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liegen oder in die tief aufgerissenen Gewölbe eingeschnitten sind; einige derselben sind teilweise auch Querthäler, so z. B. dasjenige des Rio du Mont und des Motélon. Die Freiburger Alpen haben wie alle Kalkgebirge zahlreiche grosse Quellen, sog. Strom- oder Karstquellen, so z. B. die Quelle des Jaunbachs (Cascade de Bellegarde; welche mit 6000 Sekundenlitern Wasser einer Felsspalte entspringt), die Quellen von Fornys, Bonnefontaine und der Chapelle du Roc (bei Galmis). Im Saanethal entspringt die grosse Quelle der Neirivue, die einem Wasserverlust des Hongrin oberhalb Montbovon zugeschrieben wird. Dem Felskopf des Moléson entspringen ebenfalls zwei beträchtliche Quellen (Tzuatzau und Marmotheys). Alle diese grossen Quellen kommen aus dem obern Jura oder dem Neocom.
Bibliographie: Gilliéron, V. Les Alpes de Fribourg... u. Gilliéron, V. Descr. des territoires de Vaud, Fribourg et Berne compris... entre le Lac de Neuchâtel et la Crête du Niesen. (Beitr. zur geolog. Karte der Schweiz. 12 und 18). Bern 1873 und 1885. - Favre, E., und H. Schardt. Descr. des Alpes du Cant. de Vaud... (Beitr. zur geolog. Karte der Schweiz. 22). Bern 1887.
Orographie.
Wie in geologischer bildet der Kanton Freiburg auch in orographischer Beziehung zwei sehr von einander verschiedene landschaftliche Bezirke. Das an die Senke des Neuenburgersees sich anlehnende Stück Mittelland wird von den zwei grossen und hier merkbar nach NO. gerichteten Thälern der Broye und Saane durchfurcht. Die Saane fliesst in einem tief in die Molasseschichten eingeschnittenen Thal, das besonders in den zahlreichen Mäanderkrümmungen oft den Anblick eines Cañons gewährt und vom Fluss immer noch weiter ausgewaschen wird. Es ist somit das Saanethal eine immer schärfer sich ausgestaltende Erosionsfurche. Im Gegensatz dazu zeigt uns die Broye das Bild einer ebenen, breiten Thallandschaft, die vom Flusse beständig weiter aufgeschüttet wird.
Unzählige Nebenadern von Saane und Broye entwässern das freiburgische Hügelland und bestimmen dessen Reliefformen. Eine erste, zwischen der Senke des Neuenburgersees und dem Thal der Broye sich erhebende Reihe von Hügelzügen kann man als die Zone des Vuilly (Wistenlach) bezeichnen; sie erreicht eine mittlere Höhe von 500 m und gipfelt im Mont Vuilly mit 634 m. Das Freiburger Mittelland im engeren Sinne steigt mit einer Reihe von Höhenzügen von 600-800 m bis zum Fuss der Alpen an. Sein höchster Punkt ist der Mont Gibloux (1203 m). Seinem geologischen und orographischen Aufbau, wie seinem landschaftlichen Charakter nach ist es eine Fortsetzung des Waadtländer Berglandes des Mont Jorat.
Die Freiburger oder Greierzer Alpen beginnen mit einer Bergzone, deren wellige und rundliche Formen durch die sie aufbauenden wenig widerstandsfähigen Schichten des hier der Hauptsache nach schieferigen und tonigen Flysch bedingt sind. Nur an wenigen Stellen werden diese sanften Bergformen von einigen schroffern Felspartien, die aus Jura- oder Neocomschichten bestehen, unterbrochen. Zu dieser Vorzone der Alpen gehören der Mont Corbettes (1498 m), Niremont (1514 m), die Alpettes (1415 m) und die Siaz (1390 m), zwischen welchen die beiden Quellarme der Veveyse und die Trème sich ihre Betten gegraben haben.
