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Sind begrünte Hochhäuser nachhaltig?
Als Grundlage für Nachhaltigkeit sollten die drei Dimensionen "Gesellschaft", "Wirtschaft" und "Ökologie" stehen. Diese sollten so geplant werden, dass ein Kompromiss anfällt, welcher alle drei Dimensionen gleich berücksichtigt. Dies wird schnell sehr komplex. Folgend wird basierend auf dem Standard nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) versucht aufzuzeigen, ob ein Hochhaus nachhaltig geplant werden kann oder nicht. Natürlich spielen sehr viele Inikatoren zusammen und würden die Thematik unübersichtlich gestalten. Diese wurden in diesem Artikel zur Vereinfachung nicht erwähnt oder generalisiert beschrieben.
Gesellschaft
Soziale Kontakte, Förderung der Diversität, hindernisfreies Bauen, altersgerechtes Bauen, halböffentliche Aussenräume, Begegnungen, Privatsphäre, Sicherheit, Individualisierung und viel Weiteres sind Schlagworte, welche die soziale Nachhaltigkeit definieren.
Würden all diese Massnahmen umgesetzt, wäre das Hochhaus nicht mehr bezahlbar. Denn es müsste etwa in jedem dritten bis vierten Stock halböffentliche Bereiche (Innen- und Aussenräume) geben, welche attraktiv gestalten sind und dementsprechend genutzt werden können. Dies ist massgebend, da Bewohnende weniger nach draussen gehen, je weiter oben sie wohnen. Ausser: ihnen wird der genannte gemeinsame Aussenraum mit einer attraktiven Bespielung (wie z.B. einem Restaurant, Gemeinschaftsraum oder einer Bar) in kurz erreichbarer Distanz zur Verfügung gestellt. Gehen die Bewohnenden weniger nach draussen, so findett natürlich der soziale Kontakt nicht statt.
Auch die Eingänge müssten mehr Platz für eine Personalisierung erlauben (dies beisst sich dann aber mit den Brandschutzanforderungen): Oft werden Hochhäuser so konzipiert, dass das Treppenhaus nicht gerade dazu verleitet, sich begegnen oder länger als nötig aufhalten zu wollen. Alle kennen es: Es ist eng, anonym, unwohnlich, hat kein natürliches Licht und ist voller kalter Materialien ausgekleidet. Eine Begegnung möchte in so einer Atmosphäre gerne vermieden werden.
Der Lift wird auch oft direkt ins Untergeschoss geführt, wo das private Auto darauf wartet genutzt zu werden. Dies führt dazu, dass sich Personen kaum mehr begegnen, da sie sich nur noch von einen privaten Raum zum nächsten anonymen Raum (z. B. Bus, Auto) bewegen.
Natürlich könnte alles so geplant und umgesetzt werden, dass oben genannte Probleme gelöst sind. Leider findet sich wohl kein Investor dafür, alle Massnahmen gerecht und finanziell tragbar umzusetzen.
Ökologie
Hochhäuser benötigen aus statischer Begründung ein riesen Fundament und eine Tragstruktur, welche zu einem enormen Ressourcenverbrauch führen; ein Aushub eines Keller-Hochhauses führt oft mehrere Geschosse unter Tage und verschlingen ungeheure Mengen an Zement und Stahl. Beide Materialien sind nicht gerade für ihre guten Ökobilanzen bekannt.
Wie sieht's mit Holzhochhäusern aus? Tendenziell ist dies sicher die ökologischere Variante. Nachhaltig ist es leider noch immer nicht. Es gibt zwei Gründe dafür: Die Höhe und die exponierte Lage in der Höhe (in der Schweiz zumindest). Auch dem Holzhochhaus werden Höhe und Exponiertheit zum Verhängnis.
