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Elemente
Brasilien,
[* 2]
Vereinigte Staaten von (hierzu Karte:
Brasilien), nächst
Rußland, dem
Britischen
Reiche,
China
[* 3] und den
Vereinigten Staaten
[* 4] von
Amerika
[* 5] der ausgedehnteste
Staat der Erde, begreift die östl. Hälfte
Südamerikas und reicht vom
Kap Orange, seinem nördlichsten
Punkte an der Mündung des Rio
[* 6] Oyapoc, 4° 22½' nördl.
Br., bis an die Südspitze der Halbinsel Mirim
im S., 33° 44' südl.
Br., und vom Rio Aruita (Iavari oder Dacarana) unter 74° westl. L. bis an den Atlantischen
Ocean (Olindaspitze), 35° westl. L. von Greenwich.
Brasilien grenzt im N. an das franz.,
niederländ. und brit. Guayana und an
Venezuela,
[* 7] im
W. an Columbia,
[* 8]
Peru, im
SW. an
Bolivia,
[* 9] im
S. an
Paraguay,
Argentinien und an
Uruguay, sodaß es mit allen südamerik.
Staaten außer Chile und Ecuador zusammenstößt. Die Ostgrenze bildet der Atlantische Ocean, der die brasil. Küste in einer Länge von 7920 km bespült. Die in den Verträgen von 1777, 1778 und 1801 mit Spanien [* 10] festgesetzten Grenzen [* 11] waren fast gar nicht wirklich vermessen worden, sodaß die häufigen Streitigkeiten erst in neuen Abmachungen 1867 mit Bolivia, 1872 mit Paraguay, 1881/82 mit Venezuela, 1888 und 1890 mit Argentinien ein Ende fanden. Da jedoch mit Peru und Columbia Einigungen noch nicht erzielt sind, kann die neueste sorgfältige Flächenbestimmung von 8 361 350 qkm immer nur als annähernd richtig gelten.
Oberflächengestaltung. A. Gebirge. Seiner senkrechten Gliederung nach zerfällt in zwei Teile, die etwa durch eine Linie von den Schnellen [* 12] des Madeira [* 13] (10° südl. Br.) nach Para getrennt werden. Nördlich davon liegt die wenig geneigte diluviale Tiefebene des Amazonenstroms und seiner Zuflüsse, in die nur an der Nordgrenze einige Höhenzüge von Venezuela und Guayana hineingreifen; südlich davon das brasil. Bergland, das ganze Gebiet bedeckend, nur an wenigen Stellen durch größere Küstenebenen vom Meere getrennt.
Genauere Kenntnis besitzt man nur von den östl. Teilen des ausgedehnten Systems. Im allgemeinen besteht dasselbe nur aus einem alten Urgebirge, über welches sich jüngere Sandsteine von mesozoischem Alter abgelagert haben, die im Verein mit vielleicht silurischen, devonischen und carbonischen Schiefern und Quarziten die zahlreichen Höhenzüge bilden, die als Serras Gebirgscharakter annehmen. Namentlich an den Küsten treten dieselben hervor und begleiten diese nordwärts ziehend.
Die Serra do Mar von 30° südl. Br. an zieht als der 900-1700 m hohe Steilabfall einer welligen Hochebene einher, welche die Staaten Rio Grande do Sul, Sta. Catharina und Parana erfüllt und sich westlich allmählich zum Uruguay und Parana senkt. Der Südrand dieses Plateaus (Serra Geral) ist bei weitem nicht so steil und von zahlreichen Flüssen durchbrochen; ihm lagert sich ein welliges, bis nach Uruguay reichendes Hügelland vor. Unter dem 25. Breitengrade wendet sich die Serra do Mar zugleich mit der Küste nach ONO. und sondert sich immer deutlicher vom innern Hochlande ab, namentlich von da an, wo das Thal [* 14] des Rio Parahyba immer tiefer an ihrer Nordseite einschneidet.
Hierdurch tritt sie in Rio de Janeiro als Gebirgskette hervor, die durch eine Anzahl von Flußthälern in viele parallele Züge geschieden ist, wie die Serra dos Orgãos und Serra da Estrella, deren Gipfel 1600 m übersteigen. Die über die Wasserscheide führenden Pässe sind 6-700 m hoch. Jenseit des Parahyba betrachtet man gewöhnlich die Serra dos Aimores (Caymores) als Fortsetzung, welche der nun wieder nordnordöstlich streichenden Küste parallel verläuft.
