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Das Geschlecht des Kindes – nur ein Zufall?
Ob in einer Familie ein Junge oder ein Mädchen zur Welt kommt, wird im allgemeinen als ein Ergebnis des Zufalls betrachtet. Denn genetisch gesehen ist das Geschlecht definiert durch das X-Chromosom (weiblich) oder das Y-Chromosom (männlich), das von den männlichen Geschlechtszellen getragen wird, die die Eizelle befruchten. Tragen die Spermien das X-Chromosom, so gesellt sich dieses zum X-Chromosom der weiblichen Eizelle, und das Kind ist weiblichen Geschlechts. Wenn die Spermien Träger des Y-Chromosoms ist, wird das Kind männlich sein. Da die Eizellen immer nur Träger eines X-Chromosoms sind, bestimmen also die männlichen Geschlechtszellen das Geschlecht des Kindes.
Die Biologie geht davon aus, daß der Zufall darüber bestimmt, welchem unter den 100 bis 300 Milliarden Spermien, die die Eizelle zu erreichen versuchen, die Befruchtung gelingt. Aber ist das Geschlecht des Menschen tatsächlich nur ein Ergebnis des Zufalls?
Zufall oder Voraussicht?
Bei näherer Betrachtung zeigt sich, daß hinter dem vermeintlichen Zufall offenbar doch steuernde, voraussehende Kräfte tätig sind.
Da es, bedingt durch deren Entstehung, immer gleich viele X-Chromosomen-Träger wie Y-Chromosomen-Träger unter den Spermien gibt, wäre die Wahrscheinlichkeit für Jungen- und Mädchengeburten genau gleich groß. Tatsächlich halten sich überall auf der Erde die weiblichen und die männlichen Geburten in etwa die Waage, daher spricht man vom "Geburtengleichgewicht". Ganz exakt allerdings handelt es sich um 49 Prozent weibliche Geburten und 51 Prozent männliche. Auf 100 Mädchengeburten kommen immer ungefähr 104 Jungengeburten. Der Grund dafür liegt darin, daß während der Schwangerschaft, bei der Geburt und während des ersten Lebensjahres mehr Jungen als Mädchen sterben. Die Natur kompensiert diese biologische Schwäche durch eine größere Anzahl von Jungen, damit das Geburtengleichgewicht erhalten bleibt.
Daran aber erkennt man, daß die Entstehung des körperlichen Geschlechtes doch nicht zufällig erfolgt, sondern durch eine voraussehende Kraft gesteuert wird. Und noch ein anderes Regulationsphänomen zeigt, daß der vermeintliche Zufall höheren Gesetzmäßigkeiten folgt: In Nachkriegszeiten, wo der weibliche Bevölkerungsanteil überwiegt, weil viele Männer im Kampf gefallen sind, gibt es immer eine deutliche Zunahme der Jungengeburten, bis der Mangel an männlichen Vertretern in der Bevölkerung wieder ausgeglichen ist.
Die Natur wirkt also offenbar darauf hin, daß der Anteil an Frauen und Männern auf der Erde ausgeglichen ist. Aber warum? Das Fortbestehen der Menschheit ist von dieser Ausgewogenheit nicht abhängig, denn es können wenige Frauen viele Kinder gebären oder viele Frauen wenige Kinder zur Welt bringen; vom biologischen Standpunkt aus könnte es also ruhig ein Ungleichgewicht geben.
Der Grund für die Ausgewogenheit liegt auf der geistigen Ebene. Denn das Geschlecht des Menschen definiert sich, tiefer betrachtet, nicht durch die körperlichen Unterschiede, sondern durch die seine innere Ausrichtung: Die weibliche Wesensart ist sensibler, mehr in sich gekehrt, empfangend, während die männliche Wesensart aktiver, unternehmerischer, also mehr nach außen gerichtet ist. Beide Wesensarten sind gleich wichtig und sollen sich im Wirken des Menschen auf Erden ergänzen. Einer Gesellschaft, die beispielsweise zu 80 Prozent männlich wäre und daher einem bedenkenlosen Unternehmungs-, Entdeckungs- und Eroberungsdrang folgte, würde der intuitive, mäßigende Einfluß der Frau fehlen. Man kann sich gut vorstellen, daß eine solche Gesellschaft sich ohne Bedacht in große Projekte und tolle Abenteuer stürzt, daß diese Unternehmungen aber bald wieder "im Sand verlaufen", weil die Energie zu sehr nach außen gerichtet ist und dem Unterhalt und Schutz zu wenig Wert beigemessen wird.
Umgekehrt würde eine Gesellschaft, die zu 80 Prozent aus Frauen besteht, zu sehr auf die Bewahrung des Erworbenen konzentriert sein. Das Innere wäre wohl solide, aber es gäbe keine große Front, die entschlossen nach Neuem strebt.
Die Erhaltung des Gleichgewichtes zwischen den Geschlechtern auf der Erde ist also der Ausdruck einer höheren Weisheit, die ein harmonisches Zusammenwirken aktiver und passiver Kräfte begünstigt, wodurch sich die Menschheit insgesamt entfalten kann. Denn sowohl Männer als auch Frauen benötigen als Ergänzung die Kräfte, welche das eigene Geschlecht nicht bietet.
