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Am Freitag, 9. Februar referierte Dominik Portmann, MTh, vor einem zahlreich erschienenen und interessierten Publikum über obiges Thema, das auch den Titel tragen könnte: „500 Jahre Reformation – für nichts?“
Beim Vorstellen seiner Person betonte er, dass er einer der Menschen sei, die durch das Lesen der Bibel zum Glauben gekommen sei und nicht etwa durch eine Evangelisation oder durch das Gespräch mit anderen.
D. Portmann spannte einen grossen Bogen vom Anfang der Bibel (Sündenfall) über Noah, die Propheten, das Leben Jesu Christi bis zu den Aposteln. Dabei sprach er vom „Kampf um die Bibel“ und meinte damit, dass Satan immer wieder das Wissen um das Wort Gottes angriff und auch heute noch angreift. Zugespitzt wurde dieser Kampf zur Zeit von Jesus Christus: auf der einen Seite die kleine Gruppe der Pharisäer, deren Gesetzlichkeit bekannt war und auf der anderen Seite die frohmachende und befreiende Botschaft durch Jesus. Die Pharisäer benutzten die Bibel (d.h. das Alte Testament), um die Menschen zu knechten: 613 Regeln und Gebote sollten befolgt werden. Das konnte doch niemand schaffen!
Vom Papsttum bis zum Dreissigjährigen Krieg
Das Papsttum riss das Wissen der Bibel an sich. Es gipfelte in der Bulle (verpflichtendes Schreiben des Papstes) von 1199 durch Papst Innozenz III., indem das private Bibel lesen verboten wurde. Nur noch gebildete Kleriker durften die Bibel auslegen. Dem widersetzten sich zahlreiche Menschen. D. Portmann erwähnte neben Jan Hus, der bereits 1415 durch das Konstanzer Konzil zum Tode verurteilt worden war, neben Martin Luther auch zahlreiche weitere Reformatoren. M. Luther traf beim Bibelstudium auf die vier „sola“, u.a. auch auf „sola gratia“ (allein durch die Gnade). Deshalb trat er vehement gegen den Ablasshandel auf. 1648, am Ende des Dreissigjährigen Krieges, konnte einerseits die Bibel dank des Buchdruckes in der eigenen Sprache gelesen werden und andererseits wurde das Bibellesen verboten.
Historisch-kritische Theologie
Der Referent erwähnte verschiedene führende Persönlichkeiten, wie Johann Salomo Semler (1725 – 1791), David Friedrich Strauss (1808 – 1874), Ernst Troeltsch (1865 – 1923) und Rudolf Bultmann (1884 – 1976). D. Portmann erläuterte das Vorgehen der historisch-kritischen Theologie mit den drei Methodenschritten: Kritik (es muss unterschieden werden zwischen Menschenwort und Gottes Wort) ; Analogie (zu den biblischen Berichten gibt es auch weltliche Berichte) und Korrelation (die verschiedenen Religionen sind alle irgendwie miteinander verbunden). Daneben gilt es auch noch die Linguistik (Untersuchung der Wörter in den verschiedenen Sprachen wie hebräisch, aramäisch, griechisch) und die Pseudepigraphie (Texte werden im Namen einer bekannten Person verfasst oder fälschlicherweise einer solchen zugeschrieben) zu beachten.
Fazit
Dominik Portmann machte darauf aufmerksam, dass die historisch-kritische Methode unzuverlässig sei, da sich bibelkritische Forscher uneinig seien. Zudem möchten auch zahlreiche dieser Menschen zum wahren Glauben finden. Ihnen steht aber (noch) ihr Verstand im Wege.
D. Portmann wehrt sich dagegen, dass nur ein kleiner Kreis von Theologen die Bibel auslegen dürfe. Es gibt gute Gründe, der Bibel auch heute noch zu vertrauen.
Diskussion
In einer angeregten Diskussion konnten noch ganz verschiedene Themenfelder angesprochen werden, wie z.B. „Theologiestudium an einer Uni und persönlicher Glaube“ oder „Wie kann die Bibel unter das Volk gebracht werden?“ oder „STH und Landeskirche“.
Schlussbemerkung
Es ist gut, dass dieses Thema durch den Vortrag von Dominik Portmann angestossen worden ist. Die einzelnen Teilnehmenden werden gewiss diese Thematik noch weiter bewegen.