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Deutsch: Herodot Historien Buch II (Herodots Text online)
Schiffsfahrt
96. Die Kähne für die Lastfahrt werden bei ihnen aus dem Holz von Akazien gebaut, deren Gestalt am ehesten dem Kreuzdorn in Kyrene ähnelt und deren Harz das Gummi ist. Aus diesen Akazien also hauen sie Schiffshölzer zu, etwa zwei Ellen lang, und fügen sie in Schichten zusammen, wie man Ziegel versetzt, und zwar bringen sie es so in Schiffsform: Sie setzen die zwei Ellen langen Balken auf kräftige lange Pflöcke, die hindurchgehen, und nachdem sie das Schiff auf diese Weise zusammengefügt haben, spannen sie oben Querbalken darüber, Spanten aber verwenden sie gar nicht. Innen verstopfen sie die Fugen mit Papyrusbast. Steuer machen sie nur eins, und das wird hinten durch den Mittelbalken geführt. Für den Mast gebrauchen sie Akazienholz, für die Segel Papyrusbast. Diese Kähne können nicht stromaufwärts fahren, es sei denn, es geht ein frischer Wind, sondern werden vom Land aus gezogen, stromab aber geht die Fahrt so vor sich: Es ist ein Floss aus Tamarisken vorhanden, mit einer Schilfmatte zusammengefasst und dann ein durchbohrter Stein, etwa zwei Talente schwer. Nun lässt man das Floss, das vorn am Schiff mit einem Tau festgebunden ist, ins Wasser und dahintreiben, und den Stein, auch an einem Tau, hinten. Das Floss wird nun von der Strömung erfasst und geht rasch dahin und zieht die Baris - das ist nämlich der Name dieser Kähne-, der Stein aber, der hinten nachschleppt und tief unten ist, hält den Kahn in der richtigen Stellung. Von diesen Fahrzeugen haben sie sehr viele, und einige können viele tausend Talente Last tragen.
Bau der Pyramiden
124. Bis auf den König Rhampsinitos nun, sagten sie, habe es in Ägypten allewege eine gute und gerechte Ordnung gegeben und Ägypten sei es sehr gut gegangen, nach ihm aber sei Cheops ihr König geworden, und der brachte Schlimmes in Fülle. Denn er habe gleich alle Tempel geschlossen und das Volk am opfern gehindert, dann aber befohlen, alle Ägypter hätten für ihn zu arbeiten. Da sei denn den einen auferlegt worden, aus den Steinbrüchen, denen im arabischen Gebirge, aus denen also die Steinblöcke bis zum Nil zu ziehen. Die Steinblöcke, auf Kähnen über den Fluss gebracht, auszuladen, legte er andern auf, und sie dann nach dem Gebirge zu, das man das libysche nennt, weiter zu ziehen. Und es waren immer zehnmal zehntausend Menschen bei der Arbeit, jeweils drei Monate lang. Zehn lange Jahre dauerte es, bis das geplagte Volk die Strasse gebaut hatte, auf der sie die Stein zogen, und ihre Erbauung war eine Leistung nicht viel geringer als die Erbauung der Pyramide, meine ich jedenfalls; denn lang ist sie fünf Stadien und breit zehn Klafter und hoch, da wo sie am meisten herausragt, acht Klafter, und ist aus geglätteten Steinen, und Bilder sind darin eingemeisselt. Also zehn Jahre vergingen darüber und über dem Bau der Kammern in dem Hügel, auf dem die Pyramiden stehen. Diese Kammern unter der Erde erbaute er als Grüfte für sich, auf einer Insel, denn er leitete einen künstlichen Nilarm herzu. Aber zwanzig Jahre dauerte es, die Pyramide selber zu bauen, deren Fronten, eine wie die andre, denn sie ist quadratisch, acht Plethren messen, und die Höhe das gleiche, und die Stein sind geglättet und genau aneinander gepasst. Kein Steinblock ist kleiner als dreissig Fuss.
