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Zu den häufig gestellten Fragen (FAQ = Frequently Asked Questions) und entsprechenden Antworten ist zu bemerken, dass:
- im konkreten Fall jeweils das gesamte Umfeld der rechtlichen Frage mit einzubeziehen ist,
- die Ziffern in Klammern dem jeweiligen Artikel im GAV entsprechen.
Absenzen (Art. 32)
Ist der Arzt- oder Zahnarztbesuch bezahlt?
- Ja. Es darf aber verlangt werden, dass abgesehen von Notfällen Arzt- oder Zahnarztbesuche auf Randstunden gelegt werden.
- Nur die Zeit des Arztbesuches ist bezahlt (Wartezeit und Konsultation). Nicht bezahlt ist die Zeit, die für den Hin- und Rückweg beansprucht wird.
- Regelmässige Arztbesuche (z.B. auch Therapie) sind bezahlt. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, ein Arztzeugnis zur Bestätigung der Notwendigkeit vorzuweisen. Dieses darf keine Angaben über die Art der Krankheit enthalten.
Sind Feuerwehrabsenzen bezahlt?
- Ja. 10 Tage pro Kalenderjahr, sofern der Feuerwehrdienst obligatorisch ist (Art. 33.2).
Muss einem Arbeitnehmer zur Betreuung eines kranken Kindes frei gegeben werden?
- Ja. Dies gilt aber nur für den Fall, dass beide Eltern berufstätig sind und nur für einen Elternteil.
Ist die Zeit für die Betreuung eines kranken Kindes bezahlt? Pflicht des Arbeitsnehmers?
- Ja, es darf aber ein Arztzeugnis verlangt werden, das die Krankheit des Kindes bestätigt. Ausserdem hat der Arbeitnehmer die Pflicht, unverzüglich für eine anderweitige Betreuung besorgt zu sein (andere Familienmitglieder, Freunde).
Wie sind andere Absenzen zu behandeln?
- Sie sind zu bewilligen, aber nicht zu bezahlen. Solche Abwesenheiten müssen kompensiert werden (Beispiele: Schulbesuche, Termine bei Behörden).
Arbeitszeugnis (Art. 20.4)
Besteht Recht auf ein Arbeitszeugnis und welche Angaben muss es enthalten?
- Ja. Der Arbeitnehmer hat jederzeit Anrecht auf ein Arbeitszeugnis.
- Das Arbeitszeugnis muss über die Dauer des Arbeitsverhältnisses, die Art der Arbeit, die Leistungen des Arbeitnehmers und über sein Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Kunden Auskunft geben.
- Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass ihm nur eine Arbeitsbestätigung gegeben wird (Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses).
Vollzugskosten- und Weiterbildungsbeitrag (Art. 19)
Wem muss ich den Vollzugskosten- und Weiterbildungsbeitrag abziehen?
- Allen Mitarbeitern, die zwingend dem GAV unterstellt sind.
- Mitarbeitern, die dem GAV freiwillig unterstellt sind (durch den Arbeitsvertrag), darf der Vollzugskosten- und Weiterbildungsbeitrag nicht abgezogen werden (und auch der Arbeitgeber muss keinen Beitrag leisten).
Spielt der Beschäftigungsgrad eine Rolle?
- Teilzeitbeschäftigte, deren Beschäftigungsgrad weniger als 40% beträgt, haben den Vollzugskosten- und Weiterbildungsbeitrag nicht zu entrichten (Art. 19.11) und auch der Arbeitgeber muss keinen Beitrag leisten.
Dienstjahre (Art. 57.3)
Gelten Lehrjahre auch als Dienstjahre?
- Ja, sofern der Arbeitnehmer nach der Lehrzeit ohne Unterbrechung im gleichen Betrieb angestellt bleibt.
Feiertage (Art. 29–30)
Wann ist Arbeitsschluss vor den Feiertagen?
- Vor gesetzlichen Feiertagen ist eine Stunde früher Arbeitsschluss. Diese Stunde muss dem Arbeitnehmer im Monatslohn als Zeitgutschrift gutgeschrieben werden. Arbeitnehmern im Stundenlohn ist diese Stunde zu vergüten.
Kündigung (Art. 55 ff.)
Welche Kündigungsfrist muss ich einhalten?
- Im 1. Dienstjahr des Mitarbeiters: 1 Monat
- Ab dem 2. bis und mit 9. Dienstjahr des Mitarbeiters: 2 Monate
- Ab dem 10. Dienstjahr: 3 Monate
Wie lange muss ich mit der Kündigung warten, wenn ein Mitarbeiter krank ist oder einen Unfall hatte?
