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Als Sohn des Martin Haimb und der Barbara Thienger wird Johann Martin am 23. Oktober 1678 in Stühlingen, einer Fürstenbergischen Kleinstadt im Wutachtal bei Schaffhausen, geboren. Sein Vater ist hier Gastwirt und Bürgermeister. Die Mutter heiratet in zweiter Ehe Franz Heinrich Jost, Sekretär des Abtes von Rheinau und später des Deutschordenskomturs von Hitzkirch, schliesslich Amman des Klosters Eschenbach. Deshalb beginnt Johann Martin die Schulen in Beromünster und bei den Jesuiten in Luzern. An der Klosterschule Muri studiert er Metaphysik und legt hier 1699 unter dem Klosternamen Gerold Profess ab. Priester wird er 1702. Er ist nun zuerst Professor für Theologie und Philosophie, dann Pfarrer in Bünzen. 1713 kommt er als Subprior wieder nach Muri, wird Dekan und seit 1716 auch Sekretär der Schweizerischen Benediktinerkongregation. Am 27. September 1723 wird er zum Abt der gefürsteten Abtei gewählt. Er kann von seinem Vorgänger eine finanziell gut gestellte Abtei mit einträglichen Herrschaften übernehmen. Auch die repräsentative barocke Klosteranlage ist fertig gebaut. Die Mitgliederzahl des Konvents wächst ständig und erreicht in der Amtszeit von Fürstabt Gerold I. mit 50 die Höchstzahl. In den ersten zwei Jahrzehnten seiner Regierung widmet sich der Fürstabt nebst der umfangreichen Verwaltungs- und Bautätigkeit in den Herrschaften und den Pfarreien hauptsächlich der weiteren Ausstattung, insbesondere von Gold- und Silberschmiedearbeiten, über deren Anschaffung er genaues Tagebuch führt. Erst mit über 60 Jahren packt auch ihn die barocke Baulust. Er hat zwar 1728 von Judas Thaddäus Sichelbein, dem Schöpfer des Hochaltars von Rheinau, eine Kanzel und einen Entwurf für einen neuen Hochaltar fertigen lassen und lässt noch 1743 vom Orgelbauer Bossart aus Baar die beiden neuen Lettnerorgeln liefern. 1744 beschliesst er aber, die ganze Ausstattung der Stiftskirche mit Ausnahme der Orgeln und des Chorgestühls zu ersetzen. Er engagiert süddeutsche Künstler. Der Bildhauer Matthäus Baisch und der Fassmaler Nicolaus Spiegel, beide aus dem fürstenbergischen Messkirch, schaffen die farbenprächtige Ausstattung im Übergang vom Régence ins Rokoko. Dem Konstanzer Schlosser Johann Jakob Hoffner gibt er den Auftrag für das perspektivische Chorgitter. Die Maler Franz Joseph Spiegler und Jacob Carl Stauder sind Schöpfer der Altarblätter. 1750 ist die Ausstattung vollendet. Parallel zur Kirche erstellen die gleichen Meister auch die Ausstattung der Abts- oder Hofkapelle.[1]
Fürstabt Gerold I. Haimb hat sich mit der Ausstattung des Innenraumes von Muri ein bleibendes Denkmal gesetzt. Er stirbt am 26. Februar 1751 im Alter von 73 Jahren und wird im südlichen Querschiff begraben.
Das Porträt von Jacob Carl Stauder zeigt den Fürstabt 1747 mit 69 Jahren. Er steht, mit Rochett und schwarzer Mozetta bekleidet, mit der linken Hand ein Buch haltend und die rechte Hand auf ein Samtkissen gelegt, vor einer Vorhangdraperie. Er trägt den schwarzen Pileolus und ein reich mit Edelsteinen besetztes Pektorale. Im Hintergrund ist sein Wappen zu sehen. Wir finden es in der Stiftskirche über den beiden Lettnerorgeln und an vielen Gebäuden in den Pfarreien und Herrschaften der Abtei.[2] Ein spezielles heraldisches Schmuckstück mit seinem Wappen, den Wappen der klösterlichen Würdeträger und den Wappen der Herrschaften ist das 1734 geschaffene Titelblatt des Archivverzeichnisses. Auf dieser handkolorierten Federzeichnung übernimmt der stehende Fürstabt Gerold I. vom knienden Archivar Pater Leodegar Meyer das Archivverzeichnis. Mehr dazu siehe Beilage «Archivium Murense».
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Amschwand, Rupert: Muri, in: Helvetia Sacra, Abteilung II, Band 1, Zweiter Teil, Bern 1986.
Germann, Georg: KDM, Kantons Aargau Band V, Basel 1967.
Anmerkungen:
[1] 1889 durch Brand zerstört.
[2] So unter anderem in Klingenberg 1733, Kapf Althäusern (Sommersitz) 1736, Pfarrhaus Oberlunkhofen 1737, Horben (Sommersitz) 1739, Sursee (Marienpfründe am Herrenrain) ca. 1740, Kapelle St. Laurentius Wallenschwil 1745, Pfarrhof Eggenwil 1748.
|Fürstabt Gerold I. Haimb (1678–1751) in Muri|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|23. Oktober 1678||Stühlingen Baden-Württemberg D||Füstentum Fürstenberg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Benediktiner-Fürstabtei Muri||1660–1696|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|26. Februar 1751||Muri Aargau CH||Herrschaft Abtei Muri|
|Kurzbiografie|

Gerold I. Haimb von Muri ist Nachfolger des Bauabtes Placidus Zurlauben, der ihm trotz grosser Ausgaben für Herrschaftskäufe und Bauten eine finanziell gefestigte Abtei überlässt, die zudem mit 50 Konventualen einen personellen Höchststand erreicht. Als Bauabt betätigt sich Gerold I. vorerst ausschliesslich in den Klosterherrschaften. Erst im 20. Regierungsjahr beschliesst er eine Neugestaltung des Innenraumes der Kirche. Er gewinnt für die sechsjährige Dauer der Arbeiten ausgezeichnete und bisher wenig bekannte Künstler aus dem süddeutschen Raum, welche den komplexen Kirchenraum in ein wahres spätbarockes Juwel am Übergang zum Rokoko umwandeln.
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