Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03476.jsonl.gz/1986

Joch (ital. Giogo oder Passo dello
Stelvio), der hohe Sattel zwischen den
Spölalpen und der Ortlergruppe,
welcher die Scheide zwischen der Etsch und der
Adda und die Grenze von
Tirol
[* 3] und
Italien
[* 4]
(ProvinzSondrio)
bildet. Die Poststraße, von
Neu-Spondinig (885 m) im Vintschgau bis
Bormio im Addathal
(Veltlin) 46,5 km lang, bei einer
Breite
[* 5] von 6 m und einer Durchschnittssteigung von 50
Promille, wurde 1820-24 von der österr. Regierung nach dem
Plane des Ingenieurs
Donegani anStelle eines schon seit dem 14. Jahrh. begangenen Saumpfades hergestellt und ist die höchste
und ihrer Gletscherscenerien und Fernsichten wegen die interessanteste Kunststraße der
Alpen.
[* 6]
Sie steigt südwestlich über Prad (900
m) an Stilss vorbei nach Gomagoi (Beidewasser, 1273 m) hinauf, wo sich das
Thal
[* 7] in
zwei
Arme spaltet: südöstlich öffnet sich das Suldenthal mit dem
Suldenferner (s. d.) und dem Pfarrdorf
St.
Gertrud (1845 m), südwestlich das
TrafoierThal, durch welches die
Straße über Gomagoi (1300 m), wo sie durch ein Sperrfort
gedeckt wird,
Trafoi (1548 m) und das Gasthaus Franzenshöhe (2183
m) in 44 Windungen zur Ferdinandshöhe (2760 m, 27½
km von
Neu-Spondinig), der zwischen dem Stilfser
Gletscher und dem aussichtsreichen Dreisprachenspitz gelegenen Paßhöhe des
S. J. ansteigt.
Von der Höhe senkt sich die
Straße in 38 Windungen und mehrern
Tunneln und
Galerien, an mehrern ital. Cantonieren vorbei durch
die
Val diBraulio und den Engpaß des Wormser Lochs (ital. Diroccamento) zum
Städtchen
Bormio hinab. 1848, 1859 und 1866 wurde um den
Besitz der
Straße mehrfach gekämpft. Die Post legt die
Strecke von
Eyrs (im Vintschgau, 2 km östlich von Spondinig) bis zum
Neubad-Bormio in 9¾
Stunden zurück. Der
Name Wormser Joch kommt
nicht dem S. J., sondern dem Saumpfade zu, welcher von der Cantoniera Sta.
Maria rechts abzweigt und über den Sattel (2512 m) am Ostfuße des Piz Umbrail (3034 m) nach Sta.
Maria im
Münsterthale führt. -
Vgl. Luksch, Illustrierter Führer für die Stilfser-Joch-Routen (4. Aufl.,
Wien
[* 8] 1895).
Flavius, röm. Feldherr und Staatsmann, ein romanisierter
Vandale, wahrscheinlich 359 n. Chr.
geboren, erstieg seit 385 die höchsten Rangstufen im röm.
Heere.
KaiserTheodosius d. Gr. schickte ihn als Gesandten nach
Persien,
[* 9] vermählte ihn 388 mit seiner Nichte und Adoptivtochter Serena und übertrug ihm auf dem Sterbebett (17. Jan. 395)
die Fürsorge für seine
Söhne. Seitdem stand S. dem
Kaiser des Weströmischen
Reichs, Honorius, als Vormund,
Kronfeldherr, und seit 398 auch als Schwiegervater zur Seite.
Dagegen gelang es ihm nicht, im Oströmischen
(Byzantinischen)
Reich Einfluß zu gewinnen, obwohl sein dort waltender ursprünglicher
Hauptgegner
Rufinus27. Nov. 395 ermordet wurde. Als S. 396 die Oströmer im
Peloponnes gegen den westgot. KönigAlarich
mit großem Erfolg unterstützt hatte, entstanden so gespannte Verhältnisse, daß S. den eingeschlossenen
Alarich nach
Epirus
entkommen ließ. Als
Alarich 401 in Oberitalien
[* 10] einfiel, rief S. die
Legionen aus
Gallien und von der Donau herbei und zwang
Alarich 403 zum Rückzug nach Illyrien.
Bald darauf wandten sich
Massen vonGermanen, namentlich
Ostgoten, unter Radagais von der Donau her gegen
Italien (404
und 405) und richteten furchtbare Verwüstung an. Aber sie unterlagen der Kriegskunst
S.s, der freilich zur Rettung
Italiens
[* 11] die Rheinlinie hatte preisgeben müssen. So hatte S. zum zweitenmal
Italien gerettet; nun aber überfluteten (406)
Vandalen,
Alanen und
Sueven das zur Zeit ungeschützte
Gallien. Am kaiserl.
Hofe ward man deshalb gegen S.
verstimmt.
Seine wesentlich auf spätere Wiedergewinnung des Westens berechnete
Verbindung (406) mit
Alarich wurde ihm als Verrat ausgelegt.
Zu Pavia brach eine Meuterei röm.
Truppen los, in der
S.s Freunde und
Anhänger niedergemacht wurden. S., der sich scheute,
mit seinen treuen deutschen
TruppenKrieg gegen des
Theodosius Sohn zu führen, floh nach Ravenna und suchte Zuflucht in einer
Kirche. Man gelobte ihm eidlich Sicherheit, aber als er das
Asyl verließ, wurde er 23. Aug. 408 enthauptet. -
Vgl.
Keller, S.
oder die Geschichte des Weströmischen
Reichs 395-408 (Berl. 1884).
stilmäßig formen, in der Kunst die
Darstellung von Naturformen ohne Zufälligkeiten in Gestaltung und
Färbung durch das
Typische und Eigenartige. (S. z. B. die
Textfiguren bei den
ArtikelnAcanthus
[* 12] und Lotos.)
