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Die globalen Unsicherheiten haben im vergangenen Jahr den Appetit der Investorinnen und Investoren auf Risikokapital gedämpft. Laut Crunchbase, einer Anbieterin von Wirtschaftsinformationen, sind die weltweiten Risikokapitalfinanzierungen für Technologieunternehmen im vergangenen Jahr um 35 % zurückgegangen, und ein EY-Bericht beziffert den Rückgang in Europa auf 18 %. Nur Frankreich und die Schweiz haben sich gut gehalten. Die Risikofinanzierung in unserem Land erreichte 2022 4 Milliarden CHF, gegenüber 3 Milliarden CHF im Jahr 2021, unter anderem dank einer Finanzierungsrunde von 600 Millionen CHF, die von Climeworks mit Sitz in Zürich abgeschlossen wurde. Die EPFL-Start-ups haben mit 457 Millionen Franken im Jahr 2022 ein starkes Ergebnis erzielt. Dies entspricht dem Aufwärtstrend der letzten fünf Jahre, selbst wenn man das Ausnahmejahr 2021 herausrechnet, in dem drei EPFL-Start-ups an die Börse gingen und zusammen 367 Millionen Franken einnahmen. In den vergangenen 50 Jahren hatten nur drei andere junge EPFL-Firmen einen Börsengang durchgeführt.
Seed-Finanzierung als Zeichen des Vertrauens der Investoren
Fünf EPFL-Firmen – Anokion, Distalmotion, MindMaze, Nanolive und Opna Immuno-Oncology – sammelten jeweils über 20 Millionen Franken ein, um ihre Geschäftsentwicklung zu unterstützen. Die grösste Überraschung des vergangenen Jahres waren jedoch die 28 EPFL-Start-ups, die eine Startfinanzierung zwischen 1 und 5 Millionen Franken erhielten. Damit sind diese Unternehmen gut gerüstet für das kommende Jahr, das eine Herausforderung darstellen könnte. «Wir haben in der ersten Hälfte des letzten Jahres eine Finanzierungsrunde von 3,85 Millionen CHF abgeschlossen», sagt Remco van Erp, CEO von Corintis. «Es ist klar, dass die Finanzierungsmärkte derzeit schwieriger sind, aber wir sehen ein starkes und anhaltendes Interesse an Investitionen in unserem Sektor. Dies ist auf die Notwendigkeit zurückzuführen, leistungsfähigere Chips für KI-Anwendungen zu kühlen, sowie auf die zunehmenden Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit.» Corintis hat ein mikrofluidisches Kühlsystem für Computerchips entwickelt, das deren Energieeffizienz und Leistung steigert. Dies ist ein Beispiel für ein Greentech-Unternehmen, also ein Unternehmen, das innovative, umweltorientierte Technologie anbietet. Diese Unternehmen werden bei Risikokapitalgebern immer beliebter.
Die Zunahme der EPFL-Seed-Finanzierung ging Hand in Hand mit einem sprunghaften Anstieg der Investitionen in der Grössenordnung von 5 bis 20 Millionen CHF. Diese Kategorie belief sich im Jahr 2022 auf 121 Millionen CHF, gegenüber 21 Millionen CHF im Jahr 2021. «Das spiegelt das hohe Potenzial unserer Start-ups an der EPFL und die vielen Möglichkeiten wider, die Investorinnen für ihre Technologie sehen», sagt André Catana, Leiter der EPFL-Start-up-Einheit. «Und es ist ein besonders ermutigender Trend angesichts des heutigen Wirtschaftsklimas und des Rückgangs, den wir in diesem Bereich der Risikofinanzierung anderswo auf der Welt gesehen haben.» Bis ein neues Unternehmen Gewinne erwirtschaftet, vergeht in der Regel viel Zeit – und mehrere Finanzierungsrunden – angesichts der zahlreichen Schritte, die mit der Unternehmensentwicklung verbunden sind: Durchführung klinischer Studien, Einstellung von Mitarbeitenden, Entwicklung von Prototypen, Produktionsstart und vieles mehr. Um diese Schritte zu bewältigen, sind nicht nur grosse Mengen an Kapital erforderlich, sondern auch eine robuste Technologie, die auf den Markt gebracht werden kann, ein solides Team und gute Beziehungen zu Investoren.
Zunahme der Unternehmensgründungen durch Studierende
Insgesamt wurden an der EPFL im Jahr 2022 weniger Start-ups gegründet als im Jahr zuvor: 21 gegenüber 34. Betrachtet man jedoch den Fünfjahresdurchschnitt, so liegt dieser derzeit bei 29, was für eine Hochschule von der Grösse der EPFL beeindruckend ist. Rund ein Drittel der 2022 neu gegründeten Unternehmen waren Greentech-Firmen – die einzige Branche, in der die Zahl der Neugründungen im Jahr 2022 hoch blieb. «Der Rückgang bei den Neugründungen im letzten Jahr war weltweit zu beobachten, da viele potenzielle Unternehmerinnen und Unternehmer angesichts der turbulenten Wirtschaftslage zögerlicher waren», sagt Catana. Die Kündigung des Rahmenabkommens zwischen der Schweiz und der EU scheint potenzielle Gründerinnen und Gründer jedoch nicht abgeschreckt zu haben. «Wir haben das nicht wirklich als Problem gesehen», sagt van Erp. «Wir arbeiten eng mit den Labors der EPFL zusammen, nutzen ihre Reinräume und stellen ihre hochqualifizierten Absolventinnen und Absolventen ein. Für uns bietet diese Region ein ideales Ökosystem, um Kundinnen und Kunden auf der ganzen Welt zu akquirieren.»
2018 führte die EPFL ein Programm ein, das es Studierenden ermöglicht, im Rahmen ihres Masterprojekts ein Start-up zu gründen, sofern sie über einen soliden Business Case verfügen. Die Studierenden werden von einer Expertin oder einem Experten für Unternehmertum gecoacht und erhalten Unterstützung vom Start-up-Inkubator Blaze der EPFL. In der Regel gelingt es ihnen, ihr Unternehmen innerhalb weniger Monate auf den Weg zu bringen. Das Programm scheint sich auszuzahlen: Sechs der 21 Start-ups, die im Jahr 2022 an der EPFL gegründet wurden, stammen von jungen Absolventinnen und Absolventen.