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Der Ahnenzug
Seit Mitte Dezember 2023 ist auf dem Streckennetz der Rhätischen Bahn ein neuer «Blickfang» unterwegs: Der Ahnenzug.
Ein Blick zurück in die Geschichtsbücher:
Vor etwas mehr als 80 Jahren wurden die beiden Privatbahnen Chur-Arosa-Bahn und Bernina-Bahn mit der Rhätischen Bahn fusioniert. Mitten im Zweiten Weltkrieg. Mit der Fusion wurden über die Jahre auch die Fahrzeuge analog der Farbgebung der Rhätischen Bahn ausgestattet. Während die Züge im Schanfigg früher mit hellblau/hellgrauem Anstrich unterwegs waren, waren jene am Bernina in gelbem Design unterwegs. Die RhB-Züge fuhren hingegen mit grün/beiger Farbe durch Graubünden.
Die dreiteiligen Allegra-Triebzüge, welche die RhB ab Ende 2009 in Betrieb nahm, verkehren heute insbesondere auf der Bernina- sowie der Arosalinie – somit auf dem Streckennetz dieser Fusionsbahnen. Gut 80 Jahre nach den beiden Fusionen stand nun das Fahrzeug Allegra-Zweispannungstriebzug ABe 8/12 3514 in den Werkstätten der RhB und erhielt eine Revision der Lackierung. Für einmal entschied man sich das Fahrzeug nicht im gewohnten Rot, sondern in Anlehnung an die früheren Privatbahnen zu gestalten. So entstand der Ahnenzug, ein neuer Blickfang als Hommage an die Vorgängerbahnen.
Zur Fusion mit der RhB
Wir sind in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Europa erholte sich eben vom Ersten Weltkrieg, als Anfang der 1930er Jahre die Weltwirtschaftskrise ausbrach. Damit verbunden auch ein Abflauen der touristischen Ströme in Europa. Hart getroffen hatte dies – zusätzlich befeuert durch die Zulassung von Automobilen im Kanton Graubünden im Jahr 1925 – die damalige Bernina-Bahn und die Chur-Arosa-Bahn. Mit dem «Bundesgesetz über die Hilfeleistung an private Eisenbahn- und Schifffahrtsunternehmen», das am 6. April 1939 in Kraft trat, stellte die Eidgenossenschaft 125 Millionen Franken zur Verfügung. Diese standen «zur finanziellen Wiederaufrichtung» verschuldeter Bahnunternehmen zur Verfügung, sofern sie «wegen ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung den Interessen der Eidgenossenschaft» dienten. Die RhB erfüllte die Bedingungen. Der Bund verfügte auch gleich, dass die noch unabhängigen, aber defizitären Unternehmen Chur-Arosa-Bahn und Bernina-Bahn von den Hilfsgeldern profitieren könnten, wenn sie mit der RhB fusionierten. Das Schicksal der beiden Bahnen war besiegelt und sie fusionierten mit der Rhätischen Bahn (vgl. Haldimann/Keller/Jäger, 2014, Erlebnis Chur-Arosa-Bahn): die Chur-Arosa-Bahn per 1. Januar 1942, die Bernina-Bahn per 1. Januar 1943.
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