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Auf den Spuren der Yamato
In 350 Meter Tiefe im Ostchinesischen Meer liegt das Wrack der Yamato, das einstige Superschlachtschiff der japanischen Marine im Zweiten Weltkrieg. Mit einem unbemannten Unterwasserfahrzeug ist es einem Team der japanischen Stadt Kure erstmals überhaupt gelungen, hochauflösende und detaillierte Filmaufnahmen von Teilen der Überreste des Schiffs zu machen, das am 7. April 1945 von der US-Armee versenkt wurde.
Die Aufnahmen entstanden im Mai 2016. Über 50 Stunden an Filmmaterial sind so zusammengekommen. Erste Ausschnitte hat die Stadt nun publiziert, wie die Asahi Shimbun berichte. Diese zeigen eine riesige Schiffsschraube, die einen Durchmesser von 5 Metern hat und beim Angriff offensichtlich weitgehend unbeschädigt blieb. Ausserdem ist am Bug des Schiffs noch immer das kaiserliche Chrysanthemen-Siegel zu sehen.
Längere Ausschnitte des Filmmaterials werden ab dem 23. Juli im Schiffsmuseum von Kure, wo auch eine Modellversion der Yamato im Massstab 1:10 zu sehen ist. Ausserdem sollen die Filmaufnahmen in den nächsten Monaten noch genauer analysiert werden. Bereits in den 80er- und 90er-Jahren wurden auf private Initiative Aufnahmen des Wracks gemacht. Bei den aktuellen Bildern handelt es sich aber um die bislang aufwendigste und qualitativ beste Dokumentation.
Das grösste Schlachtschiff der Geschichte
Die Yamato war zusammen mit der Musashi das grösste Schlachtschiff, das je gebaut wurde. Unter strengster Geheimhaltung fand 1937 in Kure bei Hiroshima die Kiellegung statt. Vier Jahre später wurde die Yamato in Dienst gestellt. Mit einer Länge von 263 Metern, den gewaltigen Geschütztürmen und einer Besatzung von rund 3000 Mann war sie der Stolz der japanischen Marine.
Die Yamato war aber letztendlich eine strategische Fehlplanung. Sie war zu gross und zu träge. Nicht mehr die Schiffsartillerie, sondern die Schlagkraft aus der Luft entschied die Seeschlacht im Zweiten Weltkrieg. Es galt, eine grosse Flotte an Flugzeugträgern und Bombern zu besitzen. Und so spielte die Yamato militärisch eine untergeordnete Rolle. Anfänglich setzte man sie sogar vornehmlich für den Truppen- und Treibstofftransport ein. Einzig bei der Schlacht um die Philippinen im Oktober 1944 setzte sie ihre Artillerie gegen feindliche Schiffe ein.
Das Ende der Yamato
Im April 1945 entsandte die japanische Führung die Yamato als letztes noch einsatzfähiges Schlachtschiff nach Okinawa, wo die amerikanischen Truppen gerade ihre Invasion begonnen hatten. Ihr Ziel erreichte sie jedoch nie. 200 Kilometer südwestlich der Südinsel Kyushu fing die US-Armee die Yamato ab. Eine Welle von intensiven Luftangriffen brachten den Koloss zum Sinken. Fast 2500 Seeleute kamen um. Die Niederlage stand symbolisch für das Ende der japanischen Marine.
Die gigantische Dimension des Schiffs sowie die ständige Geheimhaltung darum – es existieren nur wenige Fotografien – haben dafür gesorgt, dass bis heute eine derartige Faszination um die Yamato anhält. Entsprechend neugierig werden die Filmaufnahmen des Wracks von allen Seiten begutachtet. Sie sollen nun Aufschluss über ungeklärte Fragen zum Bau, zur Ausstattung und zum Ausmass der Zerstörung durch den Bombenangriff von 1945 geben.