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übereinandergeschoben, sodass eigentliche Presszonen vorhanden erscheinen. Der Arlbergdolomit ist hier an Verbreitung stark
im Ruckstand; am meisten entwickelt ist der Hauptdolomit, in welchem aber hinter Crappendos in schmalen
Sätteln nochmals
Arlbergdolomit auftaucht. Die Schichten des Hauptdolomites sind am
Piz San Jon und
Piz Pisoc dermassen zusammengestaucht, dass
sie in den beiden Bergstöcken Höhen von 3000 m erreichen; doch bleibt der Grundplan des Gebirgsbaues
eine grosse Mulden- und Sattelaufbiegung des Hauptdolomites, der am hintern Gipfel des
Piz San Jon, am
Piz Madlain und an den
Paraits Sesvenna diskordant von
Steinsberg- oder Liaskalk und Liasschiefer (Allgäuschiefer) überlagert ist.
Hinter dem FelsentobelTrigl kehrt sich die Schichtfolge des Gebirges wieder um: es folgen auf den Hauptdolomit
obere Rauhwacke oder Raiblerschichten, Arlberg- oder Wettersteindolomit und alpiner Muschelkalk vor dem
Schmelzboden von
Scarl,
dann in der Umgebung dieses Dörfchens (namentlich linksseitig) Verrucano in grosser Verbreitung und endlich Gneis (und Phyllite)
in
Val Sesvenna und durch die obersten
Alpen des Scarlthales bis zu den Jochen, die nach dem
Val Avigna
und dem
Münsterthal hinüberleiten.
Der Sesvennastock aber ist ein Granit- und Granitgneismassiv, durch dessen grossartige Faltungen und Ueberbiegungen der Sedimente
die gewaltigen Ueberschiebungen am
Piz Cornet und am hintern
San Jongipfel, auf welch' letztern wieder Triasschichten
und sogar Gneis über die Liasschiefer zu liegen kamen, entstanden sind. In der Umgebung von
Scarl ändert das Scharnier einer
SO.-Ueberschiebung plötzlich sein O.-W.-Streichen und biegt in die N.-S.-Richtung um.
Seinen Namen hat das Thal nach dem in ihm stehenden Alpendörfchen
Scarl erhalten, dessen kleine Kirche 1525 erbaut und dem
h. Karl (S-charl =
St. Karl) geweiht worden ist. Sprich: Sch-dscharl.
Bibliographie.
Coaz. J., und C.
Schröter. Ein Besuch imValScarl. Bern
1905 (diesem Werke haben vor zwei Illustrationen entnommen); Theobald,
G. Geolog. Beschreibung der n. Gebirge vonGraubünden.
(Beitr. zur geolog. Karte derSchweiz. 2).Bern
1863; Theobald.
G. Naturbilder aus den rätischenAlpen. 3. Aufl.
Chur 1893; Schiller, W. Geolog. Untersuchungen im ö. UnterEngadin. I. (in den
Berichten der Naturforsch. Gesellsch. zuFreiburgi. B. 14. 1904); Grubenmann. Ulr. Gesteine vonSchuls (in den Eclogae geolog.Helvetiae.
8, 1904); Grubenmann, Ulr., und Chr. Tarnuzzer. Geolog. Verhältnisse des UnterEngadin. (Beitr. zur geolog.Karte derSchweiz. 1906); Caviezel, M. DasEngadinin Wort undBildSamaden 1896.
(Kt. Graubünden,
Bez. Unter
Landquart) 2969 m. Die «Königin des
Rätikon» ist der höchste Gipfel dieser Gebirgsgruppe
und steht auf der Landesgrenze zwischen Graubünden
und Vorarlberg im O. der massigen Berggruppe, die nach der Schweizer
Seite zu sehr steil abfällt
(Alpstein). Im N. breitet sich auf der österreichischen
Seite der flache Brandner Ferner oder
Scesaplanagletscher aus, im O. liegen das öde Kalk- und Dolomitplateau der Totalp und der in grossartig-romantischer Berglandschaft
eingebettete, 1 km2 grosse Lünersee, im W. auf Schweizer
Seite das wilde
Schafloch mit Bachabfluss
in die
Alp Fasons und durch das
Stegentobel, einen Seitenzweig des
Valsertobels, das in den unter
Seewis im
Prätigau vorbeifliessenden
Taschinesbach ausmündet.
