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Weg-Wort vom 18. Mai 2020
Leute gehen demonstrieren, weil sie meinen, dass Freiheit und Demokratie in unserem Land in Gefahr sind. Sie berufen sich dabei auf Freiheitsrechte, die in der Bundesverfassung festgehalten sind, wie etwa die Versammlungsfreiheit oder das Recht, sich frei bewegen zu können.
In der Liste der momentan teilweise ausgesetzten Freiheitsrechte wird auch die Religionsfreiheit aufgeführt. Ich sehe die Religionsfreiheit nicht in Gefahr. Wir können unseren Glauben lediglich in mancher Hinsicht gerade nicht so leben, wie wir es gewohnt sind. Aber wir leben nicht in einem totalitären Staat, der aus Angst vor Machtverlust den Bürgerinnen und Bürgern vorschreiben will, was sie zu glauben haben.
Der Umgang mit Freiheitsrechten ist kompliziert. Sobald ein einzelnes Recht zu stark gewichtet wird, besteht die Gefahr, dass ein anderes entwertet wird. Meinungsfreiheit darf nur gewährt werden, so lange andere nicht in ihrem Recht auf Leben eingeschränkt werden. Versammlungs- und Bewegungsfreiheit muss begrenzt werden, wenn dadurch die Unversehrtheit von Menschen auf dem Spiel steht.
Martin Luther hat in seiner Schrift «Von der Freiheit eines Christenmenschen» die Grenzen der Freiheit beschrieben, indem er zwei Sätze nebeneinanderstellt, die sich widersprechen:
«Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan.» Und:
«Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.»
Meine Freiheit ist nur dann vollkommen, wenn ich die Rechte und Bedürfnisse anderer Menschen mitberücksichtige.