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Sok Chea ist 53 Jahre alt und arbeitet jeweils Nachmittags als Khmer-Lehrer im Youth Center. Er hat das Gewaltregime der Roten Khmer als Kind miterlebt und ist bis heute mit den Folgen fuer sein persoenliches Leben konfrontiert. Sok Chea ist trotz seines schweren Schicksals ein unglaublich froehlicher Mensch und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, kann ich nicht anders, als einfach zu laecheln.
Sok Chea wurde im Jahr 1961 in der Provinz Pursat geboren und war 10 Jahre alt, als die Roten Khmer einfielen und er die Stadt verlassen musste. Er konnte mit ein paar Lehrern und vielen weiteren Kindern in die Waelder fluechten, wurde dadurch aber von seinen Eltern und seinen Geschwistern getrennt. Sok Chea hat seine Familie seit damals nicht wieder gefunden und hat somit beinahe sein ganzes Leben ohne seine Angehoerigen verbracht. Nach 3 Jahren in den Waeldern wurde Sok Chea schliesslich von den Roten Khmer gefunden und in die Provinz Pailin gebracht. Diese befindet sich ganz im Westen des Landes und war so etwas wie die "Hochburg" der Roten Khmer. In Pailin musste er zuerst lange Zeit Bewaesserungsgraeben fuer die Reisfelder bauen. Spaeter wurde ihm zugeteilt, Nahrungsmittel, Waffen etc. vorzubereiten, damit diese in andere Landesteile verfrachtet werden konnten; als Nachschub fuer die Verbuendeten. Trotz des offiziellen Kriegsendes im Jahr 1979 durch den Fall der Hauptstadt Phnom Penh (Sok Chea war damals 18 Jahre alt), musste er weiterhin fuer die Roten Khmer in Pailin arbeiten, da diese Region noch einiges laenger unter deren Einfluss blieb.
Erst 8 Jahre spaeter konnte Sok Chea die Provinz verlassen, allerdings auf Grund eines sehr tragischen Vorfalls. Ein grosser Ast, der wegen starken Windes eines Tages von einem Baum abriss, traf Sok Chea und brach ihm die Wirbelsaeule. Da die Roten Khmer kein Spital mit genuegend Infrastruktur zur Verfuegung hatten, wurde er nach Thailand gebracht. Sok Chea verbrachte die folgenden 6 Jahre in einem Spital des Roten Kreuzes und niemand haette daran geglaubt, dass er seinen Unfall tatsaechlich ueberleben wuerde.
Im Zusammenhang mit der Wiederbesiedlung von Battambang durch die nach Thailand gefluechteten Khmer, kam auch Sok Chea (inzwischen 32 Jahre alt) hierher. Ein Arzt, der ihn all die Jahre im Spital betreut hatte, gab ihm die Moeglichkeit, mit ihm selbst und seiner Familie mitzukommen. So lebte Sok Chea ab 1993 zusammen mit dem Arzt und dessen Familie in Battambang. 4 Jahre spaeter, dank der Gruendung von ERM (der Vorlaeuferorganisation von PKO), konnte er mit seiner Arbeit als Khmer-Lehrer beginnen und verdient seitdem sogar etwas Geld. Er mag seine Arbeit sehr und ist gerne mit den vielen Kindern zusammen. Nach seinem Unfall haette er lange Zeit gar nicht mehr leben wollen, meint Sok Chea, doch das Youth Center, die Kinder, die Arbeit fuer PKO wuerden ihm wieder einen Sinn und einen Zweck geben. Zudem hat er durch PKO eine richtige Lehrer-Ausbildung erhalten und hat viel ueber Themen wie Didaktik und Paedagogik gelernt. Auch der Laerm und die allfaellige Chaotik machen Sok Chea nichts aus: "Ach, das macht doch nichts - so sind halt die Kinder", meint er dazu bloss.
Wiederum habe ich bei diesem eindruecklichen Gespraech einiges dazugelernt. Und mir ist nun bewusst, dass das Youth Center offensichtlich nicht nur eine Auffangstelle fuer vernachlaessigte Kinder ist und Arbeitsplaetze fuer Lehrpersonen schafft, sondern auch einem einsamen Opfer der Roten Khmer wieder einen Platz, eine Aufgabe und einen Sinn gibt.
Anna Bugmann
Anna Bugmann unterstützte von Januar 2014 bis März 2014 unser Schulbildungsprojekt in Kambodscha als freiwillige Englischlehrerin.