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Irgendwie geht's weiter
Außergewöhnliche Schicksale im 19. Jahrhundert
eine Sammlung von wahren
Lebensgeschichten
erforscht und aufgeschrieben von
Gisela Dirac-Wahrenburg
Gottfried
(Friedrich) Huch
Schiffbruch im Atlantik
Der unfreiwillige Amerika-Auswanderer

Greenbush Cemetery, Lafayette,
Tippecanoe County, Indiana:

Auf dem Pionierfriedhof sind die 1878 und 1886 errichteten Grabsteine von Friedrich Huch und seinem Sohn erstaunlicherweise noch vorhanden. Die Inschrift ist (außer "Germany") auf Deutsch. Fälschlicherweise ist das Geburtsdatum von Sohn Friedrich mit 1823 anstatt 1824 angegeben.
3 Kinder :

Auguste Wahrenburg geb. Huch 1821-1904

Friedrich Huch 1824-1886

Von ihrer Schwester

Luise (Louisa) Starick
geb. Huch
ist leider kein Bild vorhanden.

Meine Verbindung zu Gottfried Huch
Johann Christoph Gottfried (Friedrich) Huch war einer meiner Ur-Ur-Ur-Großväter.
Gottfried Huchs Lebensgeschichte
Gottfried wurde Ende 1794 in dem kleinen Ort Pfitzdorf im heutigen Sachsen-Anhalt geboren. Als junger Mann zog er nach Altenplathow bei Genthin, weil sich dort mit dem Beginn der Industrialisierung berufliche Chancen für ihn auftaten.
Er machte Karriere und wurde schließlich Maschinenmeister in der Zichorienfabrik und Bleischrotgießerei des Magdeburger Kaufmanns Carl Pieschel. Offensichtlich hatte Gottfried dort eine angesehene, gut bezahlte Arbeit, die ihm einige Privilegien erlaubten.
In Pieschels Fabrik wurden Wurzeln der Zichorienpflanzen – eine Zuchtform der blau blühenden Wegwarte – geröstet und zermahlen. Dieses Pulver wurde dem Bohnenkaffee zugesetzt, um ihm mehr Farbe und Bitterkeit zu verleihen. Später, als der Import von Kaffeebohnen durch die Napoleonische Kontinentalsperre unterbunden wurde, ersetzte das Zichorienpulver notgedrungen gänzlich den Kaffee.
Während des Krieges gegen Napoleon hatte Carl Pieschel die Idee, eine Schrotgießerei zu bauen. Die Regierung überwies umgehend 5.000 Taler als Baukostenzuschuss. Die feinen Schrotkugeln wurden nach einem einfachen Verfahren hergestellt. Das geschmolzene Blei fiel durch heiße, eiserne Siebe aus großer Höhe in Bottiche, die mit kaltem Wasser gefüllt waren. Für seine Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung in der Region verlieh ihm König Friedrich Wilhelm IV im Oktober 1840 den erblichen Adelstitel. Die Familie hieß nun „von Pieschel“.
Obwohl der Schrotturm ein Wahrzeichen von Genthin-Altenplathow war und unter Denkmalschutz stand, wurde er nach dem 2. Weltkrieg von der DDR-Verwaltung abgerissen. Man wollte alle Gebäude beseitigen, die mit Rüstung in Verbindung gebracht werden konnten. Möglicherweise hatte man aber auch lediglich die Absicht, bei dieser Gelegenheit Ziegelsteine zu gewinnen, um sie für den Gebäudebau zu verwenden.

