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Werden die neuen gentechnischen Verfahren von der Bevölkerung eher akzeptiert als die Gentechnik der ersten Generation? Nein! Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsprojekt des deutschen Bundesinstituts für Riskobewertung (BfR). Das BfR hat verschiedene Fokusgruppen zu CRISPR/Cas und Genome Editing befragt. Erhoben wurde zuerst, wie vielen Personen die Begriffe Genome Editing oder CRISPR/Cas überhaupt bekannt sind. Das Ergebnis überrascht. 95 Prozent waren diese Begriffe nicht geläufig. Den Teilnehmenden der Befragung wurde darauf ein Informationsvideo zum Genome Editing gezeigt. Danach wurden sie um eine Bewertung verschiedener Faktoren wie Natürlichkeit, Risiko und Anwendungspotential gebeten. Es wurde zudem eruiert, wie Genome Editing im Verhältnis zur konventionellen Gentechnik eingeordnet wird und welches Informations- und Regulationsbedürfnis besteht.
Es zeigte sich sehr deutlich, dass Genome Editing für die Befragten eine Form der Gentechnik ist. Sie begegnen ihr deshalb mit ähnlichen Vorbehalten wie der konventionellen Gentechnik. Auch die neuen Gentechnik-Verfahren werden als technische Manipulation durch den Menschen wahrgenommen. Lebensmittel, die mithilfe von Genome Editing entwickelt werden, werden von 87 % der Befragten als nicht natürlich bewertet und mehrheitlich wie die konventionellen Verfahren der Gentechnik abgelehnt.
Der Versuch, die alten und neuen Methoden der Genmodifikation begrifflich zu trennen und mit verschiedenen Definitionen einen Unterschied zu erzwingen, wird als interessengeleiteter Täuschungsversuch der potenziellen Profiteure, beispielsweise der Pharma-, Gentechnik- oder der Lebensmittelindustrie gewertet. Auch die Bekämpfung von Hungersnöten wird überwiegend nicht als Rechtfertigung für den Einsatz der neuen Gentechnikverfahren akzeptiert, da Hunger primär als Verteilungsproblem gewertet wird. Ihr Einsatz in armen Ländern stellt daher nur für wenige Befragte eine Option dar, da negative Folgen für die Bauern und die Umwelt befürchtet werden. Die Behauptung, mit Genome Editing erzeugte Lebensmittel könnten natürlich sein, wird sogar eher als bewusste Täuschung empfunden.
Vor allem im Lebensmittelbereich wird der Nutzen der neuen Gentechnik-Verfahren bezweifelt und daher mehrheitlich abgelehnt. 61 Prozent der Befragten bezeichnen es als unwahrscheindlich, dass sie Lebensmittel kaufen würden, die mit Genome Editing produziert wurden. Als treibende Kraft sehen die Befragten vor allem finanzielle Motive der Industrie, die dem einzelnen Menschen keine Vorteile bringen. Es überwiegen ihrer Ansicht nach die Nachteile und die möglichen Risiken - besonders gesundheitliche Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. Auch die Tatsache, dass nach aktuellem Forschungsstand keine Aussagen über etwaige Langzeitwirkungen möglich sind, erzeugte bei den Befragten Ängste.
Große Sorgen bereitet auch die fehlende Nachweisbarkeit der Anwendung von Genome Editing. Die Mehrheit der Befragten befürchten, dass ihnen die individuelle Entscheidungsfreiheit genommen wird, ob solche Lebensmittel konsumieren wollen. Produkte, die mit Genome Editing erzeugt wurden, sollen daher analog zur konventionellen Gentechnik gekennzeichnet werden, da Transparenz die Voraussetzung für eine informierten Kaufentscheid sei. Wichtigste Anforderung an die für die Regulierung zuständige Behörden sei deren Unabhängigkeit von der Industrie oder anderen finanziellen sowie politischen Interessen.
Hingegen ist der Einsatz von Genome Editing im medizinischen Bereich für 79 Prozent der Befragten akzeptabel, insbesondere bei der Bekämpfung von Erbkrankheiten. Die unterschiedliche Bewertung bei der Anwendung des Genome Editings im medizinischen oder im landwirtschaftlichen Bereich wird in der Notwendigkeit gesehen: Diese sei im Bereich der Landwirtschaft nicht ersichtlich, im medizinischen Bereich aber durchaus gegeben, beispielsweise wenn es keine Alternative zur Lebensrettung gebe. Generell besteht ein grösseres Vertrauen in die Richtlinien in der Medizin. Allerdings wird eine klare Regulierung zur Verhinderung von Missbrauch gefordert.