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Der unendliche Weg
andere Namen: The Infinite Way, La Voie infinie
Der Begründer von Der unendliche Weg ist der Amerikaner Joel Solomon Goldsmith (1892-1964). Goldsmith wuchs in New York in einer nichtpraktizierenden jüdischen Familie auf, die im Modebereich tätig war.
Joel S. Goldsmith interessierte sich schon früh für Spiritualität und Esoterik und liess sich 1914 in die Freimaurerei einweihen.
Im Jahr 1915 erkrankte Goldsmiths Vater auf einer Geschäftsreise in London, und wurde von einem Ausüber der Christian Science geheilt. Daraufhin schloss sich Joel Goldsmith der Christian Science an. Im Marine Corps, wo Goldsmith während des ersten Weltkriegs diente, tat sich Goldsmith mit anderen Marines zu einer Studiengruppe der Christian Science zusammen.
Nach dem Krieg erkrankte Goldsmith an Tuberkulose, und führte seine Heilung nach drei Monaten wieder auf die Christian Science zurück. In der Folge soll er geschäftlich sehr erfolgreich gewesen sein, was auf seine Kenntnis der geistigen Gesetze zurückzuführen sei.
Eine weitere Erkrankung führte nicht zur zu einer erneuten Heilung, sondern auch zu einem Erleuchtungserlebnis. Goldsmith mied fortan die Laster der Welt: Rauchen, Trinken, Kartenspiel, Pferderennen. Er widmete sich in der Folge der Verbreitung seiner Botschaft. Im Jahr 1947 erschien sein erstes Buch: The Infinite Way, Der unendliche Weg.
Im deutscher Sprache wurden die Werke von Joel Goldsmith herausgegeben vom Heinrich Schwab Verlag, Argenbühl-Eglofstal.
Joel S. Goldsmith trennt scharf zwischen dem Gott des Alten Testaments und demjenigen des Neuen: „Der Gott des Alten Testaments ist nicht Gott, sondern das Gesetz des Karmas. Es ist das Gesetz, welches besagt: Wie ihr säet, so werdet ihr ernten. … Das ist nicht Gott: es ist das karmische Gesetz, welches für Gott gehalten wurde.“ (Goldsmith, Der Donner der Stille, s. 25)
Die Zehn Gebote würden sich, so Goldsmith, an Menschen auf einer „niedrigen Bewusstseinsstufe“ richten: „Solche Gesetze (die Zehn Gebote, red.) sind für Menschen, die noch nicht einmal den Zustand sehr hoch entwickelter menschlicher Wesen erreicht haben, sondern auf einer so niedrigen Bewusstseinsstufe stehen, dass sie noch daran erinnert werden müssen, ihren Nachbarn nicht um seinen Besitz, seine Frau oder seinen Hof zu beneiden.“ (a.a.O. s. 26)
Dieser niedrigen Bewusstseinsstufe setht Goldsmith die göttliche Sohnschaft entgegen: „Jeder Mensch auf Erden muss eines Tages den Himmel bewohnen. Jeder Mensch muss eines Tages über das Dasein eines kranken und sündigen Sterblichen hinauswachsen und das Erbe seiner göttlichen Sohnschaft antreten.“
Auf diesem Weg sind „menschliche Gottesdienste“, aber auch Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit nur die ersten Schritte: „Nur dadurch, dass wir unsere fleischlichen Gelüste, unsere sterblichen, eigensüchtigen, menschlichen Wünsche ablegen, beweisen wir dass wir uns einer höheren Stufe des Menschseins nähern. Schliesslich kommt ein Tag, da wir den Geist Gottes, der in uns wohnt, tatsächlich erleben … Von da an sind wir nicht mehr einfach gute Menschen … von da an bis zum Ende unserer Tage auf Erden und bis in alle Ewigkeit stehen wir unter der Gnade.“ (s.27)
Mit der Neugeist-Bewegung lehrt Joel S. Goldsmith, dass die Materie nur im Geist existiert: „So etwas wie einen materiellen Körper gibt es nicht; es gibt nur eine materielle Vorstellung vom Körper. So etwas wie ein materielles Universum gibt es nicht, es gibt nur materielle Auffassungen des einen geistigen Universums.“ (s. 119).
Joel S. Goldsmith empfahl kontemplative Meditation: kurze Phasen der Besinnung über den Tag hin sollen die Menschen offen machen für die leise Stimme der Göttlichen in sich selbst. Wichtig ist dabei, Emotionen hinter sich zu lassen: „Sobald wir uns von Gedanken des Hasses, der Furcht oder der Liebe zu Dingen und Menschen gelöst haben und sie mit der grössten Gleichmütigkeit an unseren Augen vorüberziehen lassen können, sind wir nicht mehr im Bereich des menschlichen Geistes. Wir erreichen oder berühren nun unsre Seele oder wir werden von ihr – von Gott – berührt und sind hier in einer Atmosphäre, in der wir Ihn hören können, wenn Er spricht. Wenn Gott seine Stimme erhebt, dann schmilzt die Erde, und alle Probleme lösen sich auf.“ (s.124)
Auf Gottesdienste, Rituale und Zeremonien wollte Joel S. Goldsmith bewusst verzichten. Die Botschaft von Der unendliche Weg hat er ausschliesslich über Vorträge vermittelt, deren Aufnahmen heute noch bezogen werden können und von Angehörigen der Bewegung mitunter extensiv angehört werden.
In Form von Meditationstreffen wird zudem durchaus eine gemeinsame Ausübung der Spiritualität angeboten, die strukturell der Funktion von Gottesdiensten nahe kommt.
Joel S. Goldsmith lehnte die Bildung einer zentralen Organisation ab. Regionale Stukturen zur Publikation seiner Werke und zur Organisation seiner Vorträge hat er aber geduldet. Heute arbeiten unterschiedliche Anbietende mit den Ideen Goldsmiths und kombinieren sie teilweise auch mit anderen und eigenen Ansätzen.
In der Schweiz werden Seminare und Meditationstreffen von Der unendliche Weg im Jahr 2020 angeboten in Sigriswil und Zürich.