Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03400.jsonl.gz/4

«Sellout!» muckten verschiedene B-Boys und B-Girls auf, als bekannt wurde, dass der Tanzstil Breakdance 2024 zur olympischen Disziplin werden soll. Dabei hat sich Breakdance seit seinen Ursprüngen im New York der 1970er-Jahre inzwischen weit von seinen Wurzeln im klassischen Hip-Hop entfernt.
In der Popkultur ist Breakdance schon lange ein fester Bestandteil und findet in Tanzkursen, Fernsehshows und Musikvideos statt. Schon länger richten auch prominente Sponsoren – unter anderem etwa ein nicht unumstrittener Getränkehersteller – sogenannte Battles aus. Der Ausverkauf also, sollte es denn einen solchen geben, läuft schon längers.
Aussergewöhnlich ist, dass Breakdance in einem olympischen Jahr zur Disziplin wird, wo die Anzahl der Wettkämpfe ansonsten reduziert wird. Dies ist nur möglich, weil es sich um ein Wunschkind der Organisation handelt – denn sämtliche Eingaben für neue Disziplinen seitens der internationalen Sportverbände werden für 2024 nicht berücksichtigt.
In Paris werden 2024 zehn Wettkämpfe weniger ausgetragen, als an den für nächstes Jahr geplanten Spielen in Tokyo. Die Aufnahme von Breakdance in die Spiele ist vor allem als Reaktion auf abnehmende Zuschauer*innenzahlen zu deuten: Wie schon mit dem für Tokyo geplanten Wettkampf im Skateboarding sollen diese Disziplinen vor allem junge Menschen wieder für Olympia begeistern.
Doch könnte Breakdance von der Aufnahme an Olympia auch profitieren und zum Beispiel zusätzliche Fördergelder bekommen? In der Schweiz wird der olympische Spitzensport etwa mit Geldern aus dem Lotteriefonds finanziert und auch der Bund schiesst jährlich mehrere Millionen ein. Die Gelder werden dann von Swiss Olympic verwaltet und teilweise – aber nicht ausschliesslich – nach Aussichten auf Spitzenränge unter den verschiedenen Sportarten verteilt. Je etwa zehn Prozent des Gesamtbetrags gingen von 2014 bis 2016 an den Turnverband, Swiss Cycling sowie Swiss Athletics, wie Zahlen von SRF Data zeigen.
Ob nun auch Breakdance von dieser Förderung profitieren kann, ist derzeit noch nicht bekannt. In unserem Nachbarland Deutschland aber treibt auf jeden Fall der Tanzsportverband den Aufbau von Strukturen voran – vor kurzem wurde mit Marco Baaden alias «Mallekid» ein Bundestrainer verpflichtet, der als ausgewiesener B-Boy das neu zu gründende Team zu Erfolgen führen soll.
In Frankreich ist Breakdance ebenfalls sehr beliebt: Neben 560 nationalen und elf internationalen Events verfügt die Nation auch über ein entsprechendes Entwicklungsprogramm, das Athlet*innen gezielt fördert. Vielleicht ist das ein Modell, das nun mit dem Olympia-Einzug des urbanen Tanzstils auch in der Schweiz Schule macht.