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Erdgas besteht zum grössten Teil aus dem farb- und geruchlosen Kohlenwasserstoff Methan (CH4). Die heute genutzten Erdgasvorkommen haben sich aus abgestorbenen Kleinorganismen vor mehreren Millionen Jahren gebildet. Unter Luftabschluss, hoher Temperatur und hohem Druck im Innern der Erde hat ein langsamer chemischer Prozess zur Bildung von Erdgas und anderen Kohlenwasserstoffen geführt. Methan entsteht zudem bei der Bildung von so genanntem Biogas während anaeroben Gärungsprozessen, beispielsweise in Kläranlagen oder in der Nutztierhaltung. Von allen fossilen Energieträgern hat Erdgas den kleinsten Gehalt an Kohlenstoff (C) und den höchsten Anteil an Wasserstoff (H). Deshalb entstehen bei der Verbrennung von Erdgas etwa 25% weniger Kohlendioxid (CO2) als bei der Verbrennung von Heizöl mit gleichem Energiegehalt.
Das unterirdisch gelagerte Erdgas wird mittels Bohrtechnik gefördert und danach gasförmig in Gasleitungen oder nach dessen Verflüssigung in speziellen Tankschiffen transportiert. Der für den Leitungstransport nötige Druck wird durch Kompressorstationen erzeugt, so dass das Erdgas über mehrere Tausend Kilometer transportiert werden kann. Das europäische Erdgas-Transportnetz hat eine Länge von rund 190'000 km und erstreckt sich von Nord- nach Südeuropa und vom Atlantik bis nach Sibirien. Die Schweiz ist seit anfangs der siebziger Jahre ins internationale Erdgas-Transportnetz eingebunden und verfügt heute über zwölf grenzüberschreitende Einspeisepunkte. 1974 wurde die internationale Transitleitung von den Niederlanden nach Italien in Betrieb genommen. Auf Schweizer Boden verläuft diese von Wallbach (AG) bis zum Griespass (Oberwallis) und ist im Besitz der Firma Transitgas. In den Jahren 1998 bis 2003 wurde das Transitgas-System wegen der wachsenden Gasnachfrage in Italien massiv ausgebaut und über eine neue Verbindungsleitung an das französische Transportnetz südwestlich von Basel angeschlossen. Damit wurde die Schweiz zum wichtigen Transitkorridor im Herzen des europäischen Gasbinnenmarktes, was ihre Position und ihre Versorgungssicherheit wesentlich verbessert hat.
Innerhalb der Landesgrenzen bestehen dichte regionale und lokale Erdgasnetze. Bau und Betrieb des Erdgas-Hochdrucknetzes speziellen gesetzlichen Vorschriften. Die Aufsichtsbehörde ist das Bundesamt für Energie (BFE). Zur Sicherstellung dieser Überwachungsfunktion zieht das BFE andere Bundesämter, die Kantone oder private Fachkörperschaften bei, im Besonderen das Eidgenössische Rohrleitungsinspektorat und das Bundesamt für Umwelt (BAFU).
In Gesamteuropa werden zwei Drittel des Erdgas-Verbrauchs durch eigene Produktion gedeckt. Hingegen musste im Jahr 2005 die EU-25 58% ihres Gasbedarfs vor allem aus Russland, Norwegen und Algerien importieren.
In der Schweiz gibt es zwar kleinere Erdgasvorkommen, die jedoch kaum abbauwürdig sind. Eine Ausnahme bildete eine Lagerstätte im Kanton Luzern (Finsterwald), wo zwischen 1985 und 1994 insgesamt 73 Millionen Kubikmeter Erdgas (das entspricht ca. 3% des jährlichen Konsums in der Schweiz) gefördert wurde. Für ihre Erdgasversorgung ist die Schweiz also hundertprozentig auf Importe angewiesen. Die Schweizer Erdgasbeschaffung wird zum grossen Teil durch langfristige Lieferverträge mit zuverlässigen Partnern aus vier EU-Ländern (Deutschland, Niederlande, Frankreich und Italien) sichergestellt. Mit Ausnahme der Niederlande, decken diese Länder den Hauptteil ihrer Gasbedürfnisse durch Importe aus Russland, Norwegen und Algerien. Unter Berücksichtigung der Gasimportstatistik dieser vier Partnerländer lässt sich grob rechnen, dass rund 95% des in der Schweiz konsumierten Erdgases in den folgenden Förderländern produziert wird: Niederlande, Russland, Norwegen, Deutschland und Algerien (in absteigender Reihenfolge).
