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Der Everest-Flug soll ein voller Erfolg gewesen sein, erfahre ich, als die Gruppe zurückkehrt.
Mit Manni und Harti richten wir das verbogene Blech beim Rücklicht und wir kriegen es einigermassen hin. Jetzt zeigt sich auch, dass die Lampen-halterung ganz geblieben ist und nur das rote Glas ersetzt werden muss.
Dann gehe ich zum Friseur, zwei Strassenzüge weiter und lasse mich "runderneuern". Zum Schluss verpasst mir der Friseur noch eine kräftige Kopf- und Schultermassage - hart und grob, aber gut.
Zurück gekehrt, demontiere ich den Tisch. Seit einiger Zeit wackelt er und so vermute ich, dass ich den Teleskopfuss von unten wieder festziehen muss. Nachdem er aber wieder steht, stelle ich keine Verbesserung fest. Vielleicht ist der Fuss durch das dauernde Rütteln etwas ausgeleiert. Solange er nicht umkippt geht es ja.
Um 13 Uhr steht der Bus wieder bereit um uns zum Affentempel zu fahren. Bei normalem Verkehr soll das eine halbe Stunde dauern - nach einer Stunde kommen wir endlich an.
Der Affentempel liegt auf einer Anhöhe und erlaubt eine gute Sichtlick auf die Stadt.
Die Tempel von Swayambhutha gehören mit Borobodur auf der Insel Java zu den ältesten buddhistischen Tempeln weltweit. Das Innere des Tempels wird auf ein Alter von bis zu 2'500 Jahren geschätzt. Einer der Tempel dürfte im 5. Jahr-hundert unter der Herrschaft des Königs Manadeva errichtet worden sein. Die ältesten erhaltenen Inschriften stammen aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts.
Diese Anlage wurde jedoch um 1450 von Moslems zerstört. Der grösste Teil der heute sichtbaren Anlage stammt aus dem anschliessenden Wiederaufbau.
Warum Affentempel?
Seinen unheiligen Spitznamen verdankt einer der heiligsten Orte des Kathmandu Valley der grossen Population einer Horde wilder Affen, welche die Anlage bevölkert. Weil die Tempelanlage ein beliebtes Ziel für Pilger und Touristen ist, haben sie ihre Scheu vor den Menschen längst verloren. Wittern sie Essbares, sind die Besucher auch nicht davor gefeit, von den Affen beklaut zu werden.
Kathmandu
Kathmandu liegt im Zentrum des dicht besiedelten Kathmandutales, einem in 1'300 m Höhe liegenden Talkessel von etwa 30 km Durchmesser. Mit den benachbarten grösseren Städten im Tal, Lalitpur (Patan), Bhaktapur, Madhyapur Thimi, Kirtipur und zahlreichen kleineren Städten und Gemeinden bildet es einen Ballungsraum von rund 2,5 Millionen Einwohnern. Die umliegenden Berge haben Höhen zwischen 2'000 und 2.700 m. Im Norden, und mehr noch im Westen, haben die Ausläufer der sehr dicht gebauten Stadt den Fuss dieser Berge schon erreicht. Die Stadt erstreckt sich an der Nordseite des Bagmati. Der Kernbereich liegt zwischen den Flüssen Vishnumati und Dhobi Khola. An der Südseite des Bagmati liegt die Schwesterstadt Lalitpur (Patan).
Das Wasser der im Kessel zusammenlaufenden Flüsse wird einzig über den Hauptfluss Bagmati durch eine Schlucht nach Süden abgeführt, durch die sonst keine Verkehrswege führen. Die wichtigste und bislang noch einzige Verkehrs-anbindung an das übrige Land erfolgt über einen Pass im Westen der Stadt.
Die extremen Monsunniederschläge führen alljährlich zu zahlreichen Erdrutschen, so dass Kathmandu immer wieder für einige Tage von der Aussenwelt abgeschnitten ist. Eine zweite Strassenverbindung in den Terai, beginnend in Dhulikhel, etwa 30 km östlich von Kathmandu, ist seit 1997 im Bau und annähernd fertiggestellt. Die prekäre Anbindungs-situation der Stadt soll damit deutlich verbessert werden.
