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Cery - Phase I
Etablissements médicaux
Etablissements médicaux
GESCHICHTE/LAGE
Das Projekt zur Erneuerung des Krankenhauses Cery in Prilly mit dem Titel «Deuxième peau» wurde in einem offenen zweistufigen Architektenwettbewerb zum Sieger erkoren. Die planerische Aufgabe bestand darin, die klinischen Aktivitäten in den Bereichen Forschung, Lehre und Unterstützung zusammenzuführen. Die zweite Herausforderung war es, die einstige Klinik, die den schönsten Bereich des Geländes einnahm, möglichst gut in den neuen Komplex einzubinden. Mit der Errichtung eines neuen Gebäudes, das den aus den 1950er Jahren stammenden Bau entlang einer Nord-SüdAchse im Osten des Areals ersetzen sollte, und der Zusammenführung der notwendigen neuen Funktionen in einem einzigen Bauwerk bot sich eine Lösung für beide Probleme. Der Krankenhausneubau vereint alle Charakteristiken, die für eine Einrichtung dieser Art typisch sind: kompakt, aber zugleich gegliedert und aus verschiedenen Teilen bestehend, die einen Bezug zum Park haben. Das durch das Totalunternehmen HRS Real Estate AG errichtete Bauwerk entspricht dem Minergie®-Eco-Standard.
PROGRAMM
Charakteristisch für das Gebäude ist seine geschwungene Form, die sowohl die Anforderungen der Typologie einer psychiatrischen Klinik, als auch die der Topografie des Ortes, erfüllt. Im Modellplan sollten die Pflegeeinheiten untergebracht werden, um sie paarweise in zwei getrennten Baukörpern zusammenzufassen. Jede Einheit besteht aus Einzel- und Doppelzimmern sowie aus speziellen Pflege- und Servicebereichen. Zu den Besonderheiten des Projekts gehörte es, eine Verbindung zwischen allen Gebäuden auf dem Gelände herzustellen: die bestehende Küche, das Psychiatriegebäude für ältere Menschen, das Sozialzentrum mit den Auditorien und der Cafeteria, der Konferenzsaal Müller und der Nordbereich sind über ein unterirdisches System miteinander verbunden. Auch die Aussenanlagen spielen eine wichtige Rolle. Indem diese erhalten bleiben, können Patientinnen und Patienten, Besuchende und Mitarbeitende neue Kraft schöpfen. Gleichzeitig wird so die Qualität des Aufenthalts in der psychiatrischen Einrichtung erhöht. Ausserdem fördert der Park die Interaktivität zwischen dem Krankenhaus und der «Aussenwelt».
PROJEKT/KONZEPT
Der Wunsch der Architekten CC/L war es, die Grenzen, die das Innere des Gebäudes vom Aussenbereich des Parks trennen, zu verringern und gleichzeitig «Zwischenbereiche» zu schaffen. Eine Vision, die sich im Haupteingang widerspiegelt, der in die öffentliche Halle führt. Ein Teil des Areals ist für den Aussen-/Innenhof bestimmt, um den sich das öffentliche Leben der Einrichtung abspielt. Dieses Konzept wird auch durch die terrassenförmig angelegten Stationen akzentuiert. Damit sollte eine Art «zugängliche Privatsphäre» entstehen. Eine zweite Haut, die die Patientinnen und Patienten schützen soll, ohne sie jedoch von der Welt zu isolieren.
Im Innenbereich setzten die Architekten ebenfalls auf Offenheit, indem sie auf die für Krankenhäuser typischen architektonischen Barrieren verzichteten. Fliessende Räume fördern die Bewegung und damit die körperliche und geistige Freiheit der Patientinnen und Patienten, sorgen aber gleichzeitig für ihre Sicherheit. So ist auch die Fläche der Übergangsbereiche stets grosszügig bemessen: Flure münden in gemeinschaftlich genutzte Innenräume, die wiederum zu geschützten Aussenbereichen übergehen. Durch den Erdaushub und den Abbruch von Gebäuden wurden grosse Änderungen im Gelände vorgenommen. So konnten bessere Verbindungen zwischen den verschiedenen Sektoren geschaffen werden, insbesondere zum südlichen Teil durch die bessere Anbindung an die an den Wald grenzenden Flächen. Begrünte Aussenanlagen binden die Sinnesfaktoren ein. Dadurch wird eine weitreichende Stimulation der Sinne (Geruchs-, Seh-, Hör- und Tastsinn) ermöglicht, vor allem für ältere Patientinnen und Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen.
