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Literaturwissenschaft
Französische Literatur zu studieren, bedeutet zunächst, sich mit einer der reichhaltigsten kulturellen Traditionen Europas zu befassen. Die ersten Texte gehen zurück auf das 9. Jahrhundert. Das Studium vermittelt einen Überblick über die Literaturgeschichte vom Mittelalter bis heute, aber auch über die Entwicklung und Ausbreitung der frankophonen Literaturen in Zeit und Raum sowie die Entstehung der verschiedensten regionalen und nationalen Werke. Diese geschichtliche Dimension betrifft auch die Genres und die literarische Aesthetik, deren Organisation, Konzeption und Themen sich kontinuierlich entwickeln. Zum zweiten geht es in der Ausbildung um das Kennenlernen verschiedener Modelle, die es ermöglichen, literarische Strukturen zu beschreiben und zu analysieren – d.h. den Erwerb eines vielseitigen theoretischen Handwerkszeugs, das auf Methoden und Fragestellungen beruht wie:
- Stilistik (Untersuchung der Figuren und des Schreibstils)
- Narratologie (Untersuchung der Elemente einer Erzählung)
- Poetik (Versbildung, Prosodie, Metrik)
- Analyse von Theaterstücken
- Begriff der Autorenschaft
- Intertextualität (Beziehungen, die der Text mit anderen Texten unterhält)
- materielle Bibliographie (Einfluss des verwendetes Mediums)
- Semiotik (Untersuchung der verschiedenen Deutungen)
Schliesslich wird - im Sinn einer globalen Herangehensweise - ein dritter Akzent auf die Verbindungen gesetzt, welche die Literatur mit ihrem geschichtlichen und kulturellen Umfeld unterhält, unabhängig davon, ob es sich dabei um die Geschichte der Gesellschaft, der Politik, der Wissenschaften, der Philosophie, der Bildenden Künste, der Musik, etc. handelt.
Jeder dieser Bereiche bietet den Studierenden Gelegenheit, im Rahmen von Essays oder Vorträgen an der Universität, aber auch bei Tätigkeiten wie Übersetzungsarbeit, Theaterspiel, Verfassen von Zeitungskritiken, etc. an ihrer schriftlichen und mündlichen Ausdrucksweise zu feilen.
1. Übersicht über die französische Literaturgeschichte
Das Literaturstudium teilt sich auf in ältere Literatur (Mittelalter bis 17. Jahrhundert) und neuere Literatur (Aufklärung bis heute). In jedem Semester werden in Vorlesungen, Seminaren und durch verschiedene andere Unterrichtsformen (Studienreisen, Workshops, etc.) diese beiden Bereiche der Literatur vertieft und eröffnen durch das Studium eines Autors, eines Genres oder einer Epoche neue Perspektiven auf die im Lehrprogramm behandelten Texte.
2. Übersicht über die Literaturkritik
Die Entwicklung der Literaturkritik innerhalb der letzten fünfzig Jahre hat zahlreiche Analysemethoden hervorgebracht, die sich immer weiter entwickelt haben. Die Studierenden werden kontinuierlich dazu angehalten, sich mit diesen verschiedenen Theorien vertraut zu machen - ob es sich um Wissens-Grundlagen handle oder um neuste Erkenntnisse - und sie in ihre eigenen Überlegungen einzubeziehen.
3. Literatur und Kultur
Die Untersuchung des Platzes der Literatur und ihrer Rolle im allgemeinen kulturellen Umfeld wird immer wieder zum Unterrichtsthema. Diese Ausrichtung wird begünstigt durch:
- den Zugang, den die Studierenden zu Forschungsarbeiten des Fachbereichs haben, die einen besonderen Akzent auf die Verbindungen zwischen Literatur und Wissen setzen
- die Interaktionen zwischen den Lehrveranstaltungen des Fachbereichs Französistik und denjenigen anderer Philologien und weiterer geisteswissenschaftlicher Fächer der Universität Basel (interphilologische Lehrveranstaltungen, gemeinsame Workshops über Fragestellungen aus der Sicht der Komparatistik; Workshops zum Thema Übersetzung oder journalistisches Schreiben, usw.).
- die Möglichkeit, an zahlreichen Vorträgen vom Fachbereich eingeladener Forscher französischer Sprache teilzunehmen, oder an den öffentlichen Vortragsabenden der Société d'Études françaises de Bâle. Die SEF lädt jedes Jahr französischsprachige Persönlichkeiten ein – Schriftsteller, Kritiker, Historiker, Politologen, etc.– über ihre Werke und ihr Schreiben zu sprechen.