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1984: Los Angeles katapultiert Olympia in die Moderne
- Montag, 4. August 2014, 9:38 Uhr
Vor 30 Jahren begann eine neue olympische Zeitrechnung: Die Sommerspiele 1984 in Los Angeles setzten neue Massstäbe in Sachen Show, Kommerzialisierung und TV-Übertragung. Für die Schweiz waren es erfolgreiche Spiele.
Die Olympischen Spiele 1984 standen im Zeichen des Kalten Krieges. Vier Jahre nach den - von den USA boykottierten - Spielen in Moskau waren die USA Olympia-Gastgeber. Und die Amerikaner nutzten (in Abwesenheit der nun ebenfalls boykottierenden Ostblock-Länder) die Gelegenheit, die Welt von ihrer selbst erklärten Führungsrolle zu überzeugen.
Raketenrucksack, Softdrinks und Hamburger
Schon die Eröffnungsfeier, in der ein «Raketenmann» durch die Luft schwebte, beeindruckte die Öffentlichkeit. Los Angeles setzte auch neue Massstäbe bei den TV-Übertragungen (ABC blätterte 225 Millionen Dollar für die Rechte hin) und war ein kommerzieller Grosserfolg: Konzerne wie Coca-Cola und McDonald's sponserten massiv, so dass die öffentliche Hand nur gut 400 Millionen Dollar aufwerfen musste. Der Gewinn war mit 250 Millionen Dollar beträchtlich.
Amerikanische Helden
Die US-Athleten trugen mit 83 Goldmedaillen dazu bei, dass sich Amerika selbst feiern konnte. Zu Helden der Gastgeber wurden Carl Lewis, der gleich viermal Gold gewann (100 m, 200 m, 4x100 m, Weitsprung) und Kunstturnerin Mary Lou Retton (5 Medaillen, darunter Gold im Mehrkampf). Ein Drama gab es im 3000-m-Lauf, als Publikumsliebling Mary Decker nach einem Zusammenstoss mit «Barfuss-Läuferin» Zola Budd (Gb) stürzte und ausschied.
Etienne Dagons Exploit
Auch die Schweiz durfte achtmal jubeln: 4 silberne und 4 bronzene Auszeichnungen brachte die helvetische Delegation nach Hause. Für Aufsehen sorgten etwa der Bieler Etienne Dagon, der sich als erster und bislang letzter Schweizer Schwimmer olympisches Edelmetall umhängen konnte (Bronze über 200 m Brust), Mittelstreckler Markus Ryffel, der Silber über 5000 m gewann oder Springreiterin Heidi Robbiani (Bronze).
Andersen-Schiess: Quälende Schlussrunde
Eine Schweizerin sorgte aber auch für einige der schockierendsten Bilder der Spiele: Marathonläuferin Gaby Andersen-Schiess erreichte völlig dehydriert die Schlussrunde im Coliseum-Stadion. Unter ohrenbetäubendem Lärm des Publikums (teils Schreckens-, teils Anfeuerungrufe) torkelte sie während sieben Minuten über die letzten 500 Meter. Hilfsangebote von ärztlichen Streckenposten lehnte sie aber ab.
Sendebezug: SRF zwei, 3.8.14, sportpanorama