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Der Mann, der Gold pflanzte; so wird Ágoston in den Weinkreisen Kaliforniens auch gerne genannt. Nun, hier bei diesem Mann gibt es sehr viel zu berichten. Obwohl wir uns auf die kalifornische Weingeschichte konzentrieren sollten, ist seine ganze Lebensgeschichte zu bunt, als dass sie nicht auch einen Platz verdient hätte.
Ágoston wurde am 30. August 1812 in Pest/Ungarn geboren. Er stammte aus noblem Hause, welches im Nordosten vom damaligen Ungarn ihren Stammsitz und Ursprung hatte. Ágoston legte Zeit seines Lebens grossen Wert auf den Umstand, dass er aus besserem Hause stammte. Wie auch immer, gar blaublütig war er nicht, aber so eine Art Graf, kann man durchaus durchgehen lassen und Ágoston auch attestieren. Mit 21 Jahren verheiratete sich Ágoston Haraszthy mit Eleonora Dedinszky, aus deren Ehe sechs Kinder geboren wurden.
Auch besass Ágoston in Futak, das heute zu Serbien gehört, Ländereien auf denen auch Rebbau betrieben wurde. So kann festgehalten werden, dass Ágoston bereits bevor er in Amerika landete, einige Erfahrungen mit dem Rebbau und der Weinbereitung hatte. Im März 1840 machte sich Ágoston in Richtung Amerika auf. Er landete, wie so viele Hunderttausende auch, in New York. Von dort aus reiste er per Wasserweg Hudson River - Erie Kanal - Great Lakes nach Wisconsin, wo er sich zum ersten Mal niederliess. Er gab immer zum Besten, dass er nur nach Amerika reiste, um das einzigartige und gesegnete Land mit eigenen Augen zu sehen.
Er betätigte sich auf der Reise nach Wisconsin auch als eine Art Reiseberichterstatter und sammelte bei seinen zahlreichen Reisen durch den Norden der USA von Wisconsin aus viel Material, das er zu einem grossen Bericht zusammenfasste. Bei seiner Rückkehr nach Ungarn im Jahre 1842 verhandelte er mit Druckereien und 1844 erschien dann in Pest sein 2 Bücher umfassendes Werk „Reisen im Norden der USA“ in Ungarischer Sprache. Eine zweite Auflage erschien bereits 1850.
Nachdem die Verhandlungen1842 mit der Druckerei abgeschlossen waren, machte sich Ágoston, diesmal mit seiner Frau Eleonora, den sechs Kinder und seinen Eltern auf, erneut nach Wisconsin zu reisen. Die Familie erhielt dort bald die amerikanische Staatsbürgerschaft und kehrte niemals mehr zurück nach Ungarn.
Nach einem Rückschlag im Norden von Wisconsin zogen die Haraszthy südwärts und erwarben ein sehr grosses Stück Land westlich von Madison am Wisconsin River. Der nun genannte „Count Haraszthy“ legte den Grundstein für eine neue Stadt, die sie Haraszthyville oder Haraszthopolis nannten.
Zusammen mit einem englischen Geschäftspartner errichtete Ágoston Mühlen, betrieb regen Ackerbau mit Weizen und Mais, widmete sich der Schaf-, Pferde- und Schweinezucht. Zudem wurde ein grosser Laden eröffnet und eine Ziegelei aufgebaut. Noch heute stehen in Sauk City (so wurde die Stadt umbenannt nach dem Wegzug des Haraszthy Clans) Gebäude, die mit Ziegelsteinen der Ziegelei Haraszthy erbaut wurden. Am östlichen Ufer des Wisconsin Rivers wurden Rebberge angelegt, eine Kellerei erbaut und Stollen in die Hügel gegraben, um Fässer und Wein zu lagern. Noch heute stehen einzelne Teile dieses damals errichteten Weingutes und dienen der jetzigen Wollersheimer Winery zur Weinbereitung.
Auch spendete er der Gemeinde 4 ha Land zum Bau einer Kirche und für die Aufnahme von Einwanderer. Als passionierter Jäger liess er ein prächtiges Jagdhaus über dem Wisconsin River erbauen, das für allerlei Geselliges benützt werden konnte.
