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Zündholzfabriken im Kanton Waadt

Wie im Kanton Neuenburg, wo sich das ganze Zündholzwesen praktisch auf einen Ort (Fleurier) konzentrierte, sieht auch die Situation im Kanton Waadt aus. Hier war Nyon Hauptort der Zündholzproduktion. Wir kennen aus der früheren Geschichte einzelne kleinere Betriebe welche sich mit Herstellung oder Vertrieb von Zündwaren beschäftigt haben. So lesen wir zum Beispiel im Handelsregister vom 16.Februar 1891, dass ein Ami Bex aus Gland im Kanton Waadt eine Bewilligung als cafetier und fabricant d’ allume-feux erhält. Diese Bewilligung wird aber bereits am 3.Juni 1896 wieder gelöscht. Laut einem Eintrag im Handelsregister wurde am 20.März 1883 in Lausanne die Fabrique suisse de bois d’allumettes gegründet. Das Aktienkapital betrug für die damalige Zeit beträchtiche SFr 500'000.- Ob diese Fabrik nur Holz für die Zündholzproduktion herstellte oder auch fertige Zündhölzer produziert hat ist nicht bekannt. Am 14.Juni 1888 haben Charles Ortlieb und August Amann die Firma Ortlieb und Co unter dem Namen Fabrique d’allumettes de sureté gegründet. Diese Fabrik scheint tatsächlich Zündhölzer produziert zu haben, denn eine Inventarliste von 1891 weist einen Betrag von Fr 15'700.- für die Liegenschaft ,sowie Fr 10'000.- für Maschinen und Einrichtungen aus.
Zudem
wird in einer Statistik über das Schweizerische Zündholzwesen
von 1894 Ortlieb und Co. als einzige Zündholzfabrik neben Nyon im
Kanton Waadt mit 7 Arbeitern aufgeführt. Aus der neueren Zeit
haben wir neben Diamond einzig von der Firma Fiamma S.A. in Lausanne
Kenntnis. Diese hat in den Jahren 1937 bis 1943 Zündholzbriefchen
verkauft. Sie hat die vorgefertigen Hölzchen bei der Fabbrica
Fiammiferi in Locarno und bei Zumstein in Düdingen gekauft und
selber zu Buchzündern zusammengeklebt. Allzu gross scheint der
Betrieb nicht gewesen zu sein. Die vorliegenden Verkaufszahlen zeigen
einen Spitzen-Ausstoss von 153'000 Briefchen pro Monat. Im gleichen
Zeitraum hat zum Beispiel Lastar in Genf 5.1 Millionen Stück
verkauft.
Die Zündholzfabrik in Nyon wurde ursprünglich durch Bohy & Brack gegründet. Im Jahre 1885 kennen wir die Fabrik unter dem Namen Bohy, Gallay & Cie. 1891 sind hier bereits 22 Personen beschäftigt. Im Jahre 1899 wird die Firma von Diamond Match Company übernommen und läuft fortan unter dem Namen Fabrique d’allumettes Diamond S.A. Nyon. Die Diamond Match Company betreibt zu diesem Zeitpunkt bereits Zündholzfabriken in Ohio und Michigan in USA. Die frühesten Dokumente der neugegründeten Firma stammen vom 23.März 1901. Da musste die Schweizerische Zündholzkommission die eingereichten Rezepte der Firma beurteilen. Ebenfalls aus dieser Zeit sind Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Fabrikumbau bekannt. Auch die Zündholzfabrik Diamond gehörte zu denen die vom Kreuger-Imperium übernommen werden sollten. Im Jahre 1924 übernahm die Kreuger & Toll Corporation die Aktienmehrheit der drei Schweizer Betriebe Nyon Fleurier und Wimmis.
Im Jahre 1920 wurde unter dem Namen Etincelle AG eine zentrale Verkaufsstelle mit Sitz in Nyon gegründet.
Ab 1927 ist die Fabrik vollständig in Schwedischer Hand. Eric Widgren, Schwedischer Staatsangehöriger, wird zum technischen Direktor berufen. In dieser Zeit ist Diamond im Auftrag von Kreuger auch an Abkommen mit anderen Schweizerischen Zündholzfabriken beteiligt, mit dem Ziel diese abzufinden und die Produktionen stillzulegen.
Aus dem Jahr 1923 ist uns bekannt, dass in Nyon drei Komplettmaschinen installiert sind und damit 28'466 Kisten Zündhölzer hergestellt wurden. 1931 begann Nyon mit der Herstellung von Zündholzbriefchen unter der Marke „La Mouette“ und ab 1939 wurden die ersten völlig automatisch hergestellten Briefchen der Marke „Le Chamois“ auf den Markt gebracht. Die Etiketten der damaligen Zündholzschachteln trugen den berühmten Markennamen „Le Soleil“. Im Jahr 1938 erfolgt die Übernahme der Firma Fleurier. Damit gehen auch einige Warenzeichen und Etiketten an Diamond. 1958 wird eine der der beiden Komplettmaschinen stillgelegt und an deren Stelle eine achte Buchzündermaschine angeschafft.
Mit diesem Maschinenpark ist es möglich täglich 100'000 Buchzünder zu produzieren. Die Mitarbeiterzahl steigt Ende 1966 auf 200 an. 1975 erwirbt Diamond die Zündholzfabrik Terza in Unterterzen. Die dort bestehende Fabrikation wird nach Nyon verlegt. Im gleichen Jahr betrug die verarbeitete Holzmenge in Nyon 4'000 – 4'500 m3.
1976 steigt die Zahl der Buchzündermaschinen auf elf. Bei Diamond werden zu dieser Zeit noch 125 Mitarbeiter beschäftigt. Diamond ist nun noch die einzige Zündholzfabrik in der Schweiz. Der Rückgang beim Verbrauch von Zündhölzern, unter anderem durch die Expansion der Einwegfeuerzeuge, führt dazu, dass die Fabrik in Nyon am 31.12.1982 die Produktion einstellen muss. Sie wurde an die Belgische Firma Unal SA in Geraardsbergen verkauft. Alte Lagerbestände wurden noch unter dem Namen Diamond Nyon bis etwa 1990 verkauft.