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Megalithen als Wegweiser
Auf dem bewaldeten Hochplateau zwischen Mettmenstetten und Herferswil, westlich des Hombergs, findet man den Flurnamen: Totenmösli. Richard Walker beschreibt in seinem Buch «Megalithe im Knonauer Amt» Megalithenfunde im Totenmösli.
Von: Mirjam Kilchmann und Regula Zellweger
Im Wald oberhalb des Wohnheims Paradies und des Gutsbetriebes Freudenberg, östlich der Buchstockstrasse, kann man im Wald Zeugen der Vergangenheit entdecken. Dieses Gebiet trägt auf der Karte den Namen Totenmösli – und gleich nah dabei Totenmöösli. Es handelt sich um einen grenzüberschreitenden Flurnamen. Die Nomenklatur ist allerdings uneinheitlich. Jede Gemeinde hat eine andere Schreibweise: -mösli in Mettmenstetten und -möösli in Rifferswil. Der zweite Teil des Wortes, -mösli, ist das Diminutiv von Moos: Möösli bezeichnet ein kleines Feuchtgebiet.
Friedhof der Urzeit
Moos kennt man als eine Pflanzenart. Alte Steine sind oft von Moos bewachsen, auf Waldlichtungen, wo Sonne durch das dichte Laub- und Nadeldach bricht, wächst Moos. Der erste Teil des Flurnamens Totenmösli könnte auf einen Friedhof hinweisen. Friedhöfe sind organisierte, gestaltete Grabstätten verstorbener Menschen. Auch heute noch stehen geordnete Steine auf Friedhöfen. Und oftmals waren und sind Friedhöfe an Orten angelegt, von denen man einen schönen Ausblick hat.
Um zu entscheiden, welche Deutung realistischer ist, muss man sich das Gelände anschauen, auf einer Geländekuppe hatte es wohl kaum ein Feuchtgebiet. Auf der Wildkarte von 1843 bis 1851 ist nördlich des Hombergs noch ein Haus namens Todtenmösli verzeichnet; auf der aktuellen Landeskarte bezieht sich der Name nur noch auf ein Waldgebiet.
Richard Walker schreibt: «Acht grosse Blöcke bilden hier einen klar erkennbaren Kreis mit rund acht Metern Durchmesser. Er ist der Ursprung von zahlreichen Alignements, Steine in Linienform gesetzt, die aber nicht alle auf das Zentrum, sondern auch auf die Innenkreisblöcke oder tangential zum Kreis ausgerichtet sind.» Zudem beschreibt Walker im Totenmöösli eine Blockformation, bei der er eine «mögliche Grabstelle» vermutet. Von weiteren Megalitheanlagen weiss man, dass solche gesetzten Steine archäoastronomische Bedeutung haben können, dass sie quasi Sternwarten der Vergangenheit sein könnten. Die Archäoastronomie beschäftigt sich auf wissenschaftlicher Basis mit archäologischen Ausgrabungen, Baudenkmalen und Artefakten sowie deren astronomischer Deutung und Interpretation.
Sternwarten der Urzeit
Dieses Prinzip der Ausrichtung findet sich auch bei anderen Megalithanlagen im Ausland, bekannt ist beispielsweise Stonehenge. Richard Walker schreibt zu den Funden im Totenmösli «Die Alignements verbinden auch peripher gelegene Grossblöcke, flache Hügel (vermutete Gräber) und eingelagerte, ornamentartige Blockformationen.» Zudem definiert er zwei Menhire ohne archäoastronomische Relevanz.
«Neben dem westlichen Menhir steht ein Kleinblock mit abgebrochenem Lachkreuz. Dies könnte auf eine mindestens temporäre Verwendung als Grenzstein deuten.» Ein Lachkreuz ist eine Grenzmarke aus der alemannischen Zeit. Damit stehen Interpretationen von Archäoastronomie, Friedhof oder Grenzbezeichnung im Raum. Könnte man doch mit Grabungen bei den Ämtler Megalithen wissenschaftlich fundiert erforschen, ob sich unter den Steinen Gebeine oder Grabbeigaben finden lassen.
Pest-Geschichte
Eine andere Geschichte zum Flurnamen «Totenmösli» findet man in der Broschüre «Mättmi*Wäg Route Herferswil»: «In Mettmenstetten fiel der Pest in den Jahren 1611 bis 1634 die Hälfte der Einwohner zum Opfer. Aus einem früheren Pestzug, von 1493 oder 1503, stammt vermutlich die mündlich überlieferte Geschichte, die diesem Ort den schaurigen Namen Totenmösli gab.
Da Aeugst damals noch zur Kirchgemeinde Mettmenstetten gehörte, mussten die Pesttoten hierhin zum Friedhof gebracht werden. Ein mit Leichnamen beladener Wagen soll auf der Fahrt von Aeugst her an dieser Stelle ein Rad verloren haben. Dadurch kippte die traurige Ladung ins dortige Bachtobel. Die Fuhrleute, entnervt durch die täglichen Leichentransporte, verzichteten auf die Bergung der Toten. Sie liessen sie liegen, wo sie waren, deckten sie notdürftig mit Reisig zu und kehrten darauf eiligst in ihr Dorf zurück, wo sie den Vorfall verschwiegen.
Nachdem die stinkende ‹Deponie› einige Zeit später entdeckt worden war, getraute sich jahrelang niemand mehr in die Nähe des verruchten Ortes, der bis heute ‹Totenmösli› genannt wird, wie es schon im Jahr 1504 urkundlich als Todten Mössli erwähnt wurde.» Diese Geschichte geht auf Hans Huber-Hegglin zurück.
Grusel-Erlebnis
Nicht ohne Grund ist der Flurnamen Totenmösli gruselig – und dass der nahe gelegene Bauernhof «Flädermus» heisst, macht die Sache nicht besser. Die Seelen verstorbener alter Frauen und alter Junggesellen werden als Fledermäuse bezeichnet, schreibt das Schweizerdeutsche Wörterbuch. Schon früh wurden Teufel und andere Dämonen mit Fledermausflügeln dargestellt. Und auch Vampire verwandeln sich in Fledermäuse, um sich nachts unauffällig fortzubewegen.
Wer sich also im schaurigen Totenmösli auf Megalithensuche begibt, darf nicht abergläubisch sein.