Weltweit hat sich der Erdgasverbrauch nach BP-Statistik zwischen 1980 und 2006 verdoppelt. Gemäss Prognosen der Internationalen Energie Agentur IEA (www.iea.org: World Energy Outlook 2006, Referenzszenario), soll sich das Wachstum fortsetzen. Bis 2030 wird der Erdgasverbrauch um rund zwei Drittel steigen und sein Anteil am Welt-Energiemix wird somit von zurzeit 20,5 auf 22,6% zunehmen.
In der Schweiz stieg der Erdgasverbrauch zwischen 1970 und 1996 mit durchschnittlich rund 11% pro Jahr sehr stark an. Somit gewann Erdgas im Energiemix der Schweiz zunehmend an Bedeutung. Im letzten Jahrzehnt hat sich der Zuwachs vor allem witterungsbedingt deutlich reduziert (+1,5% pro Jahr). Heute liegt der Gasanteil am gesamten Schweizer Endenergieverbrauch bei 12%. Grösste Verbrauchergruppe sind die Haushalte mit rund 40% des Gaskonsums, gefolgt von der Industrie mit einem Drittel des Gesamtverbrauchs. Es wird damit gerechnet, dass die Bedeutung von Erdgas in der Schweiz weiter zunehmen wird. Wie sich der Verbrauch entwickelt, hängt nicht zuletzt davon ab, ob und in welchem Umfang Erdgas künftig für die Stromproduktion eingesetzt wird. Der daraus resultierende zusätzliche CO2-Ausstoss wird die Klimaproblematik verschärfen. Deswegen möchten mehrere Parteien und Umweltorganisationen den Bau von Gaskraftwerken in der Schweiz verhindern oder mit hohen Auflagen verunmöglichen. Zur Deckung der mittelfristig erwarteten Stromlücke sieht der Bundesrat solche Anlagen aber als realistische Zwischenlösung, doch verlangt auch er eine hundertprozentige Kompensation des CO2-Ausstosses.
Als Beitrag zur Erreichung der CO2-Ziele möchte der Bund umweltschonende Treibstoffe, inkl. Erdgas, fördern. Letzteres geschieht über eine Revision des Mineralölsteuergesetzes. Das Parlament hat im März 2007 beschlossen, die Mineralölsteuer auf Erdgas und Flüssiggas um 40 Rappen pro Liter "Benzinäquivalent" zu senken. Gleichzeitig wurden Biogas und alle anderen Treibstoffe aus erneuerbaren Rohstoffen von dieser Steuer gänzlich befreit. Die Mindereinnahmen werden durch eine stärkere Belastung des Benzins vollständig kompensiert. Die Gesetzesrevision soll anfangs 2008 in Kraft treten.
Die Schweizer Gaswirtschaft baut das Erdgas-Tankstellennetz laufend aus. Gemäss einer Liste der Firma Gasmobil AG, Arlesheim, gab es Anfangs 2007 in der Schweiz 89 öffentlich zugängliche Erdgastankstellen. Aufgrund einer Vereinbarung zwischen Biogas-Produzenten und der Gaswirtschaft wird Biogas im Umfang von 10% der in der Schweiz als Treibstoff abgesetzten Erdgasmenge ins Erdgasnetz eingespeist. Zwar steigt der Absatz von Erd- und Biogas als Treibstoff rasant (+45% in 2006 im Jahresvergleich), mit einem Anteil von weniger als 0,1% des Energieverbrauchs im Strassenverkehr fallen beide Energieträger (Erdgas und Biogas) aber immer noch kaum ins Gewicht.
