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Legionsziegeleien der Römer
Legionsziegeleien der Römer
Die Römer und insbesondere das römische Militär brachte mediterrane Bautechnik in die Schweiz. Eine dieser Neuerungen war die Verwendung von Dachziegeln aus gebranntem Ton, welche viel dauerhafter waren als die bisher anhin üblichen Holzschindeln und auch einen grösseren Schutz gegen Feuer boten. Neben den einmaligen Funden und Befunden des Legionslagers von Vindonissa stellen die spektakulären Überreste der Legionsziegeleien von Hunzenschwil eine der bedeutendsten römischen Fundstellen im Kanton Aargau dar. Die Ziegel mit den Stempeln der XXl und Xl Legion sind im Legionslager von Vindonissa und den zivilen römischen Siedlungen im Aargau allgegenwärtig.
Seit dem 19. Jh. ist bekannt, dass die in Vindonissa stationierten Legionen in Hunzenschwil Ziegeleien unterhielten und dort im grossen Stil Dachziegel, Baukeramik und Keramikgefässe herstellten. Welche Dimensionen die Werkstätten einst hatten, wird dank neuer Grabungen fassbar: Die 2002 und 2005 untersuchten Reste der Ziegeleien von Hunzenschwil stellen notabene die älteste Industrieanlage der Schweiz dar und sind von grosser Bedeutung für die provinzialrömische Forschung der nördlichen Alpen.
Zwei Ziegelöfen und ein Töpferofen
Anfang Juli 2002 erreichte die Kantonsarchäologie die Meldung, dass beim Aushub für einen Industriebau in der Gemeinde Hunzenschwil überraschend eine «grosse Menge an römischen Ziegeln» zum Vorschein gekommen sei. Ein Augeschein vor Ort zeigte sogleich, dass sich die Baustelle mitten im Gebiet der bekannten Legionsziegeleien befand.
Auf dem Baugelände konnten die Reste von drei Brennöfen festgestellt und untersucht werden. Die beiden grossen Öfen 1 und 2 dienten der Herstellung von Ziegeln und Baukeramik. Im dritten, kleineren Ofen 3 befanden sich noch Gefässfragmente als Überreste des Brenngutes des letzten Brennvorgangs, weshalb er als Töpferofen identifiziert werden konnte.
Beide Ziegelöfen waren zum grössten Teil aus gebrannten Ziegeln errichtet. Die Arbeitsgruppen waren mit niedrigen, mit Ziegelschutt hinterfüllten Mäuerchen eingefasst, die vorwiegend aus geschichteten Leistenziegeln bestanden und mit Lehm gefugt waren. Für das Ofenportal von Ofen 2 und die darauf zu führende Arbeitsgrubenwand fanden hingegen grössere und stärkere Ziegelplatten Verwendung. Im Inneren der Arbeitsgrube von Ofen 2 lagen verschiedene verstürzte, zum Teil stark verbackene und verbrannte Teile der Brennkammer. Die Böden der Arbeitsgruben waren bei beiden Öfen mit recht dicken Holzkohlen- und Aschenschichten bedeckt.
Der sehr gut erhaltene Töpferofen befand sich im unmittelbaren Baugrubenbereich, weshalb ursprünglich eine Blockbergung des ganzen Ofens erwogen wurde, was jedoch an den dafür notwenigen finanziellen und technischen Erfordernissen scheiterte. Bei allen drei 2002 untersuchten Öfen handelt es sich um so genannte Turmöfen. Turmöfen sind nach oben hin offen und werden lediglich für den jeweiligen Brennvorgang durch eine mehr oder weniger dicke Lehmschicht verschlossen. Diese wird dann beim Ausräumen des Ofens nach dem Brand zerbrochen.
In der unmittelbaren Umgebung der Öfen konnten einige sehr grosse Pfostengruben festgestellt werden, die auf ein Dach deuten. Die Konstruktion und der Typ der Öfen bedingten eine Überdachung der gesamten Anlage: Luft getrocknete Lehmziegel sind nicht regenfest und halten deshalb unseren klimatischen Bedingungen nicht stand. Ebenso wäre die nach oben hin offene Brennkammer vermutlich recht schnell von den in unseren Regionen üblichen Niederschlägen bis zur Unbrauchbarkeit in Mitleidenschaft gezogen worden.
