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Tierversuche in der Hirnforschung
Wie im September bekannt wurde, sind am Institut für Neuroinformatik (INI) der ETH Zürich und der Universität Zürich zum ersten Mal seit 2009 wieder Tierversuche mit Affen geplant. Die verantwortlichen Tierexperimentatoren hoffen, dass diese Versuche dazu beitragen werden, neurologische oder psychische Krankheiten des Menschen zu heilen. Bereits seit Jahrzehnten verspricht uns die Tierversuchsforschung regelmässig, dass dank Affenversuchen Krankheiten wie Schizophrenie, Alzheimer oder Parkinson bald geheilt werden können. Obwohl in all diesen Jahren unzählige Experimente an Tausenden von Affen durchgeführt wurden, sind heute weder Schizophrenie noch Alzheimer und Parkinson heilbar.
Da sich verschiedene Tierarten anatomisch und physiologisch voneinander unterscheiden, steht die Tierversuchsforschung ständig vor dem Problem der mangelnden Übertragbarkeit der Tierversuchsergebnisse auf den Menschen. Weil Affen (genauer gesagt: nichtmenschliche Affen) dem Menschen ähnlicher sind als andere Tierarten, gelten Affenversuche in der Tierversuchsforschung als besonders wertvoll. Tierversuchsforscher sind der Meinung, dass die genetische Übereinstimmung zwischen Mensch und Rhesusaffe - einer in der Hirnforschung besonders häufig verwendeten Affenart - mit 93,5 %1 so gross ist, dass Ergebnisse aus Versuchen mit Affen auf den Menschen übertragen werden können. Wie gefährlich dieser Irrglaube ist, zeigt sich leider immer wieder: Ständig müssen Medikamente, die unter anderem auch in Affenversuchen getestet und für den Menschen als sicher befunden wurden, aufgrund schwerer Nebenwirkungen aus dem Verkehr gezogen werden.2
Wenn man bedenkt, dass die genetische Übereinstimmung zwischen Mensch und Fadenwurm immerhin 75 % beträgt, wird einem bewusst, dass der Unterschied von 6,5 % zwischen Rhesusaffe und Mensch doch nicht so klein ist.3,4
2004 ergab eine Studie der amerikanischen Arzneimittelzulassungsstelle FDA, dass 92 % aller Medikamente, welche im Tierversuch erfolgversprechend sind und als unbedenklich gelten, bei Menschen wirkungslos oder sogar gefährlich sind und daher gar nicht erst zugelassen werden.5
Von den übrig bleibenden 8 % der Medikamente, die auf den Markt kommen, muss aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen die Hälfte wieder vom Markt genommen oder deren Beipackzettel ergänzt werden.6
Affenversuche ohne humanmedizinische Relevanz
Tierversuchsforscher betonen immer wieder, dass Affenexperimente für die Heilung menschlicher neurologischer oder psychischer Krankheiten leider unbedingt notwendig seien. Dies konnte allerdings bis heute nicht bewiesen werden. Dank ausführlichen Literaturrecherchen von Ruhdel & Sauer kann hingegen ganz klar belegt werden, dass wir den Grossteil unseres heutigen Verständnisses über Alzheimer und Parkinson der Forschung am Menschen zu verdanken haben. Es wurde aufgezeigt, dass trotz unserer tierversuchsorientierten Forschung 83 – 90 % unseres Wissens über Parkinson aus menschenorientierter Forschung stammen und lediglich 3 – 4 % unseres Wissens durch Affenversuche gewonnen wurden.7
Um herauszufinden, was die Tierversuchsforschung tatsächlich zu unserem Verständnis und zur Heilung von Krankheiten des Menschen beiträgt, haben Brigitte Rusche und Wolfgang Apel die Forschungsergebnisse der drei Hirnforschungsinstitute der Bremer Universität auf ihren humanmedizinischen Nutzen untersucht. Dazu haben sie die Forschung über einen Zeitrahmen von 10 Jahren untersucht. Rusche und Apel mussten feststellen, dass keine einzige der Forschungsarbeiten einen konkreten medizinischen Nutzen für den Menschen aufweisen konnte.8 Dass es rein dem Zufall zu verdanken ist, wenn doch mal der seltene Fall eintritt, dass einer von Tausenden Tierversuchen zu einer für den Menschen relevanten medizinischen Neuerung führt, wurde bereits durch viele Studien belegt.9
Entgegen aller Logik hat die Tatsache, dass die Tierversuchsforschung ihre Versprechen nicht einhalten kann und sogar eine Gefahr für den Menschen darstellt, keine Konsequenzen für Tierversuchsforscher. Obwohl selbst Tierversuchsforscher eingestehen, dass die erwünschte Übertragung von Tierversuchsergebnissen auf den Menschen nicht garantiert werden kann, gilt die Methode «Tierversuch » noch immer als Goldstandard. Liefern Tierversuche nicht die erwarteten Ergebnisse, behauptet die Tierversuchsforschung ganz einfach, dass die erhofften Resultate durch noch mehr Tierversuche erhalten werden könnten.
