Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03619.jsonl.gz/1467

Beschreibung und Körperbau
Leopardgeckos sind robust gebaute Echsen mit einem vom Hals abgesetzten Kopf und kräftigen Gliedmassen. Sie erreichen normalerweise eine Gesamtlänge von ca. 20-25cm, wobei die Weibchen meist etwas kleiner bleiben als männliche Exemplare. Über den Rücken verteilt finden sich zwischen kleinen Schuppen auch etwas grössere Tuberkelschuppen. Die Haut erfüllt die Funktion, das Reptil vor äusseren Einflüssen zu schützen. Ebenso schützt sie das Tier vor Wärme- und Wasserverlust. Die oberste Hautschicht ist dabei durch Einlagerung von Keratin besonders gut geschützt. So entsteht eine Art Hornhaut, die allerdings nicht mit dem heranwachsenden Tier mitwachsen kann. Das ist auch der Grund, warum sich Reptilien generell häuten. Die äussere Hauthülle wird in mehr oder weniger regelmässigen Intervallen abgestossen. Jungtiere häuten sich dabei aufgrund des intensiven
Wachstums in kürzeren Abständen als ausgewachsene, adulte Exemplare. Oft ist die Häutung in 30 Minuten abgeschlossen. Viele Geckohalter bekommen von der Häutung nichts mit, da sich die meisten Tiere nachts häuten und dabei gerne Unterschlüpfe und Verstecke aufsuchen. Im Gegensatz zu vielen Wirbellosen häuten sich Reptilien aber während ihrer gesamten Lebensdauer immer wieder, auch wenn sie die eigentliche Endgrösse erreicht haben. Steht die Häutung kurz bevor, so trübt sich die Haut des Leopardgeckos. Sobald die alte Haut aufplatzt, streifen die Tiere sie mit Hilfe von Steinen, Ästen und dergleichen aktiv ab. Oftmals verwenden sie dabei auch ihr Maul oder Gliedmassen. Normalerweise wird das alte Hautkleid nach und nach gefressen, wobei die Geckos Nährstoffe in der Haut wieder aufnehmen.
Leopardgeckos ziehen sich zur Häutung meist zurück. Sie fressen ihre abgestossene Haut, um wertvolle Nährstoffe nicht zu verlieren.
Video mit Mikrokamera: Pyerre Toscano
Die meisten Menschen denken beim Begriff Gecko an Begegnungen mit kleinen Echsen in den Ferien, welche meist nachts an Mauern und Bäumen umherlaufen. Im Unterschied zu diesen Reptilien besitzen Lidgeckos, zu welchen auch der Leopardgecko zählt, keine funktionsfähigen Haftlamellen, welche ihnen das Klettern an erstaunlich glatten Flächen ermöglichen würden. Lidgeckos besitzen jeweils fünf dünne Zehen mit Krallen, die spitz und stark gekrümmt sind. Den Übernamen Lidgeckos verdankt diese Gruppe ihren Augenlidern. Während andere Geckos ihre Augen nicht schliessen können, besitzen Lidgeckos bewegliche Augenlider, welche ihren das Schliessen der Augen ermöglicht. Dieser Mechanismus ist besonders gut bei der Jagd von Beutetieren beobachtbar. Beisst ein Leopardgecko zu, so stülpt sich jeweils das untere Lid automatisch über das Auge und schützt dieses so vor Verletzungen durch ein sich wehrendes Beutetier. Da sich Leopardgeckos hauptsächlich über ihr Sehvermögen orientieren, ist der Schutz der Augen überlebenswichtig; egal ob bei Beisserein, Beutefang oder beim Graben. Das Auge der Geckos besitzt eine Spaltpupille, welche sich bei starkem Lichteinfall bis auf einen Spalt zusammenzieht. Je weniger Licht auf das Auge trifft, je dunkler es also wird, desto mehr weitet sich dieser Spalt wieder aus. Wie bei den meisten Wirbeltieren handelt es sich bei Geckoaugen um Linsenaugen. Diese gelten allgemein als die höchstentwickelte Augenform und ermöglichen Leopardgeckos bildhaftes Sehen. Auch im Terrarium kann gut beobachtet werden, wie die Tiere regelmässig ihre Augen mit Hilfe ihrer fleischigen Zunge reinigen.
