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Anaplasma & Ehrlichia spp.
Die Anaplasmose ist eine Erkrankung, die durch eine Infektion bestimmter weisser Blutzellen (neutrophile Granuloztyen) mit einem intrazellulären Bakterium verursacht wird. Sie ist im nordöstlichen Teil der USA verbreitet, wo die Erregerübertragung durch die Zeckenart Ixodes scapularis erfolgt. In Europa ist die Anaplasmose kaum dokumentiert; wird aktiv nach ihr gesucht, kann sie jedoch nachgewiesen werden, so zum Beispiel in Frankreich und Slowenien. In der Schweiz gab es bisher keinen dokumentierten Fall.
Erreger
Weltweit kommen verschiedene Arten der Gattung Anaplasma vor; sie sind vor allem als Krankheitserreger bei Tieren bekannt. In der Schweiz tritt Anaplasma phagocytophilum (ehem. Ehrlichia phagocytophila und E. equii) als durch Zecken übertragener Krankheitserreger bei Rindern und Pferden auf. Im Gegensatz zu den anderen Spezies der Gattung Anaplasma parasitiert A. phagocytophilum die Leukozyten und nicht die Erythrozyten. Anaplasma spp. Gehören zur Ordnung Rickettsiales, zu welcher auch die Gattungen Rickettsia und Ehrlichia gehören.
Die Anaplasmose wurde erstmals in Kalifornien in 1969 beschrieben.
Epidemiologie
In einer ersten seroepidemiologische Studie in Europa wurde für die Schweiz eine Seroprävalenz von 17% beim Menschen gefunden (Brouqui, Dumler, Lienhard et al,1995). Ein erster europäischer Fall von Anaplasmose wurde daraufhin im Jahr 1997 in Slovenien beschrieben. Weitere Fälle wurden in vielen europäischen Ländern dokumentiert, darunter auch in Frankreich (Elsass); in der Schweiz wurden bisher jedoch noch keine Fälle nachgewiesen.
Anaplasma phagocytophilum wird in Europa in erster Linie durch die Zeckenart Ixodes ricinus übertragen. Diese Zeckenart überträgt auch verschiedene andere wichtige Krankheitserreger, so zum Beispiel Borrelia burgdorferi und das Frühsommer-Meningoenzephalitis Virus. Die Prävalenz von Anaplasma phagocytophilum in Ixodes ricinus Zecken variiert in verschiedenen Ländern Europas; in der Schweiz wird sie auf 1.7% geschätzt (2019).
In den USA ist die Anaplasmose in der nordöstlichen und zentral-nördlichen Region in Richtung Kanada verbreitet (>13 Fälle pro Million Einwohner). In den USA werden die Erreger der Anaplasmose hauptsächlich durch die Zeckenarten I. scapularis und I. pacificus übertragen. Eine Anaplasmose kann darum auch bei Reiserückkehrenden aus diesen endemischen Gebieten vorkommen (vgl. dazu die Verbreitungskarten des CDC zu I. scapularis und I. pacificus).
Klinik
Ein Grossteil der Infektionen mit Anaplasma phagocytophilum verläuft asymptomatisch. Bei symptomatischen Infektionen können unspezifische, grippeartige Symptome auftreten, wie zum Beispiel Fieber, Kopfschmerzen, Myalgie, Arthralgie, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Eine Verschlimmerung der Symptome ist selten; bei einigen Patienten kann es aber zu einer respiratorischen Symptomatik (interstitielle Pneumonie, atypische Pneumonie, bis hin zum ARDS) oder Hautmanifestationen (Ausschlag, Exanthem) kommen. Neurologische Manifestationen (Schwindel, Gesichtslähmung, Meningitis) sind sehr selten.
Therapie
Die Behandlungsgrundlage bleibt die der meisten durch Zecken übertragenen Krankheiten, insbesondere die der intrazellulären Bakterien: Doxycyclin PO oder IV.
Impfung
Es existiert keine Schutzimpfung, mit der man sich gegen die Anaplasmose schützen kann.
Diagnostik
Die Standardmethode zum Nachweis einer akuten Infektion ist der direkte Erregernachweis in einem mit Giemsa gefärbten Blutausstrich. Dabei wird eine aggregierte Zellmasse im Zytoplasma der Granulozyten nachgewiesen. Diese einfache Nachweismethode hat jedoch eine geringe Sensitivität, weshalb man in der Routinediagnostik den Erregernachweis mittels PCR vorzieht. Das Labor ADMED Microbiologie stellt eine „Ehrlichia“-PCR für den Nachweis von Ehrlichia spp. und Anaplasma spp. zur Verfügung. Die Bestätigungsdiagnostik wird anschliessend im im CHUV, Laboratoire de Microbiologie, durchgeführt. Die PCR kann aus verschiedenen infizierten Geweben durchgeführt werden, hauptsächlich eignen sich EDTA-Blut-Proben, Punktate und Biopsien.
Die im Labor ADMED validierte und bisher eingesetzte Serologie-Methode steht nicht mehr zur Verfügung; ein neuer Test wird zurzeit validiert. Es muss jedoch beachtet werden, dass die Durchführung einer Serologie ausschliesslich bei einer entsprechenden Verdachtsdiagnose veranlasst werden soll. Bei einer niedrigen Prä-Test-Wahrscheinlichkeit sollte keine Serologie durchgeführt werden. Nützlich ist der Nachweis eines vierfachen Titeranstieges direkt im Anschluss an die akute Phase der Erkrankung.
Quellen
- Matei IA, Estrada-Peña A, Cutler SJ, Vayssier-Taussat M, Varela-Castro L, Potkonjak A, Zeller H, Mihalca AD. A review on the eco-epidemiology and clinical management of human granulocytic anaplasmosis and its agent in Europe. Parasit Vectors. 2019 Dec 21;12(1):599. doi: 10.1186/s13071-019-3852-6.
- Brouqui P, Dumler JS, Lienhard R, Brossard M, Raoult D. Human granulocytic ehrlichiosis in Europe. Lancet. 1995 Sep 16;346(8977):782-3. doi: 10.1016/s0140-6736(95)91544-3.
- Pilloux L, Baumgartner A, Jaton K, Lienhard R, Ackermann-Gäumann R, Beuret C, Greub G. Prevalence of Anaplasma phagocytophilum and Coxiella burnetii in Ixodes ricinus ticks in Switzerland: an underestimated epidemiologic risk. New Microbes New Infect. 2018 Sep 6;27:22-26. doi: 10.1016/j.nmni.2018.08.017.