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Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren ist Brasilien Ausrichter einer der beiden bedeutendsten Sportveranstaltungen. Nach der Fussball-WM 2014 ist Rio als erste Stadt in Südamerika Austragungsort Olympischer Spiele. Vorgänger von solch aussergewöhnlichen Doppelbelastungen waren bisher Mexiko (1968/1970), Deutschland (1972/1974) und die USA (1994/1996).
Zwei Jahre nach der für die Seleção so blamabel zu Ende gegangenen WM steht der Fussball für die Brasilianer auch im Zeichen der olympischen Ringe im Zentrum. Keine Goldmedaille wird sehnlicher erwartet als jene durch das Team von Coach Rogerio Micale.
Nach dem 1:7-Debakel im WM-Halbfinal gegen Deutschland und vier Jahre nach dem verlorenen Olympia-Final gegen Mexiko (1:2) sollen Neymar und Co. die Trophäen-Sammlung für Brasilien mit Olympia-Gold endlich komplettieren.
Zumindest Edelmetall erwartet man sich am Zuckerhut auch von den beiden Volleyball-Teams in der Halle, den Handballerinnen und den erfolgsverwöhnten Beachvolleyball-Duos. Letztere finden mit der Copacabana eine nicht besser passende Kulisse vor und werden die 12’000 Zuschauer fassende Arena am weltweit berühmtesten Strand in einen Hexenkessel verwandeln.
Ebenfalls zum Favoritenkreis zählen Fabiana Murer, die letztjährige WM-Zweite im Stabhochsprung, der erst 18-jährige Bogenschütze Marcus Vinicius D’Almeida, in seiner Heimat bereits als “Neymar do Tiro com Arco” (Neymar des Bogenschiessens) bezeichnet, oder Brasiliens Rekord-Olympiateilnehmer Robert Scheidt, der im Segeln seit 1996 an allen Olympischen Sommerspielen Edelmetall erringen konnte.
Vor vier Jahren in London hatte Brasilien 17 Medaillen gewonnen, drei davon in Gold. Dies brachte im Medaillenspiegel Rang 22 ein. Für die Olympiasiege sorgten die Volleyball-Frauen, der Turner Arthur Zanetti an den Ringen und die Judoka Sarah Menezes. Alle drei wollen nun in ihrer Heimat daran anknüpfen.
In der Vorbereitung auf die olympischen Heimspiele investierte Brasilien nicht nur kräftig in die Infrastruktur, sondern rüstete auch sportlich auf. Förderprogramme und etliche ausländische Trainer sollen dafür sorgen, dass die Medaillen-Ausbeute in Rio de Janeiro deutlich gesteigert und ein Top-10-Platz im Medaillenspiegel realisiert wird. Meist schneiden Gastgeberländer besser ab als im Durchschnitt. Grossbritannien beispielsweise holte vor vier Jahren in London 65 Medaillen (29-mal Gold), 2008 waren es 47 (19) gewesen.
Fussball hin, Beachvolleyball her: Die olympischen Kernsportarten aus internationaler Sicht sind und bleiben Leichtathletik und Schwimmen. Kein anderer Sportler war in der Geschichte der Olympischen Spiele erfolgreicher als Michael Phelps. 18-mal schwamm der 31-Jährige bislang zu Gold. In Rio will der Amerikaner seine Rekordkarriere ausklingen lassen. “Im Stande zu sein, die Sache so zu Ende zu bringen, wie ich es möchte, ist mir ganz wichtig.”
Nach den Spielen in London hatte Phelps seine Karriere für beendet erklärt und fiel in ein Loch – Alkoholfahrt und Entziehungskur inklusive. In Rio will er vor seinem zweiten Rücktritt noch einmal glänzen; an den US-Trials Anfang Juli war kein Landsmann erfolgreicher. Wie die erst 19-jährige Katie Ledecky bei den Frauen errang Phelps drei Titel und qualifizierte sich damit für drei Olympia-Einzelrennen. Über 200 m Lagen und 100 m Delfin bietet sich ihm die Chance, als erster Schwimmer viermal Olympiasieger zu werden. Ledecky startet über 200, 400 und 800 m Crawl sowie in der 4×200-m-Crawl-Staffel. Auf allen vier Strecken wurde sie im Vorjahr Weltmeisterin.
Das Aushängeschild der Leichtathletik ist seit 2008 Usain Bolt. Sein Ziel kann es nur sein, zum dritten Mal in Folge an Sommerspielen den Gold-Hattrick (100 m, 200 m, 4×100 m) zu schaffen. Die Vorbereitung des Jamaikaners wurde aufgrund einer Oberschenkelzerrung gestört, nach den jüngsten Eindrücken befindet sich Bolt im Hinblick auf das Saisonhighlight jedoch auf Kurs.
(SDA)