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Der Tod des Nördlichen Breitmaulnashorns Sudan im vergangenen März hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Sudan war das letzte männliche Exemplar seiner Unterart. Zwar bleiben nach seinem Tod sowohl seine Tochter Najin als auch seine Enkelin Fatu; doch Najin kann aufgrund einer Beinkrankheit nicht schwanger werden und Fatu ist unfruchtbar.
Eine Sackgasse für den Tierartenschutz?
Zwei Weibchen als einzige Überlebende einer Unterart bedeuten nicht unbedingt deren Ende. Obwohl die natürliche Reproduktion der Nördlichen Breitmaulnashörner bereits vor Sudans Tod ausserhalb des Möglichen lag, besteht noch Hoffnung. Eine Forschungsgruppe des Biotechnologie Labors Avantea in Italien tüftelt zurzeit an Methoden, um die einst in Zentral- und Ostafrika verbreiteten Dickhäuter künstlich zu reproduzieren. Zur Verfügung stehen ihnen dabei folgende Ressourcen: Tiefgefrorene Spermien und Gewebezellen früherer Nördlicher Breitmaulnashörner, sowie Najin und Fatu als Eizellspenderinnen. Der erste Schritt zum neuen Nashorn besteht aus einer künstlichen Befruchtung, der sogenannten In-vitro-Fertilisation (IVF). Im Labor sollen dabei die aufbewahrten Spermien direkt in Najin's und Fatu's extrahierte Eizellen injiziert werden- ein Verfahren, das bereits mit Eizellen des nahe verwandten und zahlreicher vorhandenen Südlichen Breitmaulnashorns erfolgreich etabliert wurde. Eine klassische IVF, bei der Ei- und Spermazelle lediglich zusammengemischt werden und die Befruchtung spontan stattfindet, ist in diesem Fall nicht möglich, da das vorhandene Spermienmaterial von geringer Qualität und Quantität ist. Der sich nach der IVF entwickelnde Embryo soll anschliessend von einem Südlichen Breitmaulnashorn-Weibchen, der passendsten Leihmutter, ausgetragen werden. So weit, so gut.
Durch Stammzellen zur genetischen Vielfalt
Das Spermienmaterial stammt von mickrigen drei, die Eizellen sogar von nur zwei Individuen. Damit der Wiederaufbau und Fortbestand einer Population gewährleistet ist, braucht es eine deutlich grössere genetische Vielfalt. Dies ist abermals kein Grund, aufzugeben, denn es sind noch Gewebeproben von weiteren zehn Individuen vorhanden. Dank intensiver Stammzellforschung lassen sich heutzutage spezialisierte Zellen wieder umprogrammieren. Der Weg geht dabei über sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS). Pluripotente Stammzellen haben das Potential, sich zu jedem Zelltyp eines Organismus zu entwickeln, auch Sperma- und Eizellen. 2011 gelang es der Gruppe von Jeanne Loring in Kalifornien, aus Fatu‘s Hautzellen solche Stammzellen herzustellen.
“Wir erwarten, die Ei- und Spermazellen in einem Jahr bereit zu haben. Trotzdem haben wir noch viele Hindernisse vor uns.” Jeanne Loring, Scripps Research Institute, Kalifornien 2018
Nichtsdestotrotz könnte es sich lohnen, diese Hürden zu bewältigen. Die Analyse der DNA aus allen tiefgefrorenen Zellen Nördlicher Breitmaulnashörner hat kürzlich gezeigt: die vorhandene genetische Vielfalt reicht aus, um die Spezies vor dem Aussterben zu bewahren.
Reine Symptombekämpfung?
Auch wenn es aufregend ist, mit Hilfe der Biotechnologie eine auf der Kippe stehende Unterart zu retten, die Ursache ihrer Misere bleibt bestehen. Wilderer machen auch vor In-vitro-Nashörnern keinen Halt. Das Klonen von Tieren zählt ausserdem bis heute kaum langfristig erfolgreiche Resultate. Die Methoden sind aufwändig, kosten viel Geld und enden oft in Fehlgeburten oder frühzeitigen Todesfällen. Die Finanzierung ist laut Loring momentan noch die grösste Hürde, und während der Förderantrag läuft, melden sich kritische Stimmen zu Wort: Wer den Nashörnern helfen wolle, solle sich um den Schutz der verbleibenden Unterart, den Südlichen Breitmaulnashörnern, bemühen und in Lösungen investieren, der Wilderei ein Ende zu setzen.
Quellen und weiterführende Informationen
Hybrid white-rhino embryos created in last-ditch effort to stop extinction
Embryos and embryonic stem cells from the white rhinoceros
DNA offers glimmer of hope for critically endangered rhino
Hilft Tierzucht gegen Wilderei?