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Auch ohne ihren Sturz am Schwebebalken wäre am Donnerstagabend für die Schweizer Ausnahmeturnerin ihre erste WM-Medaille ausser Reichweite gelegen, weshalb die 21-Jährige aus Gossau SG sich zurecht “ein wenig stolz” zeigte über das beste jemals von einer Schweizerin erzielte Mehrkampf-Resultat an Weltmeisterschaften.
Auch in den Gerätefinals präsentiert sich die Ausgangslage im Kampf um die Podestplätze für Steingruber nicht einfacher. Weder am Samstag am Sprung noch am Sonntag am Boden gehört sie zu den Favoritinnen auf die Podestplätze – auch wenn sie sowohl in der Qualifikation als auch im Mehrkampf-Final an beiden Geräten vorzüglich geturnt hat.
Vor allem am Sprung ist die Konkurrenz enorm. Nur bei einem Sturz von Simone Biles (USA), Europameisterin Maria Paseka (Russ) oder Titelverteidigerin Hong Un Jong (NKor) – die ersten drei der Qualifikation turnen deutlich schwieriger als die Konkurrenz – dürfte sich für die Schweizerin die Chance auf einen Medaillengewinn eröffnen. “Wenn Giulia ihren 4. Platz aus der Qualifikation halten kann, ist dies ein grosser Erfolg”, sagt Trainer Zoltan Jordanov. In Tokio (5.), Antwerpen (4.) und Nanning (5.) war Steingruber dreimal knapp am WM-Podest vorbei geflogen.
Am Sprung ist die Weltspitze in den vergangenen Jahren stärker und breiter geworden. “Es wird immer schwieriger, überhaupt in den Final zu kommen”, so Steingruber. Nach den Weltmeisterschaften will auch sie, die noch dasselbe Programm wie vor zwei Jahren in Antwerpen zeigt, im Hinblick auf das Olympia-Jahr aufstocken und ihren ersten Sprung, den Tschussowitina, erschweren.
Offener präsentiert sich die Ausgangslage am Boden. Mit Ausnahme von Biles, die in einer eigenen Liga turnt, liegt das Feld eng beisammen. Die Qualität der Landungen dürfte entscheiden, wer am Ende über eine Medaille jubeln kann. Steingruber wird aller Voraussicht nach dasselbe Programm wie in der Qualifikation zeigen und auf den Doppelsalto mit Doppelschraube, den sie bereits einmal an den Schweizer Meisterschaften in Winterthur gezeigt hat, erneut verzichten. “Am letzten Tag noch etwas zu riskieren, lohnt sich nicht”, so Steingruber. Schafft sie es, ihre Übung sauber und elegant zu turnen, liegt für die EM-Dritte von Montpellier zumindest die Egalisierung des 5. Platzes vor zwei Jahren in Antwerpen drin.
Hegi: Erster Schweizer Finalist seit 1999
Zum Abschluss der aus Schweizer Sicht erfreulichen Titelkämpfe steht am Sonntag Oliver Hegi am Königsgerät Reck im Einsatz. Der Aargauer, der als achter und letzter Teilnehmer in den Final rutschte, gewann das interne Duell gegen den punktgleichen Pablo Brägger, der aufgrund der schwächeren Ausführung seiner Übung hinter Hegi klassiert wurde und erster Ersatzturner ist. Hegi ist der erste Schweizer Athlet seit 1999, der an Weltmeisterschaften wieder einen Gerätefinal erreicht hat. Dieter Rehm gewann in Tianjin (China) mit dem 3. Rang am Sprung die bisher letzte WM-Medaille bei den Männern.
Hegi gilt im Kampf um die Podestplätze als Aussenseiter, weist er doch die Übung mit dem tiefsten Schwierigkeitsgrad der acht Finalisten auf. “In einem Final ist aber alles möglich, gibt es doch auch immer wieder Stürze”, so der EM-Vierte von 2014. “Diejenigen, die ihre Übungen durchziehen, werden am Ende um die Medaillen kämpfen.”
(SI)