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«... Der Zürcher ist verkehrserzogen!»
Bildpräsentation «… der Zürcher ist verkehrserzogen!»: Die Unfallbilder der Stadtpolizei Zürich (1920-1947)
Für die Bildpräsentation «… der Zürcher ist verkehrserzogen!»: Die Unfallbilder der Stadtpolizei Zürich (1920-1947) hat das Stadtarchiv eine Auswahl von 180 Bildern von Verkehrsunfällen aus den Jahren zwischen 1920 und 1947 getroffen, die ab dem 5. Oktober 2016 im Erdgeschoss des Hauses zum Rech am Neumarkt 4 in Zürich gezeigt werden.
Die gesamten rund 700 digitalisierten Bilder des Erkennungsdienstes der Stadtpolizei Zürich können auf der Bildergalerie des Stadtarchivs Zürich angesehen und werden:
Abbildung: V.E.c.72.:<ip-pii>6.5678
Verkehrsunfall, Röschibachplatz (21.06.1946)
Die Unfallbilder der Stadtpolizei Zürich (1920-1947)
von Nicola Behrens und Anna Pia Maissen (Stadtarchiv Zürich)
Die Sammlung der Tatortfotografien des Erkennungsdienstes der Stadtpolizei Zürich im Stadtarchiv umfasst den Zeitraum von 1920 bis 1980. Wir zeigen eine Auswahl von etwa 700 der insgesamt 33‘000 Bilder aus den Jahren 1920-1947, die Unfälle und Verbrechen dokumentieren.
Der Erkennungsdienst war ein Fachkommissariat der Stadtpolizei Zürich. Die erste Fotografie (Negativnummer 1) in den Alben dieses Dienstes datiert aus dem Jahr 1920. Ob erst 1920 mit dem Einsatz einer Fotokamera zur Dokumentation von Unfällen und Verbrechen begonnen wurde oder ob dies einfach der Beginn der systematischen Erfassung dieser Fotografien darstellt, können wir heute aufgrund der Aktenlage nicht eindeutig feststellen. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Systematisierung des kantonalen Erkennungsdienstes und vielleicht auch die Bildung einer städtischen Erkennungsdienstgruppe in diese Zeit fielen.
Der Erkennungsdienst wurde zur Erledigung kriminaltechnischer Aufgaben geschaffen. Innerhalb dieser Abteilung fand eine starke Spezialisierung statt, so dass in den späten 1940er Jahren die Gruppe des heute weltweit renommierten Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei ausgegliedert wurde. Der Erkennungsdienst ist bei schweren Verkehrs- und Betriebsunfällen, Kriminalfällen, Selbstmorden und aussergewöhnlichen Todesfällen für die Suche, Sicherstellung und Auswertung der Spuren zuständig. Aber auch alle verhafteten Personen wurden dort registriert. Der Erkennungsdienst übernahm auch eine wichtige Rolle bei der Ausbildung und Instruktion angehender Polizisten. Diese lernten dort, welche Massnahmen beispielsweise bei Verkehrsunfällen zu ergreifen und wie solche Vorfälle zeichnerisch oder fotografisch aufzunehmen sind.
Abbildung: V.E.c.<ip-pii>.5.436a
Verkehrsunfall, Seefeldstrasse (13.03.1925)
1971 einigten sich Stadt und Kanton Zürich über die (räumliche) Zusammenlegung der Kriminalpolizei und des Staatsschutzes. Es wurde ein gemeinsamer Erkennungsdienst geschaffen und die Stadt führte ihre Arbeit als Unfalltechnischer Dienst weiter.
Im Oktober 2007 bot der Unfalltechnische Dienst der Stadtpolizei dem Stadtarchiv Zürich die Unterlagen des damaligen städtischen Erkennungsdienstes an. Das Kernstück der abgelieferten Archivalien sind eindeutig die Fotografien. Einerseits handelt es sich um 129 Fotoalben zu Tatbestandsaufnahmen und Verkehrsunfällen aus der Zeit zwischen 1920 und 1980, anderseits um gegen 50 Schachteln mit Diapositiven oder Glasplattennegativen. Daneben wurden dem Stadtarchiv Korrespondenz, Unfallberichte, polizeiinterne Lehrmittel, Drucksachen und Pläne von etwas mehr als 20 Laufmetern Umfang überlassen.
Anhand der Fotografien des Erkennungsdienstes der Stadtpolizei lässt sich exemplarisch darstellen, wie Aktenstücke (hier Fotografien) durch die Übernahme ins Archiv ihren bisherigen Zweck verlieren und einen neuen Sinn erhalten: Für den Erkennungsdienst der Stadtpolizei Zürich waren die Bilder Beweisunterlagen. Diese wurden von den Strafuntersuchungsbehörden und den Gerichten zur Tatbestandsfeststellung herangezogen. In der Zwischenzeit sind die Urteile jedoch gesprochen, die Rechtsmittelfristen abgelaufen, die Entscheidungen rechtskräftig und die Fälle verjährt. Damit hat sich der Zweck der Bilder, für den sie geschaffen wurden, erschöpft. Dass man diese Bilder nicht vernichtet hat, liegt daran, dass wir sie heute als wertvoll ansehen. Der Wert liegt jedoch an einem ganz anderen Ort als dem ursprünglichen. Bilder von Verkehrsunfällen können spektakulär sein oder sie zeigen interessante Dinge und Situationen. Für das Stadtarchiv war insbesondere der stadttopografische und stadthistorische Aspekt ausschlaggebend für die Übernahme der Bilder, denn sie gewähren gerade durch ihre Fokussierung auf einen Tatbestand eine ganz spezielle Sicht auf die Stadt Zürich und ihre Entwicklung. Die Fotografien der Verkehrsunfälle beispielsweise zeigen auch visuell, wie sich der Strassenverkehr über Jahrzehnte hinweg verändert hat: In den frühen Jahren des motorisierten Verkehrs gab es kein grosses Verkehrsaufkommen. Neben der Strassenbahn waren die Strassen und Wege vor allem von Fuhrwerken und Fahrrädern besetzt. Erste Taxis fuhren bereits ab 1898, und 1902 gab es in der Stadt Zürich lediglich 64 Automobile, im Jahr 1904 zählte man 114. Innerorts galt die Geschwindingkeitslimite von 10 Kilometern pro Stunde, Ausserorts 20. Konflikte unter den Strassenbenützern sollte es daher kaum geben – so würde man meinen. Trotzdem passierten damals im Vergleich zum heutigen Verkehrsaufkommen drastisch mehr Unfälle und auch mehr Unfälle mit Todesfolgen. Im Jahr 1905 hatte jedes zweite Fahrzeug einen Unfall, heute ist es im Durchschnitt bloss noch jedes fünfzigste. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine Autoprüfung musste bis 1913 niemand ablegen, und auch danach war diese eine eher formelle Angelegenheit. Verkehrstafeln und Signalisierung waren unbekannt und die Autos waren sicherheitsmässig schlecht ausgerüstet – es waren eigentliche Seifenkisten auf gummierten Rädern, die mit Velobremsen ausgerüstet waren. Zudem waren weder Velofahrer, Tramführer, Fuhrwerk-Halter noch Fussgängerinnen daran gewohnt, die Strasse mit Automobilen teilen zu müssen.
Bis in die Vierzigerjahre gab es dann die ersten Motorfahrzeuggesetze und vorgeschriebene Signalisierungen. Die Stadtpolizei bemühte sich, den Verkehr und dessen Teilnehmer/innen einigermassen in den Griff zu bekommen. So hiess ein Slogan der Stadtpolizei Zürich von 1946 denn auch folgendermassen: