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b. Deutschland und die Niederlande.
Deutschland. Die deutsche Malerei des 15. Jahrhunderts besaß eine sie hauptsächlich kennzeichnende Eigenschaft, die man am besten mit dem schlichten Worte «Tüchtigkeit» ausdrücken kann. Die Malerwerkstätten lieferten nichts Außerordentliches und Blendendes, aber «gediegene» Arbeit, wie sie einem zwar nicht überfeinen, doch verständigen und gesunden Geschmack bürgerlicher Kreise entsprach. Die einzelnen «Meister» traten nicht sonderlich hervor, denn ihre «Gesellen» waren ihnen mehr ebenbürtige Mitarbeiter als nachahmende Schüler.
Nicht so sehr die Persönlichkeit, als vielmehr die Oertlichkeit - der Geist und die Anschauungen städtischer und landschaftlicher Kreise - bestimmt die Richtung, in welcher da und dort die Kunst gepflegt wird. Wir finden nur «örtliche Schulen», die von einander nicht sehr erheblich verschieden sind, oder mit anderen Worten: die deutsche Malerei hat eine «allgemeine Kunstsprache», die nur in den einzelnen Gauen «mundartlich» verschieden gesprochen wird.
Zu Ende des 15. Jahrhunderts tritt nun der Umschwung ein. Eine Anzahl von Meistern erheben sich über das allgemeine Mittelmaß der Werkstattkunst und treten mit ihrer eigenen künstlerischen Persönlichkeit hervor: sie befreien sich aus dem Banne des Zünftigen und Oertlichen, ihr selbständiger Geist giebt sich in den Werken kund und bestimmt die Eigenart der Kunstweise. Außerhalb des Kreises dieser großen und freien Künstler sehen wir aber auch in den «örtlichen Schulen» einen Fortschritt zu einer höheren Auffassung im Geiste der neuen Zeit: also mit Grundzügen der «Renaissance» in dem Sinne, wie dies zu Beginn des Abschnittes erörtert wurde. Der Aufschwung der deutschen
^[Abb.: Fig. 565. Dürer: Das Rosenkranzfest.
Kloster Strahow.] ¶
Malkunst vollzieht sich auf süddeutschem Boden, in Franken und Schwaben, und wird vornehmlich durch zwei Meister herbeigeführt, welche alle anderen überragen: Albrecht Dürer und Hans Holbein den Jüngeren. In zweiter Reihe neben diesen stehen dann noch einige andere Künstler, die gleichfalls selbständige Bedeutung erlangen.
Albrecht Dürer. Nürnberg war um 1480 unstreitig die Hauptstätte der deutschen Kunst, deren Ruf mit Recht den aller anderen Schwesterstädte übertraf. Hier besaß die Pleydenwurff-Wolgemutsche Malerwerkstätte das größte Ansehen, und in diese trat 1466 der junge Albrecht Dürer ein. Im Jahre 1471 als Sohn eines Nürnberger Goldschmiedes geboren, sollte er ursprünglich das Handwerk des Vaters erlernen, aber die hervorragende Begabung für das Zeichnen, welche der Knabe bewies, bestimmte die Eltern, diesen zu Wolgemut in die Lehre zu geben.
Mit 13 Jahren hatte Dürer ein Selbstbildnis, im 14. Jahre eine Madonna gezeichnet (beide befinden sich in Wien), welche selbst einem gereiften Manne zur Ehre gereicht hätten. Bei Wolgemut konnte er wohl nicht viel anderes lernen als die Handfertigkeit, und in dieser bildete er sich während seiner dreijährigen Lehrzeit gründlich aus. Wie er selbst berichtet, hatte er dabei von den «Gesellen viel zu leiden», welche den aufstrebenden, ihnen überlegenen Geist wohl herausfühlten und eine solche «Ueberhebung» mißgünstig ansahen.
Mit hingebendem Fleiß studierte er auch die Werke anderer Meister, insbesondere auch jene Schongauers, welcher fast größeren Einfluß auf ihn übte, als Wolgemut selbst. Die Arbeiten aus dieser Lehrzeit lassen aber bereits erkennen, wie sein eigener Geist durchbricht und dem Schulmäßigen entwächst. Im Jahre 1490 ging Albrecht Dürer auf die Wanderschaft und wandte sich nach Kolmar, um hier in der Werkstatt Schongauers - welche nach Martins Tode dessen Bruder Ludwig weiterführte - zu arbeiten, trat dann in eine Straßburger Malerwerkstatt
^[Abb.: Fig. 566. Dürer: Randzeichnung.] ¶