Affenversuche in der Schweiz
2013 wurden in der Schweiz 322 Affen für Tierversuche verwendet. Von diesen 322 wurden 122 Affen in der Grundlagenforschung, das heisst einer Forschung ohne konkreten medizinischen Nutzen, eingesetzt.10 Vor allem in der Hirn- und Nervenforschung, der Immunologie, der Transplantationsmedizin und zur Überprüfung von Medikamenten und Impfstoffen kommen Affen an Hochschulen, Unispitälern und in der Pharma- und Chemieindustrie zum Einsatz.11 Häufig handelt es sich bei den verwendeten Affen um Makaken, zu denen unter anderem die bekannten Rhesusaffen und Javaneraffen gehören. Zwar wurden in der Schweiz grosse Menschenaffen (Bonobos, Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans), welche besonders nahe mit dem Menschen verwandt sind, schon seit Jahren nicht mehr für invasive Tierversuche verwendet, verboten sind Tierversuche mit Menschenaffen in der Schweiz allerdings nicht. Sogar Tierversuche des höchsten Schweregrades, welche grosse Qualen für das Tier bedeuten, sind an Affen grundsätzlich erlaubt.12
Laut dem aktuellen schweizerischem Tierschutzgesetz gilt jeder Tierversuch als verhandelbar. Über die Zulässigkeit eines Versuches entscheidet eine gesetzlich vorgeschriebene Güterabwägung. In dieser Güterabwägung wird im Einzelfall der für den Menschen zu erwartende Gewinn gegen die Belastung des Tieres/der Tiere abgewogen.13 Während die Angaben zum erwarteten Gewinn für den Menschen meistens utopisch sind und kaum eingehalten werden können, wird die Belastung der Tiere von den Forschern gerne verharmlost. Auf die Frage, wie stark die Belastung der Affen in seinen Versuchen in der Hirnforschung ist, antwortete der Leiter eines Hirnforschungsinstitutes in Bremen: «Für die Tiere selbst ist der Versuch keine Belastung, die anstrengender wäre als das Leben in freier Wildbahn. (…) Affen fallen auch häufiger vom Baum, als man denkt. Es dürfte kaum einen älteren Affen geben, der nicht einen Bruch oder eine schwere Verletzung überlebt hat. Das Leben in freier Wildbahn ist also im Gegensatz zu den romantischen Vorstellungen, die sich viele aufgrund der schönen Tierfilme machen, alles andere als ein Zuckerschlecken.»14

Über die geplanten Versuche von Kevan Martin und Valerio Mante:
Im Rahmen des neu gegründeten Swiss Non-Human Primates Competence Center for Research (SPCCR)23 – bei welchem Kevan Martin, Gregor Rainer und Eric Rouiller im Komitee sitzen und Valerio Mante ebenfalls Mitglied ist – sollen die Gehirnfunktionen von Affen mittels neuartiger experimenteller Methoden, mit welchen die Aktivität Hunderter Neuronen gleichzeitig gemessen wird, untersucht werden. Dazu werden die Elektroden dauerhaft ins Gehirn der Affen implantiert.24
Die Forscher denken, dass die geplanten Experimente neue Erkenntnisse über bestimmte Hirnareale der Affen liefern werden, und nehmen an, dass diese Erkenntnisse zu neuen Informationen über bestimmte Hirnareale des Menschen führen können.
