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Anorexie hinterlässt vorübergehende Spuren im Gehirn
Bei Anorexia-nervosa-Patienten sind Rückfallraten und Anfälligkeit für andere psychische Erkrankungen hoch, auch wenn sie an Gewicht zugenommen haben. Liegt das vielleicht daran, dass die Anorexie das Gehirn langfristig verändert? Darauf findet eine neue Forschungsarbeit zwar keine Hinweise. Bestimmte Merkmale im Gehirn von akut Erkrankten könnten jedoch deren Prognose anzeigen.
Unter Anorexia nervosa zu leiden verändert das Gehirn. So ist schon seit Längerem bekannt, dass die Anorexie im Akutstadium mit starkem Untergewicht zu einer Reduktion der grauen Substanz und der kortikalen Dicke im Gehirn führt.
Ob allerdings auch nach Normalisierung des Körpergewichts Veränderungen im Gehirn zurückbleiben, war bislang umstritten. Und dies obwohl die Anorexie hohe Rückfallraten aufweist, und Betroffene ein höheres Risiko für andere psychiatrische Störungen und eine generell schlechtere Gesundheit haben.
Hat die Anorexie auch langfristige Folgen im Gehirn?
Deutsche Wissenschaftler untersuchten nun, ob die Anorexia nervosa im Gehirn langfristige Auswirkungen in Form von Netzwerkstörungen zeitigt (1). Träfe dies zu, wäre das Gehirn beeinträchtigt, obwohl nur subtile lokale Defekte in einzelnen Hirnregionen erkennbar wären.
Um dies zu klären, untersuchten die Forscher Patientinnen aus der Saxonian Anorexia Nervosa Study. Dazu wendeten sie künstliche Intelligenz (KI)-Modelle an, die regionale Messungen mittels struktureller Magnetresonanztomographie (sMRI) der grauen Substanz von Anorexie-Patientinnen mit gesunden Kontrollen verglichen.
Dabei stellten sie drei Gruppen von Teilnehmerinnen einander gegenüber:
- Akut kranke Teilnehmerinnen, die stark untergewichtig waren (n = 165)
- Rekonvaleszente Teilnehmerinnen, die ihr Gewicht zum Teil wieder zugenommen hatten (n = 115), und
- Ehemalige Patientinnen, die ihr Gewicht zur Gänze wiedererlangt und für mindestens vier Jahre gehalten hatten (n = 89)
Die Teilnehmerinnen wurden ein Jahr lang nachbeobachtet.
Funktional aktive Gehirnregionen bei Anorexie-Patientinnen verändert
Anhand der strukturellen Gehirnveränderungen konnte die künstliche Intelligenz sowohl Akutpatientinnen als auch die Patientinnen, die ihr Gewicht partiell wieder zugenommen hatten, von gesunden Kontrollen unterscheiden. Patientinnen mit schlechteren Krankheitsverläufen hatten dabei deutlichere Veränderungen im sMRI.
Im Gegensatz dazu fand das KI-Programm bei Patientinnen mit gutem Krankheitsverlauf, die ihr Gewicht also bereits vollständig wieder zugenommen hatten, keine Alterationen im Vergleich zu Genesenen. Eine Auswertung ergab, dass sich die Unterschiede im Gehirn durch eine Reduktion des Volumens der grauen Substanz und kortikalen Dicke ergaben. Sie liessen sich vor allem in Hirnregionen mit hoher funktionaler Konnektivität nachweisen.
Keine dauerhaften Hirnveränderungen
Zusammengenommen spiegeln die Ergebnisse die Resultate früherer Studien wieder, in denen standardmässige sMRT-Auswertungen analysiert wurden. Dabei schien es bei akut erkrankten Patientinnen deutliche Reduktionen der kortikalen Dicke und des subkortikalen Volumens der grauen Masse zu geben. Diese hatten sich jedoch bei Patientinnen, die eine langfristige Gewichtserholung schafften, normalisiert.
Die Forscher schlagen nun vor, die Signatur im Gehirn von Patienten in partieller Remission weiter zu untersuchen, um herauszufinden, wer ein erhöhtes Rückfallrisiko hat und weitere Interventionen benötigt.