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Damals, als die USA noch der grösste Hersteller von Automobilen waren und Cadillac das Aushängeschild, gab es jedes Jahr ein Facelift, eines, das man tatsächlich auch als solches erkennen konnte, nicht so wie heute. Cadillac hatte in den 1930er-Jahren grossartige und auch schwierige Jahre hinter sich, die 16-Zylinder waren nicht der Erfolg, den man sich vorgestellt hatte. Und seit 1939 herrschte in Europa und Asien Krieg.
Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass auch General Motors Anfang der 1940er-Jahre etwas zurücksteckte. Und trotzdem waren die Änderungen bei Cadillac für das Jahr 1941 schon fast radikal. Zum ersten Mal seit 15 Jahren hiess es wieder. eine Marke, ein Motor. Der V16 (zu weit oben) und die La Salle (in der Mittelklasse) verschwanden von der Angebotsliste. Zwar versuchten sich die härtesten Konkurrenten von Cadillac, Packard, Lincoln und dazu auch Chrysler, ebenfalls in dieser mittleren Klasse, doch es war keine schlechte Strategie von Cadillac, sich voll und ganz auf das Luxussegment zu konzentrieren.
Erstmals mit Verbrauchsangaben
Dafür gab es bei Cadillac sechs verschiedene Serien des V8 mit 5.7 Litern Hubraum, der neu stolze 150 PS leistete. Die Series 60 Special, 61, 62, und 63 waren auf ein Chassis mit 320 Zentimetern Radstand aufgebaut, die Series 67 verfügte über einen Radstand von 353 Zentimeter, die Series 75 hatte einen Radstand von 345 Zentimetern. In Verbindung mit den neuen Übersetzungen 3.77 und 4.27 als Standard sowie einer speziell für die Modelle mit kurzem Radstand angebotenen 3.36-Übersetzung waren die Fahrzeuge nicht nur viel schneller (Höchstgeschwindigkeit immer über 160 km/h, 0–96 km/h in 14 Sekunden, 0–129 km/h in 23 Sekunden), sondern auch bedeutend sparsamer, vor allem wenn man sie mit den ersten, 1936 angebotenen Modellen mit dem damals frischen V8 vergleicht, die nicht zu Unrecht für ihren immensen Durst kritisiert worden waren.
Weil dieser hohe Verbrauch immer wieder Anlass zu Stirnrunzeln gegeben hatte, veröffentlichte Cadillac 1941 auch erstmals offizielle Verbrauchszahlen, die teilweise aber etwas optimistisch scheinen: Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Meilen pro Stunde sollen es 10.6 Liter pro 100 Kilometer gewesen sein, bei 60 Meilen pro Stunde 15.5 Liter. Hätte man diesen Verbrauch bei einem Wagen gemessen, der mit der 1941 erstmals lieferbaren Klimaanlage ausgerüstet gewesen wäre, so wäre er mit Bestimmtheit einiges höher gelegen, denn diese erste Air-Conditioning war ein Ärgernis sondergleichen. Rund 150 Kilogramm schwer und mit über das ganze Fahrzeug verteilten Einzelteilen machte sie nicht nur einen gewaltigen Lärm, sondern zeigte auch kaum Wirkung. Und sie konnte nur ausgeschaltet werden, indem man den Motor ausschaltete. Dass Cadillac ein untaugliches Gerät, von dem auch nur 300 Stück verkauft werden konnten, einbaute, lässt sich damit erklären, dass Cadillac nicht hinter Packard zurückstehen wollte, die schon 1940 eine Klimaanlage im Angebot hatten. Allerdings war auch die Packard-Maschinerie kein Deut besser. Im gleichen Jahr war für die Cadillac auch erstmals die Hydramatic zu kaufen. Sie war viel besser durchdacht und ausgeführt als die Klimaanlage, aber trotzdem noch stark verbesserungswürdig.
Gesichtsverlust?
Wenn man auf die Cadillac der Jahre 1938 bis 1941 zurückblickt, so darf man feststellen, dass sie sich stark von ihren Vorgängern unterschieden. Manchen Freunden der Marke waren die revolutionären Änderungen im Design und die Elimination der Kosmetik zur Verschönerung der Motoren allerdings etwas gar heftig, man sprach von Verarmung und Gesichtsverlust, ein englischer Kritiker ging gar so weit, zu behaupten, Cadillac habe «allen Charakter verloren». Ein anderer Automobilhistoriker kam der Sache mit folgender Aussage schon näher: «Es gab in ihrer Zeit keine anderen Fahrzeuge, die ihnen in Sachen Fahrkomfort gerade bei schnellen Fahrten über schlechte Strassen auch nur einigermassen nahe kamen.»
Diese Vorkriegs-Cadillac darf man mit gutem Gewissen als moderne Fahrzeuge bezeichnen, verfügten sie doch über viele technische Details, die bei anderen Marken erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg Standard wurden. Einen dieser Wagen zu fahren, darf man auch heute noch als Erlebnis bezeichnen. Und verglichen mit ihren Konkurrenten waren sie schneller, beschleunigten besser, erlaubten höhere Reisegeschwindigkeiten bei einem niedrigeren Verbrauch, waren von höchster Qualität und erst noch sehr einfach zu fahren. Nur ein Konkurrent konnte mit den Cadillac mithalten: Packard mit den 1940 vorgestellten Series 160 und 180. Diese Fahrzeuge konnten in fast jeder Beziehung den Vergleich mit den Cadillac aufnehmen, ausserdem sollen sie gemäss Aussagen von Packard-Ingenieuren noch schneller gewesen sein.
Ein praktisches Automobil?
Allein damit ist der Vorwurf des verlorenen Charakters aber noch nicht aus der Welt geschafft. Doch was bedeutet im Zusammenhang mit einem Automobil Charakter? Die Cadillac waren gemäss ihrem Erfinders Henry Martyn Leland als praktische Autos gedacht – und praktisch waren die Cadillac dieser Jahre tatsächlich mit ihrem schlichten, klaren Design, das sowohl beim Styling als auch bei der Technik auf jeden unnötigen Schnörkel verzichtete. Der V16 mag vielleicht den absoluten automobilen Gipfel dargestellt haben, doch die V8 der Jahre 1936 bis 1941 waren die Fahrzeuge, die den Standard of the World setzten – ganz im Sinne von Henry Martyn Leland, dem Gründer von Cadillac.
Das hier gezeigte Fahrzeug, ein Cadillac-Series 62 Convertible aus dem Jahr 1941, wurde von der Oldtimer-Galerie in Toffen BE zur Verfügung gestellt. Das Fahrzeug ist seit Jahrzehnten in Schweizer Besitz und befindet sich in einem aussergewöhnlich guten Zustand. Aufbereitet wurde es von V8 Bros in Trimbach SO.