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Unitär: To-do-Liste
To-do-Liste — Du warst ein sicherer Wert. Wenn ich an der Uni war, sah ich dich immer. Dein Blick traf mich nie, zu konzentriert warst du auf den Bildschirm und die dicken Bücher mit den vielen Paragraphen drin. Understatement war dein Markenzeichen. Deine Kleider haben immer perfekt gesessen und nur so getan, als wären sie billig. In der DS-Bibliothek hattest du deinen Stammplatz. Nicht etwa, weil du deine Masterarbeit geschrieben hast, sondern weil du jeden Morgen kurz vor neun beim Eingang standest. Neben dir stets eine ausgedruckte Excel-To-do-Liste. Wenn ich jeweils nachmittags auf einem freien Stuhl an deinem Tisch Platz nahm und meinen Laptop aufstartete, war bei dir schon die halbe Liste grün. Während
ich den Nachmittag lang durch spannende Artikel mäandrierte, die gar nichts mit meiner Seminararbeit zu tun hatten, strich sich dein grüner Marker die Liste hinunter, bis nichts mehr zu tun war. Danach packtest du deine Siebensachen zusammen und gingst vermutlich nach Hause. Dann warst du weg, nach gefühlten zwei Jahren. Du hast wahrscheinlich deinen Bachelor abgeschlossen.
Vor kurzem hab ich dich wieder gesehen. Im 72er auf der Hardbrücke bist du eingestiegen, am späteren Abend. Im Business-Anzug, dein Blick war leer und deine Lider klappten immer wieder über ihm zu und ich fragte mich, von welchen Paragraphen du des Nachts träumst oder ob dein Schlaf so tief ist, dass kein Traum darin fliegen kann.