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Auf Anweisung der ghanaischen Regierung wurden aufgrund der COVID-19-Pandemie alle Schulen am 16. März 2020 bis auf weiteres geschlossen, darunter auch die Upsy Daisy School. Hagar ist Eigentümerin der Upsy Daisy International-Schule in einem Vorort von Kumasi in der Ashanti-Region in Ghana. Sie ist mit Pfarrer B. verheiratet. Neben vier eigenen Kindern haben sie noch vier Adoptionskinder. Aus ihrer Liebe zu Kindern und ihrer Leidenschaft, Kindern in ihrer Gemeinde zu helfen, gründete sie 2014 die Schule Upsy Daisy. Derzeit werden an der Schule 275 Schüler von 14 Lehrkräften und sonstigen Mitarbeitern betreut.
Die Schliessung der Schule bedeutete für Hagar, ihre Familie sowie ihre Mitarbeiter eine grosse Belastung, da sie kein Einkommen mehr hatten. Früher verschaffte ihr die tägliche Gebühr von 4,5 GHS für Schulgeld, Kantinenessen und Busfahrt zur Schule pro Kind am Ende des Monats ein Einkommen, mit dem sie ihre Familie und die Schule unterstützten konnte.
Bis zur Wiedereröffnung lebte sie von der Unterstützung von Freunden und einigen Familienmitgliedern, die ihr von Zeit zu Zeit kleine Geldbeträge überwiesen, damit sie sich und ihre Familie mit Lebensmitteln versorgen konnte. Auch ihr Ehemann hatte lange kein Einkommen, da ebenfalls alle Kirchen in Ghana zum Schutz vor einer Ausbreitung des Virus geschlossen wurden.
Die Mitarbeiter der Upsy Daisy School blieben zu Hause. Hagar war aufgrund der fehlenden Einnahmen nicht in der Lage, sie zu bezahlen. Sie riefen täglich an, um sich nach ihrem Lohn zu erkundigen, aber Hagar konnte in dieser Situation nichts für sie tun.
Seit Januar 2021 konnte Hagar ihre Schule wieder eröffnen. Dies ist sehr wichtig, da eine gute Schulbildung die wichtigste Grundlage für ein Leben ohne Armut darstellt. In Ghana gehen fast eine halbe Million Kinder nicht zur Schule. Diejenigen die eine Schule besuchen, erleben oft überfüllte Klassen, überforderte und unterbezahlte Lehrkräfte und mangelnde Aufmerksamkeit der Schulkinder, die häufig zu schlechten Noten bis hin zum Schulabbruch führen kann. Da die Kinder daraufhin in die Arbeit und Versorgung ihrer Familien eingespannt werden, können sie die Grundbildung, einmal unterbrochen, meist bis ins hohe Erwachsenenalter nicht mehr nachholen. In Ghana können 21.5 Prozent der Menschen ab 14 Jahren und älter weder lesen noch schreiben.
Dank privater Initiativen gibt es seit einigen Jahren eine Alternative zu überfüllten oder fehlenden öffentlichen Schulen: die sogenannten "Microschools". Engagierte Gemeindemitglieder, häufig ehemalige Lehrkräfte, reagieren auf den starken Schulmangel, indem sie kleine private Schulinitiativen gründen. Die Microschools bestehen anfangs oft nur aus einfachen Überdachungen mit Bänken, welche die engagierten „Bildungsunternehmerinnen und -unternehmer“ von ihren eigenen Ersparnissen errichten. Mit der Gründung ihrer Microschools reagieren sie auf die hohe Nachfrage in ihren Gemeinden nach einer guten Bildung für ihre Kinder. Häufig liegen diese Schulen auf dem Land, in Vororten oder Armutsvierteln und bieten Kindern aus benachteiligten Familien den – oft einzigen – Zugang zu Schulbildung.
Damit die Bildungsunternehmerinnen und -unternehmer ihre Microschools nachhaltig führen können, ist es wichtig, dass sie sich unternehmerische Kenntnisse in Betriebswirtschaft und Führung von Mitarbeitenden aneignen. Deshalb organisiert Sinapi praxisnahe und abwechslungsreiche Schulungen mit Expertinnen und Experten aus der ghanaischen Behörde für Kleingewerbe oder aus dem Bildungsministerium. Die Bildungsunternehmerinnen und -unternehmer lernen, wie sie die Ressourcen ihrer Schule bestmöglich einsetzen und langfristig zum Wohl ihrer Gemeinden beitragen können.
Um die Schule nicht nur zu erweitern und besser auszustatten, sondern auch die Qualität des Unterrichts zu erhöhen, erhalten jeweils zwei Lehrkräfte pro Microschool eine Fortbildung. Durch die Fortbildungen sind sie in der Lage, ihren Unterricht mit vielfältigen didaktischen Methoden wie Gruppenarbeiten, Spielen und Rollenspielen zu versehen, welche die Schulkinder in den Mittelpunkt stellen und die Inhalte für die Kinder besonders interessant machen. Die Lehrkräfte geben ihr Wissen an ihre Kolleginnen und Kollegen weiter, sodass auch diese von einer höheren Aufmerksamkeit in ihrer Klasse profitieren und alle Schulkinder der Microschools durch den abwechslungsreichen Unterricht spielerisch zu besseren Leistungen motiviert werden.