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Das Gesetz ist nach dem britischen Kriegshelden Alan Turing benannt. Der Mathematiker und Dechifrierspezialist wurde 1952 wegen seiner Homosexualität chemisch kastriert. Turing tötete sich 1954 im Alter von 41 Jahren selbst.
Homosexuelle Akte zwischen Männern ab 21 Jahren standen in England und Wales bis 1967 unter Strafe. Schottland schaffte das Gesetz erst 1980 ab, Nordirland folgte 1982. Unter dem neuen Gesetz sollen verurteilte Männer automatisch begnadigt werden - auch diejenigen, die bereits verstorben sind. Bislang mussten Verurteilte beim Innenministerium eigens eine Löschung entsprechender Vorstrafen beantragen.
"Es ist unheimlich wichtig, dass wir Menschen begnadigen, die wegen einer historischen Sexualstraftat verurteilt wurden, die nach heutigen Massstäben unschuldig wären", sagte Justizminister Sam Gyimah. Das Gesetz stelle richtig, was falsch war. Auch der liberale Politiker Lord John Sharkey bezeichnete das Gesetz als "bedeutsamen Tag für tausende Familien in ganz Grossbritannien".
Sharkey hatte einst einen Gesetzentwurf zur Begnadigung von Turing eingereicht. Dessen Schicksal war einem breiten Publikum durch den im Jahr 2014 erschienenen Film "The Imitating Game" mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle bekannt geworden.
Turing hatte im Zweiten Weltkrieg massgeblich zur Entschlüsselung des deutschen Kodierungssystems Enigma beigetragen. Ein anderer prominenter Brite, der vom neuen Gesetz posthum profitieren könnte, ist der Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900). Er war 1895 als Sittlichkeitsverbrecher verhaftet worden.
Auch die deutsche Regierung will noch im Oktober einen Gesetzentwurf vorlegen, mit dem Homosexuelle rehabilitiert werden sollen. In Deutschland wurden nach 1945 mehr als 50'000 Männer auf Grundlage des schwulenfeindlichen Paragrafen 175 verfolgt und zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
(SDA)