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Von dem in vier Gruppen sich teilenden Giesserhandwerk gehörten die Kannengiesser und Hafengiesser zur Hausgenossenzunft, während die Zapfengiesser und Rotgiesser schon seit dem 14. Jahrhundert zu Safran dienten. Warum die Zapfen- und Rotgiesser als Feuerhandwerker nicht einer der beiden Essenzünfte, den Schmieden oder den Goldschmieden, zugewiesen wurden, findet seine Erklärung darin, dass die Produkte dieser Handwerke ursprünglich auf dem Importweg, besonders aus Nürnberg und Augsburg durch die Krämer beschafft wurden und alles «möschen», d. h. Messingware, als Krämerei galt. Den Krämern lieferten dann auch die hiesigen Rot- und Zapfengiesser engros Weinhahnen, Uhrschalen, Hausglöcklein u.a. In ihren Arbeitsbereich gehörte auch das Anfertigen von Brunnstiefeln und Brunnröhren. Die Lehrzeit bei ihrem Handwerk betrug drei Jahre, das Lehrgeld 50-60 Gulden und einen Dukaten Trinkgeld.
Ein Rotgiesser besorgte im Mittelalter jeweilen auch das Gefecht der Wagen, Gewichte und Ellen. Er hatte vor versammeltem Vorstand einen «aufgehebten» Eid zu schwören, redlich und recht zu fechten. Zu den vom Oberknecht verwahrten Requisiten des Gefechts gehörten 16 Pfund eingesetztes Normalgewicht, ferner «I issen, da man dz klein Weglin anhenkt», Normaleisen zum Ellenfechten und «IIII zeychen ysen zuo stempfen un zuo brennen». Ein halbes Jahrhundert lang 1440-1490, war die aus Nürnberg stammende Giesserfamilie Hofmeister Inhaberin dieser Funktion. Mit dem Jahre 1490 ging das gesamte Gefecht an den Oberknecht als «Fechtmeister» über.
Als wohlgelungenes Gusswerk eines in Renaissanceformen geübten Meisters ist die 1537 erstellte bronzene Gedenktafel am Rathaus zum Gedächtnis der Birsighochwasser von 1529 und 1530 zu nennen. Ihr Verfertiger wird in der Fronfastenrechnung 1536/37 kurzweg als Conrad der Zapfengiesser bezeichnet. Es ist dies der 1523 zünftig gewordene Zapfengiesser Cuntz resp. Conrat Pfister von Nürnberg.
Auch die Basler Meister der Rot- und Zapfengiesser, die hauptsächlich aus Nürnberg zugewandert waren, unterstanden in Handwerkssachen dem über das Reich verbreiteten Giesserbund, der seinen Sitz in Nürnberg hatte. Die Safranzunft war aber nicht gewillt, die Gerichtsbarkeit dieses Bundes anzuerkennen, wie der folgende Streithandel beweist. Im Jahre 1579 hatten Marx Sperlin und Diebold Buch ihren Mitmeister Lorenz Pfister wegen Nichteinhalten der Ordnung durch ein Schreiben in Nürnberg verklagt, damit er nach Handwerks Gewohnheit gestraft werde. In der Tat wurde Pfister hierauf die Werkstatt niedergelegt und kein Geselle wollte mehr für ihn arbeiten. Die Zunft hob die Strafe auf, verglich von sich aus den Streit und gebot, wenn in Zukunft einer Anspruch auf den andern habe, so sollten sie es nirgends anderswo als vor Meine Herren bringen, sonst werde man ihnen gegebenenfalls «einen Fuss zum andern setzen»6.
Obwohl die Hafengiesser resp. Büchsen- und Glockengiesser zu Hausgenossen hoch und nieder dienen mussten, kauften sich im 15. Jahrhundert gerade ihre bedeutendsten Vertreter auch zu Safran ein. Es betrifft dies Fälle der Mehrzünftigkeit, vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen, zugunsten freien Handelns. So wurde 1454 Hans Pieger (Peyer), der Schöpfer der Papstglocke im Münster, safranzünftig und 1463 sein Sohn Ludwig Peiger, der neben der Giesserei einen Import mit eisernen Pfannen trieb und den zahlreiche Glocken in der Eidgenossenschaft, aber auch zu Speyer und in München als ihren Schöpfer nennen. Ludwig Peyer war eine richtige Renaissance-Figur, seiner Kunst wegen weit berühmt, daneben eine ungestüme, wilde Natur, bei Spiel und üppigen Weibern ein ausgelassenes Leben führend, und schliesslich in dem grossen Münzbetrug von 1474 als mitschuldig erfunden7 ...
Im späten 16. Jahrhundert sehen wir auch Rotgiesser Glocken und Büchsen schaffen. In Auftrage des Rates gossen z. B. Lorentz Pfister und Marx Spörly in Verbindung mit einem zugezogenen fremden Meister mehrere Büchsen.
Als 1602 der Hafengiesser Hans Ulrich Rot den Rotgiesser Sebold Hoffman wegen Hafengiessens vor dem Bären (Hausgenossenzunft) verklagte, erklärte dieser, Rot giesse auch Glocken und Büchsen, obwohl die Rotgiesser allein hiezu befugt seien, wie es beispielsweise von Zürich und Nürnberg kundig sei. Bei einer Mark Silber wurde den beiden auferlegt, einander nicht in das Handwerk zu greifen. Damit gab sich Hoffman nicht zufrieden; er supplizierte an den Rat mit dem Hinweis, er habe an die 700 Stück Hafenformen, die er nun mit grossem Verlust liegen lassen müsste. Laut Ratsspruch vom 10. April 1602 sollte er fürder zu Safran hoch und nieder dienen; er wurde deswegen auch mehrfach gemahnt und gebüsst, blieb aber nun auf dem Bären leibzünftig und half sich aus dem Dilemma, dass er seinen Sohn Martin, der im Betrieb des Vaters als Rotgiesser tätig war, 1603 zu Safran zünftig werden liess.
Mehr und mehr hielten sich die Rotgiesser an die Hausgenossenzunft. Bereits im offiziellen Handwerkverzeichnis zu Safran vom Jahre 1600 wurden sie als nicht mehr streng safranzünftiger Beruf weggelassen und auch die städtische Taxordnung von 1646 führt Hafengiesser und Rotgiesser als Einheit.