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Titel
Futter
(hierzu Tafel »
Futterstoffe«),
[* 2]
eine Zusammenstellung von
Futtermitteln (
Futterstoffen), welche geeignet ist,
den tierischen
Organismus in einen gewünschten Zustand zu bringen oder in demselben zu erhalten. Je nachdem
ein
Futter den
Zweck hat, nur den Körperabgang zu decken, welchen die gewöhnliche Lebensthätigkeit, das Atmen, die innere
Arbeit
der einzelnen
Organe, hervorruft, oder gewisse Leistungen des
Körpers: Muskelthätigkeit,
Milch-,
Fleisch-,
Woll-, Fettproduktion,
hervorzubringen, ist es ein
Gleichgewichts- (Beharrungs-,
Erhaltungs-) oder Produktions
futter.
Nach ihrem physiologischen Wert für die
Fütterung der
Tiere unterscheidet man Haupt
futterstoffe, d. h.
Substanzen, welche,
der naturgemäßen
Nahrung der betreffenden
Tiere besonders entsprechend, den Hauptbedarf derselben an
Nährstoffen enthalten,
z. B.
Rauh- und Grün
futterstoffe; Kraftfutterstoffe (konzentrierte Beifutterstoffe), d. h. solche,
welche, einzelne
Nährstoffe in hervorragender
Menge enthaltend, einen etwanigen Mangel einer
Futterration
auszugleichen vermögen, z. B. die
Körner der
Cerealien und
Leguminosen;
[* 3] Neben
futterstoffe, Futtermittel von geringerm Nährwert,
welche geeignet sind, die intensive
Wirkung eines
Futters abzuschwächen, z. B. das
Stroh der
Cerealien.
Als Bei
futterstoffe bezeichnet man bald solche, welche den
Gehalt der
Ration an einem bestimmten
Nährstoff erhöhen, bald solche,
welche irgend eine diätetische
Wirkung ausüben sollen, z. B. Baumlaub bei
Schafen. Zur Bestimmung des
Gehalts der
Futtermittel
an
Nährstoffen dient die chemische (
Futter-)
Analyse. Dieselbe unterscheidet in den
Futtermitteln außer
Wasser gewöhnlich
folgende Stoffgruppen: Mineralstoffe, der beim Einäschern bleibende Rückstand nach Abzug von
Sand,
Kohlensäure und
Kohle
(Reinasche);
die Gruppe Rohprotein (stickstoffhaltige Nährstoffe, Nh., im Gegensatz zu den stickstofffreien, Nfr.) umfaßt als Hauptbestandteil die verschiedenen Proteinstoffe, aber auch alle sonstigen Stickstoff enthaltenden Substanzen, letztere als Eiweiß in Rechnung gestellt;
der Gehalt an Rohprotein wird durch Multiplikation des gefundenen Stickstoffgehalts mit dem Faktor 6,25 gefunden, wobei man mit mehr oder weniger Recht den Prozentgehalt der verschiedenen Eiweißkörper an Stickstoff zu 16 annimmt. In neuerer Zeit hat man angefangen, die in den meisten Futtermitteln enthaltenen stickstoffhaltigen Substanzen, welche nicht zu den Proteinkörpern gehören, namentlich die sogen. Amidosubstanzen, die oft einen bedeutenden Prozentgehalt des bei der Analyse gefundenen Stickstoffs für sich in Anspruch nehmen, gesondert zu berechnen.
Das Rohfett (Ätherextrakt) enthält alle durch wasserfreien Äther ausziehbaren Bestandteile: Pflanzenfett, Wachs, Harze, Chlorophyll etc. Die Gruppe Rohfaser umfaßt als hauptsächlichsten Bestandteil die Pflanzenfaser (Cellulose), daneben alle übrigen in Wasser, verdünnten Säuren, Alkohol und Äther unlöslichen Stoffe der Futtermittel (kutikular inkrustierende Substanzen, Korkstoff etc.). Die Gruppe der stickstofffreien Extraktstoffe schließt alle übrigen Stoffe in sich ein: neben Zucker [* 4] und Kohlehydraten eine Reihe von chemisch nicht wohl charakterisierten Körpern.
