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Bei drohender Gefahr bilden Schafherden eine enge Gruppenformation, die dem Angreifer geschickt auszuweichen scheint. Doch diese Herdendynamik hat offenbar eine erstaunlich banale Grundlage, wie britische Forscher nun dokumentieren konnten: Die Tiere versuchen einfach nur, ins Zentrum der Gruppe zu gelangen. Dadurch bildet sich das sich bewegende Gebilde aus Tierkörpern, das geschlossen vor dem Fressfeind davonläuft. Der Antrieb hinter dieser Schutzfunktion der Gruppe ist jedoch purer Egoismus des Einzelschafs!
Schafe bilden somit keine Herden, weil sie die Nähe der anderen Tiere geniessen, sondern weil damit ihr persönliches Risiko sinkt, bei einem Angriff durch ein Raubtier zu sterben. Dass die komplex anmutenden Bewegungen der Herde bei akuter Bedrohung durch rein egoistisches Verhalten entstehen, wurde bereits vermutet, nun liefern die Forscher dafür empirische Beweise. Die Forscher versahen dazu alle 46 Mitglieder einer Schafherde sowie einen Hütehund mit GPS-Sendern. Über die GPS-Signale konnten die Forscher anschliessend genau nachvollziehen, wie sich jedes einzelne Tier bei einem simulierten Angriff des Hundes verhielten.
Fazit: Je näher der Hund der Herde kam, desto grössere Tendenz entwickelten alle Schafe, in das Herden-Zentrum zu gelangen. Dabei bewegte sich dann nicht nur jedes einzelne Schaf, sondern die ganze Gruppe lief geschlossen vor dem Räuber davon. Es ist anzunehmen, dass jedes Schaf die Position seines Nachbarschafes im Auge behält und sich danach richtet, um in die Mitte der Herde zu gelangen, wo es am sichersten ist.
Weitere Abklärungen sollen nun zeigen, inwieweit dieses Verhalten von der Gruppengrösse, der Zeit oder der Art des Angreifers abhängt. Ausserdem möchte man sogenannte Interaktions-Regeln für die Schafsherde definieren, um voraussagen zu können, in welche Richtung sich die Schar bewegt.
Bild: Woodwalker [CC-BY-3.0] via Wikimedia Commons