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Der Friedhof am Hörnli ist der Zentralfriedhof des Kantons Basel-Stadt und der grösste Friedhof der Schweiz. Nach Schwierigkeiten bei der Standortsuche und einem kontroversen Architekturwettbewerb wurde er auf Riehener Gemeindegebiet gebaut und 1932 eingeweiht. Seit seiner Eröffnung wurden zwei grössere bauliche Veränderungen auf dem Urnenfriedhof ‹Im finstern Boden› vorgenommen.
Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung Basels rasant. Auch auf den Friedhöfen wurde der Platz knapp. Die zuständigen Behörden suchten ab 1902 Lösungen für das Problem. So wollte das Sanitätsdepartement mit zwei grossen, weit ausserhalb der Stadt gelegenen Friedhöfen – einen für Klein-, den anderen für Grossbasel – Abhilfe schaffen, während das Finanzdepartement sich für den Ausbau des Kannenfeldgottesackers aussprach. Der Regierungsrat erteilte beiden Plänen eine Absage. Er beschloss 1906, einen neuen Zentralfriedhof für die ganze Stadt bauen zu lassen.
Bei der Standortsuche verlegte man sich zunächst auf den Nachbarkanton. Doch die Gemeinde Münchenstein wollte keinen Zentralfriedhof auf ihrem Gebiet und die Justizdirektion des Kantons Basel-Landschaft weigerte sich, die Besitzenden des infrage kommenden Baulands zu enteignen. Auch für den in der Gemeinde Muttenz gelegenen Hardwald als Baugrund erhielten die baselstädtischen Behörden von der Baselbieter Regierung eine Absage. 1919 wurde der Beschluss gefasst, den Friedhof auf dem Gebiet des Landauerhofs zu errichten, also auf dem Gebiet der Gemeinde Riehen. Die Verantwortlichen bezogen bei ihrer Entscheidungsfindung den Riehener Gemeinderat nicht mit ein, was von diesem als «höchst unangenehm empfunden» wurde. Gemeindepräsident Otto Wenk bestätigte dem Regierungsrat, dass bei diesem Projekt kantonale Interessen über kommunalen stünden. Er äusserte jedoch auch Bedenken, dass sich der Friedhof negativ auf die Ortsentwicklung und die Steuereinnahmen Riehens auswirken könnte. Wenk stellte klar, dass die Gemeinde künftig erwarte, über die Planung auf dem Laufenden gehalten und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Ein Grossteil des Baulands konnte zwischen 1919 und 1924 erworben werden, letzte Grundstücke wurden bis Mitte 1927 vom Finanzdepartement des Kantons gekauft.
Der Architekturwettbewerb 1922/23 für die Gestaltung des Zentralfriedhofs wurde zu einem wichtigen Moment in der Schweizer Architekturgeschichte. Etablierte Büros konkurrierten mit aufstrebenden Architekten wie Paul Artaria (1892–1959), Paul Camenisch (1893–1970), Hannes Meyer (1889–1954) oder Hans Schmidt (1893–1972), die sich selbstbewusst für eine neue Formsprache einsetzten. Für Letztere war nicht hinnehmbar, dass die Preisrichter Entwürfe mit dominanter Mittelachse und repräsentativer Architektur bevorzugten und das Projekt von Franz Bräuning (1888–1974), Hans Leu (1896–1954) und dem Gartenarchitekten Ernst Klingelfuss (1878–1938) mit dem ersten Rang auszeichneten. Sie organisierten sich unter Artarias Führung in der ‹Initiativgruppe junger Künstler für den Hörnli-Gottesacker› und kritisierten in einer Eingabe an den Regierungsrat, dass die Architektur des erstplatzierten Projekts für einen Friedhof zu pompös und prunkvoll sei. Sie boten an, einen gemeinschaftlich von Architekten, Malern und Bildhauern erstellten Entwurf auszuarbeiten, der kostengünstiger und «menschlich wahrer» sein würde. Der Regierungsrat erteilte jedoch den Erstplatzierten gemeinsam mit dem etablierten Basler Büro Burckhardt und Suter, dessen Projekt mit dem zweiten Rang (ex aequo) prämiert worden war, noch im Sommer 1923 den Auftrag, ein endgültiges Projekt auszuarbeiten.
Planung und Realisierung schritten zügig voran. Bereits im Dezember 1925 stimmte der Grosse Rat dem Ratschlag zur «Erstellung des Neuen Gottesacker am Hörnli» und dem darin enthaltenen Bauprogramm zu. In der ersten Bauetappe zwischen 1926 und 1929 wurden das Gärtnereiareal, die Hauptgebäude, Stützmauern und Rampen errichtet und die zweite Terrasse planiert. Damals wurden die umfangreichsten römerzeitlichen Funde im Kanton Basel-Stadt gemacht, nämlich die Reste einer überdimensionierten Villa rustica oder gar eines ‹vicus› (Siedlung mit kleinstädtischem Charakter).
Eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr durch eine Autobuslinie wurde vom Grossen Rat im Mai 1929 gutgeheissen. Kontroversen gab es bei der Gestaltung des Vorplatzes. Der Innenausbau der Friedhofsgebäude wurde 1931 abgeschlossen und am 1. Juni 1932 konnte der grösste Friedhof der Schweiz der Öffentlichkeit übergeben werden.
Seit seiner Eröffnung wurden zwei grössere bauliche Veränderungen am Friedhof vorgenommen. Nach gewonnenem Wettbewerb bauten die Architekten Bräuning & Dürig, Suter & Suter von 1960 bis 1963 auch den Urnenfriedhof ‹Im finstern Boden›, der bereits im Projekt von 1925 vorgesehen war. Der ausgeführte Bau hatte jedoch keine Ähnlichkeiten mit dem ursprünglichen Entwurf. Auch wurde darauf verzichtet, die dominante Mittelachse weiterzuführen. Abgeschlossen wird die Mittelachse heute von einer Urnenmauer mit dahinterliegendem Teich, die während des Umbaus des Urnenfriedhofs von 2000 bis 2002 entstand. Die Neukonzipierung des Areals mit Urnenwand, Teich und Gräberfeldern nahmen das Architekturbüro Eppler Maraini Schoop und die Landschaftsarchitekten Vetsch Nipkow und Partner vor.
Seit 2000 können muslimische Verstorbene ihrem Ritus gemäss auf dem Friedhof beerdigt werden. Auch die in Riehen Verstorbenen werden mehrheitlich auf dem Friedhof am Hörnli bestattet. Zudem befinden sich hier die Grabstellen von zahlreichen prominenten Persönlichkeiten, deren Gräber von aufgehobenen Friedhöfen hierher verlegt worden sind.
Autorin / Autor: Felix Steininger | Zuletzt aktualisiert am 25.4.2023
Huber, Dorothee: Architekturführer Basel. Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Umgebung. Basel 2014.
Kreis, Georg: 150 Jahre im Dienst der Stadt. Zur Geschichte des Tiefbauamts Basel-Stadt. Basel 2015.
Meyrat, Sibylle: Der lange Weg zum Zentralfriedhof. In: Gabriel, Peter und Franz Osswald: Am Ende des Weges blüht der Garten der Ewigkeit. 75 Jahre Friedhof am Hörnli. Bestattungskultur im Kanton Basel-Stadt. Basel 2007. S. 16–79.
Suter, Ursula: Form als soziale Bedeutungsträgerin. Die beiden Basler Werkphasen von Hans Schmidt im Vergleich. In: Hans Schmidt. 1893–1972. Architekt in Basel, Moskau, Berlin-Ost. Zürich 1993. S. 27–52.