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Lehren aus dem Kollaps der Rubelzone
Was würde passieren, wenn die Eurozone auseinanderbrechen würde? Diese Frage ist bisher stets mit dem Verweis auf einen Aufsatz des amerikanischen Wirtschaftshistorikers Barry Eichengreen beantwortet worden. Darin kam Eichengreen zum Schluss, dass der Kollaps des Euro katastrophale Folgen haben würde.
Jetzt, wo das Auseinanderbrechen der Eurozone eine gewisse Wahrscheinlichkeit erreicht hat – Nouriel Roubini gibt dem Euro noch fünf Jahre -, haben die Ökonomen Beispiele für auseinanderbrechende Währungsunionen gesucht und gefunden. Vier Fälle sind interessant: Österreich-Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg sowie Jugoslawien, die Sowjetunion und die Tschechoslowakei in den 1990er Jahren.
Das interessanteste Beispiel ist das Auseinanderbrechen der Rubelzone 1992-93 (siehe auch hier). Ursprünglich wollten die Staaten, die sich von der Sowjetunion losgelöst hatten, den Rubel beibehalten. Divergenzen bei der Finanzpolitik führten allerdings bald zu Spannungen. Während die baltischen Staaten den Staatshaushalt im Griff hatten, verzeichneten Georgien und die Ukraine bald enorme Budgetdefiizite. Weil sie zu dieser Zeit noch keinen Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten hatten, begannen sie bald mit dem Drucken von eigenen Banknoten, was bald zu hoher Inflation führte. Daraufhin begannen auch andere Länder, eine neue Währung einzuführen. Die Rubelzone fiel auseinander.
Die Rubelzone lässt sich natürlich nicht direkt mit der Eurozone vergleichen. Letztere ist viel stärker durch grenzüberschreitende Kapitalströme verflochten. Ein Auseinanderbrechen der Eurozone würde deshalb eine katastrophale Bankenkrise auslösen, während der Kollaps der Rubelzone keine Finanzkrise auslöste. Interessant ist der Rückblick auf die historische Episode dennoch. Sie zeigt, dass einzelne Länder durchaus im Stande sind, eines Tages mit dem Drucken von Noten zu beginnen, wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen. Bisher hiess es immer, Griechenland könne die Drachme schon rein aus technischen Gründen nie mehr einführen. Das Auseinanderbrechen des Rubels 1992-93 zeigt, dass dies nicht stimmt. In Athen ist alles möglich.