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So bezeichnet sie das Wort. Sie war die Schwester des Lazarus, des Gestorbenen, den Jesus auferweckt hatte. Sie war von der Familie in Bethanien, die der Herr liebte. Aber um ihrer Tat willen ist ihr der Titel: «Maria, die den Herrn mit Salböl salbte» (Joh 11,2), gegeben worden. Er ist im Wort Gottes eingraviert worden und redet von ihr durch die Jahrhunderte hindurch, überall wo das Evangelium verkündigt wird, wie der Herr gesagt hat «zu ihrem Gedächtnis».
Diese Maria sehen wir immer wieder zu den Füssen des Herrn. In jeder Szene, in der sie uns vorgestellt wird, ist sie dort: einmal sitzend, um dem Wort Jesu zuzuhören; ein anderes Mal in Tränen vor dem kniend, der allein sie über den Tod des Lazarus trösten konnte; ein drittes Mal über seine Füsse gebeugt, um sie mit dem Salböl zu salben, die das ganze Haus mit Wohlgeruch erfüllte.
Was hatte sie zu den Füssen Jesu gelernt? Was Liebe ist, was Gnade ist, und zweifellos auch, dass der Herr leiden und sterben würde. Zu den Jüngern und zu den Frauen, die Ihn begleiteten, hatte Er viel von seinem Tod geredet. Als diese mit den Gewürzsalben, die sie zubereitet hatten, zum Grab kamen, erinnerten die Engel sie daran: «Was sucht ihr den Lebendigen unter den Toten? … Erinnert euch, wie er zu euch geredet hat, als er noch in Galiläa war, als er sagte: Der Sohn des Menschen muss in die Hände sündiger Menschen überliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen. Und sie erinnerten sich an seine Worte» (Lk 24,5-8).
Unsere Maria wird nicht mit diesen anderen Frauen genannt. Warum? Man kann annehmen, dass sie nicht bei jenen war, die Gewürzsalben brachten: Sie hatte den Augenblick der Salbung des Leibes Jesu zum Begräbnis vorausgenommen. Am Abendessen in Bethanien schon breitete sie die kostbare Narde auf Ihn aus. Die Worte des Herrn, die sie gehört, hatte sie gewiss in ihrem Herzen bewahrt und in einem begrenzten Mass verstanden. Dass sie aber den Herrn salbte, war eine Tat des Glaubens und der Liebe. Das Wort gibt uns schöne Beispiele, in welchen der Glaube den Glaubenden über den Verstand und die menschlichen Überlegungen emporhebt und ihn Taten vollbringen lässt, die der natürliche Mensch weder verstehen noch erklären kann.
Am Grab des Lazarus, als Martha zum Herrn kam, sagte sie zu Ihm: «Herr, wenn du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben; aber auch jetzt weiss ich, dass, was irgend du von Gott erbitten magst, Gott dir geben wird.» Aus diesen Worten scheint die Hoffnung hervorzuschimmern, dass ihr Bruder ihr durch den Herrn wiedergegeben würde. Hatte Er nicht schon Tote auferweckt? Aber der Glaube fehlte, und als der Herr gebot, den Stein von der Gruft wegzunehmen, sucht sie sich dem zu widersetzen: «Herr, er riecht schon». – Die Haltung Marias ist ganz anders. Zwar sagt sie wie ihre Schwester: «Herr, wenn du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben.» Dabei aber wirft sie sich Ihm zu Füssen und, wenn Er redet, schweigt sie und erhebt keine Einwände. Das ist einer der Wesenszüge des Glaubens. Bleibt er nicht oft still, die Augen auf Ihn gerichtet, um voll Vertrauen auf die Antwort des Herrn zu warten?
Beim Abendessen – kostbare Szene der Gemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern – ist Maria die einzige, deren Gedanken mit denen des Herrn übereinstimmten. Ihre Liebe, ihr Glaube, ihr Herz brachten sie in Harmonie mit ihnen, während die unwilligen Jünger sie wegen ihrem Tun tadeln. Sie antwortet nichts; der Herr selbst verteidigt sie und gibt dieser Handlung ihre kostbare Bedeutung, indem Er zu verstehen gibt, welchen Preis sie für Ihn hat.
Die Welt hat den Herrn verachtet und verworfen und wird nun die Bosheit des Menschen zum Höhepunkt bringen, indem sie Ihn kreuzigt. In diesem feierlichen Augenblick ist eine bescheidene Frau zu den Füssen des Herrn die einzige Seele, die Ihm Huldigung bringt, indem sie auf seinen Leib ein Salböl von kostbarer Narde ausgiesst, deren Wohlgeruch das ganze Haus erfüllt und zum Himmel aufsteigt. Sie bringt den Wert zum Ausdruck, den seine herrliche Person für sie hat – und noch weit mehr – sie zeigt, was der für Gott bedeutet, der Ihn in vollkommenem Gehorsam verherrlicht hat und der im Begriff steht, in unvergleichlicher Liebe das Opfer seines Lebens zu vollbringen, das in herrlicher und vollkommener Weise alle ewigen Ratschlüsse Gottes erfüllen wird.