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Verschiedene Arten von Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen können homogen sein, wenn sie sich aus Menschen zusammensetzen, die Ähnliches erlebt haben (z.B. Eltern, die ein Kind verloren oder sich getrennt haben). Es gibt aber auch Gruppen, deren Zusammensetzung heterogen ist, wenn sie aus Menschen bestehen, die mit verschiedenen Problemen konfrontiert sind (z.B. Angehörige von Patienten mit verschiedenen Krankheiten oder Familien, die eine geliebte Person unter unterschiedlichen Umständen verloren haben).
Selbsthilfegruppen können strukturiert und in ihrer Dauer beschränkt sein: Die Gruppe trifft sich für eine festgelegte Anzahl von Zusammenkünften (8 bis 12), befasst sich mit verschiedenen Themen und bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, gemeinsam zu lernen, zu reflektieren und zu teilen. Gruppen, die sich so gestalten, liegt ein aufklärerischer und informativer Ansatz zugrunde (sie können auch von Experten unterstützt werden). Sie beinhalten neben dem üblichen Ablauf aber auch Momente, in welchen die Teilnehmenden ihre Erfahrungen austauschen können.
Andere Selbsthilfegruppen sind offen und kontinuierlich: Diese Gruppen treffen sich regelmässig (einmal in der Woche oder zweimal im Monat). Die einzelnen Treffen dauern gewöhnlich 1.5 bis 2 Stunden und finden am späten Nachmittag oder abends statt. Für die Mitglieder ist der Ein- und Austritt offen, um damit die Kontinuität des Kontakts und der Unterstützung zu gewährleisten. Das Thema ist jeweils offen, d.h. an den einzelnen Treffen wird über das Diskussionsthema entsprechend den Bedürfnissen oder den aktuellen Fragen der Teilnehmenden entschieden.
Gruppenleitung
Eine Fachperson, welche eine moderierende (und keine therapeutische) Rolle hat, leitet die Gruppe. Erfahrungsgemäss haben die Teilnehmenden oft eine grosse Angst davor, «pathologisiert» zu werden. Zudem besteht das Risiko, dass die Gruppenmitglieder eine übermässige Abhängigkeit vom Moderator entwickeln.
Wünschenswerte Qualitäten von Personen, die eine Selbsthilfegruppe leiten, sind:
- ein grosses Interesse am Thema und Bereitschaft, die Initiative zu ergreifen
- die Fähigkeit, die Teilnehmenden willkommen zu heissen und ihnen zuzuhören
- ausreichende Kenntnis der Beschaffenheit und der Dynamik von Gruppen
- eine Vertrautheit mit den Themen, die angesprochen werden
- die Kompetenz, positive Interaktionen zwischen den Gruppenmitgliedern zu fördern
- Bescheidenheit und Ausdauer: Beides ist wichtig, um mit schwierigen Momenten und/oder Gruppen zurechtzukommen.
Selbsthilfegruppen für Trauernde
Selbsthilfegruppen für Menschen, die einen Trauerprozess nach einem traumatischen Verlust erleben, können eine starke Ressource sein. Sie können einen Raum bieten, in dem die Teilnehmenden Kraft für diesen besonderen Lebensabschnitt schöpfen.
Dabei handelt es sich nicht um therapeutische Gruppen im engeren Sinne. Vielmehr können sie eine therapeutische Wirkung entfalten, indem sich die Hinterbliebenen in einem Umfeld aufhalten, das sie akzeptiert und nicht verurteilt. Dadurch machen sie die Erfahrung, dass sie fähig sind, mit anderen Menschen zu kommunizieren, ohne sich dabei «anders» oder stigmatisiert zu fühlen.
Wenn sich Hinterbliebene einer Selbsthilfegruppe anschliessen, erlaubt ihnen dies, sich nicht mehr einsam zu fühlen und in ihrer Trauer von anderen verstanden zu werden, da diese einen ähnlichen Verlust erlebt haben. Die Selbsthilfegruppe ermöglicht es den Teilnehmenden zudem, am Beispiel anderer verschiedene Verhaltensstrategien zu erlernen und damit jeglicher Tendenz entgegenzuwirken, dass sie sich in ihrer Trauer ungünstige Verhaltensweisen aneignen (bspw. sich Überarbeiten, Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Spielsucht).
Sich einer Selbsthilfegruppe anzuschliessen, erlaubt es Hinterbliebenen, in schweren Zeiten verstanden und unterstützt zu werden, auch wenn der Tod der geliebten Person schon weit zurückliegt. An speziellen Tagen (Jahrestage, Geburtstage, Ferien) kann die Sehnsucht nach der verstorbenen Person oder die Trauer wieder aktiviert werden. In solchen Momenten kann die Gruppe unterstützend wirken und Trost spenden, ohne den Hinterbliebenen allein zu lassen in seiner schwierigen Aufgabe, mit dem Schmerz umzugehen.
Zusammenfassend sind die Gründe, warum es Selbsthilfegruppen nach traumatisierenden Verlusten gibt, folgende:
- Um Unterstützung anzubieten und um zu erreichen, dass die Hinterbliebenen sich wieder als Teil einer Gemeinschaft fühlen können
- Um einem Raum zu bieten, in welchem Hinterbliebene sich frei äussern können, ohne verurteilt zu werden
- Um Menschen willkommen zu heissen, die sich sonst von der Gesellschaft zurückgewissen und ausgeschlossen fühlen
- Um einen Raum zu schaffen, in dem Menschen frei über ihre Sorgen, Ängste und Unsicherheiten sprechen können
- Um die Hoffnung zu stärken, dass das Leben wieder zur «Normalität» zurückkehren kann
- Um neue Verhaltensstrategien zu erlernen
- Um zusammen mit anderen Jahrestage und Feiertage zu erleben
Für die Gruppentreffen eignen sich Räume, die hell und «luftig» und nicht zu gross oder zu klein sind. Sie sollten eine familiäre und gleichzeitig neutrale Atmosphäre stimulieren. Daher eignen sich Räume eher schlecht, die auch von psychiatrischen Einrichtungen benutzt werden. Zudem ist es von Vorteil, wenn ein benachbarter, kleinerer Raum für den «privaten Rückzug» verfügbar ist.
Die ideale Gruppengrösse bewegt sich zwischen sieben und acht Personen. Pro Gruppe sollte nicht mehr als eine Person aus derselben Familie teilnehmen. In Ausnahmefällen ist es möglich, dass zwei Personen aus derselben Familie an einem Gruppentreffen teilnehmen. Dies muss jedoch erst mit der ganzen Gruppe verhandelt und von allen akzeptiert werden.