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Die steigenden Anforderungen des Verkehrs geraten häufig in Konflikt mit der Leistungsfähigkeit historischer Brücken, die oft ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft sind. Im Umgang mit diesem Problem gibt es kein Patentrezept. Die beiden Beispiele aus dem Tessin beschreiten unterschiedliche Wege, zeigen aber auf je eigene Art eine hohe Sensibilität. In Frasco, weit hinten im Verzascatal, entschied man sich für einen Neubau. Die alte Steinbrücke nutzt einen Felsblock, der ziemlich dramatisch im Flussbett liegt, wo die Valetta in die Verzasca mündet, um in zwei Bogen die beiden Ufer miteinander zu verbinden. Die neue Brücke dagegen überspannt mit einem eleganten, schlanken Tragwerk aus vorgespanntem Beton das gesamte Bett und nimmt eine grössere Spannweite in Kauf, um den Fluss der Strasse weniger zu stören. Zwei Haltungen aus zwei Zeiten stehen sich hier in gültigen Lösungen gegenüber – respektvoll, aber in letztlich unversöhnlichem Gegensatz. Die alte Brücke wurde für Fussgänger und Velofahrer in Stand gesetzt, aber es wird sich in Zukunft immer wieder die Frage stellen, ob sie nicht vielleicht doch dem Verfall überlassen werden soll. Ein Mahnmal für die unerbittlich fortschreitende Zeit ist sie auf jeden Fall. Das Beispiel der in ihrer Gestalt ganz ähnlichen Bogenbrücke im Bleniotal ist schon deshalb ganz anders, weil nicht die Hauptstrasse, sondern bloss ein Nebenzweig über sie führt. Auf der linken Talseite liegt das Dorf Motto mit seiner Kirche, auf der rechten eine Wiesenterrasse mit einer romanischen Kapelle, die von der Strasse nach Ludiano in einem weiten Bogen umfasst wird. Durch die Ertüchtigung der Brücke, die in ihrer Substanz auf das späte 19. Jahrhundert zurückgeht, wird dieser bedeutende Ort respektiert und gestärkt. Eine neue Betonplatte dichtet die Fahrbahn ab und eine Betonbrüstung ersetzt das alte Metallgeländer. Dies unterstreicht die Einheit von Strasse und Brücke und verbindet so die Brücke noch intensiver mit dem Territorium. Ein Unterbruch der Brüstungsmauer, der die Schneeräumung erleichtert, schafft einen neuen Zugang zur Uferkante. In einer zweiten Bauetappe soll auf der einen Seite die Einmündung in die Hauptstrasse verbessert, auf der anderen die Panzersperre aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs freigelegt werden. Diese besteht aus mächtigen Granitblöcken und ist ein weiteres Zeugnis für die respektvolle Arbeit an diesem besonderen Ort.