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Gottesvorstellungen: Doktorarbeit gefördert
Was ist Gott für einen jüdischen, einen muslimischen und einen christlichen Philosophen? Auch wenn es womöglich erstaunen mag: Der Jude Philo von Alexandrien (um 15/10 v. Chr. bis nach 40 n. Chr.), der Muslim Avicenna (kurz vor 980–1037) und der Christ Thomas von Aquin (1224/25–1274) haben tatsächlich die Idee geteilt, dass Gott das Sein selbst ist. Aber wenn Gott das Sein ist, kann er dann gleichzeitig auch als eine Person aufgefasst werden? Denn eine Person ist in der Tat individuell und einzigartig, hingegen erscheint Sein als die universellste und allgemeinste aller Eigenschaften. Darum lautet die Frage: Ist der Gott der Philosophen – das Sein selbst – vereinbar mit dem persönlichen Gott der Torah, des Korans und des Evangeliums?
Es wirkt zumindest so, denn Philosophen aller drei Religionen scheinen kein Problem damit gehabt zu haben, sowohl Gott als Person als auch als Sein selbst zu denken. Die Sachlage wurde noch komplexer, als vor einigen Jahren entdeckt wurde, dass die Lehre von Gott als Sein selbst nicht das Produkt der Abrahamitischen Religionen ist. Vielmehr scheint bereits Aristoteles (384–322 v. Chr.) im dritten Buch seiner «Metaphysik» diese Lehre Platon (428/27– 348/47 v. Chr.) zuzuschreiben, gemäss dem das erste Prinzip das Eine, das Sein selbst ist.
Blick auf 1230er- bis 1350er-Jahre
In seiner Doktorarbeit «Plato as seen by Aristotle, as seen by Medieval Commentators on the Metaphysics between the 1230s and the 1350s» untersucht David Anzalone die mittelalterlichen Kommentare zur «Metaphysik» (insb. Buch I, 6 und Buch III, 4). Damit will Anzalone, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Philosophie an der Theologischen Fakultät, mittelalterliche Lesearten von Aristoteles Interpretation der Philosophie Platons ans Licht bringen sowie ein Verständnis darüber gewinnen, ob die mittelalterlichen Kommentatoren eine Analogie sahen zwischen der Lehre von Gott als Sein selbst und der platonischen Identifikation vom Einen und Sein.
Die sogenannten Doc.CH-Beiträge des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) ermöglichen jungen Forschenden in der Schweiz, eine Dissertation zu einem selbstgewählten Thema zu verfassen. Für die Realisierung von David Anzalones Doktorarbeit wurde eine Fördersumme von rund 172'000 Franken gesprochen, mit welcher der Lohn sowie die Projektkosten während drei Jahren finanziert werden.