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Der epileptische Anfall
Von Andrea Ratzinger
Epilepsie wurde im Laufe der Zeit mit vielen Namen versehen. Der heute gebräuchliche Begriff «Epilepsie» leitet sich vom griechischen Verb «epilambanein» ab. Das bedeutet «packen, jemanden heftig ergreifen» (Matthes/Schneble 1992, S. 4) und spiegelt das in früheren Zeiten vorherrschende Unverständnis dafür wider, warum ein Mensch plötzlich die Kontrolle über sich und seinen Körper verliert.
Heute werden medizinische Definitionen, die Einteilung von Krankheiten und ihren Erscheinungsformen in Klassifikationssysteme regelmässig weiterentwickelt, auch für die Erkrankung Epilepsie (vgl. Internationale Liga gegen Epilepsie ILAE 2014).
Epilepsie wird nach aktueller Definition als ein Zustand des Gehirns verstanden, der gekennzeichnet ist durch eine andauernde Prädisposition (d.h. Bereitschaft), epileptische Anfälle zu generieren (vgl. Fisher et. al. 2005).
Epileptische Anfälle sind in der Regel vorübergehende, plötzliche Störungen des zentralen Nervensystems. Es kommt zu zeitlich begrenzten massiven gleichzeitigen Entladungen unterschiedlich lokalisierter und unterschiedlich grosser Gruppen von Nervenzellen im Gehirn (vgl. Elger et. al. 2012, S. 2). Je nach Lokalisation des Anfallsgeschehens im Gehirn können sich unterschiedliche Erscheinungsformen epileptischer Anfälle zeigen.
Aus den genannten Begriffsdefinitionen lässt sich ableiten, dass eine Epilepsie mit epileptischen Anfällen verbunden ist. Umgekehrt kann ein Mensch im Laufe seines Lebens aber einen epileptischen Anfall erleiden (z. B. bei kleinen Kindern provoziert durch hohes Fieber), ohne dass bei ihm eine dauerhafte Epilepsieerkrankung diagnostiziert wird.
Die Diagnostik muss feststellen, ob Anfälle epilepsiebedingt sind oder andere Ursachen haben. Die sorgfältige Beschreibung der Anfälle wird dabei ergänzt durch körperliche Untersuchungen und den Einsatz technischer Methoden. Hinweise auf krankhafte Entladungen von Nervenzellen liefert das EEG (Elektroenzephalogramm): Mit seiner Hilfe kann die elektrische Hirnaktivität aufgezeichnet und der Ursprungsort epileptischer Anfälle lokalisiert werden. Zur Sicherung der Diagnose ist die Aufzeichnung eines Anfalls mit dem EEG bei gleichzeitiger Video-Dokumentation von Vorteil. Wann immer möglich wird die Magnetresonanztomographie (MRT) als bildgebende Untersuchungsmethode eingesetzt (vgl. Elger et. al. 2012, S. 9): Sie bildet Struktur des Gewebes ab und weist krankhafte Veränderungen nach, die die Ursache einer Epilepsie sein können.
Dieser Artikel ist in leicht abgeänderter Form im Lehrbuch «Basiswissen Epilepsie» erschienen. Die Literaturangaben finden Sie weiter unten.
Informationsmaterialien Epilepsie wie Checklisten und Checkkarten
Lehrbuch «Basiswissen Epilepsie» für Fachpersonen, die Menschen mit geistiger Behinderung und Epilepsie begleiten
Literatur
- Matthes, A./Schneble, H. (1992): Epilepsien: Diagnostik und Therapie für Klinik und Praxis. (5. vollst. überarb. u. erw. Aufl.). Stuttgart; New York: Thieme
- Internationale Liga gegen Epilepsie (2014): http://www.ilae.org/Visitors/Centre/Definition-2014.cfm [Stand 03.01.2017]
- Fisher, R. S. et. al. (2005): Epileptic seizures and epilepsy: definitions proposed by the International League Against Epilepsy (ILAE) and the International Bureau for Epilepsy (IBE). Epilepsia;46:470-472
- Elger, C. E. et. al. (2012): Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Kapitel Anfälle und Bewusstseinsstörungen. [Stand 03.01.2017]