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Zwei Jahre nach seinem letzten Film und einen Social-Media-Trend später ist er da, der neue Film von Kultregisseur Wes Anderson. Der gewohnt hochkarätige Cast findet sich in «Asteroid City» in einer Wüstenstadt wieder, wo ein unerwarteter Gast die Welt der Anwesenden ins Wanken bringt. Ein Film, der aber auch ein Theaterstück ist, über das in einer Fernsehsendung berichtet wird und einen die ganze Zeit über grinsen lässt.
Mit seinen drei kleinen Töchtern (Ella, Gracie und Willan Faris), seiner Kamera und seiner Pfeife im Schlepptau bringt der Kriegsfotograf Augie Steenbeck (Jason Schwartzman) seinen hochbegabten Sohn Woodrow (Jake Ryan) in die Wüstenstadt Asteroid City. Die Stadt wurde nach einem Ereignis benannt, das vor mehreren tausend Jahren stattfand: Ein Meteorit schlug mitten in der Wüste ein und hinterliess einen riesigen Krater. Zu Ehren dieses Einschlags findet in Asteroid City jedes Jahr die «Junior Stargazer Convention» statt, wozu auch Woodrow eingeladen wurde. Die aufstrebenden Wissenschaftsgenies des Landes werden dort für ihre ebenso ambitionierten wie amüsanten Highschool-Projekte ausgezeichnet. Was Augie seinen Kindern jedoch vorenthält: Ihre Mutter ist nicht, wie sie glauben, aufgrund ihrer Krankheit nicht mitgekommen, sondern weil sie bereits vor drei Wochen verstorben ist.
Wie man es bereits aus Wes Andersons letztem Film, «The French Dispatch» (2021), kennt, wird «Asteroid City» ebenfalls auf verschiedenen Ebenen erzählt. Die Figuren sind nämlich nicht nur Teil des Films, sie spielen auch im gleichnamigen Theaterstück mit. Und über die Entstehung jenes Theaterstücks erfahren wir mehr in einem Dokumentarfilm, der im Fernsehen ausgestrahlt wird. Diese verschachtelte Erzählweise wird durch den Wechsel zwischen Schwarzweiss- und Farbfilm sowie durch verschiedene Bildformate unterstützt.
Als Augie seinen Kindern die Wahrheit auf Druck seines Schwiegervaters (Tom Hanks) hin trotzdem erzählt, finden sowohl er als auch seine Kinder unterschiedliche Wege, mit ihrer Trauer umzugehen. Die Mädchen trösten sich mit Hexenritualen, Augie flüchtet sich in einen Flirt mit der Schauspielerin Midge Campbell (Scarlett Johansson), Woodrow verliebt sich in ihre Tochter Dinah (Grace Edwards) und sucht in der Astronomin Dr. Hickenlooper (Tilda Swinton) so etwas wie eine Ersatzmutter.
«Eines von Andersons Markenzeichen, seine unverkennbare Ästhetik, kommt in ‹Asteroid City› nicht zu kurz. Jede Einstellung passt, könnte eingerahmt und im Wohnzimmer an die Wand gehängt werden.»
Eines von Andersons Markenzeichen, seine unverkennbare Ästhetik, kommt in «Asteroid City» auch nicht zu kurz. Jede Einstellung passt, könnte eingerahmt und im Wohnzimmer an die Wand gehängt werden. Sein Faible für Pastellfarben und seine Liebe zur Symmetrie werden auch in seinem neuesten Film zelebriert. Dieser einzigartige visuelle Erzählstil brachte ihm vor kurzem auch einen Social-Media-Trend ein. Plötzlich versuchte die ganze Welt, ihr Leben zu Wes-Andersonifizieren – den einen gelang es recht gut, bei anderen blieb es beim Versuch.
Auch die Wüstenstadt selbst zeigt sich perfekt zurechtgemacht, mit nur einer Strasse, die mitten durch den Ort führt. Unordnung in die hübsch geordnete Stadt und deren Stargazer Convention bringt schlussendlich ein Ausserirdischer – gespielt von einem grossartigen Jeff Goldblum, so viel sei verraten. Er nimmt den Meteoriten mit, welcher der Stadt damals ihren Namen gab. An diesem Punkt geht auch für die Zuschauer*innen die so säuberlich aufgestellte Ordnung etwas verloren. Ein sorgfältig sortiertes Ende darf man nicht erwarten, die Fäden der Geschichte muss man sich selbst wieder zurechtlegen.
«Unordnung in die hübsch geordnete Stadt und deren Stargazer Convention bringt schlussendlich ein Ausserirdischer. An diesem Punkt geht auch für die Zuschauer*innen die so säuberlich aufgestellte Ordnung etwas verloren. Ein sorgfältig sortiertes Ende darf man nicht erwarten, die Fäden der Geschichte muss man sich selbst wieder zurechtlegen.»
Andersons Filme mögen manchmal überfordern. Er weiss jeden noch so kleinen Raum zu nutzen, den seine Geschichten hergeben. Nach dem detailreichen «The French Dispatch» (2021) und dem mehrfach als Meisterwerk bezeichneten «The Grand Budapest Hotel» (2014) ist «Asteroid City» wohl einer seiner zugänglicheren Filme. An Witz fehlt es diesem Film auf jeden Fall nicht, die Lacher sitzen und lassen einen die zeitweise nicht ganz zu Ende gesponnenen Gedanken verzeihen. Eine Komödie, die für zwei Stunden in eine einzigartige Welt entführt, in der vieles bekannt vorkommt.
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Kinostart Deutschschweiz: 15.6.2023
Filmfakten: «Asteroid City» / Regie: Wes Anderson / Mit: Jason Schwartzman, Scarlett Johansson, Tom Hanks, Jake Ryan, Jeffrey Wright, Tilda Swinton, Bryan Cranston, Edward Norton, Adrien Brody, Liev Schreiber, Hope Davis, Stephen Park, Rupert Friend, Maya Hawke, Ella Faris, Gracie Faris, Willan Faris, Steve Carell, Matt Dillon, Hong Chau, Willem Dafoe, Margot Robbie, Tony Revolori, Jeff Goldblum, Sophia Lillis / USA / 105 Minuten
Bild- und Trailerquelle: © Universal Pictures Switzerland / © 2023 Focus Features, LLC.
Ist «Asteroid City» Wes Andersons bester Film? Vermutlich nicht ganz. Spass macht er dennoch und er zeigt ganz prägnant das, wofür Wes Anderson steht.