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Elomar Figueira Mello (geboren am 21.12.1937 in Vitória da Conquista/Bahia) ist ein brasilianischer Sänger und Komponist, der sich durch seinen ganz eigenen, “mittelalterlichen” Musikstil auszeichnet.
Elomar wurde auf der Fazenda Boa Vista geboren, die seinen Grosseltern gehörte. Von Haus aus erhielt er eine protestantische Erziehung. In seinen Texten verarbeitet er viele alttestamentarische Verse. Seine Eltern waren Ernesto Santos Mello und Eurides Gusmão Figueira Mello. Er hat zwei jüngere Schwestern.
Sein zweites bis siebtes Lebensjahr verbrachte er in Vitória da Conquista, später wuchs er auf den Fazendas seiner Verwandten auf, wie die Fazenda São Joaquim, die ihn zu vielen Kompositionen inspiriert hat. Er besuchte die Schule zwischen dem trockenen Sertão und der Hauptstadt Salvador und später, in den 60er Jahren, schloss er ein Architekturstudium an der staatlichen Hochschule von Bahia ab, an deren Musikschule er ebenfalls einige Semester studierte. Er heiratete Adalmária de Carvalho Mello, mit der er 3 Kinder hat, allesamt Musiker.
Elomar verbringt den grössten Teil seiner Zeit auf seinen Landsitzen. Auf der Fazenda “Duas Passagens” nahe dem Flussbett des Rio Gavião (“Sperber-Fluss”) und auf der Fazenda “Ententeich” auf dem Hochplateau in Minas Gerais, der “Chapada Diamantina”. Die Fazenda “Gameleira”, die er “Das Haus der Schafe” nennt, verewigte er in seinem Stück “Lied für einen Freund”(Cantiga do Amigo). Er ist ein direkter Nachkomme vom “Bandeirante” João Gonçalves da Costa (eines der Mitglieder der ersten Expeditionen, die das Land erforschten und besiedelten), des Gründers des “Arraial da Conquista” im Jahr 1783, heute die Stadt Vitória da Conquista.
Sein Musikstil
Nachdem er seine erste Platte aufgenommen hatte, “Von den Schluchten des Sperber-Flusses” (“Das Barrancas do Rio Gavião”), begann er, mehr in seine musikalische Karriere zu investieren, die sehr von spanischen und arabischen Traditionen beeinflusst wurde, welche die portugiesische Kolonisierung auch in den brasilianischen Nordosten brachte. Aber erst Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre begann er, seinen Schwerpunkt endlich von der Architektur zur Musik zu verschieben und sich dem Pilgerweg zu den Theatern des ganzen Landes zu widmen, wo er seine Liedersammlung und Teile seiner symphonischen Werke in klassischer Form aufführte.
Ein grosser Teil der musikalischen Texte und Werke Elomar’s sind im Dialekt des Sertão, des trockenen Landesinneren Brasiliens, geschrieben. Sertão-das ist die “De-sertão”, die “deserto grande”, die “riesige Wüste”!!
Mit seinem ureigenen Stil, Gitarre zu spielen, in dem er die Stimmung des Instruments oft verändert, wurde er unter Gitarrenkünstlern bekannt. 1990 nahm er die vielgefeierte Platte “Elomar in Concert” auf, vom bekannten Bessler-Reis-Streichquartett begleitet. Obwohl er natürlich die Arbeit der Medien braucht, um ihn und seine Musik bekanntzumachen, zieht er das zurückgezogene Leben auf der Fazenda vor, weit ab der Metropolen, wo er seine Ziegen züchtet.
Seine Kantilenen und Gesänge erinnern wirklich an mittelalterliche Musik und Kirchengesänge, was hierzulande oft nicht so wahrgenommen wird, da “Mittelalter” ja in Europa stattgefunden hat. Und Musikunterricht in Schulen gibt es hier nicht. Das muss in privaten Musikschulen und Kursen gelernt werden und dafür hat der Grossteil der Eltern keine Mittel und auch kein Verständnis bzw. Bedürfnis.
