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Felsenpython - Python sebae
Königspython - Python regius
© 1999 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Der Felsenpython
Die grössten Schlangen der Welt gehören allesamt zur Familie der Riesenschlangen (Boidae). Diese umfasst rund sechzig Arten und ist über weite Bereiche der Tropen sowohl der Alten wie der Neuen Welt verbreitet. Eine bekannte Gruppe von Riesenschlangen bilden die Pythons (Unterfamilie Pythoninae), welche aus 26 Arten besteht und in Eurasien, Afrika und Australasien heimisch ist. Die meisten Pythonschlangen, nämlich 19 Arten, kommen in Australasien vor, während Asien lediglich vier und Afrika sogar nur drei von ihnen beherbergt. Zwei der drei afrikanischen Pythonarten leben im westafrikanischen Staat Benin, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken. Es sind dies der Felsenpython (Python sebae), der zu den grössten Pytonarten gehört, und der Königspython (Python regius), welcher einer der zierlichsten ist. Über sie soll hier berichtet werden.
Der Felsenpython ist nicht nur eine der längsten aller Schlangen, sondern ist auch besonders schwer gebaut. Grossgewachsene Individuen können durchaus einen Körperumfang aufweisen, der dem eines durchschnittlichen Manns gleichkommt. Wie die meisten Reptilien hören Pythons während ihres ganzes Lebens nie auf zu wachsen (wobei allerdings die Zuwachsrate mit zunehmendem Alter immer geringer wird). Es ist darum schwierig, eine genaue Maximalgrösse für eine Art zu nennen. Wissenschaftlich gesichert sind Berichte über sieben bis acht Meter lange Felsenpythons. Wohl existieren präparierte Felsenpythonhäute mit Längen zwischen neun und zehn Metern. Dabei gilt es aber zu bedenken, dass sich abgezogene Schlangenhäute beim Präparieren stark dehnen lassen - bis auf 120 Prozent ihrer Ursprungslänge. Eine Zehnmeterhaut kann also durchaus von einer Achtmeterschlange stammen.
Der Felsenpython gehört überdies zu den am weitesten verbreiteten afrikanischen Schlangen: Südlich der Sahara kann man ihm fast überall begegnen. In echten Trockenwüsten kommt er allerdings nicht vor, und in einigen dicht vom Menschen besiedelten Regionen ist er heute ausgerottet. In Benin ist er in jüngerer Zeit nur im Lama-Waldgebiet im Süden des Landes nachgewiesen worden.
Hinsichtlich seines Lebensraums ist der Felsenpython sehr anpassungsfähig und kommt in vielen verschiedenen Habitattypen vor. Er scheint aber verhältnismässig offene Grasländer gegenüber dichten Waldungen zu bevorzugen. So findet man ihn zwar in den zentralafrikanischen Regenwäldern, doch hält er sich dort im allgemeinen im Bereich von Lichtungen auf.
Eine wasserliebende Schlange
Zumeist lebt der Felsenpython in der Umgebung von Gewässern, welche ganzjährig nie versiegen. Er erweist sich bei Bedarf als ein kräftiger und schneller Schwimmer. Auch ruht er oft - besonders während der heissen Mittagsstunden - längere Zeit im Wasser und hält dann nur seine Augen und Nasenöffnungen über Wasser.
Auf die Jagd geht der Felsenpython im allgemeinen im Schutz der Dämmerung und Dunkelheit. Wie alle Pythons ist er ein reiner Fleischesser. Zur Hauptsache ernährt er sich von Säugetieren und Vögeln, doch kann ihm auch jedes andere Tier, das hinsichtlich seiner Grösse in sein «Beuteschema» passt, zum Opfer fallen. Grössere Felsenpythons vermögen Tiere mit einem Gewicht von bis zu etwa fünfzig Kilogramm zu überwältigen und zu verschlingen. In Frage kommen also durchaus auch mittelgrosse Antilopen wie Buschböcke (Tragelaphus scriptus)
oder Impalas (Aepyceros melampus)
. Am häufigsten fallen ihm jedoch kleiner gewachsene Tiere wie Warzenschweine (Phacochoerus aethiopicus)
oder Perlhühner (Numenius spp.)
