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Die Pharmazeutische Zeitung veröffentlichte vor kurzem einen Artikel unter dem eher ernüchternden Titel
„Schwangerschaftserbrechen – Viele Therapieoptionen, wenig Evidenz“.
Hier ein paar interessante Zitate mit ergänzenden Bemerkungen:
Ein Thema war des Artikels war die Forschungslage zum Thema „Ingwer“:
„Forscher der Cochrane Collaboration haben in einer aktuellen Übersichtsarbeit Studien zu Arzneimitteln zusammengefasst, die bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft empfohlen werden. Ihr Fazit: In Anbetracht der hohen Prävalenz der Beschwerden ist die Studienlage erstaunlich schlecht. So fanden sich beispielsweise für die vielfach empfohlenen Ingwer- oder Pyridoxinpräparate nur sehr wenige Daten aus qualitativ hochwertigen klinischen Studien. Ingwer und Pyridoxin (Vitamin B6) scheinen aber besser als Placebo morgendliche Übelkeit zu lindern. Bei der Reduktion von Erbrechen zeigte nur Ingwer einen leichten Nutzen, während sich die Symptome mit Vitamin B6 nicht eindeutig verbesserten.“
Das Hauptanwendungsgebiet von Ingwer-Präparaten ist die Reisekrankheit / Seekrankheit. Forschung gibt es auch bezüglich der Linderung von Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie oder nach Operationen.
Siehe:
„ Bei den Studien wurden unterschiedliche Dosierungen und Darreichungsformen untersucht: Bei Ingwer kamen sowohl Kapseln mit getrocknetem Ingwerpulver als auch Ingwer in Form von Sirup zum Einsatz. Pyridoxin wurde in den untersuchten Studien in einer Dosierung zwischen dreimal 10 mg und dreimal 25 mg pro Tag verabreicht. Negative Auswirkungen für die Gesundheit von Mutter und Kind zeigten sich in den Studien nicht. Lediglich bei Ingwerpräparaten kam es häufiger zu Sodbrennen. Aufgrund der geringen Nebenwirkungen kann auch bei noch nicht endgültig nachgewiesener Wirksamkeit bei leichten bis mäßigen Beschwerden ein Therapieversuch mit Ingwer oder Vitamin B6 unternommen werden.“
Ingwertee wäre auch eine Option.
Zur Dosierung von Ingwer hier eine genauere Angabe zu den Höchstmengen:
„ So wirkt Ingwer, der entweder frisch gerieben oder als Kapsel gekaut werden kann, gut bei leichter Emesis, berichtete Univ.-Doz. Dr. pharm. Ulrike Kastner, Abteilung für Pharmakognosie des Pharmaziezentrums der Universität Wien. Es sollte hierbei jedoch eine Tageshöchstdosis von zwei bis vier Gramm nicht überschritten werden.“
(Quelle: http://www.aerztemagazin.at/dynasite.cfm?dssid=4170&dsmid=77523&dspaid=603827#dstitle_603833)
„ Auf dem deutschen Markt gibt es kein Arzneimittel, das explizit für die Indikation »Schwangerschaftserbrechen« zugelassen ist. Ein Präparat mit gepulvertem Ingwerwurzelstock in Kapselform (Zintona®) ist lediglich für die Prävention der Reiseübelkeit zugelassen. In der Gebrauchsinformation findet sich der Hinweis, dass das Präparat nicht bei Schwangerschaftserbrechen eingesetzt werden soll.“
Aus den klinischen Studien mit Ingwer bei Schwangerschaftserbrechen gibt es keine Hinweise auf teratogene Wirkung (Missbildungen am Embryo) oder abortive Wirkung (auslösen einer Fehlgeburt). Auch der in vielen Kulturen stark verbreitete Ingwer-Konsum als Gewürz spricht gegen das Auftreten von Problemen während der Schwangerschaft. Weil aber diese Frage nicht mit letzter Sicherheit geklärt ist, lehnen die Arzneimittelbehörden die Anwendung von Ingwerpräparaten bei Schwangerschaftserbrechen ab. Auch in der Phytotherapie-Fachliteratur taucht beim Abschnitt über Ingwer das Schwangerschaftserbrechen meist unter „Kontraindikationen“ auf.
Aus diesen Gründen empfehle ich Ingwer bei Schwangerschaftserbrechen nicht aktiv, sondern informiere nur möglichst umfassend über den ‚Stand der Dinge’.
„Vielen Schwangeren helfen bereits die Hinweise zu nicht-medikamentösen Maßnahmen. Bei leichten bis mäßigen Beschwerden kann auch eine Selbstmedikation mit Ingwer (entsprechend 1 g Droge pro Tag) oder Vitamin B6 (10–25 mg, dreimal täglich) versuchsweise durchgeführt werden. Wenn die Beschwerden stärker sind, die Schwangere fünfmal oder häufiger pro Tag erbrechen muss oder Gewicht verliert, sind die Grenzen der Selbstmedikation erreicht. In solchen Fällen sollte auch eine medikamentöse Behandlung erfolgen.“
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36523&type=0
Weitere Informationen zu Schwangerschaftserbrechen bzw. Schwangerschaftsübelkeit:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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