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Dissertation of Cla Mathieu
Reimagining the Guitar: The Performance Style of Miguel Llobet (1878-1938)
La guitare est un clavecin expressif – soll Claude Debussy nach einem Konzert des klassischen Gitarristen Miguel Llobet (Barcelona 1878–1938) gesagt haben. Diese Bemerkung bringt die Leitfragen meines Dissertationsprojekts auf den Punkt: Welche Mittel verwenden Gitarristen der Spätromantik um ihr Spiel expressiv zu gestalten? Und in welcher Beziehung steht die gitarristische Interpretationspraxis zu jener anderer Instrumente?
Ausgangspunkt sind die in den 1920er Jahren entstandenen Mikrofonaufnahmen Llobets, der als der führende Vertreter seines Instruments als Solist und als Pädagoge (u.a. als Lehrer Andrés Segovias) massgebenden Einfluss auf die Entwicklung des Instruments im 20. Jahrhundert ausübte. Gleichzeitig kann Llobet aber trotz tiefgreifender Veränderungen des Instruments und der Spieltechnik auch als Exponent einer bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreichenden Tradition des klassischen Gitarrenspiels in Spanien verstanden werden. Konzeptuell orientiert sich die Studie am Begriff der „Expressivität“ – einem zentralen Terminus spätromantischen Musikdenkens und fragt nach dessen konkreten Implikationen für die Instrumentalpraxis Llobets und seines Umfelds. Zudem soll versucht werden, Verbindungen und Abgrenzungen zwischen den „expressiven Kulturen“ verschiedener Instrumente zu ziehen. So soll der Frage nachgegangen werden, in welcher Beziehung Llobets Interpretationsstil zu dem seines Freundes Enrique Granados steht.
In methodischer Hinsicht kombiniert die Studie drei verschiedene Ansätze: (1) Die Auswertung der Tonaufnahmen erfolgt zunächst mittels der in den britischen Performance Studies entwickelten Methoden der computergestützten Aufführungsanalyse und des Interpretationsvergleiches. (2) Die Befunde werden anschliessend im Lichte zeitgenössischer Lehrwerke und Traktate diskutiert und historisch verortet. (3) Gleichzeitig werden die Ergebnisse am Instrument nachvollzogen und überprüft. Mittels dieses Verfahrens in drei Schritten sollen die Befunde aus der Tondokumente- und Textanalyse sowie des künstlerischen Nachvollzugs zu einer umfassenden Darstellung des spätromantischen Gitarrenspiels zusammengefügt werden.
Supervisors
Prof. Dr. Cristina Urchueguía, Universität Bern, Institut für Musikwissenschaft, Departement für Kunst- und Kulturwissenschaft
Prof. Dr. Kai Köpp, Hochschule der Künste Bern HKB, Organisationseinheit: Forschung, Musik, Klassik