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Expertenliste aus der Datenbank
Sean Egan: 100 Albums That Changed Music
«100 Albums That Changed Music and 500 Songs You Need to Hear» kam 2006 beim Robinson-Verlag in London heraus. Als Herausgeber und Autor fungiert Sean Egan, als Mitautoren zeichnen sich verantwortlich: Hugh Barker, Angus Batey, Charles R. Cross, Tierney Smith, Tommy Udo und (der bekannteste von allen) Richie Unterberger.
Die im Buch behandelten 100 Alben sind wirklich sehr essentiell. Sie sind ein hervorragender Ausgangspunkt für jemanden, der sich mit dem Kanon der Rockgeschichte auseinander zu setzen beginnt. Später wird man auf umfangreichere Werke wie die Mojo Collection oder die 1001 Albums You Must Hear Before You Die umsteigen.
Über jedes Album finden Sie einen etwas mehr als zweiseitigen Artikel, die Trackliste, die Erscheinungsdaten und die Produzenten. Teilweise ist das Cover oder ein Bild des Musikers bzw. der Band abgedruckt. Im Text wird Ihnen die Bedeutung des Albums für die Geschichte der Rock- bzw. Popmusik, sowie die Umstände seiner Entstehung dargelegt. Sie erfahren zum Beispiel, weshalb «Sweetheart Of The Rodeo» von den Byrds ein Schock war und welche Rechtsstreitigkeiten darüber bestimmten, wer bei welchem Lied Leadsänger war.
In der Einleitung zum Buch heisst es: «This is not a book about the best rock & pop long players but rather the most important.» Nur leider wird der Unterschied zwischen «best» und «most important» überhaupt nicht klar. Mit den besten Alben sind die ästhetisch Grössten gemeint (Egan spricht von «aesthetic greatness»), mit den wichtigsten die historisch wirkungsvollsten. Theoretisch ist das natürlich ein grosser Unterschied. Nur leider wir dieser Unterschied in der Methodik, diese Bestenliste zusammenzustellen, nicht reflektiert. Doch das müsste er doch! Das ist doch eine wichtige Frage: Wie misst man das ästhetisch Beste und wie das historisch Wikungsvolle? Egan schweig über diese wichtige Frage, obwohl er sie selbst aufwirft, in dem er behauptet, dass dieses Buch so anders sei als alle andern. Man weiss auch nicht, welche andern Bestenlisten er meint bzw. wogegen er sich bzw. sein Buch abgrenzt: Etwa gegen die Mojo Collection, gegen die Rolling Stone 500 Greatest Albums Of All Times oder gegen die 1001 Albums You Must Hear Before You Die? Alle diese Listen sind von Experten zusammengestellt worden - von Musikjournalisten und teils von Musikern. Und soweit ich es verstehe ist auch Egans Buch auf genau diese Weise entstanden. Wo bitte liegt also der Unterschied?
Egans «100 Albums» sind bis in die üblichen Fehler und Verzerrungen solcher Bestenlisten mit den genannten Beispielen vergleichbar: Egans 100 Albums haben wie die meisten Rocksammlungen den blinden Fleck bei der neueren Musik. Musik, die nach den 80er Jahren erschienen ist, ist deutlich untervertreten - seit 1980 sind gerade Mal 13 Alben verzeichnet! Das ist als hätte es keine Innovationen mehr gegeben. Postrock (z. B. Tortoise) kommt nicht vor, ebensowenig Lo-Fi-Acts (z. B. Stereolab), Noise-Acts (z. B. Sonic Youth), Electronica (z. B. Jeff Mills) und vieles mehr.
Quelle: Sean Egan (Ed.): 100 Albums That Changed Music And 500 Songs You Need To Hear; London, 2006 (Robinson)