.
Der Felsenpython folgt gelegentlich gezielt der Spur eines warmblütigen Tiers. Wärmeempfindliche, in kleinen Gruben am Mundrand angeordnete Sinnesorgane weisen ihm dabei den Weg auch bei völliger Dunkelheit. Wie bei allen Schlangen hilft ihm bei der Beutesuche zusätzlich seine Zunge, welche Geruchspartikel einfängt, die dann im Mundhöhlendach im paarigen "Jacobsonschen Organ" überprüft werden.
Oft geht der Felsenpython allerdings nicht aktiv auf Jagd, sondern legt sich geduldig auf die Lauer - manchmal auf einem Ast oberhalb eines viel begangenen Wildwechsels, nicht selten aber auch versteckt im Wasser einer gut besuchten Tränke. Im ersten Fall lässt er sich unverhofft kopfvoran auf ein unter ihm befindliches Tier fallen; im zweiten Fall stösst er unvermittelt vor und packt sein trinkendes Opfer im Schnauzenbereich. Die vielen scharfen, nach hinten gerichteten Zähne in seinem Mund geben dem Felsenpython einen überaus festen Biss, so dass er kaum mehr abzuschütteln ist, wenn er einmal zugebissen hat. Dies ist darum wichtig, weil Pythons im Unterschied zu vielen anderen Schlangen nicht über einen Giftapparat verfügen, um ihre Beute zu töten. Stattdessen umwickeln sie sie blitzartig mit ihrem enorm muskulösen Körper und pressen dann ihr Opfer mit aller Kraft zusammen, so dass es keinen Atem mehr schöpfen kann und alsbald erstickt.
Sobald das Beutetier tot ist, beginnt für den Felsenpython die nicht einfache Aufgabe des Verspeisens. Zerlegen kann er sein Opfer mangels geeigneter Zähne und hilfreicher Gliedmassen nicht; er muss sie deshalb als Ganzes hinunterschlucken. Ist das Beutetier gross, so scheint dies auf den ersten Blick ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Schliesslich ist der Kopf selbst eines grossgewachsenen Felsenpythons mehrfach kleiner als der Leib etwa eines Buschbocks. Der körperbauliche «Trick» des Felsenpythons besteht nun darin, dass er seinen Unterkiefer aus den Gelenken am Schädel lösen kann, so dass ersterer nur noch durch dehnbare Bänder mit letzterem verbunden ist. Ferner ist die Haut des Kopfs und des Halses sehr elastisch. Sie dehnt sich weit, wenn der Felsenpython nach und nach seine Beute verschlingt. Grosse Mengen Speichel werden derweil erzeugt, um die Beute zu befeuchten und die Reibung zu vermindern.
Das Verschlucken eines grossen Beutetiers kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Ist es schliesslich getan, bleibt der Felsenpython mit einem unübersehbar vergrösserten Magen zurück. Nach solch einer «ausgedehnten» Mahlzeit beginnt der noch langwierigere, oftmals Wochen beanspruchende Prozess des Verdauens. Die satte Riesenschlange zieht sich dazu in einen sicheren Unterschlupf zurück und hält sich völlig ruhig.
Interessanterweise vermag der Felsenpython auch ohne vollen Magen lange Zeit auszuharren. In Menschenobhut gab es schon Individuen, welche jegliche Nahrung verweigerten und dennoch mehr als drei Jahre lang überlebten. Diese Fähigkeit zum Fasten kann bei widrigen Umweltbedingungen ein grosser Überlebensvorteil sein: Tatsächlich wartet der Felsenpython in Regionen, die jahreszeitlich von grosser Hitze, extremer Trockenheit oder starker Kälte geprägt sind, oft monatelang im Tiefschlaf auf bessere Bedingungen.
