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Wenn heute im allgemeinen Sprachgebrauch von Stammzellen die Rede ist, dann sind zumeist die embryonalen Stammzellen gemeint. Dieses sind Zellen, die sich in einem frühen Stadium nach der Teilung der befruchteten Eizelle ausbilden und die Eigenschaft haben, gemäss dem genetischen Programm sich in ganz unterschiedliche Zelltypen entwickeln zu können. Doch um diese embryonalen Stammzellen, mit omnipotenter Differenzierungsfähigkeit, geht es bei der Hauterneuerung nicht! Vielmehr handelt es sich um die sogenannten adulten Stammzellen, die sich als verschiedene Zelltypen und in unterschiedlicher Ausprägung im Körpergewebe befinden. Ähnlich wie die embryonalen sind aber auch adulte Stammzellen in der Lage, durch Zellteilung sich in andere Zelltypen umzuwandeln, doch ist diese Fähigkeit in viel geringerem Masse vorhanden. Adulte Stammzellen bilden zum einen Tochterzellen, die weiterhin die Stammzelleneigenschaften besitzen, zum anderen entstehen aber auch ausdifferenzierte Körperzellen. Je nachdem, um welchen adulten Stammzellentyp es sich dabei handelt und in welches Gewebeumfeld er gelangt, können bestimmte, festgelegte Gewebetypen generiert werden. Adulte Stammzellen haben also multipotente Differenzierungsfähigkeiten. Solche Stammzellen können z.B. zu einer Regeneration der Hautzellen beitragen, indem sie zurückgegangenes (oder zugrunde gegangenes) Gewebe ersetzten.
Gewinnung von Stammzellen aus Eigenfett
Adulte Stammzellen finden sich an unterschiedlichen Orten in unterschiedlichen Körpergeweben. Bis vor nicht allzu langer Zeit wurden sie vor allem aus dem Knochenmark extrahiert. Nun wurde festgestellt, dass sich im Fettgewebe etwa 500-mal mehr solcher multipotenter Stammzellen befinden als im Knochenmark. Und der Körper hat in der Regel nicht nur viel mehr an verfügbarem Fettgewebe, man kommt auch noch wesentlich leichter dran als ans Knochenmark. Durch eine eher unkomplizierte, operative Liposuction wird Fettgewebe z.B. aus dem Hüftbereich abgesaugt. In einem zweiten Schritt wird das entnommene Fettgewebe einem speziellen Verfahren unterworfen und dadurch aufbereitet. Es entsteht ein Zellcocktail, das sogenannte SVF („Stromal Vascular Fraction“), das reich an Stammzellen ist und dadurch enorme regenerative Fähigkeiten besitzt. Die Einsatzmöglichkeiten von SVF sind umfangreich; es kann z.B. zur Behandlung geschwächter Organe verwendet werden.
Was enthält das SVF?
Das durch Fettabsaugung entnommene Fettgewebe wird in einem aufwendigen Verfahren im Labor umgewandelt und aufbereitet. Dabei wird es sowohl zentrifugiert, als auch mittels spezieller Lösungen behandelt, wobei die Zellen aus dem Gewebe herausgelöst werden. Als Endprodukt erhält man das SVF. Es ist ein Gemisch aus unterschiedlichen Zelltypen: Es enthält neben den Stammzellen z.B. auch Fettzellen, Endothelzellen, die die Gefässbildung unterstützen sowie bestimmte Zellen, die eine Regeneration des Gewebes bewirken. Ähnlich wie der bei dem PRP-Verfahren („Platelet-Rich Plasma"
) erstellte Extrakt enthält das SVF auch epidermale Wachstumsfaktoren, die ebenfalls eine regenerative Wirkung haben.
Wo wird SVF eingesetzt?
Das Therapiepotential der SVF ist hoch. Weil es sich um ein noch relativ junges Verfahren handelt, werden die Einsatzmöglichkeiten von SVF in vielen potentiellen Bereichen erst erprobt und sind zurzeit noch in der klinischen Testphase. Es geht dabei z.B. um Diabetes, um Harnwegsprobleme, um Knochenfrakturen, um Osteoporose oder um Nervenerkrankungen - um nur einige der Behandlungsfelder zu nennen. Perspektivisch könnte SVF auch Krankheiten wie z.B. Arthrose oder Rheuma lindern oder sogar heilen. Bis es jedoch so weit ist, muss die Forschung besser verstehen lernen, wie das Zusammenspiel im Gewebe funktioniert, wie Stammzellen wachsen und wirken, und wie sie am optimalsten eingesetzt werden können.
Wie wird SVF in der kosmetischen Dermatologie verwendet?
Weil SVF allein aus körpereigenem Material, dem Fettgewebe, hergestellt wird, enthält es keine Stoffe, die vom Körper abgestossen werden können oder auf die das Immunsystem allergisch reagieren könnte. Als aufbereitetes Eigengewebe ist es von der Verträglichkeit her somit ein ideales Einspritzmittel. Unter die Haut injiziert, siedeln sich die Stammzellen und die weiteren, im SVF-Cocktail enthaltenen Zellen in der neuen Umgebung im Gewebe an. Die Stammzellen teilen sich und lassen Hautzellen entstehen; Wachstumsfaktoren tragen ebenso zu diesem Prozess bei. Fettzellen siedeln sich an und füllen sich auf. Somit kann bewirkt werden, dass sich das Hautgewebe regeneriert. Die Haut glättet sich zusehends, wird praller und fester. So können Gesichtsfalten oder Hautdefekte aufgefüllt werden. Auch das Volumen ganzer Körper- und Gesichtsbereiche kann mit SVF auf natürliche Weise angereichert werden.