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Beate Schnitter studierte von 1948 bis 1954 Architektur an der ETH Zürich und erhielt Inspiration und ihre praktische Ausbildung im Führen von Baustellen bei den renommierten Architekten Haefeli Moser Steiger. Sie übernahm 1955 das Architekturbüro ihrer Tante – der Schweizer Architekturpionierin Lux Guyer – nach deren plötzlichem Tod. Lux Guyer hatte die erste Schweizer Ausstellung für Frau und Arbeit SAFFA 1928 geleitet. An der zweiten Ausstellung, der SAFFA 1958, war Beate Schnitter mit der Ladenstrasse präsent. Beide brachten eine prononciert neue und weibliche Sicht auf den Raum in die Architektur, so den schwellenlosen Rundlauf durch Räume und die Vergegenwärtigung von Zeit in der Art, wie die Räume benutzt werden, zum Beispiel die Küche mit ihrem Bezug zum Essen und Wohnen. Beate Schnitter nannte das: die vierte Dimension, den Einbezug von Zeit in die Gestaltung. Sie gab dieser Auffassung erstmals einen theoretischen Rahmen –, auch sie eine Architekturpionierin.
In den Nachkriegsjahren überrollte eine beispiellose, die historische Kernsubstanz zerstörende Baulawine die Schweiz. Beate Schnitter wirkte 1972 bis 1999 als Bauberaterin für den Schweizer Heimatschutz. Sie widmete sich übergeordneten Fragen der Raumplanung, leistete Schützenhilfe bei der Linienführung der Nationalstrassen, vertrat die Interessen des Schweizer Heimatschutzes bei der Erarbeitung des Bundesinventars schützenswerter Ortsbilder von nationaler Bedeutung ISOS und wurde für heikle Gespräche mit Bauherrschaften beigezogen. Sie kannte jedes Tal, jeden Ort, die ganze Schweiz. Sie erhob als eine der Ersten ihre Stimme gegen den Abbruch bedeutender Zeugnisse der Nachkriegsmoderne.
Ihre Vorstellung von genossenschaftlichem Wohnen realisierte sie in der EIWOG in Stäfa. Ihren Umgang mit wertvollen Bauzeugnissen machte sie in der Restaurierung der alten Semper-Sternwarte der ETH Zürich sichtbar.
Das Wohnhaus «Sunnebüel» in Itschnach wurde nach dem 2. Weltkrieg zum Sitz der Familie Schnitter, die ihr ganzes Hab und Gut in der Bombardierung von Rotterdam im Mai 1940 verloren hatte und die Einrichtung des Hauses unverändert übernahm. Das Haus Sunnebüel inklusive dessen Innenreinrichtung ist eine hochrangige Architekturperle aus der Hand von Lux Guyer. Beate Schnitter baute in die Südwestecke des Grundstücks das Haus im Garten und unweit davon eines ihrer Hauptwerke, das Haus Gelpke-Engelhorn mit einem Grundriss in Fächerform, der sich an Alvar Aalto anlehnt (vgl. PDF: Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine 3/2017). Zusammen mit dem Mendelhaus und dem Rebhaus von Lux Guyer bilden die fünf Bauten in Itschnach ein in der Schweiz einzigartiges Ensemble zweier Architekturpionierinnen. Der Zürcher Heimatschutz hat das Haus Gelpke-Engelhorn in einem langen Rechtsstreit vor dem Abriss bewahrt.
Zu einem frühen Zeitpunkt, 1967, wurde Beate Schnitter zur Aufnahme in den Bund Schweizer Architekten BSA eingeladen. Für ihre Lebensleistung in Architektur und Kultur hat Beate Schnitter als eine der damals wenigen Frauen eine Monographie erhalten, die leider vergriffen ist. Für ihr vielseitiges baukulturelles Engagement ist und bleibt der Heimatschutz voller Dankbarkeit und mit lebhafter Erinnerung an diese gescheite und wache Frau mit ihrem spielerischen Sinn für Ironie und Humor.
Für den Schweizer Heimatschutz: Lydia Trüb, ehem. Vizepräsidentin des Zürcher Heimatschutzes
Das Haus von Beate Schnitter in Itschnach: «Das Haus Sunnebüel ist ein Familienhaus»
Artikel aus Heimatschutz/Patrimoine 3/2017