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Tumoren des Nierenparenchyms
Nur 2 - 3% aller bösartigen Tumore betreffen maligne Nierentumoren. Von allen Nierentumoren ist das Nierenzellkarzinom (Renal cell carcinoma, RCC) mit 90% das weitaus am häufigsten vorkommende. Mit der Hilfe von modernen diagnostischen Mittel werden heute immer mehr asymptomatische, kleine Tumoren zufällig gefunden, wobei früher erst die Symptomatik (Hämaturie, Bauchtumor oder Flankenschmerz) den Hinweis auf einen bereits weit fortgeschrittenen, grossen Nierentumor gab.
Das Tumorstadium ist nach wie vor der wichtigste prognostische Faktor. Solange die Tumoren klein und auf das Organ begrenzt sind, kann mit einer guten Prognose mit einer 5 Jahres-Ueberlebensrate von 70 - 80% gerechnet werden. Ein wichtiges Augenmerk soll vor jeder Operation darauf gerichtet werden, ob sich der Tumor in die Vena cava ausbreitet oder nicht. Die Invasion des Tumors in die untere Hohlvene scheint einen schlechtern prognostischern Faktor darzustellen. Im Falle von einer funktionellen Einzelniere, bilateralen Tumoren oder bei Patienten mit von Hippel-Lindau Krankheit, ist die Nierenteilresektion als kurativ zu betrachten, solange die Regeln der onkologischen Chirurgie berücksichtigt werden. Bei der parenchymerhaltenden Chirurgie ist mit dem intraoperativen Ultraschall ein wichtiges Hilfsmittel vorhanden, um die Tumorausbreitung (hiläre Invasion) genau zu definieren. Somit kann eine sichere, kurative Nierenteilresektion vorgenommen werden.
Eine Chemotherapie bei metastasierendem Nierenzellkarzinom hat sich leider als nicht hilfreich erwiesen, da es bei nur 15% der Patienten zu einem teilweisen Ansprechen kommt. Auch Interleukin-2, welches die körpereigene Abwehr verstärkt, zeigt einen messbaren Erfolg in etwa 20% der Patienten, wobei in 5% der Patienten eine komplette Remission festgestellt werden kann.
Die Patientennachsorge sollte während der ersten drei Jahren halbjährlich durchgeführt werden, wobei das Auftreten von Symptomen, Leberfunktionsteste, Ultraschalluntersuchungen der Gegenniere sowie Röntgen Thorax-Bilder angefertigt werden sollten. Nach drei Jahren ist die jährliche Kontrolle empfohlen.
Nierenbeckenkarzinome: Die Nierenbeckenkarzinome repräsentieren etwa 10 - 20% aller Nierentumoren. Der grösste Teil dieser Karzinome sind Uebergangsepithel- oder Urothelkarzinome, wobei selten auch Plattenepithelkarzinome (vorallem in Zusammenhang mit einer Steinerkrankung) vorkommen können. Zwei Ursachen sind im Besonderen festzuhalten: die Schmerzmittelmissbraucher sowie die Balkan-Nephropathie. Am häufigsten wird die Diagnose gestellt, wenn Patienten mit einer schmerzlosen Hämaturie den Arzt aufsuchen. Das Vorkommen beidseitiger Nierenbeckentumoren wird immer wieder festgestellt. Auch kann ein initial im Nierenbecken angesiedelter Tumor durch Zellverschleppung einen später auftretenden Blasentumor nach sich ziehen.
Die Therapie eines Nierenbeckenkarzinoms ist die vollständige Nephroureterektomie, wobei jeweils eine Blasenwandmanschette mitreseziert wird. Wenn der Ureter selbst nicht mitreseziert wird, ist die Wahrscheinlichkeit eines Tumorrezidivs im verbleibenden Ureterstumpf mit 15% sehr hoch. Die Ueberlebensrate korreliert direkt mit dem Tumorstadium und dessen Differenzierungsgrad. Die 5-Jahres-Ueberlebensrate wird mit 18 - 55% angegeben. Bei Patienten mit bilateralen Tumoren, Niereninsuffizienz, hohem Operationsrisiko oder Tumoren in einer funktionellen Einzelniere, kann eine konservative chirurgische Therapie in Betracht gezogen werden. Die Nachsorge der Patienten mit Nierenbeckenkarzinom entspricht in etwa demjenigen der Patienten mit Blasenkarzinomen (Radiologie, Zystoskopie und Zytologie).