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Zwerggalaxien sind sehr leuchtschwache Sternsysteme, die anscheindend bis zu 90% von Dunkler Materie dominiert werden. Sie sind deswegen wichtige Laboratorien zur Erforschung der DM, deren Natur immer noch völlig rätselhaft ist. Kürzliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Zwergsatelliten um die Milchstrasse und die Andromedagalaxie herum stark anisotrop verteilt sind, was dem Standardszenarium der Strukturbildung mit „kalter“ Dunkler Materie konträr zuwider läuft. Findet man dasselbe Bild auch in anderen Galaxiengruppen, oder ist das bloss eine lokale "Laune der Natur"? Zur Beantwortung dieser entscheidenden Frage haben wir im Vorgängerprojekt in den nahen südlichen Centaurus- und Sculptor-Galaxiengruppen nach bisher unbekannten, schwächeren Zwerggalaxien zu suchen begonnen, die dann für solche Studien benutzt werden können. In der Centaurus-Gruppe wurden auf tiefen Aufnahmen mit der 'Dark Energy Survey’ Kamera (DECam) in Chile fast 60 neue Zwerggalaxie-Kandidaten entdeckt. Eine Aufgabe dieses Projekts war es, möglichst viele dieser neuen Objekte durch Distanzbestimmung zu lokalisieren. Die Distanzbestimmung gelingt durch die Auflösung der schwachen Zwerggalaxien in Einzelsterne mittels Langzeitaufnahmen mit einem hochauflösenden Grossteleskop. Für drei Zwergkandidaten konnte dafür das Very Large Telescope der ESO benutzt werden. Mehr VLT-Beobachtungszeit für weitere Kandidaten wurde erst spät gewährt; die Datananalyse und die Resultate daraus fallen aus dem zeitlichen Rahmen dieses Projekts. Dafür wurde die Suche nach neuen, schwachen Zwerggalaxien auf die nördlichen M101 und Leo-I Gruppen ausgedehnt. Mit Hilfe der öffentlichen Datenbasis des 'Sloan Digital Sky Survey' (SDSS) wurden 50 weitere Zwergkandidaten in diesen Gruppen gefunden.
Die Existenz einer scheibenartigen Verteilung von Zwergsatelliten in der Centaurus-Gruppe war bereits bekannt und wurde durch unsere neuen Kandidaten bestätigt. Ob es sich um eine den lokalen Satelliten-Ebenen analoge Struktur handelt, blieb unklar. Die beobachteten Geschwindigkeiten der bereits bekannten Zwergsatelliten zeigen aber ein deutllches Rotationsmuster, genau wie bei den lokalen Scheiben. Durch eine eingehende statistische Analyse, und mit Hilfe eines Vergleichs mit kosmologischen Simulationen, konnten wir nachweisen, dass die Bildung einer solchen kohärenten Struktur sehr unwahrscheinlich ist (die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt weniger als 1%). Da man nun, nach der Milchstrasse und Andromeda, dank unserer Arbeit bereits zum dritten Mal auf eine solche Struktur stösst, ist das Standardmodell der Strukturentstehund mit DM, mithin die Existenz der DM selbst, ernsthaft herausgefordert. Dieses Resultat wurde in der Zeitschrift SCIENCE publiziert und fand in der wissenschaftlichen Gemeinschaft und in der Presse weltweit ein grosses Echo.