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«Here they come – big smiles. Wave like you mean it, Lani», flüstert der ungemein bemühte Resort Manager Armond (Murray Bartlett) seiner Mitarbeiterin (Jolene Purdy) ins Ohr, als die neuen Gäste im Hotel White Lotus eintreffen. Bevor wir aber überhaupt über Armonds doppelbödige Bemühungen schmunzeln können, finden wir uns zunächst an einem Flughafen wieder. In dieser Vorblende zum Ende der Serie wird ein Paket mit der Aufschrift «human remains» in ein Flugzeug manövriert. The White Lotus beginnt unmittelbar mit der Inszenierung der unvermeidlichen Eskalation, die sich innerhalb einer Ferienwoche im Resort entfalten wird. Eingelullt von der tropischen Ferienatmosphäre und mit Louis Armstrongs «On a Coconut Island» im Ohr, vergisst man aber schnell, dass da anfänglich eine Leiche war. So lässt man sich als Zuschauer*in gerne von den warm gezeichneten Bildern des paradiesischen Idylls verführen.
Doch dass es sich hierbei um eine trügerische Fassade handelt, wird nicht nur mit dieser kurzen Vorausblende, sondern eigentlich bereits im Vorspann angedeutet. Jede Folge beginnt mit einer unverkennbaren Melodie, deren eklektische Komposition sich in einer sich ominös wandelnden, symbolschwangeren Tapete spiegelt. Der Vorspann ist, genau wie die Serie, eben beides: Irgendwie einladend und irgendwie auch ein kleines bisschen verstörend.
Zu den Gästen des Luxusresorts gehören der schnöselige Shane (Jake Lacy) und seine schöne Frau Rachel (Alexandra Daddario), welchen die exklusive Pineapple Suite, trotz Buchung, verwehrt bleibt. Shane ärgert sich so sehr darüber, dass er seine Mutter alarmiert, um dies für ihn zu richten. Dann ist da die verlebte Tanya (Jennifer Coolidge), die den perfekten Ort sucht, um die Asche ihrer verstorbenen Mutter zu verstreuen. Die Moosbachers reisen mit Sohn Quinn (Fred Hechinger), der verzogenen Tochter Olivia (Sydney Sweeney) und deren Freundin Paula (Brittany O’Grady) an. Während sich Vater Mark (Steve Zahn) Sorgen um seinen hypochondrierten Hodenkrebs macht, ist seine Frau Nicole (Connie Britton) damit beschäftigt, das Zimmer nach Feng Shui umzugestalten.
In den sechs Folgen der Miniserie werden die geheimen Wünsche der Protagonist*innen nach und nach offenbart. Dabei macht sich The White Lotus eine unerschrockene Ehrlichkeit zunutze, die kaum Berührungsängste mit den Abgründen ihrer Figuren kennt. Es entsteht ein sorgfältig komponiertes Machtspiel, in welchem jeder seine Position in der gegebenen Figurenkonstellation neu erfinden muss.
In das entstehende Netz von Unzulänglichkeiten, Missgunst und Antagonismen werden geschickt aktuelle Fragen zu Race und Gendereingewoben. Getragen werden diese von den nuancierten Figurenportraits, welche sich im Verlauf dieser fatalen Woche immer gröber zeigen.
Was im Alltag unergründet bleibt, findet im Paradies Form; innere Konflikte werden immer weiter zugespitzt und nach aussen gekehrt. Jedoch verbleiben die Anliegen des Einzelnen im luftleeren Raum: Die Figuren hören sich kaum zu und benutzen sich gegenseitig als Leinwand für die eigenen psychologischen Verknotungen. Melancholie und Situationskomik gehen hier Hand in Hand und die entstehende Oszillation zwischen Tragödie und Komödie zwingt den Zuschauenden, seine Erwartungen immer neu zu entwerfen.
Eine zweite Staffel psychologischer Verstrickungen im Paradies ist bereits geplant.
START 23.08.2021 REGIE, BUCH Mike White KAMERA Ben Kutchins SCHNITT Heather Persons, John M. Valerio DARSTELER*IN (ROLLE) Jennifer Coolidge (Tanya McQuoid), Murray Bartlett (Armond), Connie Britton (Nicole Mossbacher), Natasha Rothwell (Belinda Lindsey) PRODUKTION Rip Cord Productions, USA 2021– STREAMING Sky
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