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Marius Cottier ist wohl der einzige der 100 bisherigen Freiburger Staatsräte, der für die Luftwaffe Kampfjets geflogen ist. Als Staatsrat fehlte er oft einen oder zwei Tage im Monat, um seine Trainingsflüge zu machen. «Hoch hinaus» war seine Devise, die ihm auch eine beeindruckende politische Karriere beschert hat.
Geboren am 14. April 1937 als drittes von sieben Kindern eines Försters und einer Wirtin hat Marius Cottier in Jaun die Primarschule besucht. Als zwölfjähriger Interner trat er ins Kollegium St. Michael ein und legte die lateinisch-griechische Matura ab. An der Universität Freiburg schloss Cottier seine Rechtsstudien mit dem Doktorat ab, mit 31 Jahren gründete er seine eigene Anwaltskanzlei in Freiburg.
Für die CVP war Cottier früh politisch aktiv. So leitete er die Kommission für universitäre Fragen im Umfeld des «Mai 1968», wie aus der Publikation «Der Freiburger Staatsrat» hervorgeht. Als 39-Jähriger wurde Cottier 1976 in die Kantonsregierung gewählt, in welcher er die Erziehungs- und Kultusdirektion und spätere Direktion für Erziehung und kulturelle Angelegenheiten führte. Marius Cottier war drei Legislaturen lang Erziehungsdirektor. 1991 schied er wegen der Amtszeitbeschränkung aus der Kantonsregierung aus. Er war gerade mal 54 Jahre alt.
Architekt des Schulgesetzes
«Als Finanzdirektor musste ich meine Nase überall reinstecken, und manchmal waren Marius Cottier und ich über finanzielle Fragen nicht einig», erinnert sich Alt-Staatsrat Félicien Morel (SP, PSD). «Aber er erledigte seine Arbeit, wie es sein musste.»
Als Erziehungsdirektor präsentierte Cottier 1985 nach über 100 Jahren ein neues Schulgesetz. Zu den Schwerpunkten gehörten die Orientierungsstufe und der Kindergarten, sagt Joseph Buchs, damaliger Dienstchef für deutschsprachigen Unterricht. Cottiers Vorgänger Max Aebischer hatte diesen Posten eingeführt, so Buchs. «Cottier setzte dann vieles um, was Aebischer begonnen hatte. Bei ihm wusste man immer, was zu tun war.»
Für die Erweiterung des Museums für Kunst und Geschichte 1978 sowie des Kollegiums Heilig Kreuz 1980 fand Cottier beim Stimmvolk die notwendige Unterstützung. In seiner Amtszeit wurden zudem in allen Regionen des Kantons 49 Sporthallen eingeweiht. Hingegen wurde das von ihm beworbene Projekt kantonaler Sportzentren in Muntelier, Estavayer und Charmey 1988 vom Volk verworfen.
Zweisprachigkeit vorbereiten
Marius Cottier war perfekt zweisprachig und vertrat mit Hans Bächler (SVP) das deutschsprachige Element in der Regierung. «Er sprach beide Sprachen so gut, dass man oft vergass, welches seine Muttersprache war», blickt Félicien Morel zurück.
Cottier wünschte sich einen besseren Dialog zwischen den beiden Sprachregionen, insbesondere zwischen der Deutschfreiburgischen Arbeitsgemeinschaft und der Communauté Romande du Pays de Fribourg. In den 1980er-Jahren befasste er sich im Staatsrat mit dem Dossier der Zweisprachigkeit und meinte, es sei an der Zeit, ein Gesetz zu erlassen, auf das man «das Volk vorbereiten» müsse, wie es im Buch «Der Freiburger Staatsrat» heisst.
Auch im Bereich der Kultur hinterliess Marius Cottier als Staatsrat Spuren. Gemäss Morel strukturierte Cottier die Kulturförderung mit staatlichen Subventionen für professionelles Kunstschaffen. So konnten das Théâtre des Osses und die Freiburger Oper zu seiner Zeit mit staatlicher Hilfe gegründet werden, und seither umfasst das Kulturbudget des Staats auch den jährlichen Ankauf mindestens eines Werks eines Freiburger Künstlers.
«Marius Cottier interessierte sich nicht nur für Bildung», sagt Félicien Morel. «Er brachte seinen Gesichtspunkt zu einer Reihe von Themen ein.» Durch sein Wissen und die Kontakte habe Cottier stets viel bewegt. Unter anderem war er nach seiner politischen Karriere noch Verwaltungsratspräsident der Schweizer Raiffeisenbanken.
Hoch hinaus ging es bei Marius Cottier bis zuletzt. Er machte als Rentner mit Joseph Buchs und weiteren Freunden eine Trekking-Tour ins Everest-Gebiet. Seither gab es jedes Jahr eine Bergwanderung, auch als Cottier bereits durch eine Krankheit gezeichnet war.