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Verfasst von: Konrad Zbinden
Anreise
In der Vorbereitungszeit sorgte die Aschewolke eines Vulkanausbruchs bei den Organisatoren für Albträume. Am Abreisetag sorgten streikende französischen Fluglotsen für Ärgernis und Enttäuschung bei der ganzen Reisegesellschaft. Unsere geplante Abflugzeit am Donnerstagnachmittag in Genf, wurde um 3 Stunden verschoben. So erreichten wir unseren Aufenthaltsort Huddersfield erst um Mitternacht und das erste Highlight unserer Reise, ein Probenbesuch bei der weltberühmten Black Dyke Band, fiel ins Wasser.
Nach einer kurzen Nacht folgte ein sehr langer Whit Friday, welcher morgens um 10 Uhr mit einem Prozessionsumzug in Uppermill begann und mit dem letzten Wettspiel um Mitternacht in Delph endete.
Whit Friday Prozession
Der kirchliche Feiertag (Freitag nach Pfingsten, Whit Friday) wird mit Prozessionszügen gefeiert. Sternmarsch-ähnlich ziehen Prozessionszüge begleitet von 2 bis 3 Brassbands von den umliegenden Kirchen in den Hauptort, wo sie sich auf einem Hauptplatz zu einem Gottesdienst versammeln.
Nach dem Gottesdienst bewegt sich die ganze Prozession wie ein „Tazelwurm“ kreuz und quer durch das Städtchen Uppermill. Dabei kommt es zu Gegenverkehr des Zuges und die spielenden Bands sorgen für ein „akkustisches Tohuwabohu“, was vollste Konzentration verlangte um nicht dem Rhytmus einer anderen Band zu verfallen. Die MGD hat zu unserer Zufriedenheit diesen Härtetest bestens bestanden.
Whit Friday Contest
In der Region Oldham & Saddleworth (ca 20 km Nordöstlich von Manchester) wurde der With Friday Contest ausgetragen. 135 Bands massen sich im Wettspiel in 12 Ortschaften, in einem vorgegebenen Zeitfenster von 16:00 Uhr bis um Mitternacht.
Für den Wettbewerb musste ein Konzertmarsch, stehend und ohne Schlagwerk, vorgetragen werden. In jeder Ortschaft wurden für den Wettbewerb Ranglisten nach Stärkeklassen der Bands erstellt (Championship Section und Section 1 – 4). Die Besten wurden mit Barpreisen, Wanderpreisen und Pokalen ausgezeichnet. Je nach Ortschaft waren weitere Preise ausgeschrieben. So zum Beispiel für den besten Aufmarsch (Deportment), beste Solisten, bestes Bassregister, beste Jugendband, beste Lokalband und so weiter… In den 12 Ortschaften waren Preisgelder von 27’000 Pfund ausgeschrieben. Für die lokalen Bands ist dies eine wichtige Geldquelle und verschärft den Wettbewerb, da jede Band in möglichst vielen Ortschaften auftreten und gewinnen will. Dies ist kein leichtes Unterfangen und bedarf eines Guides, der sich gut auskennt und Wettbewerbsorte wählt, in welchen die Warteliste nicht allzulange ist.
Wie alle Bands wurden wir mit einem Reisebus von Ort zu Ort chauffiert. Der Guide meldete die Band beim Wettkampfbüro an, bezahlte das Startgeld von 1£ und hinterlegte die Partitur für das Wettstück (Konzertmarsch) für die Jury. In der Startreihenfolge wurden die Reisecars aufgereiht. Meist waren 5 – 7 Bands vor Ort, was eine Wartezeit von 30 – 60 Minuten bedeutete. Zeit zum Geniessen der Stimmung und der Vorträge anderer Bands.
Der Wettbewerb begann immer mit einem Einmarsch (Marschmusikparade). In einigen Dörfern wurde dieser bewertet (Deportment) und in einer Gesamtrangliste geführt. Unser publikumswirksamer Auftritt mit Vereinsfahne und Ehrendamen und seriöser Marschformation wurde in Uppermill belohnt mit dem Sieg über alle Klassen!
