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Risiko-Kategorien
1. Einleitung
Skitourenguru arbeitet mit den drei Risiko-Kategorien "tief", "erhöht" und "hoch" der GRM. Risiko wird normalerweise mit einer Wahrscheinlichkeit ausgedrückt. Im Falle von Lawinen ist dies die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person an einem Tag in einer Lawine stirbt. Die drei Risiko-Kategorien der GRM sind nicht exakt definiert, die genaue Wahrscheinlichkeit, dass eine Person an einem Tourentag in einer Lawine ums Leben kommt, kann also nicht genau berechnet werden. Es ist dennoch sinnvoll eine Abschätzung dieser Wahrscheinlichkeiten zu machen, wir wollen schliesslich wissen, wie erfolgreich die GRM unser Risiko reduzieren kann.
Um diese Abschätzung vornehmen zu können, müssen Annahmen getroffen werden. Die Berechnungs-Tabelle ist derart ausgestaltet, dass du mit den Annahmen spielen kannst. Die exakten Formeln kannst du durch Download einer Excel-Tabelle nachvollziehen.
2. Unfall-Analyse
Zunächst müssen wir festlegen bei welcher Risiko-Kategorie wie viele Unfälle stattfinden.
Die Analyse von 33 Unfall-Ereignissen durch Skitourenguru zeichnet folgendes Bild: Rund 10 % der Unfälle fallen auf "grüne" Routen, 40 % auf "orange" Routen und 50 % auf "rote" Routen. Bei dieser Unfall-Analyse wurde der Risiko-Indikator über eine hypothetische Route (aus der Planungsperspektive) berechnet. Mit 33 Skitouren ist die Analyse zu klein, um besonders aussagekräftig zu sein.
Eine Studie der BFU (BFU Grundlagen: Lawinenunfälle beim Touren- und Variantenfahren) zeichnet ein ähnliches Bild: In dieser Studie wurde das SLF beauftragt die Unfall-Häufigkeit nach der Risiko-Kategorie (gemäss GRM) aufzuschlüsseln. Von 441 Lawinen der Jahre 1998-2009 fallen 10 % auf "grüne Zonen", 27 % auf "orange Zonen" und 63 % auf "rote Zonen". Es ist anzumerken, dass das SLF die steilste Neigung auf dem gesamten Lawinen-Anrissgebiet herbeigezogen hat, um mittels der Elementaren Reduktionsmethode zu einer Risiko-Kategorie zu gelangen. Zudem basiert die Risiko-Berechnung auf einer Reduktionsmethode, die die Information aus der Kernzone nicht berücksichtigt. Zwei entscheidende Unterschiede zur Unfall-Analyse auf Skitourenguru.
3. Begehungs-Häufigkeit
Zehn Prozent der Unfälle auf "grünen" Routen! Auf den ersten Blick mag dies viel erscheinen. Man bedenke jedoch, dass mehr Touren auf "grünen" Routen stattfinden als auf "orangen" Routen oder gar auf "roten" Routen. Die Begehungshäufigkeit ist hier der Schlüsselfaktor. Zahlen zur Begehungshäufigkeit können nur geschätzt werden.
In der Studie Patterns of recreational backcoutry usage hat das SLF die online Aktivitäten auf Gipfelbuch und Camp2Camp untersucht. Die Begehungshäufigkeit auf "anspruchsvollen Touren" halbiert sich in etwa zwischen den Gefahrenstufen gering, mässig und erheblich (siehe Figur 3 der Studie). Die Gefahrenstufe ist nun zwar etwas anderes, als die Risiko-Kategorie, die Grössenordnungen mögen dennoch in einem ähnlichen Rahmen liegen.
Weiteren Aufschluss über die Begehungs-Häufigkeit gibt das Click-Verhalten der User auf www.skitourenguru.ch. Das Click-Verhalten kann natürlich "nur" eine Antwort auf die Frage geben, für welche Routen sich die Leute interessieren. Wohin sie dann effektiv gehen, bleibt unbekannt. Immerhin ist nicht zu erwarten, dass das Publikum systematisch auf "grüne" Routen clickt, dann aber doch auf eine "rote" Route geht.
