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Sensibilisierungsübungen: sich treffen lassen und schrittweise lernen, sanft zu treffen
Sich während eines Boxmatch nur zu touchieren und nicht hart zu schlagen, muss bewusst erarbeitet werden. In den Trainings üben sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene, sich (sanft) zu treffen und sich treffen zu lassen. Diese sogenannten Sensibilisierungsübungen werden wiederholt und anschliessend in der Komplexität gesteigert. Dadurch können die Boxer/Innen ihre Koordination (insbesondere die Differenzierungsfähigkeit und das Distanzgefühl) steigern, Fluchtreflexe abbauen und lernen, die Grenzen der Partner zu akzeptieren. So kann gewährleistet werden, dass das Risiko eines harten Treffers auf ein Minimum reduziert ist.
Fairerweise sollte von den Athleten im Sparring/Match nur das verlang werden, was sie auch trainiert haben. Wenn das ganze Training durch nur hart geschlagen wird (Sandsack, Pratzen, Medizinball, z.T. auch in der Partnerübung), wäre es also vermessen vom Boxer dann im Sparring ein "box doch locker" abzuverlangen.
Bewährt hat sich z.B. bei Ausbildungsleiter Stefan Käser folgende Methodik: In jedem Training sollten 1-4 Übungen durchgeführt werden (auch mit Fortgeschrittenen), in denen sich die Boxer bewusst treffen lassen. Mit jeder dieser Übungen wird schrittweise die Komplexität erhöht. In der ersten 1-3 Lektionen steht das "sanft und korrekt Schlagen" und damit die Verringerung des Risikos und das schnelle Hinführen zu ersten Spielformen im Vordergrund. In den folgenden Lektionen dominieren dann zunehmend Formen, bei denen Treffer vermieden werden.
Spielerische Trainingsformen - Förderung von Fairness und Frustrationstoleranz
Durch das geringe Risiko im Light-Contact können von Anfang an wettkampf-orientierte Organisationsformen bevorzugt werden. So werden die Schüler früh mit den Aspekten Fairness und Challenge konfrontiert.
Durch einen geschickten methodischen Aufbau können bereits in der ersten Light-Contact Lektion kleine Boxmatches durchgeführt werden, wenn deren Regeln vereinfacht werden. Was gut gelingt sind sogenannte Semi-Kontakt-Formen: Nach jedem Treffer erfolgt ein Unterbruch. Dadurch wird die Hektik reduziert. Die Schüler können sich kurz sammeln und wieder konzentriert weiterboxen. Auch kann die Trefferfläche auf Schulter und Bauch reduziert werden. Dies empfiehlt sich bei wilden, unkonzentrierten Klassen, oder wenn Schlaghemmung seitens einzelner Schüler bestehen.
Im weiteren Training sollten ebenfalls möglichst wenige losgelöste Technikübungen durchgeführt werden, da die Schüler deren Sinn oft nur schwer verstehen. Anstatt dessen können die technischen Elemente durch eine entsprechende methodische Auswahl der Spielformen und deren Erfordernisse situationsgemäss ausgebildet werden. Ganz im Sinne des Leitsatzes: "Variieren anstatt Korrigieren!"
Durch die spielerischen Trainingsformen werden die Schüler mehr aktiviert. Neben dem Mitfiebern lernen sie mit Niederlagen umzugehen und nach vorne zu schauen, den Gegner zu respektieren und eine Strategien für ein erfolgreiches Handeln zu entwickeln.
Rollenübernahme - Verantwortung übernehmen und Regelakzeptanz
Wo immer möglich, empfiehlt es sich Formen einzusetzen, bei denen ein Schüler die Rolle des Ringrichters (oder auch Beobachter/Coach) übernehmen muss. Die Regeln werden so besser verstanden und respektiert.
Dies gelingt am besten im 3er-Team mit Unterbruch nach jedem Treffer: 2 Schüler boxen, einer ist Ringrichter. Der Ringrichter unterbricht den Match nach jedem Treffer oder Foul mit "Stopp". Nach der Nennung des Ereignisses und des aktuellen Punktestandes lässt er die beiden mit "Box" weiterspielen. Nach 90s oder nach 3 Treffern (je nach Aufgabenstellung des Lehrers), wechseln die Rollen.
In dieser Organisationsform muss der "Ringrichter-Novize" seine Aufmerksamkeit nur auf die zwei Boxer richten. Dies erfordert weniger Selbstvertrauen, als z.B. als Schiedsrichter über die ganze Klasse bei einem Fussball-Match zu richten. Gleichzeitig kann dasselbe mit jedem geleiteten Match wachsen.
Der häufige Wechsel erleichtert, sich in die Rolle der Anderen zu versetzen. Das Gefühl, wie schwierig es ist, alle Treffer zu sehen und schnell einzuschreiten, ist nach 90s noch sehr präsent. Ebenso das Bewusstsein wie unangenehm es ist, wenn der Gegner zu hart schlägt und der Ringrichter nichts sagt. Die Schüler werden sich so ihrer Verantwortung bewusst und lernen auch zu verzeihen: jeder macht Fehler. Das Ziel ist, sich in den folgenden Durchgängen zu verbessern.
Die Organisationsform im Semi-Kontakt-Stil, d.h. Unterbruch nach jedem Treffer, erhöht die Aktivität des Ringrichters. Dadurch, dass auch bei Treffern "Stopp" gerufen werden muss, gewöhnt sich der Ringrichter daran, schnell und verständlich einzugreifen. Wenn, wie in der Endform von Light-Contact Boxing, nur bei Fouls unterbrochen wird, kann es sehr lange dauern bis der Ringrichter zum Einsatz kommt. Dadurch erhöht sich der Druck auf denselben und seine Hemmschwelle, bei einem Foul dann wirklich unmittelbar einzugreifen. Das Ziel ist, dass die Schüler möglichst viele Gelegenheiten erhalten, ein selbstbewusstes Auftreten als Ringrichter zu üben.