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über die Gesprächssynode vom 11. September 2021
Ausweitung der Zivilehe: Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche diskutiert über die «Ehe für alle»
Das Thema für eine Gesprächssynode wurde von den Mitgliedern der Synode bereits 2019 gewählt, dann jedoch aufgrund der Pandemie auf Eis gelegt. Durch mehrere aufeinanderfolgende Verschiebungen des Termins traf die Tagesordnung der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Freiburg schliesslich mit der Kampagne zur Abstimmung über die Ausweitung der Ehe auf gleichgeschlechtliche Paare zusammen.
Leiten ohne zu führen
Was bedeutet die Ausweitung der Zivilehe für die gottesdienstlichen Feierlichkeiten in der reformierten Kirche? Anlässlich der Gesprächssynode hatten die Delegierten der Kirchgemeinden Gelegenheit, ihre Ansichten zu diesem Thema aus vier Perspektiven darzulegen: biblisch, ethisch, pfarramtlich und liturgisch. Für jeden dieser Ansätze wurden verschiedene "Thesen" diskutiert. Diese gingen von der positivsten bis hin zu den zurückhaltendsten. Die Mitglieder der Synode diskutierten also auf der Grundlage von vorbereitenden Texten. Die Diskussionen waren frei, wurden aber durch aufeinanderfolgende thematische Ansätze und auf der Grundlage einer Reihe von kurzen, im Voraus verlesenen Aussagen geführt.
In den vorbereitenden Texten konnte man zum Beispiel lesen: "Die Bibel ist kein Buch der Sexualmoral, sondern ein spirituelles Buch"; oder "Jesus hat nicht einen Gesellschaftsentwurf geschaffen, der auf anzuwendenden Normen beruht, sondern er hat den religiösen Glauben in Beziehung zu Gott gestellt"; oder "wir müssen einen sicheren Rahmen anbieten, in dem Verletzungen abgelegt werden können"; oder "der Körper ist ein wichtiger Teil der Heiligkeit des menschlichen Wesens"... Insgesamt wurden rund 68 solcher Aussagen formuliert.
Eine positive Bilanz
Diese Thesen und der Austausch untereinander ermöglichten ein besseres Verständnis zur Debatte. Die Mitglieder der Synode äusserten sich durchaus positiv zur Arbeitsmethode mit geführten Diskussionen und des gegenseitigen Zuhörens.
Mehrere Mitglieder erzählten bei den Zusammenfassungen der Gruppendiskussionen, dass sie ihre Überlegungen zum Thema in einer Atmosphäre des Respekts so erweitern konnten.
Zusätzlich zu den vorbereitenden Informationen auf der Website fanden auch die aufgelegten Dokumente und Glossare regen Anklang.
Für die Mitglieder der Vorbereitungsgruppe zeigten mehrere Indikatoren, dass
ihre gesteckten Ziele dieser Gesprächssynode erreicht wurden.
(» Definition der Ziele
).
Wie weiter?
In der abschliessenden Diskussion im Plenum wurden einige Fragen aufgeworfen: wie werden wir die neue Vision umsetzen? Müssen wir uns auf eine Mindestdefinition der Ehe einigen? Brauchen wir die gleichen Rituale für die Segnung für alle Paare? Wie denken wir über dieses Thema aus ökumenischer Sicht? Wie informieren wir die Mitglieder unserer Kirchgemeinden über diese Erweiterung? Müssen wir die Rituale der kirchlichen Trauung aus unserer Praxis entfernen?
Sollte die Vorlage der nationalen Abstimmung angenommen werden, können gleichgeschlechtliche Paare, die standesamtlich verheiratet sind, einen Traugottesdienst in der reformierten Kirche beantragen.
Nach dem derzeitigen Stand des Kirchengesetzes der ERKF wäre eine kirchliche Trauung für standesamtlich verheiratete gleichgeschlechtliche Paare möglich. Das kleine juristische Dossier, welches für die Synode vorbereitet wurde, lieferte dazu die nötigen Erklärungen. Für AmtsträgerInnen, die sich nicht bereit fühlen, diesen Schritt zu machen, wäre ihre Gewissensfreiheit gewahrt. Die Kirchenordnung der ERKF verpflichtet PfarrerInnen nicht, eine kirchliche Trauung zu vollziehen, wenn dies für sie aus irgendeinem Grund einen Gewissenskonflikt darstellen würde.
Andererseits sieht dieselbe Regelung vor, dass PfarrerInnen sich gegenseitig bei der Verteilung von kirchlichen Amtshandlungen gegenseitig unterstützen. So könnte ein ein zweifelnder Pfarrer, eine zweifelnde Pfarrerin diese Aufgabe dann einem seiner KollegInnen anvertrauen.
Am Ende des Vormittags dankte der Präsident der Synode, Pierre-Alain Sydler, der Vorbereitungsgruppe herzlich für ihren Einsatz und ihr Engagement für diesen Vormittag.
Zur Vorbereitungsgruppe gehörten Alain Grandjean (Synodaler, Murten), Katrin Bardet (Synodalrätin), Cédric Castella (Suppleant, Bulle - La Gruyère), Pierre-Philippe Blaser (Präsident des Synodalrats) an. Ausserdem erklärten sich weitere Moderatoren bereit, Gruppen zu leiten: Nicole Rochat (EREN), Alexander Schroeter (Theologe und Hochschuldozent Murten), Stephan Hagenow (Reformierte Kirche BEJUSO) und Roland Vuillème (Kirchgemeinderat, Bulle - La Gruyère).
Die reformierten Kirchen in der Schweiz haben sich bereits 2019 zu diesem Thema geäussert. Auf der Nationalsynode wurde mehrheitlich für den folgenden Text gestimmt: "Wir sind von Gott gewollt, wie wir geschaffen sind. Wir können uns unsere sexuelle Orientierung nicht aussuchen. Wir integrieren sie als Ausdruck unserer Fülle als Geschöpfe».
Pfr. Pierre-Philippe Blaser
Präsident des Synodalrats