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Svalbard ist eine zu Norwegen gehörende Inselgruppe im Nordatlantik und Arktischen Ozean. Im deutschen Sprachgebrauch hat es sich eingebürgert, die gesamte Inselgruppe nach der Hauptinsel Spitzbergen zu bezeichnen.
Die Besiedlung Svalbards erfolgte in erster Linie ab etwa 1900 wegen der reichen Kohlevorkommen. In neuerer Zeit gilt Svalbard als «grösstes Labor der Welt» für die Arktisforschung. In Ny Alesund leben und forschen im Winter rund 30 Personen und im Sommer etwa 120 Personen verschiedenster Nationen. Die Inselgruppe ist laut dem Spitzbergen-Vertrag eine demilitarisierte Zone.
Geographie
Die Inseln liegen zwischen 74° und 81° nördlicher Breite sowie 10° und 35° östlicher Länge. Die grössten Inseln sind Spitzbergen, Nordaustlandet, Barentsøya, Edgeøya und Prins Karls Forland. Aber auch kleinere Inseln, wie beispielsweise die südlicher gelegene Bäreninsel und Hopen zählen dazu.
Klima
Das Klima um Spitzbergen ist regnerisch neblig und kühl, die Küstenregionen sind im Sommer nur für ca. 6 Wochen schneefrei. Trotz des kühlen Sommers sind die Winter sehr mild für die Region, der warme Golfstrom zieht bis Spitzbergen. Im Sommer liegen die Temperaturen zwischen +2°C und +18°C, im Winter liegen diese zwischen -25°C und +5°C.
Fauna
An grösseren Landsäugetieren kommen das Ren, der Eisbär und der Polarfuchs vor. Der Eisbär, dessen Population im Gebiet der Inselgruppe auf ca. 3.000 Tiere geschätzt wird, ist eigentlich ein maritimes Tier, da er sich hauptsächlich auf dem umliegenden Meereis aufhält. Die hier lebende Unterart Spitzbergen-Ren ist kleiner als seine Verwandten in anderen Gebieten der Arktis und kommt nur auf Spitzbergen vor.
Die Zahl der Meeressäuger war vor dem Beginn der gross angelegten Waljagd bedeutend höher. Lange Zeit waren grosse Fangflotten unterwegs, die erst Grönlandwale und Nordkaper, später auch verschiedene Furchenwale bejagten. Narwale gab es schon immer nur wenig im Gebiet und die Anzahl der Weisswale, die noch im 19. Jahrhundert in den Fjorden der Inselgruppe gefangen wurden, ist heute stark dezimiert. Das gleiche gilt im verstärkten Mass für Walrosse, die fast vollständig von den westlichen Küsten vertrieben wurden. Andere Robben, die auf Spitzbergen vorkommen sind Sattelrobben, Ringelrobben, Bartrobben und vereinzelt auch Klappmützen.
Die Vogelwelt ist ausserordentlich reichlich und wird vor allem von den vielen Meeresvögeln dominiert, die hier in riesigen Kolonien brüten. Als Beispiele können hier die Dickschnabellumme, die Gryllteiste, der Krabbentaucher, der Papageientaucher, die Eismöwe und der Eissturmvogel genannt werden. Weiterhin gibt es drei Arten von Raubmöwen, verschiedene Seeschwalben und den Sterntaucher. An Entenvögeln brüten die Kurzschnabelgans, die Ringelgans, die Eiderente und selten auch die Weißsswangengans auf Spitzbergen. Im Landesinneren gibt es eine Schneehuhnart und die Schneeeule, die auch im Winter hier bleiben, und die Schneeammer, welche in der kalten Jahreszeit nach Süden zieht.
Flora
Die Pflanzenwelt ist typisch für die hiesige Tundrenvegetation. Es gibt Steinbrecharten, Fingerkraut, Silberwurz und viele Wiesenpflanzen wie Gräser, Löwenzahn und Wollgras. Der grösste Busch ist die Zwergbirke, die man jedoch nur selten antrifft. Moose bilden an vielen Stellen zusammenhängende Decken, die in den Senken im Landesinneren bedeutende Ausmasse erreichen. Den reichsten Bewuchs findet man entlang der Fjorde, die oft wolkenfrei sind, so dass das Sonnenlicht lange Zeit den Boden erreicht. Das umliegende Meer ist reich an Algen. In Süsswassertümpeln leben Kieselalgen und Armleuchteralgen und andere mikroskopische Algen färben den Schnee grün oder rot. Diese Färbungen treten vor allem im Sommer in der Nähe von Vogelkolonien auf.
Bevölkerung
Die Hauptstadt von Svalbard ist Longyearbyen auf Spitzbergen mit ca. 1.800 Einwohnern. Dort befindet sich auch die Universität UNIS. Des Weiteren gibt es die 1932 gegründete russisch-ukrainische Siedlung Barentsburg mit ca. 900 Einwohnern. Ny-Ålesund ist ein norwegisch-internationales Forschungszentrum, in dem zwischen 40 und 100 Forscher tätig sind. In Sveagruva arbeiten bis zu 200 Grubenarbeiter, die aber als Pendler dort keinen festen Wohnsitz haben. Eine polnische Forschungsstation in Hornsund zählt acht Bewohner. Die russische Kohlegrube in Pyramiden wurde 1998 stillgelegt und kurze Zeit später auch die dazugehörende Siedlung aufgegeben. Insgesamt hat Svalbard somit ca. 2.700 bis 2.800 ständige Einwohner.