Am 22. Oktober 1820 heiratete Gottfried Huch die fast zwei Jahre ältere Johanna Falke. Zu der Zeit war er knapp 26 Jahre alt und Maschinist in Pieschels Unternehmen. Gottfried und Johanna hatten drei Kinder: Auguste, Friedrich und Luise Huch.
Alle drei Kinder wanderten nach und nach in die Vereinigten Staaten aus. Nur Gottfrieds Frau Johanna sowie Augustes ältester Sohn Wilhelm Wahrenburg (mein Ur-Großvater) blieben in Deutschland. Gottfrieds Kinder und Enkel suchten im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ein neues Leben in Wohlstand und Freiheit. Seine eigene Auswanderung dagegen war eher unfreiwilliger Art.
Im Jahr 1850, im Alter von 56 Jahren, brach Gottfried zu einer für damalige Verhältnisse gewagten und sehr langen Reise auf. Er wollte seine Kinder Friedrich und Luise besuchen, die 1848 und 1849 in die USA ausgewandert waren und in Lafayette, Indiana lebten. Es zeugt von einem gewissen Reichtum und einem verständnisvollen Arbeitgeber, dass er es sich leisten konnte, seinem Arbeitsplatz monatelang fernzubleiben.
Seine Frau Johanna blieb bei ihrer Tochter Auguste Wahrenburg zurück. Die wochenlange, strapaziöse Reise war ihr vermutlich zu mühsam. In Anbetracht der späteren Ereignisse war das ganz sicher die richtige Entscheidung.
Tochter Auguste war zur Zeit der Abreise ihres Vaters mit ihrem dritten Kind schwanger und konnte die Hilfe ihrer Mutter gut gebrauchen. Bis 1867 gebar sie zehn Kinder, von denen zwei als Kleinkinder starben.
Gottfried kaufte eine Fahrkarte für die Überfahrt mit dem ersten deutschen Transatlantik-Dampfschiff HELENA SLOMAN, das ihn als Maschinenmeister ganz sicher faszinierte. Das Schiff war Anfang 1850 im Auftrag der Sloman-Reederei in England erbaut worden und war fast dreimal schneller als ein Segelschiff, was Gottfrieds Wahl vermutlich mit beeinflusste. Allerdings war die Passage mit einem Dampfschiff auch doppelt so teuer.
1977 widmete die Deutsche Bundespost dem ersten deutschen Dampfschiff eine Briefmarke.
In der Passagierliste von 1850 ist Gottfried Huch als F. Huck eingetragen, weshalb es ziemlich schwierig war, den Eintrag für meinen Ur-Ur-Ur-Großvater zu finden:
Da der Name Gottfried in Amerika nicht sehr geläufig war, beschloss er, den Namen Fred, Frederick oder Friedrich zu gebrauchen, solange er in den USA weilte.
Trotz der kürzeren Überseereise brauchte Gottfried sehr viel Mut und Unternehmungsgeist, um seine Kinder in der neuen Welt zu besuchen. Berichte über Seereisen zu jener Zeit waren erschreckend. Und die Schwierigkeiten auf der strapaziösen Landreise von New York in den 1.200 km entfernten Staat Indiana im Jahr 1850 können wir nur erahnen.
Hier ein Artikel aus der Zeitung „Die Welt“ vom 31. August 2008 über die Verhältnisse im Jahr 1868 auf dem Auswandererschiff LEIBNITZ, das ebenfalls der Sloman-Reederei gehörte:
„In einem Bericht der amerikanischen Einwanderungsbehörde hieß es: ‚In einer wahren Hölle waren 150 Personen wochenlang eingepfercht. Der Schmutz von dem oberen Raum floss herunter in den Menschenstall, in dem es kein Tier lange ausgehalten hätte.’ Erst 1855 beschloss die Bürgerschaft die Einsetzung einer Deputation für die Auswanderer, um Abhilfe zu schaffen. Die Resultate waren bescheiden. Das zeigte sich Anfang 1868, als bekannt wurde, dass auf dem Sloman-Schiff LEIBNITZ 100 der 544 Auswanderer, die in Hamburg an Bord gegangen waren, die etwa zwei Monate dauernde Reise nach New York nicht überlebt hatten.
Die amerikanischen Inspektoren, die das total überfüllte Schiff wegen der hohen Sterblichkeit untersuchten, waren entsetzt. Für die 544 Passagiere standen nur vier Toiletten zur Verfügung. Die Verpflegung war zum großen Teil verschimmelt. Die Butter war ungenießbar, das Wasser war mehr als knapp. Wollte ein erkrankter Passagier Wasser oder Wein haben, so verlangte der Kapitän einen drastisch hohen Preis. Ein Arzt war nicht an Bord, die Medikamente waren nach 14 Tagen aufgebraucht. Die Inspektoren beschrieben das untere Zwischendeck als eine "vollständige Pesthöhle und geradezu darauf angelegt, den gesündesten Menschen zu töten". Reeder Robert Miles Sloman musste sich vor dem Hamburger Obergericht verantworten. Das Urteil: 100 Taler Geldstrafe. Das war alles.“

