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Filmbulletin: Welche Titelsequenzen haben Sie in jungen Jahren begeistert? Zu wem haben Sie selber aufgeschaut, als Sie Ihre Karriere begannen?
Kyle Cooper: Nach meinem Abschluss in Yale 1988 bewarb ich mich bei R/Greenberg Associates in New York. Als ich jung war, interessierte ich mich nicht dafür, was Saul Bass machte. Ich war begeistert von den Titelsequenzen zu Altered States, The Dead Zone oder Alien, die alle von R/Greenberg Associates entwickelt wurden. Mich faszinierte, wie diese Vorspänne funktionierten, die Art, wie die Musik eingesetzt wurde, und die Bildsprache. Alles war sehr einfach. Selbst die Typografie war schlicht und zweidimensional. Der Vorspann zu Alien zum Beispiel ist simpel, aber extrem eindringlich und wirkungsvoll, genauso wie The Dead Zone. Zumindest auf mich als jungen Mann hat das damals extrem düster gewirkt, diese einsamen Häuser im herbstlichen Grau, dazu die wundervoll mysteriöse Musik zu den Standbildern, in die sich ganz allmählich die einzelnen Buchstaben des Titels einschneiden. Das ist heutzutage so einfach zu produzieren, aber damals war das noch schwieriger. Oder nehmen Sie Anatomy of a Murder von Otto Preminger, zu dem Saul Bass die Titelsequenz entworfen hat. Aus heutiger Sicht wirkt die Animation unheimlich minimalistisch, fast nicht der Rede wert. Aber damals war das noch ein komplizierter Prozess, für den man eine optische Bank benötigte.
Aber um wieder auf Ihre Frage zurückzukommen: Die emotionale Wirkung, die The Dead Zone und Alien damals auf mich ausübten, wurde für mich zum Massstab für meine eigene Arbeit. Ich wollte, dass sich die Zuschauerinnen und Zuschauer allein aufgrund des Vorspanns für den Film begeisterten, so wie ich von Alien hin und weg war. Erst später, als ich älter war und schon eine Weile im Geschäft, setzte ich mich auch intensiver mit Saul Bass auseinander und begriff, dass The Man with the Golden Arm das perfekte Beispiel dafür ist, dass eine Titelsequenz so viel mehr sein kann als lediglich Mittel zum Zweck, um die Namen der Mitwirkenden rüberzubringen. Ein gut gemachter Vorspann kann die Zuschauerinnen und Zuschauer in eine andere Welt versetzen, sodass man emotional gefesselt ist von dem, was sich da auf der Leinwand abspielt, noch bevor die erste Szene einsetzt. Das ist für mich der heilige Gral des Vorspanndesigns: genau dieselbe Wirkung zu erzeugen, wie sie diese Einstiegssequenzen damals auf mich ausübten.
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