- Im 1. Dienstjahr des Mitarbeiters: 30 Tage
- Ab dem 2. bis und mit 5. Dienstjahr des Mitarbeiters: 90 Tage
- Ab dem 6. Dienstjahr: 180 Tage
- Ab dem 10. Dienstjahr während des Bezuges von Leistungen der Krankentaggeldversicherung oder der SUVA (jedoch maximal 720 Tage), sofern die Arbeitsunfähigkeit 100% beträgt.
Bei diesen Fristen handelt es sich um Kalendertage, nicht um Arbeitstage.
Um wie viel verlängert sich die Kündigungsfrist, wenn ein Mitarbeiter nach der Kündigung krank wird oder einen Unfall hat?
- Um die Dauer der Krankheit oder um die Dauer der Arbeitsverhinderung durch den Unfall.
längstens aber:
- Im 1. Dienstjahr des Mitarbeiters: 30 Tage (und zusätzliche Verlängerung auf das betreffende Monatsende)
- Ab dem 2. bis und mit 5. Dienstjahr des Mitarbeiters: 90 Tage (und zusätzliche Verlängerung auf das betreffende Monatsende)
- Ab dem 6. Dienstjahr: 180 Tage (und zusätzliche Verlängerung auf das betreffende Monatsende)
- Ab dem 10. Dienstjahr während des Bezuges von Leistungen der Krankentaggeldversicherung oder der SUVA (jedoch maximal 720 Tage), sofern die Arbeitsunfähigkeit 100% beträgt.
Bei diesen Fristen handelt es sich um Kalendertage, nicht um Arbeitstage.
Der Arbeitnehmer ist krank, verunfallt oder leistet Militärdienst – darf er kündigen?
- Ja, der Arbeitnehmer darf in diesen Situationen kündigen.
Ist dem Arbeitnehmer nach der Kündigung Zeit für die Vorstellungsgespräche zu gewähren? Wenn ja, ist diese bezahlt?
- Ja, der Arbeitnehmer hat das Recht, sich bei möglichen neuen Arbeitgebern vorzustellen. Diese Zeit ist bezahlt.
- Der Arbeitnehmer darf sich bei verschiedenen Arbeitgebern vorstellen.
Kürzung der Ferien (Art. 28.1, 28.2)
Wann darf ich die Ferien kürzen?
- Wenn der Mitarbeiter während eines Kalenderjahres mehr als insgesamt 2 Monate an der Arbeitsleistung verhindert ist, dürfen die Ferien ab dem 3. vollen Monat der Arbeitsverhinderung und für jeden weiteren vollen Monat der Arbeitsverhinderung gekürzt werden.
- Die Gründe für die Verhinderung an der Arbeitsleistung spielen keine Rolle. Militärische Wiederholungskurse dürfen jedoch nicht mit eingerechnet werden. Die Abwesenheit für Rekrutenschule oder Beförderungsdienst dürfen mitgezählt werden.
Um wie viel darf ich die Ferien kürzen?
- Die Ferien dürfen für den 3. vollen Monat der Arbeitsverhinderung und für jeden weiteren vollen Monat der Arbeitsverhinderung je um 1/12 gekürzt werden.
Kürzung des 13. Monatslohns (Art. 37.4)
Wann darf ich den 13. Monatslohn kürzen?
• Wenn der Mitarbeiter während eines Kalenderjahres mehr als insgesamt 2 Monate an der Arbeitsleistung verhindert ist, darf der 13. Monatslohn für jeden weiteren vollen Monat der Arbeitsverhinderung gekürzt werden.
• Die Gründe für die Verhinderung an der Arbeitsleistung spielen grundsätzlich keine Rolle. Alle Arten von Militärdienst dürfen mitgezählt werden, ausser den militärischen Wiederholungskursen. Diese gelten nicht als Unterbrechung.
Um wie viel darf ich den 13. Monatslohn kürzen?
• Der 13. Monatslohn darf für den 3. vollen Monat der Arbeitsverhinderung und für jeden weiteren vollen Monat der Arbeitsverhinderung je um 1/12 gekürzt werden.
Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall (Art. 45–49)
Wie viel und wie lange muss ich einem Mitarbeiter den Lohn zahlen, wenn er krank ist?
