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Herr Ebert, Ihr neues Programm trägt den Titel «Freiheit ist alles». Wie frei waren Sie, als Sie es geschrieben haben?
In den letzten Jahren habe ich mich von vielen Zwängen freigemacht. Ich muss keine Rechenschaft mehr ablegen über das, was ich tue. Wenn ich heute eine gute Nummer schreibe, kann ich sie eine Stunde später in meinem Programm aufführen, und niemand sagt mir: «Du darfst das nicht!» Andererseits schaue ich manchmal meinen Tourplan an und stelle fest, dass ich im übernächsten Jahr am 20. November auf irgendeiner Kleinkunstbühne im hintersten Westerwald spiele. Das eröffnet dann nicht unbedingt Freiräume. Und wenn morgens um sieben in einer ostwestfälischen Frühstückspension die vietnamesische Putzfrau im Zimmer steht und mit schriller Stimme ruft: «Mache jetzt Minibar auffülle – um neun müsse Zimmer räume…», dann ist das auch nicht unbedingt das Glitzer- und Glamourleben, von dem ich anfangs geträumt hatte.
Sie scherzen. Aber eigentlich ist Freiheit doch ein sehr ernstes Thema.
In meinem letzten Programm habe ich mich intensiv mit dem Thema «Denken» beschäftigt. Irgendwann landete ich unweigerlich bei der Freiheit und der Frage: Welche Grenze hat eigentlich das Denken selbst? So ist das jetzige Programm «Freiheit ist alles» entstanden. Seit Jahrhunderten beschäftigen sich die Philosophen mit dem freien Willen. Schopenhauer sagte schon vor 200 Jahren: «Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.» Das entspricht so ziemlich genau dem aktuellen Stand der Hirnforschung. Deswegen versuche ich zum Beispiel auch seit fünf Jahren, «ab morgen früh» joggen zu gehen.
Sie sind Physiker und kennen den Wissenschaftsbetrieb. Welche Rolle spielt dort die Freiheit?
Wissenschaft ist ergebnisoffen. Das heisst: Wissenschaft lebt eigentlich davon, dass man sich permanent nach oben irrt und Experimente macht, um Theorien zu widerlegen und zu verbessern. Es kann sein, dass morgen jemand kommt und mit einem Experiment die Relativitätstheorie über den Haufen wirft! Ein Beispiel? Der Biologe nimmt eine Fliege, klatscht in die Hände und die Fliege fliegt davon. Dann nimmt er eine zweite Fliege, reisst ihr die Flügel aus, klatscht wieder in die Hände und erkennt: Die Fliege wurde durch das Ausreissen der Flügel taub. (lacht) Jedes neue Experiment kann neue Erkenntnisse bringen. Ein Wissenschafter kann also nie sagen: «das Problem ist gelöst», sondern er muss immer ein Hintertürchen offen halten. «Stand der Forschung ist…» oder «es existiert ein Restrisiko, dass…». Diese Haltung wird ihm dann von denjenigen, die gern verkürzte Aussagen haben, vorgeworfen.
Gern hätten aber viele Menschen zumindest eindeutigere Aussagen, solche, die allgemein verständlich und unveränderbar sind.
Gerade bei Reizthemen wie Gentechnik oder Kernenergie wird dem Wissenschafter häufig das Wort im Munde umgedreht, da man davon ausgeht – oder ausgehen will –, dass die Dinge eindeutig sind. Das ist ein Irrtum.
Es gibt also einen Graben zwischen ernsthafter Wissenschaft und unserer Alltagswahrnehmung. Die spezialisierten Wissenschafter unterhalten sich in Elfenbeintürmen über Neurobiologie, andere rufen eine teure 0190er-Nummer an und lassen sich die Zukunft vorhersagen.
Stimmt, aber durch meine Bühnenprogramme wird die Diskrepanz ja kleiner. (lacht) Der Wissenschafter ist eigentlich unter seinesgleichen, also im Elfenbeinturm, ganz gut aufgehoben. Es gibt komplexe Zusammenhänge, die man eben nicht breitenwirksam erklären kann. Deswegen ärgere ich mich immer, wenn jeder Dahergelaufene glaubt, er könnte sich ein so hochkomplexes System wie das Klima und dessen Wandel über die Medien erklären oder gar eine unumstössliche Wahrheit herausposaunen. Es wird durch die Medien so suggeriert, aber mir fehlt genau dort oft das Wissen darum, dass es eben viel mehr gibt, was man nicht weiss, als das, was man weiss: Wie beispielsweise kam das Leben auf die Erde? Was war vor dem Urknall? Warum und womit schnurren Katzen? Das sind nach wie…