Sie wird von einer Anzahl nicht unbedeutender Flüsse [* 15] durchbrochen und zerfällt so in eine Reihe mit prachtvollem Urwalde bedeckter Abschnitte. Während aber die eigentliche Serra do Mar fast durchweg aus dem Meere aufsteigt, tritt vom 20.° südl. Br. das Gebirge mehr und mehr zurück, einen wenig geneigten Streifen Landes freilassend, der teils dichten Urwald und blühenden Anbau, teils, namentlich weiter nördlich, öde Sandflächen zeigt. Die Serra dos Aimores reicht, oft von Flüssen durchbrochen, bis an den Rio Jequitinhonha, während ihre nördl. Fortsetzung bis ¶
forlaufend
zum Kap Roque hin weniger deutlich ausgeprägt ist. Hinter der Serra do Mar, durch das Thal des Rio Parahyba geschieden, erhebt sich an der Südgrenze von Minas Geraes die Serra da Mantiqueira mit dem höchsten Berggipfel B.s, dem Itatiaya oder Itatiayossu (2712 m). Unter dem 44.° geht sie in die nordnordwestl. Richtung über und zieht, gewöhnlich mit dem Gesamtnamen Serra do Espinhaço (Rückgrat) bezeichnet, aber aus vielen Serras bestehend, bis zum Durchbruch des Rio São Francisco, den sie zu den berühmten Fällen von Paolo Affonso zwingt.
Sie gipfelt im Itacolumi (1750 m) und im Pico Itambe (südöstlich von Diamantina), entsendet mehrfach Ausläufer nach NO., verliert nach N. mehr und mehr den eigentlichen Gebirgscharakter und dehnt sich in weiten, öden Hochflächen aus, die hier Taboleiros, Chapadas, Sertães genannt werden. Vom Itacolumi an lassen sich die zahlreichen Einzelzüge am besten durch Nachgehen der Wasserscheiden entwirren. Diese zieht, Sao Francisco- und Paranasystem trennend, zuerst westwärts, dann nach N. und vom 16.° südl. Br. wieder westlich; sie besteht aus vielen einzelnen Serras, die aber häufiger Hochflächen mit steilen Abhängen als eigentliche Gebirgskämme sind, und wurde ehemals häufig unter dem Namen Serra dos Vertentes zusammengefaßt. Im allgemeinen noch wenig erforscht, scheint ihre Höhe 600-1000 m zu betragen.
Gerade da, wo die Wasserscheide sich nördlich wendet, zweigt ein anderer Zug ab, ebenfalls in nordnordöstl. Richtung; er besteht aus welligen Hochflächen, nirgends unter 600 m herabgehend, und zieht zwischen dem Sao Francisco und dem Tocantins unter verschiedenen Namen (Serra da Matta da Corde, Serra do Paranan, Serra da Tabatinga, Serra do Duro), bis er sich etwa 11° südl. Br. teilt und das Thal des Parnahyba umfaßt. Der westl. Teil, eingefaßt durch die Serra Gurgueia und die Serra das Mangabeiras, dehnt sich plateauartig aus und trägt mehrere, der Nordostküste parallele Ketten aus Buntsandstein, wie die Serra das Covoadas und die Serra do Ita Picuru.
Der östl. Teil erweitert sich zu einem ausgedehnten Hochlande und erfüllt die ganze Ecke zwischen dem untern São Francisco und dem Parnahyba. Der erste Teil des Zugs, der die Ostgrenze der Provinz Piauhy bildet, führt den Namen Serra do Piauhy, Serra dois Irmaos, Serra Araripe, Serra Grande; der Nordküste parallel verlaufen Serra do Machado und die Steilabsätze der Hochflächen (Sertães), während die der Ostküste parallel ziehenden Serras als Fortsetzung der Serra do Mar und Serra do Espinhaço angesehen werden können. - Der westl. Teil des brasil. Berglandes ist weniger gegliedert; an die Stelle der Serras treten hier größere, gewellte Hochebenen, z. B. die von Mato Grosso im Innern und der durch die Serra Cayapo und die Serra Divisães de Sta. Clara von der erstern getrennte Sertão von Camapuan.
