Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03329.jsonl.gz/1542

Medienmitteilungen 2020
Auf Grund der aktuellen Gefahrenlage, bedingt durch die Verbreitung des Coronavirus und deren Folgen für die sanitäre Situation, insbesondere auch im Tessin, hat das Gericht beschlossen, einen Teil des Prozesses zur Wahrung der Sicherheit und Gesundheit der zahlreichen aus Afrika anreisenden Teilnehmer auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen. So werden vom 3. bis 11. Dezember zuerst die Behandlung der Vorfragen sowie die Einvernahme des Beschuldigten stattfinden. Die Fortsetzung des Prozesses wird sodann nächstes Jahr zu einem demnächst festzulegenden Zeitpunkt stattfinden. Aus Gründen der Effizienz und Sicherheit führt das Gericht seine Bemühungen zur Durchführung der Einvernahmen mindestens eines Teils der Prozessteilnehmer via Videokonferenz dank der wertvollen Unterstützung des EDA, in Afrika stationierter Schweizer Diplomaten sowie der Behörden des Landes, deren Territorium für eine Durchführung der Einvernahmen in Frage käme, weiter. Auf diese Weise könnte den sanitären und logistischen Problemen begegnet werden, die mit einer Reise in die Schweiz durch die Privatklägerschaft und die Zeugen einhergingen.
Kontakt:
Bundesstrafgericht, Pressestelle, Tel. 058 480 68 68, E-Mail: <email-pii>
Nachdem der Prozessauftakt ursprünglich für April 2020 vorgesehen war, sah sich das Gericht am 13. März 2020 auf Grund der COVID-19-Pandemie gezwungen, diesen zu vertagen. Wegen der pandemiebedingten Einschränkungen sowie den mit derselben für die 14 vorgeladenen Personen verbundenen Risiken suchte das Gericht nach einer Möglichkeit, die Einvernahme dieser Personen mittels Videoschaltung durchzuführen. Hierfür bedurfte es nicht nur der Einwilligung der örtlichen Behörden, sondern zusätzlich der Unterstützung durch eine diplomatische Vertretung in Monrovia, da die Schweiz an besagtem Orte weder über eine Botschaft noch über ein Konsulat verfügt.
Nachdem zuerst eine Verlegung des Prozesses auf August ins Auge gefasst worden war, entschied das Gericht letztlich, diesen auf Grund der Schwierigkeiten mit seinen Gesprächspartnern sowie der betroffenen Personen, sich während der Regenzeit nach Monrovia zu begeben, im November/Dezember 2020 durchzuführen, in der Hoffnung, dass sich die Situation bis zu diesem Zeitpunkt massgeblich entspannen würde.
Nach entsprechenden Vorstössen erhielt das Gericht zunächst die schriftliche Erlaubnis des liberianischen Solicitor general sowie die Einladung seitens der Botschaft eines Drittlandes, das jedoch nach mehr als drei Monaten auf die Bedingungen seines ursprünglichen Angebotes zurückkam. Die lokalen Behörden wiederum stellten entgegen jeglicher Erwartung neue Bedingungen, deren Formulierung zu unklar war, als dass das Gericht sie hätte erfüllen können. Zudem verfügt das Gericht noch nicht über die Zusage, die Videokonferenz mit der Unterstützung eines örtlichen Partners durchführen zu können.
Auf Grund der vorhandenen Widerstände hat das Gericht – trotz der Unterstützung durch das EDA und dessen Vertretung in Abidjan – entschieden, abzuwarten bis die Anreise in die Schweiz der sieben Privatkläger wieder möglich ist. Um die Wahrscheinlichkeit ihrer Teilnahme zu erhöhen, beabsichtigt das Gericht nach wie vor, die Zeugen – zu deren Erscheinen das Gericht diese nicht verpflichten kann sondern bloss zur Teilnahme einladen kann – mittels Videoübertragung einzuvernehmen.
Das EDA ist zudem weiter, mit der Unterstützung seiner Vertretung in der Elfenbeinküste, darum bemüht einen für die Zeugeneinvernahme geeigneten Ort in Westafrika zu finden. Sollten diese Bemühungen wider Erwarten scheitern, so wäre das Gericht gezwungen, die Zeugen Ende Dezember in der Schweiz vorzuladen – trotz aller damit verbundenen Unsicherheiten, Risiken und Unannehmlichkeiten.
