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Die Schweiz verfügt - neben der EFTA-Konvention und dem Freihandelsabkommen mit der EU - gegenwärtig über ein Netz von 28 Freihandelsabkommen mit 38 Partnern ausserhalb der Europäischen Union (EU). Die Abkommen werden normalerweise im Rahmen der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) abgeschlossen. Dennoch hat die Schweiz die Möglichkeit, Freihandelsabkommen auch ausserhalb der EFTA abzuschliessen, wie beispielsweise im Fall Japans oder Chinas.
Ziel der Freihandelspolitik der Schweiz ist die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Wirtschaftsbeziehungen mit wirtschaftlich bedeutenden Partnern. Den schweizerischen Wirtschaftsakteuren soll gegenüber ihren wichtigsten Konkurrenten ein möglichst stabiler, hindernis- und diskriminierungsfreier Zugang zu ausländischen Märkten verschafft werden. Im Rahmen der Stabilisierungspolitik des Bundesrates kommen aussenwirtschaftspolitischen Massnahmen zur weiteren Öffnung von Exportmärkten erhöhte Bedeutung zu.
Die EFTA-Staaten unterzeichnen auch Zusammenarbeitserklärungen mit gewissen Partnern. Zusammenarbeitserklärungen sehen einen institutionalisierten Dialog über Möglichkeiten zu Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen vor. Sie können zu einem späteren Zeitpunkt in Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen münden.
Die Schweiz ist ein stark in die Weltwirtschaft eingebundenes Land, dessen Wirtschaft sich durch eine ausgeprägte internationale Orientierung auszeichnet. Unser Wohlstand hängt deshalb zu einem grossen Teil vom internationalen Handel von Gütern und Dienstleistungen sowie von der grenzüberschreitenden Investitionstätigkeit ab. Die stete Verbesserung des Zugangs zu ausländischen Märkten ist ein Ziel der schweizerischen Aussenwirtschaftspolitik. Das beste Mittel, dieses Ziel zu erreichen, ist der multilaterale Ansatz im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO). Eine wachsende Anzahl Länder schliesst gleichzeitig bi- oder plurilaterale, regionale oder regionenübergreifende Freihandelsabkommen ab, um die multilaterale Liberalisierung des Handels zu ergänzen. Mit dem Abschluss von Freihandelsabkommen zielt die Schweiz darauf ab, ihren Unternehmen einen Zugang zu internationalen Märkten zu verschaffen, der mindestens gleichwertig ist wie jener, von dem ihre wichtigsten ausländischen Konkurrenten (wie die EU, die USA und Japan) profitieren, welche ebenfalls ihre Netze von Freihandelsabkommen ausdehnen. Freihandelsabkommen sind deshalb ein wichtiges Instrument zur Aufrechterhaltung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Schweiz.
Gemäss der Aussenwirtschaftsstrategie des Bundesrates stehen für die Auswahl von möglichen Freihandelspartnern vier Kriterien im Vordergrund:
Das Netz der Freihandelsabkommen der Schweiz besteht zu einem grossen Teil aus Abkommen, welche von den Mitgliedstaaten der EFTA gemeinsam abgeschlossen worden sind.
In einer ersten Phase (seit Beginn der 1990er Jahre) schlossen die EFTA-Staaten - nach ersten Abkommen mit der Türkei und Israel - hauptsächlich Freihandelsabkommen mit mittel- und osteuropäischen Staaten ab. Diese Freihandelsabkommen, welche die EFTA parallel zu ähnlichen Abkommen der EU mit diesen Staaten abschloss, dienten nicht nur der gegenseitigen Verbesserung des Marktzugangs, sondern auch der Unterstützung der Wirtschaftsreformen in den mittel- und osteuropäischen Transitionsländern. Acht dieser Freihandelsabkommen sind seit dem 01.05.2004, zwei weitere seit dem 01.01.2007 und eines seit dem 01.07.2013 nicht mehr in Kraft , da die entsprechenden Partnerstaaten auf diesen Zeitpunkt Mitglied der EU geworden sind. Die Freihandelsbeziehungen zwischen der Schweiz und den neuen EU-Mitgliedstaaten bestehen jedoch weiter, neu auf der Grundlage des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und der EU von 1972, welches auch auf die neuen EU-Mitglieder Anwendung findet. Gegenwärtig sind EFTA-Freihandelsabkommen mit Mazedonien, Albanien, Serbien, Ukraine und Montenegro in Kraft. Das Freihandelsabkommen mit Bosnien-Herzegovina wurde am 24.06.2013 unterzeichnet. Mit den Mitgliederstaaten der Zollunion Russland/ Weissrussland/ Kazachstan sind Freihandelsverhandlungen im Gang.
