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Warum schreibe ich Gedichte?
Zu verschiedenen Zeiten habe ich diese Frage unterschiedlich beantwortet. Als Adoleszenter: weil ich muss. Als weltanschaulich Bemühter: aus Erkenntnisinteresse. Als berufsgeschädigter Journalist: zum Zweck der Sprachhygiene. Nie habe ich die Frage damit beantwortet, ich würde Gedichte schreiben, um den feuilletonistischen Kanonisierungsinstanzen als Lyriker zu gelten. Tatsache ist daneben, dass ich Gedichte jederzeit nebenbei geschrieben habe.
Aber warum veröffentlicht einer Gedichte, der nicht als Lyriker gelten will? Weil Gedichte zu schreiben kein Hobby, sondern eine kulturpolitische Arbeit ist, die noch dann öffentlich zu intervenieren einen Anspruch haben muss, wenn sie das, was als «Öffentlichkeit der Lyrik» gilt, aus Prinzip unterläuft oder verweigert.
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Als Gedichteschreiber, der kein Lyriker sein wollte, war ich zeitlebens ein marktfeindlicher Planwirtschafter und ich nehme mit Befriedigung zur Kenntnis, dass es mir gelungen ist, meinen 1989 postulierten lyrischen Fünfzehnjahresplan in die Tat umzusetzen:
• 1989 habe ich die vier bis dahin entstandenen Gedichtzyklen im sogenannten «Konvolut» zusammengefasst – einem im Selbstverlag produzierten Buch, für das ich das Mögliche tat, damit es als Nichtbuch ernstgenommen werde.
• 2005 unterstützte mich der Rotpunktverlag in Zürich darin, eine lyrische Sammlung, die ich während eines unbezahlten Urlaubs im Sommer 2004 abgeschlossen hatte, unter dem Titel «Echsenland» als Buch erscheinen zu lassen. Dieses reguläre Buch war für mich schon deshalb wichtig, weil man jeden Irrweg einmal gegangen sein muss, um zu wissen, warum er einer ist.
• Die dritte Sammlung meines Fünfzehnjahresplans heisst «Gedichte 3». Zwischen Mai 2013 und April 2019 habe ich jeweils ein «Monatsgedicht» in die rechte Spalte meiner elektronischen Textwerkstatt gestellt. Es handelte sich dabei um Gedichte, die ab 2004 entstanden sind und die ich für diese Veröffentlichung soweit nötig redaktionell überarbeitet und geschliffen habe.
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Das war’s.
Falls ich weitere Gedichte schreiben werde, sollen sie mir als Paralipomenon zum lyrischen Fünfzehnjahresprojekt gelten. Und sollte ich diese Nachträge gar einmal veröffentlichen wollen, könnte die Idee des Protobuchs plötzlich noch einmal aktuell werden.
(10.4.2019)