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Der Fluch der Kennedys
- Freitag, 22. November 2013, 15:05 Uhr
Vor 50 Jahren wurde US-Präsident John F. Kennedy erschossen. Er ist nicht das einzige Mitglied der prominenten Kennedy-Familie, das gewaltsam ums Leben kommt.
Die Kennedys haben dem politischen und gesellschaftlichen Leben der USA während Jahrzehnten ihren Stempel aufgedrückt. Ihr Streben nach Macht und Anerkennung war legendär, ebenso ihre vielen Schicksalsschläge. Architekt der Kennedy-Dynastie war der schwerreiche Vater Joseph P. Kennedy.
Um die Kennedys rankt sich auch 50 Jahren nach dem Attentat auf John F. ein Mythos wie um kaum eine andere Familie auf der Welt. Die folgende Übersicht dokumentiert die tragische Geschichte der ersten «Royal Family» des demokratischen Amerikas.
Joseph P. Kennedy – der Patriarch
Er ist der strenge Vater der ehrgeizigen vier Kennedy-Söhne und gilt als einer der skrupellosesten Männer Amerikas. Joseph wird dank Insidergeschäften und Beteiligungen am Alkoholschmuggel steinreich und finanziert später die politische Karriere seines Sohnes John F. Es ist immer sein Traum, dass eines Tages einer seiner Söhne Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein würde. Kurz nach der Wahl Kennedys zum Präsidenten erleidet er 1961 einen Schlaganfall. In den letzten Lebensjahren kann er nicht mehr sprechen und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Der Patriarch stirbt 1969 im Alter von 81 Jahren.
Joseph P. Kennedy jr. – der Hoffnungsträger
Der grosse Hoffnungsträger der Familie Kennedy ist nicht John F., sondern sein älterer Bruder Joseph P. Kennedy jr. Für den Vater ist bereits früh klar, dass Joe jr. der geeignetere US-Präsident wäre. Er ist stärker, gesünder und brillanter als der verträumte John F. Doch Joe jr. stirbt 1944 im Zweiten Weltkrieg bei einem Flugzeugabsturz über dem Ärmelkanal. Fortan konzentriert sich der ehrgeizige Vater auf die Politkarriere seines zweiten Sohnes – John F. Kennedy.
John F. Kennedy – der US-Präsident
Am 20. Januar 1961 ist die Familie Kennedy auf dem Höhepunkt ihrer Macht. John F. Kennedy wird zum 35. Präsident der Vereinigten Staaten gewählt. Kennedy wird zum Hoffnungsträger der westlichen Welt. Er ist mit seinem guten Aussehen und seiner Redegewandtheit wie geschaffen für das anbrechende Fernsehzeitalter. Doch seine Präsidentschaft dauert schlussendlich nicht einmal drei Jahre. Vor 50 Jahren, am 22. November 1963, stirbt Kennedy auf einer Wahlkampfreise in Dallas, Texas. Um 12.30 Uhr wird er im offenen Wagen von mehreren Schüssen getötet. Der mutmassliche Mörder Lee Harvey Oswald wird zwei Tage später von Jack Ruby, Nachtclubbesitzer mit Verbindungen zur Mafia, erschossen – noch bevor es zu einer Anklage oder einem Gerichtsprozess kommt. Seither machen unzählige Verschwörungstheorien um den Tod von Kennedy die Runde.
Robert F. «Bobby» Kennedy – der Präsidentschaftskandidat
Nicht nur John F., sondern auch sein zweitjüngster Bruder Robert F. hat politische Ambitionen. John F. holt «Bobby» als Justizminister in sein Kabinett. Doch auch sein Leben endet früh. Als ambitionierter Präsidentschaftskandidat der Demokraten wird Robert 1968 Opfer eines Attentats. Kurz nach einer Dankesrede im Hotel Ambassador in Los Angeles wird er angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Der 43-Jährige erliegt einen Tag später seinen schweren Verletzungen. Als Täter wird der palästinensische Einwanderer Sirhan Bishara Sirhan verurteilt. Er sitzt noch heute im Staatsgefängnis in Kalifornien. Sein Tatmotiv waren angeblich die israelfreundlichen Äusserungen von Robert F. Kennedy.
