Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03223.jsonl.gz/2292

Tobler Johann Heinrich
"Alles Leben strömt aus Dir..."[Bearbeiten]
Mit dem kompositorischen Part des Landsgemeindeliedes "Ode an Gott" hat sich Johann Heinrich Tobler seinen festen Platz im Bewusstsein der Ausserrhoder Öffentlichkeit gesichert. Mit einem Denkmal auf Vögelinsegg erwies ihm diese denn auch die Reverenz. Er war einer der Gründungsväter der Sonnengesellschaft Speicher und hatte massgeblichen Anteil am Entstehen der heutigen evangelischen Kirche.
Autodidakt mit viel Talent[Bearbeiten]
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Ausserrhodens Männer bis 1989, als sie dem Frauenstimmrecht nach mehreren Anläufen endlich ihren Segen erteilten, ein Landsgemeindelied anstimmten, dessen Text von einer deutschen Frau stammt. Die Dichterin Karoline Rudolphi veröffentlichte 1787 ein Gedichtbändchen, in dem sich die neunstrophige "Ode an Gott" befindet. Die in seinem Empfinden besten vier Strophen unterlegte Johann Heinrich Tobler mit jener höchst eingängigen Melodie, die ab 1877 als offizielles Ausserrhoder Landsgemeindelied gesungen wurde – von 1990 bis zur Abschaffung der Landsgemeinde 1997 nun auch von den Frauen. In Toblers Schaffen stellt die "Ode an Gott" mit dem textlichen Auftakt "Alles Leben strömt aus Dir..." das bedeutendste Werk dar. Darüber hinaus komponierte er eine grosse Zahl von Liedern, die teilweise noch immer zum Stammrepertoire von Chören gehören. Eine systematische musikalische Ausbildung hat Tobler nie genossen. Sein kompositorisches Naturtalent liess ihn Melodien erfinden und zu Papier bringen, die ihrer Hörfälligkeit bis auf den heutigen Tag anzusprechen vermögen.
Ob seines musikalischen Bekanntheitsgrades geht leicht vergessen, dass sich der 1777 in Trogen geborene Johann Heinrich Tobler auch auf anderen Gebieten Verdienst erwarb. Er, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte, erlernte den Beruf des Modelstechers und übte dieses Handwerk ab 1792 in Speicher aus. Von 1798 bis 1803, zur Zeit der Helvetik, hatte er das Sekretärsamt des Distriktgerichts Teufen inne. 1803 wurde er Ausserrhoder Landschreiber, ehe er 1816 zum Landsfähnrich und damit zum Regierungsmitglied gewählt wurde. Er blieb es allerdings nur ein Jahr lang. Seine Spuren in Speicher hat er einerseits mit der Gründung der Sonnengesellschaft, andererseits mit seiner massgeblichen Einflussnahme beim Bau der 1810 eingeweihten evangelischen Kirche hinterlassen. Zur Ausführung gelangten ein Bau nach den Vorstellungen von Johann Heinrich Tobler. Ab 1803 leitete er während 22 Jahren auch die Geschicke des Musikvereins Speicher, der damals als Instrumental-Gesellschaft zum Ochsen die Bevölkerung erfreute. Dem Andenken Toblers gilt das 1938 eingeweihte und von Bildhauer Wilhelm Meier geschaffene Denkmal auf der Vögelinsegg.
Text: Martin Hüsler
Ergänzende Lebensdaten[Bearbeiten]
1777 in Trogen geboren als Sohn des Metzgers und Landweibels Hans Jakob Tobler, welcher verstarb, als Johann Heinrich noch Kind war. Es folgte eine entbehrungsreiche und freudlose Kinder- und Jugendzeit nach der Wiederheirat seiner Mutter Ursula Tanner, verwitwete Lutz, mit dem Taubenwirt Matthias Eugster auf Vögelinsegg. Gegen den Widerstand seines Stiefvater, des „Vogtes“, konnte er 1791 in Herisau doch noch den Beruf des Modelstechers erlernen, den er ab 1792 in Speicher ausübte. 1798 nahm er die Stelle des Sekretärs am Distriktgericht Teufen an, in den Wirren der Helvetik zog er 1803 als Bataillonsadjudant bis nach Bern.
