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In diesem, wie auch in anderen Foren (oder auch bei sonstigen Anlässen wie persönlichen Gesprächen, Börsenbesuchen, Kontakten via Email oder Telefon etc.) taucht immer wieder die Frage nach der Möglichkeit einer Vergesellschaftung unterschiedlicher Reptilienarten oder sogar -Gattungen auf. Den Fragestellern wurde in der Vergangenheit von der Mehrheit der Schlangenforum-User von einer Vergesellschaftung abgeraten, und es wurden in den verschiedenen Threads auch immer wieder unterschiedliche Gründe dargelegt. Mit diesem Beitrag versuche ich, diese Gründe in einem Posting zusammenzufassen.
Bei meinen Beschreibungen und in meinen Beispielen werde ich übrigens immer wieder auf die Vergesellschaftung von Schlangen eingehen, dies liegt aber lediglich daran, dass ich mich mit diesen Tieren am besten auskenne. Nachstehendes könnt Ihr natürlich auch auf Echsen, Phelsumen, Geckos, Dentrobaten, Wirbellose und Blattsalate übertragen.
Was also spricht gegen die Vergesellschaftung von verschiedenen Tierarten?
1. Geographische Verbreitung
Sogar wenn sich zwei Tierarten in freier Wildbahn ihren Lebensraum augenscheinlich teilen, ist noch lange nicht sicher, dass sie auch dasselbe Mikrohabitat bewohnen. Die Verbreitungskarte einer Tierart ist im Normalfall so dargestellt, dass ein Kontinent (oder ein Land) abgebildet wird, wovon 1/3, 1/4 oder 1/10 eingefärbt ist, was das Verbreitungsgebiet der Tierart "X" verdeutlichen soll. Tatsächlich aber leben diese Tiere nicht flächendeckend in diesen Verbreitungsgebieten, sondern bewohnen innerhalb dieser Fläche das geographische und klimatische Umfeld, das ihnen seit jeher (von der Evolution gegeben) am besten zusagt. Gut zu erkennen ist dies an unserer kleinen Schweiz, die nur eine Handvoll Reptilien beherbergt. Kaum einmal wird man gleichzeitig auf eine Ringelnatter und auf eine Zauneidechse stossen, und doch decken sich die Verbreitungskarten dieser beiden Reptilien auf der Karch-Webseite auffallend oft. Auch wenn deren Lebensraum oft nur einige Kilometer oder gar einige 100 Meter auseinander liegt, finden diese Tiere dort doch sehr unterschiedliche Lebensräume vor.
Wenn wir dieses Beispiel nun von der Schweiz auf die ganze Welt ausweiten wird klar, dass zwei Tierarten, die zwar ungefähr den selben Breitengrad bewohnen, aber auf verschiedenen Kontinenten beheimatet sind, auf den ersten Blick ähnliche Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte benötigen, aber die Haltung doch ganz unterschiedlich sein kann. Angefangen von der Bodenbeschaffenheit (steinig, sandig, lehmig, sumpfig), über die Versteckmöglichkeiten der Tiere bis hin zu Wetterphänomenen (trockene/feuchte Winde, Schattenplätze, Dauer und Intensität der Regenzeit, Hoch- und Tiefdruckgebiete, kühlerer Perioden etc.) können Tiere in freier Wildbahn völlig unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt sein.