Der Araniko Highway führt über Bhaktapur und Dhulikhel bis zur Sino-Nepal Freundschaftsbrücke an der Grenze zu Tibet. Der Highway ist seit Jahren aufgrund von Erdrutschen und schlechtem Zustand auf dem letzten Teilstück bis zur Grenze mit der Volksrepublik China insbesondere während der Regenzeit häufig nicht befahrbar. Im weiteren Verlauf auf chinesischer Seite ist die Strasse als Friendship Highway nach Lhasa durchgehend befestigt und ausreichend ausgebaut.
Unser nächstes Ziel ist der Durbar-Platz. Ich kenne ihn bereits von meinem Besuch mit Vreni. Diesmal ist aber ein zuvor gesperrter Teil geöffnet. So ergeben sich auch für mich neue Eindrücke.
Der Durbar-Platz war umgeben von mehr als 50 Pagoden, Tempeln und Palästen, die meist aus Holz waren und die Kunstfertigkeiten der Newar zeigten. Von denen wurden viele beim Erdbeben in Nepal vom 25. April 2015 zerstört.
Zum Abschluss des heutigen Besuchs besteigen wir noch eine Rikscha und fahren eine halbe Stunde durch Gassen und Strassen. Film
Noch etwas über den Verkehr
Der ganze Verkehr spielt sich bis auf wenige Ausnahmen auf schmalen, meist nur einspurigen Strassen und Gassen ab, auf denen sich gleich-zeitig die Fussgänger bewegen. Bei der Stadt-entwicklung hinkt die Erschliessung fast immer hinterher: zuerst entstehen planlos die Häuser; danach werden die verbleibenden Trampelpfade zu kleinen Strassen ausgebaut, die kaum für Fahrzeuge und noch weniger für Notfahrzeuge zugänglich sind. Angesichts der stetig steigenden Anzahl von Fahrzeugen in Privatbesitz bricht der Verkehr in den Stosszeiten regelmässig zusam-men.
Die Verkehrsabgase tragen dazu bei, dass Kathmandu zu den Städten mit der höchsten Luftverschmutzung gehört, da die Kessellage einen Luftaustausch erschwert. Seit wenigen Jahren ist man dabei, wenigstens die zahlreichen Zweitakter (Tempos) durch batteriebetriebene saubere „Sapha“-Tempos zu ersetzen. Da diese einen grossen Teil des Verkehrs ausmachen, trägt dies zu einer spürbaren und sichtbaren Verbes-serung der Luftqualität, zumindest im Stadt-zentrum, bei. Im öffentlichen Verkehr trug der Trolleybus auch dazu bei, der mittlerweile aber wieder stillgelegt wurde.
23. März 2018, Kathmandu, Tag 3
Heute besuchen wir Lalitpur oder Patan (offizielle Bezeichnung: Lalitpur Sub-Metropolitan City). Lalitpur ist die drittgrösste Stadt in Nepal nach Kathmandu und Pokhara.
Die Geschichte der Stadt geht mehr als 2'300 Jahre zurück. Der Überlieferung zufolge ist die Stadt die älteste im Kathmandutal und wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. von der Kirat Dynastie gegründet. Über viele Jahrhunderte war Lalitpur Hauptstadt eines eigenen Königreiches, das erst unter König Prithvi Narayan Shah im Jahr 1768 in das Königreich Nepal eingegliedert wurde. Ursprünglich hiessen die Stadt und das Königreich Patan.
24. März 2018, Kathmandu - Bardibas
Heute sind es 185 km auf guter Strasse - mit dem Nachteil, dass alle Busse und Laster rasen. Dazu kommt noch, dass die Strasse meist sehr eng ist und ich muss darum auch oft anhalten weil kreuzen nicht so einfach ist.
Am Nachmittag angekommen sehe ich, dass langsam fahren sich bezahlt macht: Rosmarie hat bei zwei Streifkollisionen einen zerbrochenen Spiegel und einen Kratzer über die ganze Länge abbekommen.