Ab 1803 folgten Landschreiberjahre bis 1816 zur Wahl als Landesfähnrich in die Regierung, die er ein Jahr später verlassen musste, weil seine Vermögensverhältnisse das Amt nicht mehr zuliessen (Seine Mousselinfabrikate an das Zellwegerhaus Trogen liessen sich wegen der Kontinentalsperre nicht mehr absetzen). Tobler wohnte im Haus, das später zur Wirtschaft zum Frohsinn wurde. 1803 bis 1825 leitete Tobler die Musikgesellschaft Speicher. Ab 1819 war er Mitglied der St. Galler Singgesellschaft zum Antlitz, 1824 Gründungsmitglied (zusammen mit Initiant Dekan Samuel Weishaupt aus Wald) des Appenzellischen Sängervereins und 1832 der Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft. 1825 war er, "Direktor" des Sängerfestes auf Vögelinsegg, dem ersten schweizerischen Sängerfest, dem Vorbild für alle später folgenden Feste.
Politisch mit Herzblut liberal[Bearbeiten]
Am 11. November 1824 trug Johann Heinrich Tobler in einem Vortrag seine Gedanken zu Freiheit, Verfassung und Gesetzen vor. Der handschriftliche Vortrag wurde anschliessend in die Sammlung der „Relationen“ eingebunden. Es befindet sich im Privatarchiv der Sonnengesellschaft Speicher im Staatsarchiv AR in Herisau.
Tobler betitelt seinen Vortrag mit dem sperrigen Titel „Flüchtig hingeworfene Gedanken über Freiheit, Vaterland, Verfassung und Gesetze“
Der Vortrag ist Ausdruck der Zeit der Restauration, in der konservative und liberale Kräfte um die Vorherrschaft rangen. Die Sonnengesellschaft gehörte, ebenso wie beispielsweise die neu entstandenen Gesangs- und Turnvereine und ab 1828 auch die Appenzeller Zeitung zu den Vorkämpferinnen des freiheitlichen Denkens. Der Vortrag Toblers umschreibt als Vision eine liberale Grundhaltung, die auf den Ideen der Vordenker der Aufklärung fusst. Seine Kritik bezieht sich auf die kantonalen Verhältnisse, die ihm aus der Praxis als Sekretär des Distriktsgerichts (1798 bis 1803), als Landschreiber (1803 bis 1816) und als Landsfähnrich (1816-1817) bestens geläufig waren.
Zeitreise mit Philipp Langenegger[Bearbeiten]
Im Rahmen des Jubiläums „200 Jahre Sonnengesellschaft“ wurde der Vortrag transkribiert und sprachlich leicht angepasst. Schauspieler Philipp Langenegger lässt den Abend des 11. November 1824 neu aufleben. Der Vortrag dauert rund 30 Minuten, der Trailer rund 5 Minuten. Eine Textdatei mit der dem Video zugrunde liegenden Version des Vortrags ist hier verfügbar.
"Vorlesung": Gedanken zu Freiheit, Verfassung und Gesetze[Bearbeiten]
Kurzversion (5 Minuten)
Vollversion (24 Minuten)
Kompositorisches und literarisches Schaffen[Bearbeiten]
Tobler ist bekannt als Komponist vieler Lieder. Das Komponieren brachte er sich selbst bei. 1810 erschien von ihm eine „Sammlung von Gesellschaftsliedern", die 1828 eine Neuauflage erlebte. Von seinen eigentümlichen Volks- und Gelegenheitsgedichten fanden mehrere Aufnahme in die „Sammlung appenzellischer Lieder und Gedichte 1829“. Anzumerken ist, dass Toblers Lieder, so genannt „sittliche und bildende Gesänge“ schon bald mit wenigen Ausnahmen aus der Mode fielen, wie beispielsweise "Der freie Schweitzer Hirt".
