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Internationalisierungsstrategien als Instrument schweizerischer Aussenpolitik
Institutionen:
Universität Bern / Historisches Institut, Unitobler, Länggassstrasse 49, 3000 Bern 9
Bereiche Aussenpolitik / Geschichte der internationalen Beziehungen / Internationale Beziehungen / Diplomatiegeschichte / Internationalismus / Internationale Organisationen / Konferenz- und Kongresswesen
Disziplinen:
Sozial- und Wirtschaftsgeschichte / Politische Wissenschaft
Zeit:
1914 bis 1950er Jahren
Raum:
Schweiz und internationales System
Beschreibung:
Das Projekt beschreibt die gouvernementale Beschickung internationaler Zusammenkünfte und das staatliche Interesse an internationalen Organisationen als gouvernementalen Internationalismus. Diese Begrifflichkeit erlaubt die Erfassung breiter multilateraler Aktivitäten, die Bereiche abdecken, die zwar nicht die ‘Grosse Politik’ betreffen, dafür aber die für den Modernisierungsprozess relevanten aussenpolitischen Bemühungen um international kompatible Normen und Standards, sowie die Regelung des Wissenstransfers und die Sicherstellung grenzübergreifender Kommunikation. Der staatliche Internationalismus deckt demnach jenen Teil der Aussenpolitik ab, der speziell hochindustrialisierten Kleinstaaten einen Ausgleich zwischen ihrem ökonomischen Gewicht und ihrer an den Möglichkeiten der Grossmächte gemessenen politischen Bedeutungslosigkeit anbietet. Diese Form aussenpolitischer Profilierung manifestiert sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert bei der offiziellen Beschickung internationaler Zusammenkünfte und der staatlichen Beteiligung an internationalen Organisationen, wobei die staatliche Beteiligung auch in die Grauzone semioffizieller und nongouvernementaler Veranstaltungen reichte.
Ergebnisse:
Im ersten Projektjahr konnte der Einsatz des gouvernementalen Internationalismus anhand der bundesrätlichen Beschlüsse zur Beschickung internationaler Konferenzen und Kongresse konkretisiert und quantifiziert werden. Einzelne Beispiele bestätigten die Aussagekraft des Konzeptes, das angeblich spezifisch schweizerische Eigenheiten auf dem Hintergrund multilateral Aktivitäten zu relativieren versteht. Die bisher auf den Zeitraum von 1933 bis 1945 bezogenen Untersuchungen diskutieren neben der durch Internationalisierungsstrategien vorgenommenen Positionierung der Schweiz im internationalen System, aber auch die Auswirkungen dieses Bereiches der Aussenpolitik auf die Organisationsstruktur der Verwaltung. Die Beschickung von einerseits politisch relevanten und andererseits technisch orientierten Veranstaltungen implizierte eine Kooperation zwischen dem Eidg. Politischen Departement und den Fachdepartementen, bedingte aber auch den Einschluss von verwaltungsfremden Fachleuten und Verbänden. Durch den Filter des gouvernementalen Internationalismus lässt sich demnach auch das Ringen des Eidg. Politischen Departements um die Leitung der schweizerischen Aussenpolitik sowohl gegenüber der restlichen Verwaltung als auch gegenüber von Verbänden und Fachpersonen aufzeigen.
Methoden:
Historische Quellenanalyse, Erhebung der schweizerischen Beteiligung an internationalen Konferenzen und Kongresse sowie an internationalen Organisationen anhand der Akten der Eidg. Departemente im Schweizerischen Bundesarchiv.
Erhebungsverfahren: EDV-Bearbeitung der Archivexzerpte.
Veröffentlichungen:
Madeleine Herren: Raubsilber aus Belgien: schweizerische Währungspolitik im Ersten Weltkrieg, in: Neue Zürcher Zeitung (20.10.1997): 11
Madeleine Herren: Weder so noch anders: schweizer Internationalismus während des Zweiten Weltkrieges, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 47 (1997): 621-643.
Unveröffentlichte Berichte, Arbeitspapiere:
Madeleine Herren und Sacha Zala: Gouvernementaler Internationalismus am Beispiel der schweizerischenBeschickung internationaler Konferenzen und Kongresse 1914-1950. Paper präsentiert am Jahreskongress der Schweizerischen Vereinigung für Politische Wissenschaft, Balstahl, 1997.
Typ:
Vom NF subventionierte Forschung
Nationales Forschungsprogramm NFP Nr. 42
Stand: Abgeschlossen
Begin: 1996/08
Ende: 1999/07
Unveröffentlichte Berichte:
Madeleine Herren und Sacha Zala: «Internationalismus und Krieg», Arbeitspapier präsentiert der Arbeitsgruppe Aussenpolitik, August 1997.
Madeleine Herren und Sacha Zala: «Gouvernementaler Internationalismus am Beispiel der schweizerischen Beschickung internationaler Konferenzen und Kongresse 1914-1950», Arbeitspapier präsentiert am Jahreskongress der Schweizerischen Vereinigung für Politische Wissenschaft, November 1997.