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Wenn Paare Eltern werden ist Schluss mit der Gleichstellung
In der Schweiz besteht eine beträchtliche Diskrepanz zwischen den egalitären Wertvorstellungen der Paare und ihrer Alltagspraxis. René Levy, Soziologe an der Universität Lausanne, hat diesen Unterschied in einem Beitrag für die Fachzeitschrift Social Change in Switzerland kürzlich dargelegt. Darin bildet er eine Synthese aus drei einander ergänzenden Studien, die verständlich machen, warum die Lebensverläufe von Frauen durch die Geburt von Kindern ganz anders geprägt werden als jene von Männern.
Der höhere Beschäftigungsgrad von Frauen wird oft als Zeichen für eine zunehmende Gleichstellung der Geschlechter angesehen. Mit der Geburt des ersten Kindes wird die familiäre Aufgabenteilung allerdings oft traditioneller und die Mutter reduziert ihr Pensum oder unterbricht ihre Berufstätigkeit. Obwohl die Paare während der ersten Schwangerschaft mehrheitlich egalitäre Wertvorstellungen zum Ausdruck bringen, gelingt es nur einer Minderheit, diese Werte nach der Geburt auch in die Tat umzusetzen und die Aufgaben im Haushalt gleichberechtigt untereinander aufzuteilen, schreibt René Levy.
Diese Beobachtungen erscheinen in einem besonderen Licht, wenn man bedenkt, dass vor allem verschiedene strukturelle Gründe, die sich durchaus ändern liessen, dazu beitragen, dass die Ungleichheiten fortbestehen. Der Soziologe verweist darauf, dass Kindertagesstätten und ein echter Elternschaftsurlaub entscheidend dafür sind, inwieweit Paare ihre egalitäre Idealvorstellung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch verwirklichen können.
Levy, R. (2018). Devenir parents réactive les inégalités de genre: une analyse des parcours de vie des hommes et des femmes en Suisse. Social Change in Switzerland, 14. Retrieved from socialchangeswitzerland.ch. doi: 10.22019/SC-2018-00003