Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03130.jsonl.gz/2612

Botswana ist das dünnstbesiedelte Land Afrikas mit ca. 17 Mio. Einwohnern und 582'000 qkm Fläche. Die grössten Diamantenvorkommen der Welt machen es diesbezüglich auch zum reichsten Land des Kontinents. Touristisch gesehen sind der Chobe-Nationalpark mit seinem grossen Wildaufkommen und das Okavangodelta, welches ein Wassergebiet von 16'000 qkm mit Tausenden von Inseln bildet, weltweit einmalig. Das Delta erstreckt sich vom Caprivi Zipfel bis zum Auslauf südlich in die Kalahariwüste.
Wegen der Grösse und der grossen Reisedistanzen muss ich mich entscheiden, was ich sehen will und welche Strecken befahrbar sind. Viele Strassen führen durch Nationalparks und da dürfen keine Velos durch. Ich entscheide mich für den Caprivi Zipfel und das Okavangodelta in der westlichen Panhandle. Auf der Karte sind nur schnurgerade Strecken und sehr wenige Ansiedlungen angegeben.
Ich fahre über Kazungula (Sambia) auf dem Ponton nach Kasan. Dort, im nordwestlichen Teil des Chobesparks, mache ich einen Gamedrive und eine Bootstour. Man sieht alles, was das Herz begehrt: Elefanten, Hippos, alle Arten von Antilopen, Impalas, Giraffen, Löwen usw. Kasane ist das Vierländereck, wo sich auf engstem Raum Sambia, Angola, Zimbabwe und Botswana treffen. Hier trifft man seit Kenia wieder die ersten organisierten Reisegruppen, hört gelegentlich deutsch und siezt sich. Botswana ist ein teures Reiseland, gemäss dem Motto: "Low impact - high budget!" Es gibt Lodges auf denen eine Übernachtung locker 500 USD pro Nacht/Person kostet. Es geht aber noch teurer. Eine tolle Angewohnheit der Leute hier ist der Sundowner. Man trifft sich um 17.30 Uhr am Wasser, meistens in einer Bar, bestellt ein Bier und schaut dem Sonnenuntergang zu, das wiederholt sich noch unzählige Male und ist jedes Mal ein besonderes Ereignis.
Wie schon in Sambia sind die Strassen sehr gut befahrbar und es herrscht wenig Verkehr, es gibt Tage, da sehe ich vier, fünf Autos. Um in das westliche Delta zu kommen, muss ich den Chobe-Transit-Highway nehmen durch den Chobe-Nationalpark (52 Kilometer). Aber am Checkpoint ist Schluss für mich, ein freundlicher Ranger sagt mir, dass die Durchfahrt für Velos verboten ist. Ich versuche alles, aber er bleibt stur. So muss ich zwei Stunden auf einen Pickup warten, Tiere sehe ich unterwegs dann keine. In Ngoma angekommen, fahre ich nach Namibia (Caprivi) und kampiere am Zambesi River. Die Küche wird nochmals besser und ich geniesse mein erstes Wienerschnitzel (Schwein). Es gibt überall sehr schöne Lodges mit Campsites und man merkt, dass hier der Tourismus einen hohen Stellenwert besitzt.
Die Fahrt durch den Caprivi Zipfel ist eher eintönig und zieht sich gute 370 Kilometer bis Divundu, wo ich südlich wieder nach Botswana einreise. Es ist eine reine Steppenlandschaft, mit Gräsern und Büschen. Es gibt aber unterwegs tolle Bushcampsites, wo nachmittags die Elefanten durchlaufen, um am Fluss Wasser zu trinken. Später hört man dann sehr nah die Hippos im Wasser plantschen. Ich bin oft alleine auf den Campsites und geniesse die Natur pur. Alles ohne Strom, abends ein Lagerfeuer - was braucht man mehr? Es wird mittlerweile kalt nachts, die Temperaturen fallen im Zelt bis auf 3 Grad. Tagsüber wird es aber wieder sommerlich warm (ca. 30 Grad) und das ist optimal zum Velofahren. Das ist der Winter in der südlichen Hemisphäre und es soll in Richtung namibischer Wüste noch kälter werden.
Vorbei an den Popafalls fahre ich wieder in Richtung Botswana in das Okavangodelta. Direkt an der Grenze ist der Mahango-Nationalpark, den ich durchfahren muss. Auf der Campsite habe ich gehört, dass sieben Tage zuvor zwei Ranger von Elefanten getötet wurden. Die Elefanten hat man dann wohl auch getötet, aber es hinterlässt bei mir ein ungutes Gefühl. Der Ranger am Tor sagt: "No problem with the bicycle". Ich getraue mich noch nicht richtig und hoffe auf eine Mitfahrgelegenheit, aber es kommt niemand. Es sind wohl nur 15 Kilometer, aber da kann viel passieren. Ich schlucke dreimal und fahre los. Die einzigen Tiere, die ich sehe, sind zwei grosse Kudus. Das war's auch schon. Am Ausgangstor wurde mir dann offenbart, dass sie mich hier nicht hätten durchfahren lassen sollen!!!
