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Die Bevölkerungsstruktur wird sich in den nächsten Jahrzehnten bedeutend verändern: Gemäss den Bevölkerungsszenarien des Bundesamts für Statistik wird der Altersquotient in der Schweiz (Anteil der über-64-Jährigen in Relation zu den 20- bis 64-Jährigen) von 30% im Jahr 2017 auf 48% im Jahr 2045 steigen. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie, wie sich der künftige demografische Wandel auf die Branchenstruktur der Schweizer Volkswirtschaft auswirken könnte. Dabei wird sowohl die demografische Entwicklung im Inland als auch im Ausland einbezogen.
Die empirische Analyse basiert auf detaillierten Mikrodaten zu den Konsumausgaben von Schweizer Privathaushalten, Daten der Schweizer Input-Output-Tabelle (IOT), der Welt-Input-Output Datenbank (WIOD) sowie Bevölkerungs- und Haushaltsszenarien für das In- und Ausland. Auf Grundlage ökonometrischer Schätzungen wird simuliert, wie sich die Wertschöpfungsanteile der Schweizer Branchen verändern würden, wenn man die Bevölkerungsstruktur gemäss der Projektion für das Jahr 2060 unterstellt. Der Effekt der demografischen Veränderung wird dabei stets isoliert betrachtet, sodass andere Entwicklungen, wie der technologische Fortschritt, ausgeklammert werden.
Die Ergebnisse der Simulationen zeigen, dass sich der demografische Wandel im Inland hauptsächlich auf staatsnahe, binnenorientierte Dienstleistungsbranchen positiv auswirkt. Die Veränderung der Bevölkerungsstruktur bis 2060 dürfte dazu führen, dass der Anteil der Branche Gesundheitswesen an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung um ca. 1.6 Prozentpunkte und jener der Branche Heime und Sozialwesen um rund 1.8 Prozentpunkte ansteigt. Zur Einordnung sei darauf hingewiesen, dass 1% der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung rund 6 Milliarden Franken entspricht (Jahr 2012). Gleichzeitig dürfte der demografische Wandel im Ausland hauptsächlich zu einem starken Anstieg der pharmazeutischen Exporte und zu einem stärkeren Rückgang der Exporte von Finanzdienstleistungen führen. Dies wiederum könnte den Anteil der Pharmabranche an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung um ca. 2.8 Prozentpunkte erhöhen und den Anteil der Finanzdienstleistungen um ca. 1 Prozentpunkt reduzieren. Bei den meisten Branchen hat die Alterung jedoch nur einen geringfügigen Einfluss auf deren Anteil an der Gesamtwirtschaft.
Zusammengenommen legen die Ergebnisse den Schluss nahe, dass der demografische Wandel zu spürbaren strukturellen Veränderungen der Schweizer Wirtschaftsstruktur in Richtung Gesundheitswesen, Heime und Sozialwesen und pharmazeutische Erzeugnisse führen könnte. Mit langfristig gesetzten, institutionellen Rahmenbedingungen kann die Wirtschaftspolitik dazu beitragen, dass sich die Volkswirtschaft möglichst friktionslos an den demografischen Wandel anpassen kann. Bei der Einordnung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die „Demografie-Effekte“ nur einen Teil des Strukturwandels der Volkswirtschaft abbilden, der von anderen Entwicklungen (z.B. dem technologischen Fortschritt oder der internationalen Verflechtung) überlagert werden könnte.