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«Hormone sind besser als ihr Ruf»
Macht die Abgabe von Hormonen an Frauen in den Wechseljahren Sinn, oder ist sie gefährlich? Die Frauenärztin Ivrea Florio über Wallungen, Anti-Aging und die Angst vor Krebs.
Die Diskussionen über die neuen Antibabypillen laufen zurzeit heiss. Etwas weniger laut spricht man über die Hormonabgabe an Frauen in den Wechseljahren, obwohl dieses Thema ebenfalls umstritten ist. Warum?
Ivrea Florio: Wechseljahre sind heute immer noch ein Tabuthema. Die Frauen sprechen nicht gerne über ihre Beschwerden, und wenn, dann höchstens mit einer Freundin oder der Gynäkologin. Und viele Frauen verbinden mit einer Hormoneinnahme ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.
Eine Studie der Frauengesundheitsinitiative WHI aus dem Jahr 2000 beurteilte die Hormonabgabe äusserst kritisch. Bei Frauen, die Hormone eingenommen hatten, soll vermehrt Brustkrebs aufgetreten sein.
Inzwischen weiss man, dass diese Studienergebnisse neu zu interpretieren sind. Damals wurden rund 16’600 Frauen in zwei Gruppen eingeteilt, die eine Gruppe erhielt Hormone in der damals üblich hohen Dosierung, die andere nicht. Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, weil in der Gruppe, die ein Hormonpräparat eingenommen hatte, deutlich öfters Brustkrebs aufgetreten war. Allerdings waren zwei Drittel der Frauen in dieser Studie über 60 Jahre alt, und viele von ihnen hatten Vorerkrankungen wie Herz- und Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Oder sie hatten bereits Jahre vorher Hormone eingenommen. Insofern war das Ergebnis nicht wirklich aussagekräftig. Doch diese Studie hatte zur Folge, dass Hormone einen denkbar schlechten Ruf bekamen. Geschätzte 50 Prozent der Frauen weltweit setzten ihre Hormone ab.
Wie hat sich die Hormontherapie in den letzten Jahrzehnten verändert?
Noch vor 20 Jahren wurden Hormone, salopp formuliert, nach einem Giesskannenprinzip verschrieben: Praktisch jede Frau erhielt die gleich hohe Dosis. Hormone in den Wechseljahren gehörten beinahe zum guten Ton. Heute weiss man, dass eine gesunde Frau um die 50 Hormone während mehrerer Jahre einnehmen kann, ohne dass diese einen schädlichen Einfluss haben. Im Gegenteil, die positiven Aspekte überwiegen: Hormone verhindern langfristig Folgekrankheiten, geben Schutz vor Herz- und Kreislauferkrankungen, schützen vor Osteoporose, vor dem Verlust der Muskelmasse und vermindern eventuell auch das Risiko, an Alzheimer zu erkranken.
Wie hat sich die Zusammensetzung der Hormone gegenüber früher verändert?
Früher wurden synthetische Östrogene verwendet, die aus dem Urin schwangerer Stuten gewonnen wurden und sich chemisch vom körpereigenen Östrogen unterschieden. Heute verwenden wir bioidentische Hormone, natürliche Östrogene in Form von Gels oder Pflastern und natürliches Progesteron in Tablettenform.
Aber das Brustkrebsrisiko steigt?
Minim, ja, jedoch nicht bei den heute üblichen Einnahmeschemen mit natürlichen Hormonen. Viel mehr ins Gewicht fallen diesbezüglich Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen und mangelnde Bewegung.
Trotzdem sind viele Frauen immer noch skeptisch, wenn es um eine Hormonersatztherapie geht.
Ja, zu mir kommen fast keine Frauen, die sagen: «Ich möchte gerne Hormone.» Erst wenn die Wechseljahrbeschwerden wie Wallungen, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen sehr stark sind, suchen sie nach Alternativen. Bei einigen Frauen haben pflanzliche Produkte Erfolg, andere versuchen dann eine individuelle Hormontherapie, die ich auf jede Patientin anpasse. Und meine Erfahrungen zeigen, dass sich die meisten Frauen wohler fühlen und sagen: «Hätte ich doch schon früher damit begonnen.»
