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Herbert Leupin, geboren 1916 in Beinwil am See, besuchte 1931 bis 34 die Kunstgewerbeschule Basel, danach die Akademie Paul Colin in Paris. Leupin gehört mit rund tausend realisierten Plakaten und zahlreichen Auszeichnungen zu den erfolgreichsten Werbegrafikern seiner Zeit. Nach einer depressiven Krise entwickelte er Ende der Vierzigerjahre seinen eigenen, spielerisch-naiven Stil und schuf neben Plakaten für bekannte Markenartikel neuartige Werbekonzepte. Ab den Siebzigerjahren beschäftigte sich Herbert Leupin, der 1999 in Basel gestorben ist, hauptsächlich in freier künstlerischer Arbeit.
von Gabrielle Boller
Wer in den Fünfziger- bis Siebzigerjahren aufgewachsen ist, dem sind sie bestimmt noch als eine Art visuelles Grundrauschen im Gedächtnis geblieben – die unzähligen Plakate von Herbert Leupin, der es wie kein anderer verstand, selbst schlichte Konsumgüter verführerisch-glänzend in Szene zu setzen. Die Produkte wurden bei ihm zu Stars, in einer Zeit, als es oft noch echten Luxus bedeutete, sie zu besitzen. Da erhebt sich etwa ein Stück Steinfels-Kernseife so majestätisch wie das Matterhorn vor blau abschattiertem Grund, die Kohlensäureblasen des Eptinger Mineralwassers blubbern völlig losgelöst hinter dem Flaschenetikett ins Dunkel des Raums, oder Bell-Aufschnitt räkelt sich fast lasziv auf einem Holzbrettchen mit aufgestempeltem Firmenlogo. Die Wurstscheiben sehen dabei in Trompe-l’oeil-Manier gemalt so saftig aus, als könnte man sie vom Papier klauben und in den Mund stecken, sind gleichzeitig aber ästhetisch so überhöht, dass sie wie der Alltagswelt entrückt in höheren Sphären zu schweben scheinen. Diese Verklärung des Gewöhnlichen wurde als «Magischer Realismus» bekannt und fand in der Schweizer Plakatgrafik zur Zeit des Zweiten Weltkriegs zu einer Hochblüte. Während Herbert Leupin mit seinen frühen, hyperrealistischen Plakaten Mitte der Dreissigerjahre noch in der Tradition dieser speziellen Richtung der «Neuen Sachlichkeit» stand, entwickelte er bald einmal einen freieren, malerischen, später gar filigran-zeichnerischen Stil, bei dem er auch vermehrt typografische Elemente ins Zentrum setzte. Unvergessen bleiben etwa seine Variationen zur Pepita-Grapefruit-Limonade aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren, bei denen sich der emblematische Papagei in verschiedenen Konstellationen auf die Schrift des Markennamens setzt, und diese selbst wie die Bläschen im Getränk zu perlen beginnt.
Aus dieser Zeit stammt auch eines seiner berühmtesten Plakate, das er 1956 für den Schweizer Nationalzirkus Knie entwarf: Vor leuchtend rotem Hintergrund steht ein freundlicher Clown in buntem Harlekinkostüm und balanciert die Buchstaben des Zirkusnamens, vertikal aufgetürmt, auf seinem – jawohl – leicht angehobenen Knie. In dieser so charmanten wie gewitzten Bildidee zeigt sich auch die Besonderheit Herbert Leupins, der es stets verstand, den Betrachter miteinzubeziehen, ihn mit kleinen Bilderrätseln zum Mitspielen und Mitdenken anzuregen. Mit seinen Werbeplakaten wolle er etwas Fröhliches schaffen und nicht einfach etwas behaupten, sagte er einmal – und nicht für dumm verkauft zu werden, möchte man anfügen, gefiel dem Publikum offenbar sehr, denn schliesslich flirteten die Plakate mit ihrem bezaubernden Witz ziemlich unverhohlen mit ihren Betrachtern. Auch wenn Herbert Leupins Reklamen aus einer Zeit stammen, als es in der Metzgerei für Kinder ein Wursträdli gab und Zigaretten noch als elegantes Accessoire für Leute von Welt galten, kurz, die Warenwelt ihre Unschuld noch nicht verloren hatte – wer würde sich so etwas nicht auch heute wünschen?