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|Degustation "Schweiz/Tessin, Merlot, Barrique Spitzenweine"

Samstag, 15. September 2007, Hotel Le Grand Chalet, Gstaad
Degustierte Weine
Helvetischer Söldner pflanzt erste Reben im Süden
Ueber Wein wurden im Kanton Tessin nie grosse Sprüche gemacht. Es gab ihn schon immer und wird ihn wahrscheinlich immer geben. Wein war und bleibt im Tessin ein Nahrungsmittel. Früher wurde Wein nur für den Eigengebrauch gekeltert, darum wohl musste es keine Spitzenqualität sein, nur einfach trinkbar. Diverse Rebsorten, die unter der Bezeichnung Nostrano zusammengefasst waren, haben über Jahrhunderte den Wein der Tessiner geprägt. Es gibt wenig geschichtliche Urkunden, die beweisen könnten, dass es im Tessin einmal eine grosse Weinkultur gegeben hätte. Wie in der übrigen Schweiz waren es die Römer, die die Rebe im Süden einführten.
In den Aufzeichnungen eines römischen Gelehrten (Plinius der Aeltere aus Como) kann man von einem helvetischen Söldner lesen, der zur Zeit des Kaisers Cäsars, Oel, Früchte, Wein und Weintrauben in seine Heimat zurückbrachte und im Tessin wahrscheinlich die ersten Reben pflanzte. In Aufzeichnungen aus dem Jahre 1335 lesen wir nur, dass die Weine von Gandria nach Como und Milano verkauft wurden. Im 17. und 18. Jahrhundert gab es einige Reisende, die von Norden über den Gotthard kamen und später in Tagebüchern ihre Eindrücke für die Nachwelt hinterliessen.
Hans Rudolf Schinz beispielsweise, vermittelte im zu Ende gehenden Jahrhundert, einen erstaunlich präzisen Einblick in die Welt der Tessiner Weinbauern. Unter anderem soll der Wein vom Mendrisiott ganze 5,5, Alkoholprozent besessen haben. Erst nachdem um 1880 die Reblaus in die Tessiner Reben eingeschleppt wurde und die meisten vernichtete, besannen sich die Südschweizer eines Besseren und fingen langsam an, mehr auf Qualität als auf Quantität zu bauen.
Die Merlottraube
Die geeignete Rebsorte schien der Merlot zu sein, die gleiche Traube, die im Bordelais so manchem Spitzenwein zu Weltruhm verhalf. Die Merlottraube besitzt hier natürlich nicht die gleichen Eigenschaften wie in Frankreich. Die Böden im Tessin sind wohl fetter, das Klima ist tropischer, doch haben die Weine nicht die gleichen
starken Charaktereigenschaften wie die auf den vielschichtigen und aromatischen Böden des Bordelais gewachsenen. Es ist nicht dieselbe Eleganz und Tiefe. Aber hier in der Schweiz gehört der Merlot zweifelsohne zur Spitze.
Ein Tessiner hat einmal den Merlot folgendermassen umschrieben : "Er ist eine gesunde Pflanze, liebenswürdig und doch herrschaftlich, aromatisch, ohne abgeschliffen zu wirken, herzlich, ohne geschwätzig zu sein, nicht süss, aber nervig und muskuös." Das Charakterbild eines Tessiners wie er leibt und lebt. Obwohl immer wieder von der Sonnenstube der Schweiz gesprochen wird und es uns Deutschweizer regelmässig im Frühling nach Süden zieht, ist das für die Rebe nicht das idealste Klima. Natürlich sind die lauen Winter, in denen die Temperatur selten unter den Gefrierpunkt fällt, besser für die Reben als das nördlich Klima. Aber im Frühling, wenn die Sonnenstrahlen ganz besonders zählen, sind im Tessin regelmässig lange Regenfälle angesagt, die gerne zu einer schlechten Blüte führen oder gar eine Verrieselung verursachen. Der wasserarme Sommer mit seiner grossen Hitze trägt auch nicht gerade zum guten Gelingen des Weines bei. Doch der Herbst entschädigt für alles und lässt alle Unbill schnell vergessen, ein mildes Klima und eine wärmende Sonne bis in den November hinein, und den Nebel kennen die Tessiner nur aus den Erzählungen der Deutschschweizer.
Es gibt einige Persönlichkeiten, die grosse Verdienste um die Neuentdeckung des Merlot errangen. Cesare Valsangiacomo ist einer von ihnen. Der kleine bullige Mann ist unbestritten der König des Tessiner Merlots. Der energiegeladene Tessiner Grossrat ist nicht nur auf dem Papier Präsident der Tessiner Weinhändler, er ist auch der Capo die Capi. Er war der Mann der als erster die Qualität als wichtigsten Faktor erkannte und einen guten, klassischen Merlot auf den Markt brachte. Der Mann der die wahren Werte des Merlot erst richtig erkannte und einen klassischen Merlot auf den Markt brachte war Werner Stucki aus Rivera. Der initiative Winzer überzeugte mit seinen robusten und tanninreichen Merlots, Weine die stark an kräftigen Bordeaux erinnern. Stucky war der Winzer, der dem Merlot über die Grenzen hinaus zu Ansehen verhalf.
