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Diabetes mellitus nach Organtransplantation
1. Einleitung
Diabetes mellitus ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten weltweit und es wird geschätzt, dass sich die Häufigkeit des Diabetes in den kommenden 3 Jahrzehnten verdoppeln wird. Bereits heute leidet jede 11. Person in Europa an Diabetes. Diabetes stellt heute einen der wichtigsten Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen dar (Herzinfarkt, Schlaganfall, u.a.). Diabetes wird heute bezüglich Risiko, ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, dem eines Herzinfarkts gleichgestellt. Das Risiko eines Patienten mit Diabetes für einen Schlaganfall oder für einen Herzinfarkt ist 2-4fach erhöht.
2. Häufigkeit und Diagnose
Zwar wurde schon vor Jahren beobachtet, dass Diabetes mellitus oder eine gestörte Glukosetoleranz häufiger nach einer Organtransplantation auftritt, über die Häufigkeit waren sich jedoch die meisten Arbeiten nicht einig. Die Angaben schwankten zwischen 2 bis 52%.
3. Konsequenzen
Obwohl das 10-Jahres Ueberleben von Patienten mit funktionierenden transplantierten Organen in den letzten Jahrzehnten auf fast 90% angestiegen ist, bedeutet die Entwicklung eines Diabetes nach Transplantation eine höhere akute Abstossungsrate (ca. 20%) und ein reduziertes Ueberleben (12-Jahre: -22%) des transplantierten Organs. Darüber hinaus kommt es bei Diabetes zu drei mal mehr Infektionen. Auch das Ueberleben des Patienten mit Diabetes ist deutlich reduziert verglichen mit dem eines Patienten ohne Diabetes (Reduktion um 15% nach einem Jahr). Bei nierentransplantierten Patienten mit Diabetes sind kardiovaskuläre Erkrankungen sechs mal häufiger als bei Patienten ohne Diabetes und stellen damit die häufigste Todesursache dar. Bereits Blutzucker im oberen Normbereich (4.8 bis 6.0 mmol/l) sind mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert.
4. Schlussfolgerungen
a) Risikofaktoren, einen Diabetes zu entwickeln müssen bereits bei der Abklärung vor der Transplantation in Betracht gezogen werden und der Diabetes und das metabolische Syndrom müssen vor der Transplantation gesucht werden.
b) Die Bestimmung von Nüchternblutzucker ist ein sehr einfaches Instrument zur Diagnose eines Diabetes. Bereits vor der Transplantation sollen Faktoren wie vermehrte körperliche Aktivität und gesunde Ernährung angesprochen und falls möglich angewandt werden.
c) Das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln, ist bei Steroiden am höchsten, gefolgt von Tacrolimus. Bei Patienten mit einem erhöhten Diabetesrisiko sollten Steroide rasch abgebaut, oder steroidsparende Therapieschemen verwendet werden und es sollte abgewogen werden, ob evtenuell Tacrolimus durch Cyclosporin ersetzt werden soll.
d) Der Blutzucker sollte bei transplantierten Patienten regelmässig getestet: wöchentlich während dem ersten posttransplantärem Monat, gefolgt von Kontrollen nach 3, 6 und 12 Monaten und jährlich danach. Am besten bestimmt man Blutzuckerwerte bei der Spiegelbestimmung von Immunsuppressiva.
e) Bei vorhandenem Diabetes sollte die Blutzuckereinstellung anhand des verzuckerten Hämoglobins (HbA1c) überprüft und ein Wert von < 6.5% angestrebt werden.