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Rauchen erhöht das Risiko für Zahnverlust
Der Verlust von Zähnen stellt auch heute noch ein grosses Gesundheitsproblem dar. Weltweit sind etwa 30 % der 65- bis 74-Jährigen von Zahnlosigkeit betroffen. Das Zigarettenrauchen ist ein erheblicher Risikofaktor für das Entstehen einer parodontalen Erkrankung und wurde in verschiedenen Studien mit einem vermehrten Auftreten von Zahnlosigkeit, weniger verbleibenden Zähnen und einem höheren Risiko eines Zahnver- lustes in Zusammenhang gebracht. Dennoch finden sich nur wenige Informationen aus grösseren epidemiologischen Studien, welche die dosisabhängigen Auswirkungen des Rauchens und eines Rauchstopps auf die Inzidenz von Zahnverlusten in der allgemeinen Bevölkerung beschreiben.
In der vorliegenden, gross angelegten Kohortenstudie sollte der Zusammenhang zwischen Zigarettenrauchen und einem Rauchstopp sowie der Häufigkeit und Inzidenz von Zahnverlusten in Deutschland untersucht werden. Zur Auswertung kamen die Daten von 23.376 Teilnehmern der zwischen 1994 und 1998 in der Bevölkerung von Potsdam und Teilen Brandenburgs durchgeführten „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) – Potsdam Study“, welche vollständige Angaben zum Zigarettenkonsum, zum Zahnverlust und zu Kovarianten umfasste. Mit Hilfe von statistischen Berechnungen liess sich der Zusammenhang zwischen Rauchen sowie der Häufigkeit und Inzidenz von Zahnverlusten zu Beginn und bei der Nachuntersuchung bestimmen.
Zigarettenrauchen war mit einer höheren Prävalenz eines Zahnverlustes zu Beginn der Untersuchung und mit einer höheren Inzidenz eines Zahnverlustes bei der Nachuntersuchung verknüpft. Dieser Zusammenhang gestaltete sich bei Männern ausgeprägter als bei Frauen und bei jüngeren Personen stärker als bei älteren. Starkes Rauchen (? 15 Zigaretten/Tag) war im Vergleich zu Nichtrauchern bei Männern mit einem mehr als dreimal und bei Frauen unter 50 Jahren mit einem mehr als zweimal höheren Risiko eines Zahnverlustes verknüpft. Ein Rauchstopp führte immer zu einer Ver- minderung des Risikos eines Zahnverlustes, wobei sich dieses Risiko nach 10 bis 20 Jahren Rauchstopp wieder dem von Nichtrauchern annäherte.
Anmerkung: Die in verschiedenen Ländern laufen- den Rauchstopp-Kampagnen sollten von Zahnärzten aktiver unterstützt werden, da der Zusammenhang zwischen Rauchen und Zahnverlust nicht erst durch diese gross angelegte Studie bestätigt worden ist.
Dietrich T, Walter C, Oluwagbemigun K et al. Smoking, smoking cessation, and risk of tooth loss: the EPIC-Potsdam Study. J Dent Res 2015;94:1369-1375.
Schienengeführte Endodontie bei sklerotischem Wurzelkanal
Traumatische Ereignisse beeinflussen Parodont, Pulpa und die Entwicklung der Wurzelbildung je nach dem Grad der Verletzung unterschiedlich stark. Dies kann zu partiellen oder totalen Rupturen bzw. Dehnungen der neurovaskulären Versorgung der Pulpa im Bereich des apikalen Foramens führen. Eine Nekrose der Pulpa ist vor allem bei Zähnen mit abgeschlossenem Wurzelwachstum häufig. Bei Zähnen im Wachstum ohne Infektion sind eine Revaskularisierung und eine Neubildung der neuralen Fasern möglich. Wenn die Revaskularisierung bei milderen Verletzungen erfolgreich ist, kann es zur Anlagerung von Zahnhartsubstanz im Bereich der Pulpa kommen. Dieser Prozess beginnt üblicherweise im koronalen Anteil der Wurzel und führt zu einer graduellen Verengung des Wurzelkanals.
