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eine Benennung, die in alle drei Naturreiche einschlägt. Aus dem Tierreich erstlich stammen die Kermeskörner
oder Scharlachbeeren (grana chermes), ein Färbmaterial, das schon im fernsten Altertum zum Rotfärben diente und erst dann
in den Hintergrund trat, als die Cochenille aus Amerika in Gebrauch kam, welche schöner und haltbarer
färbt
und viel ausgiebiger an Farbstoff ist. Wie diese besteht auch der Kermes aus den getrockneten trächtigen Weibchen
einer Schildlaus, Coccus ilicis, welche auf den Zweigen der im südlichen Europa und im Orient häufig wachsenden strauchartigen
Scharlacheiche (Quercus coccifera) lebt.
Das Weibchen schwillt nach der Befruchtung kugelförmig auf, strotzt von Eiern und rotem Farbstoff und
wird in diesem Zustande gesammelt. Man tötet die Tiere durch Besprengen mit Essig und trocknet sie an der Sonne. Sie bilden
glatte oder etwas runzliche, getrocknet dunkelrotbraune, zum Teil auch violette, den Korinthen ähnliche Körner, teils hohl,
teils mit einem körnigen roten Staube erfüllt, äußerlich mit einem weißlichen Staube oder Schimmel
überzogen.
Gekaut färben sie den Speichel braunrot, geben zerrieben ein rotes Pulver und mit Zinnsalz ein feuriges Scharlachrot. Sie
sind in den Ländern ihres Vorkommens sehr häufig und dienen dort auch noch zum Färben, namentlich im Orient, bei uns sind
sie nur noch Handelsware ohne alle Bedeutung und kamen früher in größern Mengen aus dem südlichen
Frankreich (Rhonemündung), Spanien, Italien-, Nordafrika, Griechenland und dem Orient. Die spanischen gelten als die besten.
Die Bezeichnung der getrockneten Tiere als Beeren stammt natürlich aus frühern Zeiten her, wo über den Ursprung fremder
Produkte mancherlei Irrtümer herrschten.
Inzwischen haben sich aber auch wirkliche Beerenfrüchte hinzugefunden, die eigentlichen Kermesbeeren, denen dieser Name
offenbar zugefallen ist, weil man sie in gleicher Weise, wie die vorige Drogue auf ihren roten Farbstoff benutzte. Jetzt
werden sie wohl kaum noch zum Färben verwendet, nur in Italien soll man sie zuweilen zum Färben von
Rotwein benutzen, wovon jedoch ihrer abführenden Wirkung wegen abzuraten ist. Es sind dies die Früchte eines aus Virginien
nach dem südlichen Europa verpflanzten und dort verwilderten, schon in Österreich häufig vorkommenden, ausdauernden Gewächses,
Phytolacca decandra. -
Der mineralische K. (Kermes minerale) endlich ist ein altes, unter dem Namen Karthäuserpulver bekanntes
und zuweilen noch jetzt medizinisch gebrauchtes Antimonpräparat, das erhalten wird durch Kochen von schwarzem Schwefelantimon
mit Pottaschelösung. Beim Erkalten der filtrierten Lösung fällt der K. als Niederschlag heraus und bildet ein feines,
leichtes, schön rotbraunes Pulver, welches aus Schwefelantimon und Antimonoxyd in wechselndem Mischungsverhältnis besteht.
- Alle 3 Arten von K. sind zollfrei.
(arab.), Kermeskörner (Grana kermes), auch Scharlachkörner genannt, die erbsengroßen
trächtigen Weibchen der Kermesschildlaus (Lecanium ilicisL.), die durch Anbohren und Aussaugen der im südl. Europa
[* 8] und
im Orient einheimischen Kermeseiche(Quercus cocciferaL.) sich ernährt. Man sammelt die Weibchen gegen Ende des Monats Mai
ein, tötet sie und bringt sie in getrockneter Gestalt unter dem Namen von in den Handel, weil sie namentlich
früher (vor dem Bekanntwerden der roten Teerfarben) in der Färberei zur Hervorbringung eines bräunlichen Dunkelrots und
zur Bereitung einer geringern Sorte von Karmin benutzt wurden. Kermes kosten (1892) im Großhandel 13 M. das Kilogramm. Nicht zu
verwechseln mit diesem Farbstoff sind die Kermesbeeren (s. Phytolacca).