Obendrein richtete er einen Fährbetrieb mittels eines Dampfschiffes über den Wisconsin River ein, um sein Städtchen mit Roxbury am Ostufer zu verbinden.
Wie viele erfuhr auch Ágoston von den Goldfunden in Kalifornien. Pläne wurden geschmiedet und in einem war sich Ágoston klar, er würde nicht des Goldes wegen nach Kalifornien reisen, sondern um zu siedeln. So wurde er zum Führer der Wagenkolonne gewählt, die im März 1849 von Wisconsin aufbrach, um auf dem Santa Fee Trail in darauffolgenden Dezember San Diego in Kalifornien zu erreichen. Seiner Verdienste wegen während der Militärzeit in Ungarn wurde Ágoston nun respektvoll mit «Colonel» angesprochen.
Er zögerte keinen Moment und zusammen mit einem neuen Geschäftspartner, Juan Bandin, einem waschechter Spanish-Californian, wurde er erneut an allen Fronten tätig. So pflanzten sie Obstplantagen an, gründeten ein Postkutschen Unternehmung, errichteten Stallungen für Pferde mit angeschlossenem Pferdehandel und eröffneten eine Metzgerei. Zudem erschuf Ágoston einen Stadtbauplan für San Diego. Er unterteilte das Land in Zonen für den Häuserbau, er reservierte Land für künftige Parkanlagen und er bestimmte den Verlauf der Strassen mitsamt den jeweiligen Verbindungen und Anschlüssen.
Er begann auch unverzüglich, Reben auf dem Postweg nach San Diego zu importieren. Einige kamen von der Ostküste der USA, ebenfalls aus Wisconsin und einige aus Europa. Am San Diego River wurde Ágoston fündig und legte seinen ersten Rebberg in Kalifornien an.
Am 1. April 1850 wurde er von der neuen amerikanischen Regierung von Kalifornien zum Sheriff des San Diego County gewählt, ebenso zum Stadt-Marshall von San Diego. Als erstes liess er als privater Auftraggeber ein Gefängnis bauen, das 1951 fertiggestellt wurde und bezugsbereit war.
Ágoston Haraszthy wurde im September 1851 in die kalifornische Staatsversammlung gewählt.
Dort diente er vom 5. Januar bis zum 4. Mai 1852, er erarbeitete Vorschläge zur Prävention von Überschwemmungen am San Diego River. Auf seinen Vorschlag hin wurde ein staatliches Krankenhaus in San Diego errichtet und Steuerbelastungen für die südkalifornischen Grundbesitzer wurden erleichtert. Er war auch der Meinung, dass Kalifornien in zwei Staaten unterteilt werden sollte. Mit diesem Vorschlag setzte er sich aber voll in die Nesseln, der Antrag wurde haushoch abgelehnt.
Noch während den Staatsrat-Sitzungen in San Francisco oder wohl in deren Pausen benutzte Ágoston die Gelegenheit, sich nach geeignetem Rebland für ein weiteres Projekt umzusehen. Er liess tatsächlich in der Nähe der Mission Dolores, die heute inmitten von in San Francisco liegt, ein kleines Gehöft erbauen, um dort Reben anzupflanzen. Ebenso kaufte er weiter südlich im heutigen San Matheo Land, um Weinbau zu betreiben. Beide Vorhaben scheiterten jedoch, da das Klima an beiden Standorten zu ungünstig für den Rebbau war. Reben wurden zwar gepflanzt, aber es wurde daraus nie Wein hergestellt. Zuviel Nebel, meinte Ágoston.
In San Francisco lernte Ágoston ein paar ungarische Edelmetallhändler kennen. Sie gründeten eine grosse Private Raffinerie, die „Eureka Gold und Silver Company“. Im Jahre 1854 wurde die erste staatliche Münzprägestelle in Kalifornien gegründet und Ágoston wurde der erste US-amerikanische Prüfer. Im Jahre 1855 wurde er zudem zum verantwortlichen Schmelzer. Das alles natürlich im Nebenamt, er hatte ja noch viele seiner Weinprojekte am Laufen und seine Familie war immer noch in San Diego. Eine angebliche Enteignung von Gold aus der Münzprägestätte im Wert von damaligen 151.550 $ führte zu einer langen Untersuchung gegen Ágoston, der aber entlastet wurde. Es folgte noch ein Zivilprozess, der ihn dann aber im Februar 1861 vollends entlastete.