Mit 71 % ist die Obliteration bei Zähnen mit lateralen Luxationen am häufigsten, gefolgt von 61 % bei Extrusionen. In Fällen mit Intrusionen stellt die Pulpanekrose die häufigste Komplikation während der Heilungsphase dar. Die Obliteration des Wurzelkanals ist ein Anzeichen für eine Heilung der Pulpa und bedarf unabhängig vom Ergebnis eines Vitalitätstests keiner endodontischen Intervention. Die gelblichen Verfärbungen der Kronen, die oft bei einer obliterierten Pulpa auftreten, lassen sich mit einem externen Bleaching oder einer Veneerversorgung ästhetisch korrigieren.
Während der ersten 3 Jahre einer Obliteration der Pulpa sind apikale Pathologien selten. Dennoch können zu einem späteren Zeitpunkt endodontische Komplikationen auftreten. Solche sekundären Läsionen nach einer Obliteration der Pulpa kommen in 7 bis 27 % der Fälle vor und scheinen sich mit den Jahren zu häufen. Bei einer apikalen Aufhellung ist eine endodontische Behandlung angezeigt, welche sich aber bei Zähnen mit einem obliterierten Wurzelkanal nicht einfach ge- staltet. Selbst mit Hilfe eines Mikroskops kann der Wurzelkanal nicht immer aufgefunden werden. Das Risiko einer Perforation (Via falsa) ist in solchen Fällen sicher erhöht.
Im vorliegenden Fallbericht wurde ein neuer Ansatz zur endodontischen Behandlung eines traumatisierten Zahnes mit einem obliterierten Wurzelkanal beschrieben. Ein 15-jähriger männlicher Patient stellte sich mit Schmerzen am oberen rechten Schneidezahn in der Universitätsklinik Basel vor. Der Zahn zeigte Anzeichen einer apikalen Infektion. Der obliterierte Wurzelkanal konnte nicht eindeutig dargestellt werden. Es wurden ein DVT und ein intraoraler Scan durchgeführt. Die Daten wurden anschliessend mit einer Software zur virtuellen Implantatplanung überlagert. Die Errechnung des Wurzelkanals erfolgte anhand der restlichen sichtbaren Strukturen. Aus dem STL-Datensatz wurde mit einem 3-D-Drucker eine Bohrschablone hergestellt. Nach Positionierung der Schablone auf den Zähnen wurde der traumatisierte Zahn mit einem speziellen Bohrer möglichst substanzschonend aufbereitet. Der Wurzelkanal war 9 mm vom Apex entfernt zugänglich. Mit Hilfe eines rotierenden Feilensystems konnte der Kanal aufbereitet werden. Nach einer Einlage über 4 Wochen wurde der Wurzelkanal mit Hilfe ei- ner vertikalen Kondensation von Guttapercha und ei- nem Epoxy-Sealer abgefüllt. Der Verschluss der Zugangskavität erfolgte mit Komposit. Nach 15 Mona- ten war der Patient frei von Beschwerden, und auf dem Röntgenbild zeigte sich keine apikale Aufhellung mehr.
Schlussfolgerungen: Der vorgestellte Ansatz einer geführten endodontischen Behandlung scheint eine sichere, klinisch praktikable Methode darzustellen, um einen obliterierten Kanal zu behandeln und dabei eine Perforation der Wurzel zu vermeiden. Die zusätzliche Strahlenbelastung durch das DVT erscheint in Anbetracht des sichereren Erhalts des Zahnes gerechtfertigt.
Krastl G, Zehnder MS, Connert T, Weiger R, Kühl S. Guided Endodontics: a novel treatment approach for teeth with pulp canal calcification and apical pathology. DentTraumatol 2015 Oct 8 [Epub ahead of print].