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Nachdem am 22. Juli 1962 die mit der Raumsonde Mariner 1 als Nutzlast bestückte Rakete Atlas Agena B kurz nach ihrem Start, weil sie vom Kurs abkam, gesprengt werden musste, erfolgte der Start der Mariner 2 ebenfalls als Nutzlast einer Atlas Agena B am 27. August 1962 – vor fünfzig Jahren! – erfolgreich. Mariner 2 wurde auf den Weg zur Venus geschickt, an der sie am 14. Dezember gleichen Jahres in einer Entfernung von etwa 35’000 km vorbeiflog. Alle Messgeräte, welche die Sonde mitführte, funktionierten nach verschiedenen vorgängigen Störungen der Sonde überraschend einwandfrei und lieferten der NASA wichtige und interessante Daten. Sie Sonde ermittelte eine Temperatur der Venus von 425 Grad Celsius und konnte in der Atmosphäre keinen Wasserdampf feststellen, sie bestimmte die obere Höhe der Wolkenschicht zwischen 55 km und 80 km – am 3. Januar 1963 fiel Mariner 2 definitiv aus.
Obenstehendes Bild zeigt die Sonde Mariner 2, welche 203 kg wog, wobei etwa 19 kg auf die Messinstrumente fielen. Die Instrumentierung umfasste Detektoren für die Messung von hochenergetischer Teilchenstrahlung – der kosmischen Strahlung -, Staub und Ionen, ein Magnetometer – auch als Teslameter bezeichnet – zur Messung der magnetischen Flussdichten, bzw. der magnetischen Induktion, einem Mikrowellenradiometer für die Messung von elektromagnetischen Wellen von 1 GHz bis 300 GHz sowie einem Infrarotradiometer zur Messung der elektromagnetischen Wellen im Bereich von 300 GHz bis 400 THz.
Doch »so nebenbei« entdeckte Mariner 2 auf ihrem Weg zur Venus den Sonnenwind, dessen Existenz der deutsche Physiker Ludwig Biermann bereits im Jahr 1951 voraus sagte; doch Biermann wurde damals noch nicht ernst genommen.
Ludwig Franz Benedikt Biermann (* 13. März 1907; † 12. Januar 1986) studierte an der Hochschule Hannover, den Universitäten München und Freiburg und erwarb im Jahr 1932 an der Universität Göttingen den Titel Ph. D. – ein wissenschaftliches Forschungsdoktorat. Nachher arbeitete er auf den Gebieten Astrophysik und Plasmaphysik in Edinburgh, Jena, Berlin und Hamburg. Biermann wurde am Marx-Planck-Institut für Physik und Astrophysik zuerst in Göttingen und im Jahr 1958 in München Direktor und widmete sich seinem Hauptgebiet, der theoretischen Astrophysik.
Am 2. Januar 1959 schossen die UdSSR – vom Weltraumbahnhof Baikonur aus – die Mondsonde Lunik 1 als Nutzlast einer Wodstok-Trägerrakete ins All. Die erste Mondsonde der Welt sollte geplanter Weise eigentlich auf dem Mond aufschlagen; Sie verpasste ihr Ziel knapp und flog zwei Tage nach ihrem Abschuss am Mond in einem Abstand von 6000 km vorbei. Am 5. Januar gleichen Jahres konnte von ihr das letzte Signal empfangen werden.
Lunik 1 war die erste Raumsonde der Welt. Sie hatte eine Masse von etwa 360 kg und wurde mit einer Wodstok 8K72 mit dem Ziel auf dem Mond aufzuschlagen ins Weltall geschossen. Dieses geplante Ziel erreichte sie zwar nicht und stiess unkontrolliert weiter ins All vor. Aber: Die Mondsonde wies erstmals die Existenz des Sonnenwindes nach.
Der Sonnenwind ist ein Strom geladener Teilchen – hauptsächlich bestehend aus Elektronen, Protonen und zerfallenden Helium-Atomen -, welcher von der Sonne ins Universum strömt. Weil elektrisch neutrale Atome in diesem Strom nur in kleinem Umfang vorhanden sind, handelt es sich beim Sonnenwind um ein Plasma. Es gibt den langsamen Sonnenwind, der eine Geschwindigkeit von etwa 400 km/s erreicht und den schnellen Sonnenwind, welcher eine Geschwindigkeit zwischen 800 km/s und 900 km/s aufweist. Der schnelle Sonnenwind tritt an den Löchern der Sonnenkorona – der sehr dünnen »Atmospähre« der Sonne -, die gegenüber ihren Umfeldern eine um Faktor 100 kleinere Temperatur und kleinere Dichte besitzen, aus.