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Für den Vergleich von 3 verschiedenen Bildungssystemen wurden im binationalen Forschungsprojekt die Bildungssysteme von den beiden Schweizer Kantonen “Basel-Stadt” und dem “deutschsprachigen Teil Fribourgs” sowie das Bildungssystem von Baden-Württemberg aus Deutschland untersucht.
In Deutschfreiburg wurde in den 1990er Jahren ein neues Übertrittsmodell mit dem Ziel entwickelt, das Übertrittsverfahren zu standardisieren und Chancengleichheit zu gewährleisten. Dies wurde durch die Einführung einer Orientierungsschule (OS) geregelt, deren Eintritt nach sechs Jahren Primarschule erfolgt. In der OS befinden sich alle Anforderungsniveaus (Werkklasse, Real-, Progymnasiale Abteilung, Allgemeine Abteilung) im selben Gebäude mit teilweise gemeinsamen Aktivitäten. Nach Abschluss der neunjährigen obligatorischen Schulzeit sind Eintritte ins Gymnasium oder in eine Berufsausbildung möglich. Sowohl für den Eintritt auf ein Gymnasium als auch in die Berufsmaturitätsausbildung muss entweder ein ausreichender Notendurchschnitt vorliegen oder (bei 15 Nichterreichen des Notendurchschnitts) eine Aufnahmeprüfung abgelegt werden (mehr dazu vgl. Baeriswyl, Wandeler, Trautwein & Oswald, 2006).
In Basel-Stadt folgt nach einem vierjährigen Primarschulenbesuch der Besuch der OS, der in der Regel drei Jahre (bis zur 7. Klasse) dauert. Nach der OS werden die Schülerinnen und Schüler entweder der Weiterbildungsschule (WBS) oder dem Gymnasium zugewiesen; diese Zweiteilung mit ihren potentiellen Konsequenzen für Schulbiographien ist ein Charakteristikum von Basel-Stadt, das in der vorliegenden Studie von besonderer Relevanz ist. Die WBS dauert zwei Jahre und wird als Aund E-Zug geführt. Der A-Zug nimmt leistungsschwächere und mittlere Schülerinnen und Schüler auf und bereitet auf Lehre und Attestausbildung vor. Der E-Zug nimmt leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler auf und bereitet auf anspruchsvolle Lehrstellen und auf weiterführende Schulen vor. Nach der WBS ist die neunjährige obligatorische Schulzeit zu Ende, im Anschluss daran beginnt die Berufliche Grundbildung mit Eidgenössischem Berufsattest (EBA) oder Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ). Das Gymnasium dauert fünf Jahre und schliesst mit der Maturität ab. In der Regel erfolgt der Übertritt von der Sekundarstufe I direkt in die Sekundarstufe II. Jugendlichen, die den direkten Sprung in eine Berufslehre oder eine weiterführende Schule nicht schaffen, stehen Brückenangebote mit und ohne Berufspraktika offen. Diese dauern in der Regel ein Jahr.
In Baden- Württemberg folgt nach vier Primarschuljahren auf der Basis einer Grundschulempfehlung der Übergang in ein dreigliedriges Schulsystem, namentlich entweder Hauptschule/Werkrealschule, Realschule oder das Gymnasium. Die Hauptschule umfasst fünf Schuljahre und endet mit dem Hauptschulabschluss. Anschliessend kann eine Berufslehre absolviert oder – bei entsprechendem Notendurchschnitt – in einem freiwilligen 10. Schuljahr der Realschulabschluss erlangt werden. Ab 2010/2011 besteht für die Schulträger die Möglichkeit die Werkrealschule einzurichten. Sie beruht auf einem eigenen durchgängigen sechsjährigen Bildungsgang; Ziel ist der Erwerb der mittleren Reife. In Klasse 10 wird eng mit dem ersten Jahr der zweijährigen Berufsfachschule kooperiert. Die Realschule wird sechs Jahre besucht und endet mit der Realschulabschlussprüfung, welche den Zugang zu weiteren schulischen Bildungsgängen oder ebenfalls einer Berufsausbildung ermöglicht. Das Gymnasium wird in Baden-Württemberg acht Jahre besucht und wird mit einer zentralen Abiturprüfung abgeschlossen. Neben dem traditionellen Gymnasium gibt es zusätzlich die beruflichen Gymnasien, die als dreijährige Profiloberstufen geführt werden. Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler des beruflichen Gymnasiums stammt von der Realschule und wechselt nach dem Erwerb der mittleren Reife in Klasse 10 auf das berufliche Gymnasium. Das Schulsystem in Baden-Württemberg gilt innerhalb der Bundesrepublik Deutschland insbesondere in Bezug auf die beruflichen Gymnasien als „offen“ und modern.
Literatur:
Baeriswyl, F., Wandeler, C., Trautwein, U. & Oswald, K. (2006). Leistungstest, Offenheit von Bildungsgängen und obligatorische Beratung der Eltern. Reduziert das deutschfreiburger Übergangsmodell die Effekte des sozialen Hintergrunds bei Übergangsentscheidungen? Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 9(3), 373-392.