Fürsorgliche Mütter
Die Fortpflanzung der Felsenpythons kann im feuchtwarmen Klima Äquatorialafrikas zu jeder Jahreszeit stattfinden. In anderen Gebieten erfolgt sie ausserhalb der Trockenzeiten. Ist das Weibchen zum Ablegen bereit, so sucht es sich eine Felsnische, einen hohlen Termitenhügel, einen verlassenen Erdferkelbau (Orycteropus afer)
oder ein anderes sicheres Versteck. Das Gelege besteht gewöhnlich aus dreissig bis fünfzig Eiern, welche einen Durchmesser von etwa sieben bis acht Zentimeter aufweisen. Die Eier sind beim Legen oval, weich und aschgrau gefärbt. Beim Kontakt mit der Luft werden sie schnell kugelförmig, pergamentartig fest und reinweiss. Später werden sie dann ledrig zäh und schmutzig beigebraun. Gleich nach der Eiablage windet das Weibchen seinen Körper in Schlingen um sein Gelege und bleibt - abgesehen von gelegentlichen kurzen Ausflügen ans Wasser zum Trinken - während der ganzen Zeit der Keimlingsentwicklung an Ort.
Die Brutfürsorge, welche im Schlangenreich nur bei den Pythons vorkommt, dient zwei Zwecken: Erstens kann das Weibchen sein Gelege gegen etwaige Nestplünderer wie Schleichkatzen oder Warane schützen. Zweitens - und dies ist erstaunlich - vermag es ein feuchtwarmes, für die Keimlinge besonders gedeihliches Brutklima zu erzeugen. Beim Brüten kann das Weibchen seine Körpertemperatur um bis zu sieben Grad Celsius über die Umgebungstemperatur anheben. Als über dieses Phänomen erstmals berichtet wurde, stiess es in wissenschaftlichen Fachkreisen zunächst auf Unglauben. Denn Pythons gelten wie alle Reptilien als wechselwarm; ihre Körpertemperatur wird also weitgehend von der Umgebungstemperatur bestimmt. Dies im Gegensatz zu den warmblütigen Säugern und Vögeln, welche über spezielle Einrichtungen verfügen, um ihre Körpertemperatur unabhängig von der Aussentemperatur konstant zu halten. Genauere Untersuchungen an brütenden Pythonweibchen haben dann aber gezeigt, dass sie tatsächlich in der Lage sind, ihre Körpertemperatur zeitweilig zu erhöhen. Gleichzeitig verdunsten sie durch ihre Bauchhaut Flüssigkeit, um die Wärmeleitfähigkeit der unter dem Körper eingeschlossenen Luft zu erhöhen.
Das Bebrüten dauert ungefähr neunzig Tage. Erst unmittelbar bevor die Keimlingsentwicklung abgeschlossen ist, überlässt das Weibchen das Gelege seinem Schicksal. So kommen die Jungen schliesslich ohne weitere mütterliche Unterstützung zur Welt. Die frisch geschlüpften Felsenpythons weisen eine Länge von etwa sechzig Zentimeter auf und begeben sich sogleich auf die Jagd nach geeigneten Beutetieren, sorgen also von Anfang an für sich selbst.
In Menschenobhut, wo die Ernährungslage optimal ist, tritt die Geschlechtsreife bei den jungen Felsenpythons im Alter von etwa sechs Jahren ein. In freier Wildbahn, wo das Wachstum höchstwahrscheinlich langsamer erfolgt, dürfte es noch deutlich später der Fall sein. Wie die meisten Reptilien sind die Felsenpythons jedoch langlebige Tiere, weshalb ihnen ausreichend Zeit bleibt, um selbst für Nachwuchs und so für die Arterhaltung zu sorgen. Der Altersrekord in Menschenobhut liegt für Felsenpythons bei 27 Jahren; dies dürfte aber noch längst nicht die obere Altersgrenze der Art sein.
Der Königspython
Der prächtig gemusterte Königspython ist bedeutend kleiner als der Felsenpython. Im Durchschnitt erreichen erwachsene Tiere eine Länge von einem bis anderthalb Meter, doch wurden auch schon zwei Meter lange Individuen angetroffen.
