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Yoga und Ernährung sind schon seit vielen Jahrhunderten eng miteinander verbunden. Eine ausgewogene, hochwertige Ernährung ist eine entscheidende Voraussetzung für die Gesundheit des Körpers und damit ein wichtiger Punkt in der Hatha Yoga-Philosophie, die auf die Balance von Körper, Geist und Seele ausgerichtet ist (vgl. Jason Birch - The Luminescent).
Grundlage im Hatha Yoga ist die Vorstellung, dass der Körper letztendlich aus der Nahrung besteht, die wir jeden Tag zu uns nehmen. Die Taittiriya-Upanishad - eine der älteren Texte innerhalb der vedischen Schriften - betont, dass jedes Lebewesen aus Nahrung gemacht ist. Diese Passage bietet einen wichtigen Hinweis auf eine spätere Lehre des Vedanta, nämlich auf die Vorstellung von den fünf Körperhüllen - koshas - deren erste Hülle - anna-maya-kosha - aus Nahrung aufgebaut ist und so die materielle Grundlage des Körpers bildet (s. Feuerstein, 2001:132).
aus den Eiweissbausteinen in unserer Nahrung baut der Körper Hormone, Bluteiweisse, u.a., auf; Fettsäuren werden unter anderem für den Bau von Zellwänden und Verdauungssekreten benötigt, Kohlenhydrate liefern Energie und werden allenfalls in Fett umgewandelt und gespeichert.
Ein grosser Teil der Substanzen, die wir täglich zu uns nehmen, verbleibt also in unserem Körpergewebe und wird nicht etwa ausgeschieden.
Die Qualität unserer Körpergewebe wird also unter anderem durch die Qualität unserer Nahrung bestimmt. Und höchstwahrscheinlich fühlen wir uns auch wohler in unserer Haut, wenn wir uns nährstoffreich und gesund ernähren, statt den Körper mit ungesunden, fett- und zuckerreichen Lebensmitteln ernähren.
Yogische Ernährung sollte den Körper nähren und ihn nicht belasten. Nahrung soll "sattvisch" sein. Sattva ist eine von drei Qualitäten, die nach der Philosophie des Samkhya die Grundlage der Materie bestimmen: tamas, rajas und sattva. Tamas bezeichnet eine Art von Nahrung die schwer, schlecht verdaulich und nicht mehr frisch ist. Eine rajas-Qualität haben Nahrungsmittel, die sehr anregend sind, scharf, sehr sauer oder stark gewürzt. Mit sattva wird die ideale Nahrung bezeichnet, die die Gewebe des Körpers unterstützt anstatt die Körpervorgänge zu belasten.
"Nahrung, die heilsam ist, die gut verdaut und aufgenommen wird, die keine negative Auswirkung auf das Gewebe hat und keine Körperkanäle verstopft, die schenkt dem ganzen Körper Entwicklung, Kraft, Glanz, ein glückliches Leben und versorgt das Körpergewebe mit Energie." (Charaka Samhita)
Sattvisch sind also alle Nahrungsmittel die frisch sind, viele und hochwertige Nährstoffe enthalten, möglichst unverarbeitet sind, der Jahreszeit entsprechen und idealerweise aus der Gegend kommen, in der man lebt.
Als angemessene, förderliche Nahrungsmittel gelten frische Früchte, Beeren und Gemüse, Wurzelgemüse, Hirse, Reis, Mais, Hafer, Nüsse, pflanzliche Öle; aber auch Milch, Buttermilch und andere frische Milchprodukte. Die Verwendung von Milchprodukten ist tief in der Tradition des Yoga und Ayurveda verwurzelt und muss nicht in jedem Fall übernommen werden, sondern kann an die individuellen Vorlieben und Verträglichkeiten angepasst werden. Für viele Milchprodukte lässt sich inzwischen ein guter Ersatz finden.
Abgesehen von Fleisch und Fisch - die in der vegetarischen Ernährungsweise des Yoga abgelehnt werden - stimmen die Nahrungsmittel, die in den alten Schriften als sattvisch und als ideal beschrieben werden, ebenfalls mit den modernen Ernährungsempfehlungen überein. Sie gelten als optimale Nahrungsmittel für Gesundheit und Gehirnfunktion.
Doch für die Ernährung im Yoga ist nicht nur die Qualität der Nahrung entscheidend, sondern auch wo, wie und wieviel gegessen wird. Georg Feuerstein nennt dies "the power of the right place and the right time" (Feuerstein, 2001:283).
In den klassischen Schriften des Yoga, z.B. in der Gheranda Samhita und Goraksha Paddhati, wird immer wieder betont wie wichtig es ist, sich an einem sauberen, angenehmen Ort aufzuhalten. Es sollte weder zu viel noch zu wenig gegessen werden und der achtsame Esser sollte die Nahrung mit Konzentration und Hingabe zu sich nehmen.
Zuerst, so wird empfohlen, sollte klares, gefiltertes Wasser getrunken werden. Danach kann der Magen zu zwei Drittel gefüllt werden, während ein Drittel frei gelassen wird, so dass man zwar gesättigt ist, aber nicht übermässig viel gegessen hat.
Nach den Lehren des Yoga ist Essen eine Tätigkeit, die mit Sorgfalt und Achtsamkeit praktiziert werden sollte, denn auch der geistige Zustand hat einen Einfluss darauf, wie wir unsere Nahrung aufnehmen und verdauen.
Georg Feuerstein - The Yoga Tradition. Its History, Literature, Philosophy and Practice. Hohm Press, Prescott, 2001
Sabine Paul - Paläopower. Das Wissen der Evolution nutzen für Ernährung, Gesundheit und Genuss. Beck'sche Reihe, München, 2012
Die Schweizer Lebensmittelpyramide; https://www.sge-ssn.ch/ich-und-du/essen-und-trinken/ausgewogen/schweizer-lebensmittelpyramide/