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Schlachtfeldarchäologie
Thomas Brock,
Arne Homann (Hg.): Schlachtfeldarchäologie. Auf den Spuren des Krieges.
Sonderheft 2/2011 der Zeitschrift »Archäologie
in Deutschland«. Konrad
Theiss Verlag, Stuttgart 2011. 112 Seiten, durchgehend farbig illustriert.
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Artikel vom 14. April 2012 von Heinrich Speich
Der Sonderband
verspricht eine Einführung in Geschichte und Methode einer archäologischen
Teildisziplin, die eine lange Tradition hat, in Europa aber nicht überall
den gleichen Stellenwert besitzt. In Polen beispielsweise wurden in den 50er
bis 70er Jahren die bekannten Schlachtfelder des späten Mittelalters und der
frühen Neuzeit (z.B. Liegnitz/Legnica 1241, Tannenberg/Grunwald 1410 etc.)
ergraben. In den USA erhielt die Geschichtswissenschaft von der „battlefield-archeology“
auf Schlachtfeldern der Unabhängigkeitskriege 1775-1783, des
Sezessionskrieges 1861-1865 und der „Indianerkriege“ wichtige Impulse. In
Deutschland haftet der Schlachtfeldarchäologie bis heute das Stigma des
Militarismus an, während die Untersuchung der (spätmittelalterlichen)
Schlachtfelder in der Schweiz konstitutives Element nationaler
Geschichtsforschung darstellt.
Erste
Untersuchungen, die bewusst Schlachtfelder archäologisch zu erfassen
suchten, fanden Ende des 19. Jahrhunderts im englischen Naseby (1645),
Marathon (409 v.vChr.), Alesia (52 v. Chr.) oder Troja statt. Das Ziel der
Suche war jeweils, die historischen bzw. literarischen Schlachtberichte zu
überprüfen und ihren Verlauf nachzeichnen zu können. Es
sind allerdings nicht die grossen Schlachten und die grossen Feldherren, die
im Zentrum der Darstellung stehen. Es geht den Autoren darum, Methode,
Auftrag und Möglichkeiten der modernen Schlachtfeldarchäologie anhand von
Beispielen darzustellen. Schlachtfelder bezeichnen sie als „Orte
organisierter Gewalt, Orte von Verwüstung und Zerstörung, Angst und Leid,
von massenhaftem Tod“. Davon zeugen Funde und Befunde von der Eiszeit bis
zur Gegenwart.
Das
einführende Kapitel bietet neben Hinweisen zur Methodik einen konzisen
Überblick über Geschichte und Archäologie des Krieges, welche die
archäologisch fassbaren Hauptlinien von Heeresorganisation und Waffentechnik
zusammenfasst. Die folgenden, chronologisch geordneten Beispiele von
Untersuchungen an Schlachtfeldern in Deutschland beleuchten nicht nur
Schlachten, sondern die ganze archäologisch fassbaren Ausmasse von Krieg.
Das macht das Lesen abwechslungsreich und zeigt die Dimensionen
organisierter Gewalt im Laufe der letzten fünf Jahrtausende.
Als
Schwerpunkte werden bekannte und unbekannte archäologische Fundstellen
präsentiert. Für die Bronzezeit stehen „Die Toten aus dem Tollensetal“ in
Mecklenburg-Vorpommern, wo Reste über 200 Menschen, dazu Waffen und
Pferdeskelette gefunden wurden. Am Beispiel der Varusschlacht bzw. Schlacht
im Teutoburger Wald im Jahre 9 n.Chr wird nachgezeichnet, wie sich
Geschichtsschreibung und Archäologie optimal ergänzen können. Die Autoren
zeichnen die Schlacht-Geschichte seit der Antike nach und erläutern
Hintergründe und archäologisch gesicherten Ablauf der Schlacht. Dabei ziehen
sie auch Erkenntnisse weiterer zeitgenössischer Schlachten (Bataverschlacht
bei Krefeld-Gellep 69 n. Chr.) bei und beschreiben die bei Schlachten
spezifisch zu erwartenden Fundkategorien: Skelette von Reit- und Zugtieren
mitsamt Wagen, Kadaver von erwachsenen Männern und allerhand Waffen und
Ausrüstungsgegenstände.
Schlachtfelder des frühen und hohen Mittelalters
wurden bisher nur spärlich untersucht (z.B. Lechfeld 955). Die Funde aus
Mühldorf (1322) zeigen das epochenspezifische Fundspektrum: Pfeilspitzen,
Armbrustbolzen, Schwertknaufe, Dolche, Hufeisen, Knochenreste und
Pferdezähne. Die Kriege der Neuzeit unterscheiden sich davon in Dimension,
Fund und Befundkategorien. Nach der Einführung der Feuerwaffen ergeben sich
aus Lage und Zustand von Bleikugeln Möglichkeiten zur Nachverfolgung des
Schlachtgeschehens (Grossbeeren 1813, Idstedt 1850). Es finden sich
(insbesondere aus der Zeit des Dreissigjährigen Krieges) Knochen, Bleikugeln
und Kleidungsbestandteile. Diese sind von spezifischen Befunden begleitet:
Massengräber, Feldbefestigungen, Belagerungsschanzen und Reste von
Heerlagern. Die Archäologie konnte zu bekannten Schauplätzen wie Stralsund
(1628), Lützen (1632), Wittstock (1636) oder Alerheim (1645) neue
Erkenntnisse beisteuern. Sogar
das soldatische Leben konnte in einigen Fällen nachgezeichnet werden:
Untersuchungen zum Gesundheitszustand geben Einblick in Ernährung und
Strapazen der Soldaten, sogenannte Pfeifenusuren (kreisrunde Löcher in den
Zähnen) belegen das Rauchen von Tonpfeifen und Funde von Alltagsgegenständen
dokumentieren die materielle Ausstattung der Truppen.
Die
Massenkriege des 20. Jahrhunderts zeitigten vor allem eine Ausdehnung der
„Kampfzonen“ auf ganze Regionen, zum Beispiel auf die gesamte Länge der
deutschen Westfront 1914-1918, auf die Städte, die im 2. Weltkrieg durch
Bombardierung in Mitleidenschaft gezogen wurden oder auf Kriegsgefangenen-
und Konzentrationslager.
Der schmale
Band bietet insgesamt eine gelungene methodische und inhaltliche Einführung
in das Thema. Die vielen Bilder, Pläne, Schemata und die thematisch
geordnete Bibliographie ergänzen den Text angenehm und machen das Werk für
einen breiten Leserkreis interessant.
Thomas Brock,
Arne Homann (Hg.): Schlachtfeldarchäologie. Auf den Spuren des Krieges.
Sonderheft 2/2011 der Zeitschrift »Archäologie
in Deutschland«. Konrad
Theiss Verlag, Stuttgart 2011. 112 Seiten, durchgehend farbig illustriert.
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Arne Homann (Hg.): Schlachtfeldarchäologie. Auf den Spuren des Krieges.
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