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Der in Bulgarien geborene Amerikaner ist agil wie nie, sprüht vor Ideen und Begeisterung und denkt nicht ans Aufhören in einem Alter, in dem andere längst Rentner sind. «Warum soll ich aufhören? Ich liebe meine Arbeit doch», sagt er in seinem Atelier in Südmanhattan. Er spricht mit einer Begeisterung, die jeden Fünfzigjährigen jung erscheinen lassen könnte.
Er hat einiges vor: Bei «Over The River» soll ein Fluss in Colorado über fast elf Kilometer abgedeckt werden, «Mastaba» wird eine Pyramide in Abu Dhabi aus 400'000 Ölfässern. Die Ideen für beide Projekte sind Jahrzehnte alt.
«Floating Piers» begann dagegen vor einem Jahr, und in einem Jahr soll es fertig sein. Dann werden zwei Inseln im oberitalienischen Iseosee für 16 Tage mit orangefarbenen Pontonbrücken verbunden sein, über die man spazieren oder an denen man mit dem Boot anlanden kann.
Christo-Projekte bestehen vor allem aus Lebensgefühl. Und sie kosten Millionen. Geld, wovon der Steuerzahler nicht einen Cent bezahlt, und auch Sponsoren will Christo nicht. «Ich will frei sein, ganz und völlig frei sein», sagt er.
Als die Russen 1956 den Prager Aufstand niederschiessen, versteht Christo Wladimirow Jawaschew die Signale und flieht, versteckt in einem Güterzug. Staaten- und mittellos schlägt er sich durch Paris und macht Auftragsporträts von reichen Franzosen.
Eine Auftraggeberin hat eine Tochter, die mit feuerroter Mähne, grosser Klappe und blitzgescheitem Denken auffällt: Jeanne-Claude. Sie und Christo ergänzen sich perfekt: Er ist der brillante Künstler voller Kreativität, sie die begnadete Organisatorin.
Als erstes Projekt verhüllen sie in Köln einen Fässerstapel, 1969 eine Küste in Australien und ein Jahr später ziehen sie einen Vorhang durch ein Tal der Rocky Mountains. Christo wird zum Weltstar.
Doch eigentlich ist es ein Paar und so treten sie 1995 auch auf, als sie eines ihrer Meisterstücke verwirklichen: die Verhüllung des Berliner Reichstags. Wie zuvor bei den mehr als 3000 Sonnenschirmen in Kalifornien und Japan, wie später bei den 7503 Toren im New Yorker Central Park.
Die beiden sind ein Weltereignis. Und trotzdem: Nach ein paar Tagen ist alles wieder weg. «Die Vergänglichkeit ist Teil des Projekts, ein besonders wichtiger sogar», erklärt Christo mit einem Lächeln. (SDA)Publiziert am 13.06.2015 | Aktualisiert am 13.06.2015