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Eine gut durchdachte Kommunikation bei der Arbeitssuche ist von entscheidender Bedeutung, umso mehr, wenn eine gesundheitliche Einschränkung vorliegt, wie eine chronische Krankheit, eine neurologische Entwicklungsstörung oder eine psychische Behinderung.
Charlotte Aeby, Arbeitspsychologin und Beraterin für berufliche Eingliederung bei der Stiftung IPT und EnableMe-Fachperson, gibt wertvolle Ratschläge für jede Phase des Bewerbungsprozesses.
Zunächst müssen Sie sich über Ihre Kompetenzen, Wünsche, Werte und Möglichkeiten, aber auch über Barrieren und Grenzen im Klaren sein, um Ihr berufliches Projekt und die Unternehmen, bei denen Sie sich bewerben, optimal ausrichten zu können. Die Metapher des Segelschiffs im folgenden Video der Stiftung IPT veranschaulicht diese Thematik perfekt.
Sich seiner gesundheitlichen Einschränkungen bewusst zu sein, sie benennen zu können und sie als Teil von sich selbst zu akzeptieren, ist ein wichtiger erster Schritt, um voranzukommen.
Das folgende Beispiel veranschaulicht dies: Ein leitender Angestellter im Bankwesen hat in seinem vorherigen Job ein Burnout, gekoppelt mit einem Herzproblem erlitten. Sein Arzt empfiehlt ihm, nicht mehr in verantwortungsvollen Positionen zu arbeiten und stattdessen ein wohlwollendes Umfeld mit mässigem Stress zu bevorzugen. Der ehemalige Manager tut sich jedoch schwer damit, diese Idee zu akzeptieren und sich von seinem früheren Beruf und den damit verbundenen Vorteilen (sozialer Status, hohe Vergütung, anspruchsvolle Aufgaben) zu verabschieden. Daher bewirbt er sich weiterhin um Führungspositionen, ohne seine aktuellen Möglichkeiten und das Arbeitsumfeld zu berücksichtigen, das für ihn geeignet sein könnte. Dadurch riskiert er, dass sich seine psychische und physische Gesundheit weiter verschlechtert und er später eine noch geringere Stresstoleranz hat.
Ein wichtiger erster Schritt ist es daher, einen Berufswunsch zu haben, der den eigenen Wünschen und Fähigkeiten entspricht und die gesundheitlichen Einschränkungen berücksichtigt.
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Manche Menschen erwähnen ihre gesundheitlichen Einschränkungen in ihrem Lebenslauf oder in ihrem Bewerbungsschreiben, während andere sie überhaupt nicht schriftlich erwähnen möchten. Dies ist eine sehr persönliche Entscheidung. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass das Ziel Ihrer Bewerbung darin besteht, ein Vorstellungsgespräch zu bekommen.
In dieser Phase ist es also wichtig, über Ihren Werdegang, Ihre Stärken und Erfahrungen zu kommunizieren und zu erwähnen, was Sie an der angestrebten Stelle motiviert. Es ist ratsam, ehrlich zu bleiben und nicht im Detail über gesundheitliche Aspekte zu sprechen. Diese können im Vorstellungsgespräch thematisiert werden.
Ausserdem sollten Sie Ihre Bewerbung auch für Stellen einreichen, die auf dem Papier Ihren Möglichkeiten zu entsprechen scheinen. Wenn Sie beispielsweise gerade ein Burnout hinter sich haben und die Stelle «eine hohe Stressresistenz, 50% Reisetätigkeit und die Fähigkeit, sich in einem sehr wettbewerbsintensiven Umfeld zu bewegen» erfordert, sollten Sie sich nicht auf diese Art von Stelle bewerben.
Diskussionen in der Community
Die Rolle des Arbeitgebers im Vorstellungsgespräch besteht darin, sich zu vergewissern, dass die Aufgaben und Anforderungen des Berufs mit den Kompetenzen und Möglichkeiten der Person, die eingestellt werden soll, vereinbar sind. Sie müssen ihre Motivation zeigen und den Arbeitgebenden überzeugen. Ein persönliches Treffen ermöglicht es, sich vorzustellen, den eigenen Werdegang zu erläutern und zu argumentieren. In diesem Gespräch können Sie auch testen, wie offen Ihr Gesprächspartner ist oder herausfinden, ob eine Anpassung des Arbeitsplatzes möglich ist oder nicht.
Wenn Zweifel an den Anforderungen bestehen, sollten Sie im Vorstellungsgespräch konkrete Fragen stellen, um über die physischen Belastungen gut informiert zu sein, zum Beispiel in Bezug auf Körperhaltung, Stress, unvorhergesehene Ereignisse und Arbeitsplatz.
