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Herr Opitz, es gibt eine neue Ausstellung über Bullinger. Wieso wird eigentlich jetzt – ein Jahr nach den Reformationsfeierlichkeiten – an Bullinger erinnert?
500 Jahre Reformation kann man in Zürich eigentlich nicht vor 2019 feiern. Denn Zwingli wurde 1519 Prediger am Grossmünster in Zürich. Noch sinnvoller wäre es, wenn man erst 2023 oder 2025 feiern würde, denn erst im Januar 1523 wies der Grosse Rat die Pfarrerschaft an, reformatorisch zu predigen und 1525 wurde die Reformation institutionalisiert. Dass der Reformation im vergangenen Jahr so gross gedacht wurde, hängt mit Luther und seinen Thesen zusammen, die er im Oktober 1517 veröffentlichte.
In Zürich finden zahlreiche Veranstaltungen zu 500 Jahre Reformation im Zeitraum zwischen Oktober 2017 und Januar 2019 statt. Im Februar 2019 wird es auch noch einen wissenschaftlichen Kongress geben.
Und was war das Verdienst von Bullinger?
Zwingli war der Initiant der Reformation und Bullinger hat seine Arbeit fortgeführt. Sein Verdienst war es, nach der Niederlage in der Schlacht von Kappel – als die ganze Reformation in Frage gestellt war – dafür gesorgt zu haben, dass die Reformation weitergeführt und konsolidiert wird. Bis heute steht Bullinger in der Geschichtsschreibung aber im Schatten Zwinglis. Es war aber Bullinger, der die Zürcher Reformation dauerhaft geprägt hat, war er doch von 1531 bis 1575 Pfarrer am Grossmünster. Was viele nicht wissen: Bulliger hat die Schola Tigurina gegründet, die später Teil des Collegiums Carolinum wurde, das aus einer theologischen, philologischen und philosophischen Abteilung bestand. Die Schola Tigurina war sozusagen der Nucleus der heutigen Universität Zürich, die in gewisser Weise also auf Bullingers Initiative zurückzuführen ist.
Was war Bullinger für ein Mensch?
Bullinger war Humanist. Seine Bildung und sein protestantischer Glaube haben durch seine Schriften auf weite Teile Europas ausgestrahlt. Er war eine zentrale Figur des reformierten Protestantismus. Das zeigt sich vor allem an seinen internationalen Kontakten. Seine Briefkorrespondenz ist quantitativ wohl die umfangreichste des 16. Jahrhunderts überhaupt und von ausserordentlicher historischer, theologischer und kultureller Bedeutung. Als Mensch beschreibt er sich selbst in einem Brautwerbebrief an seine spätere Frau aus dem Jahr 1527.
....«Dazu gehört auch, dass ich etwas jähzornig bin, doch nicht bösartig, oder rechthaberisch, ich kann wohl nachgeben und bald vergessen, und ich habe auch keine Gesellschaft mit bösen Menschen, die mich zu Spielen veranlassen oder zum Trinken. So kannst du dir nun vorstellen, mit wem du es zu tun haben würdest, falls du bereit wärst, mit mir zusammen das Saure und das Süsse des Lebens zu tragen.»
Wie viele Briefe hat Bullinger geschrieben?
Es sind etwa 12'000 handschriftliche Briefe, die aus seiner Korrespondenz erhalten geblieben sind. Etwa 2000 Briefe hat Bullinger selbst geschrieben, die anderen sind an ihn gerichtet, die meisten in lateinischer Sprache. Die Briefkorrespondenz Bullingers wird am Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte an der Theologischen Fakultät herausgegeben.
Jetzt gibt es eine Ausstellung über Bullinger und seine Korrespondenz. Ist es nicht schwierig Texte auszustellen?
Der Kurator hat einen anderen Ansatz gewählt. Es werden keine alten Manuskripte gezeigt. Stattdessen greift eine grosse künstlerische Installation ein Thema aus einem Brief von Bullinger auf. Es geht dabei um die Beschreibung, wie der Blitz das Grossmünster traf und Feuer ausbrach. Dazu werden vom Künstler Florian Germann eigens für die Ausstellung erstellte Objekte zu bestaunen sein.
Es gibt aber zudem eine gute Begleitpublikation, die die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung mit nach Hause nehmen können. Sie liefert in sehr anschaulicher Form Informationen zu Bullingers Briefkontakten und zu seiner Zeit überhaupt.
Heinrich Bullingers Briefwechsel – ein historischer Schatz für Zürich
Der Briefwechsel des Zürcher Reformators Heinrich Bullinger ist von ausserordentlicher Bedeutung. Mit rund 12'000 Briefen ist er wohl die umfangreichste erhaltene Briefkorrespondenz des 16. Jahrhunderts. Er erstreckt sich über ein halbes Jahrhundert, von 1524 bis 1575 und gibt in einzigartiger Weise Einblick in die Zeit der Reformation. Darüber hinaus dokumentiert er die zentrale Stellung Zürichs im damaligen Europa.
Etwa ein Viertel von Bullingers Briefen wurde in den letzten Jahren durch das Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte der UZH veröffentlicht.
Ziel ist, die gesamte Korrespondenz zu digitalisieren und zu veröffentlichen, damit sie weltweit genutzt werden kann. Gleichzeitig sollen weitere 1'400 Briefe ediert werden. Für das Projekt werden insgesamt rund 6 Millionen Franken benötigt.
Die UZH Foundation unterstützt das Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte beim Fundraising.
Kontakt: M. Fritschi und I. Probst, UZH Foundation, <email-pii> / <email-pii>
Heinrich Bullinger – Eine Ausstellung im Kollegiengebäude der Universität Zürich
17.5.2018, Vernissage 19.30 Uhr
Mo–Fr 10.00–18.00 Uhr
Sa 10.00–13.30 Uhr
So 10.00–18.00 Uhr (Pfingstsonntag und -montag geöffnet)
Foyer West, Hauptgebäude der Universität Zürich
Rämistrasse 71, 8006 Zürich
Weitere Informationen: www.diestral.ch
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