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26. Juli 1992: Die Gegner? Statisten. Olympiagold? Ein Spaziergang. Die US-Basketballer um Jordan, Barkley, Johnson und Co. dominieren in Barcelona nach Belieben. Das erste Spiel gegen Angola gewinnen sie mit 68 Punkten Vorsprung.
Sommer 1992. Dänemark ist bei der Fussball-EM in Schweden völlig überraschend Europameister geworden, doch nur einen Monat später interessiert sich auf dem alten Kontinent niemand mehr für Fussball. Plötzlich spricht jeder über Basketball, über das «Dream Team», über Michael Jordan, Magic Johnson, Larry Bird, Charles Barkley und ihre Teamkollegen. Doch nicht nur Europa, die ganze Welt freut sich auf das «Dream Team» aus den USA.
Dass erstmals die besten Basketballer der Welt bei Olympia teilnehmen dürfen, ist dem IOC zu verdanken. Zusammen mit der FIBA beschliesst das Internationale Olympische Komitee 1989, dass fortan auch Profis zugelassen sind. Für Serien-Olympiasieger USA die Chance, sich für die blamable Bronzemedaille einer College-Mannschaft in Seoul 1988 zu revanchieren.
Sofort beginnt die Suche nach den geeigneten Spielern. Doch bereits vor der Kader-Nominierung droht Ärger. In der Öffentlichkeit tauchen Fragen auf: Welcher der heimischen Sportartikel-Riesen darf das Team sponsern? Soll man wirklich komplett auf College-Spieler verzichten? Und werden die Basketball-Millionäre wirklich auf ihren Urlaub verzichten?
Die Sorgen erweisen sich allesamt als unbegründet. Charles Barkley sagt ebenso spontan zu wie Larry Bird und Magic Johnson. «Ich habe sonst alles gewonnen, warum also nicht auch die Goldmedaille», sagte Johnson Anfang 1991. Einige Monate später folgt jedoch der Schock, als er positiv auf HIV getestet wird. Magic beendet sofort seine Karriere, bei Olympia ist er aber trotzdem dabei.
Der Einzige, der sich anfangs ziert, ist Michael Jordan. Er ist schon 1984 in Los Angeles gemeinsam mit Patrick Ewing bei Olympia dabei gewesen und hat seine Goldmedaille bereits. «Ich habe gehofft, dass sie mich nicht fragen, ob ich bei Olympia dabei sein will», gibt der Superstar der Chicago Bulls später zu. Erst eine Reise nach Europa ändert seine Meinung, und wohl auch, dass jeder mit seinen eigenen Schuhen spielen darf.
Als Center werden die vielmaligen All-Stars David Robinson und Patrick Ewing nominiert, als Forwards mit Scottie Pippen, Karl Malone sowie Chris Mullin die Spitzenklasse der Liga, und als Guards John Stockton und Clyde Drexler. Komplettiert wird das Team mit Christian Laettner. Der damals mit Abstand beste College-Spieler erhält den Vorzug vor Shaquille O'Neal.
Die Olympia-Vorbereitung absolviert das Team in La Jolla in Kalifornien, immer begleitet von einem gigantischen Pressetross und euphorischen Fans. Der erste Härtetest ist ein Trainingsspielchen gegen eine Auswahl talentierter Collegespieler. Er wird zum Desaster, die selbstverliebten Superstars werden von den hochmotivierten Nachwuchsspielern um Chris Webber beim 54:62 beinahe vorgeführt.
Headcoach Chuck Daly lässt unmittelbar nach dem Spiel die Anzeigetafel auf null stellen, die Presse soll auf keinen Fall von der peinlichen Pleite erfahren. Was ebenfalls keiner ahnt: Daly hat die Niederlage eingeplant. Keiner ist unbesiegbar, das war seine Botschaft an das «Dream Team», das danach nie wieder ein Spiel verlieren sollte. Am nächsten Tag kommt es zur Revanche. Die Collegeboys verlieren mit 100 Punkten Differenz.
Schliesslich geht es nach Europa. Die erste Station ist Monaco. Ohne Ausgehsperre, ohne Kleiderordnung, und vor allem – mit nur zwei Stunden Training am Tag. «Ich weiss noch, als wir in Monte Carlo ins Hotel kamen, ging ich zum Pool und da waren Frauen oben ohne. Da habe ich den anderen gesagt: ‹Wow, die haben hier keine T-Shirts an!› Von da an sind wir nach dem Training immer zum Pool gegangen», erinnert sich Barkley später. Auch in Barcelona geht es das Dream Team locker an. Obwohl der Hype um das Team riesig ist, sind die Superstars fast täglich auf der Promenade «Las Ramblas» anzutreffen.
Am 26. Juli dann endlich der erste Ernstkampf. Na ja, nicht wenn es nach «Sir Charles» geht. «Ich weiss absolut nichts über Angola, ich kenne keinen Spieler, aber ihr könnt ihnen ausrichten – sie haben ein Problem», so Barkley vor dem Spiel. Und er hat Recht: 116:48 lautet das Endresultat. Barkley ist mit 24 Punkten Topskorer, Magic Johnson überzeugt mit zehn Assists, Michael Jordan lässt sich acht Steals gutschreiben.
Zum ersten Mal sieht die ganze Welt, dass hier Menschen einen Sport auf einem komplett anderen Level als der Rest der Welt ausüben. Und sie müssen noch nicht einmal an ihre Grenzen gehen: 103:70 gegen Kroatien, 111:68 gegen Deutschland, 127:83 gegen Brasilien, 122:81 gegen Spanien. Das «Dream Team» spaziert durch die Vorrunde.
Im Viertelfinal wird Puerto Rico (115:77) abgefertigt, im Halbfinal muss Litauen (127:76) dran glauben und im Final ist Kroatien beim 117:85 trotz zwischenzeitlicher Führung erneut chancenlos. Mit einem durchschnittlichen Vorsprung von sagenhaften 43,8 Punkten spazieren die Superstars zur Goldmedaille. «Wenn du mit anderen grossartigen Spielern zusammenspielst, wird Basketball so einfach», sagt Barkley. David Robinson ergänzt: «Es war wie im Basketball-Himmel.» US-Coach Daly muss während des ganzen Turniers keine einzige Auszeit nehmen.
Auch sonst läuft alles wie am Schnürchen. In Europa bricht ein regelrechter Basketball-Boom aus. In der Schweiz wird Streetball (3 gegen 3 auf einen Korb) zur Trendsportart schlechthin und die «Sat1»-Sendung «Jump ran» am Sonntagmorgen zum Pflichttermin für alle Jugendlichen. Davon profitieren auch die Olympiasieger. Dank dem Verkauf von Fan-Artikeln füllen sich ihre Kassen.
Doch der Erfolg ist nicht nur materiell: Noch heute werden die zwölf Spieler des «Dream Teams» wie Helden verehrt. Alle werden 1996 in die Auswahl der «50 besten NBA-Spieler aller Zeiten» gewählt, und alle ausser Laettner – der danach nur eine durchschnittliche NBA-Karriere hinlegt – werden nach ihrer Aktivzeit in die Hall of Fame aufgenommen. Obwohl sich auch die nachfolgenden US-amerikanischen WM- und Olympia-Auswahlen «Dream Team» nennen, eine Mannschaft wie 1992 hat und wird es im Basketball-Sport nie mehr geben.