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Die Pfefferminze ist eine beliebte Teepflanze und gleichzeitig eines der bekanntesten Naturheilmittel. Kein Wunder, denn das Wirkspektrum der Mentha x piperita ist äusserst vielfältig: Sie wirkt beruhigend auf die Verdauung, desinfiziert und lindert Schmerzen.
von Yves Scherer
Der Mythos von der «Minthe»
Die Pfefferminze ist eine alte Heilpflanze, die bereits in der Antike von grosser Bedeutung war. In Clemens Zerlings «Lexikon der Pflanzensymbolik» ist nachzulesen, dass im antiken Griechenland das Brautpaar oftmals Kränze aus Minze trug, sogenannte «Venuskronen». Mentha sollte Wachheit und Weisheit verleihen, zu leidenschaftlicher Liebe anregen und angenehme Träume schenken.
Griech*innen und Römer*innen sollen bei Festen die Tische mit Pfefferminze eingerieben haben, um jede Art von Appetit anzuregen. In den berühmten Metamorphosen des römischen Dichters Ovid wird dieser Brauch ebenfalls erwähnt. Allerdings handelt es sich bei der in antiken Quellen beschriebenen Pflanze nicht um die heute bekannte Pfefferminze, sondern höchstwahrscheinlich um die leicht giftige Poleiminze.
«Griech*innen und Römer*innen sollen bei Festen die Tische mit Pfefferminze eingerieben haben, um jede Art von Appetit anzuregen.
Mehrere antike Autor*innen stellten einen Bezug der Poleiminze zum Unterleib der Frau her. Die Pflanze galt als Symbol der unerlaubten Sexualität. Entsprechend vorsichtig dosiert wurde sie entweder zu Liebestränken verarbeitet oder als Abtreibungsmittel verwendet.
Die griechische Mythologie kennt eine Nymphe namens Minthe. Nymphen sind wohltätige Naturgeister, die über besondere Orte in der freien Natur wachen – Wälder, Berge, Quellen oder Grotten. Als Hades, der Herrscher der Unterwelt, Minthe verführen will, kommt ihr Persephone, die Göttin der Unterwelt und der Fruchtbarkeit, zu Hilfe. Sie verwandelt Minthe in eine duftende Pflanze.
Menthol sorgt für den Minz-Geruch
Die heute bekannten Minzen-Arten entstanden als Hybride (Kreuzungen) erst ab dem 16. Jahrhundert. Deshalb fehlt in vielen alten Kräuterbüchern die Beschreibung der Pfefferminze. Die wohl zufällig aus der Wasserminze und der grünen Minze hybridisierte Pfefferminze wurde erstmals 1696 beschrieben.
«Die wohl zufällig aus der Wasserminze und der grünen Minze hybridisierte Pfefferminze wurde erstmals 1696 beschrieben.
Ihr ätherisches Öl enthält besonders viel Menthol, ein Monoterpen-Alkohol, welcher der Pflanze das typische Pfefferminz-Aroma verleiht. Neben dem hohen Anteil ätherischer Öle enthalten Minzen ausserdem Triterpene, Flavonoide, Karotinoide, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Phenolcarbonsäurederivate und viele weitere Inhaltsstoffe.
Minze ist nicht gleich Minze
Folgende Minzen-Arten sind in der Schweiz einheimisch: Ackerminze (Mentha arvensis), Grüne bzw. Krauseminze, Ährige oder Speerminze (Mentha spicata), Rossminze (Mentha longifolia), Rundblättrige Minze (Mentha suaveolens) und Wasserminze (Mentha aquatica). Die Poleiminze (Mentha pulegium) gilt als stark gefährdet. Zu Heilzwecken wird vorwiegend die Pfefferminze (Mentha x piperita) verwendet.
Die Minze gehört, wie auch Rosmarin, Thymian, Lavendel, Oregano, Salbei und viele andere bekannte Küchenkräuter, zur artenreichen Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceae). Ihre gemeinsamen Erkennungszeichen sind die zweilippige Blütenkrone, der vierkantige Stängel und die kreuzgegenständig angeordneten Blattpaare.
Die Pfefferminze in der Naturheilkunde
Pfefferminz-Anwendungen wirken desinfizierend, kühlend, appetitanregend, verdauungsfördernd, blähungswidrig, gallenflussfördernd, brechreizlindernd, krampflösend, beruhigend und lokal schmerzstillend. In der Naturheilkunde ist Pfefferminzöl das wichtigste Mittel zur Behandlung von akuten Schmerzen wie → Kopfschmerzen, → Migräne und Muskelschmerzen.
Das ätherische Öl wird mit einem fetten Pflanzenöl verdünnt auf Schläfen, Stirn und Nacken aufgetragen. Nach einem anfänglichen Kältegefühl beginnt nach 10 bis 15 Minuten der Schmerz nachzulassen. Achtung: nicht in der Nähe der Augen auftragen! Zur Behandlung von chronischen Kopfschmerzen und Migräne eignen sich neben der Pfefferminze auch Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Pestwurz (Petasites hybridus), Weidenrinde (Salix alba) und Mädesüss (Filipendula ulmaria).
Die kühlende Eigenschaft der Pfefferminze wird besonders in Nordafrika und im Nahen Osten sehr geschätzt. Dort trinkt man die Minze vermischt mit Grüntee zu fast jeder Gelegenheit. Allerdings mit sehr viel Zucker gesüsst. In den kalten Wintermonaten ist die kühlende Wirkung weniger gefragt – da steht eher die Anregung der Verdauung im Vordergrund, zum Beispiel nach einem Fondue oder Raclette.
Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt vom Schweizer Magazin «natürlich»
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