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Etruskische
Kunst. (Hierzu die
Tafel:
Etruskische Kunst.) Die
Etruskische Kunst, deren
Blüte
[* 2] von 800 bis 400
v. Chr. reicht, zeigt
bei aller Abhängigkeit von fremder
Kunst doch einen eigenartigen Charakter, der sich teils in einem
stark entwickelten
Sinn für das Praktische, teils in einer gewissen
Schwere und Anmutlosigkeit der Formen ausspricht. In die
Zeit, bevor noch die
Etrusker in dem nach ihnen benannten Gebiet seßhaft wurden, fällt die
Periode der sog. Villanovakultur
(s. d.). Infolge der neuen
Sitten, welche die
Etrusker mitbrachten, und der regen Handelsbeziehungen des
Landes mit dem
Orient verschwand dann die alte Kultur.
Während für diese das Verbrennen der
Toten bezeichnend ist, war es bei den
Etruskern, die wie die Ägypter an eine Fortsetzung
des irdischen
Daseins glaubten, Brauch, die
Toten zu begraben. Daher sind zahlreiche Grabkammern, bei Chiusi
(s. d.), bei
Perugia (s. d.,
Grab der Volumnii) und Cornneto Tarquinia (s. d.), erhalten, die mit ihrem
architektonischen Schmuck und ihrem reichen
Inhalt eine wertvolle, aber auch fast die einzige
Quelle
[* 3] für die Kenntnis der
Etruskische Kunst bilden.
Für die ältere Zeit, bis in das 6. Jahrh, hinein, ist der Einfluß orient. Muster maßgebend, die durch die Phönizier den Etruskern vermittelt wurden. Das zeigt sich besonders in den Schmuckformen, unter welchen Rosetten, Lotosblumen, Palmetten und Darstellungen von Sphinxen, Greifen u. dgl. vorwiegen. Die Beziehungen zu Griechenland [* 4] beginnen schon im 8. Jahrh., von der Zeit der Koloniengründungen in Unteritalien und Sicilien an; um die Mitte des 7. Jahrh. soll Demaratus von Korinth [* 5] mit korinth. Meistern nach Etrurien gekommen sein, welche Thatsache durch zahlreiche daselbst gefundene korinth. Gefäße, öfters mit Künstlernamen, bestätigt wird. Lebhafter wurde die Einfuhr künstlerischer Erzeugnisse aus Griechenland seit dem 6. Jahrh. v. Chr. und setzte sich bis in das 4. Jahrh. v. Chr. fort.
Diesen fremden Einflüssen gegenüber bewahrte die
Baukunst
[* 6] am meisten ihre Eigenart; diese läßt sich außer an den Grabanlagen
(s. unten) an den erhaltenen stattlichen Mauerbauten erkennen. Die
Städte, meist auf Hügeln oder
Bergen
[* 7] im Innern des
Landes
gelegen, waren mit solchen
Mauern umgeben, die aus großen, ohne Mörtelverband geschichteten, teils unregelmäßig,
teils rechtwinklig behauenen Steinblöcken errichtet wurden. Auch in
Rom
[* 8] waren in älterer Zeit etrusk.
Baumeister thätig.
Ihre
Kunst zeigt sich hier in dem gut
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forlaufend
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lugten Quadcrbau der Germanischen Stadtmauer und mehr noch in der aus der Tarquinierzeit stam- menden Oioaca maximH. Den Etruökern
bleibt das Verdienst, den Bogen- und Gewölbebau zwar nicht erfunden, aber zuerst zur
Kunstsorm erhoben und zur Nutzanwendung
gebracht zu haben. Das be- weisen nicht nur die Kanal- und Vrückenbauten (z. V. in Viterbo, Blera, Veji),
sondern auch die großartigen Stadtthore (in Volterra, Perugia, Falerii j,s.
[* 9]
Fig. 2^) und der Gewölbebau in den Gräbern bei
Chiusi.
