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Schaffhausen die Reblaus nicht hat nachgewiesen werden können.
[Prof. J. Meister.]
Bevölkerung.
Nach der letzten eidgenössischen Volkszählung von 1900 belief sich die Zahl der Wohnbevölkerung auf 41514 Seelen (gegen 37783 im Jahr 1888). Damit nimmt der Kanton Schaffhausen in Bezug auf die absolute Bevölkerungsziffer wie in Bezug auf den Flächeninhalt den 19. Rang unter den 25 Kantonen ein; in Bezug auf die Volksdichte rückt er mit 141 Ew. auf 1 km2 an die 8. Stelle vor. Männlichen Geschlechtes waren 20182, weiblichen 21332 Ew.; die Zahl der Haushaltungen betrug 9769, diejenige der bewohnten Häuser 5878. 40290, somit mehr als 97% sprachen das Deutsche als Muttersprache, 264 das Französische, 846 das Italienische, 16 das Romanische, 58 andere Sprachen.
Die Bevölkerung ist, abgesehen von einem Teil der Eingewanderten in den grösseren Industrieorten, durchaus alemannischer Abstammung und alemannischer Mundart; das «Schaffhauserdeutsch» ist am nächsten verwandt mit der Mundart, die im nördlichsten Teil des Kantons St. Gallen, im Thurgau und im zürcherischen Weinland gesprochen wird, während es sich vom «Zürichdeutschen» nicht unwesentlich unterscheidet. So klein der Kanton ist, so lassen sich doch wieder in der Mundart gewisse Verschiedenheiten zwischen den einzelnen Landesteilen erkennen. In konfessioneller Beziehung ist der Protestantismus vorherrschend; ihm gehörten bei der letzten Volkszählung 34046 Ew., somit 82% der Bevölkerung an; die 7403 Katholiken (gegen 18%) verteilten sich grösstenteils auf die Hauptstadt, auf die paritätische Gemeinde Ramsen und die industriellen Orte Neuhausen, Stein a. R. und Thaingen.
Sehr gering ist die Zahl der Israeliten (im Jahr 1900 nur 22, nämlich 21 in der Stadt Schaffhausen und 1 in Neuhausen); anderer Konfession oder unbestimmt waren 58. Nach der Heimat waren 26877 Ew. Kantonsbürger, 6983 Schweizerbürger aus andern Kantonen und 7654 Ausländer, wobei naturgemäss die deutsche Nationalität in erster Linie, die italienische in zweiter Linie vorwaltet. 45% der Ew. beschäftigten sich mit Viehzucht und Ackerbau, ebensoviel mit Industrie und Handel.
Während die Einwohnerschaft der grössern Industrieorte, vornehmlich der Hauptstadt und der an dieselbe angrenzenden Gemeinde Neuhausen, durch starke Zuwanderung von auswärts einen gewissen internationalen Charakter angenommen hat, ist bei der vorwiegend bäuerlichen Bevölkerung der Landschaft der ursprüngliche Volkscharakter treu erhalten geblieben. Die Schaffhauser bilden einen kräftigen und ziemlich grossgewachsenen Menschenschlag;
sie sind arbeitsam, reinlich, einfach und sparsam, redlich und zuverlässig, etwas zurückhaltend und nüchtern, allem Ueberschwänglichen abhold und mehr dem praktischen Verstand als der lebhaften Phantasie folgend;
in kirchlicher Beziehung gelten sie als religiös, in politischer sind sie überzeugte Anhänger demokratischer Ansichten;
in eidgenössischen Fragen stehen sie seit jeher in den Reihen der fortschrittlichsten und bundestreuesten Schweizer.
