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Etrit Hasler ist für ein besseres Schiedsrichterwesen.
Noch ist es nicht die grosse Geschichte der Saison, aber die Nachricht, die am Sonntagabend verbreitet wurde, hat mehr Potenzial, den Wettbewerb im Schweizer Sport zu verzerren, als wenn die ganze NHL sich entscheiden würde, für die SCL Tigers zu spielen. Vier der zwölf aktiven Schiedsrichter in der obersten Schweizer Fussballliga haben sich entschieden, am Ende der Saison aufzuhören. Das Problem ist altbekannt – in den Zeiten der HD-digital-rundherum-TV-Bilder sieht jeder zu Hause besser, was auf dem Platz geschieht, als die Schiedsrichter selbst. Und in den parallel dazu angebrochenen Zeiten des Web 2.0, in denen Arschlöcher und Meinungen frei sind, unzensiert im Internet zu kursieren, bleibt kein Fehlentscheid unentdeckt und unkommentiert – und die Schiedsrichter fühlen sich zunehmend «wie ein Baum, an den jeder hinpinkeln darf», wie es einer der Zurücktretenden treffend formulierte.
Wer in den letzten Wochen einen Blick über den Atlantik geworfen hat, weiss, was gute SchiedsrichterInnen wert sind. Ein schwelender Arbeitskonflikt hatte dazu geführt, dass die Unparteiischen der amerikanischen Football-Liga NFL während der ersten drei Runden durch Amateure ersetzt wurden – mit desaströsen Resultaten: unendliche Spielverzögerungen, Fehlentscheide und zuletzt gar die Forderung, die Resultate ebendieser drei Runden schlichtweg für die laufende Meisterschaft zu ignorieren. Damit es in der Schweiz nicht zu einer solchen Situation kommen kann, müssen die Arbeitsbedingungen der Schiedsrichter verbessert werden. Meine drei Vorschläge dazu:
1. Die Hauptschiedsrichter müssen wieder als ultimative Autorität auf dem Platz angesehen werden. Als einfachste Massnahme dazu schlage ich vor, die altbewährten Karten durch Paintballpistolen zu ersetzen – eine mit gelber Munition, eine mit roter. Nichts verwarnt einen Spieler so eindrücklich und nachhaltig wie das sanfte Ziehen, nachdem er von einem Schiedsrichter einen gelben Paintballfleck auf die Stirn verpasst bekommen hat. Passend dazu schlage ich vor, die komischen gelben Tenues der Schiedsrichter mit schwarzen Mänteln zu ergänzen. Nicht nur würde das visuell das Bild eines pistolenschwingenden Schiedsrichters perfekt komplettieren, schwarze Mäntel sehen auch einfach verdammt cool aus.
2. Dem «Blick» müsste per sofort verboten werden, auch nur ein böses Wort über die Schiedsrichter zu verlieren. Das wäre sicherlich in einer winzigen Nebenklausel des Vermarktungsvertrags zwischen Infront Ringier und der Liga, der seit Sommer 2012 läuft, regelbar – in der PR-Sprache heisst das dann «negative crossmedia prevention strategy». Zwar würden so amüsante Kampagnen wie «Wird Basel bevorzugt?» oder «Unsere liebsten Tomaten-Schiris» in Zukunft wieder durch Geschichten über «Güsel-Kosovaren» oder vielleicht bald «Interna aus dem Internierungslager» ersetzt – zumindest für den Sport dürfte sich das aber lohnen. Wenn sie dem entgegenhalten möchten, dass dies der Unabhängigkeit der Berichterstattung widerspreche, möchte ich Sie bitten, das Thema mit Walter de Gregorio auszudiskutieren – dem ehemaligen Sportchef des «Blicks», der heute als Sepp Blatters Pressesprecher arbeitet.
3. Schafft die Linienrichter ab. Sofort. Die armen Hampelmänner mit ihren Seemannsfähnchen braucht es in der heutigen Zeit einfach nicht mehr, sie wären mit grösster Leichtigkeit zu ersetzen durch sage und schreibe EINE Person, die als unabhängiger Beobachter im Fernsehübertragungswagen sitzt und bei schwierigen Entscheidungen per Funk dem Schiri auf dem Platz helfen könnte. Das würde locker Gelder freimachen, um die Schiedsrichter in Zukunft anständig bezahlen zu können – und wahrscheinlich sogar noch reichen, um alle Schiedsrichter in Zukunft auf Pferden ins Stadion einreiten zu lassen und dabei «I’m a Poor Lonesome Schiri» zu pfeifen. Was auch einfach verdammt cool aussehen würde. Insbesondere, wenn sie dabei schwarze Mäntel tragen.
Etrit Hasler soll dereinst als Schiedsrichter aufgeboten werden, wenn die WOZ-Auswahl das nächste Mal ein Fussballspiel austrägt. Den schwarzen Mantel hat er schon, für die Paintballpistolen und das Pferd ist er noch auf Spenden angewiesen.