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Kolumbiens grösster Páramo: durch Tourismus und Erdölförderung bedroht
Von Stephan Suhner
Der grösste Páramo Kolumbiens, der Sumapaz, liegt nur etwa eine Autostunde von Bogotá entfernt. Aber noch vor wenigen Jahren kam kaum einE EinwohnerIn von Bogotá auf die Idee, am Wochenende in den Sumapaz zu fahren, da die Region wegen des internen bewaffneten Konflikts als gefährlich galt. Mit dem Friedensabkommen zwischen der Regierung und den FARC hat sich dies geändert, täglich fahren Busse voll mit Touristen in den Páramo, bis zu 1500 Personen pro Tag. Dieser touristische Boom könnte als einer der Vorteile des Konfliktendes gesehen werden, doch entstehen auch neue Probleme. So gibt es noch kaum touristische Infrastruktur, und die meisten Touristen haben kein Umweltbewusstsein und richten grossen Schaden an. So lassen sie den Abfall überall liegen, jagen und fischen ohne Erlaubnis, betreten und befahren die sensible Vegetation und reissen sogar Frailejones aus.
Die fehlenden Kontrollen und die Probleme mit den Besuchermassen führten zu Konflikten mit den lokalen Campesinos. Die Lokalen Einwohnerräte (Juntas de Acción Comunal) blockierten wiederholt die Zugangsstrassen, um die Touristen fern zu halten. Das ist aber illegal, da es keine Rechtsgrundlage gibt, die im Sumapaz Tourismusgebiete und Schutzgebiete definiert. Am 15. Juli 2017 soll die Ausdehnung des Páramo Sumapaz definiert werden. Die Bauern wollen aber weiter Strassen blockieren, und die Umweltbehörde setzt Personen ein, die die Touristen auf die Umweltproblematik sensibilisieren.[1]
Die andere Bedrohung des Páramo Sumapaz liegt in der Erdölförderung. 2011 hat die nationale Erdölagentur ANH zwei grosse Blöcke mit zusammen 113‘000 Hektaren vergeben, die ganz Arbeláez und Pasca und grosse Teile der Stadt Fusagasugá bedecken. Ein Block wurde Alange Energy zugeschlagen. Dieses Unternehmen hat nach umfassenden seismischen Untersuchungen den Block jedoch zurückgegeben, wegen den enttäuschenden geologischen Resultaten und wegen der Schwierigkeit, in der Region arbeiten zu können. Probleme bestehen wegen dem Widerstand der Bevölkerung und wegen Umweltbedenken. Die Förderung wäre so sehr aufwändig und damit nicht lohnend gewesen. Der zweite Block gehört Canacol und ist momentan wegen dem Widerstand der Bevölkerung und der Opposition verschiedener Gemeinschaften suspendiert. Anfang Juli 2017 sagte die Gemeinde Arbeláez in einer Volksbefragung (Consulta Popular) sehr deutlich nein zur Erdölförderung, und in Pasca könnte bald dasselbe passieren. Die für den 6. August 2017 geplante Abstimmung in Pasca wurde jedoch suspendiert, da die Vereinigung der Kolumbianischen Erdölingenieure ACIPET eine Klage beim Staatsrat gegen die Volksbefragung eingereicht hat[2].
Der Bürgermeister von Pasca unterstützt die Volksbefragung, weil die geplante Erdölförderung auch den Páramo betreffe. Es gelte die Wasserquellen zu schützen, die auch für die neun Millionen Einwohner Bogotas wichtig seien. Es könne nicht sein, dass Bürokraten an einem Schreibtisch einfach Quadrate auf Landkarten an Unternehmen vergeben, ohne sich darum zu kümmern, was es dort gebe[3]. Die lokale Bevölkerung boykottierte die Versuche des Unternehmens, eine soziale Lizenz durch Annäherung an die Bevölkerung zu gewinnen. Das Unternehmen konnte kaum seismische Untersuchungen durchführen. Die vielen kleinen Bauernhöfe von jeweils weniger als 20 Hektaren würden sehr langwierige Verhandlungen mit vielen Personen zur Folge haben, um die notwendige Infrastruktur aufbauen zu können. Viele Familien wären betroffen und es würde wahrscheinlich zu vielen Umsiedlungen kommen. Nebst dem ökologisch wichtigen Páramo ist es auch ein landwirtschaftlich wichtiges Gebiet, das unter anderen Bogotá mit Zwiebeln, Kartoffeln und anderem Gemüse versorgt, was auch zu Konflikten um die Wassernutzung und befürchtete Wasserverschmutzung führen würde. Die Kolumbianische Erdölvereinigung ACP ist zwar der Ansicht, dass eine gut gemanagte und kontrollierte Erdölförderung mit der Landwirtschaft koexistieren könne, die Bevölkerung ist aber grossmehrheitlich gegen die Erdölförderung.[4]
Am 14. Juli 2017 wurde tatsächlich die Verfügung unterzeichnet, mit der der Páramo Sumapaz abgegrenzt wird. Er umfasst nun 311‘000 Hektaren und ist damit grösser als die Fläche des bisherigen Nationalparks. Diese Abgrenzung soll es nun ermöglichen, den Tourismus, andere wirtschaftliche Aktivitäten sowie den Umweltschutz besser aufeinander abzustimmen und die Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden zu verbessern. Ziel ist es, das Ökosystem zu schützen, das die Wasserversorgung von bis zu 30 Millionen Menschen sichert, aber gleichzeitig auch der Bevölkerung, die traditionell im Páramo lebt, ein würdiges Auskommen zu ermöglichen. Der Umweltminister Murillo und die regionale Umweltgebietskörperschaft versprachen etwas vollmundig, mit den acht strategischen Achsen des Projektes SumaPAZ ein Modell des Friedensaufbaus im Postkonflikt zu verwirklichen[5]. Bleibt zu hoffen, dass damit nun der Sumapaz tatsächlich vor weiterem Bergbau, unkontrollierten Besucherströmen und Übernutzung geschützt werden kann.
[1] Semana, El Sumapaz sufre por el turismo desaforado, 4. Juli 2017, in: http://sostenibilidad.semana.com/medio-ambiente/articulo/turismo-en-el-paramo-de-sumapaz-esta-descontrolado-y-afecta-el-medioambiente/38142
[2] Contagio Radio, Con una marcha Festival en Pasca dicen “la consulta popular si va”, 6. August 2017, in: http://www.contagioradio.com/pasca-consulta-petrolera-articulo-44787/
[3] Semana, “El petróleo amenaza el páramo, el agua y la seguridad alimentaria”, 24. Mai 2017, in: http://sostenibilidad.semana.com/medio-ambiente/articulo/alcalde-de-pasca-petroleo-amenaza-paramo-agua-y-seguridad-alimentaria/37894
[4] Semana, El peligro de querer extraer petróleo en el Sumapaz, 10. Juli 2017, http://sostenibilidad.semana.com/medio-ambiente/articulo/sumapaz-y-las-peligrosas-intenciones-de-sacar-petroleo-en-este-paramo/38176
[5] Caracol Radio, Firmaron la delimitación del Páramo de Sumapaz, 14. Juli 2017, in: http://caracol.com.co/radio/2017/07/14/nacional/1500066274_870722.html