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KUNST & VOLK
«Wir kämpfen dafür, dass das Kunsterlebnis uns nicht Luxus bedeute, sondern inneres Bedürfnis werde.»
In der Zeitschrift «Kunst und Volk» fanden Albert und Melanie Rüeggs öffentliches Engagement für Kunst und für die Interessen, Sorgen und Kämpfe der Künstler seinen stärksten Ausdruck. Die von Albert und Melanie Rüegg herausgegebene Zeitschrift erschien alle zwei Monate, erstmals Anfang 1939 – rückblickend ein überraschender Zeitpunkt für die Lancierung eines derartigen Periodikums. Die mit «Blätter zur Förderung des Verständnisses für das Schaffen in der bildenden Kunst» umschriebene Zeitschrift erschien in einer Startauflage von 200 Exemplaren. Nach Anfangsschwierigkeiten bedingt durch den 2. Weltkrieg verstand er es, «Kunst und Volk» innerhalb weniger Jahre aus bescheidenen Anfängen zu einiger Blüte zu führen; die Auflage erreichte zu besten Zeiten bis 1500 Exemplare. Die Nachkriegskonjunktur, die den Umfang des Hefts vorübergehend auf 40 Seiten (davon 18 Seiten Werbung!) anschwellen liess, war indes von kurzer Dauer. 1947 zwangen die enorm gestiegenen Herstellungskosten die Herausgeber zu einer bescheideneren Aufmachung des Blattes. Das Jahresabonnement kostete übrigens während der ganzen Erscheinungsdauer der Zeitschrift 12 Franken (6 Nummern). Als «Kunst und Volk» nach 20 Jahren sein Erscheinen einstellte, so geschah dies nicht aus finanziellen Gründen, sondern damit sich Albert und Melanie Rüegg ganz der freien künstlerischen Arbeit widmen konnten.
Die Ausstrahlung von «Kunst und Volk» hielt indes an und reichte über die Landesgrenzen hinaus. Das Heft war auch im Ausland erhältlich; das Impressum listete Bezugsquellen in diversen europäischen Ländern von Grossbritannien bis hinter den Eisernen Vorhang (Tschechoslowakei), ausserdem in den USA und Kanada. Seit 1946 führte «Kunst und Volk» den Untertitel «Art and you. The Swiss Art Magazine that aims at making the treasures of Art known to a wider public» und enthielt englischsprachige Zusammenfassungen der wichtigsten Artikel.
Das in der Erstausgabe erwähnte Leitbild «Kunst gehört ins Volk» wurde von der Überzeugung getragen, dass Leben und Kunst eins seien, so wie in der chinesischen Sprache, die nur ein Wort für beide Begriffe kennt. Im Vordergrund stand nicht die «hohe» Kunst, sondern vielmehr die Kunst aus dem Volk: Die Kunst sollte alltäglicher und lebendiger Teil des Lebens bilden. Die Zeitschrift setzte sich zum Ziel, die Verflechtung von Kunst, Volk und Leben zu fördern. Jede Nummer war einem bestimmten Thema gewidmet. Mit der Beschreibung und Deutung wichtiger Werke oder Kunstgattungen versuchten die Herausgeber, den Wert und die Bedeutung der Kunst zu begründen.
Einsatz für die Kunst – von Beginn weg propagierte Rüegg den Kerngedanken, dass gute Kunst nicht teuer sein muss und dass es deshalb eine Alternative zu Ramsch und Kitsch gibt: «Künstlerisch wertvolle Ware ist nicht teurer als kitschige Ramschware, für wenig Geld erhältst du eine Original Radierung». Von der ersten Ausgabe an wurden die Artikel von Leitsprüchen begleitet, die erkennen liessen, dass Rüegg seine Leserschaft weniger in den Reihen der Kunstsachverständigen als vielmehr in der breiten Bevölkerung suchte. Konsequenterweise bezog Rüegg auch die Jugend in sein Bestreben ein. Getreu dem Motto «Kunsterziehung fängt beim Kinde an» [K&V 1/1954], gab Rüegg Original-Litographien an die Zürcher Schulen als Wandschmuck ab. Rüegg war überzeugt von seiner Mission; nach fünf Jahren vermerkte er selbstsicher: Das Programm von «Kunst und Volk» soll «im Volk zu einem inneren Bedürfnis werden» [KuV 1/1944].
Neuerungen gegenüber zeigte sich Rüegg eher zurückhaltend, von Mode und Zeitgeist hielt er nichts. Er glaubte an die Beständigkeit grundlegender Werte und war überzeugt, dass es «nur eine Grösse und eine Tiefe in der Kunst» gibt.
Herausgeber und Autoren. Albert Rüegg fungierte als alleiniger Herausgeber seiner Zeitschrift. Für die Artikel konnte er diverse zum Teil namhafte Autoren gewinnen, deren Aufgabe es war, «gute Kunst in einfacher Sprache ins Volk zu tragen». Seine Frau wurde zwar manchmal ebenfalls als Herausgeberin genannt, im Impressum wurde sie indes nie als solche aufgeführt.
Förderkreis
«Kunst und Volk» war das Produkt von Albert und Melanie Rüegg. Trotz dem grossen Engagement und inneren Feuer der beiden war die Zeitschrift auf die Unterstützung zahlreicher Personen aus dem Förderkreis angewiesen. Zu den ersten Förderern zählten u.a. Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler, W. Buchmann (WAKABU), Moritz Hermann, M. Eichenberger, Dr. Elsa Gasser, Erwin Jaeckle, Gottfried Kleiner, Paul Link, Emil Rentsch, P. Riesterer und andere mehr. Später gehörten dem Forderkreis Prof. Dr. Linus Birchler (Lehrstuhl für Kunstgeschichte ETH Zürich), Franz Fischer (Bildhauer), Baron E. von der Heydt (Ascona), Prof. Dr. Paul Ganz (Direktor Archiv für Kunstgeschichte Basel), Hubert Griot (Kunstkritiker), Herbert Gröger (Präsident Kunsthistoriker-Vereinigung Zürich), Frau Dr. Gsell-Heer (Präsidentin Gesellschaft Schweizer Malerinnen und Bildhauerinnen), Max Gubler (Kunstmaler), Hermann Haller (Bildhauer), Hermann Hubacher (Bildhauer), J. Itten (Direktor Kunstgewerbemuseum Zürich), Dr. Heinz Keller (Direktor Kunstmuseum Winterthur), E. Lüthy (Direktor Allgemeine Plakatgesellschaft Zürich), Prof. Dr. C. von Mandach (Direktor Kunstmuseum Bern), Fritz Pauli (Kunstmaler, Cavigliano), Carl Roesch (Kunstmaler, Diessenhofen), Dr. W. Sulser (Kunsthistoriker) und Dr. W. Wartmann (Direktor Kunsthaus Zürich) an.
Autorinnen und Autoren
- Birchler, Linus Prof. Dr., Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der ETH Zürich
- Briner, Eduard
- Delogu, Guiseppe Prof. Dr., Mitglied der R. Accademia di Belle Arti di Venezia und des Internationalen Kommitees für Kunstgeschichte
- Ertel, K.F., Konservator Kunstmuseum Giessen
- Flury, Karl, Kunstkritiker
- Griot, Gubert, Kunsthistoriker
- Gröger, Herbert, Redaktor NZZ, Präsident der Kunsthistoriker-Vereinigung Zürich
- Hugelshofer, Walter Dr., Kunstkritiker
- Rüegg, Albert, Künstler
- Rüegg-Leuthold, Melanie, Künstlerin
- Sulser, Wilhelm, Kunstkritiker