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Heiligsprechung am 21. Okt. 2012 durch Papst Benedikt XVI.
Aufgeopferte Leiden sind sehr wertvoll!
Deutsche
Übersetzung der Heiligsprechungsbulle
Papst BENEDIKT XVI.
Diener der Diener Gottes zum ewigen Angedenken.
"Geliebte ... wenn ihr Anteil an den Leiden
Christi habt, freut euch; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung
seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln" (1 Petr 4,12-13). Wie es
der Apostel Petrus in diesen Worten rät, genauso hat die selige Anna
Schäffer die Kraft des Kreuzes des Herrn erfahren, aus dessen Kraft
sie mit großem Glauben und großer Liebe lebte. Ja sie, die
von beinahe unsagbaren Schmerzen betroffen war, zeigte sogar, wie man,
auch wenn man unter körperlichen Qualen leidet, den Frieden Christi
genießen kann. Die selige [Anna] Schäffer wurde am 18. Februar
1882 in einem Ort namens Mindelstetten bei Regensburg in Deutschland geboren.
Von Kindheit an erwies sie sich als aufmerksam für die geistlichen
Tugenden und das Gebet sowie als sorgsam bei häuslichen Aufgaben und
beim Lernen. Sie empfing am 12. April 1893 die erste Hl. Kommunion und
versprach an diesem Tag, dass sie ein Sühnopfer sein werde. Als ihr
Vater, ein einfacher Schreiner, früh verstarb, fiel die Familie in
eine so schwere Notlage, dass die erst 13-Jährige gezwungen war, den
Dienst in einem Haushalt anzunehmen, um den Ihren die nötigen Mittel
zu verschaffen und um sich auf ein Leben in der Mission und im Orden vorzubereiten,
wie sie sich selbst dies am Tag, an dem sie den Herrn erstmals in der heiligsten
Eucharistie empfing, vorgenommen hatte. Am 4. Februar 1901 aber fiel sie,
während sie in einem Waschraum eines Forsthauses im Ort „Stammham"
arbeitete, in einen Waschtrog mit heißem Wasser, der mit Lauge zum
Wäschewaschen gefüllt war. Ihre unteren Glieder erlitten zuerst
schlimmste Verbrennungen und in der Folge Wundbrand, so dass Anna furchtbarste
Schmerzattacken zu erleiden begann. Weder die angewendeten Heilmethoden
noch verschiedene chirurgische Eingriffe halfen ihr. Zwanzig Jahre hindurch
ertrug sie nicht nur schwere Schmerzen, sondern auch Wadenkrämpfe
und tobende Muskelverkrampfungen. In der Zwischenzeit geriet die Familie
in solche Not, dass sie Haus und Zimmermannswerkstatt verkaufen musste.
Der Seligen wie ihrer Mutter blieb nichts außer einem winzigen Schlafraum.
Für ihren täglichen Lebensunterhalt sorgte teilweise der Pfarrer
von Mindelstetten. Über zwanzig Jahre ähnelte ihr Bett einem
Altar, auf dem sie sich dem Herrn als Liebesgabe anbot, sowie einem Ambo,
von dem aus sie mit der größten Einfachheit einer franziskanischen
Tertiarin vielen Menschen das Evangelium verkündigte, die wegen des
Rufes der Heiligkeit zu ihr kamen. Auf ihrem Leidenslager brachte sie das
Opfer beständigen Gebetes und, soweit sie konnte, bescheidenen Arbeitens
dar. Die schmerzensreiche Jungfrau Maria erschien ihr im Jahre 1905 im
Traum und sagte ihr, dass sie lange werde leiden müssen; doch sie
fürchtete sich keineswegs davor, sondern erbat sich von Jesus Stärke,
damit sie fortfahren könne zu büßen und die Sünden
der Menschen wiedergutzumachen. Im Glauben verband sie sich in einem immerwährenden
Opfer Jesus, dem Opferlamm und Priester, und machte ihre Krankheit gleichsam
zum Lehrstuhl, von dem aus sie mündlich und schriftlich den Schatz
der Machttaten des Herrn verbreiten konnte. Und so wurde sie für alle
ein starkes und leuchtendes Beispiel des Glaubens, der Hoffnung und der
