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Am 8. März findet der internationale Frauentag statt, der üblicherweise Frauenstreike auf der ganzen Welt auslöst und das Thema Gleichberechtigung erneut auf den Tisch bringt.
Die Idee des internationalen Frauentags entstand in sozialistischen Organisationen vor dem 1. Weltkrieg. Der erste Frauentag fand 1909 in den USA statt und wurde von Demonstrationen der Suffragetten geprägt. In der Schweiz wurde der Frauentag zum ersten Mal 1911 gefeiert, ganze 60 Jahre bevor das Frauenstimmrecht 1971 eingeführt wurde. Heute ist der internationale Frauentag in der Schweiz Anlass für landesweite Frauenstreike. Jedes Jahr wird wieder das heissumstrittene Thema der Gleichberechtigung angesprochen, es werden Disskusionen dazu geführt und Zeitungsartikel darüber geschrieben. Die vollkommene Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist im Jahr 2021 in der Schweiz noch nicht erreicht.
In der Bundesverfassung steht geschrieben, dass Frau und Mann in der Schweiz auf allen Ebenen gleichgestellt sind. Es wird sogar erwähnt, dass Mann und Frau den Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit haben. Die vollkommene Gleichberechtigung inklusive der Lohngleichheit, ist also in der Schweiz gesetzlich verankert. Wie wird dieses Gesetz aktuell in Praxis umgesetzt ?
Der unerklärte Lohnunterschied, der nur durch das Geschlecht zu erklären ist, beträgt aktuell 14,4 %. Vor allem in Berufen auf Verwaltungsebene ist die Diskrepanz der Löhne enorm. Im Durchschnitt ist die Lohnungleichheit in der Schweiz gestiegen und Gewerkschaftsverbände zeigen sich alarmiert. Letztes Jahr ist ein Gleichstellungsgesetz in Kraft getreten, dass Firmen mit über 100 Mitarbeiter dazu verpflichtet, die Löhne regelmässig auf Diskriminierung zu untersuchen.
Obwohl es immer wieder neue Initativen und Vorschläge zur Lohngleichheit gibt, wird das Thema in der Öffentlichkeit nur wenig angesprochen. Die Forderung im Bundesgesetz wird mit neuen Konstrukten wie der Frauenquote umgangen, wobei die Wurzel des Problems nicht angegangen wird. In Zukunft muss sich die Politik dieser Ungleichheit stellen und nachhaltige Lösungsstrategien ausarbeiten.
Nicht nur in der Lohngleichheit sondern auch in anderen Bereichen fühlen sich Frauen in der Schweiz benachteiligt. Eine aktuelle Umfrage zur Gleichstellung in der Deutschweiz zeigte, dass 72% der befragten Frauen der Ansicht sind, dass Männer insgesamt mehr Vorteile als sie haben. Mütter in Familienhaushalten fühlten sich am wenigsten zufrieden und jede vierte Befragte störte sich daran, dass ihre Partner sich nicht für Schmutz oder Unordnung im Haus interessierten.
Die Ergebnisse dieser Umfrage bestätigen, dass in der Schweiz das traditionelle Rollenbild von Mann und Frau immer noch sehr prävalent ist. Die Mutter bleibt bei den Kindern, macht Hausarbeiten und der Vater geht arbeiten. Natürlich ist diese veraltete Vorstellung nicht mehr die Norm aber im Hinterkopf vieler scheint sie dennoch zu sein.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass auch manche junge Menschen in meinem Alter diese Prinzipien noch vertreten und Sätze sagen wie “ Eine Frau gehört an den Herd“. Auch wenn diese Aussagen als Witz gesagt werden, nerven sie mich im Alltag ab und zu. Auch die Herabspielung der Gleichberechtigung, dass Leute sagen: „In der Schweiz haben es die Frauen ja sowieso besser als in anderen Ländern“, hilft nicht wirklich. Mehrmals war ich in Diskussionen mit Mitschüler verwickelt, die nicht verstanden, warum es Frauenstreike usw. überhaupt noch gebe und wieso das viele Frauen empfindlich auf gewisse Witze reagieren. Meistens kamen wir auf keinen gemeinsamen Punkt. Trotzdem blieb mir zum Schluss ein Gefühl der Zufriedenheit, weil diese wichtigen Themen wenigstens im Diskurs waren.
Gleichberechtigung ist ein sehr umfassendes Thema und betrifft nicht nur Frauen. Es ist nicht nur eine Forderung im Bundesgesetz sondern auch ein Menschenrecht. Frauen gehen am internationalen Frauentag auf die Strasse um die Rechte einzufordern, die ihnen zustehen – und zwar per Gesetz. Der internationale Frauentag ist nicht männerfeindlich oder dazu hier, dass Frauen sich selbst bemitleiden. Es ist ein Anlass der jedes Jahr wieder aufs Neue beweist, dass die vollkommene Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist. Auch wenn das Ziel noch nicht erreicht ist, ist der Kampf dafür in vollem Gange.