Die Verzweigungen der Gebirgsthäler unter der Scesaplana hinter
Seewis sind sehr ausgedehnt und kompliziert. An der
W.-Seite des Gipfels führen die
Kleine Furka (2238 m) in D. Richtung und w. davon (zwischen den
«Kurze Gäng» und
dem
Tschingel)
die GrosseFurka (2367 m) in das vorarlbergische Gamperdonthal hinüber; im O. öffnet sich zwischen der Scesaplana
und den
Kirchlispitzen der Passübergang von
Lünereck (2269 m) nach dem Lünersee und dem Brandnerthal
des Montafon.
Die Scesaplana wird von
Seewis über die
Alp Fasons und die Scesaplanahütte des S. A. C. (bis hierher 4 Stunden) auf neuem
Weg (mit Drahtseil) in 6½-7 Stunden erreicht. Die genannte, im Sommer bewirtschaftete
Hütte (1912 m) ist von der Sektion
Prätigau des S. A. C. erstellt worden, nachdem die frühere schweizerische Schamellahütte 1899 zusammengestürzt
ist. Abstieg zur österreichischen Douglashütte am Lünersee (1924 m) und nach
Brand, von wo aus man die Douglashütte in
3½ Stunden und den Scesaplanagipfel in etwa 7½ Stunden erreicht.
Man kann auch über das
Cavelljoch (2238 m) zur Douglashütte und durch das Brandner Thal nach Bludenz
oder durch das Rellsthal nach Vandans und Schruns gelangen. 1905 wurde am N.-Fuss der Scesaplana die Strassburgerhüte des
Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins eröffnet und zu gleicher Zeit der Leideckweg durch den S. A. C. kollaudiert.
Die Fernsicht ist grossartig: man sieht n. über denBodensee hinaus auf das Hügelland vom Schwarzwald
bis Ulm, ferner die Vorarlberger, Allgäuer, Lechthaler, Oetzthaler und Stubaier
Alpen, die
Silvrettagruppe, das
Berninamassiv,
die Splügenberge, das
Rheinwaldhorn, die Gipfel des Gotthardmassives und die Eisspitzen des
BernerOberlandes, die
Tödigruppe,
Hausstock,
Glärnisch und die
AppenzellerAlpen mit dem
Säntis. Grossartig sind die Karrenbildungen der in
Stufen zum Lünersee sich absenkenden Totalp, auf deren weiter Fläche Gletscherschliffe und Rundhöcker von der Wirkung
der ehemaligen Eisdecke zeugen.
Die Gesteine des fast 8 km langen Scesaplanastockes gehören zur Hauptsache der Trias an, die hier in ostalpiner und vindelizischer
Fazies entwickelt ist. Die höchste Spitze bilden die Kössener schichten des Rät, die zahlreiche Versteinerungen
(Korallen, Muscheln, Gervillia inflata, Avicula Escheri, Terebratula cornuta etc.) entfalten. Der Aufbau zeigt im W. und
im O. je eine gewaltige Mulde, während die
Spitze selbst einen
Sattel darstellt. Die Masse der Triasgebilde ist von N. her
auf Ueberschiebungsflächen über Sandsteine und Schiefer des oligozänen Flysch, die sich in den Thalgebieten
zwischen Scesaplana und
Seewis ausbreiten, hierher bewegt worden. Im Grenzgebiet dieser beiden grossen Gesteinskomplexe gibt
es eigentliche Quetschzonen, wo - stark reduziert und zerdrückt - untere Kreide, Tithon und obere Kreide verkehrt unter
den Triasmassen lagern, so z. B. in der
Alp Fasons.
Auch beweisen basische Eruptivgesteine, wie Diabasporphyrit in jurassischen und Kreideschichten, die
Injizierung solcher Ueberschiebungsgebiete. Ueber diese komplizierten tektonischen Verhältnisse, sowie über die Versteinerungen
vergl. Th. Lorenz: Geolog. Studien im Grenzgebiet zwischen helvet. und ostalpiner Fazies. 11.: Südl.Rätikon (in den Berichtender Naturforsch. Gesellsch. zuFreiburgi. B. 12, 1901). Scesaplana = ebener
Stuhl, ebener Fels.