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Hochgipfel in den peruanischen Anden
Von Friedrich Ahlfeld.
Die bergsteigerische Erschliessung der südamerikanischen Kordillere war weit weniger das Werk gross angelegter Expeditionen als kleiner Gruppen, die sich meist zufällig zusammengefunden hatten. Vielfach waren es Minenleute, Geologen, Ingenieure, auch Kaufleute, besonders Deutsche, Schweizer und Österreicher, die ihre Jugendliebe zu den Alpen auf die Anden übertrugen und schöne Erfolge errangen. Hierhin gehören die Bergfahrten von Reichert und Robert Helbling in Argentinien und Chile, von Adolf Schulze, Dienst, Bengel, Overbeck, Lohse und aus jüngster Zeit von Hein in Bolivien. Manche Erstersteigung fand keinen Beschreiber und blieb unbekannt.
Dass die Anden Argentiniens, Chiles und Boliviens weit bekannter geworden sind als diejenigen Perus, hat seinen Grund wohl darin, dass sich in jenen Ländern häufiger Gruppen von Bergsteigern zusammenfanden, die dort beruflich tätig waren. Peru blieb bis heute bergsteigerisch unbekannt. Das wenige, was wir über seine Gebirge wissen, verdanken wir den Reisen Sievers und den Veröffentlichungen von Expeditionen nord-amerikanischer Universitäten, die mehr wissenschaftliche als bergsteigerische Erschliessungsarbeit leisteten.
Ich bereiste beruflich als Geologe im Jahre 1926 Südperu. Auf einer zweiten Reise, 1928 und 1929, lernte ich Teile von Zentralperu und der Cordillera Blanca kennen. Wenn ich auch nicht das Glück hatte, einen der HOCHGIPFEL IN DEN PERUANISCHEN ANDEN.
vielen Sechstausender zu ersteigen, da ich allein mit indianischen Mozos reiste und aher an die schönsten Berge nicht heranwagen durfte, so konnte ich doch manchen Berg zweiten Ranges erklimmen und mir über die Hauptketten Perus, ihren Formenreichtum und ihre Besonderheiten ein Bild machen. Eine neue Kundfahrt in die Cordillera Blanca musste ich infolge der Ungunst der Zeit aufgeben. Hier möchte ich die Teile der perua- der peruanischen Anden.
nischen Anden, die für künftige Unternehmungen in erster Linie in Frage kommen, einer Betrachtung unterziehen.
Die Kordillere Perus zeigt nicht die einfachen Verhältnisse derjenigen Ecuadors und Boliviens, wo wir in der Hauptsache zwei Hauptketten unterscheiden, die ein zentrales Hochland umsäumen. Durch eine Reihe von Längstälern, die zum Teil gewaltige Erosionsschluchten bilden, sind sie weitgehend zerrissen und in einzelne isolierte Teile aufgelöst. Höhenunterschiede von mehreren tausend Metern zwischen den Böden der Canons und den Gipfeln, starke Bewaldung und Mangel an Wegen und an Wohnstätten erschweren besonders in den östlichen Ketten das Eindringen ungemein. Dazu kommt das regen- und nebelreiche Klima auf der Ostseite in den Ketten, die unmittelbar aus der « Montana », dem Regenwald, aufragen. So konnte ich noch von Glück sprechen, während sechs Tagen, die ich im Juni, in der trockensten Jahreszeit, in der Cordillera von Vilcapampa verbrachte, einmal am frühen Morgen die herrlichen Gipfel des Soray und Salcantay ganz frei von Nebeln zu erblicken.
