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Das Paper der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM), das während der UN-Klimakonferenz in Bonn erscheint, wurde in der Fachzeitschrift «The Lancet Planetary Health» veröffentlicht. Verglichen wurden die Wärme und Kälte bedingte Sterblichkeit an 451 Standorten in neun Regionen und 23 Ländern der Welt, darunter die Schweiz.
Gemäss LSHTM wurde dabei das erste globale Modell entwickelt bezüglich der Frage, wie sich die Sterblichkeit bei warmem und bei kaltem Wetter verändert. Die benutzten Daten umfassen 85 Millionen Todesfälle zwischen 1984 und 2015 in einer breiten Palette von Standorten mit unterschiedlichen klimatischen, sozioökonomischen und demografischen Verhältnissen.
Das internationale Forschungsteam unter Beteiligung des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH) untersuchte, wie temperaturbedingte Sterblichkeitsraten sich verändern werden in unterschiedlichen Szenarien des Klimawandels, wie sie der Weltklimarat definiert hat.
Daten einer Swiss TPH-Studie
Martina Ragettli, Epidemiologin am Swiss TPH, ist Co-Autorin der globalen Studie. Sie hat den Datensatz für die Schweiz aufbereitet. Diesen benutzen Ragettli und Team auch in der Swiss TPH-Studie «Exploring the association between heat and mortality in Switzerland between 1995 and 2013». Sie ist vergangenen Monat im Journal «Environmental Health» erschienen und wurde vom Bundesamt für Gesundheit und dem Bundesamt für Umwelt finanziert.
Die Daten beinhalten die Anzahl Todesfälle pro Tag in acht Schweizer Städten (Basel, Zürich, Lugano, Bern, Lausenne, Geneva, Luzern, St. Gallen) für die Zeitspanne 1995–2013. Martina Ragettli sagt: «Klimawandel ist eine Herausforderung für die Gesundheitssysteme. Die Swiss TPH-Studie deutet darauf hin, dass hitzebedingte Sterblichkeit reduziert werden kann durch geeignete Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit.»
Planet aus dem Gleichgewicht
Obwohl frühere Studien gezeigt haben, dass hitzebedingte Sterblichkeit möglicherweise zunimmt, war bisher wenig bekannt darüber, in welchem Verhältnis diese Zunahme zur Abnahme von kältebedingten Todesfällen steht. Die LSHTM-Studie zeigt: Sollte die globale Erwärmung andauern, werden mehr Todesfälle aufgrund von Hitze nicht durch weniger Todesfälle in kälteren Regionen aufgewogen. Es ist mit anderen Worten wahrscheinlich, dass der Klimawandel die wärmsten, bevölkerungsreichsten und in einigen Fällen ärmsten Gegenden der Welt in besonderem Masse beeinträchtigt. Dies wiederum bedeutet, dass wärmere Regionen mit einer spürbaren Zunahme der Sterblichkeitsarten rechnen müssen.
Umgekehrt könnten kältere Regionen wie zum Beispiel Nordeuropa entweder keine Veränderung oder einen leichten Rückgang an Temperatur relevanten Todesfällen erfahren. Für den Raum Zentraleuropa, die Schweiz eingeschlossen, liegen die Resultate zwischen den beiden Gruppen. Hier lautet der Befund: Werden bis 2090–99 keine Massnahmen ergriffen, ist bis Ende dieses Jahrhunderts in Zentraleuropa mit einem Netto-Anstieg von +3,5 Prozent temperaturbedingter Todesfälle zu rechnen, angetrieben von einem starken Anstieg hitzebedingter Effekte.
Veränderung ist möglich
Die Autorinnen und Autoren der globalen Studie betonen, dass die meisten gesundheitlichen Schäden, die direkt auf den weltweiten Temperaturanstieg zurückzuführen sind, verhindert werden könnten. «Es ist weitum anerkannt, dass der Klimawandel die grösste globale Gefahr in unserem Jahrhundert darstellt. Die wissenschaftliche Arbeit zeigt, dass damit verbundene Todesfälle zunehmen werden, wenn der Ausstoss von Kohlendioxid sowie von kurzlebigen Klimaschadstoffen wie zum Beispiel Methan und Russ nicht mit Entschlossenheit gedrosselt werden.»
Über das Swiss TPH
Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) ist ein weltweit renommiertes Institut auf dem Gebiet der globalen Gesundheit mit besonderem Fokus auf Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen. Assoziiert mit der Universität Basel, verbindet das Swiss TPH Forschung, Dienstleistungen und Lehre und Ausbildung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Mehr als 800 Personen aus über 70 Ländern arbeiten am Swiss TPH in Bereichen wie Infektionskrankheiten und nicht-übertragbare Krankheiten, Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit, sowie Gesundheitssysteme und -programme.