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Was können wir essen, um Blähungen zu vermeiden?
Je unbehandelter und klarer das Lebensmittel, desto weniger Blähungen. Mit Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln, Reis und unverarbeitetem Fleisch lassen sich Blähungen vermeiden. Auch Butter und Käse sind kein Problem. Dabei sollte langsam gegessen und ausgiebig gekaut werden.
Kennen Sie ein Hausmittel, das vorbeugt?
Pfefferminze. Ich empfehle, Minztee zum oder nach dem Essen zu trinken. Wer am Abend etwas vorhat und auf Nummer Sicher gehen will, sollte sechs Stunden zuvor nichts essen. Je seltener wir zwischendurch essen, desto weniger Blähungen haben wir.
Also keine Zwischensnacks für Menschen mit Blähungen?
Besser nicht. Aber wenn, dann sollte es etwas Natürliches sein. Alles, was Zuckeraustauschstoffe enthält oder industriell verarbeitet ist, fördert Blähungen. Eine Banane oder ein Naturjoghurt eignet sich prima. Von Kiwi und Papaya weiss man sogar, dass sie helfen, Blähungen zu vermeiden.
Empfehlen Sie Joghurt auch wegen seiner probiotischen Wirkung?
Ja. Studien zeigen, dass Probiotika das Mikrobiom, also die Bakterienbesiedlung des Darms, korrigieren. Sie können Blähungen reduzieren, in Einzelfällen aber auch verstärken. Ich rate Patienten, Probiotika zu probieren und zu beobachten, ob eine Besserung einsetzt. Naturjoghurt oder fermentierte Lebensmittel zu essen, halte ich für gute Möglichkeiten, sich mit Probiotika zu versorgen.
Was hilft im Akutfall, wenn der Bauch kneift und Blähungen da sind?
Dann hilft es, sich hinzulegen, eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen auf den Bauch zu legen und vielleicht auch krampflösende Medikamente einzunehmen.
Wer ständig Blähungen hat, leidet unter dem Gepupse. Kann das gestoppt werden?
Leider nein. Aber es gibt inzwischen zum Beispiel Anti-Stink-Unterwäsche, in die ein Filter eingebaut ist. Und in Frankreich wurden Tabletten entwickelt, die die Pupse nach Parfum riechen lassen. Aber das ist natürlich nur eine Symptombehandlung und tut nichts gegen die Ursache.
Sorgt der Verzicht auf Gluten oder Laktose für eine bessere Verdauung?
Eine Gluten- oder Laktoseintoleranz lässt sich leicht testen. Das würde ich immer tun, bevor ich die Vielfalt meiner Ernährung einschränke. Ein viel häufigerer Grund für Blähbauch sind FODMAP-Stoffe in Lebensmitteln. Die Abkürzung steht für «Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole», Stoffe, die in vielen Obst-, Gemüse- und Getreidesorten enthalten sind. Es ist derzeit die einzige Ernährungstherapie, die nachweislich hilft, Reizdarm und Blähungen zu vermeiden. Zehn gross angelegte Studien haben die Wirkung belegt. Das kann im Moment keine andere Ernährungstherapie von sich sagen.
Wie finde ich heraus, auf welche FODMAP-Sorten ich reagiere?
Am besten mithilfe einer Ernährungsberatung. In den ersten zwei Wochen werden alle FODMAPs weggelassen. So wird erkannt, ob überhaupt eine Sensitivität besteht. Wenn die Diät eine Besserung bringt, kann man im Ausschlussverfahren vorgehen und nach und nach einzelne FODMAP-Gruppen wieder in den Speiseplan aufnehmen. So kann recht exakt bestimmt werden, auf welche Lebensmittel jemand reagiert.
Was könnte ausser einer FODMAP-Sensitivität hinter den Blähungen stecken?
Ein Patient mit starken Blähungen oder Reizdarm sollte zunächst vom Arzt untersucht werden. Blut- und Stuhlproben, Tests auf Intoleranzen und eventuell eine Darmspiegelung geben Aufschluss, ob eine Erkrankung vorliegt, die gezielt behandelt werden kann.
Ist das ausgeschlossen, kann eine FODMAP-arme Ernährung probiert werden. Hilft diese auch nicht, werden weitere Ursachen in Betracht gezogen: Zum Beispiel eine Fehlbesiedlung des Dünndarms mit Bakterien. Beim sogenannten «small intestinal bacterial overgrowth», kurz SIBO, sind zu viele und wohl auch die falschen Bakterien am falschen Ort.
Wie kann ich erkennen, ob mein Dünndarm fehlbesiedelt ist?
Einen ersten Hinweis gibt der «Spaghetti-Test». Wenn ein ordentlicher Teller Spaghetti Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall auslöst, könnte ein SIBO vorliegen. Dann hilft es, sich stärkearm zu ernähren.