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Es wäre noch untertrieben zu sagen, dass Damien Piller am Montag vor dem Gericht in Perpignan einige schwierige Momente erlebt hat. Während eines guten Teils des Tages musste sich der Freiburger Anwalt und Promotor den mit beissender Ironie gestellten Fragen des Gerichtspräsidenten Jean-Luc Dooms stellen. Dies, weil Piller in eine Korruptionsaffäre verwickelt ist, die seit 2008 die Ruhe des Badeorts Saint-Cyprien trübt. Trotz seines Kampfgeists in die Enge getrieben, räumte Piller ein, «ungeschickt» gehandelt zu haben, als er dem ehemaligen Verantwortlichen des Raumplanungsamts von St-Cyprien ein Darlehen von 300 000 Euro gewährt hatte.
Zudem räumte Piller–nachdem er mit den Aussagen einer Angestellten, die bei seiner Firma Lodef für den Verkauf verantwortlich ist, konfrontiert wurde–schliesslich ein: Es könnte sein, dass der ehemalige Bürgermeister Jacques Bouille, der sich 2009 im Gefängnis umgebracht hat, dem Freiburger nach der Abweisung eines Baugesuchs im März 2007 suggeriert habe, er könnte seine Meinung eventuell ändern, wenn er ihm einige Gemälde schenke. «Dies stand natürlich ausser Frage!», betonte Piller.
Es herrschte Vertrauen
Bis anhin hatte der Freiburger Promotor stets versichert, er habe vollstes Vertrauen in die Aufrichtigkeit des Bürgermeisters Jacques Bouille gehabt. Als dieser 2008 wegen betrügerischen Erwerbs von Kunstwerken im Wert von über sieben Millionen Franken in Untersuchungshaft musste, sei er aus allen Wolken gefallen.
Es sei sicherlich diesem Vertrauen zuzuschreiben, dass Piller–ein besonnener Schweizer Geschäftsmann und Verwalter von 28 Unternehmen–nicht so genau hingeschaut habe, als er zwischen 2006 und 2007 den Kauf von zehn Gemälden für 400 000 Euro finanzierte, die für das vage Projekt eines Museums bestimmt waren, meinte Dooms. Er wunderte sich auch darüber, dass keine Vereinbarung zu den Modalitäten der Käufe unterzeichnet wurde. Diese tätigte der Bürgermeister selbst, ohne dass jedoch sein Name je auf den Kaufscheinen erschien. Diese Scheine, die manchmal «korrigiert» wurden, um jeglichen Bezug zum Maire zu tilgen, wurden im Namen von Damien Pillers Anura AG verfasst. Damit war die Freiburger Firma rechtmässige Besitzerin der Bilder, gelagert wurden sie dennoch beim Bürgermeister–und zwar unter solchen Bedingungen, dass acht davon heute als verschwunden gelten. Wenn Piller als uneigennütziger, kultureller Mäzen handelte–so fragte Jean-Luc Dooms–, warum dann diese unglaubwürdigen Unklarheiten?
Vertrauen, erwiderte Damien Piller. Er habe aber immerhin nach jedem Kauf einen Brief verfasst, in dem er angegeben habe, das Gemälde sei für eine kulturelle Stiftung bestimmt. Da keiner dieser Briefe beim Dienst, der die Post des Maires öffnete, registriert war, gehen die Untersuchungsbehörden aber davon aus, dass die Briefe im Nachhinein erstellt wurden.
Er habe die Briefe dem Bürgermeister meistens direkt übergeben, erklärte Damien Piller. «Der französischen Post vertrauen Sie also nicht?», meinte Gerichtspräsident Jean-Luc Dooms spöttisch. Dann fragte er, wie es komme, dass Jacques Bouille kurz vor seinem Suizid beteuerte, noch nie etwas von der Existenz einer Firma Anura AG gehört zu haben. Dies belege Geisteskrankheit oder Lüge, antwortete Damien Piller wie aus der Pistole geschossen.
Wie auf dem Viehmarkt
Als Zeugin befragt, unterstrich Marcelle Junod, Direktorin der Migros Neuenburg-Freiburg, bei der Piller Verwaltungsratspräsident ist, die einzigartigen Qualitäten ihres Vorgesetzten. Und Philippe Menoud als Treuhänder, der die Rechnung der Anura AG überprüft, betonte, dass die gekauften Werke ordnungsgemäss aufgeführt worden seien.
Und das Darlehen an den Ex-Verantwortlichen des Raumplanungsamts? Juristisch korrekt, aber politisch ungeschickt, gab Piller sinngemäss zu. Auch hier hatte offensichtlich Vertrauen geherrscht: So musste der Begünstigte überhaupt keine Garantie für seine Zahlungsfähigkeit vorweisen. «In Frankreich kommt es nur noch an einigen Viehmärkten vor, dass man Verträge mit Handschlag abschliesst», meinte Dooms dazu.
Der Prozess mit 15 Beschuldigten wird in den nächsten Tagen fortgesetzt. Das Urteil wird am 27. Februar erwartet.
bearbeitet von rb/FN