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Der brasilianische Energieriese Petrobras hat angekündigt, seine Erdgasraffinerien in Bolivien zu verkaufen. Dies bestätigte auch der bolivianische Staatspräsident Evo Morales. Seiner Aussage nach will der bolivianische Staat eine Mehrheitsbeteiligung an den Raffinerien anstreben, allerdings einen geringeren Preis zahlen, als Petrobras derzeit fordert.
Bereits bei dem Gipfeltreffen der lateinamerikanischen Regierungschefs in Venezuela in der vergangenen Woche wurde im Rahmen eines inoffiziellen Treffens der beiden Präsidenten über einen Verkauf gesprochen. In den kommenden Wochen soll nun weiter darüber verhandelt werden.
Bolivien hat zudem in den vergangenen Tagen einen wichtigen Schritt in Richtung Verstaatlichung des Energiesektors unternommen. So wurde in La Paz ein Gesetz verabschiedet, welches die Abgabe aus den Erdöleinnahmen ausländischer Fördergesellschaften von 18 auf 82 Prozent erhöht.
Trotz dieser Neuregelungen war es in den vergangenen Tagen wiederholt zu Besetzungen von Raffinerien im brasilianischen Nachbarland gekommen. Darunter war auch eine Produktionsanlage der Petrobras. Die Demonstranten fordern nach wie vor eine gerechtere Verteilung der Gewinne oder eine komplette Liefersperre an die Nachbarländer.
Morales, der das neue Gesetz unter Androhung eines Hungerstreiks mehr oder weniger erzwang, reagierte auf die Besetzungen mit der kurzfristigen Reduzierung von Gaslieferungen an die Nachbarstaaten Argentinien und Brasilien.
So wurde zwar die Lieferung nach São Paulo von täglich 24,6 nur geringfügig auf 24 Millionen Kubikmeter reduziert, die an Bolivien grenzende Region Cuiabá im Bundesstaat Mato Grosso wurde jedoch überhaupt nicht mehr beliefert. Dort kommen normalerweise täglich rund 1.2 Millionen Kubikmeter bolivianisches Gas an. Auch Argentinien spürte die Auswirkungen der Proteste. So wurden statt 5 Millionen Kubikmeter nur noch 1,2 Millionen Kubikmeter Gas in den südlichen Nachbarstaat geliefert
Die Reduzierungen begannen am frühen Freitagmorgen. Laut einer Ankündigung der bolivianischen Regierung sollen sich die Lieferungen jedoch im Laufe des heutigen Samstags normalisieren.
Die Abhängigkeit vom bolivianischen Gas sorgt auch innenpolitisch in Brasilien für Diskussionen. Energieminister Silas Rondeau erklärte inzwischen, dass es für Lieferengpässe aus Bolivien inzwischen entsprechende Notfallpläne gibt. Es besteht nach Aussage des Ministers keine Gefahr eines Energieengpasses. Allerdings wird in Brasília inzwischen offen über Alternativen diskutiert. So plant Staatspräsident Lula, zukünftig Gas aus anderen Ländern wie z.B. Algerien oder Nigeria zu importieren. Brasilien sei nicht abhängig vom bolivianischen Erdgas, zitieren Mitarbeiter den Präsidenten.
Petrobras ist erst seit 1999 auf dem bolivianischen Territorium aktiv. Damals kaufte der Energieriese zwei Raffinerien für rund 100 Millionen US-Dollar. 105 Millionen US-Dollar wurden seitdem investiert. Durch die zusätzlichen erhobenen Abgaben in Höhe von 32 Prozent durch den bolivianischen Staat im Jahr 2006 sank der Gewinn von 107 Millionen US-Dollar im Jahre 2005 auf 27 Millionen US-Dollar im Vorjahr.
Das staatliche Unternehmen blickt jedoch optimistisch in die Zukunft. Bis 2011 soll weltweit die gewaltige Summe von 87,1 Milliarden US-Dollar investiert werden, mehr als die Hälfte davon um die Selbstversorgung mit Erdöl langfristig zu gewährleisten. Seit gut einem Jahr fördert Brasilien im eigenen Land kontinuierlich mehr Erdöl, als es selbst benötigt. Allein im März dieses Jahres konnte die Fördermenge von Öl und Gas erneut um 3,2 Prozent erhöht werden. Und bis 2010 verspricht der Konzern eine Verdreifachung der Gasförderung auf eigenem Gebiet. Spätestens dann ist Brasilien von keinem Kubikmeter bolivianischem Gas mehr abhängig.