Nördl. der Saane erhebt sich über Villarsbeney der Kamm des Mont Salvens-Bifé (1533 m), der sich über die Berra u. den Cousimbert (Käsenberg; 1634 m) bis zur Müscheneck (1278 m) und zum Schweinsberg (1649 m) fortsetzt; ö. vom Thal der Sense endlich finden wir die Pfeife (1657 m), den Seelibühl (1754 m) und den Gurnigel (1544 m). Alle diese Flyschberge sind an den untern Gehängen mit Wald und im obern Abschnitt mit oft nassen Alpweiden bestanden. Mit ihren den Höhenzügen des Mittellandes entsprechenden Formen und ihrer schon an die Alpen anklingenden Höhenlage bilden sie eine Zwischenzone zwischen diesen beiden Gebieten.
An den Gürtel der Flyschberge oder, wie wir sie auch nennen können, die Zone des Gurnigel schliesst sich alpeneinwärts die Zone des Ganterist an, die den am linken Ufer der Saane aufsteigenden Moléson (2005 m) und die Tremettaz (1909 m), seinen sw. Ausläufer, umfasst. Der Moléson ist ein aus Neocom und Malm bestehender und auf einem Sockel von Dogger, Lias und Trias stehender isolierter Synklinalrücken. Als Gegenstück zum Moléson erhebt sich zwischen den beiden Armen der Veveyse der ausschliesslich liasische und triasische Stock von Grevallaz, und nach NO. senkt sich der aus denselben Schichten bestehende Kamm von Les Clefs langsam bis zu dem über dem Rande des Saanethales stehenden Mont Barry ab. Die U-förmig gebogenen Schichten des Molésonrückens müssen einst in Form eines geschlossenen Jura- und Neocomgewölbes mit dem schmalen Kamm der Verreaux (1692 m) und mit der Dent du Li (2017 m; irrtümlich meist Dent de Lys geheissen) in Verbindung gestanden haben.
Später hat dann die Arbeit der Erosion aus diesem Gewölbe eine Reihe von Einsenkungen herausgewaschen, in denen der Querfluss Veveyse (mit seinen beiden Quellarmen) u., weiter nach N., der Längsfluss Albeuve entspringen. Ueber dem rechten Ufer der Saane setzt sich die Kette Moléson-Dent du Li im Bergstock der Dent de Broc (1829 m) und in der Dent du Chamois fort; ihnen entsprechen der zwischen dem Querfluss Motélon und dem Jaunbach sich erhebende Stock der Monse und die nö. des Jaunbachs aufsteigende Gruppe der Dents Vertes, die über Hohmättli und Ochsen mit dem dieser ganzen orographischen Einheit ihren Namen gebenden Ganterist zusammenhängt.
Eine langer Muldenzug trennt die Zone des Ganterist von derjenigen des Stockhorns oder des Vanil Noir. Der tiefste Punkt dieser Senke liegt im Thal von Montbovon-Grandvillars (740 m), wo - eine in den Greierzer Alpen seltene Erscheinung - der Lauf der Saane genau der Achse der Mulde folgt. Sw. Montbovon steigt die Mulde über das Thal von Allières allmählig bis zur Dent de Hautaudon (1874 m) und Dent de Jaman (1878 m) an, so dass das Ganze einen regelrechten Schiffsrumpf bildet. Das nämliche wiederholt sich im NO., wo vom Dorf Estavanens an die Kreide- und Flyschschichten des Muldenkerns über La Perreyre bis zum Col de la Forclaz (1593 m) hinauf sich verfolgen lassen. Von da an ist dann diese Mulde, die übrigens weiterhin mit derjenigen des Moléson verschmilzt, beständig den Kämmen (Col des Hauts Créts, Arpille und Ausseyre) aufgesetzt.
