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«Sugar Baby Love» sangen die Rubettes und schufen mit diesem Bubblegum-Popsong den erfolgreichsten Oldie aller Zeiten. Terry Jacks «Season In The Sun» markierte die Endphase der Hippie-Ära: We had joy, we had fun, we had seasons in the sun. Schockfarben waren im Trend, US-Army-Jacken, Latzhosen, PLO-Schals, Mao-Bibeln, Che-Guevara-Posters; vom afrikanischen Kaftan bis zum zotteligen Schafspelz wurde alles getragen, was Individualität markieren könnte. Sogar Paul Breitner versenkte mit Afrolook den Elfmeter im WM-Finale gegen Holland.
Zentrales Thema war jedoch die durch das Ölembargo im Vorjahr ausgelöste Ölkrise, die nochmals akzentuiert wurde, als Ägypten und Syrien die Golanhöhen besetzten. Für einige Sonntage galt ein Autofahrverbot, das wirtschaftlich keinen Nutzen hatte, aber schöne Fotomotive hergab. Hintergrund der Ölkrise war nicht nur der Nahostkonflikt, sondern auch die mit der Aufhebung des Goldstandards herbeigeführte Schwächung des Dollars, der den Erdölexporteuren sinkende Einnahmen bescherte.
In den Kinos lehrte uns «Der Exorzist» das Fürchten. Da er nicht alle Dämonen vertreiben konnte, folgten weitere Fortsetzungen. Fortgesetzt wurde auch der Kultfilm «The Godfather», mit Robert De Niro als junger Don Vito Corleone. («There are people who’d pay a lot of money for that information.») Studiokinos spielten Fassbinders Film «Angst essen Seele auf», die berührende Geschichte einer verwitweten Putzfrau, die sich in den jungen Ali verliebt und an den Reaktionen ihrer Umgebung zerbricht. Zerbrochen ist in diesem Jahr auch das Vertrauen der Amerikaner in Richard Nixon, der infolge der Watergate-Affäre prophylaktisch zurücktrat, nachdem das Repräsentantenhaus ein Amtserhebungsverfahren beschlossen hatte. Auch Willy Brandt musste überraschend zurücktreten, sein persönlicher Referent Günther Guillaume war ein DDR-Spion. Guillaumes Sohn publizierte später seine Memoiren unter dem Titel: «Der fremde Vater».
Auch im Sport spekulierte man über einen baldigen Rücktritt: Der chancenlose Muhammad Ali wollte in Kongo gegen den amtierenden Schwergewichtsweltmeister George Foreman antreten. Doch die Schlägerei im Dschungel («Rumble In The Jungle») endete in der achten Runde mit zwei Links-rechts-Kombinationen, und der bisher in 40 Kämpfen ungeschlagene Boxweltmeister Foreman lag auf den Brettern. Ali flüstete ihm zu: «Is that all you can, George?»
© Basler Zeitung; 12.12.2014