Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03370.jsonl.gz/570

Das von Menschenhand erschaffene "Bruderloch", welches sich gut versteckt und nur schwer zugänglich auf der östlichen Seite des Itobelhanges im Sandsteinfelsen befindet, ist ein weiteres Zeugnis aus historischer Zeit. Der Zweck der Höhle mit den drei Kammern und die Entstehungszeit sind nicht ganz eindeutig. Die Höhle mag zu kultischen Handlungen aber auch als Zufluchtsort vor durchziehenden Raubrittern gedient haben.
Mit dem Wirken des heiligen Gallus und seinen Glaubensbrüdern hielt der christliche Glaube Einzug in unsere Region. Schon 809 n. Chr. wurde in Bussnang eine dem heiligen Gallus geweihte Kirche gebaut, von wo aus die biblische Botschaft auch nach "Wicrameswilare", dem späteren "Wille" getragen wurde. Die noch heute bestehende katholische Kirche wurde erstmals 1215 urkundlich erwähnt und die Pfarrstelle blieb bis 1350 besetzt.
Im Mittelalter übten alemannische Herzöge die weltliche Macht in unserer Region aus. Ab 1094 waren es die Kyburger und ab 1264 Freiherren von Bürglen. Für ihre Kämpfe um die Herrschaftsgebiete verpflichteten sie die wehrfähigen Männer zu Kriegsdiensten. Feld und Acker blieben unbestellt, was Hunger und unerträgliche Verschuldung bedeutete. Aus diesem Grunde traten die Bauern ihren Grundbesitz an Klöster – vornehmlich an St.Gallen und Konstanz ab. So konnten sie sich gemäss einer Vereinbarung zwischen Landesfürsten und Klostervorstehern vom Kriegsdienst befreien. Im 15. Jh. bröckelte die Macht der Habsburger und 1460 wurde das Gebiet von den Eidgenossen erobert und war fortan und bis 1798 deren Untertanenland und wurde als "Gemeine Herrschaft" von wechselnden Vögten aus der 13-örtigen Eidgenossenschaft regiert.
Während dieser Untertanenschaft machten auch die Äbte von Konstanz und vor allem des Klosters St.Gallen, namentlich in Gerichtssachen, ihre Herrschaftsrechte verstärkt geltend und so blieb Schönholzerswilen von verschiedensten Obrigkeiten abhängig. Die Reformationszeit brachte zusätzlich Unruhe in unsere Gemeinde, waren doch die Benutzungsrechte der Kirchen in Schönholzerswilen und Wuppenau stark umstritten und erforderten sogar eidgenössische Tagsatzungsentscheide. Erst nach dem 2. Villmergerkrieg von 1712 war es den Evangelischen dann erlaubt, in "Wilen" eine eigene Kirche zu bauen. Am Ostermontag des Jahres 1714 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung und schon am Bettag des gleichen Jahres fand darin der erste Gottesdienst statt. Im selben Jahr noch wurde evangelisch Schönholzerswilen von Bussnang entlassen und bildete fortan, noch ohne Mettlen allerdings, eine eigene Kirchgemeinde.
1798 fielen die Franzosen in die Schweiz ein und unter Napoleon Bonapartes Druck beschloss die letzte Tagsatzung der alten Eidgenossenschaft, welche am 3. März 1798 in Frauenfeld stattfand, die Freilassung der Landschaft Thurgau und ermöglichte damit die Gründung eines selbständigen Kantons innerhalb der Eidgenossenschaft.
Die Einwohnerinnen und Einwohner unserer Gemeinde haben unter sehr einfachen Verhältnissen die Freiheit in der Eidgenossenschaft angetreten. Strassen kannte man damals noch nicht. Zu Fuss und auf Karren waren andere Örtlichkeiten zu erreichen. Von Kühen oder Stieren gezogene Zweiradkarren dienten als Verkehrsmittel, das Pferd als Reittier war noch immer Luxus. Noch vor hundert Jahren waren Velos sehr spärlich anzutreffen und das erste Auto in unserer Gemeinde wurde im Jahre 1916 von Käser Scheidegger in Hagenbuch gekauft. Die staatlich verordnete Dreifelderwirtschaft brachte der Landwirtschaft nur geringe Erträge. Die Menschen auf dem Land waren noch immer Selbstversorger und pflanzten für den Eigenbedarf an. Hinweis auf diesen Sachverhalt ist sicher auch die Tatsache, dass im Dorf Schönholzerswilen 34 Viehalter insgesamt gerade einmal 39 Kühe hielten. Erst als in der Mitte des letzten Jahrhunderts die Bauern von dieser Zwangsjacke befreit wurden, konnte mit dem Anbau von Klee mehr und besseres Futter für mehr Kühe produziert werden, sodass zur Verwertung der grösseren Milchmenge Käsereien nötig wurden. Aber auch die häuslichen Einrichtungen wurden mit der Zeit verbessert. Das Wasser muss nicht mehr wie früher vom Hof- oder Dorfbrunnen ins Haus und in den Stall getragen werden. Anstelle der Petrollampen liefert nun die Elektrizität das Licht. Der Anschluss ans Netz erfolgte im September 1912, genau auf den Zeitpunkt hin, wo in der Ostschweiz die Kaisermanöver stattfanden und ein Bataillon der Infanterie in unserem Dorf einquartiert war. Später wurde die Elektrizität auch zur Kraft- und Wärmegewinnung verwendet.
Für das Auge zwar verborgen, für das Dorf aber dennoch von unschätzbarem Wert, ist der eingedolte Bach, der in seinem Tunnel – fast vergessen schon – unter dem Dorf durchzieht. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde der von Wiedenhueb her fliessende Bach, der wiederholt die Brücken im Dorf weggespült und zerstört hatte, ein für alle Mal gezähmt und noch nie haben daran irgendwelche Reparaturarbeiten geleistet werden müssen.