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Metapher steht lax gesprochen für "uneigentliche Wortverwendung", genauer gesprochen für eine sprachliche Verhaltensweise im Umgang mit Homonymen. Als Metapher bezeichne ich ein erkenntnisleitendes Konstrukt, das auf der Grundlage von Homonymen beruht. Wenn ich Homonyme als Metaphern auffasse, postuliere ich ein Geber- und ein Nehmergebiet und frage, welche Eigenschaften übertragen werden. Homonyme bezeichne ich genau dann als Metaphern, wenn die doppelte Verwendung des Ausdruckes etwas über eine Beziehung zwischen den Referenten des Ausdruckes aussagen soll. "Bank" könnte zufällig für "Geldinstitut" und für "Sitzgelegenheit" stehen, dann würden wir von einem Homonym sprechen, oder aber weil die beiden Referenten in irgendeiner Weise verwandt sind, dann würde ich von einer Metapher sprechen, und untersuchen, worin die Verwandtschaft besteht.
Beispiel:
Ich kann zu jemandem sagen: "Du bist ein Esel", und wenn er kein Esel ist, versteht er mich.
Ich benutze eine Metapher, wenn ich von einem Menschen sage, er sei ein Esel oder er sei intelligent, weil die Ausdrücke "Esel" und "intelligent" Eigenschaften des jeweiligen Menschen unterstellen, die von einem andern Referenten des Ausdruckes übertragen werden.
Differenztheoretisch kann Metapher durch die Differenz zwischen Metapher und eigentlicher Wortverwendung gesehen werden. Als eigentliche Verwendung eines Ausdruckes, der auch metaphorisch verwendet wird, bezeichne ich diejenige, zu welcher ich eine Definition habe. Liegen verschiedene Definitionen vor, ist der Ausdruck ein Homonym.
Beispiel:
Der Harddisk wird als (Daten)speicher und die Register des Prozessors als Arbeitsspeicher bezeichnet. Der Ausdruck Speicher wird homonym auch für Kornspeicher verwendet.
Wenn ich Korn aus dem Kornspeicher nehme, ist das Korn nicht mehr im Speicher. Wenn ich Daten aus dem Datenspeicher nehme, bleiben sie im Speicher. Es gibt eine Differenz beim Speicher, die auf dem Unterschied zwischen Korn und Daten beruht. Diese Differenz zeigt sich durch die Operation "etwas aus dem Speicher nehmen". Englisch wird der Ausdruck Memory (also Gedächtnis) verwendet. Auch "Gedächtnis" ist ein Hononym und kann deshalb als Metapher versucht werden. Man kann so erkennen, dass andere Differenzen ins Spiel gebracht werden (können).
Vergl. Intelligenz als Metapher
und Metaphern in der Informatik
Duden: "bildliche Uebertragung, besonders einen sehr konkreten Begriff auf einen abstrakten, aufgrund eines Vergleichs".
"sehr konkret" lese ich hier als "konstruktiv nachvollziehbar".
Anmerkungen und Literatur:
Bereits Immanuel Kant stellte fest, dass die Leistung der Metapher darin bestehe „vermittels einer Analogie […], in welcher die Urteilskraft ein doppeltes Geschäft verrichtet, erstlich den Begriff auf einen Gegenstand sinnlicher Anschauung, und dann zweitens die bloße Regel der Reflexion über jene Anschauung auf einen ganz anderen Gegenstand, von dem der erstere nur das Symbol ist, anzuwenden. So wird ein monarchischer Staat durch einen beseelten Körper, wenn er nach inneren Volksgesetzen … durch eine bloße Maschine aber, wenn er durch einen einzelnen absoluten Willen beherrscht wird, […] vorgestellt.“ (Kant, Immanuel: Kritik der Urteilskraft (1790). Hrsg. von Karl Vorländer. Hamburg: Meiner 1990)
J. Searle: Metapher
Was nützt die Metapher (zB in der Informatik)? Sie nützt dem Benützer, da er sein Wissen benutzen kann. Anfänglich versteht man vielleicht nicht, wie einem etwas nützt, was Das nützt, was man weiss, bis wir begriffen haben, dass das ideal ist für alle, die schon alles wissen und nichts neues wissen wollen. Wir ergünden das bescheidene vorhanden Wissen und halten ihm den metaphorischen Spiegel in Form eines designten System entgegen, die ihnen insofern nützen, als sie ihr bestehende Wissen nützen können und dann meinen, es nürtzt ... (aus der Läktschr von Tauber)
Es geht bei der Festlegung der eigentlichen Bedeutung sowenig wie bei der Definition um eine bedingungslose Richtigkeit oder gar um die Wahrheit, sondern ausschliesslich darum, implizierte Verwandtschaften explizit zu machen. Hier fassen wir als "eigentliche" Verwendung des Wortes schliesslich jene auf, die als Basis der Metapher zu dienen vermag, weil sie selbst nicht nur als Metapher begreifbar ist, sondern begrifflich definiert werden kann (205). Die eigentliche "Bedeutung" der Worte (206) entwickeln wir in der realen Produktion als Bedeutung der Dinge" (Todesco, 1992:192).
"Es zeugt ja bereits von geringer Sorgfalt, wenn jemand behauptet, etwas sei eine Metapher. Wenn man auf Aristoteles´s Politik und auf andere Texte der Tradition zurückgeht, kann man sagen, dass alle Begriffe Metaphern sind. Alles ist irgendwie metaphorisch entstanden und wird dann gleichsam technisch im Sprachgebrauch mit dem Verfahren der Kondensierung, der Identifikation und des Anreicherns von Verwendungsmöglichkeiten verselbständigt. Wenn man diesen weiten Sinn von "metaphorisch" hat ist nichts gegen eine Metapher einzuwenden. Aber auch das müsste man dann generealisieren und sagen, daß etwa auch der Begriff "Prozess" metaphorisch sei. Er kommt in die Soziologie aus der Philosophie, in die Philosophie aus der Jurisprudenz und in die Jurisprudenz aus der Chemie oder umgekehrt, ich kann das nicht so genau trassieren. Letztlich ist alles metaphorisch." (Niklas Luhmann, Einführung in die Systemtheorie, Lizenzausgabe für die wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, 113f)
Daher kann "ein geläufiges Wort, eine (zunächst als solche eingeführte) Metapher, eine Definition [...] als Startmechanismus dienen und behält über den 'anchoring effect' (auch ein Begriff-im-Werden) einen Dauereinfluß auf die Erfahrungen, die der Begriff ermöglicht und anzieht. Aufgrund der dann folgenden Arbeitserfahrungen bekommt der Begriff aber durch Absorption situativer Unterschiede und leichter Anomalien einen nicht mehr definitorisch beschreibbaren Sinn, den nur Kenner richtig und grenzbewußt handhaben können." (Luhmann, WdG:384f.)
Der Geist ist sich selbst voraus - Die Metaphernlehre des Philosophen Hans Blumenbergs »
Der Philosoph Hans Blumenberg hat darauf hingewiesen, dass Metaphern für das menschliche Denken und Verhalten nicht weniger wichtig seien als klare Definitionen. Damit konnte Blumenberg die philosophische Begriffsgeschichte kategorial erweitern. Deutschlandfunk, Essay und Diskurs Direkter Link zur Audiodatei