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Zum Star wurde der Australier Hugh Jackman (49) als Wolverine in den «X-Men»-Filmen (seit 2000), von denen er sich 2017 mit dem exzellenten Drama «Logan» nun definitiv verabschiedet hat. Wer ihn aber nur in seiner Rolle als Mutanten-Muskelpaket und Kampfmaschine kennt, hat etwas verpasst. Jackman ist ein ausgezeichneter Tänzer und Sänger, stand schon 2002 in «The Boy from Oz» am New Yorker Broadway auf der Bühne und stellte sein Showtalent auch auf der Leinwand in «Les Misérables» (2012) und «Happy Feet» (2006) unter Beweis. 2009 moderierte er sogar die Oscar-Verleihung .
Die Rolle des Phineas Taylor (P.T.) Barnum (1810-1891) in «The Greatest Showman» ist ihm deshalb geradezu auf den Leib geschrieben. Der US-Zirkuspionier und Politiker erfand quasi im Alleingang das, was man heute Showbusiness nennt, und der Musicalfilm gibt Jackman reichlich Gelegenheit, sein vielseitiges Talent unter Beweis zu stellen. Er erzählt, wie aus einem Jungen aus einfachen Verhältnissen dank Mut und Dreistigkeit der grösste Entertainer seiner Zeit wird.
Ausgelöst wird dies durch eine Massenentlassung, bei der Barnum seinen langweiligen Bürojob in New York verliert. Existenzsorgen folgen, vor allem jedoch ein schlechtes Gewissen, will er doch seiner Frau (Michelle Williams), die ursprünglich aus wohlhabendem Haus stammt, und seinen beiden Töchtern ein gutes Leben bieten. Doch dann ergibt sich die Gelegenheit, ein heruntergekommenes Kuriositätenkabinett zu übernehmen.
Um mehr Publikum anzulocken, heuert er einen Kleinwüchsigen und eine bärtige Frau an und nach und nach immer mehr ungewöhnliche Menschen, die in dieser Zeit schlicht als «Freaks» gelten. Die Rechnung geht auf: Das Publikum kommt, und je grösser und wilder Barnums Show wird, desto populärer ist sie, auch wenn die seriöse Kritik kein gutes Haar an dem windigen Schausteller und seinem boulevardesken Programm lässt.
In Spurenelementen erzählt «The Greatest Showman» auch eine Befreiungsgeschichte: Barnums Darsteller, die ihr Leben lang nur Verachtung und Spott erfuhren, werden auf seiner Bühne zu beklatschten und gefeierten Stars, erleben wohl erstmals überhaupt Zustimmung und Bestätigung. Hier hätte für die Handlung noch viel Potenzial gelegen, das der Film jedoch nicht weiter nutzt. Letztlich bleibt er ziemlich oberflächlich und klischiert und lässt keine Gelegenheit für Kitsch aus. Was angesichts des tollen Casts und einiger eingängiger und mitreissender Songs wirklich schade ist.
Hinzu kommt: Eigentlich war P.T. Barnum noch viel wilder und wohl auch deutlich weniger sympathisch als im Film. «Nie zuvor hatte sich ein Mensch so bedingungslos der Sensationshascherei verschrieben wie Barnum», schreibt der «Spiegel» in einem ausführlichen Artikel über den Zirkuspionier. Und vergleicht ihn mit einem aktuellen Showstar, der mit ähnlichen Methoden aktiv ist und derzeit das Amt des US-Präsidenten innehat: «Trump ist ein Barnum 2.0.», zitiert das Nachrichtenmagazin den Historiker Ronald Pruessen. «Beiden gemein ist das Talent für ein brillantes (oder zumindest erfolgreiches) Marketing – und ein Faible für geschmacklosen Unsinn und Sideshows.» Laut der «Washington Post» ist Trump wie Barnum Meister darin, «die Wahrheit zu verdrehen, schamlos zu übertreiben, die Lüge einzusetzen, um Aufmerksamkeit zu erzielen». Trump wiederum empfindet es als Kompliment, mit Barnum verglichen zu werden, der selbst ebenfalls politisch aktiv war, was im Film komplett ausgeblendet wird.
So ist «The Greatest Showman» zwar ein unterhaltsamer Streifen für einen netten, beschwingten Heimkinoabend, aber es wäre mit dem Stoff noch sehr viel mehr möglich gewesen.
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