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Der Trump World Tower ist eines der höchsten Bauwerke der Welt. Mit einer Höhe von 262 Metern symbolisiert der Wolkenkratzer die Macht von Investor Donald Trump, des zurzeit mächtigsten Mannes der Welt. Man kann vom gegenwärtigen US-Präsidenten halten, was man will. Tatsache ist aber, dass er sich durchzusetzen versteht. Dies demonstriert der Trump World Tower eindrücklich: Aufgrund des Baurechts von Manhattan war es zulässig, den Nachbarn das Recht, in die Höhe zu bauen, mit einem „Luftrechtehandel“ abzukaufen und diese Höhenmeter dem eigenen Gebäude zuzuschlagen. Kein Problem für einen wie Trump! Mit Geld lässt sich alles kaufen. Mit dem von ihm geprägten Begriff „free looking/high price“ könne er garantieren, dass seine Wohnungen einen optimalen Blick über die Skyline von Manhattan garantieren, da kein Bauwerk in Zukunft die Sicht durch eine höhere Bebauung einschränken werde. Trump hat eine eigene Wohnung im obersten Stockwerk des Trump Towers. Der Trump World Tower auf der United Nations Plaza an der First Avenue in Manhattan steht für den Slogan „Trump First“ genauso wie für „America First“. Doch nun zeichnen sich Risse ab im Imperium des mächtigen US-Präsidenten.
„Nur ich stehe zwischen dem amerikanischen Traum und totaler Anarchie und Chaos.“Donald Trump bei einem Auftritt in Arlington am 21. August dieses Jahres.
Nach der Nominierung von Joe Biden zu seinem Gegenkandidaten bei der Präsidentenwahl hat US-Präsident Donald Trump die Bemühungen verstärkt, seine Anhänger mit Schreckensszenarien für den Fall des Wahlsiegs der Demokraten im November zu mobilisieren. Der frühere Vizepräsident Biden hatte in dieser Woche in seiner Nominierungsrede auf dem Parteitag der Demokraten versprochen, das Land bei einem Wahlsieg im November „aus der Dunkelheit“ herauszuführen, mit der Trump es überzogen habe. Trump konterte postwendend. Seine Amtszeit sei bis zur Corona-Krise „der erfolgreichste Zeitraum in der Geschichte unseres Landes gewesen, nach jedem Massstab“, erklärte er.
Ein Enthüllungsbuch des ehemaligen Sicherheitsberaters des Weissen Hauses stürzt nun aber Trumps Präsidentschaft „in tiefste Dunkelheit“, um die Worte seines Gegenkandidaten bei der Präsidentschaft zu gebrauchen. Das Buch erscheint in diesen Tagen auch in deutscher Sprache. (John Bolton: Der Raum, in dem es geschah. Erinnerungen aus dem Weissen Haus. Verlag „Das neue Berlin“, 2020). John Bolton hatte die Präsidentschaft von Donald Trump über 453 Tage genau recherchiert und dabei erschreckende Fehltritte Trumps aufgedeckt. Wie in Amerika üblich, hatte Autor Bolton dem Weissen Haus bereits Ende Dezember eine Kopie des Manuskripts zur Überprüfung zur Verfügung gestellt. Im Januar dieses Jahres, ausgerechnet während des Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump im Senat, hatten die Medien erstmals über das Buch berichtet. Daraufhin versuchte die Trump-Regierung mit allen Mitteln, die Veröffentlichung des Buches zu verhindern. Dies lässt erahnen, wie brisant der Inhalt ist.
„Wo Joe Biden amerikanische Dunkelheit sieht, sehe ich amerikanische Grösse.“Donald Trump bei einem Auftritt am 21. August dieses Jahres.
John Boltons Enthüllungen kommen wenig überraschend. Der ehemalige Sicherheitsberater des Weissen Hauses stellt Donald Trump über weite Strecken im Buch dar als inkompetent und ungeeignet für das Amt des amerikanischen Präsidenten. Bolton deckt aber auch die angebliche Vetternwirtschaft des amtierenden Präsidenten auf. Trump wende derzeit ein höchst erfolgreiches Rezept an, das schon so manchem US-Präsidenten aus dem Schlammassel geholfen hat: Wenn es innenpolitisch nicht mehr klappt, soll es die Aussenpolitik richten. So soll Trump den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping um Hilfe gebeten haben für seine Wiederwahl. Dem türkischen Präsidenten Erdogan soll Trump sogar versprochen haben, die laufenden Ermittlungen gegen dessen kriminelle Machenschaften zu blockieren. Auch der neue Friedensplan für den Nahen Osten, den Trump soeben euphorisch präsentiert hat, sei reine Wahlpropaganda, moniert Bolton in seinem Buch. Selbst der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll sich skeptisch zum Friedensplan von Trump geäussert haben.
„Ist nun Finnland eigentlich ein Teil von Russland?“, habe Trump seine Berater gefragt, erinnert sich Bolton. Mit solchen und ähnlichen Äusserungen soll sich der amtierende US-Präsident unmöglich gemacht und seine Inkompetenz zur Schau gestellt haben. Möglicherweise hat der ehemalige Sicherheitsberater John Bolton jedoch auch sich selber verwundbar und angreifbar gemacht. In „Der Raum, in dem es geschah“ gibt er sensible Informationen aus diplomatischen Sitzungen preis. Sowas dürfte ein Nachspiel haben. In Boltons Skandalbuch geht es nicht bloss um Aufzeichnungen eines geschäftstüchtigen Promi-Autors. Es handelt sich um die Erinnerungen des ehemaligen Sicherheitsberaters des Weissen Hauses. Das Skandalbuch liefert damit haufenweise Zündstoff nicht nur innerhalb, sondern auch ausserhalb der Buchdeckel.
Text, Foto und Radiosendung: Kurt Schnidrig