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Fleckenhalsotter
Lutra maculicollis
© 2006 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Otter sind «amphibische», das heisst sowohl an das Leben an Land wie auch im Wasser angepasste Säugetiere. Innerhalb der Ordnung der Raubtiere (Carnivora) werden sie der Familie der Marder (Mustelidae) zugeordnet, welche ferner die Wiesel, Iltisse, Nerze, Marder, Dachse, Skunks und weitere Formen umfasst. Dort werden sie in der Unterfamilie der Otter oder «Wassermarder» (Lutrinae) zusammengefasst. Zwar gibt es weltweit bloss ein Dutzend Otterarten. Da aber die meisten von ihnen sehr erfolgreiche Kleinraubtiere sind und ein entsprechend weites Artverbreitungsgebiet haben, sind Otter fast überall auf der Welt entlang von Fliessgewässern, Seeufern und Meeresküsten heimisch. Von den grösseren «Landstücken» haben sie einzig Antarktika, Australien, Neuguinea, Grönland und Madagaskar im Laufe ihrer Stammesgeschichte nicht zu erobern vermocht.
Drei Otterarten kommen in Afrika vor, eine nördlich der Sahara und zwei südlich davon. Die in Nordafrika heimische Art ist «unser» Eurasiatischer Fischotter (Lutra lutra)
, dessen Artverbreitungsgebiet sich über ganz Eurasien von Irland im Westen bis Japan im Osten sowie über Nordwestafrika (Marokko, Algerien, Tunesien) erstreckt und damit zu den grössten aller Raubtierarten gehört. Die beiden südlich der Sahara heimischen Otterarten kommen ausschliesslich auf dem afrikanischen Kontinent vor, haben aber gleichwohl riesenhafte Artverbreitungsgebiete, die sich über mehr als dreissig Länder ausdehnen. Es handelt sich einerseits um den Kapotter oder Eigentlichen Fingerotter (Aonyx capensis)
und andererseits um den Fleckenhalsotter (Lutra maculicollis)
, von dem hier berichtet werden soll.
Tauchgänge dauern bis 4 Minuten
Der Fleckenhalsotter gehört zu den kleineren Mitgliedern der Ottersippe: Seine Gesamtlänge bemisst sich auf höchstens etwa einen Meter, wovon rund vierzig Prozent auf den Schwanz entfallen. Die erwachsenen Männchen sind im Durchschnitt ein wenig grösser als die erwachsenen Weibchen und wiegen entsprechend um 4,5 Kilogramm, während die Weibchen bloss etwa 3,5 Kilogramm auf die Waage bringen.
Im Gegensatz zum Kapotter, der sich während eines Grossteils seiner Zeit an Land umherbewegt und vor allem dort auf Nahrungssuche geht, führt der Fleckenhalsotter ein mehrheitlich aquatisches Leben. An Land bewegt er sich eher schwerfällig umher, und kaum je verlässt er das unmittelbare Umfeld seines Heimatgewässers. Seine bevorzugten Lebensräume bilden grosse Flüsse und Seen sowie Süsswassersümpfe mit grösseren Flächen offenen Wassers. Brackige Flussmündungen wie auch das salzhaltige Meer meidet er.
Im Wasser bewegt sich der Fleckenhalsotter leicht und elegant fort. Selbst in Fliessgewässern mit starker Strömung schwimmt er scheinbar spielerisch und ohne jeglichen Kraftaufwand umher. Aktivitätsphasen an der Wasseroberfläche wechseln mit solchen unter Wasser regelmässig ab. Die einzelnen Tauchgänge dauern höchstens drei bis vier Minuten. In dieser Zeit kann das wendige Tier jedoch erstaunlich weite Strecken - von gelegentlich mehr als einem halben Kilometer - zurücklegen.
An das Schwimmen und Tauchen ist der Fleckenhalsotter körperlich hervorragend angepasst. Zu nennen sind etwa seine Stromlinienform und seine ausserordentlich elastische Wirbelsäule. Letztere erlaubt es ihm, sich mittels wellenförmiger Bewegungen des Körpers durch das Wasser zu treiben. Sein Schwanz ist abgeflacht und wirkt wie eine langgestreckte Flosse. Als Steuerruder dienen ihm seine breiten, mit Schwimmhäuten ausgestatteten Vorder- und Hinterpfoten. Seine Ohr- und Nasenöffnungen kann er beim Untertauchen fest verschliessen und seinen Herzschlag - und damit den Sauerstoffverbrauch - auf bis zu ein Achtel des normalen Werts drosseln.
