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Botanischer Name: Punica granatum
Familie: Lythraceae (Weiderichgewächse)
‘Punicus' ist Lateinisch und bedeutet 'purpurrot, granatrot' nach der Farbe der Blüten und Früchte.
'Granatum' ist das lateinische Wort für 'Granatapfel'. Es kommt von 'granatus = mit Körnern, Kernen versehen' und von 'granum = Korn, Kern'.
Der Granatapfel stammt ursprünglich aus Westasien und Griechenland und wird seit ungefähr 4’500 Jahren als Nahrungspflanze angebaut. Kultiviert wurde er in Babylonien, im Alten Ägypten, im antiken Griechenland und in Byzanz. Heute ist er im Mittelmeerraum bis Südtirol, Vorderasien, Südafrika, Südasien, China, Australien, den USA und Südamerika verbreitet. Grösster Produzent ist Iran, gefolgt von der Türkei und Syrien.
Auch in Spanien kommt der Granatapfel vor – die Stadt „Granada“ mit ihrer weltberühmten Alhambra ist nach ihm benannt und trägt ihn in ihrem Wappen.
Botanisch hat der Granatapfel mit “unserem Apfel“ nichts zu tun. Er gehört der Familie der Weiderichgewächse an.
Der sommergrüne Baum ist auf grosse Temperaturunterschiede (nachts kalt, tagsüber sommerlich warm) angewiesen, kann bis zu 5-6 Meter hoch und mehrere hundert Jahre alt werden. Interessant ist auch die Fruchtbildung: Die bereits fruchtartig erscheinende rote Knospe geht in eine rote Blüte über und bildet dann erst grüne, später rote Früchte. Es handelt sich hierbei um runde apfelgrosse Scheinbeeren mit roter, derber Schale mit Trennwänden im Fruchtinnern und mit bis zu 600 von einer roten saftigen Pulpa umschlossenen Kernen. Haupterntezeit des Granatapfels ist Ende September.
Charakteristisch für den Granatapfel ist das Ineinander-Fliessen in derselben Vegetationsperiode von Knospen, Blüten, Fruchten und Samenbildung. Die Prozesse finden nicht wie üblich nacheinander statt, sondern gehen ineinander über.
Symbolisch zeigt die leuchtend rote Farbe der Granatapfelblüten bereits eine Sympathie zur Menstruationsblutung. Die Blütenkelche erinnern ein wenig an die Gebärmutter und der vielsamige Grantapfel ist im Querschnitt geradezu ein pflanzliches Ebenbild der Eierstöcke mit den Keimzellen.
Die Zusammensetzung variiert, je nach Pflanzenteil des Granatapfels. So enthält das Fruchtfleisch v.a. Vitamin C (20mg in 100g), Vitamine B1, B2, B6 und Folsäure, Rinde und Blätter enthalten Gerbstoffe und die Samenkerne einen hohen Anteil an der mehrfach ungesättigten Fettsäure „Punicinsäure“ sowie das Phytoösterogen „Estron“.
Traditionell wurden Zubereitungen aus Blättern und Rinde als Wurmmittel verwendet. In zahlreichen Ländern wurde der Granatapfel als Heilmittel eingesetzt:
In der aktuellen Forschung zeigt der Fruchtsaft ein präventives und therapeutisches Potential gegen Prostatakarzinom. Erforscht wird auch das Potential zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und von Aids.
Durch den hohen Anteil an Estron (17mg/kg in kaltgepresstem Granatapfelsamenöl) besitzt die paradiesische Frucht eine Alleinstellung. Derzeit ist keine andere Pflanze bekannt, die vergleichbare oder höhere Anteile an diesem Österogen aufweist. Anwendungsbeobachtungen zeigen eine deutliche Verbesserung bei Begleiterscheinungen in den Wechseljahren (wie z.B. Hitewallungen, Stimmungsschwankungen, Nervosität, Haarausfall und mangelnde Libido).
Wissenschaftliche Untersuchungen lassen auf mögliche zellschützende und karzinompräventive Wirkungen des Kernöls schliessen (antioxitative Wirkung).
Arzneimittel: Spagyrik Essenz, Padma Digestin Kapseln, Delima Vaginalzäpfchen
Nahrungsergänzungsmittel: Delima Kapseln
Zusammenfassend wirken Zubereitungen aus Granatapfel vor allem adstringierend (zusammenziehend und gerbend) und antioxidativ.
