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Weltweit hat Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos Beifall geerntet - sogar von seinem innenpolitischen Gegner, dem früheren Präsidenten Alvaro Uribe, der das Friedensabkommen mit den FARC-Rebellen bekämpft hatte. Die FARC selbst reagierten verhalten.
Uribe gratulierte seinem Rivalen und Nachfolger im Präsidentenamt. Zugleich drückte er die Hoffnung aus, dass Santos das «für die Demokratie schädliche» Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla ändern werde. Uribe führt das Lager der Gegner des Friedensabkommens an, das am Sonntag in einem Referendum knapp abgelehnt worden war.
Die Gegner der Vereinbarung von Ende September kritisieren, dass Guerillakämpfer gemäss dem Vertrag straflos ausgehen könnten und die Umwandlung der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) in eine legale politische Partei dieser zu viel Einfluss verschaffen könnte.
FARC gehen leer aus
Die FARC reagierten verhalten. «Den einzigen Preis, den wir anstreben, ist der Frieden mit sozialer Gerechtigkeit ohne Paramilitarismus, ohne Vergeltung und Lügen», schrieb Kommandant Rodrigo «Timochenko» Londoño am Freitag auf Twitter.
«Timochenko» war leer ausgegangen. Ein Friedensnobelpreis für den Rebellenkommandanten wäre wohl nur schwer zu vermitteln gewesen: «Timochenko» wurde wegen Mordes, Entführung und Rebellion in Abwesenheit zu fast 200 Jahren Haft verurteilt.
Dass die Jury den FARC-Kommandanten nicht ebenfalls mit der Auszeichnung bedacht hat, wollte die Chefin des Nobelkomitees, Kaci Kullmann Five, nicht kommentieren.
Sie sagte am Freitag, Santos werde für seine «entschlossenen Bemühungen» ausgezeichnet, den «mehr als 50 Jahre langen Bürgerkrieg in dem Land zu beenden». Das Votum des Volkes bedeute «nicht zwangsläufig, dass der Friedensprozess tot ist.»
Schneider-Ammann twittert
Auch die Schweiz gratulierte dem frisch gekürten Friedensnobelpreisträger: Der Preis sei eine verdiente Auszeichnung für die Bemühungen für Frieden, twitterte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann am Freitag.
Anerkennende Reaktionen kamen aus zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, Norwegen, Belgien, aber auch von der Europäischen Union und den Vereinten Nationen.
Als Verteidigungsminister hatte Santos zunächst versucht, die FARC die zuletzt noch 5800 Kämpfer hatte, militärisch zu besiegen. 2010 übernahm er das Präsidentenamt, überwarf sich mit seinem Vorgänger Uribe und leitete 2012 auf Kuba die Verhandlungen mit den FARC ein. Die Gespräche wurden von den Regierungen Norwegens, Chiles, Kubas und Venezuelas unterstützt. Sie gelten als Modell für die Beilegung von Konflikten.
Vereinbart war schon, dass die Waffen unter Beteiligung von 450 UNO-Beobachtern eingesammelt und eingeschmolzen werden und für Friedensmahnmale verwendet werden. Vorerst gilt weiterhin der beidseitige Waffenstillstand - aber nur noch bis Ende Oktober. Nach der Niederlage bei der Volksabstimmung am vergangenen Sonntag verhandelt Santos auch mit dem Lager der Gegner, um seinen früheren Förderer Uribe.
Hunderttausende Tote
Der längste bewaffnete Konflikt Lateinamerikas forderte mindestens 220'000 Menschenleben. Millionen wurden vertrieben, und die wirtschaftliche Entwicklung des öl- und kohlereichen Landes wurde gebremst.
Wie die anderen Nobelpreise wird der mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 908'000 Fanken) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel, verliehen. Überreicht wird die Auszeichnung aber im Gegensatz zu den Nobelpreisen für Literatur, Medizin, Physik und Chemie nicht in Stockholm, sondern in Oslo.
Die wissenschaftlichen Nobelpreise waren seit Montag in der schwedischen Hauptstadt verkündet worden. Das Geheimnis um den diesjährigen Literaturnobelpreisträger wird voraussichtlich am kommenden Donnerstag (13. Oktober) gelüftet. (sda/reu/dpa/afp)