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Über 200 Pflichtspiele in der Brack.ch Challenge League hatte Pascal Thrier bestritten, ehe er vor zwei Jahren in der Super League beim FC St. Gallen debütierte. Dabei schien in seiner Juniorenzeit beim FC Thalwil noch nichts auf eine langjährige Karriere im Profifussball hinzudeuten.
Aufgewachsen am Zürichsee, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Marcel, schnürte er als Fünfjähriger erstmals seine Fussballschuhe auf dem Thalwiler Etzliberg. Weil ein Trainer fehlte, wechselte er später zu den B-Junioren des FC Red Star Zürich. Als 17-Jähriger wurde er dort in die 1. Mannschaft berufen, welche sich mit einem damals unbekannten Spielertrainer namens Uli Forte in der 2. Liga Interregional bewegte. «Ich habe sehr gute Erinnerungen an ihn. Es war seine erste Trainerstation; sein Ehrgeiz war schon damals enorm», erinnert sich Thrier an den heutigen Cheftrainer des FC Zürich. Prompt stiegen die Red Stars in der ersten Saison mit Thrier in die dritthöchste Spielklasse (1. Liga) auf.
«Es war hart, aber ich würde es jederzeit wieder so machen.»
Damals absolvierte er eine kaufmännische Berufslehre bei der Schweizerischen Gesellschaft für die Rechte der Urheber musikalischer Werke (SUISA). «Eine Sportlerlehre war damals den Spielern von U21-Auswahlen vorbehalten», erklärt Thrier. So bestritt er neben der täglichen Arbeit zusätzlich vier abendliche Trainingseinheiten pro Woche. «Es war hart, aber ich würde es jederzeit wieder so machen.» Auch als Thrier seinen ersten Profivertrag beim FC Winterthur (2006) unterzeichnete, arbeitete er halbtags weiter in seinem Lehrbetrieb. «Dies war nur dank eines sehr flexiblen Arbeitgebers möglich», weiss Thrier.
In Winterthur avancierte Thrier rasch zum Stammspieler und lernte auch seine Freundin Daniela in der Eulachstadt kennen. Inzwischen sind sie seit über acht Jahren zusammen – in wenigen Wochen werden die Hochzeitsglocken läuten. Auf dem Fussballplatz folgten hingegen einige Wechsel: Vom FC Lugano wurde Thrier aus einem laufenden Vertrag gekauft. Im Tessin verbrachte er dreieinhalb Jahre. Zweimal schaffte er es mit den Bianconeri in die Barrage zur Super League, zweimal wurde der Aufstieg verpasst.
Im Jahr 2009 musste sich Lugano trotz eines 1:0-Erfolgs im Heimspiel gegen den FC Luzern geschlagen geben, weil es auf der Allmend eine klare Niederlage (0:5) absetzte. In der darauffolgenden Spielzeit ging es mit Cheftrainer Marco Schällibaum in einem Kantonsduell gegen die AC Bellinzona – ohne Erfolg. Dennoch durfte der heutige FCA-Cheftrainer seinen Job im Cornaredo behalten, ehe er im Mai 2011 nach der 0:2-Niederlage gegen Aarau trotz Tabellenführung entlassen wurde.
Verletzungspech in Wohlen
«Damals wurden die Verantwortlichen nervös, aber nach der Entlassung von Schällibaum ging es steil bergab», erinnert sich Thrier, denn die Luganesi mussten sich in der Folge auch den direkten Konkurrenten Lausanne und Servette geschlagen geben. Also wurde sogar die Qualifikation für die Barragespiele verpasst. Dennoch blieb Thrier nochmals eine Saison in der Südschweiz, ehe er seinen Vertrag im Sommer 2012 auflöste. «Der Club wurde neu strukturiert. Viele Leute gingen, andere kamen. Ich wünschte mir, in die Deutschschweiz zurückzukehren», so Thrier.