Leopardgeckos sind nicht taub. Sie besitzen Ohren, welche gut hinter den Augen erkennbar sind. Sieht man sich die Ohren genauer an, kann man sogar das Trommelfell erkennen. Ebenso sind Leopardgeckos auch nicht stumm. Gerade Jungtiere besitzen bemerkenswerte Stimmbänder und sind fähig, kreischende Laute von sich zu geben. Gut beobachtbar ist dies, wenn die Kleinen sich erschrecken oder man sie mit Wasser besprüht. Die Jungtiere richten sich dann meist auf, öffnen ihr Maul etwas und kreischen. Es ist selbstverständlich, dass dieses Verhalten nicht provoziert werden sollte, indem man die Babies absichtlich erschreckt. Dies würde unnötigen Stress für die kleinen Racker darstellen. Der Schwanz von Leopardgeckos erfüllt gleich mehrere Funktionen. Einerseits dient er zur Bewegungskoordination beim Laufen, Klettern
oder auch Springen. Viel auffälliger ist jedoch seine Funktion als Nährstoffspeicher. Leopardgeckos speichern überschüssige Nährstoffe in Form von Fetten und lagern diese in ihrem Schwanz ein. Diese Reserve dient für "schlechte Zeiten", beispielsweise bei einem verringerten Nahrungsangebot oder als Energiequelle während der Winterruhe. Dieses Phänomen stellt gleichzeitig eine gewisse Gefahr für die Haltung im Terrarium dar. Natürlicherweise ist der Organismus der Geckos auf das Sammeln von Reserven ausgelegt. Das heisst, dass die Tiere in Zeiten mit üppigem Nahrungsangebot die Reserven im Schwanz aufstocken. Dies kann gerade im Terrarium - wo das Nahrungsangebot in der Hand des Halters liegt - zur raschen Überfettung führen. Diese übermässigen Fettpolster können dann unter normalen Umständen nicht mehr abgebaut werden. Daher ist es wichtig, die Tiere unter keinen Umständen zu überfüttern und gegebenenfalls auch Fastenzeiten einzulegen. Eine weitere Besonderheit des Geckoschwanzes ist die Fähigkeit der Tiere, ihn aktiv abzuwerfen. Dieses Phänomen, auch Autotomie genannt, kennt man von diversen einheimischen Eidechsen wie beispielsweise Zauneidechsen, Mauereidechsen etc. Wird ein Leopardgecko von einem Fressfeind bedroht oder gar gepackt, kann das Tier den Schwanz autotomieren. Der abgeworfene Teil des Schwanzes kann dabei noch minutenlang zucken und zappeln. Diese Bewegungen sollen die Aufmerksamkeit des Angreifers auf sich ziehen und dem Leopardgecko somit Zeit geben sich in Sicherheit zu bringen. Der Schwanz kann allerdings nicht an jeder beliebigen Stelle abgeworfen werden. Vielmehr handelt es sich dabei um "Sollbruchstellen". Der abgeworfene Schwanz wächst in den folgenden Wochen bzw. Monaten wieder nach. Jungtiere regenerieren ihr Schwänzchen dabei erstaunlich schnell, teilweise bereits innert wenigen Wochen. Bei ausgewachsenen Exemplaren kann die Regeneration einige Monate dauern. Der neu gebildete Schwanz (das Regenerat) unterscheidet sich allerdings deutlich vom Original. Meist, nicht immer, ist er runder, kürzer und anders gefärbt. Auch ist er viel feiner beschuppt und nicht mehr so beweglich wie der ursprüngliche Schwanz. Das Regenerat weist keine Sollbruchstellen mehr auf, weshalb der Schwanz in diesem Bereich nicht mehr abgeworfen werden kann. Es sei jedoch erwähnt, dass Leopardgeckos ihren Schwanz nicht bei jeder kleinen Störung abwerfen. Die allermeisten Tiere - gerade Nachzuchten - können sogar direkt am Schwanz ergriffen und in die Höhe gehalten werden, ohne dass sie ihren Schwanz abwerfen. Die Angst vieler Halter, dass ihr Gecko bei einer unachtsamen Berührung des Schwanzes diesen sogleich verlieren, ist also völlig unbegründet.
