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Paul ist Assistenzarzt und in Weiterbildung für die Erlangung des Facharzttitels Allgemeine Innere Medizin. Im vergangenen Weiterbildungsjahr hat er während dreier Wochen seinen Militärdienst absolviert, war während dreier Wochen arbeitsunfähig (aufgrund einer Verstauchung am Knöchel, die er sich bei einem Beachvolleyballspiel zugezogen hatte) und hat fünf Wochen Ferien bezogen. Wird die FMH dieses Jahr als vollständiges Weiterbildungsjahr anerkennen?
Die Absenzen sind in der Weiterbildungsordnung (WBO) geregelt.
Artikel 31 Abs. 1 der WBO hält fest: «In der vorgeschriebenen Mindestdauer der gesamten Weiterbildungszeit sind die gesetzlichen Ferien inbegriffen. Ebenfalls inbegriffen sind Abwesenheiten infolge Militärdienst, Mutterschaftsurlaub und Krankheit, soweit sie pro Fach bzw. vorgeschriebene Weiterbildungsperiode (z.B. A-Jahr) anteilsmässig das Mass von 8 Wochen pro Jahr nicht überschreiten. Länger dauernde Abwesenheiten sind nachzuholen.»
Gemäss dieser Bestimmung gilt die Obergrenze von acht Wochen für sämtliche Absenzen (Ferien, Militärdienst, Mutterschaftsurlaub und Krankheit). Zudem wird als «pro Jahr» das Weiterbildungsjahr verstanden (nicht also ein Kalenderjahr). Weiter entsprechen die «gesetzlichen» Ferien der Anzahl mit dem Arbeitgeber vertraglich vereinbarten Ferienwochen (gemäss Arbeitsvertrag oder GAV). Was den Krankheitsbegriff angeht, muss dieser im weiteren Sinne interpretiert werden. Das heisst, er beinhaltet alle Arten der Arbeitsverhinderung ohne Verschulden des Arbeitnehmers, aus Gründen, die in seiner Person liegen, also sowohl Krankheit als auch Unfall.
Wenn also ein Assistenzarzt während dreier Wochen Militärdienst leistet und mindestens vier Wochen Ferien pro Jahr bezieht, bleibt ihm lediglich eine Reservewoche für Krankheitsfälle/Unfälle oder für das Nachholen von nicht bezogenen Ferien aus dem Vorjahr.
In unserem Fall zählt Paul total eine Absenz von elf Wochen. Da er die zugelassene Anzahl Absenzen überschreitet, wird es an ihm liegen, einen Teil davon zu kompensieren (durch Nachholen der Stunden oder Absolvieren eines zusätzlichen Praktikums). Anders gesagt: Sein Weiterbildungsjahr wird nicht vollständig angerechnet.
Unter dieser Annahme wird es unmöglich sein, genau zu berechnen, welche Weiterbildungsdauer von der FMH anerkannt wird. In der Praxis ist die Berechnung der Absenzen einiges komplizierter, als man denkt. Die Regel der acht Wochen gilt nicht absolut. Schlussendlich wird es davon abhängen, welche Weiterbildung in welchen Fachgebieten absolviert wurde.
Die FMH kategorisiert die verschiedenen Fachgebiete. Jedes Fachgebiet wird also einer Kategorie zugewiesen. Aus dieser resultiert anschliessend eine bestimmte Anzahl Absenzen. Obschon die Mehrheit der Kategorien acht Wochen als Obergrenze vorsehen, gibt es einige Ausnahmen. Der sechsmonatige Einsatz im ambulanten Bereich (vorgesehen in der Weiterbildung zur Erlangung des FMH-Titels Allgemeine Innere Medizin) beispielsweise erlaubt sechs Wochen Abwesenheit.
Es muss aber festgehalten werden, dass die in den verschiedenen Fachgebieten erlaubten Absenzen nicht über mehrere Jahre kumuliert werden können. Wenn zum Beispiel ein Arzt sechs Monate im ambulanten Bereich tätig ist und anschliessend ein Jahr in der Chirurgie arbeitet, hat er nicht Anrecht auf eine gesamte Absenzendauer von 14 Wochen (6 im ambulanten Bereich + 8 in der Chirurgie), die er dann nach Gutdünken verteilen kann (bspw. elf Wochen während der Tätigkeit im ambulanten Bereich und fünf Wochen in der Chirurgie). Diese beiden Weiterbildungen sind «dicht»: Sechs Wochen Abwesenheit sind während der ambulanten Tätigkeit erlaubt, acht Wochen im Chirurgiejahr.
Die Abrechnung der Absenzen und die daraus folgende Validierung der Weiterbildungsdauer ist also von Fall zu Fall verschieden. Um die von der FMH anerkannte Weiterbildungsdauer zu bestimmen, wird empfohlen in zwei Schritten vorzugehen:
- Erstens muss man eine Anfrage via E-Logbuch der FMH einreichen (jedes FMH-Mitglied verfügt über einen Zugang zu dieser Plattform). Bei Fragen oder Problemen steht eine Helpline (031 359 12 59) zur Verfügung.
- Zweitens wird empfohlen der Titelkommission der FMH ein Schreiben zukommen zu lassen, in welchem die Situation erklärt wird. Diesem Brief können dann sämtliche relevanten Dokumente beigelegt werden (im vorliegenden Fall: Arztzeugnis und Marschbefehl).
Nach Erstellung einer detaillierten Abrechnung ihrer Absenzen wird die Titelkommission der FMH die betroffene Person informieren.
Joël Vuilleumier, Jurist der Sektion Neuenburg