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Ein positives Bild der wirtschaftlichen Situation in den USA zeichnete der Jahresbericht der US-Statistikbehörde «United States Census Bureau»: Steigende Haushaltseinkommen, mehr Jobs und eine grössere Zahl von Menschen, die krankenversichert sind.
Die «New York Times» wollte wissen, warum trotzdem ein grosser Teil der Bevölkerung mit der eigenen wirtschaftlichen Situation unzufrieden ist.
Ihr Fazit: Seit einem halben Jahrhundert findet in den USA ein Prozess wachsender Ungleichheit und stagnierender Einkommen im Mittelstand sowie bei den niedrigen Einkommen statt, der die positiven Entwicklungen in den Schatten stellt.
Das inflationsbereinigte mittlere Jahreseinkommen von Vollzeit arbeitenden Männern entwickelte sich wie folgt:
- 1973 durchschnittlich 54’030 Dollar;
- 2016 durchschnittlich 51’640 Dollar.
Das sind real, also kaufkraftbereinigt 2’390 Dollar weniger.
Lebenslange Arbeitseinkommen sinken
Die NYT stützt sich auf eine neue US-Studie, welche die lebenslangen, realen Arbeitseinkommen von mehreren Hundert Millionen Amerikanern im Zeitraum 1957 bis 2013 miteinander verglich. Sie kommt zu folgenden Resultaten:
- Bis in die späten 1960er Jahre stieg bei Männern das lebenslange mittlere Arbeitseinkommen, das sie zwischen ihrem 25. und 55. Altersjahr erzielten, von Jahrgang zu Jahrgang an.
- Ab den späten 1960er Jahren stoppte dieser Wachstumsprozess. Die lebenslangen Arbeitseinkommen begannen von Jahrgang zu Jahrgang zu sinken – ein Prozess, der bis heute anhält.
Für die Studie haben Forscher verschiedener Universitäten und die «Social Security Administration» zusammengearbeitet. Gemäss ihrer Ergebnisse verdiente ein Mann, der im Jahr 1967 im Alter von 25 Jahren sein Erwerbsleben begann, bis zu seinem 55. Altersjahr rund 250’000 US-Dollars mehr als ein Mann, der 1982 im Alter von 25 Jahren ins Erwerbsleben eintrat und dieselbe Karriere durchlief. Immer gemäss Kaufkraft, unter Berücksichtigung der Inflation.
«Bei den mittleren Einkommen erzielt jede neu ins Erwerbsleben eintretende Gruppe ein tieferes lebenslanges Arbeitseinkommen als die Gruppe davor», zitiert die NYT Faith Guvenen, Wirtschaftsprofessor an der Universität Minnesota und Co-Autor der Studie.
Die Statistik des «Census Bureau», wonach die Einkommen der Haushalte in jüngster Zeit gestiegen seien, widerspreche dem Resultat ihrer Studie nicht, erklären die Autoren. Die Haushalteinkommen seien in letzter Zeit nicht wegen höherer Löhne gestiegen, sondern weil viel mehr Erwachsene Vollzeit arbeiten würden. Im Jahr 2016 beispielsweise seien rund 2,2 Millionen Erwachsene mehr als im Jahr zuvor einer Vollzeitstelle nachgegangen.
Ungleichheit nimmt zu
Die positiven wirtschaftlichen Entwicklungen, welche das «Census Bureau», wie eingangs erwähnt, bilanziert, kommen laut Studie nur den US-Bürgern mit den höchsten Einkommen zugute. Für vier von fünf US-Amerikanern gebe es keine reale Zunahme mehr. Die Kluft zwischen Erwerbstätigen mit hohen, mittleren oder tiefen Einkommen hat sich vergrössert:
Jahreszahlen: Eintritt ins Erwerbsleben. Die Prozentzahlen beziehen sich auf die lebenslangen Einkommen der Männer.
- Arbeitnehmer mit mittleren und tiefen Einkommen: Die Generation, die 1983 ins Erwerbsleben einstieg, hatte ein 20- bis 30% tieferes lebenslanges Einkommen als die Generation, die 1967 ins Erwerbsleben eingestiegen war.
- Arbeitnehmer mit hohem Einkommen (ab 100’000 Dollar): Die Generation, die 1983 ins Erwerbsleben einstieg, hatte ein um 4% höheres lebenslanges Einkommen als die Generation, die 1967 ins Erwerbsleben eingestiegen war.
Schlechtere Startbedingungen
Die lebenslangen mittleren Einkommen nahmen gemäss Faith Guvenen insbesondere deshalb ab, weil die Löhne zu Beginn des Erwerbslebens niedriger waren. Die tieferen Anfangslöhne können, so Guvenen, im gesamten späteren Erwerbsleben nicht mehr kompensiert werden. Schätzungen zufolge lag das inflationsbereinigte mittlere Jahreseinkommen eines 25-Jährigen 1967 bei rund 33’000 Dollars, 1983 lag es noch bei 29’000 Dollars und 2011 waren es weniger als 25’000 Dollars, etwa gleich viel wie im Jahr 1959.
Ron Haskins, Senior Fellow an der Brookings Institution, einem einflussreichen Think Tank mit Sitz in Washington D.C. ist davon überzeugt, dass junge Arbeitnehmer heute mit immer höheren Anforderungen konfrontiert sind: «Es braucht heute bessere Fähigkeiten und mehr Wissen, um 60’000 bis 80’000 US Dollars im Jahr zu verdienen als früher.»
Faith Guvenen hält es für besonders wichtig, dass die Politik mehr Aufmerksamkeit auf die Startbedingungen richtet, welche den Einstieg ins Erwerbsleben prägen.
«Unsere Resultate deuten darauf hin, dass die steigende Ungleichheit in den lebenslangen Einkommen von Männern und Frauen auf Veränderungen zurückzuführen sind, die den Menschen vor dem 25. Lebensjahr widerfahren», so die Autoren der Studie. Das lege den Schluss nahe, dass die Einkommen noch stärker als bisher angenommen von familiären Hintergründen und von der Bildung abhängen.
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Details vor allem zu Geschlechterunterschieden in der Originalstudie.
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Diesen Beitrag hat Pascal Gut auf Basis eines Berichts in der «New York Times» produziert. Grosse Medien in der Schweiz haben über diese Studie und diese Statistik nicht informiert.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine