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Information Independent Commission of Experts Switzerland-Second World War (ICE) (UEK)
Info UEK/CIE/ICE ( deutsch français italiano english): ________________________
Deutschland-Engagement und Eidgenössische Bank 1920-1930 UBS Archiv Zürich. 120000003335. Chronik der Eidgenössischen Bank. S. 20/21 [1920 verfügte die Eidgenössische Bank über ein ein Aktienkapital von 50 Millionen Franken, die Bilanzsumme erreichte 396'022'184,41 Fr.] Der Geschäftsbericht von 1919 bemerkte besonders, dass die Bank keine direkten Engagements in entwerten Valuten habe. Die Eiba-Aktien waren an der Börse höher kotiert als diejenigen der Kreditanstalt und des Bankvereins. Mit dem Rücktritt von Direktor Moritz Züllig und dem Eintritt von Direktor Theodor Wolfensperger begann eine «neue Epoche in der Entwicklung der Bank». Wolfensperger «war vorher Direktir bei der Mitteldeutschen Credit und Commerzbank AG, Frankfurt a.M., wo er ausserdem das Amt des Schweizer Konsuls innehatte. Er brachte ausgezeichnete Beziehungen zu Gross- und Privatbanken und zu bedeutenden Unternehmungen in Deutschland mit. Niemand ahnte damals, dass dies einmal zum Verhängnis der Bank werden sollte». Bedeutung der Kredite nach Deutschland: «Besonders die Banken suchten Depotgelder in Dollars, Pfund Sterling und Schweizerfranken in grossen Beträgen kurzfristig für 1 bis 6 Monate zu hohen Zinssätzen. Mit der Zeit wurden für solche Gelder bis zu 12% p.a. Zinsen bezahlt»...«Die Ausleihungen an die Banken in Deutschland kamen im starken Anwachsen des Bilanzpostens "Bank-Korrespondenten" zum Ausdruck. Dieser betrug Ende 1927 160 Millionen Fr. gegen 68 Millionen Fr. Ende 1924. An erstklassige deutsche Firmen wurden grosse Kredite gewährt. Ein gewisser Wettlauf der Bank mit der damals schon stark aufstrebenden und aktiven Schweizerischen Bankgesellschaft mag zur Forcierzung der Geschäfte mit Deutschland ebenfalls beigetragen haben».[1929] «Die Ausleihungen an die deutschen Banken hatten in diesem Jahr eine besondere Erhöhung erfahren, wodurch die Bilanzsposten "Bank-Korrespondenten" von 217 Millionen Fr. im Vorjahr auf 253 Millionen Fr. anstieg. Die Bilanzsumme hatte am 31.12.1929 den seither nicht mehr übertroffenen Betrag von 855 Millionen Fr. und die Bank damit ihren Zenith erreicht» UBS Archiv Zürich. 120000003340. Deutschland-Kredite [Es handelt sich um eine Zusammenstellung zu Deutschland Krediten aus den Protokollen des Verwaltungsrates, der intern zusammengestellt wurde. Es sind lediglich Ausschnitte]
«4.9.1922. Kredite an Firmen in Deutschland (Boswau & Knauer AG, Hartmann & Braun AG, Vereinigte Jutespinnerein & Webereien AG) anbetrifft, so teilt das Direktorium mit, dass mit Rücksicht auf die stets abnehmende Möglichkeit zur lukrativen Anlage von Geldern in der Schweiz wir unser Augenmerk wieder mehr auf das Ausland richten müssen, um dasselbst das im Inlande fehlende Aliment zu suchen. Auf unsere Veranlassung hat daher Herr Direktor Wolfensperger diese Kreditvorlagen ausgearbeitet, wobei es sich um Firmen handelt, deren Verhältnisse er aus seiner Tätigkeit in Frankfurt a./M. persönlich kennt und die für die ausgesetzten Kreditbeträge volles Vertrauen verdienen».
