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Beat Richner hat mehrere über Spenden finanzierte Kinderkliniken in Kambodscha aufgebaut und betrieben. Nun ist er mit 71 Jahren gestorben.
Für die einen war er ein sympathischer Spinner, für die anderen ein «Gott». Unstreitbar ist, dass Beat Richner das Leben hunderttausender Kinder gerettet hat. Nun ist der Kinderarzt mit 71 Jahren einer schwerer Krankheit erlegen.
Im Frühling 2017 musste Richner aus gesundheitlichen Gründen die Leitung seiner fünf Spitäler in Kambodscha aufgeben und in die Schweiz zurückkehren. Seine Stiftung hatte mitgeteilt, dass er an einer seltenen und unheilbaren Hirnerkrankung mit zunehmendem Funktions- und Gedächtnisverlust leide.
So war Richner denn auch nicht dabei, als im November im Beisein des kambodschanischen Königs Norodom Sihamoni in Phnom Penh der Gründung des Kantha-Bopha-Kinderspitals vor 25 Jahren gedacht wurde. 1992 hatte der damals 45-Jährige seiner gutgehenden Praxis am Zürichberg den Rücken gekehrt, um in der kambodschanischen Hauptstadt die Kinderklinik wieder aufzubauen.
Im Kantha Bopha («Duftende Blume»), benannt nach einer jung verstorbenen Tochter von König Sihanouk, hatte Richner schon 1974 als junger Arzt für das Rote Kreuz gearbeitet. 1975 musste er das Land nach der Offensive der Roten Khmer aber fluchtartig verlassen.
Nach seiner Rückkehr nach Zürich arbeitete Richner zunächst am Universitätsspital und baute später seine eigene Praxis auf. Nebenbei erfand er die Rolle des melancholischen Musikclowns Beatocello, schrieb Kinderbücher für «Erwachsene ab etwa fünf Jahren» und trat in der Kinderstunde des Fernsehens auf.
15 Millionen Kinder behandelt
1991 wurde Richner von König Sihanouk angefragt, das unter dem Schreckensregime von Pol Pot zerstörte Kantha-Bopha-Spital zu renovieren. Nach der Einweihung im September 1992 gründete er von 1996 bis 2007 noch vier weitere Kliniken, drei in Phnom Penh und eine in Siem Reap.
Heute haben die Kantha-Bopha-Spitäler 2500 Mitarbeitende und den Status von Universitätskliniken. Sie verarzten über 80 Prozent aller kranken Kinder des Landes, und das völlig kostenfrei. Seit 1992 wurden fast 15 Millionen Kinder ambulant und mehr als 1,5 Millionen weitere stationär behandelt, die meisten unentgeltlich. Die kambodschanischen Ärzte werden durch eine strategische Zusammenarbeit mit dem Universitäts-Kinderspital in Zürich aus- und weitergebildet.
Neben dem unermüdlichen Einsatz für seine jungen Patienten - eigene Kinder hatte der unverheiratete Zürcher nicht - war Richner auch unablässig als Geldeintreiber unterwegs. Jeden Samstag gab Beatocello ein Konzert in seinem Spital in Siem Reap und warb bei den Besuchern um Spenden. Auch tourte er regelmässig mit seinem Cello «Blondine» durch die Schweiz und trat an Galaveranstaltungen des Zirkus' Knie auf.
Streitbarer Geist
Dazwischen legte sich Richner auch immer wieder mit der Uno an, die ihm indirekt eine Luxusmedizin unterstellte. Der Kinderarzt wiederum verabscheute die von der Weltgesundheitsorganisation propagierte Basismedizin als «arme Medizin für arme Leute». Seinen Kritikern hielt er entgegen, dass seine Spitäler weltweit das beste Verhältnis zwischen Kosten und Heilungsrate aufwiesen.
Auch mit den Schweizer Behörden lag der von den Menschen in Kambodscha als «Gott» verehrte Richner zeitweise über Kreuz. Weil er sich weigerte, mit den «korrupten» Gesundheitsbehörden Kambodschas einen Vertrag zu unterzeichnen, stellte die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) 2004 vorübergehend ihre Zahlungen ein.
Unterdessen attestierte sie Richner eine «überragende Arbeit» zugunsten der Kinder und des Gesundheitswesens in Kambodscha. Aktuell unterstützt der Bund die Kantha-Bopha-Stiftung mit 4 Millionen Franken pro Jahr. Seit 1994 flossen so über 60 Millionen Franken in die Spitäler. Die kambodschanische Regierung ihrerseits verdoppelte 2016 ihren Beitrag auf jährlich 6 Millionen Dollar.
Darüber hinaus steigen die privaten Spenden aus Kambodscha kontinuierlich an. 2017 kam ein Drittel des Budgets von 42 Millionen Franken aus Kambodscha.
Vielfach geehrt
Richner ist Ehrendoktor der Universität Lausanne und der Universität Zürich. Daneben erhielt er weitere Auszeichnungen und Ehrungen. Schon 1994 wurde ihm etwa der Adèle-Duttweiler-Preis zugesprochen. 2003 wurde er im Rahmen der SRF-Fernsehshow «SwissAward» als erster «Schweizer des Jahres» ausgezeichnet.
Der französisch-schweizerische Dokumentarfilmer Georges Gachot widmete dem charismatischen Wohltäter fünf Filme. Richner selbst schrieb drei Bücher, zuletzt «Ambassador. Zwischen Leben und Überleben», in dem er über seinen Alltag als Kinderarzt in Kambodscha berichtet. (SDA)
Kambodschanischer Fonds sichert Zukunft der Kantha Bopha Spitäler
Im April 2018 hat der kambodschanische Premierminister Hun Sen den Trust Fonds «Kantha Bopha Kampuchea» gegründet. Damit soll die finanzielle Zukunft der fünf Spitäler abgesichert und der Zugang zu internationalen Hilfsgeldern ermöglicht werden. Der Trust Fonds ist mit einem Startkapital von 10 Millionen Dollar dotiert. Weitere Mittel sollen durch Spenden und durch Beiträge kambodschanischer Mitglieder hinzu kommen.
Folglich ist ein Ziel des Trust Fonds, für die Kantha-Bopha-Spitäler noch mehr lokale Spenden in Kambodscha zu generieren. Zudem habe «Kantha Bopha Kampuchea» die Funktion eines Sicherungsfonds, wie es in der Mitteilung der Stiftung Kinderspital Kantha Bopha vom Sonntag heisst: «Falls in Zukunft bei unserer Stiftung ein Spendenrückgang und damit ein finanzieller Engpass bei der Finanzierung der Spitäler eintreten sollte.»
Darüber hinaus zeigen die Kinderspitäler ein Interesse an internationalen Hilfsgeldern. Entsprechend soll der Trust Fonds als Türöffner bei Organisationen wie der Weltbank oder den Asean-Staaten dienen.
Premierminister Hun Sen amtet als Ehrenpräsident des Trust Fonds; Vorsitzender ist der kambodschanische Finanzminister. Die operative Leitung der Kantha-Bopha-Spitäler bleibe weiterhin vollumfänglich bei der Schweizer Stiftung, wie in der Mitteilung versichert wird. (SDA)