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Die beiden hübschen Mannen sind Dr. Mario (Senior) und sein Sohn Mario (Junior) Alarcon Meléndez. Ihnen gehört die Kaffeeplantage Monte de Oro in Guatemala, welche seit Generationen im Familienbesitz ist. Wir kaufen seit mehreren Jahren von der Familie Alarcon Meléndez unseren beliebten Kaffee aus Guatemala. Mal das Lot El Recuerdo, El Soccoro oder einen tollen Geisha.
Mario (Junior) ist studierter Ingenieur und ein wirklich schlauer junger Mann. Nachdem er nach seinem Studium im Guatemala infolge Überqualifikation keinen geeigneten Job gefunden hatte, hat er sich entschlossen, die Plantage mit seinem Vater weiterzuführen. Das war keine leichte Entscheidung. Schliesslich litt die Plantage in den letzten Jahren massiv unter den Einflüssen von Roya - Blattrost, ein Pilz - welcher einen Grossteil der Plantage vernichtet hatte. Monte de Oro ist darauf ausgelegt jährlich 300 Sack à 69 kg zu produzieren. Natürlich alles in harter Handarbeit. Roya hat dies unmöglich gemacht. Roya befällt die Kaffeepflanzen und entzieht ihnen die Energie Kaffeekirschen zu produzieren. Nicht selten geht dabei die ganze Plantage zu Grunde. Abhilfe schafft nur die chemische Keule oder Neupflanzung. Bis sich eine Plantage von Roya erholt kann es deshalb bei Neupflanzung mehrere Jahre dauern. Und genau in diesem Stadium befinden sich die beiden Marios. Heute produzieren sie mit Ihren Helfern ca. 100 Sack, also rund ein Drittel der eigentlich notwendigen 300 Sack. Deshalb ist Monte de Oro nicht wirklich rentabel. Dies ist mit ein Grund, weshalb Mario Junior zusätzlich eine Exportfirma in Guatemala City gegründet hat, über welche er auch Kaffees von befreundeten Bauern in alle Welt exportiert.
Hier ein paar Bilder von Monte de Oro:
Bereits vor zwei Jahren führten wir mit Mario (Junior) mehrere Gespräche bezüglich der Qualität seines Kaffees. Das Problem bestand darin, dass die Lagerfähigkeit des Rohkaffees zu gering war. Das bedeutet der Kaffee verlor relativ rasch an Qualität. Bereits nach 3 - 4 Monaten war der Kaffee nur noch ein mittelmässiger Spezialitätenkaffee. Dies passiert relativ häufig bei Standardkaffee, der schnell (und oft maschinell in sogenannten Guardiolas) getrocknet werden muss. Man kann das auch oft beobachten wenn alle Kaffeebauern gleichzeitig ernten und Ihre Kaffees dann zu einer gemeinsamen Aufbereitungsanlage bringen. Dann fehlt der Platz und die Zeit, also muss die Trocknung (zu) warm d.h. über 40°C und zügig erfolgen. Daraus resultiert eine Beschädigung der Zellstruktur der Kaffeebohnen. Das kann manchmal visuell festgestellt werden. Aber leider nicht immer. Die Folge ist dann eine zu schnelle Alterung der Kaffeebohnen. Jedenfalls haben wir mit Mario zusammen den Trocknungsprozess des Rohkaffees überprüft und ihm einen Kontakt aus Brasilien vermittelt - Dr. Flavio Borem. Flavio Borem ist ein Experte wenn es um das Trocknen von Rohkaffee geht. Anlässlich eines Besuches von Flavio Borem in Guatemala hat er mit Mario den Trocknungsprozess angepasst und soweit optimiert, dass der Kaffee heute mehr als 6 Monate lagerfähig ist ohne stark in der Qualität nachzulassen. Ein erster, grosser Erfolg!
Nach unserer Teilnahme an Cup of Excellence Guatemala 2017 haben wir die beiden Marios auf Monte de Oro besucht. Wir haben uns die Pflanzen und auch die verschiedenen Anlagen genauer angesehen. Dabei haben die beiden Marios erwähnt, dass sie die Trocknungstische ersetzen müssen, die sie experimentell für uns angeschafft hatten. Die Tische bestehen aus einer Holzkonstruktion mit einem Netz und fallen vom Hinstellen, Wegräumen und aufgrund der Wettereinflüsse zunehmends auseinander. Zudem haben sie ein Platzproblem, weil die Tische einfach nicht effizient genug sind, da sich die Trocknungszeit der Kirschen von rund einer Woche auf 14 Tage oder mehr verlängert. Uns war sofort klar dass man hier was anderes bauen muss. Typisch schweizerisch halt, wir optimieren wo wir können...
