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Die Naturkräfte haben die Landschaft an der Mündung des Alpenrheinsim Verlauf der Jahrhunderte immer wieder umgestaltet. Der Rhein suchte sich immer wieder neue Wege in den Bodensee. Nach Hochwasserereignissen wie u.a. dem Jahrhunderthochwasser von 1343 hat der Rhein seinen Lauf immer wieder verändert.
Die Flussschleife, welche heute Eselschwanz genannt wird, wurde bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Schriftstücken erwähnt. Forscher gehen davon aus , dass der Rohrspitz (die Landzunge nordnordwestlich von Fussach) aus den Überresten einer ehemaligen Deltalandschaft besteht.
Der Rhein hat den Menschen, welche in seinem Delta oder entlang seiner Uferlinien siedelten, neben Nahrung, Baumaterial, Futter und Beschäftigung auch immer wieder Unglück und Verderben gebracht. Der Mensch hat daher fortlaufend nach Wegen und Möglichkeiten gesucht, die Gestaltungskraft des Alpenrheins einzudämmen und die von ihm ausgehende Hochwassergefahr zu vermindern. Aus dem 15. Jahrhundert sind Ideen bekannt, in welchen die Rheinbegradigung angedacht wurden. Die von der Bevölkerung gewünschten Schutzmassnahmen wurde allerdings immer wieder durch Ereignisse wie Kriege, politische Veränderungen oder Uneinigkeit bei den Umsetzungsplänen verzögert oder ganz vehindert.
In der ersten Hälfte war Europa vor allem damit beschäftigt, die Folgen der Französischen Revolution von 1789 und der beim Wiener Kongress von 1814/15 beschlossenen Neuordnung von Europa zu verarbeiten. Unmittelbar nach dem Wiener Kongress, welcher die Grenzen der heutigen Schweiz festgelegt hat, war die schweizerische Eidgenossenschaft von zahlreichen Königreichen, einem Grossherzogtum und einem Kaisertum umgeben.
Unberirrt durch die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen an seinen Ufern floss der Rhein weiterhin als Grenzfluss zwischen dem Kaisertum Österreich und der schweizerischen Eidgenossenschaft nach Norden in den Bodensee. Bis 1918 blieb das Kaisertum Österreich bzw. die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn der Ansprechparter der Neuen Eidgenossenschaft. Nach 1918 wurden die bilateralen Verträge mit der Republik Österreich abgeschlossen.
Die zwei Hochwasser von 1817 und 1821 veranlassten die österreichische Seite, trotz Missfallensbekundungen der Eidgenossen in den Lauf des Alpenrheins einzugreifen. Die Vorschläge aus dem Kaisertum Österreich hatten zu dieser Zeit wegen dessen Vormachtstellung in Europa mehr Gewicht.
Weitere Hochwasser in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts führten 1871 zu einem Vorabkommen zwischen der Schweiz und Österreich. 1892 unterzeichneten je ein Verteter des Kaisers Franz Joseph I und des schweizerischen Bundesrats den 1. Staatsvertrag zur Regulierung des Alpenrheins zwischen seiner Bodensee- und der Ill-Mündung (künftig Internationale Strecke genannt).
Trotz latenter Kriegsgefahr strebte Europa im der zweiten Hälfte zielstrebig nach Fortschritt und Wohlstand. Nach 1840 wurden in der Schweiz zahlreiche Hochwasserschutzprojekte (1. Juragewässerkorrektion, Linthkorrektion, Reusskorrektion im Aargauer Reusstal usw.) vorangetrieben. Gleichzeitig erlebte nicht nur die Schweiz einen Aufbruch ins Eisenbahnzeitalter. Auf dem Atlantik trieb die Passagier- und Handelsschifffahrt in eine Hochblüte. In der Alpenregion wurden abenteuerliche Trassen (zum Beispiel die Rigibahn oder die Jungfraubahn) für zahlreiche Bergbahnen in den Fels gehauen, auf welchen sich der Bergtourismus für eine wohlbetuchte Kundschaft zu entwickeln begann. Kurort mit feudalen Hotelanlagen entstanden im ganzen Alpenkranz. Gleichzeitig mit der positiven wirtschaftlichen Entwicklung bewegte sich die politische Lage in Europa gegen Ende des 19. Jahrhunderts in eine Richtung, welche zunehmend mit Unsicherheiten verbunden war. Der erste Tiefpunkt im 20. Jahrhundert war der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 , welche das staatliche Gefüge in Europa ins Wanken brachte und sowohl das Kaiser- wie auch das Zarentum hinwegfegte.
