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Novak Djokovic gründet mit zwei Mitstreitern eine Spielergewerkschaft und geht damit auf Konfrontationskurs – mit den Kollegen, den Frauen, den vier Grand-Slam-Turnieren, Roger Federer und Rafael Nadal.
Die Fronten sind verhärtet, der Druck in der Tennis-Blase von New York ist unerträglich. Es ist ein Konflikt, der seit zwei Jahren schwelt und der die Tennis-Familie spaltet. Vordergründig geht es um die Zukunft des Sports, vermutlich aber auch um persönliche Ressentiments.
Auf der einen Seite steht Novak Djokovic, der nichts anderes als eine Revolution fordert. Geht es nach dem Serben, sind die Interessen der Spieler in der Vereinigung der Tennis-Profis, der ATP, untervertreten. Nun gründete er mit zwei seiner Verbündeten, dem Kanadier Vasek Pospisil und dem Amerikaner John Isner, eine Gewerkschaft, die Professional Tennis Players Association.
Djokovic geht damit mit allen auf Konfrontationskurs, die in diesem Sport etwas zu sagen haben. Mit der ATP, der WTA (Pendant der Frauentour), dem internationalen Tennisverband ITF, den Australian Open, den French Open, Wimbledon und den US Open. Sie reagierten mit einer gemeinsamen Mitteilung auf die Ankündigung und stärkten der ATP im Machtkampf mit Djokovic demonstrativ den Rücken und riefen zur Einigkeit auf. Öffentlich gegen die Pläne sprachen sich auch Roger Federer und Rafael Nadal aus, die bisher mit Djokovic im zwölfköpfigen Spielerrat der ATP sassen.
Djokovic bemängelt seit Jahren die Strukturen der ATP. Sie wird vom Board of Directors geführt. Das Gremium besteht aus sieben Mitgliedern: dem Präsidenten und je drei Turniervertretern und drei Spielervertretern, die vom Spielerrat berufen werden.
Dessen Entscheidungen haben für die Spielervertreter aber nur konsultativen Charakter. Präsidiert wird das Board of Directors seit Anfang des Jahres von Andrea Gaudenzi. Als der Italiener von der Gründung der Gewerkschaft erfuhr, forderte er Djokovic, Pospisil und Isner dazu auf, ihre Ämter als Spielerräte niederzulegen.
Eine Aufforderung, der Pospisil, Isner und Präsident Djokovic nachkamen. Der Serbe gewann am Samstag das nach New York verlegte Masters-Turnier von Cincinnati durch ein 1:6, 6:3, 6:4 im Final gegen Milos Raonic. Zuvor gelangte durch Indiskretionen ein Schreiben an die Öffentlichkeit, in dem Djokovic die Gründe für sein Vorgehen nennt. Darin äussert er unter anderem die Unzufriedenheit über das Krisenmanagement während der Corona-Pandemie. Der Spielerrat sei zu wenig konsultiert worden. Die Gewerkschaft solle den Interessen der Spieler mehr Gewicht verleihen.
Die Spieler müssten Einigkeit demonstrieren. Doch offenbar zieht sich ein tiefer Graben durch das Männer-Tennis. Wie verhärtet die Fronten sind, zeigt die Reaktion der verbliebenen Mitglieder des Spielerrats, die sich gegen Djokovics Vorhaben aussprechen. Djokovics Lager lud die Spieler zuvor ein, der Gewerkschaft beizutreten. Was danach passieren soll, ist indes offen. Sergei Stachowski, bis im Sommer 2019 selber im Spielerrat, sagt: «Das wirft Fragen auf. Keine einzige wird beantwortet.» Und der Spielerrat um Federer und Nadal weist öffentlich auf diese Mängel hin.
Der Spielerrat veröffentlicht folgenden Fragenkatalog:
Unterzeichnet wird das Schreiben von sechs der verbliebenen Athleten aus dem Spielerrat: Kevin Anderson, Jürgen Melzer, Sam Querrey, Bruno Soares – und Roger Federer und Rafael Nadal. Der Spanier präzisiert: «Es ist Zeit für Einigkeit, nicht für Trennung. Wir alle – Spieler, Turniere und Verbände – müssen zusammenarbeiten.» Trennung und Uneinigkeit sei «definitiv nicht die Lösung», schreibt der Spanier. Das Vorpreschen sei eine Gefahr für ihre Existenzen.
Gegen sich aufgebracht hat Djokovic auch die Frauen-Tour. Federer, Nadal und auch Andy Murray haben sich für eine gemeinsame Dachorganisation von Männern und Frauen ausgesprochen.
Djokovics Gewerkschaft soll aus neun gewählten Vertretern bestehen und von zwei Co-Präsidenten geführt werden. Neben Djokovic – natürlich – ist zunächst der Kanadier Vasek Pospisil für das Co-Präsidium vorgesehen.
Finanziert würde die Gewerkschaft über Gebühren, deren Höhe sich an der Klassierung in der Weltrangliste bemisst und zwischen 75 und 1500 Dollar betragen soll. Damit könnten 317'500 Dollar eingespielt werden. Eine Rechnung, die aber nur aufgehen kann, wenn das Vorhaben auf Gegenliebe stösst. Angesichts der heftigen Reaktionen ist das stark zu bezweifeln.
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