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Als strukturelle Koppelung bezeichne ich - in Anlehnung an H. Maturana - eine Beobachterleistung, in welcher unterschiedene Systeme als interagierend oder als "gemeinsam reagierend" beobachtet werden.
Systeme nehmen nur ihr Milieu wahr. Als Beobachter kann ich verschiedene Systeme unterscheiden und Wechselwirkungen zwischen ihnen (und zwischen ihnen und dem von mir wahrgenommenen Milieu) beobachten. Wenn ich beobachte, dass die Systeme von einander oder von ihrem Milieu abhängig sind, spreche ich von struktureller Koppelung.
Strukturelle Koppelung sagt also nichts über Systeme, sondern etwas über die Unterscheidungen eines Beobachters.
Erläuterung am Beispiel:
Ich beobachte ein System, das aus Populationen von Jäger- und Beutetieren auf einer Insel besteht. Wenn die einen aussterben, sterben die andern auch aus (Beutetiere, die nicht mehr gefressen werden, verhungern). Das System hat klare Grenzen unf keinen Bezug zu seiner Umwelt.
Jetzt beobachte ich den einzelnen Jäger als System. Es ist satt oder eben nicht. Das System hat klare Grenzen unf keinen Bezug zu seiner Umwelt.
Jetzt beobachte ich die Jäger und die Beutetiere als zwei verschiedene Systeme. Jetzt beobachte ich, dass die Systemzustände der beiden Systeme korespondieren, kausal, wenn ich will. Ich mache eine Beobachtung von aussen, die die Systeme nicht machen können.
Soweit ist die Geschichte trivial.
Wenn ich als Jäger beobachte, beobachte ich mich. Ich nehme die Zustände meiner Retina wahr. Als System kann ich meine Umwelt nicht sehen. Ich kann den Zustand meiner Retina durch mein Verhalten beeinflussen und dafür kann ich Erklärungen konstruieren.
Wer den Radikalen Konstruktivismus - mit welchem Motiv auch immer - missversteht, meint, dass er die Umwelt (oder die Welt) konstruiere und merkt wohl, dass das blanker Unsinn ist.
Ein verbreitetes Missverständnis, dass N. Luhmann durch seine anfänglich noch parsons'sche Sprache eingebracht hat, setzt Interpentration und strukturelle Koppelung gleich. Das sind Konzepte aus unverträglichen Theorien.
Einen speziellen Fall der strukturelle Koppelung bezeichne ich als Co-Evolution.
ausführlicher in: Rolf Todesco: Wie G. Bateson Hunde informiert
Literatur:
"...die Abfolge von Störungen, die das Medium in der Geschichte der Interaktion einer gegebenen Einheit auslöst, wirkt als Selektor der Abfolge oder des Verlaufs struktureller Veränderungen, der die Einheit in dieser Geschichte folgt. Daraus resultiert die Einrichtung einer strukturellen Uebereinstimmung zwischen der jeweiligen Einheit und dem Medium, in dem sie operiert, die einem Beobachter als Anpassung oder strukturelle Kopplung erscheint." (H. Maturana, Kognition: 1992/102 in: Schmidt, S.J., Der Diskurs: 102),
Hinweise:
Bei N. Luhmann hiess es vergleichbar: "Von Penetration wollen wir sprechen, wenn ein System die eigene Komplexität (und damit: Unbestimmtheit, Kontingenz und Selektionszwang) zum Aufbau eines anderen Systems zur Verfügung stellt. [...] Im Falle von Interpenetration wirkt das aufnehmende System auch auf die Strukturbildung der penetrierenden Systeme zurðck; es greift also doppelt, von aussen und von innen, auf dieses ein" (Soziale Systeme: 1993/290).
"Strukturelle Kopplungen sind Beschränkungen des Bereichs möglicher Strukturen, mit denen ein System seine Autopoiesis spezifizieren kann. Sie setzen voraus, dass jedes autopoietische System als strukturdeterminiertes System operiert, also eigene Operationen nur durch eigene Strukturen determinieren kann. Strukturelle Kopplung [...] bestimmt nicht, was in einem System geschieht, sie muss aber vorausgesetzt werden, weil sonst die Autopoiesis zum Erliegen käme und das System aufhören würde zu existieren. Insofern ist jedes System an seine Umwelt angepasst (oder es existiert nicht), aber innerhalb des damit gegebenen Rahmens hat es alle Möglichkeiten, sich unangepasst zu verhalten [...]"(Gesellschaft der Gesellschaft: 100f) [ ]