Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03420.jsonl.gz/1410

Am Beispiel eines Bademeisters, der eine «Heldentat» vollbracht hat, indem er ein Kind rettete, wird exemplarisch vorgeführt, wie eine Gemeinschaft an dem Bild des Helden festhält – auch wenn die Fakten irgendwann eine andere Sprache sprechen. Fragen werden aufgeworfen, die sich nicht mit den Umständen erklären lassen, sondern die jeden Einzelnen auf sich selber zurückwerfen: Was kann ich glauben von dem, was mir erzählt wird? Was setzt sich in meinem Kopf fest? Warum haben die Fakten, die ich zuerst erfahre, ein grösseres Gewicht als spätere Informationen? Bin ich wirklich so unflexibel in meinem Denken, dass ich eine einmal gefasste Sicht auf die Dinge nur schwer loswerde?
Der Text von Martina Clavadetscher besticht durch eine klar gestaltete Form und eine eigene Sprache, durch die die Figuren ihre Charaktere erhalten. Der Text spricht nicht alles aus, sondern lässt vieles zwischen den Zeilen erahnen.
Sophie Stierle ist mit den Texten Clavadetschers bereits vertraut, was auf eine adäquate Umsetzung hoffen lässt. Beide Frauen haben sowohl durch ihre bisherige gemeinsame Arbeit als auch durch ihre Ausführungen im Projektdossier ein grosses Bewusstsein über ihre Arbeit und eine sorgfältige Herangehensweise an ihre Themen bewiesen.
Das Stück zeitlich und räumlich zweizuteilen ist ein geschickter dramaturgischer Schachzug, der inhaltlich glaubhaft begründet und nachvollziehbar ist und ausserdem die Neugierde auf den ungewöhnlichen Spielort «Neubad» weckt.
Das Dossier macht Lust auf eine intelligente und lebendige Theatererfahrung.