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Inhaltsverzeichnis
Eine Stilrichtung der modernen Malerei, 1907/08 von P. Picasso (Les Demoiselles d’Avignon) und G. Braque in konsequenter Weiterentwicklung der Malweise P. Cézannes und als Reaktion auf den Fauvismus begründet. In seiner ersten Phase führte der Kubismus die darzustellenden Gegenstände auf ihre stereometrischen Grundformen (Kugel, Kubus, Zylinder, Kegel) zurück, zerlegte sie und verband ihre Elemente simultan zu flächigen Bildgefügen, wobei die Farbe eine untergeordnete Rolle spielte (analytischer Kubismus). In einer zweiten Phase, verkörpert besonders durch Werke von J. Gris, wurde Form konstruierend aus Formelementen zusammengesetzt, die prismatische Zerlegung ebenso aufgegeben wie die Farbaskese und der Linie wieder eine Ausdrucksfunktion zuerkannt (synthetischer Kubismus).
Der Kubismus, zu dessen Bildtechniken seit 1914/15 die Collage gehörte, vereinte visuelle und geistige Erfahrung und schuf wichtige Voraussetzungen für das Entstehen der abstrakten Kunst. Vom Kubismus weitgehend abhängig und ihm zumindest zeitweilig verbunden waren u. a.: F. Léger, M. Duchamp, J. Villon, M. Chagall, die Künstler des Blauen Reiters, des Futurismus und des niederländischen Konstruktivismus.
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Kubismus #1
Der Kubismus ist eine Bewegung in der modernen Kunst, besonders in der Malerei und er beschäftigt sich hauptsächlich mit abstrakten Formen, wie z.B. mit naturgetreuen Darstellungen. Es fing in Paris um 1908 an, erreichte seinen Höhepunkt im Jahre 1914 und entwickelte sich in den Jahren um 1920 weiter. Kubismus war ein Aufstand gegen die sentimentale und realistische traditionelle Malerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und gegen die Betonung von Licht und Farbwirkungen und dem Mangel an charakteristischen Formen des Impressionismusses. Es stellt Inspirationen der Stammeskunst dar, besonders die von Afrika und Ozeanien. Die Doktrin der Kubistischen Schule folgen dem Diktum des französischen Postimpressionisten Paul Cézanne Alles in der Natur nimmt seine Form von der Kugel, dem Kegel und dem Zylinder.
Die gewöhnlichste Art von Kubismus ist eine abstrakte und analytische Annäherung an einen Gegenstand, den der Künstler selbst bestimmt und die grundgeometrischen festen Körper malt, aus denen der Gegenstand zusammengesetzt wird, insbesondere der Würfel oder der Kegel, oder die Grundebenen, die die darunterliegenden geometrischen Formen zeigen. In einer anderen Art von Kubismusmalerei (synthetischer Kubismus), werden die Gegenstände aus einem anderen Winkel gezeigt, der im normalen Leben nicht immer gleich sichtbar ist und danach wird der Gegenstand in einer sich vereinigenden Komposition geordnet. In keiner Art des Kubismusses ist irgendein Versuch zur Wiedergabe der Details des natürlichen Aussehens der Gegenstände zu finden. Harlekine und musikalische Instrumentale Figuren, auffällig in Kubistischen Porträts und Stilleben, schienen günstige Themen für geometrische Präparationen zu sein.
Um einfache, naturalistische und emotionale Wirkungen zu vermeiden benutzten die frühen, oder analytischen Kubisten hauptsächlich zurückhaltende graue, braune, grüne und gelbe Farben und oft führte sie ihre Arbeiten auch einfarbig durch. Nach dem Jahre 1914 in der synthetischen Kubistischen Periode führten viele Kubisten hellere Farben in ihren Gemälden ein. Kubismus ist wichtig in der Geschichte westlicher Kunst, wie ein revolutionärer, beiläufiger Stil der den Anfang der abstrakten und nichtsachlichen Kunst markiert.
Die Leiter der Kubistischen Schule waren der Spanier Pablo Picasso, der in Paris arbeitete und der Franzose George Braque; andere bemerkenswerte Kubistische Maler waren die Franzosen Albert Gleizes, Robert Delaunay, Fernand Leger, Francis Picabia, Marcel Duchamp und Roger de La Fresnaye und der Spanier Juan Gris. Bemerkenswerte Kubistische Bildhauer die den gleichen Ansatz der Kunst folgten wie die Kubistischen Maler waren Picasso, der Franzose Raymond Duchamp-Villon und die russisch geborenen Amerikaner Jacques Lipchitz und Aleksandr Archipenko. Unter den vielen Künstlern die durch die Kubistischen Ideen und Techniken beeinflusst wurden, waren die Amerikaner Stuart Davis und Lyonel Feininger und der Franzose Maurice de Vlaminck.
