Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03657.jsonl.gz/1624

Weitere Luftaufnahmen von Landeron

Um die Jahrtausendwende erhielt der Bischof von Basel die Abtei Moutier-Grandval samt zugehörigem Landbesitz geschenkt. Darunter befanden sich verschiedene Güter und Ortschaften am Bielersee, die heute den Bezirk Neuenstadt bilden. Diese Gebietsübertragung machte den geistlichen Herrn zum Nachbarn der Grafen von Neuenburg. Da beide auf Erweiterung ihrer Ländereien bedacht waren, konnten Reibereien und sogar ernstere Fehden nicht ausbleiben. Als die mit dem Stammhaus rivalisierenden Grafen von Aarberg-Valangin 1295 ihren Eigenbesitz Valangin, Bonneville und das Val de Ruz dem Bischof schenkten und ihn von diesen wieder als Lehen empfingen, war die Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung noch grösser geworden.
Im Grenzbereich kam es alsbald zu Kämpfen. Die Neuenburger Grafen befestigten das Städtchen Nugerol, der Bischof von Basel errichtete Neuenstadt. Das alte Nugerol wurde in einem der bald ausbrechenden Kämpfe zerstört. Anstelle und in der Nähe der untergegangenen Siedlung errichteten die Grafen von Neuenburg den Turm von Nugerol, eine Festungsanlage, aus der sich eine neue Stadt entwickeln sollte. Aber auch diese Neugründung hatte keinen Bestand und wurde in einem der Kriege des beginnenden 13. Jahrhunderts vernichtet. Ein Schiedsgericht verbot in der Folge dem Grafen von Neuenburg die Wiedererrichtung einer Stadtanlage an den bisherigen Orten. Aber die Neuenburger konnten und wollten die Ostflanke ihres Herrschaftsgebiets nicht unbefestigt lassen. Von der Abtei St. Johannsen jenseits der Thielle erwarben sie ein Stück Land mit dem ausdrücklichen Recht, darauf eine Stadt und eine Festung anzulegen. Mit dem Bau wurde 1325 begonnen.
Bemerkenswert war vor allem die ausgesuchte Lage der neuen Stadt. Mitten im Sumpfgebiet der Thielle befand sich eine Erhöhung, die ihre Umgebung nur um eine oder zwei Meter überragte, rund 100 Meter breit und 170 Meter lang war. Auf diesem kleinen Buckel wurde die neue Stadt errichtet und erhielt den Namen des Landstücks, auf dem sie steht: Le Landeron.
Durch ein raffiniertes System von Kanälen und Wasserläufen, die sich um das Städtchen herumzogen und über mindestens drei Brücken vor dem Nordtor zu überqueren waren, wurde der Ort zusätzlich geschützt. Der Übergang über die Thielle war so angelegt, dass die Heuschiffe unter der hochbogigen Brücke durchfahren konnten, die Hälfte des Übergangs in Kriegszeiten hochgezogen und die Strasse somit unterbrochen werden konnte.
In einem Abstand von rund 50 Metern war dem Nordtor ein Vorwerk vorgelagert. Der Mauerkranz, der sich bis zu 6 Meter Höhe erhob, war von einigen Türmen bewehrt. Das Städtchen wurde in etwas vereinfachter Form ähnlich angelegt wie die benachbarten Ortschaften Nidau, Aarberg und Neuenstadt.
Für seine eigene Behausung wählte der Stadtgründer innerhalb des ummauerten Bezirks ein Grundstück aus. Das gräfliche schloss entstand unmittelbar neben dem östlichen Stadttor. Mit seiner beträchtlichen Breite von 30 Metern und einem Baukörper, der die benachbarten Häuser um ein Stockwerk überragte, bot es nicht nur einen imponierenden Anblick, es war auch geeignet, in den grossen Räumlichkeiten des Erdgeschosses und im mauerbewehrten Hof der gesamten Stadtbevölkerung, die auf etwa sechzig Herstellen verteilt war, in Zeiten besonderer Gefahr von aussen oder bei allfälligen Brandausbrüchen eine gesicherte Zuflucht zu bieten. Tatsächlich ging bereis in 1349 ein teil des Städtchens in Flammen auf, wobei auch die Handfeste dem Brand zum Opfer fiel.
Mochte das Schloss auch keinen besonders wehrhaften Eindruck gemacht haben, so bildete es doch mit dem anschliessenden Torturm und den Mauern mit verschiedenen Türmen gesamthaft eine Verteidigungsanlage, der nur schwer beizukommen war, vor allem weil das Umgelände der Stadt unter Wasser gesetzt werden konnte.
In Friedenszeiten dienten die untern Räumlichkeiten des Schlosses als Arsenal, Markt- und Richtstätte. Obwohl der Landesherr eher selten in seinem Haus in Le Landeron Wohnung bezog, blieben einige Zimmer für ihn reserviert. Die übrigen Räume dienten dem Schlossherrn zu Wohn- und Verwaltungszwecken. Der Turm, der im Südwesten des Hofes in die innere Umfassungsmauer einbezogen war, wurde als Gefängnis verwendet und bis ins letzte Jahrhundert als Todeszelle für die Verurteilten vor ihrem Ganz zum Schafott. Verschiedene Fenster- und Torausbrüche neuerer Zeit liessen das Schloss den Charakter einer Verteidigungsanlage verlieren.
Als Burgturm konnte der 18 Meter hohe Torturm im Norden gelten, der mit seinen steilen Pyramidendach nochmals 12 Meter in die Höhe reckt. Von den ursprünglichen Stadttürmen ist noch der südliche Torturm mit Maschikuli erhalten. Auch der sogenannte Archivturm mit seiner beachtlichen Mauerstärke, an den 1450 das Rathaus angebaut wurde und der in seinem Erdgeschoss die Kapelle der 10'000 Ritter birgt, stammt aus der Zeit der Stadtgründung.
Als neuenburgischer Besitz erlebte Le Landeron die Geschichte und das Schicksal seiner Herren und deren Nachfolger. Das abwechslungsweise einheimische und fremde Krieger der Ortschaft Gefahr brachten, ist bei einer so exponierten Grenzlage nahe liegend.
Doch blieb Le Landeron durch alle Jahrhunderte von grösseren Erschütterungen verschont. Als die Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen vorüber schien, wurden die Verteidigungswerke allmählich vernachlässigt. Zuerst wurde der freie Raum zwischen der alten Stadtmauer und den Häusern umgebaut, dann die Mauer grösstenteils abgerissen. Die Wassergräben wurden teilweise zugeschüttet und zu Strassen umgebaut. Glücklicherweise ist aber von der alten städtischen Substanz vieles erhalten geblieben.
Bibliographie