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<h2>SubmittedText<h2><p>Kaufmännische Grundqualifikationen sind weiterhin der beliebteste Einstieg in den Dienstleistungsbereich und eine gute Voraussetzung für die Übernahme einer erfolgreichen Berufstätigkeit. Die kaufmännische Grundbildung zeigt sich im Hinblick auf den strukturellen und konjunkturellen Wandel aber als zu stark determiniert. Von den Betrieben werden zu viele Qualifikationsmassnahmen erwartet. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Zahl der kaufmännischen Ausbildungsplätze auch in den nächsten Jahren sinkt, während die Nachfrage nach kaufmännischen Lehrstellen weiterhin hoch bleiben wird.</p><p>Der Bundesrat wird aufgefordert, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Lässt das Berufsbildungsgesetz neben der kaufmännischen Grundbildung (Kauffrau/Kaufmann) weitere Abschlussprofile und verschiedene Bildungsformen (unterschiedlicher Schulanteil) im kaufmännischen Bereich zu?</p><p>2. Ist der Bundesrat bereit, besondere Massnahmen zu ergreifen, um dem Verlust an Lehrstellen im kaufmännischen Bereich zu begegnen? Wenn ja, welche?</p><p>3. Betrachtet er die Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen an Schulen als geeignete Alternative zur traditionellen kaufmännischen Lehre?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Beruf der kaufmännischen Angestellten hat sich in den vergangenen Jahren markant verändert. Der Einzug der Bürokommunikation und die weltweite Vernetzung führte zu neuen Arbeitsabläufen und erfordert neue berufliche Kompetenzen. Heute lernen die angehenden Kaufleute in der neuen kaufmännischen Grundbildung selbstständig zu arbeiten, wissen sich in komplexen Prozessen zurechtzufinden und werden für vernetztes Denken sensibilisiert.</p><p>Die Vorbereitung auf das lebenslange Lernen ist ebenfalls Teil der Ausbildung. Die neue kaufmännische Grundbildung verleiht den Lehrbetrieben zudem mehr Gewicht und wertet die Rolle der Praxis für die Ausbildung und den Lehrabschluss auf. Auch ist die neue Grundbildung als degressives Modell aufgebaut. Das heisst, die Anzahl der Lektionen an der Berufsfachschule ist zu Beginn höher und wird bis zum dritten Lehrjahr kontinuierlich abgebaut. Die auszubildenden Kaufleute stehen den Lehrbetrieben dann am meisten zur Verfügung, wenn sie am besten ausgebildet sind.</p><p>Die Reform der kaufmännischen Grundbildung erfolgte in einem breit abgestützten Verfahren und unter Einbezug sämtlicher betroffenen Kreise. Der definitiven Einführung gingen zahlreiche Pilotversuche voraus. Seit Sommer 2003 wird der erste reguläre Durchgang der neuen kaufmännischen Grundbildung einer eingehenden Evaluation unterzogen. Ziel ist es, allfällig notwendige Verbesserungen so rasch als möglich in das Modell zu implementieren, um die Attraktivität der kaufmännischen Lehre weiter zu steigern.</p><p>1. Das neue Berufsbildungsgesetz baut auf dem Prinzip der Verbundpartnerschaft auf. Es weist dem Bund, den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt klare Verantwortlichkeiten zu. Als entwicklungsoffenes Rahmengesetz bietet es den Akteuren optimale Entfaltungsmöglichkeiten. Es ist Sache der Organisationen der Arbeitswelt, neue Bildungsangebote zu konzipieren und bestehende weiterzuentwickeln. Dadurch wird sichergestellt, dass die Bildungsinhalte zukunftsorientiert sind und die Qualifizierung der Lernenden sich an den tatsächlichen Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientiert. Die Organisationen der Arbeitswelt können zudem am besten die Spannbreite der verschiedenen Bildungsangebote und -formen innerhalb eines Berufes gemäss den Bedürfnissen der Branche einschätzen.