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betragen werde. Die Grenze zwischen Italien und Frankreich (früher zwischen Italien und Savoyen) geht durch die Spitze des Mont-Fréjus, und diese Spitze, wie früher gesagt, liegt ungefähr über der Mitte der Tunnellänge. Der Tunnel liegt also zur Hälfte in Frankreich, zur Hälfte in Italien. Nachdem Italien die Provinz Savoyen im Jahre 1860 an Frankreich abgetreten hatte, wurde stipulirt, daß der damals schon begonnene Tunnel auf gemeinschaftliche Kosten weiter gebaut werden solle; doch wollten die Italiener die Arbeit auch auf der französischen Seite nicht aus der Hand geben, und so kam man denn im Jahre 1862 dahin überein, die Leitung der Arbeit den bisherigen Ingenieuren zu überlassen und sie auf Kosten der italienischen Regierung auszuführen; dagegen übernahm Frankreich für seine Hälfte eine Entschädigung von 3000 Fres. pro Meter, je beim Voranrücken der Arbeit zu entrichten und nach Vollendung des Tunnels, für jedes Jahr, welches man weniger, als 25 Jahre vom Jahre 1862 ab, dazu verwendet haben werde, eine Prämie von 500,000 Fres. nachzuzahlen. Angenommen, man werde in 6 Jahren fertig, also im Jahre 1872, so hätte Frankreich 7 Mill. Fres. als Prämie
zu bezahlen; rechnet man die 3000 Frcs. pro Meter, also die Summe von 18 Mill. hinzu, so würde also Frankreich zu bezahlen haben . . . . . . . . 25 Millionen; die muthmaßlichen Kosten sind für die 6000“ à 6000 Frcs. pro Meter . . . 36 2
es entspringt also hieraus für die italienische Regierung, wenn Alles gut geht, ein Verlust von 11 bis 12 Mill. Fres. und außerdem ein großer Zinsenverlust.
Es wäre freilich besser für Italien gewesen, es hätte mit Frankreich bessere Bedingungen stipuliren können. Da es nun aber einmal nicht ging, sollte es sich die Arbeit entreißen lassen? Sollten die, welche den großen Gedanken ausführbar gemacht hatten, die Ausführung Anderen anvertrauen?
Es war der italienischen Regierung würdig, daß dies nicht geschehen ist. Der Alpentunnel ist eines jener Werke, durch welche Piemont sich in Italien eingekauft hat. Neben die Kunstwerke der anderen Provinzen Italiens stellt Piemont seinen Tunnel, und wenn die anderen sich ihrer Maler, Bildhauer, Baumeister und Dichter rühmen, so weist Piemont mit Stolz hin auf die Erfindungsgabe, die Kenntnisse und die Ausdauer seiner Ingenieure,
U eb er Gas feuerungen.
( Vorgetragen in der Versammlung des Aachener Bezirksvereines vom 12. Juni 1865 in Eschweiler.)
