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1927-2008
Eduard Krumm
Durch die Zürcher Sequenzen im Film "Ich kenn' keinen - allein unter Heteros" von Jochen Hick trafen wir (Röbi Rapp und Ernst Ostertag) 2002 wieder auf zwei ehemalige Mitglieder der runde: Richard Moosdorf (geb. 1924) und Eduard Krumm (1927-2008). Der letztere lebte früher als Flüchtling in der Schweiz. Seine Geschichte hat Karl-Heinz Steinle aufgezeichnet1. Uns gegenüber ergänzte Eduard diese Geschichte in mehreren Gesprächen:
"Ich war schon 1949 Abonnent des Kreis. 1952 hatte ich einen US Soldaten kennengelernt, der später in der Army geschnappt und mit Prügel dazu gebracht wurde, unter anderem auch meine Adresse zu sagen. Wir waren beide volljährig. Ich wurde nun nach Reutlingen zur Kriminalpolizei vorgeladen. Dort amtete einer, der wegen Nazi-Zugehörigkeit nach Reutlingen strafversetzt worden war. Von dem wurde ich mit Fragen total ausgequetscht und hätte nach einer Hausdurchsuchung in Untersuchungshaft genommen werden sollen.
Ein Polizeifotograf sollte mich erkennungsdienstlich aufnehmen. Auf dem Weg zum Fotoraum sagte er: 'Ich hab' was vergessen und muss das holen' und zwinkerte mir dabei zu. Ich verstand und ging weg, nahm mein Fahrrad und fuhr nach Konstanz zu Fritz Scheffelt. Der brachte mich über die Grenze und telefonierte darauf mit Rolf [Karl Meier]. Im Büro des KREIS aber wies mich Rolf an, wieder zurück zu radeln, um meinen Pass zu holen, denn so hätte ich keine Chance.
Ich rief meine Schwester an und verabredete mit ihr einen Treffpunkt im Wald bei ihrem Dorf. Sie holte den Pass und wir trafen uns zur abgemachten Zeit. Dann fuhr ich wieder - diesmal legal - in die Schweiz. Inzwischen hatte Rolf eine Stelle als Journalführer [Buchhalter] im Hotel Kulm, St. Moritz, gefunden, wo ich für etliche Monate arbeiten konnte. Dort gewann ich das Vertrauen des Patrons, weil das Journal beim Jahresabschluss erstmals stimmte.
Ich lernte in St. Moritz auch jenes Freundespaar kennen, welches das Hotel Calonder führte. Dort konnte ich nach Abschluss meines Auftrages im Kulm eintreten und für eine weitere Zeit arbeiten. Dann fuhr ich nach Deutschland zurück und zog nach Stuttgart, weil ich wusste, dass es dort keine ehemaligen Nazis als Richter gab. Mein Fall wurde nachbehandelt und schliesslich wegen Mangels an Beweisen ad acta gelegt. Seither - und bis heute - wohne ich in Stuttgart."
Eduard Krumm starb in Stuttgart am 14. Juni 2008.
Ernst Ostertag, März 2005
Weiterführende Links extern
Quellenverweise
- 1
Karl-Heinz Steinle: die runde, Seite 6