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Regie: Irwin Winkler und Rob Cowan Produktion: Irwin Winkler Drehbuch: John Brancato & Michael Ferris Kamera: Jack N. Green Schnitt: Richard Halsey Musik: Mark Isham Sound: SDDS Aspect Ratio: 1:1.85Das Bild des Internet-Enthusiasten in den klassischen Medien ist stark verzerrt. Sensationslüsterne, übereifrige Schreiberlinge sogenannter Nachrichtenmagazine lassen keine Gelegenheit aus, das Internet als Tummelfeld allerlei zwielichtiger Gestalten darzustellen und charakterisieren den typischen Benutzer als geifernden Perversen, der gierig mit den Kulleraugen seines Schweinekopfes in die Röhre starrt.
Angesichts des grossen Medieninteresses erstaunt es deshalb nicht, dass Hollywood das Internet thematisiert. Viel bemerkenswerter ist jedoch die Tatsache, dass die Hauptrolle ausgerechnet von einer Schauspielerin verkörpert wird, die gegenwärtig auf einer regelrechten Sympathiewelle reitet.
Sandra Bullock ("Speed", "While You Were Sleeping") spielt die freischaffende Informatikern Angela Bennett, die ihren Beruf zuhause ausübt und sich, abgesehen von gelegentlichen Besuchen bei ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter, von ihrer natürlichen Umwelt ziemlich stark abschottet. Ihre Kommunikation erledigt sie fast ausschlisslich mittels elektronischer Medien. Nur der UPS-Mann oder der Pizza-Heimservice klingeln ab und zu an ihrer Haustüre um die per WWW bestellten Waren abzuliefern.
Unbeabsichtigt kommt sie in den Besitz des Prototypen eines Programms, das über Internet den Zugang zu Firewall-geschützten Rechenzentren, unter anderem auch denjenigen amerikanischer Regierungsstellen ermöglicht. Hinter dem Programm steht eine mysteriöse politische Organisation, deren Führer der mächtige Multimillionär Jeff Gregg ist. Gregg ist zugleich Besitzer einer riesigen Softwarefirma, die die Firewall-Software "Gatekeeper" herstellt, die offensichtlich über eine Hintertüre verfügt. Durch seine Quasi-Monopolstellung erreicht Gregg, dass "Gatekeeper" auf unzähligen Rechnern eingesetzt wird.
Gregg und sein Handlanger, der undurchsichtige Brite Jack Devlin (Jeremy Northam), setzen alles daran, wieder in den Besitz der Diskette mit dem Hackprogramm zu kommen. Die zurückgezogene Lebensweise von Angela und die "elektronische Spur", die sie hinterlassen hat, machen es den Verbrechern leicht, sie in ihren langersehnten Ferien aufzuspüren. Ihrer Identität beraubt, wird Angela zur Gejagten.
Die Ausgangslage von "The Net" ist interessant und innovativ. Regisseur Irwin Winkler ("Guilty by Suspicion", "Night and the City") inszeniert im besten Sinne nach klassischer Manier ohne modischen Schnickschnack, von dem man spätestens seit "Batman Forever" genug hat. Was in dem Film an elektronischen Kommunikationsmitteln gezeigt wird ist realistisch und der Plot is plausibel. Doch das Potential wird nicht voll ausgeschöpft. Gegen Ende versandet der Film in der üblichen Verfolgungsjagd mit den traditionellen Zutaten, wie Schiessereien, quietschenden Autoreifen, falschen Polizisten und düpierten Bösewichten.
Fast gefährlich wirklichkeitsnah ist hingegen die Porträtierung des Oberbösewichts Jeff Gregg, der nicht nur vom Namen her von Bill Gates inspieriert sein könnte. "The Net" verdeutlicht die Gefahr, die von der Quasi-Monopolstellung eines einzigen Software-Herstellers ausgehen kann. Wie die Gerüchte um einen Spionage-Mechanismus in Windows 95 im Zusammenhang mit dem Microsoft Network zeigen, ist das Bewusstsein um diese Gefahr nötiger denn je. Im Lichte dieser Tatsachen bekommt "The Net" fast prophetische Züge.
Bewertung: ***1/2