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Das Voynich-Manuskript beginnt zu reden
Das zweitgrösste Rätsel ist, weshalb Dan Brown das Voynich-Manuskript nicht schon längst ins Zentrum eines Bestsellers gestellt hat: Kein Text der Menschheit ist so verschlossen, keiner bietet solchen Raum für mystische Fantasien. Und wenige Schriften gäben so viel her für einen Thriller, in dem Helden-Kryptologe Robert Langdon wieder mal der letzten Welterklärung nachhetzt.
Das grösste Rätsel ist, was um Himmels willen sich der Mensch gedacht hat, der vor 650 Jahren ein Werk schuf, das keiner begreift: 240 Seiten voller Text, Zeichnungen, Signete. Aber die Schrift ist unlesbar. Niemand weiss, in welcher Sprache das Buch verfasst ist. Experten sind sich trotzdem sicher, dass im Voynich-Manuskript mehr steht als nur Pseudo-Gekritzel.
Wir sehen flüssig und selbstsicher hingeschriebene Wortfolgen, wohl abgeschrieben von einer Vorlage; und Linguisten haben erkannt, dass hier die Regeln einer menschlichen Sprache spielen.
Es gibt Hinweise, wonach das Werk aus Norditalien stammt; chemische Analysen verorten die Entstehung ums Jahr 1425. Später gehörte das Buch einmal dem deutschen Kaiser Rudolf II., der wiederum glaubte, ein Franziskanermönch habe es verfasst. Laut einer kleinen Notiz landete es im 16. Jahrhundert bei einem Alchemisten in Prag, dann versuchte der berühmte Jesuit Athanasius Kircher, den Code zu knacken, ohne Erfolg. Über zwei Jahrhunderte verlieren sich die Spuren des Buches wieder, bis es offenbar in einer Bibliothek des Papstes auftaucht. Heute befindet sich das Voynich-Manuskript in der Eliteuniversität Yale.
An seinen Zeichen nagen Kryptologen seit einem halben Jahrtausend, inzwischen verbunden per Internet. Berühmtheiten wie der Nazicode-Knacker Alan Turing und Semiotiker Umberto Eco beugten sich schon darüber, aber nein: Die Kringel liessen sich nicht mit einer Sprache verbinden.
Jetzt aber melden zwei Sprachforscher der University of Alberta, dass sich eine Tür bewegt habe: Mit Big-Data-Methoden habe man einen Schlüssel gefunden, schreiben Greg Kondrak und Bradley Hauer.
Insgesamt setzte der unbekannte Schreiber knapp 30 «Buchstaben» ein. Kondrak und Hauer reihten nun jedes Zeichen, aber auch gewisse Buchstabenfolgen nach der Häufigkeit auf. Dann verglichen sie das Ergebnis mit der Verteilung von Buchstaben und Zeichenpaaren in etwa 400 Sprachen.
«Sie machte dem Priester Empfehlungen …»
Dann sei es recht rasch klar geworden, berichteten Kondrak und Bradley nun: Die Ursprache des Manuskripts muss Hebräisch sein. Allerdings chiffrierte der Autor die Sätze und Wörter ein weiteres Mal – und hier wartet nun die wahre Kniffel- und Geduldsaufgabe. Mit heutigen Algorithmen, auch unter Verwendung von Google Translate, ist es bislang gelungen, einige Wörter dingfest zu machen und einen ganzen Satz zu übersetzen. Es ist der Eröffnungssatz: «Sie machte dem Priester Empfehlungen, dem Hausherrn, sowie mir und dem Volk».
Und dann? Und jetzt? Sollte nun tatsächlich die Kernsprache offenbar sein, wäre dies ein dramatischer Schritt in einem Fall, bei dem selbst seriöse Forscher auf so verschiedene Sprachen wie Arabisch, Dänisch, Latein oder Nahuatl getippt hatten. Die kanadischen Wissenschaftler selber sind vorsichtig: Ihre Ergebnisse könnten bloss ein Startpunkt sein, schreiben sie. Jetzt seien Historiker gefragt, die Althebräisch beherrschten und zugleich die Wörter in ihrem grösseren geschichtlichen Rahmen interpretieren könnten, erklärte Greg Kondrak der kanadischen Presseagentur CBC.
Was die Medien in den letzten Tagen also eifrig trompeteten – «Jahrhundertealtes Rätsel dank Artificial Intelligence gelöst» –, greift also noch zu kurz.
Ohnehin: Wollen wir wirklich wissen, was uns der Unbekannte nicht wirklich mitteilen wollte?
