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Gürtel sind in unterschiedlichen Farben in nahezu jeder Kampfkunst vorhanden. Sie signalisieren, wie lange und wie gut ein Kampfkünstler seine Techniken beherrscht. Doch, die spannende Frage lautet: Warum existiert ein Gürtelsystem? Weshalb unterscheidet sich dieses im Brazilian Jiu Jitsu von den anderen Kampfkunstarten?
In der frühen Geschichte der Kampfkünste übernahm der Gürtel nur eine Aufgabe: Er sorgte dafür, dass der Kimono am Körper bleibt und nicht herunterfällt. Dank des Gürtels blieb der Kimono am Oberkörper. Anfangs waren alle Gürtel weiss. Ein Farbsystem, welches das Wissen und Können der Kampfkünstler widerspiegelte, existierte nicht. Später erfolgte schliesslich eine Einführung, die als Ranking fungierte.
Um das Gürtelsystem des Brazilian Jiu Jitsu zu verstehen, ist es wichtig, den Ursprung des allgemeinen Gürtelsystems zu kennen. Ehe Kampfkünstler das farbige Gürtelsystem einführten, nutzten sie ein farbiges Kimonosystem.
Vorgängerkampfkünste des Gracie Jiu Jitsu nutzten farbige Kimonos, um Kämpfer bei Wettkämpfen voneinander zu unterscheiden – im Hinblick auf ihr Können. Anfänger trugen einen blauen Kimono. Diejenigen, die zu den Fortgeschrittenen gehörten, trugen hingegen einen weissen Kimono, der am Revers blau war. Des Weiteren diente der weisse Kimono als Kennzeichen eines Meisters. Dieses Kimonosystem dominierte in den Kampfkünsten, welche der Gründervater des Judo, Jigoro Kano, praktizierte.
Neben dem Judo hat Jigoro Kano ebenso das Gürtelsystem kreiert. Als er dieses einführte, entschloss er sich dafür, die weissen Kimonos beizubehalten. Nicht nur in Japan, sondern weltweit steht die Farbe weiss für gute Taten und Absichten sowie für Reinheit. Neben dem Gürtelsystem führte er eine Differenzierung in Kyu- und Dan-Grade ein.
Das Dansystem stammt ursprünglich von einem japanischen und einem chinesischen Brettspiel, das Jigoro Kano gerne spielte. Er führte neben den Kyu- auch das Dan-Stufen ein. Sämtliche Kampfkunst- und Kampfsportarten haben dieses Gürtelsystem von Jigoro Kano übernommen. Das Gürtelsystem im Brazilian Jiu Jitsu stammt ursprünglich von Jigoro Kano, obwohl im Laufe der Zeit einige Modifikationen folgten.
In Europa folgte jedoch eine Erweiterung des Gürtelsystems. Dabei dienten die neuen Gürtelfarben dazu, um Kampfkünstler – insbesondere Kinder – zu motivieren. Im Fokus der Betrachtung lag die extrinsische Motivation. Das bedeutet, dass ein äusserer Faktor als Motivator fungiert – wie in diesem Fall, die nächste Gürtelstufe. Wobei es einen wichtigen Unterschied zwischen der europäischen und der asiatischen Motivation gibt. Denn die Motivation in Asien war eher intrinsischer Natur, wohingegen die europäische Motivation der Kampfkünstler mit äusseren Faktoren zusammenhing.
Es gab einst keine Kriterien für einen bestimmten Gürtel. Im Ring reichte es einen Kämpfer zu besiegen, der den schwarzen Gürtel hat. Danach erfolgte die Belohnung: Der Sieger erhält den schwarzen Gürtel, wenn er ihn nicht schon davor hatte.
Im Gracie Jiu Jitsu erhalten Schüler keinen schwarzen Gürtel, sofern sie nicht das 21. Lebensjahr vollendet haben. Warum spielt das Alter im Gürtelsystem des BJJ eine entscheidende Rolle? Weil es nicht nur darum geht, Techniken zu präsentieren, sondern die Kombination von unterschiedlichen Faktoren eine zentrale Rolle spielt.
Des Weiteren bewerten die Meister des Gracie Jiu Jitsu, inwiefern der Schüler in der Lage ist, die Techniken in unterschiedlichen Situationen anzuwenden. Schliesslich lehrt das Gracie Jiu Jitsu die Schüler, Techniken der Selbstverteidigung anzuwenden.
