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Bluthochdruck nimmt im Alter zu. Deshalb erhalten alte Menschen besonders oft einen Blutdrucksenker. Eine Studie in der Ärztezeitschrift «The Lancet Healthy Longevity» zeigt nun eine unerwartet hohe Rate an «unerwünschten Ereignissen» bei Senioren, denen bestimmte Blutdrucksenker verordnet wurden. Solche «unerwünschten Ereignisse» können Nebenwirkungen des Medikaments sein, aber auch zufällig während der Studie aufgetretene Gesundheitsprobleme aus anderen Gründen.
Konkret ging es bei der Studie vor allem um die oft verschriebenen Sartane. (Ihre Wirkstoffnamen enden auf -sartan, zum Beispiel Irbesartan oder Valsartan).
In den Medikamentenstudien kam es – hochgerechnet auf ein Jahr – bei durchschnittlich 11 von 100 Teilnehmenden zu schweren unerwünschten Ereignissen, also zum Beispiel ungeplante Hospitalisationen, lebensbedrohliche Zustände und auch Todesfälle. In Studien, an denen ausschliesslich Senioren teilnahmen, waren 18 von 100 Teilnehmende von schweren unerwünschten Ereignissen betroffen – also pro Jahr fast jeder Fünfte. Das galt sowohl für diejenigen, die den Blutdrucksenker nahmen, als auch für jene, die nur ein Plazebo erhalten hatten.
In der Praxis viermal mehr schwere unerwünschte Ereignisse
Im realen Leben dagegen wurden Senioren, die solche Blutdrucksenker bekommen hatten, mit rund viermal grösserer Wahrscheinlichkeit ungeplant hospitalisiert oder sie verstarben. Das heisst nicht, dass die Blutdrucksenker Schuld daran waren. Es kann auch andere Gründe gegeben haben – nur wäre zu erwarten, dass diese in den Medikamentenstudien genauso häufig auftreten müssten.
Das war aber nicht der Fall. Denn im realen Leben kam es bei Senioren (Durchschnittsalter 60 Jahre), die solche Blutdrucksenker einnahmen, eben viel öfter zu schweren Zwischenfällen. Als Vergleich diente eine grosse, repräsentative Gesundheitsdatenbank mit Angaben zu rund 56’000 Personen in Wales.
Studien bilden die Wirklichkeit ungenügend ab
Die Medikamentenstudien bilden also offenkundig nicht das ab, was sich (zumindest in Wales) in der Praxis abspielt. Der Grund für diese Diskrepanz ist vermutlich, dass die Medikamente in den Studien an gesünderen Personen getestet wurden. In der Realität werden die Blutdrucksenker aber oft Personen verordnet, die mehrere Krankheiten haben, älter sind, fragiler oder mehr Medikamente nehmen, so dass es häufiger zu Wechselwirkungen kommt …
Weitreichende Konsequenzen
Problem erkannt, Gefahr gebannt? Nein, denn auf den Medikamentenstudien gründen die medizinischen Empfehlungen, wer einen Blutdrucksenker nehmen soll. Dabei wird der Nutzen – zum Beispiel geringeres Schlaganfallrisiko – abgewogen gegen den möglichen Schaden. Blutdrucksenker können zum Beispiel als unerwünschte Wirkung zum Sturz mit Hüftbruch führen. Wird der potenzielle Schaden in den Medikamentenstudien aber systematisch unterschätzt, basieren die Empfehlungen auf falschen Annahmen. Auch der potenzielle Nutzen der Blutdrucksenker ist bei Menschen, die bereits sehr krank ist, kleiner als bei noch relativ gesunden Senioren.
Dieses Problem dürfte wahrscheinlich nicht nur auf die erwähnten Blutdrucksenker beschränkt sein. Denn betagte Menschen sind in medizinischen Studien chronisch untervertreten – erhalten in der Praxis aber die meisten Medikamente.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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