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Routineimpfung von Kleinkindern gegen Hepatitis A schützt alle Altersgruppen
Hepatitis A wird vorallem über asymptomatisch erkrankte Kleinkinder übertragen. In Israel und in den USA wurde 1999 eine Hepatitis A Impfung für Kleinkinder eingeführt.
Die Einführung der Hepatitis A Impfung bei Kleinkindern 2004 führte in beiden Ländern zur deutlichen Verringerung der Erkrankungsraten in allen Altersgruppen nachweisen. Dies unterstützt die Strategie nur die Kleinkinder als Hauptinfektionsquelle zu impfen. Die älteren Bevölkerungsgruppen werden durch die sog. Herdimmunität geschützt.
Bei Kindern verläuft die Hepatitis A Infektion meist asymptomatisch oder mild, wohingegen
bei Erwachsenen die Schwere der Erkrankung mit dem Alter zunimmt. Die Mortalität bei
über 40jährigen beträgt beispielsweise ca. 1%. In Ländern mit hoher Inzidenz der Hepatitis A erkranken fast alle Personen im Kindesalter, so dass manifeste, schwere Erkrankungen selten sind. Mit verbesserten Hygienebedingungen sinkt die Infektionsrate bei jungen Kindern und mehr ältere, nicht immunisierte Individuen können an einer Hepatitis A erkranken. Dies führt zu der paradoxen Entwicklung, dass es bei sinkender Infektionsrate zu ansteigender Morbidität kommt.
Kleine Kinder stellen die Hauptinfektionsquelle dar, da die Infektion oft asymptomatisch verläuft und somit nicht bemerkt wird, die Kinder jedoch wochenlang infektiöse Viren ausscheiden. Der Einfluss der Einführung einer Hepatitis A Impfung für Kleinkinder auf die Inzidenz der Hepatitis A und Änderungen der Epidemiologie in
verschiedenen Altersgruppen wurde nun in Israel und in den USA untersucht.
Bis 1999 galt Israel als Land mit mittlerer Hepatitis A Prävalenz (50,4 Fälle/ 100000 Einwohner pro Jahr). 1999 wurde eine zwei Dosen umfassende Impfung für alle Kinder im Alter von 18-24 Monaten eingeführt. Basiert auf den gemeldeten Erkrankungen (es besteht Meldepflicht, erfasst werden symptomatische und durch Nachweis von Anti-HAV-IgM AK bestätigte Fälle) ging die Inzidenz der Hepatitis A im Zeitraum von 2002-2004 bei den 1-4 jährigen Kindern um 98% zurück. Auch in den nicht geimpften Altersgruppen kam es zu weniger Erkrankungen mit einem Rückgang um 97% bei den 5-9 Jährigen, 95% bei den 10-14 Jährigen, 91% bei den 15-44 Jährigen, 91% bei den 45-64 Jährigen und 77% bei den über 65 Jährigen.
In den USA wird die Hepatitis A Impfung in 17 Staaten mit einer Inzidenz an Hepatitis A Fällen über dem Landesdurchschnitt seit 1999 bei allen Kindern im Alter von 2-5 J durchgeführt. Die Inzidenz der Hepatitis A wurde anhand eines Melderegisters, in das nur symptomatische und serologisch bestätigte Fälle aufgenommen werden, verglichen. In Staaten ohne Impfprogramm ging die Inzidenz im Jahr 2003 verglichen mit der Ära vor
Einführung der Impfung bei den 2-9 jährigen um 69%, bei den 10-18 jährigen um 68% und bei den über 19 jährigen um 44% zurück, was dem natürlichen Rückgang entsprechen dürfte. In Staaten mit Impfprogramm ging die Inzidenz im selben Zeitraum bei den 2-9 jährigen um 89%, bei den 10-18 jährigen um 84% und bei den über 19 jährigen um 69% zurück. Zusätzlich traten die meisten Fälle von Hepatits A jetzt nicht mehr bei Kleinkindern, sondern bei Älteren auf.
Beide Studien zeigen einen eindrucksvollen Effekt der Impfprogramme von Kleinkindern gegen Hepatitis A. Neben einem Rückgang der Erkrankungsrate bei den Geimpften liess sich in beiden Studien auch ein deutlicher Rückgang der Hepatitis A Fälle bei älteren, nicht geimpften Personen nachweisen. Dies ist durch das Auftreten einer sog. Herdimmunität zu erklären. Darunter versteht man den indirekten Schutz von nicht immunisierten Personen durch die immunisierten Individuen, die die Ausbreitung der Erkrankung verhindern (Vgl. dazu Vortrag von Prof. Battegay).
Besonders effektiv sind daher Massnahmen, die die Hauptüberträger einer Erkrankung erfassen: in Isreal wurden nur Kleinkinder geimpft, die < 3% der Bevölkerung darstellen. Da sie jedoch Hauptüberträger sind, kam in der Gesamtbevölkerung zu einem Rückgang der Erkrankungen. Ein Impfprogramm auch für Ältere Personen ist daher nicht erforderlich.
Wichtige Vorraussetzung für die Herdenimmunität ist eine ausreichende Impfrate. Je nach der Infektiösität (der Anzahl Personen, auf die ein Erkrankter die Krankheit übertragen kann) sind Immunisierungsraten von bis zu 95% erforderlich. Da es bei vielen Impfungen auch Nicht.-Ansprecher gibt sowie bei Lebendimpfungen bestimmte Personen nicht geimpft werden dürfen, sollten alle anderen Personen geimpft sein, um diese Riskogruppen durch die Herdenimmunität zu schützen.