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Surrealistisch wirkt das Aufeinandertreffen musikalischer Gegensätze zwischen Spätromantik und Moderne, Pathos und Humor speziell in Buñuels Frühwerk.
Surrealistischer Tonfilm
Zur Erstaufführung seines Stummfilms «Un chien andalou» 1929 legte Luis Buñuel nach dem Zufallsprinzip Grammophon-Platten auf mit Tangos und «Isoldes Liebestod» von Richard Wagner. Erst 30 Jahre später erhielt der Film eine perfekte Tonspur. Buñuels zweites Werk «L’âge d’or» (1930) wurde mit Kammerensemblestücken ergänzt. Und erneut wurde der «Liebestod» aus «Tristan und Isolde» der Amour fou hinzugefügt als subversive oder blasphemische Verbindung von Musik und Bild. Skandalös wirkte auf die Bourgeoisie die Verwendung des klassisch-romantischen Musikklischees. Anders als die meisten Surrealisten, die Musik verachteten, ging Buñuel seinen diesbezüglichen Vorlieben nach. Wie beim Einsatz der «Wesendonck-Lieder» von Wagner oder dem Trommelritual der Karfreitags-Zeremonie von Calanda. Ohne Ton wurde zunächst die Dokumentation «Las Hurdes» (1933) erstellt. Im Nachhinein wurden Text und die vierte Symphonie von Brahms eingearbeitet. Der Film gewinnt Leben durch den Kontrast von sachlichen Kommentaren, grausamen Bildern und heroischer Musik.
Kommerzielle Phase
Nach dem Spanischen Bürgerkriegs 1946 liess sich Luis Buñuels in Mexiko nieder und drehte aus finanziellen Gründen zahlreiche kommerzielle Filme. Wie in Hollywood wurden spätromantisch-melodramatische Kompositionen benutzt. Oder Unterhaltungsmusik wie Tangos und Rancheras. Teils ist es nur noch schwülstige Hintergrundmusik. Der Verzicht auf Derartiges gehört dann zu Buñuels reifem Stil ab «Viridiana» (1961), als die Musik wieder zur intelligenten Berreicherung zwischen Erhabenheit, schwarzem Humor und geheimnisumwitterter Wirkung wird.
Spätstil mit Ambiguität
In der Stille seiner letzten Filme sind präzise Natur- und Alltagsgeräusche eingesetzt wie die langsamen Schläge einer Sterbeglocke oder das Ticken von Uhren. Und die Musik wird nun ähnlich wie in seinem Frühwerk sparsam mit einbezogen teils wieder mit den selben Komponisten. Zum Flamenco tendiert Buñuel in seinen letzten Filmen wie «Belle de jour» (1966) und «Cet obscur objet du désir» (1977). Jean-Claude Carrière, Buñuelmitarbeiter, entdeckt in der Spätphase Buñuels eine Verbindung zu dem berühmten Schnitt durch das Auge zu Beginn von «Un chien andalou». Es schliesst sich ein Kreis im Gesamtwerk mit einigen Takten des Liebesduetts zwischen Siegmund und Sieglinde aus dem ersten Akt der «Walküre» von Richard Wagner. Buñuels Werk gewinnt wieder surrealistische Tiefe und Übersinnlichkeit.