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Die Wachstumsraten beim Absatz von Elektrofahrzeugen sind eindrücklich: In Südkorea sind es 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in China 76 Prozent. Doch auch in den USA ist das Wachstum mit über 40 Prozent beeindruckend. Sogar über 100 Prozent sind es in einigen europäischen Märkten. Dieser rasche Aufschwung wird anhalten. Wir rechnen damit, dass die Branche auch in den nächsten zehn Jahren jährlich zweistellige Zuwachsraten (CAGR) verzeichnen wird.
Grosse Verschiebungen in der Autoindustrie
Das Wachstum von Elektrofahrzeugen, insbesondere von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV), wird zu wesentlichen Veränderungen in der automobilen Wertschöpfungskette führen und die bestehenden Automobilhersteller vor erhebliche Herausforderungen stellen. Viele etablierte Automobilunternehmen werden in den Kernbereichen mit sinkenden Umsätzen konfrontiert sein.
Auf der anderen Seite erwarten wir, dass Lieferanten mit einem vielfältigen Produktangebot und Kundenstamm sowie solche, die sich auf die unverzichtbaren Komponenten für Elektrofahrzeuge (wie Batterien und Fahrmotoren) konzentrieren, widerstandsfähiger sind als einige Erstausrüster (OEM). Aus unserer Sicht werden sie die wahrscheinlichen Gewinner in dieser sich verändernden Landschaft sein.
Der Übergang zu Elektrofahrzeugen wird die Branche durcheinanderwirbeln. Wir gehen davon aus, dass der Wechsel von ICE (Verbrennungsmotor) zu BEV drei grosse disruptive Trends auslösen wird:
- Erhöhte Verhandlungsmacht für Lieferanten. Die Anzahl der Komponenten, die für BEV benötigt werden, wird auf 30 bis 40 Prozent weniger geschätzt als für ICE – und der Herstellungsprozess ist tendenziell schlanker, da weniger Lieferanten beteiligt sind. Infolgedessen wird die Lieferkette wahrscheinlich kürzer, und wichtige Lieferanten werden mehr Verhandlungsmacht gegenüber den kleineren OEM haben.
- Niedrigere Margen sowohl für traditionelle OEM als auch für neue EV-fokussierte Player. Die Preise für Batterien und Fahrmotoren werden die Herstellungskosten für Elektrofahrzeuge kurzfristig wahrscheinlich weiter erhöhen.
- Weitere Branchenkonsolidierung. Eine Konsolidierung zwischen Zulieferern und traditionellen OEM ist bereits im Gang, und einige ICE-fokussierte Lieferanten haben sich zurückgezogen. Gleichzeitig haben BEV weniger Eintrittsbarrieren, da nicht so viele Lieferanten beteiligt und Prozesse einfacher zu koordinieren sind. Zum Beispiel beginnen koreanische Autohersteller und einige chinesische OEM, sich auf reine BEV zu konzentrieren. Darüber hinaus erwarten wir, dass neue reine EV-Hersteller auf den Markt kommen.
Der Übergang zu Elektrofahrzeugen wird wahrscheinlich von Markt zu Markt unterschiedlich sein. Wir gehen davon aus, dass die Wachstumsraten für die EV-Branche je nach Land verschieden sein wird. Eine Rolle werden die Regulierung, staatliche Subventionen, Infrastruktur, Energiekraftstoffmix, lokale Vorteile und Kundenpräferenzen spielen.
In Ländern wie Japan, wo Autos am häufigsten für kürzere Fahrten verwendet werden, funktionieren Hybridelektrofahrzeuge (HEV) als energieeffiziente Fahrzeuge gut und könnten von den Verbraucherinnen und Verbrauchern bevorzugt werden. Tatsächlich könnten HEV die umweltfreundlichste Option in Ländern sein, in denen Elektrizitätsunternehmen noch stark auf nicht erneuerbare Quellen ausgerichtet sind.
Ein weiterer Faktor, der den Übergang und die Einführung von Elektrofahrzeugen beeinflussen wird, ist die Politik. In einigen Ländern haben die Regierungen Anreize für den Kauf von ICE geschaffen.
Viele Fördermassnahmen für E-Mobility
Die südkoreanische Regierung hat sich verpflichtet, lokale Automobilhersteller dabei zu unterstützen, umweltfreundlicher Autos, insbesondere BEV, zu fördern. Infolgedessen könnten Elektrofahrzeuge schneller Marktanteile gewinnen. China hingegen bietet starke politische Anreize für Elektrofahrzeuge, während die derzeitige Auto-OEM-Kapazität mehr auf HEV ausgerichtet ist, die von den Verbraucherpräferenzen angetrieben werden.
Die Biden-Regierung fördert Elektrofahrzeuge in den USA und im Kongress gibt es Vorstösse zur Wiedereinführung der EV-Steuergutschrift. Europa verschärft Umweltschutzvorschriften, was der EV-Industrie zusätzlich Rückenwind geben wird.
Kurz- und langfristige Chancen erkennen
In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden Automobilunternehmen damit kämpfen müssen, im schrumpfenden ICE-Marktes zu bestehen und im schnell wachsenden Markt der Elektrofahrzeuge dabei zu sein. Wie bei anderen Umbrüchen in einer Branche wird es Gewinner und Verlierer geben. Ein Margendruck für traditionelle Akteure ist absehbar. Im laufenden Jahr wurde dieser Druck noch etwas gemildert, weil Lockerungen nach der Pandemie zu einer raschen Erholung der Margen geführt haben, die sich voraussichtlich bis ins Jahr 2022 fortsetzen wird.
Die Autorengruppe
Die vier Autoren und Autoren arbeiten für Pimco:
Yishan Cao als Credit Research Analyst
Lillian Lin ist Portfolio Manager, Investment Grade Credit
Akimi Matsuda, Credit Research Analyst
Charles Watford, Credit Analyst, Europe
Mittel- bis langfristig wird das Wachstum durch Faktoren wie Anreize, Vorschriften, Subventionen, lokale Vorteile und Kundenpräferenzen angetrieben. Bedenken bezüglich der Leistung von Elektrofahrzeugen werden in den Hintergrund rücken.
Zu den wahrscheinlichen Gewinnern werden Automobilzulieferer gehören, die sich auf EV-spezifische Komponenten konzentrieren, die in Schlüsselbereichen skaliert und die Verhandlungsmacht erhöht haben. Chancen haben auch traditionelle OEM, die erfolgreich zwischen ICE und Fahrzeugen mit neuen Antriebsquellen wechseln, sowie neue Marktteilnehmer, die in der Lage sind, ihre Umsätze rasch auszuweiten.
Anleger und Anlegerinnen müssen auf diese Faktoren achten, um Gewinner und Verlierer zu identifizieren und ihre Portfolios aktiv neu positionieren.