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Sicherheitsventile bei Dampfkesseln, unentbehrlich. Sie münden in bestehende Wasserläufe und sind beim Eintritt in dieselben durch hängende Klappen geschlossen, welche sich erst öffnen, wenn das Wasser im Innern der Kanäle höher steht als im Fluß. Niemals empfiehlt es sich, natürliche Wasserläufe in unterirdische Abzugskanäle hineinzuleiten oder gar in solche zu verwandeln, da sie stets für den größten Wasserzufluß eingerichtet werden müßten und, abgesehen von den zu hohen Kosten, bei kleinerm Wasser ihren Zweck als Spülkanäle verfehlen würden. Dagegen sind solche Wasserläufe zur Hergabe von Spülwasser mit großem Vorteil zu benutzen.
Die unterirdischen Abzüge sollen möglichst wasserdicht sein und werden in der Regel unter den städtischen Straßen angelegt. Sie müssen tiefer liegen als die Kellersohlen, um auch die Keller entwässern zu können und dieselben vor dem Rückstauen zu bewahren. Nicht gern legt man die Kanäle deshalb weniger als 3 m tief unter das Straßenpflaster. Bei dieser Tiefe erhalten sie außerdem die nötige frostfreie Lage. Neben den Kanälen zieht das Grundwasser, [* 2] indem es dem Gefälle derselben folgt, nach den tiefsten Stellen, von wo es weiter durch den Untergrund sickert und endlich in den natürlichen Wasserläufen abfließt. So dienen die Kanäle zugleich zu einer höchst wohlthätigen Drainierung des Untergrundes.
Indem sie das Grundwasser bis fast auf den Wasserspiegel der Flüsse [* 3] senken und gleichmäßig auf diesem Stand erhalten, machen sie den Boden der Stadt gesünder und feuchte Keller trocken. In undurchlässigem Boden befördert man die Drainierung, indem man die Kanäle von außen mit einer Kiesschüttung umgibt oder auch Drainröhren neben ihnen einlegt. Die größern Kanäle, in welchen die kleinern sich vereinigen, werden gewöhnlich aus guten, glatten Klinkern in Zement ausgeführt; auch hat man sie unter Umständen mit Vorteil aus Beton angefertigt.
Sie erhalten im Querschnitt die Form eines auf die Spitze gestellten Eies, damit zu Zeiten geringen Zuflusses das Wasser in der unten nur schmalen Sohle möglichst zusammengehalten wird, um Sinkstoffe leichter mit sich fortspülen zu können. Die kleinern Abzüge unter 0,5 m Weite bestehen am besten aus glasierten Steingutröhren. Die Verbindung erfolgt durch Muffen, welche mit fettem Töpferthon gedichtet werden. Die kleinsten Straßenröhren sollen nicht unter 24 cm lichte Weite haben. In breiten Straßen legt man mit Vorteil für jede Häuserreihe ein besonderes Rohr an. Das Längengefälle der Kanäle und Röhren [* 4] muß oft auf das geringste Maß beschränkt werden, da wenigstens die untern Teile der Städte meistens in flachem Terrain liegen, so daß die Straßen sich nicht weit von der wagerechten Lage entfernen.
Damit nun die in die Kanäle gelangenden Unreinigkeiten sich hier nicht ablagern, sondern mit dem Wasser fortgespült werden, gibt man den größern Kanälen gern ein Gefälle von nicht weniger als 1 m auf 2000 m Länge. Ist man gezwungen, geringere Gefälle bis 1 auf 3000 anzuwenden, so legt man von Strecke zu Strecke Spülthüren an, welche das Wasser etwa 1 m hoch aufstauen, um dann beim plötzlichen Öffnen der Thüren die unterhalb gelegene Strecke durch die verstärkte Strömung rein zu spülen.