Aber noch schlimmer ging es Ingrid. Das Heck eines Lasters hat die Seite aufgerissen. Dazu kam noch, dass der in der Mitte der Strasse entgegenkommende Lastwagen in den seitlichen Graben fuhr.
Noch heute Abend wird der Schaden soweit möglich geflickt, so dass die Türe und der Gaskasten sich wieder öffnen lassen.
Mit einem Umtrunk feiern wir Jörns 52.Geburtstag.
25. März 2018, Bardibas - Koshi Tappu
Inzwischen sind wir im Tiefland von Nepal ange-kommen. Hier wird vorwiegend Landwirtschaft betrieben, um mit den Erzeugnissen die Bergregionen zu versorgen.
Heute ist Sonntag und darum sind auch nur wenige Laster unterwegs. In grösseren Orten finden Wochen-märkte statt, die besonders viele Menschen anziehen.
Aber auch die Polizei ist aktiv: Ich werde angehalten und muss erstmals in Nepal die Ausweise zeigen. Da ich als Erster abgefahren bin, sehen sie vielleicht zum erste Mal ein Wohnmobil. Bezeichnend ist auch, dass der Polizist zuerst an die rechte Seite des WoMos kommt, wo der Sitz ja leer ist. Als er es realisiert, dämmert es ihm, dass er sich womöglich Arbeit aufgehalst hat.
Er dreht die Ausweise, deren Schrift er vielleicht gar nicht lesen kann, ein paar Mal um und gibt sie dann zurück. Ich fahre wieder weiter.
Kurz vor dem Ziel biege ich von der Hauptstrasse auf einen Feldweg ab und erreiche nach etwa 3 km das Ziel.
Zuerst fahre ich noch durch ein typisches Bauerndorf. Auffallend ist, dass hier nirgends Unrat herum liegt.
Neugierige Menschen und fröhliche Kinder verfolgen mich mit ihren Augen bei meiner langsamen Fahrt. Ich muss auch immer aufpassen, ob es tief hängende Kabel hat. Ich möchte ja nicht die Stromversorgung des Ortes kappen. Film
Dabei bekomme ich einen guten Einblick in die einzelnen "Bauernhöfe". Natürlich sind sie von der Grösse her nicht mit solchen in Europa zu vergleichen. Hier stehen 1 - 2 magere Kühe und ein paar Hühner. Das reicht für den persönlichen Bedarf einer Familie mit ein paar Kindern.
Der jetzt noch freie Weg wird in einer Stunde zugeparkt sein. Das heisst, dass das Wegfahren für Morgen in umgekehrter Reihenfolge zur heutigen Ankunft erfolgen wird.
Um 16 Uhr gehen wir zu einer Dorfbesichtigung. Der Ortschef führt uns und zeigt, welche Siedlungen wir betreten dürfen.
Wieder sind wir von einer Schar Kinder umgeben, die ihren Spass an uns haben.
Männer sind kaum zu sehen. Die meisten Frauen geben sich uns gegenüber offen. Nur vereinzelt wendet sich eine ab und geht ins Haus.
Trotzdem, ich frage immer ob ich fotografieren darf, nicht zuletzt auch weil ich oft ganz nah heran gehe.
Kurz vor Sonnenuntergang kehren wir zurück. Ich setzt mich zusammen mit Ulli und Rainer vors WoMo zu einem SunDowner - Gin Tonic.
26. März 2018, Koshi Tappu - Machinagar
Gerade als wir das Camp verlassen wollen, steht ein Schulbus quer in der Strasse und verunmöglicht das Weiterkommen. Es dauert etwa eine Viertelstunden bis alle Schüler eingesammelt sind und der Bus zur Seite fahren kann. Der jetzt frei gewordene Durchgang reicht auch für die grösseren Wohnmobile. Eng ist es alleweil und so passieren wir nur kriechend.
Ich fahre nochmals durchs Dorf und viele Kinder und Erwachsene kommen aus ihren Hütten um uns zu sehen.
