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Die ersten 50 Jahre der Vereinigung der Buchantiquare und Kuperstichhändler in der Schweiz
Der Schweizer Antiquariatsbuchhandel vor 1939
Es mag hier der Moment sein, einen kurzen Blick auf die Entwicklung des Buchantiquariats- und Kupferstichhandels in der Schweiz vor 1939 zu werfen. Vor dem 1. Weltkrieg stand das schweizerische Antiquariat lange etwas im Schatten der betriebsamen Antiquariate der grösseren europäischen Länder, wo sich dank der wirtschafts- und gesellschafts-topographischen Bedingungen schon im 19. Jahrhundert traditionsreiche Zentren wie Paris, London, Leipzig und München bilden konnten. Unbestritten war aber natürlich der Vorrang der Schweizer Antiquare im Bereiche der nationalen Literatur und Kunst: der ‚Helvetica’. Diese Domäne hatte sich schon ziemlich früh im 19. Jahrhundert in Bezug auf Fach-Kenntnisse, Kundenkreis und Preisbildung entwickelt und fand ihren Niederschlag in dem ‚Manuel du Bibliophile Suisse’ (1922) des Lausanner Antiquars F.C. Lonchamp. Dass es auch junge Schweizer Antiquariatstalente gab, denen dieser Rahmen zu eng war, bewies der gebürtige Thurgauer Ulrich Hoepli (1847-1935), der nach Abschluss seiner Wanderjahre 1870 die später so berühmte Mailänder Firma gründete. Neben den Antiquariaten für die lokalen Bedürfnisse gab es schon damals ein paar Firmen von überregionaler Bedeutung, deren Wurzeln in's 19. Jahrhundert oder noch weiter zurück reichen; z. B. Ad. Geering (heute Erasmushaus - Haus der Bücher) in Basel und Raustein (heute H. Schumann) in Zürich.
Nach 1919 änderte sich dieses Bild sehr rasch, nicht zuletzt wegen der stabil gebliebenen Währung und den aus diesem Grunde in der Schweiz neu gegründeten Firmen oder eröffneten Zweigniederlassungen. Schon zu Beginn der zwanziger Jahre gab es bereits mehrere Antiquariate von ausgesprochen oder zunehmend internationaler Bedeutung. Erwähnt seien neben den Genfern W.S. Kundig und M. Slatkine, die Fa. R. Gutekunst & A. Klipstein (seit 1920 in Bern; heute Galerie Kornfeld), L'Art Ancien (1920 in Lugano eröffnet und von 1929 bis zu ihrer Auflösung 1983 in Zürich domiziliert), Gilhofer und Ranschburg in Luzern (von 1924 bis Kriegsausbruch eine Filiale der Wiener Firma, unabhängig davon wieder ab 1957), und (seit 1922) August Laube in Zürich. Diese Jahre des allgemeinen Aufschwunges und der Konjunktur fanden mit dem Börsenkrach von 1929 ein Ende und die dreissiger Jahre begannen im Zeichen der Weltwirtschaftskrise, die auch die Schweiz nicht verschonte. In dieser gar nicht einfachen Zeit begann eine lebhafte Auktionstätigkeit. Zu den Versteigerungen von Gilhofer & Ranschburg kamen seit 1930 diejenigen, die Hoepli (unter der Leitung von E. Aeschlimann) in Luzern und Zürich durchführte, meist in Zusammenarbeit mit Kundig, Laube oder der Galerie Fischer, während A. Laube, H. Schumann und W. S. Kundig in wechselnden Kombinationen auch eigene Auktionen in Zürich veranstalteten.
1934 begann Aug. Klipstein die bis heute ungebrochene Reihe von regelmässigen Auktionen, die bis in die 50er Jahre auch Bücher (betreut von Robert Alder) enthielten und so in Bern einen weiteren ‚Angelpunkt’ der Buchantiquariats-’Szene’ bildeten, während Genf mit W.S. Kundig's Firma und bedeutenden Auktionen schon vor 1939 die wichtige ‘Drehscheibe’ zum französischen Handel wurde, die es während des 2. Weltkrieges und etliche Jahre danach blieb. Nach 1945 werden noch die in Basel vom Haus der Bücher (Ad. Seebass) gemeinsam mit der L'Art Ancien (A. Frauendorfer) durchgeführten Auktionen dazukommen. In den frühen 30er Jahren übersiedelten weitere Antiquare in die Schweiz (aus München Julius Hess nach Bern, Heinrich Rosenthal und sein Sohn Franz nach Luzern, und das Ehepaar Weiss-Hesse nach Olten), so dass im Jahre 1939 ein schweizerischer Antiquariats-Markt bestand, der sich international durchaus sehen lassen durfte.