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Alkoholismus
Eine Nebenwirkung der Industrialisierung war der grosse Alkoholkonsum bei den Arbeitern. Strenge, lange Arbeitstage, kaum Freizeit, Mangelernährung und geringe Perspektiven auf Besserung führten dazu, dass Alkoholismus besonders bei ärmeren Bürgern ein zunehmendes Problem wurde.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in den zahlreichen Brennereien der Schweiz Schnaps aus allen erdenklichen Zutaten gebrannt. Dieser Fusel wurde denn vor allem bei Männern der Arbeiterklasse ein täglicher Begleiter und war wegen der grassierenden Mangelernährung ein Ersatznahrungsmittel. Das um 1900 aufkommende Bier erfüllte vielfach den gleichen Zweck. Mit 40 Rappen pro Liter war ausserdem der «Suure Most» gerade bei ärmeren Arbeitern sehr beliebt.
Auch die Bürger der Oberschicht genossen den Alkohol. Im Unterschied zu den Arbeitern konnten sie sich allerdings die bessere Qualität leisten, was zu dieser Zeit eine entscheidende Rolle spielte. Denn nebst der konsumierten Menge war auch die Qualität des billigen Fusels für die mittellosen Trinker in Bezug auf die Gesundheit verheerend.
Abstinenz-Bewegungen
Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich Bewegungen, die einen gemässigteren Alkoholkonsum oder gar Abstinenz propagierten. 1877 wurde zur Hilfe gegen die Sucht das Blaue Kreuz gegründet. 1894 öffnete in Steg bei Bauma die erste Trinkerinnenheilanstalt der Schweiz und 1910 wurde nach einer Volksinitiative ein Verbot von Absinth in die Verfassung aufgenommen.