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Ein schlechter Schauspieler
Manchmal spürt ein Liebhaber des grossen Theaters instinktiv, dass ein Schauspieler mehr hätte proben sollen. Das Publikum wundert sich über abrupte Abweichungen vom Skript und andere Ungereimtheiten.
Momentan gibt Rex Tillerson, der Aussenminister Donald Trumps, eine derart verwackelte Vorstellung. Nie im Leben hätte Tillerson sich träumen lassen, kurz vor seiner Pensionierung als Ober-Boss des Ölkonzerns Exxon-Mobil von Trump zum amerikanischen Aussenminister berufen zu werden. Andere Bewerber standen Schlange, um den Job zu bekommen. Immerhin darf Trumps Aussenminister weltweit eine faszinierende Botschaft verbreiten: America first!
Journalisten durften nicht mit
Newt Gingrich, der abgetakelte ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, buhlte um den Job. Und Mitt Romney buckelte über Froschschenkeln beim Dinner mit Trump, weil er hoffte, Chef-Diplomat des Un-Diplomaten zu werden.
Aber nein: Nachdem Trump mit Tillerson die grosse Weltlage erörtert hatte, bot er den Posten dem Öl-Mann an. Seit er im Amt ist, läuft es indes nicht so gut für Tillerson. Mehrmals patzte er bei ersten Auftritten in Asien. Und Tillersons Beziehung zu amerikanischen Medien ist so vertrackt, dass er amerikanische Journalisten entgegen allen Gepflogenheiten beim Trip nach Asien einfach aussperrte.
Nur eine Korrespondentin durfte mitreisen, eine gewisse Erin McPike. Sie berichtet für das «Independent Journal Review», eine Art Mickey-Maus-Medium, das wie andere linientreue Medien in Amerika Donald Trumps Regierung ähnlich kritiklos gegenübersteht wie der «L’Osservatore Romano» dem Papst.
«Gott ist noch nicht fertig mit dir»
Trotzdem entlockte McPike Trumps Chef-Diplomaten eine bemerkenswerte Enthüllung: Tillerson wollte überhaupt nicht Aussenminister werden! «Ich sollte im März in den Ruhestand gehen und wollte auf meiner Ranch mit den Enkeln sein», sagte Tillerson.
Aber kaum war er von der Unterredung mit Trump nach Hause zurückgekehrt und hatte Ehefrau Renda St. Clair von Trumps Angebot berichtet, wedelte die Gattin mit dem Finger vor seinem Gesicht herum und erklärte: «Ich habe dir ja gesagt, Gott ist noch nicht fertig mit dir.» Das mag ja sein, aber hätte der liebe Gott nicht ein paar zusätzliche Proben ansetzen können, bevor Tillerson die Weltbühne betrat?
Nur weil Frau Renda ihm befahl, er solle «das machen», quält sich Tillerson jetzt durch ein Mega-Stück vor Millionen Zuschauern. Klar ist es möglich, dass er bald glänzen und zum diplomatischen Superstar avancieren wird. Sicher ist es jedoch nicht, zumal der Un-Diplomat im Weissen Haus von Tillerson verlangt, das Ensemble im Aussenministerium rigoros zu verkleinern. Um fast 30 Prozent soll der Etat des Ministeriums zusammengestrichen werden.
Die Florence Foster Jenkins der Präsidialgeschichte
Aber Tillerson kann sich trösten: Die Mickey-Maus-Medien würden ihn selbst dann enthusiastisch feiern, wenn seine Show zu einer Peinlichkeit mutierte. Sie tun das ja auch mit seinem Chef, dem Präsidenten. Er ist die Florence Foster Jenkins der amerikanischen Präsidialgeschichte: Die Mickey-Maus-Medien im Verein mit seinen Hardcore-Fanboys applaudierten ihm, wenn er sich um Kopf und Kragen sänge und johlend von der Bühne in den Orchestergraben stürzte.
Wird seine Präsidentschaft verfilmt, muss Meryl Streep ran. Nur sie kann diese Rolle spielen.