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Amy wird uns vorgestellt, weil die Besitzerin beobachtet hat, dass das Tier schneller atmet als gewohnt. Auch scheint es einen geringeren Appetit aufzuweisen.
Die Untersuchung gestaltet sich nicht ganz einfach, da die Maus nur widerwillig stillhält und dadurch beispielsweise das Abhören der Brust stark erschwert. Sie zeigt allerdings keinen Nasenausfluss oder Husten; dafür lässt sich in der Bauchhöhle ein sehr grosser, elastischer Knoten ertasten. Der Bauch scheint auch überproportional gross zu sein.
Eine Untersuchung mittels Ultraschall bestätigt das Vorhandensein der ertasteten Masse. Sie scheint gekammert und klar abgegrenzt von den anderen Organen der Bauchhöhle.
Es erscheint wahrscheinlich, dass der Knoten im Bauch der Maus durch seine schiere Grösse die Atmung des Tieres behindert. Aus Gründen der Kleinheit ist eine genauere Zuordnung des Geschwulstes zu einem Organ nicht möglich; es ist also unklar, ob eine Entfernung des Knotens überhaupt möglich ist.
Da ansonsten keine erfolgsversprechende Therapie der Masse in Frage kommt und das Tier ohne Behandlung vermutlich in näherer Zukunft infolge Appetitverlust und Atemnot euthanasiert werden müsste, entschliesst sich die Besitzerin, eine Operation zu wagen.
Ein Gemisch von zwei Narkosemitteln wird unter die Haut der Maus injiziert, welche bald darauf tief schläft. Mit einem Latexhandschuh wird eine Atemmaske fabriziert, über welche dem Tier Sauerstoff und Narkosegas zugeführt wird. Um ein Auskühlen des kleinen Tierchens zu verhindern, wird es auf ein Wärmekissen gelagert.
Unter Zuhilfenahme einer Lupenbrille und eines Spezial-Besteckes für Augenoperationen wird die Bauchhöhle eröffnet. Der Geschwulst stellt sich als grosse, dunkelrote, gelappte Masse heraus, welche vom Ende des rechten Gebärmutterhornes ausgeht. Es handelt sich offensichtlich um einen Eierstockstumor, welcher nun nach Abbinden des Gebärmutterhornes und der Eierstocksgefässe vorsichtig aus der Bauchhöhle entfernt wird. Die Bauchwand wird in zwei Schichten verschlossen und die Narkose unter Einsatz eines Gegenmittels so kurz als möglich gehalten.
Das kleine Tierchen übersteht den schweren Eingriff erstaunlich gut und erwacht problemlos aus der Narkose. Leider verstirbt es im Lauf des späteren Tages aus unbekannten Gründen frustrierenderweise doch noch.
Wie schon anlässlich des Falles Nr. 38 (Mai 2011) diskutiert, sind Nager generell heikle Patienten, wenn es um Narkosen geht. Die Schwierigkeiten reichen über die schlecht mögliche Narkoseüberwachung, die fehlenden Möglichkeiten zur nachhaltigen Wiederbelebung im Falle eines Atem- oder Kreislaufstillstandes und die vergleichsweise labilen Herz/Kreislaufverhältnisse bis zum durch die Kleinheit der Tiere bedingte grosse Risiko einer Auskühlung des Körpers unter Narkose.
Bei Amy waren ausserdem mit der Einschränkung der Atemfunktion und der verminderten Nahrungsaufnahme weitere Risikofaktoren vorhanden. Dies alles könnte zusammen mit dem schon eher hohen Alter der Maus zum Tod des Tieres trotz gut überstandener Operation geführt haben.