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Drachen fliegen lasen
Ziel: Die Kinder und Jugendlichen lassen ihre Gedanken fliegen und betätigen sich kreativ.
Gedanke: Ein Drachen lässt sich im Wind treiben, er ist frei, soweit es die Schnur zulässt.
Text: Der kleine Wind. Es war einmal ein kleiner Wind, der gerne mit den Kindern gespielt hätte. Aber sobald er nur ein bisschen um die Hauswände herumstrich und die Fensterläden klappern liess oder durch das Schlüsselloch wisperte, dass die Kinder doch herauskommen sollten – schon versteckten sie sich. Sie schmiegten sich an ihre Mütter oder kletterten auf ihre Väter, hielten sich die Ohren zu und riefen ängstlich: «Huu, wie der Wind heult!» So zog der kleine Wind traurig wieder ab. Er wollte seine Eltern fragen. Schnell wehte er also ins Gebirge, um seinen Vater, den Sturmwind, zu fragen. «Kannst du nicht mitkommen und mir helfen, die Kinder haben immer Angst vor mir, wenn ich mit ihnen spielen will», rief er schon von weitem. «Haha, hoho», antwortete der Sturmwind lachend. «Was glaubst du denn, mein Kleiner, was die Kinder wohl machen würden, wenn ich um ihr Haus blase und dabei ein paar Äste von den Bäumen breche oder Ziegel von den Dächern fege ...Haha, hoho, keine so gute Idee!» Damit liess sich der Sturmwind einen steilen Hang hinunterfallen, knickte dabei ein paar morsche Bäume um und riss einen kleinen Felsbrocken mit. Nein, der Vater konnte ihm nicht helfen, der war einfach zu wild! Also flog der kleine Wind schnell zum Meer, wo seine Mutter mal als sanfte, mal als stürmische Brise lebte. Sie empfing den kleinen Wind zärtlich säuselnd, umarmte ihn, tanzte eine flotte Pirouette mit ihm und wollte ihn immer weiter von der Küste weglocken. Dem kleinen Wind wurde ein bisschen schwindelig. Aber er hatte nicht vergessen, weshalb er gekommen war. «Nein, warte», keuchte er, «ich will nicht aufs offen Meer hinaus, ich will hierbleiben und mit den Kindern spielen, aber die haben Angst vor mir, bitte komm und hilf mir ...» «Aber mein Windchen-Kindchen, ich kann doch nicht weg von hier. Ich bin zu feucht und schwer, siehst du diese Wolken, die sich immer an meinen Rockzipfel hängen? Ich würde dir und deinen Freunden doch nur Regen bringen. Dann müssen sie ins Haus. Komm lieber mit mir übers Meer!» «Nein, ich will mit Kindern spielen!», rief der kleine Wind, und nachdem er noch einmal mit seiner Mutter herumgewirbelt war, flog er übers Land zurück. Die Mutter wehte mit grossem Brausen aufs offene Meer hinaus. Traurig wehte der kleine Wind da und dort herum, wackelte an Baumkronen, rüttelte an Antennen und Satellitenschüsseln, zog Wäsche von der Leine und blies aus Übermut manchmal in einen Kamin. Aber das Geräusch, das dabei entstand, gefiel ihm selbst nicht. Irgendwann blies er nur noch über Felder und Hügel und sah sehnsüchtig in der Ferne auf die Häuser, wo die Menschen wohnten. Eines Tages hatte er ganz unerwartet Glück. Er pustete gerade genüsslich zwei Schäfchenwolken auf dem blitzblauen Himmel hin und her, die Sonne schien und die Blätter an den Bäumen leuchteten in Gelb und Rot, da sah er eine ganze Horde von Menschen auf den höchsten Hügel laufen. Es war ein Sonntag, das wusste der kleine Wind natürlich nicht, Männer und Frauen, Kleine und Grosse waren unterwegs, viele hielten etwas Buntes in der Hand. Neugierig flog der kleine Wind näher. Oh, wie wunderbar. Viele Kinder waren dabei, manche liefen voraus und warteten oben auf dem Hügel ungeduldig auf die anderen. Tänzelnd vor Freude kam der kleine Wind näher heran. Mit einem Jauchzen und Lachen warfen die Kinder und Väter und Mütter ihre Drachen in die Höhe – ja, genau, ihm entgegen! Sie wollten also, dass er mitspielte, und das tat er. Er nahm die herumfliegenden Drachen, zog sie weiter nach oben, liess sie schweben und tanzen. Dann wurde er sogar ein bisschen übermütig und liess einen von ihnen abstürzen und seine Nase in die Erde bohren. Aber das Kindergeschrei erschreckt ihn so, dass er den Drachen sofort wieder mit nach oben nahm und ihn in besonders schönen Kurven und Schlangenlinien schweben liess. Da war ein Lachen und Herumtollen, ein Prusten und Blasen und Knattern hoch oben in der Luft. Für den kleinen Wind hätte es ewig so weitergehen können. Die Stunden vergingen wie im Flug. Es begann, kühler zu werden, und da und dort hörte man schon Stimmen, die riefen. «Holt eure Drachen runter! Wir gehen nach Hause!» «Oh Nein, gerade jetzt, wo es am schönsten ist!» Der kleine Wind wusste, zu wem er halten wollte, und er wusste auch, wie. Entschlossen trug er die Drachen immer höher und höher, drehte sie mehrmals um die eigene Achse und setzte alles daran, dass sie nicht heruntergeholt werden konnten. Und er schoss auf den Boden, blies Jacken und Röcke hoch und pflückte da und dort die Hüte von den Köpfen. Die Männer und Frauen sprangen ihren Sachen hinterher, und der kleine Wind schob die Leute noch mächtig an, dass sie ihre Hüte nicht einfangen konnten. Es gab ein wildes Durcheinander, und wer von den Kindern keinen Drachen mehr in der Luft hatte, spielte beim Hütefangen mit, und erst als es anfing, dunkel zu werden, ging allen ein bisschen die Puste aus, auch dem kleinen Wind. So liess er etwas nach und schob nur ganz sanft die müden Gestalten an, die auf dem Heimweg waren. Dabei hörte er, wie glücklich die Kinder waren. Gerührt und auch ein bisschen stolz begleitete der kleine Wind seine neuen Freunde bis an die Tür der Wohnung und blies noch schnell einen Haufen bunten Herbstlaubs davor. Draussen tänzelte er noch ein wenig aufgekratzt zwischen den Häusern herum, begleitete mit seinem Klappern und Lärmen die Kinder in den Schlaf und zog sich dann glücklich wieder in die Hügel zurück.
Root Leeb
Animation: Flugdrachen basteln. Mit Papier, Leim und Schere basteln die Kinder und Jugendlichen einen Flugdrachen. Nach anschliessender drachenmässiger Bemalung präsentieren alle einzeln ihr Werk und lassen den Drachen fliegen. Ziel ist, dass der Drachen möglichst hoch und möglichst schön fliegt. Mit Dracheneiern in Form von Kieselsteinen bewerten die Kinder und Jugendlichen die Schönheit und die Flugleistung und küren so den König oder die Königin der Flugdrachen.
Ausklang: Die Drachen werden an einem gemeinsamen Ort aufbewahrt, sie legen sich zur Ruhe. Die Kinder und Jugendlichen überlegen sich nochmals, was ihnen beim Drachenfliegen so für Gedanken durch den Kopf gingen. Sie wählen einen Gedanken aus und lassen diesen bewusst ebenfalls ruhen – der Gedanke geht mit dem Drachen schlafen.
Dieses Anispi stammt aus dem konturen 39 Drache.