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Musikwissenschaft im Sinn der Computational Musicology, aber auch in Bereichen historischer Musikforschung, ist im Internet schon stark vernetzt, für Referenzen und Adressen verweisen wir auf Anhang 9.4. Wir erwähnen etwa die Sammlungen von MIDI-Dateien für verschiedenste Arten von Musik oder die Quellensammlung Thesaurus Musicarum Latinarum (TML) an der Indiana University, welche elektronisch gespeicherte lateinische musiktheoretische Texte vom 4. bis zum 16. Jahrhundert jedermann zugänglich macht21.
Auf dem Internet befinden sich auch musiktheoretische Archive, welche terminologische Fragen, Listen von Akkorden oder musiktheoretische Computer-Programme enthalten22. Wir hatten schon eingangs in 1.3 an Fallbeispielen gezeigt, wie diese Werkzeuge heute eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist eine Entwicklung abzusehen, die basiert auf der Internet-Kommunikation des umfangreichen Datenbestands und der Software-Werkzeuge zwischen interessierten Forschern. Das MaMuTh-Lab an der TU Berlin ( 6.6) wird in seiner Zusammenarbeit mit den anderen Forschungseinrichtungen praktisch aussschliesslich über das Internet kommunizieren. Dies wird die Projekt-Reisekosten auf ein Minimum reduzieren. Eines der ersten Ziele des MaMuTH-Labs ist denn auch die Erstellung eines plattformunabhängigen Protokolls für die universelle Darstellung musikalischer Objekte, wie wir sie in Abschnitt 7.3 skizziert haben.
Man muss hier allerdings die brisante Frage stellen, wie die Vernetzung weltweit -- etwa in den USA, in Frankreich oder in Japan -- fortgeschitten ist gegenüber der Vernetzung im deutschen Sprachraum. Dieser Raum ist an den internationalen Kongressen notorisch untervertreten [132]. Wie weit die Vernetzung musikwissenschaftlicher Forschung im deutschen Sprachraum fortgeschritten ist, fasst Christine Flender zu ihrer Recherche in Anhang 9.4 so zusammen: "Musikwissenschaftliche Forschung im Internet scheint in unserem Sprachraum zur Zeit noch hauptsächlich auf der Basis individueller Initiativen stattzufinden. Zwar läßt sich, wie bei der Internet-Nutzung im allgemeinen, auch hier ein Zuwachs der Nutzerzahlen und der Angebote beobachten, doch obliegt es meistens dem Einzelnen, sich selbständig mit den verschiedenen Medienanwendungen des Internet und ihren aktuellen Anwendungen im Bereich der Musikwissenschaft vertraut zu machen. Materialien auf FTP-Servern werden zumeist nur in geringem Masse dokumentiert; die Erarbeitung von Verbindungsseiten wird häufig von studentischen Hilfskräften besorgt, die sich auch ausserhalb ihrer regulären Arbeitszeit engagieren. Aus meiner Sicht könnte das Internet für Musikwissenschaftler einfacher zugänglich gemacht werden, wenn Institutionen grösseres Interesse an der diesbezüglichen Expertise derjenigen zeigten, die es zur Zeit für ihre eigene Forschung schon intensiv nutzen. "
Diese Einschätzung dokumentiert angesichts der weltweit einsichtigen WWW-Angebote (siehe 9.4.5 und allgemeiner [122]) einen bemerkenswerten Rückstand im deutschen Sprachraum. Es scheint, dass hierzulande zunächst der individuelle Verkehr über die elektronische Post die Kommunikation bestimmen wird. Daher ist auch die Entwicklung des genannten plattformunabhängigen Protokolls für die universelle Darstellung musikalischer Objekte eine vordringliche Forderung.
Insgesamt kann man sagen:
KERNTHESE 12. Die Vernetzung musikwissenschaftlicher Forschung ist weltweit fortgeschritten. Der deutsche Sprachraum kann sich, abgesehen von individuellen Initiativen damit noch nicht messen; er ist noch vor allem ein Nutzniesser von Angeboten, die meistens aus Übersee stammen.
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