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Elemente
Ausstellungen.
Die
Ausstellungen des
Jahrs 1885 waren zwar zahlreich, aber fast durchweg auf einen engern
Kreis
[* 2] beschränkt, wenngleich
dieselben häusig als
Weltausstellungen auftraten. Die
Reihe derselben eröffnete bereits im
Januar die
Weltausstellung von
New Orleans,
welche unmittelbar nach ihrer
Eröffnung von einem finanziellen
Krach bedroht wurde, indem die durch
Subskription
zusammengebrachte 1 Mill.
Dollar schon damals verbraucht war und zu neuen Sammlungen geschritten werden mußte.
Schuld an diesem Mißerfolg trug nicht zum wenigsten die viel zu großartige Anlage, indem der von den beiden Hauptgebäuden bedeckte Raum größer war als der der Wiener Ausstellung von 1873 und der Pariser von 1878 zusammengenommen. Die Beteiligung seitens Deutschlands [* 3] war eine sehr schwache. Die Ausstellung wurde indes am Ende des Jahrs in einer beschränktern Form wieder eröffnet. Eine ebenfalls internationale Ausstellung für Erfindungen in London [* 4] war ziemlich reich beschickt; bei derselben beteiligte sich als besondere Neuigkeit auch die Aeronautische Gesellschaft für Großbritannien [* 5] in sehr vollständiger Weise.
Eine der bedeutendsten
Ausstellungen des
Jahrs war die 2. Mai zu
Budapest
[* 6] eröffnete ungarische Landesausstellung, welche von 1,759,368
Personen besucht wurde, dennoch aber mit einem
Defizit von 497,000
Gulden abschloß. An dieselbe schloß sich im
Oktober eine internationale Pferdeausstellung, welche ein außerordentlich reiches und vortreffliches Pferdematerial
vorführte. Ebenfalls 2. Mai fand auch die
Eröffnung der
Weltausstellung zu
Antwerpen
[* 7] statt; an ihr beteiligten sich 1000 deutsche
Aussteller, denen 6500 qm eingeräumt waren.
Auch hier errang die deutsche
Industrie nicht unbedeutende Erfolge. Auf deutschem
Boden fand eine ansehnliche
Zahl auf das
Reich oder einen noch enger begrenzten
Kreis berechneter
Ausstellungen statt. Als bedeutendere sind die von
Görlitz,
[* 8]
Königsberg
[* 9] und
Nürnberg
[* 10] zu nennen. In
Görlitz wurde 14. Mai eine
Gewerbe- und
Industrieausstellung eröffnet, verbunden mit einer internationalen
Abteilung für instruktive Erzeugnisse und
Erfindungen, eine der umfangreichsten, welche
Deutschland
[* 11] in
den letzten
Jahren gesehen hat.
Während diese Ausstellung indes sich in einem engern Rahmen bewegte, hatte die 24. Mai zu Königsberg i. Pr. eröffnete Ausstellung für Handwerkstechnik und kleingewerbliches Maschinenwesen einen durchaus internationalen Charakter. Einen solchen trug auch die 15. Juni Nürnberg eröffnete Ausstellung von Arbeiten aus edlen Metallen und Legierungen, bei welcher vom Ausland besonders Japan [* 12] sich sehr reich beteiligte. Hier wurde auch 1. Aug. eine sehr gelungene Ausstellung von Kraft- und Arbeitsmaschinen für das Kleingewerbe eröffnet.
Von
den
Ausstellungen des
Jahrs 1886 ist zuerst eine in
Rom
[* 13] 7. Febr. eröffnete
Ausstellung von Kunstwerken der Metallindustrie zu erwähnen,
zu welcher
Rom,
Turin,
[* 14]
Venedig,
[* 15]
Ravenna und andre italienische
Städte ihre in
Museen,
Arsenalen und
Kirchen gesammelten Kunstschätze
beisteuerten, während durch moderne Leistungen namentlich
Siena,
Neapel,
[* 16]
Florenz
[* 17] und
Rom vertreten waren. Im März wurde in
Dundee
[* 18] eine internationale photographische
Ausstellung abgehalten, eine überaus reichhaltige Sammlung der mannigfaltigsten
Natur-,
Landschafts- und Marinebilder, der feinsten
Porträte
[* 19] und äußerst gelungener Momentphotographien
etc., womit zugleich eine
Ausstellung von
Apparaten u. Materialien der
Photographie verbunden war.