Kubismus #2
Definition
Kubismus, abgeleitet von lat. cubus und griech. Kybos, Würfel, ist eine Stilrichtung der modernen Kunst, deren zentrales Merkmal es ist, ihren Gegenstand in geometrischen Formen darzustellen. Das frühere Ziel einer naturalistischen Nachbildung der Wirklichkeit wurde ersetzt durch einen neuen systematischen Bildaufbau, der die Gegenstände auf ihre Grundformen reduziert. Eine ähnliche Systematisierung betraf auch die Farbgebung; auch hier ging es nicht mehr um die Wiedergabe der Impression, sondern man konzentrierte sich auf die Farben. Im Grunde ist kubistische Kunst ein Zerlegungsprozess, Raum, Gegenstand und Farbe werden auf ihre Grundelemente zurückgeführt und dieser Vorgang sichtbar gemacht. Wie in einem Baukastensystem werden diese Struktureinheiten zur Bildkomposition benutzt. Für die Darstellung des Volumens wird keineswegs nur der Kubus, der Würfel, eingesetzt, sondern auch andere geometrische Formen wie Kugel, Kegel oder Zylinder verwendet. In Abkehr von der traditionellen Perspektive wurde schliesslich in der kubistischen Malerei Simultanansichtigkeit erzielt, also so gemalt, als ob man ein Objekt von allen Seiten gleichzeitig sähe. Kubismus war dabei ursprünglich ein Schimpfwort, mit dem die ersten Werke der neuen Stilrichtung von einem eher ratlosen Publikum, das sich 1908 in der Galerie von Henri Kahnweiler in Paris damit konfrontiert sah, bedacht wurden.
Vorläufer des Kubismus
Als Vorläufer gelten die französischen Nach- und Neoimpressionisten, vor allem Paul Cézanne (1839-1906), George Seurat (1859-1891) und Paul Signac (1863-1935). Signac war der Maler der bunten Häfen und Flusslandschaften, etwa Hafen von Portrieux (1888, Stuttgart, Staatsgalerie), Ansicht von Saint-Tropez (1896; Saint-Tropez, Musée de l’Annonciade), Der Hafen (1907, Rotterdam, Museum Boymans-van Beuningen). Signac gab im Laufe seiner Entwicklung den pointillistischen Malstil zu Gunsten der Verwendung grösserer Flächen auf. Auf diese Elemente konnten dann die Kubisten zurückgreifen.
Seurat wollte eine Steigerung der Farbintensität erreichen, indem er die Farben in ihre komplementären Bestandteile zerlegte. Zu seinen Hauptwerken zählen Ein Sonntagnachmittag auf der Île de la Grande Jatte (1885; Chicago, Art Institute), Akt im Profil (1890, Rijksmuseum Kröller-Müller, Otterloo), Der Zirkus (1891; Louvre in Paris).
Am bedeutendsten jedoch dürfte wohl der Beitrag von Paul Cézanne sein. Der grosse Maler der Provence löste sich allmählich vom Impressionismus, der sein Werk geprägt hatte. In seinen berühmten Stillleben und Landschaftsbildern, in immer anderen Variationen vor allem die Ansicht des provenzalischen Gebirgsmassivs Mont Sainte Victoire, ist die geometrische beziehungsweise kubistische Formenfindung deutlich zu erkennen. Derselbe Reduktionsprozess führte ihn auch zu neuen Farbstrukturen. Alle wesentlichen Strukturen und Formelemente des Kubismus finden sich in seinem Werk schon vorgeformt. Cézanne wurde damit zu einem der wichtigsten Wegbereiter des Kubismus und der gesamten abstrakten Malerei.
Analytischer Kubismus
Die eigentliche kubistische Malmethode, den analytischen Kubismus, entwickelten um 1907 Pablo Picasso und George Braque. George Braque (1882-1963) stand der Pariser Malgruppe der Wilden (Fauves, Fauvisten) nahe, als er Pablo Picasso (1881–1973) kennen lernte. Beide gingen eine enge Freundschaft und Arbeitsgemeinschaft ein, in der sie zusammen den Malstil kreierten, den wir als Kubismus kennen. Der analytische Kubismus beschäftigt sich mit Formfragen, im Zentrum steht das Problem, wie sich die Dinge auf eine organisierte einfache geometrische Formen zurückführen lassen. Braque und Picasso setzten sich mit der Kunst der Naturvölker, vor allem afrikanischer Plastik, Picasso auch mit der traditionellen iberischen Kunst seiner Heimat, aber auch explizit mit Cézanne auseinander und bezogen von daher vielfältige Anregungen. Sie gingen dazu über, nicht nur den Bildgegenstand, sondern den gesamten Bildraum rasterhaft zu facettieren. Zu den von ihnen entwickelten Prinzipien gehörte, nur Horizontale, Vertikale und Schräge sowie die Halbkreisform zu verwenden. Als Motive wurden Stillleben und Figuren, bevorzugt ein Mandolinenspieler, verwendet. Vor allem Braque schuf reihenweise Bilder von Mandolinen.
Besonders wichtig für die Entwicklung des Kubismus wurde Picassos Werk Les demoiselles d’Avignon (1907, New York, Museum of Modern Art). Es ist ein Gruppenbild von fünf Frauen, deren Körper nahezu vollständig in kubistische Formen aufgelöst wurden. Sind in der Farbgebung noch die Ausläufer von Picassos vorhergegangener Rosa Periode zu erkennen, so war doch in der Form ein revolutionärer und Epoche machender Wandel angezeigt. Schockierend wirkte auf die Zeitgenossen vor allem der Anblick der Gesichter, die als völlig deformiert empfunden wurden. Begeistert hingegen waren Künstlerkollegen und auch der Galerist Henri Kahnweiler, der zu einem entschiedenen Förderer Picassos wurde. Ins Monumentale gesteigert ist Picassos Frauenbildnis Die Dryade von 1908 (Leningrad, Eremitage), in dem vor blauen Formen in Gelbtönen eine Frau zu sehen ist, deren Körper vollständig aus kantigen Formen aufgebaut wurde und der daraus eine ungeheure Wucht und Dynamik bezieht.
