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Blue Stars Zürich Frauen 1968 - Anfänge und Wurzeln
Frauenfussball seit 1968
Aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums des FC Blue Stars Zürich im Jahr 1998 verfasste Werner Staub für die Chronik einen Beitrag zur Entwicklung des Frauenfussballs im damals noch gemeinsamen Klub der Männer und der Frauen. Herzlichen Dank an Werner und seinen Sohn Marcel für die Erlaubnis, den Auszug aus der Chronik «100 Jahre FC Blue Stars 1898 bis 1998» für diese Website zu verwenden.
Frauenfussball seit 1968
An verschiedenen Grümpelturnieren des Jahres 1967 wurde man auf fussballspielende Frauen und Mädchen aufmerksam. Immer mehr Frauen wollten diesen Sport ausüben und selbstverständlich auch Erfolg haben. Um diese Erfolge zu erreichen, suchte man nach besseren Trainingsmöglichkeiten. Der spätere Präsident der Damensektion, Helmar Bauer, zu jener Zeit noch Juniorenobmann und Juniorentrainer beim FC Industrie, trainierte nebenbei fussballbegeisterte Frauen, die dann prompt einige Grümpelturniere gewinnen konnten. Nach diesen ersten Erfolgserlebnissen wollten die Spielerinnen nicht einfach ein Jahr warten, bis im kommenden Sommer wieder Grümpelturniere stattfanden, an denen sie wieder spielen konnten. Unter Mitwirkung von Eltern und Freunden schlossen sich die Spielerinnen zu 11er-Teams zusammen und trugen Freundschaftsspiele gegeneinander aus.
Im Februar 1968 entstand unter der Leitung zweier Väter, den Herren Moser und Kretz, ein Team, das unter dem Namen DFC Zürich zu spielen begann. Unter Führung von Teams aus der Westschweiz wurde die Schweizer Damenfussball-Liga gegründet und sofort auch eine Meisterschaft organisiert. Um nicht für alles eine eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen, schloss sich die Damenliga für Versicherungen, Spielerpässe und übriges Administratives dem Schweizerischen Fussballverband an. In der Saison 1970/71 fand die erste offizielle Damenfussball-Meisterschaft statt mit bereits 18 Teams. Den ersten Meistertitel eroberte sich der DFC Aarau. Der SFV erkannte jedoch rasch das finanzielle Risiko von eigenen Damenvereinen und forderte für die Saison 1971/72, dass sich alle Damenteams einem Verein anschliessen mussten, der schon Mitglied im SFV war, d.h. es musste um Aufnahme in einen bestehenden Fussballverein nachgesucht werden. Fussball war zu jener Zeit noch eine reine Männerdomäne. Damenclubs, die keine Aufnahme in einem Verein fanden oder sich nicht anschliessen wollten, konnten nicht mehr an der Meisterschaft teilnehmen.
Aufnahme 1972 in den FC Blue Stars
Viele Fussballvereine standen einer Entwicklung des Frauenfussballs nicht gerade positiv gegenüber. Sportplätze gab es nicht zuhauf und vor allem war die Skepsis gross, ob Fussball denn wirklich ein frauentauglicher Sport sei. Auch im FC Blue Stars waren die Meinungen mehr als geteilt, als Herr Kretz, der Präsident des DFC Zürich, um Verhandlungen über eine Aufnahme der Damen in den FC Blue Stars nachsuchte. Nachdem eine Vereinbarung getroffen werden konnte, wurde der DFC Zürich auf die GV des FC Blue Stars vom 30. April 1971 hin aufgelöst und die Mannschaft provisorisch in den FC Blue Stars übernommen. Das gab dem Team die Möglichkeit, weiterhin an der Damenmeisterschaft teilzunehmen. Anlässlich der GV des FC Blue Stars von 1972 wurden die Damen als selbständige Sektion endgültig in den Verein aufgenommen. Nach dem Tod von Herrn Kretz übernahm Helmar Bauer das Präsidium der Damenabteilung, welches er bis zu seinem Tod im Jahr 2019 innehatte. Es entstanden mit der Zeit immer mehr Frauenteams. Es mussten immer mehr regionale Gruppen und verschiedene Spielklassen gebildet werden.
