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(frz. attaque), Angriff; das Vorgeben gegen den Feind, um ihn mit blanker Waffe anzufallen. -
Bei der Kavallerie ist die Attacke eine mit wachsender Schnelligkeit ausgeführte Vorwärtsbewegung, um im vollsten Lauf
der Pferde
[* 2] in den Gegner einzubrechen und ihn mit der blanken Waffe zu vernichten, die einzige Kampfesäußerung (abgesehen
von dem als Notbehelf dienenden Fußgefecht) und die Spitze ihrer ganzen Ausbildung; alle übrigen Bewegungen dienen
nur dazu, sie günstig vorzubereiten und zu entwickeln.
Der Erfolg der Attacke beruht auf der Wucht des Stoßes und
auf der Anwendung der blanken Waffe; letztere kommt bei der Linie durchaus,
bei der Kolonne nur zum kleinern Teil in Anwendung. Die Linie hat ferner vor einer der Zahl nach gleich
starken Kolonne den wesentlichen Vorteil der größern Breite
[* 3] voraus und ermöglicht, mit den überflügelnden Teilen den Gegner
zu umfassen und ihn in der Flanke, seiner schwächsten Stelle, anzufallen. Kavallerie in der Flanke angegriffen, ist unbedingt
geworfen, ebenso wie diejenige, welche sich stehenden Fußes an greifen läßt: in beiden Fällen fehlt
der Gegenstoß. Da auch die Flanken der Infanterie und Artillerie günstigere Angriffspunkte bieten als die feuernden Fronten,
so muß die Kavallerie stets dem Feinde die Flanke abzugewinnen, die eigene Flanke aber gegen den gefährlichen Angriff zu
decken sich bestreben.
Infolgedessen muß der Anspruch größter Bewegungsfähigkeit an die Kavallerie gestellt werden; die Linie
bat dieselbe nicht, da Richtungsveränderungen in ihr schwerfällig sind und sich gangbarer Boden in der erforderlichen Breitenausdehnung
seltener findet. Zum Manövrieren
[* 4] bedarf deshalb die Kavallerie der Kolonne; dieselbe muß außer größter Beweglichkeit im
Gelände auch die schnellste und einfachste Entwicklung zur Linie gestatten. Die Bewegung in Linie und
in starken Gangarten setzt gut ausgebildete Truppen voraus.
Aus Mangel an solchen ließ Napoleon I. in seinen letzten Feldzügen seine Kavallerie vielfach in schwerfälligen Kolonnen angreifen.
Da er durch richtiges Einsetzen derselben trotzdem große Erfolge erreichte, so haben seine Gegner in der von ihm nur
als Notbehelf angewendeten Kolonnenformation einen wesentlichen Faktor des Sieges, eine Auffassung, die
bis über die Mitte des Jahrhunderts hinaus sich bei den Übungen der verschiedenen europ. Kavallerien geltend machte. Bei
der deutschen Kavallerie ist die Kolonnenattacke vollständig verschwunden. - Man unterscheidet geschlossene und Schwarmattacken.
Erstere ritt die preuß. Kavallerie der Fridericianischen Zeit mit der Fühlung Knie hinter Knie, also
in der denkbar engsten Geschlossenheit; später Knie an Knie, also mit weniger enger Fühlung; die deutsche Kavallerie reitet
jetzt Bügel an Bügel, die andern lockerer. Während des Vorgehens im Trabe und Galopp
[* 5] in einer der üblichen Kolonnenformationen
(Zugkolonne, Halbkolonne, Eskadronkolonne) muß die Truppe sich gewandt bewegen und Richtungsveränderungen
auszuführen im stande sein, um womöglich dem Feinde die Flanke abzugewinnen.
Ist die Attackenrichtung gewonnen, wird zur Linie aufmarschiert. Vor der Front einer attakkierenden Linie müssen stets zur
Aufklärung des Geländes Eclaireurs vorausgehen, die auf etwaige Hindernisse rechtzeitig aufmerksam machen; außer dem
bewegen sich auf den Flanken stets Gefechtspatrouillen, um eine seitliche Annäherung des Feindes rechtzeitig
zu melden; an der Attacke nehmen diese Patrouillen keinen Teil, sondern setzen während der selben die Beobachtung fort. In kurzer
Entfernung vom Gegner erfolgt der Chok (Stoß). Auf das Kommando «Marsch! Marsch!» wird mit der Schnelligkeit geritten, wie sie
das Durchschnitts-Leistungsvermögen der langsamern Pferde gestattet; beide Glieder
[* 6] müssen fest geschlossen
bleiben. Der Einbruch er folgt mit Hurra! Erfahrungsgemäß findet bei der Attacke ein wirkliches Niederreiten nur in beschränktem
Maße statt, denn in der Carriere haben sich
¶
mehr
unwilltürlich die Linien gelockert, und es erfolgt daher mehr ein Ineinanderreiten, zum Teil sogar Durchreiten beider Parteien.
Sind die Linien ineinander geritten, so kommt es zum Handgemenge. Ist die Attacke gelungen, d. h.
wendet sich der Gegner ans dem Handgemenge zur Flucht, so muß der erreichte Erfolg durch eine thatkräftige Verfolgung
bis aufs äußerste ausgebeutet werden, um den Feind nicht wieder zum Sammeln kommen zu lassen. Die Verfolgung darf aber
nicht planlos stattfinden, denn eine solche gefährdet den errungenen Erfolg und führt oft zu Niederlagen; da Kavallerie niemals
schwächer ist als nach gelungener und bei der Verfolgung, so ist es in einem solchen Augenblick durchaus
notwendig, geschlossene Abteilungen in der Hand
[* 8] zu haben, um feindlichen Gegenstößen entgegentreten zu können; hierin liegt
die große Bedeutung einerseits des schnellen Sammelns nach gelungener Attacke, andererseits zurückgehaltener Reserven.
Um aber andererseits durch Zurückhalten von Reserven die attackierende Truppe nicht zu sehr zu schwächen, gilt
es als Grundsatz, daß eine einzelne Eskadron in der Regel ihre ganze Kraft
[* 9] gleichzeitig einsetzt; ein selbständig attackierendes
Regiment kann eine Eskadron als Reserve folgen lassen; eine Gliederung in Treffen findet erst von der Brigade an aufwärts statt.
- Die geschlossene Attacke kann auch in der Form der Echelon-Attacke erfolgen, wobei mehrere Linien
hintereinander oder seitwärts übergreifend mit kleinen Abständen (höchstens bis zu 200 Schritt) sich folgen, um entweder
(gegen Kavallerie) schnell hintereinander frische Truppen in das Handgemenge zu werfen oder (gegen Infanterie) den durch den
Stoß der ersten Staffel erschütterten Widerstand durch die schnell aufeinander folgenden Stöße der folgenden
Staffeln ganz zu brechen. Die Echelon-Attacke kann auch als Notbehelf auftreten, wenn es nicht gelingt, die verfügbaren
Streitkräfte rechtzeitig aufmarschieren zu lassen. - Die Schwarmattacke wird in der Art ausgeführt, daß die einzelnen Reiter
ohne taktische Ordnung sich auf den Feind stürzen, so schnell jedes einzelne Pferd
[* 10] laufen kann. Die Attacke einzelner
Züge oder Eskadrons in Schwarmformation aus dem Verbande einer größern Abteilung heraus wird als Ausfallen bezeichnet.