Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03574.jsonl.gz/701

Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1999 von Peter Ziegler
Am 1. Januar 1999 hat die Betriebsstiftung Schwerpunktpital Zimmerberg die Verantwortung für die Betriebsführung der beiden bisher eigenständig tätigen Spitäler Horgen und Wädenswil übernommen. Als Trägerin des von der Gesundheitsdirektion erteilten Leistungsauftrags ist sie damit zuständig für alle personellen und finanziellen Fragen, welche das Spital Wädenswil betreffen, und nicht mehr dessen Stiftungsrat. Das bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte des Krankenhauses und rechtfertigt einen Rückblick.
VON DER KRANKENSTATION ZUM KRANKENASYL
Im Jahre 1877 eröffnete ein Frauenkomitee im Armenhaus am Plätzli eine erste «Krankenanstalt» in Wädenswil. Hier standen sieben Betten für Erwachsene und drei Kinderbetten zur Verfügung. Eine Diakonisse wirkte als Betreuerin; der Armenarzt unterstützte sie. Da der Platz im Armenhaus knapp wurde und die Kombination von Armen- und Krankenhaus auf die Dauer nicht befriedigte, strebte eine aus 14 Frauen und 14 Männern gebildete Asylkommission - Kern des heutigen Asylvereins - in den 1880er Jahren ein eigenes Heim an. Legate und Spenden ermöglichten den Bau des Krankenasyls an der Schönenbergstrasse nach den Plänen des Wädenswiler Architekten Karl Schweizer. Es wurde im November 1886 eingeweiht und zählte 26 Betten. Die medizinische Leitung wechselte alle zwei Jahre unter den Dorfärzten ab. 1888 wurden 116 Patientinnen und Patienten gepflegt. Pflegegelder, Kantons- und Gemeindebeiträge sowie freiwillige Spenden deckten die jährlichen Defizite.
Das 1886 eröffnete Krankenasyl an der Schönenbergstrasse.
BELEGARZTSYSTEM
1906 löste das Belegarztsystem den zweijährigen Turnus des Asylarztes ab. Wädenswil war nun ein chirurgisches Spital mit Operationssaal. Eine Diakonisse aus dem Haus Zürich-Neumünster leitete als Oberschwester die Pflege. Trotz grosser Bedenken gegen die Anwendung dieses neuen Geräts schaffte man 1922 einen Röntgenapparat an und machte damit im Jahre 1925 bereits 210 Aufnahmen.
NEUES KRANKENHAUS UND CHEFARZTSYSTEM
1934/35 liess der Asylverein zwischen Altbau und Schlossbergstrasse das heutige Krankenhaus erstellen. Es war für Chirurgie, Innere Medizin und Gynäkologie eingerichtet und zählte 72 Betten inklusive Säuglingsbettchen. Bei der Eröffnung waren der Oberschwester 17 Schwestern (davon 7 Diakonissen) unterstellt; das «Dienstpersonal» umfasste 12 Personen.
Das frühere Belegarztsystem wurde aufgegeben. Für die medizinische Betreuung der Patientinnen und Patienten im neuen Krankenhaus - sowie im «Absonderungshaus» für ansteckende Krankheiten im Altteil - war nun ein Chefarzt zuständig. Von 1935 bis 1953 war dies Dr. med. Ernst Kaiser und von 1953 bis 1976 Dr. med. Ernst Häberlin. Es gab drei Patientenklassen - allgemein, halbprivat, privat - mit nach Vermögen berechneten Taxen. Der Asylverein liess sein Spital wie seit der Gründungszeit nebenamtlich verwalten, zuletzt von 1922 bis 1954 durch den Hutfabrikanten Ernst Felber. Nach seinem Tod waren vollamtliche Verwalter tätig: von 1954 bis 1961 Ernst Hillmann und von 1961 bis 1984 Ernst Pfenninger. Die Aufsicht über die Verwaltung und den Betrieb übte die Krankenhauskommission aus. Sie bestand aus drei Männern und drei Frauen, welche der Asylverein aus seiner Mitte wählte.
Das 1935 eingeweihte neue Krankenhaus.
