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Der Dorfplatz diente bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts der Reparatur alter oder der Herstellung neuer Fachen. Regelmässig im November und Dezember durften die Gottlieber Fischer nach altem bischöflichem Recht 150 armdicke Stöcke und 1500 Gerten im Tägerwiler Wald schlagen. Die Stöcke wurden hier auf dem Dorfplatz in entsprechenden Abständen in den Boden geschlagen. Darauf wurden dann die Fachen geflochten.
Heute benutzen die Gottlieber Kindern den Platz als Spielplatz.
Die von Postkarten bekannte Südseite der „Drachenburg" mit dem markanten Erker ist der Geschäfstüchtigkeit der Witwe Fuhrimann zu verdanken, in deren Besitz sich das Haus von 1884 bis 1917 befand. So sollen sowohl der Erker als auch die namengebenden Drachenspeier von ihr in Auftrag geben worden sein, um der damaligen Taverne ein ansprechendes Aussehen zu verleihen.
In diesem Haus, dem alten Pfarrhaus, wohnte von 1850 bis 1869 der legendäre Pfarrer Johann Kaspar Mörikofer. Mit der Bevölkerung verband ihn vor allem sein Interesse am Fisch-und Wasservogelfang, den er in seinem Aufsatz „Der Fischfang am Bodensee" ausführlich dokumentierte.
Gerne pflegte er den Umgang mit den Honoratioren seiner Zeit: Mit Dr. Johann Konrad Kern, mit dem Konstanzer Stadtarchivar Dr. Johann Marmor, mit der berühmten Malerin Maria Ellenrieder ebenso wie mit der Familie Scherer von Schloss Castell, dem Grafen Wilhelm von Zeppelin oder dem Grafen Beroldingen, dem damaligen Schlossbesitzer.
Beim Abschied von Gottlieben, der ihm nicht sonderlich schwer fiel, beklagte er, dass ihm nicht die Freude zuteil geworden sei, „auf Seelen in dieser Gemeinde rechnen zu können, welche ich entschieden für das Reich Gottes gegen alle Welt gewonnen hatte".
Im April 2000 konnte – dank der Initiative von Dr. Robert Holzach, dem Ehrenbürger von Gottlieben – das restaurierte Bodmanhaus als zweites Literaturhaus der Schweiz eröffnet werden. Durch geschicktes Verhandeln hatte er die Familie von Bodman überzeugen können, das Haus, das sich im Besitz der Familienstiftung befunden hatte, in die neu gegründete Bodman-Stiftung einzubringen und es so vor dem Verfall zu bewahren. Ausserdem konnte so die testamentarische Verfügung von Clara von Bodman, in diesem Haus eine Gedenkstätte zu Ehren ihres Mannes einzurichten und zu erhalten, erfüllt werden.
So bleibt nicht nur Emanuel von Bodman in Erinnerung, sondern auch die kleine Künstlerkolonie, die sich hier aus den Beziehungsnetzen der Baronin van Zuylen und Emanuel von Bodman gebildet hatte. Emanuel von Bodman kaufte das Haus mithilfe seiner Schwiegereltern 1920, in Erinnerung an seine erste Zeit in Gottlieben, als er mit der Tochter des damaligen Schlossbesitzers, Blanche de Fabrice, verheiratet gewesen war und im „Weissen Haus" an der Zufahrtsstrasse zu Gottlieben gewohnt hatte. Dort, bei der Baronin van Zuylen und im Schlossgarten hatten sich in der Zeit von 1902 bis 1905 Maler wie Robert Weise, Ernst Würtenberger und sein Bruder Karlmax Würtenberger, Karl Einhart, Willi Hummel, Emil Thoma und Ernst Kreidolf mit Schriftstellern wie Hermann Hesse, Wilhelm von Scholz, Ludwig Finckh, Wilhelm Schäfer und Grete Jehly (spätere Gulbransson) getroffen. Im Haus können die Gedenkstätten für Emanuel von Bodman und Dr. Robert Holzach besichtigt werden.
Der an die Kirche angrenzende Schulhausplatz wird heute noch genutzt: Der Schulbetrieb in Gottlieben konnte – dank dem Zusammenschluss mit den Primarschulgemeinden in Tägerwilen und Wäldi – trotz rückläufiger Schülerzahlen beibehalten werden. Dies war die zweite Rettungsaktion für die Gesamtschule: Schon 1979 drohte die Schliessung der Schule auf Grund geringer Schülerzahlen. So beschloss die Gemeinde 1979 in ihrem neu errichteten Mehrfamilienhaus im Espen Mietermässigungen von 50.- Fr./Monat pro schulpflichtigem Kind zu gewähren. Der Zuzug war entsprechend und die Schule gerettet. Gebaut wurde das Schulhaus 1894 auf dem Areal des abgebrochenen Hauses „Zum alten Kreuz".
Die Schule besteht seit 1580. Sie wurde in der Folge der Reformation gegründet gemäss dem Ausspruch Zwinglis „und eines jeden Bauern Haus sei eine Schule, in der man die Bibel lesen kann". Nicht jedes Haus wurde eine Schule, es sind aber vier Häuser nachgewiesen in denen Schule abgehalten wurde bevor das Schulhaus gebaut war. Die Gottlieber Schule war immer und ist bis heute eine Mehrklassenschule: Zunächst wurden acht, dann sechs Klassen in einem Schulzimmer unterrichtet. So ist es bis heute geblieben.
Das Gelände der Zufahrtsstrasse gehörte ursprünglich zum Schlossgarten, war doch der Dorfbach lange Zeit der Zugangsweg. Die Freiheitskämpfe in der Folge der Französischen Revolution bewogen den amtierenden Fürstbischof Maximilian Christoph von Rodt seine Güter in Gottlieben aufzugeben. Er verkaufte das Schloss an Johann Conrad Hippenmeyer. Den „Fall", d.h. die Leibeigenschaft und damit die Freiheit konnten sich die Einwohner für 595 Gulden erkaufen. Sie erhielten das Land, auf dem sie lebten und als Geschenk das Areal für die Zufahrtsstrasse.