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Es war abzusehen, dass es zu Konflikten kommen würde. Über Jahrzehnte hinweg hatte die Bevölkerungsmehrheit des südindischen Bundesstaats Andhra Pradesh die BewohnerInnen der armen Region Telangana dominiert und deren Kampf für einen eigenen Bundesstaat ignoriert (siehe WOZ Nr. 50/12). Warum sollte sie also jetzt eine Teilung des Bundesstaats stillschweigend hinnehmen?
Genau diese Aufspaltung hat aber die indische Zentralregierung am letzten Donnerstag beschlossen: Der nordwestliche Teil Andhra Pradeshs wird, falls sich Neu-Delhi durchsetzt, mit seinen 35 Millionen EinwohnerInnen der 29. indische Bundesstaat. Es kam sofort zu Protesten: Vier Kabinettsmitglieder der Regierung in Neu-Delhi traten zurück, mehrere Politiker begannen ein Protestfasten, in etlichen Städten des Bundesstaats traten Beschäftigte in den Streik, in Vizianagaram an der Küste wurde eine Ausgangssperre verhängt. Ein Ausstand von Kraftwerksarbeitern führt immer wieder zu Stromausfällen – auch in der Metropole Hyderabad, die zehn Jahre lang als doppelte Hauptstadt fungieren soll: als Sitz der neuen Regierung von Telangana und der Bundesstaatsspitze des restlichen Andhra Pradesh zugleich.
Eine Rücknahme ihres Beschlusses lehnt die Zentralregierung ab. 1956, bei der Gründung von Andhra Pradesh, war den BewohnerInnen der kargen Provinz Telangana im Landesinneren ein Referendum versprochen worden, das aber nie stattfand. Sie hatten sich schon damals gegen den Zusammenschluss mit den wirtschaftlich starken Regionen Andhra und Rayalaseema gewehrt, weil sie fürchteten, an den Rand gedrängt zu werden – was dann auch geschah.