Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03406.jsonl.gz/326

|Druckversion | Sitemap|

Gastrointestinale Tumoren und Endoskopie
Thomas Rösch
Kapsel-Endoskopie
Bei der Dünndarmdiagnostik mit der drahtlosen Kapsel-Endoskopie stellt sich weiterhin das Problem des Steckenbleibens der Kapsel in Strikturen, was aufgrund der Daten von mehreren Studien in Abhängigkeit der Indikation bei knapp 2 Prozent der Untersuchungen vorkommt [1]. Aus diesem Grund wurde eine selbstauflösende, blinde Probekapsel entwickelt, mit welcher vor der Verabreichung der eigentlichen Videokapsel die Durchgängigkeit des Darmtraktes geprüft werden kann. Gemäss ersten Resultaten von zwei kleineren Studien erlaubt die selbstauflösende Kapsel zumindest eine gewisse Vorhersage der funktionellen Durchgängigkeit für die Videokapsel, wobei jedoch bei einem beträchtlichen Anteil der untersuchten Personen Schmerzen auftraten und die Probekapsel in einem Fall steckenblieb und notfallmässig entfernt werden musste [2, 3].
Mit einer speziell für die Untersuchung des Ösophagus entwickelten Kapsel konnten pathologische Veränderungen bei Patienten mit einer Refluxkrankheit relativ zuverlässig nachgewiesen werden, was nun aber in grossen kontrollierten Studien bestätigt werden muss [4].
Für Dünndarmerkrankungen bietet sich zur weiterführenden Diagnostik und Therapie neben der Kapsel die neue Methode der Doppelballon-Enteroskopie an, mit welcher gemäss ersten vielversprechenden Resultaten gastrointestinale Blutungen mit einer relativ hohen Treffsicherheit entdeckt werden können [5].
Refluxkrankheit
Seit längerem werden verschiedene endoskopische Antirefluxtherapien angepriesen, obwohl bislang keine ausreichenden Langzeitergebnisse vorlagen. Kürzlich wurden nun zur Radiofrequenztherapie und zum endoskopischen Nähen zwei neue Studien veröffentlicht [6, 7], die trotz eines gewissen Rückgangs der Symptome eine nur geringe Verbesserung der Säurekontrolle zeigen. Auf dem Gebiet des Barrett-Ösophagus ergab eine irische Studie, dass die Mortalität infolge eines Ösophaguskarzinoms bei 2'373 Patienten mit einem Barrett-Ösophagus 4,7 Prozent betrug und damit im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung leicht erhöht war, wogegen aber die Gesamtmortalität der Barrett-Patienten ähnlich war wie in der übrigen Bevölkerung [8]. Zur Häufigkeit des Barrett-Ösophagus zeigte eine US-amerikanische Studie mit 961 gesunden Freiwilligen in 6,8 Prozent der Fälle einen Barrett-Ösophagus, dessen Prävalenz bei Personen mit Refluxbeschwerden 8,3 Prozent und bei Personen ohne Refluxbeschwerden 5,6 Prozent betrug. Bei den Patienten mit Refluxbeschwerden wurde in ungefähr einem Drittel der Fälle ein Barrett-Ösophagus mit langem Segment nachgewiesen, während bei den beschwerdefreien Personen ein langes Segment nur sehr selten vorkam [9].
Auf der Suche nach geeigneten Strategien zur endoskopischen Diagnostik bei der Refluxkrankheit zwecks routinemässiger Fahndung nach einem Barrett-Ösophagus konnte in einer neuen Studie aus München mit 929 Teilnehmern gezeigt werden, dass der anfänglich bei 16 Patienten festgestellte Barrett-Ösophagus anlässlich der Nachkontrolle nach zwei Jahren nur in 70 Prozent der Fälle bestätigt wurde. Bei 132 Patienten konnte der Barrett-Ösophagus zu Beginn entweder nur endoskopisch oder nur histologisch nachgewiesen werden, wovon bei der Nachkontrolle nur 17 Prozent bestätigt wurden [10]. Zur diagnostischen Zuverlässigkeit der endoskopischen Untersuchung zeigt eine prospektive Studie, dass bei Patienten mit einem makroskopisch normalen Barrett-Ösophagus die Anzahl der endoskopisch nachweisbaren Dysplasien und Karzinome durch die Färbung mit Methylenblau im Vergleich zur konventionellen Endoskopie nicht erhöht werden kann [11]. Bei Patienten mit einem Barrett-Ösophagus, die sich im Anschluss an eine Fundoplicatio einer Argonplasma-Koagulation unterzogen, war nach einem Jahr der Anteil ohne Barrett-Ösophagus im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne entsprechende Intervention deutlich erhöht [12].
Koloskopie
Gemäss den Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigung in Bayern wurden im Jahr 2002 insgesamt 540'000 Beratungen zur Prävention des kolorektalen Karzinoms durchgeführt, worauf 38 Prozent der beratenen Personen einen Hämoccult-Test und 10 Prozent der Personen eine Koloskopie vornehmen liessen. Bei der Kontrolle der hygienischen Qualität der durchgeführten Endoskopien waren initial 75 Prozent der Gastroskope und 74 Prozent der Koloskope kontaminiert, wobei aber in einer zweiten Kontrollrunde nur noch in 6 beziehungsweise 9 Prozent der Untersuchungen Kontaminationen gefunden wurden [13]. Ausserdem zeigte eine britische Erhebung anhand der Daten von 9'223 Koloskopien grosse Unterschiede in der Qualität der Untersuchungen, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass nur 17 Prozent der Koloskopiker ein adäquates Training erhalten hatten [14].
Nach einer kanadischen Untersuchung zur Zuverlässigkeit der Koloskopie waren 13 Prozent der insgesamt 10'187 Kolonkarzinome bei einer vorgängigen Untersuchung nicht entdeckt worden, wobei der Anteil der übersehenen Tumoren im rechtsseitigen Kolon am grössten war [15]. In einer britischen Studie erkannte ein in Japan ausgebildeter Endoskopiker bei 412 Personen 758 neoplastische Polypen, die in 19 Prozent der Fälle flach waren und gegenüber den polypoiden Tumoren einen höheren Entartungsgrad aufwiesen [16]. Die Koloskopie mit Färbung des gesamten Kolons mit Indigokarmin erwies sich in einer Studie im Vergleich zur konventionellen Methode mit gezielter Färbung als überlegen, wobei durch die Färbung des gesamten Kolons vor allem ein grösserer Anteil von kleinen und flachen Adenomen gefunden wurde [17]. Demgegenüber wurde in einer anderen Untersuchung bei Personen mit einem hohen Risiko für ein kolorektales Karzinom durch eine im Anschluss an eine konventionelle Koloskopie durchgeführte kontrastverstärkte Koloskopie mit Indigokarmin gegenüber einer zweiten konventionellen Koloskopie lediglich ein Trend zu einem verbesserten Nachweis von Adenomen verzeichnet [18]. Die Zuverlässigkeit der virtuellen Koloskopie wurde in vier Studien untersucht, welche aber für die Erkennung von Adenomen stark unterschiedliche Sensitivitäten und Spezifitäten ergaben [19–22].
Professor
Dr. med. Thomas Rösch
Literatur