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Die Entstehung von AVIVO ist eng mit dem Ausbau der Sozialversicherung und insbesondere mit der AHV verbunden. Eine nationale Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung war schon eine Forderung des Generalstreiks von 1918. Im Jahr 1925 stimmte dann das Stimmvolk einem Verfassungsartikel zur Schaffung einer Alters- und Hinterlassenenversicherung zu. Aber erst anfangs 1944 kündigte der Bundesrat die rasche Einrichtung einer solchen Versicherung an. Am 6. Juli 1947 nahm das Schweizer Volk eine entsprechende Vorlage an mit sensationellen 80% Ja-Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von 79,6%! Am 1. Januar 1948 trat das entsprechende Gesetz in Kraft. Einzelpersonen erhielten Fr. 40.- pro Monat, was 2023 etwa Fr. 190.- entspricht, und Ehepaare mussten sich mit Fr. 70.- (2023 Fr. 335.-) pro Monat begnügen.
Diese Leistungen waren so gering, dass sich einige Repräsentanten der Partei der Arbeit (PdA) und ihrer Verbündeten anfangs sogar dagegenstellen wollten. Sie liessen sich aber davon überzeugen, diesen Start vorerst zu akzeptieren, verlangten aber sofortige Verbesserungen. Zu diesem Zweck wurde in den Westschweizer Kantonen die AVIVO (Association des Veilliards, Invalides, Veuves et Orphelins) gegründet, zum Teil aus bereits bestehenden Altersorganisationen.
Etappenweise setzte sich die AVIVO nicht nur für die Verbesserung der AHV, sondern auch für die Einführung einer Invalidenversicherung (IV) ein. Mitte der 50er Jahre lancierten zuerst AVIVO und PdA und dann auch die SP getrennte Initiativen zur Schaffung einer IV. Dank diesem Druck erarbeitete der Bundesrat die Gesetzesvorlage für eine Invalidenversicherung, welche schliesslich 1960 eingeführt wurde.
1958 verlangte die AVIVO mit einer Petition eine 5. AHV-Revision. Die 151’000 Unterschriften wurden im Rahmen einer Gross-Kundgebung der Bundeskanzlei übergeben. In den folgenden Jahren engagierte sich die AVIVO nicht nur für eine verbesserte 5. AHV-Revision, sondern auch für das Prinzip existenzsichernder Renten. In diese Zeit fiel die Gründung neuer AVIVO-Sektionen in Zürich und Basel.
Gründung der AVIVO Sektion Basel
Die PdA-Zeitung «Vorwärts» schrieb im März 1961, dass im bis zum letzten Platz gefüllten Saal des Restaurants «Drei Rosen» im Kleinbasel eine Veranstaltung von AHV-Rentnern und Rentnerinnen stattgefunden hätte. Thema dieser Veranstaltung war: Stellungnahme zur 5. AHV-Revision. Alt Nationalrat Marino Bodenmann sprach an diesem Abend über notwendige Verbesserungen der Lebensbedingungen von Altersrentnerinnen und Altersrentnern. Die Teilnehmenden verlangten in Übereinstimmung mit dem schweizerischen AVIVO-Komitee, dass neu die Minimalrenten für Einzelpersonen auf Fr.120.- und diejenige für Ehepaare auf Fr. 200.- erhöht werden müssen, um sie einigermassen der Teuerung anzupassen.
1962, nach der 5. AHV-Revision von 1961, die eine Erhöhung der ordentlichen Renten um durchschnittlich 28% gebracht hatte, erfolgte die Lancierung der eidgenössischen Initiative für eine «Verbesserung der Alters- und Hinterlassenenversicherungs-Renten (AHV)». Es standen zwei Volksinitiativen mit Forderungen nach existenzsichernden Renten im Raum, diejenige der AVIVO und die der Zeitschrift «Beobachter». Beide wurden später zurückgezogen zugunsten eines Gegenvorschlags, der zur 6. AHV-Revision von 1964 führte. Diese brachte u. a. eine Rentenerhöhung um ein Drittel, eine Herabsetzung des Rentenalters der Frauen von 63 auf 62 Jahre und ausserdem die Einführung der Zusatzrente an Altersrentner mit Ehefrauen im Alter von 45 bis 60 Jahren und der Kinderrenten. Diese Revision ermöglichte 1966 die Einführung der Ergänzungsleistungen (EL).
