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Verschwindende Mühlen
VON A. TUTEIN NOLTHENIUS, DELFT In den Bergdörfern, vor allem im Wallis, traf man früher überall die an Bächen stehenden Mühlen, oft deren mehrere: Säge-, Korn-, Hanf-, Walk- oder Hammermühlen ( Schmieden ). Längs der kleinsten Wasserläufe oder künstlicher Wasserleitenen reihten sich ihre Wasserräder. Es gab dabei zwei Konstruktionsarten: die Mühlen mit horizontal montiertem Rad, die Turbinen, und solche ( die grössere Zahl ) mit vertikalem Rad, als « unterschlächtig » oder « oberschlächtig » betrieben ( das Rad taucht im Bach und wird vom durchfliessenden Wasser getrieben, oder das Wasser wird auf das Rad geleitet und treibt es mit seinem Gewicht an ). Bei Turbinen-Mühlen für das Mahlen von Getreide führte die Wasserradachse direkt in den aufliegenden « Läuferstein », so dass die komplizierten Übersetzungen mit Zahnrädern wegfielen. Für die Sägemühlen ist das vertikale Wasserrad vorteilhafter.
In Saas gab es z.B. um Anno 1850 noch 13 Mühlen, darunter 3 Tuch-walken, 3 Sägereien und 1 Hammer-mühle. E. Stäheli zählte 1946 im Wallis noch in 51 Ortschaften Wasserräder, meistens sogenannte Turbinen.
Bilder 1 und 2 zeigen die Kornmühle in Lannaz bei Evolène.Von rechts wird im Holzkännel das Bachwasser zugeführt. Der Leerlaufschie-ber ist oben sichtbar. Die Zeichnung 1 zeigt das Mühlenhaus, Zeichnung 2 das Turbinenrad von 90 cm Durchmesser. Die Radachse steckt auf einem Bodenbalken, der mit dem Stab ( im Vordergrund ) je nach der Wassermenge und der Geschwindigkeit, welche das Rad haben soll, gehoben oder gesenkt werden kann, damit weniger oder mehr Wasser die Schaufeln trifft. Je rascher das Rad läuft, um so feiner wird gemahlen.
Bild 3 zeigt eine Säge-Mühle bei Schwarzwaldalp ob Meiringen. Es ist Fig. 2 \ Fig. 3 und Fig. 4 ein oberschlächtiges Wasserrad, bei dem das Wasser im Holzkännel von rechts zugeführt wird und in die Radbecken fällt, so dass das Rad im Gegenuhrzeigersinn in Bewegung gesetzt wird.
Auf Bild 4 sehen wir ein Doppelmüh-lenhaus bei Haudères oberhalb Evolène. Links befindet sich ein Turbinenrad ( unter dem Boden ), das durch den Bach angetrieben wird und einen auf einem 178 cm Durchmesser besitzenden, flachen Stein sich bewegenden konisch geformten Stein dreht, so dass un-terlegter Hanf gequetscht und gerieben wird. Es ist dies die Hanfmüh-le oder Hanfriebi. In der Mitte des Hauses steht das unterschlächtige Wasserrad, dessen rund 40 cm dicke Achse bis zur Seitenwand ( rechts ) reicht. Sie besitzt zwei Nocken, mit denen zwei ca. 2 m hohe viereckige Holzklötze abwechslungsweise gehoben werden, so dass sie beim Niederfallen das untergeschobene Tuch bearbeiten, walken.
Solche einfache Mühlen trifft man noch in vielen Ländern, wie Italien, Spanien, Irland, Schottland, Orkney-Inseln, Fär-Öer, Norwegen, Jugoslawien. Aber in auffallender Weise nicht in Zentraleuropa. Es wäre wünschenswert, dass auch im schweizerischen Alpengebiet solche alte Mühlen erhalten blieben, als Schutzobjekte, wie dies in Holland mit Windmühlen der Fall ist, die z.T. sogar zur Erzeugung von elektrischer Kraft Verwendung finden und so bestehen bleiben.