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08.05.2019 um 17:13 #8758
Koni KreisTeilnehmer
Bei der Beschreibung von Bildinhalten bekommt man mit der Zeit Routine, aber bei einem habe ich oft noch Schwierigkeiten: Wie soll ich die Teile von Landschaften ausserhalb von Ortszentren korrekt bezeichnen?
Wenn man einmal herausgefunden hat, wo ein Bild aufgenommen worden ist, muss man bald einmal eine topographische Landkarte konsultieren. Wenn man in die Karte hineinzoomt, erscheinen schnell eine Vielzahl von verständlichen und oft auch unverständlichen Flurnamen, z.B. Ebenödi, Apshalde, Lochwis, Hinderi Schliifwis, Weierhüsli, Hard, Matzerooa, Öösehölzli, Rappenfelsen usw. Als Einheimischer wüsste ich spontan, dass die Ebenödi eine grosse ebene Wiese ist, dass man „in der Ebenödi“ sagt, dass die Ebenödi eben weiblich ist und mit der Präposition „in“ gebraucht werden muss, dass also „beim Ebenödi“ oder „auf dem Ebenödi“ gewiss falsch ist. Als Auswärtiger hat man grosse Chancen, so einen Flurnamen falsch zu verwenden.
Ich suche nun nach einem neutralen, aber doch korrekten Ausdruck, den ich vor diese Flurnamen stellen könnte, damit die Orte in der Landschaft richtig und unkompliziert bezeichnet werden können.
Bisher wähle ich meistens die Ausdrücke „Gebiet“ oder „Gegend“, also z.B. „das Gebiet Lochwis“ oder „in der Gegend Rappenfelsen“. Das erscheint mir aber etwas fade und nichtssagend. „Weiler“ kann ich nur verwenden, wenn da wirklich ein paar Häuser stehen.
Was könnte man noch verwenden? Flurstück? Parzelle? Gemarkung? Ortsteil? Quartier? Ecke? Landschaftsgebiet? Bereich? Gelände? Standort? Sektor? Winkel? Areal? Das passt alles nicht so ganz, so scheint mir. Was verwenden denn die ausgebildeten Geografen dafür?
Ich wäre froh, wenn mir jemand einen Tipp geben könnte.
Koni Kreis10.09.2019 um 0:43 #9815
Koni KreisTeilnehmer
Koni, ein grosser Renner ist dein Forumsbeitrag nicht gerade geworden!
Du hast wohl gedacht, es kämen gleich Dutzende von Geografen oder Kartografen, um dir so einen allgemeinen Ausdruck für deine „flächigen topographischen Objekte“ zu liefern?
Jedenfalls scheint es mir, als ob dein Problem gar kein Problem ist. Ach, du möchtest den Forumsbeitrag sogar wieder löschen?
Nein, so einfach bringt man den Beitrag halt nicht zum Verschwinden, und auffällig wäre es auch.
Sollen wir die Sache einmal zusammen diskutieren und schauen, ob die Überlegungen noch etwas weiterentwickelt und dann vielleicht abgeschlossen werden können?
Ich habe mir in der Zwischenzeit auch einige Gedanken zu deiner Thematik gemacht. Und ich kann dich beruhigen: Auch an anderen Orten taucht das Problem auf.
Nehmen wir einmal die „Ebenödi“ von deinem Beispiel, und versuchen wir einmal, dieses Objekt in der swisstopo-Landkarte zu suchen. Der Einstiegspunkt ist der Eingabebereich „Ort suchen oder Karte hinzufügen:“. (Da haben wir übrigens gleich einen Vorschlag, wie man die topographischen Objekte generell nennen könnte: Ort! Genügt dir das noch nicht? Nein? Also nein.)
Aber eben: tippen wir jetzt ein: Ebenödi, ach ja – das nennt sich Ebenöödi. Im Pulldown-Menü darunter erscheint nun: Lokalname swisstopo Ebenöödi (TG) – Ermatingen. „Lokalname“ ist aber gar kein Objekttyp, sondern nur der Typ des Objektnamens. swisstopo hat also auch keinen gescheiten Namen für diese lokalen Örtlichkeiten (oh – Örtlichkeit: das wäre doch der gesuchte Begriff! das wäre doch gar nicht schlecht! Nein? Ja?)
Versuchen wir es gleich noch mit anderen Flurnamen: Lankenberg – ist gemäss swisstopo ein Quartierteil, Neugut – ist gemäss swisstopo ein Ort, Waldstette – gemäss swisstopo ein Lokalname swisstopo.
Mir scheint also, dass swisstopo sich mit den „Lokalnamen swisstopo“ um einen präzisen Ausdruck herummogelt.
Die Website http://www.ortsnamen.ch müsste uns eigentlich auch weiterhelfen können, denn dort werden schweizerische Ortsnamen und ihre Bedeutung festgehalten.
Suchen wir die Ebenödi einmal in der Online-Datenbank: Wenn wir „Ebenödi“ eintippen und das Suchsymbol betätigen, dann bekommen wir zwei Treffer für Steckborn und Ermatingen. Bei der „Ebenöödi“ wird auch gleich der gesuchte Objekttyp angezeigt: Kulturland. Das ist auch fast das, was du suchst, gell, Koni? Na gut, der Begriff ist leider haarscharf daneben, denn eine Formulierung wie „Links unten auf dem Bild: das Kulturland Ebenöödi“ wäre sprachlich doch nicht ganz befriedigend.
Wenn wir nun den Ermatinger Ebenöödi-Eintrag auswählen, dann erscheint links auf dem Bildschirm eine beeindruckende lange Aufstellung der Eigenschaften des Objekts Ebenöödi. Ebenöödi sei auch ein Appellativ, ein Gattungsname, mmh, das bringt uns nicht wirklich weiter…
Interessant sind die verschiedenen Beispiele im Quellen-Abschnitt. In einer Urkunde von 1389 wird z.B. „ain akker uff Ebenödi gelegen“ erwähnt. Die Formulierung mit der Präposition „uff“ umgeht auch hier die genauere Beschreibung dessen, was Ebenöödi ist; „uff“ deutet nur an, dass die Örtlichkeit etwas höher in der Landschaft gelegen ist.
Koni, wie sollen wir nun die verschiedenen losen Enden zusammenbinden?
– Zunächst können wir ja zugeben, dass es vielleicht gar kein generelles deutsches Wort gibt, das alle flächigen topographischen Objekte sprachlich befriedigend zusammenfasst. (Manchmal gibt es für einen Sachverhalt halt gar kein präzises Wort, wie z.B. für den Zustand des Nicht-durstig-Seins – obwohl es doch für das Nicht-hungrig-Sein das Wort „satt“ gibt. Der Zustand des Nicht-durstig-Seins ist vielleicht zuwenig alarmierend.)
– Auch könnten wir zugestehen, dass wir uns schon bemühen sollten, genauer zu sagen, um was es sich bei einem topographischen Objekt handelt (Alpwiese, Rebacker, Auenland, Obstgarten, Weiler usw.) – falls wir diese Information haben.
– Aber zum Schluss können wir doch die folgenden Ausdrücke nennen, die man – je nachdem, mit Vorsicht – verwenden kann:
Gebiet, Gegend, Gelände, Örtlichkeit, Ortslage, Ort, Flurstück, Flur, Gemarkung, Waldgebiet, Landschaft, Landstrich, Areal, Geoobjekt
Was meinst du, Koni, können wir das einfach so stehen lassen? Also gut, dann schliessen wir das Thema ab.
Dein Alter Ego Koni
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