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Für die Schweiz macht es einen deutlichen Unterschied, ob die Welt um 3 oder nur 2 Grad wärmer wird. Das im Pariser Klimaabkommen gesetzte Ziel, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen, würde die Folgen des Klimawandels in der Schweiz deutlich mildern, berichten die Akademien der Wissenschaften.
Am Donnerstag legt der Bundesrat dem Nationalrat den Pariser Klimavertrag zur Ratifizierung vor. Mit dem Abkommen setzen sich die Staaten das Ziel, die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.
Da die Schweiz besonders empfindlich auf den Klimawandel reagiere, würde sie deutlich vom globalen Klimaschutz profitieren, teilten die Akademien der Wissenschaften Schweiz am Mittwoch vor der Debatte in einem Communiqué mit.
In einer Gegenüberstellung wird deutlich, wie gross der Unterschied zwischen einer globalen Erwärmung um nur 2 Grad versus 3 Grad für die Schweiz ausfiele. Hierzulande stiegen die Durchschnittstemperaturen in den letzten 150 Jahren bereits etwa doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt, nämlich um 1,8 Grad Celsius, wie das Forum Pro-Clim der Akademien kürzlich im Bericht «Brennpunkt Klima Schweiz» darlegte.
Eine um 2 Grad wärmere Welt («2-Grad-Welt») würde für die Schweiz ein Plus von 3 bis 3,5 Grad bedeuten, bei einer globalen Erwärmung um 3 Grad («3-Grad-Welt») stiegen die Temperaturen in der Schweiz bis Ende des Jahrhunderts sogar um 4 bis 5 Grad.
Eine der Folgen: Die Anzahl Tropennächte und Hitzetage nähme in der Schweiz deutlich stärker zu, wenn das 2-Grad-Ziel verfehlt würde. Erlebt das Schweizer Mittelland derzeit rund ein bis zwei Tropennächte im Jahr, wären es in der 2-Grad-Welt etwa fünf, in der 3-Grad-Welt gar 15 bis 20.
Ebenso drastisch steigt die Anzahl Hitzetage von heute etwa 10 bis 15 auf rund 30 bis 40 in der 3-Grad-Welt. In der 2-Grad-Welt läge ihre Zahl bei 15 bis 20 deutlich tiefer, bei gleichzeitig tieferen Maximaltemperaturen als beim 3-Grad-Szenario. Da Hitze eine körperliche Belastung darstellt, hätte eine stärkere Zunahme der Hitzetage schwerwiegende Folgen für die Gesundheit insbesondere für ältere und geschwächte Personen.
Auch der Wintersport in der Schweiz bekäme deutlich zu spüren, wenn sich die Welt um 3 statt um nur 2 Grad erwärmt: Die Schneefallgrenze würde dann bis 2085 um 500 Höhenmeter statt nur 250 steigen und die Wintersportsaison deutlich kürzer ausfallen.
Um das 2-Grad-Ziel zu erreichen müssen die globalen Treibhausgasemissionen in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts auf Null zurückgehen. Der Bundesrat hat daher das Ziel formuliert, die Emissionen der Schweiz bis 2030 zunächst auf die Hälfte im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren.
Gerade weil die Schweiz die Folgen des Klimawandels überdurchschnittlich stark zu spüren bekommt, sollte sie sich im internationalen Klimaschutz besonders engagieren und mit ihrem guten Ruf und ihrer Innovationskraft mit gutem Beispiel vorangehen, schrieben die Akademien. Die Schweiz könne zeigen, dass sich Wohlstand und Klimaschutz miteinander vereinbaren lassen. (sda)