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Typen schweizerischer Bauart.
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Sgraffitomalereien an den Mauern und schöngeschmiedete Gitter an Treppenaufgängen und Fenstern. Die letzteren sind auffallend klein und schiessschartenförmig nach aussen erweitert. Im Innern betreten wir zuerst einen mächtigen Hausgang (sulêr), der nicht selten den halben Raum des Stockwerkes einnimmt und zu dessen Seite die Stube, die Küche und die Vorratskammer angeordnet sind; darüber liegen Schlafzimmer usw. Vom Sulêr führt ein Zugang direkt zur Scheune und zur Stallung, die mit der Wohnung unter einem Dache vereinigt sind. Das Engadinerhaus, peinlich sauber gehalten, macht einen sehr behaglichen und zugleich stattlichen Eindruck und verbürgt auf den langen strengen Winter einen gemütlichen Aufenthalt. Man vergleiche die Ansicht und den Grundriss eines Hauses aus dem Engadin.
5. Das Tessin zeigt im Hausbau keinen einheitlichen Charakter; einzelne Thalschaften, wie z. B. das Verzascathal, haben z. T. höchst primitive Wohnhäuser: der gleiche Baum dient mancher Familie als Küche, Stube und Schlafzimmer, die Fenster sind ohne Glas, im Winter mit Papier oder leinenen Lappen gegen den Wind geschützt;
die Häuser sind ganz gemauert, die Dächer mit Steinplatten gedeckt.
Die Gebirgsdörfer der obern Thalschaften haben vieles mit dem deutsch-schweizerischen Alpenhaus gemein, während das Sotto Cenere einen dem Engadinerhaus ähnlichen Typus aufweist und andere südliche Teile des Kantons schon ausgesprochen italienischen Charakter zeigen. Man vergleiche die Abbildung des Hauses aus Arbedo.
6. Das Wallis bietet im französischen und im deutschen Teil keine wesentlichen Verschiedenheiten; nur tritt, je höher die Lage, der Holzbau gegenüber dem Steinbau mehr in den Vordergrund; doch sind Keller und Saalstock regelmässig gemauert, ebenso die Küche im Wohnstock und Oberstock. Die Anlage stellt sich im allgemeinen zum Länderhaus, doch hat sie ihre Eigentümlichkeiten in der vertikalen Einteilung: Keller, «Saal» (Vorratskammer, auch wohl Schlafzimmer), Wohnstock, Oberstock und Estrich. Der Wohnstock ragt gewöhnlich über das Erdgeschoss vor; die Fenster sind in älteren Häusern meist gekoppelt. An hölzernen Häusern finden sich vielfach Verzierungen. Die Scheune ist in der Regel vom Hause getrennt. Vergl. die Abbildung aus Naters.
7. Das schwäbische Haus der Kantone Schaffhausen und Thurgau zeigt zwar manche Aehnlichkeit mit dem dreisässigen Haus, hat aber doch einige unterscheidende Merkmale: es ist vorzugsweise in Riegelwerk aufgeführt, dessen Holzwerk mit Vorliebe rot bemalt wird;
unter dem Wohnstock befindet sich ein Erdgeschoss, das Keller und Stall umfasst.
Die Scheune ist z. T. mit dem Wohnhaus unter gleicher First verbunden, z. T. freistehend davon getrennt. Als Beispiel geben wir die Abbildung eines Hauses aus Rüdlingen.
So verschieden nun diese Bauarten in der Schweiz sind, so sind doch auch mancherlei übereinstimmende Züge zu augenfällig, als dass sie übersehen werden dürften. So hat z. B. das jurassische Haus die Grundlage (Vereinigung von Wohnung und Scheune unter einer First) mit dem dreisässigen gemein; das letztere stellt sich in Konstruktion und Benennungen wieder zum schwäbischen Haus; dem Engadinerhaus ähnlich in der Anlage ist dasjenige des Sotto Cenere u. s. w. ¶
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Typen schweizerischer Bauart.
Es ist nicht zu verkennen, dass ähnliche klimatische und sonst physikalische Ursachen zu Aehnlichkeiten in der Konstruktion führen mussten. Die Gegenden mit ausgedehntem Getreidebau begünstigen das steile Strohdach, solche mit reichen Wäldern das Schindeldach; der Blockbau ist nur in waldreichen Gegenden denkbar, wo hinwieder die Erfordernisse für den Mauerbau vielfach schwierig zu beschaffen sind. Die strengen Winter des Hochgebirgs zwingen zu besonders starker Dachanlage, zur Erstellung tüchtiger Wände und möglichst kleiner Taglichter.
Zieht man das alles in Betracht, übersieht man ferner auch nicht, dass die Grenzen zwischen den Bauarten keineswegs scharf zu ziehen sind, sondern dass vermittelnde Uebergänge dazwischen treten, und lässt man endlich auch der Individualität der Bauherrn und Baumeister ihr Recht wiederfahren, so bleibt doch noch die Frage offen - deren Lösung freilich noch abzuwarten ist - ob nicht in der Verschiedenheit der Hausanlage ein ethnographisches Kriterium zu finden sei. Es ist dabei auch in Betracht zu ziehen, dass die oben angeführten Haustypen nicht etwa auf das Gebiet der Schweiz beschränkt sind, sondern über dasselbe hinausgreifen und mit den Typen der Nachbarländer zusammenhängen. Das jurassische Haus setzt sich jenseits des Doubs in Frankreich fort, das dreisässige Haus in Solothurn geht über in das Bauernhaus des Grossherzogtums Baden, das thurgauische Haus hat seine Fortsetzung jenseits des Bodensees, das Länderhaus der Schweiz und das des Vorarlberg sind Brüder, und das Engadinerhaus wiederholt sich mit Modifikationen im angrenzenden Tirol.
