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Seit 2004 die Einrichtung der Abteilung Gegenwartskunst des KMB im ehemaligen Progymnasium nicht zustande kam, weil Hansjörg Wyss sein Schenkungsversprechen widerrief, sucht das KMB eine bauliche Erweiterung auf dem eigenen Terrain an der abschüssigen Nordkante des Aarehangs. Nach drei Fehlschlägen auch jetzt wieder.
Die grossen Repräsentationsbauten der Stadt wurden alle an der südlichen Hangkante errichtet: das Münster mit der Plattform, das Casino, das Bundeshaus. Der Stettlerbau des Kunstmuseums lag 1879 als er bezogen wurde ausserhalb der Stadt. Ein Solitär an einem Boulevard zwischen dem Waisenhausplatz und der damals grünen Schützenmatte wurde 1936 durch die Architekten Indermühle und Salvisberg mit einem Anbau erweitert. Der Anbau wich 1983 dem neuen Trakt des Ateliers 5. 1958 kam an der Hodlerstrasse 6 ein Zusatzbau zur Polizeikaserne hinzun, 1967 die Ausfahrt des Metro Parkings in die Hodlerstrasse. So präsentiert sich heute die Situation.
Unwirtliche Lage, begrenztes Potenzial
Die Lage ist unwirtlich. Um sie zu verbessern, braucht es die Zusammenarbeit der öffentlichen Hände und der Dachstiftung KMB-ZPK. Doch eine wirkliche, tiefgreifende Verbesserung ist an diesem Ort nicht möglich. Die Idee der «Kunstmeile Hodlerstrasse», der Wunsch nach verkehrsberuhigter oder autofreier Hodlerstrasse – für mich sind es Vorstellungen, die nicht beachten, dass die Hodlerstrasse ein schattiger, zugiger Durchgangsort ist. Und dass sie nicht attraktiver wird, indem man sie auf dem Stück bis zum KMB verändert. Denn eine Strasse verbindet zwei Pole. In diesem Fall den unteren Waisenhausplatz mit der Schützenmatte. Diese ist derzeit ein billiger, rostiger Rummel ohne klare Perspektive. Der untere Waisenhausplatz schliesst die Platzfolge bis hinaus zum Bundeshaus ab, weist abgesehen vom Meret Oppenheim-Brunnen (fast so rostig) keine besondere Attraktion auf. Wie soll so die Hodlerstrasse aufgewertet werden für Flaneure, Käuferinnen, Passantinnen vom einen Pol zum anderen?
Das Kunsthaus Zürich, das Kunstmuseum Basel (einschliesslich Zusatzbau), das Kunstlager Basel und viele andere Museen in grösseren und kleineren Städten liegen an befahrenen Strassen. Was geht ihnen ab? Wenn das KMB aufgewertet werden soll, dann durch innere bauliche Entwicklung unter Berücksichtigung der langen Geschichte von Gebäuden, die dem ursprünglichen, solitären Stettlerbau mehr oder weniger glücklich «angehängt» worden sind, zuletzt der bestehende Trakt des Ateliers 5.
Die heute bekannten Lösungsansätze zur Erweiterung des KMB verharren im Diskurs in der Enge. Auch wenn der Atelier 5-Trakt ersetzt wird, auch wenn sich das KMB im Polizeigebäude Hodlerstrasse 6 einnistet, auch wenn die Hodlerstrasse dort verkehrsberuhigt wird (wie in den 1950ern, als sie morgens zeitweilig als Pausenplatz des Progers abgezäunt wurde wie heute die Kappellenstrasse für die BFF), es bleibt ein Klein-Klein.
Alternativen
Dabei stehen planerisch zwei Alternativen offen. Die eine, oft genannt, ist der Südhügel des Zentrums Paul Klee, der von Anbeginn für Ausstellungszwecke geplant war. Die andere, bereits etwa 1998 ins Auge gefasst, ist der Brückenkopf der Lorrainebrücke. Hier könnte städtebaulich ein Akzent gesetzt werden. Oder dereinst auf der Schützenmatte oder im Eilgutareal. Natürlich bedingte dies eine grosse Planung, müsste die Hodlerstrasse anders ins Bollwerk einmünden, brauchte es Ersatz für die Häuser wie die Drogenanlaufstelle.
