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Viele Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sind gegenüber gentechnisch veränderten (GV) Lebensmitteln kritisch bis ablehnend eingestellt. Andererseits steht eine Minderheit von einem Viertel der Bevölkerung GV-Nahrungsmitteln offen gegenüber.1 Die grosse Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich, zwischen Produkten, die mit oder ohne GV-Organismen (GVO) hergestellt sind, frei wählen zu können.2
In der Schweiz verbietet zurzeit ein Moratorium den kommerziellen Anbau von GV-Pflanzen. Im Gegensatz dazu ist der Import und das Inverkehrbringen von GV-Lebens- und Futtermitteln erlaubt, wenn eine von den zuständigen Behörden erlassene Bewilligung vorliegt.
Zurzeit ist nur der Import von GV-Soja und GV-Mais bewilligt.3 Es ist in der Schweiz derzeit allerdings kein Lebensmittel aus GV-Soja oder GV-Mais auf dem Markt. Hingegen werden mithilfe von GVO hergestellte Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe wie Vitamine oder Enzyme auch bei uns in der Lebensmittelproduktion eingesetzt.
Bei den Futtermitteln sind wenige GV-Mais- und GV-Soja-Produkte zugelassen. Sie werden aber nicht importiert, da private Labelorganisationen deren Verfütterung verbieten. Schweizer Fleisch, Milchprodukte und Eier stammen also allesamt von Tieren, die keine GV-Pflanzen gefressen haben. Fast alle importierten tierischen Produkte hingegen wurden mit Hilfe von Tieren hergestellt, die mit GV-Futter gefüttert wurden.
GV-Erzeugnisse in Lebensmitteln müssen in der Schweiz gekennzeichnet werden, indem ein entsprechender Hinweis im Verzeichnis der Zutaten angebracht wird.4 Zurzeit werden in der Schweiz allerdings kaum Produkte mit GV-Zutaten angeboten. Fiktive Beispiele dafür wären Stärke aus GV-Mais im Joghurt oder Pflanzenöl aus GV-Soja in der Schokolade. Spuren von GV-Erzeugnissen bis zu 0,9% müssen nicht gekennzeichnet werden. Der Schwellenwert von 0,9% bezieht sich in zusammengesetzten Erzeugnissen auf die einzelne Zutat und nicht auf die Gesamtmasse.
Werden Verarbeitungshilfsstoffe aus GVO eingesetzt, z.B. ein Labferment aus GVO zur Käseherstellung, müssen diese nicht deklariert werden. Auch Zusatzstoffe wie Vitamine, die mit Hilfe von GVO in Bioreaktoren hergestellt und danach vom GVO isoliert und gereinigt werden, unterstehen nicht der Kennzeichnungspflicht. Bei tierischen Produkten wie Fleisch, Milchprodukten und Eiern muss zudem nicht angegeben werden, ob die Tiere mit GV-Pflanzen gefüttert wurden.
Wird bei der Herstellung eines Nahrungsmittels auf allen Produktionsstufen vollständig auf den Einsatz von GVO verzichtet, darf dies mit dem Hinweis “ohne Gentechnik hergestellt” ausgelobt werden. Dabei dürfen weder bei der Fütterung der Tiere noch bei der Verarbeitung zum Endprodukt Hilfs- oder Zusatzstoffe aus GVO eingesetzt werden.
Die Schweizer Behörden lassen jährlich mehrere Hundert Lebensmittelproben auf GVO untersuchen. Diese werden in den Produktionsstätten und den Verkaufsstellen entnommen. Damit soll sichergestellt werden, dass die angebotenen Lebensmittel richtig gekennzeichnet und keine unbewilligten GV-Erzeugnisse angeboten werden. Dabei werden Spuren von GVO bis 0.9% für bewilligte GV-Produkte akzeptiert.
2012 wurden bei 12% der untersuchten Proben GVO-Anteile nachgewiesen. Bei den meisten handelte es sich um Spuren von zugelassenen GV-Produkten unterhalb des Schwellenwerts. 12 Proben (2.4%) enthielten hingegen Anteile von in der Schweiz nicht zugelassenen GV-Produkten. Bei den meisten handelte es sich um Getreideriegel und Sportlernahrung, die Anteile einer in der Schweiz nicht zugelassenen Soja-Linie enthielten. Zudem wurden in zwei Fällen GV-Papaya aus Thailand gefunden. Gegen diese Produkte wurden von den Behörden entsprechende Massnahmen ergriffen.5
Wird ein Nahrungsmittel auf die Anwesenheit von GVO untersucht, beläuft sich jede Probe etwa auf CHF 200. Eine detailliertere Abklärung kostet zusätzlich. Deshalb sind zertifizierte “GVO-freie” Nahrungsmittel und Ausgangsmaterialien einige Prozent teurer als nicht zertifizierte.
Besonders ins Gewicht fällt der Verzicht auf GVO aber bei der Herstellung von Schweizer Fleisch- und Milchprodukten. Weltweit nimmt der GV-Anteil beim Soja und Mais nämlich stetig zu. Da die Schweiz ausschliesslich GV-freie Futtermittel verfüttert, wird die Versorgung mit Sojaschrot und Maiskleber zunehmend schwierig. Dies führt zu höheren Preisen für Schweizer Produkte. Die Vereinigung Schweizerischer Futtermittelfabrikanten schätzt, dass die GVO-freie Fütterung jährlich ca. CHF 22 Mio Mehrkosten verursacht.
(1) Aerni P, Scholderer J, Ermen D (2011) What would Swiss consumers decide if they had freedom of choice? Evidence from a field study with GM corn bread. Food Policy 36: 830-838. Link
(2) Bonfadelli H, Meier W (2010) Grüne Gentechnologie im öffentlichen Diskurs. Interessen, Konflikte und Argumente. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.
(3) Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): Gesuche und Bewilligungen für GVO-Erzeugnisse (Stand Dezember 2014). Link
(4) Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): Kennzeichnung (Stand Dezember 2014). Link
(5) Bundesamt für Gesundheit (BAG), Direktionsbereich Verbraucherschutz: GVO-Erzeugnisse bei Lebensmitteln: Übersicht über die Kontrollen der Kantonalen Vollzugsbehörden im Jahr 2012 (Stand Dezember 2014). Link
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