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Ab 1916 nimmt die Schweiz mehrere 10'000 verletzte Kriegsgefangene auf, die in durch den Krieg fast leer stehenden Hotels einquartiert werden – auf Kosten ihrer Herkunftsländer. Dazu kommen viele Deserteure und Flüchtlinge, die im neutralen Land Schutz suchen: Internierte französische Kriegsgefangene auf der Terrasse des Hotels Rössli in Brienz, 1916.
Quelle: Internationales Komitee vom Roten Kreuz, Genf, V-P-HIST-03545-10.
Vor allem in der zweiten Hälfte des Kriegs wächst der Unmut über die Verknappung und Teuerung von Nahrungsmitteln, Brennmaterialien und Waren des täglichen Gebrauchs. Sie entlädt sich in Strassenprotesten und Streiks, die sich gegen untätige Behörden, Profiteure der Kriegswirtschaft und fehlende politische Mitsprache richten: Aufruf zu einer Demonstration gegen die Teuerung am 15. Mai 1915 auf der Schützenmatte in Bern.
Quelle: Staatsarchiv des Kantons Bern, T.137.
Der freie Personenverkehr zwischen den Ländern wird durch den Krieg stark eingeschränkt. Auch in der Schweiz wachsen Bedeutung und Überwachung nationaler Grenzen, die Migrationspolitik wird schrittweise verschärft: Gepäck- und Passkontrolle am Grenzposten Weil-Otterbach bei Basel.
Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv, Bern, E27 14095.3827, Lizenz: CC-BY-SA 3.0/CH .
Für die weniger wohlhabenden Bevölkerungsteile manifestierte sich die prekäre Versorgungslage in steigenden Preisen und unsicheren Arbeitsverhältnissen. In der zweiten Hälfte des Kriegs nahmen soziale Spannungen zu. Proteste und Streiks häuften sich und gipfelten im November 1918, während im Ausland der Waffenstillstand zustande kam, in einem landesweiten Generalstreik. Rufe nach effektiverer Armutsbekämpfung und einer gerechteren Verteilung der Gewinne und Lasten der Kriegszeit verbanden sich darin mit Forderungen nach politischen Reformen: Der militärisch besetzte Paradeplatz in Zürich am 9. November 1918.
Quelle: Stadtarchiv Zürich, V. L. 82.
Die Zentralauskunftsstelle der Internationalen Agentur für Kriegsgefangene des IKRK in Genf erfasste seit 1914 Millionen von Flüchtlingen und gefangenen Soldaten der kriegführenden Staaten und ermöglichte so den Kontakt mit ihren Angehörigen. Für dieses und andere humanitäre Engagements erhielt das Rote Kreuz 1917 den Friedensnobelpreis.
Quelle: Internationales Komitee vom Roten Kreuz, Genf, V-P-HIST-01816-30.
Vor allem in den urbanen Regionen zeigen sich die Probleme bei der Landesversorgung und die mangelnde Vorbereitung auf einen globalen Wirtschaftskrieg. Hier werden auch die ersten Hilfmassnahmen gegen soziale Not ergriffen, die angesichts fehlender Sozialversicherungen, Arbeitslosigkeit und Teuerung um sich greift: Das Esslokal des Kriegsfürsorgeamtes Drei Rosen in Basel.
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt, Bild 13, 606.
Zwischen Langeweile, Gemeinschaftserlebnis, Drill und Not: Schweizer Soldaten in einer Armeeunterkunft. Die Truppen waren während der «Grenzbesetzung» meist auf engem Raum in behelfsmässigen Unterkünften untergebracht. Küchen und Waschanlagen befanden sich oftmals im Freien.
Quelle: Foto Schweizerisches Nationalmuseum, LM-81107.239.