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Wissen Sie, was unsere Vorfahren mit dem Aufstellen von riesigen Gesteinsbrocken auf einer Wiese bezweckten? Stonehenge wurde vor über 4000 Jahren errichtet. Über die Bedeutung des Bauwerks, das sich in der Nähe von Amesbury in Grossbritannien befindet, können wir nur spekulieren.
Konkrete Informationen sind nicht überliefert. Die Frage ist aber auch, wie die damalige Bevölkerung etwas hätte mitteilen sollen.
Hochaktuell ist diese Frage in Bezug auf das geplante Atomendlager. Wie können Informationen über hochgiftige Stoffe, die unter der Erde lagern, überliefert werden? Oder sollten wir besser schweigen, um niemanden erst auf die Idee zu bringen, ein tiefes Loch zu buddeln?
Der Mensch bleibt das grösste Risiko
Für die Auswahl des richtigen Standortes des Endlagers war in erster Linie die Beschaffenheit des Bodens ausschlaggebend. Der Geologe und Sozialwissenschaftler Marcos Buser räumt aber ein: Die grösste Gefahr, dass der Atommüll entweicht, ist der Mensch.
Aus dem Restbestand des Plutoniums 239 werde es auch in 25'000 Jahren noch möglich sein, so Buser, eine Atombombe zu bauen. Prognosen seien schwierig. Wer weiss schon, ob unsere Nachfahren eher tyrannische Bombenbastler oder friedliche Naturliebhaber sein werden. So oder so könnten sie auf die Idee kommen zu graben, wenn man sie nicht warnt.
Warnen – aber wie?
Unter dem Schlagwort «Atomsemiotik» macht sich die Forschung bereits seit den 1980er-Jahren Gedanken zur Übermittelung. Buser sagt: «In 27'000 Jahren sprechen die Menschen andere Sprachen. Es ist nicht sicher, ob sie noch verstehen, was wir an Informationen hinterlassen.»
Der Frage danach, wie die Gefahr in die Zukunft vermittelt werden könnte, nahmen sich Science-Fiction-Autoren ebenso an wie Sprachwissenschaftlerinnen. Buser favorisiert das Symbol des Totenkopfes, sichtbar und dauerhaft installiert. «Der Totenkopf heisst: Achtung Gefahr!»
Nur – verändert sich diese Bedeutung nicht auch ständig? Schliesslich gibt es inzwischen humorvolle Totenkopf-Emojis oder den Schädelknochen als Erkennungssymbol für Fussballclubs.
Ein Problem für später
Vorschläge wie die genetisch veränderte Katze, deren Fell leuchtet oder gar ausfällt, wenn sie mit Radioaktivität in Verbindung kommt, klingen ebenso wenig praktikabel, wie das Installieren einer Priesterschaft, die über die Jahrhunderte ihr Wissen überliefert.
«Entscheidungen so spät wie möglich und so früh wie nötig treffen», lautet hingegen das Motto der nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra). Laut Mediensprecher Peter Studer habe das den Vorteil, dass man sich stets die neusten technischen Errungenschaften zunutze machen könne.
Mit der kurz- und mittelfristigen Überlieferung, so Studer, sei die Nagra ohnehin vollauf beschäftigt. Das Informations- und Datenmanagement sammelt und speichert wichtige Informationen auf unterschiedlichsten Datenträgern: von der Zeitkapsel bis hin zur Blockchain.
Eine Überlieferung für die nächsten Jahrhunderte, vielleicht für das nächste Jahrtausend, wäre so denkbar. Eine langfristig verständliche Atomsemiotik, die für eine Million Jahre halten müsse, sei hingegen bisher nicht möglich.
Das Jahrhundertmagazin der Nagra
Mit der Thematik beschäftigt auch das jüngst von der Nagra ins Leben gerufene «Jahrhundertmagazin». Hier sind durchaus auch kritische Ein- und Ansichten erwünscht.