Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03093.jsonl.gz/1403

Billiges Souvenir aus dem alten Rom
Daheimgebliebene mit mehr oder weniger teuren Souvenirs von Reisen zu erfreuen, hat eine jahrtausendealte Tradition. Davon erzählt ein Fund, zwischen 2000 und 2014 bei Ausgrabungen im Rahmen von Bauarbeiten am neuen Hauptsitz des Medienkonzerns Bloomberg im Zentrum von London gemacht worden ist.
Neben über 400 Schreibtafeln - den sogenannten Bloomberg-Tafeln - aus der zweiten Hälfte des nachchristlichen Jahrhunderts, die vor allem juristische und kaufmännische Belange dokumentieren, förderten die Archäologen auch 200 Stiles zutage. Aus diesen stach einer besonders hervor, weil er mit einer Inschrift versehen worden war. Sinngemäss übersetzt bedeutet sie: „Ich war in Rom – und das einzige was ich dir mitgebracht habe, ist dieser Stilus.“
Der originale Text ist allerdings ausführlicher und charmanter. Wie das archäologische Museum von London in seinem Blog berichtet , hat Altphilologe Roger Tomlin die Sätze „akribisch“ untersucht und schliesslich ins Englische übersetzt. Wiederum übersetzt lässt sich auf dem Stilus lesen: „Ich komme aus der Stadt. Ich bringe dir ein willkommenes Geschenk mit einer scharfen Spitze, damit du dich an mich erinnern magst. Ich bitte, erlaubt es mir das Glück, dass ich so grosszügig geben möge, wie der Weg lang und meine Börse leer ist.“ Laut Tomlin bezieht sich das Wort „Stadt“ auf Rom.
Zurzeit ist das Mitbringsel in der Ausstellung „Last Supper in Pompeii“ im Museum für Kunst und Archäologie der Universität Oxford zu sehen. (mai)