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Film zur Stadtbewegung der 70er: From thousands of possibilities
|14. Juni 2014||||18:00|
Es ist nicht lange her, als auch in Europa Slums die grossen Städte umringten. So wohnten die "baraccati", interne italienische MigrantInnen, marginalisiert in selbstgebauten Barracken rund um Rom. In den 70er Jahren schlossen sich die Bewohner_innen zusammen und begannen sich gegen die entwürdigende Situation zu wehren. Der Film von Maria Iorio / Raphaël Cuomo "From thousands of possibilities" zeichnet diese Stadtbewegung nach.
Samstag 14.06.2014, 19.00
Les Complices, Anwandstrasse 9, 8004 Zürich
Die Überreste der behelfsmässigen Behausungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg entlang dem Felice Akuädukt im Mandrione-Quartier von Rom entstanden, sind heute noch sichtbar. Die Shantytowns, die sich an der Peripherie der grösseren italienischen Städte im industriellen Norden und in Rom durch die interne Migration rasant vergrösserten, wurden zum Motiv von Filmen und anderen kulturellen Produktionen, darunter auch “dokumentarischen” Erkundigungen die die vorgefundenen Realitäten oft für politische Motive instrumentalisierten oder zur Essentialisierung des Charakters der Bewohner_innen als primitiv, widersprüchlich und unveränderbar benutzten. Entgegen dieser Klischees wurden die Bewohner_innen der informellen Behausungen Ende der 1960er Jahre zu Protagonist_innen urbaner Kämpfe und entwickelten Formen der kollektiven Organisation und der direkten Aktion.
Mit Blick zurück auf eine kaum bekannte Episode dieser Kämpfe widmet sich From thousands of possibilities einem Filmdokument aus dem Archivio del movimento operaio e democratico in Rom. Das unbearbeitete Filmmaterial zeigt die Besetzung eines Hauses und einer Strasse im Zentrum von Rom durch eine Gruppe von baraccati (Bewohner_innen der informellen Behausungen) im November 1970. Die Geste einer Besetzerin, einer jungen Frau, die ihr Gesicht vor der Kamera versteckt, wurde zum Ausgangspunkt der Recherchen von Maria Iorio / Raphaël Cuomo. Sie unternehmen den Versuch einer Rekonstruktion dieser vergangenen Ereignisse.
Angefangen im Cinema America, einem ehemaligen Kinosaal der derzeit besetzt ist, evoziert der Video die Transformationen und Kämpfe, die den metropolitanen Raum formten und zeichnet unterschiedliche physische Verschiebungen zwischen dem Zentrum und den Peripherien nach. Diese reichen von der Ausgrenzung der Unterschichten aus dem Stadtzentrum während dem Faschismus, den in den 1020er Jahren vom Regime eingeleiteten sventramenti* oder den Expeditionen einer mobile Oberschicht, insbesondere Journalist_innen und Intellektuellen, die über die Situationen denen sie in den entlegenen Peripherien begegneten berichten. Somit kommentiert From thousands of possibilities eine Reihe von “looking relations” – Blickrelationen – die auch eintreten wenn die baraccati die Bewegung umkehren und im Stadtzentrum sichtbar werden und für Selbstbestimmung kämpfen.