Für die Haltung im Terrarium bedeutet dies meiner Meinung nach, dass man jeder Tierart die Bedingungen schaffen sollte, die nötig sind, damit sich das Tier möglichst wohl fühlt. So etwas kann man nicht von heute auf morgen aus einem Buch oder mit Hilfe eines gutgemeinten Ratschlages lernen, sondern man wächst im Laufe der Jahre an der sich selbst gestellten Aufgabe. Ich behaupte, dass ein langjähriger Terrarianer mit der Zeit nicht mehr ständig auf technische Hilfsmittel wie Thermo- oder Hygrometer angewiesen ist, sondern dank seinen Beobachtungen und Erfahrungen das Gespür dafür entwickelt, was der Pflegling benötigt. Sogar wenn zwei Terrarien auf den ersten Blick in Grösse, Standort und Ausstattung identisch sind, kann der Pfleger auf die klimatischen Bedingungen Einfluss nehmen, indem er eine stärkere oder schwächere Heizquelle auswählt, unterschiedlich grosse Wassergefässe verwendet oder nur zwei- statt dreimal pro Woche Wasser versprüht. Mit der Zeit geschieht dies "aus dem Bauch heraus", da wir instinktiv erkennen, wie sich unsere Tiere am wohlsten fühlen.
Diese Möglichkeiten hat jemand, der unterschiedliche Tierarten vergesellschaftet, in der Regel nicht, da die Korrektur eines Klimaparameters im Terrarium automatisch beide Tierarten betrifft. Dies hat zur Folge, dass mindestens eine der Tierarten suboptimal gehalten wird. Selbstverständlich können solche Vergesellschaftungen sogar über mehrere Jahre ohne Verluste durchgezogen werden, aber im Gegensatz zum staubwischen vertrete ich in der Tierhaltung die Meinung, dass wir es nicht nur so gut wie nötig, sondern so gut wie möglich machen sollten.
2. Grössenunterschiede
Auch wenn die vergesellschafteten Tierarten im Moment ähnlich gross sind, wird normalerweise irgendwann der Zeitpunkt kommen, wo das eine Tier das Andere als potentielles Futtertier ansehen könnte. Es wurde hier im SF schon von einer adulten Acrantophis dumerili berichtet, die einen ähnlich grossen Artgenossen aus uns unbekannten Gründen gefressen hat. So verwundert es nicht, dass diese Gefahr stark ansteigt, wenn man verschieden Tierarten zusammen in eine Box wirft. Viele Schlangen sind (bei einigen Arten hauptsächlich in jungen Jahren) opportunistische Reptilienfresser. Soll bedeuten, dass sie bei einer günstigen Gelegenheit auch vor anderen Schlangen/Echsen oder gar ihresgleichen nicht halt machen. Ich selber habe schon mehrfach von solchen Geschehnissen (auch aus erster Hand) gehört, aber leider hängen dies die betroffenen Halter in den seltensten Fällen an die grosse Glocke, da ihnen der tragische Ausgang eines solchen Versuches offenbar peinlich ist.
Bei gravierenden Grössenunterschieden darf auch die Möglichkeit eines Unfalles nicht ausgeschlossen werden. Grosse, schwere Tiere sind in der Lage, jüngere und kleinere Tiere durch ihr Gewicht zu erdrücken oder schwer zu verletzen. Das Gewicht einer fallenden Schlange in Kombination mit einem unglücklichen Zufall kann dazu führen, dass ein kleineres (oder gar ähnlich grosses Tier) gebrochene Rippen und Ähnliches davon trägt. Dies ist nicht zwingend nur ein Problem bei Vergesellschaftungen, aber jemand, der beispielsweise Boa constrictor und Python regius zusammenhalten will, soll sich auch dieser Gefahr bewusst sein.
3. Krankheiten/Parasiten
Gerade Tiere aus unterschiedlichen Verbreitungsgebieten können auch vollkommen unterschiedlich auf Krankheiten und Parasiten reagieren. Als erstes Beispiel nenne ich hier Schildkröten, die ihr Leben lang mit diversen Innenparasiten leben können, ohne dass deren Gesundheit angegriffen wird. Sobald aber Schlangen oder Echsen mit Schildkrötenkot in Berührung kommen, können sie erkranken und müssen dann medikamentös behandelt werden. Noch übler ist die Situation offenbar bei Boas, die von IBD befallen sind: Sie können jahrelang ohne Symptome überleben. Ein Königspython, der mit einer infizierten Boa zusammen gehalten wird, verendet aber für gewöhnlich innerhalb eines Jahres.
