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dieses Hauses weisen kunstreiche Decken auf, deren eine von dem Schaffhauser Meister J. J. Schärrer herrührt (1721). Einige Häuser weiter beginnt die nach dem Schwabentor führende Vorstadt mit einer langen Reihe schöner Fassaden; erwähnt sei die «Blume» (1605) und der wahrscheinlich von demselben Architekten erbaute «Goldene Ochsen» (1609),
dessen schön gegliederte und den schönsten Erker Schaffhausens enthaltende Fassade mit mythologischen Figuren bemalt ist, während die gegenüberliegende «Hagar» ihrer vier grossen biblischen Bilder jetzt beraubt ist; ferner der «Goldene Käfig» (1586), dessen Hauptbild den Sultan Bajazet zeigt, wie er von Timur in einem Käfig herumgeführt wird. Der Strasse, die vom Schwabentor nach S. läuft, folgend, kommen wir bald zu dem 1869 vom Architekten Meier erbauten Mädchenschulgebäude. In dem von Vorstadt, Bachstrasse und Vordergasse umschlossenen Quartier ist noch das Haus zur «Fels» auf dem «Platz» zu nennen, das durch eine Inschrift an den schmalkaldischen Krieg erinnert.
Vom Frohnwagturm gelangt man durch die südwärts laufende Gasse «an der Tanne» zum «Herrenacker», dem mittelalterlichen Turnier- und jetzigen Jahrmarktsplatz Schaffhausens. Hier steht links das «Imthurneum», eine Stiftung des Schaffhauser Bürgers J. Im Thurn in London, das als Konzert-, Theater- und Ausstellungslokal dient und in dessen oberem Stockwerk sich die Gemäldesammlung des Kunstvereins befindet. Auf der W.-Seite des Platzes erhebt sich das «Kornhaus», ein grosser Bau des 17. Jahrhunderts, auf der S.-Seite das Bibliothekgebäude mit den Halbstatuen des Chronisten J. J. Rüeger und des Gelehrten J. G. Müller von Bildhauer Oechslin, in welchem vorläufig noch ausser der Stadtbibliothek ein naturhistorisches Museum und ein reichhaltiges antiquarisches Kabinett untergebracht sind. In der Mitte des Platzes sprudelt eine von der Hochdruckwasserleitung gespeiste Fontäne. An der durch zwei grosse Erkertürme (Haus zur «Münz» und «Sonnenberg») ausgezeichneten Gasse, welche vom Herrenacker nach O. führt, liegt rechts die «Alte Kaserne» (1617), ein durch seine hübsche Fassade und ein ausserordentlich schönes Portal hervorragender Bau J. J. Meyer's, eines der bedeutendsten Renaissancearchitekten der deutschen Schweiz.
Von hier gelangt man zum Münsterplatz, dessen eine Seite vollständig vom Münster und den übrigen Gebäuden des ehemaligen Klosters Allerheiligen eingenommen wird, während die andere im «Tiergarten» eine zwar modernisierte, aber durch ihre zwei Ecktürme interessante Baute des 16. Jahrhunderts enthält. Das Münster ist eine flach gedeckte, mit quadratischem Chor abschliessende romanische Säulenbasilika, die leider durch eine unglückliche Restauration stark gelitten hat.
Diese zweite Pfarrkirche Schaffhausens hat vor einigen Jahren ein prächtiges neues Geläute erhalten; zwei der alten Glocken werden aber noch aufbewahrt: die eine, die sog. Taufglocke, in der Kirche selbst, die andere, die sog. Schillerglocke mit der Inschrift vivos voco, mortuos plango, fulgura frango, auf dem freien Platz zwischen St. Annakapelle und Kreuzgang. Dieser letztere, teils romanisch, teils gotisch und mit vielen Epitaphien ausgestattet gleich der modernen westlichen Vorhalle, schliesst sich an die S.-Seite der Kirche an. Drei Seiten desselben sind kürzlich in mustergiltiger Weise restauriert worden, wobei verschiedene vermauerte Säulenstellungen wieder aufgedeckt wurden.
Der von diesem Kreuzgang eingeschlossene sog. Junkertotengarten soll in eine Gartenanlage umgewandelt werden; der ö. von der St. Annakapelle gelegene grössere Friedhof ist längst zu einer vielbesuchten Anlage mit Volière umgeschaffen worden. Dort ist auch eine Marmorbüste Heinrich Moser's, des Begründers der Wasserwerke, aufgestellt (Mosergarten). In nächster Nähe liegt im Rhein die öffentliche Badanstalt mit grossem Schwimmbassin. Im W. stösst an den Kreuzgang das Kollegium mit der Ministerialbibliothek. Im nahen Hofe des Konvikts erblicken wir eine romanische Galerie mit höchst interessanten Ornamenten. Ein sehenswerter Bau ist auch die nach der alten Kaserne zu gelegene Abtwohnung von 1484, die «neue Abtei» (jetzt von der kantonalen Finanzverwaltung benutzt),
unter welcher ein Tordurchgang, der «Klosterbogen», dem Rhein zuführt.
