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Raunulfs Rettung
Susauna raunte ihrem Traumbaum zu: „Oh Raunulf, beuge dich nieder zu mir, nimm mich in deine starken Arme und hebe mich zu dir empor.“
Doch Raunulf schüttelte nur müde sein grosses Haupt, dass seine alten Äste knackten und die Blätter wogten und die dürren unter ihnen sich mit einem schweren Seufzer von den saftlosen Zweigen lösten und langsam schwebend zu Boden sanken, wo sie verwelkten und zu Moder zerfielen.
Susauna weinte. Was war nur mit Raunulf geschehen, ihrem einst mächtigen Freund, der sie schützend durch tausend Nächte und tausend Träume getragen hatte?
Eine Hand legte sich auf ihre Schulter. „Was träumst du denn wieder, dummes Kind?“ Ihr Vater beugte sich über sie und versuchte sie in die Wirklichkeit zurück zu holen.
Susauna schüttelte seine Hand ab. „Lass mich, Papa, das verstehst du nicht. Raunulf braucht mich, es geht ihm schlecht. Ich muss sofort zu ihm, es eilt, jede verlorene Minute könnte seine letzte sein.“
Sie sprang auf, trocknete ihre Tränen, rannte zum offenen Balkonfenster, stieg auf das schmiedeeieserne Geländer hinauf und stiess sich ab. Sie flog davon, ihrem Traumwald entgegen, zu Raunulfs Rettung.
© Jost Aregger