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77 % der Befragten haben bekräftigt, dass die bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie ergriffenen Massnahmen Auswirkungen auf ihre Veranstaltungen, Aktivitäten oder Projekte haben. 16 % möchten mit der Antwort zuwarten, bis sie wissen, wie lange die Pandemie dauern wird und welche weiteren Massnahmen ergriffen, um einzuschätzen, ob sie betroffen sein werden oder nicht.
1. Kultureinrichtungen, die auf die Umfrage geantwortet haben
Die Umfrage wurde am 25. März aufgeschaltet und ist bis zum 6. April 2020 von 224 Personen («Befragte») mit Wohnsitz oder Sitz im Kanton Freiburg beantwortet worden. Damals war geplant, dass das Veranstaltungsverbot und der Lockdown mindestens bis zum 20. Mai 2020 dauern sollten. Die Befragten haben sich selbst den folgenden Arten von Einrichtungen zugeordnet:
- 40 % nicht gewinnorientierte Kulturunternehmen (91)
- 20 % im Laienbereich tätige Kulturvereine (44)
- 18 % selbstständigerwerbende Kulturschaffende (41)
- 17 % «Andere» (38)
- 4 % gewinnorientierte Kulturunternehmen (10)
Nahezu 35 % der Befragten sind im Musikbereich tätig. 25 % der Befragten betätigen sich in der Bühnenkunst. Aus den Sparten Kino und Literatur haben am wenigsten Personen an der Umfrage teilgenommen. 53 % der Befragten geben an, dass sie derzeit Subventionen vom Staat Freiburg oder der Loterie Romande erhalten.
2. Wahrnehmung der Lage in der Covid-19-Pandemie
Im Allgemeinen gaben die Befragten gaben an, dass die meisten ihrer Projekte abgesagt worden seien, aber ein Drittel wusste zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht, ob sie ihre Projekte aufschieben würden.
Die überwiegende Mehrheit der Befragten befindet sich nach eigenen Angaben aufgrund dieser Krise in Schwierigkeiten befindet und ist gezwungen, Aufträge, Veranstaltungen und Proben abzusagen. Beschäftigte ohne Arbeitsvertrag sind mit noch grösseren Schwierigkeiten konfrontiert.
Im Hinblick auf die Wiederaufnahme des Kulturbetriebs befürchten einige Befragte bereits jetzt Engpässe bei den Leistungserbringern, einen harten Wettbewerb bei den verschobenen Veranstaltungen, Schwierigkeiten bei der Suche nach Finanzierungslösungen sowie höhere Kosten.
3. Finanzielle Folgen der Pandemie auf die Aktivitäten der Befragten
77 % der Befragten haben bekräftigt, dass die bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie ergriffenen Massnahmen Auswirkungen auf ihre Veranstaltungen, Aktivitäten oder Projekte haben. 16 % möchten mit der Antwort zuwarten, bis sie wissen, wie lange die Pandemie dauern wird und welche weiteren Massnahmen ergriffen, um einzuschätzen, ob sie betroffen sein werden oder nicht. Befragte, die nicht betroffen sind, erklären, dass ihre Veranstaltung, Aktivität oder ihr Projekt nicht in der Krisenzeit stattfindet oder dass sie in dieser Zeit keine Verträge abgeschlossen hatten.
Die Ergebnisse werden im Bericht (unten zum Herunterladen) genauer dargestellt, da die Situationen je nach künstlerischem Bereich, Grösse der Kulturunternehmen oder den Auswirkungen der Pandemie auf ihre Projekte oder Aktivitäten sehr unterschiedlich sind. Es lässt sich daher schwer zusammenfassen, aber tendenziell geben nur 27 % der Befragten an, die Krise habe keine Auswirkungen auf ihre Ausgaben, wobei jedoch 17 % dies noch nicht wissen. Es zeichnet sich ein allgemeiner Trend in Richtung einer Verringerung der Ausgaben ab (Senkung der Kosten von Projekten und Aktivitäten). Für alle Befragten hat die Pandemie gesamthaft eine Kostensenkung von mindestens einer halben Million Franken zur Folge.
Bezüglich der Einnahmen gaben nur 11 % der Befragten an, die Krise habe keine Auswirkungen auf ihre Einnahmen, während 15 % dies noch nicht wissen, insbesondere mit Blick auf die ungewisse Dauer der Krise. Der allgemeine Tenor geht in Richtung einer generellen Verminderung der Erträge (Verringerung der Einnahmen aus Projekten und Aktivitäten), unabhängig von der Art der Einrichtung. Eine Person aus Museums- und Tourismuskreisen gab an, dass sich die Einnahmen um 1,5 bis 3 Millionen Franken verringern dürften. Für alle Befragten zusammengenommen wird die Pandemie eine Verringerung des Gesamtvolumens der Erträge um mindestens 2,5 bis 5 Millionen Franken zur Folge haben.
In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass 93 Befragte laut ihren Angaben keine Verträge mit einer Kultureinrichtung mit Sitz im Kanton Freiburg gekündigt haben; im Gegensatz dazu haben 57 Befragte, darunter 22 nicht gewinnorientierte Kulturunternehmen und 15 Kulturverein im Laienbereich, einige Verträge gekündigt. Bei den Kommentaren zu den Auswirkungen auf die Ausgaben oder Einnahmen wird unter anderem auf die Schwierigkeit verwiesen, Sponsoren zu finden, auf die schwierige Abschätzung der Einnahmeneinbussen, ohne die Dauer der Krise zu kennen, auf den Publikumsschwund, auf die Verluste beim Ticketverkauf sowie auf die Tatsache, dass die durch die Absagen erzielten Einsparungen geringer sind als die Einnahmenausfälle.
