Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03355.jsonl.gz/2955

Tja, das war es auch schon wieder mit den diesjährigen Oscars. Und der grosse Abräumer des Abends war der Film «Everything Everywhere All at Once». Der Blockbuster war in elf Kategorien nominiert und gewann in ganzen sieben davon. Beide Nebendarsteller, männlich und weiblich, durften mit einem Goldmännchen nach Hause gehen, der Film gewann in der Kategorie «Beste Hauptdarstellerin», «Bestes Original Drehbuch», «Beste Regie», «Bester Schnitt» und, in der wohl grössten Kategorie des Abends «Bester Film».
Die Drehbuchautoren, Regisseure und Produzenten Daniel Kwan und Daniel Scheinert konnten ihr Glück kaum fassen und hatten beinahe das Gefühl, den Preis nicht zu verdienen – akzeptierten ihn aber natürlich trotzdem freudestrahlend. Was für ein Erfolg für das Duo und das gesamte Team.
Fun Fact: Wer kennt noch den kleinen Jungen Shorty aus «Indiana Jones und der Tempel des Todes»? Der Kleine ist zu einem Mann herangewachsen und seit letzter Nacht genauer gesagt zu einem Oscarpreisträger. Ke Huy Quan (51) hat den Oscar in der Kategorie «Bester Nebendarsteller» gewonnen. Bis auf Brendan Fraser (54) entspringen die besten Schauspieler des Jahres – zumindest, wenn es nach der Academy geht – demselben Film, nämlich «Everything Everywhere All at Once». Neben Ke Huy Quan gewann nämlich Jamie Lee Curtis (64) als «Beste Nebendarstellerin» und Michelle Yeoh (60) als «Beste Hauptdarstellerin».
Witzigerweise wurde der Oscar für den besten Film von Harrison Ford (80) überreicht. Und wen verkörperte Harrison Ford einst? Genau: Indiana Jones. Man könnte also sagen, dass es bei der Preisübergabe direkt noch zu einer kleinen Reunion zwischen Indiana Jones und Shorty kam.
Michelle Yeoh hat mit ihrem Sieg als «Beste Hauptdarstellerin» übrigens Geschichte geschrieben. Sie gewann als erste asiatische Frau in dieser Kategorie den Oscar!
Es flossen viele Tränen
Wie wohl jedes Jahr an den Oscars wurden auch einige Tränen vergossen. Ein emotionaler Moment war es, als John Travolta (69) die Kategorie «In Memoriam» ankündigte – nicht nur für alle Zuschauerinnen und Zuschauer sowie die Gäste im Saal, sondern auch für den Schauspieler selbst. Er verlor im vergangenen Jahr mit Olivia Newton John (†73) und Kirstie Alley (†71) gleich zwei seiner engsten Freundinnen. Der Schauspieler schliesst mit den Worten, dass alle den Verstorbenen «Hopelessly devoted» sein werden, womit er auf Olivia Newton Johns Song aus dem Musical anspielte.
Tränen der Freude flossen dann aber bei Brendan Fraser, der als «Bester Hauptdarsteller» für seine Rolle im Film «The Whale» ausgezeichnet wurde. Der Schauspieler hat schwierige Jahre hinter sich und war lange von der Bildfläche verschwunden – eine lange Geschichte, die sexuelle Belästigung ihm gegenüber beinhaltet und die fehlende Unterstützung in der Angelegenheit aus Hollywood. Jetzt ist Fraser zurück und das mit einem gewaltigen «Bang». Der Schauspieler hat sich zurück auf die Leinwand gekämpft – und die Fans gönnen ihm den Sieg von Herzen, wie diverse Twitter-Posts zeigen.
Brendan Fraser und sein Oscar für «The Whale»
Als «Beste Hauptdarstellerin» wurde Michelle Yeoh ausgezeichnet, die die weibliche Hauptrolle im besten Film des Abends erhielt. Und auch sie musste mit den Tränenkämpfen – zweifellos Freudentränen.
Die Show
Ja, es gab die ein oder andere Musikeinlage – überraschenderweise sogar von Lady Gaga (36), von der im Vorfeld eigentlich gesagt wurde, dass sie nicht auftreten würde. Der Song «Hold my Hand» aus dem Film «Top Gun: Maverick» schien ihr sehr nahe zu gehen, was in ihrer ganzen Performance zu spüren war.
Eben noch beim Superbowl stand die schwangere Rihanna (35) nun auch bei den Oscars auf der Bühne, um ihren Song «Lift me up» aus dem Film «Black Panther: Wakanda Forever» zu performen. Der Song war in der Kategorie «Bester Original Song» nominiert – und zollt dem verstorbenen Chadwick Boseman Tribut.
Das Lied «Naatu Naatu» aus dem Film «R R R» ist da schon etwas leichter und hob die Stimmung. Denn auch wenn die restlichen Performances unglaublich gut waren, besonders fröhlich waren sie nicht.