Eigentümlich aber ist der Schweiz das Zusammentreffen so vieler Bauarten auf so kleinem Gebiete.
Bibliographie:
Gladbach, E. G. Der Schweizer Holzstil in seinen kantonalen und konstruktiven Verschiedenheiten. Zürich 1882 ff. -
Gladbach, E. G. Charakteristische Holzbauten der Schweiz vom 16. bis 19. Jahrhundert. Berlin 1893. - Bauwerke der Schweiz; herausgegeben vom Schweizer. Ingenieur- und Architektenverein. Zürich 1896 ff. -
Fatio, G., und G. Luck. Augen auf! Schweizer Bauart alter und neuer Zeit. Genf 1904. - Hunziker, J. Das Schweizerhaus nach seinen landschaftlichen Formen und seiner geschichtlichen Entwicklung. Aarau 1900 ff. (Bisher erschienen: I. Wallis; II. Tessin; III. Graubünden nebst Sargans, Gaster und Glarus; IV. Der Jura).
[Prof. Jecklin.]
III. Volkstrachten.
Ein sehr interessantes Kapitel in der allgemeinen Kostümkunde bilden die Volkstrachten. Es ist zu bedauern, dass denselben bis in jüngste Zeit keine grosse Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Eine Volkstracht ist eine Kleidung, welche ihre speziell typischen Schnitte, Farben und Bestandteile aufweist, nur in gewissen Bezirken oder Landesteilen vorkommt und dadurch die Träger und Trägerinnen kennzeichnet. Die Volkstrachten haben sich aus den Patriziertrachten des 18. Jahrhunderts entwickelt. Als der pracht- und farbenliebende Hof Frankreichs seine Strahlen weit in die andern Länder hinaus sandte, fanden auch in der Schweiz die höhern Stände keinen Gefallen mehr an den nach steifen, strengen Regeln des 17. Jahrhunderts gemachten Kleidern.
Schon lange waren die Kleider-Mandate als eine lästige Institution empfunden worden. Da sie überdies sehr lax und willkürlich gehandhabt und noch weniger befolgt wurden, liess man sie eingehen. Lustig und frei flatterten die buntblumigen Stoffe herbei, und bauschig, leicht gestalteten sich die Kleider. Auch im Bauern regte sich der Nachahmungstrieb, auch er wollte Farben haben. Er behielt die alten Schnitte und die alten Formen der Patrizier bei und machte sie sich zurecht. Liebevoll behielt er auch noch manches Stück seiner frühern Kleidung unverändert bei; so entstanden die lokalen Trachten, die mancherorts wunderliche Blüten trieben.
Das eine hatten alle Trachten gemeinsam: sie waren farbenreich, was besonders bei den damaligen Hochzeits- und Tauffesten zu schönster Geltung kam.
Leider besitzen wir aus dem Ende des 18. und dem Anfang des 19. Jahrhunderts nur ganz wenige und unvollständige Aufzeichnungen über die Trachten. Am lehrreichsten und besten sind die Bilder des Malers Freudenberger, der jedoch nur Bern und seine Trachten berücksichtigte, während sich Reinhardt, König und etwas später Ludwig Vogel mit ihren Bildern grosse Verdienste um die Trachtenkunde des ganzen Schweizerlandes erworben haben.
L. Vogel hat in der Blütezeit der Volkstrachten gelebt, und wir verdanken seinen Detailzeichnungen und Skizzen eine Reihe wertvoller Aufschlüsse über Eigentümlichkeiten, die sonst unverständlich wären. Die von ihm mehrmals angebrachte Notiz «Aeltere Tracht» bezeichnet das, was zu seiner Zeit (etwa 1800-1840) schon im Abgang war. Kurz nach ihm beginnt ein Verblassen, Verwelken der Trachten. Die leuchtenden Farben verschwinden, sie machen da und dort dunkeln Platz.
Statt der bunten Bänder werden Silberketten angebracht; der Silberschmuck wird stets reicher, prahlerischer. Aeltere Trachtenstücke werden abgelegt. Modeströmungen lassen sich durch fast alle Trachten hindurch erkennen. Eine ganze Tracht verschwindet: die Guggisberger, die originellste der Schwer. (Das Bild in diesem Lexikon [Band I, S. 212] ist unrichtig, indem der Gürtel zu weit unten sitzt). Andere folgen, z. B. die Hallauer, von der mir im Jahr 1897 ein alter Geistlicher daselbst erzählte, er habe die letzte Trauung im Schappel (Hochzeitskrone) im Jahr 1840 vollzogen.
Wohl erhielt sich im Kanton Schaffhausen eine Tracht, aber eine völlig veränderte, zuerst noch grün in der Farbe, bald aber nur noch schwarz. Als jüngstes Beispiel können wir die Tracht in Appenzell I. R. anführen. Dort, wo das Volk an allem Althergebrachten, so auch an der Tracht, am zähesten festgehalten hat, können wir den Zerfall der Tracht heute verfolgen. Vor nur zwanzig Jahren trug noch jedes weibliche Wesen eine Tracht: die Frauen rote Kappen, die Mädchen sorgfältig gewellte Haare. Jede Frau, auch wenn sie in der armseligsten Hütte wohnte, verwahrte sorgfältig in einer Truhe ihren Sonntagsstaat, bestehend in einem roten Rock, einer farbigen seidenen Schürze und Brüchli. Dabei lagen silberne Ketten, Haften und Anhänger, für die oft der letzte sauer erworbene Rappen ausgegeben worden war. Heute wird der Hochzeitsanzug, den sich die Reichen anschaffen, nur aus schwarzen Stoffen hergestellt. Der kleine weisse ¶