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23.04.2015 // Allgemeine News
Fahrradnormung
Fahrradboom pusht Entwicklung von ISO-Norm
Für Verbraucher ist die Bedeutung der Normung auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich, obwohl im Fahrradbereich eine Vielzahl an unterschiedlichen Normen existiert. Hauptsächlich sind sicherheitstechnische Anforderungen an die Bauteile eines Fahrrades und die entsprechenden Prüfverfahren genormt - von der Gabel über Lenker und Rahmen bis hin zum Sattel.
Zu den derzeit genormten Fahrradtypen zählen City- und Trekkingfahrräder, Mountainbikes, Rennräder, Elektrofahrräder, Kinderfahrräder sowie BMX. Darüber hinaus existieren weitere Normen zu Reifen, Felgen und Ventilen, Beleuchtung, Fahrradglocken sowie Gepäckträgern. Auch im Bereich des Fahrradzubehörs ist eine Vielzahl an Produktgruppen genormt. Dazu gehören unter anderem Fahrradhelme, Kindersitze für Fahrräder, Fahrradschlösser oder auch Fahrradanhänger.
Nach langjähriger Erarbeitungsphase wurden im Jahr 2006 drei Europäische Normen über Fahrräder (DIN EN 14764:2006-03 «City- und Trekking-Fahrräder - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren», DIN EN 14766:2006-09 «Geländefahrräder (Mountainbikes) - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren» und DIN EN 14781:2006-03 «Rennräder - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren») veröffentlicht.
Internationale Normung
Im Zuge der systematischen Fünf-Jahresüberprüfung im Jahr 2011 haben sich die Mehrzahl der europäischen Normungsorganisationen sowie der DIN-Verbraucherrat für die Revision der drei Fahrradnormen ausgesprochen. Die beteiligten Experten entschieden, anstelle der Revision eine neue Internationale Norm auf Basis der Europäischen Normen über Fahrräder zu erarbeiten. Die Erarbeitung der Internationalen Fahrradnorm (ISO 4210) erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen dem europäischen und internationalen Normungsgremium für Fahrräder entsprechend der Wiener Vereinbarung.
Normen der Reihe DIN EN ISO 4210 über «Fahrräder»
Mit den Normen der Reihe DIN EN ISO 4210 (entspricht der SN EN ISO 4210 in der Schweiz) existieren erstmals Internationale Sicherheitsnormen für Fahrräder, die auch europäische Anforderungen widerspiegeln.
Die Normenreihe DIN EN ISO 4210 ist für Verbraucher von grosser Bedeutung. Sie legt Sicherheitsanforderungen für Bauteile unterschiedlicher Fahrradtypen fest. Neben den City- und Trekkingfahrrädern, Mountainbikes und Rennrädern ist das «Jugendfahrrad» neu hinzugekommen. Hierbei handelt es sich um ein für Jugendliche geeignetes Fahrrad mit einer geringeren Rahmenhöhe und niedrigerem Minimalgewicht als Fahrräder für Erwachsene. Hierdurch konnte die bislang bestehende Lücke in Bezug auf die Sicherheitsanforderungen zwischen Kinderfahrrädern und Fahrrädern für Erwachsene geschlossen werden.
Entgegen der vorherigen Struktur der Europäischen Fahrradnormen besteht die Normenreihe DIN EN ISO 4210 aus insgesamt neun Teilen. Die Deﬁnitionen sowie jeweiligen Sicherheitsanforderungen an die Komponenten der unterschiedlichen Fahrradtypen sind in Teil 1 und Teil 2 enthalten. Hingegen sind die allgemeinen sowie speziﬁschen Prüfverfahren für Komponenten (zum Beispiel Bremsen, Lenkung, Rahmen und Gabel, Pedale und Tretkurbel sowie Sattel und Sattelstütze) in den Teilen 3 bis 9 festgelegt.
Neben Laufrädern und Felgen sowie Sattelstütze und Sattel sind für die folgenden Hauptbauteile eines Fahrrades Anforderungen und Prüfverfahren deﬁniert:
Bremsen
Nach der Normenreihe DIN EN ISO 4210 muss unter anderem geprüft werden, ob die Bremshebel, die Bremsleitungen sowie die Bremsbeläge sicher befestigt sind. Es ist aber auch wichtig, dass die Bremsen im Hinblick auf ihre Bremsleistung sowie die Hitzebeständigkeit sicher sind.
Lenkung
Der Lenker sowie der damit verbundene Vorbau müssen hohen Lasten widerstehen können. Bei einem Bruch ist ein Sturz fast unausweichlich. Aus diesem Grund sind in der Normenreihe DIN EN ISO 4210 Anforderungen enthalten, die für eine sichere Konstruktion dieses Bauteils wichtig sind. Zu testen sind sowohl verschiedene dynamische wie auch statische Prüfungen am Lenker selbst sowie an der Lenker-Vorbau-Kombination. Zudem muss sichergestellt sein, dass sich der Lenker nicht unbeabsichtigt verdreht.
Rahmen und Gabel
Der Rahmen ist das zentrale Bauteil eines jeden Fahrrads. An ihm sind alle weiteren Bauteile befestigt. Daher ist eine intensive Prüfung notwendig. Die Sicherheit des Rahmens muss gewährleistet sein. Die Normenreihe DIN EN ISO 4210 legt eine Vielzahl an Anforderungen fest. Diese sollen mögliche Belastungen im Alltagsbetrieb in zusammengefasster Form abbilden und somit in einem Labor prüfbar machen. Neben statischen Prüfungen mit einer hohen einmaligen Krafteinwirkung sind auch dynamische Prüfungen gefordert.
Pedal und Tretkurbel
Mit Hilfe von Pedalen und der Tretkurbel kann der Fahrradfahrer seine Kraft in Vortrieb umwandeln. Die beiden Bauteile sind unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt. Neben dem normalen Treten in die Pedale zählen dazu auch der Wiegetritt, zum Beispiel beim Befahren einer Steigung, sowie das Aufsteigen auf das Fahrrad über die Pedale. Mit den in der Normenreihe DIN EN ISO 4210 genormten Prüfungen sollen die alltäglichen Belastungen abgebildet werden.
Weiterentwicklung der Normenreihe DIN EN ISO 4210
Aus Sicht des DIN-Verbraucherrates müssen die Normen der Reihe DIN EN ISO 4210 weiterentwickelt werden. Zu den wichtigsten Punkten zählen unter anderem: Prüfung des fertig montierten Fahrrades beziehungsweise von Baugruppen, Dauerhaltbarkeitsprüfung der Bremsen, Verwendung mehrstuﬁger Testverfahren, Kennzeichnung mit zulässiger Zuladung.
Darüber hinaus wurden im ISO/TC 149 «Fahrräder» (INB NK 2333 / Fahrräder) bereits einige Themen für die nächste Überarbeitung der Normenreihe DIN EN ISO 4210 vorgemerkt. Dazu zählen unter anderem Anforderungen an Bauteile mit carbonfaserverstärkten Kunststoffen (CFK), Verwendung von überbreiten Reifen sowie Kennzeichnung des Fahrrades entsprechend der vorgesehenen Nutzung.
Quelle: DIN-Mitteilungen, Ausgabe Januar 2015
Ihre Ansprechpartnerin für weitere Informationen:
Birgit Kupferschmid, <email-pii>, Tel: +41 52 224 54 18
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