Die Stockhornzone erreicht ihre grösste Höhe im Vanil Noir (2395 m). Die diese Zone quer durchschneidenden Thäler des Jaunbachs u. der Saane begreifen zwischen sich den isolierten Synklinalstock des Corjon, an den sich im NW. die Antiklinale der Sautaz und im SO. diejenige von Crau anlehnen. Nö. der Saane reihen sich bis zum Vanil Noir (2395 m) eine ganze Anzahl von immer an die Nähe der Synklinalfalte gebundenen Gipfeln von 2000-2300 m Höhe auf. Der Gipfel des Vanil Noir selbst besteht aus ¶
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Neocom und bildet einen Knotenpunkt, an dem der Kamm sich spaltet, um zwischen seinen beiden Aesten (dem Grat des Follieran-Brenleyre und dem der Tours de Dorénaz) von neuem ein Muldenthal, das Thal von Les Morteys, einzuschliessen. Beide Aeste verschmelzen nö. vom Durchbruch des Rio du Mont wieder zum Bergstock der Hochmatt (2158 m), die über den Schafberg und die Scheibe sich an das Stockhorn anschliesst, das, bereits auf Berner Boden stehend, das NO.-Ende der nach ihm benannten orographischen Einheit ist.
Auf die Zone des Stockhorns folgt im SO. die Kette der Gastlosen, die vom Perte à Bovey an mit der Dent de Savigny (2259 m), Dent de Ruth (2239 m) und Wandfluh (2128 m) der Kantonsgrenze folgt und dann mit der eigenartigen Säge der Gastlosen selbst ganz auf Freiburger Boden übertritt. Diese Kette bildet einen schmalen und stark zerschnittenen und gezähnten Kamm aus senkrecht aufgerichteten Juraschichten, die zusammen mit der Trias an ihrer Basis auf den der Stockhornkette angelagerten Flysch aufgeschoben erscheinen. Vergl. den Art. Gastlosen.
Die über die Freiburger Alpen führenden Passübergänge halten sich an die Flussläufe, die zugleich auch als sehr scharfe natürliche Schnitte den Aufbau dieser Gebirgsmassen klar erkennen lassen. Im Besonderen trifft dies für beide Thäler der Veveyse zu, deren eines über den Col du Soladier (1601 m) mit dem Thal der Baye de Montreux verbunden ist und zwischen denen selbst der Col des Paccots (1557 m) vom einen zum andern hinüberleitet. Das Thal des Hongrin (Allières) führt zum Col de Jaman (1516 m); das Thal von Montbovon (Saane) steht über zahlreiche kleine Pässe mit demjenigen des Motélon einerseits und denen beider Veveyse, der Trème etc. andererseits in Verbindung. Das gleiche gilt vom Thal der Jaun, von dem aus man in die Thäler des Motélon, des Schwarzsees, von Château d'Œx etc. hinübergelangen kann. Es ist nicht möglich, alle diese zahlreichen und sehr interessanten Verbindungen von Thal zu Thal hier zu nennen. Zu erwähnen bleibt nur noch, dass eine Fahrstrasse das Thal des Jaunbachs aufwärts über den Bruch (1506 m) und von da nach Boltigen ins Simmenthal hinunter führt.
[Dr. H. Schardt.]
Klima.
In klimatologischer Hinsicht zerfällt der Kanton Freiburg in drei Teile, deren Grenzen ungefähr von N. nach S. laufen, nämlich: 1. in die Gegend um den Murten- und Neuenburgersee;
2. in die Hochebene zwischen diesen Seen und dem Thal der Broye einerseits und den Voralpen andererseits und 3. in das Voralpengebiet selbst.
Die Stadt Freiburg, deren Klima wir als typisch für den mittleren der genannten Bezirke ansehen können, hat eine mittlere Jahrestemperatur von 7,2° C. Milder ist das Seengebiet, wie schon der Umstand zeigt, dass längs der Ufer beider Seen der Weinstock gedeiht. Rauher ist natürlich entsprechend der Höhenlage das Alpengebiet. In den bis zu einer Höhe von 1100 m hinaufreichenden Thälern, z. B. der Valsainte, ist die Temperatur durchschnittlich 1-2° tiefer als in der Hauptstadt. Im Winter ist es die aus NO. wehende Bise, welche auf der Hochebene die tiefen Temperaturen besonders fühlbar macht.