Die Anlage der Gräber ist je nach der Zeit, der Art der Bestattung und der Bodenbeschasfenheit verschieden. Die älteste, in der Ebene vorherrschende Form ist das Hügelgrab (^nmulus), bestehend aus einem kegelförmigen, aus einem gemauerten oder selsigen Unterbau errichteten Erdhügel in runder oder rechteckiger Gestalt, dessen Spitze häufig mit einem kugel-, birnen- oder säulenförmigen Aufsatz geschmückt ist (s. Fig. 3). Im Innern derselben waren Grabkammern angelegt, zu denen von außen ein oder mehrere Zugänge führten.
Eine andere Art von Grabanlagen haben die jüngsten Aus- grabungen in Bologna (Felsina) kennen gelehrt. Hier sind die Toten in Gruben gebettet, die oben mit einem kreis- oder länglichrunden Denkstein ge- schmückt sind. Die Reliess auf den lctztcrn, nach orient. und späterhin griech. Mustern ausgeführt, zeigen Darstellungen von Todesdämonen, welche die Verstorbenen mit sich führen, Kämpfe, Gelage, Tänze u. a. (Vgl. Zannoni, (^1i scavi äeiik ^ertosa äi Lolo^na, 1876.) Die in den gebirgigen Gegen- den übliche Art von Gräbern sind die in den Fels gehauenen Kammern (s. Fig. 9), die im Grundriß und im innern Ausputz das etrusk. Haus, vom ein- fachen bis zum prunkvollausgestatteten,nachahmen.
Die einzelnen Gemächer sind durch Wände von- einander getrennt, die mit Thüren oder Fenster- öffnungen verfehen durch Pilaster
und Nischen be- lebt werden. Zwei aus dem Felsen gemeißelte Säulen
[* 10] stützen die Decken. Kissen bildeten die Kopf- polstcr sür
die in den Nischen aufgebahrten Toten. Bei zahlreichen Gräbern war dieser Innenschmuck in Malerei ausgeführt;
fo zeigt
[* 9]
Fig. 12 die noch nach altetrusk. Weise bemalten Thonplatten aus einer Grabkammer von Cäre,
[* 9]
Fig. 13 die schon auf
eine enge Beziehung zur griech.
Kunst deutende Wandmalerei aus einer Grabkammer zu Corneto.
Vielfach wurde auch die Außenseite der Gräber künstlerisch ausgestattet, indem durch Thürum- rahmungen oder tcmpelartige Facaden an der Fels- wand gleichsam der Eingang des'Grabgemaches ge- kennzeichnet wurde. Verschieden hiervon war nach der Schilderung Varros das Grab des etrusk. Königs Porsenna, bestehend aus in Stockwerken übereinander geordneten Pyramiden auf einem großen viereckigen Unterbau. Weniger bekannt ist die Architektur der ctrusk. Tempel [* 11] und Wohnhäuser, [* 12] da von ihnen nichts erhalten ist.
Eine schwer verständliche Beschreibung der etrusk. Tempelform giebt Vitruv. Danach hatte der Grundriß (f. [* 9] Fig. 5), verschieden von dem des griech. Tempels, eine mehr quadratische Gestalt; er war in der Mitte geteilt, sodaß die vordere Hälfte von einer Säulenhalle, die hintere von der Cella ein- genommen wurde, die, meist für eine Dreizahl von Gottheiten bestimmt, durch Querwände in einen mittlern Hauptraum und zwei kleinere Nebenräume üdgctc'üt wurde. Nach solchem Plan war dcr große Tempel des Jupiter Capitolinus in Rom gebaut, der nach der Überlieferung von Tarquinius Priscus gegründet und von Tarquinius Superbus vollendet wurde; dann dreimal durch Brand zerstört, wurde er nach dem alten Grundriß zuletzt unter Domitian wieder aufgebaut. Die altetrusk. Säulen (s. Fig. 1) erhoben sich, abweichend von der dor.
