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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Fünftes Buch
15. Derjenige, den Hagar in der Erscheinung eines Engels als Gott angesprochen hat, den hat Abraham in Menschengestalt angebetet.
Doch es soll damit, daß der Engel Gottes als Gott bezeichnet wird, vielleicht mehr die Bezeichnung als Kindschaftsannahme huldvoll gegeben werden, und es soll ihm mehr die Bezeichnung als wahre Wirklichkeit eines Gottes eignen. Wenn er allzuwenig sein Wesen als Gott bekundet hat, als er Engel Gottes genannt wurde, so versuche zu erkennen, ob er in der Bezeichnung eines Wesens, das noch unterhalb des Engels steht, von sich aus seine wirkliche Wahrheit als Gott dargeboten habe. Denn zu Abraham hat ein Mensch gesprochen, aber Abraham hat einen Gott angebetet. Du giftgeschwollener Irrlehrer, Abraham hat als Gott denjenigen verehrt, dem du die Gottheit bestreitest. Was für Segensversprechungen an Abraham erwartest du denn noch ehrfurchtsloser Weise? Für dich ist er nicht, wie er es [S. 233] (für Abraham) ist, Vater von Völkern; und du gehst nicht durch den Segen seines Glaubens aus der Wiedergeburt hervor zu einer Familie seiner Nachkommenschaft. Du wirst nicht aus den Steinen als Sohn Abrahams erweckt,1 sondern in deiner Feindschaft gegen seine Lehre stehst du da als Schlangengezücht. Du bist nicht der Israel Gottes, nicht der Abkömmling Abrahams, nicht gerechtfertigt aus dem Glauben:2 denn Gott hast du nicht geglaubt. Denn durch denjenigen Glauben wurde er gerechtfertigt und als Vater für Völker bestellt, durch den er Gott anbetete, dem er seinen Glauben geschenkt hatte. Denn Anbetung hat jener selige und gläubige Erzvater Gott geweiht.3 Und nimm (auch du) als wahren Gott an, dem, wie er selbst sagt, kein Wort unausführbar ist.4 Oder ist es etwa nicht so, daß nur für Gott jedes Wort ausführbar ist? Oder ich frage, was demjenigen daran fehle, wahrer Gott zu sein, dem jedes Wort ausführbar ist.
1: Matth. 3, 9.
2: Vgl. Röm. 4, 3.
3: Gen. 18, 2.
4: Gen. 18, 14; Luk. 1, 37.