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Neuseeland schickt seinen staatlichen Zauberer in Pension
Mehr als zwei Jahrzehnte war er der wahrscheinlich einzige Zauberer in Staatsdiensten. Nun muss Ian Brackenbury Channell gehen – es gab Streit um Äusserungen des Magiers.
Seine Zauberkunst sollte der «gesamten Nation» zugutekommen, jetzt aber ist Schluss mit den magischen Tricks in Diensten des Staates: Mehr als zwei Jahrzehnte stand Ian Brackenbury Channell auf dem Gehaltszettel der Stadt Christchurch, als offizieller Zauberer von Neuseeland. Wie der «Guardian» berichtet, wurde der Vertrag mit dem heute 88-Jährigen nun aber aufgelöst.
Der in England geborene Zauberer kam 1976 nach Neuseeland und begann bald, auf öffentlichen Plätzen seine Tricks vorzuführen. Als der Stadtrat von Christchurch ihm seine Zauberspässe untersagen wollte, kam es zu einem öffentlichen Aufschrei, Channell durfte weitermachen. Anfang der 80er galt der Magier den Neuseeländern als lebendes Kunstwerk und wurde schliesslich so bekannt, dass ihn der damalige Premierminister Mike Moore 1990 bat, in Staatsdienste zu treten.
«Ich mache mir Sorgen, weil Ihre Zauberkünste nicht der ganzen Nation zur Verfügung stehen», zitiert der «Guardian» aus Moores damaligem Schreiben. «Ich schlage daher vor, dass Sie dringend meinen Vorschlag in Erwägung ziehen sollten, der Zauberer von Neuseeland, der Antarktis und den entsprechenden vorgelagerten Gebieten zu werden ... Zweifellos gibt es Gebiete im Bereich von Zaubersprüchen, Segnungen, Flüchen und anderen übernatürlichen Angelegenheiten, die jenseits der Kompetenz eines einfachen Premierministers liegen.»
Aufruhr um Äusserungen
Channell nahm an – und verdiente fortan jährlich 16'000 Neuseeländische Dollar, umgerechnet knapp 10'500 Franken. Insgesamt habe man ihm in 23 Jahren umgerechnet rund 240'000 Franken überwiesen, so der Bericht. Zu seinen Aufgaben gehörte es etwa, in Neuseeland und Australien Regentänze aufzuführen, und Channell tat das offenbar so gut, dass er 2009 sogar mit dem Orden «Queen's Service Medal »ausgezeichnet wurde.
Anfang dieses Jahres sorgte der Zauberer allerdings auch für Kontroversen, als er in einer TV-Show sagte, man solle niemals Frauen schlagen, «denn sie bekommen zu leicht blaue Flecken, und sie werden es den Nachbarn und ihren Freunden erzählen ... und dann hast du grossen Ärger». Auch mit dem Stadtrat von Christchurch hatte sich Channell angelegt und den Beamten vorgeworfen, ihn ins Abseits drängen zu wollen. «Sie mögen mich nicht, weil sie langweilige alte Bürokraten sind, und jeder mag mich und niemand mag sie», empörte sich der Zauberer.
Der Stadtrat von Christchurch hingegen teilte mit, man wolle eine neue Tourismuskampagne lancieren, die eine «lebendige, vielfältige und moderne Stadt» zeige – und offenbar passte ein Staatszauberer nicht mehr ins Konzept.
Der gekündigte Magier will nun weiter in seiner Heimatstadt auftreten, auch ohne offizielle Anstellung. Verwünschen wolle er den Stadtrat von Christchurch nicht, sagte Channell dem «Guardian» – aber dafür sorgen, dass die «Bürokraten menschlicher werden».