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Datierung
1968/1987
Objektmasse
88 x 51 x 24 cm
Technik/Material
Kirschbaum- und Ebenholz
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Joella Bayer
Inv.-Nr.
SK92017
Articulated Wall
Der österreichische Fotograf, Maler, Grafikdesigner, Typograf Herbert Bayer (1900, Haag am Hausruck AT – 1985, Montecito, USA) war voller Widersprüche. Dies gilt auch für sein Werk, das nahezu alle Ausdrucksformen der bildenden Kunst und der ihr verwandten Bereiche umfasst: Zeichnung, Malerei, Druckgrafik, Tapisserie, Typografie und Grafikdesign, experimentelle und dokumentarische Fotografie, Skulptur, Architektur und Landschaftsgestaltung. Im Berlin der Nazizeit galt er – trotz seiner Vergangenheit am Bauhaus, das unter dem Druck der Nazis 1933 schliessen musste – als einer der anerkanntesten Grafiker. Auch nach seiner Emigration in die USA 1938 feierte er enorme Erfolge. Während seiner Lehrtätigkeit als Leiter der Reklamewerkstatt am Bauhaus in Weimar und in Dessau von 1925 bis 1928 entwickelte Bayer ein unicase-Alphabet. Er reduzierte die Majuskeln und Minuskeln auf nur ein Alphabet. Die daraus entstandene Groteskschrift nannte Bayer «Universal». Seit 2014 verwendet das Bauhaus-Archiv eine – in Anlehnung an den berühmten Typografen – «bayer next» genannte Schrift.
Bis zu seiner Emigration in die USA 1938 war Bayer für NS-Auftraggeber tätig, obschon seine Arbeiten 1937 in der von den Nazis organisierten Ausstellung «Entartete Kunst» vertreten waren. In den Vereinigten Staaten war er hauptsächlich als Maler, Werbegrafiker und Ausstellungsgestalter für zahlreiche Firmen und Institutionen tätig. In Denver ist Bayer sehr bekannt für die «Articulated Wall», eine monumentale, kanariengelbe, rhythmisierte Skulptur. Gehalten wird die konstruktivistische Komposition im Innern von einem riesigen Stahlmast, an dem horizontale, versetzt angeordnete Betonstäbe verankert sind.
Im Jahr 1964 war Herbert Bayer Teilnehmer der «documenta III» in Kassel, und 1988 war er für die Gestaltung der Ausstellung «50 Jahre Bauhaus» in Stuttgart verantwortlich. Fast schon Kultstatus hat sein surrealistisches Selbstporträt von 1932 erreicht, das einen jungen Mann zeigt, der mit erschrocken aufgerissenen Augen feststellt, dass er seine Achselhöhle in Scheiben entnehmen kann. Bayers Fotografien, seine assoziative Bildsprache, seine Collagetechnik und seine Airbrush-Illustrationen haben ästhetische Massstäbe gesetzt. Im Verlauf seiner fast 60-jährigen Karriere hat sich Bayer an zentrale Leitlinien der Bauhauslehre gehalten, der zufolge ein moderner Gestalter jeden Bereich der visuellen und gestalterischen Künste beherrschen sollte.
Dominique von Burg