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Veganer, die besseren Menschen?
Als ich zum
ersten Mal den Satz las: «Weil du vegan bist, hältst du dich wohl für einen
besseren Menschen!» war ich ziemlich irritiert, zumal ich noch nie einen
Veganer hörte, der dieses selbstverherrlichende Statement abgegeben hätte.
Dieser provozierende Satz enthält eine Wertung, die sich eher auf den Schreiberling selbst bezieht, während er im Spiegel des Veganers sich wohl unbewusst zu einem «schlechteren» Meschen degradiert.
Natürlich könnte man aus der Sicht der Opfer durchaus sagen, dass Veganer die «besseren» Menschen seien, da diese den empathischen Weg gewählt haben und somit die Tiere als das anerkennen, was sie wirklich sind: Fühlende Wesen, die weder als Nutztiere noch als Kapitalanlage gedacht waren.
Das Wort «besser» will ich jedoch nicht länger strapazieren, denn darum geht es nicht.
Vielmehr handelt es sich um die Entscheidung entweder den Weg der Achtung und Liebe - oder den Weg der Gewalt, des Missbrauchs und der Ausbeutung zu gehen. Es ist eine Wahl des Herzens, und jedes vom Verstand her geäusserte «Ja, aber» ist eine willkommene Ausrede, sich nicht einzulassen auf das Mitgefühl mit einer anderen Spezies, die keinen geringeren Wunsch hegt, als unversehrt und in Würde leben zu dürfen.
Freilich können wir stundenlang darüber diskutieren und philosophieren, was es denn nun mit den Veganern und den Tieren auf sich hat, ob sie «bessere» Menschen- oder doch einfach nur Fanatiker seien, ob man das Bio-Rind nun mit gutem Gewissen verspeisen kann oder es extrem sei, ganz auf Eier zu verzichten. Im Grunde genommen ist all dieses Gerede müssig, denn im Fühlen, im Spüren und im Erkennen, dass für kein Geschöpf dieser Welt die Versklavung und die Tötung eine akzeptable Alternative zur Freiheit und dem Leben ist, wird jede Spekulation über das «richtige oder falsche Verhalten» obsolet.
Diese Erkenntnis führt zu einer neuen inneren Haltung, die unweigerlich die eisigen Wände des Egos abschmelzen lässt und somit jedes «Ja, aber» wegspült.
In
Anbetracht all des Elends auf dieser Erde, ist es jedoch unerlässlich, dass wir
tatsächlich zu besseren Menschen werden -; denn tun wir das nicht, wird uns
unser Schatten schneller einholen, als es uns lieb ist!
Text by: Bea Kälin