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Magenblutungen bei kleinen Acetylsalicylsäure-Dosen
- f -- Kelly JP, Kaufman DW, Jurgelon JM et al. Risk of aspirin-associated major upper-gastrointestinal bleeding with enteric-coated or buffered product. Lancet 1996 (23. November); 348: 1413-6
- Kommentiert von:
- infomed screen Jahrgang 1 (1997)
, Nummer 2
Datum der Ausgabe: Februar 1997
Studienziele
Kleine Dosen Acetylsalicylsäure (ASS) haben zahlreiche günstige Effekte. So kann niedrig dosierte ASS z. B. im Rahmen einer Sekundärprophylaxe die Inzidenz eines erneuten Herzinfarkts oder Schlaganfalls um etwa ein Viertel senken. In England und den USA nehmen 6 bis 9% der gesunden über 60jährigen Personen regelmässig niedrig dosierte ASS ein. ASS schädigt die Magenschleimhaut und führt zu Schleimhauterosionen und Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt. Mit Hilfe von magensaftresistenten oder gepufferten Formen wird versucht, dies zu verhindern. In der vorliegenden Studie wurde geprüft, ob solche speziellen Formen weniger hospitalisationsbedürftige Blutungen aus dem oberen Magen-Darmtrakt verursachen.
Methoden
Im Rahmen einer multizentrisch in den USA, Schweden und Ungarn durchgeführten Fall-Kontrollstudie wurden im Zeitraum von 1987 bis 1994 550 hospitalisierte Patienten mit endoskopisch bestätigter Blutung aus dem oberen Magen-Darmtrakt mit 1202 Kontrollpersonen verglichen. Sie wurden über ihren Konsum von ASS, anderen nicht-steroidalen Entzündungshemmern sowie Nikotin und Alkohol befragt. 283 der 550 Patienten mit einer Blutung und 366 der 1202 Kontrollpersonen gaben an, während den 7 Tagen vor der Blutung bzw. der Befragung ASS eingenommen zu haben.
Ergebnisse
Unabhängig von der galenischen Form bestand in dieser Studie für Personen, die niedrig dosierte ASS eingenommen hatten, ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko, eine Blutung im Magen-Darmtrakt zu erleiden.
Wurden täglich bis 325 mg gewöhnliche oder magensaftresistente ASS eingenommen, verdoppelte sich das Risiko für eine Blutung. Für gepufferte ASS war sogar ein dreifach höheres Risiko zu verzeichnen. Höhere Dosen von gewöhnlicher oder gepufferter ASS erhöhten das Risiko um das Sechs- bis Siebenfache.
Die Daten für höhere Dosen von magensaftresistenter ASS genügten zur Berechnung des Risikos nicht. Unterschiede zwischen den drei galenischen Formen bezüglich Blutungsort (Duodenum oder Magen) bestanden keine.
Schlussfolgerungen
Unabhängig von der galenischen Form erhöhen auch kleine Dosen von ASS das Risiko, eine klinisch relevante Blutung aus dem oberen Magen-Darmtrakt zu erleiden, um etwa das Dreifache. Die Annahme, dass spezielle galenische Formen von ASS weniger häufig unerwünschte Wirkungen verursachen als gewöhnliche ASS, ist nach Meinung der Autoren falsch.
Obwohl magensaftresistente Formen bei endoskopischer Beurteilung weniger mikroskopische Blutungen und Erosionen verursachen, ist das relative Risiko, eine Blutung aus dem oberen Magen-Darmtrakt zu erleiden, nicht geringer als bei der Einnahme von gewöhnlicher ASS. Es lohnt sich deshalb nicht, teure magensaftresistente oder gepufferte Formen zu verschreiben.
Benedikt Holzer
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