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Gut drei Jahre ist es her, da sass ich mit dem neuen Herrentrainier und meiner Betreuerin in Zürich am Planungsgespräch für die Saison 2011. Mit einem Lächeln und dem Kommentar „das ist etwas verwegen dies aufzuschreiben“ wertete der Trainer den Umstand, dass ich die Teilnahme an der WM als Optimalziel und Traum für die Saison aufgeschrieben hatte. Ich müsse mir zuerst einen Rucksack an guten Resultaten packen, bevor er auch nur daran denke, mich zu selektionieren.
Fünf Monate später gewann ich die WM-Mitteldistanz-Quali und lief im Sprint und in der Langdistanz solide. Damals hatte ich unter anderem wegen dem Planungsgespräch keinen Moment lang die Hoffnung, berücksichtigt zu werden. Was mein Sieg in der karstigen Mitteldistanz wert war, bekam ich dann Ende Jahr aufgezeigt. Mit der Überschrift „war das unser Niveau?“ projizierte der Coach ebendiese Rangliste an die Wand des Sportzentrums Magglingen, wo die jährliche Saisonauswertung der Nationalmannschaft stattfindet. Er wollte auf die eher unter den Erwartungen liegenden Resultate an den WM-Walddisziplinen in Frankreich anspielen.
Nun sind drei Jahre vergangen, mehrere Ränge in den ersten 20 und zwei Top10 Platzierungen im Weltcup. Im Gesamtweltcup stetig verbessert bis auf Rang 28 vergangene Saison. Studenten-Weltmeister und Militär-WM-Medaillengewinner, so gut wie immer in den Top8 bei Schweizermeisterschaften und die besten Resultate meist an den WM-Testläufen. Dies sollte als Rucksack genügen dachte ich mir, nun braucht es nur noch die Bestätigung meiner Liebe zum Karstgelände.
Sie kam. Etwas unsicher über meine physische Verfassung, da ich seit bald zwei Monaten mit einer entzündeten Plantar Fasciitis kämpfe (Fersensporn) aber mit viel Selbstvertrauen für das Gelände stand ich am Start. Im rein physisch betonten Sprint konnte ich das fehlende Lauftraining glücklicherweise vertuschen. Auf die Mitteldistanz freute ich mich besonders, denn ich wusste, dort ganz vorne reinlaufen zu können. Es folgte eine eher durchschnittliche Leistung mit einem unglücklichen Fehler, wo ich die Flagge nicht sah und nach einer Minute nochmals an den selben Ort zurückkehrte. Auch die Langdistanz war nicht top, aber solide. Der Fuss spielte wie schon in der Mitteldistanz dank Schmerzmitteln gut mit.
Mit den Rängen 5, 6 und 6 war ich zufrieden. Irgendwie baute sich aber schnell das Gefühl auf, dass es aus irgendeinem Grund wieder nicht reichen könnte. Die eher enttäuschende EM-Langdistanz kam mir in den Sinn oder allgemein der schlechte Saisonstart wegen der Erkältung. Es reichte nicht – internationale Resultate hätten entschieden.
Als ich die Selektionen angeschlagen an der Wand in der Unterkunft, in der ich schon so viel Zeit verbracht, etliche Stunden analysiert und geplant habe, sah, ging mir ein Licht aus. Ich hatte so viel für diese WM(-Quali) getan, meine Liebe für dieses Gelände ist unglaublich gross und die Resultate die ich erzielt habe, waren kein Zufallsprodukt. Wie oft habe ich mich am Start dieser Langdistanz gesehen, wie viele Male rannte ich mental bereits durch das ruppige Mitteldistanz-Gelände. Bei jedem Uphill-Intervall mochte ich den Schmerz, weil ich wusste, dass er mich in Italien schneller und stärker laufen lässt.
Der Rucksack war anscheinend nicht gross genug. „Für dich ist der kommende Weltcup in Norwegen sehr wichtig“, sagte der selbe Coach, der mir schon vor 3 Jahren sehr viel Wind aus den Segeln genommen hatte. Nun, das mag sein. Aber ich habe kaum mehr Kraft noch weitere Sachen packen zu müssen. Die schönen Erlebnisse dienen mir in solchen Momenten zwar nicht nur als Rucksack sondern auch etwas als Fallschirm, den harten Aufprall können sie jedoch nicht verhindern.
© 2016 Raffael Huber