125. Der Bau dieser Pyramide ging so vor sich: abgestuft wie Treppen, oder wie Absätze oder Altarstufen, wie man's auch nennen kann. Nachdem sie das Unterste gelegt hatten, hoben sie die weiteren Stein mit Hebewerken, die aus kurzen Balken gebaut waren, und so hoben sie die vom Boden auf den ersten Absatz der Stufenfolge. Und wenn ein Stein dann auf ihm war, wurde er auf ein weiteres Hebewerk gelegt, das auf der ersten Stufe stand, und von dieser Stufe wurde der Stein, mit dem weiteren Hebewerk, auf die zweite Stufe gehoben. Denn soviel Stufen es waren, soviel Hebewerke waren es auch; oder es war auch dasselbe Hebewerk, ein einziges nur und leicht zu transportieren, und das schafften sie von Stufe zu Stufe, nachdem sie den Stein von ihm weggenommen hatten. Denn ich will beide Arten angeben, so wie man es mir auch erzählt hat. Fertig gemacht wurde nun zuerst das oberste, dann machten sie das jeweils Anschliessende fertig, und erst zuletzt machten sie's endgültig fertig, mit dem Untersten, dem auf dem Boden. Und in ägyptischer Schrift ist auf der Pyramide angegeben die Gesamtsumme, die ausgegeben worden ist allein für Rettich und Zwiebeln und Knoblauch zur Betreuung der Arbeiter, und wie ich mich ganz gut erinnere, nach dem, was der Dolmetscher sagte, als er mir die Inschrift vorlas, sind eintausend und sechshundert Talente Silber dafür ausgegeben worden. Wenn sich das wirklich so verhält, was muss da sonst noch alles draufgegangen sein für all das Eisen, mit dem sie die Steine bearbeiteten, und für die eigentliche Beköstigung und die Kleidung der Arbeiter. Wenn es so lange dauerte, wie ich eben sagte, dass sie am Bau selber arbeiteten, dann dauerte es noch eine weitere Zeit, möchte ich meinen, dass sie die Stein brachen und sie hinbrachten und am Aushub unter der Erde arbeiteten, und das keine geringe.
126. Und Cheops sei so weit in seiner Raffgier gegangen, dass er, da er immer Geld brauchte, seine eigene Tochter in ein öffentliches Haus brachte und ihr auferlegte, Geld einzunehmen, so und so viel; den Betrag nämlich konnten sie nicht nennen. Und sie brachte die Summe zusammen, die der Vater ihr auferlegt hatte. Sie gedachte aber auch, sich selber ein Denkmal zu hinterlassen, und jeden, der mit ihr schlief, bedrängte sie, dass er ihr einen ganzen Stein verehrte, einen aus den Werkstätten. Aus diesen Steinen, sagten sie, sei die Pyramide gebaut, die in der Mitte steht von den dreien, vor der grossen Pyramide, und jede ihrer Seiten beträgt anderthalb Plethren.
127. Geherrscht hat dieser Cheops, sagten die Ägypter, fünfzig Jahre, als er aber schliesslich starb, habe sein Bruder die Herrschaft übernommen, Chephren. Und der habe es genau so gemacht wie der andere, in allen Stücken, und so habe auch er eine Pyramide gebaut, die freilich in den Ausmassen der seines Bruders nicht beikam - nämlich sie hab ich nun selber ausgemessen -; also einmal sind da keine Kammern darunter, unter der Erde, und darin führt zu ihr auch kein Graben vom Nil wie zu der anderen; in den fliesst das Wasser durch einen gemauerten Eintrittskanal hinein und bildet eine Insel, und auf der liegt Cheops selber begraben, sagen sie. Chephren errichtete unten eine Stufe mit der Behausung, aus farbigem aithiopischem Stein, und baute seine Pyramide mit sonst gleichen Massen, blieb aber in der Höhe vierzig Fuss unter der andern, der grossen. Es stehen aber beide auf der gleichen Erhebung, die ungefähr hundert Fuss hoch ist.
