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Männerzeitung #51 vom 01.09.2013
Die Mühe des Militärs mit Teilzeitmännern.
Von Samuel Steiner
Die Erwerbsersatzverordnung (EOV) basiert immer noch auf dem Ernährermodell. Ein Ärgernis für immer mehr junge Familien.
Wer seine Dienstpflicht in Militär, Zivildienst oder Zivilschutz erfüllt, erhält für jeden geleisteten Diensttag normalerweise 80% des entgangenen Einkommens von der kantonalen Ausgleichskasse zurückerstattet. Dieses Geld kommt aus dem bundesweiten EO-Fonds, der durch Lohnabzüge bei Arbeitnehmern und -gebern finanziert wird. Wer Kinder hat, bekommt Betreuungszulagen, sofern er die Kosten für Betreuung nachweisen kann. So weit, so sozial abgesichert. In der Praxis zeigt das System gravierende Mängel, die seinen gesellschaftskonservierenden Grundcharakter entlarven.
Antikommunistisches Erbe von 1918
Das System des Erwerbsersatzes stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und ist eine Lehre aus dem Landesstreik von 1918. Dieser war ausgebrochen, weil Frauen und Kinder hungerten, während die Väter ohne Lohnersatz und mit magerem Sold an der Landesgrenze standen und die Schweiz vor einem möglichen Angriff bewahrten. Im Zweiten Weltkrieg führte der Bundesrat den Erwerbsersatz für die Dienstmänner und die AHV ein, um den inneren Zusammenhalt zu stärken. Er wollte auf keinen Fall eine Agitation von links. Schon bei der Einführung des Erwerbsersatzes wurde ausgeblendet, dass in vielen Familien die Mütter mitverdienen und beispielsweise in Bauernbetrieben die Frauen die Arbeit der Männer übernehmen mussten. In den folgenden Jahrzehnten passte der Erwerbsersatz ins Idealbild der bürgerlichen Einernährerfamilie und sicherte der Milizarmee im Kalten Krieg die gesellschaftliche Unterstützung.
Die gesellschaftlichen Realitäten haben sich seit dem Zweiten Weltkrieg aber verändert: So gibt es heute viele Familien, bei denen Väter Betreuungsaufgaben übernehmen und ihr Arbeitspensum zugunsten von Zeit mit ihren Kindern reduzieren.
Kein Gehör für teilzeitarbeitende Männer
Wenn teilzeitarbeitende Väter Dienst leisten müssen, reduziert sich ihr Erwerbsersatzanspruch im gleichen Masse. Wenn ein Vater Halbzeit arbeitet und an zwei oder drei Tagen seine Kinder betreut, erhält er während einem dreiwöchigen WK einen 40%-Lohn und muss zusätzlich die Betreuung für seine beiden Kinder organisieren. Für kostenpflichtige Fremdbetreuung erhält er Ausgleichzahlungen, wenn er die Kosten belegen kann. Oft ist aber eine bezahlte Fremdbetreuung kein Ersatz – zum Beispiel, wenn der Vater die Kinder normalerweise von der Krippe abholt oder sie abends zu Bett bringt, während die Mutter im Homeoffice arbeitet. Wenn das nicht funktioniert, weil es finanziell nicht aufgeht oder man die Kinder nicht fremdbetreuen kann oder will? «Dann muss Ihre Frau halt zu Hause bleiben!», eine mehrfach gehörte Aussage der Ausgleichskasse. Klar, schliesslichgehört die Frau sowieso an den Herd, und die Familie soll sich gefälligst an das bewährte Modell der bürgerlichen Familie halten, wie es sich gehört. Sie kann ja dann wieder Teilzeit arbeiten, wenn die Kinder erwachsen sind.
Die auf den ersten Blick harmlose Regelung des Erwerbsersatzes zeigt damit ihren strukturerhaltenden Charakter. Für junge, rollenteilende Familien ist sie ein Problem. Das System könnte auf zwei Arten reformiert werden: Erstens könnte die Möglichkeit geschaffen werden, die Dienstpflicht in Teilzeit zu erfüllen. Statt drei Wochen WK wären also auch sechs Wochen 50%-WK möglich. Dafür erhielte man einen Teilzeiterwerbsersatz und könnte sich in der restlichen Zeit um die Kinder kümmern. Diese Variante ist wohl wenig realistisch und würde in Armeekreisen als «nicht umsetzbar» eingestuft. Zweitens könnte der Erwerbsersatz grundsätzlich 80% eines Vollzeitlohnes betragen. Wer Vollzeit im Dienst ist, soll Vollzeit entschädigt werden. Die Abwesenheit vom richtigen Leben, ob Beruf oder Familie, ist unabhängig vom Beschäftigungsgrad und soll entsprechend entschädigt werden. Entweder Teilzeitdienstpflicht oder Vollzeiterwerbsersatz. Aber kein Teilzeiterwerbsersatz für Vollzeitabwesenheit, das geht für aktive Väter schlicht nicht auf.
Samuel Steiner ist freiwilliger Berater bei der Beratungsstelle zivildienst.ch, Geschäftsführer des Schweizerischen Zivildienstverbandes CIVIVA und Redaktionsmitglied der Männerzeitung.
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