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Die lokale Bevölkerung im Norden und Osten Sri Lankas ist im Alltag weiterhin mit unzähligen Problemen konfrontiert. Anhaltende militärische Landbesetzungen rauben den Menschen ihre Lebensgrundlage. Mutige Stimmen wie die der 53jährigen Tamilin Maheswaran Bavani machen auf die Unrechtmässigkeit dieser Landnahmen aufmerksam.
Seit neun Generationen bewohnte und bewirtschaftete die Familie von Maheswaran Bavanis Ehemann ein Stück Land im Dorf Kepapulavu an der Nordostküste Sri Lankas. Maheswaran Bavani folgte deren Beispiel, als sie in die Familie hineinheiratete. Während ihr Mann in der nahegelegenen Lagune fischte, pflanzte sie Reis an und betrieb eine kleine Kokosnussfarm. 25 Bäume waren 2008 bereits ausgewachsen und lieferten gute Ernte. Weitere 25 Setzlinge wären jetzt gross genug, um regelmässig Kokosnüsse zu ernten. Die Familie versorgte sich dank einem grossen Teil der Ernte selbst, ein kleiner Teil konnte sie zusätzlich auf dem lokalen Markt verkaufen. Das Geld reichte, um das Haus in gutem Zustand zu halten, Strom zu beziehen und die zwei Kinder zur Schule zu schicken. Ein Bombenangriff auf das Dorf Kepapulavu 2008 änderte all dies schlagartig. Die heftigen Kriegsgefechte zwischen den sri-lankischen Regierungstruppen und der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zwangen das Ehepaar mit ihren Kindern zur Flucht.
Kampf um die Existenz
«Mein Mann und ich dachten, wir würden zurückkehren, sobald der Krieg vorüber ist», erzählt die Tamilin. Das Militär hatte jedoch anderes im Sinn. Nach Kriegsende wurde die Familie im überfüllten Binnenflüchtlingslager Menik Farm interniert. Erst drei Jahre später folgte von dort die Umsiedlung in ein sogenanntes Modelldorf. Kepapulavu bleibe aus Gründen der nationalen Sicherheit ein Militärstützpunkt, liess das Militär offiziell verlauten. Angesichts der kompletten militärischen Niederlage der LTTE verstehen die Menschen dies bis heute nicht. Derweil erhielten die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner Kepapulavus nicht allzu weit entfernt Ersatzland, auf dem das Militär neue Häuser aus dem Boden stampfte. Erst 2015 war auch das Haus für Maheswaran Bavanis Familie fertig. Während diese vorübergehend in einer selbstgebauten Wellblechunterkunft ausharren musste, wohnten die Soldaten selbst in Maheswaran Bavanis Haus.
Der Verlust eines seit Generationen bewirtschafteten Stücks Land ohne angemessene Kompensation führt in Sri Lanka zur Verarmung von unzähligen betroffenen Familien. Auch im Fall von Maheswaran Bavani sind das erhaltene Haus und Ackerland keineswegs ein Ersatz für das verlorene Eigentum. Die Behausung ist von schlechter Qualität, Wasser für Landwirtschaft ist im Modelldorf kaum vorhanden und das erhaltene Land reicht dafür bei Weitem nicht aus. Die Familie muss zusätzlich Geld für Lebensmittel aufwenden. „Ich bin gezwungen, meine eigenen Kokosnüsse auf dem Markt vom Militär zurückzukaufen“, erzählt die Tamilin. Manchmal reicht das wenige Geld, das mein Sohn verdient, nicht einmal dafür. Das ist erniedrigend.“ Die Lebensverhältnisse der Familie sind mittlerweile prekär. Wie die meisten Menschen im Modelldorf hat Maheswaran Bavani vergebens nach Lohnarbeit gesucht. Ihr Mann ist zu krank, um einer regulären Arbeit nachzugehen. Einzig die Gelegenheitsarbeiten ihres Sohnes halten derzeit die Familie über Wasser. „Ohne unser Land und den direkten Meereszugang geht es uns schlecht. Wir sind von unserem Sohn abhängig, der durch eine Kriegsverletzung keine schweren Arbeiten erledigen kann“, beschreibt Maheswaran Bavani ihre aussichtslose Situation.
Die Menschen protestieren
Seit dem 25. Januar 2017 protestiert Maheswaran Bavani zusammen mit anderen Dorfbewohnerinnen und -bewohnern Kepapulavus für die Rückgabe ihres Landes. Gleichzeitig fordern zahlreiche Menschen im Norden und Osten Sri Lankas mit Protesten auf den Strassen Antworten, was mit den unzähligen Gewaltsam Verschwundenen geschehen ist. Der Druck auf die Behörden steigt, denn die Aufarbeitung der Vergangenheit steht trotz zahlreichen Versprechen der 2015 neu gewählten Regierung noch immer am Anfang. Auch Maheswaran Bavani ist fest entschlossen. „Ich werde nie aufgeben, um mein Land und um Gerechtigkeit zu kämpfen. Eher sterbe ich“, erklärt sie mit Tränen in den Augen.