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Bereits zur Römerzeit gelangten vermutlich die ersten Juden in das Gebeit des heutigen Deutschland und der Schweiz. Sie lebten im Mittelalter vor allem in den Städten. In der Schweiz wurden sie zur Pestzeit (1348/49) verfolgt und verjagt, dann wohl wieder befristet aufgenommen, aber schliesslich im Laufe des 15. Jahrhunders vertrieben. Im Verlaufe des Dreissigjährigen Krieges entstanden die "Judendörfer" Lengnau und Endigen (im Surbtal, Kanton Aargau). Hier und nur hier konnten während rund zweier Jahrhunderte Juden offiziell im Gebiet der heutigen Schweiz Heimat finden. Das 19. Jahrhundert brachte nach und nach die Aufhebung der einschränkenden Bestimmungen sowie die Niederlassungsfreiheit auch für die Juden (1866). Die Judenverfolgungen der Nazizeit führten zu einem - wie heute schmerzlich bewusst wird - eingeschränkten, zeitweilig offiziell verbotenen Zuzug von Menschen jüdischer Abstammung in die Schweiz. Heute sind die meisten von ihnen Schweizer Bürger. Die schweizerischen Juden der Gegenwart bezeichnen sich mehrheitlich als liberal, einige nennen sich "konservativ". Drei bis vier Gemeinden gelten als vorwiegend strenggläubig, "orthodox" (z.B. die Israelitische Religionsgesellschaft Zürich, IRG). In Genf und Zürich gibt es liberale Gemeinden (s.u.). 1904 ist als Dachorganisation der jüdischen Gemeinden der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) gegründet worden.
Anfang 1978 gründeten liberale Juden in der deutschsprachigen Schweiz ihre eigene Gemeinde "Or Chadasch" ("Neues Licht") mit Zentrum in Zürich. In Genf besteht seit 1970 eine liberale Gemeinde. Gemeinden gibt es in Frankreich, England und den USA.
Das liberale Judentum - im englischen Sprachraum wird auch vom progressiven Judentum gesprochen - hält bewusst am jüdischen Gedankengut fest, möchte es aber lernend weiterpflegen. Thora und Talmud werden als Grundlage des Glaubens ernst genommen, aber nicht als absolut verpflichtend betrachtet. Gott teilt seine Lehre zu allen Zeiten durch inspirierte Menschen mit. Die Beschneidung gilt ebenso wie für alle anderen Juden. Innerhalb des liberalen Judentums wird, anders als im orthodoxen Judentum, den Frauen die gleiche Stellung und Verantwortung wie den Männern zuerkannt. Sie nehmen am Sabbat an den gottesdienstlichen Riten teil und sitzen mit den Männern und Kindern zusammen im Gottesdienst. Die Einhaltung der Speisegesetze wird dem Einzelnen überlassen; an den Veranstaltungen der Synagoge werden sie eingehalten.
Der Anschluss an den SIG ist bis jetzt nicht gelungen. "Or Chadasch" ist Mitglied der Vereinigung für religiös-liberales Judentum in der Schweiz und der World Union for Progressive Judaism.
Die Geschichte der Juden in Deutschland ist ebenfalls geprägt von Zeiten der Duldung, des Aufschwungs und der heftigen Bedrängnis. Die schrecklichste Judenverfolgung brach nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten (1933) aus. Damals sind in Deutschland und in den von den Deutschen besetzten Gebieten Europas innerhalb weniger Jahre über sechs Millionen Menschen umgebracht worden. Dadurch wurde die Zahl der Juden in Deutschland auf einen Bruchteil der früheren Grösse reduziert.
Die Gemeinden sind in Landesverbände zusammengefasst und diese dem Zentralrat der Juden in Deutschland angeschlossen.
Die ersten Juden gelangten bereits zur Zeit der Römer ins heutige Oesterreich. Um 900 werden Juden, die nach Oesterreich kamen, in einer Zollordnung erwähnt. Im Jahre 1204 bestanden in Wien eine Synagoge und an einigen Orten jüdische Gemeinden. Jarhundertelang wechselten Zeiten der Duldung mit Perioden der Verfolgung ab, so in den Jahren 1421 und 1670. Eine tiefgreifende Aenderung schuf erst das Toleranzedikt Josephs II. im Jahre 1781. Aber weitgehende Gleichberechtigung erlangten die Juden Oesterreichs erst mit der Revolution von 1848. 1867 wurden schliesslich alle Einschränkungen aufgehoben. Nun entstanden auch in verschiedenen kleinen Städten jüdische Gemeinden. Aus ihren Reihen gingen etliche bedeutende Personen des wissenschaftlichen und politischen Lebens hervor. Verfogungen zur Zeit des Nationalsozialismus grieben die österreichischen Juden ins Exil oder in den Tod. Heute bestehen jüdische Kultusgemeinden in Wien, Graz, Innsbruck, Linz und Salzburg, Baden und Badgastein. Sie sind in dem 1958 gegründeten Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden Oesterreichs zusammengeschlossen. Schätzungsweise ein Drittel der jüdischen Bevölkerung sind Mitglieder.
Oswald Eggenberger 1994, Georg Schmid 2002
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