Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03253.jsonl.gz/1856

Das Leben ist nicht immer einfach, und für manche Menschen ist es besonders schwierig. Dies traf auch auf Dejid zu, eine Mutter von drei Kindern aus Nalaich, einem Bezirk von Ulaanbaatar (Mongolei), der über 40 km vom Stadtzentrum entfernt liegt. Eines von Dejids Kindern ist behindert, was den Existenzkampf der arbeitslosen Mutter zusätzlich erschwerte. Ihr Mann hatte keine feste Stelle und war auf schlecht bezahlte, befristete Saisonjobs angewiesen, um für seine Familie zu sorgen. Die Lage war häufig düster, aber trotz der Entbehrungen verlor Dejid nie die Hoffnung, dass sich ihre Situation verbessern würde.
Der Wendepunkt kam vor sieben Jahren, als sie sich der Kleingärtnerei zuwandte, um etwas zusätzliches Geld zu verdienen. Die erste Ernte bestand aus 10 kg Kartoffeln für den Eigenverbrauch der Familie. Einen kleinen Überschuss konnte sie verkaufen und damit einen bescheidenen Gewinn erzielen. Motiviert erweiterte sie ihren Gemüsegarten um Rüben, Karotten, Kohl und Blattgemüse, was ihr jährlich rund 200 000 bis 300 000 Tugrik (90 bis 130 Franken) einbrachte. Das war zwar nicht viel, aber sie fühlte, dass sie auf dem richtigen Weg war.
© Mongolisches Gemüseanbauprojekt/DEZA Mongolei
Die Frage, wie sie das Einkommen aus ihrer Produktion erhöhen könnte, brachte sie 2016 in Kontakt mit dem Mongolischen Gemüseanbauprojekt der DEZA. Im Rahmen dieses Projekts wurden ihr ein 4 mal 8 Meter grosses Foliengewächshaus mit einer Tropfenbewässerungsanlage und 200 Setzlinge zur Verfügung gestellt. Damit konnte sie ihre Anbaukenntnisse weiter ausbauen und ihr Angebot um eine Neuheit ergänzen: Erdbeeren. Am Ende der Anbausaison 2016 hatte sie 300 Erdbeer-Jungpflanzen herangezogen, die sie an Nachbarn und Personen in der Umgebung verkaufte. Bei einem Marktpreis von 5000 Tugrik (2 Franken) pro Jungpflanze erzielte sie damit ein Einkommen von 1,5 Millionen Tugrik (630 Franken).
Ausserdem lernte Dejid, das Gemüse zu trocknen. Dieses lässt sich für das Zwei- bis Dreifache des Preises von Frischgemüse verkaufen. Sie ist zuversichtlich, dass sie dieses Jahr allein mit dem Verkauf von Dörrgemüse 2 Millionen Tugrik (850 Franken) verdienen kann.
Besuche bei Kleinbauern und auf grösseren Betrieben brachten Sie zur Überzeugung, dass sie ihre Produktion auf ein neues Niveau heben kann.
«Wenn ich neue Techniken für das Trocknen von Gemüse und den Anbau neuer Pflanzen erlerne, ist das machbar», meint sie. «Aber nichts ist mit dem Ausdruck in den Gesichtern meiner Kinder zu vergleichen, wenn sie von den Erdbeeren naschen. Das ist pures Glück. Jetzt weiss ich, dass sich immer Möglichkeiten bieten.»
«Eigenartig, es geht um die Besserstellung der Frau in Benin, und jetzt sprechen gleich zu Beginn des Abends drei Männer», flüstert eine Frau in der Stuhlreihe hinter mir. Eröffnet wird der Diskussionsanlass in Lausanne unter dem Titel «De la Suisse au Bénin: La force d’action des femmes» durch Philippe Sas von der DEZA mit einem engagierten feministischen Votum. Originell ist der Hinweis des Botschafters von Benin, dass dem König von Dahomey (ehemals Benin) Ende des 2019. Jahrhunderts eine reine Frauenarmee («Les Amazones») zur Seite stand.
