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Gesellschaft
1967: Geburt der Popkultur
"It was 20 years ago...", lautet die erste Songzeile des Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Songs des gleichnamigen legendären Beatles Albums, das vor inzwischen schon einem halben Jahrhundert (Ja: 50 Jahre!) erschien. Die Beatles verabschiedeten sich damals nicht nur als Live-Band (Paul: "Soll doch das Album touren!"), sondern bald auch als Band, denn John Lennon hatte Yoko Ono schon im November 1966 kennengelernt und das war nur der Anfang des Endes. Dafür machten die Beatles einer Menge anderer Bands Platz, um die sich dann im Anschluss des magischen Jahres 1967 die Popwelt drehen sollte. Aber auch heute noch verbuchen die damaligen "Helden" Rekordpreise: chartattack.com titelte am 20.1.2016, dass sich Katalogalben im Jahr zuvor besser verkauft hatten als aktuelle (unter 18 Monate alte). Wir leben im Zeitalter der Reproduktion und der Heiligenschreine: unlängst wurde das Londoner Apartment von Jimi Hendrix für drei Millionen Euro restauriert und dem Publikum zum Eintrittspreis von 7.50 € zugänglich gemacht: So viel hatte ein Drei-Tages-Pass für Monterey damals auch gekostet.
Summer of Love
1967 war nicht nur das Albumdebüt von Jimi Hendrix und sein phänomenaler Auftritt beim Monterey Pop Festival, sondern auch Farbfernsehen, interkontinentale Live-Übertragungen, Hochhuths Stellvertreter und das Ende des Single-Formats. Wie der Autor, damals zehn Jahre alt, öfters betont, war nämlich erst jetzt das Interesse am Album-Format erwacht, ein Phänomen, auf das man heute wieder warten könnte, da die Kids ja nur mp3-Songs kennen, aber keine Konzept-Alben. Überhaupt scheint Zeit ohnehin keine Kategorie mehr zu sein. Die "might-have-beens" lebten 1967 ihren Traum im "summer of love", der eigentlich eine Protestveranstaltung gegen das 1966 erlassene LSD-Verbot gewesen war. Während 1967 noch Hoffnung auf die Machbarkeit verkörperte, hätte 1968 das Imperium zurückgeschlagen und trotz massenhaften und weltweiten Protests auch gewonnen - so der Autor.
1967: Sieg der Popkultur
Aber Mitte der Sechziger konnte das Free Speech Movement und eine Bewegung gegen das HUANC - ein Relikt aus den Fünfzigern - für eine breite Massenmobilisierung sorgen und LSD legal konsumiert werden. Bill Ham sorgte schon 1964 mit seinen Liquid Lights Performances für die richtige Stimmung auf den "Haight"-Konzerten, denn seine Projektionen waren wie "Action-Painting ohne Action", eine passende Ergänzung zum wabernden Sound des sog. Psychodelic Rock. Das Viertel Haight/Ashbury in San Francisco war längst zum Anziehungspunkt von Hipsters aus den ganzen USA geworden. Inspiriert seien die Plakate der Konzertankündigungen übrigens von einem österreichischen Jugendstil-Maler namens Alfred Roll gewesen: sein flächendeckender Schriftstil passte perfekt zu den Liquid Lights und dem Sound einer ganzen Generation, damals u. a. auf der Haight gesichtet: Peter Coyote und Rudolf Nurejew.
1967: Besargung des Hippies
1 Jahr nach dem offiziellen LSD-Verbot, am 6. Oktober 1967, wurde der "Hippie" übrigens von den sog. "Diggers" bereits wieder zu Grabe getragen: schon damals wehrte man sich gegen Kommerzialisierung und den Konsum(er)ismus des Kapitals - vergebens, wie man heute - 50 Jahre später - hinzufügen möchte: "The Revolution is sexy, it sounds groovy and it sells!" hieß es damals schon, oder wie es der damalige Rolling Stone ausdrückte: "Worte sind zu Labels geworden, Ideale zu Slogans und Kunst zu Werbung" . Ohne die Hippiebewegung und dem "kollektivistischen Individualismus" der Sechziger hätte der Kapitalismus wohl nicht seinen entscheidenden Turbo Booster bekommen, der ihm sein weiteres Überleben bis ins 21. Jahrhundert sicherte.
Ernst Hofacker erzählt eine glaubwürdige Geschichte über das Jahr 1967 in dem nicht nur schwarze Musiker wie James Brown ihren Durchbruch hatten, sondern auch Muhammed Ali laut verkündete: "I'm Black and I'm Proud". Der Autor vergisst auch nicht die Kehrseite - etwa Bands wie Velvet Underground - zu porträtieren und stellt insgesamt ein detailreiches und einprägsames Bild einer mitreißenden Epoche zur Schau. Mit Bob Dylan, The Who, den Beatles u.v.a.m.