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Reisekrankheit ist bei Hunden ein häufiges und vielen Hundebesitzern oft nicht bewusstes Problem. Ob bei Fahrten im Auto, Flugzeug oder Zug, manche Hunde entwickeln Symptome wie Angst und Übelkeit, die das Reisen unangenehm und stressig machen. Das Kennen der Ursachen, Symptome und der Möglichkeiten zur Vorbeugung ist entscheidend, um unseren Hundegefährten ein angenehmeres Reisen zu ermöglichen.
Die Reisekrankheit tritt bei jungen Hunden häufiger auf als bei erwachsenen Hunden, da die Teile des Innenohrs, die für das Gleichgewicht zuständig sind, noch nicht vollständig entwickelt sind. Bei betroffenen Welpen verschwindet die Reisekrankheit deshalb häufig im Alter von etwa einem Jahr.
Viele erwachsene Hunde werden auf Reisen ängstlich oder leiden unter Reiseübelkeit, weil sie mit dem Autofahren nicht vertraut sind und die ungewohnten und stressigen Reize, die mit diesen Fahrten verbunden sind, nicht kennen. Hunde, die nur ein- oder zweimal im Jahr im Auto mitgenommen werden, sind nicht daran gewöhnt und verbinden diese Fahrten, die oft eine Tierarztpraxis zum Ziel haben, zudem mit negativen Erlebnissen. Diese Assoziation führt zu erhöhter Angst und Stress, was wiederum zu Erbrechen und Durchfall führen kann. Auch Welpen, die bei ihrer ersten Autofahrt ein traumatisches oder beängstigendes Erlebnis hatten, verbinden wahrscheinlich alle künftigen Fahrten mit diesem unglücklichen Ereignis. Einige Hunde können aufgrund von Erkrankungen wie Infektionen des Mittel- oder Innenohrs oder einer vestibulären Erkrankung besonders anfällig für Übelkeit sein. Ausserdem können bestimmte Medikamente bei Hunden Erbrechen oder Durchfall auslösen.
Wie äussert sich die Reisekrankheit bei Hunden?
Die häufigsten Symptome der Reisekrankheit bei Hunden sind folgende:
- Winseln und Unruhe
- Hecheln
- Übermässiger Speichelfluss
- Lecken der Lefzen
- Lethargie oder Inaktivität
- Erbrechen
- Kotabasatz
Wenn Sie vermuten, dass Ihr Hund sich bald übergeben muss, kann das Anhalten des Autos und ein Spaziergang mit ihm helfen, den Stress und die Übelkeit zumindest vorübergehend zu lindern.
Wie beugt man der Reisekrankheit vor?
Um Reiseübelkeit und Erbrechen vorzubeugen, können Sie Ihren Hund für Autofahrten desensibilisieren. Das erfordert etwas Arbeit, ist aber möglich. Zögern Sie auch nicht, allenfalls die Dienste eines Hundeverhaltenstherapeuten in Anspruch zu nehmen. Wenn es dem Hund nach kurzer Autofahrt schlecht wird, sollte er während der Verhaltenstherapie zusätzlich etwas gegen Übelkeit bekommen. Sonst wird er das Autofahren zwangsläufig immer unangenehm finden.
Die beste Methode, die Reiseangst Ihres Hundes zu lindern, besteht darin, mehrere kurze Fahrten zu unternehmen, bevor Sie eine lange Reise antreten. Beginnen Sie damit, Ihren Hund in Ihr Auto zu setzen, den Motor zu starten und einige Minuten lang einfach still im Fahrzeug zu sitzen. Wenn der Hund dabei ruhig geblieben ist, wiederholen Sie am nächsten Tag den Vorgang, fahren aber diesmal aus der Einfahrt und gleich wieder zurück. Vergessen Sie nicht, Ihren Hund zu loben und ihm eine Belohnung für sein gutes Verhalten anzubieten. Versuchen Sie dann, eine Runde um den Block zu fahren. Es kann mehrere Tage oder sogar Wochen dauern, bis sich Ihr Hund daran gewöhnt hat, entspannt in das Auto einzusteigen. Achten Sie darauf, dass Sie die Reize, denen Sie Ihr nervöses Tier aussetzen, nur ganz allmählich erhöhen oder verlängern. Sie können Ihren Hund nicht dazu zwingen, seine Ängste zu "überwinden" oder zu "bewältigen". Es braucht daher manchmal viel Geduld!
