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Meerzwiebel - Urginea maritima
Urginea maritima (syn. Drimia maritima, Scilla hispanica, S. maritima, Squilla maritima, Stellaris scilla, Urginea scilla);
Meerzwiebel (syn. Mäusezwiebel, Rattenzwiebel).
VORKOMMEN
Die Weisse (und die rote) Meerzwiebel ist im gesamten Mittelmeerraum und auf Teneriffa verbreitet. Sie bevorzugt meist Küstennähe, Weiden und Garigues, wächst auch auf Sandböden und Felsfluren. Vom Weidevieh wird sie gemieden. In USA, Indien und Pakistan wurden Kulturen angelegt. Abgesehen von der Homöopathie wird arzneilich die Weisse Varietät verwendet. Zu kommerziellen Zwecken wird auch Urginea indica als Ersatz genutzt. Formen mit roten Zwiebeln werden traditionell als Rattengift verwendet.
MERKMALE
Die Weisse Meerzwiebel ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen nichtblühend von etwa 50 Zentimeter, einschliesslich des Blütenstandes bis 150 Zentimeter. Ihre nur grundständigen Laubblätter sind breit-lanzettlich, bis zu 50 Zentimeter lang, überdauern das Winterhalbjahr und welken im Frühsommer, d. h. die Pflanze „zieht ein“. Sie übersteht die sommerliche Trockenzeit als Geophyt im Ruhezustand mit Hilfe einer auffallend mächtigen Zwiebel, die Anlass zur Namensgebung der ganzen Pflanze war. Die Zwiebel kann mehr als 15 Zentimeter im Durchmesser erreichen, wird bis zu 3 Kilogramm schwer und ragt oft aus dem Boden heraus. Je nach Rasse kann sie von weisser oder roter Farbe sein. Im Herbst (August bis Oktober), bevor die Blätter austreiben, erscheint der reichblütige, traubige Blütenstand mit bis zu 40 Zentimeter Länge. Die sechs Blütenhüllblätter sind bis 8 Millimeter lang, weisslich, mit purpurnem oder grünem Mittelnerv.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Scillae bulbus (syn. Bulbus Scillae, Bulbus Urgineae, Cepa marina);
Meerzwiebel, die kurz nach der Blüte gesammelte, getrocknete Zwiebel.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die wichtigsten pharmakologisch wirksamen Substanzen sind circa 12 verschiedene Herzglykoside aus der Gruppe der Bufadienolide mit einem Gehalt von insgesamt 0,2 bis 0,4 %, besonders Scillaren A (0,06 %), Proscillaridin A (0,05 %) und Glucoscillaren A (0,05 %); der Gehalt variiert je nach Herkunft. Die rote Zwiebel enthält vor allem Scillirosid, während die weisse Zwiebel hauptsächlich Scillaren A enthält. Weiterhin sei auf den Gehalt von Flavonoiden und Anthocyanen hingewiesen.
PHARMAKOLOGIE
Meerzwiebel wirkt zwar ähnlich wie die Glykoside aus dem Fingerhut (Digitalis), ist jedoch schneller und weniger lang wirksam als diese. Zudem tritt der Effekt der Kumulation (Anreicherung bei mehrmaliger Anwendung) in geringerem Umfang auf als bei Digitalis. Die perorale Bioverfügbarkeit liegt bei 25 %.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):
- leichtere Formen der Herzinsuffizienz (auch bei verminderter Nierenleistung).
Eine Einstufung der Meerzwiebel als pflanzliches traditionelles Arzneimittel ist wegen der stark herzwirksamen Bufadienoliden nicht möglich.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Die Droge selbst ist heutzutage kaum mehr im Einsatz; stattdessen wird reines Proscillaridin angewendet. Meerzwiebel und ihre aktiven Inhaltsstoffe werden in der Schweiz nicht mehr pharmazeutisch genutzt.
STATUS
HOMÖOPATHIE
Urginea maritima var. rubra; Meerzwiebel, die frischen, fleischigen Zwiebelschuppen der roten Varietät.
Anwendungsgebiete: Erkrankungen des Herzens.
SONSTIGES
Der Gebrauch der Meerzwiebel als Arzneipflanze reicht bereits einige Jahrhunderte zurück. Theophrast und Plinius empfahlen sie wegen ihrer harntreibenden Wirkung, Dioskurides verwandt sie bei Wassersucht und Asthma und Albertus Magnus sah in ihr eine regelfördernde Wirksamkeit. Im 18. Jahrhundert wurde dann die direkte Wirkung auf das Herz entdeckt. Weiterhin war die Anwendung als Rattengift (Rodentizid) gebräuchlich.
Letzte Änderung: 08.03.2017 / © W. Arnold