Im Rahmen eines Transkriptions- und Editionsprojekts verfolgten Studierende des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Bern zwischen November 2020 und Ende Juli 2021 das Ziel, frischen Wind in das Œuvre zu bringen: Die zahlreichen Gesellschaftslieder und geistlichen Lieder des Appenzeller Komponisten, Dichters, «Volksaufklärers» und Sängervaters sind frühe und wichtige historische Zeugnisse der europäischen Volksgesangsbewegung im 19. Jahrhundert und gehören somit zum kulturellen Erbe der Chorgesangsliteratur der Schweiz. Auf der Webseite des Projekts «Tobler goes digital» finden sich sämtliche Kompositionen Toblers.
Anlässlich des Neujahrsaperos der Gemeinde Speicher vom 4. Januar 2020 wurde auch der erste Anlass zum 200-Jahr-Jubiläum der Sonnengesellschaft inszeniert: Zum Thema "Singen" nahm Philipp Langenegger das Publikum mit auf eine Zeitreise in der Gestalt von Johann Heinrich Tobler. Der Chor Wald unter der Leitung von Jürg Surber begleitete die theatralische Aktion, geschrieben von Peter Surber, mit dem Tobler Lied "Gute Nacht"
Literarische Arbeiten aus dem Gebiete der Geschichte:„Regenten- und Landesgeschichte des Kantons Appenzell A. Rh., mit 30 Bildnissen. 1813". In den appenzellischen Monatsblättern veröffentlichte er verschiedene Originalaufsätze, so z. B. über die Privat-Brandversicherungsanstalt im Kanton Appenzell A. Rh., deren Mitgründer er 1823 war und bis 1837 deren Buchhalter, oder über die Verhandlungen des Grossen Rates wegen der 1814er Verfassung. Ebebenso sind genaue Berichte über zwei Kriminalfälle erhalten, von denen er wahrscheinlich in seiner Zeit als Schreiber am Distriktsgericht Kenntnis erhalten hatte.
Brief aus Bad Pfäfers[Bearbeiten]
Einen besonderen Einblick in die Persönlichkeit Toblers gibt der Text "Brief aus Bad Pfäfers." Er beschreibt darin detailgetreu seinen dreiwöchigen Kuraufenthalt Im Bad Pfäfers, allerdings mit viel Schalk und Humor. Der Brief ist ein schönes Beispiel für Toblers Fähigkeit, Sachverhalte humoristisch und unterhaltsam darzustellen und sich auch ein bisschen lustig zu machen über Personen und Vorkommnisse.
Mehr über die damals sehr beliebten Badekuren im Bad Pfäfers finden sich auf folgenden Seiten: Karin Bucher aus Trogen hat im Auftrag der Stiftung „Altes Bad Pfäfers“ einen Audiowalk verfasst. Der Audiowalk vermittelt - nebst viel Bildmaterial - einen guten Einblick in die Blütezeit vom Bad Pfäfers, die etwa in die Zeit fällt, als J. H. Tobler dort zur Kur weilte.
