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FAQ
- Welches sind die häufigsten Luftschadstoffe?
- Ist die Luftqualität heute besser als früher?
- Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Luftschadstoffen und dem Klimawandel?
- Schützen die gesetzlichen Grenzwerte für Luftschadstoffe vor gesundheitlichen Auswirkungen?
- Wo und wie wirken Luftschadstoffe im menschlichen Körper?
- Welche volkswirtschaftlichen Konsequenzen haben Luftschadstoffe für die Schweiz?
- Mit welchen Methoden können gesundheitliche Folgen von Luftschadstoffen ermittelt und nachgewiesen werden?
- Sind Luftschadstoffe in der Aussenluft oder der Innenluft relevanter für die Gesundheit?
- Wie kann ich mich bei übermässiger Luftschadstoffbelastung schützen, insbesondere wenn meine körperliche Belastung gross ist (Sport/Freizeitverhalten)?
Welches sind die häufigsten Luftschadstoffe?
Ist die Luftqualität heute besser als früher?
Die Luftqualität in der Schweiz hat sich seit den 1980er-Jahren stets verbessert. Allerdings werden auch heute noch immer Immissionsgrenzwerte überschritten.
Die Belastung der Luft mit winzigen Staubteilchen (PM10 und PM2.5) und Russ ist heute eine der grössten Herausforderungen für die Schweizer Luftreinhalte-Politik. Besonders im Winter leiden Städte und verkehrsnahe Gebiete unter zu hohen Feinstaub-Belastungen mit negativen Folgen für die Gesundheit. Die Russkonzentrationen liegen flächendeckend über dem empfohlenen Richtwert. Im Sommer werden nach wie vor regelmässig die Ozongrenzwerte weiträumig überschritten.
Im in-luft-Jahresbericht wird regelmässig über den Stand und die Entwicklung der Luftbelastung in der Zentralschweiz berichtet.
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Luftschadstoffen und dem Klimawandel?
Gewisse Treibhausgase sind auch bekannte Luftschadstoffe und haben die gleichen Emissionsquellen. Entsprechend kann die Reduzierung von Luftschadstoffen dazu beitragen, die Klimaerwärmung zu bremsen. Der wachsende Anteil von sogenannten klimaneutralen Biokraftstoffen, welche in der Regel höhere Luftschadstoffe emittieren als fossile Kraftstoffe, kann aber dazu führen, dass sich die Luftqualität verschlechtert. Insbesondere tragen Holzfeuerungen, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen, schlecht gewartet oder unsachgemäss betrieben werden, übermässig zur Feinstaubbelastung und zur Belastung an anderen krebserregenden Luftschadstoffen bei.
Einige Schadstoffe zählen auch zu den kurzlebigen klimawirksamen Stoffen wie bodennahes Ozon. Mehr Sonnenlicht und wärmere Temperaturen können nicht nur die Zeiträume verlängern, in denen die Ozonwerte erhöht sind, sondern auch zu höheren Spitzenkonzentrationen führen.
Weitere Informationen zum Thema «Energiepolitik und Klimaschutz mit Luftreinhaltung verbinden» sind hier zu finden.
Schützen die gesetzlichen Grenzwerte für Luftschadstoffe vor gesundheitlichen Auswirkungen?
Ja, das tun sie, wenn auch nicht absolut. Generell sind bei einer Exposition unter den Grenzwerten weniger Personen von einer Erkrankung durch Luftschadstoffe betroffen als bei höheren Belastungswerten. Jedoch ist der Zusammenhang zwischen Schadstoffkonzentration und Erkrankungen fliessend und hängt von der Konzentration, Dauer der Exposition und der körperlichen Konstitution ab. Somit kann nicht mit demselben Wert die Gesundheit aller garantiert werden.
Wo und wie wirken Luftschadstoffe im menschlichen Körper?
Die wichtigste Eintrittspforte für Luftschadstoffe in den Körper sind die Atemwege. Deshalb sind die Atemwege oftmals am stärksten von negativen Gesundheitsauswirkungen von Luftschadstoffen betroffen. Allerdings können auch andere Teile des Körpers, wie beispielsweise das Herz-Kreislauf-System, von solchen Wirkungen betroffen sein.
