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Magdalena Abakanowicz
Flock I (1990)
Erste Anerkennung als Künstlerin erlangte Magdalena Abakanowicz mit ihren Textilarbeiten, die die Grenzen des Genres überschritten und als eigenständiges Medium neu definierten. In den 1960er Jahren wandelte sich die Wahrnehmung von Textilarbeiten in Europa, die nicht mehr nur als dekorativ wahrgenommen oder der angewandten Kunst zugeordnet wurden. Abakanowicz war an vorderster Front dieser Entwicklungen, indem sie Rohfasern und neue Materialien einführte und zu dreidimensionalen Formen gestaltete. Da es für diese Objekte keine Vorläufer im Genre gab und damit keine Begrifflichkeit, benannte sie die Objekte nach sich selbst, Abakan.
In den frühen 1970er Jahren wurden Abakanowicz’ Körper und deren Fragmente immer realistischer: ovale Formen, aufrecht stehend oder verteilt in den Ausstellungsräumen, gebeugte menschliche Torsos oder ganze Figuren (wenn auch immer ohne Köpfe), häufig auch im Freien ausgestellt - die Werke der Künstlerin, die aus immer wiederkehrenden, ähnlichen Elementen zusammengesetzt sind, oszillieren zwischen körperlicher Präsenz und Anonymität. Optisch uneben und spröde, entweder aus Sackleinen und Kunstharz oder im Bronzeguss ausgeführt, dominierten die gesichtslosen menschlichen Figuren Abakanowicz' Praxis seit Mitte der 1980er Jahre.
Flock I in MUZEUM SUSCH präsentiert 12 Figuren, die mit zurückgezogenen Schultern und den Händen locker nach unten hängend wie zum Appell angetreten scheinen. Diese Gruppierung verkörpert die entscheidende Spannung zwischen Individualität und Vielfalt, die einen großen Einfluss auf die Praxis der Künstlerin hat – was sowohl als eine Aussage über die trostlose Existenz unter einem despotischen Regime oder als universelle Reflexion zur menschlichen Situation gelesen werden kann. Die Künstlerin kommentierte dies selbst: „Ich fühle mich überwältigt von einer Menge, bei der das Zählen nicht mehr Sinn macht. Und durch die Einzigartigkeit innerhalb dieser Menge. Eine Menschenmenge oder ein Vogelschwarm, Insektenschwärme oder das Blattwerk eines Baumes, sie sind eine mysteriöse Zusammenstellung von Varianten eines bestimmten Prototyps. Ein Mysterium der Naturgewalten, das entweder die genaue Wiederholung verweigert oder diese nicht erreichen kann. So wie die menschliche Hand ihre Geste nicht zweimal wiederholen kann.“