Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03544.jsonl.gz/1025

Content Curation ist einer der besten Wege für Freiberufler und Agenturen, um im Netz Aufmerksamkeit und Reichweite zu erzeugen. Beispielsweise mit dem Ziel, als Experte wahrgenommen zu werden. Strategisch umgesetzt ist es eine hervorragende Möglichkeit für den eigenen Markenaufbau. Doch worauf kommt es an? Und wie lässt sich Content Curation konkret umsetzen?
Content Curation: Pflege deinen Inhalt!
Der Begriff „Content Curation“ besteht aus zwei Teilen. Content bedeutet Inhalt, und Kuratieren in diesem Kontext aufbereiten und verbreiten. Konkret leitet sich „Kuratieren“ aus dem lateinischen Wort „Curator“ ab – es steht für Pfleger oder Vertreter. Kuratoren kennst du vielleicht in Bezug auf Museen. Die Kuratoren dort sind verantwortlich für das Archivieren von Ausstellungsstücken. Im künstlerischen Bereich sorgen sie für die Zusammenstellung und Ausstellung des Materials. Man könnte also sagen, dass Kuratoren für die Pflege, das Organisieren und die Verbreitung von Objekten zuständig sind.
Bringt man diese Beschreibung in Verbindung mit dem Wort Content, dann bedeutet Content Curation nichts anderes als die Zusammenstellung von Inhalten und ihre Verbreitung. Mein sehr geschätzter Kollege Falk Hedemann definiert die Disziplin in seinem Artikel zu Content Curation wie folgt:
Es werden Inhalte aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, in einen Zusammenhang gebracht und eingeordnet.
Wie funktioniert Content Curation konkret?
Vielleicht hast du schon einmal wissenschaftlich gearbeitet. Dann hast du zu deinem Thema oder deiner These Quellen gelesen, die du anschließend als Beleg für oder gegen dein Thema/deine These zitiert hast. Genau das ist Content Curation. Du nimmst einen Inhalt, eine Aussage oder eine Position von jemand anderem und zitierst sie, um deine Aussagen/These zu belegen oder dagegen zu argumentieren.
In Schritte zerlegt sieht das so aus: Du …
- Scannst Quellen
- Wählst diese aus
- Bereitest sie auf
- Veröffentlichst diese
Das kann ein Tweet ebenso sein, wie ein Post/Kommentar von jemand anderem. Du kannst jede fremde Aussage aufnehmen, um sie in einem Blogartikel zu verarbeiten. Sie muss allerdings als solche kenntlich gemacht werden – einfach nur übernehmen ist nicht erlaubt. Im Zweifelsfall solltest du nachfragen, denn das Urheberrecht wird von manchen Quellen sehr streng ausgelegt, etwa von Verlagen.
Ich arbeite relativ oft mit Content Curation. Konkret etwa in dem Artikel Vom Mythos der 1.000 Wörter. Darin bin ich auf die Aussage meines Kollegen Vladislav Melnik eingegangen, der die Meinung vertritt, dass ein Blogartikel mindestens 1.000 Wörter haben MUSS. Ich war und bin anderer Meinung. Im Beitrag habe ich dies entsprechend verargumentiert, um meine Position deutlich zu machen. Der Artikel sorgte im Anschluss für eine große Diskussion auf seinem und auf meinem Blog. Das wiederum brachte uns viel Traffic und Aufmerksamkeit im Netz – genau so wirkt Content Curation.
Tipp: Wichtig dabei ist immer, dass die Quelle seriös ist. Nur so kannst du dich als Experte etablieren. Denn alles andere zeigt, dass du keine Ahnung hast, gute von schlechten Quellen zu unterscheiden. Die Netzgemeinde würde dir solche Fehler gnadenlos um die Ohren hauen.
Mit fremden Beiträgen zum Experten werden
Jahrelang war es ein Tabu, die Inhalte von anderen zu teilen, gerade die von deiner Konkurrenz. Denn schließlich wollte man, dass nur die eigenen Inhalte wahrgenommen werden. Klar, der Gedanke ist nachvollziehbar. Aber zu kurz gedacht!
Denn die wissenschaftliche Arbeit macht es vor: Erst wenn man Aussagen, Ergebnisse und Meinungen von anderen Wissenschaftlern betrachtet und die eigene These anhand dessen verifiziert bzw. falsifiziert wird, zeigt es, dass sich jemand mit der Materie auskennt. Diese Person:
- Ist in der Lage die Branche zu beurteilen
- Weiß wie der aktuelle (wissenschaftliche) Stand in dem Bereich ist
- Kann eine eigene sinnvoll Meinung begründen
Genau diese Punkte helfen dabei, den eigenen Expertenstatus aufzubauen und zu festigen.
