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Die Sinn-Frage impliziert eine Reihe anderer Fragen, die zur Logik
der Frage gehören:
- Eine Sinn-Frage schliesst noch nicht den Sinn der Frage selbst ein. Solange aber nicht klar ist, dass es eine sinnvolle Frage ist (was einen Sinn bereits voraussetzt), könnten viele Antworten sogar Ergebnisse angesichts sinnloser Fragestellungen – und damit selbst sinnlos – sein.
- Wenn wir davon ausgehen, dass es aber einen Sinn gibt, dann brauche wir die Sinn-Frage erst gar nicht zu stellen, denn wir haben einen Sinn bereits unterstellt (i. S. v. Präsuppositionen).
Wir bekommen also, so absurd es auf den ersten Blick scheinen mag, richtige Probleme mit den Begründungen für diese Fragen. Was ist der Sinn der Sinnfrage – und weiter: Was ist der Sinn der Sinnfrage nach dem Sinn der Sinnfrage?? Wir geraten in Iterationen
, eine Frage verschiebt sich in die nächste. Oder das Ganze wird tautologisch
: Die Sinnfrage hat einen Sinn, oder zirkulär
: Der Sinn des Lebens ist der, den ich ihm gebe.
Wir geraten hierbei in einen Begründungskonflikt, in das sog. Münchhausen-Trilemma
, also in dreifache Letztbegründungen, die als Begründungsbegründungen nur einen letzten Grund dogmatisch setzen könnten (so in der Theologie Gott als den letzten Grund, die letzte Ursache). Das Bild von Münchhausen – von dem Philosophen des kritischen Rationalismus, Hans Albert
, verwendet – , spielt ironisch darauf an, dass man sich bei diesen Fragen, wie der Sinn-Frage, wie Münchhausen aus dem (Argumentations-) Sumpf am Schopfe herausziehen muss. Für Heidegger
gehört die Frage zur Frömmigkeit des Denkens.
Münchhausen zieht sich am Schopf aus dem Sumpf. Zeichnung: Theodor Hosemann.
Diesen Sachverhalt kann das Möbiusband
in etwa illustrieren, das in sich selbst übergeht und bei dem nicht zwischen unten und oben oder innen und aussen unterschieden werden kann, oder die „unmöglichen“ Objekte von M.C. Escher
(z. B. Penrose-Treppe
).
Möbiusband. Granitskulptur von Max Bill.
Die Frage anders stellen
Müssen wir andere Fragen stellen, aber welche? Was meinen wir, wenn wir von Sinn sprechen, etwas als sinnvoll oder sinnlos bezeichnen oder einen Prozess als sinngebend beschreiben?
Den Sinn des Lebens könnten wir vorläufig humanistisch oder religiös darin sehen, für den Anderen da zu sein, tätig werden für Andere aus einer caritativen Haltung oder abgeleitet von einem gestimmten Menschenbild. Das kann durchaus zum menschlichen Glück gehören.
In naturwissenschaftlicher Hinsicht hat das Leben eigentlich keinen Sinn, sondern einen Zweck, teleologisch betrachtet, nämlich die Reproduktion im Rahmen der Evolution.
Offensichtlich beziehen wir uns bei der Sinn-Frage des Lebens auf bestimmte Voraussetzungen: auf ein Menschenbild, auf ein Wertesystem oder auf unsere Selbsterkenntnis.
Hamlet: Suche nach dem Sinn des Lebens.
Wir können unterscheiden: den „Sinn“, wofür
in Freiheit gehandelt wird, gegen den Zweck, dem Wozu
im Rahmen der Gesetze der Natur. Die Rede vom Sinn ist stets an Entscheidungssituationen gebunden, in denen sich der „Sinn“ oder eine Bedeutung herauskristallisiert.
In Situationen muss ein Mensch handeln, und er handelt in Freiheit, orientiert an seinen Werten oder Überzeugungen. Sinngebung ist Entscheidung angesichts von Wahlmöglichkeiten, bei denen ein Sinn verliehen wird. Demnach können Sinn-Fragen in Horizont von Freiheit, Entscheidung und Verleihung so anders gestellt werden:
- Welche Möglichkeiten habe ich?
- Wie entscheide ich mich?
- Welchen Wert hat das für mich/für Andere?
Wenn Sinn-Fragen Entscheidungsfragen sind, dann können jene Fragen auch so gestellt werden: Wofür entscheide ich mich? Ohne Freiheit und ohne Entscheidung gibt es keinen Sinn. Und so bekommt die Sinn-Frage doch noch einen „Sinn“.
Literaturhinweise:
- Hans Albert: Traktat über kritische Vernunft, Tübingen 1968.
- Paul Watzlawick: Münchhausens Zopf oder Psychotherapie und „Wirklichkeit“, Bern 1988.
- Ders.: Vom Unsinn des Sinns oder vom Sinn des Unsinns, Wien 1992.
- Douglas R. Hofstadter: Gödel, Escher, Bach – ein Endloses Geflochtenes Band. Übersetzung: Philipp Wolf-Windegg und Hermann Feuersee. 18. Aufl., Stuttgart 2008.