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Anmerkungen zu einer einzigartigen Gemeinschaft
Das Thema Vermenschlichung des Hundes wird, vor allem in Diskussionen mit Hundetrainern und anderen Hundeleuten, häufig sehr negativ kommentiert. Dabei ist zunächst festzuhalten, dass die einzigartige Gemeinschaft zwischen Mensch und Hund ohne ein gewisses Mass an gegenseitiger Übertragung und Zuschreibung eigener Eigenschaften an das Gegenüber wohl nicht funktionieren würde.
Text: Udo Ganslosser und Sophie Strodtbeck
Stellen Sie sich eine kleine Szene vor, die Sie vielleicht im Zusammenleben mit Ihrem Hund auch schon so erlebt haben: Im Rahmen eines temperamentvollen Spiels lacht Ihr Hund Sie plötzlich breit grinsend an. Diese Verhaltensweise ist so ziemlich der höchste Zuneigungsbeweis, den er zeigen kann. Einschlägige Untersuchungen haben ergeben, dass das Lachen des Hundes aus dem menschlichen Verhaltensrepertoire übernommen wurde. Der Vierbeiner zeigt es, wenn er einem ihm besonders sympathischen Menschen gegenübertritt. In diesem Moment vermenschlicht sich der Hund also freiwillig. Kurze Zeit später fordert er Sie dann mit einer Vorderkörpertiefstellung zum Weitermachen auf. Nun verhundlicht er Sie mit ebenso grosser Selbstverständlichkeit und geht davon aus, dass Sie diese hundliche Kommunikationsgeste verstehen und richtig beantworten werden. Und wir sind uns sicher, das werden Sie!
Die Geschichte der Vermenschlichung
Kulturgeschichtler und Neurobiologen sind sich darüber einig, dass die Vermenschlichung eines Hundes oder eines anderen Lebewesen, ja sogar anderer Naturphänomene, keineswegs ein zivilisationsgeschädigtes Produkt neuerer Wohlstandsgesellschaften ist. Auswertungen von Felsmalereien und anderen frühen kulturellen Zeugnissen lassen vermuten, dass der Zeitraum, in dem dies erstmals passierte, schon gute hunderttausend Jahre zurückliegen könnte. Irgendwann kam es nämlich im Gehirn zu einer Verknüpfung durch einen direkten Nervenstrang von zwei eigentlich unabhängigen Arealen: einem, das mit der Klassifizierung und Kategorienbildung anderer Lebewesen und sonstiger Naturphänomene zu tun hatte (ein Hirsch, ein Wolf, ein Nussbaum oder eine Brennesselhecke hatten für unsere Vorfahren sicherlich eine sehr grosse Bedeutung) mit einem für soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen. Von diesem Moment an war die Vermenschlichung anderer Lebewesen im Gehirn möglich und Funde zeigen, dass dies recht schnell geschah. Vergessen wir nicht, dass es früher üblich war, Tiere vor Gericht zu zitieren. (Man denke an den berühmten Prozess, in dem die Maikäfer höchstrichterlich aufgefordert wurden, den Dorfwald zu verlassen.) Erst durch die Einführung des mechanistischen Weltbilds seitens des französischen Philosophen und Physikers René Descartes wurde diesem teilweise ein Ende bereitet.
In den Verhaltenswissenschaften hat dann der Psychologe Conwy Lloyd Morgan ein letztes Schlusssteinchen in diesen Gedankenprozess gesetzt. Er stellte eine an sich sehr löbliche Forderung im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Betrachtungen der Verhaltensleistungen von Menschen und anderen Tieren auf: Man solle niemals höhere geistige Leistungen als Erklärung für irgendein Phänomen annehmen, wenn dies auch mit einfachen Mitteln und einfacheren reflexartigen Verhaltensweisen erklärbar sei. Damit hat er aber nicht nur die Vermenschlichung anderer Tierarten erschwert, sondern auch anderen Tieren Intelligenz, Emotionen und andere geistig höhere Eigenschaften abgesprochen.
Lesen Sie den ganzen Artikel von Udo Ganslosser und Sophie Strodtbeck im Schweizer Hunde Magazin 5/2015.