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Der Herr war in den Himmel aufgenommen worden und die Schar der etwa 120 Gläubigen in Jerusalem wartete im Obersaal auf die Verheissung des Heiligen Geistes. Während dieser Zeit fand die Wahl von Matthias statt. Sie begann damit, dass Petrus in der Mitte der Brüder aufstand.
Petrus in der Mitte der Brüder
Wenn Petrus auch einer der zwölf Apostel war und bei ihrer Aufzählung als erster genannt wird (Mt 10,2), so war er doch nach den Worten des Herrn ein Bruder unter Brüdern (Mt 23,8). Nirgends im Neuen Testament finden wir das in der Christenheit weitverbreitete Prinzip der Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien. Petrus selbst schreibt später an die Gläubigen in der Zerstreuung, dass sie alle eine heilige und eine königliche Priesterschaft sind (1. Pet 2,5.9).
Petrus steht auf
Wenn ein Bruder sich aus der Mitte der Geschwister erhebt, um zu reden, so unterscheidet ihn dies in jenem Augenblick von den anderen. Sein Aufstehen deutet an, dass er nun beginnt, über die Sitzenden Autorität auszuüben.
Als der Herr Jesus einst mit Autorität den Tempel gereinigt hatte und am nächsten Tag dort lehrte, wurde Er gefragt, wer Ihm das Recht dazu gegeben habe (Mt 21,23). Er, der Sohn Gottes, benötigte kein verliehenes Recht.
Wir dagegen haben kein Recht, in der Versammlung Gottes aufzustehen, ohne dass der Herr es will.
Es ist auch wichtig – vor allem wenn wir zusammen sind, um gemeinsam das Wort Gottes zu studieren und zu hören –, den Zeitpunkt zu erkennen, an dem man sich wieder setzen soll, weil der Herr noch andere Brüder benützen möchte (1. Kor 14,30). Wir wollen doch nicht solche sein, die Paulus zügellose Schwätzer genannt hätte, denen man den Mund stopfen muss (Tit 1,10.11). Wenn wir in der Versammlung Gottes den Mund öffnen, wollen wir solche sein, die Aussprüche Gottes reden (1. Pet 4,11).
Noch eine Anmerkung am Rand: Wenn wir die Bibel in der Öffentlichkeit vorlesen, sollten wir aus Ehrfurcht vor dem Wort Gottes immer aufstehen, denn so hat es auch der Herr Jesus getan (Lk 4,16‑20).
Petrus zitiert aus den Psalmen
Die meisten von uns werden Psalm 23 auswendig zitieren können und manche sicher auch noch weitere Bibelabschnitte. Doch die Psalmen, aus denen Petrus zitierte (Psalm 69 und 109), gehören wohl kaum dazu. Zeigt uns dies nicht, wie gut Petrus – der ja kein Rabbi, sondern ein Fischer gewesen war – die Schriften kannte? Welch ein Ansporn für uns, das ganze Wort Gottes immer wieder zu lesen, um es gut zu kennen.
Petrus wendet die Schriftstellen auf Judas an
Der Herr hatte den Jüngern, die nach Emmaus gingen, in den Schriften erklärt, was Ihn selbst betraf (Lk 24,27). Petrus besass jetzt Licht über das, was Judas betraf. Wie gut, wenn wir das Wort Gottes auf Ereignisse und Umstände anwenden können, wie es Petrus auch hinsichtlich des Herabkommens des Heiligen Geistes (Apg 2,16 ff.) und Jakobus in Bezug auf die Frage des Haltens des mosaischen Gesetzes (Apg 15,13 ff.) taten. Es ist eine Sache, das Wort Gottes zu kennen, es ist eine zweite, das Wort auch richtig anzuwenden.
Petrus trifft eine Entscheidung
Mit den Worten: «Es muss nun … einer mit uns ein Zeuge seiner Auferstehung werden», leitet Petrus das weitere Vorgehen ein. Er sagt nicht: «Es könnte …» oder: «Vielleicht wäre es gut, wenn …»; nein, er sagt: «Es muss!» Wie gut, wenn wir aufgrund des Wortes Gottes zu klaren Entscheidungen geführt werden.