Nichtmehr alle zeigen ein freundliches Gesicht. Wahr-scheinlich verstehen sie nicht warum diese WoMos da nach hinten fahren mussten. Aber andere schauen sehr freundlich und winken
In der Nähe hat es eine Pilzzucht und ein paar von uns gehen Pilze Einkaufen. Dann bereitet Margrit die Pilze zu nd Toni kocht Teigwaren. Ich werde zum Essen eingeladen. Später, als die Mücken lästig werden ziehe ich mich zurück.
Dann kommen auch schon die ersten Teeplantagen, wir nähern uns Darjeeling.
Die Gegend ist immer dichter besiedelt, entsprechend nimmt auch der Verkehr zu. Die Busse fahren wie die Henker und ich weiche mehrmals vorsorglich aus und halte sogar manchmal an, um keine Kollision der Spiegel zu riskieren.
Unterwegs treffe ich auf Erhard, am Strassenrand stehend. Ich halte an und sehen, dass sein Aussen-spiegel abrasiert worden ist. Da ich nicht helfen kann, fahre ich weiter. Im nächsten Ort sehe ich zufälligan der Wand eines Ladens aufgehängte Spiegel und halte an um einen zu kaufen.
Für ganze 100 Ruppien (1 Fr.) bekomme ich einen handgefertigten Spiegel und denke, dass der provisorisch befestigt werden kann. Am Platz angekommen, sehe ich, dass Erhard selbst einen Spiegel gekauft hat. Darum schenke ich ihn Harti, damit er sehen kann, wie unrasiert er ist ;-).
27. März 2018, Machinagar - Siliguri (IND)
Es sind noch 5 km bis zur Grenze Nepal - Indien. Aber vorher will ich noch die restlichen Nepal Ruppies vertanken. Dann fahre ich und komme unmittelbar nach dem Teamfahrzeug an. Der Pass ist schnell gestempelt aber bis ich das Carnet zurück habe dauert es.
Dann geht es über den Grenzfluss und wen wundert es? Die Brücke ist in katastrophalem Zustand. Immer wieder ist ein Teil der Fahrbahn bei den Fahrbahn-übergängen gesperrt und so müssen sich beide Verkehrsrichtungen abmühen um aneinander vorbei zu kommen. DVon der Mitte aus sehe ich Uniformierte, die den Verkehr regeln sollten aber nichts tun, Nachdem ich meine Breitstrahler auf dem Dach eingeschaltet habe, werden sie auf mich aufmerksam und stoppen den Gegenverkehr.
Dafür warte ich hier eine Stunde bis es endlich soweit ist. In der Zwischenzeit habe ich Gelegenheit, die Durchreisenden zu beobachten und zu fotografieren.
Auf der anderen Seite angekommen werde ich zuerst von mehreren Beamten an verschiedene Plätze dirigiert bis Sumer eingreift und erklärt, dass da noch viele WoMos hinter mir kommen würden und die alle Platz benötigen würden. Daraufhin werde ich zu einer grossen Wiese neben dem Imigration-Office geleitet.
Hier wird der Pass gestempelt und alles in den Computer eingetragen. Zwischendurch regt sich der Beamte auf weil die Wartenden laut schwatzen und lachen. Das irritiert ihn. Darauf hin werden sie gebeten, ruhig zu sein. Aber kaum bin ich durch, beginnt die Kaffee- oder Teepause und das heisst Warten für die anderen
Sumer sammelt die Carnets ein und geht zum Zollbüro um sie dort ausfüllen zu lassen.
Endlich ist es soweit. Ich verlasse den Zollhof und quäle mich an der stehenden Kolonne vorbei und durch den Gegenverkehr. Unglaublich wie dumm sich die Fahrer hier verhalten - typisch Indien!
Jetzt geht die Fahrt zügig voran, vorbei an Tee-plantagen und durch den Elefanten-Korridor. Aber so angestrengt ich auch schaue, ich sehe keinen.
Dann erreiche ich Siliguri und das Saffron Crest Hotel, wo wir auf einem sauberen Platz stehen, mit Strom und Wasser.
