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Um den Jahreswechsel 1888/1889, kurz vor seinem psychischen Zusammenbruch, schickte Friedrich Nietzsche in Turin einige Zeilen an Cosima Wagner in Bayreuth. Und in einem Brief an Jacob Burckhardt (dem letzten, den Nietzsche je schrieb) heisst es: „Der Rest für Frau Cosima… Ariadne.“
Cosima Wagner, geschiedene von Bülow, geborene Liszt (1837-1930) war eine faszinierende Frau. In Como geboren, war sie die uneheliche, aber legitimierte Tochter Franz Liszts und der französischen Gräfin Marie d‘ Agoult. 1857 heiratete sie den Dirigenten Hans von Bülow, einen Schüler ihres Vaters, und bekam später zwei Töchter, Daniela und Blandine. Cosimas dritte Tochter, Isolde (geboren 1864), war bereits das Kind eines gewissen Richard Wagner, den sie 1857 in Zürich kennengelernt hatte. Nach Jahren der ménage à trois trennte Cosima sich endgültig von ihrem Mann und heiratete Wagner nach der Scheidung 1870. Sie schenkte ihm noch zwei Kinder, Eva (1867) und Siegfried (1869).
Durch die Ehe mit Wagner fand Cosima quasi ihre „Privatreligion“. Fortan lebte sie nur noch für ihn, sie liebte ihn nicht nur, sie betete ihn regelrecht an. Nach seinem Tod 1883 war sie so verzweifelt, dass ihre Angehörigen einen Suizid befürchteten. Stattdessen übernahm sie die Leitung der Bayreuther Festspiele. Neben den Festspielen „leitete“ sie auch den Personenkult um Wagner und hatte grossen Anteil daran, dass die Wagnerianer in den folgenden Jahrzehnten eine geradezu sektenähnliche Gemeinde wurden, nationalistisch, antisemitisch und voller Verehrung für den „Meister“ Wagner, die „Meisterin“ Cosima und den „Meistersohn“ Siegfried.
Was mich an Cosima fasziniert (neben ihrer bewegten Familiengeschichte) ist ihre Widersprüchlichkeit. Wie kam die in Italien geborene und in Paris aufgewachsene Tochter eines Ungarn und einer Französin dazu, so „deutschnational“ zu werden? Warum hielt diese intelligente, musikalische und hochgebildete Frau störrisch an der „männlichen Erbfolge“ in Bayreuth fest und betrachtete sich selbst im Grunde nur als Regentin für ihren unmündigen Sohn? Als Lektüre empfehle ich „Herrin des Hügels“ von Oliver Hilmes.