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Die Felsdarstellung mit Höhenkurven und Schraffen
Von W. Blumer
Mit 1 Bild ( 68 ) und 2 KartenzeichnungenBern ) Wie die Geländedarstellung im allgemeinen, hat die kartographische Darstellung der Felsgebiete im besondern eine Entwicklung durchgemacht, die heute noch nicht zu einem allseits befriedigenden Abschluss gelangt ist. Im Jahr 1828 hat H. Dufour die erste Anleitung für die Felsdarstellung auf schweizerischen Karten gegeben. Er verlangte eine in grossen Formen möglichst naturgetreue, markante, « orographische » Darstellung. Diese ist mehr oder weniger grob und schematisch. In der Instruktion für die Herausgabe der Siegfriedkarte von 1869 wird sodann eine genauere, « genetische » Wiedergabe der Struktur des Felsens gefordert, ohne dass die Einzelformen den Gesamteindruck beeinträchtigen sollen. Die Schraffen werden feiner, und diese Art der Darstellung verlangt Verständnis für den geologischen Aufbau des Felsens sowie künstlerische Fähigkeit.
Bald nach der Vervollkommnung der Photographie um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde zuerst in Frankreich, später in Italien besonders erfolgreich versucht, von den Endpunkten einer Standlinie nach dem gleichen Geländeabschnitt orientierten photographischen Aufnahmen aus Karten zu konstruieren1.
1 Als erster hat der Luzerner Stadtarzt, Naturforscher und Geometer Moritz Anton Kappeier, 1685 bis 1769, das Prinzip der Photogrammetrie erkannt und angewendet. Seiner naturwissenschaftlichen Beschreibung « Pilati montis Historia » legte er ein nach eigenen Vermessungen gezeichnetes Kärtchen des Pilatus bei und schreibt 1726 an die Luzerner Regierang, er habe eine exakte Topographie der Landschaft angefertigt « in einer schon lang invenirten Manier, dadurch in einem tag ein einziger Geometra mehr Land auff dass papier bringen kan alss zehn andere und dass so precis und umständlich, dass kein einiges Objec-tum aussbleibet und sich alles ohne sonderliche arbeit eintragen lasset. Wass noch dass verwunderlichst ist, Die Alpen - 1954 - Us Alpes12 Vor einigen Jahrzehnten führte die weitere Entwicklung der Photogrammetrie zur Stereophotogrammetrie und zur Möglichkeit, die Höhenkurven mit geometrischer Genauigkeit auch in unzugänglichem Felsgelände festzuhalten. Daraus ergibt sich für die Felsdarstellung auf Karten ein neues Problem.
Auf unserer Neuen Landeskarte 1:50 000 ist, der Kleinheit des Maßstabes wegen, die bisherige Schraffenmethode der Siegfriedkarte beibehalten worden. Für die Neue Landeskarte 1:25 000 und grössere Maßstäbe dagegen stellt sich die Frage, welche Felsdarstellungs-art angewendet werden soll, ob reine Schraffenzeichnung, eine Darstellung einzig durch Höhenkurven ohne Felszeichnung, oder eine Verbindung dieser beiden Methoden.
Eine gute Schraffenzeichnung ist anschaulicher, ausdrucksvoller als eine Darstellung einzig mit Höhenkurven, die wohl für jede Lage die genaue Höhe und richtige Böschung abzulesen ermöglicht, aber keine unmittelbare Vorstellung von der Physiognomie des Felsens vermittelt. Die reine Kurvendarstellung ist daher unbefriedigend, weil der Kartenbenützer sich daraus kein konkretes Bild des betreffenden Felsens machen kann. Die Lösung des Problems sollte daher in einer Verbindung von Höhenkurven mit einer die Eigenart und Struktur des Felsens darstellenden Felszeichnung gefunden werden können. Zudem kann die Plastik durch einen Relief ton erhöht werden.
