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Montag, 24. November 2014 18:30 Uhr: Vortrag
1906 von Kiew nach Zürich
Bahnhof Buffet HB Zürich, 1. Stock, Raum «Alcina»
Wissen Sie, wer die Synthese von Vitamin C und Cortison entdeckt hat? Tadeus Reichstein (1897–1996), der als Professor für Organische Chemie an der ETH Zürich, später an der Universität Basel lehrte und 1950 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Die abgebildete Postkarte dokumentiert die Ankunft seiner Eltern Gustawa (sitzend) und Isidor (rechts stehend) Reichstein-Brokman mit Verwandten in Zürich im Jahr 1906 (Copyright 2014 Familie Lunin, Zürich). Das Paar, das aus Kongress-Polen stammte, war mit seinen fünf Söhnen im Alter von 1 bis 9 Jahren nach der ersten Russischen Revolution von 1905 vor den antijüdischen Pogromen in Kiew geflüchtet.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in der aufstrebenden Industrie- und Geschäftsstadt Zürich 1738 ausländische Juden, von denen ein Viertel die russische Staatsangehörigkeit besass. Zehn Jahre später hatte sich die Anzahl der Juden in Zürich mehr als verdoppelt. Über die Hälfte kam aus Osteuropa. Über die Einwanderinnen wissen wir generell wenig, ausser sie erlangten eine gewisse Berühmtheit wie die Sozialdemokratin Rosa Grimm-Schlain (1875–1955) oder jüngst die Psychologin Sabina Spielrein (1885–1942). Im Vortrag wird Gustawa Reichstein-Brokmans (1875–1964) Leben und Wirken auf Grund von Fotografien und vielfältigen anderen Quellen rekonstruiert. Es wird die Emanzipation einer osteuropäisch jüdischen Immigrantin sichtbar, die auf eigene Weise einen kulturellen Ort im heute noch der Familie gehörenden Chalet auf dem Zürichberg schuf.