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Mercedes 300 SL – aus dem Besitz von Fangio!
Diesen Mercedes 300 SL erhielt der legendäre Juan Manuel Fangio zu seinem 47. Geburtstag geschenkt. Jetzt wird er versteigert.
Die Liebe, die Juan Manuel Fangio unter den Rennsport-Fans geniesst, ist fast unendlich. Fangio, gern liebevoll «El Maestro» genannt, gilt nicht nur als einer der grössten Fahrer aller Zeiten, sondern auch als einer der charismatischsten. Der Argentinier dominierte die Formel-1-Rennen seiner Zeit und holte in den 1950er Jahren fünf Fahrerweltmeistertitel - zwei davon für Mercedes-Benz, wo er 1954 und 1955 am Steuer des unvergleichlichen W196 zwei aufeinander folgende Titel schaffte. Fangios Bedeutung ist auch nach seinem Tod vor über 25 Jahren ungebrochen.
Mercedes-Verkäufer
In einem goldenen Zeitalter des Motorsports pilotierte der Argentinier einige der wichtigsten Rennwagen aller Zeiten, nicht nur den bereits erwähnten W196, sondern auch den Maserati 250F und den Lancia-Ferrari D50A, mit denen er ebenfalls Titel gewann. In mancher Hinsicht hat dieser Mercedes-Benz 300 SL, den wir hier zeigen und der von RM Sotheby’s versteigert wird, den gleichen historischen Stellenwert wie alle Rennwagen, mit denen El Maestro sein Vermächtnis begründete. Denn es war dieser Benz, den er bis zu seinem Ruhestand schätzte und häufig bewegte.
Dazu muss man wissen: Fangios erfolgreiche Geschäftskarriere wird zwar zu Recht von seinen aussergewöhnlichen Leistungen im Motorsport überschattet, aber bevor er sich 1948 zu seinem ersten Grand Prix nach Europa wagte, hatte er sich bereits von einem talentierten Automechaniker zu einem prominenten Autohändler mit GM-Konzession hochgearbeitet. 1951 erkannte er den Aufschwung von Mercedes-Benz in der Nachkriegszeit und wurde offizieller Händler in Buenos Aires. Mit dem Verkauf von 170 «Gasoleros» an Taxifahrer in der ganzen Hauptstadt verdiente er ein kleines Vermögen.
Die Verbindung zu Mercedes
Dieser Mercedes-Benz 300 SL Roadster, der Fangio 1958 von Mercedes-Benz geschenkt wurde, gilt als eines der Lieblingsautos des Argentiniers. Die Beliebtheit des Fahrers beim deutschen Automobilhersteller und Rennstall war so gross, dass er das Geschenk zwei Jahre nach seinem Wechsel von Daimler zum Rivalen Scuderia Ferrari erhielt. Die Verbindung, die Fangio zu Mercedes-Benz geknüpft hatte, blieb bestehen, und der 300 SL Roadster wurde rechtzeitig zu seinem 47. Geburtstag ausgeliefert. Er wurde im Hotel Dorchester in London in Empfang genommen. Kurz darauf zog sich Fangio aus der Formel 1 zurück und beendete seine Karriere, in der er 24 Siege bei 52 Grand-Prix-Starts errang, was einer Siegquote von 46,15 Prozent entspricht - eine Leistung, die nie übertroffen wurde. Darüber hinaus gewann Fangio mit Mercedes-Benz zwei Drittel der Grand Prix, an denen er teilnahm, und spielte eine wichtige Rolle bei den Siegen des Unternehmens in der Sportwagen-Weltmeisterschaft.
Der 300 SL Roadster in hellblau-metallic mit cremefarbenem Lederinterieur wurde sofort zum Liebling von Fangio. El Maestro ist bei vielen Gelegenheiten hinter dem Steuer des Wagens mit geschlossenem Dach zu sehen. In den Jahren, in denen der 300 SL in Fangios persönlichem Besitz war, war er dafür bekannt, dass er den Fahrer um die ganze Welt begleitete. Es wird vermutet, dass fast alle der 72’951 km, die derzeit auf dem Kilometerzähler stehen, von Fangio selbst zurückgelegt wurden. Er nahm den Wagen in England in Empfang und begab sich mit seiner Freundin Andrea Berruet auf dem Beifahrersitz auf eine Fahrt durch Europa, um seine neue Rolle als Botschafter für Mercedes-Benz zu spielen. Eine der denkwürdigsten Aufnahmen von Fangio ist ein «Onboard», das zeigt, wie er einen Maserati 250F in beängstigenden Winkeln um das Autodrom von Modena driftet; es ist mehr als passend, dass Fangio gleich zu Beginn des Films mit eben diesem 300 SL neben seinem 250F herfährt.
