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Shakespeare ist zwar über 400 Jahre tot, doch seine Stücke über die Abgründe von Macht, Eifersucht und Intrigen sind noch immer ein Dauerbrenner, im Theater und beim Film.
Oft auch stark modernisiert oder politisch korrigiert, etwa in «Ophelia» (2018), der feministischen Version von «Hamlet» aus der Sicht von Ophelia, oder «King Lear» (2018), der in einer totalitären Parallelwelt im 21. Jahrhundert spielt.
Ein amüsantes Spiel mit shakespearscher Fiktion und historischer Wahrheit unternimmt «The Lost King» des Briten Stephen Frears. Sally Hawkins spielt darin Philippa Langley, eine unscheinbare Büroangestellte aus Edinburgh, die wegen ihres chronischen Erschöpfungssyndroms vom Chef stets übergangen wird.
Als sie eines Abends eine Aufführung von «Richard III.» besucht, ist sie fasziniert von dem bucklig und garstig dargestellten König. Sie möchte herausfinden, was historisch stimmt, liest Bücher, besucht Fanzirkel. Schnell ist sie überzeugt, dass König Richard III. von Shakespeare und der Tudor-Dynastie zu Unrecht des Kindsmords und der Tyrannei bezichtigt wurde.
Sie ist nun geradezu besessen davon, seine sterblichen Überreste zu finden. Philippa glaubt, dass die Gebeine in Leicester unter einem Parkplatz liegen, wo sich früher die Greyfriars Church befand. Diese Idee stösst bei den Gelehrten der dortigen Universität aber auf Unverständnis, und als sie nach Sponsoren für eine Ausgrabung sucht, wird sie bloss belächelt.
«The Lost King» beruht auf einer wahren Geschichte: Philippa Langley fand 2012 tatsächlich die Gebeine des Königs. Das ist perfekter Stoff für eine Feelgood-Komödie, in der eine eigensinnige Amateurhistorikerin arrogante Akademiker alt aussehen lässt.
Frears (82) widmet erneut einen Film einer Frau mit viel Durchhaltewillen: nach «Philomena» über eine ältere Dame (Judi Dench), die hartnäckig nach ihrem verlorenen Sohn sucht, und «Florence Foster Jenkins» über eine «untalentierte» Adlige, die unbedingt Opernsängerin werden will. Das macht Spass, auch dank dem spröden Charme von Sally Hawkins (47), die ihre Karriere mit Shakespeare-Rollen begann und 2018 für «Shape of Water» oscarnominiert wurde.
Ein Pluspunkt ist auch Philippas liebevolle Beziehung zu ihrem Ex-Mann, gespielt von Drehbuchautor Steve Coogan. Eher bemüht wirkt dafür, Richard III. immer wieder als nett nickendes Phantasiegebilde auftreten zu lassen. Shakespeare hätte dieses Weichspülen nicht so gefallen. Das schmälert aber nicht den Feelgood-Faktor des Films.
Komödie
Mit Sally Hawkins, Steve Coogan, Harry Lloyd
GB 2022, ab 31. August 2023 im Kino