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Implantologie
Implantate sind künstliche Zahnwurzeln, welche es ermöglichen, verlorene Zähne zu ersetzen.
Implantate sind in den meisten Fällen die erste Wahl, um einen oder mehrere Zähne zu ersetzen oder eine Prothese zu stabilisieren.
Indikationen
Einzelzahnverlust
Ist ein einzelner Zahn verloren gegangen ist ein Implantat sicher die beste Wahl, da die benachbarten Zähne geschont werden können.
Dagegen wird bei der klassischen Variante, den verlorenen Zahn durch eine feste Brücke zu ersetzen, werden die benachbarten Zähne als Pfeiler herangezogen. Die Pfeilerzähne müssen aus diesem Grund „verkleinert“ werden und können eine traumatisch bedingte Zahnnerventzündung entwickeln.
Studien haben gezeigt, dass Pfeilerzähne zirka 16 mal häufiger als einfache Zähne mit einer Krone unter Sekundär-Karies leiden oder eine Wurzelbehandlung benötigen.
Die Implantation sollte am besten 6-8 Wochen nach Zahnverlust durchgeführt werden.
Nach dem Zahnverlust ist eine Schrumpfung der Weich- und Hartgeweben zu erwarten.
Eine Sofortimplantation direkt nach Entfernung des Zahnes ist möglich, wenn der Zahn keine Entzündung zeigte und der Knochen einwandfrei war.
Vorteilhaft bei der Sofortimplantation ist, dass die Schrumpfung des Gewebes minimiert und die Heilungszeiten bis zur Versorgung abgekürzt werden, da die Heilung der Wunde nach einem Zahnverlust übersprungen werden kann.
Verlust von mehreren Zähnen
Wenn mehrere oder alle Zähne ersetzt werden müssen, können die Implantate als Pfeiler für festsitzende keramische Brücken verwendet werden.
Herausnehmbarer Zahnersatz kann mithilfe von Druckknöpfen oder anderen Verankerungssystemen sicher im Mund befestigt werden.
Eine feste dreigliedrige Brücke wird von 2 Implantaten getragen.
Um einen ganzen Kiefer mit festsitzenden Brücken zu versorgen sind im Oberkiefer 4-6 Implantate notwenig, während im Unterkiefer reichen 4-5 Implantate ausreichen.
Um eine herausnehmbare Totalprothese zu befestigen werden 2 bis 6 Implantate benötigt. Je stärker die Kiefer atrophiert sind, desto mehr Implantate sind zu empfehlen.
Implantationsverlauf
Vor der Implantation werden die Knochen und Weichgewebe untersucht. Eine Panoramaaufnahme oder eine DVT Aufnahme ermöglicht das Knochenangebot sowie die Distanz zu anatomisch wichtigen Strukturen wie Kieferhöhle, Nasenhöhle, Mandibular Kanal und benachbarten Zähnen zu beurteilen.
Bei einer komplizierten Anatomie ist die computerunterstützte Implantatplanung anhand eines 3D Volumenbildes in der Praxis möglich.
Die Implantate können in der Software so gesetzt werden, dass eine optimale Platzierung unter der geplanten prothetischen Versorgung gewährleistet ist.
Durch eine Implantatschablone können die Implantate genau, wie geplant, in Mund übertragen werden. Dieses Verfahren hat mehrere Vorteile: auf der einen Seite ist es möglich die Implantate ohne Aufklappung einzusetzen (flapless), anderseits ist es möglich eine prothetische Versorgung im voraus herzustellen.
Die Implantation erfolgt in der Regel unter lokaler Anästhesie, auf Wunsch kann jedoch auch in Vollnarkose durchgeführt werden. Die Einheilungsphase beträgt 3-4 Monate, und ist proportional länger je weicher der Knochen bei der OP war.
Die Erfolgsquote der Osseointegration von Implantaten ist von verschiedenen Autoren zwischen 92% und 98%. In unserer Praxis ist >99,5%.
Sofortbelastung
Wenn mehrere Implantate im festen Knochen gesetzt werden ist es möglich diese sofort zu belasten. Der Patient kann mit einer festsitzenden provisorische Prothese die Praxis verlassen. Der Zahnersatz verbleibt für die nächsten 6 Monaten im Mund. Danach erfolgt die Herstellung des definitiven Zahnersatzes oder die vorhandenen Zähne können umgearbeitet werden.
Knochenaufbau und Sinuslift
Das Knochenangebot ist manchmal nicht ausreichend, um ein hochwertiges Ergebnis zu erreichen. Es ist deutlich schwieriger zu implantieren, wenn der Zahnverlust vor längerer Zeit erfolgt ist, da der Knochen atrophiert und die Belastung einer schleimhautgetragenen Total- oder Teilprothese den Knochenabbau beschleunigt.
Manchmal ist eine Knochenaugmentation vor oder währen der Implantation erwünscht.
Bei Einzelimplantaten verbessert der Knochenaufbau die Ästhetik und verhindert das Risiko einer Rezession des Zahnfleisches.
Im Oberkiefer in den lateralen Bereichen ist das Knochenangebot nach Verlust der Zähne gering. Die Kieferhöhle kann frei bis zum Kieferkamm expandieren und die Implantation ist ohne Knochenaufbau und Anhebung der Kieferhöhle nicht möglich (Sinuslift).
Die gewünschte Länge eines Implantats beträgt 11-12 mm. Es wird daher mindestens gleichviel Knochenhöhe benötigt. Wenn das Knochenangebot kleiner ist, kann entweder ein kleineres Implantat gesetzt werden, oder die entsprechende Knochenhöhe muss durch Augmentationen geschaffen werden.
Der klassische interne Sinuslift ist mit geringerem Operationsaufwand verbunden, kann das Knochenangebot jedoch nur um 2-3 mm erhöhen.
Durch den externen Sinuslift kann auch der extrem atrophierte Knochen aufgebaut werden, benötigt jedoch eine relativ grosse Eröffnung der Kiefernhöhle.
Dank moderner Technik können wir den belastenden externen Sinuslift fast immer umgehen.
Mit ultraschallgesteuerten diamantierten Spitzen ist es möglich die Sinusmembrane zu mobilisieren und das Knochenmaterial in die Kieferhöhle zu setzen. Es ist keine zusätzliche Eröffnung der Kieferhöhle notwendig weil das Knochenmaterial durch die Implantatbohrung eingebracht wird.
Implantationen werden in der Regel gut toleriert. Normale Schmerztabletten in den ersten Tagen sind ausreichend.
Nach der Einheilphase werden die Implantate mit festsitzenden oder herausnehmbaren Zahnersatz prothetisiert.