Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03463.jsonl.gz/1889

Titel
20-year outcomes following conservative management of clinically localized prostate cancer.
Autoren
Albertsen PC, Hanley JA, Fine J.
Quelle
JAMA 2005 May 4;293(17):2095-101
Abstract
Fragestellung
Wie ist das Überleben von Patienten mit konservativ behandeltem Prostatakarzinom in Abhängigkeit von Alter sowie Histologie des Tumors bei Diagnosestellung.
Hintergrund
Über die optimale Therapie von Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom besteht in der medizinischen Fachwelt kein Konsens. Der Spontanverlauf («natural history») des unbehandelten Prostatakarzinoms ist noch wenig bekannt.
Methoden
Studiendesign
Retrospektive Kohortenstudie.
Setting
767 Patienten aus dem Connecticut-Tumor-Registry mit zusätzlichem Histologiereview.
Einschlusskriterien
Männer mit konservativ behandeltem Prostatakarzinom; Einschluss von 1971 – 1984.
Ausschlusskriterien
Nachgewiesene Metastasen, St. n. Prostatektomie, Radiotherapie oder Brachytherapie der Prostata.
Outcome/Messung
Vitalstatus von jedem Patienten am 8. Oktober 2004 gemäss Connecticut-Tumor-Registry.
Resultate
Bei 71% der Patienten wurde das Prostatakarzinom inzidentell im Rahmen einer transurethralen Resektion der Prostata (TURP) oder einer offenen Adenomenukleation diagnostiziert. Die mediane Beobachtungszeit betrug 24 Jahre, 87% der Patienten hatten mehr als 20 Jahre Beobachtungsdauer. Bei 42 % der Patienten wurde innerhalb der ersten 6 Monate nach Diagnosestellung eine Orchiektomie bzw. Therapie mit Östrogenen eingeleitet. Mit zunehmendem Alter sowie abnehmendem Gleason-Score bei Diagnosestellung wiesen die Patienten eine tiefere Prostatakarzinom- spezifische Mortalitätsrate im Beobachtungszeitraum auf. Die spezifischen Mortalitätsraten nach 20 Jahren betrugen 7% bei einem Gleason- Score von 2-4, 14% beim Gleason-Score 5, 27% beim Gleason-Score 6, 45% beim Gleason-Score 7 und 66% bei einem Gleason-Score von 8-10.
Zusammenfassender Kommentar
Der Studie von Albertsen et al. kommt eine besondere Bedeutung zu, weil sie die grösste Kohorte von konservativ behandelten Patienten mit diagnostiziertem Prostatakarzinom umfasst. Mit 20 Jahren hat sie zudem einen für das Prostatakarzinom genügend langen Beobachtungszeitraum. Die Daten bestätigen auf eindrückliche Weise, dass der Gleason- Score prognostisch von hoher Wichtigkeit ist. Für die Studienpopulation gilt vereinfacht: Jüngere Patienten mit höherem Gleason-Score (7-10) haben eine schlechte Prognose und Patienten mit einem tiefen Gleason-Score haben eine sehr gute Prognose mit geringem Risiko an den Folgen des Prostatakarzinoms zu sterben. Wie gut diese Daten auf Patienten bei denen in der PSA-Aera ein Karzinom diagnostiziert wurde, übertragen werden können, muss in Frage gestellt werden. Karzinome mit tiefem Gleason-Score werden aktuell nur noch sehr selten und wenn, dann häufig inzidentell im Rahmen einer TURP diagnostiziert. Für den grossen Teil von Patienten, bei denen ein Karzinom mit einem Gleason- Score von 6 diagnostiziert wird, bieten die Studiendaten keine gute Entscheidungshilfe. Eine weitere Kontroverse liegt in der Tatsache begründet, dass 42% der Patienten antiandrogen behandelt wurden und bei 71% der Patienten signifikante Anteile der Prostata entfernt wurden. Epidemiologische Daten aus Schweden zeigten, dass Patienten, die eine TURP oder offene Adenomenukleation hatten, eine signifikant reduzierte Prostatakarzinom- Todesrate haben im Vergleich zur generellen Population [1]. Die Resultate dieser retrospektiv erhobenen Daten können somit weder auf Patienten, bei denen ein Prostatakarzinom in der PSA-Aera diagnostiziert wurde übertragen werden noch repräsentieren sie den Spontanverlauf des Prostatakarzinoms.
Dr. med. Räto T. Strebel, Oberarzt, Urologische Klinik UniversitätsSpital Zürich
Referenzen
1. Chokkalingam, A. P., Nyren, O., Johansson, J. E. et al.: Prostate carcinoma risk subsequent to diagnosis of benign prostatic hyperplasia: a population-based cohort study in Sweden. Cancer, 98: 1727, 2003