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Als Beobachtung 2. Ordnung bezeichne ich eine Inversion der Beobachtung, in welcher das Beobachten beobachtet wird. In der 2. Beobachterordnung wird das Erklärte zur Erklärung.
Die Beobachtung 2. Ordnung ist ein Beobachtung, die ihrerseits beobachtet werden kann. Als Beobachtung beschreibt die Beobachtung 2. Ordnung die Verwendung von Unterscheidungen in der ersten Ordnung.
ausführlicher in: Crashkurs Systemtheorie 2. Ordnung.
Anmerkung:
Beispiel:
Jemand hat das Sterben von Fischen beobachtet, INDEM er es in der Zeitung ge/beschrieben hat. Jemand hat beobachtet, dass das Sterben der Fische etwas anderes ist als die Nachricht in der Zeitung darüber. Er hat damit eine Unterscheidung bezeichnet, die in der Zeitungsnachricht nicht verwendet wurde. Anschliessend kann gesehen/gefragt werden, dass/ob das Fischsterben oder die Nachricht weiter beobachtet werden sollte. N. Luhmann meinte, dass Fischsterben sei relativ bedeutungslos, die Gesellschaft gerade wegen der Nachricht in gesetzgebende Panik.
N. Luhmann beschreibt in Kunst dG, S. 137 sehr gut, was ich hier als Beobachtung 2. Ordnung bezeichne.
under construction
Beobachtung 2. Ordnung
1) ich beobachte, dass ich einen Baum beobachte. Was beobachte ich dann?
ich beobachte, dass ich einen Baum von etwas anderem unterschieden habe. Aber wovon? von allem anderen, also von dessen Um-Welt, zu welcher auch ich gehöre.
Ok, und wozu ist das gut?
In einem Text kann später klar werden, dass ich den Baum von anderen Pflanzen oder von anderen Energieträgern unterscheide, was die Bezeichnung "Baum" noch nicht hergibt - und mir auch nicht bewusst sein muss, wenn ich von einem Baum spreche.
Es ist vorerst eine implizite Unterscheidung.
2) ich beobachte, dass ich System und Umwelt unterscheide. Das ist aber einfach die Explikation zu System wie zu jedem Gegenstand, der eine Um-Welt hat. Um-Welt steht für alles andere.
In einem Text kann später klar werden, dass ich System von Gegenständen unterscheide, die als System nicht in Frage kommen, etwa von einem Stein.
2a) ich beobachte, dass ich unterscheide, beispielsweise System/Umwelt oder Ding/Umwelt.
Ok, und wozu ist das gut? Ich unterscheide immer, was habe ich davon, wenn ich mir das im speziellen Fall bewusst machte, es also beobachte?
eben noch gar nichts, wenn ich die spezifische Unterscheidung nicht durch eine andere ersetzen kann.
1 Zwischenbilanz: Von einer Beobachtung 2. Ordnung spreche ich nur dann, wenn die mögliche Ersetzung als Alternative gekennzeichnet wird.
3) Wenn ich Freiheit sage, unterscheide ich nicht Freiheit von deren Umwelt, sondern von deren Gegenteil.
2 Zwischenbilanz: Dinge haben eine Um-Welt, Freiheit hat keine Um-Welt, aber sie hat ein Gegenteil.
Was heisst Gegenteil? Dazu muss ich das Adjektiv, respepktive die Eigenschaft betrachten: Freiheit --> frei und dann die Domäne: frei - gefangen oder frei - gebunden oder ..
Die Kategorie bezeichnet die Einheit der Unterscheidung, bei Eigenschaften die Domäne.
4. Beispiel für Kategorien: Bedürfnis, Bedarfszustand
Das Bedürfnis wird hergestellt, der Bedarf ist autopoietisch.
Die Kategorie betrifft die Poiesis mit den Werten auto- und allo-
oder ungeklärt beispielsweise biologisch und sozial in der Kategorie Verhaltensbegründung
Eine Aussage oder ein Argument kann eine Begründung oder eine Erklärung enthalten.
Beispiel:
Ego sagt etwas über Arbeit. Alter weiss nicht, ob er physikalische oder gesellschaftliche Arbeit (Kontingenz) meint. Ego weiss auf Grund der Antwort nicht, ob er richtig oder falsch (Kontingenz) verstanden wurde: Doppelte Kontingenz. Eine Beobachtung 2. Ordnung würde aufdecken von welcher Art Arbeit gesprochen wird und damit die Kontingenz bezeichnen. Die Beobachtung, dass Ego über Arbeit spricht, ist keine Beobachtung 2. Ordnung.
