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Gerade in der Diabetologie finden sich Menschen mit hohem Risiko für einen schwerwiegenden Verlauf von COVID-19 aufgrund der Vereinigung von multiplen Risikofaktoren im Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom und der glykämischen Stoffwechsellage. Aus diesem Grund wurden in den verschiedenen Wellen der Corona-Pandemie international und auch national innerhalb des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) neue Studienergebnisse erarbeitet, die ein besonderes Licht auf die Betreuung von Menschen mit Diabetes mellitus und COVID-19 werfen. Auf dem DDG-Kongress wurden aktuelle internationale Daten zu COVID-19 und Diabetes mellitus, aber auch die Daten aus Deutschland zu dieser Thematik diskutiert.
Dr. Johanna Zemwa von der Universität Heidelberg fasste das Wesentliche aus einer großen Datenflut aus aller Welt zusammen. Deutlich ist: Diabetes ist ein globaler Risikofaktor für Hospitalisierung und erhöhte Mortalität im Rahmen einer COVID-19-Infektion. Unabhängig davon, in welche Region man schaut, das erhöhte Risiko besteht allgemein.
Bereits in Wuhan, am Ursprung der Pandemie, sieht man einen hohen Anteil an Diabetiker:innen, die einen schlechten Outcome haben. Die Odds Ratio liegt etwa gleichauf mit der arteriellen Hypertension, übertroffen wird sie nur durch eine vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankung oder COPD. In Indonesien sind die Zahlen ähnlich. Der Anteil der Diabetes-Patienten war unter den Hospitalisierten zwar etwas geringer, aber die Mortalität ist ebenfalls deutlich erhöht. Eine multizentrische Studie an schwerkranken Patient:innen einer Intensivstation aus Afrika ergab einen ähnlich hohen Anteil an Diabetespatienten wie in Wuhan.
Das Gleiche zeigt sich in den westlichen Ländern. Eine Studie aus New York: der Anteil der Diabetespatient:innen unter den Hospitalisierten liegt bei 36 Prozent - bei erhöhter Mortalität. Eine englische Studie unterscheidet Typ 1 und Typ 2 Diabetes, die Hazard Ratio bei T1D liegt etwas höher als bei T2D. Dieser Risikofaktor wird nur übertroffen von einem deutlich erhöhten Lebensalter.
Eine weitere Studie aus England zeigt für T1D - nicht überraschend - Menschen mit höherem Alter, fortgeschrittener Niereninsuffizienz, mit deutlich niedrigem, aber auch erhöhtem BMI, hohem HbA1c, sowie Patient:innen, die einen Schlaganfall oder eine kardiale Dekompensation erlitten haben, hatten ein erhöhtes Mortalitätsrisiko. Für T2D waren die Risikofaktoren im Wesentlichen gleich.
Eine Studie aus Schweden kam zu ähnlichen Ergebnissen. Hier wurde auch erfasst, wann eine Demenz vorlag. Es zeigte sich, dass diese das höchste Risiko hatten, im Krankenhaus zu versterben. Zudem wurden vor allem ein hoher BMI, Hypertension und PAVK als Risikofaktoren ausgemacht. Auch hier wieder: Bestehende Demenz sowie Niereninsuffizienz sind deutliche Risikofaktoren.
Eine besondere Situation aus Indien ist das Auftreten einer Mucormicosis nach überstandener COVID-19-Infektion. Ein Vergleich mit Patient:innen aus anderen Weltregionen zeigte, dass Patienten in Indien deutlich höhere Glucocorticoiddosen erhielten – fast um den Faktor drei. Auch erhielten offenbar Patient:innen Dexametason, die es gar nicht benötigt hätten. Hauptrisikofaktor dieser Mucormicosis-Patient:innen war ein entgleister Diabetes. Die Theorie geht hier von einem supprimierten Immunsystem aus.
Eine Studie aus Großbritannien hat sich die Mortalität bei bestehender glukosesenkender Medikation angeschaut. Es zeigte sich eine erhöhte Mortalität bei Patient:innen mit Insulintherapie, auf der anderen Seite zeigte sich, dass Metformin und SGLT2-Inhibitoren möglicherweise einen leicht schützenden Faktor darstellen.
Viel dazu gibt es noch nicht. Aber eine Studie aus Italien geht darauf ein. Hier schaute man sich die Antikörper-Titer nach Infektion an. Man sah keinen Unterschied zwischen Menschen mit oder ohne Diabetes. Auch die aktuelle Glukosekontrolle hat keinen Einfluss darauf, ob Antikörper entwickelt werden.
