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Die Zahl der Flugpassagiere nimmt weltweit jährlich zu und im Jahr 2017 werden mehr als drei Milliarden Fluggäste erwartet.1 Ultralangstreckenflüge, zunehmend ältere Passagiere und der Medizintourismus lassen vermehrte medizinische Probleme an Bord erwarten. Die medizinische Versorgung im Flugzeug ist eine Herausforderung durch die räumliche Enge und die begrenzten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten sowie der auf Reiseflug vorherrschenden hypobaren Hypoxie.
Die Auswertung der medizinischen Zwischenfälle an Bord der SWISS entspricht weitgehend der Analyse von Petersen et al. über 11ʹ920 Notfälle an Bord mit Synkopen als häufigster Diagnose (Abbildung 1).4 Zur relativen Häufigkeit von Synkopen und respiratorischen Problemen trägt der verminderte Druck in der Kabine bei. Während dies beim Gesunden zu einer leichten hypobaren Hypoxie mit einem nicht spürbaren physiologischen Abfall der Sauerstoffsättigung auf 93 % bzw. des paO2 auf 62-67 mmHg führt, kann es bei Vorliegen einer pulmonalen Erkrankung dagegen eine spürbare Hypoxämie (paO2 < 50 mmHg) auslösen.5,6 Zudem ist die Kabinenluft mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 10 bis 20 % sehr trocken, was bei unzureichender Trinkmenge eine Dehydratation mit Hypotonie und gestörte Orthostase begünstigen kann.
Eine fundierte hausärztliche Beurteilung von Patienten mit medizinischen Einschränkungen vor einem Flug sowie die Prüfung der medizinischen Flugreisetauglichkeit durch den medizinischen Dienst der Airline trägt wesentlich zur Verhinderung von Notfällen an Bord bei.3,7-9
Entsprechend den Richtlinien der European Aviation Safety Agency (EASA) besteht die medizinische Ausrüstung an Bord eines SWISS Flugzeuges aus einem « First Aid Kit » (FAK), einem « Emergency Medical Kit » (EMK) (Abbildung 2), einem automatischen Defibrillator (AED) sowie Sauerstoff.10 Das FAK enthält nebst Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel und Verbrennungspflaster auch Medikamente wie z.B. Imodium, Motilium oder Paracetamol, welche von der Crew abgegeben werden dürfen. Das EMK steht bei einem medizinischen Notfall einem anwesenden Arzt zur Verfügung.
Bei einem Notfall ist ein Transfer des Passagiers aus dem Sitz in eine adäquate Lagerung in der Galley zu empfehlen. Das Stethoskop sowie die Blutdruckmanschette befinden sich im « Modul Diagnostik » des EMK, wobei die Auskultation durch Hintergrundgeräusche erschwert sein kann. Zur Beatmung stehen Beatmungsbeutel mit Sauerstoff, Guedeltuben, eine Larynxmaske sowie eine Handabsaugpumpe zur Verfügung. Im Falle einer kardiopulmonalen Reanimation (CPR) übernimmt der Arzt die Fallführung und der AED kommt zum Einsatz. Die Crew wird jährlich in CPR geschult und kann die Herzdruckmassage durchführen. Es sind alle wichtigen Notfallmedikamente zur parenteralen Applikation im EMK, ebenso eine Infusionslösung. Zur medizinischen Unterstützung kann das Cockpit den Kontakt mit der Einsatzleitstelle der Rega herstellen. Die Entscheidungshoheit im Flugzeug bleibt immer beim Captain, der auch operationelle Faktoren wie Wetter, Flugroute etc. berücksichtigen muss.
Es gilt das Recht des Landes, welches gerade überflogen wird. Beim Strafrecht gilt bei in der Schweiz registrierten Flugzeugen, gestützt auf Art. 97 des Bundesgesetzes über die Luftfahrt (LFG), das Schweizer Strafrecht, auch ausserhalb der Schweiz. Art. 128 StGB sagt zum Unterlassen der Nothilfe sinngemäss : Wer einem Menschen, der in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt, nicht hilft, obwohl es zumutbar gewesen wäre, kann mit Gefängnis oder Busse bestraft werden. Das trifft zu für jede Person, welcher die Hilfeleistung eines Schwerverletzten zugemutet werden kann. Ausser in Fällen, wo ein grobfahrlässiges Handeln vorliegt, deckt die Versicherung der SWISS allfällige Haftungsansprüche gegenüber Ärzten ab, welche an Bord medizinische Unterstützung geleistet haben.
▪ Bei 90 % der medizinischen Notfälle an Bord besteht keine unmittelbare vitale Bedrohung.
▪ Synkopen und respiratorische Probleme treten am häufigsten auf durch die hypobare Hypoxie sowie häufige Dehydratation durch die trockene Kabinenluft.
▪ Die medizinische Notfall-Ausstattung bei allen SWISS Flugzeugen besteht aus Emergency Medical Kit (EMK), AED sowie Sauerstoff.
▪ Der Arzt an Bord übernimmt im medizinischen Notfall die Fallführung. Die Crew ist in CPR geschult. Auf Langstreckenflügen kann die Rega beratend zugezogen werden. Der Captain behält immer die Entscheidungshoheit.