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Die Geschichte der HIV-Klinik von Calcutta Rescue
In den letzten Jahren wurde jedoch ein alarmierender Anstieg an Neuinfektionen bei der erwachsenen Bevölkerung in Westbengalen verzeichnet.
Jeweils am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Im vergangenen Jahr organisierte Calcutta Rescue deshalb während des ganzen Monats Dezember verschiedene Anlässe zur Thematik. Beispielsweise wurde mehrmals ein Quiz mit Fragen zu den Eigenheiten der HIV-Infektion sowie zu Prävention, Management und medikamentöser Behandlung durchgeführt.
Anfang der 2000er Jahre war das Leiden von HIV-infizierten Menschen auch in Kolkata sichtbar. Die Regierung war nicht in der Lage, die lebensverlängernde Therapie mit antiretroviralen Medikamenten anzubieten, da die Behandlung viel zu teuer war. Im Jahr 2004 mietete Calcutta Rescue deshalb einen kleinen Raum im Norden von Kolkata und Dr. Jack begann, dort HIV-Kranke zu behandeln.
Der Bedarf war offensichtlich und die Zahl der Patientinnen und Patienten, die zur Konsultation kamen, nahm rasch zu. Der Platz reichte schon bald nicht mehr aus und so wurde die HIV-Klinik in die Räumlichkeiten eines Pflegeheims verlegt. Zu dieser Zeit startete die Hochschule für Tropenmedizin von Kolkata die Behandlung von HIV-Kranken mit Erstlinien-Medikamenten. Die Zweitlinien-Medikamente konnte sie aber nicht zur Verfügung stellen. Als Dr. Jack dieser Versorgungslücke gewahr wurde, nahm Calcutta Rescue mit der Hochschule für Tropenmedizin Kontakt auf und etablierte eine Zusammenarbeit. Die Institution überwies die Kranken, welche eine Behandlung mit Medikamenten der zweiten Wahl benötigten, an Calcutta Rescue. Die Patientenzahlen nahmen daher weiter zu, sodass die HIV-Sprechstunde 2006 schliesslich in die Talapark-Klinik zügelte. Wegen des sehr hohen Preises der Zweitlinien-Medikamente beliefen sich die Behandlungskosten auf rund CHF 9000 pro Woche. Calcutta Rescue musste nach einer Finanzierung suchen, denn der Behandlungsbedarf war eindeutig, die Patientinnen und Patienten würden sonst sterben.
Auch heute noch überweist die Hochschule für Tropenmedizin HIV-Kranke an Calcutta Rescue, insbesondere diejenigen, die eine Dritt- oder Viertlinien-Behandlung benötigen. Calcutta Rescue nimmt auch Patientinnen und Patienten auf, wenn diese die Medikamente nicht in einem staatlichen Spital erhalten. Die HIV-Sprechstunde in der Talapark-Klinik findet jeden Donnerstag und jeden zweiten Samstag statt. Aktuell werden 496 Kranke (145 männlich, 351 weiblich) behandelt. Die meisten kommen aus den Aussenbezirken von Kolkata und haben ein geringes oder gar kein Einkommen. Die Männer sind meist Bauern oder Tagelöhner oder sind arbeitslos. Die Frauen arbeiten meist als Hausangestellte oder sind Bäuerinnen.
Calcutta Rescue hat die Ernährung als wichtiges Element in das Versorgungsprogramm eingebaut. Die richtigen Nahrungsmittel in ausreichender Menge in der richtigen Kombination sind essenziell in der Prävention der Infektion und der Behandlung der HIV-Kranken. Eine spezialisierte Mitarbeiterin vermittelt allen Patientinnen und Patienten Wissen über die HIV-Infektion, berät sie bezüglich Ernährung und erklärt ihnen, wie man verschiedenen Gesundheitsproblemen vorbeugen und die Immunabwehr stärken kann.
Dr. Jack Preger sagt: „Wir haben viele Menschenleben gerettet. Die staatlichen Spitäler führen jeweils die Erstbehandlung durch, doch bei Bedarf einer weiterführenden Behandlung überweisen sie die Kranken an Calcutta Rescue. Ich möchte allen Unterstützungsgruppen danken, insbesondere denjenigen in der Schweiz und in Irland. Die Ausgaben für die Behandlung der HIV-Kranken belaufen sich auf durchschnittlich CHF 60‘000 pro Jahr. Deshalb sind wir wirklich auf unsere Spenderinnen und Spender angewiesen und äusserst dankbar für ihre kontinuierliche Unterstützung.“
Westbengalen war bisher einer der Bundesstaaten mit einer relativ niedrigen HIV-Häufigkeit von 0.2-0.25% (ähnlich wie in Rajastan und Delhi). In den letzten Jahren wurde jedoch ein alarmierender Anstieg an Neuinfektionen bei der erwachsenen Bevölkerung in Westbengalen verzeichnet. Gemäss den 2014 vom indischen Gesundheitsministerium erhobenen Zahlen wurden in Indien in den beiden vorangegangenen Jahren 161‘000 Neuinfektionen registriert, 8% davon in Westbengalen. Als Grund wird die Migration von Menschen aus Westbengalen in Bundesstaaten mit hoher HIV-Prävalenz wie Andhra Pradesh und Karnataka genannt; viele kehren dann als Infizierte nach Hause zurück.