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Das Stadtmuseum Wil unter der Leitung von Stadtarchivar Werner Warth eröffnete mit der Vernissage am Montagabend die neueste Ausstellung „Die Eisenbahn kommt“. Die erste Bahnstrecke von Winterthur-Wil-St.Gallen-Rorschach konnte im 1855 mit Kosten von 13 Mio. Franken eröffnet werden. Der Wiler Beitrag betrug 80'000 Franken. Mit drei Video-Clips stellte Warth den Werdegang der Bahn auf Schweizer Boden vor, beginnend mit Dampfantrieben bis zur Elektrifizierung. Die Erfahrungen des Wiler Lokführers Otto Müller (Jahrgang 1927) sind ebenso Teil der Ausstellung.Die Geschichte der Bahn als Thema der bereits 24. Ausstellung im Stadtmuseum der Ortsbürger Wil interessiert die Städter. Zur Vernissage am Montagabend fand sich eine grosse Zahl Teilnehmer ein. Die umfassende Vorstellung der Bahnentwicklung, an Hand dreier Video-Clips dokumentiert, sorgte für eine attraktive Präsentation. Stadtarchivar Werner Warth konnte zur Erarbeitung des Themas auf eine ganze Reihe Schriften und Bahnkenner zurück greifen, darunter die Broschüre von Fridolin Müller-Styger aus dem Jahr 1906 mit dem Titel „Rückblicke und Ausblicke in die Eisenbahnbestrebungen Wyl“.
Spanisch-Brötli-Bahn zum Auftakt
Werner Warth wies auf die frühen Planungen von Bahnlinien hin, beginnend im 1820. Die erste Bahnstrecke mit Schweizer Teil, von St. Louis nach Basel sei erst im 1844 eröffnet worden.
Historisch noch in guter Erinnerung nannte Warth die erste Schweizerstrecke von Zürich nach Baden, mit dem Spitznamen “Spanisch-Brötli-Bahn”, benannt nach einem Badener Spezialität, einem Hefegebäck. Die Einweihung erfolgte am 7. August 1847 mit der Hoffnung vom technischen Fortschritt.
Eisenbahngesetz sorgte für Boomjahre
Das Eisenbahngesetz im Jahr 1852 legte zwar den Bau und Betrieb von Bahnen durch Private fest, sorgte aber gleichzeitig für erbitterte Kämpfe unter den privaten Gesellschaften. Nach verschiedenen Konkursen entstand im 1878 die schweizerische Nationalbahn. Daraus wurden durch Zusammenschlüsse der fünf grössten Privatbahnen in den Jahren 1905 bis 1909 die schweizerischen Bundesbahnen.
Nach Warth war es die fehlende Kohle, welche zur Elektrifizierung der Strecken führte, durch die Weltkriege noch gefördert. Mit der Konkurrenz durch den Strassenverkehr litt die Bahn bald einmal, sodass einige Strecken stillgelegt wurden. Ein Meilenstein ergab sich mit der Einführung des ersten Taktfahrplans im 1982, durch den Aufbau anderer S-Bahnstrecken gefördert. Grössere Bauten für die Bahn nannte Werner Warth mit dem Lötschbergtunnel im 1852, mit einer Bauzeit von 17 Jahren. Mit dem nun eröffneten Gotthard-Basistunnel (57km) stehe der längste Eisenbahntunnel der Welt.
Winterthur-Wil-Rorschach als erste Strecke
Werner Warth zitierte aus einer Broschüre von Fridolin Müller aus dem Jahre 1906, wo er die Eisenbahnbestrebungen von Wil beschrieb. Darin nannte er die Stadt Wil von der Lage her optimal für eine Eisenbahnstrecke nach St. Gallen.
Die st. Gallisch-appenzellische Bahngesellschaft habe im 1851 die Politische Gemeinde Wil angefragt, sich am Bau einer Bahnlinie Winterthur-Wil-Rorschach zu beteiligen, begründet in der Erhaltung und Förderung des Marktes und der Industrie. Die Beteiligung von Wil erfolgte mit Aktienzeichnungen von 30'000 Franken durch die Politische Gemeinde und 50'000 durch die Ortsgemeinde.
Zwei Bedingungen wurden gestellt, dass der Bahnhof nicht weiter als 300 Meter von St. Peter stehen dürfe und dass zwischen Wil und Oberuzwil kein weiteres Stationsgebäude stehen dürfe. Die ursprüngliche Planung sah das Lerchenfeld im Wilen als Bahnhof vor. Am 14. Oktober 1855 fuhr der erste Eisenbahnzug in Wil ein. Daran folgte Flawil um Weihnachten 1855 und St. Gallen am 24. März 1856. Für Rorschach wurde es Herbst 1856.
Weitere Bahnen folgten
Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Winterthur–Wil–St. Gallen wurde auch im Toggenburg der Ruf nach einer Eisenbahn laut. Der Kostenvoranschlag von 1858 für eine Bahnlinie Wil-Ebnat betrug 6 Mio. Franken. Erst nach Übernahme der Pläne durch die Berner Baugesellschaft Wieland, Gubser konnte der Bau starten, mit Beiträgen des Kantons über 2,5 Mio. und 1,5 Mio von Gemeinden und Privaten. Die Eröffnung fand am 23. Juni 1870 statt.
Die Mittel-Thurgau-Bahn war schon um 1890 Thema, allerdings über die westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft mit Sitz in Köln. Die Konzession der Schweiz wurde im 1902 erteilt. Der Name Mittel-Thurgau-Bahn erschien erst im 1906 mit einem 15-jährigen Vertrag für eine Bahn Wil-Weinfelden-Konstanz. Am 16. Dezember 1911 wurde die Stammstrecke Wil-Weinfelden-Kreuzlingen-Konstanz eröffnet.
Von einer Frauenfeld – Wil – Bahn war im Jahr 1855 die Rede, zur Zeit der Linienführung Winterthur-St. Gallen. Ob hoher Kosten entschied man sich für eine schmalspurige Frauenfeld-Wil-Bahn. So fuhr die Frauenfeld-Wil-Bahn, nach nur viermonatiger Bauzeit am 1. September 1887 erstmals in Wil ein.
Die Legenden zeigen nach Werner Warth auf, dass noch viele Projekte im Raum gestanden hätten, aber zumeist niemals spruchreif wurden.
Zeitzeugen und kritische Stimmen
Die Ausstellung beinhaltet auch ein Gespräch mit Otto Müller, Lokführer in Pension, 90-jährig. Darin informiert Müller über seine schönen Zeiten. Heute könne er sich eine Anstellung als Lokführer nicht mehr vorstellen ob den stressigen Arbeitszeiten.
Nach Werner Warth gab es auch kritische Stimmen wie: "Wir leben im Zeitalter der Eisenbahnen. Die Eisenbahn führt mich von der christlichen Welt in die heidnische Welt hinein, von der Welt des Glaubens in die Welt des rastlosen materiellen Erwerbens.", Zitat von Landammann Saxer anlässlich der Grundsteinlegungsfeier für die reformierte Kirche Wil am 25. August 1889.