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Der Basler Strumpffabrikant und spätere Kaufmann Leonhard Heusler bekleidete vor allem zur Zeit der Mediation wichtige politische Ämter. 1795 vekaufte ihm seine Schwiegermutter Anna Katharina Mitz-Merian das Alte Wettsteinhaus in Riehen, das er im klassizistischen Stil umbauen liess.
Sohn des Leonhard (1720–1781; Strumpffabrikant, Färber) und der Esther, geborene Thellusson (1729–1806). Erste Heirat 1782 mit Susanna Heusler (1757–1791). Fünf Töchter und ein Sohn. Zweite Heirat 1791 mit Agnes Mitz (1756–1815). Vier Töchter und vier Söhne.
Leonhard Heusler stammte aus dem Kleinbasler Zweig einer alten Basler Bürgerfamilie. Sein gleichnamiger Vater war Strumpffabrikant und Betreiber einer Färberei, seine Mutter Esther kam aus einer im 17. Jahrhundert über Genf in Basel zugewanderten Hugenottenfamilie. Leonhard Heusler junior besuchte in Basel das Gymnasium und hielt sich 1766 zur Erlernung der französischen Sprache einige Zeit in Montbéliard auf. Ab ca. 1768 bis 1775 war er in einem Handelshaus in Lenzburg tätig.
1775 trat Leonhard Heusler in die väterliche Firma in Basel ein, die er 1778 übernahm und unter den Namen ‹Leonhard Heusler Sohn› weiterführte. Nach der Aufgabe der Strumpffabrikation gründete er 1797 mit seinem jüngeren Bruder Johann Ulrich die Firma Leonhard Heusler & Co., die auf Spezereihandel und Spekulationsgeschäfte spezialisiert war.
1782 heiratete Leonhard Heusler Susanne Heusler, die Tochter eines Juweliers aus dem Papiererzweig der Familie Heusler. Nach deren Tod vermählte er sich 1791 mit Agnes Mitz, der Tochter des früheren Bürgermeisters Daniel Mitz. Diese führte nach seinem Tod die Handelsfirma weiter, bis sie von den beiden ältesten Söhnen Peter Leonhard und Daniel übernommen werden konnte. Der jüngste Sohn Andreas ergriff nach einem Studium der Rechte eine universitäre Laufbahn.
Leonhard Heusler wurde 1793 von der Schlüsselzunft in den Kleinen Rat gewählt, dem er bis zur sogenannten Basler Revolution von 1798 angehörte. Während der Helvetik war er Mitglied des Kantonsgerichts. 1802 reiste er als Privatdelegierter an die verfassungsgebende Versammlung in Paris, die sogenannte Consulta, an der Napoleon eine neue Verfassung für die Eidgenossenschaft präsentierte. 1803 berief man Heusler in die fünfköpfige Kommission, welche die helvetische Nationalschuld zu liquidieren hatte. Im gleichen Jahr wurde er in Basel in den wiederhergestellten Kleinen Rat gewählt und ein Jahr später auch in den Staatsrat des Kantons Basel. Daneben nahm Heusler Einsitz in weiteren kantonalen Behörden und in eidgenössischen Kommissionen und wurde von seiner Vaterstadt regelmässig zum Tagsatzungsgesandter bestimmt. Sein öffentliches Wirken in der Zeit der Mediation galt vor allem der Wirtschafts- und Verkehrspolitik. Als Präsident der Basler Postkammer organisierte er das Postwesen neu.
Heusler engagierte sich auch innerhalb der französischen Kirche in Basel, der er zuletzt als Ältester vorstand.
1795 kaufte Leonhard Heusler, der zeitlebens an der Unteren Rheingasse in Kleinbasel wohnte, von seiner Schwiegermutter Anna Katharina Mitz-Merian deren Besitzungen in Riehen. Dazu gehörten das Alte Wettsteinhaus an der Baselstrasse, eine Schäferei an der Kirchstrasse, Fischereirechte, Matten, Bünten (eingezäunte Gärten), Äcker, Reben und Waldungen. Im Wettsteinhaus liess er die Inneneinrichtung im klassizistischen Stil verändern, zur Strasse hin ein Kabinett erstellen und im Hinterhaus neue Zimmer einrichten.
Leonhard Heusler starb nach vierwöchigem Gallen- und Nervenfieber am 10. September 1807 in Basel. Im Garten hinter dem Wettsteinhaus liess ihm seine Witwe ein Erinnerungsmal errichten. Es stammt wahrscheinlich vom bekannten Unterwaldner Bildhauer Anton Maria Christen, der damals in Basel lebte. Das Wettsteinhaus blieb bis 1958 in Familienbesitz.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 16.1.2023
Frey, Lucas: Das Wettsteinhaus. In: Jahrbuch z’Rieche 1962. S. 31–42, hier S. 38–40.
Hess, Stefan: Leonhard Heusler. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007167/2007-10-15/ (25.12.2022)
Heusler, F.: Heusler, Leonhard. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Bd. 4. Neuenburg 1927. S. 213.
Heusler, Karl: Chronik der Familie Heusler 1364–1990. Typoskript. Basel 1997. S. 29–32.
His, Eduard: Basler Handelsherren des 19. Jahrhunderts. Basel 1929. S. 11–22.
Kaspar, Albin et al.: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft III. Riehen 2017. S. 153f., 157.