Bereits während des Verfahrens gegen ihn wegen des angeblich verschwundenen Goldes bereiste Ágoston das Sonoma County, immer Ausschau haltend nach einem geeigneten Ort für den Rebbau. 1856 erwarb er ein kleineres Landstück in Sonoma und taufte es auf den Namen «Buena Vista». Rebensetzlinge aus seinem nicht funktionierenden Rebberg in San Matheo wurden herbeigeschafft und die ersten Versuche gelangen bestens und waren sehr vielversprechend. Ágoston nannte sich ab diesem Zeitpunkt «Count of Buena Vista». Es wurde im grossen Stil weiteres Land erworben, so dass daraus ein Besitztum von über 2000 Hektaren entstand. Vornehmlich kaufte er hügeliges Gelände oder Bergflanken. Ágoston war zur Ansicht gelangt, dass die Reben an den Hängen besser gedeihen und der Wein aus den Hügellagen qualitativ besser wären. Tunnels wurden in die Hügel getrieben und ein Bilderbuch Weingut entstand innert kurzer Zeit. Inmitten seines Anwesens baute Ágoston eine gewaltige Villa und endlich konnte die Familie nachziehen. Er war unermüdlich und heuerte zu seiner Entlastung Charles Krug als Kellermeister an. Zudem unterteilte er auch sein Anwesen in verschiedene Parzellen, wo die Einwanderer, welche in Sonoma ankamen für Ágoston Rebbau betreiben konnten und er ihnen im Herbst die Ernte abkaufte.
Ágoston verfasste im Jahre 1858 ein 19-seitiges Dokument mit Anleitungen und Tipps zum erfolgreichen Rebbau und gekonnter Weinbereitung. Dies war im Nachhinein betrachtet das erste Lehrbuch für die kalifornischen Weinbauern. „First American explication of traditional European winemaking practices.”
1861 beschloss der Gouverneur von Kalifornien John G. Downey zusammen mit Ágoston Haraszthy, dass der Weinbau in Kalifornien breitflächig angetrieben werden sollte. So beschlossen die Beiden, dass Ágoston zurück nach Europa reisen solle, um einerseits möglichst viel Neues über die Sache Wein zu erfahren und andererseits viele neue Traubensorten mitzubringen, sodass herausgefunden werden, könne welche Traubensorte wo in Kalifornien die besten Resultate bringen würde. Ein hehrer Vorschlag mit leider einem sehr langsam sich entwickelndem bitteren Ende nahm seinen Anfang!
Ágoston machte sich auf nach Europa und bereiste die Weinanbaugebiete in Frankreich -Deutschland - Schweiz und Spanien, bevor er im Dezember 1861 nach Kalifornien heimkehrte.
Im Gepäck 100'000 Setzlinge von über 350 Rebsorten. Er bot der Regierung wie abgemacht diese Setzlinge zum Kaufe an und versicherte ihnen, diese auf Geheiss der Regierung auf seinem Weingut zu testen, damit dann die erfreulichen Resultate später von der Regierung an die Weinbauern verkauft werden könnten. Die Regierung sagte dankend ab und so musste Ágoston die ganze Reise und die daraus resultierenden Kosten selbst tragen. Es war ein herber finanzieller Rückschlag. Die Setzlinge wurden im Sonoma gepflanzt und Ágoston war gespannt auf die Resultate die binnen ein paar Jahre zu erwarten wären.
Seine vielen Reden vor Fachpublikum und Interessierten führten dazu, dass Ágoston am 23. April 1862 zum Präsidenten der Landwirtschaftsvereinigung Kaliforniens gewählt wurde.