Seit Mitte der 1990er Jahre wurde die Erweiterung des EFTA-Vertragsnetzes im Mittelmeerraum ausgebaut. Damit wollen die EFTA-Staaten die Voraussetzung schaffen, um an der geplanten Grossen Freihandelszone Europa-Mittelmeer teilnehmen zu können, die im Rahmen des Barcelona-Prozesses der EU verwirklicht werden soll. Gleichzeitig leisten die EFTA-Staaten mit dem Abschluss dieser Freihandelsabkommen einen Beitrag zur Förderung der euro-mediterranen Wirtschaftszusammenarbeit. Die EFTA hat bisher mit acht Mittelmeerpartnern Freihandelsabkommen abgeschlossen: Türkei, Israel, Marokko, Palästinensische Behörde, Jordanien, Libanon, Tunesien und Ägypten. Verhandlungen mit Algerien sind derzeit im Gang.
Vor dem Hintergrund der weltweit zunehmenden Tendenz zum Abschluss regionaler und vermehrt auch regionenübergreifender Freihandelsabkommen haben die EFTA-Staaten seit Ende der 1990er Jahre begonnen, ihre Freihandelspolitik auch auf Partner weltweit auszudehnen. Bisher sind in diesem Zusammenhang Freihandelsabkommen mit Mexiko, Singapur, Chile, der Republik Korea, mit den SACU-Staaten (Southern African Customs Union: Botswana, Namibia, Lesotho, Südafrika und Swasiland), Kanada, Kolumbien, dem arabischen Golfkooperationsrat (GCC: Saudi-Arabien, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kuwait und Oman), Peru, Hong Kong und den Zentralamerikanischen Staaten (Panama und Costa Rica) abgeschlossen worden. Verhandlungen sind derzeit mit Indien, weiteren zentralamerikanischen Staaten,Thailand, Indonesien, Vietnam und Malaysia im Gang.
Auf bilateraler Ebene ist das Wirtschaftliches Partnerschafts- und Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und Japan seit September 2009 in Kraft. Die Schweiz ist das erste europäische Land, das mit Japan ein solches Abkommen abschliesst. Ebenfalls auf bilateraler Ebene wurde am 6. Juli 2013 das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China unterzeichnet. China ist nach den USA die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt und nach der EU und die USA der drittwichtigste Aussenwirtschaftspartner der Schweiz.
Ausserdem stehen die Schweiz und die EFTA-Staaten mit anderen potenziellen Partnern wie beispielsweise Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) im Kontakt um die Möglichkeit der Errichtung von Freihandelsbeziehungen zu prüfen.
Eine aktuelle Übersicht über das Netz der Freihandelsabkommen der Schweiz sowie Verhandlungen oder deren Vorbereitung findet sich unter der Rubrik "Freihandelsabkommen" (Liste Freihandelsabkommen der Schweiz).
Die Freihandelsabkommen mit Partnern im Raum Europa-Mittelmeer sowie die Abkommen mit Kanada und der Südafrikanischen Zollunion (SACU) beinhalten in erster Linie Bestimmungen über den Warenverkehr (insbesondere Abbau der Zölle und anderer Handelsbeschränkungen) sowie in der Regel über den Schutz der Rechte an Geistigem Eigentum. Solche Abkommen werden auch Abkommen erster Generation genannt. Die EFTA-Freihandelsabkommen regeln den Handel mit Industrieprodukten, Fisch und verarbeiteten Landwirtschaftsprodukten. Der Handel mit unverarbeiteten Landwirtschaftserzeugnissen wird demgegenüber in separaten bilateralen Landwirtschaftsvereinbarungen geregelt, welche zwischen den einzelnen EFTA-Staaten und den Freihandelspartnern parallel zum jeweiligen EFTA-Freihandelsabkommen abgeschlossen werden. Grund für diese besondere Behandlung der Basisagrarprodukte ist die Tatsache, dass die EFTA-Staaten keine gemeinsame Landwirtschaftspolitik kennen.
