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Ähnlich wie beim anfänglichen Boom des Craft-Bieres stürzten sich viele Investoren auf den Markt für Fleischimitate, weil sie zu optimistische Erwartungen hinsichtlich der Akzeptanz hatten, sagte Nestlés Chief Technology Officer Stefan Palzer diese Woche im Bloomberg-Interview.
"Als Craft Beer auf den Markt kam, wollte es jeder haben", sagte Palzer. "Dann gab es eine Nachfragedelle und dann wuchs es langsam über viele Jahre hinweg zu einem bedeutenden Geschäft zurück. Ich denke, das werden wir auch hier beobachten können."
Börsenliebling verliert 80 Prozent
Hersteller von pflanzlichen Proteinen, die in der Anfangsphase der Pandemie von der stärkeren Betonung der Gesundheit profitierten, haben zu kämpfen, da die Inflation die Verbraucher zu preiswerteren Optionen drängt - einschliesslich des Tierfleisches, das sie zu ersetzen hofften. Beyond Meat, einst ein Liebling der Anleger, hat im vergangenen Jahr mehr als 80 Prozent seines Wertes verloren, da die Preisnachlässe auf Produkte in den USA und im Ausland die Profitabilität beeinträchtigen. Einige Fast-Food-Ketten haben ihr Angebot an Fleischimitaten aufgrund der schwachen Nachfrage zurückgefahren.
Auch wenn der Markt in letzter Zeit von den Umsätzen mit pflanzlichen Proteinen enttäuscht war, verzeichnet Nestle Palzer zufolge immer noch eine "recht gute" Performance in diesem Segment. Der Forschungs- und Entwicklungs-Chef bereitet sich auf ein stetiges Verbrauchswachstum in den kommenden Jahren vor. Im globalen F&E-Team hat er den Anteil der Spezialisten für Pflanzenproteine auf 10 Prozent erhöht, also 300 Mitarbeiter.
«Wir glauben an das Potenzial»
Das in Vevey ansässige Unternehmen wird weiterhin Fleischersatzprodukte entwickeln, hat sich aber auch Produkten zugewandt, die sowohl tierische als auch nicht-tierische Proteine verwenden - wie etwa eine Mischung, die Eiern hinzugefügt werden kann, um das Volumen zu erhöhen und das Endprodukt günstiger zu machen, oder auch pflanzliche Zutaten in Milchproteingetränken.
"Wir glauben an das Potenzial", sagte er. "Aber das Potenzial geht über die reine alternative Zutat hinaus. Es geht darum, pflanzliche Proteine für Innovationen in vielen Bereichen unseres Portfolios zu nutzen."
Konkurrenten wie die Hormel Foods haben bereits mit Fleisch-Gemüse-Mischungen experimentiert, um die sogenannten Flexitarier anzusprechen, die weniger tierische Proteine essen wollen. Die Drive-in-Restaurantkette Sonic verkaufte in der Vergangenheit einen Burger mit einer Mischung aus Pilzen und Rindfleisch, den sie als gesündere Option anpries.
Innovation dezentralisiert
Während die Lebensmittelwissenschaft und -technologie für Nestle eine zentrale Aufgabe bleibt, ist die Innovation dezentralisiert, sagte Palzer. Er äusserte sich in Santiago de Chile, wo das Unternehmen ein neues Zentrum zur Entwicklung von Lebensmitteln für die Bedürfnisse der Verbraucher in der Region einweihte.
Er sieht auch in Lateinamerika, wo der Fleischkonsum nach wie vor hoch ist, ein grosses Potenzial für pflanzliche Proteine. Die Beweggründe für die Hinwendung zu tierischen Ersatzprodukten sind von Region zu Region unterschiedlich. Im Vereinigten Königreich und in Deutschland ist beispielsweise der Tierschutz ein wichtiger Faktor, während es in Lateinamerika eher um die Gesundheit und dann um die Nachhaltigkeit geht, sagte er.
In den USA ist der von Beyond Meat hergestellte Fleischersatz-Burger der McDonald’s über einen begrenzten Test nicht hinausgekommen. Unterdessen hat die Kette den Pflanzenprotein-Burger auf das gesamte Vereinigte Königreich und Irland ausgeweitet. Palzer sagte, es sei unvermeidlich, dass sich pflanzliche Produkte durchsetzen werden.
"Daran führt kein Weg vorbei, denn wir können nicht mehr die gleiche Menge an Fleisch, Fisch und Huhn konsumieren wie heute", sagte er. "Also muss sich die pflanzliche Ernährung durchsetzen, weil es einfach nicht genug tierisches Eiweiss gibt."
(Bloomberg)