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Wenn sich die G5, G7, G8 oder G20 treffen, um das Weltgeschehen zu bestimmen, sind kleine Länder meistens nur Zaungäste. Doch warum sind gerade kleine Länder wirtschaftlich und sozial so oft erfolgreich? Der Politikwissenschaftler Patrick Emmenegger von der Universität St. Gallen (HSG) versuchte anlässlich des 45. St. Gallen Symposiums diese Frage zu beantworten.
Im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit stehen sie selten. Kleine Länder sind meistens nur Zaungäste. Obwohl "G20" eigentlich kurz "Group of Twenty" bedeutet, könnte das "G" gerade so gut auch für "gross" stehen. Darin sitzt, wer wichtig ist, und das sind die Kleinen nun mal nicht.
Aufmerksamkeit wird ihnen nur zuteil, wenn wieder einmal eine Rangliste publiziert wird und sich zeigt, dass die kleinen Länder, insbesondere Westeuropas und des Fernen Ostens, zu den reichsten, innovativsten, wettbewerbsfähigsten, glücklichsten und sichersten der Welt gehören. Aber warum eigentlich?
"Vertrauensvorteil" in kleinen Ländern
Auf den ersten Blick befinden sich kleine Staaten in einer schwierigen Lage. In der Regel haben sie nicht die Kraft, das Weltgeschehen eigenständig massgeblich zu beeinflussen. In wirtschaftlichen Belangen sind sie Preisnehmer und nicht Preissetzer. Die Entscheidungen anderer, grösserer Länder haben auf sie oftmals einen überproportionalen Einfluss. Kurzum, es scheint, als ob die kleinen Länder in der Regel am kürzeren Hebel sitzen würden.
Wie der amerikanische Politikwissenschaftler Peter J. Katzenstein aber am Beispiel der Schweiz und anderer kleiner Demokratien Westeuropas gezeigt hat, kompensieren kleine Staaten diesen vermeintlichen Nachteil durch eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Denn kleine Länder sind sich in der Regel ihrer Verletzlichkeit bewusst.
Sie weisen darum eine höhere Bereitschaft zur Kooperation über Partei- und Interessengrenzen hinweg auf. Wiederholte Interaktionen zwischen einer letztlich kleinen Gruppe von Entscheidungsträgern führen zur Bildung von zwischenmenschlichem Vertrauen. Kurze Distanzen (selbst aus Lugano ist man mit dem Zug in weniger als vier Stunden in Bern) erlauben persönliche Treffen, die dieser Vertrauensbildung ebenfalls förderlich sind.
Schliesslich führt das Bewusstsein einer ausgeprägten Verletzlichkeit aufgrund von Kleinheit zu einer erhöhten Kompromissbereitschaft in Anbetracht der möglicherweise desaströsen Konsequenzen eines anhaltenden Konflikts.
Kleinheit eine Frage des Selbstverständnisses
Nur: Ist die Schweiz denn überhaupt ein kleiner Staat? Schaut man sich nur das Bruttoinlandprodukt an, dann wäre die Schweiz eigentlich eine wirtschaftliche Macht. Zumindest wäre sie gerade noch Mitglied der Gruppe der zwanzig grössten Volkswirtschaften.
Aber um die objektive Grösse eines Landes geht es Katzenstein gar nicht. Ob man ein kleiner Staat ist, ist keine Frage von konkreten Zahlen, sondern das Resultat eines Selbstverständnisses und des wirtschaftlichen Umfelds.
Ein kleiner Staat ist ein Staat, dem klar ist, dass er beim Konzert der Grossen nicht mitspielen kann. Und wenn die Schweizer Wirtschaft ihre Produkte auch im europäischen Markt verkaufen oder die Schweizer Banken im amerikanischen Finanzmarkt präsent sein wollen, dann muss die Schweiz in Kauf nehmen, dass diese Wirtschaftsblöcke ihre Grösse dazu verwenden werden, um die Handelsbedingungen zu bestimmen.
So gesehen könnte man glauben, dass die Schweiz und andere kleine Länder längerfristig nur zwei Optionen haben: entweder als David den Goliath hin und wieder zu besiegen oder aber zu akzeptieren, dass es wohl von nun an nur noch abwärts gehen wird.
Für Katzenstein gibt es hierzu aber noch eine dritte und viel bessere Alternative. Anstatt den Kampf zu suchen (wie die Grossen) oder sofort aufzugeben (und zu verlieren), sollten die kleinen Staaten davon Gebrauch machen, dass sie sich viel schneller an ein sich wandelndes Umfeld anpassen können.
Die Fähigkeit zum Kompromiss nach innen und zur flexiblen Anpassung nach aussen war bereits in der Vergangenheit das Erfolgsrezept der Schweiz. Sie kann es auch in Zukunft noch sein.
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