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Jedoch sieht es inzwischen so aus, dass die katastrophale Zukunft der globalen Natur viel schneller Realität zu werden scheint, als wissenschaftliche Prognosen das bisher vorausgesehen hatten, und dass deshalb auch die vereinbarten Zeiträume zur Reduzierung der Treibhausgase viel zu grosszügig veranschlagt worden sind. Was die globale Erwärmung betrifft, so ist es nicht mehr “fünf vor Zwölf“, sondern die Zwölf ist längst überschritten – und dass es der Menschheit trotzdem noch gelingen sollte, die apokalyptische Uhr aufzuhalten, scheint unwahrscheinlich.
In ihrem Bericht vom vergangenen Montag (04.05.) hat die meteorologische Abteilung der UNO, die World Meteorological Organization (WMO), niederschmetternde Nachrichten hinsichtlich der Zukunft unseres Planeten vorgelegt. Unter anderem bestätigte sie, dass das Jahr 2014 tatsächlich das wärmste Jahr der Geschichte gewesen ist, und dass wir seit dem Jahr 2000 bereits 14 der registrierten 15 wärmsten Jahre erlebt haben.
“Vierzehn der fünfzehn wärmsten Jahre der Geschichte fielen auf dieses 21. Jahrhundert! Alles deutet darauf hin, dass die globale Erwärmung fortschreitet, aufgrund der zunehmenden Emissionen an Treibhausgasen in die Atmosphäre und der steigenden Temperaturen auf den Meeresoberflächen, was uns mit einer wärmeren Zukunft bedroht“, sagte der Generalsekretär der WMO.
Der Temperaturdurchschnitt des Jahres 2014 lag bei 0,570C über 14C – dem Wert, der als Referenz zwischen 1961 und 1990 zugrunde gelegt worden ist.
“Die allgemeine Erwärmungstendenz ist von grösserer Bedeutung als die Position im Ranking eines einzelnen Jahres. Die Analyse der Datengruppen demonstriert, dass 2014 das bisher wärmste, je registrierte Jahr war, obwohl es sich nur gering von den drei anderen wärmsten Jahren unterscheidet“, bestätigte der Generalsekretär der WMO.
Trockenheit in Brasilien und zahlreiche Überschwemmungen in anderen Ländern gehören zu den extremen Ereignissen des Jahres 2014.
Die Erwärmung der Ozeane
Zirka 93% der überschüssigen Energie der Treibhausgase, die in die Atmosphäre gelangen, endet in den Meeren. Deshalb ist die Erwärmung der Meere von besonderer Bedeutung zum Verständnis des klimatischen Systems. Im Jahr 2014 erreichten die Temperaturen der Meeresoberflächen in der ganzen Welt Rekordniveaus. Jedoch muss man betonen, dass die hohen Temperaturen des Jahres 2014 sich ohne das klimatische Phänomen “El Niño“ entwickelten.
Man hat sich schon daran gewöhnt, aussergewöhnlich warme Jahre dem vorübergehenden Einfluss jenes klimatischen Phänomens zuzuschreiben, das als “El Niño“ bekannt ist: In einem Abstand von zwei bis sieben Jahren erwärmt sich der Pazifik vor der Westküste Südamerikas plötzlich ganz ungewöhnlich (von normalerweise 24°C auf 28°C) – die Fische ziehen sich zurück und die Fischer leiden Not, gewaltige Regenfluten verursachen Überschwemmungen, Orkane entstehen – und das erklärt sich so:
Zwischen einer Hochdruckzone vor der südamerikanischen Westküste und einer Tiefdruckzone vor der Ostküste Australiens zirkulieren die so genannten Passatwinde. Parallel dazu zirkulieren in den Ozeanen kalte und warme Strömungen. Eine kalte Meeresströmung aus dem Süden ist der Humboldtstrom, der grossen Einfluss auf ein ausgeglichenes Klima in den Ozeanen hat.
