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Das Projekt erforscht, in welchem Masse im 15. und 16. Jahrhundert Zeitindikatoren in textuellen wie visuellen Formen zunehmen, inwiefern Zeitsemantiken eine immer grössere Rolle spielen, wie Zeit in ihren multiplen Schattierungen und Gegenläufigkeiten ausgelotet wird. Der Reiz, sich auf diesen Zeitraum zu konzentrieren, ergibt sich aus einer methodologischen Herausforderung: den Blick auf das zu richten, was nicht eindeutig als neuartig, sondern zunächst einmal als experimentell und hybrid zu erkennen ist. Beschrieben wird einerseits, welche temporalen Semantiken, Modelle und Ordnungen im 15. und 16. Jahrhundert existierten, andererseits, wie sie in der materiellen Überlieferung in-, mit- und gegeneinander agierten. Als primärer Untersuchungsgegenstand dienen historisch-literarische Felder, auf denen temporale Dynamiken besonders gut zu beobachten sind: Reiseberichte, Prosaromane und lyrische Texte. Sie werden mit Mitteln der Historischen Semantik, der Narratologie und der Mediologie analysiert.
Das Projekt hat teil an einem in den letzten Jahren intensivierten Interesse für Fragen historischer Zeitlichkeit. Es setzt aber in der Erforschung temporaler Pluralisierungen und Hybridisierungen und ihrer Verschränkung mit medialen Entwicklungen innovative Akzente. Ziel ist (1) die Erarbeitung eines differenzierten Instrumentariums zur Beschreibung der temporal-medialen Vielschichtigkeit historisch-literarischer Artefakte; (2) die Konturierung einer neuen Perspektive auf die historiographische Signatur der Zeit zwischen 1400 und 1600; (3) die Historisierung eines zentralen auf die Moderne und die Gegenwart bezogenen Narrativs der Geistes- und Kulturwissenschaften.