Da die sanitäre Lage nach wie vor besorgniserregend erscheint, befürchtet das Gericht durch ein Festhalten am Prozessauftakt am 16. November 2020, die Verfahrensbeteiligten erheblicher Gefahren auszusetzen, weshalb dieser um zwei Wochen nach hinten verschoben wird. Sollte sich die Situation positiv entwickeln, wird der Prozess vom 30. November bis 18. Dezember 2020 stattfinden.
Da unverjährbare mutmassliche Delikte zu beurteilen sind, steht die ordnungsgemässe Durchführung des Prozesses durch diese Vertagung nicht auf dem Spiel.
Durch die pandemiebedingten Risiken ist die Anzahl der Plätze für das an der Teilnahme an der Verhandlung interessierte Publikum sowie für Journalisten besonders begrenzt. Die wenigen Plätze werden nach der Reihenfolge des Eintreffens vergeben.
Kontakt:
Bundesstrafgericht, Pressestelle, Tel. 058 480 68 68, E-Mail: <email-pii>
Am 30. Oktober 2020 fällte die Strafkammer des Bundesstrafgerichts das Urteil in der Strafsache Bundesanwaltschaft und D. gegen den ehemaligen Generalsekretär der D. A., den Direktor der G. B. sowie den griechischen Geschäftsmann C.
A. war der qualifizierten ungetreuen Geschäftsführung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB), der passiven Privatbestechung (Art. 4a Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 23 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den unlauteren Wettbewerb vom 19. Dezember 1986, in seiner Fassung vor dem 1. Juli 2016 [aUWG]) sowie der Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) beschuldigt. B. war der Anstiftung zur qualifizierten ungetreuen Geschäftsführung (Art. 24 i.V.m. Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB) beschuldigt. C. war ebenfalls der Anstiftung zur qualifizierten ungetreuen Geschäftsführung (Art. 24 i.V.m. Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB) sowie zusätzlich der aktiven Privatbestechung (Art. 4a Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 23 Abs. aUWG) beschuldigt.
A. wurde wegen mehrfacher Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à CHF 200.- bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Von den übrigen Anklagepunkten wurde er freigesprochen. B. und C. wurden ebenfalls von den gegen sie erhobenen Anklagepunkten freigesprochen. Alle drei wurden jedoch zur Tragung der Kosten des Verfahrens und ihrer Verteidigung verpflichtet.
Die Strafkammer kam zum Schluss, dass A. von den zwei Mitbeschuldigten während seiner Zeit als Generalsekretär der D. ungebührende Vorteile erhalten hatte.
So erhielt A. im Februar 2014 eine Anzahlung in der Höhe von ca. EUR 500'000.- zurück, die er einem Dritten im Jahr 2013 für den Erwerb einer Luxusimmobilie auf Sardinien, geleistet hatte. Dies, nachdem die Immobilie anstelle von ihm selbst am 31. Dezember 2013 durch B. mittels einer eigens dafür in Katar errichteten Gesellschaft erworben worden war. A. wurde anschliessend die Möglichkeit der Nutzung dieser Immobilie eingeräumt, ohne dafür Miete bezahlen zu müssen, jedoch gegen Bezahlung bestimmter Unterhaltskosten. Im Gegenzug verpflichtete sich A. gegenüber B. dazu, seinen Ermessenspielraum als D.-Generalsekretär dazu einzusetzen, die Kandidatur von G. für den Abschluss einer Lizenzvereinbarung über die Medienrechte für die Regionen Nordafrika und Nahost im Rahmen der D.-Weltmeisterschaften 2026 und 2030 sowie zusätzlicher Veranstaltungen im gleichen Zeitraum zu fördern und zu unterstützen. Dieser Vertrag wurde von der D. am 29. April 2014 ratifiziert.
Des Weiteren machte A. von seinem Ermessensspielraum als Generalsekretär der D. Gebrauch, um den Abschluss eines sales representation-Vertrages mit der Agentur M. Limited über die Medienrechte für Italien und Griechenland im Rahmen der D.-Weltmeisterschaften 2026 und 2030 sowie der Confederation Cups im gleichen Zeitraum zu fördern und zu unterstützen. Am 19. März 2015 stimmte die D. dem Vorschlag A.s zum Abschluss dieser Verträge zu. Im Gegenzug nahm A. zwischen November 2013 und Juli 2014 drei Überweisungen seitens C. über insgesamt 1,25 Millionen Euro an.
