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Es brauche keine spezielle Kommission, um den Bund bei der Förderung der Landessprachen zu unterstützen. Das hat die grosse Parlamentskammer beschlossen, trotz einer immer grösser werdenden Herausforderung durch die Mehrsprachigkeit.
Die Regierung macht genug, um die Sprachenvielfalt in der Schweiz zu unterstützen, findet die Mehrheit des Nationalrats (grosse Parlamentskammer). Am Montag hat sie eine Motion mit 100 gegen 80 Stimmen abgelehnt, welche die Schaffung einer Kommission für Sprachenfragen verlangte. Laut Stefan Engler, Ständerat der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) und Verfasser der Motion, verfügt der Bund bezüglich Sprachenpolitik nur über wenig Ressourcen. Um dies zu beheben, schlug Engler die Schaffung einer ausserparlamentarischen Kommission vor. Diese hätte sich nach dem Willen des Motionärs mit der Verständigung und dem Austausch zwischen den Sprachengemeinschaften beschäftigen und die Regierung in allen Fragen der Sprachenpolitik beraten sollen. Ihr Augenmerk hätte sie nicht nur auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch legen sollen, sondern auch auf weitere Minderheitensprachen sowie auf Englisch und andere Sprachen, die von Migranten gesprochen werden, wie Portugiesisch.
Zu viele Kommissionen
Dem rotgrünen Lager ist es nicht gelungen, die Mehrheit der grossen Parlamentskammer von der Notwendigkeit des Vorschlags zu überzeugen. "Eine Kommission hätte der Förderung der Sprachenvielfalt und all dem, was bereits dafür gemacht wird, eine offizielle Unterstützung gebracht", argumentierte der Sozialdemokrat Jacques-André Maire vergeblich.
"Die Verständigung zwischen den verschiedenen Sprachgemeinschaften ist für die Schweiz unentbehrlich", sagte Verena Herzog, Nationalrätin der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Wie die anderen rechtsbürgerlichen Parlamentarier war sie aber der Meinung, dass sich der Bund schon genug für die Sprachen engagiere und keine Unterstützung von einer speziellen Kommission brauche. Auch Innenminister Alain Berset widersetzte sich der Schaffung einer zusätzlichen Kommission, mit dem Hinweis, dass es bereits 119 Kommissionen gebe und das Parlament die Anzahl reduzieren wolle.
Die Debatte findet zu einem Zeitpunkt statt, in dem der Sprachenunterricht in der Schule für grossen Wirbel sorgt. Verschiedene Deutschschweizer Kantone versuchten in den letzten Jahren, den Französischunterricht auf Primarschul-Stufe abzuschaffen.
Ausländische Sprachen auf dem Vormarsch
Befürworter wie Gegner sind sich indes einig, dass die Sprachenvielfalt zur DNA der Schweiz gehört und geschützt werden muss. In der Schweiz werden neben den vier Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch zahlreiche ausländische Sprachen gesprochen. Der Anteil dieser Sprachen nahm seit den 1970er-Jahren von 4% auf 20% zu.
Wie die Grafik zeigt, verändert sich die Bedeutung der nicht-nationalen Sprachen in der Schweiz in Abhängigkeit von der Entwicklung der ausländischen Bevölkerung. Im Jahr 2000 belegten die Sprachen Ex-Jugoslawiens die ersten Ränge. Seit 2010 liegt Englisch an der Spitze, gefolgt von Portugiesisch, Serbokroatisch, Albanisch und Spanisch.
Gefährdete Sprachen in der Schweiz
Die Schweiz verpflichtet sich, die Minderheitensprachen, welche die Motion erwähnt, zu schützen. 1997 hat sie die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachenexterner Link ratifiziert. Alle drei Jahre muss sie in einem Bericht Rechenschaft darüber ablegen. Der Europarat kritisiert oder lobt und gibt Vorgaben, welche die Schweiz umsetzen muss.
Abgesehen vom Rätoromanisch bezieht sich die Charta auf andere Minderheitensprachen, wie Italienisch im Tessin und in einigen Regionen Graubündens, Frankoprovenzalisch, Walser, Jenisch (Sprache der Fahrenden) oder Jiddisch.
(Übertragung aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)