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Mit „virtuellem Wasser“ bezeichnet man das Wasser, das im Ausland (siehe Anhang 1) für die Produktion von landwirtschaftlichen (60 % vom Wasserverbrauch im Ausland) und industriellen (40 %) Produkten benötigt wird, die in der Schweiz konsumiert werden. Rechnet man zum Verbrauch des Schweizer Wassers auch das virtuelle Wasser ein, beläuft sich der Verbrauch auf über 4000 Liter pro Person und Tag. Falls wir alle Produkte, die wir konsumieren auch in der Schweiz produzieren würden, würden wir somit insgesamt rund ein Drittel unserer erneuerbaren Wasserressourcen (= alles fliessende Wasser in Bächen und Flüssen) beanspruchen.
In der Schweiz entfallen drei Viertel des landwirtschaftlichen Wasserverbrauchs auf die Herstellung von Milch-, Rind- und Schweineprodukten. Im Gegensatz zu den tierischen Erzeugnissen wird ein überwiegender Teil der pflanzlichen Produkte importiert. Das zeigt sich auch im eingeführten virtuellen Wasseranteil: Am meisten virtuelles Wasser steckt im Kakao, gefolgt von Kaffee, Zucker, Nüssen, Weizen, Ölsaaten, Reis und Rindfleisch. Viele dieser Pflanzen würden im Schweizer Klima gar nicht gedeihen. Sie werden vorwiegend in tropischen Gebieten angebaut, wo es sehr viel regnet. Problematisch wird es, wenn dieselben Produkte in trockneren Regionen angepflanzt werden, wo sie stark bewässert werden müssen. So kann die Erzeugung von Produkten die Wasserknappheit in bestimmten Exportregionen verschärfen. Beispiele dafür sind der Anbau von Baumwolle – für ein Kilo braucht es 10'000 Liter Wasser – und Reis (2'500 Liter Wasser für ein Kilo Reis) in China, Spanien oder Portugal.
Auch die Schweiz führt Produkte aus (ca. die Hälfte der Gesamtproduktion von Landwirtschaft und Industrie), deren Herstellung viel Wasser verbraucht. Die Bilanz des virtuellen Wassers (virtuelles Wasser aus dem Import minus virtuelles Wasser aus dem Export) ist positiv und entspricht dem Volumen des Thunersees. Diese Menge an Wasser wird im Ausland eingesetzt, um Güter und Waren herzustellen, die in der Schweiz verbraucht werden.