Die Situation Ende der 90er Jahre
Zur Zeit des 100-Jahr-Jubiläums des FC Blue Stars Zürich im Jahr 1998 beteiligten sich 158 Aktivteams an der Meisterschaft, nämlich 10 in der Nationalliga A, 10 in der Nationalliga B, 20 in der 1. Liga und 118 in der 2. Liga. Bei den Juniorinnen (12 - 16-jährige) waren 137 Teams im Wettspielbetrieb tätig. Die Mädchen im Kinderfussball (8 - 12-jährige) spielten in den meisten Regionen in gemischten Teams mit den D, E und F-Junioren. In der Region Zürich wurde für die Mädchen eine eigene Meisterschaft mit ca. 12 Teams durchgeführt. Damals gab es in der Schweiz rund 6500 lizenzierte Spielerinnen. Obwohl schon damals viel mehr Mädchen und Frauen gerne Fussball gespielt hätten, war es den Vereinen mangels Trainingsmöglichkeiten und wegen fehlender Betreuer vielerorts nicht möglich, weitere Spielerinnen aufzunehmen. Hartnäckig hielten sich in vielen Köpfen auch die Vorurteile gegenüber dem Frauenfussball, und zwar trotz der grossen Fortschritte, welche die Mädchen und Frauen in diesem Sport gemacht haben.
Die Damensektion des FC Blue Stars war bis 1998 mit Ausnahme von 2 Saisons immer in der höchsten Spielklasse vertreten. In der Saison 1978/79 stieg sie in die 2. Spielklasse ab. In der Saison 1980/81 schaffte sie als Meister der 2. Spielklasse wieder den Aufstieg.
Die Frauen des FC Blue Stars kamen nie zu Meister- oder Vizemeisterehren. Vielleicht hat man nie verbissen genug auf dieses Ziel hingearbeitet. Der Club blieb sich treu und versuchte nie, gute Spielerinnen bei anderen Clubs abzuwerben, sondern war stets bemüht, mit Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs auszukommen. So haben sich denn auch die Spielerinnen immer gut in den gesamten Verein integriert und auch viel zum guten Image, zur Verbreitung und zur Weiterentwicklung des Frauenfussballs beigetragen. Zahlungen von Prämien an die Spielerinnen waren nie ein Thema und für Geld wollte man auch niemanden in den Verein holen, respektive dazu bewegen, im Verein zu bleiben.
Viermal im Cupfinal
Wenn es auch in der Meisterschaft nie ganz an die Spitze reichte, so konnte im Schweizercup immerhin viermal das Endspiel erreicht werden. Dies in den Jahren 1981, 1983, 1993 und 1997. Die Gegnerinnen waren leider immer Siegerinnen und die Frauen des FC Blue Stars die traurigen Verliererinnen. Lediglich im Cupendspiel 1993 gegen den SV Seebach, das auf der Anlage der Brauerei Hürlimann vor einer grossen Zuschauermenge stattfand, waren die Spielerinnen nahe daran, einen Erfolg zu erzielen. Schliesslich siegten aber auch diesmal wieder die favorisierten Seebacherinnen äusserst knapp. Trotzdem war dies ein unvergesslicher Tag für alle Beteiligen und Fans, die damals die gute Stimmung bei prächtigem Sonnenschein geniessen konnten.
Nebst dem sportlichen Ehrgeiz standen auch immer die Geselligkeit und Kameradschaft im Vordergrund. So war es seit jeher das Ziel, gemeinsam eine jährliche Saisonschlussreise zu unternehmen. Alle Teams nahmen schon damals auch immer wieder an ausländischen Turnieren teil. Neben dem sportlichen Erfolg standen der Plausch und das Zusammensein mit anderen fussballbegeisterten Frauen und Mädchen immer im Mittelpunkt. Aufgrund der Vergangenheit in der Nationalliga A waren schon damals eine intensive Vorbereitungszeit in der Winterpause und harte Trainingslager an der Tagesordnung, etwa im Schwarzwald oder gar auf Zypern.
Internationale Blue Stars Frauen
Bei der Gründung der Schweizerischen Damenfussball-Liga waren die Clubs aus der Romandie tonangebend. Der Präsident des DFC Sion bemühte sich von Anfang an um internationale Kontakte, dies vor allem nach Italien. Es entsprach dem damaligen Selbstverständnis des DFC Sion als dominierendes Team der Schweiz, in Italien kurzerhand als nationale Auswahl oder gar als Nationalteam aufzutreten. Um dieser Dominanz entgegenzutreten, organisierte der damalige Trainer der Blue Stars Damen Selektionstrainings mit dem Ziel, eine echte Auswahl unter den schweizerischen Spielerinnen zu bilden. Diese Arbeit trug Früchte, denn im ersten offiziellen Frauenländerspiel, das gegen Österreich in Schaffhausen stattfand, spielten drei Spielerinnen des FC Blue Stars mit, nämlich Fiorenza Kretz, Trudi Streit und Ursula Kaiserauer. Die Schweizerinnen besiegten die Mannschaft aus Österreich mit einem fast unglaublichen 9:0. In den Folgejahren wurden immer wieder verschiedene Spielerinnen unseres Vereins in der Nationalmannschaft eingesetzt.