Den Röhren gibt man gern ein Gefälle von nicht unter 1 auf 300 und von mindestens 1 auf 400. Die einzelnen Röhrenstrecken legt man sowohl im Grundriß, als der Höhe nach gern in geraden Linien an, so daß man hindurchsehen kann, wenn am andern Ende mit einer Lampe [* 5] hineingeleuchtet wird. An jedem Brechpunkt wird ein Einsteigebrunnen angeordnet, aus welchem man die Reinheit der Röhren überwachen kann. Diese Brunnen [* 6] vermitteln zugleich die notwendige Ventilation in den Abzügen, damit die darin enthaltene Luft entweichen kann, wenn die Abzüge mit Wasser gefüllt werden. Setzt man die aus einem solchen Brunnen abführende Röhre mit einer Klappe zu, so kann man das Wasser im Brunnen anstauen, um es durch Fortnahme der Klappe mit vermehrter Geschwindigkeit zum Reinspülen der Röhre zu verwenden. An den obern sogen. toten Enden der Röhren hat man Vorkehrung zu treffen, den Brunnen zuweilen mit besonderm Spülwasser, sei es aus der Wasserleitung [* 7] oder aus einem nahen Wasserlauf, zu füllen.
Von den Straßen gelangt das Regenwasser durch Rinnsteinabzüge (engl. gullies) in die Kanäle und Röhren. Dieselben bestehen aus einem in der Erde aufgeführten Behälter zum Auffangen der schweren Sinkstoffe, als Sand, Dachsteinstücke u. dgl. Das aus dem obern Teil dieses Behälters nach dem Straßenabzug führende Rohr erhält einen später näher zu beschreibenden Wasserverschluß, um üble Dünste von der Straße abzuhalten. Das in den Häusern gebrauchte Küchen-, Wasch- und Badewasser wird durch ein 16 cm weites senkrechtes Rohr, am besten aus Gußeisen, welches durch alle Stockwerke führt und über dem Dach [* 8] des Hauses in die freie Luft mündet, hinabgegossen.
Unten, am besten unter der Kellersohle, schließt sich ein zweites Rohr an, welches aus Steingut bestehen kann und mit einem Gefälle von 1 auf 50 in den Straßenabzug führt. In den Straßenabzug mündet es durch einen gekrümmten Ansatz in schräger Richtung ein und zwar nach derjenigen Seite gebogen, nach welcher der Straßenabzug fließt, damit die regelmäßige Strömung nicht durch das seitwärts zufließende Wasser eine Störung erleidet. In den Häusern befinden sich in jedem Stockwerk die erforderlichen Ausgüsse für das gebrauchte Wasser.
Damit die Luft aus den Kanälen durch diese Ausgüsse nicht in das Innere der Häuser gelangen kann, ist an einer jeden solchen Stelle ein Wasserverschluß anzubringen. Es ist dieses ein nach Art eines umgekehrten Hebers nach unten und wieder hinaufgebogenes Rohr, dessen beide Schenkel durch das im untern Teil des Hebers zurückbleibende Wasser luftdicht abgesperrt werden. Damit beim Ausgießen von Wasser die Luft im Fallrohr nicht zusammengepreßt oder nach Umständen auch verdünnt werden kann, wo sie dann in beiden Fällen die Wasserverschlüsse zeitweise leeren und dadurch unwirksam machen würde, ist die oben bereits angedeutete freie Kommunikation des Fallrohrs mit der äußern Luft durchaus notwendig.
Mit dem gebrauchten Hauswasser wird trotz aller polizeilichen Verbote unter allen Umständen eine große Menge Urin fortgegossen, und dieser ist unter allen verunreinigenden Stoffen bei weitem der schlimmste. Man entledigt sich seit längerer Zeit auch gern der viel weniger schädlichen festen Abtrittsstoffe, indem man sie in sogen. Wasserklosetten, fein zerteilt und mit vielem Wasser verdünnt, ebenfalls durch die städtischen Abzüge fortschwemmt. In allen Fällen, in denen über den endlichen Verbleib der städtischen Abflüsse richtig disponiert ist, hat sich diese Methode, die Fäkalstoffe aus den Städten zu entfernen, nicht nur als die wohlfeilste, sondern auch als die in jeder Beziehung vorteilhafteste bewährt. Diese sonst sehr schwer zu behandelnden Stoffe verschwinden im Augenblick ihres Entstehens aus dem Bereich des Hauses ¶
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und längstens in wenigen Stunden aus dem Bereich der Stadt, bevor sie Zeit haben, in Fäulnis überzugehen und die Luft und den Untergrund zu verderben. Die Reinlichkeit, Gesundheit und Behaglichkeit der Wohnungen werden hierdurch in hohem Maß vermehrt.
