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Viele Leute vermenschlichen Pferde. Wir denken, dass sie sauber sein sollten. Wir denken, dass sie schöne, warme Decken tragen sollten, wenn es kalt ist, und wir denken, dass sie zwei oder drei Mahlzeiten am Tag essen sollten.
Pferde sind Pferde – keine Menschen. Sie sollten wie Pferde behandelt werden. Sie mögen es, schmutzig zu werden. Sie können in den meisten Fällen ihre eigene Körpertemperatur regulieren. Sie haben ein einzigartiges Verdauungssystem, das sich sehr vom menschlichen Verdauungstrakt unterscheidet.
Das Verständnis der Pferdeverdauung sollte oberste Priorität haben. Es mag einem erscheinen, dass das Verdauungssystem des Pferdes ziemlich empfindlich ist, aber viele der allgemeinen Verdauungsprobleme sind auf die unnatürliche Art zurückzuführen, wie Pferde gefüttert werden. Wenn ein Pferd in der Wildnis mit tausenden Hektar freier Weide lebt und die einzige externe Forderung darin besteht, sich selbst zu erhalten und gelegentlich vor Räubern zu laufen, dann dient diese Konfiguration den meisten Fällen recht gut.
Ein Minimum von 4 Hektaren ist pro Pferd erforderlich, um genügend Futter für den Verzehr zu produzieren, angemessene Bewegung zu ermöglichen und Parasitismus zu minimieren. Dies ist in der modernen Welt für die meisten Menschen schwer bis unmöglich zu erreichen. Reiten oder Longieren muss für das Training ausreichen, und das Pferd ist viel mehr auf Heu angewiesen. Wurmkuren befreien sie von Parasiten – zumindest von den meisten- natürlich gibt es Ausnahmen.
Hier sind einige faszinierende (und gut zu wissende) Fakten über die Verdauung von Pferden:
- Das Pferd ist ein Nicht-Wiederkäuer Pflanzenfresser. Das Verdauungssystem hat Gemeinsamkeiten mit dessen von Hunden und Katzen (und Menschen), die monogastrisch sind, sowie dessen von Wiederkäuern, die 3-4 Magenfächer besitzen.
- Das Raufutter (die natürliche Nahrung des Pferdes) wird vom Pferd gründlich gekaut, dabei produzieren die Speicheldrüsen bis zu 37 Liter Speichel pro Tag. Speichel ist entscheidend für die Neutralisierung von Magensäure und die Verringerung des Risikos von Magengeschwüren. Pferde produzieren nicht so viel Speichel, wenn sie Getreide (Kraftfutter) fressen.
- Die Speiseröhre, die in den Magen mündet, funktioniert beim Pferd nur in einer Richtung. Futter kann also nicht erbrochen werden.
- Der Magen hat eine Kapazität von 8-10 Liter, was im Vergleich zu anderen Teilen des Verdauungssystems ziemlich wenig ist.
- Wasser bleibt nur etwa 15 Minuten im Magen des Pferdes bevor es in den Dünndarm geht. Die Futterretention variiert je nach Art – diese sind für Gras, Heu oder Getreide unterschiedlich.
- Wenn der Magen leer ist, kann Säure die Plattenepithelzellen in der Magenschleimhaut angreifen, was häufig zu Geschwüren führt. Daher sind häufige kleine Futterportionen verteilt über den Tag (und die Nacht!), der permanente Zugang zu einem Slow Feeder (zB. Heunetz) oder zur Weide wichtig.
- Der grösste Teil der Verdauung und Absorption (Aufnahme) von Zuckern, Stärken, Proteinen (Eiweissen) und Fetten erfolgt im Dünndarm.
- Pferde haben keine Gallenblase. Stattdessen hilft der Dünndarm bei der Verdauung von Fetten.
- Wenn mehr als 1 g Zucker und Stärke pro Kg Körpergewicht den Dickdarm passieren, kann dies möglicherweise Colitis und Durchfall verursachen. Pferde sollten hauptsächlich Raufutter und nur geringe Mengen eines kohlenhydratarmen Kraftfutters verfüttert bekommen.
- Der Blinddarm ist homolog zum menschlichen Blinddarm.
- Der Dickdarm ist wie ein gestapelter Hufeisen geformt, mit unterschiedlichem Durchmesser, um eine richtige Mischung und Verdauung der Nahrung zu ermöglichen.
- Der Nahrungsbrei geht im oberen Teil des Blinddarms rein und wieder raus. Dies ist eine häufige Stelle für Verstopfungskoliken, die oft auf mangelnde Wasseraufnahme zurückzuführen ist.
- Der Blinddarm und andere Teile des Dickdarms enthalten aktive Populationen von Bakterien und Hefen, die dabei helfen, die Nahrung in einem Prozess, der Fermentation genannt wird, abzubauen. Dies führt zur Bildung von flüchtigen Fettsäuren, aus denen das Pferd den grössten Teil seiner Energie gewinnt. Es ergibt sich auch eine grosse Menge an Gas als Nebenprodukt.
- Die Bakterien- und Mikrobenpopulationen spezialisieren sich auf die Fermentation der Art Futter, die das Pferd normalerweise frisst. Wenn ein neues Futter plötzlich eingeführt wird, können die Bakterien / Mikroben es nicht effektiv gären (fermentieren) und das Ergebnis ist oft Kolik. Daher sollten alle Futterwechsel sehr langsam vorgenommen werden!
- „Darmgeräusche“ weisen darauf hin, dass sich Nahrung durch den Verdauungstrakt bewegt. Fehlen diese Geräusche bedeutet dies, dass es zu Verdauungsstörungen oder Verstopfung kommt.
- Ein Pferd benötigt täglich mindestens 1,5% (eher 2%) seines Körpergewichts an langstieligem Raufutter (Gras / Heu) für eine normale Verdauungstraktaktivität; das sind 7.5 – 10 kg Raufutter für ein 500 kg Pferd.
- Der gesamte Verdauungsprozess, von Eingang bis Ausgang, dauert etwa 36 – 72 Stunden.
- Wenn es von Ende zu Ende ausgebreitet würde, wäre der Verdauungstrakt des Pferdes etwa 35 Meter lang, von Mund bis After.