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Wir starteten mit einem kalten Januar mit leichten Minusgraden ins Jahr. Sogar ein paar Schneeflocken fielen, die im Laufe des Tages aber wieder schmolzen. Das Rebenschneiden und das Anbinden der neuen Rebzweige sind die beiden Hauptarbeiten im Winter. Je nach Wettersituation kann dazwischen das alte Holz zusammengetragen werden, oder in den Rebfeldern Unkraut gemäht werden.
Das Jahr 2021 können wir zu den trockensten der letzten Jahre zählen. Erst im Herbst kamen die Regengüsse, die zusammengezählt etwa die Hälfte der Jahresgesamtregenmenge (430mm/m²) ausmachten. Einige Pflanzen überlebten die anhaltende Trockenheit nicht, auch weniger kräftige Rebstöcke, die z.B. auf magerem Boden gewachsen waren.
Auch im Frühling, der recht kühl war, gab es keine ergiebigen Regen. Die Rebstöcke begannen auszutreiben; jedes Mal ist das ein wunderschönes Bild. Es mussten bei den Sorten Syrah, Petit Verdot und Marselan überschüssige Triebe entfernt werden. Auch die Triebe am Stamm wurden weggebrochen. In den Spalierfeldern wurden die Drähte ausgehängt, um dem Wuchs der Zweige freien Lauf zu lassen. Später können die Drähte mit den Zweigen dann wieder hochgehoben und eingehängt werden, um so eine Rebspalierwand zu bilden.
Im Frühling ist keine Jagdsaison und wir konnten schöne Tierbeobachtungen machen: Ein paar Wildschweine mit ihren Jungen, eine Füchsin mit zwei Kleinen auf Futtersuche auf dem Hausplatz und auf dem Kompost, ein junger Hase... Aber auch ein Unglück passierte; das Falkenmännchen wurde mitten in der Brutsaison getötet (Fuchs) und darum musste das Weibchen mit dem Brüten aufhören. Später fanden wir beim Säubern der Nistkiste sechs Eier.
Die Rebspritzungen mit Schwefel und Kupfer verteilten sich auf acht Durchgänge von Mitte April bis Ende Juli. Durch die Trockenheit gab es wenig Pilzkrankheiten. Im Juni kam die erste Hitzewelle mit Temperaturen bis 34°C im Schatten (47°C in der Sonne). Nun kamen auch die ersten Cigales. Sie waren nicht sehr zahlreich dieses Jahr, ebenso wenig die Wespen. In den Feldern wurde mit dem Pflug Erde zu den Rebstöcken hingehäuft, um das Unkraut zu stören. Die Rebzweige blieben kurz, dadurch erübrigte sich ein zusätzliches Kürzen, genauso wie das Entlauben.
Im Juli gab es eine zweite Hitzeperiode mit bis zu 33°C im Schatten. Danach war der Sommer nur noch mässig warm. Nach einer ersten Flaschenabfüllung im März (BETA und RHO) wurden im Juli einige Rotweine abgefüllt.
In diesem Sommer gab es im Departement Aude zwei grosse Brände (300 und 900 Hektaren) durch unvorsichtiges Benehmen. Wir stellten wegen der Brandgefahr die Mäharbeiten auch ein.
Die Trauben wurden nun schon blau und es sah nach einem guten Jahr aus. Ende August begann die Lese. Das Wetter spielte leider nicht ganz mit; es war feucht-warm mit kleinen Regengüssen. Dieses Klima förderte die Vermehrung des Traubenwurms enorm. Es musste sehr gut verlesen und trotzdem zügig vorwärts gearbeitet werden. Leider konnten wir nicht mehr in allen Feldern auf den optimalen Reifezustand der Trauben warten und mussten sie vorzeitig pflücken.
Der Herbst brachte uns den lang erwarteten Regen. Die Natur war sehr dankbar dafür. Feigen- und Mandelbäume trieben sogar nochmals aus.
Während sich auf den Drähten ein grosser Schwalbenschwarm sammelte, begannen sich die Rebfelder orange und gelb zu verfärben. Nachdem alle Blätter abgefallen waren, wurden in den Spalieren die Klammern eingesammelt und im November griffen wir wieder zu den Rebscheren. Der Dünger steht ebenfalls zum Verteilen bereit.
Im Weinkeller sind Rosé und Weisswein bei der ersten Kälte schön klar geworden. Auch die Cuvée Rouge- gorge aus den Carignan-Trauben des kleinen Rougegorge-Feldes sieht verführerisch aus. Der Petit Verdot ist der einzige Rotwein, den wir dieses Jahr bei uns vergoren haben. Er hat den Säureabbau abgeschlossen und ruht friedlich im Edelstahltank.
Trotz allem können wir auf ein gutes Jahr 2021 zurückschauen. Wir wünschen allen für 2022 Glück und
Gottes Segen!
Winzerfamilie Marty mit Franziska, Alexandra, Chantal und Irma