Der endliche Verbleib der aus den Städten abgeleiteten unreinen Abflüsse hat aber lange Zeit hindurch die größten Schwierigkeiten gemacht. Man pflegte diese Abflüsse früher in größere oder kleinere natürliche Wasserläufe zu leiten, erzeugte aber dadurch sowohl für die Anwohner solcher Flüsse als auch für das Leben der Fische [* 10] in denselben erhebliche Unzuträglichkeiten; auch lehnte die Landwirtschaft sich gegen diese Verschwendung der in diesen Abflüssen enthaltenen Dungstoffe auf.
Diese Übelstände lassen sich sämtlich vermeiden, seitdem man entdeckt hat, daß Felder, welche man mit diesem Wasser überrieselt, die darin enthaltenen Unreinigkeiten, die zugleich Dungstoffe sind, nicht allein unschädlich machen, sondern sie zugleich in wertvolle Feld- und Gartenfrüchte verwandeln. Die Unreinigkeiten als solche verschwinden durch den Pflanzenwuchs gänzlich, und die Felder werden nach jeder Ernte [* 11] von neuem fähig, diesen Reinigungs- und Verwandlungsprozeß zu wiederholen.
Schwierig bleibt in der Regel die Beschaffung hierzu geeigneter Felder. Da ferner die Städte meistens an Flüssen und daher selten hoch genug liegen, um das Wasser durch natürliches Gefälle bis zu den Rieselfeldern hinfließen zu lassen, so bleibt häufig nur das kostspieligere Mittel übrig, es durch Maschinenkraft nach den Verwendungsstellen zu pumpen. In solchen Fällen decken die erzielten Feldfrüchte nicht immer die aufzuwendenden Kosten; stets aber tragen sie dazu bei, diese Kosten erheblich zu verringern. In Städten, welche an beiden Ufern eines oder mehrerer Flüsse liegen, kommt es, namentlich um mehrere Pumpstationen zu ersparen, häufig vor, daß die Flüsse von den Abzugskanälen gekreuzt werden müssen. In solchen Fällen wird der Abzugskanal am Ufer des Flusses in einen brunnenartigen Sandfang, der mit einem Regenauslaß versehen ist, geleitet.
Aus diesem Sandfang wird ein aus Kesselblech genietetes eisernes Rohr abgeleitet, welches sich bis unter das Bett [* 12] des Flusses senkt und dann wagerecht bis zu einem ähnlichen brunnenartigen Sandfang auf dem entgegengesetzten Ufer führt. In diesem steigt das Wasser wieder aufwärts, um weiter, in der Regel nach den Pumpstationen, zu fließen. Zwischen der Einmündung des absteigenden Rohrs und der Ausmündung aus dem zweiten Sandfang wird so viel Gefälle angeordnet, daß in dem Rohr selbst eine lebhafte Strömung unterhalten werden kann. Diese Anordnung, welche mit dem Namen Dücker bezeichnet wird, hat sich in vielen Fällen bei jahrelangem Gebrauch vollständig bewährt, ohne daß jemals eine Verstopfung der Dückerrohre vorgekommen wäre. Die Pumpstation enthält mehrere durch Dampfmaschinen [* 13] getriebene Druckpumpen, welche das Wasser durch unterirdische gußeiserne Röhren nach dem in der Regel höher gelegenen Rieselterrain hinausdrücken.
Die Rieselfelder müssen durchlässigen Boden enthalten oder etwa 2 m tief gehörig drainiert werden. Sie werden meistens nach Art der bekannten Rieselwiesen eingeebnet, dergestalt, daß das düngende Wasser periodisch in einer dünnen Schicht über die Oberfläche der Felder rieselt, so daß es, ohne die darauf wachsenden Pflanzen zu verunreinigen, zu den Wurzeln derselben gelangt. Flächen, die mit Gras besäet werden, liefern jährlich 5-6 Schnitt; aber auch alle Arten von Gemüsen, Ölfrüchte und selbst Tabak [* 14] geben einen vorzüglichen Ertrag. Die früher gehegte Befürchtung, daß die Umgebungen der Rieselfelder ungesund sein möchten, hat sich durch jahrelange Erfahrungen als unbegründet erwiesen.