Liebe zu Gott und zum Nächsten. Nachdem sie sich 1910 dem III. Orden
des hl. Franziskus anschloss, wurde sie durch die Gnade des Herrn schnell
zur Spitze höchster christlicher Vollkommenheit geführt und erlitt,
auch mit mystischen Erfahrungen begabt, andere Leiden und wurde noch im
selben Jahr mit den Wundmalen ausgezeichnet. Doch im Jahr 1925 fiel sie
aus dem Bett und erlitt einen so schweren Gehirnschlag, dass ihr Sehsinn
und die Sprechfähigkeit sehr geschwächt wurden. Darum verband
sie sich noch mehr mit dem Geheimnis des Kreuzes. Am 5. Oktober 1925 entschlief
sie im 43. Lebensjahr im Herrn. Der Ruf der Heiligkeit, der sie im Leben
umgeben hatte, zeigte sich auch bei ihrem Begräbnis, das zu einem
wahren Triumphzug wurde hinsichtlich der Vielzahl der Teilnehmer und wegen
des festlichen, frohen Charakters, der sich dort offen zeigte. Am 7. März
1999 stand Unser Vorgänger, der selige Johannes Paul II., jüngsten
Angedenkens, dem Ritus der Seligsprechung vor. Im Hinblick auf die Heiligsprechung
wurde eine mutmaßliche Heilung präsentiert, die der Fürsprache
der Seligen Anna Schäffer zugesprochen wurde. Am 22. Februar 2011
fand die Sitzung des Ärztekollegiums der Kongregation für die
Selig- und Heiligsprechungen statt, das den Beschluss fasste, dass die
Heilung aus Sicht der Wissenschaft unerklärlich war; der Besondere
Kongress der theologischen Berater fand mit befürwortendem Ausgang
am 2. Juli 2011 statt. Die am 5. November 2011 in Ordentlicher Sitzung
versammelten Väter Kardinäle und Bischöfe gaben nach Vorstellung
der Zweifelsfrage, ob ein von Gott her erlangtes Wunder feststehe, eine
bestätigende Antwort, so dass Wir beschlossen, dass der Ritus der
Heiligsprechung am 21. Oktober 2012 auf dem Platz vor der Päpstlichen
Basilika Sankt Peter gefeiert werden sollte. Heute nun haben wir diese
Formel während der Eucharistiefeier vorgetragen: Zur Ehre der Heiligen
und Ungeteilten Dreifaltigkeit, zur Erhöhung des katholischen Glaubens
und zur Förderung des christlichen Lebens, mit der Autorität
unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und
Unserer eigenen, entscheiden und definieren Wir nach reiflicher Abwägung
und oftmaliger Anrufung der göttlichen Hilfe, und auf den Rat der
Mehrzahl Unserer Brüder, dass die Seligen Jacques Berthieu, Pedro
Calungsod, Giovanni Battista Piamarta, Maria del Carmelo Salles y Barangueras,
Marianne Cope, Kateri Tekakwitha und Anna Schäffer Heilige sind, und
Wir schreiben sie ein in das Verzeichnis der Heiligen, indem Wir festsetzen,
dass sie in der ganzen Kirche unter den Heiligen mit frommer Hingabe verehrt
werden müssen. Es ist ferner gebührend, dass diese herausragende
Frau hochgepriesen werde, die hervorragende Zeugnisse religiöser Frömmigkeit
und Tatkraft ablegte und die ihr ganzes Leben umfassend Gott weihte und
für die Liebe zu Christus und seiner Kirche ihre Kräfte einsetzte.
Deshalb wünschen wir, dass ihre heilbringenden Beispiele den heutigen
Menschen von großem Nutzen seien, damit sie noch reicher geistliche
Früchte erlangen. Was wir aber in diesem Schreiben entschieden haben,
das soll, so wollen wir es, jetzt und im Weiteren gültig und wirksam
sein, wobei irgendwelche gegenteilige Dinge dem in keinster Weise
entgegenstehen. Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 21. Oktober des Jahres
des Herrn 2012, im achten Jahr Unseres Pontifikates.
Ich, Franziskus, Bischof der katholischen Kirche, mache dieses Dokument gültig.
Marcellus Rossetti, Apost. Protonotar
Liebe Mitglieder der Anna-Schäffer-Bruderschaft, liebe Leser!
