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1999 erhielt Martin Schlumpf einen Forschungsauftrag der Zürcher Hochschule der Künste zur Computer-Klangbearbeitung einzelner „Studies for Player Piano“ von Conlon Nancarrow.
Ziel dieser Arbeit sollte es sein, die im Original auf den Klang des Walzenklaviers beschränkten Studien mit vielfältigen MIDI-Klängen derart zu gestalten, dass eine Art von „klingender Analyse“ entsteht: musikalisch-analytische Erkenntnisse sollten direkt durch das Hören gewonnen werden können.
Da das Endprodukt einer solchen Bearbeitungs-CD erst nach einem mehrstufigen Prozess erreichbar war, sollen dessen einzelne Phasen hier kurz erläutert werden:
1. Bereitstellung der „Rohdaten“
Nach der Beschaffung sämtlicher Notenvorlagen im Partiturformat beim Schott-Verlag (viele sind unveröffentlicht), wird eine vorläufige Auswahl von etwa 15 Studien getroffen. Dabei wird der Fokus ausschliesslich auf kanonische Studien gelegt.
Bei den meisten der in Frage kommenden Studien müssen durch die genaue Analyse der handgeschriebenen Stanzvorlagen, die in der Paul Sacher Stiftung aufbewahrt werden, die rhythmisch-metrischen Verhältnisse eruiert werden.
Das so gewonnene Material wird als „Rohdaten“ in den Computer eingelesen (Tonhöhen, Tondauern und die gesamte Rhythmik / Metrik), was nur mit einem speziellen Programm möglich ist, da die einzelnen Kanonstimmen konsequent in völlig unterschiedlichen Zeitebenen laufen.
2. MIDI-Klangbearbeitung
Aufgund analytischer Betrachtungen erhält jede Studie ihr eigenes Klangkonzept, das mit Hardware-Klangexpandern und Software-Samplern realisiert wird.
Eine spezielle Problematik liegt bei diesem Schritt darin, dass Conlon Nancarrow in fast allen Studien den Tonraum bis an seine (durch das Klavier gegebenen) Grenzen ausnutzt, was in der Tiefe und vor allem in extremer Höhe die Klangauswahl massiv einschränkt.
3. Audio-Mastering
Die fertig zubereiteten MIDI-Dateien werden als Audio-Dateien auf die Festplatte überspielt und in einem letzten Schritt in den Panorama- und Lautstärkeverhältnissen feinabgestimmt.
Nach einer Hall-Nachbearbeitung folgen schliesslich Normalizing und Finalizing für eine Audio-CD.
Ende 2004 ist die fertige Bearbeitungs-CD „Conlon Nancarrow – Martin Schlumpf: Die Kunst des Tempokanons“ bei WERGO, SCHOTT MUSIK&MEDIA auf dem Label artist.cd unter der Nummer ARTS 8103 2 erschienen. Die CD enthält MIDI-Bearbeitungen von folgenden 14 Studies for Player Piano von Nancarrow: Nr. 43, 24, 13, 19, 41B, 32, 22, 33, 34, 36, 37, 40A, 31 und 48C.
Neben den Booklet-Informationen ist eine ausführliche Dokumentation zu den einzelnen Bearbeitungen unter www.cdartist.de als Download abrufbar. Hier der direkte Link zu dieser umfassenden Dokumentation: Nancarrow/WERGO
Hier ein Klangbeispiel aus der CD. Es handelt sich um den Anfang der Bearbeitung der Studie 43.
In Dissonanz, der Schweizer Zeitschrift für aktuelle Musik, ist in der Ausgabe Nummer 67 (Februar 2001) ein Zwischenbericht zu dieser Arbeit unter dem Titel „…Die grösste Entdeckung seit Webern und Ives…“ erschienen, der hier heruntergeladen werden kann.
„…Die grösste Entdeckung seit Webern und Ives…“