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Während der Finanzkrise 2008 hat das IASB entschieden, den Rechnungslegungsstandard für Finanzinstrumente zu vereinfachen. Nun zeichnet sich ab, dass ein vollständiger Standard in diesem Jahr veröffentlicht wird. Es lohnt sich für Industrieunternehmen den neuen Standard zu analysieren und Vor- und Nachteile einer vorzeitigen Einführung abzuwägen.
Wo stehen wir heute?
Während der Finanzkrise hat das IASB entschieden, den Rechnungslegungsstandard für Finanzinstrumente zu überarbeiten. Hauptziel war es, die Rechnungslegung für Finanzinstrumente zu vereinfachen.
Fünf Jahre nachdem im Herbst 2009 ein erster „finaler“ Standard zu Klassierung und Bewertung von Finanzinstrumenten (die sog. Phase I) veröffentlicht wurde, zeichnet sich nun ab, dass ein vollständiger Standard für sämtliche Phasen I bis III (Klassierung und Bewertung, Wertminderungen und Hedge Accounting) im Jahr 2014 veröffentlicht werden soll. Im Februar Meeting hat das IASB entschieden das Einführungsdatum auf den 1. Januar 2018 festzulegen.
Erwartete Auswirkungen auf ein Industrieunternehmen
Klassierung und Bewertung
Die Klassierung und Bewertung von Finanzinstrumenten wird im IFRS 9 an das Geschäftsmodell gekoppelt. Wenn ein Industrieunternehmen hauptsächlich Flüssige Mittel und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in der Bilanz angesetzt hat, so wird der neue Standard keine wesentlichen Veränderungen bei der Klassierung und Bewertung verursachen. Hauptziel des Unternehmens ist es diese Finanzaktiven zu halten, Zinserträge zu generieren und bei Fälligkeit den Nominalbetrag zu vereinnahmen. Dies entspricht dem Geschäftsmodell „held to collect“ und die Finanzaktiven werden zu fortgeführten Anschaffungskosten (was bei kurzfristigen Forderungen dem Nominalwert entspricht) bilanziert.
Unternehmen, die aus Liquiditätsmanagementgründen Flüssige Mittel in Obligationen anlegen, können diese Anlagen als „fair value through OCI“ klassieren. Diese Kategorie entspricht in etwa der heutigen Kategorie „available for sale“.
Aktienanlagen können ebenfalls in die Kategorie „fair value through OCI“ klassiert werden. Nachteilig ist jedoch, dass Gewinne bzw. Verluste beim Verkauf der Aktien nicht über die Erfolgsrechnung realisiert werden, sondern im Eigenkapital stehen bleiben. Mit diesem Kniff ist das IASB der Impairment-Diskussion aus dem Weg gegangen.
|Anlage||IAS 39||IFRS 9|
|Kategorie||Bewertung||Kategorie||Bewertung|
|Flüssige Mittel||Loans & Receivables||Fortgeführte Anschaffungskosten||Held to collect||Fortgeführte Anschaffungskosten|
|Forderungen aus Lieferungen und Leistungen||Loans & Receivables||Fortgeführte Anschaffungskosten||Held to collect||Fortgeführte Anschaffungskosten|
|Aktien||Trading||Marktwert, Marktveränderungen in ER||FVtPL||Marktwert, Marktveränderungen in ER|
|Available for sale||Marktwert, Marktveränderungen in EK||FVtOCI||Marktwert, Marktveränderungen in EK|
|Obligationen||Trading||Marktwert, Marktveränderungen in ER||FVtPL||Marktwert, Marktveränderungen in ER|
|Available for sale||Marktwert, Marktveränderungen in EK||FVOCI||Marktwert, Marktveränderungen in EK|
|Held to maturity||Fortgeführte Anschaffungskosten||Held to collect||Fortgeführte Anschaffungskosten|
Wertminderungen
Das Hauptanliegen des IASB war es, durch eine Verbesserung des Standards Unternehmen dazu anzuhalten, Wertminderungen frühzeitig zu erfassen. Im 2008 wurde eine Verstärkung der Krise durch die späte Erfassung der Wertminderung festgestellt. Das IASB ist deshalb vom bisher bekannten „incurred loss modell“ auf ein „expected loss modell“ übergegangen.
Das IASB plant vor allem für die Berechnung und Erfassung von Wertminderungen auf kurzfristige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, welche keine Finanzierungskomponente beinhalten, ein vereinfachtes Verfahren einzuführen. Unter IFRS 9 wird das Unternehmen am Tag der Bilanzerstellung nicht nach Indikatoren eines Impairments suchen müssen, um eine Wertberichtigung rechtfertigen zu können, sondern das Unternehmen wird aufgrund von historischen Erfahrungswerten bzw. statistischen Erwartungen eine Wertberichtigung für die gesamte Population der Forderungen über deren Laufzeit erfassen (Pauschalwertberichtigung).
Einzelwertberichtigung für Forderungen sind angezeigt, wenn die Forderungen mehr als 30 Tage überfällig sind. Das IASB sieht diese Grösse (>30 Tage) als operationelle Vereinfachung. Unternehmen, welche vor allem mit ausländischen, öffentlich-rechtlichen Köperschaften arbeiten, erachten die Grenze von 30 Tagen als zu tief. Das IASB hat aber die Grenze von 30 Tagen als „rebuttable presumption“ festgelegt, jedem Unternehmen bleibt es überlassen auf zu zeigen, dass die Zahlungsfristen durch die Gegenparteien grosszügig ausgelegt werden und kein Bedarf zur Einzelwertberichtigung besteht.
Hedge Accounting
Die wohl bedeutendste Anpassung haben die Regelungen im Bereich Hedge Accounting erfahren. Es wurde insbesondere eine Vereinheitlichung des Risk Managements und der Buchführung angestrebt. Risk Management soll in Zukunft massgebend sein und das Accounting soll Risk Management taugliche Absicherungen in den Büchern abbilden.
Es ist vor allem die Vereinfachungen für den Wirksamkeitstest („Hedge Effectiveness Test“) hervorzuheben. Industrieunternehmen sichern Zinsen ihrer Finanzverbindlichkeiten bzw. Fremdwährungen ihrer Ein-bzw. Verkäufe ab, dabei werden in der Regel keine komplexen Strukturierungen eingesetzt sondern 1:1 Beziehungen abgeschlossen. Für diese Fälle sollte in Zukunft ein einfacher qualitativer Wirksamkeitstest genügend sein.
Neu ist auch die Absicherung von Netto-Positionen (Umsatz und Aufwand), welche in verschiedenen Zeitperioden anfallen, möglich – auch dies stellt eine Anpassung des Accountings ans Risk Management dar.
Ausblick
In den nächsten Monaten sollte klar werden, wie der finale Standard ausgestalten sein wird. Es lohnt sich für Industrieunternehmen den neuen Standard zu analysieren und Vor- und Nachteile einer vorzeitigen Einführung abzuwägen. Unseres Erachtens können vor allem die Vereinfachungen im Bereich Hedge Accountig schlagkräftige Argumente darstellen, welche Industrieunternehmen dazu geleiten könnten den Standard bereits frühzeitig anzuwenden.