Auch hier müssen wir uns unserer Verantwortung als Tierhalter bewusst werden und einsehen, dass die blosse Möglichkeit einer gefährlichen Erkrankung so gut als möglich vermieden werden sollte.
4. Aktivitätszeiten
Viele Schlangen haben unterschiedliche Aktivitätszeiten. In einigen meiner Terrarien ist tagsüber allerhand los. Wenn dann am Abend die Lichter löschen, werden die Schlangen in anderen Unterkünften munter, und wenn die sich wieder in ihre Verstecke verkriechen, geht es in einem weiteren Behälter zur Sache. Wenn man nun diese Tiere zusammen in einem Terrarium hält, werden sie zwangsläufig gegenseitig während ihrer Ruheperioden gestört, was durch den Stress auf die Dauer der Gesundheit abträglich ist.
Ich denke mal, dies wären die wichtigsten gesundheitlichen Aspekte, die gegen eine Vergesellschaftung sprechen. Auf ethische Ansichten will ich hier im Moment nicht näher eingehen, da sich die nur indirekt (aus oben genannten Gründen) auf die Gesundheit Eurer Tiere auswirkt.
Beinahe am Ende möchte ich auch noch kurz auf die immer wiederkehrende Argumentation „aber im Zoo habe ich so etwas auch gesehen, und dort klappt es auch“ eingehen:
In der Regel arbeiten in einer solchen Institution ausgebildete Tierpfleger und Tierärzte. Es sind Menschen, die eine Ausbildung (oder gar ein Studium) auf diesem Gebiet abgeschlossen haben, die ihr Geld mit der Tierpflege verdienen und die wissen oder erahnen sollten, worauf sie sich einlassen. Weiter sind die Möglichkeiten im Zoo kaum mit der privaten Tierhaltung zu vergleichen: Die Terrarien sind üblicherweise um ein vielfaches grösser, die technischen Möglichkeiten im Zoo sprengen den Rahmen einer Privatperson und es ist dort fast immer jemand in der Nähe, der sich um die Tiere kümmert. Ausserdem wird in einem Zoo nicht auf die Art vergesellschaftet, die von einigen privaten Reptilienhaltern praktiziert wird. Die Grundbedürftnisse, die Herkunft und die Gesundheit der Tiere werden beachtet und in die tatsächliche Vergesellschaftung mit einbezogen.
Weiter sollte nicht ausser Acht gelassen werden, dass sich die Haltebedingungen generell aller Tiere in zoologischen Gärten und Tierparks im laufe der letzen 100 Jahre drastisch verbessert haben. Wer heute einen Zoo besuchen würde, der nach dem Prinzip von vor 50 Jahren aufgebaut ist, würde wohl nur noch staunend den Kopf schütteln und kaum gute Erinnerungen mit nach Hause nehmen. Vermutlich wird dies den Leuten auch in 50 Jahren noch ähnlich ergehen, wenn sie die Haltungsbedingungen von Heute analysieren. Der Fortschritt geht auch an der Tierhaltung nicht spurlos vorbei. Schlussendlich wird auch im Zoo nur mit Wasser gekocht, und es ist auch in diesen Anlagen ein ständiger Wandel und ein stetiges Umdenken zu bemerken.
Als Schlusswort wiederhole ich einen Satz, den ich an anderer Stelle im Schlangenforum schon mal geschrieben habe, den ich aber doch ganz wichtig finde: „Stellt Euch nicht die Frage, welchen Vorteil der Pfleger an der Vergesellschaftung von verschiedenen Tieren hat, sondern fragt Euch, welchen Mehrwert die Tiere an einer Vergesellschaftung mit anderen Arten davontragen."
Vielen Dank für Euer Interresse
Gruss
Dani
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