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Summer 1993
Regie: Carla Simón
Darst.: Laia Artigas, Paula Robles, Bruna Cusí, David Verdaguer, Fermí Reixach, Montse Sanz, Isabel Rocatti, Berta Pipó, Etna Campillo, Paula Blanco, Quimet Pla u.a.
Die sechsjährige Frida wächst nach dem Tod ihrer Mutter, die in Barcelona an Aids gestorben ist, bei ihrem Onkel und dessen Frau und deren kleiner Tochter im ländlichen Hinterland von Gerona auf, der nördlichsten Provinz Kataloniens. Regisseurin Carla Simón, 1986 in Barcelona geboren, verlor ihre Mutter 1992; sie starb an Aids, genau wie ihr Vater, der bereits 1989 Opfer der damals unheilbaren Krankheit geworden war. Der Sommer 1993 markiert dabei jenen Zeitpunkt, als die allerersten wirksamen Medikamente gegen Aids entwickelt worden waren. In atemberaubenden Bildern evoziert die Regisseurin in ihrem Spielfilmerstling die für ein Kind oft unbegreifliche Welt des ländlichen Kataloniens von damals. Seine Premiere hatte «Summer 1993» an der Berlinale 2017, wo er den Preis als bester Erstling gewann. Bei den diesjährigen Goyas, Spaniens nationalem Filmpreis, obsiegte er in drei Kategorien: bester Erstlingsfilm, bester Nebendarsteller und beste schauspielerische Neuentdeckung. Letztere war natürlich keine andere als die neunjährige Laia Artigas, die die kleine Frida eindrücklich verkörpert. Spaniens renommierteste Kritiker vergleichen sie bereits mit der damals etwa gleichaltrigen Ana Torrent, die als kindliche Hauptdarstellerin zwei Meisterwerke des spanischen Kinos der 1970er-Jahre prägte: Victor Erices «El espíritu de la colmena» und Carlos Sauras «Cría cuervos». Elvira Lindo schrieb in El País: «Carla Simón beherzigte den Rat, den Filmschulen zukünftigen Filmschaffenden auf den Weg geben: ‹Beginne mit dem, was du kennst.› So tat die junge Cineastin ihre ersten Schritte auf einem Terrain, das sie einst selbst durchwanderte. Doch sie blieb sich bei der Rekonstruktion dessen, was der erste Sommer ihres zweiten Lebensabschnittes war, stets der Fallstricke bewusst, welche die Erinnerung birgt – vor allem, wenn es sich um oftmals mystifizierte Kindheitserinnerungen handelt und besonders, wenn Tante und Onkel schliesslich zu Eltern werden. Die so überwältigende wie aufschlussreiche letzte Szene des Films dreht sich um dieses Dilemma, und erst jetzt erscheint auf der Leinwand der Satz: ‹Meinen Eltern gewidmet.› Doch welchen Eltern? Den toten oder denen, bei denen sie aufgewachsen ist? Es ist besser, dass ‹Summer 1993› dieses Rätsel für sich behält, denn dieser grossartige Film ist eine Widmung an alle Geister, die einen Kinosaal zu bevölkern vermögen.»