Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03416.jsonl.gz/1856

Die verlassene Radarstation
Der 1965 erbaute Stützpunkt bestand aus der Radarstation (mit der Bezeichnung «486L MEDCOM») und dem nahe gelegenen, voll ausgestatteten Militärlager und diente der Kommunikation zwischen den verschiedenen NATO-Stützpunkten im Mittelmeer. Sie befindet sich auf der Hochebene von Agios Donatos, in Ammokambos, am Fusse der Kirche des "Profiti Ilias". Das Gebiet wurde ausgewählt, weil sich hier die starken Winde aus allen Richtungen wehen und die runder herum alle Meere überblickt werden konnten.
Viele Einwohner von Englouvi und den umliegenden Dörfern hatten am Aufbau des Stützpunkts mitgewirkt. Sie können sich heute noch gut an die Militärhubschrauber erinnern, die das Material zum Stützpunkt transportierten. Der Stützpunkt bestand aus zwei Teilen: der Station, in der sich die Troposcatter-Antennen befanden, und dem Lager, in dem die Soldaten wohnten. Beide Teile wurden nach amerikanischen Standards gebaut, was zu einer hohen Bauqualität führte. Damals arbeiteten etwa 30 Amerikaner und 15 einheimische Griechen auf dem Gelände. Das griechische Personal, das auf der Basis beschäftigt war, bestand aus 10 bis 15 Personen. Sie arbeiteten als Köche, Küchenpersonal, Fahrer, Automechaniker und als Sicherheitspersonal. Die meisten stammten aus Karya und Pigadisani. Die Radarstation selbst war der Arbeitsplatz der amerikanischen Soldaten.
Die 4 riesigen Sendeantennen sind komplett aus Stahl gefertigt und bis heute nicht im Geringsten verrostet. Ausserdem besass sie über die damals modernste Ausrüstung, inklusive eines eigenen Kraftwerks mit 4 riesigen Generatoren und dem für die damalige Zeit sehr hochtechnischen Kommunikationssystem «ACE HIGH».
Sowohl die Basisgebäude als auch die Lagergebäude waren innen beeindruckend. Neben den Schlafsälen verfügte der Komplex über eine voll ausgestattete Küche, Restaurant und Vergnügungsräume sowie über einen Fitnessraum und einen Basketballplatz im Freien. Hier befand sich auch der Hubschrauberlandeplatz mit eigener Betankungsstation. Die Radarstation war vollgestopft mit Hunderten von Steckdosen. In den Räumen und auf den Arbeitstischen befand sich eine unendliche Anzahl von Telefonen und anderen hochwertigen Kommunikations-, Elektro- und Klimageräten.
Der Stützpunkt wurde nur wenige Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und aller kommunistischen Regime geschlossen. Sie war technisch veraltet und hatte keine Daseinsberechtigung mehr. Bis vor Kurzem dachte auch niemand mehr an Krieg. So wurde der Stützpunkt zunächst an die griechische Luftwaffe und dann an die Gemeinde Karya übergeben.
Das Ende des NATO-Stützpunktes hatte nach Angaben der lokalen Medien zur Folge, dass nebst allen elektrischen und elektronischen Geräten die gesamte Camp-Einrichtung in kürzester Zeit geplündert wurden. Wer dachte am Stützpunkt findet er das Gesuchte, holte sich, was er gebrauchen konnte. Heutzutage ist der NATO-Stützpunkt für Lost Place Spotter uninteressant geworden. Was man findet, sind nur noch Gebäudehüllen und die 4 Antennen. Alle elektrischen und mechanischen Teile, die nicht genietet, genagelt oder unzugänglich waren, sogar Trennwände wurden gestohlen. Sie haben alles mitgenommen, ausser den Antennen und den Gebäuden selbst. Selbst die Zapfsäule besteht nur noch aus ihrem Gerüst.