128. Geherrscht hat Chephren, sagten sie, sechsundfünfzig Jahre. Damit zählen sie hundert und sechs Jahre, solange habe es bei den Ägyptern Übel über Übel gegeben, und während dieser ganzen Zeit seien die geschlossenen Tempel nicht einmal geöffnet worden. Von diesen beiden möchten die Ägypter in ihrem Hass am liebsten nicht einmal die Namen erwähnen, und auch die Pyramiden nennen sie nach Philitis, einem Hirten, der zu der Zeit seine Herden in dieser Gegend hütete.
129. Nach diesem, sagten sie, wurde König von Ägypten Mykerinos, Cheops' Sohn; der missbilligte, was sein Vater getan, und er öffnete wieder die Tempel und entliess die Leute, aus denen man das Letzte herausgeholt hatte, zu ihren eignen Tätigkeiten und zu den Opferfesten, und sprach ihnen Recht gerechter als alle anderen Könige. Und weil er solches getan hat, preisen sie von all den Königen, die Ägypten gehabt hat, ihn am meisten. Denn er habe alles wohl gerichtet und sogar dem, der sich zu beklagen hatte über ein Urteil, manches aus seinen eignen Mitteln dazugegeben, um den Menschen zufriedenzustellen. Doch so mild Mykerinos gegen das Volk war und so Gutes er tat, das Unglück kam. Es begann damit, dass seine Tochter starb, das einzige Kind in seinem Hause. Er grämte und härmte sich über dies Leid, das ihn traf, und hatte den Wunsch, seine Tochter in besonderer Weise zu begraben, anders als andere, und machte eine hölzerne Kuh, innen hohl, und vergoldete sie dann, und in ihrem Inneren bestattete er diese seine verstorbene Tochter.
130. / 131. / 132. / 133. (über die Tochter von Mykerinos)
134. Auch er hinterliess eine Pyramide, aber eine viel kleinere als sein Vater. Jede Seite des Quadrats war drei Plethren lang weniger zwanzig Fuss, und zur Hälfte war sie aus aithiopischem Stein. Die schreiben einige der Hellenen der Hetäre Rhodopis zu, doch zu Unrecht. Leute, die das behaupten, wissen doch offensichtlich gar nicht, wer diese Rhodopis wirklich gewesen ist - denn sonst würden sie ihr nicht den Bau einer solchen Pyramide zuschreiben, die, möchte ich meinen, Tausende und aber Tausende von Talenten gekostet haben wird. Und dann fällt Rhodopis' Lebensmitte in die Zeit von König Amasis und nicht von diesem. Denn viele, viele Jahre später als diese Könige, die diese Pyramiden hinterlassen haben, hat Rhodopis gelebt, die der Herkunft nach eine Thrakerin war und die Sklavin des ladmon, Hephaistopolis' Sohn, eines Samiers, und Mitsklavin des Alsopos, des Fabeldichters. Auch der war nämlich Iadmon zu eigen, wie vor allem aus folgendem hervorgeht: Nachdem die Delpher schon öfter, auf Grund eines Götterspruchs, öffentlich Umfrage gehalten hatten, wer das Bussgeld für Aisopos' Tötung entgegenzunehmen wünsche, meldete sich sonst niemand, nur ein Sohn des Sohnes des Iadmon, wieder ein ladmon, gab Antwort und nahm es entgegen. Danach ist auch Aisopos Eigentum des ladmon gewesen.
Anmerkungen
Zu 125: Das Wort "Hebewerk" wird in englischen Texten nur als "Maschine" übersetzt. Für Herodot (2000 Jahre später) war es klar, dass die Steine nur mit Eisen bearbeitet werden konnten. Eisen war jedoch immer noch sehr teuer, da die Herstellung aufwendig war.