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(Bosc, 1792)
- DE: Waldgrille
- EN: Wood-cricket
- FR: Le Grillon des bois
- IT: Grillo dei boschi
- Syn.: No synonym!
Morphologie
Die Grundfärbung von Nemobius sylvestris ist dunkelbraun bis schwarz mit heller Marmorierung. Frisch gehäutete sind heller grau-braun. Der schwarze Kopf trägt zwischen den Augen eine w-förmige Linie, die mit zwei weiteren Linien ein nach unten geöffnetes Fünfeck bildet. Der Halsschild ist marmoriert und trägt in der Mitte eine helle Längslinie. Die Vorderflügel erreichen beim Weibchen die einfache, beim Männchen die doppelte Halsschildlänge. Die Hinterschienen weisen innen wie aussen nur je 3 Dornen auf. Die gerade Legeröhre des Weibchens ist knap so lang wie der Körper und 2-3x so lang wie bei den Pteronemobius-Arten.
Gesang
Der leise bis mässig laute Spontangesang von Nemobius sylvestris besteht aus Versen, die in unterschiedlichen Abständen aneinander gereiht werden. Die Versdauer ist sehr variabel (0,2-2 s), was dem Gesang einen stotternden Charakter verleiht. Nicht selten sind die Pausen so lang wie die Dauer des vorangehenden Verses. Die Anzahl Silben innerhalb eines Verses variiert beträchtlich. Häufig hört man mehrere Männchen miteinander, sodass es schwierig ist, den Gesang eines einzelnen Sängers herauszufiltern und noch viel schwieriger, die Anzahl der Sänger zu bestimmen. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum bei 3,8-4,6 kHz. Der Werbegesang besteht aus Perioden mit sehr kurzen Versen, die von solchen aus längeren Versen (bis 5 s) unterbrochen werden.
Spontangesang von Nemobius sylvestris - DE, Bayern, Haselbrunn bei Bayreuth, 22 °C, schattig.
Spontangesang eines ♂ von Nemobius sylvestris mit deformierten Vorderflügeln - CH, TI, Montedato, 20 °C, nachts.
Spontangesang von Nemobius sylvestris - DE, Bayern, Haselbrunn bei Bayreuth, 22 °C, schattig.
Einzelner Vers aus dem Spontangesang von Nemobius sylvestris - DE, Bayern, Haselbrunn bei Bayreuth, 22 °C, schattig.
Verbreitung
Nemobius sylvestris ist von Nordafrika über Spanien und ganz Frankreich bis in den Süden Englands verbreitet. Im Osten reichen die Vorkommen bis nach Tschechien. In Italien ist Nemobius sylvestris auf die nördliche Hälfte beschränkt. In der Schweiz ist die Art in allen Landesteilen anzutreffen, fehlt aber im Engadin und im Münstertal. Gegen Osten wird sie seltener. Durch Deutschland verläuft die nördliche Arealgrenze ungefähr auf der Höhe von Berlin. In Bayern fehlt Nemobius sylvestris in weiten Teilen des Alpenvorlands und der Alpen. Sie lebt aufgrund der Wärmeansprüche bevorzugt in tiefen Lagen und steigt nur in südlicheren Gebieten bis über 1500 m.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Nemobius sylvestris können in Mitteleuropa das ganze Jahr über beobachtet werden. Die meisten Beobachtungen erfolgen zwischen Juli und Oktober. An warmen Wintertagen kann man sie bei Sonnenschein singen hören.
Die Eier werden in die oberen Bodenschichten abgelegt und die Larven durchlaufen 8-9 Stadien. Je nach Region, Population und Individuum gibt es ein- bis zweijährige Entwicklungszyklen. Im zweijährigen Zyklus schlüpfen die Larven nach einer Überwinterung und überwintern ein zweites Mal im 5. bis 6. Larvenstadium. Erst im dritten Jahr erfolgt dann die Imaginalhäutung. Einige dieser ausgewachsenen Tier leben bis in den Winter und können im Extremfall sogar einen weiteren Winter überdauern. In manchen Populationen entwickeln sich sämtliche oder auch nur einzelne Individuen ohne Entwicklungspause innerhalb eines Jahres. Bei der Paarung von Nemobius sylvestris ist eine Sequenz aus zwei aufeinanderfolgenden Paarungen die Regel. Während bei der ersten Kopulation nur eine kleine Spermatophore übertragen wird, ist diese bei der zweiten Kopulation sehr viel größer. Nemobius sylvestris ist omnivor und wurde auch beim Verzehr von Aas und Vogelkot beobachtet.
Lebensraum
Solange ausreichend Wärme und Deckung vorhanden ist, findet man Nemobius sylvestris in verschiedenen Lebensräumen. Mit Abstand am häufigsten werden gut besonnte Waldränder oder Waldlichtungen mit trockenem Falllaub besiedelt. Zudem findet man sie in Gärten, in Steinmauern, an Bahndämmen oder in lichten Wäldern, wo sie als eine der wenigen Arten überleben kann. Es werden aber auch Magerwiesen mit hoher Vegetation und Sträuchern bewohnt. Trotz der scheinbar relativ hohen Feuchtigkeitsbedürfnisse der ausgewachsenen Tiere findet man sie in der Schweiz auch in der Walliser Felsensteppe, einem ausgesprochen trockenen Lebensraum.
Gefährdung & Schutz
Nemobius sylvestris ist nicht gefährdet und in ihrem Areal eine der häufigsten Arten überhaupt.
- CH: LC (Nicht gefährdet)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Nemobius sylvestris ist den beiden Pteronemobius-Arten sehr ähnlich. Pteronemobius heydenii hat an der Hinterschiene innen und aussen jedoch vier Dornen, während Pteronemobius lineolatus nur auf der Innenseite vier Dornen besitzt. Nemobius sylvestris hat innen wie aussen drei Dornen. Die Legeröhre der Pteronemobius-Weibchen ist wesentlich kürzer als jene von Nemobius sylvestris. Zudem sind die Flügel der Pteronemobius-Arten beider Geschlechter etwas länger. Eine Verwechslung mit den Modicogryllus-Arten ist ebenfalls möglich. Diese verfügen aber über eine gerade, helle Linie zwischen den Augen und die Flügel sind deutlich länger.