4. Finanzhilfen und Entschädigungen
41 % der Befragten denken, dass sie eine Unterstützung in Anspruch nehmen werden, 14 % wollen dies nicht tun und der Rest ist unentschlossen. (Hinweis: zum Zeitpunkt der Umfrage war der Umfang der Unterstützungsmassnahmen durch die öffentliche Hand noch nicht genau bekannt). 43 % der Befragten wollen Erwerbsausfallentschädigungen (EO) in Anspruch nehmen; 63 % der gewinnorientierten Kulturnehmen wollen Kurzarbeit anmelden (KAE). Die nicht gewinnorientierunten Kulturunternehmen überlegen sich noch, welche Art von Unterstützung sie in Anspruch nehmen werden: 27 % von ihnen geben an, keine Unterstützung zu benötigen, sofern sie die versprochenen öffentlichen und halböffentlichen Subventionen für die tatsächlich entstandenen Kosten erhalten. 40 % der Kulturvereine im Laienbereich benötigen laut ihren Angaben keinerlei Unterstützung. 6 von ihnen möchten bei ihren nationalen Dachverbänden Unterstützung beantragen.
5. Blick in die Zukunft
Auf die Annahme in der Umfrage «Wenn die Kosten der Krise durch die Soforthilfe abgefedert werden können» antworten die meisten Selbständigerwerbenden, dass sie alles tun würden, um ihre Tätigkeit fortzusetzen. Einige versuchen, eine Erwerbstätigkeit für den Lebensunterhalt zu finden, bevor sie sich wieder künstlerischen Projekte zuwenden, andere warten bis zum Ende der Pandemie, um Projekte zu präsentieren, die bisher noch in der Schublade geblieben sind, aber nicht ohne Befürchtungen: Die Fülle an angestauter kreativen Ideen wird zusätzlichen Druck und Wettbewerb mit sich bringen. Einige Kulturvereine im Laienbereich beabsichtigen, als Ersatz für Veranstaltungen, die nicht organisiert werden konnten, andere Arten von Anlässen zu organisieren. Es wären Verschiebungen bis ins Jahr 2022 denkbar, sofern dies möglich ist und die Mitglieder dann verfügbar sind. Man befürchtet eine Verringerung der privaten und öffentlichen Unterstützung. Gewinnorientierte Kulturunternehmen glauben, dass sie mit einer Flut von Arbeit konfrontiert sein werden. Sie sind der Ansicht, dass die Soforthilfen für die Weiterführung ihrer Aktivitäten unerlässlich sind. Im Kinobereich wird befürchtet, dass das Publikum fernbleibt. Einige Befragte erklären sich bereit, die Eintrittspreise zu senken, um mehr Publikum anzuziehen. Nicht gewinnorientierte Kulturunternehmen sind hingegen bereit, ihre Angebote oder Organisationen entsprechend anzupassen, um die Gesundheitskrise zu bewältigen. Auch bei ihnen befürchtet man, dass die Publikumszahlen einbrechen und die Konkurrenz in der Phase des Wiederaufschwungs hart sein wird.
Die Befragten haben auch Ideen für die Bewältigung der Auswirkungen der Pandemie auf den Kultursektor vorgebracht. Einige Kulturvereine oder gewinnorientierte Kulturunternehmen geben an, dass sie Fundraising-Veranstaltungen oder -Abendessen organisieren wollen. Generell denken die Befragten darüber nach, eine Reihe von (manchmal kostenlosen) Veranstaltungen, Wiedereröffnungsfeiern, Tage der offenen Tür oder andere Veranstaltungen oder Impulsmassnahmen zu organisieren. Die Befragten nutzen oft die Zeit, ihre Präsenz im Internet zu verstärken und während der Krise neue Fernangebote zu entwickeln (Kurse, Präsentationsvideos), um mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu bleiben.
Die Befragten gaben an, dass sie ehrgeizigere Projekte in Erwägung zögen, wie etwa eine Museumsausstellung mit Kunstschaffenden aus dem Kanton oder ein interdisziplinäres Festival für alle abgebrochenen oder ausgefallenen Kunstprojekte. Und schliesslich schlagen sie Lösungswege hinsichtlich der Kulturförderpolitik vor, mit der Einführung eines Grundeinkommens, der Ausweitung und Anpassung des Status der Freischaffenden in der Bühnenkunst, der vorübergehenden Abschaffung der Billettsteuer und dem Zugang zur Arbeitslosenversicherung für Beschäftigte ohne Arbeitsvertrag.
Einige versuchen, eine Erwerbstätigkeit für den Lebensunterhalt zu finden, bevor sie sich wieder künstlerischen Projekte zuwenden, andere warten bis zum Ende der Pandemie, um Projekte zu präsentieren, die bisher noch in der Schublade geblieben sind, aber nicht ohne Befürchtungen: Die Fülle an angestauter kreativen Ideen wird zusätzlichen Druck und Wettbewerb mit sich bringen.