In seiner Beurteilung des Vorwurfs der qualifizierten ungetreuen Geschäftsführung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB) stellte das Gericht fest, dass A. die Stellung eines Geschäftsführers innehatte und dass er seine Geschäftsführungspflichten, die sich namentlich aus internen Regeln und Weisungen der D. ergaben, durch die Annahme der obengenannten ungebührenden Vorteile verletzte. Das Gericht kam jedoch nicht zum Schluss, dass ihn diese ungebührenden Vorteile zu einem Verhalten bestimmt hätten, das gegen die wirtschaftlichen Interessen der D. verstossen hätte und somit für diese schädlich gewesen wäre. Vielmehr geht aus den übereinstimmenden Aussagen der befragten Personen hervor, dass die inkriminierten Verträge, deren Abschluss A. gefördert und unterstützt hatte, wirtschaftlich äusserst vorteilhaft für die D. waren. So bestanden keinerlei Indizien, die darauf hinweisen würden, dass die D. in der Lage gewesen wäre, vorteilhaftere Vereinbarungen über die genannten Medienrechte abzuschliessen. In Ermangelung eines Schadens ist der Tatbestand der qualifizierten ungetreuen Geschäftsführung nicht erfüllt und die Beschuldigten wurden von diesem Vorwurf freigesprochen.
Hinsichtlich des Vorwurfs der aktiven und passiven Privatbestechung (Art. 4a Abs. 1 lit. a und b i.V.m. Art. 23 Abs. 1 aUWG), dessen Verfolgung lediglich auf Antrag geschieht, hatte das Gericht einzig über eine allfällige Wettbewerbsbeeinträchtigung durch die sales representation-Verträge zwischen der D. und den Agenturen M. Limited sowie N. AG im Nachgang zum Teilrückzug des Strafantrags im Januar 2020 zu befinden.
In Zusammenhang mit diesem Vorwurf gelangte das Gericht zur Auffassung, dass A. durch die Ausübung seines Ermessenspielraums zwecks Förderung und Unterstützung des Abschlusses eines sales representation-Vertrages durch die D. mit den Agenturen M. Limited sowie N. AG keine Beeinträchtigung des Wettbewerbs bewirkte. So verpflichteten die durch die D. durchgesetzten Vertragsbedingungen die beiden Agenturen, Angebote der Sendeanstalten (broadcasters) für Italien und Griechenland einzuholen, diese an die D. zu übermitteln und letztere bei den Verhandlungen mit denjenigen Sendeanstalten zu unterstützen, die die höchsten Angebote einreichen würden. Die Zuständigkeit zum Abschluss des Kaufvertrages betreffend die Einräumung der kommerziellen Lizenz über die Medienrechte an den D.-Weltmeisterschaften 2018 und 2022, respektive 2026 und 2030, sowie den Confederation Cups während dieser Zeitspanne lag allein bei der D. Um die Angebote der Sendeanstalten zu erhalten, waren die Agenturen M. Limited sowie N. AG verpflichtet, eine Ausschreibung (open public tender) durchzuführen, sodass die an einer Übertragung in Italien und Griechenland interessierten Sendeanstalten durch die Einreichung einer Offerte an diesem offenen Vergabeverfahren würden teilnehmen können.
Ebenso kam das Gericht zum Schluss, dass die Lauterkeit des Wettbewerbs durch den Entscheid der D., einen sales representation-Vertrag mit den Agenturen M. Limited sowie N. AG abzuschliessen, nicht beeinträchtigt wurde. Obschon die D. keine Verhandlungen mit anderen Agenturen betreffend die genannten Medienrechte geführt hatte, gelangte das Gericht zur Überzeugung, dass dies die Konkurrenz von M. Limited sowie N. AG nicht daran hinderte, der D. ihre Dienste für den Verkauf besagter Medienrechte ausserhalb Italiens und Griechenlands oder für den Verkauf anderer Medienrechte in diesen zwei Staaten durch die D. anzubieten.
In Ermangelung einer Wettbewerbsbeeinträchtigung wurden A. und C. vom Vorwurf der aktiven und passiven Privatbestechung i.S.v. Art. 4a Abs. 1 lit. a und b i.V.m. Art. 23 Abs. 1 aUWG freigesprochen.
Die Frage, ob das Verhalten von A. und C. die später in Kraft getretenen und aktuell geltenden Strafbestimmungen zur Privatbestechung (Art. 322octies, 322novies und 322decies StGB) erfüllt hätte, da nun keine Wettbewerbsbeeinträchtigung mehr vorliegen muss, liess das Gericht offen.