Wenige Werke der Menschheit laden so gut zum Rätseln ein wie das Voynich-Manuskript, es nährt die Hoffnung auf ein tieferes Wissen, es belebt Verschwörungstheorien, Spiritualität und Kryptografie: So hat es eine Autorin des «New Yorker» einmal kommentiert.
Es wäre ein grosser Schlag, falls jener britische Mediävist recht bekäme, der unlängst kühl vermutete, das Voynich-Manuskript sei wohl ein Wellness-Ratgeber für vornehme Damen.
Zur wissenschaftlichen Veröffentlichung: Bradley Hauer, Grzegorz Kondrak: «Decoding Anagrammed Texts Written in an Unknown Language and Script», in: «Transactions of the Association of Computational Linguistics».
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22 Kommentare zu «Das Voynich-Manuskript beginnt zu reden»
Es ist nicht plausibel, anzunehmen, dass das Voynich-Manuskript maschinell codiert wurde. Im Mittelalter gab es keine Veranlassung, einen maschinenlesbaren, algorithmischen Code zu verwenden!
Sinnvolle Erklärungs- und Übersetzungsansätze finden sich bei Frau Missing-Watson (Google „Kaypacha Voynich“) und Morten St. George (Google „Morten St. George Voynich“). Der von Frau Missing-Watson vorgeschlagene Ansatz ist plausibel und hat schon Übersetzungen mehrerer Seiten geliefert. Morten St.George weist parallel dazu (in Übereinstimmung) auf die eindeutigen Bezüge zu den Templern und Katharer(inne)n und auf frühes Wissen über Amerika hin.
1. Das Manuskript wurde nicht von einer einzelnen Person verfasst. Es waren mehrere Personen daran beteiligt.
2. Die hier unter den Kommentaren vertretenen Entschlüsselungs-Überlegungen sind nicht richtig und folgen einer Schmalspurlogik.
3. Das ganze Manuskript ist in Latein verfasst und nicht in Hebräisch.
4. Im Manuskript stehen verschiedene „Erlebnisse“ aus der Vergangenheit, die in keinem Geschichtsbuch zu finden sind. Im VM steht an einer Stelle „hinreichend in Nebel gehüllt das Werk“.
mehr… http://www.voynich-manuskript.de
„Wollen wir wirklich wissen, was uns der Unbekannte nicht wirklich mitteilen wollte?“
Was für ein schwülstiger und stumpfsinniger Abschluss aus dem blossen Bedürfnis, noch die Schlusspointe mit dem Wellness-Ratgeber einbauen zu müssen.
Es gibt den Schlüssel zur Chiffrierung des Manuskriptes des Soldaten. Das Manuskript wurde nicht auf Hebräisch geschrieben.
Der Schlüssel zur Chiffre des Manuskriptes wird in das Manuskript gelegt. Er wird nach dem ganzen Text aufgestellt. Teil wichtigsten Tipps finden Sie auf Arbeitsblatt 14. Mit Ihr gelang es, ein paar Dutzend Worte, die vollständig mit dem Thema Abschnitte entsprechen übersetzen.
Manuskript Войнича keine Buchstaben geschrieben. Das Zeichen geschrieben. Die Zeichen ersetzen die Buchstaben des Alphabets einer der alten Sprachen. Darüber hinaus hat der Text 2 Verschlüsselungsstufen. Ich erkannte den Schlüssel, mit dem im ersten Abschnitt können Sie die folgenden Worte Lesen: Hanf, Kleidung aus Hanf; Essen, Essen (Blatt 20 nach Nummerierung im Internet); reinigen (Da
„Ohnehin: Wollen wir wirklich wissen, was uns der Unbekannte nicht wirklich mitteilen wollte?“
Mit Verlaub, wollen wir überhaupt etwas wissen? Sie, Ralph Pöhner, wahrscheinlich nicht, denn sonst würden Sie wohl eher die Frage stellen, vor wem diese Schrift geheim gehalten werden sollte, statt einfach zu behaupten des Autors Intention sei gewesen, dass niemand sie lesen und verstehen könne. Ignoranz hat viele Gesichter, und Sie zeigen eines der hässlicheren davon.
Bei meinen eigenen Recherchen seit ein paar Monaten bin ich auf einen Hinweis gestossen, dass es sich um einen nordindischen Text handelt.
Wie auch immer … es sieht tatsächlich nach vielschichtigen Wellness-Massnahmen aus.
Mit einem Verschiebungs-Code, wie ihn die Bienli und die Schweizer Armee verwenden, kommen wir Kryptologen garantiert nicht weiter.