Wenn während des Sommers auf der Südhalbkugel das Hoch zusammenbricht, dann geraten die Passatwinde ausser Kontrolle, nehmen an Geschwindigkeiten zu und blasen in entgegengesetzte Richtungen, was auch die Meeresströmungen beeinflusst. Der kalte Humboldtstrom wird plötzlich umgeleitet, das Meer erwärmt sich zunehmend, Plankton und andere Meerestiere sterben ab. Die am meisten betroffenen peruanischen Fischer nennen das Phänomen “El Niño“ – das Christkind – weil es stets zur Weihnachtszeit, der heissesten Zeit in Südamerika, auftritt.
Diese vorübergehende klimatische Veränderung ist jedoch nicht auf Südamerika begrenzt, sondern durch die teilweise Umkehrung der Windzirkulation im Pazifikgebiet werden die Winde rund um den gesamten Erdball beeinflusst. Weil an der Ostküste Afrikas, zum Beispiel, der Passat keine feuchte Luft vom Meer aufs Land treibt, entstehen Dürrezonen. In Australien und Indonesien steigt die Waldbrandgefahr wegen einer plötzlichen Trockenperiode. Sogar Europa bleibt nach Ansicht der Wissenschaftler nicht von “El Niño“ verschont: Den extrem kalten Winter von 2009 / 2010 haben sie ebenfalls seinem Einfluss zugeschrieben.
Auch die Brasilianer ziehen es vor, die nun schon im zweiten Jahr an der Südostküste fehlenden Niederschläge, zwischen Januar und März, dem noch weitgehend unerforschten Treiben des “El Niño“ zuzuschreiben, anstatt der Wahrscheinlichkeit ins Gesicht zu sehen, die erst von wenigen Wissenschaftlern als Mahnung kursiert, nämlich, dass die Wasserknappheit im Südosten, von der besonders die Bewohner des Bundesstaates São Paulo betroffen sind, mit der Waldzerstörung Amazoniens zusammenhängt (BrasilienPortal hat darüber berichtet).
Allerdings wird in wissenschaftlichen Kreisen vermutet, dass “El Niño“ durch den zunehmenden Ausstoss von CO2 in die Atmosphäre, in immer kürzeren Abständen auftritt und an Intensität zunimmt. Jedoch ist die entsprechende Forschung noch nicht so weit, viele Fragen in dieser Richtung sind noch offen. Zum Beispiel fielen die hohen Temperaturen des Jahres 1998, dem wärmsten Jahr des 20. Jahrhunderts, auf ein Jahr, in dem der “El Niño“ sich besonders stark bemerkbar machte.
“Und im Jahr 2014 erreichte die Wärme ein Rekord-Hoch, kombiniert mit unwetterartigen Niederschlägen, Überschwemmungen in zahlreichen Ländern und extremer Dürre in einigen anderen – für mich übereinstimmend mit der Erwartung einer Klimaveränderung“, sagt der WMO Generalsekretär dazu.
Konsequenzen
Der Anstieg um 0,8°C der globalen Durchschnittstemperatur führte bereits zu bedeutenden Veränderungen in unserem Ökosystem, unter denen die extremen Unterschiede im Klima die spürbarsten sind.
Unabhängig davon, was wir in den nächsten Jahren unternehmen werden, wird die Durchschnittstemperatur mindestens um 0,5°C steigen, und das nur, weil die Ozeane mit einer gewissen Trägheit reagieren, die verhindert, dass die Temperatur auf die zunehmende Konzentration der Treibhausgase direkt reagiert. Man nimmt an, dass diese Zunahme einen allgemeinen Anstieg der Meeresoberfläche zu Folge haben wird, und die Wüsten sich auf der Erde ausbreiten werden.
Ohne entsprechende Massnahmen zur Reduzierung der Kohlendioxyd-Emissionen wird die Durchschnittstemperatur bis 2050 weitere 0,8°C steigen und eine Reihe von schwersten, nicht rückgängig zu machenden Folgeschäden in unserem Ökosystem auslösen, wie zum Beispiel die Auslöschung von mehr als 20% der gegenwärtigen Fauna und Flora, sowie eine weltweite Verbreitung von tropischen Krankheiten.