Der Vorwurf der Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) liegt darin begründet, dass die drei Überweisungen von C. zugunsten von A. im Umfang von insgesamt 1,25 Millionen Euro in der Bilanz der Gesellschaft O. GmbH mit Sitz in W., deren einziger wirtschaftlich Berechtigter A. war, fälschlicherweise als Darlehen deklariert worden waren. Auf Grund dieser Tatsache sprach das Gericht A. der mehrfachen Urkundenfälschung schuldig.
Hinsichtlich der Zivilklage der Privatklägerschaft ist zu erwähnen, dass das Gericht A. zur Rückerstattung der ungebührenden Vorteile, in deren Genuss er gekommen war – nämlich die Anzahlung von ca. EUR 500'000.-, die ihm für den Kauf einer Immobilie auf Sardinien zurückerstattet worden war, abzüglich der Zahlungen, die er für deren Unterhalt geleistet hatte, sowie der Betrag von 1,25 Millionen Euro, den er von C. erhalten hatte – verpflichtete. Zudem wurde A. verpflichtet, der D. eine Prozessentschädigung von CHF 80'000.- zu bezahlen.
Bundesanwaltschaft und Eidgenössisches Finanzdepartement (EFD) gegen A. (SK.2019.55)
Am 28. Juli 2020 hat die Strafkammer des Bundesstrafgerichts ein verwaltungsstrafrechtliches Urteil im Zusammenhang mit dem malaysischen Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB) gefällt: Der angeklagte Bankmitarbeiter A. wurde wegen vorsätzlicher Verletzung der Meldepflicht gemäss Art. 37 Abs. 1 des Geldwäschereigesetzes (GwG), begangen vom 26. Januar 2010 bis zum 6. September 2012, schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 50'000.-- sowie zur Bezahlung der Verfahrenskosten verurteilt.
A. war innerhalb der Bank B. zuständig, die Einhaltung der Geldwäschereibestimmungen sicherzustellen und Verdachtsmeldungen der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) zu erstatten. Im September 2009 wurde auf das bei der Bank B. geführte Konto einer Offshore-Gesellschaft, deren wirtschaftlich Berechtigter Jho Low war, überraschend USD 700 Mio. überwiesen. Das Gericht stellte fest, dass mehrere zu grossen Bedenken Anlass gebende Geldwäscherei Verdachtsmomente vorlagen, welche sich im Verlauf der Geschäftsbeziehung mit Jho Low und dessen Offshore-Gesellschaft kontinuierlich verstärkt hatten. Trotz Kenntnis des begründeten Verdachts unterliess es A. bis zu seinem Ausscheiden aus der Bank, der MROS Meldung zu erstatten. Das Gericht hat ein mittelschweres Verschulden angenommen, reduzierte die Strafe indes wegen des langen Zeitablaufs seit der Tat um ein Drittel.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Beilage: SK.2019.55
Kontakt:
Bundesstrafgericht, Pressestelle, Tel. 058 480 68 68, E-Mail: <email-pii>
Eine Mehrheit der Richterinnen und Richter des Bundesstrafgerichts hat sich mit einem Brief an ihre Aufsichtsbehörde, die Verwaltungskommission des Bundesgerichts, gewandt. Im Schreiben wehren sich die Richterinnen und Richter entschieden gegen die anhaltenden Mobbing- und Seximusvorwürfe. Die Empfehlungen der Aufsichtsbehörde als Resultat des aufsichtsrechtlichen Verfahrens sind schon weitgehend umgesetzt. Um die gemeinsame Basis der Zusammenarbeit wieder zu festigen und zu stärken, werden zusätzliche Massnahmen eingeleitet.
Die negativen Schlagzeilen über angeblich unhaltbare Zustände und das schlechte Arbeitsklima am Bundesstrafgericht halten an. Eine Mehrheit der Richterinnen und Richter hat sich aus diesem Grund mit einem Schreiben an ihre Aufsichtsbehörde, die Verwaltungskommission des Bundesgerichts in Lausanne gewandt. Der von 15 Richterpersonen (eine Mehrheit aus jeder Sprachregion) unterschriebene Brief geht in Kopie auch an die Gerichtskommission und die Geschäftsprüfungskommission, Subkommissionen National/Ständerat Gerichte/BA.