Siehe "Rückblick in die europäische Geschichte": Ausgewählte Ereignisse im 18. , 19. und 20. Jahrhundert
19. und 20. Jahrhundert: Regulierung des Alpenrheins trotz politischer Wirren in Europa
Vor Baubeginn der im 1. Staatsvertrag zwischen österreichischen Kaiser und schweizerischen Eidgenossenschaft festgelegten Bauvorhaben am Unterlauf des Alpenrheins liegenden Gemeinden auf beiden Rheinufern heftige Diskussion über Sinn und Zweck, Nutzen und Realisierbarkeit, Vorteile und Nachteile der von den Behörden bzw. den Bauingenieuren vorgeschlagenen Massnahmen (u.a. Durchstiche bei Geissach, Fussach und Diepoldsau) geführt.
Es gab verschiedene Projektideen für Durchstiche im Unterlauf und Mündungsbereich des Alpenrheins. Vor allem die österreichischen Gemeinden in der Region Bregenz wehrten sich gegen den Fussacher Durchstich, der ihre Gemeindegebiete näher an den Flusslauf (Hochwassergefahr!) gerückt hätte. Die Schweizer Gemeinde Reineck fürchtete sich vor dem Verlust der einträglichen Geschäfte in ihrem Umladehafen. Die übrigen Rheinaliegergemeinden befürworteten die vorgeschlagenen Durchstiche, welche die Überschwemmungsgefahr auf ihren Gemeindegebieten auf ein Minimum reduziert hätte.
Pro 1. Staatsvertrag: Gemeinden Geissach, Höchst, Lustenau, St. Margrethen und weitere Schweizer und Österreicher Rheinanliegergemeinden
Contra 1. Staatsvertrag: Gemeinden Fussach, Hard, Bregenz, Dornbirn, Wolfurt, Rieden, Schwarzbach, Lauterach, Rheineck
Während Jahrzehnten konnte man sich nicht auf eine einvernehmliche Lösung zur Regulierung des Alpenrheins im Mündungsgebiet einigen.
Die Internationale Rheinregulierung IRR
Die Internationale Rheinregulierung IRR ist für die Hochwassersicherheit im Abschnitt von der Ill-Mündung bei Feldkirch bzw. Oberriet bis zur Einmündung in den Bodensee zuständig.
Der Rhein hat in diesem Bereich ein Schadenspotenzial von mehreren Milliarden Franken bzw. Euro. Im Vergleich zur oberen Strecke ist er hier jedoch am schlechtesten ausgebaut.
Die enormen Schadenspotenziale auf beiden Seiten des Rheins und auch die Unsicherheiten des Klimawandels rechtfertigen den Ausbau auf eine höhere Abflusskapazität. Derzeit ist der Alpenrhein für einen Abfluss von 3'100 m3/s ausgebaut, das entspricht ungefähr einem 100-jährlichen Hochwasser. Ein Hochwasserereignis mit einem Abfluss von 4'300 m3/s findet rein statistisch alle 300 Jahre statt, aber das kann schon nächstes Jahr sein. Im Projekt Rhesi ("Rhein- Erholung und Sicherheit") soll bis 2040 der Rhein bis zur Ill-Mündung renaturiertund dabei seine maximale Abflussmenge durch bauliche Massnahmen neu auf 4'300 m3/s ausgelegt werden. Die Zielvorgaben für diese Bauvorhaben müssen zwischen der Republik Österreich und der schweizerischen Eidgenossenschaft in einem vierten Staatsvertrag geregelt werden. Das Projekt Rhesi ist nach Abschluss der Linth-Korrektion das grösste Hochwasserschutzprojekt im Kanton St. Gallen.
Ausgewählte Ereignisse im 18. , 19. und 20. Jahrhundert
19. Jahrhundert: Mit Gewässerkorrektionen gegen Hunger und Krankheiten
Vor allen im 18. und 19. Jahrhundert reiften die Ideen zum Schutz vor den Rhein-Hochwassern allmählich zu baureifen Projekten heran. Als treibende Kräfte für die Projektentwicklung erwiesen sich vor allem die Folgen der Naturkatastrophen. Die 1760-Jahre brachten der Ostschweiz mehrere Jahre mit Hochwasserschäden. Gegen Ende des Jahrzehnts litt die Region unter einer katastrophalen Hungersnot. Unter der Vermittlung des in Zürich residierenden Landvogts ergriffen die Gemeinden im Bereich der Mündung des damaligen Alpenrheins Massnahmen gegen die Überschwemmungen.
