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Crypto Global
17.05.2022
Heute schauen wir uns an, was Stablecoins sind und vor allem, warum einige Stablecoin-Konzepte problematisch sein können.
Der Zweck von Stablecoins besteht darin, einen gleichwertigen Wert eines Produkts in der realen Welt stabil widerzuspiegeln. Stablecoins sind digitale Vermögenswerte, die manchmal als Coins, manchmal als Token bezeichnet werden und dazu bestimmt sind, ihren «stabilen» Wert zu behalten. Dieser Wert heisst, nur die Art von Volatilität zu erleben, die in traditionellen Währungen zu beobachten ist, die Preisschwankungen aufweisen, die im Allgemeinen weitaus geringer sind als die von Bitcoin. Ein grosser Teil der Stablecoins spiegelt den Wert von Fiat-Währungen wider, also zum Beispiel USD, EUR etc. und sogar Gold. Tether zum Beispiel verkauft seine Coins für 1 US-Dollar und verspricht, sie für 1 US-Dollar einzulösen, wenn Kunden ihr Geld zurückhaben wollen.
Der Tether-Mechanismus ist ganz simpel und funktioniert wie folgt: Zum Beispiel kann jemand, der 1 Million US-Dollar hat und sie in einen Stablecoin umwandeln möchte, dies tun, indem er zur Tether-Firma geht und diese Million USD für 1 Million Tether-Coins erhält. Und wenn man sie zurücktauschen möchte, erhält man immer diese 1 Million US-Dollar von der Tether-Firma zurück und gibt die 1 Million Tether-Coins zurück. Letztendlich sollte dieser Stablecoin den gleichen Gegenwert wie der US-Dollar widerspiegeln.
Es existieren jedoch auch andere Mechanismen, um dies zu tun. Einige Mechanismen sind an andere Kryptowährungen gekoppelt und tun dies mit einem Algorithmus, wie der «innovative» Stablecoin von Terra (Luna) bzw. Terra Luna Foundation. Deren Stablecoin heisst UST und dahinter steckt ein sogenanntes Anchor-Protokoll, welches ein Lending-Protokoll auf der Terra-Kryptowährungs-Blockchain ist. Diese ging im März 2021 live und war bis letzte Woche die grösste DApp auf Terra nach «Total Value Locked». Das Anchor-Protokoll war beliebt, weil es ermöglicht, einen stabilen jährlichen Zinssatz von etwa 20 % pro Jahr auf den UST-Stablecoin zu verdienen.
UST ist ein dezentraler Stablecoin, dessen Bindung durch einen Mint-and-Burn-Mechanismus aufrechterhalten wird, bei dem Terras Lunacoin im Wert von einem Dollar verbrannt werden kann, um eine UST zu prägen, und eine UST verbrannt werden kann, um Luna im Wert von einem Dollar zu minten.
Die algorithmische Methode von Terra
Wenn UST über seiner Ein-Dollar-Bindung gehandelt wird, ist dies ein Anreiz für Luna-Holder, ihre Luna zu verbrennen, um UST zu minten und einen schnellen Gewinn zu erzielen. Der Anstieg des UST-Angebots bringt den UST-Preis schliesslich wieder auf die Ein-Dollar-Bindung. Auf der anderen Seite, wenn UST unter einer Dollarbindung gehandelt wird, gibt dies den UST-Holder einen Anreiz, ihre UST zu verbrennen, um Luna zu minten und einen schnellen Gewinn zu erzielen. Der Rückgang des UST-Angebots bringt den UST-Preis schliesslich zurück auf die Ein-Dollar-Bindung. Im Grossen und Ganzen wird auf diese Weise wird die Wertstabilität von UST erzeugt.
Natürlich kann das Ganze auch zu einem Problem werden, wenn die UST und Luna beide rapide fallen. Dann könnte der Luna Coin in eine Hyperinflation gehen und der UST könnte immer noch nicht absorbiert werden, weil man nicht so schnell neues Geld drucken kann, wie der Wert der Luna Coins an Wert verliert. Und je schneller sich die Menge ausdehnt, desto schneller die Inflation und das Konstrukt bricht zusammen. Um diesem Risiko entgegenzuwirken, kam die Luna Foundation Guard (Non-Profit-Organisation, die gegründet wurde, um das Wachstum des Terra-Ökosystems zu unterstützen) mit der Ankündigung, eine grosse Reserve an Bitcoin zu halten. Die Foundation hat die UST mit Bitcoin gedeckt, wenn dieser Stablecoin an Wert verliert, dann hat man zu einem diesen Wertstabilitätsmechanismus, das Anchor Protocol, um kleinen Schwankungen entgegenzuwirken und wenn der Preis wirklich schnell fällt, zum anderen das zugrunde liegende Vermögenswert Bitcoin hat, um Sicherheit zu schaffen. Aus diesem Grund wurden Bitcoins regelmässig in grossen Mengen als Stützungsreserve erworben. Zwischen Januar und Mai dieses Jahres wurden 80'394 Bitcoins im seinerzeitigen Gegenwert von 3.5 Milliarden Dollar gekauft.
Bis vor wenigen Tagen war Terra (Luna) ein erfolgreiches Netzwerk mit einem innovativen Stablecoin. Anstatt Fiat-Währung physisch einzuzahlen, setzt wie gesagt Terra (Luna) auf einen Algorithmus, der den Kurs an den US-Dollar binden soll. Genau dieser Algorithmus wurde der Währung zum Verhängnis. Investoren, die Terra (Luna) gekauft haben, sind schockiert. Dieses Anchor-Protokoll bzw. UST als Stablecoin hat an Vertrauen verloren.
Der Total Value Locked im Anchor Protocol betrug bis Ende April 2022 etwa 16 Milliarden Dollar. Im Mai 2022 wurde diesem Protokoll innerhalb weniger Tage immer mehr Kapital abgezogen, so dass später nur noch etwa die Hälfte davon – nämlich 7,5 Milliarden US-Dollar – hinterlegt waren. Dies führte wiederum zu grossen Problemen, da der Gegendruck in diesem Markt für UST zunahm. Die Foundation hat versucht, die UST auf dem Markt zu verkaufen, und das hat den Preis enorm nach unten gedrückt. Ausserdem ist der gesamte Markt gefallen, einschliesslich Luna, welches diesen fallenden Preis abfedern soll. Aus diesem Grund musste die Luna Foundation natürlich auf ihre Bitcoin-Reserven zugreifen und auch die Bitcoin-Reserven auf den Markt werfen, um den Preis von Luna und diesem Stablecoin abzufangen. Diese Bitcoins wurden alle auf einmal auf dem Markt verkauft, so dass dieser Ausverkauf den Preis von Bitcoin in den Keller trieb.
Trotz des Zusammenbruchs des Terra Defi-Ökosystems ist der Glaube an das Projekt in einigen Teilen der Crypto-Community immer noch vorhanden. Viele wünschen sich eine Rekonstruktion des Projekts und einen Neuanfang. Die Blockchain soll grundlegend umgebaut und die nativen Coins in der Folge neu verteilt werden. Terra-Gründer Do Kwon hat bereits einen Revival-Plan angekündigt.
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