Somit beläuft sich das Mindestalter auf 21 Jahre. Allerdings reicht es nicht aus, 21 zu sein und einige Jahre Brazilian Jiu Jitsu zu praktizieren. Stattdessen beherrscht der angehende Schwarzgurt die Techniken der Selbstverteidigung, so dass er sie auch im Notfall anwenden kann. Zudem weist der frischgebackene Schwarzgut eine bestimmte geistige Reife auf. Er ist sich darüber im Klaren, dass er auch ausserhalb der Trainingshallte die Tugenden des BJJ anwenden sollte.
Die Einführungsstunde des Gürtelsystems im BJJ fing in dem Augenblick an, in dem sich die Gracie-Brüder zu Schwarzgurten ernannten. Zum selben Zeitpunkt erfolgte eine Einführung des Farbgurtsystems in Judo, welches in Brasilien eingeführt wurde. Allerdings waren die Gracie-Brüder mit den Kriterien, die für den jeweiligen Farbgurt im Judo erforderlich waren, unzufrieden. Sie erhielten damals sogar die Einladung der Judo-Föderation beizutreten. Doch sie entschieden sich für einen Beitritt zum Jiu Jitsu.
Hélio Gracie gefiel es nicht, dass sich das Judo auf Wurftechniken und weniger auf den Bodenkampf spezialisierte. Auch der Sieg, der im Judo bei einem Kampf gilt, entsprach nicht den Vorstellungen der Gracie-Brüder.
Jigoro Kano hatte jedoch einen Grund, weshalb er sich auf Wurftechniken fokussierte. Sein Ziel bestand darin, für Judo Werbung zu machen. Er wollte, dass Menschen, die wenig über Kampfsport wissen, sich etwas unter Judo vorstellen können. Dementsprechend versuchte er eine Verbindung zu bereits bekannten Kampfsportarten herzustellen. Für dieses Vorhaben eignete sich das Wrestling. Zum einen kannte das eine grosse Mehrheit, zum anderen dominieren dort ebenso Wurftechniken.
Allerdings waren die Gracie-Brüder anderer Meinung. Sie vertraten die Auffassung, dass keine Wurftechnik darüber entscheidet, ob eine Person einen Kampf gewinnt oder verliert. Laut den Gracie-Brüdern, war ein Kampf nur dann gerecht, wenn eine Person im Kampf aufgibt oder aufgrund eines Knock-outs nicht mehr weiterkämpfen kann.
Als Hélio Gracie seine BJJ-Schule im Jahr 1952 eröffnete, führte er ein eigenständiges Gürtelsystem ein. Damit wollte er sich vom Judosystem differenzieren. BJJ-Schüler hatten deshalb einen weissen Gürtel zu tragen. BJJ-Lehrer hingegen waren Träger des blauen Gürtels. Allerdings dominierte ein Farbunterschied in Bezug auf die blauen Gürtel. Wer als Lehrer unterrichtete, trug einen hellblauen Gürtel. Erst, wenn ein Lehrer die Techniken und das System des BJJ verinnerlicht hatte, erhielt er den dunkelblauen Gürtel samt einem Zertifikat. Dieses gleicht einem Diplom.
Erst in den 1960ern führte Fransisco Mansur das Gürtelsystem im BJJ ein. Er war ein Schüler von Hélio Gracie und praktizierte ebenfalls Judo. Gemeinsam mit Alfredo Binda gründete er die BJJ Föderation.
Sie verfolgten das Ziel, sich von dem Gürtelsystem des Judo abzuheben, ohne es zu bekämpfen. Deshalb kreierten sie zwei Gürtelsysteme. Wieso zwei? Für Kinder und Erwachsene dienen unterschiedliche Gürtelfarben.
Bis zum 16. Lebensjahr fallen BJJ-Kämpfer in die Kategorie Kind. Die Farben für Kinder sind weiss, gelb, orange und grün. Sie stammen ursprünglich aus dem Judosystem. Für Erwachsene hingegen gibt es die Farben: weiss, blau, lila, braun und schwarz.
Im Brazilian Jiu Jitsu geht es trotz den eingeführten Farbgurten nicht darum, diese zu feiern. Stattdessen existiert das BJJ, um die Persönlichkeitsentwicklung, das angeeignete Wissen und das Engagement des Lehrers zu zelebrieren. Das Gürtelsystem im BJJ basiert nicht nur auf einem einzigen Element.
Andere Personen miteinander zu vergleichen ist nie gerecht. BJJ-Instruktoren agieren zugleich als Pädagogen und Psychologen. Das Ziel besteht darin, eine Person als Individuum zu betrachten und festzustellen, was dieses Individuum alles erreichen kann.
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