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Äthiopien
Äthiopien will seinen Ruf als „Hungerland“ endlich loswerden. In den letzten zwei Jahrzehnten hat Äthiopien dank politischer Stabilisierung und aktiver Entwicklungsbemühungen deutliche Fortschritte gemacht. Die anhaltende Armut auf dem Land, die unzureichende Infrastruktur und die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels stellen das Land aber vor grosse Herausforderungen. Helvetas unterstützt die Landbevölkerung im trockenen Norden, dem Wassermangel beizukommen und damit auch ihre Ernährungslage zu verbessern.
Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat mit gegen 90 Millionen Einwohnern. Neben Lesotho ist es das höchstgelegene Land Afrikas. Die Hauptstadt Addis Abeba liegt 2570 m ü. M., im gebirgigen abessinischen Hochland, das einen grossen Teil Äthiopiens einnimmt. Abgelegene Siedlungen sind oft nur in mehrtägigen Fussmärschen erreichbar. Seit der lange Bürgerkrieg (1974-1991) und der Grenzkrieg mit Eritrea vorüber sind, hat sich die politische Situation deutlich stabilisiert. Die 1991 gegründete föderale Republik gab sich 1995 eine Verfassung, in der die neuen Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger festgehalten sind. Nationale Wahlen verliefen - anders als in vielen Staaten der Region – bisher verhältnismässig korrekt.
In den letzten Jahren konnte Äthiopien ein eindrückliches Wirtschaftswachstum vorweisen, von dem mehr als nur einige wenige profitieren. Auch die Investitionen in die Bildung zeitigen Wirkung.
Doch ein Grossteil der Bevölkerung, besonders die Bauernfamilien auf dem Land, leben noch immer unter der Armutsgrenze. Sie müssen mit weniger als 1.25 Dollar pro Tag auskommen. Der Fortschritt hat die Landbevölkerung bisher kaum erreicht, Fachwissen und Berufsbildung fehlen ebenso wie die nötigste Infrastruktur. Daher belegt Äthiopien trotz sichtbarer Entwicklungsbestrebungen in den Statistiken der UNO weiterhin hintere Plätze. In manchen Regionen sind die Menschen in den Trockenzeiten mit extremen Wetterereignissen konfrontiert. In den vergangenen 30 Jahren gab es unzählige lokale Dürren, die Hungersnöte auslösten. Wegen der globalen Erwärmung wird sich die Situation noch verschärfen.
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Bedingt durch die einzigartige Topographie des Landes mit drei unterschiedlichen Vegetationsstufen, gibt es in Äthiopien äusserst trockene Regionen, aber auch niederschlagsreiche Gebiete mit fruchtbaren Böden. Die Landwirtschaft trägt mit 43 Prozent den grössten Teil zum Bruttoinlandprodukt bei. Über drei Viertel der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft; die meisten sind Kleinbauern, die von ihrem Land leben. Äthiopien gilt als Ursprungsland des Kaffees, verschiedener Getreidearten und der Zierbanane, einer Nahrungspflanze, die vor allem für die Kleinbauern wegen ihrer vielfachen Verwertbarkeit von Bedeutung ist. Kaffee ist heute noch das wichtigste Exportgut. In den kühlen Höhenlagen mit nährstoffreichen Böden und ausreichend Niederschlag und Schatten reift die für ihren Aromareichtum berühmte Arabica-Sorte.
Ausser Kaffee werden zahlreiche andere landwirtschaftliche Güter, wie Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Ölsamen, Baumwolle, Zucker, aber auch Vieh ausgeführt. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 die exportorientierte, industrielle Landwirtschaft zu stärken, und vergibt dafür grosse Landflächen an Investoren aus Asien, Europa und Südamerika. Diese Entwicklungsstrategie ist fragwürdig. Wegen ihrer einseitigen Ausrichtung, aber auch wegen der ökologischen Folgen wie dem hohen Wasserverbrauch, der Verseuchung des Grundwassers durch Pestizide und dem Verlust der Artenvielfalt.
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Der Norden Äthiopiens wird immer wieder von Hungersnöten heimgesucht. Die Region ist heiss und trocken, es regnet lediglich 300 bis 500 mm pro Jahr. Oft sind die Regenfälle kurz und heftig. Das Wasser fliesst auf der Oberfläche ab und reisst fruchtbare Erde mit sich. Jedes Jahr verlieren die äthiopischen Bauern dadurch eine halbe Million Hektar Land. Das entspricht etwa der Fläche des Kantons Wallis. Quellen trocknen zu schnell aus, Felder verdorren. Tiere müssen geschlachtet werden, weil das Futter fehlt.
Mit einer Reihe von einfachen Massnahmen hilft Helvetas, die knappen Niederschläge besser zu nutzen und die Ernährungssicherheit der Bauernfamilien zu verbessern. Familien bauen Zisternen, um das Wasser von ihren Dächern als Trinkwasser aufzufangen und bis weit in die Trockenzeit hinein aufzubewahren. Für die Frauen und Mädchen, die das Trinkwasser sonst herbeitragen müssen, ist das eine Erleichterung. In der Umgebung der Häuser wird das abfliessende Wasser in Gräben geleitet. Die Familien bauen einfache Becken und Teiche, auf denen ein Algenteppich verhindert, dass zu viel Wasser verdunstet. So gewinnen sie in jeder Regenzeit bis zu 80 Kubikmeter Wasser für Gärten und kleine Felder. Dort wachsen Tomaten, Sonnenblumen für Öl, Knoblauch, Kohl und Zwiebeln. Um zu verhindern, dass die heftigen Niederschläge den Boden abtragen, werden entlang den Hängen kleine Mauern und Gräben gebaut, die den Lauf des Wassers bremsen. Die fruchtbare Erde bleibt auf den Feldern. Das Wasser versickert und die Quellen in der Ebene führen länger Wasser.
An den Hangmauern ausserhalb des Dorfes pflanzen die Bäuerinnen und Bauern Hecken mit widerstandsfähigen Pflanzen in die Steinwüste: Feigenkaktus, Salzbusch und Elefantengras. Mit ihren Wurzeln halten sie die fruchtbare Erde zusammen. Im Boden und in den Pflanzen gespeichertes Wasser bleibt länger verfügbar. Die Pflanzen dienen als Futter für die Tiere. Der Feigenkaktus, der auch als Umzäunung für Weiden und Höfe dient, liefert süsse Früchte. In Kursen lernen die Frauen, die Kaktusfeigen zu Konfitüre zu kochen, die sie in die Hauptstadt verkaufen.