Auch die Regenmenge und die Regenhäufigkeit sind in den drei erwähnten Bezirken sehr verschieden. Es betrug im Durchschnitt der Jahre 1890-1899:
|die in einem Jahre gefallene Regenmenge||die Zahl der Tage, an denen Regen fiel|
|in Estavayer le Lac||834 mm||114|
|in Freiburg||1002 mm||124|
|in Valsainte||1570 mm||134|
Das am Südhang der Berra gelegene Valsainte gehört damit zu den regenreichsten Gegenden der Schweiz. Dieser grosse Regenreichtum erklärt sich zum Teil durch den Umstand, dass verhältnismässig häufig Gewitter von dem obern Genfersee durch den freiburgischen Veveyse- und Greierzerbezirk nach dem unteren Simmenthal hinziehen. Der mittlere Teil des Kantons ist Gewittern weniger ausgesetzt. Im übrigen erklärt sich die erwähnte Verteilung des Regens durch die wissenschaftlich begründete Tatsache, dass der Regen in unseren Gegenden vorzüglich an den dem SW.-Wind ausgesetzten Gebirgshängen fällt. Da überall im Winter die Zahl der heiteren Tage in den Gebirgsthälern grösser ist als in der Ebene, so ist trotz des grösseren Regenreichtumes in den gebirgigen Gegenden des Kantons die Zahl der heiteren Tage im Jahr nicht geringer und die durchschnittliche Bewölkung nicht grösser als auf der Hochebene. So weist das an der Grenze des Greierzerbezirkes gelegene Marsens im Jahr durchschnittlich 80 heitere und 120 trübe Tage auf, während an 160 Tagen der Himmel etwa zur Hälfte mit Wolken bedeckt ist.
Die Nebel, die an windstillen Herbst- und Wintertagen die Schweizerische Hochebene vom Jura bis zu den Alpen zu überdecken pflegen, überfluten auch einen grossen Teil des Kantons Freiburg; doch steigen sie im allgemeinen nicht höher als 800 m, so dass grosse Teile des Sense- und des Greierzerbezirkes sich des herrlichsten Sonnenscheines erfreuen, während die westlichen Bezirke in dichte Nebel gehüllt sind. Die Zahl der Nebeltage beläuft sich in diesen Bezirken auf durchschnittlich 40 im Jahre, bleibt also noch um 10 Tage pro Jahr hinter den Gegenden an der mittleren Aare zurück.
[Dr. A. Gockel.]
Hydrographie.
Wie die Kantone Bern, Neuenburg, Waadt u. Wallis gehört auch der Kanton Freiburg gleichzeitig beiden grossen Flussgebieten der Schweiz an. Auf Freiburger Boden verläuft die Wasserscheide zwischen Rhein und Rhone von der Cape aux Moines über Dent de Lys, Tzuatzau (Kette des Moléson), Niremont, See von Lussy und Châtel Saint Denis bis zum Mont Vuarat. Man kann auf Freiburger Boden vier Einzugsgebiete zweiter Ordnung unterscheiden, nämlich die der Veveyse, Saane, Broye und Sense.
Die Sense, die heute bei Laupen in die Saane mündet, muss einst einem grossen Strom zugeflossen sein, der durch das Thal von Mühlethal (Taferna) und weiterhin durch das Thal von Thörishaus und Bümpliz seinen Lauf zur Aare genommen hat. Später füllten dann die Moränen des diluvialen Aaregletschers das Thalstück Thörishaus-Bümpliz auf und dämmten es zum Teil ab, wodurch der seines Unterlaufes beraubte Fluss zum Ausweichen nach einer anderen Richtung veranlasst wurde.
Damit erklärt sich das scharfe Knie, mit dem heute die Sense bei Unter Fahr (unterhalb Riedern) nach W. abbiegt. Vielleicht war dieser präglaziale Flusslauf nichts Anderes als die Saane, die dann also über Flamatt und Thörishaus der Aare zugeflossen wäre und in der Nähe des heutigen Bern in sie gemündet hätte. Von den genannten vier Flussgebieten zweiter Ordnung gehört nur eines dem grossen Einzugsgebiet der Rhone an, nämlich das der Veveyse. Wie viele andere Flüsse (Sense, Lütschine, Simme) bildet sich auch die Veveyse aus zwei grossen Quellarmen, der (zum grössern ¶