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Der seit Mitte Januar vermisste Schweizer Autor wurde am Sonntag bei einem Stauwehr bei Weil am Rhein, Deutschland, tot aufgefunden.
Der 75-jährige Federspiel gehörte zu den bekanntesten Deutschschweizer Schriftstellern. Er wurde mit mehreren Literatur-Preisen ausgezeichnet.
Wie das Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt bekannt gab, handelt es sich bei dem aufgefundenen Toten zweifelsfrei um den seit Mitte Januar vermissten Federspiel. Die Polizei schliesst Suizid nicht aus.
Federspiel, der dieses Jahr 76 Jahre alt geworden wäre, wurde am vergangenen 12. Januar letztmals an seinem Wohnort in Basel gesehen.
In einer zwei Wochen später veröffentlichten Vermisst-Meldung hatte die Polizei darauf hingewiesen, dass Federspiel an Diabetes und an der Parkinson-Krankheit leide und Medikamente benötige.
Viel unterwegs
Seine Jugend verbrachte er in Davos. Spätere Aufenthalte führten ihn nach Berlin, Paris, Basel und wiederholt für längere Zeit nach New York. Seine letzten Jahre wohnte er als freier Schriftsteller in Basel.
Er verfasste unter anderem Erzählprosa, Theaterstücke, Gedichte und Essays. Federspiel arbeitete schon früh als Journalist und Kritiker für verschiedene Blätter. Seine bevorzugten schriftstellerischen Formen waren Reportagen und Erzählungen.
Er war unter anderem Träger des Preises der Schweizerischen Schillerstiftung, des Conrad-Ferdinand-Meyer-Preises sowie der Literaturpreise der Städte Zürich und Basel.
Thema Tod und Sterben
Bekannt wurde er anfangs der 1960er-Jahre mit seinen Erzählungen "Orangen und Tode".
"Die Ballade von der Typhoid Mary", das im Jahr 1982 erschien, gilt als Federspiels berühmtestes Werk. Es erzählt die wahre Geschichte der Mary Mallon, die - ohne es zu wissen - Trägerin des Typhus-Virus war und überall dort, wo sie als Köchin wirkte, rätselhafte Todesfälle hinterliess.
Tod und Sterben durchziehen nach Angaben des Schweizerischen Literaturarchivs als heiter-beklemmende Motive das Werk Federspiels. So kämen die Fabeln des Bandes "Die Liebe ist eine Himmelsmacht" aus dem Jahr 1985 nur vordergründig leicht daher.
Federspiel habe bei der Uraufführung seines Theaterstückes "Brüderlichkeit" im Jahr 1977 gefordert, das Leben vom Tode her zu betrachten. Jemand, der diese Endstation vor Augen habe, untersuche umso erkenntnishungriger das lebendige Gewimmel davor.
swissinfo und Agenturen
Daten und Werke
Jürg Federspiel wurde am 28. Juni 1931 in Kemptthal (ZH) geboren.
Er wuchs in Davos auf.
Bekannt wurde er 1961 mit seinen Erzählungen "Orangen und Tode".
Ab 1967 weilte er oft in New York. Mit der Stadt verband ihn eine Hass-Liebe, die ihn zu vielen Werken inspirierte, wie:
"Museum des Hasses" (1969), "Die beste Stadt für Blinde" (1980), "Wahn und Müll" oder sein vielleicht berühmtestes Werk " Die Ballade von der Typhoid Mary" (1982).
Er veröffentlichte etwa zwei Dutzend Bücher, die meisten
davon Erzählsammlungen. Viele wurden ausgezeichnet und übersetzt.
Seit dem 12. Januar 2007 galt Federspiel als vermisst.