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Manaus I
Gesagt getan! Am 5. Dezember bestiegen wir also in João Pessoa das Flugzeug und flogen via Brasilia nach Manaus am Rio Negro, wo wir mitten in der Nacht ankamen.
Flug über Brasilia
Manaús ist die Hauptstadt des Amazonas und zählt ca. drei Millionen Einwohner, aber wer weiss das schon so genau. Der Bundesstaat Amazonas umfasst 1,6 Millionen km2 und entspricht etwa fünf Mal der Fläche von Deutschland oder über dreissig Mal derjenigen der Schweiz. Das Gebiet ist unheimlich gross. Hier treffen sich die Flüsse Rio Negro, Solimões und Madeira und vereinigen sich zum Amazonas, dem wahrscheinlich längsten Fluss der Welt. Jedenfalls wird der Fluss bei jeder Messung länger. Dies entspricht der brasilianischen Mentalität überall das Beste, Grösste, Längste etc. zu haben, was aber durchaus nicht abschätzig oder überheblich gemeint ist.
Im Laufe der bewegten Geschichte hat die Stadt mehrmals ihren Namen gewechselt. Seit 1856 heisst sie wieder Manaús, in Anlehnung an den Indianerstamm der Manaós. Das Wort bedeutet etwa „Mutter Gottes“.
Manaús liegt mitten im Dschungel 1’500 km vom Meer entfernt, besitzt aber einen wichtigen Hafen, wo die grossen Meerschiffe anlegen.
Am Fährhafen.
Schiffe, soweit das Auge reicht.
Auch der Coiffeur hat sich hier eingemietet.
Ich behalte meine Haare!
Die Stadt besitzt keine Strassenverbindung nach Brasilien. Als einzige Strassenverbindung nach aussen gibt es noch heute lediglich die Transamazonica, die aber nach Venezuela führt. Alles, wirklich alles, was man in Manaús kaufen oder erstehen kann, wurde mit dem Schiff hierher gebracht oder hier produziert. (heute gibt es allerdings auch noch den Flughafen). Die Lebensader der Stadt ist der Fluss mit seinen vielen, sehr vielen Seitenarmen. Aus praktischen Gründen entstanden hier in Manaús riesige und zahlreiche Produktionsstätten für wahrscheinlich fast alles. Nach dem Einbruch im Kautschukgeschäft wurde eine Freihandelszone geschaffen, die viele renommierte Firmen anlockte. Beispielsweise werden in Manaús 14 verschiedene Motorrädermarken produziert. Kodak, Philips, Gilette, Pepsi, Honda, Samsung ABB etc etc sind hier vor Ort. Manaús ist heute aufgrund der grossen Wirtschaftskraft und des Tourismus nach Sao Paulo, Rio de Janeiro und Brasilia die viert reichste Stadt Brasiliens. Allerdings hat sich die grosse, kaum kontrollierbare Freihandelszone nach dem Rückzug der kolumbianischen FARC aus der Drogenanbauregion zu einem neuen Zentrum des Handels mit Kokain entwickelt, das über die vielen Nebenflüsse des Amazonas nach Manaús gelangt, von hier in die Häfen Nordostbrasiliens und von dort nach Europa verschifft wird. Entsprechend erlebte ich die Stadt nicht nur als schmuddelig, sondern auch als echt gefährlich. Immerhin waren wir in zwei Tagen drei Mal Zeuge einer Schiesserei, wobei wir einmal aus nächster Nähe in die Gewehrläufe der Polizei schauten. Uff! Wir waren schnell weg.
Die Stadt aus der Kolonialzeit erlebte ihre Blüte im Zusammenhang mit Kautschuk Ende des 19. Jhdt. Es entwickelte sich ein gewaltiger Gigantismus. So wurde das Teatro Amazonica, das Opernhaus gebaut mit Materialien, die praktisch samt und sonders aus Europa stammten: die Kacheln der Kuppel aus Deutschland, die Pflastersteine auf dem Platz aus Portugal, der Marmor und die Deckenmalereien aus Italien. Der Architekt war ein Brasilianer aus Paris. Es wurde eine Markthalle nach Pariser Vorbild errichtet etc. Noch heute werden im Teatro praktisch wöchentlich Konzerte gegeben und Opern aufgeführt, die meist gratis dargeboten werden. Man muss einfach rechtzeitig in der Schlange anstehen und nach etwa 650 Personen ist Schluss. Das Teatro wurde 1990 aufwendig renoviert.