Ein gesteuertes Wettrennen
Ob ein Junge oder ein Mädchen zur Welt kommt, wirkt sich für die Eltern sehr unterschiedlich aus. Es gibt ihrem Leben und den Erfahrungen, die sie machen, eine völlig andere Färbung. Auch auf Grund dieser weitreichenden Tatsache könnte man doch vermuten, daß das Geschlecht nicht vom zufälligen Ausgang eines Wettrennens zwischen "X" und "Y" abhängt.
Wirklich entscheidend ist für den konkreten Einzelfall letztlich die (weibliche oder männliche) Art der Seele, die zu den Entwicklungsbedürfnissen der Eltern passen muß. Es sind die Eltern, die einer Seele die Gelegenheit zur Inkarnierung bieten. Sie ermöglichen die Befruchtung und sind der Ausgangspunkt nicht nur für alle körperlichen Prozesse, sondern auch für alle Strahlungsvorgänge, die letztlich in eine Inkarnation münden. Eine Mutter, die zum Beispiel einen Sohn braucht, strahlt auf eine besondere Weise ganz anders aus, als wenn sie eine Tochter brauchen würde. Bestimmte Ausstrahlungen schaffen eine bestimmte Umgebung, die es auf der körperlichen Ebene einer bestimmten Spermien-Art ermöglicht, das Rennen um die Befruchtungsmöglichkeit zu gewinnen.
Natürlich können sich die Entwicklungsbedürfnisse der Eltern im Lauf der Zeit ändern, sodaß die Kinder einer Familie unterschiedliche Geschlechter haben. Jedenfalls aber ist es nie der Zufall, der das "Rennen um das Geschlecht" steuert.
Das Geschlecht des Kindes gezielt wählen
Obwohl also bestimmte Gesetzmäßigkeiten darüber wachen, daß alle Inkarnationen höheren Zielen dienen, versucht der Mensch schon lange, das Geschlecht des Kindes nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu bestimmen.
Zahlreiche Methoden wurden angewendet: Magische Rituale und Talismane sollten helfen, besondere Arzneitränke, Diäten, das Beachten von Mondphasen und so weiter. Glücklicherweise waren diese Methoden nicht verläßlich. Jedoch gibt es mittlerweile medizinische Verfahren, die hohe Erfolgsraten in Aussicht stellen, indem sie gezielt mit bestimmten Spermien arbeiten.
Mit der Entwicklung dieser Methoden scheint der Mensch nun doch fähig geworden zu sein, das Geschlecht seines Kindes zu wählen. Aber was auf den ersten Blick wie ein Fortschritt wirken mag, ist im Grunde keiner. Denn welche Eltern könnten von sich sagen, daß sie über genügend Weisheit verfügen, um eine angemessene Entscheidung darüber zu treffen, welche Art Seele wirklich zu ihnen paßt?
Man tut besser daran, der Natur und ihren Gesetzmäßigkeiten zu vertrauen. Dann kann sich im Geheimnis der Geburt nämlich das vollziehen, was geistig, also für die innere Entwicklung aller Beteiligten, am vorteilhaftesten ist.
Das Geheimnis der Mutterliebe
Wenn sich eine Menschengeburt ereignet hat, dann bleiben die zahlreichen feinen Fäden, die die Inkarnierung ermöglichten und die Mutter mit dem Kind während der Schwangerschaft verbunden haben, noch weiterhin bestehen.
Diese menschliche Verbundenheit ist sehr wichtig, denn das kleine menschliche Wesen ist – im Gegensatz zu gewissen Tierjungen, die nach der Geburt bald auf eigenen Beinen stehen – vollkommen abhängig von seiner Mutter. Es kann sich weder selbst ernähren, noch sich fortbewegen oder sich verteidigen.
Die feinen Verbindungsfäden erlauben der Mutter nun zu wissen, wie es ihrem Kind geht und was es braucht. So kann sie zum Beispiel schon im voraus ahnen, daß das Kind Durst hat, daß es ihm zu warm ist oder daß es durch etwas gestört wird. Die Mutter kann sogar in einem anderen Raum beschäftigt sein und trotzdem plötzlich spüren, daß das Kind sie braucht. Sie kann scheinbar grundlos mitten in der Nacht aufwachen, um dann, Momente später, das Schreien ihres Kindes zu hören. Diese feinen Verbindungsfäden gehören zu dem, was man "Mutterliebe" nennt, also zu der vollkommenen Hingabe der Mutter an das kleine Wesen. Dieser natürliche Drang entwickelt sich bei der Frau normalerweise automatisch und umfaßt zu Beginn vor allem die Sorge um alles Körperliche – Ernährung, Schutz, Pflege –, ehe sie sich auf die Unterstützung des Kindes im Erlernen der Bewegungen oder des Sprechens ausweitet.
Mit der Zeit aber vermindert sich diese besondere Art der Liebe, und eines Tages kommt der Moment, in dem das Kind, zu einem jungen Erwachsenen geworden, selbst für sich sorgen kann. Die Mutterliebe sollte ihren Platz dann einer anderen Art von Liebe überlassen haben, wie sie einer freundschaftlichen Beziehung zwischen gleichwertigen Erwachsenen angemessen ist.
Der junge Mensch wird das familiäre Nest verlassen, um mit seinen eigenen Flügeln zu fliegen. Und die Eltern können nun zufrieden sein, daß sie ihre Aufgabe erfüllt haben, die darin bestand, einer Seele die Inkarnation zu ermöglichen und sie für ihren weiteren Erdenaufenthalt vorzubereiten …
Christopher Vasey
Dieser Artikel basiert sich auf den Kenntnissen der Gralsbotschaft