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Geschichte und Geographie der Csángó
In der Empfehlung 1521(2001) der Versammlung des Parlaments des Europarates werden die „Csángós“ (rumänisch: ceangai) als eine römisch katholische Volksgruppe ungarischen Ursprungs bezeichnet. Aufgrund ihrer ausgeprägten Eigenart, ihrer Sprache, Kultur, Volkskunst und ihren uralten Traditionen, wurde beschlossen, diese Volksgruppe als gefährdete Minorität von europäischem Interesse einzustufen. Gefasst wurde dieser Beschluss nicht zuletzt auch aus sicherheitspolitischen Gründen. Die Empfehlungen der Resolution an die Regierung Rumäniens sollen eine friedliche Entwicklung unterstützen. Die Csángós leben überwiegend im rumänischen Komitat Bacau (ungarisch: Bákó), im Seret (Szeret)-Tal zwischen dem Grenzfluss Prut und den Karpaten. Der rumänische Staatschef Traian Basescu hat sich für die gewaltsame Assimilation der Csángó - Ungarn zur Zeit des Kommunismus am 18.12.2006 im Parlament entschuldigt.
Im ethnischen Schmelztiegel der Moldau haben die Csángós – im orthodoxen Umfeld und trotz massivem Assimilationsdruck – seit dem frühen Mittelalter als katholische Minderheit überlebt. Im Sagenkreis der Csángós lebt die Legende – wie bei den Széklern in Siebenbürgen –, dass sie von Attila, dem König der Hunnen, abstammen. Gemäss päpstlichem Brief von 1234 haben sie im Bistum Cumaniae schon damals in allen Schichten der Bevölkerung wesentlichen Anteil gebildet. Im Jahre 1324 wurde das Fürstentum Moldau vom ungarischen Anjou-König Ludwig des Grossen (Nagy Lajos) als sein Lehnsgut gegründet. Die eigentliche Staatsgründung erfolgte durch Fürst (vajda) Dragos im Auftrag des Königs. Die damalige Moldau erstreckte sich von den Karpaten bis zum Fluss Dnjester. Die Eigenstaatlichkeit der multiethnischen Moldau erreichte unter Istvàn Nagy (1457-1504) ihre Glanzzeit. Dem Vorrücken des Osmanischen Reiches zur Folge, als die Walachei Feudaluntertan von Konstantinopel (Istanbul) wurde, fand eine vermehrte Einwanderung von Wlachen (Rumänen) statt. Damit lösten im Vielvölkerstaat Moldau, als grösste Volksgruppe, die Rumänen die Ungaren ab. Im 16. Jahrhundert wurde dann die Moldau selbst auch zum Steuerzahler des osmanischen Reiches. Nach der Türkenzeit in Ungarn bedeutete der Zuzug von Székler - Ungaren aus Siebenbürgen - im Jahr 1764 (Mádéfalvi veszedelem) eine wesentliche Stärkung der Volksgruppe.
Das erwachende Nationalbewusstsein und die Welle der Aufstände um 1848 in ganz Europa ermöglichten im Jahre 1860 - zwar unter der nominalen Oberhoheit des Osmanischen Reiches - die Vereinigung der Fürstentümer Walachei und Moldau. Daraus entstand der Nationalstaat Königreich Rumänien und herrschte bis zum Sturz durch die Kommunisten in 1947. Heute umfasst das Volk der Csángós etwa. 250’000 Menschen, von denen schätzungsweise 60’000 ungarisch sprechen. Bis zur Herrschaft von Ceausescu wurde in 50 ungarischen Schulen unterrichtet. Nach 1965 wurden die Schulen sukzessive geschlossen. Eine traurige Rolle spielte seit jeher die hier aktiv missionierende katholische Kirche. Hand in Hand mit dem rumänischen Königreich hat sie die Rumänisierung der Bevölkerung vorangetrieben. Der Gebrauch der ungarischen Sprache in den Kirchen der Csángó - Dörfer ist bis heute verboten, obwohl sie über einen grossen Schatz wertvoller Kirchenlieder verfügt.
Dass solche unliebsame Zustände der Geschichte angehören, dafür gibt es heute erfreuliche Zeichen. Die Koexistenz und Pflege diverser Kulturen wird allgemein immer mehr als gegenseitige Bereicherung empfunden. Mit unserem Hilfsprojekt „Haus der Kinder“ für Csángó – Ungaren unterstützen wir gleichzeitig das EG-Mitglied Rumänien, um seine Minderheiten bewusst sie im Sinne der europäischen Bestrebungen in eine tolerante, erfolgreiche, multiethnische Gemeinschaft zu integrieren. Solche Bestrebungen haben in der Region ohnehin Tradition: Die Moldau des 15. Jahrhunderts kann ihre Blütezeit gerade der kulturellen Vielfalt ihrer damaligen Völkergemeinschaft verdanken!
Der Verein der Csángó - Ungarn in der Moldau (Moldvai Csángó - Magyarok Szövetsége MCSMSZ, www.csango.ro gegründet 1990, offiziell registriert im Jahre 2005, ist ihre Interessenvertretung. Er unterstützt die Csángó-Bevölkerung in allen Belangen.
Peter J. Guha