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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

5. Vortrag.
11.
Es lernt Johannes den kennen, den er schon kannte; aber er lernt ihn darin kennen, worin er ihn nicht kannte. Und was kannte er? Den Herrn. Was kannte er nicht? Daß die Macht über die Taufe des Herrn auf keinen Menschen vom Herrn übergehen werde, wohl aber der Dienst; daß die Macht vom Herrn auf niemand, der Dienst auf Gute und Böse übergehen werde. Es schaudere die Taube nicht zurück vor dem Dienste der Bösen, sie schaue hin auf die Macht des Herrn. Was kann dir der böse Diener tun, wo der Herr gut ist? Was für Hindernisse kann dir ein boshafter Herold in den Weg legen, wenn der Richter wohlwollend ist? Johannes lernte dies durch die Taube kennen. Was ist das, was er kennen lernte? Er selbst wiederhole es: „Er sprach zu mir: Über welchen du den Geist herabsteigen siehst, wie eine Taube, und auf ihm bleiben, der ist es, welcher tauft im Heiligen Geiste“. Es mögen dich also, o Taube, nicht täuschen die Verführer, [S. 77] welche sagen: Wir taufen1. Taube, erkenne, was die Taube gelehrt hat. „Der ist es, welcher tauft im Heiligen Geiste.“ Durch die Taube werden wir belehrt, daß es dieser ist, und du meinst, daß du durch die Macht desjenigen getauft wirst, durch dessen Dienst du getauft wirst? Wenn du das meinst, bist du nicht im Leibe der Taube2, und wenn du nicht im Leibe der Taube bist, so ist es kein Wunder, daß du die Einfalt nicht hast. Denn die Einfalt wird besonders durch die Taube dargestellt.
1: Die Donatisten.
2: Gehörst du der Kirche nicht an.