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1941 kam Peter John Betts im damals britischen Rhodesien (heute Zimbabwe) zur Welt. Nach dem Tod seiner Mutter schickte sein Vater ihn mit sechs Jahren für die Ausbildung zu verwandten in Huttwil. Betts ging in Burgdorf auf das Gymnasium, studierte Anglistik und Germanistik, war vom Theater begeistert und begann jung zu schreiben. Als Lehrer am Humboldtianum begeisterte er junge Menschen für Literatur und Theater und wirkte an der Zytglogge-Zytig mit.
1978 folgte Betts dem Schriftsteller Sam Jaun nach, mit dem zusammen er mehrere Theaterstücke verfasst hatte, und wurde Kultursekretär der Stadt Bern. Es war kurz nach der Publikation des Berichts Clottu «Beiträge für eine Kulturpolitik in der Schweiz». Mit Kolleginnen und Kollegen gründete Betts 1984 die Konferenz der Schweizer Städte für Kulturfragen, die gleich mit ihren elf (heute zwölf) heute noch lesenswerten Thesen zur Kulturpolitik in Erscheinung trat. Darin wird die Kulturförderung als Investition in die Gesellschaft postuliert, die Öffnung der Schulen zu den Künsten gefordert, der Austausch mit dem Ausland vorgesehen und erklärt, dass die Kulturförderung auch der sozialen Sicherheit der Kulturschaffenden dienen müsse. Und trotz der Förderung sei das Recht auf Misserfolg, gewährleistet, künstlerisch oder kommerziell.
Peter Betts wurde zum engagierten Anwalt der Kulturschaffenden. Aller Künstlerinnen und Künstler, derer an den sogenannt etablierten Institutionen so gut wie jener der freien Szene. Er stand für die Freiheit der Kunst, für anständige Arbeitsbedingungen. Er trat dafür ein, die Kunst gerade wegen ihrer noch nicht erkennbaren Ergebnisse zu ermöglichen. Auf seinen Vorschlag schrieb der damals bürgerliche Gemeinderat in die Strategie 1996-2008 den Satz: «Das künstlerische Schaffen (…) kann nie ganz verstanden und in der Gesamtheit gerecht und rechtzeitig gefördert werden. Was wirklich neu und einzigartig ist, wirkt im Entstehen oft so fremd, dass es in seiner Bedeutung nicht ohne weiteres erfasst zu werden vermag.» Nicht erfasst, aber doch zu fördern, so das Credo von Betts.
Betts wollte wissen, was die Kulturschaffenden brauchten. Er bezog sie ein, er bezog sich auf sie, zum Beispiel in der Förderung von Dramatikerinnen und Dramatikern. Doch im Laufe der langen Zeit als Kultursekretär nützte sich der Enthusiasmus ab, verschloss Betts sich neuen Kontakten, Begegnungen, Diskussionen. Er wusste, wie es sein sollte. Seine Appelle an die Behörden erreichten diese nur noch schwach, seine strukturellen Vorstellungen waren kompliziert. Die Distanz zu den Kulturschaffenden wuchs. Aus Ironie wurde Sarkasmus.
Schon immer war er eher Mann des Schreibens als Mann der Rede gewesen. In den letzten Amtsjahren las er seine Reden hochdeutsch ab, wie er sie verfasst hatte. Dies schuf Distanz zu den Angeredeten. Sehr sensibel und Im Grunde scheu, wirkte er nun eher überheblich. Beruflich wurde er einsam. So einsam wie er es als Hobbytaucher sein wollte, der unter Wasser allein wunderschöne Fotos machte.
Privat war Peter Betts ein treuer Freund, fürsorglich, umarmend, manchmal fast erstickend, liebenswert und grosszügig, zärtlich und zornig, nicht viel dazwischen.
Nach der Pensionierung wurde Betts wieder ganz der Autor, der er während der Berufsjahre nicht so intensiv sein konnte. Er zog sich aus dem öffentlichen Leben fast völlig zurück. Mit dem grossen Buch «Geschichten vom Fluss» (2015) knüpfte er an «Anpassungsversuche» (1978) an, den Spuren der Kindheit. Er schrieb regelmässig für das Kulturmagazin «ensuite». «Fährten im Wind» hiess der 2017 veröffentlichte Gedichtband, der den Bogen zurückspannte zu den frühesten Versuchen («Fata Morgana», 1961).
«Fährten im Wind» enthält das Gedicht «Türen der Erinnerung»:
«Eine ebenerdiges Haus mit Veranda am Zambesi, / ein ebenerdiges Haus mit Veranda am Kafue, / ein anonymes Reihenhaus in Southampton, / eine lärmige Stadtwohnung in Zürich, / ein Haus mit Garten in Huttwil, / eine Mansarde an der Militärstrasse in Bern, / eine Zweizimmerwohnung ohne Warmwasser an der Rodtmattstrasse in Bern, / eine Zweizimmerwohnung mit Warmwasser an der Wiesenstrasse in Bern, / eine umgebaute Missionshalle in Lindfiekd, / eine Wohnung in Jegenstorf, / zwei weitere in Bern; / zwölf geschlossene Türen, falls es sie überhaupt noch gibt, / oder rund fünfzig Jahre.»
Sein Midlife-Inventar, damals. Nun hat sich Peter Betts’ Lebensbogen vollendet.