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Der Montagskommentar auf GRHeute.
An und für sich müsste man ja glauben, dass die Partei, die am meisten Stimmen erzielt, auch am meisten Sitze im Parlament zugesprochen erhält. Das Schweizer Wahlgesetz gibt den Parteien aber die Möglichkeit, dieses Ergebnis mit Listenverbindungen zu verfälschen. Das ist bekannt. Je nachdem, mit welcher Partei man sich ins Bett legt, hat man mehr oder weniger Chancen, gewählt zu werden. Das eigene Ergebnis ist dabei möglicherweise zweitrangig.
In Graubünden betten sich die Grünliberalen mit der SP in der Hoffnung, dass die Liaison mit der Linken gleich erfolgreich sein wird wie vor vier Jahren, als Josias Gasser dadurch in den Nationalrat gehisst wurde. Die FDP schmiegte sich an BDP und CVP, um den verlorenen Sitz zurück zu gewinnen. Aus Konkurrenzgründen verzichtete man nur allzu gerne darauf, die SVP in die bürgerliche Allianz zu integrieren. Die wiederum bezahlt für ihren harten nationalen Kurs und steht erneut alleine da.
FDP holt sich den Sitz zurück
Bei den Wahlen stehen sich somit drei Blöcke gegenüber: SP/GLP, BDP/CVP/FDP und SVP. Aufgrund der Wahlergebnisse 2011 deuten die Prognosen darauf hin, dass die FDP den GLP-Sitz gewinnen wird – die Wahlen haben dank den Listenverbindungen im Grunde jegliche Spannung verloren.
Eine nähere Analyse zeigt aber, dass noch nicht alles entschieden ist. Es könnte durchaus sein, dass der Block BDP/CVP/FDP unter 45% der Stimmen fällt. Damit würde der Block SP/Grüne oder der Block SVP 29-30% Stimmenanteil benötigen, um einen zweiten Sitz zu erobern.
Sollte die SP dabei doppelt soviel Stimmen machen wie die GLP, würde der Gasser-Sitz an die SP gehen. Sollte die SVP ihren Stimmenanteil auf über 29% steigern, würde sie neu zwei Sitze nach Bern schicken. Solche Rechenspiele sind eher unrealistisch, aber nicht völlig auszuschliessen – weil BDP, FDP und auch die CVP mit schwächeren Listen antreten als 2011, die SP eher mit einer stärkeren Liste. Die SVP gilt als Wundertüte: Vieles hängt davon ab, ob die erfolgreiche Unternehmerin Magdalena Martullo-Blocher die Unterstützung der Bündnerinnen und Bündner erhält oder nicht.
Wer holt die Sitze?
Aufgrund dieser Ausgangslage kann man von folgenden Wahlergebnis-Szenarien für Graubünden ausgehen:
BDP: 1 Sitz
CVP: 1 Sitz
FDP: 0 – 1 Sitz
SVP: 1 – 2 Sitze
SP: 1 – 2 Sitze
GLP: 0 – 1 Sitz
Wie auch immer: Auch bei dieser Wahl werden wahrscheinlich nicht die erhaltenen Stimmen, sondern die geschicktesten Listenverbindungen zum Erfolg führen. Ob man dabei von Manipulation sprechen will, bleibe hier dahingestellt. Fragen kann man sich aber auf jeden Fall, ob das Wahlgesetz in dieser Form sinnvoll ist. Schliesslich sollten über die Zusammensetzung des Nationalrates die Wähler entscheiden. Zurzeit sind aber Taktik-Spielchen der Parteien wichtiger.
(Bild: EQ Images/Monica Flückiger)