Dem Schulwesen ist durch die Einsicht des Volkes und der Behörden eine rege und erfolgreiche Aufmerksamkeit gewidmet worden, so dass die allgemeine Volksbildung auf einer durchaus erfreulichen Höhe steht. Im Allgemeinen ist der Klettgauer lebhafter, intelligenter und unternehmender, aber auch unruhiger als der Bauer des Randengebietes und des Reiat. Das Volksleben hat wie anderswo seine Eigenart fast vollständig eingebüsst. Kirchweihen, Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen und andere Anlässe zeigen nichts Eigentümliches mehr; auch die lokalen Gebräuche, die Im Thurn im 12. Heft der Gemälde der Schweiz 1840 noch erwähnt, sind seither verschwunden. Einen Anziehungspunkt für die gesamte Landschaft und das benachbarte Gebiet bilden immer noch die vier Jahrmärkte in der Stadt Schaffhausen, von denen vor allem derjenige im August («Böllemärt») und November («Chabis- oder Martinimärt») sehr stark besucht sind.
Mit der alten Sitte ist leider auch die alte Tracht grösstenteils aufgegeben worden. Nur noch im Klettgau tragen einzelne Mädchen am Sonntag die sehr kleidsame Landestracht; sie bilden aber bereits seltene Ausnahmen. Auch das weibliche Geschlecht hat sich fast vollständig der alles bezwingenden Mode unterworfen; die Männertracht aber ist so vollständig verschwunden, dass man nur noch mit grösster Mühe einzelne ihrer Ueberreste aufzutreiben vermag. Früher hatten der Reiat und der Klettgau verschiedene Trachten.
Die Männer auf dem Reiat trugen einen breiten, dreieckigen Hut (Nebelspalter), einen langen, grauschwarzen Zwilchrock, schwarzlederne, enganschliessende Beinkleider, die nur bis ans Knie reichten, und weisse Strümpfe. Die reichen Bauern trugen noch eine rotwollene Weste und silberne oder versilberte Knöpfe an ihrem Rock. Die Frauen trugen Rock und Jacke von grauem Zwilch oder Halbtuch und eine baumwollene Mütze mit breitem Boden. Reicher war die Frauentracht in den Randengemeinden Merishausen, Bargen und Hemmenthal.
Sie bestand aus einer runden schwarzen Mütze mit breiten Spitzen, einer schwarzzwilchenen Jacke, welche vorn offen war, und einem roten Mieder mit grünen Schnüren eingefasst. Der Rock war schwarz, kurz und eng gefaltet, die Strümpfe von roter Wolle, die Schuhe mit 3 Zoll hohen Absätzen versehen. Am berühmtesten aber war die Hallauer- oder Klettgauertracht. Sie bestand bei den Männern in ausserordentlich weiten, aber enggefalteten Pumphosen von schwarzem Zwilch, einer kurzen, engen Jacke ohne Kragen von demselben Stoff und derselben Farbe, einer schwarzen Halsbinde mit langen, über den Rücken herunterhängenden Zipfeln, einer schwarzen runden Lederkappe und einem dreieckigen Hut.
Ueber das Hemd oder über eine rote Weste war ein schwarzlederner oder sammtener Hosenträger gezogen, auf dem der Name des Besitzers mit farbiger Seide eingestickt war. Die Strümpfe bestanden aus Leinwand. Ueberdies trugen noch manche Männer eine weisse Schürze von den Hüften bis auf die Hälfte des Oberschenkels. Die Frauentracht des Klettgaus, die glücklicherweise noch heute nicht ganz verschwunden, aber doch stark modifiziert ist, bestand aus einem kurzen, kaum über die Knie reichenden, eng gefalteten Rock von schwarzer, dunkelblauer oder dunkelgrüner fester Leinwand, an dessen unterm Saume auf der hintern Seite ¶
Landwirtschaft und Bodenerzeugnisse des Kantons Schaffhausen
Lief. 172.
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Verlag von Gebrüder Attinger, Neuenburg
^[Karte: 6° 20’ O; 47° 40’ N; 1:180000]
░ Weinbau
░ Ackerland
▒ Weide
▓ Wald
▲ 25 Pferde
• 100 Rinder
❙ 100 Schweine
V 100 Ziegen
^ 100 Bienenst.
Stück Rindvieh auf 100 Einw.
░ 4 - 10
░ 11 - 20
▒ 21 - 25
▓ 26 - 30
MCE. BOREL & CIE. NEUENBURG.
