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Histone sind basische Proteine, die im Zellkern von Eukaryoten vorkommen. Das muss man nicht wissen, gemach. Aber es hilft, den Gag zu verstehen, den der schwedische Forscher Ola Hermanson in einen wissenschaftlichen Text einbaute: «Like a Rolling Histone», schrieb er in Anspielung auf Bob Dylans vielleicht berühmtesten Song.
Mit fünf Kollegen von der Karolinska-Universität macht Hermanson sich nämlich einen Spass daraus, möglichst viele Dylan-Zitate in Forschungsarbeiten, Artikel, Referate und Vorworte einzustreuen. Was zu Schöpfungen führt wie «Nitric oxide and inflammation: The answer is blowin’ in the wind». So übertitelte Jon Lundberg einen Beitrag für die Fachzeitschrift «Nature Medicine». Mal heisst es, die Fähigkeit nicht-neuronaler Zellen, neue Neuronen zu bilden, sei eine simple Wendung des Schicksals, «A Simple Twist of Fate»; mal gehts um «Blood on the Tracks»; mal wird
eine neue Erkenntnis auf dem Gebiet der Biomedizin lapidar mit «The Times They Are a-Changin’» kommentiert – und schon wieder ist eine Dylan-Zeile eingeflossen.
Demjenigen, dem bis zur Pensionierung die meisten Zitate gelingen, winkt ein Mittagessen im Restaurant «Jöns Jacob». Mehr nicht.
Mir gefällt das Verschrobene an diesem Wettstreit. Wie die Forscher eine todernste Materie mit Witz garnieren, hat etwas Dadaistisches, denn es ist so wunderbar unnütz. Der Boogie-Pianist Jimmy Yancey fällt mir ein, der in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts in Chicago lebte und einen ureigenen Spleen hatte: Er beendete all seine Stücke, unbesehen von deren Tonart, immer mit dem Ton Es. Kaum jemand bemerkt solche Spielereien, Eingeweihte aber freuen sich kindlich-königlich.
Und Beni Thurnheer! «Jetzt ist aber ein Arzt gefragt und nicht bloss ein Handarbeitslehrer», kommentierte er, als sich der Fussballer Philippe Senderos an der WM 2006 eine Platzwunde nähen lassen musste. Thurnheer hatte gewettet, er würde den Begriff «Handarbeitslehrer» in seine Reportage einfliessen lassen. Saublöd war das und zugleich genial. Ich weiss gar nicht, ob ich mir heuer die EM-Spiele anschauen mag. Thurnheer kommentiert ja nicht mehr, und ohne ihn ist es nur halb so lustig.
Gern stelle ich mir übrigens vor, dass Bob Dylan sich heimlich über den Schabernack der schwedischen Mediziner freut. Er wäre selber besser Arzt geworden, bekannte er einst im Song «Don’t Fall Apart on Me Tonight» – dann hätte er womöglich Leben retten können, seine Kunst hingegen sei nutzlos. Man darf dezidiert anderer Meinung sein. Am 24. Mai. wird Bob Dylan 75. Herzlichen Glückwunsch!
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Autor: Bänz Friedli
Fotograf: Bänz Friedli