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Die Einkommensmitte – oder mittlere Einkommensgruppe – umfasst im Folgenden Personen aus Haushalten mit einem Bruttoäquivalenzeinkommen zwischen 70% und 150% des medianen Bruttoäquivalenzeinkommens des jeweiligen Beobachtungsjahrs. Die Analysen basieren auf Daten von zwei verschiedenen Erhebungen: Die Haushaltsbudgeterhebung (HABE), die sich besser für längere Zeitreihen und finanzielle Auswertungen eignet (siehe «Entwicklung 1998 bis 2018» und «Belastung durch obligatorische Ausgaben»), sowie die Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC), für die Vertiefungsstudien zur Einkommensmitte.
Insgesamt betrachtet blieb der Bevölkerungsanteil in der mittleren Einkommensgruppe von 1998 bis 2018 weitgehend stabil. Am stärksten vertreten war sie 2009 mit einem Anteil von 61,3% der Bevölkerung, am schwächsten 2018 mit 56,6%. Über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg kann jedoch nicht von einer deutlichen Veränderung dieser Gruppe ausgegangen werden.
Gewisse Tendenzen sind dennoch feststellbar. So ist zwischen 2003 und 2007/2008 eine leichte Abnahme des Bevölkerungsanteils in der mittleren Einkommensgruppe zu beobachten. Nach kurzen Anstiegen in den Jahren 2009 und 2015 ist in den jeweiligen Folgejahren wieder ein leichter Rückgang erkennbar, der mit einem anteilmässigen Zuwachs der Einkommensschwachen und Einkommensstarken einhergeht.
Eine übermässige Belastung der mittleren Einkommensgruppe durch obligatorische Ausgaben lässt sich statistisch nicht belegen. Eine Zunahme dieser Ausgaben ist seit 1998 in allen Einkommensgruppen erkennbar. Am grössten ist die Zunahme in der einkommensschwächsten und der einkommensstärksten Gruppe. Bei ersterer trifft dies insbesondere auf die allein oder in Paarhausalten sowie in Eigentümerhaushalten lebenden Personen zu; bei den Einkommensstarken auf die Alleinlebenden, auf Personen in Paarhaushalten mit 2 bis 3 Kindern sowie in Eigentümerhaushalten. Die Einkommensstarken konnten im Beobachtungszeitraum jedoch auch den höchsten Einkommenszuwachs verbuchen.
Vertiefungsstudien zum Thema Einkommensmitte
In Ergänzung zur jährlichen Aktualisierung der wichtigsten Kennzahlen führt das BFS auch Vertiefungsstudien im Bereich der Einkommensmitte durch, die bestimmte Themen detaillierter betrachten. Diese Publikationen können unter «Weiterführende Informationen / Publikationen» gratis heruntergeladen werden.
In der Schweiz weist die mittlere Einkommensgruppe generell eine gute Wohnsituation auf. Probleme im Wohnbereich – wie hohe Belegungsdichten, feuchte Wohnungen oder eine übermässige Belastung durch Wohnkosten – betreffen Einkommensschwache bedeutend stärker. In gewissen Punkten ist die «Mitte» jedoch zweigeteilt: So leben in der unteren Mitte 40,8% in Eigentumswohnungen oder im eigenen Haus, in der oberen Mitte sind es über die Hälfte der Personen. Auch ist in der unteren Mitte eine von zehn Personen mit übermässig hohen Wohnkosten konfrontiert, während sich dieser Anteil in der oberen Mitte auf 3,6% beläuft.
Im Vergleich zu den Einkommensstarken weist die Mitte eine tiefere Arbeitszeit und einen geringeren Anteil an Erwerbstätigen auf. Auch der Anteil Doppelverdienerhaushalte ist geringer als bei den Einkommensstarken. Im Verhältnis zu den Einkommensschwachen sind diese Werte höher. In gewissen Aspekten des Erwerbslebens (flexible Arbeitsbedingungen, subjektive Einschätzungen des Erwerbslebens) ist die Mitte im Vergleich zu den Einkommensstarken dennoch benachteiligt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Mitte nicht homogen ist und es Unterschiede zwischen der oberen und der unteren Mitte gibt.
Die konkreten Lebenssituationen können in der mittleren Einkommensgruppe sehr unterschiedlich ausfallen: Die obere Mitte weist im Jahr 2013 generell eine eher hohe Lebensqualität auf. Die untere Mitte ist hingegen in einigen Bereichen mit Defiziten konfrontiert: vor allem bezüglich der finanziellen Situation und der Bildung, z.T. auch der Wohnqualität. So hat in der unteren Mitte jeder Vierte Probleme, eine unerwartete Rechnung zu begleichen, in der oberen Mitte nur jeder Zehnte. Auch sind in der unteren Mitte die sozialen Kontakte bedeutend seltener und das Vertrauen in die Politik und das Rechtssystem geringer als in der oberen Mitte.
Weiterführende Informationen
Grundlagen und Erhebungen