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IM ONLINE-EXTRA
Das Interview: «Wir selbst sind unsere grössten Kritiker»
Drehbuchautorin und Ko-Produzentin Philippa Boyens über die Veränderungen gegenüber Tolkiens Buchvorlage, puristische Fans und das Schreiben zu dritt.
DIE HINTERGRÜNDE
Kaum waren die letzten Töne des Nachspanns von «The Lord of the Rings: The Return of the King» im Dezember 2003 im Kinosaal verhallt, forderten die Fans: Jetzt muss Peter Jackson auch «The Hobbit» verfilmen – und zwar schnell! Es dauerte neun Jahre. Zwischenzeitlich schien es gar, als ob die Vorgeschichte von J.R.R. Tolkiens epischem Fantasywerk es nicht mehr auf die Leinwand schaffen würde, derart viele Stolpersteine und Querelen waren auf dem Weg dorthin zu überwinden.
Es fing damit an, dass der neuseeländische Regisseur Peter Jackson, trotz des gewaltigen Erfolgs der «Lord of the Rings»-Trilogie, keine grosse Lust hatte, noch einige weitere Jahre seines Lebens in Mittelerde zu verbringen. So kam es ihm gar nicht ungelegen, dass die Rechtesituation für «The Hobbit» kompliziert war. Ein Teil der Rechte lag bei Warner Brothers, ein anderer bei MGM – und da davon auszugehen war, dass eine allfällige «Hobbit»-Verfilmung enorm viel Geld in die Kassen spülen würde, wollten beide davon profitieren. Es dauerte Jahre, bis sich die beiden Filmstudios auf einen Deal geeinigt hatten.
Als 2010 der Befreiungsschlag gelang, war Peter Jackson an Bord, aber nur als Produzent und Drehbuchautor. Die Regie sollte der weit herum geschätzte Fantasyfilm-Regisseur Guillermo del Toro («Hellboy», «Pan’s Labyrinth») übernehmen. Die Fans murrten, aber trösteten sich damit, dass die Verfilmung nun endlich starten konnte. Die Freude hielt nicht lange an: Bald danach geriet MGM in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten und drohte Konkurs zu gehen. Das warf nicht nur die Planung für den «Hobbit» aus der Bahn, sondern auch den nächsten James-Bond-Film «Skyfall».
Die Ungewissheit zog sich derart lange hin, dass Guillermo del Toro sich schweren Herzens aus dem Projekt zurückzog, worauf Peter Jackson beschloss, die Regie nun doch wieder selbst zu übernehmen. Für viele Fans ein durchaus freudiger Nebeneffekt.
Als die Finanzierung für die Filme endlich gesichert war und die Vorbereitungen weitergehen konnten, legte ein Gewerkschaftsstreik in Neuseeland die Produktion über Wochen lahm. Jackson drohte, die Dreharbeiten nach Osteuropa zu verlagern. Als auch dieses Problem nach einer persönlichen Intervention des neuseeländischen Premierministers und einer Änderung der Arbeitsgesetze gelöst war, musste sich Jackson im Januar 2011 wegen eines Magengeschwürs einer Operation unterziehen. Im April 2011 konnten die Dreharbeiten dann endlich beginnen.
Kann aus einer solchen Zangengeburt ein guter Film entstehen? Die ersten Reaktionen von Premierengästen und Kritikern sind wohlwollend bis begeistert, aber es gibt durchaus auch kritische Stimmen. Ob sich der lange Leidensweg gelohnt hat, müssen Sie selbst entscheiden – im Kino.