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Wehrhaftes Beinhaus
In der Stadt Baden lag einst, wie früher üblich, der Friedhof bei der Pfarrkirche. An der Südseite des Gotteshauses erinnern zwei Nischen mit einer Kreuzigungsgruppe und einem Totenschädel an den 1821 aufgegebenen Gottesacker, zu dem auch die als Beinhaus dienende Sebastianskapelle gehörte. Das Beinhaus, auch Ossarium genannt, entstand 1480 an der Hangkante des Kirchhofs. 1503 bis 1505 wurde es mit deiner den Drei Königen geweihten Kapelle erhöht. Zweistöckige Beinhäuser mit einer Beingruft im unteren Geschoss und einem darüber liegenden Gottesdienstraum waren keine Seltenheit. Das Ossarium war Teil des städtischen Befestigungsgürtels. Erhalten geblieben ist der talseitig an die Kapelle angefügte gedeckte Wehrgang. 1811 hob man die Nebenaltäre der Kapelle auf und übertrug das Sebastians-Patrozinium eines dieser Altäre auf den Hauptaltar. Damit löste der Schutzheilige der Badener Stadtschützen die Drei Könige als Hauptpatrone ab. 1937 wurde der Raum in einen Pfarreisaal umgewandelt und das Untergeschoss für den liturgischen Gebrauch hergerichtet.
Memento mori
Der Einstieg in die Kapelle über eine Schachttreppe und eine Innentreppe mahnt an einen Abstieg in die Unterwelt der Toten. Im vergitterten Leuchterfenster an der Aussenwand neben dem Eingang flackerte einst ein Licht zum Gedächtnis an die Toten, denn vom Ende des Mittelalters bis zur Aufgabe des Friedhofs diente das Ossarium als Aufbewahrungsort der auf dem Gottesacker ausgegrabenen Gebeine. Allgegenwärtig ist der Tod: Hinter dem Altar hängt ein eindrucksvolles lebensgrosses Holzkruzifix. Die Fenstermalereien des Zürchers August Frey von 1938 zeigen Szenen eines Totentanzes, un im hinteren Teil der Kapelle erinnern über 300 dicht geschichtete Schädel an die frühere Funktion der Krypta. Drei Statuen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts schmücken den Raum: Sebastian, Elisabeth von Thüringen und die Nothelferin Margareta mit dem Drachen. Die beiden weiblichen Heiligen, die dürften ursprüngliche auf einem Altar der Stadtkirche gestanden haben, stammen aus der Hand des deutschen Bildhauers Bartholomäus Cades, der von etwa 1600 bis 1630 in Baden wohnte und unter anderem am berühmten Chorgestühl der Wettinger Klosterkirche mitarbeitete.
Öffnungszeiten
Die Kapelle ist nicht öffentlich zugänglich, wird jedoch regelmässig für spezielle Gottesdienste oder Konzerte genutzt.
Lageplan
5400 Baden, Kirchplatz 11, neben der Stadtkirche Baden.