Sehr erwähnenswert ist die in demselben Jahr in Dresden [* 20] bei Gelegenheit des in der Osterwoche abgehaltenen Geographentags veranstaltete geographische Ausstellung, welche neben den bei solchen Gelegenheiten vorgeführten neuen Karten und Schriften eine Ausstellung der bisher erschienenen Koloniallitteratur, eine Sammlung von Photographien, Landschaftsbildern und Völkertypen aus Turkistan, Bochara, China und Transkaspien sowie Bilder und Aquarelle aus Südamerika [* 21] enthielt.
Einen großartigen Einblick in die Machtstellung Englands durch seinen ausgedehnten Kolonialbesitz [* 22] gewährte die 4. Mai durch die Königin selbst in London eröffnete koloniale und indische Ausstellung. Dieselbe war von sämtlichen überseeischen Besitzungen Englands in überaus reicher Weise beschickt, wobei Indien und einige andre Kolonien die Herstellung der von ihnen gelieferten Spezialitäten in eigens dazu erbauten Läden und Werkstätten vorführten.
Einen besondern Reiz gewann die Ausstellung durch eine Reihe charakteristischer Bauten in wohlgelungenen Nachbildungen. Während der sechs Monate ihres Bestehens wurde die Ausstellung von 5,550,749 Personen besucht; ein sehr großer Teil der ausgestellten Sachen verblieb in London in dem bald darauf erbauten Kolonialmuseum. Eine internationale Ausstellung für Industrie, Wissenschaft und Kunst in Edinburg [* 23] hatte als Besonderheit die Nachbildung einiger alter historischer Gebäude und Straßen Altedinburgs aus den Zeiten des John Knor. und der Maria Stuart, welche in ihrer ganzen Einrichtung sowie auch hinsichtlich der Trachten des in den Läden dieser Häuser als Verkäufer dienenden Personals ganz jener Zeit angepaßt waren.
Während der sechs Monate ihrer Dauer wurde die Ausstellung von 2,740,000 Menschen besucht und ein Überschuß von 17,000 Pfd. Sterl. erzielt. Eine internationale Ausstellung in Liverpool [* 24] illustrierte hauptsächlich die Kunst und Wissenschaft der Schiffahrt von den ersten Anfängen bis zu der gegenwärtigen Zeit. Frankreich, Italien, [* 25] Belgien, [* 26] Deutschland, Österreich, [* 27] Holland, Amerika, [* 28] Japan, China und Afrika [* 29] waren sämtlich vertreten. In Berlin [* 30] wurde 25. Mai die lange sorgfältig vorbereitete Jubiläumsausstellung feierlich durch den Kaiser eröffnet.
Mehr als 2000 Aussteller hatten sich dabei mit weit über 3000 Werken beteiligt. Die von der königlichen Akademie der Künste ins Werk gesetzte Ausstellung war außerdem durch eine Anzahl von klassischen Bauten auf dem freien Platz neben dem Ausstellungsgebäude [* 31] höchst anziehend gemacht. In dem sogen. klassischen Dreieck [* 32] erhob sich ein der Terrasse des Pergamonaltars möglichst getreu nachgebildeter Unterbau mit gewaltiger Freitreppe, welche zu einer Nachbildung des Zeustempels zu Olympia führte, in welchem ein Rundbild von Pergamon [* 33] untergebracht war. Bei der Ausschmückung des ¶
forlaufend
Tempels waren Nachbildungen der bei Pergamon gemachten Funde sehr glücklich verwertet worden. Nicht weit davon hatte man eine humoristisch ausgestattete Osteria errichtet. Die Ausstellung war eine internationale, vom Ausland (Österreich-Ungarn, [* 35] England, Holland, Dänemark, [* 36] Schweden, [* 37] Belgien, Italien, Schweiz, [* 38] Amerika, Frankreich, Rußland) waren 400 Gemälde eingelaufen. In Buenos Ayres [* 39] fand zu derselben Zeit eine Ackerbau- und internationale Maschinenausstellung statt, bei welcher fast alle europäischen Staaten vornehmlich mit Maschinen sich beteiligt hatten; Frankreich hatte auch Pferde [* 40] und Schafe [* 41] zur Ausstellung gesandt.
