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Text: Christophe Mettral / Illustration: Dieter Stocker / Foto: Alamy
James Cameron – 1997
Das Werk des kanadischen Regisseurs James Cameron galt lange Zeit als erfolgreichster Film. «Titanic» wurde mit elf Oscars ausgezeichnet, darunter auch in der Kategorie «Bester Film». Zudem hätte er einen weiteren Preis verdient: eine Auszeichnung für die schönsten Anachronismen. In der ersten Hälfte des Films wird eines der berühmten Seerosenbilder von Claude Monet in die Schiffskabine von Rose (Kate Winslet) gebracht. Da dieses Werk aber erst zwischen 1920 und 1926 gemalt wurde, konnte es 1912 – im Jahr, als die Titanic unterging – noch gar nicht existiert haben. Das Gleiche gilt für den Song «Hills of -Connemara», zu dem Jack (Leonardo DiCaprio) und Kate tanzen. Das irische Volkslied von Sean McCarthy, der erst 1923 zur Welt kam, wurde Jahre später geschrieben. Und zuletzt gab es auch den künstlichen Stausee «Lake Wissota» noch gar nicht, den Jack erwähnt, als er Rose davon abhalten will, über die Reling ins eisige Wasser zu springen.
Robert Zemeckis – 1994
Nach der erfolgreichen Film-Trilogie «Zurück in die Zukunft» wagte sich der amerikanische Regisseur Robert Zemeckis erneut an ein Spiel mit der Zeit. Im Film «Forrest Gump» begibt sich die gleichnamige Hauptfigur, gespielt von Tom Hanks, auf einen Hindernislauf durch die Weltgeschichte. Da sind zeitliche Ungereimtheiten schnell geschehen. So erhält Forrest 1975 etwa einen Brief der aufstrebenden Firma Apple. Das Unternehmen wurde in Wahrheit jedoch erst im Jahr 1976 gegründet. Ein weiterer Patzer ist der Schwächeanfall von US-Präsident Jimmy Carter. Im Film verkündet ein Fernsehsender die Meldung im Jahr 1976. Carter erlitt den Anfall aber eigentlich erst 1979. Ausserdem behauptet Forrest, als er an Jennys (Robin Wright) Grab spricht, sie sei an einem Samstagmorgen gestorben. Was für ein Pech, dass die Kamera den Grabstein mit dem Todesdatum, dem 22. März 1982, filmte – dieser Tag war ein Montag.
Mel Gibson – 1995
Die Geschichte des Kultfilms der 90er-Jahre spielt gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Mel Gibson, der den Posten des Regisseurs und zugleich auch die Hauptrolle innehatte, schlüpft in die Rolle des 1270 geborenen Schotten William Wallace. Der mittellose Ritter, der bereits früh seine Familie und auch seine Frau verloren hat, führt die Schotten gegen England in den Krieg. Allen Filmfans schiesst spätestens jetzt das Bild von Gibson mit blauer Gesichtsbemalung und Kilt durch den Kopf. Letzterer wird dabei ungewollt zu einem peinlichen Fehler. Obwohl das historische Drama fünf Oscars gewann, wurde der Film für die Kostüme heftig kritisiert. Denn: Der Kilt wurde erst mehr als drei Jahrhunderte nach den schottischen Unabhängigkeitskriegen erfunden. Die ersten Erwähnungen findet man frühestens im 16. Jahrhundert. Den Oscar für das beste Kostümdesign gab es also leider nicht.
Jean-Pierre Jeunet – 2001
Im grossen Erfolg des französischen Kinos kommt es bereits in der siebten Minute zu einem chronologischen Durcheinander. Amélie (Audrey Tautou) ist noch ein Kind, sitzt auf dem Sofa und starrt in einen Fernseher. In der Hand hält sie eine Infrarot-Fernbedienung. Da diese Szene in den 1970er-Jahren spielt, ist ein solches Gerät aber fehl am Platz. Es hat damals noch nicht existiert. Ein weiterer Anachronismus ist, dass Amélie Ende August die Tour de France aufzeichnet. Schön und gut, aber Radsportbegeisterte wissen, dass dieses Sportereignis jedes Jahr im Juli stattfindet. Trotz der Fehler hat der Film einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Werk von Jean-Pierre Jeunet zählt bis heute zu den erfolgreichsten Filmen Frankreichs – nicht zuletzt aufgrund der unvergesslichen Musik des französischen Komponisten Yann Tiersen.
Bryan Singer – 2018
Vor fünf Jahren kam der Musikfilm über das Leben von Freddy Mercury, dem Frontmann der britischen Rockband Queen, in die Kinos. Der Film war ein riesiger Publikumserfolg und Rami Malek gewann dank seiner gelungenen Darstellung des Sängers zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch einen Oscar. Allerdings wurde der Erfolg des Films schon kurz nach der Veröffentlichung durch mehrere Anachronismen etwas gedämpft. Im Film spielt die Band auf ihrer Tournee 1974 zum Beispiel den Song «Fat Bottomed Girls», der aber eigentlich erst 1978 veröffentlicht wurde. Und auch bei den Entstehungsgeschichten anderer Lieder, etwa bei «We Will Rock You», gibt es zeitliche Patzer. Zudem lernen sich Mercury und sein späterer Partner Jim Hutton im Film auf einer Party kennen. Hutton wird als Kellner dargestellt. In Wirklichkeit war er jedoch Coiffeur und zum Kennenlernen kam es in einem Londoner Club.
Sofia Coppola – 2006
Die französische Königin aus dem 18. Jahrhundert in Converse? Im historischen Film von Sofia Coppola geht das. Die amerikanische Regisseurin spielt in der Verfilmung des Lebens von Marie-Antoinette nämlich absichtlich mit Anachronismen. Nebst den zeitlich unpassenden Schuhen trägt Marie-Antoinette (Kirsten Dunst) auch andere Kleidungsstücke, die nicht zeitgemäss sind. Und auch sonst entdeckt man beim Zuschauen zeitliche Unstimmigkeiten: So schleichen sich etwa heutige Gegenstände – wie zum Beispiel eine Chipstüte – ein, und auch der Soundtrack ist modern. In mehreren Szenen werden Barockmusik und Rhythmen aus den 1980er-Jahren miteinander vermischt. Die fiktive Biografie zeichnet ein rockiges und schrilles Bild der ehemaligen «Madame Déficit».
William Wyler – 1959
Der Klassiker des Hollywood-Kinos entstand unter der Regie des Amerikaners William Wyler. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lew Wallace. Das filmische Meisterwerk staubte genau wie «Titanic» und «Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs» elf Oscars ab. Bis heute konnte diese Marke nicht geknackt werden. Aber auch dieser Dreieinhalbstünder ist nicht frei von Zeitfehlern. Angeblich trug der Hauptdarsteller Charlton Heston während einer Filmsequenz eine Armbanduhr. Ganz kurz soll sie am Handgelenk erkennbar sein. Dieser Patzer wurde zwar im Nachhinein dementiert – es sei gar keine Uhr gewesen. Was im 1. Jahrhundert n. Chr. auf jeden Fall noch nicht existierte, waren Autos. Dennoch sind beim berühmten Wagenrennen eindeutig Reifenspuren im Sand zu erkennen. Da hilft auch Abstreiten nichts mehr – falsch ist falsch!
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