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Le Corbusier in Zürich
Mit Ausnahme des Frühwerkes in La-Chaux-de-Fonds und Le Locle, das er in seinem Oeuvre complète mit Ausnahme der Villa Turque verschwieg, hinterliess Le Corbusier lediglich zwei bedeutende Bauten in der Schweiz: die Maison Clarté in Genf (1930/32) und den von Heidi Weber initiierten Pavillon in Zürich, der erst 1967, zwei Jahre nach seinem Tod, vollendet wurde. Nun wurde das Gebäude sorgfältig restauriert. Eine Monografie legt davon Zeugnis ab.
Wer den Pavillon besuchen möchte, sollte den Weg vom Bahnhof zum Chinagarten zu Fuss zurücklegen. Geht es zunächst lärmig und hektisch zu, betritt man am rechten Seeufer nach der belebten Strandpromenade eine grüne Oase, die mit verschiedenen kleinen Gebäuden und Skulpturen bestückt ist, darunter eine monumentale Skulptur von Henry Moore sowie die für die Expo 64 konstruierte Tinguely-Maschine «Heureka». Den Pavillon Le Corbusier muss man schon fast mit der digitalen Karte suchen, denn er steht zwar inmitten eines grosszügigen Rasens, ist jedoch von den Hauptwegen durch Bäume und Brüstungen abgeschirmt.
1960 erteilte die Zürcher Innenarchitektin, Verlegerin und Galeristin Heidi Weber Le Corbusier den Auftrag für ein Gebäude, worin sie einerseits dessen Gesamtwerk mit Ausstellungen dokumentieren, andererseits ihre Privatsammlung zeigen wollte. Die Institution erhielt den Namen «Heidi Weber Museum – Centre Le Corbusier» und hielt den Betrieb – abgesehen von zwei Unterbrüchen – bis 2016 aufrecht. 2014 endete das Baurecht, und der Pavillon wurde von der Stadt Zürich übernommen, deren Amt für Hochbauten die Renovation beaufsichtigte. Unter der Leitung von Arthur Rüegg und Silvio Schmed fand eine sorgfältig ausgeführte Instandstellung statt.
Seit Mai 2019 wird das Gebäude als Bestandteil des Museums für Gestaltung in den Sommermonaten wieder für Ausstellungen genutzt. Aus Anlass des Abschlusses der Renovationsarbeiten erschien im Zürcher Verlag Scheidegger & Spiess eine schmale Monografie, die mit ausgezeichneten Fotos, Plänen und verdaubaren Texten ein etwas in Vergessenheit geratenes Juwel sozusagen wieder auferstehen lässt.
Das Werk nimmt in Le Corbusiers Gesamtschaffen eine Sonderstellung ein. Mit ihm verbindet man eher den schalungsroh belassenen Beton oder die Zurschaustellung von verputzten und mit den von ihm speziell entwickelten Salubra-Farben bemalten Fassaden. In Zürich jedoch wird der Beton lediglich für den massiven Aufgang zur Dachterrasse verwendet, doch dieser Block enthüllt sich einem erst, nachdem man die Schauseite umschritten hat. Der zweigeschossige und unterkellerte Kern – gedacht als ein Modell für ein Wohnhaus – setzt sich aus einem filigranen Stahlskelett zusammen, das mit Glas und mit monochromen Emailleplatten ausgefacht ist. Le Corbusier holte ein schon 1950 entwickeltes und patentiertes System für vorfabrizierte Ferienhäuser aus der Schublade, das bis anhin noch nie bei einem Bau erprobt wurde. Als Elemente für das zuerst aufgestellte Dach, das auf drei dünne Stahlrohrsäulen und sechs Kastenstützen gesetzt ist, dienten doppelquadratische Metallüberdachungen, die 1950 in Paris als Schutz für die Werke einer Künstlergruppe gedient hatten. Insgesamt lässt der Pavillon eher einen Vergleich mit der Architektur von Mies van der Rohe zu, oder anders formuliert: Im Gesamtwerk von Le Corbusier ist er mit keinem anderen Bau verwandt und somit im wörtlichen Sinne einzigartig.
Die Übergabe des «Heidi Weber Museum» an die Stadt verlief nicht in Minne, im Gegenteil. Die Gründerin streitet seither juristisch um die nach ihrer Ansicht von der Stadt mit ihr vereinbarten Punkte in Bezug auf eine zu gründende Stiftung sowie auf die Integration ihres Namens in die offizielle Bezeichnung des Pavillons. Demnächst muss sich sogar das Bundesgericht mit der Angelegenheit beschäftigen. Die Stadt Zürich beharrt auf der Etikette «Pavillon Le Corbusier», was für Aussenstehende, die sich allerdings nur durch Medienberichte über den Fall informieren können, nicht nachvollziehbar ist.
Pavillon Le Corbusier Zürich. Restaurierung eines Architektur-Juwels, Scheidegger & Spiess 2019, 88 S., CHF 39.00
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