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1972 - Film und Okkultismus
1972 kam der Film Stella da Falla in die Kinos. Im Sommer war er der schweizerische Beitrag am Filmfestival Locarno, wo er auf das Interesse des Jurypräsidenten Andrej Tarkovski stiess. Tarkovski studierte in den Jahren danach alle Schriften Rudolf Steiners, denen er auf russisch habhaft werden konnte. Er beabsichtigte, nach seinem Film Das Opfer, den er in Schweden drehte, einen Film über Steiner herzustellen. Doch dies liess sein Tod nicht mehr zu. Der Film Stella da Falla zeigt einen jungen Mann, der im Mittelalter den Weg der Gralssuche betritt, den es nach zwanzig Minuten des Films in die Gegenwart verschlägt, wo er die Spur des Grals verliert und, nach einer Initiationserfahrung in einer Höhle, wiederum aufgreift.
Er haucht sein Leben auf dem Kopfsteinpflaster einer menschenleeren Kleinstadt der Schweiz aus. In ihr kläffen Hunde, Soldaten werkeln an Militärlastwagen, Postautos preschen behende durch die Strassen, Stadtangestellte fegen im orangenen Tenü granitene Treppen und übersehen dabei den neben einer Strassenwischmaschine ohnmächtig zu Boden fallenden Stella da Falla. Er taucht ins Seelenland unter, zu Wasserschildkröten und Mantarochen, um auf einer Tanzbühne wieder zu erwachen. Danach tanzt er doch tatsächlich vor andauernd wechselnden Lichtbildern venerischer Schönheiten, Teufel, Pentagrammen und Schlangen, vor Sternkreisen und Kreuzen, bis auch diese erlöschen und Stella da Falla auf dem überhitzten Celluloid förmlich verbrennt.
1972 wurde ein ausgesuchtes Publikum von dem Bankierehepaar Guy und Marie-Hélène de Rothschild zum Ball auf ihr Schloss in Les-Ferrières bei Paris eingeladen. Der Text auf der Einladung war in Spiegelschrift verfasst, das mächtige Gebäude erwartete die Gäste in feurigrotes Licht getaucht. Sie hatten sich nach der Eingangspforte durch dunkle, in Rauch gehüllte und mit Schleiern durchhangene Eingangsareale durchzuwinden, bis sie in ein hell erleuchtetes Treppenhaus gelangten, worin sich ihrer das als Katzen verkleidete Dienstpersonal annahmen.
Auf den Tischen stapelten sich - schon wieder - Schildkröten und auf Rosen gebettete, unbekleidete Schaufensterpuppen. Die Teller waren wenig benutzerfreundlich in schwarzen Pelz gepackt, auf dem immerhin ein Lippenpaar den in jenen Kreisen so beliebten rot/schwarz-Farbakzent setzte! Ebenso gab es Arrangements mit zerstörten Puppen und weitere, als Karnevalschnack inszenierte Insignien satanischer Macht.
Das Schloss haben die Rothschilds inzwischen weitergereicht. Man kann ja nicht überall sein. Und überdies machen die dazugehörenden 3000 Hektaren Land ganz schön Arbeit! - Nun dient es seit Oktober 2015 als "Ferrières école de l'excellence à la Française pur Hôtellerie Gastronomie et Luxe" einer Schule für die Nachfolger der Katzenmenschen (jährliches Schulgeld 24'000€) und einem angegliederten Nobelhotel als Übfeld mit 232 Zimmern. Eine Hauptqualifikation der Katzenmenschen wird wie schon immer die Verschwiegenheit sein.
Veranstalter wie Gäste der Party von 1972 zeigten einen ausgewiesenen, luxuriösen Geschmack, den sie beim Inventar, den Kostümen wie den Gesellschaftsspielen unter Beweis stellten. Dabei dürften, schon allein im Hinblick auf die Anzahl der Zimmer, auch die sexuellen Köstlichkeiten wie immer, wenn sich die Superreichen erholen, auf "hohem Niveau" dargeboten worden sein. Unten die Gastgeberin Marie-Hélène mit dem Baron Alex de Redé, der im Alltag als einflussreicher französischer Bankier unter dem bürgerlichen Namen Oskar Dieter Alex von Rosenberg-Rédé seine Brötchen verdiente. Aus jüdischer Familie in Zürich geboren (Mama besass vor dem 1. Weltkrieg die Bank von Württemberg) wurde er 1972 in die Hall of Fame der International Best Dressed List (uff, was es alles gibt) aufgenommen. Ein seiner kulturellen Engagements bestand übrigens in der finanziellen Starthilfe für die Rolling Stones.
Weitere geschmackvolle Menschenensembles, die sich zur Party eingefunden hatten:
Auch Dalì und seine Begleiterin posierten manierlich mit der roten Couch dazwischen.
Und zum Schluss nochmals unser Baron Alex de Redé neben Mrs Espirito Santo (Frau "heiliger Geist" ist nicht eine brasilianische Schönheitskönigin, die jeweils auch diesen Titel zugesprochen erhält, sondern gehört zur portugiesichen Bankiersfamilie, welche die älteste Bank Portugals gleichen Namens besitzt.)
Stella da Falla lieferte einen Beitrag zum surrealistischen Rothschildball mit dem Motiv: - wer bin ich und wenn ja, wieviele? - kurz bevor er stattfand. : Ich bin nur insofern wirklich, als ich mich, machtlos, unabhängig und frei, als ein Keimling der Geisteswelt empfinde. Um auf der Erde geistige und moralische Wurzeln zu schlagen. Alle übrigen Darstellungsformen, maskiert oder ungeschminkt, sind illusorisch vergängliche Spiegelbilder, entworfen durch die grosse Illusion verzweifelter Selbst- und Weltgier.
1999 kam Eyes wide shut von Stanley Kubrick in die Kinos. Im Zentrum der Erzählung über eine Ehe auf dem Prüfstand steht der Besuch einer Party von Superreichen durch den von Tom Cruise gespielten Ehemann. Alle Anwesenden nehmen, durch Masken geschützt, inkognito daran teil. Die Hauptperson ist unbefugt zum Losungswort gekommen, das ihm Eintritt in die von den Londoner Rothschilds erbaute Manson, die Mentmore Towers, verschafft. Er wird Zeuge eines satanischen Kultes, in dessen Verlauf ein Menschenopfer stattfindet (oder auch nicht, da Alles im Ungewissen zu belassen zum Stil der von Kubrick portraitierten Illuminaten gehört).
Stanley Kubrick suchte mit seiner Nachstellung einer makabren Wochenendbelustigung des Rothschild-Clans einiges ans Tageslicht zu ziehen, was zum Erhalt der Weltmacht durch die Finanzelite gehört: die Sicherung ihrer Macht durch die Anrufung satanischer Geister und die Durchführung dunkler Messen. - Er hat seine kinematographische Phantasie dazu eingesetzt, um die Verhältnisse des 1972-Rotschildballs weit über die Belanglosigkeit eines surrealistischen Karnevals zu heben. Gleichzeitig handelt der Film von der Stärkung einer Ehe, die aus dem Mitwissen des finsteren Geheimnisses resultiert. Kubrick starb überraschend vier Tage nach der ersten internen Visionierung, noch vor der öffentlichen Premiere des Films.