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«Wie viel Fläche braucht ein Zentrum für Zahnmedizin?»
Leserbrief
Das Ergebnis des Architekturwettbewerbs für das Zentrum für Zahnmedizin (ZZM) auf dem Areal des Kinderspitals in Zürich ist umstritten. Zum entsprechenden Beitrag in TEC21 10/2021 erreichte uns eine Leserzuschrift.
«Stimmig wie ein gutes Musikstück liest sich die TEC21-Ausgabe vom 9. April: Als Auftakt der Paukenschlag mit dem «Solitär», der den Wettbewerb auf dem Areal des Zürcher Kinderspitals gewann und von der Jury als «Leuchtturmprojekt» gelobt wurde, das Klimavernunft und Architektur vereine.
Eine Seite später folgt das Interview mit zwei Architektinnen, die mit gebrauchten Bauteilen bauen und auf zwei fundamentale Grundsätze zum Klimaschutz beim Bauen hinweisen: «Die mit Abstand wirksamste Klimaschutzmassnahme ist, nicht neu zu bauen.» Und: «Das Erstellen eines Gebäudes erzeugt mindestens doppelt so viel CO2 wie ein 60 Jahre dauernder Betrieb.»
Das Hauptthema in diesem Heft waren zwölf spannende Seiten über Stroh und Hanf als Alternativen zum allgegenwärtigen Baustoff Glas. Und als subtiles Zwischenspiel eine Reminiszenz an Tolstois Parabel «Wie viel Erde braucht der Mensch?», das die TEC21-Chefredaktorin als «flammendes Plädoyer für Genügsamkeit» bezeichnete.
Das führt mich wieder zurück zum Auftakt, zur Bebauung des Kinderspitalareals und dem dafür entworfenen Solitär. Ich möchte folgende Fragen an den Kanton als Veranstalter des Wettbewerbs stellen:
- Wie viel Fläche braucht ein Zentrum für Zahnmedizin (ZZM), heute und in Zukunft? Muss diese zwingend in einem einzigen Gebäude untergebracht werden? Ist das ZZM die richtige Nutzung für dieses Areal?
- Muss das Hauptgebäude des Kinderspitals nach nur fünfzig Jahren Betrieb zwingend abgebrochen werden? Gibt es keine Nutzungen im Gesundheitsbereich, für die diese Gebäude weiterhin geeignet sind?
- Könnte ein genügsameres Raumprogramm für das ZZM in bestehenden, ertüchtigten und massvoll erweiterten Gebäuden auf dem Areal des Kinderspitals untergebracht werden?
- Welches sind künftige Schwerpunkte des ZZM? Wie muss dessen bauliche Zukunft aussehen?
Das Areal des Kinderspitals ist kein unberührter Bauplatz. Es ist mit vielen Gebäuden unterschiedlicher Qualität dicht überbaut, auch unterirdisch. Drei Gebäude stehen unter Denkmalschutz, alles Übrige soll abgebrochen werden, um dem geplanten Neubau Platz zu machen, auch das grosse Bettenhaus mit sieben Geschossen.
Wenn die in Leichtbauweise erstellten Provisorien entfernt werden, gewinnt das Bettenhaus seine ursprüngliche Qualität zurück. Weiterbauen im Bestand wird möglich. Die nebenstehende Skizze zeigt als Beispiel den Fussabdruck eines Gebäudes, das bei fünf Geschossen weitere ca. 10'000 m2 oberirdische Geschossfläche bereitstellt.
Mit einer solchen Bauweise kann in diesem Areal, zusammen mit den Flächen der übrigen Gebäude, ein Gesamtangebot von 25'000 bis 30'000 m2 Geschossfläche realisiert werden.
Die Geschichte des Kinderspitals zeigt exemplarisch, wie sich die Anforderungen an öffentliche Dienstleistungen im Lauf der Zeit ändern und wie wichtig deshalb ein anpassungsfähiges bauliches Entwicklungskonzept ist. Dazu sind lineare Strukturen grundsätzlich besser geeignet als «Solitäre».
Wenn Klima- und Umweltschutz ernsthafte Anliegen sind, muss für das Areal des Kinderspitals auch das Weiterbauen im Bestand umfassend geprüft werden: Eine generelle Machbarkeitsstudie genügt nicht. Im Rahmen eines geeigneten Verfahrens müssen Fachleute sorgfältig und mit kreativer Energie ein Projekt entwickeln, das für alle Gebäude eine angemessene Nutzung aufzeigt. Erst mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen wird es vertretbar sein, eine Investition im Umfang von 200 Mio. Franken auszulösen.»