Juniorinnen
Der FC Blue Stars war immer bekannt für seine Juniorenabteilung, resp. -förderung. Dem wollte auch die Damensektion nicht nachstehen. Sie setzte sich stets zum obersten Ziel, so viel wie möglich für die eigene Nachwuchsförderung zu tun. Dem waren aber auch immer Grenzen gesetzt. Bis zur Neuordnung der Platzzuteilungen in der Stadt Zürich blieb die Infrastruktur für Trainings und Spiele unzureichend. Entsprechend mussten auch immer wieder Interessentinnen abgelehnt werden. Die Probleme lagen vor allem bei der fehlenden Trennung von Garderoben und Duschen. Viele Duschräume waren noch immer von allen Umkleidekabinen aus erreichbar, oft ein unzumutbarer Zustand. Wo der Wille vorhanden gewesen wäre, dies zu korrigieren, fehlt leider meistens das Geld. Dank Toleranz und guter Zusammenarbeit aller fussballbegeisterten Sportler und Sportlerinnen konnten die Probleme aber mit der Zeit gelöst werden.
In den Anfängen erhielten die Damen des FC Blue Stars auf dem Juchhof 3 beim Gaswerk in Schlieren Gastrecht. Vorübergehend wurde dann auf der Sportanlage in Witikon trainiert und gespielt. Ende der 90er Jahre erfolgte der Umzug in die Sportanlage Buchlern in Altstetten, bevor die Blue Stars Frauen im Hardhof ihre aktuelle Heimat fanden. Die Buchlern und der Hardhof boten trotz der beengten Platzverhältnisse sehr gute Voraussetzungen für den Frauenfussball.
Der Meisterschaftsbetrieb 1998
Im Jahr 1998 war die Damensektion des FC Blue Stars mit vier Teams an der Meisterschaft beteiligt. Das Nationalliga A-Team befand sich damals schon in einer Umbruchphase und kämpfte gegen den Abstieg. Ein weiteres Team spielte in der 2. Liga. Im Mädchenfussball spielte je ein Team bei den Juniorinnen und bei den Piccole.
Bemühungen um Akzeptanz
Die Akzeptanz des Frauenfussballs stieg nur sehr langsam. Ende der 90er Jahre war ein Durchbruch noch nicht absehbar. Obwohl damals schon auf internationaler Ebene eine Frauenfussballweltmeisterschaft ausgetragen und auch an den Olympischen Spielen um Medaillen gekämpft wurde, blieb der Frauenfussball lange eine Randsportart. Konnte man bei uns die Resultate im Frauen-Hand-, Volley- und Basketball im Teletext bis hinunter in die 1. Liga verfolgen, suchten wir an einem Wochenende dort vergeblich nach den Resultaten der Nationalliga A der Fussballerinnen. Dies obwohl in den vorerwähnten Sportarten die schweizerischen Sportlerinnen nicht viel grössere internationale Erfolge aufweisen konnten als im Fussball. Berichte in der Presse über den Frauenfussball gab es wenige, und wenn doch einmal ausführlich darüber berichtet wurde, ging es mehr um wirkliche oder vermeintliche Skandalgeschichten und weniger um den Sport. Das erschwerte es auch lange, geeignete und qualifizierte Betreuerinnen und Betreuer für technische und administrative Belange zu finden.
Die Rolle der Damensektion im Klub
Seit der Gründung, resp. seit der Aufnahme in den FC Blue Stars war die Damensektion eine selbständige Einheit im Verein. Die Frauen lösten ihre sportlichen und vor allem finanziellen Probleme selbst. In der Gründerzeit bezahlten die Spielerinnen monatlich einen gewissen Betrag, damit Bälle und sonstiges Material gekauft werden konnten und an den Spielen die Schiedsrichterkosten gedeckt waren. Bei Auswärtsspielen teilten die Reiseteilnehmerinnen die Fahrtkosten unter sich auf. Für die Spielerinnen war immer klar, zuerst musste etwas eingenommen werden, bevor etwas ausgegeben werden konnte. Gespielt werden konnte erst, wenn das Geld dafür beschafft war. Die Spielerinnen wurden immer wieder aufgefordert, neue Passivmitglieder oder Mitglieder für den 100er-Club zu suchen. Die Trainer und Trainerinnen der Teams machen ihre Arbeit damals immer ehrenamtlich, denn es war schlicht nicht möglich, Gehälter ins Budget aufzunehmen. Je nach Kassabestand am Ende einer Saison konnte die Sektion immerhin eine kleine Spesenentschädigung ausbezahlen, die aber kaum den Aufwand deckte.