Die wichtigste Entscheidung, die man im Leben treffen muss, ist die Bekehrung, weil Gott sie gebietet (Apg 17,30). Aber zu wie vielen weiteren Entscheidungen ruft uns das Wort Gottes nach dieser grundlegenden Entscheidung auf! Allein im Hebräer-Brief lesen wir elfmal: «Lasst uns!» Beherzigen wir alle diese Aufforderungen!
Petrus stellt klare Bedingungen auf
Die Person, die als Ersatz für Judas infrage kam, musste bestimmte Kriterien erfüllen:
Erstens musste es ein Mann sein. Es mochten unter den Frauen, die dem Herrn mit ihrer Habe gedient hatten (Lk 8,3), solche gewesen sein, die wie die Jünger den Herrn Jesus die ganze Zeit begleitet hatten. Doch als seine öffentlichen Zeugen kamen sie nicht infrage. So nennt Paulus in 1. Korinther 15,5-8 keine Frauen als Zeugen seiner Auferstehung, obwohl z. B. Maria von Magdala die erste war, der Jesus Christus nach seiner Auferstehung erschienen ist. So soll auch der öffentliche Dienst in den Zusammenkünften der Versammlung nur von Brüdern ausgeübt werden (1. Kor 14,34‑38).
Zweitens musste ein Apostel nicht nur Zeuge seiner Auferstehung sein, sondern auch ein Zeuge des Auferstandenen, d. h. er musste sein ganzes öffentliches Leben miterlebt haben. So hat Paulus den Korinthern nicht nur den Gekreuzigten gepredigt, sondern Christus als gekreuzigt (1. Kor 1,23). Die antichristlichen Lehrer leugneten nicht nur die Tatsache der Menschwerdung des ewigen Wortes, sondern verwarfen auch Jesus Christus als im Fleisch gekommen (1. Joh 4,3). Es geht also nicht nur um Tatsachen, die den Herrn Jesus betreffen, es geht immer um Ihn selbst.
Der zu wählende Apostel musste bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Ähnliches galt auch für die, die später die Tische bedienen sollten (Apg 6,3). Auch für die Ältesten und die Diener gibt es gewisse Voraussetzungen (1. Tim 3,1-13; Tit 1,5‑9).
Haben wir z. B. noch klare Kriterien für die Aufnahme von Personen in die Gemeinschaft der Gläubigen, die wir am Tisch des Herrn zum Ausdruck bringen? Und im persönlichen Bereich: Hast du, junger Bruder, klare Kriterien für die Wahl deiner Lebensgefährtin? Wie wichtig ist es, schriftgemässe Bedingungen festzuhalten. Wie bitter sind oft die Folgen, wenn man sie nicht berücksichtigt hat!
Noch ein kurzer, aber wertvoller Nebengedanke: Petrus spricht hier zu den versammelten Gläubigen zum ersten Mal vom «Herrn Jesus» (V. 21). Wie schön ist das! In Kapitel 7,59 wendet sich Stephanus im Gebet an den «Herrn Jesus». Auch wir wollen Ihn so nennen, wenn wir zu anderen von Ihm reden oder uns im Gebet an Ihn wenden.
Sie stellen zwei dar
Wenn in der Angelegenheit bisher nur Petrus aktiv war, so sind ab jetzt alle beteiligt. Dasselbe Prinzip finden wir auch bei der schon erwähnten Wahl in Kapitel 6 und ebenso in der Frage des Haltens des Gesetzes Moses, wo zum Schluss die ganze Versammlung eine Entscheidung fällte (Apg 15,22.23).
Wenn wir heute auch keine Apostel oder Älteste mehr wählen, so wollen wir doch beachten, dass Entscheidungen wie das Binden und Lösen nicht eine Sache von Einzelnen oder von einer Partei sein darf. In solchen Angelegenheiten muss die ganze Versammlung an einem Ort handeln (Mt 18,18.20).