</p><p>In der kaufmännischen Grundbildung werden drei verschiedene Anforderungsstufen angeboten: B-Profil (Basisausbildung), E-Profil (erweiterte Grundbildung) und M-Profil (erweiterte Grundbildung in Kombination mit der Berufsmaturität). Zusätzlich ist mit der Büropraktikerin/dem Büropraktiker eine zweijährige berufliche Grundbildung mit Attest in Vorbereitung, die auf Anfang 2006 eingeführt werden soll. Dieses Angebot richtet sich an schulisch Schwächere. Die duale Ausbildung wird mit vollschulischen und berufsbegleitenden Angeboten an Handelsmittelschulen und Handelsschulen ergänzt. Schliesslich besteht für Erwachsene die Möglichkeit, einen kaufmännischen Abschluss im Rahmen einer Nachholbildung zu erwerben.</p><p>2. Auf dem Lehrstellenmarkt treffen sich die Angebote der Unternehmungen und die Nachfrage der Jugendlichen. Die Unternehmungen selber haben ein eigenes Interesse, den Jugendlichen zukunftsfähige Ausbildungsplätze und attraktive Berufsperspektiven anzubieten. Sie sichern sich damit ihren Nachwuchs an optimal qualifizierten Fachkräften. Zugleich widerspiegelt das Lehrstellenangebot die langfristigen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes.</p><p>Insbesondere strukturelle Veränderungen wirken sich auf den Lehrstellenmarkt aus. Konjunkturelle Schwankungen haben insofern einen Einfluss, als dass es in der dualen Berufsbildung auch Aufträge braucht, um Lehrlinge ausbilden zu können. Dem Bund und den Kantonen kommen auf dem Lehrstellenmarkt eine Mittlerrolle zu: Sie fördern das Lehrstellenangebot und unterstützen die Jugendlichen im Berufswahlprozess. Dabei bewähren sich drei Massnahmen besonders: Der Einsatz von Lehrstellenförderinnen und -förderern, der Aufbau von Lehrbetriebsverbünden und die Vermittlung und individuelle Begleitung (Mentoring) von Jugendlichen ohne Lehrstelle. Diese Massnahmen kommen allen Berufen - auch den kaufmännischen - zugute.</p><p>Zusätzliche Lehrstellen entstehen ausserdem durch die Entwicklung neuer Berufe. Zum Beispiel stösst die neue Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit/zum Fachangestellten Gesundheit auf grosses Interesse bei den Jugendlichen; u. a. auch bei solchen, für die eine kaufmännische Ausbildung infrage käme. Eine gezielte, staatliche Förderung einzelner Berufe birgt die Gefahr, das Lehrstellenangebot künstlich zu vergrössern, ohne dass auf dem Arbeitsmarkt eine entsprechende Nachfrage vorhanden ist. Die betroffenen Jugendlichen hätten zwar kurzfristig eine Lösung, sähen sich aber nach der beruflichen Grundbildung vor neue Probleme und Frustrationen gestellt.</p><p>3. Es ist Sache der Kantone als Träger der Handelsmittelschulen und der Berufsfachschulen des dualen Systems, das Verhältnis der beiden Schultypen festzulegen. Tatsache ist, dass das Bereitstellen von vollschulischen Ausbildungsplätzen mit Kosten für die öffentliche Hand verbunden ist, während sich die duale Berufsbildung für die Betriebe insgesamt lohnt. Auch sind diese in der Lage, den Praxisbezug der Ausbildung vollumfänglich zu gewährleisten.</p><p>Die Reform der kaufmännischen Grundbildung wird auch die Handelsmittelschulen betreffen. Sie müssen nach dem neuen Berufsbildungsgesetz die Anforderungen der künftigen Bildungsverordnung erfüllen, um ihren Absolventinnen und Absolventen das eidgenössische Fähigkeitszeugnis ausstellen zu können. Das im August 2003 noch unter dem aktuellen Berufsbildungsgesetz in Kraft gesetzte Reglement "Kaufmann/Kauffrau" wird nach dem ersten Durchgang und nach erfolgter Evaluation voraussichtlich 2007/08 revidiert werden. Spätestens ab Inkraftsetzung der neuen Bildungsverordnung sind die Handelsmittelschulen verpflichtet, danach auszubilden. Dies wird eine Anpassung ihrer Ausbildungsgänge erfordern. Zur Vorbereitung dieser Umstellung finden ab 2005 in allen Sprachregionen in der Schweiz an rund 15 Handelsmittelschulen Pilotversuche statt.</p>  Antwort des Bundesrates.