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Angesichts des immensen Leids und der materiellen Zerstörung der beiden Weltkriege war das Bedürfnis Ende der Vierzigerjahre gross, den Frieden dauerhaft zu sichern.
Mit dieser Absicht machte der französische Aussenminister Robert Schuman Deutschland den Vorschlag, die kriegswichtigen Kohle- und Stahlindustrien in einem gemeinsamen Markt unter eine übergeordnete Behörde zu stellen. Zusammen mit Belgien, Italien, Luxemburg und den Niederlanden gründeten sie 1951 die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Dadurch sollte, wie in der Schuman-Erklärung vom 9. Mai 1950 festgehalten, «ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich» werden. Im Gegenzug erlaubte dieser Schritt Deutschland, als gleichberechtigter Partner auf die europäische Bühne zurückzukehren. Neben der EGKS wurden 1957 in den Römer Verträgen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) gegründet. Mit dem Fusionsvertrag von 1965 wurden die EGKS, die EWG und Euratom gemeinsamen Institutionen (Kommission, Ministerrat, Europäisches Parlament, Europäischer Gerichtshof) unterstellt und bildeten zusammen die Europäischen Gemeinschaften.
Ziel der EG war es, einen Binnenmarkt mit freiem Waren-, Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr zu schaffen. Gleichzeitig weitete sich die EG territorial aus. 1973 traten Grossbritannien, Irland und Dänemark bei, 1981 Griechenland und 1986 Spanien und Portugal. Mitte der Achtzigerjahre gewann die Integration vermehrt an Dynamik. Die Einheitliche Europäische Akte (EEA) von 1986 unterstellte den ganzen Bereich des Binnenmarkts der Mehrheitsentscheidung und schaffte dadurch die Voraussetzung für dessen effiziente Vollendung.
1989 kam es unerwartet zu einer grundlegenden Wende auf dem Kontinent: Ungarn öffnete seine Grenzen gegen Westen und im geteilten Berlin fiel die Mauer. 1991 schliesslich löste sich die Sowjetunion auf. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung Deutschlands wurde 1992 mit dem Maastrichter Vertrag die Europäische Union geschaffen: Neben den Europäischen Gemeinschaften, dem sogenannten ersten Pfeiler, wurden ein zweiter Pfeiler der gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik (GASP) und ein dritter Pfeiler über eine verstärkte Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Inneres hinzugefügt. Im ersten Pfeiler wurden die Entscheide der EG hauptsächlich nach dem Prinzip des qualifizierten Mehrs getroffen. Beim zweiten und dritten Pfeiler hingegen handelte es sich um eine zwischenstaatliche Zusammenarbeit, wobei Entscheide einstimmig gefasst wurden.