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| Hilarius von Poitiers († 367) - Kommentar zum Evangelium des Matthäus

Neuntes Hauptstück
3.
„Hierauf traten die Jünger des Johannes zu ihm, und sagten: Warum fasten wir und die Pharisäer so oft, deine Jünger aber fasten nicht?“ Die Pharisäer und die Jünger des Johannes fasteten, die Apostel aber fasteten nicht. Jenen antwortet er nun auf geistige Weise, und stellt sich den Jüngern des Johannes als Bräutigam dar. Denn Johannes hat versichert, daß auf Christo alle Hoffnung des Lebens beruhe, und seine Schüler konnten, so lange er noch predigte, von dem Herrn nicht aufgenommen werden. Denn bis auf ihn gehen das Gesetz und die Propheten; und vor der Beendigung des Gesetzes sollte Keiner von ihnen zu dem Glauben des Evangeliums übergehen. Daß er aber antwortet, in Gegenwart des Bräutigams hätten die Jünger nicht nöthig, zu fasten, dadurch deutet er die Freude über seine Anwesenheit und das Geheimniß der heiligen Speise an, welche Niemand bei seiner Gegenwart, das ist, Niemand, welcher Christum vor den Augen des Geistes hat, entbehren wird. Wenn aber er ihnen entzogen seyn werde, sagt er, dann würden sie schon fasten; weil alle, welche nicht glauben, daß Christus auferstanden sey, die Speise des Lebens nicht haben würden. Denn im Glauben an die Auferstehung empfängt man das Geheimniß des himmlischen Brodes; und wer ohne Christus ist, der wird die Speise des Lebens nicht genießen, sondern fasten.