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Wenn die Sonne scheint, breiten sich ihre Strahlen über die ganze Erde aus; und wenn es regnet, wird die Erde naß.
Vers im Mumon-Kan
Narada, ein halb göttlicher, musizierender Bettelmönch, reiste der Legende nach unablässig umher und verbreitete den Klatsch aus der Götterwelt unter den Göttern. Begierig, etwas über das Geheimnis von Vishnus Maya zu erfahren, näherte er sich Vishnu, als dieser sich in einem Hain ausruhte. Nach der Begrüßungszeremonie fragte Narada den Gott der blauen Wasser nach dem Geheimnis seiner Maya, des Schleiers der Illusion, der die Welt des Menschen und seine Handlungen bedeckt. Vishnu willigte ein, Narada zu lehren, aber zuerst, so sagte er, solle Narada ihm etwas Wasser holen, denn er sei durstig. Narada ging in den Wald, um nach einem Gehöft Ausschau zu halten. Nach einiger Zeit kam er zu einem Haus und klopfte an die Tür. Eine bezaubernde schöne junge Frau öffnete und lächelte ihn aus ihren großen Lotosaugen an, während sie sich anschickte, das Wasser zu holen. Narada war betört und trieb sich tagelang in ihrer Nähe herum. Die Zeit verging. Narada heiratete die Angebetete, und Jahr um Jahr wurde ein Kind geboren. Narada lebte voller Glückseligkeit mit seiner Frau und seinen Kindern. Doch dann kam ein Jahr, in dem es unaufhörlich regnete. Der Fluß trat über die Ufer, und eine riesige Flutwelle riß Naradas Haus und die umstehenden Bäume weg. An einer Hand seine Frau, an der anderen ein Kind haltend und mit einem weiteren auf dem Rücken watete Narada durch das Wasser, um auf höher gelegenes Gelände zu kommen. Aber schon bald reichte ihm das Wasser bis zur Brust und schließlich bis zum Kinn. Eines nach dem anderen wurden die Kinder, die sich an ihn geklammert hatten, weggerissen, bis nur noch seine Frau übrig war. Es war Nacht, und die Dunkelheit trug noch dazu bei, sein Entsetzen zu steigern. Das Wasser stieg immer noch, und schließlich wurde auch seine Frau, die sich nicht mehr festhalten konnte, weggeschwemmt. Narada, nun ganz allein, erhob die Arme gen Himmel und rief verzweifelt nach den Göttern. Plötzlich hörte er eine Stimme: »Zehn Minuten sind vergangen. Wo bleibt mein Glas Wasser?«
Aus: Pupul Jayakar Krishnamurti: Ein Leben in Freiheit
Als ich heute nach erfolgreicher Jagd wieder heim Richtung Bluemli fuhr - mit immerhin 10 kg Fleisch als Beute (http://www.buonviando.ch/) - , kam ich in ein gewaltiges Gewitter. Es flutete dermassen heftig vom Himmel, dass fast alle Autos anhielten und auf den Gehsteigen sicheren Boden unter den Rädern suchten. Mit unserem alten Vierradantrieb ging es nur noch im Schritttempo durch die Gischt aufwerfende Wasserstrasse vorwärts.
Abends kam dann die Familie, die sich Maya ausgesucht hatte, um sie als erste der Welpen in ein neues Daheim überzusiedeln. Sie heisst jetzt Nala (die Löwin), was auch sehr gut zu ihr passt.
Den Namen Maya habe ich ihr wegen obiger Geschichte gegeben. Es ist eine meiner Lieblingsgeschichten, die mich schon fast dreissig Jahren begleitet. Sie hat mir immer grossen Eindruck gemacht. Als ich noch jünger war, musste sie allerdings dazu hinhalten, meine Tendenz zur Weltflucht zu legitimieren. Wenn das Leben so schrecklich ist, sagte ich mir, dass man alles Schöne und Liebgewonnene verlieren wird und zu guter Letzt auch noch mit dem eigenen Tod von allen verlassen wird, dann gibt es nur eine Lösung: So viel erfolgreiches Meditieren wie möglich, um Maya zu erkennen!
Mit den Jahren - und mit viel Meditieren, noch mehr Therapie und noch viel mehr glücklichen und unglücklichen Leidenschaften - realisierte ich allmählich, dass ich diese Geschichte falsch verstanden hatte. Denn Vishnu lässt Narada Maya erkennen, indem er ihn direkt in ihre Arme schickt; und Maya ist nichts anderes als das Leben selbst.
Deshalb ist die Freude der neuen Besitzer, mit der sie heute Maya liebevoll als Nala in ihr neues Daheim mitgenommen haben, jetzt auch meine.
Und natürlich wäre diese Freude nie so süss, wenn ganz nah neben ihr nicht auch die Trauer läge, darüber, dass das erste Welpchen uns verlassen hat, um jetzt in einem neuen Rudel ein eigenes Leben zu führen.
