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Sir Simon Rattle © Peter Fischli/LUCERNE FESTIVAL
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Symphony Concert 16
Berlin Philharmonic | Sir Simon Rattle
Boulez | Mahler
Tue, 30.08. | 19.30 | No. 16320
Vergangenes Konzert
Sir Simon Rattle © Peter Fischli/LUCERNE FESTIVAL
30.
Aug
Tuesday
19.30
Symphony Concert 16
Berlin Philharmonic | Sir Simon Rattle
Berliner Philharmoniker © Monika Rittershaus/Berliner Philharmoniker
Berlin Philharmonic
In 1882 a group of 54 ambitious musicians in Berlin formed an orchestra to perform concerts under their own aegis, thus giving birth to the Berlin Philharmonic. As their leader they chose Hans von Bülow, one of the finest conductors of the era, who laid the foundations for the Philharmonic’s culture of distinguished playing. His successors have included Arthur Nikisch (1895–1922), Wilhelm Furt-wängler (1922–54), and Herbert von Karajan (1955–89), all of whom developed the signature Berlin sound. It was in the Karajan era that the Berlin Philharmonic attained worldwide fame through its tours and many prize-winning recordings. Since October 1963 the Philharmonic’s home has been the Philharmonie in Berlin, a 2,400-seat concert hall designed by Hans Scharoun. After Karajan’s death in 1989, the players elected Claudio Abbado as their leader. He expanded the repertoire to include contemporary works and introduced program cycles focusing on specific themes. Sir Simon Rattle stood at the helm from 2002 until the summer 2018, performing music from the Baroque to the present. Kirill Petrenko will become his successor in the summer of 2019 but is already conducting the Philharmonic in the current season. The orchestra, which celebrates its 60th anniversary at LUCERNE FESTIVAL this summer, has been forging new paths into the future through its award-winning education program as well as the Digital Concert Hall, which launched in 2009 and which streams many concerts on the Internet. Since 2014 the ensemble has been releasing CDs and DVDs on its in-house Berliner Philharmoniker Recordings label. Once a year, the musicians also perform as an opera orchestra as part of their Easter Festival, which has been taking place in Baden-
Baden since 2013. In 2018 the Berlin Philharmonic performed Wagner’s Parsifal there, and for 2019 they have programmed Verdi’s Otello.
LUCERNE FESTIVAL (IMF) on 30 August 1958 playing Beethoven’s Ninth Symphony under the direction of Herbert von Karajan.
For further information on this ensemble, visit their homepage at: www.berliner-philharmoniker.de
July 2018Other dates
Sir Simon Rattle © Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL
Sir Simon Rattle
Sir Simon Rattle has been serving as the new Music Director of the London Symphony Orchestra since the start of the 2017-18 season. He inaugurated his tenure with a ten-day festival (“This Is Rattle”) and Berlioz’s La Damnation de Faust as the main work; in the 2018-19 season he will devote himself to scores including Janáček’s The Cunning Little Vixen. Rattle, who was born in 1955 in Liverpool, studied piano, percussion, and orchestral conducting at the Royal Academy of Music in London. In 1980 he began his close collaboration with the City of Birmingham Symphony Orchestra, which he led as Music Director from 1990 to 1998, building it into a top international ensemble. In 2002 he became Chief Conductor of the Berlin Philharmonic, whose repertoire he gradually expanded during his 16-year era by integrating contemporary music and also Baroque works and musical historical rarities. Many of these concerts were recorded live and have garnered awards. He bid farewell as head of the Philharmonic in June 2018 with Mahler’s Sixth Symphony, with which he had made his debut with the Berliners in 1987. Since 1992 Sir Simon has also been closely associated with the Orchestra of the Age of Enlightenment and is currently its Principal Artist; he has additionally conducted the leading orchestras of Europe and the U.S. He made his debut as an opera conductor in 1977 at the Glyndebourne Festival. Additional engagements have taken him to the Opéra national de Paris, the Royal Opera, Dutch National Opera, Vienna Staatsoper, and the Metropolitan Opera in New York. He recently performed Wagner’s Parsifal at the 2018 Baden-Baden Easter Festival. Simon Rattle was made a Knight Bachelor by Queen Elizabeth II in 1994; he holds the Order of Merit of the Federal Republic of Germany and is a Knight of the French Legion of Honor. In 2013 he received the Léonie Sonning Music Prize.
