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Obertor 17, Haus zum Adler
Das wohl um 1763/64 erstellte Haus „Zum Adler" mit Mansarddach weist eine regelmässig gestaltete Gassenfront auf, die sich in drei Geschossen und sieben Fensterachsen nach der Obertorgasse hin entfaltet und durch toskanische Eckpilaster eingefasst wird, Die Mittelachse wird durch ein Portal und einen darüber liegenden Balkon mit schmiedeeisernem Gitter betont. Ihren Abschluss findet die Fassade durch ein aufwendiges Konsolengebälk. (DMP)
Das Haus am Obertor wurde als Rokokovilla an Stelle von spätmittelalterlichen Häusern 1764 erstellt. Von 1798 bis 1833 befand sich in diesem Haus der Geschäftssitz der Indiennerie (bedruckte Stoffe nach indischem Vorbild) von Jakob Sulzer zum Adler. Der letzte Fabrikbau der grossen Indiennerie aus dem Jahre 1774, später Seifenfabrik Sträuli, wurde nach 201 Jahren für den Bau des Stadttheaters abgebrochen. Im 19. Jhdt. bewohnte Baron Heinrich von Wart (1805-1887) mit seiner Familie im Winter und Frühjahr das Haus. Als Sommerresidenz diente das Schloss Wart in Neftenbach.
Ab 1917 wurde das denkmalgeschütze Haus zum Sitz der Stadtpolizei. Zuvor hatte die 1867 gegründete Polizei an der heutigen oberen Kirchgasse 1, im Bezirksgefängnis zum Rindermarkt (Neumarkt), im alten Schulhaus an der Hintergasse (heute Steinberggasse 53) und im alten Stadthaus an der Marktgasse 53 residiert.
1947 wurde das Haus renoviert und endlich als Polizeiamtsgebäude eingerichtet. Im Jahre 1960 hat die Stadt die Liegenschaften Obertor 11, 11a und 13 erworben, dies im Hinblick auf die räumliche Ausdehnung der Stadtpolizei. Laufend expandierte die Polizei in diese umliegenden Gebäude.
1971 schliesslich wurden die Liegenschaften erneut für die Bedürfnisse der Polizei umgebaut. Die qualitätsvollen klassizistischen Fassaden gegen das Obertor hin, wurden dabei erhalten. In der damaligen Weisung des Stadtrates an den Grossen Gemeinderat ist zu lesen: "Der Stadtrat beauftrage daher die damals neu geschaffene Büroplanungs-Kommission mit der Ausarbeitung eines Gesamtraumprogramms für das Polizeiamt. Dieses Programm kann in idealer Weise nur in einem Gesamtneubau verwirklicht werden. Dieser Neubau steht jedoch im Gesamtprogramm nicht an erster Stelle, sodass bis zu seinem Bezug noch viele Jahre vergehen dürften." Bis zum heutigen Zeitpunkt ist die Stapo noch immer in dieselben Gebäuden, die zwar kosmetisch angepasst worden sind, untergebracht.
2016 wurde in einer Volksabstimmung der nötige Kredit bewilligt um auf dem Teuchelweiherplatz ein neues zeitgemässes Polizeigebäude zu erstellen. Bereits sind Studien vorhanden, was ab 2022 mit den Liegenschaften um den zentralen Hofplatz hinter dem Haus zum Adler geschehen soll. Die Polizei wird sie dannzumal nach mehr als 100 Jahren verlassenen haben.
Die Indiennerie in Winterthur
Am Anfang der Industrialisierung in Winterthur steht die um 1785 von Johannes de Melchior Steiner erbaute Indienneriedruckerei auf dem Areal (Ecke Theater- und St. Georgenstrasse) des heutigen Stadttheaters, wo Tücher mit farbigen indischen Mustern gedruckt wurden.
Steiner hatte sich 1775 selbstständig gemacht, um Baumwollstoffe zu exportieren, die er bis 1785 im Greuterhof Islikon bedrucken liess. 1798 verkaufte er seine Indienneriedruckerei an drei Teilhaber, von denen später Jakob Sulzer zum Adler (dem heutigen Polizeiposten am Obertor) Haupteigentümer dieser ersten Winterthurer Fabrik wurde. 1828 erwarb Sulzer zusätzlich das Schleife-Areal, um dort eine Rotfärberei zu betreiben. Doch 1833 führte ein Liquiditätsengpass zum Konkurs des gesamten Unternehmens.
Der letzte Fabrikbau der grossen Indiennerie aus dem Jahre 1774, später Seifenfabrik Sträuli, wurde nach 201 Jahren für den Bau des Stadttheaters abgebrochen.
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