Interessant ist, dass ausgerechnet die Reederei Sloman, mit deren Schiff Gottfried unterwegs war, in diesem Artikel negative Schlagzeilen bekam. Es ist anzunehmen, dass die meisten Auswanderer von diesen Verhältnissen kaum etwas wussten und ziemlich „blauäugig“ auf die große Reise gingen.
Die Fahrten der HELENA SLOMAN standen unter keinem guten Stern. Am 28. Mai 1850 startete sie zu ihrer Jungfernfahrt von Hamburg nach New York. Wegen eines Maschinenschadens und eines dadurch notwendigen Aufenthalts in England kam sie erst nach einem Monat, am 29. Juni 1850, in New York an. Die Rückfahrt schaffte sie in einer Rekordzeit von 18 Tage. Im Vergleich dazu war ein Segelschiff damals durchschnittlich 50 Tage unterwegs, also fast dreimal so lange.
Am 10. August 1850 fuhr die HELENA SLOMAN erneut ab Hamburg los, kam aber erst am 4. September in New York an, da sie während eines Sturms beschädigt worden war.
Die dritte sollte die letzte Fahrt des Schiffes werden. Gottfried Huch war an Bord. Die HELEN SLOMAN verließ Hamburg am 26. Oktober 1850, legte einen Zwischenstopp in Southampton ein und machte sich am 1. November mit 22 Erste-Klasse-Passagieren, 31 Zweite-Klasse-Passagieren, 91 Zwischendeckpassagieren und 36 Besatzungsmitgliedern auf den Weg über den Atlantik.
Am 19. November 1850 geriet das Schiff vor Neufundland in einen schweren Sturm. Stundenlang hielt es den haushohen Wellen stand, bis es am 20. November von einer riesigen Welle seitwärts getroffen und schwer beschädigt wurde. Es füllte sich langsam mit Wasser. Während die Passagiere halfen, die Pumpen zu betätigen, versuchte die Mannschaft vergeblich, die Schäden zu reparieren.
Fünf lange Tage später, am 25. November wurde endlich ein Schiff gesichtet, das allerdings die Notsignale der HELENA SLOMAN nicht bemerkte. Das verunglückte Schiff war manövrierunfähig und trieb ab. Fast wäre es etwa 180 Meilen südöstlich von Halifax, Nova Scotia auf Grund gelaufen. Hier befindet sich eine gefährliche Sandbank, die durch den Zusammenfluss des Labrador- und Golfstroms entstanden ist und zur damaligen Zeit als „Friedhof des Atlantiks“ bekannt war. Hunderten von Schiffen wurde diese Sandbank zum Verhängnis. Zum Glück ließ der Sturm jedoch rechtzeitig nach und die Reisenden entgingen einer weiteren Katastrophe.
Am Morgen des 28. November, nach acht schrecklichen Tagen in Seenot, wurde die HELENA SLOMAN endlich von einem amerikanischen Packschiff entdeckt, das von London nach New York unterwegs war. Die Besatzung der DEVONSHIRE sah die Notsignale und hörte die Salven der Notkanonen, die abgefeuert wurden. Inzwischen war so viel Wasser ins Schiff eingedrungen, dass es kurz vorm Sinken war. Die Menschen waren verzweifelt.
Unter großen Schwierigkeiten ruderten sechs Besatzungsmitglieder der HELENA SLOMAN und zwei englische Passagiere als Übersetzer mit einem Beiboot zur DEVONSHIRE, um den Kapitän über die missliche Lage in Kenntnis zu setzen. Daraufhin fuhren den ganzen Tag lang Ruderboote zwischen den beiden Schiffen hin und her, um Passagiere und Mannschaft des havarierten Schiffes zu bergen.