Gründung der Sonnengesellschaft[Bearbeiten]
Arnold Eugster schreibt in App. Jahrbücher 1923:
Da Tobler der eigentliche Gründer der Sonnengesellschaft war -- eine diesbezügliche Notiz bei Baumberger (Festschrift zum 60-jährigen Bestehen der Sonnengesellschaft; Red.) ist in diesem Sinn zu korrigieren … und ebenda: Wir entnehmen sie seiner Selbstbiographie, welche er im Jahre 1827 in der Gesellschaft vorgelesen hat, die das Manuscript heute noch pietätsvoll aufbewahrt, obschon es im Jahre 1838 nach Toblers Tode in der Appenzeller Zeitung abgedruckt worden ist. (App. Jahrbücher 1923, Seite 4)
…
Nachdem er lange den Plan zu einer Vereinigung Gleichgesinnter still mit sich herumgetragen, dann gelegentlich auch dem Einen oder Andern sein Vorhaben anvertraut, aber nicht immer die gewünschte Zustimmung gefunden hatte, entschloss er sich, den Schritt zu wagen und lud auf den 6. Oktober 1820 eine Anzahl von Freunden und Bekannten ins Gastzimmer des Herrn Oberst Rüsch zur „Sonne" zu einer Besprechung ein. Es erschienen 18 Gemeindeeinwohner, die die Ideen Toblers sofort zu den ihrigen machten und sich zu einer Gesellschaft gebildeter und bildungsliebender Männer zusammenschlossen, die sich die Aufgabe setzte, wöchentlich einmal zusammenzukommen und sich durch das Lesen von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern, sowie durch mündliche Aussprache gegenseitig zu unterhalten und zu belehren."
…
Sein poetisches Talent brachte er an Kläuslern zur Geltung:
Arnold Eugster, App. Jahrbücher 1923:
Landesfähndrich Tobler hat der Gesellschaft mehrmals unter dem Titel : „Eine Schüssel voll Nüsse und Dürrebirnen"* humoristische Gaben vorgetragen, indem er den griesgrämigen Neidern und Gegnern der Vereinigung gehörig heimleuchtete.
Er gehörte zusammen mit seinem Freund und Arzt Dr. Gabriel Rüsch lange zu den Zugpferden in der Sonnengesellschaft, immer darum bemüht, liberalen und bildungspolitischen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen.
Vortragstätigkeit in der Sonnengesellschaft Speicher[Bearbeiten]
Johann Heinrich Tobler fällt in „seiner“ Sonnengesellschaft mit einer regen Vortragstätigkeit auf. Zusammen mit Gabriel Rüsch ist er der fleissigste Referent.
Die Themen der Vorträge sind auch auf dem Hintergrund der - liberalen und fortschrittlichen - Überzeugungen der Gründer der Sonnengesellschaft, sowie der Umbruchszeit nach dem Wiener Kongress zu sehen: Politische Umwälzungen, Neuordnung, Kampf zwischen Konservativen und Fortschrittlichen, Suche nach „Heimat und Vaterland.“
Neben geschichtlichen Themen und witzig Unterhaltendem sind es vor allem auch politische Ereignisse und Schriften (z.B. von Heinrich Zschokke), die Tobler zur Erläuterung seiner Ideen aufgreift, sei es am Bespiel von Biographien vor allem liberaler Männer (oft aus der Helvetischen Gesellschaft), sei es in grundsätzlichen Referaten zu demokratischen Einrichtungen. Auch Toblers Referate sind handschriftlich und im Wortlaut in der Sammlung der „Relationen“ der Sonnengesellschaft erhalten.
Anfänglich hiessen die Vorträge der Mitglieder der Sonnengesellschaft „Vorlesungen“: Es wurden Texte, die der Vortragende interessant fand, aus Publikationen vorgelesen und wohl anschliessend diskutiert. Eigene Zusammenfassungen oder eigene Gedanken wurden als „eigene Arbeit“ oder „eigener Aufsatz“ gekennzeichnet. Eine spezielle Vorlesung dieser Art ist "Töne aus dem Geisterreich", in welcher Tobler eigene hellseherische Fähigkeiten beschreibt und sie ins Reich des Übernatürlichen verweist.
