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UREINWOHNER DES PANTANAL
Die ersten Bewohner der Region, die Indianer, hinterliessen ein Erbe, welches sich noch heute in der regionalen Kunst und Kultur, im Tanz und in der Musik, in der typischen regionalen Küche und in anderen Manifesten der Folklore wieder findet. Indios Guaicuru, Terena, Paiaguá und Xané bewohnten Orte in der Nähe von Flüssen am Fuss der Randgebirge – sie formten unterschiedliche Stammesgruppen mit unterschiedlichen Sprachen. Allen gemeinsam war, dass sie ihre Nahrung prinzipiell durch Jagd und Fischfang aufbrachten, in einem Universum, in dem der Tisch stets reich für sie gedeckt war.
Zu Pferd oder im Kanu eroberten die Indios die weite des Pantanal, und sie hinterliessen überall die Beweise für ihre Existenz: legten Pfade an, erkundeten Flüsse und kleinere Wasserarme und zeigten den Weissen, mit denen manche Stämme friedlichen Kontakt pflegten, ihre Verbindungswege.
Als die ersten weissen Männer ins Pantanal eindrangen – am Anfang des 16. Jahrhunderts – fanden sie verschiedene Indianerstämme vor, jedes Volk mit seinen persönlichen Eigenheiten, aber fast alle mit einer einzigen Sprache, dem „Guarani“.
Als hervorragende Reiter beherrschten die „Guaicurus“ den gesamten Süden des Pantanal – von der Serra da Bodoquena bis nach Porto Murtinho. Sie holten sich ihre Pferde aus Paraguay und bewegten sich schnell und überraschend in ihrem Hoheitsgebiet, gefürchtet von allen ihren Nachbarn. Mit den Guaicurus mischten sich im Lauf verschiedener Generationen die „Guaná“, die „Guachi“ und die „Kadiweu“ – letzteren kommt eine wesentliche Beteiligung am „Paraguayischen Krieg“ zu, in dem sie an der Seite Brasiliens fochten.
Ein anderer Stamm aus dem Pantanal, dem grosse Bedeutung zukommt, sind die „Paiaguás“, die man als „Kanu-Indianer“ fürchtete, denn sie drangen immer wieder auf den zahllosen Kanälen des Pantanal in die Hoheitsgebiete ihrer Nachbarn ein und lieferten sich Gefechte mit ihnen. Vom Paraguay-Fluss aus drangen sie in die Flüsse Miranda und Negro vor. Sowohl Paiaguás als auch Guaicurus zeichneten sich als kriegerische Stämme aus, die über drei Jahrhunderte hinaus ihren Boden gegen Eindringlinge verteidigten.
Gute Fischer und exzellente Schwimmer kann man die Paiaguás durch ihre vollkommene Anpassung an den Überschwemmungs-Zyklus als den charakteristischsten Stamm des Pantanal bezeichnen.
Die Xanés und die Xaray, ebenfalls gute Kanuten, wurden von den Paiaguás bezwungen – sie waren von friedlicherer Natur und ausserdem weniger zahlreich. Der einzige Nomaden-Stamm, die Guatô, lebten auf der rechten Seite des Rio Paraguai und zogen in der gesamten Region des Paiaguá-Pantanal umher – während der Regenperiode errichteten sie einfache Hütten. Sie wurden als exzellente Jäger respektiert, denn sie konnten mit Pfeil und Bogen umgehen, wie kein anderer. Aber, als zahlenmässig kleines Volk, wurden sie von den kriegerischen Paiaguá und den Guaicurú in deren Stämme integriert – sie dienten ihnen fortan als Jäger.
Die „Terena“ hausten zu beiden Seiten der Flüsse Aquidauana und Miranda, bis hinauf in die Höhen der Serra de Maracaju. Als friedfertiger Stamm duldeten sie, dass Spanier und Portugiesen ihre Ländereien durchquerten. Im Jahr 1580 gründeten sie die Siedlung „Santiago de Xerez“. Heute finden sich ihre Nachkommen in Restgruppierungen in den Orten „Cachoeirinha“ und „Bananal“, in den Bezirken von Miranda und Aquidauana. Man trifft sie am Rand der Überlandstrassen, wo sie ihre Keramiken verkaufen.
Allen Völkern dieser Gegend waren gewisse Eigenschaften gemeinsam, weil regionaltypisch: Ihre Wirtschaft bestand aus der Ernte von Wildnis-Produkten, aus der Jagd und ihren Erzeugnissen, aus dem Fischfang und der Landwirtschaft – letztere allerdings noch in ihren rudimentären Anfängen. Privateigentum war unbekannt, und alle Arbeit wurde im Kollektiv erledigt – auch die Verteilung der Güter. Die Grenzen zwischen den einzelnen Stammesbereichen waren nicht definiert, und es passierte regelmässig, dass deshalb die einzelnen Kommunen in Streit gerieten, übereinander herfielen und die Sieger die andern versklavten.
