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Geboren 1896 in Karlsruhe, studierte Werner Max Moser Architektur an der ETH Zürich und arbeitete anschliessend unter anderem bei Frank Lloyd Wright in den USA. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war er im Büro seines Vaters Karl Moser als Möbeldesigner tätig, bevor er 1928 sein eigenes Büro eröffnete. Er war Mitbegründer der Wohnbedarf AG und Teil des 1937 gegründeten Architektenbüros Haefeli Moser Steiger (HMS), das unter anderem das Zürcher Kongresshaus erbaute. 1957 erhielt er den Ehrendoktortitel der Technischen Hochschule Stuttgart und war von 1958 bis 1963 Professor an der ETH Zürich. 1970 starb er in Zürich.
von Gabrielle Boller
Als das «Hochhaus zur Palme» im Zürcher Enge-Quartier errichtet wurde, war die Stadt noch weitgehend frei von Wohntürmen und Wolkenkratzern – mit vierzehn Geschossen, lagebedingt auf 50 Meter Höhe beschränkt, konnte man damals also noch Staat machen. Auch wenn es inzwischen längst nicht mehr zu den Himmelsstürmern gehört, bleibt das 1964 auf dem parkartigen Gelände anstelle der klassizistischen Villa «Zur Palme» vom Architekturbüro Haefeli Moser Steiger (HMS) erbaute Geschäftshaus jedoch bis heute ein kühner städtebaulicher Wurf. Den auf acht Stützen gebauten Cityblock konnte man nämlich dank Fussgängerpassagen und Passerellen «nach verschiedenen Richtungen durchqueren», sodass damit echte «Fussgängerfreiheit» entstehe, erklärte Werner Max Moser, der sich ab 1955 mit dem Projekt beschäftigte, in einem Vortrag zur Quartierplanung. Ansonsten war das neue Hochhaus natürlich mehrheitlich auf die Automobileuphorie der Zeit ausgerichtet – eine Kreditanstalt-Filiale mit Drive-in-Autoschalter, eine Tankstelle und ein Schnellimbiss der Silberkugel-Kette feierten das beschleunigte Leben. Ein Schmuckstück des Gebäudes ist dabei die freitragend um eine der Stützen gewundene gegenläufige Spiralrampe, über die man die Parkplätze auf dem Dach der Einkaufspassagen erreicht. Sie erinnert durchaus ein wenig an das New Yorker Guggenheim-Museum von Frank Lloyd Wright, bei dem Moser ein Praktikum absolvierte – das Hochhaus wird denn auch gerne als eines seiner Hauptwerke bezeichnet, das er zusammen mit André M. Studer im Büro HMS federführend projektierte und plante. Auch der eigentliche Turm, der sich über den vorgelagerten und gestaffelten Sockelgeschossen erhebt, erinnert mit seinem windmühlenartigen Grundriss an Hochhäuser von Wright – eine skulpturale Architektur, wie sie bald einmal für den Brutalismus kennzeichnend werden sollte. Sowohl im Detail, wie etwa bei den an Palmblätter erinnernden Betonüberdachungen auf dem Parkdeck, als auch beim durchstrukturierten Baukörper aus Sichtbeton mit seinen vorgestellten Tragepfeilern und gestaffelten Volumen zeigt sich eine expressive Qualität, mit der sich das «Hochhaus zur Palme» von den Glasfronten der reduzierten Stahlarchitekturen der internationalen Moderne unterschied.
Sie würden so etwas wie eine gemässigte Moderne vertreten, hört man oft in Bezug auf die Architekten von HMS – dem Ornament beispielsweise waren sie zu Zeiten von dessen Verfemung nie abgeneigt. Vielleicht würde sich Werner Max Moser auch über die Kunst am Bau freuen, die anlässlich der Sanierung des Hochhauses 1996 im Foyer angebracht wurde: eine Installation des russischen Künstlers Ilja Kabakow in Form eines alten Kronleuchters, der, als ob er von der Decke der ehemaligen Villa «Zur Palme» gefallen wäre, am Fussboden liegt. Die Geschichte lebt eben auch im Detail weiter.