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Als Teenager überzeugte Emma Stone ihre Eltern mit einer Powerpoint-Präsentation davon, nach Hollywood zu ziehen, damit sie Film-Schauspielerin werden konnte. Ihr Vortrag zahlte sich aus: Dieses Jahr gewann die 29-Jährige den Oscar für ihre Hauptrolle im Film-Musical «La La Land». Jetzt wagt sie mit der Tenniskomödie «Battle of the Sexes» erstmals einen Film mit sozialpolitischer Aussage – was sie etwas nervös macht. Wieso, erklärt sie beim Interview am Filmfestival von Toronto.
Frau Stone, sind Sie ein Tennis-Fan?
Emma Stone: Meine Beziehung zu Tennis ist mehr oder weniger auf Billie Jean King beschränkt. Ich weiss natürlich, dass es Federer gibt und McEnroe, und ich war auch am Frauen-Final an den diesjährigen US-Open. Aber Billie Jean King ist mir am nächsten. Ich habe sie für den Film gründlich studiert.
Sie spielen die Tennis-Legende Billie Jean King, die 1973 einen Showkampf gegen den ehemaligen Wimbledon-Sieger Bobby Riggs gewann und schliesslich Gründerin der WTA, der heutigen Women’s Tennis Association, wurde. Was beeindruckte Sie am meisten an ihr?
Billie Jean ist eine Ikone der Gleichberechtigung für alle: Männer, Frauen, Homosexuelle. Sie hat grosse Veränderungen bewirkt. Mein Co-Star Steve Carell erzählte mir, dass der Tennis-Match gegen Bobby Riggs ein Riesending war, das grösste TV-Ereignis seit der Mondlandung. Ich war ja damals noch nicht auf der Welt. Es war auch spannend, über die «Original 9»-Spielerinnen um Billie Jean zu erfahren, die der US Lawn Tennis Association den Rücken kehrten, die WTA gründeten und für gleiches Preisgeld für Frauen kämpften. Man darf nicht vergessen, wie es damals war: Frauen konnten nur eine Kreditkarte eröffnen, wenn ein Mann für sie mit unterschrieb. Sport-Stipendien für Frauen gab es kaum. Was traurig ist: Themen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit sind auch heute noch nicht vom Tisch.
Haben Sie und Steve Carell gleich viel verdient für diesen Film?
Ja, Steve und ich haben gleich viel verdient. Ich vergleiche die Verträge nicht immer, denn in unserem Beruf sind die Umstände ja nicht immer gleich. Es gibt Schauspieler, mit denen ich arbeiten möchte, bei denen es mir nicht im Traum in den Sinn kommen würde, den gleichen Lohn zu verlangen. Man muss ja auch schauen, wer die Zuschauer ins Kino holt. Die Sache ist also ziemlich komplex. Aber in Berufen innerhalb einer Firma, wo die Leute den gleichen Job machen, sollten Frauen und Männer auch gleich viel verdienen. Ganz klar.
Haben Sie Erfahrungen mit Chauvinismus, wie er im Film dargestellt wird?
Ja. Ich glaube nicht, dass es eine Frau gibt, die nie so etwas erlebt hat. Es zieht sich doch durch unsere ganze Kultur. Es ist gut, dass Filme wie dieser die Diskussion aufrechterhalten.
Das war eine vorsichtige und etwas vage Antwort. Halten Sie Ihre Meinung bewusst zurück?
Ja, ich habe vor der Macht meiner Stimme oft Angst. Ich finde, ich artikuliere die Dinge nie so, dass sie so rauskommen, wie ich es beabsichtigt hatte. Ich bin eine Perfektionistin und wenn ich etwas nicht perfekt formulieren kann, sage ich lieber nichts. Deshalb war es interessant, Billie Jean King in jenem Alter zu spielen, in dem sie ihre eigene Stimme noch am Finden war. Sie hatte von Anfang an ein Forum gesucht, um Veränderungen voranzutreiben. Und bekam es via Erfolg im Tennis.
Billie Jean King wurde unfreiwillig geoutet. Haben Sie darüber mit ihr gesprochen?
Ja, sie verlor alle Sponsoren über Nacht und musste ihre Karriere wieder neu aufbauen. Das war eine harte Zeit. Sie hatte ihren Mann Larry ja auch wirklich geliebt und aus Liebe geheiratet. Sie realisierte erst Mitte zwanzig, dass sie lesbisch war.
Haben Sie inzwischen eine Partie Tennis mit Billie Jean King gespielt?
Nein, sie hätte mich vom Platz gefegt, und ich hatte auch nicht den Ehrgeiz, gegen sie anzutreten. Sie hat mir ein paar Mal Bälle zugeworfen, damit ich ihre Bewegungen üben konnte. Ich bin nicht als Athletin aufgewachsen. Mein Tennis-Coach für den Film wollte, dass ich die Punkte zähle, aber ich vergass es immer, weil Gewinnen ja nicht wichtig war. Er meinte jedoch, man müsse im Sport schon gewinnen wollen. Ich bin wohl eine bessere Verliererin.
Sie haben Anfang Jahr den Oscar als Beste Schauspielerin für «La La Land» gewonnen. Wie schauen Sie auf diesen Abend zurück?
Das Verrückteste war ja, dass ich ein «Titanic»-Superfan bin und ausgerechnet Leonardo DiCaprio mir den Oscar überreichte! Ein signiertes Foto von ihm und seine Souvenir-Hand-Abdrücke, die man am Hollywood Boulevard kaufen kann, hatte ich in meinem Mädchenzimmer aufgestellt. Der Gang zum Podest Richtung Jugendschwarm, der mir den Oscar übergeben würde, war wirklich der surrealste Moment meines Lebens.
Hat der Oscar Ihr Leben irgendwie verändert?
Eigentlich nicht. Ich bin am nächsten Tag direkt zu den Dreharbeiten von «The Favourite» unter der Regie von Yorgos Lanthimos geflogen, und das war gut so. Endlich konnte ich wieder kreativ sein und meinem Traumjob nachgehen und musste nicht mehr nur die ganze Zeit über «La La Land» sprechen.
von Marlène von Arx