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Sulzer-Ziegler Eduard , Dr. h.c., 1854-1913
Eduard Sulzer-Ziegler war eine polarisierende Persönlichkeit, ein radikaler Liberaler mit durchaus sozialer Ader gewesen. Nach breiter Ausbildung trat er 1878 in die von seinen Brüdern geleitete Firma Sulzer ein. Dort beschäftigte er sich mit dem Rechnungswesen, Lohn- und Rechtsfragen. Ab 1884 wohnte er mit seiner Familie im Lindengut (heute Heimatmuseum).
Dr. h.c. Eduard Sulzer-Ziegler 1854-1913
Eduard Sulzer kam am 23. September 1854 in Winterthur als Sohn von Johann Jakob Sulzer-Hirzel (einem Sohn des Firmengründers) zur Welt. Nach der Matur studierte Eduard Sulzer in Genf und besuchte juristische, nationalökonomische und naturwissenschaftliche Vorlesungen. Darauf folgten akademische Ausbildungen in Heidelberg, Berlin und Dresden. Über England, sprachliche und kaufmännische Ausbildung, kam er 1877 zurück und übernahm Sonderaufgaben der inneren Verwaltung und im Abrechungswesen bei Sulzer Winterthur. 1881 wurde er Teilhaber.
Er war mit Maria Helena Ziegler (1856-1941) verheiratet, mit der er vier Kinder hatte. Sein Schwiegervater bewohnte das "Lindengut" seit 1867. Er selbst zog 1884 ins Lindengut ein.
Für ein Patent von Alfred Brandt auf eine hydraulische Gesteinsmaschine bekam Sulzer die Ausführungsrechte. Diesen Geschäftszweig übernahm Sulzer-Ziegler. Die Bohrmaschine bewährte sich und kam am Gotthard und Simplon und vielen anderen Eisenbahntunnels (auch im Ausland: Arlberg, Südkaukasichem Gebiet) zum Einsatz. 1890 gründete er bei Sulzer die Arbeiterkommission, ein Instrument eines beschränkten Mitspracherechtes. Der 11-stündige Arbeitstag war noch üblich. Auf Antrag von Sulzer-Ziegler ging man zur 60-Stundenwoche über.
Als Politiker hatte er seine Auftritte auf allen drei Ebenen:
-1833-1902 Mitglied des Stadtparlamentes als freisinniges Parteimitglied
-1892-1902 Mitglied des Kantonsrates
-1900-1913 Mitglied des Nationalrates.
Als soziale und sportliche Persönlichkeit war er Initiant der offenen Eisbahn Zelgli, des Schwimmbades Geiselweid sowie des Ferienheimes Schwandenberg.
Am 31. Januar 1913 starb Eduard Sulzer-Ziegler. In einem Nachruf stand geschrieben: "Man muss Sulzer bewundern, der trotz seiner Verankerung im Hergebrachten mit einigen neuen Ideen den Jahren weit vorauseilte und als Unternehmer wie als Politiker zu den Grossen unserer politischen und wirtschaftlichen Geschichte gezählt werde muss."
Es gab noch einen Namensvetter: Eduard Sulzer-Ziegler (1836-1892) Eduard Sulzer-Ziegler aus Aadorf
Der andere Eduard Sulzer-Ziegler, geboren als Sohn des Rotfärbereibesitzers Heinrich Sulzer-Steiner im Sulzerhof in Aadorf, lebte von 1836-1892. Seit 1876 sass dieser Eduard Sulzer-Ziegler im Verwaltungsrat der Bank in Winterthur, welche mehr oder weniger die Hausbank der Aadorfer Rotfärberei war. Als 1883 infolge des (skandalösen) Zusammenbruchs der beiden Lloyd-Gesellschaften und des Rücktritts des betagten Verwaltungsratspräsidenten Salomon Volkart – er war auch Präsident des Lloyd und nicht mehr tragbar – ein neuer Präsident gefunden werden musste, stellte sich, in dieser schwierigen Situation, Eduard Sulzer-Ziegler zur Verfügung. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, schied er bei der Rotfärberei als Teilhaber aus. Unter der Leitung von Sulzer-Ziegler musste die Bank in Winterthur in den 1880er-Jahren saniert werden.
In Klaus Sulzers Publikation „Vom Zeugdruck zur Rotfärberei. Heinrich Sulzer (1800-1876) und die Türkischrot-Färberei Aadorf, Zürich 1991“ ist ¨über diesen etwas älteren Eduard Sulzer-Ziegler zu lesen: Er trat Anfang 1861 ins Aadorfer Geschäft ein. «Eduard hatte 1853-1856 eine kaufmännische Lehre bei Heinrich Biedermann & Cie. absolviert, war dann ein Jahr in Lausanne gewesen und hatte sich anschliessend 1857-1860 in den Vereinigten Staaten umgesehen. Während sein Bruder Heinrich den Betrieb leitete, war Eduard für die kommerziellen Belange verantwortlich.» (S. 100) Damals schickten viele Textilindustrielle und zum Beispiel auch die Strohindustriellen aus dem Aargau einen Sohn für eine gewisse Zeit in die USA, wo sie unter anderem Geschäftskontakte knüpfen sollten.
Noch ein neckisches Detail zur Rotfärberei in Aadorf: Die Fabrik und das Verwaltungsgebäude – es wurde in den 1950er Jahren abgebrochen– lagen auf Aadorfer und damit auf Thurgauer Boden, während die vier zusammengebauten Wohnhäuser zur Gemeinde Elgg und damit zum Kanton Zürich gehörten. Das führte zu einem Steuerstreit zwischen den Gemeinden, der bis vor Bundesgericht weitergezogen wurde. Im Staatsarchiv hat’s dazu ein dickes Dossier. Weitere Infos zur Geschichte des Sulzerhofs findest Du auf http://www.sulzerhof.ch/geschichte.htm.