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Bei der Beobachtung der russischen Küste im Sommer 2016 wurden anhand von Satellitenbildern Belugawal-Populationen im äußersten Süden der Karasee erfasst. Diese Informationen beschreiben (leider ohne direkte Bestätigung) die ersten bekannten Anzeichen für eine Erholung der Art in dieser Region.
Sind die Belugas in der Karasee auf dem Weg der Erholung? Den Forschern des British Antarctic Survey Peter Fretwell und Hannah Cubaynes und Olga Shpak,einer unabhängigen ukrainischen Forscherin, gelang es, diese Frage mithilfe von hochauflösenden Satellitenbildern aus dem Sommer 2016 teilweise zu beantworten. Auf diesen wurden 1.147 Individuen an der Wasseroberfläche in einem 500-Meter-Streifen entlang der Küste der Yugor-Halbinsel und am Ende der Baydaratskaya-Bucht gezählt. Diese Daten wurden am 22. Juni in der Zeitschrift Marine Mammal Science veröffentlicht. Dies ist eine erfreuliche Information für diese in Russland sehr wenig erforschte Art, deren Rückkehr möglicherweise durch mehrere Bedrohungen erschwert wird.
In der sowjetischen Arktis wurden zwischen 1954 und 1966 sowie 1977 und 1980 intensive Belugawal-Jagden durchgeführt. Bis zu 6.000 Exemplare dieses weißen Delfins wurden in einem Jahr getötet, wie aus den Aufzeichnungen der Walfangaktivitäten der Sowjetunion hervorgeht. Wenn eine Population aus einer Bucht verschwindet, ist die Rückkehr neuer Gruppen nicht so einfach, denn diese Tiere bleiben ihrem Geburtsort treu. Sie leben im Winter nahe der Eisgrenze und erreichen im Sommer die vom Eis befreiten Flussmündungen, um sich zu paaren.
Russland kennt kein langfristiges Programm zur Überwachung der weissen Wale, weshalb die Wissenschaftler für ihre Studie auf Satellitenbilder zurückgriffen. Jedoch warnen die Autoren vor der Möglichkeit der Verwechslung von Narwalen, Walrossen und Belugas. Bei der Arbeit an Walrossen wurden übrigens die ersten Belugas identifiziert und die Idee zur Studie kam auf. Ruhige Seebedingungen und das Fehlen von Wolken und Eis sind für das Auffinden dieser Tiere unerlässlich, da Gruppen von Individuen als weiße Flecken auf dunklem Hintergrund erscheinen.
Das ultimative Ziel der Wissenschaftler wäre eine vollständige Schätzung des Belugawalbestands in der Karasee, Neuseeland, der Barentssee und der Laptewsee. Aufgrund der Größe dieses Gebiets konzentrierten sie sich auf einen kleinen Teil der Karasee, um ihre Methode zu testen. Das Untersuchungsgebiet liegt im Südwesten und umfasst eine Meeresfläche von 30.000 km2, was in etwa der Fläche des Baikalsees entspricht.
Heutzutage bedroht der Bergbau die Rückkehr der Weißen Delfine. Die Öl- und Bergbauprojekte in der russischen Arktis sind potenzielle Quellen von Umweltbelastungen und Verschmutzungen, die sich auf die Belugas auswirken. So wurde kürzlich auf PolarJournal darüber berichtet, dass in der Nähe des Flusses Kolva, der in die Barentssee mündet, eine Ölpipeline geplatzt ist. Ein weiteres Beispiel dafür ist auf der Seite der Karasee, in der Baydaratskaya-Bucht, eine Doppelpipeline der Bergbauanlage Bovanenkovskoye (die Bovanenkovo Ukhta 2), die 2019 brach. Gegenwärtig läuft ein Wartungsprogramm an der Pipeline.
Obwohl nur 15 % der Küstenlinie der Yugor-Halbinsel mithilfe dieser Bilder erfasst werden konnten, deuten die Daten darauf hin, dass sich die Belugas wieder in der Region angesiedelt haben. So sollen sich während des Sommers insgesamt zwischen 1340 und 1842 Belugas dort versammeln. Wie sieht es in Nowaja Semlja aus? Durchqueren sie die Meerenge, die zwischen der Barentssee und der Karasee zirkuliert? Den Wissenschaftlern drängen sich neue Fragen auf, seit sie die größte Zählung in dieser Region durchgeführt haben.
Camille Lin, PolarJournal
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