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Am 14. Oktober 2019 war es wieder soweit, die Nobelpreise wurden vergeben. Auch für Calcutta Rescue war das ein aufregender Tag, denn gleich drei Personen, welche die Arbeit der Organisation auf verschiedene Art beeinflussen, erhielten den Nobelpreis für Wirtschaft. Der Inder Abhijit Banerjee (*1961), die Französin Esther Duflo (*1972) und der Amerikaner Michael Kremer (*1964) bekamen dieses Jahr den Preis für ihren experimentellen Ansatz zur Bekämpfung von Armut. Dank ihrem Ansatz in der Entwicklungsökonomie geht es nun Millionen von Menschen besser.
Feldexperimente verwandeln das Forschungsfeld
„Die drei Forscher haben die Bekämpfung der globalen Armut revolutioniert. Die von ihnen initiierten Feldexperimente haben die Entwicklungsökonomie in den letzten zwanzig Jahren in ein blühendes Forschungsfeld verwandelt“, sagte Göran Hansson, der Generalsekretär der königlichen Wissenschaftsakademie in Stockholm bei der Preisverleihung. Trotz markanter Verbesserungen des globalen Lebensstandards gehöre Armut immer noch zu den grössten Herausforderungen. Weltweit leben über 700 Mio. Menschen in extremer Armut. Gleichzeitig stirb eines von fünf Kindern vor seinem fünften Lebensjahr und die Hälfte aller Kinder verlässt die Schule, ohne richtig lesen, schreiben und rechnen zu können. Die Arbeiten von Kremer, Duflo und Banerjee sind revolutionär, da sie konkrete Massnahmen zeigen, von welchen Millionen von Menschen profitieren. Dies trägt zu einem Umdenken von Hilfsorganisationen und Politikern bei.
Abhijit Vinayak Banerjee wurde in Mumbai geboren und wuchs in Kolkata auf. Er studierte an der Universität von Kolkata und unterrichtet inzwischen als Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er schrieb zusammen mit Esther Duflo das Buch „Poor Economics“, welches vorherrschende Meinungen mit Beweisen bekämpfen möchte. Mal werden Arme bemitleidet, mal bewundert. Weil sie wenig besitzen und kaum konsumieren, gelten sie für die Wirtschaftssysteme in aller Welt als eher uninteressant. Einschätzungen wie diese führen zu falschen Strategien in der Armutsbekämpfung. Ohne zu akzeptieren, dass Armut ein komplexes und vielschichtiges Problem ist und die betroffenen Menschen eine gründliche Analyse verdienen, werden Lösungen nicht funktionieren. Genau hier setzt auch Calcutta Rescue an:
Forschung bei Calcutta Rescue
Volontäre aus Grossbritannien mit einem Abschluss in Ökonomie haben zusammen mit den Mitarbeitenden von Calcutta Rescue die vermutlich detaillierteste Untersuchung zur Armut in den Slums von Kolkata durchgeführt. Die Studie umfasste 664 Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern von 16 Slums, in denen Calcutta Rescue arbeitet. Jedes Interview dauerte zwischen 25 und 50 Minuten. Das 17-köpfige Team benötigte dafür vier Monate. Das Projekt war die Idee des Geschäftsführers von Calcutta Rescue, Jaydeep Chakraborty, für den das Buch „Poor Economics“ seit vielen Jahren eine Inspiration ist. Er wollte die Probleme der Menschen, denen Calcutta Rescue in verschiedenen Bereichen hilft, verstehen, damit die Organisation ihre Ressourcen effektiver einsetzen kann. Dazu gehört es, allgemeine Annahmen darüber, was arme Menschen brauchen, aufzugeben. Stattdessen müssen detaillierte Recherchen durchgeführt werden, um die Fakten in jeder Situation zu ermitteln und dann massgeschneiderte Lösungen zu finden.
Endlich ist die erste Phase der Untersuchung abgeschlossen. Wir erwarten die Ergebnisse in den nächsten Wochen. Calcutta Rescue freut sich, diese hoffentlich bald mit Ihnen teilen zu können!
Das Buch „Poor Economics: A Radical Rethinking of the Way to Fight Global Poverty“ ist seit der Erscheinung im Jahr 2011 eines der Lieblingsbücher von Jaydeep Chakraborty, des Geschäftsführers von Calcutta Rescue! Das Buch setzt kein wirtschaftliches Vorwissen voraus, aber wird Ihnen einen entscheidenden Einblick in die modernsten Methoden der Entwicklungsökonomie geben. Alternativ kann auch der TED Talk „Social experiments to fight poverty“ von Ester Duflo (siehe unten) mit deutschen Untertiteln von 2010 empfohlen werden.