Die Vorträge Toblers in der Sonnengesellschaft Speicher[Bearbeiten]
Daten und Einträge in Transkription zusammen gestellt aus den Protokollbüchern der Gesellschaft.
|Datum||Titel gemäss Protokollbuch [Bemerkungen, Erläuterungen Redaktion wikispeicher]|
|06.11.1823||Ueber den Unterwaldenkrieg v. 1798, aus den Alpenrosen 1824|
|11.12.1823||Niklaus Frohmuth, aus den Alpenrosen 1824, und Das Lob der Frauen v. Schiller [Chläusler]|
|18.12.1823||Die russische Scene|
|11.03.1824||aus den Erheiterungen: der Fürstenblick [„Erheiterungen“ - Eine Monatsschrift für gebildete Leser; Heinrich Zschokke e.a.]|
|25.03.1824||Die russische Scene|
|18.12.1823||über den Sclavenhandel, aus der neuen Bibliothek der Reisebeschreibungen, 37. Bd. [Fr. Aug. Peron, Bibliothek der Reisebeschreibungen, 60 Bände]|
|01.04.1824||Ueber die Aufklärung v. Sailer I. Abtlg im Allgemeinen [Johann Michael Sailer, Regensburger Bischof, Pastoraltheologe]|
|14.04.1823||Ueber die Aufklärung v. Sailer 2. Abtlg in Bezug auf Klage|
|14.10.1824||Bedenke das Ende, aus den „Stunden der Andacht“ 1818 [Heinrich Zschokke e. a.: Stunden der Andacht zur Beförderung wahren Christenthums und häuslicher Gottesverehrung, Verlag Sauerländer]|
|11.11.1824||Freiheit, Vaterland, Verfassung und Gesetze, zwei eigene Aufsätze|
|29.03.1825||„Ueber Vehmgericht“, aus d. Convers. Lexikon und eine Erzählung n. Jung [Vehme, Feme, heilige Feme: Gerichtsverhandlung eines Gerichtsverbands, die entweder mit Freispruch oder Todesurteil endete, ausschliesslich in Westfalen]|
|06.05.1825||„Ueber Landsgemeinden“, Zwei eigene Aufsätze|
|07.10.1825||Ein eigener Aufsatz. Ueber den Geist u. Zweck des Vereins|
|07.10.1825||Brief v. Fr. Deggeler in Betreff des am Fusse des Säntis verunglückt gefund. Prof. Jezeler u. dessen Beerdigung. [Christoph Jezler von Schaffhausen, Prof. der Math. und Physik, *1734, + 1791]|
|04.10.1827||Aus dem Helvet. Almanach: Ueber Johs. Kessler v. St. Gallen u. Lorenz Zellweger in Trogen [Johannes Kessler, Reformator, Freund und Nachfolger Vadians; Laurenz Zellweger: Aufklärer, Mitgründer Helvetische Gesellschaft]|
|08.11.1827||Aus einem Werke, betitelt: Unsere Zeit oder Übersicht der merkwürdigsten Ereignisse v. 1789 – 1830: „38 stündiger Todeskampf des Hpm Tourniaux St. Mard, eines ehemaligen französischen Offiziers“ [Das Werk ist ab 1826 in mehreren Bänden erschienen]|
|13.12.1827||Ein eigener Aufsatz: über den Zweck der Gesellschaft, Klösler|
|07.02.1828||Aus den theolog. Nachrichten v. Dr. Johs. Schulthess „Zum Andenken Stubers u. Oberlins Pfarrer“ [Joh. Schulthess, Theologe, Mitgründer der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft etc.]; [Joh. Friedr. Oberlin, Vordenker Kindergarten]; [Johann Stuber, Pfarrer und Pädagoge]|
|20.03.1828||Ein eigener Aufsatz: „Töne aus dem Geisterreich“|
|06.11.1828||„Seeleben und See-Gemälde“ von August Fischer [aus dem Werk Lord Byrons]|
|13.11.1828||Fortsetzung von Obigem|
|04.12.1828||Fortsetzung von Obigem|
