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Geschichte
Kirche Wolfhalden
1652 - 2015
«Der Kurzenberg» war bis 1666 der Name einer Gemeinde im Kanton Appenzell Ausserrhoden und war entsprechend seiner ursprünglichen politischen Zuge-hörigkeit nach Thal kirchgenössig. 1529 nahm das Gebiet den reformierten Glauben an. 1652 lösten sich Heiden und Wolfhalden wegen des langen Kirchweges von der Mutterkirche Thal und bauten eigene Kirchen. Damit zerfiel der Kurzenberg in die drei bald auch politisch selbstständigen Gemeinden Heiden, Wolfhalden und Lutzenberg (das kirchlich bei Thal verblieb). Mit der Trennung von Kirche und Staat 1877 wurde die Kirchgemeinde wie die Landeskirche selbst als Körperschaft öffentlichen Rechts selbständig.
Renovationen der Kirche Wolfhalden wurden 1846/47 und 1939/40 durchgeführt, 1975 kam es zu einer weiteren Innenrenovation. lm Jahre 2010/11 war es der gemeinsame Wille der Einwohnergemeinde als Besitzerin der Kirche und der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde als Hauptnutzerin der Kirche, die mittlerweile erneut notwendig gewordene Renovation zur Werterhaltung des Gebäudes vorzunehmen.
Es war allen an der Renovation Beteiligten klar, dass es über die kirch-liche Nutzung hinaus eine erweiterte Öffnung des Raumes auch für nicht-kirchliche Zwecke geben musste. In erster Linie wurde hier an eine Nutzung für kulturelle Anlässe gedacht (Konzerte, Theater, Lesungen, Ausstellungen) aber auch an Versammlungen, Tagungen, etc..
Diese offene Haltung entspricht auch dem Leitbild der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde aus dem Jahre 2005, die sich ,,als mitgestaltende gesellschaftliche Kraft im Dorf versteht", der das Miteinander und Füreinander unabhängig von jeder Glaubensrichtung oder Denkhaltung wichtig ist.
Leitbild
Der Auftrag
Mit der neuen Kirchenordnung und Kirchenverfassung aus dem Jahre 2001 sind alle Organe der Evangelisch-Reformierten Landeskirche beider Appenzell dazu auf-gefordert, sich ein sog. Leitbild zu geben.
Die Evangelische Kirchgemeinde Wolfhalden entspricht dieser Aufforderung mit der Verabschiedung der unten abgedruckten Leit(bild)gedanken durch die Kirchenvorsteherschaft in ihrer Sitzung vom 25.10.2005; rev. 27.10.2015.
Leitbild Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Wolfhalden
Die Präambel der Kirchenverfassung der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell ist die Grundlage aller Gedanken des Leitbildes der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wolfhalden.

„Wir sind Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“
Dieser ethische Grundsatz Albert Schweitzers steht ebenfalls über den folgenden Leit(bild)gedanken der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wolfhalden :
(1) Die Evangelische Kirchgemeinde Wolfhalden versteht sich als eine mit-gestaltende, mit-tragende und mit-bestimmende Institution im gesamten Dorfgeschehen.
Das heisst: Wir sehen uns als gesellschaftlich relevante Kraft, die sich im Dorf mit den anderen Institutionen (Einwohnergemeinde, Schule ...), Vereinen und anderen Interessengruppen vernetzt.
Wir möchten zu einem tragfähigen Netz von sozialen Beziehungen beitragen. Wir sind überzeugt: Nur miteinander und in gegen-seitiger Akzeptanz lässt es sich wirkliches Leben leben.
(2) Die Evangelische Kirchgemeinde Wolfhalden will ein Ort der offenen Türen für alle Menschen gleich welcher Konfession oder welchen Glaubens sein.
Das heisst: Wir sehen uns als einen Ort, an dem Menschen gleich welcher Meinung oder welchen Glaubens in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung zusammenkommen können, um gemeinsam zu feiern, zu trauern, zu reden und zu schweigen als Menschen unter Menschen.
(3) Die Evangelische Kirchgemeinde Wolfhalden will in ihrem Wirken jeweils den einzelnen Menschen als Ganzes in den Blick nehmen und sich als Wegbegleiterin anbieten in schwierigen wie auch freudigen Lebenssituationen.
Das heisst: Wir sehen den Schwerpunkt unserer Arbeit in der Begleitung von einzelnen Menschen, Paaren, Familien und Gruppen in schwierigen Lebenssituationen (wie Trauer und Sterbesituationen, Lebenskrisen, Konfliktsituationen ...), aber auch in der Begleitung von freudigen Ereignissen (wie Geburt, Hochzeit, Situationen allgemeiner Lebensfreude bei Jubiläen und Festen...). Dabei soll der Mensch in seiner körperlich-sozialen Existenz, in seiner seelisch-psychischen Existenz und in seiner spirituellen Existenz wahr- und ernst genommen werden.
(4) Die Evangelische Kirchgemeinde Wolfhalden will ein Ort sein, an dem Glaubens- und Lebensfragen offen und ohne jeden Vorbehalt ausgesprochen und besprochen werden können.
Das heisst: Wir sehen uns als ein Ort, an dem suchende Menschen ihre Fragen und Zweifel ans Leben und an das, was man glaubt oder auch nicht glaubt, ussprechen können und dürfen. In ihrem Fragen und Suchen und Finden sollen sie begleitet sein.
(5) Die Evangelische Kirchgemeinde Wolfhalden will die traditionellen „Gefässe“ der kirchlichen Arbeit wie Gottesdienst und Unterricht in zeitgemässer und zu akzeptierender Weise beibehalten und fortentwickeln. Neue Formen der kirchlichen Arbeit sollen sich entfalten können, um den oben genannten Zielen näher zu kommen.
Das heisst: Wir wissen um die immer noch grosse Bedeutung von Gottesdienst und Unterricht in der kirchlichen Arbeit. Eine zeitgemässe Fortentwicklung meint gerade nicht, jede Modeströmung aufzunehmen, sondern meint, in Inhalt und Form den Fragen, Zeichen und Anforderungen der Zeit, in der wir alltäglich leben, gerecht zu werden.
Darum werden wir uns bemühen.
Oekumene
Wolfhalden hat keine eigene katholische Pfarrei; der nördliche und östliche Teil von Wolfhalden gehört zur Pfarrei Thal, der südliche Teil zur Pfarrei in Heiden. Die Zusammenarbeit besteht vor allem im gemeinsamen ökumenischen Religionsunterricht mit jährlichen Gottesdienstfeiern sowie im jährlichen BFA/FO-Anlass.