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Wer die FEI-Disziplin Endurance kennt und seit Jahren verfolgt, kennt auch diese Pferdenamen: Castlebar Nato, Ajayeb, Django, Eclipse, um nur einige wenige zu nennen. Ein weiterer unter ihnen war Castlebar Contraband - bis zum Rennen 2016 in Fontainebleau. Anfang Juni hatte die FEI in diesem Fall ein wegweisendes Urteil gefällt. Und nun doppelt der Internationale Sportgerichthof (CAS) in einem anderen Endurance-Fall nach. Meilensteine.
Die Fakten in der Medienmitteilung der FEI zum noch nie dagewesenen FEI-Urteil im Fall Castlebar Contraband lesen sich schon fast wie ein Krimi: Das Pferd Castlebar Contraband hat den CEI* in Fontainebleau 2016 nicht beendet und mit seinem Leben bezahlt. Der Schimmelwallach hatte im Wettkampf einen offenen Bruch des Röhrbeins erlitten und musste erlöst werden. In den Blutproben des toten Pferdes konnte die Substanz Xylazine nachgewiesen werden. Es ist ein Mittel, das betäubend, schmerzstillend und entspannend auf die Muskulatur wirkt und vom Körper rasch wieder ausgeschieden wird. Es ist bei der FEI als verbotene Medikation aufgeführt. Im Endurance-Sport wird es allerdings verbotenerweise eingesetzt, um die Herzfrequenz abzusenken.
Der oberste FEI-Veterinär, Göran Åkerström, hatte während der Anhörung erklärt, wie es zu den Knochenbrüchen kommen konnte. Mit Substanzen, die unempfindlich machen, werden Nerven in den Beinen blockiert, was die Sensibilität, die grundlegend als Schutz dient, ausschaltet. Die Pferde spüren keine Schmerzen mehr und auch sonst nichts. Das bedeutet, sie laufen ohne Anzeichen weiter, bis die Strukturen ihren Dienst versagen, bzw. die Knochen den hohen Belastungen nicht mehr standhalten können und brechen. Das Risiko von tödlichen Verletzungen steigt mit solchen Praktiken also erheblich.
Endlich handfeste Beweise
Laut der Medienmitteilung der FEI konnten bei der Obduktion von Castlebar Contraband diverse Einstichstellen gefunden werden, die zeigten, dass das Pferd im Training wie auch während des Wettkampfs wiederholt desensibilisiert worden war. Dies, kombiniert mit bereits vorhandener Arthrose im Fesselgelenk, habe dann zu Stressfrakturen geführt, die schliesslich das Todesurteil bedeuteten. Dass solche Behandlungen immer wieder durchgeführt würden, habe man schon lange vermutet, jedoch habe man bis zu diesem Fall keine handfesten Beweise dafür gehabt, so Åkerström in der Mitteilung. Als Folge werden die Obduktionen nun weitaus forensischer angegangen.
Das FEI-Gericht hat Sheikh Abdul Aziz Bin Faisal Al Qasimi somit wegen Tierquälerei sowie verbotener Medikation für 20 Jahre - also bis zum 27. Mai 2040 - gesperrt. Weiter muss er eine Geldstrafe von CHF 17 500.- sowie zusätzliche CHF 15 000.- für das Verfahren zahlen.
Rückblick: Wie alles begann
Anfang 2013 haben sich die damaligen Schweizer Kaderreiterinnen und -reiter sowie das Leitungsteam zusammengetan und den Schweizerischen Verband für Pferdesport SVPS gebeten, sich für einen ethisch vertretbaren Endurance-Sport weltweit einzusetzen. Der Sport soll mit Respekt für das Wohlbefinden der Pferde durchgeführt werden. So wurde die Bewegung «Clean Endurance» geboren. «Clean Endurance» hat zum Ziel, auf Missstände und Missachtungen der Reglemente aufmerksam zu machen. Im Mittelpunkt steht das Wohlbefinden der Pferde bis hin zu fairem Sport gegenüber Konkurrenten.
Im Vorfeld des Wunsches der Schweizer Endurance-Szene kamen immer mehr Missstände in dieser Disziplin zum Vorschein: tote Pferde, die während oder nach den Rennen einfach verschwanden, viele positive Dopingfälle, immer höhere Geschwindigkeiten, Schummeleien … Der SVPS hatte mehrfach mittels Briefen an die Fédération Equestre Internationale FEI sowie Medienmitteilungen auf die gravierenden Probleme aufmerksam gemacht.
Bundy - ein Bild, das bleibt
Ende Januar 2015 fand dann der bekannte «Presidents Cup» statt, und das Ganze kam wieder ins Rollen. Da das Rennen im Internet live übertragen wurde, konnten zwei Bilder gespeichert werden: Auf dem ersten sieht man ein dunkelbraunes Pferd in der Wüste straucheln. Auf dem zweiten steht der Reiter neben dem auf seinen beiden gebrochenen Vorderbeinen knienden Pferd. Es war Bundy. Seine Geschichte ging um die Welt, die endlich hinschaute!
Wohl auch unter dem Druck der massiven Kritik in den sozialen Medien reagierte am 26. Februar 2015 auch die FEI und stoppte die laufende Endurance-Saison in den UAE. Die letzten zwei Rennen unter der Ägide der FEI wurden abgesagt. Kurz darauf, am 6. März, wird bekannt, dass gewisse Rennen gar nicht stattgefunden hatten; zu Beginn war die Rede von zwei Rennen, im Laufe des Jahres waren es mindestens zwölf. Dies bedeutete, dass etliche Pferde die erforderten Qualifikationsrennen in Wahrheit gar nicht bestritten hatten. Dies brachte wohl auch bei der FEI das Fass endgültig zum Überlaufen: Die FEI suspendierte am 12. März 2015 den Pferdesportverband der Vereinigten Arabischen Emirate. Nachdem die UAE der FEI einen langen Massnahmenkatalog unterbreitet hatten, wurde die Suspendierung des Verbands am 27. Juli 2015 wieder aufgehoben.
