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Das Forschungsteam um Prof. Dr. Giovanni Ventimiglia hat für das Projekt "Metaphysik und Ontologie in der Schweiz im Zeitalter der Reformation (1519–1648)" rund 460 000 Franken vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) zugesprochen erhalten. Ventimiglia, der vorher an der Facoltà di Teologia di Lugano lehrte, wurde im August 2016 als Nachfolger von Prof. Dr. Rafael Ferber zum ordentlichen Professor für Philosophie berufen.
Seit je beschäftigt sich die Metaphysik mit allem, was existiert, und mit dessen Ursache: Gott. Renaissance der Metaphysik? Nietzsche hatte den Tod Gottes verkündet, der logische Positivismus das Ende der Metaphysik. Ersteres lässt sich nicht beweisen, Letzteres hat sich als Fehlprognose erwiesen. Wenn man zum Beispiel auf dem aktuellen Buchmarkt nach Titeln über "Metaphysics" sucht, findet man nicht weniger als 18 804 lieferbare Werke. Die totgesagte Disziplin lebt - die Metaphysik, jene "erste Wissenschaft", die die letzten Fragen erforscht und die bekanntlich auf Aristoteles zurückgeht.
Mit der Entstehung der Ontologie, die innerhalb der Metaphysik nach dem Seienden fragt, löst sich die Philosophie im 16. Jahrhundert aus dem theologischen Kontext, in dem sie seit dem Mittelalter stand. Das Wort "Ontologia" taucht, wie Raul Corazzon und Marco Lamanna unlängst entdeckt haben, erstmals 1606 in der Schweiz auf, in einem Lehrbuch von Jacob Lorhard, Rektor des reformierten Gymnasiums in St. Gallen.
Ziel des Projekts ist die Erforschung der Entstehung und Verbreitung der Ontologie in der Schweiz. In Fallstudien werden die Entwicklungen und Diskussionen in Basel, Chur, Genf, Luzern, St. Gallen und Zürich untersucht. In Luzern steht das Jesuitenkolleg im Zentrum, an dem im 16. Jahrhundert Professoren unterrichteten, die am einflussreichen Collegium Romanum ausgebildet worden waren. Die Jesuiten hatten damals ontologische Konzepte diskutiert, die später von reformierten Philosophen weiterentwickelt wurden. Insofern erforscht das Projekt auch die Vorgeschichte der Universität Luzern.