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The Hamilton Project, ein Think-Tank der Brookings Institution, hat jüngst zum US-Lohnwachstum der letzten 4 Jahrzehnte den aufschlussreichen Artikel "Thirteen Facts about Wage Growth" publiziert.
Der amerikanische Traum, dass es jeder Generation besser geht als der Elterngeneration, ist angeschlagen. Inflationsbereinigt liegen die Löhne gerade einmal 10 Prozent höher als 1973, eine Lohnwachstumsrate von mageren 0.2%.
Was sind die ökonomischen Gesetze, welche den Lohn eines typischen Arbeiters beeinflussen? Im Grundsatz spielen 3 Kräfte eine Rolle:
- Produktivität eines Arbeiters: diese wiederum hängt ab vom eingesetzten Human- und Produktionskapital sowie der Effizienz mit welcher diese Kapitalformen eingesetzt werden
- Anteil des Volkseinkommens, welches in Form von Löhnen ausbezahlt wird
- Aufteilung der Arbeitsentschädigung auf Lohn und Lohnnebenkosten (u.a. Gesundheitsausgaben, welche in den USA vom Arbeitgeber (mit-) bezahlt werden)
Damit reale Löhne von typischen Werktätigen steigen können, müssen ein paar Voraussetzungen erfülllt sein:
- sie müssen über die Zeit hinweg produktiver werden
- sie müssen derart über ausreichende Verhandlungsmacht ggü. den Arbeitgebern verfügen, dass ihr Anteil am Produktionsergebnis stabil oder steigend ist
- das Arbeitseinkommen darf nicht einfach bei den obersten Lohnkategorien konzentriert sein
Wie die Grafik zeigt, ist die Produktivität seit den Siebzigern schneller gestiegen als die Entschädigung der Arbeiter. Gründe für den Produktivitätsanstieg liegen in technologischem Fortschritt, Erhöhung von Human- und Produktionskapital sowie verbesserten betrieblichen Prozessen.
Die Gesamtentschädigung der Arbeit besteht aus Löhnen und Lohnnebenkosten. In der Schweiz gehören zu letzterem AHV, IV, ALV, BVG, UVG. In den USA gehören dazu Gesundheits-, Lebens-, Invaliditätsversicherungen sowie die Äufnung von zukünftigem Renteneinkommen.
Seit 1991 sind die realen Stundenlöhne um 15.71% und parallel dazu die Lohnnebenkosten um 36.33% gestiegen.
Fazit
Weshalb haben die Stundenlöhne für viele Arbeitstätige stagniert?
- Der Lohn-Anteil am Brutto-Inland-Produkt BIP ist für Arbeitstätige seit Jahrzehnten gesunken
- Die überdurchschnittlich hohen Löhne sind gestiegen, während Arbeitstätige im unteren und mittleren Lohnbereich keine Lohnerhöhungen erhalten haben
- Bis 2000 stieg die Entschädigung für höher ausgebildete Amerikaner deutlich, was zu mehr Lohn-Ungleichheit geführt hat
- Globalisierung und technologische Veränderungen haben vermutlich die tieferen Löhne zusätzlich negativ beeinflusst
- Frauenlöhne sind gestiegen, Männerlöhne sind gesunken
- Senkungen des realen Minimallohnes und tiefere Mitgliedschaftszahlen bei den Gewerkschaften haben das Lohnwachstum (negativ) beeinflusst
- Die Mobilität der Werktätigen innerhalb US amerikanischer Teilstaaten ist gesunken, was das Lohnwachstum reduziert hat
Anzahl neu gegründeter Firmen und Firmenschliessungen hat abgenommen
Wie stark war das Lohnwachstum seit der Finanzkrise ("Great Recession")?
- Das reale Lohnwachstum zwischen 2007 und 2017 war ggü. früheren Konjunkturzyklen höher
- Die Unterauslastung des Arbeitspotentiales hat abgenommen; wie weit wir von einer kompletten Vollbeschäftigung weg sind, ist eine offene Frage (aber sehr weit davon weg kaum)
- Jüngst war das Wachstum der Arbeitsproduktivität eher langsam
- Das Lohnwachstum war in den letzten Jahren verzerrt, da der Anteil Baby Boomers, welcher jetzt in die Pensionsjahre geht, gestiegen ist (diese verdienen mehr als jüngere Arbeitnehmende)
- Das Lohnwachstum war während der grossen Rezession bei den Top-Verdienern; in letzter Zeit haben auch tiefere Lohnbereiche vom Lohnwachstum profitiert