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Wir haben es ja hier mit den Porsche-Raritäten. Das Glöckler-Porsche 356 Carrera 1500 Coupé gibt es nur einmal.
- 1954 gebaut und eingesetzt
- Nur ein Exemplar
- Königswellen-Motor
Walter Glöckler, geboren 1908 in Frankfurt, war schon vor dem 2. Weltkrieg ein schneller Pilot auf zwei und vier Rädern. Nach dem Krieg stieg er schnell zu einem der wichtigsten VW- und Porsche-Händler Deutschlands auf – ohne aber die Finger von der Rennerei zu lassen. Schon 1948 konstruierte Glöckler zusammen mit Hermann Ramelow einen ersten Rennwagen, bis 1954 sollten es ingesamt sieben eigenständige Fahrzeuge werden, die meisten auf Porsche-Basis. Am berühmtesten ist wohl der 53er Glöckler-Porsche 1500 Super, der als Mittelmotor-Spyder als direkter Vorgänger des viel berühmteren Porsche 550 betrachtet werden darf. Glöckler fuhr seine eigenen Konstruktioen auch selber, 1950 und 1951 wurde er damit deutscher Sportwagen-Meister.
Das Glöckler-Porsche 356 Carrera 1500 Coupé von 1954, das wir zeigen, nimmt in der Glöckler-Geschichte eine besondere Position ein: Es war seine letzte Eigenkonstruktion. Und sie war aussergewöhnlich, denn im Gegensatz zu den meisten Rennfahrzeugen jener Jahre verfügte der Wagen über eine geschlossene Karosserie. Die übrigens von C.H. Weidenhausen in Frankfurt ganz in Aluminium ausgeführt wurde – jenem Karossier, der denn auch die zwei Prototypen des 550 für Porsche fertigte.
Auffällig sind nicht nur die fast senkrecht stehenden Scheinwerfer und der mittig angebrachte Zentral-Scheinwerfer, sondern noch viel mehr die sehr spezielle Gestaltung des Heckbereichs. Da sind die Heckflossen mit den ganz oben angebrachten Leuchten – und eine Art Panorama-Heckscheibe. Auch die weit nach oben gezogenen, verglasten Türen sah man damals nicht alle Tage. Aufgebaut war das alles auf einem Chassis eines 356 (Pre-A), Chassisnummer 12213.
Als Antrieb diente ein frühes Exemplar des «Fuhrmann»-Motors, Typ 547, ein 1500er Vierzylinder-Boxer mit zwei obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderbank, die durch Königswellen angetrieben wurden. Die Kraft wurde über ein 4-Gang-Getrieb an die Hinterachse geleitet. Zum ersten Mal antreten sollte das Glöckler-Porsche 356 Carrera 1500 Coupé bei der Mille Miglia 1954, doch der Wagen wurde nicht rechtzeitig fertig. Seinen ersten Einsatz hatte das Fahrzeug dann bei Lüttich-Rom-Lüttich, am Steuer sass Glöcklers Cousin Helm Glöckler, auf dem Beifahrerseitz Max Nathan. Leider konnten sie das harte Rennen nicht beenden (es gewann übrigens ein Porsche 356 SL Gmünd, es war dies einer der ersten grossen Rennsporterfolge von Porsche).
Der Wagen wurde dann in die USA an einen Tom Shipman verkauft – und stand dann ab den 70er Jahren lange auf dem berühmten «Friedhof» von Rudi Klein in der Nähe von Los Angeles. 1993 wurde das Glöckler-Porsche 356 Carrera 1500 Coupé von Hans Heffels gerettet und nach Deutschland zurückgebracht. Doch er hatte zu wenig Geld für eine anständige Restauration; die wurde erst 2005 vom bekannten Porsche-Sammler Hans Georg Frers in Auftrag gegeben. Irgendwann in der langen Geschichte wurde der Original-Motor durch einen anderen 1,5-Liter-Doppelnockenwellen-Motor aus einem 550 Spyder (Chassisnummer 550-0026, Motorennummer P90016) ersetzt.
Das wahrlich einzigartige und wunderbare Glöckler-Porsche 356 Carrera 1500 Coupé wurde 2021 über RM Sotheby’s in Monterey angeboten, aber nicht verkauft. Vielleicht ist es auch einfach zu schräg für einen Porsche.
Es entsteht hier eine kleine Serie von «seltenen Porsche», wir haben sie in einer Liste zusammengefasst, zu sehen: hier. Mehr Old- und Youngtimer finden Sie in der monatlichen Klassik-Beilage der AUTOMOBIL REVUE, Abos gibt es: hier.