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<h2>SubmittedText<h2><p>Einem Artikel im Bulletin 2/97 der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften ist zu entnehmen, dass im Rahmen der Evaluation der historischen Wissenschaften eine Expertin mit der Beurteilung der Situation der Frauen- und Genderforschung in der Schweiz beauftragt wurde. Das Resultat dieser Überprüfung ist für die schweizerische Wissenschaft niederschmetternd. Nach 25 Jahren sei dieser wissenschaftliche Ansatz in der Schweiz immer noch am Nullpunkt. Mit Ausnahme der Geschichte habe keines der evaluierten Fächer den Paradigmenwechsel, den die feministische Wissenschaftskritik um 1970 auslöste, zur Kenntnis genommen. Die wissenschaftliche Praxis werde nach wie vor unlegitimiert und unreflektiert von einem Androzentrismus geprägt. Und: "Angesichts der fortgeschrittenen Institutionalisierung von Frauen- und Genderforschung in den USA und in Westeuropa und angesichts der heute selbstverständlichen Integration von geschlechtsspezifischen Fragestellungen ist die massive Resistenz gegenüber der Analysekategorie 'gender' in der Schweiz mehr als eine männliche Gedankenlosigkeit. Sie ist eine wissenschafts- und geschlechtspolitische Option."</p><p>Beunruhigt über diese Beurteilung, bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Hat der Bundesrat diese Beurteilung zur Kenntnis genommen?</p><p>2. Welche Konsequenzen zieht der Bundesrat aus dieser Beurteilung?</p><p>3. Ist sich der Bundesrat der sozialen und politischen Folgen der nach wie vor herrschenden androzentrischen Forschung und Lehre in der Schweiz bewusst?</p><p>4. Müsste nicht ein Teil der Bundesgelder, die an die Universitäten fliessen, an den Auftrag gebunden werden, Frauen- und Genderforschung in allen Wissenschaftsdisziplinen voranzubringen?</p><p>5. Müsste - angesichts des fehlenden Interesses der kantonal organisierten Universitäten - nicht ein schweizerisches Institut für feministische Wissenschaften eingerichtet werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bundesrat verfolgt mit Interesse das Projekt des Schweizerischen Wissenschaftsrates, die Geisteswissenschaften in der Schweiz zu untersuchen, und erwartet vor Ende dieses Jahres dessen Stellungnahme zum Evaluationsbericht der internationalen Expertinnen- und Expertengruppe. Diese Expertinnen und Experten sind im Rahmen ihrer Abklärungen zu elf ausgewählten Disziplinen (u. a. den historischen Wissenschaften: Altertumswissenschaften, Archäologie, Geschichte, Kunstgeschichte, Theologie, Religionswissenschaften) auch auf die Lage der Gender Studies eingegangen.</p><p>2. Der Bundesrat wird aufgrund der Stellungnahme des Wissenschaftsrates das weitere Vorgehen festlegen. Denkbar ist die Weiterleitung der Analysen und Empfehlungen an interessierte Kreise und die Aufnahme u. a. in die "Zielvorstellungen für die Entwicklung der schweizerischen Hochschulen" des Wissenschaftsrates, die ihrerseits eine der Grundlagen für die gesamtschweizerische Hochschulpolitik und die Kreditvorlage an die eidgenössischen Räte für die Hochschulförderung des Bundes in der nächsten Beitragsperiode (2000 bis 2003) bilden werden.</p><p>3. Die sozialen und politischen Folgen der "herrschenden androzentrischen Forschung und Lehre" sind für die Schweiz bisher empirisch nicht genügend untersucht worden; dies wäre ein Desiderat für ein Forschungsprojekt über die gesellschaftlichen Wirkungen bestimmter Forschungstendenzen, mit dem beispielsweise der Wissenschaftsrat zusammen mit spezialisierten Gremien und Fachstellen (wie etwa die Konferenz der Frauenbeauftragten an den schweizerischen Hochschulen Kofrah, die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen, der Verein Feministische Wissenschaft und das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann) beauftragt werden könnte.</p><p>4. Der Bund fördert bereits heute mittels bestehender Instrumente (wie etwa der Nationalen Forschungsprogramme, z. B. NFP 35 "Frauen in Recht und Gesellschaft", der Schwerpunktprogramme, z. B. SPP "Zukunft Schweiz") in Ansätzen die Gender Studies. Zudem bereitet der Wissenschaftsrat (nach Rücksprache mit anderen wissenschafts- und frauenpolitischen Organen) eine Untersuchung über die Forschung und Lehre in den Gender Studies in der Schweiz vor.</p><p>Das Bundesgesetz über die Hochschulförderung (HFG 1991) erlaubte es dem Bund bisher nicht, mittels dieser Subventionen unmittelbar auf Lehr- und Forschungsinhalte der autonomen kantonale Universitäten Einfluss zu nehmen.</p><p>Es steht indessen ausser Zweifel, dass sich Bund, Kantone und Universitäten auch finanziell weiterhin dafür einsetzen sollten, dass die Lehr- und Forschungsstrukturen im Bereich Gender Studies verbessert werden.</p><p>5. Die Frage nach der Zweckmässigkeit der Gründung eines gesamtschweizerischen Instituts eigens für feministische Wissenschaften wird u. a. Gegenstand der in Vorbereitung befindlichen, unter Ziffer 3 erwähnten Studie des Wissenschaftsrates sein müssen. Der Bundesrat wird nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse besser beurteilen können, welche institutionellen Massnahmen zur Verbesserung der Frauen- und Genderforschung in allen Wissenschaftsdisziplinen zu ergreifen sein werden, und ob und inwieweit die Schaffung eines Instituts ein gangbarer Weg wäre, um Artikel 4 Absatz 2 der Bundesverfassung im Bereich der Wissenschaft umzusetzen.</p>  Antwort des Bundesrates.