Die Zollformalitäten sind schnell geregelt, schliesslich bin ich der einzige Reisende. Ich werde mit meinem Velo und dem Gepäck wie immer bestaunt und immer wieder vor den wilden Tieren gewarnt. Man gewöhnt sich daran. Die Strecke südlich entlang dem Delta ist eintönig und flach, bis zum Moment als eine Elefantenherde vor mir die Strasse überquert. Aber so wie die rennen, haben sie mehr Angst vor mir als ich vor ihnen. Im Delta setze ich per Boot nach Seronga über und mitten im Delta unternehme dann eine Mokorofahrt. Mokoros sind Einbaumboote (früher aus Holz, jetzt aus Glasfiber), welche die Einwohner zum Fischen benutzen.
Der Poler (der Fahrer hat einen drei Meter lange Holzstecken zum Abstossen) und ich sind für einen Tag alleine. Wir gleiten lautlos durch die nicht mehr endenden Papyruswälder. Man sieht Elefanten, Hippos, Zebras und Antilopen. Das bisher schönste Erlebnis auf meiner Reise! Die Sonnenuntergänge bilden fast jeden Abend den Höhepunkt. Man trifft auch wieder viele Reisende, die mit ihren 4WDs unterwegs sind.
Viele kommen aus Südafrika und Namibia. Ich habe innert ein paar Tagen mehrere Adressen erhalten, wo ich übernachten kann und Empfehlungen, wo man gut isst. Weiter südlich wird es eng mit Campsites und ich schlafe bei der Polizeistation, dort freut man sich und gibt mir ein Plätzchen, wo ich mein Zelt aufschlagen kann. Überhaupt sind die Botswaner ein sehr nettes Volk, sehr freundlich und nicht aufdringlich.
Wenn es keine Polizei gibt, fragt man in einer der vielen Siedlungen am Strassenrand den lokalen Chief (den "kgosi"), wo man übernachten kann, das klappt immer. Wie aus dem Nichts kommen mir bei einem Strassencheckpoint zwei schwer beladene Velofahrer entgegen, schön ordentlich mit Helm und Sonnenbrille. Es sind Sabine und Rolf aus Luzern und Basel. Wir freuen uns zu dritt und können wieder einmal - so gut es eben noch geht - züridüütsch schnurre...W Leider reisen wir entgegengesetzt weiter und so wünscht man sich nach zwei Stunden regem Austausch eine gute Fahrt - und weiter geht's.
Weitere Infos über ihre Tour findet man unter: www.kokobike.ch/safari-salama
Es geht endlos und flach weiter gegen Süden, unterwegs werde ich von zwei weissen Botswanern noch nach Maun eingeladen und nehme dankend an. Unterwegs beim Campen fressen mir Ratten die Satteltaschen durch. Darin befinden sich meine Esswaren, unter anderem Schokolade und Biscuits. Die Ratten haben einen guten Geschmack bewiesen.
Die Fahrt von Maun westlich bis zur namibischen Grenze (ca. 500 Kilometer) entlang der Transkalahari-Wüste sind dann langweilig. Wie ein Strich zieht die Strasse sich entlang, kaum Autos, aber umso mehr Gegenwind. Rechts und links Akazienbäume (Kameldorn) und die typischen Savannenlandschaften. In dieser Region wird hauptsächlich Viehzucht betrieben und ich lasse mir von einem Farmer erklären, dass das Schweizer Braunvieh und die Simmentaler Rinder hier sehr begehrt sind. Die Nächte werden immer kälter und mir fällt auf, dass ich seit gut vier Wochen in keinem Bett mehr geschlafen habe.
Eine sehr dumme Angewohnheit der Botswaner ist das Entsorgen des Mülls während der Autofahrt. Der gesamte Abfall wird aus dem Fenster geworfen, natürlich auch die leeren Flaschen. Der Strassenrand ist manchmal Kilometer lang voll Glasscherben und weil es wenig Verkehr hat, fahre ich dann immer in der Mitte der Fahrbahn.
Jetzt geht es nach Namibia in Richtung Windhoek und von dort aus nach Sossusvlei (angeblich die höchsten Sanddünen der Welt) und zum Fishriver Canyon im Süden von Namibia.
Das war's von Botswana bis demnächst...
Route
Die Karte unten zeigt den gefahrenen Weg. Weitere Informationen zur gefahrenen Strecke sind bei auch bei denTourdaten zu finden.
Karte in voller Grösse in eigenem Fenster anzeigen, auf Karte klicken.