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Zu welchem Preis soll ein neues Medikament von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen werden? Angesichts der extrem hohen Preise vieler neuer Medikamente stellt sich diese Frage immer öfter.
Verschiedene europäische Länder wie England, Schweden oder die Niederlande haben relativ klare Regeln für diese Entscheidung: Sie legen einen Höchstpreis fest, den ein Medikament pro durchschnittlich gewonnenes gesundes Lebensjahr höchstenskosten darf. In den Niederlanden liegt dieser Preis zum Beispiel bei 80’000 Euro* oder umgerechnet 90’000 Franken. Wenn der Preis des Medikaments pro gesundes Lebensjahr darüber liegt, wird das Medikament nicht von den niederländischen Krankenversicherungen übernommen.
In der Schweiz gibt es offiziell bisher keinen derartigen Höchstpreis. Das ist verständlich, denn wer möchte schon dafür verantwortlich sein, dass die betroffenen Patientinnen das Medikament nicht bekommen oder selbst bezahlen müssen?
Das heisst aber nicht, dass wir deshalb in der Schweiz keinen solchen Höchstpreis haben. Wir «importieren» diesen Preis einfach aus anderen Ländern.
Das geht so: Wenn das Bundesamt für Gesundheit die Preise für kassenpflichtige Medikamente festlegt, orientiert es sich dabei am Mittelwert der Preise dieses Medikaments in neun europäischen Ländern. Und zu diesen neun Ländern gehören die Niederlande, England, Schweden und weitere Länder mit Höchstpreisen pro gewonnenes gesundes Lebensjahr.
Die Höchstpreise in diesen Ländern bestimmen also indirekt, was ein gewonnenes gesundes Lebensjahr in der Schweiz maximal kosten darf. **
Simon Wieser ist Institutsleiter am WIG.
* Brouwer, W., et al., When is it too expensive? Cost-effectiveness thresholds and health care decision-making. The European Journal of Health Economics, 2019. 20(2): p. 175-180.
** Wollen Sie mehr zur Berechnung der gewonnenen gesunden Lebensjahre oder der Festlegung der Medikamentenpreise in der Schweiz lernen? Dann wäre unser CAS Gesundheitsökonomische Evaluationen und HTA vielleicht etwas für Sie.