Für die Fütterung wichtig ist das Nährstoffverhältnis im F. und in den Futtermitteln, d. h. das Verhältnis zwischen den stickstoffhaltigen und stickstofffreien Nährstoffen. Man drückt es aus durch die Menge des Rohproteins einerseits, die Summe des Fettes und der stickstofffreien Extraktstoffe anderseits in folgender Form: ¶
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(x = Nh.:Nfr. = 1:x Proz. der Nfr. Extraktst. + Proz. des Rohfettes / Proz. des Rohproteins) ^[img].
Das Rohfett wird dabei in Rechnung gestellt durch eine Zahl, welche das Stärkeäquivalent einer gleichen Menge von Reinfett ausdrückt (s. Ernährung, S. 796).
Verschiedene Arten der Futterstoffe.
A. Grün- und Rauhfutterstoffe. Die auf Wiesen und Ackerländereien erzeugten Pflanzen kommen frisch als Grünfutterstoffe oder getrocknet als Heu, Stroh (Rauhfutterstoffe) zur Verwendung. Hierher gehört Weidegras, bei welchem neben der botanischen Zusammensetzung die natürliche Beschaffenheit und der Düngungszustand des Bodens, die Witterung, die Zeit und Methode der Ernte [* 7] von größtem Einfluß auf den Nährstoffgehalt sind. Reicher Boden und nicht zu trockne Witterung bringen gewöhnlich reicheres Futter hervor. Je jünger die geernteten Pflanzen, um so reicher an Nährstoffen, besonders an Nh., sind sie, während der Rohfasergehalt mit dem Alter und der steigenden Verholzung wesentlich zunimmt.
Regen während der Heuernte kann dem zum Trocknen ausgebreiteten Gras einen bedeutenden Teil seiner Nährstoffe entziehen; naß eingebrachtes Heu aber verdirbt sehr leicht und wirkt höchst nachteilig auf die Gesundheit des Viehs. Beim Aufladen und Transport verlieren die trocknen Pflanzen sehr leicht die zartern und nährstoffreichern Teile. Die verschiedenen Kleearten zeichnen sich vor dem Weidegras durch höhern Proteingehalt aus und können für Wiederkäuer [* 8] als Kraftfutter gelten.
Weniger Bedeutung kommt dem Bocharaklee (Steinklee, Melilotenklee) und dem Wund- oder Tannenklee zu. Sehr hohen Proteingehalt besitzen ferner die Grünwicken und das Heu der gelben Lupine. Durch ihren Rohfasergehalt ragen die Stroharten, besonders die der Winterhalmfrüchte, hervor. Sommerstroh (Gerste, [* 9] Hafer, [* 10] besonders Hirse) [* 11] ist wegen seines höhern Proteingehalts und infolge seiner weichern Beschaffenheit geschätzter als das Stroh der Winterhalmfrüchte (Weizen, Roggen).
Die Stroharten eignen sich als Futterstoffe am besten für Schafe [* 12] zum »Ausfressen« (der zartern und nährstoffreichern Teile), aber auch als Haupt- und Nebenfutterstoffe für die übrigen Wiederkäuer und sind am zweckmäßigsten als Zugabe zu sehr wasserreichen Futterstoffen (Wurzelfrüchte, Grünfutterstoffe) zu verwenden. Infolge seines größern Reichtums an Protein bildet das Stroh der Leguminosen (Erbsen, Bohnen etc.) ein noch wertvolleres Futtermittel als das der Cerealien.
Die Spreu der letztern sowie Schoten und Spreu der Hülsenfrüchte pflegen ihrer größern Weichheit wegen den Tieren noch besser zu munden als die betreffenden Stroharten, sind auch durchschnittlich an Rohfaser ärmer, an Protein reicher als diese. Eine geringere Rolle spielen Grünmais und Grünsorgho; beide, wässerig und arm an Protein, reich an Nfr. Extraktstoffen, eignen sich hauptsächlich als Nebenfutterstoffe für Milchkühe. Ebenso die Ackerdistel, die Blätter der Futterrunkel- und Zuckerrübe, welche ihres großen Oxalsäuregehalts wegen am besten als Sauerfutterstoffe (s. unten) verabreicht werden. Weniger bedenklich ist die Fütterung mit Mohren- und Kohlrübenblättern, mit Viehkohl und Weißkraut. Die Blätter und zartern Teile der Topinamburstengel werden von den Schafen gern gefressen; das Laub der Pappeln, Linden, Eschen, Weiden und Erlen (in Schlesien [* 13] »Lustwiese« genannt), weniger das der Birken und Buchen, bildet in getrocknetem Zustand ein hauptsächlich seiner diätetischen Wirkungen wegen geschätztes Futtermittel für Schafe.
