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- Gebaut von 1968 bis 1971
- Etwa 12’000 Exemplare
- Grosser Erfolg im ehemaligen Ostblock
Angebot der Woche: Velorex 16/350
Peter Ruch | 07.02.2024
Sie waren halb Motorrad, halb Automobil, die tschechoslowakischen Velorex. Und dann erklären wir auch noch «Igelit».
Schon Mitte der 30er Jahre hatten die Gebrüder Frantisek und Mojmir Stransky erste Versuche mit Dreirad-Fahrzeugen unternommen, die eindeutig vom Three-Wheeler von Morgan inspiriert waren. Direkt nach dem 2. Weltkrieg wurde es etwas ernsthafter, doch es gab einfach zu wenig Rohstoffe, um das erste Modell namens Oskar so richtig zum Laufen zu bringen. Das änderte sich erst Mitte der 50er Jahre, doch da waren die Gebrüder Stransky schon nicht mehr dabei, Frantisek starb beim Test eines Prototypen, Mojmir wurde gefeuert, weil er sich weigerte, der kommunistischen Partei beizutreten. Kurz darauf wurde der Name der Firma in Velorex geändert.
1968 kamen dann zwei neue Modelle auf den Markt, der 16/175 und der 16/350. Dabei ging es vor allem um die Motoren, besonders interessant war natürlich der 350-Kubik-Jawa-Zweitakter, der es auf 16 PS brachte und das knapp 300 Kilo schwere Gefährt doch 85 km/h schnell machte. Die Konstruktion war aber grundsätzlich immer noch gleich wie nach Kriegesende: Ein Stahlrohr-Rahmen hielt ein paar wenige Motorrad-Teile zusammen, es gab eine Sitzbank, ein Lenkrad - und einen Überzug aus «Igelit», einem Weich-PVC, der über diesen Rahmen gespannt wurde.
Erfunden worden war «Igelit» von der deutschen I.G. Farbenindustrie AG - und 1939 beworben als «thermoplastischer Kunststoff von vielseitigem Charakter, in jeder Härte einstellbar durch Weichmacher, in jeder Farbe einfärbbar mit Vulkanechtfarbstoffen, zeichnet sich aus durch Korrosionsfestigkeit und Alterungsbeständigkeit, ist verwendbar als Isoliermasse, als Mantelmasse, als Bleimantelersatz...». Wie auch immer, «Igelit» war vorhanden, Blech eher nicht so, als kleidete Velorex seine Dreiräder halt damit ein. Und deshalb gab es eigentlich auch nur eine Farbe: «Igelit».
In den Ländern des ehemaligen Ostblocks wurde der Kauf der Velorex für Invalide subventioniert, auch deshalb wurde das Dreirad zum grossen Erfolg, vom 16/350 konnten zwischen 1968 bis 1971 stolze 12'000 Exemplare abgesetzt werden. In Tschechien und Slowakien sind die Velorex heute Kult, in Westeuropa sieht man sie nur selten. Velorex schloss 1973 seine Tore, nachdem ein vierrädriges Gefährt so gar keinen Erfolg brachte. Dieses schöne Exemplar des klassischen Dreirads haben wir in der Oldtimergalerie Toffen gefunden, es kostet keinen fünfstelligen Betrag.
Man darf die Farbe als «Igelit» bezeichnen.
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