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öffentliche Unternehmungen bestimmten Gelder verwalteten. Die äussere Blüte der Stadt während und nach der Herrschaft der Flavier musste ihrer neuen politischen Stellung und dem Anwachsen ihrer Bevölkerung auf 30-40000 Seelen entsprechen. Die nächste Folge war der Bau einer befestigten Ringmauer, die ein Polygon von 6 km Umfang darstellte und das heutige Dorf Donatyre und den stufenförmigen Abfall s. der Stadt derart umfasste, dass nur der Wald von Châtel mit dem römischen Castellum ausserhalb ihres Umkreises blieb. Dieses letztere, von dem heute noch einige Spuren übrig geblieben sind, datiert aus einer weit spätern Zeit als der Bau der Ringmauer selbst.
Wie die Terrainbeschaffenheit den römischen Baumeistern den Verlauf der Ringmauer vorschrieb, hat sie auch deren Bauart beeinflusst. So ruht in der sumpfigen Niederung gegen den Murtensee ihr Unterbau auf Pfählen aus Eichenholz, und beim Bau der Mauer selbst ist hier der Jurakalk weit mehr zur Verwendung gelangt als auf der S.-Seite der Mauer, wo der weichere Sandstein von Châtel und La Molière vorherrscht. Die Vorwerke sind überall von der Oberfläche des Bodens verschwunden; auf der Terrasse des Museums wird blos noch eine einzige der Steinplatten aufbewahrt, die die Mauer oben in einer Höhe von ca. 6 m über dem Erdboden durchgängig bedeckten. Das am vollständigsten erhaltene Stück der Mauer ist der Abschnitt, der von der Tornallaz (einem römischen Wachtturm) zum Osttore führt.
Die Tornallaz, der einzige der stehen gebliebenen Mauertürme, hat aber ihre ursprüngliche Gestalt nicht mehr beibehalten, indem in ihr am Ende des 18. Jahrhunderts ein Tordurchgang durchgebrochen und sie 1856 einer wenig glücklichen Restauration unterzogen wurde. Der 12 m hohe Turm zählt heute ausser dem Erdgeschoss zwei mit Fenstern und Schiessscharten versehene Stockwerke. Nach den Angaben von Fr. v. Graffenried dürfte die gesamte Ringmauer ca. 80 derartige Wachttürme gezählt haben.
Die zum Zwecke der Anhandnahme systematischer Nachgrabungen 1885 gegründete Association Pro Aventico hat der Reihe nach an den wichtigsten der erhaltenen Mauerreste zwischen dem Bahnhofe und der Oertlichkeit La Maladaire Sicherungsarbeiten vornehmen lassen. Den besten Ueberblick über die ursprüngliche Maueranlage gestattet der Abschnitt Tornallaz-Osttor; hier zeigt die Mauer bei einer Mächtigkeit (an der Basis) von 3 m eine Höhe von 3½-4 m.
Seitdem Secretan im «Bulletin» II der Gesellschaft Pro Aventico 1888 auf das ehemalige, im Centrum der nö. Front der Ringmauer gelegene Osttor aufmerksam gemacht hat, sind 1897-1900 von J. Mayor an dieser Stelle Nachgrabungen vorgenommen worden, die denn auch wirklich den Unterbau eines monumentalen Tores bloslegten. Und zwar musste dieses Tor eines der bedeutendsten der Stadt gewesen sein, da die durch dasselbe führende Strasse, die die alte Stadt der Länge nach durchschnitt und sie in zwei Hälften teilte, selbst die Hauptverkehrsader derselben, die decumana major war.
Direkt der Ringmauer eingefügt, stand dieses Osttor keineswegs etwa in der Art eines Triumphbogens frei für sich da. Ein viereckiges Bauwerk von ca. 29 m Länge und 20 m Breite lehnte es sich mit seiner Längsseite an die Ringmauer an und liess die Fahrstrasse in einem centralen Torweg durchgehen. Seitlich von diesem dienten zwei besondere Gänge dem Fussgängerverkehr, während zwei weitere diesen parallel verlaufende, aber nach Aussen verschlossene ins Innere von zwei runden Aussentürmen führten, die die Front des Tores flankierten und dessen Uebergang in die Ringmauer vermittelten.
Der zentrale Torweg war an jeder Seite durch eine halbkreisförmig ausgebuchtete Ausweichstelle für die Erleichterung des Wagenverkehrs zweckmässig eingerichtet. Auf der Aussenseite des Tores fanden sich Reste einer gepflasterten Römerstrasse, die vermutlich rund um die Ringmauer herumlief. Vielleicht krönte die Mauer auch noch eine ausgezackte Schutzwehr mit dahinter befindlichem Rundgang, zu dem in den Wachttürmen angebrachte Holztreppen hinaufführen mochten.