|06.02.1829||aus der Evangel. Kirchenzeitung 1829 Nr.11 „die Religion der sogen. Gebildeten, ein Gemisch von Heidentum, Muhamadismus u. alten Phylosophen“|
|19.02.1829||„aus dem Tagebuch eines Richters“ v. Hofrath v. Ekartshausen [Karl von Ekartshausen, aufklärerischer Philosoph]|
|12.03.1829||Abschiedspredigt gehalten v Pf. Heer in Glarus 1829 [Jakob Heer, Pfarrer und Pädagoge?]|
|28.03.1829||„Frohnleichnamspruch u. Lieder“ beim Umzug in Appenzell|
|07.01.1830||aus Maltens Weltkunde 12. Jh. „Merkwürdige Rechtshändel Frankreichs“ und aus den Erheiterungen: „die Pfaffenmacht“ u. „die nordamerikanischen Paketboote“|
|02.12.1830||Ein Bericht v. der Schlacht bei Sempach von Haller in Königsfelden [Franz Ludwig Haller , Hofschreiber in Königsfelden]|
|20.01.1831||aus Jos. Albr. Ittners [Joseph Albrecht von Ittner, Schriftsteller und Jurist, Freund Zschokkes] Schriften III. Bands: „Sonderbare Methoden einiger Völker sich Recht zu verschaffen“ „Wahnsinn u. Wahnsinnige“|
|10.03.1831||aus den modernen Biographien v. Markus Lutz: Peter Ochs, Staatsrath zu Basel; Johs. Künzle gewes. helvetischer Senator; Johs. Schmid, Landammann des Cts. App. A.Rh; J. Zellweger, Landammann des Cts. App. A.Rh|
|16.11.1831||„Franklins Tagebuch, entworfen 1780“, 1. Teil [Benjamin Franklins Autobiographie war damals ein „Bestseller“]|
|08.12.1831||„Franklins Tagebuch, entworfen 1780“, 2. Teil|
|12.01.1832||„Ueber die Jesuiten“|
|06.12.1832||Schweizerischer Merkur I. Jahrg. 6. Heft: „Die Rache an den Tockenburgern“, 1. Teil|
|20.12.1832||Schweizerischer Merkur I. Jahrg. 7. Heft: „Die Rache an den Tockenburgern“, 2. Teil|
|03.01.1833||Schweizerischer Merkur: „Volkssagen aus dem Oberlande, n. Henne“ [Anton Henne, u. a. Lehrer in Hofwil; Historiker, publizierte 1826 „Lieder und Sagen aus der Schweiz“; später Stiftsbibliothekar in St. Gallen, starb 1870 in Wolfhalden]|
|17.01.1833||Schweizerische Monatsschriften: „Volkssagen im Oberlande“, 2. Teil|
|07.02.1833||„Prozess des Stadtschreibers Zörnlin v. St. Gallen“ [Zörnlin wurde nach einem „etwas formlosen Prozess“ wegen Unterschlagung am 22. 3. 1762 hingerichtet]|
|05.04.1833||„Kaiserin Katharina II.“ aus Maltens Weltkunde [Katharina II. - die Grosse: ihre (Innen)Politik war vom Gedankengut der Aufklärung geprägt, mit allerdings nur zögerlicher Umsetzung]|
|1834||Etwas aus den Züricher Neujahrsblättern|
|12.11.1835||Vorschläge der Siebner Commission über Sitten u. Polizei Gesetze [Gemeint ist wohl das Siebner-Konkordat, ein Zusammenschluss liberaler Kantone von 1832 mit gegenseitiger Garantie der liberalen Verfassungen und dem Zusatz, Ruhe und Ordnung nötigenfalls mit Waffengewalt durchzusetzen.]|
|03.12.1835||6 Predigten, gehalten in der Synagoge zu Hohenems vom dortigen Rabbiner Abraham Kohn [Abraham Kohn, liberaler Rabbiner in Hohenems von 1833 bis 1844, später in Lemberg]|
|23.12.1835||Kritik über das Appenzellische Gesangbuch, aus der Evangelischen Kirchenzeitung|
|07.01.1836||aus dem Neujahrsblatt von der Hülfsgesellschaft in Zürich|
