Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/150487

<h2>SubmittedText<h2><p>Vor einem halben Jahr startete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zusammen mit den Partnerorganisationen Aidshilfe Schweiz und Sexuelle Gesundheit Schweiz die Präventionskampagne "Love Life" gegen HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten. Sie folgte auf die traditionelle und bekannte "Stop Aids"-Kampagne. Seither wird die Kampagne in den Medien und der Bevölkerung breit wahrgenommen und intensiv diskutiert, gelobt, aber auch kritisiert.</p><p>Ob man die "Love Life"-Kampagne als provokativ empfindet und sich daran stört oder ob man sie als erfrischend, kreativ und zum Nachdenken anregend betrachtet, ist stark eine Frage der individuellen Wahrnehmung. Klar aber ist: Der Grat zwischen einem originellen Ansatz mit dem Ziel, die notwendige und breite Aufmerksamkeit zu erreichen, und einer zu expliziten Darstellung des Themas ist schmal. Ebenfalls klar ist jedoch: Jede Ansteckung mit HIV - oder einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit -, die mit der Kampagne verhindert werden kann, zahlt sich für die Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt aus. Umso wichtiger ist es, Bilanz zu ziehen, was mit der Kampagne erreicht werden konnte.</p><p>1. Wie viele Personen haben das "Love Life"-Manifest seit der Lancierung unterzeichnet?</p><p>2. Wie viele Personen besuchten die "Love Life"-Website? Und wie viele Personen schauten den Kampagnenfilm an?</p><p>3. Wie haben sich frühere Kampagnen auf die Zahl der Neuinfektionen ausgewirkt?</p><p>4. Hat sich aus Sicht des Bundesrates die Einschätzung der Experten bestätigt, dass eine Kampagne, welche auf Lebenslust und positive Botschaften setzt, mehr bringt als Abschreckung und Angst?</p><p>5. Weshalb hat das BAG die gesamte Bevölkerung und nicht nur die besonders bedrohten Zielgruppen angesprochen?</p><p>6. Inwieweit funktionierte aus seiner Sicht der Anspruch, eine Kampagne nicht nur für, sondern mit der Bevölkerung zu führen?</p><p>7. Ist es aus seiner Sicht gelungen, der Bevölkerung die Bedrohung durch HIV und die Wichtigkeit des Schutzes vor einer Ansteckung in Erinnerung zu rufen?</p><p>8. Wie wirken sich verhinderte Ansteckungen durch richtiges Verhalten auf die Gesundheitskosten aus?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>5./8. Der Bundesrat teilt die Ansicht der Interpellantin, dass sich Prävention, insbesondere bei HIV, aber auch bei anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI), für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft auszahlt. Im vom Bundesrat beschlossenen Nationalen Programm HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (NPHS) 2011-2017 stellt die nationale Aufklärungskampagne "Love Life" (als Nachfolgerin der Stop-Aids-Kampagne seit 1987) die zentrale Massnahme zur Information der Gesamtbevölkerung dar. Dafür investiert der Bund 2 Millionen Franken pro Jahr mit dem Ziel, der gesamten Bevölkerung bewusst zu machen, dass HIV und STI nach wie vor ein Gesundheitsproblem darstellen, auch wenn die HIV-Infektion dank antiretroviraler Therapien nicht mehr tödlich verläuft. Die Kampagne soll deshalb allen in der Schweiz lebenden Personen die Grundinformationen vermitteln, wie man sich schützen kann. Damit die eingesetzten Steuergelder Wirkung erzielen, ist es notwendig, viel Aufmerksamkeit zu erregen, ohne jedoch eine breite Ablehnung der Kampagne zu provozieren. Der Effekt einer massenmedialen Kampagne auf die Rate der Neuinfektionen kann nicht direkt nachgewiesen werden, weil viele zielgruppenspezifische Massnahmen hinzukommen. Dass sich Prävention für das Individuum und die Gesellschaft lohnt, zeigt sich aber sehr klar an den folgenden Zahlen: Die antiretrovirale Therapie von HIV-Infizierten kostet pro Jahr im Durchschnitt 25 000 Franken, und zwar zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. HIV-infizierte Menschen können dank dieser Therapien mit einer annähernd normalen Lebenserwartung rechnen, wenn sie die Therapie nicht unterbrechen. Die Betroffenen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 40 Jahren ab dem Zeitpunkt des Therapiebeginns. Die Therapie einer einzigen Person kostet also bis zu ihrem Lebensende ungefähr 1 Million Franken. Schon heute belaufen sich die Ausgaben für die antiretroviralen Therapien in der Schweiz pro Jahr auf rund 300 Millionen Franken, weil rund 12 000 Personen diese Medikamente brauchen, um nicht an Aids zu erkranken.</p><p>Zu den Fragen zur Kampagne:</p><p>1. Bis Ende Dezember 2014 wurde mehr als 170 000 Mal Ja zum Manifest gesagt.</p><p>2. Die Website verzeichnete über 365 000 Besuche von mehr als 272 000 Nutzern. Der "Love Life"-Film wurde mehr als eine Million Mal angeschaut.</p><p>3. Mittels der Stop-Aids-Kampagne ist es seit 1987 gelungen, die Ausbreitung von HIV in der Bevölkerung (sogenannte Generalisierung der Krankheit) zu verhindern. HIV ist in den von Anfang an betroffenen Gruppen konzentriert geblieben, dies dank breiter Verwendung von Präservativen, insbesondere durch junge Menschen.</p><p>4. Eine offene und positive Tonalität begünstigt die HIV-Präventionsbemühungen. Abschreckung und Angst können leicht zu einer Distanzierung von der Thematik und zur Ausgrenzung und Diskriminierung von Betroffenen führen. Die Kampagne informiert deshalb seit Beginn offen, direkt und zeitgemäss. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass sich dieses Vorgehen bewährt hat.</p><p>6. Für den Erfolg von Gesundheitsförderung und Prävention ist Partizipation ein wichtiges Kriterium. Dass in diesem Bereich eine massenmediale Kampagne partizipativ umgesetzt wird, ist ein Novum. Erfreulicherweise haben sich über 300 Personen auf den Casting-Aufruf gemeldet, um sich als Botschafter von "Love Life" für die im öffentlichen Raum sichtbaren Plakate fotografieren zu lassen. Die Möglichkeit, sich an der Kampagne mit der Unterzeichnung des Manifestes zu beteiligen, wird rege genutzt und schafft einen persönlichen Bezug zur Kampagne und zu ihren Botschaften. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die Beteiligung der Bevölkerung an der Kampagne den gewünschten Effekt hatte.</p><p>7. Die Kampagne hat eine grosse Resonanz ausgelöst. Aus einer Befragung des Instituts GfK bei 600 Personen in der deutschen und französischen Schweiz im Herbst 2014 geht hervor, dass 80 Prozent der Personen sich erinnern, die Kampagne gesehen zu haben, und 81 Prozent aller Befragten sie unterstützen. Diese Ergebnisse, die Beteiligung der Bevölkerung an der Kampagne, die vielen Reaktionen und die breite und ausgewogene Berichterstattung in den Medien zeigen: Mit der Kampagne ist es gelungen, HIV und Safer Sex als wichtiges Thema in der öffentlichen Diskussion zu halten.</p>  Antwort des Bundesrates.