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Velorennfahrer, Sportberichterstatter, geboren am 31.12.1906 in Örlikon, gestorben am 25.12.1994 in Seebach im Alterswohnheim Felsenrain. Er wurde in der Website "radsportseiten.net" während längerer Zeit unter dem Vornamen Charles geführt, doch auf der einzigen Foto erkennt man ganz klar Ernst Ingold sen. Der Vorname Charles dürfte vermutlich ein Irrtum gewesen sein, der inzwischen korrigiert worden ist, denn in sämtlichen Adress- und Telefonbüchern sowie am Türschild seiner Wohnung in Seebach stand immer nur Ernst und nie Charles, daran kann ich mich noch gut erinnern. Vielleicht war es sein zweiter Vorname oder dann ein Übername.
Er war verheiratet und hatte 3 Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Von seinem ältesten Sohn Ernst Ingold, jun. gibt es einen eigenen Eintrag in der OGS, siehe dort! Auf den beiden Fotos von Ernst Ingold sen. kann man die Ähnlichkeit zwischen ihm und seinen beiden Söhnen sehr gut erkennen. Der jüngere Sohn Walter betrieb viele Jahre lang ein Restaurant in der weiteren Umgebung von Bichelsee TG. Von seiner Tochter Susi, die ich 1960 letztmals sah, ist bekannt, dass sie verheiratet ist, Kinder hat, die längst ausgeflogen sind und am linken Zürichseeufer wohnt.
Eine weitere Foto von Ernst Ingold sen. findet man unter www.radsportseiten.net. Dort sieht man ihn in voller Fahrt auf einem Rennvelo der 1930er Jahre.
Ernst Ingold verfasste auch einen Text zur Geschichte der Zürcher Radsportklubs. Mehr darüber konnte ich noch nicht ausfindig machen, doch der Radfahrer-Verein Zürich erwähnt auf seiner Website unter "Geschichte" diese "Erinnerungen" im Zusammenhang mit einer Fusion dreier Vereine, aus denen per 1.1.1918 der Radfahrer-Verein Zürich entstand.
Ernst Ingold sen. wurde Tandem-Sieger an einem Rennen zusammen mit seinem Partner Gitzi Müller am 10.6.1934. Mehr über seine weiteren Rennerfolge ist mir leider nicht bekannt. Nach dem Ende seiner Rennfahrerkarriere wurde er Sportberichterstatter und von 1950 bis 1952 auch Herausgeber der Sportzeitung «Sprint». Er war ein gebürtiger Örliker, der aber in den 1930er Jahren nach Seebach an die Felsenrainstrasse 7, dann an den Landhusweg und später in die Buchwiesen 43 zog. Im Jubiläumsbuch «50 Jahre Hallenstadion» findet sich ein Beitrag von ihm, ebenfalls im Neujahrsblatt Nr. 25, von 1983 (Seite 23). Nach seiner Zeit als Sportberichterstatter arbeitete Ernst Ingold bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1971 im Strassenverkehrsamt Zürich, damals noch in den Hirschwiesen in Örlikon.
Von Ernst Ingold sen. besitze ich noch zahlreiche Briefmarken der Pro Juventute-Wappen-Serie. Als er noch im Strassenverkehrsamt arbeitete, durften die interessierten Mitarbeiter die gesammelten Briefumschläge uralter Korrespondenz nach Ablauf der Aufbewahrungspflicht aus den 1920er Jahren nach Hause nehmen, um die alten Briefmarken abzulösen. Ernst Ingold hat aber so viele Briefumschläge erhalten, dass er sie in seiner Sammlung nicht alle selber gebrauchen konnte, also gab er die überflüssigen Briefumschläge seinem Sohn Ernst jun. zum Weiterverschenken. Ich war 1954 einer der Glücklichen, der eine ganze Schuhschachtel voll bekam. Ernst Ingold sen. verbrachte seinen Lebensabend bis zu seinem Hinschied am 25.12.1994 im Alterswohnheim Felsenrain. Eines seiner Markenzeichen waren seine bis ins hohe Alter dunkelbraun gebliebenen Haare.
