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Der frei gewordene Bundesratssitz der Christlichdemokratischen Volkspartei geht an Viola Amherd. Die Oberwalliserin überzeugte eine Mehrheit des Parlaments überraschend im ersten Wahlgang.
"Eine verdiente Wahl"
"Während der Kampagne hat Viola Amherd all ihre Fähigkeiten und menschlichen Qualitäten gezeigt. Sie liess sich nicht verunsichern und bekräftigte ihre Werte", sagt CVP-Ständerätin Anne Seydoux-Christe. "Diese Wahl ist wohlverdient, nach ihrem Einsatz in den letzten Jahren."
"Viola Amherd ist bekannt und hat viel Erfahrung", sagt SVP-Nationalrat Pierre-André Page. Seine Partei hatte jedoch die unterlegene Heidi Z'graggen vorgezogen: "Sie machte bei den Anhörungen einen guten Eindruck und scheint rechts zu stehen. Es muss auch gesagt werden, dass einige SVP-Mitglieder noch immer Ressentiments gegen Viola Amherd haben, denn sie war eine der Parlamentarierinnen, die 2007 dazu beigetragen haben, SVP-Bundesrat Christoph Blocher zu entmachten."Infobox Ende
Die Oberwalliserin Viola Amherd ist neues Mitglied der Schweizer Regierung: Das Parlament hat die Nationalrätin am Mittwoch für den einzigen christlichdemokratischen Sitz (CVP, Mitte rechts) im Bundesrat gewählt. Die Spannung war von kurzer Dauer, die Bundesversammlung wählte Viola Amherd bereits im ersten Wahlgang.
Ihrer Konkurrentin, der Urnerin Heidi Z'graggen, war es im Wahlkampf gelungen, an Popularität zuzulegen. Sie konnte insbesondere auf die Unterstützung der Schweizerischen Volkspartei (SVP, konservative Rechte) zählen. Doch der Mangel an Erfahrung der Urnerin auf Bundesebene war ein Nachteil. Heidi Z'graggen ist seit 14 Jahren Regierungsmitglied ihres Kantons, hat aber nie einen Sitz im Parlament gehabt.
Das Wahlresultat fiel schliesslich deutlich aus: Viola Amherd erhielt 148 Stimmen, Heidi Z'graggen 60 und CVP-Präsident Gerhard Pfister 17.
Respekt und Vertrauen
Viola Amherd folgt auf Doris Leuthard, die nach zwölf Jahren in der Schweizer Regierung zurücktritt. Vor der Wahl würdigte das Parlament die Ministerin für Verkehr und Energie mit tosendem Applaus. Sehr bewegt verabschiedete sich Leuthard von der Bundesversammlung, indem sie an die Bedeutung von Respekt und Vertrauen in der Politik erinnerte.
Viola Amherd, wohnhaft in Brig im Oberwallis, studierte Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg. Die 56-Jährige arbeitet als selbständige Notarin und ist gerne in den Bergen unterwegs.
Von 1992 bis 2012 war Viola Amherd Mitglied des Stadtrates (Exekutive) von Brig-Glis. Sie ist seit dreizehn Jahren Mitglied des Nationalrates und verfügt über ein breites Netzwerk in Bundesbern, gab sich bis anhin aber eher zurückhaltend. Die Oberwalliserin ist bekannt für ihre Erfahrung und ihre Fähigkeit, Menschen an einen Tisch zu bringen. Sie hat vor allem Vorstösse zur Förderung der Bildung, Jugend, Verkehrsentwicklung und Bergregionen eingereicht.
Eine gewisse Offenheit
Gemäss ihrem Smartvote-Profil, das 2015 mit Blick auf die Eidgenössischen Wahlen erstellt wurde, ist sie gegen die Einführung eines Mindestlohns und die Legalisierung des Cannabis-Konsums. Auch spricht sie sich gegen eine Erhöhung des Rentenalters und mehr Transparenz bei der Parteien-Finanzierung aus. Sie befürwortet den Vaterschaftsurlaub, die Adoption durch homosexuelle Paare und die erleichterte Einbürgerung von Ausländern der dritten Generation.
Amherd ist Mitglied im Verwaltungsrat der Privatkliniken GSMN, der Bahnbetriebe BLS und Matterhorn Gotthard Bahn ebenso wie in mehreren Unternehmen, die das Glasfasernetzwerk vorantreiben.
Chance für Europa-Dossier?
"Sie ist eine Kandidatin der Mitte, die Konsens sucht und Brücken bauen kann", sagt SP-Nationalrat Jacques-André Maire. "Sie ist auf gesellschaftlicher Ebene und auch gegenüber dem Ausland sehr offen, sie hat deutlich gemacht, dass sie sich zu den Abkommen mit der EU bekennt."
Eine offene Haltung gegenüber Europa, die sie mit der anderen neu gewählten Bundesrätin, Karin Keller-Sutter, teilt. "Zwei neue Bundesrätinnen, welche die Abkommen mit der EU befürworten, es uns ermöglichen, diese Frage neu zu beleuchten und Wege zu finden, wie es weitergehen soll", kommentierte FDP-Ständerat Raphaël Comte.
(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)