Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/211060

<h2>SubmittedText<h2><p>Am 1. April 2020 veröffentlichte die Fachzeitschrift The Lancet eine Studie (<a href="http://www.thelancet.com/journals/langas/article/PIIS2468-1253(20)30087-X/fulltext)">www.thelancet.com/journals/langas/article/PIIS2468-1253(20)30087-X/fulltext)</a>, die aufzeigt, dass Abwasser als zuverlässige und anonyme Datenquelle genutzt werden kann, um die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung zu verfolgen. Die DNA des Coronavirus kann nämlich im Stuhl von infizierten Personen nachgewiesen werden. Das Verfahren hat sich bereits weltweit bewährt, beispielsweise im Rahmen des Monitorings von Antibiotikaresistenzen. In der Schweiz wäre es möglich, die Proben in unseren Abwasserreinigungsanlagen (ARA) zu entnehmen; wobei die Aussagekraft von Proben oberhalb der ARA, d. h. in den Abwassersammelbecken der Gemeinden, noch viel genauer sein dürfte. Mittelfristig könnte dieses Verfahren als landesweites Warnsystem auch für andere Gefährdungen der Gesundheit genutzt werden mit automatischen, von der Schweizer Industrie entwickelten Sensoren.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Beabsichtigt der Bundesrat, das Abwasser zu analysieren, oder ist er bereit, ein solches Verfahren zu prüfen, um die Ausbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung zu überwachen?</p><p>2. Könnte dieses Verfahren mittelfristig auch bei anderen künftigen Gefährdungen der Gesundheit in Betracht kommen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Zu 1)</p><p>Aktuell werden im Rahmen eines Forschungsprojekts der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) und der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) Schweizer Abwasserproben auf das Virus SARS-CoV-2 untersucht. Auch international laufen verschiedene Projekte wie z. B. Testprogramme in Holland und Deutschland. Das Joint Research Centre der Europäischen Union fördert die Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit. Es organisiert einen Methodenvergleich sowie eine Machbarkeitsstudie für eine europaweite Abwasserüberwachung auf SARS-CoV-2.</p><p>Im Abwasser werden keine aktiven Viren, sondern deren Erbgut nachgewiesen. Die Nachweismethode ist die gleiche wie bei klinischen Tests. Der Nachweis des Erbguts von SARS-CoV-2 im Schweizer Abwasser ist bereits gelungen. Die genaue Quantifizierung befindet sich im Forschungsstadium und ist vermutlich bald breiter anwendbar. Nach aktuellem Stand der Erkenntnisse könnte Abwasser als Frühwarnsystem dienen. Ob und wie genau sich die Anzahl der infizierten Personen und der spätere Verlauf der Pandemie in einem (Kläranlagen-)Einzugsgebiet damit abschätzen lassen, ist zurzeit noch nicht klar. Der Bundesrat verfolgt daher die Entwicklung des Verfahrens und prüft dessen Einsatz.</p><p>Zu 2)</p><p>Um ein Frühwarn- und Monitoringsystem auch für neue Krankheitserreger zu etablieren, müssen die Erbinformation des neuen Erregers, die Nachweismethoden und die benötigten Materialien verfügbar sein. Nur unter diesen Voraussetzungen wäre es möglich festzustellen, ob ein neuer Erreger bereits in der Schweiz angekommen ist.</p>  Antwort des Bundesrates.