DURCHFÜHRUNG DER ARBEITEN
Im Nordosten steht das Gebäude zum Teil auf Molasse mit stark wasserführenden Schichten im Untergrund. Um eine Kontrolle der differentiellen Setzungen zu gewährleisten, wurden drainierende Unterschichten eingebracht. Die aussenliegende Sichtbetonstruktur der Wabensektoren überträgt die statische Last der Stockwerke auf Konsolen aus Metallgerüsten (eine Technik, die bei Brücken verwendet wird) und von da wiederum auf die klassischen Pfeiler im Erdgeschoss. Aufgrund der präzisen, 2,5 cm dicken Betonummantelung dieser Konsolen musste eine Aufstellung mit GPS erfolgen. Um die erforderliche Genauigkeit der Geometrie zu gewährleisten, wurden die Schalungen dieser Elemente (sogenannte Dummys) mit einer CNC-Maschine hergestellt.
PROJEKTDURCHFÜHRUNG
Das aus Stahlbeton vorgefertigte Stützenraster ist nicht nach herkömmlichen Schemata regelmässig angeordnet, sondern passt sich der internen Verteilung der Räume an. Dabei wird eine gleichmässige Biegebeanspruchung der Platten gewährleistet und die Lasten werden direkt auf das Fundament übertragen. Die geometrische Komplexität und die verwendeten Materialien (Stahlbeton und Vorspannung entlang der Brüstungen) unterstreichen die architektonisch ambitionierte Gestaltung der Terrassen. Durch die Schrägstellung der Pfeiler können die vertikalen Lasten von Terrassen und Bodenplatten bis zum Fundament übertragen werden. Die von den Platten ausgehenden Lasten werden über Metallprofile, die durch den thermischen Schnitt verlaufen, auf diese Tragkonstruktion übertragen. Die hinterlüftete Fassade besteht aus den an der Tragkonstruktion verankerten Streifen aus Petersen-Ziegeln, die im Wechsel zu den horizontalen Aluminiumstreifen der Fenster und den Pfostenverkleidungen angeordnet sind. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Bedeutung dieser Fassade, die den Zweck der Einrichtung – die Pflege der Bewohnerinnen und Bewohner – zum Ausdruck bringt. Eine Gebäudehülle, die sowohl schlicht als auch langlebig ist. Im Innenbereich, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist (Halle im Erdgeschoss), dominieren erlesene Materialien wie Luserna-Stein als Bodenbelag und an den Hauptpfeilern sowie geräuchertes Eichenholzfurnier an den Wänden der grösseren Räume (Restaurant, Auditorien, Rezeption). In den oberen Stockwerken ist der Boden eine durchgehende Fläche, die sich durch alle Räume der Pflegeeinheiten zieht. Die Unterscheidung zwischen den Räumen mit Privatsphäre und den offenen Räumen gelingt durch das Licht, das durch die Glasflächen reguliert wird, und durch die architektonischen Formen (geschwungene Linien für die Gemeinschaftsräume). Der Bereich, in dem sich die Schlaf- und Behandlungsräume befinden, wurde mit Holz verkleidet, um die üblichen weissen Krankenhauswände zu vermeiden.
GRÖSSTE HERAUSFORDERUNGEN
Die Umsetzung erfolgte in vier Hauptschritten und zehn Phasen, die sich nicht überschneiden durften. Alle Arbeiten wurden bei laufendem Klinikbetrieb durchgeführt und es wurde darauf geachtet, dass sich die Beeinträchtigungen durch den Bau in Grenzen hielten. Alle Konstruktionsvarianten, die Wahl der Materialien und ihre Befestigung wurden komplett neu überdacht. Das Bauvorhaben wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der HRS Real Estate AG, ihren Beauftragten und dem Bauherrn realisiert und erfüllt die besonderen Anforderungen einer psychiatrischen Klinik.