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Untersuchung der Vegetation: einige Arbeitsmethoden
Um die Beschreibung einer Vegetation durch den Botaniker besser zu verstehen, lohnt es sich, sich mit dessen gängigen Arbeitsmethoden vertraut zu machen. Die Art, zum Beispiel, wie Pflanzen sich zu Gesellschaften zusammenschliessen, kann den Eingeweihten über Klima und Boden genauso gut orientieren wie zahlreiche und umständliche im Labor durchgeführte Analysen. Der Laie, seinerseits, wird besser imstande sein, eine bestimmte Art aufgrund ihres spezifischen Biotops ausfindig zu machen oder, in der Praxis, richtig zu entscheiden, welche Sträucher in seinem Garten zu setzen wären.
Pflanzengesellschaften
In freier Natur vermischen sich die Pflanzen nicht zufällig. Gewisse Arten wachsen oft zusammen. Sie vergesellschaften sich je nach Boden, Mikroklima oder anderen Besonderheiten des Standortes. Auf diese Weise bilden sie sogenannte Assoziationen oder Pflanzengesellschaften, die sich klar von anderen unterscheiden. Man versucht, diese auf kontinentaler, regionaler und lokaler Stufe zu beschreiben. Diese Gesellschaften sind an der Besonderheit ihres Wuchses erkennbar sowie an bestimmten, Charakterarten genannten Pflanzen, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen wachsen: Assoziationen gehören zu höheren systematischen Kategorien (Verbände, Ordnungen, Klassen), die ihrerseits durch Arten mit grösserer Anpassungsfähigkeit, welche in weiteren Lebensräumen zu finden sind, gekennzeichnet werden. Die anderen, weniger anspruchsvollen Pflanzen, heissen Begleiter. Als Beispiel hiefür diene uns der Borstgrasrasen, ein typischer Vertreter der Alpweiden auf sauren Böden. Diese Pflanzengesellschaft zeichnet sich durch die Bärtige Glockenblume sowie das Goldfingerkraut aus, während Verband und Ordnung durch Arten wie Alpen-Klee, Kochscher Enzian, Männertreu, Alpen-Wegerich, Arnika und Borstgras gekennzeichnet werden. Dazu gesellen sich 30 bis 50 Begleitpflanzen. Sobald der Spaziergänger einige typische Pflanzenarten erkannt hat, vermag er deren Zugehörigkeit zu einer bestimmten Assoziation zu erfassen, sich einige charakteristische Begleiter in Erinnerung zu rufen und auf diese Weise die ökologische Eigenart des Standortes als Ganzes zu verstehen. Hier sollen die verschiedenen Arten von Wiesen und Wäldern auf der Stufe der Verbände unterschieden werden.
Pflanzensoziologische Aufnahmen
Um eine Pflanzengesellschaft zu definieren, erstellt der Botaniker pflanzensoziologische Aufnahmen. Die Methode besteht darin, eine in der zu beschreibenden Vegetation einheitliche und füf diese repräsentative Fläche auszuwählen: Zum Beispiel im Wiesland ein Quadrat von 5 auf 5 m, im Wald ein solches von 20 auf 20 m, wie dies aus Abb. 15 ersichtlich wird. Die Ausmasse sind so zu bestimmen, dass im Beobachtungsfeld die Mehrzahl der Arten vertreten ist. Dann geht es darum, eine Pflanzenliste aufzustellen, wobei zwischen Baum-, Strauch- und Krautschicht unterschieden wird. Jede Art bedeckt eine bestimmte Bodenfläche der Testquadrate. Diese Deckung wird mittels Zahlen geschätzt. Es entsprechen: +: weniger als 1% Deckung; Ziffer 1: 1-5%; Ziffer 2: 5-25%; Ziffer 3: 25-50%; Ziffer 4: 50-75%; Ziffer 5: 75-100%. Sämtliche Aufnahmen können anschliessend in einer Tabelle zusammengefasst dargestellt werden, was Vergleiche von einem Biotop oder Raum zum anderen ermöglicht.
VegetationskartenSind einmal die verschiedenen Vergesellschaftungen oder Verbände erkannt, wird es möglich, sehr genaue Vegetationskarten aufzustellen. Bei einer solchen Aufgabe kommt der Auswertung von Luftaufnahmen eine wichtige Rolle zu; diese können die Geländeskizzen auf sinnvolle Weise ergänzen. Eine solche Karte bringt eine Menge interessanter Informationen über lokale Klimaverhältnisse, über die Vielfalt des Standortes, über das potenzielle Vorhandensein seltener Pflanzen, über den genauen Standort der empfindlichen Sektoren und die Art, diese zu schützen. Jede Einheit wird durch botanische Aufnahmen beschrieben.