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Frauen und Wirtschaft
Frauen spielen in der Gesamtwirtschaft Simbabwes eine riesige Rolle und leiden gleichzeitig unter einer Reihe von Benachteiligungen. Als grobes Fazit muss man festhalten: Frauen arbeiten mehr als Männer und sind grösseren Risiken ausgesetzt.
Simbabwische Frauen sehen es als ihre Aufgabe, die Familie zu ernähren. Sie stehen frühmorgens auf, machen den Haushalt und dann gehen sie an den Arbeitsplatz.
Frauen, die ökonomisch gestärkt sind, neigen dazu, andere Menschen um sie herum zu ermächtigen, einschließlich ihrer Kinder, Familien und der gesamten Gemeinschaft.
Frauen auf dem Arbeitsmarkt
Frauen machen Karriere und sind erfolgreich. Aber die Widerstände sind oft sehr gross, wie Rosewita Katsande vom Jugendnetzwerk YETT berichtet, die den Arbeitsmarkt und Frauenkarrieren seit vielen Jahren beobachtet.
Arbeitslosigkeit und Arbeit im informellen Sektor
Viele Frauen mit Berufsausbildung sind arbeitslos, vor allem in den Städten. Eine Studie mit fast 6‘000 jungen SimbabwerInnen zeigte, dass Frauen nur eine halb so grosse Chance auf eine Anstellung im formellen Sektor haben: nur gerade 5.2% aller Frauen arbeiten unter einem richtigen Arbeitsvertrag. Umgekehrt sind deutlich mehr Frauen als Männer im informellen Sektor tätig. Allerdings sind die meisten Arbeitgeber im informellen Sektor Männer, wie eine Studie der internationalen Arbeitsorganisation ILO zeigte. In den letzten Jahren sind Frauen vermehrt in Männerdomänen aktiv, dazu gehören auch kleinste Minen oder Steinbrüche.
Zwar gibt es für den informellen Sektor auch informelle Sozialversicherungssysteme, aber viele Frauen können keine regelmässigen Beiträge leisten. Auch die Gesundheitsversicherungen sind für diese Frauen und ihre speziellen Bedürfnisse wenig zugänglich.
Viele Frauen müssen mehr als einen Job bewältigen um genügend Einkommen und eine stabile finanzielle Situation zu haben. Eine grosse Zahl der Frauen arbeitet darum mehr als 70 Stunden pro Woche. Die YETT Studie zeigte auch einen enorm hohen Anteil von Frauen, die regelmässig oder vorübergehend mit Sexarbeit einen Nebenerwerb bestreiten.
Frauen auf dem Land
Auf dem Land sind die Arbeitslosenraten unter den jungen Menschen niedriger als in der Stadt. Hier leben die Menschen immer noch von der Landwirtschaft. Obwohl Frauen eine entscheidende Rolle im Agrarsektor spielen, sind sie stark marginalisiert. Frauen in ländlichen Gebieten arbeiten gemäss aktuellen Studien 16 bis 18 Stunden am Tag. Während Männer nur rund 45 Prozent der Leistungen im Agrarsektor beitragen, ist der Prozentsatz der Frauenbeteiligung auf 55 Prozent gestiegen. Aufgrund der kulturellen Normen sind Frauen jedoch ihren Ehemännern/Partnern untergeordnet und so treffen Männer Haushaltsentscheidungen, über Grundbesitz, Finanzen und alle wertvollen Nutztiere in letzter Instanz, oft ohne vorherige Absprache mit ihren Frauen.
Die Grundlage für die ländliche Wirtschaft ist der Zugang zu Land. Dieser wird Frauen oft verwehrt. Witwen zum Beispiel gehen regelmässig leer aus bei der Verteilung des vererbten Landes ihres verstorbenen Gatten. Auch grosse Investitionsprojekte haben oft besonders negative Auswirkungen auf die Frauen, wie das Beispiel in Chisumbanje zeigt. In den Gebieten, wo die sogenannten Fast Track Land Reform durchgeführt wurden zeigt sich insgesamt auch, dass Frauen benachteiligt wurden.
Land ist eines der markantesten Bespiele, wie Frauen vom Zugang zu Produktionsmitteln ausgeschlossen werden. Das gilt auch für den Kapitalmarkt. Der finanzielle Status der Frauen in Simbabwe ist deutlich niedriger als jener der Männer. Die Erfahrungen in unserem Pilotprojektgebiet zeigen, dass Frauen praktisch keinen Zugang zu kommerziellen Krediten erhalten, vor allem weil sie in einer Welt, in der sie faktisch von Eigentums- und Erbrechten ausgeschlossen sind, keinerlei Sicherheiten einbringen können. Der in anderen Ländern vorhandene Mikrobankensektor ist in Simbabwes ländlichen Gebieten vollständig abwesend.