In Folgendem will ich die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Gasfeuerungen leiten, welche in letzter Zeit so sehr an Wichtigkeit zugenommen haben. Ich werde zunächst zeigen, daß die Gasfeuerung allen anderen Feuerungen gegenüber den einen großen Vortheil gewährt, daß sie die Anwendung der stöchiometrisch richtigen Menge von Luft und brennbaren Gasen erlaubt, so daß bei richtiger Anwendung derselben der bei gewöhnlicher Feuerung eintretende Verlust nicht stattfindet. *) Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Luftquantitäten, welche theoretisch zur Verbrennung einer bestimmten Menge Brennmaterial erforderlich sind, in der Praxis keinesweges ausreichen, eine vollkommene Verbrennung zu erwirken, indem wahrscheinlich die Berührung der Luft mit dem glühenden Brennmateriale von zu kurzer Dauer ist, um eine vollständige Ausnutzung des Sauerstoffgehaltes herbeizuführen. Erfahrungsmäßig hat sich ergeben, daß man im Allgemeinen annehmen kann, daß die Quantität atmosphärischer Luft, welche zu einer guten Verbrennung erforderlich ist, das Doppelte von dem ausmacht, was nach der Theorie erforderlich ist. Zur Verbrennung von z. B. 100 Pfd. Coks sind der Theorie nach 976 Pfd. Luft erforderlich, während effectiv das Doppelte verbraucht wird; so gebrauchen wir in runden Zahlen 1000 Pfd. Luft mehr, als wir eigentlich nöthig haben. Diese 1000 Pfd. Luft müssen natürlich, indem sie das Feuer mit der wirklich nöthigen Luft durchstreichen, auch auf die Temperatur des Ofens gebracht werden, welche wir bei
nöthig, um den Ueberschuß der Luft auf die Temperatur des Ofens zu bringen; es findet mithin ein Verlust von 47 pCt. an Heizeffect statt. Aus dieser einfachen Rechnung sieht man nun leicht, daß der Verlust an Brennmaterial um so größer wird, je höher die Temperatur des Ofens steigt, und umgekehrt ergiebt sich, daß wenn es bei gewöhnlichen Feuerungen möglich wäre, mit der theoretischen Luftmenge eine vollkommene Verbrennung zu erzielen, man auch mit demselben Quantum Brennmaterial eine doppelt so hohe Temperatur im Ofen erreichen könnte, als man jetzt bei gewöhnlichem Feuer zu erzielen im Stande ist. Um nun eine vergleichende Berechnung der bei gewöhnlicher und bei Gasfeuerung hervorgebrachten Temperatur aufzustellen, wollen wir wieder die Verbrennung von 1 Pfd. Coks betrachten. 1 Pfd. Coks mit ungefähr 15 pCt. Aschengehalt entwickelt bei vollkommener Verbrennung wie bekannt 6800 W.-E., den Kohlenstoff zu 8000 W.-E. angenommen. Dazu sind erfahrungsmäßig 19 Pfd. Luft erforderlich, so daß aus der Verbrennung ungefähr 20,35 Pfd. Verbrennungsgase resultiren; diese haben, wenn man die specifische Wärme der einzelnen Gase, als Kohlensäure, Stickstoff und Luftüberschuß berechnet, summarisch eine specifische Wärme von 5,3*), und die Temperatur, welche die Verbrennung dieser Gase im Ofen entwickeln kann, ergiebt sich, indem die erwähnten 6800 W.