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GG 323
Acroamaton in librum Hippocratis de Natura hominis Commentarius unus, D. Eustathio Quercetano autore. Eiusdem autoris in Cl. Galeni libros tres de Temperamentis, Scholia.... Basel: Johannes Oporin Dezember 1549. 8°.
Einziges bekanntes Werk des Eustache Du Quesnoy aus Lille. Als Eustathius Quercetanus Insulensis hat er sich im Mai 1536 in Basel immatrikuliert, nachdem er zuvor in Valence in Medizin doktoriert hatte, ist bis 1537/38 hier geblieben, hat sich 1545 in Heidelberg immatrikuliert, wo ihn im März 1547 der Kurfürst als Lehrer der Medizin berief. Er blieb hier bis1549. Nach Aufenthalten in Genf und Lausanne, wo er Calvin und Pierre Viret antraf, und Basel wurde er 1551 Doktor und Lektor der Medizin an der Akademie von Lausanne bis 1557. Danach findet man ihn in Frankfurt und Strassburg. Aus einem Brief des Basler Professors für Logik, Ethik und Poetik Huldrich Hugwald von wahrscheinlich Sommer/Herbst 1551 an ihn erfahren wir, dass man ihn 1537/38 gern als Dozenten der Medizin in Basel behalten und dass Hugwald ihn nochmals 1550 in Basel und auch noch 1551 gern als Nachfolger des 1547 verstorbenen Professors der Medizin Sebastian Sinckeler gesehen hätte, und dies durch Bonifacius Amerbach hätte erreichen wollen. Dem Brief können wir auch die Pflichten eines Basler Professors der Medizin entnehmen: täglich eine einstündige Vorlesung (ausser in den Ferien), daneben Beratungen mit den übrigen Medizinern der Fakultät und den Obern der Universität über den Stundenplan, wobei es sehr kluge Männer in diesem Kollegium habe, die dennoch einer besseren Meinung zuzustimmen vermöchten; ausserdem müsse man sich verpflichten, jeden kranken Bürger zu angemessenem Honorar zu behandeln - im Sinne des Hippokrates, und zudem als Diener Christi. 1549, nach dem Druckdatum wohl gegen Ende des Jahres, muss Du Quesnoy in Basel geweilt haben, da er hier seine beiden Kommentare zu je einer Schrift des Hippokrates und Galens dem uns unbekannten Arzt Jacobus Burdingus gewidmet hat. Die in der Widmung als Initianten der Niederschrift - und damit indirekt auch des Druckes - erwähnten Schüler dürften hienach solche in Heidelberg gewesen sein, wo kaum eine Möglichkeit des Druckes bestand, und von wo aus sich für einen solchen Kommentar auch eher Basel als das immerhin um einiges nähere Strassburg anbot. - Unglaublich, wie nützlich es sei, beim Lernen bestimmte Wege in der Abfolge und im Vorgehen der Erforschung und Erklärung irgendeines Gegenstandes einzuhalten, was die Griechen methodoi genannt hätten, empfiehlt er sogleich zu Beginn der Widmung Methodik für den Schüler wie für den Dozenten - und damit natürlich auch diese eigenen Kommentare. Ohne eine solche Methode lerne man sogar kein Fach beherrschen. Wenn man Summen und gleichsam Kapitel aus vielen verschiedenen Autoren sammle und in der Ordnung einer Kunstlehre (ars) zusammenstelle, meinten viele in ihrer Unerfahrenheit, diese damit schon methodisch erfasst zu haben, doch das ergebe nicht Methodiken, sondern unpassend zusammengestückelte Schulbüchlein, die nie zu wirklichem Wissen führten. Methodiken jedoch empfehle er den Jugendlichen, von denen sie von einem bekannten Ausgangspunkt aus schrittweise zum Wissen geführt würden. Kein anderer Weg sei in der Heilkunst bestimmter, sicherer, sogar kürzer. Aber gerade hiervon liessen sich viele nicht überzeugen. Schon durch die erste Schwierigkeit liessen sie sich von ihrem Weg abbringen, verzichteten gänzlich oder wendeten sich blosser Praxis (ad empiricam) zu. Nur wenige liessen sich zum gründlichen Erlernen der Heilkunst bringen. Das verwundere ihn allerdings nicht, da es in dieser Zeit noch mehr an Doktoren dieser Kunst mangle, die der grossen Verpflichtung, die sie auf sich genommen hätten und die sie öffentlich verträten (profitentur - als professores), zu genügen trachteten. Daher hätten kürzlich einige seiner Hörer sich ein Beispiel dieser Einübung gewünscht, nach dessen Richtlinie (norma) sie die medizinischen Probleme leichter untersuchen sowie erfolgreicher behandeln und erklären könnten. Auf diesen Wunsch hin habe er, was er über Untersuchung und Behandlung ausführlicher vorgetragen habe, kurz in diesem Kommentar niedergeschrieben und sich dabei möglichst an ihre Bitten gehalten. Zuerst als er dies diktiert habe, habe er noch keineswegs an eine Publikation gedacht. Doch da er nicht nur wenigen zu Gefallen handeln wolle, sondern seine ganze Kraft dem Unterricht der lernbegierigen Jugend zu widmen versuche, habe er in die Veröffentlichung dieses kleinen Kommentars in dieser Form eingewilligt, um auch der Öffentlichkeit zu dienen. Ihm widme er ihn, damit er ihn in seine Obhut nehme, da sogar viele, die selber nie etwas veröffentlichten, Schriften anderer tadeln zu müssen glaubten. - In einer folgenden kurzen Vorrede an den Leser weist er ebenfalls darauf hin, dass sowohl der Hippokrates- wie der beigegebene - dem Umfang der Schrift Galens entsprechend dreimal so umfangreiche - Galenkommentar in dieser Form für seine Schüler verfasst seien, dass er darum auf weniger Lernbegabte und auf die ungleiche Vorbildung seiner Schüler habe Rücksicht nehmen müssen und darum manchmal etwas breit habe werden müssen. Eine gute Aufnahme dieses Büchleins werde ihn dazu ermuntern, weitere zurückgehaltene Kommentare drucken zu lassen (es scheint bei diesem einen geblieben zu sein, doch hat immerhin Theodor Zwinger ihn noch 1579 unter den brauchbaren neuen Hippokrateskommentaren an erster Stelle aufgeführt). Weiter gehen den jeweils in Kursive den lateinischen Textabschnitten folgenden Kommentaren ein Prooemium bzw. Argumentum voran.
Aus Besitz Jacob Hagenbachs von 1616 (1595-1649, stud. med. in Basel 1515-1522, später Professor u.a. der Ethik und praktischer Arzt): L e IV 31
Bibliothekskatalog IDS
Signatur: Le IV 31