Alle diese Landschaften sind sehr wenig bekannt. Gegen SW. und S. fällt das Bergland in Terrassen ab, an denen entlang der Guapore fließt. Hier liegen Mato Grosso in nur 270 m und Cuaba in 200 m Höhe. Am Südrand stürzen die Ströme über die Stufen in Wasserfällen zum Tieflande hinunter, z. B. der Salto Grande des Parana. Ebenso verlassen die von Mato Grosso nach N. fließenden ströme das Bergland in vielen Cachoeiras, Fällen, die die Schiffbarkeit unmöglich machen und das Eindringen ins Innere sehr erschweren.
Brasilien
Gewässer. Folge dieser Bodenbildung ist der sehr verlängerte Lauf der meisten Flüsse, die, obgleich unfern der Küste
entspringend, genötigt sind, den Höhenzügen parallel in nördl. oder südl.
Richtung manchen Breitengrad zu durchströmen, ehe sie zu einem der beiden großen Sammelbecken des
Amazonas oder des La-Plata gelangen. Der größere Teil derselben wendet sich dem Amazonenstrome zu, dessen Gebiet etwa sechs
Zehntel der ganzen Oberfläche von
Brasilien umfaßt, während zum Gebiete des La-Plata ein Sechstel, zu dem des São Francisco und
der übrigen kleinen Flüsse etwa ein Viertel gehört.
Der Amazonenstrom
[* 17] (s. d.) hat bei seinem Eintritt in
Brasilien schon seine
Hauptrichtung nach Osten angenommen; er empfängt auf brasil. Boden seine Hauptzuflüsse und es zeigen die von Süden kommenden
in der Richtung ihrer Thäler eine bemerkenswerte Übereinstimmung mit dem nordöstl. und nordwestl. Streichen der brasil.
Gebirgskämme und Küsten. Unter den Nebenflüssen der rechten Seite sind die bemerkenswertesten der Rio Javari (s. d.),
der Grenzfluß gegen Peru, der Jurua, Purus (s. d.), der Madeira (s. d.),
Tapajoz (s. d.), Xingu (s. d.) und der Tocantins (s. d.) mit dem Araguaya.
Die östlichern dieser Flüsse, die bei ihrer großen Tiefe und Wassermenge ein natürliches Straßennetz bilden, sind aber durch Stromschnellen unterbrochen, die selbst kleine Boote nur ohne Ladung befahren können, oder sogar durch tagelangen Landtransport umgehen müssen. Bekannt sind namentlich die Schnellen des Madeira auf einer Strecke von 300 km südlich vom 9. Breitengrade, ferner die des Tapajoz, die des Xingu (zwischen 3 und 4° südl. Br.) und die des Tocantins und des Araguaya. Von links nimmt der Amazonenstrom nur drei bedeutende Zuflüsse auf, den Ica oder Putumayo (s. d.), den Japura (s. d.) und den Rio Negro, den größten auf dieser Seite. Unterhalb desselben münden eine Anzahl kleinerer Flüsse in den Amazonenstrom, fast alle gleich gerichtet und noch wenig bekannt; der größte von ihnen ist der Rio des Trompetas (oder Oriximina), ferner der Yamunda, Paru und Jary.
Das zweite große Stromgebiet B.s ist das des La-Plata, der fast alle Wasser südlich vom 16.° südl. Br. in drei Adern, dem Paraguay, Parana und Uruguay, sammelt. Weitaus der bedeutendste unter diesen ist der Parana, der in der Serra da Mantiqueira entspringt unweit des Meers und der Quellen des São Francisco, während sein rechter Hauptarm, der Parnahyba, vom Tocantins nur durch eine schmale Wasserscheide getrennt ist. Seine linksseitigen Zuflüsse (Tiete, Parana-Panema, Ivahy, Yguassu u. a.) entspringen sämtlich in der Serra do Mar, ganz nahe am Meere.
Daselbst entspringt auch der Uruguay, der eine große Menge kleinerer Flüße aufnimmt und auf einer bedeutenden Strecke die Grenze gegen die argentinische Provinz Corrientes und das Territorium de las Misiones bildet. Von großer Bedeutung sind diese Arme des La-Plata durch das ausgedehnte Netz von Wasserstraßen, die im Gegensatz zum Amazonensystem eine ungehinderte Schiffahrt vom Meere bis ins Innere B.s gestatten. So der Parana bis zum Salto Grande unter dem Wendekreis und vor allem der Paraguay, dessen Nebenfluß S. Lourenço bis Cuyaba (15° 30' südl. Br.) mit Dampfern befahren werden kann.