STIFTUNG KRANKENHAUS WÄDENSWIL
Seit den 1940er Jahren stiegen die Defizite. Da der Kanton davon nur 90 % deckte, erwuchsen dem Asylverein immer grössere Kosten. Als die finanziellen Lasten untragbar wurden, sah er sich gezwungen, die Gemeinde Wädenswil um ihre Mithilfe anzugehen. Zu diesem Zweck musste eine neue Rechtsgrundlage geschaffen werden. An die Stelle des Asylvereins trat die privatrechtliche Stiftung «Krankenhaus Wädenswil», welcher der Asylverein entschädigungslos die Gebäude im Gesamtassekuranzwert von 3 001 800 Franken, 14 262 Quadratmeter Land im Wert von 422 200 Franken sowie Spezialfonds im Betrag von 173 133 Franken überliess. Dafür übernahm die Gemeinde Wädenswil laut Beschluss der Gemeindeversammlung vom 8. Dezember 1963 fortan den nach Abzug der Staatsbeiträge verbleibenden jeweiligen Defizitanteil von 10 Prozent. Der neue Siftungsrat, der sich am 30. April 1964 konstituierte, setzte sich aus elf Mitgliedern zusammen: aus sechs Vertretern des Asylvereins Wädenswil, drei Vertretern des Gemeinderates (Exekutive) Wädenswil und aus je einem Vertreter der Ärzteschaft und der Krankenkassen von Wädenswil. Ab 1974 ordnete die Stadt Wädenswil vier Mitglieder und Schönenberg ein Exekutivmitglied in den Stiftungsrat ab. An die Stelle der früheren Krankenhauskommission trat 1964 der Betriebsausschuss mit fünf Mitgliedern.
1972: «NEIN» ZU EINEM REGIONALSPITAL WÄDENSWIL
1964 stellte sich die Frage: Soll das Krankenhaus Wädenswil durch Umbauten moderneren Anfordungen angepasst werden? Oder soll es durch ein Regionalspital ersetzt werden? Nachdem die Gemeindeversammlung Wädenswil am 17. April 1968 dem Ankauf verschiedener Grundstücke im Eichhof als Bauplatz für ein Regionalspital zugestimmt hatte, schien einer Vereinigung der Krankenhäuser von Wädenswil und Richterswil nichts mehr im Wege zu stehen, zumal auch die Gesundheitsdirektion eine solche Lösung begrüsste. Am 4. März 1972 konnte das erstprämierte Projekt des Zürcher Architekturbüros Schindler, Spitznagel & Burkhard in Wädenswil, Richterswil, Schönenberg und Hütten zur Abstimmung unterbreitet werden. Während Wädenswil und die Berggemeinden die Vorlage guthiessen, lehnten sie die Stimmberechtigten von Richterswil ab. Damit war der Plan gescheitert, der 1972 gebildete Zweckverband «Regionalspital Wädenswil» hinfällig.
REGIONALSPITAL FÜR INNERE MEDIZIN UND RADIOLOGIE
Am 1. Juni 1976 trat für die Chefarzt-Spitäler im Bezirk Horgen ein neues Konzept in Kraft: Horgen und Richterswil betrieben fortan ausschliesslich Chirurgie und Geburtshilfe, und das Krankenhaus Wädenswil wurde in ein Regionalspital für Innere Medizin und Radiologie umgewandelt, geleitet von den Chefärzten Dr. med. Peter Möhr (Innere Medizin) und Dr. med. Paul Schnaars (Röntgendiagnostik). Mit Beschluss vom 24. Dezember 1976 hob der Zürcher Regierungsrat die bisherigen Spitalkreise auf und fasste die Spitäler Horgen, Wädenswil und Richterswil zu einem einzigen Spitalkreis zusammen. Der Kanton war bereit, den Hauptanteil des gesamten Betriebsdefizites der drei Spitäler zu decken (1976 z.B. 76,5 %), der Rest sollte auf die sieben Gemeinden des Spitalkreises - Hirzel, Horgen, Hütten, Oberrieden, Richterswil, Schönenberg und Wädenswil - verteilt werden.
Die Umwandlung des Krankenhauses Wädenswil in ein Regionalspital für Innere Medizin und Radiologie mit 68 Betten bedingte bauliche Veränderungen: 1979/81 den Erweiterungsbau West und 1981/83 den Umbau des Hauptgebäudes von 1935. Dies erlaubte die Eröffnung neuer Einrichtungen, z.B. 1980 der Ergotherapie, 1981 der Ultraschall-Abteilung und 1982 der Intensivpflegestation (IPS).
1979/81 wurde das Spitalgebäude gegen Westen erweitert.
LEITUNG PFLEGE, VERWALTUNG
Seit 1974 leitete Schwester Heidi Maier den Pflegedienst. Sie wurde 1993 pensioniert und von der heutigen Leiterin, Frau Heidi Kropf-Walter, abgelöst. Auch in der Verwaltung gab es Wechsel. Nach dem Rücktritt von Hans Pfenninger wirkte von 1984 bis 1991 Peter Büchi als Spitalverwalter. Auf ihn folgte von 1991 bis 1994 Esther Tait und von 1994 bis 1998 Verwaltungsdirektor Rudolph J. von Planta. Ein wichtiges Ereignis für die Verwaltung war die Anschaffung des ersten Kleincomputers im Jahre 1979.
