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Sean Simpson (54) und sein Assistent Colin Muller (50) sind heute aus Russland zurückgekehrt. Der WM-Silberschmied sagt, warum er in Jaroslawl bereits nach 9 Runden gescheitert ist.
Sie sind zum ersten Mal gefeuert worden, jetzt
sind Sie ein richtiger Coach ...
Sean Simpson: Ja, das sagt man so in unserer Branche.
Und Sie sind nun mit neun Spielen Millionär
geworden?
Nein, so ist es nicht. In der KHL werden zwar gute Saläre bezahlt und die Vertragsauflösung ist professionell geregelt worden. Aber glauben Sie mir, ich hätte viel lieber zwei Jahre in Jaroslawl gearbeitet, ich würde jetzt lieber an der Bande stehen als zu Hause zu sitzen.
Woran sind Sie gescheitert?
Wir haben die gewünschten Resultate nicht erreicht. Die Erwartungen waren hoch.
Dave King hatte das Team im letzten Frühjahr
gerade noch in die Playoffs gebracht und war
dann bis ins Halbfinale gekommen. Nun ist er am Tag, an dem Sie gefeuert worden sind,
in Jaroslawl eingetroffen und hat Ihre Nachfolge
angetreten. Der Entscheid muss
schon vor dem 9. Spiel gefallen sein.
Sie können sich selber einen Reim darauf machen. Ich akzeptiere die Spielregeln in diesem Geschäft, die KHL ist eine sehr gut gemanagte und sportlich hochstehende Liga und ich kann mich über nichts beklagen. Wir haben die erwarteten Resultate nicht geliefert und in Russland wird halt ein bisschen schneller entschieden. Aber ich bin trotzdem enttäuscht. Weil man uns so wenig Zeit gegeben hat. Wir haben einen Zweijahresvertrag unterzeichnet, nachdem wir spürten, dass sie uns unbedingt verpflichten wollten – und dann ist es schon nach neun Spielen vorbei. Ich hatte das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg waren. Ein Coach braucht für ein neues Team ein wenig Zeit.
Gab es ein Kommunikationsproblem?
Ja, und es war nicht anders zu erwarten. Alles, was ich zu den Spielern sagte, ist in den ersten vier Wochen von einem Spieler übersetzt worden, was die Situation erheblich erschwerte. Erst dann bekamen wir einen Übersetzer als Assistenten. Weil ich der russischen Sprache nicht mächtig bin, war es auch nicht möglich, die im Hockey übliche tägliche Konversation zu machen. Ich konnte die meisten Spieler nicht einmal fragen, wie es denn so geht. Trotz allem war ich zuversichtlich, dass wir dies mit den Spielern in den Griff bekommen.
Haben Sie von den politischen Problemen etwas mitbekommen?
Nein, überhaupt nicht. In Jaroslawl geht das Leben seinen gewohnten Gang und die Ukraine-Krise spielt keine Rolle. Aber Colin Muller und ich flogen an dem Tag, an dem die Malaysia-Maschine abgeschossen wurde, nach Moskau. Wir waren, als dieses Unglück passierte, in der Luft. Als wir in Moskau ankamen, war dieser Abschuss auf allen TV-Kanälen zu sehen. Das war ein verstörender Moment.
Wie geht es nun weiter?
Das weiss ich noch nicht. Wir sind um 2 Uhr nachts in Jaroslawl losgefahren, um rechtzeitig auf dem Flughafen in Moskau zu sein, und heute gegen 11 Uhr in Zürich angekommen. Ich muss mich jetzt erst einmal finden und die Dinge ordnen. Es ist das erste Mal seit 23 Jahren, dass ich im Oktober keine Arbeit im Eishockey habe.
Aber Sie bleiben in der Schweiz?
Ja, vorerst auf jeden Fall.