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Eine von fünf Frauen in der Schweiz ist von Altersarmut betroffen. Wie kann das in einem solch reichen Land wie der Schweiz geschehen? Lucify sprach mit Anju Devasar, der Gründerin von “Money Moves”, die Frauen darin befähigt, sich finanzielle Kompetenz und Unabhängigkeit zu erwerben.
Kannst du kurz dich und deinen beruflichen Hintergrund vorstellen?
Ich bin in New Delhi, Indien, aufgewachsen. Ich bin als Wirtschaftsberaterin ausgebildet und habe für multinationale Unternehmen gearbeitet, bevor ich nach New York umgezogen bin. Nach ein paar Jahren zogen wir dann nach Genf zu seiner nächsten Stelle und sind nun bereits seit 18 Jahren hier. Zwischen unseren Umzügen und der Geburt unserer beiden Töchter, versuchte ich meine beruflichen Tätigkeiten durch Volunteering, Teilzeitstellen und unabhängige Beratungsprojekte aufrecht zu erhalten.
Berichtest du uns mehr über deine Migrationserfahrungen in der Schweiz?
Wir waren aufgeregt, in die Schweiz umzuziehen. In Wahrheit kamen dann einige Herausforderungen auf uns zu. Nachdem wir bis dahin in einer grossen Stadt gelebt hatten, war das Leben hier ruhig, isoliert und, wenn ich das so sagen darf… eher ein bisschen langsam. Englisch war nicht so weit verbreitet, also kam die Sprachbarriere auch noch hinzu. Die erste Herausforderung war es, mich zu integrieren und Freunde zu gewinnen. Ich begann, französisch zu lernen und als Volunteer in der Schule meiner Tochter zu arbeiten. Ich schloss mich Fitnessklassen an, die in meiner Kommune organisiert wurden und das half mir dabei, mehr Menschen in meiner Nachbarschaft kennenzulernen. Es hat dennoch einige Jahre gedauert, bis ich mich wirklich angekommen fühlte. Die nächste Herausforderung war, ein professionelles Netzwerk aufzubauen. Das war deutlich schwieriger und ich glaube, ich arbeite immer noch daran!
Was führte zu deiner Entscheidung, “Money Moves” zu kreieren?
Wusstest du, dass eine von fünf Frauen in der Schweiz von Altersarmut betroffen sind? Wie kann das in einem reichen Land passieren? Studien zeigen, dass Frauen durchschnittlich fünf Jahre länger leben als Männer. Das bedeutet auch, dass Frauen ein höheres Risiko tragen, Gesundheitsprobleme zu bekommen, die mit dem Alter in Verbindung stehen. Dort spielen auch noch mehr Faktoren hinein, wie die Arbeit neben Familie und Kindern, das geschlechterspezifische Lohngefälle oder die höheren Kosten für die Versorgung der Kinder bei alleinerziehenden Müttern. Für manche Frauen sind diese Mehrbelastungen schwer zu handhaben. Wenn Frauen einen Mangel an finanzieller Kompetenz haben, besteht ein grosses Risiko, dass sie ihre finanzielle Situation für die Jahre nach ihrer Pensionierung gar nicht planen. Hier kann Basiswissen helfen, die Finanzprodukte wie Versicherungen und Investitionspläne zu verstehen und den Frauen dadurch zu einer grösseren finanziellen Unabhängigkeit im Alter zu verhelfen. Dieses Wissen schützt vor den üblichen Fallen, vor betrügerischen Programmen oder manipulativen Familien- oder Verwandten.
Ich verstand die Kraft von finanzieller Sicherheit sehr früh in meinem Leben. Nachdem wir meinen Vater sehr früh verloren hatten, wuchs ich damit auf, meine Mutter dabei zu beobachten, wie sie lernte mit Geld umzugehen, was sie vorher niemals musste. Sie lernte nun zu planen, zu sparen, ein Haus zu kaufen und über einen langen Zeitraum zu investieren, indem sie mit den Männern der Familie in Austausch ging, die diese Dinge bereits gut zu managen wussten. Sie suchte aktiv nach Finanzkompetenz für sich selbst, um für uns ein Leben aufzubauen. Ich verstehe jetzt, dass nicht jeder während des Aufwachsens ein solches Vorbild hatte und deshalb auch nicht sofort das Potenzial darin erkennt. Viele hatten auch keinen Zugang zu vertrauensvollen Quellen mit solchen Informationen. Das hat mich inspiriert, “Money Moves“ ins Leben zu rufen – eine Plattform, wo Frauen über Geld und Investment lernen können, den Jargon verstehen lernen und die Kontrolle über ihre eigenen finanziellen Entscheidungen haben. Die “Money Moves“ Community ist ein sicherer Ort für Frauen, um all diese Dinge zu diskutieren, die mit Geld in Verbindung stehen.
Glaubst du, dass COVID19 einen Einfluss darauf haben wird, wie Frauen ihr Geld managen?
