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(eigentlich Raffael
Santi, irrtümlich Sanzio), der größte Meister der neuern Malerei, geb. zu 6. April 1483 Urbino als
Sohn des Malers und Dichters Giovanni Santi, welcher ihn bis zu seinem Tod (1494) in der Kunst unterrichtete
(vgl. Schmarsow, Giov. Santi, der Vater Raphaels, Berl. 1887). Dann scheint sich Raffael bei Timoteo Viti, der 1495 nach Urbino kam,
weitergebildet zu haben, war hierauf um 1500 Schüler und Gehilfe des Pietro Perugino, an dessen Kunstweise er sich eine Zeitlang
anschloß, und bei welchem er mehrere Jahre arbeitete.
Florentiner Konzil - F
* 4
Florenz.
Vorübergehend war er auch in
Città di Castello und in Siena thätig. Sodann ging er 1504 nach Florenz.
[ * 4] Die Werke des Leonardo, Michelangelo und Fra Bartolommeo sowie Florenz selbst, damals der Sitz alles Schönen und Trefflichen,
übten einen bedeutenden Einfluß auf seine künstlerische Entwickelung aus. Nachdem er den Winter von 1504 unter
Studien und der Ausführung einiger Bilder in Florenz zugebracht hatte, kehrte er 1505 nach Perugia zurück, wo er ein Fresko
ausführte. 1506 ging er wieder nach Florenz, wo er seine Studien nach den ältern Meistern eifrig fortsetzte.
Insbesondere von
Fra Bartolommeo lernte er den schönen Aufbau der Gruppen, jene Bewegtheit bei aller strengen
Symmetrie, die in seinen Bildern aus jener Zeit zuerst sich zeigt. Vorübergehend besuchte er von Florenz aus Bologna und Urbino,
wo der Hof
[ * 5] des Herzogs Guidobaldo der Sammelplatz der schönen Geister des Landes war. Aus Bramantes Veranlassung ward er 1508 vom
Papst Julius II. nach Rom
[ * 6] berufen, um an der Ausmalung von einigen Zimmern, den sogen. Stanzen, des vatikanischen
Palastes teilzunehmen. In Rom, wo bald die ausgezeichnetsten und vornehmsten Männer, unter ihnen namentlich der Graf Castiglione
und Pietro Bembo, mit ihm in vertraute Verbindung traten und die Päpste Julius II. und Leo X. ihn mit Aufträgen
überhäuften, eröffnete sich ihm ein großartiger Wirkungskreis, und die zahlreichen Werke, die seinem fruchtbaren Geist
entströmten und durch Markantons Grabstichel vervielfältigt wurden, verkündeten seinen Ruhm in ganz Italien
[ * 7] und zogen zahlreiche
Schüler herbei. Zu Michelangelo stand Raffael stets in einem ziemlich scharfen Gegensatz; die beiden Meister waren ihrer ganzen Richtung
nach voneinander verschieden.
Raffael (erste und zwe
* 8 Seite 13.549.
In den spätern Jahren kann man allerdings ein Anlehnen Raffaels an Michelangelo konstatieren. Die äußere Stellung Raffaels
war eine außerordentlich glänzende. Am ernannte ihn 1. Aug. 1514 Papst Leo X. zum obersten Leiter des Baues der Peterskirche und zum
Aufseher über die 27. Aug. 1515 Ausgrabungen antiker Kunstdenkmäler in Rom. Seine Werke wurden sehr geschätzt und
hoch bezahlt, sein Name war in Italien im Mund aller und auch im Ausland weitberühmt. Franz I. von Frankreich bestellte Gemälde
bei Raffael und wollte ihn zu seinem Hofmaler machen. Albrecht Dürer schenkte
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mehr
ihm für einige
Handzeichnungen ein Exemplar seines ganzen »Werkes«. Raffaels Auftreten war, wie Vasari berichtet, mehr das
eines Fürsten als eines Malers; er kleidete sich prächtig, bewohnte ein schön eingerichtetes Haus im Borgo nuovo etc. Er
war nicht vermählt, doch mit Maria da Bibbiena, der Nichte des gleichnamigen Kardinals, verlobt. Nach Vasari
hat er bis zu seinem Tod eine Geliebte besessen, die bei ihm wohnte. Sie soll unter dem Namen Fornarina bekannt und die Tochter
eines Bäckers gewesen sein.
