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In den letzten Jahrzehnten erschienen zahlreiche Publikationen zu den adaptogenen Eigenschaften von Pflanzen. Adaptogene können als Mittel definiert werden, die verschiedene Phasen des «Adaptationssyndroms» modulieren. Es werden entweder Stressreaktionen im Alarmzustand reduziert, oder die Erschöpfungsphase wird hinausgezögert, respektive vorgebeugt. Zusätzlich wird ein gewisser Schutz gegenüber Langzeitstress erwartet. Adaptogene greifen in den Metabolismus ein und versetzen den Organismus in die Lage, sich Umweltfaktoren besser anzupassen und sich gegen diese zu schützen.
Die Beibehaltung eines ausgeglichenen Körperzustands, also die Homöostase, ist lebenswichtig. Dieses komplexe dynamische Gleichgewicht wird aber dauernd von äusserlichen und innerlichen Kräften – ob echt oder als solche wahrgenommen – den sogenannten Stressoren, angefochten. Stress wird deshalb als ein bedrohender Zustand der Homöostase oder als Disharmonie angesehen und von einem vielschichtigen Repertoire physiologischer Reaktionen und Verhaltensweisen angegangen, um die Homöostase wiederherzustellen (Stressanpassung). Die adaptive Stressantwort wird von einer komplexen neuroendokrinen, zellulären und molekularen Infrastruktur gefördert, dem Stresssystem.
Die individuelle Stressanpassung wird von einer Vielfalt genetischer, umwelt- und entwicklungsbedingter Faktoren bestimmt. Veränderungen in der Bekämpfung von Stressoren, wie zum Beispiel mangelhafte, übertriebene und/oder andauernde Reaktionen, können zu Krankheiten führen.
Die Aktivierung des Stresssystems (Alarmphase) führt zu einer Anhäufung zeitlich beschränkter körperlicher Verhaltensveränderungen (oder Anpassungen), die in der qualitativen Aufmachung bemerkenswerterweise konstant sind und insgesamt als das Stresssyndrom oder generelle Adaptation (Adaptierungsphase) bezeichnet werden. Beispiele dafür sind: Steigerung der kognitiven Funktionen, des Sauerstoffs und direkte Zufuhr von Nährstoffen ins System der beanspruchten Körperregionen. Gleichzeitig vollzieht sich eine körperliche Anpassung, speziell um eine adaptive Neuausrichtung der Energie zu begünstigen. So werden Sauerstoff und Nährstoffe in die beanspruchten Körperregionen geleitet, wo sie nun am meisten beansprucht werden. Sind Stressoren akut und andauernd vorhanden, ist das Stresssystem nicht mehr in der Lage, sich gegen sie zu wehren und ein neuer Abschnitt, die Erschöpfungsphase, beginnt.
Das derzeit diskutierte allgemeine Konzept des Adaptogens führt zur Vorstellung, dass der betroffene Organismus sich einem Stressor anpasst, indem der Wirkstoff wie ein «Vakzin» agiert und eine milde Aktivierung des Stresssystems auslöst, womit letztendlich grösserer Stress bewältigt werden kann. In diesem Sinn wirken Adaptogene als Herausforderer und milde stressigen (Stressmimetik), die adaptive und vor Stress schützende, mit den oben genannten Systemen in Zusammenhang stehende Wirkungen erzielen. Ziel ist die Verringerung von Stressreaktionen in der Alarmphase und dadurch die Vermeidung der Erschöpfungsphase. Mit anderen Worten: Dank der Adaptogene wird das Stresssystem aktiviert.
Das hat zwei grosse Vorteile:
1. Die allgemeine Adaptierung wird angeregt, dies wirkt sich positiv auf die unterschiedlichen Leistungen aus.
2. Der Körper ist fähig, sich besser gegen akute und starke Stressoren zu wehren, dadurch wird einer Überreaktion vorgebeugt. Die zu erwartenden Vorteile sind: Schutz vor Stress, Ermüdung, Depression und Unterstützung bei restaurativen Aktivitäten, Schutz vor Infektionen sowie eine gesteigerte geistige und körperliche Leistungsfähigkeit.
Stress ist in den letzen Jahrzehnten ein grosses Gesellschaftsproblem geworden. Wie oben erwähnt, hat Stress viele negativen Auswirkungen und beeinflusst letztlich die gesamte Lebensqualität. Die Konsequenzen von Stress sind oft komplex und miteinander verknüpft. Zum Beispiel schützt das Immunsystem nicht nur vor Viren oder Bakterien, sondern spielt auch in anderen Situationen eine grosse Rolle. Auch zu intensive körperliche Tätigkeit oder Anstrengung vermindert den Immunschutz. Die Erschöpfung ist nicht nur ein körperlicher, sondern (oder sogar vor allem) ein geistiger Zustand. Nach diesen Ausführungen ist es nicht erstaunlich, dass eine Pflanze, die gegen Stress wirkt, klinisch relevante Auswirkungen auf unterschiedliche Konditionen hat.
• Psychologisch bedingter Stress entsteht durch Depressionen, Ärger, Angst, Beklemmungen, Sorge, Begierde, Kummer, Verlust, mentale Krankheiten, grosse Veränderungen, mentale Traumata und übermässige Verantwortung. Physischer Stress wird häufig von psychologischem Stress begleitet.
• Physisch bedingter Stress entsteht durch hohen Blutdruck, anstrengende körperliche Betätigung (inklusive Sport), Operationen, Traumata, Hunger-Kuren, Sauerstoffmangel, Vergiftungen, Drogenmissbrauch, Schlafmangel, ernsthafte Erkrankungen, Infektionen, Schwangerschaften und chronische Hyperstimulation.
• Ernährungsbedingter Stress entsteht durch Lebensmittelallergien, aufbereitetes Essen, mineralarmes Essen, Mangelzustände, Alkohol, Drogen und freie Radikalien (natürliche Nebenprodukte des Stoffwechsels, die entstehen, wenn wir Transfette essen).