Synthetischer Kubismus
Im synthetischen Kubismus (ca. 1912-1920) bezog Braque bedeutungsfreie Materialien wie Sand, Zeitungsausschnitte oder Holz und Buchstaben mit in seine Bilder ein. Es wurde also die Brücke zur Collage hin geschlagen. Auch Picasso vollzog diese Entwicklung, z. B. in seinem Stillleben mit Flechtstuhl (1912, Picasso-Museum, Paris). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Braques Kubismus organischer. Noch bis 1931 malte Braque kubistisch, danach wandte er sich einem neoklassizistischen Stil zu.
Am stärksten wurde der Collageneinbau in der kubistischen Malerei von dem Spanier Juan Gris (1887-1927) praktiziert, der mit Picasso und Braque in Verbindung getreten war. Er arbeitete auch mit Segmentierung, der Zerschneidung des Objekts in kubistische Formen, z. B. in seinem Bild Das Frühstück (1910-1915, Paris, Centre Georges Pompidou). Von 1916-1919 schuf er eher strenge Kompositionen, später nahm er arabeske Elemente in seine Werke auf. Bei Gris erlangt die Farbe eine ganz neue Autonomie, eine eigene Aussagekraft als pure Farbe. Sie steht in Kontrast mit der linearen und geometrischen Struktur des Bildaufbaus.
Weitere Vertreter
Ein Kubist der ersten Stunde war auch Fernand Léger (1881-1955). Er wandte sich dem neuen Stil ab 1908 zu und liess sich von den geometrischen Formen von Maschinen inspirieren, z. B. Die Kartenspieler (1917, Otterloo, Rijksmuseum Kröller-Müller) oder Schleppdampfer (1918, Wallraf-Richartz Museum, Köln). Seine Bilder sind in Formen und Farbflächen meist kleinteiliger aufgebaut als die Werke von Picasso und Braque und weisen schon stark ins Abstrakte. Aus dem Kontrast grosser Farbflächen zu kleinen Körpern lebt beispielsweise seine Frau in Blau (1912, Öffentliche Kunstsammlung, Basel). In den 20er Jahren arbeitete Leger mit dem Architekten Le Corbusier zusammen.
Auch Albert Gleizes (1881-1953) war in seinen Anfängen ein Vertreter des Kubismus. Zusammen mit J. Metzinger verfasste er 1912 die kunsttheoretische Schrift Über den Kubismus. Er wandte sich dann der Section d’or zu, deren Mitglieder sich in ihrer Malerei an geometrischen Formen und Zahlenverhältnissen orientierten und fand schliesslich zu christlicher Thematik. André Lhote (1885-1962) verarbeitete kubistische Elemente frei in grossen, eher dekorativen Figurenkompositionen und Wandbildern. Frank Kupka (1871-1957) stammte eigentlich aus Böhmen, lebte aber seit 1895 in Frankreich, wo er sich ab 1909 vom Kubismus beeinflussen liess. Er gilt neben Robert Delaunay als Hauptvertreter des orphistischen Kubismus. In den 30er Jahren fand er zur streng abstrakten Malerei.
Als Kubist begann auch Marcel Duchamps (1887-1968), der durch Readymades, einer Ausstellung in der alltägliche Gegenstände zum Kunstwerk stilsiert wurden, Bekanntheit erlangte. Kubistische Plastiken schuf Raymond Duchamps-Villon (1876-1914), der in seinem Spätwerk, z. B. Pferd von 1914, die Bewegung thematisierte. Henri Laurens (1885-1954) begann nach seiner Begegnung mit Braque 1911 mit kubistischer Malerei und Collagen und wurde ein Hauptvertreter der französischen kubistischen Skulptur. Bekannt sind seine Steinplastiken Sirenen und der Grosse Amphion (1937, Paris, Musée National d’Art Moderne). Bedeutend für die kubistische Plastik ist auch das Werk von Jacques Lipchitz (1891-1973).
Orphismus
Einen höheren Abstraktionsgrad erreicht der Kubismus bei Robert Delaunay (1885-1941), der Farbakkorde rhythmisch und dynamisch in reiner Abstraktion darstellte. Sie ist von runden Formen, bunten Farben und Musikalität gekennzeichnet. Diese Farbzerlegung hin zur reinen Farbe wird auch Farbkubismus genannt. Beispiele sind seine Fensterserie (1912/13), Sonnenscheiben (1912) und Endlose Rhythmen (1934). Er hatte seine Laufbahn mit den kubistischen Bildern aus Saint-Séverin und der Eifelturmserie (ab 1909) begonnen. Er gilt als der Hauptvertreter des Orphismus. Dieser ist eine Weiterentwicklung des Kubismus, der auf der Grundlage der kubistischen Bildkonstruktion aufbaut. So wie im Kubismus die Formen, werden hier auch die Farben gebrochen. Diese farbenfrohen Prismen machen einen lichten und beinahe musikalischen Eindruck. Das ist mit dem Namen Orphismus, der auf die antike Sängergestalt des Orpheus Bezug nimmt, gemeint.
