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Im Adler herrschen Drogen, Sex und Rock’n Roll! Solche Gerüchte machten anfangs der 70er-Jahre in Thalwil die Runde. In dieser Studenten-Kommune seien Gruppensex und Drogenpartys üblich. Der Adler sei eine linksextreme Drogenhöhle, wo Cannabis und LSD gefixt werde. Wer dort ein und aus gehe werde süchtig… Mit solch schlimmen Geschichten wollte man den Jugendlichen Angst machen, damit sie dem gefährlichen Ort fernblieben.
Der Adler – Sex, Drugs and Rock’n Roll
Der ‚Alder’, die ehemalige und bedeutende Taverne an der Pfnüselküste, ist anfangs der sechziger Jahre vom Abbruch bedroht. Eine vorgegebene Baulinie verhindert ein bestehendes Neubauprojekt. 1969 folgt ein neuer Plan. Er sieht den Umbau des Hauptgebäudes und den Abriss des Saales vor, was von der Gemeindeversammlung abgelehnt wird. Eine weitere Planung wird gestoppt und niemand weiss, was mit der Liegenschaft geschehen soll. Damit beginnt für das stattliche Gebäude eine ungewisse, aber spannende Phase von Zwischennutzungen. Erst mit dem Kauf des ganzen Komplexes durch die Genossenschaft Adler, die heutigen Besitzer*innen, ist er definitiv vom Abbruch gerettet.
Während und nach den 68er-Unruhen leben im Adler Studentinnen und Studenten in einer Wohngemeinschaft zusammen. Den Saal nutzen sie für kulturelle Veranstaltungen und bieten ein vielfältiges Kulturprogramm, das weit über Thalwil hinaus bekannt wird. In diesem Rahmen treten beispielsweise die berühmte Band ‚The New Harlem Ramblers’* regelmässig auf.
Später probieren dort vier Ehepaare mit ihren Familien neue Lebens- und Erziehungsformen aus. Ein antiautoritärer Erziehungsstil wird ihnen nachgesagt.
1979 wird die Liegenschaft von der heutigen Trägerschaft, der Genossenschaft Alder, gekauft.
Das Gasthaus und der Saal werden sanft und sorgfältig renoviert, zu einem Wohnhaus umfunktioniert und der ‚Adler’ erfährt wieder ruhigere Zeiten.
Dass während den wilden Jahren des ‚Adlers’ in Thalwil dort zum ersten Mal gekifft und andere Drogen ausprobiert worden sind ist gut möglich! Doch die Horrorbilder und verschwörerischen Aussagen, dass der Adler in den Händen einer linksextremen Gruppe oder gar der Drogenunterwelt sei, haben nie der Realität entsprochen. Diese furchterregenden Geschichten sind Phantasien aus den Köpfen von überforderten, verängstigten Bürgern.
Die Rauchschwaden sind verschwunden. Heute leben im Adler initiative Thalwiler Mitbürger die sich wie viele andere für das Gemeinwohl engagieren. So haben sie beim Aufbau des freien Kindergartens und des Abenteuerspielplatzes mitgearbeitet und im reifen Alter die Initiative ergriffen, indem sie den neusten Sportverein in Thalwil, den ,Petanque-Club Thalwil’ gründeten. Seither treffen sich an schönen Wochenenden viele begeisterte Sportlerinnen und Sportler und platzieren im Plattenpark ihre Stahlkugeln möglichst nahe beim Cochonnet.
NB –Angst ist eine uraltes und bewährtes Mittel, Veränderungen und Zukunft zu verhindern.
Sie täglich spürbar!
Text: Urs Amstutz
Quelle: Thalwiler Neujahrsblatt, 2016; mehr: LINK*
Die autonome Jugendbewegung Thalwil hält den Abenteuerspielplatz ASP im Brand seit Oktober 1981 besetzt. Sie benutzt den Ort als AJZ (autonomes Jugendhaus) für Vollversammlungen, Konzerte, Disco- und andere Veranstaltungen; denn das Pavillon-Projekt der Gemeinde Thalwil beim Schulhaus Oeggisbüel wurde durch Einsprachen der Nachbarschaft blockiert.
Autonome Jugendbewegung besetzt Spielplatz
Bereits 1972 fordern Jugendliche ein Jugendzentrum, was von der Gemeindeversammlung abgelehnt wurde. Mit den Zürcher Jugendunruhen und dem politischen Druck von aktiven Jugendlichen aus Thalwil wurde die Forderung nach einem Jugendtreffpunkt erneut gestellt. Die Thalwiler Behörde hat ihnen daraufhin einen Pavillon beim Schulhaus Oeggisbüel in Aussicht gestellt. Dieses Projekt wird aber von der Nachbarschaft vehement bekämpft und schlussendlich verhindert.
Ab Mitte Oktober weht die Fahne der Autonomen Jugendbewegung auf der Baracke des Abenteuerspielplatzes. Der Gemeindepräsident Walter Brunner FDP Thalwil nimmt Verhandlungen mit dem Verein Abenteuerspielplatz Thalwil und den Jugendlichen auf, um eine Lösung zu finden.
Das Resultat der Gespräche war: Die Bewegung der autonomen
Jugendlichen erhält während der Wintermonate das Gastrecht in der Baracke des Vereins Abenteuerspielplatz und die Bewilligung für einen autonomen Versuchsbetrieb.