Gegen 4 Uhr nachmittags wurde ein Rettungsboot mit sieben Passagieren und vier Matrosen der DEVONSHIRE vom Bug der schwankenden HELENA SLOMAN getroffen und kenterte. Von den elf Menschen überlebten nur zwei Passagiere dieses Unglück.
Die vier ertrunkenen Seeleute der DEVONSHIRE waren Mr. Johnson, John Hasson aus Londonderry, George Riley aus Hull und Daniel Macarthur aus Montreal. Die fünf ertrunkenen Passagiere der HELENA SLOMAN hießen John Philip Nelson, Augusta Rozenbuck und John Popake aus Mecklenburg, Dr. Lutz aus Heilbronn und Henry Otterburg aus Hannover.
Im Laufe meiner Nachforschungen wurde ich per e-mail von der Ur-Ur-Ur-Enkelin des ertrunkenen John Philip Nelson kontaktiert. Der gebürtige Engländer John Nelson war in Hagenow, Mecklenburg ein erfolgreicher Seifen- und Kerzenfabrikant gewesen, bevor er sich mit seiner Frau und sechs Kindern in ein neues Leben aufmachte. Er hatte sein gesamtes Hab und Gut in Deutschland verkauft und trug es in Form von Gold bei sich. Es befand sich in seinem Gürtel und war in seinen Kleidern eingenäht, die er extra für diesen Zweck hatte anfertigen lassen. Durch diesen Umstand war er dermaßen schwer, dass er wie ein Stein im Atlantik versank, als das Boot kenterte. Seine Frau und die sechs Kinder Augusta, Louise, Charles, Regina, Adolph und Pauline hatten nichts als ihre Kleider am Leib als sie in New York eintrafen. Sohn Charles, der beim Tod seines Vaters 15 Jahre alt war, wurde später mit einer eigenen Whiskey-Brennerei ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann.
Vielleicht hat Gottfried Huch diese Familie näher gekannt. Der Tod des sechsfachen Familienvaters und der anderen acht Opfer war ganz sicher ein großer Schock für alle.
Kapitän Paul Nickels Paulsen verließ als letzter das sinkende Schiff. Er erreichte die DEVONSHIRE um 6.30 abends mit dem letzten Rettungsboot. Kurz darauf – noch vor den Augen der Geretteten – sank die HELENA SLOMAN. Da nicht nur die Besitztümer der Menschen, sondern auch sämtliche Nahrungsmittel mit dem Schiff untergegangen waren, war die Verpflegung auf dem Rettungsschiff äußerst knapp. Die Fahrt konnte jedoch glücklicherweise unter günstigen Winden schnell zurückgelegt werden. Die DEVONSHIRE unter der Führung von Captain Hovey erreichte New York am 5. Dezember 1850.
die HELENA SLOMAN im Hamburger Hafen
und auf hoher See
Als Anerkennung für seinen heroischen Einsatz bei der Rettung der Schiffbrüchigen wurde Kapitän Henry R. Hovey im Januar 1851 vom Bürgermeister der Stadt New York, C.S. Woodhull, eine goldene Schatulle überreicht. Darin war Folgendes eingraviert:
By the Corporation of the City of New-York to Captain HENRY R. HOVEY, of the ship DEVONSHIRE of the same place, as a testimonial of their appreciation of his heroic conduct, on the occasion of his rescuing the crew and passengers of the steamer HELENA SLOMAN at sea, on the 28th of November, 1850.
Gottfried trat den Weg zurück in die Heimat nie an. Die acht Tage in Seenot mitten im Atlantik auf dem schwankenden, manövrierunfähigen Schiff waren so traumatisch, dass er höchstwahrscheinlich nie wieder ein Schiff betrat. Seine Frau Johanna lebte noch weitere 17 Jahre in Altenplathow bei der Familie ihrer ältesten Tochter. Gottfried lebte noch 28 Jahre in den USA. Die beiden sahen sich nie wieder.