|14.01.1836||aus einem Zürcher Neujahrsblatt „Biographie von Weber“|
|26.02.1836||Biographie von Usteri, 1. Teil [Gemeint ist wohl Leonhard Usteri, Theologe, er besuchte Jean-Jacques Rousseau in Paris, war Chorherr am Grossmünster und Gründer der ersten Töchterschule in Zürich, Mitglied der Helvetischen Gesellschaft.]|
|04.03.1836||Biographie von Usteri, 2. Teil|
|11.03.1836||„Sir John Herschels höchst merkwürdige u. astronomische Entdeckungen, den Mond u. seinen Bewohner betreffend“ [John Herschel, Astronom, vgl. Great moon hoax]|
|17.03.1836||Biographie von Usteri, 3. Teil|
|13.10.1836||Ein eigener Aufsatz „ein Wort über die Tendenz und das Wirken des gesellschaftlich. Vereins zur Sonne|
|15.12.1836||Gedichte v Schiller: Der Täufer, Der Gang nach dem Eisenhammer; Der Handschuh|
|19.01.1837||aus Meissners Scizzen: „Seltene Geistesgegenwart, eine wahre Geschichte“ [August Gottlieb Meissner, Schriftsteller der Aufklärung, verfasste u. a. in seinen Scizzen - 14 Bände - über 50 Kriminalgeschichten]|
|17.02.1837||Deportations Geschichte des Herr Statthalter Rechsteiner, 1799, von ihm selbst beschrieben|
|02.03.1837||„Das Walten Gottes in der Heidenwelt, oder Sammlung edler Carakter Züge aus dem Leben tugendhafter Heiden“ [Autor: Hartmann Jacob Frick]|
|09.03.1837||„Ursache und Zweck der v. Louis Bonaparte beabsichtigten Militair-Revolution in Frankreich|
|04.05.1837||„Goldau vor und nach dem Bergsturz“ aus den klassischen Stellen der Schweiz, v. Heinr. Zschokke|
|12.10.1837||David Joris ein Bild aus dem 16ten. Jahrh.“ v. Trachsel aus den Alpenrosen Jahrgang 1836 [David Joris, Glasmaler, holländischer Täufer, später in Basel, Einsatz für Toleranz; Pseudonym: Jan van Brügge]|
Freiheit, Vaterland, Verfassung und Gesetze - Vorlesung am 11. November 1824[Bearbeiten]
Im Abschnitt über die Freiheit beschreibt er die Grundfreiheiten - der Person, des Eigentums und Berufsrechts, der politischen Rechte - nicht ohne gleichzeitig auf die damit verbundenen Pflichten zu verweisen. In einem geschichtlichen Abriss zeigt er auf, wie der Gemeinsinn dem Eigennutz, falsch verstandenem Freiheitsrecht, geopfert wurde.
Verfassung und Gesetze sollten dem Gemeinwohl dienen und den Bedürfnissen der Einwohner entsprechen. Weil diese sich mit der Zeit ändern, sollten auch die Gesetze entsprechend angepasst werden, was aber eben nicht oder nur ungenügend geschehe.
Ausführlich und mit Beispielen beschreibt er die fehlende Gewaltentrennung, insbesondere in Rechtsfragen, teilweise begründet in einem (zu) schlanken Staat. Er macht Vorschläge zur Verbesserung.
Der Text, basierend auf der Transkription, ist heutiger Sprache angepasst und findet sich hier.
Über Landsgemeinden - Vorlesung am 6. Mai 1825[Bearbeiten]
In dieser Vorlesung setzt sich Tobler kritisch mit der Institution Landsgemeinde auseinander. Im ersten Teil beschreibt er, wie er die Landsgemeinde als feierliche, gottesdienstähnliche Institution der direkten Demokratie sieht. Er betont den Respekt der Bürger vor den Entscheiden der gewählten Regierung.
