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Wo kein Wille ist, ist wohl bald auch kein Spital Rorschach mehr!
15.September.2020
Diese Woche wird im St.Galler Kantonsparlament über das debattiert, was die öffentliche Diskussion seit Monaten bewegt: Die St.Galler Spitäler. Der Einsatz für Rorschach scheint geringer als in anderen Regionen. Guido Etterlin wird im Parlament Antrag stellen, dass das Spital Rorschach auf die Liste der Spitäler wieder aufgenommen wird. Die Chancen stehen allerdings nicht gut. Der jahrelange Zermürbungsprozess des Spitalverwaltungsrates hat tiefe Risse in der Spitallandschaft hinterlassen.
Ende des 19. Jahrhunderts baute die Stadt Rorschach an der Gerenstrasse ein Spital. Über fast ein ganzes Jahrhundert finanzierte die Stadt dessen Defizite, bis das Rorschacher Spital anfangs der 90er Jahre an den Kanton überging. Die Handänderung erfolgte zu einem symbolischen Franken mit der Verpflichtung, dass der Kanton fortan das Spital Rorschach betreiben werde.
1997 wollte die St. Galler Regierung die Spitäler Wil und Rorschach schliessen. Noch heute ist in Erinnerung, wie Hundertschaften gegen diese Schliessungen demonstrierten und Recht bekamen. 1997 war auch das Jahr des für mindestens 10 Jahre geplanten Baumoratoriums für alle Spitalliegenschaften. 2003 folgte Quadriga mit 4 selbständigen Spitalverbunden, die dann 2005 in den jetzigen Spitalverbund führten.
2010 plante der Spitalverwaltungsrat für 70 Millionen die Sanierung und Erweiterung des Spitals Rorschach. 2014 wollte davon aber niemand mehr etwas wissen. Die ganze Milliarde wurde anderweitig verplant. Und damit begann der schleichende und zermürbende Niedergang des Spitals Rorschach.
Für Guido Etterlin gibt es zahlreiche Gründe für den Erhalt des Spitals Rorschach:
- Er kritisiert, dass der Spitalverwaltungsrat (VR) spürbar den Standort Rorschach schwächte.
- Es stört ihn, dass der VR das Spital Rorschach zunehmend aushungerte anstatt als bisherige Aussenstation des Kantonsspitals dessen Vorzüge ausschöpfte.
- Das Spital Rorschach leistete Jahrzehnte lang grosse Deckungsbeiträge an die überteuerte Infrastruktur des KSSG. Nahezu jede Aufgabe, die von St.Gallen aus übernommen worden ist, kostete fortan das Doppelte.
- Leider ist der Campus KSSG für mehr als ein Jahrzehnt eine Dauerbaustelle. Es werden 1,3 Mrd. Franken dort verbaut werden. Dabei ist der Campus heute schon völlig übernutzt.
- Niemand kann sagen, wann die Misere mit den 6stündigen Wartezeiten im Notfall des KSSG vorbei sein wird.
- Jetzt schon herrscht vor allem im Winterhalbjahr akute Bettenknappheit. Was, wenn die 80 Betten von Rorschach definitiv wegfallen und auch die 80 Betten von Flawil?
- Es stört ihn, dass der VR das Verbot des Kantonsrates für weitere präjudizierende Massnahmen knallhart missachtet hat. Nach dem Lock-Down hat er die Operationen einfach nicht mehr aufgenommen. Und er hat Mietverträge vorzeitig aufgelöst.
- Es ist nicht in Ordnung, dass der VR behauptet, es herrsche Personalknappheit in Rorschach, wenn gleichzeitig das Personal unter Druck gesetzt worden ist, vorzeitig in St. Gallen einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben.
- Es ist nicht in Ordnung, dass der VR den offiziellen Schliessungstermin von Juni 2021 auf Januar 2021 vorzieht.
- Zuerst 500 und aktuell 1700 Personen stehen namentlich für das Spital Rorschach ein.
- Die Ärzteschaft in der Region Rorschach steht bis auf wenige Ausnahmen für das Spital Rorschach ein und hat kein Verständnis, dass eine bestens funktionierende Zusammenarbeit wissentlich zerstört wird.
- Die Ärzteschaft bedauert, dass der umsichtige Spitalbetrieb mit vernünftigen Behandlungen und Diagnosen ausgedient haben soll: Es leben die zahlreichen und teilweise weltfremden Spezialdiagnosen des KSSG und die vielen Fallpauschalen. Seien Sie sich aber alle bewusst, das wird SEHR teuer werden.
Das öffentliche Spital Rorschach hätte als Spezialklinik innerhalb des KSSG eine grosse Chance gehabt. Nun werden diese Umsätze mit grosser Wahrscheinlichkeit an die Privatklinik Stephanshorn abwandern. Dr. Zerz, der ehemalige Vorzeigearzt aus dem Spital Rorschach, wird es freuen. Er erarbeitet nämlich dort.
Schliesslich könnte das Spital Rorschach aber an der fehlenden Solidarität unter den Gemeinden in der Region Rorschach scheitern. Es ist uns nach 1997 nicht mehr gelungen, die Region für das Spital zu mobilisieren. Die Region wird irgendwann schmerzlich feststellen, dass eine vielfältige und intakte öffentliche Infrastruktur für unsere hier lebenden Menschen von grosser Wichtigkeit ist. Als nächstes werden die SBB-Agenturen Goldach und Rorschach-Hafen verschwinden, die Poststellen Rorschacherberg und Goldach, allenfalls die PHSG usw. Liebe Goldacherinnen, Rorschacherberger, Thaler und Rorschacherinnen wacht auf: Wo kein gemeinsamer Wille ist, ist bald auch keine öffentliche Infrastruktur mehr.