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Weitere Luftaufnahmen von Lenzburg
Auf einer flachen Felskuppe oberhalb des Städtchens Lenzburg erhebt sich die ausgedehnte Burganlage gleichen Namens. Eine grosse Zahl von locker aneinanderhängenden Baukörpern umsäumt die östliche Hälfte der Felskuppe, während die andere Hälfte der heutige Garten von einem Bering umgürtet wird. Die einzelnen Gebäude stammen aus den verschiedensten Zeiten. Als ursprünglicher Baubestand aus der Zeit der Grafen von Lenzburg gelten der südliche Bergfried mit dem angebauten Palas sowie der nördliche Bergfried Zur vorbernischen Epoche gehören das Ritterhaus, gewisse Teile des Torhauses und das vom Landvogt Rudolf von Aarburg errichtete und nach ihm benannte Haus, ferner vielleicht einzelne Teile der sogenannten Landvogtei und des Berings. Die übrigen Baukörper entstanden unter der bernischen Herrschaft.
Dabei handelte es sich um Um- oder Neubauten, wie die Landvogtei, das nördliche Wohngebäude und das Hintere oder berner Haus. Östlich vom Torhaus steht der einstige nördliche Bergfried. Seit dem Umbau von 1718 bis 1720 ist er mit den anstossenden Gebäuden verschmolzen. Früher stand er frei und war mit einer Zinnenbekrönung abgeschlossen. Vom ursprünglichen Mauerwerk haben sich die Reste in der Westmauer sowie die Fundamente der abgetragenen Ost- und Südmauer erhalten. Der Bergfried an der Südseite der Burg weist einen quadratischen Grundriss und ziemlich dickes Mauerwerk auf. 1728/29 war der Turm bei einem Umbau in ein anderes Gebäude einbezogen worden. Die Nordmauer des Turms wurde zu diesem Zweck bis auf das Erdgeschoss abgebrochen. 1896 wurde der Bau, welchen man als Kornhaus benutzt hatte, bereits wieder niedergelegt, wobei man den schon 1369 urkundlich genannten, tief in den Felsen eingehauenen Sod freigelegte, die Nordmauer des Bergfrieds aufbaute und den nun an drei Seiten wieder freistehenden Turm mit neuen Fenstern und einem Walmdach ausstattete. Im untersten Geschoss enthielt der Bergfried ein Verlies. Unter den Bernern hiess der Turm deshalb „Kefe“.
Auch das Wohngebäude, der Palas, entstand wohl in der gleichen Zeit wie der Bergfried. Die Fenster in der Nordfassade hingegen stammen aus jüngerer Zeit. Neben dem Bergfried steht das stattliche Ritter- oder Herzogenhaus, ein Bau aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Das mit architektonischen Details reich ausgestattete Gebäude diente den Herzögen von Habsburg-Österreich als Raum für festliche Anlässe. Es spricht nicht gerade für einen ausgeprägten Kunstsinn der Berner, dass sie dieses Gebäude verkürzten, neue Decken einzogen und das ganze als Korn- und Heumagazin benutzten. Im Winkel zum nördlichen Wohnhaus, 1672 bis 1674 von den Bernern aufgebaut, erhebt sich die Landvogtei, der einstige Sitz fes Landvogts. Im Kern mag das Gebäude auf einen 1460 von Adrian von Bubenberg errichteten Bau zurückgehen. Das mit seinem Treppengiebel wie ein spätgotisches Bürgerhaus aussehende Bauwerk schliesst den Burghof nach Osten ab. Der Zwischenraum zur Ringmauer wurde im 17. Jahrhundert mit einem zwiebelbehelmten Treppenturm ausgeführt.
