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Die DNA-Analyse war jedoch enttäuschend. Auf dem Zigarillo waren keine Spuren feststellbar, die zu einem der Verdächtigen geführt hätten. Aus dem Bericht erfuhren Janine und Mäder jedoch, dass die DNA in ihrer Datenbank bereits gespeichert war. Schon zwei Mal war die Polizei auf diese DNA gestossen, als sie im Drogenmilieu ermittelt hatte. Janines Gedanken wanderten automatisch wieder zurück zu Luca Keller, der am Collège mit Cannabis erwischt worden war. Mäder murmelte etwas und verzog sich in sein Büro.
Er wollte sich dem Reifenabdruck widmen. Nach einem Gespräch mit einem Kollegen, der selber Motorradfahrer war, war er schlauer. Dieser hatte Mäder zwar gewarnt, es sei schwierig, nur anhand eines Reifenabdrucks den Halter ausfindig zu machen. Das Reifenprofil deute in diesem Fall aber auf einen sehr seltenen Pneu hin. Es gelang ihnen sogar, die genaue Typenbezeichnung herauszufinden. Der Kollege empfahl Mäder, bei Töffhändlern nachzufragen, ob sie jemals solche Reifen verkauft hatten, und wenn ja, wem. Seufzend nahm Mäder den Telefonhörer in die Hand, das würde jetzt sicher eine ganze Weile dauern.
Janine schenkte sich derweil Kaffee in ihre Lieblingstasse ein. Päx hatte sie ihr geschenkt. Die Fahndung nach Luca Keller war noch immer erfolglos. Plötzlich kam ihr der entscheidende Einfall: Beim Verhör hatte Timo seinen Bruder Luca mit äusserster Vehemenz verteidigt. Er wusste bestimmt genau, wo Luca steckte. Sie hatten bestimmt auch Kontakt miteinander. Da Luca, als er vor der Polizei flüchtete, sein Handy zu Hause verloren hatte, würden sie sich irgendwo treffen müssen.
Sie stellte die Kaffeetasse ab und wählte eine Nummer. Der Streifenpolizist, der den Auftrag hatte, das Haus der Familie Keller in Cordast zu beobachten, erzählte ihr, Timo sei vor etwa einer halben Stunde mit dem Velo in Richtung Courtepin gefahren. Janine überlegte kurz. Vielleicht hatte er dort den Zug genommen und war auf dem Weg in die Stadt.
Sie war rechtzeitig am Bahnhof in Freiburg. Der Zug aus Courtepin fuhr gerade auf Gleis 5 ein. Janine Auderset beobachtete aus der Ferne die aussteigenden Passagiere. Tatsächlich, da war er. Timo ging eilig die Rampe hinunter, Janine folgte ihm unauffällig. Sie sah, wie er in den Bus der Linie 123 einstieg. Janine stieg ebenfalls in den Bus ein. Sie sass direkt hinter dem Chauffeur, Timo sass ganz zuhinterst im langen Gelenkbus. Es gelang ihr, unentdeckt zu bleiben.
Als sie an der Endhaltestelle in Schwarzsee ankamen, war ausser ihr und Timo niemand mehr im Bus. Timo lief schnurstracks in Richtung des Campingplatzes. Janine folgte ihm mit etwas Abstand. Sie sah Timo durch das Labyrinth der Wohnwagen gehen. Auf einmal blieb er stehen. Zum ersten Mal schaute er sich um, entdeckte Janine aber nicht. Er öffnete die Tür eines Wohnwagens und trat hinein. Janine wartete einen Moment, ging dann vorsichtig zum Wohnwagen und schaute durch das Fenster. Sie war nicht besonders überrascht, als sie den flüchtigen Luca Keller entdeckte. Ohne anzuklopfen, öffnete sie die Tür.
Timo und Luca sahen Janine Auderset mit schreckgeweiteten Augen an. «Wir suchen schon lange nach dir, Luca», sagte sie. «Wie kommen Sie hierher?», stotterte Timo. «Da gehörte auch eine Portion Glück dazu. Weshalb bist du weggelaufen?» Luca stützte den Kopf auf seine Hände, fixierte mit leerem Blick die Tischplatte vor sich, atmete tief ein und begann dann alles zu erzählen: «Ich war am ersten August bei Knüsel drüben.» «Was?!», unterbrach ihn Timo und schaute ihn fassungslos an.
Am Abend des 1. August wurde in Baumetswil am Schiffenensee Bernhard Knüsel ermordet. Wer ist der Täter? Kriminalkommissarin Janine Auderset und ihr Kollege Herbert Mäder ermitteln. Darum geht es im FN-Sommerkrimi «Vogelfreunde» von Philipp Spicher aus Wünnewil. Personen und Handlung sind frei erfunden. Alle bisher veröffentlichten Kapitel finden Sie im Internet unter: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Sommerkrimi».