Dies ins Auge zu fassen und Schritt für Schritt möglich zu machen, ist gewiss nicht die primäre Aufgabe der Dachstiftung KMB-ZPK. Es ist die Aufgabe der Stadt. Sie müsste konsequent darauf hinarbeiten, zwanzig Jahre oder mehr. Städtebaulich wäre dies eine wirkliche Aufwertung. Man müsste den Gedanken zulassen, ein neues KMB an einem neuen Ort zu bauen und den Stettlerbau für eine andere Nutzung freizuspielen. Man müsste aufhören, an diesen Solitärbau immer wieder andere Bauten «anzuhängen». Man müsste sich fragen: Geben wir nicht heute viel Geld aus für etwas, das sich später als nicht wirklich überzeugende Erweiterung erweist – überzeugend dafür, dass heute Museen Bauten sind, die geistigen Werten Raum bieten? .
Passt der Zeitpunkt?
Die Dachstiftung KMB-ZPK bildet die Klammer der beiden bedeutenden Häuser. Der Kanton Bern unterstützt sie als einziger öffentlicher Finanzierungsträger mit regelmässigen Betriebsbeiträgen. Er ist auch in der Pflicht beim baulichen Unterhalt und der erste Ansprechpartner, wenn es um eine Erweiterung geht.
Die Dachstiftung ihrerseits steht beim Kanton in der Pflicht, mit den ihr zur Verfügung gestellten Mitteln für die Kunst das Bestmögliche zu erreichen. Für die Kunst heisst: für die Pflege der ihr anvertrauten Werke, für die Künstlerinnen und Künstler sowie für alle Teile der Bevölkerung, seien sie an Kunst bereits interessiert oder für sie erst zu begeistern. Die Dachstiftung ist die wichtigste Partnerin des Kantons im Bereich der visuellen Kunst.
Die Rolle der Dachstiftung ist noch wichtiger, wenn es nicht allein um die mehr oder weniger unveränderte Erfüllung ihrer Aufgabe geht, sondern wenn ein «Kunstmuseum der Zukunft» angestrebt wird, das neue Massstäbe setzen soll. Genügt es da, auf dem einmal eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, indem man baut und damit auf zwei bis drei Generationen hinaus Fakten schafft?
Die Frage neu stellen
Noch lässt sich die Frage anders stellen: Was benötigt das KMB am dringendsten, um die Künstlerinnen und Künstler einzubeziehen, um attraktive Ausstellungen zeigen, Gegenwartskunst im Kontext der Sammlung thematisieren zu können? Und vor allem um das Museum jenen Menschen zugänglich machen zu können, die es bisher nicht als ihr Haus erachten, obwohl sie es via Steuern mitfinanzieren? Geht es heute wirklich vor allem um Sandstein oder Beton, Stahl, Glas, Parkett? Oder geht es um die Menschen, Künstlerinnen und Künstler und Museumsleute, die in den gegebenen Umständen das Beste machen, besser noch als heute?
Der neue Präsident der Dachstiftung, Jonathan Gimmel, hat viel unternommen, um Leute einzubeziehen, die wichtigen Verbände zu Partnern zu machen, mit den Behörden zu reden und ausser dem Kanton und Hansjörg Wyss weitere potentielle Geldgeber günstig zu stimmen. Das KMB sitzt nicht mehr auf dem hohen Ross. Die bescheidenere und kommunikativere Art hilft nicht nur für einen Neubau; sie dient auch der Öffnung der bestehenden Gebäude.
Wen deren «Enge» schreckt, schaue sich um im Museum für Kommunikation oder im Alpinen Museum. Beide Orte erreichen unter räumlich beengten Verhältnissen zahlreiche Besucherinnen und Besucher jeden Alters dank ihrer Offenheit, ihrer Attraktivität und ihrem unkomplizierten Umgang – weil man ihnen anmerkt, dass sie sich auf die Leute freuen.
Im morgigen dritten und letzten Teil der Artikelfolge machen wir einen konkreten Vorschlag.