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Geschichte
Eine Burgenrundschau in Deutschland
Unter einer Burg stellen sich die meisten Menschen wohl eine ab dem 11. Jahrhundert errichtete, mittelalterliche, steinerne Anlage vor. Uwe Oster weist in seiner interessanten Einführung darauf hin, dass erst eine lange Entwicklung seit dem 8. bis 10. Jahrhundert diese Form hervorbrachte. Die frühen Befestigungsanlagen dienten nicht als adlige Herrschaftssitze, sondern als Fluchtburgen, Verwaltungsmittelpunkte oder militärische Stützpunkte. Ihre einfachen Gebäude waren aus Holz; gesichert wurden sie durch Gräben und ebenfalls aus Holz oder Erde konstruierte Wälle. Erst ab dem 11. Jahrhundert wurde - auch als Zeichen zunehmender Distanzierung des Adels vom Volk - vermehrt mit Stein gebaut.
Oster beschreibt die verschiedenen Burgtypen und schildert das alltägliche Leben auf einer mittelalterlichen Burg und ihren Bau sehr anschaulich. Dass viele in einem Zeitraum von nur drei bis sechs Jahren errichtet wurden, zeugt von der Effizienz mittelalterlicher Baumeister. Die Kosten für die Errichtung einer großen Burganlage konnte nur der wohlhabende Adel aufbringen: bis zu 2,5 Millionen Euro wären es in heutigem Geld.
Bei den fünfzehn deutschen Burgen, die in diesem Buch von verschiedenen Autoren ausführlich vorgestellt werden, handelt es sich um bekannte wie die Burg Eltz oder die Burg Hohenzollern und um besonders beeindruckende und bedeutende wie die Burg Bentheim am Südhang des Teutoburger Waldes, die bayerische Burg Burghausen oder das sachsen-anhaltinische Schloss Neuenburg, das noch viele bauliche Besonderheiten aus romanischer Zeit aufweist. Neuschwanstein darf natürlich nicht fehlen. Es ist "viel mehr als nur der in Stein manifestierte, geschickt vermarktete Größenwahnsinn eines politisch unbedeutenden Königs: Es repräsentiert als herausragender Vertreter der Mittelalter- und Burgenrezeption des 19. Jahrhunderts ein geniales Zeitdokument, [... das viele Touristen] für eine echte mittelalterliche Burg oder für eine realitätsnahe Kopie derselben halten. Damit erfüllt Neuschwanstein nicht allein Ludwigs Idealvorstellungen einer mittelalterlichen Burg, sondern darüber hinaus auch die Erwartungen einer breiten Öffentlichkeit." (Joachim Zeune, S. 104) In grenzenloser Bewunderung für Richard Wagner baute der bayerische König Ludwig II Neuschwanstein als spektakuläre Kulisse für seine "gigantische Mittelalterinszenierung [...], in der er selbst die Hauptrolle spielte." (S. 105) Dafür benötigte er eine pompöse Architektur; um den Platz für eine riesige Fundamentplatte zu schaffen, schreckte er nicht davor zurück, die Ruine der bedeutenden Burg Hohenschwangau samt Felsplateau acht Meter tief komplett wegsprengen zu lassen.
Vorgestellt wird auch eine Wasserburg, Vischering im Münsterland. Die Wartburg zeichnet sich nicht durch Lage oder Größe unter den deutschen Burgen aus, sondern durch "die beispiellose Aufeinanderfolge und Konzentration nationaler und kultureller Denkwürdigkeiten, das Geflecht aus Sagen und Legenden, das sich um ihre Mauern rankt." (Jutta Krauss, S. 148) Die spartanische Lutherstube samt dem Tintenklecks an der Wand, der von der Auseinandersetzung des Reformators mit dem Teufel stammen soll, ist in nahezu unverändertem Zustand zu besichtigen. Auch von jeder der übrigen dargestellten Burg erhält der Leser Informationen zur Baugeschichte und zu den Burgherren; abschließend erfolgen beim "Rundgang" Hinweise zu den besonderen Sehenswürdigkeiten. Ein Glossar mit wichtigen Begriffen aus dem Burgenbau - von Altan bis Zwinger - schließt den schön bebilderten Band ab.