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Schon jemand mal Urlaub in der Ukraine gemacht? Nicht? Kein Wunder. Die Ukraine wird oft als Niemandsland zwischen „Europa“ und Russland wahrgenommen, obwohl es sich um den flächenmässig grössten Staat auf dem europäischen Kontinent handelt. Die ehemalige Brotkammer Russlands ist eher bekannt für unzählige Schlachten während des Zweiten Weltkrieges und der grausamen Unterdrückung der dortigen Bevölkerung als für den Inbegriff einer touristischen Attraktion.
(Foto: Wikipedia)
Nun, da sind die Ukrainer natürlich auch ein wenig schuld daran. Nach Bulgarien wollte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch niemand reisen, während die bulgarische Schwarzmeerküste heute zu einer äusserst beliebten Badeferiendestination mutiert ist. Doch dafür war jahrelanges Marketing nötig sowie die Modernisierung der Infrastruktur.
So weit ist es in der Ukraine noch nicht. Trotzdem kann man auch in diesem riesigen Land Perlen entdecken, die es sich lohnt zu besuchen. Neben der „alles beherrschenden“ Hauptstadt Kiew ist damit vor allem Odessa gemeint. Die historische Stadt am Schwarzen Meer ist in der Tat ein Bijou, welches erst noch entdeckt werden will.
Die 1794 im Auftrag von Katharina der Grossen erbaute Stadt entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Hafen und Handelszentrum, wodurch sie Händler und Gewerbetreibende aus aller Welt anlockte (Griechen, Deutsche, Armenier, v.a. Juden). So waren die Ukrainer nie die alles beherrschende Mehrheit (zahlenmässig schon), sondern lebten (mehr oder weniger) friedlich mit relativ grossen Minderheiten. Die Geschichte des Zweiten Weltkrieges brachte diese nicht ganz zum Verschwinden, auch heute noch lebt in Odessa ein hoher Anteil an Juden – wenn auch nicht mehr 30%, wie „zu Beginn des 20. Jahrhunderts“ (Wikipedia). Eine Besonderheit der Stadt ist, dass eine Mehrheit der Bevölkerung nicht Ukrainisch, sondern Russisch als Erstsprache gebraucht.
Die Millionenstadt hat nichts von seinem Charme eingebüsst und entzückt den westlichen Besucher mit der an vergangene Epochen erinnernden Architektur. Leider dürfen die architektonischen Schandflecke aus Sowjetzeiten auch nicht fehlen, sodass auch Platten- und Monsterbauten zum öffentlichen Stadtbild gehören. Der mit postkommunistischen Stadtbildern vertraute Besucher kann sich jedoch rasch damit arrangieren und wirft das Auge auf die schönen Seiten Odessas. Dazu gehören neben zahlreichen Cafés (welche die jungen Ukrainer mangels finanziellen Möglichkeiten meiden) vor allem Museen und Galerien – eine Besonderheit, die selbstverständlich für die meisten ehemals sowjetischen Städte gilt (klassische Kultur wurde in der UdSSR intensiv gefördert, während Populärkultur von staatlicher Seite ignoriert wurde).
Das allseits bekannte Wahrzeichen der Stadt ist die Potemkinsche Treppe. Es lohnt sich, die Treppe an einem sonnigen Tag (die gibt es in Odessa wie auch die schwermütigen windigen Tage) bis runter zum Hafen zu spazieren; der historisch bewanderte Tourist erinnert sich dabei an den Panzerkreuzer Potemkin sowie den gleichnamigen Film. Weiter geht’s ins Zentrum an die Deribasowskaja, wo sie die meisten jungen Odesser treffen und den ganzen Tag verbringen können. Überhaupt fällt auf, dass die Bewohner der Stadt trotz vielen Wetterkapriolen (Hafenstadt!) einen grossen Teil ihrer Zeit im freien Verbringen – das Leben ist eben zu kurz und vor allem zu schön, um es zu Hause zu verbringen…