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Selbstbewusst präsentiert sich die berühmte Münsinger Schlossherrin Magdalena Nägeli (1550-1628) auf dem Gemälde in der "von Steiger Stube" des Museums. Stolz trägt sie den Ratsherrenhut. Die Tocher des Schultheissen Hans Franz Nägeli und der Rosina Wyttenbach, kann mit ihren 72 Jahren auf ein ereignisreiches Leben zurückschauen. Auf dem Bild befindet sich eine Inschrift:
„Madalena Naegelin von Schultheissn ich myn Ursprung nahm, drey Schultheissen ich zur Ehe bekam, Steiger, von Wattenwyl die beid sälig, Manuel bhütt Gott vor Leid. Kinder, Kindskinder, deren Kinder, Nünzigh siben von mir her sind. Drissig siben entschlaften, doch Sechzig aber die läben noch.“
Die Herrschaft Münsingen stand seit dem 15. Jahrhundert unter dem Hoheitsgebiet der Stadt Bern. Der Herrschaftsherr von Münsingen übte die niedere Gerichtsbarkeit aus: Kleinere Vergehen auf seinem Territorium wurden mit Bussen geahndet. Der Besitzer der Herrschaftsrechte konnte zudem von seinen Untertanen verschiedene Abgaben fordern. Das Herrschaftsgebiet umfasste die Dörfer Münsingen, Tägertschi, Ursellen, Niederwichtrach und Rubigen.
Hans Franz Nägeli (1496-1579), Eroberer der Waadt, Herr von Bremgarten und Berner Schultheiss, erbte einen Drittel der Herrschaft Münsingen. Die beiden anderen Drittel gehörten den Edlen vom Stein, die jedoch durch die Geldentwertung verarmten und gezwungen waren, ihre Anteile 1559 zu verkaufen an Johannes Steiger (1518-1581), Herr von Rolle, ebenfalls Schultheiss und erfolgreicher Berner Staatsmann. Die Heirat von Johannes Steiger und Magdalena Nägeli (1550-1628), der Tochter von Hans Franz Nägeli, führte die beiden zerstrittenen Herrschaftsfamilien zusammen. Johannes Steiger errichtete nach der Heirat unmittelbar neben dem älteren ein zweites Wohnschloss, das im 19. Jahrhundert abgetragen wurde.
Georg Steiger (1575-1610), der jüngere Sohn von Johannes und Magdalena, wurde durch Kauf und Losentscheid schliesslich Alleinherrscher über das ganze Herrschaftsgebiet von Münsingen. Bis zur Auflösung der Herrschaftsrechte im Revolutionsjahr 1798 blieb die reich verzweigte Familie der weissen Steiger Inhaberin der Herrschaft Münsingen.
Zahlreiche Herrschaftsfamilien lassen im 16. Jahrhundert Wohnschlösser auf dem Lande errichten, die sie meistens als Sommersitz nutzen. In Münsingen prägen zwei Schlösser während Jahrhunderten das Ortsbild.
Über dem Eingangsportal befindet sich das Allianzwappen von Hans Franz Nägeli und seiner Frau Rosina Wyttenbach mit der Jahrzahl 1550: Als Sitz seiner Herrschaft und als standesgemässes Wohnhaus für seine grosse Familie liess Hans Franz Nägeli das Schloss auf den Grundmauern einer hochmittellalterlichen Burg erbauen.
Von der ehemaligen Sennen Burg aus dem 13. Jh. hat sich im Keller der 7 m hohe Stumpf des Hauptturms aus grossen Findlingen erhalten. Beim Neubau 1550 wurde der Turm bis auf die Höhe des ersten Stockwerks abgetragen. An der Halbkreisform des Schlossgrundrisses und an den Gartenmauern ist die Ringmauer ablesbar.
Durch die Jahrhunderte hindurch hat das Schloss diverse Umbauten erfahren: Die schmalen Fenster, mit Putzenscheiben versehen, wurden im 17. und 18. Jahrhundert ausgebrochen und vergrössert. Die Wohnräume des Schlosses wurden in der Mitte des 18. Jahrhunderts umgestaltet, wie es der neue Geschmack erforderte. In diesen Jahren wurde der Eckofen von Peter Gnehm im heutigen "von Steiger-Zimmer" eingebaut.
Der Holländer Peter Vollmar Vissering kauft 1826 den Grundbesitz von den Erben des Franz Ludwig Sigmund Steiger und von Elisabetha Steiger, der Witwe von Isaak Albrecht Steiger, gewesener Herr von Niederwichtrach. 1830 erwirbt der Bernburger Alfred de Rougemont, späterer Besitzer der Schadau, das Schlossgut und lässt das untere Schloss 1838 wegen Baufälligkeit abtragen. Johann Ulrich Röthlisberger aus Walkringen ist seit 1844 Schlossherr von Münsingen und verkauft das Schloss zehn Jahre später an Friedrich Ferdinand Lange aus Dresden.
Schliesslich übernimmt im Jahr 1877 der Staat Bern das Schlossgut, das laut Kaufvertrag 13 Gebäude und 309 Jucharten Land umfasst. Auf dem ehemaligen Schlossgut wird in den Jahren 1893 bis 1895 die Kantonale Psychiatrische Klinik erstellt. Im Schloss wohnt der Anstaltspfarrer.
Die Gemeindeversammlung stimmt im Jahr 1977 der Übernahme der Güter mit dem Schloss an die Gemeinde zu. Auf dem oberen Schlossgut wird die Alterssiedlung gebaut. Die frühere Rossscheuer von 1782 wird zum Kirchgemeindehaus, auf der ehemaligen Heubühne befindet sich die Volksbibliothek. In der stattlichen Scheune sind heute das Restaurant Schlossgut und der grosse Gemeindesaal untergebracht und der alte Speicher wird als Jugendhaus genutzt.
Bibliographie