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Paul lernt früh lesen. Seit seinem dritten Geburtstag bringt seine Mama ihm alle paar Wochen einen neuen Buchstaben bei. Im ersten Kindergartenjahr schafft Paul es, phonetische Einkaufslisten mit umwerfendem Jö-Faktor zu erstellen. Als Paul in die erste Klasse kommt, kann er schon ganze Sätze lesen. Sein Wissensstand entspricht dem, den er eigentlich erst am Ende des ersten Schuljahres haben muss.
Gleiches Resultat, andere Ausgangslage
Auch Lea lernt früh lesen. Sie fragt immer wieder, wie heisst der Buchstabe da, und was ist das dort für eine Zahl. Im Kindergarten fragt sie ihre Lehrerin, ob sie Schreibübungen machen darf. Sie will arbeiten, will begreifen, was hinter der lustigen Welt der schwarzen Buchstaben steht. Als Lea in die erste Klasse kommt, kann sie schon ganze Sätze lesen. Ihr Wissensstand entspricht dem, den sie eigentlich am Ende des ersten Schuljahres haben muss.
Ihr Wissensstand entspricht exakt dem von Paul. Von aussen gesehen, haben es beide Kinder im ersten Schuljahr leichter als andere. Statistisch gesehen wird jedoch nur Lea am Ende der Schulzeit immer noch zu den besseren Schülern gehören. Dies zeigen Erkenntnisse von Margrit Stamm, Professorin für Pädagogische Psychologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Fribourg.
Stamm beschreibt, dass eine überdurchschnittliche Rechen- und Lesekompetenz im Vorschulalter nicht zwangsläufig auf Hochbegabung hindeutet. Jedoch lasse sich aus der Motivation der Kinder, diese Kompetenzen zu erwerben, etwas über deren schulischen Langzeiterfolg vorhersagen.
«Unsere Studie hat deutlich gemacht, dass vorschulisches Lesen- und Rechnenlernen keine überdurchschnittlichen Fähigkeiten erfordert», so Stamm im Schweizer Elternmagazin Fritz + Fränzi. «Nachhaltigen schulischen Erfolg garantiert der frühe Kompetenzerwerb nur, wenn bei gegebener Intelligenz auch die entsprechende Leistungsmotivation vorhanden ist.»