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Der Kranz von herrschaftlichen Hofstätten rund um den Dorfkern von Schwyz
Der historische Kern des Fleckens Schwyz, dem Hauptplatz mit Kirche und Rathaus im Zentrum ist relativ klein. Vom Platz aus gehen Strassen und Gassen in alle Himmelsrichtungen ab. Dieser kompakte Dorfkern ist trotz vieler Neubauquartiere bis heute gut ablesbar geblieben. Rund um diesen Kern breitet sich als zweites Besiedlungselement im Talkessel die grossflächige Streusiedlung mit Bauernhöfen mit dem dazugehörigen Wiesland aus. In diesem Gebiet liegen wie ein Kranz rund um den Dorfkern die grossen herrschaftlichen Hofstätten, die schon Johann Wolfgang von Goethe aufgefallen sind, indem er auf seiner Schweizerreise im Herbst 1797 von der Haggenegg herunterkommend folgendes schreibt: »Schwitz, schöner Anblick des völlig grünen, mit hohen zerstreuten Fruchtbäumen und weissen Häusern übersäten Landes…». Bei der Landnahme des Talkessels von Schwyz rodeten die alemannischen Familienverbände das Gebiet, das sie anschliessend auch bewirtschafteten. Sie wohnten also auf ihrem «Eigen» und nicht in einem Dorfverband. Reich gewordene Bauern, sei es durch Viehhandel, aber vor allem durch die «Fremden Dienste» als Söldner, zeigten nun ihre Macht durch den Bau von grossen herrschaftlichen Häusern. Dem Wohnhaus vorgelagert wird ein Garten angelegt, dieser ist oft von seitlichen Schattenhäuschen flankiert. Der Garten wird damit zum Burghof. Hinter dem Haus stehen die Oekonomiebauten. Der Stall wird in geringem Abstand zum Haus errichtet. Dadurch wird die bäuerliche Herkunft der Familie nicht verleugnet, sondern sie bleibt ablesbar. Die Häuser sind über die Jahrhunderte hinweg dem stilistischen Wandel verpflichtet, durch ihre Dienste in benachbarten Ländern lernten sie moderne Lebensart kennen, die sie dann in Schwyz zu verwirklichen suchten. Das älteste erhaltene herrschaftliche Wohnhaus ist das Haus Bethlehem aus dem Jahr 1287. Dieses in die Ital Reding-Hofstatt integrierte Gebäude ist noch in Holz erbaut. Ab dem 16. Jahrhundert dominiert dann sukzessive die Steinbauweise. Zunächst sind es steile Giebeldächer mit Tonziegeldeckung, im 18. Jahrhundert werden Mansarddächer, sogenannte französische Dachstühle modern. Im Innern werden die Repräsentationsräume reich mit reich verzierten Holztäfern oder Stuckaturen ausgestattet. Im Erdgeschoss wird ein grosser Gartensaal angelegt. Insgesamt sind bis heute beachtliche 35 solcher Hofstätten erhalten. Einige haben ihren Situationswert durch die Dorfentwicklung eingebüsst, indem sie heute von Neubauquartieren umgeben sind. Bei der Ortsplanung wurde jedoch darauf geachtet, dass bei den meisten die Umgebung grossflächig intakt blieb, und die Hofstätten so ihre Wirkung in der Landschaft entfalten können. Helfen wir mit, Sorge zu tragen zu diesem wertvollen historischen Erbe. Das Buch «Herrnhäuser in Schwyz» herausgegeben von Markus Bamert und Markus Riek im Jahr 2012 mit Artikeln von Fachautoren zu verschiedensten Themen rund um das Herrenhaus gibt Einblick in die Geschichte und Funktion dieser Hofstätten und erlaubt auch einen Blick ins Innere der Gebäude, von denen sich die meisten bis heute in Privatbesitz befinden.
Text: Markus Bamert