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Der Verlag Axel Springer und ProSiebenSat.1 reden über einen möglichen Zusammenschluss. Der Deal würde einen neuen Grosskonzern hervorbringen.
Axel Springer und ProSiebenSat.1 prüfen nach Informationen von Insidern einen Zusammenschluss zu einem neuen deutschen Mediengiganten. «Es gibt solche Absichten», sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. «Die Gespräche sind aber noch in einem sehr frühen Stadium.» Ein zweiter Insider sagte, ein möglicher Deal sei eher eine Frage von Monaten als von Wochen. Friede Springer, die Grossaktionärin des Verlags, sei über die Gespräche unterrichtet. ProSiebenSat.1 hat keine dominierenden Aktionäre mehr, seit die Finanzinvestoren KKR und Permira ihre Anteile komplett an die Börse brachten.
Führungsrolle für Fernsehsender
Das «Wall Street Journal» berichtete unter Berufung auf Eingeweihte, den Plänen zufolge solle der Fernsehkonzern bei einem Zusammenschluss die Führungsrolle übernehmen. Die beiden Unternehmen lehnten Stellungnahmen zu den Informationen ab.
Bereits vor rund zehn Jahren hatte der Zeitungskonzern Axel Springer einen Zusammenschluss mit der Fernsehgruppe ProSiebenSat.1 versucht. Das Vorhaben scheiterte allerdings am Widerstand des Bundeskartellamts und der Medienaufsicht, der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). Zu gross wären nach ihrer Ansicht die Markmacht und die Meinungsmacht eines Konzerns gewesen, der unter anderem Deutschlands grösste Boulevardzeitung «Bild» und einige der grössten Privatsender des Landes vereint hätte.
Im vergangenen Jahr gewann Axel Springer allerdings einen jahrelangen Rechtsstreit gegen die KEK. Das Bundesverwaltungsgericht entschied, eine Übernahme des TV-Konzerns wäre medienrechtlich unbedenklich gewesen. Mit dem juristischen Sieg stiess Springer die Tür für ein Zusammengehen wieder ein Stück weit auf. Dennoch dürften die regulatorischen Hürden auch für den neuen Anlauf hoch sein.
Dominator auf TV-Platz
Axel Springer erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut drei Milliarden Euro. ProSiebenSat.1 kam auf 2,9 Milliarden Euro. Die gemeinsame Marktkapitalisierung beträgt knapp 15 Milliarden Euro. Springer hatte einen Grossteil seiner Zeitungen an den Regionalzeitungskonzern Funke («WAZ») abgegeben, ist aber nach wie vor einer der grössten Verleger des Landes. Sowohl Springer als auch ProSiebenSat.1 haben in den vergangenen Jahren ihr Digitalgeschäft massiv ausgebaut und zählen zu den grössten Internetportalbetreibern Deutschlands. ProSiebenSat.1 teilt sich den deutschen Privatfernsehmarkt fast allein mit dem Erzrivalen RTL Group aus dem Hause Bertelsmann.
(reuters/chb)