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Die Erwartung wächst, dass nachhaltiges Investieren zur Erreichung gesellschaftlicher Ziele beitragen wird. Trotz dieser hohen Erwartungen ist wenig darüber bekannt, welchen Einfluss Investoren durch nachhaltige Klimastrategien tatsächlich ausüben können. Der folgende Beitrag ist Teil einer Serie von Blog-Beiträgen. Er stützt sich auf die IFZ Sustainable Investments Studie 2021: Nachhaltige Fonds und Klimarisiken. (1)
Portfolio-Dekarbonisierung beschreibt eine Reduktion der aggregierten C02-Emissionen auf Portfolioebene. Dies kann durch Ausschlüsse oder Umverteilung der Gewichte innerhalb des Portfolios erreicht werden. Das klassische Dekarbonieren von Portfolios als in sich eigenständiges Ziel kann allerdings kaum genügen (2). Die Portfolio-Dekarbonisierung sollte vielmehr als ein Mittel zu einem weiterführenden Zweck betrachtet werden. Die auf Portfolioebene aggregierten CO2-Emissionen und deren Reduktion können als eine Annäherung dafür dienen, welchen finanziellen Klimarisiken ein Investor ausgesetzt ist. Die aggregierten CO2-Emissionen und deren Reduktion könnten möglicherweise aber auch als Annäherung dafür herangezogen werden, welche Mengen an Treibhausgasemissionen potenziell durch Unternehmen in der Realwirtschaft reduziert werden könnten. Gibt es nun aber eine Kausalität zwischen der Reduktion von aggregierten Emissionen auf Portfolioebene und der Treibhausgasreduktion in der Realwirtschaft? Eine unmittelbare Kausalität lässt sich nicht leicht begründen: Wenn ein Investor sein Portfolio dekarbonisiert, so muss dies nicht unmittelbar eine positive realwirtschaftliche Wirkung zur Folge haben, zumindest ist die Portfoliodekarbonisierung kein hinreichender Faktor für eine solche Wirkung.
Wichtiger als die Betrachtung der Emissionsniveaus im Portfolio ist die Frage, welche konkreten Klimastrategien ein Investor einsetzt, um sein Portfolio zu dekarbonisieren. So gilt weithin als gesichert, dass die Klimastrategien «Ausschluss/Divestment», «Untergewichtung» oder «ESG-Integration» das Verhalten grosser börsenkotierter Unternehmen kaum direkt und wesentlich beeinflussen. Ein Impact des Investors auf das konkrete Verhalten von Unternehmen kann für diese Klimastrategien mit guten Gründen bestritten werden. Von den sechs in untenstehender Grafik aufgeführten Klimastrategien erscheinen hingegen die drei Klimastrategien «Themenansatz/Klimalösungen», «aktives ESG-Engagement mit Klimafokus» sowie die «Impact-Strategie mit Klimafokus» das Potenzial zu haben, nicht nur finanzielle Risiken zu kontrollieren, sondern auch finanzielle Chancen aus dem Klimawandel zu erschliessen. Jede dieser drei Klimastrategien dürfte zudem leistungsfähig sein, einen Beitrag zur realwirtschaftlichen Treibhausgasreduktion zu leisten.
Themenorientierte Anlagestrategien mit Fokus auf Klimalösungen und auch Impact-Strategien mit Klimafokus haben bereits per Definition das Potenzial, Treibhausgasemissionen in der Realwirtschaft zu reduzieren. Thematische Ansätze mit Fokus auf Klimalösungen investieren in Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen anbieten, welche einen Beitrag zur Lösung von ökosozialen Herausforderungen im Kontext des Klimawandels leisten.
Impact-Strategien haben zum Ziel, mittels der getätigten Investments einen realwirtschaftlichen Wandel bei Unternehmen zu bewirken. Impact-Strategien generell und klimatisch ausgerichtete Impact-Strategien im Besonderen formulieren typischerweise klar messbare Ziele, an denen sich die Leistungsfähigkeit der wirkungsorientierten Strategie periodisch messen und prüfen lässt. Bei thematisch-orientierten Anlagen in Klimalösungen ist die Ausformulierung und Messbarkeit der Zielsetzung wünschenswert, wenngleich nicht immer gegeben. Die Trennlinien zwischen beiden Klimastrategien – Themenansätzen in Klimalösungen und Impact-Strategien mit Klimafokus – verschwimmen in jüngster Zeit und je nach Ausgestaltung nähern sich die beiden Strategien auch einander an.
Beim ESG-Engagement dürften es vor allem grosse, einflussreiche Investoren sowie deren Zusammenschluss sein, die eine realwirtschaftliche Wende zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft vorantreiben können. Aktuell beobachten wir gezielte Bestrebungen speziell bei jenen Asset Managern, die in der «Net-Zero Asset Managers Initiative» zusammengeschlossen sind (3): In diesem Netzwerk haben sich 273 der grössten Asset Manager weltweit verbündet, sie verwalten ein Vermögen von USD 61 Billionen, mehr als ein Drittel aller weltweit verwalteten Vermögen (Stand 30.06.2022). Diese Vermögensverwalter verpflichten sich darauf, ein Netto-Null-Ziel bis 2050 zu unterstützen. Die «Net-Zero Asset Managers Initiative» strebt explizit eine realwirtschaftliche Veränderung an und verpflichtet die Unterzeichner, sich aktiv bei investierten Unternehmen zu engagieren und entsprechende Stewardship- Programme zu verfolgen, um auf die Netto-Null- Zielerreichung hinzuwirken.
Divestmentstrategien werden in diesem Kontext als weniger effektiv betrachtet – Engagement und Stewardship sind die wichtigsten Hebel, und die Verwalter müssen sicherstellen, dass die von ihnen verwalteten Anlagen selbst im Einklang mit den Netto-Null-Zielen dekarbonisiert werden, was mehr Einfluss auf die realwirtschaftlichen Emissionen haben kann als ein einfaches Divestment. Thematisch-orientierte Klimastrategien, impact-orientierte Klimastrategien und auch ein aktives ESG-Engagement mit Klimafokus dürften geeignet sein, um realwirtschaftliche Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Wie leistungsfähig diese Klimastrategien in der Praxis konkret sind, hängt von der je individuellen Umsetzung im Einzelfall ab. Typologisch kann man diese drei Klimastrategien als potenziell «klimafreundliche Strategien» etikettieren.
Im nächsten Blogbeitrag diskutieren wir die Unterschiede, Vorteile und Nachteile von Klimastrategien gegenüber thematischen Umwelt-/Klimafonds.
(1) Die Studie wird dankend unterstützt von iShares by BlackRock, Zürcher Kantonalbank, DWS, Graubündner Kantonalbank, Jupiter Asset Management, Natixis Investment Managers, UBS, Vanguard, abrdn, AllianceBernstein, Amundi Asset Management, Candriam, Credit Suisse, DPAM, ECOFACT, Franklin Templeton, Generali, INOKS Capital, Janus Henderson Investors, Lombard Odier Investment Managers, Lyxor ETF, Morningstar, NN Investment Partners , Nordea Asset Management, OLZ, Robeco, Schroders, Inrate, Investment Navigator, Thurgauer Kantonalbank.
(2) Vgl. Beitrag zum «Fallbeispiel Holcim»