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Der Tschad mag zwar reich an Erdöl sein, aber seine Bevölkerung gehört nach wie vor zu den ärmsten der Welt. SWISSAID unterstützt in dem zentralafrikanischen Land mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen in ihrem Engagement für eine bessere Verteilung der Einnahmen aus der Erdölgewinnung und in ihrer Aufklärungsarbeit für Jugendliche und Frauen. Damit die Einnahmen aus dem schwarzen Gold möglichst vielen Menschen zugutekommen.
Die Fakten
Die Ziele
Dieses Projekt zielt darauf ab, Basisorganisationen und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich auf die Rohstoffindustrie spezialisiert haben, mit gezielten Massnahmen in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken. So sind sie besser in die Entscheidungswege und in die Verwaltung der Einnahmen aus dem Ölgeschäft auf lokaler, provinzieller und nationaler Ebene eingebunden. Ausserdem sollen Entschädigungs- und Ausgleichsmechanismen für die Bevölkerung verbessert und Jugendliche und Frauen als vollwertige Begünstigte integriert werden.
«Schwarzes Gold» fliesst in den Böden Tschads zur Genüge, doch die Menschen vor Ort profitieren kaum davon. Tatsächlich stagniert das Land trotz des Bodenschatzes in den letzten 15 Jahren am untersten Ende im «Index der menschlichen Entwicklung» (Human Development Index, HDR): 2010 lag Tschad auf Platz 186, 2019 gar auf Platz 187, dem zweitletzten weltweit. Die Herausforderungen sind vielfältig: Es herrscht grosse Armut, und Defizite in der Bildung und Gesundheitsversorgung sowie mangelnder Zugang zu Wasser dominieren.
SWISSAID ist seit 1965 im Tschad tätig und unterstützt aktuell sechs Partnerprojekte, darunter eines im Bereich der Rohstoffindustrie. Damit soll sichergestellt werden, dass die Einnahmen der Erdölerträge zur Verbesserung des täglichen Lebens der tschadischen Bevölkerung verwendet werden. Insbesondere für diejenigen, die in der Nähe der Fördergebiete in ländlichen Gebieten leben.
Konkret unterstützt SWISSAID vier lokale Organisationen und Netzwerke*, die sich in Ost- und West-Logone und in Mandoul für eine bessere Verteilung und Verwendung der Einnahmen aus der Erdölgewinnung einsetzen.
Eines der Ziele von SWISSAID im Tschad ist es, sicherzustellen, dass die Öleinnahmen dazu verwendet werden, das tägliche Leben der tschadischen Bevölkerung zu verbessern. Insbesondere für die Menschen, die in der Nähe der Fördergebiete in ländlichen Gegenden leben.
Pipelines inmitten der Armut
«Bisher haben nur die grossen städtischen Zentren und die dünn besiedelten Regionen von den Öleinnahmen profitiert – wenn auch wenig», sagt Diamnda Merci Memhodjim, Programmbeauftragter für den Aufbau und die Unterstützung der örtlichen Zivilgesellschaft und Verantwortlicher für lokales Fundraising. In diesen Gebieten seien einige Schulen und Gesundheitskliniken gebaut worden. Die Menschen aber, die in der Nähe der Ölfelder leben und Hilfe am nötigsten hätten, spüren von den wenigen Einnahmen gar nichts. Sie leben in grösster Armut und sind umgeben von Pipelines, Stromleitungen und offenen Steinbrüchen, in welchen sich Regenwasser ansammelt, das malariaübertragende Moskitos anlockt.
Ein weiterer Nachteil ist die fehlende Transparenz der Entschädigungs- und Ausgleichszahlungen, die von den Ölfirmen an die lokalen Gemeinden geleistet werden. Vor Ort mangelt es an einer gerechten Verteilung, insbesondere zwischen Männern und Frauen.
Menschen, die in der Nähe von Ölfördergebieten leben, wurden in Stich gelassen. Sie leben inmitten von Pipelines, Stromleitungen und nicht eingezäunten Steinbrüchen, in denen sich Regenwasser und malariaübertragende Moskitos ansammeln.
SWISSAID unterstützt die lokalen Hilfsorganisationen in ihrer Arbeit. Die Partner vor Ort setzen sich intensiv für eine Vereinheitlichung der Einnahmen ein und fördern die nachhaltige Nutzung der Entschädigungen. Besonderes Augenmerk wird auf Frauen gelegt, «weil wir wissen, dass sie das Geld, das sie erhalten, wieder in ihre Familien investieren», sagt Maxime Nadjirambaye Nelngar. Als Fürsprecher und Kenner der Rohstoffindustrie unterstützt er die lokale Zivilgesellschaft und ist für die Programme im Tschad zuständig.
Bildungsveranstaltungen und Radiogespräche
Wie helfen diese Organisationen konkret vor Ort? Indem sie die lokale, manchmal schlecht ausgebildete Bevölkerung in ihrer Interessensvertretung gegenüber den Ölfirmen unterstützen und schlechte Praktiken anprangern. Oder indem sie helfen, kleinere landwirtschaftliche Projekte zu organisieren, die durch die Einnahmen aus dem schwarzen Gold finanziert werden. Bei Treffen mit Familien und traditionellen Stammesführern wird die zentrale Rolle von Frauen und Jugendlichen in der lokalen Entwicklungspolitik aufgezeigt. Auch Bildungsveranstaltungen und die Teilnahme an Radiogemesprächen, die über Initiativen und Erfolge von Frauen berichten, unterstützen die lokale Bevölkerung.
Einkommen und Rechte
Marc Ummel, Verantwortlicher Dossier Rohstoffe bei SWISSAID, sagt: «Dieses Projekt ist besonders interessant, weil es eine bessere Umverteilung des Ölreichtums fördert und die lokale Bevölkerung dabei unterstützt, ihre Rechte gegenüber den multinationalen Konzernen zu verteidigen.»
Dank den langjährigen Investitionen in die Kleinbauern im Tschad trägt SWISSAID dazu bei, das tägliche Leben der Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt zu verbessern. Und so dem leidigen «Fluch des Rohstoffs» ein Ende zu bereiten.
*L’Entente des Populations de la Zone Pétrolière (EPOZOP); l’Association des Jeunes Tchadiens de la Zone Pétrolière (AJTZP); le Réseau des Organisations de la Société Civile (ROSOC) et la Coalition tchadienne «Publiez Ce que Vous Payez-Publiez Ce que Vous Gagnez» (PCQVP-PCQVG).