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Fast jeder Künstler hat eine Muse: eine angebetete Person, die ihn oder sie inspiriert. Oft schmerzhaft verbunden mit Liebeskummer, der künstlerisch transformiert wird. In der griechischen Mythologie sind die Musen Schutzgöttinnen der Künste. Ideen kommen also nicht einfach so, sondern werden gleichsam als Göttergeschenk eingeflüstert.
Eine der bekanntesten Einflüsterinnen der Neuzeit ist Alma Mahler (1879–1964). Die Österreicherin inspirierte gleich mehrere Künstler: vom Komponisten Gustav Mahler über den Maler Oskar Kokoschka bis zum Architekten Walter Gropius und dem Dichter Franz Werfel.
Im Zentrum von «Alma & Oskar» steht die Amour fou von Alma Mahler und Oskar Kokoschka. Der Film beginnt 1911, als Gustav Mahler eine USA-Konzertreise unternimmt. Der herzkranke Komponist erfährt, dass seine 19 Jahre jüngere Frau eine Affäre mit dem Architekten Walter Gropius hat. Die gesellige Alma, die auch selber Musik komponiert, fühlt sich vernachlässigt, zur Haushälterin degradiert.
Monate später ist Mahler tot, und Alma lernt den eigensinnigen Maler Oskar Kokoschka (Valentin Postlmayr) kennen. Die beiden fühlen sich sofort leidenschaftlich verbunden, was den Wiener dazu anregt, sie zu porträtieren. Er könne nur das malen, was er auch spürt.
Doch Kokoschka rast vor Eifersucht, wartet bisweilen vor Almas Wohnung, um sicher zu sein, dass kein Mann sie besucht. Er sieht es auch nicht gern, dass Alma die letzte Symphonie von Mahler aufführen lässt. Bald fühlt sich Alma eingeengt, trennt sich von ihm. Kokoschka geht an die Front und behilft sich mit einer lebensgrossen Alma-Puppe.
Kaum eine andere Frau hatte so viel Einfluss auf so viele Künstler wie Alma Mahler. Zahlreiche prominente Männer verfielen ihrer Schönheit, ihrem Charisma. Dieter Berners Film vermag diese Anziehungskraft nicht wirklich zu erklären, dazu ist Emily Cox als Alma zu gewöhnlich. Alma komme daher wie ein prächtig aufgetakeltes Schlachtschiff, so betitelte sie in späteren Jahren ihr Schwiegersohn.
Dafür gelingt es Berner, der schon ein intensives Porträt von Egon Schiele vorlegte, die Dynamik der Amour fou zu sezieren: die Eifersucht, die eine Beziehung zerstört, die Verbindung von Kunst und Leidenschaft, mit Betonung auf Leiden. Letztlich ist es auch die Darstellung einer starken Frau, die im Lichte grosser Männer stand und ihr eigenes Talent nie entfalten konnte. «Hüterin des Feuers» nannte sie Franz Werfel.
Drama
Mit Emily Cox, Valentin Postlmayr, Anton von Lucke
D 2023, ab 6. Juli 2023 im Kino