Lagerhallen und Infrastrukturbauten
Von April bis August 2005 wurde 150 m südlich der 2002 untersuchten Öfen eine Fläche von 3000 m2 ausgegraben. Hier befanden sich einst einige Fabrikationseinrichtungen und Lagerhallen der Ziegelei. Erste Benutzungsspuren des Areals zeigen sich als Brandspuren nicht näher bestimm- und datierbarer Bauten. Nach dem Brand wurden auf dem untersuchten Gelände mindestens zwei Pfostenbauten errichtet, deren Funktion nicht geklärt werden konnte. Zahlreiche Wannen und Gräbchen dienten dem Zu- und Abführen von Brauch- und Dachwasser.
Weder Stratigraphie noch Funde erlauben leider keine eindeutige Datierung dieser älteren Bauten und Einrichtungen in die Zeit der XXl Legion (45-69 n.Chr.). Sicher ist, dass die Xl Legion, als sie zwischen 70 und 101 n.Chr. die Ziegeleien betrieb, das Areal grossflächig umnutzte. Die älteren Gebäude waren damals entweder bereits verfallen oder wurden abgebrochen. Bei der Neuorganisation des Geländes verwendete die Xl Legion grosse Mengen der Ausschussware als Baumaterial.
Mit solchem Ziegel- und Ofenschutt wurde eine Planie aufgeschüttet, darüber kam ein Lehmestrich. Mit Ziegeln und Lehm wurden mehrere, einst überdachte und mit hölzernen Wannen versehene Becken, die wohl als Schlammgruben dienten und die nun nicht mehr benutzten Wasserleitungen der älteren Anlagen verfüllt. Darüber erstellte man grosse Pfostenbauten. Die gewaltigen Dimensionen besonders der grossen Halle von mindestens 55 x 18 m lassen vermuten, dass es sich dabei um Fertigungs- und insbesondere Trocknungshallen für die Ziegel und Baukeramik handelte.
Die grosse Halle erfuhr während ihrer Benutzungszeit erneut einige An- und Umbauten. Zu den neu erstellten Einrichtungen gehörte unter anderem ein rundes, überdachtes Bassin, das im Laufe der Benutzungszeit der grossen Halle aufgelassen und verfüllt wurde und ein kleines aus Leistenziegeln gesetztes Becken.
In den 2002 ausgegrabenen Öfen wie auch im umgebenden Schutt und den Resten der 2005 untersuchten Infrastrukturbauten fanden sich zahlreiche Ziegel mit dem Stempel der XXl und der Xl Legion, die den Betrieb der Ziegeleien in der zweiten Hälfte des 1. Jh. n.Chr. belegen. Diese Datierung stützt auch die im Töpferofen von 2002 und gelegentlich in den Ziegelpanien gefundene Gefässkeramik. Ältere, namentlich in der Zeit der Xlll Legion datierenden Überreste fanden sich ebenso wenig wie Hinweise darauf, dass die Ziegelei von Hunzenschwil nach dem Abzug des Militärs um 101 n.Chr. weiter produzierte.
(Text und Bilder stammen von der Kantonsarchäologie Aargau aus Brugg)
Legionsziegeleien Hunzenschwil (2005)
Die Grabungsfläche nach dem ersten Abtrag. Um die Grösse der Gebäude zu veranschaulichen, wurden Holzstämme an die Stelle der zu diesem Zeitpunkt sichtbaren Pfostengruben gestellt. In Nachhinein erwies sich die grosse Trocknungs- und Lagerhalle im Mittelgrund als noch wesentlich grösser.
Legionsziegeleien Hunzenschwil (2002)
Seitliche Ansicht des Töpferofens mit dem ausgeräumten Schürkanal und den Einfassungen der davor liegenden Arbeitsgrube. Am Boden der Arbeitsgrube zeigt sich eine fette Kohle- und Ascheschicht.
Legionsziegeleien Hunzenschwil (2005)
Mit Leistenziegeln ausgekleidetes und mit Lehm abgedichtetes Becken. 1.5 x 1.5 m grosse und mind. 40 cm tiefe Becken diente möglicherweise als Schlämmbecken.
Legionsziegeleien Hunzenschwil (2005)
Negative zweier Schlämmbecken. Im runden Becken im Hintergrund sind die Lehm verfüllten Vertiefungen für die Unterzugsbalken der einstigen Holzwanne sichtbar. Das rechteckige Becken im Vordergrund beinhaltete ursprünglich ebenfalls eine Holzwanne.