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Karten 5–8: Kuss
Das auf der Basis der Online-Umfrage erstellte Verbreitungsbild der vorherrschenden Bezeichnungen für Kuss (s. Online-Karte 5) ähnelt auf den ersten Blick noch stark dem Raumbild von Karte 8, das die Verhältnisse zur Zeit der SDS-Erhebung wiedergibt. Im Wesentlichen ist die Dreiteilung in ein nordöstliches Kuss-/Chuss-Gebiet, eine westliche Gruppe mit Ableitungen zu Mund (Müntschi, Muntsi etc.) und eine mittlere Zone mit der Bezeichnung Schmutz immer noch gültig. Die genauere Betrachtung zeigt aber, dass sich das Geltungsgebiet von Schmutz (mitsamt Schmützli) zugunsten von Kuss/Chuss (oder Küssli, Chüssli) reduziert hat und dass dieser Worttyp nun bis in den Berner Raum hinein als vorherrschende Variante vorkommt. Auch im Wallis hat Kuss an Geltung gewonnen. Die Verbreitungskarten (Online-Karten 6 und 7) zeigen den weiträumigen Gebrauch dieses Worttyps noch deutlicher. Bei der Beurteilung der Online-Karten ist zu bedenken, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schriftliche Vorgaben angekreuzt haben. Ob sich hinter K- eher der kehlige Schweizer kch-Laut oder ein einfacher behauchter Verschlusslaut verbirgt, lässt sich also der Umfrage nicht entnehmen. Im SDS wurde dieser Lautunterschied allerdings verzeichnet. Chuss dürfte jedenfalls die Aussprache mit Reibelaut widerspiegeln, die schon traditionell im Osten, insbesondere in den südlichen Berggebieten, nachweisbar ist. Die Form Kuss taucht dagegen insbesondere da auf, wo das Wort als neuer Worttyp zu gelten hat, dann wohl meist mit kch-Aussprache. Klar ist in jedem Fall, dass der vom Hochdeutschen gestützte Worttyp sich massiv ausgebreitet hat und beispielsweise das appenzellische Trüütli aus der SDS-Umfrage verdrängt zu haben scheint. Natürlich ist bei der Beurteilung dieses Faktums wieder die geringere Beteiligung der älteren Generation bei der Online-Umfrage mit zu berücksichtigen. Dagegen scheint der Ausdruck Schmatz nicht nur im Raum Zürich seine Vorherrschaft ausgedehnt zu haben (s. Online-Karte 8). Die Verbreitungskarte zeigt einen grossräumigen mittelländischen Gebrauch. Man kann spekulieren, ob sich hier eine jugendsprachliche Mode zeigt. Bei den Mund-Varianten lässt sich eine interessante Entwicklung feststellen, indem neben den auf -i endenden umlautlosen Formen Muntsi, Muntschi – v. a. von jüngeren Gewährspersonen – neue Formen ohne -i genannt wurden (Munts und Muntsch), die allerdings für eine Kartierung zu wenig zahlreich sind. Es ist also nicht nur so, dass Worttypen verschwinden, es entstehen auch wiederum neue. Gerade bei diesem Begriff tauchten bei der Online-Umfrage auch vereinzelte andere Modewörter (Bussi, Kiss) und vermutliche Spontanbildungen (Mütsi, Schmatzer) auf.