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Die Ausgangslage: Bei der ersten Abstimmung am 3. November hatte keiner der Kandidaten für die beiden Senatssitze die nötige absolute Mehrheit erreicht. In den Stichwahlen fordern nun die Demokraten Jon Ossoff und Raphael Warnock die republikanischen Amtsinhaber David Perdue und Kelly Loeffler heraus. Nach Prognosen der US-Medien hat sich Warnock gegen Loeffler durchgesetzt. Damit ist nur noch der Sitz von David Perdue umkämpft. Um die Mehrheit im Senat zu behalten, würde den Republikanern dieser eine Sitz reichen. Die demokratischen Kandidaten müssten sich beide durchsetzen, damit es eine Pattsituation mit 50 zu 50 Stimmen in der Kammer gibt, die von der künftigen Vizepräsidentin Kamala Harris zu Gunsten der Demokraten aufgelöst werden kann.
Das Wahlprozedere: Das Gesetz in Georgia schreibt vor, dass Kandidaten für den Kongress mit mehr als 50 Prozent der Stimmen gewählt werden müssen. Sonst kommt es zu einer Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten. David Perdue verpasste mit 49.7 Prozent der Stimmen im November nur knapp die Wahl. Anders sah es beim zweiten Sitz aus, hier war eine Stichwahl praktisch sicher.
Der Wahlverlauf: Die Wahllokale in Georgia schlossen am 19 Uhr Ortszeit (Mittwoch 1 Uhr MEZ). Wegen der Corona-Pandemie haben Hunderttausende Wähler von der Briefwahl Gebrauch gemacht. Insgesamt haben dem «Elections Project» zufolge rund drei Millionen Wähler vor dem eigentlichen Wahltag ihre Stimmzettel per Brief oder persönlich im Wahllokal abgegeben. Im November gaben insgesamt fünf Millionen Wähler ihre Stimme ab. Trotz der hohen Zahl an Briefwahlstimmen sieht es so aus, als würden die Ergebnisse einigermassen bald vorliegen. Bei diesem knappen Ausgang ist aber eine Nachzählung möglich. Das Gesetz schreibt eine solche vor, wenn der Unterschied zwischen den Kandidierenden weniger als 0.5 Prozentpunkte beträgt. Auch die Parteien können eine Nachzählung verlangen.
Die Demokraten: Die demokratische Mehrheit erobern wollen der Pfarrer Raphael Warnock und der Journalist Jon Ossoff. Ossoff tritt gegen den Republikaner David Perdue an. Würde er siegen, wäre er mit seinen 33 Jahren das jüngste Mitglied des Senats. Während seinem Studium arbeitete er für den demokratischen Bürgerrechtshelden John Lewis, der im Juli 2020 verstarb.
Der 51-jährige Warnock ist einer der bekanntesten schwarzen Geistlichen in Georgia. Er ist an derselben Kirche Pfarrer, an der schon Martin Luther King Jr. gepredigt hatte. Sein Aktivismus von der Kanzel sind Kernstücke seiner Kampagnen geworden, bieten den Republikanern aber auch Munition für Angriffe.
Die Republikaner: Die republikanische Mehrheit verteidigen wollen die beiden bisherigen David Perdue und Kelly Loeffler. Der 71-jährige Perdue wurde 2014 erstmals zum Senator von Georgia gewählt. Er war damals ein politischer Aussenseiter und ehemaliger CEO von Reebok und Dollar General. In seiner Amtszeit wurde der Republikaner bekannt als einer von Trumps Hauptverteidigern im Senat.
Kelly Loeffler wurde 2019 zur Nachfolgerin von Johnny Isakson ernannt, nach dem dieser wegen seines Gesundheitszustands zurückgetreten war. Der Gouverneur von Georgia ernannte die 50-Jährige, um den Sitz zu besetzen. Bestimmte aber, dass sie bei der Wahl im November 2020 antreten müsse, um die letzten zwei Jahre von Isaksons Amtszeit zu füllen.