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31.01.2013
Mit einem Gesamtumschlag von 7,2 Mio. t konnten die Schweizerischen Rheinhäfen 2012 einen Zuwachs um knapp 27% verbuchen. Auch wenn das Vergleichsjahr 2011 schwach war, ist dies eine bemerkenswerte Steigerung. Vor allem die Importverkehre entwickelten sich ausserordentlich gut. Verantwortlich dafür waren in erster Linie die Importe im Mineralöl-Sektor. Im Containerbereich wurde mit 102‘240 TEU und einer Zunahme um fast 10% das zweitbeste Resultat in der Geschichte der Rheinhäfen erzielt. Damit bestätigt sich der Wachstums-Trend bei den Containern.
7'210'548 t (2011: 5'677'988 t) wurden im vergangenen Jahr in den Schweizerischen Rheinhäfen umgeschlagen. Auf die Zufuhr entfielen 6'199’795 t (4'713’752 t), auf die Abfuhr 1'010’753 t (964’236 t). Das Total der ankommenden Ladungen stieg damit um 31,5%, die Exporte nahmen um 4,9% zu.
Beim Vergleich mit dem Vorjahr gilt es zu beachten, dass 2011 für die Binnenschifffahrt auf dem Rhein ein aussergewöhnlich schwaches Jahr gewesen war. Trotzdem sind die Wachstumsraten im 2012 beachtlich. 7,2 Mio. t wurden letztmals 2008 in den Schweizer Rheinhäfen umgeschlagen. Ein deutlich besseres Ergebnis gab es letztmals vor zehn Jahren (2002: 8,25 Mio. t).
Um ein besseres Importergebnis zu finden, muss man in der Statistik bis ins Jahr 2005 zurückgehen. Diese massive Steigerung 2012 ist zum grössten Teil der Sparte Mineralöl geschuldet. Hier profitierte der Rhein von längeren Raffinerie-Ausfällen. Dass die Ausfuhr-Verkehre nicht in ähnlichem Masse boomten, ist auf die bekannten Herausforderungen der Schweizer Exportwirtschaft (Frankenstärke, wirtschaftliche Probleme in der EU) sowie auf die wegen der Raffinerie-Ausfälle stark gesunkenen Schweröl-Ausfuhren zurückzuführen.
102'240 TEU wurden im Berichtsjahr über die Schweizerischen Rheinhäfen abgewickelt, was gegenüber dem Ergebnis von 2011 (93'371 TEU) einer Steigerung um 9,5% gleichkommt. Auch dieses Resultat ist – ohne die schwache Vergleichsbasis 2011 zu vergessen – als ausserordentlich gut zu beurteilen. Ein höherer Containerumschlag hatte bislang nur im Jahr 2007 resultiert, als mit 104'366 TEU erstmals die 100’000er-Grenze geknackt worden war.
Damit festigen die Terminals in den Schweizerischen Rheinhäfen ihre Stellung als führende Containerumschlagsplattform der Schweiz auch in einer Phase der wirtschaftlichen Abschwächung. Die Logistikmarktstudie 2013 der Universität St. Gallen geht davon aus, dass die Containerverkehre zwischen den Nordhäfen und den Schweizerischen Rheinhäfen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren um das zweieinhalb- bis dreieinhalbfache steigen werden. Dies hängt in erster Linie mit dem enormen Ausbau des Hafens Rotterdam zusammen. Die dort dem Meer abgerungene Fläche für neue Containerterminals haben Europa um 2000 Hektaren vergrössert. Mit den künftigen Betreibern dieser Terminals hat der Seehafen vertraglich vereinbart, den Vor- und Nachlauf in deutlich höherem Masse als heute mit dem ökologischen Verkehrsträger Binnenschifffahrt abzuwickeln. Aus diesem Grund planen SBB Cargo und die Schweizerischen Rheinhäfen zusammen ein neues Containerterminal Basel Nord mit drittem Hafenbecken.
