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Als Schlafparalyse bezeichnet man die in der REM-Phase auftretende fast vollständige Bewegungsunfähigkeit des Körpers während des Schlafs. Dieser natürliche Vorgang dient dem Schutz der Skelettmuskulatur und verhindert, dass die geträumten Bewegungen in der Realität ausgeführt werden.
Während wir friedlich schlafen, durchlaufen Gehirn und Körper verschiedene Schlafstadien, in denen Herzschlag, Atmung sowie die Gehirnaktivität kontinuierlich langsamer werden. Eine der Phasen ist die sogenannte REM-Phase (Rapid Eye Movement – schnelle Augenbewegungen). In dieser Phase schlägt das Herz schneller, Atemfrequenz und Blutdruck steigen. Der REM-Schlaf tritt während der Nachtruhe in Zyklen auf und macht etwa einen Viertel des Gesamtschlafs aus. Man bezeichnet sie auch als Traumphase, da in diesem Stadium die meisten Träume stattfinden. Unser Gehirn ist in dieser Phase sehr aktiv. Um den Schläfer davon abzuhalten, sich wie im Wachzustand zu bewegen, lähmt der Körper zum Schutz unsere Muskulatur bis auf die Atem-, Herz- und Augenmuskulatur und verhindert damit, dass die geträumten Bewegungen ausgeführt werden. Diese Starre ist eine ganz natürliche Erscheinung, und der Schläfer merkt überhaupt nichts davon. Man nennt diesen Zustand Schlafparalyse, Schlafstarre oder Schlaflähmung. Beim Aufwachen löst sich diese Starre in der Regel automatisch wieder, weshalb man sich ihrer nicht bewusst wird.
Wenn die Schlafparalyse nicht mit dem Aufwachen endet
Hin und wieder kann es jedoch vorkommen, dass es unserem Körper nicht gelingt, die Schlafstarre vom Schlafzustand zu trennen. Das bedeutet, dass die Schlafparalyse nicht mit dem Aufwachen endet, sondern noch bis in den Wachzustand anhält. Man nennt dies eine Schlaf-wach-Störung; die Lähmung der Skelettmuskulatur wird kurz vor dem Einschlafen oder kurz nach dem Aufwachen bewusst erlebt. Die REM-Phase wird quasi der natürlichen Schlaflähmung vorweggenommen beziehungsweise folgt ihr nach. Es handelt sich um eine Verschiebung der natürlichen Schlafstarre aus der REM-Phase in einen Zustand zwischen Wachsein und Schlaf. In diesem Zustand ist der Betroffene wach, besitzt jedoch keinerlei Kontrolle über seine Muskeln – nur die Sinnesorgane sind aktiv. Der Begriff Schlafparalyse wird heute umgangssprachlich als Bezeichnung für diese Störung verwendet.
Unheimlich und bedrohlich
Für den Betroffenen ist das alles andere als angenehm: Er ist zwar wach, kann sich aber nicht bewegen, weil sich der Körper noch im Schlafmodus befindet. Das kann richtig unheimlich sein. Man hat das Gefühl, mit offenen Augen zu träumen, doch weder Kopf noch Körper lassen sich bewegen. Vor allem dann, wenn man kurz davor noch einen unangenehmen Traum erlebt hat, ist das für Betroffene der reine Horror – sie fühlen sich dem Geschehen völlig hilflos ausgeliefert. Viele erleben eine Schlafparalyse als ein sehr belastendes Erlebnis, als eine Situation der völligen Hilflosigkeit und Bewegungsunfähigkeit.
Es ist verständlich, dass Panik aufkommt, gerade deshalb, weil jeder Versuch, sich zu bewegen, nicht gelingt. Erstaunlich ist, dass diese «Starre» nur vom Betroffenen selbst wahrgenommen wird, für den Betrachter ist dies nicht ersichtlich. Die Muskulatur eines von Schlafparalyse Betroffenen sieht schlaff und entspannt aus und nicht erstarrt.
