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(Puerperalfieber, Febris puerperalis), eine schnell verlaufende, sehr gefährliche Krankheit der Wöchnerinnen,
welche zu den Wund- oder Ansteckungskrankheiten gerechnet werden muß. Das Kindbettfieber kommt zeitweise in epidemischer Verbreitung,
seltener in vereinzelten Fällen vor und sucht namentlich die Entbindungsanstalten heim, um so mehr, je
größer und je mehr sie belegt sind. Die Ursache des Kindbettfiebers besteht in der Ansiedelung niederster pflanzlicher Organismen
(Mikrokokken) auf der bei der Entbindung entstehenden großen Wundfläche der Gebärmutter
[* 3] und im Übertritt derselben in das
Blut der Mutter.
Diese mikroskopisch kleinen Pilze
[* 4] werden niemals durch die Luft allein, sondern stets durch Untersuchungen
und Operationen mit unreinen Fingern und Instrumenten in die zur Aufnahme vorbereiteten Geschlechtsteile eingeführt. Je nach
der Stelle, an welcher sich die Keime ansiedeln, und nach der Heftigkeit, mit welcher sie am eigentlichen Erkrankungsherd selbst
und dann in der Blutbahn ihre Zersetzungen einleiten, ist der Verlauf bald ein leichterer, bald ein schwererer
oder unter stürmischem Fieber und nervösen Anfällen rasch zum tödlichen Ende führend (Prämie).
Aus dieser Darstellung ergibt sich, daß die Krankheitserscheinungen unmöglich zu einem gemeinschaftlichen Bild sich vereinigen
lassen. Entweder trübt sich langsam das Allgemeinbefinden, der Wochenfluß wird sparsam, übelriechend, oder das Kindbettfieber setzt
plötzlich mit heftigen Fieberbewegungen und Schüttelfrost ein. Die Milchabsonderung läßt nach, tiefer Druck auf die Beckenorgane
ist schmerzhaft, die Schmerzhaftigkeit steigert sich bald bis zum Unerträglichen, der Leib wird durch
Gase
[* 6] aufgetrieben, schon nach wenigen Tagen kann der Tod eintreten.
Ist der Verlauf langsamer, so gesellen sich nicht selten Entzündungen der Herzklappen, der Lungen oder des Brustfells hinzu,
welche die Kranken zu Grunde richten, oder es kann auch ein Lungenschlag durch Verstopfung (s. Embolie) der
Lungenarterie mit abgerissenen Blutgerinnseln dem Leben ein jähes Ende setzen. Zuweilen nimmt das Kindbettfieber einen chronischen Verlauf;
die Wundfläche im Innern der Gebärmutter heilt aus, die fibro-muskuläre Wand zieht sich zusammen und bildet sich normal
zurück; während in der Umgebung, namentlich in den breiten Mutterbändern, Abscesse zurückbleiben, welche
sehr langsam ausheilen, zu Verwachsungen der Beckenorgane führen und oft noch jahrelang sehr lästige und schmerzhafte Zustände
hinterlassen. Die letztern bilden den Hauptanteil der sogen. Frauenkrankheiten (s. d.).
Die Behandlung des Kindbettfiebers folgt vollständig den Vorschriften, welche für die Behandlung äußerer Wunden maßgebend
sind, d. h. Entfernung des Wundsekrets (Wochenflusses) nach außen, Entfernung und Abtötung der entzündungserregenden
Mikrokokken, Verhütung ihrer weitern Ausbreitung und Kräftigung des ganzen Organismus der Kranken. Man versucht dies zu
erreichen durch Ausspülung der Geburtswege mit reichlichen Mengen von Wasser, welchem fäulniswidrige Mittel (Karbolsäure,
Salicylsäure etc.) zugesetzt sind. Je häufiger und energischer dies geschieht, je
sorgfältiger etwa vorhandene Blutgerinnsel, Eihautreste oder sonstige zersetzungsfähige Massen aus der Uterushöhle ausgeräumt
worden sind, um so mehr Aussicht ist vorhanden, daß die Entzündung auf die Wundfläche selbst beschränkt bleibt.
Das Kindbettfieber ist eine unter allen Umständen lebensgefährliche Krankheit; je weiter die Eiterung im Becken um sich greift, um so
weniger wirkt die Behandlung ein. Die in neuester Zeit mit gutem Erfolg ausgeführte totale Entfernung der erkrankten Gebärmutter
wird wohl auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben. So hoffnungslos aber auch die Bekämpfung der schweren
Formen des Kindbettfiebers ist, so große Erfolge leisten
gerade hier geeignete Vorbeugungsmaßregeln. Da es feststeht, daß
nur durch eine Verunreinigung der Geburtswege die Keime der Entzündungserreger in dieselben gelangen können, so ist die
peinlichste Reinlichkeit und Desinfektion
[* 8] oberstes Gesetz.
Das Wochenzimmer muß hoch, luftig, sauber, der Fußboden staubfrei sein, alle überflüssigen Möbel,
[* 9] namentlich Polstermöbel, Teppiche, sind zu entfernen. Das Wochenbett, die Bettwäsche, das Nachtgeschirr, Handtücher, Leibwäsche
muß tadellos rein gehalten werden. Wer mit der Entbindung zu thun hat, muß Hände und alle etwa notwendigen Instrumente nicht
nur waschen, sondern abbürsten, mit Sublimatlösung 1:1000 oder 5proz. Karbollösung desinfizieren.
Niemals darf eine Hebamme oder Wärterin eine Entbindung leiten, wenn sie vorher bei einer am Kindbettfieber kranken FrauDienste
[* 10] gethan
hat, und dies ist die Stelle, an welcher die Gesetzgebung nicht streng genug leichtfertige Übertretungen bestrafen kann. Der
Erfolg dieser Vorbeugungsmaßregeln ist ein so durchschlagender, daß aus gut geleiteten Entbindungsanstalten
das Kindbettfieber so gut wie der Hospitalbrand aus den chirurgischen Kliniken beseitigt oder doch auf seltene Ausnahmefälle beschränkt
worden ist.