Ihre Züge scheinen der Sixtinischen Madonna zu Grunde zu liegen. Die unter dem Namen Fornarina gehenden Bildnisse rühren teils
nicht von Raffael her, teils stellen sie andre Personen dar. Raffael starb an einem hitzigen Fieber am Karfreitag
in (6. April) 1520 Rom. Das Gerücht, sein unsittlicher Lebenswandel sei die Ursache seines frühen Todes gewesen, ist erst später
aufgekommen und völlig unbegründet. Die Zeitgenossen sprechen mit hoher Achtung von seinem sittlichen Charakter,
so daß es wahrscheinlich ist, daß seine rastlose Thätigkeit seinen zarten Körper im Übermaß angestrengt und zuletzt
aufgegeben hat. Der Leichnam Raffaels ward im Pantheon beigesetzt. Die Marmorstatue der heiligen Jungfrau auf dem Altar
[ * 9] über
dem Grabgewölbe, deren Ausführung Raffael selbst dem Lorenzetto anvertraut hatte, wird vom Volk unter dem
Namen Madonna del Sasso als wunderthätig verehrt. 1833 wurde die durch Raffaels Brustbild und eine Inschrift bezeichnete Gruft
geöffnet und sein Skelett
[ * 10] noch ziemlich wohlerhalten gefunden. Raffaels Gesichtsbildung war regelmäßig und einnehmend.
Seine Haare
[ * 11] waren braun und seine Augen von sanftem, bescheidenem Ausdruck. Seine Gestalt war von schlankem Wuchs und
mäßiger Größe.
Kreuz (religiöses Symb
* 12
Kreuz.
Seiner ersten Periode, während welcher er sich zur umbrischen Schule, namentlich der des Perugino, hielt, gehören unter andern
folgende Werke an: Christus am Kreuz,
[ * 12] umgeben von Maria, Johannes, Magdalena und St. Hieronymus, beim Lord Dudley in London;
[ * 13]
die sogen.
Madonna Solly und die heilige Jungfrau, das Christuskind im Schoß auf einem Kissen haltend, zu beiden Seiten
St. Hieronymus und St. Franziskus, im Museum zu Berlin;
[ * 14]
die
Krönung der heiligen Jungfrau, ganz in der herkömmlichen Weise der
umbrischen Schule, doch schon mit Raffaelscher Individualität, in der Galerie des Vatikans;
das kleine
Bild eines unter einem
Lorbeerbäumchen schlafenden jungen Ritters, dem im Traum die allegorischen Gestalten der Mühen und Freuden
des Lebens erscheinen, in der Nationalgalerie zu London;
die drei
Grazien (nach einer antiken Gruppe), bei Lord Dudley in London;
die
Madonna aus dem Haus Connestabile, in der Eremitage zu Petersburg;
[ * 15]
die Vermählung Mariä (
Sposalizio), in der Brera zu Mailand,
[ * 16] durch Longhis und Stangs Stiche bekannt, ebenfalls noch ganz in Peruginos Weise gehalten, wiewohl Ausdruck und Bewegung bereits
lebendiger als bei diesem sind und überhaupt Raffaels Eigentümlichkeit schon überall durchleuchtet (von 1504).
Von den
Bildern, die Raffael für den
Herzog Guidobaldo in Urbino malte, ist vor allen Christus auf dem Ölberg zu nennen,
ein Bild von äußerst sorgfältiger Ausführung, sowie ein St. Michael und St. Georg, beide jetzt im Louvre.
Mit Raffaels erstem Aufenthalt in
Florenz beginnt seine zweite Künstlerperiode, in welcher er sich durch das Studium Fra Bartolommeos
und Leonardos allmählich von der Weise Peruginos entfernte. Als die frühsten Bilder, die er in Florenz ausführte,
gelten die schöne Madonna del Granduca ( Palast Pitti in
Florenz), die, obwohl noch an die Schule Peruginos erinnernd, doch schon
eine großartigem, einfachere Haltung zeigt, und die Madonna Terranuova ( Berliner
[ * 17] Museum).
Pflanzenvariationen (S
* 18
Porträte.
