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«The Underground Railroad» ist nicht nur der Titel einer neuen Serie. So wurde ein Netzwerk in den USA bezeichnet, das Sklavinnen und Sklaven aus den Sklavenhalter-Staaten des Südens zur Flucht in den Norden verhalf. Es war vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts aktiv und soll über 100’000 Menschen gerettet haben.
Der Name «Underground Railroad» ist im übertragenen Sinn gemeint. Einen Untergrund-Zug gab es nie. Stattdessen Fluchthelferinnen und -helfer, die die geflüchteten Menschen von einem Ort zum anderen schleusten, sie in Kellern und Dachböden versteckten.
Buchvorlage gewann einen Pulitzer-Preis
Die Serie beruht auf dem gleichnamigen Roman «The Underground Railroad» des afroamerikanischen Autors Colson Whitehead.
Als das Buch 2016 erschien, war es eine kleine Sensation. Die «New York Times» veröffentlichte Teile vorab. Oprah Winfrey nahm den Roman in ihren berühmten Buchclub auf. Und später wurde er mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.
Es geht um Rassismus und Sklaverei im 19. Jahrhundert in den USA. Auf historische Genauigkeit verzichtete Autor Colson Whitehead. So gibt es bei ihm eine richtige Dampflok, die unter der Erde fährt und Geflüchtete mitnimmt.
«Ich wollte mich nicht an die Fakten halten», sagt der Autor in einem Interview, «sondern an die Wahrheit. Und die Wahrheit ist: Wir verteufeln die, die anders sind.»
Der Oscar-prämierte Regisseur Barry Jenkins («Moonlight»), der die Serie in Szene setzte, zeigt ebenfalls eine richtige Eisenbahn. «Als ich als Kind zum ersten Mal von der Underground Railroad hörte, habe ich mir das so vorgestellt», erzählt er.
Der «Meister» bestimmt, wer sich fortpflanzt
Die Geschichte: Cora (Thuso Mbedu) wird als Tochter einer Sklavin geboren und wächst auf einer Plantage auf. Peitschenschläge sind an der Tagesordnung. Dass der «Meister» bestimmt, wer sich mit wem fortpflanzen muss, oder dass Menschen, die flüchten wollten, bei lebendigem Leib verbrannt werden, ist ebenso normal.
Das alles zeigt Barry Jenkins ungeschönt. Als sich Cora überreden lässt, auf die Underground Railroad zu springen und gemeinsam mit dem Sklaven Caesar (Aaron Pierre) zu fliehen, hofft sie auf ein freies Leben. Das bekommt sie nicht.
Ausstellungsstück und Versuchskaninchen
Jenkins zeigt einzelne Stationen der Flucht. Und die verschiedenen Gesichter des Rassismus.
So landen Cora und Caesar beispielsweise in einer Stadt, in der sie scheinbar freundlich empfangen werden. Dann aber doch als lebende Ausstellungsstücke im Museum stehen. Und ohne ihr Wissen für medizinische Experimente herhalten müssen.
Mahnung an die Gräueltaten
Die fiktive Geschichte um Cora zeigt, wozu der Mensch fähig ist. Die Serie erscheint ziemlich genau ein Jahr nach den grössten weltweiten Black-Lives-Matter-Protesten. Die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner haben ihre Geschichte noch längst nicht aufgearbeitet.
«The Underground Railroad» ist auf Amazon Prime Video als Stream verfügbar.