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Frau Fetz, mehrere prominente SP-Kollegen wie Ruedi Rechsteiner rühren die Werbetrommel für CVP- Regierungskandidat Lukas Engelberger. Können Sie das nachvollziehen?
Anita Fetz: Ja, die SP hat Stimmfreigabe beschlossen, was ich richtig finde. Es geht bei diesen Wahlen schliesslich um einen bürgerlichen Sitz.
Die Stimmfreigabe zeigt: Die Frauenfrage ist auch für die SP nicht zentral in diesem Wahlkampf.
Das ist eine Interpretation. Ich unterstütze Martina Bernasconi, weil es höchste Zeit ist für eine zweite Frau im Regierungsrat. Es ist die Chance, das erste Mal in Basel eine bürgerliche Frau in der Regierung zu haben.
Bernasconi ist keine richtige Bürgerliche. Als Mitglied der GLP hat sie keinen Anspruch auf einen Sitz.
Die CVP hat rund sieben Prozent, die GLP rund fünf Prozent. Das ist kein gigantischer Unterschied. Basel hat 1966 das kantonale Stimm- und Wahlrecht für Frauen eingeführt. Das ist jetzt 48 Jahre her. In dieser Zeit haben es die traditionellen bürgerlichen Parteien FDP, LDP und CVP nicht geschafft, eine Frau in die Regierung zu bringen. Jetzt besteht die Chance für eine bürgerliche Frau, auch wenn sie einer relativ jungen bürgerlichen Partei angehört.
Von der CVP hat sich bei der Kandidatensuche keine Frau gemeldet. Wäre es nicht auch die Pflicht der CVP-Frauen, sich zu engagieren?
Es ist die Pflicht einer Partei, dafür zu sorgen, dass sie bei den Ämtern ein ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern hat. Es ist aber schon so: Die jungen bürgerlichen Frauen, die das Referendum gegen die Frauenquote ergriffen hatten, hätten diese Zeit lieber genutzt, um eine Frau für die CVP aufzubauen.
Die CVP betreibt Frauenförderung: Mit Andrea Strahm ist eine Frau als Nachfolgerin für Engelbergers Parteipräsidium vorgesehen.
Das ist gut. Aber man muss die Frauen auch an die Geschichte erinnern. Von meiner Generation hatte kaum eine bürgerliche Frau eine Chance, weil es in Basel eine bekannte Boygroup gab. Diese bestand aus Ueli Vischer, Jörg Schild, Christoph Eymann und Carlo Conti. Die haben zusammen studiert und Fussball gespielt. Sie haben sich gegenseitig geholfen, in die Ämter zu kommen. Nach der Regierung in die Verwaltungsräte. Da hatte eine Frau kaum eine Chance. Jetzt stelle ich fest: Die hübsche Young-Boygroup steht mit Baschi Dürr, Conradin Cramer und Lukas Engelberger bereits parat. Die jungen bürgerlichen Frauen merken nicht, dass sie deshalb auch in Zukunft keine Chance haben werden. Weil sich die Young-Boygroup auch wieder 16 Jahre an der Macht halten wird.
Haben es die bürgerlichen Frauen verpasst, eine Girlgroup zu gründen?
Das müssen sie selber wissen. Ich kann aus der Erfahrung der Linken sagen: Wir haben es auch nicht einfach mit Nettigkeit geschafft. Wir Frauen haben in den 80er- und 90er-Jahren heftigste Kämpfe geführt in den linken Parteien. Auf Bundesebene mussten wir sogar einen Mann daran hindern, das Amt als Bundesrat anzunehmen, damit endlich eine Frau zum Zug kommt. Meine Erfahrung: Ohne Fight kommt frau zu nichts.
Vermissen Sie den Fight unter den bürgerlichen Frauen?
Ich sehe da zu wenig rein. Ich stelle einfach fest: In den Grossratsfraktionen nimmt der Frauenanteil ab statt zu. Die FDP-Fraktion besteht sogar nur aus Männern. Nun gibt es endlich eine bürgerliche Kandidatin. Das ist doch erfreulich. Es gibt zudem auch den einen oder anderen Inhalt von Martina Bernasconi, den ich unterstütze.
Welches war denn aus Ihrer Sicht das politisch wichtigste Geschäft, das Frau Bernasconi geprägt hat?
Ich weiss weder von Herrn Engelberger noch von Frau Bernasconi im Detail, was sie im Grossen Rat gemacht haben. Ich schaue mir wie jede Stimmbürgerin die Wahlprogramme an und entscheide dann, was mir gefällt. Bei Frau Bernasconi gefällt mir besonders, dass sie Gesundheitszentren in den Quartieren einrichten will und die Betreuung von Hochbetagten thematisiert. Gut finde ich auch, dass sie gegen den Gripen ist, denn die Milliarden werden uns bei Bildung und Forschung fehlen. Das schadet der Region.
Die Zukunft des Kampfjets wird nicht in Basel entschieden. Und die beiden erwähnten gesundheitspolitischen Themen sind völlig unbestritten. Die Herren Engelberger oder Conti würden ähnliche Statements abgeben.
Carlo Conti hat viel gemacht im Gesundheitswesen. Von seinem Altersleitbild hat man aber nicht mehr viel gehört. In Engelbergers Programm finde ich kein Wort dazu. Ganz abgesehen davon: Ich wünsche mir eine Person mit etwas mehr Lebenserfahrung. Zudem sollte ein junger Vater von drei Kindern Zeit haben. Kinder brauchen ihre Väter live. Waschtage bringen da zu wenig.
Und Führungserfahrung?
Diese Frage kommt immer. Da stelle ich fest: Diese haben beide Kandidaten nicht. Engelberger führt eine Stabstelle, das sind ein paar Mitarbeiter. Das ist nicht alle Welt. Doch viele gute Regierungsräte hatten zuvor kaum Führungserfahrung. Eva Herzog wurde damals vorgeworfen, sie könne nicht mal eine Bilanz lesen. Heute ist sie eine der erfolgreichsten Finanzdirektoren, die der Kanton je hatte .
Anfang März konnten Sie sich noch nicht festlegen, ob Sie Bernasconi unterstützen. Lag es daran, dass Sie sie kaum kennen, da sie politisch kaum Spuren hinterlassen hat?
Ich kannte auch Lukas Engelberger nicht. Er hat auch keine grossen Spuren hinterlassen. Ich wollte zuerst Bernasconis Programm kennen. Diese Woche hat sie es vorgestellt. Einige Punkte davon gefallen mir.
Werden Sie ihrem Unterstützungskomitee beitreten?
Ja, ich werde mich eintragen.
Bernasconi plant ein dichtes Wahlkampfprogramm. Fast täglich steht sie an einem Wahlkampfstand. Werden Sie sie auch dabei unterstützen?
Das habe ich nicht vor. Ich werde in nächster Zeit am einen oder anderen Stand die Leute überzeugen, gegen den Gripen zu stimmen.
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Die Basler Bürgerlichen unterteilt Anita Fetz in eine Boygroup und eine Young- Boygroup. Beide würden den Frauen im Weg stehen, sagt sie.
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