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Paarberatung; Häusliche Gewalt
Die Paarberatung unterstützt Paare und Familien darin, die gewalthaltigen Konflikte, welche seit längerem andauern, zu beenden und die Beziehungsqualität zu verbessern – unabhängig davon, ob sie sich für eine gemeinsame oder getrennte Zukunft entscheiden. Unter der Voraussetzung, dass die Konfliktparteien sich bereit zeigen, eine Auseinandersetzung zu führen, sieht die Paarberatung die Erarbeitung von Veränderungsschritten durch die beteiligten Konfliktparteien vor. Im Fokus stehen die Dynamik zwischen den Konfliktparteien, die persönlichen Faktoren der Gewaltanwendung, die Themen welche den Konflikt auslösen sowie die Fertigkeiten Konflikte zu lösen.
Die Paargespräche zum gegenseitigen Verstehen und der gemeinsamen Veränderung stehen im Zentrum der Beratung. Daneben werden Einzelgespräche zur individuellen Bearbeitung von persönlichen Faktoren der Gewaltanwendung geführt. Die Aufteilung und Abfolge von Paar- und Einzelsetting werden Fallbezogen gestaltet.
Fachdiskus zur Paarberatung:
Eine der meist untersuchten Typologien von Gewaltbeziehungen (nach Johnson und Ferraro, 2000; Johnson, 2006) unterscheidet die situative Paargewalt von drei weiteren Formen: der patriarchalen Gewalt, dem gewaltsamen Widerstand und dem gegenseitigen Kontrollverhalten. Johnson erläutert das Kernproblem der Betroffenen situativer Paargewalt als „Mangel an kommunikativen Fertigkeiten, den die Beteiligten mit verbaler Aggression zu kompensieren versuchen, welche wiederum in Gewalt umschlägt“. Die situative Paargewalt wird dabei als häufigste Variante von Beziehungsgewalt betrachtet. So beziffern Johnson & Leone (2005) den Anteil situativer Paargewalt am Phänomen der häuslichen Gewalt mit 65 % für den amerikanischen Raum (bezogen auf Fälle häuslicher Gewalt durch den aktuellen Partner). Für den kanadischen Raum nennt Laroche gar einen Anteil von 74 % situativer Paargewalt (2005). Stith, McCollum, Amanour-Boadu & Smith (2012) identifizieren folgende Programme und Projekte im Kontext „Paarberatung bei häuslicher Gewalt“, von denen Evaluationsergebnisse vorliegen: Domestic Violence Focused Couples Treatment, Stith & McCollum, 2004; Couples Abuse Prevention Program, LaTaillade, Epstein & Werlinich, 2006; Circles of Peace, Mills, 2008; Motivational Interviewing, Woodin & O’Leary, 2010. Für jedes der abgeschlossenen Projekte zeigen die Ergebnisse, dass die Paargewalt und deren Risikofaktoren reduziert werden konnten, ohne eine Zunahme der Gefährdung zu bewirken.