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Von Mitte Mai bis Ende Juni gebären Rehe 1-3 Junge. Diese verstecken sie im hohen Gras in einem kaminförmigen Nest von ca. 40 cm Durchmesser, um sie vor Feinden zu schützen. Die Mutter bleibt nicht beim Nest, sondern hält sich in der Nähe auf und besucht ihren Nachwuchs nur, um ihn zu säugen.
Die Rehkitze weisen anfangs kaum Körpergeruch auf und sind perfekt getarnt. Der angeborene Drückinstinkt veranlasst sie, sich bei Gefahr ganz still zu verhalten und an den Boden zu pressen. Dies rettet sie vor natürlichen Feinden.
Leider fällt diese natürliche Schutzverhalten in die Zeit, in der die Wiesen gemäht werden. Die immer schnelleren Mähmaschinen lassen dem Kitz keine Chance, selbst wenn es nach 2-3 Lebenswochen alt genug ist, um zu flüchten: Es verlässt sich immer noch auf seine gute Tarnung und springt erst auf, wenn die Gefahr auf wenige Meter herangekommen ist.
Bei den herkömmlichen Methoden zur Rehkitzrettung wird versucht, die Mutter zu stören, damit sie mit ihrem Nachwuchs das Feld verlässt. Dies macht man üblicherweise am Abend bevor gemäht wird.
Die Rehe in der Umgebung werden nicht nur von uns, sondern oft auch von den Landwirten intensiv beobachtet. Dank der Standorttreue des Rehwildes können wir also abschätzen, welche Wiesen ein Reh aufsucht, um seinen Nachwuchs zu gebären und wo eine Mahd für die Jungtiere gefährlich werden könnte.
Zum einen wird das Feld mit einer Menschenkette abgesucht, die im Abstand von ca. 3 m das Feld durchgehen, um anwesende Kitze zu finden. Trotz sorgfältiger Suche werden dabei aber oft Rehkitze übersehen.
Im weiteren werden visuelle, geruchliche und akustische Vergrämungsmassnahmen ergriffen, z.B. mit grossen weissen Säcken an einem Pfosten, ev. eine blinkende Lampe und Aluminiumstreifen für die optische Abschreckung. Auf ein Filzstücklein am Aluminiumstreifen kann man abschreckende Geruchsstoffe sprühen. Der Wind versetzt die Installation in Bewegung und verursacht Störgeräusche.
Aufgrund des Wetters mähen die Landwirte oft gleichzeitig, und die Rehkitzrettung muss sehr kurzfristig und für viele Felder gleichzeitig organisiert werden. Es ist daher oft schwierig, genügend freiwillige Helfer zu finden. Und trotz aller Sorgfalt und Vergrämungsmassnahmen werden immer wieder Kitze vermäht.