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Bermuda ohne Hosen
Dass heute auf Bermuda, dem Inselstaat rund 1000 Kilometer vor der amerikanischen Ostküste, Shorts sogar im Büro getragen werden, hat die Insel wohl dem britischen Militär zu verdanken. Einer Legende zufolge war es der Besitzer einer Teestube auf den Bermudas, ein gewisser Nathaniel Coxon, der seinen Angestellten vorschlug, kurze Hosen zu tragen, um nicht unter der Hitze zu leiden.
Als der britische Admiral Mason Berridge seinen Tee bei Coxon einnahm, beschloss er, den Stil für seine Offizierskollegen zu übernehmen. Khakifarbene Bermuda-Shorts gehörten fortan zur Uniform der britischen Streitkräfte in tropischem Klima und wurden danach von amerikanischen Touristen in den zivilen Gebrauch übernommen. Allerdings wurden die Shorts, die heute unzertrennbar mit dem Inselstaat verbunden sind, nie auf Bermuda hergestellt.
Wie Panama zu seinem Hut kam
Schauspielerinnen und Schauspieler, aber auch Politiker wie Theodore Roosevelt und Winston Churchill machten den Panamahut zur Stilikone. Der Ursprung des edlen Accessoires liegt aber eigentlich nicht in Panama, auch wenn das Land zugegebenermassen viel damit zu tun hat.
Beim Bau des Panamakanals zwischen 1904 und 1914 mussten sich die Arbeiter nämlich mit Hüten vor der Sonne schützen. Diese wurden von den geschickten Händen der Frauen und Männer aus den ecuadorianischen Provinzen Manabí, Santa Elena, Azuay und Cañar produziert. Bereits um 1900 gab es im britischen «Journal of the Society of Arts» Beschwerden, dass die Hüte fälschlicherweise als «Panama» bezeichnet werden.
Tatsächlich war bereits ein Jahrhundert vor dem Bau des Kanals von einem Panamahut die Rede. Zu dieser Zeit war der Hut jedoch zumindest in Lateinamerika als «sombrero de paja toquilla» oder «Jipijapa» bekannt. Dies zu Ehren der ecuadorianischen Stadt in der Provinz Manabí, in welcher gemäss Historikern die Herstellung des Hutes begonnen hatte. All die Bemühungen, die Produktionsstätten bekannter zu machen, nützten wenig. Denn bis die UNESCO den Hut aus Ecuador 2012 zum Weltkulturerbe erklärte, hatte sich der Ausdruck «Panamahut» längst weltweit etabliert.
Philadelphia? So ein Käse!
Auch der bekannte Philadelphia-Käse wurde nie in der gleichnamigen US-Grossstadt hergestellt. Die Assoziation mit der ehemaligen amerikanischen Hauptstadt kommt jedoch nicht von ungefähr.
Als William Lawrence den Frischkäse 1871 in New York auf den Markt brachte und den Käufern ein neues Geschmackserlebnis versprach, wollte er vom guten Ruf, den die Milch aus der Region Philadelphia Ende des 19. Jahrhunderts hatte, profitieren.
Prosecco aus dem alten Österreich
Prosecco-Weine sind in vielen Köpfen mit Italien verbunden. Heute gibt es verschiedene Arten von italienischem Prosecco, die alle die Rebsorte Glera als gemeinsamen Nenner haben.
Neben dem Prosecco gibt es seit Jahrhunderten den Prošek, einen Dessertwein aus Dalmatien. Prošek besteht in der Regel aus weissen Traubensorten wie Bogdanuša, Maraština und Vugava oder roten Trauben wie Plavac Mali. Obwohl es sich um sehr unterschiedliche Weine handelt, will Italien verhindern, dass das kroatische Produkt weiterhin als Prošek verkauft wird.
Dabei ist der Name Prosecco ursprünglich nicht italienisch. Er ist eigentlich die Italienisierung des slowenischen Ortsnamens Prosek, der sich auf einen Randbezirk von Triest bezieht, der direkt oberhalb des berühmten Schlosses Miramare liegt. Obwohl die Tatsache weniger bekannt ist, soll der Sekt erstmals im Jahr 1821 am Stadtrand von Triest produziert worden sein, als Prošek noch ein österreichisches Dorf war.
Spaghetti Bolognese: auf der Such nach den Fakten
Bologna? Klar, hat wohl mit Tortellini oder Tagliatelle zu tun oder mit «Spaghetti alla Bolognese». Spaghetti alla Bolognese? Ob die Spezialität wirklich italienisch ist?
Doch, doch, das Gericht wurde 1898 tatsächlich in Italien erfunden, in der Küche des Turiner Hotels Ville et Bologne. Damals hiess das Gericht «Spaghetti di Napoli alla Bolognese», später verkürzt zu «Spaghetti alla Bolognese».
Wahrscheinlich wollte der Koch die Einigung Italiens feiern, indem er eine neapolitanische Spezialität, die Spaghetti, mit einer Bologneser Spezialität, der Sauce, kombinierte. Anfangs war das Gericht nur in der Aristokratie beliebt, und es dauerte eine Weile, bis es sich in der ganzen Welt verbreitete.
Der wilde Ursprung des edlen Oxford-Schuhs
Der Oxford-Schuh ist zum Sinnbild männlicher Eleganz geworden. Obwohl sich Universitätsdozenten oft exzentrisch kleiden, wird Oxford fälschlicherweise als Geburtsstätte des gleichnamigen Schuhs angesehen. Die Oxford-Schuhe sind eine Weiterentwicklung des Oxonian, eines Schuhtyps, der vor zwei Jahrhunderten an der Universität Oxford in Mode war. Aber in beiden Fällen gibt es keine Spur einer lokalen Produktion. Die Schuhe wurden eher in Northampton produziert, welches als Hauptstadt der englischen Schuhindustrie gilt.
Erstaunlicherweise lässt sich der Schuhstil selbst bis zu einfachen prähistorischen Schuhen zurückverfolgen, die in Teilen Irlands und insbesondere auf der schottischen Insel Arran hergestellt wurden. Die gestanzte Dekoration hatte ursprünglich dazu beigetragen, das Wasser abfliessen zu lassen.
Übrigens werden Oxfords gelegentlich auch Balmorals genannt, nach dem Schloss Balmoral, das als Rückzugsort der britischen Königin Elisabeth II. berühmt wurde.