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Seit Monaten leiden die Bewohner von Iqaluit, der Hauptstadt von Nunavut im arktischen Kanada, unter der Verschmutzung ihres Trinkwassers durch treibstoffrückstände. Nachdem die Versorgung mit eigenem Trinkwasser ab Mitte Dezember wieder aufgenommen werden konnte, mussten die Behörden bereits sechs Tage später wieder eingreifen, weil ihr Frühwarnsystem angeschlagen hatte. Und vor einer Woche kam es erneut zu einer Verschmutzung. Nun haben die Behörden die Notbremse gezogen.
Die Wasseraufbereitungsanlage, die für die Filtrierung und Reinigung des Trinkwassers verantwortlich ist, wurde abgeschaltet und wird gegenwärtig von den Behörden durchgespült und gereinigt, wie die Zeitung Nunatsiaq News berichtet. Dies ist notwendig, nachdem zum wiederholten Male das neuinstallierte Frühwarnsystem erhöhte Werte von Kohlenwasserstoffen im Trinkwasser gemeldet hatte. Die Behörden hatten gestern in einer Mitteilung bekanntgegeben, dass wieder ein «kleines Verschmutzungsereignis» die Anlage heimgesucht hatte. Man habe aber nun den Eintrittsort der Verunreinigung entdeckt und die Reparatur- und Reinigungsarbeiten seien im Gange, heisst es in der Mitteilung. Gleichzeitig werden die Leitungen durchgespült, um Rückstände zu entfernen.
Um die Trinkwasserversorgung der 7’740 Einwohner zählenden Stadt trotzdem zu gewährleisten, haben die Behörden eine Pipeline aktiviert, die das Wasser direkt aus dem Reservoir des Geraldine Lake in verschiedene Tanks von Pumpstationen liefert. Ausserdem hat man eine Ausgabestelle für Wasser aus dem nahegelegenen Sylvia Grinell Fluss eingerichtet. Die Stadtbehörden erklären, dass diese Leitung Wasser direkt aus dem See bzw. aus dem Fluss in die Tanks liefert. Obwohl das Wasser dabei eine Reinigung durch UV-Strahlen und Chlor erfährt, empfehlen die Wasser- und die Gesundheitsbehörde den Einwohnern, das Wasser vor der Verwendung als Konsumationsgut abzukochen. Dies gelte auch für das Waschen von Lebensmittel und beim Zähne putzen. «Die Einwohner könnten Gerüche und Geschmäcker des Wassers erfahren, die ihnen fremd sind oder sie könnten Verfärbungen und Sedimente im Wasser erkennen», heisst es in der Meldung. Wie lange diese Massnahme andauern wird, können die Behörden noch nicht sagen. Man werde aber laufend informieren, heisst es auf der Webseite der Wasserbehörden.
Die Massnahmen der Behörde sind nur temporäre Lösungen, sollen aber verhindern, dass die Einwohner von Iqaluit wieder dieselben Probleme wie im Oktober/November des letzten Jahres erleben. Damals mussten die Einwohner auf Plastikflaschen, die aus dem Süden hochtransportiert worden waren, oder auf das lange Anstehen bei Wassertrucks zurückgreifen, bevor die Armee mobile Reinigungssysteme errichtet hatten. Alleine mit den Plastikflaschen wurden rund 80’000 Liter Wasser transportiert, was eine riesige Menge an Plastikmüll verursacht hatte (neben dem Treibstoffverbrauch der Flugzeuge). Eine ins Leben gerufene Sammelaktion brachte 166 Kubikmeter Abfall zum recyclen zusammen. Trotzdem landete eine wesentliche Menge im regulären Abfall. Auch das Abkochen des vom Sylvia Grinell Flusses stammenden Wassers hatte ein Umweltproblem verursacht: erhöhte Dieselmengen für die Erzeugung von Energie. Genaue Zahlen sind jedoch nicht bekannt.
Die Trinkwasserversorgung in Iqaluit ist ein Dauerbrenner, schon vor den Verschmutzungen durch Treibstoff. Immer wieder müssen die Behörden mit Wasserknappheit kämpfen, weil das Reservoir des Geraldine Lakes nicht ausreicht. Zum einen ist dafür die steigende Einwohnerzahl verantwortlich, zum anderen aber die klimatischen Veränderungen, die zu längeren Trockenperioden in der Region führen. Mehrmals in den letzten Jahren mussten die Behörden Wasser aus dem nahen Apex River, etwas nördlich von Geraldine Lake, in das Reservoir pumpen, um es aufzufüllen. Die Behörden haben zwar die Erlaubnis dazu, aber das Mandat läuft 2026 aus. Bis dahin müssen die Statdtbehörden und die Regierung von Nunavut eine neue Lösung für das Problem finden. Die Wissenschaftlerin Dr. Corine Wood-Donnelly, die während der Wasserkrise letztes Jahr in Iqaluit weilte, hatte damals erklärt, dass auch bei einer Lösung des Verschmutzungsproblems die Diskussion um Wasser noch lange anhalten wird. Ihre Prognose dürfte sich bewahrheiten.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal