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An geschichtsträchtigen Orten wie der Wartburg, über der Stadt Eisenach gelegen, begegnen Reisende aus aller Welt der Religionsgeschichte, speziell auch der Reformationsgeschichte, denn der abtrünnige Augustinermönch Martin Luther übersetzte in einer Kammer des Schlosses – verborgen vor der Welt – das Neue Testament ins Deutsche. Die Wartburg, die seit 1999 zum UNESCO-Welterbe gehört, wird in diesem Band von Günther Schuchardt vorgestellt.
Die Leserschaft staunt über die prächtigen, auch geschmackvollen Fotos, die die Wartburg anschaulich vor Augen treten lassen. Der Fotograf Ulrich Kneise vermittelt so Innen- und Außenansichten, die schon für sich genommen ausgesprochen beachtenswert sind. Die Geschichte der Wartburg wird von Günther Schuchardt überblicksartig erzählt. Der Band, der bereits in 23. Auflage erscheint, beherbergt erstaunlicherweise nicht nur Historisches, sondern auch die Legende, dass die spätere Landgräfin von Thüringen, die ungarische Prinzessin Elisabeth, von 1211 bis 1228 durchgängig auf der Wartburg verbracht haben soll. Im Alter von knapp 4 Jahren wurde Elisabeth tatsächlich in die Obhut der Familie ihres künftigen Ehemannes gegeben und dort erzogen. Die Familie des Landgrafen wohnte aber auf verschiedenen Residenzen, und so mag Elisabeth einige Zeit auf der Wartburg verbracht haben. In dem Band allerdings ist zu lesen, dass die Wartburg wohlgemerkt in der Zeit – also 17 Jahre lang – Elisabeths "Wohn- und Wirkungsstätte" gewesen sei. So werden Legenden fortgeschrieben. Martin Luther verbrachte 1521/22 als Junker Jörg einige Zeit auf der Wartburg. Gerühmt wird die "sprachwissenschaftliche Leistung", indessen hat Luther das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt, mitnichten also als Philologe, sondern als Übersetzer gearbeitet: "Er verwandte die obersächsische Kanzleisprache, die ohne Latinismen auskam und überall verstanden wurde." Ergänzt werden könnte, dass im Jahr 1522 noch nicht allzu viele Zeitgenossen lesen konnten. Weiterhin lesen wir: "Bis zu seinem Tod 1546 erfuhr die Bibel noch viele Redigierungen und sollte zum »ersten Buch des deutschen Volkes avancieren«." Gewiss staunen manche Leser darüber, denn der Reformator redigierte mitnichten die Bibel, überarbeitete aber einige Male die von ihm angefertigte Übersetzung.
Die Geschichte der Wartburg, in der auch der Dichterfürst Goethe auftritt, wird also flüssig erzählt, indessen scheinen einige Überarbeitungen für den ansprechend gestalteten Band über die Wartburg für künftige Neuauflagen erwägenswert zu sein. In jedem Fall lobenswert ist das Zueinander von Text und Bild, so wird Burg auch für Ortsfremde gut anschaulich gemacht. Hingewiesen wird ebenso auf die reichhaltige Kunstsammlung, die sich "bis heute an den wichtigsten historischen und architekturgeschichtlichen Epochen der Wartburg" orientiert, vom Hochmittelalter bis zum Historismus. Der Band über die Wartburg in der renommierten Reihe der "Kleinen Kunstführer" ist trotz kleiner Eigenheiten gewiss lesenswert, kann und soll freilich den Ausflug nach Eisenach nicht ersetzen. Die hochwertigen Fotografien wecken vielleicht bei einigen Lesern auch die Reiselust ins schöne Thüringen.