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Nach immer wiederkehrenden finanziell angespannten Phasen und einigen erfolglosen Verkaufsverhandlungen (u.a. Les Ambassadeurs) versucht die Genfer Luxusuhrenmarke De Witt, die im Highend Level mit Komplikationen positioniert ist, erneut aus eigener Kraft durchzustarten. Die Eigentümerin der Marke DeWitt, Gräfin Viviane Jutheau de Witt, setzt auf einen radikalen Schnitt. Aber kann man wirklich einen medizinisch Toten reanimieren?
Gräfin Vivianne Jutheau de Witt hatte eine schwierige Aufgabe als Sie 2012 als CEO, also erstmals operationell ins Unternehmen eintrat, das von Ihrem Mann, Graf Jerome de Witt, Nachkomme von König Jerome von Westfalen, Napoleons Bruder, verwaltet wurde. Jerome de Witt war bislang für die technischen und kreativen Belange des Unternehmens verantwortlich. Er entwickelte neue Uhren vorwiegend teure Komplikationen und eigene Uhrwerke, seine Frau – sie war die erste und einzige Auktionatorin in Frankreich – war bislang die passive Geldgeberin. Eine Basis-Linie, eine sogenannte Bread and Butter Kollektion fehlte dem Unternehmen, das seit zehn Jahren auf dem Markt ist, entstanden durch eine ehemalige Kooperation mit Cedric Johner im Jahre 1999.
„Ich komme mir vor hier wie in einem Krämerladen, bin aber darauf sehr stolz“, umschreibt die Gräfin ihre neue Aufgabe als CEO bei De Witt. Vivianne Jetheau de Witt liebt zeitgenössische Kunst, sie sammelt sie systematisch. Von einem Teil Ihrer Sammlung musste sie sich kürzlich schweren Herzen trennen, um den Kapitalbedarf im Unternehmen abzudecken. Werke von Giacometti, Picasso, Calder, Dubuffet oder Basquiat hat sie über Sotheby’s verkauft und erzielt somit einen Erlös von 5,7 Millionen Euro. „Sammeln ist einer meiner Leidenschaften, aber ich benötigte Bargeld und Freiraum im Unternehmen „, meint die Gräfin. Sie denkt langfristig Madame de Witt. „Meine erste Entscheidung als CEO war, Studien für die Gestaltung zu starten und unser eigenes Automatikwerk herzustellen“, sagt sie. „Unabhängigkeit sei ein Ziel“. Das Automatikwerk sei in seiner finalen Testphase und die ersten Modelle werden Ende diesen Jahres mit dem eigenen Kaliber ausgestattet. De Witt wird somit zu einer Manufaktur, die fast alle Komponenten im Haus produziert. Ein seltenes Asset für ein Unternehmen dieser Grösse.
Die andere sehr wichtige Entscheidung der Gräfin war, eine erschwingliche Basis Kollektion zu einem Endabnehmer Preis unter 10‘000 Franken zu lancieren, denn bislang bestand die Kollektion nur aus teuren und zum Teil für den Normalo unerschwinglichen Komplikationen. Dahinter stand jedoch Ihr Mann Jerome de Witt, der sich mit diesen Komplikationen und seinen Ideen- und Erfindungsreichtum selbst verwirklichen wollte. „Wir können nicht nur vom Verkauf von anspruchsvollen Tourbillon‘s und grösseren Komplikationen das Unternehmen am Laufen halten“, analysiert die Geschäftsführerin scharf die bedrohliche Situation. Deshalb wurde zum 10. Jahrestag des Hauses im Jahr 2013 eine limitierte Serie von 200 Exemplaren der DeWitt Academia New in Stahl aufgelegt. Im selben Jahr wurde die Glorious Knight in Stahl aufgelegt und mit einer Goldausführung ergänzt. Die Classic (2013) und die New Alma (2014) ergänzten die De Witt Kollektion. Wir brauchen mehr Volumen für eine bessere Profitabilität und die Einzelhändler fordern eine grössere Auswahl“, so Viviane de Witt. „Wir wollen aber trotzdem exklusiv bleiben nie mehr als 3 000 Uhren pro Jahr produzieren“. „Ich habe meine gesamte Energie und mein Mann sein ganzes Know-how in das Unternehmen investiert“, so Viviane de Witt. Die Bank Vontobel schätzt den erwirtschafteten Umsatz auf 35 Millionen Schweizer Franken. „Wir sind unabhängig von den Banken und können auf sechzig motivierte Mitarbeiter und auf eine Ausgewogenheit zählen“, meint die Gräfin.
Ein weiterer strategischer wichtiger Schritt, sei die Rückeroberung des Marktes: seriöse Händler, von denen einige das Vertrauen der Marke entzogen haben, wollen wir wieder zurückgewinnen. Tatsächlich haben wir über 100 POS weltweit, wo DeWitt Uhren erhältlich sind. Mit Schlüssel Distributoren wie Mercury (Russland), Prinz (Hong Kong), Sparkle Roll (China) und Cellini (New York) hat die Marke eine solide Vertriebs-Basis. Ermutigend sei auch die Tatsache, dass Harrods in London die Uhren-Produkte-Palette erweitert und De Witt Uhren führen wird. Mit Neiman Marcus in den Vereinigten Staaten schliesst De Witt eine Vereinbarung ab, um in den fünf grössten Filialen vertreten zu sein. Dies sei wichtig für die Wiederbelebung der Marke und das neu gewonnene Vertrauen, verschiedene Events sollen diese Strategie unterstützen. „Der Turnaround sei auf einem guten Weg“ so Madame De Witt. Was jedoch Madame de Witt bedauere, dass sie im Rahmen der Neuorientierung keinen Schweizer Detailhändler bisher gefunden habe, der sich für De Witt engagieren will.
Wie sagt man so schön: die Hoffnung stirbt zuletzt.