Eine Studie aus Israel schaute sich Patient:innen nach Biontech-Impfung an. Bei Patient:innen mit Diabetes mellitus zeigte sich, dass bei ihnen die Immunantwort etwas geringer ausfällt.
Eine englische Studie dazu: Bei T1D nahm die notfallmäßige Vorstellung mit Ketoazidose ab, das vor allem in der jüngeren Altersgruppe. Ob sie sich besser an die Therapie gehalten haben oder gesünder lebten, weil sie nicht mehr feiern gehen konnten, das bleibt offen. Ganz anders bei T2D: es kam zu einem deutlichen Anstieg von Patient:innen mit entgleister Stoffwechsellage. Auch die Zahl der Neumanifestationen stieg.
Dazu werden gerade viele Daten gesammelt, um Long COVID besser zu verstehen. Daten aus Italien, bei denen es um die Glucose- und die Insulinsituation in der akuten COVID-Infektion und nach abgeheilter Infektion geht, zeigen: In der akuten Phase waren die Insulinspiegel bei den COVID-Patient:innen in ähnlichen Bereichen wie die der T2D-Patient:innen. Das nahm nach der Infektion wieder etwas ab, aber eine Insulinresistenz blieb bestehen. Möglicherweise hat ein Zytokinsturm diese Insulinresistenz vermittelt. Einige bekamen auch eine Glucosteroidtherapie. Und das Virus selbst kann die Betazellen des Pankreas infizieren, wodurch es zu einer Betazell-Dysfunktion kommen kann. Zur Dauer braucht es neue Daten.
Auch ohne COVID-Infektion kam es in der Pandemie zu einer Zunahme der Neumanifestationen. Und häufig haben sich die Patient:innen durch die Lockdown-Situation verspätet vorgestellt, oft dann notfallmäßig, sodass sehr deutlich wird, das unter diesen Umständen Patient:innen mit erhöhtem Risiko regelmäßig gesehen und Erkrankte engmaschig kontrolliert werden müssen.
Prof. Jochen Seufert, Freiburg, informierte über aktuelle Daten aus Deutschland.
Menschen mit Diabetes mellitus haben unabhängig von der aktuellen COVID-19-Pandemie auch für respiratorische Infektionen ein erhöhtes Risiko, auch für einen schweren Verlauf. Deswegen sind Influenza- und Pneumokokken-Impfung empfohlen. Hohe Glucose, überschießende inflammatorische Antwort können Ursachen sein. Menschen, müssen auf die Intensivstation, müssen beatmet werden, nicht aufgrund des Virus, sondern wegen ihrer überschießenden inflammatorischen Reaktion. Adipositas und Begleiterkrankungen spielen eine wesentliche Rolle.
Bei 638 Menschen aus den Standorten Freiburg, Tübingen, LMU München, Leipzig, Dresden und Düsseldorf wurde differenziert zwischen Nicht-Diabetes, Prädiabetes und Diabetes auf die erhöhte Mortalität geschaut. Diese zeigt sich bereits beim Prädiabetes. Bezüglich des BMI zeigt sich, dass bei unter 70jährigen ein hohes Körpergewicht einen Risikofaktor für einen schweren Verlauf darstellt und bei über 70 Jahren scheint der höhere BMI eher ein protectiver Faktor zu sein.
Bei Verlegung auf die Intensivstation und Beatmung zeigt sich im Vergleich Nicht-Diabetes, Prädiabetes und Diabetes nach Männern und Frauen getrennt: Männer fahren hier immer schlechter im Schweregrad. Und der Anstieg über Prediabetes zu Diabetes zeigt sich auch hier.
Dauer des Krankenhausaufenthalts: auch diese steigt über Prädiabetes zu Diabetes an. Es zeigte sich keine HbA1c-Abhängigkeit der Dauer des Krankenhausaufenthaltes.
Risikofaktoren für Tod bei COVID-19: Übergewicht, Diabetes, reduzierte Nierenfunktion, kardiovaskuläre Erkrankungen, Demenz. Deutlich wird: Die manifestierten Begleiterkrankungen machen den Schweregrad von COVID-19 im Wesentlichen aus. Die Häufigkeit der relevanten Begleiterkrankungen ist natürlich altersabhängig.
Daten der STIKO zeigen für
Bei der Mortalität zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier spielt auch wieder die Demenz als Risikofaktor eine Rolle.
Eine Metaanalyse aus 33 Studien zeigt heterogene Daten.
Quelle: Diabetes Herbsttagung 2021