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Viel gehört haben wir über die berühmte und hochgelobte Stadt an der alten Seidenstrasse. Vor allem auf einer Reise durch den Iran im persischen Kulturraum wurde sie oft erwähnt. Denn zum persischen Grossreich unter den Achämeniden (685 – 330 v. Chr.) zählte auch Zentralasien im Gebiet der heutigen Staaten Iran, Afghanistan, Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan.
Nach der Einheit der Chinesen (221 v. Chr.) entstanden grosse Völkerwanderungen. China wurde mächtig. Um aktiver beteiligt zu sein, schufen sie die klassische Seidenstrasse, auf der nicht nur Seide transportiert wurde. Sie führte von Changan in Zentralchina in die westchinesische Provinz Gansu, teilte sich vor dem Tarimbecken in eine nördliche Strecke über Turfan und Aksu und eine südliche über Miran und Khotan, die beide in Kashgar wieder zusammenliefen. Über die Gipfel des Pamir ging es weiter über Samarkand und Buchara oder Baktra nach Merw und Bagdad bis nach Palmyra in Syrien. Von dort wurden Waren aller Art in den gesamten Mittelmeerraum verschifft.
Das Goldene Zeitalter der Seidenstrasse begann in der römischen Kaiserzeit. Und ihr Ende kam mit der Zerschlagung des persischen Sassanidenreiches durch die Araber 642. Der Islam dehnte sich nach Osten aus. 751 erlitten die Chinesen ihre erste Niederlage gegen ein muslimisches Heer. Religiöse Toleranz verschwand. Kaum ein Europäer gelangte noch in das Innere Asiens. Europa orientierte sich anderweitig. Die Seidenstrasse ging vergessen.
Aktuell kommt von China die Idee, mit viel Geld und Unterstützung eine neue Seidenstrasse zu bauen, eine zu Land, eine auf dem Wasserweg: „One Belt, One Road“. „Belt“ steht für die Seidenstrasse zu Land: eine Verbindung von China durch Zentralasien und den Nahen Osten nach Europa und umgekehrt. Ein Riesenprojekt. Hat es Chancen? Wir wollten ein Stück der „alten“, der klassischen Seidenstrasse bereisen, bevor die grosse Bauerei starten dürfte.
Im Herbst 2017 sind wir in Usbekistan unterwegs als Teil einer Studiosus-Reisegruppe. Buchara liegt hinter uns. Am Abend erreichen wir Samarkand, heute eine moderne Grossstadt, einst im Schnittpunkt zahlreicher Karawanenstrassen gelegen.
Am andern Morgen stehen wir früh – noch sind keine anderen Touristen zu sehen – auf dem Registan, was übersetzt Sandplatz bedeutet. Er wurde 1370 errichtet und mehrfach umgebaut.
Zu unserer Linken steht die Medrese Ulughbek, der Palast der Wissenschaften, erbaut 1417-1420, als der Astronom Ulughbek regierte.
Zur Rechten sehen wir die Schir-dar mit 2 aufgemalten Tigern und lachenden Gazellen, in der Mitte ein Sonnenrad, erbaut 1611-1636.
In der Mitte des Ensembles – es entlockt ein staunendes „Wow!“ – befindet sich die Medrese Tella-kari, die jüngste von 1669, genannt „die Goldgeschmückte“. Die restaurierte Moschee trägt ihren Namen zu Recht. In ihrem Innern ist Gold die alles überstrahlende Farbe.
In Erinnerung bleiben jedoch die Farben Blau und Türkis: blaue Kuppeln, blau oder türkis glasierte Ziegel und Fliesen. Zur Zeit des Herrschers Amir Timur (1336 – 1405) kamen neue Brenntechniken auf, dadurch erweiterte sich die Palette der Farben und Farbtöne. In der Hauptstadt des Reiches, in Samarkand, mussten die besten Handwerker, Architekten, Baumeister und Künstler Medresen, Moscheen und Mausoleen bauen. Die Farbe Blau dominiert ganze Gebäudefassaden.
Wir spazieren weiter zur Grossen Moschee Bibi Hanim. Timur liess sie von 1399 bis 1404 zum Gedächtnis an die Mutter seiner Frau bauen. Sie galt als die schönste Moschee im mittelalterlichen Orient, als Glanzleistung timuridischer Baukunst. Vorbild soll die Tausendsäulige Moschee in Delhi gewesen sein. Der Gebäudekomplex erstreckte sich über eine Fläche von 109 x 167 m. Diesem grossen Bauwerk schadeten aber mit der Zeit mehrere Erdbeben. Heute wird restauriert, rekonstruiert. Die in strahlendem Blau geflieste Kuppel des Hauptgebäudes ist wieder ein Wahrzeichen von Samarkand geworden.
Der Registan, die Grosse Moschee Bibi Hanim, das palastartige Mausoleum für den Mongolenherrscher Timur, die Gräberstadt Schah-e Sende mit siebzehn würdevoll gestalteten Mausoleen aus dem 14. Jahrhundert – das bleibt bildhaft und atmosphärisch in Erinnerung von unserer Begegnung mit dem alten Samarkand im Herbst 2017.
Vorgestern brachte Rosmarie, die Fotografin, ein Buch nach Hause, das sie per Zufall auf einem Quartierbazar entdeckte und für 4 Franken kaufte. Sein Titel: „Schnee in Samarkand. Ein Reisebericht aus dreitausend Jahren“ (Frankfurt am Main, 2008) Autor: Daniel Schwartz. Das Buch umfasst knapp 1000 Seiten.
Viel zu lesen gibt es über Samarkand.