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Trans-Schrift
Ich bin faul. Nicht in allen Lebensbereichen, aber wenns ums Notizenmachen geht. Da ich kein Steno beherrsche, habe ich eine Reihe von Abkürzungen erfunden, die es mir erlauben, ganz schnell zu schreiben. Dabei bleibt natürlich die Lesbarkeit auf der Strecke. Schönschrift my ass.
Eine dieser Abkürzungen lautet «Mapa». Gemeint sind «Mama» und «Papa». Gegenüber «Eltern» spare ich zwei Buchstaben, also eine ausgeschriebene Ewigkeit. Entsprechend ist meine Agenda voll von Einträgen wie «Mapa Essen» oder «Mapa tel». Nun hat mir eine neue Serie die Abkürzung vermiest: Die Amazon-Produktion «Transparent», die eben die Golden Globes für die beste Comedyserie (obwohl sie eher dramatisch ist) und den besten Hauptdarsteller einheimsen konnte. Es geht um einen Vater, der sich als transsexuell outet, und um seine egomanischen Kinder, die mit ihren eigenen Körpern und Ausrichtungen hadern. Und mit der Bezeichnung «Papa», die nicht mehr zutreffend ist. Kurzerhand nennen sie ihren Erzeuger «Mapa».
Nun kommt mir jedes Mal, wenn ich eine Verabredung mit meinen Eltern eintrage, der Hauptdarsteller Jeffrey Tambor in Frauenkleidern in den Sinn. Hm. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Transmenschen und auch nichts gegen Tambor. Er spielt seine Rolle hervorragend und ist als elegante Maura noch überzeugender als in der Rolle seines Lebens – als Mann. Trotzdem sehe ich den Begriff «Mapa» nicht gern zweckentfremdet. Vielleicht sollte ich mal wieder meine Schönschrift bemühen – und bei der nächsten Abkürzungsidee ein Formular vom Patentamt ausfüllen.
1. Staffel «Transparent»: auf Amazon Prime.
(Erstellt: 02.02.2015, 17:02 Uhr)