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Knochenzysten
Noch nie gehört? Dabei kommen diese oftmals nur winzigen, rundlichen oder ovalen Hohlräume in gelenksnahen Knochen vor allem bei wachsenden Pferden recht häufig vor und können zu erheblichen Beschwerden und Lahmheiten führen. Zystenbehandlung ist ein Spezialgebiet der Klinik für Pferdechirurgie. In diesem Bereich haben wir einen grossen Erfahrungsschatz und es werden immer wieder neue Behandlungsmethoden erforscht.
Wissenswertes zu Knochenzysten
Was sind subchondrale Knochenzysten?
Subchondrale Knochenzysten sind sowohl bei Jungtieren als auch bei erwachsenen Pferden ein bekannter Grund für Lahmheit. Sie werden als röntgendurchlässige Regionen im subchondralen Knochen (= Knochen unter der Knorpeloberfläche eines Gelenks) definiert und befinden sich somit nahe an Gelenken.
Die Röntgendurchlässigkeit sieht man als runde bis ovale, zum Teil auch unregelmässig umrandete konturierten Aufhellung, die häufig von einer weisslichen Zone umgeben wird. Unter dem Mikroskop stellen sich die Zysten als Hohlräume im Knochen dar, die mit Flüssigkeit und Bindegewebe gefüllt sind.
Vorkommen
Subchondrale Knochenzysten kommen am häufigsten im Kniegelenk, gefolgt von den Zehengelenken vor. Die Vordergliedmassen sind bei den Knochenzysten in den unteren Gliedmassen häufiger betroffen als die Hintergliedmassen.
Ursache
Als mögliche Ursachen für die Entstehung von subchondralen Knochenzysten werden verschiedene Theorien diskutiert:
- Einerseits werden Knochenzysten als Teil des Osteochondrosekomplexes (mehr) betrachtet. Dieser spielt beim Wachstum eine Rolle, sodass die Bildung von Knochenzysten als Wachstumsstörung beim Pferd angesehen werden kann. Eine Störung während der Umwandlung von Knorpel zu Knochen könnte dabei zu einer Zyste im gelenksnahen Knochen führen. Dies würde auch das frühe Auftreten der zystoiden Läsionen erklären.
- Auch wurde ein primärer Schaden des Gelenkknorpels mit sekundärer Aushöhlung des Knochens durch den Druck der eindringenden Gelenkflüssigkeit als möglicher Grund für die Entstehung von Knochenzysten vermutet. Als Ursache für den primären Knorpelschaden kommen dabei Knochenhaarrisse, Knochenbrüche und traumatische Knorpelabrisse in Frage.
- Weiter wurde nachgewiesen, dass Entzündungsprodukte für die Entstehung, Erhaltung und Vergrösserung von Knochenzysten verantwortlich sind.
- Die Häufung von Zysten in bestimmten Pferdefamilien könnte auch für eine genetische Komponente sprechen.
Symptome
Die Pferde werden oft aufgrund einer intermittierenden, d.h. immer wiederkehrenden Lahmheit vorgestellt. Diese intermittierende Lahmheit ist für Zysten sehr typisch und kann nur selten bei anderen Krankheiten beobachtet werden. In Fällen von Zysten im Fesselgelenk wie auch im Kniegelenk wird regelmässig eine sichtbare Gelenkschwellung beobachtet.
Diagnosestellung
Die Pferde müssen vollständig orthopädisch untersucht werden, um die klinische Bedeutung der Zyste feststellen zu können. Weiter müssen die Zysten mittels Röntgen und eventuell Computertomographie abgeklärt werden, um einerseits die Zyste sicher zu lokalisieren und andererseits die mögliche Ursache für die Entstehung zu identifizieren. Besonders im Fesselbein können häufig auch kurze Fissuren erkannt werden, was bei der anschliessenden Therapie berücksichtigt werden muss.
Radiographisch werden runde bis ovale Aufhellungen, umgeben von einem hellen Rand, gefunden. Manchmal zeigen benachbarte Gelenke Anzeichen von Arthrose. Qualitativ hochstehende Röntgenaufnahmen können erforderlich sein, da sonst die Läsionen leicht übersehen werden. Die Grösse der Knochenzysten variiert je nach Gelenk und ist normalerweise zwischen 5 und 10 mm gross. Eine Gelenkverbindung ist nicht in allen Fällen nachweisbar, wobei kleine Verbindungen der Zysten mit dem Gelenk radiologisch nicht immer darzustellen sind.
Mittels computer- und MRI Untersuchungen können auch Zysten dargestellt werden, die mittels radiologischen Untersuchungen schwer zu erkennen sind.
