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Die Überhänge blieben trocken
Im Frühsommer purzelten einige 9as. Und ein «Exilschweizer» räumte trotz verregnetem Juni ab.
Am Seil
Nachdem Nina Caprez1 im Februar eine ernsthafte Virusinfektion durchgemacht hatte, fand sie Ende Juni wieder zu ihrer Form: Mit Titanic (7c+, 450 m, 17 SL) in Chartreuse läutete sie ihr Comeback ein. Jonas Schild (24) punktete im April im Lehn mit Amber (8c). Im Mai durchstieg Alexander Rohr2 (20) Ultime Souffrance (9a) in St. Loup. Damit gelang ihm wohl die erste Wiederholung der Linie, die einen Boulderstart vor Non à la Bombe (8c+) vorschaltet.
Dimitri Vogt (19) kletterte im Juni Goldfinger in Gimmelwald und Verbrecher im Polizeiposten Sarnen (beide 8c). Zusammen mit Silvan Schüpbach (36) knackte er zudem im Valle d’Orco die von Tom Randall mit 8b+ bewertete Risslinie Anna Kournikova. Der Riss verläuft durch ein immenses Dach und muss vollständig selber abgesichert werden. Cédric Lachat3 (32) konnte in Bionnassay Takamine als Erster frei klettern. Er schlägt eine 9a als Bewertung vor. Zudem punktete er bei Haribal Lecter (9a), die er aber auf 8c abwertet. Danach folgte der nächste Streich: In Le Perchoir bei Argentière-La-Bessée knackte er – ebenfalls als Erster – Du neuf avec du vieux (9a). Filidor-Führer-Autor Sandro von Känel (29) gelang Ende Juni die Begehung von Tornado Power (8c) in Gimmelwald. Und dann war da noch ein Gast, ein Exilschweizer sozusagen: Jonathan Siegrist4. Seine Grosseltern waren von Zürich in die USA emigriert. Siegrist blieb den ganzen verregneten Juni hier und es gelangen ihm einige aussergewöhnliche Routen, darunter im Voralpsee Missing Link (8c+/9a), in Rawyl Hyper Finale (9a) und Cabane au Canada (9a) sowie in Gimmelwald El Molinero (8c), Gimmel Express (8c+) und Jungfraumarathon (9a). Letzteren hatte Simon Wandeler 2008 geklettert, aber die Route hatte bis dato keine Wiederholung. Siegrist gelang nun die erste.
Am Block
Er bleibt den Blöcken treu: Samuel Ometz wiederholte im Juni den Boulder La Cantolle (Fb 8b) in Pralong. Ausserdem gelangen ihm noch Zarmina und Rust in Peace in Champorcher und The Bizarre Ride sowie Riders on the Storm im Magic Wood (alle Fb 8a+).
Wettkampf
Gut läuft es den Schweizer Frauen: Petra Klingler verpasste zwar Anfang Saison am Boulderweltcup in Meiringen knapp den Final und wurde Zehnte. Kurz darauf schaffte sie es in Japan auf den 4. Rang. Überraschend gewann sie dann im Juni ihren ersten Schweizer-Meister-Titel im Lead, denselben Titel im Bouldern hatte sie schon im April geholt. Ein grosser Exploit gelang Anne-Sophie Koller am Lead-Weltcup in Chamonix im Juli. Sie schaffte es zwar «nur» auf den 7. Rang. Aber damit kletterte seit 2010 erstmals wieder eine Schweizerin im Final eines Lead-Weltcups.
Sascha Lehmann5 bewies seine Form am Jugend-Europacup im Mai mit dem 2. Rang im Lead. Kein Wunder holte er sich dann in seinem ersten Jahr bei der Elite auch gleich den Lead-Schweizer-Meister-Titel. Sofya Yokoyama punktete im Mai am Jugend-Europacup mit dem 3. Rang im Bouldern. Und Andrea Kümin erkämpfte sich Rang 2 in Graz und Rang 3 in Warschau.