Der Film «Gnonnou – Femme», aus welchem einige Sequenzen gezeigt werden, beeindruckt durch die sehr direkten und kontroversen Haltungen und Aussagen zum Thema «Frau». Der Spagat reicht vom Patriarch, der die Frau als sein «Möbelstück» betrachtet, über junge Studentinnen, die für ihre Unabhängigkeit kämpfen wollen, bis zur Gleichstellungsbeauftragten, die stolz ist auf die erreichten politischen Ziele – auch, wenn sich diese vorläufig vor allem auf dem Papier und im Gesetz niederschlagen.
Laut Verfassung sind in Benin Frauen und Männer gleichberechtigt
Es folgt das Podium mit drei eindrücklichen Gästen aus Benin. Anschaulich beschreibt Marie-Elise Gbèdo, ehemalige Justizministerin, Anwältin und Präsidentin der Vereinigung der Juristinnen in Benin, ihren langjährigen, mit harten Bandagen geführten Kampf für ein Familien- und Gleichstellungsgesetz, das schliesslich 2010 in Kraft trat. Laut Verfassung sind heute in Benin Frauen und Männer gleichberechtigt. Vorher hatten die Frauen keine Rechte, mussten Haus und Hof verlassen, wenn der Mann starb oder sie verliess. Das Gesetz ist für die Frauen in Benin ein Meilenstein.
Im Raum ist es mucksmäuschenstill, wenn Marie-Elise erzählt. Manch einer oder eine mag sich bei ihren Ausführungen an die Schweiz in den 1950-er Jahren erinnern, als auch unsere Mütter weitgehend rechtlos waren. Im Gegensatz zu Benin ging es bei uns jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich bergauf und glücklicherweise allmählich allen besser – nicht zuletzt dank unserem wichtigsten Sozialwerk, der AHV, und dank der Vollbeschäftigung.
Rang 144 von 159 des UNO Gender Inequality Index für Benin
In Benin hingegen lebt die Mehrheit der Bevölkerung in Armut. Benin ist von der Fläche her dreimal so gross wie die Schweiz, einwohnermässig mit acht Millionen gleichauf, aber stark wachsend. Nur 40% der Bevölkerung können lesen und schreiben. Beim Gender Inequality Index der UNO findet sich Benin auf Rang 144 von 159. Das ist für mich schon Grund genug, mich für die Rechte der Frauen einzusetzen. Und wenn meine HELVETAS-Kollegin Nadine Oke darauf hinweist, dass viele Mädchen die Schule vorzeitig verlassen, weil fast ein Drittel der Mädchen auf dem Land vor dem 18. Geburtstag und 11% vor dem 15. Geburtstag zwangsverheiratet werden, finde ich das schockierend.
Auf dem Gruppenfoto oben ist in der Mitte meine beninische Schwägerin zu sehen. Als jung Verheiratete musste sie sich gegenüber ihrem Mann heftig wehren, um eine Lehre als Schneiderin absolvieren zu können. Heute ist sie froh darum, denn ihr Mann hat sich vor vielen Jahren nach Kanada abgesetzt und sie mit ihren beiden Kindern dem eigenen Schicksal überlassen. Sie ist eine begabte Schneiderin und Unternehmerin und arbeitet ausgesprochen hart –notabene ohne Kranken– und Altersversicherung, von der Hand in den Mund. Jeden Sonntag besucht sie die Messe, das gibt ihr Kraft. Ihre Tochter versucht nach abgeschlossener Ausbildung ihr Glück ebenfalls in Kanada, der Sohn studiert in Cotonou.
«Mentalitätsänderungen, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen hin zu mehr Gerechtigkeit brauchen oft nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte.»
