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Aktualisiert: 1. Juni
Auf der Landschaft der Alten Republik Zürich gab es ein Netz von übergeordneten Verbindungen – genannt «Landstrassen». Diese verbanden nicht nur die grösseren Ortschaften des Kantons untereinander, sondern führten auch über die Kantonsgrenze hinaus nach Luzern, nach Baden, nach Chur, nach Rapperswil, nach Frauenfeld, nach Schaffhausen und anderes mehr. Nach der Kantonsgründung 1803 wurde das Strassenwesen mehrfach erneuert, ein besonderer Schub erfolgte in den 1830er und 1840er Jahren: in dieser «Regeneration» genannten Periode entstand das Netz kantonaler Hauptstrassen, die damals in drei Klassen eingeteilt wurden. Teilweise wurden dabei ältere kleinere Verbindungen aufgewertet und ausgebaut, teilweise auch bisherige Landstrassen einfach erneuert und verbreitert, so dass vor allem die Postkutschen ihren Dienst besser und zuverlässiger erfüllen konnten.
Auf dem Gebiet Wollishofens gab es bis ins 19. Jahrhundert zwei Landstrassen, die folgende Routen verfolgten:
Obere Landstrasse
(=Landstrasse von Zürich, über den Albispass, gegen die Luzern, die Innerschweiz und zum Gotthardpass)
Route auf Wollishofer Gebiet: von der Enge herkommend, über die Kappeli- und Bellariastrasse zur Hintern Mutschelle, Mutschellenstrasse bis zum Oberdorf, alte Kalchbühlstrasse zur Nidelbadstrasse gegen Kilchberg.
Untere Landstrasse
(=Landstrasse von Zürich, dem See entlang, gegen Chur und die Bündner Alpenpässe):
Route auf Wollishofer Gebiet: von der Enge herkommend, über die Seestrasse via Haumesser zur Siedlung am Bach, den Kilchbergsteig hoch zur heutigen Kilchbergstrasse, bis zur Gemeindegrenze nach Kilchberg.
Militärkarte «Kroki» Wollishofens. Neujahrsblatt der Artilleriegesellschaft 1788. Privatbesitz.
Das Militärkroki zeigt, wo und wie die Durchfahrt durch Wollishofen auf Landstrassen und weiteren Verbindungen im Falle von Gefahr blockiert werden konnte. Es zeigt deshalb auch – recht schematisch – den Verlauf der Landstrassen auf. Die obere Landstraße und die Untere Landstraß sind angeschrieben. Vor allem diese wären im Kriegsfall mit Blockierungen (auf der Karte mit schwarzen Quadrätchen markiert) versehen worden. Es gab aber auch andere Verbindungen wie die untere Widmerstrasse oder die am See eingezeichnete kleinere Erschliessungsstrasse, die bei der Siedlung am Bach zunächst in etwa der heutigen Renggerstrasse folgte, um dann zum See zu gelangen und da in etwa das Trassee der heutigen Seestrasse benutzte.
Was auf dem Kroki deutlich sichtbar wird, ist die damals noch fehlende Albisstrasse als durchgängige Verbindung. Diese wurde erst 1845 anstelle der alten Oberen Landstrasse erbaut und als Zufahrt zum Albispass konzipiert. In Wollishofen besticht sie durch die schwungvolle Anlage zwischen Post und Oberdorf sowie durch die pfeilgerade Durchquerung des mühsamen Wollishofer (oder Adliswiler) Mooses. Und was auch noch fehlt, ist die heutige Seestrasse als Landstrasse: die Untere Alte Landstrasse folgte eben dem See auf halber Höhe (der heutigen Kilchbergstrasse), was auch bedeutete, dass die Weiler am See – Klösterli und Horn – etwas verloren und abgeschieden gewirkt haben dürften.
Die heutigen «Landstrassen» sind die Autobahnen oder Nationalstrassen. Nach dem 2. Weltkrieg galt es, den Autoverkehr grossräumiger zu denken als die Postkutschenfahrwege des 19. Jahrhunderts. Träger und Treiber des Autobahnbaus war deshalb nicht mehr die Ebene Kanton, sondern der Bund, der mindestens für die Grobplanung ganz zuständig war. Lange Zeit waren aber für den Bau und den Betrieb dann doch die Kantone, und für lange Zeit auch die grossen Städte, teils allein, teils mit dem Bund verantwortlich. Erst in jüngerer Zeit ging sogar die Betriebsverantwortung zum Bund, konkret zum Bundesamt für Strassen (ASTRA).
Zwischen Leimbach und Wollishofen liegt das grosse Nationalstrassendreieck A3 / Üetlibergtunnel. Und viel zu reden gab – man konsultiere den Blog-Beitrag ÄNTLI FÜRSI – der Abschnitt Entlisberg, der lange als Einschnitt Entlisberg, heute als Tunnel Entlisberg seinen Dienst tut.
(SB)