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(Linnaeus, 1758)
- DE: Rote Keulenschrecke
- EN: Rufous Grasshopper | White-clubbed Grasshopper
- FR: Le Gomphocère roux
- Syn.: Acridium clavicorne De Geer, 1773
Morphologie
Gomphocerippus rufus ist in der Grundfärbung relativ konstant. Meistens herrschen Braun- oder Grautöne vor, seltener überwiegen rötliche Farben. Die Seiten von Kopf, Halsschild und Brust sind oft von kleinen, dunklen Punkten und Flecken überzogen, können aber auch einfarbig sein. Vor allem bei den Weibchen verläuft oft ein heller Längsstreifen über die Rückenseite vom Stirngipfel bis auf die Flügel. Bei beiden Geschlechtern sind die schwarzen Fühlerspitzen deutlich keulenförmig erweitert und enden in einem weissen Zipfel. Bei den Weibchen ist das keulenförmige Ende allerdings etwas weniger ausgeprägt als bei den Männchen. Die Kiefer- und Lippentaster sind bei beiden Geschlechtern hell bis weiss. Die oft durch eine helle Linie markierten Halsschild-Seitenkiele sind im ersten Drittel relativ stark nach innen gebogen und dunkel gesäumt. Die Flügel der Weibchen reichen bis zu den Knien, bei den Männchen ragen sie leicht darüber hinaus. Wie bei den Chorthippus-Arten, ist auch bei Gomphocerippus rufus das Präcostalfeld leicht erweitert. Das Hinterleibsende und die Hinterschienen sind vor allem beim Männchen leuchtend orange gefärbt.
Gesang
Der unauffällige, leise bis mässig laute Spontangesang von Gomphocerippus rufus besteht aus einzelnen Strophen von 3-10 s Dauer, die meist in grossen und unregelmässigen Abständen vorgetragen werden. Er beginnt leise und erreicht die maximale Lautstärke in der Mitte der Strophe. Vielfach singen die Männchen unmittelbar nach einem Sprung und schweigen dann längere Zeit. Auf der Suche nach Weibchen legen sie lange Strecken in der Vegetation zurück und äussern ständig kurze, kratzende Gehlaute, die an den Spontangesang von Chorthippus brunneus erinnern. Der Werbegesang ist aus verschiedenen Gesangselementen zusammengesetzt und wird von einer auffälligen Balz begleitet (siehe Lebensweise).
Spontangesang von Gomphocerippus rufus - CH, SG, Nesslau-Krummenau, 24 °C, sonnig (Aufnahme Bruno Keist).
Spontangesang von Gomphocerippus rufus - DE, Bayern, Gungolding, 25 °C, sonnig.
Gehlaute von Gomphocerippus rufus - CH, GR, Castaneda, 23 °C, sonnig (Aufnahme Bruno Keist).
Rivalengesang von Gomphocerippus rufus - CH, SG, Uznach, 20 °C (Aufnahme Bruno Keist).
Werbegesang von Gomphocerippus rufus - CH, SG, Nesslau-Krummenau, 22 °C, bewölkt (Aufnahme Bruno Keist).
Werbegesang von Gomphocerippus rufus, aufgenommen mit dem US-Detektor - CH, BE, Wasen, 15 °C, sonnig.
Verbreitung
Gomphocerippus rufus ist von der Atlantikküste Frankreichs über Mitteleuropa bis weit nach Asien verbreitet. Auf dem Balkan und im italienischen Apennin ist die Art nur lokal anzutreffen. In den Alpen ist sie weit verbreitet und vereinzelt bis in Höhen von über 2000 m auffindbar. In der Schweiz ist sie in tiefen Lagen in allen Landesteilen weit verbreitet und häufig. In Deutschland nimmt die Häufigkeit gegen Norden ab, wobei die nördlichsten Fundorte ungefähr auf der Höhe von Berlin zu finden sind. In den Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern ist die Art häufig. In Österreich ist sie weit verbreitet.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Gomphocerippus rufus trifft man von Juni bis November an.
Wenn von anderen Arten nur noch ausgewachsene Tiere anzutreffen sind, kann man von Gomphocerippus rufus immer noch Larven finden. Die Eier werden in den Boden abgelegt, wobei eher trockene Böden bevorzugt werden. Beide Geschlechter durchlaufen 4 Larvenstadien.
Das Werbeverhalten von Gomphocerippus rufus gehört zu den spektakulärsten Verhaltensweisen unter den mitteleuropäischen Heuschrecken. Während sich das Männchen in eine optimale Position bringt, erzeugt es kurze Silben. Meist sitzt das balzende Männchen nun frontal zum Weibchen und äussert eine Strophe, die dem Spontangesang ähnlich ist und von schaukelnden Auf- und Abwärtsbewegungen der Fühler begleitet wird. Nun bewegt das Männchen den Kopf und die Kiefertaster etwa 10 Mal mit zunehmender Geschwindigkeit hin und her und hebt dabei den Kopf bei jeder dieser Bewegungen kontinuierlich an. Diese Phase wird von leisen, kratzenden Lauten begleitet. Dann senken sich die Fühler nach unten und werden anschliessend 1-3 Mal kräftig nach hinten geschlagen. Gleichzeitig werden die Schenkel ruckartig mit lautem Ton nach oben geschleudert. Während dieser Phase werden alle vier Taster seitlich weit abgespreizt und in Vibration versetzt. Zum Schluss schleudert das Männchen die Hinterschienen nach hinten. Eine solche Sequenz dauert etwa 10 s und wird beliebig oft wiederholt.
Lebensraum
Gomphocerippus rufus ist wärmeliebend und lebt in trockenen bis mässig feuchten Lebensräumen. Gerne werden strukturreiches, verbuschtes Wiesland, Waldränder mit Brombeeren, Waldlichtungen und Saumgesellschaften besiedelt. Die Art trifft man oft entlang von Forstwegen, an Strassenböschungen und in langgrasigen Wiesen und Weiden. In den Alpen werden Zwergstrauchheiden besiedelt, zuweilen gemeinsam mit Gomphocerus sibiricus. Höhere Fettwiesen mit viel Löwenzahn werden ebenso besiedelt. Einzig einheitlich kurzgrasige Wiesen werden zumindest in der Schweiz gemieden. Wichtig scheint eine strukturreiche Vegetation mit Übergängen zu Gebüschen zu sein.
Gefährdung & Schutz
Gomphocerippus rufus ist nicht gefährdet. Die Art hat sich gut an die moderne Land- und Forstwirtschaft angepasst, ist in Mitteleuropa weit verbreitet und häufig.
- CH: LC (Nicht gefährdet)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Durch die keulenförmigen Fühlerenden, deren Spitzen weiss gefärbt sind, unterscheiden sich beide Geschlechter von Gomphocerippus rufus von den anderen Keulenschrecken. Am häufigsten wird Gomphocerippus rufus mit Chorthippus biguttulus verwechselt. Die Fühlerenden sind bei Chorthippus biguttulus jedoch nicht erweitert. Der Spontangesang von Chorthippus biguttulus erinnert stark an Gomphocerippus rufus. Bei Chorthippus biguttulus folgen im Unterschied zu Gomphocerippus rufus nach einer ersten längeren Strophe mehrere kürzere Strophen nach kurzen Unterbrüchen. Weiter erinnert der Spontangesang von Gomphocerippus rufus an denjenigen von Chorthippus apricarius. Bei Chorthippus apricarius hört man jedoch die einzelnen Verse besser heraus, was dem Gesang den typischen Charakter verleiht.