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Höchstes Gebäude der Pfalz war die 16-eckige Pfalzkapelle (1) in der sich heute noch Grab und Thron Karls des Grossen befinden. Sie war gebaut nach dem Muster kaiserlicher, byzantinischer Hofkirchen in Ravenna und Konstantinopel. Das zweitgrösste Gebäude der Pfalz war die Königshalle (2), gebaut nach dem Vorbild eines römischen Kaiserpalastes (Trier?). Hier feierte Karl grosse Feste und empfing Gesandte aus allen Teilen der bekannten Welt. An der Ostseite der Königshalle schloss sich ein quadratischer Wohnturm (3) an mit Fussbodenheizung und einer Toilette mit Wasserspülung. Rechtwinklig zur Königshalle verlief ein 100 m langer Verbindungsbau (4) zur Pfalzkapelle in dem wohl die Wachen ihr Quartier hatten. In seiner Mitte befand sich ein zweistöckiger Torbau (5) in dem man eine Gerichtshalle des Königs vermutet. Die Strasse durch den Torbau führte zum Badehaus (6) über einer Thermalquelle, an das sich der quadratische Bogenbau (7) um das grosse Freibecken anschloss. Im Hof neben dem Torbau erhob sich das Reiterstandbild Theoderichs des Grossen (8) aus Ravenna empor. Karl der Grosse bewunderte ihn sehr. Vor der Pfalz lagen die Fachwerkhäuser (9) der Bediensteten. Hier sind möglicherweise die Lebensmittelvorräte für den Hof eingelagert worden, bis der auf den vielen Verwaltungsreisen und Kriegszügen in der Pfalz Station machte.
Aus der Pfalz Aachen lässt sich die Frage beantworten: Welche Vorbilder hatte Karl der Grosse und als was sah er sich?
a) Übertrage die Zahlen der folgenden Beschreibung in die Kreise der Abbildung (Rekonstruktion der Kaiserpfalz):
In der Pfalzkapelle in Aachen steht heute noch der Thron Kaiser Karls des Grossen (Bild links mit Autor). Durch ihn hat Aachen den Rang einer Reichsresidenz erhalten. Otto I. bestimmt 936 Aachen als Ort seiner Krönung und eröffnet damit die 600-jährige glanzvolle Krönungsgeschichte Deutscher Könige und Kaiser in Aachen. Der schlichte Thron geht tatsächlich auf die Zeit Karls des Grossen zurück. Der Thronsitz selber ist karolingisch; er ist aus kostbaren Marmorplatten zusammengefügt. Über 30 Könige und Kaiser besteigen in den folgenden 600 Jahren nach Wahl und Weihe diesen Thron. Im Jahre 1002 wird Kaiser Otto III. auf eigenen Wunsch hin in der Kirche Karls des Grossen beigesetzt. Die Pfalzkapelle, Kernbau des Aachener Doms gehört heute zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Zusatztext:
Die Aachener Pfalzkapelle
In Aachen kann man noch heute eines der ältesten und beeindruckendsten Bauwerke Deutschlands bewundern: die Aachener Pfalzkapelle. Gebaut wurde sie zwischen 796 und 805 als ein Teil der königlichen Pfalz Karl des Grossen. Mit dieser Kapelle setzte Karl der Grosse sich und seinem Frankenreich ein bauliches Denkmal in einer Grössenordnung, wie es sie seit dem Fall des römischen Imperiums in Europa nicht mehr gab. Es steht damit vor Beginn einer neuen Kulturepoche - der des Mittelalters.
In den Wirren der Völkerwanderung und unter der Herrschaft der Merowinger war im Frankenreich und im übrigen Mitteleuropa wenig gebaut worden, was von Bestand war. Der Fall des römischen Imperiums hatte hier ein kulturelles Vakuum hinterlassen, welches in der chaotischen Zeit, die folgte, nicht ausgefüllt werden konnte. Die römischen Städte, die sich bis zum unteren Lauf des Rhein hinauf und bis nach Britannien verteilten, zerfielen langsam.
Das begann sich zu ändern mit dem Aufstieg einer neuen Königsdynastie, der Karolinger. Diese bauten das Frankenreich zu einem neuen Riesenreich aus, welches auf seinem Höhepunkt unter Karl dem Grossen im 8. und 9. Jahrhundert einen Grossteil von West- und Mitteleuropa umfasste. Als sich dieser Karl der Grosse Weihnachten des Jahres 800 zum ersten Kaiser krönen liess, begründete er den Anspruch des deutschen Königtums, Nachfolger der römischen Cäsaren zu sein; einen Anspruch, den bisher nur die oströmischen Kaiser in Byzanz (heute: Istambul) vertraten.
Die Grösse eines solchen Reiches musste sich natürlich auch sichtbar in kulturellen Schöpfungen beweisen. Diese manifestierte sich unter Karl dem Grossen nicht nur in einer neuen Blüte von Bildung, Schriftwesen und Verwaltung, sondern auch in der Kunst und in imposanten Bauwerken. Die Pfalzkapelle hat in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung: sie sollte die Bedeutung des neuen christlichen Imperiums optisch sichtbar werden lassen.
Die königliche Kapelle ist ein Zentralbau. In seiner Mitte erhebt sich über einem achteckigen Grundriss ein hoher Schacht, um den mehrstöckiger Umgang gelegt ist, der sich zur Mitte hin durch Bögen mit eingestellten Säulen öffnet. Formen und Masse des Baus sind mit Symbolik beladen: sie sollten die Rolle des Königs als Mittler zwischen der Weltlichen und Geistlichen Sphäre verdeutlichen. Karl der Grosse verstand sich als ein neuer christlicher "Cäsar", und als solcher den heidnischen römischen Cäsaren überlegen und dem byzantinischen Kaiser ebenbürtig. In dieser Funktion verstand er sich sowohl als weltlicher Herrscher als auch als Vertreter Gottes auf Erden.
Der Anspruch auf Nachfolgeschaft der römischen Kaiser verkörpert sich in der Architektur der Kapelle durch die Aufnahme römischer und byzantinischer Formen. Als direktes Vorbild diente die Kirche San Vitale in Ravenna aus dem 6. Jahrhundert. Und einige Teile der Kapelle sind tatsächlich römisch antik: Karl liess antike Säulen aus Italien bringen und in Kapelle einbauen. Den Stil der Kunstwerke, die zur Zeit Karl des Grossen entstanden be¬zeichnet man daher häufig auch als "Karolingische Renaissance", weil er sich die römische und byzantinische Kunst zum Vorbild nimmt.
Von einer "Wiedergeburt" römischer Kunst und Kultur kann aber bei der karolingischen Kunst trotzdem keine Rede sein, denn sie steht auch am Anfang einer ganz neuen kulturellen Epoche, des Mittelalters. Nach dem Zerfall des fränkischen Grossreiches sollte es bis zum Entstehen der Romanik noch einmal 100 Jahre dauern, bis in der Kunst ein völlig neuer Stil begründet wurde, der mit der römischen Kunst nicht mehr viel gemein hatte. Die wenigen erhaltenen Zeugnisse karolingischer Kunst stehen dabei als Bindeglied zwischen verschiedenen Zeitaltern und Kulturen: Rom, Völkerwanderung und Mittelalter.
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