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Die Stadt liegt 125 km von Goiânia entfernt, in nördlicher Richtung. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 22º C. Anfahrt von Goiânia auf der Bundesstrasse BR-060 und BR-153 und weiter auf der Landstrasse GO-414.
Das ehemalige „Meia Ponte“, aus der Zeit der Gold suchenden „Bandeirantes“, liegt am Fuss der landschaftlich bemerkenswerten „Serra dos Pireneus“, auf einer Höhe von 780 Metern, und beherbergt innerhalb seiner antiken Mauern die unterschiedlichsten Typen der menschlichen Rasse: den erz-konservativen Pater und seine Schäfchen, esoterische Kommunen mit ziemlich ausgeflippten Anhängern, und die verträumten Abenteurer, deren einzige Relation die mit der Natur ist. Ein jeder verbringt die Zeit auf seine Weise: in den kolonialen Kirchen, in den antiken Villen, in Ateliers und in den ökologischen Refugien. Wenn sich die kleine Stadt jedoch, einmal im Jahr, in Mauren und Christen verwandelt und die „Cavalhada“ präsentiert – am „Fest des Divino“ – dann sind sie alle mit dabei – unter den bunten Kostümen, während der Präsentation der Schlacht und beim Epilog des Friedens – und hinterher, beim vergnüglichen Fest. Dann ist Pirenópolis eine einzige Gemeinde von gleichgesinnten Brüdern und Schwestern.
Im Jahr 1727 erreichte ein Regiment unter der Führung des Bandeirante „Manoel Rodrigues Tomar“ die Region der „Serra dos Pireneus“ und, wegen der aussergewöhnlichen Menge von Gold in diesem Gebiet, gründete er die „Minen der Nossa Senhora do Rosário“, am Fuss des Gebirges. Bis Ende des 19. Jahrhunderts blühte das Städtchen und fiel dann in eine gewisse Vergessenheit, die aber seiner inneren Stabilität nicht geschadet, vielmehr die radikalen Veränderungen des 20. Jahrhunderts von ihm ferngehalten hat.
Das Pirenópolis von heute ist ein lebendiges Museum des Lebens in kolonialer Epoche – mit den wertvollsten Asservaten des gesamten „Brasil Central“ – sein Originalzustand ist praktisch unverändert. Seit 1988 steht es unter Denkmalschutz.
Museu da Família Pompeu
Inneneinrichtung und Objekte von traditionellen Familien aus Pirenópolis. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert hat verschiedene Pioniere hervorgebracht: es beherbergte die erste typografische Anstalt des Bundesstaates, die erste öffentliche Bibliothek und das erste Orchester. Apropos: hier üben die Mitglieder der „Banda Phoenix“, welche zum „Fest des Divino“ seit 1892 aufspielen (Rua Mestre Propício, 28 – Besuch bitte anmelden).
Museu das Cavalhadas
Dona Maria Eunice, betagte Bürgerin von Pirenópolis, hat das Museum in der Wohnstube ihres Hauses aufgebaut. Es besteht vor allem aus Kostümen und Utensilien, die während der „Cavalhada“ von den Teilnehmern benutzt und getragen werden – einem Thema, in dem sich die alte Dame auskennt wie sonst niemand, und von dem sie nicht müde wird, zu erzählen (Rua Direita, 39 – bitte vorher anmelden).
Teatro de Pirenópolis
Erbaut 1899, mit Spenden aus der Bevölkerung, eingeweiht 1901. Hier wurden die ewig langen portugiesischen Liebe-und-Hass-Stücke aufgeführt, so lang, dass man im Stockwerk darüber eine Art Kinderkrippe eingerichtet hatte – von wo das Pipi der abgegebenen Kleinen durch die Bretterritzen auf die Zuschauer tropfte! In den Aufzeichnungen des Theaters findet sich ein anderes Kuriosum: der tragische Tod des Schauspielers „Eugênio Costa Campos“ auf der Bühne – er wurde heftig applaudiert, weil das Publikum annahm, die Szene gehöre zum Stück! (Praça da Matriz, 17).
Igreja Nosso Senhor do Bonfim
Ein koloniales Kirchlein von 1754, auf der höchsten Erhebung der Stadt. Sehen Sie sich die Statue des gekreuzigten Christus an, der sich, in natürlicher Grösse, halbversteckt, in einer Nische hinter einer bemalten Tür befindet. Er wurde von Sklaven, im Jahr 1755, aus Salvador hertransportiert (Rua do Bonfim).