Wie das konkret aussieht, zeigt mein Kollege Robert Weller. Auf seinem seinem Blog toushenne schreibt er zum Thema Content Strategie. Aktuell hat er einen Beitrag mit dem Titel „Der ultimative Brand Monitoring und Social Media Listenig Guide“ veröffentlicht. Darin arbeitet er mit extrem vielen fremden Quellen, um daraus seine Auflistung und Erklärung zu formulieren:
Diese Quellen hat er verlinkt und entsprechend eindeutig benannt. Damit zeigt er, dass er sich in dem Thema auskennt. Weil er genau weiß, welche Quellen und Urheber er nennen muss, um seinem Beitrag Struktur und Inhalt zu geben. Gleichzeitig stellt der diese Quellen gegenüber und bewertet sie in seinen Ausführungen, um anschließend ein Fazit zu ziehen.
Das stärkt nicht nur seinen Expertenstatus als Content-Stratege, sondern auch seine Personenmarke. Zudem macht er die erwähnten Personen durch die Verlinkungen auf sich aufmerksam. Im besten Fall bedanken sie sich öffentlich für die Erwähnung, antworten ihm oder teilen seinen Beitrag auf ihren Kanälen. Auf diesem Weg bekommt Robert Zugang zu Communities, die er sonst nicht oder nur schwer erreicht hätte.
Tipp: Wenn du Personen in deinen Artikel, Tweets, Facebook-Posts etc. erwähnst, dann tagge/markiere sie. Das hat mehrere Vorteile: Die Personen werden auf dich aufmerksam. Im besten Fall informieren sie ihre Community darüber, dass sie von dir erwähnt wurden.
Damit erweiterst du deine Reichweite und weitere Personen werden auf dich aufmerksam. Im besten Fall folgen dir die erwähnten Persönlichkeiten auch auf deinen Kanälen und du hast die Chance, dein Netzwerk weiter auszubauen.
Formate, die sich für Content Curation eignen
Das Teilen von Inhalten auf deinen sozialen Netzwerken und in Blogartikeln sind zwei beliebte Möglichkeiten, um Content Curation zu betreiben. Es gibt aber noch mehr:
E-Paper
Tools wie Paper.li oder Nuzzel bieten den Service, verschiedene Artikel zu einer Art Zeitung bzw. Artikelzusammenstellung zu kuratieren. Gute Fachartikel gebündelt für die Zielgruppe zusammenzustellen kann ein sehr guter Weg für die Reputation sein.
Infografiken
Infografiken sind schnell und einfach optisch zu erfassen. Mit Tools wie Infogram oder Pictochart kannst du in der jeweiligen Basisversion schnell und einfach gute Infografiken erstellen. Sie sind ein echter Hingucker, weil nicht immer jeder eine solche Grafik anbietet. Ein Beispiel ist die Infografik von RAIDBOXES „Fun-Facts unseres Jahres 2018“:
Nur dass du im Fall von Content Curation mit externen Fakten arbeiten würdest. Wenn diese nicht Allgemeinwissen sind, oder wenn sie von jemand anderem bereitgestellt werden, dann frage die Urheber vorab, ob du eine Infografik daraus machen darfst. Idealerweise teilen sie diese dann ebenfalls unter ihren Kontakten.
Experteninterviews
Interviews mit Experten bieten verschiedene Vorteile. Sie eigenen sich perfekt um
- Exklusive Inhalte bereitzustellen
- Zu zeigen, dass man weiß, wer in der Branche relevant ist
- Zu demonstrieren, dass man auch einen Diskurs führen kann
Zum einen kannst du auf diese Weise exklusive Fragen stellen und damit einzigartige Einblicke erhalten. Zum anderen ergänzt und stärkt der Experten-Kontakt dein Netzwerk. Ein sehr lesenswertes Interview mit dem Experten für Content Marketing Carsten Rossi von der Agentur Kamann Rossi hat Christa Goede veröffentlicht. Ihr Beispiel zeigt, wie gut solche Interviews funktionieren können.
Case Studies
Die Vorstellung und Auseinandersetzung mit einem authentischen Fallbeispiel aus der Praxis ist eine sehr gute Möglichkeit, um Content Curation zu betreiben. Gerade der Diskurs eines Falls, die Vorstellung der Vor-und Nachteile von Handlungen und die Bewertung von Ergebnissen zeigen, wie sehr man sich mit der Materie auskennt. Eine Case Study lässt sich wiederum auch mit Quellen anderer Experten ergänzen, so dass hier eine ausführliche und qualitative Auseinandersetzung entstehen kann. Damit lässt sich die eigene Reputation weiter aufwerten. Fallbeispiele von Case Studies im Content Marketing findest du beispielsweise bei textbroker.de.