Der Körper des Osttores bestand aus einem durch festen Mörtel verkitteten Mauerwerk von gerundeten Kieseln und Trümmerstücken aus gelblichem Kalkstein. Den inneren Wall der Mauer bildeten kleine rechteckige Bruchsteine von 10-12 cm Höhe, deren Fugen ein sehr widerstandsfähiger Mörtel ausfüllte und die an einzelnen Stellen wunderbar gut sich erhalten haben. Die grossen behauenen Blöcke des Aussenwalles, die zugleich dem Ganzen zum Schmucke dienen sollten, sind leider überall weggerissen und zu Bauzwecken verwendet worden.
Um den Nachgrabungsarbeiten auf dem ganzen Abschnitte der Ringmauer zwischen dem Tore und der Tornallaz und an dieser letzteren Stelle selbst ihren ungestörten Fortgang zu sichern, haben der Staat Waadt und die Gemeinde Avenches die hiefür notwendigen Grundstücke käuflich erworben. Das Osttor ist von der waadtländischen Kommission für historische Denkmale unter ihre Obhut genommen worden.
Geht man auf dem von Combes herkommenden Wege vom Osttore aus der Stadt entgegen, so findet man zur Linken bei der «En Selley» genannten Stelle die Reste des alten römischen Theaters, das einst das rechteckige Forum (den öffentlichen Platz) nach S. abschloss. Während die Ringmauer und der «Cigognier» Eigentum der Gemeinde sind und das Museum mit dem Amphitheater dem Staate Waadt gehört, waren die Reste des Theaters bis 1896 teilweise der Gemeinde, teilweise Privaten zu Eigen. Im genannten Jahre erwarb die Association Pro Aventico die privaten Grundstücke um die auf dem Wege der Subskription aufgebrachte Summe von 2200 Franken, worauf das Ganze, nachdem auch die Gemeinde ¶
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ihren Besitzteil abgetreten hatte, in gesetzlicher Form an die westschweizerische Geschichtsforschende Gesellschaft überging, die der Gesellschaft Pro Aventico das Recht sicherte, hier in voller Ungestörtheit die 1889 begonnenen Nachgrabungen zu vollenden.
Der beistehend nach den letzten Aufnahmen von 1900 abgebildete Grundriss des Theaters lässt erkennen, dass dieses einen weiten mit den Aussenmauern 106 m Durchmesser und 53 m Radius umfassenden Halbkreis bildete, an den sich im N. der viereckige Bau für die Bühne mit eben falls 106 m Frlanger ont ^[richtig: langer Front] und 30 m Breite anschloss. Es ist anzunehmen, dass das Theater vom Forum her durch einen monumentalen Porticus zugänglich war.
Von einem dem halbkreisförmigen Zuschauerraum rings herum folgenden Rundgang oder einer Galerie zweigten elf geradlinige, im Centrum des Halbkreises radial zusammenlaufende Gänge ab, von denen fünf als die Hauptzugänge sich bis zum unteren Fusse der Sitzreihen fortsetzten und auf eine halbkreisförmige Ihnnenmauer ^[richtig: Innenmauer] ausmündeten. Die sechs übrigen verbanden die Kreisgalerie mit den obern Sitzreihen vermittels Steintreppen, deren einzelne Stufen alle verschwunden sind.
Die Zugänge sind 2,2 m breit, die Gänge aber verschmälern sich in dem Masse, als sie sich von der Aussenmauer weiter nach Innen ziehen. Die den Behörden und übrigen Notabilitäten reservierte, zwischen dem Halbkreis der Zuschauer und der Bühne gelegene Orchestra bildete einen Halbkreis von 10,3 m Radius, hatte einen doppelt gepflasterten Boden und war ihrerseits wieder gegen die Bühne durch eine ebenfalls halbkreisförmige Mauer abgeschlossen, durch die auf jeder der beiden Seiten ein kleiner Durchgang die Verbindung mit jener herstellte.
