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Violinkonzert
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf das Konzert für Violine und Orchester in D-Dur.
Nicht nur Bartók, Berg und Brahms schrieben ihre Violinkonzerte für einen bestimmten Solisten; auch Ludwig van Beethoven hatte bei der Konzeption seines Werkes die Kunstfertigkeit eines ihm verbundenen Instrumentalisten vor Augen: Es handelt sich um Franz Clement (1780–1842), der ab 1802 als Direktor dem Orchester im Theater an der Wien vorstand und später von Carl Maria von Weber in gleicher Funktion nach Prag an das Ständetheater berufen wurde. Bereits 1794 hatte Beethoven den noch jugendlichen Virtuosen gehört und in dessen Stammbuch anerkennend notiert: «Lieber Clement! Wandle fort den Weg, den du bisher so schön, so herrlich betreten. Natur und Kunst wetteifern, dich zu einem der größten Künstler zu machen. Folge beyden, und du darfst nicht fürchten, das große – große Ziel zu erreichen, das dem Künstler hieniden möglich ist. Sey glücklich, lieber Junge, und komme bald wieder, dass ich dein liebes, herrliches Spiel wieder höre. Ganz dein Freund L. v. Beethoven.»
Die Idee zum Violinkonzert op. 61 – in der für das Instrument charakteristischen Tonart D-Dur – dürfte auf ein am 7. April 1805 veranstaltetes Benefizkonzert zurückgehen, bei dem nicht nur Beethovens Eroica erstmals vollständig in der Öffentlichkeit erklang, sondern auch Clement ein eigenes respektables Violinkonzert (ebenfalls in D-Dur) vorstellte. Die enge, freundschaftliche Verbindung von Komponist und Interpret spiegelt sich in Beethovens handschriftlicher, wortwitziger Widmung «Concerto par Clemenza pour Clement primo Violino e direttore al theatro a vienne» (Konzert aus Grossmut für Clement …). In der Druckausgabe widmete er das Werk jedoch dem befreundeten Librettisten Stephan von Breuning; die Klavierfassung ist dessen im Alter von nur 18 Jahren verstorbener Frau Julie, der Tochter von Beethovens Arzt, zugeeignet.
Auch musikalisch bestehen zwischen der handschriftlichen Fassung und der späteren Verlagsausgabe teilweise erhebliche Unterschiede, die vor allem den Solopart betreffen: Binnen weniger Wochen war das Stück in höchster Eile niedergeschrieben und von Clement gewissermassen prima vista gespielt worden. Erst danach nahm sich Beethoven nochmals die Solostimme für eine detaillierte Durcharbeitung vor. Unberührt blieb allerdings der formale Aufbau, der insbesondere im Kopfsatz mit seiner Fülle an thematischen Gestalten einen geradezu sinfonisch dimensionierten Umfang von 535 Takten aufweist und damit nicht nur den zeitgenössischen Rahmen sprengt. Besonders markant ist dabei das einleitende, pochende Paukenmotiv (es erklingt insgesamt mehr als 70 Mal), aber auch das von den Holzbläsern vorgetragene Hauptthema, das mit seinem lyrischen Gestus den Charakter des gesamten Satzes bestimmt. Kürzer gefasst ist das als Romanze angelegte Larghetto, während Beethoven das Finale als ein Rondo im munteren 6/8-Takt gestaltet und ansatzweise die Ausdruckswelt seiner nur wenig später niedergeschriebenen Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68, der Pastorale, vorwegnimmt.
Das erwähnte Violinkonzert von Franz Clement ist übrigens erst kürzlich in einer neuen Einspielung mit Mirijam Contzen (Violine) und dem WDR- Sinfonieorchester unter Reinhard Goebel auf CD (Sony) erschienen.
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