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Das Piccolo - historische Quellen
12. Jahrhundert: Herkunft aus dem Osten • 1511: Sebastian Virdung • 1528 und 1545: Martin Agricola • 1555: Clément Janequin • 1588: Thoinot Arbeau • 16. Jahrhundert: Militärflöte • 1619/20: Michael Praetorius • 1636: Marin Mersenne • 18. Jahrhundert: Änderung der Quellenlage • 18. Jh.: Piccolo im deutschen Raum • Ende 19. Jh.: Piccolo an der Fasnacht • Trommeln im Historischen Museum Basel
1619/20: Michael Praetorius
Wie schon angedeutet, unterscheidet Michael Praetorius im zweiten Band seines 1619/20 erschienenen Werkes Syntagma musicum, De organographia als erster zwischen den Querflöten, die beim Musizieren, und jenen, die zur Trommel geblasen werden. Er gibt weitgehend massstabgetreue Abbildungen, sowohl von der Querflötenfamilie und von Schweitzerpfeiffen als auch von der Trommel; das Verwirrende ist dabei, dass er auf Tafel IX neben der Querflötenfamilie eine einzelne Schweizerpfeife abbildet, die ihrer Grösse nach (ca. 56 cm) in g1 stehen mag, dass er jedoch auf Tafel XXIII, bei den Trommeln, zwei verschieden lange Schweitzer Pfeifflin zeigt, die ca. 35 cm und 27 cm lang sind und damit etwa in a1 und in d2 stehen. Der Tonlage a1 entspricht das Diskantinstrument der Flötenfamilie; mit dem kleinen Instrument in d2, das eine Oktave über dem Hauptinstrument (Alt-Tenor) der Familie liegt, ist zum ersten Mal eine hohe Pfeife wenigstens bildlich belegt, denn in seinem Text und in der Tabelle finden wir keine weiteren Hinweise, es sei denn, wir betrachten die zweite Möglichkeit, die er für die Schweizerpfeife gibt, oktavieren.
Bass: g-[g2]
Tenor/Alt: d1-d3-evtl. a3
Diskant: a1-a3
Schweizerpfeifen
(1) g1-c3
(2) [d2-a3] (nicht wie angegeben d1-a2)
Die Unterschiede zwischen den Querflöten und den Schweizerpfeifen sind vor allem bei den Griffen zu suchen: Hieher gehöret auch dIe Schweitzerpfeiff / sonsten Feldtpfeiff genand / dieselbige hat ihre absonderlichen Griffe / welche mit der Querflötten gantz nicht uberein kommet: Unnd allein bey der Soldaten Trummeln gebraucht wlrd. Hinsichtlich der Trommel bezieht er sich auf Virdung und widmet ihr keinen eigenen Text. Doch auf Tafel XXIII ist eine Trommel je von oben und von unten zu sehen, wobei die Schnarrsaite und deren Befestigung (links) sowie die Schallöcher (rechts) deutlich sichtbar sind. Die Schallöcher dienen zum Luftausgleich und sind aus der Zarge ausgeschnitten. Hier sehen wir ein zentrales Loch, um das sich acht kleinere kreisförmig gruppieren. Die Trommeln aus dem 16., dem 17. und zum Teil auch aus dem frühen 18.Jahrhundert in der Basler Sammlung weisen meist sieben Schalllöcher auf die entweder seitlich - wie hier - oder oberhalb der Saitenschraube (so bei den jüngeren Trommeln) angebracht sind. Bei einigen Instrumenten kann man beobachten, dass die äusseren Löcher verzapft worden sind, so dass nur noch das zentrale Loch offen bleibt.
Das Seil wird in neun Bahnen um die Reife herumgeführt und nicht angehängt oder durchgezogen. Aufgrund des Abbildungs-Massstabes ist eine Grösse von gut 60 cm Durchmesser und Zargenhöhe anzunehmen.