Aufgrund der notwendigen Voraussetzungen für einen Apostel blieben aus der Schar von über 100 Personen nur zwei übrig. Es wurde aber nur ein Ersatz benötigt. Was war jetzt zu tun?
Sie beten
Bisher war Petrus in dieser Sache durch das Wort geleitet worden. Doch nun bot das Wort keine weitere Entscheidungshilfe mehr an. Darum beteten sie jetzt, indem sie Gott baten, Er möge ihnen den zeigen, den Er erwählt hatte.
Solange uns das Wort klare Anweisungen gibt, brauchen wir den Herrn nicht zu fragen, was wir tun sollen. Dann gilt es einfach, seinem in der Bibel offenbarten Willen zu gehorchen. Wenn wir aber in einem Entscheidungsprozess, geleitet durch das Wort, an einen Punkt kommen, bei dem mehrere Möglichkeiten offen bleiben, von denen keine im Widerspruch zur Bibel steht, dann müssen wir den Herrn bitten, dass Er uns das weitere Vorgehen zeigt. Wir dürfen wie Mose den Herrn bitten: «Lass mich doch deinen Weg wissen» (2. Mo 33,13). Dann wollen wir aber warten, bis Er sagt: «Dies ist der Weg, wandelt darauf!» (Jes 30,21).
Sie losen
Eine Wahl durch das Los war im Alten Testament in gewissen Fällen direkt von Gott angeordnet, in anderen eine gute Gewohnheit. Die erste Erwähnung des Loses finden wir anlässlich der Einführung des Versöhnungs- oder Sühnungstages, an dem zwei Ziegenböcke dargebracht werden mussten. Welcher Bock welchem Zweck dienen sollte, musste durch das Los entschieden werden (3. Mo 16,8). Auch das Land Kanaan sollte den Stämmen Israels durch das Los zugeteilt werden (4. Mo 26,55). Wiederholt wurden einzelne Menschen durch das Los ausfindig gemacht: Achan (Jos 7,18), Jonathan (1. Sam 14,41.42), Jona (Jona 1,7).
Hier nun, kurz bevor der Heilige Geist herabkam und die Versammlung gebildet wurde, haben wir die letzte Losentscheidung, die uns im Wort Gottes berichtet wird.
In der Versammlung Gottes wird in vergleichbaren Situationen nicht das Los geworfen. Dass Ananias und Sapphira gesündigt hatten, wurde Petrus durch den Geist Gottes offenbart. Die Wahl derer, die die Tische bedienen sollten, geschah auch nicht durch das Los. Zu jenem Zeitpunkt zählte die Versammlung in Jerusalem bereits mehrere Tausend Brüder und Schwestern (vgl. Apg 4,4). Diese erwählten oder bestimmten sieben Männer aus ihrer Mitte. Wunderbares Wirken des Geistes Gottes! Auch in der Frage des Haltens des Gesetzes Moses war die Leitung des Geistes so deutlich, dass die Versammlung im Brief an die Brüder aus den Nationen festhielt: «Es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen …» (Apg 15,28).
Wir können also sagen, dass wir heute letzte Klarheit in einer Sache weder durch Losentscheid (noch durch das Fordern von Zeichen) erhalten, sondern durch die Leitung des in uns und in der Versammlung wohnenden Geistes Gottes.
Zusammenfassung
Mit Ausnahme des letzten Schritts – der Entscheidung durch das Los – ist die Wahl von Matthias für uns ein Muster, wie wir in einer Sache, ob gemeinsam oder persönlich, den Willen Gottes erfahren können.
Hier noch einmal die dazu notwendigen Voraussetzungen:
- Kenntnis des Wortes Gottes
- Anwenden des Wortes Gottes auf die Angelegenheit
- Gehorsam gegenüber den Aussagen des Wortes Gottes
- Aufstellen schriftgemässer Bedingungen
- Bitten um Wegweisung
- Achten auf die Leitung des Geistes Gottes
Es ist Gottes Wunsch, dass wir «erfüllt sein mögen mit der Erkenntnis seines Willens in aller Weisheit und geistlicher Einsicht» (Kol 1,9).