-E. durch die specifische Wärme 5,3 dividirt werden. Dies ist also die höchste Temperatur, welche man mit directer Verbrennung von Coks auf gewöhnlichem Roste erzielen kann. Betrachten wir nun den Hergang der Verbrennung von Coks, wenn derselbe zuvor in Kohlenoxyd durch unvollständige Verbrennung bei dicker Schicht auf dem Roste verwandelt worden ist. 1 Pfd. Coks mit 15 pCt. Aschengehalt enthält 0,85 Pfd. reinen Kohlenstoffes, und dieser entwickelt 1,98 Pfd. Kohlenoxydgas. Hierzu sind aber 4,86 Pfd. Luft erforderlich, so daß die gebildeten Gase 5,71 Pfd. wiegen werden. Nachdem nun weiter dem Kohlenoxyd die zur Verbrennung desselben nöthigen 4,86 Pfd. Luft hinzugerechnet werden, erhalten wir für das Gewicht der Verbrennungsgase von 1 Pfd. Coks = 10 Pfd. Dies ist ungefähr die Hälfte von dem Gewichte der Verbrennungsgase von 1 Pfd. Coks bei directer Verbrennung. Bei der Gasfeuerung werden nun zuerst bei der Umwandlung von 0,85 Pfd. Kohlenstoff aus 1 Pfd. Coks in Kohlenstoffoxyd = 2040 W.-E. frei (da 1 Pfd. Kohlenstoff in Kohlenoxyd verwandelt 2400 W.-E. entwickelt). Bei der darauf folgenden Verbrennung von 1,98 Pfd. Kohlenoxyd in Kohlensäure werden fernere 4760 W.-E. entwickelt, da 1 Pfd. Kohlenoxyd zu Kohlensäure verbrannt 2400 W.-E. frei werden läßt. Es werden also in Summa 6800 W.-E. entwickelt. Da nun die Verbrennungsgase in diesem Falle keine überschüssige Luft enthalten, so ist auch die specifische Wärme derselben geringer, nämlich = 2,75. Dividirt man hierdurch die entwickelten 6800 W.-E., so erhält man = 2480" als Temperatur der Flamme, welche sich also als noch einmal so hoch ergiebt, wie die directe Verbrennung des Coks erzielen konnte. Hieraus ergiebt sich nun, daß es gerade das richtige Verhältniß von brennbaren Gasen mit der Luft ist, welches der Gasheizung einen so großen Vortheil der gewöhnlichen Feuerung gegenüber darbietet. Indessen sind dabei Bedin
gungen zu erfüllen, ohne welche auch bei diesem richtigen Ver
hältnisse kein günstiges Resultat erzielt werden würde. Es ist durchaus nicht gleichgültig, auf welche Art die Mischung von Gas und Luft vorgenommen wird. Die Flamme muß dabei innig vermengt und darf nicht eher im Ofenraume ausgedehnt werden, bis diese Vermengung stattgefunden hat. Gerade diese Bedingung einer guten Mischung ist oft von Praktikern übersehen worden, wodurch theils zu niedrige Hitzegrade entstanden, theils aber die richtige Wirkung der Flamme im Ofen zu spät entstand. Wenn nämlich Gas und Luft bis zum Eintritte in den Ofen getrennt bleiben, so werden beide eine gewisse Strecke parallel mit einander fortgerissen, ehe sie sich vollständig mischen, und die Folge wird sein, daß die Hitze im Ofen am Schornsteinende größer wird, als am eintretenden Ende der Flamme. Die abgehende Wärme der Oefen benutzt man bei der Gasheizung mit Vortheil als Hülfsmittel zur Ersparung an
*) Der Verf. versteht hier unter specifischer Wärme die Anzahl Wärmeeinheiten, welche von den vorhandenen Gewichtsmengen der einzelnen Gase erfordert wird, um 1° C. höher erwärmt zu werden.
D. Red. (Ls.)
Brennmaterial, indem man nämlich die zum Verbrennen des Gases nöthige Luft damit vorwärmt. Erwärmt man z. B. die Speiseluft auf nur 300°, so ergiebt dies für je 5 Pfd. Luft, welche zur Verbrennung von 1 Pfd. Coks als Gas nöthig sind, 420 W.-E. oder ungefähr 6 pCt. von dem Wärmevermögen des Coks selbst. Bei 500"
schon 10 pCt. und bei 1000" sogar 20 pCt.