Mit Miss World
Danach arbeitete Fangio mit hochrangigen Vertretern der deutschen Marke zusammen, um den Marktanteil von Mercedes-Benz in der südamerikanischen Heimat des Fahrers auszubauen. Der 300 SL Roadster wurde von Europa nach Argentinien exportiert - kurioserweise wurde er bei der Überführung als «Trophäe» deklariert, um die Steuern für die Einfuhr von Automobilen in das Land zu umgehen. Erstmals im März 1960 in Argentinien zugelassen, wurde die Pflege dieses speziellen 300 SL einem Mechaniker anvertraut, den Fangio 1963 ins Mercedes-Benz Werk nach Stuttgart schickte, damit dieser dort alles lernte, was für die Wartung des Sportwagens notwendig war. Von den frühen 1960er Jahren an setzte Fangio den Roadster in den folgenden zwei Jahrzehnten ausgiebig ein. Als das deutsche Unternehmen sein Händlernetz in Südamerika ausbaute und neue Mercedes-Benz Showrooms eröffnete, war Fangio dafür bekannt, dass er zwischen den Terminen in seinem geliebten 300 SL reiste. Als Nationalheld fungierte der Rennfahrer auch als Repräsentant des staatlichen argentinischen Kraftstoffanbieters YPF und kam mit dem Auto zur Eröffnung neuer Tankstellen. Passenderweise benannte YPF später eine Produktlinie von Hochleistungskraftstoff mit dem Namen «Fangio XXI» nach dem Fahrer.
Der einfache Zugang zum Auto erwies sich als nützlich, als Fangios Landsfrau Silvana Suárez 1978 zur «Miss World» gekrönt wurde und bei ihrer erfolgreichen Rückkehr nach Argentinien auf den Rücksitzen sitzend mit Fangio am Steuer durch die Strassen fuhr. Viele der besonderen Erinnerungen an dieses Auto in Argentinien sind persönlich. Juan Manuel Fangio II, der Neffe von Fangio, erzählt: «Dieses Auto hat meine Kindheit geprägt, es ist ein Auto, das besondere Gefühle in mir geweckt hat. Dieses Auto identifizierte meinen Onkel nach seiner Pensionierung. Es nahm unter allen Fahrzeugen, die er besass, einen bevorzugten Platz ein, nicht nur wegen seiner Eigenschaften, sondern auch wegen der Bedeutung, die es hatte, weil es ein Geschenk von Mercedes-Benz war».
Aus Erstbesitz
Fangios Einsatz für Mercedes-Benz in Südamerika war letztlich erfolgreich. Während Autos mit der berühmten dreizackigen Plakette heute in der Region alltäglich sind - was letztlich seine Bemühungen rechtfertigte -, wurde Fangio 1974 Präsident von Mercedes-Benz Südamerika und 1987 zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit ernannt. Auch 26 Jahre nach seinem Tod ist Fangios Einfluss auf Mercedes-Benz durch die immerwährende Beziehung des Unternehmens etwa über seinen Landsmann Horacio Pagani noch immer offensichtlich. Im Jahr 1986, als El Maestro sich seinem Lebensabend näherte, stellte der Fahrer diesen 300 SL im Juan Manuel Fangio-Museum in seiner Heimatstadt Balcarce dauerhaft aus. Der Wagen war viele Jahre lang der Stolz der Museumssammlung und wurde neben vielen anderen bedeutenden Autos gezeigt, die Fangio in seiner Karriere fuhr.
Aber auch ohne die einzigartige Verbindung dieses 300 SL zu dem legendären Fahrer würde er als ein grossartiger Überlebenskünstler mit bemerkenswerter Originalität gelten. Chassis, Motor, Karosserie, Getriebe, Differential, Motorhaubenrahmen und Hardtop sind noch original. Am wichtigsten ist jedoch, dass die originale cremefarbene Lederausstattung mit all den Abnutzungserscheinungen, die El Maestro selbst verursacht hatte - einschliesslich der Stelle, an der sein Knie mit dem unteren Armaturenbrett kollidiert ist - noch vorhanden sind. Darüber hinaus weist das Interieur einen einzigartigen Schaltknauf auf, der von Fangio angebracht wurde, sowie einen UPPI-Aufkleber, der auf eine Vorgängerorganisation der Grand Prix Drivers' Association hinweist, deren Gründungsmitglied Fangio war. Abgesehen von der einzigartigen Geschichte und dem bemerkenswerten Zustand dieses 300 SL wird der nächste Besitzer der zweite registrierte Besitzer nach der Familie Fangio sein.
Eine besondere Versteigerung
Nach seinem langen Museumsaufenthalt ist es RM Sotheby's Private Sales eine Ehre, diesen unglaublichen 300 SL Roadster zum Verkauf anzubieten - eine exklusive und seltene Gelegenheit, diesen bedeutenden Teil der Motorsportgeschichte zu besitzen. Der Wagen ist in dem erstaunlichen Originalzustand erhalten, in dem er von Fangio dem Museum, das seinen Namen trägt, anvertraut wurde. Die Chance, ein so besonderes Auto mit einer direkten Verbindung zu einer der wahren Ikonen des Motorsports zu besitzen, ist einmalig. Im Kofferraum befindet sich sogar der gleiche cremefarbene Koffer, den Fangio auf einer seiner Fahrten durch Argentinien benutzt hätte. Mehr Informationen zur Versteigerung, die zwischen dem 21. und 25. März in St. Moritz in einem besonderen Rahmen stattfindet, finden Sie bei RM Sotheby’s.
Text/Bild: RM Sotheby’s