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Jahresversammlung 2019 im Haus der Religionen in Bern - Jahresbericht 2018 des Präsidenten
Sehr geehrte Mitglieder unseres Vereins, liebe Gäste und Sympathisanten
Als ich, quasi als Vorbereitung dieses Berichtes, den letztjährigen zur Hand nehme, merke ich, dass ich eigentlich auch jenen runterlesen könnte. Vieles hat da nicht geändert. Dennoch stechen einzelne Ereignisse heraus, die das Jahr geprägt haben:
- Der im August von den USA unterstützte Beschluss, den Siedlungsbau massiv zu erweitern
- Die Streichung der US Finanzhilfe für Palästina-Flüchtlinge, der indirekt auch auf eines unserer Projekte negativen Einfluss hatte
- Die Schliessung der PLO Vertretung in den USA durch die USA
- Wiederkehrende Raketenangriffe aus Gaza auf Israel
- Das von der Knesset beschlossene Nationalstaatengesetz über die besondere Stellung der Juden in Israel, das den jüdischen Charakter des israelischen Staates für künftige Generationen bewahren soll und die Nicht-Juden de facto zu Bürgern zweiter Klasse macht
- Die Wahlen in die Knesset vom 9. April 2019, die Benjamin Netanjahu und seine Rechtskoalition mehr oder weniger bestätigte
- Die steigende Bedrohung Israels durch den Iran, der sich in den Krisengebieten rund um Israel herum bemerkbar macht
Harte Zeiten also für die Menschen und die friedenspädagogischen Institutionen von Neve Shalom Wahat al-Salam, die sich ganz dem Dialog zwischen den jüdischen und den arabischen Bewohnern in Israel verpflichtet fühlen.
Erfreulicherweise entwickelt sich das Dorf wie auch seine Institutionen trotz der widrigen Bedingungen gut. Der Ausbau geht voran, Neuzuzüger sind im Dorf anzutreffen und die jungen Familien aus der zweiten Generation, die heute wieder im Dorf leben, versuchen das ihre beizutragen, dass der Geist von Bruno Hussar, dem Gründer, das Dorf mit seinen erzieherischen und kulturellen Angeboten weiterhin prägt.
Im Jahr 2018 hatte die Amutah, also die pädagogische Einrichtung mit der Schule, der Friedensschule, dem Kulturzentrum und dem Jugendclub Nadi einen Totalaufwand von USD $ 2,43 Millionen. Dieser wurde durch Staats- und Elternbeiträge (1,067 Mio oder 44 %), diversen direkten Spenden und Legaten (0,469 Mio. oder 19,3 %) sowie durch die Spenden aller Freundesorganisationen (0,886 Mio. oder 36,2 %) gedeckt.
Die Schweizer Freundinnen und Freunde, also wir, haben 2018 US$ bzw. CHF 310'000 überwiesen. Dies sind 35 % aller Beträge, die durch die internationalen Freundesorganisationen aufgebracht wurden.
Die Primarschule unterrichtete 278 Schüler (gegenüber 254 im Vorjahr), beschäftigte 24 Lehrkräfte und hatte ein Totalbudget von US$ 1,113 Mio. Die Schule wird sowohl vom Staat als auch von den Eltern mitfinanziert. Unser Beitrag an die Primarschule betrug CHF/US$ 177'000. Mit dabei waren CHF 30'000, die für die Neugestaltung eines Schulraumes gesprochen wurden.
Unsere Schule wurde vom District Jerusalem als Kandidatin für den ‘National Education Prize’ auserkoren und zählt zu den zehn besten Schulen in Israel. Besonders hervorgehoben werden die steigende Schülerzahl, die gute Atmosphäre und natürlich die hervorragende Ausbildungsarbeit, die den Respekt und die Gleichberechtigung von Juden und Arabern zum Ziel hat.
Die Friedensschule hat verschiedene ‘Change Agents’ Programme mit einer Rekordzahl an Palästinensern und Israeli durchgeführt. Zwei davon (für Sozialarbeiter und Psychiater) waren durch USAID mitfinanziert. Inzwischen wurden diese Zahlungen durch die Trump-Regierung allerdings gestoppt. Die Kurse können dank Ausweichfinanzierung allerdings auf kleinerer Flamme, zu Ende geführt werden.
