Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03462.jsonl.gz/2554

Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?
Eindeutig der «Ras simple», abgeleitet von raser, rasieren. Dabei schneide ich die Haare bis auf zwei Millimeter zurück. Dieser Schnitt ist bei Jungen populär, aber auch bei Geschäftsleuten. Der «Ras complet» ist eine Vollrasur. Etwas weniger häufig wird der «Coupe Banane» verlangt: Im Unterschied zum «Ras simple» werden bei diesem Schnitt lediglich die Seiten rasiert.
Haben Sie eine spezielle Methode?
Ich schneide fast nur mit der Maschine, erst mit, dann ohne Aufsatz.
Warum sind Sie Coiffeur geworden?
Wir sind neun Kinder zu Hause, und als Ältester sah ich, wie schnell die Haare bei meinen Geschwistern immer nachwuchsen. Es hat mich gelockt, ihre Haare zu kürzen, und mit der Zeit hatte ich immer mehr Freude am Haarschneiden.
Wie haben Sie das Handwerk gelernt?
Es war hauptsächlich das viele Üben in der Familie. Einige Handgriffe lernte ich zudem von Kongolesen, die vor einigen Jahren hier nach Doba kamen und sich mit Haareschneiden über Wasser hielten. Und Gott hat mir dieses Talent geschenkt.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Ich habe einen Mittelschulabschluss. Mit dem Geld, das ich auf die Seite legen kann, möchte ich studieren, zum Beispiel Geschichte, und später Beamter werden.
Haben Sie viele Stammkunden?
Etwa die Hälfte meiner Kunden sind Stammkunden. Mein Salon liegt sehr zentral an der Hauptstrasse, so dass er einfach zu erreichen ist. Zu mir kommen Kunden, die zu den Reichsten der Stadt gehören, Behördenmitglieder, Priester, aber auch viele junge Leute.
Wann ist eine Frisur aus Ihrer Sicht gelungen?
Wenn der Kunde glücklich ist.
Wem würden Sie gern die Haare schneiden?
Ganz besonders gerne würde ich Lionel Messi die Haare schneiden, weil er so gut Fussball spielt.
Welche Reaktionen haben Sie schon erlebt?
Leute haben mir zu meinem Werk gratuliert, oder sie gaben mir ein Trinkgeld, doppelt so hoch wie der Preis des Haarschnitts.
Haben Sie sich schon einmal geweigert, einen Wunsch auszuführen?
Frauen schneide ich nicht die Haare. Und wenn jemand den Preis drücken will, schneide ich auch nicht.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Stadt?
In Doba fühle ich mich wohl. Es gibt alles hier, was ich zum Leben brauche.
Wie verbringen Sie Ihren Abend?
Ich schliesse den Salon, wenn ich keine Kunden mehr habe, manchmal um acht Uhr, manchmal erst um neun. Danach gehe ich nach Hause, wasche mich und gehe oft anschliessend zurück in die Stadt, um Freunde zu treffen oder etwas zu essen.
Wie verbringen Sie Ihre Ferien?
Vor einem Jahr war ich eine Woche in Ndjamena, der Hauptstadt. Hin und wieder fahre ich nach Moundou, der zweitgrössten Stadt von Tschad, die eine gute Stunde Fahrt von Doba entfernt liegt. Dort kaufe ich neues Material ein, vor allem Rasierklingen.
Erst vor wenigen Jahren kam Tschad nach 40 Jahren Bürgerkrieg zur Ruhe. Mit Nigeria, Mali, Libyen, dem Sudan und der Zentralafrikanischen Republik sind heute die meisten Länder der Region zu Krisenherden geworden. Was denken Sie darüber?
Diese Entwicklung macht mir Sorgen. Mit den Flüchtlingen und Rückkehrern aus diesen Ländern haben Risiko und Unsicherheit auch bei uns in Doba zugenommen. Früher konnten wir uns in unserer Stadt zu jeder Tages- und Nachtzeit sorglos bewegen. Heute ist es nach 22 Uhr unsicher auf den Strassen.