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Das Wichtigste in Kürze:
- Im 15. Jahrhundert errichtete der Guru Nanak den ersten Sikh-Tempel. Dort verkündete er seine Vision einer universellen Brüderlichkeit.
- Weltweit gibt es etwa 25 Millionen Sikhs, in der Schweiz sind es etwa 500.
- Auffälligste Merkmale der Sikhs sind Bart und Turban. Der Turban führt unter Sikhs immer wieder zu Diskussionen.
Seine Worte sind aktueller denn je: «Es gibt keine Hindus, es gibt keine Muslime, es gibt nur Geschöpfe Gottes», lehrte Guru Nanak im 15. Jahrhundert.
Unzufrieden mit den damals herrschenden Zuständen, in denen sich die verschiedenen Religionsgemeinschaften bekämpften, bereiste er als Wanderprediger ganz Indien und gelangte bis nach Mekka und Medina. Er betete, meditierte und verkündete seine Vision einer universellen Brüderlichkeit.
Schliesslich liess er sich als Bauer mit seiner Familie in Kartarpur nieder, heute im pakistanischen Teil des Punjabs, und errichtete dort den ersten Sikh-Tempel.
Guru Nanak, der als Hindu geboren wurde, lehnte das Kastenwesen und weltabgewandtes Asketentum ab. Er vertrat jedoch die Wiedergeburt und lehrte einen bildlosen Monotheismus.
Die fünf K
Erst durch die nachfolgenden neun Gurus wandelte sich der Sikhismus allmählich von einer Reformbewegung zu einer eigenständigen Religion. Der zehnte und letzte Guru, Gobind Singh, führte am Erntedankfest Vaisakhi 1699 erstmals eine Taufzeremonie durch und initiierte damit die Khalsa-Bruderschaft.
Khalsa, die «Reinen», sind eine Art heilige Soldaten, die sich gegen die zahlreichen äusseren und inneren Bedrohungen zur Wehr setzen sollten. Sie waren verpflichtet die fünf K zu tragen: ungeschnittene Haare (Kesh), Holzkamm (Kangha), Schwert (Kirpan), Armreif aus Stahl (Kara), knielange Unterhosen (Kachera).
Guru Gobind Singh erklärte Frauen und Männer als gleichberechtigt. Fortan trugen alle männlichen Sikhs den Nachnamen Singh (Löwe) und alle Frauen Kaur (Prinz).
Zwei Tage und zwei Nächte lang vorlesen
Guru Granth Sahib ist das heilige Buch der Sikhs und wird als elfter Guru, als lebender spiritueller Meister, verehrt. So wird das Buch unter einen Baldachin auf Kissen gelegt und in der Nacht in seidene Tücher eingewickelt und zur Ruhe gebettet.
Ungewöhnlich und überraschend ist an diesem Buch, dass es nicht nur die Lehren der Sikh-Gurus, sondern auch solche von muslimischen und hinduistischen Heiligen enthält.
Zu besonderen Anlässen wie an Vaisakhi wird das Buch ohne Unterbrechung in seiner vollständigen Ausgabe vorgelesen, was zwei Tage und zwei Nächte dauert.
Drei Gotteshäuser in der Schweiz
Neben dieser Schrift, die als höchste Instanz gilt, ist der Harimandir-Tempel das wichtigste Sikh-Heiligtum. Er ist bekannt als Goldener Tempel von Amritsar und liegt im nordindischen Bundesstaat Punjab.
Weltweit hat der Sikhismus etwa 25 Millionen Anhänger, wovon die Mehrzahl in Indien lebt. Die Schweiz zählt nur etwa 500 Sikhs.
Früher trafen sie sich in gemieteten Räumen oder alten Fabrikhallen, heute gibt es drei Gurdwaras: in Langenthal, Däniken und Bassersdorf. Gurdwara oder Gurudwara, wie die Sikhs ihr Gotteshaus nennen, heisst «Tor des Guru». Sikh bedeutet Schüler und Guru Lehrer oder Meister.
Jeder ist König
Die Sikhs sind in der Schweiz gut integriert. Was das Thema Turban angeht, erleben sie es unterschiedlich. Amandeep Singh aus Langenthal zum Beispiel hätte nichts dagegen einen Turban zu tragen, wenn es beruflich möglich wäre.
Er wäre dann der erste Schweizer Bus-Chauffeur mit Turban. Anderseits findet er, es spiele keine Rolle, wie man aussieht. Man könne mit oder ohne Turban ein guter Sikh sein.
Jaideep Singh aus Thun ist Konstrukteur und sieht das anders. Auch wenn er manchmal angestarrt werde und schon als Taliban bezeichnet worden sei, trägt er einen Turban. Denn dieser hat eine wichtige symbolische Bedeutung: «Früher haben Könige einen Turban getragen, gleichsam als Krone. Bei uns ist es egal, zu welcher Kaste jemand gehört, jeder ist König und jeder wird gleich angeschaut. Ich möchte diese Lebenseinstellung unterstützen.»