Igreja Nossa Senhora do Carmo
Kirche im besten kolonialen Stil, mit drei Altären – die beiden lateralen sind vom Stil Barock-Rokoko beeinflusst, der mittlere wurde so oft restauriert, dass er seine Originalform eingebüsst hat. Die Kirche wurde 1903 von einem reichen Minenbesitzer errichtet. Man erzählt sich, dass seine Töchter mit den Gold-Pepitas protzten „in denen sie zuhause badeten“, und die das Leben später in totaler Misere verkommen liess.
In derselben Kirche ist das „Museu de Arte Sacra“ untergebracht, unter anderem mit Exponaten aus der antiken „Igreja do Rosário dos Pretos“, die in den 40er Jahren abgerissen wurde (Rua do Carmo).
Igreja Matriz Nossa Senhora do Rosário
Uralte Konstruktion aus Holz und Lehm von 1732!! Zwei grosse Türme rahmen den Weg zu dem imponenten Kirchenschiff, dessen Decke von „Inácio Pereira Leal“ bemalt wurde. Die Gesamtarchitektur und das Schnitzwerk der fünf Altäre sind von unbekannten Autoren. Ein Bogen mit zwei geschnitzten Engeln trennt das Kirchenschiff vom Hauptaltar. Ein insgesamt sehr beeindruckendes Werk! (Praça da Matriz).
Parque Estadual da Serra dos Pireneus
In dem Naturpark des nahen Gebirges gibt es gute Möglichkeiten zum Wandern – insgesamt 26 Wasserfälle können entdeckt werden. Vom Gipfel des „Pico Montes Pireneus“, auf 1.385 Metern Höhe, hat man einen herrlichen Panoramablick auf das Tal mit der Stadt. Lokale Veranstalter bieten geführte Touren an.
Santuário de Vida Silvestre Vagafogo
Ist eine andere Möglichkeit für Naturliebhaber: 6 km von der Stadt befindet sich dieses Gebiet mit tropischem Wald und Cerrado-Terrain. Baumarten, wie der „Jequitibá“ (Cariniana brasiliensis, Cas.), „Angico“ (Piptadenia colubrina, Sth.), „Pau-d’óleo“ (Copaifera officinalis Lin.), „Sucupira-roxa“ (Baudichia virgilioides), „Ipê-amarelo“ (Tecoma ipe) und der „Caqui“ (Diospyros kaki Lin.) sind hier heimisch.
Festa do Divino Espírito Santo
Das Fest zu Ehren des Heiligen Geistes – es wird in verschiedenen Gebieten Brasiliens, 40 Tage nach Ostern gefeiert (wie unser Pfingstfest), hier ist es das Fest mit der ältesten Tradition im Land. Zwölf Tage lang Essen und Trinken im Haus des „Imperator“ – eines in der Regel wohlhabenden Bürgers, der zum „Imperator“ gewählt wird (seit dem 18. Jahrhundert unverändert), und dessen Haus den andern Bürgern zum Essen und Trinken offen steht, wie gesagt: zwölf Tage lang! Versteht sich von selbst, dass sich nur solche Bürger als Imperator-Kandidaten aufstellen lassen, die sich das auch leisten können!
Das eigentliche Fest stammt aus Portugal. In Goiás hat es sich unter indianischen und afrikanischen Einflüssen entsprechend verändert, und heute hat es eine religiöse und eine profane Seite – die eine mit ihrer Prozession und die andere mit vergnüglichen Umzügen.
Der Höhepunkt der Festlichkeiten sind die drei Tage der so genannten „Cavalhada“, in denen die Mauren zum Christentum bekehrt werden – in drei Etappen: der Auseinandersetzung, der Taufe und der Verbrüderung. Die bunten Kostüme werden von den Näherinnen des Ortes angefertigt, die sich ganz besonders ins Zeug legen.
Romaria da Santissima Trindade
Beim ersten Vollmond im Juli steigen die Bewohner auf den „Pico dos Montes Pireneus“, bauen dort ein Camp auf, beten, nehmen Taufen vor und lösen Versprechen ein, die sie ihren Heiligen gegeben haben. Man nennt es auch das Mondfest.
Noch ein Tipp: Pirenópolis ist Brasiliens grösstes Zentrum für die Verarbeitung von Silber und Kunsthandwerk aus Silber. Hier gibt es mehr als 70 Ateliers, die sich mit der Silberverarbeitung befassen – und mit dem Verkauf, natürlich!