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Er wird am 22. November 1722 als erstgeborener Sohn des Grafen Ernst Maximilian von Montfort (1700–1758) und seiner Ehefrau Maria Antonia Eusebia Truchsess zu Friedberg und Trauchburg (1691-1767) geboren.[1] Die Montfort sind ursprünglich mächtiger vorarlbergischer Hochadel, besitzen aber nach einem politischen und wirtschaftlichen Niedergang seit dem 16. Jahrhundert nur noch die inzwischen hoch verschuldete Herrschaft Tettnang und Argen.[2] Franz Xaver wächst, zusammen mit seinen vier Geschwistern, im «Neuen Schloss», der soeben bezogenen neuen Familienresidenz am Südende der Stadt Tettnang auf. Er erhält eine standesgemässe Erziehung, geht an das Jesuitengymnasium Konstanz und studiert 1738–1742 an der Benediktineruniversität Salzburg, wo er mit dem Lizenziat beider Rechte abschliesst. Er wirkt anschliessend als Kammerrichter, Hof- und Regierungsrat am kurmainzischen Hof unter dem Grosshofmeister Friedrich Graf von Stadion.[3] Hier muss sich Franz Xaver nebst der angeborenen Jagdleidenschaft auch sein Interesse an den bildenden Künsten und an der Musik erworben haben. Er führt jetzt die Titel eines Herzoglich-Württembergischen Jagdordensritters, eines Kurfürstlich bayrischen Geheimrates und eines Königlich-Kaiserlichen wirklichen Kämmerers. 1752 heiratet er Maria Josepha, Gräfin von Königsegg-Aulendorf (1730–1753).[4] Sie stirbt im folgenden Juli nach der Geburt einer Tochter.[5] 1753 wird damit endgültig zum Unglücksjahr, denn schon im Mai betrauert er den Tod seiner Schwester Maria Adelheid und im November verwüstet ein Grossbrand das «Neue Schloss». Sein Vater Graf Ernst Maximilian überträgt ihm 1755 die Regierung. Dies, weil Österreich ein Darlehen von 500 000 Gulden zur Schuldensanierung und für den Wiederaufbau nur mit einschneidenden Bedingungen gewährt. So sichert sich Österreich die Anwartschaft auf die Grafschaft und will die Verträge nur mit Franz Xaver abschliessen, der sich bis 1756 auch längere Zeit in Wien aufhält. Er nimmt den Wiederaufbau des Schlosses schnell an die Hand und engagiert die besten Künstler des Bodenseeraumes für den Innenausbau und die Ausstattung. Er wird zum Förderer des Langenargener Malers Andreas Brugger, dem er eine Ausbildung beim Landsmann Franz Anton Maulbertsch in Wien vermittelt. Als Graf Franz Xaver 1759 wieder heiratet, sind die Appartements des ersten Obergeschosses schon weitgehend stuckiert. Seine zweite Gemahlin ist Sophia Theresia von Limburg-Styrum (1740–1769). Ihr Porträt wird der jungen Angelika Kauffmann zugeschrieben.[6] Ob sie schon wieder im «Neuen Schloss» wohnen, ist unklar, denn die Arbeiten kommen nach 1765 zum Erliegen. Grund ist der Geldmangel. Die der Stadt zugewandten Appartements sind zwar bewohnbar, aber erst nach neuen Verhandlungen mit Österreich und einem weiteren Vorschuss baut Franz Xaver, auch nach dem Tod seiner zweiten Gemahlin, die südlichen Räume weiter aus.[7] 1772 heiratet er erneut. Seine dritte Gemahlin ist die fast 30 Jahre jüngere Elisabeth Auguste Gräfin von Schall zu Bell, eine Enkelin des kurmainzischen Grosshofmeisters Friedrich Graf von Stadion.[8] Die Ehe verläuft unglücklich, daran werden nebst dem ausbleibenden Stammfolger auch die Finanzverlegenheiten der Grafschaft Montfort schuld sein, die inzwischen auf über eine Million Gulden angewachsen sind, eine unvorstellbare Summe, wenn man das Jahreseinkommen eines Handwerkers von 100 Gulden dagegen setzt. 1779 wird deshalb die Grafschaft Montfort mit allen Besitzungen und selbst dem Mobiliar von Österreich übernommen. Als Gegenleistung bietet der Käufer Schuldentilgung sowie eine gute Appanage für die noch lebenden Grafen und auch für die schon in Trennung lebende Ehefrau. Graf Franz Xaver zieht sich ins Kaplaneihaus von Mariabrunn zurück, wo er am 24. März 1780 mit 58 Jahren stirbt und in der dortigen Wallfahrtskirche beim rechten Seitenaltar begraben wird.
1787 stirbt auch sein Bruder Anton IV. kinderlos, das Geschlecht der Montfort im männlichen Stamm ist damit erloschen.
Die kaum 18-jährige Angelika Kauffmann porträtiert 1759 nicht nur die junge zweite Ehefrau, sondern auch Franz Xaver Graf von Montfort. Das Brustbild zeigt ihn als jungen Jagdherrn im graugrünen Jagdkleid, mit Gewehr und Hund. Beide Bilder hängen heute im Tafelzimmer des «Neuen Schlosses». Ungefähr 15 Jahre später malt ein unbekannter Maler ein weiteres Bild des Grafen.[9] Der über 50-Jährige ist in fast identischer Haltung und unverkennbar in den Gesichtszügen dargestellt. Die dunkelblaue Weste und der «Justeaucorp», wie der Überrock im Rokoko genannt wird, sind jetzt reich mit Goldstickerei verziert. Der Graf trägt ein rotes Ordensband und einen Verdienstorden mit Grosskreuz. In allen Darstellungen verzichtet er zugunsten der modischen Haarbeutelfrisur auf das Tragen einer Perücke.
