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Schellacksammlung frei im Netz zugänglich
Die Schellackplatte war im ausgehenden 19. Jahrhundrt der erste Datenträger für die Konservierung von Musik. Weltweit liegen bis heute Millionen Exemplare in Kellern, Estrichen, Archiven und Bibliotheken. Das «Great 78 Project» digitalisiert Hunderttausende der alten Musikperlen und macht sie frei im Netz zugänglich.
In der Zeit zwischen 1898 und 1960 wurden weltweit etwa drei Millionen Musikaufnahmen produziert, die sich auf 1,5 Millionen unterschiedlichen Schellackplatten verteilen. Viele Schellackplatten wurden bereits digitalisiert oder sind bereits vor Jahren als CD herausgekommen. Beim «Great 78 Project» handelt es sich jedoch um seltene Aufnahmen. 78 deshalb, weil Schellackplatten mit 78 Umdrehungen pro Minute laufen. Um 1960 wurde Schellack von Vinyl abgelöst, dem bis heute für Schallplatten üblichen Material.
Schellack hatte den Nachteil, dass es anfällig war für Stör- und Knackgeräusche, ausserdem ist das Material Schellack sehr zerbrechlich. Die Scheiben brechen schnell auseinander, wenn man mit ihnen nicht sorgfältig umgeht.
Viele Aufnahmen politisch inkorrekt
Beim «Great 78 Project» geht es vor allem um seltene Aufnahmen, die sich weniger kommerziell nutzen lassen. Darunter finden sich neben Blues, Bluegrass, Jodel oder frühen Synthesizer-Aufnahmen von 1941 vor allem auch Soundeffekte, literarische Lesungen oder Comedy. Auch russische Volksmusik der 20er-Jahre oder Vladimir Horowitz mit Paganini fehlen nicht. Der Twitter-Bot twitter.com/great78project postet alle zehn Minuten eine musikalische Rarität.
Viele der Platten seien aus heutiger Sicht politisch inkorrekt. «Die Tondokumente zeigen die sozialen Normen der Gesellschaft, als diese Platten aufgenommen wurden», sagt George Blood, einer der Initianten des Projekts. Das historische Gedächtnis des 20. Jahrhunderts unterscheidet sich stark von früheren Zeiten. «Es gibt fast keine Tonaufnahmen davor, bewegendes Bild noch weniger.»
Die Aufnahmen geben den Archivaren und Historikern die Möglichkeit, diese Zeitepoche genauer zu studieren. «Die Aufnahmen zeigen, wie die damalige Gesellschaft sich selber gesehen hat.» Die Initianten sehen sich mit verschiedenen Hürden konfrontiert. Einerseits wird es immer schwieriger, geeignete Geräte zu finden, mit denen man die Platten überhaupt noch abspielen kann. Ein weiteres Problem sind unterschiedliche technische Normen. Bis gegen Ende der 1920erJahre gab es noch keinen Standard bezüglich der Abspielgeschwindigkeit.
Die Konservatoren wissen nicht immer exakt, mit welcher Geschwindigkeit sie eine Platte digitalisieren sollen. Im Online-Archiv archive.org können die bereits digitalisierten Platten kostenlos angehört und heruntergeladen werden. Die Organisation ist neben dem New York Archive of Contemporary Music und George Blood Audio die dritte Institution, die am Projekt beteiligt ist. In der Sammlung sind mittlerweile 250000 Songs.
Stöbern lohnt sich und die alten kratzigen und knackenden Aufnahmen sind eine wahre Alternative zum geschliffenen Sound von Spotify, Soundcloud, iTunes und Co.
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