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Gerade bei Mitarbeitenden von Stiftungen und Vereinen wird erwartet, dass sie in einem Team und überhaupt mit vielen Menschen zusammen arbeiten können. Von Kritikern höre ich aber nicht selten, dass gerade Gruppen das Finden der besten Lösung verhindern. Oder zynisch: Gruppenarbeit dient nur der Befriedigung des Bedürfnisses nach Anschluss. Und dieses Anschlussbedürfnis wird wichtiger als die zu erledigende Arbeit.
Also, gibt es nun positive Teameffekte. Ja oder nein? Eine neue Studie* gibt Antwort darauf. Den Probanden wurde ein logisches Problem vorgetragen: Die Erarbeitung der kürzesten Route für einen Handelsreisenden, der verschiedene Städte besucht.
Es wurden drei Gruppen gebildet:
- Teilnehmer in der ersten Gruppe agierten unabhängig;
- Die Teammitglieder der zweite Gruppe sahen alle Lösungen, die von jedem Einzelnen in jedem Stadium gepostet wurden; und
- Die Mitglieder der letzten Gruppe wurden nur zeitweise über die Ansichten der anderen informiert.
Die Umfrage ergab, dass
- Mitglieder der individualistischen Gruppe 1) häufiger die optimale Lösung als die ständigen Teammitglieder 2) erzielten. Die Individualisten hatten aber ein schlechteres Durchschnittsergebnis.
- die „periodisch Informierten“ 3) ebenso oft das richtige Ergebnis wie die Individualisten 1) fanden. Die „periodisch Informierten“ erzielten aber eine bessere Durchschnittslösung.
Fazit: Teammitglieder sollten sich zeitweilig von der Arbeit der anderen abkoppeln können, um bei der Lösung komplexer Probleme die bestmögliche gemeinsame Leistung zu erzielen. Dementsprechend sollten Teammitglieder untereinander nicht immer online sein und Raum erhalten, um unabhängig an ihrer Lösung zu arbeiten.
Das macht auch gruppendynamisch Sinn. In Teams gibt es immer wieder mal Trittbrettfahrer und Faulenzer. Wenn Gruppenmitglieder vermuten, dass sie ausgenutzt werden, reduzieren sie ihren Einsatz.
Da Zusammenarbeit nützlich ist, aber nicht in jeder Situation funktioniert, sollten Führungspersonen immer die Vorteile der Teamarbeit gegenüber den Gefahren des „Gruppendenkens“ abwägen. Grosse Gruppen sind zum Beispiel im Durchschnitt gut darin, genau zu schätzen. Aber diese Genauigkeit beruht auf der Unabhängigkeit der Vermutungen. Wenn die Menschen die Ansicht der anderen kennen, neigen sie dazu, ihre Meinung zurückzuhalten. Sie wollen nicht dumm dastehen, wenn sie von der Mehrheitsansicht abweichen. Ähnlich ergeht es Teams, von denen Einmütigkeit erwartet wird. Mitglieder geben ihre eigene Meinung zugunsten der Gruppenmeinung auf. Auch weil sie Angst haben, von der Gruppe geächtet zu werden, wenn man kritisch ist und die Kritik gegen aussen trägt. Nur, wenn Kritiker nicht wagen, auf Mängel des Kollektivergebnisses hinzuweisen, kann die Teamarbeit sogar schädlich sein.
* “How intermittent breaks in interaction improve collective intelligence”, Proceedings of the National Academy of Sciences, 2018
Dieser Artikel basiert teilweise auf „The pros and cons of collaboration“, The Economist 6 September 2018