«16.11.1923: IM Hinblick auf die von verschiedenen Mitgliedern des Verwaltungsrates geäusserten Befürchtigungen wegen der Blanko-Kredite, welche wir bisher an deutsche Firmen gewährt haben, teilt das Direktorium mit, dass an diese Kredite, welche momentan den Betrag von ca. Fr. 1'100'000 erreichen, ein weit strengerer Massstab als an inländische Kredoite angelegt worden sei. Es seien bisher nur an Firmen, deren Situation uns genau belannt sei, Blanko-Kredite bewilligt worden und es wurde im weiteren mit zwei Ausnahmen (Georg Schepeler, Kolonialwaren und J.H. Hoffmann, Kaffeegrosshandel, beide in Frankfurt a. M.) an die Gewährung derselben die Bedingungen geknüpft, dass der Gegenwert unserer Vorschüsse stets in Valuta-Auslandforderungen und Waren, die ausserhalb deutschland liegen, vorhanden sein müsse. Das Direktorium spricht die Überzeugung aus, dass sämtliche Firmen in der Lage wären, die Blankokredite in kurzer Frist zurückzuzahlen. Im Fernern glaubt dasselbe, dass unser jetziges Entgegenkommen diesen Firmen gegenüber uns eine treue Kundschaft auch für ruhigere und normalere Zeiten, welche für Deutschland wieder kommen dürften, sichern werde. Nach eingehender Diskussion, bei welcher auch eine eventuelle Besitzergreifung der ausländischen Guthaben durch die Alliierten, sowie analoge Massnahmen seitens der deutschen Regierung in Erwägung gezogen wurde, spricht sich die Kreditkommission für eine Weiterführung der bestehenden Kredote aus. Im fernern beschliesst sie, dass neue Kredite nicht prinzipiell auszuschliessen seien; dass aber Blankokredite deutschen Firmen nicht angeboten werden sollten und allfällige an die Bank gelangende Kreditbegehren von Fall zu Fall mit möglichst grosser Zurückhaltung geprüft werden sollen»
«5.6.1924: Auf die Behandlung der Blanko-Kredite an deutsche Handelsfirmen übergehend, teilt das Direktorium mit, dass der Totalbetrag solcher Kredite, welche wir bis heute eröffnet haben, sich auf 12 Millionen Franken stellt, inbegriffen die auf der vorliegenden Traktandenliste aufgeführten Kredite. Momentan finden sich diese Kredite mit dem Betrage von 7 Millionen Franken in Anspruch genommen. Bei der Auswahl der Fiormen und Fixierung der Kreditlimiten sind wir mit äusserster Vorsicht vorgegangen und ist das Direktorium der Überzeugung, dass sämtliche Kunden in der Lage sein würden, unser, allfälligen Ansuchen um Rückzahlung der gemachten Vorschüsse zu entsprechen. Das Direktorium glaubt daher, mit Rücksicht auf die lukrativen Bedingungen, welche in Anrechnung gebracht werden dürfen, sowie auf die Erweiterung unseres Kundenkreise, die Eröffnung von weiteren Blankokrediten an erstklassige deutsche Firmen befürworten zu können. Der Verwaltungsrat diskutuiert hierauf eingehend die Opportunität der Eröffnung solcher Blanko-Kredite, sowie die Risiken, welche damit verbunden sind. Es wird als wünschbar erachtet, unser Engagement in deutschen Blankokrediten nicht über ein bestimmtes Mass auszudehnen und stimmt daher der Verwaltungsrat dem aus seiner Mitte gestellten Antrag, die Limite für die Eröffnung von solchen Blankokrediten auf den Maximalbetrag von Fr. 15 Millionen festzusetzen zu.
«3.9.1924. [Die bewilligte Kreditlimite betrug 14.3 Millionen Franken davon waren 9.565 Millionen Franken benutzt. Der VR diskutiert über die Erhöhung der Maximallimite von 15 Millionen Franken lehnt aber ab:] «Nach eingehender Diskussion stimmt der Rat jedoch dem aus seiner Mitte gestellten Antrag zu, den festgesetzten Höchstbetrag von 15 Millionen Franken vorläufig nicht zu überschreiten in der Meinung gegebenen Falles auf diesen Gegenstand später zurückzukommen, wenn sich die Verhältnisse in Deutschland weiter angeklärt haben werden.»