Beachte: Alter und Ego bedeutet hier, es spielt keine Rolle, wessen Beobachtung reflektiert wird. Ich kann über meine eigenen Texte nachdenken.
Das Beobachten 2. Ordnung wird sehr oft als Beobachter beobachten missverstanden. Wenn ich beobachte, wie mein Katze ein Mauseloch beobachtet, ist das keine Beobachtung 2. Ordnung. Ich müsste beobachten, mit welcher Unterscheidung sie das tut und vor allem, was alternativ wäre.
@ThomasStrobl7 Die Beobachtung 2. Ordnung ist immer und ausschließlich eine des Beobachters 2. Ordnung. Auch die Unterscheidungen sind die des Beobachters 2. Ordnung. Der Beobachter 1. Ordnung ist für den Beobachter 2. Ordnung Umwelt.
DU beobachtest, dass deine Katze das Mauseloch beobachtet. Für die Katze hingegen mag es weder ein Mauseloch, noch dich, noch sie selbst als Katze geben.
@RolfTodesco ja, das sehe ich alles auch so. Mein Punkt ist, dass offen bleibt, was in der 2. Ordnung beobachtet wird - wenn es nicht explizit beobachtet wird. Beobachter beobachten hat nichts mit 2. Ordnung zu tun.
@ThomasStrobl7 In der Kommunikation schon. Denn genau daher rührt ja die "doppelte Kontingenz" und Luhmanns Behauptung von der "Unwahrscheinlichkeit erfolgreicher Kommunikation".
@RolfTodesco hmmm ... das ist nur Kontext, dabei ist nichts darüber gesagt, WIE in der 2. Ordnung beobachtet wird.
Doppelte Kontingen besagt vor allem Kontingenz, und diese muss in der 2. Ordnung bezeichnet - nicht nur vermutet oder unterstellt - werden. @pemoe Denk an dich. Wenn du über das, was du im Loch siehst nachdenkst, ist das eine Beobachtung 2. Ordnung. Nach Luhmann #KdG rund um die Seite, die @superrieu zeigt. (In der Fußnote HvF.) Ob du mitgehst, das so zu nennen, ist eine andere Frage ;-) @superrieu Man sollte beim Beobachtungsbegriff alle Hinsichten des "Hinschauens" vermeiden. Es geht beim Beobachtungsbegriff ausschließlich um den Formgebrauch, also um das unterscheidende Bezeichnen (oder bezeichnende Unterscheiden) 1. und 2. Ordnung. Ohne diese Abstraktionshöhe geht's nicht. @RolfTodesco Abstraktionshöhe brauchts nicht: Beobachten heisst eben Bezeichnen, nicht nachdenken. Und in der 2. Ordnung MUSS man zuerst HINSCHAUEN/SEHEN, was in der 1. Ordnung WIE bezeichnet wurde. Das Beispiel mit der Katze sollte eben gerade kein Beispiel für die 2. Ordnung sein, sondern ein Beispiel dafür, dass die 2. Ordnung sehr oft nicht verstanden wird (wie die Kontingenz). Aber eben, auch das Beispiel wird nicht verstanden.
@r3xlast
zb einmal wäre eine Maus im Mauseloch und das andere mal nicht?
@RolfTodesco und welche Alternative zu genau dieser Unterscheidung würdest Du beobachten, wenn Du die Katze beobachten würdest?
@r3xlast unsicher ob ich die Frage verstehe, wie meinst du Alternative? Ich würde wohl einen weiteren Aufbau durchführen. Zb Die Katze beobachten lassen, wie ich die Maus hineintue, ihr dann diese Beobachtung verwehren und dann wieder das Mauseloch zeigen?
@RolfTodesco Eine Möglichkeit ist, dass die Katze Maus im Loch und keine Maus im Loch unterscheidet. Eine Alternative wäre, wenn sie eine andere Unterscheidung verwenden würde. Fällt Dir eine ein?
Ein Beispiel us der Soziologie:
Beobachtung 1. Ordnung und 2. Ordnung
Die genannten Theorien unterscheiden zwei Beobachtungsebenen: eine Ebene der Beobachtung 1. Ordnung und eine der Beobachtung 2. Ordnung. Nach Bardmann/Lamprecht (1999: Beobachtung) zeichnet sich die Beobachtung 1. Ordnung durch die Beantwortung der Fragen „Was beobachte ich?“ oder „Was ist der Fall?“ aus. Die Antwort entspricht der Bezeichnung der einen Seite der Unterscheidung, wobei die nicht bezeichnete Seite als blinder Fleck des Beobachters erscheint. Mit dem Begriff des „blinden Flecks“ bezeichnet Heinz von Foerster (vgl. dazu Bardmann, 1999: 17) den Umstand, dass beim Beobachten die Unterscheidung nicht im Auge hat, die seiner Beobachtung zugrunde liegt. Er kann also nur sehen, was er sieht, und nicht, was er dabei nicht sieht.
