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Kleine Anfrage 5/2003 betreffend Aufarbeitung von Schweizer und Schaffhauser Beteiligung an Sklaverei und transatlantischem Handel mit Sklavinnen und Sklaven
In einer Kleinen Anfrage vom 17. Februar 2003 stellt Kantonsrat Matthias Freivogel verschiedene Fragen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Schweizer und Schaffhauser Beteiligung an der Sklaverei und dem transatlantischen Handel mit Sklavinnen und Sklaven.
Der Regierungsrat
a n t w o r t e t :
1. So sehr Sklaverei vom heutigen Standpunkt aus zu verurteilen ist, so klar muss - historisch betrachtet - festgehalten werden dass sie während Jahrhunderten einen selbstverständlichen und nicht hinterfragten Bestandteil des gesamtwirtschaftlichen Gefüges darstellte. Dass ausgehend von dieser sozialen Realität auch Schaffhauser, die in den Kolonien anderer europäischer Mächte Handel trieben, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Sklaverei in Kontakt kamen und allenfalls sogar direkt oder indirekt von ihr profitierten, ist möglich. Selbst wenn die Akteure aus Schaffhausen mit der Sklaverei nichts hätten zu tun haben wollen, so wären sie in vielen Fällen gleichwohl mit ihr in Berührung gekommen. Allerdings fehlen aufgrund der schlechten Quellenlage genauere Kenntnisse zum Ausmass möglicher Schaffhauser Verstrickung in die Sklaverei. Immerhin ist aber festzuhalten, dass diese wirtschaftlichen Aktivitäten soweit ersichtlich nicht durch den Staat Schaffhausen ausgelöst wurden, sondern auf der persönlichen Initiative Einzelner beruhten. Der Staat konnte aber auf die Art der wirtschaftlichen Tätigkeit einzelner Bürger keinen Einfluss nehmen.
2. Die Feier 2001 betraf das 500-jährige Jubiläum des Eintritts Schaffhausens in den Bund 1501. Dementsprechend war dieses historische Ereignis im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. Dieser Entschluss war und ist historisch betrachtet gerechtfertigt, gehört der Beitritt Schaffhausens zur Eidgenossenschaft doch zu einem der wichtigsten Momente in der Schaffhauser Geschichte. Es bestand daher keine Veranlassung, nach weiteren historisch relevanten Themen für diese Feierlichkeiten zu suchen, zumal nicht klar gewesen wäre, nach welchen Kriterien die Suche und Auswahl hätte vorgenommen werden sollen.
3. Der Regierungsrat ist nicht der Meinung, dass staatlich in Auftrag gegebene Forschung der geeignete Weg ist, um das komplexe Thema der Sklaverei historisch aufzuarbeiten. Den geeigneten Rahmen für eine historische Aufarbeitung könnte der Schweizerische Nationalfonds bieten, der ein entsprechendes Forschungsprojekt unterstützen kann. Dazu ist es notwendig, dass ein entsprechendes Forschungsvorhaben erarbeitet wird. Ob dies geschieht oder nicht, darauf kann der Regierungsrat angesichts der Forschungsfreiheit keinen Einfluss ausüben. Soweit es die Quellenlage erlaubt, ist das Staatsarchiv Schaffhausen bereit, beim Vorliegen konkreter Anfragen zur Thematik Historikern und Historikerinnen Hilfestellung zu geben und sie bei ihrer Suche nach zum Thema relevanten Quellen zu unterstützen.
4. Der Regierungsrat befürwortet den in der Kleinen Anfrage zitierten Wortlaut der Schlusserklärung der UNO-Konferenz von Durban im Jahre12001. Soweit heute bekannt ist, dürfte - wenn überhaupt - nur eine sehr kleine Zahl von Schaffhausern in den Sklavenhandel direkt involviert gewesen sein. Wenn es solche Personen gab, so hätten sie in eigener Verantwortung gehandelt. Es kann aber nicht die Aufgabe des Regierungsrates sein, Fälle der Mitschuld Einzelner, die nicht im Namen des Staates handelten, anzuerkennen.
Schaffhausen, 22. April 2003