Auf der beigegebenen Skizze habe ich die höchsten Teile der peruanischen Anden eingetragen. Wenden wir uns zunächst den östlichen Ketten zu, die, aus Bolivien kommend, von den Tälern des Paucartambo, Vilcanota ( Urubamba ), Apurimac und Mantaro durchbrochen, bis in die Gegend von Cerro de Pasco mehr oder weniger hochalpine Entwicklung zeigen. Die durch die bolivianisch-peruanische Grenze in zwei gleich grosse Teile zerschnittene Kordillere von Apolobamba ( auf der Skizze Nr. 1 ) ist ein 90 km langes, stark vergletschertes Hochgebirge mit nur drei schneefreien Pässen. Ein Blick am Westabfall entlang gegen Süden zeigt, dass es morphologisch den anschliessenden Ketten Boliviens, der Cordillera Real und Quimza Cruz, gleichwertig ist: Im Westen ungeheure Schottermassen ehemaliger Plateaugletscher in 4600 bis 4800 m Höhe. Im Osten Steilabfall zu den Urwäldern der Montana. Die menschenleere Hochsteppe auf der Westseite wird durch zahllose Lagunen belebt, die in herrlichen blauen und grünen Tönen leuchten, deren grösste, die 7 km lange Lagune von Suchez mit dem Gletscherzirkus des Palomani im Hintergrunde, an die Seen von Laramcota in der Quimza Cruz-Kordillere erinnert. Auch in ihren Gipfelformen gleichen beide Ketten einander. Es fehlen hier allerdings die kühnen Formen der Cordillera Real. Der Cololo ( 5900 m ) auf bolivianischer, Ananea ( 5839 m ) und der ebenso hohe Calejon auf peruanischer Seite sind mächtige Eisdome. Die Vergletscherung scheint mir wenig intensiver zu sein als die der bolivianischen Ketten; die grossen Talgletscher auf der Westseite, wie der vom Ananea kommende San Francisco-gletscher, reichen bis zu 4800 m hinab. Wenn auch Teile der Cordillère von Apolobamba teils durch Grenzkommissionen, teils durch Minengesellschaften vermessen worden sind, so ist sie doch in bergsteigerischer wie wissenschaftlicher Beziehung völlig Neuland. Von den gegen 20 Gipfeln über 5500 m, die ich zählte, ist nur der Palomani ( 5768 m ) durch einen bolivianischen Hauptmann erstiegen worden. Einem geübten Eisgeher dürfte keiner der Gipfel grössere Schwierigkeiten bieten.
Im Norden von Poto wird das Gebirge durch die breite, schneefreie Lücke von Ancocalla ( 4715 m ) unterbrochen, um als Cordillera von Carabaya seine Fortsetzung zu finden. Diese ist kaum hochalpin zu nennen. Stärkere Vergletscherung weist besonders eine Berggruppe auf, die den Pass von Aricoma ( 4816 m ) im Süden flankiert. Viel weiter nördlich bei dem traurigen Provinzstädtchen Macusani überragt ein einzelner Gipfel, der weit östlich der Hauptkette liegt, diese um ein Bedeutendes. Ich erblickte ihn zuerst von einem niedrigeren Gletscherberg in der Hauptkette bei Acora aus. Über dem Nebelmeer leuchtete seine wundervoll gezackte Firstlinie mit vielen Gletschern gleich einem Segelschiff auf stürmischem Meer. Es ist der Allincapac ( 5720 m ), von dem die Sage geht, dass er in seinem Inneren das Gold der Inkas berge. Er erhebt sich auf einem Seitenkamm zirka 20 km östlich der Wasserscheide und wirkt darum gleich dem Tiquimani in der bolivischen Cordillera Real sehr viel imposanter, als es seiner absoluten Höhe entspricht.
Weiter nördlich verbreitert sich die Kordillere zu einer 50 km breiten, äusserst unübersichtlichen Masse, die ihrerseits durch eine Gebirgsbrücke, den Nudo de Vilcanota, mit den Westanden in Verbindung steht. Den besten Einblick in dieses noch völlig unbekannte Bergland gewann ich von dem Cerro Cunurana bei Santa Rosa an der Bahn Puno-Cuzco. Gegen das Pucaratal macht dieser Berg mit seinen steilen Hängegletschern einen grossartigen Eindruck, während er von Osten über Almen und leichten Fels mühelos zu ersteigen ist. Seine Höhe bestimmte ich zu 5150 m. Die isolierte Lage macht ihn zu einem vorzüglichen Aussichtsberg. Ich stellte fest, dass sich in dem Nudo de Vilcanota kein einziger hervorragender Gipfel befindet; die höchsten mögen 5600 m erreichen. Dagegen ragen im Norden die mächtigen Schneedome des Ausangate ( 6153 m ) und des wenig niedrigeren Calangate auf, die einzigen Sechstausender im südöstlichen Peru.
Mit ihnen beginnt die Cordillera von Cuzco ( Skizze, Nr. 2 ) eine durch die Längstäler des Rio Paucartambo und Vilcanota in einzelne niedrige, aber infolge des Gegensatzes zwischen Firn und üppig grünen Talböden sehr malerische Berggruppen zerteilte Kette. Der Rio Vilcanota durchbricht sie in prachtvoller Schlucht dicht unter der berühmten Inkafeste Ollantaytambo.