LUCERNE FESTIVAL (IMF) debut on 8 September 1996 with the City of Birmingham Symphony Orchestra conducting works by Berlioz, Beethoven, Tippett, and Haydn.
July 2018Other dates
«Die Zukunft gehört den Frauen»
Ein Gespräch mit Madeleine Carruzzo, der ersten Berliner Philharmonikerin
1982, als Sie zu den Berliner Philharmonikern kamen, feierte das Orchester seinen 100. Geburtstag und war bis dahin, über seine lange Geschichte hinweg, ein reiner Männerbund gewesen. Als Sie sich damals bewarben: Glaubten Sie eigentlich an Ihre Chance? Und wie kam es dazu?
Ein Philharmoniker, Peter Herrmann, der damals in der Gruppe der Ersten Geiger spielte, hatte mich gehört und anschliessend gefragt: «Mensch, warum spielst du nicht mal bei uns vor?» Ich dachte mir zunächst: Na, jetzt studierst du erst mal schön weiter, und dann schauen wir. Als aber drei, vier Jahre später eine Stelle ausgeschrieben wurde, habe ich mich tatsächlich beworben. Denn für mich war klar: Ich habe nichts zu verlieren. Es wäre toll, wenn es klappte, und ich würde mein Bestes geben, aber ich hatte keine hohen Erwartungen.
Wie lief das ab bei Ihrem Probespiel: Hat man Sie spüren lassen, dass Sie eine Frau sind? Gab es Diskussionen über die Frauenfrage?
Beim Probespiel direkt habe ich nichts Besonderes gemerkt. Nur ich selbst habe mich anders verhalten als sonst, denn ich hatte mir extra ein Kleid angezogen, obwohl ich doch viel lieber in Hosen spiele. Bei diesem Anlass jedoch wollte ich ganz bewusst als Frau antreten. Ansonsten lief alles unspektakulär ab: Ich habe meine Geige gestimmt und einfach vorgespielt. Es war schon aufregend, aber nicht anders als bei einem Konzert. Übrigens war das mein erstes Probespiel überhaupt. Allerdings habe ich hinterher erfahren, dass es im Orchester durchaus Diskussionen über die Frage gab, ob man tatsächlich eine Frau aufnehmen sollte. Es war doch allen klar, dass es eine Premiere wäre. Wahrscheinlich war mein Probespiel aber so ordentlich, dass es die meisten als ungerecht empfunden hätten, wenn ich nicht genommen worden wäre.
Was waren die Ängste oder Befürchtungen, die man gegenüber Frauen hegte?
Das sind ganz banale Ängste. Vielleicht fürchteten sie, es könnte Unruhe geben, wenn ich mich in einen der Musiker verlieben würde. Oder sie diskutierten darüber, wie es wäre, wenn ich Kinder kriegen und fehlen würde. Natürlich dürften es die Philharmoniker wohl auch als ein Markenzeichen oder Gütesiegel verstanden haben, dass sie nur Männer waren. Und wenn dann eine Frau kommt und zeigt, dass sie es auch kann, mag das bei manchen etwas am Selbstbewusstsein gekratzt haben.
Als Sie die Arbeit bei den Philharmonikern aufnahmen: Wie sind Ihnen die Herren Kollegen begegnet?