Eines der wenigen Highlights von Moderator Jimmy Kimmel (55) war wohl, als er den Esel Jenny aus dem Film «The Banshees of Inisherin» auf die Bühne brachte und man Colin Farrell (46), dem Hauptdarsteller aus dem Streifen, ansah, wie ihm das Herz aufging, das Tier zu sehen. Jenny war wirklich niedlich, wusste aber wohl nicht so recht, wieso sie jetzt auf einer Bühne in Hollywood steht.
Jimmy Kimmel moderierte die Oscars nun schon zum dritten Mal und auch wenn er gerne als grossartiger Moderator der Show angesehen wird, waren die diesjährigen Academy Awards doch ein wenig unspektakulär. Vielleicht sind die Erwartungen aber auch zu hoch gewesen, denn einen Skandal wie den vom vergangenen Jahr zu toppen, war schwierig. Nein, damit wollen wir nicht sagen, dass wieder eine Ohrfeige hätte verteilt werden sollen. Es war doch eigentlich ganz schön, dass alles so friedlich vonstatten ging.
Die Überraschung: Julija Nawalnaja
«Navalny» gewann den Oscar in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm». Der Regisseur widmete den Film dem russischen Journalisten Alexei Navalny mit den Worten: «Alexej, die Welt hat deine wichtige Botschaft an uns alle nicht vergessen: Wir können und dürfen uns nicht scheuen, uns Diktatoren und Autoritarismus entgegenzustellen, wo immer sie sein Haupt erheben.» Dann tritt die Ehefrau von Alexej Navalny ans Mikrofon und sagt: «Mein Ehemann sitzt im Gefängnis, weil er die Wahrheit gesagt hat. Mein Ehemann sitzt im Gefängnis, weil er die Demokratie verteidigt. Alexej, ich träume von dem Tag, an dem du frei sein wirst, an dem unser Land frei sein wird.»
Aktivistin bei den Oscars
In diesem Jahr konnten – gemäss Jimmy Kimmel – Fans Fragen an Gäste im Saal schicken. Überraschenderweise sass die Aktivistin Malala Yousafzai (25) im Publikum und die Frage an sie war, ob sie glaube, dass Harry Styles (29) seinen Kollegen Chris Pine (42) am Filmfestival von Venedig angespuckt habe oder nicht. Malala antwortet daraufhin: «Ich spreche nur über Frieden.»
Ob ihr die Frage unangenehm war und sie nicht wusste, worauf Kimmel anspielt oder ob sie mit ihrer Antwort klarstellen wollte, dass sich ihr Leben um Frieden dreht und nicht um potenzielles Drama zwischen Stars, ist unklar. Sie schien sich in dem Moment aber sichtlich unwohl zu fühlen und viele Fans sind auf Twitter der Meinung, dass es fast schon peinlich ist, einer jungen Frau, die für ihren Aktivismus beinahe ihr Leben verlor und einen Friedensnobelpreis hat, solch trivialen Fragen zu stellen.
Die Deutschen mussten sich nicht verstecken
Grosse Hoffnung wurde in den Film aus unserem Nachbarland gelegt, «Im Westen nichts Neues». Der Film war in neun Kategorien nominiert und konnte immerhin in vier davon die Trophäe mit nach Hause nehmen. Auch wenn der Film über die Grabenkämpfe im Ersten Weltkrieg nicht den Oscar für «Bester Film» gewann, siegte er doch in einer Kategorie, die dem schon sehr nahe kommt und zwar erhielt «Im Westen nichts Neues» den Academy Award für «Bester internationaler Film».
Ein Nachgeschmack von letztem Jahr
Viele haben vielleicht nicht so sehr darüber nachgedacht, doch eine spezielle Sache war dieses Jahr aus gewissen Gründen anders, als letztes Jahr. Normalerweise verleiht der Gewinner für «Bester Hauptdarsteller» aus dem Vorjahr der Schauspielerin für «Beste Hauptdarstellerin» im aktuellen Jahr das Goldmännchen. Aber nicht dieses Jahr. Will Smith (54) erhielt 2022 für seine Rolle in «King Richard» zwar den Oscar, doch kurz zuvor verpasste er Chris Rock (58) eine Ohrfeige – wir erinnern uns. Als Konsequenz wurde ihm eine Strafe der Academy auferlegt: Er darf für die nächsten zehn Jahre an keiner Oscarverleihung oder einer Veranstaltung, die von der Academy ausgerichtet wird, teilnehmen. Das hiess also in diesem Jahr, dass Jessica Chastain (45) und Halle Berry (56) gemeinsam den Oscar an Michelle Yeoh überreichten.
Bis zum nächsten Jahr
Ja, von Moderator Jimmy Kimmel kamen keine allzu spektakulären Show-Highlights zum Vorschein, aber alles in allem war es eine solide Oscarverleihung – und immerhin wurde die Zeit nicht überzogen. Und das, obwohl in diesem Jahr wieder alle Kategorien live übertragen wurden. Fair, denn so wurde jedem Gewinner und jeder Gewinnerin die Ehre zuteil, von der ganzen Welt gesehen zu werden, wenn er oder sie den wohl wichtigsten Moment seiner oder ihrer Karriere erlebt.