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Vorwort: Wer mich kennt, der weiss das mein absoluter Lieblingsautor H.P. Lovecraft ist. Ich hatte daher mal Lust eine Geschichte im Stil von Lovecraft zu schreiben. Mitschuld daran ist auch ein guter Freund von mir der mich dabei angespornt hat, weil er ebenfalls ein Fan von den Werken ist.
Noch kurz erwähnt soll sein, dass der Name Nomerius nur sehr wenig mit der Geschichte zu tun hat. Ich gebe immer sehr zufällig irgendwelche Namen als Arbeitstitel und diesen ändere ich jetzt Ausnahmsweise Mal nicht.
Jetzt aber viel Spass beim lesen!
Ich war sehr erschüttert, als ich das Telegramm erhielt, welches mir die unheilvolle Nachricht überbrachte, dass mein früherer Studienfreund Richeard Millard auf so seltsame Weise verstorben war. Wir beide hatten an der selben Universität studiert, ehe wir getrennte Wege gegangen waren und nun an zwei unterschiedlichen Schulen unterrichteten. Ich, Edward Aldon, blieb in der Stadt, während Richeard sich auf das Land hinausgezogen fühlte.
Über die Jahre hinweg pflegten wir regelmässigen Briefkontakt, aber in den letzten Wochen waren seine Briefe immer seltener geworden und sprachen oft von grotesken Phantasien. Ich nahm ihm das nicht übel. Schon als junger Mann war Richeard ein mittelmässiger Hobbyautor, der gerne die eine oder andere kuriose Geschichte auf Papier niederschrieb.
Was mich sehr verwunderte, war die Tatsache, dass ich als einzige Kontaktperson von Richeard ausgemacht werden konnte und sogar in seinem Testament erwähnt wurde. Er vermachte mir seine Bibliothek, die, so hiess es im Telegramm, über ausserordentliche Exemplare verfügen sollte.
Ich nahm mir in der Folge ein paar Tage frei und bereitete mich vor auf die Reise in das Tal, wo mein verstorbener Freund gelehrt hatte. Als es soweit war, fuhr ich früh am Morgen mit meinen Wagen los, zuerst aus der Stadt heraus und dann Richtung Westen auf das ländliche Gebiet. Die Landschaft war sehr malerisch und hätte so einige Dichter angeregt, sich hier niederzulassen. Vor einem Gasthof parkte ich mein Automobil und schritt hinein. Die Leute hier waren etwas verschlossener gegenüber den Leuten aus der Stadt, aber dennoch erhielt ich eine angemessene, nette Bedienung. Ich war der einzige Gast, der dort sein Mittagsmahl einnahm und so kam ich, ob ich wollte oder nicht, ins Gespräch mit der ansässigen Kellnerin. Als ich ihr von meinem Reiseziel erzählte, machte sie eine abwehrende Bewegung und riet mir, sich von diesem düsteren Ort fernzuhalten. Die Leute dort würden keine Städter mögen, schon gar nicht, wenn diese so „besserwisserisch gelehrt" waren, wie sie es ausdrückte. Nach dem Mittag begab ich mich wieder hinters Steuer und setzte die Reise fort. Was die Kellnerin mir erzählt hatte, tat ich als abergläubisches Bauerngeschwätz ab.
Gegen Nachmittag und nach mehrmaligem Nachtanken kam ich in das weitläufige Tal, welches zwischen zwei weiten Hügelketten klaffte, als wäre es eine äonenalte Narbe eines nie dagewesenen Riesen.
Kurz vor dem Abend erreichte ich dann auch das Dorf, wo mein werter Freund unterrichtet hatte. Sein Haus befand sich gegenüber dem Schulhaus. Nachdem ich auf dem Vorplatz geparkt hatte, stieg ich aus und betrachtete das Haus. Es war eines dieser Häuser, wie es die Bauern auf dem Land hatten, mit dem Unterschied, dass an der Längsseite kein Stall angebaut war. Trotz der gepflegten Aussenwände, welche das Fachwerk präsentierten, sah man dem Haus sein Alter an und es liess vermuten, dass man es bald hätte renovieren müssen. Die olivgrüne Farbe der Fensterläden blätterte an mehreren Stellen bereits ab und gab das von Borkenkäfern verwurmte Holz preis.
