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Ein Bericht von Rachel
Liebe Freunde,
Ich begrüsse Sie mit einem herzlichen Schalom und wünsche Ihnen und Ihren Familien den vielfältigen Segen des Herrn. Gern erzählte ich Ihnen hier ein paar weitere Neuigkeiten:
Meine Enkelin, die Tochter meines Sohnes Chaim, hatte ernsthafte Probleme im emotionalen und geistigen Bereich und wurde mehrere Monate in einer Klinik behandelt. Chaim nahm sich den Zustand seiner Tochter so sehr zu Herzen, dass er kaum mehr arbeiten konnte. Er gab sich selbst die Schuld daran und litt sehr. Also sprach ich mit ihm über den Einzigen, der helfen kann; Yeshua. Chaim war so zerbrochen, dass er wirklich zuhörte, und nachdem er gebetet hatte, fasste er neue Hoffnung. Allerdings schämte sich seine Tochter so sehr für ihr früheres Verhalten, dass sie zögerte, ins Dorf Zukim zurückzukehren, wo sie wohnten. Darum wollte mein Sohn das Haus loswerden und sich anderswo niederlassen. Zukim ist ein Dorf im Süden Israels in der Negev-Wüste auf dem Weg nach Eilat. Ich fragte ihn, was er mit dem Haus vorhabe: es verkaufen oder vermieten.
Jetzt kommt der aufregende Teil dieser Geschichte.
Vor fünfzehn Jahren, im Jahr 2004, hatten wir ein Festival organisiert und beteten um Gottes Beistand, weil die Menschen dort im Süden überhaupt nichts von Gott wissen. Damals empfing ich eine Vision. Sie zeigte mir, dass ich in den vielen Kibbuz-Dörfern im Süden Israels evangelisieren würde.
Und jetzt, im Zusammenhang mit Chaims Haus, war es, als ob ein Licht in meinen Gedanken angezündet würde. Das Tote Meer gehört zum Negev, und nun bot sich mir die riesige Chance, in Zukim, dem Zentrum des Negev oder der Aravah (Wikipedia: die Senke vom Toten Meer bis zum Golf von Akaba, in der die Grenze zwischen Israel und Jordanien verläuft), Gottes Liebe weiterzugeben.
Ich sagte Chaim, dass mich etwas umtrieb und ich darüber beten müsse. Beim Gedanken an Zukim war ich begeistert, doch ich bat den Herrn um ein Zeichen, da ich doch mit Gewissheit eine Berufung für Jerusalem habe. Wie sollte es möglich sein, an zwei Orten gleichzeitig zu dienen?
An jedem Schabbat lesen wir die wöchentliche biblische Lesung, die im Judentum vorgegeben wird. Der Abschnitt in dieser Woche war Jesaja 40,1-3: „Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott. Redet mit der Stadt Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat die volle Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden. Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!“
Dieser Vers traf mich so stark, dass ich Herzklopfen bekam: Ja, wir können beide Orte behalten. Gott wird einen Weg schaffen. Gilad war auch ganz begeistert von diesem Gedanken, und wir waren uns einig, dass wir auf dem Weg des Herrn sind. Ich rief also Chaim an und sagte ihm, wir selber wollten dieses Haus übernehmen. Das war im Herbst 2018.
So fuhren Gilad und ich mit dem Auto zweieinhalb Stunden in den Süden, um unser neues Missionshaus zu besichtigen. Was wir dort antrafen, war dann allerdings schon etwas schockierend, denn das Haus befand sich in sehr schlechtem Zustand. Böden, Küche, Badezimmer, elektrische Leitungen - alles müsste ersetzt oder instand gestellt werden. Ich rief im Gebet zum Herrn: „Herr, ich weiss, dass wir hier sein müssen, aber ich wünsche mir doch noch ein weiteres Zeichen von dir.“ Zunächst entschieden wir uns, unsere neuen Nachbarn zur Schabbat-Begrüssung einzuladen.
Lasst mich ein wenig erzählen von den Leuten
, die in diesen Dörfern leben. Sie sind sehr säkular – bis dahin, dass sie nicht einmal ihre kleinen Söhne beschneiden lassen. Hier gibt es kein typisch jüdisches Leben, keine Mesusah, (Wikipedia: eine Schriftkapsel am Türpfosten, die im Judentum Bedeutung hat und Verwendung findet, sowie auch das darin enthaltene beschriftete Pergament), keine Kippas (Wikipedia: eine vornehmlich in Ausübung der Religion gebräuchliche Kopfbedeckung männlicher Juden. Dabei handelt es sich um eine kleine kreisförmige Mütze aus Stoff oder Leder, zuweilen reich verziert, die den Hinterkopf bedeckt), keine Beschneidung. Hier wird nicht einmal der Schabbat eingehalten. Dafür gibt es eine Menge New Age-Symbole, aber nichts orthodox Jüdisches.
Als wir die Leute am Schabbatbeginn zum Abendessen einluden,
nahm ich erschrocken zur Kenntnis, wie begeistert sie waren und wie viele kommen wollten. Nun hatten wir also eine Herausforderung, denn das Haus war nicht dafür hergerichtet, dass man darin Platz nehmen konnte, aber immerhin hat es einen grossen Garten. Also bauten wir einen kleinen Pavillon und kauften viele Matten, auf denen sich die Leute überall im Garten niederlassen konnten. Wir installierten eine Menge Lichter, so dass man das Haus kaum verfehlen konnte, weil es sogar von der Hauptstrasse aus gesehen werden kann. Ich bereitete mein spezielles marokkanisches Couscous für etwa zwanzig Personen zu. Und die Leute kamen! Sie sassen auf dem Boden. Gilad trug seinen Gebetsschal und sprach die Segensgebete für die Begrüssung des Schabbats.
