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Edward Snowden ist zurück in den USA – als Roboter. Seine Berater sagen, er könnte eine Professur erhalten. Rund 50 Termine sind mit dem «Snowbot» dieses Jahr noch geplant.
Der Whistleblower Edward Snowden sitzt nach wie vor in Russland fest. In den USA droht ihm eine jahrzehntelange Haftstrafe. Obwohl er physisch nicht anwesend ist, ist er in seinem Heimatland präsenter denn je. Das «New York Magazine» widmete dem Whistleblower kürzlich eine fast 7000 Wort lange Titelstory. Das Cover war mit dem Titel überschrieben: «Edward Snowden ist lebendig und wohlauf und lebt in den USA.» In Klammern stand klein darunter der wichtige Zusatz «als Roboter».
Wenn Snowden in den USA als Gastredner auftreten will, verbindet er sich einfach über das Internet mit einem Telepräsenz-Roboter und taucht auf einem Bildschirm auf. Der Zuschauer hat so die Vorstellung, Snowden selbst sässe direkt vor einem. «Snowbot», ein Kofferwort aus Snowden und Bot für Roboter, nennt sich diese 15'000 Dollar teure Konstruktion.
Bereits 2014 erschien Snowden mithilfe eines Telepräsenz-Roboters bei einem TED-Talk, wo er über Überwachung und die Freiheit des Internets sprach. Der ehemalige «Wired»-Chefredaktor Chris Anderson führte sozusagen ein Face-to-Face-Gespräch mit dem «Snowbot».
Seitdem wurde die Technik verfeinert. Snowden kontrolliert von seinem Studio in Moskau aus die Bewegungen des Roboters und manövriert ihn zum Publikum oder Gesprächspartner, sodass die Illusion entsteht, man habe Augenkontakt zu ihm. Snowden hat eigens gelernt, nicht in die Augen des Gesprächspartners, sondern in die Kamera zu schauen (er eröffnet das Gespräch meist mit einem ironischen Hinweis auf «Big Brother»).
Dem Whistleblower könnte mit seinem Roboter eine Professur angetragen werden, sagen seine Berater. «Snowbot» reiste bereits zweimal zur Princeton University, wo er sich mit IT-Sicherheitsforschern unterhielt. In der Pause rollte er mit zum Kaffeeautomaten, hinterher posierte «Snowbot» sogar für ein Selfie mit der Forschergruppe.
Bei seinem Besuch beim «New York Magazine» kurvte Snowden mit seinem Avatar durch die Redaktionsräume. 50 Termine mit dem «Snowbot» sind laut «New York Magazine» dieses Jahr geplant. Snowden soll für seine Auftritte bis zu 25'000 Dollar kassieren. Kein schlechtes Honorar dafür, dass da nur ein knapp 1,60 Meter grosser Telepräsenz-Roboter und nicht der echte Snowden auf der Bühne steht.
Auf seinem Twitter-Account, wo Snowden zwei Millionen Follower hat und sein Profil mit den Sätzen «Ich arbeitete für den Staat. Jetzt arbeite ich für die Öffentlichkeit» beschreibt, bejubelte er die Story im «New York Magazine» mit den Worten: «Das Ende des Exils».
Man fragt sich natürlich, wer auf dem Twitter-Kanal oder hinter dem «Snowbot» eigentlich spricht. Ist das wirklich Edward Snowden? Ist der Roboter eine Karikatur seiner selbst? Eine Kunstfigur? Snowdens Vertrauter, der Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald, scherzte, man könne «Snowbot» ja an einem Parkplatz von Fort Meade (dem Sitz der NSA) abstellen und abwarten, was dann passiere. Die Sicherheitsdienste können dem physisch nicht präsenten Snowden freilich nicht habhaft werden, und doch wäre es eine Provokation, wenn der Staatsfeind Nummer 1 sich per Videokonferenz in Gestalt eines Roboters an die Geheimdienste richtet. So ein Roboter lässt sich nicht zum Schweigen bringen, weil er ja prinzipiell reproduzierbar ist. Snowden könnte die Sicherheitsdienste per Fernsteuerung narren.
Auf der anderen Seite ist die Ironie der Geschichte, dass der Whistleblower – für die einen Held, für die anderen Vaterlandsverräter – zu einem Roboter erstarrt, der sich nur noch per Liveschaltung aus dem über 10'000 Kilometer entfernten Moskau zu Wort meldet.