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<h2>SubmittedText<h2><p>Stark verarbeitete Lebensmittel, die von der Lebensmittelindustrie angeboten werden, durchlaufen mehrere Verarbeitungsphasen unter Einsatz unterschiedlicher Technologien. Sie enthalten zahlreiche Zutaten und Zusatzstoffe. Ihr Anteil in den Angeboten der Supermärkte ist steigend, auch bei den Schlankheits-, biologischen und vegetarischen Produkten. Sie werden in der Regel so konzipiert, dass sie zu tiefen Preisen verkauft, lange aufbewahrt, rasch vorbereitet und konsumiert werden können. Geschmacklich kommen sie dank der Zugabe von Zucker, Salz und Aromastoffen gut an. Oft enthalten sie hydrierte Öle, Proteinisolate, Emulgatoren, Farbstoffe, Süssstoffe, Verdickungsmittel, Geliermittel oder Konservierungsstoffe. </p><p>Die Schweiz steht auf einer Liste, die für 80 Länder den Verkauf von stark verarbeiteten Lebensmitteln im Detailhandel erfasst, mit 194 Kilogramm pro Einwohnerin oder Einwohner an zehnter Stelle (Quelle: Dr. Anthony Fardet, "Halte aux aliments ultra-transformés"). Diese Situation ist für die Gesundheit der Bevölkerung wie auch für die Umwelt beunruhigend. Die Produkte sind nämlich problematisch, wenn sie in zu grossen Mengen konsumiert werden, da sie einen hohen Anteil an Zucker, Salz, qualitativ minderwertigen Fetten und Zusatzstoffen aufweisen. Man vermutet, dass sie bei chronischen Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei einigen Krebsarten eine Rolle spielen (insbesondere gemäss einer prospektiven Kohortenstudie von Nutrinet-Santé in Frankreich). Auf globaler Ebene begünstigen stark verarbeitete Lebensmittel eine intensive und industrielle Landwirtschaft mit entsprechendem Preisdruck. Ausserdem führen sie zu übermässigem Transport, weil die Zutaten aufgrund des besten Preises und der verschiedenen Verarbeitungsprozesse oft aus aller Herren Länder stammen. Zu guter Letzt verursacht die Verpackung grosse Mengen von Abfall. Ich stelle dem Bundesrat darum folgende Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat den Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln in der Schweiz und die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung und die Umwelt?</p><p>2. Wie können die Konsumentinnen und Konsumenten über die gesundheitlichen und umweltrelevanten Auswirkungen dieser Produkte informiert werden?</p><p>3. Wäre es denkbar, eine Sensibilisierungskampagne zu realisieren oder Anreize zu schaffen, um den Konsum von gesunden, unverarbeiteten und frischen Lebensmitteln anstelle von stark verarbeiteten Produkten zu fördern?</p><p>4. Wie erreicht man die Zielgruppen, die vom Marketing dieser Produkte besonders angesprochen werden, insbesondere Kinder und junge Menschen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die nationale Ernährungserhebung Menu CH zeigt, dass in der Schweiz die Bevölkerung zu viel Süsses, Salziges und Fleisch isst, wogegen der Früchte- und Gemüsekonsum zu tief ist. Ein Ziel der Schweizer Ernährungsstrategie besteht daher insbesondere in der Verbesserung der Rezepturen von verarbeiteten Lebensmitteln, die wie Joghurt oder Frühstückszerealien zu einer ausgewogenen Ernährung gehören. Im Fokus steht dabei nicht der Grad der Verarbeitung des Produkts, sondern die Bedeutung der Lebensmittelgruppe für eine ausgewogene Ernährung. Studien zeigen zudem, dass eine Ernährung gemäss der Schweizer Lebensmittelpyramide zu einer starken Reduktion der Umweltbelastung führen würde.</p><p>Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der Erklärung von Mailand (freiwillige Zuckerreduktion bei Frühstückszerealien und Joghurt durch die wichtigsten Produzenten und Vertreter des Detailhandels) wird das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) den Dialog mit der Wirtschaft weiterführen und weitere freiwillige Rezepturverbesserungen unterstützen. </p><p>2./3. Die Schweizer Ernährungsstrategie hat zum Ziel, die Ernährungskompetenzen in der Bevölkerung zu stärken. Die Ernährung spielt in allen Lebensphasen eine wichtige Rolle. Einfach umsetzbare Ernährungsempfehlungen helfen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen (z. B. schwangeren Frauen, älteren Personen), eine bewusste Wahl zu treffen. Das BLV arbeitet mit verschiedenen Organisationen aus dem Bereich Prävention und Gesundheitsförderung zusammen, um diese Ernährungsinformationen für die Zielgruppen einfach zugänglich zu machen. Weiter gehende Massnahmen oder Informationskampagnen zur Förderung des Konsums bestimmter Lebensmittel sind nicht vorgesehen. </p><p>Die heute vorgeschriebenen Angaben auf den Verpackungen wie die Nährwertdeklaration oder das Verzeichnis der Zutaten sind für viele Konsumentinnen und Konsumenten nur schwer verständlich. Eine einfache zusätzliche Kennzeichnung von verarbeiteten Lebensmitteln könnte daher ein wertvolles Hilfsmittel beim Einkaufen sein. Das BLV ist im Dialog mit den interessierten Unternehmen, um die freiwillige Verwendung eines solchen Systems, z. B. des in Frankreich erfolgreich verwendeten Systems Nutri-Score, zu fördern.</p><p>4. Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen bleiben in der Schweiz ein Problem für die öffentliche Gesundheit. An Kinder gerichtete Werbung für zu süsse, zu fetthaltige und zu salzige Esswaren beeinflusst nachweislich das Konsumverhalten und trägt zu einer ungesunden Ernährungsweise bei. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass freiwillige Selbstbeschränkungsmassnahmen der Branche ein geeignetes Mittel wären, um in diesem Zusammenhang den Schutz der Kinder sicherzustellen. Die erfolgreiche Umsetzung dieses Ansatzes setzt jedoch voraus, dass gewisse Rahmenbedingungen erfüllt sind (unabhängiges Monitoring, Übernahme der Nährwertkriterien der WHO). Das BLV ist auch diesbezüglich im Gespräch mit der Lebensmittelbranche.</p>  Antwort des Bundesrates.