So sehr ich mich auch angestrengt und stundenlang nach ihm gesucht habe: Johann Christoph Gottfried (Fred, Friedrich) Huch bleibt ab seiner Ankunft in Amerika bis zu seinem Tod von der Bildfläche verschwunden. Das heißt, dass ich ihn auf offiziellen Papieren (Volkszählungen, Todesanzeigen, Social Security Index, Directories etc) nirgendwo finden konnte, auch wenn ich sämtliche Varianten seiner Vornamen und etwaige Schreibfehler für seinen Nachnamen in Betracht gezogen habe.
Fest steht lediglich, dass er gemäss der Aufschrift auf seinem Grabstein im Jahr 1878 in Lafayette, Indiana gestorben ist und dort auf dem Greenbush Cemetery beerdigt wurde. Auf diesem Pionier-Friedhof für frühe Siedler ist sein imposanter Obelisk und der seines Sohnes Friedrich Huch heute noch zu sehen.
Die außergewöhnlichen Grabstätten und die Einträge für Fred Huch (Vater oder/und Sohn?) für mehrere große Grundstück in Lafayette lassen darauf schließen, dass die Familie wohlhabend war.
Eine Woche nach dem Tod seiner Frau Johanna im Januar 1867 wurde ihre Tochter Auguste Wahrenburg in Altenplathow von einer Todgeburt entbunden. Vier Jahre später starb Augustes Mann August an Tuberkulose. Das Paar hatte 10 Kinder, von denen acht das Erwachsenenalter erreichten: Wilhelm, Carl, Marie, Auguste, Luise, Wilhelmine, Anna und Bertha.
Kurz nach dem Tod ihres Mannes traf Auguste eine schwerwiegende Entscheidung. Ihr ältester Sohn Wilhelm hatte die Böttcherei des Vaters übernommen. Ihr zweiter Sohn Carl war 1868 nach Indiana ausgewandert. Sie und ihre sechs Töchter im Alter zwischen 10 und 20 Jahren waren von Wilhelm abhängig, der mit seinen 24 Jahren die Böttcherei zwar erfolgreich weiter führte, aber Arbeiter bezahlen musste und auf Dauer gesehen nicht eine 8-köpfige Familie ernähren konnte. Außerdem war er verlobt und wollte eine eigene Familie gründen.
Durch Briefe von ihren zwei Geschwistern, ihrem Vater und ihrem Sohn Carl wusste Auguste, dass sie und ihre Töchter in Indiana willkommen waren. Man würde ihr dort helfen, und die Mädchen würden sicher „brave Ehemänner“ finden.
So betrat Auguste am 20. September 1871, neun Monate nach dem Tod ihres Mannes, mit ihren Töchtern in Hamburg die SILESIA. Der endgültige Abschied von ihrer Heimat und ihrem Sohn Wilhelm fiel ihr sehr schwer, auch wenn sie sich auf das Wiedersehen mit ihren Geschwistern und ihrem Vater freute. Am 5. Oktober 1871 kam die kleine Reisegruppe in New York an.
Man kann sich in etwa vorstellen, wie das Wiedersehen mit ihrem Vater und ihren Geschwistern nach über 20 Jahren ausgefallen ist. Ihre Verwandten waren inzwischen Amerikaner und müssen ihr ziemlich fremd vorgekommen sein. Ihre vielen Nichten und Neffen kannte sie noch gar nicht.