[* 13] In der Auswahl liegt
dabei eine gewisse Willkür, da jede Zeit und jeder Künstler in andern
Teilen der Natur das
Typische erkennt.
Man kann also an der Art des S. die Zeit und Nation erkennen, welche die betreffende Naturform wiedergab. (S. Ornament.)
-
Vgl.
Schubert von Soldern, Das S. der
Tier- und Menschenformen (Lpz. 1892).
Gesellschaft,Bezeichnung für die Beteiligung an dem Betriebe eines Handelsgewerbes eines andern mit
einer Vermögenseinlage gegen Anteil an Gewinn und regelmäßig auch am
Verlust.
Dabei ist die Einlage so zu leisten, daß
sie in das Vermögen des Inhabers des
Geschäfts übergeht (zur Eigentumsübertragung bedarf es also der
allgemein erforderlichen Übertragungshandlungen),
¶
Stiller Ocean.
¶
mehr
und der Inhaber, der die Geschäfte nur unter seiner eigenen, nicht unter einer Gesellschaftsfirma betreiben darf, wird aus
diesen Geschäften allein berechtigt und verpflichtet. Er ist also auch allein Eigentümer aller zum Geschäft gehörigen Sachen,
Inhaber der Geschäftsforderungen. Kommt der Name des stillen Gesellschafters in der Firma vor, so haftet
er den Gläubigern persönlich (Handelsgesetzbuch Art. 257), eine Bestimmung, die das in Kraft
[* 23] tretende Handelsgesetzbuch
vom nicht mehr kennt.
Ebenso haftet der Inhaber des Handelsgewerbes den Gesellschaftsgläubigern allein persönlich. Soweit der stille Gesellschafter
die Einlage nicht einbrachte, steht dem Geschäftsinhaber allein ein Forderungsrecht gegen ihn zu; seinen
Gläubigern nur, wenn ihnen der Anspruch abgetreten ist, natürlich auch dann nur auf Einzahlung in das Geschäft. Gewinn und
Verlust werden jährlich berechnet. Der Gewinn ist dem stillen Gesellschafter auszuzahlen; läßt er ihn stehen, so gilt
das, sofern nichts anderes vereinbart ist, nicht als Erhöhung der Einlage. Er haftet nicht auf Rückzahlung,
wenn später Verluste eintreten; wohl aber ist der Gewinn zurückzubehalten, um frühere Verluste zu decken, soweit dadurch
die Einlage vermindert ist.
Der stille Gesellschafter haftet dem Geschäftsinhaber für Verluste nur mit der eingezahlten oder rückständigen Einlage.
Er braucht die dadurch verminderte Einlage nicht durch bare Nachzahlungen zu ergänzen. Fällt der Inhaber
des Geschäfts in Konkurs und die Einlage ist rückständig, so hat sie der stille Gesellschafter, so weit sie zur Deckung seines
Anteils am Verluste erforderlich ist, in die Konkursmasse zu zahlen. War die Einlage gezahlt, so ist der stille Gesellschafter
so weit, als sie den auf ihn fallenden Anteil am Verlust übersteigt, Konkursgläubiger.
Ist dem stillen Gesellschafter unter oder ohne Auflösung des Gesellschaftsverhältnisses innerhalb eines Jahres vor Auflösung
des Konkurses die Einlage ganz oder teilweise zurückgewährt oder sein Anteil am entstandenen Verluste ganz oder teilweise
erlassen worden, so kann die Rückgewähr oder der Erlaß vom Konkursverwalter angefochten werden. Anders,
wenn der stille Gesellschafter beweist, daß der Konkurs des Geschäftseigentümers in Umständen seinen Grund hat, welche
erst nach der Vereinbarung der Rückgewähr oder des Erlasses eingetreten sind.
Zur Eingehung der S. G. bedarf es nach geltendem Handelsgesetzbuch Art. 250 der schriftlichen Abfassung oder sonstiger Förmlichkeiten
nicht. Nach dem Handelsgesetzbuch vom gelten die Vorschriften des DeutschenBürgerl. Gesetzbuchs. Auch hiernach
ist aber nur ausnahmsweise, insbesondere wenn der stille Gesellschafter ein Grundstück einzulegen verspricht (DeutschesBürgerl.
Gesetzb. §. 313), besondere Form erforderlich. Aufgelöst wird die S. G. insbesondere durch Tod des Geschäftsinhabers, wenn
der Übergang auf die Erben nicht im voraus bestimmt ist, durch eintretende Unfähigkeit desselben zu
selbständiger Vermögensverwaltung, ein Grund, wegen dessen nach dem neuen Handelsgesetzbuch nur sofortige Kündigung möglich
ist, ferner durch Konkurs des Geschäftsinhabers oder des stillen Gesellschafters, dagegen nicht durch Tod des stillen Gesellschafters.
Hierzu kommt Auflösung aus wichtigen Gründen, über welche der Richter entscheidet, an deren Stelle nach
dem neuen Handelsgesetzb. §. 339 sofortige
Aufkündigung aus §. 723 des DeutschenBürgerl. Gesetzbuchs tritt. Der Geschäftsinhaber
besorgt die Liquidation der noch schwebenden Geschäfte; er zahlt das sich bei der Auseinandersetzung ergebende Guthaben dem
stillen Gesellschafter in Geld heraus.
Die S. G. ist nicht, wie die Kommanditgesellschaft (s. d.),
Gegenstand der Gesetzgebung in außerdeutschen Staaten; doch hat man in England ein ähnliches Rechtsverhältnis (s. Dormant partner).