Ferner ist es für die Praxis unbedingt nöthig, daß die erforderlichen Apparate in solcher Weise construirt werden, daß dieselben allen zu stellenden Bedingungen entsprechen, den Arbeitern leicht zugänglich sind und sich bequem handhaben lassen, um in dieser Hinsicht den gewöhnlichen Feuern nicht nachzustehen; dann wird man auch die Resultate durch den besten Erfolg gekrönt sehen. – Ich will nun einige Bemerkungen folgen lassen über die Art, wie im Allgemeinen bei den Gasfeuerungen verfahren wird. Die Umwandlung des soliden Brennstoffes in brennbares Gas geschieht wie bei den gewöhnlichen Feuern durch den Eintritt der Luft durch die Roste; ob dieselbe nun frei einströmt oder durch mechanische Kraft eingepreßt wird, ändert an der Bildung des Gases wenig. Indem nämlich die Luft dem glühenden Brennstoffe auf dem Roste begegnet, wird Letzterer unter Bildung von Kohlensäure verbrannt; dies geschieht meistens in einer Schicht von 9 bis 12 Zoll (235 bis 314“) Höhe über dem Roste; da aber auf Letzterem eine Schicht Kohle von 2 bis 3 Fuß (628 bis 968") Dicke aufgeschichtet ist, so durchstreichen die Kohlensäure und der Stickstoff die darüber befindliche Schicht, welche noch 1 bis 2 Fuß (314 bis 628“) beträgt. Bei dieser Passage wird die Kohlensäure in Kohlenoxyd verwandelt, indem sie noch 1 Atom Kohlenstoff aufnimmt. Dieses Kohlenoxyd, welches noch eine Temperatur von 800 bis 1000° besitzt, nimmt noch die an der Oberfläche der Schicht befindlichen Kohlenwasserstoffgase mit fort, wenn überhaupt der Brennstoff solche enthält. so Hierbei ist ein Haupterforderniß, daß die Kohlenschicht eine gleichmäßige und dem Brennstoff angemessene Dicke behält.*) Wie wichtig dies ist, will ich durch Anführung von Analysen darthun, welche ich im Laufe der Zeit, von Gasgeneratoren entnommen, zu sammeln Gelegenheit hatte. Dieselben variirten in der Zusammensetzung: in Kohlensäure um 3 bis 10 pCt.,
an der Oberfläche der Schicht eine dichte Kruste, welche nur durch einzelne Risse und Spalten dem aufströmenden Gase enge Passagen von geringem Querschnitte frei läßt. Dadurch erlangen diese Gase in der Schicht eine hohe Geschwindigkeit, welche der Umwandlung der Kohlensäure in Kohlenoxyd hinderlich ist. Unter solchen Umständen wird ein Gemenge von mageren und Fettkohlen von Vortheil sein, um das starke Zusammenbacken der Kohlen zu vermeiden, oder es würde die Kohlenschicht auf ein Minimum ihrer Dicke einzurichten sein, um der Kohle keine Zeit zum Zusammenbacken zu gönnen. Sehr vortheilhaft ist bei Anwendung von Fettkohlen die Verwendung der den Rosten entfallenden Kräen, welche in Gas verwandelt denselben Heizeffect liefern, wie andere Brennmaterialien. Der verhältnißmäßig große Procentsatz von Wasserstoff in der Analyse rührt von der Zersetzung des Wassers her, welches dem Feuer unter dem Roste zugeführt wurde. Der daraus entstehende Dampf liefert in Berührung mit glühenden Kohlen Kohlenoxyd und Wasserstoff, welche beide beim Verbrennen Wärme entwickeln. Man hat diese Methode der Entwickelung von Wärme durch die Zersetzung des Wassers durch glühenden Kohlenstoff auf mannigfaltige Weise auszubeuten gesucht, ist aber immer in den gehegten Hoffnungen getäuscht worden, da man gefunden hat, daß der Wasserstoff beim Verbrennen nicht mehr Wärme entwickelt, als er bei der Zersetzung des Wassers dem Feuer entnommen hatte. Der eigentliche Vortheil, welchen die Anwendung des Wassers unter den Rosten darbietet, ist die Conservirung der Rostbalken durch Abkühlung. Die Transformation des Brennmateriales in Gas geschieht in sogenannten Generatoren, welche von den eigentlichen Oefen getrennte Räume bilden. Diese Apparate können von verschiedener Form sein; früher bediente man sich niedriger Hohöfen, welche aber durch mancherlei