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Mit einer bestandenen Maturität hast du die Möglichkeit, an Schweizer Universitäten zu studieren. Dieser Artikel informiert dich über das Schweizer Universitätssystem.
Laut „Swissuniversities“ gibt es in der Schweiz zwölf anerkannte universitäre Hochschulen. Die Mehrheit der Universitäten befindet sich in der Deutschschweiz. Westschweizer Studierende können an vier französischsprachigen Universitäten studieren; an der Universität Genf, Neuenburg, Lausanne und Freiburg. Freiburg, eine zweisprachige Stadt, bildet sprachlich einen Sonderfall. Das Studium kann auf Deutsch, Französisch oder zweisprachig absolviert werden. Im Tessin befindet sich die italienischsprachige „Università della Svizzera italiana“. Zusätzlich zu den zwölf Universitäten gehören die Fernfachuniversität Schweiz und das „Graduate Institute Geneva“ zur Schweizer Universitätslandschaft. Die einzelnen Universitäten sind unterteilt in sogenannte Fakultäten. An der juristischen Fakultät wird Jura studiert. Die philosophische Fakultät ermöglicht unter anderem ein Sprachstudium. Naturwissenschaftliche Studiengänge gehören der naturwissenschaftlichen Fakultät an, wobei das Medizinstudium einer eigenen Fakultät, der medizinischen Fakultät, angehört. An der wirtschafts-und sozialwissenschaftlichen Fakultät kann unter anderem Ökonomie oder Soziologie studiert werden. Einige Universitäten verfügen zudem über eine theologische Fakultät.
Wer eine Schweizer Maturität besitzt, erhält den prüfungsfreien Zugang zu Schweizer Universitäten. Ein ausländischer Vorbildungsausweis muss in Bezug auf die Fächer, die Anzahl Stunden und die Schuldauer im Wesentlichen einer schweizerischen gymnasialen Maturität entsprechen. Das heisst unter anderem, dass das Diplom im ausstellenden Land den höchstmöglichen Mittelschulgrad darstellen muss. Genauere Informationen zur Zulassung mit einem ausländischen Diplom findest du auf der Webseite von Swissuniversities.
Bezüglich der prüfungslosen Zulassung bilden das Medizinstudium sowie die Sportwissenschaften eine Ausnahme. Wer diese Studiengänge absolvieren will, muss den Eignungstest namens „Numerus Clausus“ bestehen. Der „Numerus Clausus“ ist ein sehr anspruchsvoller Test, der intensiv vorbereitet werden muss. Viele Gymnasien bieten Vorbereitungskurse an. Keinen „Numerus Clausus“ für das Medizinstudium gibt es an den Universitäten Neuenburg, Genf und Lausanne. Hier erfolgt die Auswahl der geeigneten Studierenden mithilfe der ersten Prüfungen, die eine hohe Durchfallquote aufweisen. Personen, die sich für das Sportstudium interessieren, haben einen sportpraktischen sowie einen kognitiven Test durchzuführen. Die Eignungstests führen immer wieder zu Kritik. So wird etwa kritisiert, dass zwischenmenschliche Fähigkeiten nicht geprüft werden. Gerade im Berufsalltag eines Arztes spielen die sozialen Kompetenzen aber eine sehr wichtige Rolle. Weiter wird Schweizerinnen und Schweizern das Medizinstudium verwehrt, obwohl Fachkräftemangel herrscht.
Jedes Studienjahr ist in ein Herbstsemester und in ein Wintersemester unterteilt. Einige Studiengänge haben zwei Prüfungssessionen, eine Wintersession und eine Sommersession. In gewissen Studiengängen hingegen werden die Studierenden nur im Sommer geprüft. Der erstmöglichste Abschluss an einer Universität, der Bachelor, dauert normalerweise sechs Semester. Um diesen zu bestehen, müssen 180 Credits absolviert werden. Als Credits, auch ETCS genannt, gelten in der universitären Welt Punkte, die man für Leistungen wie bestandene Prüfungen oder Seminararbeiten erhält. Das ETCS-System wird in ganz Europa angewandt und ermöglicht dadurch das Absolvieren von Austauschsemestern durch die Anerkennung der im Ausland erzielten Leistungen. Nach erfolgreichem Abschluss des Bachelorstudiengangs kann das Masterstudium absolviert werden. Dieses dauert in der Regel zwei Jahre, sprich vier Semester, wobei ein Semester der Masterarbeit gewidmet ist. Wessen Wissenshunger auch nach fünf Jahren noch nicht gestillt ist, der kann nach bestandenem Masterstudium ein Doktorat, auch phD genannt, absolvieren. Dieses kann bis zu fünf Jahre dauern.
