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Eine kurze Idylle auf Zeit: Louis Wain (Benedict Cumberbatch) war mit Emily (Claire Joy) glücklich. (Bild oben). Die wundersame Katzenwelt des Louis Wain: Der Künstler, verkörpert durch Benedict Cumberbatch, erfand drollige Katzengeschichten (Ascot Elite)
Der Künstler, der Katzen zu Menschen machte
Er war brillant, verschroben und als Zeichner genial. Louis Wain war ein Mann des viktorianischen Zeitalters, wahnsinnig kreativ und dem Wahn nah. Der englische Filmtitel ist etwas umständlich und zielt auf die eigentlichen Intentionen des Künstlers Louis Wain. Der war auch ein begnadeter Forscher und Erfinder in Sachen Elektrizität. Doch seine Intelligenz (auf diesem Gebiet), seine Kreativität sorgten nur ungenügend für materielle Grundlagen am Ende des 19. Jahrhundert.
Louis Wain, 1860 geboren, musste nach dem Tod seines Vaters für den Unterhalt seiner Familie sorgen, und das waren seine Mutter und fünf Schwestern. Er heiratete 1884 seine grosse Liebe, Emily Richardson (Claire Foy), zog mit ihr aus dem Elternhaus und liess sich in Hampstead nieder. Das gemeinsame Glück währte nur kurz, Emily starb 1887 an Brustkrebs. Er fand einen gewissen Trost in Kater Peter, der ihnen zugelaufen war. Er schätzte den kuscheligen Kameraden und nahm ihn zum Modell für seine Zeichnungen. Ab 1890 begann er Geschichten um den Kater zu kreieren. Seine Illustrationen fanden Aufnahme in Magazinen etwa der London News, später auch in den USA. Er weilte ab 1907 wiederholt in New York. Seine drolligen Bildergeschichten um vermenschlichte Katzen wurden zum Hit. Er schuf Comics, illustrierte Kinderbücher und löste eine Sympathiewelle für die Samtpfoten Anfang des 20. Jahrhunderts aus: Wain wurde zum Animator eines Katzenbooms, der bis heute anhält.
Doch wie manche andere Künstler (oder Sportler wie beispielsweise Boris Becker) konnte Louis Wain nicht mit Geld umgehen. Seine Ideen wurden gestohlen, kopiert. Er hatte sich nicht um die nötigen Copyrights gekümmert. Seine Schwestern setzten ihn unter Druck, fürchteten Verarmung. Man verkrachte und versöhnte sich. Doch der Künstler war fragil und anfällig, wurde ausfällig, aggressiv. Ärzte diagnostizierten eine Geisteskrankheit (Schizophrenie?). So wurde er in die Irrenanstalt von Springfield eingewiesen. Freunde und Bewunderer wie H.G. Wells unterstützten ihn und gründeten einen Louis Wain Fund. Der grosse Katzenfreund starb 1939 im Napsbury Hospital in Hertfordshire, England.
Ein Leben voller Höhen und Tiefen. Will Sharpe (Buch und Regie) versuchte diesen produktiven und tragischen Phantasten gerecht zu werden und zu illustrieren. Sein Biopic über den grossen Katzenfreund und Künstler beschreibt viele Details und Schnurren des Exzentrikers im viktorianischen Zeitalter – schillernd, etwas altmodisch auch. « Die wundersame Welt des Louis Wain» ist ein berührendes Porträt und malerisches Zeitbild, das jedem Katzenfreund ans Herz geht. Benedict Cumberbatch, der zurzeit sein Kinounwesen auch als Superheld «Doctor Strange» treibt, verleiht Wain Würde und Charakter. Er vertiefte sich in Wains Zeichenkunst, versuchte sich in Skizzen und Malerei. «Ich hatte eine riesige Verbindung zu dem Künstler Louis Wain», beschreibt Cumberbatch sein Engagement. «Ich liebe es zu zeichnen, ich mache es allerdings nicht oft. Die Gelegenheit, sich endlich einmal wirklich darauf konzentrieren zu können, war ein echtes Geschenk.»
Grossbritannien 2021
111 Minuten
Regie: Will Sharpe
Buch: Sharpe und Simon Stephenson
Kamera: Erik Wilson
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Claire Foy, Andrea Riseborough, Toby Jones, Sharon Rooney, Aimee Lou Wood, Hayley Squires, Stacy Martin, Phoebe Nicholls
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