Schwierigkeiten im Betriebe in neuerer Zeit in einfache viereckige überwölbte Räume umgeändert worden sind, welche an einer oder zwei Seiten von den Rosten begränzt sind. Oben sind dann verschließbare Oeffnungen angebracht, durch welche das Brennmaterial eingefüllt wird, sowie auch die Austrittsöffnungen und Passagen für das gebildete Gas. Uebrigens kann man nicht dieselbe Form von Generatoren für alle Brennmaterialien anwenden. Jede besondere Art von Brennmaterial bedingt auch eine besondere Einrichtung von Generatoren, da, wie schon früher angedeutet, jedes Brennmaterial eine bestimmte Dicke der Schicht verlangt, und die gebildeten Gase in ihrer Beschaffenheit selbst variiren, so daß oft noch Störungen durch Absetzung von Ruß und Theer vermieden werden müssen. Ein richtiges Urtheil über die beste Form kann nur durch eine ausgedehnte Erfahrung gefällt werden, welcher Beobachtungen, Vergleichungen, Resultate und richtige Anwendung zur Stütze dienen müssen. Von den Generatoren wird das entwickelte Gas in einen Mischungsraum geleitet, welcher als Mundstück zum Ofen angesehen werden kann; hier wird nun dem Gase ein Strom atmosphärischer Luft zum Verbrennen zugeführt, damit gemischt und dann in den Ofen geleitet, wo die gebildete Flamme bei
Um ein richtiges Mischungsverhältniß zwischen der Luft und dem brennbaren Gase einzuhalten, muß man deren Passagen oder Canäle mit Klappen, Schiebern oder dergleichen reguliren können, und, um einen richtigen, den Erfordernissen entsprechenden Effect der erzeugten Flamme hervorzubringen, muß man die Verschiedenheit der specifischen Gewichte von Gas und Luft berücksichtigen. Will man nämlich eine sehr intensive Hitze erzeugen, so muß unbedingt die Luft beim Eintritte in den Ofen auf dem Gase schwimmen, weil das Gas leichter, als die Luft, ist und dadurch stetig die Letztere zu durchdringen sucht, also jedes Atom von Gas mit der Luft leicht in Berührung kommt und somit schnell verbrannt wird. Will man umgekehrt lange eine wenig intensive Hitze erzeugen, so muß das Gas sich über der Luft befinden, so daß beide Ströme in parallelen Schichten durch den Ofen gehen und nur an den Berührungspunkten brennen. Diese bei der Gasfeuerung leichte Herstellung der verschiedenartigen Flammen wird bei metallurgischen Operationen von der größten Wichtigkeit sein. Will man z. B. Eisen mit einer Gasflamme puddeln, so braucht man nur beim Anfange, während "das Gußeisen schmilzt und kocht, eine oxydirende scharf intensive Flamme zu geben, d. h. eine Flamme, in welcher die Luft im Ueberschuß vorhanden ist, um den Kohlenstoff des Eisens zu verbrennen; ist dies geschehen, so erzeugt man eine reducirende Flamme, indem man das Gas in kleinem Uebermaße vorhanden sein läßt, wodurch das gebildete Schmiedeeisen vor der Oxydation mit dem Sauerstoffe der Luft geschützt wird. Dieser letztere Punkt wird unbedingt eine Verminderung des Abbrandes zur Folge haben und kann oft von größerem pecuniären Nutzen sein, als die Ersparung an Brennmaterial. Das Schweißen von Packeten wird in Folge höherer Temperatur der Gasfeuerung ungleich besser und schneller von Statten gehen, als bei gewöhnlichem Feuer. Die höhere Hitze wird besser in das Innere der Packete dringen und eine innigere Schweißung zur Folge haben. Die Anwendung der Gasfeuerung hat in den letzten Jahren, zumal in England und Frankreich bedeutende Fortschritte gemacht. Z. B. haben alle besseren Glasfabriken dieser Länder die Schmelzöfen mit Gasfeuerung eingerichtet; auch Eisen-, Stahl-, Zink- und andere Oefen sind mit gutem Erfolge für diese Art Feuerung umgeändert worden. Zumal ist es die Methode von Siemens, welche die weiteste Anwendung gefunden hat.*)
*) Vergl. hierüber Bd. VIII, S. 657 und Bd. X, S. 108 d. Z. D. Red. (L.)
