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Wer sich zum ersten Mal zu Sunami Frisuren begibt, findet das Coiffeurgeschäft erst auf den zweiten Blick. In einem wie von der Zeit vergessenen Hinterhof nahe der umtriebigen Kalkbreitestrasse steht das ehemalige Gebäude einer Giesserei aus den 1920er-Jahren. In dem schlichten Satteldachhaus mit der hohen Decke hat sich Sead Bayhan mit seinem Haarsalon niedergelassen. Der erstaunlich helle Raum, der modern nüchtern eingerichtet ist, wirkt wohlig warm.
Seit 1999 gibt es Sunami bereits, davon alleine 17 Jahre an der Köchlistrasse 29. Sead kam aus einer Laune heraus zu seinem Beruf. Weil er, wie er sagt, «etwas Handwerkliches» machen wollte, stellte er sich nach seiner Schulzeit spontan beim versierten Coiffeurmeister Carlo Guidi vor, ohne Curriculum Vitae und ohne Bewerbungsschreiben. Guidi, von so viel Chuzpe beeindruckt, stellte Sead ad hoc ein.
Sead kam aus einer Laune heraus zu seinem Beruf.
Heute sieht Sead seine Ausbildung bei Guidi als Grundstein für seinen Erfolg als Coiffeur. Sein Lehrmeister war in den 60er-Jahren nach England gereist, um beim Haar-Design-Revolutionär, Star-Friseur und späteren Commander of the British Empire Vidal Sassoon das neue Haareschneiden zu lernen. Vor Sassoon hatte man die Haare freihändig geschnitten und so versucht, die definierte Form der Frisur zu erreichen. Mit dem Ergebnis, dass eine Frisur nie lange hielt und somit bald der nächste Termin beim Friseur anstand. Das änderte sich mit Sassoon, der den geometrischen Haarschnitt erfand. Die Frisuren folgten nun einem klaren Aufbau, einem Schnittmuster.
«Eine Welle, die alles überschwemmt, schien uns damals ein faszinierendes Bild für unser neues Unternehmen.»
Kurz nach der erfolgreich abgeschlossenen Lehre gründete Sead zusammen mit seinem Bruder Edin seine eigene Firma: Sunami Frisuren. Der Name, sagt Sead, sei ein reines Fantasieprodukt. «1999 war das Phänomen Tsunami bei weitem nicht so bekannt wie nach der schrecklichen Katastrophe von Thailand und Sri Lanka im Jahr 2004. Und eine Welle, die alles überschwemmt, schien uns damals ein faszinierendes Bild für unser neues Unternehmen», erinnert sich Sead. Dem Erfolg schadete die exotische Namenswahl jedenfalls nicht.
Sead schneidet aber nicht nur Haare, sondern legt in Zürich auch regelmässig als DJ auf. Das verdankt Sead einem Freund, der ihn und seine Lebenspartnerin bat, sich während eines Zwischennutzungsprojekts im ehemaligen Stripclub St. Pauli um die Musik zu kümmern. Während des rund 18-monatigen Provisoriums organisierten die beiden zahlreiche Live-Konzerte und Sead begann damals, live Tracks zu mischen.
Als diese Phase des St. Pauli endete, eröffnete gleich gegenüber der Club Gonzo. Und auch dort wurde nach DJ John Doe, wie Sead mit Künstlernamen heisst, verlangt. Mit den Jahren folgten Auftritte in angesagten Clubs wie dem Plaza, dem Mascotte oder während des Street Food Festivals oder des Weihnachtsdorfs auf dem Sechseläutenplatz.
Sead gibt sein Wissen in einem kleinen Yoga-Studio und unter anderem auch Hausbesetzern in Zürich weiter.
Entspannen kann Sead beim Yoga. Ein Physiotherapeut, der ihn als junger Mann wegen einer fussballbedingten Knieverletzung behandelte, riet ihm zu Yoga als Langzeitrehabilitation. Zufälligerweise fand er via Zeitungsinserat die Adresse des kosmopolitischen Yoga-Meisters Leopoldo Chariarse in Spanien und liess sich von ihm in Spanien und Deutschland zum Lehrer des Kaschmirischen Yogas in der Tradition des französischen Mystikers Jean Klein ausbilden.
Sead gibt sein Wissen in einem kleinen Yoga-Studio und unter anderem auch Hausbesetzern in Zürich weiter. Diese Yoga-Lektionen finden «auf einem schönen, aber luftigen» Dach einer gekaperten Werkstatt statt. «Wenn es die Temperaturen erlauben, bis Ende Oktober.»