Extreme Klimaveränderungen
Im Verlauf der letzten zehn Jahre haben die Berichte über Hochwasserkatastrophen, Hitzewellen, Tornados, Zyklone, Taifune und andere klimatische Variationen bemerkenswert zugenommen, und obwohl man einen Teil dieser Berichte vielleicht auch dem inzwischen erweiterten Informationszugang zuschreiben könnte, deutet die Tatsache, dass die Anzahl der Erdbebenberichte relativ konstant geblieben ist, darauf hin, dass es andere Ursachen gibt. Der grössere Teil der Wissenschaftler glaubt, dass es sich bei diesen klimatischen Exzessen um die ersten sichtbaren Effekte der globalen Erwärmung unseres Ökosystems handelt.
Anstieg des Meeresspiegels
In den letzten 120 Jahren ist der Meeresspiegel um zirka zwanzig Zentimeter angestiegen. Zwei Phänomene sind für diesen Anstieg verantwortlich, beide verknüpft mit der globalen Erwärmung: Die thermische Expansion der Ozeane (das Volumen des Wassers nimmt zu mit dem Anstieg der Temperatur) und das Abtauen der Polkappen. Man schätzt, dass ohne gemeinsame Anstrengungen zur Reduzierung der CO2-Emissionen, der Meeresspiegel durchschnittlich um 0,5 Meter in den nächsten 100 Jahren steigen wird – mit folgenschweren Konsequenzen für die Küsten und ihre Städte.
Versteppung und Verwüstung
Eine der schwerwiegendsten Konsequenzen der globalen Erwärmung ist die Ausbreitung der trockenen, unwirtlichen Gebiete unserer Erde. Dieses Phänomen kann man besonders in Afrika bereits beobachten, jedoch wird es sich über den gesamten Planeten ausbreiten und zu einer allgemeinen Verkleinerung der für die Landwirtschaft genutzten Terrains führen, mit einer daraus folgenden Bedrohung der angrenzenden Bevölkerung und substanziellen Veränderungen in der Fauna und Flora der betroffenen Regionen.
Allgemeine Verbreitung von Tropenkrankheiten
Krankheiten wie Malaria, Cholera, Gelbfieber oder Dengue waren bis vor kurzem auf die tropischen Regionen unseres Globus begrenzt. Durch den Anstieg der globalen Temperatur wird es möglich, dass Moskitos und andere Überträger dieser Tropenkrankheiten sich auch in höheren Breitengraden ansiedeln und die Bewohner infizieren. Regionen wie Italien, zum Beispiel, registrieren bereits eine wachsende Zahl von Malaria-Fällen, während in den USA und Kanada bereits 800 Fälle von Gelbfieber registriert worden sind.
Massensterben von Fauna und Flora
Wie die IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) berichtet, wird ein Anstieg von 1,5 bis 2,5°C der globalen Durchschnittstemperatur bereits 20 bis 30% der gegenwärtigen Fauna- und Floraspezies zum Aussterben verurteilen. Das Risiko des Aussterbens ist eine direkte Konsequenz der Klimavariationen, dem Anstieg des Meeresspiegels und der Verwüstung, deren kombinierte Effekte ein tödliches Ungleichgewicht im Ökosystem von mehr als einer Million Spezies provozieren werden.
Und Südamerika wird die am meisten betroffene Region sein, mit einem Verlust von bis zu 23% seiner Pflanzen und Tiere, wenn die Weltbevölkerung nichts tut, um die schädlichen Emissionen zu stoppen. Ein Scheitern der Reduzierung, in den nächsten Jahrzehnten, wird im brasilianischen Regenwald dazu führen, was fünf Jahrhunderte der Waldzerstörung nicht erreicht haben: eine Massenvernichtung an Tier- und Pflanzenarten. Eine neue Studie demonstriert, dass Südamerika die Region unseres Planeten sein wird, deren Biovielfalt am meisten in Mitleidenschaft gezogen würde, für den Fall, dass der gegenwärtige Ausstoss von Kohlendioxyd beibehalten wird oder sogar noch steigt. Brasilien steht wegen seiner grössten Biovielfalt des Kontinents an der Spitze der Todesliste.
