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Über drei Milliarden Menschen leiden an Eisenmangel – also fast die halbe Menschheit. Unter diesen Bedingungen ist es wahrscheinlich legitim, bereits von einer Eisenmangelpandemie zu sprechen. Die Angehörigen dieser Betroffenen, also weitere vier Milliarden Menschen, leiden in der Regel mit. Sie hoffen, dass die Betroffenen endlich gesund werden, was leider meist ein frommer Wunsch bleibt. In den reichen Ländern ist das Frühstadium von Eisenmangel vorherrschend (Eisenmangelsyndrom), in den armen Ländern hingegen vor allem das nicht selten tödlich endende Spätstadium (Eisenmangelanämie).
Unter epidemiologischem Aspekt ist die Beurteilung von Eisenmangel aus drei Gründen bedeutungsvoll.
Erstens verwundert es, dass, wie gesagt, praktisch die halbe Menschheit davon betroffen ist, aber kaum jemand darüber spricht. Zweitens fällt eine im Weltmaßstab ungerechte Verteilung bei den Schweregraden auf, und drittens hat sich gezeigt, dass es sich beim Problem des Eisenmangels mehrheitlich um eine Art Gender Medicine (geschlechtsbezogene Medizin) handelt. Frauen wurden auch und besonders in dieser Hinsicht bisher grundsätzlich vernachlässigt.
Die globale Häufigkeitsverteilung im Auftreten von Eisenmangelsyndrom und Eisenmangelanämie entspricht etwa derjenigen zwischen Reichtum und Armut. In den reichen Ländern herrscht, wie gesagt, eindeutig das Eisenmangelsyndrom vor, in den armen Ländern hingegen die Eisenmangelanämie.
Die obige Weltkarte Karte veranschaulicht die Häufigkeit einer Eisenmangelanämie bei Kindern im Vorschulalter (Quelle WHO). In den hier grau gefärbten Regionen (USA) liegt die Häufigkeit unter 5%, in den hell-rosa gefärbten zwischen 5 und 20%, in den dunkel-rosa gefärbten zwischen 20 und 40% und in den rot gefärbten über 40%.
Weshalb sind die USA eine Ausnahme?
Es fällt auf, dass bei Kindern dieser Altersgruppe ein Eisenmangel in den USA am seltensten vorkommt. In großen Teilen Afrikas, Südamerikas, Indiens und Indonesiens kommt er hingegen sehr häufig vor. Die Frage drängt sich auf: Weshalb leiden in den USA im Vergleich zum Rest der Welt relativ wenige Kinder im Vorschulalter an einer Eisenmangelanämie? Das könnte folgenden guten Grund haben: In den Vereinigten Staaten ist das Hämeisen als Nahrungsmittelergänzung zugelassen, mithin rezeptfrei erhältlich. Es handelt sich um ein natürliches Eisen, das vom Körper weitaus besser aufgenommen wird als die handelsüblichen synthetischen Eisenpräparate. Aus bisher unbekannten Gründen ist das wirksame Hämeisen hingegen in vielen Ländern Europas, so auch leider in der Schweiz, nicht zugelassen.