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Das zuletzt als Gefängnis genutzte Stiftskloster wurde 1999 zu einem Hotel umgebaut. Im Lohnhof gelegen, befindet es sich in einem der wohl ältesten Gebäudekomplexe Basels. Während der ehemalige Männertrakt durch die Architekten Morger & Degelo zum Musikmuseum umgenutzt wurde, sind der ehemalige Frauentrakt und die Räume der Staatsanwaltschaft von den Architekten Buol & Zünd zu einem Hotel mit Restaurant umfunktioniert worden.
„Au Violon“, der Name des Hotels, spielt mit seiner Doppelbedeutung. „Au Violon“, übersetzt „Auf der Geige“, spielt einerseits auf die Nähe zur Musikakademie und zum Musikmuseum an. Der umgangssprachliche Ausdruck „aller au violon“, also „ins Gefängnis gehen“, verweist andererseits auf die ehemalige Nutzung des Gebäudes.
„Die Einfühlungsästhetik droht hier zuweilen ins Beliebige und Geschmäcklerische abzugleiten – wer Altes nachempfindet, setzt sich der Gefahr aus, nicht das Neue zu nobilitieren, sondern das Alte zu eliminieren“, schreibt Hubertus Adam über das „hotel brasserie au violon“.
Von langen Gängen aus gehen die einzelnen Zimmer ab. Die Türen, welche den Originalmassen der ehemaligen Zellentüren entsprechen, sind gerade hoch genug, um die Zimmer mit eingezogenem Kopf zu betreten. Breite Koffer passen nur seitwärts durch die Tür. Markante Blendrahmen und dicke Mauern inszenieren den Eintritt in die Zimmer. Die ehemalige Nutzung bleibt hier spürbar. Zwei Zellen wurden jeweils zu einem Zimmer zusammengefügt. Jedes Zimmer ist in einer eigenen Farbe gestrichen. Von Gelb zu Rot und von Grün zu Blau. Die Farbabfolge folgt der Farblehre Goethes. Gegenläufig angeordnet und um eine Einheit verschoben, kommen in jedem Zimmer zwei unterschiedliche Farbtöne zur Anwendung. Jedes der insgesamt zwanzig Zimmer bekommt so einen individuellen, farblichen Charakter.
Die Verbindung nach aussen stellt neben den zwei Zellenfenstern ein zusätzliches raumhohes Fenster her. Es ermöglicht sowohl den Blick zum Himmel als auch in den Hof nach unten. Es befindet sich an der Stelle, wo die ehemalige Zellenwand zwischen den zwei Räumen auf die Fassade traf. Die durch die Zellenfenster strukturierte Fassade wird so um ein weiteres Element ergänzt. Die Umnutzung des Gebäudes wird so von aussen erkennbar.
Das Geländer aus Gusseisenteilen wurde von den Architekten Buol & Zünd eigens für das Fenster entworfen. Es stellt eine Neuinterpretation des ursprünglich floralen Motivs in den Fenstergittern der St. Leonhardskirche dar, das seinerseits aus gotischer Zeit stammt. Ein feinfühlig gestaltetes Element, welches sich gut in das Bild der Fassade einpasst.
Mit der erhaltenen Zellenstruktur, den dicken Mauern, dem Erhalt der einzelnen Zellenfenstern bleibt „das Alte“ weiterhin klar erkenntlich. Das einzelne Element des Geländers ist für den Laien nicht direkt von den gotischen Originalen zu unterscheiden. Dennoch sind die neuen Elemente feinfühlig integriert und akzentuieren den Bestand. So betont der dicke Blendrahmen den Eintritt in die ehemalige Zelle, das raumhohe Fenster verweist auf die Zelltrennwand und das Geländer ergänzt die Fassade in passendem Stil. Von Beliebigkeit oder Eliminieren kann nicht die Rede sein.
Projektinfo
Standort: Im Lohnhof 4, Basel
Baubeginn: 1996
Fertigstellung 1999
Preise: Auszeichnung Guter Bauten Basel, 2002
Architekten: Buol&Zünd Architekten BSA, Basel
Text: Marco Blecher / Architektur Basel
Pläne: Buol & Zünd Architekten BSA, Basel
Fotos: Georg Aerni
Quellen: Hubertus Adam: „Nachhall der Historie“, NZZ, 05.01.2001
(https://www.nzz.ch/article6YA6V-1.450841)