Abhängig von der Grösse und Wasserlöslichkeit dringen Schadstoffe unterschiedlich tief in die Lunge ein. Man geht davon aus, dass die gröberen Partikel (grösser als PM10) bereits in der Nase und den oberen Atemwegen abgeschieden werden, während kleinere Partikel tiefer in die Lunge eindringen. Feinstaub wirkt sich direkt auf die Atemwege aus. Zu diesen Wirkungen gehören im Wesentlichen die Auslösung von Entzündungsreaktionen, die Verschlimmerung bestehender Atemwegserkrankungen (z. B. durch erhöhte bronchiale Reaktionsbereitschaft) oder die Störung von Abwehrmechanismen der Lunge. Als Folge der Feinstaubexposition wird eine erhöhte Anfälligkeit für mikrobielle Infektionen und Entzündungsreaktionen in der Lunge oder auch im Darmtrakt angenommen. Dies begünstigt Atemwegserkrankungen, Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herz-/Kreislaufkrankheiten, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, tiefes Geburtsgewicht und gemäss neusten Studien auch Demenzerkrankungen. Man weiss auch, dass das vegetative Nervensystem beeinflusst wird und so zu Veränderungen der Lungenfunktion oder des Herzrhythmus beitragen kann.
Stickstoffdioxid führt zu Entzündungserscheinungen in den Atemwegen und verstärkt die Reizwirkung von Allergenen. Nimmt kurzfristig die NO2-Belastung der Aussenluft zu, werden in dieser Zeit die Sterbefälle und Spitaleintritte wegen Atemwegserkrankungen häufiger und es treten mehr Herzrhythmusstörungen auf.
Beim Ozon stehen akute Wirkungen im Vordergrund. Es sind dies – je nach Konzentration und Dauer der Belastung – Reizungen von Augen, Nase, Hals und tieferen Atemwegen, Enge und Druck auf der Brust sowie Husten. Ferner werden die Lungenfunktion und die körperliche Leistungsfähigkeit herabgesetzt und die Sterblichkeit erhöht.
Die interaktive Grafik zu den Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit visualisiert die Kurz- und Langzeiteffekte der Luftverschmutzung auf die Gesundheit.
Aktuelle Literatur zur Thematik Luftverschmutzung und Gesundheit ist bei der Dokumentationsstelle Luftverschmutzung und Gesundheit (LUDOK) zu finden. Weitere Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf den Atemtrakt findet man auch bei der Lungenliga Zentralschweiz.
Welche volkswirtschaftlichen Konsequenzen haben Luftschadstoffe für die Schweiz?
Über die Krankheitslast durch Luftverschmutzung – insbesondere über diejenige, die der Verkehr verursacht – und ihre gesundheitlichen Folgen liegen sowohl international als auch für die Schweiz zahlreiche Daten vor. Auf die gesamte Luftverschmutzung sind in der Schweiz jährlich etwa 2'200 – 2'800 frühzeitige Todesfälle zurückzuführen; der grösste Teil davon ist dem Feinstaub anzulasten. In einer im Jahr 2019 veröffentlichten Studie des Bundesamtes für Raumentwicklung ARE, sind die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit für die Jahre 2010 und 2015 in der Schweiz neu quantifiziert und als volkswirtschaftliche Kosten von ca. 6.5 Milliarden Franken bewertet worden, davon 3.3 Milliarden verkehrsbedingt.
Mit welchen Methoden können gesundheitliche Folgen von Luftschadstoffen ermittelt und nachgewiesen werden?
Gesundheitliche Folgen von Luftschadstoffen werden oft mit Hilfe von toxikologischen Studien an Zellen, Tieren sowie Menschen (Untersuchung von gesundheitsschädlichen Wirkungen einzelner Stoffe) und epidemiologischen Studien (Untersuchung von Ursache und Wirkung in der Bevölkerung) ermittelt.
Die besten Kenntnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen von Luftschadstoffen bestehen über die kurzfristigen Gesundheitsfolgen von hohen Schadstoffkonzentrationen. So können Feinstaub, Ozon und NO2 in höheren Konzentrationen kurzfristig zu akuten Atemwegs- wie auch zu Herz-Kreislaufbeschwerden führen.
