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Lenormandkarten
Kartenlegen mit den Lenormandkarten
Die nostalgisch anmutenden Lenormandkarten sind nach der wohl berühmtesten Kartenlegerin des 19. Jahrhunderts Marie -Anne Lenormand benannt. Mademoiselle Lenormand war jedoch nicht nur eine bekannte Kartenlegerin, sondern sie verstand auch die Kunst des Handlesens und Kaffeesatzlesens sowie das Lesen aus einer Wasserschale mit Dillzweigen und Lorbeerblättern, eine Kunst, der sich bereits die Pythien im antiken Griechenland bedienten. Weiters zeichneten sie ihre excellenten astrologischen und numerologischen Kenntnisse aus. Ein grosser Teil ihrer Talente war jedoch ein tiefgründiges Verständnis für Menschen in jeglicher Not, für die sie stets tröstende Worte hatte.
Ich möchte Ihnen die Geschichte dieser faszinierenden Frau, nach der die wunderschönen Wahrsagekarten benannt wurden, ein wenig näher bringen.
Marie-Anne wurde als zweites Kind der Eheleute Lenormand am 27. Mai 1772 in Alençon geboren. Ihr Vater, Jean-Louis Lenormand, war ein wohlhabender Tuchhändler, der hohes Ansehen in der Gesellschaft genoss. Er starb am 10. April 1773 im Alter von nur 37 Jahren. Marie-Annes Mutter heiratete erneut, starb aber 1777 nach einer Totgeburt. Marie Anne wurde somit mit 5 Jahren Vollwaise und kam dann unter die Obhut von Verwandten. Sie wurde oft geschlagen und musste schwere Arbeiten verrichten. Des öfteren flüchtete Marie-Anne und schlief dann im Heidekraut und kam erst in den Morgenstunden zurück. Um Marie-Annes Lotterleben zu beenden, ordnete ihr Patenonkel, Jean-Samuel Gilbert, einen Schulbesuch bei den Benediktinerinnen in Monsort an. Marie-Anne lebte sich - entgegen aller Erwartungen - im Kloster gut ein und nahm regen Anteil am Unterricht. Sie fiel durch ihren guten Sinn für Zahlen und fürs Rechnen auf.
Alles verlief bestens mit der aufmüpfigen Marie-Anne, bis sie im Oktober 1781 eine Prophezeiung in bezug auf die Absetzung der Oberin machte. Danach wurde sie nach Hause geschickt, dort angekommen, empfing sie die Stieffamilie mit einer Tracht Prügel.
Nach dem Rauswurf bei den Beneditikinerinnen wurde sie ins Kloster "Heimsuchung Marias" gesteckt.
Marie-Annes Prophezeiung bewahrheitete sich und sie wurde eine zweites Mal vom Klosterleben ausgeschlossen. Marie-Anne war zu Hause wieder nicht erwünscht und kam somit für ein Jahr zu "den Damen der Vorhersehung".
Nach ihren Klosteraufenthalten arbeitete sie als erste Kraft bei einer phantasielosen Schneiderin. Sie langweilte sich bei der Arbeit und träumte beim Knöpfeannähen von einem Künstlerleben.
Eines Tages kaufte sie von einem Hausierer ein Kartenspiel und bald schon deutete sie geschickt die Karten.
Im Jahr 1786 kam die entscheidente Wende im Leben von Marie-Anne, sie bekam eine Position im Geschäft ihres Stiefvaters in Paris. Ein Angestellter ihres Stiefvaters verfügte über ein beachtliches Wissen in praktischer Magie und war Kenner der Kabbala. Marie-Anne wurde seine Schülerin und sie las auf sein Anraten die Werke von Lavater und Phythagoras. Diese Werke waren eine wahre Offenbarung für Marie-Anne.
Im Jahr 1789 lernte sie Monsieur Bonaventure Guyon, einen der grössten Astrologen der damaligen Zeit, kennen. Sie wurde seine Schülerin.
Nachdem Marie-Anne 1 200 Francs in der königlichen Lotterie gewonnen hatte, reiste sie nach London.
In London eröffnete sie eine astrologische Praxis und in weniger als einem Jahr wurde sie eine reiche Frau.
Sie ging dann für eine kurze Zeit zurück in ihre Heimatstadt Alençon und kehrte dann wieder nach Paris zurück. Sie zog an die Rue de Tournon 9 und innert kurzer Zeit konnte sie viele Persönlichkeiten zu ihren Klienten zählen.
Am 18. Mai 1793 wurde sie verhaftet und musste 2 Tage im Gefängnis Saint Martin verbringen. Im Gerichtsverfahren wurde sie zu einer Geldstrafe verurteilt, sowie mit einem Verbot der Ausübung ihres Metiers belegt. Ihre Wahrsagekarten wurden konfisziert und verbrannt.
Im Juni 1794 wurde sie abermals verhaftet und ins Gefängnis La Petite Force gebracht, eines der Vorzimmer des Schafotts. Jeden Morgen verkündete ein Wächter, die Namen derer, die der Ewigkeit zugeführt wurden.
Die Frauen und die Männer - es war ein gemischtes Gefängnis - drängten zu Marie - Anne, um von ihr beraten zu werden. Einem Wärter, dem sie aus der Hand las, tauschte ihren Strohsack, welche voll mit Ungeziefer war gegen eine Matraze aus.
Während ihrer Gefangenschaft wurde ihr ein schriftliches Bittgesuch für eine Beratung von Madame de Beauharnais überbracht. Die Bittstellerin machte sich Sorgen um den Verbleib ihres Gemahls. Marie - Anne sah den Tod des Mannes voraus und gleichzeitig den Ruhm, den die Witwe erfahren würde.
Als Marie-Anne Lenormand aus dem Gefängnis entlassen wurde, war sie mit ihrer Miete drei Monate im Rückstand und musste dafür ihr Mobilar und ihre Habseligkeiten versilbern.
Die Theaterbesitzerin Madame de Montansier, welcher die Lenormand im Gefängnis das Leben rettete, möblierte die Wohnung wieder.
Madame de Montansier war es auch, die Mademoiselle Lenormand durch die Salons des Viertels Luxembourg führte, dort wo sich die Leute mit Geld tummelten. Marie-Anne hatte bald kaum noch freie Beratungstermine, so gefragt waren ihre Talente in kürzester Zeit in der gehobenen Gesellschaft. Die luxuriösesten Equipagen fanden sich in der Rue de Tournon ein. Die grössten Persönlichkeiten rangen darum, von Mademoiselle Lenormand empfangen und beraten zu werden.
Marie-Anne Lenormand liebte das gute Leben und die Geselligkeit. Sobald ihre Klienten gegangen waren, verwandelte sie ihren Salon in ein Schlemmertheater. Sie lud ihre illustren Freunde ein. Die meisten Gäste waren Theaterleute, die sich an den feuchtfröhlichen Abenden vergnügten. Die Tischrunden bei Mademoiselle Lenormand erfreuten sich grösster Beliebtheit ob der Fröhlichkeit, die dort herrschte.