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ver-246 zichtet und ihre Hauptkraft auf die Darstellung des Kostüms, der Haartracht, des Schmuckes und der weiten, faltigen Gewänder, die in jener Zeit Mode sind, verwendet. (S. Tafel: Ägyptische Kunst III, [* 1] Fig. 17 und auch [* 1] Fig. 8, wo auf dem Sargdeckel der Verstorbene in der Tracht seiner Zeit abgebildet ist.) Nach der 20. Dynastie verfiel die Kunst noch mehr, bis sie gegen das Ende der äthiop. Dynastie wieder belebt wurde und in der scyth. Periode, in der man wieder auf die Vorbilder des alten Reichs zurückgriff, eine kräftige Nachblüte feierte.
In den Anfang dieser Periode gehört die in Giseh befindliche Statue der Königin Amenerdas (s. Tafel: Ägyptische Kunst III, [* 1] Fig. 5); in das 4. bis 3. Jahrh. v. Chr. der lebenswahr gehaltene Porträtkopf eines Mannes im Berliner [* 2] Museum (s. Tafel: Ägyptische Kunst II, [* 1] Fig. 4). Auch für die ägypt. Reliefdarstellungen fällt die Blüte [* 3] in das alte Reich, in dem die Künstler namentlich bei der Darstellung der Tiere durch die richtige Beobachtung der Natur und die Frische der Auffassung Bewundernswertes geleistet haben. – Die Malerei hat sich nur selten von der Skulptur getrennt. Wo dies geschehen, ist wohl lediglich der Kostenpunkt die Veranlassung gewesen, daß man sich statt des teuern Reliefs mit der billigern, auf einen Bewurf von Nilschlamm aufgetragenen Malerei begnügt hat.
In der Zeichnung zeigt die Malerei dieselben Eigentümlichkeiten bei der Wiedergabe des menschlichen Körpers wie das Relief. (S. Tafel: Altägyptische Malerei; die [* 1] Figur links auf dem einem Grabe der 20. Dynastie entstammenden, jetzt im Berliner Museum befindlichen Stuckbilde ist die Königin Nefretere, die rechts ihr Gemahl Amenophis I.; beide wurden in späterer Zeit als Ahnen der Könige des neuen Reichs verehrt; zu beiden Seiten Ornamente, [* 4] gleichfalls aus den Gräbern des neuen Reichs.) Die Zahl der Farben, über die die ägypt. Maler verfügten, ist ziemlich groß; wir besitzen Paletten aus der Zeit des neuen Reichs, in denen 14–16 verschiedene Farben vertreten sind.
Die erforderlichen Stoffe lieferte meist die Erde; so bereitete man Weiß aus Gips, [* 5] der mit Eiweiß oder Honig gemischt wurde, Gelb aus Ocker oder Schwefelarsenik, Rot aus Ocker oder Zinnober, [* 6] Blau aus zerriebenem Lapislazuli oder Kupfervitriol, schwarz aus zerstampften verkohlten Tierknochen. Die Farben wurden in Säckchen aufbewahrt und mit Wasser angelegt, das mit etwas Tragantgummi versetzt war. Zum Auftragen bediente man sich eines Rohrstengels oder eines mehr oder weniger starken Haarpinsels.
3) Kunstgewerbe. Nicht minder bewundernswert und großartig, wenn auch weniger allgemein anerkannt sind die Leistungen der alten Ägypter auf dem Gebiete des Kunsthandwerks. Schon frühzeitig hat der Geschmack am Schönen und die Liebe zum Luxus alle Gesellschaftsschichten durchdrungen. Der Ägypter liebte es, sowohl in seinem irdischen als auch in seinem «ewigen» Hause wertvolle Amulette und Kleinodien, sorgfältig gearbeitete Möbel [* 7] und zierliche Geräte um sich zu haben.
Was man auch benutzte, sollte, wenn auch nicht aus kostbarem Material, so doch in reinen Formen gearbeitet sein. Wo man auch ägypt. Gebrauchsgegenständen begegnet, überall muß man den fein ausgeprägten Geschmack in der Form und Ornamentik bewundern. Die Formen und Ornamente sind entweder der Architektur entlehnt, z. B. Griffe in Säulenform, Kasten in Gestalt von Tempelfaçaden, oder, wie in der Töpferei, Flechterei und Weberei, [* 8] der Technik selbst entsprungen.
Häufig hat das Kunstgewerbe Nachbildungen von Pflanzen und Tieren, und zwar fast immer der für den besondern Zweck geeignetsten verwendet, indem man entweder dem Gegenstande selbst die Form von Tieren, Pflanzen u. s. w. gab, oder sie mit Darstellungen aus dem Naturleben verzierte. Es giebt Schälchen in Form von Enten, [* 9] Gazellen oder Fischen; runde Teller sind mit Fischen und Lotosblumen verziert; ein Becher [* 10] aus Fayence [* 11] zeigt Sumpfvögel und ihr Nest in einem Dickicht, ein Löffelgriff eine nackte Frau, die Guitarre spielt, an andern Gegenständen befinden sich Elfenbeinarbeiten (s. Tafel: Ägyptische Kunst III, [* 1] Fig. 2–4, 6, 10–16). –
Vgl. Perrot und Chipiez, Geschichte der Kunst im Altertum.
Ä. (deutsch von Pietschmann, Lpz. 1884); Maspero, Archéologie égyptienne (Par. 1887: deutsch: «Ägypt. Kunstgeschichte», von Steindorff, Lpz. 1889); Catalogue des monuments et inscriptions de l'Égypte antique (Bd. 1, Wien [* 12] 1893).
