Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03259.jsonl.gz/2388

Viele Golfer trainieren auf der Driving Range den immer gleichen Schlag mit dem gleichen Eisen. Das ist falsch, sagt Master Performance Coach Alexander Stohr.
Wie oft schlägst du auf dem Golfplatz dasselbe Eisen 10 Mal hintereinander? Wie oft kommt es vor, dass du auf dem Golfplatz 15 Drives hintereinander schlägst? Richtig, eigentlich nie! Doch warum trainieren dann die meisten Golfer genau das auf der Driving Range?
Die Antwort: Weil es über Jahrzehnte genauso gelehrt wurde. Wer viele Bälle schlägt, kann gutes Golf spielen. Das ist jedoch nicht ganz richtig. Auf dem Golfplatz wechselt man ständig zwischen Hölzern, Eisen, Wedges und Putter. Genau dieser Punkt wird auf der Range schwer vernachlässigt. Die Fähigkeit, aus 40 Schlägen mit einem bestimmten Eisen 10 an die Fahne zu bringen, hilft einem in der Realität nicht weiter.
Diese Art zu trainieren nennt sich «blocked practice» – die gleiche Bewegung mit dem gleichen Schläger auf das immer gleiche Ziel. Selbstverständlich ist es nicht verkehrt, an den technischen Elementen des Schwungs zu feilen und diese zu optimieren. Sollten Sie jedoch zu den Golfern gehören, die maximal zwei Mal pro Woche eine Driving Range besuchen, so könnte das ein endloser Kampf im Bestreben nach Perfektion werden.
«Skill Aquisition» lautet der Begriff, nach dem auch immer mehr Topspieler ihr Training auslegen. Es geht darum, Fähigkeiten zu entwickeln, mit welchen verschiedene Probleme aus unterschiedlichen Lagen in ungleichen Situationen gelöst werden können.
In der Praxis sieht das beispielsweise so aus:
Spielen Sie sich etwas ein und versuchen Sie dabei, ein Gefühl für Ihre Technik zu bekommen. Als nächstes wählen Sie nach jedem Schlag ein neues Ziel und/oder einen neuen Schläger und/oder eine neue Lage des Balls. Wenden Sie hierbei auch Ihre Pre-Shot-Routine an. Kein Schlag wird wiederholt – auch nicht bei einem schlechten Ergebnis.
Im letzten Teil Ihres Trainings definieren Sie eine Challenge. Als Beispiel können Sie fünf verschiedene Fahnen auf der Range wählen und einen Zielkorridor festlegen. Versuchen Sie nun, bei jeder Fahne mit dem ersten Versuch den Korridor zu treffen. Sollten Sie bei einer Fahne scheitern, so beginnen Sie wieder von vorne. Grösse der Korridore und Entfernung zum Ziel sollten natürlich entsprechend Ihren Fähigkeiten definiert werden. Die Aufgabe soll Sie fordern, aber nicht unmöglich sein.
So setzen Sie sich etwas unter Druck. Denn wenn Sie bei der letzten Fahne scheitern, heisst es: zurück zum Anfang. Das kann und wird Emotionen auslösen – ähnlich den Emotionen, die Sie auf dem Platz durchleben. Druck, Anspannung und Gefühlsausbrüche sind unter anderem drei Gründe, warum wir auf dem Platz scheitern. Durch diese Art des Trainings bauen Sie genau diese Faktoren mit ein und lernen, damit umzugehen, vielleicht sogar, sich wohlzufühlen.
Wer sich im Training nicht fordert, kann im Wettkampf nicht bestehen. Ein Grundsatz in jeder Sportart – im Golf jedoch oft vernachlässigt.