Der französische Dichter Guillaume Apollinaire hat diesen Begriff eigens für die Bilder von Robert Delaunay geprägt, die er 1913 in Herwarth Waldens Berliner Galerie Der Sturm ausgestellt sah. Delaunays Bilder schlagen die Brücke zum Expressionismus; so stellte er etwa 1912 in München mit dem Blauen Reiter oder 1913 in Berlin im Sturm aus.
Einfluss auf die europäische Kunst
Eine der französischen sehr ähnliche Entwicklung war zeitgleich in Italien zu beobachten. 1909 forderte der Dichter F. T. Marinetti im Pariser Figaro eine neue Kunst, die sich der modernen Zeit zuwenden und den Klassizismus hinter sich lassen solle. Diesem futuristischen Manifest folgte 1910 ein Appell an die bildenden Künstler, in dem zur Entwicklung einer futuristischen Malkunst aufgerufen wird. Diesen unterzeichneten die Künstler Giacomo Balla, Umberto Bocchioni, Carlo Carrà, Luigi Russolo und Gino Severini. Diesen beiden Aufrufen folgten im Abstand von nur wenigen Tagen ein futuristisches Manifest der bildenden Kunst und ein weiteres, das sich an die Architekten wandte. All diese Texte zeigen sich fasziniert von der Gegenwart, von Technik, von Geschwindigkeit. In der konkreten Umsetzung der Ideen versuchte man es zunächst mit dem Pointillismus, dann aber mit kubistischen Formen. Sehr dynamisch und rhythmisch wirkt beispielsweise Umberto Bocchionis Bild Die Kraft der Strasse von 1911. Bocchioni schuf auch Plastiken, die sich mit der Umsetzung von Bewegung befassten. Russolo überschritt die Grenze hin zur Musik und schuf 1913 einen Intonarumori genannten Apparat, eine Geräuschmaschine, der den Tonleitern der traditionellen Musik die Geräusche der Stadt und der Maschinen hinzufügen sollte. Politisch sozialkritisch eingestellt, führte der von den italienischen Futuristen betriebene Geniekult jedoch zu einer Unterstützung des Faschismus der 20er Jahre. Der kubistisch beeinflusste italienische Futurismus hatte seinerseits Wirkung auf den orphischen Kubismus von Delaunay und auf die Dada-Bewegung.
In München enthielten auch die Bilder der Expressionisten des Blauen Reiter kubistische Elemente. Franz Marc (1880-1916) etwa arbeitete in seinen Tierbildern stark mit kubistischen Formen. Der Bauhauskünstler, in Malerei und Plastik produktive Oskar Schlemmer (1888-1943) begann als Kubist. Systematisch weiterentwickelt zu einer tektonischen Malweise zeigen sich die Werke von Lyonel Feininger (1871-1956). Der Kubismus lieferte den deutschen Künstlern des Expressionismus, Dada und der abstrakten Malerei vielfältige Anregungen.
Grossbritanien brachte mit dem Vortizismus eine eigene Spielart hervor. Ihr Hauptvertreter ist Percy Wyndham Lewis (1884-1957). Die gleichermassen Literatur und bildende Kunst umfassende Bewegung hatte ihr Organ in Lewis‘ Zeitschrift Blast, review of the great English vortex. Ein Beispiel aus der Malerei ist Lewis‘ Komposition in Rot und Purpur von 1915, oder Die Werkstatt und Die Menge von 1914-15. Zu nennen sind auch Edward Wadsworth, Christopher Nevinson, William Roberts und David Bomberg; in der Skulptur Jacob Epstein, Frank Dobson und Henri Gaudier-Brzeska.
In Moskau propagierten die Brüder Burljuk den Kubofuturismus als eine Variante des abstrakten russischen Konstruktivismus. Analog zu den futuristischen Manifesten der italienischen Künstler veröffentlichte Michail Larionow 1913 sein Manifest des Rayonismus und forderte für die neue Kunst als vierte Dimension das Licht einzubeziehen. Die kubistische Technik, die Gegenstände auf Grundformen zu reduzieren, wurde nun von Larionow und seiner Frau Natalia Gontscharowa für Strahlendiagramme nutzbar gemacht. Alexander Archipenko (1887-1964) übertrug 1913 Prinzipien der kubistischen Malerei auf das Gebiet der Plastik. Auch er zeigte sich beeinflusst vom Futurismus und bezog dessen Thema Zeit, beziehungsweise Geschwindigkeit, in seine Skulpturen mit ein. Ein bekanntes Beispiel ist Karusell Pierrot (1914, Guggenheim-Museum, New York) oder auch die Bronzeplastiken Gondolier und Boxkampf von 1914. In der russischen Kunst ging der Kubismus in den Strömungen des Konstruktivismus der russischen Avantgarde auf.
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Kubismus #3
Kubismus, von französisch cube, Würfel, Kunstrichtung der Moderne, mit Betonung stereometrischer Formen.
