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<h2>SubmittedText<h2><p>Die nationalen Dachverbände führen Gespräche über einen Gesamtarbeitsvertrag für die Waldwirtschaft. Ein solcher hätte direkte negative Konsequenzen auf die in der Waldpolitik 2020 formulierten Zielsetzungen bezüglich Wirtschaftlichkeit und Nutzung des einheimischen Holzpotenzials. Die Personalverbände streben dabei einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) an, der für die gesamte Schweiz gelten soll. In ihrer Argumentation führen sie u. a. den Konkurrenzdruck durch ausländische Arbeitskräfte, vermeintlichen Fachkräftemangel sowie vergleichsweise schlechtere Anstellungsbedingungen an. Der Bundesrat wird gebeten, in Zusammenhang mit der Diskussion um einen GAV Wald folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie gross ist der Anteil ausländischer Arbeitsleistung in der Schweizer Waldwirtschaft (nur forstliche Arbeiten) bezogen auf die Anzahl Vollzeitstellen sowie auf das geerntete Volumen (in Festmetern) bzw. auf den Umsatz der forstlichen Arbeiten?</p><p>2. Wie gross ist der tatsächliche Fachkräftemangel, wenn das Ziel Nr. 6 der Strategischen Stossrichtung 3.6 aus der Waldpolitik 2020 des Bundesrates tatsächlich umgesetzt ist?</p><p>3. Wie verhält sich das durchschnittliche Lohnniveau der Waldwirtschaft im Vergleich zu vergleichbaren Berufen mit ähnlichen Anforderungen (eine Übersicht ist erwünscht) bzw. zu Berufen, in die ein Drift aus der Waldwirtschaft stattfindet?</p><p>4. Wie stehen die Sozialleistungen (Arbeitszeit, Ferien, Überzeit, Rente, Pensionierungsalter) der Waldberufe im Vergleich zu anderen ähnlichen Berufsfeldern?</p><p>5. Wie gross ist die tatsächliche Mobilität (Austritt aus der Branche) der Fachkräfte aus der Waldwirtschaft in andere Branchen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Frage, ob in einer Branche ein Gesamtarbeitsvertrag abgeschlossen werden soll oder nicht, liegt in der Vertragsfreiheit der Sozialpartner. Es ist nicht die Rolle des Bundesrates, sich zu dieser Frage zu äussern.</p><p>1. Der Anteil der ausländischen Försterinnen und Förster in der Schweizer Waldwirtschaft betrug gemäss der Strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik im Zeitraum zwischen 2010 und 2014 durchschnittlich 3,2 Prozent, bei den Forstwarten und Waldarbeitenden lag dieser Anteil bei 6,5 Prozent. Damit lag der Anteil ausländischer Erwerbstätiger bei den forstwirtschaftlichen Berufen deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Ausländische Forstarbeitende, die in ausländischen Forstunternehmen angestellt sind und in der Schweiz im Auftragsverhältnis Arbeiten ausführen, sind hingegen nicht erfasst. Diesbezüglich und in Bezug auf das geerntete Volumen bzw. auf den Umsatz hat die Bundesverwaltung keine Kenntnis von Statistiken oder Studien, die belastbare quantitative Angaben ermöglichen.</p><p>2. Fachkräftemangel kann nicht exakt quantifiziert werden. Der Bund hat im vergangenen Jahr ein aktualisiertes Indikatorensystem zur Bestimmung von Fachkräftebedarf in 380 Berufen vorgelegt. Das Indikatorensystem bildet strukturelle Elemente und langfristige Entwicklungen ab, die über mehrere Jahre ihre Gültigkeit behalten. Hingegen eignet es sich nicht als Prognoseinstrument. Gestützt auf das erwähnte Indikatorensystem des Bundes bestehen bei den Försterinnen und Förstern Anzeichen für einen leicht erhöhten Fachkräftebedarf im gesamtwirtschaftlichen Vergleich. Bei den Forstwarten und Waldarbeitenden hingegen zeigen die Indikatoren keinen Fachkräftemangel an.</p><p>Eine Umfrage der Codoc (Koordination und Dokumentation Bildung Wald, Fachstelle der Schweizerischen Eidgenossenschaft) zeigte 2015 auf, dass infolge der teilweise ungünstigen demografischen Entwicklung im operativen Bereich der Waldbewirtschaftung (z. B. absehbare Pensionierungen bei den Revier- und Betriebsförstern) ohne Massnahmen mittelfristig ein Mangel an Fachkräften drohen könnte. Bereits 2013 haben das Bundesamt für Umwelt, die Konferenz der Kantonsförster sowie die zentralen Branchenakteure die Bildungsstrategie Wald Schweiz erarbeitet. Diese beinhaltet auch Massnahmen, um einen quantitativ und qualitativ ausreichenden Nachwuchs an Fachkräften zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten Waldbewirtschaftung sicherzustellen. Vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden strukturellen Bereinigungsprozesses (z. B. Optimierung der Bewirtschaftungsstrukturen) sollte durch die Umsetzung dieser und weiterer Massnahmen der drohende Mangel an Fachkräften auf ein erträgliches Mass reduziert werden können.</p><p>3. Ein solcher Vergleich ist anhand der heute zur Verfügung stehenden Daten nicht möglich. Die umfassendste statistische Quelle zu Schweizer Löhnen ist die schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik. Diese erhebt jedoch weder in der Forstwirtschaft noch in der Landwirtschaft Lohndaten. Somit liegen auf nationaler Ebene für diese beiden Branchen keine gesicherten Daten vor.</p><p>Anhaltspunkte zu den Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Forstwirtschaft liefern heute alleine kantonale oder regionale Lohnempfehlungen von einzelnen privaten Branchen- oder Berufsverbänden. In zwei Kantonen (Freiburg, Tessin) sind zudem bestehende Gesamtarbeitsverträge in der Forstwirtschaft allgemeinverbindlich erklärt. Die darin enthaltenen Lohn- und Arbeitsbedingungen sind als Mindeststandards zu verstehen und widerspiegeln somit nicht die effektiven Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Branche.</p><p>4. Analog zu den Löhnen (siehe Antwort zu Frage 3) ist ein Vergleich der übrigen Arbeitsbedingungen in der Forstwirtschaft mit den Bedingungen in ähnlichen Berufsfeldern schwierig. Die erwähnten Bestimmungen zur Arbeitszeit, zu Ferien oder Überzeit sind Gegenstand der jeweiligen Einzelarbeitsverträge und fallen somit sehr unterschiedlich aus. Auf nationaler Ebene liegen diesbezüglich keine konsolidierten Daten vor.</p><p>5. Gemäss Indikatorensystem ist die Berufsmobilität (Austritte aus dem Beruf) bei den forstwirtschaftlichen Berufen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen vergleichsweise gross. Nur etwa ein Drittel der Personen, die ihre Berufsbildung in einem forstwirtschaftlichen Beruf oder einem Jagd- oder Fischereiberuf absolvierten, ist aktuell noch in einem dieser Berufe tätig. Rund 9 Prozent wechselten in einen landwirtschaftlichen Beruf, und die restlichen rund 57 Prozent verteilen sich auf andere Berufsfelder oder sind erwerbslos oder nicht mehr erwerbsaktiv.</p>  Antwort des Bundesrates.