Vor rund 200 Jahren kam es in der Schweiz und weiten Teilen Europas zur bisher letzten grossen Hungerkrise. Hauptursache war der Ausbruch des Vulkans Tambora am 10. April 1815, der in verschiedenen Regionen der Erde eine vorübergehende Abkühlung des Klimas bewirkte. 1816 ging in West- und Mitteleuropa sowie im Nordosten der USA als «Jahr ohne Sommer» in die Geschichte ein. Die monatlichen Temperaturen lagen im Sommer zwischen 2,3 und 4,6 Grad unter dem langjährigen Mittel. In der Ostschweiz kam es als Folge der nasskalten Witterung zu einer Hungersnot, viele Menschen assen aus Verzweiflung Gras.
Eine ähnliche Entwicklung wie in der Ostschweiz erlebten damals auch die Menschen im noch jungen Kanton Aargau. Der Kanton Aargau war 1803 zusammen mit den Kantonen Thurgau, St. Gallen, Tessin, Waadt und Graubünden der schweizerischen Eidgenossenschaft beigetreten.
In den Jahren 1816 und 1817 wurde der Kanton Aargau von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Die Bevölkerung litt auch als Folge der Überschwemmungsschäden an Hunger.
1821 und in den Dreissigerjahren des 19. Jahrhunderts ereigneten sich im Kanton Aargau weitere grosse Überflutungen der Tahlsohlen von Aare und Reuss. Ab 1840 wurden in der Aargauer Reussebene nördlich von Bremgarten endlich mit den dringend notwendigen Gewässerkorrekturarbeiten begonnen.
18., 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert: Politische Umwälzungen in Europa
Im 18., 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert erlebten die Menschen in Mitteleuropa neben Klima- und Hungerkatastrophen auch tiefgreifende politische Umwälzungen.
Die Französische Revolution von 1789 bis 1799 führte in Europa zu tiefgreifenden macht- und gesellschaftspolitischen Veränderungen. Die Französische Revolutionäre bekannten sich zu den Menschenrechten und strebten gerechtere Gesellschaftsverhältnisse (égalité, fraternité - Gleichheit und Brüderlichkeit) an.
Ein französisches Heer erobert 1798 das Gebiet der heutigen Schweiz. Die alte Eidgenossenschaft geht unter und macht der Helvetischen Republik mit einer von Frankreich aufgezwungenen zentralistischen Einheitsverfassung Platz.
1798 erreichten französische Truppen auch den Bodenseeraum und somit die westliche Grenze des Einflussbereichs der österreichischen Erbmonarchie. 1799 fand auf dem Bodensee eine Seeschlacht zwischen französischen und österreichischen Flottenverbänden statt.
Im Jahr 1799 wurde die Schweizerische Eigenossenschaft in die militärischen Machtkämpfe zwischen den europäischen Grossmächten hineingezogen. In den Wirren um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts zogen grosse französische und russische Heere (wie jenes 1799 unter der Führung des Generals Suworow) durch die Schweiz.
In der Folge erhielt die Eidgenossenschaft 1803 unter dem Diktat von Napoleon eine föderalistische Verfassung, in welcher die Kantone Aargau, Thurgau, St. Gallen, Tessin, Waadt und Graubünden endlich als gleichberechtigte Mitglieder verankert wurden. Die von Frankreich zuvor annektierten Kantone Genf und Wallis sowie Gebiete im Jura wurden in die Eidgenossenschaft eingegliedert.
Nach dem Sturz von Napoleon setzten ab 1815 die restaurativen Kräfte zunächst wieder auf die alte Ordnung. Der Wiener Kongress von 1815 setze vor allem für die Eidgenossenschaft wichtige Zeichen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte in der Schweiz und auch im übrigen Europa eine Übersee-Auswanderungswelle ein. Hoffnungslosigkeit und wirtschaftliche Not vertrieben viele Menschen aus ihrer Heimat. Sie machten sich auf den Weg nach Nord- und Südamerika.
1847 beendeten eidgenössische Truppen im kurzen Sonderbundskrieg den Aufstand von 7 katholisch-konservativen Kantonen.
Mit der Bundesverfassung von 1848 begann die Epoche der modernen Schweiz. In die Verfassung wurden Elemente der direkten Demokratie sowie viel liberales Gedankengut eingebaut.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten die Eisenbahn und der Bergtourismus sowohl in der Schweiz und wie auch in weiten Teilen von Europa eine erste Hochblüte.
