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Kanye West will US-Präsident werden. Das behauptete er gestern per Tweet. Es war nicht das erste Mal, dass er sich für das höchste Amt in Amerika in Stellung brachte. Aber um seine Ankündigung etwas zu gewichten: Es war auch nur ein Tweet.
Kann der Rap-Star und Ehemann von Kim Kardashian zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch ins Präsidentschaftsrennen eingreifen? Oder ist es dafür bereits zu spät? Und wenn ja, unter welchen Umständen? Die Sachlage ist gar nicht so einfach und deshalb wollen wir hier die drängendsten Fragen beantworten.
Ja. Die US-Verfassung beschreibt einzig drei Voraussetzungen, um als Präsident kandidieren zu können:
Nein.
Er kann entweder als unabhängiger Kandidat auftreten – was sehr viele administrative Hürden beinhaltet –, oder er kann es als sogenannter «Write-in»-Kandidat versuchen.
Auch als solcher muss er administrative Hürden meistern. Trotzdem wird er in verschiedenen Staaten nicht wählbar sein.
Jein.
In den USA werden die Namen der offiziellen Kandidatinnen und Kandidaten auf die Wahlzettel gedruckt. Stimmbürger signalisieren ihre Wahl mit Ankreuzen, Ausmalen usw. Wer auf den Wahlzettel kommt, ist klar im Vorteil.
Um dieses Zwischenziel zu erreichen, müsste West in jedem einzelnen Staat ein relativ kompliziertes Verfahren durchlaufen und unterschiedliche Meldefristen und Anforderungen einhalten.
In den Staaten Maine, New Mexico, Texas, North Carolina, New York und Indiana ist der Zug für den Rapstar bereits abgefahren. Dort hat er die Meldefrist verpasst. Die sechs Staaten verfügen über 102 (von 375) Wahlmännerstimmen.
Bereits in gut einer Woche (am 15. Juli) müsste sich West in Florida, Oklahoma und South Carolina registrieren. Michigan wäre einen Tag später fällig. Will West seine sowieso schon geringen Chancen für die 61 Wahlmänner dieser Staaten aufrecht erhalten, muss er zum Teil happige Auflagen erfüllen.
In Florida zum Beispiel müsste West 132'781 Unterschriften von registrierten Wählern einreichen, in Oklahoma sind es 35'592, in South Carolina 10'000 und in Michigan 30'000. West verfügt zwar über eine grosse Fanbasis, die er über seine Social-Media-Kanäle mobilisieren könnte, im Moment aber über kein Wahlkampfteam, das die Stimmen tatsächlich einsammeln würde.
Unter Umständen möglich wäre es, dass es der Ehemann von Kim Kardashian auf die kalifornischen Wahlzettel schafft. Dort benötigt er beinahe 200'000 Unterschriften registrierter Wähler – ihm bleibt aber noch ein Monat Zeit.
Wie ernst es der launische Künstler mit der Kandidatur meint, ist nach dem einen Tweet nicht ersichtlich. Ein Indikator wird sein, wie sehr er sich darum bemüht, in möglichst vielen Staaten auf den Wahlzettel zu kommen.
Wests realistischste Chance, am Präsidentenrennen tatsächlich teilzunehmen, besteht darin, als sogenannter «Write-in candidate» anzutreten.
Damit erscheint Wests Name nicht auf den Wahlzetteln, Wähler können ihn aber schriftlich darauf setzen. In 8 Staaten muss er dafür nicht einmal etwas tun. In 33 Staaten muss er sich dafür registrieren lassen. In Arkansas, Hawaii, Louisiana, Mississippi, Nevada, New Mexico, Oklahoma, South Carolina und South Dakota sind Write-in-Kandidaten allerdings nicht erlaubt.
Korrekt.
In den neun erwähnten Staaten wird die Stimme als ungültig gewertet. In den anderen 41 Staaten werden seine Stimmen gezählt und ausgewertet – vorausgesetzt, er hat sich im Vorfeld um den Papierkram gekümmert.
So ist es.
Es existieren zwei Theorien:
Biden hat bei Wests Zielgruppe von jungen Wählern und Afroamerikanern mehr zu verlieren. Bei der Wählergruppe der Afroamerikaner führt Biden vor Trump laut «New York Times» mit sagenhaften 74 Prozentpunkten. Bei den jungen Wählern sind es 34 (18–34-Jährige) und 23 (35–49-Jährige) Prozentpunkte. Dementsprechend betonen einige Analysten, dass Biden sich warm anziehen muss, sollte es West mit der Kandidatur ernst meinen – was aber die wenigsten glauben.
Laut «Forbes» dürfte eine Kandidatur von West aber vor allem Trump schaden. Dessen junge afroamerikanische Anhänger würden eher ins Lager von West wechseln als eingefleischte Demokraten, bei denen der Rap-Star alles andere als beliebt sei, so die Überlegung.
Klar ist: Ganz so simpel, wie die Zusammenhänge scheinen, sind sie nicht.
Ausser seinem Tweet hat Kanye West bisher nichts unternommen, um tatsächlich ins Präsidenschaftsrennen einzusteigen. Bei der Bundeswahlkommission sind bisher keine Papiere eingegangen und auch sonst gibt es keinen einzigen Hinweis, dass es West mit seiner Ankündigung ernst sei. Und so verzichtete zum Beispiel die rennomierte «New York Times» darauf, Wests Tweet zu kommentieren. Stattdessen vermeldete sie dessen Absichten mit einer trockenen Agenturmeldung. Für einen Star von Wests Grössenordnung ist das gleichbedeutend mit einer schallenden Ohrfeige. Vielleicht spornt ihn genau das zusätzlich an.
On verra.
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