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Bis 1869 besass die Kirche zehn alte Glasgemälde. Zwei davon befanden sich im mittleren Chorfenster, die übrigen acht in den Schiffsfenstern. Anlässlich der Vergrösserung und Vereinheitlichung der Fensteröffnungen im Kirchenschiff beschloss die Kirchgemeinde 1869 die Veräusserung von drei als «schwach in der Farbe» befundenen Glasgemälden. Renovierungen der sieben in der Kirche verbliebenen Glasgemälde, allesamt Stiftungen aus den Jahren 1579 bis 1643, erfolgten 1869 durch Karl Wehrli (1843–1902) in Zürich sowie 1905 durch Georg Röttinger (1862–1913) in Zürich. Beide Male wurden alle sieben Glasgemälde im mittleren Chorfenster eingesetzt. 1967/68 gelangten sie in vier der Schiffsfenster; ihre bislang letzte Restaurierung erfolgte 1995.
Die Glasgemälde 1 und 2 befinden sich im südseitigen Fenster.
1. Bildscheibe mit Christus als Kinderfreund (Hasler 2002, Nr. 157)
In einer Tempelhalle mit Ausblick auf eine Stadtlandschaft steht Christus. Er herzt ein Kind auf seinem Arm und segnet ein zweites, das ihm von dessen Mutter auf einem Kissen entgegengestreckt wird. Weitere Erwachsene umringen Christus, zu dessen Füssen ein Knabe mit einem Steckenpferd spielt. Ein Täfelchen enthält den Hinweis «MACI. X» auf die hier geschilderte Bibelstelle Mk 10, 13-16: «Lasset die Kinder zu mir kommen, wehrt es ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage Euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen. Und er umarmte und segnete sie, indem er ihnen die Hand auflegte». Die Überzeugung der lutherischen Reformation, dass der Glaube nicht des Lernens und des Intellekts bedürfe, fand in der Darstellung des kindersegnenden Gottessohns ein sinnfälliges Bild. Dieses erfreute sich im Kreis Martin Luthers grossen Zuspruchs, insbesondere in der Argumentation gegen die Wiedertäufer, welche die Kindertaufe ablehnten.
Gerahmt wird die Szene seitlich von zwei blauen Balustersäulen und oben von einem mit Rollwerk und einer Kopfkartuschen besetzten gelben Gebälk. Da ein Teil des Wappens und die Inschrift am unteren Bildrand verloren gingen, ist über den Hintergrund der Stiftung nichts bekannt. Datiert wird die Bildscheibe eines unbekannten, möglicherweise Brugger Glasmalers in das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts.
2. Wappenscheibe Petermann von Wattenwyl (Hasler 2002, Nr. 159)
Das Vollwappen des Stifters nimmt mit seiner rotsilberne Decken und dem auf einem Spangenhelm thronenden Kleinod (geflügelter Frauenrumpf) fast das ganze Bildfeld ein. Eingeschrieben ist das Vollwappen einer perspektivisch verkürzten Bogenarchitektur. Am Scheibenfuss auf einer weissen Sockelleiste die Stifterinschrift: «Jr. Pettermann von Wattenwyl, Herr Zuo / Wyl der Zyt Landtvogt der Graffschafft Lentzburg 1610». Petermann von Wattenwil, Spross einer Berner Patrizierfamilie amtete von 1604 bis 1610 als Landvogt auf der Lenzburg. Zu dieser Wappenscheibe hat sich in der Scheibenriss-Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum ein Einwurf von der Hand des Berner Glasmalers Hans Jakob I. Dünz erhalten. Es ist daher davon auszugehen, dass die von Petermann von Wattenwyl in die Kirche Unterkulm geschenkte Wappenscheibe in seiner Werkstatt entstanden ist.
Die Scheiben 3 und 4 befinden sich im linken der nordseitigen Fenster.
3. Allianzwappenscheibe Bernhard von Wattenwyl 1579 (Hasler 2002, Nr. 155)
Das Vollwappen des Stifters, Bernhard von Wattenwyl, ist unten durch eine Schriftrolle beigeschreiben mit «Bernhart von Wattenwill Herr zuo / Burgistein der Zitt LanttVogt der Graffschaft Lentzbrg / 1579». Gestützt wird das Stifterwappen durch drei am Scheibenfuss angeordnete Wappenschilde. Der mittlere repräsentierte die aktuelle Ehefrau Bernhard von Wattenwyls, Beatrix von Hallwil, mit der er 1574 die Ehe einging; mit den zwei seitlichen Wappen ehrte von Wattenwyl seine beiden verstorbenen Gemahlinnen: heraldisch links Agathe von Diesbach (zwei goldene Löwen auf schwarzem Grund) sowie heraldisch rechts Salome von Luternau (weisse Mauerzinne auf schwarzem Grund). Bernhard von Wattenwyl versah das Amt des Landvogts von Lenzburg von 1577 bis 1581. Da laut Kirchenrechnungen von 1578/79 der «glasmaler von bruck» damals Wappen in den Fenstern der Kirche Kulm einsetzte, kann diese 1579 datierte Allianzwappenscheibe Jakob Brunner zugeschrieben werden, dem einzigen zur fraglichen Zeit in Brugg tätigen Glasmaler.
