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Mein heutiger Glaubensimpuls ist ausnahmsweise einmal ein Filmtipp. Denn kürzlich war ich in der Premiere des neuen Kinofilms «Mother Teresa and Me», den ich aus religionspädagogischen und spirituellen Gründen sehr empfehlen möchte.
Der Film erzählt gleichzeitig zwei Biografien, die sich als Spiegelgeschichten entwickeln: einerseits die Lebensgeschichte der Heiligen und späteren Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa von Kalkutta (1910–1997). Andererseits die Geschichte der in London aufgewachsenen jungen Inderin Kavita, die eine glänzende Karriere als Geigerin vor sich hat, als sie ungeplant schwanger wird. Da ihr Freund, der auch Vater des Kindes ist, sie verlässt, beschliesst Kavita nach Indien zu reisen, um ihren familiären Wurzeln auf die Spur zu kommen. Sie hofft, dass ihre Tante Deepali, die sie als Kind betreut hat, ihr aus der Patsche helfen kann. So reist Kavita nach Kalkutta und erfährt von Deepali, dass sie nicht das leibliche Kind ihrer Eltern ist, sondern in einem der Waisenhäuser von Mutter Teresa aufwuchs und später adoptiert wurde. Dadurch erfährt Kavita, dass sie ihr Leben dem Engagement Mutter Teresas für Indiens Ärmste zu verdanken hat, und beschliesst in diesem Moment, ihr eigenes Kind nicht abzutreiben, sondern zur Welt zu bringen.
Es gehört zur treffsicheren Dramaturgie des Films, dass er nicht mit Mutter Teresa beginnt, sondern mit Kavita, die in London ein modernes Leben führt. Auf diese Weise lernen die Zuschauer die Biografie von Mutter Teresa durch die Augen einer jungen, emanzipierten und europäisch geprägten Inderin kennen. Die beiden Lebensgeschichten treffen sich an einem Angelpunkt, wo die beiden als starke Persönlichkeiten auch ihre Zweifel haben. Bei Kavita sind es Gewissenszweifel, bei Teresa sind es Glaubenszweifel. Beide sind auf ihre je eigene Weise auf der Suche nach ihrer Berufung.
Es gehört zu den Stärken des Films «Mother Teresa and Me», dass er sowohl die Licht- als auch die Schattenseiten der berühmten Ordensgründerin vermittelt. Regisseur Kamal Musale zeigt mit der Schweizer Hauptdarstellerin Jacqueline Fritschi-Cornaz, die sowohl Produzentin des Films ist als auch die Hauptrolle als Mutter Teresa spielt, dass Mutter Teresa einen starken Glauben hatte, aber auch von ihrer Sendung getrieben war: Fritschi spielt eindrucksvoll und mit einem mazedonischen Akzent im Englischen, wie Mutter Teresa immer weiter nach vorne drängt: vom Austritt bei den Loreto-Schwestern zur Erlaubnis der Ordensgründung, die sie beim Vatikan erwirkt, über die Beschaffung eines geeigneten Gebäudes für die Pflege von Kranken und Sterbenden bis zur Abschreckung von Hindu-Nationalisten. Immer glaubt Mutter Teresa an ihre Mission, wird aber auch von Glaubenszweifeln geplagt, als sich ihr Hindernisse in den Weg stellen. Die Zweifel können Mutter Teresa in ihrer Liebe und Leidenschaft für die Ärmsten der Armen aber nicht bremsen. Der Theologe und Filmjournalist Charles Martig schreibt treffend: «Sie hat weder einen Heiligenschein noch ein friedliebendes Gemüt. Vielmehr nähert sich der Film der historischen Mutter Teresa respektvoll und vermeidet jede religiöse Überhöhung.»
Das macht den Film empfehlenswert für die Firmvorbereitung mit Jugendlichen wie auch für den Einsatz in der Erwachsenenbildung. «Mother Teresa and Me» läuft seit dem 27. Oktober in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln in den Deutschschweizer Kinos (www.mother-teresa-and-me.film). Die Einnahmen kommen der Zariya Foundation «Kinder in Indien» zugute.