Mit Unterstützung der Gemeinde baut die autonome Jugendbewegung im Winterhalbjahr auf dem Nachbargrundstück des Abenteuerspielplatzes das ‚Jugi im Brand’.
Ein paar Jahre später, nach Annahme des Sportplatzprojektes durch die Gemeindeversammlung wird dieser Jugendtreffpunkt ins Pfistergut verlegt.
Text: Urs Amstutz
Quelle: Neujahrblatt, 1998
Während gut 90 Jahren schuf die Baufirma Rossi AG, gegründet von zwei Migranten und Arbeitern aus Italien, ein Werk von mehreren hundert Bauten. 2011 wurde dieses bedeutende Thalwiler Unternehmen vollständig vom Anliker-Konzern aus Emmen übernommen. Die Firmengeschichte ist exemplarisch für die Einwanderung und die Geschichte des schweizerischen Bauwesens.
Im Buch „Rossi baut“, publiziert von Franco Rossi, ist sie eindrücklich festgehalten.
Thalwiler Baugeschichte – Rossi
Rossi – eine Firma, ein Name, zwei Migranten: Die Brüder Giuseppe und Martino Rossi, geboren und aufgewachsen in einem Bergdorf in der Lombardei, emigrierten 1902 in die Schweiz.
Im Jahr 1920 gründeten Giuseppe und Martino Rossi in Thalwil ein Bauunternehmen welches über drei Generationen Bestand hatte. Die Geschichte der Brüder aus der Lombardei steht beispielhaft für eine Reihe von Baufirmen, die sich in der Schweiz etablierte. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wanderten viele Italiener in die Schweiz ein, um auf dem Bau zu arbeiten. So auch die Rossis, die sich mit wenig Mitteln selbstständig machten und ein Maurergeschäft gründeten, das sich in der zweiten Generation zu einem der grössten Bauunternehmen am Zürichsee entwickelte. Zeitweise beschäftigte Rossi bis zu 360 Bauarbeiter – hauptsächlich aus Italien.
Das Buch ordnet die Geschichte der Firma Rossi in den sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Kontext ein. Es rückt die Arbeiter und ihre Herkunft ins Zentrum und zeigt wie das Unternehmen die Siedlungsentwicklung der Agglomeration Zürich während der Nachkriegszeit mit wegweisenden Bauten geprägt hat.
PS. Auch Carlo Massaro, der erfolgreiche Bauunternehmer aus dem Unterdorf, hat bei den Rossis als Akkordmaurer seine Erfolgsgeschichte begonnen.
Text: Urs Amstutz
Quelle: Rossi baut; Hier und Jetzt Verlag für Kultur und Geschichte; Buchausgabe;
ISBN > 978-3-03919-455-1; Mehr: LINK
Engagierte Jugendliche aus Thalwil demonstrieren am Samstag, 20. März 1982 im Geschäftszentrum gegen die Wohnungsnot, Spekulation, Abriss von Altwohnungen und die kommunale Steuerpolitik, Sprich Senkung des Steuerfusses. Auf ihren Transparenten fordern sie den Stopp, alte Häuser abzubrechen und die Erhaltung bezahlbaren Wohnraums. Sie rufen zur Besetzung von Abbruchobjekten auf.
Anti - Beton - Demo
Trotz Regen und Schnee besammelten sich an diesem Samstagnachmittag über 50 Demonstranten auf dem Chilbiplatz. Die meisten der jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren durch ihr Engagement in der Autonomen Jugendszene Thalwil bekannt.
Heute ruhten aber die Arbeiten auf dem Bauplatz des künftigen Jugendzentrums, das neben der Autobahn im Brand entstehen sollte.
Langsam bewegte sich der bunte Zug mit Transparenten
bestückt vom Oberdorf ins Geschäftszentrum an die Gotthardstrasse.
Auf den Schriftbändern und Plakaten wurden die Anliegen der Demonstrierenden für die Schaffung und den Erhalt von günstigem Wohnraumes gefordert. Die Demonstration verlief friedlich und endete nach Geschäftsschluss pünktlich.
Text: Urs Amstutz
Quelle: Schweizerisches Sozialarchiv; mehr: LINK
Egolf der Taubstumme, verkehrte regelmässig im Restaurant Bahnhof (Kebab). Wenn Gäste sich unangemessen aufführten, schaute er zum Rechten. Der Gastwirt notierte die Konsumation des Friedensstifters und seine monatlich anfallende Zeche berappte die Familie Vanoli. Diese Form von Solidarität mit sozial Benachteiligten ist aktuell nicht im Trend. Es gilt „Geiz ist geil“, Selbstdarstellung, Protzen mit Konsumgütern und Steuerbegünstigung auf Kosten der sozialen Aufgaben und im Zug der Entsolidarisierung!
Soziale Integration von damals
Die Carlo Vanoli AG Thalwil ist 1932 gegründet worden und seit ihrer Gründung im Bereich Gleis- und Gleistiefbau tätig. Als klassischer Familienbetrieb wird das Unternehmen heute in dritter Generation von Marco Vanoli als Aktiengesellschaft. 1983 wurden die Firmen Vanoli AG Zofingen und die Carlo Vanoli AG Immensee zur Vanomag AG zusammengelegt und
umstrukturiert. Die Firma arbeitet auch heute noch im Gleisbau und ist hauptsächlich für die SBB tätig. Der Firmenhauptsitz befindet sich im steuergünstigen Kanton Schwyz.
Text: Urs Amstutz
Quelle: Boby Keller; Mehr: LINK