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Da wo die Spiegelgasse in den Petersberg mündete, lag ein Brunnen, der bereits 1233 als "Gundolzbrunnen auf dem Salzberg" beschrieben wurde. Er gehörte zu den ältesten Brunnstätten Basels und hatte sein eigenes Quellwasser. Bis zum Jahre 1780 ergoss sich das Wasser aus einem mannshohen Gewölbe ohne eigentliche Fassung. Bei anhaltender Trockenheit war die mineralhaltige Quelle nicht ergiebig genug, und so wurde der mittelalterliche Lochbrunnen 1868 auf Ersuchen der Anwohnerschaft durch einen Brunnen ersetzt, der durch das Leitungsnetz und nicht mehr durch die Quelle gespeist wurde. Der halbkreisförmige Brunnentrog mit aufgesetzter Wandplatte, die einen Wolfskopf zur Schau trug, lehnte sich an eine wuchtige Stützmauer, die von den Petersberglern oft als Sitzgelegenheit benützt wurde. 1908 musste der sagenumwitterte Wolfsbrunnen einer Strassenkorrektion weichen, als die Häuser am unteren Petersberg abgebrochen wurden.
Sagenumwittert war der Brunnen deshalb, weil darin eine stadtbekannte Grossmutter, Frau Schönauer, hauste. Man sagte, sie erhalte jedes Jahr von Napoleon eine Leibrente von 2000 Franken, weil sie als junges Mädchen den um sein Leben bangenden Franzosen vor dem sicheren Tode bewahrt habe, indem sie einige durchgebrannte Pferde aufhielt. Die liebenswerte Grossmutter, die aus dem Welschland stammte und nahezu kein Wort Deutsch sprach, wurde deswegen begreiflicherweise beneidet. Und da sie im hohen Alter noch allerlei französische Liedchen zum Besten gab, versammelten sich stets viele Kinder um sie. Eines Tages war sie spurlos verschwunden, und auch ihr Gesang war nicht mehr zu hören. Es hiess, sie sei krank. Etwa zwei Jahre später tauchte ein unheimliches Gerücht auf: Die Grossmutter wäre schon lange gestorben, aber die Verwandten hätten sie im Keller ihres Hauses "zur Meerkatze" (Petersberg 19) eingesalzen, damit die Pension des französischen Kaisers weiterhin nach Basel finde. Man habe sie in eine grosse Waschbüttene gelegt und reichlich mit Salz bestreut und konserviert, um sie bei allfälligen Nachforschungen lebensfrisch vorzeigen zu können. Jedoch hätten es die Verwandten allmählich mit dem Gewissen zu tun bekommen, und die längst verblichene Grossmutter sei endlich der Erde übergeben worden.
Es fand eine obrigkeitliche Untersuchung statt. Was dabei herauskam, weiss man allerdings nicht. Eines war aber sicher: Bei anbrechender Dunkelheit trauten sich die verwegensten Bürger nicht, alleine den unteren Petersberg zu begehen, aus Angst vor dem ruhelosen Geist der eingesalzenen Grossmutter. Denn dieser huschte beileibe nicht geräuschlos durch Dachgebälke und Haustüren, sondern immer unter grösstem Getöse. Es war, als sei sowohl der Geist der Frau Schönauer auf ewige Rache an den Peinigern bedacht, wie auch der missbrauchte Waschtrog aus dem Haus "zur Meerkatze".
Quellen:
- Meier 1995: 214
- Basel Insider