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Kürzlich sind erste Resultate einer Umfrage des Staatssekretariates für Wirtschaft (SECO) bei 400 Unternehmungen zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz bekannt geworden. Die Auswertungen zeigen, dass der Stress am Arbeitsplatz zunimmt. Dabei ergeben sich beachtliche Unterschiede zwischen den Branchen. Die Zunahme ist aber in allen Branchen deutlich. Als häufigster Grund hierfür wurden von den Befragten die Kontakte mit schwierigen Kunden (61%) genannt. Zunehmend belastende Arbeitszeiten folgen auf Platz zwei der Gründe für vermehrten Stress (43% der Befragten). Einmal mehr zeigt die Studie auch, dass die Situation in den KMUs weniger ausgeprägt ist als in Grossunternehmungen. Und schliesslich tragen auch ausserberufliche Faktoren wie etwa familiäre Verpflichtungen zum Stress am Arbeitsplatz bei. Aus der Perspektive der Stakeholder View sind zwei Aspekte dieser Studie besonders relevant: Einerseits ist mit der belastenden Kundenbeziehung eine primäre Interaktion zwischen der Unternehmung und einem ihrer Kernstakeholder angesprochen. Andererseits sind die vom vermehrten Stress betroffenen Mitarbeitenden, wie unsere früheren empirischen Untersuchungen gezeigt haben, ebenfalls einer der wichtigsten Stakeholder einer Unternehmung und verdienen daher besondere Aufmerksamkeit.
Zur Wirkung von Stress auf das Verhalten der Betroffenen ist in der soeben publizierten Ausgabe des Academy of Management Journal (AMJ) eine relevante Studie erschienen. Darin wird zwischen „normalem“ Wettbewerb und Rivalität als übersteigerter Form der Konkurrenz unterschieden. Die zentrale Erkenntnis in dieser Studie lautet, dass Rivalität im Vergleich zu normalem Wettbewerb vermehrt unethisches Verhalten erzeugt. Mit Bezug auf die Studie des SECO würde das also heissen, dass bei zunehmendem Stress in den Unternehmungen vermehrt unethisches Verhalten zu erwarten ist, insbesondere in den Beziehungen zwischen Mitarbeitenden und Kunden. Neben der genannten Haupterkenntnis wird im AMJ-Artikel auch untersucht, welche psychologischen Ursachen bei Rivalität das unethische Verhalten verstärken. Nachgewiesen werden zwei Faktoren, nämlich dass einerseits Rivalität zu einer Schwächung des Selbstwertgefühls führt und andererseits den Status der Beteiligten bedroht. Besonders anschaulich werden diese Erkenntnisse in der Fallstudie über den Profi-Fussball in Italien herausgearbeitet. Dort zeigt sich, dass die Anzahl der gelben Karten, die Spielern für unfaires Verhalten gezeigt wird, drastisch steigt, sobald sich das sportliche Spiel zu einer aufgeheizten Rivalität entwickelt. Besonders ausgeprägt ist dies bei Spielen zwischen Mannschaften derselben Stadt, bei denen Status und Selbstwertgefühl der Spieler, Funktionäre und Fans noch stärker betroffen sind als sonst.