Die obige Grafik zeigt die Click-Häufigeit der User während des Winters 2015/16 in Abhängigkeit des Risiko-Indikators. Der weitaus grösste Anteil der Clicks fällt auf "grüne" bzw. "untere orange" Routen. Das Click-Verhalten weist verschiedene Abhängigkeiten auf. Viel hängt von der Präsentation der Routen ab. Skitourenguru priorisiert "grüne" Routen, indem bei jedem Aufstart der Seite zu Beginn nur "grüne" Routen angezeigt werden. Das Click-Verhalten hängt aber auch eng vom "Angebot" ab. Je nach Verhältnissen stehen mehr "grüne", "orange" oder "rote" Routen zur Auswahl. Je grösser das Angebot einer spezifischen Kategorie, desto eher werden die entsprechenden Routen gewählt. Die Interpretation der Grafik hat auf Grund dieser Abhängigkeiten defensiv zu erfolgen.
Um das absolute Risiko zu berechnen, wird folgende Annahme getroffen: Wir nehmen an, dass 60 % der Skitouren auf "grünen" Routen, 30 % auf "orangen" Routen und 10 % auf "roten" Routen stattfinden.
4. Wahrscheinlichkeits-Rechnung
Gemäss der repräsentativen Umfrage Sport Schweiz 2014 üben 3.9 % der Schweizer Wohnbevölkerung im Alter zwischen 15 und 74 Jahre einen Schneesport abseits der Piste (Ski-/Snowboardtouren, Schneeschuhlaufen) aus. Diese ca. 248'000 Schnee-Sportler geben an, während 10 Tagen pro Jahr ihren Sport auszuüben. Da vermutet werden muss, dass die Angaben in der Regel leicht übertrieben sind, ziehen wir nochmals 40 % ab. Es resultieren ca. 1.5 Mio Tourentage pro Jahr.
In den letzten 20 Jahren verloren ca. 23 Personen pro Jahr ihr Leben in einer Lawine (Quelle). Ungefähr 1/3 dieser Todesopfer fallen auf Varianten-Skifahrer, 2/3 auf Touren abseits der Piste. Da die vorliegende Rechnung das Risiko auf Touren abseits der Piste anpeilt, gehen wir also von 15 Todesopfern pro Jahr aus (23 x 2/3).
|Risiko-Kategorie||Anteil Unfälle (%)||Begehungs-Häufigkeit (%)||Todesopfer / Jahr||Touren / Jahr||Mittleres Risiko||Risiko-Bereich|
|Gering||-||-||-||-|
|Erhöht||-||-||-||-|
|Hoch||55||10||-||-||-||-|
|Total||100||100||-||-|
Das Risiko wird in obiger Tabelle im Kehrwert ausgedrückt, d.h. mit der Anzahl an Personentage die notwendig sind, bis es zu einem Todesopfer kommt. Ein Risiko-Wert 100'000 bedeutet bspw. ein Lawinenopfer auf 100'000 Personentage. Da sich das Risiko innerhalb einer Risiko-Kategorie massiv unterscheiden kann, werden zusätzlich auch Risiko-Bereiche berechnet.
Wer wissen will, wie genau das Risiko aus den angenommenen Werten berechnet wird, der lade sich folgende Excel-Tabelle herunter. Obige Tabelle ist derart ausgestaltet, dass du mit den Zahlen spielen kannst und sofort das neue Resultat berechnet wird.
5. Fazit
Diese Zahlen sind natürlich nicht zum Nennwert zu nehmen. Sie geben nur einen ungefähren Eindruck der Risiko-Relationen! Sie legen die Vermutung nahe, dass mittels der GRM das Risiko massgebend reduziert werden kann! Darum geht es bei bei der GRM und auch bei Skitourenguru: Um die Reduktion des Risikos, um nicht mehr und nicht weniger!
Letztendlich ist das Risiko in einer Lawine tödlich zu verunglücken relativ klein. Dies gilt auch dann, wenn das Risikoverhalten nicht optimal ist. Wenn nun ein kleines Risiko durch eine geeignete Methode nochmals um einen Faktor 7 (zwischen orange und grün) bzw. um einen Faktor 35 (zwischen rot und grün) reduziert werden kann, dann muss die Methode als sehr erfolgreich betrachtet werden.
Es kann nicht genug oft wiederholt werden, dass sich Skitourenguru nur dem ersten Schritt bei der Planung einer Skitour annimmt: Der Skitouren-Vorselektion. Wenn anschliessend eine Skitour gemäss der 3x3-Regel seriös geplant und durchgeführt wird, kann das Risiko nochmals erheblich reduziert werden.