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Genocide Denial as an Epistemic Injustice
Ziel des Projekts ist es, die Beziehung zwischen Menschenwürde, Erinnerung und Wahrheit im Kontext der Völkermordleugnung genauer zu beleuchten, um eine nuancierte Perspektive auf fehlende Vergangenheitsarbeit zu ermöglichen – insbesondere am Beispiel der Türkei und des Armeniergenozids. Hierfür werden bestimmte Leugnungspraktiken und -narrative aus Politik und Wissenschaft als deskriptive Ausgangslage ausgewählt, um sie unter dem Gesichtspunkt einer sogenannten epistemischen Ungerechtigkeit normativ zu bewerten. Eine epistemische Ungerechtigkeit verletzt eine Person als Wissenssubjekt, indem ihr aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe die Glaubwürdigkeit abgesprochen wird, oder es ihr aufgrund der Gruppenzugehörigkeit erschwert oder verunmöglicht wird, sich bei der gesellschaftlich dominierenden Gruppe Gehör und Verständnis zu verschaffen. Durch den Fokus auf die dadurch marginalisierten Subjekte können wichtige Erkenntnise erlangt werden über die unmittelbare epistemische und ethische Verletzung, die Mitgliedern der ehemaligen Opfergruppe durch die Völkermordleugnung widerfährt. Beginnend mit der Perspektive der Opfergruppe, sollen im Projekt anschliessend ebenso die ethischen und epistemischen Konsequenzen der Völkermordleugnung für die (post-genozidale) Gesellschaft und ihre politischen Institutionen untersucht werden.
Das Projekt bietet einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Debatte zur epistemischen Ungerechtigkeit durch die Diskussion eines hochaktuellen und relevanten Anwendungsbeispiels. Ausserdem soll das philosophische Verständnis der Konzepte Genozid, Erinnerung, Wahrheit, Identität, Menschenwürde und ihre Beziehung zueinander geschärft werden. Durch den Fokus auf Völkermordleugnung als spezifische dysfunktionale epistemische Praxis wird schliesslich eine weitere grundlegende Ursache für soziale Ungerechtigkeit identifiziert.
Doktorandin
Förderung
Das Projekt wird gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF Doc.CH).