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Geschichte Rodersdorfs
UMBRANDET VOM DREISSIGJÄHRIGEN KRIEG
Die Lage des exponierten Rodersdorf war im Dreissigjährigen Krieg äusserst bedrohlich. Zwischen 1633 und 1644 befand es sich des öfteren gleichsam im Belagerungszustand. Dass es weitgehend unversehrt aus dem Konflikt hervorging, ist zwei Pfarrherren zu verdanken.
Bis 1637 war Urs Gertenhofer nicht nur Pfarrer von Rodersdorf sondern zeitweise auch Kommandant der solothurnischen Truppen im Leimental. Er war umsichtig, pflog Kontakte mit den Offizieren der kriegerischen Parteien und verpflegte sie öfter im Pfarrhaus. Auch liess er bei der grössten Hungersnot Lebensmittel herbringen, und hielt sie den ausgehungerten Truppen feil. Daran fanden die Obersten solchen Gefallen, dass sie alle Anschläge auf Rodersdorf verboten. Aber auch der Bevölkerung der Umgebung wurde Zuflucht geboten. Im April 1636 listete ein amtliches Verzeichnis für Rodersdorf 548 Flüchtlinge auf; an gesunden 150 begüterte, 307 mittellose sowie 91 kranke. Damit dürfte die Zahl der Flüchtlinge diejenige der Einwohner weit übertroffen haben.
RODERSDORF UNTER SOLOTHURN
Schon kurz nach 1515 zeitigte der Herrschaftswechsel zu Solothurn Folgen. Es war eine Zeit revolutionären Aufbruchs im Vorfeld der Reformation, der 1525 in den Bauernkrieg mündete. ,,Wir wöllent Schwyzer werden!" tönte es im Elsass und im Schwarzwald. Selbst im nun solothurnischen Leimental drohte es vorübergehend unruhig zu werden. Im damaligen Vorderösterreich aber, zu welchem unser Hinterland gehörte, endete der Volksaufstand mit einem furchtbaren Gemetzel an den Bauern und mit deren vollkommenen Entrechtung.
Solothurn handelte in den anschliessenden Wirren der Reformation für die damalige Zeit erstaunlich demokratisch. Es liess in den Gemeinden abstimmen und setzte, je nach Mehrheit, einen Priester oder ein Prädikanten ein. Rodersdorf stimmte mehrheitlich für das „alte Wesen“, bekam aber trotzdem einen Prädikanten vorgesetzt. Nachfragen beim Vogt ergaben, dass die Boten, welche das Resultat zu überbringen hatten, die Obrigkeit falsch berichtet hätten! Die Gemeinde weigerte sich, den Prädikanten anzunehmen und verweigerte ihm das Gehalt. Trotzdem inszenierten einige Heisssporne einen Bildersturm. Aus den Wirren ging um 1530 ein einheitlich altgläubiger Stand Solothurn hervor, mit der einzigen Ausnahme des kirchlich Bern unterstellten Bucheggberges.