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Geld regiert die Welt
Um die allgemeine Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen, muss das Problem von unten nach oben angegangen werden. Und die Frage der Lohngleichheit ist dabei von grundlegender Bedeutung. Seien wir realistisch: Die meisten Menschen arbeiten vor allem, um Geld zu verdienen, was ihnen gestattet, ihre Lebensqualität zu verbessern und ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Erst mit der Erreichung der Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern besitzen Frauen die gleichen ökonomischen Voraussetzungen wie die Männer, was ihnen erlaubt, die Gleichstellung auf anderen Gebieten zu forcieren.
In diesem Zusammenhang hat die Stiftung Equal Salary vor fast 15 Jahren beschlossen, mit einem pragmatischen Lösungsansatz die Lohngleichheit voranzubringen. Das Prinzip ist einfach: Ein Unternehmen, das aus wirtschaftlichen und kommunikativen Gründen überprüfen und nachweisen möchte, dass es tatsächlich Lohngleichheit praktiziert, kann sich zertifizieren lassen. Mit dieser Zertifizierung bestätigt es seinen Status als faires Unternehmen, erhöht seine Attraktivität und verbessert seine Talentbindung. Durch eine stärkere Vertretung von Frauen kann es die Geschlechtervielfalt der Teams und mittelfristig auch in den Leitungsorganen verbessern.
Sehr viel mehr als eine Zertifizierung der Lohngleichheit
In der Schweiz ist die Frage der Lohngleichheit ein seit Jahrzehnten wiederkehrendes Gesprächsthema. 37 Jahre nach der Verankerung des Gleichheitsgrundsatzes in der Verfassung wurde vor kurzem das Gleichstellungsgesetz (GIG) geändert, das Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten verpflichtet, die Lohngleichheit von Frauen und Männern zu überprüfen (siehe Kasten).
Equal Salary ist eine Zertifizierung für alle Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden, die in ihren Teams weniger als zehn Frauen haben. Das Zertifizierungsverfahren beginnt mit einer Gehaltsanalyse, die auf der Regressionsanalyse beruht. Es gestattet den Unternehmen, ihre Gehälter nicht gemäss eines Standardmodells, sondern entsprechend ihrer eigenen Gehaltspolitik zu analysieren – vorausgesetzt, die verwendeten Variablen sind gerecht. Begleitet wird die Analyse von einem Bericht, der ihre Lesbarkeit verbessert und mögliche Risiken aufzeigt.
Lohngleichheit Schweiz
Nach erfolgreicher Analyse (das Unternehmen muss ein Lohngefälle zwischen Frauen und Männern von weniger als fünf Prozent und einen Determinationskoeffizient (R2??) von mehr als 90 Prozent aufweisen) wird im Unternehmen ein Audit durchgeführt, um das Engagement der Geschäftsleitung in der Frage der Lohngleichheit und das Vorhandensein harmonisch eingesetzter HR-Prozesse zu überprüfen. Diese zweite Phase ist von grundlegender Bedeutung. Equal Salary stellt in dieser Phase sicher, dass die eingeführten Prozesse langfristig eine kontinuierliche Verbesserung ermöglichen. Beispielsweise müssen interne Beförderungen diskriminierungsfrei ablaufen und Mitarbeitergespräche müssen geschlechtsneutral sein. In dieser zweiten Phase wird Equal Salary zu einem Versprechen der Gleichstellung im weiteren Sinne, welches dem zertifizierten Unternehmen ermöglicht, die Nachhaltigkeit des Systems zu gewährleisten, um die Grundlagen für Fortschritte bei der Chancengleichheit zu schaffen.
Änderung des Gleichstellungsgesetzes
Am 14. Dezember 2018 haben beide Kammern des Parlaments in der Schlussabstimmung eine Änderung des Gleichstellungsgesetzes verabschiedet und dem Gesetz einen neuen Abschnitt mit dem Titel «Lohngleichheitsanalyse und Überprüfung» hinzugefügt. Der mit dieser Ergänzung verbundene Gesetzgebungsprozess hat zu zahlreichen, oft sehr emotionalen Debatten in Parlament und Medien geführt, die sich insbesondere auf die Notwendigkeit einer obligatorischen Überwachung der Lohngleichheit bezogen. Dieser Prozess hat zu einer sehr abgeschwächten Version der vom Bundesrat vorgeschlagenen Ausgangsversion geführt. Das sind die wichtigsten Bestimmungen des neuen Gesetzes:
- Arbeitgeber mit mehr als 100 Beschäftigten müssen eine interne Analyse der Lohngleichheit durchführen. Das gilt sowohl für private als auch für öffentliche Arbeitgeber
- diese Analyse muss «nach einer wissenschaftlichen Methode und in Übereinstimmung mit dem Gesetz» durchgeführt werden, wobei Bern allen Arbeitgebern ein kostenloses Standardanalysetool zur Verfügung stellt
- diese Analyse muss durch ein unabhängiges Organ, d. h. eine zugelassene Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, überprüft werden, wobei der Bundesrat für die Festlegung der Kriterien für die Ausbildung der Prüfer zuständig ist
- die Ergebnisse dieser Analyse müssen den Arbeitnehmern mitgeteilt werden. Sowohl bei börsennotierten Unternehmen als auch im öffentlichen Sektor muss das Ergebnis veröffentlicht werden
- in dem Gesetzesentwurf ist keine Sanktion oder Verpflichtung zur Korrektur einer ungleichen Situation vorgesehen
- Die Analyse muss alle vier Jahre wiederholt werden. Ergibt die Analyse jedoch, dass die Lohngleichheit eingehalten wird, wird der betreffende Arbeitgeber in Zukunft endgültig von der Verpflichtung zur Durchführung einer Analyse befreit
- der Bundesrat legt das Datum fest, an dem die Analysen erstmals seitens der betroffenen Arbeitgeber durchgeführt werden müssen
- der Bundesrat muss spätestens neun Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes einen Bericht über die Wirksamkeit der Analysepflicht vorlegen
- die Gültigkeitsdauer des neuen Gesetzes ist auf zwölf Jahre ab seinem Inkrafttreten beschränkt
Im Zuge der Verabschiedung des neuen Gesetzes wird derzeit eine Verordnung zur Überprüfung von Analysen der Lohngleichheit Schweiz im Sinne des Gleichstellungsgesetzes vorbereitet. Der Bundesrat legt in diesem Jahr das Datum des Inkrafttretens der Gesetzes- und Verordnungsänderung fest.
Aus globaler Sicht ist es weniger der Inhalt des neuen Gesetzes – es entspricht dem Minimum vom Minimum –, sondern vielmehr die Tatsache bemerkenswert, dass das Bundesparlament, trotz mehrerer Versuche von Vertretern seitens der Wirtschaft, das Projekt zu begraben, die Gesetzgebung beschlossen hat.