Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03642.jsonl.gz/2605

Ein zweibeiniges Kamel nannten sie ihn, und sein Trainer soll gesagt haben: «Besser wäre es, wenn du zum Zirkus gehen würdest.» Aber an den Olympischen Spielen im Jahr 1968 in Mexiko übersprang Dick Fosbury als Einziger die Latte bei 2,24 Metern – und er verwandelte das Gelächter über seine Sprungtechnik in Staunen.
«Fosbury flops over the bar», sagte damals ein Reporter: «Fosbury plumpst über die Latte», der Flop war geboren. Im Anlauf eine Kurve, abspringen, den Rumpf drehen und rückwärts, mit dem Kopf voraus über die Latte: Fosbury musste damals etwas Neues ausprobieren, weil er mit den konventionellen Sprungtechniken nicht höher kam. Und hatte Erfolg.
Im Ernst?
In der Geldpolitik ist es nicht anders. Mit traditionellen Methoden kommen die Zentralbanken nicht weiter. Philipp Hildebrand, der ehemalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank, hat kürzlich Helikoptergeld als mögliche Lösung ins Spiel gebracht. «Im Ernst?», «Nonsense» und «Wahnvorstellungen» waren die Voten von Lesern in den Kommentarspalten.
Natürlich verstehe ich alle, die Helikoptergeld für Nonsense halten. Vor allem, wenn man sich vorstellt, dass der Präsident der SNB Thomas Jordan vom Helikopter 1000er-Noten über das Alpenland regnen lässt.
Helikoptergeld scheint ein Rückwärtssprung der Geldpolitik zu sein. Der Ökonom Milton Friedman hatte die Idee im Jahr 1969, ein Jahr nach dem Triumph von Fosbury in Mexico. Friedman, dem im Jahr 1979 den Nobelpreis verliehen wurde, war überzeugt, dass die Bürger das Geld aus dem Helikopter für zusätzlichen Konsum nutzen würden. Es würde Konjunktur und Inflation ankurbeln. Genau letzteres Ziel versuchen die Zentralbanken heute zu erreichen.
Im Grunde ist Helikoptergeld nur eine radikalere Variante der aktuellen Geldpolitik, die bisher ihre Wirkung verfehlt hat. Sie hat die Nachfrage nach Gütern nicht genügend angeregt, dass Deflationsgefahren gebannt worden wären. Im Unterschied zur derzeit praktizierten Null- und Negativ-Zinspolitik, würden mit Helikoptergeld die Banken umgangen. Natürlich nicht mit Helikopter und Banknotenregen umgesetzt, sondern beispielsweise als Steuergutschriften die durch Zentralbanken finanziert würden.
Helikoptergeld wird kommen
So weit so gut, aber Experten verweisen immer wieder auf missglückte Versuche, etwa in Simbabwe, wo eine Hyperinflation Schrecken verbreitete. Allerdings vergessen diese Experten, dass in Simbabwe vieles nicht funktionierte. Nur weil das Abwassersystem in Simbabwe nicht funktioniert, würden wir ja auch nicht darauf verzichten wollen.
Ich denke Helikoptergeld wird kommen. Vielleicht wagt es einer der Zentralbanker bereits nach ihrem jährlichen Treffen in Jackson Hole in den USA, das heute begonnen hat.
Es könnte aber auch noch Jahre gehen, bis sich Helikoptergeld durchsetzt. Schliesslich dauerte es auch Jahre, bis sich der Flop im Hochsprung durchsetzte. Der Coach des US-Olympia-Teams warnte gar: «Wenn Kinder versuchen, Fosbury zu imitieren, wird er eine ganze Generation von Hochspringern auslöschen, weil sie sich alle das Genick brechen werden.» Dabei landet man nach dem Flop gar nicht auf dem Genick, sondern auf der Schulter. Und mit Helikoptergeld landet man vielleicht beim Notausgang der Negativzins-Welt.