Achten Sie auf eine ruhige und besonnene Haltung und schimpfen Sie nicht, wenn Ihr Hund zu jaulen oder zu winseln beginnt. Sichtbare Ängstlichkeit ist ein Zeichen dafür, dass Sie das laufende Training unterbrechen und an einem anderen Tag wieder aufnehmen sollten, indem Sie zum vorherigen Schritt zurückkehren. Wenn Sie Ihren Hund an diesem Punkt trotzdem weiterhin der stressigen Situation aussetzen, wird er das Auto noch mehr mit Unzufriedenheit und Angst verbinden. Dies kann zu einer Panikattacke führen, die das bisherige Training mit Sicherheit zunichtemachen wird.
Hier sind einige zusätzliche Tipps, wie Sie die Reise Ihres Hundes angenehmer gestalten und die Symptome der Reisekrankheit reduzieren können:
- Füttern Sie, wenn möglich, Ihren Hund in den letzten vier Stunden vor der Reise nicht mehr. Ein leerer Magen kann die Übelkeit und die Notwendigkeit häufiger Pinkelpausen verringern. Denn auch eine volle Blase ist unangenehm, vor allem auf langen Auto-, Flug- oder Zugfahrten.
- Sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund, wann immer möglich, Zugang zu frischem Wasser hat. Wassernäpfe, die an der Tür des Transportkäfigs befestigt sind, sind für viele Tiere eine gute Option. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ihm bei jedem Zwischenstopp Wasser anzubieten.
- Bei langen Autofahrten sollten Sie ca. alle zwei Stunden einen Zwischenstopp einlegen, damit Ihr Hund trinken, sich erleichtern und sich entspannen kann, indem er auf Grasflächen schnüffelt.
- Verwenden Sie eine Transportbox oder ein Sicherheitsgeschirr für Hunde. Ängstliche, ungenügend gesicherte Hunde können sich verletzen und Unfälle verursachen. Ein Unfall kann auch bei Hunden, die vorher kein Problem hatten mit dem Autofahren, grosse Ängste auslösen, die sich dann bei den nächsten Fahrten bemerkbar machen. Viele Hunde betrachten die Transportbox als sicheren Ort. Es empfiehlt sich, Ihren Hund vor dem Transport im Auto an die Transportbox oder das Geschirr zu gewöhnen. Autofahrten in einer Transportbox können auch ein gutes Training für Flug- oder Zugreisen sein.
- Achten Sie darauf, dass es im Auto kühl und leise ist. Hören Sie Musik mit mässiger Lautstärke und halten Sie die Temperatur kühl.
- Fügen Sie den Geruch von zu Hause hinzu. Legen Sie ein T-Shirt oder eine Decke, die mit Ihrem Geruch «getränkt» ist, in die Transportbox Ihres Hundes. Nichts ist beruhigender als der vertraute Geruch seiner Besitzer.
- Bieten Sie spezielles Spielzeug für die Reise an. Wenn Sie Ihrem Hund neue Spielsachen geben, die er nur auf Reisen benutzen darf, helfen Sie ihm, die Reise mit einem tollen Erlebnis zu verbinden.
- Zögern Sie nicht, frei verkäufliche Mittel gegen Angstzustände zu verwenden, wie z.B. Adaptil, ein Spray mit beruhigenden Pheromonen. Auch beruhigende Ergänzungsmittel wie solche, die Caseinproteinderivate (Zylkene) oder L-Theanin (Anxitane) enthalten, können hilfreich sein.
- Mit speziellen Nahrungsergänzungsmitteln aus Ingwer kann gezielt die durch Reisekrankheit verursachte Übelkeit bekämpft werden (z. B. Powervet Ingwertabletten).
- Wenn Ihr Hund zusätzliche Hilfe benötigt, um während der Reise ruhig zu bleiben, wenden Sie sich an Ihren Tierarzt. Er kann Ihnen möglicherweise verschreibungspflichtige Medikamente zur Linderung von Angstzuständen und Übelkeit verschreiben. Denken Sie daran, die Anweisungen Ihres Tierarztes sorgfältig zu befolgen und die entsprechenden Medikamente in der empfohlenen Dosierung und Häufigkeit zu verabreichen. Einige Medikamente müssen mehrere Tage im Voraus eingenommen werden, um wirksam zu sein.
Wenn Sie also mit Ihrem gestressten Hund fleissig arbeiten oder Ihren Welpen von Beginn an positiv an das Unterwegssein gewöhnen, wird das Reisen nicht oder nicht mehr mit einer negativen Erfahrung verbunden sein. Ihr Hund wird Sie überallhin begleiten und mehr Zeit mit Ihnen verbringen können.