Seine Frau war eine Tochter des Wirtepaars Widmer vom bekannten Restaurant Flora an der Schaffhauserstrasse 330 bei der Abzweigung der Schwamendingerstrasse. Das Restaurant bestand rund 150 Jahre, ehe es 1981 abgetragen wurde. Es galt im frühen letzten Jahrhundert und noch bis nach 1950 vor allem als das Mekka der Radrennfahrer. Ich habe es mehrmals als junger Bub zusammen mit Ernst Ingold jun. besucht, wenn mich dieser an schulfreien Mittwochnachmittagen nach Örlikon mitnahm und mir die Kegelbahn, den grossen Speisesaal und die Kinderschaukel im Gartenrestaurant zeigte. Dabei gab es meist ein Glas Most von seiner Grossmutter. Es hatte im Restaurant sogar einen Billetschalter, wo man Eintrittskarten für die in der Gegend stattfindenden Velorennen kaufen konnte. An den kann ich mich allerdings selber nicht mehr erinnern, doch hat man es mir erzählt. Schon 1956 gab es dort einen Fernsehapparat! Im Sommer 1956 habe ich die Direktübertragung der Flugvorführungen in Dübendorf anlässlich eines Flugmeetings angeschaut, zusammen mit Ernst jun.
Nach dem Tode von Ernst Ingold sen. wechselte seine Frau in ein Heim nach Örlikon an die Schwamendingerstrasse. Sie las schon als junges Mädchen gerne Kriminalromane und tat das bis ins hohe Alter. Als ich sie einmal besuchte, las sie gerade einen Roman von Agathe Christie und bat mich, ihr doch einen solchen in englischer Sprache zu besorgen. Sie war als junge Frau von Beruf Hotelfachangestellte und von da her stammte ihr Interesse für fremde Sprachen. Schon 1955 hatte sie mir einmal in englischer Sprache aus einem ihrer Bücher vorgelesen. Ich verstand kaum ein Wort, doch begann es mich zu interessieren. Bald darauf schenkte mir meine Mutter den "Beredten Engländer", wo ich dann auch etwas Englisch zu lernen begann. Bei der Berufswahl von Frau Ingold hatte das Restaurant ihrer Eltern ganz offensichtlich einen gewissen Einfluss gehabt.
Einige wenige Insider kennen Ernst Ingold sen. auch unter dem Übernamen «Chleemuni». Als Korrespondent zeichnete er mit dem Kürzel «ch». Das bedeutete aber nicht etwa «Chleemuni», sondern war ein spontaner Einfall, schlicht und ergreifend inspiriert durch das «CH» eines vorbeifahrenden Autos, als sich Ernst Ingold als frischgebackener Korrespondent für ein Namenkürzel entscheiden musste! Den Übernamen «Chleemuni» bekam er im Militär, wo ihm als Radfahrer bei der Abfahrt vom Rickenpass in einer Kurve die Strasse ausging und er im tiefen Gras landete.
Er selber benützte den Ausdruck nur selten und dann nur zum Spass. Der Übername war damals also nur wenigen Rennfahrer- und Dienstkollegen bekannt. Erst viel später in einem Neujahrsblatt Zürich 11/12, welches über die Rennfahrerei im frühen Örlikon berichtete, erwähnte er ihn gegenüber einer grösseren Leserschaft. Dort findet man auch zwei seiner Reportagen wiedergegeben, ansonsten sei auf alte Ausgaben seiner Sportzeitung «Sprint» verwiesen, deren Texte fast ausschliesslich von ihm stammten.
Eine vollständige Sammlung aller «Sprint»-Ausgaben befindet sich wohlbehütet beim Ortsgeschichtlichen Verein Örlikon (OVO). Eine Kopie der Frontseite der Erstausgabe ist bei der OGS.
Dieser Beitrag wurde 1996 geschrieben, 2006 in der OGS publiziert und seither mehrere Male verbessert und ergänzt, letztmals am 29.12.2019.
Quellen: - OGS-eigene - Ernst Ingold jun. - René Peter - Erwin Städeli