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PILZALLERGIE: URSACHEN UND HÄUFIGKEIT?
Seit einem Jahrhundert gelten Pilzsporen als eine mögliche Ursache für Atemwegsallergien. Aus dem grossen Reich der Pilze wurden rund 100 Pilzarten mit allergischen Atemwegserkrankungen assoziiert. Im Prinzip sind aber nur zwei Pilz-Klassen für die Atemwegsallergie relevant, nämlich die Schlauchpilze (Ascomyzeten) und die Ständerpilze (Basidiomyzeten). Dabei gelten die «Fungi Imperfecti», die das vegetative Stadium der Schlauchpilze repräsentieren, als hauptverantwortlich für eine Pilz-induzierte Atemwegsallergie. Anerkannte und Studien-mässig belegte Allergie-auslösenden Pilzarten sind: Alternaria alternata (tenuis), Cladosporium herbarum, Aspergillus- und Penicilliumarten. Die Sporenmenge in der Luft kann während des ganzen Jahres hoch sein und kann im Sommer jene der Pollen um ein Vielfaches übertreffen. Der Sporengehalt im Innern von Wohnungen und Häusern widerspiegelt normalerweise den Sporengehalt der Luft aus der Umgebung. Die Konzentration in Räumen ist aber durchschnittlich 2/3 tiefer als in der freien Natur. Die Sensibilisierungsrate auf Pilzantigene ist nicht sehr hoch, denn nur 1-3 % der mit Alternaria- und Cladosporium-Extrakten getesteten Personen wiesen bei Querschnittsuntersuchungen einen positiven Hauttest auf oder hatten im Blut spezifische IgE Antikörper gegen diese Pilzallergene. Am häufigsten kommen Pilzallergien bei Personen vor, die in und mit der Natur arbeiten (z.B. Landwirte, Gärtner) oder mit Pilzen beruflich arbeiten (z.B. Züchter).
WELCHE ALLERGISCHEN KRANKHEITEN KÖNNEN PILZE AUSLÖSEN?
Die klinischen Symptome einer Pilzallergie unterscheiden sich nicht von denjenigen einer Pollen- oder auch Indoor-Allergie. Pilzsporen können eine Rhinitis (Schnupfen) oder/und eine Konjunktivitis (Augen¬bindehautentzündung) auslösen. Da die Sporen meistens einen Durchmesser von weniger als 10 μm aufweisen, gelangen sie leicht in die Lunge und können Atemnot, Husten und Asthmaattacken auslösen. Eswurde gezeigt, dass grosse Mengen an Pilzsporen in der Atmosphäre genügen heftige Atembeschwerden (Asthma), vor allem bei jungen Menschen, auszulösen, unabhängig, ob sie allergisch auf Pilze reagieren oder nicht. Abgesehen von der klassischen Atemwegsallergie kann eine Pilzexposition auch zu einer Hypersensitivitäts¬pneumonitis (exogen ¬allergische Alveolitis, «Lungenentzündung») führen. Diese ist durch eine hohe Sporen¬belastung bedingt und kann sich auch in Wohnräumen ausbilden (z.B. Zierbrunnen, Luftraumbefeuchter, Klimaanlagen). Diese Art der Lungenerkrankung wird aber meist durch eine berufliche Exposition erworben (z.B. Bauern-, Malzarbeiter-, Käsewascher-, Pilzzüchter¬, Winzer-, Vogelhalterlunge). Gelegentlich können auch Personen betroffen sein, die pflanzliche Abfälle entsorgen oder kompostieren.
Pilze können die Ursache einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) sein. Dies vor allem, wenn die Nasennebenhöhlen von Polypen überwuchert sind. Da finden Sporen oder Myzelien meist günstige Bedingungen zum Wachstum in den Sinus vor. Häufig werden Aspergillus Arten nachgewiesen, aber es können sich verschiedene Pilze hinter dem Krankheitsbild der «allergischen Pilzsinusitis» verbergen. Die Symptome bestehen aus behinderter Nasenatmung, fehlendem Geruchsinn, verfärbter (brauner, schwärzlicher) Nasen¬sekretion, Ausstoss von gummiartigen Ausgüssen und oft auch chronischen Kopfschmerzen. Die allergische Pilzsinusitis unterscheidet sich aber kaum von banalen Nasenpolypen oder einer chronischen Sinusitis. Meist findet sich im Blut aber eine deutliche Eosinophilie (>0,5 G/l), ein erhöhtes Gesamt-IgE (> 500 kU/l) sowie eine Sensibilisierung auf Pilzantigene.
