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Dass Australien grosse Probleme mit eingeführten Tier- und Pflanzenarten hat, ist kein neues Phänomen. Bereits in den 1840er-Jahren wurde im Northern Territory eine Farm mit aus Asien eingeführten Wasserbüffeln aufgegeben. Die Tiere entliess man in die Wildnis, wo es ihnen gefiel — sie vermehrten sich auf 300’000, und zerstörten in der Folge die wertvollen Schwemmebenen. Karpfen verderben im Murray River den anderen Fischen das Wasser, Rotfüchse rotten im Süden einheimische kleine Beutetiere aus. Oft setzt die Natur Barrieren — den Füchsen ist es in den nördlicheren Breiten zu heiss —, oft aber auch nicht. Seit Jahrzehnten kämpft man gegen wilde (engl. feral) Kamele, Esel, Pferde, Ziegen, Schweine und mehr.
Wasserbüffelbulle
Quoll (Quelle: Wikipedia)
Fotofalle (Quelle: australianwildlife.org)
Ich versuche im Folgenden, nur die Eckpunkte von Hughs Arbeit darzustellen (wer sich für die Details interessiert, dem sei “Landscape Management of Fire and Grazing Regimes Alters the Fine-Scale Habitat Utilisation by Feral Cats”, McGregor et al., als Einstieg empfohlen), und gebe jetzt schon Entwarnung: es braucht keinen akademischen Grad, um das Vorgehen zu verstehen.
Hugh hatte die Beobachtung gemacht, dass die bedrohten Tierarten in steinigem oder felsigem Gelände viel weniger stark dezimiert waren als dort, wo die Vegetation, die ihnen Deckungen bietet, geschädigt ist. Er postulierte die folgende Hypothese: Katzen wählen ihr Territorium danach aus, wo ihr Jagderfolg am grössten ist, und passen ihre Jagdgründe dynamisch an, wenn sich andernorts bessere Beutechancen einstellen. Konkret: dort, wo grosse Pflanzenfresser (Kühe, Pferde, Büffel) die schützende Vegetation fressen oder zertrampeln, oder dort, wo Feuer die Deckung zerstört hat. (Aus dem vorletzten Blogeintrag wissen wir, dass nur intensive, grosse Feuer die Deckung der kleinen Tiere zerstören, während schwache, lokal begrenzte Feuer (patch burns), wie sie die Aborigines legen, Ausweichmöglichkeiten lassen.)
Kühe in der Nähe des Mornington Sanctuary
- Präsenz (resp. Absenz) von Kühen
- intensive, grosse (resp. schwache, begrenzte) Feuer
Als “Spielwiese” für das mehrere Jahre dauernde Experiment dienten das Mornington Sanctuary und das Marion Downs Sanctuary, zwei ehemals grosse Rinderfarmen, die heute gänzlich rinderfrei sind, sowie eine angrenzende aktive Rinderfarm, zusammen gut 7’000 km2 (= 1/6 der CH). Das ergab ein riesiges Savannenland mit homogenen geologischen und biologischen Eigenschaften, auf dem ein Teil rinderfrei war, der andere nicht. Die Feuer wurden nach einem ausgeklügelten Muster vom Boden oder aus der Luft gelegt und in der Intensität variiert (früh resp. spät in der Saison).
Savanne
Spinifex-Grasbüschel sind Lebensraum für viele Kleintiere
Katzenjäger (Quelle: australianwildlife.org)
Es stellte sich aber bald heraus, dass die Funkpeilung in dem riesigen Gebiet ungenügend war. Detaillierte grossräumige Bewegungen mussten deshalb via GPS-Tracking ermittelt werden. Also “sammelte” Hugh die Katzen mithilfe ihres Funkhalsbands wieder ein (Methode: ungefähre Peilung–Hund–Baum–Gewehr–Netz), und versah sie zusätzlich mit einem GPS-Halsband. Die Daten, die daraus gewonnen wurden, brachten viele Erklärungen:
- die Katzen sind territorial mit einem Revier von 0.5 bis 8 km2
- sie suchen sich systematisch Jagdgebiete, in denen ihre Beute wenig Deckung hat
- sie registrieren Brände und suchen mehrere Wochen später die Brandgebiete auf; es ist unklar, ob sie die Brände riechen oder sehen, aber es ist eine erstaunliche Leistung, dass sie sich Wochen später noch daran erinnern. Warum suchen sie die Brandgebiete nicht sofort auf? — Kurz nach dem Brand kommen die Dingos, die auf flüchtende oder versehrte Wallabies aus sind … oder auf Katzen. Erst wenn die Dingos wieder weg sind, getrauen sich die Katzen hin.
- eine Katze traversiert auf dem Weg zu einem Brand sogar Reviere von anderen Katzen (das gibt zwar Streit, aber es lohnt sich offenbar)
Patch burning
- die frei von Kühen, Büffeln, Pferden, Kamelen, etc. sind
- in denen das saisonale patch burning der Aborigines praktiziert wird
- in denen die Dingos geschützt werden.
Dass die Bestände der bedrohten Tierarten in den letzten 20 Jahren so dramatisch gesunken sind, hat zu Einen damit zu tun, dass das traditionelle Abbrennen immer mehr verhindert wurde, weil man Brände unter allen Umständen verhindern wollte — die Konsequenzen waren heftige wild fires. Zum Anderen, dass auf Rinderfarmen unter Kostendruck die Dichte der Kühe stetig gesteigert wurde bzw. wird, was den Druck auf die Vegetation erhöht.