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Der sinnlich-brutale GeorgLudwig, der selbst in solcher Abneigung großgezogen worden war, wandte sich in offenem Ehebruch von
S. D. ab; man suchte nach Vorwänden, sie zu beseitigen. Von ihren Angehörigen zurückgestoßen, trat
S. D. in Beziehungen zu dem Obersten Grafen Ph. Ch. von Königsmark (s. d.),
mit dessen Hilfe sie wahrscheinlich von dem Hofe der sie verfolgenden Schwiegereltern flüchten wollte. Ein Scheidungsprozeß
ward eingeleitet vor einem aus hannov. und cellischen Räten zusammengesetzten Gerichtshofe, und erfolgte das
Urteil, wodurch die kurprinzliche Ehe wegen «beabsichtigter böswilliger Verlassung» aufgelöst und der Kurprinzessin als dem
angeblich schuldigen Teil die Wiederverheiratung untersagt wurde. Seitdem blieb S. D. bis an ihren Tod auf dem Schlosse Ahlden
unter militär. Bewachung in Haft. Sie starb -
Vgl. Schaumann, S. D., Prinzessin von Ahlden,
und Kurfürstin Sophie von Hannover (Hannov. 1879);
A. Köcher, Die Prinzessin von Ahlden (in der «Histor. Zeitschrift», Bd.
48, 1882).
Alexejewna, russ. Großfürstin, die HalbschwesterPeters d. Gr., geb. 17. (7.) Sept. 1657, war die dritte
Tochter des ZarenAlexej Michailowitsch aus dessen erster Ehe mit Maria Miloslawskaja und maßte sich bis
zu ihrem Sturz durch Peter den Titel einer Zarin an. Als nämlich der Zar Feodor III. Alexejewitsch bei seinem Ableben 1682 seinen
damals noch unmündigen Halbbruder Peter mit Übergehung des geistesschwachen Iwan zum Thronfolger ernannt und die Großen des
Reichs jenen zum Alleinherrscher ausgerufen hatten, widersetzten sich S. A. und deren Vertrauter, Fürst
Wassilij Golyzin, dieser Wahl und erregten mit Hilfe der Strelitzen einen so gefährlichen Aufruhr, daß Peter mit seiner Mutter
flüchten mußte. S. A., die bereits unter
der Regierung Feodors bedeutenden Einfluß geübt hatte, setzte es nun durch, daß
Iwan mit Peter gemeinschaftlich den Thron
[* 7] bestieg, während ihr selbst die Leitung der Regierung überlassen
blieb.
Sie herrschte nach Willkür und verfolgte namentlich grausam die Familie Naryschkin, aus welcherPetersMutter stammte, und
deren Anhänger. Ihre und Golyzins Hinneigung zu europ. Sitten entfremdete ihr zwar wieder die Strelitzen, so daß diese sogar
im Bunde mit den Raskolniten einen bedeutenden Aufstand erregten, doch gelang es S. A., derselben Herr zu
werden. S. A. schloß 1686 den Frieden mit Polen, infolgedessen die Provinzen Smolensk und die Ukraine an Rußland abgetreten
wurden, wofür dieses jenem Beistand gegen die krimschen Tataren verhieß.
Sie sendete hierauf ihren Liebling, den Fürsten Golyzin, gegen die Tataren. Die Niederlagen aber, die
dieser 1687 und 1689 erlitt, untergruben ihre Autorität. Peter, von S. A., die nach der Alleinherrschaft trachtete, zurückgesetzt,
begann offen gegen sie aufzutreten. Eine von S. A. im Sept. 1689 angestiftete Verschwörung mißlang und hatte den Sturz der
Regentin zur Folge. (S. Peter I.) Sie wurde in das auf dem sog. Djewitschtje-Pole (Jungfrauenfeld) liegende
Kloster in Moskau
[* 8] gebracht, wo sie 14. (3.) Juni 1704 starb.