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Die Empfehlungen zur optimalen Kälberfütterung haben sich innerhalb der letzten 20 Jahre stark gewandelt. Bei der Tränkemenge gilt heute: «Viel bringt viel» – das haben diverse Studien weltweit bestätigt, auch in der Schweiz. Die frühe Aufnahme von Festfutter ist nach wie vor wichtig, sollte aber in den ersten vier Lebenswochen auf keinen Fall in Konkurrenz mit der Milchaufnahme stehen.
Weniger ist nicht mehr
Das Ernährungsniveau während den ersten Lebenswochen beeinflusst den Stoffwechsel ein Leben lang und wird als metabolische Programmierung bezeichnet. Bereits 2005 zeigten Untersuchungen, dass Kälber, die in den ersten acht Lebenswochen mehr Milch erhalten, mehr Euterzellen bilden. Wird die Nährstoffversorgung erst ab der neunten Lebenswoche intensiviert, zeigt sich kein Effekt mehr auf die Euterzellen. Daraus lässt sich folgern, dass die intensiv getränkten Kälber später als Milchkuh mehr Milch geben. Ein Versuch der Liebegg zusammen mit UFA aus dem Jahr 2016 konnte diese These unter Schweizer Verhältnissen bestätigen. Auf zwei Betrieben zwischen 2013 und 2016 geborene Kälber wurden auf beiden Betrieben jeweils in zwei Gruppen geteilt und mit unterschiedlichen Milchmengen getränkt. Alle Kälber wurden auf dem selben Aufzuchtbetrieb aufgezogen, um gleiche Bedingungen zu schaffen. Das Verfüttern von drei Liter mehr Milch (9 vs. 6 l) während den ersten sieben Lebenswochen, führte zu einer rund 200 kg höheren Milchleistung während der ersten Laktation.
Start zur Futteraufnahme
Eine frühe Futteraufnahme erleichtert nicht nur das Absetzen, sondern verhindert den Wachstumsknick kurz danach. Die jungen Kälber sollten aber nicht zur Futteraufnahme gezwungen werden, indem sie wegen restriktiver Milchgabe hungern müssen. Das vorgelegte Futter muss so gut schmecken, dass die Kälber Lust bekommen, es zu fressen. Intensiv getränkte Kälber beginnen zwar später, Festfutter aufzunehmen, jedoch haben diese während und nach dem Absetzen einen höheren Futterverzehr als restriktiv getränkte Kälber. Dies ist wichtig, um die fehlenden Nährstoffe der Milch beim Absetzen kompensieren zu können. Das Umstellen auf die Ernährung ohne Milch stresst die Kälber. Stress schwächt in jedem Fall das Immunsystem und macht die Tiere krankheitsanfälliger. Zudem ist der Nährstoffbedarf in Phasen von Stress erhöht. Darum ist eine ausreichende Nährstoffdeckung via Festfutter besonders wichtig, weshalb die Kälber früh in der Tränkephase an Festfutter gewöhnt werden müssen.
UFA Junior Support – Das Konzept für den Aufzuchtprofi
Um das Ziel von langlebigen Kühen mit hoher Lebendtagleistung zu erreichen, bietet UFA Junior Support alle nötigen Empfehlungen und Hilfsmittel. Dazu gehören die richtige Kolostrumversorgung, UFA-Aufzuchtmilchen und UFA-Wirkstoffergänzungen für die jungen Kälber, spezifische Aufzuchtfutter mit ProRumin und ein Fütterungsplan, abgestimmt auf das Erstkalbealter. Dieses Gesamtkonzept bietet jedem Betrieb die Möglichkeit, am Schluss der Aufzucht gesunde und leistungsfähige Kühe zu erhalten.
Gleichmässig und schmackhaft
Um den Absetzstress möglichst gering zu halten, ist eine gleichmässige und konstante Fütterung von grosser Bedeutung. Dabei sollte die Versorgung mit ausreichend Rau- und Kraftfutter gewährleistet werden. Silagen und andere Futtermittel mit tiefem TS-Gehalt sind in den ersten sechs Lebensmonaten nicht zu empfehlen. Hofeigene Mischungen, zum Beispiel aus Heu, Luzerne, Molablend und Kraftfutter eignen sich sehr gut. Diese Mischung ist einfach herstellbar, mehrere Wochen lagerfähig und garantiert eine konstante und gleichmässige Aufnahme der Nährstoffe. Werden Kraftfutter und Heu separat angeboten, besteht das Risiko, dass nicht genügend Heu, aber viel Kraftfutter aufgenommen wird. Werden die Futterkomponenten vermischt, verlängert sich die Fresszeit und die Kälber sind dadurch länger mit Fressen beschäftigt. Wichtig bei einer Mischung ist, dass das Kraftfutter nicht selektioniert werden kann. Aus diesem Grund bietet sich der Einsatz von einem Melassegemisch bestens an, wodurch das Kraftfutter am Raufutter haften bleibt.
