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Druse
(Drüsen, Füllendruse), katarrhalisch-lymphatische Krankheit, welche der Gattung Pferd eigentümlich ist und vornehmlich in den ersten Lebensjahren vorkommt. Das Übel tritt in zwei Hauptformen auf, als regelmäßige und als unregelmäßige Druse. Die regelmäßige Druse zeigt folgenden Verlauf: Nach katarrhalischen Zufällen, Reizung und Rötung der Schleimhaut, Husten etc., stellt sich ein anfangs dünner und später sehr konsistenter Nasenausfluß ein;
gleichzeitig oder einige Tage später schwellen die Lymphdrüsen im Kehlgang an, und da auch das benachbarte Zellgewebe sich entzündet, so verschwillt zuletzt der ganze Kehlgang;
nach 6-8 Tagen reift die Geschwulst wie ein gewöhnlicher Absceß und bricht dann entweder von selbst auf, oder muß geöffnet werden, worauf ein weißer, milder Eiter entleert wird;
dieser hört nach einigen Tagen zu fließen auf, und es erfolgt allmählich Heilung.
Dieser gewöhnliche Verlauf des Übels kann aber mehrfache schlimmere Modifikationen erleiden (unregelmäßige Druse), indem die katarrhalische Entzündung alle Schleimhäute der Atmungsorgane und des Kopfes ergreift und sich die Erscheinungen der Bräune, der Lungen-, Maul- und Augenentzündung hinzugesellen; oder indem die Anschwellungen und Abscesse auch Backen, Lippen, die Ohrdrüsengegend und andre benachbarte Orte befallen und hier durch Druck gefährliche Zufälle (Schling- und Atmungsbeschwerden) veranlassen können, die aber nach Reifung und Eröffnung der Abscesse wieder verschwinden; oder indem die Krankheit nicht zur gehörigen Entwickelungsstufe gelangt, so daß Nasenausfluß und Lymphdrüsenanschwellung nur in geringem Grad vorhanden sind, letztere auch keine Neigung zum Reifen zeigt, sondern kalt und unschmerzhaft ist (schleichende Druse), wo dann, wenn der Verlauf nicht durch geeignete Mittel beschleunigt wird, plötzlich Geschwülste an andern Körperstellen, z. B. an der Brust, am Hals, zwischen den Hinterschenkeln, entstehen, die längere Zeit unverändert stehen bleiben, ehe sie reifen, oder auch wieder verschwinden, um an andern Orten wieder hervorzubrechen (herumziehende, wandernde Druse); oder indem plötzlich Nasenausfluß und Eiterung versiegen, heftiges Fieber eintritt und ein inneres Organ, z. B. die Lunge, erkrankt (zurückgetretene, verschlagene Druse); oder indem endlich rote Flecke oder Bläschen und Geschwüre (Blatterdrüse) auf der Nasenschleimhaut und den Lippen erscheinen.
Hauptursache der Krankheit ist Prädisposition, die durch besondere Umstände, Zahnwechsel, warmes Verhalten, Fütterungs- und Aufenthaltsveränderung, gesteigert werden kann. Außerdem kann die Krankheit infolge von Gelegenheitsursachen, wie Katarrh, und durch Ansteckung erzeugt werden. Was die Behandlung betrifft, so reicht bei normalem Verlauf derselben ein geeignetes diätetisches Verfahren vollkommen aus. Man verwahre die Kehlgangsdrüsen durch Umhüllung mit wollenen Lappen sorgfältig und reibe sie auch mit Schweinefett ein, wende bei sehr schmerzhafter Anschwellung lauwarme Breiumschläge aus Leinmehl und Malvenkraut an, reibe bei kalter, nicht reifender Geschwulst Spanischfliegensalbe ein und lasse bei zurückgetretener Druse mäßig warme Wasserdämpfe einatmen.
Besteht eine Kehlkopfsentzündung mit erschwerter Inspiration, so leistet die zeitige Eröffnung der Luftröhre oft vortreffliche Dienste. Die Kur wird in allen Fällen durch Verabreichung von gutem Futter (Heu, Kleeheu, Mohrrüben oder Grünfutter) wirksam unterstützt. Unter dem Namen der bösartigen oder verdächtigen Druse wurde früher eine Reihe von Krankheitserscheinungen (einseitiger Nasenausfluß und Lymphdrüsenanschwellung) verstanden, welche den Verdacht der Rotzkrankheit erregen könnten. Gegenwärtig ist an die Stelle dieser Bezeichnung der allgemeine Begriff des »Rotzverdachts« getreten, für welchen bestimmte Schutzmaßregeln im Seuchengesetz vorgesehen sind.
Vgl. Zündel, Die Druse der jungen Pferde (Jena 1880).