Dieser „blinde Fleck“ kann nur durch eine weitere Beobachtung, eine Beobachtung 2. Ordnung erhellt werden. Es handelt sich dabei um eine Beobachtung, welche die Unterscheidung beobachtet, welche durch den Beobachter 1. Ordnung verwendet wurde „... und zwar mit Hilfe anderer Unterscheidungen (zum Beispiel der von wahr und unwahr)“ (Luhmann, 1994: 515). Die Beobachtung 2. Ordnung sieht also nicht mehr nur die eine Seite der vorher gewählten Unterscheidung, sondern beide, also auch das, was der Beobachter 1. Ordnung nicht gesehen hat. Die Vorzugsfragen lauten jetzt: „Wie, d.h. mit welchen Unterscheidungen, beobachtet der Beobachter?“ oder „Warum so und nicht anders?“ (Bardmann, Lamprecht, 1999: Beobachtung).
Kritik
In dieser Formulierung scheint der Soziologe (oder der Beobachter 2. Ordnung mehr zu sehen, als der Beobachtete. Er sieht aber natürlich nur was er sieht, also glechviel wie der Beobachtete (falls er nicht eine Art göttliches Auge hat). In der 2. Ordnung wird nicht mehr, sondern etwas ganz anderes gesehen.
Textstellen
"Das Beobachten erster Ordnung ist das Bezeichnen - im unerläßtlichen Unterschied von allem[!], was nicht bezeichnet wird" (GdG, 1997, S. 102)
"Wir sagen also: ein Beobachten zweiter Ordnung liegt immer dann vor, wenn auf Unterscheidungsgebrauch geachtet wird; oder pointierter: wenn das eigene Unterscheiden und Bezeichnen auf ein weiteres Unterscheiden und Bezeichnen bezogen wird. [...] [...]" (GdG, 1997, S. 101. 102)
"Aber Beobachtung zweiter Ordnung ist ja nicht nur Beobachtung erster Ordnung. Sie ist weniger und sie ist mehr. Sie ist weniger, weil sie nur Beobachter beobachtet und nichts anderes. Sie ist mehr, weil sie nicht nur diesen ihren Gegenstand sieht (= unterscheidet), sondern auch noch sieht, was er sieht und wie er sieht, was er sieht; und eventuell sogar sieht, was er nicht sieht und sieht, daß er nicht sieht, daß er nicht sieht, was er nicht sieht. Auf der Ebene der Beobachtung zweiter Ordnung kann man also alles sehen: das, was der beobachtete Beobachter sieht, und das, was der beobachtete Beobachter nicht sieht. Die Beobachtung zweiter Ordnung vermittelt einen universalen Weltzugang." (Soz. Aufklärung 5:16)
"Auf der Ebene der Operationen (Handlungen, Kommunikationen, Gefühle, Glaubensvorstellungen) haben wir es mit Beobachtern erster Ordnung zu tun, die mehr oder minder für selbstverständlich halten, was sie tun; auf der Ebene der Form haben wir es mit Beobachtern zweiter Ordnung zu tun (Intellektuelle, Kritiker, Psychoanalytiker, heute zunehmend: Künstler), die sich darüber wundern, was die anderen für selbstverständlich halten und sie über die Kontingenz „aufzuklären“ versuchen, die die Beobachter erster Ordnung in den Augen der Beobachter zweiter Ordnung umgibt." (D. Baecker: Form der Kultur:7)
Man unterscheidet die Beobachtung erster Ordnung (die Beobachtung von Gegenständen) von der Beobachtung zweiter Ordnung (der Beobachtung der Beobachter): Im Fall der Beobachtung zweiter Ordnung beobachtet der Beobachter auch, was der beobachtete Beobachter beobachtet, d. h. die Welt dieses Beobachters, die von jener des ersten Beobachters oder der eines anderen verschieden sein kann. Das Standardwerk dazu hat von Foerster geschrieben (1982) [Observing Systems. Seaside: Intersystems Publications.]; für die Ausweitung des Konzepts in der Soziologie und seine Auswirkungen vgl. Luhmann 1990 [Luhmann, Niklas (1990): Die Wissenschaft der Gesellschaft], S.68ff. (Esposito, E.: Die Fiktion der wahrscheinlichen Realität)