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DIE VIELEN STIMMEN DES GIORGO ORELLI
26.05.2021 Anlässlich der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages veröffentlicht die Schweizerische Nationalphonothek die "Phonographie von Giorgio Orelli". Der Tessiner Giorgio Orelli (Bild, 1921 - 2013) war einer der wichtigsten italienischsprachigen Dichter der Schweiz. Er ist für seine Lyrik, Belletristik und Kritik sowie für seine literarischen Übersetzungen (insbesondere Goethe auf Italienisch) bekannt.
Giorgio Orelli ist zweifellos einer der wichtigsten italienischsprachigen Dichter der Schweiz und wird oft ausgewählt, um die italienische Sprachregion im nationalen Literaturpanorama zu vertreten. Er ist für seine Lyrik, Belletristik und Kritik sowie für seine literarischen Übersetzungen (insbesondere Goethe auf Italienisch) bekannt. Ursprung seiner Arbeit ist ein tiefes Bedürfnis, sich auszudrücken. In den Dokumenten, die in der Nationalphonothek aufbewahrt sind, tönt seine Stimme so lebhaft, dass man den Eindruck hat, ihm zum Beispiel in den Strassen von Bellinzona oder im Zug nach Fribourg zuzuhören.
"Es gibt eine äussere Musikalität und dann gibt es eine Musikalität, die den genauen Worten der Dichtung immanent ist": So leitet Orelli anlässlich eines Interviews der Nationalphonothek die Diskussion über die Verbindung zwischen seiner Lyrik und der Musik ein. Die Beziehung zwischen Signifikat und Signifikant in der Lyrik ist auch das Thema einer Konferenz, die 2008 im Rahmen der Reihe "Racconti e ascolti in Fonoteca" stattfand. Gerade weil Lyrik so eng mit Klang verbunden ist, sind Aufnahmen, in denen der Autor selbst sein Werk liest, wertvolle Dokumente. Aufnahmen von Veranstaltungen wie die eben erwähnten geben der Figur von Giorgio Orelli eine Stimme – im wahrsten Sinne des Wortes. Somit erfährt man viel mehr, als wenn man sich auf das Lesen seiner Werke beschränkt.
"Orellis Phonographie" beinhaltet Gedichte, Erzählungen, Vorträge, Radiosendungen, Interviews und Gespräche. Orelli ist ein lebendiger und scharfsinniger Redner. Er ist fähig, frei aber präzise zu reden, zwischen Gedichtanalysen und autobiographischen Anekdoten abzuwechseln, ohne jemals den Faden zu verlieren. Dank seiner unbestrittenen didaktischen Fähigkeiten ist er in der Lage, die Zuhörer zu fesseln, auch wenn er über komplexe Themen spricht, wie zum Beispiel den Gebrauch des Tessiner Dialekts oder die literarische Übersetzung (empfehlenswert ist sein Vortrag in Zürich 1998 anlässlich der Veröffentlichung der deutschen Übersetzungen seiner Gedichte beim Limmat Verlag).
Orelli war nicht nur Dichter, sondern auch Lehrer und als solcher eine aktive Figur im kulturellen Leben des Tessins. Davon zeugt auch der öffentliche Rundfunk: Zum Beispiel kann man seine kritischen Analysen im Rahmen der Rete Due-Sendung "Letture al caminetto" hören. Es handelt sich um regelrechte Lektionen über Autoren wie Umberto Saba oder Sergio Solmi. Interessant ist auch eine Episode von "Orizzonti ticinesi" aus dem Jahr 1973 über die Diskussion um ein Gesetz, das im Tessin Schilder auf Deutsch oder in anderen Fremdsprachen verbieten sollte: Orelli wird nach seiner Meinung als "Mann der Schule" gefragt und zeigt sein Gespür für das Thema der sprachlichen Vielfalt in der Schweiz.
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