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Von unseren Hunden wird vieles verlangt, was nicht in ihrer Verhaltensnorm enthalten ist. Teilweise steuern die Forderungen sogar gegen die genetischen Anlagen. Um den Hund besser zu verstehen, lohnt es sich, dessen Herkunft bezüglich seiner Rasse oder seiner Vorfahren genauer anzusehen. In dieser sechsteiligen Serie zeigen wir rassetypisches Verhalten, welches natürlich auch bei Mischlingen zu finden ist.
Unter Hunden vom Urtyp verstehe ich solche, deren Anpassung in Form und Verhalten vor allem klimatischer Natur ist und die nicht in erster Linie durch gezielte Zucht entstanden. Das Verhalten dieser Hunde ist weitgehend ursprünglich und vor allem weniger angepasst an den urbanen Lebensraum. Die gezielte züchterische Selektion erfolgte erst später; die Hundetypen an sich bestehen dagegen schon länger als die meisten «modernen» Hunderassen.
Der Hintergrund
Der Domestikationsprozess von damaligen Wolfstypen hat sich nach heutigem Kenntnisstand parallel in verschiedenen Gebieten entlang des Äquators zugetragen. Zusammen mit den Menschen verbreiteten sich die Hunde von dort aus auf unterschiedlichste Breitengrade, von heissen Wüsten bis hin zu den eisigen Polarregionen.
Hunde liefen vielfach frei zwischen den Menschen herum und konnten bei Bedarf zur Jagd oder zu anderen Zwecken genutzt werden. Im Laufe der Zeit wurden die Vierbeiner teils verehrt, teils eher geduldet oder gar als lästig empfunden und ausgestossen. Aus den sogenannten Paria-Hunden (paria = Indisch für «Ausgestossener») entwickelten sich in südlichen Regionen die Dingos, die inzwischen als eigene Art unter den Kaniden gelten. Basenji, Podenco, Thai Ridgeback und Chihuahua sind die heute bekannten Haushunderassen, die sich aus diesen ursprünglichen Paria-Hunden entwickelt haben dürften. Auch haarlose Hunde könnten sich hier wiederfinden. Es wird vermutet, dass sie bereits den Azteken – der Urbevölkerung Mexikos – wahlweise als Wärmflasche, Begleiter und Nahrungsquelle dienten. Zudem profitierten die Menschen möglicherweise von der Wachsamkeit der Paria-Hundetypen, die in der Regel lautstark melden, wenn sich Fremde nähern.
Die so entstandenen Hundetypen aus den südlichen Regionen sind weitgehend schlank, langbeinig und ausgestattet mit übergrossen Ohren, langen Nasen sowie sehr kurzem Fell ohne Unterwolle. Diese körperliche Erscheinung ist vor allem als Anpassungsleistung an die klimatischen Bedingungen zu verstehen, die eine optimale Wärmeabgabe ermöglicht. Wenn es kalt wird, liegen die feingliedrigen Hunde gerne mit direktem Körperkontakt und können sich so gegenseitig wärmen.
In den nördlichen Regionen erfüllten Hunde ähnliche Aufgaben wie in den Ursprungsländern. Vor einen Schlitten gespannt leisteten sie zusätzlich gute Dienste, um grössere Strecken bei der Jagd zurückzulegen oder Nomadenvölkern beim Ziehen der Lasten zu helfen. Dementsprechend entwickelten sich hier die typischen Schlittenhunde. Für die Nutzung waren vor allem Duldsamkeit und Offenheit gegenüber Menschen wichtig. Wurden die Hunde nicht gerade vor den Schlitten gespannt, bewegten sie sich in den kleinen Siedlungen frei und versorgten sich grösstenteils selbst. Alternativ wurden sie angepflockt und erhielten zugeteilte Nahrungsrationen.
Das kalte Klima bewirkte typische Anpassungsfolgen. Die Hunde entwickelten besonders witterungsbeständiges dickes Fell mit Unterwolle, die zu wärmeren Jahreszeiten abgeworfen werden kann. Die kurzen Stehohren und der kompaktere Körperbau erschweren die Wärmeabgabe und sorgen dafür, dass die Hunde sich selbst ausreichend warmhalten können. Erwachsene Hunde liegen zwar beisammen, aber in der Regel ohne Körperkontakt. (…)
Den vollständigen Beitrag können Sie in der Ausgabe 3/19 lesen.