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Der vielschichtige Begriff sowohl der modernen Wissenschaftssprache als auch der polit.-sozialen und normativ-ethischen Sprache des MA und der frühen Neuzeit bezeichnet mehrere Sachverhalte: Erstens die über Geburt, Arbeit, Berufe oder Ämter definierten Gruppen im Rahmen einer Gesellschaft von ungleich privilegierten S.n (Ständische Gesellschaft); zweitens in staatsrechtl.-polit. Sinn die korporativ organisierten, privilegierten Führungs- und Herrschaftsgruppen mit polit. Repräsentation auf Reichs- oder Landesebene (Ständeversammlung); drittens die Republik im Allgemeinen, den Staat. In diesem Sinne bezeichnet S. seit dem 16. Jh. die Eidgenossenschaft als Ganzes, besonders aber die eidg. Orte, bisweilen auch deren Regierungen bzw. regierenden Familien. Seit Mediation und Restauration werden Kantone und Halbkantone S. genannt. In Ausdrücken wie Ständerat, Ständemehr oder Standesinitiative lebt dieses Verständnis von Stand fort; die Idee des Ständestaats dagegen orientiert sich am Korporativismus.
Autorin/Autor: André Holenstein