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Marie (Agathe Schlenker) und Vincent (Nahuel Pérez Biscayart) sind ein junges, unkonventionelles Paar. Beide haben keine Ausbildung; er ist zudem Secondo und hat einen behinderten Bruder. Sie leben in Lausanne; Marie schlägt sich mit einem stumpfsinnigen Bürojob durch, während Vincent Tiefkühlpizzen am Fliessband herstellt bzw. belegt. Da findet Marie einen neuen Job als Escort – doch bald schon merkt sie, dass Boss Olivier (Stanislas Merhar) eigentlich nichts anderes ist als ein Zuhälter. Vinz verliert zudem seinen Job; findet aber beim Vater eines Skater-Kollegen eine Praktikumsstelle, die er aber gerade dann antreten muss, wenn er auf seinen behinderten Bruder Mika (Dimitri Stapfer) aufpassen muss…
Germinal Roaux legt ein spannendes, ganz in Schwarzweiss gehaltenes Début vor, in dem er das Leben von jungen Working-Class-Menschen ohne Schnörkel zeigt. Etwas, was man vielleicht eher aus dem britischen Kino kennt – allerdings hat dies gerade in der Romandie Tradition, man denke an Tanner und Goretta (und neuerdings natürlich auch Ursula Meier). Die grossen Abwesenden in «Left Foot Right Foot» sind die Eltern: sie sind offenbar nicht fähig oder willig, eine wichtige Rolle im Leben ihrer (eben doch noch nicht ganz erwachsenen) Kinder zu spielen. Auch der behinderte Bruder lebt schliesslich grösstenteils im Heim.
Vincent wird im Film Vinz (ausgesprochen [vins]) genannt; eine Anspielung auf einen anderen frankophonen Schwarzweissfilm: in «La Haine» hat Regisseur Mathieu Kassovitz das Leben von Jugendlichen in den Banlieues mit viel Einfühlungsvermögen und viel toller Musik gezeigt. Der sozialkritische Impetus ist zweifellos beiden Filmen gemein. Ausserdem ist Vinz Secondo wie die Protagonisten in Kassovitz‘ Film; Marie ist durch ihre fehlende Ausbildung ebenso benachteiligt in einer Gesellschaft, in der sich die Diplome nur so stapeln und nur die Bewerber mit dem allerbesten Dossier überhaupt eine Chance haben, einen anständigen Job zu finden. Mika, der behinderte Bruder schliesslich, ist ganz auf Hilfe von aussen angewiesen: er steht für die allerschwächsten Glieder der Gesellschaft. Nebendarsteller Dimitri Stapfer und Kameramann Debis Jutzeler wurden im Rahmen des Schweizer Filmpreises ausgezeichnet (als bester Nebendarsteller bzw. bester Kameramann) – der Film hätte wohl auch noch weitere Preise verdient. Immerhin war zumindest die Jury in Palm Springs sehr angetan von Roaux‘ erstem Spielfilm.
«Left Foot Right Foot». CH/Frankreich 2013. Regie: Germinal Roaux. Mit Nahuel Perez Biscayart, Agathe Schlencker, Stanislas Merhar, Dimitri Stapfer, Mathilde Bission u.a. Deutschschweizer Kinostart: 15.5.2014.
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