B. Knollen- und Wurzelgewächse zeichnen sich besonders durch hohen Wassergehalt, Reichtum an Nfr. Extraktstoffen und Mangel an Rohfaser aus. Ihr Nährstoffgehalt richtet sich nach Boden- und Witterungsverhältnissen und den Kulturmethoden. Am wichtigsten ist die Kartoffel für die Fütterung, besonders, wie die Topinamburknollen, für die Mast der Schafe und Schweine. [* 14] Während in den Knollengewächsen die Nfr. Extraktstoffe zum größten Teil aus Stärkemehl bestehen, bildet der Zucker den Hauptbestandteil der Rübenarten (Futterrunkelrübe, Zuckerrübe, Futtermöhre, Kohlrübe, Turnipsrübe).
C. Konzentrierte Futterstoffe: die Körner der Getreidearten und Leguminosen;
besonders die letztern sind sehr reich an Nährstoffen und von hervorragender Bedeutung als Kraftfutterstoffe bei der Aufzucht und für die intensive Ernährung von Arbeitstieren.
Hauptsächlich zur Verwendung kommen: Hafer für Pferde, [* 15] Kälber und Zuchtrindvieh, Schafe und Schweine, letztern am besten als Suppe, den Wiederkäuern in geschrotenem Zustand zu verabreichen;
Gerste für Rinder, [* 16] Schafe und Schweine, weniger für Pferde.
Roggen und Weizen, besonders letzterer, finden als Futtermittel weniger Verwendung. Mais eignet sich hauptsächlich als Mastfutterstoff für Rinder, Schafe, Schweine und Geflügel und ist auch für Arbeitspferde tauglich. Buchweizen empfiehlt sich besonders für Schweine, aber auch zur Mast der Rinder und Schafe und für Zugpferde. Erbsen und Bohnen bilden einen Kraftfutterstoff für Arbeits- und Masttiere. Wicken können ihres bittern Geschmacks wegen nur in beschränkter Menge verfüttert werden, ebenso Lupinen, denen man den Bitterstoff entziehen kann. Vom Leinsamen kommen nur die geringern Körner zur Verfütterung als Mehl [* 17] oder in aufgequollenem Zustand für Milch-, Mast- und Aufzuchtvieh sämtlicher landwirtschaftlicher Nutztiere.
D. Abfälle aus technischen Gewerben. Ölkuchen bilden ihres hohen Proteingehalts wegen einen sehr geeigneten Zusatz zu proteinarmen und wasserreichen Futtermitteln. Rapskuchen wird wegen seines Gehalts an scharfem Öl bei weitem nicht so geschätzt als Leinkuchen, welcher sich vorzüglich für Jungvieh eignet. Beide Kuchen werden als Milch- und Mastfutter Schafen und Rindern gereicht. Palm-, Mohn-, Sesam-, Kokos-, Erdnuß-, Baumwollsamenkuchen u. a. spielen als Futtermittel eine ähnliche Rolle wie die genannten.
Kleie von Weizen, Roggen und Buchweizen ist als Milch- und Mastfutterstoff an Rinder und Schafe, mit Vorsicht an Pferde zu verfüttern. Weizenkleber eignet sich seines hohen Proteingehalts wegen besonders als Zugabe zu stickstoffarmen Futtermitteln. Kartoffelschlempe, der Rückstand von der Spiritusfabrikation, [* 18] ist ihres großen Wassergehalts halber als alleiniges Futter nicht zu verwerten, mit Stroh, Heu etc. zusammen gereicht, wegen ihres hohen Proteingehalts ein vorzüglicher Milch-, Mast- und Arbeitsfutterstoff. Von den Getreide-, Rüben- und Melasseschlempen kommt nur der erstern größere Bedeutung als Futterstoff zu. Unter den Rückständen aus den Zuckerfabriken: Preß-, Macerations- und Diffusionsrückständen, enthalten die Preßrückstände am wenigsten Wasser, dagegen die Diffusionsschnitzel im trocknen Zustand den größten Reichtum an Protein. Man preßt sie vor der Verfütterung oder läßt sie, in ¶
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Gruben eingekuhlt, vergären. Biertreber sind für Schweine und Rinder, weniger für Pferde, geeignet. Malzkeime besitzen einen hohen Proteingehalt, müssen jedoch ihrer trocknen Beschaffenheit wegen angebrüht oder mit wässerigen Futterstoffen zusammen verabreicht werden. Was die Milch und ihre Derivate anlangt, so empfiehlt es sich, abgesehen von der Notwendigkeit, allen Tieren in der ersten Lebenszeit die Muttermilch zukommen zu lassen, besonders wertvollen, zur Aufzucht verwandten Tieren auch nach dem Absetzen eine Zeitlang Kuhmilch zu reichen.
