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Ungeklärte Ruthenium-Emissionen: Expertenteam auf Suche nach Ursprung
Die Kommission wurde auf Initiative des Nuclear Safety Institute der Russischen Akademie der Wissenschaften (IBRAE) geschaffen. Gemäss einer Mitteilung der Swedish Radiation Safety Authority (SSM) sind Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Norwegen und Schweden in der Kommission vertreten. Das Expertenteam traf sich am 31. Januar 2018 zu einem ersten Treffen in Moskau.
Das französische Institut de radioprotection et de sûreté nucléaire (IRSN) stellte an diesem Treffen die aktualisierten Resultate zu einem bereits im November 2017 publizierten Bericht vor. Die beste Erklärung für die an verschiedenen Messstationen gemessenen Ru-106-Werte bietet nach Ansicht der französischen Fachleute die Hypothese, dass Ende September 2017 bei einer Operation mit ausgedientem Brennstoff in der Region zwischen der Wolga und dem Ural eine signifikante Menge Ruthenium freigesetzt wurde. Die IRSN ist aufgrund der gemessenen Radioisotopenzusammensetzung der Ansicht, dass es sich dabei um Brennstoff handelte, der rund zwei Jahre zuvor aus einem Kernreaktor entfernt wurde. Einige Messstationen hätten nämlich Ru-103 in einem Verhältnis zu Ru-106 gemessen, die diesen Schluss zuliessen. Dieser Ansicht ist auch die Kommission. Sie schliesst aus, dass die Ru-106-Emissionen von einer medizinisch verwendeten Strahlenquelle stammen.
Die Kommission kommt zum Schluss, dass zur weiteren Klärung Messungen in einigen Gebieten Russlands gemacht werden müssen. Auch könnten Messungen in Rumänien hilfreich sein, da dort in der Luft die höchsten Ru-106-Werte gemessen wurden. Gemäss IRSN findet das nächste Kommissions-Treffen am 11. April 2018 in Moskau statt.
Hintergrundinformation zu Ruthenium-106
Ru-106 ist ein Beta-Strahler, das entstehende Tochternuklid Rh-106 (Rhodium-106) ist sehr kurzlebig und ist ein Gamma-Strahler, sodass beim Zerfall von Ru-106 immer Beta- und Gammastrahlen gemeinsam auftreten. Ru-106 hat eine Halbwertszeit von etwas mehr als einem Jahr (373,6 Tage). Es ist ein Spaltprodukt, welches bei der Spaltung von Uran in einem Kernkraftwerk entsteht.
Ru-106 wird unter anderem als Strahlenquelle für die Krebstherapie zur Behandlung von Tumoren am Auge eingesetzt. Eine weitere, seltenere Anwendung findet Ru-106 in Radionuklidbatterien (Radioisotope thermoelectric generators, RTG), die der Stromversorgung von Satelliten dienen. Auch bei der Wiederaufarbeitung von nuklearen Brennelementen kann Ruthenium auftreten.