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Die Landschaft des Laufener Juras
Gesamthaft erscheint der Laufener Jura als eine waldumsäumte Beckenlandschaft. In tieferen Lagen sind Buchenwälder anzutreffen, während in Lagen über 800 m ü. M. Tannen hinzutreten. Das Klima, besonders die Niederschlagsverteilung, ist differenziert. Das Gebirgsland erhält höhere Niederschläge als die Trockeninsel des Laufenbeckens.
Die ganze Landschaft wird durch eine Serie West-Ost verlaufender Bergketten bestimmt. Ganz im Süden, gegen das Delsberger Becken zu, liegt mit der Vorburg-Fringelikette die erste Jurakette. Zwischen Riederwald und Liesbergmühli taucht die nächste Kette, die Movelierkette, in die Tiefe.
Weiter östlich schliesst die Überschiebungszone
mit dem Löffelberg an, auf welchem tertiäre Ablagerungen (Bolustone) liegen. Bei Bärschwil sinkt die Bueberg-Kette (Antiklinale) in die Tiefe. Zwischen den beiden Ketten liegt die Mulde (Synklinale) von Liesberg. Das Birstal durchbricht in diesem Raum die abtauchenden Ketten bis zum Austritt in das Laufenbecken. Nördlich der Buebergkette folgt dann das Becken von Laufen und anschliessend die letzte und nördlichsten Jurakette, der Blauen.
Der alte Kulturraum Laufener Jura
Im Birsabschnitt Delsberg–Laufen mit seinen Talengen und Aufweitungen, bleibt nur da und dort auf Schotterböden beidseits des Flusses etwas Raum für Siedlungen und Flurstücke. Gesamthaft ist dies aber zu wenig, um eigentliche Dörfer mit ihren agrarischen Nutzungsräumen anzulegen. Soyhières und Liesberg sind die Ausnahmen, die übrigen Wohnstätten waren und sind Einzelhöfe und Weiler.
Für den Durchgangsverkehr Delsberg–Basel aber ist die Talung bedeutsam. Die Strasse folgt dem Fluss auf dem linken Ufer, während das einspurige Trassee der Bahn aufgrund der Kurvenradien etwas freier angelegt worden ist. Der Durchgangsverkehr ist Ursache für die historische Tatsache, dass ein Korridor des ehemaligen bernischen Territoriums auf dieser Linie solothurnischen Boden durchkreuzte und so Kleinlützel (SO) abtrennte. Nicht zuletzt muss die Bedeutung der deutsch-französischen Sprachgrenze zwischen Soyières und Liesberg erwähnt werden.
Liesberg – das Dorf
Mit 1250 Hektar ist Liesberg flächenmässig die grösste Gemeinde im basellandschaftlichen Bezirk Laufen und die viertgrösste im Kanton nach Liestal, Muttenz und Langenbruck. Die Gemeinde besteht aus 55 % Waldfläche, 36 % Landwirtschaft und 9 % anderen Nutzungen (v.a. Siedlung, Verkehr).
Liesberg besteht aus mehreren, unterschiedlich grossen Siedlungsteilen: Liesberg Dorf, Oberrüti, Riederwald, Liesbergmüli und Liesberg Station. Liesberg selbst liegt rund 140 Meter über dem Birstal auf der nach Süden gerichteten Hochfläche. Seine Geschichte reicht in die hochmittelalterliche Rodungsphase zurück. Die Häuser der Haufensiedlung liegen ursprünglich an einem hangparallelen Strassenzug, an den sich viereckige Wegzeilen anschliessen. Liesberg und seine Weiler werden nur noch per Postauto bedient. Die SBB-Bahnstation Liesberg wurde 1993 ausser Betrieb genommen.
Auf den Flächen oberhalb des Dorfes dehnt sich das Gebiet der alten aus, in welchem heute das Grünland gegenüber dem Ackerbau deutlich überwiegt. Hier finden sich immer noch lang gezogene Hecken, freistehende Bäume, Feldgehölze sowie andere, kleinteilige Landschaftselemente. In höheren Lagen haben sich alte Magerweiden erhalten. Liesberg besitzt somit auf seinem grossen Gemeindegebiet einen hohen Anteil an biologisch wertvollen Flächen. Dazu zählen auch die Wälder von Meistelberg, Bolberg und Löffelberg. Dank der grossflächigen, intakten Strukturen ist die Umgebung von Liesberg auch für die Fauna wertvoll. So ist es für Tagfalter gar der artenreichste Landstrich im Baselbiet.
