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Mit dem Preis hat das Haus den ersten internationalen Preis geschaffen, der Frauen für ihre Leistungen in der Geschäftswelt auszeichnet. Noch immer ist es einer der wenigen Awards weltweit, wenn nicht der einzige, der speziell Frauen für ihr Unternehmertum ehrt. Der Award wurde 1972 anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Unternehmens ins Leben gerufen, und es ist kein Zufall, dass gerade Veuve Clicquot, die Idee zu diesem Preis hatte. Das hat vielmehr mit der Geschichte des Hauses zu tun.
Pionierin Clicquot
Barbe-Nicole Clicquot war 27 Jahre alt, als ihr Mann starb und sie als Eigentümerin sich entscheiden musste, ob sie die Leitung des Champagnerunternehmens übernehmen wollte. Das war 1805, zu einer Zeit, als die Industrialisierung erst gerade ihre Wirkung entfaltete und Frauen viele gesellschaftliche Positionen verwehrt waren. Trotzdem traute sich die Witwe (frz. «veuve») Clicquot diese Aufgabe zu. Und sie hatte Erfolg. So hat sie in den 61 Jahren an der Spitze des Unternehmens (1805 bis 1866) Veuve Clicquot nicht nur zu einem erfolgreichen Champagnerhaus aufgebaut, sondern auch zahlreiche Innovationen eingeführt. So stellte sie als erste Produzentin einen Jahrgangswein her und lancierte als erste einen Rosé-Champagner. Auf ihr Verdienst geht auch die Einführung des sogenannten Rütteltisches in der Herstellung zurück. Für die bei der Champagnerherstellung notwendige zweite Gärung, die Flaschengärung, wird der Champagner in Flaschen gelagert. Die zusätzlich zugesetzte Zucker-Hefe-Mischung produziert über den Gärprozess Alkohol und Kohlensäure und – negativer Nebeneffekt – verleiht dem Champagner eine trübe Färbung. Im Rütteltisch werden die Flaschen leicht nach unten gerichtet gelagert und immer wieder «gerüttelt», sodass sich die Hefe im Flaschenhals sammelt. Danach kann die Hefe mit geringem Kohlensäureverlust aus der Flasche entfernt werden und übrig bleibt eine klare Flüssigkeit – ein Champagner, wie wir ihn heute kennen.
Kühn wie Madame
Madame Clicquot hat sich durchgesetzt und den Grundstein zum heutigen Champagner-Imperium gelegt. Inzwischen ist Veuve Clicquot in über 120 Ländern präsent und das zweitgrösste Champa- gnerhaus der Welt. Die «Grande Dame der Champagne», wie sie auch genannt wurde, hat mit ihrem Pioniergeist gezeigt, wozu Frauen fähig sind – und das in einer Zeit, als viele wirtschaftliche Positionen und politische Ämter Frauen grundsätzlich verschlossen waren. Ohne Zweifel, Madame Clicquot war eine kühne Frau. Genau so wie jene Frauen, die sich im Juli 2018 zum Business Woman Award Forum in Reims versammelt haben.
Sie alle wurden mit dem Business Woman Award 2017 oder 2018 ausgezeichnet und reisten aus neun verschiedenen Ländern in die Champagne an. Und was die Frauen geleistet haben, beeindruckt. Zum Beispiel Anais Barut. Die Französin wurde mit dem New Generation Award 2017 geehrt, der ebenfalls im Rahmen des Business Woman Awards verliehen wird. Barut ist Mitgründerin und CEO von Damae Medical, einem Start-up, das optische Sensoren entwickelt, die in der Medizin zur Diagnose von Hautkrebs eingesetzt werden. Der «dermatologische Handscanner» ermöglicht eine zuverlässige Untersuchung in Echtzeit und ohne eine invasive Probeentnahme der Haut. Die Technologie vereinfacht nicht nur die Arbeit der Dermatologen, sondern erhöht durch die einfache Anwendbarkeit auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Krebserkrankung frühzeitig erkannt wird.
Keine Selbstverständlichkeit
Doch auch Barbara Lax hat einiges vorzuweisen. Die Schweizerin ist Gründerin und Geschäftsführerin der Kinderkrippenkette Little Green House und Gewinnerin des Awards in der Schweiz (siehe Kasten). Und so ist es auch mit den anderen Frauen, die sich zum Forum in Reims zusammengefunden haben. Sie sind der Einladung des Maison Clicquots gefolgt, das ihnen damit eine Gelegenheit bot, sich auszutauschen und darüber zu unterhalten, wie es denn ist, als Frau an der Spitze eines Unternehmens zu stehen.
Vielleicht für einige erstaunlich: Es ging dabei nicht um Businesspläne, Führungsaufgaben oder die Kapitalbeschaffung. Im Zentrum standen vielmehr die persönlichen Herausforderungen und Grenzerfahrungen der Frauen. Es ging um Selbstvertrauen, das für den Aufbau eines Unternehmens nötig ist. Um den Glauben an sich selbst, damit man sich nicht von Nebensächlichkeiten beirren lässt. Und um die Grenzerfahrung einer unternehmerisch heiklen Phase. Und vor allem auch um den Mut, den man als Frau braucht, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und als Unternehmerin Pioniergeist zu zeigen. Eines wurde aus den Gesprächen deutlich: Auch 200 Jahre nach Madame Clicquot ist es keineswegs selbstverständlich, sich als Unternehmerin durchzusetzen. Gut, gibt es Vorbilder.