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Hätte jemand der Familie Gasparin vor zwei Jahren prophezeit, dass die drei Töchter die Schweiz an den Spielen von Sotschi vertreten würden, wäre er wahrscheinlich ausgelacht worden. Selina Gasparin hielt als einzige Schweizerin einen Nationenplatz im Weltcup, Elisa mühte sich im zweitklassigen IBU-Cup ab, Nesthäkchen Aita als Juniorin. Aus internationaler Sicht war die Schweiz damals im Frauen-Biathlon eine One-Woman-Show auf Provinz-Niveau.
Beim ersten Anlauf überrundet
Den zweiten Quotenplatz im Weltcup erarbeitete sich Elisa Gasparin auf das letzte Jahr hin, und sie sammelte dort fleissig Meriten. Keine Top-Ten-Plätze – die holte auch die grosse Schwester Selina nur vereinzelt – aber die Punkte in der Nationen-Wertung tröpfelten zusammen. Beim Weltcup in Hochfilzen, im Dezember 2012, traten die Gasparins dann erstmals in der Staffel in Familien-Formation an. Mit mässigem Erfolg: Überrundung auf Platz 16.
Biathlon im Sotschi Player
Das Einzelrennen über 15 km können Sie am Freitag ab 15:00 Uhr im Sotschi Player mitverfolgen.
Weitere gescheiterte Versuche folgten. Die Olympia-Qualifikation schien ein Traum. Erst im letzten Anlauf, beim Weltcup in Ruhpolding, schaffte das Geschwister-Trio zusammen mit Irene Cadurisch den geforderten zehnten Platz. Der Traum vom Familien-Ausflug nach Sotschi wurde Wirklichkeit. Erstmals überhaupt in der Geschichte der Olympischen Spiele stehen in einem Biathlon-Rennen drei Athletinnen aus derselben Familie am Start.
Unterschiedliche Ziele
Cadurisch und die 20-jährige Aita Gasparin starten im Einzelrennen vom Freitag ohne Ambitionen. Sie sollen Erfahrungen sammeln auf Olympia-Niveau. Bei Elisa und Selina Gasparin sieht das etwas anders aus. Nach dem fehlerfreien Auftakt der 23-jährigen Elisa im Sprint von Sotschi könnte sie mit ihrer Unverfrorenheit auch im Einzel-Rennen auftrumpfen.
Und die 29-jährige Selina war schon vor ihren beiden Sprint-Siegen einmal auf dem Sprung zu einer Überraschung. Beim Weltcup-Auftakt 2012 lag sie ohne Fehlschuss an der Spitze des Einzelrennens, bevor sie den letzten Schuss daneben setzte und Vierte wurde. Inzwischen ist sie in der Weltspitze angekommen. Anders Elisa: Platz 8 im Olympia-Sprint sollte der etwas sichereren Schützin den berühmten Knopf gelöst haben. Einem Exploit können noch weitere folgen.
Berger, Domratschewa und…?
Natürlich zählen die Gasparins höchstens zu den Aussenseiterinnen im Medaillenkampf für das Einzel-Rennen der Frauen über 15 km. Titelverteidigerin Tora Berger ist Favoritin und hat auch die letzten beiden WM-Titel in dieser Disziplin gewonnen. An der Olympia-Hauptprobe vor einem Jahr musste sie sich aber ihrer Dauerrivalin Darya Domratschewa geschlagen geben. Zwischen diesen beiden läuft der Kampf um den Olympia-Sieg.
Eine «lachende Dritte» ist nicht auszuschliessen. Das Feld dafür ist so breit, dass auch die beiden älteren Gasparins darin Platz haben.