Wie die Studie weiter ausführt, würde das Weltklima, im Fall einer fehlenden Politik zur Mässigung der klimatischen Veränderungen, um zirka 40C im Vergleich zum Klima der vorindustrielle Ära steigen, und das globale Aussterberisiko würde von 2,8% auf 16% springen. Und das würde bedeuten, dass eine von jeweils sechs Spezies aus unserer Natur verschwinden würde. Diese Situation ist, wie gesagt, besonders gravierend in Südamerika.
Diese Erkenntnisse wurden am 1. Mai 2015 in der wissenschaftlichen Zeitschrift SCIENCE veröffentlicht. Der Autor dieser Arbeit, der Biologe Mark Urban, von der University of Connecticut (USA), hat 131 unterschiedliche Studien analysiert, die sich mit dem Risiko des Aussterbens infolge der Klimaveränderung befassen, um dann eine Art von “Durchschnitts-Erwägung“ aus ihnen zu ziehen.
Diese Art der Untersuchung wird als “Meta-Analyse“ bezeichnet und wird häufig in der Medizin angewandt, um Risiken eines Medikaments auf die Volksgesundheit zu beurteilen oder die eines anderen Faktors – zum Beispiel des Tabaks. Indem man eine grosse Anzahl von Studien zu einem statistischen Ergebnis zusammenfasst, kann man mit einer Meta-Analyse Extreme ausschliessen und ein realistischeres Panorama jenes Effekts präsentieren, den man zu bewerten beabsichtigt.
Selbst wenn es der Menschheit gelänge, so erklärt Urban, das Ziel zu erreichen und die globale Erwärmung auf höchstens 2°C zu halten – etwas, das er für unmöglich hält, angesichts des bereits in der Atmosphäre befindlichen Kohlendioxyds – würde die Zahl der bedrohten Spezies schon einen Sprung von 2,8% auf 5,2% tun.
“Heute sterben die meisten Tiere aus, weil sie ihren Lebensraum verlieren oder durch Ausbeutung der Spezies. Das Klima spielt auch eine gewisse Rolle im einen oder anderen Fall, aber andere Faktoren sind noch von grösserer Bedeutung. Wenn die Erde sich weiter erwärmt, werden die klimatischen Veränderungen allerdings die grösste Rolle spielen“, sagte Urban in einem Interview.
Der brasilianische Biologe Carlos Joly, an der Universität von Campinas (Unicamp), Direktor des Programms “Biota Fapesp“ bestätigt, dass die Angabe von 16% des schlimmsten Szenarios in der Studie des Amerikaners “obgleich alarmierend, durchaus realistisch ist“. Er zitiert andere Studien dieser Art, die sogar von bis zu 37% sprechen.
Das Klima kann eine Spezies aussterben lassen, indem es seinen Lebensraum (Habitat) unbewohnbar macht. Das klassische Beispiel sind die Eisbären, die bedroht sind, weil die marine Eisdecke, auf der sie während des grössten Teils des Jahres leben und ihre Beutetiere jagen, im Abschmelzen begriffen ist. Pflanzen und Tiere, die in Bergregionen leben, müssen in grössere Höhen abwandern, um dort erneut eine ideale Temperatur zu finden, die ihren Lebensgewohnheiten entspricht.
Im Fall einer endemischen Spezies allerdings, die nur in einem bestimmten Gebiet vorkommt und von dessen geografischer Beschaffenheit, spezifischem Nahrungsangebot und besonderem Klima abhängig ist, sie kann nicht abwandern, sondern sie stirbt. In Südamerika wird eine grosse Zahl an endemischen Spezies im Fall einer starken Klimaveränderung aussterben. In Australien und Neuseeland machen die relativ kleinen Territorien endemischer Arten ihre Abwanderung in ein gemässigteres Klima unmöglich.
“Ausser der Erwärmung muss man auch die hohe Fragmentierung der Waldgebiete bedenken. Beispiele dafür sind bei uns in Brasilien der Atlantische Regenwald und der Cerrado. Ihre Fragmentierung verhindert, dass einzelne Spezies wegen der Klimaveränderungen abwandern, wie es etwa im Pleistozän (der letzten Eiszeit) geschah, als jene Formationen noch miteinander verbunden waren“, bestätigt Joly. “Wenn wir bedenken, dass sowohl der Atlantische Regenwald als auch der Cerrado einen grossen Prozentsatz an endemischen Spezies beherbergt, dann wird die Anzahl der aussterbenden Tierarten wohl die voraussichtlichen 16% noch übertreffen“.