Heiligsprechungsbulle
übergeben
Im Lauf des vergangenen Jahres konnte der römische Postulator, Avv. Dr. Andrea Ambrosi, ein wertvolles Dokument an die Diözese Regensburg übergeben. Es wurde am 18. November 2014 Hwst. Herrn Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in seinen Amtsräumen offiziell präsentiert. Bei genanntem Dokument handelt es sich um die sog. „Litterae Decretales", die päpstliche Bulle zur Heiligsprechung Anna Schäffers. Sie stellt das abschließende Dokument im Laufe des gesamten Kanonisationsverfahrens dar. Was ist eine „Bulle"? Bulle (lateinisch „bulla") nennt man eigentlich die Kapsel, die ein Siegel umschließt. Oft wird aber auch das Siegel selbst oder das gesamte besiegelte Aktenstück „Bulle" genannt. Eine päpstliche Bulle ist gewöhnlich mit einem Bleisiegel versehen. Dieses hat seinen Ursprung in Byzanz und wurde seit dem 6. Jahrhundert auch von den Päpsten verwendet. Sie wollten damit die Authentizität bedeutender Schriftstücke anzeigen. Gewöhnlich wurden Seiden- oder Hanfschnüre, die etwa seit dem 12. Jahrhundert das Schriftstück selbst zusammenhielten und verschlossen, in die Bleimasse eingefügt. Die Bleimasse wurde dann mit einem runden Stempel platt geschlagen, wodurch auf der einen Seite der Namenszug des Papstes und auf der anderen Seite ab dem Ende des 11. Jahrhunderts die Köpfe der Apostel Petrus und Paulus aufgeprägt wurden1. Das Bleisiegel der Heiligsprechungsbulle Anna Schäffers trägt den Namenszug von Papst Franziskus, der auch mit seiner persönlichen Unterschrift für die Gültigkeit des ausgestellten Dokumentes bürgt. Da die Bulle in lateinischer Zierschrift handschriftlich auf Pergament gefertigt wurde, konnte sie nicht mehr unter dem Pontifikat Papst Benedikts XVI. erstellt werden. Daher trägt sie einen Hinweis auf die Ratifizierung des gefertigten Dokuments und die Handschrift des jetzt regierenden Papstes Franziskus.
Das Krankenbett Anna Schäffers — ein wahrer „Lehrstuhl" der Verkündigung der Liebe Gottes
Die Bulle schildert das Leben und Leiden Anna Schäffers sowie
die bedeutendsten Abschnitte im Laufe des Selig- und Heiligsprechungsprozesses.
Dabei wird auf einen sehr schönen, geistlichen Aspekt hinsichtlich
ihres Krankenlagers hingewiesen. Wörtlich heißt es: „Im Glauben
verband sie [-Anna Schäffer] sich in einem immerwährenden Opfer
Jesus, dem Opferlamm und Priester, und machte ihre Krankheit gleichsam
zum Lehrstuhl, von dem aus sie mündlich und schriftlich den Schatz
der Machttaten des Herrn verbreiten konnte".
Das Krankenbett Annas als „Lehrstuhl" zu betrachten, von dem aus ihr die Möglichkeit gegeben war, die „Machttaten des Herrn" zu verbreiten. Das war Sinn und Ziel ihres Briefapostolats. Obwohl Anna Schäffer ihr Krankenzimmer nicht verlassen konnte, wurde sie dennoch für viele zur Lehrmeisterin in der Deutung des Kreuzes Christi. Ihr Bett wurde ihr zum Altar, auf dem sie sich dem Herrn als Sühnopfer für die Wiedergutmachung der Sünden anbot, aber auch zum „Lehrstuhl" und „Ambo", von dem aus sie die Liebe Gottes und den Trost des Kreuzes Christi kündete. Dies sei allen Kranken ein Trost. Denn auch als leidender Mensch kann man - nach dem Beispiel und Vorbild der heiligen Anna Schäffer - zum Künder der Liebe Gottes werden. Anna gestaltete ihr Krankenbett gleichsam zur Kanzel, um allen, die sich an sie wandten, Christi Liebe zu verkünden und sie auf seine tröstende Gegenwart im heiligsten Sakrament der Eucharistie, in der hl. Kommunion, hinzuweisen. So gestaltete sie ihre ärmliche Kammer wahrhaft zum heiligen Raum, zu einer „Kapelle", zu einem Ort der Verkündigung und der Anbetung. Wie viel können wir hier von Anna Schäffer lernen! Liebe Mitglieder der Anna-Schäffer-Bruderschaft! Bleiben auch wir Menschen der Anbetung Jesu Christi im heiligsten Sakrament des Altares; bleiben wir Menschen, die mitbeten und mitopfern für die Bekehrung der Sünder, Menschen, die den Notleidenden und Armen Künder der Liebe Gottes werden. Möge die heilige Anna Schäffer uns täglich bei diesem hohen Auftrag mit ihrer helfenden Fürbitte vom Himmel her begleiten.