Seither setzt sich ein beachtliches Team von Freiwilligen für «Clean Endurance» ein, sammelt Daten, verifiziert Resultate und Videomaterial und steht in engem Kontakt mit der FEI sowie nationalen Verbänden und Vereinigungen von Endurancereitern. Bisher konnten dank und mithilfe von «Clean Endurance» mehrere Fälle ans Licht gebracht, Verantwortliche verurteilt und entsprechend bestraft werden.
Erstmaliges Urteil des CAS
Ein weiterer Beweis, dass «Clean Endurance», die FEI sowie die nationalen Verbände und alle Endurancereiter und -reiterinnen, die für einen fairen und sauberen Sport kämpfen, auf dem richtigen Weg sind, ist das gegen Ende Juni verkündete Urteil des Internationalen Sportgerichthofs CAS. Es bestätigt ein Urteil der FEI, das vom betroffenen und verurteilten Reiter Al Ghailani angefochten wurde. Er und seine Grooms hatten das erschöpfte Pferd Sarab (Radja d›Altus) bei einem 160-Kilometer-Rennen in Abu Dhabi getreten und schikaniert. Die FEI hatte den Reiter vor einem Jahr wegen Missbrauch des Pferdes mit einer zwölfmonatigen Sperre und einer Geldstrafe sanktioniert - was der Internationale Sportgerichtshof mit seinem Entscheid und einer leichten Anpassung (acht Monate Sperre, dafür eine zusätzliche Geldstrafe von CHF 3000.-) nun unterstützte.
Nicole Basieux
Suzanne Dollinger
ehemalige langjährige Chefin Sport im Leitungsteam Endurance des SVPS
Ich finde es gut, dass die FEI endlich durchgreift. Schade, dass es erst jetzt geschieht, nachdem die FEI etliche und vielfach unnötige Reglementsänderungen auf Kosten der ‹sauberen› Reiter durchgesetzt hat, anstatt von Beginn weg die seit vielen Jahren offensichtlichen Übeltäter auszuschalten.
Sandra Padrutt
Kaderreiterin
Ich habe den Fall mitbekommen und fand das Urteil recht ungewöhnlich, da die FEI normalerweise einiges ‹grosszügiger› ist in solchen Fällen, oder es zumindest bisher war. Es ist jedoch endlich mal ein Schritt in die richtige Richtung. Ob deswegen jetzt längerfristig mehr eingegriffen und so entschieden wird, bleibt abzuwarten. Allerdings wird genau dieser Reiter sicher in Dubai weiter an nationalen Rennen reiten, von daher ist für die Pferde leider nicht viel gewonnen. Es wird für die Zukunft meiner Meinung nach ganz wichtig sein, dass die Strafen noch weiter angepasst werden. Nur den Reiter zu sperren, bringt bei der ganzen Problematik wenig; die Besitzer, Trainer und Ställe gehören miteinbezogen in die Urteile, und die müssen hart sein.
Karin Kollmer
Disziplinleiterin Endurance des SVPS
Dieses Urteil ist ein absolut richtiges und wichtiges Statement der FEI für unseren Endurance-Sport. Jedoch hätte die FEI bereits vor Jahren reagieren müssen. Leider wird es aber diese Jockeys nicht davon abhalten, weiterhin skrupellos auf Kosten der Pferde nach Ruhm und Ehren des Sheikhs Mohammed zu lechzen. Der verurteilte Sheikh Abdul Aziz Bin Faisal Al Qasimi bezahlt die auferlegte Busse wohl aus seiner Portokasse, und die Vermutung liegt nahe, dass er künftig auf nationale Rennen umsattelt, wo die eingekauften Offiziellen und Vets schon mal beide Augen zudrücken.
Bereits in der letzten Saison der Gruppe 7 wurde die Mehrheit dieser ‹desert races› unter nationalen und nicht unter FEI-Richtlinien ausgetragen, was durchaus auch als ein Statement gegenüber der FEI ausgelegt werden kann. Ist das eventuell ein langsamer Schritt in Richtung einer geplanten Absplittung?
Gaby von Felten Ginesta
Chefin Sport des Leitungsteams Endurance des SVPS
Es ist ein später und harter Entscheid, der eventuell ein paar Leute vom Missbrauch abhalten wird. Ob es die Gruppe 7 einschüchtern wird, sei dahingestellt. Respekt vor dem Tier hat man oder hat man nicht.
Charles Trolliet
Präsident des SVPS
Das Urteil des FEI-Tribunals ist das Ergebnis eines langen Verfahrens, da die Vorgänge fast vier Jahre zurückliegen. Die Hartnäckigkeit all derer, die sich mit diesem Fall befassten, um an die Wahrheit zu gelangen, ist lobenswert. Leider war es aus rechtlichen Gründen nicht möglich, alle Verantwortlichen für diese tragischen Ereignisse zur Verantwortung zu ziehen und zu bestrafen. Jedoch zeigt diese Verurteilung wie auch die kürzlich vom Internationalen Sportgerichthof (CAS) bestätigte weitere Verurteilung, dass die FEI und durch sie die gesamte Welt des Pferdesports nicht mehr bereit ist, die Augen vor solch unsäglichen Misshandlungen, wie sie 2016 in Fontainebleau beobachtet wurden, zu verschliessen.