Unter den
Ausstellungen des Jahrs war die schwäbische Kreisausstellung in Augsburg,
[* 42] an welche sich später eine internationale, auch
von England und Amerika beschickte Müllereiausstellung sowie in der landwirtschaftlichen Halle
[* 43] auch eine
Bienenausstellung anschlossen, eine der nach Umfang und Inhalt bedeutendsten. Dagegen war die in Paris
[* 44] mit Unterstützung der
Stadtgemeinde ins Werk gesetzte Arbeitsausstellung infolge nachlässiger Ausführung ein entschiedener Fehlschlag. In Paris
wurde auch 24. Juli, gewissermaßen als Generalprobe für die in Vorbereitung begriffene große Weltausstellung,
eine internationale Ausstellung der industriellen Wissenschaften und Künste im Industriepalast eröffnet, an welcher sich über 300 Industrielle
beteiligten.
Überraschend gut gelungen war die 1. Aug. in Altenburg [* 45] eröffnete Landesausstellung, womit auch eine Ausstellung des Thüringischen Fischereivereins verbunden war. Einen wesentlich internationalen Charakter trug die 15. Aug. in Budapest eröffnete historische Ausstellung zur Erinnerung an die vor 200 Jahren erfolgte Befreiung Ofens von den Türken, wozu Deutschland, Frankreich, Italien, Dänemark, England u. a. aus öffentlichen und privaten Sammlungen reich beigesteuert hatten. Am 15. Sept. wurde in Berlin eine vom dortigen Zentralverein für Handelsgeographie veranstaltete Ausstellung südamerikanischer Landesprodukte in der Neuen Warenbörse eröffnet, zu welcher den größten Teil Brasilien [* 46] geliefert hatte; doch waren auch Argentinien und Chile, [* 47] Paraguay, Uruguay, Venezuela, [* 48] Peru und Bolivia sehr gut vertreten. Zu derselben Zeit war bei Gelegenheit der Naturforscherversammlung in Berlin in der Akademie der Wissenschaften eine Ausstellung veranstaltet worden, welche physikalische Instrumente und Apparate, Gegenstände der Hygiene, Fortschritte auf dem Gebiet der Photographie, wissenschaftliche Ausrüstungen, Geographie u. a. umfaßte.
Einen interessanten Einblick in die Entwickelung der Technik des Pferdebahnbaues und -Betriebs gewährte eine 23. Sept. in Berlin
eröffnete internationale Straßen- und Pferdebahnausstellung, die von allen größern Städten, in denen Pferdebahnen bestehen,
sowie von den bedeutendsten Maschinenfabriken und Eisenhütten beschickt war. Gleichfalls international
war eine zu derselben Zeit in Amsterdam
[* 49] veranstaltete Ausstellung lebender Meister, welche Gemälde, Kupferstiche, Bildhauerarbeiten,
lithographische Erzeugnisse u. a. enthielt. Von den übrigen in diesem Jahr veranstalteten
Ausstellungen sind noch insbesondere die Hunde- und Vogel
ausstellungen zu erwähnen, welche in mehreren Ländern, zum Teil in
sehr umfassender Weise, veranstaltet wurden.
Das Jahr 1887 wurde eröffnet mit der internationalen Ausstellung für Volksernährung und Kochkunst, welche vom 27. bis 31. Jan. in Leipzig [* 50] im dortigen Kristallpalast abgehalten wurde und den ganz neuen Zweck verfolgte, die mächtigen technischen und wissenschaftlichen
Fortschritte darzustellen, welche die Volksernährung und Armenverpflegung in der Neuzeit gemacht hat. Dabei wurden 2 Bataillone und 1000 Schulkinder öffentlich gespeist und an den übrigen Tagen an 7000 Personen passende Nahrungsmittel [* 51] verteilt. Das finanzielle Ergebnis war ein sehr günstiges, indem ein Reingewinn von 30,000 Mk. erzielt wurde. Ganz ähnlich war die 3. Nov. in Düsseldorf [* 52] eröffnete allgemeine Ausstellung für Kochkunst, Volksernährung und Konditorei angelegt.
