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Rumantsch Grischun im Unterricht
Graubünden reifte im 14. und 15. Jahrhundert langsam zur politischen Autonomie heran. Die Drei Bünde, der Gotteshausbund, der Zehngerichtebund und der Graue oder Obere Bund, gingen weg vom Feudalsystem hin zu autonomen Gemeinden und Rechtssystemen. Am Ende des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts schlossen sich die drei Bünde zu einem Freistaat zusammen. Die rätoromanische Sprache (d..h. seine fünf Dialekte Surselvisch, Sutselvisch, Surmeirisch, Puter und Vallader) war zu dieser Zeit noch die dominierende Sprache. Die deutsche Sprache gewann jedoch immer mehr an Bedeutung, was zum Teil auf die Einwanderung deutschsprachiger Menschen, z. B. die Walser, zurückzuführen ist. Chur, das Sprach- und Kulturzentrum der rätoromanischen Sprache, wurde ebenfalls vollständig deutschsprachig. Die Ständeversammlung des Freistaats proklamierte 1794 die Dreisprachigkeit (Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch).
Im Jahre 1803 nahm der Freistaat den Namen Graubünden an. Die drei Sprachen hatten im Prinzip den gleichen Status, obwohl Deutsch in der Praxis das Romanische (und Italienisch) auf lokaler und kantonaler Ebene ersetzte. Diese Entwicklung dauert bis heute an.
Die Lia Rumantscha wurde 1919 mit dem Ziel gegründet, das Romanische im Bildungs- und Kulturbereich bekannter zu machen und anzuwenden. Eine der Initiativen (ab 1982) war die Entwicklung des Rumantsch Grischun, der gemeinsamen romanischen Sprache für den Schulunterricht, das Rechtssystem und kantonale Dokumente.
Im Jahr 1999 ersetzte das Rumantsch Grischun das Romanische (seine fünf Dialekte) im Bildungswesen. Es gab aber auch Gegner dieser Vereinheitlichung der fünf Dialekte. Im Jahr 2020 scheint die Verwendung des Rumantsch Grischun im Unterricht (als obligatorische Sprache neben Deutsch oder Italienisch) kein grosser Erfolg zu sein. Die fünf romanischen Sprachregionen mit rund 50 000 Muttersprachlern bevorzugen offenbar ihre lokale Identität. (Quelle: Lia Rumantscha, Romanisch. Facts & Figures, Chur, 2004).