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Wer ist "die Jugend", deren Freuden und Nöte durch Studien erhoben werden? Toni Schaller machte mich mit seiner Sonntagskolumne wieder auf diese alte Frage aufmerksam.
Toni Schaller bezieht sich mit seinen Ausführungen auf die Studie der CS "Jugendbarometer 2018". Daraus geht hervor, dass bei den Jugendlichen in der Schweiz Fragen rund um die AHV wichtig geworden sind und die Ausländer- und Flüchtlingsthematik in den Hintergrund getreten ist.
Es wird angegeben, dass für diese Studie in den USA, in Brasilien, Singapur und in der Schweiz jeweils rund tausend 16-25jährige befragt wurden.
So weit, so gut. Mich interessiert aber, wie viele junge Frauen und wie viele junge Männer an dieser Studie teilgenommen haben? Das habe ich auf die Kürze nicht herausfinden können.
Ist das wichtig? Ich bin keine Statistikerin. Weiss also nicht, ab welcher Zahl befragter Männer eine Zusatzgruppe befragter Frauen erlaubt, von der Jugend ganz allgemein zu sprechen.
Persönlich denke ich, dass junge Frauen und junge Männer in dieser Altersphase eine unterschiedliche Weltsicht haben. Und dass sie deshalb je zur Hälfte beteiligt sein sollten. Aber es macht ja auch eine kleine Prise Salz ein ganzes Gericht schmackhaft. Vielleicht ist das bei der Repräsentativität von Frauen und Männern ähnlich?
Ich erinnere mich, dass diese Frage seinerzeit im Zusammenhang mit den pädagogischen Rekrutenprüfungen eine Rolle spielte. Diese Prüfungen haben eine lange Tradition. Die Ergebnisse der Befragungen waren auch ein Gradmesser für die Wirksamkeit der Schulsysteme der Kantone.
Auch bei den pädagogischen Rekrutenprüfungen wurden die Resultate immer etwa wieder als relevante Aussagen über die Befindlichkeit der schweizerischen Jugend oder der schweizerischen jungen Erwachsenen dargestellt. Obwohl während vieler Jahren nur junge Männer, eben Rekruten, befragt worden waren.
Heute heisst diese Befragung ch-x. Es werden in Zweijahreszyklen die stellungspflichtigen jungen Männer (ca. 30`000 19jährige) sowie rund 3000 19jährige Schweizer Frauen und, je nach Projekt, zusätzlich Frauen und Männer ausländischer Nationalität, zu einem definierten Thema befragt.
Dieser eidgenössischen Jugendbefragung, ch-x, wird in einer Medienmitteilung eine "hohe Repräsentativität" zugesprochen. Also können die Meinungen von 3000 Frauen die Ergebnisse von 30`000 Männerbefragungen zu einer einzigen "Stimme der Schweizer Jugend" ergänzen. Man stelle sich das vor. 10 Prozent Frauenmeinungen können 100 Prozent Männermeinungen so verdünnen, dass daraus die Ansichten der jungen Generation herausdestilliert werden können!
Auf die eidgenössische Jugendbefragung baut nun YASS auf (Young Adult Survey Switzerland), eine Langzeitstudie, die gemäss eigenen Angaben "in ihrem Design einmalig" sei. Aber auch hier werden unter den "Befragtenpopulationen" wieder "das Gros der Männer im stellungspflichtigen Alter" und rund "3000 zufällig ausgewählte Frauen im Alter von 19 Jahren" genannt.
Ich habe mich im Internet noch nach weiteren Jugendstudien umgesehen. Es gibt sie zuhauf. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich als repräsentativ für die Generation der jungen Erwachsenen einer bestimmten Altersphase ausgeben. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sehr schwer oder gar nicht herauszufinden ist, wie hoch jeweils die Anzahl der Frauen und der Männer unter den befragten Personen ist.
Denn dass sie je zur Hälfte befragt werden, davon gehe ich in der Zwischenzeit nicht mehr aus.
Und so stehe ich denn immer noch da mit meiner ungeklärten Frage. Wirken wir Frauen, jung oder alt, in der Gesellschaft wie das Salz in der Suppe? Oder werden wir doch immer noch eher als "quantité negligeable" betrachtet?
Für heute lasse ich diese Frage getrost im Raume stehen!