Bereits in den Basler Gründungs-Statuten steht, dass unsere Vereinigung an keine Partei oder Konfession gebunden ist. Aber wir nehmen durchaus politisch Stellung, wenn es darum geht, die soziale Lage der Alten, Invaliden, Witwen und Waisen zu verbessern. So unterstützte AVIVO Basel in den folgenden Jahren jeweils die Forderungen, die auf Schweizer Ebene gestellt wurden, sammelte aktiv Unterschriften für diverse AHV-Initiativen (z. B. für eine Volkspension), für Referenden, aber auch für andere sozialpolitischen Anliegen wie zum Beispiel für eine Einheitskrankenkasse, gegen die Erhöhung des Rentenalters für Frauen, für besseren Mieterschutz, gegen Privatisierungstendenzen, und auf kantonaler Ebene gegen den Verkauf des Volkshauses, für die Rettung der Chrischona Klinik, für die Erhaltung der Öffentlichen Krankenkasse, gegen einen Abbau bei der Sozialhilfe, für einen Mindestlohn etc.
Erster Präsident von AVIVO Region Basel war Gottlieb Schöneck. Während vieler Jahre führte der ehemalige Hafenarbeiter Marcel Moine unsere Vereinigung. Er sammelte noch im Alter von über 90 Jahren Unterschriften für Initiativen und organisierte aktiv Carfahrten, Veranstaltungen und Feste. Präsidiert wurde die Basler AVIVO ausserdem auch von René Tobler (Architekt), Willy Ryf (Hafenarbeiter), Robert Blum (Buchhändler), Denise Ruepp (kaufmännische Angestellte), Lukas M. Stoecklin (Jurist, Journalist), Minka Hofer (Buchhändlerin), Peter Flubacher (Hausarzt) und Nick Bramley (Gewerkschaftssekretär).
Neben unserem Einsatz auf politischer Ebene bieten wir ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm, das von den Mitgliedern, die Kontakt und Austausch suchen, sehr geschätzt wird: Carfahrten, Vorträge, Wanderungen, Neujahrsapéro, Singkreis, Museumsbesuche, Mittagessen, gemeinsamer Kino-Besuch, Spielnachmittage, die Boule/Pétanque-, Koch- und Gümmeler-Gruppen usw.
AVIVO Region Basel zählt zurzeit etwa 450 Mitglieder, und wir haben einen engagierten Vorstand mit Ideen, was wir für unsere Mitglieder organisieren möchten. Für den Kontakt zu ihnen erscheint regelmässig unser Veranstaltungskalender und unser Mitteilungsblatt «AVIVO-Bulletin» (früher «Die Stimme»), worin Mitglieder über die Aktivitäten berichten und politische Anliegen bekannt gemacht werden. Wir sind auch mit unserer Website und auf Facebook präsent.
In Dankbarkeit gedenken wir heute all der aktiven Freundinnen und Freunde, die sich beim Aufbau der Organisation und bei den Aktionen eingesetzt haben. Denn dank Ihnen allen besteht AVIVO noch heute.
Wir sind stolz auf unsere Geschichte und das in den vergangenen 60 Jahren Erreichte, sind uns aber gleichzeitig bewusst, dass noch viel Arbeit bevorsteht, um das Ziel existenzsichernder Renten und eines Lebens in Würde für die ältere Generation und andere Renten-Empfängerinnen und -Empfänger zu erreichen. Mit Sorge erfüllen uns all die Angriffe, die auf die Sozialversicherung zu kommen (z. Bsp. Vorschläge zu Rentenkürzungen und Erhöhung des Rentenalters). Unsere Ziele sind nicht im Alleingang zu erreichen: deswegen sind wir mit fortschrittlich eingestellten Menschen und deren Organisationen vernetzt und handeln nach unserem Motto gemeinsam – aktiv – engagiert.