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1830, unter dem Eindruck der französischen Julirevolution, setzt eine liberale Erneuerungsbewegung ein, die Regeneration, die auch die Schweiz erfasst. 12 der 21 Kantone erneuern ihre Verfassung. Die Herrschaft des Patriziats wird abgeschafft und die Pressefreiheit eingeführt. Die Zahl der Zeitungen steigt stark an. Das Bildungswesen (Volksschule, Kantonsschule und Universität) wird erneuert und Lehrer müssen künftig in Lehrerseminaren eine pädagogische Ausbildung durchlaufen. Die Neuerungen realisieren sich nicht ohne Spannungen. Die Forderung der Landbevölkerung nach Gleichberechtigung führt in Basel 1832 zur Trennung von Basel-Land und Basel-Stadt.
1833 wird in Zürich der Bundesstaat nach dem Muster der USA wieder ins Gespräch gebracht. Die Tagsatzung lässt eine gemässigte liberale Bundesverfassung ausarbeiten. Das vorläufige Modell sieht eine 44-köpfige Tagsatzung (zwei Vertreter pro Kanton, einer pro Halbkanton), einen Bundesrat mit 5 Mitgliedern sowie ein Bundesgericht vor. Die Machtbefugnisse des Bundes sind aber gering, eine angemessene Volksvertretung (Nationalrat) fehlt. Was zu erwarten ist, tritt ein: den Liberalen geht der Entwurf zu wenig weit, den Konservativen geht er zu weit. Die Grenze zwischen Befürwortern und Ablehnern ist keineswegs eine konfessionelle. Die reformierten Kantone Bern und Basel-Stadt lehnen den Entwurf ebenso ab wie die katholische Urschweiz. Andererseits befinden sich die katholischen Kantone Freiburg und Solothurn bei den Befürwortern.
In Zürich weckt eine geplante Schulreform und die Abschaffung der Kinderarbeit den Unwillen der Landbevölkerung und Fabrikanten. Im folgenden Machtkampf kommt es zu einem konservativen Umschwung in Zürich. Im Aargau löst die verfassungswidrige Aufhebung der Klöster 1841 heftige Proteste und den Widerstand konservativ-katholischer Kreise aus. Die Aargauer Regierung lenkt nur zum Teil ein und stellt einige Frauenklöster wieder her. 1844 beruft Luzern die Jesuiten zur Leitung des Pfarrdienstes und zur Priesterausbildung. Der Protest der Liberalen gegen diese Berufung verhallt ungehört. Sie wollen sich aber mit der Situation nicht abfinden. 1845 zieht ein bunter Haufen radikaler Liberaler aus verschiedenen Kantonen nach Luzern Bei Malters und Littau kommt es zu Gefechten, bei denen 185 "Freischärler" das Leben verlieren und 1785 gefangen genommen werden. Daraufhin verbietet die Tagsatzung die Freischarenzüge.
In der Folge bilden die Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden, Zug, Freiburg und Wallis ein geheimes Schutzbündnis, den Sonderbund (Karte unten). Durch die Berufung der Jesuiten und die Tatsache, dass die Bündnispartner katholisch sind, hat die Angelegenheit einen konfessionellen Anstrich bekommen. Als die Existenz des Sonderbundes 1846 bekannt wird, ist die Empörung bei den Reformierten gross. Als der Sonderbund Österreich um Hilfe angeht, ist das Mass voll. Die Tagsatzung fordert Luzern, Schwyz, Freiburg und das Wallis auf, die Jesuiten auszuweisen. Sie ist gewillt, ihre Forderung notfalls mit Waffengewalt durchzusetzen. Natürlich weigert sich der Sonderbund. Die Tagsatzungsarmee unter General Guillaume Henri Dufour (Mitbegründer des Schweizerischen Roten Kreuzes und ein bedeutender Landestopograf) bringt es fertig, den Sonderbundskrieg glimpflich und mit nur 85 Toten und 500 Verletzten zu beenden. Das ebnet den Weg für die nachfolgenden Friedensverhandlungen, an deren Ende der Bundesvertrag von 1848 steht.
Nach dem Sonderbundskrieg sehen die Liberalen die Zeit gekommen, den Bundesstaat nach dem Vorbild der USA zu verwirklichen. Die Bundesverfassung von 1848 wiederholt nicht die Fehler der Helvetik und lässt den Kantonen weitgehende Autonomie. Der Bund erhält die Aufgabe, den Staat nach aussen zu vertreten und bei Steitigkeiten zwischen den Kantonen zu vermitteln. Bern wird zum Sitz der Bundesregierung. Das Postwesen geht an den Bund über, die Binnenzölle werden abgeschafft. 1850 folgt die Einführung des Schweizer Frankens als Einheitswährung. 1855 entsteht das Eidgenössische Polytechnikum (ETH – Zürich) als erste Hochschule des Bundes. Den Schweizern wird Rechtsgleichheit, Niederlassungs-, Presse-, Vereins- und Religionsfreiheit garantiert. 1848 ist das Geburtsjahr der modernen Schweiz, wie wir sie heute kennen!
Aufgaben und Recherchen
Wie nennt man die Zeit der liberalen Erneuerung in der Schweiz. Wodurch ist sie gekennzeichnet? Gegen wen richtet sie sich?
Was ist eine Tagsatzung?
Was ist der gravierendste Mangel des Verfassungsentwurfs von 1833?
Wie würde die Regierung 1833 mit heutigen Begriffen aussehen?
Wieso stösst Zürich mit der Schulreform (z. B. Schulobligatorium) und der Reduktion der Kinderarbeit auf Wider¬stand? Welche Probleme ergeben sich daraus z. B. für die Eltern?
Gegen welchen Verfassungspunkt verstösst die die Aufhebung der Klöster im Aargau?
Wer sind die Jesuiten; was haben die Liberalen gegen sie?
Was sind die „Freischarenzüge“?
Was ist der Sonderbund? Wieso kommt es zum Sonderbundskrieg? Wie geht er aus?
Wer war der herausragende Mann des Sonderbundskrieges und was war sein Verdienst? Suche dir eine Biografie zu diesem Mann und markiere darauf seine grössten Leistungen.
Was sind die Folgen des Sonderbundskrieges?