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Die Käsepreise sind gut !
Endlich „schlechtes“ Wetter. Keine Gäste, keine 4 Gang Menüs kochen , keine Fragen beantworten, endlich wieder mal Feierabend vor Mitternacht. Wieder mal in Ruhe die Zeitung lesen. Zum Beispiel den Marktbericht. Die Viehpreise sind gut, – in Erlenbach wurden trotz der prekären Versorgungslage mit Futter in Folge der katastrophalen Dürre für gute Kühe und trächtige Rinder ein Durchschnittserlös von 1500 Franken erzielt. Es wurden über zweitausend Tiere gehandelt. Viele Tiere wurden ins Ausland verkauft. An der Lenk gingen drei trächtige Rinder für 5500 Franken an die Russen und im Diemtigtal kauften die Ungarn bei H. Rebmann einen Zuchtstier für 14000 Franken.
Die Käsepreise sind gut, da das Angebot an Milch wegen der Dürre tief war. Gegenwärtig wird für Käse guter Qualität pro Kilo 1.80 Franken bezahlt.
Ich rechne aus: Der im gleichen Blatt erwähnte sozialistische Krawallmacher Wassiljew in Bern kann sich mit seinem Taglohn !! von 5 Franken immerhin 2,7 Kilo Käse kaufen!
Sie fragen sich in welcher Zeitung ich wohl lese?
Es sind die drei Jahrgänge 1893 –1895 der „Blätter für die Landwirtschaft“, die Septemberausgabe von 1893. Der Abonnent hat sie nicht ins Altpapier geworfen, sondern fein säuberlich gesammelt, und beim Buchbinder binden lassen, ich hab das dicke Buch in einer Schuttmulde gefunden. Ein Stück Sozial- und Agrargeschichte.
Wenn ich Viehpreise, Käsepreise und Löhne von 1893 und 2015 in Relation setze, würde im Marktbericht von 2015 stehen: Ein Kilo Käse guter Qualität gilt zur Zeit Fr 97.20, Kühe werden um 81000 Franken gehandelt und der arme sozialistische Krawallmacher Wassiljew in Bern hat einen Stundenlohn von dreissig Franken bei zehn bis elf Stunde Arbeit an sechs Tagen.
Noch krasser ist das Verhältnis zwischen dem Zuchtstier für 14000 Franken und dem „unerhört hohen Jahressalär von 20‘000 Franken,“ das sich ein Bankdirektor in Genf auszahlen lies und damit den Zorn und Kritik des Redaktors auf sich zog. In Relation zu Marcel Ospels letztem Jahresgehalt würde Rebmanns Zuchtstier heute zwölf Millionen kosten!
Nicht nur der Russische Emigrant und Sozialist Wassiljew in Bern litt Not, die Armut auf dem Lande war eben so gross. Familien mussten sich mit einer Ziege auf der Allmend und Gelegenheitsarbeit durchschlagen. Von 1850 bis 1918 emigrierten über 20’000 Schweizer nach Russland, hunderttausende ins Baltikum, nach Ostpreussen oder nach Nord -und Südamerika.
Ein Teil unserer Geschichte, den viele ausblenden, wenn sie über „Wirtschaftsflüchtlinge“ herziehen.
ch haueter.