Es ist Mittagszeit und entsprechend ist auch hier der Verkehr. Film
In der Lobby gibt es ein schnelles Internet und darum kann ich jetzt die Filme der vergangenen Tage hochladen.
Später gehe ich noch in den naheliegenden Supermarkt um das Notwendigste einzukaufen.
28. März 2018, Siliguri, Tag2
Heute steht Darjeeling auf dem Programm - wer kennt ihn nicht, den wunderbaren Tee?
Weil die Strasse eng und extrem kurvig ist, fahren wir mit ein paar Jeeps. Die Hinfahrt dauert 3 Stunden, unterbrochen durch einen Halt bei einer Teestube, dem Tea Pot.
Aus einer Tafel suche ich mir einen Tee aus, den ich noch nicht kenne: Badamtam First Flush und dazu ein Stück Ginger Cake.
Die ausgesuchte Frühlingspflückung, die erste Ernte im Jahr, verleiht dem Tee seinen aromatischen Charakter. Anders kann ich ihn nicht beschreiben, als dass er sehr mild ist und angenehm duftet.
Wir sind übrigens auf 1'800 m und es ist bereits empfindlich kalt. Ich hätte die Jacke anziehen sollen.
Nach einer halben Stunde heisst es wieder einsteigen.
Gerade als wir weiterfahren wollen, hören wir die Darjeeling Himalayan Railway kommen. Es handelt sich um eine Schmalspurbahn, die inzwischen als UNESCO-Weltkulturerbe bezeichnet wird.
Wir sind enttäuscht darüber, dass es sich um eine Diesellok handelt. Eigentlich haben wir alte Dampf-lokomotiven erwartet. Aber warten wir mal bis wir in Darjeeling sind.
Es ist unser erklärter Wunsch, ein Stück der Strecke mit dem Zug fahren zu können. Aber nachdem alle Tickets ausverkauft wären (?), sagt uns die Reiseleitung, dass sie alles daran setzen würde, uns dieses Vergnügen trotzdem zu ermöglichen.
Eine Stunde später kommen wir gerädert in Darjeeling an. Jetzt heisst es warten und hoffen, dass sich eine Lösung findet. Bis es soweit ist bleibt mir viel Zeit, den Bahnhof und die Dampfloks zu studieren.
Dann, es ist inzwischen 13 Uhr, zeichnet sich eine Lösung ab: wir werden auf mehrere Wagons verteilt, in denen noch freie Plätze sind.
Die nächsten 40 Minuten, bzw. 8 Kilometer bis wir Ghum erreichen, sind spannend. Einerseits fährt die Bahn so langsam, dass man den Kopf aus dem Fenster halten kann - könnte, wäre da nicht der Russ. Also beschrän-ke ich mich darauf, lediglich die Kamera herauszu-halten. Film
In der Zwischenzeit sind die Jeeps nach Ghum hochgefahren um uns abzuholen. Dann gehts nach Siliguri zurück.
Die Rückfahrt ist ebenso anstrengend. Dazu kommt, dass der Verkehr jetzt erheblich intensiver ist. Unser Fahrer bringt uns aber souverän durch alle Staus und anderen Widerwärtigkeiten. Einmal nicht selbst fahren zu müssen im dichtesten Verkehr ist eine willkommene Abwechslung.
Die Bahnstrecke wurde zwischen 1879 und 1881 von der britischen Kolonialregierung gebaut und verläuft meist am Strassenrand der Hill Cart Road. Sie überwindet auf 86 km Länge einen Höhen-unterschied von über 2'000 m. Die Strecke mit den zwölf Bahnhöfen führt über 554 Brücken und durch einen einzigen kurzen Tunnel.
Die Züge benötigen für die ganze Strecke planmässig 6 1/2 Stunden, bei Verspätungen manchmal 10 Stunden. Häufig machen Erdrutsche die Gleise unpassierbar, so dass unterwegs das Verkehrsmittel gewechselt werden muss.
