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Die Open-Source-Verfechter von der Free Software Foundation gehen kurz vor dem Windows-7-Start in die Offensive.
In den USA gibt es die Tradition, Kontrahenten zu "trashen", also verbal zu "vermüllen". Genau dies versucht nun die "Free Software Foundation" (FSF) anlässlich des bevorstehenden Marktstarts von Windows 7. Die FSF hat Briefe an die CEOs der 500 grössten Unternehmen der Welt geschickt, um sie vor den Gefahren zu warnen, welche Windows als proprietäre Software nach Meinung der FSF mit sich bringe. (Genauer gesagt gingen die Briefe nur an 499 CEOs – bei Microsofts Steve Ballmer, so sagte sich die Foundation vernünftigerweise, wäre man wohl kaum auf offene Ohren gestossen.) Briefe an weitere Unternehmen weltweit sollen folgen.
Die FSF versucht traditionellerweise jedesmal, wenn Microsoft eine neue Windows-Version lanciert, mit seinen Argumenten gegen proprietäre Software verstärkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erregen. Dem FSF-Direktor Peter Brown ist dabei bewusst, dass man bei Windows 7, das schon einige Vorschusslorbeeren erhalten hat, wohl einen schwierigeren Stand haben wird, als beim von Anfang an umstrittenen Windows Vista. Wie er gegenüber 'News.com' erklärte, hofft die FSF trotzdem, dem "Windows 7 ist auf jeden Fall besser als Vista"-Effekt etwas entgegensetzen zu können.
Auch "Snow Leopard" wird kritisiert
Seven Sins
Die "7 Sünden von Windows", beziehungsweise die Hauptkritkpunkte, welche die FSF anbringen will, werden von ihr unter den Stichworten Schulen, DRM, Security, Standards, Monopol, "Lock-in" und Privatsphäre zusammengefasst. Diese Kritiken sind allerdings zum grössten Teil weder neu, noch Windows-7-spezifisch, und die FSF schreckt auch nicht vor Polemik zurück:
Schulen: Die FSF kritisiert, dass heute die meisten Schüler weltweit ihre Computerkenntnisse mit Produkten eines Privatunternehmens – eben Microsoft – erwerben. Microsoft gebe zudem grosse Summen für Lobbyarbeit aus, um Druck auf Erziehungsbehörden auszüben und diesen Zustand aufrecht zu erhalten.
"Digital Rights Management" (DRM): Mit dem Windows Media Player arbeite Microsoft verstärkt mit den grossen Medienkozernen zusammen. Zum Beispiel habe Microsoft auf Verlangen von NBC verhindert, dass User gewisse Fernsehprogramme aufnehmen konnten, obwohl sie eigentlich das Recht dazu gehabt hätten.
Security: Windows habe eine lange Geschichte von Sicherheitsproblemen. Da die Software proprietär und damit geheim sei, seien alle User komplett von Microsoft abhängig, um diese Löcher zu stopfen.
Standards: Microsoft versuche, die Ratifizierung von offenen Dokumentenformaten zu blockieren, teilweise sogar – ein happiger Vorwurf der FSF – durch Bestechung von zuständigen Leuten.
Monopol: Microsoft nutze seine übermächtige Marktstellung aus und übe Druck auf PC-Hersteller aus, damit diese auch weiterhin PCs fast nie ohne vorinstalliertes Windows liefern, obwohl viele Kunden genau dies verlangen würden.
"Lock-in": Microsoft versuche regelmässig, User zum Upgrade auf neue Versionen zu zwingen, indem der Support für ältere Versionen von Windows und Office eingestellt und Hardware-Anforderungen nach oben geschraubt würden.
Privatsphäre: Microsoft verwende Funktionen mit irreführenden Namen wie "Windows Genuine Advantage" um Inhalte auf den Festplatten der User zu inspizieren. In den Lizenzbestimmungen, welche akzeptiert werden müssen, bevor man Windows brauchen kann, stehe, dass Microsoft sich das Recht vorbehält, dies auch ohne Warnmeldung an die Anwender zu tun. (Hans Jörg Maron)