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Zu Beginn des neuen Jahrtausends gab es mitten in explodierenden Aktienkursen und offenbar unaufhaltsam steigenden Häuserpreisen ein paar Spassbremsen, die scheinbar unmögliche Dinge - Scheitern grosser Banken, Bankrott von Fannie Mae - prognostizierten. Aber keiner wollte das hören. Doch rückblickend zeigt sich nun, dass zumindest einige Recht behielten. Zum Beispiel Yale-Professor Robert Shiller, Vermögensverwalter Jeremy Grantham, Anlagefondsmanager Bob Rodriguez oder Peter Schiff, der Chef eines Brokerhauses.
Und im Gegensatz zur allgemeinen Meinung, dass sich die Wirtschaft bis Ende 2009 erholen werde, sagen sie, das Schlimmste stünde noch bevor, und warnen, dass die Regierungshilfen für Übernahmen und Rettungspläne für gescheiterte Geschäftsmodelle langfristig noch böse Folgen haben könnten. Sie erwarten, dass die Konsumenten ihre Ausgaben kürzen und ihre Sparrate erhöhen werden, was zwar gut für die US-Haushalte, aber sehr schlecht für das Land wäre, da der private Konsum rund 70% der gesamten wirtschaftlichen Aktivität antreibt.
Aktienkurse fallen und fallen
Auch Steuererhöhungen werde es dann geben, die Aktienkurse werden weiter fallen, der S & P sich auf einem Niveau um 30% tiefer als heute etablieren. Die Experten sagen auch voraus, dass nicht «Deflation» das entscheidende Stichwort sei, sondern in einigen Jahren eine Inflation, vielleicht sogar eine Hyperinflation drohen könnte, wenn die US-Notenbank Fed immer mehr Geld zuschiesst und sich auf unerprobte Massnahmen wie den Ankauf von Hypotheken oder anderen Assets verlässt.
Schon im Jahr 2000 warnte Jeremy Grantham, der Mitgründer von GMO in Boston, vor einer «sensationellen Pleitewelle». Damit war er zwar Jahre zu früh dran, führt die Verzögerung aber darauf zurück, dass die Fed nach den Anschlägen vom September 2001 zur Vorbeugung einer Rezession die Zinsen gesenkt und die «grösste Idiotenrally in der Geschichte» gefördert habe. Schon 2007 sagte er für Oktober 2008 sehr grosse wirtschaftliche Risiken und den Zusammenbruch von «mindestens einer grossen Bank» voraus.
Derzeit rechnet Grantham mit dem Ausbruch einer Wettabwertung» unter den Nationen, da jede versuche, die eigene Wirtschaft anzukurbeln und wirtschaftliche Nachteile zu vermeiden. Damit werden zwar einerseits die Exporte gefördert, andererseits aber auch die Inflation. Die Aktienkurse seien zwar gefallen, stünden aber noch nicht so tief wie in den Rezessionen von 1974 und 1982.
Seine Firma hält sich wegen der günstigen Bewertungen wieder mehr an Schwellenländer wie die Türkei, Korea und Thailand, wo er für die nächsten sieben Jahre jährliche Realgewinne von 9,5% erwartet. Für die USA rechnet er mit 7,5%. Ein Lichtblick auf dem heimischen Markt sind für ihn dabei Namen wie Coca-Cola, Wal-Mart und Microsoft. «Die Super-Blue-Chips sind in jedem Markt der Welt attraktiv.»
Zeichen erkannt
Bob Rodriguez, CEO von First Pacific Advisors in Los Angeles, managt den FPA New Income Fund, der nach Änderungen der Investmentstrategie in den Vorjahren 2008 mehr als 4% stieg. Er sah bereits 2005 Sturmwolken heraufzie-hen, als vermeintlich hochwertige «Alt-A»-Hypotheken merkwürdige Verhaltensmuster zeigten: Ausfälle und Kündigungen von Hypotheken nahmen zu.
Seither bombardierte er seine Anleger mit immer mürrischeren Rundschreiben, in denen er alle Bereiche von Finanzdienstleistungen angriff, da er einen «pandemischen Kollaps» kommen sah. Seit 2004 schichtete er auf bis zu 45% Cash um.
Er erwartet, dass die US-Konsumenten künftig mehr sparen werden, etwa 7 bis 10% bis 2010. Der künftige Präsident Obama werde «versuchen, die Ausgaben anzukurbeln, während die Verbraucher auf die Bremse treten». Dennoch hat Rodriguez zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr wieder Aktien gekauft. Fast 70% der Investitionen flossen in den Energiemarkt, weil Preise für reale Assets bei starker Inflation eher steigen.
Schon 2004 warnte Peter Schiff, Präsident und Chefstratege der Brokerfirma EuroPacific Capital aus Connecticut, die Anleger, der Häusermarkt sei ein «Kartenhaus» und Aktienkurse würden durch Fed und Weisses Haus, die «entgegen den Marktkräften» agierten, künstlich aufgeblasen. Bereits 2006 sagte er voraus, dass dieser Markt zusammenbrechen werde.
Für die Zukunft sieht Schiff eine «massive Rezession» und steigende Zinsen, denn die US-Regierung müsse ausländische Investoren anlocken, die Billionen von Dollar in die Staatsanleihen stecken, mit denen die Wirtschaft finanziert werden soll. Doch «sie werden unsere Staatsanleihen und andere Währungen nicht für immer kaufen, dann wird der Wert des Dollar rapide fallen». Er warnt die neue Regierung: «Wenn sie nicht aufpasst, wird sie den Wert aller Ersparnisse in diesem Land vernichten.»