Von den Küstenflüssen sind die nördlich vom Amazonenstrom nur unbedeutend. Darunter der ¶
forlaufend
Araguary. Zwischen diesem und dem Kap Roque münden eine Anzahl bedeutenderer, den südl. Nebenflüssen des Amazonenstroms paralleler Flüsse; der größte ist der 1400 km lange Parnahyba mit einem vielarmigen Delta [* 19] an der Mündung. Südlich vom Kap Roque mündet etwa unter 10½° südl. Br. der 2900 km lange Rio São Francisco (s. d.), dessen Schiffbarkeit zwischen dem 17. und 18.° südl. Br. durch bedeutende Stromschnellen und 1500 km unterhalb wieder durch die 80 m hohen Fälle von Paolo Affonso unterbrochen wird.
Einer seiner Zuflüsse, der Rio das Velhas, kommt der Hauptstadt mit seinem schiffbaren Laufe bis auf 650 km nahe. Zwischen dem 10. und 20. Breitengrade mündet eine große Anzahl von Flüssen; die größern entspringen auf dem Gebirgszuge, der die östl. Thalseite des São Francisco bildet, und durchbrechen die seewärts gelegenen Stufen und Ketten (Serra do Mar); zu nennen sind der Itapicuru, Paraguassu (in die Bahia de [* 20] todos os Santos), Rio de Contas, Jequitinhonha und Rio Doce.
Dieselbe Richtung hat auch der Parahyba. Von hier ab zeigt die Küste von
Brasilien nur ganz kurze Flüsse, da die innere Hochfläche
steil in der Serra do Mar aufsteigt. Erst in Rio Grande do Sul, wo sich der Rand nach Westen wendet und von Thälern
durchbrochen ist, findet sich ein längerer schiffbarer Fluß, der Jacuhy, der durch die große Patoslagune ins Meer fließt.
Dieser für Fahrzeuge bis zu 3 m Tiefgang schiffbare, fast ganz mit süßem Wasser angefüllte Küstensee steht mit der südlich
gelegenen Mirim-Lagune in Verbindung und ist für den Verkehr von hoher Bedeutung.
Klima. [* 21] Im Verhältnis zu der gewaltigen Ausdehnung [* 22] des Landes zeigt das Klima eine gewisse Gleichmäßigkeit. Man hat zu unterscheiden zwischen den Küstengebieten, dem Amazonas-Tiefland, den Hochflächen des Innern, den Flußthälern innerhalb derselben und den südlichsten Staaten. Besonders wechseln Wind- und Niederschlagsverhältnisse von Nord gegen Süd. Für Rio de Janeiro beträgt die mittlere Jahrestemperatur 23,8° C., die des wärmsten Monats, Februar, 26,6° C., die des kühlsten, Juli, 21,2° C. Temperaturen unter 15° sind hier sehr selten, doch wird die Hitze am Nachmittag durch frische Seebrisen gemildert.
Dabei ist die Feuchtigkeit der Luft fast immer nahe am Sättigungspunkt, sodaß Metalle und andere Materiale
stark angegriffen werden. Rio hat 1214 mm Regen im Jahre, São Vento das Lages (12° 37' südl. Br.) 2050 mm; der Regen fällt hauptsächlich
von April bis Juli, dann wieder im Dezember und Januar, also in zwei Regenzeiten, einer größern und einer kleinern, zwischen
denen Trockenzeiten eintreten. Von März bis August weht der Südostpassat, von September bis Februar
nördl. und östl. Winde;
[* 23] im Südwesten treten die Pamperos, stürmische
Winde des La-Platagebietes, nach
Brasilien über. Im allgemeinen stimmt damit das Klima der ganzen Küste überein.
