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Sieben von zehn Frauen in Bolivien sind Opfer einer Form von häuslicher Gewalt, wie aus den offiziellen Statistiken des Landes hervorgeht. Laut einem Bericht von UN-Women zählt Bolivien zu den Ländern, in denen Frauen bezüglich Bildung und Zugang zu Gesundheitsdiensten am stärksten benachteiligt sind. Deshalb sind diese Bereiche für die Verringerung der Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen besonders wichtig.
Gesundheit, Bildung und Recht auf ein Leben frei von Gewalt
Verbesserung des Zugangs der am stärksten benachteiligten Personen zu Bildung und Gesundheitsdiensten; Stärkung des Rechts der Frauen auf ein Leben frei von Gewalt und auf Beteiligung am politischen Leben: Dies sind die Hauptziele des DEZA-Programms «Stärkung der Gemeindeautonomie» in Bolivien.
Die verschiedenen Projekte konzentrieren sich auf die Andenregion. Im Fokus stehen 120 ländliche Gemeinden und 15 Städte –insgesamt rund 1,3 Millionen Frauen und 1,7 Millionen Kinder und Jugendliche. Ziel ist unter anderem der Aufbau bzw. die Stärkung von 120 Beratungsstellen als Netzwerke zur Unterstützung der Opfer von häuslicher Gewalt sowie die Umsetzung von 200 Initiativen zur Förderung der Gleichstellung auf rechtlicher Ebene.
Grosse Fortschritte auf rechtlicher Ebene
In der 2009 ratifizierten bolivianischen Verfassung werden die Rechte der Frauen in über 30 Artikeln ausdrücklich anerkannt. Seither wurden mehrere Gesetze mit Gleichstellungszielen verabschiedet. Insbesondere mit dem Gesetz 1674 gegen die häusliche Gewalt wird ein Problem, das bis anhin als Privatsache galt, zu einem Thema von öffentlichem Interesse. Das Gesetz legt die Politik des Staates im Bereich häusliche Gewalt, Präventionsmassnahmen, Sanktionen gegen die Täterschaft sowie Opferschutz fest.
Nach elfjähriger parlamentarischer Beratung wurde 2012 zudem ein Gesetz zum Schutz der Frauen im öffentlichen Dienst vor Belästigung und Gewalt ratifiziert. Die DEZA war über ihre Partnerorganisationen aktiv an der Entwicklung und Bekanntmachung dieses Gesetzes beteiligt. Der Frauenanteil in höheren Gemeindeämtern ist signifikant gestiegen (von 19% auf 43% zwischen 2004 und 2010). Kandidatinnen und gewählte Vertreterinnen von Parteien und Organisationen der Zivilgesellschaft werden jedoch immer wieder zur Zielscheibe von verbalen und physischen Übergriffen, die ungestraft bleiben. Diese politische Gewalt hält die Frauen davon ab, sich zu engagieren, und stellt daher ein grosses Demokratiedefizit dar.
Trotz dieser signifikanten Fortschritte sind den verabschiedeten Gesetzen bislang keine konkreten Massnahmen gefolgt. Die Gründe dafür sind unter anderem gewisse kulturell tief verwurzelte diskriminierende Praktiken. Eines der Hauptprobleme ist, dass bei den Männern diesbezüglich sehr wenig Betroffenheit herrscht. Entsprechend wichtig ist es, sie in die Reflexionsprozesse zu den Beziehungen zwischen Männern und Frauen einzubeziehen.
Männer als Akteure des Wandels
Die Veränderung sozial bedingter Rollen und damit der Machtverhältnisse ist eine unerlässliche Voraussetzung im Kampf gegen häusliche Gewalt.
Wichtig ist, dass die Männer in den Reflexionsprozess über die Geschlechterrollen in den verschiedenen Lebensbereichen wie Familie, Erwerbswelt, Gesellschaft, Kultur und Politik einbezogen werden.
Dazu schlägt das Programm der DEZA eine Reflexionsarbeit zur Konzeption von Männlichkeit vor. Aufgrund dieser gemeinsamen Überlegungen werden praktische Massnahmen zur Schaffung einer gerechteren und faireren Gesellschaft erarbeitet. Damit Männer zu Akteuren der Veränderung der Geschlechterbeziehungen werden, müssen sie in Stadt und Land als Verbündete gewonnen werden.
Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit
Die DEZA unterstützt den Mentalitätswandel im Bereich diskriminierender kultureller Praktiken. 200 bolivianische Journalistinnen und Journalisten (Printmedien, Radio, TV, Internet) wirkten an ihrer Kommunikationskampagne «Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit» zur Information und Mobilisierung der Bevölkerung mit. Eines ihrer Ziele war die Stärkung der lokalen Kapazitäten zur Schaffung oder Verbesserung von Mechanismen zur Bekämpfung von Gewalt, von der Prävention bis hin zur Rechtspflege.