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Man kann wahrlich nicht sagen, Gottéron habe einen grossen Namen verpflichtet. Mark French war weder ein bekannter Spieler, noch hat er es als Trainer ins Rampenlicht geschafft. In den letzten drei Jahren war er Trainer der Calgary Hitmen, einem Team aus der Western Hockey League, einer kanadischen Junioren-Liga. Dennoch war Sportchef Christian Dubé gestern Abend allein schon an seiner auffallend guten Laune anzumerken, dass er überzeugt ist, einen guten Trainer verpflichtet zu haben. «Mark ist genau so ein Trainer, wie wir ihn gesucht haben. Ein junger Coach der neuen Generation, der zu den Spielern sprechen kann.» Er habe mit vielen Leuten geredet, die schon mit French zusammengearbeitet haben. «Mark ist überall sehr respektiert.»
Erfolge in AHL und KHL
Bei genauerem Hinschauen sind tatsächlich auch Erfolge erkennbar. 2009 und 2010 gewann er mit dem AHL-Team Hershey Bears zweimal den Calder Cup – einmal als Assistent, einmal als Headcoach. In seiner einzigen Saison ausserhalb von Nordamerika führte French, der übrigens weder Französisch noch Deutsch spricht, Medvescak Zagreb in der ersten KHL-Saison des Clubs 2014 überraschend in die Playoffs. «Das zeigt, dass er auch europäische Mannschaften coachen kann. Zagreb hätte ihn gerne behalten.» Aus familiären Gründen kehrte French jedoch zurück nach Kanada zu seiner Frau und seinen zwei Kindern. Bei seinem Engagement bei Gottéron wird das ganz anders sein: French nimmt seine Familie mit nach Freiburg.
Das Klischee besagt, dass nordamerikanische Trainer im Umgang mit den Spielern autoritär sind und nur über das Nötigste mit ihnen reden. «Mark entspricht diesem Klischee überhaupt nicht», sagt Dubé. «Er ist ein hervorragender Kommunikator. Er hat einen Bachelor in Psychologie und ist sehr intelligent.»
Mitte Mai war French für Verhandlungen bereits drei Tage in Freiburg. «Ich habe ihn als sehr angenehmen Menschen kennengelernt», sagt Dubé. Der Sportchef nennt ihn einen Trainer, der die Spieler kennenlernen wolle, der genau wisse, wie man mit verschiedenen Charakteren umgehen müsse. Er sei nicht nur in Sachen Eishockey ein guter Kommunikator. Dubé wechselt plötzlich ins Englische, weil er kein passendes Wort für den Begriff «care» findet. «He cares about his players», sagt er. French sei das Wohlergehen der Spieler sehr wichtig, damit sorge er für ein gutes Klima.
Unvoreingenommen und neutral
Worüber French nicht viel weiss: das Schweizer Eishockey und erst recht Freiburg-Gottéron. Vor allem den zweiten Punkt betrachtet Dubé als Plus. «Ich finde es gut, dass ein Trainer von ausserhalb kommt.» Freiburg sei ein spezielles Pflaster, es seien immer viele Emotionen im Spiel. «Deshalb tut es gut, dass nun ein Trainer kommt, der unvoreingenommen und neutral ist und seine eigenen Ideen mitbringt.»
Christian Dubé erlebte als Spieler eine ähnliche Situation, als der Kanadier John van Boxmeer als Liga-Neuling 2006 beim SC Bern sein Trainer wurde. «Das brachte damals sofort neue Energie in die Mannschaft, weil jeder Spieler sich dem Trainer neu beweisen wollte und musste.» Einen ähnlichen Effekt erhofft sich Dubé nun mit French bei Gottéron.
Ein gutes Zeichen ist jedenfalls schon mal, dass an seiner bisherigen Wirkungsstätte Frenchs Abgang bedauert wird. «Er hat eine Verpflichtung zu Exzellenz und Charakter durchgesetzt», sagte Mike Moore, Vize-Präsident der Calgary Hitmen, gestern in einem Interview mit der Zeitung Calgary Herald. «Damit hat er die Spielkultur und die Einstellungen unserer Spieler geprägt. Er wird uns fehlen. Wir sind überzeugt, dass er in seiner neuen Aufgabe erfolgreich sein wird.»