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«Ich bin ein Peruaner, der stolz ist wie ein glücklicher Dämon, Spanisch und Quechua spricht», hatte der peruanische Schriftsteller José María Arguedas 1968 in seiner Rede nach der Auszeichnung mit dem Premio Inca Garcilaso de la Vega erklärt. Ein Jahr später setzte er seinem Leben mit einem Kopfschuss ein Ende.
Unter den Klassen- und Rassengegensätzen Perus hat Arguedas zeitlebens gelitten. Seine Mutter starb, als er drei Jahre alt war. Die Stiefmutter verbannte ihn in die Küche zum indianischen Dienstpersonal. Dort lernte er Quechua und hatte Zugang zur indigenen Welt. Die indianischen Mythen erforschte er später als Anthropologe und integrierte sie in seine Romane, Gedichte schrieb er auf Quechua. Arguedas setzte auf die kulturelle Vielfalt Perus, lang bevor sie als Reichtum erkannt wurde.
Im Roman «Die tiefen Flüsse» (1958), der heuer anlässlich seines 100. Geburtstags vom Verlag Wagenbach neu aufgelegt wurde, beschreibt Arguedas hinter der Maske der Fiktion seine eigene Kindheit: Der junge Ernesto reist mit seinem Vater, einem Arbeit suchenden Rechtsanwalt, durch Peru. In der Provinzstadt Abancay steckt der Vater den Sohn in ein katholisches Internat und zieht weiter. Ernesto weiss nicht, wie er sich in einer Welt behaupten soll, wo Grossgrundbesitzer und katholischer Klerus miteinander verfilzt sind und Indigene und Schwarze diskriminiert werden.
Die Kosmovision der Indigenen ist in diesem zauberhaften Roman allgegenwärtig, sei es in Schilderungen von Bergen und Flüssen oder in der Sprache, die über die Musik zum Unsichtbaren und Geheimnisvollen vordringt, wie am Anfang des Romans, wenn Vater und Sohn in Cusco einer Glocke lauschen: «In den grossen Seen, besonders in jenen mit Inseln und Schilfwäldern, gibt es Glocken, die um Mitternacht läuten. Wenn ihr trauriger Gesang ertönt, steigen Stiere aus Feuer oder Gold aus dem Wasser und schleppen Ketten hinter sich her; sie erklimmen die Gipfel und brüllen in der eisigen Kälte, denn die Seen liegen hoch in den Anden.»
Margrit Klingler-Clavijo