Seine ersten
Porträte
[ * 18] waren die Bildnisse des Angelo und der Maddalena Doni im Palast Pitti, denen später
das Selbstbildnis (in den Uffizien) folgte. Dieser ersten Zeit gehört auch das bereits erwähnte Fresko in einer Kapelle der
Kirche San Severo in Perugia an: Gott Vater, ein Buch haltend, schwebt mit dem Heiligen Geist über dem Heiland;
zwei halberwachsene
Engel stehen anbetend zunächst dem Heiland, welcher zum Segnen die Arme erhebt;
rechts und links auf
Wolken
sitzen sechs Kamaldulenser.
In der
Haltung des Ganzen erscheint hier Raffael großartiger und in der Behandlung breiter als je
zuvor. Der untere Teil des Gemäldes (ebenfalls sechs Kamaldulenser) ist von Pietro Perugino nach dessen eigner Erfindung ausgeführt
worden. Während seines zweiten Aufenthalts in Florenz malte Raffael für Lorenzo Nasi das unter dem Namen der
Madonna mit dem Stieglitz (del cardellino) bekannte Madonnenbild, ein Bild voll lieblicher Einfalt und himmlischer Grazie, jetzt
in den Uffizien zu Florenz.
Auch das unter dem
Namen der heiligen Jungfrau im Grünen bekannte Bild in der Wiener Galerie stammt aus dieser
Zeit. In Florenz entstand auch die heilige Familie unter der Fächerpalme, jetzt bei Lord Ellesmere in London, welche schon entschieden
Raffaels Eigentümlichkeit zeigt. Während seines dritten Aufenthalts in Urbino malte er für den Herzog unter andern ein Bild
des heil. Georg, jetzt in der Eremitage zu Petersburg. Dieser florentinischen Periode gehören ferner an:
die heilige Familie aus dem Haus Canigiani, in der Münchener Pinakothek;
eine
Grablegung Christi (1507) für Atalante Baglioni,
ein ausgezeichnetes Gemälde, zu dem der Künstler besonders ernste Studien machte, jetzt in der Galerie Borghese zu Rom;
die
Predella in der vatikanischen Galerie (gestochen von Amsler);
Orléans (Stadt)
* 19
Orléans.
die
Madonna des Hauses Orléans
[ * 19] in Chantilly bei
Paris;
[ * 20]
die
Madonna aus dem Haus Niccolini und die Madonna auf der Steinbank (gestochen von Mandel), beide bei Lord Cowper in Panshanger;
die
heilige Familie mit dem Lamm, in Madrid;
[ * 21]
die
Madonna aus Sant' Antonio in Padua
[ * 22] und die Madonna Ansidei
(beide in der Nationalgalerie zu London).
Von großer Lieblichkeit im
Ausdruck ist das Madonnenbild aus dem Haus Tempi, in der
Münchener Pinakothek (gestochen von Raab);
[ * 23] eine überaus graziöse Darstellung der Madonna aber jene aus dem Palast Colonna, jetzt
im Museum zu Berlin (gestochen von Mandel). Unvollendet, wie das vorige, ließ auch das unter dem Namen La
belle jardinière bekannte Madonnenbild im Museum des Louvre, eins der schönsten Raffaels. Ein andres Bild aus derselben Zeit
stellt die Madonna dar, wie sie von dem schlafenden Kinde den Schleier aufhebt, um es dem kleinen Johannes zu zeigen, der knieend
und lebhaft bewegt auf dasselbe hindeutet.
Raffael (dritte Künstl
* 25 Seite 13.550.
Diese
Komposition, als Madonna mit dem Schleier (au linge) bekannt, ist jedoch nicht mehr im Original, sondern nur noch in Kopien
erhalten. Unter den letzten Werken, welche in Florenz begann, ist das unter dem Namen der Madonna del Baldachino bekannte Gemälde,
welches er für den Altar der Familie Dei in San Spirito zu malen übernahm, das bedeutendste (jetzt im Palast
Pitti in Florenz). Raffael ahmte darin die Art und Weise des Fra Bartolommeo vollkommen nach, aber der Ausdruck der Köpfe atmet Raffaelschen
Geist. Dieses Bild ist jedoch von fremder Hand
[ * 24] vollendet worden.
¶
mehr
Raffaels großartige künstlerische Thätigkeit fällt in seinen Aufenthalt in
Rom, welcher die dritte Periode seines Künstlerlebens
umfaßt. Seine Thätigkeit als Freskomaler beginnt im Zimmer della Segnatura des Vatikans, welches er (1508-11) mit den allegorisch-symbolischen
Darstellungen der Theologie, Philosophie, Poesie und Jurisprudenz schmückte. Auf dem Bilde der Theologie, gewöhnlich die Disputa
(gestochen von Keller) genannt, sitzt die allegorische Gestalt der Theologie auf Wolken.
