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Mit ihrem Erstling «La figlia prodiga» (1967) wurde Alice Ceresa als Kultautorin des italienischen Feminismus bekannt, in der deutschen und der französischsprachigen Schweiz wurde sie erst mit «Bambine. Geschichte einer Kindheit» (1997) rezipiert.
Die eigenwillige Lektorin, Übersetzerin und Redaktorin Alice Ceresa (1923–2001) fokussierte sich konsequent auf ein literarisches Thema: «Das einzige Argument, das mich beim Schreiben interessiert, ist die Frauenfrage: aber ich weiss noch nicht, ob dies gut oder schlecht ist, denn es berührt auch mein widersprüchliches Verhältnis zur Literatur.» Die formal-stilistische Suche nach einer innovativen und adäquaten Umsetzung ihrer Thematik und die Kontakte zur italienischen Avantgarde prägten das schmale Werk wie auch seine Rezeption.
Ein Teil der in dieser Nummer präsentierten Studien zur kulturhistorischen Kontextualisierung des Werks entstanden für den Online-Workshop «Nel mondo diAlice (Ceresa). Scrittura – pensiero – differenza» (30.10.2020).
Von Ceresas Anfängen als Kulturjournalistin in Bellinzona und der Arbeit an ersten literarischen Texten in den 1940er Jahren über intertextuelle und kulturpolitische Bezugspunkte im Rom der 1970er Jahre bis hin zur Auszeichnung des zweiten Buchs in der Schweiz in den 1990er Jahren. Ein Ausblick auf die geplante Neuauflage des Gesamtwerks unter Einbezug noch nicht publizierter Schriften rundet die wissenschaftlichen Arbeiten ab.
Mit Beiträgen von Giovanna Cordibella, Tatiana Crivelli, Daniele Cuffaro, Laura Fortini, Annetta Ganzoni, Maria Isabella Giovani, Alessandra Pigliaru, Francesca Rodesino und Monika Schüpbach.Die wissenschaftliche Sicht ergänzen drei literarische Beiträge von Maja Beutler, Elvira Dones und Silvia Ricci Lempen.