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von Peter Dörrie.
Das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) hat seine Liste der Top-100 Waffenhersteller der Welt veröffentlicht. Zusammen erwirtschafteten die 100 größten Waffenproduzenten im Jahr 2014 einen Umsatz von $401 Milliarden. Die tatsächlichen Zahlen sind vermutlich noch höher, weil chinesische Unternehmen “aufgrund mangelhafter Datenlage” nicht auf der Liste geführt werden.
Diese Zahl ist ein ganz schön großer Brocken, betrachtet man die insgesamt $1,776 Billionen an Militärausgaben weltweit — China mit inbegriffen. In anderen Worten: von jedem Dollar, den Regierungen auf der ganzen Welt in ihr Militär stecken, wandern ca. 23 Cent in die Taschen eines der hundert größten Unternehmen, die auf der Liste von SIPRI aufgeführt sind. Viele dieser Unternehmen sind in Privatbesitz.
Es gibt jedoch einige interessante regionale Unterschiede. Um es einfach darzustellen: niemand profitiert auch nur annähernd so sehr von Waffenverkäufen wie Rüstungsunternehmen aus den USA, von denen wiederum Lockheed Martin der unumstrittene Platzhirsch ist. Die Firma aus Maryland verkaufte laut SIPRI alleine im Jahr 2014 Waffen und Dienstleistungen im Wert von $37,47 Milliarden und schießt damit weit über den direkten Rivalen Boeing hinaus, der aber immer noch stattliche $28,30 Milliarden umsetzte.SIPRI prognostiziert, dass Lockheed Martin mit dem Aufkauf von Sikorsky Aircraft weiter steigende Umsätze aus Rüstungsgütern und -dienstleistungen erwirtschaften wird, die 2015 die Marke von $40 Milliarden überschreiten werden. Sikorsky Aircraft produziert unter anderem den UH-60 Black Hawk Hubschrauber und ist selbst auf Platz 24 der Liste geführt.
Insgesamt machen amerikanische Firmen 54,4% der gesamten Umsätze aller 100 Unternehmen. Sieben der Top 10 Waffenhersteller und 38 aus den Top-100 kommen aus den Vereinigten Staaten.
Das Ranking sieht noch einseitiger aus wenn man die westliche Hemisphäre als Ganzes betrachtet. Die drei nicht-amerikanischen Unternehmen der Top-10 kommen alle aus Westeuropa. Die britische BAE Systems (Platz 3) übertrifft in Bezug auf Waffenverkäufe dabei die trans-europäische Airbus Group (Platz 7) und Finmeccania (Platz 9) aus Italien.
Zusammen streichen westeuropäische und amerikanische Firmen 80,3% aller Umsätze von allen Unternehmen auf der Top-100 Liste ein. Natürlich gibt es aber auch noch einen großen roten Elefanten im Raum: China. “Chinas Militärausgaben sind zwischen 2000 und 2014 um das fünffache angestiegen und das Land hat große Anstrengungen unternommen, eine eigene Rüstungsindustrie aufzubauen,” halten Forscher von SIPRI fest. Sie schätzen, dass basierend auf den bekannten Einnahmen von den 10 größten chinesischen Rüstungsunternehmen (alle sind Staatsbetriebe) neun in der SIPRI Top-100 Liste auftauchen würden. Vier bis sechs dieser Betriebe würden in den Top-20 erscheinen und zwei — “der Flugzeughersteller AVIC und der Produzent von Landsystemen Norinco” — wären vermutlich sogar in den Top-10.
Es gibt Indizien dafür, dass die Dominanz westlicher Rüstungsunternehmen schwinden könnte. Im Vergleich zu 2013 sanken die Einkünfte amerikanischer und europäischer Unternehmen um 3,2%, was auch insgesamt zu einem Rückgang der gesamten Einkünfte auf der Liste um 1,5% führte. Als Ursache lässt sich nach wie vor die Wirtschaftskrise aus dem Jahr 2008 identifizieren, die westliche Regierungen gezwungen hat, ihre Haushaltsgürtel enger zu schnallen.
Von den westlichen Ländern konnten lediglich Deutschland und die Schweiz ihre Verkäufe steigern (ein Trend, welcher die Schweiz auch 2015 fortgesetzt hat), was in beiden Ländern auf jeweils ein Unternehmen zurückzuführen ist. In Deutschland konnte ThyssenKrupp dank eines boomenden Marktes für diesel-elektrisch betriebene U-Boote und andere Kriegsschiffe seinen Umsatz um fast 30% steigern. Pilatus Aircraft (Platz 80) aus der Schweiz von einer steigenden Nachfrage für seine Trainings-Flugzeuge profitierte (übrigens befindet sich die RUAG auf Platz 91).
Bei den russische Unternehmen auf der SIPRI-Liste müssen die Sektkorken geknallt haben. Sie konnten ihre Verkäufe um fast 50% im Vergleich zu 2013 steigern, was nicht weiter überraschend ist. Russland investiert zurzeit äußerst freigiebig in die Modernisierung ihres Militärs. Mit dem Platz 11 hatte es Almaz-Antey jedoch grad knapp nicht mehr in die Top-10 geschafft. Mit dem zusätzlichen Engagement im Syrien-Konflikt werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Folgejahre für russische Unternehmen erfolgreich ausfallen.
Trotzdem werden amerikanische und europäische Firmen auch in den nächsten Jahren noch die Rankings dominieren. Ihr Vorsprung gegenüber anderen Wettbewerbern ist einfach zu groß um kurzfristig substantiell zu sinken. Sowohl relativ, als auch absolut wird der Anteil der westlichen Unternehmen am Umsatz mit Rüstungsgütern Unternehmen aus dem Rest der Welt allerdings langfristig abnehmen.
Westliche Militärausgaben (besonders die der USA) sind schon heute auf einem absurd hohem Niveau. Die Kriege im Irak und Afghanistan, die letzten großen westlichen Militärprojekte, werden allgemein als Fehler angesehen und dürften in naher Zukunft kaum wiederholt werden. Und auch die vorherrschende Austeritätspolitik wird nicht zu steigenden Rüstungsausgaben führen. Gleichzeitig bleibt der Rüstungssektor eine Bastion protektionistischer Politik. Während westliche Unternehmen eine Vorsprung bei Hochtechnologiegütern besitzen und davon auch in Zukunft profitieren werden, versuchen viele Schwellenländer gezielt einen eigenen Verteidigungssektor aufzubauen. China mag das offensichtlichste Beispiel dafür sein, doch auch Brasilien, Indien, Südkorea und die Türkei fallen in dieselbe Kategorie. Laut SIPRI investieren diese “aufstrebenden” Mächte zunehmend strategisch in ihre Rüstungsindustrie, um sowohl die lokale Versorgung für ihre eigenen Streitkräfte zu sichern, als auch um die (oft staatlichen) Hersteller besser auf dem internationalen Markt zu positionieren.
Solche Unternehmen bieten zwar technisch weniger fortgeschrittene aber deutlich billigere Alternativen zu Produkten aus westlichen Produktionsstätten an. Darunter fällt beispielsweise Brasiliens leichtes Mehrzweck-Propellerflugzeug Super Tucano. Bezieht man Russland, was hochentwickelte und günstige Militär-Hardware beisteuern kann, in diesen Mix mit ein, könnten westliche Unternehmen mit ihren relativ teuren Systemen bald vor grösseren Problemen stehen. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, dass Unternehmen wie Lockheed Martin im Jahr 2015 mit $ 10,6 Millionen Lobbyarbeit im amerikanischen Kongress betrieben, um die Kanäle offen zu halten.