Als eines der glänzendsten Resultate dieser Gasfeuerung erwähne ich dasjenige, welches man in der Krystallglashütte von St. Louis im Elsaß erzielt hat. Man konnte dort wie in allen anderen Hütten das Bleikrystallglas nur mit Holz in offenen Häfen schmelzen, da Kohlenfeuerung theils eine Reduction des Bleioxydes der Masse zur Folge hatte, theils auch bei der Entfärbung sehr nachtheilig wirkte. Durch die Einführung der Regenerativgasöfen, welche ich Gelegenheit hatte in diesem Etablissement einzurichten, wurde die gewöhnliche Holzheizung abgeschafft und dafür die Siemens'sche Methode mit Steinkohlengeneratoren eingeführt. o Das damit fabricirte Krystallglas wurde ebenso rein und schön, als es mit der Holzfeuerung nur herzustellen war; dabei gingen die Schmelzen schneller und besser von Statten, als früher. Eine andere Gasheizung, welche zumal in Süddeutschland seiner Zeit viel Aufsehen machte, ist die Methode des Hrn. Schinz. *) Dieses System beruht auf der Anwendung von gepreßter
Luft zur Bildung von Gas in den Generatoren, sowie auch zur Verbrennung desselben beim Eintritte in den Ofen. Dieses System, wenngleich die Theorie Nichts dagegen einzuwenden haben mag, ist in der Praxis auf mancherlei Schwierigkeiten gestoßen, welche theils in der Construction selbst gelegen haben mögen; außerdem wird aber die Einführung von Gebläsemaschinen zum Betriebe von Schmelz- und anderen Oefen immer mit Schwierigkeiten verbunden sein, welche dieser Methode wohl nur in einzelnen Fällen Vorzug gewähren mögen.
Die Gasfeuerungen älterer Zeit, als die von Bischof, Thomas & Laurent, Beaufumée und anderen sind oft in technischen Werken angeführt und besprochen worden, so daß ich hier nur schon oft Gesagtes wiederholen müßte.
Alle Systeme von Gasfeuerungen, wie sie auch ausgeführt sein mögen, beruhen auf ähnlichen Principien, wie ich dieselben eben zu erklären gesucht habe, und wenn in vielen Fällen die Resultate den Erwartungen nicht entsprochen haben, so hat dies viel an der mangelhaften Auffassung und Erfüllung aller Bedingungen gelegen, welche bei einer Gasfeuerung unbedingt erfüllt werden müssen.
Ich hoffe, daß das wenige hier Gesagte dazu beitragen möge, einige Aufklärungen über diese so wichtige Sache zu geben.
So Einige Worte über den „Constructeur“ des Professor Reuleaux.*) Von J. Lüders.
Seit reichlich einem Jahre liegt die zweite Auflage*) des „Constructeur“ dem technischen Publicum vor; sie ist mit Recht auf dem Titelblatte als eine erweiterte und sorgsam durchgesehene bezeichnet und wird sich in ihrer neuen Gestalt ohne Zweifel noch manche neue Freunde erworben haben. So wenig wir das viele Gute, was sich im „Constructeur“ findet, verkennen, so müssen wir doch von vorne herein aussprechen, daß es uns noch nicht möglich war, uns mit demselben zu befreunden, wenigstens nicht in dem Grade, wie manche der bisherigen Recensenten desselben.
Freilich ist so Manches im Maschinenbaue Geschmacksoder Gefühlssache; es giebt so widersprechende Ansichten über das, „was geht“ oder „nicht geht“, so verschiedene Meinungen über das, was in ein Handbuch aufzunehmen ist, daß wir bitten müssen, die nachfolgende Besprechung des „Constructeur“ nicht als eine Recension desselben zu betrachten, son
*) Der Constructeur. Ein Handbuch zum Gebrauche beim
Maschinenentwerfen. Für Maschinen- und Bau-Ingenieure, Fabricanten und technische Lehranstalten. Von F. Reuleaux, Professor am Königl. Gewerbe-Institut in Berlin, Mitglied der Königlich technischen Deputation für Gewerbe, correspondirendem Mitgliede des Vereines deutscher Ingenieure und des schwedischen Gewerbevereines. Zweite, sorgsam durchgearbeitete und erweiterte Auflage. 468 S. gr. 8. Mit 485 in den Text eingedruckten Holzstichen. (Preis 3. Thlr.) Braunschweig, 1865. Druck und Verlag von Friedrich Vieweg & Sohn.
