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Es ist fast wie der Stein, der irgendwo unter der verschwommenen Reflektion eines Selbst in einem trüben und von wechselhaften Winden in Bewegung versetzten See liegt.
Manche Worte haben mir viel gegeben, als ich sie gefunden habe. Verständnis, Erkenntnisse und vor allem auch zusätzliche Blickwinkel, die über mich hinausgingen. Es ist fast wie der Stein, der irgendwo unter der verschwommenen Reflektion eines Selbst in einem trüben und von wechselhaften Winden in Bewegung versetzten See liegt.
Ich könnte genauer werden und die Metapher greifbarer machen. Ich könnte sagen, dass es sich um die Oberfläche des Sees handelt, in welchen ich an Sommertagen nur mit Ungewissheit und Angst vom Fischerboot meines Vaters sprang, da ich in dessen Mitte eine Kirchenspitze erwartete, auf die ich plötzlich prallen könnte. Und in meiner Vorstellung war das Dorf da, weit ausgebreitet und noch intakt, auf dem Grunde liegend. Es umfasste nebst der Kirche eine Bäckerei, mindestens zwei Restaurants, in welchen ich hätte Pommes essen können und zwei Coiffure-Salons, die ich aus fehlendem Interesse nicht besucht hätte und einen zentral gelegenen Brunnen, der immer übervoll stand. Der Brunnen faszinierte mich in der Art und Weise, wie er von Algen umwachsen und Wasser umgeben war und einigen bunten Fischen Schutz vor den zu tief liegenden, sich langsam fortbewegenden Ködern bot. Ich hatte Regenbogenfische vor Augen, welche glitzernde Schuppen trugen und sich trauten den tiefsten Punkt des Sees darin zu erkunden und sich von den Regenbogenforellen unterschieden, die an Land gezogen wurden.
In der Reflektion, die im Wasser auszumachen ist, sind Sonnenstrahlen zu sehen und Berge mit breiten Waldrändern, mehrere, ganze Ketten. Zu einigen Gipfeln bin ich schon gewandert und hatte meine Kinderzeichnungen neben anderen Kinderzeichnungen und Grüssen in Gipfelbüchern hinterlassen. Von anderen hatte ich gehört. Jetzt weiss ich, dass mir die Aus- und Übersichten auf Bergspitzen nicht so viel geben, wie die moosigen Düfte der Pilze, der hochgewachsenen Bäume und dem mehrstimmigen Vogelgezwitscher auf dem Weg. Deren Klänge weiss meine Mutter noch immer besser den jeweiligen Vögeln zuzuordnen, während ich noch immer lieber über die Bedeutung ihrer Kommunikationsinhalte spekuliere und versuche mir weniger vermenschlichende Situationen auszudenken, aber wahrscheinlich daran scheitere.
Plötzlich sehe ich mich doch nicht mehr selbst in der Spiegelung, weil ein Junge mit gepunkteten Badehosen rechts an mir vorbeirennt, scheinbar ohne sich sichtbar vom Wasser hindern zu lassen. Etwa zeitgleich fliegt eine Stockente vom Geschehen weg.
Ich warte, bis sich das Wasser wieder von der Erschütterung erholt hat, um sicher zu sein, dass ich den Stein wirklich nicht sehen und orten kann. Er hatte einen kleinen Schnitt zwischen dem kleinen und dem etwas grösseren Zehen an meinem linken Fuss verursacht. Die Schnittstelle schmerzt nicht besonders im Moment, trotzdem will ich wissen, was es war. Langsam tauche ich unter die Wasseroberfläche und taste mich mit meinen Fingerkuppen am Boden entlang. Ich registriere viele abgerundete Steine, schleimige Rundungen und nach mehrmaligem Auftauchen und Luft holen etwas Kleines mit einer scharfen Kante. Als ich das Stück an die Luft hole, bin ich enttäuscht darüber, dass es wohl ein abgebrochenes Stück eines gelben Pinkel-Gefässes ist, mit welchem ich nun auch eine Fingerkuppe aufpiekse. Ich lasse los und ein Tropfen fällt mit runter und es ist etwas schwierig zu sagen, ab welchem Zeitpunkt der Tropfen nicht mehr ein Teil von mir ist und zu dem grossen Gefäss gehört, das Quellwasser, Regenwasser, Lebewesen und deren diverse Ausscheidungen fasst.
Autor
SchwyzKulturPlus
Kategorie
- Literatur
Publiziert am
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