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Die frühzeitige und ausreichende Gabe von Antibiotika ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie gegen eine Sepsis. Jedoch liegen bei etwa der Hälfte der Patienten mit Sepsis die Antibiotikaspiegel zu hoch oder zu niedrig, wenn die Dosierung nach Empfehlung in der Fachinformation durchgeführt wird. Das haben frühere Studien gezeigt.
Die Ursachen hierfür sind zum Beispiel die Funktionsstörungen von Leber oder Nieren, die die Antibiotika nicht mehr ausreichend abbauen bzw. ausscheiden können. Ebenso kann die häufig zur Stabilisierung des Blutdrucks bei der Sepsisbehandlung erforderliche Flüssigkeitstherapie zu einer «Verdünnung» der Antibiotika führen. Damit steigt die Gefahr für die ungenügende Bekämpfung der Infektion oder aber für Vergiftungserscheinungen.
Target-Studie
Das Center for Sepsis Control and Care am Universitätsklinikum Jena initiierte deshalb die Target-Studie. Die randomisierte, multizentrische Studie testete den Erfolg einer mit Hilfe von therapeutischem Drug-Monitoring optimierten Antibiotikabehandlung. Dazu nahm das Studienteam von Januar 2017 bis Dezember 2019 an neun Zentren in Deutschland insgesamt 249 erwachsene Patienten mit Sepsis oder septischem Schock in die Studie auf, die zwei Gruppen zugeordnet wurden.
- Eine Gruppe erhielt eine kontinuierliche Infusion mit dem Wirkstoffkombination von Piperacillin und Tazobactam als Breitbandantibiotikum entsprechend der Herstellerdosierungsempfehlung.
- Die zweite Gruppe wurde mit demselben Medikament behandelt, wobei täglich die Wirkstoffkonzentration im Blutplasma gemessen und die Dosis, wenn nötig, angepasst wurde, um eine festgelegte Zielkonzentration zu erreichen. Rückstellproben ermöglichten später für die Auswertung auch die taggenaue Spiegelbestimmung in der Kontrollgruppe.
Grosse Schwankungen in der Pharmakokinetik
Den Behandlungserfolg mass das Studienteam an der Organfunktion beim Verlassen der Intensivstation oder am zehnten Behandlungstag und verglich auch die Sterblichkeit nach 28 Tagen und den Erfolg der Erregerbekämpfung. In der Monitorgruppe musste an mehr als der Hälfte der Behandlungstage die Dosis korrigiert werden, etwa gleichhäufig nach oben und nach unten. Der Wirkstoffspiegel erreichte dadurch häufiger den Zielwert als in der Kontrollgruppe. «Allerdings konnte auch mit der Monitoring-gesteuerten Dosierung nur bei einem Drittel der Patienten die angepeilte Wirkstoffkonzentration erreicht werden», so Studienleiter PD Dr. Stefan Hagel. «Bei Sepsispatienten treten so grosse Schwankungen in der Pharmakokinetik auf, dass eine exakte Zielanpassung sogar mit Wirkstoffmonitoring schwierig ist.»
Keine statistisch signifikanten Unterschiede
In Bezug auf die Organfunktion konnte die Studie keinen Unterschied zwischen den Gruppen feststellen Die Monitoringgruppe zeigte eine leicht geringere Sterblichkeit und eine höhere Heilungsrate, diese Unterschiede waren jedoch nicht statistisch signifikant. Für CSCC-Sprecher Prof. Dr. Michael Bauer weist das Ergebnis auf künftigen Forschungsbedarf: «Um zu klären, welche Patienten von einer Medikamentenspiegel-gesteuerten Antibiotikatherapie profitieren, brauchen wir weitere, grössere Studien. Mit den grossen intensivmedizinischen Studien im CSCC haben wir gezeigt, dass wir auch in Deutschland solche multizentrischen Projekte erfolgreich umsetzen können.»PS