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<h2>SubmittedText<h2><p>Die tödlichsten Naturereignisse in Europa waren in den letzten Jahrzehnten Hitzewellen. In der Schweiz starben im Hitzesommer 2015 in den Monaten Juni, Juli und August rund 800 Personen mehr als in einem durchschnittlichen Sommer. Dies bedeutet eine Zunahme der Mortalitätsrate um 5,4 Prozent. Im Hitzesommer 2003 betrug die zusätzliche Mortalität sogar 6,9 Prozent. Dies hält der Bericht des Bundesamtes für Umwelt "Klimabedingte Risiken und Chancen" von 2017 fest. Der Bericht zeigt aber auch weitere Gefährdungen der menschlichen Gesundheit durch den Klimawandel auf: Die Asiatische Tigermücke hat sich in der Schweiz angesiedelt und breitet sich aus. Die Tigermücke kann Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren übertragen. Auch weitere Mückenarten und Zecken sowie gebietsfremde, allergene Pflanzen breiten sich mit den steigenden Temperaturen aus und können Krankheiten auf den Menschen übertragen respektive auslösen. Im Aktionsplan Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz 2014-2019 , zweiter Teil der Strategie des Bundesrates vom 9. April 2014, sind unter anderem Massnahmen des Bundes zur Reduktion der Gefahren für die menschliche Gesundheit durch den Klimawandel formuliert. Der Aktionsplan läuft Ende 2019 aus. Aus gesundheitspolitischer Sicht stellen sich die folgenden Fragen:</p><p>1. Sind alle geplanten Massnahmen des Bundes im Bereich "Informationen und Empfehlungen zum Schutz bei Hitzewellen" ergriffen worden?</p><p>2. Reichen diese Massnahmen aus, oder braucht es weitere? Was folgt auf den auslaufenden Aktionsplan?</p><p>3. Sind alle geplanten Massnahmen des Bundes zur Reduktion der Wärmeinseln in den Städten ergriffen worden?</p><p>4. Reichen diese Massnahmen aus, oder müssen weitere Massnahmen folgen, damit Städte die für alte und kranke Menschen und Säuglinge so gefährlichen Wärmeinseln reduzieren können?</p><p>5. Könnten Städte und Agglomerationsgemeinden im Rahmen eines Impulsprogramms des Bundes für Massnahmen zur Reduktion von Wärmeinseln finanziell unterstützt werden?</p><p>6. Welches sind die Erkenntnisse aus der Überwachung, Früherkennung und Prävention von vektorübertragenen Infektionskrankheiten bezüglich Veränderungen aufgrund des Klimawandels? Wurden in den letzten fünf Jahren Veränderungen beobachtet, die auf den Klimawandel zurückzuführen sein könnten?</p><p>7. Welches sind die Erkenntnisse aus dem Monitoring der letzten fünf Jahre von potenziell krankheitsübertragenden, gebietsfremden Stechmückenarten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1./2. Alle Massnahmen des Bundes im Bereich "Informationen und Empfehlungen zum Schutz bei Hitzewellen", die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gegenwärtig überarbeitet, wurden umgesetzt. Zur Zielerreichung wurden die Informationsmaterialien zum Schutz bei Hitzewellen, die bereits nach dem Hitzesommer 2003 durch das BAG und das Bundesamt für Umwelt (Bafu) gemeinsam erarbeitet wurden, 2016 überarbeitet. Die Informationsmaterialien dienen der Sensibilisierung und beinhalten Verhaltensempfehlungen bei Hitze. Zielgruppen sind die Bevölkerung sowie Fachpersonen des Gesundheits- und Sozialwesens. Basierend auf einer Evaluation der Hitzemassnahmenpläne der Kantone hat das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) im Auftrag des BAG im Jahr 2017 für Behörden einen Massnahmenkatalog zur Minimierung von negativen Gesundheitsauswirkungen von Hitzewellen erstellt. Mit dieser "Hitzewelle-Massnahmen-Toolbox" steht den Kantonen, Städten und Gemeinden eine gute Grundlage zur Verfügung, um Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung bei Hitzewellen zu planen und umzusetzen. Im Sommer 2018 zeigte sich, dass in Kantonen, die Hitzemassnahmenpläne aktivierten (GE, VD, FR, VS, NE, TI), die hitzebedingte