In der Politik und in der Wirtschaft in Benin geben immer noch durchwegs die Männer den Ton an – hemdsärmlig und oft korrupt. Die Mutter meiner Schwägerin und meines Mannes legte zusammen mit ihren Schwestern während sieben Jahren tagtäglich einen Schulweg von 28 Kilometern zu Fuss zurück. Im Erwachsenenalter waren die Schwestern als Geschäftsfrauen auf den lokalen Märkten oder als Lehrerinnen tätig – erfolgreich und geachtet.
Hier gilt es anzusetzen: bei der Frauenförderung, sei es bei der Umsetzung der Gleichstellungsgesetze, mit Ausbildungsförderung, in der Gesellschaft und in der Wirtschaft. Die Widerstände des Patriarchats sind hartnäckig. Auch in der Schweiz dauerte es Jahre, bis unsere engagierten Vorfahrinnen das Stimmrecht erkämpft hatten. Für die späteren Kampagnen für einen Mutterschaftsschutz, der diesen Namen verdient, für das Gleichstellungsgesetz und die Lohngleichheit (die wir heute noch nicht haben) sammelte ich beispielsweise bei jedem Wetter stundenlang Unterschriften auf Berns Strassen.
Solidarität und wirkungsvoller Einsatz von Steuergeldern
Mentalitätsänderungen, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen hin zu mehr Gerechtigkeit brauchen oft nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte. Dasselbe gilt leider auch für Benin. DEZA und HELVETAS unterstützen die Mädchen und die Frauen vor Ort mit guten Projekten.
Als Projektbotschafterin von «Demokratie ohne Grenzen» bin ich überzeugt davon, dass unsere Solidarität und unsere Steuergelder via DEZA und Helvetas in Benin wirkungsvoll eingesetzt werden.
Und ich denke, dass die 200 Zuhörerinnen und Zuhörer an der Veranstaltung vom 20. November mein Fazit weitgehend teilen.
Therese Frösch
ist Botschafterin der
Initiative «Demokratie ohne Grenzen» des EDA. Die Altnationalrätin ist Helvetas Vizepräsidentin, Präsidentin ders Verwaltungsrats der Domicil Bern AG.
Am 20. November 2017 nahm sie an der Podiumsdiskussion der DEZA in Lausanne teil: Schweiz-Benin: Von der Tatkraft der Frauen in Benin «Ne nous libérez pas, on s’en charge!» Realität, Fiktion oder Paradox?
Sie schrieb diesen Beitrag am Tag der Veranstaltung.
Die Förderung einer effizienten und demokratischen Gouvernanz auf lokaler Ebene gehört zu den Prioritäten der DEZA in Burkina Faso. Wie sieht die konkrete Umsetzung in den Dörfern aus? Dritter Artikel eines dreiteiligen Beitrags.
Es ist heiss an diesem Frühlingstag in Burkina Faso. Eine Handvoll junge Frauen und Männer sind bei beinahe 40 Grad an der Arbeit; die einen stampfen Erde platt auf der zukünftigen Strasse und die anderen transportieren Steinblöcke, die sie beidseitig der Fahrbahn deponieren. Die Arbeiten kommen nur langsam voran.
«Wir erreichen bald einmal 30% der geplanten 5km langen Strecke», meint ein Baustellenleiter und rechtfertigt sich: «Die vorhandenen Arbeitskräfte sind kaum ausgebildet und nicht immer sehr motiviert.» Und dies obwohl die Dorfbewohner, die hier mitarbeiten, zwischen 5 und 12 Franken (FCFA 3000 bis 7000) pro Tag verdienen. Zum Vergleich: Das monatliche Mindesteinkommen liegt in Burkina Faso bei rund 60 Franken (FCFA 35’000).
71 Kilometer Landstrassen
Im Rahmen ihres Projekts zur Förderung der Dezentralisierung und der Bürgerbeteiligung unterstützt die DEZA die aktive Mitwirkung der Bevölkerung beim Bau neuer Landstrassen. In drei Regionen des Landes sollen insgesamt 71km neue Strassen gebaut und ein bestehendes Strassennetz von rund 100km unterhalten werden. Auf diesen Baustellen werden viele Arbeitskräfte benötigt. Bewusst wird auf den Einsatz von Maschinen verzichtet, um im ländlichen Raum Tausende von bezahlten Arbeitstagen zu schaffen.
