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Wer schon einmal im Südpolarmeer unterwegs war, weiss über die Wellen und deren Stärke ein wenig Bescheid. Angetrieben durch die vorherrschenden Westwinde, wandern die Wellen rund um die Antarktis und dessen Küste. Diese wiederum besteht zu einem wesentlichen Teil aus Eisschelf, mächtigen Gletscherzusammenflüssen, die wie Zungen hinausragen. Der Zerfall dieser Eiszungen hat in den letzten Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht. Nun hat ein internationales Forscherteam herausgefunden, was die Schelfe schützt vor den Wellen: Packeis!
Der Abbruch eines riesigen Eisberges vom Larsen C Eisschelf vor einigen Monaten hatte für ein weltweites mediales Interesse gesorgt. Immer wieder war von einem weiteren Zusammenbruch eines antarktischen Eisschelfs die Rede und als Grund wurde der Klimawandel angegeben. Nun ist in der renommierten Fachzeitschrift Nature eine Arbeit veröffentlicht worden, die sich etwas detaillierter mit diesem Thema beschäftigt hat. Der Hauptautor der Studie, Dr. Rob Masson von der Australian Antarctic Division (AAD) erklärt, dass durch die verringerte Meereisbedeckung der antarktischen Küsten seit den späten 1980er Jahren die Eisschelfe der antarktischen Halbinsel verstärkt den Wellen des Südpolarmeeres ausgesetzt gewesen sind und sie dadurch gedehnt und gebrochen sind. „Meereis funktioniert wie ein Airbag für die Eisschelfe und dämpft die zerstörerischen Wucht der Wellen bevor diese die Eisschelfe erreichen“, meint er. „Doch wo das Meereis fehlt, können durch Stürme entstandenen Wellen ganz leicht an die Eiswände klatschen und verursachen so eine Ausdehnung des Eises auf den ersten Kilometern des Randes. Mit der Zeit weitet diese Dehnung bereits existierende Brüche und Spalten und lässt so Teilstücke des Eisschelf abbrechen oder kalben. Das wiederum ist der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und dafür sorgt, dass riesige Tafeleisberge abbrechen, weil das Eis selbst auch schon weitere Brüche und Risse aufweist durch die Oberflächenschmelze und das Abschmelzen von unten.“
Auch Mitautor Dr. Luke Bennetts von der Universität Adelaide meint, dass die Studie die Notwendigkeit, Meereis und Wellen in die Modelle einzubauen, klar aufzeigt. „ Der Anteil des antarktischen Eisschildes an den globalen Meeresanstieg ist zurzeit die grösste Unsicherheitsquelle. Eisschelfe machen rund dreiviertel der antarktische Küste aus und sie spielen eine signifikante Rolle bei der Abschwächung des Meeresspiegelanstiegs indem sie den Gletscherabfluss aus dem Inneren dämpfen“, sagt Dr. Bennetts. Insgesamt hatten Forscher aus Australien, den USA und Neuseeland Satellitenbilder und Oberflächen- und Meereswellendaten miteinander verbunden, um fünf grosse Eisschelfzusammenbrüche zwischen 1995 und 2009 zu untersuchen. Darunter sind auch die bekanntesten Zusammenbrüche: das Larsen A Eisschelf 1995, das Larsen B 2002 und das Wilkins Eisschelf 2009. Jeder Kollaps geschah zu Zeitpunkten kleiner Meereisausdehnungen und grosser Stürme. Besonders der Kollaps des Larsen B Schelfs ist in Erinnerung, weil es in nur wenigen Tagen geschah und eine Fläche von über 3‘300 Quadratkilometer öffnete. Danach verachtfachte sich der Abfluss der dahinterliegenden Gletscher im Jahr darauf.
Quelle: Universität Adelaide
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