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Titel
Monthey.
Bezirk des Kantons Wallis. Umfasst das westl., untere, Rhonethal und zwar das ganze linke Ufer des Flusses zwischen dem Genfersee und dem Gemeindegebiet von Massongex. Er lehnt sich an die westl. Abstürze der Dents du Midi und an die Alpen des Chablais an und schliesst nur ein einziges beträchtliches Querthal, das Val d'Illiez, in sich, dessen Ausgang durch das Städtchen Monthey, den Bezirkshauptort, beherrscht wird. Seine grösste Länge beträgt von den Dents Blanches bis zur Mündung der Rhone in den Genfersee 29 km, seine mittlere Breite vom Pas de Morgins bis zum Eintritt der Rhone in den Bezirk 10 km. Er umfasst 9 Gemeinden: Monthey, Champéry, Collombey-Muraz, Port Valais, Saint Gingolph, Troistorrents, Illiez oder Val d'Illiez, Vionnaz und Vouvry.
Davon sind Champéry, Illiez, Troistorrents, Port Valais und Vouvry zugleich eigene Kirchgemeinden, während Monthey in die Pfarreien Choëx und Monthey, Collombey-Muraz in die 3 Pfarreien Monthey, Muraz und Collombey und endlich Vionnaz in diejenigen von Vionnaz Dorf (in der Ebene) und Revereulaz (auf den darüber liegenden geneigten Terrassen) zerfallen. Schweizerisch und Französisch Saint Gingolph bilden zusammen nur eine einzige Kirchgemeinde, die zum Bistum Annecy gehört. Der Bezirk Monthey ist mit 19370 ha der an Fläche kleinste unter den 13 Bezirken des Wallis. Der Bevölkerungszahl nach reiht er sich dagegen mit 11166 Ew. an dritter Stelle ein. Er grenzt im N. an den Genfersee, im NO. an die Rhone (die ihn vom Waadtländerbezirk Aigle trennt), im O. an den Bezirk Saint Maurice, im S. und W. an das französ. Département de la Haute Savoie.
Die bedeutendsten Gipfel des Gebietes sind: zwischen dem Val d'Illiez und dem Bezirk Saint Maurice die Dents du Midi (3260-3180 m) und die Dent de Bonaveau (3078 m);
im S. der Sagerou (2687 m), die Dents Blanches (2680-2700 m) und die Tête de Bostan (2111 m);
im W. der Patnaly (2224 m), die Pointe de Chésery (2250 m), die Tête du Géant (2235 m) und die Cornettes de Bise (2137 m), die den Bezirk vom Département de la Haute Savoie trennen.
Hauptgewässer ist die Rhone, die ihn vom Kanton Waadt trennt;
daneben sind zu nennen die Vièze, der Abfluss der kleinen Gletscher des Val d'Illiez;
die Tine, Zufluss der Vièze aus dem Val de Morgins;
die Morge de Saint Gingolph, die die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich bildet;
der Wildbach Le Fossaux, der bei Vouvry vorbei geht, und der Wildbach La Greffaz, der nahe an Vionnaz vorbei zieht.
Die Rhoneebene wird von Collombey bis zum See vom Stockalperkanal durchzogen, der im 17. Jahrhundert vom reichen Walliser Kaspar Stockalper geschaffen wurde und ursprünglich dem Schiffsverkehr diente, nun aber ein einfacher Entwässerungskanal geworden ist.
Dieser Bezirk ist der industriellste des Kantons; sein Hauptort hat wichtige Glashütten, Zigarren- und Tabak-, Seifenfabriken, Fabriken für chemische Produkte und eingelegte Holzarbeit, sowie bekannte Steinbrüche auf Granit und Marmor. Die 1892 hier gegründete Rübenzucker- und eine Wanduhrenfabrik sind nach wenigen Jahren wieder eingegangen. Saint Gingolph hat Schiffsbau, Vouvry Getreidemühlen und eine Papierfabrik. Seit 1902 besteht nahe bei diesem Dorf ein von Turbinen getriebenes Elektrizitätswerk, das die Wasserkraft des 900 m höher gelegenen Lac de Tanay ausnützt; es liefert 2000 PS und kann bis auf 15000 PS gebracht werden.
Die gegenwärtig gewonnene Kraft dient namentlich zur Beleuchtung des Grand Hôtel de Caux ob Montreux und der Ortschaften Collombey und Saint Gingolph. (S. den Art. Vouvry). In Malévoz bei Monthey ein Erholungshaus und eine Irrenheilanstalt. Der waldige Mang über Monthey und Collombey ist mit erratischen Blöcken bedeckt, die hier durch den ehemaligen Rhonegletscher abgelagert worden sind und in der Hauptsache aus Protoginen bestehen, die vom Walliserabhang des Mont Blanc stammen. Die grösseren sind schon meist durch Unternehmer von Monthey und Collombey ausgebeutet worden. Indessen sind einige davon dem Meissel des Steinhauers entwischt, da sie der Staat Wallis 1853 in seinen Schutz nahm.
In diesem Gebiete ist das Hotelwesen nicht weniger tätig als in den andern besuchtesten Gegenden des Kantons. Sommerstationen zu Champéry und Morgins; ebenso nehmen Touristen und Pensionäre auf Troistorrents, Illiez, Revereulaz, Tanay sur Vouvry u. a. Orte. Im prachtvollen Schatten der Wälder von Le Bouveret, wo die Sommerfrischler von Montreux, Vevey, Lausanne und andern benachbarten Waadtländer Fremdenorten sich gerne Rendez-vous geben, hat man seit einigen Jahren ein Hotel und ein Kasino gebaut.
