Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03541.jsonl.gz/1019

Phylis Kimeli – Von gewaltgeprägter Kindheit zur internationalen Ausbildungsleiterin
Eine Zusammenfassung des Vortrags von Gastrednerin Phylis Kimeli von GOA Kenya - geschrieben von Beatrice Joho.
Als vierte von acht Kindern kam Phylis Kimeli in einer typischen kenianischen Familie zur Welt. Während ihre Mutter eine vorbildliche Frau mit starkem christlichen Glauben war, von der Phylis auch ihre Werte in die Wiege gelebt bekam, war ihr Vater tragischerweise dem Alkohol und damit einhergehender Gewalt verfallen. Kaum ein Abend verging in ihrer Kindheit, wo Phylis und ihre Geschwister nicht mit Schlägen des Vaters zu Bett gehen mussten. Phylis war eine strebsame Schülerin und hoffte, sich durch Bildung ein besseres Leben zu erarbeiten. Doch auch hier erlebte sie harte Hindernisse durch ihren Vater. Als sie dank ihrer guten Noten ein Eintrittsdokument für eine der besten Sekundarschulen erhielt und es stolz ihrem Vater zeigte, nahm er es mit in eine Bar, um es gegen ein Bier mit einem Kollegen einzutauschen, dessen Tochter schulisch schwach war. Phylis kämpfte sich weiter an die High School, doch während dieser Zeit verstarb ihr Vater, der trotz seines Alkoholismus der Brotverdiener der Familie war. Nun änderte sich Phylis‘ Leben drastisch, musste sie doch die Schule abbrechen und selbst Geld verdienen gehen, um sich ernähren zu können.
Als gläubige Christin fand sie jedoch immer wieder Mut und Stärke im Glauben und stellte sich auch in den Dienst für andere junge Menschen mit ähnlichen Schwierigkeiten. So begann sie ihre Arbeit bei GOA (Glory Outreach Assembly), einer Organisation, die hingabevoll Waisenhäuser und Schulen für die Armen unterhält, Friedensvermittlung betreibt und Kirchgemeinden aufbaut. Bei dieser Arbeit konnte Phylis dann ihre Ausbildung abschliessen und sie lernte auch ihren derzeitigen Mann kennen. Trotz des Liebesglücks zeigten sich aber bald neue Herausfoderungen in Phylis‘ Leben. In Kenia wird von der Gesellschaft nämlich neun Monate nach der Hochzeit von allen Seiten her die Geburt von Nachwuchs erwartet. Leider erfolgte dies in Phylis‘ Leben auch nach mehreren Jahren nicht – was in der kenianischen Kultur eine Schande für die Frau bedeutet und üblicherweise dazu führt, dass die Frau vom Mann verstossen und ersetzt wird. Da Phylis und ihr Mann aus unterschiedlichen kulturellen Stämmen kamen, war der Druck von ihrer Schwiegerfamilie umso heftiger, da sie als Andersstämmige noch stärker kritisiert und ausgegrenzt wurde. Ihr Mann hielt jedoch in starker Liebe zu ihr. Als sie nach sieben Jahren Ehe das Thema eigene Kinder bereits abgeschlossen hatten, passierte in der Tat ein Wunder – Phylis wurde schwanger und brachte einen gesunden Sohn zur Welt. Und einige Jahre später durfte sie auch ihren zweiten Sohn empfangen. Diesen Segen weiss Phylis umso mehr zu schätzen und ihr Glaube an die wundersame Führung Gottes ist weiter gewachsen.
Trotz ihrer eigenen Familienpflichten ist sie in ihrer Arbeit nicht müssig geworden, sondern übernimmt je länger je grössere Verantwortung. Heute ist sie für 49 Jugendliche zuständig, die die Waisenhäuser nach Abschluss der Sekundarschule verlassen mussten und nun – wie sie selbst einmal – auf der verzweifelten Suche nach einer Ausbildung sind. Für sie alle stellt Phylis eine Art Ersatzmutter dar. Zudem leitet sie Leiterschaftsseminare in allen englischsprachigen afrikanischen Ländern sowie eine Bibelschule im nördlichen Teil von Kenia. Doch auch sie selbst hat noch nicht ausgelernt: Neben Familie und Beruf drückt Phylis nun selber wieder die Schulbank und absolivert derzeit ein Masterstudium.
Ihre von starker Hingabe, Ausdauer und Lebensfreude geprägte Lebensgeschichte beeindruckt nicht nur Afrikaner, sondern auch Menschen auf anderen Kontinenten. So war Phylis bereits bei der Partnerorganisation GOA USA als Gastrednerin zu Besuch, wo sie durch ihre authentische Art viele Spenderherzen gewinnen konnte. Dieses Jahr reiste sie erstmals in die Schweiz zu unserer hiesigen Partnerorganisation, wo sie ebenfalls an zahlreichen Anlässen ihre Lebensgeschichte teilte, die Dankbarkeit der afrikanischen Empfängerorganisationen persönlich ausdrückte und das Publikum mit ihrer sprühenden Lebensfreude ansteckte. Zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer wurden angeregt, durch Spenden oder Freiwilligenarbeit das hingabevolle und verantwortungsbewusste Hilfswerk GOA zu unterstützen – liegt es doch der Organisation besonders am Herzen, dass sowohl Gebende als auch Empfangende durch die Hilfsarbeit bereichert werden.
Beatrice Joho