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Eine Nachricht im Bayerischen Rundfunk am 3. März 2007:

Verheugen warnt vor Hysterie in der KlimaschutzdebatteBerlin:
Bundesumweltminister Gabriel hat sich für eine freiwillige Abgabe bei Flugreisen ausgesprochen. Das Geld solle zur Unterstützung von Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern verwendet werden. In einem Zeitungsinterview sagte er, Flüge ließen sich nicht immer vermeiden. Aber jeder könne dazu beitragen, sie klimafreundlicher zu gestalten. Außerdem will Gabriel die Fluglinien zum Emissionshandel verpflichten.
EU-Industriekommissar Verheugen warnte in der Klimaschutzdebatte unterdessen vor Hysterie. Er betonte, dass Europa nur für einen relativ geringen Teil des weltweiten Kohlen-Dioxid-Ausstoßes verantwortlich sei - Tendenz sinkend.
Dazu ecoglobe:
Herr Gabriel meint, wie fast alle, dass Emissionszertifikate und Kompensationsprojekte in Entwicklungsländern die Emissionen verringern. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Projekte mögen für sich selbst genommen relativ emissionsarm sein - vielleicht. Das Projekt selber führt wegen der investierten Arbeit und Materialien immer und ausnahmlos zu einer Erhöhung der Emissionen und des Verbrauchs nichterneuerbarer Rohstoffe. Das fertige Projekt erhöht dann den Lebensstandard und fördert das Wachstum, was wiederum miteiner dauernden Steigerung des Ressourcenverbrauchs und der Emissionen einhergeht.
Währenddessen fahren wir mit einem besänftigen Gewissen weiter mit unserem ökologisch exorbitanten Lebensstil.
Man beachte dabei, dass es bei diesem Argument nicht darum geht, den Entwicklungländern in einem berechtigten Streben nach besseren Lebensbedingungen für die Armen zu bremsen.
Es soll lediglich klar sein, dass unser Argument falsch ist und wir uns selber etwas vorlügen, wenn wir meinen mit solchen Projekten unseren Treibhausgasausstoss zu kompensieren.
Herr Verheugen meint, wir wären nur für einen geringen Teil der Ausstösse verantwortlich. Da übersieht Herr Verheugen, dass wir in dem Maße für die nicht bei uns erzeugten Ausstöße verantwortlich sind, in dem wir Produkte aus dem Ausland einführen.
Wir haben die Dreckschleuder in China und sonstwo zu verantworten, gemäß dem Wert der von dort importierten Waren.
Unsere Verantwortung für Treibhausgase und Umweltverschleiß entspricht unserem Anteil am Welt-Bruttonationalprodukt.
Laut Weltbank betrug das Bruttonationaleinkommen für die ganze Welt im Jahre 2005 US$ 44.983.338 Millionen.
Die Europäische Union hatte daran einen Anteil von US$ 13.543.425 Millionen. Das sind mehr als ein Drittel. (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Bruttonationaleinkommen)
"Hysterie und Aktivismus" Der Wunsch, etwas gegen den Klimawandel zu tun, mag aufrichtig sein. Aber viele der vorgeschlagenen Massnahmen sind entweder viel zu wenig oder sie sind gar kontraproduktiv und führen zu Mehr Treibhausgasausstoßen. Das Kyoto Protokoll und seine Mechanismen, Kompensationsprojekte und Klimagashandel, sind kontrapoduktiv.
Andere "Lösungen" sind illusorisch weil es zu wenig Produktionskapazität gibt oder weil die vorgeschlagenen Techniken unausgereift sind. Wieder andere "Lösungen" sind schädlich für die Umwelt, wie zum Beispiel die Biotreibstoffe aus Agrarproduktion und Baumplantagen. Solche Massnahmen müssen mit "Aktivismus" bezeichnet werden.
Die Bezeichnung "Hysterie" muss mit aller Kraft zurückgewiesen werden. Unser Klimagasanteil wird nicht kleiner, wie Herr Verheugen meint. Zudem ist es für die Welt egal, wo die Klimagase erzeugt werden.
Bei aller Klimadiskussion müssen wir bedenken, dass der Klimawandel nur ein Teilaspekt des grundlegenden Problems der Überbelastung unserer Erde durch die Menschheit ist. Wir verbrauchen zu viel, verschmutzen zu viel und es gibt zu viele Menschen. Da können wir das Klima schützen wollen aber so lange wir weiter auf Wachstum setzen, gibt es keine Hoffnung. Jede Schutzmaßnahme wird durch das Wirtschaftswachstum bald wieder zunichte gemacht. Wir müssen dringend von der Wachstumsleitidee Abschied nehmen und unsere Gesellschaften stabil, lokal und viel langsamer machen. Dann haben wir noch eine kleine Chance, als Menschheit zu überleben.
Helmut Lubbers ... 3 März 2007