In den Ortschaften entlang der Strecke liegt das Gleis meist in der Straße, so dass die Züge oft mit wenigen Zentimetern Abstand an Häusern und Marktständen vorbeifahren. Die Dieselloks sind mit einem sehr lauten Signalhorn ausgestattet, das auch die Hupen der indischen LKWs deutlich übertönt.
Bis heute werden die Personenzüge zwischen Darjeeling und Ghum von Dampflokomotiven gezogen, während Züge, welche die anderen Streckenteile befahren, mit Diesellokomotiven bespannt sind. Personenzüge bestehen neben der Lokomotive in der Regel aus drei Waggons: einem Gepäckwagen, einem Wagen für die erste Klasse mit Brokatsitzen und einem für die zweite, recht komfortable Klasse.
Darjeeling - der Tee
Der Teeanbau im westbengalischen Distrikt Darjeeling geht auf den Engländer Arthur Campbell (1805–1874) zurück. Er experimentierte als Erster mit verschiedenen Teesorten in seinem Privatgarten im Darjeeling-Gebiet. Im Jahr 1841 brachte Campbell von seinen Forschungsreisen als Botaniker Teesamen aus der Region Kumaun (China) mit und begann Tee in der Nähe seiner Residenz Beech-wood in Darjeeling auf experimenteller Basis anzubauen. Ende der 1840er Jahre wurden auf Anweisung der Regierung zahlreiche Teeexperten in die Region gesandt und konstatierten bereits die ersten Erfolge von Doktor Campbell. Da zu diesem Zeitpunkt das Gebiet um Darjeeling dünn besiedelt war, beschloss die englische Besatzungsmacht, Arbeitskräfte aus dem Grenzgebiet zu Nepal anzusiedeln, die sich um das Pflanzen, Pflegen, Ernten sowie Verarbeiten kümmern mussten.
Es entstanden 1866 die ersten rund 30 Teegärten, die danach weiter ausgebaut wurden. Der Erfolg führte bereits 1864 zur Gründung der Darjeeling Company, die 1896 in Darjeeling Consolidated Tea Company umbenannt wurde.
Die Darjeeling-Teeindustrie beschäftigt heute ungefähr 70'000 Arbeiter, von denen rund ein Viertel als Saisonarbeiter in der Erntezeit von März bis November auf den rund 18'000 Hektar grossen Anbauflächen eingesetzt werden.
Durch die Streiks der Teepflücker 2017 sind die Teepflanzen in Gefahr. Frühere Erträge zu erreichen, könnte Jahre dauern. Dadurch werden die Teesorten aus dem Darjeeling knapp auf dem Weltmarkt.
29. März 2018, Siliguri - Jaigaon
Ich verlasse das schöne Hotel mit dem Pool und dem guten Internet.
Unterwegs begegne ich einem Zug. Alles wirkt so wie man es aus Filmen kennt, nur fehlen hier die Passagiere auf dem Dach. Ob das noch erlaubt ist?
Die Fahrt führt wieder entlang von unzähligen Teeplantagen. Die meisten sind grün, einzelne sogar hellgrün und andere sind noch braun, also ist das vielleicht eine andere Sorte.
Oft sehe ich Pflückerinnen, zum Fotografieren sind sie aber meist zu weit weg. Aber dann habe ich doch Glück und halte bei einer Gruppe nahe der Strasse.
Mit etwas Argwohn im Blick werde ich beobachtet, mache aber trotzdem meine Fotos.
Der meist flüssige Verkehr wird immer wieder durch Baustellen unterbrochen. Aber eigentlich müsste es nicht stauen, wenn die Bus- und Autofahrer etwas vorausschauend wären und nicht immer auf der Gegenspur bis zuvorderst ans Hindernis fahren würden. Die lernen es nie!
Jetzt stehen wir nur noch 3 km vor der Grenze zu Bhutan, in einem ausgetrockneten Flussbett. Im Hintergrund sind die Bhutans Bergkette zu sehen. Über uns zieht sich ein Gewitter zusammen, das Donnergrollen ist in der Ferne zu hören.
In einem Busch vor dem WoMo zwitschern die Vögel ganz aufgeregt. Kündigen sie den Regen an?
