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Europas Tierschützer sind besorgt: Ein aggressiver Hautpilz plagt heimische Molche und Salamander. Es wird vermutet, dass die Seuche aus Asien eingeschleppt wurde. Sowohl in Belgien als auch in den Niederlanden hat es wiederholt Ausbrüche der Pilzerkrankung gegeben. Dies berichtet ein Forscherteam im angesehenen Fachmagazin “Science”.
Bereits im vergangenen Jahr hatten belgische Wissenschaftler den umgangssprachlich auch als “Salamanderfresser” bezeichneten Pilz Batrachochytrium salamandrivorans als Ursache der Plage ausgemacht. In einer neuen Studie nehmen sie die Verbreitung des mysteriösen Erregers genauer unter die Lupe. Sie infizierten 35 Schleichenlurchen-, Schwanzlurchen- und Froschlurchenarten mit Pilzsporen. Es erkrankten jedoch nur die Schwanzlurche, eine Gattung, zu der auch Kröten und Frösche gehören. Viele der Tiere verendeten.
Anschließend untersuchten sie, wie weit sich der Pilz im Freiland ausgebreitet hat. Dazu bereisten sie vier Kontinente und mikroskopierten die Haut von über 5.000 Amphibien. Nur bei Schwanzlurchen aus Ostasien sowie aus Belgien und den Niederlanden zeigten sich genetische Spuren des Pilzes. Die asiatischen Tiere wiesen keinerlei Krankheitssymptome auf – sie sind offenbar imstande, mit dem berüchtigten “Salamanderfresser” fertig zu werden. Im Rahmen weiterer Experimente konnte nachgewiesen werden, dass einige asiatische Salamander Infektionen mit Batrachochytrium salamandrivorans überstehen können.
Asiatische Salamander sind ein Exportschlager
Aus Ostasien stammende Salamander werden seit Jahrzehnten für die private Tierhaltung in Länder des Westens verschifft. Erhebungen der Universität Zürich zufolge wurden zwischen 2001 und 2009 mehr als 2 Millionen Feuerbauchmolche in die USA importiert. Im Gegensatz zu ihren amerikanischen und europäischen Artgenossen können sich die asiatischen Tiere jedoch an den Pilz anpassen. Die Wissenschaftler schreiben, dass sogar bei hundertjährigen Museumsexemplaren Spuren von Batrachochytrium salamandrivorans nachgewiesen werden konnten.
Einer der beteiligten Forscher, der Brite Matthew Fisher, kritisierte die laxen Kontrollen bei der Einfuhr von Tieren. Die Studie zeige, welche Gefahren bestünden, wenn exotische Arten ohne ausreichendes Screening importiert würden. Der “Salamanderfresser” bedrohe die Vielfalt der in Europa heimischen
Amphibien. Er forderte die betroffenen Länder auf, endlich Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung von Krankheitserregern zu ergreifen.
Naturschutzbund fordert Reglementierung des Wildtierhandels
Batrachochytrium salamandrivorans ist nicht der erste Pilz, der die europäischen Amphibienbestände dezimiert. Seit etwa 20 Jahren breitet sich Batrachochytrium dendrobatidis, ein sogenannter Chytridpilz, weltweit aus. Der Artenschutzexperte Tom Kirschey vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordert daher eine Reglementierung des Wildtierhandels. Die Ausbreitung derartiger Erkrankungen könne nicht gestoppt werden, wenn nicht auch der kommerzielle Handel mit Wildtieren gestoppt werde, so Kirschey in einem Interview.
In der Schweiz stehen nach offiziellen Zahlen mehr als 86 Prozent aller Amphibienarten auf der Roten Liste. Im weltweiten Maßstab sind es nach Angaben der Weltnaturschutzorganisation IUCN rund ein Drittel aller Arten. Damit sind Amphibien die am stärksten vom Aussterben bedrohten Wirbeltiere.
Als Ursachen für die Situation werden neben Pilzerkrankungen die systematische Zerstörung der Lebensräume der Tiere und der Klimawandel verantwortlich gemacht.