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Das müssen Sie über Postleitzahlen wissen
Vor fast 60 Jahren eingeführt und unverzichtbar: Postleitzahlen sind ein Abbild der Logistikwege der Post und zugleich deren Programmiersprache. Auf dem Weg von Briefen, Paketen und Zeitungen bis zum Briefkasten spielen die vierstelligen Zahlenkombinationen bis heute eine zentrale Rolle. Dazu zehn Fakten, Besonderheiten und Kuriositäten.
1. Wann wurden die Postleitzahlen eingeführt?
Erste Versuche gab es 1941 im damaligen Preussen. Der Zweite Weltkrieg tobte, die Zahl der Feldpost-Briefe war hoch, die geographischen Kenntnisse des Postpersonals waren hingegen tief. Deshalb entwickelte die deutsche Reichspost zweistellige Codes, um die Sortierung und Zustellung von Briefen und Paketen zu vereinfachen. Der Durchbruch der Postleitzahlen erfolgt Anfang der 1960er-Jahre mit dem Siegeszug der halbautomatischen Sortiermaschinen. Diese setzten sich im Postwesen durch und erhöhten die Sortierkapazität massiv. So führten Deutschland (1961), die USA (1963) und die Schweiz (1964) als erste Länder die Postleitzahlen ein. Die meisten Staaten zogen nach und übernahmen diese Methode.
2. Was bedeuten die vier Ziffern der Schweizer Postleitzahlen?
Die erste Ziffer steht für die jeweilige Region, die die Post von West nach Ost nummeriert hat. So erhielt Lausanne vor fast 60 Jahren mit 1000 die tiefste Postleitzahl.
Die zweite Ziffer grenzt den Ort in der Region ein. So steht 90xx steht für die Stadt St. Gallen und Umgebung bis Appenzell, 94xx für Rorschach, das Rheintal und das Fürstentum Liechtenstein und 95xx für die Region Wil.
Die dritte Ziffer gibt an, auf welcher Bahnstrecke die Post transportiert wird. Weil der Transport von Briefen und Paketen heute auch auf der Strasse erfolgt, hat diese Ziffer heute keine Bedeutung mehr.
Die vierte Ziffer bezeichnet den jeweiligen Ort. Die höchste Postleitzahl in der Schweiz ist 9658 – und gehört zu Wildhaus im Toggenburg.
3. Wie viele Postleitzahlen gibt es in der Schweiz?
Per 31. Januar 2022 gab es in der Schweiz 4385 Postleitzahlen für Haushalte, Postfächer und Firmen. Ja, richtig gelesen. Auch Firmen können eine eigene Postleitzahl haben. Dazu später mehr.
4. Haben ausländische Enklaven auch eine Schweizer Postleitzahl?
Ja. Die deutsche Enklave Büsingen hat eine schweizerische und eine deutsche Postleitzahl: 78266 Büsingen und 8238 Büsingen. Egal, welche Zahl man verwendet: die Post kommt immer an.
Bis Ende 2019 hatte auch die italienische Enklave Campione d’Italia mit 6911 eine schweizerische Postleitzahl. Tempi passati. Seit Januar 2020 gehört Campione zur europäischen Zollunion. Seit da ist ausschliesslich die Postleitzahl 22061 gültig.
5. Wo gibt es Schnapszahlen auf der Postleitzahl-Karte?
Wer sucht, der findet. Und zwar 4444 Rümlingen, Kanton Basel-Landschaft, und 8888 Heiligkreuz (Mels) im Kanton St. Gallen.
6. Was für Postleitzahlen-Sonderfälle gibt es sonst noch?
Einige. Ein Beispiel ist Kefikon. Die Ortschaft liegt genau auf der Grenze zwischen den Kantonen Thurgau und Zürich und hat deshalb zwei Postleitzahlen: 8546 Kefikon TG und 8543 Kefikon ZH. Sogar drei Postleitzahlen hat die Ortschaft «La Cibourg», da sie sich über drei Gemeinden und zwei Kantone (Bern und Neuenburg) erstreckt. Erwähnenswert zudem: Auch sehr abgelegene Orte haben eine eigene Postleitzahl: etwa 3801 Jungfraujoch (drei Haushalte) und 3823 Eigergletscher (ein Haushalt).
7. Was genau ist eine Firmenpostleitzahl?
Die Post ordnet nicht nur Ortschaften, sondern auch Postfächern oder grösseren Firmen eine eigene Postleitzahl zu. «3030 Bern» ist beispielsweise jene der Schweizerischen Post. Firmenpostleitzahlen lassen sich auch temporär vergeben. Im jüngsten Beispiel für das Bundeslager der Pfadibewegung Schweiz im Sommer 2022 im Oberwallis. Tausende Päckli, Briefe und Postkarten wurden nach «3990 Ulrichen Bula» geschickt und mit diesem Absender von dort versandt. Die Bula-Postleitzahl wurde inzwischen wieder deaktiviert.
8. Welchen Zweck haben sogenannt technische Postleitzahlen?
Findige Post-Kennerinnen und -Kenner stossen immer mal wieder auf Postleitzahlen, die für sie keinen Sinn ergeben. Tatsächlich nutzt die Post sogenannte technische Postleitzahlen für interne Zwecke – zum Beispiel für den Standort einer Zustellstelle. Für die Adressierung sind sie aber nicht verwendbar. Übrigens: Technisch wird es auch bei den normalen Postleitzahlen. Intern arbeiten die Pöstlerinnen und Pöstler mit sechsstelligen Nummern. So steht beispielsweise 8253(00) für Diessenhofen und 8253(02) für Willisdorf.
9. Wer entscheidet, wenn eine Postleitzahl neu vergeben werden muss?
Grundsätzlich wenden sich Kantone oder Gemeinden dafür an die Post. Dort prüft eine zentrale Stelle zuerst, ob alle Bedingungen für die Neuvergabe einer Postleitzahl erfüllt sind. Danach schaut sich die Post das Ganze vor Ort an – und das ist wichtig. Die zuständigen Pöstlerinnen und Pöstler kennen die lokalen Gegebenheiten genau. Sie können am besten einschätzen, inwiefern eine neue Postleitzahl im Post-Alltag sinnvoll ist oder nicht. Basis dieses Vorgehens ist die Verordnung des Bundes über die geografischen Namen. Dort steht: «Die Post legt die Postleitzahl nach Anhörung von Kanton und Gemeinde fest und teilt sie dem Bundesamt für Landestopografie mit.» (5. Abschnitt, Artikel 21.3)
10. Wie ist bei Postleitzahlen das Urheberrecht geregelt?
Postleitzahlen sind Zahlenkombinationen und deshalb rechtlich nicht geschützt. «YB-Anbeter 3014»? «Platzger-Fans 3645»? «Pizzaiola 2503»? Alles kein Problem. Tür und Tor für mehr oder weniger originelle Vereins- oder Lokalnamen stehen damit weit offen.