Hier in Manaús entstand auch die erste Universität Brasiliens. Sie wurde1909 gegründet. Man kann heute hier fast alles studieren. Vor ein paar Jahren wurden die Fakultäten zusammengelegt und die Gebäude mitten im Urwald errichtet, mit lediglich einem Aus-/Eingang, was es dem Militär einfach macht, allfällige Studentenrevolten zu kontrollieren und von der Umgebung abzuschotten.
Hier wird viel über mögliche in der Medizin nützliche Substanzen, die aus den Pflanzen und Tieren des Urwaldes gewonnen werden, geforscht. Ein altes Beispiel ist Curare, das Pfeilgift der Indianer, welches zur Lähmung des Nervensystems führt und heute in der Narkosetechnik eine wichtige Rolle spielt. Danke. Heute liegt der Schwerpunkt der Forschung eher auf Substanzen, mit denen man Krebs bekämpft.
Wir logierten im Hotel Farol da Barra. Das liegt ziemlich günstig zum Stadtzentrum, so dass man zu Fuss dorthin gelangen kann. Nachts jedoch mieden wir die Strassen, gingen nur mit dem (billigen) Taxi hin und her, eine Empfehlung, die prinzipiell für ganz Brasilien gilt. Tagsüber schlenderten wir durch das Hafenviertel, gingen über die Märkte, durch das Zentrum und zum teatro. Überall war die Stadt auch weihnächtlich geschmückt. Trotz der schwülen 32 Grad trafen wir sogar einige Schneemänner und ganz oben im Tannenbaum schneite es sogar.
Auf dem Fischmarkt
Am Abend stellten wir uns in der Kolonne an, die das Konzert im teatro amazonica besuchen wollte. Programm, Interpret, Art und Stil völlig unbekannt, aber eher nach Jazz als nach Weihnachten tönend. Was uns aber das Spok Quinteto an diesem Samichlausabend bot, war Musik und Unterhaltung vom Feinsten, Saxophon/Jazz auf höchstem Niveau. Zwar nichts von Stille Nacht, Heilige Nacht, dafür brasilianische Rhythmen und Klänge, die wohl zu brasilianischer Weihnacht besser nicht passen könnte. Schade, dass wir die Erklärungen nicht alle verstanden. Wir waren aber vom Konzert ebenso begeistert, wie die sechshundert Brasilianer um uns herum. Gut, dass dieses Konzert mit dem Titel Sotaque Pernambuco im Rahmen der Música na Strada auch noch in anderen Städten Amazoniens durchgeführt wurde.
Und dann, wenn man nach Konzertende wieder aus dem Konzertsaal auf die Strasse hinaustritt, in die Hitze der Nacht, sind die Strassen noch voller Leben. Es wird musiziert auf den Plätzen, aber auch in kleinen und kleinsten Kneipen. Überall wird musiziert und getanzt, kein brasilianisches Füdli bleibt ruhig. Dieses Volk hat die Musik wirklich im Blut. Eindrücklich.
und am nächsten Tag waren da schon die Schneemänner, die wir in typischer Winterkleidung besuchten.
Die Wiesen und Plätze blieben grün.
Zwischendurch stärkten wir uns mit einheimischen Köstlichkeiten (was das auch heissen mag?).
In den Strassen gab es viel zu entdecken und zu bestaunen. Mich beeindruckte auch immer wieder, wie sich die Leute zu helfen wissen. Der Hut dieses Mannes schützt vor Sonne und Regen. Er konnte es sich nicht leisten, sich im nahen Markt einen entsprechenden Hut zu kaufen. Immer wieder sieht man auch Bettler, aber auch solche, die sich durch irgend eine Arbeit ein paar Rappen verdienen. Auf dem rechten Bild sieht man den Slum hinter unserem Hotel. Die Schere zwischen arm und reich ist weit offen und oftmals beelendend.
Gemüsehändler entlang der Strasse auf dem Weg zurück ins Hotel. Ja, man wird müde, ob all diesen Eindrücken und dem schwülen Klima.
Das Hotel bot keinen besonderen Service, war aber einigermassen sauber und wir haben zweimal gut geschlafen. Interessant waren die Zimmertüren, jede individuell gefertigt und Wildtiere des Amazonas zeigend. Auch ein riesiges Wandgemälde fand sich über unserem Bett. Das war doch eine gute Einstimmung auf die bevorstehende Zeit im Dschungel.
Und zum Abschluss noch etwas Musik. Jedenfalls versuche ich da mal etwas auf die Seite zu bringen. Ob das mit diesem Internet klappt? Keine Ahnung! Um Rückmeldung bin ich dankbar. Bis dann!