Was sind Kontraindikationen bei einer Hormontherapie?
Frauen, die bereits Thrombosen, Herzinfarkte, Brustkrebs oder Gebärmutterkrebs hatten, sollten keine Hormone nehmen.
In den USA werden Hormone schon seit längerem im Anti-Aging-Bereich verwendet. Eine Entwicklung, die wir auch in der Schweiz erleben werden?
Ich denke ja. Auch wenn der Umgang mit Hormonen in den USA um einiges lockerer gehandhabt wird. Betrachtet man die nachgewiesenen Effekte der Hormontherapie im Hinblick auf die Vorbeugung von altersbedingten degenerativen Veränderungen, so kann eine Hormontherapie ein Baustein für ein gesundes Altwerden sein.
Sie selbst sind 50 Jahre alt, gehören also zur Zielgruppe für eine Hormonersatztherapie. Werden Sie Hormone nehmen?
Ja, beim Auftreten von entsprechenden Beschwerden. Hormone sind nicht so schlecht wie ihr Ruf. Zum richtigen Zeitpunkt damit begonnen, in optimaler Dosierung und richtig angewendet, bin ich überzeugt, dass sie die Lebensqualität im Alter erhöhen können. Natürlich nur, wenn man auch punkto Ernährung und Bewegung auf sich achtet.
12 Kommentare zu ««Hormone sind besser als ihr Ruf»»
Bei Männern verlaufen die Wechseljahre wohl etwas milder. dafür beginnen sie früher. (Trau keinem über 30). Ich bin jedenfalls mit meinem Hormonhaushalt immer noch zufrieden. Bin einfach etwas ‚ruhiger‘ geworden.
Ich neige zwar manchmal auch zu einer leichten Hypochondrie, besonders bei hohem Fieber. Hormone würde ich aber nur nehmen, wenn medizinisch dringend angezeigt. Also wenn sonst ein grosses Leiden drohte. Und nur von einem Arzt meines Vertrauens.
Hormone so kurz wie möglich und so wenig wie möglich. Und das auch nur wenn Frau unter sehr starken Hitzewallungen und Schweissausbrüchen leidet.
Ansonsten sind Wechseljahre keine Krankheit und somit auch nicht behandlungsbedürftig. Nicht weiter für dumm verkaufen lassen. Frauen lasst es zu, das Erwachen der Königin in Euch.
Herzlichst
Annemarie von Gradowski
http://www.von-gradowski.de
Nachdem ich (53) jahrelang unter starken Menopausen-Beschwerden litt (Migräne, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit etc.) mache ich nun seit 1 Jahr eine Hormontherapie, die sehr gering dosiert ist. Die Beschwerden, die früher mein Leben substantiell beeinträchtigt hatten, sind komplett verschwunden. Ursprünglich war ich für natürliche Heilmittel und gegen die Einnahme von Hormonen, da sie ja die im Artikel genannten Risiken beinhalten können. Jetzt bin ich aber sehr froh, mich für die Einnahme der Hormone entschieden zu haben. Sie haben mir wieder meinen früheren Elan und den Mut zurückgegeben, mich beruflich noch mal umzuorientieren, was mir aufgrund der starken Beschwerden jahrelang nicht gelang.
Werbung für Hormone, die verharmlost werden. Hormone von der Pubertät (Pille) bis ins Grab (Östrogenersatz). Dabei gibt es Alternativen die mir und vielen meiner Bekannten geholfen haben. Hormone sind in erster Linie ein grosses Geschäft.
Die ganze Medizin ist zum Geschäft verkommen.
soeben eine OP hinter mir,
Entfernung der Eierstöcke wegen Auffälligkeiten im Befunde
Diagnose: Ursache, die vom Arzt verschriebene leichte Hormoneinnahme!