«21.11.1924. Blanko-Kredite an Handels- und Industrie-Firmen in Deutschland. [Betrag aller Kredite nach Deutschland erreicht 13.71 Millionen Franken; hievon der Betrag mit 9.338 Millionen Franken benützt] «Es handelt sich dabei ausschliesslich um Firmen, welche die jüngste Kreditkrisis in Deutschland ohne irgendwelche Schwierigkeiten überstanden haben und die wir stets zu überwachen in der Lage sind. Im fernern konnten wir diese Kredite ohne Einschränkung der Kredite an Schweizerfirmen gewähren; ausserdem ist die Gewinnmarge auf den deutschen Krediten eine bedeutend höhere als auf den Inland-Krediten, was in den Erträgnissen zum Ausdruck kommen wird. [Antrag der Direktion auf die Überschreitung der Kreditlimite auf 15 Millionen Franken, wird stattgegeben] «In der hierauf gewalteten Diskussion wird hervorgehoben, dass sich die Verhältnisse in Deutschland entschieden gebessert und konsolidiert haben. Gleichwohl wird gewünscht, dass unsere Blankoengagements in diesem Lande weiterhin limitiert werden sollten und stimmt daher der Rat einstimmig dem Antrag zu, die Limite für solche Kredit-Einräumung auf 20 Millionen Franken festzusetzen»
«28.5.1925 [Gewährte Kredite: 25 Millionen Franken, benützt mit 19.8 Millionen Franken. Festgesetzte Limite von 20 Millionen Franken wurde überschritten] «Im Einverständnis mit der Kredit-Kommission sucht das Direktorium um die Ermächtigung nach, diese Limite bei sich bietenden interessanten Krediten überschreiten zu dürfen, womit sich der Verwaltungsrat stillschweigend einverstanden erklärt».
28.8.1925 [Gewährte Kredite: 25.38 Millionen Franken, benützt mit 20.925 Millionen Franken] «Der Verkehr mit den betreffenden Firmen hat sich bisher in befriedigender Weise entwickelt und da bei diesen Krediten die Gewinn-Marge gegenüber derjenigen auf inländischen Krediten eine erheblich grössere ist, so wird durch dieselbe das Ergebnis in günstigem Sinne beeinflusst. Im Übrigen ist es momentan äusserst schwierig in der Schweiz neue Debitoren zu gewinnen».
26.11.1925 [Gewährte Kredite: 32.4 Millionen Franken, benützt mit 28.49 Millionen Franken] «Das Direktorium betont im fernern, dass diese Engagements Gegenstand einer konstanten und eingehenden Überwachung sind und dass sich stets Gelegenheit bietet, über die Verhältnisse bei unseren Kreditnehmern informiert zu werden. Trotz der gegenwätrtig allgemein kritischen und undurchsichtigen wirtschaftlichen Lage in deutschland hatten wir bisher keinen Grund uns über unsere Engagements zu beunruhigen, da jeweiligen bei Eingehung derselben ein weit strengerer Massstab angelegt wird, als bei Krediten im Inlande. Da ausserdem die Gewinnung neuer Debitoren-Kunden in der Schweiz momentan durch den flauen Geschöäftsgang in unserem Lande sehr erschwert ist und andererseits die für die deutschen Krediten angewandten Bedingungen einträglicher sind, so gibt das Direktorium der Meinung Ausdruck, dass trotz der vollen Ausnützung der für solche Kredite festgesetzten Limite, neue sich bietende Geschäfte nicht grundsätzlich abgewiesen werden sollten. Die Liquidität unserer Bank würde die Gewährung weiterer Vorschüsse an ausländische Firmen erlauben, da wir gegenwärtig flüssiger sind als je».
28.11.1925 [Diskussion um den Kredit der Badischen Anilin & Soda-Fabrik Ludwigshafen] «In der hierauf eröffneten Diskussion heben die Herren Vizepräsident E. Appenzeller-Frühe und E. Scheller Erni als Mitglieder des Aufsichtskommitees des Comptoir Zürich, bei welchem sich die Auslandkredite in der Hauptsache konzentrieren, die sorgfältige Auswahl der bisher gesprochenen Kredite, sowie den befriedigenden Verkehr mit den betreffenden Firmen hervor. Ein Grund zur Beunruhigung über diese Engagements liege in keiner Weise vor».