Auch hier ruhte der Schwerpunkt [* 53] auf den Fortschritten in der Herstellung und Zubereitung der Volksnahrungsmittel, auch hier fanden Massenspeisungen größerer militärischer Abteilungen und zahlreicher Schulkinder statt. Diese Ausstellung schloß ebenfalls finanziell günstig, indem ein Überschuß von 25,000 Mk. erzielt wurde. Auf einer 4. März eröffneten internationalen Kunstausstellung in Hamburg [* 54] waren vom Ausland namentlich Belgien, Dänemark und Italien gut vertreten.
Eine erste internationale Gartenbauausstellung in Dresden, 7. Mai eröffnet, war auch von Österreich, Belgien, England und Rußland
beschickt. Auf dieselbe folgte 13. Aug. eine internationale Ausstellung von Bäckerei-, Konditorei-, Müllerwaren u. a. Die Liste
der Aussteller umfaßte außer ganz Deutschland noch Österreich, die Schweiz, Italien, die Niederlande,
[* 55] Schweden
und die Vereinigten Staaten
[* 56] von Nordamerika.
[* 57] Eine für Westeuropäer sehr interessante Ausstellung der natürlichen Schätze
des Urals und Sibiriens wurde in Jekaterinenburg abgehalten. Einen weitern Fortschritt auf dem Gebiet der immer mehr gepflegten
Spezial
ausstellungen lieferte die 28. Aug. in Turin eröffnete internationale Ausstellung für Feuerlöschgerätschaften,
bei welcher die Beteiligung Deutschlands eine sehr starke war. Noch ist aus diesem Jahr zu nennen eine sogen. Weltausstellung
zu Adelaide
[* 58] in Südaustralien, an welcher auch die deutsche Industrie sich entsprechend beteiligte.
1888. In Wien
[* 59] veranstaltete man aus Veranlassung des 40jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers eine
Reihe von
Ausstellungen. Zunächst wurde 17. März eine Kunstausstellung eröffnet, die anfänglich einen rein nationalen Charakter haben sollte,
die sich aber schließlich zu einer internationalen gestaltete, an der Österreich und Deutschland zu ungefähr je einem Drittel
beteiligt waren, während der Rest auf Ungarn,
[* 60] Italien, Spanien,
[* 61] England, Schweden, Norwegen und Belgien entfiel.
Die darauf folgende Gewerbeausstellung bot ein überraschendes Bild von dem Können des österreichischen Gewerbfleißes. Die Ausstellung, die großartigste derartige, die Wien je gesehen, wurde 14. Mai eröffnet und war zum Teil in der Rotunde, zum Teil in mehreren Zubauten und in 75 größern und kleinern Pavillons untergebracht. Im ganzen waren mehr als 2100 Gewerbtreibende mit ihren Erzeugnissen vertreten. Die Ausstellung hatte einen Überschuß von 140,000 Guld. aufzuweisen. Zu derselben Zeit wurde in Glasgow [* 62] eine internationale Ausstellung eröffnet, welche eine sehr vollständige Darstellung der Entwickelung der englischen Kunst von ihren Anfängen enthielt, dabei auch eine sehr reiche Vorführung französischer und niederländischer Leistungen brachte und von 5,748,379 Menschen besucht wurde. Schon 15.-22. April hatte zu Genf [* 63] eine große internationale Gartenbauausstellung stattgefunden, und in demselben Monat war in Barcelona [* 64] eine Weltausstellung eröffnet worden, welche trotz der verhältnismäßig geringen Zahl der deutschen Aussteller ein sehr günstiges Ergebnis bezüglich der Beurteilung der deutschen Leistungen hatte. ¶
forlaufend
Erwähnenswert aus diesem Jahr sind auch eine internationale Ausstellung für Musikwerke, welche in Bologna abgehalten wurde, und als ein großartig angekündigtes, aber entschieden verfehltes Unternehmen die 2. Juli eröffnete internationale Ausstellung in Brüssel, [* 66] die keinesfalls hielt, was sie versprach, und durch die große Zahl von Schaubuden und Belustigungen mehr den Charakter einer großartigen Kirmes gewann. Von größern Körperschaften, die sich beteiligten, sind namentlich zu nennen die deutschen Vereine vom Roten Kreuz [* 67] und die deutschen Gewerbe der Chemie und Physik.
