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Einführung
„Wenn man einander schreibt, ist man wie durch ein Seil verbunden.“ – Franz Kafka
Auswandererbriefe waren im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein bemerkenswertes Phänomen und eine bedeutende Quelle. Ein Großteil der Auswandererbriefe stammt aus dem 19. Jahrhundert, einer Zeit, die von globaler Massenemigration geprägt war. Viele Deutsche verließen ihre Heimat, um in den USA ein besseres Leben zu führen und mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu haben, als es ihnen in Deutschland geboten wurde. Die deutschen Arbeiter verließen eine Welt, in der sie sich zurechtgefunden haben, selbst wenn es ihnen dort schlecht ging. Durch den bedeutenden Schritt der Auswanderung lebten sie fortan in einer neuen Gesellschaft, einem anderen Sprach- und Kulturraum, weit entfernt von ihrer vertrauten Umgebung - als Fremde, zumindest am Anfang. Auswandererbriefe stellten eine Brücke zwischen den Ausgangs- und Endpunkten ihrer Wanderung dar und waren ein wichtiges Medium des Kulturtransfers und der Sinnstiftung in Kontexten abrupter und häufig traumatisch wirkender Differenzerfahrungen. Seit den 1980er-Jahren wird der Quellenwert von Auswandererbriefen für die Migrationsgeschichte, die Soziolinguistik und die Soziologie diskutiert (Helbich, Kamphoefner & Sommer, 1988, S. 7-8).
Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum diese Briefe verfasst wurden. In erster Linie waren sie die einzige „direkte“ Möglichkeit für die Auswanderer, mit Familie und Freunden in der Heimat zu kommunizieren. Neuigkeiten und Informationen konnte man indirekt auch über Bekannte oder aus Zeitungen erfahren. Doch der private Brief war die einzige Option, um sich persönlich auszutauschen und zumindest die Schriftstimme des anderen zu „hören“. Tatsächlich bedeutete die Auswanderung im 19. Jahrhundert für viele eine Trennung auf Lebenszeit, da eine Reise zurück in die Heimat finanziell oft nicht möglich war. Die Briefe waren somit essentiell, um die Beziehungen zu Familie und Freunden aufrechtzuerhalten, was auch ihren besonderen Wert ausmacht. David Gerber sagt in seinem Buch Authors of Their Lives: The Personal Correspondence of British Immigrants to North America in the Nineteenth Century, dass persönliche Briefe intime Artefakte der Schreiber darstellen und zugleich ein schlechter Ersatz und eine Verkörperung derer ist, von denen sie getrennt sind (Gerber, 2008, S. 2).
Es ist tatsächlich schwierig, Emotionen aus den Briefen der Auswanderer herauszufiltern. Viele Schreiber waren unerfahren und hatten möglicherweise Schwierigkeiten, ihre Gedanken und Gefühle angemessen auszudrücken. Darüber hinaus war es in der damaligen Zeit möglicherweise nicht üblich, Emotionen in Schriftform auszudrücken. Aus diesem Grund sollten Leser vorsichtig sein, wenn sie versuchen, Emotionen aus diesen Briefen zu interpretieren. Es ist wichtig zu bedenken, dass der Kontext und die kulturellen Unterschiede zwischen damals und heute berücksichtigt werden müssen. Was für uns heute als „unemotional“ erscheinen mag, war damals möglicherweise eine angemessene Form des Ausdrucks. Daher ist es wichtig, bei der Interpretation von Briefen der Auswanderer vorsichtig zu sein und sich auf konkrete Aussagen und Fakten zu konzentrieren, anstatt in die Texte „hineinzuinterpretieren“ (Zalto, 2013, S. 69).
Nichtsdestotrotz versucht unsere Website herauszufinden, welche Adjektive und Verben in Auswandererbriefen verwendet wurden, um positive und negative Ereignisse zu schildern und welche orthographischen Besonderheiten sich im Vergleich zu heute feststellen lassen.