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In Serbien leben rund eine halbe Million Roma, meistens in eigenen Siedlungen und oft am Rande von Städten. Die nordserbische Region Vojvodina hat den höchsten prozentualen Anteil an Roma. Ende der 90er-Jahre wurde die Gegend zum Auffangbecken für Tausende von Flüchtlingen dieser ethnischen Minderheit aus dem Kosovo.
Viele Roma leben an der Armutsgrenze und in prekären Wohnverhältnissen – auf engem Raum und in Siedlungen mit mangelhaften Strassen und ungenügender Strom- und Wasserversorgung. Oft sind sie arbeitslos oder haben nur Gelegenheitsjobs. Viele können kaum für den Lebensunterhalt ihrer Familie aufkommen.
Um die schlechten Lebensbedingungen zu mindern, leisteten die DEZA und das Bundesamt für Migration (BfM) für die Periode von 2008–2012 einen Beitrag an ein Projekt des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS) und der «Ecumenical Humanitarian Organization» (EHO) zur sozio-ökonomischen Integration von Roma in der Vojvodina. Rund 23‘000 Roma profitierten vom Projekt. Dieses wurde inzwischen auf weitere Regionen Serbiens ausgeweitet. Das Projekt hat folgende Schwerpunkte:
- Bessere Wohnbedingungen durch das «Dweller Driven Model»
Beim «Dweller Driven Model», einem von HEKS und EHO entwickelten partizipativen Ansatz, beteiligen sich die Roma am Umbau ihrer Wohnstätten. Sie sind in Entscheidungsprozesse eingebunden und können ihre eigenen Bedürfnisse einbringen. Das mehrfach ausgezeichnete Modell ist in der nationalen Roma-Strategie Serbiens von 2009 verankert. Die UNO-Organisation Habitat, die sich mit sozial- und umweltverträglichem Wohnen befasst, nahm das «Dweller Driven Model» in ihr Handbuch zu Verfahren für nachhaltiges Wohnen auf.
- Bildung
Kinder und Jugendliche erhalten Frühförderung, damit sie gute Voraussetzungen für das öffentliche Schulsystem mitbringen.
- Beschäftigung und Einkommen
Junge Roma nehmen an Ausbildungsprogrammen teil, die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt vergrössern oder den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern.
- Information und Beratung
Roma erhalten Unterstützung, um ihre Rechte im Gesundheitssystem und bei anderen öffentlichen Dienstleistungen angemessen in Anspruch nehmen zu können. Oft müssen die dafür notwendigen Personaldokumente erst beschafft werden.
- Wahrung der Rechte
Roma werden über ihre Rechte aufgeklärt und bei der Einforderung derselben unterstützt. Sie sollen zunehmend Teil gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen im Land werden.
Die Resultate des Projekts lassen sich sehen: In 13 Roma-Siedlungen wurde die öffentliche Infrastruktur wie zum Beispiel Strassen oder die Strom- und Wasserversorgung repariert. 500 Häuser wurden saniert.
Mehr als 600 Kinder erhielten Unterstützung beim Eintritt in Vorschulen und Schulen. Dadurch sank die Rate der Kinder, welche vorzeitig die Schule abbrachen. Über 200 Roma besuchten Berufsbildungskurse. Ein Teil davon konnte ihr Einkommen erhöhen.