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Jared Kushner hält beim Besuch von Chinas Staatspräsident Xi die Fäden in der Hand. Wenn das mal gut geht.
Beim ersten Treffen zwischen Chinas Staatspräsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump geht es um viel: Wie kann man Nordkorea stoppen? Und wie kann man einen Handelskrieg verhindern, der die gesamte Weltwirtschaft aus dem Lot bringen würde? Deshalb hat Trump letzte Woche auch getweetet, das Treffen werde «sehr schwierig» werden.
Angesichts der Bedeutung des Treffens würde man annehmen, dass die Vorbereitung und Durchführung in professionelle und erfahrene Hände gelegt wird. Die Chinesen haben dies auch getan. Sie haben ihren Botschafter in Washington Cui Tiankai damit beauftragt. Er gilt als ausgewiesener Kenner der USA, hat sein Nachdiplom an einer amerikanischen Universität absolviert und war lange als Übersetzer an der UN in New York tätig.
Donald Trump hingegen hat die Organisation nicht etwa seinem Aussenminister Rex Tillerson – immerhin einst CEO von Exxon – übertragen, sondern seinem Schwiegersohn Jared Kushner. Ein riskantes Unterfangen. Kushner ist gerade mal 36 Jahre alt, verfügt über keinerlei politische Erfahrung, kennt China nicht und macht das Ganze erst noch im Nebenjob: Er ist auch noch für den Frieden im Nahen Osten zuständig, muss eine Strafrechtsreform aufgleisen und leitet eine Gruppe von Managern, welche den US-Verwaltungsapparat effizienter machen soll.
Die Chinesen haben ihre amerikanischen Gegenspieler sehr genau studiert. Sie haben die Kushners eingeseift: Ende Februar hat Cui Ivanka und ihre Tochter Arabella an einen Empfang in die chinesische Botschaft eingeladen. Ebenso zeigen sich die Chinesen sehr zuvorkommend, wenn es um die Businessinteressen der Trumps geht: Ivanka darf ihre Schmuckkollektion in China verkaufen und Kushner durfte einen äusserst lukrativen Immobiliendeal mit der chinesischen Firma Anbang durchziehen.
Auch chinesische Geschäftsleute werden eingespannt: Jack Ma, der Chef von Alibaba, hat Trump bei einem theatralischen Auftritt versprochen, er werde eine Million neue Jobs in den USA schaffen. Denkbar ist auch, dass Präsident Xi bei seinem Besuch eine grössere Anzahl von Passagierflugzeuge bei Boeing bestellen wird.
Ob Trump sich davon beeindrucken lässt, ist fraglich. In einem Interview mit der «Financial Times» beklagt er sich darüber, dass das amerikanische Handelsdefizit immer noch 800 Milliarden Dollar betrage. Das ist zwar falsch – es sind gemäss offiziellen Angaben bloss 500 Milliarden Dollar –, doch um Details futiert sich der 45. US-Präsident bekanntlich.
Immer noch im Raum steht jedoch Trumps Drohung, Importe aus China mit einem Strafzoll von 45 Prozent zu belegen. Es ist jedoch eher unwahrscheinlich, dass er diese Drohung auch umsetzen wird. In der Handelpolitik zeigt sich Trump als Papiertiger. Seine Drohungen an Mexiko sind verpufft. Der Peso, der nach seinem Amtsantritt 16 Prozent verloren hatte, ist praktisch wieder gleich stark wie zuvor.
Ebenso erweist sich Trumps Drohung, das Freihandelsabkommen neu zu verhandeln, als Geschwätz. Die Volkswirtschaften der USA, Kanadas und Mexikos sind inzwischen derart eng miteinander verzahnt, dass sie sich nicht mehr ohne grosse Verluste für alle wieder auseianderdividieren lassen. «Während des Wahlkampfs Unsinn zu verzapfen, hat Trump nicht geschadet», lästert Paul Krugman in der «New York Times». «Aber nun muss er erkennen, dass die angeblich so unfairen Handelsabkommen gar nicht so unfair sind. Deshalb hat er keine Ahnung, was er als Nächstes tun soll.»
Nicht weniger komplex ist die Nordkorea-Frage. Trump hat zwar in der «Financial Times» vollmundig angekündigt, «China kann sich entscheiden, ob es uns gegen Nordkorea helfen will oder nicht. Wenn sie es tun, dann ist das sehr gut für China, und wenn nicht, dann wird es für alle schlecht sein.»
Dummerweise erreicht man mit plumpen Drohungen in der Politik wenig. Das musste Trump bei der Gesundheitsreform erfahren, wo er den eigenen Parteimitgliedern drohte – und schmählich im Stich gelassen wurde. In Washington wird denn auch bereits gespottet, dass Trump ein legendäres Zitat seines Vorbildes Theodor Roosevelt falsch verstanden habe. Dieser hatte einst gesagt: «Sprich leise – aber trage einen dicken Knüppel mit dir.» Trumps Version lautet: «Sprich laut – und trage einen Zahnstocher mit dir.»