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FV-65 | Wie beeinflussen Abgabeverbote für Tabakwaren das Rauchverhalten von Jugendlichen? Evidenz aus der Schweiz
Prof. Dr. Alois Stutzer, Armando Meier
Politische Ökonomie
Ziele des Projektes
Das Rauchen von Zigaretten und anderen Tabakwaren reduziert in vielen Ländern der Welt substantiell die Gesundheit der Bevölkerung (Jha und Peto, 2014; WHO, 2016).
Viele Regierungsprogramme enthalten deshalb das Ziel, den Zugang zu Tabakwaren einzuschränken. So haben über 160 Länder, darunter die Schweiz, im Rahmen der WHO-Tabakkonvention ihre Absicht bekundet, den Zugang zu Tabakprodukten mittels einer Altersrestriktion zu erschweren (WHO, 2003). Im vom Bundesrat vorgelegten Entwurf für ein Tabakproduktegesetz ist nun ein schweizweites Abgabeverbot von Tabakwaren an Jugendliche unter 18 Jahren vorgesehen. Da fast 50 Prozent der Raucher vor dem 18. Lebensjahr mit dem regelmässigen Rauchen beginnen, scheint dies eine naheliegende Präventionsmassnahme. Allerdings ist diese Massnahme im Parlament umstritten (NZZ, 2014). Wir möchten deshalb folgende Frage systematisch untersuchen: Wie beeinflussen Abgabeverbote von Tabakwaren mit Mindestalter 16 oder 18 das Rauchverhalten von Jugendlichen? Aus traditioneller ökonomischer Perspektive erhöht eine solche Restriktion die Kosten an Tabakwaren zu gelangen. So müssen sich Jugendliche beispielsweise an ältere Bekannte wenden, um weiterhin an Tabakwaren zu gelangen. Hätten die Verbote nur diesen Effekt, so würde eine verringerte Rauchprävalenz erwartet. Der Reiz des Verbotenen könnte diesem ersten Effekt jedoch entgegenwirken (Landman et al., 2002; García-Jimeno, 2016). Welche Auswirkungen Abgabeverbote effektiv haben, ist also nicht nur politisch umstritten, sondern auch aus Gesundheitsökonomischer Sicht unklar. Auf der Grundlage detaillierter Daten aus der Schweiz und Europa präsentieren wir neue Erkenntnisse zu den Verhaltenseffekten, insbesondere den Effekt auf die Rauchprävalenz, sowie die darunterliegenden Wirkungskanäle, beispielsweise den Effekt auf die Attraktivität der Raucher.
Realisierte Schritte
Wir haben die Daten gesammelt und analysiert und die Resultate in einem wissenschaftlichen Aufsatz zusammengestellt. Der Aufsatz enthält Resultate basierend auf den Daten des Tabakmonitorings und des Suchtmonitorings, sowie Daten aus der Befragung Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) für die Schweiz. Zusätzlich haben wir mit Eurobarometer Daten den Effekt von Abgabeverboten in der Europäischen Union untersucht.
Ergebnisse
Wir finden keine statistisch signifikanten Effekte von Abgabeverboten auf die bei Jugendlichen. Die Punktschätzung für die Schweiz und die Länder der Europäischen Union legen eine Reduktion von weniger als einem Prozentpunkt in der Rauchprävalenz nahe. Der Effekt der Abgabeverbote ist deutlich kleiner als von kantonalen Gesundheitsexperten erwartet. Überdies
zeigen die statistischen Schätzungen, dass die Jugendlichen das Rauchen weniger attraktiv finden, aber die wahrgenommene Gefahr nicht ansteigt aufgrund der Abgabeverbote. Der Grund für den geringen Effekt auf die Rauchprävalenz liegt vermutlich in der einfachen Umgehung des Gesetzes durch die Jugendlichen: Sie kaufen die Zigaretten nicht mehr am Kiosk, sondern erhalten diese über Freunde. Wir messen denn auch lediglich einen Rückgang in der Rauchprävalenz bei Jugendlichen, deren Freunde nicht rauchen.
Publikationen
Wir haben das Manuskript unserer Arbeit zur Publikation in einer international renommierten Zeitschrift für Ökonomie eingereicht. Einen Vorabzug der Arbeit werden wir im Januar 2019 als IZA Diskussionspapier veröffentlichen. Sobald eine revidierte Version der Arbeit zur Publikation akzeptiert worden ist, werden wir diese zudem als WWZ Diskussionspapier veröffentlich, so dass diese frei zugänglich (open access) bleibt.
Präsentationen und Konferenzen
Die Forschungsarbeit wurde an der Konferenz der European Health Economics Association, im Law, Institutions, and Economics Seminar an der Université de Paris Nanterre und im Rahmen des Workshops für Doktoranden der Swiss Society for Health Economics vorgetragen. Kürzlich konnten wir die Resultate zudem beim Bundesamt für Gesundheit präsentieren. Im Januar werden wir die Resultate überdies in einer Posterpräsentation im Rahmen des Annual Meeting der American Economic Association vorstellen.