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Daniel Schweizer, was hat Sie dazu veranlasst, sich mit dem Thema Rohstoffabbau auseinanderzusetzen?
Ich hatte eine Trilogie über Skinheads realisiert, wollte aber als Filmemacher nicht auf rechtsextreme Themen reduziert werden. Die Presse hatte begonnen, mich systematisch zu Rate zu ziehen, zum Beispiel im Fall Breivik. Ich hatte keine Lust, Experte für die sogenannten einsamen Wölfe zu werden. Nachdem ich mich bereits acht Jahre lang mit Neonazis, Punks und Skinheads auseinandergesetzt hatte, wuchs das Bedürfnis, meinen Horizont über diese radikalen Subkulturen hinaus zu erweitern. Auch, um ein wenig zu provozieren, habe ich erklärt, von nun an Filme im Amazonasbecken zu drehen. Damals hat mir das natürlich niemand geglaubt.
Nun also «Trading Paradise», ein Film über Bergbauunternehmen mit Sitz in der Schweiz.
Ja, unter anderem geht es in meinem Film «Trading Paradise» um Glencore, einen Kupfer-Riesen aus dem Kanton Zug, der fast die Hälfte des weltweiten Handels kontrolliert. Und es geht um Vale, ein brasilianisches Bergbauunternehmen, eines der drei grössten der Welt, das in Saint-Prex im Kanton Waadt ansässig ist – ganz diskret. Der Film will zeigen, dass im Zusammenhang mit dem Vorgehen dieser Rohstoffunternehmen unbequeme Fragen zu Menschenrechten und zum Umweltschutz gestellt werden müssen.
Mit dem CEO von Glencore konnten Sie ein Gespräch führen, nicht aber mit dem von Vale. Warum nicht?
Glencore war mit einem Treffen einverstanden. Mich interessierten zwei Minen, eine in Peru und eine in Sambia. In Peru habe ich dann auch gedreht. Mit Vale war es schwieriger: Wir haben unser Interesse an der Mine von Carajás in Brasilien und am Problem der betroffenen Xikrin-Indianer bekundet. In den Minen von Carajás wird Nickel abgebaut – ein stark krebserregendes Erz. Vale hat anschliessend meine Anfrage einer Kommunikationsfirma weitergeleitet, die ihnen von einem Gespräch mit mir abriet. Vale brach daraufhin den Kontakt ab.
Wir sollten doch Informationen darüber erhalten können, woher die Bestandteile unserer elektronischen Geräte stammen.
Wollen Sie mit ihren Filmen bewusst provozieren?
Ich sehe dort hin, wo andere gewöhnlich wegschauen. Wir verschleudern die letzten Ressourcen, völlig verantwortungslos und ohne an die langfristigen Konsequenzen zu denken. Endloses Wachstum ist nicht mehr möglich. Die Grossunternehmen haben das sehr wohl verstanden und streben nach einem Rohstoffmonopol. Wie eben zum Beispiel Glencore mit dem Kupfer oder Vale mit dem Eisenerz. Die Indianer sind heute sehr verletzlich, aber ihr Umgang mit der Umwelt ist sehr weise. Für sie ist es schlicht nicht nachvollziehbar, dass man Rohstoffe hamstert und mehr abbaut, als eigentlich nötig wäre.
Sind die Konsumentinnen und Konsumenten für diese Situation mitverantwortlich?
Die Frage nach der Herkunft der Rohstoffe ist entscheidend. Heute wissen wir, woher der Lachs auf unserem Teller kommt, warum sollte das bei den Rohstoffen nicht auch möglich sein? Wir sollten doch Informationen darüber erhalten können, woher die Bestandteile unserer elektronischen Geräte stammen. Die Industrie hält oft dagegen, dass das die Konsumenten gar nicht interessiere.
Eine parlamentarische Delegation aus der Schweiz reiste nach Peru, um eine Glencore-Mine zu besichtigen. Wie lief dieser Besuch ab?
Es wurde alles unternommen, um die Begegnung mit der Zivilbevölkerung kurz zu halten. Die Parlamentarier wurden in der Botschaft in Lima empfangen und reisten nach Cuzco weiter. Von dort fuhren sie nochmal fünf Stunden bis zur Mine, wo sie Arbeiter und Bauern der Region treffen sollten.
Die meisten Parlamentarier schienen mit dem, was sie sahen, zufrieden zu sein.
Die Delegation wurde beim Minenbesuch begleitet. Man hat ihr perfekte Anlagen und Maschinen vorgeführt. Aber die Kehrseite hat man nicht gezeigt. Zum Beispiel haben die Parlamentarier die alte Bäuerin Melchiora nicht getroffen und nicht gesehen, wie sie in ihrem Stall haust, ganz in der Nähe der Mine und neben einem giftigen Abfallberg.