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Zu viel Phosphor im Hallwilersee – doch Aargauer Bauernbetriebe sind nicht schuld
Die Kurve zeigt steil nach unten: Der Phosphorgehalt im Hallwilersee hat über die Jahrzehnte deutlich abgenommen. Lag dieser in den 1980ern noch bei über 200 Milligramm pro Kubikmeter, so sind es heute unter 20 Milligramm. Neuste Erkenntnisse aus der Wissenschaft und der langjährigen Seeüberwachung führten aber zur Einsicht, dass eine weitere Senkung auf unter 10 Milligramm pro Kubikmeter notwendig ist, damit der See ganz gesunden kann. Mit anderen Worten: Pro Jahr dürfen keinesfalls mehr als zwei Tonnen Phosphor im See landen. Zurzeit sind es noch mehr.
Bei erhöhter Phosphorverfügbarkeit produzieren die Algen im See mehr Biomasse. Der Abbau der dadurch grösseren Algenbiomasse führt in den tieferen Lagen zu einem Mangel an Sauerstoff. Das hatte beispielsweise zur Folge, dass vor rund 30 Jahren in einer Tiefe von mehr als 25 Metern im Sediment keine Kleinlebewesen mehr existierten. Diverse Sanierungsmassnahmen wirkten dem entgegen.
Mit Verbesserungen bei der Siedlungsentwässerung, wie dem Bau einer Abwassersammelleitung, dem Bau von Kläranlagen und von Regenbecken, wurden bereits vor den 1980er-Jahren erfolgreich Anstrengungen unternommen, um den Phosphoreintrag in den See zu reduzieren. Mitte der 1980er-Jahre wurde eine Seebelüftungsanlage mit sechs Leitungen gebaut, die dem See in 45 Metern Tiefe im Sommer Sauerstoff zuführt und im Winter die Mischung des Sees unterstützt. Zahlreiche Massnahmen in der Landwirtschaft halfen, den Phosphoreintrag zu reduzieren, und verbesserten dadurch den Zustand des Sees.
Ein Drittel der Phosphorbelastung des Hallwilersees ist auf den Zufluss aus dem Baldeggersee zurückzuführen. Die Intensivierung der Tierhaltung auf den Luzerner Landwirtschaftsbetrieben hatte zur Folge, dass sich die Böden wegen des Hofdüngereinsatzes über die Jahre mit Phosphor anreicherten. Heute gelangt hauptsächlich noch Phosphor aus diesen alten Vorräten in den Baldeggersee. Im Rahmen eines weiterführenden, kantonalen Sanierungsprojekts sollen die Luzerner Landwirte daher nochmals weniger Hofdünger ausbringen, was ihre Gemüter erhitzt.
Fünfzehn Prozent sind im Aargau Biodiversitätsförderflächen
Anders sieht es auf der Aargauer Seite aus: Die Einzugsgebiete der beiden Kantone seien nicht vergleichbar, sagt Christoph Ziltener, Fachspezialist Ressourcenschutz beim Kanton. Die Betriebe im Aargau wiesen traditionell geringere Tierbestände auf und trügen dadurch in kleinerem Ausmass zur Phosphorbelastung im Hallwilersee bei.
Das Aargauer Einzugsgebiet des Hallwilersees hat eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 1150 Hektaren. Diese Fläche teilen sich 128 Betriebe. 15 davon sind Luzerner Betriebe, die Aargauer Parzellen bewirtschaften. 975 der 1150 Aargauer Hektaren sind düngbar. 175 Hektaren sind Biodiversitätsförderflächen, die nicht gedüngt werden. Das entspricht 15 Prozent und ist damit etwas mehr als doppelt so hoch wie der Anteil, der gemäss Direktzahlungsverordnung erforderlich ist, wie Ziltener sagt.
Lukas de Ventura ist Fachspezialist Oberflächengewässer beim Kanton. Auch er betont, dass die Landwirte auf der Aargauer Seite weniger Tiere halten und darum in geringerem Ausmass zur Phosphorproblematik im Hallwilersee beitragen. Er sagt:
«In den Aargauer Zuflüssen des Hallwilersees wird in den Schwebstoffen des Bachwassers der Phosphorgehalt als Indikator für den Phosphoreintrag aus dem Einzugsgebiet überwacht.»
Der Hallwilersee soll ein nachhaltig gesundes Ökosystem werden
Über den Zustand des Hallwilersees äusserte sich im vergangenen November die kantonsübergreifende Begleitgruppe KEK (Idee Seetal und Lebensraum Lenzburg Seetal) kritisch. Den Fischen stehe das Wasser buchstäblich bis zum Hals, fassten sie alarmierend zusammen. Sie richteten sich mit einem «Commitment zum Hallwilersee», das von neun Anrainergemeinden, weiteren regionalen Organisationen und den Eigentümern der privaten Fischereireviere mitunterzeichnet wurde, an die Regierungsräte von Luzern und dem Aargau. Trotz der Bemühungen in den letzten Jahrzehnten sei die ökologische Qualität des Sees unzureichend. Sie führten aus:
«Der Hallwiler- und der Baldeggersee brauchen nach wie vor Unterstützung, um die Nachwirkungen der Überdüngung zu überstehen.»
Dabei ging es ihnen vor allem um die Anliegen der Fischerei. Sie richteten in ihren Forderungen das Augenmerk unter anderem auf ungeklärte Wachstumsveränderungen der Felchen und die Verhinderung der Einschleppung invasiver Arten wie der Quaggamuschel. Auf die Anliegen, die im Commitment festgehalten sind, soll bald bilateral eingegangen werden. «Von beiden Kantonen erhielten wir schriftlich eine Antwort», sagt die SP-Grossrätin Gabi Lauper Richner, Vorsitzende der Begleitgruppe KEK und im Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal. Im Mai werde man sich an einem runden Tisch treffen, um über Massnahmen für den Hallwilersee zu sprechen.