In einem zweiten Teil beklagt er die Misstände, die so gar nicht zum eben gezeichneten feierlichen Bild passen: Unwissenheit, Misstrauen, Missgunst, Neid und das Streuen von Gerüchten über vermeintliche Misstände in der Regierung führen zu Unzufriedenheit und zum Abschmettern wohl überlegter Vorlagen oder gar zur Abwahl von Regierungsmitgliedern.
Die Ursachen für die Missstände beschreibt er im dritten Teil: Das bedingungslose Festhalten an Althergebrachtem sieht er als Quelle des Übels, nämlich als falsch verstandenen Begriff von Verfassung und Freiheit, die jegliche Anpassung an neue Zeiten und Umstände verhindern.
Damit leitet er über zu einem hoffnungsvollen Ausblick, dem vierten Teil, in welchem er eine Art politischer Bildung für die jungen Stimmbürger vorschlägt. Wohl zu recht hat er erkannt, dass eine solche weder im schulischen Unterricht noch in der religiösen Unterweisung stattfindet. Die Ankündigung, einen solchen Unterricht als Versuch zu wagen, bildet den hoffnungsvollen Schluss der Vorlesung.
Tobleralbum in der Sonnengesellschaftsbibliothek[Bearbeiten]
Arnold Eugster, App. Jahrbücher 1923:Der heutige Stand der Sonnengesellschaftsbibliothek zeigt weit über 1000 Bände und ist neben der Belletristik hauptsächlich an historischen Werken wertvoll. Als eine besondere Zierde darf das Tobler-Album bezeichnet werden, eine handschriftliche, von Lehrer Müller sehr schön ausgeführte Sammlung von 69 Liedern des Komponisten J. H. Tobler in Partitur, die 1860 beschlossen wurde „zur dankbaren Erinnerung an den um den appenzellischen Volksgesang verdienten Komponisten Landsfähndrich Tobler, sowie im Interesse der Anerkennung und Erhaltung- literarischer und künstlerischer Erzeugnisse unserer Gemeinde“.
Wie Eugster richtig schreibt, ist die Sammlung "von Lehrer Müller sehr schön ausgeführt." Das Schriftbild ist von einer erstaunlichen Präzision und Schönheit, die wohl viele fragen lässt, wie das überhaupt möglich war.
Wertschätzung schweizweit[Bearbeiten]
Einen kleinen Einblick in die Wertschätzung, die J.H.Tobler weit über die Grenzen des Appenzellerlandes genoss, mag der Nekrolog in den Appenzellischen Monatsblättern von 1838 im Heft 7 auf Seite 102 geben:
Hommage an Joh. Heinr. Tobler[Bearbeiten]
Johann Heinrich Tobler (1777–1838) war nicht nur Initiant und Mitgründer der Sonnengesellschaft und lange treibende Kraft im Vorstand. Im Zentrum seines vielfältigen gesellschaftlichen Engagements stand die Musik, insbesondere der Volksgesang. Als Komponist ist er mit einem ganz besonderen Werk unvergesslich geblieben: mit der «Ode an Gott», dem Appenzeller Landsgemeindelied.
Die ursprünglich für den 28. Mai 2020 in der Kirche in Speicher geplante «Hommage an Johann Heinrich Tobler» konnte coronabedingt erst am 22. September 2021 stattfinden.
Landsgemeindekantate „Alles Leben strömt aus dir“[Bearbeiten]
Rudolf Lutz hat zum Landsgemeindelied die sogenannte Landsgemeindekantate „Alles Leben strömt aus dir“ komponiert und diese mit dem Chor und dem Orchester der J.S. Bach-Stiftung im August 2018 in der Kirche Trogen zu einer viel beachteten Aufführung gebracht. Der Link auf die einzelnen Elemente findet sich hier.
Einführung in die Landsgemeindekantate sowie weitere Werke von und mit Rudolf Lutz finden sich hier.
Video Hommage an Joh. Heinr. Tobler: Aufnahmen/Schnitt/Montage: Samuel Lutz, Mai 2020
Text: Peter Abegglen