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Undurchsichtige Regularien?
Verpasste Nummer 1: DJ Khaled will die Billboard-Charts verklagen
DJ Khaled. © Sony Music
Im ersten Moment könnte man es nur für den gekränkten Stolz DJ Khaleds halten: Gerüchten zufolge soll der derzeit so populäre Produzent mit einem Wutausbruch auf die Chartplatzierung seines neuen Albums reagiert haben: "Father of Asahd" landete "nur" auf Platz zwei der Charts, überholt von "IGOR", dem gefeierten neuen Album des einstigen Skandal-Rappers Tyler The Creator.
Das Personal des Labels Epic, auf dem "Father of Asahd" erschien, gab gegenüber Page Six an, DJ Khaled sei als Reaktion auf die Neuigkeiten wutentbrannt in die Büros des Labels gestürmt und habe die Angestellten persönlich für die von seiner Seite unerwartete Chartpositionierung verantwortlich gemacht.
Mathestunde
Die Geschichte klingt wie konventioneller Musiker-Tratsch, doch besitzt sie auch eine musikwirtschaftlich durchaus interessante Seite. Denn DJ Khaleds Album-Release wirkt einmal mehr die Frage nach den Wirkmechanismen der (Billboard-)Charts auf.
Streams und Downloads werden von den Billboard als sogenannte album-äquivalente Einheit in den Charts berücksichtigt: 10 Downloads oder 1,500 Streams von einem Album zählen dabei je als ein verkauftes Album. Wie Digital Music News (DMN) berichtet, erreichte "IGOR" insgesamt 165.000 album-äquivalente Einheiten, "Father of Asahd" landete mit nur 136.000 logischerweise auf dem zweiten Platz.
Gebündelt
Das Problem ist bei dieser Berechnung, dass, wie die New York Times berichtet, ein gewisses Kontingent der von Billboard erfassten Downloads von DJ Khaleds Album nicht erfasst wurde.
Der Produzent vertrieb sein Album u.a. auch über den Internet-Shop Shop.com – in einem Bundle mit einem Energy-Drink. Käuferinnen und Käufer dieses Getränks erhielten einen Download des neuen Albums, wenn sie den Energy-Drink "Isotonix" kauften. Laut Billboard forderte Shop.com die Kundinnen und Kunden jedoch zu aggressive zum Kauf großer Mengen dieses Getränks auf – für den Chart-Dienstleister eine unerlaubte Werbemaßnahme.
Auch Tyler The Creators Album wurde in verschiedenen Bundles angeboten. Diese wurden im Gegensatz zu den "Father of Asahd"-Bundles einberechnet, da sie für Billboard eine faire Variante dieses Angebotes darstellten. Die Zweitplatzierung DJ Khaleds liegt also vor allem an seiner Marketing-Strategie – laut DMN ein bis dato unbekannter Eintrag im Billboard-Regularium.
DJ Khaled gibt nun an, gegen die Nichtberechnung der Bundle-Downloads durch den Chart-Dienstleister klagen zu wollen. Unabhängig davon, wie der Prozess ausgeht, könnte er immerhin für einige Klarheit bezüglich Billboards Berechnungsvorgängen sorgen.
Gängige Praxis
Wie die New York Times in einem aktuellen Artikel schreibt, ist die Praxis des Download-Bundles in jüngster Zeit immer populärer geworden. Der Grund dafür ist, dass die Billboard-Charts noch immer als ein veritabler Gradmesser für den künstlerischen Erfolg funktionieren, und eine Nummer 1 nach wie vor erstrebenswert ist.
Gleichzeitig zählen, wie oben beschrieben, die wesentlich populäreren Audio-Streams deutlich weniger als Album-Downloads. Indem Künstlerinnen und Künstler nun Merch – was Fans unter Umständen sowieso kaufen wollen – mit einem Album-Download kombinieren, können sie also wesentlich bessere Chart-Positionen bzw. Verkaufszahlen erreichen. Mindestens 18 der 39 Nummer 1-Hits 2018 wurden derart "gebundlet" verkauft.
Für DJ Khaleds Managerin, Desiree Perez, sind diese Bundles ein unwillkommenes Mittel zum Zweck. Gegenüber der Times gab sie an, dass sie als Künstler-Vertreterin eigentlich gar nicht darauf zurückgreifen möchte. Die Beharrlichkeit, mit der Billboard noch immer am aussterbenden Download-Format festhält, zwinge sie jedoch dazu.
Billboard weigert sich zwar bisher, DJ Khaleds Chartposition nachträglich zu verändern, gab jedoch an, in Zukunft das eigene Berechnungssystem noch einmal überarbeiten zu wollen.
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