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Als Geburtsort von Dada setzte das Cabaret Voltaire einen der wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der Performance*. Daher schauen wir nicht nur auf jenen bestimmten Zeitpunkt vor 100 Jahren, als Dada entstand und wirkte, sondern von heute auf den gesamten Zeitraum von 100 Jahren. Wir wollen so auch visionär auf die kommenden 100 Jahre schauen.
Heute ist Performance eine etablierte Kunstform. Sie erlebt aktuell wieder einen Höhepunkt. Performance ist sehr en vogue – ein Trend, der ein enormes Zukunftspotenzial birgt. Wir untersuchen diesen gegenwärtigen Performance Trend, die Position des Cabaret Voltaire in der Geschichte der Performance und gehen mit unserem Programm der Frage nach, welche Bedeutung Performance innerhalb der Kunst und der Gesellschaft heute hat und morgen haben kann.
Unter dem Titel «Fun & Fury!» veranstalten wir jeden zweiten Dienstag einen «Performance Dienst-Tag» mit nationalen und internationalen Künstler/innen, welche von vier Kurator/innen eingeladen werden. Der «Performance Dienst-Tag» ist ein Dienst, den wir Ihnen bieten, aber auch ein Dienst, den Sie der Kunst erbringen.
Für ein Jahr stellen wir das Cabaret Voltaire zudem einem/r Künstler/in zur Verfügung. Die/der Künstler/in gestaltet eine «Performative Installation», die aus dem Hintergrund Einfluss auf die Performances nimmt. Das Cabaret Voltaire wird so Ort der Vision, Utopie und Imagination eines/r einzelnen Künstlers/in und ihrer/seiner Interpretation des Ortes.
* Der Begriff «Performance» kam in den 1960er und 1970er Jahren auf, um eine neue Form der Kunst zu beschreiben, welche den Rahmen der Darstellenden und der Bildenden Künste sprengte. Zu dieser Zeit veröffentlichten die noch lebenden Dadaisten ihre Geschichte von Dada. Die Performance Kunstbewegungen wurden als eine Fortsetzung von Dada verstanden, so hiess die «Fluxus» Bewegung zunächst «Neodada». Der Dadaist Hans Richter widmete das letzte Kapitel seines Buches «Dada – Kunst und Antikunst» (1964) «Neodada». Der Begriff «Performance» basiert auch auf der Sprechakttheorie von John Austin, die er 1955 unter dem Titel «How to Do Things with Words» in Vorlesungsreihen an der Harvard University präsentierte. Austin prägte auch den Begriff der Performativität, welcher verdeutlicht, dass Sprechen auch eine absichtliche Tat sein kann. Performative Sätze dienen dazu «etwas zu tun». Die Performance Kunstgeschichte, die RoseLee Goldberg erstmals 1978 veröffentlichte und seither aktualisiert (2014 erschien die neuste Auflage), beginnt beim französischen Autoren und Theatermacher Alfred Jarry und seinem Stück «Ubu Roi». Hans Arp las am 14. März 1916 im Cabaret Voltaire an der «Französischen Soirée» Teile aus «Ubu Roi». Goldberg erzählt die Geschichte der Performance Kunst weiter, indem sie vom italienischen Futurismus berichtet, der von Filippo Tommaso Marinetti begründet wurde. 1906 veröffentlichte Marinetti das «Futuristische Manifest», das auch den Dadaisten bekannt war, so dass sie zur Geburt von Dada im Cabaret Voltaire «Futuristische Plakate» anbrachten und im ersten «Cabaret Voltaire» Magazin 1916 auch futuristische Gedichte, «Parola in Liberta», von Marinetti veröffentlichten. Der russische Futurismus, welcher von Kazimir Malevich mitgeprägt wurde, wird mit seinen gigantischen Inszenierungen zu Beginn der Soviet Zeit als dritter Punkt in Goldberg’s Performance Kunst Geschichte genannt, um dann zu Dada und dem Surrealismus zu gelangen. Auch das Bauhaus, das von einigen Dadaisten mitgeprägt wurde, ist Teil dieser Frühgeschichte der Performance Kunst vor dem Zweiten Weltkrieg. Danach geht es mit dem Black Mountain College, Happenings und Fluxus weiter, wo Performance mit Punk und Camp in die Pop Kultur der 80er Jahre übergeht. Eine Welle aus dem ehemaligen Ostblock verschaffte der Performance Kunst vor über 30 Jahren eine neue Dringlichkeit, so dass sie als eine etablierte Kunstform betrachtet werden kann, die jüngst wieder an einen Höhepunkt gelangt ist.
Unter dem Motto «Fun & Fury!» untersuchen wir Performance Kunst. Wir hinterfragen den jüngsten Performance Trend, wir bestimmen die Position des Cabaret Voltaire in der Geschichte der Performance Kunst und wir gehen der Frage nach, welche Bedeutung Performance innerhalb der Kunst hat und haben kann.
Betrachtet man die Geschichte der Performance Kunst, so war diese immer von Fun & Fury, von Spaß und Wut geprägt. Mit Wut kämpfte man für die Kunst, für ein Kunstverständnis, so dass es Streit und Schlägereien über verschiedenen Ansichten gab.
Mit Spaß trug man die eigenen Überzeugungen nach außen und spielte mit Utopien. Das eigene Spiel verteidigte man mit wütendem Spaß, man wütete gegen den Anderen und trat in einen Dialog.
Man pflegte untereinander eine aufrichtige Gegnerschaft mit Spaß und Wut. Nur so konnte man mit historischem Bewusstsein die Zukunft gestalten und den nächsten Schritt gehen.
Aus Spaß und Wut wurden ganze Welten der Imagination und Phantasie geschaffen, mit Spaß und Wut schöpfte man aus der Einbildungskraft und erschuf neue Welten.
Man war vulgär, verspielt und visionär zugleich. Man wurde verehrt oder verbannt und schrieb einen Absatz in einer Erzählung, die sich Geschichte nennt.
Man war «bold». Man wagte es, «to boldly go where no woman or man had gone before».