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Ellbogen
Distaler Bizepssehnenausriss
Die distale Bizepssehne setzt knapp unterhalb des Köpfchens der Speiche an (Radiusköpfchen), beugt den Ellbogen (Ellbogenflexion) und dreht den Vorderarm nach aussen (Vorderarmsupination). Wird die Sehne nicht operativ refixiert, können diese Bewegungen später deutlich geschwächt und schmerzhaft bleiben. Ich führe die Refixation in der Regel mit 1–2 kleinen Titanankern durch. Bis zur Einheilung der Sehne muss mit 6 Wochen gerechnet werden, bis zur Wiedererlangung einer guten Beweglichkeit mit 3 Monaten.
Ellbogenluxation
Zu einer Ellbogenluxation kommt es in der Regel bei einem heftigen Sturz. Dabei rutscht die Elle über die Oberarmrolle nach hinten. Es kommt immer zur Begleitverletzung der Seitenbänder, oft auch zu einer Fraktur eines stabilisierenden Kronenfortsatzes vorne an der Elle (Processus coronoideus) und nicht selten zu einer Fraktur des Speichenköpfchens (Radiusköpfchenfraktur). Bandverletzungen heilen bis auf wenige Ausnahmen in der Regel spontan aus. Sofern keine knöchernen Begleitverletzungen vorliegen und das Gelenk bei der Funktionsprüfung noch einigermassen stabil ist, kann konservativ vorgegangen werden mit einer 6-wöchigen dynamischen Gipsschiene und begleitenden Physiotherapie. Die Schiene lässt eine freie Beugung zu, limitiert die Streckung in den ersten 2 Wochen bei 90°, für weitere 2 Wochen bei 60° und während den letzten beiden Wochen bei 30°.
Die Frakturen des Processus coronoideus werden in ein Stadium I–III eingeteilt, sofern der Ellbogen sehr instabil ist, wird er operativ verschraubt. Frakturen des Radiusköpfchens mit akzeptabler Abkippung und erhaltener Gelenksfläche heilen ebenfalls im Gips aus, alle anderen Frakturen sollten chirurgisch angegangen werden.
Ellbogenfrakturen
Frakturen des Ellbogens betreffen den unteren Anteil des Oberarmknochens (distaler Humerus), das Speichenköpfchen (Radiusköpfchenfrakturen) und den oberen Anteil der Elle (Olecranonfrakturen).
Je nach Verletzungsmuster heilen Radiusköpfchenfrakturen konservativ im Gips aus oder sollten gerichtet und mit Schrauben, ggf. kleinen Platten versorgt werden.
Die Fraktur des Oberarms am Ellbogen ist eine klassische Fraktur im Kindesalter (suprakondyläre Humerusfraktur) welche, sofern unverschoben, während 4 Wochen im Gips ausbehandelt werden kann. Andernfalls wird sie gerichtet und mit Metalldrähten (Kirschnerdrahtosteosynthese) vorübergehend stabilisiert. Im Erwachsenenalter muss diese Fraktur praktisch immer operativ mit Platten und Schrauben versorgt werden.
Einsteifung des Ellbogens
Praktisch jede Verletzung des Ellbogens führt zu einer passageren, nicht selten auch dauernden Einschränkung der Beweglichkeit (Arthrofibrose). Sofern die Bewegungseinschränkung im Alltag wenig behindernd und subjektiv tolerabel ist, sieht man von weiteren Massnahmen ab. Andernfalls stellt sich zunächst die Frage nach deren Ursache. Knöcherne Hindernisse können arthroskopisch oder offen abgefräst und behoben werden. Nach diesem Eingriff darf eine deutliche Zunahme der Bewegungsamplitude erwartet werden; in der Regel verbleibt ein leichtes und kaum störendes Defizit. Schwieriger ist die Situation bei einer vernarbten und verkürzten Weichteilproblematik. Sowohl arthroskopische als auch offene operative Massnahmen sind verhalten optimisch anzugehen. Sowohl die technischen Probleme als auch die eher ungünstige Prognose sind Empfehlungen zur Überweisung dieser Patienten an ein Referenzzentrum.
Bei entsprechendem Leidensdruck kann die Implantation einer Ellbogenprothese in Betracht gezogen werden. Aufgrund mässig guter funktioneller Resultate, im Vergleich zu anderen Gelenksprothesen früh zu erwartenden Lockerungen und geringen Operationszahlen werden diese Eingriffe ausschliesslich an spezialisierten Zentren durchgeführt.