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Beginnen wir mit der Kurzzusammenfassung der Denkmalpflege:
Diese beiden Fresken wurden 1925 vom spanischen Maler José Sanz y Arizmendi geschaffen - in rund dreiwöchiger Arbeit gegen Kost und Logis:
Das Fresko auf der Ostseite zeigt die für Ermatingen typische Segi-Fischerei. Sanz hatte damalige Fischer gemalt:
Bei den Fischern handelt es sich von links nach rechts um Jean Kreis, alt Steinhauer; Jakob Läubli-Huber, wohnhaft gewesen neben dem Hirschen; Konrad Läubli, genannt Gohlo (er hatte gerne die Serviertochter im Trischli betatscht, worauf ihm die Wirtin jeweils gesagt habe, er solle sie "goh lo"); Emil Bügler, wohnhaft gewesen in der Nähe des Hirschen; Eugen April, Bügen; Ernst Blattner, neben dem Trischli; Jakob Läubli vom Seegarten; Jakob Grüninger von der Schiffgasse. - Rechts neben dem Ermatinger Wappen steht Heiri Geiger, obere Seestrasse.
Auf der Nordseite sehen wir links eine Hochzeitsgesellschaft, wie so viele im Laufe der Geschichte im Adler gefeiert hatten, und rechts eine Schulklasse mit ihrem Lehrer beim Imbiss auf der Schulreise.
Beim Bräutigam der Hochzeitsgesellschaft handelt es sich um Walter Blöchlinger. Er arbeitete in der Metzgerei Kopp und wirtete später in der Linde. Die Braut ist Elise Auguste Frieda Walter. Sie kam von Hannover und war Köchin bei der Familie Jakob Läubli, Fischhandlung.
Zu erkennen ist auch Frau Elise Heer, die damalige Besitzerin und Wirtin vom Adler.
Der grosse hager Mann am unteren Ende des Tisches ist der Maler selbst.
A. Bosshard schreibt über das Hochzeitsfest:
"An Hochzeiten galt eine vorbestimmten Tischordnung. Es gab den Tisch den Hochzeiters, den Tisch der Hochzeiterin und weitere Tische, getrennt nach Männern und Frauen.
Mit dem Adlerwirt wurde die Verpflegung der Gäste abgemacht. An den beiden Ehrentafeln wurde am meisten ausgegeben. Für die nächstfolgenden Tische war weniger Geld zur Verfügung. Spielleute und Dienstpersonal wurden an der Theke bedient. - Wie schwierig mag es wohl gewesen sein, die Gäste nach der Sozialsturktur richtig zu setzen...!"
Zum Adler gehörten zeitweise verschiedene Dépendances, also zusätzliche Unterkünfte für Gäste:
der heutige Ermatingerhof, die Villa Seefeld unter dem Vinorama, das Schloss Hard und die Öle an der Schiffgasse.
So konnten bis zu 300 Gäste pro Nacht beherbergt werden.
Im Laufe der Jahrhunderte sind natürlich verschiedenste illustre und bekannte Persönlichkeiten im Adler abgestiegen, nicht nur General Guisan und Kaiser Napoleon III - Wirt H. Albert hat einmal gesagt, er habe schon für alle Bundesräte gekocht (und natürlich auch für fast alle Ermatinger!)
Im Gästebuch finden wir zum Beispiel auch:
Alle zwei Jahre bekam ein neuer Landvogt die Oberaufsicht über das Untertanengebiet Thurgau; die acht alten Orte wechselten sich turnusgemäss ab.
Zu seiner Einsetzung wurde ihm in allen grösseren Ortschaften "gehuldigt": Er stand auf der Treppe zur oberen Mühle (jene "bey der Brugg" zwischen Rathaus und Adler) und liess die Ermatinger Untertanen vor sich vorbeiziehen.
Dann wurde er zusammen mit seinen Begleitern zu einem Festmahl in den Adler eingeladen - dessen Kosten natürlich die Gemeinde zu tragen hatte.
Wenn der Landvogt dieses 20-gängige Menu nur sauber aufgegessen hat...!
Warum "in der That wenig Grund vorhanden war, den Huldigungstag zu einem Volksfest zu machen", lesen Sie in diesem Artikel des Ermatinger Historikers, Notars und Gemeindeammanns August Mayer.
Schon schade, dass wir in der Auberge Napoléon unter den gestrengen Augen von Napoleon Bonaparte kein Napoleonbier mehr trinken können...