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1. der autoritäre Ansatz
Die einschränkenden Konzepte des autoritären Ansatzes haben zum Teil deswegen so lange fortgelebt, weil um die Jahrhundertwende die kategorische Zurückweisung der Hypnose durch Sigmund Freud, eine ernsthafte wissenschaftliche Untersuchung der Methode Hypnose für viele Jahre fast unterbunden hat.
Die autoritären Konzeptionen haben ihren Ursprung zum Teil in den Schriften historischer Persönlichkeiten wie Mesmer, Bernheim, Charcot und Freud. Obwohl diese Männer verschiedene theoretische Positionen vertraten (für detaillierte Vergleiche siehe Ellenberger, 1970) beschrieben sie Hypnose überwiegend als asymmetrische Beziehung, in welcher der Hypnotiseur (gewöhnlich ein charismatischer Mann) eine im allgemeinen passive Person (gewöhnlich eine Frau) beherrschte. Mit verantwortlich für diesen Irrtum sicherlich auch Charcot, ein Wissenschaftler des späten 19.Jahrhunderts, der die Abgründe der menschlichen Seele erforscht hatte. Sein Spitzname daher auch Napoleon der Neurosen.
Dem Extrem dieses Ansatzes folgend verursacht ein mächtiges Individuum (der Hypnotiseur) mit besonderen geistig seelischen Fähigkeiten (beispielsweise mit direkt autoritären Induktionsformen oder auch einem starken Willen, usw.) dass ein anderes Individuum in einen relativ passiven Zustand eintritt, in dem er oder sie empfänglich ist für die Suggestionen des Hypnotiseurs. Diese Suggestionen sollen dann Menschen zwingen, verschiedene Verhaltensweisen zu zeigen, die sie sonst nicht zeigen wollen oder könnten, sei es z.B. wie ein Hund zu bellen oder auch das Rauchen aufzugeben. Im Umkreis dieses Standpunktes wimmelt es von Begriffen und Vorstellungen wie: "ansonsten schläft der Patient (KlientIn) ja weg", "Kontrollverlust", "Suggestionen einimpfen", usw., wobei solche Vorstellungen selbst zum Teil durch Bücher, Filme und Folklore "eingeimpft" wurden. Der autoritäre Ansatz wird besonders bei der Bühnenhypnose (Showhypnose) kommerziell verwertet. Es handelt sich hierbei um Vorführungen in Bars, in Fernsehsendungen, etc. bei denen sich Versuchspersonen freiwillig auf die Bühne melden. Dort wird ihnen zunächst ein Schwall induktiver Kommunikation verabreicht (5-10 Minuten) bevor dann autoritäre Befehle erteilt werden, durch welche die Versuchsperson beauftragt wird ungewöhnliche und oft komische Verhaltensweisen auszuführen, etwa einen Schuh auszuziehen, eine Zahl zu vergessen, sich wie ein Tier zu benehmen, wie ein Marsianer zu sprechen, oder auch mit einem Striptease zu beginnen. Wenn die Versuchspersonen dann zu ihren Tischen zurückkehren, werden sie von Schmeicheleien ihrer jubelnden und verblüfften Freunde überschüttet. In diesem Sinne hat Bühnenhypnose eine ähnliche Funktion wie eine Flasche Alkohol. Menschen die normalerweise gehemmt sind können sich wild und verrückt gebärden und die Verantwortung dafür können sie dann von sich weisen und sie jemand (dem Hypnotiseur) oder auch etwas (dem Trancezustand) anderem zuweisen.
Dieser direkte autoritäre Ansatz findet auch bei vielen klinischen Hypnoseanwendern Verwendung, wenn auch auf weniger spektakuläre Art. Obwohl Kliniker in einem anderen situativen Kontext arbeiten und andere Intentionen haben (z.B. Menschen zu helfen Veränderung zu erleben) verstehen auch sie Hypnose implizit als einen Vorgang, bei dem sie Kontrolle über die geistig-seelischen Prozesse von Patienten (Klienten) ausüben, um ihnen dann zu befehlen unerwünschte Verhaltensmuster, wie z.B. suchtartiges Rauchen, Essen, usw. zu verändern. Meist haben Anhänger des autoritären Ansatzes positive Absichten und doch leisten sie irreführenden Vorstellungen über Hypnose Vorschub. So wird z.B. oft das Unbewusste als etwas vom Individuum getrenntes dargestellt oder auch als fruchtbarer Boden, in welchen Suggestionen hineingeschrieben werden können. Die Suggestionen haben dann angeblich eine machtvolle Kontrolle über das Verhalten von Patienten (Klienten) und zwingen sie manchmal in einer Weise zu handeln, die mit ihrem bewussten Wollen und ihren normalen Verhaltensgewohnheiten unvereinbar seien. Die möglicherweise unglücklichste Implikation hierbei ist, das der Hypnotiseur den Patienten in seiner Gewalt habe. Diese völlig irrige Meinung über den Kontrollverlust entmutigt noch heute viele Menschen sich ganz an einem hypnotischen Prozess bewusst zu beteiligen.
Indem also der autoritäre Ansatz nur die Macht des Hypnotiseurs im Blick hat, verpasst er es die Einzigartigkeit jedes Patienten (KlientIn) hinsichtlich ihrer Lernerfahrungen, Überzeugungen, Begabungen usw. zu respektieren und verpasst somit gleichsam auch ihre Fähigkeiten wählen zu können, ob sie sich überhaupt an den Ereignissen in der Hypnose beteiligen wollen. Wie somit leicht erkennbar wird, ist der autoritäre Ansatz nur von begrenztem Wert für die Entwicklung bleibender therapeutischer Veränderungen. Glücklicherweise wird dieses Modell von Hypnose mit seinen autoritären und direkten Suggestionen allmählich verworfen.
Das ist weitgehend dem zu verdanken, was man als den standardisierten Ansatz bezeichnet.