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Langjährige Ehe mit klassischer Rollenteilung. Die Frau hatte für die Kinder gesorgt und dem Mann den Rücken für die Karriere freigehalten. Der Mann machte tatsächlich Karriere und bei der Pensionierung war locker eine Million oder mehr in der Pensionskasse. Sonst war nicht viel Vermögen vorhanden. Der Mann wurde pensioniert. Fr. 7’000 pro Monat Pension sind dann nicht unüblich bei Kaderleuten (zusätzlich zur AHV-Rente).
Kurz nach der Pensionierung schickte der Mann die Frau in die Scheidungswüste – 2 Jahre Trennung genügen als Voraussetzung, die Frau kann sich nicht widersetzen. Weil der Mann bereits pensioniert war, gab es kein Geld mehr für die Frau betreffend Vorsorgeausgleich der 2. Säule. Stattdessen gab es eine „lebenslängliche“ (Unterhalts-) Rente im Scheidungsurteil. So weit so gut.
Stirbt der Mann nach der Scheidung, muss die Pensionskasse in der Schweiz nur die Beiträge, die nach dem 1.1.1985 (Inkrafttreten des BVG – dem Schweizer Minimalgesetz für Pensionskassen) einbezahlt wurden, bei der Berechnung der Hinterlassenenrente an die Ex-Frau berücksichtigen. Zusätzlich wird auch nur der Teil des Jahreslohnes von (aktuell) 24’675 bis und mit 84’600 Franken berücksichtigt (koordinierter Lohn gemäss Artikel 8 BVG). Es wird nur das obligatorische Kapital nach BVG berücksichtigt (Anrechnungsprinzip). Das gibt dann von einem Monat auf den anderen anstatt vielleicht Fr. 2’000..3’000 Unterhalt pro Monat nur noch eine Taschengeldwitwenrente von ein paar hundert Franken.
Die Pensionskasse sackte den Anteil am Pensionskassenkapital, der bei der Scheidung eigentlich der Ex-Frau zugestanden hätte, ein und musste stattdessen nur noch eine Taschengeldrente an die „geschiedene Witwe“ zahlen.
Hatte der Mann nach der Scheidung wieder geheiratet, erhielt die Witwe die volle, ungekürzte Witwenrente (bei der Migros-Pensionskasse sogar direkt nach der Heirat). Aus dem Pensionskassenkapital, das der ersten Frau bei der Scheidung vorenthalten wurde.
Starb die Ex-Frau vor dem Mann, hatte der Mann seine volle, ungekürzte Altersrente.
Seit dem 1. Januar 2017 ist nun eine Änderung beim Vorsorgeausgleich bei Scheidungen in Kraft, welche dieses Problem entschärft. Nun werden in der Regel bei der Scheidung auch dann die Vorsorgeansprüche geteilt, wenn bei der Scheidung bereits ein Vorsorgefall eingetreten ist. Bei Altersrenten oder Renten von Invaliden, welche das Rentenalter gemäss dem Reglement der Kasse erreicht haben, wird in der Regel neu die laufende Rente geteilt und der ausgleichsberechtigte Ehegatte erhält eine eigene, lebenslange Rente von der Pensionskasse des ausgleichsverpflichteten Ehegatten (Artikel 124a ZGB).
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