4) Schrift. Litteratur. Wissenschaft. Eine vollständig ausgebildete Schrift findet sich schon auf den ältesten erhaltenen Monumenten, und mit Sicherheit darf man der Tradition Glauben schenken, daß die Schrift schon unter der Regierung des Menes, also im Beginn histor. Zeit, im Gebrauche war. Über das Schriftsystem s. Hieroglyphen. Die hohe Ausbildung aller Kulturzweige und Künste, wie sie sich schon in der dritten und vierten Dynastie kundgiebt, berechtigt auch zu der Annahme, daß sich schon in den ersten Dynastien die Anfänge einer mannigfaltigen Litteratur gebildet hatten, die sich bald vermehrte und zu Tempelarchiven und Bibliotheken führte.
Über solche Aufzeichnungen sind aber die Ägypter wohl schwerlich hinausgekommen. Ihre chronol. Berechnungen beruhten auf gewissen astron. Kenntnissen, die sie sich schon frühzeitig angeeignet hatten. Den Ägyptern kam in dieser Beziehung die Natur selber entgegen. Der wolkenlose Himmel [* 13] erleichterte die Beobachtung der Gestirne, und das regelmäßige Eintreten der Nilschwelle gab ihnen den natürlichen Anfang eines festen Jahres. Im Anfang ihrer Geschichte fiel hiermit ein anderes Phänomen zusammen, der heliakische Aufgang des hellsten Fixsterns Sirius, von den Ägyptern Sothis genannt.
Dieser Frühaufgang des Sirius trat während des ganzen Zeitraums der ägypt. Geschichte jedes Jahr fast genau nach 365¼ Tagen wieder ein und gab ihnen daher ein mit dem Julianischen identisches, astronomisch festes Sternenjahr, nach welchem sie ihr bürgerliches Jahr von 365 Tagen durch die vierjährige Einschaltung eines Tags bequem und genau regulieren konnten, da sich beide Kalender alle vier Jahre um einen Tag verschoben und nach einer Sothisperiode von 4mal 365 = 1460 Julianischen oder 1461 ägypt. Civiljahren wieder zu dem gemeinschaftlichen Anfange zurückkehrten.
Der erste Tag des etwas kürzern wahren tropischen Sonnenjahres und der durchschnittliche Anfang des davon abhängigen Nilschwellens hatten sich während dieser langen Periode nur um 11 Tage verschoben. Die Ägypter waren es auch, welche den Fixsternhimmel zuerst in Sterngruppen zerlegten und diese mit Namen von Sternbildern belegten. Sie teilten den Himmelsäquator in 36 Dekane oder 360 Grade und verzeichneten die allnächtlichen Aufgänge zu jeder der 12 Nachtstunden von 14 zu 14 Tagen das ganze Jahr hindurch. Mehrere Exemplare solcher Sterntafeln sind noch erhalten. Auch in der Geometrie ¶
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247 hatten sie frühzeitig exakte Kenntnisse, mit deren Hilfe Eratosthenes später seine großen Erdmessungen unternahm. Die Feldmessung nahm ihren Anfang in Ä., veranlaßt durch die jährlichen Überschwemmungen des Nils, welche die Grenzen [* 15] der Ländereien veränderten und verwischten. Eine besondere Pflege haben die Ägypter der Medizin gewidmet und in ihr wohl auch große praktische Erfolge erzielt, obwohl ihre anatom. Kenntnisse, soweit man sehen kann, gering waren und sie sich bei der Anwendung der Rezepte nie von dem Aberglauben und dem damit verbundenen Beschwörungswesen frei gemacht haben. Uns sind mehrere ägyptische mediz. Bücher überkommen; das bekannteste ist das große auf Papyrus geschriebene Rezeptbuch, das den Namen von Georg Ebers trägt und auch von diesem herausgegeben worden ist. Eine von Joachim besorgte Übersetzung dieses Papyrus (Berl. 1891) bedarf durchweg der Verbesserung.
Die Ägypter hatten nach der spätern griech. Tradition einen heiligen Codex von 42 heiligen Büchern, die von dem Gott Hermes [* 16] (d. i. Thoth) [* 17] selbst herrühren sollten, in welchen alle den Priestern obliegenden Pflichten in Bezug auf Wissen und Handeln enthalten waren (s. Hermes Trismegistus). Zu der wissenschaftlichen und religiösen kam noch eine ziemlich umfangreiche prosaische und poet. Profanlitteratur. Ihr gehören die zahlreichen Märchen an, für die die alten Ägypter ebenso wie ihre modernen Nachkommen eine besondere Vorliebe gehabt haben. (Vgl. Maspero, Les contes populaires de l'Égypte ancienne traduits et commentés, 2. Aufl., Par. 1889.) Von Heldengedichten ist uns nur eins überkommen, und mehr scheint die ägypt. Litteratur auch nicht besessen zu haben. Es behandelt die große Schlacht, die Ramses II. den Hethitern bei Kadesch geliefert hat.
Sein Verfasser ist unbekannt; man hat fälschlich einen gewissen Pentaur (Pentewéret) für den Dichter gehalten; von diesem rührt aber nur die in einem Schulheft erhaltene Abschrift des Gedichtes her. Von der poet. Litteratur der Ägypter sind noch Volkslieder, Liebes- und Trinklieder hervorzuheben. Die Form der ägypt. Gedichte beruht auf dem Parallelismus der Glieder, [* 18] der auch in der hebr. Poesie vorherrscht. Gelegentlich kommen Ailitterationen vor; Reime sind dagegen nicht nachweisbar.