Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03648.jsonl.gz/1006

Die beste rote Traube der Côtes du Rhône. Kommt sortenrein im Hermitage und Côte Rôtie vor sowie als Beigabe zu den Weinen des Südteils (u.a. Châteauneuf-du-Pape).
Als seltene Spezialität im Wallis zu finden. Die grössten Syrah- (beziehungsweise Shiraz-Weinberge liegen aber in Südafrika und - mit über 40’000 ha - in Australien. Der Petite Syrah in Kalifornien wird ein grosser Aufschwung vorausgesagt.
Die kleinen, tief schwarzblauen, gerbstoffreichen und süssen Beeren ergeben grosse, an den besten Lagen sehr konzentrierte und noble Weine, die erst nach mehrjähriger Reife ihr charakteristisches Himbeer- und Veilchenbouquet entwickeln.
Syrah - voller Charakter und anspruchsvoll
Die drei klassischen Rotweingebiete Frankreichs werden ganz wesentlich von ihren Traubensorten geprägt: Das Burgund vom Pinot noir, Bordeaux von Cabernet und Merlot, die Côtes du Rhône von der Syrah.
In diesem noblen Quartett ist die Syrah eindeutig die Sorte mit der geringsten Verbreitung und damit auch mit dem schwächsten Bekanntheitsgrad. Sie wird nur auf gut zwei Prozent der französischen Rotwein-Rebfläche angebaut, und nur ein Teil des Ertrags kommt sortenrein gekeltert in den Verkauf.
In Frankreich kommen reine Syrah-Weine fast nur in den nördlichen Côtes du Rhône vor, namentlich in den Appellationen Hermitage, Crozes-Hermitage, St-Joseph und Cornas. In der berühmten Côte Rôti wird das Syrah-Traubengut mit einem Zusatz von wenigen Prozenten des weissen Viognier verfeinert. lm Süden der Region, so etwa in Châteauneuf-du-Pape, verschwindet der Syrah-Anteil mehr oder weniger stark in der Mischung aus andern südlichen Sorten; immerhin gilt dort die Syrah als «cépage améliorateur», als wertvolle «Verbesserungstraube» für die Midi-Weine.
Bis vor kurzem standen auch die besten Syrah-Weine im Schatten der Crus aus dem Burgund und dem Bordelais. Das war nicht immer so. Zu Zeiten erfreuten sie sich eines Rufs wie Donnerhall; Hermitage-Gewächse wurden gar zu Verschnittzwecken ins Bordelais geliefert, um die Weine selbst der angesehensten Châteaux zu bereichern und stabiler zu machen. Doch das kleine Verbreitungsgebiet stand einer Popularisierung entgegen. In neuster Zeit nimmt die allgemeine Wertschätzung jedoch wieder zu, und die Anbauflächen wachsen rasch.
Perser oder Sizilianer?
Über den Ursprung der Syrah-Rebe weiss man nichts genaues. Die einen glauben, dass sie in der Gegend der Stadt Schirazin Persien beheimatet und im 13. Jahrhundert durch einen Eremiten von den Hängen von Bessas nach Tain- I'Hermitage an der Rhone gebracht worden sei.
Es heisst allerdings auch, sie sei schon viel früher nach Südfrankreich gekommen, nämlich im 3. Jahrhundert, als Kaiser Probus die Wiederaufnahme des Rebbaus in Gallien erlaubte.
Nach Ansicht anderer Historiker stammt die Sorte aus Syrakus auf Sizilien, was die Synonyme Schiras, Sirac, Syra, Sirac und Sirah erklären würde.
Tastsächlich handelt es sich um blosse Hypothesen, und es ist bemerkenswert, dass die Sorte in den angeblichen Ursprungsländern gegenwärtig nicht kultiviert wird.
Zur Bezeichnung der Syrah werden noch weitere Synonyme verwendet:
Hignin noir in Crémien (lsère), Candive in Bourgoin und Morestel (Isère), Entournérin in Tour-du-Pin, Marsanne noire in Saint-Marcellin, Sérine oder Sérène in der Côte Ròtie, Biaune, Biône oder Plant de la Biaune in Montbrison (Loire), Hermitage und Shiraz in Australien, Shiraz auch in Südafrika und schliesslich Balsamina in Argentinien.
In Frankreich wird übrigens zwischen der Grosse Syrah und der Petite Syrah unterschieden. Bei der hier beschriebenen Sorte handelt es sich um die Petite Syrah. Die ertragreichere Grosse Syrah ist auch unter dem Namen Mondeuse bekannt und unter anderem an der Rhone zwischen Genf und Lyon verbreitet.
Syrah-Merkmale
- Die Triebspitze ist weisswollig mit karminrotem Saum.
- Die jungen Blätter tragen einen gelblich-weissen Flaum mit weisser bis rosafarbener Behaarung unter dem Rand.
- Die mittelgrossen ausgewachsenen Blätter sind rund, blasig, am Stielansatz waffelartig geprägt, stark gewunden und oft gewellt.
- Die Seitenbuchten sind mässig tief, schmal und spitz zulaufend.
- Die Stielbucht ist lyraförmig.
- Die mittelgrossen Zähne haben eine Spitzbogenform
- Die Unterseite der Blattspreite ist fein behaart und mit Flaumbällchen besetzt.
- Im Herbst färbt sich das Laub an den Blatträndern teilweise rot.
- Die Triebe sind stark gerippt, vierkantig (als gutes Unterscheidungsmerkmal), grün und an den Kanten rot, an der Spitze flaumig behaart.
