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Im Schatten von Serena Williams spielen sich am Australian Open auch andere Amerikanerinnen ins Rampenlicht. In Melbourne kämpfen Jessica Pegula und Jennifer Brady um einen Platz im Halbfinal.
«Ich warte auf dich, Jen B», schreibt Jessica Pegula nach ihrem Überraschungssieg in drei Sätzen gegen die Weltnummer 5 Jelina Switolina auf die Linse der TV-Kamera. Im Moment ihres grössten Triumphs denkt die WTA-Nummer 61 an ihre gute Freundin Jennifer Brady. Zwei Stunden später macht diese den rein amerikanischen Viertelfinal perfekt.
Während die amerikanischen Männer fast schon verzweifelt dem ersten Grand-Slam-Sieg seit Andy Roddick am US Open 2003 hinterherjagen, sorgen die US-Ladies regelmässig für positive Überraschungen. Letztes Jahr kürte sich Sofia Kenin am Australian Open fast aus dem Nichts zum Grand-Slam-Champion, vor zwei Jahren marschierte Danielle Collins bis in die Halbfinals und nun gelingt also Pegula oder Brady, der Nummer 24 der Welt, am Mittwoch mindestens das gleiche.
Den Eltern gehören ein NFL- und NHL-Team
Der Unterschied zum Werdegang von Williams, die im Viertelfinal am Dienstag gegen Simona Halep den nächsten Schritt zum (rekordbringenden) 24. Grand-Slam-Titel machen will, könnte kaum grösser sein. Während Williams ihre ersten Tennisschritte im von Armut und Kriminalität geplagten Los-Angeles-Stadtteil Compton machte, wurde Jessica Pegula mit dem goldenen Löffel im Mund geboren.
Ihre Eltern Terry und Kim, selber ein Adoptivkind aus Südkorea, sind Unternehmer und Besitzer der Profi-Sportteams Buffalo Bills (Football) und Buffalo Sabres (Eishockey). Geld kann also nicht der Antrieb von Jessica Pegula sein. Die heute 26-Jährige brauchte bei der Verfolgung ihres Traums einer Tenniskarriere dennoch einen langen Atem. Zwischen US Open 2015 und US Open 2020 gewann sie bei Grand-Slam-Turnieren nicht ein Spiel im Hauptfeld, nun steht sie erstmals in einem Viertelfinal. Dafür eröffnete sie gleich neben dem Heimstadion der Buffalo Sabres ein Fastfood-Restaurant und lancierte ihre eigene Linie von Hautpflegeprodukten.
Nicht unähnlich verlief die Tenniskarriere der ein Jahr jüngeren Jennifer Brady. Nach ihrem Durchbruch 2017 mit der Qualifikation für die Achtelfinals in Australien und New York gewann sie in den folgenden zweieinhalb Jahren bei den grossen drei Turnieren nur noch drei Partien – bis zum Halbfinal am letzten US Open.
Strenge Quarantäne als Segen
Nun waren die Voraussetzungen für eine Bestätigung dieses Exploits denkbar ungünstig. Brady gehörte zu den 72 Spielerinnen und Spieler, die in die harte Quarantäne mussten und zwei Wochen nicht mal zum Trainieren ihr Hotelzimmer verlassen durften. Alle taten sich danach sehr schwer, doch die 25-Jährige aus Pennsylvania erreichte als einzige Frau aus dieser unglücklichen Gruppe die zweite Woche des Australian Open. Als eine der wenigen fand sie sogar Positives in ihrem Schicksal.
«Am Anfang war ich natürlich sauer, aber dann sagte ich: Ok!», blickt sie zurück. «Es war natürlich nicht die ideale Vorbereitung auf ein Grand-Slam-Turnier, aber es blieben ja immer noch acht Tage. Und es gibt wahrlich Schlimmeres, als 14 Tage in einem Zimmer festzusitzen.» Sie habe länger als üblich geschlafen, meist bis 11 Uhr, und zweimal am Tag trainiert, mit Tennisbällen, einem Hometrainer und Gewichten. «Der wichtigste Teil der Arbeit war aber mental.»
Brady entschied sich zu einem positiven Ansatz – und ist damit sehr gut gefahren. «Natürlich hatte sie auch schlechte Tage», erzählt ihr deutscher Coach Michael Geserer. «Aber sie hat das Beste daraus gemacht. Genau so spielt sie auch Tennis: Sie versucht, einen Weg zum Sieg zu finden, auch wenn sie nicht optimal spielt.» Die Amerikanerin findet sogar: «Ich kam mental frischer aus der Quarantäne. Tief in mir drin muss ich sagen: Es war sogar ein Glück, 14 Tage in den Lockdown zu müssen.» Mit dieser, wohl typisch amerikanischen Einstellung ist nun alles möglich.Zurück zur StartseiteZurück zum Sport
sda