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1. Projekt: YWCA Bangladesch: Gesundheits- und Quartierentwicklung (Horyzon)
Der südasiatische Staat ist bekannt als einer der weltweit grössten Textilproduzenten. Die weltwirtschaftliche Relevanz von Bangladesch in der Textilindustrie darf aber nicht über die Armut, die sozialen Missstände und die Gesundheitsprobleme hinwegtäuschen.
Es fehlt an fliessendem Wasser, Hygienebewusstsein, organisierter medizinischer Versorgung und an einem qualitativen Bildungssystem. Nebst der mangelhaften Gesundheitsversorgung sind das schwach ausgebildete Sozialwesen und die politische Instabilität Auslöser für die Probleme. Ein Drittel der Bevölkerung ist zwischen 15 und 34 Jahren jung. Gemäss Statistiken der Weltbank leben 78% der Bangladeschi unter der Armutsgrenze von 3 CHF pro Tag, davon 44% unter 2 CHF pro Tag. Zwei Drittel aller Kinder sind unter- bzw. fehlernährt. 40% der Menschen steht keine Toilette zur Verfügung. 56% der Geburten finden zu Hause, ohne Hilfe von Geburtshelferinnen statt. (Quelle: World Development Indicators der Weltbank).
Angestrebte Programmziele:
Das Gesundheits- und Quartierentwicklungsprogramm (Health and Community Development Programm HCDP) hat zum Ziel, die Lebensqualität der am meisten benachteiligten jungen Frauen in Bangladesch – ungeachtet ihrer Herkunft, Religion oder Kultur – zu verbessern. Mit der Unterstützung in den Bereichen Gesundheit, non-formelle Bildung und wirtschaftliche Eigenständigkeit fördert das HCDP die nachhaltige Entwicklung der Begünstigten und ihres sozialen und wirtschaftlichen Umfelds.
Weiterführende Informationen: http://www.horyzon.ch/de/was-tut-horyzon/projekte-programme/bangladesch.html
2. Projekt: GÄP (Grabs-Äthiopien-Projekt): Das langjährige Cevi-Projekt.
Wir legen Rechenschaft ab!
Andreas (Dachî) Eggenberger - langjähriger Projektverantwortlicher im Laufkomitee und danach bis 2015 Äthiopien-Delegierter des Grabser 2-Stunden Laufes - berichtet:
Seit 2002 stehen wir vom Grabser 2-Stunden Lauf in engem Kontakt mit dem YWCA in Äthiopien. Anfänglich waren wir massgeblich am Aufbau eines Bibliothek- und Informationszentrums des YWCA beteiligt. Ein einfaches Gebäude samt Stühlen, Tischen und Büchergestellen entstand.
Als im Januar 2004 Melat Tekletsadik als neue Generalsekretärin ihre Aufgabe antrat begann eine langjährige sehr erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Library in Addis Abeba für SchülerInnen und StudentInnen entwickelte sich so gut, dass sie erweitert werden musste. Wir finanzierten sowohl weiteres Mobiliar als auch Bücher, wie auch Englisch-und Mathematik-Kurse, Gesundheitsberatung, HIV/Aids Aufklärungskurse, Informationskurse über sexuell übertragbare Krankheiten, sowie Kurse in Ernährungskunde und Information zu Bürgerrechten.
2006 „liefen wir“ für den Aufbau und Betrieb einer ersten YWCA-Aussen-station in Adama und Melat war Gast am 18.Grabser 2-Stunden Lauf. Bereits im Januar 2007 konnte mit dem Aufbau begonnen werden. Ein Gebäude wurde gemietet, Mobiliar angeschafft und drei Mitarbeiterinnen angestellt. Eine segensreiche Arbeit begann: Bibliotheks-Service, Gesundheitsausbildung, Gründung und Leitung von vielen Mikrokredit- und Selbsthilfegruppen. Die Programme liefen so erfolgreich, dass die Arbeit laufend ausgebaut werden konnte.
Ab 2010 wurden zwei Dreijahresverträge mit dem YWCA Ethiopia unterzeichnet, welche der Organisation jeweils 10'000 CHF pro Jahr zusicherten. Mit diesem Geld konnte der YWCA Ethiopia die laufenden Kosten in Adama decken und bekam durch uns „Grabser“ so die Möglichkeit ohne allzu grossen finanziellen Druck sein Angebot zu verbessern und laufend auszubauen.
Leider verliess im Februar 2011 Melat den YWCA um endlich ihre längst geplante berufliche Weiterbildung anzugehen. Eine enge Mitarbeiterin von Melat führte dann für rund 6 Monate die Stelle, ehe der Vorstand des YWCA Ethiopia Frau Saba als neue Generalsekretärin wählte.
