Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03526.jsonl.gz/1421

Aktuell
40 Jahre Barcode Die Welt in 95 Strichen
Der Barcode ist eine digitale Institution. Als Symbol einer computergesteuerten Welt hat er die Warenwirtschaft revolutioniert.
Bericht
Er ist einfach überall: der Barcode, eine universelle Sprache aus senkrechten Strichen und Zahlen. Eine Art Identitätsausweis für Produkte. Entsprechend ist er auf fast allen Produkten aufgedruckt. Beim Lesen des Barcodes mit einem speziellen Gerät oder durch Eingabe der Zahlenfolge unterhalb des Strichcodes werden vordefinierte Informationen ausgegeben, die in den 95 Strichen des Codes verborgen sind.
Die Grundidee hatten 1948 die beiden US-Amerikaner Joseph Woodland und Bernard Silver. Sie schlugen vor, zur Vereinfachung der Warenwirtschaft allen Produkten eine Nummer zuzuweisen. Es dauerte jedoch bis 1972, bevor erste, gross angelegte Tests in einem Supermarkt in Cincinnati (Ohio/USA) durchgeführt wurden. Das Experiment war ein Misserfolg. Der Grund dafür lag jedoch nicht im Code selbst, sondern in Ungenauigkeiten beim Druck. Dennoch wurde die Idee nicht verworfen. Stattdessen perfektionierte man das Druckverfahren, um die in den Strichen enthaltenen Daten richtig entschlüsseln zu können. 1973 wurde schliesslich ein einheitlicher Standard zur Produktkennzeichnung festgelegt: der Universal Product Code, in Europa bekannt als EAN-Code, mit dem Artikelnummern verschlüsselt werden. Für kleine Produkte gibt es 8-stellige, sonst 13-stellige und in Nordamerika 12-stellige Artikelnummern.
Selbst aus der Nähe betrachtet lassen sich die 95 je 0,33 Millimeter breiten Striche nicht erkennen. Einige sind überhaupt nicht zu sehen (da sie weiss sind) und manche sind miteinander verbunden, wodurch der Eindruck entsteht, dass es sich um eine breitere Linie handelt. Die Sequenz aus weissen und schwarzen, unterschiedlich breiten Strichen wird vom Barcodelesegerät in eine Binärzahl übersetzt und kann in beide Richtungen gelesen werden. Der Code verdankt seinen Erfolg der eigens entwickelten Universalsprache aus sichtbaren und als Strichcode lesbaren Zahlenreihen. Mit dem Barcodelesegerät können zuvor definierte Daten entziffert werden. Der Barcode und die Zahlenfolge haben eine fixe Struktur: Die ersten Striche stehen für das Land, gefolgt vom Hersteller, dem Produkt und einem Kontrollcode. Die längeren Striche unterteilen den Code. Die so zusammengesetzte weltweit eindeutige Nummer wird immer als Ganzes verwendet.
Dieses System ermöglicht die Analyse aller Warenbewegungen und erleichtert dem Handel die Inventur sowie die Bestellung neuer Produkte. Alle Prozesse, die mit einem Produkt zusammenhängen, werden durch den Barcode vereinfacht und beschleunigt. Zudem lassen sich über den Barcode auf einfache Weise mangelhafte und abgelaufene Produkte identifizieren, genauso wie Produkte, die vom Markt genommen werden müssen. Die Rückverfolgbarkeit der Produkte (zum Beispiel für den Versand) ist ein weiterer Vorteil des Codes, da man den Weg einer Sendung bequem am Computer verfolgen kann. Bei Codes der zweiten Generation (QR-Code) können zudem mittels der darin verschlüsselten Internetadresse direkt Produktseiten verlinkt werden, die z. B. zusätzliche Informationen enthalten können.
In den Coop-Supermärkten erleichtert der Barcode die Arbeit der Kassiererinnen: Die in den vertikalen Linien gespeicherten Informationen enthalten unter anderem den Preis, der deshalb nicht mehr mühsam von Hand eingetippt werden muss. Nach demselben Prinzip funktioniert das in einigen grossen Coop-Supermärkten vorhandene Self-Scanning-System Passabene: Der Kunde scannt dabei den auf den Produkten aufgedruckten Barcode mit einem Lesegerät oder dem Smartphone, bevor er diese in den Einkaufswagen legt. An der Kasse muss er dann nur noch den Gesamtbetrag bezahlen, ohne gross anzustehen und ohne die Ware aufs Förderband legen zu müssen. Zudem hat der Kunde während seines Einkaufs stets den Gesamtbetrag im Blick.
Interview
Coopzeitung:40 Jahre Barcode welche Rolle hat Coop dabei gespielt?
Leo Ebneter: Coop war Mitbegründerin der EAN-Organisation in der Schweiz und stellte viele Jahre deren Präsidenten.
Selber genutzt hat Coop den Barcode aber erst später. Warum?
Zu Beginn mussten wir das Anbringen der Codes auf den Produkten fördern und sicherstellen, und zwar flächendeckend, um letztlich alle Artikel an der Kasse scannen zu können. Das war zugleich die Geburtsstunde eines neuen, umfassenden Warenwirtschaftsprozesses bei Coop.