Schon 1927 habe ich am Beispiel des Matterhorns Versuche im Maßstab 1:50 000 veröffentlicht \ Grundelemente waren Felsgerippezeichnung, Höhenkurven, zusätzliche schat-tierende Schraffierung und bei zu enger Kurvenscharung eine Vertikalschraffur. Einige Jahre später habe ich auf der « Karte des Glärnischgebietes » 1:25 0002, gedruckt 1937, nochmals meine Auffassung über Felsdarstellung dargelegt. Leider hat der Kupferstecher dieselbe nicht durchwegs richtig erfasst. Währenddem er den Südhang des Glärnisch der Originalzeichnung einigermassen entsprechend wiedergegeben hat, ist ihm dies am Nordhang nicht gelungen, so dass diese Partie nicht als massgebend gelten kann. Ein hier beigegebener Ausschnitt aus der Aufnahme des Nordhangs Vrenelisgärtli—Ruchen zeigt, doppelt vergrössern die Originaldarstellung. Die Felskurven verlaufen, wie im übrigen Gelände, in 20 m Äquidistanz. Eine charakteristische Felsschraffenzeichnung nach bestimmten Grundsätzen ergänzt das Kurvenbild und steht mit ihm in harmonischem Zusammenhang. Wo die Höhenkurven bei steilen Wänden sich so eng zusammenscharen, dass sie von blossem Auge nicht auseinandergehalten werden können, sind sie, mit Ausnahme der 100-m-Leitkurven, unterbrochen und durch eine Vertikalschraffur ersetzt. Flachere Partien sind vorwiegend mit Horizontal-schraffen gezeichnet, die sich gut in die Kurven einfügen, wobei die letztern im Schatten den Schraffen entsprechend verstärkt sind und dadurch ein homogenes, ungestörtes, gut lesbares Bild geben. Je nach der natürlichen Gegebenheit sind weitere Schraffen wiederum vertikal oder geneigt, wie zum Beispiel bei isolierten Felsköpfen oder geneigten Schichten. Es liegt darin eine gewisse Schematisierung, die durch den Charakter des Felsens und die Höhenkurven bedingt wird, die aber die naturgetreue Darstellung nicht beeinträchtigt3.
so habe ich nicht einmahl von nöthen beyder Stationen distanz zu wissen. Alle bissher gebrauchte Méthodes sind en égard diser Lauter pfuschwerk. Nur ein wort darvon zu sagen, so wird solche durch hilff zweyer prospectus, die in gar wenig zeit könen gemacht werden, zu wegen gebracht. Ich flattiere mich, dass disess die Letzte invention seye, die man zum Landverzeichnen erdenken könne. » 1 U. a. in « Die Alpen », Bd. III, 1927, S. 450.
2 Die « Karte des Glärnischgebietes » umfasst das Gebiet Klöntal—Rossmattertal—Silbernalp—Bösbächital und das Linthtal von Luchsingen bis Glarus—Riedern. Ausgaben mit und ohne Reliefton. Die Karte wurde für den Auflagedruck von den Kupferplatten auf Stein umgedruckt, wodurch die Zeichnung an Schärfe eingebüsst hat. Besprechung in « Die Alpen », Bd. XIV, 1938, Varia, S. 24.
3 Die neue Landeskarte 1:50 000 und 1:25 000 zeigt ebenfalls eine Schematisierung der Felszeichnung. Die Schraffen sind vorwiegend horizontal gezeichnet. Es ist dies eine einfache und relativ leicht zu erler- Ingenieur W. Kreisel hat 1930 vorgeschlagen, das Kurvenbild, das er ausser den Gletschern einheitlich sepia färbt, durch eine schwarze Felsgerippezeichnung, die er als eigentliche Felszeichnung betrachtet, zu ergänzen1.
Der damalige Chef der Landestopographie, K. Schneider, kombiniert 1934 ebenfalls Felsisohypsen mit Felsgerippezeichnung, ist aber der Ansicht, die Kurvenäquidistanz im Felsgebiet um das Doppelte zu erweitern, im Maßstab 1:25 000 in den Felsen somit auf 20 m, währenddem das übrige Gelände eine Äquidistanz von 10 m aufweist 2. Diese wechselnde Äquidistanz hat den grossen Nachteil, über die wahren Böschungsverhältnisse zu täuschen, indem sie das Felsgelände flacher erscheinen lässt, ein Eindruck, dem sich auch ein geübter Kartenleser nicht entziehen kann. Diese Methode ist daher nicht empfehlenswert.
Nun hat kürzlich der jetzige Direktor der Landestopographie, Dr. S. Bertschmann, die Lösung vorgelegt, für die er sich in Anbetracht der Dringlichkeit der Herausgabe der Neuen Landeskarte 1:25 000 vorläufig entschieden hat 3. Er illustriert seine Auffassung mit einer Kartenprobe aus dem Nordhang des Glärnisch. Die alte Schraffenzeichnung wird als dominierendes Element beibehalten. Die Äquidistanz beträgt ausserhalb des Felsgebietes 20 m, in den Felsen jedoch werden nur die 100-m-Leitkurven durchgezogen. Die ungleiche fünffache Äquidistanz stört hier weniger, weil die Schraffenzeichnung die Steilheit der Böschung wirkungsvoll ausdrückt. Doch scheint diese Lösung unter Fachleuten nicht restlos zu befriedigen.
Es ist interessant, diesen neuesten Vorschlag anhand der Mustervorlage auf seine Zuverlässigkeit im Gelände zu untersuchen. Der Vergleich zum Beispiel mit der topographischen Aufnahme für die « Karte des Glärnischgebietes », von der hier zwei Ausschnitte gegeben sind, zeigt auffallend grosse Verschiedenheiten.
