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Dr. med. Boris Gojanovic, FMH Allgemeine Innere Medizin und Sportmedizin SSMS, Hôpital de La Tour SA, Meyrin / GE
Eliud Kipchoge ist ein kenianischer Läufer. Er ist der grösste Marathonläufer unserer Zeit, er hält den offiziellen Weltrekord mit 02:01:39 (Berlin 2018) und ist amtierender Olympiasieger (Rio 2016). Im Profisport sind seine Leistungen nur mit seinem Charisma und dem Lächeln zu vergleichen, mit dem er seine Anstrengungen meistert. Wird es eines Tages möglich sein, den Marathon unter 2 Stunden zu laufen? Diese Frage ist seit 20 Jahren ein Dauerbrenner der zeitgleich aufkommenden Sportwissenschaft und Medienberichterstattung über Langstreckenrennen. Letztere hat diesen die erforderlichen Gelder von Sponsoren verschafft, die Höchstleistungen sehen wollen. Am Samstagmorgen, den 12. Oktober überquerte Eliud Kipchoge die Ziellinie eines sehr besonderen Wien-Marathons – und die Stoppuhr zeigte 01:59:40.2. Er hat es geschafft, es ist möglich. Aber wie? Der Streckenverlauf wurde eigens für ihn entworfen und auch sonst wurde alles Erdenkliche unternommen, so wie bei einem vorangehenden Versuch auf der italienischen Autorennstrecke in Monza 2017 (allerdings waren da drei Läufer). In Monza fehlten Kipchoge 26 Sekunden, um unter zwei Stunden zu bleiben, aber damit lag er immer noch 152 Sekunden unter dem damaligen Weltrekord (Projekt Breaking2). Ein neuer Sponsor hat ein Projekt unter dem Namen 159challenge ins Leben gerufen. Dieses Mal hat Kipchoge Geschichte geschrieben und er war allein … oder fast. Hier sind die 5 entscheidenden Leistungsfaktoren:
1. Ort und Zeitpunkt: Um den Kraftaufwand zu optimieren, musste die Strecke möglichst flach sein und keine engen Kurven aufweisen, die den Läufer abbremsen könnten. Die Schleifen wurden auf zwei grosse Verkehrskreisel gelegt, um das Tempo nicht zu drosseln. Die Bodenmarkierungen sicherten die richtige Streckenlänge, sodass es nicht möglich war, auf der Innenbahn der Kurve einige Meter abzukürzen. Im Anschluss wurde eine Wetterlage gewählt, die bei einer optimalen Temperatur (10 bis 14 Grad Celsius) das unvermeidliche Überhitzen des Körpers begrenzt und in der Windstille herrscht. Wien hat alle diese Bedingungen am letzten Samstag optimal erfüllt.
2. Die Ernährung und die Verpflegung: Die Erfahrung eines Läufers, der 11 seiner 12 Marathonrennen gewonnen hat, ist ein grosser Pluspunkt. Er kennt sein Verdauungsvermögen und seinen Spielraum in puncto Flüssigkeits- und Energiezufuhr. Kipchoge wird auf der Strecke durch seinen Manager verpflegt, der der Gruppe auf dem Fahrrad folgt. Die speziell getesteten Getränke und Gels der neusten Generation sollen ihn mit einer Höchstmenge an schnell wirkenden Zuckergemischen versorgen. Die Mengen und Intervalle der Verpflegung sind also völlig optimiert.