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Die Hochschule für Wirtschaft FHNW pflegt heute intensive Partnerschaften mit China. Was legte den Grundstein zur Zusammenarbeit mit China? Eine Spurensuche.
Die Hochschule für Wirtschaft FHNW pflegt heute intensive Partnerschaften mit China. Die grösste und am längsten bestehende dieser Partnerschaften ist jene mit der Provinz Gansu. Heute unterhält die Fachhochschule Beziehungen zu verschiedenen Provinzen und unterhält Kooperationen mit 8 verschiedenen Partnerhochschulen.
Wie kam es überhaupt dazu, dass die Hochschule für Wirtschaft nun über ein so starkes Netzwerk in China verfügt? Wir konnten ein Gespräch führen mit Prof. Dr. Peter Abplanalp, ehemaliger Direktor der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz (vor der Fusion). Er war derjenige, der damit begann, Kontakte mit China aufzubauen. Diese Kontakte führten schliesslich zur heutigen intensiven Vernetzung mit China.
Vom ersten Kontakt zur Partnerschaft
“Ende der 1980er Jahre begann sich China sehr zu öffnen. Davor war das Land über Jahrzehnte isoliert.” Das führte dazu, dass China sich bei der Umgestaltung Ihrer Wirtschaftspolitik, von der Plan- zur Markwirtschaft, um internationale Unterstützung bemühte.
1994 initiierte eine Firma aus Genf ein Projekt mit dem Ziel Chinesen auszubilden, die wiederum fähig sind, in China Ihre Landsleute auszubilden. Das ist ein sogenanntes “Train the Trainer”-Programm. Abplanalp kannte einen der Hauptbeteiligten des Projekts, so kam er zufälligerweise das erste Mal mit China in Kontakt.
Die Ausbildung der “Trainer” erfolgte in Peking. Die Kurse fanden mit Hilfe von Übersetzern auf Chinesisch statt. “Damals, 1994, sprachen nur wenige Chinesinnen und Chinesen Englisch.” Studierende aus beinahe allen Provinzen Chinas besuchten die Kurse. Dabei muss man bedenken, dass der Begriff Provinz in China eine andere Dimension darstellt, als wir hier in der Schweiz annehmen würden. “Diese Provinzen sind meist um ein vielfaches grösser als die ganze Schweiz.” Die Partnerschaften geht man immer mit einer Provinz ein und nicht mit dem Land China.
Ein Kursteilnehmer aus der Provinz Gansu, die etwa 25 Mio. Einwohner hat und flächenmässig etwa zehn Mal so gross ist wie die Schweiz (ca. 465’000 km2), fragte einige Zeit nach dem Kurs Abplanalp, ob er mit einer Delegation mit dem Vize-Gouverneur der Provinz in die Schweiz kommen kann. Es kam zum Besuch und es folgten weitere.
Bald darauf bekam Abplanalp eine Einladung, nach China zu kommen. Diese nahm er freudig an. “Chinas Gastfreundschaft war überwältigend.” Die Gäste aus der Schweiz erhielten nach chinesischer Sitte viele Geschenke und bekamen hervorragende Speisen serviert. Auf diese Art baute Abplanalp eher zufällig als geplant Beziehungen in China auf.
Ein gutes Beispiel der grosszügigen Gastfreundschaft Chinas (Foto: Dr. Karl Brander).
Die Partnerschaften heute
Heute geht die Hochschule für Wirtschaft gezielt solche Partnerschaften ein. “Es ist im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte schnell klar geworden, dass China ein Land im rapiden Aufbruch ist. China ist heute unbestritten eine Weltmacht. Länder wie die Schweiz sind immer sehr interessiert an Partnerschaften mit anderen Ländern, da dies ermöglicht, das Weltgeschehen über solche Partnerschaften in einem gewissen Umfang mitzugestalten.” Im Vergleich zu früher ist die Welt heute allgemein auch offener und internationaler. Internationale Kooperationen sind auf dem Vormarsch. Die Hochschule für Wirtschaft will dabei eine aktive Rolle einnehmen.
Der Nachfolger von Abplanalp und heutige Direktor der Hochschule für Wirtschaft, Prof. Dr. Ruedi Nützi, formte aus diesen eher unstrukturierten Partnerschaften ein klares Konzept. Anhand dieses Konzepts werden die Partnerschaften heute systematisch gepflegt und ausgebaut in weitere Provinzen Chinas.
P. Abplanalp (untere Reihe, zweiter von rechts) zusammen mit einer Schweizer Delegation an einer Expo in China im Jahr 2016 (Foto: Fan Neifer).
Was bringt eine solche Partnerschaft der Hochschule für Wirtschaft FHNW?
Ein wichtiges Programm, das aus den Partnerschaften mit China hervorgegangen ist, heisst Insight China. Es existiert schon seit mehr als 10 Jahren. Als es die ersten Besuche an der Hochschule für Wirtschaft gab von Chinesischen Delegationen, wurden einige Studierende darauf aufmerksam und reagierten interessiert. Sie fragten deshalb P. Abplanalp an, ob man mal nach China reisen könnte. Daraufhin wurde Insight China gegründet. Jedes Jahr reist eine Gruppe von Studierenden und Dozierenden für 2-3 Wochen nach China und besucht dabei auch regelmässig unsere Partnerprovinz Gansu. “Die Hochschule für Wirtschaft hat davon vor allem auch imagemässig stark profitiert, da sie als erste Hochschule der Schweiz mit China vertiefte Kontakte hatte.”
Die Partnerschaften haben dazu beigetragen, dass die Hochschule für Wirtschaft FHNW schon früher als andere Hochschulen in der Schweiz eine Internationalisierungsstrategie verfolgt. “Unsere war die erste Hochschule, an der man einen englischen Studiengang absolvieren konnte.”
Chinas Entwickung und die Partnerschaften
Seit dem ersten Kontakt mit China, 1994, bis heute zum Jahr 2018, hat sich China immens entwickelt. “Während dieser Zeit kamen auch immer mehr Chinesen und Chinesinnen nach Europa. Vorher sah man fast keine in europäischen Ländern. Diese Veränderung war direkt sichtbar.”
Die starke Entwicklung konnte auch vermehrt in den Partnerschaften wahrgenommen werden. Heute gibt es immer mehr Chinesinnen und Chinesen, die Englisch sprechen. “Man spürte einfach eine gewaltige Entwicklung in jeglicher Hinsicht.”
Im ersten Unterrichtsjahr 1994, war Abplanalp fast überfordert von der aktiven Teilnahme der Studierenden, die nach seinen Vorlesungen teilweise noch für Stunden weitere Fragen stellten. “China wurde sich mit den Jahren immer mehr ihrer Entwicklung und Bedeutung bewusst, deshalb war der eifrige Lernwille nach einigen Jahren nicht mehr ganz so stark vorhanden.”
Blick in die Zukunft
Wie es in Zukunft weiter geht mit China, ist nicht leicht zu beantworten. “Es ist immer schwierig eine Prognose zu machen.” P. Abplanalp ist jedoch überzeugt, dass China auf gutem Weg ist. “Die Chinesen werden weiterhin strikt ihren Erfolgsplan weiterverfolgen.”