Wie bei den abgewiesenen Versuchen 2006/2009 beinhaltet auch das geplante Projekt Experimente, bei denen die Affen nach den Schädeloperationen – fixiert im Affenstuhl – Aufgaben lösen müssen. Beim geplanten SPCCR-Versuchsprojekt kommt allerdings hinzu, dass einigen Affen durch chirurgische Eingriffe oder Medikamente verschiedene Arten von Hirnschäden zugefügt werden sollen, um damit herauszufinden, welche Auswirkungen diese künstlich erzeugten Behinderungen auf das Lösen kognitiver und motorischer Aufgaben haben. Die Forscher wollen versuchen, mit den gesundheitlich beeinträchtigten Affen verschiedene menschliche Krankheitsbilder nachzuahmen.25
2009 wurden in der Schweiz erstmals Tierversuche auf dem Rechtsmittelweg verhindert
2006- 2009 sorgten zwei geplante Affen-Tierversuchsprojekte für die Grundlagenforschung des Instituts für Neuroinformatik (INI) der ETH Zürich und der Universität Zürich für grosses Aufsehen. Obwohl die beiden Tierversuche bereits vom kantonalen Veterinäramt bewilligt worden waren, musste die Tierversuchskommission feststellen, dass die bewilligten Versuche nicht nur eine übermässige Würdeverletzung für die Tiere darstellen, sondern auch eine unverhältnismässige Belastung für die Affen bedeuten und folglich rechtswidrig sind. Deshalb entschied die Zürcher Tierversuchskommission gegen den Entschluss des Veterinäramtes und legte Rekurs ein. Da auch die Zürcher Gesundheitsdirektion und das Zürcher Verwaltungsgericht dem Entscheid der Tierversuchskommission entsprachen, zogen die Forscher vom INI bis vors Bundesgericht.
Das Bundesgericht vertrat in beiden Fällen ebenfalls die Meinung, dass der Nutzen des zu erwartenden Erkenntnisgewinnes, im Verhältnis zur Belastung und Würdeverletzung der Affen, zu tief sei, und wies die Beschwerden der beiden Forscher aufgrund dieser Unverhältnismässigkeit ab, wodurch die Versuche definitiv verboten blieben.15 Damit wurde bei diesen Entscheiden, zum ersten Mal in dieser Form, ausdrücklich der Tierwürde Rechnung getragen. Obwohl der Schutz der Tierwürde bereits in der Bundesverfassung von 1999 verankert ist,16 wurde er erst 2005 ins neue Tierschutzgesetz aufgenommen. Der Begriff der Tierwürde wird vom Tierschutzgesetz als «Eigenwert des Tieres, der im Umgang mit ihm geachtet werden muss», definiert. Artikel 3a des Tierschutzgesetzes lautet weiter: «Die Würde des Tieres wird missachtet, wenn eine Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann. Eine Belastung liegt vor, wenn dem Tier insbesondere Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden, es in Angst versetzt oder erniedrigt wird, wenn tiefgreifend in sein Erscheinungsbild oder seine Fähigkeiten eingegriffen oder es übermässig instrumentalisiert wird.»17
Da der Tierwürde noch nie in dieser Form Rechnung getragen wurde und Studien dieser Art in der Vergangenheit stets bewilligt worden waren,19 wurde von Seiten der Tierversuchsforscher überhaupt nicht mit den Negativentscheiden der Tierversuchskommission und der Gerichte gerechnet. Obwohl das Bundesgericht in seinem Urteil betonte, dass mit dem Verbot der beiden Tierversuche kein generelles Verbot von Tierversuchen mit Affen statuiert werde, sorgten die beiden Urteile in Kreisen der Tierversuchsforscher für grosse Aufregung. Die Tatsache, dass zum ersten Mal ausdrücklich die «Würde der Kreatur» eine Rolle spielte und in den Entscheid mit einfloss, bereitete so manchem Tierversuchsbefürworter Sorgen.20

Über die 2006/2009 verbotenen Versuche von Daniel Kiper:
Daniel Kiper hatte geplant, in Tierversuchen mit vier Rhesusaffen zu untersuchen, wie ihr visuelles System (Teil des Nervensystems, der visuelle Information verarbeitet) lernt und seine Leistung verbessert. Daniel Kiper gab an, dass diese Versuche künftig vielleicht dazu beitragen könnten, dass Menschen, welche einen Hirnschlag erlitten haben, verlorene Fähigkeiten zurückgewinnen.
