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Ein Tiny House ist ein Mini-Häuschen auf Rädern. Es ist ein gut gedämmtes Holzhaus (also nix mit Plastik wie in den Wohncampern, das ist ein High-Quality-Haus), das fest auf einen zweiachsigen Anhänger gebaut ist, jedoch all den "Komfort" eines normalen Hauses beinhaltet. Auf kleinem Raum findet man also Schlafplatz, Badezimmer, Küche und Wohnzimmer. Das alles ist (theoretisch) mobil. Weil so ein Ding im Vergleich zu normalen Häusern zwar tiny (= winzig) ist, für die Strasse jedoch ziemlich gross (7 Meter lang, 2.55 Meter breit und 4 Meter hoch), kann damit jedoch nur langsam gefahren werden und eignet sich daher nicht wie ein Wohnmobil, um damit die ganze Zeit rumzukurven. Es lässt sich jedoch an einem Ort bauen und an einem anderen Ort aufstellen, oder man kann damit gelegentlich mal umziehen, wenn man den Arbeitsort wechselt oder so.
Tiny Houses sind v.a. in den USA ein grosses Thema, wo sie Menschen, die z.B. im Laufe der Finanzkrise 2008 ihre Häuser verloren haben, ein neues Zuhause bieten. Oder aber sie bieten Menschen, die nicht von einer teuren Hypothek abhängig sein wollen, eine Möglichkeit, (praktisch) "schuldenfrei" zu leben. Auch das ist in den USA ein riesiges Problem, da sich der Durchschnittsmensch dort drüben mit dem Problem konfrontiert sieht, für jegliche Dienstleistung einen Kredit aufnehmen zu müssen, sodass die meisten AmerikanerInnen schon in jungen Jahren hoch verschuldet sind und den Rest ihres Lebens damit verbringen müssen, diese Kredite abzuzahlen (Stichwort: Studiengebühren, Ausbildungskosten, Hypotheken, ...). In der Schweiz haben wir diese Probleme zum Glück nicht in diesem Ausmass. Nebst dem Punkt, dass es natürlich schön ist, möglichst kredit-, hypothek- und mietzins-frei zu leben (was für Tiny-House-Fans sicher auch hierzulande ein Pluspunkt ist), spielen hier v.a. andere Motive eine Rolle: Minimalismus, ein gemütliches Eigenheim, etwas selbst zu bauen, mobil zu wohnen ("moderne Nomaden"), alternative Lebensformen auszuprobieren.
Für eine Journalistin habe ich einmal aufgeschrieben, was für mich persönlich Beweggründe waren, mir ein Tiny House zu bauen. Voilà!
Tiny House planen:
1) Erfahrung des Lernens: Von Grund auf alles selber zu erlernen, ist eine Riesenherausforderung und sehr spannend.
2) Horizont erweitern: Man erhält einen Einblick in jeden handwerklichen Bereich und lernt über jedes Bauteil [Zimmern, Schreinern, Fahrzeugbau, Elektronik, Sanitär, Fensterbau, Metallindustrie, Dämmungsmaterialien...]
3) Prozess der Planung des Innendesigns, der Hausform, der Einrichtung: Unglaublich kreativer Prozess. Man hat die Möglichkeit, einen Raum nach persönlichen Bedürrfnissen zu planen und einzurichten, macht Spass, der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.
4) Reflektieren über eigene Bedürfnisse: Ich möchte mich damit auseinandersetzen, was ich wirklich brauche und was nicht. Dieses Nachdenken ist nötig, um so ein Tiny House zu planen und erlebe ich als sinnvoll.
Tiny House bauen:
5) Prozess des Bauens ist sehr bereichernd: Es entsteht etwas Handfestes (ich sehe ein Ergebnis, wenn ich etwas mache), jeder Handgriff ist ein Fortschritt (man hat das Gefühl, vorwärts zu kommen)
6) Körperliche Betätigung: Herausforderung, sich bewegen, nicht nur sitzen
7) Bauen lernen, Erfahrung des Lernens: Für mich als Bau-Neuling eine inspirierende Erfahrung, jeden Bauschritt selbst zu tätigen oder zu begleiten und dabei zu lernen.
8) Erfahrungen und Wissen weitergeben: Blog schreiben, anderen Leuten helfen, andere Leute zum Tiny-Häuseln inspirieren, eine noch sehr kleine Tiny-House-Gemeinschaft aktiv mitzuprägen ist eine wertvolle Erfahrung, die mir Freude macht.
Wenn Tiny House steht:
9) Finanzielle Entlastung: Weniger arbeiten müssen + mehr Zeit für Aktivitäten, die Spass machen (freiwilliges Engagement, Kurse anbieten, Musik und Malen, Tanzen, Draussen sein, gesellschaftliches / politisches Engagement)
10) Nicht so viel Platz: Weniger putzen und aufräumen
11) Nicht so viel Platz: Man ist gezwungen, weniger Zeug anzuschaffen (automatisch weniger "Ballast", man konzentriert sich auf Aktivitäten statt materielle Güter)
12) Flexibilität Wohnplatz: Theoretisch mobil zu sein ist gut für einen jungen Menschen wie mich, ich muss mich noch nicht so festlegen
13) Attraktives Wohnen: Ich persönlich finde kleines und herziges Wohnen einfach supergemütlich und es passt zu mir
14) Sinnvolles Wohnen, Kleiner ökologischer Fussabdruck: Man verbraucht wenig Strom und Wasser, verbaut und versiegelt keine Fläche, verbraucht insgesamt wenig Material und hat trotzdem alles zum Leben
15) Näher an Draussen: Man geht schneller raus, da man praktisch draussen wohnt und wenig Wohnraum zur Verfügung hat, ich erhoffe mir davon mehr körperliche Bewegung
16) Näher an der Natur: Mehr Naturverbundenheit, da man das Wetter und die Temperaturen mehr mitkriegt (Regen auf Dach, Ofen selber einheizen, ...)
17) Ein ganz "eigenes" Daheim, das man sich nicht mit Mitbewohnern teilen muss
18) Trotzdem die Möglichkeit, nahe an anderen Menschen zu wohnen: Z.B. wenn man auf dem Land oder im Garten von anderen Menschen steht oder auf einem gemeinschaftlich betriebenen Bauernhof wohnt, wo man oft andere Menschen sieht und mit ihnen gemeinsam arbeitet oder Räume teilt
Noch mehr zu dieser Frage unter den FAQ.
Baustart war im November 2016.
Ich rechne mittlerweile mit 4 Jahren Bauzeit, weil ich sehe, dass es neben dem Studium schwierig wird, mehr als 1 Tag pro Woche in das Projekt zu investieren. (Stand: September 2018)
So lange geht es, um ein Tiny House zu bauen:
Deshalb mal provisorisch: 2016-2020.
Von November 2016 bis August 2018: Beim Holzlabor (Genossenschafts-Schreinerei) in Thalheim an der Thur. (http://www.holzlabor.org/)
Ab August 2018: Direkt neben meinem neuen Wohnort :-)