Als
Einleitung zu dem großen Wandgemälde, welches die durch die Erlösung erfolgte Wiedervereinigung des gefallenen Menschengeschlechts
mit Gott zum Vorwurf hat, ist an der Decke
[ * 26] der Sündenfall dargestellt. Oben im Himmel
[ * 27] des Hauptbildes erscheint Gott-Vater, umgeben
von den Scharen der Engel, und unter ihm thront der Heiland, welcher den Heiligen Geist herabsendet zur Erleuchtung
der von ihm gestifteten Kirche. Zu der Rechten Christi sitzt die heilige Jungfrau und zur andern Seite der Täufer Johannes.
Etwas tiefer im weitern
Halbkreis sitzen ebenfalls auf Wolken Patriarchen, Propheten und Märtyrer. In der
untern Abteilung erscheint die Eucharistie in der Monstranz auf dem Altar, und zu den Seiten desselben sitzen die vier Kirchenlehrer
Hieronymus, Ambrosius, Augustin und Papst Gregor d. Gr. Den Hintergrund füllen die Figuren andrer Kirchenlehrer des Mittelalters,
darunter auch Dante und Savonarola sowie allgemeine Repräsentanten christlicher Gemeinden.
Apollon - Apollonia
* 28
Apollon.
Den Übergang vom
Bilde der Theologie zu jenem der Poesie bildet an der Decke die Darstellung der von Apollon
[ * 28] über Marsyas
[ * 29] verhängten Strafe, und als Überschrift zu dem unter dem Namen des Parnassos bekannten Hauptbild dient die allegorische
[ * 25]
Figur der Poesie. Das darunter befindliche große Wandgemälde zeigt uns die auf dem Parnaß versammelten
großen alten und neuern Dichter. Das dritte Gemälde ist der Philosophie gewidmet und unter dem Namen der Schule von Athen
(gestochen von Jacoby) bekannt.
Oben thront die allegorische Gestalt der Philosophie, während das Gemälde selbst eine Versammlung alter, vornehmlich griechischer,
Philosophen darstellt, die eine Übersicht der Entwickelung der griechischen Philosophie, nach Schulen geordnet,
geben. Die Charaktere sind von der größten Mannigfaltigkeit. Als Übergangsbild zur Darstellung der Jurisprudenz dient das
Urteil des Salomo. Die Lünette
[ * 30] enthält drei allegorische Figuren: die Stärke,
[ * 31] die Vorsicht und die Mäßigung, welche mit der
darüber befindlichen Gerechtigkeit die Kardinaltugenden versinnlichen.
In dem Bild zur Linken sitzt der Kaiser Justinian, dem vor ihm knieenden Tribonian die Pandekten und den Kodex
übergebend. In dem Bild gegenüber übergibt Papst Gregor VII. einem Advokaten die Dekretalen. Nach Vollendung dieser Arbeiten
führte Raffael noch ein Fresko, den Propheten Jesaias in Sant' Agostino zu Rom, aus, ein Bild, in dem Michelangelos Einfluß
nicht zu verkennen ist. Später folgten die Propheten und Sibyllen in Santa Maria della Pace, von denen namentlich die letztern
zu den großartigsten Werken des Meisters gerechnet werden, während die erstern nur nach flüchtigen Entwürfen von ihm ausgeführt
worden sind.
Vatikan
* 32
Vatikan.
Die Ausschmückung des zweiten
Zimmers im Vatikan,
[ * 32] der Stanza d'Eliodoro, wurde 1512 begonnen und 1514 vollendet.
Auf dem ersten der Deckenbilder schwebt Jehovah, von zwei Engeln umgeben, einher, und der Erzvater Abraham liegt in Anbetung vor
ihm auf den Knieen, eins der schönsten Bilder des Meisters. Weniger ansprechend ist das zweite Deckenbild: das
Opfer Abrahams.
Das dritte stellt Jakob vor, wie er im Traum aus der Himmelsleiter Engel auf- und niedersteigen sieht.
Von außerordentlicher
Kraft
[ * 33] und Energie ist die vierte Darstellung an der Decke, wie Gott-Vater dem Moses im feurigen Busch erscheint.
