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Der 52. Super Bowl wird zum Duell der ungleichen Quarterbacks zwischen Rekordmann Tom Brady und Comebacker Nick Foles. Ungleich? Beim Erfolg ja, bei der Spielweise weniger.
Die New England Patriots mit Tom Brady gehen in Minneapolis (ab 0.30 Uhr Schweizer Zeit) als Titelverteidiger und klare Favoriten in den Final der National Football League gegen die Philadelphia Eagles. Mit einer erfolgreichen Titelverteidigung könnten die Patriots den Rekordtitelträger einholen, den sechsfachen Super-Bowl-Gewinner Pittsburgh Steelers.
Im Vorjahr schafften die Patriots in der spektakulärsten Super Bowl der Geschichte ein famoses Comeback. Quarterback Brady führte damals sein Team in einem dramatischen Final aus aussichtslos scheinender Lage noch zum Sieg. Die Atlanta Falcons lagen bereits mit 25 Punkten Vorsprung in Führung, am Ende siegten die Patriots 34:28 nach Verlängerung. Auch im diesjährigen Playoff-Halbfinal gegen die Jacksonville Jaguars führte Brady sein Team nach deutlichem Rückstand noch zum Sieg.
Längst steht Bradys Name in Goldschrift in den Geschichtsbüchern des American Football – vielen ist er GOAT, «The Greatest of All Time». Fünfmal hat er mit den «Pats» den Olymp des American Football erklommen, das gab es nie zuvor. Die nächstbesten Quarterbacks (Terry Bradshaw, Joe Montana) konnten je viermal die Vince-Lombardi-Trophäe hochhalten.
Zu Bradys fünf Super-Bowl-Siegen kommen vier Super-Bowl-MVP-Trophäen für den besten Spieler des NFL-Finals, ausserdem zwei NFL-MVP-Auszeichnungen für den besten Spieler der Liga. Kaum ein anderer Quarterback ist so wenig anfällig für Fehlpässe. Es ist die achte Teilnahme für Brady an einem Super Bowl, auch das ist eine Bestmarke. Er wird dann 40 Jahre und 185 Tage alt sein.
Kaum jemand kann die gegnerische Abwehr so lesen. Seine jüngste Handverletzung könnte nun allerdings ein Handicap sein. In Minneapolis sagte Brady mit nachdenklichem Blick auf seinen Spezialhandschuh: «Das ist noch nicht so weit, wie ich es gerne hätte.» Am Mittwoch trainierte der Superstar zwei Stunden lang unter voller Belastung, die Wurfhand war dabei nur noch schwarz bandagiert.
Brady, 1.93 Meter gross und gut 100 Kilo schwer, ist ein Weltstar. Er gilt für viele als der beste Quarterback überhaupt. Verheiratet mit dem früheren Supermodel Gisele Bündchen, ausgestattet mit millionenschweren Werbeverträgen, ist er ein strahlender All-American-Boy. Er spielte in Filmen mit und wurde in der Serie «The Simpsons» verewigt.
Doch zuletzt gab es auch Risse in der Fassade des Superstars. Brady soll sich mit Erfolgstrainer Bill Belichick verkracht haben. Der Grund: Bradys persönlicher Fitnesstrainer Alex Guerrero. Dieser gilt als eine Art Guru, hat chinesische Medizin studiert und ist ein Befürworter alternativer Behandlungsmethoden.
In seinem «TB12 Sports Therapy Center» direkt neben dem Gillette Stadium in Foxborough behandelte Guerrero zunehmend auch andere Patriots-Spieler. Sehr zum Ärger von Belichick, der den Brady-Arzt daraufhin von der Seitenlinie, aus der Garderobe und dem Team-Flieger verbannte.
