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Schamlippenkrebs - Vulvakarzinom
Für das äussere Genitale der Frau existiert nur das Wort Vulva, was aber im Sprachgebrauch kaum vorkommt. Zur Vulva gehören nicht nur die Schamlippen, sondern auch die Clitoris, die Vorhaut, der Damm und der Scheideneingang, insofern ist der deutsche Begriff Schamlippenkrebs etwas unglücklich und unvollständig. In der Schweiz erkranken pro Jahr geschätzt etwa 200 Frauen neu an einem Vulvakarzinom, genaue Zahlen gibt es leider nicht.
Wie viele Frauen an den Folgen der Erkrankung sterben ist unbekannt, man kann nur annehmen, dass sich dies ähnlich wie in den Nachbarländern verhält und sich die Prognose in den letzten 15 Jahren deutlich verbessert hat. Durch die Krebsstatistiken aus Holland, Australien und Deutschland weiss man, dass sich das Vulvakarzinom in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt hat, wobei insbesondere bei jüngeren Frauen zunehmend die Diagnose gestellt wird, was früher extrem selten war. Leider gibt es für die Vulva kein etabliertes Früherkennungsprogramm, obwohl der Krebs und auch seine Vorstufen relativ leicht ersichtlich sind.
Bei der Krebsentstehung unterscheidet man zwei Wege. Einerseits entsteht das Vulvakarzinom ähnlich wie der Gebärmutterhalskrebs durch humane Papillomaviren (HPV). Die Krebsvorstufe ist oft leicht zu erkennen, macht nicht selten Symptome wie Juckreiz oder wird von der Patientin selbst gespürt und sie ist auch relativ leicht zu behandeln. HPV-assoziierte Vulvakarzinome betreffen meist jüngere Frauen zwischen 35 und 45 Jahren und haben eine sehr gute Prognose. Andererseits gibt es aber auch HPV-unabhängige Vulvakarzinome, die meist auf dem Boden eines Lichen sclerosus entstehen. Der Lichen sclerosus ist zwar keine Krebsvorstufe, er wird aber leider nicht selten spät erkannt und macht Veränderungen wir Verhornungen, Risse oder offene Stellen, die eine Krebsvorstufe maskieren. Diese wird daher selten diagnostiziert und meist besteht bei der Diagnosestellung bereits ein invasiv wachsendes Vulvakarzinom. Betroffene Frauen mit einem Lichen sclerosus-assozierten Vulvakarzinom sind meist über 60 Jahre alt, die Prognose ist weniger gut und der Tumor hat ein hohes Risiko wieder zu kommen. Beide Tumorvarianten werden etwa gleich häufig diagnostiziert.
Therapie des Vulvakarzinoms
Die primäre Therapie des Vulvakarzinoms ist die operative Entfernung im Gesunden und die chirurgische Untersuchung der Lymphabflusswege. Bei kleineren Tumoren kann hier die Wächterlymphknoten-Methode angewendet werden, allerdings sollte der Operateur über ausreichend Erfahrung verfügen. Bei befallenen Lymphknoten muss auf der betroffenen Seite die Leiste vollständig operiert werden, was praktisch leider immer mit Problemen einhergeht. Diese sind unangenehme Infektionen, Lymphzysten und chronischer Lymphstau. Wenn mehr als ein Lymphknoten befallen ist, dann sollte zudem der Bereich anschliessend bestrahlt werden, was das Risiko für Spätfolgen erhöht.
Die Chirurgie der Vulva ist technisch anspruchsvoll, denn funktionelle Organe kommen hier zusammen und Frauen sitzen nun mal auf ihrem äusseren Genitale. Deswegen sind spannungsfreie Techniken zur Rekonstruktion des äusseren Genitale notwendig, die beherrscht werden müssen. Sonst führt langfristig allein Sitzen zu erheblichen Beschwerden. Die Beeinträchtigung der Sexualität ist fast immer ein Problem, denn auch wenn funktionell alles normal erscheint, die „Verstümmelung“ hat praktisch immer subjektive Auswirkungen. Frauen mit Vulvakarzinomen sollten immer im Team mit ausgebildeten GynOnc-Nurses behandelt werden, die Hilfestellung in der Verarbeitung und der Pflege geben können. Wenn der Tumor nahe am Damm sitzt, dann sollte zur besseren Wundheilung manchmal für ein paar Wochen ein künstlicher Darmausgang angelegt werden, da sonst mit schweren Wundheilungsstörungen zu rechnen ist.
Bei sehr ausgedehnten Tumoren, oder bei Patientinnen die aus anderen Gründen nicht operiert werden können, kann es sinnvoll sein primär zu bestrahlen, auch mit dem Ziel später besser operieren zu können.
Fortgeschrittenes und metastasiertes Vulvakarzinom
Die Möglichkeiten beim fortgeschrittenem Vulvakarzinom sind leider äusserst limitiert und oft frustrierend. Allerdings zeigen neuere Daten, dass bei Früherkennung eines Rezidivs durch kombinierte Therapie-Ansätze bestehend aus Operation mit Strahlentherapie zu einem Langzeitüberleben führen können. Bei Fernmetastasen in andere Organe sind die Ansprechraten der zur Verfügung stehenden Therapien bisher leider nicht besonders gut.
Ausblick
Durch eine Erhöhung der Impfrate gegen HPV könnte zumindest eine Variante des Vulvakarzinoms reduziert werden. Erfreulicherweise rückt die Vulva zunehmend ins Bewusstsein der Frauenheilkunde, man nimmt sich zunehmend dem Problem an und die Aus- und Weiterbildung konzentriert sich zunehmend auf dieses vernachlässigte Organ. So wird der Lichen sclerosus zunehmend früher erkannt und es ist sehr wahrscheinlich, dass eine adäquate Therapie mit z. B. Cortison-haltigen Salben der Krebsentstehung entgegenwirkt.