Der Name ist eine Wortschöpfung des Kunstkritikers Louis Vauxcelles (der auch die Bezeichnung Fauvismus geprägt hatte), die anlässlich einer Ausstellung moderner Bilder im Jahr 1908 entstand. Vauxcelles bezog sich dabei vor allem auf die facettiert-prismatische Formensprache bei Gemälden des Malers Georges Braque, die in L’Estaque am Mittelmeer entstanden sind, wo auch Cézanne viele Bilder malte. Richtungweisend für den Kubismus waren der Spätstil des Malers P. Cézanne sowie sein Ausspruch, dass sich die Natur auf geometrische Körper zurückführen lässt, also die sichtbare Wirklichkeit auf Kubus, Kegel und Kugel reduzierbar ist. Unabhängig voneinander entstanden 1907/1908 die ersten rein kubistischen Werke von G. Braque und von P. Picasso, wobei sich Picasso vor seinem richtungweisenden Werk Les demoiselles d’Avignon besonders eingehend mit der Primitiven Kunst, d. h. mit der afrikanischen Volkskunst auseinandergesetzt hatte. Nach der cézannischen Phase entstand durch die Werke Braques und Picassos, als erste moderne Kunstrichtung, der von 1907/08 bis etwa 1913 währende Analytische Kubismus, – analytisch deshalb, weil die Künstler bestrebt waren, die Strukturen aufzudecken. Es handelte sich um eine Analyse auf bestimmte Grundformen hin. Die dargestellten Gegenstände werden, in geometrische Teile zergliedert, auf der Bildfläche ausgebreitet.
In weiterer Folge wurde der Kubismus vor allem von Malern und Bildhauern aus Frankreich, Spanien und Russland vertreten. Die Bildthemen wurden auf die wesentlichen Dinge reduziert und diese dann schroff, scharfkantig und ohne Rücksicht auf den üblichen perspektivischen Standpunkt des Betrachters, d. h. aperspektivisch, dargestellt. Die Künstler waren bestrebt, einen Gegenstand in mehreren Ansichten zu erfassen und durch facettenartige Brechungen auf eine Ebene zu projezieren, wobei diese splitterig facettierten Darstellungen den Eindruck der Mehransichtigkeit (Simultaneität) vermitteln. Die ausgewogenen Kompositionen des Kubismus weisen häufig Braun- und Grautöne auf, mit einer Tendenz zur Monochromie. Die Konzeption der Bilder basiert vielfach auf den mathematischen Proportionsverhältnissen des Goldenen Schnitts (Section d’Or), dem die Kubisten 1912 eine eigene Ausstellung in der Pariser Galerie La Boëtie, mit dem Titel La Section d’Or, widmeten. R. Delaunay entwickelte aus dem Analytischen Kubismus den Orphismus. Ab 1912 entstand der so genannte Synthetische Kubismus, bei dem die Vielfarbigkeit wieder an Aktualität gewann und der bis in die 1920er Jahre aktuell war. Gegenstände wurden beim Synthetischen Kubismus oft nicht dargestellt, sondern durch Buchstaben bzw. Zahlen oder durch gemalte Materialstrukturen (z. B. Holzmaserung) versinnbildlicht. Auf diese Weise entwickelte sich auch die Collage. Auf der Suche nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen experimentierten auch Dadaisten, Fauves und Nabis mit dem Kubismus.
Nach der Trennung vom dogmatischen Kubismus entstanden Dingkombinationen aus Realitätsfragmenten (Zeitungsausschnitten etc.) und Malerei, was den Bezug zur Wirklichkeit verstärkte. G. Braque bezeichnete die Integration der Collage durch die Maler 1917 als Verlagerung der Dingdarstellung zur malerischen Dingherstellung. Mit kubistischen Kunstströmungen in Verbindung gebracht werden neben den genannten Künstlern u. a. der Dichter und Kritiker G. Apollinaire sowie R. Delaunay (Orphischer Kubismus), M. Duchamp, Duchamp-Villon, A. Gleizes, J. Gris, F. Léger, L. Marcoussis, J. Metzinger, M. Raynal und A. Salmon. Durch den Kubismus inspiriert, entwickelten D. Burljuk, K. Malewitsch u. a. den russischen Kubofuturismus, wobei in Verbindung mit den Bildern des Malers Malewitsch auch der Terminus Konstruktivismus Verwendung findet. Gleichfalls vom Kubismus beeinflusst wurden Mitglieder der tschechischen Künstlergruppe Osma, die mit dem Kubo-Expressionismus in Verbindung gebracht werden, etwa E. Filla. Die Auflösung der herkömmlichen Dingwelt in der Kunst beschrieb G. Apollinaire in seinem kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs veröffentlichten Buch über die Maler des Kubismus, Les peintres cubistes. 1918 sprachen sich A. Ozenfant und Le Corbusier in ihrem unter dem Titel Après le Cubisme erschienenen Manifest des Purismus gegen alle Verwässerungen des Kubismus aus, wie etwa den Synthetischen und den Orphischen Kubismus, und forderten eine Rückkehr zum ursprünglichen Kubismus.
A. GLEIZES, Der Kubismus, München 1928; G. APOLLINAIRE, Les peintres cubistes, Paris 1913, dt. Zürich 1956; D. H. KAHNWEILER, Der Weg zum Kubismus (München 1920), Neuaufl. Stuttgart 1957; R. ROSENBLUM, Der Kubismus und die Kunst des 20. Jh., Stuttgart 1960; E. FRY, Der Kubismus, Köln 1966; H. STRING, Der Kubismus und seine Einwirkung auf die Wegbereiter der mod. Architektur, Diss. Aachen 1966; P. DAIX, Der Kubismus in Wort und Bild, Stuttgart 1982; M. ROSKILL, The Interpretation of Cubism, Philadelphia 1985; D. COTTINGTON, Cubism and the politics of Culture in France 1905-14, Diss. London 1985; F. METZINGER, D. ROBBINS, J. METZINGER, Die Entstehung des Kubismus, eine Neubewertung, Frankfurt/M. 1990; W. RUBIN, Picasso und Braque. Die Geburt des Kubismus, München 1990.
- Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Kubismus #4
Man muss hier nicht noch einmal erwähnen, dass der Kubismus, welcher früh in diesem Jahrhundert in Frankreich begann, eine wichtige Rolle in der Entwicklung moderner Kunst spielte. Diese neuartige Richtung, von Picasso und Braque ausgehend, zielte auf die Gründung einer neuen plastischen Ordnung, welche im kompletten Gegensatz zu der damals Existierenden stand und eine bedeutende Revolution in der visuellen Repräsentation von Kunst brachte. Kubismus hatte einen weitverbreiteten, bedeutenden Einfluss auf die Kunst, die ihm folgte, aber Kubismus tauchte natürlich auch nicht gerade aus dem Nichts auf. Im frühen 20.Jahrhundert war Europa in vielen Dingen an einem bedeutenden Wendepunkt, und gerade in der Kunst entstand eine neue Kunstrichtung nach der Anderen auf dem ganzen Kontinent, so zum Beispiel Fauvinismus in Frankreich, ein Vorgänger des Kubismus, oder Expressionisten wie «Die Brücke» oder «Der Blaue Reiter» in Deutschland, ausserdem der Futurismus in Italien. Es ist unnötig zu sagen, dass sich dieser Geist der Neuerung stufenweise während der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts weiterentwickelte.
Es gibt verschiedene Meinungen über den Beginn des Kubismus, doch es ist am wahrscheinlichsten, das Jahr 1907 als Ausgangspunkt zu wählen. Es war in diesem Jahr, als der Dichter Apollinaire Picasso dem gleichaltrigen Braque vorstellte. Es ist bekannt, dass Picasso und Braque zu dieser Zeit enorm von Cezanne beeinflusst wurden.
Es muss wohl kaum erwähnt werden dass Cezanne damals im Mittelpunkt stand und solide eine geordnete und ausgewogene Welt der Kunst konstruierte. Er übertraf den visuellen Realismus der Impressionisten, ignorierte die traditionellen Rollen der Perspektive und nutzte sehr effektiv die sich selbst kontrollierende Funktion von Formen und Farben. Cezanne bemerkte, das die Natur mit Zylinder, Kugel und Kegel gehandhabt werden sollte. Picasso und Braque folgten seiner Führung, und gerade zu dieser Zeit hatten sie beide getrennt voneinander nach neuen plastischen Formen ihren Mitteln entsprechend gesucht. Nach dieser Entdeckung entwickelte sich der Kubismus rasend schnell. In diesem Jahr gab Cezanne auch eine retrospektive Ausstellung im Salon d´ Automne.
Es war das selbe Jahr in dem Picasso «Les Demoiselles d´Aviginion» im Atelier seiner Wohnung in Monmartre, dem «Bateau Lavoir», fertigstellte, kurz vor dem Treffen mit Braque. Dieses Werk war eine bedeutende Arbeit, welche die zukünftige Entwicklung des Kubismus vorzeichnete, und zusammen mit dem Einfluss von Cezanne erschien infolge dessen ein Vorschlag über afrikanische Negerskulpturen. Gaugin fand zuerst neuen Wert in dieser Primitivität, doch zu dieser zeit waren es nicht nur er und Picasso, die sich für Negerskulpturen interessierten; Fauvisten wie Matisse, Vlaminck und Derain hatten ebenfalls starke Interessen für Negerskulpturen und sammelten diese sogar. Nichtsdestoweniger unterschieden sich Picassos Interessen von denen der Anderen.
Picasso nutzte die Negerskulpturen als einen Anhaltspunkt traditioneller anatomischer menschlicher Körperstruktur, und leitete daraus eine Form ab, die Elemente kombinierte, die man von vielen verschiedenen Gesichtspunkten heraus sehen konnte. Die Tradition hinter sich lassend, natürliche Objekte nur aus einem Blickwinkel heraus nach den Gesetzen der Perspektive darzustellen, eine Tradition, die seit der Renaissance bestanden hatte, und den Betrachtungspunkt des Objektes zu verschieben, zur gleichen Zeit das Objekt in verschiedene Fragmente aufteilen, diese von verschiedenen Blickwinkeln aus zu sehen und diese Fragmente später wieder zusammenzusetzen wurde einer der bedeutendsten Charakterzüge des Kubismus.
1908 begannen Braque in Estaque in Süd – Frankreich und Picasso in La Ruedes-Bois damit, eine räumliche Ordnung, wobei sie zurückhaltende Farben benutzten und natürliche Formen dabei reduzierten. Einige Leute betrachteten diese Arbeiten als Kubismus im Stil von Cezanne. Im gleichen Jahr hielt Braque eine Ein-Mann-Show in der Kahnweiler Galerie, und es wird behauptet, dass das Wort Kubus, das in einer Nachuntersuchung von Louis Vauxcelles benutzt wurde, der Original Wortstamm des Ausdrucks Kubismus sei. Von 1909 bis 1910 erweiterten Picasso und Braque die Vereinfachung des Objekts durch den Kubismus, welcher versuchte, die Realität eines Objektes ohne die Nutzung der traditionellen Gesetze von Perspektive und Schattierung zu schildern.
