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Der «Djoker» Novak Djokovic dominiert auch im Australian-Open-Final. Der Weltranglistenerste aus Serbien besiegt den Schotten Andy Murray in 2:54 Stunden 6:1, 7:5, 7:6 (7:3).
Spannung kommt im Australian-Open-Final zwischen Novak Djokovic und Andy Murray kaum auf. Die serbische Weltnummer 1 gewinnt wie im Halbfinal gegen Roger Federer auch gegen den Schotten den ersten Satz mit 6:1. Danach findet die Nummer 2 der Welt zwar besser ins Spiel, dennoch kontrolliert Djokovic das Skore eigentlich permanent.
Murrays Chancen in seinem fünften Grand-Slam-Final in Melbourne (lauter Niederlagen) konzentrieren sich vor allem auf den zweiten Satz, der alleine 80 Minuten beansprucht. Dort holt Murray einen Breakrückstand auf (3:4), bei 5:4 und 30:15 (Aufschlag Djokovic) fehlen ihm bloss noch zwei Punkte zum Satzausgleich, und später besitzt Murray nach zwei Doppelfehlern seines Gegners noch einen Breakball zum 6:6-Ausgleich.
Aber Djokovic bewahrt die Ruhe. Er gewinnt die folgenden drei Ballwechsel und besorgt so mehr als eine Vorentscheidung. Auch Murray ist Djokovic wie Federer am Donnerstag in Belangen Fitness, Kadenz, Tempo und Sicherheit nicht gewachsen.
Im dritten Satz rettet sich Murray zwar ins Tiebreak, aber auch in diesem Satz muss er einen Breakrückstand aufholen (1:3). Dem Schotten unterlaufen bei zwei seiner ersten drei Aufschlagpunkte Doppelfehler. Das Tiebreak gewinnt Djokovic schliesslich mit 7:3, nach 2:54 Stunden verwandelt er seinen dritten Matchball mit einem Ass.
Der «Djoker» küsst den Platz, umarmt Coach Boris Becker, bevor er zum sechsten Mal den Norman Brookes Challenge Cup in die Höhe stemmen darf. «Ich liebe alle meine Teammitglieder und möchte danke sagen. Wir verfolgen jeden Tag gemeinsam unsere Ziele, das ist ein einmaliges Gefühl», erklärt Djokovic bei der Siegerehrung.
Später an der Pressekonferenz verriet er: «Wenn du die Chance hast, Geschichte zu schreiben, motiviert dich das noch zusätzlich. Es besteht kein Zweifel darüber, dass ich in den letzten 15 Monaten das beste Tennis meines Lebens spielte. Aber ich habe keine Ahnung, wo meine Grenzen liegen.»
Welche Ziele setzt sich Djokovic für 2016? «Ich will die Siegesserie natürlich weiterführen. Es gibt derzeit keinen erdenklichen Grund, nicht optimistisch zu sein. Ich versuche, jedes Spiel zu gewinnen.» Eine Priorität setzt Djokovic doch: «Die Olympischen Sommerspiele habe ich in meiner Planung fett eingekreist. Rio steht in meiner Planung zweifellos ganz oben.
Für Murray gibt's zum fünften Mal nur das Silbertablett. «Es fühlt sich an, als ob ich schon mal hier gewesen wäre», sagt der fünffache Final-Verlierer von Melbourne. Tränen bleiben diesmal aber aus: «Sorry, dass ich es nicht geschafft habe. Es waren ein paar schwierige Wochen für mich», lässt er sein Team wissen. Nun will Murray nur noch Hause, zu seiner schwangeren Frau, die demnächst ihr erstes Kind erwartet: «Du warst eine Legende in den letzten zwei Wochen. Ich nehme den nächsten Flieger. Bald komme ich zurück.»
Novak Djokovic gewinnt – eigentlich wie erwartet – das Australian Open zum sechsten Mal seit 2008. Der 28-Jährige schliesst zu Rekordsieger Roy Emerson auf, nach welchem der Centre Court am Gstaader Swiss Open benannt ist. Nur Rafael Nadal (9 Siege am French Open), Pete Sampras und Roger Federer (je sieben Siege in Wimbledon) feierten an einem Grand-Slam-Turnier noch mehr Siege als Djokovic in Melbourne.
Und zum zweiten Mal in seiner Karriere ist Novak Djokovic Titelhalter an drei der vier Grand-Slam-Turniere. Schon in den Jahren 2011 und 2012 gewann er hintereinander in Wimbledon, New York und Melbourne. In Roland-Garros scheiterte er daraufhin im Final in vier Sätzen an Nadal (4:6, 3:6, 6:2, 5:7). Gelingt es ihm Anfang Juni, auch die letzte Major-Trophäe zu erobern? Wenig spricht im Moment dagegen.
Djokovic triumphierte an seinen letzten acht Turnieren: US Open, Peking, Schanghai, Paris-Bercy, Masters London, Doha und Melbourne. Und schon in den ersten vier Wochen der neuen Saison zeigte er seinen grössten Rivalen Rafael Nadal (6:1, 6:2 in Doha im Final), Roger Federer (Halbfinal Melbourne) und Andy Murray die Limiten auf.
An den Grand Slams gewann Djokovic sogar 34 der letzten 35 und 46 der letzten 48 Partien. Seit anderthalb Jahren besiegten ihn an den Majors nur noch Kei Nishikori (im US-Open-Halbfinal 2014) und Stan Wawrinka (im French-Open-Final 2015). (pre/sda)