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Kalter Regen
Mit einer nächtlichen Temperatur um etwa 6 Grad war es eigentlich gar nicht so kalt, während es vor allem in der Deutschschweiz etwas regnete. Warum also ein solcher Titel?
In der Nacht auf heute Montag hat eine seichte Kaltfront die Alpennordseite erfasst. Sie gehörte zu einem Tief, das von Südschweden über die Ostsee zum Baltikum zog.
Die Kaltfront konnte als seicht bezeichnet werden, da die Mächtigkeit der kalten und feuchten Luftmasse gering war. Das bestätigten auch die Messwerte von verschiedenen Wetterstationen in unterschiedlichen Höhen.
Anhand der oben gezeigten Messwerte konnte man erkennen, dass die Frontalbewölkung in der Schweiz eine Obergrenze um etwa 2700 m ü.M. gehabt haben musste. Dies bestätigten Messungen von Satellitendaten oder Webcams.
Knapp östlich der Schweiz lag die Obergrenze in der Nacht leicht höher. Die Messstation auf der Zugspitze (2962 m ü.M.) im Wettersteingebirge mass eine relative Luftfeuchtigkeit bis 96 %. Nebst dem Webcambild oben bestätigte eine Radiosondierung aus Altenstadt in Oberbayern eine Wolkenobergrenze um 2900 m ü.M.
Trotz der wenig hochreichenden Frontalbewölkung gab es in der Nacht auf heute Montag sowie in der Deutschschweiz etwas Niederschlag. Spitzenreiter bezüglich Regenmenge war Güttingen am Bodensee mit 5.1 mm.
Regen, aber nichts auf dem Radar zu sehen
Aufmerksame und Nachtaktive unter Ihnen haben vielleicht bemerkt, dass Regen oder Nieselregen fiel, obwohl auf dem Radar gar nichts zu sehen war. Wie konnte das sein?
Wenn die Niederschläge in sehr tiefen Schichten gebildet werden wie in der Nacht auf heute, so blickt der Radar quasi über die Niederschlagszone drüber. Wegen der Erdkrümmung wächst mit zunehmendem Abstand zum Radar die Mächtigkeit der Atmosphärenschicht, die vom Radar nicht gescannt werden können:
In der Realität sah dies heute Morgen um 4 Uhr so aus:
Kalter und warmer Regen
Nehmen wir nun die eingangs gestellte Frage wieder auf. Die Bezeichnung «kalter» oder «warmer» Regen bezieht sich nämlich auf die Prozesse der Niederschlagsbildung.
Diese geschieht in unseren Breitengraden hauptsächlich über die Eisphase in sogenannten Mischwolken, wo Eiskristalle und flüssige Wassertröpfchen gleichzeitig vorkommen. Es braucht eine feuchte Luftmasse, die typischerweise etwa -10 Grad oder etwas kälter ist. Dabei spielt der sogenannte Bergeron-Findeisen-Prozess eine wichtige Rolle, wobei unterkühlte Wassertröpfchen (das Wasser ist noch flüssig, obwohl die Temperatur der Tröpfchen deutlich unter dem Gefrierpunkt liegt) und eben auch Eiskristalle in den Prozess involviert sind. Grob gesagt handelt es sich bei diesem Prozess um das Wachstum von Eiskristallen auf Kosten von flüssigen Wassertröpfchen. Auf diese Weise entstandener Regen wird «kalter Regen» genannt.
«Warmer Regen» hingegen kann vor allem in tropischen Regionen entstehen. Bei dieser Art von Niederschlagsbildung entstehen zunächst flüssige Wolkentröpfchen über die Kondensation von Wasserdampf (an wasserlöslichen Aerosolen). In der Folge kollidieren die Wolkentröpfchen zunehmend und wachsen damit zu Regentropfen heran. Hierzulande kann diese Art von Niederschlagsbildung höchstens Nieselregen hervorrufen. Im Vergleich zu den Tropen ist nämlich zu wenig Wasserdampf in der Luft enthalten.
Die letzten «kalten» Tropfen und Flocken fielen heute im Laufe des Morgens zu Boden. In der Folge nahm der Hochdruckeinfluss zu, was mit einem Auflockern der Bewölkung über dem Flachland einherging. Feuchtigkeit blieb besonders an den Voralpen in Form von hochnebelartiger Bewölkung zurück.