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Inhalt
Grossbilddias in Leuchtkästen wurden zuerst in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts von der Werbeindustrie entwickelt. Man setzte sie ein, um kommerziellen Plakaten auch in Unterführungen, U-Bahn-Korridoren und sonstigen schlecht beleuchteten Zonen verstärkte Präsenz zu verschaffen. Der kanadische Künstler Jeff Wall entdeckte und perfektionierte diese Technik als ideales Medium für seine kunstvoll inszenierten, narrativen fotografischen Tableaus. Das rückwärtig durch Neonröhren erleuchtete Farbdiapositiv erzeugt ein ungemein kühles, präzises und klares Bild. Diese kristalline fotografische Sprache, fernab von allem Vagen, Diffusen und in vordergründiger Weise atmosphärisch Stimmungshaften, erlaubte Jeff Wall die Wiederbelebung einer in der modernen Kunst allseits völlig kompromittierten und verrufenen Gattung: dem allegorisierenden Genrebild im Geiste des frühbürgerlichen Naturalismus. Denn mit Vorliebe behandeln Jeff Walls Werke das Exemplarische im Alltäglichen des modernen Lebens: Themen der sozialen Desintegration und der Anomie, der Entfremdung und Einsamkeit einzelner Individuen in einer traditionsentleerten globalisierten Zivilisation. Wall verknüpfte so das soziale Engagement einer dokumentarischen concerned photography mit dem Anspruch künstlerischer Autonomie. Die Perfektion seiner der Kompositionen und der Inszenierungen mit ihren vielfältigen Referenzen an die malerische Tradition sowie die Originalität seines unsentimentalen Moralismus machten Wall zum weltweit erfolgreichsten Fotokünstler des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts.