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1980 übernimmt der damalige Professor für Elektrotechnik, François Hemmer, die Leitung der Ingenieurschule von Freiburg. Mehr als zwei Jahrzehnte lang setzt er sich für die Entwicklung der Schule ein, ist entscheidend am Neubau der Schule beteiligt und wirkt an der Gründung der Fachhochschulen mit.
«Aus dem damaligen Technikum – eine kantonale Schule von gutem Ruf, jedoch geografisch limitiert – machte er innerhalb von rund zwei Jahrzehnten eine universitäre Hochschule, eine Partnerin der HES-SO, die in der ganzen Schweiz für die hervorragende Qualität ihrer Ausbildung und Forschung anerkannt ist.»[1]
Ende Schuljahr 2001-2002 beginnt für die Ingenieurschule von Freiburg ein neues Kapitel. François Hemmer geht nach einer 22-jährigen Amtszeit als Schuldirektor in den Ruhestand und macht seinem Nachfolger Michel Rast Platz. Ein Blick zurück auf seinen beruflichen Werdegang.
François Hemmer beginnt seine Ausbildung am Kollegium St. Michael in Freiburg, wo er seine Leidenschaft für Naturwissenschaften entdeckt. Es ist daher naheliegend, dass er nach der Matura ein Studium am Technikum aufnimmt. Nach seinem Diplom als Maschinenbauingenieur erlangt er einen Doktortitel an der ETHZ. In der gleichen Zeit betraut ihn der Direktor Ernest Michel ab 1971 mit einigen Vorlesungen in Elektrotechnik.
1974 wird Ernest Michel pensioniert. Als sein Nachfolger wird Jean-Marie Gobet ernannt. François Hemmer ist unterdessen an der Schule gut etabliert. In seinem Elektroniklabor, das er selber eingerichtet hat, führt er verschiedene Forschungsprojekte durch, wie beispielsweise die bereits erwähnte Zeitmessung am Murtenlauf und befasst sich in seinen Vorlesungen mit dem innovativen Bereich der Mikroprozessoren.
Sechs Jahre später tritt Jean-Marie Gobet zurück und kehrt in die Industrie zurück. François Hemmer – eine einflussreiche, dynamische Figur an der Schule, die zahlreiche Projekte und Aktivitäten in die Wege geleitet hat – ist prädestiniert für den Posten und wird 1980 zum neuen Direktor der Schule ernannt.
Nach seinem Amtsantritt nimmt François Hemmer verschiedene Projekte in Angriff: Er bildet ein Team um sich herum, gliedert die Schule in Abteilungen, teilt jeder Abteilung einen Dekan zu, aktualisiert die Studienpläne und entwickelt eine Strategie für die Entwicklung von praxisbezogenen Aktivitäten. 1975 wurde erst der letzte Neubau eingeweiht und bereits wird wieder von einem neuen Gebäude gesprochen. Die 1974 gegründete Chemieabteilung wird von Joseph Portmann geleitet. Er will die Abteilung unbedingt weiter entwickeln, sie verfügt jedoch nur über veraltete Labors.
Dieses emsige Treiben an der Ingenieurschule fällt mit dem Amtsantritt von Édouard Gremaud an der Spitze der Wirtschaftsdirektion des Kantons Freiburg zusammen. Sehr rasch entwickelt sich zwischen ihm und François Hemmer eine enge Beziehung. Die beiden Männer beschliessen, sich zusammenzutun, damit die Schule ein neues modernes Gebäude erhält, das sie zu einer national anerkannten Schule macht. Das Vorhaben ist von Erfolg gekrönt. 1989 erhält die Schule einen Kredit über 105 Millionen Franken für den Bau von neuen Gebäuden. Wir haben bereits darüber berichtet.
Die Jahre von Hemmer sind auch die Jahre, in denen sich die Schule gegen aussen öffnet. Wie sein Vorgänger, der Gründer der Schule, Léon Genoud, ist sich auch François Hemmer bewusst, dass die Entwicklung der Schule nur durch die Zusammenarbeit mit anderen nationalen und internationalen Institutionen sowie mit den ansässigen Unternehmen möglich ist. Die „Bande des quatre“ (Viererbande) ist geboren. Diese Organisation fasst vier Freiburger Schulen zusammen – die Universität, das Berufszentrum, die Landwirtschaftliche Schule Grangeneuve und das Technikum – und bezweckt eine gemeinsame Interessenvertretung.
Parallel dazu wird über die HTL-Ausbildungen diskutiert. Die Direktoren der oben erwähnten Schulen wollen, dass die Qualität ihrer Ausbildung anerkannt wird. Zu dieser Zeit rangieren die Schulen noch weit unter den so genannten Polytechnischen Schulen in Lausanne und Zürich. Im Zuge der Entstehung der Europäischen Union wird es immer wichtiger, dass ein Diplom auch im Ausland anerkannt wird. Die verschiedenen Direktoren der HTL in Freiburg, Yverdon, Le Locle, Wallis usw. suchen das Gespräch mit dem Bund und werden auch beim Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz vorstellig.
