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Der neueste Film über Winston Churchills ersten Monate als Premierminister ist nun für zuhause erhältlich. «Die dunkelte Stunde» (The darkest hour) spielt im Mai 1940. Churchill muss in seiner neuen Aufgabe sofort schwierige Entscheide treffen. Mit Hitler einen «Friedensvertrag» eingehen oder Kriegsgegner bleiben? Churchill hat die versammelte Elite der britischen Politiker gegen sich. Alle wollen das beste fürs Königreich, fast alle wollen es aber mit Dialog, Vertragsabschlüssen und Diplomatie erreichen. Man glaubt diesem Hitler, man vertraut den Aussagen seiner Vertragspapiere.
Nur Winston Churchill glaubt Hitler nicht. Er beobachtet, ist kritisch, arbeitet viel, treibt sein Team zu Höchstleistungen an, denkt nach. Und bringt die Briten hinter sich. Seine Haltung gewinnt schliesslich im Parlament, England fügt sich nicht unter Hitlers Regime, bezahlt zwar einen hohen Preis, aber ist buchstäblich Wegbereiter für die Befreiung Europas.
(Dass Churchill ein freies Europa voraus-dachte und dieses auch in einer Rede in Zürich 1946 thematisierte, wird von vielen EU-Integrationsfreunden gerne falsch interpretiert. Lesen Sie dazu, was Churchill wirklich meinte mit dem Wort «Europa». Und wie diese Idee auf eine starke, eigenständige Schweiz passt).
Es ist klar: Im Nachhinein geben wir alle Churchill den Heldenstatus und nicht seinen politischen Gegenspielern Chamberlain oder Halifax.
Und wir sind begeistert von solchen Filmen. Auch wenn ein paar (schöne) Szenen frei erfunden sind. So der Solo-Ausflug Churchills in die Londoner U-Bahn. Dort will er bei den Bürgern die Meinung hören, ob sie nun Dialog/Anpassung oder Widerstand/Eigenständigkeit als die richtige Entscheidung ansehen. «No surrender» ist die breite Antwort, «wir geben nicht auf»: Also Freiheit, Eigenständigkeit, Haltung!
Dass Churchill als Premier nicht U-Bahn gefahren ist, ist belegt. Dass er aber doch manchmal ein AWOL gemacht hat, um sich ausserhalb seiner «bubble» umzuhören, ist auch bekannt. AWOL = absent without official leave = abwesend sein, ohne sich abzumelden, in der Armee: «Unerlaubtes Entfernen von der Truppe».
«Die dunkelste Stunde» ist in vieler Hinsicht interessant. Mach-Art, Humor, die Schauspieler (Gary Oldman holte mehrere Auszeichnungen bis zum Oscar), persönliche Einblicke in Churchills Alltag. Oldmann wird durch viel Gesichtsmasken-Silikon zu einem beeindruckenden Churchill, er nuschelt wie das «Original», man sieht auch private Momente des grossen Winston, seine Selbstzweifel oder die schwierige Situation, wenn man alleine da steht mit seinen Überzeugungen (aber unterstützt von seiner Frau!).
Eben, im Nachhinein stehen alle hinter Churchill, er ist der Held. Während seiner «dunkelsten Stunden» waren er und sein Team ziemlich alleine. Er hat aber mit klaren Worten seine Bürger überzeugen können. Auch der junge König stellt sich erst nach einiger Zeit hinter seinen Premier, aber dann unmissverständlich: «Wir müssen den Menschen die Wahrheit sagen.»
Eine Erkenntnis aus dem Film auch (es geht aber nicht ums gleiche, damit nun bitte niemand aufjault #empörungsindustrie):
Das Filmthema erinnert an die aktuelle Diskussion zwischen der Schweiz und der EU. Dialog/Anpassung oder Widerstand/Eigenständigkeit? Dem Bundesrat und vielen Funktionären, Beamten und Parlamentariern in Bundesbern – und auch all den Einheitsbrei-Medien – die wärmste Empfehlung:
Go AWOL!