5.2.1926 [Gewährte Kredite: 32.983 Millionen Franken, Benützt mit: 28.474 Millionen Franken und Spezialkredit an die IG Farben mit 5.1 Millionen Franken] «Diese Kredite verteilen sich auf eine Reihe von Konzernen und wie aus der Berichterstattung über den Jahresabschluss hervorgegangen ist, haben dieselben in erheblichem Masse zum erzielten Erträgnis beigetragen. Im Hinblick auf unsere eigenen Mittel dürfte der Betrag der deutschen Blanko-Kredite als nicht übersetzt betrachtet werden»...«Herr Appenzeller teilt im fernern mit, dass die Kredit-Kommission mit Rücksicht auf die Höhe der bereits bestehenden Engagements verschiedene grössere Geschäfte abgelehnt hat. Die Kredit-Kommission hat sich dabei die Meinungsäusserungen in der letzten Sitzung des Verwaltungsrates zur Richtschnur genommen, dahingehen die derzeitigen Engagements als Maximal-Betrag zu betrachten und ausnahmsweise nur noch Geschäfte mit allerersten Firmen einzugehen»
26.5.1926: [Gewährte Kredite: 31.893 Millionen Franken, Benützt mit 24,925 Millionen Franken, dies gegenüber einem Anfangs Februar 1926 in Anspruch genommenen betrag von 28.474 Millionen Franken] «die Benützung dieser Blanko-Kredite ist daher in der Abnahme begriffen und dürften in nächster Zeit weitere Konti-Meta zur Rückzahlung gelangen. Da indessen die Konditionen für solche Kredite immer noch interessant sind, so erklärt sich der Verwaltungsrat mit dem Antrag des Direktoriums, die bisherige Kreditlimite weiterhin aufrecht zu erhalten, einverstanden»
15.12.1927: [Erste detaillierte Liste der Bewilligten und Benützten Kredite in Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, England, Spanien, Ungarn, Yugoslavien, Egypten. Total: 35.757 Millionen Franken gewährt, 22,279 Millionen Franken benützt.] Das Direktorium macht noch im besonderen darauf aufmerksam, dass die Blanko-Vorschüsse an Handels- und Industrie-Firmen in deutschland von ihrem höchsten Stande eine erhebliche Abnahme erfahren haben».
18.11.1930: [Totalbetrag der Engagements der Bank in Deutschland (inkl. Wertschriften, Bankkredite) beträgt 393,3 Millionen Franken] «Das Präsidium hat die heutige Vorlage und Besprechung veranlasst, indem es zum Ausdruck bringt, dass das Gesamtengagements im Hinblick auf die wirtschaftliche Krisis sowie besonders auf die politische Beunruhigung und Unsicherheit als hoch genannt werden muss. Man müsse sich klar werden, ob man nicht an diesen Engagements abbauen oder jedenfalls selbst gegenüber guten neuen Propositionen sich für einige Zeit in Reserve halten solle. Das Direktorium ist ebenfalls der Meinung, dass unser derzeitiges Engagement in Deutschland als hoch zu betrachten ist wenn es auch, in seine Einzelheiten zerlegt, nicht das Bild übermässiger Risikos biete. Nun treten gerade in Krisenzeiten allererste Firmen in Deutschland in vermehrten Masse mit Kreditgesuchen an uns heran und es stellt sich für uns die Frage, wie wir uns dazu verhalten sollen. In der eingehenden Diskussion wird hervorgehoben, dass unsere Bank, wie auch die übrigen Grossbanken, darauf angewiesen ist, im Ausland Kreditgeschäfte zu machen. Es ist im fernern erklärlich, dass wir das Schwergewicht solcher Geschäfte nach Deutschland legen, weil uns die Verhältnisse dort bekannt sind und die Überwachung der Risiken leicher ist als in anderen Ländern. Immerhin wird das gegenwärtige Gesamtengagement als hoch genug bezeichnet. Die Kredit-Kommission beschliesst daher einstimmig auf Antrag des Präsidiums: 1. Die gegenwärtige Höhe der Engagements in Deutschland soll nicht überschritten werden, 2. Im Falle sich die Möglichkeit bietet, neue ganz gute Geschäfte abzuschliessen, so sind bestehende Engagements in demselben Umfange zu liquidieren, 3. Die bestehenden Vorschüsse an Länder und Gemeinde sind ablaufen zu lassen, oder mindestens erheblich eeinzuschränken, 4. Die Markengagemenst sollen möglichst reduziert werden.»