Höhe: Die Höhe hat zur Folge, dass Wasser, Dienstleistungen, Service/Unterhalt etc. in die oberen Stockwerke geführt werden müssen. Der Brandschutz ist für Hochhäuser enorm aufwändig und verursacht ebenfalls hohe Kosten. Gleichzeitig steigen die Energieverbräuche, da nicht selten Pumpstationen auf mehreren Ebenen eingebaut werden müssen, damit das Wasser in den obersten Stock gelangen kann, auch Löschwasser.
Exponierte Lage: Vielfach müssen glasverkleidete Hochhäuser nicht nur beheizt, sondern auch stark gekühlt werden. Grund dafür ist, dass die Exponiertheit das Haus weniger verschatten lässt. Dies lässt den Energieverbrauch in die Höhe schnellen. Leider müssen auch Vögel unter den Glasfassaden leiden: Jährlich sterben abertausende wenn nicht Millionen von Vögel durch die reflektierenden Glasflächen von Hochhäusern.
Kann das Gebäude nicht mit Bäumen gekühlt werden, so wie der Bosco Verticale in Milano?
Doch, das geht. Die Ökobilanz ist aber nicht so einfach: Sicherlich werden Wohnräume für Vögel und Insekten geschaffen, und das Stadtklima profitiert auch durch die zusätzliche Begrünung. Die Erstellung eines solchen Hochhauses stellt aber neue Herausforderungen. Damit das immense Gewicht der Pflanzen gehalten werden kann, muss auch hierfür extrem viel Zement und Stahl verbaut werden. Dies verursacht natürlich Kosten und Treibhausgase. Auch die Bewässerung und der Unterhalt der Pflanzen ist sehr aufwändig. Durch solch hohe Nebenkosten werden die sozialen Aspekte geschwächt, denn finanzschwächere Personen können sich kaum eine Wohnung in solch einem Gebäude leisten.
Wirtschaft
Die Höhe des Hochhauses hat zur Folge, dass die Erdbeben- und Windfestigkeit wie auch der Brandschutz erhöhte Anforderungen erfüllen muss. Selbstverständlich ist dies ein Kostentreiber bei der Erstellung des Gebäudes.
Die Kosten, welche regelmässig über die Jahre, oder unregelmässig über Dekaden anfallen, sind enorm: Fassadenreinigung und Baumpflege per Sky-Worker, Fällen der Bäume mit Helikoptern, Sanieren der aufwändig gestalteten Fassaden mit komplexen Anschlüsse und vieles mehr. Nicht selten wird ein Hochhaus nach einer gewissen Zeitdauer gesprengt, anstelle es zu sanieren. Die Kosten für eine umfassende Sanierung ist bei solchen Höhen regelmässig zu teuer. Dafür wäre der Beton hunderte von Jahren nutzbar.
Fazit
Ein nachhaltiges Gebäude erlaubt den Bewohnenden, sich zu begegnen, aber auch eine gewisse Privatsphäre zu haben. Es benötigt keine aussergewöhnlichen baulichen Massnahmen und Aufwendungen im Unterhalt. Das heisst, das nachhaltige Gebäude ist zusammengefasst max. 30m hoch und es kann dennoch begrünt werden! Es gibt Pflanzen, die vom Boden her bis 30m in die Höhe ranken können (z. B. Blauregen, Wisteria sinensis).
Hochhäuser sind eine Gegenreaktion zu den undicht zersiedelten Einfamilienhausregionen. Betrachtet man das Schweizer Mittelland oder die Vororte New Yorks (oder anderer Grossstädte) so ist eine sehr undicht besiedelte Struktur um die dichten Zentren vorzufinden. Das heisst, dass viel Fläche für wenige Bewohnende im Umfeld der Zentren verwendet wird, und die Zentren werden immer dichter und höher. Die fehlende Fläche in den Stadtzentren mittels Hochhäusern zu kompensieren ist keine nachhaltige Lösung. Es wäre besser, auch in den Vororten und Agglomerationen dichter (und allenfalls etwas höher) zu bauen, sodass die Dichte sich gleichmässig über alles verteilen würde.