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Humor ist wenn man trotz Krankheit lacht
Geschichte des Humors
Die Spuren des Ursprungs des Begriffs «Humor» gehen weit zurück: Bereits die alten Griechen haben ihn verwendet. So finden wir bei Pytagoras, Aristoteles und Hippokrates Hinweise auf ein ausgewogenes Mischungsverhältnis der Körpersäfte. Harmonie (synkrasie) bedeutet Gesundheit und Disharmonie (dyskrasie) entsprechend Krankheit. Claudius Galenus (129-199 n. Chr.) vervollkommnet für das medizinische Gesamtsystem die Säftelehre (Humuralpathologie): Die vier Säfte Blut (sanguis), Schleim (phlegma), gelbe (melancholia) und schwarze Galle (chole) müssen sich im Körper im Gleichgewicht befinden.
Verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten eines dieser Stoffe, so erkrankt der Mensch. Anfang des 17. Jh. verwendete der Dramatiker Ben Johnson den Begriff anders: Humours sind für ihn «Menschen, die durch Disharmonien ihrer Körpersäfte exzentrisch auffallen und in seinen Stücken zur Zielscheibe des Spots werden». Erstmals wird Humor im Sinnbereich des komischen aufgenommen, aber mit deutlich aggressiven Tendenzen.
Heute definiert der Duden «Humor» als «ist die Fähigkeit und Gabe eines Menschen, der Unzulänglichkeiten der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen, sie nicht so tragisch zu nehmen, und über sie und sich lachen zu können.»?
1964 gilt als Geburtsjahr der Humorforschung. In diesem Jahr veröffentlichten zwei Amerikaner ihre methodisch ganz unterschiedlichen Werke: Zum einen Norman Cousins (1915-1990), der seine eigene Lachtherapie entwickelte und damit seine ganz persönliche Bewältigungsstrategie (er litt an einer degenerativen Wirbelsäulenerkrankung) „erfand“. Er merkte sehr schnell, dass er weit weniger Schmerzen empfand, wenn er sich mit lustigen Geschichten (und Menschen) umgab. So verordnete er sich selbst Slapstick-Filme und liess sich stundenlang aus witzigen Büchern vorlesen. Seine Erfahrungen hat er in seinem noch heute lesenswerten Buch «Der Arzt in uns selbst» festgehalten. Zum anderen erforschte William F. Fry (* 25. März 1924) die körperlichen und psychischen Aspekte des Lachens resp. den Zusammenhang positiver Gemütszustände auf die körpereigene Abwehr und gilt als Begründer der Gelotologie (von griech., gélos, «das Lachen»).
Lachen ist gesund!
- Physische Wirkungen wurden nach von unterschiedlichen Forschern nachgewiesen.
- Stresshormone werden reduziert und senken das Risiko eines Herzinfarkts (Berk 1996)
- Die körperliche Regeneration wird gefördert und beugt somit den Erschöpfungssyndrom vor (Koestler 1990)
- Die Muskulatur entspannt sich und somit werden Zivilisationsverspannungen verhindert (Titze 1996)
- Die Ausschüttung von Endorphinen; das wirkt gegen die chronische Unlust (Fry 1989)
- Der Blutdruck wird gesenkt (Sauerstoffe), was wiederum Gefässerkrankungen vorbeugt.(Titze 1996)
- Die Bronchien erweitern sich und folglich wird eine Flachatmung/Verschleimung verhindert (Rubinstein 1985)
- Das Cholesterin wird abgebaut und unterstützt demnach eine gesunde Lebensführung (Rubinstein 1985)
- Eine Schmerzlinderung lässt die Schmerztoleranz ansteigen (Ruch 2005)
- Immunglobuline und Zytokine vermehren gegen Infektanfälligkeit (Berk 1996, Dillon 1985)
- Die Selbstheilungskräfte werden aktiviert und schützen vor chronische Erkrankungen (Cousins 1996)
Aber auch psychische Wirkungen sind bekannt:
- Steigert die Selbstzufriedenheit
- Lachen lockert Komplexe
- Lachen ebnet psychologische Hemmschwellen
- Lachen stärkt die Gemeinschaft
- Mit Humor und Lachen wird das Gefühl von Vertrautheit gegeben
- Humor ist ein wichtiges Entscheidungskriterium der Gruppenzugehörigkeit
Deshalb sei die Frage erlaubt, weshalb wir nicht öfters lachen? Heutzutage lachen oder lächelt ein Erwachsener gerade noch mal 15x pro Tag. Vor 30 Jahren waren das noch dreimal mehr!
20 Sekunden Lachen entsprechen einer körperlichen Leistung von 3 Minuten Joggen (Fry 1989), denn 300 Muskeln von Gesicht bis Bauch werden beansprucht. Zudem verändert sich unsere Gedankenwelt und wir erhalten eine andere Sicht auf die Dinge. Ein Abstand zu sich selbst und zu involvierten Personen lassen uns neue Perspektiven sehen und plötzlich werden neue Lösungsansätze geboren.
Humor als Bewältigungsstrategie
Humor kann einem helfen, die berühmte negative Spirale (Belastung-> gescheiterte Bewältigung->negative Erwartung -> Vermeidung) in die positive umzuwandeln (Herausforderung -> erfolgreiche Bewältigung -> positive Erwartung-> Neugier) umzuwandeln. Also wenn Sie mal wieder einen schwarzen Tag haben, dann schlage ich Ihnen folgende Übungsvarianten vor:
- Stellen sich selbst vor Spiegel – und lachen Sie sich an!
- Variante 1: Sie können mit einem Kugelschreiber nachhelfen: der Kugelschreiber, den sie sich quer in den Mund stecken, trainiert die Muskeln, die sich auch für Lachen brauchen und zum anderem sieht man dabei so wenig vorteilhaft aus, dass sie mit Garantie lachen…
- Variante 2: Angelehnt an Patch Adams, dem Begründer der Clowntherapie bei Kindern, besorgen Sie sich eine rote Clownnase, setzen diese auf und betrachten sich dann im Spiegel.
In der Schweiz gibt es 16 Lach-Clubs und zahlreiche Angebote Lach-Seminare zu besuchen. Probieren Sie es doch mal aus!
3 Minuten Joggen oder 1 Lächeln. Oder wie Victor Borge das ausdrückt: «Ein Lächeln ist der kürzeste Entfernung zwischen zwei Menschen»