Oberrüti und Riederwald – zwei Weiler
In der Siegfried-Karte von 1875 sind im Bereich des heutigen Oberrüti nur ganz wenige Häuser eingezeichnet Der Weiler Riederwald, bestehend aus einigen Bauernhöfen, wurde damals noch Unter- beziehungsweise Nieder-Riederwald genannt.
Einen Kilometer birsaufwärts, jenseits der Kantons- und Sprachgrenze, liegt in der Gemeinde Soyhières der Weiler Ober-Riederwald – das heutige Riedes-Dessus. Durch die Industrialisierung und vor allem durch den Strukturwandel der Industrie entwickelte sich der Weiler Oberrüti als Wohnquartier. Aber auch die Industrie bedeckte mit ihren Bauten den Talboden. So baute die Aluminium Laufen AG 1961 in den Aumatten als erstes Fabrikgebäude ein Strangpresswerk. 1993 wurden die neue Giesserei und das Verwaltungsgebäude in Liesberg erstellt. Seit dieser Zeit befindet sich die ganze Aluminium Laufen auf dem gleichen Areal. In den Aumatten liessen sich eine Pharma- und eine Fensterfabrik nieder.
Liesbergmühli – das Industriezentrum
Neben der Landwirtschaft waren Erzförderung, Eisenverarbeitung (Nagelschmiede) sowie Mühlen die Erwerbsgrundlage. Der um 1603 erbauten Mühle von Liesberg wurde 1627 eine Säge angegliedert. Im 19. Jh. entstand in Verbindung mit der Kalk- und Zementindustrie eine Kalkmühle. Tonmergelgruben und Kalksteinbrüche sowie der Bau der Eisenbahn waren Standortfaktoren für die Ansiedlung gesteinsverarbeitender Industrien.
Die Areale der Aluminium-Fabrik Laufen AG, der früheren Kalkfabrik und der Portland-Cementfabrik fügten sich mit den Verkehrsanlagen, Arbeiterwohnsiedlungen und früher auch Pflanzgärten zum charakteristischen Bild der Liesberger Industrielandschaft zusammen. Der Steinbruch Bohlberg diente den zahlreichen Zementfabriken, die sich in Liesberg-Mühle/Station niederliessen, als Kalksteinlieferant.
Die Zement- und Kalkfabrik wurde 1872 gegründet und 1929/30 von der 1886 in Laufen gegründeten «Portland Cement Laufen» übernommen. Sie schloss ihren Betrieb in den 1970er-Jahren. Lange Zeit blieben die Industrie-Ruinen an der Strasse bestehen. Im Jahre 1985 verpachtete die Gemeinde den Steinbruch an eine gesteinsverarbeitende Firma, welche noch heute einen Teil des Steinbruchs ausbeutet.
Strukturwandel: Vom Steinbruch zur Deponie oder zum Naturschutzgebiet
Die Steinbrüche Bohlberg und Liesbergmühle sowie die Tongrube Andil haben nach der Einstellung des Abbaus eine andere Funktion erhalten. Sowohl in Bohlberg als auch in Andil wurden Naturschutzgebiete eingerichtet. Es entwickelten sich dort im Laufe der Zeit spezielle Lebensräume mit vielen seltenen Pflanzen und Tieren.
In einem Teil von Andil und in der unteren Grube «Hinterm Chestel» bei Liesbergmühli wurde in vier Etappen eine Deponie angelegt. Während der ersten drei Etappen von 1985 bis 2000 wurde eine Reaktordeponie aufgefüllt. Die aktuelle 4. Etappe ist als Schlackendeponie seit dem Jahr 2000 in Betrieb. Im Bereich der alten Kalkfabrik entstanden zuerst eine Kompostieranlage sowie ein Abfallsortierzentrum. Seit 2011 besteht anstelle der Kompostieranlage eine Biomassenverwertungsanlage (Biopower).
HPM