In all den Jahren fühlten sich die Frauen des FC Blue Stars immer sehr wohl und engagierten sich auch bei verschiedenen Anlässen im Verein immer sehr stark. Dank Hilfe von einigen Gönnern und dank den intensiven Bemühungen der Spielerinnen, die bei den Eltern, Verwandten, Freunden und gar ihren Chefs um Unterstützung baten, gelang es immer, die Finanzen im Griff zu behalten.
Die Entwicklung seit 1998
Seit dem Millennium erfreute sich der Frauenfussball in der Schweiz, in Europa und der Welt immer grösserer Beliebtheit. Heute sind rund 8 % der rund 270'000 Lizenzen im Schweizer Fussball für Frauen und Mädchen ausgestellt. Als Katalysator erwies sich vor allem die Frauenfussball-WM 2011 in Deutschland, deren phantastische Bilder auch in den Schweizer Stuben viele Augen zum Leuchten brachten und bei den Vereinen einen wahren Mädchen-Boom auslösten. Die Spielerinnen der Schweizer Nationalmannschaft waren und sind auch international erfolgreich, und zwar auch noch, seit sich ausländische Grossklubs mit viel Geld im Frauenfussball engagieren, weil die Verbände dessen Wachstumschancen mittlerweile erkannt haben und unseren schönen Sport unter der tatkräftigen Führung der FIFA immer stärker ins Rampenlicht rücken. Auch in der Schweiz erfolgte eine Konzentration der Elite bei den Grossklubs. In der höchsten Liga zu spielen, ist für die Frauen des FC Blue Stars heute undenkbar geworden. Geblieben sind die hohen Ausbildungsansprüche. Es ist schön mitzuerleben, wie Talente, die bei den Blue Stars Frauen noch als Juniorinnen dabei waren, ihren Weg in die Spitzenklubs und gar ins Nationalteam finden. Geblieben sind die Prinzipien: Eisern zu wirtschaften, für die Beteiligten mehr zu sein als nur ein Fussballklub, sich persönlich im Vereinsleben zu engagieren und die Geselligkeit zu pflegen – all das hat sich seit den Anfängen nicht verändert. Der sportliche Erfolg braucht unter der Bescheidenheit nicht zu leiden. Dank der konsequenten Juniorinnenarbeit spielt das Frauen 1 heute wieder in der 1. Liga und damit immerhin in der dritthöchsten Spielklasse des Landes. Erfolge im Regionalcup sorgten bei den Juniorinnen und bis zum Wiederaufstieg des Frauen 1 aufs nationale Niveau auch bei den Erwachsenen immer wieder für einen Grund zum Feiern. Geblieben ist auch der Pioniergeist: Als Rahel Lindegger und Timo Glanzmann mit einer Gruppe von Vertrauten das Futsal Masters für Frauen aus der Taufe hoben, beteiligten sich die Blue Stars Frauen als Gründungsmitglied an der neuen schweizweiten Liga. Auf die Saison 2020/21 hin hat der Schweizerische Fussballverband diese Liga übernommen, die jetzt den Namen Swiss Futsal Women's League bekommen hat. Die Blausterne spielen in der Gruppe Ost.
2019 beschlossen der FC Blue Stars und die bisherige Frauensektion einvernehmlich, den Sport fortan in zwei separaten Vereinen zu betreiben – dem FC Blue Stars Zürich 1898 und dem FC Blue Stars Zürich Frauen 1968. Beide Vereine streben laut ihren Statuten weiterhin eine Zusammenarbeit an. Die Jahrzahl im Namen des Vereins der Frauen weist darauf hin, dass die Blue Stars Frauen zu den Pionierinnen des Schweizer Frauenfussballs gehören. Die Zeiten der finanziellen Bedrängnis sind vorerst vorbei. Unsere Mitgliederbeiträge sind zwar immer noch sehr tief. Dafür profitierten die Blue Stars Frauen nach dem gescheiterten Projekt eines neuen Hardturmstadions für die EM 2008 davon, dass die FIFA die damals schon zugesagten Gelder für den Bau u.a. in die Förderung des Frauen- und Juniorinnenfussballs leitete. Damit das Polster nicht irgendwann aufgebraucht ist, sind wir dennoch auf unsere Spender und Gönnerinnen angewiesen und möchten uns an dieser Stelle bei ihnen ein weiteres Mal herzlich bedanken. Falls auch Sie sich diesem Kreis anschliessen möchten: Spenden werden gerne entgegen genommen über unser Konto bei der Credit Suisse, IBAN: CH 63 0483 5067 3587 1000 0. Vermerk Spende. Danke.