In ihrem Schreiben wehren sich die Richterpersonen vehement gegen die angeblichen Mobbing- und Sexismusvorwürfe. Die Empfehlungen als Resultat des aufsichtsrechtlichen Verfahrens wurden grösstenteils schon umgesetzt. Die noch offenen Punkte werden nun zügig an die Hand genommen. Mit Hilfe von externen Fachpersonen werden die erhobenen Sexismus- und Mobbingvorwürfe analysiert. Ferner soll in Zusammenarbeit mit einer Mediationsperson die gemeinsame Basis der Zusammenarbeit im Kreis der Richterinnen und Richter und dem weiteren Personal wieder gefestigt und gestärkt werden.
Das vorrangige Interesse ist und bleibt es, die gesetzliche Aufgabe zu erfüllen und allen Mitarbeitenden, Kolleginnen und Kollegen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen.
Kontakt:
<email-pii>
Die Strafkammer des Bundesstrafgerichts hatte den Prozess gegen einen liberianischen Staatsangehörigen wegen Verdachts auf Kriegsverbrechen ursprünglich für den Zeitraum zwischen dem 14. und dem 20. April 2020 vorgesehen. Es sollten 14 in Liberia wohnhafte liberianische Staatsbürger, davon 7 Zeugen und 7 Privatkläger, zwecks Einvernahme in die Schweiz reisen.
Am 13. März 2020 musste der Prozess auf Grund der COVID-19-Pandemie, die eine Anreise der liberianischen Staatsangehörigen verunmöglicht hatte, vertagt werden. Die Parteien wurden daraufhin informiert, dass der Prozess im August 2020 stattfinden würde, sollten bis dahin die entsprechenden gesundheitlichen Rahmenbedingungen erfüllt sein.
Das Gericht informierte die Parteien heute, dass der Prozess nicht wie geplant im August 2020 stattfinden würde, sondern auf November bzw. Dezember 2020 verschoben wird. Im Zuge des Vertagungsentscheides vom 13. März 2020, mit dem der ursprünglich am 14. April 2020 vorgesehene Prozessauftakt auf August 2020 verschoben wurde, ersuchte das Gericht die Republik Liberia rechtshilfeweise darum, die Einvernahme der liberianischen Staatsangehörigen mittels Videokonferenz durchführen zu dürfen. Nach zahlreichen Vorstössen erhielt das Gericht die notwendige Erlaubnis am 27. Mai 2020.
Auf Grund logistischer Schwierigkeiten seit dem 27. Mai 2020 ist es bis heute nicht gelungen, die für die im August vorgesehenen Videokonferenzen notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Da die Schweiz über keine diplomatische Vertretung in der Republik Liberia verfügt, war das Gericht gezwungen, sich mit der Unterstützung der Schweizerischen Botschaft in der Elfenbeinküste an diplomatische Vertretungen ausländischer Staaten in Monrovia zu wenden, um diese um logistische Unterstützung betreffend Räumlichkeiten und technischer Geräte zwecks Abhaltung der Videokonferenzen zu ersuchen. Keine der ersuchten ausländischen Botschaften hat bislang formell ihre logistische Unterstützung zugesagt; Gespräche sind weiterhin im Gange. Es wurde ebenfalls Kontakt mit der UNO in Liberia aufgenommen, da auch diese gegebenenfalls logistische Unterstützung zur Durchführung einer Videokonferenz bieten könnte. Zusätzlich erschwerend tritt hinzu, dass im August und September in Liberia Regenzeit ist. Die Anreise von Privatklägerschaft und Zeugen von ihrem Wohnort nach Monrovia wäre dadurch erschwert worden, zumal in Liberia weiterhin interne Reisebeschränkungen auf Grund der COVID-19-Pandemie gelten.
Die durch COVID-19 verursachten Einschränkungen verunmöglichen derzeit die Anreise der 14 liberianischen Staatsangehörigen. Es ist jedoch durchaus denkbar, dass im Herbst eine Verbesserung der sanitarischen Lage eintritt und eine Anreise somit möglich würde.
Auf Grund der besonderen Umstände findet der Prozess im November bzw. Dezember 2020 statt. Somit wäre auch eine Anhörung der liberianischen Staatsangehörigen via Videoschaltung denkbar, sollte eine Anreise zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht möglich bzw. zweckmässig sein.
Das Bundesstrafgericht hat sich seit dem 20. April 2020 intensiv im Rahmen mehrerer Sitzungen der Verwaltungskommission und einer Sitzung des Plenums mit den Empfehlungen im Untersuchungsbericht der Verwaltungskommission des Bundesgerichts auseinandergesetzt.
