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Maciste, in allen Sphären bekannt als Inbegriff der Tugend, ist heimlich verliebt in Graziella. Der Dämon Barbariccia, abgesandt vom Herrn der Unterwelt, stellt dem verliebten Hünen eine Falle und verschleppt ihn in die Hölle. Dort muss sich Maciste der Verführungskünste der Unterweltsfürstin Proserpina erwehren.
In Giovanni Pastrones Monumentalfilm Cabiria (1914) war Maciste eine Nebenfigur gewesen, ein edelmütiger – schwarzer – Sklave, dargestellt von Bartolomeo Pagano, einem ehemaligen Hafenarbeiter. Die Beliebtheit seiner Filmfigur sorgte dafür, dass Paganos Maciste zu einem modernen – weissen und italienischen – Allzweck-Helden mutierte, der im italienischen Kino in diversen Kontexten auftauchte. Der «gute Riese» mit dem energischen Kinn war bei den Faschisten als Verkörperung des aufrechten Recken beliebt und diente wohl Mussolini als mimisches Vorbild. Die teils spektakulären Spezialeffekte schuf der «spanische Méliès» Segundo de Chomón.
«Eine aussergewöhnliche Mischung aus Fantastik und Groteske, Sanftheit und Sentimentalität, Komik und Tragik. Der begabte Guido Brignone, unterstützt vom Spezialeffekte-Magier Segundo de Chomón, hat Dante und Méliès, Goethe und Fritz Lang, Gustave Doré und Alex Raymond zu einem kuriosen Film verschmolzen, der auch heute noch sehr unterhaltsam ist. Maciste all'inferno bezaubert durch seine undefinierbare Mischung aus Expressionismus, Comic, mediterraner Sinnlichkeit und schauerlichem Teufelszeug. Mittendrin ist Maciste, der sich ganz und gar wohlfühlt, umgeben von einem Barbariccia, der an Dr. Caligari erinnert, einem Pluto, der an Mangiafuoco (aus ‹Pinocchio›) erinnert, zwei sexy Teufelsdamen und einer grossen Anzahl lebender Toter, die einem mittelalterlichen Stich zu entstammen scheinen.» (Vittorio Martinelli, Maciste & Co – I giganti buoni del muto italiano, Gemona, 1981)
«Maciste all’inferno nimmt im italienischen Kino eine ganz besondere Stellung ein, denn es ist der Film, der Federico Fellini dazu inspirierte, zum Kino zu gehen. Er sprach von dem Film als einer Art ‹Ur-Szene› in seinem persönlichen filmischen Unterbewusstsein: ‹Ich bin sicher, dass ich mich gut daran erinnere, weil das Bild mich so tief prägte, dass ich versucht habe, es in all meinen Filmen wieder aufleben zu lassen. Ich sah es in den Armen meines Vaters, inmitten einer stehenden Menschenmenge in nassen Mänteln, weil es draussen regnete. Ich erinnere mich an eine kräftige Frau mit nacktem Bauch, ihren Bauchnabel, ihre funkelnden, von schwarzem Make-up umrandeten Augen. Mit einer gebieterischen Armbewegung erzeugte sie einen Flammenkreis um Maciste, der ebenfalls halb nackt war und eine Taube in der Hand hielt.» (Rebecca Peters, 2001, silentfilm.org)
Drehbuch: Riccardo Artuffo, nach Dante Alighieri
Kamera: Ubaldo Arata, Massimo Terzano
Mit: Bartolomeo Pagano (Maciste), Elena Sangro (Proserpina), Lucia Zanussi (Luciferina), Franz Sala (Barbariccia/Dottore Nox), Umberto Guarracino (Pluto), Mario Saio (Gerione), Pauline Polaire (Graziella), Domenico Serra (Giorgio)
100 Min., tinted, DCP, stumm, i Zw'titel/e