Langfristige Gesundheitsfolgen können nur mit Hilfe der Epidemiologie erforscht werden. In epidemiologischen Studien wird eine möglichst hohe Anzahl von Menschen über längere Zeit hinweg beobachtet. Da die Menschen nicht nur den Luftschadstoffen, sondern vielfachen, sich überlagernden Einflüssen ausgesetzt sind, und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch die Folge von anderen Ursachen sein können, müssen die möglichen Zusammenhänge herausgefiltert werden, weshalb epidemiologische Studien anspruchsvoll und aufwändig sind. Eine einzelne Studie kann oft keine klare Aussage machen. In der Gesamtschau vieler verschiedener epidemiologischer Studien mit verschiedenen Studienansätzen kristallisiert sich jedoch meist ein Zusammenhang heraus.
Sind Luftschadstoffe in der Aussenluft oder der Innenluft relevanter für die Gesundheit?
Diese Frage ist sehr schwer pauschal zu beantworten und sehr stark von der individuellen Situation abhängig. Im Schnitt halten sich Menschen in unseren Breitengraden zu ungefähr 90 % im Innern auf, was den Schluss nahelegt, dass die Innenluft wichtiger ist. Die Luft in Innenräumen ist allerdings von der Situation ausserhalb der Wohnung nicht unabhängig. Die Luft kommt üblicherweise durch Lüften und Einsickerung von aussen herein und folglich ist die Zusammensetzung in einem gut gelüfteten Raum ähnlich wie aussen. Allerdings kann die Innenluft sehr schnell hohe Schadstoffkonzentrationen annehmen. Beim Kochen mit einem Gasherd oder wenn Kerzen brennen, können die Feinstaubwerte rapide in die Höhe schiessen. Bei Verwendung eines Gasherds wird ausserdem NOx in die Umgebungsluft ausgestossen. Zudem geben Farben oder Lacke flüchtige organische Verbindungen (VOC) ab. Auch können PAK-haltige Bauprodukte (z. B. Naphthalin), welche früher weit verbreitet eingesetzt wurden, die Raumluftqualität stark beeinträchtigen.
Die Hauptquelle von schädlichen Stoffen in Innenräumen ist in der Schweiz aber das Rauchen, welches jährlich insgesamt ca. 9'500 frühzeitige Todesfälle verursacht, davon einige hundert durch Passivrauchen.
Mit gutem Verhalten und regelmässigem Querlüften («Durchzug») können die Bewohner die Innenraumluftqualität positiv beeinflussen. Mit individuellen Innenraumluftmessungen kann die Raumluftqualität quantifiziert und es können allenfalls nötige Massnahmen in die Wege geleitet werden.
Wie kann ich mich bei übermässiger Luftschadstoffbelastung schützen, insbesondere wenn meine körperliche Belastung gross ist (Sport/Freizeitverhalten)?
Durch eine flexible zeitliche und örtliche Anpassung der Aktivitäten mit grosser körperlicher Belastung kann hohen Luftschadstoffbelastungen teilweise ausgewichen werden.
Insgesamt kann aber festgehalten werden, dass der gesundheitliche Nutzen von körperlicher Aktivität in der Schweiz die negativen Folgen der Luftbelastung überwiegt. Auch an Tagen mit hohen Ozonwerten ist sportliche Betätigung grundsätzlich möglich. Allerdings wird während der heissesten Tageszeit von sportlichen Aktivitäten abgeraten, weil dann auch die Ozonkonzentration hoch ist. Für Sportlehrerinnen und -lehrer und Trainer bedeutet dies, dass zur heissesten Tageszeit keine intensiven körperlichen Leistungen gefordert und Sportanlässe eher morgens oder am späteren Abend durchgeführt werden sollten. Es empfiehlt sich den Sport im Wald zu treiben, da es dort schattiger und kühler ist und damit weniger belastend für den Körper als auf offenem Feld. Auch empfindliche Kinder sollten sich an heissen Nachmittagen nicht zu sehr anstrengen. Es ist zu beachten, dass die Empfindlichkeit gegenüber Ozon von Mensch zu Mensch sehr verschieden ist und daher jeder Mensch anders auf die Belastung reagiert. Um ein klares Bild über die aktuelle Schadstoffbelastung zu erhalten, lohnt es sich deshalb, die gemessene Schadstoffbelastung zu prüfen (z. B. mit der AirCHeck-App oder hier auf der in-luft-Webseite).