Alle bereits geprüften Empfehlungen sind umgesetzt worden oder werden vollumfänglich eingehalten, so:
Empfehlung 1: Die Verwaltungskommission des Bundesstrafgerichts wird eingeladen, im Falle von Verhinderung oder Ausstand eines Mitglieds Art. 4 Abs. 2 BStGerOR anzuwenden.
Entscheid: Die Verwaltungskommission wendet diese Bestimmung an und prüft, ob allenfalls zusätzlich das Organisationsreglement modifiziert werden soll.
Empfehlung 2: Das Plenum des Bundesstrafgerichts wird eingeladen, Pensenanpassungen während der Amtsdauer (Art. 46 Abs. 2 StBOG) nur ex nunc et pro futuro zu bewilligen.
Entscheid: Die Verwaltungskommission hat entschieden, dem Plenum Pensenerhöhungen nur noch für den künftigen Beschäftigungsgrad vorzuschlagen, in dringenden Fällen wird auf dem Zirkulationsweg entschieden.
Empfehlung 3: Das Präsidium der Strafkammer und (subsidiär) die Verwaltungskommission des Bundesstrafgerichts werden eingeladen, die Arbeitsweise der französischsprachigen Mitglieder der Strafkammer zu überprüfen und dem Bundesgericht dazu bis zur Aufsichtssitzung vom 21. September 2020 Bericht zu erstatten.
Entscheid: Die Verwaltungskommission hat entschieden, sich selbst um die Umsetzung dieser Empfehlung zu kümmern.
Empfehlung 4: Die Verwaltungskommission des Bundesstrafgerichts wird eingeladen, die Vergütung von Spesen im Zusammenhang mit der Teilnahme der Richter und Richterinnen an politischen Anlässen (Fraktionsausflug im Sommer und dem Weihnachtsessen) sowie im Zusammenhang mit Kursen zur Vorbereitung auf den Ruhestand zu beenden.
Entscheid: Die Verwaltungskommission hat entschieden, dass die Vergütung jeglicher Spesen von Richterpersonen im Zusammenhang mit einer Teilnahme an politischen Anlässen ausgeschlossen ist.
Empfehlung 5: Den Richtern und Richterinnen des Bundesstrafgerichts wird nahegelegt, wenn sie ein Liebesverhältnis mit einer/m Angestellten des Gerichts eingehen, dieses frühzeitig der Verwaltungskommission zu kommunizieren, damit diese im Innern des Gerichts darüber Transparenz herstellen kann.
Entscheid: Die Verwaltungskommission hat entschieden, diese Empfehlung im Verhaltenskodex der Richter und Richterinnen am Bundesstrafgericht aufzunehmen.
Empfehlung 6: Die Richter und Richterinnen des Bundesstrafgerichts werden ersucht, sowohl ihre Kollegen und Kolleginnen als auch ihre Untergebenen aus Gerichtsschreiberschaft, Kanzleien und Diensten in allen Situationen mit Anstand, Höflichkeit und Respekt zu behandeln.
Entscheid: Die Verwaltungskommission hat entschieden, unter Beizug einer externen Fachperson eine Aussprache/Retraite durchzuführen
Empfehlung 7: Das Plenum des Bundesstrafgerichts wird eingeladen, das Arbeitsverhältnis mit der Generalsekretärin zu beenden.
Entscheid: An seiner Sitzung vom 27. Mai 2020 hat das Plenum entschieden, das Arbeitsverhältnis mit der Generalsekretärin aufzulösen.
Kontakt:
Bundesstrafgericht, Pressestelle, Tel. 058 480 68 68, E-mail: <email-pii>
Am Montag den 27. April 2020 ist die gesetzliche Verjährungsfrist für die eingeklagten Straftaten betreffend Zahlungen im Vorfeld der Fussball-WM 2006 in Deutschland abgelaufen.
Das Strafverfahren im Zusammenhang mit Zahlungen im Vorfeld der Fussball-WM 2006 wurde von der Bundesanwaltschaft vor bald fünf Jahren eröffnet. Das Bundesstrafgericht ist seit August 2019 mit der Anklage befasst und hat seither auch angesichts der anstehenden Verjährungsfrist, wie die nachfolgend dargelegten Verfahrensschritte aufzeigen, zeitgerecht gehandelt.
Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 6. November 2015 im Zusammenhang mit Zahlungen im Vorfeld der Fussball WM 2006 in Deutschland eine Strafuntersuchung vorerst gegen Unbekannt und dehnte das Verfahren am 5. Juli 2016 gegen vier Funktionäre des Deutschen Fussballverbandes bzw. der FIFA und auf Franz Beckenbauer aus.
Mit Verfügung vom 24. Juli 2019 trennte die Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen Franz Beckenbauer ab und erhob am 6. August 2019 Anklage bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts gegen die vier Funktionäre. Gegen die Abtrennungsverfügung erhoben drei der beschuldigten Funktionäre Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Am 26. September 2019 wies die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts alle drei Beschwerden ab. Mit Datum vom 10. Oktober 2019 wurden die Parteien durch den Vorsitz des zuständigen Spruchkörpers der Strafkammer zur Stellung von Beweisanträgen eingeladen. Von den Verteidigern wurden umfassende Beweisanträge und weitere Prozessanträge, u.a. auf Rückweisung der Anklage zur Vervollständigung der Untersuchung, gestellt.
Am 22. Oktober 2019 wurden die Parteien aufgefordert, zwei Verhandlungsblöcke, im Januar/Februar bzw. im März 2020 zu reservieren. Zwei Verteidiger machten am 4. bzw. 28. November 2019 Verhinderungsgründe zum Verhandlungsblock Januar/Februar 2020 geltend. Aus diesem Grund wurde den Parteien mit Schreiben vom 16. Januar 2020 mitgeteilt, dass die Daten des ersten provisorisch reservierten Blockes freigegeben werden. Mit Datum vom 21. Januar 2020 wurde die Bundesanwaltschaft zur Ergänzung der Anklage eingeladen. Einen Tag später wurden die Parteien zur Hauptverhandlung auf anfangs März vorgeladen. Am 9. März 2020 wurde die Hauptverhandlung I eröffnet und wegen der Abwesenheit von drei Beschuldigten gleichentags geschlossen. Am 11. März 2020 wurde die Hauptverhandlung II eröffnet. Am 17. März 2020 musste wegen der Coronavirus-Pandemie die Hauptverhandlung unterbrochen und das Verfahren bis zum 20. April 2020 bzw. in einem zweiten Beschluss bis zum 27. April 2020 sistiert werden.
Zusammengefasst haben prozessuale Umstände und die Vorgaben im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie und nicht Verfahrensmängel am Bundesstrafgericht dazu geführt, dass das Strafverfahren nicht mit einem Urteil abgeschlossen werden kann und – nach der gesetzlich vorgesehenen Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Parteien – die Einstellung des Verfahrens bevorsteht.
Kontakt:
Bundesstrafgericht, Pressestelle, Tel. 058 480 68 68, E-mail: <email-pii>
Das Plenum des Bundesstrafgerichts ist heute Montag den 20. April 2020 vom Präsidenten des Bundesgerichts über das Ergebnis des aufsichtsrechtlichen Verfahrens informiert worden.
Die Gerichtsleitung des Bundesstrafgerichts wird die von der VK des Bundesgerichts vorgeschlagenen Massnahmen unter Einbezug der Stellungnahme der im Bericht angesprochenen Personen prüfen, die Umsetzung einleiten und dort, wo das Bundesgericht Abklärungen verlangt, im September anlässlich der Aufsichtssitzung Bericht erstatten.
Unser besonderes Augenmerk gilt weiterhin der wertvollen kulturellen Vielfalt unter den Mitarbeitenden des Bundesstrafgerichts, dem Respekt, den diese Vielfalt erfordert und der Nutzung des Potenzials, das in dieser kulturellen Diversität verfügbar ist.
Geschäftsberichte der eidgenössischen Gerichte
Am Montag haben das Bundesgericht, das Bundesstrafgericht, das Bundesverwaltungsgericht und das Bundespatentgericht ihre Geschäftsberichte des Jahres 2019 veröffentlicht. Beim Bundesgericht gingen erneut fast so viele Beschwerden ein wie zwei Jahre zuvor, als ein absoluter Höchststand erreicht wurde. Die Zahl der erledigten Verfahren blieb nur leicht unter dem Rekordwert des Vorjahres. Das Geschäftsaufkommen der Strafkammer des Bundesstrafgerichts ist hoch geblieben; in der Beschwerdekammer sind die Eingänge auf einen deutlichen neuen Höchststand angestiegen. Zu Beginn des Berichtsjahres nahm die neue Berufungskammer ihre operative Tätigkeit auf. Die Zahl der neu eingereichten Beschwerden beim Bundesverwaltungsgericht war wiederum hoch. Die Pendenzen konnten weiter abgebaut und die durchschnittliche Verfahrensdauer gesenkt werden. Beim Bundespatentgericht hat sich die Zahl der Eingänge leicht verringert. Da gleichzeitig eine rekordhohe Zahl an Verfahren erledigt wurde, haben sich die Pendenzen fast halbiert. Detaillierte Angaben zu den Geschäftsberichten können den beiliegenden Pressemitteilungen der einzelnen Gerichte entnommen werden.
