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Giovanni Giacometti (1868–1933) zählt neben Ferdinand Hodler und Cuno Amiet zu den herausragenden Neuerern der Schweizer Kunst um 1900. Stand er zu Beginn seiner Entwicklung noch unter dem Einfluss des divisionistischen Malers Giovanni Segantini, den er in den späteren 1890er-Jahren als Schüler zuweilen begleitete, so nahm Giacometti im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts vielfältige Einflüsse der postimpressionistischen Malerei (Van Gogh, Cézanne) auf und verband sie in seinem Werk. Motivisch kreist das Werk um das dörfliche Leben Giacomettis im Bergell und hinterlässt in der Darstellung des familiären Glücks mit seiner Frau Annetta und den Kindern Alberto, Diego, Ottilia und Bruno einen bleibenden Eindruck. Ebenso wichtig ist für Giacomettis gesamtes Schaffen die Darstellung der imposanten Bergeller Bergwelt und der Oberengadiner Seenlandschaft.
Die kunstwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Giacomettis Leben und Werk ist eng mit der Forschungstätigkeit von SIK-ISEA verbunden. Ende der 1990er-Jahre erschien der für die Giacometti-Forschung grundlegende Werkkatalog der Gemälde und im Anschluss daran die wissenschaftlich kommentierte, zweibändige Korrespondenz Giacomettis mit Cuno Amiet, mit der eigenen Familie, mit Freunden und Sammlern. Der Werkkatalog schöpfte aus einer bis dahin nur teilweise bekannten Quelle, dem sogenannten Registro dei quadri: Dabei handelt es sich um vier Hefte, in denen Giacometti von 1894 bis zum seinem Tod 1933 viele seiner Bilder in einem Miniaturformat mit Tusche und Farbstiften abgemalt und mit Angaben wie Werktitel, Datierung, Verkaufspreis und Sammler versehen hat. Dieses Verzeichnis gibt wertvolle Auskünfte zu heute verschollenen Bildern oder zur Provenienz der Gemälde und wurde im Werkkatalog minuziös ausgewertet. Im Jahre 2007 hat Bruno Giacometti, der jüngste Sohn Giovannis, diese Registerbücher aus dem Besitz der Familie dem Nachlassarchiv von SIK-ISEA geschenkt und so die Sammlung von Dokumenten herausragender Schweizer Kunstschaffender nachhaltig bereichert.
2015 hat SIK-ISEA ein Faksimile des „Quaderno no 1“ publiziert und sämtliche Registerbücher online bereitgestellt: www.giovanni-giacometti.ch
Signatur
SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 269
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Einführungstext und Auswahl Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 7.8.2009