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Kaiserschnittgeburten: Häufigkeiten, Gründe und Konsequenzen
Eine Literaturübersicht im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit
Auf einen Blick
Beschreibung
Die Kaiserschnittrate in der Schweiz ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und liegt im europäischen Vergleich auf einer Spitzenposition. Der Ständerat hat aufgrund des Postulats 08.3935 von Frau Ständerätin Liliane Maury Pasquier den Bundesrat aufgefordert, die Gründe für die Zunahme der Kaiserschnittgeburten in der Schweiz und die damit zusammenhängenden Konsequenzen für Mutter, Kind und das Gesundheitssystem zu untersuchen. Das Bundesamt für Gesundheit gab daraufhin den Auftrag, diesen Bericht zu verfassen.
Eine umfassende und systematische Literaturrecherche wurde
durchgeführt, mit dem Ziel, folgende vier Fragen zu
untersuchen:
1) Wie stellt sich der Kaiserschnitt in der Schweiz, im Vergleich zu Referenzländern, dar?
2) Welche Faktoren begründen die Zunahme der Kaiserschnittgeburten?
3) Welches sind die gesundheitlichen Konsequenzen für Mutter und Kind?
4) Was bedeutet die zunehmende Kaiserschnittquote für das Gesundheitssystem?
Es wurde sowohl eine systematische Recherche in internationalen Datenbanken als auch eine selektive Literaturrecherche in Schweizer Fachzeitschriften durchgeführt. Die Breite des Themas «Kaiserschnitt» und die Fülle an Publikationen machte eine Eingrenzung der auszuwertenden Studien notwendig. Ausgehend von der Anforderung der medizinischen Evidenz wurden bestehende Metaanalysen von Beobachtungsstudien, systematische Reviews sowie verfügbare Daten der medizinischen Statistik einbezogen. Dabei wurden Forschungsergebnisse aus der Schweiz und aus Ländern mit vergleichbaren Gesundheitssystemen sowie ähnlichen sozialen Strukturen berücksichtigt
Folgende Antworten konnten auf die vier Fragen formuliert
werden:
- Die Kaiserschnittrate der Schweiz ist in den vergangenen zehn Jahren von 24.4% (1999) auf 32,8% (2009) gestiegen und belegt damit eine europäische Spitzenposition.
- Die Zunahme der Kaiserschnittrate kann auf die Erweiterung der medizinischen Indikationsstellung bei gesunden Schwangeren am Termin zurückgeführt werden.
- Der Stellenwert des Wunschkaiserschnitts ist weiterhin ungeklärt.
- Die Bewertung der gesundheitlichen Folgen für eine schwangere Frau und ihr Kind bedarf einer sorgfältigen Risikoselektion sowie einer individuell angepassten Information und Beratung.
- Es konnte keine empirische Evidenz für einen präventiven Kaiserschnitt gefunden werden.
- Die Kosten für eine Kaiserschnittgeburt werden ohne Zuzahlungsleistungen durch die Krankenversicherer übernommen. Volkswirtschaftlich betrachtet ist davon auszugehen, dass die Steigerung der Kaiserschnittrate mit einer erhöhten finanziellen Belastung einhergeht.
Um differenzierte Aussagen zu den Gründen für die Zunahme der Kaiserschnittrate in der Schweiz treffen zu können, wäre nicht nur die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den medizinischen Indikationen, sondern auch eine prospektive Bestandsaufnahme der Schwangeren von Bedeutung, um die Entwicklung der Kaiserschnittrate zu beobachten und zu evaluieren. Die Fachgesellschaften sind gefordert, gemeinsam auf die schweizerischen Gegebenheiten angepasste Empfehlungen und Leitlinien abzuleiten, um den Frauen und Kindern eine Geburt mit den bestmöglichen Voraussetzungen zu ermöglichen.
Publikationen
-
König, Claudia; Pehlke-Milde, Jessica; Greuter, Ursula; Gügler, Rahel;
2011.
Bern:
Bundesamt für Gesundheit.