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Die Zielsetzung der im nachfolgenden Beitrag vorgestellten Studie liegt in der Identifizierung und Beurteilung von Massnahmen-Vorschlägen zur Senkung der Regulierungskosten der eingeschränkten Revision. Zehn Vorschläge wurden ausgearbeitet, die Beurteilung erfolgte auf der Basis quantitativer und qualitativer Erhebungen. Priorisiert werden drei Vorschläge: Einer bezieht sich auf die Erhöhung der Anzahl Vollzeitstellen des Opting-Outs, zwei andere Vorschläge beinhalten punktuelle Änderungen des bestehenden Gesetzestextes. Die Frage, ob und wie diese Vorschläge in den parlamentarischen Betrieb einfliessen, ist zurzeit noch offen.
Von Oliver Vögele und Beatrice Meyer
Die Studie von Meyer & Vögele (2020) untersuchte im Auftrag des SECO u.a. die Regulierungskosten und das Kosten-Nutzenverhältnis der eingeschränkten Revision. Die Studie setzt sich das Ziel, aufgrund dieser Untersuchungen Massnahmen-Vorschläge zur Senkung der Regulierungskosten der eingeschränkten Revision zu identifizieren und zu beurteilen. Die Autorin und der Autor dieser Studie erarbeiteten und beurteilten zehn Vorschläge. Diese Vorschläge wurden mit den wichtigsten Wirtschafts- und Wirtschaftsprüfungsverbänden sowie der Revisions-Aufsichtsbehörde erörtert.
Die für die Beurteilung notwendigen Parameter wurden mittels einer quantitativen Befragung von wirtschaftlich nicht bedeutsamen AGs und GmbHs sowie in Workshops mit Revisionsgesellschaften erhoben. Eine quantitative Befragung ist aufwändig und setzt statistische Fachkenntnisse voraus. Im Rahmen der vorgestellten Studie trug diese Vorgehensweise jedoch massgebend zu valablen Ergebnissen bei.
Einen zentralen Parameter stellt das Revisionshonorar dar. Für die Gewinnung von aussagekräftigen Resultaten war es zentral, diesen Wert richtig abzuschätzen. Im Kontext einer anderen Studie wurde geschätzt, dass das jährliche Honorar im Durchschnitt 4’500 CHF beträgt. Die quantitative Befragung ergab einen Mittelwert von 7’840 CHF. Dieser Wert wurde von den Experten als hoch erachtet, was vor dem Hintergrund der anderen Studie nicht überraschte. Aufgrund der quantitativen Befragung kann jedoch nachgewiesen werden, dass das Revisionshonorar auf einem 90%-Konfidenzniveau zwischen 6’664 und 9’016 CHF liegt.
In der Schweiz gibt es rund 400’000 AGs und GmbHs, davon sind schätzungsweise 390’000 wirtschaftlich nicht bedeutsam. Rund 326’000 dieser Gesellschaften haben ein Opting-Out vorgenommen, d.h. ihre Jahresrechnung wird nicht geprüft. Ein Opting-Out ist in den bestehenden gesetzlichen Vorschriften möglich, falls die Gesellschaft im Jahresdurchschnitt weniger als zehn Vollzeitstellen aufweist und alle Aktionäre dem Opting-Out zustimmen.
64’000 wirtschaftlich nicht bedeutsame AGs / GmbHs lassen die Jahresrechnung eingeschränkt prüfen, die Grösse der Gesellschaften ist dabei sehr unterschiedlich. Um diesen Sachverhalt angemessen zu berücksichtigen, wurde eine Segmentierung in Abhängigkeit der Vollzeitstellenanzahl vorgenommen. Im ersten Segment (0 bis 10 Vollzeitstellen) befinden sich sehr viele Gesellschaften (rund 22’000), im vierten Segment (101 bis 250 Vollzeitstellen) ganz wenige (rund 2’000).
Einer AG, bzw.GmbH entstehen Kosten, da sie der Revisionsstelle für die Prüfung ein Honorar zu bezahlen hat. Im Durchschnitt beträgt dieses Honorar 7’840 Schweizer Franken. Da eine gesetzliche Pflicht für die Prüfung besteht, handelt es sich um Regulierungskosten der eingeschränkten Revision. Die Unternehmung setzt zudem Zeitressourcen ein, um die Jahresrechnung zu erstellen und zu dokumentieren. Auch ohne eingeschränkte Revision muss sie gemäss Art. 957 ff. OR eine dokumentierte Jahresrechnung erstellen. Damit handelt es sich zwar ebenfalls um Regulierungskosten, aber nicht um solche der eingeschränkten Revision. Der Zeiteinsatz für die Vorbereitung, Betreuung und Nachbereitung der einschränkten Revision hingegen stellt Regulierungskosten der eingeschränkten Revision dar. Im Durchschnitt werden hierfür 21 Stunden eingesetzt. Die eingeschränkte Revision verursacht jedoch nicht nur Kosten, sondern stiftet auch einen Nutzen.
Die zehn identifizierten Massnahmen-Vorschläge wurden mittels der erhobenen Parameter beurteilt. Da nur die Kosten quantifizierbar sind, der Nutzen hingegen nicht, wurde eine Nutzwertanalyse eingesetzt.
Die Studie zeigt, dass die eingeschränkte Revision neben dem gesetzlich vorgesehenen Nutzen für den Aktionär einen weiteren Nutzen für interne (z.B. Verwaltungsrat, CEO, CFO) und externe Stakeholder (z.B. Behörden, Kreditgeber, Mitarbeitende) stiftet. Weiter liefert sie deutliche Indizien, dass sich die gesetzlichen Vorschriften zur eingeschränkten Revision und der Schweizer Standard zur eingeschränkten Revision (SER) bewährt haben. So lehnen beispielsweise 85% der in der quantitativen Erhebung antwortenden Gesellschaften eine ersatzlose Abschaffung ab. Eine Abschaffung stellt somit keine valable Option dar.
Zwei Varianten der Aufweichung des Opting-Outs wurden beurteilt, eine Variante könnte besonders lohnenswert sein: Bei dieser Variante könnten AGs mit weniger als 50 Vollzeitstellen auf eine eingeschränkte Revision verzichten, falls alle Aktionäre zustimmen. Dieser Vorschlag betrifft das Segment 2 (11 bis 50 Vollzeitstellen), darin befinden sich rund 31’000 Gesellschaften. Regulierungskosten in der Höhe von 158 Mio. CHF könnten eingespart werden.
Die Nutzwertanalyse zeigt, dass die Kosteneinsparung für die internen Stakeholder grösser wäre als die Nutzeneinbusse. Zu berücksichtigen wäre jedoch auch die Nutzentangierung der externen Stakeholder. Aufgrund der Tatsache, dass dieser Nutzen erst ansatzweise erforscht ist und der im Pflichtenheft der Studie vorhandenen Limitierung, können hierzu keine schlüssigen Aussagen gemacht werden.
Neben dem vorhergehend vorgestellten Vorschlag wurden zwei weitere Massnahmen-Vorschläge priorisiert. Auf die Darstellung dieser Vorschläge wird im vorliegenden Beitrag verzichtet, da die Vorschläge punktuelle Änderungen des bestehenden Gesetzestextes vorsehen, die vor allem für die Revisionsbranche von Interesse sind.