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Wie erfolgt die Aufnahme, der Transport und die Speicherung von B12 im menschlichen Körper?
Weil B12, wenn überhaupt, meist nur in sehr geringen Konzentrationen vorkommt, versucht unser Körper das Vitamin so effizient wie möglich einzufangen und zu schützen.
Dr. Andreas Schenzle
Alle B12-Formen werden vom menschlichen Körper auf die gleiche Weise aufgenommen. In traditionellen Nahrungsmitteln ist B12 meist an Proteine gebunden. Da es, wenn überhaupt, meist nur in sehr geringen Konzentrationen vorkommt, versucht unser Körper das Vitamin so effizient wie möglich einzufangen und zu schützen. Kein Wunder ist B12 im menschlichen Körper fast immer an speziellen Schutz- und/oder Transportproteinen gebunden.
Im Mundspeichel steht für alle Fälle schon einmal ein solches B12-bindendes Protein zur Verfügung: das sogenannte Haptocorrin. Auch die Schleimhäute der Speiseröhre und des Magens produzieren Haptocorrin. Unter Einwirkung von Salzsäure und dem Verdauungsenzym Pepsin werden im Magen die meisten Proteine der aufgenommen Nahrung abgebaut, wobei B12 freigesetzt wird. Das B12 wird dann sehr schnell und sehr fest an das säure- und pepsinresistente Haptocorrin gebunden. Der B12-Haptocorrin-Komplex ist als Holohaptocorrin bekannt. Ohne die Bindung an Haptocorrin würde das B12 durch die Magensäure zerstört werden.
Das Holohaptocorrin gelangt dann in den ersten Teil des Dünndarms, den sogenannten Zwölffingerdarm (= Duodenum). Hier wird die Magensäure neutralisiert und das Haptocorrin durch Verdauungsenzyme abgebaut. Das dadurch frei werdende B12 wird sofort durch den intrinsischen Faktor (IF), dem zweiten B12-bindenden Protein, gebunden. IF wird von den Belegzellen der Magenschleimhaut gebildet, und wird weder von der Magensäure angegriffen, noch von den Verdauungsenzymen des Magens und des Dünndarms abgebaut. Der B12-IF-Komplex wird vom Zwölffingerdarm über den Leerdarm (= Jejunum) bis zum Krummdarm (= Ileum) transportiert.
Hier im letzten Teil des Dünndarms wird das B12 über eine sogenannte Rezeptor-vermittelte Endozytose in die Darmzellen absorbiert. Wie B12-Aufnahme, Verarbeitung, der Transport in der Zelle und der Austritt in den Blutkreislauf vonstatten gehen, ist spannend, aber auch komplex und noch nicht in allen Details aufgeklärt. Auf das wird eventuell später eingegangen.
Wichtig ist, dass das von den Darmzellen in das Blut ausgeschleuste B12 an Transcobalamin, das dritte B12-bindende Protein, gebunden wird. Der B12-Transcobalamin-Komplex ist als Holotranscobalamin bekannt. Holotranscobalamin verteilt sich über den Blutkreislauf im ganzen Körper, und wird von allen Zellen, die B12 für ihren Metabolismus benötigen, über Rezeptor-vermittelte Endozytose aufgenommen. So wird die notwendige Versorgung der Körperzellen mit B12 gesichert.
Was die Forscher immer noch nicht richtig gut erklären können, ist, dass im Blut auch Haptocorrin, also dasselbe Protein, das das B12 im Magen schützt, vorhanden ist. Es ist sogar so, dass 70 bis 80 % des B12 im Blut an Haptocorrin gebunden ist, obwohl nur Transcobalamin die Zellen mit B12 versorgen kann.
Vor allem die Leber, aber auch die Nieren dienen als Speicherorgane für B12. Der durchschnittliche B12-Gehalt im Körper eines gesunden erwachsenen Menschen liegt bei 2 bis 3 mg mit einem Variationsbereich von 1 bis 6 mg. Davon ist etwa die Hälfte in der Leber lokalisiert.
Ein kleiner Teil des gesamten B12-Speichers wird täglich ausgehend von der Leber über die Galle in den Dünndarm abgesondert. Das meiste B12 wird dort wieder an IF gebunden und im Ileum absorbiert. Diesen Vorgang nennt man auch Resorption. Salopp können wir das auch Recycling nennen.
Die Ausscheidung von B12 aus dem menschlichen Körper geschieht vor allem über den Stuhl. Ein gesunder Mensch verliert täglich etwa 0,1 bis 0,2 % seines B12-Speichers, und zwar unabhängig davon, wie gross sein Speicher ist.
Kommt mehr B12 in den Blutkreislauf als durch Transcobalamin und Haptocorrin gebunden werden kann (z.B. durch hochdosierte Supplementierung), wird es über die Nieren in den Harn abgegeben.