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“Die Geschichte dieses Städtchens ist wie ein Märchen", sagt Palmira Frizzera, eine der ersten Gefährtinnen von Chiara Lubich, die 40 Jahre lang in der Mariapoli Foco lebte, diese zum Leben erweckte und deren Gesamtentwicklung gestaltete.
Am 25. Mai 1981 kam sie zusammen mit Gisella Calliari[1] und Oreste Basso[2] auf Einladung von Chiara Lubich nach Montet, um sich die Kostenvoranschläge für den Umbau anzusehen. Nach ein paar Tagen, als sie sich alle auf die Rückkehr nach Rom vorbereiteten, fragte Chiara Palmira, ob sie bleiben könne, um die Arbeiten zu beginnen und zu führen.
Ein volles ‘Ja’, wie sie sagt: "In Estavayer, in einer Wohnung, bin ich allein mit der Angst vor der Dunkelheit und der Einsamkeit... und ich stelle mir vor wie ich in diesem Land lebe, mit dieser kleinen Kirche vor mir, so klein. Da ich im Zentrum von Rom lebte, war ich an meine Pfarrei, den Petersdom, gewöhnt. Sich hier in einem unbekannten Land wiederzufinden, ohne Französisch zu sprechen, mit all den Kühen, die ich auf den Weiden sah, und diesen Gebäuden, die renoviert werden mussten, so leer, so wie eine Kaserne und allein... Ich fühlte mich verzweifelt: Ich hatte einen Moment grossen Schmerzes und der Entmutigung. Ich habe laut geweint, ich war allein und niemand konnte mich hören, ich habe geschluchzt. Auf dem Höhepunkt sagte ich mir: "Nein, du darfst hier nicht verzweifeln, das ist Gottes Wille." Ich kniete nieder und betete das 'Vater unser', und als ich bei 'Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden' angelangt war, kam ein Frieden, ein Gefühl der Gelassenheit und Freude in meine Seele. Ich ging ins Bett, schlief die ganze Nacht, und am Morgen war ich in Montet, in diesem grossen Haus, um zu sehen, wo man mit der Arbeit beginnen konnte.
Diesen Frieden, der in meine Seele eindrang, habe ich nie wieder verloren, dieser Frieden erfüllte mich mit Gott. Sobald meine Kleider aus Rom eintrafen, zog ich eine Hose und ein Hemd an, und die Arbeit begann, denn für den Sommer vom Juli bis September waren mehrere Kurzzeit-Schulen geplant. Wir mussten uns stark einsetzen, um einige Duschen und ... anderes einzurichten. Einige Fokolare kamen aus Loppiano, um uns zu helfen, und wir arbeiteten mit ihnen an den wichtigsten Dingen.
Zu diesen Fokolaren gehörte auch Jesús Morán, derzeitiger Kopräsident der Fokolar-Bewegung. Mit Dankbarkeit veröffentlichen wir einen Teil des Interviews, das er gegeben hat.
Was waren die Umstände, die Dich zum ersten Mal nach Montet geführt haben?
Als man mir vorschlug, nach Montet zu kommen, beendete ich gerade das zweite Jahr der Schule in Loppiano[3]. Einige Maurer Fokolare waren bereits hierher gekommen, und man brauchte Verstärkung. Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle "frei", denn der Schulunterricht war vorbei.
Was war dein Beitrag zum Bau dieser Siedlung?
Die Siedlung war noch ganz am Beginn. Wir Fokolare waren nur wenige, die Fokolarinnen ein paar mehr.
Gleich nach meiner Ankunft wurde ich Carmine Donnici[4], unserem Bauführer, als Maurergehilfe zugeteilt.
Meine Aufgabe bestand darin, Wände einzureissen, den Zement zu mischen, ihn zu den Maurern zu bringen und alles zu reinigen. Es war einfache, harte Arbeit, aber ich mochte sie. Wir erwarteten den Besuch von Chiara, und das hat uns sehr motiviert.
Ich muss sagen, dass das Leben unter uns allen sehr familiär war. Obwohl viele Stunden der Arbeit gewidmet waren, fehlte es nicht an Zeit für Gebet und Betrachtung. Ich erinnere mich an einige sehr tiefe Fokolartreffen in diesem Sinne, mit einem intensen Austausch. Das Schönste in diesen Monaten (von Mitte August 1981 bis Dezember desselben Jahres) war die Verbundenheit unter uns.
Wir waren am Ende der Schule, kurz davor, in die Welt hinauszugehen, und alles hatte Charakter der Endgültigkeit. Wir haben viel miteinander geredet, zu jeder Stunde, tiefe Gespräche, Abwägungen, Unsicherheiten und Zweifel, Perspektiven, Hoffnungen.
Was bedeutete es für Dich, diese Umgebung zu verlassen?
Von hier aus ging ich nach Chile, wo ich 23 Jahre lang blieb. Es fiel mir nicht leicht, die Atmosphäre der tiefen Gemeinschaft in Montet zu verlassen, aber ich war auch froh, das neue Abenteuer mitten in der Welt zu beginnen. Ich fühlte mich bereit, und doch mit dem Gefühl, dass ich noch etwas erleben könnte. Aber Gott hat seine Pläne und seine Zeiten, er lässt uns nichts fehlen. Er will, dass wir mit dem leben, das wir brauchen.
Was hat Palmira Deiner Meinung nach zur Entwicklung der Mariapoli Foco beigetragen?
Ich denke, man kann sich die Mariapoli von Montet nicht ohne Palmira vorstellen. Sie verlieh der Siedlung einen Stempel des Werkes[5], wie ihn nur die ersten “Pope[6]” geben können. Ihre reiche Menschlichkeit und Weisheit haben der Mariapoli immer eine besondere und prägende Note verliehen. Ihre Fähigkeit zur herzlichen Aufnahme schuf ein einzigartiges Gefühl von Familie. Palmira war immer das pulsierende Herz der Siedlung".
[1] Gisella Calliari, (1920-2018), eine der ersten Gefährtinnen von Chiara Lubich
[2] Oreste Basso, (1922 -2013), einer der ersten Gefährten von Chiara Lubich
[3] Schule für die Ausbildung der zukünftigen Fokolare
[4] Carmine Donnici, Fokolar-Maurer
[5] Weltoffenheit und Familienleben, Frucht des gelebten Charismas von Chiara Lubich
[6] Dialektwort von Trient mit der Bedeutung “Kinder", das Chiara verwendet um ein "Kind des Evangeliums” zu bezeichnen, ein authentischer Zeuge des Charismas der Einheit.