Im Anschluss der Gruppenreise 2013 durch Äthiopien – Rolf Heim war mit dabei und wir besuchten auch das gut laufende Projekt in Adama – traf ich wie jeweils üblich auch die Generalsekretärin. Vom vormals vertrauensvollen Verhältnis war wenig mehr zu spüren. Meine Bedenken unterbreitete ich der damaligen Präsidentin des YWCA in einem längeren Gespräch, an dem auch Melat mit dabei war. Sofort nach meiner Rückkehr informierte ich das Komitee des Grabser 2-Stunden Lauf.
Im November 2015 war ich erneut in Äthiopien. Melat erhielt während dieser Zeit einen Anruf von einer langjährigen Mitarbeiterin mit der Bitte um ein Gespräch über die immer schwieriger werdende Situation im YWCA. Daraufhin trafen sich Melat und ich mit dieser und einer weitern YWCA Mitarbeiterin zu einem langen Gespräch. Die beiden waren überzeugt, dass Frau Saba Geld unterschlägt und beklagten sich über das schon lang andauernde, miserable Betriebsklima und die unzumutbaren Zustände.
Im März 2016 wurde Ms. Saba wegen ungetreuer Geschäftsführung entlassen. Es muss leider davon ausgegangen werden, dass von unseren Spendengeldern von insgesamt 150’600 CHF rund 20’000 CHF unterschlagen worden sind. Frau Saba ist angeklagt, das Verfahren läuft! Dieses Worst-Case versetzte den YWCA Ethiopia in eine schlimme Krise. Bis im März 2017 versah ein „Übergangsvorstand“ die Geschäfte.
Was nun? Aussteigen? Partnerschaft beenden?
Melat Tekletsadik (Bild unten) – als unsere Garantin und Beraterin – beteiligt sich sehr aktiv an den „Rettungsarbeiten“ und so hat das Komitee des Grabser 2-Stunden Lauf nach eingehenden Beratungen entschieden: Wir wollen den YWCA Ethiopia auch weiterhin unterstützen, denn gerade in solchen Situationen braucht es verlässliche Freunde. Ein Teil des Erlöses aus dem 29.Grabser 2-Stunden Lauf soll deshalb wieder für GÄP, „unser“ langjähriges Grabs-Äthiopien-Projekt verwendet werden. Den Entscheid erleichtert hat, dass Melat Tekletsadik auch künftig - als unsere Vertrauensperson - das Projekt vor Ort eng begleiten wird.
Soweit der Bericht von Andreas (Dachî) Eggenberger.
Glücklicherweise wurden verschiedene Spenden im Gesamtbetrag von 10'000 Fr. - welche über Jahre für das Adama-Projekt zusammengekommen sind – zurückbehalten! Sie können nun für den „Neuanfang“ im Laufe des Jahres 2017 gemäss vorgelegten Budgets tranchenweise freigegeben werden. Bereits ab November 2016 bis Ende Juli 2017 wurden rund 6'500 Fr. in drei Raten als „Nothilfe“ von einer Privatperson überwiesen. Ausserdem hat die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St.Gallen Ende Juni 2017 - erfreulicherweise und im Wissen um die Situation des YWCA Ethiopia - einen Beitrag von 5000 Fr. gesprochen.
Der neue - im März 2017 von den Mitgliedern des YWCA Ethiopia gewählte handlungsfähige Vorstand (Bild unten) macht einen sehr guten Eindruck. Trotzdem haben wir uns entschieden, künftig das Projekt noch enger zu begleiten und häufigere Berichte einzufordern, um eine Wiederholung des Geschehenen zu verhindern, wohlwissend, dass dies auch von unserer Seite vermehrt Einsatz und Sorgfalt erfordert. Künftig wird dann und wann ein Projektbesuch mehr erforderlich sein. Wir haben in unserem Kreis glücklicherweise zwei, drei Leute, welche auf eigene Kosten dazu bereit sind. Eine wichtige Aufgabe des neuen Vorstandes wird sein, den noch bestehenden und äusserst notwendigen Selbsthilfegruppen in Adama wieder die nötige Unterstützung zukommen zu lassen. Ein weiteres Ziel wird der Wiederaufbau des vielfältigen Kurswesens sein. Kurse für Nähen, Informatik, Kochen, Coiffure, aber auch Sanitär- und Elektroinstallationskurse erleichtern jungen Frauen den in solchen Ländern schwierigen Start ins Erwerbsleben und ermöglichen alleinerziehenden Müttern ein möglichst selbständiges Leben zu führen.
Grabs, August 2017 Komitee Grabser 2-Stunden Lauf