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Oft sieht man nun rechtliche Hinweise oder so genannte Disclaimer, wie das folgende Beispiel:
Diese Nachricht ist ausschliesslich für den bezeichneten Adressaten oder dessen Vertreter bestimmt. Beachten Sie bitte, dass jede Form der unautorisierten Nutzung, Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe des Inhaltes nicht gestattet ist. Sollten Sie nicht der vorgesehene Adressat oder dessen Vertreter sein, so bitten wir Sie, sich mit dem Absender in Verbindung zu setzen und anschliessend diese Nachricht und sämtliche Anhänge zu vernichten.
Haben solche Disclaimer überhaupt eine Wirkung und wie ist die rechtliche Würdigung?
Rechtliche Hinweise sollen den Empfänger verpflichten, die Mitteilung für sich zu behalten. Nur: Den eigentlichen Fehler beging der Sender, nicht der Empfänger, und für diesen muss auch der Sender gerade stehen (etwa, wenn der eigentlich vorgesehene Empfänger zu Schaden kommt).
E-Mail-Disclaimer dürfen grundsätzlich von jedem verwendet werden. Zivilrechtliche Verpflichtungen des Empfängers lassen sich bei fehlgeleiteten E-Mails aber nicht ableiten. Die an den Empfänger des E-Mails gerichtete Bitte, den Absender über den Irrtum zu informieren, verpflichtet den Empfänger nicht. Andere Äusserungen stellen Willenserklärungen des Absenders dar. Vertragsrechtlich können sie als Offerte bzw. Angebot angesehen werden.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass E-Mail-Disclaimer aus rechtlicher Sicht weitestgehend entbehrlich sind.
Auf alle Fälle genügen sie nicht, um die Vertraulichkeitsanforderungen an Berufsgeheimnisträger zu erfüllen. Werden vertrauliche Informationen publik, weil sie in "falsche" Hände geraten, wird ein Disclaimer nicht viel nützen. Besser ist es, sich vorher zu überlegen, ob die Daten verschlüsselt oder auf sicherem Weg (Brief / Kurier) verschickt werden sollen.