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Wort-des-Glaubens-Bewegung
Andere Bezeichnungen: Rhema- oder Glaubensbewegung
Die Wort-des-Glaubens-Bewegung ist ein Seitenflügel innerhalb der Charismatik, welcher eine eigene Theologie entworfen und insbesondere neocharismatische Gemeinschaften und deren Praxis z.T. stark beeinflusst hat.
Die Lehre der Wort-des-Glaubens-Bewegung nimmt Ansätze der Neugeist- und Positives-Denken-Bewegung in das pfingstlich-charismatische Weltbild auf. Historische Nahtstelle für diese Kombination ist der Amerikaner Essek William Kenyon (1867–1948), auf dessen Werken das Schrifttum von Kenneth E. Hagin (1917-2003), dem Vordenker der Wort-des-Glaubens-Bewegung, ganz wesentlich beruht.
Zentrum der Bewegung ist Tulsa/Oklahoma, wo Hagin wirkte. Publizistische Vertreter der Bewegung sind etwa Kenneth Copeland und Charles Emmitt Capps, im deutschen Sprachraum vor allem Wolfhard Margies von der «Gemeinde auf dem Weg» in Berlin.
Aus der Wort-des-Glaubens-Bewegung hervorgegangen ist die brasilianische Igreja Universal do Reino de Deus / Kirche Universal vom Reich Gottes.
Manche Gedanken der Bewegung vertritt auch der Koreaner David (ehemals Paul) Yonggi Cho.
Die Wort-des-Glaubens-Bewegung geht wie die Neugeist-Bewegung von einer schöpferischen Kraft des gesprochenen Wortes aus. Diese Kraft, die im Schöpfungsbericht 1Mose 1 zum Ausdruck kommt, ist nicht Gott allein vorbehalten, sondern steht im Grunde auch dem Christen zu (wie denn überhaupt der Mensch nach Ansicht mancher Wort-des-Glaubens-Lehrer an der Göttlichkeit Gottes Anteil hat oder sogar als «kleiner Gott» bezeichnet werden kann).
Zum Ausdruck kommt das schöpferische Wort, das auch «Rhema» genannt wird, durch «Proklamation» oder durch «Bekennen»: Es wird nicht um das Gewünschte gebetet, sondern dessen schon geschehener, aber noch nicht sichtbarer Empfang proklamiert resp. bekannt. Durch die Proklamation, das Bekenntnis, wird der Empfang realisiert.
Dies sieht im Fall einer Heilung so aus, dass die schon geschehene Heilung proklamiert wird – im Gegensatz zum «main stream» der Pfingst- und charismatischen Bewegung, welcher Gott um Heilung bittet.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Proklamation ist allerdings der Glaube – nur ein im Glauben gesprochenes Wort trägt schöpferische Kraft (deshalb der Name Wort-des-Glaubens-Bewegung). Glaube meint hier nicht in erster Linie Vertrauen auf Gott, sondern die unerschütterliche Gewissheit der Wirksamkeit des Wortes.
Bleibt das Proklamierte aus, hat offensichtlich der nötige Glaube gefehlt. Im Falle der Proklamation einer Heilung können weiterlaufende Symptome im Extremfall als durchzustehende Versuchungen Satans gedeutet werden, denen nicht medizinisch begegnet werden darf (da die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe ja den fehlenden Glauben in die Faktizität der Heilung dokumentiert).
Die schöpferische Kraft des Wortes darf und soll auch zur Gewinnung materiellen Wohlstands eingesetzt werden. Gläubige Christen im Sinne der Wort-des-Glaubens-Bewegung zeichnen sich deshalb auch durch wirtschaftlichen Erfolg aus. Aus diesem Grund wird für die Bewegung auch der Name «Wohlstandsevangelium» verwendet. (Dieser Begriff meint aber auch Pfingstler, die zwar den materiellen Wohlstand als Glaubenszeichen, nicht aber die Lehre von der schöpferischen Kraft des Wortes vertreten, wie es etwa der Heilungsevangelist Benny Hinn vor seinem diesbezüglichen Widerruf tat.)