Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/133425

<h2>SubmittedText<h2><p>Gemäss Bundesgesetz (Art. 1 Abs. 1 BBG) ist die Berufsbildung eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt (Sozialpartner, Berufsverbände, andere zuständige Organisationen und andere Anbieter der Berufsbildung). Diese Dreier-Verbundpartnerschaft funktioniert erfolgreich im gesamten Bereich der beruflichen Grundbildung (rund 250 Berufslehren) und im Bereich der eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen (rund 300 Prüfungen für eidgenössische Fachausweise und eidgenössische Diplome). Die schweizerische Berufsbildung ist dank der inhaltlichen Hoheit der Wirtschaft bei den Bildungsanforderungen sowie der damit verbundenen Nachfrageorientierung sehr stark und wettbewerbsfähig.</p><p>Im Bereich der höheren Fachschulen wird das Prinzip "Bildungsanforderungen werden durch die Wirtschaft definiert, gesetzliche Regelung erfolgt durch den Bund, Umsetzung erfolgt durch die Kantone" durchbrochen. In der für die höheren Fachschulen geltenden Verordnung ist festgeschrieben (Art. 6 Abs. 2 MiVo-HF), dass die Rahmenlehrpläne der höheren Fachschulen massgeblich von den Bildungsanbietern entwickelt werden. Der Einfluss der Wirtschaft auf die Bildungsangebote der höheren Fachschulen ist dadurch in vielen Bereichen kaum vorhanden. Die höheren Fachschulen sind nicht klar als Teil der Berufsbildung positioniert.</p><p>Der Bundesrat wird deshalb gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie wird diese Situation aus Sicht des Bundes beurteilt?</p><p>2. Wie kann die Position der höheren Fachschulen als Schulen der Berufsbildung gestärkt werden?</p><p>3. Was müsste auf gesetzgeberischer Ebene angepasst werden, damit die höheren Fachschulen in gleichem Masse von der Wirtschaft getragen werden wie die anderen Bereiche der Berufsbildung?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Einbezug der Wirtschaft und damit der enge Bezug zum Arbeitsmarkt sind wesentliche Merkmale des schweizerischen Berufsbildungssystems. Dies gilt für alle Angebote der Berufsbildung auf Sekundarstufe II und Tertiärstufe.</p><p>Die höheren Fachschulen (HF) bilden zusammen mit den eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen den Tertiärbereich B (höhere Berufsbildung). Die Bildungsgänge HF sind im Vergleich zu den eidgenössischen Prüfungen generalistischer. Die Lerninhalte werden im Rahmen eines vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) anerkannten Bildungsgangs vermittelt. Die Ausbildung dauert vollzeitlich mindestens zwei und berufsbegleitend mindestens drei Jahre.</p><p>Grundlage für die Ausgestaltung der einzelnen Bildungsgänge bilden Rahmenlehrpläne, bei deren Erarbeitung die Branchenverbände einbezogen werden. Dies schreibt die Verordnung des Eidgenössischen Departementes für Wirtschaft, Bildung und Forschung über Mindestvorschriften für die Anerkennung von Bildungsgängen und Nachdiplomstudien der höheren Fachschulen (MiVo-HF; SR 412.101.61) vor. Die Ausbildung muss praxisorientiert sein. Ziel ist die Fähigkeit zu methodischem und vernetztem Denken, zur Analyse von berufsbezogenen Aufgabenstellungen und zur praktischen Umsetzung der erworbenen Kenntnisse. Die Definition des Berufsprofils und der zu erreichenden Kompetenzen gewährleistet, dass sich die Bildungsgänge am Qualifikationsbedarf des Arbeitsmarktes orientieren. Zudem sind die Rahmenlehrpläne periodisch zu überprüfen und den aktuellen Entwicklungen der Arbeitswelt anzupassen.</p><p>Ein Blick auf die heutige Situation zeigt, dass bei lediglich vier der bestehenden Rahmenlehrpläne Bildungsanbieter als einzige Träger auftreten. Dabei handelt es sich um Rahmenlehrpläne aus dem Kunst- und Gestaltungsbereich, der traditionell stark schulisch geprägt ist. Grossmehrheitlich werden die Rahmenlehrpläne von Organisationen der Arbeitswelt allein (18 Rahmenlehrpläne) oder in Zusammenarbeit mit Bildungsinstitutionen (11 Rahmenlehrpläne) getragen.</p><p>2. Die Stärkung und Weiterentwicklung der höheren Berufsbildung gehört zu den bildungspolitischen Schwerpunkten des Bundesrates. Das SBFI hat ein Strategieprojekt lanciert, um gemeinsam mit den Verbundpartnern die Herausforderungen koordiniert anzugehen. Dabei geht es auch um die Positionierung der höheren Fachschulen, indem die Anerkennung der Bildungsgänge und Titel national und vor allem international verbessert wird.</p><p>3. Die Bildungsgänge der höheren Fachschulen sind heute praxisnah ausgestaltet und deren Absolventinnen und Absolventen in der Arbeitswelt stark nachgefragt. Der enge Einbezug der Branchen bei der Ausarbeitung und Weiterentwicklung der Rahmenlehrpläne sowie bei der Anerkennung der einzelnen Bildungsgänge ist der kritische Erfolgsfaktor für die Sicherung des Praxisbezugs und die Legitimation dieses Angebotes auf Tertiärstufe B. Im Rahmen des Strategieprojekts Höhere Berufsbildung wird geprüft, ob Anpassungen der MiVo-HF erforderlich sind, um diesen Praxisbezug noch stärker und vor allem nachhaltig zu verankern.</p>  Antwort des Bundesrates.