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Die DEZA unterstützt seit vier Jahren im Rahmen der Sektion «Focus» des Festivals Visions du Réel in Nyon Werke von Filmschaffenden aus dem Süden und dem Osten. Der Preis Visions Sud Est, der an ein viel versprechendes Filmprojekt vergeben wird, unterstützt die Finanzierung der Dreharbeiten. Mit ihrer Teilnahme am Festival und der Verbreitung ihrer Filmprojekte kommen die Filmschaffenden zudem in Kontakt mit internationalen Netzwerken von Fachleuten.
Sabine Sidawi und Jinane Dagher, die Preisträgerinnen von Visions Sud Est in der Sektion «Focus», die 2013 dem Libanon gewidmet war, sprechen über ihren Film «Chacun sa bonne» («A Maid for Each»)und sein heikles Thema.
Was ist das Thema von «Chacun sa bonne»?
Sabine Sidawi: In zahlreichen libanesischen Haushalten lebt eine afrikanische oder asiatische Hausangestellte. Seit Ende der 1970er-Jahre hat sich ein eigentlicher Handel von Hausangestellten entwickelt, wobei die Arbeiterin den grössten Teil ihrer Rechte verloren hat und ihren Arbeitgebern total ausgeliefert ist. Unser Film will der Öffentlichkeit dieses Vermarktungssystem, das dem Menschenhandel ähnelt, aufzeigen und von uns Libanesinnen und Libanesen berichten, uns mit unseren Widersprüchen konfrontieren und unser Verhalten diesem Markt gegenüber hinterfragen.
Ist das im Libanon ein viel diskutiertes Thema?
Jinane Dagher: Es ist ein Thema, über das man von Zeit zu Zeit spricht, wenn eine NGO eine Kampagne durchführt oder wenn die Medien von einem Suizid oder einem Misshandlungsfall berichten. Eine Diskussion kommt also punktuell auf. Auch ein paar Filme gibt es darüber: Sie behandeln das Thema der Hausangestellten und ihre Situation im Libanon, ohne jedoch das weltweite System zu thematisieren, das diese Misshandlungen und deren Straflosigkeit erst möglich macht.
Glauben Sie, dass man mit einem solchen Dokumentarfilm die Situation verändern kann?
Jinane Dagher: Ein Film kann eine Diskussion, eine bislang verdrängte Debatte auslösen, doch selten von einem Tag auf den andern die Vorstellungen umkrempeln. Unser Film stellt Fragen, die den grössten Teil der libanesischen Gesellschaft betreffen, er könnte über die Öffnung der Gesinnung zu einer gewissen Veränderung führen. Doch das Problem der Hausangestellten im Libanon hat auch mit der Machtlosigkeit der Gesetzgebung, mit der Polizei, dem Arbeitsministerium, den Konsulaten usw. zu tun. Die Institutionen, die diese Arbeitsform regeln, schliessen die Augen vor den Auswüchsen.
Für Ihr Projekt haben Sie am letztjährigen Festival den Preis Visions Sud Est erhalten. Wie hat Ihnen diese Auszeichnung geholfen?
Sabine Sidawi: Dieser Preis war für uns finanziell sehr nützlich, aber nicht nur. Dank unserem Auftritt in Nyon konnten wir Kontakte knüpfen und bekamen Rückmeldungen von Fachleuten auf unser Projekt. Das war für die Dreharbeiten und für das Schneiden, das kürzlich begonnen hat, sehr wichtig.
Focus 2014: Tunesien
Tunesien, das sich politisch und demokratisch im Umbruch befindet, ist 2014 Gastland in der Sektion «Focus» des Festivals Vision du Réel. Insgesamt werden fünfzehn tunesische Filme gezeigt, und fünf Filmprojekte bewerben sich um den Preis Vision Sud Est. Das Festival und der Doc Outlook-International Market (DOCM) stellen zum vierten Mal mit Unterstützung der DEZA ein Land vor, dessen Filmindustrie sich im Aufschwung befindet. Die Kultur formt die Lebenserfahrungen und die Identität. Sie erlaubt es einer Gesellschaft zu bestimmen, welche Art von Modernität sie anstrebt, den Widerstand gegen Ungleichbehandlungen zu verstärken und das Tempo des sozialen Wandels zu beeinflussen. Damit ergänzt sie die Entwicklungsziele.