PERSONAL
Die Arbeit im Spital ist Teamarbeit. Jede und jeder darf wissen, dass ihre/sein Einsatz nötig ist im Rahmen des Ganzen. Das Personal des Hausdienstes und der technischen Betriebe wird ebenso gebraucht wie das Personal der Verwaltung, das Pflegepersonal und die Ärzte. Ende Dezember 1998 beschäftigte das Regionalspital Wädenswil 150 Personen, davon 123 Frauen. Diese Zahl entsprach, wenn man die Teilzeitbeschäftigung berücksichtigt, einem durchschnittlichen Personalbestand von 123.
ZWECKVERBAND
Am 4. Dezember 1996 konstituierte sich die Delegiertenversammlung «Spitalregion Linkes Zürichseeufer» unter dem Vorsitz von Dr. Bruno Lang. Der Zweckverband setzte sich das Ziel, für das Gebiet der Verbandsgemeinden eine optimale medizinische Grundversorgung sicherzustellen. Die von der Gesundheitsdirektion erlassene Zürcher Spitalliste 1998 befristete den Leistungsauftrag des Spitals Wädenswil, verlangte die Nutzung von Synergien zwischen den Spitälern Horgen und Wädenswil und als Endziel deren Zusammenführung in ein einziges Schwerpunktspital Zimmberg in Horgen.
STIFTUNGSRAT BIS 1999
Dieser Weg ist nun eingeschlagen. Mit der Änderung der Stiftungsurkunde und mit der seit 1. Januar 1999 tätigen Betriebsstiftung Schwerpunktspital Zimmerberg ist der Anfang gemacht. Der bisherige Stiftungsrat des Regionalspitals Wädenswil wurde nach der Abnahme der Rechnung 1998 Ende April 1999 aufgelöst. Folgende Mitglieder traten zurück oder hatten bereits früher demissioniert:
Klara Wegmann (1964 - 1998)
Fritz Sperb (1971-1997)
Dr. Bruno Lang (1978-1999)
Prof. Dr. h.c. Peter Ziegler (1982-1999)
Rudolf Baumgartner (1986-1998)
Dr. Bruno Ern (1986-1999)
Maria Christener (1990-1999)
Christof Wolfer (1990-1998)
Brigitte Blum (1990-1998)
Rolf Kurath (1998-1999)
STIFTUNGSRAT AB 1999
Da der neue Stiftungsrat nicht mehr Träger des Leistungsauftrages ist, beschäftigt er sich weder mit finanziellen noch mit personellen Fragen des Spitalbetriebs, sondern verwaltet vor allem die Spitalliegenschaft, welche er der Betriebsstiftung Schwerpunktspital Zimmerberg zur Nutzung überlässt. Dem verkleinerten neuen Stiftungsrat gehören an:
Alfred M. Nieder, Präsident
vom Asylverein gewählt
Christof Wolfer
vom Asylverein gewählt
Peter Riesen
vom Asylverein gewählt
Ueli Fausch
Vertreter der Stadt Wädenswil
Peter Steinegger
Vertreter der Gemeinde Schönenberg
Dr. med. Andreas Wüest
Vertreter der Ärzteschaft
Hans Rudolf Meier
Vertreter der Betriebsstiftung
CHEFARZT-WECHSEL
Ende September 1999 trat der Chefarzt Innere Medizin, Dr. med. Peter Möhr, in den Ruhestand. Seit 1976 hat er das Spital Wädenswil mit grosser Sachkompetenz und persönlichem Engagement geführt. Der hervorragende Ruf, den es in der Region geniesst, und der beachtliche Leistungsausweis, den es vorlegen kann, ist zu einem guten Teil auch sein Verdienst. Im Jahresbericht 1998 des Schwerpunktspitals Wädenswil schrieb der ausscheidende Chefarzt unter anderem: «Im Rückblick waren die vergangenen 23 Jahre eine anforderungsreiche, interessante und erfüllte Zeit, die ich nicht missen möchte. Es war ein grosses Privileg, von unserem Team und auf allen Stufen soviel Loyalität, Verantwortungsgefühl, nicht nachlassenden Einsatz und konstruktives Mitdenken zu erfahren. Wir haben in einem wechselvollen Umfeld und in Höhen und Tiefen einen festen Zusammenhalt und eine solide Tragfähigkeit entwickelt.»
Zum neuen Chefarzt für Innere Medizin am Spital Wädenswil und künftigen Schwerpunktspital Zimmerberg ist PD Dr. med. Bernhard Hess, Inselspital Bern, gewählt worden. Er hat seine Stelle am 1. Oktober 1999 angetreten.