Die mittlere Jahrestemperatur beträgt zu Pernambuco [* 24] 25,7° C., zu Para 27° C. Von 10° südl. Br. an beginnt der Südostpassat das ganze Jahr hindurch zu herrschen. Von Rio de Janeiro gegen Süden nimmt die Jahrestemperatur langsam ab, und der Übergang in das subtropische Klima Argentiniens erfolgt. Joinville hat nur noch 20,6° C., Taquara (29° 40' südl. Br.) 18,7° C. mittlere Jahrestemperatur, Pelotas bei Rio Grande do Sul 17,8° C. Der Juli sinkt hier auf 12°, der Januar hat aber noch immer 24,2° C. Im allgemeinen ist an der Ostküste die Temperatur ziemlich hoch, doch auch die jährliche Schwankung derselben; in Pelotas fällt das Thermometer [* 25] gelegentlich auf 0°. In Blumenau soll -4° C. vorgekommen sein. Die Regen erreichen bei Pelotas nur noch 1330 mm, in Joinville aber noch 2280 mm im Jahre. - Im Amazonastiefland herrscht gleichmäßig hohe Wärme. [* 26]
Manaos hat 26° C. Mitteltemperatur, und als Extreme 35,7 und 20,7° C., Iquitos als solche 32,4 und 18,8° C. In Manaos fallen 1420 mm,
in Iquitos 2620 mm Regen. Gegen die Anden scheint die Regenmenge zuzunehmen. In Teffe (Egas, 64° 8' westl.
L. von Greenwich) zerfällt das Jahr in zwei trockne und zwei nasse Perioden. Die erste Regenzeit währt von Ende Februar bis
Juni. Der Strom steigt dann stark; bis Mitte Oktober dauert die Trockenzeit, hierauf folgt bis Anfang
Januar die zweite nasse und bis Ende Februar die zweite trockne Periode. Im Mai sinkt die Temperatur infolge kühlen Südwindes;
in Iquitos fällt diese Erscheinung in den Juni bis Juli, die Temperatur fällt dann 5° unter das Mittel. - Im Innern der Gebirgsländer
von
Brasilien fehlen genaue Beobachtungen, die Minima liegen oft noch unter denen der südl. außertropischen
Gegenden B.s.
Namentlich sind die täglichen Schwankungen oft außerordentlich groß. Im Hochlande von São Paulo und Rio Grande do Sul sind
Fröste nicht selten, Ouro Preto (1100 m Höhe, 20° südl. Br.) hatte 1843 Schneefall; dagegen sind die Hochlande der
nordöstl. Staaten, Ceara u. s. w., am Tage furchtbar heiß und kühlen sich auch des Nachts nicht sehr ab. Im Hochlande unterscheidet
man eine nasse und eine trockne Jahreszeit, und hier ist der Unterschied zwischen beiden schroffer als im Meeresniveau. Im
Nordosten ist die Dürre so groß, daß kleinere Gewässer ganz austrocknen und im Juli und August die
Grasebenen und Buschwälder wie verbrannt aussehen; die Regenzeit, die gewöhnlich im Dezember oder Januar beginnt, setzt
zuweilen fast ganz aus, sodaß die Einwohner auswandern müssen. In den Hochlanden, welche das Gebiet des Amazonas im Süden
begrenzen, schwankt ihr Eintritt zwischen Oktober und November, und es stürzen in derselben oft in kurzer
Zeit gewaltige Wassermassen herab, welche die Flüsse steigen machen. Ende April tritt die trockne Zeit ein, in welcher meist
starker Thau den Regen ersetzt, doch sind auch hier im Juli und August die Bäume dürr. - Die südlichsten Staaten Parana, Sta.
Catharina und Rio Grande do Sul gehören schon zur subtropischen Zone mit regenreichem Winter und trocknem
Sommer. Auf dem Hochlande fällt hier zuweilen Schnee
[* 27] von 400 m Höhe an, in Curitiba (25,4° südl.
Br.) bleibt er sogar kurze Zeit liegen (900 m). 1858 gingen infolge Schneefalls in Lages 300000 Stück Vieh zu
Grunde. - Malariafieber herrschen fast nur in den tiefen und sumpfigen Flußthälern der Ostküste zwischen Rio und Bahia;
die Cholera und das Gelbe Fieber waren lange Zeit gänzlich unbekannt in
Brasilien; erstere wurde 1849 zum erstenmal von Europa
[* 28] aus
eingeschleppt und hat sich seitdem mehrfach wiederholt und namentlich unter der schwarzen Bevölkerung
[* 29] gewütet, während das Gelbe Fieber hauptsächlich Weiße, namentlich Eingewanderte, ergriffen hat. Rio und Santos sind gefürchtete
Gelbfieberplätze. Doch ist dasselbe bis jetzt niemals in das höhere Innere eingedrungen. Dysenterie und venerische Krankheiten
sind häufig, und unter den Indianern haben Scharlach und
¶