Das, was wir «Analytischen Kubismus» nennen könnten, erreichte seinen Höhepunkt um 1911;Objekte, die keine klaren Umrisse hatten, erschienen, und die Objekte sahen merklich anders aus als das, was sie in der Natur darstellten. Kubismus wurde farbig, als Apollinaire sagte, «nicht von visueller Realität, aber von der Realität der Vorstellung.» Gerade deshalb wird behauptet, Kubismus wäre ideenreich und intellektuell, im Gegensatz zu den phänomenalistischen und sinnlichen Tendenzen seines Vorgängers, dem Fauvinismus. «Er (der Betrachter) ist erfreut von der intellektuellen und sinnlichen Anziehungskraft einer innerlich konsequenten Bildstruktur».(Edward Fry). Während man sich Picassos «Portrai of Vollard» (1909-1910) ansieht, könnte man tatsächlich sagen dass, wenn man «die sozialen und historischen Faktoren für einen Moment ausser Acht lassen kann, ein Portrait von Renoir einem von Raphael ähnlicher sieht als ein kubistisches Portrait von Picasso.» (Golding)
Von Picasso und Braque in Schwung gebracht, schockte Kubismus gewaltig Kunstzirkel und sein Einfluss breitete sich sehr schnell danach weiter aus. Im Salon des Independants des Frühlings 1911, wurden Arbeiten von Gleizes, Metzinger, Leger, Andre Lhote, La Fresnaye, La Fauconnier, Delauney und Anderer wurden gesammelt und im 41. Zimmer ausgestellt. Dies wurde die grösste Gruppenausstellung des Kubismus. Im gleichen Jahr stellten Gleizes, Léger, Metzinger, Lhote, Jacques Villon, Marc Duchamp, La Fresnaye, Le Fauconnier ihre Arbeiten im Salon d´Automne noch einmal aus, wobei sie positive sowie negative Meinungen in hitzigen Debatten zu hören bekamen. Während Picasso und Braque nicht grossartig im Salon of Paris vertreten waren, wurde der Ausdruck Kubismus in erster Linie mit der grossartigen Ausstellung im Salon d’Automne und deren Künstler in Verbindung gebracht. Menschen wie Apollinaire spielten ein wichtige Rolle in der Ausbreitung des Kubismus und Gleizes und Metzingers Buch «Über den Kubismus» brache eine Menge von Einflüssen der theoretischen Stufe. Nichtsdestoweniger beanstandete dieses Buch, das kubistische Bilder nicht dekorativ und selbstkontrolliert sein müssen und diese Form des Kubismus der Ausdruck einer Idee sei. Auf der einen Seite gibt es beachtliche Unterschiede der Nuancen zwischen Braque und Picasso, sowie den anderen Künstlern untereinander, aber jeder von ihnen suchte auch seine eigene individuelle Methode nach einer neuen Ordnung in der plastischen Kunst.
Dabei wichen sie von traditionellen Sichtweisen ab und durch Überlappung von Zeichnungen sowie Stapelung und Teilung derer in Massive entstanden Mehrfachoberflächenfragmente. Desweiteren begannen Picasso und Braque um 1912 eine neue Phase zu beginnen. Die extrem unterdrückten Farben begannen ihren Reiz wiederzugewinnen, und die Gestalt der Objekte wurde etwas leichter verständlich. Braque malte das Getreidefeld im Tropen-Öl-Stil, und beide, Braque als auch Picasso, hatten ihren Anteil bei Experimenten mit Papierschnipseln, welche in der Geschichte bereits auf Segeltücher gedruckt wurden.
Folglich waren Picasso und Braque beim Synthetischen Kubismus angelangt. Die Erfindung der Papierschnipsel schien in der Ordnung des Kubismus einen neuen Sinn eingeleitet zu haben. Aber die Collage, entwickelt von Papierschnipseln machte die Schaffung von mehreren konkreten Inhalten auf der Oberfläche der Segeltücher notwendig, und öffnete einen völlig neuen Kunstzweig. Es ist zwecklos zu sagen, dass das «tableau-object» oder «das Bild als Objekt» eine Abkehr vom traditionellen Konzept des Raumes im Bild bedeutet. Und es ist ebenfalls allgemein bekannt, dass Collagen, wie die im Dada und Surrealismus, einen allgemeinen Bezug zur zeitgenössischen Kunst besassen.
Entsprechend dem Wechsel von Braques und Picassos Kubismus zum Synthetischen Kubismus, begannen verschiedene andere Prozesse im sich schnell entwickelnden Kubismus zu entstehen. Die Ausstellung einer Gruppe von Kubisten erschien im Salon des Independants 1912, und die section d’or Ausstellung in der Boetie Galerie, die im Oktober des selben Jahres stattfand wurde als eine andere wichtige Ausstellung betrachtet.
