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Kriminalität, StrafvollzugJugend- und Erwachsenenurteile
Datenquellen
Die Jugendstrafurteilsstatistik (JUSUS) weist alle Jugendurteile aus, die eine Straftat gegen das Strafgesetzbuch, das Ausländergesetz und gegen das Betäubungsmittel oder ein Verbrechen oder Vergehen gegen das Strassenverkehrsgesetz enhalten. Die Jugendstrafurteilsstatistik besteht in der heutigen Form seit 1999.
Die Strafurteilsstatistik (SUS) weist alle in das Strafregister eingetragenen Verurteilungen von Erwachsenen aus, die aufgrund eines Verbrechens oder Vergehens ausgesprochen wurden. Übertretungen werden nicht berücksichtigt, da diese nur in Ausnahmefällen ins Strafregister eingetragen werden. Die Strafurteilsstatistik besteht in ihrer heutigen Form seit 1984.
Die Jugendstrafurteilsstatistik und die Strafurteilsstatistik erlaubt Auswertungen nach Verurteilung und nach verurteilter Person. Neben den Angaben zur Person stehen Informationen zu den Straftaten und zu den ausgesprochenen Sanktionen zur Verfügung.
Zu den Daten
Die jährliche Anzahl ausgesprochener Jugendurteile und die ins Strafregister eingetragener und aufgrund eines Vergehens oder Verbrechens ausgesprochenen Verurteilungen von Erwachsenen werden ausgewiesen. Angaben zu Gesetzen und den einzelnen Straftaten stehen in Zeitreihen seit 1999 für Jugendliche und seit 1984 für Erwachsene zur Verfügung. Diese statistischen Angaben werden auf nationaler und auf kantonaler Ebene angeboten.
Jährliche Anzahl verurteilter Jugendlicher und ins Strafregister eingetragene Erwachsene, deren Urteil ein Vergehen oder Verbrechen enthielt. Unabhängig von der Anzahl Verurteilungen wird jede Person pro Gesetz oder Straftat jährlich nur einmal ausgewiesen. Angaben zum Alter, Geschlecht und Staatszugehörigkeit werden pro Gesetz und Straftat im Detail seit 1999 für die Jugendlichen und seit 1984 für die Erwachsenen dargestellt. Diese statistischen Angaben werden auf nationaler und auf kantonaler Ebene angeboten.
Anzahl und Typ der Jugend- und Erwachsenensanktionen. Die Angaben zu Strafen, Massnahmen und Untersuchungshaft stehen in Zeitreihen seit 1999 für die Jugendlichen und seit 1984 für die Erwachsenen zur Verfügung. Diese statistischen Angaben werden auf nationaler und auf kantonaler Ebene angeboten.
Historische Daten stehen für Jugendurteilen (1946-1998) und für die Erwachsenenurteile (1946-1984) in Form von digitalisierten Jahrespublikationen zur Verfügung.
Die wichtigsten Ergebnisse 2014
Rückgang der Verurteilungen aufgrund des Strafgesetzbuches
Insgesamt wurden gut 6'600 Jugendurteile aufgrund einer Straftat des Strafgesetzbuches ausgesprochen. Dies bedeutet einen Rückgang von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Rückgang zeigt sich sowohl bei den mengenmässig bedeutsamen Delikten gegen das Vermögen (-7%) als auch bei den selteneren Gewaltstraftaten (-16%).
Auch bei den Erwachsenen ist es für das Jahr 2014 zu einem Rückgang der Strafurteile aufgrund des Strafgesetzbuches gekommen (-7%). Insgesamt wurden knapp 36'600 Erwachsenenurteile gefällt. Diese Entwicklung wird sehr stark von den Verurteilungen aufgrund der Straftaten gegen das Vermögen – meistens Diebstähle – beeinflusst. Diese machen gut die Hälfte aller Urteile aufgrund des Strafgesetzbuches aus. Für den Diebstahl liegt der Rückgang bei 14 Prozent für das Jahr 2014, nachdem es in den 5 Jahren zuvor zu einem Anstieg von insgesamt 73 Prozent gekommen war. Sowohl der Anstieg als auch der letztjährige Rückgang kann massgeblich auf die Verurteilungen von Personen zurückgeführt werden, die nicht dauerhaft in der Schweiz wohnhaft sind (Anstieg von +173% zwischen 2008 und 2013, Rückgang von -15% zwischen 2013 und 2014).
Strassenverkehrsgesetz: Höchststand trotz Rückgang bei den 18-24-Jährigen
Ein neuer Höchststand wurde bei den Verurteilungen aufgrund einer Straftat des Strassenverkehrsgesetzes erreicht (knapp 58‘300; +6% im Vergleich zum Vorjahr). Dies ist insbesondere auf den Anstieg der mengenmässig wichtigsten Straftat – der groben Verletzung der Verkehrsregeln – zurückzuführen, die im letzten Jahr um 8 Prozent auf fast 24‘200 Verurteilungen anstiegen.
Bei verurteilten Frauen ist der Anstieg mit 13 Prozent höher als bei den Männern. Dennoch stellen die Frauen mit 16 Prozent weiterhin eine Minderheit bei den Verurteilten aufgrund des Strassenverkehrsgesetzes dar.
Trotz Höchststand bei den Verurteilungen und bei den verurteilten Personen kann bei den jungen Erwachsenen ein Rückgang verzeichnet werden und dies bei fast allen Straftaten im Strassenverkehr. Liegt dieser Rückgang bei den 18-19-Jährigen bei -6%, beträgt er bei den 20-24-Jährigen -1%. Alle höheren Altersklassen zeigen ausnahmslos einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.
