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Hinter dem Anstieg an Insolvenzen stehen verschiedene Faktoren. Die Rezession bei den Unternehmensumsätzen gewinnt angesichts der geringeren Preissetzungsmacht und der schwächeren globalen Nachfrage an Zugkraft: Im 2. Quartal 2023 ist die Umsatzrezession zum ersten Mal seit Mitte 2020 auf breiter Basis in allen Regionen zu beobachten (-1,9 % gegenüber dem Vorjahr). In Verbindung mit anhaltend hohen Kosten drückt dies auf die Rentabilität. Infolgedessen verschlechtert sich die Liquiditätslage rasch und wird sich wahrscheinlich nicht vor 2025 verbessern.
Unternehmensinsolvenzen werden weltweit nochmals steigen
«Die Unternehmen verfügen immer noch über eine beträchtliche Menge an überschüssiger Liquidität. In der Eurozone sind es 3,4 Billionen EUR und in den USA 2,5 Billionen USD. Diese Liquiditätspuffer sind jedoch nach wie vor stark in den Händen grosser Unternehmen und in bestimmten Sektoren wie Technologie und zyklische Konsumgüter konzentriert. Zudem sind im Allgemeinen die meisten Unternehmen nicht in der Lage, ihre liquiden Mittel im Rahmen eines länger anhaltenden geringeren Wirtschaftswachstums durch ihre Geschäftstätigkeit zu erhöhen. Insgesamt erwarten wir nach +1 % im Jahr 2022 sowohl 2023 mit +6 % als auch 2024 mit +10 % nochmals Anstiege der weltweiten Unternehmensinsolvenzen», erklärt Aylin Somersan Coqui, CEO von Allianz Trade. «Höhere Zinssätze machen es für Unternehmen noch teurer, einen strukturell höheren Betriebskapitalbedarf zu finanzieren, was Risiken für Sektoren wie den Maschinenbau birgt», erklärt Maxime Lemerle, leitender Analyst in der Insolvenzforschung bei Allianz Trade.
3 von 5 Ländern werden bis Ende 2024 das Vorpandemieniveau der Unternehmensinsolvenzen erreichen
Ende 2023 wird die Normalisierung der Unternehmensinsolvenzen in den meisten westlichen Volkswirtschaften abgeschlossen sein und 55 % der Länder werden wahrscheinlich einen starken zweistelligen Anstieg verzeichnen. Dazu gehören die USA (+47 %), Frankreich (+36 %), die Niederlande (+59 %), Japan (+35 %) und Südkorea (+41 %). Weltweit werden drei von fünf Ländern bis Ende 2024 das Niveau der Unternehmensinsolvenzen von vor der Pandemie erreichen, darunter grosse Märkte wie die USA und Deutschland. Auf beiden Seiten des Atlantiks müsste sich das BIP-Wachstum verdoppeln, um die Insolvenzzahlen zu stabilisieren, was nicht vor 2025 der Fall sein wird.
Zahlungsmoral verschlechtert sich nochmals
«Vor dem Hintergrund eines sich verlangsamenden globalen Wirtschaftswachstums werden sich zudem die Zahlungsfristen wahrscheinlich verlängern, was den Anstieg der Insolvenzen in den kommenden Quartalen noch verstärken wird: Die weltweiten Forderungslaufzeiten liegen bei 47 % der Unternehmen bereits bei über 60 Tagen. Ein zusätzlicher Tag Zahlungsverzug entspricht in den USA einer Finanzierungslücke von 100 Mrd. USD, in der EU von 90 Mrd. USD und 140 Mrd. USD in China. Da die Bankkredite für KMU bereits versiegen, könnte die Schliessung dieser Finanzierungslücke eine grosse Herausforderung darstellen», erklärt Somersan Coqui. Die Schweiz verzeichnete 2022 einen Rekordanstieg der Insolvenzen mit + 32 % und hat damals im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bereits das Vorpandemieniveau erreicht. Mit +8 % für das Jahr 2023 liegt die Schweiz zwar um 2 % über dem globalen Mittel, weisst aber in Westeuropa nach Spanien, das dieses Jahr allein einen Rückgang verzeichnet, das geringste Wachstum an Insolvenzen aller Ländern auf. «Für die Schweiz erwarten wir bereits für 2024 als einzigem Land in Westeuropa mit – 6 % einen Rückgang der Insolvenzen. Für 2025 prognostizieren wir sogar ein Minus von 10 %. Damit kehrt die Schweiz schneller als die meisten Länder zur Normalität zurück», erklärt Jan Möllmann, CEO von Allianz Trade Switzerland.