Diese Bühne mit einer Frontentwicklung von 20,6 m scheint durch drei kleine im Rechteck verlaufende Mauern gestützt und nicht gepflastert gewesen zu sein, so dass die Annahme gemacht werden muss, dass die Schauspieler auf einem einfachen Bretterboden gespielt haben. Man hat ausserdem noch die zur Rechten und Linken von Aussen unmittelbar zur Bühne führenden zwei Seitengänge blosgelegt, die von rechtwinklig zu den Aussenmauern abzweigenden Radialmauern eingefasst sind. Die 1898-1900 an der Bühne vorgenommenen Räumungsarbeiten förderten ferner ein wahrscheinlich zu einer Säule der Bühnenmauer gehöriges Capitäl und einen Teil eines unter der Bühne durchlaufenden Abzugskanals zu Tage.
Der 10-12000 Personen fassende Zuschauerraum ist schon oft der Gegenstand von Nachgrabungen gewesen (so besonders 1840-42) und bot bis 1889 den Anblick eines wilden Chaos von mit Buschwerk bestandenen Schutthaufen. Von diesem Zeitpunkte an haben dann die Arbeiten der Gesellschaft Pro Aventico die Aussenmauer mit dem Rundgang und den Eingängen zu den Radialgängen auf eine Länge von 60 m und eine Tiefe von über 4 m offen gelegt. Darauf sind im nö. Abschnitt des Halbkreises auch diese Gänge selbst wieder aufgefunden worden. Man kennt also heute von den fünf Haupteingängen deren drei, dann zwei der dazugehörigen grossen Gänge und endlich drei Nebeneingänge mit den von ihnen auslaufenden kleinen Gängen. Die Bauart der Mauern ist im allgemeinen der des Osttores ähnlich, mit dem Unterschiede, dass die verwendeten Bruchsteine abwechselnd von grauer und gelber Farbe sind. Die obere Fläche hat man heute durch einen Zementmantel geschützt, dem eine Lage Humus auf liegt.
Obwohl weniger gut erhalten als das römische Theater von Augst, wird doch auch dasjenige von Avenches, sobald es einmal völlig blosgelegt ist, für den Archäologen von grossem Interesse sein und ihm ein wertvolles Studien- und Beobachtungsfeld bieten. Dass dabei auch die Bewohner von Avenches nicht leer ausgehen werden, dafür sorgt das Projekt der Gesellschaft Pro Aventico, einen Teil des Bauwerkes zu einem öffentlichen Spazierwege umzugestalten.
Nordwestlich vom Theater dehnt sich ein rechteckiges Stück Sumpfland, das ehemalige Forum, aus, an dessen gegenüberliegendem Ende der Cigognier (die «Storchensäule») steht, der seinen Namen einem einst lange Zeit auf ihm nistenden Storchenpaare verdankt. Es ist dies eine, ohne den noch im Boden verborgenen Sockel 12 m hohe Säule aus mächtigen behauenen Blöcken von weissem Jurakalk, die ohne eine Verfestigung durch Mörtel aufeinandergetürmt sind. Von ihrer SO.-Front löst sich eine mit einem korinthischen Capitäl gekrönte Halbsäule ab und an die O.-Seite des Mauerpfeilers lehnt sich eine zweite kleinere Säule an, über der der Ansatz eines Bogens sichtbar ist, der das Denkmal in dieser Richtung fortsetzte und vollendete. Bursian deutet den Cigognier als den Ueberrest einer Art von Cryptoporticus, der sich rund um das Forum zog, während Ritter in ihm ein monumentales Tor, einen fornix, sah; in diesem Falle wäre der Porticus ein im Rechteck mit vier Arkaden gezierter doppelter gewesen. Es wird sich die Frage vielleicht dann endgültig lösen lassen, sobald einmal systematische Nachgrabungen die genaue Anlage der anschliessenden Mauern festgestellt haben werden.
Das römische Amphitheater liegt in einem mit etlichen Bäumen bepflanzten Bodeneinschnitt w. des Museumturmes. Es bildete eine 103 m lange und 93 m breite Ellipse und bot 10-12000 Zuschauern Raum. Die einzigen sichtbaren Ueberreste dieses Bauwerkes sind die aus Mauerwerk aufgeführten Halbkreise, von denen heute acht vor der NW.-Seite des Museumturmes und drei s. der Terrasse aufgedeckt sind und die der Umfassungsmauer als Stützen zu dienen bestimmt waren.
Der Turm, in dem das Museum untergebracht ist, ruht auf einem zum Amphitheater gehörigen Gewölbe; ebenso datieren die zwei in spitzem Winkel zusammenstossenden Mauerstücke hinter dem Turm und der Unterbau der über der Strasse nach Murten und dem Garten du Rafour sich erhebenden Mauer noch aus der Römerzeit. Der Turm selbst scheint vom bernischen Landvogt Oberst Wyss im ¶