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Karl Jaberg
Karl Jaberg wurde in Langenthal als Sohn eines Lehrers geboren. Nach der Matur am Burgdorfer Gymnasium beginnt er 1895 sein Studium am Romanischen Seminar der Universität Bern, das 1881 von Heinrich Morf gegründet worden war. Hier studiert er bei Emile Freymond, unter dessen Leitung seine semasiologisch orientierte Dissertation über die Pejorative Bedeutungsentwicklung im Französischen (Halle 1901) entstehen wird.
Während eines Studienjahres in Paris 1900/01 besucht Jaberg u.a. Vorlesungen bei Gaston Paris, Ferdinand Brunot und Jules Gilliéron. Die Begegnung mit letzterem bezeichnet er als «die persönlichste und entscheidendste wissenschaftliche Begegnung meines Lebens» (Jaberg).
Aus Paris zurückgekehrt, übernimmt Jaberg eine Stelle als Lehrer an der Aargauischen Kantonsschule in Aarau, 1906/07 an der Höheren Töchterschule in Zürich. Gleichzeitig habilitiert er sich Über die assoziativen Erscheinungen in der Verbalflexion einer südostfranzösischen Dialektgruppe (Aarau 1906), eine Arbeit, die seine «erste Frucht persönlicher Mundartaufnahmen» (Scheuermeier) darstellt. 1907 - im Alter von nur 30 Jahren - wird er ausserordentlicher Professor, zwei Jahre später ordentlicher Professor für romanische Philologie, italienische Sprache und Literatur in Bern. Dieses Amt wird er fast 40 Jahre lang, bis 1945, innehaben.
Von 1908 an folgen fast jährlich Dialektreisen und Ferienaufenthalt im Piemont und in den Kantonen Tessin und Graubünden. 1910 arbeiten Jaberg und Jakob Jud im Tessiner Bedrettotal erstmals zusammen. In den Jahren bis zum Weltkrieg machen sie hier zahlreiche Probeaufnahmen, die «mit dem Forschungsgebiet vertraut machen und uns die Aufstellung eines den besonderen kulturellen und sprachlichen Verhältnissen angepassten Frageschemas ernöglichen» (Jaberg). Auf diesen Dialektreisen entstand somit das Fragebuch des AIS.
Karl Jabergs wissenschaftliches Werk zeichnet sich neben zahlreichen auf spezielle Einzelprobleme verweisende Titel durch das Bemühen zur Klärung grundsätzlicher sprachwissenschaftlicher Probleme aus.
Das Hauptwerk seines wissenschaftlichen Schaffens ist zweifelsohne jedoch der in Zusammenarbeit mit Jakob Jud entstandene AIS:
Der Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz ist für Jaberg und für Jud das grosse Lebenswerk geworden, das alle anderen Arbeiten weit überragt und beiden Weltruf verschafft hat. Mit ihm wurden beide zu wissenschaftlichen Unternehmern, die mit ihrem Wagemut, ihrer Opferbereitschaft und zugleich mit ihrem praktischen Sinn durch Jahrzehnte hindurch Hindernisse zu überweinden hatten, von denen sich der Laie keine Vorstellung machen kann (P. Scheuermeier, «Karl Jaberg und sein Werk», in: Der kleine Bund, 19.8.1945, S. 207)
Nach Jabergs Tod 1958 geht seine Bibliothek sowie die soweit erhaltene wissenschaftliche Korrespondenz an das Romanische Seminar der Universität Bern über. 1961 wurde hier die mit dem Romanischen Seminar eng liierte und bis heute so genannte Karl Jaberg-Bibliothek gegründet.
(Biographische Angaben nach: Karin Rautmann, Die Entstehung des «Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz» AIS. Einblick in einen Forschungsprozess, Magisterarbeit, Universität Hamburg, 1993)