Das Prüfungsreglement ist abhängig von den einzelnen Universitäten. Es empfiehlt sich, dieses vor Studienbeginn genau durchzulesen. In der Regel können Prüfungen zweimal wiederholt werden (einige Universitäten haben aber eine höhere bzw. tiefere Toleranzschwelle). Bei endgültigem Nichtbestehen, kann das Fach, indem die Prüfung absolviert worden ist, an keiner Schweizer Universität mehr studiert werden. Hier ist Vorsicht angebracht; wer etwa Maschinenbau studiert und nicht besteht, der kann später auch nicht mehr Mathematik studieren, da dieses Fach zum Studiengang gehört. Weitere Informationen zum Studienaufbau findest Du auf berufsberatung.ch.
Das Studium an einer Universität ist theoretisch ausgerichtet. Man lernt nicht, wie man später in der Berufswelt arbeiten wird, sondern erhält fundiertes theoretisches Wissen. Neben dem Erlangen von Fachwissen wird das wissenschaftliche Arbeiten erlernt. Wer sich für vermehrt praxisorientierten Unterricht interessiert, sollte sich über Fachhochschulen informieren. In Vorlesungen referieren die Professorinnen und Professoren über ein bestimmtes Thema und die Studierenden werden am Ende des Semesters über den Inhalt der Vorlesungen geprüft. Viele Vorlesungen dauern ein Semester, einige auch zwei Semester. In sogenannten Seminaren diskutieren die Studierenden in kleineren Gruppen über Sachtexte und erlernen methodische Kompetenzen. Einen grossen Teil der Arbeit, etwa das Lesen von Sachliteratur, erledigen die Studierenden Zuhause. Deshalb ist es sehr wichtig, über eine gute Selbstdisziplin und Zeitmanagementfähigkeiten zu verfügen.
Schweizer Universitäten haben generell einen sehr guten Ruf. In internationalen Rankings belegen Schweizer Universitäten immer wieder sehr gute Plätze. Die Rankings bewerten die Qualität der Lehre und der Forschung mithilfe verschiedener Kriterien. Es werden einerseits qualitative Aspekte analysiert, darunter etwa die Schwerpunkte der universitären Hochschule. Andererseits werden auch quantitative Aspekte untersucht, etwa das Betreuungsverhältnis oder die Anzahl Studierender. Die Rankings findest Du auf der Internetseite University Rankings.
Als berühmtes Ranking gilt das „Academic Ranking of World Universities“. 2019 belegte die „Eidgenössische Technische Hochschule“, kurz ETH, den 19. Platz weltweit. Im Bereich Engineering und Technologie erreichte die „École Polytechnique Fédérale de Lausanne“ den ausgezeichneten 11. Platz, die ETH landete ebenfalls weit vorne auf Platz 27. Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften lag die Universität Zürich 2019 auf Platz 61, die Universität St-Gallen auf Platz 375. In einem anderen Ranking, dem „Times Ranking“, belegte die ETH im Bereich Technologie den neunten Platz. Im Bereich Wirtschaft lag die Universität Zürich auf dem 43. Platz, St-Gallen belegte Platz 63. Inwiefern solche Rankings die Universitätsauswahl beeinflussen sollten, sei dahingestellt. Unter anderem sollte bei der Wahl der Universität auch der Studiengang berücksichtigt werden. Beispielsweise hat die Universität St-Gallen im Bereich Business einen sehr guten Ruf und lockt dadurch unter anderem Studierende aus Deutschland an. Volkswirtschaft hingegen hat an der Universität Zürich einen grossen Stellenwert.
So gut der Ruf der Schweizer Universitäten auch sein mag, so bleiben sie doch eine theoretische Ausbildung. Abgänger von Fachhochschulen, welche über praktische Berufserfahrung verfügen, sind bei Arbeitsgebern deshalb oft nicht weniger beliebt als Universitätsabgänger. Es empfiehlt sich also, während des Studiums praktische Berufserfahrung zu sammeln. Empfehlenswert sind etwa Praktika oder für den späteren Berufsalltag relevante Nebenjobs. Einige Studierende legen nach dem Bachelorstudium ein einjähriges Praktikumsjahr ein und sammeln Berufserfahrung, bevor sie sich dem Masterstudium widmen.
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