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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

5. Vortrag.
6.
[Forts. v. [S. 72] ] Weil also Johannes die Taufe empfangen hatte, welche insbesondere die Taufe des Johannes heißen sollte, der Herr Jesus Christus aber seine Taufe niemand geben wollte, nicht damit niemand mit der Taufe des Herrn getauft würde, sondern damit immer der Herr selbst taufe, so ist dies bezweckt worden, daß der Herr auch durch die Diener taufe, d. h. daß diejenigen, welche durch die Diener des Herrn getauft werden sollten, der Herr taufe, nicht jene. Denn etwas anderes ist es, im Auftrage zu taufen, etwas anderes, aus eigener Machtvollkommenheit zu taufen. Denn die Taufe ist so beschaffen, wie der ist, in dessen Macht sie erteilt wird, nicht so, wie der ist, durch dessen Dienste sie gespendet wird. Die Taufe des Johannes war so, wie Johannes: eine gerechte Taufe, als die eines Gerechten, jedoch eines Menschen, der aber vom Herrn diese Gnade empfangen hatte, und zwar eine solche Gnade, daß er würdig war, vor dem Richter herzugehen und auf ihn mit dem Finger hinzuweisen und das Wort jener Weissagung zu erfüllen: „Stimme des Rufenden in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg“1. Die Taufe des Herrn aber ist so, wie der Herr; also ist die Taufe des Herrn göttlich, weil der Herr Gott ist.
1: Is. 40, 3.