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Jüngere Leute fragen sich, warum denn ein solch recht aufdringlicher Bau, der heute nach Stockwerkeigentum unterteilt ist, gleich hinter dem Wallfahrtsort Madonna del Sasso steht. Es war das Hotel al Sasso, wie die auffällige Inschrift an der Wand in Richtung Monti angibt. Das Gebäude hatte mit seinen roten und weissen Farben, den Fenstern, Terrassen und Treppenaufgängen, den Toren und Balkonen aus Holz ein seltsames Aussehen, wenig koordiniert und einheitlich; es stand an der Via al Santuario dem Heiligtum gegenüber, oberhalb der Bergstation der Standseilbahn. Es schien mit seinen grellen Farben und den im Laufe der Jahre angesammelten Formen die Gesamtheit des Wallfahrtsorts und des angrenzenden Klosters zu erdrücken. Dieses Hotel war aus der Ferne, von der anderen Seeseite her zu erkennen, auch wenn die Farben im Laufe der Jahre verblasst sind. Es ist kurios, die Werbung der vergangenen Jahrzehnte nachzulesen, als das Hotel Scharen von Touristen aus dem Norden anzog und das ganze Jahr geöffnet war, denn "im Winter waren die Sonnenuntergänge nicht einmal vergleichbar mit den Gemälden von Segantini…" Das Hotel, stets erreichbar mit der Standseilbahn, in zehn Minuten vom Bahnhof her, auf der sonnigsten Terrasse der Schweiz, einem idyllischen Ort für Ferien oder die Genesung. Heute kaum mehr verständlich "absolut staubfrei, da es oberhalb der Strasse liegt." Das einst der Familie Bolli gehörende Grundeigentum grenzte an die Via Patocchi und umfasste auch zwei grosse Teiche, in denen sich die Kinder von Orselina gerne tummelten. Sie drangen heimlich von der Via Patocchi her ein und flohen, wenn die Hotelgäste sich näherten. Es waren wahrscheinlich die ersten Schwimmbecken im Locarnese, den Touristen zum Vergnügen angeboten, umgeben von Bambusrohren, einem kleinen Rasen und ein paar Bänken. Der Ortsname, der das Reklameblatt begleitete, war 'Paternisio', vielleicht wegen der Anwesenheit der "pernici" (Rebhühner), ein seit langem vergessener Name. Er befindet sich in der Nähe eines ähnlichen 'Pratopernice', oberhalb der Via Patocchi, eine Rasenfläche, die sich für Vögel eignet. Renato Giovannoni war einer jener Kinder. Es waren ganz andere Zeiten, auch für den Tourismus in Orselina. Die Trolleybuslinie Orselina-Colmanicchio war eben erst gebaut worden. Auf dem Gemeindegebiet gab es 17(!) Gaststätten: Hotels, Pensionen, Kurhäuser und Restaurants. Einige Pensionen trugen exotische Namen: Villa Montevideo, Villa Bonheur, Hotel Monti Fleuri, auf den Tourismuskarten allesamt eingefügt in eine idyllische Welt, mit Boccalini, Reblauben, Tragkörben, Dampfschiffen, Postautos, ja sogar zwei öffentlichen Telefonkabinen. Heute ist das touristische Angebot leider geschrumpft. Nur drei Hotels sind übriggeblieben: Orselina, Mirafiori und Stella. Man hofft, dass diese Hotels mit langer Tradition und viel Prestige nicht auch noch umgebaut und verkauft werden. Sonst müsste sich die Pro Orselina fragen, ob es noch Sinn hat, sich um den Hoteltourismus in unserer Gemeinde zu kümmern.