Es ist wichtig, dass der Arbeitgebende über mögliche gesundheitliche Einschränkungen informiert ist, die sich auf die Arbeit auswirken könnten. Die Transparenz gegenüber dem Arbeitgebenden hat mehrere Vorteile: Sie fördert das Vertrauensverhältnis von Beginn an und ermöglicht es, den Arbeitsplatz an Ihre Bedürfnisse anzupassen, sofern dies möglich ist.
Wenn Sie beispielsweise stark lärmempfindlich sind und Momente der Abgeschiedenheit brauchen, um sich zu erholen, könnte der Arbeitgebende damit einverstanden sein, dass Sie teilweise von zu Hause aus arbeiten, geräuschdämpfende Kopfhörer benutzen oder Pausen einlegen. Genauso wie ein Mensch mit Sehbehinderung spezielle Hilfsmittel benötigt, braucht eine Person mit übermässiger Lärmempfindlichkeit einen angepassten Arbeitsplatz, um ihre Arbeit bestmöglich zu erledigen.
Sie haben eine Stelle gefunden, die geeignet scheint. Der Arbeitgebende ist über Ihre Einschränkungen informiert und/oder die Stelle scheint für Ihre gesundheitliche Situation geeignet zu sein. Auch hier ist es wichtig zu betonen, dass es Ihre Entscheidung ist, ob Sie Ihren Kolleg:innen davon erzählen oder nicht. Manche Menschen befürchten, dass sie die Wertschätzung ihrer Kolleg:innen verlieren könnten, wenn sie ihren Gesundheitszustand offenlegen. Dass sie als «krank» «anders» oder «fragil» abgestempelt werden oder sie im Unternehmen nicht mehr die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln.
Das Wichtigste ist, dass Sie sich damit wohlfühlen, was Sie, wem mitteilen. Wenn Sie Ihrem Team nach und nach von Ihren Besonderheiten und Bedürfnissen erzählen, können sie Sie besser verstehen, was wiederum gegenseitige Unterstützung und eine gute Zusammenarbeit fördern kann.
Schlagen Sie andererseits Ihrem Vorgesetzten vor, zu Beginn Ihrer Tätigkeit in regelmässigen Abständen eine Lagebesprechung durchzuführen, um sich über Ihre Einarbeitung auszutauschen, Ihre Fragen zu beantworten und Lösungen für mögliche Schwierigkeiten zu finden.
Je nach Gesundheitsbeeinträchtigung können unterschiedliche Anpassungen vorgenommen werden. Diese können die Anpassung des Arbeitsraums oder des Arbeitsrhythmus betreffen oder auch die Bereitstellung spezieller Arbeitsmaterialien wie z. B. eines verstellbaren Schreibtisches. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Risiko, dass sich das Arbeitsverhältnis mittelfristig verschlechtert, geringer ist, wenn Sie Ihre gesundheitlichen Einschränkungen und Bedürfnisse gegenüber dem Arbeitgebenden erwähnen. So fühlen Sie sich schneller wohl «auf Ihrer Insel» und am richtigen Platz.
Tipps für Arbeitgebende
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Als Arbeitgeber sollten Sie Lebensläufe mit einem atypischen oder nicht linearen Werdegang nicht vernachlässigen. Eine Umschulung kann ein Zeichen für mehr Engagement sein oder für die Fähigkeit, Neues zu erlernen und sich anzupassen.
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Während des Vorstellungsgesprächs dürfen Sie keine allgemeinen Fragen zur Diagnose oder zu potenziellen Gesundheitsproblemen der Person stellen. Informieren Sie sich stattdessen über mögliche gesundheitliche Einschränkungen, die sich auf die Arbeit auswirken könnten, sowie über die Bedürfnisse und Erwartungen der Person.
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Sie haben Zweifel am Bewerber? Sie sind sich nicht sicher, ob er die physischen oder psychischen Anforderungen der Stelle erfüllen kann? Schlagen Sie ein unbezahltes Praktikum von einigen Tagen oder Wochen vor. So können Sie sicher sein, dass die Stelle der Person entspricht, und Ihr gegenseitiges Interesse bestätigen.
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Die IV kann in bestimmten Situationen die Anstellung einer Person mit einer Behinderung oder chronischen Krankheit fördern, indem sie finanzielle Unterstützung anbietet.
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Führen Sie in den ersten Monaten in regelmässigen Abständen Lagebesprechungen durch, um sicherzustellen, dass sich die Person am richtigen Platz fühlt und um auf eventuelle Fragen oder Bedürfnisse einzugehen.
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Sensibilisieren Sie Ihr Team für das Thema und fördern Sie so Inklusion!
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Konzentrieren Sie sich auf die Fähigkeiten und Ressourcen der Menschen und auf die Stärkung dieser, anstatt auf Behinderungen.