Grundsätzlich soll sich die Schraffenzeichnung auf den stereophotogrammetrischen Höhenkurven aufbauen. Die erwähnte Vorlage der Landestopographie bringt aber charakteristische Gegebenheiten nicht zur Darstellung. Flache Bänder zwischen steilen Felspartien kommen nicht zum Ausdruck, trotzdem der Maßstab dies ohne Nachteil zulassen würde. Weil die Schraffen nicht ganz an die Leitkurven herangezogen werden, besteht anderseits die Gefahr, Bänder vorzutäuschen, wo keine sind. Der grosse Einschnitt zwischen dem Spitzisteinturm 2672 m und dem Nidfurnerturm 2661 m sieht in Wirklichkeit, wie der Ausschnitt 2 zeigt, ganz anders aus als auf dem amtlichen Kartenmuster. Östlich daran anschliessend bis gegen den Guppenfirn, Kote 2524, zwischen den Leitkurven 2300 und 2500 zeigt die neue Vorlage eine mehr als 1 km lange hohe Felswand, währenddem auf Ausschnitt 2 und dem Übersichtsplan 1:10 000 eine solche nicht existiert. Wir haben, wie Prof. Imhof sagt, « ein schönes Antlitz, das über grobe Ungenauigkeiten hinwegtäuscht ». Unstimmigkeiten ähnlicher Art lassen sich auch beim Nordhang feststellen. Unterhalb des Ruchen fehlen auf der Kartenprobe 1:25 000 Felsbänder, die sogar auf der Neuen Landeskarte 1:50 000 zu finden sind. Es ist behauptet worden, eine reine Felsschraffenzeichnung vermöge mehr in die Einzelheiten einzudringen als eine andere Darstellungsart. Dies entspricht jedoch nende Zeichnungsweise. Sie wurde früher besonders von Ch. Jacot angewendet, währenddem L. Held mit Vorliebe vertikale Schraffen zeichnete. Man vergleiche die Blätter Nr. 480 Anzeindaz und Nr. 478 Pillon der Siegfriedkarte 1:25 000, die schematische Felszeichnung auf der Neuen Landeskarte betreffend zum Beispiel die Südwand Balmhorn—Rinderhorn auf Siegfriedblatt Nr. 473 bzw. 263 Ost Neue Landeskarte oder die Südwand der Blümlisalp auf Siegfriedblatt Nr. 488 bzw. 264 West Neue Landeskarte.
1 Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, 1930, S. 382.
2 Zeitschrift für Vermessung und Kulturtechnik, 1934, S. 207. Siehe auch Blatt « Vättis », Nr. 2350, 1942 von der Landestopographie herausgegeben.
3 « Die Alpen », Bd. XXIX, S. 219.
nicht den Tatsachen. Die deutliche Gesteinsfalte, die sogenannten « Krumme Wurm » unterhalb des Vrenelisgärtli zum Beispiel, siehe Ausschnitt 1, ist auf dem Ausfiihrungsbeispiel für die Neue Landeskarte 1:25 000 nicht einmal angedeutet.
Die Frage ist nun die: Ist eine bildhafte, markante, auf Kosten der Genauigkeit übertrieben generelle Schraffenzeichnung, ohne oder nur mit 100-m-Leitkurven, einer Wiedergabe mit Höhenkurven in Verbindung mit einer für das Auge weniger bestechenden, dafür aber genauen Felsdarstellung, wie die Ausschnitte 1 und 2 zeigen, vorzuziehen? Es sollte letzten Endes davon abhangen, welche der beiden Darstellungsarten dem Kartenbenützer im Gelände nützlicher ist. Denn was dieser benötigt, ist in erster Linie ein sicherer und zuverlässiger Wegweiser, eine genaue Wiedergabe des Geländes, auf die er sich bis in die Einzelheiten verlassen kann. Die Lösung des Problems scheint mir daher grundsätzlich nur in dieser Richtung zu suchen zu sein.
Bemerkung zu den beigegebenen Kartenzeichnungen. Die Ausschnitte 1 und 2 konnten leider umständehalber nicht in Kupferstich, Glasgravur oder Lithographie wiedergegeben, sondern nur als Strichküschee und zudem auf das gewöhnliche Textpapier gedruckt werden. Diese Reproduktionsart ist deshalb ungenügend. Das Bild verflacht und büsst an Klarheit ein. Feine Striche fallen aus und stärkere dagegen werden verbreitert. Aus diesem Grunde mussten die Zeichnungen vergrössert werden. Bei Reduktion in den Massstab 1:25 000 entsprechen die Strichstärken und Zwischenräume der Felsschraffen denjenigen der Neuen Landeskarte. Ein Reliefton sodann, der notgedrungen weggelassen werden musste, sowie die Ausführung in den Farben Schwarz, Braun und Blau, gleich der Neuen Landeskarte, hätte die Übersichtlichkeit und Lesbarkeit erst noch erhöht und die Formen plastisch hervorgehoben. Den beiden hier gegebenen Ausschnitten soll nur das Grundsätzliche entnommen werden, das für alle Maßstäbe, 1:25 000 und grösser, also auch für die Übersichtspläne der Grundbuchvermessung, gelten kann.