Damit hätten wir unsern Rundgang durch das Weichbild der Stadt beendigt, und es erübrigt noch, die teils uralten, teils erst in neuerer Zeit entstandenen Aussenquartiere zu nennen. Wir beginnen im O. mit den Fischerhäusern. Es ist dies eine lange, vom Freien Platze aus dem Rhein parallel laufende Strasse, an der die Schlachthäuser und die von der Stadt erworbene und zweckmässig umgebaute Gasfabrik liegen. Daran schliesst sich auf der Höhe das Emmersbergquartier und seine Fortsetzung «in Gruben», wo sich im letzten Jahrzehnt eine rege Bautätigkeit entfaltet hat.
Ausser zahlreichen Villen und Wohnhäusern erheben sich hier das Bürgerasyl und zwei stattliche Schulhäuser (ein Primarschulhaus und die Kantonsschule). Die Höhe zwischen Gruben und Herblingerthal trägt ausser etlichen neuen Landhäusern das Kinderspital und das Asyl Schönbühl. Auch die in gleicher Richtung verlaufende Hochstrasse weist mehrere hübsche Privatgebäude auf. Vom Tannerberg und Gaisberg grüssen weithin in die Lande die schlossartigen Villen Tannerberg und Berg. Hinter den Bahnhofanlagen erhebt sich der Kantonsspital mit Absonderungshaus und chirurgischem Pavillon, und das früher so romantische Mühlenthal wird jetzt durch die ausgedehnten Fabrikgebäude der ehemals Fischer'schen Eisen- und Stahlwerke ausgefüllt. Es folgt im W. das ausgedehnte Steigquartier.
Eine untere Terrasse wird vom Sommerlokal der Kasinogesellschaft und der Fäsenstaubpromenade mit dem Denkmal des Geschichtschreibers Johannes von Müller von Bildhauer Oechslin eingenommen. Dahinter erhebt sich die gotische katholische Kirche, und am Berghang erblicken wir eine Reihe von Landhäusern, überragt von der auf der zweiten Terrasse erbauten neuen Steigkirche. Auch die dritte Terrasse, das Hochplateau der «Breite», in deren Hintergrund die kantonale Irrenanstalt Breitenau liegt, fängt an, sich rascher mit Villen und Wohnhäusern zu bedecken. Die Mühlenvorstadt endlich zieht sich, wie die Fischerhäuser gegen O., dem Rhein entlang nach W. Hier liegen zahlreiche industrielle Etablissemente, namentlich Maschinenfabriken und Mühlen, die sich bis zur Villa Friedau, dem jetzigen Marienstift, erstrecken.
Bibliographie:
Zehender, F. Beschreibung der Stadt Schaffhausen. Schaffhausen o. J. -
Beck, J. J. Bilder aus dem alten Schaffhausen; hrsg. vom histor.-antiquar. Verein. Mit beschreib. Text von J. H. Bäschlin. Schaffhausen 1899. - Oeri, J. J. Schaffhausen und der Rheinfall. (Europ. Wanderbilder. 18). Zürich [189.]. - Bringolf, J. Schaffhausen und seine Umgebung; Fremdenführer, herausgegeben von der städtischen Verkehrskommission.
[Prof. Dr. Robert Lang.]
Bevölkerung.
In mittelalterlicher Zeit stieg die Bevölkerungsziffer der Stadt Schaffhausen wohl nie über 7000 Seelen. Nähere Angaben darüber fehlen vollständig, und es ist uns ein genaues Verzeichnis überhaupt erst aus dem Jahr 1766 erhalten. Dieses vermerkt 6969 Ew. Bei einer 1836 vorgenommenen Zählung kam man auf 6083 Köpfe, wobei aber die Aufenthalter (etwa 1300) nicht inbegriffen gewesen sein sollen. Die erste eidgenössische Volkszählung lieferte eine Gesamtzahl von 7700, die sich dann bis zum auf 15275 gehoben hat. Im Jahr 1901 machte sich in Folge der Krisis in einem Industriezweig eine kleine Abnahme und im folgenden Jahr ein Stillstand bemerkbar, doch wuchs bis Ende 1903 die Bevölkerungsziffer wieder auf 15420 an. Zur Zeit nimmt Schaffhausen in Bezug auf die Zahl der Einwohner den 13. Rang unter den Schweizerstädten ein. Nach den Ergebnissen der eidgenössischen Volkszählungen war die Bevölkerung zusammengesetzt aus:
|Jahr 1850||Jahr 1900|
|Stadtbürgern||3626||3974|
|Kantonsbürgern||1894||2834|
|Schweizerbürgern||1408||4109|
|Ausländern||772||4358.|
Demnach ergibt sich also eine jährliche durchschnittliche Zunahme von 1,8‰ bei der ersten, 8‰ bei der zweiten, 21,4‰ bei der dritten und 34,7‰ bei der vierten Kategorie, sowie von 13,6‰ bei der ganzen Bevölkerung überhaupt. Den stärksten Zuwachs erhielt die letztere 1888/1900 mit 18,1‰ Jahresdurchschnitt (Ueberschuss der Geburten: 1528, der Einwanderung: 1432). ¶