Auch auf der wenige Wochen später eröffneten internationalen Kunstausstellung zu Antwerpen war Deutschland in hervorragender
Weise vertreten, wie denn überhaupt das vornehmste Interesse dieser Ausstellung in den ausländischen Sektionen
lag. Der August sah die Eröffnung von drei größern
Ausstellungen. Die australische Kolonie Neusüdwales veranstaltete zur Feier des 100. Jahrestags
ihrer Gründung eine Weltausstellung in Sydney,
[* 68] an welcher sich die Industrie Europas indes weniger beteiligte.
Von weit bedeutenderm Umfang war dagegen die zu derselben Zeit in Melbourne [* 69] eröffnete Weltausstellung, bei der Deutschland auch offiziell vertreten war. Mehr noch als bei der früher hier ins Werk gesetzten Weltausstellung gewährten die deutschen Erzeugnisse ein umfassendes Bild der deutschen Industrie, die zwar nicht durch sehr viele, aber durch fast alle wichtigen Gewerbszweige, die in Deutschland ihren Sitz haben, vertreten war. Außer Deutschland waren offiziell vertreten nur England, Frankreich und die Vereinigten Staaten, während Österreich durch den Wiener Exportverein eine Sammlung und gemeinsame Vertretung seiner Aussteller bewerkstelligt hatte.
Die Ausstellung hatte trotz guten Besuchs einen Fehlbetrag von 400,000 Pfd. Sterl. aufzuweisen. Als eine der hervorragendern diesjährigen Ausstellungen Europas ist die in Köln [* 70] eröffnete internationale Gartenbauausstellung zu bezeichnen, auf welcher besonders die Gartenarchitektur in großartiger Weise zur Geltung kam. Nach einer fünfjährigen Pause trat München [* 71] wiederum in diesem Jahr mit einer Kunstausstellung hervor, die einen mehr internationalen Charakter hatte als irgend welche ähnliche frühere Ausstellungen Holland und Belgien hatten sich mit einer ungewöhnlich großen Zahl vorzüglicher Bilder eingefunden. England, Frankreich, die Schweiz, Spanien, Italien, Amerika waren ebenso vollständig wie vorzüglich vertreten. Außerordentlich reich war die deutsche Ausstellung, welche in mehr als 30 Sälen die Werke aller bedeutenden Künstler versammelte. Die Ausstellung wies einen Überschuß von 100,000 Mk. auf, während für 1,050,000 Mk. Verkäufe abgeschlossen worden waren.
1889. Die lange vorbereitete Weltausstellung in Paris wurde 6. Mai durch den Präsidenten Carnot vor einer ungeheuern Versammlung in dem großartigen Industriepalast eröffnet. Die europäischen Großmächte hatten zu einem Fest, welches die Revolution von 1789 verherrlichen sollte, ihre Botschafter nicht abgeordnet, Österreich und Rußland waren sogar gänzlich unvertreten, die übrigen hatten nur stellvertretende Gesandtschaftsbeamte entsandt, wogegen aber die Gesandten der Vereinigten Staaten, von Mexiko, [* 72] Dänemark, Persien, [* 73] Serbien, [* 74] Rumänien, Schweden und der Schweiz wirklich anwesend waren.
Gar nicht vertreten in der Ausstellung selber waren Deutschland, Montenegro, [* 75] die Türkei [* 76] und Schweden, doch hatten einige deutsche Maler ihre Bilder ausgestellt. Amtlich vertreten waren von europäischen Ländern nur Norwegen, die Schweiz und Griechenland; [* 77] Rußland, Österreich-Ungarn, Rumänien, Italien, Spanien, Portugal, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Großbritannien und Dänemark hatten es den Ausstellern überlassen, ihre Vertretung selber einzurichten.
