Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03411.jsonl.gz/2294

Hochzuverehrender Herr Präsident!
Das neue Wetlische Projekt scheint allerdings der nähern Erwägung werth zu sein. Eine Abkürzung der Linie um 7 Kilometer verdient alle Berücksichtigung, selbst wenn, wie Herr Beckh glaubt, keinerlei Kostenersparniß erzielt werden könnte. Der Einwand, daß das Projekt Fluelen– Seedorf–Amsteg den Lokalverkehr allzu stiefmütterlich behandle, ist bei einer Linie, die so vorwiegend Transit-Linie ist, kaum stichhaltig.
In der heutigen Konferenz waren alle 3 Techniker übereinstimmend der Ansicht, daß die Eingabe von Plänen zum Verständniß des Projektes unerläßlich sei. Auf der andern Seite haben Herr Zingg & ich Herr Wetli überzeugt, daß die endliche Publikation des technischen Berichtes durch sein nachträgliches Projekt in keiner Weise verzögert werden dürfe & daß man daher solches dem Berichte nur dann beifügen könnte, wenn Herr Wetli dessen nähere Ausführung, in Text & Plänen (Situationskarte, | wozu der bereits vorhandene Stein benutzt werden kann – & zwei Profile), von sich aus & selbstständig besorge & dem Ausschuß die dießfälligen Arbeiten so rechtzeitig abliefere, daß sie dem Hauptgutachten beigegeben werden können, ohne dasselbe zu verzögern. Die Profile hätten er zu diesem Ende in Lugano lithographiren zu lassen. Herr Wetli hat sich in Folge hievon anheischig gemacht, die bezeichnete Arbeit zu übernehmen. Ob die Ausführung derselben rechtzeitig erfolgt, steht dahin; ich meinerseits möchte es sehr bezweifeln. Herr Beckh wird eine entsprechende Andeutung in seinem Berichte anbringen & dieselbe so redigiren, daß man das Wetlische Resumé, je nach Umständen, als Anhang beidrucken oder – in einer kleinern Auflage – besonders publiziren kann.
Von Wichtigkeit schien es übrigens, daß die Wetlische Variante der italienischen Experten-Kommission ebenfalls noch vor Abgabe ihres Berichtes zur Kennt| niß gebracht werde. In dieser Beziehung hatte die Konferenz mit Herrn Wetli verabredet, daß er sofort, während seiner A nwesenheit in Zürich, die Hauptgrundzüge in Zahlen kurz zusammenstellen, die Linie in einen besondern Abdruk der Situationskarte einzeichnen & die Profile kopiren lassen sollen & zwar Alles so rasch, damit diese Arbeiten gleichzeitig mit dem handschriftlichen Bericht des Herrn Beckh, also am 15. ds., an das Bauministerium nach Turin abgesandt werden können. Nachdem hienach Alles in Ordnung schien & auch Herr Zingg bereits wieder abgereist war, kam dann leider Herr Wetli in Begleit des Herrn Koller Nachmittags zu mir auf mein Bureau, um zu erklären, daß er eine Copie der Profile nur in Lugano anfertigen lassen könne & daß es ihm daher unmöglich sei, die Arbeiten bis zum 15. zu liefern.
Unter diesen Umständen schien mir kein anderer Ausweg übrig zu sein, als der, daß Herr Beckh in seinem Berichte der Variante des Herr Wetli kurz erwähnt & daß man dann im Begleitschreiben | nach Turin etwa den Vorbehalt mache, nachträglich auch noch ein Projekt des Herrn Wetli vorlegen zu dürfen. Leider wird letzterer vor Montag oder Dienstag nicht von hier nach Lugano abreisen, weßhalb kaum zu erwarten ist, daß seine Arbeit vor Ende dieses Monates einlangen werde. Ich habe ihn engagirt, auf seiner Rückreise bei Herrn Zingg vorbeizugehen, um mit ihm eine definitive Abrede zu treffen. Ich werde künftigen Montag früh nach Carlsruhe abreisen. Leider konnte ich den Schluß zum technischen Gutachten nicht abfassen, da Herr Beckh noch immer nicht in der Lage ist, mir die definitiven Zahlenangaben machen zu können. Der Schluß hat übrigens mit den technischen Gutachten im Grunde einen engern Zusammenhang nicht, so daß es kaum von großem Werthe sein würde, wenn derselbe gleichzeitig mit letzterm der ital. Commission vorgelegt werden könnte. Auch ist das Gutachten selbst fatalerweise noch so sehr im Rückstande, daß es sehr zu bedauern wäre, wenn dessen Absendung durch den Schluß auch nur um einen weitern Tag verzögert würde. Nach meiner Rückkehr werde ich solchen alsbald abfassen können.
Mit aufrichtiger Verehrung Ihr ganz ergebener
G. Stoll
Zürich, 10. Decbr 1864.