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Wirkungsform von Stiftungenby Peter Buss
Wer mit Stiftungen regelmässig zu tun hat, weiss aus leidvoller Erfahrung: Es fällt oft schwer zu beurteilen, was die tatsächliche Wirkungsform einer Stiftung ist – fördernd oder operativ – oder gar beides? Nachfolgend einige Überlegungen dazu.
Fördernd? Operativ? Eigenfinanziert? Spenden sammelnd?
Wenn die Stiftung im Stiftungszweck angibt, sie „fördere“ dieses oder jenes, so ist zwar die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie nicht selber operativ tätig ist, sondern die Projekte Dritter unterstützt. Aber das muss nicht so sein. Die Stiftung kann das Wort „fördern“ auch als Auftrag verstehen, selber aktiv zu werden und eigene Projekte umzusetzen. Oder sie tut beides: Projekte Dritter finanzieren und eigene Projekte realisieren.
Noch komplizierter wird es dann, wenn eine Stiftung irgendwo einen Handlungsbedarf realisiert, Projekte konzipiert und für deren Finanzierung sorgt – aber sie nicht selber umsetzt, sondern dies Partnerorganisationen überlässt. Bei der Entwicklungszusammenarbeit z.B. ist dies noch oft der Fall. Welches Selbstverständnis hat eine solche Stiftung? Ist sie auf diese Weise fördernd oder operativ tätig?
Fazit: Nicht alle verstehen unter „fördern“ dasselbe!
Kommt hinzu, dass sich die Stiftungen ganz unterschiedlich finanzieren. Es gibt Stiftungen, die leben von ihrem Vermögen und dessen Erträgen. Andere sind (zusätzlich) auf punktuelle oder regelmässige Drittmittel wie Spenden oder Staatsbeiträge angewiesen. Die gewählte Finanzierungsform ist dabei unabhängig davon, ob die Stiftung fördernd oder operativ tätig ist. Es gibt also genauso Förderstiftungen, die auf regelmässige Spenden angewiesen sind und diese auch aktiv auf dem Spendenmarkt beschaffen, wie wir operativ tätige Stiftungen kennen, die sich ausschliesslich über ihr Vermögen finanzieren und keine Drittmittel brauchen. Die unten stehende Abbildung versucht, dies zu veranschaulichen.
Fazit: Auch wer „nur“ fördert, kann dafür Spenden sammeln.
Was lernen wir daraus?
Einfach bei einem Adresshändler Adressen von sog. Förderstiftungen kaufen oder bei entsprechenden Anbietern auf dem Markt sich „qualifizierte“ Listen von Förderstiftungen zusammenstellen zu lassen und diese Stiftungen dann unbesehen mit einem Gesuch anzuschreiben, ist wenig zielführend oder gar kontraproduktiv. Es braucht in jedem Fall sorgfältige eigene Abklärungen und Recherchen, ob die Stiftung zu einem passt. StiftungSchweiz.ch gibt die Möglichkeit dazu. Und ich ermuntere alle User, die Daten zu ergänzen/verbessern und ihr Wissen miteinander zu teilen. Sie helfen so mit, dass die Stiftungslandschaft für alle transparenter und verständlicher wird. Davon profitieren alle!