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Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Käse oder Quark sind wichtig für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Sie enthalten viel hochwertiges Eiweiss, Kalzium sowie verschiedene B-Vitamine wie beispielsweise Riboflavin (B2) oder Cobalamin (B12). Kalzium ist wichtig für den Aufbau der Knochen. Ohne Milchprodukte ist es ausserdem aufwändiger, den Tagesbedarf an Vitamin B2 zu decken, das für den Stoffwechsel wichtig ist. Frauen empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) 1,2 mg, Männern 1,4 mg B2 täglich. Um täglich 1,3 mg Vitamin B2 ohne Milchprodukte aufzunehmen, müsste ein Erwachsener 6,5 kg Äpfel, 870 g Vollkornbrot oder 650 g Rindfleisch essen.
Fettreduzierte Milchprodukte enthalten praktisch dieselben gesunden Inhaltsstoffe wie die vollfette Variante. Wegen des reduzierten Fettgehalts liefern sie aber weniger Energie und beinhalten weniger fettlösliche Vitamine.
Drei Portionen am Tag
Die SGE empfiehlt, täglich drei Portionen Milch beziehungsweise Milchprodukte zu konsumieren. Eine Portion entspricht:
Die meisten Menschen in der Schweiz essen zu wenig Milchprodukte. Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung konsumieren zwar 65 Prozent der Bevölkerung täglich Milch oder Milchprodukte. Allerdings nehmen 90 Prozent der Befragten weniger als die empfohlenen drei Portionen zu sich.
Intoleranz und Allergie
Manche Menschen vertragen Milch nicht, sie bekommen davon Verdauungsbeschwerden. In Milch und Milchprodukten ist Milchzucker (Laktose) enthalten, der die Aufnahme von Kalzium und Magnesium verbessert und die Verdauung fördert. Um Laktose zu verdauen, braucht der Organismus das Verdauungsenzym Laktase. Der Körper mancher Menschen produziert jedoch nicht genügend oder gar keine Laktase, darum gelangt die Laktose unverdaut in den Dickdarm und wird dort von Bakterien vergoren. Die Folgen sind Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen. Die Symptome treten meistens 30 Minuten bis zwei Stunden nach einer laktosehaltigen Mahlzeit auf. Experten schätzen, dass etwa drei Viertel der Weltbevölkerung nach dem vierten bis sechsten Lebensjahr nicht mehr in der Lage sind, Laktose richtig abzubauen. Kein Problem für Menschen mit Laktoseintoleranz sind Halbhart- und Hartkäse, sie sind von Natur aus praktisch laktosefrei.
Es gibt ausserdem Menschen, die auf das Eiweiss in der Kuhmilch allergisch reagieren. Schätzungen zufolge sind in Europa etwa zwei bis drei Prozent der Säuglinge und Kleinkinder und ein Prozent der Erwachsenen betroffen. Kinder leiden häufiger an einer Kuhmilchallergie, da ihr Verdauungssystem noch nicht ausgereift ist. Die Symptome sind Kribbeln im Mund, Juckreiz, geschwollene Schleimhäute, geschwollene Haut, Hautausschläge, rasch auftretende Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, starke Schmerzen durch meist wellenförmige Koliken, Erbrechen, Durchfall sowie Verstopfung. Suchen Sie bei Verdacht auf eine Allergie einen Arzt auf.
Knackpunkt Knochendichte
Milch enthält viel Kalzium. Das ist unbestritten. Kalzium ist gut für die Knochen. Auch darin sind sich alle einig. Doch damit hört die Einigkeit auf. Kritiker warnen, Milchkonsum begünstige sogar einen Knochenschwund (Osteoporose), mache die Knochen also alles andere als stark. Dies zeige sich an den Asiaten, die kaum Milch konsumieren und trotzdem seltener an Osteoporose leiden als die Europäer, die vergleichsweise viel Milch trinken. Auf der anderen Seite sind Knochenbrüche wegen Knochenschwund in Skandinavien weltweit am häufigsten, obwohl die Menschen im Norden sehr viele Milchprodukte konsumieren.
«Osteoporose ist eine durch viele verschiedene Faktoren verursachte Krankheit, wobei die Kalziumzufuhr nur einer der Faktoren ist», schreibt die SGE in ihrer Zeitschrift «Tabula». So hält das Beispiel mit den Asiaten einer genaueren Prüfung nicht Stand, denn die Osteoporose-Rate in Asien ist «etwa gleich hoch ist wie in westlichen Industrieländern.» Ausserdem korrelieren «auch in Asien Milchkonsum und Knochendichte», das heisst, auch Asiaten haben eine bessere Knochendichte, wenn sie Milch und Milchprodukte konsumieren. Was die Skandinavier angeht, ist wohl weniger der viele Milchkonsum als zu viel Vitamin A schuld an den brüchigen Knochen, hält die SGE fest: «Es scheint, dass eine zu hohe Vitamin-A-Aufnahme für die hohe Osteoporoserate in Skandinavien zumindest mitverantwortlich ist.» Skandinavier nehmen viel Vitamin A zu sich, da dort Margarine und fettarme Milch (Schweden) mit Vitamin A angereichert sind und weil sie zur Vitamin-D-Mangelprophylaxe traditionell häufig Dorschlebertran einnehmen, der ebenfalls viel Vitamin A enthält.
- Quellen
Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE
Landwirtschaftlicher Informationsdienst
«Der Brockhaus. Gesundheit», F. A. Brockhaus, 2004
6. Schweizerischer Ernährungsbericht
Swissmilk