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Der Nationalrat ratifiziert die Konvention am 28. September 1864.
Botschaft des Bundesrathes, betreffend die
Uebereinkunft zur Linderung des Looses der
im Krieg verwundeten Soldaten. Die Botschaft
durchgeht den geschichtlichen Verlauf dieser Frage der Huma-
nität von der ersten Anregung an durch die Schrift des
Hrn. Henry Dunant „un souvenir de Solferino“ bis
zum Abschluss der Uebereinkunft am 22. August 1864.
Abgeordnete der Schweiz waren : General Dufour, Gustav
Moynier, Oberfeldarzt Dr. Lehmann, Protokollführer
Divisionsarzt Dr. Briere. Die genehmigung wird mit
folgenden Worten empfohlen : « Die in Genf abgeschlossene
Konvention ist ein werk, das unserem Jahrhundert auch
in späteren Zeiten noch zur dauernden Ehre gereichen
wird. Es ist ein Triumph der Menschlichkeit, eine schöne
Blüthe des edlen Strebens, mitten hineingepflanzt in das
Gebiet des Krieges, wo die Menschlichkeit und sanftere
Gefühle sonst erstickt sind, und es erweckt in uns auch
noch eine leise Hoffnung, daß es einer späteren Zeit ge-
lingen wird, den verheerenden Feuerstrom des Krieges,
wenn auch nicht völlig zu löschen, doch in festere und
engere Schranken einzudämmen. Der Bundesrath glaubt
daher, daß die Schweiz es sich zur Ehre anrechnen dürfe,
daß dieser Fortschritt von ihr ausgegangen ist und er
nimmt auch seinen Anstand, denselben in derjenigen
Form, in welcher er vorliegt, zur Annahme zu empfehlen.“
Im Namen der Kommission (H.H. Buy, Ziegler,
Bontems, Bernold, Zürcher) beantragt der Berichterstatter,
Hr. Buy, die Ertheilung der Ratifikation.
Ohne Diskussion wird die Uebereinkunft genehmigt.
Unterzeichnet haben, außer der Schweiz, Baden, Belgien,
Dänemark, Spanien, Frankreich, Hessen und Darmstadt,
Italien, Niederlande, Portugal, Preussen, Württemberg.
Die Zeitung L'Estafette berichtet am 29 September 1864 kurz über den Entscheid des Nationalrats zugunsten der Ratifizierung der Konvention:
Der Ständerat ratifiziert die Konvention am 30. September 1864. Einer der beiden Opponenten gegen die Konvention im Ständerat war dessen Präsident.
Internationaler Kongress in Genf und
Botschaft des Bundesrathes betreffend die Uebereinkunft
zur Linderung des Looses der im Krieg verwundeten
Soldaten.
Hr. Briattte stellt eine Ordnungsmotion und trägt
auf Verschiebung der Ratifikation bis Dezember an. Die
Sache sei noch wenig bekannt, und er und Hr. Roguin
hätten gestern Depeschen von Lausanne erhalten, welche
eine Manifestation einer Anzahl von Bürgern gegen diesen
Vertrag ankündigen, indem diese in demselben für die
Schweiz im Fall eines Krieges Gefahren erblicken. Der
gewundene, undeutliche und unlogische Vortrag des Hrn.
Briatte, welcher die gleiche Sache sechsmal wiederholt,
macht keinen guten Eindruck.
Hr. General Dufour. Ich bin wie aus den
Wolken gefallen über die Einwendungen des Hrn. Briatte;
ich begreife so etwas nicht. Dieer Vertrag ist ein Werk
der Humanität, um so viel möglich für die Verwundeten
zu sorgen und dem Kriege einen Theil seines Schreckens
zu nehmen. Es ist ein seltener Fall bei Verträgen, daß,
wie bei dem vorliegenden, sich keine kontrairen Interesen
gegenüberstehen. Ich will in meiner Stellung als Antheil-
nehmer am Kongresse keinen Druck und Zwang auf die
Versammlung ausüben, aber ich verhehle meine bemühende
Ueberraschung über einen solchen Verschiebungsantrag nicht.
Welche Gefahr für uns kann in diesem Vertrage liegen?
Ist es vielleicht die Sauvegarde für die Häuser, in welchen
Verwundete aufgenommen werden? Glauben Sie, daß
ich zu etwas der Schweiz Gefährlichem die Hand geboten
hätte?
Es waren 16 Staaten am Kongreß vertreten, von
welchen 12 unterzeichnet haben; den übrigen Vertretern
fehlten die Vollmachten, aber ihr Beitritt folgt nach.
Es herrschte eine Uebereinstimmung, wie dieß gewiß nie
bei internationalen Debatten der Fall war und jetzt
kömmt man und will beinahe den Begriff von Verrath
unterschieben. Ich werde mich der Abstimmung enthalten.
Der Bundes- und Nationalrath sind mit Freuden beige-
treten und Ihre Kommission empfiehlt Ihnen einstimmig
die Ratifikation. Nachdem die Anregung zu diesem Ver-
trage von der Schweiz ausgegangen ist, würde es einen
üblen eindruck machen, wenn wir zuletzt ratifizieren würden.
Schon im vorigen Jahrhundert haben Generäle sich gegen-
seitig Cartels unterzeichnet, laut welchen sie Verwundeten
und ihre Pfleger neutral behandelt wurden. Welche
Gefahr kann diese philantropische Vorkehr nach sich ziehen?
Hr. BR. Dubs empfiehlt, nicht auf Verschiebung
einzutreten und findet die Begründung des verehrten
Generals vollständig überzeugend. Hr. Briatte sollte
denn doch auch positive Gründe zu seinem Antrage bringen,
statt so unbestimmter Andeutungen. Die Sache ist längst
bekannt und veröffentlicht und es war Zeit genug, sich
früher auszusprechen und allfällige Protestationen einzu-
reichen. In einem Blatte von Lausanne habe man nichts
als Phrasen gegen den Vertrag gefunden. Wir können
wohl sicher annehmen, daß General Dufour und nichts
bringt und empfiehlt, was der Schweiz Gefahr bringen
könnte.
Hr. Briatte, von welchem man eine Replik und
näheren Aufschluß über die signalisirte Gefahr, welche der
Vertrag in sich bergen soll, erwarten durfte, schweigt
still und der Antrag auf Verschiebung wird mit allen
gegen 2 Stimmen (Briatte und Dr. Frey) verworfen.