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TGC#15 Konferenz: Heimkommen – neuer Himmel und neue Erde (Plenarsession 1)
Zentrale Aussagen:
- Gott ist ein gerechter Richter, weil er so gut ist; und er ist ein vergebender Gott, weil er so gut ist.
- Es gibt unzählige Ansätze und Anweisungen dafür, wie wir leben sollen. Dabei wird nur eines vergessen: Wir alle wissen im Grunde genommen, wie wir leben sollten.
- Das Herz ist der Ort, wo du entscheidest, was du wertschätzt und was dein höchstes Gut ist. Zum Beispiel: Wohin gehen deine Gedanken, wenn du fünf Minuten an der Bushaltestelle warten musst?
- Ein beschnittenes Herz bedeutet: Wenn das, was du tun solltest, mit dem zusammenfällt, was du tun willst. Pflicht und Freude fallen zusammen.
- Nur das Evangelium ist das Wort, das für uns nicht zu schwierig ist.
Rahmung und Hauptbotschaft
Der Schluss des 5. Mosebuches gehört zu den ersten Abschnitten der Bibel, die zeigen, dass es zwei Destinationen für die Menschheit gibt: Segen oder Fluch. Mose steht am Ende seines Lebens und ist dabei, die Führung seinem Nachfolger zu übergeben. Das ganze Buch ist als Erneuerung des Bundes zu verstehen, der am Sinai geschlossen worden war. Es handelt sich um eine ausführliche Auslegung der Zehn Gebote.
Die Ankündigung des Fluches ist furchteinflössend. Die Ankündigung des Segens ist begleitet von der Deklaration der Güte Gottes. Der Fluch wird bedingt durch Ungehorsam, die Segensverheissung ergeht bedingungslos. Zum ersten Mal im biblischen Erzählstrang wird klar, dass eine Spannung zwischen Segen und Fluch besteht: Der Gott der Gerechtigkeit muss Sünde bestrafen; gleichzeitig ist er ein endlos gütiger und barmherziger Gott. Am Sinai verdeutlichte dieser Gott Mose, dass er vergibt, und gleichzeitig Sünde bestrafen muss (2Mose 34,6-7). Dies überrascht. Gott muss jede Sünde bestrafen, weil er so gut ist (D. Martyn Lloyd-Jones). Er ist ein gerechter Richter, weil er so gut ist; und er ist ein vergebender Gott, weil er so gut ist. Man kann die Spannung nach zwei Seiten auflösen: Dass Gott absolut gerecht und relativ liebend ist; oder aber dass Gott absolut liebend und relativ gerecht ist. Die gesamte Erzählung des AT trägt die Spannung ohne definitive Auflösung mit sich. Sie ist auch in 5Mose 30 spürbar. In den Texten werden jedoch ständig Schatten geworfen, die darauf hinweisen, wie die Lösung ausfallen würde.
Gliederung
5. Mose 30 enthält drei Voraussagen zur Zukunft:
-
Wir fehlen alle.
-
Gott wird unsere Herzen erreichen.
-
Es gibt eine Botschaft, die nicht zu schwierig ist.
Auslegung
1. Wir fehlen alle.
5Mose 30,1 setzt bereits die Zerstreuung voraus. Das Volk würde in Gefangenschaft gehen. US-Amerikaner lieben motivierende Reden. Womit aber beginnt 5Mose 30, das Teil eines eindrücklichen ethischen Vermächtnisses ist? Mose verkündet: Du weisst, was du tun müsstest, tust es aber nicht! Ein zeitgenössischer Philosoph (Jacob Needleman) stellt die These auf, dass es unzählige Ansätze und Anweisungen dafür gibt, wie wir leben sollen. Dabei werde nur eines vergessen. Wir alle wüssten im Grunde genommen, wie wir leben sollten. Niemand hat aber die Kraft es auszuführen. Psychologie beispielsweise kann zwar aufzeigen, was zu tun ist. Sie kann aber nicht das Herz verändern. Wenn wir den anderen vorhalten, was sie tun sollten, offenbaren wir unseren eigenen moralischen Massstab. Francis Schaeffer pflegte zu sagen, dass es Gott genügt, am Tag des Gerichts einen Menschen nach seinen eigenen moralischen Massstäben richten wird. Wir brauchen die Kraft das zu tun, wovon wir wissen, dass es richtig ist!
2. Gott hat einen Plan, um Herzen zu erreichen.
Gott wird die Herzen beschneiden, dass wir ihn mit ganzem Herzen lieben können (5Mose 30,6). Gott vollzieht diese Beschneidung durch das Evangelium (siehe Röm 2,29; Phil 3,3). Wenn die Bibel vom Herzen spricht, meint sie das Kontrollzentrum des menschlichen Wesens. Das ist schwierig zu verstehen in einer Kultur, für welche Emotionen die letzte Entscheidungsinstanz darstellen. Das Herz ist der Ort, wo du entscheidest, was du wertschätzt und was dein höchstes Gut ist. Beschneidung war ein äusseres Zeichen des Gehorsams. Nehmen wir das Beispiel eines liebenden Ehepartners: Ihr Wunsch ist ihm Befehl. Beschneidung ist eine äussert persönliche, blutige, unangenehme Angelegenheit. Wir sind in Christus beschnitten worden (Kol 2,12). Worin bestand der Bundesfluch? Im Ausschluss (wörtlich: Ausgeschnittensein, engl. to be cut off) aus der Bundesgemeinschaft. Als Adam und Eva aus dem Garten verbannt wurden, stand am Eingang ein Engel mit dem Schwert. Jesus trug diese Strafe. Er wurde in diesem Sinne an unserer Stelle beschnitten.
3. Die einzige Botschaft, die nicht zu schwierig ist
Was ich dir heute gebiete, ist nicht zu schwer (5Mose 30,11). Israel hatte keinen Entschuldigungsgrund. Das Gesetz war unmissverständlich klar formuliert. Ebenso klar war, dass die Israeliten es nicht schaffen würden, dieses Gesetz zu halten. Paulus zitiert die Worte aus 5Mose 30,11 in Römer 10,6-8 und bringt es mit dem Evangelium in Zusammenhang. Nur das Evangelium ist das Wort, das für uns nicht zu schwierig ist.
Fazit
Segen und Fluch deuten auf Himmel und Hölle hin. Den Fluch haben wir unweigerlich verdient. Den Himmel nicht.