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Vorbemerkung
Dieses Kapitel will einen kurzen Einblicke in das Hoffnungsverständnis verschiedener grosser Weltreligionen gegeben.
Bei dieser kurzen Einführung in die Bedeutung von Hoffnung in den Weltreligionen muss aber beachtet werden, dass diese Religionen im Detail betrachtet aus einer Vielzahl von religiösen Schulen, Bekenntnissen und Strömungen bestehen, die sich jeweils auf unterschiedliche geistliche Lehrer und zahlreiche Interpretationen ihrer religiösen Schriften berufen.
Um die Bedeutung von Hoffnung in den verschiedenen Glaubens- und Religionsgemeinschaften vergleichen zu können, muss zudem berücksichtigt werden, wie stark das Verständnis von Hoffnung kulturell, historisch und sprachlich geprägt ist. In einem späteren Kapitel weisen wir auf die Bandbreite der Synonyme und Antonyme für das Wort „Hoffnung“ in der deutschen Sprache hin. So darf ein fundierter interreligiöser Vergleich nicht zu schmal auf das Wort „Hoffnung“ fokussieren, sondern muss auch in einer linguistischen Analyse der entsprechenden Sprachen der religiösen Schriften die Vielzahl an verwendeten Worten, Begriffen und Konzepten berücksichtigen.
Hoffnung im Judentum
Der jüdische Rabbi und Präsident des World Council of Religions for Peace, ALBERT FRIEDLANDER (2000) betont bei FINSTERBUSCH das konstituierende Verständnis der Hoffnung für den jüdischen Glauben. So schreibt er (FRIEDLANDER: 83): „Es ist demnach ganz einfach: Kein Glaube besteht ohne Hoffnung und keine Hoffnung ohne den Glauben. Der Mensch kann nur hoffen, wenn er an Gott glaubt.“ Das Judentum sei seit seinen Anfängen eine Religion der Hoffnung gewesen, sonst wäre es gar nicht in der Lage gewesen, die zahlreichen Verfolgungen zu überleben.
Hoffnung im Islam
Der Imam SIDIGULLAH FADAI erwähnt, dass die arabischen Begriffe für Hoffnung im Koran und in der islamischen Überlieferung nur selten vorkommen, trotzdem sei das Phänomen Hoffnung nicht unbedeutend. Namentlich weist er auf folgende Aspekte der Hoffnung im Islam hin:
- Hoffnung auf Sündenvergebung durch Allah,
- Hoffnung auf Frieden,
- Gewissheit, „dass alles im Leben nach Allahs weiser Voraussicht bestimmt ist. Diese Gewissheit geht einher mit der Hoffnung, dass niemandem in seinem Leben etwas Sinnloses widerfahren wird. Besonders in ausweglosen Lagen vertrauen wir Muslime auf Allah und hoffen auf einen guten Ausgang.“ (FADAI, S: 61)
- Hoffnung, dass sich die Wahrheit in der Welt durchsetzen wird
- und zuversichtliche Hoffnung auf Heil und Heilung.
Hoffnung im Hinduismus
Der Indologe und vergleichende Religionswissenschafter MARTIN CHRISTOF-FÜSSLE erläutert, dass Hoffnung im Hinduismus keine zentrale theologische oder philosophische Kategorie sei. So gäbe es zwar Worte, „die mit Hoffnung zu übersetzen sind, und auch Hindus kennen Hoffnung als Phänomen der auf die zukünftige Erfüllung eines Wunsches gerichteten Erwartung; aber im Bereich der Eschatologie, der Heilserwartung und der Erlösungslehren spielt Hoffnung als Begriff entweder keine Rolle, oder sie wird als Zeichen der Unwissenheit und Unerlöstheit gewertet“ (CHRISTOF-FÜSSLE: 101). Der Hinduismus verstehe Hoffnungen für diese Welt als „Zeichen einer Weltverhaftetheit“, „die es zu überwinden gilt“ (CHRISTOF-FÜSSLE: 102). Zwar gibt es auch Strömungen in den hinduistischen Religionen, die weltzugewandt sind, in diesen spielt das Phänomen Hoffnung die Rolle einer „Hoffnung auf Heil und auf Erlösung.“ (CHRISTOF-FÜSSLE: 103).
Hoffnung im Buddhismus
Der frühere Vorsitzende der Deutschen Buddhistischen Union, Meditationslehrer und Ordensmitglied KARL SCHMIED, hält fest, dass der Buddhismus ein „Prinzip Hoffnung“ nicht kennt und dass Gedanken einer auf Zukunft ausgerichteten Hoffnung dem Buddhismus fremd sind. Gemäss SCHMIED (SCHMIED: 46) ist der Buddhismus „eine Religion des Friedens und der Achtsamkeit im Hier und Jetzt“ und fokussiert auf „die Lebensgestaltung in der Gegenwart“.
Hier ist jedoch zu ergänzen, dass das erlösungsmethodologische Streben nach dem Nirwana im Theravada-Buddhismus ebenfalls von Hoffnung geprägt ist, wenn wir von einem breiten Hoffnungsverständnis ausgehen.