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Geothermieprojekt "Deep Heat Mining Basel" kann nicht weitergeführt werden
Die Risikoanalyse zeigt dass mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl bei der Fertigstellung als auch beim Betrieb des Geothermieprojektes "Deep Heat Mining Basel" weitere Erdbeben zu erwarten sind. Diese Beben können die Grössenordnung der Erschütterungen von Ende 2006/Anfang 2007 erreichen oder sogar überschreiten. Wegen der hohen Besiedlungsdichte am Standort Basel müsste als Folge der Beben mit Sachschäden an Gebäuden in der Grössenordnung von CHF 40 Mio. gerechnet werden. Das Risiko von Personenschäden wird demgegenüber als gering eingestuft. Auch die Gefahr dass das Projekt natürliche grosse Erdbeben auslösen könnte wird als sehr gering betrachtet. Aufgrund der Resultate der Risikoanalyse ist jedoch klar dass das Projekt "Deep Heat Mining Basel" in der beabsichtigten Form nicht weitergeführt werden kann. Entsprechend hat der Regierungsrat am 8. Dezember 2009 zustimmend vom Antrag des Departements für Wirtschaft Soziales und Umwelt Kenntnis genommen das Projekt zu stoppen.
Die Risikoanalyse zum Geothermieprojekt "Deep Heat Mining Basel", die termingemäss Ende November 2009 fertig gestellt wurde, kommt zum Schluss, dass der Standort Basel unter dem Aspekt des seismischen Risikos ungünstig ist, um ein geothermisches Reservoir im kristallinen Grundgebirge zu schaffen und zu nutzen. Beim weiteren Ausbau und dem Betrieb der Geothermieanlage würden bei den gegebenen Standortbedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit Beben auftreten, die in ihrer Stärke die bisher stattgefundenen Aktivitäten erreichen oder gar übersteigen können.
Die Verfasser der Analyse betrachten anhand der Beurteilungskriterien der Störfallverordnung das Risiko, dass Personenschäden eintreten können, als gering. Hingegen stufen sie das Risiko von Sachschäden als nicht akzeptabel ein. Um den beabsichtigten Wasserkreislauf im an sich kompakten Felsgestein in 5000 Meter Tiefe zu schaffen, müsste weiteres Wasser unter hohem Druck eingepresst werden, damit sich die in Ansätzen vorhandenen Risse erweitern würden. In dieser Phase muss mit bis zu 30 spürbaren Erdbeben gerechnet werden, von denen bis zu 9 die Stärke des Erdbebens vom 8. Dezember 2006 erreichen oder übersteigen könnten. Diese Erdbeben könnten Gebäudeschäden bewirken. Es wird zwar von leichten, nichtstrukturellen Gebäudeschäden gesprochen, die aber doch in der Grössenordnung von rund CHF 40 Mio. liegen. Auch während der angenommen 30 Betriebsjahre der Anlage muss mit 14 bis zu 170 spürbaren Erdbeben gerechnet werden, die einen Sachschaden im Bereich von CHF 6 Mio. pro Jahr bewirken können. Die hohen Schadenskosten sind auf die dichte Besiedlung der Region Basel zurückzuführen.
Die Arbeiten der Risikoanalyse wurden von einem Fachausschuss, in dem die Universität Basel, der Bund, der Schweizerische Erdbebendienst sowie Spezialisten aus Deutschland und Frankreich vertreten waren, begleitet. Der Fachausschuss ist der Meinung, dass die Arbeiten im Auftrag des Kantons von der Arbeitsgemeinschaft SERIANEX mit hoher Fachkompetenz und in wissenschaftlicher Qualität durchgeführt wurden. Die Risikoanalyse bildet eine Grundlage für das weitere Vorgehen. Der Fachausschuss wird der Projektleitung im Januar 2010 eine ausführliche Stellungnahme zur Risikoanalyse vorlegen.
Der Schlussbericht Risikoanalyse "Deep Heat Mining Basel" (Zusammenfassung) kann unter www.wsu.bs.ch/politikdossiers/geothermie.htm heruntergeladen werden.
Welche Bedeutung die Erkenntnisse der Risikoanalyse auf die zukünftige Entwicklung der tiefen Geothermie haben bzw. ob dadurch deren Chancen beeinträchtigt werden, kann heute noch nicht gesagt werden. Es wäre aber gefährlich, die Resultate ohne Wissen um die konkreten Umstände zu verallgemeinern oder auf andere Standorte zu übertragen. Die an anderen Orten in der Schweiz und im Ausland initiierten Projekte haben andere Voraussetzungen und sind anders konzipiert als das Basler "Deep Heat Mining"-Projekt. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der begrenzten fossilen (und atomaren) Brennstoffe muss versucht werden, jede Form der erneuerbaren Energien voranzutreiben. In diesem Sinne muss auch die Geothermie eine Option bleiben.