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Peter Singer ist ein Mann, der seinen Worten Taten folgen lässt. Um die Armut in der Welt zu bekämpfen, spendet der australische Moralphilosoph bis zu dreissig Prozent seines Einkommens für wohltätige Zwecke. Als Vertreter des sogenannten Utilitarismus beurteilt Singer Handlungen nach ihren Folgen – führen sie zu mehr Glück als Leiden, sind sie gut.
Peter Singer ist Professor für Bioethik an der Princeton University und gilt als einer der einflussreichsten Philosophen. Er sei ein unbeirrbarer, entschlossener Philosoph, der gewillt sei, gemäss seinen hohen moralischen Ansprüchen zu leben, stellte Francis Cheneval als Direktor des Ethik-Zentrums der UZH Peter Singer vor. Dieser sprach am vergangenen Montagabend anlässlich des 20-Jahre-Jubiläums des Ethik-Zentrums der Universität Zürich.
Es sei kein Geheimnis, dass die Angehörigen des Ethik-Zentrums wohl keine Utilitaristen seien, sagte Cheneval. Es sei aber immer wieder faszinierend, Singers Argumenten zu folgen und die eigenen Denkmuster zu hinterfragen. Dass diese Auffassung auch viele andere Menschen teilten, veranschaulichte der bis auf den letzten Platz besetzte Hörsaal.
Philosophie und Bewegung
In seinem Referat erläuterte Peter Singer die Idee des «effektiven Altruismus» – wovon auch sein neuestes Buch «The Most Good You can Do» handelt. Der «effektive Altruismus» sei sowohl eine Philosophie als auch eine soziale Bewegung. Deren Anhänger wollen das Leben möglichst vieler empfindungsfähiger Wesen verbessern. Sie leben nach der Maxime, ihre Zeit und ihr Geld so einzusetzen, dass die Welt zu einem besseren Ort wird. Auch an der UZH bestehe eine entsprechende Gruppe, führte Singer aus.
Der «effektive Altruismus» basiert auf den Grundgedanken des Utilitarismus. Für einen Utilitaristen gebe es keine absoluten moralischen Regeln, so Singer. Er veranschaulichte dies anhand von Dostojewskis Roman «Die Brüder Karamasow». Darin wird Aljoscha die Frage gestellt, ob er ein kleines Kind quälen würde, wenn er damit jegliches Leid aus der Welt schaffen könnte. Gemäss Singer muss man aus utilitaristischer Sicht das eine Kind quälen, um damit die Welt für immer leidensfrei zu machen – auch wenn es einem noch so schwer fällt.
Doch, wir bräuchten uns keine Sorgen zu machen, erklärte Singer den Anwesenden schmunzelnd. Wir müssten heute keine unschuldigen Kinder quälen, um «effektive Altruisten» zu sein. Wie sich der «effektive Altruismus» auf die persönliche Lebensweise auswirken kann, stellte Singer anhand von Beispielen vor.
Gut verdienen, um viel zu spenden
Der Engländer Toby Ord etwa behält nur 18’000 Pfund seines Jahresgehalts für sich. Den Rest spendet der Ethiker für die Bekämpfung der Armut in Entwicklungsländern. Er rechnet damit, dass er über die Zeitspanne seiner beruflichen Karriere rund eine Million Pfund spenden kann. Im Jahr 2009 gründete Ord die Organisation «Giving What We Can». Deren Mitglieder versprechen öffentlich, mindestens zehn Prozent ihres Einkommens zu spenden.
Eine andere Strategie ist diejenige des «Earning to give» – gut verdienen, um möglichst viel spenden zu können. Der ehemalige Philosophiestudent Matt Wage – vormals ein Schüler von Peter Singer – beispielsweise entschied sich gegen eine akademische Laufbahn. Er nahm einen Job als Wall-Street-Börsenhändler an und konnte dadurch im Jahr 2013 mehr als hunderttausend Dollar an wohltätige Stiftungen spenden – rund die Hälfte seines Einkommens.
Wirksamkeit berechnen
Doch welchen Wohltätigkeitsorganisationen soll man sein Geld anvertrauen? Da unsere Spendengelder limitiert seien, sollten besonders effektiv arbeitende Akteure bevorzugt werden, so Singer. Die von ihm selber gegründete Organisation «The Life you can save» versucht zu berechnen, wie wirksam unterschiedliche Organisationen ihre Spendengelder einsetzen. Wenn wir rational überlegen und uns besser informieren, können wir mehr aus unseren Spenden, unseren Karrieren und letztlich aus dem Leben machen, argumentierte Singer.
Heiligt der Zweck die Mittel?
Doch spielt es keine Rolle, wie ein «effektiver Altruist» sein Geld verdient, wollte eine Zuhörerin mit Blick auf den Wall-Street-Händler Matt Wage wissen. Es könnte doch sein, dass sein im Finanzhandel verdientes Geld unfair erwirtschaftet sei.
Bei Matt Wage sei das wohl nicht der Fall, antwortete Singer. Aber auch wenn es so wäre: Würde Wage diesen Job nicht machen, würde es wohl ein anderer tun – aber vermutlich weniger Geld spenden. Deshalb mache der Beitrag von Wage zur Verbesserung der Welt einen wesentlichen Unterschied. «Ich bin mir aber bewusst, dass nicht alle effektiven Altruisten diesbezüglich gleich denken würden wie ich», so Singer. Seine Antwort auf die delikate Frage mag wohl im Anschluss an den Vortrag von einigen Zuhörerinnen und Zuhörern kontrovers diskutiert worden sein.
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