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Schottland stimmt über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich ab. Es wäre ein weiterer Verlust für das einst so grosse Britische Imperium. Ein Überblick über dessen Geschichte.
Einst beherrschten die Engländer die halbe Welt – jetzt sind es nur noch ein paar Inseln im Atlantik: 458 Millionen Menschen auf einer Fläche von 34 Millionen Quadratkilometern umfasste das britische Weltreich unter King George V im Jahr 1922. Heute leben im Vereinigten Königreich noch rund 60,5 Millionen Menschen auf 220'000 Quadratkilometern. Und wenn die Schotten der Abspaltung zustimmen, wird Grossbritannien nochmals um 5,4 Millionen Einwohner und 79'000 Quadratkilometer kleiner.
Die Spanier und die Portugiesen waren früher: Sie hatten schon Ende des 15. Jahrhunderts mit der Erkundung der Welt ausserhalb Europas begonnen. 1497 teilten sie die aussereuropäische Welt in eine spanische und eine portugiesische Einflusszone auf. Die Engländer folgten erst 100 Jahre später: Francis Drake, der «Pirat der Königin» (Elizabeth I) auf seiner Weltumsegelung (1577 bis 1580) nördlich des heutigen San Francisco. England war auf dem Weg zur Kolonialmacht.
Voraussetzung für den Aufstieg Grossbritanniens war im Herbst 1588 der Sieg der englischen Flotte über die spanische Armada vor der Küste Irlands. Massgeblich daran beteiligt: Sir Francis Drake. Der Untergang der Armada bedeutete das Ende der spanischen Expansion – und den Beginn der englischen.
«Die Flagge folgt dem Handel»: Das war die Formel, nach der die Engländer im 17. Jahrhundert die Welt eroberten. Kapitalkräftige Handelskompanien gründeten im Atlantik, in der Karibik in Indien und an der afrikanischen Westküste Niederlassungen und Stützpunkte. Exemplarisch für diese Gesellschaften steht die Ostindien-Kompanie, der Queen Elizabeth I im Jahr 1600 mittels eines Freibriefs das Monopol im Indien-Handel erteilte.
Anders als die Spanier, denen es vor allem um das Gold, das Silber und die Edelsteine der kolonisierten Gebiete ging, kamen die Briten als Händler und Siedler. Dazu trugen auch Überbevölkerung und religiöse Konflikte im Heimatland bei. Puritaner, Katholiken und andere Minderheiten wanderten aus und gründeten vor allem in Nordamerika Kolonien. Die Unabhängigkeitserklärung der 13 nordamerikanischen Kolonien (1776) und die Niederlage in der Schlacht von Yorktown (1781) sind die erste Zäsur in der Geschichte des britischen Weltreichs .
Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts konzentrierte sich die britische Kolonialpolitik auf die Sicherung des Seewegs nach Indien und den Ausbau der Besitzungen in Afrika. Einer der Repräsentanten der Afrika-Politik war Cecil Rhodes. Er brachte der Krone das südliche Afrika und träumte von einem britischen Afrika «vom Kap bis Kairo». Und das mit einem völlig rassistischen Anspruch: Rhodes war überzeugt, dass die «anglo-sächsische Rasse die beste der Welt» ist. «Je mehr Gebiete wir beherrschen, desto besser ist es für die Welt.»