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Isotopenforschung und Kernphysik: Neue Analysen in jüngster Zeit
Im Jahre 1989 erschien in dem renommierten Magazin „Nature“ ein Artikel über das Ergebnis der Radiocarbonuntersuchung. Mit diesem Artikel sollte, wie man damals meinte, die Grabtuchforschung abgeschlossen werden, denn es stehe ein für allemal fest: das Turiner Grabtuch stammt aus dem Mittelalter! Erst im Jahr 2017 gelang es vier Forschern, Zugang zu den Rohdaten dieses Artikels zu erhalten. Diese Daten wurden von einer unabhängigen Forschergruppe analysiert, man kam zu dem Schluss, dass das damalige Ergebnis nicht für das Grabtuch als Ganzes repräsentativ wäre und dass eine Neudatierung erfolgen sollte. Von der Öffentlichkeit unbeachtet, publizierten sie ihr Ergebnis im August 2020: „Unsere Analysen legen nahe, dass die Radiokarbondatierung von 1988 nicht den aktuellen Genauigkeitsanforderungen entspricht. Sollte dies der Fall sein, wäre es interessant, das genaue Alter des Turiner Grabtuchs zu erfahren.“
Walter Kutschera, der frühere Leiter des Instituts für Isotopenforschung und Kernphysik an der Universität Wien, meint, es wäre heute einfacher, authentische Kohlenstoffproben aus einer Vielzahl unterschiedlicher Materialien zu gewinnen. Heute reichen wenige Mikrogramm für die Messungen, man könne Proben von mehreren Stellen des Grabtuchs entnehmen, um ein Durchschnittsalter zu bestimmen. In gleicher Weise äußern sich andere Wissenschaftler und weisen immer wieder auf die Brände und die Verunreinigungen hin. Es bleibt abzuwarten, ob und wann der Vatikan dazu seine Zustimmung geben wird.
Seit dem Jahr 1357 können wir die Geschichte des Turiner Grabtuches lückenlos nachverfolgen. Was war davor? Haben wir wirklich keine Hinweise auf eine schon früher bestehende Existenz des Grabtuches? Wir haben doch vom Codex Pray gelesen, der eindeutig früher entstand! Gibt es noch andere Hinweise? Dieser Frage wollen wir in den kommenden Tagen nachgehen.