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Reichtum als gesellschaftliches Integrationsmedium. Oder: Wenn Nonnen wirtschaften
Die ausserweltliche Askese des mittelalterlichen Mönchtums blieb durch Distanznahme und Teilhabe immer auf die Welt verwiesen. Klöster waren Institutionen, die über umfangreichen mobilen und immobilen Besitz verfügten, aus dem sie Herrschaft über Land und Leute beanspruchten. Neben dem gemeinschaftlichen Besitz gab es auch Besitz einzelner Nonnen und Mönche. Wenngleich er gegen jede Regel stand, lässt ein Blick in die Überlieferung spätmittelalterlicher Frauenklöster eine Praxis sichtbar werden, die ordensübergreifend die gelebte Regel und nicht die Ausnahme war. Der Beitrag zu den Benediktinerinnen in St. Agnes, den Klarissen in Paradies und den Dominikanerinnen in St. Katharinental nimmt diese ordensvergleichende Perspektive ein, die durch die klösterliche und städtische Überlieferung des späten Mittelalters kompiliert wird. Die zahlreichen Belege für den Eigenbesitz der Nonnen sollen nicht am monastischen Ideal gemessen und damit nicht in das gängige Narrativ über den spätmittelalterlichen Verfall der vita monastica eingeschrieben werden. Diese Folie verstellt den Blick auf eine soziale Praxis, in der klösterliches Leben in den Horizont sozialer Akzeptanz gerückt wird.
Die Praktiken des Wirtschaftens einzelner Nonnen zeigen ihre Handlungsmöglichkeiten auf, die weit über ihre gewöhnlichen sozialen Bezüge innerhalb ihrer monastischen Gemeinschaft oder der Familie, aus der sie in das Kloster kamen, hinausgehen. Sie lassen weibliche Religiose in ganz unterschiedlichen sozialen Kontexten in Erscheinung treten, die von den vorhandenen gesellschaftlichen Angeboten geleitet wurden: Nonnen, die Anteil am städtischen Rentenmarkt haben konnten, Herrschaftsrechte erwarben und ihr Seelenheil ebenso verwalteten wie ihr Vermögen, verweisen über individuelle Entscheidungen hinaus.
Wenn Nonnen wirtschaften, haben sie Teil an der sie umgebenden Gesellschaft, und in dieser Interaktion wird darüber entschieden, was zwischen Kloster und Welt auch für Einzelne gelten darf.