Pressemitteilung des Bundesstrafgerichts zu seinem Geschäftsbericht 2019
Wie bereits im Vorjahr ist das Geschäftsaufkommen der Strafkammer im Vergleich zum Durchschnitt der letzten Jahre hoch geblieben. Die Anzahl der Erledigungen liegt zum Ende des Jahres höher als im Jahr zuvor. In der Beschwerdekammer sind die Eingänge gegenüber dem Vorjahr stark angestiegen und erreichen einen deutlichen neuen Höchststand. Am 1. Januar hat die Berufungskammer ihre operative Tätigkeit dank der bereits im Laufe des Jahres 2018 gestarteten Vorarbeiten in den Bereichen Verwaltung, Informatik, Logistik und Personal unmittelbar aufgenommen. Bei der Berufungskammer fehlt naturgemäss jeder Vergleich zu Vorjahren. Es wird auf den detaillierten Bericht verwiesen.
Kontakt:
Bundesstrafgericht, Mascia Gregori Al-Barafi, Generalsekretärin und Medienbeauftragte, Tel. 058 480 68 68, E-Mail: <email-pii>
In Anbetracht der ausserordentlichen Lage vor dem Hintergrund des Coronavirus und den seitens des Bundesrates in diesem Zusammenhang erlassenen Massnahmen hat die Strafkammer das Verfahren bis mindestens 20. April 2020 sistiert.
Der Bundesrat hat auf den 17. März 2020 ausserordentliche Massnahmen zur Verhütung und Bekämpfung der COVID-19-Epidemie verordnet, namentlich Reisebeschränkungen verfügt, die Grenzen geschlossen sowie Durchführung öffentlicher und privater Veranstaltungen verboten. Besonders gefährdete Personen sollen zu Hause bleiben und Menschenansammlungen meiden.
Sämtliche Beschuldigte sind älter als 65 und weisen teilweise einschlägige Vorerkrankungen auf. Sie gehören demnach zur Risikogruppe.
Aufgrund der gegebenen Umständen kann den Beschuldigten zumindest für die Dauer der durch den Bundesrat angeordneten Massnahmen nicht zugemutet werden, an der Hauptverhandlung teilzunehmen.
Im Übrigen haben zwei Beschuldigte den Vorladungen keine Folge geleistet, weshalb gegen diese beiden das Verfahren in Abwesenheit durchzuführen wäre, wenn die Voraussetzungen dazu gegeben sind. Ein Abwesenheitsverfahren kann nur stattfinden, wenn die beschuldigte Person im bisherigen Verfahren ausreichend Gelegenheit hatte, sich zu den ihr vorgeworfenen Straftaten zu äussern und die Beweislage ein Urteil ohne ihre Anwesenheit zulässt. Dies scheint nicht der Fall zu sein. Zudem erfordern die von der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) in der Verfügung 2. März 2020 thematisierten Umstände eine Prüfung der Frage, ob diese Aspekte allenfalls Beweisverwertungsverbote zur Folge haben könnten. Die Frage, ob die Abwesenheiten aufgrund gesundheitlicher Beschwerden als entschuldigt zu betrachten gewesen wären, kann daher offenbleiben.
In Anbetracht dieser Sachlage kann die Hauptverhandlung nicht wie vorgesehen am 20. März 2020 weitergeführt werden; die Strafkammer hat daher das Verfahren SK.2019.45 bis auf weiteres, mindestens aber bis zum 20. April 2020, sistiert.
Das Bundesstrafgericht verweist auf die Begründung der beigefügten Beschluss und erteilt hierzu keine weiteren Auskünfte.
Beilage: Beschluss SN.2020.10.pdf
Kontakt:
Bundesstrafgericht, Mascia Gregori Al-Barafi, Generalsekretärin und Medienbeauftragte, Tel. 058 480 68 68, E-Mail: <email-pii>