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Mit mehr als einem Tag Verspätung ist das Bild des Jahres doch noch in der Schweizer Presse angelangt.
Es ist der 30. August 2021, wenige Minuten vor Mitternacht. Im vertrauten giftgrünen Licht besteigt ein amerikanischer Wehrmann die Rampe der letzten C-17A Globemaster III. Die mächtige Frachtmaschine gehört zum Schlussdetachement von fünf C-17A. Draussen auf dem Flugfeld detonieren, gezündet von Thermit-Bomben, Flab-Geschütze, welche die grösste Luftbrücke seit Berlin 1948 gut geschützt haben. Die Rampe geht hoch, die C-17A rollt zum Start, als letzte hebt sie ab: Sie bringt Soldaten, den amerikanischen Botschafter und den letzten Mann in Sicherheit; und sie fliegt Afghanen in die Freiheit – und rettet ihr Leben.
Wer ist der Soldat im Restlicht? der Mann mit Helm, Nachtsichtgerät, Schutzweste und der Waffe in der Hand?
Es ist Generalmajor Christopher Donahue, der Kommandant der 82. Luftlandedivision aus Fort Bragg, North Carolina – einem imposanten, feuchtheissen Waffenplatz, auf dem 47’000 Amerikaner dienen: die Fallschirmjäger von der 82., das Kommando des 18. Luftlandekorps, die 18. Feldatilleriebrigade und Spezialkräfte.
Donahue führte in Kabul einen der beiden Grossverbände, die militärisch den Exit von mehr als 100’000 Menschen schützten. Der andere war die 24th Marine Expeditionary Unit unter dem Kommando von Generalmajor Francis Donahan.
Christopher Donahue hatte schon eine reich erfüllte Laubahn hinter sich, als er die 82. übernahm. In Afghanistan befehligte er die Spezialkräfte in der Operation “FREEDOM’S SENTINEL”, Schildwache der Freiheit. Die Mission hatte 2015 nach dem NATO-Rückzug begonnen und suchte das Land mit reduzierten, dafür hochqualifizierten Verbänden zu schützen. Donahue lernte die Völker und Stämme am Hindukusch zum zweiten Mal kennen.
Generalleutnant Michael Erik Kurilla, als Befehlshaber des 18. Luftlandecorps Donahues Vorgesetzter, würdigte das Kabul-Engagement der Fallschirmjäger “in Hochachtung vor unseren Himmelsdrachen: Das war ein unglaublich harte Mission, voller Fallstricke, voller Gefahren jederzeit. Unsere Truppe legte Biss an den Tag, Disziplin und Empathie.” Sky Dragons, Himmelsdrachen nennt sich die 82., so wie die Schwesterdivision, die 101. Screaming Eagles, gellende Adler, nennt.
Donahue bestand die Militärakademie von West Point und führte an der Koreafront einen Zug im 75. Rangerregiment. Die Rangers gehören zu den Spezialkräften des Heeres. Früh entdeckte der Generalstabschef Donahue und dessen analytische Kraft. Er berief ihn zu seinem Sonderassistenten.
Hernach ging es zurück zur Truppe – als stellvertretender Brigadekommandant Special Operations Command (USASOC) des Heeres, ebenfalls in Fort Bragg. Als Fallschirmjäger diente Donahue die Sporen in der 82. und der ebenso berühmten 101. Luftlandedivision ab, bevor er nach Washington zurückkehrte. Dort war er bei den Operationen – im FGG J-3 – für die Spezialkräfte verantwortlich.
Donahues Curriculum ist derart vielfältig, dass es schwer fällt, alle Stationen nachzuzeichnen. In Afghanistan diente er an der Front schon in der Operation “ENDURING FREEDOM”, in Irak in “NEW DAWN” und in Syrien in “INHERENT RESOLVE”. Er führte als Commandant die Heeresinfanterie-Schule in Fort Benning und studierte am Naval War College und an der Universität Harvard, alle drei, inklusive Benning, erstklassige Adressen.
Nimmt man alles nur in allem, will scheinen: Die Verbindung von Truppenkommandos mit Diensten beim Generalstabschef und der Afghanistan-Erfahrung prädestinierten Donahue für das Kommando der 82. Division. Mit den Marines bewährten sich die Himmelsdrachen in einer schwierigen Mission, die am historischen 30. August 2021 von Stunde zu Stunde gefährlicher wurde – bis der General persönlich das letzte Material sprengte, das dem Gegner nicht in die Hand fallen durfte.