- 80% des Lohnes
- Ab dem ersten Tag der Krankheit während der ganzen mit der Krankentaggeldversicherung vereinbarten Aufschubzeit, das heisst, bis die Krankentaggeldversicherung zahlt.
Wie viel muss ich einem Mitarbeiter zahlen, der im Stundenlohn arbeitet?
- 80% des Lohnes
- Es muss vom durchschnittlichen Monatslohn während des der Krankheit vorangegangenen Jahres oder der vorangegangenen zwei Jahre ausgegangen werden. Ist der Mitarbeiter noch nicht so lange im Betrieb, muss der monatliche Durchschnittslohn seit Stellenantritt berechnet werden.
Wie viel und wie lange muss ich einem Mitarbeiter den Lohn zahlen, wenn er verunfallt ist?
- 80% des Lohnes
- Am Tag des Unfalls und die 2 folgenden Tage (3 Tage)
- Ab dem 4. Tag ist der Arbeitgeber von der Lohnzahlung befreit.
- Die Berechnung der 80% für einen Mitarbeiter, der im Stundenlohn arbeitet, soll gleich erfolgen wie für den Fall der Krankheit ausgeführt.
Probezeit (Art. 56)
Wie lange dauert die Probezeit?
- Der erste Monat eines Arbeitsverhältnisses gilt als Probezeit. Die Probezeit darf im Arbeitsvertrag auf maximal drei Monate verlängert werden.
Verlängert sich die Probezeit, wenn der Arbeitnehmer an der Arbeit verhindert ist?
- Bei einer effektiven Verkürzung der Probezeit erfolgt nur in drei Fällen eine entsprechende Verlängerung: Krankheit, Unfall und Erfüllung einer nicht freiwillig übernommenen gesetzlichen Pflicht (z.B. Militärdienst).
- Ferien, unbezahlter Urlaub oder Schwangerschaft haben keine automatische Verlängerung der Probezeit zur Folge. Für diese Fälle darf aber im Arbeitsvertrag eine Verlängerung der Probezeit um die Anzahl Arbeitstage, die wegen der Verhinderung weggefallen sind, vereinbart werden.
Welche Kündigungsfrist gilt in der Probezeit?
- Die Kündigungsfrist beträgt 7 Tage. Die arbeitsfreien Tage sind mitzuzählen. Die Kündigung muss beim Gekündigten während der Probezeit eintreffen. Die Kündigungsfrist kann allenfalls erst nach Beendigung der Probezeit ablaufen.
- Die Kündigungsfrist von 7 Tagen darf vertraglich verkürzt oder verlängert werden.
Darf ich kündigen, wenn der Arbeitnehmer während der Probezeit krank wird oder verunfallt?
- Ja, der Kündigungsschutz gilt erst nach Ablauf der Probezeit.
- Die Kündigungsfrist wird auch nicht unterbrochen, wenn während der Kündigungsfrist ein solcher Tatbestand eintritt.
Zuschläge bei Überstundenarbeit (Art. 39–40)
Wann muss ich die Überstundenzuschläge auszahlen?
- Wenn der Arbeitnehmer bis Ende September die Überstunden des Vorjahres nicht kompensieren kann, weil es ihm der Betrieb nicht ermöglicht hat.
- Die Überstunden sind mit einem Zuschlag von 25% auszuzahlen.
Muss ich den Zuschlag für die Überstunden auch bezahlen, wenn der Arbeitnehmer wünscht, dass ihm die Überstunden statt Kompensation ausbezahlt werden?
- Nein. Es ist in diesem Fall dem Arbeitgeber überlassen, ob er die Überstunden auszahlen will oder die Kompensation der Überstunden bis Ende September ermöglicht.
- Verlangt der Arbeitgeber die Kompensation und ist diese bis Ende September dann doch nicht möglich, muss er den Zuschlag von 25% entrichten.
Welche Lohnzuschläge muss ich für Nacht-, Samstags-, Sonntags- und Feiertagsarbeit gewähren?
- Siehe Art. 40.1
- Die Zuschläge sind grundsätzlich als Zeitzuschläge zu gewähren und zu kompensieren.
Wie ist Vorholzeit (z.B. für Brückentage nach Auffahrt oder zwischen Weihnacht und Neujahr) zu behandeln?
- Vorholzeit gilt nicht als Überstundenarbeit (Art. 25.1).
- Kann Vorholzeit ausnahmsweise nicht bezogen werden, kann sie später kompensiert oder ohne Zuschlag ausbezahlt werden.