Das dichte Fell des Fleckenhalsotters ist eine weitere wichtige Anpassung an das Leben im Wasser, denn selbst in den tropischen Regionen, die er bewohnt, liegt die Wassertemperatur in der Regel deutlich unter der normalen «Betriebstemperatur» seines Körpers. Ohne gute Isolation würde der Körper beim Schwimmen und Tauchen schnell auskühlen. Das Fell besteht aus 1,5 bis 2 Zentimeter langen, öligen Deckhaaren oder «Grannen» und einer darunter liegenden, seidenweichen und überaus dichten Unterwolle. Beim Aufenthalt im Wasser schützen die Grannen die Unterwolle zuverlässig vor dem Nasswerden und halten gleichzeitig die in der Unterwolle befindliche Luft gefangen. Diese Luftschicht schützt einerseits gegen Kälte und verschafft dem Körper andererseits einen günstigen Auftrieb. Selbst wenn sich der Fleckenhalsotter stundenlang im Wasser aufgehalten hat, genügt ein kräftiges Schütteln an Land, und sein Fell ist praktisch trocken. Damit das Fell die genannten Eigenschaften behält, muss es sauber sein. Es überrascht darum nicht, dass der Fleckenhalsotter an Land viel Zeit für die Pflege seines Haarkleids aufwendet.
An Land kurzsichtig, im Wasser stumm
Obschon seine Ohrmuscheln klein sind, ist das Gehör des Fleckenhalsotters ausgezeichnet. Es dient zum einen an Land dem Erkennen von Gefahren und zum anderen der Verständigung zwischen den Individuen. Zwar ist der Fleckenhalsotter kein sonderlich lautfreudiges Tier; dennoch verfügt er über ein breites Lautspektrum. Am häufigsten zu hören ist ein hohes Quieken, das mit einem Triller endet, aber auch ein Pfeifen (bei Gefahr) und ein schrilles Zetern (bei Streit) sind oft zu vernehmen. Unter Wasser spielt das Gehör hingegen eine geringe Rolle. Obschon sich Schallwellen im Wasser gut ausbreiten, ist es sehr schwierig festzustellen, woher sie stammen, weshalb sie für das Entdecken von Beutetieren oder das Erkennen von Gefahren wenig hilfreich sind.
Ähnliches gilt für den Geruchssinn. Auch er dient vor allem an Land der Kommunikation zwischen den Individuen. Wie andere Mitglieder der Marderfamilie hat der Fleckenhalsotter gut ausgebildete Analdrüsen, deren Sekret beim Kotabsetzen ausgepresst wird und dem Kot einen strengen, unverkennbaren Geruch vermittelt. Der Kot erhält dadurch die Funktion einer Duftmarke. Er wird immer wieder an denselben, auffälligen Stellen im Streifgebiet abgesetzt und dient sowohl der territorialen Abgrenzung als auch der Information über das Befinden und insbesondere die Fortpflanzungsbereitschaft des Kot abgebenden Individuums.
Im Unterschied zu den Ohren und zur Nase bilden die Augen für den Fleckenhalsotter bei der Jagd unter Wasser ein überaus wichtiges Sinnesorgan. Tatsächlich sind sie dermassen stark an die Sichtverhältnisse unter Wasser angepasst, dass das Tier an Land unter starker Kurzsichtigkeit leidet. Gut sehen kann der Fleckenhalsotter bloss drei bis vier Meter weit; ausserhalb dieses Bereichs vermag er lediglich die Bewegungen grösserer Objekte zu erkennen. Unter Wasser sind seine Augen hingegen überaus leistungsfähig. Dies hat unter anderem mit der starken Augenmuskulatur zu tun, welche erhebliche Formveränderungen der Linse möglich macht.
Tagaktiv und einzelgängerisch
Die Tatsache, dass sich der Fleckenhalsotter beim Aufspüren und Verfolgen seiner Beutetiere stark auf die Augen abstützt, erklärt, warum er gewöhnlich bei Tageslicht auf die Jagd geht. An den meisten Orten jagt er im Allgemeinen zwei oder drei Stunden nach Sonnenaufgang und nochmals zwei bis drei Stunden vor Sonnenuntergang. Die Zeit zwischen den Jagdausflügen verbringt er damit, im Uferbereich seines Heimatgewässers umherzustöbern und dann und wann im Uferbereich an einer geschützten Stelle, beispielsweise im ausgewaschenen Wurzelwerk eines grossen Baums, zu ruhen.
Die grosse Bedeutung der Augen erklärt ferner, warum der Fleckenhalsotter in Gebieten mit sehr klarem Wasser, beispielsweise im Okavango-Delta in Botsuana, besonders hohe Bestandsdichten aufweist. Zwar kommt er durchaus auch im Bereich von Gewässern mit trübem Wasser vor, doch sind seine Bestände dort dünner, wohl weil sein Jagderfolg geringer ist. Dass der Fleckenhalsotter in trübem Wasser überhaupt Beute zu erjagen vermag, hat mit seinen gut ausgebildeten Schnurrhaaren zu tun. Diese elastischen Borsten wurzeln je in einem grossen Balg, der von unten her von vielen Nervenenden umhüllt wird. Sie bilden insgesamt ein Sinnesorgan, das für Vibrationen und Druckschwankungen unter Wasser, wie sie durch die Bewegungen von Fischen und anderen Tieren verursacht werden, sehr empfindlich ist. Dank seinem Schnurrbart kann der Otter Beutetiere auch bei schlechten Sichtverhältnissen orten.
