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Vor alter, alter Zeit zog ein christlicher König von England mit seinem Sohn als Pilger nach Rom. Dort wollte er an den Gräbern der Apostelfürsten beten und die Ruhestätte der heiligen Märtyrer, die Katakomben, besuchen. Nachdem er die Herrlichkeiten Roms bewundert hatte, wollte er mit seinem Sohn in die Katakomben hinuntersteigen. Ein frommer Mann sollte die beiden begleiten. Dieser aber war in Wahrheit ein schlimmer Mann, der schon viele Menschen ins Verderben gebracht hatte. Ahnungslos stieg der König mit seinem kleinen Sohn in das Labyrinth von Grabkammern und Gängen hinunter. Vor dem Eingang aber blühten goldgelbe Blumen an einem hohen Stängel, davon brach das Kind einen ab. Als sie in der Tiefe der Totenstadt angekommen und gebetet hatten, nahm der Führer das Licht und floh. Er liess die beiden allein im Dunkeln, wo sie den Ausweg niemals finden würden. Der König rief um Hilfe, doch nur ein böses Lachen erklang. Der Sohn weinte und der Vater erkannte, dass sie niemals wieder das Tageslicht sehen würden. Da fiel er auf die Knie und betete um Hilfe. Auf einmal schien es hell zu werden, als hätte jemand eine Kerze entzündet. Das Licht kam von der Blume, die das Kind immer noch in der Hand hielt. Es war ein schwacher Schein, doch er genügte, um ihnen den rechten Weg zum Tageslicht zu zeigen. So kamen der König und sein Sohn mit dem Leben davon. Die Blume mit dem hohen Stängel heisst seither Königskerze.
Märchen aus England, Fassung: Djamila Jaenike, © Mutabor Verlag, Pflanzenmärchen aus aller Welt