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November 10, 2017 |
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In einem aufschlussreichen Interview mit der Los Angeles Review of Books spricht François Ewald, Mitglied des Editorial Board von Le foucaldien und ehemaliger Assistent Foucaults, über das Verhältnis zu seinem Mentor, die Problematisierung des Wohlfahrtstaates und sein politisches Engagement im Wandel der Zeit.
Das Gespräch windet sich entlang der Etappen von Ewalds bemerkenswertem Lebensweg – vom Philosophiestudenten und maoistischen Rebellen über die Assistenz am Collège de France zum Versicherungsexperten und Funktionär liberaler think tanks – empor zur Frage nach Foucaults innerer politischer Überzeugung. Ewalds abschlägige Replik offenbart die Einfältigkeit dieser Frage, mit der ausgerechnet der Denker des "Nicht-verortet-sein-wollens", der sein Parteibuch schon in den frühen 1950er Jahren erleichtert abgegeben hatte, in der Eindimensionalität des politischen Spektrums fassbar gemacht werden soll.
Der etwas gereizte Ton der Antwort ist aber auch ein Echo auf jene langwierige Debatte rund um Foucaults Rezeption (neo-)liberaler Denker in seinen Gouvernementalitätsvorlesungen, die manchem Exegeten mit eindeutigerer politischer Verortung erstaunlich wenig "kritisch" ausgefallen schien, eine Debatte, in deren Mittelpunkt Ewald wegen seiner Nähe zu Foucault und seiner späteren Engagements geraten war. Mit dem knappen Hinweis auf Foucaults "rein epistemologisches" Interesse am (Neo-)Liberalismus ist das Wesentliche eigentlich schon gesagt (was ausführlicher in diesem foucaultblog-Beitrag darlegt wird). Und jenseits tagespolitischer Debatten sollte es immerhin zum Nachdenken anregen, wenn Foucaults langjähriger Assistent im philosophischen Resonanzraum von Gouvernementalität und Selbstsorge davon spricht, dass sich menschliches Leben im Verhältnis zum Risiko definiert, und den (klassischen) Wohlfahrtsstaat dabei als "Maschine, die Rechte produziert ohne Verantwortung einzufordern", kritisiert.