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Nun komme ich endlich dazu, wieder mal ein paar Zeilen zu schreiben. Eigentlich wollte ich wieder etwas über unsere Arbeit berichten. Aber manchmal kommt es anders!
Am Mittwoch der Karwoche arbeitet ich mit Rodrigo und einem Arbeiter in Santo Domingo, um unseren Kindergarten fertig zu stellen. Kurz vor dem Mittagessen wollte ich ein Stück Eisendraht von einer Rolle abschneiden. Beim Öffnen der Rolle sprang mir der Draht (3-4mm dick) direkt ins Auge. Es floss Blut und Flüssigkeit heraus. Rodrigo fuhr mit mir sofort ins Dorf ins Centro de Salud, wo mir mitgeteilt wurde, das Auge sei nicht zu retten! Sie wollten mich nach Guaranda bringen. Zum Glück kamen Vreny und Padre Sandro, welche sofort sagten, dass wir auf eigene Faust nach Ambato (250’000 Einwohner) fahren würden, da sie wussten, dass dort die ärztliche Versorgung besser ist.
Auf dem Weg dorthin nahm Vreny Kontakt mit Dr. Luis Velasco auf und bat ihn einen guten Augenarzt für Eddy zu suchen. Dr. Luis ist verantwortlich für alle Projekte unserer Fundacion in der Provinz Tungurahua.
Dr. Luis Velasco erwartete uns am Eingang von Ambato und brachte uns direkt zu einem Notfall-Augenarzt. Dieser sah gleich, dass eine Operation nötig war und versuchte direkt einen der beiden Chirurgen zu erreichen. Der erste wollte eigentlich sofort operieren, konnte jedoch keinen freien Operationssaal finden. Da wir nicht bis zum andern Morgen warten wollten und auch nicht noch nach Quito fahren wollten, brachte uns Dr. Luis Velasco zum zweiten Chirurgen.
Sein Wartesaal war voller Patienten, als er jedoch mein Auge sah, liess er die Patienten heimschicken und organisierte sofort die Operation. Um sechs Uhr wurde für mehr als eine Stunde mit Vollnarkose operiert. Vreny, Dr. Luis, Padre Sandro und Rodrigo warteten alle miteinander vor dem Operationssaal. Die Schwestern und Padre José-Luis begleiteten uns mit Gebet aus Simiatug.
Es war ein Loch im Auge, ganz nahe der Iris und die Hornhaut war aufgeschlitzt (auf dem Bildschirm grauenvoll anzusehen), so dass sie mit sechs Fäden genäht werden musste. Vorerst schien das Auge gerettet. Am folgenden Tag zeigte sich jedoch eine riesengrosse, agressive Infektion im Auge. Es wurden zwei Injektionen Antibiotika direkt ins Auge gespritzt – keine angenehme Sache.
Von da an mussten fast Tag und Nacht (streng für Vreny) stündlich zwei bis drei verschiedene Tropfen ins Auge gegeben werden. Ich konnte jedoch immer nur einen schwarzen Flecken und rundherum ein wenig Licht sehen.
Ostermontag waren wir wieder beim Arzt. Er meinte, das Auge sei gerettet, aber die Entzündung müsse weiter abklingen und das brauche Geduld. Ich nahm ja auch Cortison.
Am Dienstag fuhren wir ins Büro von Dr. Luis, weil wir ihm sehr zu Dank verpflichtet waren, da er uns die zwei Tage in der Klinik fast rund um die Uhr begleitet hatte. Auch musste er uns mit einem Scheck von 2500 Dollar aushelfen, damit wir die Klinik verlassen konnten, hier wird bar bezahlt und am Karfreitag war fast alles geschlossen. Nach dem Erkunden, wie es um mein Auge stünde, riet er uns, doch noch eine zweite Meinung einzuholen.
So machten wir uns auf den Weg nach Quito und riefen unterwegs unseren Freund Dr. Jorge Gabela in Quito an, der Vreny schon am Samstag sagte, wir sollten uns bei irgendwelchen Zweifeln sofort melden. Dieser meldete uns für den folgenden Tag bei seinem Vetter an, Dr. Agosto und Dr. Gregorio Gabela (Vater und Sohn, sehr bekannte Augenchirurgen und extra für solche Traumas zuständig).
Sofort war klar, das Auge war voller Blut und Eiter und müsste innert 14 Tagen nach dem Unfall operiert werden (uns blieb ca. eine Woche), wenn ich nicht mein Augenlicht verlieren wollte. Sofern der Draht nicht das Zentrum des Auges getroffen hätte, sei das Auge zu retten. Auch erklärte er, dass der Augenarzt in Ambato seine Arbeit sehr gut gemacht habe und dass man vorerst nicht mehr hätte machen können.
Die Linse müsste herausgenommen werden, um das Auge zu reinigen und um zu sehen, wo die innere Verletzung war. Der Platz der Linse würde durch eine Flüssigkeit ersetzt, damit ca. nach einem halben Jahr wieder eine künstliche Linse einoperiert werden könnte.
Wir sahen uns in guten Händen und entschieden uns für eine sofortige Operation. Am Samstag Nachmittag war alles bereit für den erneuten Eingriff. Nach fast vier Stunden kam Dr. Gregorio Gabela direkt aus dem Operationssaal auf Vreny zu und sagte auf deutsch: „Alles gut, alles gut!“ Das Zentrum des Auges sei nicht verletzt und die Chancen, das Augenlicht zu erhalten, stehen sehr gut.
Ich bin weiterhin unter Kontrolle und wir werden unsere Rückreise planmässig antreten können – 28. April. Leider kann ich jetzt die nach Ostern geplanten Projektbesuche in Guaranda und Latacunga nicht mehr durchführen, was ich sehr bedaure!
So weit die neuesten Nachrichten aus Ecuador!