Edward M. Kennedy – der erfolgreiche Senator
Schliesslich erreicht nur der jüngste der vier Kennedy-Bruder ein stattliches Alter. Aber mit sehr viel Glück: Edward entkommt 1964 nur knapp dem Tod. Er erleidet bei einem Flugzeugabsturz schwere Rücken- und Lungenverletzungen. Ein Mitarbeiter und der Pilot kommen ums Leben. Edward, genannt Ted, ist später ein einflussreicher langjähriger Senator der Demokraten. 2009 stirbt er an Krebs.
Jacqueline Kennedy Onassis – die Gattin
Grossen Anteil am Erfolg von John F. Kennedy hat seine Ehefrau Jacqueline. Auf unzähligen Fotos zelebriert die junge, moderne amerikanische Familie ihr Eheglück. Doch die Realität sieht anders aus: John F. Kennedy ist ein notorischer Fremdgänger. Unzählige aussereheliche Affären soll er gehabt haben – unter anderem mit Marilyn Monroe. Jackie Kennedy heiratet nach dem Tod ihres Mannes den 23 Jahre älteren, griechischen Grossreeder und Milliardär Aristoteles Onassis. Jacqueline Kennedy Onassis stirbt 1994 im Alter von 64 Jahren nach kurzer Krankheit an Krebs.
Patrick B. Kennedy – der frühverstorbene Sohn
Neben den vielen Affären ihres Ehemannes überschattet auch ein anderer Schicksalsschlag die Beziehung des Präsidentenpaares: Patrick B. – das dritte Kind von John F. und Jackie Kennedy – kommt 1963 sechs Wochen zu früh zur Welt. Der Sohn stirbt zwei Tage nach der Geburt.
Kathleen Kennedy – die Schwester
Nicht nur zwei Brüder von John F., sondern auch seine Schwester Kathleen kommt schon früh ums Leben. Kathleen und ihr Geliebter Peter Fitzwilliam stürzen 1948 in einem Kleinflugzeug über Saint-Bauzile in Frankreich ab. Auch ihr Geliebter, der Pilot und der Copilot überleben den Unfall nicht.
John F. Kennedy jr. – der Erbe
Die tragische Geschichte der Kennedys endet mit dem Tod von John F. Kennedy jr. Der Sohn von John F. stirbt noch jünger als sein Vater. 1999 kommt er 39-jährig bei einem Flugzeugunglück vor einer Insel in Massachusetts ums Leben. Er hatte gerade erst seinen Flugschein gemacht. Mit ihm sterben auch seine Frau Carolyn Besette Kennedy und deren Schwester. John F. Kennedy jr. galt einst als «Sexiest Man Alive».
Sendungsbeitrag zu diesem Artikel
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Elisabeth Bronfen über die Faszination JFK
Aus Rendez-vous vom 22.11.2013
John F. Kennedy: Der Mann, der die USA immer noch in seinen Bann zieht, wie kaum ein anderer amerikanischer Präsident, ermordet am 22. November 1963.
«Wie er in der Öffentlichkeit dargestellt wurde, war klares Kalkül», sagt Elisabeth Bronfen, Professorin für englische und amerikanische Literatur an der Universität Zürich. «Wie über den jetzigen US-Präsidenten Obama berichtet wird, ist auch abgeschaut bei Kennedy», so Bronfen im Tagesgespräch bei Urs Siegrist. «Der ganze Glanz um seine Person hat überdeckt, dass er den kalten Krieg nicht zurückgedreht, sondern im Gegenteil weitergedreht hat», sagt Elisabeth Bronfen im Tagesgespräch bei Urs Siegrist. Was sie über die Frage sagt, wer JFK ermordet habe, ein Einzeltäter oder doch eine bislang nicht bekannte Gruppe, hören Sie hier.
Urs Siegrist