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Musik
Paul Klee besass ein besonders gutes Gehör für Tonreinheiten, deshalb lag ihm das Instrument Geige. Paul Klee war ein Doppeltalent, Musik und die bildende Kunst beschäftigten ihn gleichermassen. Seinen Geigenunterricht absolvierte er beim Berner Konzertmeister Karl Jahn. Der Unterricht zeigte rasch grossen Erfolg, so dass er bereits im Alter von 16 Jahren als ausserordentliches Mitglied in das Orchestra der städtischen Musikgesellschaft aufgenommen wurde. Dort wirkte er bei Abonnementskonzerten mit.
Paul Klee schloss im September 1898 die Schule ab. Nun stand er vor der grundsätzlichen Frage, welchen beruflichen Weg er einschlagen sollte. Ein Jahr vor dem Schulabschluss schrieb er in sein Tagebuch: «Je länger je mehr beängstigt mich meine wachsende Liebe zur Musik. Ich begreife mich nicht. Ich spiele Bach-Solosonaten, was ist dagegen Böcklin? Ich muss lächeln». Doch etwas später kam er zu der Überzeugung, dass der Höhepunkt der Musikgeschichte mit Bach und Mozart überschritten und in der Gegenwart kein vergleichbares musikalisches Schaffen mehr möglich ist. Der Entschluss Maler und nicht Musiker zu werden, fiel ihm nicht leicht, 1898 schrieb er: «Es ist doch verflucht, wenn man heiratet, während man eine andere rasend liebt! Jawohl so ist’s. Meine Geliebte ist und war die Musik, und die ölriechende Pinselgöttin umarme ich bloss, weil sie eben meine Frau ist.»
In den autobiografischen Schriften für Wilhelm Helfenstein schrieb er rückwirkend: «Die bildende Kunst hatte etwas Verlockendes, wenn es auch vorerst weniger die Kunst war, als die Aussicht, möglichst weit weg zu sein, aus dem Land hinaus irgendwo wo es grösser interessanter lebendiger zuging. Das instinctiv Richtige daran sah ich erst viel später ein.»1
Wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts üblich, beschäftigte sich auch Klee mit der Korrelation von Musik und Bild. In sein künstlerisches Vokabular flossen mehr und mehr musikalische Begriffe wie «Tonalität», «Polyphonie», «Harmonie» oder «Rhythmus» ein. Er schuf Werke mit Titeln, die auf die Begrifflichkeit der Musiktheorie Bezug nehmen, wie etwa Fuge in Rot, 1921,69. In den bildnerischen Kompositionen finden sich häufig musikalische Formelemente und Partiturzeichen.
Fuge in Rot, 1921,69
Ob Klee die Natur beschrieb, künstlerische Theorien formulierte oder sein persönliches Befinden mitteilte, die Musik schien ihm dabei als eine Art Universalsprache zu dienen.2
Auch die grafische Sprache der Musik – ihre Notenschrift mit Linien, Noten, Schlüsseln, Taktstrichen und Notationszeichen wie Fermaten, Stakkatopunkten oder Legatbögen – stellte ein Motivarsenal dar, aus dem Klee sich in vielfachen Variationen bediente.
Im Rosengarten etwa wird das rote und rosafarbene Farbklanggewitter durch eine Punktmelodie aus kugelförmigen Rosenbäumen akzentuiert, die wie umgedrehte Noten auf räumlich verschobenen Notenlinien sitzen.
Rosengarten, 1920,44
In abstractes Ballett hat sich die Linie gelöst und zu individuellen, frei im Raum tanzenden Formen emanzipiert. Aus abstrahierter Notenschrift und den im Luft gemalten Mustern eines Taktstockes entsteht eine Bildpartitur, die zugleich die Choreografie der Tanzbewegungen und die dazu gespielte Musik darstellt. Die zeitlichen und dynamischen Elemente, die diesem Bild innewohnen, lassen erkennen, dass Klees eigentliches Interesse an der Musik weit über das Motivische hinausging.
abstractes Ballett, 1937,264 (X 4)
Quintett, München, 1900; Paul Klee rechts.
d. Pianist in Not, 1909,1
Quellenangabe
–Paul Klee — Leben und Werk, Herausgeber: Zentrum Paul Klee, Bern
–Paul Klee — Sein Leben•Seine Kunst, Boris Friedwald, Prestel Verlag
–Das Universum Klee, Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung, Neue Nationalgalerie, 31.10.2008 bis 8.2.2009
–Autobiografische Schriften für Wilhelm Helfenstein.
1 Paul Klee, Briefe an Hans Bloesch, 16.11.1898, zit. n. Jürgen Glaesemer, Paul Klee
2 Paul Klee — Leben und Werk, Herausgeber: Zentrum Paul Klee, Bern