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Herrliberger 18e
Über Wattwil grüsst auf der westlichen Talseite, beinahe als Wahrzeichen des Orts, ein stattlicher Bergfried, überdeckt von einem gewalmten Satteldach und kleinem Obergaden. Der Turm von quadratischem Grundriss ist in rohen Blöcken aus Nagelfluh, Ackerstein und Sandstein aufgeführt. Die Eckverbände zeigen Kantenschlag mit Bossen. Das Bauwerk ist noch sechs Stockwerke hoch und kann im Innern über eine Holztreppe erklommen werden. Auf ungefähr sechs Metern Höhe befindet sich auf der Ostseite der alte Hocheingang. Das Gewände schliesst mit einem bogen ab und zeigt einen Rundstab, fein aus dem Sandstein gehauen. Der ebenerdige Zugang auf der Südseite ist neueren Datums. Der Turm weist ein gekoppeltes Rundbogenfensterchen mit neuerem Gewände auf. Ursprünglich sind jedoch die Luftschlitze, welche oben geschrägt in die Spitze laufen, so wie wir sie bei Mammertshofen und bei Turmhäusern in der Altstadt von Zürich finden. Diese Bauten sind nach den jüngsten Erkenntnissen um die Zeit nach 1230 anzusetzen, was sich auch bei Iberg entsprechend den schriftlichen Quellen bestätigen würde. Der Turm bewacht die Nordwestecke eines Burghofs, der von einer Ringmauer umfasst ist. Sie reicht im Westen noch mehrere Meter hoch, ist in den übrigen Teilen nur Brusthoch aufgeführt und folgt nicht überall den ursprünglichen Fundamenten. Vom Turm her leitet auf der Westseite ein Durchgang auf über zehn Metern Höhe zum ehemaligen Wehrgang. Das Tor zum Hof ist erst 1902 bei der ersten namhaften Rennovation errichtet und das Gewände jenem des Hocheingangs nachgebildet worden. Der Burghügel selbst ist rundum von einem Ringgraben mit Wallaufschüttung geschützt. Die ursprüngliche Tiefe lässt sich jedoch nur noch erahnen.
Es scheint, dass die Burg in der Zeit nach 1230 durch Dienstleute der Abtei St. Gallen, welche in dieser Region reichen Besitz hatte, errichtet wurde. Die Herren von Iberg, wie sie sich gemäss den Urkunden seit 1240 nannten, suchten sich hier teils mit Lehen, teils wohl auch durch Rodungstätigkeit eine kleine Grundherrschaft aufzurichten. Urkundlich tritt uns erstmals in dieser Zeit Heinrich von Iberg entgegen. Dass die feste sich an einem wichtigen Punkt befand sie deckte den Eintritt vom Ricken, dem alten Pilger- und Handelsweg-, steht ausser Zweifel.
Gegen die Mitte des 13. Jahrhunderts entwickelten sich wegen des 1226 stattgefundenen Brudermordes im Haus Toggenburg zwischen diesem mächtigen Grafengeschlecht und der Abtei langjährige, harte Kämpfe. Der Vater des Ermordeten übertrug in der folge die Alte Toggenburg und das Städtchen Wil der Abtei aus Dankbarkeit für ein Christliches Begräbnis des Ermordeten in geweihter Erde. Die Enkel des Donators jedoch machten die Schenkung dem Kloster streitig, und bei diesen heftigen Auseinandersetzungen wurde auch die äbtische Burg Iberg von Graf Kraft I von Toggenburg 1249 erobert, musste aber alsbald dem Kloster zurückgegeben werden. Ein zweites Mal wurde sie 1290, während der Streitigkeiten zwischen Abt Wilhelm von Montfort und dessen Widersacher, dem von König Rudolf von Habsburg eingesetzten Gegenabt Konrad von Gundelfingen, erobert. Es gelang Abt Konrad, die Burg dem rechtmässigen Besitzer wegzunehmen. Doch seine Freude war von recht kurzer Dauer. Schon im folgenden Jahr starb Rudolf von Habsburg, womit der Gegenabt seines mächtigen Protektors beraubt war und das Feld und damit auch die Feste Iberg räumen musste.
1405, als die Appenzeller auf ihren Eroberungs- und Zerstörungsfeldzügen alles niederbrannten, was österreichisch und äbtisch war, wurde von ihnen auch die Burg Iberg zerstört, allerdings nach ihrer Niederlage von 1408 bei Bregenz als Ruine dem Kloster zurückgegeben und von diesem so schnell wie möglich wieder aufgebaut. Fortan blieb sie in der Hand des Klosters als Sitz des äbtischen Vogts, dem auch das Wattwiler Gericht unterstand.
Als um 1700 die Abtei von der Gemeinde Wattwil den Bau der Strasse durch den Hummelwald (Rickenpass) forderte, die Bevölkerung, unter der es schon lange gegen die geistliche Herrschaft gärte, aber den gehorsam versagte, kam es zu einer regelrechten Unabhängigkeitsbewegung und zu einem bewaffneten Aufstand, der das Signal zum Zweiten Villmergerkrieg von 1712 gab. Die Toggenburger, vorab die Wattwiler, besetzten 1709 kurzerhand den verhassten Vogteisitz, die Feste Iberg. Erst 1718, nachdem der Zwölferkrieg schon sechs Jahre gedauert hatte, erhielt der Abt nach zähen Friedensverhandlungen die Feste Iberg zurück. Sie verblieb dem Kloster bis zur französischen Revolution. Nach 1805, nach der Aufhebung des Klosters, gelangte die Burg in Privatbesitz und zerfiel mehr und mehr, vor allem als man 1838 den Dachstuhl abgebrochen hatte. Erst 1902 nahm die Gemeinde Wattwil als neue Besitzerin eine umfassende Rennovation vor.
Bibliographie