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Das 16. Jahrhundert – eine Zeit gekennzeichnet von Religionskriegen und den Kontroversen der Reformation – ist eine Epoche mit intensiven kulturellen Austauschbeziehungen zwischen italienischen und helvetischen Gebieten dar, in der das Exil in der Schweiz religionis causa ein häufiges Phänomen war. Italienische Humanisten, darunter Celio Secondo Curione (1503–1569), wählten den Weg des Exils und verfassten (oder veröffentlichten) in der Schweiz Werke, welche als Bezugstexte in der italienischen und europäischen reformierten Kultur dienten. Das Forschungsprojekt hat die Edition und den Kommentar der ersten lateinischen Fassung des Pasquillus extaticus von Curione sowie von dessen erster Übertragung in die Vulgärsprache zum Ziel, des Pasquino in estasi, welcher in Venedig um 1543 veröffentlicht wurde. Beide Werke hatten während des 16. und 17. Jahrhunderts in Europa eine Verbreitung. In der reformierten italienischen Kultur der vierziger Jahre des 16. Jahrhunderts vermochte sich der Pasquino in estasi ziemlich schnell als eine Art „heimlicher best seller“ durchzusetzen.
Jahrelang blieb die verzwickte Geschichte der Redaktionen und Fassungen des satirischen Werks von Curione wissenschaftlich schwer zu erschliessen, insbesondere die Art der Beziehungen, die zwischen den vulgärsprachlichen und lateinischen Fassungen bestehen. Erst kürzlich, nach der Identifikation eines Exemplars des „ersten“ italienischen Pasquino in der British Library, welches jahrelang als verschwunden galt, fuhr man mit der wissenschaftlichen Klärung dieser Beziehungen fort. Das Projekt will somit einen ausführlichen Kommentar und eine philologisch fundierte Edition der ersten lateinischen und italienischen Fassung des meistgelesenen und meistrezipierten Werks eines der wichtigsten Vertreter der italienischen religiösen Widerstandsbewegung des 16. Jahrhunderts bieten. Die Edition wurde 2108 in der Reihe Biblioteca dell'«Archivum Romanicum» des Verlags Olschki (Firenze) veröffentlicht.
Publikationen zum Projekt: