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Die neun British-Open-Plätze der Moderne – fünf in Schottland, vier in England gelegen – haben verschiedene Dinge gemeinsam. Sie liegen mehr oder weniger direkt an der Küste, sie werden als Links-Plätze bezeichnet (“Link” für die Verbindung von Land und Meer), sie sind baumlos, und sie sind den oftmals starken Winden an der Küste ausgesetzt. Besonders bei starkem Gegenwind werden die Spieler gezwungen, die Schwungtechnik anzupassen und den Ball flacher zu schlagen als üblich.
Die amerikanischen Topgolfer wie Dustin Johnson, Jordan Spieth oder Phil Mickelson spielen jahraus, jahrein selten an Küstenplätzen. Fast alle Plätze auf dem amerikanischen Circuit sind Binnenplätze. Dadurch gilt die landläufige Meinung, dass die US-Golfer gegen die Briten und die Iren am British Open keine Chance haben dürften.
Ein Blick in die Siegerliste des seit 1860 ausgetragenen ältesten Turniers der Welt widerlegt diese Ansicht. Allein in den letzten 21 Jahren gewannen die US-Professionals das British Open 13 Mal. In dieser Zeit triumphierte Tiger Woods dreimal. Phil Mickelson gewann 2014 und sorgte dafür, dass ihm zum Karriere-Grand-Slam nur noch ein Sieg am US Open fehlt. Vor einem Jahr düpierte der kleine amerikanische Aussenseiter Zach Johnson – er ist mit Dustin Johnson nicht verwandt – im “Home of Golf” in St. Andrews die ganze Konkurrenz.
Dustin Johnson selbst hat schon einmal am Sieg geschnuppert. 2011 in Royal St. George’s in Sandwich im Südosten Englands musste er nur dem überraschenden nordirischen Routinier Darren Clarke den Vortritt lassen.
Nebst Dustin Johnson geben der Weltranglisten-Erste Jason Day aus Australien sowie Jordan Spieth und der Nordire Rory McIlroy im Weltgolf den Ton an, während Tiger Woods immer noch nichts Präzises über den Zeitpunkt seiner Rückkehr angeben kann. Geht es nach den Analysen des englischen Altmeisters Nick Faldo, sechsfacher Majorturnier-Gewinner, hat Jason Day gegenüber den drei anderen Spielern der “Big Four” die Nase vorn. “Physisch, technisch und mental – in jedem Bereich ist Day zurzeit eine Spur besser als die andern”, sagte Faldo.
Es ist jedoch möglich, dass in dieser Woche keiner der grossen vier triumphieren wird. Das British Open war immer für Überraschungen und geradezu sensationelle Ausgänge gut. Einige British-Open-Sieger haben vor und nach ihrem Coup nie zugeschlagen. Sie spielen längst keine wichtige Rolle mehr oder sind – wie die Amerikaner Ben Curtis (2003) und Todd Hamilton (2004) – gänzlich von der Bildfläche verschwunden.
Blickt man auf die ganze Golfgeschichte zurück, ist der heute 53-jährige Schotte Colin Montgomerie einer der besten Spieler, die nie ein Majorturnier gewinnen konnten. Unglaubliche sieben Mal in Folge hatte “Monty” in den Neunzigerjahren die europäische Jahreswertung für sich entschieden. Von 1994, als er das US Open im Stechen gegen Ernie Els verlor, bis 2006, als er sich ebenfalls am US Open dem Argentinier Angel Cabrera geschlagen geben musste, wurde er an den vier grossen Turnieren fünfmal Zweiter.
Royal Troon wäre der Platz gewesen, auf dem Montgomerie die grossen Titel hätte einfahren müssen. Dort hatte er mit sechs Jahren erstmals zum Schläger gegriffen, wenige Meter neben dem Haus seiner Eltern. Sein Vater James, heute 86, war jahrelang der Klubsekretär. Demnächst soll er trotz des fortgeschrittenen Alters zum Präsidenten gewählt werden.
Colin Montgmerie bekam als Einheimischer keinesfalls einfach eine Einladung ans British Open von dieser Woche. Seinen Platz im Feld musste er sich in der harten Qualifikation erspielen. Mittlerweile verfügt er längst nicht mehr über einen Spielerstatus, mit dem er direkt in die 156er-Felder der Majors hineinkommt. Er liess durchblicken, dass er sich die Qualifikation wie in diesem Jahr künftig nicht mehr antun werde. Und so endet in dieser Woche mit grösster Wahrscheinlichkeit die Majorturnier-Karriere des grossen Montgomerie mit dem 69. Turnier.
(SDA)