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Als ETH-Professor für Gebäudetechnik suchte Hansjürg Leibundgut früh nach einer Lösung des CO2-Problems. Der Charismatiker faszinierte und polarisierte. Nun hat der Krebs ihn endgültig besiegt.
Mein letztes Gespräch mit Hansjürg Leibundgut fand unter widrigen Bedingungen statt. Am nächsten Tag begann die Behandlung seines Hirntumors. Ob er fünf Wochen später, am 16. April 2015, seine Abschiedsvorlesung als ETH-Professor halten würde, wusste er noch nicht. Während des Gesprächs in seinem Haus ‹B35› an der Zürcher Bolleystrasse stand er immer wieder auf, holte hier die Arbeit eines Doktoranden, druckte dort eine Liste aus, zeigte ein Foto oder den neusten Pumpenkopf. Er sprach von E-Mails, die er am Tag zuvor Journalisten geschickt hatte, und von Briefen an Politiker. Er sprach von kürzlich angemeldeten Patenten und von Menschen, die vor drei oder vier Jahrzehnten sein Leben geprägt hatten. Immer wieder stockte seine Stimme. Neben dem Tisch bildeten die Instrumente seiner Jazzband einen Kreis, darunter auch sein E-Kontrabass. Im Regal standen Bücher von Karl Marx und Thomas Piketty neben Digitalschaltern und Erdsonden. «Man nannte mich Phantast» war der Titel des Interviews, das im April 2015 im Hochparterre erschien.
CO2-Vermeidung als Lebensinhalt
Seinen Beruf sah der 1949 in Rüegsau BE geborene Hansjürg Leibundgut so: Er nehme das, was man weiss, und kombiniere es neu. Er sei kein Wissenschaftler, der nach dem völlig unbekannten suche, sei Erfinder, nicht Entdecker. Sein Maschinenbaustudium an der ETH Zürich hatte er als Zwanzigjähriger begonnen. Anfangs spezialisiert auf Reaktortechnik wechselte er ans Institut für Milchwirtschaft, um sich dort der Frage zu widmen, wie Sonnenenergie für die Lebensmittelverarbeitung in Entwicklungsländern von Nutzen sein könne. Irgendwann begegnete er dem Thema seines weiteren Lebens: Ein Symposium zum CO2-Anstieg in der Atmosphäre elektrisierte den Ingenieur, eine Generation vor Greta. Die Ämter und Positionen, die er ab der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre bekleidete, die Projekte, die er anschob, all das lä...