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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Sechstes Buch
VII. Kapitel
55.
1. Nach dieser Weisheit also trägt die Philosophie Verlangen; diese ist ein Streben1 der Seele sowohl nach der Fähigkeit richtigen Denkens als auch nach der Reinheit des Lebens, und sie ist gegen die Weisheit freundschaftlich [S. 275] und liebevoll gesinnt und tut alles, um ihrer teilhaftig zu werden.
2. Philosophen aber heißen bei uns diejenigen, die nach der Weisheit, die alle Dinge geschaffen hat und alles lehrt, Verlangen tragen, das heißt nach der Erkenntnis des Sohnes Gottes, bei den Griechen aber diejenigen, die sich mit den Reden über die Tugend beschäftigen.
3. Philosophie besteht aber wohl aus den nicht zu beanstandenden Lehrsätzen jeder einzelnen Richtung (ich meine philosophischen Richtung), die verbunden mit den ihnen entsprechenden Lebensgrundsätzen zu einer Auswahl vereinigt sind.
4. Auch sie sind aus der den Barbaren von Gott geschenkten Gnadengabe2 entwendet und wurden mit den Mitteln der griechischen Sprachkunst ausgeschmückt; denn die einen Sätze haben sie entwendet, die anderen aber haben sie mißverstanden; von den übrigen Lehren haben sie manche, von Gottes Geist bewegt, verkündet, aber nicht zu voller Klarheit entwickelt, andere auf Grund von menschlichem Vermuten und Überlegen, wobei sie manchmal auch in die Irre gehen; während sie aber selbst meinen, ihre Erfassung der Wahrheit sei vollkommen, ist sie, wie wir von ihnen überzeugt sind, nur ein Stückwerk.
1: Ich lese (xxx); vgl. Paid. I 101,2.
2: Vgl. z.B. Röm 12,3.6.