Für den Konzertmarsch startete die MG Detligen in der 3. Stärkeklasse (3rd Section) und spielte in folgenden Ortschaften:
– Greenacres
– Scouthead & Austerlands: 3. Rang Wettstück 3rd section, Preisgeld 50£
– Lydgate
– Greenfield: 1. Rang Wettstück 3rd section, Preisgeld 100£ und Wanderpreis
– Uppermill: 1. Rang Einmarsch, Pokal, Sieg über alle Kategorien!
– Delph
Die vollständigen Ranglisten können als Excel-Datei heruntergeladen werden.
Als Vortragsplatz für die Wettstücke dienten Vorhöfe, Schafweiden, Stadtparks oder markierten Absperrungen mitten auf den Strasse. Die verdeckte Jury wurde hinter Wohnungsfenstern, in Hauseingängen oder in Campingwagen plaziert.
Ein ausgiebiges Nachtessen weit nach Mitternacht beendete den Whit Friday.
Ausflug nach York
Nach einer weiteren kurzen Nacht besuchten wir gegen Mittag die Stadt York. Bummel in der eindrücklichen Altstadt oder Besuche in kulturellen oder gastronomischen Gebäuden sorgten für kurzweilige Abwechslung. Das regnerische Wetter störte überhaupt nicht. Alle waren froh, dass der Whit Friday trocken geblieben war.
Kaum zurück im Hotel, wurde schon wieder gepackt für die Fahrt zum Konzertlokal in Uppermill. Auf vielen Plakataushängen wurde ein internationales Brass Fest angekündigt.
Gemeinschaftskonzert
2 Schweizer Bands und eine Band von den Kanalinseln sorgten mit verschiedener Konzertliteratur für einen abwechslungsreichen Abend. Wir eröffneten den Abend mit einem Konzertmarsch, gefolgt von solistischen Einlagen von Christa Bart. Von Anfang an herrschte eine ausgelassene Stimmung in den Zuschauerrängen, welche uns bei den Vorträgen beflügelte. Mit einem Zäuerli und einer Alphornballade, vorgetragen von Martin Jaberg, begleitet von Talerschwingen und Band, rissen wir das Publikum von den Stühlen. Von der Organisation des Whit Friday-Contests wurde uns der Deportment-Siegerpokal von Uppermill überbracht. Hier einige Impressionen von unserem Auftritt:
[youtube]WlBMi8c0ULA[/youtube]
[youtube]D1EVW9LaE7Y[/youtube]
Nach einem halbstündigen Konzert räumten wir die Bühne für die Guernsey Concert Brass, deren Dirigent sich mit seinen selbstdarstellerischen Einlagen nicht nur Freunde schuf.
Die Band genoss einen Solidaritätsbonus beim einheimischen Publikum wegen Ereignissen aus dem Zweiten Weltkrieg. Vor dem Einmarsch der deutschen Truppen auf den Kanalinseln wurde deren Bevölkerung evakuiert und in der Region Oldham & Saddleworth untergebracht. Drei noch aktive Bandmitglieder gehörten damals zu den betroffen Personen.
Musikalisch brachte die Band keine Spitzenleistung und fiel mit Intonations- und Rhytmus-Schwankungen aus dem Rahmen.
Einen brillianten Schlussteil des Konzertes bot die zweite Schweizerband. Die Brass Band Harmonie Saanen gefiel mit brilliantem Spiel und guter Stückwahl und löste Beifallsstürme aus. Nach 2 Zugaben endete der 3 stündige Konzertabend in aufgelöster Stimmung.
Zurück im Hotel, natürlich wieder nach Mitternacht, war Party angesagt. Mit Nachtessen und Disco bis 3 Uhr morgens war die Nacht noch nicht zu Ende. Zusammen mit den ebenfalls einquartierten Bands Saanen und Guernsey wurde gesungen bis zum Sonnenaufgang.
