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Kalender
Bestand
367 Einblattdrucke des 15. bis 20. Jahrhunderts, davon 2 Blätter aus dem 15., 70 aus dem 16., 110 aus dem 17., 154 aus dem 18., 29 aus dem 19. und 2 aus dem 20. Jahrhundert.
Beschreibung
Die Bezeichnung Kalender geht auf das spätlateinische Wort «calendarius» zurück, das sich mit «Zeitweiser durchs Jahr» übersetzen lässt. Die Graphische Sammlung besitzt rund 40, teils fragmentarisch erhaltene Einblattkalender, die im 16. Jahrhundert in den Zürcher Offizinen von Froschauer, Fries, Gessner oder Wolf entstanden sind. Die einseitig, in grossen Formaten gedruckten Blätter werden auch Wandkalender genannt, da sie für das Anbringen an der Wand bestimmt waren. Sie können ärztliche, moralische, astrologische und prognostizierende Anweisungen enthalten. In der Kopfleiste erscheinen als Schmuckelemente figürliche Szenen aus der Bibel, Allegorien oder Darstellungen aus der Geschichte. In den Randleisten finden sich Illustrationen zu den in den einzelnen Monaten anfallenden Arbeiten, kleine Holzschnittszenen aus der Bibel, Wappen, Planetenbilder und Aderlassmännchen. In den so genannten Bauern- oder Mandlkalendern sind die Monatsdaten anders als in den bürgerlichen Kalendern durch schwarze Dreiecke für die Werktage und rote Welthalbkugeln für die Sonntage gekennzeichnet. Kleine Figuren bezeichnen die wichtigsten kirchlichen Festtage. Bei den bürgerlichen Kalendern sind die Tage der Monate numerisch verzeichnet. Die feinere Unterteilung der Wochentage mit den entsprechenden Namen der Heiligen erfolgt durch Buchstaben. Die aufgeführten Zitate aus der Bibel sind durch kleine Bildszenen illustriert. Unter den 52 Deutschschweizer Regimentskalendern befinden sich 41 weltliche und 11 geistliche. Regimentskalender sind Vorläufer der Staatskalender, die seit dem 17. Jahrhundert politische, militärische und geistliche Ämterlisten aufführten. Viele Regimentskalender zeigen eine Ansicht des betreffenden Ortes oder eine Allegorie in der Kopfleiste. Sie können aber auch die Wappen der regimentsfähigen Geschlechter sowie der Ämter und Vogteien enthalten. Die 206 Staatskalender ausländischer Provenienz betreffen mehrheitlich Frankreich. Sie stammen aus der zweiten Hälfte des 17. und dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Die Blätter glorifizieren unter anderem den Sonnenkönig und seine militärischen Siege, geben Festdarstellungen wieder oder zeigen den jungen Ludwig XV. Andere Kalender verherrlichen Philipp V. von Anjou, 1700–1746 König von Spanien. Die Wandkalender des 19. Jahrhunderts stellen häufig allegorische und historische Szenen dar, die von Orts- und Gebäudeansichten umgeben sind. Regimentskalender sind sowohl unter dem Ordnungsbegriff «Kalender» als auch unter der Rubrik «Varia» abgelegt. Buchkalender sind in der Abteilung Alte Drucke und Rara unter der Signatur KAL zu finden.
Literatur
Manfred Vischer, Zürcher Einblattdrucke des 16. Jahrhunderts (Bibliotheca Bibiliographica Aureliana CLXXXV), Baden-Baden 2001; Ursula Baurmeister, Einblattkalender aus der Offizin Froschauer in Zürich. Versuch einer Übersicht, in: Gutenberg-Jahrbuch, 1975, S. 122–135; Hellmut Rosenfeld, Kalender, Einblattkalender, Bauernkalender und Bauernpraktik, in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, 1962, S. 7–24; Paul Leemann-van Elck, Die Offizin Froschauer. Zürichs berühmte Druckerei im 16. Jahrhundert (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Bd. 33, H. 2), Zürich 1940.