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| Gregorius Thaumaturgus († 270-75) - Lobrede auf Origenes (In Origenem oratio panegyrica)

10.
An die Philosophen unserer Tage, soweit ich sie selbst kennen gelernt habe oder aus den Vorträgen anderer vom Hörensagen kenne, und an meine übrigen Zuhörer stelle ich die Bitte das, was ich jetzt sage, ohne Groll anzuhören. Niemand möge argwöhnen, daß ich so spreche aus Freundschaft für den Gefeierten oder gar noch aus haßerfüllter Gesinnung gegen die übrigen Philosophen. Denn diesen will ich so gut wie irgend ein anderer wegen ihrer Lehren ergeben sein, und ich bestrebe mich ihnen sowohl selbst Lob zu spenden als auch aus dem Munde von anderen die schönsten Dinge über sie anzuhören. Aber es ist nun einmal so, daß nahezu von allen sogar der Name der Philosophie aufs äußerste mißhandelt wird und daß ich es beinahe vorziehen möchte in gänzlicher Unwissenheit zu verharren als etwas von dem zu lernen, was sie vortragen. Diesen Leuten während meines künftigen Lebens mich auch nur zu nähern hielt ich, vielleicht mit Unrecht, nicht für angemessen. Niemand möge außerdem annehmen, daß ich so rede entweder aus einem gewissen ehrgeizigen Bestreben diesen Mann zu feiern oder aus einem sonstigen ehrgeizigen Beweggrunde dieser Art gegenüber den auswärtigen Philosophen. Im Gegenteil, jeder möge es mir glauben, daß meine Worte hinter seinen Leistungen zurückbleiben — ich will ja nicht den Anschein erwecken, als wolle ich schmeicheln. Man glaube es mir, da ich mir nicht Redensarten und Worte und kunstreiche Wendungen zusammensuche um ihn zu preisen! Ich wollte mich ja nicht einmal als Knabe damals, als ich bei einem Lehrer der Beredsamkeit Unterricht im öffentlichen Vortrag erhielt, bereitwillig dazu verstehen jemand zu loben und zu jemands Preise eine Rede zu halten, die mit der Wahrheit nicht im Einklang stand. Darum halte ich es auch jetzt, wo ich mir eine Lobrede vorgenommen habe, für durchaus unstatthaft den [S. 242] Gefeierten auf Kosten anderer zu erheben; andernfalls würde ich den Mann schmähen, wenn ich seinen glückseligen Lebenswandel den Fehltritten anderer gegenüberstellen wollte um mich über ihn noch rühmender aussprechen zu können. So töricht bin ich nicht. Nein, ich will lediglich das, was ich an mir selbst erfahren habe, eingestehen, fern von irgend einer Gegenüberstellung und einem rednerischen Kunstgriffe.