Um diese Versuche durchführen zu können, hätten sich die vier Affen im Vorfeld der eigentlichen Versuche zwei Hirnoperationen unterziehen müssen: der Montage einer Kopfhalterung auf dem Schädeldach und dem Implantieren einer Ableitungskammer in den Schädel. Die Ableitungskammer dient den Forschern als Zugang. Durch die Ableitungskammer können die Mikroelektroden, welche die Forscher für das Messen der Nervenzellen-Aktivitäten einsetzen, ins Affengehirn eingeführt werden. Die Kopfhalterung wird zur Fixierung des Affenkopfes benutzt. Damit sich die Affen beim Einführen der Elektroden ins Gehirn und während der eigentlichen Experimente nicht bewegen können, werden sie auf diese Weise während der Versuche im sogenannten Affenstuhl fixiert.
Erst nach einer Trainingsphase, in welcher die Affen innerhalb 3 bis 12 Monaten mit dem Affenstuhl und dem Lösen visueller Aufgaben vertraut gemacht worden wären, hätten die eigentlichen Versuche begonnen. Dabei hätten die Affen, fixiert im Affenstuhl, auf einem Bildschirm präsentierte Aufgaben zur Beurteilung der sogenannten Vernier-Sehschärfe lösen müssen. Ihre Aufgabe in den jeweils zweieinhalb bis vier Stunden dauernden Sitzungen wäre es gewesen, zu bestimmen, ob eine kurze vertikale Linie gegenüber einer angrenzenden längeren Linie nach links oder rechts verschoben ist, sowie ihre Antwort mittels Hebels, welcher am Affenstuhl montiert ist, mitzuteilen.18 Während des Lösens dieser Aufgaben hätten die Forscher die Aktivität der einzelnen Neuronen in den verschiedenen Arealen der visuellen Hirnrinde gemessen, um dabei zu untersuchen, wie und wo im Gehirn eine Leistungssteigerung stattfindet.
Wie bei Experimenten dieser Art üblich, wäre auch hier vorgesehen gewesen, dass die Affen für jede richtige Antwort mit einigen Tropfen verdünntem Fruchtsaft belohnt worden wären und sie aus «Motivationsgründen » an den Tagen der Versuchssitzungen keinen freien Zugang zu Wasser gehabt hätten. Zum Schluss der eineinhalb bis zwei Jahre dauernden Versuchsphase wären die Affen eingeschläfert und ihr Gehirn untersucht worden.
Über die 2006/2009 verbotenen Versuche von Kevan Martin:
Um herauszufinden, ob und wie sich unterschiedliche Areale des Neokortex bei verschiedenen Säugetieren vergleichen lassen, beabsichtigte Kevan Martin, Versuche an 300 Ratten, 100 Katzen und 36 Affen durchzuführen. Diese Forschung hätte Kevan Martins Ziel, dem «Entwurf einer umfassenden Theorie des Neokortex», dienen sollen. Dazu wäre im ersten Teil des geplanten dreiteiligen Verfahrens einigen Tieren unter Narkose Hirngewebe für In-vitro-Untersuchungen entnommen worden. Diese Tiere sollten danach getötet werden. Im anschliessenden zweiten Verfahren wären einem weiteren Teil der Tiere die Vorrichtungen für das Messen der Aktivitäten der Nervenzellen eingesetzt worden. Diese Tiere wären nach den Messungen ebenfalls getötet worden. Den Tieren im dritten Verfahren hätten Spurensubstanzen, welche Nervenverbindungen im Neokortex erkennbar machen, injiziert werden sollen.
Zwei Wochen nach der Injektion wären diese Tiere anschliessend noch für das erste oder zweite Verfahren eingesetzt worden.