Diese Ausstellung wurde mit Jacques Villon als zentrale Figur und seinem Bruder Duchamp, durchgeführt. Villon und Marcel Duchamp, Gleizes, Metzinger, Picabia, Lhote, La Fresnaye, Léger, Marcoussis und Gris nahmen auch daran Teil. Appolinaire hielt einen Vortrag zu dieser Ausstellung welche später in sein Buch «Kubistische Maler» aufgenommen wurde, welches dann im darauf folgenden Jahr veröffentlicht wurde. Mit Rückblick auf diese Ausstellung wurde später gesagt, dass «die Unterschiede zwischen Metzinger und Picasso deutlicher seien als jene, die Renoir und Cezanne trennen, überdies die Unterschiede zwischen Fernard Leger und Marcel Duchamp, Picabia und La Fresnaye oder die zwischen A. Gleizes und Juan Gris noch sichtbarer seien».( Maurice Raynal). Dies wurde als Beweis einer Differenzierung der Individualitäten der einzelnen Künstler aufgefasst. Dieser Fakt kann ebenfalls als ein Aufbruch in eine neue Richtung derjenigen betrachtete werden, die fühlten, dass der Synthetische Kubismus eine Art Rückfall dessen war, was sie versuchten, wiederzubeleben.
Juan Gris, der als der Prototyp eines Kubisten angesehen wurde und im folgenden von Picasso und Braque übernommen wurde, entwickelte sehr früh einen einzigartig dichten kubistischen Stil. Gris bewahrte die Originalform eines sehr viel genauer variiert, entwickelte komplexe Pläne und fügte feine Anteile von section d´or in seine Kompositionen mit ein. Fernard Leger studierte Cezanne von einem anderen Blickwinkel als Picasso und Braque und versuchte, modernen Rhythmus und Mechanik mit einem fundamentalen Benutzen von zylindrischen Formen auszudrücken, verstärkt durch den Kontrast von geraden und gekrümmten Linien: dies deutet ebenfalls auf einen mechanischen Kubismus hin. Robert Delaunay kam bei seiner Serie von gebrochenen Arbeiten ebenfalls mit Kubismus in Berührung. Er suchte nach einem brillianten Umgang mit Licht und Farbe, und setzte sich damit in die Nichtfigurative Richtung des «Orphismus» von Apollinaire 1913, in Bewegung. Während Braque und Picasso weiterhin eine statische Welt betrachteten, zielten Duchamp und La Fresnaye auf das Ausdrücken der täglichen Dynamiken in der Natur, jedoch konnte das Verfolgen von Dynamiken, die die Maschienenzivilisation reflektierten, ebenfalls im Italienischen Futurismus erkannt werden.
«Zwischen 1913 und 1914 hatten sich so viele Künstler dem Kubismus zugewendet, dass dieser zeitweise die Universalsprache der avant-garde Maler wurde» (Fry). Es ist ebenfalls klar, dass der Kubismus einen weitverbreiteten, enormen Einfluss ausübte als er in verschiedenen Gebieten Europas und New York eingeführt wurde und diesen Einfluss ebenfalls auf Paul Klee als Vertreter des Blauen Reiters, Severing aus dem Fauvinismus, Malevitch aus dem Suprematismus und auf eine Periode von Chagall´s Arbeiten ausübte.
Ursprünglich entstand Kubismus aus den Problemen der zweidimensionalen Welt der Malerei, und er beeinflusste ebenfalls die Skulpturen von Archipenko, Lipchitz, Laurens, Zadkine und Anderer. Doch in der Skulptur, eigentlich eine konkrete dreidimensionale Form, brachte der Kubismus nicht die neuen Gedanken wie in der Malerei, jedoch hatte er wichtigen Anteil als Vorgänger Nicht-Naturalistischer Skulpturen.
Mit solch einer breiten Streuung im Kubismus ist es sehr viel schwerer zu entscheiden, wie wir den Ausdruck Kubismus erklären können, als über seinen Ursprungspunkt nachzudenken. John Golding, allbekannt als Autor des Buches «Kubismus», stoppte seine Geschichte und Analyse des Kubismus 1914, als der 1.Weltkrieg begann.
Nur Picasso und Gris wurden nicht eingezogen, doch Braque und viele andere Künstler antworteten dem Einberufungsbefehl und wurden an die Front geschickt. Die kubistische Bewegung musste sich einiger grosser Veränderungen unterziehen. Danach kreierte Picasso solch passende Werke des Synthetischen Kubismus wie «Die Drei Musiker» (1921). Braque, Leger und Gris entwickelten in ihrer Stufe individuell den reifenden Synthetischen Kubismus. Ozenfant und Jeanneret (Le Corbusier) veröffentlichten «Nach dem Kubismus» (1918) und befürworteten einen theoretischen und funktionellen Purismus als neu entwickelte Form des Kubismus, um der Struktur folgend eine reine Ordnung zu geben.
Wenn wir folglich den Kubismus für einen ausgedehnten Hauptausdruck halten, müssen wir ihn als eine weitreichende Kunstbewegung betrachten, welche von 1907 bis Mitte der 20er Jahre anhielt. Hier können wir verschiedene Entwicklungen sehen, welche sich etwas voneinander unterscheiden, aber generell können wir sagen, dass es eine Abweichung vom traditionellen, visuellen Realismus und eine autonome Gründung der Malerei basierend auf neuen Prinzipien der Form war. Braques Ausspruch «Der Sinn deformiert und der Geist formt» drücken dies deutlich aus. Zur gleichen Zeit ist Kubismus auch eine neue Form des Realismus vom Standpunkt des Versuches der Realität inmitten des Geistes, und sein Unterschied zur abstrakten Kunst liegt genau in diesem Punkt. Weiterhin hat Kubismus ein sehr viel näheres Verhältnis zu zeitgenössischer Kunst durch die Collage, die von Papierschnipseln ausging.
- Referat – Autor unbekannt