Derweil werden in Freiburg zu Beginn der 1990er-Jahre Überlegungen zur Struktur der Schule angestellt. Das zu dieser Zeit geltende Gesetz stammt aus dem Jahr 1903 und entspricht nicht mehr den Zielen der Schule. Die Aufsichtskommission beginnt mit der Ausarbeitung eines neuen Gesetzes, das die folgenden Grundsätze enthalten soll: Kontakte mit dem Ausland, der Industrie und vor allem mit der angewandten Forschung.
Nach den Gesprächen mit dem Bund bewegt sich endlich etwas für die Höheren Lehranstalten (HTL). Unter der Leitung von François Hemmer wird eine Direktorenkonferenz eingerichtet. Sie unterbreitet den Bundes- und Kantonsbehörden in einem Bericht sechs Thesen:
«
- Die Ingenieurausbildung sollte nicht länger als einfache Ergänzung zu einer Lehre betrachtet werden.
- Eine Fachmaturität wäre ein guter Weg, um eine angemessene Verbindung zwischen der Lehre und der Ingenieurschule zu gewährleisten. Sie hätte zudem den Vorteil, die Anerkennung des HTL-Abschlusses im Ausland zu erleichtern.
- Die Ingenieurschulen sorgen für die berufliche Grundbildung der Ingenieure, indem ihnen die grundlegenden und unerlässlichen Kenntnisse sowie eine flexible und offene Denkweise vermittelt wird. Darauf folgt die Weiterbildung, für die ebenfalls die Ingenieurschulen zuständig sind. Hierfür ist es nicht notwendig, das derzeitige Studium um ein Jahr zu verlängern.
- Die internen Strukturen der Schulen werden überprüft: die Anstellung der Lehrpersonen, Weiterbildungsmöglichkeiten, das Unterrichtspensum, der finanzielle Rahmen der Schulen, die Anzahl Lektionen der Studierenden.
- Die Schulen werden ihre Strukturen anpassen müssen, um Diplome ausstellen zu können, die mit den Diplomen ähnlicher Schulen in der Gemeinschaft kompatibel sind.
Das Kürzel HTL ist durch das Adjektiv diplomiert zu ersetzen (diplomierter Ingenieur, diplomierter Chemiker usw.)»[2]
Mit François Hemmer als Präsident der Konferenz wird die Schule auch weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt.
Anfang der 1990er-Jahre beginnt für die Fachhochschulen die Umsetzungsphase. Es wird über ihre Ausgestaltung, die Einführung einer Berufsmaturität, die Entwicklung einer Zusammenarbeit auf Ebene der Westschweiz usw. gesprochen. Der Bund kommt ins Spiel und übt sofort Druck auf die Schulen aus. Er ist nicht damit einverstanden, dass jedes Technikum den Titel einer Fachhochschule erhält. Einige Studiengänge und sogar Schulen müssen schliessen. Um den Entscheid des Bundes zu umgehen und Schliessungen zu vermeiden, beschliessen die Westschweizer HTL, sich zusammenzuschliessen und eine einzige Fachhochschule zu bilden, die FH der Westschweiz und heutige HES-SO. Der Schulföderalismus wird erfunden, was mit einigen Spannungen verbunden ist, da jeder Kanton seine eigene Verwaltungskultur besitzt.
Leider kann François Hemmer seinen Ruhestand nicht lange geniessen. Am Montag, 19. April 2004 verunglückt er bei einem Ausflug in die Berge tödlich.
Am Ende seiner 22-jährigen Tätigkeit als Direktor ist es François Hemmer gelungen, die Ingenieurschule von Freiburg erheblich weiterzuentwickeln. Die ersten zehn Jahre sind geprägt von der Reorganisation der Schule, was 1991 zum neuen Schulgesetz führt, dem Bau eines neuen Schulgebäudes und der Öffnung der Schule gegen aussen, die es ihr ermöglicht, national anerkannt zu werden. In den Jahren 1990 bis 2002 werden die Fachhochschulen geschaffen und die HES-SO gegründet, was ohne die in diesem Kapitel erwähnten wichtigen Etappen niemals möglich gewesen wäre. Der Einfluss von François Hemmer war demnach entscheidend für die Entwicklung und das Wachstum der Schule.
Wir danken François Riedo, die rechte Hand von François Hemmer während langen Jahren, herzlich für das Gespräch und die wertvollen Informationen und Hinweise.
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[1] Jahresbericht der HTA-FR, 2001-2002, S. 7
[2] Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Ingenieurschule Freiburg, S. 59