Unter der Türmatte fand ich, wie abgemacht mit dem örtlichen Büttel, den Schlüssel vor. Ich öffnete die Türe und trat in das düstere Haus ein. Ich hatte keine schlechten Gefühle, das Haus eines Toten zu betreten, zumal man seinen Leichnam nicht im Haus, sondern auf einer Lichtung im Tannenwald gefunden hatte. Die Umstände seines Todes waren noch nicht ganz geklärt, aber seine Verletzungen wiesen eindeutig auf ein wildes Tier hin, welches ihn wohl überrascht haben mochte.
Ich liess meiner Neugierde freien Lauf und erkundete das Haus. Ich stellte schnell fest, dass alles von einer ekligen Staubschicht überzogen war; hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich darauf getippt, dass dieses Haus schon lange leer stand. Als ich das Erdgeschoss fertig erkundet hatte, ging ich die Treppe hinauf, wo ich das Schlafzimmer vorfand. Die folgende Nacht würde ich nicht hier verbringen, sondern in einem Landhaus, welches zwei Minuten Fussweg die Strasse hinunter entfernt war. Neben dem Schlafzimmer, das ich aus Respekt nicht betreten hatte, befand sich die kleine Bibliothek. Die Regale an den Wänden waren vollgestopft mit verschiedenen Romanen vergangener Jahrhunderte; es schien mir, als hätte sich Richeard für ältere deutsche Epik interessiert. Ich lief an dem Regal entlang und entdeckte vereinzelt sehr bedeutsame Werke aus der Zeit des Realismus. Unter anderem war ein Exemplar von Theodor Storms Der Schimmelreiter zu finden, welches vor drei Dekaden veröffentlicht worden war.
Nach diesen Perlen der Epik erspähte ich Sachbücher über Naturreligionen, wie sie die Afrikaner praktizierten. Weiter, im Ecken des Regals versteckt, fand ich auch Bücher vor, die in anderen Ländern verboten waren und deren Inhalt als Blasphemie galt. Diese Werke waren in aufwändig verarbeitete Lederumschläge eingefasst und von fremdartigen Zeichen geschmückt. Ohne gross in das Detail zu gehen, schaute ich mich noch weiter um, beschloss dann aber, das noch vorhandene Tageslicht auszunutzen, um die Bücher, die mir es wert waren, einzupacken und zu verladen. Ich ging aus dem Haus und holte zwei Kartonkisten aus dem Kofferraum meines Wagens. Mir fiel dabei auf, dass ich nicht mehr alleine auf der Strasse war. Auf der anderen Strassenseite gafften mich zwei alte Frauen an. Ich grüsste sie freundlich, doch von ihnen kam keine Regung. Dies war wohl, was die Kellnerin im Gasthof meinte, als sie mir davon abriet, hier hin zu gehen. Ich kehrte in die Bibliothek zurück und begann mit der Arbeit.
Kurz bevor es dunkel wurde, lud ich die zweite Kiste in mein Gefährt. Beim letzten Gang durch das Haus entdeckte ich auf einem ledernen Sessel ein merkwürdiges Buch in einem sehr schlichten schwarzen Einband. Weder auf der Vorder- noch auf der Rückseite war ein Text zu lesen. Ich öffnete das Buch, in der Hoffnung, schnell über dessen Inhalt aufgeklärt zu werden. Ein kurzer Blick genügte um herauszufinden, dass dies das Tagebuch von Richeard war; ich erkannte sofort seine Schrift und die für ein Tagebuch typischen Absätze, welche mit Daten versehen waren. Ich blätterte kurz durch und mir fiel auf, dass sich seine Schrift, gleich wie in den Briefen, in den letzten Wochen verschlechtert hatte.