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In der lesenswerten Publikation „Die Geschichte des Langsamverkehrs in der Schweiz des 19. und 20. Jahrhunderts“ bin ich vor einiger Zeit auf das vom Genfer Ingenieur Charles Challand erfundene Sesselrad „Bicyclette normale“ gestossen, Auf dem Internet findet man verschiedene Hinweise zu diesem Liegevelo, welches 1896 in nationalen Landesausstellung von Genf präsentiert wurde (in der oben erwähnten Publikation wird vom Genfer Fahrradsalon 1895 gesprochen, wozu ich aber keine Informationen gefunden habe). Der erste ausführliche Beschrieb befindet sich wohl in der Sonderbeilage des Journal de Genève vom 31. August 1896 zur Nationalen Landesausstellung, allerdings noch ohne Bild. Den ganzen Artikel gibt es hier.
Ch. Challand reagiert übrigens auf eine Aussage im Artikel und schreibt einen Leserbrief, welcher in der Beilage eine Woche später abgedruckt und kommentiert wird.
In der Beilage Nr. 26 vom 19. Oktober 1896 wird das Liegerad ein weiteres Mal positiv erwähnt.
Challand macht aktiv Werbung für sein bicyclette normale und organisierte z.B. am 5. November 1896 in Genf eine Möglichzeit zum Probefahren, wie dem Veranstaltungskalender des Journal de Genève vom 5.11.1896 entnommen werden kann.
Das „Bicyclette normale“, wie es von Challand genannt wurde fand auch international recht grosse Beachtung. Ein erster Artikel findet sich bereits in der Ausgabe vom 28. Juni 1896 des Brooklyn Eagle, in welchem darauf hingewiesen wird, dass das Liegefahrrad von Challand der Landesausstellung ausgestellt werden wird. Der Artikel ist offensichtlich der begeisterte Bericht des damaligen amerikanischen Konsuls in Genf Benjamin H. Ridgely (www.velomobile.org).
Später wurde es auch in wissenschaftlich orientierten Zeitschriften, wie dem Scientif American beschrieben..
Ev. basiert der Artikel auf dem begeistertn Bericht des damaligen amerikanischen Konsuls in Genf Benjamin H. Ridgely (www.velomobile.org).
Auch die französische Fachzeitschrift „La Nature“ widmete dem bicyclette normale einen halben Artikel in seiner Ausgabe 1220 unter dem Titel „Curiosités cyclistes„.
Häufig zitiert wird das Buch „Radfahrsport in Bild und Wort“ aus dem Jahr 1897, von Paul von Salvisberg, in welchem das Biclette normale ebenfalls erwähnt wird.
In Internet findet man auch ein Foto mit einer jungen Frau, welche offensichtlich auf einem bicylette normale sitzt, und welches als Vorlage für die Zeichnung im Scientific American diente.
Das Bicylette normale war sicher das erste Liegevelo in der Schweiz, vielleicht sogar das erste Liegevelo weltweit. Zumindest konnte es von Challand in verschiedenen Ländern patentiert werden (Patent Schweiz aus dem Jahr 1895, Patent Grossbritannien aus dem Jahr 1896)
Die Erfindung von Challand scheint allerdings kein grosser Erfolg gewesen zu sein. Jedenfalls verliert sich die Spur sowohl des Bicylette normale wie die seines Erfinders recht rasch. Aber vielleicht weiss jemand anderes ja mehr dazu. Das bestätigt wohl die skeptische Haltung, welcher der A- Bertschinger, seines Zeichens Adjunkt des techn. Eisenbahninspektorats, 1896 in einem Artikel über seinen Besuch an der Landesausstellung in der Schweizerischen Bauzeitung zum Ausdruck brachte.