- Die Ranken sind dünn und lang.
- Die Holzruten sind hellbeige gefärbt, an den Knoten dunkler getönt und mit einem starken malvenfarbenen Hauch versehen.
- Die kompakten Trauben, mittelgross und zylinderförmig, sind manchmal geflügelt; die Traubenstiele verholzen rasch.
- Die kleinen, stark bereiften Beeren sind eiförmig, von schönem blaugetöntem Schwarz; ihre Schale ist dünn, aber ziemlich widerstandsfähig; das Fruchtfleisch zergeht im Mund, und der reichliche Saft schmeckt angenehm.
Pflegeleicht im Weinberg, heikel im Keller
Die Syrah liebt karge Böden; in den Côtes du Rhône stammen ihre besten Weine aus den Granit-Rebbergen am Hermitage-Hügel und den Côte-Rôtie-Hängen. Die Sorte treibt relativ spät aus und trägt recht gut, viel reichhaltiger als beispielsweise der Cabernet-Sauvignon.
Sie verlangt warmes Wetter zur Blütezeit und ist im Übrigen recht widerstandsfähig gegen die meisten Schädlinge und Krankheiten; am ehesten setzen ihr noch Graufäule und Sauerwurm zu, ferner auch starke Trockenheit.
An die Pflege im Weinberg stellt sie nur geringe Ansprüche. Allerdings ist ihr Laubwerk nicht allzu robust; die Zweige brechen leicht bei heftigen Winden.
Entscheidend für gute Qualität sind geringe Erträge. Vielleicht noch stärker als bei anderen Reben schliessen sich Menge und Güte gegenseitig aus. Die besten Weine stammen aus Lagen, die nicht mehr als 30 Hektoliter pro Hektare hervorbringen, auch wenn reichlichere Ernten leicht zu erzielen wären.
Die Vinifikation verlangt dem Kellermeister einiges ab, mehr noch, als etwa die Weinbereitung beim Cabernet-Sauvignon, wenn der Wein nicht nur gut, sondern gross ausfallen soll. Sie erfordert viel Aufmerksamkeit bei der langen, kühlen Gärung und einen behutsamen, auch recht langen Ausbau im Eichenfass.
Substanzreiche Syrah-Weine brauchen diese Fassreife, auch wenn sie leichter und rascher oxydieren als beispielsweise Cabernet-Gewächse.
Weincharakter
Die Syrah-Traube kann ungemein charaktervolle, gerbstoff- und extraktreiche Weine ergeben, immer vorausgesetzt, dass die Erträge bescheiden bleiben. In seiner Jugend präsentiert sich der Wein mitunter ungebärdig, etwas abweisend, mit Aromen von Rauch, Teer und einer pfeffrigen Note.
Mit der Reife stellen sich charakteristische Veilchentöne ein, und auf dem Höhepunkt nähert sich ein grosser Syrah geschmacklich einem grossen Bordeaux an.
Als beste französische Syrah-Weine gelten der Hermitage im Allgemeinen und der Hermitage-La Chapelle im Besonderen, dazu die Crus der Côte Rôtie, die allerdings immer Raritäten bleiben werden: Die berühmten Einzellagen La Mouline, La Landonne und La Turoue messen nur gerade je eine Hektare und bringen jährlich etwa je 4000 Flaschen hervor, von denen überdies nur ein Teil in den freien Handel kommt, denn eine grössere Partie bleibt für Staatsempfänge reserviert.
Liebhaber betrachten diese erlesenen Flaschen als den grössten Bordeaux und Burgundern ebenbürtig - und müssen dafür auch ähnlich tief in die Tasche greifen.
Vergleichsweise bescheiden sind auch die Mengen der andern reinen Syrah-Weine der oberen Côtes du Rhône, die leichteren, weniger kompakten und konzentrierten St-Joseph, Cornas und Crozes-Hermitage.
Australischer Shiraz deckt einen breiten Bereich vom alltäglichen Tischwein bis zum Spitzenprodukt ab. Die meisten einfachen australischen Rotweine werden aus dieser Traube gekeltert, wobei sich viele Winzer kaum um Ertragsbeschränkungen kümmern und aus dem Traubensegen eine Kreszenz mit wenig Eigenart bereiten.
Sehr verbreitet sind die Verschnitte mit Cabernet-Sauvignon, z.B. Shiraz/Cabernet (mit überwiegendem Shiraz-Anteil) oder Cabernet/Shiraz (mit mehr Cabernet). In den letzten Jahren haben allerdings verschiedene Erzeuger entdeckt, dass in der Shiraz sehr vielmehr steckt, und verlegen sich zunehmend auf Qualitätsproduktion.
Am anderen Ende der Güteskala steht der Grange Hermitage aus dem Barossa Valley, einer der extremsten trockenen Rotweine überhaupt, mit einem Extrakt wie ein Vintage Port und einem so ausgeprägten Charakter, dass er bei Vergleichsdegustationen praktisch jeden anderen Wein «erdrückt».
An der Syrah-Rebe erweist sich mit aller Deutlichkeit: Mit der noblen Herkunft allein ist es nicht getan; es kommt darauf an, was man daraus macht.
Syrah-Anbaugebiete
Frankreich
Nördliche Côte-du- Rhône, Côte Rôtie, Hermitage
Südfrankreich
Languedoc, Roussillon, St-Chinan
Schweiz
Wallis
Australien, Argentinien und Südafrika