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DVD-Review: Pulverdampf und weites Land - und wie!
Wyatt Earp (Kevin Costner) wächst unter den strengen, aber gerechten Fittichen seines Vaters, einem glühenden Juristen, auf. Als seine Brüder aus dem Bürgerkrieg zurückkehren, bricht die Familie gen Westen auf und Wyatt soll in die Fussstapfen seines Vaters treten. Doch der Tod seiner geliebten Frau wirft ihn aus der Bahn und es ist abermals sein Vater, der ihn zurück auf den richtigen Weg bringt.
Jahre später amtet Wyatt Earp als knallharter und kompromissloser Deputy Marshall in Dodge City. Was anfangs die Stadt zur Ruhe bringt, stösst schon bald den Bewohnern, dem Sheriff und den Behörden sauer auf. Earp macht sich mit seinen Brüdern auf den Weg nach Tombstone um dort in Ruhe reich zu werden. Doch den Stern wird man nicht so schnell los und bald legen sich die Earps und Doc Holliday (Dennis Quaid) mit der hinterhältigen Clanton-Sippe an. Es kommt zum berühmten Zwischenfall am O.K. Corral.
Lawrence Kasdans Epos Wyatt Earp ist der letzte ganz grosse Western, der in unsere Kinos kam. Bildgewaltig, detailverliebt und kraftvoll verfilmte der Regisseur, der sich zuvor schon mit Silverado auf bravouröse Weise im Genre austobte, die Geschichte des legendären Revolverhelden. Kevin Costner befand sich damals noch im Höhenflug und mimt den schiesswütigen Wild West-Cop mit viel Hingabe, ebenso Dennis Quaid als tuberkulosekranker Gehilfe und Freund von Earp, Doc Holliday. Neben diesen beiden findet man noch eine ganze Reihe bekannter Akteure wie Gene Hackman (als Wyatts Vater), Mark Harmon (als schleimiger Sheriff Behan), Bill Pullman, Tom Sizemore, Isabella Rossellini und in frühen Rollen Tea Leoni und Jim Caviezel (als jüngster Earp-Spross, Warren).
Fast zeitgleich kam die deutlich mehr auf Action und eher oberflächliche Konflikte fokusierte Earp-Version Tombstone von George P. Cosmatos in die Kinos. Beide Filme haben absolut ihren Reiz, sind sehr sehenswert und interessant zu vergleichen, weil gewisse Facetten um die Hauptfiguren zusätzlich beleuchtet und aufgespürt werden. Doch die ernsthaftere und mehr auf Earps Charakter bezogene, weil biografischere Seite, weist Kasdans Film auf. Wyatt Earp ist ein immer wieder gern gesehenes Meisterwerk - erst recht für alle, die mit Western was am (Cowboy-)Hut haben. Und das satte 3 Stunden lang! Howdy!
Wyatt Earp wird hier in der Kinoversion präsentiert (es gab noch eine um 20 Minuten längere Fassung auf Laserdisc). Das Bild ist insgesamt fantastisch. Je grösser der Bildschirm umso packender kommt die visuell umwerfend gefilmte Atmosphäre rüber. Leichte Abstriche gibt es auf der Tonseite. James Newton Howards prominente Filmmusik (eine seiner besten) greift zu oft und zu unnatürlich auf den Subwoofer, was einen unnatürlichen und übertrieben dumpfen Klang ergibt, wo es gar nicht vorgesehen ist. Als begrüssenswertes Extra gibt es eine ganze Reihe geschnittener Szenen, die ihren Weg damals in die lange Fassung gefunden haben. Schade, dass hier ein aufklärender Kommentar fehlt. Die Dokus sind gewohnt mittelmässig, egal ob das "neue" mit alten Aufnahmen ergänzte, oder das originale Making Of.
Soviel ich mich erinnern mag war das einer meiner ersten Western, den ich gesehen habe. Und ich muss sagen, er hat mich damals recht beeindruckt und tut das jetzt immer noch. Wahrscheindlich gefiel er mir früher wegen den recht guten Schiesssequenzen und der Heldenhaften Story von Earp. Dazu kamen jetzt noch die wunderbare Musik von James Newton Howard und die guten Leistungen der Darsteller. Madsen, Costner und sogar Quaid machten ihre Sache wirklich sehr gut. Minus Punkte muss ich sicherlich wegen der Filmlänge verteilen. Einige Szenen hätte man streichen können. Das hätte ein Paar langatmige Stellen verhindert und das ganze dafür noch packender und spannender gemacht. Wie dem auch sei. Schlussendlich hatte ich gleichviel Spass wie früher und kann diesen Streifen deshalb nur weiter empfehlen.