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In die Zeit der Gründung des Psychologischen Clubs fällt Jungs Suche nach seinem eigenen Weg, nachdem er sich mit „Wandlungen und Symbole der Libido“ (1912) von Freuds Auffassung des Seelischen getrennt hatte.
Wie wichtig in dieser experimentellen, schöpferischen Zeit die Gemeinschaft mit ihm zugewandten Menschen und damit auch ein konkreter Raum als Begegnungsstätte für Jung war, lässt sich heute kaum mehr ermessen. Der Club stellte den Raum für die Pflege der Gemeinschaft und die Auseinandersetzung mit den neuen Forschungsinhalten zur Verfügung. Schon die Zeit vor der Gründung des „Psychologischen Clubs“ war geprägt von der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für den damaligen „Psychoanalytischen Verein“. Das erste protokollierte Treffen fand in Zürich im Restaurant Seidenhof statt, wo man sich wöchentlich jeweils am Donnerstag bis Ende Januar 1916 traf.
Am 11. Januar 1916 konnte eine Liegenschaft an der Löwenstrasse 1 gemietet werden, die von Mr. und Mrs. McCormick-Rockefeller grosszügig finanziert wurde. Am 26. Februar 1916 wurde in dieser herrschaftlichen Villa der Psychologische Club gegründet. Jung hielt hier Vorlesungen über seine noch nicht erschienene Typologie und gab Seminare. Doch nach einem Besitzerwechsel wurden die Räume gekündigt.
Mrs. Edith Mc Cormick-Rockefeller
Auf der Suchwanderung nach einer festen Bleibe für den Club beschlossen 30 Mitglieder am 21. Januar 1918 den Ankauf der heutigen Liegenschaft an der Gemeindestrasse 27. Erst im September 1919 konnte das neue Clubhaus bezogen werden. Jung empfing Patienten in einem Raum der Clubwohnung. Dieser Praxisraum ist noch erhalten. Es gab ein Billardzimmer, die Bibliothek und den Vortragsraum. Neben den regelmässigen Vorträgen wurden gesellige Anlässe wie Damen- und Herrenabende, Reisen (einmal sogar nach Ägypten) und Besichtigungen angeboten. Seit der Gründung des C.G. Jung Institutes 1948 war dieses während 30 Jahren im ersten Stock des Hauses eingemietet.
Die bewegte Clubgeschichte zeigt uns, dass der konkrete Raum stets eng mit dem geistigen Austausch unter den Mitgliedern verwoben war und ist. Heimat war ursprünglich ein Stück Grund und Boden, das man kaufen, besitzen und bewirtschaften konnte. Somit hat die Jungsche Psychologie mit dem Einzug und Verbleib im jetzigen Haus ein materielles Gefäss gefunden, in welchem sie sich entfalten kann. Geistige Heimat ist auch sinnliche Erfahrung: Gesichter, Räume, typische Wörter und Gerüche. So entstand mit den Jahren eine Stimmung von Vertrautheit, die eng an den konkreten Ort gebunden ist. Der Club als geistiger und realer Raum gibt dem Haus einen unverwechselbaren Wert.
Wie sieht das Leben im Clubhaus heute aus? Der Vortragssaal wird für die zweiwöchentlichen öffentlichen Vorträge genutzt, aber auch an zugewandte Personen oder Organisationen vermietet. Die Bibliothek wird von einer Fachperson betreut und steht allen Interessierten und Forschern zur Verfügung. Mehrmals jährlich tagt hier der Vorstand. Drei Wohnungen sind an Privatpersonen vermietet. In mehreren Therapieräumen wird therapeutisch gearbeitet. Eine moderne Küche dient der kulinarischen Bewirtung an den Clubabenden. Im Keller befinden sich das Archiv des Clubs sowie zwei Gruppenräume. Ein kleines Gärtchen mit Weinreben und einer alten Linde umgibt das Haus.
Immer wieder besuchen Einzelne und Gruppen aus dem In- und Ausland, die mit der Jungschen Psychologie verbunden sind, das Haus. Oft erleben wir dabei, wie sehr sie sich von der Ausstrahlung und der Tradition der Räume angesprochen fühlen.
Stickerei von Rosa Gerber: “Bergpredigt“,
Geschenk an C.G. Jung zu seinem 60. Geburtstag