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Die Entwicklung der Vergasersysteme von 1950 bis 1980
Schon Anfangs der 50er Jahre stiegen die Ansprüche der Automobilisten. Um die Motoren bei Kälte und Hitze zu starten und bei Laune zu halten mussten manuelle und automatische Vergasersysteme entwickelt werden. Bald war es verpönt, dass grosse Limousinen noch mit Handchoke gestartet werden mussten. Ein Handgas erlaubte einen konstanten Leerlauf bei allen Betriebsbedingungen. In der nächsten Entwicklungsstufe wurden die beiden Probleme in einem gelöst: Dem automatischen Choke mit Leerlaufanpassung. Um den Übergang vom Leerlauf in den Teillast- oder Volllastbereich zu verbessern wurden sogenannte Einspritzvergaser mit Anreicherungspumpe gebaut. Damit wurde das Ansprechverhalten verbessert, es war kein „Loch“ mehr fühlbar. Auch einfache Systeme für die Angleichung an die Meereshöhe (Passfahrten) wurden entwickelt.
Vor allem die italienischen Fahrzeuge wurden sehr oft mit Mehrfachvergasern ausgerüstet. Die sportlichen Motoren mit hoher Drehzahl verlangten nach mehr Luft, was mit einfachen Vergasern nicht realisiert werden konnte. Was in den 50er-Jahren noch auf der Rennpiste verlangt wurde, war in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren schon tägliche Realität. Standardfahrzeuge liefen mit einem einfachen Vergaser, deren sportliche Brüder mit einem oder mehreren Doppelvergasern (zum Beispiel Alfa Romeo Veloce, BMW 2002 ti, Porsche 356, Volvo 122 S, Mini Cooper, Opel Kadett Rallye).
Die späten 70er-Jahre standen schon ganz im Zeichen des Umweltschutzes. Immer wieder wurden die Abgaswerte verschärft. Wohl konnte die höchste Leistung aus einem Vergasermotor generiert werden, aber dies in ein umweltverträgliches Paket zu schnüren gelang nicht mehr. Ein grosser Teil der Automobilhersteller betrieb bereits Versuche mit Einspritzmotoren, sodass mit der gesetzlichen Einführung der Katalysatoren (1986) der Todesstoss für die Automobilvergaser kam.
Die Oldtimerszene, vom ersten Benz mit Holzrädern bis hin zum Youngtimer von 1978 kennt die verschiedenen Vergasersysteme bestens. Spezifische Ersatzteile sind in der Regel greifbar. Mit viel Wissen und dem nötigen Fingerspitzengefühl lassen sich die Vergaser auch heute noch zufrieden stellend regulieren. Wobei immer klar sein muss, dass die Benzinseite nur ein Teil einer Reihe von Komponenten ist, die aufeinander abgestimmt funktionieren muss: Das Triebwerk mit Ventiltrieb, Zündungssystem und Zündkerzen, die Vergaser und ein passendes Auspuffsystem müssen als Ganzes aufeinander passen. Nur dann macht das Fahren mit einem Liebhaberfahrzeug richtig Freude.
Hans Füglistaler
Eidg. dipl. Automechanikermeister