Daniel Huber führt den Merlot an die Weltspitze
An die Weltspitze führte den Merlot aber ein anderer junger, initiativer Deutschschweizer. Daniel Huber aus Monteggio erzielte mit seinem Riserva an einer international gut besetzten Blinddegustation ex aequo mit dem legendären Château Pétrus den zweiten Platz. Die Gemüter streiten sich, ob nun der weiche, süffige oder der kräftige, gehaltvolle der wahre Merlot sei. Der klassische Markt ist die rubinrote, leichte, weiche, schnell trinkreife Variante. Die jungen Winzer sind heute vermehrt Verfechter der Bordeaulinie. Ihre Merlots sind von tiefem Rubinrot, kräftig, mit viel Tannin. Jung sind sie noch verschlossen und öffnen sich nach einigen Jahren Lagerung zu einer exklusiven Spezialität. Weitere Rebsorten die im Tessin angebaut werden, sind Cabernet Sauvignon,Cabernet franc, Chasselas, Chardonnay, Kerner und die verschiedenen Nostrano wie Americano, Bondola und Isabella. Wir hatten heute Abend die Gelegenheit, eigentlich sämtliche
aktuellen Spitzenweine zu degustieren, darunter eben auch von Stucki und Huber. Wir haben uns für einmal dazu entschieden, vorerst "nur" die Barriqueweine zu degustieren, um nicht plötzlich viel zu viel Auswahl zu erhalten. Es hat sich allemal gelohnt, denn der Titel hält, was er verspricht :
nämlich Spitzenweine aus Merlot im Barrique gealtert.
Risotto, Polenta, Rubino, Vigna Vecchia Tracce di Sassi und mehr
Am heutigen Abend waren insgesamt -18- Mitglieder anwesend. Diesmal hätten wir die Marke von Zwanzig leicht überschritten. Unglücklicherweise gab es aber für den heutigen Anlass einige Abmeldungen aus Krankheitsgründen. Die Grippe hat zugeschlagen und -6- Personen mussten
sich leider wieder abmelden.
Zur "Sélection de fromages du Tessin au chutney de figues" kam einer der wohl bekanntesten Weinproduzenten im Tessin, der Merlot-Vinattieri von Luigi Zanini und der Rosso dei Roncchi aus der Cantina Monti, sehr gutelungene Cuvée, 80 % Merlot, Diolinoir, Carminoir, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.
Durch den Abend geführt wurden wir vom Herrn des Hauses, Franz Rosskogler, welchen wir nun wirklich nicht mehr vorstellen müssen. Aber auch ihm gebührt ein "Applaus" des Publikums, d.h. heisst sämtlicher anwesender Weinfreunde. Natürlich gilt das "Merci" auch an der ausgezeichneten Küchenarbeit sowie dem Service und allen die wie immer
im Hin tergrund für diesen sehr gelungenen Abend gearbeitet haben.
Die aufmerksame Bedienung im Hotel Le Grand Chalet in Gstaad servierte uns zum Apéro einen
Prosecco Extra Dry
zusammen mit einer Soupe Dubarry (aus Blumenkohl) und einem grossen Raviolo an einer Geflügelfarce.
Zum Risotto "Vialone" aux bolets et fines herbes (von der Wispile) erhielten wir die ersten zwei Barrique Merlots, d.h.
Il Rubino von Adriano Kaufmann und Riflessi d'Epoca von Guido Brivio.
Es war dies wohl eines der besten Risottos das wir je geniessen durften (allein deswegen hat es sich gelohnt, den Weg zum Grand Chalet in
Anspruch zu nehmen).
Es ging weiter mit "Joue et Jarret de veau braisés sur Polenta". eine Spezialität, welche man auch nicht jeden Tag zum Essen vorgelegt bekommt. Dazu wiederum ganze drei Barrique Weine aus
Merlot del Ticiono, nämlich Vigna Vecchia von Tamborini, Tracce di Sassi von Werner Stucky und Montagna Magica von Daniel Huber, wohl der Höhepunkt des Abends.
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Zur "Sélection de fromages du Tessin au chutney de figues" kam einer der wohl bekanntesten Weinproduzenten im Tessin,
der Merlot-Vinattieri von Luigi Zanini und der Rosso dei Roncchi aus der Cantina Monti, sehr gutelungene Cuvée, 80 % Merlot, Diolinoir, Carminoir, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.
Ein schöner Weinabend
Durch den Abend geführt wurden wir vom Herrn des Hauses, Franz Rosskogler, welchen wir nun wirklich nicht mehr vorstellen müssen. Aber auch ihm gebührt ein "Applaus" des Publikums, d.h. heisst sämtlicher anwesender Weinfreunde. Natürlich gilt das "Merci" auch an der ausgezeichneten Küchenarbeit sowie dem Service und allen die wie immer
im Hintergrund für diesen sehr gelungenen Abend gearbeitet haben.
Die Bilder des Abends