Die Molken sowie die abgerahmte saure (Schlicker-) Milch eignen sich hauptsächlich für Schweine. Fleischmehl, Abfälle von der Fleischextraktfabrikation, ist für die Mast der Schweine brauchbar; bei Pferden und Wiederkäuern haben die Versuche mit Fleischmehl den Erwartungen nicht entsprochen. Getrocknete Maikäfer werden gern und mit gutem Erfolg von Schweinen gefressen. Die zur Ernährung des tierischen Körpers nötigen Mineralstoffe sind in der Regel in den gereichten Futterstoffen in ausreichender Menge vorhanden.
Für manche Fütterungszwecke, Aufzucht junger Tiere, Milchproduktion, empfiehlt sich ein Zusatz von phosphorsaurem Kalk zum Futter. Den Pflanzenfressern ist ferner eine Zugabe von Kochsalz sehr dienlich. Bei Fütterung mit Grünfutterstoffen, Wurzelfrüchten, Schlempe etc. enthält das Futter gewöhnlich eine den Bedarf des Organismus deckende Menge von Wasser. Bei trocknem Futter ist außerdem frisches Wasser zu reichen. Um manche Futtermittel schmackhafter und gedeihlicher zu machen, um ferner den störenden Einflüssen, welche auf die Heubereitung sich geltend machen können, möglichst aus dem Weg zu gehen, werden sie einer besondern Zubereitung unterworfen (s. Futterbereitung).
Der Nährwert der Futtermittel
richtet sich nach dem Gehalt an Nährstoffen und der physiologischen Bedeutung derselben. Die physiologische Wirkung der Nährstoffe ist zunächst abhängig von ihrer Verdaulichkeit. Während man annehmen muß, daß die einzelnen Nährstoffe in reinem Zustand absolut verdaulich sind, d. h. in Quantitäten gereicht, welche die Verdauungskapazität des betreffenden Individuums nicht überschreiten, entweder als solche oder nach Erleidung gewisser Umwandlungen völlig resorbiert werden, werden die Verhältnisse verwickelter, sobald man sie in Gemengen zuführt, wie sie die verschiedenen Futtermittel meist repräsentieren.
Abgesehen davon, daß das Fehlen oder Vorhandensein eines Nährstoffs die Verdaulichkeit eines andern beeinflussen kann, übt die physikalische Beschaffenheit der Futtermittel, der größere oder geringere Widerstand, den sie infolge derselben dem Angriff der Verdauungsflüssigkeiten entgegensetzen, einen wesentlilichen Einfluß auf ihre Verdaulichkeit aus. Da man anderseits bei den meisten Futtermitteln noch nicht im stande ist, ihren Gehalt an eigentlichen Nährstoffen zu bestimmen, so kann vorläufig nur die Verdaulichkeit der oben aufgeführten Stoffgruppen festgestellt werden, welche nur zum (wir wissen nicht wievielten) Teil aus wirklichen Nährstoffen bestehen.
Über diese Verdaulichkeit der Futterstoffe und ihrer nähern Bestandteile geben die Ausnutzungsversuche Aufschluß. Da die unverdauten Futterreste sämtlich im tierischen Darmkot wieder erscheinen und den bei weitem überwiegenden Teil desselben bilden, so gibt die Menge der festen Exkremente im Vergleich zu der verzehrten Futtermasse zugleich ein Maß für die zur Resorption gelangten Futterbestandteile. Die Differenz: Futter minus Kot ist dann gleich der verdauten Menge. Letztere, in Prozenten des Futters ausgedrückt, ist der Verdaulichkeitskoeffizient des betreffenden Futters.
