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Unglaublich: Als Kevin Costners (heute 67) Spätwestern «Der mit dem Wolf tanzt» 1991 als Überraschungsfilm-Vorpremiere in einem Zürcher Kino gezeigt wurde, verliessen manche Kinofans den Saal.
Entweder hatten sie keine Lust auf einen Western, oder sie wollten sich Kevin Costner nicht als abtrünnigen Nordstaaten-Leutnant vorstellen, der sich während des amerikanischen Bürgerkriegs im Jahr 1863 freiwillig an einen abgelegenen Posten versetzen lässt und sich mit einem Indianerstamm anfreundet. Der Rest ist Film- und Oscargeschichte. Und längst hat sich Costner im Westernfach etabliert. Den «Yellowstone»-Produzenten sagte er vor vier Jahren nur deshalb zu, weil sie ihm versicherten, dass ihre moderne «Bonanza»-Interpretation auf eine einzige Staffel angelegt sei.
Niemand hätte sich damals auch nur im Traum vorgestellt, dass die zweiteilige Premiere der mittlerweile vierten «Yellowstone»-Staffel im linearen Fernsehen 14,7 Millionen Zuschauer begeistern und gemäss quotenmeter.de zu einer der begehrtesten Staffelpremieren des Jahres 2021 avancieren würde. Costner steht voll und ganz hinter den Werten des Serienhelden John Dutton, wie er gegenüber streaming.ch bestätigte: «Ich kann mich sehr gut in ihn hineinversetzen: Das Leben der Menschen, die man liebt, wird auf einmal wichtiger als das eigene.» Was das konkret heisst: Wenn irgendein Soziopath seine Liebsten bedrohte, wäre das ein fataler Fehler für ihn. «Ich kann dann so tödlich sein wie kein anderer.»
So wie John Dutton ist auch Kevin Costner ein Rancher: «Wie meine Serienfigur bin ich wegen behördlicher Auflagen manchmal ziemlich gefrustet. Wenn du Land besitzt, dann kannst du leider nicht all das damit machen, was du gerne tun möchtest.» Grundsätzlich sei er dafür, die Natur so unberührt wie möglich zu belassen. «Gesetze und Regeln müssen durchdacht sein und auf gesundem Menschenverstand basieren.» Darum hasst der Privatmann Costner auch die Politik und würde sich dort «nie reinziehen lassen».
Während einige Fans «Yellowstone» als «feuchten Traum eines alten weissen Mannes» beschreiben, sind andere begeistert: «‹Yellowstone› ist ein Mix aus ‹Longmire›, ‹Justified› und ‹Sons of Anarchy› – mit einer Prise ‹Billions›.» Inhaltlich geht es um Familie, Loyalität, Gesellschaft, Moral, Liebe und Verbrechen. Zudem mangelt es nicht an Gewalt und Action. Man spürt keine unnötigen Längen, trifft auf interessante Charaktere und einen durchweg hohen Unterhaltungs- und Spannungsbogen. Zudem fühlt sich Costner im Genre des Neowesterns sichtlich wohl, wie schon seine Auftritte in der Miniserie «Hatfields & McCoys» oder im Kinofilm «Open Range» gezeigt haben.
Costner macht keinen Unterschied zwischen der Arbeit für die Grossleinwand oder für den Bildschirm im Wohnzimmer: «Der Dreh geht morgens früh los und endet spätabends. Ich bereite mich genauso gründlich auf meine Szenen vor, als wäre es ein Kinostreifen.» Was noch hinzu kommt: Dank der «Yellowstone»-Serie konnte Costner auch während der Pandemie weiterarbeiten.
Und was ist das Wichtigste, das er persönlich seinen Kindern mit auf den Lebensweg mitgeben will? «Die Neugier darauf, was in der Welt gerade geschieht.» Er versucht seinen Kindern vorzuleben, dass man über den Tellerrand hinausschauen soll. Am besten gehe das übrigens durch Reisen. «Denn so sieht man, dass es noch andere Lebensweisen gibt.»
Blue Max | Westernserie | 4. Staffel
Mit Kevin Costner, Luke Grimes, Kelly Reilly
USA 2021, ab 5. Juli 2022