Während der Pandemie sind wir ängstlicher geworden, was die Sicherheit unserer Einkommen angeht. Die Kombination davon, kein volles Einkommen zu haben und einen gleichzeitigen Mangel an Ersparnissen, machte die Situation für Einige zu einem Kampf. Die Pandemie hat auch die Gespräche der Frauen mit ihren Partnern, in Bezug auf finanzielle Themen, verändert. Die Vermögenswerte und der Zugriff auf diese wurden zu einem wichtigen Thema. Es wurde wichtig, zusätzliche Einkommensquellen zu entwickeln, das Budget einzuhalten und bewusster mit Ausgaben umzugehen. Obwohl diese Zeit für Frauen härter war, hat sie ebenfalls Möglichkeiten geschaffen, Kosten einzusparen, beispielsweise beim Essen auswärts, bei den täglichen Fahrtkosten oder beim Shopping. Diese Vorteile zu berücksichtigen, baut Ersparnisse auf.
Was glaubst du, wie sehr Finanzkompetenz bei Frauen zur Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern beiträgt?
Historisch betrachtet wurde das Geld immer von den Männern in der Familie verwaltet. Erst nach den 1960er Jahren konnten Frauen ein eigenes Bankkonto eröffnen, eine Kreditkarte erhalten oder eine Hypothek im eigenen Namen aufnehmen. Wir sind einen langen Weg gegangen bis zu diesem Punkt.
Sogar heute noch überlässt die Mehrzahl der Frauen die Langzeitplanung von Hypotheken, Investments und Pensionsversicherungen ihren Partnern. Das passiert hauptsächlich aufgrund eines Mangels an Selbstvertrauen in die Fähigkeit, das eigene Geld zu managen. Das wiederum hat nachteilige Auswirkungen auf sie und hält sie möglicherweise sogar in einer unglücklichen Beziehung gefangen oder lässt sie unvorbereitet sein für den Fall einer Scheidung oder den Tod ihrer Partner.
Inwiefern leistet “Money Moves” einen Beitrag für weibliche Führungskräfte?
Finanzkompetenz kann Frauen in ihrem persönlichen und in ihrem beruflichen Leben ermächtigen. Sie gibt Frauen das Selbstbewusstsein, an den finanziellen Entscheidungen der Familie teilzuhaben. Auch die Überwindung einschränkender Glaubenssätze in Bezug auf die Finanzen und das Verständnis über die fundamentalen Konzepte wie Inflation oder Risikomanagement können helfen, als Unternehmerinnen professionelle Entscheidungen zu treffen. Damit erhöhen sich auch die Chancen, in einer führenden Position arbeiten zu können.
Wie können insbesondere Migrantinnen von “Money moves” profitieren?
Migrantinnen arbeiten in wertvollen Positionen innerhalb unserer Gesellschaft. Dennoch haben sie oft keinen Zugang zu Informationen über Beschäftigungmöglichkeiten oder professionellen Netzwerken. Deshalb fallen sie oft in Positionen des Niedriglohnsektors, ungeachtet ihrer Fähigkeiten und Bildung, die sie in ihren Heimatländern erworben haben. Vielleicht sind sie auch mit ihren Familien migriert und haben wenig oder gar kein Einkommen. Dies macht sie anfälliger für finanzielle Not oder Missbrauch. Indem sie ihre finanzielle Position verstehen und ihnen Möglichkeiten zum Sparen und Investieren aufgezeigt werden, können sie über die Zeit ihren eigenen Wohlstand aufbauen.
Viele Migrantinnen halten sich von finanzieller Planung zurück, obwohl sie wenig bis gar keine Ersparnisse haben. Was würdest du Ihnen empfehlen?
In Situationen von wenigen bis keinen Ersparnissen wird das finanzielle Planen kritisch. Es ist dann entscheidend, die monatlichen Ausgaben genau zu budgetieren, die Schulden oder Mahnungen abzubezahlen, für Notfälle zu planen und Wege zu finden, die Ersparnisse auf- oder auszubauen.
Wie können Frauen durch “Money Moves” gecoacht werden?
“Money Moves“ ist eine Plattform für Frauen, um zu lernen ihr Geld und ihre Investments zu managen. Wir offerieren Webinare, Gruppenworkshops und Eins-zu-Eins Coachings. Wir haben ein 6-Wochen Programm, um dabei zu helfen, die finanzielle Position zu bestimmen und einen persönlichen Finanzplan zu erstellen. Das beinhaltet auch 6 Eins-zu-Eins Coaching Sessions. Die Details sind auf unserer Website zu sehen und es ist möglich ein kostenfreies Pre-Coaching zu erhalten. Wir sind schon sehr gespannt darauf, dieses Jahr an zusätzlichen neuen Programmen zu arbeiten. Folge uns auf Social Media, um stets die Neuigkeiten zu erfahren.
Website: https://money-moves.wixsite.com/learn
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Anna speaks French, German, English and Russian. She obtained a Master Degree at the University of Bern (Cultural Studies) and a Bachelor at the Lomonosov Moscow State University (Philology). Anna has big interest in such themes as: identity, cultural hybridity, music, and raising children in multicultural context. She is convinced that our children can teach us a lot. They are not born with stereotypes but they risk to acquire them later under external circumstances. Our task as parents is to help them grow as conscious and culture-aware humans.