Zwischen Vilcanota- und Apurimacschlucht erreicht die Ostkordillere als Cordillera von Vilcapampa ( Nr. 3 wieder bedeutende Höhen ). Hier entfaltet sie sich in ihrer ganzen Eigenart: In gewundenen Schluchten durcheilen wasserreiche Ströme gewaltige Felsengen. Banane und Zuckerrohr reifen in den kleinen, dem Fels abgerungenen Terrassen. Hoch darüber schlummern in immergrünem Regenwald die ausgedehnten Ruinen der Inkafestungen, die zum Schütze der nahen Hauptstadt Cuzco gegen Einfälle der wilden Waldvölker hier angelegt wurden. Die grösste dieser Bergstädte, Macchu Picchu, wurde erst 1911 entdeckt und ist schnell bekannt geworden. Darüber ragt die prachtvolle, stark vergletscherte Gruppe des Salcantay, Soray und Soiroccocha bis zu 5600 m auf.
Jenseits des Apurimac weist die Kordillere zwar noch einige schöne Schneeberge auf, wird aber flacher und niedriger. Der Mantaro durchbricht sie in einem eigenartig gekrümmten Canon. Weit im Norden, in der Breite von Cerro de Pasco, entwickelt sie noch einmal hochalpine Formen. Als ich aus der Gegend von Minas Ragra in der Westkordillere nach der Senke von Junin reiste, fiel mir eine herrlich geformte Pyramide auf, die einsam aus schwarzen Felsbergen aufragte. Mein Führer bezeichnete sie als Huagua-runchu ( Nr. 4ihre Höhe schätzte ich auf wenigstens 6000 m. Dieser Berg, der seltsamerweise von keinem Reisenden erwähnt und auf keiner Karte angegeben wird, liegt nördlich der Bahn, die von Tambo del Sol aus nach dem Perenétal gebaut wird, in einer nur spärlich von Hirten besiedelten Gegend. Fast immer hüllen ihn Nebel ein, die aus den feuchtwarmen Wäldern zu seinen Füssen aufsteigen. Von allen Gipfeln Perus hat er auf mich den stärksten Eindruck gemacht.
Im Gegensatz zu den Ostanden durchziehen die Westanden Peru in seiner ganzen Länge als ziemlich einheitliches, mächtiges Gebirge. Morphologisch nimmt nur der äusserste Süden eine Sonderstellung ein. Bis hierhin erstreckt sich nämlich die Kette junger Vulkane, die, in der Breite von Copiapo in Chile beginnend, sich längs der chilenisch-bolivianischen Grenze nordwärts ziehen ( Nr. 5 ). Drei dieser Riesen, Picchu Picchu, Misti und Chachani, flankieren das subtropische Becken von Arequipa; höhere, den Ampato ( 6300 m ), Coropuna ( 6617 m ) und Solimana(6323 m ), erblickte ich vom Misti aus als mächtige Schneedome, die unbewohntes, ödes Steppenland überragen. Infolge der trockenen Luft liegt die Schneegrenze hier auffallend hoch, bei 5800, ja am Chachani bei 6000 m. Der Coropuna wurde von Mitgliedern der Yaleexpedition 1916 erstiegen. Man erzählte mir, dass einer der indianischen Begleiter, um vergessenes Gerät zu bergen, die Besteigung an einem einzigen Tage wiederholte. Daraus erhellt, dass die Bezwingung dieser Vulkane keinerlei bergsteigerische Fähigkeiten, sondern nur Ausdauer verlangt. Sie weisen keine Gletscher auf, nur festen Firn, auf dem sich vorzüglich steigt.
Die Reihe der Vulkane ist den Westanden, die hier im Süden eine 150 km breite, überaus reizlose Hochfläche bilden, westlich vorgelagert. In abnehmender Breite ziehen sie nordwärts, um erst in der Gegend östlich Lima stärkere Vergletscherung zu zeigen. Hier, in der Cordillera von Huarochiri ( Nr. 6 ), durchbricht die Bahn Lima-Oroya in fast 4800 m Höhe den Cerro Meiggs ( 5300 m ), die kontinentale Wasserscheide. Eine Fahrt von der Küste nach Oroya dürfte in der Welt nicht ihresgleichen haben. Denn man klimmt in 7 Stunden aus dem feucht-heissen Lima in fast Meereshöhe bis in die Gletscherregion empor. Wie ich auf Kundfahrten in der Gegend vor Morococha und weiter nördlich bei Huayllay feststellte, bietet die Kette hier dem Bergsteiger wenig. Die Gipfel bleiben meist unter 5500 m.
