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Aufbauend auf den bisherigen Ausgrabungen im Gräberfeld des antiken Francavilla Marittima im nördlichen Kalabrien will das Projekt den Prozess des Untergangs der Stadt aus der Perspektive eines indigenen, jedoch mit der griechischen Kolonie kulturell eng verbundenen Siedlungszentrums beleuchten. Die bisherige Forschung geht aufgrund der historischen Überlieferung davon aus, dass das Ende von Sybaris zum Abbruch der Siedlungstätigkeit im gesamten Umland der Stadt geführt hat. Jüngste Erkenntnisse verschiedener Forschungsteams in Francavilla Marittima und seiner Umgebung legen allerdings die Vermutung nahe, dass das Leben in der Siedlung nicht ganz so abrupt endete. Vielmehr zeichnet sich ein gradueller Transformationsprozess ab, im Zuge dessen der kulturelle Raum um- und weitergenutzt wird, wenn auch in reduzierter Form.
Auch in der Nekropole legen Neufunde aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. die Annahme nahe, dass hier weiter bestattet wurde. Bemerkenswert ist dabei die Herkunft dieser späten Funde. Es handelt sich um Keramik aus Athen, die in dieser Spätphase erstmals als Beigabe in die Gräber der einheimischen Bevölkerung gelangt. Zeichnet sich hier eine kulturelle Neuausrichtung der Siedlungsgemeinschaft von Francavilla Marittima ab, die einige Jahrzehnte später in die Neugründung von Thurioi unter Athenischer Führung mündet? Welche Bedeutung kommt der attischen Keramik im Expansionsprozess der griechischen Metropole insgesamt zu? Wer sind die Akteur:innen, die in der Spätzeit die Siedlungsgemeinschaft von Francavilla Marittima prägten und in der Nekropole mit griechischer Keramik bestattet wurden (gesellschaftlich, ethnisch, kulturell)? Und wie entwickelt sich das Gräberfeld von Francavilla Marittima in dieser Phase des Wandels in Bezug auf das Umland und die veränderte Siedlungstopographie vor Ort?
Mit spezifischen Ausgrabungen im Bereich, wo die Keramik des frühen 5. Jahrhunderts v.Chr. an der Oberfläche gefunden wurde, aber auch mit einer weiteren Kontextualisierung der Funde in althistorischer, archäologischer und archäogeologischer Hinsicht will das Projekt die historisch überlieferte «Zerstörung» von Sybaris einem besseren Verständnis zuführen und damit anhand eines konkreten Fallbeispiels das Phänomen von Bruch, Niedergang und Kontinuität in der Antike aus multiperspektivischer Sicht neu beleuchten.