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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXXIII. (Nr. 55.) Antwort auf die Fragen des Januarius. Zweites Buch.
13.
Darum schließen wir auf den Erfolg unserer Handlungen nicht aus der Sonne, dem Mond, den Jahres- und Monatszeiten, um nicht in den gefährlichsten Stürmen des Menschenlebens gleichsam an den Klippen einer elenden Abhängigkeit zu zerschellen und am freien Willen Schiffbruch zu leiden, sondern wir gebrauchen mit größter Gottesfurcht passende Gleichnisse zur heiligen Versinnbildung eines Geheimnisses. Wir verwenden dazu die übrigen Geschöpfe und besonders Winde, Meere, Erde, Vögel, Fische, Rinder, Bäume und Menschen. Bei der Predigt geschieht das häufig, bei der Feier der heiligen Geheimnisse aber trotz aller christlichen Freiheit nur in sehr beschränktem Maße. Hier verwenden wir zum Beispiel Wasser, Getreide, Wein und Öl. Dem Volke des Alten Bundes war vieles vorgeschrieben, was uns nur zur Kenntnisnahme überliefert ist. Denn „wir beachten nicht Jahre, Monate und Zeiten“1, damit uns der Apostel nicht sage: „Ich fürchte, vergeblich bei euch gearbeitet zu haben“2. Er tadelt nämlich die, die sagen: „Ich will heute nicht abreisen, denn es ist der unrechte Tag“, oder: „Der Mond ist gerade in einer gewissen Stellung“, oder: „Heute will ich abreisen, damit das Geschäft gut vor sich gehe, denn die Gestirne sind in einer ganz bestimmten Stellung. Ich will in diesem Monate keinen Handel treiben, denn jener Stern schwebt über dem Monate“, oder: „Ich will Handel treiben, denn jener Stern beherrscht den Monat. Ich möchte in diesem Jahre keinen Weinberg pflanzen, denn es ist ein Schaltjahr.“ Hingegen wird kein Vernünftiger der Ansicht sein, es seien diejenigen zu tadeln, die auf die Zeit Rücksicht nehmen, indem sie sprechen: „Ich will heute nicht reisen, weil sich ein Sturm erhoben hat“, oder: „Ich möchte nicht zu Schiffe gehen, weil der Winter sich noch geltend macht“, oder: „Es ist Zeit zu säen, weil die Erde vom Herbstregen getränkt ist“, oder wenn man sonst andere natürliche Wirkungen des so wohlgeordneten Laufes der Gestirne auf die Luftströmungen oder auf die den Witterungswechsel bedingende Feuchtigkeit berücksichtigt. Als sie geschaffen wurden, ist ja von ihnen gesagt worden: „Sie sollen sein zu Zeichen und Zeiten, zu Jahren und Tagen“3.Wenn aber bei der Ausspendung der Sakramente einige Sinnbilder nicht nur vom Himmel und von den Gestirnen, sondern auch von niedrigeren Dingen hergenommen sind, so liegt darin eine Art Beredsamkeit der heilbringenden Lehre, die sich herbeiläßt, die Herzen ihrer Anhänger zu rühren, indem sie sie vom Sichtbaren zum Unsichtbaren, vom Leiblichen zum Geistigen, vom Zeitlichen zum Ewigen erhebt.
1: Gal. 4, 10.
2: Ebd. 4, 11.
3: Gen. 1, 14.