Uni und ETH Zürich planen erneut ähnliche Affenversuche
Nun wagen Kevan Martin und Dr. Valerio Mante vom INI einen neuen Versuch. Im September vergangenen Jahres gab Valerio Mante in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger»21 bekannt, dass das INI, zum ersten Mal seit den nicht bewilligten Versuchen 2006/2009, wieder Grundlagenforschung mit Affen plane. Valerio Mante möchte durch diese Versuche mehr über den präfrontalen Cortex (den Teil des Gehirnes, der unter anderem für Entscheidungsprozesse wichtig ist) erfahren. Er hofft, dass diese Erkenntnisse später vielleicht einen medizinischen Nutzen haben werden.22
Die Kritik infolge Nutzlosigkeit von Affenversuchen wächst
Inzwischen wagen es immer mehr Forscher, sich gegen die «Goldstandard-Forschungsmethode» Tierversuch auszusprechen, und setzen sich für eine menschenorientierte Forschung ein. Eine davon ist die Neurologin Dr. Aysha Akhtar. Akhtar ist davon überzeugt, dass der Tierversuch eine schlechte Forschungsmethode ist, welche die Forschung sogar behindert.26 Sie vertritt die Meinung, dass die neuroanatomischen und neurophysiologischen Unterschiede zwischen Affen und Menschenhirn von so grossem Belang sind, dass die auf Tierversuchen basierende Hirnforschung mehr schadet als nützt.27
Denn Tierversuche verursachen nicht nur grosses Leid, sondern bedeuten auch eine massive Verschwendung von Ressourcen (Zeit und Geld), die eigentlich für eine menschenorientierte Forschung eingesetzt werden müssten. Der Neurowissenschaftler und Chirurg Dr. Marius Maxwell spricht sich ebenfalls gegen Affenversuche aus 28,29 und sagt über die Parkinsonforschung:
«Da Forschung am Menschen selbst zur Tiefenhirnstimulation-Technik (A.d.R.: eine der wenigen heutigen Behandlungsmöglichkeiten von Parkinsonkranken, wobei die Tierversuchsforschung fälschlicherweise behauptet, dass wir sie Affenversuchen zu verdanken haben) bei Parkinson-Patienten geführt hat, kann man nur darauf schliessen, dass es sich bei Affenversuchen bloss um eine teure, brutal grausame, gegenstandslose Nebenvorstellung handelt.»30
Wir benötigen Forschung, die sich am Menschen orientiert
Auch Prof. Paul Lawrence Furlong, Spezialist für bildgebende Verfahren, will sich nicht auf die Tierversuchsforschung verlassen und setzt auf tierversuchsfreie Forschung. Durch den kombinierten Einsatz tierversuchsfreier Forschungsmethoden, wie zum Beispiel In-vitro-Methoden, Mikrochips, Microdosing, bildgebende Verfahren oder klinische Forschung, ist es möglich, Forschung direkt am Menschen zu betreiben.
Prof. Furlong und die Neuroimaging- Forschungsgruppe an der Aston University betreiben neuropharmazeutische und neurophysiologische Forschung direkt am Menschen. Besonders vielversprechend ist die nichtinvasive, bildgebende Technik Magnetenzophalographie (MEG).31 Laut Furlong und seinem Team hat MEG riesiges Potential. Prof. Furlong sagt in einem Interview über MEG: «Wir können virtuelle Elektroden-Daten kreieren, welche einige Typen invasiv implantierter Hirnelektroden ersetzen können. Durch die Kombination von MRI (Magnetresonanztomografie) und MEG-Scans können gewaltige Mengen nützlicher Informationen darüber gesammelt werden, wie das (menschliche) Hirn funktioniert (…).»32 Furlong ist der Meinung, dass es vier Gründe gibt, weshalb sich die meisten Wissenschaftler der Tierversuchsforschung, anstatt der tierversuchsfreien Forschung, zuwenden:
1. Die Ressourcen, die für eine menschenorientierte Forschung nötig wären, sind nicht verfügbar oder zugänglich.
2. Die benötigten Ausbildungsmöglichkeiten fehlen.
3. Anreize, insbesondere finanzielle Mittel, fehlen.
4. Die tierversuchsfreundliche Gesetzgebung steht der menschenorientierten Forschung im Weg.33
Es ist offensichtlich, dass die Tierversuchsforschung mehr schadet als nützt. Damit den Menschen, die an neurologischen oder psychischen Krankheiten leiden, wirklich geholfen werden kann, müssen alle Ressourcen, die wir aufwenden können, in die menschenorientierte Forschung investiert werden.
Das Quellenverzeichnis finden Sie unter: Haltlose Versprechen in der Hirnforschung - Quellen

Werden Affenversuche, bei welchen der sogenannte Affenstuhl eingesetzt wird, bald als tierschutzwidrig gelten?
Die Entwicklung des deutschen Forschers Michael Niessing vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen könnte dazu führen, dass der Einsatz des Affenstuhls künftig verboten sein wird. Niessings Entwicklung macht es möglich, dass sich die Affen während der Experimente frei bewegen können. Diese Entwicklung würde eine Belastungsverminderung für die Affen bedeuten und somit dem 3RPrinzip entsprechen. Folglich dürfte der Einsatz des Affenstuhls gemäss dem Tierschutzgesetz nicht mehr erlaubt sein.
Erstellungsdatum: 01.03.2015
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