Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03477.jsonl.gz/145

Erst kam die Covid-19-Pandemie, dann verstarb Christo im vergangenen Jahr. Trotzdem wird die Vision des Künstlers, den Triumphbogen auf der Avenue des Champs-Élysées mit silbrigblau-schimmerndem Stoff zu verhüllen, umgesetzt – von Jonathan Henery, dem Neffen von Christo. Er lässt die Vision des verstorbenen Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude Realität werden.
Jonathan Henery
Jonathan Henery ist der Neffe Christos. Von 1996 bis 2009 war er der Assistent von Christos Frau Jeanne-Claude. Henery leitet heute das Büro von Christo und hat an vielen Publikationen über sein Werk mitgewirkt.
SRF: Wie wird der verhüllte Arc de Triomphe aussehen?
Jonathan Henery: Der Arc de Triomphe wird mit einem blauen Polypropylengewebe verhüllt, das mit silberner Farbe überzogen ist. Es wirkt so, als hätte man eine Aluminiumschicht auf den Stoff gesprüht – ganz ähnlich wie beim verhüllten Reichstag 1995, aber mit dem Unterschied, dass das recyclebare Gewebe beim Arc de Triomphe blau ist.
Je nach Lichteinfall wird sich das Gebäude farblich verändern: mal strahlend weiss, mal tiefblau, dann wieder mehr grau. Ausserdem verwenden wir 7000 Meter rotes Seil, mit dem das Gewebe so drapiert wird, wie Christo es entworfen hat.
Wie kann das Projekt posthum ohne Christo und Jeanne-Claude überhaupt realisiert werden?
Vor seinem Tod im Jahr 2020 hatte Christo bis ins kleinste Detail festgelegt, wie das Projekt umgesetzt werden soll. Wir wissen also ganz genau, wie der verhüllte Arc de Triomphe auszusehen hat.
Christo war mehrfach in Paris, um alles zu testen; er hat das Gewebe ausgewählt, die Farben, den Durchmesser des Seils – sogar den Faltenwurf des Gewebes hat er exakt festgelegt und wie es vom Seil am Arc de Triomphe gehalten werden soll. Und er hat zu Lebzeiten testamentarisch verfügt, dass sein Team das Projekt auch ohne ihn zu Ende führen soll.
Was wird bei «L'Arc de Triomphe, Wrapped» gegenüber anderen Projekten anders sein?
Der verhüllte Arc de Triomphe ist das erste Projekt, das nach dem Tod von Christo und Jeanne-Claude realisiert wird. Wir werden es genau so umsetzen, wie Christo es zu Lebzeiten entworfen hat. Die ersten Projektskizzen des verhüllten Arc de Triomphe hatte Christo in Paris bereits vor mehr als 50 Jahren angefertigt, also noch bevor er in die Vereinigten Staaten übersiedelte.
Werden Sie weitere Christo-and-Jeanne-Claude Projekte realisieren?
Christo hat uns ausdrücklich angewiesen und autorisiert, jene Projekte zu realisieren, die er und Jeanne-Claude von Anfang bis Ende konzipiert haben. Neben dem verhüllten Arc de Triomphe gilt das auch für das Mastaba-Projekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Moment konzentrieren wir uns ganz auf den verhüllten Arc de Triomphe.
Was macht das Vermächtnis von Christo-and-Jeanne-Claude aus?
Zusätzlich zu den Projekten, die wir noch realisieren werden, hat Christo testamentarisch festlegt, eine gemeinnützige Stiftung zu gründen. Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber die Stiftung wird sich um sein Archiv kümmern, seine Kunstwerke und Zeichnungen, die nicht in Museen zu sehen sind oder an Galerien und private Sammler verkauft wurden.
Wir werden uns um die Urheberrechte kümmern und darum, dass diese Kunststiftung nicht auf Gewinn ausgerichtet ist. Das ist ein wichtiger Teil des Vermächtnisses von Christo und Jeanne-Claude: sich um ihre Arbeit zu kümmern, jetzt, wo sie nicht mehr unter uns sind.
Das Gespräch führte Michael Marek.
Besuchende können «L'Arc de Triomphe, Wrapped» ab dem 18. September 16 Tage lang bewundern.