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Biografie

Leben und
Persönlichkeit
Rudolf Maria Holzapfels
(Krakau 1874 - 1930 Muri bei Bern)
In der damals noch
österreichischen Stadt Krakau, in der sich deutsche und polnische Kultur
begegneten, verbrachte Holzapfel seine Jugend. Der frühe Tod des Vaters,
eines Arztes und Freidenkers jüdischer Abstammung, traf den Zwölfjährigen hart.
Kärgliche Verhältnisse zwangen Holzapfel, sich von Verwandten überreden zu
lassen, mit ihnen nach Südafrika auszuwandern. Er verliess sechzehnjährig
das Gymnasium. In Kapstadt wurde er von seinen Begleitern rücksichtslos
ausgenützt.
Bei seiner
Arbeit in einem Altkleiderladen oder abends in einer Matrosenkneipe, wo er
Klavier spielte, lernte er die Welt kennen, wie sie wirklich war. Eine
Fülle schmerzlicher Erfahrungen weckten in ihm den Wunsch, Menschen in
ihrem geistigen Leben zu helfen. Man musste dies tun, wenn man nicht
wollte, dass Egoismus und Hass die Besten zugrunde richten.
Drei Jahren
in Kapstadt folgte ein längerer Aufenthalt in London, wo er als Setzer in
einer Missionsdruckerei erneut mit Menschen verschiedenster
Entwicklungsstufen zusammenkam. Reiche Erfahrungen und psychologische
Erkenntnisse sollten später ihren Niederschlag in seinen Werken finden.
Mit kleinen
Stipendien gelang es Holzapfel, in Zürich sein Studium bei Richard
Avenarius (1843-1896) fortzusetzen, bis ihn kurz nach dessen Tod bittere
Armut zwang, nach Krakau zurückzukehren.
Mit schon stark belasteter Gesundheit schrieb er 1898-1901 in Cherson,
Südrussland, gleichsam als geistiges Vermächtnis eine konzentrierte erste
Fassung des Panideal.
Zurück in der Schweiz, schloss er in Bern sein unterbrochenes Studium
bei Prof. Ludwig Stein (1859-1930) mit der Dissertation "Wesen und
Methoden der sozialen Psychologie" (1903) ab. Ebenfalls 1903 verheiratete
sich Holzapfel mit der Bildhauerin Bettina Gomperz aus Wien. Sie erkannte
intuitiv die Bedeutung seiner Bestrebungen, und dank ihrer Fürsorge war es
ihm vergönnt, trotz gesundheitlicher Schäden seine Hauptwerke zu
vollenden.
Nach Reisen in Frankreich und Italien lebte die Familie von 1908-1913 in
Niederösterreich. Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog sie endgültig in die
Schweiz.
Seine letzten Schaffensjahre verbrachte Holzapfel in Muri bei Bern, wo im
Mettlenhölzli seine Grabkapelle steht.
Sein Werk erhellt die Gefährdung des Menschen in unserer Zeit, zeigt aber
auch die in uns liegenden Möglichkeiten auf, den drohenden Niedergang
aufzuhalten und zu überwinden. Holzapfel widmete seine Schriften "Den
Pilgern, die eine neue Erde suchen" und "die einen neuen Himmel suchen".
Die ihn zeitlebens bestimmende Sehnsucht nach geistiger Veränderung und
die Richtung seines Denkens werden durch diese Widmungen treffend
bezeichnet: Seine Gedanken galten, wie schon aus seinen Jugendgedichten
hervorgeht, von Anbeginn seines bewussten Erlebens und Schaffens an, der
drängenden Frage, wie der Einzelne und die Menschheit einem harmonischeren
Schicksal entgegengeführt werden könnten.
Es war ihm klar, dass weder blosse Wunschbilder noch einseitigen
Interessen entsprungene Ziele und Ideologien hierfür taugen. Auf welches
Ziel hin, nach welchem Entwicklungsvorbild aber soll der Mensch, die
Menschheit geführt werden? Diese Fragen beschäftigten Holzapfel, als er
1902 in seiner Dissertation schrieb:
"Das
Auffinden der unumgänglichen Bedingungen der Annäherung der menschlichen
Entwicklung an das allseitige Vollendungsmaximum empfand ich als grösste
und grossartigste Aufgabe des Philosophen."
Red. Dr. M.
Berg-Wehrli, Otto Burri
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