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Das hatte ich erwartet.
Nach dem Referat zum Thema Grenzverletzungen und Abgrenzung sass ich auf dem Heimweg mit einigen Zuhörerinnen im selben Bus. Eine Frau sagte: «Das war sehr gut. Und ganz besonders spannend waren die letzten zehn Minuten.»
Ich antwortete darauf: «Danke. Ja, das erstaunt mich nicht. In den letzten zehn Minuten sprach ich über etwas, das zu den Kernthemen meiner Weiterbildungen gehört und das mir sehr am Herzen liegt.»
Im Referat für den «Entlastungsdienst Schweiz, Aargau-Solothurn» sprach ich im ersten Teil über Grenzverletzungen bei der Arbeit: Es ging um Grenzen, die durch den Arbeitgeber gesetzt werden sowie um persönliche Grenzen. Im zweiten Teil ging es um Abgrenzung: Das Nein-Sagen zu Bitten und Forderungen anderer oder eigener innerer Stimmen.
In den letzten zehn Minuten hat eine Zuhörerin gesagt, dass sie immer wieder Situationen erlebe, in denen sie versuche, Grenzen zu ziehen bei Menschen, die sie gerne habe. Diese würden dann aber trotzdem weiter machen und nicht auf sie hören. Sie müsse dann immer deutlicher werden und sie habe Angst, die Gefühle der anderen Person zu verletzen.
Ich habe ausgeführt, dass es vor allem zwei Gründe gibt, weshalb wir nicht deutlich Nein oder Stopp sagen:
- Die Angst, die Gefühle der anderen Person zu verletzen.
- Die Angst vor Ablehnung oder Abwertungen durch die andere Person.
Letzteres ist für uns im sozialen Kontext etwas vom Schlimmsten, denn in unserem Gehirn ist tief eingeprägt, dass ein Ausschluss aus einer Gemeinschaft sehr gefährlich ist. Dies deshalb, weil es vor 100 000 Jahren den sicheren Tod bedeutete.
Was kann uns helfen, diese Ängste zu überwinden?
Überlege dir, welche Reaktion dir am liebsten ist, wenn du Grenzen anderer verletzt. Du möchtest nicht, dass die andere Person dir Interesse oder Nähe vorspielt, sondern du möchtest wissen, woran du bist. Du möchtest, dass die andere Person Verantwortung für ihr eigenes Wohlbefinden übernimmt und sie nicht von dir erwartet, dass du automatisch spürst, was sie braucht. Die unangenehmen Gefühle, die bei dir durch die Abgrenzung der anderen Person möglicherweise entstehen, sind dir lieber, als nicht zu wissen woran du bist und ständig befürchten zu müssen, den Vorwurf zu hören, du würdest zu wenig Rücksicht nehmen. Kurz: Du möchtest, dass die andere Person Verantwortung für ihre Gefühle und für die Erfüllung ihrer eigenen Bedürfnisse übernimmt. An dir ist es, dasselbe zu tun.
In der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation ist diese Selbstverantwortung ein wesentlicher Aspekt. In meinen Seminaren kannst du einerseits lernen, die Verantwortung für deine Gefühle und die Erfüllung deiner Bedürfnisse zu dir zu nehmen und andererseits, die Verantwortung für die Gefühle und die Erfüllung der Bedürfnisse anderer bei ihnen zu lassen. Dies macht dich autonomer und es stärkt dich und deine Beziehungen.