Ob Lenzburg wirklich von den Grafen von Lenzburg errichtet wurde, kann nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Die Heimat der Lenzburger und ihr ursprünglicher Stammsitz lagen im Gasterland, wo das Geschlecht bereits im 10. Jahrhundert weitgespannte politische Beziehungen unterhielt. Arnold, der 976 als Reichsvogt in Zürich bezeugt ist, hatte sich mit der Erbtochter des aargau-Grafen Bero vermählt. Diese Heirat brachte ihm grossen Hausbesitz im Aargau ein und vielleicht auch die bereits bestehende Feste Lenzburg. Sein Sohn Ulrich wird 1036 zum ersten mal als Graf von Lenzburg erwähnt. Das Geschlecht nannte sich von nun an nach ihrem Hauptsitz „von Lenzburg“. Die Burg bestand zu jener Zeit lediglich aus Holzbauten. Steinere Türme, Steinhäuser und Beringe dürften wohl kaum vor Mitte des 11. Jahrhunderts erbaut worden sein. Im 11. und 12. Jahrhundert stiegen die Lenzburger zu einem der mächtigsten Dynastengeschlechter auf. Dank einer klug eingefädelten Kolonisationspolitik, die adlige Ministerialen und Klöster betrieben, vergrösserten sie ihren Grundbesitz. Im Investiturstreit nahmen sie für den Kaiser Partei. Ulrich II von Lenzburg hielt gar einen päpstlichen Legaten auf der Lenzburg gefangen. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts teilte sich das Geschlecht in zwei Zweige, wobei sich das jüngere in der Folge auf der Burg Baden niederliess. Nach dem Tod Arnolds IV von Baden erbte Ulrich IV alle Lehen, während das badener Allod über Arnolds Tochter Richenza an die Grafen von Kyburg gelangte. Ulrich IV war ein treuer Dienstmann des Kaisers und begleitete Friedrich Barbarossa auf vielen Kriegszügen.
Nachdem er fast seinen gesamten Besitz dem Kaiser vermacht hatte, starb das zu Ehren und Reichtum gekommene Geschlecht mit dem Tod von Ulrich 1173 aus. Barbarossa fand sich persönlich auf der Lenzburg ein, um die Erbschaft zu regeln. Sein Sohn Otto nahm auf der Burg Wohnsitz und trug gar den Titel eines Grafen von Lenzburg. Nach seinem frühen Tod gelang es den Kyburgern, einen Grossteil des lenzburgischen Erbes in ihre Hand zu bekommen. Die Kyburger gründeten die Siedlung am Fuss des Burghügels, die bald grosse Bedeutung erlangte. Nachdem auch die Kyburger ausgestorben waren, brachte Graf Rudolf IV von Habsburg als Vormund der kyburgischen Erbtochter Anna die Lenzburg und die aargauischen Güter in seinen Besitz. Nach seiner Krönung zum König hielt er auf der Lenzburg wohl im Ritter- oder Herzogenhaus einen glanzvollen Hoftag ab. Auf der Feste wohnten nun auch verschiedene habsburgisch-österreichische Dienstleute, die einzelne Häuser und Türme als Lehen erhalten hatten, so Ritter Johann von Hallwil, Peter Truchess von Wolhusen und andere. Die Siedlung unterhalb der Burg wurde vom Haus Habsburg mit einem Stadtrecht und anderen Privilegien ausgestattet. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Burg mehrmals umgestaltet, so dass man sich kaum mehr eine Vorstellung von ihrem Aussehen unter den Grafen von Lenzburg machen kann. Bei der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen wurde die Lenzburg von den Bernern vergeblich belagert. Es gelang der Stadt bern dann 1433 doch noch, die Burg und das Amt Lenzburg mit den hohen und niederen Gerichten durch Kauf zu erwerben. Bis zum Ende der bernischen Herrschaft diente die Lenzburg als Landvogteisitz. Die Burg wurde diesem Verwendungszweck baulich mehrmals angepasst. 1804 wurde das Schloss dem Kanton Aargau zugeteilt. Dieser überliess es dem Pädagogen Johann Christian Lippe, der darin eine Erziehungsanstalt für Knaben einrichtete. Nachdem das Schloss lange Jahre in privater Hand war, gelangte es 1951 wieder in den Besitz
Bibliographie