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Drittens ist der erste Roman vom zukünftigen Erfolgsautor Tobias Chi, nach dem auch der künftige „Chi-Effekt“ benannt sein wird. Es ist ein Roman, dessen Manuskript Chi beim Pokerspiel irgendwann in den 2030er Jahren verlieren wird, bevor er ihn kopieren, geschweige denn veröffentlichen kann. Und auch wenn das Manuskript kurzfristig wieder in Barcelona auftauchen wird, wird es kurz darauf wieder verloren gehen und seit da an als verschollen gelten.
Woher ich diese Informationen über die ferne Zukunft habe? Nun, Tobias Chi ist nur ein fiktiver Autor im neuen Roman von – Tobias Chi. Diese Ineinanderflechtung von Realität und Fantasie macht die Aufgabe von Reyman umso schwieriger: denn wie soll ich ein Manuskript finden, das erst in knapp 20 Jahren verloren gehen, ja schlimmer: das erst in der Zukunft geschrieben werden wird? Und das sich dann womöglich irgendwo in Barcelona befinden wird – vielleicht aber auch in Buenos Aires, Berlin oder Benin City? Oder Bern, das nicht eine gute Flugstunde, sondern nur eine knappe Zugstunde von der Heimat Reymans entfernt ist? Und vor allem: ein Manuskript, das nur Fiktion ist?
Aber Reyman wäre nicht Reyman, wenn er sich nicht auch dieser Herausforderung stellen würde!
Vielleicht war es die drückende Hitze, vielleicht war es das Adrenalin, vielleicht war es auch einfach die Tatsache, dass ich mal einige Minuten (Stunden? Tage?) nicht an sie denken musste, weil diese ver?te Seilbahn plötzlich stehen geblieben ist. Vielleicht waren es die schreienden Japanerinnen neben mir, die mit aller Kraft die Gondeltür zu öffnen versuchten, um mit einem Sprung ins Nichts ihre innere Panik zu überwinden und so wenigstens zu einer letzten Ruhe zu kommen. Vielleicht war es auch einfach der Zufall oder die Ironie des Schicksals. Letztlich zählen nicht die Umstände, sondern zählt das Resultat und dieses fiel mir wie Schuppen von den Ellenbogen: Drittens kann nur ein Symbol für die heilige Dreifaltigkeit sein!
Gott, der heilige Geist und der selige Jesus Christus – die Familie Gottes ist natürlich in Barcelona zuhause, genauer in der Sagrada Familia, die der heiligen Familie geweihten Kirche. Und diese – man ahnt es schon – wird erst in einer Zukunft fertiggebaut sein, in welcher Drittens erscheinen wird.
Begonnen wurde der Bau ja bereits 1882, aber heute wird mit einer Fertigstellung frühestens 2026 gesprochen – ein illusorisches Datum, nur schon deshalb, weil Barcelona mit einer fertiggestellten Sagrada Familia Konkurs gehen würde. Wer will schon einfach eine weitere Kirche anschauen gehen?
Und so stehen die Chancen gut, dass der bis zu den Ohrläppchen behaarte Typ, der das Manuskript von Drittens dereinst beim Pokerspiel Nadir abluchsen wird bei der Fertigstellung der Sagrada Familia dabei sein wird und ihm nur dort aufgelauert werden muss. Oder man könnte sich fragen, ob vielleicht der junge Löwe dereinst noch hier sein wird und ihn bereits heute darauf abrichten, dass er beim Anblick des Manuskripts via dannzumaliger Kommunikationstechnik einen Alarm absenden könnte. Oder denjenigen gleich zu attackieren, der das Manuskript bei sich trägt.
Drittens könnte allerdings auch nur eine Metpaher sein für eine künftige Welt, in welcher die dritte Dimension entfernt sein wird und die Menschen nur noch schwarz weiss sein werden. Vielleicht, um Energie zu sparen. Vielleicht sollte man aber auch einfach die Zukunft Zukunft sein lassen, die Fiktion Fiktion und das Jetzt Jetzt. Und jetzt ist es Zeit, die idyllische Veranda zu verlassen und sich ins Getümmel von Barcelona zu stürzen und sich mit Erstens und Zweitens zu beschäftigen: mit Bier und mit Frauen. So geht das.