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Die Ausdehnung des arktischen Meereises wuchs im Winter 2021/22, entgegen dem Trend der Eisschmelze, überdurchschnittlich an und erreichte im Januar 2022 eine Ausdehnung von 13,88 Millionen Quadratkilometer (5,36 Millionen Quadratmeilen). Laut dem National Snow and Ice Data Center ist dies tatsächlich die höchste Ausdehnung in den letzten 14 Jahren. Ein kühler Sommer und Herbst, insbesondere im Arktischen Ozean, führten zu Beginn dieses Jahres zu einem raschen Anstieg des Meereises.
Dass es anders als in den Jahren zuvor kommen könnte, zeichnete sich bereits im November 2021 in der Nordostpassage ab. Nach dem frühen Frost gab es 2 Monate früher als in den Jahren davor eine geschlossene Festeisschicht entlang der arktischen Küsten Russlands. Die Gewässer der Ostsibirischen See, der Laptev- und der Karasee wiesen bis zu 2 Meter dickes Meereis auf. Schiffe hatten Mühe, es durch die Region zu schaffen. Anfang November blieben mehr als 20 Schiffe stecken. Der angeforderte Atomeisbrecher «Arktika» eilte zur Hilfe und konnte die eingeschlossenen Frachtschiffe per Konvoi in sichere Gewässer geleiten.
Im Januar waren noch immer vier Schiffe in der Nordostpassage eingefroren. Zwei Frachter sassen im Hafen von Pevek fest, nachdem sie ihre Fracht abgeliefert hatten. Am 9. Februar kam dann der Eisbrecher «Arktika» zu ihrer Rettung nach Pevek. Am 15. Februar erreichte der Konvoi schliesslich die Kara-See. Der Konvoi wird voraussichtlich Ende Februar in die Barentssee einlaufen.
Ist die Nordostpassage ganzjährig befahrbar?
Nach der Eskorte gab es im östlichen Teil der Nordmeerroute keine Schiffe mehr. Dies markiert das Ende eines außergewöhnlichen und äußerst herausfordernden Winters für Rosatom und seine Operationen entlang der Nordmeerroute.
Nun stellt sich die Frage: Ist die Nordostpassage ganzjährig befahrbar? Solch schwierige Eisverhältnisse können immer wieder auftreten. Dadurch fehlt bei den Transport-Dienstleistern die Planungssicherheit, zumindest mal in den Wintermonaten.
Zurzeit ist es schwierig zu sagen wohin der Weg geht. In der Zwischenzeit verzichten immer mehr grosse Reedereien auf den kürzeren Weg über die Arktis. Auf der anderen Seite planen die Betreiber der Nordostpassage zur Offenhaltung des Seeweges noch mehr und noch stärkere Eisbrecher zu bauen.
Grösste Ausdehnung seit 14 Jahren
Ende Januar 2022 lag die Meereisausdehnung, die per Definition den Bereich des Arktischen Ozeans mit mindestens 15% Eis bedeckt, bei weit über 14 Millionen Quadratkilometern. Die Eisausdehnung im Arktischen Ozean nimmt den ganzen Winter über zu und erreicht im März ihre grösste Ausdehnung. Diese aktuelle Ausdehnung ist die 16-niedrigste seit den Aufzeichnungen mit Satelliten ab 1979, aber sie ist tatsächlich die Höchste seit 14 Jahren, genauer seit 2009.
Die Wintereisausdehnung ist jedoch ein schwacher Indikator dafür, wie die Eisausdehnung im kommenden September aussehen wird, wenn wir wieder dem jährlichen Minimum gegenüberstehen.
Seit 1979 ist es möglich, Meereis per Satellit zu überwachen. Derzeit liegen den Experten seit 43 Jahren verlässliche Informationen über das Ausmaß der Meereisbedeckung vor. Das Meereis hatte kontinuierlich abgenommen, insbesondere seit Ende der 1990er Jahre.
Mit den steigenden globalen Temperaturen sind die Ausdehnung und auch das Volumen des arktischen Meereises seit 1979 um durchschnittlich 13,4 % pro Jahrzehnt geschrumpft. Das verbleibende Eis ist oft dünner und brüchiger als zuvor, wodurch es anfälliger für ein Schmelzen im folgenden Jahr wird.
Heiner Kubny, PolarJournal