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Life
Emojis sind aus unserer digitalen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Leider, findet Autorin Yvonne Eisenring.
"Heute Abend käm ich gerne mit, aber ich kann doch Donnerstags nie raus. Freitag hab ich Frühschicht", schreibt ein Freund in seiner Whatsapp-Nachricht.
Er ist genervt. So jedenfalls interpretiere ich das Emoji, das er schickt. Ein gelbes rundes Ding, das heftig die Stirn runzelt und die Augen zusammenkneift.
"Ja, sorry, habs vergessen", schreibe ich.
Er antwortet mit einem Emoji, das entsetzt die Augen aufreisst. Jetzt übertreibt er aber, finde ich und tippe "Entspann dich mal…"
Mein Handy klingelt. Er sei doch entspannt. Was denn bloss mit mir los sei, fragt er laut lachend.
"Ich hasse Emojis!", antworte ich.
Ich habe mich lange dagegen gewehrt
Als Leute anfingen Klammern und Doppelpunkte zu verschicken, weil sie fanden, dass ein auf der Seite liegender Smiley ihre SMS aufwerten würde, war ich nicht begeistert. Eher beleidigt, wenn ich einen von einer Person bekam, die mich eigentlich gut kannte. Glaubte er oder sie tatsächlich, ich würde nicht verstehen, wenn etwas sarkastisch gemeint war?
Ich wollte Klammern und Doppelpunkte nicht für Smileys missbrauchen. Aber immerhin, denke ich heute, war die Auswahl damals beschränkt. Es gab einen lächelnden :-), einen lachenden :D und einen zwinkernden ;-) Smiley, fertig. Drei Varianten, drei Emotionen. Als dann die ersten Emojis kamen - von einem Japaner namens Shigetaka Kurita erfunden und vom Wort Emotion und dem Suffix ji, was Zeichen bedeutet, abgeleitet - habe ich mich lange geweigert, die neuesten Updates zu installieren. Irgendwann tat ich es doch: Denn die Emojis erschienen auf meinem Bildschirm als weisse Quadrate, was mich noch viel mehr verwirrte.
Reichen 23 Millionen Wörter nicht?
Heute gibt es 3019 Emojis. Die Auswahl wird jährlich grösser, und wer dennoch ein Emoji vermisst, kann seine online Idee einreichen. 3019 Emojis sind viel. Und doch wenig. Die deutsche Sprache umfasst 23 Millionen Wörter, hat der digitale Dudenkorpus gezählt. 23 Millionen Möglichkeiten etwas auszudrücken und doch reicht es nicht?
Ich habe in meinem Umfeld gefragt, warum sie Emojis versenden. Einfach so, war die Antwort, die ich am häufigsten hörte. Warum sollte man nicht benutzen, was man benutzen kann? Zweithäufigste Antwort: Emojis sind lustig und helfen, einander besser zu verstehen.
Nun, ich finde Emojis in den meisten Fällen überflüssig. Oder warum muss mir jemand noch das Bild von einem glücklichen Gesicht schicken, wenn er mir schreibt, dass er glücklich ist? Doppelt genäht, hält besser? Warum brauche ich das Symbolbild eines Strandes und eines Sonnenschirms, wenn mir jemand erzählt, dass er gerade am Meer ist? Für den Fall, dass ich nicht mehr weiss, wie ein Strand und ein Sonnenschirm aussieht? Echt jetzt?
Emojis sind nicht nur überflüssig, sie verkomplizieren. Mit einem schnaubenden oder weinenden Gesicht ist ein eigentlich neutraler Satz plötzlich nicht mehr so neutral. Ein zwinkerndes Gesicht kann eine harmlose Nachricht in eine anzügliche, unpassende Anmache verwandeln.
Emojis schreien nach Aufmerksamkeit
Ein Bild sagt nicht immer mehr als tausend Worte. Im Fall eines Emojis sagt es mal nichts, mal zu viel, mal das falsche. Was schade ist. Mit der richtigen Auswahl an Buchstaben könnten wir alles so treffend erzählen und erklären! Aber das tun wir nicht, denn: Emojis sind aufdringliche Kerle. Sie schreien nach Aufmerksamkeit und bekommen sie. Sie nicht zu benutzen, ist fast unmöglich.
Auch ich knicke manchmal ein. Wenn jemand grosszügig mit ihnen umgeht, kommen mir meine Nachrichten karg und farblos vor. Keine Emojis zu benutzen, kann mitunter wie eine leise Kritik wirken. Um das zu umgehen, verschicke ich manchmal ein Kuss-Smiley. Als Wiedergutmachung. Möchte ja keine Spielverderberin sein.
Aber, würde irgendwann zur Debatte stehen, Emojis abzuschaffen, sie aus unserer täglichen digitalen Kommunikation zu verbannen, ich wäre die erste, die das unterschreiben würde. Wenn es sein muss, stelle ich auch noch ein Herzsymbol zu meiner Unterschrift.