Die heimliche, nachtaktive Lebensweise und die geringe Grösse des Königspythons haben zur Folge, dass er in freier Wildbahn zumeist unbemerkt bleibt und wir deshalb über sein Verhalten nur wenig wissen. Auch ist aus den genannten Gründen die Abgrenzung seines Verbreitungsgebiets nicht näher bekannt. Es scheint aber, dass er hauptsächlich in den Grasländern West- und Zentralafrikas vorkommt, von Senegal im Westen bis Uganda im Osten. Über sein Vorkommen in Benin gibt es keine konkreten Angaben, doch wird angenommen, dass er vor allem in den Savannen im Norden des Landes - also nördlich des Felsenpythons - zu Hause ist.
Im allgemeinen betätigt sich der Königspython als «Untergrundjäger»: Er durchstöbert bei der nächtlichen Suche nach Beutetieren häufig die unterirdischen Gänge und Baue von Nagetieren und anderen Kleinsäugern. Wie der Felsenpython ist er ungiftig und tötet seine Opfer durch Erdrosseln. Im Gegensatz zu jenem dürfte er aber häufig kleine «Bissen» zu sich nehmen und sich kaum je «vollstopfen».
Das Gelege des Königpython-Weibchens umfasst lediglich sechs bis zehn Eier, doch sind sie überraschenderweise von ähnlicher Grösse wie die des Felsenpython-Weibchens. Das Bebrüten dauert mit ungefähr neunzig Tagen ähnlich lang wie bei jenem, und das Weibchen betreut seine Brut in ähnlicher Weise.
Beim Schlüpfen weisen die jungen Königspythons eine Länge von ungefähr vierzig Zentimeter auf. Sie wachsen schnell und haben bereits im Alter von etwa drei Jahren Erwachsenengrösse.
Wie die meisten Pythonarten zeigt sich der Koenigspython gegenüber Feinden keineswegs angriffig. Doch statt bei Gefahr die Flucht zu ergreifen, wie dies die grösseren Pythonarten in der Regel tun, rollt er sich zu einer festen Kugel zusammen, bei welcher Kopf und Schwanz gut geschützt im Innern zu liegen kommen. Diesem eigentümlichen Verhalten verdankt er seinen Zweitnamen «Ballpython».
Heimtiermarkt als Gefahr
Keine der beiden vorgestellten Pythonarten ist gegenwärtig direkt von der Ausrottung bedroht. Zweifellos haben aber beide in den letzten Jahrzehnten Bestandsrückgänge erlitten. Ein Hauptgrund hierfür ist die natürliche Furcht des Menschen vor Schlangen und besonders vor Riesenschlangen. Wo und wann immer der Mensch auf eine Schlange trifft, trachtet er danach, sie zu vernichten. In manchen Regionen Afrikas werden Schlangen zudem gezielt für den Verzehr gejagt. So hat das fortwährende Anwachsen der afrikanischen Bevölkerung und infolgedessen die Besiedlung immer entlegenerer Gebiete zum Ergebnis, dass die Bestände sowohl des auffälligen Felsenpythons als auch des heimlichen Königspythons immer mehr zurückgehen. Zusätzlich hat den Pythons in Afrika die Nachfrage nach Schlangenleder in den wohlhabenden westlichen Ländern zugesetzt, wenn auch in geringerem Ausmass als in Südostasien.
Eine grosse Gefahr vor allem für den Königspython bedeutet im Übrigen die Nachfrage nach lebenden Schlangen seitens der zahlreichen Terrarienliebhaber in der westlichen Welt. Wegen seiner hübschen Zeichnung, seiner geringen Grösse und seiner sanftmütigen Wesensart ist er in Europa wie in Nordamerika zu einem begehrten Heimtier geworden. Anfangs der Neunzigerjahre wurden rund 40 000 Königspythons im Jahr aus Afrika ausgeführt - eine Besorgnis erregende Anzahl. Es wäre höchst unerfreulich, wenn gerade die Beliebtheit dieses hübschen Reptils dazu führen würde, dass sein Fortbestand in Frage gestellt wird.
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