Das Projekt soll auch dazu dienen, der Bevölkerung mehr Verantwortung für den Unterhalt des Strassennetzes im ländlichen Raum zu übertragen. Die lokalen Maurer profitieren davon, weil sie ihr Knowhow verbessern können. Gleichzeitig sind die Baustellen ideale Orte, um die Bevölkerung für Fragen zur Grundhygiene und zu den Rechten der Frauen zu sensibilisieren.
Und das ist noch nicht alles. Bereits im Vorfeld der Arbeiten wird die Bevölkerung bei der Planung neuer Strassen einbezogen. Die Dörfer werden von ihren Gemeinden (Bezirk) konsultiert, damit sie Bewerbungsdossiers erstellen können, die von einem regionalen Ausschuss begutachtet werden. «Das bedeutet, dass jedes Projekt mit Gesprächen auf Dorfebene beginnen muss, um zu erfahren, ob und wie eine neue Landstrasse das Leben der Bevölkerung verbessern kann», erklärt Salifou Sana, Präsident des gemeinschaftlichen Entwicklungsrats von Moujounoussi.
Im vorliegenden Fall erleichtert der neue Streckenabschnitt, der über ein ausgeklügeltes Entwässerungssystem verfügt, die Mobilität innerhalb des Dorfes. «Heute verzichten viele darauf, an Sitzungen teilzunehmen, weil sie Angst haben, wegen dem Schlamm ganz schmutzig anzukommen.»
Lösungen für jedes Problem
Sobald die Budgets abgesegnet sind, finden monatliche Sitzungen über den Stand der Arbeiten statt, an denen die Gemeindebehörden, die Baustellenverantwortlichen und die Partner der DEZA vor Ort teilnehmen.
An diesem Tag löste die im Vergleich zu den Frauen geringe Motivation der Männer, bei der Arbeit tatkräftig anzupacken, eine allgemeine Diskussion aus. «Einige ziehen es vor, 100km zurückzulegen, um vielleicht eine noch lukrativere Arbeit zu finden», seufzt ein Vorarbeiter, der sich Sorgen macht wegen der Verzögerungen auf seiner Baustelle. Ein Kollege pflichtet bei: «Strassen von Hand bauen, das haben sie noch nie gesehen. Oder aber sie verbinden diese Arbeit mit der Kolonialzeit, mit dem kilometerlangen Eisenbahnnetz, das gebaut werden musste...»
Die Sorgen sind manchmal auch materieller Art. «Unser grösstes Problem sind die fehlenden Bruchsteine, dabei wissen wir, dass es an einem heiligen Ort ein grosses Lager davon gibt», sagt ein Ingenieur. «Und was wollen Sie unternehmen?», fragt ein Vertreter von Helvetas Swiss Intercooperation, die von der DEZA mit der Überwachung der Arbeiten beauftragt wurde. «Wir haben mit den Stammesführern gesprochen, und wir haben vielleicht eine Lösung gefunden», erklärt der Techniker.
Es ist wichtig, die Hauptinteressenten anzuhören, die Stammesführer und die traditionellen Chefs in den Dörfern, wenn es darum geht, die jungen Menschen zu motivieren, auf den Baustellen mitzuarbeiten. In Burkina Faso wird diese heikle, aber wichtige Arbeit als «gesellschaftliche Mediation» bezeichnet. Sie kann auch als lokale Gouvernanz betrachtet werden.
Die jungen Männer interessieren sich nicht immer für eine Arbeit auf einer Baustelle. © DEZA

|No, this isn't actually my picture. I just haven't gotten around to updating this section. It's good to know that someone is reading every last word though. Thanks!