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Ionisierende Strahlung kann die Moleküle im Körper von Menschen, Tieren und Pflanzen verändern und es können hochreaktive Moleküle entstehen. Dieser Zustand wird auch als oxydativer Stress bezeichnet – ein Zustand, der eine Störung bei der Schutzfunktion von Zellen gegenüber freien Radikalen beschreibt. Auch das Erbgut, die DNA, kann davon betroffen sein. Hochreaktive Moleküle entstehen auch unter normalen Bedingungen, allerdings in geringerer Menge, sodass sie der Körper mit sogenannten Antioxidantien eher unter Kontrolle halten kann.
Die Forscher um Ismael Galván von der Universität Paris-Süd untersuchten mehr als 150 Vögel an acht Standorten innerhalb und nahe der Sperrzone um das havarierte Kernkraftwerk Tschernobyl im Norden der Ukraine. Die Vögel wurden vom 25. Mai bis am 5. Juni 2010 eingesammelt, um Blut-, Sperma- und Federproben zu nehmen und sie danach wieder frei zu lassen. Erfasst wurden Tiere 16 verschiedener Arten wie Amseln, Rauchschwalben und Kohlmeisen. Die Ortsdosisrate an den acht Fangstandorten lag zwischen 0,02 und 92,32 μSv/h; der Mittelwert lag bei 10,23 μSv/h (90 mSv auf ein Jahr hochgerechnet).
Weniger DNA-Schäden
Vögel, die an Orten mit höherer Strahlenbelastung gefangen wurden, kamen bei den Analysen im Durchschnitt auf bessere Ergebnisse. Sie hatten eine besonders hohe Konzentration des Antioxidans Glutathion im Blut, das negative Effekte der Strahlung ausgleichen kann. Der Stoff kann bestimmte hochreaktive Moleküle entschärfen. Ausserdem wiesen die Tiere, im Mittel aller Arten, weniger DNA-Schäden auf und waren grösser.
Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass sich zumindest manche Wildtiere an eine erhöhte Strahlenbelastung anpassen können, fassten die Forscher die Ergebnisse der Studie zusammen. Möglicherweise vererbten die Vögel ihren angepassten Stoffwechsel sogar ihrem Nachwuchs.
Quelle
D.S. nach Zeitschrift «Functional Ecology», doi: 10.1111/1365-2435.12283, 24. April 2014