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Die Schweizer Währung weist, wie der Altmeister der monetären Ökonomie in der Schweiz, der Basler Professor Peter Bernholz, an einem Abendlichen Gespräch von Avenir Suisse bemerkte, eine langfristige, fast historische Tendenz zur Stärke auf. Zwar gibt es zwischendurch immer wieder Phasen der Schwäche, wie etwa zwischen 2003 und 2008. Es sind dies jeweils Perioden, in denen die Weltwirtschaft von einer relativ geringen Risikoaversion geprägt ist.
Sobald es aber zu krisenhaften Entwicklungen kommt, sobald wieder mehr Sicherheit gefragt ist und «sichere Häfen» gesucht werden, kommt der Franken unter «Aufwertungsdruck». Das war auch nach dem Ausbruch der Subprime-Krise im Sommer 2007 nicht anders und insofern noch nicht weiter beunruhigend. Weil es jedoch nicht bei dieser einen Krise blieb, sondern darauf eine veritable Finanz- und Wirtschaftskrise und in Europa und den USA eine tiefgreifende Schuldenkrise folgte, kam es zeitweise zu einer ungewöhnlich starken und raschen Höherbewertung des Frankens.
Avenir Suisse stellte sich vor diesem Hintergrund schon zu Beginn des Jahres 2011 die Frage, was für Handlungsmöglichkeiten die Schweiz hat, wenn sich der «Aufwertungsdruck» in einem Ausmass akzentuiert, dass schwere strukturelle Verwerfungen drohen. Gemeint sind damit nicht nur rezessive und deflationäre Tendenzen, wie sie unter anderem etwa zur Rechtfertigung der umstrittenen Interventionen der Schweizerischen Nationalbank zwischen März 2009 und Mai 2010 herhalten mussten, sondern massive Auswirkungen auf die Investitions- und Standortentscheide der Unternehmen.
Die Antwort von Avenir Suisse auf die obige Frage in einem Diskussionspapier vom Februar 2011 lautete, dass, wenn Unternehmen beginnen, allein wegen der Wechselkurssituation Produktionsstätten zu schliessen, die Produktion ins Ausland zu verlagern und die Schweiz nicht mehr als Sitz ihres Unternehmens zu wählen, als Ultima Ratio die vorübergehende Festlegung einer Untergrenze für den Wechselkurs des Euro in Franken ins Auge gefasst werden müsste. Hingegen wies Avenir Suisse damals wie heute Konjunkturpakete sowie industriepolitisch angehauchte Stützungsmassnahmen, wie sie der Bundesrat nun angekündigt hat, als kontraproduktiv und ordnungspolitisch bedenklich weit von sich. Als im Juli und August 2011 der Frankenkurs noch einmal deutlich stieg und zeitenweise die Parität zum Euro streifte, war dies genau jene von uns im Februar noch als reichlich hypothetisch eingeschätzte, ungemütliche Situation, die unkonventionelle Massnahmen rechtfertigt.
Mit einigen Aufsätzen auf Avenir Suisse Online versuchten Alois Bischofberger, Rudolf Walser, Martin Wermelinger und Boris Zürcher noch einmal einige Aspekte der Geld- und Wechselkurspolitik zu beleuchten, die Rolle der Spekulation, die Gründe für eine verzögerte Weitergabe von Wechselkursgewinnen an die Konsumenten, die Unmöglichkeit der Bestimmung eines richtigen Wechselkurses und die Schmerzgrenze eines starken Frankens für die Unternehmen. Schliesslich legte Alois Bischofberger dar, warum nun im Urteil von Avenir Suisse der Moment gekommen ist, an eine Untergrenze zu denken, warum mit anderen Worten die unbestreitbaren Risiken einer solchen Massnahme als geringer erscheinen als die Risiken dauerhafter Arbeitsplatzverlagerungen.
Als die Nationalbank dann zwar intervenierte, aber in der Kommunikation weiterhin relativ schwammig blieb und sich nicht auf ein Ziel festlegen wollte, organisierte Avenir Suisse sehr kurzfristig ein Abendliches Gespräch mit drei Experten, Prof. Peter Bernholz, Prof. Peter Kugler und PD Tobias Straumann, um die Fragen um eine solche temporäre Kursuntergrenze vertiefend zu diskutieren. Ein ungewöhnlich grosser Zulauf (die verfügbaren Plätze waren in kürzester Zeit «ausverkauft») zeigt, wie stark das Problem derzeit unter den Nägeln brennt. Wir haben deshalb die Online-Beiträge nochmals überarbeitet und der Aktualität angepasst, ohne allerdings an ihrem grundsätzlichen Tenor etwas zu ändern, und legen sie hier in gebündelter Form vor, zusammen mit einem schon früher erschienenen Beitrag aus der Feder des Unterzeichneten über die dringend gebotene Unabhängigkeit der obersten Währungshüter und mit der Berichterstattung über den Diskussionsanlass vom 18. August 2011 durch unseren regelmässigen externen Mitarbeiter Markus Schär.