Achtung Pansenazidose
Auch Kälber können bereits früh an einer Pansenazidose leiden und irreversible Schäden an der Pansenwand und den Pansenzotten davontragen. Zudem wird die Futteraufnahme bei einem tiefen Pansen-pH reduziert. Mit dem Verfüttern von Festfutter wird nicht nur das Pansenvolumen erweitert, sondern auch die Bildung von Pansenzotten gefördert. Frisst das Kalb, bilden sich im Pansen flüchtige Fettsäuren. Essigund Propionsäure werden absorbiert und dienen dem Kalb als Energiequelle. Buttersäure wird für die Zelldifferenzierung der Pansenwand benötig und trägt zur Entwicklung der Pansenzotten bei. Werden zu viele flüchtige Fettsäuren gebildet, steigt die Gefahr einer Pansenazidose. Dies kann bei hohen Kraftfuttergaben oder falschem Kraftfutter mit viel schnell fermentierbaren Kohlenhydraten der Fall sein.
Das vorgelegte Futter muss so gut schmecken, dass die Kälber Lust bekommen, es zu fressen.
Pansenazidose bei Kälbern untersucht
In einem Versuch der University of Wisconsin-Madison im Jahr 2019 mit zwanzig pansenfistulierten Kälbern wurde die Auswirkung von Pansenazidosen bei Kälbern untersucht. Zehn Kälber erhielten während den ersten 16 Lebenswochen ein stärkereiches (427 g/kg) und NDF-armes (151 g/kg) Kälberstarterfutter, welches eine Pansenazidose hervorrufen soll. Die anderen zehn Kälber erhielten ein Kälberstarterfutter mit 353 g/ kg Stärke und 253 g/kg NDF, welches die Pansenazidose reduzieren soll. Beide Gruppen wurden gleich getränkt und erhielten das Kraftfutter ad libitum bis zu einem Maximum von 4,5 kg pro Tier und Tag. Grundsätzlich haben Kälber einen tieferen Pansen-pH als ausgewachsene Kühe. Am 35. Lebenstag liegt der pH im Pansen normalerweise bei 5,3, am 50. Lebenstag bei 5,7 und am 70. Lebenstag bei 6,0. Während den 16 Versuchswochen hatten die Kälber mit dem stärkereichen Kraftfutter einen durchschnittlichen Pansen-pH von 5,37 und die Kälber mit dem NDF-reichen Kraftfutter einen Wert von 5,63.
Die Durchschnittswerte zeigen, dass beide Kälbergruppen unter einer Pansenazidose litten. Jedoch war diese bei der Gruppe mit stärkereichem Kraftfutter ausgeprägter. Kälber litten also häufiger unter Pansenazidose, wenn sie ein Kraftfutter mit viel fermentierbaren Kohlenhydraten erhielten. Zudem hatten die Kälber einen tieferen TS-Verzehr. Die Autoren weisen darauf hin, dass beiden Kälbergruppen kein Raufutter verabreicht wurde, obwohl dies fördernd ist für die Wiederkauaktivität und die dadurch entstehende Pufferung via Speichel hilft, Pansenazidose bei Kälbern zu verhindern. Sehr interessant am Versuch war, dass die Kälber ihre Futteraufnahme dem jeweiligen Kraftfutter anpassten. So frassen die Kälber mit dem NDF-reichen Kraftfutter in der 16. Lebenswoche rund 90 Prozent der vorgelegten Menge innerhalb der ersten zwei Stunden nach Futtervorlage. Die Kälber mit dem stärkereichen Kraftfutter nahmen dieses in mehreren Portionen über den ganzen Tag auf. Dies liess den Schluss zu, dass Kälber, je nach Auswirkung auf den Pansen, ihr Fressverhalten anpassen können. In Bezug auf die Fütterungspraxis lässt sich erkennen, dass sich eine Mischung aus Rau- und Kraftfutter für die Kälber sehr gut eignet. So kann das Pansenmilieu stabil gehalten werden, ohne dass es zu grösseren pH-Schwankungen im Pansen kommt.
UFA-Kälbermash
Mit der hofeigenen Mischung UFA-Kälbermash werden die Kälber optimal versorgt. Dazu können die eigenen Raufutter verwendet werden. UFA-Kälbermash besteht aus:
- 20 bis 25 Prozent Dürrfutter (Heu)
- 10 bis 20 Prozent Luzerne
- 50 bis 60 Prozent UFA 118F Aufzuchtfutter
- 6 bis 7 Prozent UFA-Molablend
Die Mischung ist mehrere Wochen lagerfähig und kann daher auf Vorrat gemischt werden, was den Arbeitsaufwand minimiert. Durch den Melassezusatz UFA-Molablend bleibt das Aufzuchtfutter am Raufutter haften, so dass den Kälbern stets eine homogene Mischung zur Verfügung steht.