Dass ich nicht lache. Das ist nichts anderes als die Schrift eines Schizophrenen. Ich habe solche im Verlauf meines Berufeslebens zu Hunderten gesehen.
…und habe noch dazu grosse Freude wenn ich sehe dass diesem Kranken gelungen ist, Tausende und Tausende „Gesunden“ in die Irre zu führen.
Das war auch mein erster Gedanke. Wissen tun wir es natürlich nicht.
Man lese die Buecher von Umberto Eco und schon sieht man alles wieder ganz vernuenftig.
Der Artikel ist schludrig geschrieben. Das begintn schon mit dem Titel: War bis heute unsesbar. Im Folgesatz widerspricht sich der Schreiber schon: Könnte es gelingen. Und so geht es weiter.
Wie kam dieses mittelalterliche Manuskript aus Europa nach Yale? Beutekunst? Die Amis liessen ja nach 1945 ganze Schiffsladungen von Kunst abtransportieren.
Sie haben sich die Zeit genommen, Theorien anzustellen wie das Buch nach Yale gekommen ist, aber nicht die Zeit genommen kurz zu Googeln? 30 Sekunden und Sie haben die Antwort. (Hint: Keine Beutekunst).
Im Gegensatz zu den Nazis, die gestohlen und enteignet haben, haben die Alliierten sämtliche verschleppten Kunstgegestände den rechtmässigen Besitzern zurück gegeben. Falls es Ihnen nicht bekannt ist, es gibt einen florierenden Kunsthandel bei dem regelmässig bedeutende Kunstwerke den Besitzer wechseln. Dieses Manuskript gehört im Vergleich zu anderen Werken, die in den letzten Jahrzehnten verkauft und gekauft wurden, zu den absolut unbedeutenden Kunstgegenständen. Um Ihre Frage zu beantworten, das Buch wurde in den frühen 1960er Jahren für 25’000 Dollar aus Privatbesitz an einen Buchändler in den USA verkauft. Da er keine Käufer fand, hat er es 1969 der Yale Universität geschenkt.
@Schwendener
Aber sicher doch. Und all die US-Offiziere, welche nach dem Krieg wertvollste Gemälde bei sich zuhause hängen hatten, haben diese alle zufällig gefunden. Oder bei einer günstigen Gelegenheit erworben.
@Dernburg
Vieleicht sollten Sie es einfach schätzen, dass andere mehr wissen als Sie und Sie an diesem Wissen teilhaben lassen. Ihr Kommentar disqualifiziert Sie leider. Selbst wenn Sie damit in einem gewissen Grade Recht haben sollten.
Was schreiben Sie da für einen Blödsinn. Das Manuskript war bis 1960 im Besitz der Familie Voynich und wurde dann vom einem Buchhändler erworben. Da dieser das Manuskript nicht gewinnbringend verkaufen konnte, stiftete er es der Yale-Uni.
Ausserdem haben die Amis nach dem WWII nicht Schifflsadungen Kunst abtransportiert, sondern an die ursprünglichen Besitzer bzw. deren Erben zurück gegeben.
@Siegrist, Brunner, Debrunner
Sie wollen also ernsthaft abstreiten, dass die USA europäische Kunstschätze gestohlen haben?? Dass es keine US-Beutekunst gab (und bis heute gibt)?Und mir hinterher noch mangelndes Wissen vorwerfen?
@Dernburg: Es geht um das Voynich-Manuskript und Sie haben suggeriert, dass es sich bei diesem um amerikanische Beutekunst handle, was es definitiv nicht ist!
@Debrunner: Können Sie ein einziges, konkretes Beispiel von US-Beutekunst nennen?
„Jahrhundertealtes Rätsel dank Artificial Intelligence gelöst»“. Mit AI hatte das wohl gar nichts zu tun. Eher mit Maschinen Lernen und selbst das scheint mir übertrieben. Es klingt danach, als ob man schlicht eine statistische Analyse über viele digitalisierte Bücher in verschiedenen Sprachen gemacht hat und dann deren Wort- und Buchstabenhäufigkeitsverteilungen mit dem vorliegenden Werk verglichen hat. Das machen Kryptologen seit Jahrhunderten. Nur, dass hier der Umfang der Vergleichsbibliothek deutlich grösser ist.
Und wer weiss, vielleicht war das Verschlüsseln des Buches nichts anderes als ein Marketingtrick, denn, was verschlüsselt ist, muss wertvoll sein, macht dann 2000 mittelalterliche Silberlinge, vielen Dank 🙂