Zum Zwist zwischen Belichick und Brady soll ausserdem der Trade von Ersatz-Quarterback Jimmy Garoppolo zu den San Francisco 49ers beigetragen haben, der ohne Einverständnis von Belichick über die Bühne ging. Der Patriots-Headcoach baute Garoppolo als einstigen Brady-Nachfolger behutsam auf, doch Gerüchten zufolge empfand der «GOAT» die Nummer 2 als echte Gefahr, weshalb er sich für den Wechsel bei Klub-Besitzer Robert Kraft stark gemacht haben soll. Auswirkungen auf Sportliche hatte der Streit, den sofort alle Beteiligten dementierten, aber nicht.
Sein Gegenüber heisst Nick Foles (29), ist 1.94 Meter gross und 110 Kilo schwer. Damit sind die Parallelen zu Brady aber auch schon fast erschöpft. Als der Patriots-Spielmacher seinen ersten Super Bowl gewann, war Foles 13 Jahre alt. Dass der Texaner nun überhaupt aufläuft in Minneapolis, liegt an der Verletzung von Carson Wentz. Auf dem besten Weg zum MVP der NFL erlitt der Nummer-1-Quarterback der Eagles einen Kreuzbandriss.
Damit galt die Saison der Eagles als abgeschrieben, hatte Foles doch einen allenfalls durchwachsenen Ruf. Es folgte eine amerikanische «Cinderella-Story» – vom Abstellgleis ins Rampenlicht. 2013 hatte Foles eine phänomenale Saison: Ein Spiel mit 22 von 28 Pässen im Ziel, den Rekord von sieben Touchdowns in einer Partie eingestellt, imponierende 411 Yards Raumgewinn.
Dann verletzte er sich an der Schulter, erlitt eine schwere Leistungseinbusse, wechselte nach St. Louis und Kansas und verschwand so in der Versenkung, dass er mit 26 an Rücktritt dachte. Im März 2017 kehrte er mit einem Zweijahresvertrag zu den Eagles zurück – und hatte nach Wentz' Verletzung im Dezember seine Chance.
Foles begann schwach, dann kam das Selbstvertrauen zurück, und im Halbfinal gegen die Minnesota Vikings war er grandios. Präsent und präzise zerlegte er die beste Abwehr der NFL, konnte seine Leistung danach selbst gar nicht glauben. Foles gilt jedoch als extrem wankelmütig und unkonstant. Das ist für die Fans der Eagles eine echte Herausforderung, für den Gegner aber auch. Mit welchem Gesicht zeigt sich Philadelphia, worauf stellt man sich ein?
Je länger Foles den Ball hält, umso mehr zeigen sich seine Unzulänglichkeiten. Das bedeutet Schwerarbeit für seine unmittelbare Deckung, die «Pocket» sauber zu halten, den Raum um den Quarterback. Wie Brady wirft Foles am liebsten aus dieser Pocket, ein Lauf ist für die beiden Quarterbacks nur eine Notfall-Option.
Brady hält mit einem Touchdowns-Interceptions-Verhältnis von 28:2 in mindestens 300 Wurfversuchen einen Rekord (2016). Der vorherige stammte aus dem Jahr 2013. 27:2, gehalten von Nick Foles. Dieser wird nun das Spiel seines Lebens zeigen müssen, um die Eagles zum Sieg zu führen. In der laufenden Saison erzielten Bradys Patriots mit einer Ausnahme immer mindestens 20 Punkte, und in acht Partien waren es mehr als 30.
Gemeinsam mit Brady will Belichick, der ebenso eigenwillige wie berüchtigte Erfolgstrainer der Patriots, sein imponierendes Palmarès um ein Kapitel erweitern. Fünf Super-Bowl-Erfolge hat er mit den Patriots geschafft, zwei weitere als Abwehr-Coach der New York Giants, mit denen er 1987 und 1991 triumphierte.
Demut und Disziplin, gegebenenfalls auch grenzwertige «Raffinesse» sind Fundamente der Ära Belichick bei den Patriots, die schon seit 2000 andauert. Seitdem war kein NFL-Team auch nur annähernd so erfolgreich. Auch Star-Spielmacher Tom Brady steht seit fast 18 Jahren beim Team aus Massachusetts unter Vertrag. (pre/sda)