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Zwei ganz neue englische Studien weisen darauf hin. Das erhöhte Risiko beschränkt sich aber auf Menschen mit HIV und Komorbiditäten.
Die erste Studie ist eine Erhebung der Sterblichkeitsrisiken für einen Tod durch COVID-19, gemäss Sterbeurkunden1. Die Autoren berichten, dass Menschen mit HIV verglichen mit der Allgemeinbevölkerung seit dem 1. Februar und bis zum 22. Juni ein 2,3-mal höheres Risiko hatten, an COVID-19 zu sterben. Die Studie scheint frühere Beobachtungen aus Südafrika zu bestätigen – wir haben im letzten Newsletter davon berichtet.
Die zweite Studie aus Grossbritannien ist eine prospektive Kohortenstudie zur Mortalität bei Patienten, die aufgrund von COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden2. Sie vergleicht die Sterblichkeit von Patienten mit und ohne HIV. Hier stellt die Forschergruppe um Anna Maria Geretti fest, dass das COVID-19 Sterblichkeitsrisiko der HIV-positiven Menschen in der Datenbank um 63% erhöht ist. Der Beobachtungszeitraum der zweiten Studie umfasst den 18. Januar bis 18. Juni.
Das Hauptproblem der beiden Studien: Es gibt gar nicht so viele COVID-19 Patienten mit HIV – Grossbritannien ist nicht Südafrika. Studie 1 hat Daten von 25 an COVID-19 verstorbenen Menschen mit HIV; Studie 2 hat Daten von 26 Personen. Viele, aber nicht alle werden dieselben Leute sein. Laut der ersten Studie sind offenbar Menschen schwarzer Hautfarbe besonders betroffen, doch in der zweiten Studie sieht man solches nicht.
Wie bedeutend sind diese Erkenntnisse?
Beide Studien zusammengenommen deuten darauf hin, dass eine HIV-Infektion bis zu einem gewissen Grad mit einem erhöhten Risiko verbunden wäre, an den Symptomen von COVID-19 zu sterben. Sie betrachten nur ein Ergebnis: den Tod. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass keine der beiden Studien uns sagt, ob Menschen mit HIV ein höheres Risiko haben als andere, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken, Symptome zu entwickeln oder ins Krankenhaus eingewiesen werden zu müssen. Es ist wichtig zu verstehen, wie diese beiden Studien, die an sich wahrscheinlich überlappenden Patientengruppen durchgeführt wurden, auf unterschiedliche Ergebnissen kommen. Beide stimmen zwar darin überein, dass HIV das Risiko für den Tod von COVID-19 erhöht, aber die Schätzung, wie viel es dazu beiträgt, ist in Studie 1 mehr als doppelt so gross wie in Studie 2.
Die britische HIV-Fachgesellschaft BHIVA stellt in einer Erklärung fest, dass es sich bei beiden Studien um noch nicht überprüfte Vorabdrucke, also "neue medizinische Forschung handelt, die noch ausgewertet werden muss und daher nicht zur Anleitung der klinischen Praxis verwendet werden sollte". Die BHIVA weist auch darauf hin, wie wichtig es ist zu betonen, dass nur sehr wenige Menschen mit HIV, die keine Komorbiditäten hatten, an COVID-19 starben.
Fazit: Für definitive Schlussfolgerungen ist es zu früh.
David Haerry / August 2020
1. Geretti AM et al. Outcomes of COVID-19 related hospitalisation among people with HIV in the ISARIC WHO clinical characterisation protocol UK protocol: prospective observational study. Pre-print, see https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2<ip-pii>70449v1.
2. Bhaskaran K et al. HIV infection and COVID-19 death: population-based cohort analysis of UK primary care data and linked national death registrations within the OpenSAFELY platform. Pre-print, see https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2<ip-pii>69490v1.