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In Brasilien klaffen die Realitäten je nach Hautfarbe weit auseinander. In dem Land der zwei Gesichter leben Schwarze mit einem mehr als doppelt so hohen Risiko, ermordet zu werden, als das Weiße tun.
Der vom brasilianischen Gesundheitsministerium vorgelegte Bericht “Atlas da Violência 2018” gibt eine erschreckende Realität wieder. Als würden Schwarze und weiße in zwei verschiedenen Ländern leben, schreiben die Forscher in Bezug auf die 2016 registrierte Gewalt. Von der sind Afrobrasilianer wesentlich stärker betroffen als die Nachkommen europäischer Einwanderer.
Während die Mordrate für Weiße mit 16 pro 100.000 Einwohner angegeben wird, liegt sie bei Schwarzen bei 40,2. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Schere zudem noch verschärft. Zwischen 2006 und 2016 ist die Mordrate unter Schwarzen um 23,1 Prozent gestiegen, unter Weißen hat sie um 6,8 Prozent abgenommen.
Der Unterschied der Rassen ist “kristallklar“, was die tödliche Gewalt und die Sicherheitspolitik betrifft, heißt es in dem Bericht. Der zeigt auch, dass Jugendliche das höchste Risiko tragen. 2016 sind in Brasilien 33.590 junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren umgebracht worden. Mit über 94 Prozent sind vor allem Männer betroffen.
Eine Rolle spielt einmal mehr ebenso der Wohnort. Die meisten der Bundesstaaten mit den höchsten Mordraten befinden sich im ärmeren Nordosten und Norden des Landes. Gleichzeitig wird dort die größte Ungleichheit verzeichnet.
Trauriger Anführer des Rankings der Bundesstaaten ist Sergipe im Nordosten Brasiliens. In ihm beträgt die Mordrate 64,7 pro 100.000 Einwohner, in São Paulo (Südosten) 10,9.
Dass sich die Gewalt mit entsprechendem politischen Willen eindämmen lässt, beweisen Paraíba und Espírito Santo. Beide Bundesstaaten werden im Gewaltatlas als positive Beispiele hervorgehoben. Mit Programmen wie “Paraíba pela Paz“ und “Estado Presente“ konnten dort die Mordraten gesenkt werden.
2011 lagen sie beim Bundesstaatenranking auf dem dritten und zweiten Platz, 2016 hingegen auf dem 18ten und 19ten.
Erstellt wurde die Studie vom Brasilianischen Forum für Öffentliche Sicherheit und vom Wirtschaftsforschungsinstitut Ipea. Die Zahlen berufen sich auf das Jahr 2016.