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Die in Südtirol aufgewachsene Melanie Rückel-Innerkofler liess sich 1934 mit ihrer Familie in Riehen nieder. Sie unterstützte während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Flüchtlinge und setzte sich zeit ihres Lebens für Gerechtigkeit ein.
Tochter des August Innerkofler (Kunsttischler) und der Amalie, geborene Stich. Heirat 1930 mit Johann Baptist Rückel (1894–1986). Ein Sohn und eine Tochter.
Melanie Rückel, geborene Innerkofler, wuchs in Bozen in Südtirol auf. Sie absolvierte eine Ausbildung als Bürolistin und arbeitete in Bozen in einem Architekturbüro. 1930 heiratete sie in Basel den deutschen Staatsbürger Johann Baptist Rückel. 1933 wurden die beiden in Basel eingebürgert und zogen 1934 nach Riehen an die Baselstrasse 48. Johann Baptist übernahm damals im gleichen Gebäude einen bereits bestehenden Coiffeursalon, in dem auch Melanie Rückel mitarbeitete.
Die Wohnung befand sich schräg gegenüber dem Polizeiposten. Melanie Rückel beobachtete, wie Flüchtlinge im Gefangenenwagen zum Polizeiposten gebracht wurden. Die erschöpften Menschen mussten sich auf dem Posten gedulden, bis die Eintrittsprotokolle und Rapporte verfasst waren. Melanie Rückel brachte den Flüchtlingen, die zum Teil schon lange nichts mehr gegessen hatten, Essen und warme, trockene Kleidung. Aus der spontanen Hilfe wurde schon fast eine Institution. Wenn neue Flüchtlinge eintrafen, wurde Melanie Rückel von der Polizei informiert. Ihr Sohn berichtete, dass sie während einiger Jahre neben dem Telefon geschlafen habe, um erreichbar zu sein, falls jemand Hilfe brauchte. Sie kümmerte sich auch um Menschen, die sich auf der Flucht in die Schweiz verletzt hatten und ins Riehener Spital eingeliefert worden waren. Als sie 1946 versuchte, ihre Schwester und deren Sohn von Bregenz in die Schweiz zu holen, erhielt sie vom französischen Konsulat in Basel die Bescheinigung, dass sie während des Kriegs mehr als zweihundert Franzosen verpflegt hatte.
Nach dem Krieg unterstützte Melanie Rückel, die in den 1950er-Jahren zeitweise in Basel als Büroangestellte arbeitete, eingewanderte Italienerinnen und Italiener in Riehen; überhaupt kümmerte sie sich gemäss ihrem Sohn um alle, die ‹fremd› waren und deshalb auf Hilfe angewiesen waren.
Als das Gebäude Baselstrasse 48 abgerissen wurde, zogen Melanie und Johann Baptist Rückel-Innerkofer an die Wenkenstrasse 8, während sie den Coiffeursalon in einen Neubau an der Baselstrasse 45 verlegten. 1962 übernahm der Sohn Hans Rückel, der schon von 1949 bis 1952 im elterlichen Betrieb seine Lehre gemacht hatte, den Coiffeursalon und führte ihn bis zur Schliessung im Jahr 2014 weiter.
Autorin / Autor: Barbara Rettenmund | Zuletzt aktualisiert am 2.11.2023
Foderà, Gaspare: Ein folgenschwerer Sprung in die Freiheit. In: Jahrbuch z’Rieche 2016. S. 94–99, hier S. 95.
Seiler, Lukretia und Jean-Claude Wacker: Fast täglich kamen Flüchtlinge. 4., überarbeitete und erweiterte Aufl. Basel 2013. S. 228–230.
Sulzer, Alain Claude: Die Jugend ist ein fremdes Land. Berlin 2017. S. 71 (mit fehlerhaften Angaben).