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Pfadi-Gründer Robert Stephenson Smyth Baden-Powell
Ursprung
Robert Stephenson Smyth Baden-Powell, kurz Bi-Pi genannt, wird 1857 in London geboren. Schon als Kind liebt er die Natur. Mit 19 Jahren tritt er der Armee bei und wird sofort als Unteroffizier nach Indien entsandt. Er zeigt wenig Interesse am Repräsentieren und am militärischen Drill, umso mehr aber am Beobachten der fremdartigen Tier- und Pflanzenwelt, von der er detaillierte und teils witzige Zeichnungen anfertigt. Auch die Lebensweise der einheimischen Bevölkerung fasziniert ihn und er lernt ihre Sprache. Trotz dieser, für einen britischen Soldaten ungewöhnlichen Interessen, ist er beliebt, denn mit seinem Musik- und Schauspieltalent sorgt er für Unterhaltung.
Bald initiiert er eine neuartige Ausbildung für Kundschafter („Scouts“). Er gibt seinen Schützlingen keine strikten Anordnungen, sondern erklärt ihnen den Sinn der Arbeit, versucht ihre Freude daran zu wecken und gibt ihnen nur Tipps und Anregungen – sie sollen aus ihren eigenen Erfahrungen lernen. „Learning by doing" nennt er das. Zudem teilt er die Soldaten in kleine Gruppen von 6-8 Personen ein, die jeweils selbst einen Anführer wählen. Damit fördert er das Verantwortungsbewusstsein und das eigenständige Denken der Soldaten. Er macht rasch Karriere.
Adaption für die Jugendausbildung
Enorme Popularität erreicht er 1900, als er die Stadt Mafeking in Südafrika mit seinen zahlenmässig weit unterlegenen Truppen durch verschiedene Tricks 217 Tage lang gegen die Buren verteidigen kann. Dabei setzt er mangels Alternativen Jugendliche für Botengänge ein und realisiert, dass diese bereits Verantwortung übernehmen können und wollen, wenn man ihnen Vertrauen schenkt.
Als Bi-Pi wieder nach England zurückkehrt, merkt er, dass sein eigentlich militärisches Ausbildungsbuch „Aids to Scouting“ zum Jugendbestseller geworden ist. Darüber wenig erfreut, beschliesst er, ein neues Buch mit dem Titel „Scouting for Boys“ zu schreiben. Es soll sich an Jugendliche richten und auf spielerische Art und Weise seine Erkenntnisse in der Jugendausbildung zusammenfassen. Bi-Pi hängt seine militärische Karriere an den Nagel und startet ein pädagogisches Experiment: Im Sommer 1907 rudert der hoch dekorierte General mit 22 Jungen aus allen sozialen Schichten, auch sie eingeteilt in kleine Gruppen, auf die weitgehend unberührte Insel Brownsea ins erste Pfadilager.
Rasante Verbreitung
„Scouting for Boys“ erscheint 1908, verbreitet sich rasend schnell und wird zum wichtigsten pädagogischen Werk des 20. Jahrhunderts. Eigentlich als Hilfsmittel für andere Jugendverbände gedacht, entstehen überall Gruppen, die sich Pfadfinder nennen. 1910 gibt es schon 110'000 Pfadfinder, davon auch einige in der Schweiz.
Bi-Pi erhält eine Reihe höchster Auszeichnungen (unter anderem wird er 1929 zum Lord of Gilwell geadelt) und wird mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Er hinterlässt der Pfadi einen eindrücklichen Abschiedsbrief.
Heute
Heute gibt es 38 Mio. Pfadis in fast allen Ländern der Welt, auf allen Kontinenten und in allen Kulturen (nur in 6 von 222 Ländern und Territorien gibt es keine Pfadi: in Andorra, China, Kuba, Laos, Myanmar und Nordkorea). John F. Kennedy und Bill Gates, Steven Spielberg und Paul McCartney, Hillary Clinton und Neil Armstrong: Sie alle hat die Pfadi geprägt. Und 300 Millionen Menschen mehr.
Unsere Ziele
Die Erkenntnisse Bi-Pi’s wurden laufend der gesellschaftlichen Entwicklung und dem aktuellen Sprachgebrauch angepasst, haben aber im Kern bis heute Bestand. Noch immer gibt es die kleinen Pfadigruppen zur individuellen Förderung und noch immer lernen die Pfadis, indem sie ihren Spieltrieb in der Natur ausleben können (learning by doing). Das Ziel der ganzheitlichen Entwicklung wird heute durch die 5 Beziehungen ausgedrückt. Mit 7 Methoden, die in unseren vielfältigen Aktivitäten münden, versuchen wir, dieses Ziel zu erreichen.