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Alt Bundesrat Pascal Couchepin hat Ägypten bei seinem Staatsbesuch 2008 als "eine blockierte Gesellschaft" erlebt. Den gestürzten ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak selber bezeichnete er in einem Interview mit der Zeitung "Sonntag" als "weltfremd".
"30 Jahre lang unterstützte ihn ein ganze System", sagte Couchepin. Mubarak habe Freundschaften mit allen Grossen dieser Welt gepflegt und in Ägypten Stabilität garantiert. Er habe den Eindruck gehabt, "dass er alles tat für sein Land", sagte Couchepin.
Doch in Ägypten sei niemand frei gewesen und das Land müsse nun in wenigen Monaten eine neue Gesellschaft aufbauen. "Dieser Wandel braucht Zeit", sagte Couchepin.
Und deshalb vertrete er die Meinung, dass es keine Katastrophe wäre, wenn die Armee das Land während einiger Monate beaufsichtigt, auch wenn die Gefahr bestehe, dass sie eine neue Herrschaft errichte.
"Regime von Mubarak machte auch gute Dinge"
Gleichzeitig verteidigte Couchepin die Schweizer Politik gegenüber Ägypten. "Was war die Alternative? Dass die Schweiz nicht in Ägypten investiert und die Leute noch ärmer werden?". Man solle die Welt so nehmen, wie sie sei und nicht, wie man sie sich wünsche, sagte Couchepin.
Ausserdem habe Mubarak auch einige gute Dinge gemacht. Er habe den Frieden mit Israel weitergeführt, "er wollte auch das Wohl seines Volkes verbessern, ohne grosse Erfolge allerdings" und er habe sieben Prozent Wachstum erreicht, "wenn auch schlecht verteilt". Mubarak sein ein Despot gewesen, "der im Vergleich zu anderen nicht so schlecht war."
Couchepin verglich die Revolution in Ägypten mit dem Ende der Militärdiktaturen in Südamerika oder dem der Franco-Diktatur in Spanien. Dort habe Adolfo Suárez als Mitglied des Regimes die Transition angeführt. Und das sei auch seine Hoffnung für Ägypten: "Dass die Leute, die Teil des Regimes waren, ebenfalls anerkennen, dass es neue Regelungen gibt."
SDA-ATS