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David Petraeus gilt als einer der angesehensten und erfolgreichsten amerikanischen Generäle seiner Generation. Nun ist er wegen einer Affäre mit seiner Biographin von seinem Posten als Direktor der CIA zurückgetreten.
Damit strauchelte eine äusserst erfolgreiche Führungspersönlichkeit über ihr ethisches Fehlverhalten. Verschiedene Medienberichte verwiesen auf das so genannte „Bathseba Syndrom“, welches bereits 1993 in einem Fachartikel1 beschrieben wurde. Dieser Artikel gehört seither zur Standardlektüre in der amerikanischen Führungsausbildung. Die Geschichte von König David und Bathseba2 liefert beispielhafte Erkenntnisse, wie erfolgreiche Personen in ethische Fallstricke geraten können. Man kann sich fragen, ob es nur Ironie des Schicksals ist, dass General Petraeus während seiner Dienstzeit im Irak den Spitznamen „King David“ bekam. Kurz zusammengefasst geht es um folgende Punkte:
Erfolg verführt dazu, die persönliche Verantwortung zu vernachlässigen
König David hatte mit gros-sem Geschick und Erfolg sein Reich gefestigt und ausgebaut. Er begann als junger Hirte und war nun der unangefochtene Herrscher Israels. Als ein neuer Feldzug bevorstand, zog er es vor, diesen nicht anzuführen, sondern in der Ruhe seines Palastes zu bleiben. David war also nicht an dem Platz, wo er hätte sein müssen. Er hatte auch keine weiteren dringlichen Verpflichtungen, die seine Abwesenheit gerechtfertigt hätten. Dieser Müssiggang öffnete die Tür zu Davids Fehlverhalten.
Erfolg privilegiert eine Person und erleichtert Missbrauch für persönliche Interessen
Das Dach des Königspalastes bot einen Überblick auf ganz Jerusalem und gewährte auch Einblick in die privaten Bereiche der anderen Dächer. Hier sah David Bathseba, die Frau von
Urija, beim Baden. Er liess sie zu sich holen und schlief mit ihr. Es war angemessen, dass der König den Überblick über Jerusalem hatte. Doch der dadurch möglich gewordene Einblick in die Privatsphäre anderer rechtfertigte nicht, dass David dies für sein persönliches Begehren ausnutzte. Dies stand auch dem König nicht zu.
Erfolg verleitet zu Selbstüberschätzung
Als David erfuhr, dass Bathseba schwanger war, wollte er die Angelegenheit auf seine Art hinbiegen. Am Schluss fand Urija den geplanten Tod im Kampf und David nahm die Witwe Bathseba zur Frau. Er überschätzte sich und seine Fähigkeiten und geriet dadurch nur noch tiefer in den Sumpf. Als die ganze Sache ans Licht kam, hatte dies für sein weiteres Leben bleibende Konsequenzen.
Auch Menschen mit einem sensiblen Moralempfinden können durch ihr erfolgreiches Schaffen in Gefahr geraten, sich der Versuchung durch „günstige Gelegenheiten“ hinzugeben. Von David wissen wir, dass er von Herzen Busse tat, nachdem ihm der Prophet Nathan die ganze Sündenkette vor Augen geführt hatte. Der erstgeborene Sohn von Bathseba starb kurze Zeit später. Doch nach Davids Umkehr gebar sie einen weiteren Sohn, Salomo. Von ihm heisst es, dass Gott ihn liebte und er wurde Davids Nachfolger als König. Bis zu seinem Lebensende liess sich David nicht mehr mit der Frau eines anderen Mannes ein. Ist das nicht ein wunderbares Zeichen von Gottes Vergebung, wenn jemand aufrichtige Busse tut?
1 D. Ludwig, C. Longenecker: „The Bathsheba Syndrome: The Ethical Failure of Successful Leaders“
2 Die Bibel: 2. Samuel 11 und 12