30. März 2018, Jaigaon - Paro (BHU)
In der Nacht hat es immer wiedert gewittert und jetzt als ich frühstücke, hagelt es sogar. Das sind ganz neue Töne nach den vielen trockenen Monaten.
Da die Parkmöglichkeiten an der Grenze sehr beschränkt sind, fahren wir in 3 Gruppen los, jeweils mit einer halben Stunde Verzögerung. Aber es klappt natürlich nicht. Obwohl die Gruppen namentlich aufgeführt wurden, will an der grenze jeder zur ersten Gruppe gehören - ein heilloses Durcheinander ist die Folge und die Abfertigung dauert darum doppelt so lang.
Da wo ich mein WoMo abgestellt habe, steht nach meiner Rückkehr ein Teehändler. Ich entschuldige mich, dafür bietet er mir eine Tasse Tee an. Nachher habe ich gesehen, wie die Teepfanne aussieht!
Während die Teamleitung mit den Carnets unterwegs ist, bemühen wir uns um den Ausreisestempel. Vor dem Büro gibt es ein Gedränge weil gerade eine Gruppe Inder ebenfalls ausreisen will. Aber mit etwas Geduld schaffen wir das.
Dann fahre ich weiter, durchs Bhutan-Gate hinüber zur anderen Grenzabfertigung. Hier stellen wir das WoMo etwa einen Kilometer entfernt ab und gehen zurück.
Als erstes fällt auf, dass es hier keinen Schmutz auf den Strassen gibt, kaum gehupt wird und die Menschen gut gekleidet sind.
Dann gehts endlich los auf die 160 km lange Strecke. Ich glaube, wir sind noch an keinem Tag annähernd so viele Kurven gefahren wir heute.
Meist ist die Strasse zu schmal um normal zu kreuzen. Selbst bei entgegenkommenden PWs muss ich auf den Seitenstreifen fahren und bei den Lastern sogar anhalten. Diese sind aber sehr rücksichtsvoll und aufmerksam, ganz anders als in Indien.
Nachdem es bis zum frühen Nachmittag immer wieder geregnet hat, bessert sich das Wetter jetzt allmählich nachdem ich den ersten Pass auf 2'200 Meter überquert habe. Dann geht es wieder etwa 40 km in die Tiefe, um gleich wieder anzusteigen.
Gegen vier erreiche ich den heutigen Stellplatz, an einem Fluss gelegen.
Ich packe einen Stuhl aus und setze mich an die Sonne. Aber kaum verschwindet sie für ein paar Minuten hinter einer Wolke, spüre ich die 15° und den Wind.
Später dann werden wir zum Willkommensdrink, Tee oder Kaffee, eingeladen.
Neben dem Platz stehen ein paar Zelte, da lassen wir uns nieder. Später wird hier ein Buffet aufgestellt. Vorher aber schauen wir uns noch folkloristische Tänze an. Inzwischen ist es dunkel und die Kälte schleicht sich ein. Gute habe ich noch genügend warme Kleider im WoMo und darum ziehe ich noch einen Pullover an bevor das Buffet eröffnet wird.
Aber um 9 wird es dann ungemütlich und ich ziehe mich ins WoMo zurück, wo ich die Heizung auf 8 Uhr programmiert habe. Dann trinke ich noch einen heissen Kaffee und mache mich an die heutigen Bilder.
Leider kann ich den heutigen Beitrag vorerst nicht hochladen. Das wenige Guthaben, welches ich auf der neuem Telefonkarte bekommen habe, ist mit ein paar Minuten nach Hause telefonieren aufgebraucht.
Heute haben wir das Glück, an dem bhutanisch-buddhistischen Tshechu-Fest beiwohnen zu dürfen.
Das fest richtet sich nach dem Mondkalender und dauert 5 tage. Heute ist der letzte Tag und endet mit dem Höhepunkt: Ein riesiger Thangka (ein kunstvoll und nach religiösen Vorschriften bemaltes Leinen- und Seidentuch) wird entfaltet und aufgehängt, von dem die Gläubigen sich erhoffen, dass der blosse Anblick ihnen auf dem Weg zur Erleuchtung hilft.
