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Was tun, wenn während 300 Kilometern entlang des Napo-Flusses kein richtiges Spital und zu wenig Ärzte vorhanden sind? 1992 schlug hier die Kapuzinermission das Projekt „Gesundheits-Animatoren“ vor, damit die Bevölkerung sich selber gesundheitlich betreuen kann. In andern Gegenden der Erde werden solche angelernten Gesundheitshelfer „Barfuss-Doktoren“ genannt.
Gesundheits-Komitee
Basisgemeinden
Wir gingen davon aus, dass die Leute in der Lage sein sollten, die gewöhnlichen Krankheiten selber zu diagnostizieren und die entsprechenden Mittel zu verabreichen. Warum sollten die Bauern und die Einheimischen, die Kolonisten und die Indios nicht fähig sein, dies nach einer kurzen Einführungszeit zu tun?
Die Gemeinschaften, die dieses Projekt akzeptieren, müssen zunächst ein Gesundheitskomitee bilden, das vor allem die Aufgabe hat, nach einem vorgelegten Plan, einfache, hölzerne Krankenstationen aufzubauen und zu verwalten. Sie wählen dann zwei Personen als „Gesundheits-Animatoren“, die während fünf Jahren jedes Trimester Kurse von je fünf Tagen besuchen. 50 Gemeinschaften von Indios und 30 von Kolonisten machen bei diesem Projekt mit.
50 Medikamente
Wenn die ausgebildeten Gesundheits-Animatoren in ihre Dörfer zurückkehren, bringen sie die Medikamente mit, die für die Krankheiten bestimmt sind, die sie zu diagnostizieren gelernt haben. Bei jedem Kurs gehen die verantwortlichen Ärzte das Gelernte mit ihnen nochmals durch und unterbreiten ein neues Programm. Nach und nach bauen so die Gesundheitshelfer ihre Kenntnisse aus und erlangen so eine gewisse Sicherheit. Nun sollten sie in der Lage sein, über 50 Medikamente zu verabreichen.
Ohne Lohn
Wenn man eine dieser Krankenstationen besucht, ist man verwundert zu sehen, mit welcher Einfachheit und Geschicklichkeit die Gesundheits-Animatoren eine Diagnose stellen und die Medikamente verabreichen. Wenn jemand verletzt ist, gibt ihm der Animator eine Spritze gegen Starrkrampf, wäscht ihm die Wunde, näht sie, macht einen Verband und verabreicht ihm die nötigen Antibiotika.
Diese „Barfuss-Doktoren“ sind einfache Jäger oder Bauern, die mit ihrer Beobachtungsgabe und ihrem gesunden Menschenverstand für ihre Dörfer einen unermesslichen Dienst leisten. Sie haben keinen Lohn, sollen aber gratis Zutritt zu den Medikamenten für ihre Familien haben. Selbst wenn sie fähig sind, eine Diagnose zu stellen und einen Grossteil der Kranken zu pflegen, wissen sie, dass sie nicht Ärzte sind und diese nicht ersetzen können. In schweren Fällen veranlassen sie darum die Überführung in ein Krankenhaus.
Kontrolle
Jeden Monat besuchen die Projektärzte die Krankenstationen und ihre Animatoren. Sie prüfen die Hefte der Krankenbesuche, worin die Namen der Kranken, ihre Krankheiten und die abgegebenen Medikamente verzeichnet sind. Das ist auch der Moment, wo der Animator mit dem Arzt spricht und ihn um Rat und Hilfe fragt. Er ist nicht berechtigt, Medikamente ausserhalb der Zentralapotheke des Projekts zu kaufen. Er muss unbedingt die Medikamente gebrauchen, die er in der Ausbildung kennen gelernt hat.
Erfolge
Seit der Lancierung dieses Projekts wurden mehr als 150 000 Personen in den Krankenstationen behandelt. Das bedeutet eine Zeit- und Geldersparnis für die Kranken und Verletzten, die nun nicht mehr die langen Distanzen für eine Behandlung zurückzulegen haben. Zudem bezahlen sie für die Dienste und die Medikamente einen vernünftigen Preis. Ausserdem ist die Vorbeugung ein anderes Ziel dieses Projektes. Der Animator ist beauftragt, den Gesundheitszustand aller Kinder, die eine Schule besuchen, zu prüfen. Er tut dies in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium. Ebenso ist er an den staatlich organisierten Impfaktionen für Säuglinge und Mütter beteiligt.
Zähne ziehen
Die Kapuziner-Mission hat inzwischen das Projekt an die Einheimischen übergeben. Diese haben die Stiftung „Amazonische Gesundheitsbehörde“ gegründet. Die Mission hat soeben ein neues Projekt lanciert: die Ausbildung von Animatoren für die Zahngesundheit. Damit sollen Vertreter des Volkes befähigt werden, von Karies befallene Zähne zu behandeln oder sie wenn nötig zu ziehen. Auch hier wird auf Prophylaxe Wert gelegt. Heute dürfen die Dörfer stolz sein auf ihre Einrichtungen im Dienste der Gesundheit. Der grosszügige Einsatz der Barfuss-Doktoren“ wirkt sich sehr positiv aus auf die Gesundheit der Bevölkerung in der abgelegenen Gegend des Rio Napos.
Roque Grandez
Übersetzung: Karl Bauer