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Oscar-Verleihung ohne (grosse) Überraschungen
Das Erstlingswerk «American Beau-ty» des britischen Regisseurs Sam Mendes erhielt die Oscars für den besten Film, die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste Kamera. Der Hauptdarsteller Kevin Spacey wurde zudem für seine Rolle als frustrierter Familienvater, der sich in die Freundin seiner Tochter verliebt, ausgezeichnet.
Sam Mendes, der grosse Sieger des Abends, dankte sichtlich bewegt dem Dreamworks Studio von Steven Spielberg für das Risiko, den gesellschaftskritischen Film «American Beauty» ermöglicht zu haben.
Gegenwartskritik
«American Beauty» war Nutzniesser des Trends im US-Kino, sich wieder stärker der Gegenwartskritik zuzuwenden. Der Film über die Neurosen der in den Vorstädten lebenden US-Mittelschicht spielte bereits 108 Millionen Dollar ein.
Mit den düsteren Seiten der US-Gesellschaft befasst sich auch «Boys Don’t Cry». Die 25-jährige Hilary Swank, die den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt, spielt darin ein Mädchen, das sich als Junge ausgibt und deswegen brutal gequält und schliesslich ermordet wird.
Die ein Jahr jüngere Angelina Jolie erhielt einen Oscar für ihre Nebenrolle als willensstarke Psychiatrie-Patientin im Film «Girl, Interrupted».
«One Day in September»
Auch die Schweiz wurde einmal mehr ausgezeichnet: Der Basler Filmproduzent Arthur Cohn gewann in der Kategorie Dokumentarfilme für «One Day in September» von Kevin McDonald seine bisher sechste Statuette. Der Film schildert das Attentat auf israelische Sportler an den Olympischen Spielen 1972 in München. Michael Douglas wirkt als Erzähler mit.
In den Kinos ist Cohns Film noch nicht angelaufen. Das Werk sei erst im Oktober abgedreht gewesen, sagte Cohn bei der Preisverleihung. Dass er nun trotzdem ausgezeichnet werde, sei ein Zeichen, dass es für die Juroren noch andere Werte gebe als Film-Hitparaden und Zuschauerzahlen.
Leer ging bei der Preisverleihung die Schauspielerin Annette Bening (»American Beauty») aus, deren hochschwangerer Zustand der Gegenstand zahlreicher Scherze war. Dafür bekam ihr Mann Warren Beatty den Irving-Thalberg-Preis für seine Arbeit als kreativer Produzent. Geehrt wurde auch das Gesamtwerk des polnischen Regisseurs Andrzej Wajda.
«Todo sobre mi madre»
Der Schriftsteller John Irving wurde für das Drehbuch nach seinem Roman «The Cider House Rules» («Gottes Werk und Teufels Beitrag») ausgezeichnet, auf dessen Grundlage der gleichnamige Film über die ethischen Fragen um das Thema Abtreibung entstand.
Der britische Star Michael Caine wurde im gleichen Film für seine Nebenrolle als drogensüchtiger Waisenhausdirektor prämiert. Der spanische Regisseur Pedro Almodêvar gewann für seinen Film «Todo sobre mi madre» den Oscar als bester ausländischer Film.