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Es gibt gute Gründe, im Jahr 2018 Salomon Landolt in Greifensee, Neftenbach, Küsnacht, Eglisau und Maur zu feiern. Den Auftakt macht Greifensee am 6. Mai. Landolt war und ist in doppelter Hinsicht wichtig für unser schönes Städtchen: als historische und als literarische Gestalt.
Der historische Salomon Landolt (1741–1818) wurde in Zürich geboren. Auf dem Schloss Wülflingen bei Winterthur versuchte er sich als Maler. Ab 1765 war er in der Militärschule in Metz, wenig später begann er ein Architekturstudium in Paris. 1768 kehrte er nach Zürich zurück, wurde Richter am Stadtgericht und reorganisierte die Zürcher Milizen.
1776 reiste er nach Berlin, um das preussische Militärwesen zu studieren, und wurde von Friedrich dem Grossen zu einer Audienz eingeladen. Der König bot ihm eine führende Stellung im preussischen Heer an; Landolt lehnte jedoch ab und kehrte nach Zürich zurück, wo er im Juni 1780 zum Landvogt von Greifensee gewählt wurde.
Greifensee gehörte damals zu den acht Landvogteien Zürichs, für die im Gegensatz zu den inneren Vogteien, für welche der Kleine Rat der Stadt zuständig war, Verwalter eingesetzt wurden. Zu den äusseren Vogteien zählten neben Greifensee auch Kyburg und Grüningen. Greifensee war die kleinste und unwichtigste. Von 1780 bis 1786 wirkte Salomon Landolt hier als Landvogt. Nach Ablauf seiner Amtszeit wurde ihm 1792 ein Zürcher Truppenkontingent unterstellt, das Genf schützen sollte.
1794 wurde er zum Landvogt von Eglisau gewählt und residierte im dortigen Schloss, bis das alte Regime 1798 zusammenbrach und das System der Landvogteien aufgelöst wurde. An der Seite des Generals Hotze kämpfte er gegen die Helvetik. Er wohnte auf einem Gut in Zürich-Enge, das er im Sommer 1786 gekauft hatte, und wurde 1803 Mitglied des Grossen Rates sowie Präsident des Zunftgerichtes Wiedikon.
Erneut wurde er damit beauftragt, die Zürcher Truppen zu reorganisieren. 1809, nach dem Tod seiner langjährigen Haushälterin, verkaufte Landolt sein Gut in der Enge und zog zu seinem Schwager in das Schloss Teufen. 1818 ging er von dort nach Andelfingen, wo er im November des gleichen Jahres starb.
Neben seiner politischen Tätigkeit betätigte er sich immer wieder als Maler und Zeichner; seine bevorzugten Sujets waren Jagd- und Kriegsszenen. Der 27-jährige Gottfried Keller nannte die Bilder in seinem «Kunstbericht» (12./13. Januar 1847) «Blitz- und Knall-Kosakereien für alte Kriegsgurgeln» sowie die «schnurrige Laune des seligen Eisenfressers».
Das klingt wenig respektvoll. Es hinderte den Schriftsteller jedoch nicht, Salomon Landolt mit seiner «Züricher Novelle» «Der Landvogt von Greifensee» ein Denkmal zu setzen. Dabei stützte er sich weitgehend auf die 1820 erschienene Biografie von David Hess. Die fünf Liebesgeschichten, die den Kern der Erzählung bilden, sind dagegen ganz seine Erfindung. Er selbst hat seine Novelle in einem Brief vom 27.8.1875 an Adolf Exner in Wien wie folgt gekennzeichnet:
«Der Landvogt ist ein origineller Zürcher aus dem vorigen Jahrhundert, der als Junggeselle gestorben ist. Der haust auf dem Schloss Greifensee jenseits des Zürichberges und ladet auf einen Sonntag, um sich einen Hauptspass zu machen und auch ein Erinnerungsvergnügen nach all den vorübergegangenen Liebesstürmen, 6 oder 7 hübsche Weibsbilder ein, die ihm alle Körbe gegeben haben, um sie alle einmal beieinander zu haben und zu sehen. So kommen sie zusammen, ohne es zu wissen. Jede glaubt seine besonders gute Freundin zu sein, und jede will ihn besonders bemuttern und bevormunden, und nun knüpft er ihnen die Haare ineinander, dass es eine Hauptlustbarkeit absetzt ...»
«Der Landvogt von Greifensee» zählt zu Gottfried Kellers bezauberndsten Novellen. Deshalb sollen im Jahr von Salomon Landolts 200. Todestag der historische wie auch der literarische Landvogt gefeiert werden – in Erinnerung an eine bedeutende Gestalt der Lokalgeschichte, aber auch in Dankbarkeit, dass Greifensee, so klein es damals war, durch ihn einen festen, immerwährenden Eintrag auf der Karte der Weltliteratur besitzt. Musik und Theaterszenen, ein legendärer Film und weitere Attraktionen stehen auf dem Programm. Und natürlich soll auch die Kulinarik nicht zu kurz kommen. Denn sowohl der historische Landolt sowie der von Keller geschilderte und sein Autor haben gerne gut gelebt.
Manfred Papst