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1879-1964, geboren in A-St. Pölten, gestorben in D-Überlingen
von Hermann Müller
Adolf Stocksmayer wurde am 23.7.1879 in St. Pölten geboren. Die Schreibweise seines Namens ist unterschiedlich: Stocksmayer, Stocksmeier oder Stocksmayr. Er selbst scheint seinen Namen, vielleicht um sich als Künstler abzuheben, um das „e“ im ursprünglichen Familiennamen verkürzt zu haben. Die Wiener Akademie der Künste führt ihn von 1900 bis 1902 als Gasthörer in der Allgemeinen Malerschule. Nicht lange danach, spätestens 1904, muss er auf den Monte Verità gekommen sein, denn Johannes Nohl erwähnt ihn in einem Brief an Fritz Brupbacher vom 8. Januar 1905. Um 1919 übersiedelte Stocksmayer von Ascona nach Monti della Trinità sopra Locarno. Vermutlich fand er dort bei der Gräserfreundin Albine Neugeboren ein Unterkommen in jenem Anwesen, das wenige Jahre früher Gusto Gräser, Hermann Hesse, Ernst Bloch und Klabund beherbergt hatte. Jedenfalls entsprach sein naturfrommes Denken und Streben ganz dem Geist dieses Hauses. Mit Reihen von farbigen Steindruck-Karten (in ihrer Vertriebsart den Spruchkarten von Gusto Gräser entsprechend) versuchte er sich eine Existenzgrundlage zu schaffen. Die Bilder, die heute als ART DECO eingestuft werden, zeugen von seiner liebevollen Einfühlung in die Pflanzenwesen. Sie sind in Sammlerkreisen hoch begehrt
Hansjörg Straub, Journalist und Lokalhistoriker in Überlingen, hat Stocksmayers Lebensgeschichte erkundet: „Stocksmayr wird in den Unterlagen der Wiener Akademie der Künste noch als Stocksmayer geführt, und das war sehr wahrscheinlich auch die Schreibweise in der Familie, in die er am 23.7.1879 in St. Pölten geboren wurde. … Gestorben ist Adolf am 18.3.1964 in Überlingen. Ab 1900 führt ihn die Akademie als Gasthörer in der Allgemeinen Malerschule, für die auch Schulgeld bezahlt werden musste, was in den Unterlagen bestätigt wird. Bereits im März 1902 ist sein Austritt beurkundet. In einem Zeitungsartikel vom 18. Oktober 1944 heisst es einmal, dass er ehemaliger Forstgehilfe sei. Seit 1928 lebte er in Überlingen und 1930 wurde eine Fürsorgeakte angelegt, die bis zum seinem Tod geführt wurde.
Stocksmayr lebte all die Jahre bis wenige Monate vor seinem Tod in einem Zimmer im sog. Dorf, einem Stadtteil Überlingens. Es gibt noch eine ganze Reihe Menschen, die sich gut an ihn erinnern, und die auch noch einige Bilder und Gemälde von ihm haben, weil er für gelegentliche Hilfe Bilder verschenkte. Gemalt und gezeichnet hat er immer und überall, das ist auch in der Fürsorgeakte vermerkt und eigentlich wundern sich alle, weshalb er so bettelarm geblieben sei. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit erinnert man sich noch an seine Weltverbesserungsideen, seine wohl manchmal verschrobene Philosophie, aber ganz besonders an seine Freundlichkeit, mit der er allen begegnete. Diese Freundlichkeit ist auch ein Grund, weshalb man der Stadt die schmähliche Räumung aus dem Zimmer und die Abschiebung in ein Barackenlager, in dem er dann einige Monate später verstarb, nur schwer verzeiht. Mehrere Menschen erinnerten sich sofort daran, dass er "verhungert" sei, dass man die übriggebliebenen Bilder verbrannt habe, und dass es "eine Schande" sei.“ (Brief an H. M.)
Nach dem Ende des Weltkriegs hatte sich in Ascona um die Schriftsteller Bruno Goetz und Robert Binswanger ein Künstlerkreis gebildet, zu dem zeitweise auch Mary Wigman, Werner von der Schulenburg und Friedrich Glauser gehörten. Offenbar auch Adolf Stocksmayer, denn wie andere Maler am Ort (darunter Hermann Hesse, Jawlensky, die Werefkin und Paul Klee) stiftete er 1922 ein Gemälde für das entstehende kommunale Kunstmuseum von Ascona. Bruno Goetz, Robert Binswanger und andere zogen 1923 nach Überlingen am Bodensee. Ihnen folgte 1928 auch Stocksmayer. Am Ort wurde er bald ein stadtbekanntes Original, das ein Feuilletonist so beschreibt:
„Da bückt sich im Ueberlinger Stadtgarten ein Mann im groben Leinenanzug über ein Polster violett blühenden Steingeflechts. Wohl zehn Minuten lang bleibt er so stehen, als wolle er jede einzelne der hundert kleinen Blüten betrachten. Endlich richtet er sich auf, beugt sich aber schon wieder über ein weissblühendes Polster, ebenso lange, und dann in gleicher Weise über den benachbarten gelben Blütenschaum. Schliesslich fährt die eine Hand des Mannes sanft kosend über die drei bunten Kissen, und langsam steigt er den schräg am Hang hinansteigenden Pfad hinauf, jeden Baum, jeden Strauch, von den Wurzeln bis zum Gipfel anschauend, bückt sich plötzlich wieder, richtet sich auf, hält suchende Umschau, holt von einer nahen Erdbruchstelle drei Hände voll Erde und schüttet sie sorgsam auf einen toten Sperling, den er am Wegsaum gefunden.
Das alles ist an sich nichts Auffallendes und doch ist es im tiefsten Sinne Wesenheit des Menschen und Malers A. Stocksmayr.“ Theodor W. Elbertzhagen in der Bodensee-Rundschau vom 18.Oktober 1944, S.3. Die äussere Realität dieses Künstlerlebens sah weniger poetisch aus. Dazu der Chronist Hansjörg Straub in „Ein feiner Mensch, aber ein armer Teufel. Der Maler Adolf Stocksmayr.“