«Armut wird weiblicher»
Gerade im Landwirtschaftssektor finden wir viele Faktoren, die Frauen benachteiligen: die landwirtschaftliche Produktion zahlt Frauen niedrigere Löhne, die kommerzielle Landwirtschaft (und Männer) verdrängen Frauen vom Land und machen insbesondere Druck auf ProduzentInnen, der sich auf die Arbeits- und Anstellungsverhältnisse überträgt. An vielen Orten werden Frauen also in einen Arbeitsmarkt gedrängt, der ihnen ungenügende und unfaire Löhne zahlt. Das hat vielleicht auch etwas damit zu tun, dass bäuerliches Wirtschaften Frauen (und Kinder) in arbeitsintensiven Zeiten mobilisiert während regelmässig anfallende Tätigkeiten eher von Männern erfüllt werden. «Die Armut hat das Gesicht einer Frau», schreibt eine Simbabwerin, oder, um es in der Fachsprache zu googlen: «Feminization of Poverty»
Haushaltsarbeit und unbezahlte Arbeit
Dass Frauen sehr viel unbezahlte Arbeit im Haushalt, bei der Kindererziehung oder der Pflege von kranken oder von alten Menschen leisten, ist ein globales Phänomen, das von den Wirtschaftswissenschaften sträflich vernachlässigt wird.
Frauen, die an Orten leben, wo die Infrastruktur schlecht ist, verbringen noch viel mehr Zeit mit Arbeiten rund um die Haushalt. Eine Studie der englischen NGO Oxfam errechnete, dass Frauen aus den ärmsten Haushalten jeden Tag durchschnittlich 40 Minuten mehr mit Feuerholzsammeln und Wasserholen verbringen, als ökonomisch bessergestellte Frauen. Im Laufe eines ganze Frauenlebens macht das ein volles Jahr aus. Mädchen aus diesen Haushalten müssen sich sieben Stunden pro Woche mehr um den Haushalt kümmern. Das wirkt sich natürlich auch auf die Ausbildung aus!
Das heisst eben auch, dass Frauen früher zu arbeiten beginnen als ihre männlichen Geschwister. Schon im Kindesalter erwartet man von Mädchen, dass sie im Haushalt mitarbeiten. Mehr dazu im Kapitel Generationen.
Gerade in Ländern wie Simbabwe, wo HIV sehr weit verbreitet ist, ist zusätzlich auch noch die Zahl derjenigen reduziert, die überhaupt solche Aufgaben übernehmen können. Die Internationale Arbeitsorganisation stellte fest, dass in Simbabwe auf 4 Leute, die pflegen können fast 3 Personen kommen, die sie pflegen müssen. Die HIV-Epidemie hat viele ältere Menschen, und gerade Grossmütter, mit vielen zusätzlichen Aufgaben belastet.
Familien, die es sich leisten können, stellen in Simbabwe Haushalthilfen ein. Die Regierung hat einen Minimallohn festgehalten für diesen Sektor. Bei der letzten Anpassung im September wurde ein Lohn von rund 170 Zimbabwe Dollars festgelegt, wenn Hausangestellte gratis am Arbeitsort wohnen können. Das wären zum heutigen Kurs weniger als 10 USD. Aktuell kann sich eine Hausangestellte mit einem solch Lohn gerade noch zwei 10-Kilosäcke Mais kaufen.
Der Klimawandel macht die Sache für viele Frauen und Mädchen noch schlimmer. Nicht nur, dass er Ertrags- und Einkommensausfälle bringt und so die Armut verstärkt, was sich wiederum nachteilig auf die Chancen von Frauen auswirkt. Mit dem Klimawandel steigt auch die Arbeitslast zum Beispiel fürs Wasserschöpfen stark an. Und weil Frauen zentral sind sowohl bei der Produktion als auch der Zubereitung von Nahrung, bedeuten aufwändigere, aber zum Beispiel trockenheitsresistente Getreide unter Umständen auch mehr Arbeit. Insgesamt kann unter der Mehrfachbelastung die Versorgung der Frauen und der Familie leiden, wobei es nicht nur um Menge der Nahrung geht, sondern eben auch um ihre Qualität oder Ausgewogenheit.
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