V. ATTINGER SC.
LANDWIRTSCHAFT UND BODENERZEUGNISSE DES KANTONS SCHAFFHAUSEN ¶
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zwei blaue und rote Flecken Tuch aufgenäht waren; mit dem Rock war eine kurze Jacke ohne Aermel und Bruststück verbunden. Die Hemdärmel waren sehr weit; nur im Winter wurde darüber eine schwarze Leinwandjacke getragen. Der Unterarm vom Ellbogen an war nackt; den Hals und den obern Teil der Brust deckte ein sog. Halsmantel von geblümtere Baumwollstoff; von den Schultern bis gegen den silbernen, oft kostbaren Gürtel hingen silberne Kettchen herab. Den Kopf deckte eine kleine, nach rückwärts und aufwärts spitz zulaufende Haube, aus welcher bei den Unverheirateten zwei lange, mit langen schwarzseidenen Bändern durchflochtene Zöpfe über den Rücken herabhingen. Bei der Arbeit und bei schlechtem Wetter wurde über diese Haube ein grosses, dreieckiges rotes Baumwollentuch getragen. Die Strümpfe waren früher rot, später dunkelblau oder weiss.
[Prof. Dr. K. Henking.]
Landwirtschaft.
Die grosse Mehrheit der Bevölkerung des Kantons beschäftigt sich mit Landwirtschaft. Da die Landschaft wenig von Industrie durchsetzt ist, hat der Schaffhauser Bauer einen ziemlich konservativen Sinn sich bewahrt, der ihn einerseits in etwas langsamere Tempo Gebrauch machen lässt von den mannigfaltigen Anforderungen, welche Volkswirtschaft, Wissenschaft und Technik der Neuzeit an den Betrieb des Gewerbes stellen, andererseits ihn aber veranlasst, in ruhiger und unentwegter Art eine Idee zu verfolgen und zum guten Ziele zu führen, die er einmal als gut erkannt hat. In einer schönen Anzahl der Gemeinden sind landwirtschaftliche Vereine entstanden, die sich zu einem Kantonalverband zusammen geschlossen.
Der Verband bestrebt sich, die Interessen der Landwirtschaft in volkswirtschaftlicher und technischer Hinsicht zu fördern und Fühlung zu halten mit den diesbezüglichen Bestrebungen des schweizerischen Verbandes. Leider hat der Kanton zur Zeit sich noch nicht entschlossen, das landwirtschaftliche Bildungswesen durch Errichtung einer Winterschule zu heben und so eine Jungmannschaft heranzubilden, die ein offenes Auge für die Förderungen hat, welche unsere Zeit an die Berufstüchtigkeit je länger je mehr stellen muss.
Wohl wird der Besuch ausserkantonaler Schulen unterstützt; der Zuspruch ist aber verhältnismässig schwach und dürfte den gewünschten Umfang erst dann nehmen, wenn die Gelegenheit in der Nähe geboten wird. Der Genossenschaftsgedanke fängt an, nach verschiedener Hinsicht Boden zu gewinnen, so betr. Produktion, Konsumtion, Verkauf landwirtschaftlicher Produkte. Bei der starken Güterzersplitterung wäre die Güterzusammenlegung von unschätzbarem Wert und das vorzüglichste Mittel, der scharfen Konkurrenz des Auslandes erfolgreich zu begegnen.
Anläufe zur Durchführung sind gemacht, und es steht zu hoffen, dass die Angelegenheit recht bald in Fluss gerate. Die Schaffhauser Bauernsame gilt durchschnittlich als wohlhabend. Die Wohlhabenheit hat sie in erster Linie dem grossen Fleiss und den bescheidenen Lebensansprüchen zu verdanken, dann aber auch den günstigen Produktions- und Verkehrsverhältnissen. Mit Ausnahme weniger Randenthäler, wo topographische Schwierigkeiten dem rationellen Betrieb entgegenstehen, ist die Güterlage recht vorteilhaft, und der natürliche Reichtum des Bodens gestattet eine vielseitige Nutzung ohne allzugrossen Aufwand. Am vorteilhaftesten von der Natur bedacht ist der unterste Teil des Klettgaus, wo ein tiefgründiger humusreicher Boden, der durch Verwitterung stets anreichert, auf die weitesten Strecken sich ausdehnt. Im obern Klettgau und im Höhgau sind mittlere und leichtere Bodenarten vorherrschend; der Dungaufwand ist dementsprechend grösser, die Bearbeitung dafür leichter. Auf dem Reiat leiden die Kulturen der geringen Tiefgründigkeit des Bodens wegen bald an Trockenheit; die Produkte sind jedoch, vermöge des natürlichen Kalkreichtums des Bodens, von vorzüglicher qualitativer Beschaffenheit. Eigentliche Grossbetriebe hat der Kanton nicht, allgemein ist ausgesprochener Kleinbetrieb. Die Grosszahl der Heimwesen zählt nur 1,5-5 ha, eine kleinere Anzahl bis 10 und 20 ha, wenige 20-40 ha und vereinzelte über 40 ha.