Wissenswertes zur Behandlung von Knochenzysten
Zysten können konservativ wie auch chirurgisch behandelt werden:
Konservativ:
- Die Injektion von Glukokortikoiden in die Zystenhöhle soll nach Aussagen von bestimmten Autoren eine gute Wirkung haben.
- Auch die Behandlung mit Benzopyronen und Kalzium-Dobesilat hat in einer Studie gute Erfolge verbuchen können, wobei die Pferde zwar klinisch geheilt wurden, die Zysten selber aber radiologisch nicht verschwunden sind.
Chirurgisch:
- Den grössten Erfolg verspricht man sich allerdings durch einen chirurgischen Eingriff, bei dem der Zysteninhalt kürettiert, entfernt und anschliessend die Zyste mit verschiedenen Wirkstoffen gefüllt wird, welche die Knochenheilung in der Zystenhöhle stimulieren. Dazu werden heute Knochenmarkstransplantate, Stammzellen, Wachstumsfaktoren, Bone morphogenic Protein, Trikalziumphosphat, Knorpelzellen wie auch Parathormonsegmente eingesetzt. Diese Substanzen werden dann meist mit Fibrin gemischt, um eine gewisse Depotwirkung zu erreichen.
- Gewisse Zysten werden auch mittels eines Implantates, einer Schraube mechanisch stabilisiert. Dies kann eine Stahl oder Titan Schraube sein. NEU können wir Zysten auch mittels einer Knochenzementschraube stabilisieren.
Chirurgische Behandlung
Im Allgemeinen sollte die Knochenzyste rasch chirurgisch angegangen werden, weil sich die Prognose bei alten Pferden deutlich verschlechtert. Die Chirurgie verfolgt im Allgemeinen drei Ziele:
- erstens sollte die Lahmheit verschwinden,
- zweitens sollte die Zyste wieder mit Knochen gefüllt und
- drittens der Knorpel regeneriert werden.
Die Zyste kann über einen artikulären (= über das Gelenk) wie auch über einen transkortikalen und extraartikulären Zugang (= über den Knochen ausserhalb des Gelenks (Bild) kürettiert werden. Wenn immer möglich, wird der transkortikale Zugang gewählt, damit der intakte Gelenksknorpel wenig traumatisiert wird. Wenn die Zyste als Folge einer Fissur entstanden ist, wird diese Fissur auch zusätzlich stabilisiert. Bei schwer zugänglichen Zysten wird eine computertomographisch gestützte Operationstechnik gewählt.
NEU resorbierbare Knochenzementschraube zur Zystenbehandlung
Ganz NEU haben wir an der Klinik für Pferdechirurgie die Möglichkeit, spezielle Knochenzementschrauben zur Zystenbehandlung einzusetzen. Diese besondere Schraube löst sich innerhalb von ca. 3 Jahren auf. Diese Schraube hat 3 Funktionen:
- sie regt die neue Knochenheilung an (Osteoinduktion)
- sie hilft neuem Knochengewebe in die Zyste einzuwachsen (Osteokonduktion)
- und zu dem hat sie die Möglichkeit, die Zyste mechanisch zu stabilisieren.
Es gibt weltweit mehrere Pferde, welche so erfolgreich behandelt werden konnten. Die Schraube wirkt am besten bei jungen Pferden, kann aber auch bei älteren eingesetzt werden. Wenn Sie genauere Informationen erfahren möchten, können Sie sich gerne bei uns erkundigen.
MRI
Die Magnetresonanztomographie (MRI) ist ein fortschrittliches bildgebendes Schnittbildverfahren für die Darstellung von Weichteilgewebe.
Computertomographisch gestützte Operationstechnik
Drei der häufigsten Indikation für eine CT gestützte Operation beim Pferd sind Haarrisse des Knochens, Knochenbrüche und Knochenzysten. Wenn Ihr Pferd eine dieser Erkrankungen aufweist und aus diesem Grund ein CT bekommen soll, kann die selbe Narkose die für die Untersuchung nötig war, gleich für die Operation weitergefahren werden.
Computertomographisch gestützte Operationstechnik
Computertomographie (CT)
Die Computertomographie (CT) ist ein modernes bildgebendes Schnittbildverfahren. Dabei wird die zu untersuchende Körperregion Schicht für Schicht in Querschnitten sehr exakt und überlagerungsfrei sichtbar gemacht.
Röntgen
Eines der am häufigsten in der Pferdemedizin eingesetzten bildgebenden Verfahren ist das Röntgen. So ist es nicht nur im Rahmen von Ankaufsuntersuchungen von unschätzbarem Wert, sondern wird auch in der Diagnostik von orthopädisch wie auch internistischen Erkrankungen verwendet.