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Die Allschwilerstrasse hiess früher im unteren Abschnitt zwischen Postplatz und Ziegelei „Lättengass“. Die Bezeichnung „Lätt“ meint den aus der Erde ausgegrabenen, rote Lehm, der zum Töpfern untauglich ist. „Lätt“ wurde früher zum Düngen der Matten und zum Ausbessern der Scheunenböden verwendet. Die Bezeichnung Leimental bezieht sich auf den „Leim“, also den für Töpferarbeiten verwendete Ton. Heute werden die beiden Begriffe „Lätt“ und „Leim“ kaum mehr unterschieden.
Postplatz mit Brunnen
Links führt die Lättegass hinauf zur Ziegelei in Richtung Allschwil. Der Brunenn mit der Jahreszahl 1951 steht heute vor dem Kuenzehuus, Hohlegasse 6. Hinter dem Brunnen ist der Bauernhof der Familie Wehrlin zu sehen.
Foto: Archiv Bruno Wehrlin
Die Allschwilerstrasse war die alte Salzstrasse von Allschwil über Oberwil nach Reinach. Die Fürstbischöfe beabsichtigen im 18. Jahrhundert die Staatskasse mit Zöllen und Gebühren auf Transitgütern zu füllen. Aus diesem Zweck förderten sie den Strassenbau durch das Birseck und das Laufenthal zum Passwang und weiter ins Mittelland. Als Napoleon mit seinen Truppen durch das Birseck zog, liess er diese Strasse ausbauen, weshalb die Allschwilerstrasse im oberen Abschnitt auch den Namen Napoleonstrasse trägt.
Postplatz / Allschwilerstrasse
Die Velos Motos Centrale ist verschwunden, die Häuser an der Allschwilerstrasse rechts im Bild sind erhalten geblieben, 2016. Darin befindet sich heute wieder ein Fahrradgeschäft.
Foto: Pascal Ryf
Bauernhof der Familie Wehrlin
Der Bauernhof stand an der Lettengasse, der heutigen Allschwilerstrasse, leicht erhöht über dem Postplatz.
Foto: Archiv Sabine Hügin Schenk
Allschwilerstrasse 2 und 4
Die gleiche Perspektive zeigt die Situation im Jahre 2012. Der ehemalige Bauernhof musste 1969 einem Neubau weichen.
Foto: Pascal Ryf
An der Allschwilerstrasse 2 und 4, wo sich heute ein farbiger dreigliedriger Wohnblock befindet, stand einst ein schöner Bauernhof mit einem grossen Garten zur Stallenstrasse, der heutigen Binningerstrasse. Hier wohnten einst Jakob und Rosa Hügin-Gasser. Da Jakob schon früh seinen Vater verlor, heiratete die Mutter ihren Knecht, einen Bernhard Zuber aus Blauen. Daraus entstand Jakobs späterer Dorfnamen „Bernhards Joggi“ oder „Zuber Joggi“. Jakob und Rosa Hügin-Gasser waren die Eltern des späteren Schulmeisters Jakob Hügin, der 1897 auf die Welt kam. 1918 wählte ihn die Gemeinde Oberwil als Primarlehrer. 40 Jahre lange unterrichtete er an der Schule in Oberwil, bevor ihm 1955 „die Würde und Bürde des Rektorates der Primar- und Sekundarschule Oberwil übertragen wurde“. Er war in Oberwil sozial sehr engagiert, gründete die „Jugend- und Volksbibliothek Oberwil“, die heute noch als Gemeindebibliothek existiert und war jahrelang Präsident der Armenpflege.
Nachdem Jakob Hügin zum Lehrer gewählt wurde, verkauften seine Eltern den Hof an der Lettengasse und erwarben sich das sogenannte Lehrerhaus an der Wehrlingasse 34. 1918 übernahm Josef Wehrlin-Schori den Hof. Josef mit Kurzform „Sepp“ war der Milchmann des Dorfes. Da er rötliche Haare hatte, bekam er den Dorfnamen „Rotsepp“. Der Milch wurde mit Ross und Wagen ausgeführt, jeden Tag, auch sonntags, war Herr oder Frau Wehrlin mit dem Gespann unterwegs.
Der Richtplan 1964 sah für die Bauernhöfe im Dorfzentrum keine Zukunft. 1969 wurde der schöne Bauernhof an der Allschwilerstrasse abgerissen, um einer neuen Wohnüberbauung Platz zu machen.
Allschwilerstrasse 10
Das kleine Taglöhnerhaus an der Allschwilerstrasse 10 ist bereits über 200 Jahre alt. Willi Degen betrieb darin eine Modellschreinerei, welche Guss- und Blechformen anfertigte. Seine beiden Söhne, Karl und Willi, besassen an der Langegasse eine Bau- und Möbelschreinerei.
Foto: Pascal Ryf
Bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus, hörte das eigentliche Dorf praktisch auf Höhe des Bienenweges auf. Hier befand sich die Gärnterei Ley, auf der Hangseite des Bienenweges waren die Gewächshäuser aufgestellt. Weiter oben in Richtung Ziegelei befanden sich nur vereinzelte Häuser und Höfe, umgeben von blühenden Obstbäumen.
Die Liegenschaft Allschwilerstrasse 14, welche gegenüber der Gewächshäuser der Gärtnerei stand, wurde vor 1900 als einstöckiges Haus gebaut, ein zweiter Stock kam zwischen 1900 und 1910 dazu. 1928 wurde eine Waschküche eingebaut, 20 Jahre später genehmigte die Baudirektion des Kantons Basel-Landschaft einen Zimmerausbau und eine Terasse. Das Grundstück hatte eine Fläche von 1055 m2. 1964 wurde die Liegenschaft an das Kanalisationsnetz der Gemeinde Oberwil angeschlossen, etwas mehr als 10 Jahre später wurde die Liegenschaft abgebrochen. Auf der Parzelle 641 wurden später drei Einfamilienhäuser mit Garagen errichtet.
Die Sage von der Hexe an der Lettengasse
„In früherer Zeit wurden die Fuhrleute an der Lettengasse öfters an der Weiterfahrt behindert. Immer wieder blieben sie am gleichen Ort stecken. Eine böse alte Hexe hinderte sie ihre Fahrt fortzusetzen. Mit dem Herausschlagen einer Radspeiche in des dreiheiligsten Namen konnten sie schliesslich weiterfahren“. So zu lesen im Buch „Baselbieter Sagen“.
Vor einigen Jahren spürte der Architekt beim Neubau der Liegenschaft an der Allschwilerstrasse die Anwesenheit von etwas Unbekanntem. Im Keller des Abbruchhauses an der heutigen Falterstrasse, verstärkte sich sein Unbehagen. Er liess deshalb einen Teil des Raumes vollständig mit Beton ausfüllen. Somit ist die Hexe für immer eingeschlossen und der Architekt fand wieder seine Ruhe.