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Every show is your last show. That’s my philosophy.
Erst ein halbes Jahr nach dem Tod von Regielegende Robert Altman kam im Frühling 2007 sein letztes Werk auch in der Schweiz in die Kinos – fast ein Jahr nach der Auswertung in den USA. Die lange Verzögerung hing sicher auch mit dem seltsamen Titel und dem selbst kulturell aufgeschlossenen Europäern unvertrauten Stoff zusammen. Wer aber schon einmal ein wenig Zeit im wunderschönen Minnesota, im Zentrum der USA, verbracht hat, wird mit dem Titel vertraut sein. «A Prairie Home Companion» ist nämlich der Titel einer Radiosendung von Radiolegende Garrison Keillor, der auch das Drehbuch zu diesem Film geschrieben hat.
Bevor ich nun vom Film zu schwärmen beginne, ist eine kurze Einführung über Garrison Keillor und seine Radiosendung notwendig. Keillors Karriere begann 1969 mit «A Prairie Home Companion» im Morgenprogramm von Minnesota Public Radio. Benannt ist die Radioshow mit Musikgästen und Werbung für imaginäre Produkte nach dem Prairie-Home-Friedhof in Moorhead, Minnesota. Am 6. Juli 1974 moderierte Keillor die erste Liveübertragung von «A Prairie Home Companion» aus dem Janet Wallace Auditorium des Macalester Colleges in Saint Paul. Eintrittskarten kosteten 1 Dollar für Erwachsene, 50 Cent für Kinder – das aus zwölf Personen bestehende Publikum generierte einen Betrag von etwas weniger als 8 Dollar. Heute wird «A Prairie Home Companion» jede Woche von über 4 Millionen Zuhörern eingeschaltet und von über 580 Public Radio Stations übertragen.
Markenzeichen der Sendung sind der trockene und schlaue Humor des Gastgebers und die hochkarätigen Gäste. In der Sendung vom 5. Mai 2007, die in voller Länge von zwei Stunden auf der Website von «A Prairie Home Companion» genossen werden kann, sang etwa Randy Newman zwei Lieder und Meryl Streep rezitierte Gedichte von John Updike, James Wright, Langston Hughes und anderen. Wichtiger Bestandteil ist aber auch der satirische Beitrag «News from Lake Wobegon». Lake Wobegon ist Keillors fiktiver Heimatort in Minnesota. Die Besonderheit von Lake Wobegon: «All the women are strong, all the men are good looking, and all the children are above average,» wie Keillor jeweils am Ende erklärt.
Für den Film über diese legendäre Radiosendung verpflichtete Robert Altman wieder einmal – wie von ihm gewohnt – ein vorzügliches Schauspielerensemble bestehend aus Woody Harrelson, Tommy Lee Jones, Kevin Kline, Lindsay Lohan, Virginia Madsen, John C. Reilly, Meryl Streep und Lily Tomlin. Garrison Keillor steht im Zentrum der Handlung, als Gastgeber einer seit 30 Jahren ausgestrahlten Radiosendung, die nun aber durch den Verkauf der Radiostation vor dem Aus steht. Die letzte Sendung steht an diesem Abend auf dem Programm. Mit einer Leiche im Keller und einem Engel auf der Bühne kämpfen die Künstler mit den Emotionen und der Vergangenheit.
«The Last Show» steht also an. Nicht nur für die Sendung im Film, sondern eben auch für Regisseur Robert Altman. Die Franzosen haben sich dadurch zu einem neuen Titel inspiriert gefühlt, der es auch bis in die Schweiz geschafft hat und sich zwar nicht so poetisch anhört wie «Noches mágicas de radio» aus Argentinien, aber auch nicht so plump wie «Radio America» aus Italien. Hinsichtlich Altmans Tods wirkt der Titel «The Last Show» fast schon ein wenig makaber. Da aber Keillor im Film feststellt, «every show is your last show», trifft er doch irgendwie ins Schwarze.
Der Ablauf des Films wird durch die Form der Radiosendung bestimmt und so leitet Garrison Keillor souverän durch die Auftritte seiner singenden und musizierenden Künstler. Genauso wichtig ist aber auch der Blick hinter die Bühne, wo die Figuren so richtig kennen gelernt werden. So bleibt gegen Ende kein Auge trocken, wenn die musizierenden Cowboys Woody Harrelson und John C. Reilly zu ihren «Bad Jokes» anstimmen oder wenn die singenden Geschwister Meryl Streep und Lily Tomlin ihrem verstorbenen Kollegen mit «Goodbye to My Mama» die letzte Ehre erweisen.
«A Prairie Home Companion» ist ein Film über das Ende einer Ära, eine zärtlich melancholische Hommage an ein Goldenes Zeitalter des Radios, das glücklicherweise immer noch andauert. Wie in vielen Filmen von Altman sind die Handlungselemente stark reduziert. Der Meisterregisseur konzentriert sich stattdessen auf die grossartigen Figuren und entwirft ein schräges, stimmungsvolles Porträt einer liebenswürdigen, widerborstigen Radiofamilie.
Fazit: Im seinem letzten Film stellt Robert Altman noch einmal seine besten Qualitäten zur Schau. «A Prairie Home Companion» ist ein würdiger Schlusspunkt hinter eine grossartige Karriere.
Bewertung:
(Bilder: © Filmcoopi)
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