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Text
Titel:
Auswanderung nach South Carolina
Thema: Leute
Datum: --.--.1738
Standort: Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, App b 40
Urheber/-in: Anhorn, Bartholome
Beschreibung:
Von Bartholome Anhorn im Jahr 1738 zusammengestellte und in St. Gallen gedruckte Nachrichten von Appenzellern, die in den amerikanischen Bundesstaat South Carolina auswanderten.
Der erste Brief stammt von einem nicht weiter identifzierten Autor mit den Kürzeln H.W aus der Gegend „um St. Johannis“ (vermutlich aus dem Toggenburg), der an Johannes Tobler in Rehetobel schrieb. Der Brief wurde am 17. November 1735 in „Carls=Staat“, dem heutigen Charleston, in South Carolina verfasst. Nach einem Gruss an Familie und Freunde berichtet der Autor über die Gründung der Stadt Oranienburg (wahrscheinlich heutiges Orangeburg, SC) und die landwirtschaftliche Situation in dieser Gegend. Nachdem er über den Tod seiner Ehefrau und seines kleinen Sohnes berichtet hat, liefert er auch einen Bericht über die Überfahrt nach Amerika von London her und was er Nachreisenden für die Überquerung des Atlantiks empfehlen würde. Der zweite Brief wurde am 12. September 1736 in Basel von Johannes Tobler verfasst. Adressiert wurde er an Bartholome Ränn aus Speicher. Im Brief finden sich hauptsächlich Angaben zu Zollbestimmungen in Europa in Tagesregistern und scheint sich an Personen zu richten, welche die Reise bald selbst unternehmen wollen. Johannes Tobler schreibt ganz am Anfang des Briefes, dass er nun weiter nach South Carolina reise.
Der dritte Brief ist auf den 14. September 1736 datiert und stammt aus der Feder von Bartholome Anhorn, der Johannes Tobler nachträglich eine gute Reise nach Amerika wünscht.
Geschichte:
Der aus Rehetobel stammende und wohlhabende Johannes Tobler (1996-1765) begleitete im Jahr 1736 zusammen mit dem Gaiser Bartholome Zuberbühler (1678-1738) 99 Auswanderer nach South Carolina. Zu dieser Zeit gaben oftmals wirtschaftliche Miseren den Auschlag für den Entschluss auszuwandern; im Falle von Tobler und Zuberbühler spielten politische Gründe eine gewichtigere Rolle.
In der Zeit zwischen 1715 und 1732 – zur Zeit des sogenannten Landhandels – gehörte Tobler zur Partei der „Linden“, welche hauptsächlich die Interessen der Familien Zellweger und Tanner vertrat. Die aristokratisch geprägten „Linden“ verloren schliesslich den Kampf gegen die demokratisch eingestellten „Harten“, welche vor allem von der Familie Wetter gestellt wurden. Infolge wurden im Jahr 1734 Johannes Tobler, der damals Seckelmeister war, Landammann Zellweger, Statthalter Zellweger und viele andere der „Linden“ auf Lebenszeit aus Rat und Gericht ausgeschlossen.
Bartholome Zuberbühler war zwischen 1726 und 1735 Pfarrer in Teufen gewesen. Auch er wurde abgesetzt, nachdem er mit der herrschenden Partei in Konflikt geraten war. Dies als er sich im Jahr 1735 im sogenannten Zuberbühler-Handel oder Teufenerhandel „in wenig gewählten Worten“ (Schefer, S. 65) gegen die Anwerbung von Kompanien durch den König von Frankreich aussprach.
Da Zuberbühlers Sohn Sebastian schon seit 1734 an der Gründung von Purrysburg beteiligt war, ist vermutlich South Carolina als Siedlungsgebiet für die Auswanderergruppe ausgewählt worden. Schläpfer berichtet, dass Sebastian Zuberbühler ein Geschäft mit der Anwerbung von Auswanderern machen wollte und deshalb ausdrücklich forderte, dass nur Leute mit einem gewissen Startkapital nach Amerika gehen sollten. Neben diesem familiären Bezug dürfte auch eine im Jahr 1734 von Bern aus betriebene Werbekampagne eine gewisse Motivation für die Auswanderung nach Carolina geliefert haben. Toblers Schicksal in Amerika verlief in den ersten Jahren nicht sehr günstig, da er in eine zeitlich beschränkte Leibeigenschaft geriet, später verbesserte sich aber seine ökonomische Lage und er kaufte ein grosses Landstück in New Windsor. Zuberbühler wurde in Savannah im Bundesstaat Georgia Pfarrer.
Wie der Appenzeller Chronist Walser berichtet, seien einige der Auswanderer auf dem Weg gestorben, ein paar seien zurückgekehrt, die meisten jedoch hätten sich in Carolina häuslich niedergelassen. Zu hoffen bleibt, dass diese Rückkehrer bei ihrer Abreise aus dem Appenzellerland die Hälfte ihrer Güter in vormundschaftlicher Verwaltung zurückgelassen oder einen gewissen Geldbetrag abgeliefert hatten – ansonsten verwirkten sie nämlich das Landrecht.
Autorin: Katharina Merian, Speicher
Literatur:
Schefer, Johannes: Geschichte der Gemeinde Teufen. Teufen 1949, S. 64-69.
Schelbert, Leo: Einführung in die schweizerische Auswanderungsgeschichte der Neuzeit. Zürich 1976, S. 332-335.
Schläpfer, Walter: Wirtschaftsgeschichte des Kantons Appenzell Ausserrhoden bis 1939. Gais 1984, S. 75-77.
Walser, Gabriel: Appenzeller-Chronick in welcher alle die vornehmste Begebenheiten so sich von Anno 1732-1763 sowohl inn= als ausser dem Land Appenzell zugetragen unpartheyisch beschrieben worden, von Gabriel Walser, Landmann, dermahlen Pfarrer zu Berneck im Rheintal, MDCCLXIII. Schaffhausen 1837, S. 150f.
Witschi, Peter: Appenzeller in aller Welt. Auswanderungsgeschichte und Lebensschicksale. Herisau 1994.
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