Der Schwanz von Leopardgeckos kann bereits ein guter Anhaltspunkt für den Gesundheitszustand eines Tieres sein. Eine Faustregel für die optimale Dicke ist dabei schwierig zu formulieren. Ich persönlich achte darauf, dass die Schwanzdicke meiner Tiere ungefähr der Zeigfingerdicke eines Erwachsenen entspricht. Sollte der Schwanz eines Tieres viel dicker sein, ist das Tier mit grosser Wahrscheinlichkeit überfettet. Hierbei sei erwähnt, dass auch eine Diät bei solchen Tieren meist nur beschränkt zum erfolgreichen Gewichtsverlust führt. Diese Tiere bleiben oft sehr lange Zeit "fett" und sind meist sehr träge. Ab und an sieht man im Handel und an Reptilienbörsen auch Leopardgeckos mit sehr dünnen Schwänzen, welche kaum der Dicke eines Bleistifts entsprechen. Ich rate vom Kauf solcher Tiere dringend ab, da diese meist ein gesundheitliches Problem aufweisen und oft keine lange Lebenserwartung mehr haben. Es sei jedoch erwähnt, dass Jungtiere oder halbwüchsige Leopardgeckos natürlich noch keine allzu grossen Nährstoffreserven anlegen, sondern die aufgenommene Energie in das Wachstum investieren.
Nicht alle Leopardgeckos haben die gleiche Färbung und Musterung. Wildfarbige Tiere, also Tiere wie sie in der Natur gefunden werden, haben aber dennoch alle ein arttypisches Grundmuster. Die Grundfarbe ist weiss-grau bis hin zu gelblich. Als Muster haben sie zahlreiche schwarz-braune Punkte oder Flecken. Diese Zeichnung, die etwas an das Fell eines Leoparden erinnert, besitzen jedoch nur ausgewachsene Tiere. Jungtiere haben noch keine Flecken sondern vielmehr dunkle Querstreifen, die sich mit zunehmendem Alter langsam auflösen und in die Erwachsenenzeichnung übergehen. Die Unterseiten von Hals und Bauch sind bei jungen und ausgewachsenen Leopardgeckos identisch und meist weisslich. Der Schwanz ist bei Jungtieren weiss-schwarz geringelt. Oft finden sich auf dem Schwanz mit zunehmendem Alter ebenfalls Punkte. Selbstverständlich ist die Zeichnung der Leopardgeckos heutzutage sehr variabel. Dies nicht nur wegen der verschiedenen Unterarten, sondern vor allem auch aufgrund der zahlreichen Farbzüchtungen.
Geschlechtsunterschiede
Im Gespräch mit vielen Leopardgeckohaltern ist mir aufgefallen, dass einige nicht wissen, wie sich ihre Tiere geschlechtlich unterscheiden lassen. Dies ist kein Problem, sofern sie nicht mehr als ein Männchen pflegen. Viele Menschen treten aber an mich mit der Frage, warum sich ihre Tiere plötzlich nicht mehr verstehen oder gar aggressiv aufeinander losgehen.