Die Herkunft der Pantanal-Indianer wurde von den meisten Stämmen immer als Assoziation mit einem bestimmten Tier betrachtet. Dieses Potential der Natur, zusammen mit der Kraft des Himmels, schmiedete den Menschen mit der Natur zusammen. Für die Guaicurú, zum Beispiel, erklärte sich ihre Existenz aus einer typische prä-kolumbianischen Legende: die Ältesten des Stammes erzählten, dass ein Carcará-Falke einst eine Handvoll Fische verschlungen hätte, und später krochen die Guaicurú aus seinen Eiern. Deshalb verfolgte dieser Stamm auch niemals den erwähnten Falken – eine Haltung, die sich in allen primitiven Völkern in der einen oder anderen Art wieder findet.
Die Paiaguá hingegen glaubten, dass sie die Nachkommen eines bestimmten Fisches wären, dem „Pacú“. Und wie alle Indianer des Pantanal betrachteten sie sich als von einem erhabenen Geist abstammend, der ihnen unter anderem auch das Recht verliehen hatte, alle anderen Völker zu ihren Dienern zu machen.
In beispielhafter Harmonie mit ihrer Umwelt, schon seit undenklichen Zeiten, leben die Ureinwohner Brasiliens auch im Pantanal. Wie überall, sind sie auch hier von den Weissen bedrängt, verletzt und dezimiert worden – haben sich immer weiter vor der Besitzgier und Gewinnsucht der weissen Rasse zurückziehen müssen. Krankheiten wurden über die Verkehrswege, die Flüsse und den Schienenstrang zu ihnen verschleppt und rotteten viele Stämme ganz aus. Aber diese unsagbaren Leiden, Opfer und Ungerechtigkeiten haben die Überlebenden stark gemacht, resistent und vor allem auch gebildet: heute haben sie nicht nur die Sprache der Weissen gelernt – viele Indianer studieren und verteidigen die Rechte ihres Volkes in der Regierung.
Zum Beispiel haben sie sich vehement gegen den Plan einer „Hydrovia Paraguai-Paraná“ ausgesprochen – einer Wasserstrasse, die zwischen „Cáceres“, am Rio Paraguai, und dem Rio Paraná, tief unten im Süden, entstehen soll. Wieder einmal unter dem Vorwand wirtschaftlicher Interessen, die aber dem Pantanal irreparablen Schaden zufügen können, da man dafür auch eine künstliche Kanalisierung des bis jetzt zu seichten Bettes des Rio Paraguay vorhat, und durch diese Massnahme der gesamte, für die Natur lebenswichtige Überschwemmungszyklus definitiv gestört werden könnte. Die ansässigen Indianer, zusammen mit Umweltschützern aus dem ganzen Land haben sich zusammengetan und ein Manifest erarbeitet, am 29 Januar 1996, welches im gesamten Internet verbreitet und diskutiert wurde, mit dem Ergebnis, dass man von Regierungsseite her versprochen hat, das gesamte Projekt noch einmal auf seine Folgen für die sensible Umwelt zu untersuchen. Das offizielle Ergebnis ist offen.
Die Indianervölker, welche traditionell im Pantanal leben und die dramatischen Folgen der Geschichte überlebt haben, sind:
Die „Guató“
Ein Volk aus der Sprachfamilie „Makro-Jê“. Sie wurden seit 40 Jahren als ausgestorben betrachtet, bis man 1977 eine Guató-Gruppe auf der Insel „Bela Vista do Norte“ entdeckte. Sie leben heute im Pantanal von Mato Grosso, entlang der Ufer des mittleren und oberen Rio Paraguai, in „São Lourenço“ und „Capivara“, im Distrikt von „Corumbá“, in Mato Grosso do Sul. Nach Auskunft der FUNAI waren es im Jahr 1990 390 Personen.
Die „Terena“
Ein Volk aus der Sprachfamilie der „Aruak“. Ein Teil dieses Volkes – 1.200 Mitglieder – lebt im Westen von Mato Grosso do Sul, in acht Indianer-Territorien.
Der andere Teil – 350 Mitglieder – leben im Bundesstaat São Paulo, wo sie in Gemeinschaft mit den „Kaingang“ Territorien in „Icatu“, „Araribá“ und „Venuíre“ besetzen.
