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Wer jeden Tag Aspirin nimmt, riskiert eher eine Hirnblutung
20.5.2019 - 14:49, rre
Wer regelmässig ein Aspirin (Wirkstoff Acetylsalicylsäure) einnimmt, kann einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt vorbeugen. Ohne ärztliche Empfehlung sollte man aber von einer Dauertherapie absehen, denn das blutverdünnende Medikament birgt auch Gefahren.
Gehören Sie zu den Menschen, die jeden Tag eine Tablette des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure, kurz ASS, einnehmen, um das Schlaganfall- oder Herzinfarktrisiko zu senken? Eine heikle Therapie, denn dadurch setzen Sie sich der Gefahr aus, eine Hirnblutung zu erleiden.
Belegt wird das durch eine Übersichtsstudie, die in dieser Woche im Journal of American Medical Association (JAMA), veröffentlicht wurde. Die Resultate dieser Arbeit stützen die Erkenntnisse einer gross angelegten Analyse des American College of Cariology (ACC). Letztere führte im März dieses Jahres dazu, dass die American Heart Association (Amerikanische Herzstiftung) ihre Empfehlungsrichtlinien für die Einnahme von Acetylsalicylsäure für Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen änderte.
Wer nicht zu den Hochrisikogruppen gehört, sollte ASS nicht regelmässig einnehmen. Experten raten stattdessen, auf das Rauchen zu verzichten, sich regelmässig zu bewegen und auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung zu achten. «All das macht deutlich mehr Sinn als eine Dauertherapie mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure, um künftigen Herzinfarkten und Schlaganfällen vorzubeugen», sagt Meng Lee, einer der Autoren der wissenschaftlichen Arbeit.
Für die Analyse haben er und seine Forscherkollegen Resultate von 13 klinischen Studien zusammengefasst, in denen niedrig dosiertes Aspirin bei älteren Erwachsenen ohne bestehende Herzprobleme oder ein erhöhtes Schlaganfallrisiko getestet wurde. Im Durchschnitt erhöhte das Medikament das Blutungsrisiko im Gehirn um 37 Prozent.
Nutzen-Risiko-Abwägung
Die Forscher schätzen, dass die täglich zur Prophylaxe geschluckte ASS-Tablette zusätzlich zwei Gehirnblutungen pro 1'000 Menschen verursacht. Für Menschen mit geringem Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko würden Nutzen und Risiko in keinem annehmbaren Verhältnis zueinander stehen.
Besonders achtsam sollten Menschen asiatischer Abstammung mit der Einnahme von ASS umgehen: Basierend auf zwei der in die Übersichtsarbeit integrierten Studien, besteht für sie ein um 84 Prozent erhöhtes Hirnblutungsrisiko. Zu bedenken gilt, dass in manchen der integrierten Studien variierende Aspirindosen von bis zu 100 Milligramm täglich untersucht wurden. Zudem konzentriert sich die Analyse ausschliesslich auf Gehirnblutungen und nicht auf andere Arten von inneren Blutungen, die ebenfalls mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure assoziiert werden.
Dass ASS das Blutungsrisiko erhöht, ist schon länger bekannt. Doch warum wird erst seit kurzem vor einer Langzeittherapie mit ASS gewarnt? Dr. Eugene Yang vom American College of Cardiology führt das auf die geänderte Nutzen-Risiko-Abwägung zurück. Heute gebe es weniger Raucher als früher, Erkrankungen und Symptome wie Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte stünden unter besserer medizinischer Kontrolle.
Aspirin nur für Risikopatienten
Yang betonte, dass die Richtlinienänderung nur für Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt. Für bereits erkrankte Personen mit signifikanter Verengung von Arterien, die das Herz, das Gehirn oder die Beine mit Blut versorgen, kann eine Therapie mit niedrig dosiertem ASS angezeigt sein. Eine solche Behandlung wird auch für gewisse Personen im Alter zwischen 40 und 70 Jahren in Betracht gezogen, bei denen ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen besteht. Wichtig sei laut Experten aber, die Therapie mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.