Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/232388

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, folgende Fragen abzuklären und darüber Bericht zu erstatten:</p><p>- Unter welchen Bedingungen bildet die Abgabe von Bildungsgutscheinen für Personen mit tiefem Bildungsstand, tiefem Einkommen und tiefer hierarchischer Position in den Firmen einen wirksamen Anreiz, um deren Beteiligung an der beruflichen Weiterbildung markant zu erhöhen?</p><p>- Welche weiteren Massnahmen haben sich in anderen Ländern, in ausgewählten Kantonen und den Leistungsvereinbarungen mit dem Bund als geeignet erwiesen, um die Beteiligung gering Qualifizierter in der beruflichen Weiterbildung markant zu erhöhen?</p><p>- Innert welcher Frist lässt sich die Beteiligung gering Qualifizierter in der beruflichen Weiterbildung gegenüber dem Stand von 2019 verdoppeln?</p><p>- Braucht es zur Zielerreichung zusätzlich spezielle Kampagnen für gering Qualifizierte, eine aufsuchende Bildungsarbeit und Begleitung/Coaching namentlich von KMU?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Gemäss Bundesamt für Statistik verfügten 2020 in der Schweiz knapp 11 Prozent der 25 bis 64-Jährigen der ständigen Wohnbevölkerung über keinen Abschluss der Sekundarstufe II und zählten damit zur Gruppe der Geringqualifizierten. Jede zehnte Person dieser Gruppe nimmt an Bildung und Weiterbildung teil. Dies ist im Vergleich zur Gesamtbevölkerung dreimal weniger.</p><p>Wie der Bundesrat in der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI) in den Jahren 2021-2024 festgehalten hat, will er die Beteiligung von Geringqualifizierten an Weiterbildungsmassnahmen erhöhen. Auf der Grundlage des Bundesgesetzes über die Weiterbildung (WeBiG; SR 419.1) setzt sich der Bund gemeinsam mit den Kantonen dafür ein, die Arbeitsmarktfähigkeit geringqualifizierter Personen zu verbessern. Dies geschieht etwa über die Förderung der Grundkompetenzen Erwachsener. Der Bund schliesst dazu Programmvereinbarungen mit den Kantonen ab. Dadurch kann spezifisch auf die Bedürfnisse vor Ort reagiert werden. Zusätzlich unterstützt der Bund mit dem Förderschwerpunkt "Grundkompetenzen am Arbeitsplatz" auf Basis des Berufsbildungsgesetzes (BBG; SR 412.10) Weiterbildungsprogramme von Unternehmen, die dazu beitragen, dass Erwerbstätige mit den Anforderungen an ihrem Arbeitsplatz Schritt halten können. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) unterstützt im Weiteren seit 2021 Branchenverbände, wenn sie Interesse an der Entwicklung und Erprobung eines Weiterbildungscoachings haben. Dieses Weiterbildungscoaching richtet sich an KMU-Leitungen und soll diese bei der Personalentwicklung unterstützen. Ziel ist, die sich ändernden Bedürfnisse, Risiken und Chancen in der Branche frühzeitig zu erkennen.</p><p>Die Erwerbstätigenquote Geringqualifizierter in der Schweiz lag 2020 bei rund 70 Prozent und damit höher als in den vom Postulanten genannten Ländern. Niedrigqualifizierte sind tendenziell häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Personen mit höheren Abschlüssen. Das SBFI setzt sich - nebst der Förderung von Grundkompetenzen - deshalb auch dafür ein, dass Erwachsene einen anerkannten Berufsabschluss erlangen können. So laufen im Rahmen der Initiative "Berufsbildung 2030" verschiedene Projekte, welche die Rahmenbedingungen für Erwachsene weiter verbessern.</p><p>Auch die Kantone haben sich der Thematik der Weiterbildung Geringqualifizierter bereits mit verschiedensten Massnahmen angenommen. Da die Bedürfnisse und Realitäten in den Regionen und Branchen unterschiedlich sind, sind zielgruppenspezifische Angebote vor Ort und kantonale Lösungen zielführender als national ausgerichtete Massnahmen. Einzelne Kantone setzen etwa Bildungsgutscheine ein, jedoch mit unterschiedlichen Erfahrungen. So kommt beispielsweise eine Evaluation der Bildungsgutscheine im Kanton Genf, welche im März 2021 zum vierten Mal durchgeführt wurde, zum Schluss, dass dieses kantonale Gutscheinsystem nicht in der Lage ist, die Unterschiede in der Bildungsbeteiligung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu verringern.</p><p>Aufgrund der zahlreichen bereits laufenden Massnahmen erachtet der Bundesrat das Anliegen des Postulats grundsätzlich als erfüllt. Über weitere Ergebnisse und allfällige neue Massnahmen wird er namentlich im Rahmen des vierjährlich erscheinenden Bildungsberichts Schweiz sowie der kommenden BFI-Botschaften Bericht erstatten.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.