Die „Bororo“
Ein Volk der Sprachfamilie „Makro-Jê“. Die heutigen Bororo sind die so genannten „Orientalen Bororo“, die auch „Coroados“ genannt werden – oder mit ihrem sich selbst gegebenen Namen „Boe“.
Die „Okzidentalen Bororo“ haben das vergangene Jahrhundert nicht überlebt – ihre Heimat war das westliche Ufer des Rio Paraguai, wo die Jesuiten, Anfang des 17. Jahrhunderts, zahlreiche Missionsdörfer gründeten. Die Bororo, überaus friedliche und freundliche Menschen, dienten den Weissen als Guides, arbeiteten auf den Fazendas der Region und waren Verbündete der „Bandeirantes“. Sie verschwanden als Volk, sowohl durch die dezimierenden Krankheiten der Weissen als auch durch Verbindungen mit Nicht-Indianern.
Die „Orientalen Bororo“ hielten sich traditionell in dem riesigen Territorium zwischen Bolivien im Westen, bis zum Rio Araguaia im Osten, vom Rio das Mortes im Norden, bis zum Rio Taquari, im Süden, auf. Im Gegensatz zu ihren friedlichen okzidentalen Stammesbrüdern, wurden sie in den Relatorien der Präsidenten von Cuiabá als wilde Nomaden beschrieben, die unbezwingbar, die Kolonisation behinderten. Es wurden verschiedene Expeditionen zu ihrer Vernichtung organisiert. Eine von ihnen, unter „Pascoal Moreira Cabral“, 1718 oder 1719, entdeckte Gold an den Ufern des Rio Coxipó, nachdem sie von den Bororo in die Flucht geschlagen worden waren. Schätzungen dieser Zeit sprechen von 10.000 Indianern – als schliesslich gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihre Befriedung gelang, waren davon nur noch 5.000 Individuen übrig geblieben, die alle Exterminationsversuche durch Überfälle und Krankheiten überlebt hatten.
In den Kolonien, während des erzwungenen Zusammenlebens mit Soldaten, dezimierten Promiskuität, Alkoholkonsum und Krankheiten dieses Eingeborenenvolk noch mehr. 1910 wurden sie den Salesianern zur Missionierung übergeben und zählten noch 2.000 Individuen. 1990 lebte eine Restbevölkerung von um die 930 Bororo-Indianer in fünf kleinen Indianer-Territorien (Merure, Teresa cristina, Tadarimana, Perigara und Jarudore), die zusammen eine Fläche von 133.000 Hektar ergeben. In den Distrikten „Bara do Garças“, „Barão de Melgaço“, „General Carneiro“, Poxoréu“ und „Rondonópolis“ – alle im Bundesstaat Mato Grosso.
Diese Volk, einst Jäger und Sammler, lebt heute von der Landwirtschaft und dem Verkauf seines Kunsthandwerks. Seine sehr komplexe Kultur ist von vielen Ethnologen untersucht worden. Sie sind untereinander in verschiedene soziale Kategorien aufgeteilt – unter ihnen gibt es Parteien und Oppositionen. Während einem rituellen Begräbnis, das bis zu zwei Monaten dauern kann, vereinigen sie sich zu komplementären Parteien und gehen neue soziale Verbindungen ein, die die Gemeinschaft stärken.
Die „Umotina“
Sind eine Untergruppe der „Bororo“ der Sprachfamilie „Otukê“ aus dem Sprachstamm „Makro-Jê“. Sie waren einst bekannt als bärtige Indianer, weil sie tatsächlich Bärte zu tragen pflegten – entweder aus eigenem Bartwuchs oder aufgesetzt aus Affenhaar oder den Haaren ihrer Frauen. Sie leben heute in der „Área Indigena Umutina“, im Distriky von „Barra dos Bugres“, in Mato Grosso – zusammen mit „Parecí, Kayabi“ und „Nambikwara-Indianern“.
Die „Parecí“
Irrtümlicherweise hat man diesen Namen auch anderen Stämmen gegeben, die Dialekte der „Parecí-Sprache“ benutzten, welche aus der Sprachfamilie des „Aruák“ stammt. Sie lebten auf dem „Planalto de Mato Grosso“ und wurden von den „Bandeirantes“ als ihre bevorzugte Sklaven eingefangen, denn sie waren liebenswert und friedlich, bearbeiteten die Pflanzungen ihrer Herren und drehten Fäden aus der Baumwolle, die sie zu Hängematten und Stoffgeweben zu verarbeiten verstanden. Am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurden sie von der „Kommission Rondon“ gefunden, immer noch schrecklich verschreckt durch die erfahrene ausbeuterische Behandlung von Seiten der Weissen. „Marechal Cândido Rondon“, ein Verehrer der indianische Kulturen, wie es wenige gegeben hat, geleitete die Indianer in ein durch seine Truppen gesichertes Gebiet, und die Parecí wurden seine bevorzugten Führer in der Region. Eins dieser Völker, das sich selbst „Halíti“ nennt, lebt in der Region der Flüsse Juruena, Papagaio, Sacre, Verde, Formoso und Burití, im Westen von Mato Grosso. Im Jahr 1990 waren es insgesamt 900 Indianer.
