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»Sibylle betrachtete uns ohne zu lachen, aber freundlich. Sie war ein Kind, das eben ein neues Spielzeug bekommen hat und staunend überlegt, was man mit ihm anfangen kann.. Ihr Gesicht war über uns gebeugt, auch wenn es tiefer ruhte als wir spazierten, und ich glaube, wir blickten aus der Perspektive der Spielpuppen in den Marionettentheatern zu der Meisterin empor, die uns an den Schnüren hielt.« (S. 31 der Gesamtausgabe, Band 1)
Koeppen verarbeitet in diesem ›Werther des 20. Jahrhunderts‹ seine unerfüllte Liebe zu der um vier Jahre älteren Schauspielerin Sibylle Schloss. Zeitraum: die frühen Dreißigerjahre. Schauplatz: Berlin, Zürich und Italien. Während die Hauptfigur Friedrich unerschütterlich davon überzeugt ist, Sibylle sei für ihn bestimmt, wechselt sie andauernd die Liebhaber und weist Friedrich zwar konsequent zurück, kokettiert aber auch mit seiner kompromisslosen Hingabe und seinem Begehren. Das zeigt sich in der zitierten Passage, als Friedrich und ein Nebenbuhler vor Sibylle übertrieben spielerisch hinken, um damit auf lustige Weise ihre Verliebtheit zu demonstrieren.
Die Entwicklungshilfe der Schweiz im afrikanischen Ruanda kommt nicht gut dabei weg, wenn Bärfuss seinen Protagonisten David Hohl dorthin gehen lässt, weil ihm in seinem Leben der Kick fehlt. Umso enttäuschter ist er, als sich alles sehr ruhig ausnimmt. Bleibt ihm noch sein Begehren, das er bereits am Flugplatz auf die erstbeste junge Ruandesin richtet. Und dann beginnt das hunderttägige Schlachten des Genozids von 1994. Anhand seiner Geschichte und weiteren Figuren, Schweizer*innen wie Ruandesen, stellt Bärfuss grundsätzliche Fragen an eine gewisse selbstgefällige und eigennützige Form von Entwicklungshilfe. (Bild NZZ 2008)