Ach, das verlief eigentlich sehr fair und freundlich, mit den meisten jedenfalls, da kann ich nicht klagen. Es gab vielleicht ein, zwei Geschichten, die nicht so schön waren. Eine davon hatte mit einem Zeitungsbericht zu tun: Nachdem ich das Probespiel gewonnen hatte, bat mich der Orchestervorstand, der BZ ein Interview zu geben. Ich hatte keine Ahnung, dass die BZ ein Boulevardblatt ist, und was dann erschien, war von sehr banalem Niveau. Als ich im September danach meine Stelle antrat und mich bei einem Kollegen vorstellte, der beim Probespiel nicht dabei war, sagte er zu mir: «Ja, ja, ich kenne Sie ja schon aus der Zeitung.» Das war einer der Gründe, weshalb ich lange Zeit alle Interviewanfragen abgewimmelt habe. Und anfangs war es auch besser so, denn sonst wäre ich plötzlich in allen möglichen Magazinen zu sehen gewesen – sogar die Bunte hatte angefragt. Ich bin eigentlich eine Anti-Primadonna, jedenfalls sofern man den Begriff mit divenhaften Allüren assoziiert. Natürlich bin ich eine «prima donna» in dem Sinne, dass ich die erste Frau bei den Philharmonikern war, eine Pionierin also, aber mein Ziel war immer, mich im Orchester zu integrieren und keine Sonderstellung einzunehmen.
Was empfanden Sie, als nach Ihnen die zweite Frau ins Orchester kam: Hatten Sie da irgendwie auch das Gefühl, eine exklusive Position verloren zu haben?
Ein Jahr nach mir wurde die Klarinettistin Sabine Meyer ins Probejahr aufgenommen. Das war nicht einfach, denn an dieser Verpflichtung entzündete sich der grosse Streit des Orchesters mit Herbert von Karajan. Ich selbst war ebenfalls noch in der Probezeit, und trotzdem wollte die Presse nun wissen, wie ich dazu stehe. Damals traf ich die Entscheidung, mich völlig zurückzuhalten. Die zweite Philharmonikerin, die dauerhaft ins Orchester übernommen wurde, war dann die Bratschistin Gerti Rossbacher, die fünf Jahre nach mir, nämlich 1987, kam. Sie war vorher in der Orchester-Akademie gewesen und hatte während dieser Zeit schon bei den Philharmonikern ausgeholfen. Dass ich durch Gertis Verpflichtung einen Verlust erlitten hätte, das wäre zu viel gesagt, aber natürlich: Nun war ich nicht mehr die einzige …
Glauben Sie, dass sich das Orchester durch die Mitwirkung von Frauen verändert hat – künstlerisch und vom Betriebsklima her?
Ich glaube schon, das Betriebsklima ist normaler und entspannter geworden. Künstlerisch sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht gravierend: Es gibt Frauen, die mit grossem Ton und sehr kraftvoll spielen, und dann gibt es Männer, die besonders sensibel sind. Da ist das Geschlecht überhaupt nicht massgebend.
Wie schätzen Sie die heutige Lage ein: Wenn sich ein Mann und eine Frau auf eine vakante Stelle bei den Philharmonikern bewerben – haben sie beide dieselben Chancen?
Ja, das ist so, zumindest bei meinem Instrument. Da hat sich viel entwickelt. Vielleicht würde ich nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass man die Frau lieber nimmt, wenn zwei wirklich genau gleich gut sind. Und bei den Kontrabässen oder bei der Tuba könnte es auch sein, dass man den Männern noch immer mehr zutraut, wegen des höheren Kraftaufwands. Aber es ist längst etwas in Bewegung gekommen: Ich habe bei den Osterfestspielen in Baden-Baden mit dem Bundesjugendorchester gearbeitet, das ja ein «Patenkind» der Philharmoniker ist, und dort sind sicher schon ca. 75% der Mitglieder weiblich. Ich bin deshalb sicher: Die Zukunft gehört den Frauen.
Interview: Susanne Stähr
Die gesamte Serie «Frauenfragen» können Sie im Festival-Blog nachlesen.