Oftmals stellt sich dann heraus, dass sich mehrere Männchen im Terrarium befinden, welche untereinander immer unverträglich sind. Selbst Geckobrüder, die zusammen aufwachsen, werden mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife Probleme verursachen. Daher zeige ich gerne anhand von Bildern auf, wie das Geschlecht der Tiere bestimmt werden kann. Eine wichtige Anmerkung allerdings gleich vorweg:
Es ist richtig, dass das Geschlecht bei Leopardgeckos über die Bruttemperatur bestimmt wird. Man bezeichnet dieses Phänomen als TDSD (Temperature Dependent Sex Determination). Im Gegensatz dazu ist beispielsweise bei Bartagamen und vielen anderen Reptilien das Geschlecht bereits bei der Eibildung im Mutterleib genetisch determiniert. Bei Leopardgeckos ist dies eben nicht der Fall. Wenn man ein Leopardgecko-Ei nun also bei konstant 26° Celsius inkubiert (ausbrütet), wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Weibchen aus dem Ei schlüpfen. Allerdings gibt es dafür keine Garantie! Es kann durchaus sein, dass sich plötzlich auch Männchen unter den Schlüpflingen befinden!
Daher ist eine sichere Geschlechtsbestimmung erst ab einer gewissen Grösse und nur anhand der folgenden Merkmale möglich. Vertrauen Sie niemals auf die Aussage eines Verkäufers, dass die Tiere "auf Weibchen inkubiert" wurden.
Männliche Leopardgeckos besitzen zwischen Kloake und Bauch eine V-förmige Reihe von Poren, aus welchen eine wachsartige Substanz austritt. Diese Poren sind bei Weibchen meist ebenfalls zu erkennen, jedoch sind sie viel schwächer und es tritt keine Substanz aus. Nichtsdestotrotz gibt es auch Weibchen, bei denen die Poren recht gut erkennbar sind. Dies hat schon einige Halter verwirrt und es kam die Frage auf, ob es sich bei dem Tier nun doch um ein Männchen handle. Die Präanalporen als Geschlechtsmerkmal sind bei Jungtieren und bei halbwüchsigen Leopardgeckos allerdings (noch) nicht erkennbar. Wenn sie also Jungtiere oder halbwüchsige Tiere erwerben, können Sie anhand der Präanalporen keine sichere Geschlechtsbestimmung vollziehen.
Viel sicherer für die Geschlechtsbestimmung sind die Hemipenestaschen. Wie alle Echsen besitzen auch Leopardgeckos nicht nur einen Penis, sondern gleich deren zwei. Diese beiden Penes sind in Taschen untergebracht, welche an der Unterseite der Schwanzbasis als zwei Schwellungen erkennbar sind. Manchmal kann es zur Geschlechtsbestimmung helfen, das Tier vorsichtig auf die flache Hand zu nehmen und den Schwanz etwas anzuheben. Hält man den Gecko auf Augenhöhe und schaut vom Schwanz her auf die Schwanzwurzel, sind die beiden Schwellungen meist sehr gut erkennbar. Auch hier gilt: Bei Jungtieren sind die Hemipenes noch nicht voll ausgebildet und nur schwer zu erkennen. Bei halbwüchsigen Geckos ist das Geschlecht so allerdings meist schon gut erkennbar. Etwas schwieriger sieht es dann wieder bei überfetteten Exemplaren aus. Bei sehr dicken Schwänzen kann es mitunter schwierig sein, die Hemipenes auszumachen. Lassen Sie sich das Geschlecht beim Kauf eines Geckos auf jeden Fall zeigen. Wie gesagt: Die Aussage "Die Tiere wurden auf Weibchen inkubiert." gleicht einer Lotterie! Wer solche Tiere kauft, muss sich darauf einstellen, dass es sich auch um ein oder mehrere Männchen handeln kann. Diese Problematik ist auch mit ein Grund, weshalb ich persönlich nur 100% sicher geschlechtsbestimmte Tiere abgebe, was natürlich auch bedeutet, dass sie beim Zeitpunkt der Abgabe eine gewisse Grösse haben.