Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03194.jsonl.gz/2145

Sun auf Schnäppchentour
Sun hat gestern Abend und heute gleich zwei Übernahmen angekündigt: Mit dem Kauf von Tarantella schafft sich Sun ein Software-Standbein im Server Based Computing-Bereich und durch die Übernahme von Procoms NAS-Know-how und -Patenten soll der NAS-Bereich gestärkt werden.
Sun muss für die beiden Übernahmen relativ wenig Geld in die Hand nehmen. Procom, seit Ende 2002 nicht mehr an der Börse kotiert, steckte gemäss US-Medienberichten in grossen finanziellen Schwierigkeiten und Tarantella schrieb bei stagnierenden Umsätzen seit Jahren grosse Verluste.
Tarantella mit Haut und Haar
Tarantella, vor der Abspaltung des Betriebssystemteils im Jahr 2001 noch als Santa Cruz Operations (SCO) bekannt, stellt Software her, die Clients den Zugang zu Applikationen, die auf zentralen Servern laufen, ermöglicht, organisiert und verwaltet. Die Software für diese IT-Architektur, die man auch unter den Bezeichnungen "Server Based Computing" oder, falls "abgespeckte" Clients verwendet werden, als "Thin Client Computing" kennt, wird heute von Marktbeherrscher Citrix und seinen Nacheiferern allgemeiner als Application-Access-Software bezeichnet.
Für Tarantella will Sun rund 25 Millionen Dollar in Bar bezahlen. Der Deal muss noch von den Aktionären akzeptiert und von den zuständigen Behörden genehmigt werden. Trotz seiner Verluste war Tarantella einer der wenigen Software-Hersteller im Bereich Server Based Computing, der Citrix wenigstens in gewissen Nischen kleine Marktanteile abtrotzen konnte. Tarantellas Spezialgebiet war der Unix-Bereich, was die Übernahme durch Sun logisch erscheinen lässt.
Wie es mit Tarantella und seinen Produkten nach der Übernahme weitergehen wird ist noch nicht bekannt – Sun will seine entsprechenden Pläne erst heute Abend bekannt geben.
Von Procom das Filet
Von Procom wird Sun für 50 Millionen Dollar alle Rechte und Patente im Zusammenhang mit Procoms Network Attached Storage (NAS)-Produkten (sowohl Hard- als auch Software) erwerben. Wie ein Procom-Vertreter erklärte, werden auch einige Ingenieure zu Sun wechseln.
Auch in diesem Fall ist es noch unklar, wie Sun mit den Procom-Produkten umgehen wird, detaillierte Ankündigungen sollen erst folgen, wenn der Deal Ende Juni abgeschlossen sein wird. Einerseits ist eine Ausweitung von Suns Poduktepalette im in letzter Zeit kräftig wachsenden (und stark umkämpften) NAS-Markt denkbar. Andererseits könnte es auch um eine Rettungsaktion für bestehende NAS-Lösungen von Sun gehen, falls Procom wirklich wankte: Sun verwendet seit rund einem Jahr Procoms "NetForce"-Betriebssystem in seiner StorEdge 5000 NAS-Familie.
Von Procom selber wird ohne das NAS-Geschäft wenig übrig bleiben – es ist noch unklar, ob das Unternehmen weitermacht oder ob die 50 Millionen Dollar von Sun das Gnadenbrot sein werden. Der Verwaltungsrat wolle nun seine Business-Optionen prüfen, erklärte ein Procom-Sprecher. Procom stellt neben NAS-Produkten netzwerkfähige CD- und DVD-Juke-Boxen und Harddisk-Upgrades sowie kleine Speichersysteme für drahtlose Netzwerke her. (Hans Jörg Maron)