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Données biographiques
Der Glasmaler Lienhard Jerli stammte aus einer Freiburger Ratsfamilie. 1545 befand sich Lienhard auf seiner Gesellenwanderschaft, woraus sich schliessen lässt, dass er damals wohl im Alter von ca. 18-20 Jahren stand, also um 1525/27 geboren worden war. Im Jahre 1547 bekam der junge Jerli erstmals einen Auftrag für zwei Wappenscheiben. 1553 zog er in den Krieg, war aber bereits 1555 wieder in Freiburg. Zusammen mit seinem etwas älteren Bruder Hans erneuerte er dort am 18. Mai 1556 das Bürgerrecht seines Vaters. Lienhard Jerli war auch politisch aktiv. Von 1559 bis 1562 war er als Lehenvogt (Spichervogt) für das Einziehen der Stadtzinsen zuständig. 1558 wurde er als Vertreter des Spitalquartiers in den Grossen Rat gewählt, 1562 stieg er in den Rat der Sechzig auf, und 1563 war er Mitglied der Geheimen Kammer. Zudem diente er 1561/62 als Appellationsrichter, 1562/63 als stellvertretender Landrichter und 1565 als Landrichter.
Lienhard Jerli war mit Dichtli (Benedikta) Hermann, der Witwe des Wilhelm Chesaux (Zäß, Zeso) und Tochter des Peter Hermann, verheiratet. Als sein Stiefsohn Wilhelm Chesaux 1553 starb, wurde Lienhard zum Vogt der hinterlassenen Stiefenkel bestimmt. Seine Frau Dichtli starb um 1562/63. Danach scheint er nochmals geheiratet zu haben. Er selbst erlag am 1. November 1565 der grossen Pestwelle, die auch seinen Bruder dahinraffte. Noch wenige Monate vor seinem Tod hatte man ihn zum Vogt der Kinder des verstorbenen Steinbrechers Hans Zimmermann ernannt.
Über die berufliche Ausbildung Lienhard Jerlis ist nichts bekannt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass er beim Stadtglasmaler Heinrich Ban in die Lehre ging, der damals in Freiburg nahezu konkurrenzlos arbeitete. Nach seiner Gesellenwanderung richtete er als junger Meister 1547 seine Werkstatt in Freiburg ein. Lienhard wurde gemeinsam mit seinem Bruder, dem Glaser Hans, ins Buch der Lukasbruderschaft eingetragen. Der Glasmaler war jedoch auch Mitglied der Sebastiansbruderschaft. Im Jahr 1555 war Hans Stöck aus Frankfurt Jerlis Geselle. Bereits 1551 hatte Lienhard Jerli in der Nachfolge Heinrich Bans, der 1550 nach Zürich zurückgekehrt war, die Stadtglasmalerstelle übernehmen können, was darauf weist, dass er damals in Freiburg als der qualifizierteste Meister seines Fachs galt. Von der Obrigkeit wurde Lienhard Jerli übrigens zu den gleichen Bedingungen wie Heinrich Ban als Stadtglasmaler angestellt. Er war der letzte, der dieses Privileg genoss, denn nach seinem Tod beschlossen die Ratsherren den Posten des Stadtglasmalers aufzugeben. (Bergmann, 2014, S. 315-319)
Bibliographie
Bergmann, U. (2014). Die Freiburger Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts. Bern: Peter Lang. S. 315-319