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Welche Dynamik bringt Mehrsprachigkeit in der Schweiz?

Hintergrund Obschon sich die Schweizer Sprachenlandschaft durch ihre grosse Vielfalt auszeichnet, besteht sie vor allem aus einsprachigen Regionen. Die Sprache vermittelt starke identitäre Komponenten, die in klischeehaften Darstellungen und Bildern erkennbar sind. Solche Sprachbilder stellen nicht nur die Sprache selbst und ihre Eigenarten dar, sondern beschreiben auch die Menschen, die sich ihrer bedienen. So überbrücken Personen aus verschiedenen Regionen der Schweiz oder aus anderen Ländern tagtäglich ihre sprachlichen und damit auch kulturellen Unterschiede, wenn sie miteinander kommunizieren. Bei dieser Art des Austauschs entsteht und entwickelt sich Mehrsprachigkeit.
Ziel Gegenstand des Projekts ist die Auseinandersetzung mit diesen Interaktionen und ihrer identitären Dimension. Die Forschungsarbeit soll Formen gelebter Mehrsprachigkeit anhand des Sprachgebrauchs in unterschiedlichen Schweizer Kontexten ermitteln. Schwerpunktmässig werden sie in einem Trainingslager der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft (U-18), in der Kantine einer Militärkaserne und in der Cafeteria eines Bundesamtes sowie in der «Wandelhalle» (Parlamentsgebäude) untersucht.
Bedeutung Wird Sprache als eine der wichtigsten Identitätsquellen angesehen und sehr eng mit regionaler Identität verknüpft, dann wird auch verständlich, weshalb das Aufeinandertreffen der Sprachen eine nicht zu unterschätzende soziokulturelle und politische Dimension enthält. Ein Verständnis für die Dynamik der Mehrsprachigkeit nährt die Analyse der neuen linguistischen und soziologischen Realität in der Schweiz. Wenn es um Kontakte zwischen Sprachen oder Massnahmen zur Förderung der Kommunikation und des Verständnisses geht, können die Erkenntnisse eine wissenschaftliche Grundlage bei politischen Entscheiden bieten.
Resultate Sei es in einem Fussballteam, einer militärischen Truppe oder einem Bundesamt, die sprachlich gemischten Gruppen können sehr wohl ein gemeinsames Ziel erreichen oder ein Projekt erfolgreich durchführen. Die soziologische Studie von Sandro Cattacin und seinem Team der Universität Genf zeigt, dass die Wahl der Sprache zur Klärung einer Situation beitragen kann. Je nachdem welche Sprache gewählt wird, verdeutlicht z.B. wer in der Gruppe gemeint ist, oder auch – auf subtile Weise – Machtverhältnisse oder Hierarchien. Die Art, wie die verschiedenen Sprachen verwendet werden, hat mehrere Funktionen, die zur Verständigung und Koordination zwischen den Gesprächsteilnehmenden beitragen. Mehrsprachigkeit lebt und entwickelt sich beim Austausch in solchen Konstellationen. Um sie zu fördern, sollen deshalb „hors-sol“ Sprachkurse eher in eine Situation umgewandelt werden, die den Spracherwerb durch Koordination und Kommunikation um ein gemeinsames Projekt antreibt.
Prof. Dr. Sandro Cattacin
Dokumente:
Département de Sociologie
Université de Genève
+41 22 379 83 02
<email-pii>
| ||Schlussbericht (auf französisch) (556KB)

||11.05.2009

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| ||Wissenschaftliche Publikationen im Rahmen des NFP 56 (149KB)

||03.11.2010

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