Kummer.
1: Matth. 18. 19.