Eine weitere, seltene immunologische Lungenerkrankung bedingt durch Pilzantigene ist die allergische, bronchopulmonale Aspergillose (ABPA). Diese Lungenerkrankung wird als Analogon der allergischen Pilz¬sinusitis angesehen. Die Patienten leiden meist an einem chronischen Asthma, das schwierig zu behandeln ist («difficult-to-treat Asthma»), einer Mukoviszidose (zystischeFibrose) oder an Bronchiektasien (Befund im Lungen-CT). Wenngleich verschiedene Pilze diese Lungen-spezifische Erkrankung verursachen können, werden oft Aspergillus-Arten im Sputum identifiziert. Eine ABPA kann sich durch eine (progrediente) Verschlechterung des Asthmas, schweren Hustenanfällen oder dem Ausstoss von zähen, bräunlich bis blutigen Schleimpfröpfen manifestieren. Im Blut wird in der Regel eine Eosinophilie (>0,5 G/l) und ein deutlich erhöhtes Gesamt-IgE (>1000 kU/l) vorgefunden. Für die Diagnose wird im Allgemeinen eine Sensibilisierung auf Pilzantige gefordert.
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Kontaktekzeme auf Pilze sind meist auf die Hände und Vorderarme beschränkt und werden fast nur bei Personen beobachtet, die intensiv mit Pilzen arbeiten (Pilzzüchter). Personen, die an atopischen Ekzemen (Neurodermitis) leiden, können bei Exposition mit Pilzantigenen akute Ekzem¬schübe erleiden, auch wenn sie keine eigentliche Allergie auf Pilze haben. Nahrungsmittelallergien in Zusammenhang mit dem Essen von Speisepilzen, z.B. Steinpilze, Shiitake oder Austernpilze sind zwar selten, aber sie können gelegentlich Ursache einer alimentären Allergie sein. Die häufigsten Symptome bei einer Pilzallergie nach deren Konsum sind: generalisierter Hautjuckreiz, Bauchschmerzen und Durchfall. Seltener wird ein generalisierter Nesselausschlag (Urtikaria) oder ein allergischer Schock (Anaphylaxie) beobachtet.
WIE FINDE ICH HERAUS, OB ICH EINER PILZALLERGIE LEIDE?
Eine Sensibilisierung auf Pilze kann durch Hauttests oder Messungen spezifischer IgE Antikörper aus dem Blut nachgewiesen werden. Allerdings ist die klinische Bedeutung nicht immer einfach abzuschätzen, so dass häufig zusätzlich Tests nötig sind. Bei Ekzemen können Patch- oder Epikutantests mit Pilzextrakten durchgeführt werden.
WAS KANN GEGEN EINE PILZALLERGIE GEMACHT WERDEN?
Da Pilze überall vorkommen, ist es praktisch unmöglich, den Kontakt mit Sporen oder Pilzanteilen (z.B. Myzelien), vollständig zu vermeiden. Trotzdem lassen sich im Wohnbereich Massnahmen treffen, um dem Pilzwachstum erschwerende Lebensbedingungen zu bieten (vgl. Kasten). Für die Behandlung von Pilzallergien werden dieselben Medikamente verwendet wie beim «Heuschnupfen» oder beim Asthma. Damit lassen sich die Symptome meist mildern. Spezifische Immuntherapien (Hyposensibilisierungen) mit Pilzextrakten werden nur selten durchgeführt (z.B. mit Alternaria oder Cladosporium).
KRANKHEITEN, DIE MIT PILZEN IN ZUSAMMENHANG GEBRACHT WERDEN:
• Allergische Rhinitis, Sinusitis und/oder Konjunktivitis
• Allergische Pilzsinusitis und allergische bronchopulmonale Mykose
• Allergisches Asthma: exogen allergische Alveolitis
• Hautallergien (seltener): Urtikaria, atopische Dermatitis, Kontaktekzem