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Die Baugenossenschaft Sonnengarten (BGS) wurde 1944 auf Initiative von Karl Egender und Wilhelm Müller gegründet. Als Architekten hatten sie während des Krieges keine Aufträge. Das Baumaterial war rationiert, die private Bautätigkeit stand seit Jahren still. Es herrschte Wohnungsnot, und man erwartete, dass sie sich nach Kriegsende noch verschärfen würde. Bund, Kanton und Stadt förderten darum ab 1942 den gemeinnützigen Wohnungsbau durch Subventionen und Zuteilung von Baumaterial.
In der Schweiz begann eine Debatte über die Zeit nach dem Krieg. Thema war auch die Stadtentwicklung. Der Zürcher Stadtrat wollte das erwartete Wachstum planen. Stadtbaumeister Albert Heinrich Steiner entwarf Pläne für die 1934 eingemeindeten Vororte, darunter Albisrieden. Er legte die Bebauung fest und Grünzüge von den Waldrändern in die Dorfkerne. An diesen autofreien Verbindungen liess er Platz für Schulhäuser, Sportplätze, Bäder und Gemeinschaftszentren, die Stadt kaufte diese Parzellen. Dazwischen sollten – mit Hilfe der Genossenschaften – durchgrünte Wohnsiedlungen entstehen.
Egender und Müller nutzten die Situation. Um bauen zu können, regten sie die Gründung der BGS und später der Baugenossenschaft Im Gut an. Bauern, die Land verkaufen wollten, fanden sie leicht. Sie kannten den Stadtbaumeister und dessen Chef, Bauvorstand Heinrich Oetiker vom Landesring der Unabhängigen (LdU), der selber Architekt war. Gut möglich, dass Stadtrat Oetiker die Gründung der BGS eingefädelt hat, denn die Gründer kamen aus LdU-Kreisen. Sie nutzten einen historischen Moment, in dem es möglich war, ein Stück Stadt nach modernen Ideen zu bauen, sich dadurch Arbeit zu beschaffen und gleichzeitig eine soziale Aufgabe zu erfüllen.
Egender und Müller hatten Land im Triemli an der Hand. Kaum gegründet, baute die BGS darauf in kürzester Zeit ihre Stammsiedlung. Bund, Kanton und Stadt finanzierten je zehn Prozent der Baukosten. Schon 1945 zogen Arbeiter, Handwerker und Angestellte mit ihren Familien ein, viele waren bei SBB, EWZ oder VBZ beschäftigt. Bis 1952 baute die BGS in horrendem Tempo die Siedlungen Triemli, Goldacker 1–3 und Wydäcker 1–3 mit zusammen 686 Wohnungen – dann war der Elan verpufft. 1950 begann ein anhaltendes Wirtschaftswachstum. Der Bund stoppte die Wohnbauförderung, denn Bauen rentierte nun auch ohne öffentliche Hilfe wieder. Private Investoren übernahmen, sie zahlten mehr für Bauland als Genossenschaften. Karl Egender, der vor dem Krieg die Kunstgewerbeschule, das Albisriederhaus und das Hallenstadion gebaut hatte, wurde ein Spezialist für Warenhäuser, in Zürich entwarf er das Globusprovisorium und den Globus.
Die BGS beschränkte sich auf die Pflege ihrer Bauten und der Gemeinschaft. Erst 1968 sollte sie wieder bauen: ein Haus in Altstetten mit 30 Alterswohnungen, 1977 Alterswohnungen am Kellerweg, 1984 Rütihof 1 mit 55 Wohnungen. 1997 realisierte sie mit Rütihof 2 erstmals wieder ein Projekt von der Grösse der Stammsiedlung. Nun erwachte auch der Unternehmergeist wieder. Durch Fusion mit der Baugenossenschaft Uetli kam 2005 Rütihof 3 hinzu. Schlag auf Schlag folgten Wettbewerbe für die Siedlungen Hagenbuchrain und Triemli, die beide gebaut wurden, dazu Grünwald, die durch Einsprachen blockiert ist, und Zelgli, die nicht gebaut werden konnte, weil der Kanton die Hochwassergefahr an der Limmat neu einschätzte und Unterengstringen die Bauordnung neu auslegte.
Die neuen Häuser sind hindernisfrei und sparen Energie. Der Wohnungsmix spiegelt die heutigen Familienformen und fördert die soziale Durchmischung. Dazu gehören seit 1992 auch Pflegewohnungen. 2015 kaufte die BGS eine Siedlung in Dietikon und beschloss die Fusion mit der Wohnbaugenossenschaft «Suneblueme» mit 100 Wohnungen in Höngg, Fahrweid und Weiningen. Heute hat sie rund 1500 Mitglieder und 19 Siedlungen mit 1187 Wohnungen in 54 Ein- und 153 Mehrfamilienhäusern. Sie will weiter wachsen und vor allem Familien ein Zuhause bieten. Darum baut sie günstig, aber auch nachhaltig.
Die BGS bezieht fast keine Subventionen oder vergünstigte Darlehen mehr von Stadt und Kanton, sie finanziert ihre Projekte über Hypotheken und Obligationen ihrer Mitglieder. So muss sie bei Bauprojekten und bei der Vermietung nicht auf Förderbedingungen Rücksicht nehmen. Was die Gemeinschaft betrifft, war die BGS immer liberal: Der Vorstand unterstützt Initiativen der Mitglieder, aber Engagement ist freiwillig. Die BGS hat jedoch neue Bedürfnisse erkannt und baut die Mitsprache der Mitglieder aus. Sie sollen die Entwicklung der Genossenschaft und ihres Wohnumfelds aktiv mitgestalten können.