Bei den Verurteilungen wegen Fahrens im fahrunfähigen Zustand kam es hingegen zu einem Rückgang von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwar sind die Urteile, bei denen der Fahrer in angetrunkenem Zustand mit qualifizierter Alkoholkonzentration (ab 0.8 Promille) gefahren ist, sogar um 8 Prozent zurückgegangen. Diese Tendenz wurde aber von einem Anstieg von 18 Prozent bei den Verurteilungen aufgrund von Fahrunfähigkeit durch andere Substanzen (z.B. Betäubungsmittel oder Medikamente) grösstenteils kompensiert.
Anstieg des Betäubungsmittelhandels bei den Jugendlichen
Im Jahr 2014 wurden knapp 850 Jugendurteile wegen Handels mit Betäubungsmitteln ausgesprochen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von 21 Prozent. In der Altersklasse der 14-15Jährigen ist der Anstieg mit 36 Prozent besonders hoch.
Konsum von Betäubungsmitteln ist bei den Jugendlichen weiterhin die am häufigsten abgeurteilte Straftat; 2014 waren es 4'900 Urteile (-1% im Vergleich zum Vorjahr).
Die Anzahl Verurteilungen von Erwachsenen aufgrund von Betäubungsmittelhandels hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig auf gut 6‘500 Verurteilungen erhöht (+2%).
Sanktionen: 26 Prozent mehr kurze unbedingte Freiheitsstrafen (1-6 Monate) als vor der Revision des Sanktionensystems 2007
Die im Rahmen der Revision des Sanktionenrechts im Jahr 2007 für die Erwachsenen eingeführte bedingte Geldstrafe ist weiterhin die am häufigsten verhängte Strafe (knapp 76‘300 Verurteilungen).
Die mit der Revision zurückgedrängte unbedingte Freiheitstrafe von einem bis sechs Monaten (Rückgang von -56% zwischen 2006 und 2007) wird seit 2010 wieder vermehrt verhängt. Trotz eines leichten Rückgangs im Jahr 2014 werden heute jährlich knapp 6'900 unbedingte Freiheitsstrafen zwischen einem und sechs Monaten verhängt, dies sind 26 Prozent mehr als vor der Revision. Dieser Anstieg zeigt sich insbesondere bei den verurteilten Personen, die nicht in der Schweiz wohnhaft sind (+170% zwischen 2009 und 2014).
Aussagekraft der Statistiken
Indikator für Kriminalitätsaufkommen
Die Zahlen der Strafurteilsstatistik der Erwachsenen und der Jugendstrafurteilsstatistik geben nur einen Teil der Kriminalität wieder. Viele Straftaten werden nicht bei der Polizei gemeldet, nicht alle werden aufgeklärt und abgeurteilt. Bei der Strafurteilsstatistik kommt hinzu, dass nicht alle Strafentscheide in das Strafregister eingetragen werden. Ergeht ein Urteil aufgrund einer schwerwiegenden Straftat (Vergehen oder Verbrechen), dann wird es grundsätzlich in das Strafregister eingetragen und somit in der Strafurteilsstatistik berücksichtigt. Handelt es sich hingegen um ein Strafurteil, das sich ausschliesslich auf eine Übertretung bezieht, dann führt dies nur in den seltensten Fällen zu einem Strafregistereintrag. Die Strafurteilsstatistik deckt somit nicht alle Strafurteile ab, sondern nur diejenigen, die ein Vergehen oder ein Verbrechen enthalten. Unter welchen Bedingungen ein Urteil betreffend einer Übertretung eingetragen wird, ist gesetzlich in Art. 3 der Verordnung vom 29. September 2006 über das Strafregister (VOSTRA-Verordnung) festgelegt.
Beurteilung der Kriminalitätsentwicklung
Die VOSTRA-Verordnung wurde 1992 und 2007 revidiert. Die Änderungen hatten jeweils Einfluss auf die Anzahl ins Strafregister eingetragenen Verurteilungen. Eine Beurteilung der Entwicklung der Erwachsenenurteile über die Jahre 1984 bis 2014 ist somit erschwert. Aus diesem Grund wurde entschieden - insbesondere bei den Zeitreihen - nur die Urteile, die sich auf ein Vergehen und/oder Verbrechen beziehen, zu berücksichtigen.
Trotz der Beschränkung auf diese Strafurteile ist auch die Beurteilung der Kriminalitätsentwicklung über die Jahre mit den Daten der Strafurteilsstatistik nur beschränkt möglich. Das Anzeigeverhalten der Opfer kann sich mit der Zeit ändern und beeinflusst somit die Verurteilungszahlen. Weiter wird die polizeiliche Kontrollintensität je nach Prioritätensetzung erhöht oder gesenkt. Insbesondere im Bereich der Strassenverkehrs- und der Betäubungsmitteldelinquenz können solche Faktoren die Anzahl Verzeigungen und somit die der Verurteilungen beeinflussen. Zudem darf der Einfluss von Gesetzesrevisionen und neue Formen von Kriminalität nicht vernachlässigt werden.
Vollständigkeit der Daten
Strafurteile werden erst ins Strafregister eingetragen, sobald sie rechtskräftig sind. Dies kann - insbesondere bei schweren Straftaten - aufgrund möglicher Rekurse längere Zeit in Anspruch nehmen. Aus diesen Gründen dauert es mehrere Jahre bis alle in einem Jahr gefällten Urteile ins Strafregister eingetragen werden und in der Statistik erscheinen. Auch die Jugendstrafurteilsstatistik enthält nur rechtskräftige Urteile. Dies ist bei der Interpretation der Daten aus den jüngsten Erhebungsjahren insbesondere bei schweren Straftaten zu berücksichtigen.