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Auf den ersten Blick scheinen sie eher unspektakulär und urtümlich, die Wälder, die in Küstennähe aus dem Meer ragen. Weshalb Mangrovenwälder aber unerlässlich für die Gesundheit der Meere und das Leben für Tier und Mensch sind, zeigt ein Blick in die Vielfältigkeit des Ökosystems. Wie der Name schon sagt, bilden Mangrovenbäume und -sträucher in tropischen Meeresregionen die sogenannten Mangrovenwälder oder kurz Mangroven. Sie spielen eine unerlässliche Rolle im gesunden Kreislauf von Küstenvegetationen. Mangroven haben sich mit der Zeit an das Meerwasser gewöhnt und können durch das Ausscheiden des Salzes über Wurzeln, Stämme und Blätter überleben. Eine weitere Besonderheit der Pflanzen ist die Versorgung mit Sauerstoff. Oft sind die Wurzeln der Mangroven den Gezeiten ausgesetzt und stehen auf schlammigem Untergrund, bedeckt mit Wasser. Die Aufnahme des überlebenswichtigen Sauerstoffs findet über die Rinde statt. Dieser wird anschliessend über ein luftleitendes Gewebe bis in sämtliche Spitzen der Wurzeln geleitet.
Neben Korallenriffen zählen Mangroven zu den produktivsten Ökosystemen der Erde. Die im Durchschnitt fünf Meter hohen Baumkronen beherbergen Reptilien, kleine Säugetiere sowie verschiedenste Wasservögel. Das dichte Wurzelwerk ermöglicht einer Vielzahl von Kleinorganismen wie Muscheln, Schnecken und Krebsen, aber auch Algen und Schwämmen, sich gefahrlos zu entwickeln. Unter Wasser finden Jungfische Schutz vor ihren natürlichen Feinden. Ausgewachsen können sie dann zu den meist in der Nähe liegenden Korallenriffen migrieren. Für den Menschen bilden Mangroven nebst einer Vielfalt an Ernährungsmöglichkeiten Schutz vor Sturmwellen. Gerade in Zeiten des Klimawandels verhindern Mangroven auch die gefährlichen Küstenerosionen. Aufgrund von übermässigem Holzabschlag kommt es in Regenzeiten zur Abtragung von Erdschichten, welche dann über Flüsse ins Meer gelangen. Diese Sedimente bilden eine grosse Gefahr zum Beispiel für Korallenriffe in Küstenregionen. Mangroven bilden auch hier eine Art Schutzwand, um einen grossen Teil der erodierten Erde zurückzuhalten.
Die Liste der möglichen Gefahren für Mangrovenwälder scheint beinahe endlos. Vergiftung durch den Einsatz von Chemikalien in Shrimp-Farmen, wie man sie oft in Vietnam oder den Philippinen vorfindet. Ölverschmutzungen aufgrund von Tanker- oder Bohrinselunfällen zerstören Regionen von Mangroven im grossen Stil. Der Tourismus bringt oft Trockenlegungen mit sich, um Landgewinnung für den Bau riesiger Hotelanlagen zu ermöglichen. Oft werden die Bäume und Sträucher aber einfach nur für Brennholz oder zur Kohleherstellung abgeholzt. Die daraus resultierenden Folgeschäden liegen auf der Hand. Die Biodiversität wie auch die Fischbestände gehen drastisch zurück. Entsprechend nehmen auch die Erträge der Küstenfischerei ab, was zu Ernährungsproblemen und Migrationen der Lokalbevölkerung ins Landesinnere führt.
Weltweit werden die Auswirkungen mehr und mehr sichtbar. Gleichzeitig steigt aber auch das Verständnis für die Existenz und die Wichtigkeit von Mangrovenwäldern. Verschiedenste Umweltorganisationen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die noch bestehenden Gebiete zu schützen und, wenn es die finanziellen Möglichkeiten zulassen, durch das Pflanzen von Mangrovensetzlingen Gebiete wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu verwandeln.