Dagegen waren die meisten amerikanischen Staaten amtlich vertreten, aus Asien [* 78] Japan und Siam, aus Afrika Marokko [* 79] und die Südafrikanische Republik, [* 80] aus Australien [* 81] einige der englischen Kolonien. Den wirksamsten Anziehungspunkt bildete unstreitig der 300 m hohe eiserne Turm, [* 82] der vom Ingenieur Eiffel auf dem Marsfeld errichtet war. Auf einer Grundfläche von mehr als einem Hektar erhebt sich dieser Riesenbau, der bei hellem Wetter [* 83] auf 60 km in der Runde sichtbar ist.
Etwa 60 m über dem Boden ist ein erstes Stockwerk eingerichtet mit vier mächtigen Restaurants und einem Rundgang um den ganzen Turm. Ein zweites Stockwerk in 115 m Höhe ist vornehmlich zur Vornahme wissenschaftlicher Experimente bestimmt, dann folgt ein drittes kleineres Stockwerk; eine 250 qm große Glaskuppel, welche den Turm krönt, gewährt eine herrliche Fernsicht über die Hauptstadt und ihre Umgebung. Mächtige hydraulische Aufzüge befördern je 200 Personen bis zum ersten Stock und von da je 50-60 Personen bis zur Spitze des Turms in 6-7 Minuten.
Bis zum zweiten Stock stehen auch Treppen [* 84] dem Publikum zur Verfügung. Die Regierung gewährte Eiffel auf 20 Jahre eine Betriebsberechtigung dieses Turms, welche derselbe gegen eine Summe von 5,100,000 Frank an ein aus verschiedenen Banken gebildetes Konsortium überließ. Die interessanteste Abteilung dieser Ausstellung war ohne Zweifel diejenige, in welcher die asiatischen und afrikanischen Kolonien Frankreichs in zahllosen Zelten und Pavillons sich in all ihrer bunten Mannigfaltigkeit zeigten.
Ausstellungen nicht so großen Umfanges fanden in diesem Jahr an vielen Orten statt, einige davon waren sogar recht bedeutend. In Hamburg wurde 15. Mai eine große überseeische Handelsausstellung, die erste dieser Art in Deutschland, neben einer Industrieausstellung eröffnet. Einige Tage später fand in Köln die Eröffnung der internationalen Ausstellung für Nahrungsmittel und Hausbedarf statt, womit eine vom Rheinischen Kochkunstverein veranstaltete internationale Kochkunstausstellung verbunden war, an welcher sich neben Deutschland am großartigsten Italien beteiligt hatte, wo aber auch Österreich, Ungarn, England, Rußland und Belgien gut vertreten waren, und die selbst Frankreich beschickt hatte. In Kassel [* 85] wurde eine allgemeine Ausstellung für Jagd, Fischerei [* 86] und Sport abgehalten; London veranstaltete eine internationale Neuheitenausstellung, um die Erfindungen aus allen Ländern gemeinsam der Öffentlichkeit vorzuführen, die von fast allen namhaften Staaten in sehr reicher Weise beschickt war. In Berlin wurde eine deutsche allgemeine Ausstellung für Unfallverhütung durch den Kaiser selber eröffnet, an welcher auch Österreich und Belgien sich beteiligt hatten. In Stuttgart [* 87] fand zu Ehren des Regierungsjubiläums des Königs zuerst eine Ausstellung künstlerisch ausgeführter Holzarbeiten statt, dann eine solche für das Druckgewerbe. Antwerpen veranstaltete eine internationale Brauereiausstellung, in Tiflis wurde eine auch für ausländische Aussteller offene landwirtschaftliche und Industrieausstellung, in Genf eine internationale Gartenbauausstellung abgehalten. Schließlich dürfen die nach Umfang wie nach innerm Wert immer bedeutender sich gestaltenden von Pferden, Schlacht- und Zuchtvieh, Vögeln etc., welche in jedem Jahr in ¶