Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03312.jsonl.gz/2615

Ein erhöhter Blutdruck ist der weltweit wichtigste Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod. Die meisten Betroffenen haben eine Hypertonie ersten Grades mit einem systolischen Blutdruck von 140 bis 159 mm Hg und/oder einem diastolischen Blutdruck von 90 bis 99 mm Hg. Es gibt aber bisher keine klare Evidenz, dass Personen mit einer Hypertonie ersten Grades ohne weitere kardiovaskuläre Erkrankung von einer medikamentösen Behandlung profitieren. Epidemiologische Daten lassen vermuten, dass auch leicht erhöhte Blutdruckwerte behandelt werden sollten. Mit dieser Meta-Analyse
sollte untersucht werden, wie sich die medikamentöse Therapie einer milden Hypertonie bei Personen ohne manifeste kardiovaskuläre Erkrankung auf das Risiko für die gesamten kardiovaskulären Ereignisse, Schlaganfälle, koronaren Ereignisse, Herztodesfälle und die Gesamtmortalität auswirkt.
Aus randomisierten Studien konnten Daten von 15'266 Personen mit einer Hypertonie ersten Grades, bei denen die antihypertensive, medikamentöse Therapie mit Placebo oder einer weniger intensiven Therapie verglichen wurde, in die Analyse einbezogen werden. Die mittlere Beobachtungsdauer der Behandelten betrug vier bis fünf Jahre. Der Blutdruck wurde um durchschnittlich 3,6/2,4 mm Hg gesenkt. Die Blutdruckbehandlung, berechnet auf fünf Jahre, führte im Vergleich zu den Kontrollen zu einer Reduktion aller Endpunkte
, wobei aber nur das Risiko für Schlaganfälle («odds ratio
» OR
0,72; 95% CI
0,55-0,94) und für kardiovaskuläre Todesfälle (OR
0,75; 95% CI
0,57-0,98) und die Gesamtmortalität (OR
0,78; 95% CI
0,67-0,92) statistisch signifikant gesenkt wurden. Die Studienverantwortlichen folgern, dass die medikamentöse Therapie der leichtgradigen Hypertonie wahrscheinlich angezeigt ist, obwohl die Blutdruckreduktion und die Zahl der verhinderten Komplikationen gering waren.
Diese grosse Meta-Analyse zeigt, dass auch Personen mit einer Hypertonie ersten Grades ohne bereits bestehende kardiovaskuläre Erkrankungen von einer medikamentösen Therapie profitieren. Viele Studienteilnehmende hatten allerdings einen Diabetes mellitus, so dass sie nach den heutigen Richtlinien sowieso behandelt würden. Die Studie bestätigt die bestehenden Leitlinien (z. B. der «European Society of Cardiology»), dass auch eine leichte Hypertonie ohne weitere Risikofaktoren medikamentös behandelt werden soll, wenn nicht-pharmakologische Massnahmen nichts nützen und der erhöhte Blutdruck durch wiederholte Messungen, gegebenenfalls auch durch Selbstmessung oder eine 24-Stundenmessung, bestätigt wurde.
Zusammengefasst und kommentiert von Peter Koller
- Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.