Mögliche Ursachen
Man muss sich bewusst sein, dass es nicht nur die Zustände «wach» und «schlafend» gibt, denn sowohl beim Einschlafen als auch beim Aufwachen gibt es eine Übergangsphase. Körper und Geist gleiten hinüber in den Schlaf, wohin alle Informationen mitgenommen werden. Dort treffen sie auf Informationen, die bereits «Traum» signalisieren. Dieser Übergang gelingt meistens ohne Probleme.Schlafparalysen können einfach so und ohne Grund auftreten, sie können aber auch durch Medikamente verursacht werden oder in Begleitung von anderen Krankheiten auftreten. Es wird vermutet, dass bei der Schlaflähmung auch die Psyche eine Rolle spielt. Stress, Depressionen, Angststörungen, zu viel Alkohol oder Drogen können im Zusammenhang mit der Störung stehen. Man geht davon aus, dass etwa 7 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben von einer solchen Störung der natürlichen Schlafstarre betroffen waren.
Begleiterscheinungen der Schlafparalyse
Diese müssen nicht unbedingt auftreten, kommen aber vor. Da sind etwa Erstickungsgefühle oder ein Druck auf der Brust, als ob sich etwas Schweres darauf befände. Da sich auch das Wahrnehmungssystem nicht im vollständigen Wachzustand befindet, können sich die realen Wahrnehmungen mit den traumartigen Elementen vermischen.Etwa ein Drittel der Betroffenen sieht kurz vor dem Erwachen dunkle Gestalten, Dämonen oder andere übernatürliche Wesen, auch wird von ausserkörperlichen Wahrnehmungen berichtet, von der Sicht auf den eigenen Körper von aussen. Kein Wunder, dass solche Vorkommnisse die Betroffenen ängstigen.
Wie gefährlich ist die Schlafparalyse?
Die Schlafparalyse zählt zwar zu den Schlafstörungen, doch gefährdet sie die Gesundheit nicht, ist also harmlos. Der Zustand der Schlafstarre dauert meistens nur wenige Sekunden bis höchstens zwei Minuten.
Ein Problem wird die Störung erst, wenn sie über Jahre regelmässig in Erscheinung tritt – die Notwendigkeit eines Arztbesuchs ergibt sich aus der Häufigkeit der Störung und wie der Betroffene damit umgehen kann.
Behandlung
Um es vorwegzunehmen: Heilen lässt sich eine Schlafparalyse nicht. Betroffene möchten sie sicher ein nächstes Mal verhindern, doch ist eine Vermeidung nicht immer möglich. Genügend Schlaf, feste Schlafenszeiten, Rituale wie beispielsweise sanfte Musik vor dem Einschlafen und ein gedimmtes Licht sind vorbeugende Massnahmen. Auch soll die Rückenlage vermieden und auf einen Mittagsschlaf verzichtet werden. Das Erlernen von Stressbewältigungstechniken kann helfen, etwa Yoga, Meditation oder autogenes Training. Das Wissen, dass jede Schlafparalyse von selbst endet, sie völlig ungefährlich ist und eventuell auftretende Halluzinationen nicht real sind, kann helfen, die Angst zu reduzieren.Manchen Betroffenen gelingt es, durch bewusst lautes Atmen ihren Partner zu alarmieren, damit dieser sie berührt und so die Lähmung beendet. Experten empfehlen in schwierigen Fällen einer Schlafparalyse eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva. Die Ursache der Störung wird allerdings nicht beseitigt. Alternativen sind eine psychotherapeutische Begleitung oder die Behandlung in einem Schlaflabor.Gehäufte Attacken einer Schlafparalyse können auf eine Narkolepsie (im Volksmund Schlafkrankheit) hindeuten, die im Gegensatz zu einer Schlafparalyse zwingend ärztlich behandelt werden muss.
Veronika Stäheli
Schlafparalyse in Kunst und Kultur
Das Phänomen der Schlafparalyse war bereits im alten Ägypten, in Griechenland und Rom bekannt. Verbreitet war die Vorstellung, dass ein Dämon auf der Brust des Schlafenden sitzt und ihm so die Luft zum Atmen nimmt. In Europa bekannt war die Vorstellung eines Albs oder Incubus, der seine Opfer im Schlaf heimsucht. Das Gemälde «Der Nachtmahr» von Johann Heinrich Füssli (1781) zeigt die typischen Merkmale der Schlafparalyse wie Belastung der Atmung, Schlaffheit der Muskeln und Halluzinationen.