Mit einem Plus von 55,11% war eine enorm hohe Zuwachsrate in der Importsparte „Erdöl, Mineralölerzeugnisse“ festzustellen. In absoluten Zahlen sind dies 3,44 Mio. t oder gut 55% aller Einfuhren via die Rheinhäfen. Die Zunahme der umgeschlagenen Menge in diesem Sektor wirkte sich entsprechend aus und ist hauptverantwortlich für den Gesamtzuwachs in der Berichtszeit.
Für die Entwicklungen im Mineralöl-Bereich ist hauptsächlich das Geschehen bei den beiden inländischen Raffinerien im 2012 ursächlich. Die Anlage in Cressier war im ersten Halbjahr vollständig geschlossen. Die zweite Raffinerie in Collombey musste in den ersten Monaten aus technischen Gründen einige Male heruntergefahren werden. Statt dass Rohöl via die Pipelines in die Raffinerien gepumpt und dort verarbeitet wurde, kamen in einem massiv höheren Masse bereits verarbeitete Produkte wie Diesel, Heizöl, Benzin oder Kerosin mit Schiffen über den Rhein.
Auch für den Rückgang im Exportbereich ist die Entwicklung in den Raffinerien massgeblich. Wird in den Anlagen nicht oder nur wenig gearbeitet, so fällt auch nur wenig bis kein schweres Heizöl an, welches – da in der Schweiz nicht verwendet – ausgeführt werden muss. Die entsprechende Menge sank im 2012 um 42,5% auf 152'380 t.
Trotz Raffinerie-Ausfall und enormer Nachfragesteigerung kam es im Inland zu keiner Zeit zu Versorgungsengpässen. Über die Öffnung der Pflichtlager, mit denen allfällige Engpässe hätten überbrückt werden können, musste nicht einmal nachgedacht werden. Als weiteres positives Fazit ergibt sich damit aus dem vergangenen Jahr, dass Rheinschifffahrt und Rheinhäfen ihre Versorgungsrolle auch in einer ausserordentlichen Situation problemlos ausfüllen konnte.
Die Situation „normalisierte“ sich im zweiten Semester, da die Raffinerie in Cressier unter neuem Besitzer wieder hochgefahren wurde. Die Importmengen via Rheinhäfen blieben aber auf relativ hohem Niveau, da viele Marktteilnehmer langfristige Verpflichtungen eingegangen sind. Eine Rolle spielen auch die Wasserstände und die Entwicklung der Frachtraten. Beide Faktoren waren für die Importfirmen im gesamten 2012 sehr günstig.
Die 2012 umgeschlagene Menge in diesem Segment entspricht mit 842‘000 t einem durchschnittlichen Jahr. Ein Vergleich mit dem Jahr 2011 ist nur bedingt möglich, da die Importmengen 2011 durch sehr tiefe Zölle zum Jahresbeginn beeinflusst wurden. Im Jahresvergleich beträgt der Mengenrückgang gegenüber 2011 rund 65‘000 t resp. 7,2%. Im Vergleicht zum Jahr 2010 beträgt die Abweichung jedoch nur 1,2%, was rund 10‘000 t entspricht.
Die Einfuhr von festen Brennstoffen lag mit 104'068 t zwar deutlich über dem Wert im Jahre 2011, als der Umschlag mit 83‘534 t auf einen absoluten Tiefstand gesunken war. Entscheidend dürfte die 2012 verbesserte Baukonjunktur gewesen sein, da der Grossteil der Importe für die schweizerischen Zementwerke bestimmt ist.
Beim Import in die Schweiz und beim Transitverkehr nach Italien sind weiterhin Rückgänge zu verzeichnen. Von 2010 auf 2011 hatte die Verminderung 30% betragen, nun ist die Importmenge von 438‘210 t um 7,4% auf 405'859 t gefallen. Die per Schiff durchgeführten Exporte der schweizerischen Stahlwerke stiegen mit 110‘000 t trotz des starken Frankens um 44% an.
Die Importe von Zellstoff und chemischen Erzeugnissen haben sich nach der vor allem im Jahre 2011 erfolgten Schliessung und Redimensionierung im Bereich der inländischen Papierfabriken weiter verringert. Der bis zum Jahre 2010 für den Hafenumschlag – vor allem in Birsfelden – bedeutende Sektor ist auf 262'000 t und damit auf einen Bruchteil früherer Werte zurückgegangen.