Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03171.jsonl.gz/3157

Vinopath Peter verweilte im April einige Tage im Herzen der portugiesischen Weinkultur. Präzise in der Region um Porto und Dourotal. Dies nimmt der vinophile Reisende zum Anlass, eine kleine Serie zum Thema Portwein zu starten. Wer sich schon mit Portwein befasst hat, dem ist sicher schon aufgefallen, dass die Namen Niepoort, Taylors, Burmester und wie sie alle heissen, wenig mit Portugal zu tun haben. Wie kommt das? Und wieso ist der Portwein eigentlich süss? Hierzu der möglichst knappe geschichtliche Exkurs.
Ende des 17. Jahrhunderts gewinnen die Portugiesen ihre Unabhängigkeit von den Spaniern zurück. Dies mit der Unterstützung der kriegstüchtigen Engländer. Zoff mit Frankreich und der erhöhte Weinkonsum des Landes, veranlassten die englischen Geschäftsleute nach exportfähigen Weinen zu suchen. Die Engländer sahen mit den Portugiesen die Gelegenheit, den unlieben Franzosen ein Bein zu stellen. So kamen sie mit den Portugiesen ins Geschäft. Jedoch stellt sich den umtriebigen englischen Geschäftsleuten ein Problem: Im Gegensatz zu den französischen Weinen liessen sich die Portweine, damals noch Weine herkömmlicher Art, nur mit erheblichen Qualitätsverlusten über den Seeweg transportieren und lagern.
Zwei Mitarbeiter eines englischen Handelshauses entdeckten 1678 in einem Kloster im Dourotal einen aussergewöhnlichen Wein. Sie entlockten dem Abt von Lamego die findige Idee des aufgespritteten Weines. Das Hinzufügen von alkoholstarkem Branntwein stoppte die unvollendete Gärung (Verwandlung von Zucker in Alkohol) des Rotweins und liess eine gefällige Restsüsse im fruchtigen Wein zurück. Den englischen Weinhändlern gefiel der «Rote Portugieser». Der erhöhte Alkoholgehalt stabilisierte zudem die Weine und ermöglichte den Transport über den Seeweg ohne Qualitätsverlust. Die Händler kauften die kompletten Bestände auf und verschifften diese nach England. Der Siegeszug des Portweines begann.
Spezielle Freihandelsverträge 1703 zwischen den beiden Nationen vereinfachten und intensivierten den Handel zwischen England und Portugal. Englische, deutsche und niederländische Handelsfamilien liessen sich Anfang des 18. Jahrhunderts in der Hafenstadt Porto nieder. Die Familien nahmen die Vermarktung der Portweine in die Hand. Da Sie kein eigenes Traubengut besassen, kauften sie Rotweine in den Tälern des Douroflusses. Diese liessen sie über den Flussweg nach Porto verschiffen, um ihn in ihren Lagerhäusern aufzuspritten und in Fässer abzufüllen. Bis heute sind die Namen der Traditionshäuser geblieben und demonstrieren deren Macht über den traditionsreichen Wein aus Portugal. Die grosse Nachfrage verursachte zunehmend einen Qualitätssturz dieser Weine. 1756 gründete Marquês de Pombal die «Companhia Geral dos Vinhos do Alto Douro». Weinberge wurden erfasst und abgegrenzt, mit dem Ziel die Preise und Qualität des rufgeschädigten Weines zu stabilisieren. Somit entstand eines der ältesten Weinbaugesetze der Welt, das dem heutigen DOC Douro zugrunde liegt.
In weiteren Folgen erfahrt ihr mehr über die vielseitigen Stile der Portweine.
Frohes Weinsein!