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HPV-Vakzine schützt vor rezidivierender Larynxpapillomatose
Bei etwa 90 Prozent der rezidivierenden Larynxpapillomatosen lassen sich die humanen Papillomaviren Typ 6 und Typ 11 nachweisen. Chirurgische Verfahren können Atemnot und Stimmprobleme beheben, allerdings müsste es gar nicht erst so weit kommen.
Rezidivierende Larynxpapillomatosen treten meist ab dem Jugendalter auf. Den Betroffenen fehlen dann die notwendigen Antikörper, um das verursachende humane Papillomavirus (HPV) ausreichend bekämpfen zu können.
Bei schweren Verläufen droht Erstickungsgefahr
Wie die rezidivierende Larynxpapillomatose individuell verläuft, lässt sich schwer vorhersagen, schreiben deutsche Autoren einer neuen Übersichtsarbeit (1). Je früher die rezidivierende Larynxpapillomatose aner auftritt, desto wahrscheinlicher ist ein aggressiver Verlauf. Dieser erfordert eher notfallmässige Operationen wegen Luftnot bis zur Erstickungsgefahr.
Im Gegensatz zu Erwachsenen, die sich HPV wahrscheinlich über Sexualkontakte einfangen, liegt der juvenilen Form eine perinatale oder in der Kindheit erfolgte Infektion zugrunde. Die Erkrankung gilt als Präkanzerose des Larynxkarzinoms. Ist das Lungenparenchym mitbeteiligt, besteht auch die Gefahr eines Bronchialkarzinoms.
Im Kindesalter können Symptome wie bei einem Krupp-Husten oder Asthma auf die Erkrankung hindeuten. Auch ohne akute Erstickungsgefahr müssen Papillome bei vielen Kindern mehrfach mikrochirurgisch oder mit dem Laser abgetragen werden, um Atemschwierigkeiten zu lindern und die Stimme zu verbessern.
Die daraus resultierende Vernarbung kann selbst zu dauerhaften Stimm- und Atemproblemen führen. Eine maligne Entartung lässt sich durch die Operationen nicht verhindern. Patienten mit juveniler rezidivierender Larynxpapillomatose kommen zudem seltener in Remission. Ob Rezidive in Folge einer Neuinfektion entstehen oder dadurch, dass sich infizierte Zellen ausbreiten, bleibt unklar.
HPV-Vakzine eignet sich bedingt auch therapeutisch
Trotz der ungünstigeren Prognose entwickeln insgesamt nur wenige Kinder nach der Virenexposition eine rezidivierende Larynxpapillomatose. Warum das so ist, lässt sich nur vermuten, schreiben die Autoren. Denkbar sei ein angeborener Immundefekt, der die selektive Anfälligkeit erhöht. Eine präventive Strategie ergab sich mit Einführung der HPV-Impfung.
Bei Kindern, denen die Serumantikörper gegen die beteiligten HPV-Typen 6 und 11 fehlen, kann sie die Bildung von neutralisierenden Antikörpern sowie spezifischen T-Zellen anregen. Die nonavalente HPV-Vakzine deckt z.B. neben den Typen 6, 11, 16 und 18 zusätzlich 31, 33, 45, 52 und 58 ab.
Die Vakzine eignet sich bedingt auch therapeutisch (off label). Untersuchungen ergaben, dass bei Impfung (zusätzlich zum Standardvorgehen) die Häufigkeit notwendiger Operationen deutlich sinkt. In einer Studie kam es trotz persistierender Infektion bei rund der Hälfte der Kohorte zur Serokonversion. Auch neue Impfstoffe z.B. gegen die Onkoproteine E6 und E7 erwiesen sich in ersten Analysen als effektiv. Warum manche Patienten auf die Impfungen nicht ansprechen, bleibt zu klären.
Bevacizumab erzielte in Studien gute Ergebnisse
Zeigen die bereits erwähnten chirurgischen Massnahmen keinen ausreichenden Erfolg, können auch medikamentöse Optionen hinzukommen. Das Virostatikum Cidofovir wird zwar – lokal angewendet – oft als wirkungsvoll beschrieben, ist aber u.a. aufgrund schwerer Nebenwirkungen nicht zugelassen. Einen adjuvanten Ansatz für Betroffene mit trachealer oder pulmonaler Beteiligung bietet Bevacizumab, derzeit auch off label.
Das Wirkprinzip des Biologikums basiert auf der erhöhten VEGF-Expression im Papillomgewebe und den darunter liegenden Endothelzellen. Der Antikörper hemmt den VEGF-Signalweg und erzielte in Studien bereits gute Ergebnisse, internationale Konsensempfehlungen für ihn liegen vor. Ebenfalls in Studien getestet werden derzeit Antikörper gegen das Checkpoint-Molekül PD-L1.