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Vor etwas mehr als drei Monaten ereignete sich der letzte tödliche Unfall in der Formel 1. Gestorben ist kein Fahrer, sondern ein Streckenposten: Er liess beim Rennen in Montreal sein Funkgerät fallen, stolperte und wurde von einem Bagger überfahren, der ein stehen gebliebenes Rennauto abtransportierte. Zuvor blieb die Formel 1 während 13 Jahren ohne tödlichen Unfall. Im Jahr 2000 passierten innert weniger Monate jedoch gleich deren zwei: Bei den Rennen in Monza und Melbourne kollidierten jeweils zwei Rennautos so unglücklich, dass sich ein Rad löste und je einen Streckenposten erschlug.
Tödliche Siebziger
Zwei der grössten Formel-1-Unfälle aller Zeiten ereigneten sich in den 70er-Jahren: Beim Rennen in Südafrika im Jahr 1977 wollten Streckenposten ein brennendes Auto löschen. Der heranbrausende Fahrer Tom Pryce übersah die Unfallstelle und erwischte einen von ihnen bei Tempo 280. Der Feuerlöscher traf Pryce selbst am Kopf – und tötete diesen ebenfalls. 1975 löste sich während des Rennens der Heckflügel von Rolf Strommelen und tötete vier Zuschauer sowie einen Streckenposten. Im gleichen Jahrzehnt starben weitere neun Formel-1-Fahrer bei Rennen und Testfahrten – darunter der Deutsch-Österreicher Jochen Rindt, der aufgrund seines Vorsprungs im WM-Klassement als bisher einziger Fahrer posthum zum Weltmeister gekürt wurde.
Die Zahl der tödlichen Unfälle nahm in Folge kontinuierlich ab. In den 80er-Jahren starben Gilles Villeneuve bei einem Trainingsunfall in Belgien und Riccardo Paletti beim Rennen in Kanada. Bis zum denkwürdigen Rennwochenende in San Marino im Jahr 1994 blieb die Formel 1 verlustfrei. Damals ereigneten sich dafür gleich zwei tragische Unfälle: Beim Abschlusstraining verunglückte der Österreicher Roland Ratzenberger tödlich, als er mit 300 Kilometer pro Stunde in eine Betonmauer raste. Beim Rennen selbst starb der dreifache Weltmeister Ayrton Senna als 26. und bisher letzter Formel-1-Fahrer.
Verbesserte Sicherheit
Unfallfrei ist die Rennsportart seither bei Weitem nicht. Aber die Fahrer überlebten Unfälle, die noch zehn Jahre zuvor unweigerlich in den Tod geführt hätten. Bereits 1995 raste Mika Häkkinen mit Tempo 200 in eine Mauer. Ein Luftröhrenschnitt am Unfallort rettete ihm das Leben. Bei Michael Schumacher versagten vier Jahre später die Bremsen seines Ferraris – der Deutsche brach sich den Unterschenkel, als er mit über 100 Kilometer pro Stunde in einen Reifenstapel donnerte. Mehr Glück hatte Schumachers Bruder Ralf, der im Juni 2004 mit Tempo 300 in eine Mauer fuhr und lediglich leichte Verletzungen erlitt. Nur unwesentlich schlimmer erwischte es drei Jahre später den Polen Robert Kubica, der von der Fahrbahn abkam, sich überschlug und mit einer leichten Gehirnerschütterung und einer Knöchelverstauchung davonkam.
Die Sicherheit der Fahrer geniesst in der Formel 1 heute höchste Priorität. Seit fast 20 Jahren ist kein Sportler mehr tödlich verunglückt. Anders sieht es aber immer noch bei den Streckenposten aus: Obwohl heute spezielle Seile verhindern sollen, dass sich die Räder von den Autos lösen und sich in tödliche Geschosse verwandeln, passierte es in diesem Sommer erneut: Ein Kameramann wurde beim Rennen in Deutschland von einem nicht genügend befestigten Rad getroffen und erlitt Rippenbrüche, eine Fraktur des Schlüsselbeins sowie Schnittwunden und Prellungen.
Autor: Reto Vogt