Weitere Kurse wurden durchgeführt für: angehende Politiker, für Umwelt-schützer, für jüdische und arabische Frauenrechtlerinnen, denen zum Beispiel der sinnvolle Gebrauch und Einsatz der Sozialen Medien beigebracht worden ist. Aber auch Programme für Ingenieure, Städte-planer und Architekten wurden - in Zusammenarbeit mit dem Arab Center for Alternative Planning - durchgeführt. Schliesslich wurde das Programm mit massgebenden Politikern aus Mixed Cities zu Ende gebracht. Frau Dr. Nava Sonnenschein und Harb Armara von der Friedensschule erhielten den ‘Victor J. Goldberg Prize for Peace in the Middle East’. Unser Beitrag an die Friedensschule betrug CHF 75'000.--.
Der ‘Spiritual Center’ wurde vollkommen neu organisiert. Der neue Leiter hat ein über das Dorf hinaus beachtliches und beachtetes Programm zusammengestellt. Es werden Kunstausstellungen organisiert, Workshops und Konferenzen durchgeführt, neue Bücher präsentiert und Filme und Konzerte erlebt. Dieses vielseitige Programm wird durch Hezzy Schuster, einen im Dorf lebenden pensionierten Lehrer, alleine betreut.
Unser Beitrag an den Spiritual Center lag im letzten Jahr bei Fr. 9'000.--.
Am 1. August 2018 fand die Bundesfeier für die Auslandschweizer in Israel erstmals in Neve Shalom Wahat al-Salam statt. Unser Botschafter, Jean-Daniel Ruch zeigte anhand des Schweizer Modells eine mögliche Art des Umganges mit Minderheiten. Gut dreihundert auswärtige Teilneh-mer besuchten den Anlass. Wussten Sie, dass in Israel mehr schweizerische bekennende Juden leben als in der der Schweiz selbst? (22'000 gegenüber 18'000?).
Im Dorf selbst steht man neuen Ansprüchen und Forderungen gegenüber. Derselbe Staat, der die Bauten, die seit Beginn erstellt worden sind, bewilligte, will nun festgestellt haben, dass ein Teil dieser Liegenschaften ausserhalb des offiziellen Territoriums zu liegen kamen. Es bestehen Kompensationsforderungen. Dies ist Arbeit für Juristen. Die Taktik ist bekannt, es wird Druck ausgeübt.
Die Schweizer Freundinnen und Freunde stehen mitten im Generationenwechsel. Die Gründergeneration wird älter. Dennoch findet unsere Arbeit immer wieder neue, auch jüngere Interessierte, sodass unser Bestand an Mitgliedern und Freunden noch immer bei etwa 2'500 Adressen liegt. Das ist eine bemerkenswerte Zahl, um die uns andere Freundesorganisationen beneiden.
Im Berichtsjahr durften wir insgesamt Fr. 314'595 Franken an Spenden entgegennehmen. Dies ist ein Rückgang um 46'000 Franken. Wenn wir aber berücksichtigen, dass wir im Vorjahr eine einmalige Spende von Fr. 100'000 erhalten hatten, ist das Ergebnis doch bemerkenswert.
Unsere Arbeit mit pädagogischen Hochschulen ist angelaufen. Eine erste Delegation hat unsere Leute vom Dorf in Israel und in der Schweiz getroffen. Hier ergibt sich die Möglichkeit, neue und auch jüngere Menschen, die sich mit Pädagogik und mit Integration befassen, zu treffen und Wissen und Erfahrung auszutauschen. Es gibt Interesse von weiteren Institutionen an einer Zusammenarbeit.
Auch dieses Frühjahr haben wir wieder eine Reise nach Israel und Palästina durchgeführt. Insgesamt 15 Teilnehmer sahen sich die Realitäten in den verschiedensten Landesteilen an und konnten sich ein vielschichtiges Bild über den Konflikt und die davon geprägten Menschen machen. Wir sahen non-regnogized villages in der Negev Wüste, das AIDA Flüchtlingscamp und die Universität von Bethlehem – aber auch die Kunstgalerie in Um el Fahem oder die Bauhaus Architektur in Tel Aviv. Beeindruckend war sicher auch die Visite in der Residenz beim Schweizer Botschafter in Ramat Gan, Tel Aviv. Nicht zu vergessen unser Dorf mit all seinen Institutionen und das Kloster Latrun, dass schliesslich überhaupt erst alles ermöglicht hat.
Im Namen aller, die sich täglich unter schwierigsten Bedingungen für die Gleichberechtigung aller Nationalitäten und Kulturen in Israel einsetzen, danke ich Ihnen für Ihre Sympathie und Ihre moralische wie auch materielle Unterstützung.
Gabriel Oser Haus der Religionen Bern, 26. Mai 2019
Jahresbericht 2018 als PDF
Bilanz-Erfolgsrechnung 2018 als PDF
Revisionsbericht