Vinicius de Moraes über Elomar (von der Schallplattenhülle der LP “Elomar-Von den Schluchten des Rio Gavião, 1973):
“Es scheint mir Unsinn, dass er das Meer (“mar”) in seinem Namen hat, denn damit hat er überhaupt nichts am Hut. An dem Tag, an dem die “Sertão zum Meer wird”, wie es in einem Song heisst, ist mein Eindruck, dass Elomar seine Ziegen und Schafe (von denen er eine grosse Herde auf seiner Fazenda hat) zusammenscharen und sie solange vor sich hertreiben wird, bis er neues, staubtrockenes Land findet, wo nur Tiere und Pflanzen überleben, die wie er keine Feuchtigkeit zum Leben brauchen. Und dort steckt er dann neue Landmarken ab, um in Frieden mit seinen Freundinnen, den Klapperschlangen und Taranteln zu leben, auf der Gitarre seine wunderschönen Balladen zu komponieren und seine privaten Sternenfelder am Himmel zu bewundern…
Denn genauso ist Elomar Figueira de Mello: ein Prinz der Caatinga, die ihn austrocknet wie ein gut gegerbtes Leder mit seinen 34 Lebensjahren und Jahrhunderten an Musikkultur. Seine Kompositionen sind eine weise Mischung aus mittelalterlicher Romantik, wie sie von den Rittern, Königen und Minnesängern ausgeübt wurde. Ein Liedermacher aus dem Nordostens Brasiliens mit seinen Liedern in klagenden Terzen und seinen Gesängen, die an “Cordel-Heftchen” erinnern (eine aus Versen bestehende Literatur-Tradition, die in der 2. Hälfte des 19. Jh. von Portugal in den brasilianischen Nordosten kam und durch humorvolle, kreative und kritische Dichtung beeindruckte). Sie rufen die weissen und ebenen Wüstenwege im Sertão in Erinnerung, an deren äusserstem Ende plötzlich ein blinder Sänger steht, die Augen vom Star getrübt, von einem Kind geführt – einem Engel; der Abenteuer von alten Banditen singt oder merkwürdige “causos” (Geschichten) von Leidenschaften unter der mörderischen Sonne des wilden Landesinnern erzählt…
Elomar wurde in Vitória da Conquista geboren, der Stadt, in der auch der berühmte Filmemacher Glauber Rocha das Licht der Welt erblickte. Später studierte er Architektur an der Staatlichen Hochschule in Salvador. Momentan bekleidet er das Amt des Direktors für Städtebau in seiner Heimatstadt. Aber was er vor allem mag, ist seine Caatinga (eine typische, bras., trockene Landschaft mit kleinwüchsigen Sträuchern und Bäumen, deren Äste und Stämme in der Trockenzeit ohne Blätter sind und hellgrau/weisslich aussehen). Es ist eine der rauhsten Landschaften des brasilianischen Sertão, wo er seine Ziegen und Schafe züchtet.
Es gibt auch Jaguare. Ab und an lässt die Morgendämmerung ein blutiges Skelett einer Ziege oder eines Schafs zurück und es kehrt erst wieder Ruhe ein, wenn die Raubkatze erlegt ist. Und die Gespräche zwischen den Farmern sind nur: der Jaguar, seine Eigenarten, seine List, seine Schwachstellen. Alle werden zu Raubkatzen. Elomar schleicht nachts herum, um ihr einen Hinterhalt zu legen und wenn er sie sieht, schiesst er sieh nur von vorn.
“Ein Tier, dass von soweit herkommt, um meine Ziegen zu töten..Respekt !” sagt er in seinem hinterwäldlerischen Dialekt (obwohl er sehr kultiviert ist) und besteht darauf, ihn um nichts in der Welt abzulegen, weil ihn unsere sogenannte Zivilisation anekelt.
Als ich ihm meinen Wunsch mitteilte, einige Tage in seiner und seiner Familie Gesellschaft zu verbringen, um bei ihm und zum Klang seiner exzellenten Gitarre, die er spielt, die verborgenen Sterne zu entdecken, die man an unserem verschmutzten Himmel schon nicht mehr sehen kann, sagte Elomar mir:
- “Du kannst kommen, wann Du willst. Lass mich nur das Haus in Ordnung bringen und meine Klapperschlangen und Taranteln ein wenig davon entfernen..”
- Und… wer weiss, ob es nicht dort sein wird, im Gefallen an den Galaxien der Musik Elomar’s, wo ich mich endgültig niederlassen und Sternenschäfer spielen werde…”
- Vinícius de Moraes im April 1973 (Und wer kann sagen, ob er das nach seinem Tod 1980 nicht wahrgemacht hat…)
João Paulo Cunha im seinem Buch “ELOMAR: Ein Liedermacher”
“Elomar zwingt uns dazu, neu zu lernen, was wir unter Kunst und unter Brasilien verstehen. Er ist als Musiker fähig zu solch erhabenen Werken, mit einer mythischen Kraft begabt, von der Inspiration angehaucht, dass er schon nicht mehr irdisch wirkt. Ein Geschichtenerzähler, der eine Welt heraufbeschwört, von der man glaubt, dass sie schon nicht mehr existiert und die unterdessen unaufhörlich in der Seele nachklingt. Als Komponist volkstümlicher Stücke, die sich mit der Erinnerung an andere Zeiten verbinden, ist er in der Lage, zur Kraft der gelehrten Musik-Traditionen zurückzukehren. Er verleiht ihnen eine faszinierende Aktualität.
Die Herkunft des Kindes Elomar ist in seinem Werk gegenwärtig: die Liebe zur Natur, die Arbeit auf dem Land, die herbe Religiosität des traditionellen Protestantismus mit lutheranischen Zügen, ein Sinn von Pflichterfüllung und Gehorsam. Eine spirituelle Mystik, eine moralische Pflicht, die verlorene Ordnung wiederherzustellen.”
Diskografie von Elomar
- Na Quadrada das Águas Perdidas (2005)
- Cartas Catingueiras (2005)
- Árias Sertânicas (2005)
- Das Barrancas do Rio Gavião: Raridade (1999)
- Elomar Em Concerto (1998)