Die Leute waren sehr erstaunt. Das Ganze war so neu für sie. Manche waren sehr beeindruckt und sagten uns, es sei «eine gute Energie» hier. Ich sagte ihnen, dies sei nicht „Energie“, sondern der Heilige Geist. Dann gab ich eine Lehreinheit aus der Bibel. Alle waren gesegnet und fragten, wann sie wiederkommen könnten.
Doch vorerst arbeiteten Gilad,
Chaim und andere Helfer daran, das Haus bewohnbar zu machen, ja, wir arbeiteten tagelang sehr, sehr hart. Die Böden wurden erneuert, ein neues Badezimmer eingerichtet, die Küche renoviert, Sitzmöbel aufgefrischt oder neu hergestellt … Wie wohltuend anders sieht es jetzt aus!
Zwei Wochen später,
als in Zukim ein Freiluft-Film-Festival stattfand, zu dem auch die bekanntesten Schauspieler Israels kamen, bereitete ich genug Essen für sechzig Personen vor und wartete ab, wer wohl kommen würde. Zukim ist eine kleine Ortschaft mit nur ungefähr sechzig Familien. Darum dachte ich, ich hätte reichlich Essen vorbereitet. Aber schnell ging uns dieses aus. Dennoch erzählte ich am Abend von meinem Glauben und sprach davon, dass dieser Ort „Pinat ha Midbar“ („Perle der Wüste“) genannt wird und dass Gott uns hierher gestellt habe. Die Leute waren so beeindruckt, dass sie sich wie alte Freunde benahmen. Bereits gehören wir in Zukim zur „Familie“. Viele fragten nach den Kosten für das Essen, doch stets antworteten wir, es sei umsonst, ein Geschenk. Diese Geste öffnet dafür die Tür, dass wir von unserem Glauben erzählen können.
Es ist wichtig, dass man die hiesige mediterrane Kultur versteht
. Sie dreht sich in hohem Mass um das Essen. Davon berichtet schon das 1. Buch Mose in Kapitel 18, als Abraham drei Männer erkannte, ihnen entgegenlief und zu ihnen sagte: „Herr, habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber. Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füsse zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum. Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen.“
Das gehört hier noch immer zur Kultur, besonders in der Wüste, und zwar bei Arabern, Beduinen und Israelis gleichermassen. Sie alle reden erst nach dem Essen. Im Hebräischen wird für Wüste das Wort „Midbar“ gebraucht. Wenn man in diesem Wort andere Selbstlaute einsetzt, wird daraus „Medaber“ und bedeutetet „sprechen“. Das hebräische Wort ist auch abgeleitet vom Ausdruck für „Wort“. So hat also mein Dienst immer darin bestanden, Menschen zu essen zu geben und anschliessend das Wort auszuteilen. Essen stellt die Verbindung her, welche die Herzen dafür öffnet, das Wort zu empfangen.
Nach weiteren zwei Wochen
rief mich der Bürgermeister der fünf Dörfer in der Aravah an und meinte, er habe gehört, dass ich ganz köstlichen Couscous zubereite. Er fragte an, ob ich für die Verpflegung beim bevorstehenden Fest „Hankukah“ sorgen könne. Diese Anfrage überraschte mich, und ich fühlte mich geehrt. Der Bürgermeister erwähnte uns sogar in der Lokalzeitung. So bereitete ich also die aus-reichende Menge für hundert Portionen vor. Wir staunten, dass diese Menge nach nur einer Stunde schon aufgegessen war. Doch dies hielt mich nicht davon ab, den ganzen Abend über meinen Glauben zu bezeugen. Eine Frau war so beeindruckt, dass sie uns mit ihrem Mann, einem Archäologen, in Ein Kerem bei Jerusalem besuchte. Es war mir eine Freude, davon zu sprechen, dass Gott uns nach 2000 Jahren Exil ins Land zurückgebracht hat und wir nun wieder eine Nation sind. Wie kann jemand nicht an unseren grossartigen Gott glauben, der so viele Wunder tut und von den Tagen, in denen wir heute leben, prophetisch gesprochen hat?
Ich könnte noch viel mehr erzählen,
aber ich will hier zum Schluss kommen. Bitte beten Sie für diese neue Aufgabe, die uns Gott gestellt hat. Wir möchten mit der Arbeit in Ein Kerem weitermachen und zumindest zweimal monatlich einen Anlass in Zukim gestalten. Es ist ein gewaltiges Vorhaben. Wir hatten begonnen, indem wir für zwanzig, dann für sechzig und schliesslich für hundert Personen gekocht haben. Diese Zahlen hören sich an wie diejenigen im Gleichnis vom Sämann. Beten wir darum, dass diese Arbeit zwanzigfache, sechzigfache und sogar hundertfache Frucht bringen möge, wenn wir treu darin sind, die Gute Nachricht an diejenigen weiterzugeben, die Gott uns in den Weg stellt.
Dies ist unser Gebet auch für Sie, liebe Freunde, dass Sie bis zu hundertfach ernten dürfen von dem, was Sie für den Herrn tun. Was für ein gewaltiges Vorrecht, einem solch mächtigen Gott dienen zu dürfen! Danke für alle Ihre Gebete und Unterstützung in der lohnenden Aufgabe, in der wir stehen. Dadurch haben Sie in hohem Mass Anteil an diesem Dienst.
In der nicht endenden Liebe unseres Messias Yeshua, grüsst Sie alle
Rachel und Gilad
„Um Zions willen will ich nicht schweigen und um Jerusalems nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgeht wie ein Glanz und sein Heil brennt wie eine Fackel.“ (Jesaja 62,1)
Gaben für den wunderbaren Dienst von Rachel und Gilad Netanel werden gern weitergeleitet.
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