Eine Nachbeobachtung der „Womens‘s Health Initiative“ hat zusätzlich ergeben, dass Frauen, welche Hormonpräparate einnehmen, nicht nur häufiger an Brustkrebs erkranken, sondern auch ein höheres Risiko haben, daran zu sterben.
Nebenwirkungen der Hormonersatztherapie: Stark erhöhtes Brustkrebsrisiko, erhöhtes Herzinfarkt-, Schlaganfall- und Thromboserisiko, verdoppelte Demenzgefahr, erhöhtes Risiko für Nierensteine und Gallensteine, erhöhtes Risiko für Nierenschädigungen, Zunahme der Urininkontinenz, Übelkeit, Gewichtszunahme, Fremdheitsgefühl im eigenen Körper, Empfindlichkeit der Brüste, Wassereinlagerungen, Depressionen oder Niedergeschlagenheit, Veränderungen im Fettstoffwechsel des Blutes, Kopfschmerzen, Migräne, Bildung von Myomen oder Zysten.
http://www.appella.ch
Ich nehme Hormone und mache anti aging
Es geht mir fantastisch .
Und: so sehe ich auch aus .
(Zuvor ging es mir einfach nur mies )
für mich gilt grundsätzlich dass jede frau ihre für sie stimmigen vorkehrungen treffen kann die ihr vertrauen geben in ihre körperliche gesundheit. alles kann man nie kontrollieren! mir persönlich haben die hormone vor 16 jahren schlagartig eine enorme lebensqualität zurückgegeben die ich nach schlaflosen nächten und stimmungsschwankungen so ziemlich verloren hatte. heute mit 66, habe ich ganz mit diesen aufgehört. ich fand meinen körper wieder in der lage, die paar wallungen und die manchmal nächtlichen erwachensphasen auszuhalten.. es geht mir gut und ich finde es hat sich bestätigt, auf seinen körper hören aber nicht unötig leiden! ist ok.auspropieren was helfen könnte, dabei sport machen der spass macht und vernünftig essen mit vergnügen und nicht rauchen! das meine erfahrungen! edith
Dieser Artikel suggeriert irgendwie, dass ohne Hormoneinnahme die Lebensqualutät und die Gesundheit schlechter sind. Das sind heikle Aussagen. Dass Hormone bei starken Wechseljahrbeschwerden Sinn machen liegt auf der Hand. Bei mir waren Beschwerden da (Wallungen, Schlaf etwas unruhiger, manchmal innere Unruhe, Körpergefühl aus dem Gleichgewicht, sporadisch Gelenkschmerzen,…), die aber absolut erträglich waren. Geblieben sind gelegentliche Wallungen. Ich bin 60 und hatte die letzte Mens vor 12 Monaten. Muss ich nun, gemäss Artikel, damit rechnen, dass ich kränker mit schlechterer Lebensqualität werde leben müssen, als mit Hormonen? Im Übrigen bin ich gesund und fühle mich gut….
Ich hatte das Glück, dass die Wechseljahre praktisch spurlos an mir vorbeigezogen sind, bis auf die wenigen Stunden, die ich nachts wachgelegen bin, die aber gut zu verkraften und manchmals sogar bereichernd waren, besonders dann wenn ich beispielsweise an Vorkommnisse aus meinem Leben dachte und dabei oft heimlich kichern musste, oder an Menschen, die mein Leben kreuzten und an die ich schon ewig nicht mehr gedacht habe etc. Ich bin heute fast 63 Jahre alt, fit und kerngesund. Was die Attraktivität anbelangt ist klar, dass die Haut zu erschlaffen beginnt und die Muskelmasse schwindet und zwar mit und ohne Hormone. Für Frauen, die während der Menopause mit allen Leiden dieser Welt geschlagen sind, ist eine Hormontherapie allerdings einen Versuch zur Linderung wert.