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Die Bürstenbinder waren noch im 15. Jahrhundert kein streng krämerzünftiges Handwerk. Ihre Ware war inbegriffen in die zahllosen «Pfennwerte», d.h. einen Silberpfennig werten kleinen Dinge des täglichen Gebrauchs, die als Krämerware hauptsächlich von auswärts kamen und im Krämerladen feilgeboten wurde. Darauf deutet beispielsweise der Nachlass des 1480 verstorbenen Krämers Hans Rot, in dessen Lager neben anderer Krämerei sich acht «gewantbesemlin» – Kleiderbürsten – vorfanden.
Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts scheint der bisherige Import durch heimische Produktion ersetzt worden zu sein. Damit war auch die Zugehörigkeit der Bürstenmacher zur Safranzunft gegeben. Es war ein stilles Handwerk, das ein bescheidenes Einkommen sicherte, musste doch beispielsweise Hans von Gartt an die fünfzehn Jahre dienen, bevor er imstande war, die Zunft zu kaufen und sich selbständig zu machen. Im 16. und 17. Jahrhundert hat fünf Generationen hindurch die Familie Ringsgwand hauptsächlich das Handwerk vertreten. Ursula, die Tochter des ältesten, 1571 zünftig gewordenen Bürstenbinders, Paule Ringsgwand, heiratete 1594 den Strelmacher Hans Georg Euler und wurde damit die Stammutter des durch Leonhard Euler berühmt gewordenen Basler Geschlechts.
In Handwerkssachen machten die Bürstenbinder nicht von sich reden und gaben der Zunft als Aufsichtsbehörde nicht viel zu schaffen. Es sind wenige, vereinzelte Fälle, wegen deren die Vorgesetzten einzugreifen hatten. So, wenn 1605 der Bürstenbinder Franz Boner gegen seinen Mitmeister Raimund Muot klagt, weil dieser Krämerei treibe und daneben Gesinde und Lehrbuben halte, was gegen das Zunftrecht verstosse. Wenn es dem Einen billig sei, wolle er, Kläger, neben seinem Kram auch Gesinde fördern. Die Sache wurde eingestellt, um in den Zunftbüchern nachzuschlagen, was diese darüber enthielten. Ueber den Ausgang der Angelegenheit findet sich keine weitere Spur.
Ein anderer Fall betraf den Tuchscherer Balthasar Hummel, der 1622 durch seinen Amtmann vor Ratsherr, Meister und Sechs vermelden liess, dass er willens sei, das Zunftrecht zu erkaufen und neben seinem Beruf das Bürstenbinderhandwerk, «so er doch nit erlernet hat», zu treiben. Sein Gesuch wurde abgewiesen mit der Bemerkung, «er solle sich besser bedenken und den Bürstenbindern nicht vor dem Licht stehen».
Die allgemeine Taxordnung von 1646 setzte für das Bürstenbinderhandwerk die Lehrzeit auf vier Jahre fest mit einem Lehrgeld bis zu 30 Pfund und 2 Pf. 10 s. Trinkgeld. Gleichzeitig lernen wir aus dieser obrigkeitlichen Verordnung die Fabrikationsartikel und deren vorgeschriebene Verkaufspreise kennen. Es galt:
Erst im 18. Jahrhundert gaben sich die Bürstenbinder eine Handwerksordnung, die am 15. März 1731 von den Zunftherren bestätigt wurde. Ihre wichtigsten Punkte betrafen das Verbot, dass kein Meister fremde Ware, namentlich nicht von Schwarzwälder Bürstenbindern erkaufe und dass kein Meister und keine Meisterswitwe ausser der Jahlrmesse und an den Fronfastenmärkten auf öffentlichem Markte feilhaben oder in der Stadt hausieren dürfe.
Gegen das Einfuhrverbot auf Bürstenwaren vergingen sich Fremde und Einheimische. Aus der Fülle der Fälle mag als typischer die 1796 gegen den Juden Hirz Bumsel geführte Verhandlung hier Raum finden:
«Drey Meistere E. E. Handwerck der Bürstenbinder erschienen und tragen vor, circa vor einem Vierteljahr habe obiger Jud dem Mstr. Landerer Kleider-Bürsten angetragen, welche er vorgab, von Paris kommen zu lassen. Ein gleiches sey ca. 4 a 5 Wochen auch an Mstr. Werdenberg geschehen; beide haben dem Juden gesagt, sie kaufen keine, da die Arbeit ohnehin sehr schlecht wäre; er solle sich aber des Verkaufens enthalten, da selbiges alhier verbotten seye. Anfangs dieses Monats habe Mstr. Landerer zufälliger weyse den Juden gesechen hinter einer Küsten hergehen, so zu Hrn. Schlegel seye transportiert worden, worauf Mstr. Landerer der Küsten nachgegangen und bey Hrn. Schlegel die Küsten offen gesechen und selbsten den Deckel aufgehoben. Hr. Schlegel habe vorgegeben, er wolle diese Bürsten nicht vor sich erkaufen, er wolle selbige nur weiters versenden. Sie [die Meister] schliessen darauf, dass da der Jud wegen dem Hausieren seye avertiert worden, er also fehlbar sey und E. E. Handwerek dessfals alles in Schoss M. H. G. Herren Vorgesetzten schütte, was sie desfals vorzunehmen gedencken.
Worauf der Jude nebst der E. Meisterschaft herein beruffen worden und in ihrer Gegenwarth vernommen, wann er das Thor-Zedulin am Thor geholt habe. Er gesteht, dass er das Zedelin erst nachher unter dem Thor geholt habe, da die Küsten schon in der Stadt, beym schwarzen Ochsen gewesen. Zweytens gibt der Jud vor, er habe gar nicht damit husieren wollen, anderst er habe selbige den zwey Meistern selbsten angetragen. Drittens gibt der Jud an, es seyen in allem nur 76 bis 78 Stückh darinnen und es lohne sich der Mühe nicht, so viel Wesens davon zu machen. Viertens und letstlich gesteht der Jude, er habe sie Hrn. Schlegel angetragen und er solle sie für seine Rechnung verkaufen, so gut als er könne. Endlich gesteht der Jude noch, er habe selbige auch H. Ronus angetragen. Da nun bey H. Schlegel nachgefragt worden, durch den Oberknecht, wieviel Bürsten es seyen, welche sich in dieser Küsten befinden, wurde schriftlich von H. Schlegel 246 Stück Bürsten angegeben.
Erkannt: Die Küsten mit diesen Kleider-Bürsten soll talequale in das allhiesige Kaufhaus transportiert werden, um von da aus, wo es der Jud verlangen wird, von hieher weggesandt werden. Der Jud aber in eine Straff von vier Neue Louisd'or verfällt werden und dem Oberknecht für seine desfalsige Bemühung vier Gulden bezahlen, auch soll die Küsten nicht eher aus dem Kaufhaus geliefert werden, bis der Jud alles richtig bezahlt hat. Die Hälfte dieser 4 Nld'ors sollen in ein löbl. Waysenhauss, die andere Helffte an löbl. Waysenamt ausgetheilt werden ... »
Im Jahre 1819 erneuerten die fünf zünftigen Meister Elias Rumpf, Abrahem Werdenberg, Niklaus Landerer, Jakob Karl Silbernagel und Georg Müller ihre Handwerksordnung auf der Grundlage der 1731 erlassenen Artikel.