Er ist eine Art brasilianischer „Cowboy“, in dessen Adern eine gute Portion Indianerblut fliesst. Vielleicht ist er deshalb dem Landleben im wahrsten Sinne des Wortes verfallen – er fühlt sich wie ein König der Savannen und Dschungel – absoluter Herr der Natur. Seine schnelle Ratio zeigt sich in der Kunst, die halbwilden Pferde zu zähmen, und wie er mit dem Lasso umzugehen versteht. Seinen Luchsaugen entgeht keine Bewegung in der Ebene – sie erkennen jedes sich versteckende Wild genauso schnell wie ein irgendwo niedergebrochenes krankes Tier seiner Herde.
Es genügt nicht , dass man nur mit den Rindern umgehen kann und weiss, wie man zu Pferd sitzt, man braucht hier draussen noch eine ganze Menge verschiedener handwerklicher Fähigkeiten, inklusive zur Herstellung des Arbeitsgeräts, wie zum Beispiel der Peitsche, des Lassos, des Zaumzeugs, der Satteldecke oder der Messerscheide, manche Pantaneiros kennen sich sogar in der Kunst der Sattelherstellung aus.
Als geborener Naturliebhaber schützt der Pantaneiro seine Umgebung aus Selbsterhaltungstrieb, denn aus ihr bezieht er seine Nahrung und Wohnung – ihre Pflege garantiert ihm eine einträgliche Zukunft. Das Leben des Menschen im Pantanal wird vollkommen von den Überschwemmungen bestimmt – mit 6 Monaten Flut und 6 Monaten des Abfliessens. Unter anderem bestimmt auch das besondere Klima viele seiner lebenswichtigen Einzelheiten, die Art der Rinderhaltung und deren Produktion, welche ihm Arbeit und Fleisch liefert. Ohne Fleisch, seiner wichtigsten Protein-Quelle, fühlt sich der Rinderhirte als ob er dem Hungertod ausgeliefert sei. Schon seine erste Mahlzeit am Tag ist der „Quebra Torto“ – gekochter Reis mit Trockenfleisch, Milchkaffee. Manchmal begleitet von „Maria Chica“ – einem typischen Biskuit-Gebäck der Region.
Wenn er einen Auftrag ausführt, vergisst der Pantaneiro nie die „Matula“ (Stück Fleisch an der Sonne getrocknet – auch „Sonnenfleisch“ genannt) und er nimmt noch „Empamonado“ mit auf den Weg, das ist gemahlenes Rindfleisch mit Maniokmehl gemischt. Nach der Mahlzeit – um den Fleischüberschuss zu mindern und um die Verdauung anzuregen – pflegt er sich dem unvermeidlichen „Tereré“-Genuss hinzugeben – einem grünen Mate-Tee, der mit kaltem Wasser angesetzt und aus einer Kalebasse aus Ochsenhorn getrunken wird. Wenn der Pantaneiro über Fleisch (Carne) redet, meint er Rindfleisch, ansonsten ergänzt er das Wort „Carne“ um ein weiteres Denominativ, wie zum Beispiel: „Carne de Caça“ (Wildfleisch), „Carne de Frango“ (Hühnerfleisch) etc., was für ihn aber alles niemals denselben Stellenwert hat wie sein über alles geliebtes Rindfleisch.
Neben der Fischerei ist heute noch die Viehzucht, vorwiegend von Schlachtrindern, der bedeutendste Wirtschaftsfaktor der Region. Eingeführt Mitte des 18. Jahrhunderts – die ersten Tiere stammten aus europäischen Züchtungen – hat sich ihre Einführung als permanenter und expressivster Wirtschaftsfaktor durchgesetzt. Im Pantanal stehen heute mehr als 10 Millionen Stück, und sie haben sich als „verträglich“ mit dem Schutz und der Erhaltung der Natur erwiesen – mehr noch: die Rinder sind in diesem Fall sogar seine Überlebensgarantie!