Erst höher im Norden, bei Oyon in der Breite von Cerro de Pasco, beginnt die Cordillera von Huayhuash ( Nr. 7 der Skizze ), ein 100 km langer Gebirgs-klotz mit stärkster Vereisung. Im mittleren Teil besteht sie aus zwei durch eine Längsdepression getrennten Hauptketten und erreicht hier 40 km Breite. Wenn wir nicht Sievers eine Schilderung seiner Durchquerung verdankten, wüssten wir von dieser Kordillere fast nichts. Sie gilt als überaus unwegsam und ist kaum besiedelt. Neuerdings ist durch eine Minengesellschaft der südliche Teil, das Quellgebiet des Maranon und damit des Amazonas, vermessen worden. In Raura, an der Lagune Santa Ana ( 4790 m ), dem obersten der sechs Quellseen des Maranon, gibt es sogar so etwas wie ein Hotel.
Die Gipfel um Raura erreichen zwar nur 5300-5700 m Höhe, zeigen aber, da sie aus weissem, festem Kalkstein bestehen, prachtvolle Formen, oft messerscharfe Grate. Wild zerrissene, grüne Gletscher hängen über den schwarzen Bergseen. Der Santa-Ana-Gletscher bricht über der gleichnamigen Lagune als 50 Meter hohe Eiswand ab und entsendet bei starker Sonnenbestrahlung Eismassen in den See. Der höchste Berg dieser südlichen Gruppe ist der Nevado Santa Rosa ( Peak Raura ) mit 5714 m, bekannt durch den Besteigungsversuch der Miss Peck.
Die Vermessung des mittleren Teiles der Cordillera von Huayhuash, die in den letzten Jahren durch die Geographical Society of New York vorgenommen wurde, brachte insofern eine Überraschung, als man hier unter -,1... j»Ji-.
fünf oder sechs Sechstausendern einen Gipfel mit 6632 m Höhe, den Carnicero, ermittelte. Bergsteigerisch ist dieser Teil der Anden noch terra incognita.
Nördlich des 10. Breitengrades beginnt die stolzeste Kette Perus und des tropischen Südamerika überhaupt, die Cordillera Blanca ( Nr. 8 ), die sich als fast lückenlose Schneekette von hier bis zu der Scharte von Tarica ( 4150 m ) erstreckt. Ihre Länge kommt der Entfernung zwischen Sankt Gotthard und Mont Blanc gleich. Gegen die Cordillera de Huayhuash ist sie ein wenig gegen Westen verschoben, im südlichen Teile laufen beide Ketten parallel.
Reist man von Casma oder einem anderen pazifischen Hafen ins obere Santatal, das als gewaltige Längsdepression die Cordillera Blanca im Westen begrenzt, so hat man das kahle, traurige Gebirge der Cordillera Negra ( Nr. 9 ) zu überschreiten. Von ihren Pässen aus öffnet sich ganz überraschend die Sicht auf die gezackte Riesensäge der Cordillera Blanca. Für Raimondi, den berühmten Gelehrten und Reisenden, war dieser Blick « el mas grandioso cuadro que pueda ofrecer la vista de una elevada cadena de cerros nevados ». Reist man im Santatal selbst, so öffnet sich wohl bisweilen eine Schlucht und lässt einen Eisriesen erkennen, man befindet sich aber zu tief und zu nah an der Kordillere, um den rechten Eindruck von ihr zu erhalten. Nur Huandoy und Huascaran springen weit nach Westen vor und enthüllen sich auch dem Talreisenden in ihrer ganzen Majestät.
Im Süden schmal und ziemlich niedrig, gewinnt die Kette in der Breite von Huaraz, der alten Bergstadt, an Höhe. Nördlich der Quebrada honda, die als Passweg dient, erhebt sich der über 20 km lange Schneedom des Hualcan ( 6081 m ). An ihn schliesst sich nördlich der riesige Doppelgipfel des Huascaran ( 6763 und 6650 m ) an. Er beherrscht das mittlere Santatal, schaut in die winkligen Gassen des altspanischen Städtchens Yungay hinein, das er um über 4000 m überragt. Hier rüstete einst die Amerikanerin Miss Peck ihre Expedition aus, um mit zwei Schweizer Führern den Riesen zu bezwingen. Sie ist nicht viel weiter gekommen als bis zu dem Sattel zwischen beiden Gipfeln. Einer der Führer erlitt schwere Erfrierungen. Später hat Miss Peck sich in Lima feiern lassen und ein phantastisches Buch geschrieben. Ihr zu Ehren wurde eine Medaille geprägt. Das Ganze bildete eines der traurigsten Kapital in der Geschichte des Alpinismus.
