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Chipingenieur Dirk Meyer soll den Intel-Herausforderer wieder auf die Beine bringen.
AMD schreibt im bereits siebten Quartal in Folge rote Zahlen, und kann auch keine klare Verbesserungstendenz vorweisen. Im zweiten Quartal dieses Jahres stieg der Reinverlust des Chipherstellers auf 1,2 Milliarden Dollar, nachdem er im Quartal zuvor bei 358 Millionen Dollar lag. Zwar stammt ein grosser Teil (920 Millionen Dollar) des Verlustes im zweiten Quartal aus Abschreibern auf Unternehmensteile, die AMD abgestossen hat, aber auch der Betriebsverlust aus dem übrigen Geschäft (269 Millionen Dollar) lag nicht entscheidend tiefer als im Quartal zuvor (308 Millionen Dollar.) Der Umsatz sank um 7 Prozent auf 1,35 Milliarden Dollar.
Kur nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen gab AMD gestern auch bekannt, dass der bisherige CEO Hector Ruiz (oberes Foto) zurückgetreten ist und per sofort durch Dirk Meyer (unteres Foto) ersetzt werden wird. Ruiz bleibt allerdings beim Unternehmen. Er erhält den neu geschaffenen Titel eines "Executive Chairman" und soll in Zukunft vor allem eine Strategie zur Reduktion der Herstellungskosten entwickeln.
Obwohl AMD erklärte, dass dies das Ende eines seit mehr als einem Jahr geplanten Ablöseprozesses sei, interpretierten viele Beobachter den Rücktritt von Ruiz zum jetzigen Zeitpunkt als Folge der schlechten Ergebnisse der letzten zwei Jahre.
Ruiz kam im Jahr 2000 zu AMD und wurde 2002 CEO. Unter seiner Führung konnte AMD ab 2003 mit erfolgreichen neuen Produkten, zum Beispiel dem Server-Chip Opteron, dem grossen Konkurrenten Intel einige Marktanteile abjagen. Im Jahr 2006 erneuerte Intel aber seine Chiplinie erfolgreich, während AMD seinerseits bei der Produktentwicklung in Verzug kam. Ausserdem erwies sich der Preis, den AMD für die Übernahme des Grafikchipherstellers ATI 2006 zahlte, im Nachhinein als viel zu hoch. Auch die beiden Unternehmensteile, die AMD unter grossen Verlusten verkauft hat (Chips für mobile Geräte und für TVs) stammten aus der ATI-Übernahme.
AMD bezahlte vor zwei Jahren 5,4 Milliarden Dollar für ATI und musste seither einige Milliarden abschreiben. Inzwischen hat das gesamte Unternehmen AMD, wie das 'Wall Street Journal' vorrechnet, einen Börsenwert nur noch rund 3 Milliarden Dollar.
Dirk Meyer, der Nachfolger von Ruiz als CEO, arbeitet schon seit 1995 für AMD. Davor war der auf Chiparchitektur spezialisierte Elektroingenieur zehn Jahre für DEC tätig und massgeblich an der Entwicklung des Alpha-Chips beteiligt. Für AMD ersann er zuerst den Athlon und übernahm 2001 die Verantwortung für den gesamten Microprozessor-Bereich. Gemäss 'Wall Street Journal' reagierte die Börse aber eher kühl auf seine Ernennung, da er nicht nur mit früheren Erfolgen sondern auch mit der fehlgeschlagenen Chipstrategie der letzten zwei Jahre in Verbindung gebracht wird.
Meyer erklärte zu seiner zukünftigen Strategie, dass er AMD stärker auf Produkbereiche fokussieren wolle, in denen sich die Produkte AMDs klar von denen der Konkurrenz abheben. (Hans Jörg Maron)