**) Die erste Auflage dieses Werkes wurde besprochen Bd. V, S. 110 und Bd. VII, S. 67 d. Z.
D. Red. (L.)
dern nur etwa als eine Reihe von Randbemerkungen, welche competentere Richter zu einer Discussion der besprochenen Punkte und zu maßgebenden Urtheilen bringen möchten. Wir werden bei unseren Betrachtungen mitunter auch genöthigt sein, auf die „Constructionslehre“ Hrn. Reuleaux's einzugehen, auf welche er ja selbst als weitere Ausführung und Begründung des im „Constructeur“ Gegebenen hinweist. Dieses ist um so nothwendiger, da „Constructeur“ und „Constructionslehre“ an manchen Stellen viel erheblicher von ein- . ander abweichen, als man nach den Andeutungen Hrn. Reuleaux’s über diesen Punkt anzunehmen geneigt sein möchte. Wir wenden uns nun gleich zu dem ersten Abschnitte des „Constructeurs“, der wie üblich von der Festigkeit der Materialien handelt. Der Standpunkt Hrn. Reuleaux’s in der Festigkeitslehre ist bekannt; er sagt darüber in der Vorrede Seite XV: „Im ganzen Abschnitte wurde wieder so weit möglich die durchgängige Beziehung auf die Elasticitätsgrenze, statt auf die Bruchfestigkeit beibehalten. Diese Anschauung, welche ohne Zweifel die richtigere ist und hier durch Vereinfachungen der Nomenclatur noch wesentlich (?) praktischer gemacht ist, hat in Deutschland die erfreulichste Verbreitung gefunden.“ So weit Hr. Reuleaux; ihm gegenüber stehen wir ganz entschieden auf der Seite des verewigten Redtenbacher, welcher in seinem „Maschinenbau“ Bd. 1, S. 28 sagt: „Für die Praxis ist es ganz gleichgültig, ob man die Anstrengung nach der einen oder nach der anderen Weise beurtheilt; denn
Wir sind vielmehr ausschließlich darauf angewiesen, die zulässigen Spannungen erfahrungsmäßig zu wählen, und vergleichen nachher die erhaltenen Werthe mit denjenigen, welche wir als die der Elasticitätsgrenze oder aber der Bruchgrenze entsprechenden zu betrachten überein gekommen sind. So wenig aus dem Wesen der Bruchgrenze die Nothwendigkeit einer bestimmten Sicherheit hervorgeht, so wenig liegt in dem Begriffe der Elasticitätsgrenze irgend eine Vorstellung, wie nahe man derselben gehen dürfe; es sei denn etwa die höchst bedenkliche, daß man derselben sehr nahe gehen Da nun aber stets wenigstens zweifache Sicherheit*) nothwendig ist, so kann wohl kein Zweifel daran sein, daß der Begriff der Elasticitätsgrenze und die Einführung der Tragmodule in die Formeln uns bei Anwendung derselben nicht im geringsten unterstützen werden. Auch der Umstand spricht gegen die gar zu einseitige Hervorhebung der Tragmodule, daß so viele Maschinentheile Formen haben, bei denen wir uns bleibende Formänderungen kaum vorstellen und jedenfalls dieselben nicht experimentell ermitteln können. Dieses gilt vor allen z. B. von den Zäh
nen der Zahnräder, bei denen aber Versuche zur Ermittelung
der Bruchfestigkeit durchaus einfach wären. Dem exclusiv doctrinären Standpunkte der „Constructionslehre“ gegenüber, in welcher nur die Tragmodule, aber nicht die Bruchmodule gegeben werden, und in der die Bruchfestigkeit nur deshalb erwähnt wird, um jede Berücksichtigung derselben als unpraktisch und unwissenschaftlich zu verwerfen, hat Hr. Reuleaux indessen schon in der ersten Auflage des „Constructeur“ die Bruchmodule wieder aufgenommen und *) Unter zweifacher Sicherheit scheint dem Gesagten nach diejenige verstanden zu sein, welche bei der halben Bruchbelastung erreicht wird. D. Red. (R. W.)