Am 1. Juni 1863 wurde auf der Buena Vista Winery eine Doppelhochzeit gefeiert! Die zwei Töchter von General Comandante Mariano Guadalupe Vallejo (der letzte Oberbefehlshaber der Mexikaner in Kalifornien war der grösste Landbesitzer seiner Zeit und er war zudem der Gründer der Stadt Sonoma) wurden mit den zwei Jungs von Ágoston Haraszthy vermählt. Natalia Vallejo heiratete Attila und Jovita ehelichte Arpad.
Ágoston hatte sowieso ein glückliches Händchen in Punkto "schauen, wo die Liebe hinfällt"! Seine Tochter Ida wurde die Frau von Anwalt Henry Hancock, dem die 18 km2 grosse «Rancho La Brea» im heutigen Los Angeles gehörte. Die «Rancho La Brea» lag dort, wo heute die Wilshire Miracle Mile, Hollywood und ein Teil von West Hollywood liegt.
Im selben Jahr proklamierte Ágoston die Buena Vista Vinicultural Society, eine Art Gesellschaft zur Förderung des Rebbaus und der allgemeinen Agrarwirtschaft. Mit Hilfe prominenter Investoren wurde das Weingut erneut erheblich vergrössert. Es mussten, wollte man die Ernte einbringen und auch verarbeiten, neue Kellereien und Lagerkeller errichtet werden. Es wurden Weine produziert, die bis nach New York an die Ostküste verkauft werden konnten. Das Harper Magazin schrieb sogar, dass die Buena Vista Vinicultural Society eine auf der ganzen Welt einmalige Sache sei! Alles schien angerichtet zu sein!
Er führte das sogenannte „Layering“ System beim Pflanzen der Reben an. Das bedeutet, wenn ein Austrieb der Rebe genug lang ist, beugt man diese Rute und vergräbt einen Teil wieder in der Erde neben ihrer Stammrebe, und zwar so, dass der obere Teil der Rute wieder an der Oberfläche erscheint. Man war der Meinung, dass mit diesem System schneller neue Reben im Ertrag zu haben. Denn, wenn es passt, geschieht eine Wurzelbildung im vergrabenen Teil der abgezweigten Rute.
Mitte der 1860er Jahre wurden die Rebblätter bereits anfangs Sommer immer brauner und runzeliger. Der Traubenertrag im Herbst reduzierte sich drastisch. Die Kritiker von Ágoston gaben seiner eingesetzten Technik des Layering Schuld an den Missernten. Das eingenommene Geld reichte nicht mehr aus, um die Aufwände der Society zu begleichen.
So wurde Ágoston Haraszthy 1867 gekündigt und er musste „seine“ Buena Vista Winery verlassen. Anstelle von Ágoston wurde ein neuer Direktor eingestellt, der als erstes all die Reben, die mittels des Layering Systems entstanden sind, ausreissen liess und diese verbrannte.
Geändert hat das nichts, die Reben waren nämlich von der Reblaus befallen worden, die Ágoston unwissend, sozusagen als blinde Passagiere mit seinen Setzlingen im Auftrag der Regierung Kaliforniens aus Europa importiert hatte.
Die Familie Haraszthy siedelte auf ein anderes Weingut im Sonoma County um, dass seiner Frau Eleonora gehörte. Im folgenden Jahr musste Ágoston aber trotzdem Konkurs anmelden. Er kehrte 1886 Kalifornien den Rücken zu und reiste nach Nicaragua aus, um sich mit seinem neuen Geschäftspartner Theodore Wassmer, der Arzt und Chirurg war, dem Anbau von Zuckerrohr zu widmen. In der Nähe der Hafenstadt Corinto kauften sie viel Land und begannen unverzüglich mit dem Anbau von Zuckerrohr. Der Plan war, Rum herzustellen und damit den amerikanischen Markt zu beliefern. Im Jahre 1869 fiel Ágoston auf der Zuckerrohr-Ranch in einen Fluss. Ob er ins offene Meer hinaus gespült wurde und ertrank, oder ob er von den vielzähligen Alligatoren, die in den Flüssen der Ranch lebten, unter Wasser gezogen und verspeist wurde ist unklar.
Sein Körper wurde nie gefunden. R.I.P.