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Das Wichtigste in Kürze
- Judith Stamm ist mit 88 Jahren gestorben.
- Die Mitte-Politikerin war die erste Frau im luzernischen Grossen Rat.
- Später sass sie im Nationalrat und kämpfte dort für Frauenrechte.
88-jährig ist die Politikerin und Juristin Judith Stamm verstorben, wie die Mitte-Partei Luzern am Mittwochabend kommunizierte. Die ehemalige Nationalrätin galt als Vorreiterin bezüglich Gleichstellung und Frauenrechte.
Stamm sass von 1983 bis 1999 im Nationalrat, 1996/97 präsidierte sie die grosse Kammer. Neben ihrer politischen Karriere war die promovierte Juristin als Kriminalbeamtin, Jugendanwältin und Richterin tätig. Geboren wurde Stamm1934 in Schaffhausen, ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Zürich.
Klarer Standpunkt
In ihrer politischen Arbeit setzte Stamm Schwerpunkte im Sozial- und Umweltbereich sowie in der Rechtsetzung. Stamm reichte 1986 eine Motion für die Durchsetzung des Gleichstellungsartikels der Bundesverfassung ein. Sie erreichte so zwei Jahre später die Schaffung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau.
Die Linksbürgerliche zeigte immer wieder Mut zu eigenwilligen Positionen. Sie setzte sich für die Fristenlösung als strafrechtliche Regelung des Schwangerschaftsabbruches ein und vertrat eine Herabsetzung des Schutzalters. Ländliche und konservative Parteikreise stiess Stamm damit vor den Kopf. Doch in der Stadt und Agglomeration erzielte sie bei den Wahlen Spitzenergebnisse.
«Zuerst musste ich herausfinden, was mit Emanze genau gemeint war», sagte die ledige Stamm einmal. «Mit der Zeit habe ich dieses Etikett als Auszeichnung betrachtet, weil die Menschen meinen klaren Standpunkt auch schätzen gelernt haben.»
Erste Frau im Luzerner Grossen Rat
Nach der Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Luzern 1970 wurde Judith Stamm als erste Frau in den Grossen Rat gewählt. Stamm vertrat dort von 1971 bis 1984 die CVP (heute Mitte). 1983 wurde sie schliesslich in den Nationalrat gewählt.
1986 war sie erfolglos Bundesratskandidatin für die Nachfolge von Kurt Furgler und Alfons Egli. Für sie war es inakzeptabel, dass ihre Partei der Bundesversammlung keine Frau zur Wahl vorschlagen hatte.
1989 wählte der Bundesrat sie zur Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen. Vom selben Jahr an bis 2007 war sie auch Zentralpräsidentin der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft sowie Präsidentin der Rütlikommission.
Judith Stamm war «ihrer Zeit weit voraus»
Stamm wurde für ihre Verdienste um das Wohl der Stadt Luzern 2002 mit der Ehrennadel der Stadt ausgezeichnet. 2008 erschien ihre Biografie unter dem Titel «Beherzt und unerschrocken. Wie Judith Stamm den Frauen den Weg ebnete».
Ihre Partei würdigte Stamm in einer Stellungnahme als Vorbild für viele. «Mit ihrem Tatendrang und unermüdlichen Engagement zu Gunsten der Gesellschaft war sie eine prägende Figur in der Schweizer Politik.» Dies teilte die Mitte Kanton Luzern im Kurzbotschaftendienst Twitter mit.
Mehrere Parteikolleginnen strichen Stamms Taten zugunsten der Frauen hervor. Die Luzerner Ständerätin Andrea Gmür nannte sie auf Twitter «eine mutige, geradlinige Frau», die «ihrer Zeit weit voraus» gewesen sei.
Mit Stamm sei «eine Politikerin, ein Vorbild für viele Frauen, auch für mich und eine unermüdliche Kämpferin für Gleichstellung» verstorben. Dies schrieb Nationalrätin Ida Glanzmann (LU). «Viele ihrer Spuren werden uns auch in Zukunft begleiten.»