Auguste hielt ihren Sohn Wilhelm brieflich auf dem Laufenden über die wichtigen Ereignisse im neuen Leben seines Bruders und seiner sechs Schwestern, seines Grossvaters, seiner Tante und seines Onkels. Ein Brief war damals mehrere Monate unterwegs, bevor er seinen Empfänger erreichte. Nach Überlieferung seiner Kinder und Enkel weinte Wilhelm jedes Mal, wenn er ein Lebenszeichen seiner Lieben von jenseits des Atlantiks erhielt. Er vermisste seine Familie schrecklich.
Leider sind diese Briefe nicht erhalten geblieben. Lediglich eine Notiz hat überlebt, die von Auguste in der alten deutschen Schrift verfasst wurde. Sie ist nur deswegen aufgehoben worden, weil auf der Rückseite die Adresse ihrer Tochter Bertha Seraphim steht. Der Text wurde ohne Punkt und Komma geschrieben. Er enthält viele Fehler, beschreibt aber kurz und prägnant den Seelenzustand von Auguste fern ihrer Heimat:
"gefühle ich kan es schon tragen und der liebe Gott wird alles leiten und lenken nach seinem wohlgefallen nun lebt wohl in der Hofnung das ihr alle Gesund seid und bald wieder Schreibt der Herr sei mit Euch und erhalte Euch treu bis wir uns droben wieder sehen"
Als ich 1995 in Lafayette IN, Indiana war, wohnte ich bei Charles Warrenburg, einem Cousin 2. Grades meines Vaters, den ich sofort ins Herz schloss. Er war der letzte des Namens, denn er hatte keine eigenen Kinder. Der Name Wahrenburg war im Laufe der Zeit wegen der zwei Weltkriege und der damit verbundenen Animosität gegen Deutsche anglisiert worden.
Mit Charlie zusammen besuchte ich auch das Grab meiner Ur-Ur-Grossmutter Auguste Wahrenburg. Stellvertretend für ihren Sohn, meinen Ur-Grossvater Wilhelm, der Zeit seines Lebens unter der Trennung litt, stand ich 124 Jahres nach der Auswanderung seiner Mutter und Geschwister vor den Gräbern seiner Lieben in der „neuen Welt“. Was würden sie wohl sagen, wenn sie wüssten, dass nach dieser langen Zeit die deutsch-amerikanischen Familienbande immer noch bestehen?
Johann Christoph Gottfried (Friedrich) Huch hat sehr viele Nachkommen durch seine 3 Kinder: 28 Enkel, 33 Ur-Enkel und viele weitere in den nachfolgenden Generationen. Der Name Huch starb jedoch mit seinen Ur-Enkeln aus, die keine männlichen Nachkommen hatten.

Die evangelische Kirche in Altenplathow,

Die methodistische Kirche in Lafayette war nach der Auswanderung Zufluchts- und Gebetsort der evangelischen Familien.

Charles Warrenburg brachte es mit seinem

Dieses Kirchenfenster in der methodistischen Kirche von Lafayette wurde von Gottfried Huchs Enkel Charles Warrenburg gestiftet.

Nachkommen von Gottfried (Friedrich) Huch und Johanna Falke

Auch
im Alter hatten die Cousinen noch Kontakt miteinander:
Schlagzeilen für einen Nachkommen
Einer von Gottfrieds Ur-Enkeln, Frederick William Huch (2.2.4.), starb unter dramatischen Umständen, wie wir einer Zeitung von 1962 entnehmen konnten. Kurz vor Weihnachten wurde er von Weihnachtsbäumen erschlagen, die von einem Lastwagen fielen. Der Laster war mit einem Güterzug zusammen gestoßen. Frederick war zur falschen Zeit am falschen Ort.
Quellen
- Briefe von
Familienangehörigen
Die
Nachforschungen für diese Geschichten haben sehr viel Zeit in Anspruch genommen.
Das Copyright liegt ausschließlich bei mir.
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Copyright ©
by
Gisela Dirac-Wahrenburg