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Bereits zweimal hatte "Vérité et Justice" (V&J), der Zusammenschluss der Schweizer Holocaust-Leugner, einen internationalen Kongress angekündigt, zuerst für Ende November in der Schweiz, dann für Ende Januar 2001 in einer "aussereuropäischen Hauptstadt". Der dritten Ankündigung scheint nun wirklich eine Veranstaltung zu folgen. In ihrem Februar-Bulletin schreibt "Vérité et Justice", dass der Kongress "Revisionismus und Zionismus" vom 31. März bis zum 3. April 2001 in Beirat stattfinden werde. Gegen 25 Redner aus fünf Kontinenten seien vorgesehen. Dies berichtet auch der Mitorganisator Institut for Historical Review, das bis anhin schon über ein Dutzend einschlägige internationale Seminare mit vielen bekannten Exponenten der Szene organisiert hat. Journalisten seien willkommen, schreiben die Veranstalter, müssten jedoch Informationen über ihren Arbeitgeber liefern.
Das V&J-Bulletin nennt auch den Aufenthaltsort von Jürgen Graf, der in der Schweiz rechtskräftig zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Entgegen den Behauptungen verschiedener Zeitungen befände sich Graf immer noch in Teheran. Der Iran-Korrespondent der Westschweizer Tageszeitung "Le Temps" hatte - nach ausführlichen Recherchen - im Dezember 2000 berichtet, dass Graf den Iran nach kurzem Aufenthalt Richtung Türkei verlassen habe. Wie dem auch sei: Graf beteilige sich, so das V&J-Bulletin weiter, aktiv an der Organisation des Kongresses. Auch geniesse Graf im Iran alle "Freiheiten". Die Schweizer Holocaust-Leugner rühmen sich gar neuer Bundesgenossen: Die "Teheran Times" veröffentliche zur Zeit eine "wichtige" 16teilige Serie über die "zionistische Verschwörung: die Auschwitzlüge" - auf der Homepage jener Zeitung findet sich allerdings in diesem Zusammenhang nur ein einziger Artikel.
Graf selber meldet sich auch zu Wort: Im Internet, auf der Wilhelm-Tell-Seite, dem Internetauftritt der Schweizer Holocaust-Leugner, auf der seit Juli 2000 keine neuen Einträge mehr zugefügt worden waren. Graf veröffentlichte dort Anfang Februar eine biographische Skizze, unter anderem mit der Ankündigung, dass er nicht mehr in die Schweiz zurückkehren werde. Verfasst habe er die Schrift, so Graf im Untertitel, im Januar 2001 "im Exil in Teheran".
Auch in der Schweiz bleiben Vérité et Justice-Exponenten aktiv. Vereinssekretär René-Louis Berclaz, vorbestraft wegen Holocaust-Leugnung, will noch diesen Monat eine 32seitige Chronologie über die Schweiz und die nachrichtenlosen jüdischen Vermögen veröffentlichen. Gegen Berclaz läuft bereits wieder ein neues Ermittlungsverfahren, zweimal in den vergangenen Monaten fand in seinem Haus in Châtel-Saint-Denis/Kanton Freiburg eine Hausdurchsuchung statt.
Hans Stutz
WochenZeitung , 15. Februar 2001
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