Die Zeitspanne in der solche düsteren Prognosen Realität werden könnten, ist jedoch nicht unbedingt auf das Ende des 21. Jahrhunderts begrenzt. “Ich sehe Risiken des Aussterbens voraus, aber die Realisierung dieser Risiken kann lange Zeit dauern und verhindert werden, wenn wir den Ausstoss der Treibhausgase in den Griff bekommen und sie einschränken – und wenn wir, darüber hinaus, wissenschaftlich orientierte Massnahmen zur Erhaltung der Natur anwenden“, empfiehlt Urban.
Zum Nachdenken
“In der uralten Zeit lebten die Weissen so wie wir im Wald, und ihre Vorfahren waren weniger zahlreich. Unser Gott Omama übermittelte ihnen ebenfalls seine Worte, aber sie wollten nicht zuhören. Dachten, dass er sie über die wahren Werte der Erde täuschen wollte und fingen an, nach Mineralien und Petroleum überall zu suchen – nach all diesen gefährlichen Sachen, die Omama unter der Erde und im Wasser verborgen hatte, weil ihre Energie gefährlich ist. Doch die Weissen fanden sie und machten aus ihnen Werkzeuge, Maschinen, Autos und Flugzeuge. Und sie wurden übermütig und schrien:
“Wir sind die einzigen, die so schlau sind – nur wir wissen, wie man diese Maschinen und ihre Produkte herstellt!“ Und dies war der Moment, wo sie alle ihre Weisheit verloren. Erst verwüsteten sie ihr eigenes Land, und dann wechselten sie in das Land der anderen über, um weiterhin ihre Waren zu produzieren, ohne aufzuhören. Niemals haben sie sich gefragt: “Wenn wir die Erde zerstören – ob wir wohl bis dahin in der Lage sind, eine andere zu erschaffen?”
Wir Yanomami möchten, dass der Regenwald so bleibt, wie er immer war – und für immer. Wir möchten in ihm leben, in guter Gesundheit, und mit uns die Geister Xapiripë, die jagdbaren Tiere und alle Fische. Wir kultivieren nur die Pflanzen, welche uns ernähren – wir brauchen keine Fabriken, keine Löcher in der Erde und keine verschmutzten Flüsse. Wir möchten, dass der Wald ein ruhiger Ort bleibt, dass der Himmel klar über uns steht, dass sich die Dunkelheit der Nacht weiterhin und mit aller Regelmässigkeit über Mensch und Tier senkt, und dass man die Sterne sehen kann.
Die Erde der Weissen ist verdorben, sie ist bedeckt von dem epidemischen Rauch Xawara, der sich bis zum Gewölbe ihres Himmels erhebt. Dieser Rauch fliesst auch in unsere Richtung, aber noch hat er uns nicht erreicht, denn der himmlische Geist Hutukarari vertreibt ihn unermüdlich. Über unserem Wald ist der Himmel immer noch klar, weil es noch nicht lange her ist, dass sich die Weissen in unser Gebiet eingeschlichen haben. Aber eines Tages, vielleicht wenn ich schon tot bin, wird auch dieser Rauch sich so weit ausgebreitet haben, dass er die Erde verdunkelt und die Sonne zum Erlöschen bringt.
Die Weissen denken nie an diese Dinge, welche die Schamanen schon seit langem befürchten, und deshalb haben sie keine Angst vor den Folgen. Ihre Gedanken sind voll von Vergessenheit, deshalb müssen sie ihre Worte aufzeichnen. Wir dagegen bewahren die Worte unserer Vorfahren seit langer Zeit in unserem Kopf auf, und wir überliefern sie unseren Kindern. Die Weissen fahren fort, ihre Gedanken nur an ihre Waren zu verschwenden – so als ob sie ihre Geliebten seien“.
Davi Yanomami – Schamane und Führer des Yanomami-Volkes