Bei einem Brettspiel mit Kaffeebohnen und Kaffeekirschen (Mühle um genau zu sein, selbst gezeichnet) haben wir dann vorgeschlagen, dass auf Monte de Oro ein Trocknungshaus aufgebaut werden könnte. Dies kann man sich wie ein Gewächshaus vorstellen in dem Temperatur und Luftfeuchtigkeit mittels der Lüftung reguliert werden können. Im Idealfall müssten mehrere Trocknungstische übereinander angeordnet werden um Platz zu sparen und mit unterschiedlichen Wärmestufen arbeiten zu können. Also haben wir uns angesehen wo so ein Haus stehen könnte. Am Platz mit der meisten Sonne macht keinen Sinn. Das sind sowieso die besten Trocknungsplätze. Auch die üblichen Gehwege müssen berücksichtigt werden. Schliesslich will man die Arbeit ja nicht behindern. Zudem muss das Haus schnell und einfach erreicht werden können. Die Arbeiter schleppen tausende Kilo Kaffeebohnen dort rein und raus. Das war aber der einfache Teil. Die Finanzierung war nämlich auch noch unklar. Da die Plantage momentan nur ein Drittel der notwendigen Kapazität produziert fehlt das Geld für eine solche Investition. Also haben wir angeboten uns um die Finanzierung zu kümmern. Das hatte zur Folge, dass Skepsis bei Dr. Mario Senior aufkam. Ein Darlehen will Niemand. Es geht um Stolz. Zudem kennt er mich (Roger) erst seit einem Tag. Das Vertrauen fehlt verständlicherweise noch. Etwas überrumpelt von so einer (scheinbaren) Grosszügigkeit ist er wohl auch. Also lassen wir die Idee etwas reifen.
Die folgenden Tage sind wir dann mit Mario Junior am Lago de Atitlan oder genauer in Panajachel unterwegs. Bei Rum und Whisky sinnieren wir erneut über das Projekt. Wir beginnen auf der Rückseite einer Quittung zu skizzieren und zu berechnen: Wieviele Quadratmeter benötigen die Marios für 1 kg Kaffeebohnen, auf wievielen Etagen müssen sie trocknen können, wie gross wird das Haus, wo stellen wir es hin, wie könnte die Konstruktion aussehen, damit die Arbeiter einfach und schnell die Kirschen auf den Etagen wechseln könnten etc.
Wir sind uns einig: Sinnvoll wäre das Haus sicherlich. Zudem bietet es besseren Schutz vor den Wettereinflüssen und erlaubt eine höhere Präzision und Reproduzierbarkeit des Trocknungsprozesses. Wir belassen es dabei und teilen Mario Junior mit, dass es nun an ihm sei. Wir kümmern uns um das Geld aber er muss planen, konstruieren und forschen. Das kann er ja, er ist Ingenieur und kennt sich mit Berechnungen aus...
Zurück in der Schweiz sind einige Wochen vergangen als uns Mario Junior kontaktiert und uns Pläne vorlegt. Zusammen mit dem guatemaltekischen Verband ANACAFE hat er diese Pläne entwickelt. Kostenpunkt 14'500 USD. Viel Geld. Wir haben die Pläne mit Mario besprochen und unsere Kritikpunkte eingebracht. Die Lüftung und der Zugang müssen verbessert werden. Das ist noch nicht optimal gelöst. Aber die Tatsache, dass Mario soweit ist hat uns gefreut. Er zeigt Initiative. Auch sein Vater ist mittlerweile einverstanden und hat seine anfängliche Skepsis weitgehend verloren.
Sendepause für ein paar Wochen. Danach erhalten wir revidierte Pläne. Viel Metall, solide Konstruktion. Alles wetterfest und gut durchdacht. Kosten: 11'000 USD. Soweit so gut. Nun fehlt also nur noch das Geld, dann geht es los. Das ist nun unser Teil. Extra für solche Projekte legen wir Geld als Reserve zur Vorfinanzierung zur Seite. Das ist Teil unseres Geschäftsmodells des direkten Handels. Also haben wir noch am selben Tag 11'000 USD an Mario überwiesen und ihm gesagt er könne starten. Einen Vertrag gibt es nicht. Wir vertrauen einander. Zinsen gibt es nicht. Die Rückzahlung erfolgt die nächsten 2 - 3 Jahre durch Kaffeebohnen. Dadurch sind sich die beiden Marios sicher, dass sie mich als Röster weiterhin beliefern können und wir sind glücklich über noch bessere Qualität.
Anfangs Dezember wurde das Haus fertiggestellt und bereits werden die ersten Bohnen getrocknet. Hier ein paar Bilder dazu:
Nach wenigen Monaten ist es also geschafft. Das Haus steht. Ein riesiger Komforts- und Qualitätsgewinn für Monte de Oro und auch für uns. Wir sind glücklich darüber zu sehen, was Vertrauen bewirken kann. Dieses Projekt bestärkt uns einmal mehr in unserer Art direkten Handel so zu betreiben wie wir es tun. Es ist keine leere Floskel und kein inhaltsloses Versprechen. Weder für uns noch für die Kaffeebauern in den Ursprungsländern. Und schon gar nicht für die beiden Marios aus Guatemala! Super Marios! :-)