Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03348.jsonl.gz/2420

Schweizer Kuh mit internationalem Ruf
Folge 1/12. Dieses Jahr feiert Braunvieh Schweiz sein 125. Verbandsjubiläum. Eine gute Gelegenheit, in den Archiven zu stöbern und einen Blick in die Geschichtsbücher zu werfen. In den nächsten zwölf Monaten werden wir Beiträge jeder Dekade von der Gründung bis heute publizieren und einen Blick in die Zukunft werfen.
125 Jahre sind es nun her, seit Braunvieh Schweiz am 7. Februar 1897 im Restaurant Du Nord in Zürich gegründet worden ist. Damals beschlossen die 170 Abgeordneten aus 83 von den 118 bestehenden Zuchtgenossenschaften, sich zum «Verband schweizerischer Braunviehzucht-Genossenschaften » zusammenzuschliessen. Aber wie genau kam es dazu?
Die «graue» Vorzeit
Neben der klar ausgerichteten Zucht auf den grossen Klostergütern Einsiedeln SZ, Engelberg OW und Muri AG sowie ihrer Umgebung blieb die breite Zucht in den kleinbäuerlichen Betrieben mehr oder weniger sich selbst überlassen. Es entstanden verschiedene Schläge (Züchtungen), geprägt von unterschiedlichen Faktoren, bei denen der Einfluss der Natur ein Übergewicht hatte.
Ab dem 19. Jahrhundert begannen Kantone und später auch der Bund, mit wirtschaftlichen Massnahmen zur Förderung der Viehzucht beizutragen. Der Regierungsrat im Kanton Schwyz gab schon im Jahre 1857 eine Empfehlung zur Errichtung von Herdebüchern heraus. Zwölf Jahre später erliess der Kantonsrat den ersten offiziellen Rassenstandard fürs Schwyzer Vieh.
Erfolge an internationalen Ausstellungen in Paris und London brachten internationale Anerkennung für die Braunviehrasse. Die Aufsplitterung in eine Vielzahl von lokalen Schlägen konnte nicht mehr aufrechterhalten werden. Ab 1880 gab es deswegen offiziell nur noch einen «Schlag»: Das «Schweizerische Braunvieh». Gleichzeitig wurde das erste «Verzeichnis edler Thiere der Braunviehrasse» mit 783 Tieren in Druck gegeben.
Als Schutz gegen Einkreuzung mit «Kühlein geringer Gattung» aus dem Ausland entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ersten Zuchtgenossenschaften. Wegen des fehlenden Interesses der Milchviehhalter an einem Rassenstandard drifteten die Milchviehhalter und die Züchter auseinander. Die Weiterentwicklung der Rasse kam allein den Züchtern zu. Eine Aufgabe, welche sich nur im Schulterschluss mit Gleichgesinnten lösen liess. Nach der Gründung der ersten Zuchtgenossenschaft Dürnten im Zürcher Oberland (1887) stieg die Zahl, auch durch die Förderung der Eidgenossenschaft, kontinuierlich an.
Verbandsgründung im Jahr 1897
An der ersten Versammlung wurden die Statuten einstimmig genehmigt. Neben den drei Schwerpunkten
- Festsetzung eines klar vorgeschriebenen Zuchtziels
- Einheitliche Beurteilungsbestimmungen, Kontrolle der Abstammungsbelege und der Zuchtbücher
- Erleichterung der Zuchtstierbeschaffung
wurden auch Propaganda im In- und Ausland sowie Beeinflussung der Gesetzgebung genannt. Gemäss den gültigen Statuten hat sich, trotz Veränderung und Verschiebung der Schwerpunkte, nichts geändert. Auch heute soll Braunvieh Schweiz die Braunviehzucht fördern und ihre Interessen im In- und Ausland wahren.
Anlässlich der Versammlung erklärten 58 Genossenschaften ihren definitiven Beitritt. Schliesslich startete der junge «Verband schweizerischer Braunviehzucht-Genossenschaften» mit 82 Mitgliedern. Im ersten Mitgliederverzeichnis von1898 konnten 88 Genossenschaften mit 2552 Züchtern und 5246 Zuchtbuchtieren aufgeführt werden. Zehn Jahre später verdoppelte sich die Zahl auf 163 Genossenschaften mit 5004 Mitgliedern und 15 966 Herdebuchtieren. St. Gallen, Zürich und Luzern waren die wichtigsten Braunviehzuchtkantone.
Die Geschäftsstelle hatte ihren Sitz in Bünzen AG und wurde 1910 nach Luzern verlegt. Heinrich Abt leitete den Verband von 1897 - 1913 als erster Geschäftsführer. Dr. med. vet. Peter Knüsel stand ihm als 1. Präsident von 1897 – 1942 während insgesamt 45 Jahren vor und wurde anschliessend zum ersten Ehrenpräsidenten gewählt.
Die Vereinheitlichung der Rasse
In den Ställen der Züchter befanden sich noch eine Vielfalt von Schlägen. Zum Teil mit sehr unterschiedlichen Merkmalen, aber auch mit gemeinsamen Eigenschaften wie Anpassungsfähigkeit, Langlebigkeit und einer ausgesprochenen Leistungsfähigkeit.
Die erste Zielsetzung der Zuchtleitung war: «Eine möglichst rasche Vereinheitlichung der Exterieurmerkmale zu einem einheitlichen braunen Rassetyp unter Beibehaltung der über alle Schläge ausgewiesenen und erblich verankerten Voraussetzungen für eine dauerhafte wirtschaftliche Nutzung». Die Einheitlichkeit der Farbe blieb der erste Gradmesser für die Konstanz der Rasse. Eigenschaften wie weisse Klauen, gelbe Hornspitzen, Kupferflecken auf dem Nasenspiegel usw. wurden als Fehler eingestuft.
In dieser Zeit kamen auch erste Gedanken zur Prüfung der Milchleistung auf. 1899 wurde die freiwillige Milchleistungsprüfung für Stierenmütter aufgenommen. Ab 1902 erfolgte die Erhebung in ganzen Beständen. Bei 21% aller kontrollierten Kühe lag die Leistung zwischen 4000 und 5000 kg Milch. Drei Jahre später wurden diese Vorhaben wieder abgebrochen. Es brauchte nochmals 20 Jahre, bis der Gedanke einer Milchleistungsprüfung wieder aktuell wurde.
Mit der Einführung des Abstammungsausweises, der Herausgabe von Stammzuchtbüchern und dem durchschlagenden Typvererber machte die Vereinheitlichung des Exterieurs rasche Fortschritte. Die zweite Phase der Vereinheitlichung, die Festigung des Typs, konnte 1913 begonnen werden. Auf der damaligen Beurteilungskarte wurden die Positionen von 23 auf 18 reduziert, dafür mit exakt zu erhebenden Körpermassen.