E-Books
Elektronische Bücher eigenen sich sehr gut für Content Curation. Leicht geht das, wenn man bereits mehrere Blogartikel zu einem Thema hat und diese dann zusammengefasst veröffentlicht. Dann formulierst du nur noch die Einleitung sowie die Übergänge und fügst Beiträge von weiteren Experten hinzu. Das Ergebnis ist eine Sammlung fundierter Quellen inklusive eigener Texte, die auch noch unter dem eigenen Namen als „Buch“ publiziert sind.
Als Beispiel schau dir das Performance E-Book von RAIDBOXES an. In einer Art internem Content Curation wurde dabei auf das gesammelte Wissen des Teams zurückgegriffen – inklusive Verweise auf passende externe Quellen:
Bücher sind einfach immer noch DER WEG, um als Experte wahrgenommen zu werden. Zugegeben: Ein gedrucktes Buch, das in einem Verlag erscheint, wird in vielen Bereichen noch mehr auf die Reputation einzahlen. Aber ein E-Book ist schonmal ein sehr guter Anfang.
Worauf es beim Kuratieren ankommt
Gutes Content Curation beinhaltet, dass du dir klar machst, wer deine Zielgruppen sind und welche Informationen sie benötigen. Darum mache dir vorab Gedanken darüber, zu welchen Themen du Inhalte kuratieren willst. In meinem Fall betrifft es beispielsweise die Themen Social Media und Bloggen.
Überlege dir ein System, mit dem du Quellen sichten und archivieren kannst. Ich nutze dazu Pocket und Evernote. Mit Pocket speichere ich Artikel, die ich später lesen möchte und nicht verlieren will. Pocket selbst bietet auch die Möglichkeit, anderen Nutzern und ihren Inhalten zu folgen, wie das Beispiel von Content-Experte Klaus Eck zeigt:
In Evernote mache ich mir Notizen zu bestimmen Inhalten und speichere mir dazu die passenden Quelle(n) ab.
Wie bereits angesprochen: Achte darauf, dass deine Quellen seriös sind – lies dir die Inhalte genau durch. Du hast den Eindruck, dass die Quelle nicht ganz „sauber“ ist? Oder du kannst den Inhalt nicht nachvollziehen? Dann lass die Finger davon. Sollte letzteres der Fall sein, kannst du dich natürlich kritisch damit auseinandersetzen. Die Frage ist jedoch, ob du damit eventuell einen Shitstorm loslöst und selbst ins Kreuzfeuer gerätst.
Spare Zeit und nutze Planungstools, um Inhalte zu teilen. Dafür eigenen sich beispielsweise Buffer oder Hootsuite (in der Basisversion kostenlos). Mit ihnen kannst du deinen Content vorausplanen und automatisch veröffentlichen.
Ich empfehle dir, immer einen begleitenden und einordnenden Text dazuzuschreiben, wenn du Inhalte kuratierst. Damit zeigst du, dass du den Inhalt auch wirklich gelesen hast, ihn einordnen kannst und welchen Aspekten/Punkten du zustimmst bzw. ablehnst. Das ist übrigens auch eine der zentralen Aufgaben von seriösem Journalismus: das Einordnen von Geschehnissen. Wenn du Content kommentarlos kuratierst, dann können deine Zielgruppen/Fans/ Follower den Inhalt nicht einordnen.
Eines muss ich jedoch gestehen: Ich teile manchmal auf Twitter Tweets von Quellen, den ich bedingungslos vertraue, weil beispielsweise die Headline schon für sich spricht. Und weil ich weiß, dass meine Community die Inhalte einordnen kann. Dann verlasse ich mich manchmal auf das Feedback meiner Kontakte. Man lernt jeden Tag dazu und „passt aufeinander auf“.
Fazit:
Content Curation kann extrem gut geeignet sein, um Reichweite und einen Expertenstatus aufzubauen – wenn du dir Mühe damit gibst. Deine Beschäftigung mit weiterführenden Quellen und Aussagen sorgt gleichzeitig dafür, dass du dein eigenes Wissen erweiterst und damit über den Tellerrand schaust.
Gerade die Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen und Ansätzen bietet dir die Möglichkeit, eigenen Content zu schaffen, der darauf aufbaut oder eine Gegenthese berücksichtigt. Inhalte, die eine Gegenmeinung vertreten und sich kritisch mit einer Aussage beschäftigen, werden gerne gelesen und geteilt. Auch wenn dein persönliches Ziel die Stärkung deiner Marke ist: Die Relevanz des Contents für deine Leser sollte immer im Vordergrund stehen.
Du hast Fragen zum Thema Content Curation? Nutze gerne die Kommentarfunktion. Du willst über neue Beiträge zu Online Marketing & WordPress informiert werden? Dann folge uns auf Twitter, Facebook oder über unseren Newsletter.
Beitragsbild: Andrew Neel @Unsplash