Der Fleckenhalsotter bejagt und verzehrt ein breites Spektrum wasserlebender Tiere. Zu nennen sind hauptsächlich Fische, Krebse und Frösche, aber auch Wasservögel. Gewöhnlich werden die Opfer gleich im Wasser verspeist - oftmals in kauernder Haltung an einer seichten Stelle, manchmal auf dem Rücken schwimmend, mitunter auch «wassertretend» in aufrechter Haltung. Stets umklammert sie der Otter mit seinen Vorderpfoten und beisst dann mundgerechte Stücke heraus. In seltenen Fällen fängt ein Individuum mehrere kleinere Beutetiere nacheinander und deponiert diese zunächst am Ufer, bis eine ausreichende Mahlzeit beisammen ist.
Obschon der Fleckenhalsotter ein weit verbreitetes Säugetier ist, wissen wir wenig über die Form seiner Vergesellschaftung. Er scheint wie die meisten Marderartigen ein territoriales Raubtier zu sein, das die Nutzung seines Wohngebiets für sich allein beansprucht und etwaige Artgenossen daraus vertreibt. Er scheint dies im Übrigen nicht paar- oder rudelweise zu tun, sondern - zumindest ausserhalb der Paarungszeit - einzelgängerisch. Jedenfalls begegnet man ihm gewöhnlich einzeln oder in «Kleinfamilien», die sich aus einem erwachsenen Weibchen und dessen abhängigen Jungen zusammensetzen.
Die Fortpflanzung erfolgt meistenorts jahreszeitlich gebunden, fällt aber je nach Region in unterschiedliche Monate. In Sambia beispielsweise kommen die Jungtiere vor allem im November und Dezember zur Welt. Die Wurfgrösse beträgt gewöhnlich zwei, seltener ein oder drei Junge, und die Tragzeit scheint rund zwei Monate zu dauern. Als Kinderstube wählt das Fleckenhalsotterweibchen häufig eine Höhlung in einem steilen Flussufer oder zwischen Felsen. Wo solche Verstecke fehlen, werden die Jungen manchmal auch an einem abgeschiedenen Ort in dichtem Röhricht zur Welt gebracht.
Die jungen Fleckenhalsotter sind bei der Geburt blind und hilflos und werden mindestens drei Monate lang gesäugt. Im Alter von etwa einem Monat öffnen sich ihre Augen, und nach ungefähr zwei Monaten verlassen sie erstmals ihren sicheren Bau. Danach werden sie von ihrer Mutter ins Handwerk des Jagens eingeführt, bis sie sich schliesslich - im Alter von sechs bis acht Monaten - selbstständig ernähren können und auf eigene Faust losziehen.
Schwindende Bestände
Der Fleckenhalsotter kommt noch immer in den meisten Bereichen seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets vor. Allerdings ist in verschiedenen Regionen, darunter im südlichen Afrika, ein Rückgang der Dichte seiner Bestände zu verzeichnen. Dies wird zur Hauptsache auf eine Verschlechterung der Wasserqualität, insbesondere auf eine durch moderne landwirtschaftliche Praktiken verursachte Befrachtung der Gewässer mit Schweb- und Schadstoffen zurückgeführt. Letzteres bedeutet für den Fleckenhalsotter nicht nur eine Behinderung der Sicht bei der Jagd und damit eine Verminderung des Jagderfolgs, sondern auch einen Schwund seiner Beutetierbestände. Eine nicht zu unterschätzende bestandsschädigende Rolle spielt ferner, dass der Fleckenhalsotter mancherorts bejagt wird, teils weil sein Pelz begehrt, teils weil er als «Fischräuber» verrufen ist.
Weil genauere Informationen über das Ausmass der Bestandsrückgänge fehlen, hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) den Fleckenhalsotter vorsorglich in der Kategorie «Verwundbar» auf die Rote Liste der gefährdeten Tierarten gesetzt. Unmittelbar in ihrem Fortbestand bedroht ist die Art allerdings nicht, unter anderem weil sie innerhalb ihres weiten Verbreitungsgebiets in zahlreichen gut geführten Naturschutzgebieten eine sichere Heimat hat. Dies gilt auch für die Republik Elfenbeinküste, das Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, wo der Fleckenhalsotter in mehreren grossflächigen Feuchtgebieten vorkommt, darunter solche, welche unter die «Ramsar-Konvention» fallen (UN-Übereinkommen zum Schutz der Feuchtgebiete, welche als Rast- und Überwinterungsplätze für Zugvögel von internationaler Bedeutung sind) und einen entsprechend guten Schutzstatus geniessen.
Legenden