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Prävention verringert das Katastrophenrisiko
Als Verantwortlicher der Humanitären Hilfe in Südamerika arbeitet Beat von Däniken vor allem in der Prävention. «Gerade wegen der Tsunami-Katastrophe ist vielen bewusst geworden, wie wichtig Vorbeugemassnahmen sind», erklärt der Freiburger.
«Das Mandat der Humanitären Hilfe umfasst vier Bereiche: Soforthilfe, Wiederaufbau, Prävention und Fürsprache für vergessene Konflikte wie beispielsweise Ostkongo und Tschernobyl. In den letzten Jahren hat die Prävention an Bedeutung gewonnen.»
Die Anfänge reichen ins Jahr 1998 zurück und führen nach Zentralamerika. Nach der grossen Mitch-Katastrophe hat das eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (Deza) beschlossen, den Präventionsaspekt in seinen Projekten zu integrieren. So sollte etwa vermieden werden, dass an extrem gefährlichen Stellen Häuser gebaut werden. Oder wenn an Orten gebaut wird, wo ein Risiko besteht, dann sollte wenigstens so gebaut werden, dass die Gebäude Wirbelstürmen widerstehen können. Ab 2003 ist dieses Konzept dann auch auf Südamerika ausgeweitet worden. Dort ist das Deza in Bolivien, Ecuador und Peru tätig.
«In Südamerika sind alle Arten von Katastrophen möglich: Erdbeben, Tsunami, Hochwasser, Hangrutsche, Kälte, Trockenheit. Insofern ist es schwierig, in der Prävention Prioritäten zu setzen. Die Bedrohung durch Naturphänomene besteht immer. Doch das Risiko einer Katastrophe kann entschieden reduziert werden. Je weniger eine Region anfällig ist auf Zerstörung und je besser die Bevölkerung auf eine mögliche Bedrohung vorbereitet ist, desto geringer sind die Möglichkeiten einer grossen Katastrophe mit verheerenden Schäden und hohen Opferzahlen.»
Das klingt zwar abstrakt, leuchtet aber ein. Denn ein Beben in einer unbewohnten Wüste ist für die Menschen weniger bedrohlich als eines in einem grossen Wohngebiet, wo die Häuser nicht antiseismisch gebaut sind. Und mit geeignete Alarmsystemen und Evakuationsplänen kann sich eine Bevölkerung auf eine mögliche Bedrohung gut vorbereiten.
Es gilt also nicht nur, präventive Massnahmen zu propagieren wie die Anwendung von antiseismischen Baunormen oder die Vermeidung des landwirtschaftlichen Anbaus an exponierten Hängen. Sollte trotzdem eine Katastrophe eintreten, muss der zivile Rettungsdienst funktionieren. Demzufolge müssen vorher die verantwortlichen Leute ausgebildet und die organisatorischen Schritte geplant werden: Erstellung eines Evakuationsplans, Lagerung von Nahrungsmittelreserven, Betreuung von Opfern, Errichtung von Notunterkünften, Sicherung des Zugangs zu Spitälern.
Ausserdem muss die betroffene Bevölkerung genügend informiert und auf solche Situationen vorbereitet werden. Gerade diese Sensibilisierungsaufgabe ist kein leichtes Unterfangen. Häufig bezweifeln die Bewohner die Warnungen, sie schliessen vor gewissen Gefahren die Augen und Ohren. Und kommt es doch zur Katastrophe, klammern sie sich oft zuerst an ihr Hab und Gut, statt sich selber in Sicherheit zu bringen.
Der Fachmann aus der Schweiz arbeitet vernetzt und pflegt Kontakte sowohl zu nationalen wie regionalen und lokalen Behörden. Seine Aktivitäten koordiniert er mit denjenigen von anderen internationalen Organisationen wie dem ECHO der EU, der deutschen GTZ, dem UNDP von der UNO und der Interamerikanischen Entwicklungsbank IDB.
Der Zeitbegriff ist relativ. Bei den Humanitären wird speditiv gearbeitet, das weiss er aus eigener Erfahrung bei Rettungseinsätzen nach Katastrophen. Alles muss schnell und zackig gehen. Beim Aufbau des Präventionsprogramms in Südamerika hat er die langsamere Gangart entdeckt. Ein solches Programm wird nicht von einem Tag auf den anderen umgesetzt. Der Aufbau von Strukturen, die Ausbildung der Verantwortlichen und die Sensibilisierung der Bevölkerung sind Prozesse, die längere Zeit dauern. «Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.» (afrikanisches Sprichwort)
Doch die nächste Katastrophe kommt bestimmt. Ohne Warnung. bw