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Rote Karten gehören mittlerweile zur Super League wie die Familie Constantin zum FC Sion. Am vergangenen Fussball-Wochenende wurden in sechs Partien fünf Spieler des Platzes verwiesen. Einzig in der Partie zwischen Luzern und dem FC Zürich wurde vom Schiedsrichter keine rote Karte gezückt.
Die Platzverweise sorgten nach Abpfiff zuweilen für hitzige Diskussionen – so zum Beispiel im Spiel zwischen St.Gallen und Lugano, als der Captain Lukas Görtler den Luganesi Jonathan Sabbatini unglücklich am Knöchel traf und für diese Aktion vom Schiedsrichter Fähndrich nach Konsultation des VAR nicht nur direkt vom Platz verwiesen wurde, sondern auch noch eine Spielsperre kassierte.
Im Zentrum der Diskussion steht nicht nur die Frage, ob die Schiedsrichter beim Griff in die Westentasche zu voreilig agieren, sondern auch das Strafmass an sich – einige Spieler werden zusätzlich zur roten Karte mit einer Spielsperre belegt, andere müssen gleich mehrere Partien aussetzen. In der nächsten Runde müssen gleich elf Spieler aufgrund von Sperren passen.
Man hat den Eindruck, dass in der Super League Vergehen besonders oft mit der roten Karte geahndet werden. Aber ist dies auch tatsächlich der Fall? Wir haben die oberste Schweizer Liga mit den fünf besten europäischen Ligen verglichen – das sind die Resultate.
In absoluten Zahlen betrachtet gehört die Super League im Vergleich mit den fünf besten europäischen Ligen nicht zu den Spitzenreitern – und zwar aus dem einfachen Grund, dass die Liga mit zwölf Teams um einiges kleiner ist als die Vergleichsligen und in der laufenden Saison folglich auch weniger Spiele gespielt wurden.
In absoluten Zahlen wird in der spanischen Liga in 249 Spielen 64 Mal eine gelb-rote oder rote Karte gezückt. Damit führt La Liga das Ranking der «unfairsten» der fünf grossen Ligen an. Interessant ist zudem, dass in der französischen Ligue 1 und der spanischen Liga mehr als dreimal bzw. doppelt so viele direkte rote Karten gezeigt wurden als gelb-rote. In den anderen Vergleichsligen flogen Spieler in etwa gleich häufig oder häufiger vom Platz, wenn sie bereits mit gelb verwarnt waren.
In absoluten Zahlen wird die rote Karte in der Super League zwar nicht häufiger gezeigt als in den anderen Ligen, analysiert man die Daten aber pro Spiel und pro Team, wird deutlich, dass der Eindruck der letzten Wochen nicht trügt – in der Super League wird tatsächlich besonders oft Rot gezeigt.
Das vergangene Wochenende, an dem in sechs Partien fünf Spieler mit einer roten Karte in die Kabine geschickt wurden, ist aber auch in der Super League eine Ausnahme. Durchschnittlich greifen die Schiedsrichter in der obersten Schweizer Liga fast in jedem dritten Spiel zur roten Karte. Einzig die spanische Liga kann mit diesem Wert einigermassen mithalten. Am unteren Ende der Skala befinden sich die Bundesliga und die Serie A. In der deutschen und der italienischen Liga braucht es mehr als fünf Spiele, bis der Schiedsrichter Rot zeigt.
Verteilt man die roten Karten gleichmässig auf die 12 Teams der Super League, so hat in dieser Saison jedes Team bereits 3,4 rote Karten auf dem Konto. Auch hier kommt die spanische Liga dem Schweizer Pendant mit 3,2 roten Karten pro Team am nächsten. Die weisseste Weste hat einmal mehr die Bundesliga – in der Super League holen die Klubs fast doppelt so oft Rot wie die Teams in der deutschen Liga.
Vergleicht man die Verwarnungen, die in den sechs Ligen bisher ausgesprochen wurden, fällt auf, dass – genau wie bei den roten Karten – die spanische Liga vorne mit dabei ist. Die Super League tanzt in dieser Statistik nicht wirklich aus der Reihe. Mit durchschnittlich 4,6 gelben Karten pro Spiel liegt die Schweizer Liga im selben Bereich wie die Premier League und die Serie A.
Die Ligue 1 liegt – genau wie die Super League – im Ranking der roten Karten deutlich höher als bei den gelben Karten. So sind die Schiedsrichter in der französischen Liga mit 3,6 gelben Karten pro Spiel am kulantesten. Auch in der Bundesliga werden Spieler vergleichsweise selten mit der gelben Karte bestraft.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Super League gehört in Sachen rote Karten auf dem europäischen Kontinent tatsächlich zu den Spitzenreitern. Aus einer Statistik, die von Sport.ch Anfang Februar veröffentlicht wurde, wird jedoch ersichtlich, dass die oberste Schweizer Liga die «Primera Division» erst vor kurzem an der Spitze der unrühmlichen Rangliste abgelöst hat – alleine seit dem 1. Februar wurden in der Super League zwölf rote Karten verteilt.
Ganz zuoberst auf dem Treppchen der «unfairsten» Ligen steht die Schweiz aber nicht. In der portugiesischen Liga wird die rote Karte mit einem Wert von 0,31 Mal pro Spiel noch häufiger gezückt als in der Super League.
Ohne zu brillieren blieben die ZSC Lions auch im neunten Spiel in diesen Playoffs der National League ungeschlagen. Sie waren über weite Strecken nicht besser als Lausanne, aber am Ende eine Spur abgeklärter.