Ackerbau und Milchwirtschaft sind in diesem Bezirk Gegenstand besser verstandener Sorgfalt als in den meisten übrigen Gegenden des Wallis. Im Val d'Illiez bildet die Viehzucht fast die einzige Einnahmequelle der Bevölkerung. Weinberge von einiger Wichtigkeit finden sich in Monthey, Vionnaz, Vouvry und Les Évouettes (Port Valais). Die andern Gemeinden der Ebene treiben Viehzucht und Ackerbau, und man findet hier alle Obstbäume vom Kirschbaum bis zum Nuss- und Kastanienbaum, sowie die meisten Landesprodukte der Schweiz. Der Bezirk Monthey ist der einzige im Wallis, wo die Kastanie wirkliche Wälder bildet.
Die Viehzählung ergibt folgende Resultate:
|1886||1896||1901|
|Rindvieh||5864||5280||5667|
|Pferde||361||368||438|
|Schweine||1320||2409||1961|
|Schafe||1890||1334||893|
|Ziegen||2082||2484||2002|
|Bienenstöcke||545||820||881|
Die kleine Eisenbahnstrecke Le Bouveret-Saint Maurice, die die französische Linie von Bellegarde mit Le ¶
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Bouveret und der schweizerischen Simplonbahn verbindet, durchzieht im Bezirk Monthey die Rhoneebene ihrer ganzen Länge nach und hat hier die Stationen Le Bouveret, Vouvry und Monthey. Parallel zu ihr verläuft in der Richtung NW.-SO. die Thalstrasse, die in Saint Gingolph an das Strassennetz des französischen Genferseeufers und in Saint Maurice an dasjenige des Nordufers dieses Sees anschliesst. Mit dem Waadtländerufer der Rhone ist der Bezirk durch die Brücken von La Porte du Scex, Illarsaz und Collombey verbunden.
Die Brücke von Massongex ist zum Teil schon ein Uebergang aus dem Bezirk Saint Maurice; sie verbindet seit 1873 an Stelle einer einstigen Fähre Massongex mit Bex. Zwischen Villeneuve und Le Bouveret verkehrt seit einigen Jahren eine Fähre. Die Ebene von Monthey steht daneben über die fahrbare Strasse des Pas de Morgins (1380 m) mit dem savoyischen Thal von Abondance in Verbindung. Einige andere, weniger begangene Pässe verknüpfen das Gebiet ebenfalls mit seiner Nachbarschaft, sei es mit Savoyen oder dem Bezirk Saint Maurice;
die hauptsächlichsten sind der Pas d'Encel zwischen dem Val d'Illiez und dem Gebiet von Salvan;
der Pas de Chésery (2005 m) im Thal von Morgins;
der Pas de Vernaz (1820 m) hinten über dem Thal, das sich ob Vouvry öffnet.
Die beiden letztgenannten Pässe führen ins Thal von Abondance.
Im Mittelalter bestand das Mandament Monthey aus verschiedenen Herrschaften, die je nach dem Glück der Waffen abwechslungsweise unter der Lehensherrlichkeit des Wallis oder derjenigen Savoyens standen. Nachdem die Oberwalliser 1475 den Rest des Unterwallis erobert hatten, fanden zwischen dem Herzog von Savoyen und dem Bischof von Sitten beständig Streitigkeiten statt. 1528 schien ein Friedensvertrag dieser Sachlage ein Ende zu machen. Als aber acht Jahre später, die Berner das Waadtland eroberten, bemächtigten sich die Walliser ihrerseits der beiden Mandamente Monthey und Évian und schoben so ihre Grenze bis an die Dranse von Thonon vor. 1569 wurde zu Thonon ein Vertrag unterzeichnet, nach dem der Herzog Ernmanuel Philibert den Besitz der Walliser im Rhonethal mit der Morge von Saint Gingolph begrenzte und zwar unter der Bedingung, dass ihm die Gebiete von Évian und Saint Jean d'Aulph wieder abgetreten werden sollten.
Von 1536 bis zur Revolution bildete der gegenwärtige Bezirk eine durch die Walliser verwaltete Herrschaft. Der Revolution gingen in Monthey einige Volksunruhen voran. 1790 verliess der Landvogt Schinner aus Anlass einer kleinen Zänkerei das Schloss zu Monthey, da er durch die Drohungen eines Bauern Bellet aus dem Val d'Illiez, den er durch allzu eigennützige Geldforderungen sich feindlich gestimmt hatte, erschreckt worden war. Die Bevölkerung, welche nun glaubte, die Stunde der Befreiung sei gekommen, organisierte eine eigene Verwaltung und traf Vorbereitungen zur Verteidigung.
Der Landvogt zu Saint Maurice, der die gleiche Gefahr befürchtete, verliess seinen Posten ebenfalls. Aber die damalige Walliser Regierung beschloss die militärische Besetzung der zwei aufständigen Bezirke; Monthey wurde mit Gewalt unterworfen, und hart war die Strafe der Aufrührer: die Verdächtigen, welche nicht hatten entweichen können, wurden nach Sitten geführt, wo man über sie Gericht hielt;
ihrer 5 wurden gehängt oder enthauptet und ihre Güter eingezogen.
Nach dem Sturz des «ancien régime» wurde Monthey zu einem Zehnten des Wallis umgewandelt, der dann während der Zeit der Vereinigung des Wallis mit Frankreich einen Kanton des Département du Simplon bildete.
Bibliographie.
Claparède, A. de. Champéry, le Val d'Illiez et Morgins. Genève 1890; Wolf, F. O. Von St. Maurice bis zum Genfersee. (Europ. Wanderbilder. 149 und 150). Zürich 1889.