Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03618.jsonl.gz/558

Die Legende behauptet, dass die ersten Gläser mit Wein aus Österreich unter der Schirmherrschaft des römischen Kaiser Probus kredenz wurden. Dies ist so nicht wirklich richtig, gab es doch im Donauland schon zur Zeit der Kelten Weinbau – die Qualität des Rebensaftes ist allerdings nicht bekannt. Es stimmt jedoch, dass Roms Legionäre im damals von Ihnen besetzten Österreich ihr Tagesquantum Wein auf Anordnung des Kaisers Probus aus den heimischen Weingärten, nicht mehr aus Italien bekamen. Unter Karl dem Grossen erlebte der heimische Weinbau dann einen enormen Aufschwung. Eine Sortenbereinigung und durchgeführt und die Klöster trugen zum Start des Mittelalters wesentlich zur Ausbreitung des Weinbaus bei.
Im 16.Jahrhundert erreichte der Weinbau in Österreich dann seine absolut grösste Ausdehnung, die Rebflächen waren gut zehnmal so ausgedehnt wie heute.
Durch die Folgen des Dreissigjährigen Krieges kam es im 17.Jahrhundert zu einem Niedergang des Weinbaus. Erst unter der Regierung Kaiser Joseph II. ging es wieder aufwärts. Um die wirtschaftliche Lage der Bauern zu verbessern erlaubte er ihnen neben ihren bisherigen Erzeugnissen neu auch Wein direkt ab Hof zu verkaufen — „zu allen Zeiten, wie, wann und zu welchem Preis er will“ – lautet der Originaltext des Erlasses. Damit legte er den Grundstein für den weltberühmten „Heurigen“, heute noch Treffpunkt vieler Österreicher und der internationaler Gäste. Damit ist Joseph II. nach Probus und Karl dem Grossen der dritte Kaiser, der in der Geschichte des österreichischen Weines eine grosse Rolle gespielt hat.
Die kleine Eiszeit und aus Amerika eingeschleppte Pilzkrankheiten und Rebläuse verwüsteten im 19.Jahrhundert die Rebflächen in ganz Europa und auch in Österreich. Und wie die Rebflächen in Europa wieder aufgebaut wurden, hat sich auch Österreich von dieser schwierigen Zeit erholt.
Viel dramatischer wurde die Situation, als der Weinskandal von 1985 die österreichische Weinwirtschaft erschütterte. Dieser führte zu drastischen Einbrüchen bei Verkauf und Export der Weine. Auch der Imageschaden des österreichischen Weines war enorm.
Einige Produzenten hatten ihre Weine mit Diaethylenglykol, einem öligen Alkohol, der vor allem in Frostschutzmitteln Verwendung findet, versetzt. Dadurch wurde dem Wein mehr Körper verliehen und es konnten Weine von geringer Qualität zu Prädikatsweinen aufgewertet werden.
Auf lange Sicht hatte der Skandal um den “Gylkolwein” auch positive Auswirkungen und gab den Anstoss für ein neues Qualitätsdenken bei Österreichs Weinbauern.