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Von New York aus prägte er ab den 1960er-Jahren zwei Dekaden Massenkultur: Die Rede ist von Andy Warhol, der als der jüngste von drei Söhnen einer armen Bauernfamilie 1928 in Pittsburgh geboren wurde. Von 1945 bis 1949 studierte er in Pittsburgh Gebrauchsgrafik am Carnegie Institute of Technology und machte dort seinen Abschluss in Malerei und Design. Nach Abschluss des Studiums zog er mit einem Kommilitonen nach New York, wo er sich zunächst als einer der besten und erfolgreichsten Werbegrafiker seiner Zeit etablierte und später als Maler, Grafiker und Filmemacher arbeitete.
In den 1950er-Jahren verdiente Warhol bereits genug, um eine Kunstsammlung aufzubauen. In dieser Zeit entwickelte er auch das sogenannte «drop and dripping», eine Technik, die seine späteren Siebdrucke vorwegnimmt. In den frühen 1960er-Jahren entschloss er sich schliesslich zu einer freien künstlerischen Tätigkeit.
Künstlerisch vielseitig begabt
Doch auch als Künstler blieb sein Fokus auf die Welt des Konsums, der Medien und der Massenindustrie gerichtet. Warhol gilt als einer der Begründer der PopArt, sowohl was ihre Themen und Motive als auch ihre Techniken betrifft. Er konzentrierte sich auf triviale Sujets aus der Konsumwelt, auf Hollywood-Stars sowie Comic- und Cartoon-Motive, welche er anfangs noch per Hand anfertigte und vervielfältigte. Mit diesen der Werbeszene entnommenen Abbildungen distanzierte er sich bewusst vom Abstrakten Expressionismus, der damals in Amerika aktuellen Kunstströmung.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel konzentriert sich auf die entscheidenden Anfangsjahre von 1961 bis 1964, während derer er sich mit einer grundlegenden Erneuerung des malerischen Ausdrucks beschäftigte. Ab 1960 schuf er erste Bilder nach Comic-Vorlagen, ab 1961 entstanden die ersten Serienbilder. Diese für Warhol typischen Serien stellte er in späteren Jahren in der Technik des Siebdrucks her, den er als künstlerisches Mittel legitimierte.
Bereits ab Mitte der 1960er-Jahre öffnete der vielseitig Begabte sein Werk medial und gründete 1964 die Silver Factory, eine Werkstatt für Film, Fotografie und Musik. In dieser kurzen Zeitspanne von nur vier Jahren leitete Andy Warhol eine bis heute nachwirkende Wende in der Kunstgeschichte ein. Schrittweise ersetzte er eine individuelle Bildsprache durch bereits mediatisiertes und damit kollektives Bildmaterial sowie mechanische Bildverfahren. Diese Entwicklung seines Werks wird in der Ausstellung beispielhaft an Bildern wie «Before and After» gezeigt, die Warhol in Anlehnung an ein Inserat für eine Schönheitsoperation in verschiedenen Versionen malte - mal wild und expressiv, dann wieder sachlich-kühl.
Anhand von ausgewählten Werkgruppen wird Warhols Umgang mit den Prinzipien der Wiederholung und der seriellen Reproduktion von Bildgegenständen aufgezeigt, vor allem seit er den Foto-Siebdruck für sich entdeckte. Diese Technik erlaubte es ihm, fotografische Vorlagen - wie Zeitungsbilder - zu riesigen Formaten aufzublasen. Die Spannweite zwischen Warhols gestischen Anfängen und der später von ihm zunehmend eingesetzten Drucktechnik wird in den berühmten «Camp-bell’s Soup Cans» und den «Dollar Bills» deutlich. 1962 hatte Warhol mit «Campbell’s Soup Cans» seine erste Einzelausstellung als Künstler in einer Galerie in Los Angeles. Das Publikum begegnete Warhols Bildern zunächst mit totalem Unverständnis. Lediglich zwei Käufer, darunter der Schauspieler Dennis Hopper, erkannten die revolutionäre Neuerung seiner Sichtweise. Neben wichtigen Werken aus dem Bestand des Kunstmuseums Basel sind zahlreiche bedeutende Leihgaben aus San Francisco, New York und Pittsburgh zu sehen. Ergänzend wird Archivmaterial aus dem Nachlass des Künstlers gezeigt, das Einblick in seine Atelierpraxis und Auskunft über die Bildquellen und technischen Vorgehensweisen gibt. Unter anderem experimentierte Warhol auch mit schon damals populären 3-D-Verfahren.
Die Schau mit rund 70 Gemälden und Zeichnungen hat ihren Höhepunkt in den berühmten Star-Serien von «Elvis und Liz», einem Saal von «Death & Disaster» und der ersten «Flowers»-Serie aus dem Jahr 1964.
Untrügliches Gespür für Effekte
Viel zitiert ist Warhols Bonmot, nachdem er gar nicht mehr male und auch seine Vorlagen schon alle da seien, er selbst also gar keine Kunst mehr produziere. Seine Bilder stellen jedoch ganz bewusst gewählte und weiterbearbeitete Ausschnitte der Vorlagen dar. Es sind die Auswahl, die Gestaltung, und das ihr zugrunde liegende Konzept, welche die Kunst Warhols prägen. In seinen Jahren als Werbegrafiker hatte er ein untrügliches Gespür für die Effekte erworben, die durch eine entsprechende Gestaltung und Farbgebung hervorgerufen werden. Dieses Gespür ist die Grundlage für seine Werke, die er bis zu seinem Tod 1987 in New York ästhetisch konsequent weiterentwickelte.