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Zu Beginn der 60er Jahre steckte die Marktforschung noch in den Kinderschuhen. Die Entwicklung von neuen Automodellen erfolgte mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip. Einer der ersten, der sich intensiver um die Bedürfnisse und Wünsche der zukünftigen Kundschaft kümmerte, war der Ford Manager Lee Iacocca. 1961 intern versetzt ins Kader, erforschte er das künftige Kaufverhalten der amerikanischen Bevölkerung. Seine Recherchen ergaben, dass in den allernächsten Jahren die sogenannte „Baby-Boom- Generation“ nach dem Ende des 2. Weltkrieges ins „autofähige“ Alter kommen würde. Die amerikanische Wirtschaft boomte. Es würden sich immer mehr Familien Zweit- und Drittwagen leisten können. Ausserdem waren sportliche „Kompaktwagen“ in jenen Jahren der letzte Schrei. Aus diesen Erkenntnissen formulierte er Eckdaten für ein neues Automodell: Sportlicher 4-Sitzer, Länge max. 460 cm, fahrfertiges Gewicht 1200 kg, 6- und 8-Zylinder Motoren, Mittelschaltung, Grundpreis max. $2500.–. Um den tiefen Preis erreichen zu können, sollten möglichst viele mechanische Teile vom Ford Falcon stammen.
Zu jener Zeit bastelte man in der Versuchsabteilung bereits an einem zweisitzigen Sportwagen mit 4-Zylinder Mittelmotor, dem Mustang I. Iaccoca bestand jedoch auf vier Sitzen, nachdem sich der Thunderbird nach dem Wechsel von zwei auf vier Plätze sehr viel besser verkauft hatte, und stoppte das Projekt. Innert zwei Wochen entwarfen die Ford Designer in einem internen Wettbewerb unter dem Projektnamen T5 den „Cougar“. Das Auto wurde erst vor Produktionsbeginn wieder in „Mustang“ umbenannt.
Zum Hardtop Coupé wurde gleichzeitig ein Cabrio entwickelt. Damit die zukünftigen Käufer den Mustang nach eigenem Gusto und Geldbeutel gestalten konnten, enthielt die Grundversion nur das Allernötigste. Die Liste der erhältlichen Extras fiel dafür umso länger aus. Der Käufer konnte seinen Mustang als billiges Sparauto bestellen; als Sportwagen oder Luxusmobil ausstatten lassen. Iacocca kreierte damit den Begriff des „Personal Car“, auch „Pony-Car“ genannt.
Die Markteinführung des Mustangs war von langer Hand geplant und ein absolutes Novum in der Autoindustrie. Im Frühjahr 1964 gelangten „unautorisierte“ Fotos per „Zufall“ an die Presse. Ein „Informationsleck“ hier und da genügte, um das neue Modell bereits im Vorfeld ins Interesse der Oeffentlichkeit zu rücken. Am Abend des 16. April 1964 überflutete Ford die USA mit einer nie dagewesenen Werbekampagne. 29 Millionen Zuschauer sahen auf allen drei Fernsehstationen zu besten Sendezeit Fernsehspots für den neuen Mustang. Den Inseraten in 2600 Zeitungen im ganzen Land konnte kaum ein Ami entkommen. Der Mustang stand an der frisch eröffneten Weltausstellung in New York, in Flughafenabfertigungshallen, Hotellobbys und bei allen Fordhändlern. Auch die Radiohörer wurden nicht verschont. Journalisten wurden zu Probefahrten in besonders sorgfältig zusammengebauten Mustangs eingeladen und berichteten in rund 150 Zeitungen begeistert von ihren Eindrücken.
Vor den Ford-Showrooms spielten sich tumultartige Szenen ab. Jedermann wollte den neuen Wagen begutachten, probesitzen, die Schalter ausprobieren und den Mustang „fühlen“ Um jedem Händler wenigstens einen Mustang vor der Markteinführung liefern zu können, wurden die Produktionsbänder bereits am 9. März 1964 gestartet. Am 17. April 1964 waren allerdings viel zu wenige Autos vorhanden, um die grosse Nachfrage abzudecken: Am Abend des ersten Tages lagen den völlig erschöpften Händlern 22’000 feste Bestellungen vor!