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Der Walliser Nationalrat Christophe Darbellay ist einziger Kandidat für die Nachfolge von Bundesrätin Doris Leuthard im Amt des Präsidenten der Christlich-Demokratischen Volkspartei ( CVP).
Darbellay hat seine Kandidatur dem Parteivorstand unterbreitet . Dieser wird eine offizielle Empfehlung zuhanden der Delegierten-Versammlung vom 2. September abgeben
Darbellay hatte sich bis zum Ablauf der Anmeldefrist am 2. August als einziger Kandidat um die Nachfolge Doris Leuthards beworben.
Rein theoretisch könnte an der Delegiertenversammlung noch ein Parteimitglied seine Kandidatur anmelden. In den Statuten der CVP gibt es nämlich keine Fristen für die Präsidentenwahl.
"Junge und starke Persönlichkeit"
Die Personalkommission zeigte sich in einem Communiqué überzeugt, dass mit dem 35-jährigen Darbellay eine "junge und starke Persönlichkeit" zur Verfügung stehe, die die CVP erfolgreich in die Wahlen 2007 führen könne.
Als perfekt Zweisprachiger sei er zudem für die Anliegen verschiedener Sprachgemeinschaften sensibilisiert.
Darbellay verfüge über Sachkompetenz in den wichtigsten politischen Dossiers. Zudem habe er die notwendige Erfahrung im Umgang mit den Medien. Er wolle die Partei teamorientiert und mit Motivationskraft führen.
Wurzeln in der CSP
Christophe Darbellay ist seit Anfang Dezember 2003 im Nationalrat (Grosse Kammer) und Mitglied der Finanzkommission sowie der Aussenpolitischen Kommission. Der ETH-Agronom ist Direktor der Schweizerischen Gesellschaft für Tierärzte. Von 2000 bis 2003 war er Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW).
Seine politische Laufbahn begann der 35-Jährige in der Christlich-sozialen Partei (CSP) Unterwallis. 1999 kandidierte er für den Ständerat (Kleine Kammer).
Im Herbst 2003 schaffte Darbellay die Wahl in den Nationalrat. Inzwischen war er der Walliser CVP beigetreten, was gewisse CSP-Parteikollegen als Verrat empfanden.
Trotz seiner christlich-sozialen Wurzeln bekennt sich Darbellay in Wirtschaftsfragen zu einer rechtsbürgerlichen Position. Er selbst sieht sich als Mitte-Vertreter mit sozialer Tendenz. Auch aus seiner Leidenschaft für die schwarzen Eringerkühe, die Jagd, die Berge und gutes Essen macht er keinen Hehl.
Schwieriger Job
Ein Nachfolger der heutigen Bundesrätin Doris Leuthard im Amt des CVP-Präsidenten dürfte keinen leichten Stand haben. Das könnte nach Meinung von Politikwissenschaftern ein Grund dafür sein, dass von der "alten CVP-Garde" niemand für das Parteipräsidium kandidiert.
Es sei wohl schwierig, es an der Spitze der CVP besser zu machen als Doris Leuthard, erklärte der Politologe Georg Lutz vom Institut für Politikwissenschaften der Uni Bern.
Leuthard sei fähig gewesen , eine sehr heterogene Partei mindestens gegen aussen als Einheit zu präsentieren und gut zu verkaufen, sagte Lutz.
Eher unattraktives Amt
Ähnlich sieht es auch der Baselbieter Soziologe und Politologe Lukas Ott. Leuthard habe die CVP als Person stabilisieren können - vor allem dank ihrer hohen Glaubwürdigkeit.
Parteiämter seien im politischen System der Schweiz generell eher unattraktiv. So würden Parteipräsidenten selten in Exekutivämter gewählt - Leuthard war hier die Ausnahme der Regel, unterstrich Ott.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Christophe Darbellay wurde am 7. März 1971 in Martigny, Kanton Wallis, geboren.
Dabellay (dipl. Ing. Agr. ETH) ist Direktor der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte.
Er ist seit dem 1. Dezember 2003 Mitglied des Nationalrates (Grosse Parlamentskammer) und sitzt dort in der Finanzkommission und der Aussenpolitischen Kommission.
In Kürze
Am 14. Juni 2006 wurde die bisherige Präsidentin der Christlich-Demokratischen Volkspartei (CVP), Doris Leuthard, als Nachfolgerin von Joseph Deiss (CVP) in die Schweizer Regierung (Bundesrat) gewählt.
Als wahrscheinlicher Nachfolger der charismatischen und beliebten Doris Leuthard wird Christophe Darbellay ein schwieriges Amt antreten.
Im Wahlbarometer von Oktober 2005 – es erschien in der Mitte der laufenden Legislatur – erreichte die CVP rund 15% der Wählerstimmen in der Schweiz.
Im Vergleich dazu: die Schweizerische Volkspartei (SVP) 27%, die Sozialdemokraten 24% und die vierte Regierungspartei, die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP), 16%.