Gas wird in der Schweiz seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Energiequelle benutzt. Bis zur Einführung von Erdgas in der Mitte der siebziger Jahre wurde das so genannte Stadtgas örtlich aus Holz, später aus Kohle oder leichten Erdölprodukten erzeugt, was die dezentrale Struktur dieser Branche weitgehend erklärt. Rund 100 Gemeindebetriebe oder Stadtwerke gewährleisten die lokale Gasversorgung in den dichter besiedelten Gebieten, welche zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung umfassen. Da jedes Gebiet in der Regel von einem einzigen Erdgasverteiler versorgt wird, ist von einer natürlichen Monopolstellung die Rede. Dieses angebliche Monopol muss aber relativiert werden: Erstens herrscht im Wärmemarkt, wo Erdgas zum grossen Teil eingesetzt wird, ein intensiver Wettbewerb. Zweitens haben die Grossverbraucher, welche am Hochdruckgasnetz angeschlossen sind, seit Inkrafttreten des Bundesgesetzes über Rohrleitungen (RLG) im Jahre 1964 die Möglichkeit, ihren Versorger frei zu wählen. Nach Art. 13 dieses Gesetzes sind die Betreiber von Rohrleitungen mit einem Druck über 5 bar unter bestimmten Grundbedingungen verpflichtet, Transporte für Dritte zu übernehmen. Von dieser Möglichkeit wurde jahrzehntelang kein Gebrauch gemacht. Erst die Lancierung der ersten EU-Gasrichtlinie 1998 hat das Interesse der Marktteilnehmer für Gastransporte von Deutschland über die Schweiz (Transitgas-System) nach Italien geweckt. Folglich haben die Hauptbesitzer von Transitgas, Swissgas und Eni S.p.A., aufgrund von Art. 13 RLG eine gemeinsame Regelung der Transporte für Dritte auf dem Transitgas-System unterzeichnet. Seit 2001 führen Swissgas und Eni S.p.A. solche Transportaufträge rege durch. Darüber hinaus haben Swissgas und die Regionalgesellschaften, welche Erdgas per Hochdrucknetze in die verschiedenen Regionen transportieren – auch aufgrund von Art. 13 RLG – mehrere privatrechtliche Vereinbarungen unterzeichnet, die den Zugang zu diesen Hochdrucknetzen vereinheitlichen und vereinfachen.
Nicht nur im Hochdruck-, sondern auch im Niederdruckbereich hat die Schweizerische Gasindustrie Grundsätze entwickelt, um den Netzzugang Dritter zu erleichtern. Zuhanden der lokalen Gasverteiler hat ihr Verband Grundprinzipien für die Berechnung der Netznutzungsentgelte festgelegt. Ein Rechenmodell mit dem Namen Nemo soll einen diskriminierungsfreien Zugang Dritter zu jedem Lokalgasnetz ermöglichen. Basis für den Netzzugang bildet eine kostenrechnerische Entflechtung (Unbundling) zwischen Netzbetrieb (Transport, Verteilung) und allen übrigen Aktivitäten (z.B. Gashandel und -versorgung). Wie die anderen Netzzugangsregelungen, welche die Schweizer Gaswirtschaft in eigener Regie auf die Beine gestellt hat, basiert Nemo auf einer privatrechtlichen Vereinbarung. Das bedeutet, dass die Lokalverteiler Gastransportgesuche von Dritten nach wie vor ablehnen können. Die Möglichkeit einer Gasmarktöffnung mittels Kartellgesetz, wie dies im Strombereich passiert ist, bleibt vorbehalten.
In der Europäischen Union wurde parallel zur Liberalisierung des Strommarktes auch die Öffnung des Gasmarktes verwirklicht: Seit dem 1. Juli 2004 kann jeder kommerzielle Verbraucher seinen Gaslieferanten frei wählen und seit dem 1. Juli 2007 ist der Gasmarkt für alle Konsumenten geöffnet. Angesichts der engen Einbindung der Schweizerischen Gasindustrie in die europäische Gasversorgung, lässt sich die Frage einer Öffnung des hiesigen Gasmarktes nicht dauerhaft ausklammern, selbst wenn die grosse Mehrheit der Schweizer Haushalte und Unternehmen mit den heutigen Lieferanten und der Versorgungsqualität zufrieden sind. Gemäss einer Studie der Firma Plaut Economics (im Auftrag von BFE und VSG), messen die meisten Gaskunden der Gasversorgungssicherheit eine viel grössere Bedeutung zu als der Marköffnung.
In einem sich wandelnden Umfeld verfolgt das BFE die Gasmarktentwicklung in der Schweiz und im Ausland. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Gasbranche werden die Auswirkungen der Marktliberalisierung in der EU sowie der Gasvereinbarungen in der Schweiz geprüft. Vorderhand haben die Bundesbehörden keine Absicht, die Organisation des Gassektors mit neuen Gesetzen zu regeln. Diese Möglichkeit wird erst in Betracht gezogen:
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