der Tabelle der Festigkeitscoefficienten einige allgemeine Bemerkungen über das Verhalten der Materialien beigefügt, welche wir in der zweiten Auflage gern erweitert gesehen hätten. 4 Mit den in der Tabelle gegebenen Werthen der Tragund Bruchmodule können wir uns einverstanden erklären; dieselben sind einerseits experimentell genügend begründet, andererseits liefern die Tragmodule mit der im Allgemeinen für hinreichend erklärten zweifachen Sicherheit passende Werthe der zulässigen Spannungen. Zu § 3 „Zug- und Druckfestigkeit“ haben wir Nichts hinzu zu fügen, wohl aber zum folgenden Paragraphen, indem wir zuerst den Formen gleicher Festigkeit, einem von Hrn. Reuleaux mit großer Vorliebe behandelten Gegenstande, begegnen, dessen praktische Wichtigkeit aber viel geringer ist, als auf den ersten Blick erscheinen möchte. Wir können daher den Zweifel, den der Verfasser selbst über den Werth der Formen gleicher Zug- und Druckfestigkeit zu hegen scheint, nur theilen, und glauben den besten Beweis dafür in den vom „Constructeur“ gegebenen Beispielen „technischer Nützlichkeit“ zu finden: „Holzschrauben, eingegossene Schraubstifte und die erst neuerdings so gebauten Schornsteine mit leiser Einziehung des Schaftes.“ Zu den beiden ersten Beispielen sagen wir gar Nichts, sie richten sich selbst; auf die Kamine aber müssen wir näher eingehen. Wer sich einen solchen bauen will, mag es immerhin thun; theurer als ein gewöhnlicher wird er, wenigstens der in der That nicht vorhandenen Schwierigkeit der Ausführung halber, nicht; aber das, was durch die Form gleicher Festigkeit erreicht werden müßte, nämlich Materialersparniß, davon wird nicht die Rede sein! " so Wenn wir einen Baustein mit n Pfd. pro Quadratzoll (0,07. n Kilgr. pro Quadratcentimeter) belasten dürfen und der Cubikfuß dieses Materiales m Pfd. (der Cbkmtr. 16,15 m Kilgr.) wiegt, so könnten wir einen Kamin, dessen Weite von unten
wählten geringsten Wandstärke, unten des Flächendruckes halber, nothwendig werden würde. Für m = 100 Pfd. (1615 Kilgr.) und. n = 70 Pfd. (4,9 Kilgr.) würde der Schornstein 100 Fuß (31“,4) hoch werden können, ohne einer Verstärkung zu bedürfen, eine Höhe, welche für die meisten Schornsteine ausreicht. In Wirklichkeit aber muß die Wandstärke aus Stabilitätsrücksichten von oben nach unten hin erheblich zunehmen, so daß 100 Fuß (31“,4) unter der Spitze eine weit größere Fläche als die ursprüngliche vorhanden sein würde, und der Flächendruck sein Maximum noch nicht erreicht haben würde, wodurch der Anfang der Form gleicher Festigkeit natürlich weiter nach unten hin verlegt wird.
In allen gewöhnlichen Fällen wird daher die Anwendung geschweifter Formen ganz zwecklos sein und eher einen Mehraufwand von Material bedingen; nur bei den allerhöchsten Schornsteinen wird vielleicht auf die Form gleicher Festigkeit zurückzukommen sein, deren Ermittelung aber in jedem Falle besonders geschehen müßte, der inneren Form des Kamines entsprechend.