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Das Schweizer Klima zeichnet sich durch grosse natürliche Schwankungen aus. Gewisse Veränderungen seit der Industrialisierung können aber nur mit dem Klimawandel infolge Treibhausgasemissionen erklärt werden. So ist die Jahresdurchschnittstemperatur seit 1864 um rund 2 Grad Celsius (Stand 2018) gestiegen, der Anstieg erfolgte zum grössten Teil in den letzten Jahrzehnten. Seit rund 30 Jahren war kein Jahr in der Schweiz mehr kühler als der Durchschnittswert der Jahre 1961 bis 1990.
Eine Erwärmung um 2 Grad ist für Menschen schwierig zu fassen. Dass die Sommer- und Hitzetage (maximale Temperatur grösser gleich 25 bzw. 30°C) stark zunehmen, während die Eis- und Frosttage (maximale Temperatur kleiner 0°C bzw. minimale Temperatur kleiner 0°C) deutlich abgenommen haben ist jedoch offensichtlich. Als Folge der Temperaturzunahme entwickelt sich die Vegetation im Frühling und Sommer heute deutlich früher als vor einigen Jahrzehnten.
Auch die Niederschläge haben sich verändert. So haben die mittleren Winterniederschläge in den letzten 150 Jahren in den meisten Regionen der Schweiz (ausser in den Südalpen und in weiten Teilen Graubündens) zugenommen. Auch die Starkniederschläge haben seit 1901 sowohl an Intensität wie auch an Häufigkeit zugenommen. Dafür gibt es vor allem in tieferen Lagen heute weniger Tage mit Schneefall und kleinere Neuschneesummen als noch vor 30 bis 40 Jahren.
Klimaszenarien für die Schweiz
Gemäss aktuellen Klimaszenarien setzt sich die Erwärmung des Klimasystems in Zukunft weiter fort. Meteo Schweiz hat zusammen mit Partnern detaillierte Klimaszenarien für die verschiedenen Regionen der Schweiz erstellt. Sie zeigen, wo und wie der Klimawandel die Schweiz trifft. Weltweite Klimaschutzanstrengungen könnten den Einfluss des Klimawandels noch verändern. Bei einem ungebremsten Klimawandel sind mehr Hitzetage, trockenere Sommer, heftigere Niederschläge und schneearme Winter in der Schweiz zu erwarten
Steigende Temperaturen
Die Temperatur in der Schweiz wird in den kommenden Jahrzehnten weiter ansteigen und zwar in allen Jahreszeiten. Am stärksten jedoch im Sommer. Noch erheblich stärker als die jahreszeitlichen Durchschnittstemperaturen steigen die Höchsttemperaturen. Die heissesten Sommertage können 2060 in einem durchschnittlichen Sommer bis zu 5,5 Grad Celsius wärmer sein als heute. Dies lässt sich unter anderem damit erklären, dass aufgrund der geringeren Bodenfeuchte weniger Wasser verdunsten und so den Boden kühlen kann. Mit jedem zusätzlichen Grad Celsius der mittleren Erwärmung in der Schweiz verdoppelt sich ungefähr die Anzahl der sehr heissen Tage. Heute kommen sehr heisse Tage im Schnitt an knapp einem Tag im Sommer vor. Bis Mitte dieses Jahrhunderts könnte die Anzahl sehr heisser Tage in einem typischen Sommer bis auf 18 steigen. Damit werden auch Hitzewellen deutlich häufiger auftreten.
Besonders in tiefer gelegenen Regionen nehmen zudem Phasen mit Hitzestress für Mensch und Tier zu: Durch das Zusammenwirken von grosser Wärme und Luftfeuchte kann sich der Körper nicht mehr auf ein angenehmes Mass herunterkühlen. Städtische Wärmeinsel-Effekte sind dabei noch nicht erfasst. In stark überbauten Gebieten liegen die Temperaturen insbesondere nachts noch einige Grad Celsius höher als im Umland. Der grosse Teil der Bevölkerung in den Ballungsräumen ist daher noch stärker von der zunehmenden Hitze betroffen.
