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Die Frage, wo die Inspiration aufhört und wo das Plagiat beginnt, wird meist erst vor Gericht geklärt. Entscheidend sind Melodieführung, Rhythmus und Tempo. Beispiele von Musikklau gibt es zuhauf. Entscheide selbst, ob zu Recht.
Besonders häufig sahen sich Led Zeppelin mit Plagiats-Vorwürfen konfrontiert. Für mindestens 12 Songs bediente sich die britische Hard Rock-Band bei Melodien oder Texten vor allem schwarzer Bluesmusiker. Darunter finden sich auch so bekannte Titel wie «The Lemon Song» und «Whole Lotta Love». 36 Jahre nach der Auflösung von Led Zeppelin und 9 Jahre nach dem einmaligen Live-Comeback in London müssen Sänger Robert Plant (67) und Gitarrist Jimmy Page (72) vor Gericht erscheinen. Das Intro zum berühmtesten Zep-Song «Stairway to Heaven», den die beiden gemeinsam geschrieben haben, soll vom Song «Taurus» der kalifornischen Band Spirit geklaut worden sein. Unbestritten ist: Led Zeppelin und Spirit kannten sich von einer gemeinsamen US-Tournee in den Wintermonaten 1968/69. Der Prozess beginnt am 10. Mai.
Zum Vergleich: Taurus
Der Fall hat Schlagzeilen gemacht: Die Kinder des Sängers Marvin Gaye (†44) haben die Komponisten des Songs «Blurred Lines», Robin Thicke und Pharrell Williams, verklagt, beim Gaye-Hit «Got to Live It Up» abgekupfert zu haben. Die Jury hat das Duo schuldig gesprochen und zur Zahlung von satten 7,4 Millionen Dollar an die Familie der Soul-Legende verurteilt.
Zum Vergleich: Got to Live It Up
«Viva la Vida», veröffentlicht im Juni 2008, wurde einer der grössten Hits von Coldplay. Der US-Gitarrist Joe Satriani verklagte die Brit-Rocker, substantielle Teile seines Songs «If I Could Fly» kopiert zu haben. Die beiden Parteien einigten sich aussergerichtlich.
Zum Vergleich: If I Could Fly
Er habe nicht mehr gewusst, woher das Sample für seinen Hit «Rosalie» stamme, entschuldigte der Schweizer Bligg 2008 den Melodie-Klau beim Appenzeller Volksmusiker Walter Alder sen. In der Tat klingt «Rosalie» genau wie die Appenzeller Polka «Im alte Fahrwasser». Nach einem klärenden Gespräch wird der Appenzeller Volksmusiker jetzt als Co-Autor aufgeführt und verdient mit am Hit.
Inspiration oder Plagiat? Diese Frage müssen sich auch die Berner Mundartrocker Rumpelstilz gefallen lassen, die 1976 mit «Kiosk» ihren grössten Hit hatten. Der Song klingt verdächtig nach «Dixie Chicken» von Little Feat, einer R&B/Funk-Band aus New Orleans. Allerdings kam es nie zu einer Copyright-Klage. Vermutlich hatte man in der fernen Südstaaten-Metropole nie etwas von den Rockern aus Interlaken gehört.
Zum Vergleich: Dixie Chicken
Nach der Trennung der Beatles im April 1970 gelang George Harrison wenige Monate später ein Riesenhit mit «My Sweet Lord». Dumm nur: Melodie und Hook-Line waren geklaut vom Lied «He's So Fine», mit dem die US-Girl Group The Chiffons 1963 in den USA einen Nummer-1-Hit gelandet hatten. Nach einem jahrelangen Prozess-Hickhack einigten sich die beiden Parteien auf einen Schadenersatz von knapp 1,6 Millionen US-Dollar.
Zum Vergleich: He's So Fine
Mit «Surfin' U.S.A.» landeten die Beach Boys 1963 ihren ersten Hit. Keyboarder Brian Wilson schrieb einen neuen Text zu «Sweet Little Sixteen», fand es aber nicht nötig, Chuck Berry als Komponisten anzugeben. Erst 30 Jahre und zahlreiche Gerichtsprozesse später wurde der Credit auf Brian Wilson/Chuck Berry korrigiert.
Zum Vergleich: Sweet Little Sixteen
2008 beendete das Landgericht München einen jahrelangen Rechtsstreit um das legendäre Gitarrensolo aus Gary Moores «Still got the Blues». Urteil: geklaut. Der deutsche Jürgen Winter schrieb sein Solo 1974 für das Lied «Nordrach» ganze 16 Jahre vor der Veröffentlichung von Moores Welthit. Obwohl «Nordrach» erst 1999 auf einem Tonträger veröffentlicht worden war, ging das Gericht davon aus, dass der Nordire das prägnante Solo bei einem der zahlreichen Konzerte von Jud's Gallery in Deutschland gehört haben könnte. Gary Moore legte Berufung ein, schloss 2009 einen Vergleich mit der deutschen Krautrock-Band und behielt nach Zahlung einer Summe in unbekannter Höhe die Rechte an «Still got the Blues».
Erst mit der Zweitveröffentlichung im Jahr 1993 landeten Radiohead mit «Creep» ihren ersten grossen Single-Hit. Harmoniefolge und Melodieführung waren dem Song «The Air That I Breathe» von Albert Hammond und Mike Hazlewood so ähnlich, dass ein englisches Gericht den Plagiatsvorwurf guthiess. Die beiden englischen Songwriter werden seitdem als Co-Autoren aufgeführt.
Zum Vergleich: The Air That I Breathe in einer Coverversion der Hollies
Im August 2014 urteilte ein Gericht in New York, dass die spanische Version von Shakiras Hit «Loca» ein Plagiat ist. Die kolumbianische Sängerin hat vom Song «Loca con su Tiguer» des dominikanischen Songwriters Ramon «Arias» Vasquez abgekupfert. Über einen fälligen Schadenersatz haben sich die zuständigen Parteien noch nicht geeinigt.