Merle's Art, mit Enttäuschungen umzugehen und Wut zu verarbeiten, war in meinen Augen vorbildlich, denn er weigerte sich, sich von solchen Emotionen beherrschen zu lassen. Er hielt sie einfach einen Moment fest, so wie unsere Berge an ihrem Wetter festhalten, und liess sie dann über sich hinwegrollen und entschwinden.
Aus: Ted Kerasote Merle's Tür
Bevor ich war, bin ich.
Sri Nisargadatta Maharaj
Anscheinend geschieht die Trennung für das Baby, wenn die Mutter plötzlich nicht nur eine andere Form seiner selbst ist, sondern zu einer Mutter wird - zu einer Person da draussen, die Klaus oder Suzanne zu ihm sagt. Dieser erste Augenblick, wo plötzlich der Glaube auftaucht: "Ich bin ein Individuum - ich bin hier draussen allein", führt zu massiver Angst. Massive Angst geht mit dem Gefühl einher, in einer fremden Welt zu sein, getrennt zu sein.
Und solange die Trennung nicht verfliegt, herrscht Angst. Der verrückte Witz ist natürlich, dass die Angst, die wir verspüren, der Geliebte ist; die Angst, die wir verspüren, ist die Einladung. Es muss Angst herrschen, weil diese Angst in Wirklichkeit natürlich der Geliebte ist.
Die Angst ist ein Gefühl hier drinnen - sie ist die Lebendigkeit. Und die Geschichte darum herum ist Quatsch. Die Geschichte, "Werde ich pleite gehen?" oder "Liebt sie mich noch?" ist nur eine Information. Die Angst ist einfach nur Angst. Und die Angst sagt:"Komm nach Hause!"
Du kommst nicht mit der Angst klar - hier fällt alles Klarkommen weg. Es gibt kein Klarkommen, aber die Angst ist da, also ist die Angst das, was auftaucht. Punkt. Ende.
Solange ein Gedanke da ist: "Das hier ist Angst, ich fürchte mich - ich muss etwas tun.", solange bleibt die Geschichte am Laufen und die CD dreht sich weiter: "Er liebt mich nicht", oder was auch immer. Aber wenn du es einfach lässt, hier drin, nicht wahr? (Zeigt auf den Solar Plexus) - dieses schwarzgrüne Brennen und all das...Wisse einfach, dass dort drinnen etwas ist und sieh es einfach."
Aus: Tony Parsons - DAS IST ES
Warum lieben wir - oder wenigstens einige von uns - unsere Hunde? Warum habe ich Brenin geliebt? Ich möchte glauben - und hier muss ich wieder zu einer Metapher greifen -, dass unsere Hunde etwas in den tiefsten Winkeln eines längst vergessenen Bereiches unserer Seele anrühren. Dort verweilt ein älterer Teil von uns, der schon dort war, bevor wir Affen wurden. Es ist der Wolf, der wir einst waren. Dieser Wolf weiss, dass Glück nicht in der Berechnung zu finden ist. Er weiss, dass keine wirklich bedeutungsvolle Beziehung je auf einem Vertrag basieren kann. An erster Stelle steht die Loyalität, und das müssen wir beachten, auch wenn der Himmel einstürzt. Berechnung und Verträge kommen stets später, denn der äffische Teil unserer Seele geht aus dem wölfischen Teil hervor.
Aus: Mark Rowlands Der Philosoph und der Wolf
Wenn du leben willst, musst du essen, und wenn du isst, dann iss gut.
Zitat aus dem Film Okuribito (Departures)
Liebe ist Da-Sein.
Safi Nidiaye
From the withered tree, a flower blooms.
Shoyo Roku
Lila, die Sechstgeborene, hat heut Nachmittag auch einen guten Platz gefunden. Sie heisst jetzt Aiyana (Indianisch: "Ewige Blüte"). Sie wird ca. Mitte Juni abwandern.
Schönheit ist Ausdruck der Liebe. Schönheit ist der Ruf, mit dem die Liebe das Herz weckt. Schönheit berührt die Herzen und öffnet die Herzen, und Schönheit entspringt dem Herzen aller Dinge selbst.
In der gewaltigsten wie in der winzigsten Äußerung von Schönheit ist die Liebe zu finden; in der Schönheit des Sonnenaufgangs wie in der Schönheit einer Blüte, eines Steins, eines Fliegenflügels; in der Schönheit eines Lächelns, einer Handlung, einer Geste; in der Schönheit der Bewegung von Blättern und Wogen, Wolken und Meer, im Flug der Amsel wie im Sprung des Jaguars.
In der Schönheit ist immer die Liebe versteckt.
Liebe ist das Verborgene; Schönheit das Offenbare.
Wenn die Schönheit einer Blume dein Herz berührt, dann deshalb, weil du die Liebe fühlst, die in ihr Ausdruck findet.
Hänge dein Herz nicht an die Blume, die morgen verwelkt; hänge es an die Liebe. Liebe die Blume; pflege und ehre und achte sie; fühle ihr Leben und fühle ihr Sterben; aber hänge dein Herz nicht an sie.
Safi Nidiaye, Die Stimme des Herzens, ISBN: 978-3-404-70153-7