3)rdnAng, auf einer wulstartigen Basis; doch war das Kapital (s. Fig. 1, a u. d) dem dorischen ähnlich, nur von knapperer Form. später fanden dann die grieck. Vauformen und mit ihnen auch die verschiedenen griech. Säulenordnungen Eingang. Erhaltene tempelartige Grabmäler geben ungefähr eine Vor- stellung von dem Aufbau des etrusk. Tempels (s. Fig. 7). Die Kenntnis der äußern Erscheinung der Wohnhäuser ist noch viel unsicherer. Besser bekannt ist das Aussehen des Innern durch die plastischen Architekturen und Gemälde der Felsen- gräber.
Das von Vitruv beschriebene säulenlose ^N'Wm wscknicum (s. Atrium) mit dem in der Mitte offenen Dach [* 13] findet sich bei den Gräbern nicht. Die Skulptur in Etrurien diente wesentlich dekorativen Zwecken. Marmor fehlte, dagegen ar- beitete man viel in Kalkstein (Tuff) und Terracotta, die mit einem farbigen Überzuge versehen wurden. Die Reliefs an den Seitenflächen der Sarkophage und Eisten haben sich zum Teil noch in ihrem vollen Farbenschmuck erhalten; sie sollten als farbige Bil- der wirken und sind daher von den Gemälden der Grabkammern an Form und Inhalt nicht verschie- den.
Auf den Sarkophagen, die als Ruhebetten ge- dacht, sind die Verstorbenen meist wie zum Mahle gelagert dargestellt (s. Fig.
10). Neben einer ge- wissen Geschicklichkeit spricht sich ein lebhast ent- wickelter Sinn sür das Individuelle in diesen
Ge- stalten aus, die mehr als die Reliefs den eigentlichen etrusk.
Charakter zeigen. Berühmt war im Alter- tum die Vronze
kunst der Etrusker; leider geben die erhaltenen Bronzewerke, wie der
Knabe mit der Gans (im Museum zu Leiden;
[* 14] s. Fig. 4), die Kapi- tolinische Wölfin (s. Fig. 6), die Marsstatue im Vatikan,
[* 15] die
Chimaira
[* 16] (s. d.) und die eines Redners in den Uffizien zu Florenz,
[* 17] von der Ausbildung dieser Technik nur
eine schwache Vorstellung. Besser bekannt sind die Erzeugnisse des
KunstHand- werks, von denen fast jedes Museum eine größere
Menge besitzt. Der Schmuck weist griech. Einfluß auf und die auf den bronzenen Spiegeln (s. Fig. 11) und Eisten eingravierten
Bilder zeigen griech. Mythen mit etrusk. Vorstellungen gemischt. Zu nennen ist besonders die Ficoronische Ciste
(s. d. und
[* 9]
Fig. 8), die bei ihrer vollendeten Feinheit
der Ausführung den besten Stücken echt gricch.
Kunst kaum nachsteht. Die Ausbildung der Malerei steht in enger Verbindung mit der Architektur. Sämtliche erhal- tene Bilder
sind Fresken, die, an den Wänden der Grabkammern angebracht, mehr wie Dekorations- stücke als wie eigentliche
Gemälde wirken. Die ältesten Gemälde aus dem 6. Jahrh. v. Chr.
zeigen nicht nur in der Zeichnung, sondern auch in der Färbung den Einfluß der griech. Malerei.
Die schönen Bilder in der (^rotta äei tridinio in Cor- neto (s. Fig. 13), welche Tanz und Gelage schildern,
erinnern an die kräftige Zeichnung der attischen Vasenmaler; einen freiern Stil zeigen die Gemälde der ebenfalls zu Corneto
befindlichen sog. 6roN3. äsN' Oco, die wohl im 4. Jahrh. v. Chr.
entstanden sind. Nach und nach bildct sich einc rcichcre Färbung
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