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«Here we are!» beginnt mit der ersten Frauenbewegung um 1900, als Frauen für das Wahlrecht kämpften und Design als Beruf für die meisten unerreichbar war. Die Ausstellung hört im Heute auf, wo Frauen selbstverständlich Designerinnen sein können und in Lehre und Forschung tätig sind.
Lücken schliessen
Die Ausstellung ist während der Corona-Pandemie entstanden. Die drei Kuratorinnen Viviane Stappmanns, Nina Steinmüller und Susanne Graner konnten nicht reisen. Deshalb durchleuchtete das Trio die hauseigene Vitra-Sammlung, die 20'000 Objekte umfasst.
Ausstellungshinweis
«Here we are! Frauen im Design von 1900 bis heute» ist bis Anfang März 2022 im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zu sehen.
Deswegen fokussiert die Ausstellung stark auf Möbel und Objekt-Design. Die Kuratorinnen fanden unter anderem heraus, dass es in der Urheberschaft gewisser Objekte Lücken gibt. Zwei Beispiele.
Louise Brigham – Die Urmutter des DIY
Bis heute gelten Gerrit Rietveld (aus den 1930er-Jahren) oder Enzo Mari (aus den 1970ern) als Urväter der Do-It-Yourself-Bewegung. Louise Brigham, die das bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemacht hat, ist aber die eigentliche Urmutter – da gehört die Design-Geschichte korrigiert.
Schon viel früher kam die US-Amerikanerin Louise Brigham, eine sozial engagierte Frau, auf die Idee, aus hölzernen Verpackungskisten günstige Möbel zu fertigen. Dazu entwarf sie ganze Anleitungen, die sie in einem Buch veröffentlicht, das 1909 erschien.
Flora Steiger-Crawford – Freischwinger neu gedacht
Auch die Geschichte des sogenannten Freischwingers, dieses berühmten Stuhltyps aus Stahlrohr, den man mit Namen wie Ludwig Mies van der Rohe oder Marcel Breuer verbindet, müsste man anders erzählen, wie die Ausstellung «Here We Are!» zeigt.
Denn Flora Steiger-Crawford, einer Schweizer Architektin, Möbeldesignerin und Bildhauerin, war der Freischwinger van der Rohes nicht gut genug, weil er nicht stapelbar war. Das von Steiger-Crawford entwickelte Modell war dann tatsächlich erfolgreich. Zur Geschichte des Freischwingers gehört ihr Name also auch dazu.
Schafft es die Ausstellung damit, Designgeschichte neu zu schreiben? Das wäre ein hoher Anspruch. «Here We Are!» ist vielmehr eine Übersichtsausstellung. Aber sie zeigt auf, wo es etwas für die Ergänzung der Designgeschichte zu holen gäbe.
Leider fehlt eine Publikation zur Ausstellung. Das wäre ein hervorragendes Mittel für Forschung und Lehre gewesen, um die Designerinnen nachhaltig sichtbar zu machen.