Das erste der großen Wandbilder stellt den Heliodor dar, wie er, im Begriff, den Schatz des Tempels zu
Jerusalem
[ * 34] zu rauben, durch die Erscheinung eines Ritters in goldener Rüstung
[ * 35] niedergeschmettert wird. Das zweite Wandbild schildert
eine wunderbare Begebenheit (ein an der Transsubstantiation zweifelnder Priester sieht aus der von ihm geweihten Hostie Blut
fließen), die sich 1263 in der Kirche der heil. Christina zu Bolsena während der Messe zugetragen haben
soll und Veranlassung zur Stiftung des Fronleichnamsfestes gegeben hat.
Gehör (Helmholt
* 36
Gehör.
Das dritte Wandgemälde stellt die
Befreiung des Apostels Petrus aus dem Gefängnis dar; das vierte zeigt den Hunnenkönig Attila,
wie er, im Begriff, gegen Rom anzurücken, durch die Erscheinung der Apostelfürsten Petrus und Paulus bewogen wird, der Mahnung
des Papstes Leo I., Italien zu verlassen, Gehör
[ * 36] zu geben, eins der vorzüglichsten Bilder Raffaels. Um dieselbe
Zeit, zu Anfang des Jahrs 1514, führte Raffael im Haus des Agostino Chigi (der Villa Farnesina) den Triumph der Galatea in Fresko aus.
Das dritte
Zimmer im Vatikan, die Stanza dell' Incendio, ward 1514-17 von Raffael ausgeschmückt; doch mußte
er sich dabei mehr als früher der Mithilfe seiner Schüler bedienen. Das erste Wandbild stellt dar, wie Papst Leo III. in Gegenwart
Karls d. Gr. durch einen Schwur auf das Evangelium die Beschuldigungen der Neffen des verstorbenen Papstes Hadrian I. von sich
abweist. Das zweite schildert die Kaiserkrönung Karls d. Gr. durch Leo III. Das dritte Bild zeigt den Hafen
von Ostia, wo die Sarazenen auf das Flehen des Papstes Leo IV. durch Gottes Hilfe, der einen heftigen Sturm sendet, besiegt werden.
Das ausgezeichnetste Gemälde dieses
Zimmers ist der Burgbrand, der nach Anastasius dem Bibliothekar 847 in der Vorstadt
Borgo nuovo ausbrach und durch alle menschlichen Bemühungen nicht gelöscht werden konnte. Diese Darstellung nebst einer Ansicht
der alten Fassade der Peterskirche bildet den Hintergrund, während den Vordergrund von den verschiedenartigsten Motiven belebte
Gruppen ausfüllen. An dramatischem Interesse, an Schönheit der Komposition, an Meisterschaft in der Ausführung steht dieses
Bild unter den vatikanischen Fresken in erster Reihe.
Gang (Geologie)
* 37
Gang.
Doch hat Raffael keins dieser Gemälde mehr eigenhändig durchgeführt. Nicht minder reich wurde der nach einer Seite
offene
Gang
[ * 37] (Loggien), welcher im zweiten Stock von der Stiege nach dem Saal des Konstantin und den Stanzen führt, ausgeschmückt.
Er besteht aus 13 kleinen kuppelartigen Abteilungen mit 48 Darstellungen aus dem Alten und 4 aus dem Neuen
Testament, gewöhnlich Raffaels Bibel
[ * 38] genannt. Zu allen diesen Bildern und Ornamenten ( Grotesken, s. d.) lieferte Raffael aber nur
die Entwürfe, die seine Schüler ausführten.
In das Jahr 1516 fällt die Ausschmückung des Badezimmers im dritten Stockwerk des Vatikans für den Kardinal
Bibbiena. Es enthält auf dunkel rotbraunem Grund sieben Hauptfelder mit mythologischen Darstellungen, welche sich auf die Macht
der Liebe und Schönheit beziehen. Auch zu der Ausschmückung der Loggiendecke der Farnesina lieferte er nur die Kartons, die
Ausführung seinen Schülern überlassend. Hier gab die Fabel von Amor und Psyche den Stoff zu einer Reihe
von Gemälden. Die letzte bedeutende Arbeit, welche
¶
Fortsetzung
Raffael:
→ Seite 13.551 || R. unternahm, sind die Kompositionen im Saal des Konstantin im Vatikan, welche sich auf die