Das Kernöl mit seinem hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (v.a. Punicinsäure) wirkt sich positiv auf reife, älter werdende und damit trockene Haut aus. Das Öl ist antioxidativ, entzündungshemmend und fördert die Neubildung von Zellen und die Regeneration der Epidermis.
Zur Gewinnung von einem Kilo des wertvollen Granatapfelkernöls sind 500 Kilo frisch gepflückte Früchte notwendig. Die Samen werden kalt gepresst, das Öl anschliessend filtriert.
Eingesetzt wird das Kernöl als Pflegekomponente sowohl in Naturkosmetik (Weleda, Primavera u.a.) als auch in konventionellen Kosmetikprodukten (Juvena, Biotherm, Estée Lauder). Aber auch in der Welt des Parfums sind Extrakte des Granatapfels vertreten.
Nahrungsmittel
Essbar ist das „Samenfleisch“, sprich das saftige Fruchtfleisch um den Samenkern, wohingegen bei anderen Pflanzen häufig die Fruchtblätter das Fruchtfleisch bilden.
Seit einigen Jahren ist der Granatapfel wie auch daraus verarbeitete Produkte wie Sirupe, Säfte etc. nicht nur im Türkenladen, sondern auch vermehrt in Grossverteilern erhältlich. Der bekannte Grenadine-Sirup wird als süsse und färbende Beigabe in Cocktails wie Tequila Sunrise oder auch in Bier verwendet. Die saftigen Granatapfelkerne sind ausserdem ein attraktiver und gesunder Bestandteil in exotischen Fruchtsalaten.
In heissen (östlichen) Ländern wird der Fruchtsaft mit Puderzucker, Zitronensaft und Orangenblüten- oder Rosenwasser zu beliebten Erfrischungsgetränken verarbeitet. Granatäpfel können problemlos auf einer Zitruspresse ausgepresst werden. Die Saftausbeute ist relativ hoch.
Ast- und Wurzelrinde wie auch das Fruchtmark werden kommerziell als Aromastoff in Erfrischungsgetränken und Alkoholika (Grenadine) eingesetzt.
Und wie kommt man am besten an die wundervollen Kerne? Granatapfelschale in der Mitte einritzen (nicht durchschneiden), in zwei Hälften aufbrechen, eine Hälfte mit der Schnittfläche auf die Hand legen und mit einem Holzlöffel fest auf die Schale klopfen. Die Kerne fallen sauber und einfach aus der Schale.
Weitere Verwendungen
Die Rinde wurde zum Gerben und Färben von Leder verwendet, z.B. für die gelbe Färbung des marokkanischen Leders.
Der Granatapfelbaum soll im Garten Eden geblüht haben und ist somit ein Überbleibsel aus dem Paradies. Der Granatapfel war Teil des Säulenschmucks im Tempel von König Salomon, wurde auf den Saum des Gewandes der Hohepriester gestickt und spielt noch heute als Symbol in der Architektur und bei einigen jüdischen religiösen Zeremonien eine wichtige Rolle.
Erl gilt aufgrund seiner vielen Kerne als Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens aber auch der Schönheit. Er taucht sowohl in der griechischen als auch in der römischen Mythologie ebenso auf wie in der Bibel, im Buddhismus und im Koran.
Einst kürte Paris, der trojanische Held aus Homers Ilias, Aphrodite mit einem Granatapfel zur Schönsten unter den Göttinen – zum Verdruss ihrer Schwestern, die daraufhin den trojanischen Krieg anzettelten.
Und der Totengott Hades soll der geraubten Persephone Granatapfelsamen zu essen gegeben haben. Nur so lässt er sie aus der Unterwelt entkommen. Allerdings muss Persephone alle Jahre für drei Monate zurück in die Welt der Toten. Das Bild zeigt die Fähigkeit, zwischen extremen Polaritäten vermitteln zu können und das Leben so zu dynamisieren.
Schweizerische Zeitschrift für Ganzheitsmedizin, 2011;23:148 (Jean-Michel Jeannin)
NATUM Mitteilungen, Der Granatapfel – Frucht mit starkem Inhalt, Michaela Döll
2003 medpharm Scientific Publishers, Heilpflanzen
Der Rheintaler, Frucht der Götter – die geheimnisvolle Wirkung des Granatapfels 11.4.2011
Coop Zeitung, Ein Apfel für alle Fälle, 15.11.2011
SOFW Journal 4-2010 – Ganzheitliche Naturkosmetik mit Granatapfel
Lexikon der Frauenkräuter, Margreth Madejsky