Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03571.jsonl.gz/1431

Das Leben vor dem Tod
Regie: Gregor Frei
Mitw.: Armin Gloor, Goffredo Frei, Gregor Frei, Filippo Togni u.a.
Der 1951 geborene Goffredo Frei, ehemaliger Werklehrer aus dem Kanton Bern, lebt in einem Haus in Cumiasca. Erst war er Wochenendaufenthalter in dem kleinen Dorf bei Acquarossa im Valle Blenio; seit seiner Pensionierung ist er ganz hier ansässig. Der 1946 geborene Armin Gloor, pensionierter Psychologe aus Zürich und Autor zahlreicher Bücher, lebt seit 18 Jahren in der stattlichen Villa, die er in Cumiasca erworben hat; er ist ein wohlhabender Mann und Goffredos bester Freund in der Einsamkeit des Nordtessins. Als Mittsechziger hatte Armin Gloor einst seinem Freund verkündet, dass er an seinem 70. Geburtstag mit Exit aus dem Leben scheiden werde. Er habe genug gelebt und ein reiches Leben gehabt. Es war ursprünglich Goffredo Freis Idee gewesen, über und mit dem sterbewilligen Freund einen Film zu drehen und ihn von seinem Plan abzubringen. Sein Sohn Gregor, Absolvent der Lausanner Filmschule ECAL und 2015 als einer der Autoren des Kollektivfilms «Heimatland» bekannt geworden, hätte als Produzent und Mentor wirken sollen, doch irgendwann lief das Projekt aus dem Ruder. So nahm Gregor Frei die Regie in die Hand und thematisierte im Film gleich auch diesen «fliegenden Wechsel» von einem Regisseur zum anderen. Herausgekommen ist eine unter die Haut gehende Dokumentation, die vor dem Hintergrund der überwältigenden Natur des Valle Blenio in grösstmöglicher Radikalität über das Menschenrecht auf ein selbstbestimmtes Lebensende nachdenkt. Über einen Zeitraum von vier Jahren gefilmt, ist «Das Leben vor dem Tod» stark von Armin Gloors bisweilen schmerzhaft scharfer Intelligenz und seinem umwerfenden Sinn für Ironie geprägt. «Hoffentlich isch dä Siäch gstorbä» sind etwa die letzten Worte, die man von Gloor im Film hört. Es sind nicht Koketterie und Lust am Tabubruch, die «Das Leben vor dem Tod» lange nachwirken lassen, sondern etwas, was Gregor Frei an der Weltpremiere an den diesjährigen Solothurner Filmtagen so definierte: «Das Leben passiert und der Film richtet sich danach – und nicht umgekehrt.» Christoph Schneider schrieb darüber im Tages-Anzeiger: «In kreativem Streit haben drei Männer diesen Film gefertigt, (…) der von Freundschaft und Entzweiungen erzählt und dessen Stärke es ist, wie er Perspektiven wechselt und die Achsen, um die er sich dreht, und wie er Gloors Gehen und Freis Bleiben die Würde und ihr Recht lässt.»
Die Premiere am 15. Mai findet in Anwesenheit des Regisseurs Gregor Frei statt. Das Gespräch führt der Filmjournalist Geri Krebs.