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Von Teotihuacan fuhren wir auf direktem Weg nach Cholula. Myrta hatte eine Magenverstimmung aufgelesen und deshalb beschlossen wir, dort einen Ruhetag einzulegen. Wir hatten daher auch nicht grosse Lust viel zu unternehmen.
Bei der Weiterfahrt passierten wir die Pyramide von Chula. Auf dieser, der grössten ihrer Art, hatten die Spanier nach der Eroberung der Gegend eine Kirche gebaut, ein Verhalten, das sie generell gerne anwendeten, um klarzustellen, dass die Christliche Religion stärker war als die der Ureinwohner.
Mitten in der Stadt Puebla besichtigten wir den Geysir Cuexcomate. Dieser wurde als Volcan angepriesen, war aber effektiv ein Geysir, der bei einem Ausbruch des nahen Vulkans Popocatepetl vor etwa 1000 Jahren entstanden war. Mittlerweile beschränkt sich seine Aktivität auf einen kleinen Wasserfall 20m unter der Erdoberfläche.
Auf der kostenpflichtigen Autobahn verliessen wir die Stadt und gerieten bald in einen Megastau. Über eine Stunde schlichen wir im Schritttempo dahin, bis sich die Lage normalisierte. Danach war Tehuacan bald erreicht und nachdem unsere Einkäufe erledigt waren, gelangten wir etwa eine halbe Stunde später in den Jardin Botanico Helio Brava Hollis.
Mitten in der trockenen Berglandschaft wurde ein grosses Areal als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die Vegetation wurde dominiert von 53 Kakteenarten, die hier neben Büschen und kleineren Bäumen wuchsen und viele Vogelarten belebten die Gegend. Wie von anderen Reisenden angekündigt, fanden wir eine wunderschöne Campingmöglichkeit mitten im Park. Umgeben von herrlichen Kakteen wurde eine liebevoll gestaltete Anlage eingerichtet, wo wir für gerade mal 100 M$ (5 CHF) übernachten konnten. Bei angenehm warmem Wetter spazierten wir auf schmalen Wegen durch die Landschaft und bewunderten die vielfältige Pflanzenwelt. Nach mehreren Übernachtungen auf Stadtcampingplätzen genossen wir die Einsamkeit, die Ruhe und den klaren Sternenhimmel in dieser Oase.
Durch eine eindrückliche Bergwelt mit tiefen Canyons gelangten wir in die Nähe der Stadt Oaxaca. Ausserhalb der Stadt quartierten wir uns im Overlander Oasis ein. Dieser Campingplatz hat bei Weltreisenden einen sehr guten Ruf und die vier Stellplätze sind meistens ausgebucht, weshalb wir vorsorglich reserviert hatten. Calvin und Leanne, die Besitzer, waren früher selber mit einem ausgebauten Bus gereist und vor mehreren Jahren in der Gegend hängengeblieben. Calvin, ein leidenschaftlicher und hoch talentierter Bastler freut sich wenn er seinen Gästen helfen kann. Wir hatten trotz kürzlich ausgeführter Reparatur wieder eine lecke Öldichtung an der Hinterachse und nutzten deshalb gerne Calvins Erfahrung, um das Problem zu beheben. Auf unsere Frage nach einem Schreiner, der uns eine Kiste für Myrtas Fussraum bauen könnte, bot sich Calvin zudem an, diese für uns herzustellen. So kam es, dass Ueli und Calvin einen Tag unter und im Auto verbrachten, bis alles erledigt war.
Eine weitere, sehr positive Erfahrung mit der Grosszügigkeit und Hilfsbereitschaft der Mexikaner erlebten wir, als wir die erneut spukende Klimaanlage reparieren liessen. Die Leute der Firma Climser kümmerten sich spontan und ohne Wartezeit um das Problem. Professionell und rasch wurde der Fehler gefunden und das Kabel eines Temperatursensors für die Steuerung neu gelötet. Eine Bezahlung der Arbeit lehnte der Chef lächelnd ab. Er liess es sich zudem nicht nehmen, uns eine Flasche Mescal, ein typischer Agavenschnaps aus der Region, und zwei Tassen mit dem Firmenlogo mit auf den Weg zu geben.
Die Overlander Oasis liegt in der Ortschaft Santa Maria de Tule, kurz El Tule. Diese kleine Stadt ist berühmt dafür, dass auf ihrem Gebiet der dickste Baum der Welt steht. Diesen Riesen mit einem Stammdurchmesser von über 12m wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die ausladende Krone des mehr als 2000 Jahre alten Baumes deckte einen grossen Teil des Parks vor der Kirche ab. Der wirklich beeindruckende Arbol de Tule ergänzte unsere Hitparade der Superbäume, nachdem wir in Kalifornien bereits den höchsten (Küstenredwood), den grössten (Sequoia) und den ältesten (Bristlecone Pinie) Baum gesehen hatten.
Oberhalb der Grossstadt Oaxaca liegen die Ruinen von Monte Alban. Diese Anlage zeugt von der vergangenen Kultur der Zapoteken und war in der Zeit von 300-700 n.Chr. eines der wichtigsten Zentren der prä-hispanischen Zeit. Auf der riesigen Terrasse wurden zahlreiche Pyramiden angeordnet, jede ausgestattet mit einer grosszügigen Tempelanlage. Bei unserem Besuch trafen wir wie schon öfter auf mehrere Schulklassen, welche hier ihren Geschichtsunterricht am Objekt geliefert bekamen.
Zurück im Camping verbrachten wir den Abend mit unseren Nachbarn Doro und Felix, zwei Deutschen, welche die Panamericana von Süd nach Nord bereisten. Wir tauschten gegenseitig unsere Erfahrungen und viele gute Tipps aus und genossen die angenehme Gesellschaft mit Gleichgesinnten.
Am Samstag mussten wir unseren Platz in der Overlander Oasis an neue Gäste abtreten. Da wir planten, die Altstadt von Oaxaca zu besuchen, quartierten wir uns für die nächste Nacht im nahe gelegenen „normalen“ Campingplatz ein. Nach einer Busfahrt von 20km erreichten wir die Stadt. Am Zocalo, dem gesellschaftlichen Zentrum jeder mexikanischen Stadt, war am Samstag viel los. Unzählige Leute bevölkerten den Platz, Musikanten spielten auf, Ballonverkäufer liessen die Kinder strahlen - ein perfekter Ort, um das Grossstadtleben zu beobachten. In einem strategisch günstig gelegenen Restaurant tranken wir ein Bier und genossen einen kleinen Imbiss. Beim Gang durch die gut besuchten Markthallen hatten wir Gelegenheit, die Spezialitäten der Region kennen zu lernen. Angeboten wurden unter anderem Mescal, ein Agavenschnaps wie Tequila, getrocknete Heuschrecken oder der berühmte Käse von Oaxaca.
Unser nächstes geplantes Etappenziel war das Hierve el Agua, das „kochende Wasser“, etwa 60 km von Oaxaca entfernt. Unterwegs besuchten wir den Markt in Tlacolula. Dieser findet jeden Sonntag statt und dient vor allem der Bevölkerung aus den umliegenden Dörfern, ihre Ware anzubieten oder sich mit Alltagsgütern einzudecken. Nur wenige Touristen verirrten sich an diesen Ort und der Markt war sehr authentisch und das Angebot auf den täglichen Bedarf der Einheimischen ausgerichtet.
Ebenfalls an der Strecke lagen die Ruinen von Mitla, eine eher kleine Anlage, die jedoch mit einigen interessanten architektonischen Eigenarten aufwartete. Nirgendwo sonst wurden die Fassaden mit Reliefs verziert wie hier. Auch wenn ausser einigen zugänglichen Grabkammern die Pyramiden leer standen, bekamen wir einen interessanten Einblick in die vielfältige Bauweise der alten mexikanischen Völker.
Die Fahrt führte weiter über eine schmale Bergpiste hoch zu einem Pass, wo wir einen ersten Blick auf Hierve el Agua werfen konnten. Es herrschte reger Sonntagsbetrieb an diesem wunderschönen Ort. Wir richteten uns in der hintersten Ecke des Campingplatzes ein, direkt an der Felskante oberhalb des Pools.
Das Wetter war ziemlich kühl und windig, deshalb hatten wir uns ins Auto zurückgezogen. Nach einer Weile bemerkten wir einen Mann, der interessiert unser Fahrzeug inspizierte. Wir kamen mit ihm ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er aus Feuerland stammte und Freunde in Oaxaca besuchte. Als wir ihm erzählten, dass wir auf unserer Reise auch Patagonien besuchen wollten, lud er uns spontan ein, ihn zu besuchen wenn wir in seiner Gegend unterwegs sein werden. Wir nahmen das Angebot gerne an, auch wenn wir noch keine Ahnung hatten, ob und wann wir diese südlichste Region erreichen werden.
