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Vorgeschichte
Schon kurz nach der Geburt hat das 130 Gramm schwere Tier ein Augenproblem auf der rechten Seite entwickelt. Das Auge wird zugekniffen und tränt vermehrt.
Schon kurz nach der Geburt hat das 130 Gramm schwere Tier ein Augenproblem auf der rechten Seite entwickelt. Das Auge wird zugekniffen und tränt vermehrt.
Mit der Lupenbrille ist ersichtlich, dass das Oberlid des rechten Auges stark eingerollt ist und dadurch die Haare des Lids auf der Hornhaut reiben. Aufgrund dieses Traumas hat sich ein Hornhautgeschwür entwickelt, und die Hornhaut hat durch eintretende Tränenflüssigkeit ein Ödem entwickelt und ist milchig-weiss. Es handelt sich bei der Veränderung offensichtlich um eine Missbildung - ein sogenanntes Entropium.
Die Veränderung muss chirurgisch angegangen werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Hornhaut perforiert wird und das Auge verloren geht. Ausserdem ist ein Hornhautulcus ausgesprochen schmerzhaft.
Das Meerschweinchen-Baby wird vorsichtig narkotisiert und während der Operation fortwährend gewärmt. Vom Oberlid wird ein kleines, halbmondförmiges Stück Haut entfernt, wodurch das Oberlid "geliftet" wird und nicht mehr mit der Aussenseite auf der Hornhaut reibt. Zum Nähen der Wunde wird ein Faden mit der Stärke 6-0 USP (0.07 mm Dicke; derselbe Durchmesser wie ein menschliches Haar) verwendet. Die Fadenenden werden stark gekürzt, wodurch die Nähte nicht stören. Sie werden nicht entfernt (da dazu eine weitere Narkose nötig wäre) und werden nach einiger Zeit von selbst ausfallen. Das Auge wird mit Tropfen und einer hornhautregenerierenden Salbe behandelt.
Eine Woche später ist der Hornhautdefekt schon verheilt; das operierte Lid liegt dem Auge glatt und natürlich an.
Augenlid-Missbildungen sind bei Haustieren nicht selten. Bei vielen Hunderassen ist eine eigentliche Missbildung zum Rassestandard geworden: Beispielsweise beim Berner Sennenhund ist ein Ektropium (ausgerolltes oder hängendes Unterlid) "normal". Während ein Ektropium meist nur eine durch die Exposition entzündete oder gereizte Bindehaut zur Folge hat, kann ein Entropium (eingerolltes Lid) des Ober- oder Unterlids schwere Schäden der Hornhaut nach sich ziehen, weil die behaarte Aussenseite des Lids ständig auf dem Augapfel reibt. Hornhautentzündungen und -geschwüre sind die Folge und machen ein chirurgisches Vorgehen notwendig.
Wird das Rolllid korrigiert, kann sich die geschädiagte Hornhaut erstaunlich schnell erholen und verheilen.