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Das Nördliche Eismeer ist das kleinste der selbständigen Meeresbecken und wird zu einem Flächeninhalt von 15,292,411
qkm (277,726 QM.) berechnet. Im allgemeinen sind die Tiefen desselben nur gering. Die nordischen
Tiefebenen setzen sich unter Wasser weiter fort. Östlich von Spitzbergen sind kaum Tiefen über 500 m
vorhanden. Zwischen Spitzbergen und Grönland aber befindet sich ein tiefes Becken, die Eismeertiefe, welche in einem großen
Teil Tiefen über 3000 m aufweist, und in deren nördlichem Teil sogar Stellen von 4600 und 4800 m gefunden worden
sind.
Über den Verlauf dieser tiefen Rinne nördlich von 80° wissen wir nichts. Ebenso bildet die Davisstraße einen tiefen Fjord,
noch in der Baffinsbai sind Tiefen von 1880 m gelotet. Selbst in der wärmern Jahreszeit treiben aus den Polargegenden gegen
S. Eismassen von kolossaler Ausdehnung
[* 8] und oft höchst merkwürdiger Gestalt: schwimmende Eisinseln, die
zum Teil auf dem Meer selbst, an seinen Küsten und in seinen Buchten, zum Teil in den Flüssen entstanden sind oder endlich
von den Gletschern der Landbezirke stammen (Eisberge und Gletschereisblöcke).
Diese Eismassen folgen im allgemeinen der sogen. Polarströmung; ihre Erstreckungsgrenzen sind
je nach den Jahreszeiten
[* 9] und einzelnen Jahren verschieden. Am weitesten nach S. reichen dieselben im Frühjahr.
An Stellen, wo das Eis
[* 10] dicht zusammengedrängt auftritt, macht es die Schiffahrt ganz unmöglich, an andern sind auch die stärksten
Schiffe,
[* 11] wenn sie sich zwischen die Treibeisschollen wagen, der Gefahr des Zerdrücktwerdens ausgesetzt. Neben diesen starren
Massen schwimmt als das Produkt einer mildern Zone Treibholz, welches nirgends sonst in solcher Menge angetroffen
wird.
Auf dem Eis dieses Meers erreichte sein Begleiter Markham die höchste bis jetzt verzeichnete Polarbreite von 83° 20' 26''.
Mittlerweile gaben die Untersuchungen im Nordatlantischen Ozean (seit 1860) in Verbindung mit den wissenschaftlichen
Spitzbergen Expeditionen der Schweden
[* 17] (seit 1858) Veranlassung zu einer wissenschaftlich-systematischen Erforschung der Eismeere,
zunächst des europäischen Anteils, deren Hauptverdienst den Norwegern Mohn und Wille zufällt (1876-78), und welche uns über
die Tiefenverhältnisse dieser Meere, das spezifische Gewicht und die chemische Zusammensetzung des Seewassers, den Meeresboden
und das Tierleben, die Temperaturzustände und die Meereszirkulation umfassende Aufschlüsse geliefert
hat. In erster Linie betrifft diese Forschungsarbeit das Gebiet des Warmwasserzugs, dem man, da sein Anfang mit dem amerikanischen
Golfstrom zusammenfällt, bis zu seinen äußersten nördlichen Zweigen den Namen dieser Strömung beilegt, der aber zutreffender
als atlantischer Zufuhrstrom bezeichnet werden könnte. Er befreit das Nördliche Eismeer durch seine mechanische
Wirkung und die mitgeführte Wärme
[* 18] weithin vom Eis und sendet seine Verzweigungen bis in die Baffinsbai, nach Nordspitzbergen
und in das Meer zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja.
Im N. des europäisch-asiatischen Kontinents finden sich überall die Strömungen in Übereinstimmung mit dem Gesetz der Rechtsablenkung
durch die Rotationswirkung der Erde. An den Nordküsten sind die Strömungen durchweg nach O. gerichtet. Sie führen von S.
herkommendes und daher warmes Wasser aus dem Atlantischen Ozean und den sibirischen Flüssen und halten
die Kontinentalküste während des Sommers eisfrei. Dieselbe Anlehnung an die rechtsseitige Küste weist der Nordstrom an den
Westküsten von Spitzbergen und Nowaja Semlja, der Südstrom an den Ostküsten dieser selben Inseln aus. Auch im N. der Beringsstraße
wendet sich die dem Lauf der Küste folgende Strömung rechts nach KapBarrow zu. Vgl. Nordpolarländer.
Das Südliche Eismeer oder AntarktischePolarmeer hat keine Landgrenze wie das Nördliche, sondern hängt mit den südlichen Hälften
des Atlantischen, Indischen und StillenOzeans in offener Wasserverbindung zusammen. Das Areal dieses Meers läßt sich nur schätzungsweise
auf etwa 352,000 QM. angeben, da man nicht weiß, wieviel Land um den Südpol gelagert ist. Denn einer
Erforschung dieser Regionen stellen sich noch größere Schwierigkeiten entgegen als im N., da hier Eisfelder und Eismassen
ein noch ausgedehnteres Gebiet haben. So reicht die nördlichste Grenze des Treibeises südlich von Afrika
[* 20] bis
über den 45° nach N. hinüber.
Die große Menge ausgedehnter Eisberge, welche nach N., namentlich in den Atlantischen Ozean, gelangen, macht aber das Vorhandensein
eines großen antarktischen Landes sehr wahrscheinlich. Die wichtigste Expedition in diese Region ist die des englischen KapitänsRoß 1839-1843, der bis jetzt am weitesten gegen den Südpol vorgedrungen ist (bis 78° 11'). Die Namen
seiner Schiffe, Erebus und Terror, übertrug man auf feuerspeiende Berge des dort entdeckten und gegenwärtig als antarktischer
Kontinent angesehenen Victorialandes.
Weiterm Vordringen stellte sich eine kolossale Eismauer von 65-70 m Höhe entgegen, die fest zusammenhängend Hunderte von
englischen Meilen sich hinzog. Soweit Beobachtungen vorliegen, ist das Südliche Eismeer flach. Die Lotungen
von Roß erreichen meist nur Tiefen von weniger als 900 m, auch die im südlichen IndischenOzean gefundenen mäßigen Tiefen
deuten auf eine allmähliche Erhebung des Meeresbodens nach dem Südpol hin. Die Strömungen des Südlichen Eismeers werden
im allgemeinen aus den direkten Strombeobachtungen ostwärts und nordwärts gefunden.
Dagegen hat man aus dem Verlauf der Treibeisgrenze den Schluß gezogen, daß südlich von der Kergueleninsel, südlich von
Neufundland und südwestlich vom KapHorn warme Strömungen in das Südliche Eismeer hineinfließen. Während nämlich die Treibeisgrenze
im Südatlantischen Ozean bis in etwa 40°, im IndischenOzean zwischen 40 und 50°, im StillenOzean auf
50° südl. Br. zu setzen ist, weicht sie im SW. vom KapHorn auf 57° und an den beiden andern bezeichneten Stellen auf etwa
61° zurück (vgl. Neumayer, Die Erforschung des Südpolargebiets, Berl. 1872). Über die Eisverhältnisse der
Polargegenden s. Polareis.