Die EFTA-Abkommen mit Chile, GCC, Mexiko, Singapur, Südkorea, Peru und der Ukraine sowie das bilaterale Abkommen über Freihandel und wirtschaftliche Partnerschaft Schweiz-Japan sind umfassende Freihandelsabkommen (sogenannte Freihandelsabkommen der zweiten Generation). Diese Abkommen enthalten über die Bereiche Warenverkehr und Geistiges Eigentum hinaus zusätzlich substanzielle Verpflichtungen, in der Regel für den Handel mit Dienstleistungen, für Investitionen und für das Öffentliche Beschaffungswesen.
Die abgeschlossenen Abkommen mit Freihandelspartnern, mit der Ausnahme des Freihandelsabkommens mit der EU, betreffen im Jahr 2013 22.6% der gesamten Schweizer Exporte. Dies entspricht 51% der Schweizer Exporte nach Märkten ausserhalb der EU. Unter anderem fördern die Freihandelsabkommen Wachstum, Wertschöpfung und die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Schweiz. Analoge Auswirkungen lassen sich auch bei den Partnerstaaten feststellen. Dank den Freihandelsabkommen wird den Schweizer Exporteuren ein verbesserter Zugang zu einem Absatzmarkt eröffnet, der über 2 Mrd. Konsumenten sowie ein Bruttoinlandprodukt (BIP) von mehr als 22000 Mrd. Franken umfasst.
Betrachtet man die statistische Entwicklung des Aussenhandels der Schweiz, lässt sich feststellen, dass der Handel (Exporte und Importe) mit EFTA-Freihandelspartnern im Vergleich zu den Handelsströmen mit allen anderen Handelspartnern signifikant höhere Zuwachsraten aufweist. Während der weltweite Aussenhandel (Summe der Exporte und der Importe) der Schweiz von 1988 bis 2008 pro Jahr durchschnittlich um 5.7% zugenommen hat, wuchs der Handel der Schweiz mit Freihandelspartnern im Durchschnitt der ersten vier Jahre nach Inkrafttreten des jeweiligen Freihandelsabkommens um über 10% pro Jahr.
Neben der deutlichen Zunahme der Handelsströme ermöglichen Freihandelsabkommen der Schweizer Exportwirtschaft erhebliche Einsparungen von Zöllen. So sparte die schweizerische Exportwirtschaft im Handelsverkehr z.B. im Jahre 2008 ungefähr 420 Millionen CHF an Zöllen ein, die ohne Freihandelsabkommen auf die Exporte der Schweiz in diese Länder erhoben worden wären. Nicht nur die Schweizer Exportindustrie profitiert von Freihandelsabkommen, sondern auch alle Konsumenten und Produzenten in der Schweiz. Dank den Abkommen profitieren Konsumenten von billigeren Produkten sowie einer grösseren Produkteauswahl und Hersteller von vorteilhafteren Preisen für Halbfabrikate sowie eines besseren Zugangs zu Rohstoffen, welche in der Schweiz nicht erhältlich sind. Ausserdem können inländische Unternehmen Investitionsgüter (z.B. Maschinen oder elektronische Geräte) zu attraktiveren Bedingungen importieren.
Auch die Auswirkungen auf Schweizer Direktinvestitionen sind dank Freihandelsabkommen vorteilhaft. Die kumulierten Kapitalflüsse aus der Schweiz in die Partnerländer beliefen sich von 1988 bis 2007 auf über 23 Mrd. Franken. Dies entspricht 5% der kumulierten Gesamtkapitalexporte der Schweiz. Während der Kapitalbestand der Schweizer Direktinvestitionen im Ausland in den Jahren 1988-2007 durchschnittlich um 12,6% zugenommen hat, belief sich der Kapitalzuwachs in den Partnerländern im Durchschnitt in den ersten vier Jahre nach Inkrafttreten des jeweiligen Freihandelsabkommens auf 18%.
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