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Die Ergolz gilt ursprünglich als typischer Forellenfluss. Während des Hitzesommers 2003 wurde ein Grossteil der Fische ausgelöscht. Es folgten Wiederansiedlungsprojekte und Revitalisierungen, um die Forellenpopulationen zu erhalten.
Einzugsgebiet
Die Quelle der Ergolz liegt bei der Geissfluh in der Gemeinde Oltingen, Kanton Baselland. Die grössten Zuflüsse sind der Eibach in Gelterkinden, der Homburgerbach und Diegterbach in Sissach, sowie die Frenke und der Orisbach in Liestal. Nach rund 30 km Länge mündet die Ergolz in Augst in den Rhein, und entwässert ein über 280 km² grosses Einzugsgebiet.
Wirtschaftliche Bedeutung und Nutzung
Mit der Nutzung der Wasserkraft wurden Siedlungen und Strassen immer näher an die Ergolz gebaut. Mit der zunehmenden Nutzung des Gewässers verschlechterte sich die Wasserqualität, deshalb mussten ab 1960 Kläranlagen gebaut werden. Heute sind an mehreren Stellen entlang der Ergolz Grundwasserfassungen zur Produktion von Trinkwasser eingerichtet.
Gewässerstruktur und Ufervegetation
Im obersten Abschnitt fliesst die Ergolz durch ein Waldgebiet. Vor Oltingen wurde sie bis unterhalb der Ortschaft eingedolt. Insgesamt gilt der Oberlauf bis Ormalingen noch als naturnah bzw. wenig beeinträchtigt. Die Gewässersohle der Ergolz ist nur vereinzelt verbaut. Zum Schutz vor Hochwasser und zur Landgewinnung wurde die Ergolz über weite Strecken kanalisiert. Unterhalb von Ormalingen fliesst die Ergolz mehrheitlich durch Siedlungsgebiet, wobei die Ufer zu wenig breit sind. Der Böschungsfuss ist oft stark verbaut. Direkt unterhalb von Lausen, Liestal, Füllinsdorf und kurz vor der Mündung in den Rhein wurden die Gewässerabschnitte revitalisiert. Neben zahlreichen künstlichen Wanderhindernissen stellen auch der Hülftenfall in Pratteln und der Kesselfall bei Liestal Aufstiegshindernisse für die Fische dar. Die einmündenden Seitenbäche Eibach, Rickenbächli, Orisbach und Frenke (Vernetzung über Fischpass) sind schlecht vernetzt, währenddem der Homburger- und Diegterbach gut vernetzt sind.
Fischfauna
Die Ergolz gehört im Ober- und Mittellauf zur Forellenregion. Der Unterlauf nach der Einmündung der Frenke in Liestal wird der Äschenregion zugeordnet.
Während des Hitzesommers 2003 wurde ein Grossteil der Fischbestände der Ergolz ausgelöscht. Aufgrund der Aufstiegshindernisse Hülftenfall und Kesselfall konnten diverse Kleinfischarten die oberen Regionen der Ergolz nicht mehr besiedeln. Die Fischereiaufsicht beschloss daraufhin wieder eine naturnahe, artenreiche Fischfauna aufzubauen. 2004 - 2006 wurden gezielt Kleinfischarten wie Elritzen und Strömer in die Ergolz eingesetzt. 2018 konnten folgende Fischarten nachgewiesen werden: Der oberste Abschnitt bei Rothenfluh wurde durch Forellen, Groppen und Schmerlen besiedelt. Weiter flussabwärts waren Forellen deutlich weniger häufig, und Elritzen und Schmerlen dominierten. In der Äschenregion unterhalb von Liestal fehlten typische Arten wie die Äsche, und die Bestände des stark gefährdeten Strömers sind wieder zurückgegangen. Mit Aal, Nase, Strömer, Schneider und Lachs (Wiederansiedlungsprojekt) wurden auch Arten der Roten Liste belegt. Im untersten Abschnitt wurde die gebietsfremde und invasive Schwarzmundgrundel festgestellt.
Biologische Besonderheiten
Am Oberlauf der Ergolz in den Gemeinden Anwil und Rothenfluh liegt das Naturschutzgebiet Tal. Die Talweiher und die Feuchtwiesen beherbergen mehrere seltene Sumpfpflanzen, und das Gebiet gehört zum Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung. Amphibienarten wie Erdkröte, Grasfrosch, Geburtshelferkröte sowie Bergmolch und Fadenmolch können hier beobachtet werden. Ausflugstipp.
Revitalisierungsvorhaben
Die Revitalisierung der Gewässerabschnitte direkt unterhalb von Lausen, Liestal, Füllinsdorf und kurz vor der Mündung in den Rhein, und die Eliminierung von Wanderhindernissen wirkte sich positiv auf den Fischbestand aus. Es bestehen in der Ergolz aber noch grosse Defizite bezüglich der Lebensraumqualität. Gemäss der Massnahmenplanung des Wasserbaukonzeptes bzw. der Strategischen Revitalisierungsplanung des Kantons Basel-Landschaft ist die Verbesserung der Längsvernetzung in mehreren Abschnitten, und eine Revitalisierung der Gewässersohle in Rothenfluh, Ormalingen, Gelterkinden, Sissach und Lausen vorgesehen. Eine gesamthafte Revitalisierung des Gewässers ist in Rothenfluh, Böckten, Sissach, Itingen, Lausen, Liestal, Füllinsdorf und Augst geplant.
Die Bachforelle in der Ergolz steht in Zusammenhang mit dem Klimawandel stark unter Druck. Sie kämpft mit tiefen Wasserständen, hohen Wassertemperaturen, streckenweiser Austrocknung und schlechter Wasserqualität. Die Kontrolle der Wasserentnahme, die Beschattung und die Wiederherstellung der Fischgängigkeit der Ergolz ist für die zukünftige Erhaltung der Forellenpopulationen in der Region Basel unabdingbar.
Tobias Walter, 2022