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französisch
Longeau (Kt. Bern,
Amtsbez. Büren).
455 m. Gem. und Pfarrdorf, am Fuss des
Jura schön gelegen; an der Strasse
Solothurn-Biel. Station der Linie
Olten-Solothurn-Biel. Postbureau, Telegraph, Telephon. 175
Häuser, 1649 reform. Ew. Landwirtschaft.
Sekundarschule. Uhrenmacherei, Uhrsteinschleiferei etc.
Steinbrüche. Aus sog. Hupergruben wird aus einer
Tiefe von 13 m unter dem torfigen Boden feuerfeste Hupererde (toniger Quarzsand) gewonnen, die zur Herstellung von Schmelztiegeln
verwendet wird.
Dieser
Sand findet sich in
Taschen von mehr als 12 m
Tiefe und mehr als 30 m Durchmesser, die in den schwach geneigten Schichten
der Portlandkalke ausgewaschen sind, und ist (wie die Sande und Tone der eocänen Bohnerzbildung) sehr
wahrscheinlich der Verwitterungs- und Auslaugungsrückstand der lehmig-kieseligen obern Jurakalke. Man hat in diesen
Sanden
epigenetisch verkieselte Neocomfossilien (Pygurus Montmollini, Rhynchonella multiformis etc.) und Fragmente von Neocomgesteinen
aufgefunden.
Gegen
Pieterlen zu stand einst ein heute geschlossenes Heilbad mit Schwefelquelle, das hauptsächlich
von Muskelkranken besucht war. Am fand bei Lengnau ein Kampf statt zwischen der unter dem
Obersten von Werdt stehenden 2.
Berner
Division (850 Mann) und den Truppen des französischen Generales
Schauenburg. Nach heldenmütigem Widerstand sahen sich die
Berner zum Rückzug gezwungen. An dieses Ereignis erinnert ein 1898 errichtetes Denkmal. Der
Ort lag an
der
Römerstrasse von
Petinesca nach Solodurum.
Urkundlich wird er zum erstenmal 997 erwähnt. Grundeigentümer waren zuerst die Edeln von
Strassberg und später das Kloster
Bellelay. Die Kirchgemeinde Lengnau wird schon in dem 1228 aufgestellten Pfründenregister des Kartulars von
Lausanne aufgeführt.
Der Kirchensatz gehörte den
Grafen von
Thierstein, die ihn lehnsweise den Edeln von
Bärenfels abtraten und 1374 an das Kloster
Bellelay verkauften. Seither ernannte das Kloster bis 1798 die katholischen und reformierten Pfarrer von Lengnau. 1530 wurde
die Reformation eingeführt, wobei der letzte katholische Priester, Peter Lüpold, zugleich erster reformierter
Pfarrer ward. Das Pfarrhaus 1712 vom Kloster
Bellelay neu erbaut. Schalenstein auf dem Gerathubel;
Dorf OberLengnau: 120 Häuser, 653 Ew.; Dorf UnterLengnau: 28 Häuser, 157 Ew. Katholische Kirchgemeinde. Acker- und Weinbau,
Viehzucht; Vieh- und Holzhandel. Zwei Mühlen, je eine Ziegelei und Bierbrauerei. Bemerkenswerte Synagoge. Das hier einst
bestehende Amt eines Rabbiners ist seit dem starken numerischen Rückgang der jüdischen Bevölkerung aufgehoben worden.
Die Juden haben ihr eigenes Armen- und Altershaus und ihren eigenen Friedhof. Während die Juden schon im Mittelalter in vielen
Städten und Städtchen der Schweiz zu finden sind, haben sich die ersten jüdischen Familien in Lengnau erst um 1633 niedergelassen;
vermutlich sind sie aus Deutschland eingewandert, um dem dortigen Kriegselend zu entgehen. In das benachbarte
Endingen kamen sie noch später.
Seit 1774 blieben sie auf diese beiden Gemeinden in der GrafschaftBaden beschränkt und erhielten zwei Jahre später einen
Schirmbrief. In der Zeit der Helvetik zeigten sich die Behörden geneigt, den Juden grössere Freiheiten zu gewähren; doch
erregte dies die Eifersucht der benachbarten christlichen Bevölkerung. Es kam im Herbst 1802 zu Angriffen
auf die Juden in Lengnau und Endingen und zu Plünderungen. Bei der Gründung des Kantons Aargau
1803 wurden mit der GrafschaftBaden auch
die beiden Judendörfer dem neuen Kanton angegliedert, doch anerkannte man die Juden noch nicht als Kantonsbürger.
Sie blieben auch jetzt auf die beiden Dörfer beschränkt. Die völlige politische und Rechtsgleichheit mit den christlichen
Bürgern erhielten sie erst im Lauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nachdem 1856 ein Bundesbeschluss allen Juden die
Befugnis zur Ausübung ihrer politischen Rechte im Heimatkanton gewährleistet hatte, erliess der Kanton Aargau
1862 ein
hierauf bezügliches Gesetz. Dagegen erhob sich aber unter der Leitung des Redaktors Schleuniger im ganzen Kanton eine starke
Opposition, der Grosse Rat wurde abberufen, und man verlangte Aenderung des Judengesetzes.
Das abgeänderte Gesetz fand jedoch nicht die Billigung der Bundesbehörden, so dass man auf den Ausweg verfiel,
den Juden zwar die Ausübung der politischen Rechte zuzugestehen, ihre eigentümliche Organisation aber beizubehalten. Erst 1877 wurden
die letzten Unterschiede beseitigt und die Judenkorporationen zu Ortsbürgergemeinden (Neu Lengnau und NeuEndingen) erhoben.
(Vergl. Haller, Ernst. Die rechtliche Stellung derJudenimAargau.
Aarau 1901). 1275: Lenginawe.