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Lausanne - Über 300 Personen haben Jean-François Bergier in der Kathedrale Lausanne die letzte Ehre erwiesen. Die ehemalige Bundesrätin Ruth Dreifuss lobte den Scharfsinn und das Engagement des am 29. Oktober verstorbenen Historikers.
Sie spreche Jean-François Bergier ihre Anerkennung aus, sagte Dreifuss an der Trauerfeier. Auch die ehemaligen Bundesräte Adolf Ogi und Arnold Koller, Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth sowie der Unternehmer Rolf Bloch befanden sich unter den Trauergästen. Dreifuss, die bei Bergier studiert hatte, lobte seine "unbestrittene intellektuelle Integrität".
Als Jean-François Bergier 1996 das Präsidium der Kommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg übernommen hatte, habe er auf ein ruhiges Lebens im Ruhestand verzichtet. Dreifuss unterstrich die "patriotische Motivation" Bergiers, der unter gewissen Schlussfolgerungen der Bergier-Kommission und den gegen ihn gerichteten Attacken gelitten hatte.
Der Historiker Marc Perrenoud, ein Freund und ehemaliger Kollege, liess zuvor die Karriere Bergiers Revue passieren. Dieser habe die französische Annales-Schule und den Historiker Ferdinand Braudel bewundert, so Perrenoud.
Bergier habe Geschichte nicht nur als eine Abfolge von Kriegen und diplomatischen Auseinandersetzungen wahrgenommen. Vielmehr habe er soziale und ökonomische Aspekte miteinbezogen. Er sei ein Anhänger der "Geschichte von unten" gewesen, einer Geschichte der kleinen Leute.
Bergier starb am 29. Oktober im Alter von 78 Jahren nach kurzer Krankheit im Spital von Mottex à Blonay VD. Die Kommission, die er präsidierte, verfasste insgesamt 25 Studien, die zusammen rund 11'000 Seiten zählen.
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