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Mitlödi
504 m ü. M.
1010 Einwohner
Die Geschichte von Mitlödi war bis zum beginnenden 20. Jahrhundert bestimmt von der Lage des Dorfes her, dem südexponierten sonnigen Hang, mitten in der Öde, mitten zwischen den verheerenden Runsen, auf derselben prähistorischen Bergsturzmasse wie Schwändi und Sool. Die Hanslirunse floss noch 1625 durch die Geissgasse, die Verbauung der Guppenrunse wurde nach schweren, immer wiederkehrenden Verwüstungen 1904 abgeschlossen. Entscheidend für die Siedlung war vor allem auch das Trink- und Tränkwasser, sowie zu einem späteren Zeitpunkt dann die Lage an der Brücke. Zudem wird das Dorf durch die Linth entzweigeschnitten und zerfällt in den Dorfteil Ennetlinth rechts des Flusses und das eigentliche Dorf.
Auf einer Anhöhe nördlich von Sool liegt die Ruine der Burg Sola. Sie wurde im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert bewohnt und war um 1250 wohl schon verlassen. Nach Ägidius Tschudis Schrift “Chronicon Helveticum“ dagegen fiel sie, als Besitz des Freiherren Burkhard von Schwanden, mit der Burg zu Benzingen im Jahre 1298 durch Österreich.
Gemäss dem Habsburger Urbar (um 1300 geschrieben) gab es an der Stelle des heutigen Dorfes drei kleine Weiler: Obermitlödi (vielleicht Schwändi), Niedermitlödi und Horgenberg. Die Klostertreppe erinnert noch an Zeiten vor 1395, da dem Kloster Säckingen und der Herrschaft Habsburg Abgaben zu leisten waren (vier Malter Hafer und ein Malter Gerste, ein rint, so es gat, wenigstens sieben Schafe und Geld).
Mitte des 15. Jahrhunderts stellte die Gemeinde den einzigen Landammann ihrer Geschichte, Konrad Rietler. Und 1527 war Mitlödi einmal Landsgemeindeort. Es war nach Glarus kirchgenössig und ab 1528 mehrheitlich reformiert.
Pfeiler der Dorfgemeinschaft waren sicher schon früh die Allmeinden. Bei der ständigen Bedrohung durch die Runsen und durch das Hochwasser der Linth musste der genossenschaftliche (korporative) Aufbau besonders stark sein. Als älteste Allmeindrechte gelten der Tagwentschachen und der Fadenwald. Zwischen 1603 und 1785 wurden sieben weitere Allmeinden angekauft. Bis 1769 besass Mitödi Waldungen, Geissweid- und Wildheurechte mit Sool und Schwändi gemeinsam. Dies drückt sich noch heute im Wahltagwen aus, der alle drei Gemeinden umfasst, während Mitlödi selbst einen Verwaltungstagwen darstellt.
Wichtig für die Gemeinde war der Kirchenbau 1725. Die 230 evangelischen Tagwenbürger haben damals den 40 minderberechtigten Hintersassen das Recht eingeräumt, im Kirchen-, Schul- und Armenwesen mitzuentscheiden. Die Katholiken blieben bis 1895 bei der Pfarrei Glarus, nachher wurden sie Schwanden zugeschieden. (Seit 1951 haben sie eine Kapelle in Mitlödi.)
Zu wirtschaftlichem Aufschwung führten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Tischexport, Wattemacherei bzw. -handel und das Baumwollverlagswesen.
Hans Ulrich Grubenmann setzte 1752 nach einem Brand der Kirche den schlanken Helm auf, und sieben Jahre später baute einer seiner Meister das mit Reichsadler und Rütlischwur bemalte Haus für Schiffmeister Fridolin Wild. Eine weitere Verschönerung des Dorfes brachte 1773 der Kirchen- oder Schäflibrunnen, der 1939 zum Dorfwappen geworden ist.
1761 kam es zur Stiftung eines Schulguts. Für den evangelischen Teil bestand von 1771 an eine eigene Schule, die 1859 auch katholische Kinder aufnahm. Um 1800 existierte vorübergehend eine katholische Schule.
Ein schlimmes Jahr war 1799, als Franzosen und Kaiserliche sich in und um Mitlödi ein eigentliches Treffen lieferten. Der Durchzug Suworows markierte diese Zeit nochmals. Die schrecklichen Jahre nach dem Krieg, ohne Arbeit und Verdienst und bei schwierigsten klimatischen Bedingungen bis 1816/17 zwangen dazu, die Verarmung mit ganz neuen Mitteln zu bekämpfen. Solche Lernprozesse liefen nicht konfliktfrei ab, wie etwa Streitigkeiten zwischen der Gemeinde und dem evangelischen Pfarrer Andreas Tschudi (im Amt 1801–1808) belegen.
Einige schöne Empirehäuser von Handelsleuten zeigen, dass sich die Verhältnisse schon um 1830 gewandelt hatten. Überhaupt verlor das Dorf in dieser Zeit sein bäuerliches Aussehen. Auch das 1841 grosszügig gebaute und demonstrativ gelegene alte Schulhaus dokumentiert den neuen Wohlstand und den Eifer der Gemeinde, nicht nachstehen zu wollen. Mitte des Jahrhunderts war die Einwohnerzahl auf rund 650 gestiegen.
Doch 1856/57 erst nahm die Yasmasdruckerei Trümpy ihre Arbeit auf und bot schon nach 10 Jahren 390 Arbeiterinnen und Arbeitern Verdienst. Nach 1893 wandelte sich das Unternehmen zur Seidendruckerei, die es – nicht ohne schwere Einbrüche nach 1930 – bis heute geblieben ist. Freilich wurde in jüngster Zeit geschickt diversifiziert. Das eindrückliche Fabrikantenschlösschen Waldegg, am Weg nach Sool, zeugt von der Macht und dem Selbstverständnis der Fabrikherren um 1900. In den letzten Jahrzehnten sind weitere Industriebetriebe nach Mitlödi gekommen, die Protochemie für pharmazeutische und kosmetische Produkte, eine Werkzeug- und Maschinenfabrik, eine Speisefettfabrik, eine Fabrik, die Radios fertigt. Auch führt seit 1999 eine Erdgasleitung bis Mitlödi.
Neue Überbauungen im Hinterdorf werden dafür sorgen, dass die Gemeinde mit ihren etwa 1000 Einwohnern nicht um die Zukunft besorgt sein muss.