4. Allianzwappenscheibe Anton von Luternau und Elisabeth von Wattenwyl (Hasler 2002, Nr. 156)
In dieser Scheibe sind vor einem gelben Grund die Allianzwappen des Stifters und seiner Ehefrau vereint: heraldisch rechts jenes von Anton von Luternau († 1583), seit 1563 Herr zu Liebegg (Gde. Teufenthal) und seit 1570 Mitglied des Grossen Rats in Bern, heraldisch links jenes von Elisabeth von Wattenwyl. In der von musizierenden Putten flankierten lachsfarbenen Kartusche am Scheibenfuss steht die Stifterinschrift: «Andoni von Lutternouw Und Elisabett / Von Lutternouw Ein Geborne Von / Wattenwill Sin Eegmahel, 1579». Das Wappenpaar rahmen Renaissancesäulen. Die Oberbilder über ihren Kapitellen zeigen Szenen aus der Genesis: links die Erschaffung Evas und rechts der Sündenfall (1905 von Georg Röttinger erneuert). Diese Allianzwappenscheibe aus dem Jahr 1579 wird dem Brugger Glasmaler Jakob Brunner zugeschrieben (vgl. Nr. 3).
Die Scheiben 5 und 6 befinden sich im mittleren der nordseitigen Fenster.
5. Standesscheibe Bern (Hasler 2002, Nr. 160)
Vor einem farblosen Grund türmt sich die Wappenpyramide Bern-Reich auf, flankiert von zwei steigenden Löwen als Schildhaltern, die das Reichsschwert bzw. den Reichsapfel halten und gemeinsam die Reichskrone präsentieren. Den Rahmen bildet eine dreiteilige Hallenarchitektur in perspektivscher Verkürzung, wobei sich deren rundbogiger Mittelteil über die Reichskrone wölbt. Das Zähringer Wappen (in Rot ein goldener Löwe) im Bogenscheitel flankieren trompetenblasende Bären, deren Instrumente mit Berner Fahnen geschmückt sind. Am Scheibenfuss umgeben zwei sitzende Musikantinnen mit Laute bzw. Horn eine Kartusche mit der Jahreszahl «ANNO / MDC / XLIII». Die 1643 datierte Standesscheibe von Bern ist dem Aarauer Glasmaler Hans Balthasar Fisch zuzuschreiben. Dies aufgrund des Kompositionsschemas, das verschiedenen Scheibenrissen aus der Werkstatt Fischs gleicht.
6. Wappenscheibe Daniel Lerber (Hasler 2002, Nr. 161).
Wappenscheibe Daniel Lerber 1643
Foto EH 2014
Das Vollwappen des Stifters Daniel Lerber mit silbernem Helm und wachsendem Löwen als Kleinod wird von einem Blütenkranz umschlossen und von zwei reich verzierten Säulen gerahmt. Die in einer grossen Rollwerkkartusche an den Scheibenfuss gesetzte Stifterinschrift lautet: «Hr. Daniel Lerber, des / Kleinen Rahts und Seckelmei / ster des Teütschen Lts. Der Statt / Bernn Ano 1643». Die beiden allegorischen Frauenfiguren, welche die Inschrift flankieren, sind Prudentia (links, mit Schlage und Spiegel) sowie Justitia (rechts, mit Waage und Schwert). Die beiden allegorischen Frauengestalten, die auf dem Kranz sitzen, konnte bisher nicht gedeutet werden. Sie tragen Palmzweig, Buch und Tafeln (links) bzw. Zepter, Globus und Schwert (rechts). Daniel Lerber (1569–1648) war in seiner Vaterstadt Bern u.a. zweimal Deutschsäckelmeister; 1601 wurde er als Landvogt nach Trachselwald berufen, 1611 nach Lenzburg. Die Scheibe trägt rechts neben der Stifterinschrift die Künstlersignatur «HBFisch», des Aarauer Glasmalers Hans Balthasar Fisch.
Die Scheibe 7 befindet sich im rechten der nordseitigen Fenster.
7. Wappenscheibe Hans und Franz Güder (Hasler 2002, Nr. 158)
Eine reich ornamentierte, mit Halbfiguren geschmückte Doppelarkade dient als Rahmen für die beiden Stifterwappen Güder, die als Vollwappen gestaltet sind mit stahlblauem Helm und blau-goldener Decke. Unterschiedlich sind die Helmzierden: jenes von Hans Güder zeigt ein Armpaar mit gekreuzten Degen, jenes von Franz Güder eine junge Frau. Seitlich tragen lachsfarbene Hermenpilaster die Bogenstellung; über dem Mittelpfeiler ragt eine allegorische Frauengestalt in einem roten Rock auf, wohl die Siegesgöttin Viktoria, auf deren Banner das Berner Wappen prangt. Das rechte Oberbild zeigt den Brand Trojas, das linke die Flucht von Aeneas, der seinen Vater auf den Schultern trägt und seinen Sohn an der Hand führt. Die Inschriftkartusche am Scheibenfuss wird durch einen Altanten (Trägerfigur) in Knabengestalt zweigeteilt: «Her Hanß Güder Gweßner / Schultheiß zu Büren Burg- / dorff Vogt Zuo Arwangen, / Und Landtvogt Der Graffschafft / Lentzburg. Anno 1570 // Her Frantz Güder Geweßner / Landtvogt zu Tchrachselwald / Vnd der Graffschafft / Lentzburg. Anno 1598.» Hans Güder amtete von 1571 bis 1577 als Landvogt von Lenzburg, sein Neffe Franz von 1598 bis 1604. Mit dieser Scheibenstiftung gedachte Franz Güder seines verstorbenen Onkels und Amtsvorgängers.
Neben der Wappenscheibe Güder ist eine Kopie des Wappens der Herren von Rinach zu Trostburg von 1975 zu sehen.