Der Thangka ist etwa 500 Jahre alt und wir darum nur von morgens 5 Uhr bis zum Sonnenaufgang gezeigt, um ihn vor den zerstörerischen Sonnenstrahlen zu schützen.
Die Menschen strömen aus dem ganzen Paro-Tal herbei. Es ist das wichtigste Fest im ganzen Jahr.
Das Paro-Tal reicht von Süden Bhutans bis zur tibetischen Grenze und beheimatet einige von Bhutans berühmtesten Sehenswürdigkeiten.
Um halb 7 wartet der Bus auf uns, der uns zurück in die Stadt bringt. In der Nähe des Klosters Rinpung Dzong steigen wir aus und gehen über die Brücke zum Kloster hoch.
Die Strasse ist schon sehr belebt und alle Parkplätze längst besetzt, wir sind nicht die Ersten die unterwegs sind.
Der Weg den Hügel hinauf ist mit Gebetsfahnen geschmückt. Ausser den Touristen tragen alle Besucher ihre traditionelle Kleidung.
Doch auch die ländliche Atmosphäre im fruchtbaren Tal sowie die Natur rundherum machen die Umgebung zu einem besonderen Höhepunkt unserer Reise.
Was in Bhutan sofort auffällt ist, dass die Menschen ruhiger und umgänglicher sind. Sie sind sich des werts ihres Landes bewusst. Es liegt kein Abfall und Unrat herum. Der wird eingesammelt und nicht an jeder Ecke verbrannt.
Der Verkauf von Zigaretten ist illegal und das Rauchen in der Öffentlichkeit ist verboten.
Oben angekommen stehe ich vor einer riesigen Menschenmenge. Die Leute müssen bei Nacht angereist und hochgestiegen sein. In zwei langen Kolonnen warten sie geduldig bis sie ganz nach vorne können um den Thangka aus der Nähe zu bewundern und den Segen zu empfangen. Es wird nicht gedrängelt, die Leute sind sehr gesittet und warten bestimmt mehr als zwei Stunden bis sie ganz zuvorderst sind, um dann gleich Platz für die Nachfolgenden zu machen.
Man hört, dass heute der König zu Besuch kommen würde. Dazu ist ein roter Teppich auf der wiese ausgebreitet worden und viele Aufpasser achten darauf, dass wir gewöhnlich Sterblichen nicht darauf treten. Will man ihn überqueren, muss man das mit einem grossen Schritt tun.
Dann kömmt plötzlich Unruhe auf - der König kommt. Zusammen mit seinem Gefolge schreitet er über den Teppich und gleich hinter ihm dürfen alle Besucher ihm folgen. Er geht ganz nach vorne vor den Thangka, um sich nachher seitlich unters Volk zu mischen.
Ich werde darauf hingewiesen, dass man den König nicht fotografieren dürfe.
Ich streife durch die Menge und schaue mir die Menschen an. Oft bietet man mir an, für ein Foto zu posieren, aber ich frage genau so oft, ob ich ein Bild machen dürfe - es wird kein einziges Mal abgelehnt.
Nach zwei Stunden treffen wir uns wieder beim Bus nd fahren zurück. Jetzt bleibt Zeit fürs Frühstück.
Eine Stunde später gehts weiter: Wir besuchen das Tiger's Nest (Paro Taktsang). Dieser für doe Buddhisten heilige Ort, ein Klosterkomplex auf einem Felsen über dem Paro-Tal, ist nur zu Fuss oder mit Maultieren erreichbar. Durch einen Pinienwald, dessen Bäume mit bunten Gebetsfahnen geschmückt sind, bewältigt man den mühsamen Weg. Im Klosterkomplex dürfen keine Fotos gemacht werden. Neben den eindrucksvollen Wandmalereien, die uns ein Guide erklärt sind auch einige der Felsenhöhlen zu besichtigen.
Wie es im Gebirge nicht unüblich ist, folgt auf Sonnenschein auf einmal Regen.
Im späteren Nachmittag sind wir müde aber zufrieden wieder zurück.