Veränderte Niederschläge
Der zukünftige Klimawandel macht sich auch beim Niederschlag bemerkbar. Für die Sommermonate ist in Zukunft mit einem spürbaren Rückgang des Niederschlags zu rechnen. An einem durchschnittlichen Regentag im Sommer fällt zwar im Schnitt ähnlich viel Niederschlag wie bisher. Aber es gibt mehr regenfreie Tage. Die längste Trockenperiode des Sommers kann Mitte des Jahrhunderts im Schnitt bis etwa eine Woche länger dauern als heute.
Generell sind Gebiete im Westen und Süden stärker vom möglichen Niederschlagsrückgang betroffen als solche im Osten. Es fällt nicht nur seltener Regen – wegen der höheren Temperaturen verdunstet auch mehr Feuchtigkeit als heute. Die Böden werden also trockener, selbst wenn der Niederschlag nicht abnehmen sollte.
Mit fortschreitendem Klimawandel nimmt die Tendenz zur Trockenheit weiter zu. Gegen Ende des Jahrhunderts könnte eine Trockenheit, wie sie bisher ein- bis zweimal in zehn Jahren auftrat, jedes zweite Jahr vorkommen. Die Sommer 2003 und 2018 gaben eine Vorstellung davon.
Seit 1901 hat die Niederschlagsmenge von einzelnen Starkniederschlägen in der Schweiz deutlich zugenommen. Da wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen kann, ist damit zu rechnen, dass sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzt: Bei ungebremstem Klimawandel ist bis Mitte dieses Jahrhunderts zu erwarten, dass die stärksten Eintages-Niederschläge im Winter um rund 10 Prozent heftiger ausfallen. Bis Ende des Jahrhunderts beträgt die erwartete Zunahme 20 Prozent. Im Sommer bewegen sich die Zunahmen um 10 Prozent. Auch sehr seltene Niederschlagsereignisse, wie sie etwa einmal in 100 Jahren eintreten, verstärken sich. Trotz abnehmender Niederschlagssummen werden also Einzelereignisse stärker. Das Schadenspotenzial der Niederschlagsextreme ist in Zukunft nicht allein wegen der höheren Niederschlagsmengen grösser. Der Anstieg der Schneefallgrenze erhöht insbesondere im Winter den Anteil des flüssigen Niederschlags und beschleunigt so den Abfluss.
Schneearme Winter
Die Alpengletscher sind seit 1850 um rund 60 Prozent ihres Volumens zurückgegangen. Und in Gebieten unter 800 Meter Höhe hat sich die Zahl der Schneetage seit 1970 halbiert. In Zukunft werden in der Schweiz die Mitteltemperaturen im Winter weiter steigen. Die Nullgradgrenze könnte bis Mitte dieses Jahrhunderts von heute 850 Meter auf bis zu knapp 1500 Meter über Meer klettern. Die höheren Temperaturen führen einerseits dazu, dass ein grösserer Anteil der Niederschläge als Regen fällt, andererseits fallen im Winter insgesamt mehr Niederschläge.
In der Summe wird die Schweiz eine deutliche Abnahme sowohl beim Schneefall als auch bei der Schneebedeckung erleben. Dies betrifft insbesondere die tiefen Lagen und das Frühjahr. Unterhalb von 1000 Metern wird die Schneebedeckung bis Mitte Jahrhundert um etwa die Hälfte, bis Ende Jahrhundert wahrscheinlich sogar um über 80 Prozent schwinden. Aber auch die höheren Lagen sind betroffen: Die grosse Mehrheit der Alpenorte muss mit weniger Schnee rechnen, insbesondere im Frühjahr. Die geringeren Schneemengen wirken sich auch auf die Gletscher aus, das Abschmelzen beschleunigt sich.
Im Winter bestimmen oft kleinräumige Erscheinungen wie Inversionslagen und Kaltluftseen das Wettergeschehen vor Ort. Daher schwanken die Schneemengen stark, und es ist entsprechend schwierig, sie im Klimamodell zu simulieren. Es ist deshalb möglich, dass es auch in Zukunft immer wieder schneereiche Winter geben kann.