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Geschichte der Infanterie, Teil 2
Rückblick auf den Vortrag vom 17. Januar 2018
Geschichte der Infanterie bis zur Armee 95
Wer die Entwicklung der Schweizer Infanterie ab 1939 betrachtet, stellt fest: Der Aufbau einer wirksamen Panzerabwehr dauerte sehr lange und der Abbau der Truppenstärke hingegen erfolgte sehr rasant.
Jürg Keller ist ein ausgewiesener Spezialist, was die Geschichte der Schweizer Armee angeht. Seine Vorträge basieren auf umfangreichen Recherchen, ergänzt immer wieder durch Andekdoten aus seiner beruflichen Erfahrung und aus den aufgefundenen Akten. Im zweiten Vortragsteil seiner Betrachtungen über die Schweizer Infanterie – umfassend die Zeit von 1938 bis zur Armee 95 – zeigte er die Zusammenhänge zwischen neuem Material und Waffen sowie den Strukturen und Stärken am Beispiel eines Infanterieregiments auf.
Rasch wurde deutlich, dass die Armee sich schwer tat, während des Krieges und in den darauffolgenden Jahren eine wirksame Panzerabwehr aufzubauen. Erst in den 1950-er Jahren wurde die Infanterie mit dem 8,3 cm Raketenrohr, der 9 cm Panzerabwehrkanone und der nachfolgenden 10,5 cm rückstossfreien Kanone zahlen- und wirkungsmässig schlagkräftig genug. Die Einführung von Panzerabwehrlenkwaffen waren weitere Modernisierungsschritte, die rund alle zehn Jahre stattfanden. Anfang der 1990-er Jahre war die Schweiz technologisch und in Bezug auf die Bestände eine hochgerüstete Armee, die ihre Verteidigungsaufgaben mit der Infanterie wirklich hätte erfüllen können. Impulse für die aufgezeigten Entwicklungen waren immer die unsere Sicherheit beeinflussenden internationalen Konflikte und die Erfahrungen daraus.
Mit der Armee 95 erfolgte der Abbau der Truppenstärke und Umbau der Organisation, die Schlagkraft der Infanterie sank durch Liquidation verschiedener Waffensysteme beträchtlich, wie Keller ausführte. Die Technologisierung und Mechanisierung erforderte immer weniger Soldaten, der Abbau ging dem Referenten aber spürbar zu weit. „Könnten wir uns heute infanteristisch noch verteidigen?“ Diese Frage stellten sich wohl auch die rund 60 Besucher des ersten Vortagsabends des Vereins Schweizer Armeemuseum im laufenden Jahr.