Am nächsten Morgen, noch bevor weitere Besucher auftauchten, erkundeten wir die Sehenswürdigkeiten dieses speziellen Ortes. Unterhalb unseres Übernachtungsplatzes sprudelte das Wasser aus den Felsen in einen Pool, daher der Name „kochendes Wasser“, und ergoss sich über die Kante in die Tiefe. Durch den hohen Mineralgehalt bildeten sich im Laufe der Jahrtausende weisse Ablagerungen, die aussahen wie ein versteinerter Wasserfall. Beim anschliessenden Frühstück genossen wir nochmals die grandiose Aussicht auf Hierve el Agua, um danach unsere Sachen einmal mehr zu packen.
Unser Plan war eigentlich, direkt Richtung San Cristobal de las Casas zu fahren, mit einer oder zwei Übernachtungen dazwischen - doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Kurz hinter Mitla fuhren wir auf eine lange Kolonne auf. Nichts ging mehr. Als wir uns nach dem Grund des Staus erkundigten, wurden wir informiert, dass es sich um eine Strassenblockade handelte. Im Süden Mexicos ist dies eine beliebte Methode, um für oder gegen etwas zu demonstrieren und auf Probleme aufmerksam zu machen. Wie lange eine Blockade dauert, weiss niemand im Voraus, sie kann nach ein paar Stunden, aber auch erst nach Tagen beendet sein. Einige Autos versuchten, der Blockade auf Feldwegen auszuweichen, mussten jedoch umkehren, da Ihnen auch dort die Durchfahrt verweigert wurde. Wir hatten also zwei Möglichkeiten, entweder auf unbestimmte Zeit abzuwarten oder die Stelle weiträumig zu umfahren. Obwohl die Variante Umfahren bedeutete, dass wir hinunter an die Küste und dieser entlang fahren mussten, um wieder auf unsere geplante Route zu gelangen, wählten wir diese Option.
Durch eine trockene Halbwüste fuhren wir nun erst den Bergen entgegen. Auch hier bremsten uns wieder jede Menge der ungeliebten, nervigen Topes, so dass unser Durchschnittstempo trotz gut ausgebauter Strasse nur knapp 35 km/h erreichte. Wir fuhren einmal mehr durch eindrückliche Landschaften. Ueli bekam jedoch wenig Gelegenheit, diese zu geniessen, denn die schmale, kurvenreiche Bergstrasse über 100 km und bis auf eine Höhe von 2800m erforderte seine ganze Aufmerksamkeit. Was mit dem Motorrad ein Traum zu fahren wäre, bedeutete mit dem Auto harte Arbeit. Die Fahrt hinunter an die Küste führte durch zunehmend grüne und tropische Vegetation. Gleichzeitig stieg auch die Temperatur wieder auf über 30°C an - zum Glück funktionierte unsere Klimaanlage wieder einwandfrei.
In San Agustin, einem kleinen Dorf mit einem herrlichen Strand, fanden wir einen schönen Übernachtungsplatz bei einem der vielen Restaurants. Die grosse Anzahl touristischer Einrichtungen liess uns erahnen, dass in der Hauptsaison und an Wochenenden hier einiges los sein musste. An diesem Abend waren wir jedoch fast die einzigen Gäste und hatten die ganze Aufmerksamkeit des Personals, als wir uns ein kühles Bier und anschliessend ein feines Nachtessen direkt am Strand genehmigten. Andere Besucher gaben uns den Hinweis, dass unweit vom Strand ein kleines Korallenriff zum Schnorcheln einlud. Bevor wir am nächsten Morgen weiterzogen, stiegen wir deshalb mit Flossen und Taucherbrille ausgerüstet ins Wasser. Tatsächlich fanden wir das Riff kaum 10m vom Ufer entfernt. Auch wenn der Fischreichtum nicht ganz an jenen in den Gewässern auf Hawaii herankam, genossen wir das erfrischende Bad im klaren und ruhigen Wasser.
Um zügiger vorwärts zu kommen, wählten wir einmal mehr die Cuota, die kostenpflichtige Strasse quer durch den Isthmus. Diese schmalste Stelle Mexicos misst nur gerade 200 km in der Breite und die höchste Erhebung erreicht 250m. Um die in dieser Gegend ständig vorhandenen Winde zu nutzen, wurden hunderte von Windkraftanlagen installiert. Auf dem Papier gab es auch bereits Ideen, an dieser schmalen Stelle einen weiteren Kanal zwischen Atlantik und Pazifik zu bauen.