Um die Kosten der Kanalisation einer Stadt annähernd vorher zu schätzen, wird man nicht gar zu weit fehlgreifen, wenn man durchschnittlich auf jeden Einwohner 20 Mk. rechnet. Im Sinn der öffentlichen Gesundheitspflege sind Wasserleitung, Kanalisation und Rieselfelder zusammengehörige Teile desjenigen Systems, welches mit dem Namen Kanalisation bezeichnet zu werden pflegt. Bis jetzt ist auf dem europäischen Kontinent Danzig [* 15] die einzige Stadt, welche dieses System in seiner Reinheit ausgeführt und in gesundheitlicher Beziehung ausgezeichnete Resultate erreicht hat.
Die Entwässerungsanlage hatte hier in vieler Beziehung sehr schwierige örtliche Verhältnisse zu überwinden und ist daher für den Techniker instruktiv. Die Ausbildung einer systematischen Kanalisation von Städten haben wir fast ausschließlich England zu verdanken. Hier trat das Bedürfnis, die Städte mit Wasserleitung zu versehen, schon früher hervor als bei uns, und eine natürliche Folge davon war die notwendige Ableitung des gebrauchten Wassers. Fast jede gut verwaltete Stadt in England ist wie mit Gas, so auch mit Wasserleitung und Kanalisation versehen.
Bei den letztern Anlagen stellte es sich jedoch bald als ein großer Fehler heraus, daß der schmutzige Inhalt der Kanäle in die nächsten Wasserläufe geleitet war und diese in bedenklicher Weise verunreinigte. London [* 16] war schon früh mit einem Netz, aber nicht mit einem System von Abzugskanälen versehen, und die Verunreinigung der Themse wurde zuletzt unerträglich. Infolge einer Konkurrenz gingen mehr als 100 Entwürfe zur Verbesserung dieses Zustand es ein. Der 1859-75 mit einem Aufwand von 4½ Mill. Pfd. Sterl. zur Ausführung gelangte Entwurf wurde von dem Ingenieur Bazalgette bearbeitet.
Nach diesem Entwurf werden die Abflüsse am untern Ende der Stadt in große, hoch gelegene Behälter gepumpt, aus welchen sie bei Hochwasser in die Themse fließen und durch den ausgehenden Ebbestrom in das Meer geführt werden, ohne in den Bereich der Stadt zurückzugelangen. Eine Verwertung der Dungstoffe aus diesen Abflüssen durch Berieselung befindet sich noch im Stadium der Versuche. Die Reinigung der Abflüsse ist hier noch nicht in Angriff genommen. Unter den übrigen Städten, welchen die Verunreinigung der Flüsse gesetzlich untersagt wurde, hat die Villenstadt Croydon bei London zuerst die Berieselung von Feldern in Anwendung gebracht, um die unreinen Abflüsse so weit zu reinigen, daß sie unbedenklich selbst in kleinere Flüsse geleitet werden können.
Vorher wußte man nur, daß die Rieselwiesen von Craigentinny, welche von einem Teil der Abflüsse Edinburgs bewässert wurden, einen auffallend reichlichen Ertrag lieferten. Dem Zivilingenieur Baldwin Latham verdankt Croydon seine den Reinigungszweck vollkommen erfüllenden und zugleich sehr gut rentierenden Rieselanlagen. Derselbe hat auch für Danzig die Details der Entwässerungsanlagen nach seinen neuesten Erfahrungen bearbeitet. Sein Werk »Sanitary engineering« (Lond. 1873) enthält die bis jetzt vollständigste Anweisung zur Kanalisierung mit Einschluß der Hausentwässerungen. Auch die Details der Danziger Anlagen sind hier ausführlich mitgeteilt. Später sind seitens der englischen Regierung über die Reinhaltung der Flüsse ausgedehnte ¶