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Mit zügigen Pinselstrichen, beinahe skizzenhaft, malt der Berner Maler Victor Surbek das Brustbild der Tscherkessin Colette. Ihr rosafarbenes Kleid und Kopftuch sind auffallend bunt und reich an Mustern, passend vor dem komplementären, grüngrauen Hintergrund. Zwar geht der Künstler wie bei den meisten Bildern von der Zeichnung und klaren Konturen aus. Aber die raschere Malweise, die ab den 1930er-Jahren einsetzt, kommt nur bei einem Teil der Werke zum Zug. Gerade den Porträts verleiht sie eine lebhafte Dynamik und tritt hier zusätzlich in Spannung zur gelassen wirkenden Figur mit ihrem zur Seite geneigten, wachen Blick und subtilen Lächeln. Trotz vieler Auslandsaufenthalte malt Surbek das Bild nicht im Nordkaukasus, wo die Tscherkess:innen ursprünglich herkommen. Es entsteht gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, und die Porträtierte sitzt ihm vermutlich im Atelier in Bern Modell. Ihr Bild bringt gleichzeitig Tragik und Hoffnung zum Ausdruck: Die meisten Tscherkess:innen werden nach dem verlorenem Krieg gegen die Russen in den 1860er-Jahren aus ihrer Heimat vertrieben. In der Diaspora erlangen manche von ihnen dennoch neue Perspektiven.
Marc Munter
Der Titel gibt einen Hinweis auf die gemalte Frau:
Die Tscher-kessin.
Das ist eine Person aus dem Nord-Kaukasus, Russland.
Dort war der Künstler nie.
Vermutlich kommt die Frau ins Berner Atelier
und sitzt Modell.
Im vor-letzten Jahr-hundert wurden viele ihrer Lands-leute vertrieben.
Es herrschte Krieg.
Sie heisst Colette.
Der Künstler wählt kontrast-reiche Farben.
Das pinke Kleid wirkt besonders stark vor dem grau-grünen Hinter-grund.
Hoffnung und Tragik in einem Bild.
Sara Smidt