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Im Mai 2023 schickte VIER PFOTEN ein Team nach Argentinien, um zwei bengalische Tiger aus jahrelanger Misshandlung in einer illegalen Zuchtfarm zu retten. Die Situation war ernst, hochsensibel und riskant. Es war ungewiss, wie kooperativ der Besitzer sein würde oder ob die Behörden einschreiten müssten. Hinzu kam, dass es in diesem Land keine artgemässen Einrichtungen oder Lösungen gibt. Die Tiger müssten ausserhalb Argentiniens umgesiedelt werden, weshalb die lokalen Behörden VIER PFOTEN mit der Rettung beauftragten.
Innerhalb weniger Tage nach der Ankunft des Teams waren die Tiger auf dem Weg in ein sicheres Zuhause. Der achtzehnjährige Fangio und der fünfjährige Charly waren über 60 Stunden unterwegs, um ihr neues Zuhause im Tierschutzzentrum Al Ma'wa zu erreichen.
Bestürzung und Betroffenheit
Als das Einsatzteam die illegale Zuchtfarm betrat, sah es, wie sehr die Tiger unter den missbräuchlichen Haltungsbedingungen gelitten hatten. Fangio wurde in einem winzigen Käfig gehalten, der kaum grösser als ein durchschnittliches Auto war. Der Boden war mit Schlamm und Exkrementen bedeckt. Der Gestank der verfaulten Kadaver, mit denen die beiden Tiger gefüttert wurden, war allgegenwärtig - ein Schock für unser erfahrenes Rettungsteam, das schon eine ganze Reihe von elenden Haltungsbedingungen und Misshandlungen von Tieren erlebt hat.
Aufgrund der Dringlichkeit der Rettungsaktion musste das Team nach der Rettung eine rasche tierärztliche Untersuchung durchführen. Die VIER PFOTEN Tierärzte, die den Einsatz leiteten, Dr. Amir Khalil und Dr. Marina Ivanova, untersuchten Fangio und Charly gemeinsam mit Dr. Frank Göritz und Dr. Julia Bohner vom Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Die Tiger benötigen spezielle Behandlungspläne, um ihre körperliche Gesundheit wiederzuerlangen.
Die Prognose
Charly leidet an Nieren- und Leberanomalien, die wahrscheinlich darauf zurückzuführen sind, dass er seiner Mutter in sehr jungem Alter weggenommen wurde und seither nicht richtig gepflegt wurde. Er benötigt weitere Behandlungen und eine angepasste Ernährung. Unser Tierärzteteam hat ihn kastriert, um seinen Testosteronspiegel zu senken und ihm zusätzlichen Stress zu ersparen. Die gute Nachricht: Charly hatte bereits in den Wochen nach seiner Ankunft in Al Ma'wa Anzeichen einer generellen Verbesserung gezeigt.
Bei der Untersuchung von Fangio entdeckten die Tierärzte Verstümmelungen an Schwanz, Ohren, Krallen und Zähnen, die ihm wahrscheinlich während seiner Zeit im Zirkus zugefügt worden waren. Als er in Al Ma'wa ankam, war Fangio sehr abgemagert und dehydriert, weshalb das Team einen massgeschneiderten medizinischen Plan erstellte, um seine Genesung zu beschleunigen.
Hinweis: Bei Ansicht dieses Videos eventuell auftauchende Werbeeinblendungen stehen in keinem Zusammenhang mit VIER PFOTEN. Wir übernehmen für diese Inhalte keinerlei Haftung.
Es geht voran
Charly und Fangio gewöhnen sich derzeit an ihr neues Zuhause in Al Ma'wa for Nature and Wildlife und an ihr geräumiges, provisorisches Gehege, während sie auf den Bau ihres neuen 5'000 m2 grossen Geheges warten. Während sich die Tiger gut an ihre neue, artgemässe Umgebung angepasst haben und endlich richtiges Futter und medizinische Versorgung erhalten, ist ihr Leben von jahrelangem Missbrauch, Angst und Leid geprägt. Doch wie Dr. Khalil sagt: «Wir haben den Grundstein für ein besseres Leben für Fangio und Charly gelegt, jetzt können wir beobachten, wie sie sich entwickeln und endlich Verhaltensweisen ausleben, die für Tiger natürlich sind.»
Eine nachhaltige Veränderung
Nachhaltige Lösungen und gesetzliche Änderungen sind der Schlüssel zur Verbesserung des Tierschutzes in Argentinien. Es gibt noch viel zu tun für die in Gefangenschaft lebenden Grosskatzen in diesem Land, aber Fangio und Charly sind Symbole der Hoffnung. VIER PFOTEN hat den Behörden seine Expertise und Unterstützung angeboten, um gemeinsam an der Verbesserung des Tierschutzes für Grosskatzen und andere Tiere in Argentinien zu arbeiten und berät bei der Umsetzung von Massnahmen, um die illegale Zucht und den Handel mit Wildtieren zu unterbinden.