So grüße und segne ich Sie in herzlicher und dankbarer Verbundenheit
Msgr. Georg Schwager Domvikar
Präfekt der Bruderschaft
Kurzbiographie
Hl. Anna Schäffer (1882-1925)
Anna Schäffer wurde am 18. Februar 1882 in Mindelstetten (Diözese Regensburg) geboren. Ihr Wunsch war es, dem Reich Gottes als Missionsschwester in einem Orden zu dienen. Doch Gott hatte für sie die „Mission des Leidens" vorgesehen. Am 4. Februar 1901 erlitt sie bei der Verrichtung von Hausarbeiten einen tragischen Unfall. Ein fast 25-jähriges, schweres Krankenlager war die Folge. In dieser Situation fasste Anna den Entschluss, ihr Leben und Leiden Gott als Sühneopfer darzubringen. Die Kraft dazu schöpfte sie aus der täglichen hl. Kommunion. Am 5. Oktober 1925 verschied sie mit den Worten: „Jesus, dir leb' ich." Papst Johannes Paul II. hat sie am 7. März 1999 in Rom zur Ehre der Altäre erhoben. Ihre Heiligsprechung erfolgte durch Papst Benedikt XVI. am 21. Oktober 2012.
Worte
der hl. Anna Schäffer
,Das Ziel meines Kreuzes ist: Kalvarias Höhe! Auf diese Höhe, will ich blicken, wenn in den Schmerzensstationen meines Lebens, mein Leib von Schmerzen durchwühlt wird. Jenes Licht, das mir von dieser Höhe zuströmt, - läßt mir alles leicht u. licht erscheinen, - denn ich sehe ja mein Vorbild, - meinen Heiland, wieviel Er für mich Unwürdige gelitten hat. Und vereint, mit Ihm, den ich liebe u. der in meiner Seele wohnt, will ich gerne mein Kreuz umfassen u. Ihm folgen: dem Kreuze nach!'
Das Kreuz ist der Hammer, - der die Unsterblichkeitskrone schmiedet, die wir im Himmel tragen werden, - wenn wir unser Kreuz mit Mut u. Ergebung auf Erden getragen haben.
(Vgl. Anna Schäffer. Gedanken und Erinnerungen meines Krankenlebens und meine Sehnsucht nach der ewigen Heimat, hrsg. von Georg Franz X. Schwager, Regensburg 2012, S. 15f. Erhältlich bei: Verlag Schnell & Steiner GmbH, Leibnizstr. 13, D-93055 Regensburg) www.schnell-und-steiner.de)
Anna-Schäffer-Bruderschaft
Die Bruderschaft will das geistliche Erbe der heiligen Anna Schäffer lebendig erhalten und der Stärkung und Festigung des katholischen Glaubens dienen.
Die Mitglieder der Bruderschaft sollen:
1. eine halbe Stunde pro Woche in stiller oder öffentlicher Verehrung den Herrn Jesus Christus im Allerheiligsten Sakrament der Eucharistie anbeten, sei es durch Anbetung des Allerheiligsten in der Monstranz, sei es in stillem Gebet vor geschlossenem Tabernakel. Darüber hinaus soll den Mitgliedern die häufige Mitfeier der heiligen Messe ein besonderes Anliegen sein.
2. sich um kranke und notleidende Menschen in ihrer Umgebung bemühen, sie wenigstens einmal im Monat besuchen und pflegen oder zumindest trösten. Wer diese Aufgabe nicht wahrnehmen kann, soll wenigstens ein Gebet für Kranke oder Notleidende verrichten.
Bitte schreiben Sie an:
H. H. Domvikar Georg Schwager, Schwarze-Bären-Str. 2, D-93047 Regensburg.
Es wird kein Mitgliedsbeitrag erhoben, freiwillige Spenden können
gegeben werden.
Bitte treten Sie der Bruderschaft bei! Fördern sie so in Ihrer Umgebung die Anbetung des eucharistischen Herrn und die christliche Nächstenliebe in der Sorge um Kranke und Notleidende!
(Quelle: "Informationen"
der Anna-Schäffer-Bruderschaft, Mindelstetten, Nr. 2, Jgg. 2015, S.
2 - 11, Regensburg)