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Foto © flodur
In der Flugerprobung mit Ballast am Rumpfheck
Die Mü 28 entstand Ende der 1970er aus den Erfahrungen der ersten Segelkunstflugwettbewerbe mit der Lo 100.
Da die Lo 100 aufgrund ihres Flügelprofils ziemlich schlechte Leistungen im Rückenflug hat, wählte man für die Mü 28 ein symmetrisches Wortmann-Profil von 15% Dicke, das ursprünglich als Leitwerksprofil vorgesehen war.
Eine Besonderheit der Mü 28 und ein technischer Leckerbissen sind die automatischen Wölbklappen. Ein ähnliches System wurde schon bei dem Motorkunstflugzeug Acrostar verwendet. Im Gegensatz zum Acrostar, bei dem die Hinterkantenklappen mechanisch mit dem Höhensteuer gekuppelt waren, sind die Wölbklappen der Mü 28 wahlweise manuell zu betätigen oder sie schlagen automatisch, abhängig von Geschwindigkeit und g-Belastung aus. Damit ist die Mü 28 in der Lage, unglaublich enge Loop-Bögen sowohl positiv als auch negativ mit verblüffend niedriger Geschwindigkeit zu fliegen.
Der Rumpf wurde einfachheitshalber in einer Mosquito-Rumpfform gebaut. Cockpit, Haube, Steuerung und Fahrwerk wurden ebenfalls weitgehend von der Glasflügel Mosquito übernommen. Das Höhenleitwerk stammt vom Doppelsitzer Scheibe SF 34, wurde aber entsprechend verstärkt.
Da man aus Sicherheitsgründen eine hohe VNE anstrebte, musste die Mü 28 in der Flugerprobung bis zu einer Geschwindigkeit von 400 km/h (IAS) geflogen werden. In der Höhe ergibt das eine TAS von ca. 480 km/h und eine Machzahl = 0,4! Damit dürfte die Mü 28 eines der schnellsten Segelflugzeuge aller Zeiten sein.
In der Praxis hat die geltende VNE = 380 km/h aber keine Bedeutung. Man muss ohnehin mindestens 700 m Höhe "verheizen", bevor diese Speed anliegt.
Festigkeitsmässig war man beim Entwurf der Mü 28 ebenfalls nicht geizig. Bei der Manövergeschwindigkeit VA = 207 km/h sind die sicheren Lastvielfache +/- 10, Werte, wie sie sonst nur im Motorkunstflug üblich sind.
Mit vergrössertem Seitenruder (Mai 2005)
Da anfangs die Seitensteuerwirkung unbefriedigend war, wurde das Seitenruder erheblich vergrössert.
Nach wie vor problematisch ist das Verhalten bei abgerissener Strömung. Das Abreissverhalten des Profils scheint etwas unberechenbar zu sein. Das hat zur Folge, dass gerissene und gestossene Rollen, aber auch Vrillen nur schwer exakt ein- und wieder auszuleiten sind.
Wie die meisten Konstruktionen der deutschen Akaflieger blieb die Mü 28 ein Einzelstück. Pläne für einen Serienbau, die in den 1980ern diskutiert wurden, konnten nicht realisiert werden.
Bei Wettbewerben wird die Mü 28 ausschliesslich von Piloten der Akaflieg München geflogen. In den 1980ern konnten diese einige beachtliche nationale und internationale Erfolge erzielen, aber seit dem Erscheinen des Swift 1991 gehört die Mü 28 in der Unlimited nicht mehr zu den Spitzenflugzeugen.
In der neuen Advanced Klasse dagegen erzielten Piloten der Akaflieg München in den letzten Jahren sehr gute Platzierungen. Sascha Odermann gewann 2011 auf der Mü 28 den Salzmann Cup in der Advanced und wurde danach auch Deutscher Meister Advanced 2011.
Mehr Informationen: Homepage der Akaflieg der TU München
Technische Daten
|Spannweite||12,0 m|
|Flügelfläche||13,2 m²|
|Profil||Wortmann

FX 71-L-150/20
|Länge||6,75 m|
|Rüstmasse||315 kg|
|max. Flugmasse||425 kg|
|Manövergeschwindigkeit VA||207 km/h|
|sichere Lastvielfache bei VA||+10 / -10|
|Höchstgeschwindigkeit VNE||380 km/h|
|sichere Lastvielfache bei VNE||+6 / -6|
|Mindestgeschwindigkeit VS||67 km/h|
|beste Gleitzahl||27 bei 103 km/h|
|geringstes Sinken||1,0 m/s bei 89 km/h|
Stand, 11-2011