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«Wir brauchen einander jetzt mehr denn je!»
4. März 2023
In einer Videobotschaft zur Hälfte seiner Amtszeit als Vorsitzender des Bischofsrats der United Methodist Church, der weltweiten Methodistenkirche, rief Bischof Thomas J. Bickerton die Methodist:innen dazu auf, Architekt:innen «einer erneuerten, wiederbelebten und wiedergewonnenen United Methodist Church» zu werden.
Der Vorsitzende des Bischofsrates hält üblicherweise bei den zweimal jährlich stattfindenden Sitzungen des Bischofsrats eine Ansprache. Diese richtet sich hauptsächlich an die bischöflichen Kolleg:innen. Dass Bischof Bickerton sich am 2. März mit einer Rede an die ganze weltweite Methodistenkirche wandte, ist darum sehr aussergewöhnlich.
Kräftezehrende Auseinandersetzungen
Ursache ist die grosse Zahl von Kirchgemeinden und teils ganzen Jährlichen Konferenzen (Synoden) vor allem in den USA, die aktuell die United Methodist Church verlassen. Im Hintergrund steht eine unterschiedlichen Bewertung von Fragen der menschlichen Sexualität, besonders der Einschätzung von Homosexualität. Die Rhetorik, mit der Kirchgemeinden zum Austritt aufgefordert würden, sei «bissig, gemein und oft voller Unwahrheiten, die darauf abzielen, die andere Seite als den Feind, das Problem und den Grund für alles, was mit der Kirche heute nicht stimmt, erscheinen zu lassen», sagte Bischof Bickerton. Viele, die in der United Methodist Church bleiben wollen, fühlten sich schikaniert und entkräftet.
Eine «liebevolle Gemeinschaft» werden
«Es ist an der Zeit, ja ich wage zu sagen, längst überfällig, dass wir zum Kern dessen zurückkehren, was wir sind», setzte Bischof Bickerton in seiner Ansprache dagegen. Im Wesentlichen gehe es darum, wieder zu entdecken, «was es bedeutet, eine liebevolle Gemeinschaft zu sein.»
Dafür, wie eine solche «liebevolle Gemeinschaft» aufgebaut und gepflegt werden kann, führte Bischof Bickerton einen Abschnitt aus einer Ausgabe der Kirchenordnung aus dem Jahr 1850 an. Gegenüber heutigen Fassungen habe diese Kirchenordnung einen sehr geringen Umfang, weil es nicht darum gegangen sei, Gesetze und Regeln aufzustellen, sondern zu einem bestimmten Lebensstil anzuleiten.
Einheit tut not
Diese alte Kirchenordnung enthielt einen Abschnitt mit dem Titel «Die Notwendigkeit der Einheit unter uns», den Bischof Bickerton in seiner Rede zitierte. Darin wurden Methodist:innen aufgefordert, offen miteinander zu sprechen, füreinander zu beten, den aufrichtigen Charakter der anderen zu verteidigen, niemals ohne Gebet auseinander zu gehen und die Gaben der anderen nicht zu verachten.
Was da beschrieben werde, sei einfach, aber tiefgründig, sagte Bischof Bickerton: «Wenn wir geeint sind, sind wir stark. Wenn wir jedoch gespalten sind, werden wir uns selbst zerstören, das Werk Gottes, zu dem wir berufen sind, zunichte machen und verletzlichen Seelen irreparablen Schaden zufügen.»
Einander verpflichten
Freundlichkeit, Sanftmut oder Liebe könnten nicht per Gesetz verordnen werden. «Aber wir können sie anstreben, wir können einander dazu verpflichten und hart daran arbeiten, dass wir uns nicht davon abbringen lassen.»
«Freunde, wir brauchen einander jetzt mehr denn je, wenn wir unsere Leidenschaft für die liebevolle Gemeinschaft zurückgewinnen wollen», sprach Bickerton die Methodist:innen direkt an. «Wir brauchen einander mehr denn je, wenn wir eine zerrüttete United Methodist Church wieder zusammenführen wollen.»
Es braucht nur wenig
Bickerton begann seine Ansprache mit einem persönlichen Zeugnis. Er erzählte, wie er selbst 1972 während eines Jugendlagers der Methodistenkirche zum Glauben an Gott fand, nachdem er als Teenager eine Zeit des Mobbings erlebt hatte. Ein zu jener Zeit oft gesungenes Kirchenlied zitierte er am Ende seiner Ansprache: «Ein Funke, kaum zu sehn, entfacht doch helle Flammen», heisst es in dem Lied und – so in der Fortsetzung der englischen Fassung – an dem so entfachten Feuer könnten sich alle wärmen. So wirke auch die Liebe Gottes.
«Da haben sie es!», schloss Bischof Bickerton seine Rede. Das Lied sei ein einfaches Glaubensbekenntnis, in dem sich die feste Überzeugung ausdrücke, «dass Gott noch nicht mit uns fertig ist». Für ein grosses Feuer brauche es nur einen Funken. «Wir können zu Architektinnen und Architekten einer erneuerten, wiederbelebten und wiedergewonnenen United Methodist Church werden.»