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Nach der Schulzeit in Basel beginnt Wilhelm Balmer (1865–1922) eine Zimmermannslehre als Vorbereitung für das geplante Architekturstudium. Er beendet die Lehre zwar nicht, der Basler Künstler Ernst Stückelberg kann ihn jedoch überzeugen, weiterhin Zeichenunterricht zu nehmen. Im Jahre 1884 beginnt Balmer an der Münchner Akademie ein fünfjähriges Studium bei Ludwig Löfftz. Er erlernt die traditionelle Porträtmalerei, interessiert sich besonders für die unterschiedlichen Maltechniken und kopiert Werke von alten Meistern.
Nach Studienreisen nach Frankreich, England, Holland und Italien kehrt Balmer 1892 in die Schweiz zurück. Er erhält in Basel eine Reihe von Porträtaufträgen: Es entstehen zahlreiche Bildnisse von Kindern und Erwachsenen, mehrfach porträtiert er seine Kinder sowie seine Gattin Alice Vieillard. Balmer verlagert ab 1897 seinen Wohnsitz nach München und später nach Florenz. Für unterschiedliche Aufträge kehrt er jedoch öfters in die Schweiz zurück.
Bekanntheit erlangt Wilhelm Balmer, als er ab 1900 den Auftrag für die Erneuerung der Fassadenmalerei am Basler Rathaus ausführt. Des Weiteren fertigt Wilhelm Balmer in Zusammenarbeit mit Albert Welti das grosse fünfteilige Fresko im Ständeratssaal des Parlamentsgebäudes in Bern, welches die Landsgemeinde in Nidwalden darstellt.
2008 erhält das Schweizerische Kunstarchiv von SIK-ISEA den Teilnachlass Wilhelm Balmers als Schenkung seiner Enkelin Susi Haller. Der Bestand umfasst Familienfotoalben, zahlreiche zeitgenössische Werkabbildungen sowie einzelne Skizzenbücher mit Porträts. Die Fotoalben zeigen Alltags- und Ferienmomente der Familie Balmer. Die Fotografien eröffnen einen biografischen Blick auf Balmers Leben, zudem können die Porträtstudien seiner Kinder in Bezug zum fotografischen Bestand gesetzt werden. Des Weiteren präsentieren Balmers Fotografien die Basler Künstlerszene mit Karl Theophil Dick, Franz Baur oder Hans Emil Wieland. Zahlreiche zeitgenössische Werkabbildungen machen einen weiteren Schwerpunkt des Teilnachlasses aus.
Der Teilnachlass zeigt Balmers Beobachtungsgabe und seine Fähigkeit, diese in qualitätsvolle Bildnisse zu übersetzen. Dadurch leistet er einen eigenen Beitrag zur Schweizer Malerei Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei folgt Balmer stets den Bedürfnissen seines bürgerlichen Publikums und fügt die Arbeiten zu einem stimmungsvollen und eigenständigen Œuvre.
Signatur
SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 271
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Wanda Kupferschmid, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl der Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
Publiziert am 10.09.2018