Ab dem 21. Mai 1871 fuhr die Vitznau-Rigi-Bahn als erste Bergbahn Europas auf die Rigi am Rande des Viwerwaldstätterse..
1886 erfolgte der Spatenstich für den Bau der Jungfraubahn. 1905 wurde die Station Eismeer der Jungfraubahn dem Betrieb übergeben.
Von 1914 bis 1918 fand der Ersten Weltkrieg statt, von dessen direkten Folgen die Schweiz verschont blieb. Spannungen nagten jedoch in Kriegszeiten am inneren Zusammenhalt der Schweiz. Die Deutschschweiz sympathisierte mehrheitlich mit den Mittelmächten Deutschland und Österreich-Ungarn, die lateinische Schweiz mit Frankreich, Grossbritannien und Russland.
Die kriegsbedingte schlechte soziale Lage breiter Bevölkerungsschichten führte 1918 zum Landesstreik, bei welchem die schweizerische Armee als Ordnungsmacht auftrat.
Österreich war bis 1918 eine europäische Grossmacht
Österreich war einer der Hauptakteure im Machtgerangel in Europa im 19. Jahrhundert. Die Folgen der Französische Revolution erreichten auch Österreich. 1848 breiteten sich in Österreich mehrere Revolutionen aus. Arbeiter, Bauern, Frauen usw. nutzten das Gedankengut der französischen Revolutionäre für ihre Bewegungen. Die Aufstände, welche verschiedene Ziele verfolgten, wurden durch die Monarchie unter der Führung des blutjungen Kaisers Franz Joseph I und seiner Generäle wie Radetzky blutig niedergeschlagen.
1871 wurde der Deutsch-Französische Krieg (1870-1871) beendet und das einige Deutsche Reich proklamiert. Der König von Preussen wurde zum deutschen Kaiser gekrönt. Die Reichsgründung weckte Hoffnungen auf wirtschaftlichen Aufschwung. Die Auswanderung nach Amerika liess vorübergehend nach. Die Zuwanderung aus Osteuropa ins neue Deutsche Reich stieg allerdings an.
Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn unter der Führung des Kaiser Franz Joseph I. war von 1867 bis 1918 eine europäische Grossmacht. 1867 erfolgte die Krönung von Franz Joseph I. und seiner Gemahlin Elisabeth (Sisi bzw. Sissi) zum Königspaar von Ungarn.
Während der Regentschaft von Kaiser Franz Joseph I. baute Österreich-Ungarn in seinem Herrschaftsgebiet auch aus militärischen Gründen eine moderne Bahninfrastruktur.
Wilhelm II., der neue deutsche Kaiser, erwies sich 1888 auch als einflussreicher Trendsetter: Die Seefahrt wurde in Deutschland zur grossen Modeströmung. Immer neue Schifffahrtslinien verkehrten auf der Nordatlantikstrecke zwischen Europa und Nordamerika. Reedereien wie Hapag ("Hamburg-Amerika Linie") und Lloyd wuchsen zu mächtigen Transportunternehmen heran.
1893 erfasste eine verheerenden Cholera-Epidemie die Stadt Hamburg und seine Umgebung. Die Zuwanderung aus Osteuropa wurde eingeschränkt.
Die Kaiserin Elisabeth von Österreich wurde 1898 in Genf ermordet.
Kaiser Franz Joseph I. herrschte bis 1916.
Von 1916 bis zur bitteren Niederlage am Ende des 1. Weltkriegs 1918 herrschte sein Grossneffe Karl I./IV im Reich.
Von 1915-1917 tobte unweit der Schweizer Grenze zwischen Österreich und Italien ein Gebirgskrieg. Der Stellungskrieg im Hochgebirge forderte Hunterttausende von toten Soldaten.
Der Erste Weltkrieg endete 1918 mit einer verheerenden Niederlage der Donaumonarchie, welche in der Folge zerschlagen wurde.
Am 12. November 1918 wurde die Republik Österreich ausgerufen.
Im Friedensvertrag von Saint-Germainv, der am 10. September 1919 von den Sieger- und Verlierermächten unterzeichnet wurde, erhielt Österreich offiziell den neuen Namen "Republik Österreich".
Vorarlberg wollte sich damals der Schweiz statt der neuen Republik anschliessen. Eine grosse Mehrheit der Bevölkerung sprach sich in einer Abstimmung für den Anschluss an das westliche Nachbarland aus. Der Anschluss wurde aus verschiedenen Gründen (u.a. auch wegen des Friedensvertrags von Saint-Germain) von nie vollzogen.