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In der Schweiz erhalten Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen vom Staat, wenn sie den sogenannten „Ökologischen Leistungsnachweis“ erfüllen (Die Schweizer Landwirtschaft heute). Viele Landwirte verpflichten sich jedoch zusätzlich zu einer „integrierten Produktion“, wie sie von der Vereinigung IP-SUISSE geregelt ist.
Integrierte Produktion
Bei der integrierten Produktion werden wichtige Punkte bezüglich Nachhaltigkeit und Tierschutz berücksichtigt:
- Auf den Feldern werden abwechslungsweise verschiedene Pflanzen angebaut, um die Böden weniger auszulaugen.
- Im Winter werden die Felder nicht völlig kahl geschnitten oder umgepflügt, um das Grundwasser zu schützen und damit der Boden nicht erodiert.
- Die Düngermenge wird eingeschränkt.
- Unkraut wird grundsätzlich mechanisch bekämpft.
- Es werden krankheitsresistente Sorten verwendet.
- Nützliche Insekten werden gefördert.
- Es wird nicht die gesamte Fläche bewirtschaftet, sondern Teile des Landes werden naturnah belassen.
- Nutztiere werden artgerecht gehalten.
Produkte aus IP-SUISSE-Produktion erkennt man am Label mit dem Marienkäfer.
Biologische Produktion
Die Anforderungen an Biobetriebe sind noch strenger, wie man an den folgenden Beispielen sieht:
- Der Nährstoff- und Produktionskreislauf sollte geschlossen sein: Beispielsweise werden Nutztiere möglichst mit hofeigenem Futter gefüttert und ihr Mist und ihre Gülle werden auf demselben Betrieb als Dünger verwendet.
- Es wird auf synthetischen Dünger und synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet.
- Tiere werden möglichst naturnah gehalten, erhalten biologisches Futter und werden nur mit Medikamenten behandelt, wenn sie krank sind (also nicht zur Vorbeugung oder zur Leistungssteigerung).
In der Schweiz sind die Bio-Organisationen in der Vereinigung BIOSUISSE zusammengefasst. Sie verwendet auf ihren Produkten das Knospen-Label.
Beschränkungen der naturnahen Landwirtschaft
Auch die biologische Landwirtschaft kommt nicht ohne Pflanzenschutz aus. Sie verlässt sich auf dieselben Wachstumsprozesse der Pflanzen wie die integrierte Produktion, sieht sich mit denselben Schädlingen konfrontiert und hat deshalb auch mit denselben Problemen zu kämpfen. Biobauern beschränken sich jedoch auf eine limitierte Anzahl an Pflanzenschutzmitteln, die meisten davon Chemikalien, die aus Kupfer, Schwefel oder Kaliseifen gewonnen werden. Dafür akzeptieren sie meist etwas niedrigere Erträge, wodurch Bioprodukte dementsprechend teurer werden.
Viele Bioprodukte sind also nicht gänzlich ungespritzt. Im Gegenteil: Studien haben gezeigt, dass in Dauerkulturen wie im Obst- und Weinbau diejenigen Bauern, die nach biologischen Kriterien anbauen, in manchen Jahren öfter spritzen müssen als jene aus der integrierten Produktion. Wenn es um gesundheitliche Aspekte geht, müssen bei Bioprodukten ausserdem noch weitere Punkte berücksichtigt werden: Nahrungsmittel, die ohne ausreichenden Pflanzenschutz angebaut wurden, sind nicht zwangsläufig auch gesund. Früchte oder Getreide können nämlich von Pilzen oder Bakterien befallen werden, worauf sowohl die Pflanze als auch der Schädling problematische Stoffe produzieren kann (z. B. Aflatoxine, Patuline oder Phenolverbindungen). Einige davon sind weniger, andere dagegen hochgiftig für den Menschen. Mangelnder Pflanzenschutz hat daher manchmal harmlose, manchmal jedoch extrem gefährliche Qualitätseinbussen bei Nahrungs- und Futtermitteln zur Folge.
In den letzten zwanzig Jahren hat der integrierte Pflanzenanbau grossen Nutzen aus den Erfahrungen mit der biologischen Produktion gezogen. Gleichzeitig hat die auf den integrierten Pflanzenbau und -schutz ausgerichtete Forschung auch den Biobauern wertvolle Methoden zur Diagnose, Prognose und Schädlingskontrolle geliefert.