Den besten Einblick in das Huascaranmassiv gewinnt man von dem Pass von Yanganuco ( 4710 m ), in der Kordillere zwischen ihm und dem Huandoy. Technische Schwierigkeiten dürfte eine Ersteigung des Südgipfels über den erwähnten Sattel, die « Garganta » ( Kehle ), nicht bereiten. Meinem Freunde Max Kreuz gelang es bei einer Kundfahrt auf die Ostseite, einen wundervollen Gipfel festzustellen, der mit dem Südgipfel durch einen langen, mit mächtigen Wächten gekrönten Grat zusammenhängt. In der Kühnheit seines Aufbaus übertrifft er den Illampu in der bolivianischen Cordillera Real.
Die Palme aller Gipfel der Blanca gebührt aber dem Huandoy ( 6354 m ). Unvergesslich wird mir der Anblick seiner beiden Westgipfel und des sie verbindenden, wundervoll geschwungenen Grates von dem Santatal unterhalb Yungay sein. Er erscheint hier als Abschluss der üppig grünen Schlucht des Rio Ancachs. Von einem Schneeberg hart am Passe Yanganuco zeigt der Huandoy vier pittoreske Hörner. Von dieser Seite wird der Anstieg erfolgen müssen, über dessen Schwierigkeit man sich noch kein rechtes Bild machen kann.
Zwischen Yanganuco und der Senke von Tarica gibt es auf 45 km Länge keinen Übergang weiter. Daher ist das Gebirge nördlich des Huandoy mit mehreren Sechstausendern äusserst schwer zu erreichen und ganz unbekannt. Beherrscht wird dieser Teil durch eine ungemein steile Pyramide, die man wohl mit der des Matterhorns vergleichen kann. Da man sie am besten von Huaylas in der Cordillera Negra sieht, heisst sie Pico de Huaylas; die Indios nennen sie nach einem Dörfchen zu ihren Füssen Nevado de Santa Cruz. Hier entdeckte Max Kreuz inmitten einer Wildnis blühender Sträucher die Ruinen eines Inkadorfs. Dem Bergsteiger wird der Pico de Huaylas die allergrössten Schwierigkeiten bereiten. Der letzte der Eisriesen vor der tiefen Scharte von Tarica ist der domartige Nevado Champara ( zirka 6000 m ).
Nördlich der Scharte erhebt sich die Fortsetzung der Cordillera Blanca in der Cordillera von Conchucos noch einmal auf über 5000, in dem Firndom des Pelagatos bis fast 6000 m. Mit dem B. Breitengrad erniedrigt und verflacht sich die Kordillere dann endgültig, ihre Gipfel erreichen nicht mehr die Linie des ewigen Schnees.
In der folgenden Tabelle habe ich die Sechstausender der peruanischen Anden zusammengestellt, über die ( mit Ausnahme der beiden letzten ) zuverlässige Messungen vorliegen:
HuascaranCordillera Bianca 6763 m CorniceròCordillera von Huayhuash 6632 m CoropunaVulkangebiet bei Arequipa 6617 m HuandoyCordillera Bianca6354 m SolimanaVulkangebiet bei Arequipa 6323 m AmpatoVulkangebiet bei Arequipa 6300 m Pico de Huaylas.. Cordillera Bianca6278 m AusangateCordillera von Cuzco6152 m ChachaniVulkangebiet bei Arequipa 6087 m HualcanCordillera Bianca6081 m ChamparaCordillera Bianca6000 m?
Huaguarunchu... Ostkordillere bei Cerro de Pasco. 6000 m?
Alle diese bis auf den Coropuna sind unerstiegen. Dem Bergsteiger, der unbegangene Wege sucht, bieten die Anden Perus eine Fülle von Problemen. Unter diesen steht die Cordillera Bianca mit wenigstens sechs Sechstausendern obenan. Noch mehr Überraschungen birgt vielleicht die Cordillera de Huayhuash. Ganz unbekannt ist die Cordillera de Apolobamba, wenn sie es auch an Höhe und Schönheit ihrer Gipfel mit den beiden erstgenannten nicht aufnehmen kann. Die Gegensätze zwischen der Üppigkeit tropischer Täler und der Einsamkeit düsterer Kare und vergletscherter Hochgipfel zeigen am eindrucksvollsten die Kordilleren von Vilcapampa und des Huaguarunchu.