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Seit ein paar Wochen schraubt unsere IT irgendetwas an unseren E-Mail-Servern. Nichts gravierendes, aber während der Umbauphase rutscht jetzt wieder die ein oder andere Spam-Mail durch den Filter und landet in unseren Postfächern. Meine Kollegin Natascha hat mir gestern eine solche weitergeleitet, Absender ein Mr. Charles W. Jackson jr., der ein echter Glückspilz ist. Er teilt uns nämlich mit, dass er im Juni letzten Jahres den «Power Ball Jackpot» mit 344 Millionen US-Dollar gewonnen hat. Und weil er ein grosszügiger Mensch ist, möchte er gerne 1,5 Millionen davon spenden.
Die meisten von uns haben solche oder ähnliche Nachrichten schon erhalten. Wir wissen, dass uns hier vermutlich niemand Geld zukommen lassen möchte. Eher im Gegenteil sollen wir hier um unser Geld erleichtert werden. Interessant ist, dass die Methoden immer ausgefeilter werden. So hat tatsächlich ein gewisser Charles Jackson im Juni 2019 bei der US-amerikanischen Power-Ball-Lotterie den Jackpot geknackt. Und auch die Summe stimmt. Und es ist auch richtig, dass der echte Mr. Jackson einen Teil seines Gewinnes für wohltätige Zwecke gespendet hat. Aber bei der Absender-Adresse endet dann die Gründlichkeit des Betrugsversuchs und sollte alle Empfänger der E-Mail stutzig machen.
Ein Journalist des US-Mediums «The News&Observer» hat im Juni, als die E-Mail das erste Mal auftauchte, die Geschichte einer Frau aufgeschrieben, die der Sache auf den Grund gegangen ist. Nach einigen hin- und hergeschickten E-Mails landete die Frau an dem Punkt, wo sie 500 US-Dollar auf einem Konto hinterlegen sollte. Anschliessend sei der Weg frei für die Spende des angeblichen Lotto-Millionärs.
Das Muster kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Als mir vor ein paar Jahren ein angeblicher Neffe des in Libyen bei den Aufständen getöteten Muammar al-Gaddafi schrieb, er müsse dringend das Geld seines Onkels sichern und bräuchte dafür meine Hilfe, wollte auch ich wissen, was dahinter steckt. Laut E-Mail sollte ich grosszügig entlohnt werden, wenn ich helfen würde, eine Million US-Dollar auf ein Konto in Europa zu schieben. 50’000 US-Dollar Provision wäre dem Neffen meine Hilfe wert.
Gaddafis Neffe und die Angst vor dem persönlichen Treffen
Als ich auf die E-Mail antwortete, dauerte es nur wenige Stunden bis zu einer Antwort. Wir tauschten einige Höflichkeiten aus, bis der Diktatoren-Neffe zur Sache kam. Ich müsste vorab einen Betrag zur Konto-Eröffnung an ihn schicken. Als ich ihm mitteilte, dass ich ihm die gewünschten 1000 US-Dollar lieber persönlich übergeben wollen würde, da er ja gemäss seiner vorherigen Angaben in Amsterdam weilte und ich dorthin reisen könnte, wurde ihm die Sache wohl zu heiss. Er sagte, dass sei nicht möglich, er sei gerade auf dem Weg nach London. Welch Zufall, schrieb ich, und behauptete, auch gerade dort zu sein. Dann brach der Kontakt leider ab. Niemals werde ich daher erfahren, wie der Neffe von Gaddafi zu den vielen Millionen gekommen ist. Und niemals werde ich so einfach die Chance haben, 50’000 US-Dollar zu verdienen.
Die oben beschriebenen Beispiele stehen für Methoden, die bisher bereits zu zig Millionen E-Mails geführt haben dürften. Insbesondere E-Mail-Betrug aus Nigeria hat zeitweise derartige Ausmasse angenommen, dass der berühmte nigerianische Prinz als Absender schon zur Pointe geworden ist.
Es ist klar, dass niemand auch nur einen Dollar erhält, der auf eine E-Mail dieser Art reagiert. Aber wie wäre es eigentlich, wenn wir die Typen dahinter alle einmal so richtig beschäftigen würden und sie mit Tausenden Antworten fluten würden?