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Sembrancher
(Kt. Wallis, Bez. Entremont). 720 m. Gem. und Pfarrdorf, Hauptort des Bezirkes Entremont, an der Vereinigung der Thäler von Bagnes und Entremont, 400 m unterhalb des Zusammenflusses der beiden Dranse und in einer Thalenge zwischen den Ausläufern des Mont Catogne und den Felsen von Armanet, die aus den Ketten der Pierre à Voir und des Mont Chemin hervorspringen. 12 km sö. der Station Martigny Ville der Simplonbahn, 5 km w. Le Châble und 6,5 km s. Orsières. Gemeinde, mit Chamoille und La Garde: 128 Häuser, 716 kathol. Ew.; Dorf: 96 Häuser. 562 Ew. Die Bevölkerungszahl geht zurück (1888: 780 Ew.). Postbureau, Telegraph; Postwagen Martigny-Orsières-Grosser St. Bernhard und Martigny-Le Châtelard-Lourtier.
Elektrisches Licht vom Werk Les Tombeys (im Bagnesthal). Gerberei. Obwohl
Sembrancher seit alter Zeit
einen starken Durchgangsverkehr aufweist, hat es doch noch kein modernes Hotel, sondern bloss einen alten Bauerngasthof.
Nahe der
Notre Dame
Kapelle steht ein altes Krankenhaus, das auch als Schulhaus und Landjägerposten dient. Die grauschwarzen
alten
Häuser des Dorfes harmonieren gut mit dem strengen Landschaftscharakter, den die auf drei
Seiten
nahe herantretenden Bergwände bedingen.
Einzig gegen O. liegen schöne
Wiesen und gut bewässerte Gärten mit zahlreichen Ostbäumen. Ein Teil des Grundbesitzes der
heute ausschliesslich der Landwirtschaft sich widmenden Bewohner liegt jenseits der
Dranse auf Boden der Gemeinde Vollège,
so namentlich ein 7-8 ha umfassender
Weinberg unter den nackten
Wänden des
Armanet, der einen sehr geschätzten
Tropfen erzeugt. Die Umgebungen von
Sembrancher liefern ausgezeichnete
Kalksandsteinplatten. Südwestl. vom Dorf baut man
am
O.-Hang des
Catogne an der Les
Fahys genannten Stelle eine dem untern Lias angehörige Schieferlage ab, deren Produkt zum
Eindecken von
Häusern verwendet wird und eines guten
Rufes sich erfreut.
Eine gefährliche Stelle ist der das SO.-Ende des
Roc de
Vence bildende
Felsen von
Saint Martin, den eine mächtige Spalte vom
Bergkörper trennt und dessen Absturz namentlich den NO.-Abschnitt des Dorfes bedrohen würde. Schon vor etwa 20 Jahren hat
man diesen
Felsen auf seine Festigkeit untersuchen lassen. Unter der
Herrschaft der
Grafen von Savoyen bildete
Sembrancher bis zum 15. Jahrhundert einen hauptsächlichen Sammelpunkt des Adels. Hier besass im Jahr 1377 die Familie Imthurn
(La Tour) aus
Saint Maurice, ein jüngerer Zweig der
Herren von Imthurn-Gestelenburg
(La Tour
Châtillon) einen kleinen
Burgturm.
Auf dem Rücken einer bewaldeten Anhöhe s. vom Dorf und rechts vom Eingang in die Vallée d'Entremont steht in 899 m Höhe eine St. Johanneskapelle, die die Stelle des Wohnturmes der ehemaligen Burg einnimmt, welche 1475 von den siegreich vorrückenden Leuten aus dem Ober Wallis in Asche gelegt worden ist. Hierauf verlegten die Burgherren ihren Wohnsitz in den Flecken selbst. Im Haus Arlettaz sieht man eine schön geschnitzte Decke und interessante Möbel, die von Deserteuren der über den Grossen St. Bernhard ziehenden Armee Bonaparte's verfertigt worden sind.
Ein bei der Brücke über die Dranse stehendes anderes merkwürdiges Haus besitzt in einem Zimmer noch Täfelwerk aus dem Jahr 1505. Das aus 1602 stammende ehemalige Rathaus mit einem viereckigen Turm und einer sehr alten St. Pankrazkapelle, das um die Mitte des 19. Jahrhunderts baufällig geworden war, hat 1892 einem schönen Gemeindehaus Platz machen müssen. Die heutige Pfarrkirche, deren Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert stammen soll, wurde 1676 erbaut und ist dem h. Stephan geweiht.
Vor dieser Zeit diente die eben genannte Pankrazkapelle als Pfarrkirche. Der Name des Ortes, den einige Geschichtsforscher Saint Brancher schreiben, ist vom h. Pankraz herzuleiten. Urkundliche Namensformen: 1177 Sancti Pancratii de Branchi; 1199 de Sancto Brancherio, 1217 de Sancto Brancacio (Metathesis für Pancratio). Ein 1239 von Amadeus IV. von Savoyen ausgestellter und von den Grafen Amadeus V. und Eduard erneuter Freibrief verlieh dem Ort verschiedene Vorrechte, wie z. B. einen zweiten Jahrmarkt, einen Wochenmarkt und zahlreiche Steuerfreiheiten.
Die Nachbarschaft von
Martigny hat, besonders seit dem Bau der Eisenbahn, dem Dorf
Sembrancher jegliche
Bedeutung als Handelsplatz genommen, so dass es jetzt bloss noch als Bezirkshauptort und Sitz des Bezirksgerichtes einen
gewissen
Rang behauptet. Hier wurde 1742 der 1818 gestorbene Kaplan Murith geboren, der sich als Bergsteiger und gelehrter
Botaniker auszeichnete und nach welchem sich die
Walliser Naturforschende Gesellschaft «La Murithienne»
benennt.
Grab aus der Bronzezeit mit Scheibennadeln auf dem Plat
Choëx; nahe dem Dorf
Grab aus der gallisch-römischen Eisenzeit
mit einem Skelett, Glasringen und Stecknadeln vom sog.
Walliser Typus.