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Beitrag vom 12.02.2013, von Anja Beckmann
Aus Literatur und Kunst kennen wir den Mythos vom einsamen Genie, das zu Höchstleistungen aufläuft, wenn es alleine arbeitet. Design hingegen ist eine Disziplin, in der hinter vielen Erfolgsgeschichten Teamwork steht. Und gerade wo nicht nur beruflich, sondern auch privat der Bund fürs Leben geschlossen wurde, entstanden in der Designgeschichte besonders kreative Kollaborationen.
Der Reigen der Designerehepaare muss mit Charles und Ray Eames eröffnet werden, zwei der einflussreichsten Designer aller Zeiten. Charles und die als Malerin ausgebildete Ray trafen sich 1940 an der Cranbrook Academy of Art, an der Charles einen Lehrauftrag für Design innehatte und Ray studierte. Sie heirateten im Jahr darauf und führten nahezu 40 Jahre lang eine ungewöhnlich produktive Beziehung, während der zahlreiche Entwürfe entstanden, die heute als Designklassiker gelten.
Legendär sind ihre Stühle aus geformtem Schichtholz und Fiberglas, wie der Lounge Chair (1956) oder der Fiberglass Chair (1950), der erste industriell gefertigte Stuhl aus Kunststoff. Die Kompetenz für ihre Materialinnovationen stammte nicht zuletzt aus einem ungewöhnlichen Auftrag, den das Ehepaar Eames während des Zweiten Weltkrieges für das amerikanische Militär übernahm: Sie entwickelten Flugzeugteile, Beinschienen und Tragbahren aus Sperrholz und erlernten so die Technik des Verbiegens von Schichtholz unter Dampf. Auch während ihrer weiteren Karriere waren Ray und Charles Eames an industrieller Massenfertigung interessiert, um Form und Funktion zu einem günstigen Preis anbieten zu können. Mit dem im Alugussverfahren hergestellten Aluminium Chair (1958) schufen sie einen Stuhl, der bis heute in den Arbeitszimmern von führenden Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft zu finden ist. Obwohl die Eheleute Eames gutes und auch preiswertes Design machen wollten, liegt der Preis für diesen Designklassiker heute im höheren Segment. Von einigen Ausnahmen abgesehen, ist es ist unmöglich, das Lebenswerk der Eames in Ray- und Charles-Kreationen aufzuteilen, weil die beiden ihre Ideen gegenseitig zur Perfektion brachten. Es wird jedoch angenommen, dass Ray den künstlerischen und Charles den eher technischen Teil in der Arbeitsbeziehung übernahm.
Eine weitere Beziehung, in der Design sicherlich ein wiederkehrendes Thema am Frühstückstisch war, ist die von Anna Castelli Ferrieri und Giulio Castelli. Als Art Director beziehungsweise Mitbegründer des italienischen Möbelherstellers Kartell beeinflussten sie die italienische Designszene massgebend. Zunächst gingen die Eheleute Castelli jedoch getrennte berufliche Wege. Anna Castelli Ferrieri gründete 1946 ihr eigenes Architekturbüro in Mailand und pflegte den Kontakt zu Le Corbusier und Franco Albini, während Giulio Castelli ein ausgebildeter Chemiker war, der mit dem Nobelpreisträger Giulio Natta die Eigenschaften von Kunststoff erforschte. Kurz nach seinem Examen gründete Giulio Castelli das Unternehmen Kartell, das heute als Pionierunternehmen im Bereich der Kunststoffmöbel-Produktion gilt. Bei Kartell vereinten sich im Jahr 1966
die beruflichen Wege der Castellis, als Anna das Kartell-Gebäude in Binasco entwarf und zunächst Designberaterin und dann Art Director von Kartell wurde. Bis Ende der Achtziger Jahre arbeitete das Ehepaar Castelli Seite an Seite bei Kartell und revolutionierte mit humorvollen, farbenfrohen und funktionalistischen Kunststoffobjekten die Designästhetik immer wieder aufs Neue.
Aalto ist ein weiterer grosser Name der modernen Inneneinrichtung und Architektur. Dabei wissen nur die wenigsten, dass nicht nur Alvar Aalto, sondern auch seine Ehefrau Aino ihr Geld mit Design verdiente. 1924 nahm Aino ihre Arbeit in Alvar Aaltos Architekturbüro auf. Die beiden verliebten sich, heirateten und damit begann ihre lebenslange Partnerschaft. Diese war in beruflicher Hinsicht jedoch nicht immer ohne Konkurrenz: 1932 wurde Alvar Aalto von seiner Frau in einem Designwettbewerb besiegt. Der Siegerbeitrag, die Glasserie „Aino Aalto“, ist das erste Glasprodukt, das ein
Designer für den alltäglichen Gebrauch konzipierte und das mit modernen Produktionsmethoden hergestellt werden konnte. Aber ähnlich wie beim Ehepaar Eames war es üblicher, dass Aino und Alvar gemeinsam an Entwürfen für Möbel und Einrichtungen zeichneten. Mit ihrem kompromisslosen Funktionalismus und zeitlosen Design unter humanistischen Vorzeichen haben Aino und Alvar Aalto nicht nur in Finnland den Alltag vieler Menschen verschönert.
Beitrag vom 12.02.2013, von Anja Beckmann