Aus den zahlreichen Fütterungsversuchen ergeben sich bezüglich des Verdauungsvermögens der landwirtschaftlichen Nutztiere folgende allgemeine Schlüsse: Das Verdauungsvermögen eines und desselben Tiers zu verschiedenen Zeiten unterliegt gewissen Schwankungen innerhalb enger Grenzen. [* 20] Individualität, Geschlecht und Rasse sind unter normalen Verhältnissen, gleichmäßige Entwickelung der Tiere vorausgesetzt, ohne Einfluß auf das Verdauungsvermögen.
Heranwachsende Tiere, sobald sie von der Milchnahrung entwöhnt sind, verdauen dieselben Futterstoffe ebenso wie erwachsene. Die verschiedenen Arten der Wiederkäuer scheinen gleiches Verdauungsvermögen zu besitzen. Wenn auch bezüglich des Verdauungsvermögens der Hauptgruppen der landwirtschaftlichen Nutztiere, einmal der pflanzenfressenden Tiere mit einfachem und mit zusammengesetztem Magen, [* 21] dann der Pflanzenfresser im Vergleich zu den Omnivoren (Schwein, [* 22] Hund, Geflügel), direkt vergleichbare Bestimmungen nicht vorliegen, so läßt die verschiedene Konstitution der Kauwerkzeuge und Verdauungsapparate doch das Vorhandensein wesentlicher Unterschiede im Verdauungsvermögen erwarten. So besitzen die Omnivoren für die voluminösen, den Wiederkäuern dienlichen Futterstoffe ein nur beschränktes Verdauungsvermögen.
Das Pferd [* 23] verdaut ganze Körner der Cerealien und Hülsenfrüchte leicht, während sie durch die Magenabteilungen des Wiederkäuers zum großen Teil unverdaut hindurchgehen. Das Schwein hat größeres Verdauungsvermögen für Nfr. Extraktstoffe, dagegen geringeres für Rohfaser als Pflanzenfresser, u. s. f. Auf die Verdaulichkeit der Nährstoffe innerhalb der Futtermittel sind die Beschaffenheit der letztern und das Mengenverhältnis, worin sie in einem Futter zu einander stehen, von größtem Einfluß. Im allgemeinen läßt sich über die Verdaulichkeit der einzelnen Nährstoffgruppen folgendes sagen: Das Rohprotein wird je nach der Beschaffenheit des Futtermittels zu 13-100 Proz. ausgenutzt. Am leichtesten verdaulich ist dasselbe in den Körnern der Cerealien, Leguminosen, Ölpflanzen und Wurzelfrüchte sowie in den technischen Abfällen derselben (Ölkuchen, Schlempe etc.) und in der Milch, man kann sagen, in den Substanzen, welche am reichsten daran sind. Am schlechtesten verdaut wird das Rohprotein der sehr rohfaserreichen Futterstoffe, z. B. der Stroharten, des Heus aus spätern Vegetationsperioden.
Vom Rohfett wird um so mehr verdaut, je weniger Chlorophyll und wachs- und harzartige Körper (welch letztere völlig unverdaulich zu sein scheinen) es enthält, je jünger und zarter die Pflanzen sind, wovon es herrührt. Am leichtesten verdaulich ist das Fett der Samenkörner, der Cerealien, Leguminosen und Ölpflanzen, am schwersten das des Wiesenheus und Cerealienstrohs. Die Rohfaser wird um so leichter verdaut, je mehr wirkliche Holzfaser, Cellulose, je weniger inkrustierende Substanzen sie enthält, mit andern Worten, je jünger und zarter die Pflanzen sind, denen sie entstammt. Da der von der Rohfaser verdaute Teil immer die Elementarzusammensetzung der Cellulose hat, so ist es wahrscheinlich nur diese, welche überhaupt zur Verdauung gelangt. Je nach der Beschaffenheit des Futtermittels kommen etwa 15-75 Proz. der Rohfaser zur Verdauung, am meisten von jungem saftigen Grünfutter und Wurzelfrüchten, am wenigsten von Stroh und Körnern. ¶