Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03520.jsonl.gz/906

Weitere Luftaufnahmen von Cheyres
Die Herrschaft Cheyres war ein Lehen der Herren von Estavayer. Nach der Eroberung der Waadt huldigt sie Freiburg, bleibt aber bis Anfang des 18. Jh. unabhängig. Am 14. Mai 1704 verkaufen Anne-Judith de Praroman und ihr Gatte Abraham Ancel die kleine, aus den Gemeinden Cheyres, Bollon und Seiry bestehende Herrschaft an den Staat Freiburg. Statt sie mit den Landvogteien Estavayer oder Font-laMoliere zu vereinigen, beschliesst die neue Obrigkeit, daraus eine neue Landvogtei zu machen. Dem Einzug des neuen Landvogtes gehen Reparationen und Neuausstattungen des Schlosses, der Kapelle, der ZehntenScheune, der Mühle, des Taubenschlags und des Speichers voraus. In Anbetracht des schlechten Zustandes des Landvogteisitzes wird indessen schon 1760 beschlossen, diesen abzubrechen und im Garten der Landvögte ein neues Schloss zu bauen. Das Projekt des neuen Gebäudes wird im Herbst 1772 genehmigt. Der Rohbau erfolgt im Jahr darauf und das Schloss sollte 1774 vollendet sein. Der mit dem Bau beauftragte Maurermeister Johann Popleter könnte die Pläne entworfen haben. Vier Jahre später zeichnet er diejenigen des Landvogteischlosses Wissens.
Dieser für seine Kompetenzen anerkannte Unternehmer stammte aus Dürenbyren bei Feldkirch und gehörte zu einer kleinen Gruppe von Baumeistern aus dem Vorarlberg. Diese realisierten die grösseren Bauvorhaben des Kantons Freiburg in der zweiten Hälfte des 18. Jh. Das auf dem abfallenden Grundstück geschickt implantierte Gebäude weist auf der Seite des Hofes eine representative, dreistöckige Fassade auf, während sie gartenseits wegen der Niveaudifferenz auf zwei Stöcke reduziert ist. Es besitzt imposante Kelle welche auf die Bedeutung des Weinbaus dieser Region hinweisen. Die Zimmer sind zu beiden Seiten eines zentralen Treppenhauses angeordnet. Sie sind grosszügig dimensioniert und beherbergen das im Kanton Freiburg schönste Ensemble von Kachelöfen des Ateliers André Nuoffer, die beste Hafnerwerkstatt der Hauptstadt.
Nach dem Sturz der alten Eidgenossenschaft wird die kleine Landvogtei dem Broyebezirk zugeteilt und verliert demzufolge seinen Landvogt. Im März 1800 wurde das renovierte und modernisierte Schloss samt Speicher, Kelle Trotte, Scheune, zwei Ställen, Schuppen, Ofenhaus, zwei Höfen und einem Gemüsegarten zum Verkauf ausgeschrieben und abgetreten. Von 1818 bis 1960 gehörte es der Pfarrei Cheyres und diente als Pfarrhaus. Anschliessend wurde es wieder zum Privatbesitz und gehörte namentlich Professor Armand Delachaux, Ordinarius an der medizinischen Fakultät Lausanne und anerkannter Spezialist für physikalische Medizin.
Bibliographie