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Seit dem Projekt "Erweiterte Lehrformen" (NW EDK, 1990-1995) setzen Lehrpersonen in verschiedenen Deutschschweizer Kantonen im Unterricht vermehrt auch offenere Lehrformen ein. Dabei soll der traditionelle Klassenunterricht durch diese Lehr- und Lernformen keineswegs völlig ersetzt, sondern ergänzt werden.
Der Unterricht mit Erweiterten Lehrformen legt mehr Gewicht auf:
Einige wichtige Unterrichtsmethoden, die im Rahmen der Erweiterten Lehrformen (ELF) vermehrt eingesetzt werden, sind Wochenplanunterricht, Werkstattunterricht (Stationenlernen, Postenarbeit), Projektunterricht, Freiarbeit und verschiedene Formen des kooperativen Lernens (z.B. Gruppenpuzzle, Lernpartnerschaften). Angestrebt wird auch eine bewusste Förderung der Reflexion und Selbststeuerung, z.B. durch Lernverträge oder das Führen von Lerntagebüchern.
Die internationalen Analysen lassen keine Aussagen über den Einsatz von Erweiterten Lehrformen zu. Im schweizerischen Fragebogen wurden die Lehrpersonen jedoch gefragt, wie oft sie in ihrem Mathematikunterricht Erweiterte Lehrformen einsetzen. Die Frage wurde bewusst allgemein gestellt und zielte auf eine globale Selbsteinschätzung der Lehrpersonen. Die in Abbildung 1 präsentierten Daten beziehen sich auf die repräsentative Stichprobe in der Deutschschweiz.
Abbildung 1 zeigt den Anteil der Lehrpersonen in der Deutschschweiz, die in ihrem Mathematikunterricht ELF praktizieren. Fast 50% der Lehrpersonen setzen nach eigener Einschätzung ab und zu ELF ein. Insgesamt 42% der Lehrpersonen geben an, entweder häufig oder (fast) immer ELF einzusetzen. Die Erweiterten Lehrformen haben somit offenbar einen gewissen Stellenwert im Mathematikunterricht der Deutschschweiz erlangt. ELF wird vor allem von Lehrpersonen in der Sekundar- und Realschule praktiziert, etwas weniger in den Gymnasialklassen.
Aus gesamtschweizerischer Sicht stellt sich die Frage, ob Erweiterte Lehrformen oder ein Äquivalent dazu auch in der Westschweiz und im Tessin vorkommen. Um diese Frage beantworten zu können, sind weiter gehende Datenanalysen erforderlich. Der Begriff "Erweiterte Lehrformen" lässt sich nämlich nicht so leicht ins Französische und Italienische übersetzen, weil er im Kontext eines bestimmten Projekts und einer bestimmten unterrichtspraktischen Fachdiskussion in der Deutschschweiz entstanden ist. Erste Auswertungen der Fragebogen weisen aber darauf hin, dass offenere Lehrformen auch in der Westschweiz und dem Tessin praktiziert werden. Entsprechende Analysen sind zur Zeit in Arbeit.
Croci, A., Imgrüth, P., Landwehr, N. & Spring, K. (1995). ELF - Ein Projekt macht Schule. Aarau: NWEDK.
Moser, U., Ramseier, E., Keller, C. & Huber, M. (1997). Schule auf dem Prüfstand. Chur: Rüegger.
Baumert, J., Gruehn, S., Heyn, S., Köller, O. & Schnabel, K.-U. (1997). Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugendalter (BIJU) Dokumentation-Band 1. Skalen Längsschnitt I. Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin.