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Der Leistenbruch beschreibt einen Defekt in der Bauchdecke, wird auch Leistenhernie genannt und betrifft mehrheitlich Männer (Verhältnis 5:1). Etwa 27 % der Männer und 3 % der Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an einem Leistenbruch und es kann in jedem Lebensalter vorkommen. Aufgrund ihres engeren Leistenkanals sind Frauen insgesamt viel seltener betroffen als Männer.
Der Leistenbruch befindet sich auf der Höhe der Leistenfurche. Gemäss Schätzungen ist jeder vierte Mann im Verlauf seines Lebens davon betroffen. Mit 30’000 Operationen in der Schweiz, davon 200 im Spital Visp ist eine Leistenbruch-Operation die häufigste in der Allgemein- und Viszeralchirurgie.
Wir haben uns mit Dr. Thomas Simon, Chefarzt der Abteilung Viszeralchirurgie im Spitalzentrum Oberwallis, unterhalten. Er hat uns mehr über dieses Leiden erzählt.
Was ist ein Leistenbruch?
Man spricht von einem Leistenbruch, wenn ein Defekt der Bauchdecke besteht durch den ein Teil der Bauchorgane (im Allgemeinen der Dünn- oder Dickdarm) aus der Bauchhöhle austreten kann.
Der Leistenbruch zeigt sich u.a. durch eine Weichgewebeschwellung in der Leiste. Man unterscheidet zwei Arten:
- Der direkte Leistenbruch steht in Zusammenhang mit einer Muskelschwäche und betrifft häufiger ältere Personen.
- Der indirekte Leistenbruch ist entweder angeboren und wird bei Neugeborenen beobachtet. Es handelt sich dann um eine Geburtsanomalie aufgrund des Fortbestehens des Kanals zwischen Bauchhöhle und Genitalregion. Dieser sollte sich vor der Geburt verschliessen, aber das ist nicht immer der Fall. Oder er entsteht im Erwachsenenalter durch eine Bauchdeckenschwäche entlang des Leistenkanals. Hier befindet sich beim Mann der Samenstrang und bei der Frau das sogenannte Mutterband.
Der Leistenkanal im Bereich der Leiste ist eine Schwachstelle. Er durchquert mehrere Bauchmuskeln und enthält den Samenstrang beim Mann und das runde Gebärmutterband bei der Frau.
Obwohl ein Leistenbruch am häufigsten bei älteren Männern auftritt, kann er sowohl Frauen als auch Männer in jedem Lebensalter betreffen.
Die Leistenhernie ist im Allgemeinen kein Notfall. Sie kann ein Druckgefühl oder gelegentliche Schmerzen bei Belastung erzeugen. In seltenen Fällen kann sie jedoch «einklemmen». Im Normalfall weicht die Hernie in liegender Position oder auf einfachen Druck zurück. Wenn sie jedoch eingeklemmt ist, dann hängt der vorgewölbte Darm dort fest. Der Blutkreislauf wird unterbrochen und es kann zu einem Darmverschluss kommen. Diese Situation ist äusserst schmerzhaft und erfordert einen dringlichen chirurgischen Eingriff.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Obwohl man einem Leistenbruch nicht vorbeugen kann, bestehen gewisse Faktoren, welche sein Auftreten fördern:
- Bindegewebsschwäche
- Übergewicht
- Verstopfung
- Arbeit, die das Heben schwerer Lasten erfordert
- Chronischer Husten
- Schwangerschaft, aufgrund des grossen Drucks auf die Bauchwand
- Frühgeburt
Wie sehen die Symptome aus?
Der Leistenbruch verläuft oft ohne Symptome. Er kann sich jedoch ausdehnen, wobei folgende Anzeichen auftreten können:
- Schwellung im Bereich der Leiste
- Unbehagen oder Schmerzen, insbesondere wenn man einen Gegenstand hebt oder schiebt, wenn man hustet oder wenn man sich niederbeugt
- Behinderung im Bereich der Leiste
- Brennendes Gefühl
- Übelkeit und Erbrechen im Fall einer «eingeklemmten» Hernie
Wie wird ein Leistenbruch behandelt?
Ein chirurgischer Eingriff ist die einzige medizinische Behandlung, die definitiv hilft.
Eine der angewandten Methoden ist die laparoskopische Chirurgie oder auch Schlüsselloch-Chirurgie (der Chirurg operiert, «ohne den Bauch zu öffnen»). Der Zweck des Eingriffs besteht darin, den Darm in den Bauchraum zurückzuverlagern, das Herniengewebe zu reduzieren und die Bruchpforte zu verschliessen. In den meisten Fällen wird ebenfalls ein Netz angebracht, um die Bauchwand zu verstärken.
Mit dieser minimal-invasiven Technik muss die Bauchwand nicht geöffnet werden. Eine mit einem Bildschirm verbundene Miniaturkamera ermöglicht die Visualisierung und die Operation im Bauchinnern mit einer grossen Präzision. Diese Operation ist für den Patienten deutlich schonender. Die Erholungsphase nach dem Eingriff ist deutlich kürzer verglichen mit der herkömmlihen offenen Schnittoperation. Ausserdem ist sie mit weniger Schmerzen verbunden und es kommt seltener zu erneuten Brüchen.
Interdisziplinärer Trainingsraum für minimal-invasive Operationen
Dank des neuen Trainingsraums des Spitalzentrums Oberwallis (SZO) kann diese Operation in den Räumlichkeiten des Spitals Visp geübt und simuliert werden. Dieser Raum ist im August 2020 eingeweiht worden und ermöglicht den Ärzten in Ausbildung, die Techniken und Bewegungen der minimal-invasiven Operationen in den Bereichen Gynäkologie und Viszeralchirurgie zu trainieren. Der Raum verfügt über drei Plätze, an denen mit verschiedenen praktischen Übungen gearbeitet werden kann.
Diese Praxis kann mit dem Flugtraining eines Piloten verglichen werden. Dieser übt nämlich zuerst auf einem Simulator, bevor er ein richtiges Flugzeug lenkt. In der Folge wird er ein kleines Flugzeug wie die Boeing steuern können, da die Grundtechnik dieselbe ist. Dieser Trainingsraum bietet denselben Vorteil: die Möglichkeit, diese spezifische Operationsart (Laparoskopie) zu üben und die Grundtechniken zu erlernen, mit denen die Ärzte jede Art von minimal-invasiven Operationen, durchführen können.
Blick ins Traingscenter
Nützliche Links:
- Pressemitteilung: Interdisziplinärer Trainingsraum
- Abteilung Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie
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