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Topografisch gehört der Urnerboden zum Kanton Glarus. Eine mittelalterliche Sage erzhält, weshalb der «Boden» heute, trotz zeitweiliger Abgeschnittenheit vom Heimatkanton, zu Uri gehört: Zwischen Glarus und Uri kam es wegen des fruchtbaren Weidelandes immer wieder zu Grenzstreitigkeiten. Um diese endgültig beizulegen, entschlossen sich die Kantone, ein Wettrennen zu veranstalten: Je ein Läufer aus dem Urner- und dem Glarnerland sollten beim ersten Hahnenschrei in der Frühe loslaufen. Dort wo sie sich treffen, sollte die Grenze zwischen den Kantonen gezogen werden.
Während die Glarner ihren Hahn gemästet hatten, liessen die Urner ihr Tier hungern. Deshalb krähte der Urner Hahn am Tag des Wettrennens wesentlich früher als derjenige der Glarner. Der Läufer des Kantons Uri rannte darum weit über den Klausenpass ins Glarnerland hinein und liess den Urnerboden hinter sich, bis er schliesslich dem Glarner Läufer begegnete.
Beim Staldenhäreli, oberhalb der Fruttbergen trafen die beiden aufeinander. Der Urner wollte sogleich die Grenze an dieser Stelle ziehen. Der Glarner Läufer appellierte jedoch an das Gewissen des Urners und bettelte, er solle ihm doch auch ein Stück des kostbaren Weidelandes überlassen.
Der Urner liess sich schliesslich erweichen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass der Glarner ihn auf dem Rücken bergauf trägt: So weit der Glarner ihn aufwärts in Richtung Uri tragen konnte, so viel Weideland wollte er ihm geben.
So schulterte der Glarner den Urner und schleppte ihn bergäufwärts. Einige Schritte mochte er noch gehen, dann stockte ihm der Atem. Er hatte Durst. Der Urner auf seinem Rücken erlaubte ihm, Wasser aus einem kleinen Bächlein zu trinken, jedoch ohne ihn abzusetzen. Gierig trank der Glarner und sank sogleich tot zusammen. Wie vereinbart wurde die Grenze an dieser Stelle gezogen.
Josef Müller, Sagen aus Uri, Aus dem Volksmunde gesammelt, Basel 1926