Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03143.jsonl.gz/903

Dezember 2020
Pestizidaltbestände sickern in Böden und Gewässer und bedrohen damit die Gesundheit der lokalen Bevölkerung in Tadschikistan. Die FSD hat gute Fortschritte bei der Bergung von verseuchtem Land in Oykama, einem der am stärksten betroffenen Dörfer, erzielt. Ausserdem führte sie eine Sensibilisierungskampagne durch, um die Bevölkerung über mögliche Gesundheitsauswirkungen zu informieren und diese letztendlich zu reduzieren. Die FSD beginnt nun mit der Säuberung weiterer Ortschaften und entwickelt parallel dazu gemeinsam mit den Vereinten Nationen Technologien zur Behandlung kontaminierter Böden.
Die erste wichtige Aktion war die Umsiedlung von vier Familien, die buchstäblich auf einem ehemaligen Lagerplatz eines Dorf lebten, in dem 2000 Tonnen Pestizide vergraben waren. Nachdem diese dringende Massnahme erledigt war, konnte die FSD die langwierige Säuberung eines Geländes in einer weiteren besonders kontaminierten Ortschaft aufnehmen: Oykamar. Dieses tadschikische Dorf ist ein ehemaliges Verteilungszentrum für Pestizide, deren bekanntestes das DDT ist, das seit den 1950er Jahren als Insektizid in der Landwirtschaft benutzt wurde. DDT wurde in grossem Umfang in der Baumwollindustrie der ehemaligen Sowjetstaaten eingesetzt. Seine Verwendung wurde jedoch bereits in den 1970er Jahren von vielen Ländern wegen seiner schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt verboten.
„Die Spuren von Pestiziden sind mit dem blossen Auge sichtbar“, sagt Salmanjoon, ein Bewohner von Oykamar. Wenn es regnet oder schneit, verfärbt sich der Boden in den kontaminierten Bereichen gelb und der Geruch ist unerträglich.“ Da eine Technologie zur effektiven Zerstörung der giftigen Pestiziden fehlt, besteht die einzige Lösung im Moment darin, den kontaminierten Boden auszugraben und an einen sicheren Ort zu bringen, weit entfernt von jeder Siedlung. So transportierten unsere Team mehr als 500 Tonnen Erde nach Vakhsh, einer isolierten Lagerstätte, die mit Hilfe der FSD saniert wurde. Anschliessend wurden Lastwagen mit sauberem Boden in das Dorf Oykamar gebracht, um den ausgehobenen Boden zu ersetzen.
Das FSD-Team wird die Sanierungsarbeiten in Oykamar fortsetzen und das gleiche Verfahren auch in anderen betroffenen Orten, einschliesslich Khujand und Kanibadam, einsetzen. Diese Arbeit wird in enger Zusammenarbeit mit dem Komitee für Umweltschutz der Republik Tadschikistan durchgeführt.
Die schädlichen Auswirkungen von persistenten organischen Schadstoffen (Persistent Organic Pollutants, POPs) auf die menschliche Gesundheit wurden von der Weltgesundheitsorganisation festgestellt: erhöhtes Krebsrisiko, Fortpflanzungsstörungen, verändertes Immun- und Hormonsystem und eine Zunahme an angeborenen Fehlbildungen. Es wird angenommen, dass mindestens 20.000 Tonnen dieser POPs heute noch in Tadschikistan vorhanden sind. Bis alle betroffenen Gebiete behandelt werden können, führt die FSD Aufklärungsveranstaltungen mit den lokalen Gemeinden durch. Ein paar einfache Massnahmen wie das Waschen von Obst und Gemüse können die Menge der aufgenommenen Pestizide reduzieren. Der Anbau bestimmter Pflanzen ist ebenfalls zu bevorzugen, da diese weniger Chemikalien aus dem Boden und dem Wasser aufnehmen. Das tadschikische Komitee für Umweltschutz und die FSD haben gemeinsam eine Broschüre herausgegeben, um die betroffene Bevölkerung bestmöglich zu informieren.
Grosse Hoffnung setzt die FSD auch in eine thermische Zerstörungstechnologie, die das Pestizid-Problem endgültig lösen könnte. In diesem Zusammenhang arbeitet die Organisation mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen zusammen. Ziel ist es, in Tadschikistan und Kirgisistan ein Pilotprojekt zur Erprobung eines superkritischen Wasseroxidationsreaktors zu starten. Damit wäre es möglich, kontaminierten Boden mit sehr hohen Temperaturen und hohem Druck zu behandeln, ohne dabei Dioxin oder andere giftige Abgase freizusetzen.