Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03399.jsonl.gz/409

Im 16. Jahrhundert
Mit dem Aufkommen der Städte und dem damit eng verbundenen Handel ging auch eine vermehrte Nachfrage des geschäftlichen Informationsaustausches einher. So kam es, dass verschiedene Handelshäuser und Kaufleute eigene, zeitlich reglementierte Postverbindungen aufbauten. Für unsere Gegend ist die durch St. Galler Kaufleute bereits ab 1387 organisierte sog. Nürnberger Ordinari vom 15. Jh. an wichtig. Sie führte in den Anfängen von Nürnberg nach St. Gallen und wurde in der nachfolgenden Zeit über Zürich nach Chur und Richtung Mailand erweitert. Die beinahe gleichzeitig erfolgte Ergänzung der ehemaligen «Nürnberger» durch die Lyoner Ordinari die die Strecke St.Gallen, Wil, Winterthur, Zürich, Aarau, Olten, Solothurn, Avenches, Lausanne und Genf nach Lyon erschloss, überzog die heutige Schweiz bzw. die damals wichtigsten Handelsplätze weitgehend mit einem privatwirtschaftlich organisierten Postsystem.
Die komplexen Zusammenhänge, die zu einen regen Austausch von Informationen und damit zur Entstehung der eigentlichen Postwesen im ausgehenden 16. Jh. und insbesondere im 17.Jh. führten, lassen sich vereinfachend wie folgt erklären: Der Handel im Mittelalter und bis ins ausgehende 16. Jh. war vornehmlich ein Tauschhandel Ware gegen Ware. Geld und das dazu benötigte Edelmetall war Mangelware und wurde häufig als letzte Reserve gehortet.
Grosse, mächtige Handelshäuser überzogen Europa mit einem Netz von Niederlassungen, z.B. Fugger in Deutschland, venezianische Handelshäuser. Die interne Bezahlung geschah durch Wechsel.
Mit der Entdeckung Amerikas und insbesondere mit der Inbesitznahme mittel- und südamerikanischer Staaten durch spanische Eroberer gelangten enorme Mengen an Silber und auch an Gold als Kriegs und Unterdrückungsbeute nach Europa. Erst dadurch wurde bei uns der Handel kapitalisiert, d. h. das gegen Ware eingehandelte Geld erhielt einen materiellen Gegenwert und war in genügender Menge vorhanden.
Diese Entwicklung und Nachfrage nach einem geordneten kontinuierlichen Postsystem führte zu verschiedenen meist privatwirtschaftlich organisierten Postbetrieben im ln- und Ausland. In unseren deutschsprachigen Nachbarländern erwarben sich die Familien der Thurn und Taxis nach und nach eine Vormachtstellung. Ein Teil der südlichen Botenverbindungen ging durch das Rheintal und über die Bündner Pässe. Ein weiteres Eindringen in die Schweiz wurde schon frühzeitig durch die St. Galler Kaufmannschaft und später durch die Zürcher Kaufmannspost erfolgreich verwehrt.
Im Königreich Frankreich war das amtliche Postwesen schon früh verstaatlicht. Die Auslandsverbindungen wurden aber oft den ansässigen Postorganisationen überlassen. Die Verbindung zwischen den französischen Vertreter in der Schweiz in Solothurn und dem König von Frankreich wurde daher durch die ansässigen Postorganisationen gewährleistet.
Im Mittelland und in der Ostschweiz war wie erwähnt die St. Galler Kaufmannschaft mit der Einführung der Nürnberger Ordinari und der Lyoner Ordinari federführend. Sie wurde durch die Basler und die Zürcher Postorganisationen ergänzt und schließlich durch die sich ausdehnende Zürcher Kaufmannspost mehrheitlich verdrängt.
Durch die Gründung der bernischen Fischerpost 1675 und die Inanspruchnahme und Proklamierung eines faktischen Postmonopols durch den Berner Rat entstand, nebst vielerlei Streit, ein echter Konkurrenzkampf zwischen Bern und Zürich, der zwischen den beiden Persönlichkeiten von Beat von Fischer und Caspar von Muralt ausgetragen wurde. Vereinfacht dargestellt beanspruchte und betrieb die Fischerpost danach den westlichen Teil der Eidgenossenschaft inklusive Simplonpass, die Zürcher Kaufmannspost erstritt das Vorrecht für den östlichen Teil und die wichtige Gotthardlinie.