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PUN ist die Abkürzung für Pannenstreifenumnutzung und bezeichnet eine örtlich begrenzte, permanente oder temporäre Nutzung des Pannenstreifens als zusätzlichen Fahrstreifen.
PUN-Strecken sind mit einem Verkehrsüberwachungssystem mit Detektoren und Videokameras ausgerüstet. Sobald die Detektoren eine hohe Verkehrsbelastung registrieren, kann die Verkehrsmanagement-Zentrale mittels der Signalanlage den Pannenstreifen als zusätzliche Fahrspur freigeben.
PUN kann durch den zusätzlichen Fahrstreifen und die herabgesetzte Tempolimite stockenden Verkehr verflüssigen. Der Einsatz von PUN ist insbesondere in den Agglomerationen sinnvoll. Gefährliche Spurwechsel, Brems- und Beschleunigungsmanöver («stop and go») werden so verringert, die Automobilistinnen und Automobilisten kommen schneller und sicherer ans Ziel.
Auf PUN-Abschnitten zeigen elektronische Lichtsignale über den Fahrstreifen («Kreuz-Pfeil-Signale») den Betriebszustand der PUN an. Zusätzlich weisen Signale zur «Anzeige der Fahrstreifen» seitlich des Pannenstreifens auf die jeweilige Anzahl freigegebener Fahrstreifen hin.
Ja. Gemäss Signalisationsverordnung (Art. 68, Abs. 1) gehen Lichtsignale den Markierungen vor. Das heisst, wenn auf dem Signal der grüne Pfeil über dem Pannenstreifen leuchtet, darf die ausgezogene Randlinie überfahren werden.
Nein. Wie auf den normalen Fahrstreifen der Autobahn ist Rechtsüberholen – Spurwechsel nach rechts, vorbeifahren und Spurwechsel nach links – strikte verboten (Strassenverkehrsgesetz Art. 35, Abs. 1 und Verkehrsregelnverordnung Art. 8, Abs. 3). Nur beim Fahren in parallelen Kolonnen und auf Einspurstrecken, wo die Fahrstreifen mit unterschiedlichen Fahrzielen signalisiert sind, darf rechts an anderen Fahrzeugen vorbeigefahren werden (Verkehrsregelnverordnung Art. 8, Abs. 3 und Art. 36, Abs. 5).
Mit korrektem Verhalten können die Automobilistinnen und Automobilisten zum Erfolg von PUN beitragen:
- Wechselsignale beachten und Weisungen befolgen
- flüssiger und möglichst gleichmässiger Fahrstil, Tempolimite einhalten
- unnötige Spurwechsel vermeiden
- allfällige Gefahren durch aufmerksame Beobachtung des Verkehrs frühzeitig erkennen
- Aufmerksamkeit gegenüber Verkehrsteilnehmenden, die möglicherweise mit PUN nicht vertraut sind.
Wenn PUN in Betrieb ist, suchen Automobilistinnen und Automobilisten bei einer Panne die nächste Nothaltebucht auf (wie in einem Tunnel). Der Pannenstreifen wird durch die Verkehrsmanagement-Zentrale umgehend gesperrt. Auf PUN-Strecken sind mindestens alle 1000 m Nothaltebuchten angebracht. Ist PUN ausser Betrieb, halten Fahrzeuge bei einer Panne wie bisher auf dem Pannenstreifen an.
Die Erfahrungen aus dem Pilotbetrieb von Morges–Ecublens wie auch aus dem Ausland zeigen, dass mit PUN die Unfallzahlen markant zurückgehen. Eine konstantere Fahrweise sowie eine tiefere Höchstgeschwindigkeit verbessern die Verkehrssicherheit.
Verkehrsüberlastungen und Staus sind auf einigen Autobahnabschnitten – vor allem in den Agglomerationen – alltäglich. 2018 wurden auf dem Nationalstrassennetz über 25 000 Staustunden gemessen. Als relativ rasch umsetzbare Übergangslösung dient PUN dazu, die Funktionsfähigkeit der betroffenen Autobahnabschnitte aufrecht zu erhalten.
Infrage kommen nur Strecken, wo PUN mit verhältnismässigem Aufwand als Übergangslösung bis zu einem allfälligen Ausbau umsetzbar ist und über mindestens 10–15 Jahre betrieben werden kann.
PUN kann kurz- und mittelfristig zur Entschärfung von Engpässen beitragen, insbesondere in Agglomerationen mit hoch frequentierten Ein- und Ausfahrten. Auf sehr stark befahrenen Abschnitten kann PUN jedoch einen punktuellen Ausbau nicht ersetzen.
Die Umnutzung von Pannenstreifen wird nicht isoliert betrachtet, sondern ins gesamte Verkehrssystem eingebettet. PUN wird nur dort umgesetzt, wo es auf den benachbarten Abschnitten und auf dem an-grenzenden städtischen oder kantonalen Strassennetz nicht zu neuen Verkehrsüberlastungen führt. Flüssiger Verkehr auf der Autobahn entlastet Kantons- und Gemeindestrassen, indem weniger Ausweichverkehr entsteht.
PUN wird in der Regel zwischen Ein- und Ausfahrten umgesetzt und dient primär dem Binnenverkehr sowie dem Ziel-/Quellverkehr. Dem Transitverkehr bringt PUN keine höheren Kapazitäten. Die Massnahme führt daher nicht zu generellem Mehrverkehr. Tatsächlich wurde auf den benachbarten Abschnitten der Pilotstrecke Morges–Ecublens kein Mehrverkehr verzeichnet, der auf PUN zurückzuführen ist.
Nein, das Gegenteil ist der Fall. Weil der Verkehr verstetigt werden kann, kommt es insgesamt zu einem ruhigeren und gleichmässigeren Verkehrsfluss. Dadurch sinkt sowohl der Lärmpegel als auch der Schadstoffausstoss. Auf der Pilotstrecke zwischen Morges und Ecublens hat der Lärm um über 2 Dezibel abgenommen, die Luftbelastung in unmittelbarer Autobahnnähe ist um 20 Prozent gesunken.
Die Bedürfnisse der Unterhalts- und Ereignisdienste werden bei der Planung von PUN-Abschnitten berücksichtigt. Die verkehrstechnische Ausrüstung der PUN-Strecken erleichtert die Arbeit dieser Dienste, da das Verkehrsleitsystem bei Bedarf zur Geschwindigkeitsreduktion, zur Gefahrenwarnung oder zur Anzeige von Baustellen genutzt werden kann.
Die Verkehrsüberwachungssysteme und speziellen Signalanlagen für PUN sind für die Verkehrsbeobachtung und die Steuerung der PUN vorgesehen. Das Erfassen von Verkehrsvergehen ist allein Sache der Verkehrspolizei und nicht des für PUN zuständigen Verkehrsmanagements.