Nach der Bannvermessung vom Jahr 1870 umfasst der produktive Boden 26856 ha. Von diesen entfallen laut Agrarstatistik vom Jahr 1884 auf
|ha||%|
|Ackerland||8880.83||33.4|
|Wiesen||5106.08||19.25|
|Reben||1117.68||4.21|
|Wald||11426.35||43.08|
Der Ackerbau verteilte sich 1884 auf folgende Kulturen:
|ha||%|
|Getreide||4797.73||54.02|
|Wurzelgewächse||1870.50||21.07|
|Futterbau||2108.77||23.45|
|Industrie- u. Handelspflanzen||95.85||1.08|
Seit 1884 ist, der allgemeinen Entwicklung folgend, der Futterbau stark vermehrt worden, wenn schon der Getreidebau sich zur Zeit noch in bedeutend stärkerem Masse erhalten hat als in andern Gegenden der Schweiz. Der Schaffhauser Landwirt setzt nicht gerne alles auf eine Karte; er blieb deshalb dem Getreidebau trotz ungünstiger Preisverhältnisse treu. Dies konnte um so eher geschehen als das Gelände gerade für diese Kultur sich sehr wohl eignet. An Getreidearten werden kultiviert Weizen, Korn, Roggen, Gerste und Hafer.
Die jährliche Getreideproduktion hat einen Durchschnittswert von gegen 2 Mill. Fr., die der Wurzelgewächse von bedeutend über 1 Mill. Fr. Der Hauptanteil fällt auf die Kartoffelproduktion. Neben vorzüglichen Speisekartoffeln kommen auch Brennkartoffeln zur Anpflanzung. Dieselben finden Absatz in den beiden Brennereien, die in Ausführung des Alkoholgesetzes vom Jahr 1886 im Kanton errichtet wurden. Dem Obstbau wird stets vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt.
Eine Zählung vom Jahr 1886 ergab folgenden Bestand: Apfelbäume 76840, Birnbäume 35520, Pflaumen- und Zwetschgenbäume 86926, Kirschbäume 36213, Nussbäume 6800, Gartenobstbäume 8145, und in Baumschulen enthalten 183151 Stück, im ganzen also 433595 Stück. Pro ha produktiven Landes (exklusive Wald) trifft es 15,02, auf den Einwohner 6,5 tragbare Bäume. Ueber den Weinbau wird seit 1858 jährlich eine Statistik ausgearbeitet. Das Rebareal umfasste 1858 1008,09 ha, im Jahr 1880 war dasselbe auf 1144,93 ha gestiegen und 1903 wieder auf 1071 ha zurückgegangen.
Voraussichtlich wird im Laufe der nächsten Jahre eine weitere Reduktion eintreten, da die Produktions- und Absatzverhältnisse dazu drängen. Der jährliche Durchschnittsertrag von 1858 bis 1903 beläuft sich auf 1503100 Fr. Nach dem heutigem Güterstand beträgt der Durchschnittswert pro ha 8550 Fr., der Durchschnittsertrag der letzten zehn Jahre (1891-1903) 46,16 hl pro ha. Die Steuereinschätzung des Rebgeländes betrug 1902: 9039802 Fr., 1903: 8815422 Fr. Vorzügliche Rotweine liefern namentlich die Gemeinden Hallau, Osterfingen, Schaffhausen, Stein, Trasadingen und Thaingen, ¶