Frühe Geschichte
Der Name Svalbard tauchte 1194 zuerst in isländischen Schriften auf, wo Svalbardi fundinn, oder «die kalte Küste gefunden» notiert wurde. Als eigentlicher Entdecker gilt Willem Barents, der am 25. Juni 1596 die Inselgruppe sichtete. Nachdem Henry Hudson 1607 die Inseln besuchte, war man an diesen als Jagdgelände interessiert. Als bekannt wurde, dass es in den umliegenden Gewässern viele Wale gibt, kamen grosse Fangflotten nach Svalbard.
Anfänglich gab es oft Streitigkeiten zwischen den Schiffen der verschiedenen Länder. Daraufhin entschied man sich 1619, die Häfen zwischen den Nationen aufzuteilen. Britische Fangschiffe waren hauptsächlich zum Ende des 18. Jahrhunderts und am Anfang des 19. Jahrhunderts westlich von Svalbard unterwegs. Im Jahre 1788 gab es 255 britische Fangschiffe.
Auch Holländer siedelten sich auf Spitzbergen an. Ihr Hauptort war Smeerenburg. Der Ort wurde von niederländischen Walfängern in den 1610er Jahren gegründet. Während der ersten intensiven Phase der Walfängerei um Spitzbergen diente Smeerenburg als das Zentrum der Aktivitäten im Norden und glich einer kleineren Stadt. Im Hafen lagen zeitweise 200 bis 300 Schiffe mit zusammen über 12.000 Mann Besatzung, in den Häusern wohnten Handwerker und Händler. In Trankochereien wurde Tran aus dem Walblubber gewonnen. Mit dem Niedergang des Walfangs um 1660 wurde die Siedlung aufgegeben. Heute sind von den Gebäuden nur noch die Grundmauern zu sehen.
Auch russische Jäger gab es auf Svalbard. Diese machten vor allem in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Jagd auf Weisswale, Eisbären, Polarfüchse, Walrosse und andere Robben.
Neuere Geschichte
John Munroe Longyear gründete 1906 die erste Grubensiedlung und gab ihr den Namen Longyearbyen. 1916 übernahm die norwegische Store «Norske Spitsbergen Kullkompani» die Grubenanlagen und Steinkohlevorkommen in und um Longyearbyen. 1920 erfolgte der Abschluss des Spitzbergen-Vertrages. 1925 erlangte Norwegen die Souveränität über Spitzbergen. 1935 trat auch die Sowjetunion dem Spitzbergen-Vertrag bei.
Im September 1941 wurde der strategisch wichtige Zugang zum russischen Nordmeer von der deutschen Wehrmacht besetzt, aber am 14. Mai 1942 von der norwegischen Fritham-Expedition zurückerobert. Am 8. September 1943 zerstörte eine deutsche Flotte einige Siedlungen. Es gab Tote und Verletzte, die Stadt Longyearbyen wurde nahezu vollständig zerstört.
Politik
Spitzbergen besitzt kein eigenes Parlament, sondern wird direkt von einem Repräsentanten der norwegischen Regierung geleitet. Dieser trägt den Titel Sysselmann und ist gleichzeitig Polizeichef, Hilfsrichter und Inhaber anderer offizieller Funktionen. Er soll auch die Rechte und Pflichten sicherstellen, die Norwegen laut Spitzbergen-Vertrag obliegen.
Infrastruktur
Longyearbyen verfügt über eine moderne Infrastruktur mit diversen Geschäften, Kneipen, Restaurants, Kindergärten, einer Schule, einem Schwimmbad, einem Kino, einer Tankstelle und einem Hafen. Spitzbergen ist durch den internationalen Flughafen in Longyearbyen mit Norwegen und anderen Ländern verbunden. Weiterhin kommen im Sommer verschiedene Forschungs- und Touristenschiffe in die Häfen. Ausserhalb der Ortschaften gibt es so gut wie keine befestigten Wege. So erfolgen die Transporte mittels Flugzeug, Schiff und Motorschlitten. Der grösste Arbeitgeber der Inselgruppe, die norwegische Bergbaugesellschaft «Store Norske Spitsbergen Kulkompani A/S», hat zwei eigene Flugzeuge, die für Transporte zwischen Sveagruva und Longyearbyen eingesetzt werden.
Tourismus
Longyearbyen ist für die meisten Touristen das Eingangstor nach Spitzbergen und hat daher ein relativ gutes Hotel- und Gastronomieangebot. Die Stadt wird als Startpunkt für Ausflüge und Exkursionen in die Umgebung genutzt, wie z.B. für Wanderungen auf den Hausberg mit Blick über die Stadt und den Fjord, oder für Mountainbike-Touren durch das Adventsdal. Jährlich findet hier im Juni mit dem «Spitzbergen-Marathon» der nördlichste Marathonlauf der Welt statt.
Da auf den Inseln aber Eisbären leben, sollte man nur bewaffnet oder mit einem Führer im Umland wandern.
Wirtschaft
Da der Spitzbergen-Vertrag beinhaltet, dass Norwegen keine Einkünfte aus der Inselgruppe beziehen darf, bleiben die eingezogenen Steuern auf Spitzbergen. Dies hat wiederum zur Folge, dass das Steuerniveau im Gegensatz zu anderen norwegischen Gebieten sehr niedrig ist. Die Einkommenssteuer liegt unter 20 % und eine Umsatzsteuer existiert überhaupt nicht. Longyearbyen lebt vor allem vom Tourismus und der Forschung. Unter anderem befinden sich hier eine Aussenstelle des norwegischen Polarinstitutes (NPI) und der Universität UNIS, ein Projekt norwegischer Universitäten.
Aus PolarNEWS 18 - Reisebericht - Spitzbergen 2013 [372 KB]
Bericht aus PolarNEWS 7 - Das «Monster» aus Spitzbergen [309 KB]
Tourismusbüro von Spitzbergen