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Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon, ein biochemischer Botenstoff, der aus organischen Kohlenwasserstoffmolekülen besteht. Entdeckt wurde es 1935 vom Schweizer Mediziner Ernst Laqueur, der in den 1920er-Jahren bereits zu den Entdeckern des Östrogens gehört hatte.
Bei Männern wird 95 Prozent des Testosterons in den Hoden produziert, von dort bewegt es sich durch den Blutkreislauf und beeinflusst sämtliche Organe und viele Körperfunktionen. Es ist für die Spermienproduktion zuständig, beeinflusst die Sexualität, die Stimmung und das Wohlbefinden, die Muskulatur und das Knochenwachstum. Im Mutterleib ist es das Testosteron, das aus einem Embryo einen Jungen macht; später löst es dann auch die Pubertät aus.
Der Testosteronspiegel sinkt im Laufe des Tages und erreicht abends sein Tagesminimum. Das Maximum hat er in der Regel frühmorgens. Diese Schwankungen sind bei jüngeren Männern ausgeprägter.
Testosteronmangel führt zu reduzierter Leistungsfähigkeit beim Sport und im Alltag, allgemeiner Kraftlosigkeit sowie abnehmender Libido und Erektionsschwierigkeiten. Auch steigt die Gefahr, an Bluthochdruck oder Diabetes zu erkranken.
Die Nachfrage nach Testosteronpräparaten bei Männern über 50 ist in der Schweiz stark gestiegen. Sie glauben, damit jugendliche Energie und Kraft zurückzugewinnen. Doch Ärzte warnen vor unkontrollierter Anwendung von Testosteron und betonen, dass es nicht als Wundermittel gegen das Altern tauge.
Körpergewicht und Bauchumfang haben einen grösseren Einfluss auf den Testosteronspiegel als das Alter. Übergewichtige Männer haben oft einen unerkannten Testosteronmangel.
Vor der Geburt eines Kindes haben Väter deutlich mehr Testosteron im Blut als nach der Geburt. Laut Forschern begünstigt das die Orientierung in Richtung Familie und vermindert «die Tendenz zum Streunen».
Zu viel Testosteron im Blut soll Männer aggressiv oder antisozial machen. Neuere Studien zeigen, dass ein höherer Testosteronspiegel zu einem faireren Verhalten im sozialen Umgang führen kann, bei Männern wie Frauen.
Das Östrogen der Frauen entsteht aus Testosteron. Sie haben davon allerdings etwa zehnmal weniger im Blut als Männer. Die Menge hängt vom weiblichen Zyklus ab; um den Eisprung herum steigt der Testosteronspiegel an, was das Interesse an Sexualität positiv zu beeinflussen scheint.
Beim weiblichen Körper bewirkt die Zufuhr von Testosteron eine Vermännlichung und führt zu einer Art zweiten Pubertät mit Stimmbruch und spriessenden Haaren. Dies erleben insbesondere Transpersonen, die sich einer Geschlechtsanpassung unterziehen.
Fakten geprüft von Mirjam Christ-Crain, Hormonexpertin am Universitätsspital Basel. Dort läuft derzeit eine Studie zu Testosteron und Übergewicht (bei Interesse: <email-pii> ).
Autor: Ralf Kaminski