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Atlético Madrid ist drauf und dran, die jahrelange Vorherrschaft von Real Madrid und Barcelona in der spanischen Meisterschaft zu sprengen. Mehr als die Hälfte des Pensums ist vorbei, und Atlético liegt 13 und mehr Verlustpunkte voraus.
In der ganzen Geschichte des spanischen Klubfussball ist Atlético Madrid kein Mauerblümchen. Schon zehnmal wurde der «Club Atlético de Madrid», wie er richtig heisst, Meister. Aber in den letzten 45 Jahren nur zweimal. Nämlich einmal, 1996, in der Ära des zwielichtigen, patriarchischen, 2004 verstorbenen Präsidenten Jesus Gil y Gil. Und das andere Mal 2014, als es Atlético im Finish gelang, Real und Barcelona um je drei Punkte zu überflügeln.
Ansonsten gewannen nach 2004 immer entweder Barcelona (zehnmal) oder Real Meister (fünfmal) die Meisterschaft der Primera Division, der heutigen «La Liga».
Entsprach Atléticos Coup von 2014 einer Momentaufnahme ohne Präjudiz, so ist in dieser Saison eine Revolution im Gang. Real und Barcelona kommen aus unterschiedlichen Gründen nicht richtig auf Touren und geben auch gegen deutlich schwächer eingestufte Mannschaften immer wieder Punkte ab. Die unvermuteten Schwächen der beiden Giganten, die sich auch in der Champions League 2019/20 zeigten, sind das eine, das ebenso unvermutete Erstarken Atléticos das andere.
Zieht man die Zwischenbilanzen nach 20 respektive 21 Runden früherer Saisons heran, sieht man, dass Atlético mit den Jahren gegenüber Real aufholen konnte. Hatte Real von 2005 bis 2012 immer die Nase vorn – um bis zu 25 Punkte –, liess Atlético den übermächtigen Stadtrivalen ab 2013 in diesem Stadium der Meisterschaft fünfmal hinter sich, wenn auch zumeist knapp. Aber mit der Ausnahme von 2014 konnten es die «Rojiblancos», die Rotweissen, nie in einen Titel ummünzen.
Atlético schien in der innerspanischen Konkurrenz weiter zurückzufallen, als der zuverlässige, heute 29-jährige französische Goalgetter Antoine Griezmann im Sommer 2019 zu Barcelona wechselte. Ein Jahr später ging Luis Suarez den umgekehrten Weg. Suarez ist vier Jahre älter als Griezmann, aber der Uruguayer, ein Ebenbild des früheren niederländischen Goalgetters Roy Makaay, hat immer noch Biss. Derzeit führt er mit 14 Toren die Torschützenliste an.
Er hat zwei Tore mehr erzielt als Lionel Messi und acht mehr als Griezmann. Auch dank Suarez erlebt Atlético einen bislang einmaligen Höhenflug. Seit dem 0:2 im Derby gegen Real, seiner bisher einzigen Niederlage der Saison, hat Atlético bis heute achtmal am Stück gewonnen. In dieser Zeit gaben Barcelona und Real insgesamt elf Punkte ab.
Diego Simeone ist seit mehr als neun Jahren Atléticos Cheftrainer. Der 50-jährige Argentinier hat es immer verstanden, ein konkurrenzfähiges Ensemble zusammenzustellen, auch wenn die Namen seiner Spieler selten so wohlklingend waren wie die der Spieler von Barça oder Real.
Simeone könnten in den nächsten Monaten seine Karriere mit einem triumphalen Meistertitel krönen oder sogar – warum nicht – mit dem erstmaligen Gewinn der Champions League. 2014 und 2016 gingen die Finals gegen Real verloren. In den Achtelfinals wird Atlético ab Ende Februar gegen Chelsea antreten. (abu/sda)