Welchen Vorteil hat das für Coop?
Heute arbeiten wir entlang des Warenstromes, also von der Bestellung beim Lieferanten bis zur Kasse im Laden, praktisch papierlos. Papier wird eigentlich erst für den Kassenzettel benötigt.
Und was bringt es den Kunden?
Wir sind dadurch schneller, sicherer und effizienter geworden, was letztlich dazu geführt hat, dass wir tiefere Gesamtkosten haben als noch vor wenigen Jahren. Diese Einsparungen konnten wir in Form von Preissenkungen an die Kunden weitergeben.
Wie geht es weiter mit dem Barcode?
Der Barcode wird in Zukunft noch mehr Produktinformationen enthalten und damit noch mehr Transparenz für die Konsumenten schaffen.
Geheimisse des BarcodesWeitere Informationen zu Strichcodes auf Wikipedia Weitere Informationen auf der Internetseite von GS1 Schweiz
Hier eine Übersicht der verschiedenen Möglichkeiten zum Einlesen des Barcodes.
Smartphone
Dank der integrierten Kamera kann der Barcode mit dem Smartphone eingelesen werden. Die Daten lassen sich dann in verschiedenen Apps nutzen wie Coop Passabene, coop@home i-nigma reader oder iGepir.
Mit einer Kamera
Eine Videokamera filmt den Code aus einer gewissen Entfernung. Der Code wird von einer Soft-
ware gelesen, welche die verschiedenen Frames analysiert.
Mit einem CCD-Sensor
Funktioniert ähnlich wie mit der Videokamera, ausser dass das Gerät den Code aus der Nähe einliest. Das Gerät ist mit zahlreichen Helligkeitssensoren ausgestattet.
Laserstrahlscanner
Ein Laserstrahl wird auf ein rotierendes Prisma gerichtet, wodurch der typische rote Streifen entsteht, mit dem man auf den Barcode zielt.
Omnidirektionaler Scanner
Das schnellste und effizienteste Gerät, das beschädigte oder undeutliche Codes lesen kann, wird meist an der Kasse verwendet.
Seit den ersten Vorläufern aus den 1950er-Jahren hat sich viel verändert. Die jüngste Anwendung HCCB von Microsoft aus dem Jahr 2007 ermöglicht durch die Integration von Farben eine noch höhere Informationsdichte.
Länderliste nach dem GS1-Standard*
000139 USA
200299 interne Nummerierung
300379 Frankreich
380 Bulgarien
383 Slowenien
385 Kroatien
387 Bosnien-Herzegowina
389 Montenegro
400440 Deutschland
450459 Japan (auch: 490499)
460469 Russland
470 Kirgisistan
471 Taiwan
474 Estland
475 Lettland
476 Aserbaidschan
477 Litauen
478 Usbekistan
479 Sri Lanka
480 Philippinen
481 Belarus
482 Ukraine
484 Moldawien
485 Armenien
486 Georgien
487 Kasachstan
489 Hongkong
490499 Japan (auch: 450-459)
500509 Vereinigtes Königreich
520 Griechenland
528 Libanon
529 Zypern
530 Albanien
531 Mazedonien
535 Malta
539 Irland
540549 Belgien und Luxemburg
560 Portugal
569 Island
570579 Dänemark
590 Polen
594 Rumänien
599 Ungarn
600/601 Südafrika
603 Ghana
604 Senegal
608 Bahrein
609 Mauritius
611 Marokko
613 Algerien
615 Nigeria
616 Kenia
618 Côte dIvoire
619 Tunesien
621 Syrien
622 Ägypten
624 Libyen
625 Jordanien
626 Iran
627 Kuwait
628 Saudi-Arabien
629 VAE
690695 China
729 Israel
730739 Schweden
740 Guatemala
741 El Salvador
742 Honduras
743 Nicaragua
744 Costa Rica
745 Panama
746 Dom. Rep.
750 Mexiko
754/755 Kanada
759 Venezuela
760769 Schweiz / FL
770 Kolumbien
773 Uruguay
775 Peru
777 Bolivien
779 Argentinien
780 Chile
784 Paraguay
786 Ecuador
789790 Brasilien
800839 Italien
840849 Spanien
850 Kuba
858 Slowakei
859 Tschechien
860 Serbien
865 Mongolei
867 Nordkorea
869 Türkei
870879 Niederlande
880 Südkorea
884 Kambodscha
885 Thailand
888 Singapur
890 Indien
893 Vietnam
899 Indonesien
900919 Österreich
930939 Australien
940949 Neuseeland
955 Malaysia
958 Macao
*) Die Landesnummer sagt nichts über die Herkunft des Produktes. Sie wird im jeweiligen Land an Unternehmen vergeben, die dort einen Code beantragen. Produziert werden kann an jedem beliebigen Ort.
Passabene
Mit Passabene entfällt auch das Umpacken des Einkaufs an der Kasse.Weitere Informationen zu Passabene auf der Internetseite von Coop