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Man würde meinen, dass Kantabrien in Nordspanien nicht viel mit der Stadt Cádiz gemeinsam hätte. Aber genau diese beiden Lokalitäten werden in unserer nächsten Legende auf geheimnisvolle Weise vereint. Wir finden uns wieder in der kleinen Stadt Liérganes in Kantabrien.
Im Jahre 1656 erblickte Francisco de la Vega Casar das Licht der Welt. Von klein an fiel er unter all den anderen Kindern auf durch seine Fähigkeiten und Ausdauer sich im Wasser fortzubewegen. Er wurde im Jahre 1672 nach Las Arenas in der Provinz Vizcaya geschickt um den Schreinerberuf zu erlernen. Dort verstrichen die Jahre ohne dass Francisco seine Leidenschaft fürs Schwimmen im Meer verlor.
Am Vorabend des Feiertages San Juan im Jahre 1674, beschlossen Francisco und einige seiner Schreinerkumpanen die magischste Nacht des Jahres am Strand zu feiern. Dieser Strandteil kannte Francisco, und im Verlauf der Nacht, entblösste sich der junge Mann, tauchte ein ins Meer und verschwand für immer. Die Rufe seiner Freunden, er möge zurückkommen, waren vergeblich. Die Dunkelheit der Nacht und die Wildheit des kantabrischen Meeres machten es unmöglich Francisco zu finden. Francisco's Brüder versuchten alles Mögliche um den Kadaver ihres Bruders zu finden, aber das Meer wollte ihn nicht zurückgeben. Jeden Morgen schritten sie die Zone ab um zu sehen ob die Gezeiten den Kadaver ihres Bruders an den Strand gespült hätten, jedoch ohne Erfolg. Ab jener Nacht von San Juan lebten sowohl seine Brüder wie auch seine Mutter María in Trauer.
Nachbildung der Fangaktion
Wir kommen also zurück nach Cádiz um die Geschichte von Francisco weiterzuerzählen. Weitererzählen? Aber er war doch ertrunken?
Im Jahre 1679, erschraken einige Fischer der Bahía de Cádiz. Sie erzählten dass eine merkwürdige Kreatur sich ihren Fischerbooten näherte. Die wenigen welche diese Kreatur gesichtet hatten, erzählten weiter, dass sie Arme hatte. Dies war natürlich völlig unmöglich. Aber im Verlaufe der Zeit gab es immer mehr Fischer, welche bezeugten diese Kreatur ebenfalls gesichtet zu haben. Bald breitete sich die Angst in allen Häfen der Bahía aus. Die Kreatur, was auch immer es war, schien sehr intelligent zu sein, denn sie war in der Lage die Köder, Brot und Fleischstücke zu fressen ohne in die Falle zu gehen. Die Fischer entschieden also ein grosses Schleppnetz zu fertigen um diese Kreatur einzufangen.
An einem Morgen im Februar des Jahres 1679, begannen alle Fischer gemeinsam die Fangaktion und brachten es fertig jenen merkwürdigen Schatten bis zur Küste zu schleifen.
Das was jener Gruppe von Fischern sich nun offenbarte konnte einfach nicht real sein. Sie hatten, so schien es, einen etwas beleibten, circa 1.8m grossen Mann gefischt. Seine Haut war stark ausgebleicht und sein Haar war rot. Ohne Zweifel das Merkwürdigste war eine schmale Linie von Schuppen, welche vom Hals bis zum Magen reichten und ebenfalls der Wirbelsäule entlang verlief. Die Finger der Hand waren verbunden durch eine Art dünne Membran, so dass die Hand einem Gänsefuss glich. Die Finger- und Zehennägel dieser merkwürdigen Kreatur waren abgenutzt, wie sie durch das Salzwasser zersetzt worden wären.
Jene Kreatur stiess Schreie aus welche durch Mark und Bein gingen und sie hörte nicht auf sich mit einem solchen Zorn zu winden und zu drehen, dass nicht mal sieben Männer dazu in der Lage waren, sie festzuhalten. Als sie sich letztlich dann doch ergab, wurde sie ins Kloster San Francisco überführt. Es wurden mehrere Exorzismen an dieser Kreatur vollzogen, für den Fall dass sie infernalischen Ursprungs oder Träger von Dämonen sein könnte. Nach den Exorzismen, versuchte man während mehreren Tagen erfolglos die Kreatur zu vernehmen, um deren Herkunft zu erfahren. Eines Tages glaubte man dann doch etwas ähnliches wie "Liérganes" vernommen zu haben.
Gedenktafel in Liérganes
Als dann ein junger Kantabrier, welcher in der Werft in Cádiz arbeitete die Nachricht hörte, erkannte dieser den Namen seiner Heimatstadt und er ging auf direktestem Weg zum Kloster um diese Erkenntnis mit den zuständigen Ermittlern zu teilen.
Nach Nachforschungen in Liérganes erfuhren sie von jenem Ereignis der Nacht von San Juan im Jahre 1674. Aber handelte es sich wirklich um diesselbe Person, welche damals im Meer ertrank und nun aus den gaditanischen Gewässern gefischt wurde?
Ein junger Mönch kam auf die brillante Idee, die beste Art rauszufinden ob sich Francisco de la Vega wirklich in den Fischmenschen verwandelt hatte es wäre zusammen mit dem Geschöpf nach Liérganes zu gehen.
Es war also das Jahr 1680 als der Mönch sich mit dem Fischmenschen auf den Weg nach Liérganes machte. Bevor sie am Ziel ankamen und noch einige Kilometer bis zur Stadt fehlten, sagte der Mönch zum Fischmenschen er möge ab hier alleine weitergehen. Die merkwürdige Kreatur gelangte alleine und ohne Hilfe nicht nur bis Liérganes, sondern bis zur Tür des Hauses seiner Mutter María. Als María die Tür des Hauses öffnete erkannte sie ohne Probleme ihren Sohn, auch deren Söhne erkannten sofort in ihm ihren verstorben geglaubten Bruder.
So verbrachte Francisco die nächsten neun Jahre seines Lebens im Kreise seiner Familie. Er kleidete sich spärlich, wenn überhaupt und lief tagein tagaus barfuss umher. Er ass völlig unregelmässig, verschlag während Stunden grosse Mengen Fleisch und Fisch um dann wieder mehrere Tage nichts zu essen.
Er sprach auch mit niemandem. Er sprach vereinzelte Worte aus wie Brot, Tabak oder Wein aber ohne intelligenten Zusammenhang, denn selten waren die Worte verbunden mit Essen, Trinken oder Rauchen. Er verbrachte unzählige Stunden mit dem Gesicht nach unten auf dem Bett liegend ohne sich für etwas oder jemanden begeistern zu können.
Eines Nachmittags stiess Francisco einer seiner Schreie aus, welche eher der einer Bestie als der eines Menschen glichen. Wie besessen von einem Instinkt fing er an in Richtung des Flusses Miera zu rennen. Niemand konnte ihn aufhalten, auch nicht die stämmigen Männer, welche auf den Feldern arbeiteten. Er erreichte den Fluss, sprang hinein und wurde nie mehr gesehen.
Francisco de la Vega Casar verblieb verschollen für den Rest seiner Tag auch wenn einige Fischer versicherten ihn in einigen asturianischen Häfen gesichtet zu haben.