Aus seiner Zeit in Lugano nahm er nicht nur gute Kenntnisse der italienischen Sprache mit, sondern auch ein neues Familienmitglied. Zusammen mit seiner Freundin kaufte sich Thrier einen Chihuahua. Aufgrund seiner hellbrauen Fellfarbe, welche an eine Kartoffel erinnert, wurde der kleine Hund «Pringel» (nach dem Chips-Hersteller) benannt.
Auf seiner «Tour de Suisse» machte Thrier nun Halt in Wohlen. Es war ein schwieriges Jahr im Freiamt, weil er gleich dreimal zu längeren Verletzungspausen gezwungen war. Im ersten Saisonspiel, gegen den FC Aarau, erlitt Thrier einen Riss des Syndesmosebandes, woraufhin er in der Hinrunde nur noch einen einzigen Einsatz absolvieren konnte. Dort verletzte er sich erneut am Innenband des rechten Knies. In der zweiten Hälfte der Saison fiel Thrier erneut verletzungsbedingt für mehrere Wochen aus, weshalb er in der gesamten Spielzeit zu nur elf Spielen für seinen ersten Arbeitgeber im Aargau kam. Ein hartes Jahr für Thrier, welcher sich zuvor nicht mit gravierenden Verletzungen herumschlagen musste. Einzige Ausnahme war ein Zwischenfall bei Red Star Zürich, als sich nach einem starken Ellbogenschlag eine Rippe in die Lunge des Verteidigers bohrte – gefolgt von einem fünftägigen Spitalaufenthalt.
Sprungbrett für die Super League
In der Saison 2013/14 kam Thrier beim FC Schaffhausen unter. «Es war ein tolles Jahr mit einer tollen Mannschaft und einem tollen Trainer», so Thrier über Coach Maurizio Jacobacci, der die Munotstädter als Aufsteiger an die Spitze der Challenge League führte. Aus Sicht von Thrier war es ein ideales Sprungbrett in die Super League. Beim FC St. Gallen bestritt er in zwei Jahren insgesamt 43 Spiele, doch im Januar zwang ihn ein Muskelfaserriss zu einer längeren Pause.
Am Ende der letzten Saison eröffnete ihm Trainer Joe Zinnbauer, dass die Ostschweizer vermehrt auf junge Talente setzen würden. Also entschloss sich Thrier trotz eines laufenden Vertrags zu einem weiteren Transfer, weil «ich spielen möchte – ob in der Super League oder in der Challenge League ist zweitrangig», so Thrier, inzwischen 31 Jahre alt. Die Anfrage aus Aarau kam folglich zum richtigen Zeitpunkt, sodass er ins Sommerlager nach Weiler im Allgäu mitreiste und wenig später seine Unterschrift unter einen Zweijahresvertrag setzte.
«Es zählen nur die Resultate in den Ernstkämpfen.»
«Ich bin überzeugt, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben. Uns ist eine hervorragende Vorbereitung gelungen, aber schlussendlich zählen nur die Resultate in den Ernstkämpfen», weiss Thrier, der die aktuellen Mitspieler Stephane Besle, Geoffrey Tréand (beide St. Gallen), Michaël Perrier (Lugano) und Patrick Rossini (Schaffhausen) bereits von früheren Stationen kannte. Es sei sehr spannend, in einer überdurchschnittlichen Challenge League mitspielen zu dürfen – und hoffentlich auch ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden zu können.
Eine Frage liess sich im Gespräch mit Pascal Thrier nicht klären: «Als Trainer wüsste ich nicht, wo ich mich aufstellen würde», lacht er im Wissen um seine Polyvalenz. Zum Auftakt lief er gegen Chiasso im Abwehrzentrum auf, in Winterthur war er Linksverteidiger. Bei seinen bisherigen Vereinen wurde er zudem auch oftmals als Sechser eingesetzt. Am Ende zählt für ihn sowieso nur, dass er regelmässig zum Einsatz kommt und verletzungsfrei bleibt.
Matchzeitung Nr. 2 (2016/17) lesen
Dieser Artikel ist am 8. August 2016 in der Ausgabe Nr. 2 (Saison 2016/17) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den Servette FC Genève erschienen.