Sterblichkeit geringer war als in jenen Kantonen, die keine solche Pläne haben. Der Aktionsplan Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz 2014-2019 soll für den Zeitraum 2020-2025 weitergeführt werden. Darin ist auch eine Massnahme des BAG vorgesehen, die bestehenden Hilfsmittel beim Umgang mit Hitzewellen besser bekanntzumachen. Neben diesen Massnahmen aus dem Aktionsplan wird das Hitzewarnkonzept des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie (Meteo Schweiz) regelmässig weiterentwickelt. Das Auftreten und die Dauer von Hitzewellen sind heute mehrere Tage im Voraus vorhersehbar. Entsprechende Warnungen sind möglich und leisten einen wesentlichen Beitrag, damit sich Betroffene (z. B. Spitäler, Altersheime) auf Hitzewellen vorbereiten können.</p><p>3.-5. Alle geplanten Massnahmen des Bundes zur Reduktion von Hitzeinseln in den Städten wurden umgesetzt. Mit der Publikation "Hitze in Städten" des Bafu und des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) steht den Städten und Gemeinden seit 2018 eine Grundlage für die klimaangepasste Siedlungsentwicklung zur Verfügung. Darin sind zahlreiche wirkungsvolle Handlungsanweisungen zur Anpassung an die Hitzebelastung systematisch beschrieben und mit konkreten Beispielen illustriert. Die Berücksichtigung der zunehmenden Hitzebelastung bei der Siedlungsentwicklung steht am Anfang. Erst wenige Kantone und Städte haben das Thema aufgenommen und Klimaanalysen für die Siedlungsentwicklung durchgeführt.</p><p>In der laufenden Phase 2019-2022 des Pilotprogramms "Anpassung an den Klimawandel" unterstützt der Bund 15 Projekte zur klimaangepassten Siedlungsentwicklung. Unter anderem werden Baumaterialien, Strassenbeläge und Bäume auf ihre kühlende Wirkung untersucht, die Verminderung der Hitzebelastung in Schulhäusern getestet oder Konzepte für die klimaangepasste Gestaltung von Arealen, Quartieren und Agglomerationen entwickelt. Die wissenschaftlichen Grundlagen zu Hitzeinseln in der Schweiz sind noch beschränkt. Einerseits fehlen Langzeitmessungen in städtischen Gebieten, damit Aussagen über potenzielle Veränderungen gemacht werden können. Andererseits gibt es erst vereinzelte numerische Modelle, welche solche Hitzeinseln auch hochaufgelöst simulieren. Die Studie "Städtische Wärmeinsel in der Schweiz - klimatologische Studie mit Messdaten in fünf Städten" von Meteo Schweiz zeigt den Effekt von Hitzeinseln.</p><p>6./7. Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) wurde im Jahre 2003 erstmals im Südtessin nachgewiesen. Seit 2015 kommt sie auch im südlichen Misox/GR vor. Nördlich der Alpen sind zunehmend Einzelfunde zu verzeichnen. Die Klimaerwärmung begünstigt zwar die Etablierung, die Verbreitung erfolgt aber primär durch den alpenquerenden Verkehr. Die Überwachung der Tigermücke während der letzten fünf Jahre hat gezeigt, dass die etablierten Bestände in der Südschweiz so weit bekämpft werden können, dass eine Übertragung tropischer Krankheiten praktisch ausgeschlossen ist. Bislang sind in der Schweiz keine durch die Asiatische Tigermücke übertragenen Krankheiten aufgetreten. Die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus), die sich seit 2007 im gesamten deutschsprachigen Mittelland verbreitet, wird nicht als wichtige Überträgerin von Krankheiten eingestuft. Der Klimawandel führt nicht nur zu günstigeren Umweltbedingungen für invasive Arten. Auch einheimische Vektoren wie Stechmücken oder Zecken können sich dadurch besser etablieren. Beispielsweise können sich Zecken mit zunehmenden Temperaturen in höheren Lagen ausbreiten. Damit kann sich das Ausbreitungsgebiet von Zecken, die mit Borreliose infiziert sind, vergrössern. Die Aktivitäten zur Früherkennung und Überwachung von Vektoren und vektorübertragenen Krankheiten werden deshalb weiterhin durchgeführt und wo nötig intensiviert.</p>  Antwort des Bundesrates.