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Ernteausfälle konnten die Existenzgrundlage der Zuger Landbevölkerung früher leicht aus dem Gleichgewicht bringen. Ein nur 25 bis 30 Millimeter grosses Insekt richtete hierbei beträchtlichen Schaden an – der millionenfach auftretende Maikäfer. Daher hatten viele Zuger dem Käfervogt bis ins 20. Jahrhundert jährlich über 5000 der Tiere abzuliefern.
Mit Naturkatastrophen verbinden wir heute vorwiegend Überschwemmungen, Erdbeben oder Bergstürze. Nach einem solchen Ereignis taucht oft die Frage auf, ob sich solche Katastrophen nicht hätten verhindern lassen. Doch die Natur lässt sich nur eindämmen, nicht verhindern. Für einen Grossteil der Zuger Bevölkerung bildete die Landwirtschaft bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste Existenzgrundlage. Dementsprechend versuchten schon die Menschen in der frühen Neuzeit, Ernteausfälle zu verhindern oder zumindest zu vermindern.
Vorsorge gegen Ernteverluste
Ein kleiner, aber gefrässiger Schädling konnte das Einkommen einer Familie empfindlich reduzieren. Der Maikäfer – oder besser, die in grossen Mengen auftretenden Maikäfer – stellten eine ernsthafte Bedrohung dar.
Um diese Katastrophe abzuwenden, fing man die Maikäfer massenhaft ein. Bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts sammelte man die Maikäfer organisiert und kontrolliert ein. Aus dem Stadtarchiv Zug datiert eine erste Verordnung aus dem Jahr 1747. Darin wird deutlich, worin die Gefahr der Maikäfer bestand: Weil für das aktuelle Jahr eine grosse Anzahl Maikäfer erwartet wurde, die «die liebe Baum früchten ja die Bäum selbsten als auch Weingewächs, Wäldt und Graβ schädlichst abgefressen», verfügte die Zuger Obrigkeit, dass jede Person pro Stück Vieh, welches auf die Allmend getrieben wurde, einen Viertel (ein Hohlmass) Käfer fangen und abliefern sollte.
Die Käferordnung von 1747
Aber nicht nur Personen mit Vieh wurden in die Pflicht genommen. Auch Almosenempfänger mussten einen Viertel Käfer abliefern: Alle, die Almosen vom Spital oder Siechenhaus bezogen sowie jene, die in Naturalien wie Butter oder Brot unterstützt wurden, sollten dem Käfervogt ein gewisses Mass an Käfern abliefern. Der sogenannte Käfervogt war für die Aufsicht und Kontrolle der «Käferablieferungen» und Finanzen zuständig. Wurde das Kontingent nicht abgeliefert, musste sogar eine Gebühr bezahlt werden. Wer mehr Käfer ablieferte, konnte sich hingegen etwas dazuverdienen. Jedes Viertel Käfer wurde mit 4 Schillingen belohnt.
16 Millionen gefangene Maikäfer im Jahr 1876
In Verordnungen ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Konditionen angepasst: So musste jeder Haushalt nur noch einen Vierling Käfer und pro Juchart Landbesitz einen zusätzlichen Vierling Käfer abliefern. Was ist unter einem Viertel oder einem Vierling zu verstehen? Ein Viertel war ein Hohlmass und entsprach in der Gegend um Zug rund 15 Litern. Ein Viertel bestand aus vier Vierlingen. 1876 wurden insgesamt 3’095 Viertel (auch Sester genannt) Käfer abgeliefert. Somit wurden 46’425 Liter Käfer abgeliefert. Das entspricht ungefähr 310 gefüllten Badewannen.
Wie viele Maikäfer sind das? Unter der Annahme, dass in einem Liter 350 Maikäfer Platz finden, wurden also mehr als 16 Millionen Käfer gesammelt und getötet.
Die Maikäferplage 1876 machten es der Zuger Bevölkerung leicht, ihre Pflichtanteile zu erfüllen. Sie übertrafen sich gar gegenseitig. So lieferten die Oberwiler siebenmal mehr als gefordert ab. Jene aus dem Gebiet Gimenen bei der Stadt Zug lieferten gar elfmal mehr ab.
Noch im 20. Jahrhundert bedrohten die Maikäfer die Ernten. Nun wurden sie jedoch im industriellen Stil gesammelt, verfrachtet (mit dem Güterzug) und als Futter verwendet. Wofür die Maikäfer in den Jahrhunderten zuvor verwendet wurden, geht aus den Zuger Quellen nicht hervor. Ab 1940 wurden chemische Insektengifte (bspw. DDT) zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Welche Schäden DDT wiederum anrichtete, wäre eine andere Geschichte …