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Herausforderungen der Governance sowie der ökologischen, landschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen von Mehrzweckspeichern
Aufgrund des Klimawandels werden Schneedecke und Gletschermasse abnehmen, Niederschläge sich mehr in den Winter verschieben, und es muss mit häufigeren Sommertrockenheiten gerechnet werden. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Nachfrage nach Wasser, insbesondere durch die Landwirtschaft, in den Sommermonaten zunehmen wird. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie gross das Potenzial von Wasserspeichern zur Verminderung von Sommerwasserknappheit ist. In einem ersten Teilprojekt wurden für 307 mittelgrosse Einzugsgebiete der Schweiz die heutige und zukünftige Sommerwasserknappheit abgeschätzt und dem nutzbaren Speichervolumen natürlicher Seen und künstlicher Speicher gegenübergestellt. Dabei wurde aus Sicht der Wasserbilanz das lokale Potenzial von bestehenden Speichern zur Verminderung von Wasserknappheit als eher gering eingestuft. Auf regionaler Ebene (d.h., für grössere Einzugsgebiete) wurde jedoch aufgezeigt, dass ein Potenzial zur Verminderung der Wasserknappheit vorhanden ist (Brunner et al. 2019).
Im zweiten Teil des Projektes wurde analysiert, welche Herausforderungen sich aus Sicht der Governance, der Ökologie, des Landschaftsschutzes und der Ökonomie für die Mehrzwecknutzung von Speichern stellen, und wie diese gelöst werden können. Der vorliegende Synthesebericht zeigt, welche Herausforderungen für Wassernutzungen von Speichern in der Schweiz von besonderer Bedeutung sind:
- Mangelnde Datengrundlage zu hydrologischen und sozio-ökonomischen Auswirkungen einer Mehrzwecknutzung;
- Mangelndes Bewusstsein bezüglich (zukünftiger) saisonaler und regionaler Wasserknappheiten;
- Ungenügende prozessuale und rechtliche Koordination verschiedener Nutzungen;
- Mangelnde Strategien zum Umgang mit Wasserknappheit;
- Mangelnde Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel und an sozio-ökonomische Veränderungen;
- Ungeklärte Zielkonflikte (a) zwischen Schutz- und Nutzungsinteressen und (b) zwischen Mitigation (Wasserkraft) vom und Anpassung (Bewässerung, Ökologie) an den Klimawandel.
Folgende Ansätze werden für den Umgang mit diesen Herausforderungen aufgezeigt:
- Erhöhung des Bewusstseins in Bezug auf Wasserknappheiten und Erarbeitung von Datengrundlagen;
- Umsetzung von konkreten Empfehlungen für die öffentliche Politik und Gesetze; und
- Einhaltung von bestimmten Design-Kriterien bei partizipativen Prozessen zur Erarbeitung von Möglichkeiten einer Mehrzwecknutzung.
Recherchen zu den ökologischen Auswirkungen haben gezeigt, dass eine veränderte Bewirtschaftung der bestehenden natürlichen Seen und Speicher hin zu einer verstärkten Mehrzwecknutzung nur zu geringen Zusatzbelastungen führen wird. Dies gilt insbesondere, wenn sie im Verhältnis zu den bereits bestehenden ökologischen Auswirkungen betrachtet werden, welche die aktuellen Regulierungen der Seen und Speicher verursachen. In spezifischen Fällen könnte die Mehrzwecknutzung einen ökologischen Mehrwert leisten, wenn bspw. Wasserkraftspeicher den Abfluss in trockenen Sommern für unterliegende Nutzungen erhöhen (Abb. 1). Zu den ökologischen Auswirkungen des Speicherneubaus hat die Literatursuche keine wesentlichen neuen Erkenntnisse gebracht (Thür et al. 2020). Hier werden auch in Zukunft für jeden einzelnen Fall die lokalen Auswirkungen im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung darzulegen sein.
Die Analysen der ökonomischen Auswirkungen einer Mehrzwecknutzung haben gezeigt, dass eine pauschale Kosten-Nutzen-Analyse für die Mehrzwecknutzung der Schweizer Wasserspeicher nicht zielführend ist, weil Kosten und Nutzen häufig regional an ganz unterschiedlichen Orten anfallen, häufig nicht dort, wo Entscheidungen getroffen werden, und zu Gunsten/Lasten von unterschiedlichen Sektoren (resp. der Allgemeinheit) gehen. Trotzdem gibt es Erkenntnisse, dass eine verstärkte Mehrzwecknutzung einen positiven ökonomischen Nettoeffekt haben kann.
Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass die Mehrzwecknutzung von Speichern sowie Mehrzweckspeicher-Kaskaden eine vielversprechende Lösung zur Minderung von Sommerwasserknappheit darstellen. Hierzu müssen jedoch aktiv (1) Herausforderungen bezüglich des Bewusstseins und der Datengrundlage zu Wasserknappheiten angegangen werden, (2) Empfehlungen für die öffentliche Politik und Gesetze umgesetzt werden und (3) Grundsätze für die Durchführung von Partizipationsprozessen erarbeitet und umgesetzt werden, um die Wasserversorgung in der Schweiz weiterhin in gewohnter Qualität und Zuverlässigkeit für verschiedene Wassernutzungen gewährleisten zu können.
Der Bericht schliesst mit Handlungsempfehlungen zur Umsetzung auf kantonaler und Bundesebene und dem Aufzeigen weiteren Forschungsbedarfs (Kellner et al. 2021, PDF).
Mehr Information zum ersten Teilprojekt 2017-2019: Link
Details zum Projekt
Projektdauer
2019 - 2021