An die kurzen Nächte hat man sich schon gewöhnt und der Abreisetag konnte ohne Verspätung in Angriff genommen werden.
Rückreise
Auf der Fahrt zum Flughafen Manchester konnte ein Besuch des „Fussballtempels“ von Manchester United nicht fehlen. Eine Führung durch die heiligen Katakomben des Old Trafford und ein Blick auf den „heiligen Rasen“ liess das Herz unserer Fussballfans höher schlagen. Nicht Fussball-Interessierte besuchten derweil den Einkaufstempel Trafford, der eher an ein Prunk-Vergnügungspark mit Einkaufsmöglichkeiten erinnerte. Vollbepackt mit Souvenirs und Erinnerungen konnten wir zur geplanten Zeit am Flughafen einchecken.
Der Rückreisetag endete, wieder nach Mitternacht, im Restaurant Sternen Detligen bei Pouletflügeli und Schweizer Bier.
Bleibende Eindrücke
Wie schon erwähnt hinterliess die MG Detligen viele Eindrücke an diesem Wettbewerb. Immer wieder wurden unsere Ehrendamen als begehrtes Foto- oder Film-Sujet gewählt. Unsere Marschdisziplin und der geordnete, kommandierte Abmarsch löste immer wieder Begeisterungsstürme in der Zuschauermenge aus.
Volksfeststimmung herrschte in jedem Dorf und die Strassen blieben gefüllt vom Morgen bis nach Mitternacht, mit einer riesigen Zuschauermenge.
Das Bewusstsein an der Geburtsstätte der Brassbandmusik an einem Wettbewerb mit den besten Bands mitwirken zu können löste einige Emotionen aus.
Beeindruckend war die extreme Spielart der Bands. Brassmusik liegt den Engländer im Blut und wird entsprechend gelebt und gefeiert (Spirit of Brass).
Die langen Anfahrtswege zu den Anlässen wirkten schier endlos und wurden meistens zum Schlafen genutzt.
„Ganz in der Nähe“ heisst für englische Verhältnisse, mindestens eine Stunde Carfahrt über holprige und enge Strassen.
Schlafen wurde zu einer „Zeiteinheit“, die im Voraus nicht definierbar war.
Gegessen wurde meist nach Mitternacht, dies sollten wir uns aber vorteilshalber wieder abgewöhnen.
Das Wetter in England ist nicht immer nass. Wir durften 2 trockene Tage geniessen.
Im Internet sind schon Zahlreiche Erinnerung festgehalten. Nachfolgend ein paar Links:
Ranglisten
MG Detligen ist zu finden unter Anderem unter den Bezeichnungen:
Detligen Band, Musikgesellschaft Detligen, Detlingten Band
Youtube: Vorträge verschiedener Formationen, in verschiedener Qualität
erster Marschmusik Auftritt in Scouthead
This brass band came all the way from Swtizerland to entertain the folk of Saddleworth. They were absolutely brilliant!
[youtube]VIlWfpD_iY4[/youtube]
Brighouse and Rastrick Band
[youtube]iTKsLu8TRdE[/youtube]
Dobcross Band
[youtube]iSWqqWlCDek[/youtube]
Mollley Band
[youtube]4uaJqaCDj9U[/youtube]
St Ettienne Brass Band
[youtube]KgcdMUm-0Ks[/youtube]
Der Tag danach
Nach anstrengenden 4 Tagen sind wir wieder gut nach Detligen zurück gekehrt. Der Ausflug nach England hat alle Erwartungen übertroffen. Und wird als historischer Moment in die Vereinsgeschichte eingehen.
Auch in England hat die MG Detligen einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Mit 2 Siegen und einem 3. Rang an verschiedenen Wettbewerbs-Orten, werden wir in die ewige Rangliste des White Friday Contests aufgenommen.
Wir können es kaum noch glauben was in den letzten 4 Tagen abgegangen ist.
Die MG Detligen bedankt sich beim OK (Marc, Thomas, Cedric und Stefan) für die Realisierung der eindrucksvollen Reise.