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Der Investmentbanker Brady Dougan verlässt die Credit Suisse nach einer für Bankmanager halben Ewigkeit von acht Jahren. Schlechte Noten von der Nationalbank, eine Milliardenbusse in den USA und ein dünnes Kapitalpolster brachten den Stuhl des einstigen Vorzeigebankers ins Wanken.
Das Urteil war vernichtend: Am 14. Juni 2012 sagte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, die Credit Suisse (CS) verfüge über zu wenig hartes Kapital. Ein Euro-Crash wäre für die CS eher noch mühsamer zu verkraften als ausgerechnet für die lange Zeit kriselnde UBS, urteilte der Währungshüter.
Während der CS-Aktienkurs innert kürzester Zeit um bis zu 10 Prozent tauchte, verschärften sich die Spekulationen um den 55-jährigen Amerikaner an der Spitze der Bank. Der drahtige Mann aus Illinois konnte sich damals jedoch halten.
Die Kritik am CS-Chef schwoll jedoch im vergangen Sommer erneut bedrohlich an. Nach dem Schuldbekenntnis und der Milliardenbusse in den USA forderte ihn selbst die NZZ zum Rücktritt auf. Gemessen an der dramatisch gesunkenen Halbwertszeit von Grossbankenchefs ist es aber auch ohne diese Kritik ein mittleres Wunder, dass sich Dougan überhaupt so lange an der Spitze der CS halten konnte.
Grübels fader Nachfolger
Dougan übernahm die Führung der Credit Suisse 2007. Wie sein Vorgänger Oswald Grübel war Dougan in der Handelssparte, dem Investmentbanking, gross geworden. Er ist ein Abgänger der University of Chicago und arbeitete sich in der früheren CS-Investmenttochter Credit Suisse First Boston nach oben. Zuletzt - ab Mai 2005 - leitete er die gesamte CS-Investmentbank.
In vielem unterschied sich der zurückhaltende Dougan aber stets stark von seinem Vorgänger, der später UBS-Chef wurde und für seine trocken-prägnanten, meistens unverblümten und nicht immer populären Bemerkungen bekannt war. Der Amerikaner fiel durch die Eigenschaft auf, mit vielen Worten im Grunde genommen nichts zu sagen.
Immer im grauen Anzug, mit hellblauem Hemd und einer blassroten Krawatte, schien er immer nur Sätze zu sprechen, die amerikanisch geprägte Berater für ihn vorbereitet hatten. Was immer geschah, die CS hatte Schwung («momentum»), sie war die erste Bank, die etwas umsetzte ("first mover") und jedes Problem wurde angegangen («we have adressed the issue»).
Mit harter Arbeit zum Image eines Musterschülers
Doch die faden Auftritte täuschten. Der CS-Chef arbeitete hart und schlief fast nie: Er liess sich nach dem Joggen schon im Morgengrauen ins Büro fahren und arbeitete bis in die Nacht hinein, wie er dem «Magazin» des «Tages Anzeigers» in einem seltenen Einblick in sein persönliches Leben einmal berichtete.
Er galt zudem lange als Musterschüler. Dies dank seiner Leistung vor und während der Finanzkrise. Als Chef der Investmentbank war er vor dem grossen Bankenbeben genau für das Geschäft verantwortlich, das andere Grossbanken ins Wanken brachte. Ob dank Dougans Umsicht oder einfach dank Glück: Die Credit Suisse kam fast schadlos durch die Finanzkrise.
Nur 2008 gab es einen Jahresverlust von 8,2 Milliarden Franken. Sonst glänzte Dougans Bank mit schwarzen Zahlen, was den Chef selbst lange unangreifbar machte. Als einer von ganz wenigen Grossbankchefs hat er schliesslich das Kunststück fertig gebracht, die Finanzkrise ohne Karriereknick zu überleben.
Der Mann mit dem Riesenbonus
Dougan und seine Bank rühmte sich in der Folge, als erste die Lehren aus der Krise gezogen zu haben. Zuerst schienen die Zahlen der Bank ihm Recht zu geben. Doch die europäische und amerikanische Schuldenkrise bescherte der CS-Investmentbank bald tiefere Gewinne als früher, und die risikoscheuen reichen Privatkunden verhalfen auch der Vermögensverwaltung zu keinem rechten Höhenflug mehr.
Vor allem aber schürte Dougans Kurs beim Aufbau des Eigenkapitals Zweifel an seiner Kompetenz. Die Kapitalpolster der Credit Suisse wuchsen nämlich langsamer als diejenigen der Konkurrenz. Mit einer Kernkapitalquote von unter zehn Prozent zählt heute die Credit Suisse zur Gruppe der Grossbanken mit den dünnsten Kapitaldecke.
Das harsche Urteil der SNB war in dieser Hinsicht nur eine Bestätigung. Jordans Schelte beeindruckte den CS-Chef aber zuerst gar nicht. Im Gegenteil: Die Auffassung der Nationalbank sei «schwer nachvollziehbar» polterte Dougan in einem Interview. Eine Woche später jedoch beschloss der Verwaltungsrat eine Kehrtwende. Dougans Glaubwürdigkeit war seither angeschlagen.
Hohe Boni und Saläre
Ebenfalls belastend für den Finanzkrisen-Starbanker war ein anderer umstrittener Aspekt des CS-Innenlebens: Hohe Boni und hohe Saläre. Während die Kapitalpolster nur langsam dicker werden, füllen sich die privaten Konten der Top-Manager rasch.
Für dieses System steht der Name Dougan symbolhaft: Der CS-Chef bekam zu seinen üblicherweise ohnehin stattlichen, aber branchenüblichen Salären 2010 auf einem Schlag 71 Millionen Franken Bonus. Ein Salärprogramm von 2004 machte dies möglich. Das Programm wendet die CS heute nicht mehr an, doch der Vorwurf - vor allem von Aktionären - dass die CS-Chefs immer noch zu üppig verdienten, besteht weiter.
(sda/chb/ama)