Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03327.jsonl.gz/827

Der britische Neurologe und Schriftsteller Dr. Oliver Sacks ist gestern im Alter von 82 Jahre in seinem Haus in New York City verstorben. Sacks wurde durch seine populärwissenschaftlichen Bücher, in denen er komplexe Krankheitsbilder leicht verständlich beschreibt, weltberühmt.
Sacks hatte im Februar 2015 bekannt geben, dass er an Krebs im Endstadium litt – in seiner Leber wurden Metastasen diagnostiziert.
Bücher von Oliver Sacks
Am besten bekannt ist sein Bestseller „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ aus dem Jahr 1985, in dem er einen Mann beschrieb, der tatsächlich das Gesicht seiner Frau mit seinem Hut verwechselte, als er Sacks in seinem Büro besuchte. Das Gehirn des Mannes hatte Schwierigkeiten zu interpretieren, was er sah. In einer anderen Geschichte in dem Buch wurden autistische Zwillinge vorgestellt, die Probleme mit leichten Mathematikaufgaben hatten, jedoch erstaunlich komplexe Berechnungen durchführen konnten. Das Buch wurde 2006 zu einem der 25 besten Wissenschaftsbücher aller Zeiten ernannt. Zahlreiche Neurowissenschaftler bezeichnen dieses Buch als große Inspiration.
In seinem 1973 veröffentlichten Buch “Awakenings – Zeit des Erwachens” geht es um Krankenhauspatienten, die jahrzehntelang in einer Art von psychischer Starre gelebt hatten, bis Sacks eine neue Behandlung ausführte. Sacks gab ihnen L-Dopa, eine Vorstufe in der Biosynthese der Neurotransmitter Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Gerade bei Patienten mit einem Mangel an den besagten Neurotransmitteln kann L-Dopa einen positiven Effekt haben. Das Buch wurde 1990 verfilmt – Robin Williams spielte Sacks – und wurde für drei Oscars nominiert.
In „Eine Anthropologin auf dem Mars“ aus dem Jahr 1995 wird unter anderem der Fall eines Malers beschrieben, der die Fähigkeit zum Farbsehen bei einem Autounfall verliert, jedoch neue kreative Kraft in schwarz-weiß findet.
In seinem Buch „Musicophilia“ aus dem Jahr 2007 blickt Sacks auf die Beziehung zwischen Musik und Gehirn, einschließlich deren heilender Wirkung bei Menschen, die an Krankheiten wie dem Tourette-Syndrom, Parkinson, Autismus und Alzheimer leiden. Sacks wurde 2002 mit dem renommierten Lewis Thomas-Preis für Wissenschaft ausgezeichnet.
2014 stellte Sacks seine Autobiographie „On the Move“ fertig. Seine Werke wurden bislang in 21 Sprachen übersetzt.
Kurzbio
Oliver Sacks wurde 1933 in London als Sohn von Ärzten geboren. In seiner Kindheit interessierte er sich für Chemie gezogen und Biologie. Nachdem seinem Abschluss in Medizin in Oxford, zog Sacks 1960 in die Vereinigten Staaten und schloss ein medizinisches Praktikum in San Francisco und eine Neurologiefachausbildung an der Universität von Kalifornien, Los Angeles ab. Er zog 1965 nach New York und arbeitete als Neurologe. In einem Krankenhaus in der Bronx traf er die schwerbehinderten Patienten, die er in „Zeit des Erwachens“ beschreibt.