Das System der freien Weide auf Naturgrasflächen, ohne irgendeine besondere Auswahl, hat einen Typ Rind hervorgebracht, der sich allen Unbilden der Region anzupassen verstand, den „Boi Pataneiro“. Anfang des 20. Jahrhunderts hat dann der Enthusiasmus für das Zebu-Rind die „Era do Zebú“ im Pantanal eingeleitet – diese Rinderrasse aus Indien verdrängte das typische Pantanal-Rind – bevorzugte Rasse heute, die weissen „Nelore-Rinder“. Das Handling der Herden ist begrenzt – die halbwilden Tiere verbringen ihr gesamtes Leben im Freien, auf riesigen Ländereien mit wenigen Grenzzäunen und die Kälbersterblichkeit ist hoch.
Die Nahrung der Tiere besteht fast ausschliesslich aus Naturweide, wegen der Überschwemmungen von zeitlich begrenzter Dauer. Aus demselben Grund ist auch der Verkauf des Viehs selten ein besonders gutes Geschäft für den Züchter – eher für den Händler: denn, gezwungen von den klimatischen Bedingungen der Region, muss er seine Produktion verkaufen, wenn die Preise niedrig stehen – jeder Monat, den der Regen später einsetzt, bedeutet für ihn Gewinn.
In „Cáceres“ (Nord) und „Corumbá“ (Süd-Pantanal) stehen die grössten Herden des Pantanal. Die Rinder aus der Umgebung von Cáceres werden zum Schlachten gezüchtet, und ihr Export ist in erster Linie für die Europäische Union bestimmt. Die noch grössere Herde in Corumbá ist ebenfalls Schlachtvieh, in diesem Fall für die Kühlhäuser des Bundesstaates São Paulo.
Archäologische Untersuchungen haben ergeben, dass die menschliche Besetzung des Pantanal vor mindestens 8.000 Jahren eingeleitet wurde. Die archäologischen Funde dieser ersten primitiven Gruppen beweisen, dass ihnen zum Beispiel die Herstellung von Tonbehältern und –gefässen noch unbekannt war. Dagegen waren sie spezialisiert auf die Jagd, auf das Sammeln von Wildfrüchten und den Fischfang – und gingen sozusagen eine Art „Symbiose“ mit den überschwemmten Arealen der Region ein.
Die ersten Populationen, welche ins Pantanal eindrangen, besetzten Gebiete, die von den jährlichen Überschwemmungen weniger betroffen wurden – besonders die Abhänge am Fuss der umgebenden Gebirge (wie in Corumbá-Ladário), die Ufer von Flüssen (wie in Caracará und in São Lourenço) und Lagunen (wie die „Schwarze Lagune“ in Corumbá), auch isolierte Hügel (wie der von Caracará, in der Region von Poconé) und andere Areale in unmittelbarer Nähe von Randgebirgen (wie zum Beispiel der Serra do Amolar). Die Siedlungen dieser Populationen waren ebenfalls immer in der Nähe permanenter Flüsse angelegt. Deshalb scheint es durchaus logisch, dass schon seit dieser Zeit Wassermuscheln ebenfalls zu ihrem Speiseplan gehörten.
Und diese Tatsache kann man durch archäologische Funde sowohl im Innern als auch in den Küstengebieten des südamerikanischen Kontinents nachweisen – wie am Beispiel der bekannten „Sambaquis“ im Süden und im Südosten Brasiliens.
Die unterschiedlichen Fundstätten beweisen, dass in Zeiten vor der Kolonisation Brasiliens sich eine Reihe der verschiedensten Kulturen – aus Amazonien, aus den Andengebieten und aus dem Chaco – in der Pantanal-Ebene niedergelassen hatten. Der überflutete Teil, welcher vom Stamm der Xaray besetzt wurde, nannten die ersten Spanier, die hierher gelangten, nach diesem Volk: „Mar de Xarayés“ – erst sehr viel später benannte man diese Gegend „Pantanal“. Ausser den Xaray erwähnten jene ersten spanischen Expeditionen, welche im Jahr 1541 den Rio Paraguai hinauffuhren, auch das Zusammentreffen mit anderen Eingeborenengruppen, wie unter anderen den „Orejones“, den „Guaren-Cocie“, den „Guaxarapatos“ und den „Xerebacane“. Mit Anbruch des 17. Jahrhunderts änderte sich dann das Szenario am oberen Rio Paraguai: Die Gruppen Xaray und Orejone verschwanden, von den Spaniern fast vollständig ausgerottet. Die Region wurde nunmehr zum Siedlungsgebiet der Guató und Boróros, die dann den Portugiesen zum Opfer fielen.