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Einblick in Priesterleben
Aus der Geschichte der Pfarrei Jaun
In mühsamer Kleinarbeit ist Athanas Thürler, Kaplan in Übewil, daran, die Geschichte der katholischen Pfarreien Deutschfreiburgs aufzuarbeiten. Eben hat er den Band über die Pfarrei Jaun veröffentlicht.
Athanas Thürler beschreitet einen besonderen Weg, um die Geschichte einer Pfarrei darzustellen. Er geht von den Biographien der Geistlichen aus, die in der jeweiligen Pfarrei gewirkt haben. Um die Lebensdaten der Geistlichen gruppiert er Geschehnisse, die sich in der gleichen Zeit zugetragen haben, oder weist auf Werke hin, die auf Initiative des Pfarrers hin verwirklicht wurden.
Für die Pfarrei Jaun kann sich Athanas Thürler - selbst Bürger und Pfarrkind von Jaun - auf eine fast lückenlose Liste abstützen, die bis ins Jahr 1301 zurückreicht. Die Gründung der Pfarrei Jaun reicht allerdings noch bedeutend weiter zurück. Erstmals wird sie schriftlich 1228 im Kartular des Bistums Lausanne als Glied des Dekanates Ogo erwähnt. Archäologische Grabungen bei der alten Kirche weisen darauf hin, dass Jaun seit spätestens Mitte des 12. Jahrhunderts eine eigene Kirche hatte. Sie war dem hl. Stephan geweiht, einem der ältesten Kirchenpatrone der Diözese Lausanne.
Jaun als Exil?
Aus dem äusserst detailreichen 350-seitigen Werk über Jaun seien hier nur einige Anekdoten erwähnt. So kam Athanas Thürler bei seinen Nachforschungen - vielleicht nicht unbegründet - zum Eindruck, Jaun sei hie und da dazu benützt worden, um einen Geistlichen ins Exil zu schicken. So hatte der Taferser Kaplan Ludwig Kolly 1672 eine «Weibergeschichte» mit einer Elisabeth Fasel. Er bot einem Mann Geld an, die schwangere Frau zu heiraten und das Kind so zu legalisieren. Die Pfarrei Tafers aber verlangte die Versetzung des Kaplans, und er wurde nach Jaun abgeschoben.
Lösung für den Priestermangel
Einen besonderen Stammbaum hat auch Hans-Peter Rutscho, der von 1743 bis 1766 Pfarrer von Jaun war. Seine Mutter machte ihrem Bruder Jakob Yerly, der von 1688 bis 1700 Pfarrer von Jaun war, den Haushalt. Offensichtlich hielt sich der Sigrist Christoph Rutscho ein bisschen oft im Pfarrhaus auf. Die Haushälterin jedenfalls wurde schwanger. Ihre Eheschliessung mit dem Sigristen fiel mit der Taufe des ersten Kindes zusammen. Den Pfarrer kostete dieser Vorfall die Pfarrstelle in Jaun. Ein kleiner Trost mag für ihn gewesen sein, dass ein Kind, das aus der Ehe seiner Schwester hervorging, sein späterer Nachfolger wurde. Hans-Peter galt als ausgezeichneter Pfarrer. Er hat in Paris studiert und nannte sich nach seinem Zeitgenossen und Philosophen meist Rousseau.
Dass man als Pfarrer von Jaun nicht unbedingt armengenössig sterben muss, zeigt das Beispiel von Pfarrer Jules Desfossez. Er war von 1896 bis 1913 Pfarrer von Jaun und ging als Erbauer der neuen Kirche in die Geschichte des Bergdorfes ein. Als er 1953 starb, vermachte er verschiedenen Institutionen Gelder im Betrag von total 45 000 Franken. ja
Athanas Thürler: Geschichte der Pfarrei Jaun. Die Biographien der Geistlichen vom 13. bis zum 20. Jh. Eigenverlag 1999.