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Flucht vor der Armut – Schweizer Söldnermigration nach niederländisch Indien, 1848-1914
Von der Mitte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts dienten rund 5'800 Schweizer in der niederländischen Kolonialarmee in Niederländisch Indien (heute: Indonesien). Persönliche Motive für diesen Schritt gab es viele: Abenteuerlust, Liebeskummer, Flucht vor der Justiz – der gewichtigste Grund war jedoch die Aussicht auf ein geregeltes Einkommen und den damit verbundenen sozialen Aufstieg. Während die Siedlerkolonisation in Amerika nur schon für die Überfahrt ein gewisses Startkapital voraussetzte, bot die Söldneremigration in die niederländischen Kolonialgebiete eine günstige und attraktive Alternative. Denn nicht nur während ihres Dienstes, sondern auch im Falle von Pensionierung oder Invalidität winkten bis ans Lebensende beachtliche Geldzahlungen, die das Leben in vielerlei Hinsicht vereinfachten. Aus liberal-nationaler Sicht war der Militärdienst für eine fremde Kolonialmacht zwar umstritten. Nichtsdestotrotz unterstützten Schweizer Behörden diese Form der Arbeitsmigration. So sah zum Beispiel die Berner Regierung in der niederländischen Kolonialarmee einen "Abflusskanal für Menschen", die den Gemeinden schon jetzt "eine grosse Last" seien. Vor diesem kolonialen Hintergrund untersucht Krauer, wie die Sehnsucht nach einer gesicherten finanziellen Existenz diese sogenannten life-cycle-Söldner zu Gehilfen des niederländischen Kolonialismus machte und welche Bedeutung dies für ihr unmittelbares Umfeld in der Schweiz und in Indonesien hatte.