Pius Bieri 2011
Benutzte Literatur:
Von Vanotti, Johann Nepomuk: Geschichte der Grafen von Montfort, Konstanz 1845.
Hosch, Hubert : Andreas Brugger (1737–1812), Sigmaringen 1987.
Burmeister, Karl Heinz: «Montfort» in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997)
Wenger, Michael: Texte in Tettnang, Neues Schloss und Stadt, Kunstführer, München und Berlin 2004.
Niederstätter, Alois: Grafen von Montfort, in: Historisches Lexikon Bayerns. 2015.
[2] Die Grafen von Montfort gründen im Mittelalter folgende Städte: Feldkirch, Bregenz, Bludenz, Sargans, Tettnang, Leutkirch, Scheer, Immenstadt und Langenargen. Die geografische Verteilung dieser Städte entspricht dem mittelalterlichen Herrschaftsgebiet des Geschlechts. Das Wappen der Montfort von Tettnang zeigt in Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln. Das Land Vorarlberg übernimmt 1918 dieses Wappen.
[3] Anton Heinrich Friedrich Graf von Stadion (1691–1768) ist 1737–1761 Grosshofmeister und damit wichtigster weltlicher Beamter der Fürstbischöfe. Er ist Kunstliebhaber, fördert Johann Heinrich Tischbein und hinterlässt eine grosse Kunstsammlung. Zudem ist er der Aufklärung verbunden, kennt Voltaire, zieht den Dichter Christoph Martin Wieland nach Mainz, ist auch treibender Geist zur Aufhebung des Jesuitenordens.
[4] Maria Josepha tritt 1745 ins adelige Damenstift Buchau ein und tritt 1752 wegen der Heirat, wie schon ihre Schwiegermutter, wieder aus. Sie wird im Hauskloster Langnau begraben.
[5] Josepha von Montfort (1753–1773) wird Stiftsdame in Thorn, einem hochadeligen Damenstift bei Maastricht.
[6] Sophia Theresia von Limburg-Styrum, geboren am 5. April 1740, Heirat 1759 auf der Hohenlohe-Residenz Bartenstein. Der 1760 geborene Sohn Hugo stirbt schon 1761. Das Porträt aus der Hand der jungen Angelika Kauffmann muss nach der Heirat 1759 oder Anfang 1760 entstanden sein, da die Malerin nachher nach Chur und Italien verreist. Sophia Theresia stirbt jung am 15. November 1769. Sie ist nach der Grabtafel in der Arnoldskapelle von Hiltensweiler die letzte Gräfin des Hauses Montfort, die in der Klosterkirche Langnau begraben wird.
[7] 1767 und 1768 verhandelt er mit dem Münchner Hof um den Kauf der Grafschaft für 800 000 Gulden, was aber sofort das Eingreifen Österreichs zur Folge hat. In Wien hält sich Franz Xaver 1768 und 1769 auf.
[8] Sie wird um 1750 als einziges Kind des Grafen Ferdinand von Schall zu Bell und der Maria Anna Gräfin von Stadion-Warthausen geboren. 1778 wird die Ehe getrennt. Elisabeth Auguste zieht nach Strassburg, wo sie nach 1804 stirbt.
[9] Von Franz Xaver Graf von Montfort sind nebst den hier beschriebenen Brustbildern weitere Gemälde bekannt. Im Bacchussaal des Neuen Schlosses malt 1762 Andreas Brugger das Vollbildnis des Grafen in weissem Justeaucorp mit Weste, Culotten und Strümpfen. Im ersten grünen Zimmer hängt ein Brustbild im Halbharnisch (um 1765) und ein weiteres interessantes Gemälde um 1740 zeigt den Jüngling als Alchemisten und Goldmacher.
|Franz Xaver Graf von Montfort (1722–1780)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|22. November 1722||Tettnang Baden-Württemberg D||Grafschaft Montfort|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Graf von Montfort, Herr von Tettnang und Argen.||1755–1779|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|24. März 1780||Eriskirch Baden-Württemberg D||Grafschaft Montfort|
|Kurzbiografie|

Franz Xaver Graf von Montfort übernimmt 1755 die Herrschaft. Er ist hochgebildet, frönt der adeligen Jagdleidenschaft und ist Kunst- und Musikliebhaber. Den Wiederaufbau des Neuen Schlosses betreibt er mit den besten Künstler der Bodenseeregion, obwohl die Grafschaft nach heutigen Begriffen bereits bankrott ist. Der Graf kann seine Ausgaben nur noch mit einem Darlehen Österreichs begleichen. Die Schulden wachsen bis 1779 auf eine Summe, die weit über das zehnfache der Jahreseinnahmen vergleichbarer Herrschaften betragen. Der Gläubiger Österreich kann jetzt die Grafschaft in seinen Besitz nehmen und findet die beiden kinderlosen letzten Nachkommen des grossen Adelsgeschlechts mit einer Appanage ab.
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