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Der Fluss Tresa zeigt zur Zeit eine allgemeine Erosionstendenz. Besonders ausgeprägt ist dieser Prozess auf einem ca. 200 m langen Abschnitt stromaufwärts der Einmündung des Baches Lisora, wo die Erosion bis zu 2 m beträgt, mit Folgen für die Stabilität der Ufer und für die hydraulische Sicherheit der Tresa. Um dem beobachteten signifikanten Erosionstrend entgegenzuwirken, planen die Agenzia interregionale del fiume Po (AIPo) und Ufficio dei corsi d’acqua (UCA) im Rahmen eines Interreg-Projekts die Anhebung und Stabilisierung des Flussbetts durch eine Folge von zwei Blockrampen. Mit der Ausarbeitung des endgültigen Entwurfs für den Bau der beiden Blockrampen wurde die Società d’ingegneria Nord Milano Consult S.r.l. betraut. Im Rahmen des Projekts unterstüzt das Laboratorium3D die projektierenden Ingenieure, indem es die technischen Angaben für die Dimensionierung und Konstruktion der Rampen liefert.
Die projektierten Massnahmen müssen sowohl den Kriterien der Standsicherheit bei Hochwasserereignissen als auch den Anforderungen der Fischdurchgängigkeit und Landschaftseinbindung erfüllen.
Im Rahmen der Projektierung schlug Laboratorium3D den Bau von eigendynamischen Rampen vor, ähnlich dem, was im Bauprojekt für die Sanierung der Rampe in Lodrino entlang am Fiume Ticino vorgesehen ist. Diese Art von Rampe sieht die Verlegung einer Materialschicht vor, die von feinen bis zu grossen Blöcken reicht, was einer sehr breiten granulometrischen Kurvenverteilung entspricht, die alle Klassen umfasst. Dank der Heterogenität des verwendeten Materials und der progressiven hydraulischen Belastung wird es der Fluss selbst sein, der durch seine erosive Wirkung das Flussbett auf natürliche und heterogene Weise strukturiert. Durch die hohe Heterogenität der natürlich entstandenen Strukturen werden auch unterschiedliche hydrodynamische Bedingungen geschaffen, die für den Fischaufstieg und die Flussbiozönose im Allgemeinen günstig sind. Das Ergebnis ist eine Struktur mit natürlichem Charakter, die sich besser in die Landschaft einfügt als unstrukturierte oder strukturierte Rampen („step and pool“).
Nach dem derzeitigen Stand der Technik gibt es keine empirischen oder analytischen Ansätze, die eine zuverlässige Dimensionierung einer eigendynamischen Rampe ermöglichen. Um diese Unsicherheit zu überwinden, die mit dem Fehlen einer soliden Grundlage für die Dimensionierung verbunden ist, ist es notwendig, auf Experimente an einem physikalischen Modell zurückzugreifen. Der Zweck einer solchen physikalischen Modellierung lässt sich wie folgt zusammenfassen:
1) Beschreibung, Analyse und Quantifizierung der Strukturierungsprozesse auf der Rampe, bis hin zum Kollaps der Struktur.
2) Definition der Grenzlast für die eigendynamische Rampe.
3) Analyse mittels numerischer 3D-Modellierung der Wanderkorridore und der vorhandenen hydrodynamischen Bedingungen bei Niedrigwasser in Bezug auf die Fischaufstiegsmöglichkeiten.
Dank der Experimente, die für die Rampe in Lodrino durchgeführt wurden, verfügen wir bereits über erste wesentliche Elemente zum Verhalten der eigendynamischen Rampen, die auch für die Auslegung der entlang der Tresa geplanten eigendynamischen Rampen geeignet sind. Die beiden Projekte haben gemeinsame Merkmale. Bei der Dimensionierung der Rampen auf der Tresa müssen jedoch die Elemente berücksichtigt werden, die sie von denen auf dem Ticino unterscheiden. Erstens ist die Verbauung an der Tresa als eine Reihe von zwei Rampen geplant, welche sich gegenseitig beeinflussen können. Ausserdem müssen die inhomogenen Strömungsverhältnisse entlang des Projektabschnitts berücksichtigt werden, die insbesondere durch Kurven und Diskontinuitäten gekennzeichnet sind.
Die Tresa als Ausfluss des Lago Ceresio bietet eine fast einmalige Möglichkeit, den Aufbau der beiden neuen Rampen in der Natur gezielt und kontrolliert zu testen, da es möglich ist, durch die Regulierung des Sees kontrollierte Fluten zu erzeugen. Einmal gebaut, können die Rampen daher im Massstab 1:1 getestet werden, was es ermöglicht, das im Labor Getestete zu validieren und das Verhalten der eigendynamischen Rampen noch besser zu verstehen, um dieses Wissen bei ähnlichen zukünftigen Sanierungsprojekten anzuwenden.