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Der Euroraum im Jahr 2015: Externe Effekte beeinflussen Konjunktur
04.03.2016
Die Erholung im Euroraum hat im Jahr 2015 etwas Tritt gefasst, vor allem dank tiefer Energiepreise, steigender Einkommen und einer sinkenden Arbeitslosigkeit. Allerdings wirkt sich die schwächere Nachfrage aus den Schwellenländern negativ aus. Und ungeklärt sind die Auswirkungen der Flüchtlingsströme, wobei die konjunkturellen Effekte hier bislang über einen erhöhten Staatskonsum eher positiv waren.
Die Entwicklung im Euroraum war im vergangenen Jahr geprägt von konjunkturell positiv wie negativ wirkenden Faktoren. Zu den positiven Entwicklungen gehört der Rückgang der Energiepreise, wodurch die Verbraucherpreise lediglich stagnierten und sich das real verfügbare Einkommen der Haushalte erhöhte. Dies, zusammen mit einer zwar noch hohen, aber langsam sinkenden Arbeitslosigkeit, führte zu einem Anstieg des privaten Konsums und machte diesen zum wichtigsten Treiber für die Produktionsausweitung im vergangenen Jahr. Ein weiterer, bis jetzt konjunkturell schwer exakt einzuordnender Faktor waren die Flüchtlingsströme in der zweiten Jahreshälfte, welche in einigen Ländern zu einem gesteigerten Staatskonsum führten.
Ein negativer Faktor war eine Nachfrageschwäche aus den Schwellenländern und die damit einhergehende Eintrübung der Erwartungen der Unternehmen aufgrund der unsicheren Absatzmöglichkeiten. Dies belastete sowohl die Exportnachfrage nach Gütern aus dem Euroraum als auch die Investitionstätigkeit von Unternehmen. Insgesamt legte die Produktion im gemeinsamen Währungsraum im vergangenen Jahr um 1.5% zu, was einer Beschleunigung gegenüber dem Vorjahr entspricht (0.9%).
Deutschland: Positive Entwicklung trotz Flüchtlingsströmen
Die einzelnen Mitgliedsländer waren unterschiedlich von den genannten Entwicklungen betroffen. So stieg der private Konsum in Deutschland recht deutlich. Die privaten Haushalte erzielten aufgrund der niedrigen Arbeitslosigkeit, die im vergangenen Jahr auf 4.6% sank, den entsprechend höheren Lohnabschlüssen und der geringen Teuerung von 0.1% deutlich höhere reale Einkommenszuwächse als üblicherweise. Aufgrund der hohen inländischen Nachfrage wuchsen die Importe schneller als die Exporte, die unter der Nachfrageschwäche aus den für den deutschen Aussenhandel wichtigen Schwellenländern, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte, litten. Dadurch wirkte der rechnerische Aussenbeitrag insgesamt bremsend auf die Konjunktur. Wie im gesamten Euroraum trugen auch die deutschen Investitionen in Ausrüstungsgüter in der ersten Jahreshälfte zur Produktionsausweitung bei, in der zweiten Hälfte kam es hingegen zu einer Verlangsamung.
Die starken Flüchtlingsströme trafen Deutschland im Vergleich zu den anderen grossen Ländern des Euroraums deutlich stärker, weswegen es in der zweiten Jahreshälfte zu einer starken Ausweitung der Staatsausgaben kam. Insgesamt legte die Produktion in Deutschland im vergangenen Jahr um 1.4% zu, wenn man die saison- und kalenderbereinigten Daten von Eurostat zugrunde legt. Ohne die arbeitstägliche Bereinigung, die die Effekte von unterschiedlich vielen Arbeitstagen gegenüber dem Vorjahr beseitigt, hätte der Zuwachs des Bruttoinlandprodukts sogar 1.7% betragen.
Frankreich: Wenig Dynamik
Die französische Wirtschaft konnte von den gesunkenen Energiepreisen nur bedingt profitieren. Frankreich ist geprägt von einer persistent hohen Arbeitslosigkeit, die im Jahr 2015 mit einer Quote von 10.5% leicht höher lag als im Vorjahr. Die gestiegene Arbeitslosigkeit dürfte auch einer der Gründe für den im historischen Vergleich eher geringen Zuwachs des privaten Konsums gewesen sein. Es waren vor allem der öffentliche Konsum sowie die Investitionen in Ausrüstungsgüter von Unternehmen, die das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr stützten. Bremsend wirkten hingegen die Bautätigkeit, aufgrund der noch immer sinkenden Immobilienpreise, sowie der Aussenhandel, der aufgrund der geringen Nachfrage aus dem Ausland und der geringen Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft negativ zur Produktionsausweitung beitrug. Insgesamt nahm die Produktion im Jahr 2015 um 1.1% zu, was einer Beschleunigung gegenüber dem Vorjahr (0.2%) entspricht. Damit wächst das französische BIP auch etwas schneller als das von der Europäischen Kommission geschätzte Produktionspotenzial. Die konjunkturelle Dynamik ist jedoch weiterhin zu gering, um die negative Produktionslücke deutlich zu verringern und die Arbeitslosigkeit abzubauen.
Italien: Rezession überwunden
Auch in Italien waren die oben genannten Faktoren spürbar. So sank der Aussenhandel in der zweiten Jahreshälfte und auch die Investitionen in Ausrüstungen gingen zurück. Zudem wirkte die Bautätigkeit aufgrund der weiterhin sinkenden Immobilienpreise bremsend. Jedoch konnte Italien zum Jahresbeginn 2015 die vorherige Rezession von fünf Quartalen überwinden und die Produktion um 0.6% steigern, nach einer Abnahme um 0.4% im Jahr 2014. Dies machte sich auch in einem Rückgang der Arbeitslosenquote bemerkbar. Sie sank während des vergangenen Jahres um einen Prozentpunkt, lag jedoch im Dezember noch immer auf hohen 11.4%. Zwar wuchs die Produktion in Italien kräftiger als das Produktionspotenzial, die Produktionslücke ist jedoch immer noch weit geöffnet. Dies ist ein Grund für die anhaltend niedrige Inflation, welche im vergangenen Jahr lediglich 0.1% betrug.
Fazit: Externe Entwicklungen treiben Konjunktur im Euroraum
Im vergangenen Jahr war die konjunkturelle Dynamik massgeblich getrieben von externen Entwicklungen. Während die gesunkenen Energiepreise die verfügbaren Einkommen der Haushalte erhöhten, wurden die Unternehmen von der schwächeren Nachfrage aus den Schwellenländern belastet, was sich inzwischen auch in einer Eintrübungen der Erwartungen niederschlägt. Die Flüchtlingsströme nach Europa hatten bisher primär Effekte durch höhere Staatsausgaben. Die genannten Faktoren bestehen zum grössten Teil noch und werden auch in diesem Jahr massgebliche Effekte auf die Konjunktur im Euroraum haben.