Bei San Pedro Tanapetec bogen wir wieder in die Berge ab. Wir kamen auf der ansteigenden Strecke für einmal gut voran und erreichten unser Tagesziel, den Naturpark El Aguacero, bereits am frühen Nachmittag. Bei Temperaturen von über 30°C war es uns definitiv zu warm, um die gut 700 Stufen hinunter in den Canyon anzugehen. Erst gegen Abend wagten wir uns an den Abstieg über die lange Treppe. Unten angekommen, folgten wir dem Fluss stromaufwärts und standen bald unterhalb des Wasserfalls, welcher sich aus mehreren Quellen in einer Felswand ergoss. Durch die ständige Feuchtigkeit entstand in der sonst trockenen Landschaft eine dichte Vegetation und die Felsen wurden überzogen von grünen Moospolstern. Im sandigen Flussbett, mit knöcheltiefem Wasser wateten wir zurück, um herrlich abgekühlt die vielen Stufen wieder in Angriff zu nehmen.
Wir erreichten den Nationalpark bereits Mitte Vormittag und hatten so genügend Zeit, die Bootsfahrt in den Sumidero Canyon zu organisieren. Um von günstigen Einzelpreisen zu profitieren, wollten wir warten, bis ein Boot voll war. Wir wählten einen Anbieter mit relativ kleinen Schiffen, trotzdem dauerte es fast eine Stunde bis genügend Leute beisammen waren. Die Fahrt führte über 32 km durch den gigantischen Canyon, dessen Wände an der höchsten Stelle immerhin 1000 m massen, bis wir schliesslich die Staumauer erreichten. Unterwegs hielt der Bootsführer immer wieder an, um uns auf die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke oder auf Tiere aufmerksam zu machen. In Ufernähe lagen Krokodile an der Sonne und liessen sich aus nächster Nähe beobachten. Unzählige Vögel, vor allem verschiedene Reiherarten und Kormorane deuteten auf den Fischreichtum im Fluss hin. Eine Gruppe Spinnenaffen turnte vergnügt in den Baumkronen und lieferte weitere Fotomotive. Nach zwei interessanten und erlebnisreichen Stunden waren wir am Ausgangspunkt zurück.
In San Cristobal de las Casas auf ca. 2100müM herrschten markant kühlere Temperaturen als im Tiefland. Diese brachten uns in „FigugegL“ Stimmung. Schweizer Leser, zumindest die älteren Generationen, dürften wissen, was damit gemeint ist. Für alle anderen hier die Erklärung: „Fondue isch guet und get e gueti Lune“ und für alle nicht Schweizer: „Fondue ist gut und macht gute Laune“, ein alter Werbeslogan der Schweizer Käseproduzenten. Das heisst, wir genossen am Abend ein wunderbares Fondue aus unserem Vorrat.
Unser Camping lag nur etwa 15 Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt. San Cristobal ist eines der touristischen Zentren im Staat Chiapas und zudem der politische Brennpunkt der Zapatisten, einer indigenen Gruppierung, die sich seit Jahren gegen die Regierung Mexicos auflehnt. In der Vergangenheit war es deshalb immer wieder zu zum Teil blutigen Zusammenstössen gekommen. Für uns als Besucher war von diesen Problemen jedoch nichts zu spüren.
Die Altstadt von San Cristobal ist sehr gut erhalten. In vielen der alten Gebäude sind Hotels aller Klassen, Souvenirshops mit ausgesprochen schönen Handarbeiten, gemütliche Restaurants und Bars und zahlreiche Büros von Tour Anbietern untergebracht. Da die meisten Besucher ohne eigenes Transportmittel nach San Cristobal kommen, nutzen viele die Angebote für Touren zu näheren oder weiter entfernten Ausflugszielen. Unter den vielen Touristen fiel uns vor allem eine grosse Zahl von sog. Pseudohippies auf, vor allem junge Frauen. Viele dieser Low Budget Traveller versuchten, mit dem Verkauf von selbstgebasteltem Schmuck ihr Reisegeld etwas aufzustocken.
Wir genossen unseren Spaziergang durch die lebhafte Altstadt und gönnten uns in einer der Bars seit langem wieder einmal einen Aperol Spritz.
Von San Cristobal aus fuhren wir durch die Berge in Richtung Guatemala. Ein Blick in die i-Overlander App hatte uns gezeigt, dass sich kurz vor der Grenze eine schöne Übernachtungsmöglichkeit anbot. 10 km von der Hauptroute entfernt trafen wir auf die Lagos de Colon, eine Serie kleiner, türkisblauer Seen. Da wir uns unterdessen nur noch auf 600müM befanden, waren die Temperaturen entsprechend hoch und wir genossen das Bad im glasklaren Wasser. Neben einigen mexikanischen Besuchern, welche ihr Wochenende an diesem schönen Ort verbringen wollten, waren wir wieder einmal die einzigen Ausländer. Dass die Seen ein beliebtes Sonntagsziel für die Einheimischen sind, zeigte sich am nächsten Morgen als uns auf dem Rückweg zur Hauptstrasse haufenweise Autos entgegenfuhren.