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Brandkreuz – Oberdorfstrasse
Das Kleeblatt-Kreuz wurde von der Familie Sines und Wilhelm Welti zum Gedenken an die Brandkatastrophe vom 10. April 1854 erstellt. 9 Personen fanden den Tod beim Brand dieser 5 Wohnhäuser mit Strohdächern. Das Kreuz ist aus Muschelkalk-stein. Oben steht INRI und darunter ist das Herz Jesu, ganz speziell geformt, ange-bracht. Auf dem Querbalken sind Sonne und Mond, in der Mitte die Dornenkrone und dazwischen ist die Jahreszahl 1855. In der Mitte des Senkrechtbalkens ist ein Kelch mit Hostie. Speziell ist die Bildhauerarbeit, indem alle Schriften und Symbole aus dem Stein herausgearbeitet wurden. Die Kupferplatte am Sockel enthält die Namen der 9 Brandopfer.
Bericht zum Grossbrand vom 10. auf den 11. April 1854, aufgeschrieben von einem 15-jährigen Burschen, der den Brand überlebt hat.
Wir hatten an jenem Tag einen Handwerker auf dem Hof und sassen nach Feierabend noch zum Jassen beisammen. Der Mann verliess unser Haus um 11 Uhr in der Nacht, und wir bereiteten uns zum Schlafen vor. Plötzlich stand bei uns alles in Flammen und die ganze Gegend war hell erleuchtet. Mit den Hosen auf dem Arm machte ich den Sprung aus dem Fenster. Es verbrannten fünf Häuser und darin neun Menschen. Auch die 13jährige Maria; sie galt als beste Schülerin, fand an diesem Tag, genau einen Tag von dem Examen, in den Flammen den Tod. Einige Opfer wickelten sich in nasse Tücher. Nicht alle fanden den Ausgang und verbargen sich im Keller.
Der Brand begann im Armenhaus an der oberen Dorfstrasse und erfasste im Nu die eng beieinanderstehenden Strohhäuser. Die Opfer stammten alle aus dem Armenhaus. Einzig ein Mann konnte sich retten und das erst noch fertig angekleidet. In seiner Familie herrschte grosser Streit, und so wurde er denn auch als Brandstifter verdächtigt. Das Bezirksgericht kam auf den Brandplatz und verhörte den Mann. Dieser behauptete, er sei durch das Gitter des Kellerfensters gekrochen. So wurde ihm auf Gerichtsbefehl geheissenn, das Ganze nochmals zu wiederholen. Wider Erwarten gelang es ihm. So wurde er nun zu den aufgebahrten Toten geführt. Dabei zeigte er nicht die geringste Gefühlsäusserung in seinem Gesicht. Trotzdem musste der Mann nach 100 Tagen mangels an Beweisen aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Ein Brandstifter wurde nicht gefunden.
Der Tod unserer Nachbarn überschattete unser eigenes Schicksal. Das schöne, handgefertigte Mobiliar vermissten wir in der Folge mehr als unsere alten Strohdächer. Wir mussten alle wieder mit nichts anfangen.
Im Kanton Aargau gab es damals schon eine Gebäudeversicherung. Aber der Schaden war selbstverständlich gross und bei weitem nicht alles wurde entschädigt. Es setzte aber eine grosse Spendenaktion ein. Aus der Umgebung, ja aus der ganzen Schweiz wurde Geld und Naturalien (Essen, Kleider, Werkzeuge, Möbel, Holz) gespendet. – Das war die grösste Brandkatastrophe, die es je in Berikon gegeben hat.