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Drei Musterblätter aus meiner Sammlung Vorphilatelie
Vor gar nicht allzulanger Zeit fristeten in der Schweiz die Briefe aus der Zeit vor den Zürich 4 + 6, den Doppelgenf und Grossen und Kleinen Adlern sowie dem „BASLER DYBLI" - Briefe also aus der Zeit der KOKPHILATELIE ein Leben als Mauerblümchen. Wie das Wort Vorphilatelie „diskriminierend" sagt, stammen diese Briefe aus der Zeit vor den ersten Briefmarkenausgaben und interessierten deshalb nur ganz wenige Philatelisten.
Nach dem Erscheinen von Jean Winkler's Werk „DIE VORPHILATELIE DER SCHWEIZ" stieg auch das Sammeln von Altbriefen in der Gunst der Briefmarkensammler der Schweiz. Heute sind solche Briefe nicht mehr aus einer Heimatsammlung wegzudenken. Aber auch „Klassiker" beginnen heute ihre Altschweizsammlung gerne mit einem oder gar zwei Rahmen Vorphilatelie.
Leider gibt es aber noch recht wenige Sammler bei uns in der Schweiz, welche sich der Vorphilatelie voll und ganz verschrieben haben. Da sind uns unsere
Sammlerfreunde aus unseren Nachbarländern Frankreich, Italien und Deutschland weit voraus. Die nachfolgenden Blätter aus meiner Sammlung sollen Ihnen zeigen, wie interessant alte Briefe sein können. Zugegeben, es ist nicht immer sehr einfach, die verschiedenen Taxen aufzuschlüsseln, alle angebrachten Stempel zu deuten und die oft verschnörkelte alte Deutsche Schrift zu lesen. Der „Winkler" hilft ihnen aber recht gut dabei, wenn auch nicht so deutlich wie der Zumstein-Spezial dem Markensammler hilft. Es besteht aber die Hoffnung, dass bis in einigen Jahren ein neues Werk erscheinen wird, welches dann - auf Grund neuester Forschungsarbeiten — mehr bieten wird.
Um sich den wichtigen Weg zum Gotthard zu sichern, pachtete Zürich im Jahre 1803 einen Teil der Schwyzer Post. Dieser Vertrag wurde einigemale erneuert. 1841 kam es aber zum Bruch. Schwyz wollte einen jähr - liehen Pachtzins von Fr. 4000r Zürich aber nur Fr. 24OO bezahlen. Für nur Fr. 2000 verpachtete Schwyz dann überraschend seine Post dem einflussreichen Kantonsrat Düggelin von Galgenen. Dieser konnte aber die übernommenen Verpflichtungen nicht bewältigen. Im Einverständnis mit dem Regierungsrat übergab Düggelin per 1. Januar 1842 die Pacht dem Kanton St. Gallen, allerdings nicht ohne vorher mehrere Vorteile für sich und seinen Sohn ausgehandelt zu haben. St. Gallen tauschte seine
Post von und nach Frankreich nicht mit Zürich (L Z 12 K) aus, sondern über Luzern mit Basel (L B 12 K) L = lettre B = baloise 2= zurichoise
Die verschiedenen Taxen auf dem Brief von Einsiedeln nach Lyon wurden wie folgt aufgerechnet:
6 Kreuzer : bezahlte Luzern an St. Gallen für die Oebernahme des Briefes vom Absender und für den Transport nach Luzern
8 Kreuzer : bezahlte Basel an Luzern für den Transit des Briefes über Luzern, also 2 Kreuzer für die Post von Luzern
12 Kreuzer : erhielt Basel von Frankreich für ein Lot von 7.5 gr. bei der Uebergabe in Huningue. Frankreich verlangte aber vom Empfänger für jeden Brief 12 Kreuzer, so dass auf jedem Brief der leichter war als 7,5 gr. Frankreich zusätzlich verdiente. Der Kanton Aargau erhielt von den | 4 Kreuzern Differenz zwischen 8 K und 12 K einen Anteil j
für den Transit durch seinen Kanton.
5 Decimen : französische Währungseinheit, l Decimen entsprach etwa 4 Kreuzern. Frankreich machte also einen grossen "Kurs- ; gewinn", indem es für die 12 an Basel bezahlten Kreuzer dem Empfänger 5 Decimen verlangte = ca 20 Kreuzer.
11 Decimen : musste schliesslich der Empfänger bezahlen. 5 für Einsiedeln - Basel (s.oben) und weitere 6 Decimen für den Transport Huningue - Lyon.
1 damaliger Kreuzer entsprach etwa 15 Rappen unserer Zeit. Somit kostete dieser Brief im Jahre 1842 sage und schreibe Fr. 6.60 auf heutiger Basis
Auf Wunsch des Königs von Preussen nahm die Tagsatzung 1814 Neuenburg in die Eidgenossenschaft auf. Neuenburg wurde damit gleichzeitig 21. Kanton und preussisches Fürstentum. Diese Doppelspurigkeit dauerte bis zum Jahr 1848. Am 1. März wurde Neuenburg zur Republik proklamiert. Dieses Ereignis wird auch bei Poststempeln dokumentiert : das alte preussische Wappen wurde aus dem Zentrum der Stempel herausgeschlagen. Aber auch einen philatelistischen Wendepunkt wird durch diesen Brief dokumentiert. Da am 11. Mai 185O im Kanton Neuenburg die ersten Bundesmarken, Poste Locale / Ortspost an die Postschalter gelangten, endet an diesem Tag auch die vorphilatelistische Zeit in diesem Kanton. Wie überall, wurden aber auch in Neuenburg Stempel aus der vorphilatelistischen Epoche noch längere Zeit verwendet. Auch die Taxierung wurde noch in Kreuzerwährung vorgenommen.
© Schweizerische Vereinigung für Postgeschichte / SVPg