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In der Bibliothek-Mediathek verfügbar unter der Signatur: LEE
"Wer die Nachtigall stört" auf Deutsch und Englisch verfügbar
Atticus Finch, der Feigling
«Gehe hin, stelle einen Wächter» wirft neues Licht auf «Wer die Nachtigall stört»
Nur wenige literarische Figuren sind derart zur Ikone geworden wie der aufrechte Südstaatenanwalt Atticus Finch. Er ist, neben der Erzählerin Scout, die Hauptfigur im Klassiker «Wer die Nachtigall stört», der von Robert Mulligan 1962 kongenial verfilmt wurde. Wer den Film gesehen hat, wird sich diese Figur mit dem merkwürdigen Vornamen sofort vor Augen halten können. Ein grosser Mann, dunkles Haar, runde Brille. Etwas bieder, etwas brav, aber die Korrektheit und Standhaftigkeit in Person. Er verteidigt einen Schwarzen vor Gericht, dem vorgeworfen wird, eine Weisse vergewaltigt zu haben, und lässt sich auch von einem Lynchmob nicht beirren.
«To Kill a Mockingbird» – wie das Buch im Original heisst – wurde von der gebürtigen Südstaatlerin Harper Lee geschrieben und erschien im Juli 1960. Es wurde zu einem der meistverkauften Romane in den Vereinigten Staaten; war aber vielen Konservativen ein Dorn im Auge. Dass es grosse Anerkennung fand, ist kein Zufall, betrachtet man den zeitlichen Rahmen. Die 60er-Jahre waren das Jahrzehnt der Rassenunruhen. Die Schwarzen setzten schliesslich ihr Recht durch, gleichwertig behandelt zu werden, gleiche Rechte auf Bildung zu haben, vor allem. Das entsprach der Botschaft des Romans.
Harper Lee hat danach nie mehr ein Buch veröffentlicht. Bis am 14. Juli dieses Jahres «Gehe hin, stelle einen Wächter» auf den Markt kam. Ob dies dem Wunsch der Autorin entspricht, ist offen. Es gibt widersprüchliche Darstellungen. Die einen sagen, ihre Anwältin Tonja Carter habe sie dazu überredet und dies sei ihr gelungen, weil Lee, mittlerweile 89, nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sei. Dafür spreche auch, dass der Entscheid, das Buch überhaupt zu veröffentlichen, kurz nach dem Tod von Lees Schwester gefallen sei, die sich offenbar immer dagegen ausgesprochen hatte. Andere bestreiten dies. Harper Lee sei nicht überredet oder ausgetrickst worden, sondern habe sich bewusst dafür entschieden, den alten Text nicht länger unter Verschluss zu halten.
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In der Bibliothek-Mediathek verfügbar unter der Signatur MACE
Blut – ein heiliges Gut
Es geht um nicht weniger als um Leben und Tod beim Urteil, das die Richterin Fiona Maye fällen muss. Eine heikle Aufgabe, die auch ihr persönliches Leben beeinflusst.
Im neusten Roman «Kindeswohl» von Ian McEwan muss die Richterin Fiona Maye eine schwierige Entscheidung fällen. Sie ist Richterin am Londoner High Court, ihre Spezialität ist Familienrecht. Oft sind es heikle Fälle, über die sie urteilen muss, nicht selten verbunden mit religiösen Fragen. Die Religion spielt auch in ihrem aktuellen Fall eine massgebende Rolle.
Essenz des Menschlichen
Im Zentrum des aktuellen Prozesses steht das Kindeswohl eines Siebzehnjährigen. Der an Leukämie erkrankte junge Mann benötigt dringend Bluttransfusionen. Die Klinik gelangt an das Gericht, weil sie sich absichern muss, um die Bluttransfusionen gegen den Willen der Eltern durchführen zu können. Die Eltern, wie auch der junge Mann selber, verweigern als Zeugen Jehovas die Transfusionen: «Blut ist die Essenz des Menschlichen. Es ist die Seele, es ist das Leben selbst. Und so wie das Leben ist auch das Blut heilig.»
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Nichts für schwache Nerven! Die Geschichte spielt sowohl in der Gegenwart wie auch in der Vergangenheit zweier Brüder, die tatsächliche diese sprichwörtliche „furchtbare Kindheit“ erlebten. Extrem berührt hat mich der ältere Bruder, der als Heroin-Junkie alles gibt, um seinem Sohn ein guter Vater zu sein. Er ist dem Leser so sympathisch in seinen Bemühungen! Ständig hat man aber auch Angst um seinen Sohn, und befürchtet andauernd das schlimmste. Was dann ja auch passiert. Beklemmend, verstörend und gewalttätig. Aber absolut lesenswert.
Sandra Rauber
Verfügbar in der Bibliothek-Mediathek unter der Signatur ERDR
Im Sommer 1988 wird die Mutter des 14-jährigen Joe Coutts Opfer eines brutalen Verbrechens. Sie schließt sich in ihrem Zimmer ein und verweigert die Aussage. Vater und Sohn wissen nicht, wie sie sie zurück ins Leben holen können. Da sich der Überfall auf der Nahtstelle dreier Territorien ereignet hat, sind drei Behörden mit den Ermittlungen befasst. Selbst Joes Vater sind als Stammesrichter die Hände gebunden. So beschließt Joe, den Gewalttäter selbst zu finden. Mit seinen Freunden Cappy, Angus und Zack unternimmt er teils halsbrecherische, teils urkomische Ermittlungsversuche. Bei seiner aufreizenden Tante und im Kreis katholischer Pfadfinderinnen begegnet er der Liebe und in alten Akten dem Schlüssel des Verbrechens.
Verfügbar in der Bibliothek-Mediathek unter der Signatur : FLÜK
Hundehaufen im Garten Eden
In der Romandie hat sie schon vier Bücher publiziert, erstmals liegt nun ein Roman von ihr in deutscher Übersetzung vor: Isabelle Flükiger schreibt mit grosser Leichtigkeit und Selbstironie von der Angst vor der Mittelmässigkeit.
Er produziert einen Haufen Scheisse, und zunächst ist das ganz wörtlich zu verstehen: der allerliebste kleine Hund mit dem braunen Fleck um das eine Auge, der Feinschmecker ist und Hundefutter verabscheut und ein Schild mit dem Namen Gabriel um den Hals trägt. Fröhlich sitzt er da, hat schon den zweiten Haufen gemacht, doch dieser findet keinen Platz mehr in der mitgenommenen Plastiktüte. Und nicht eingesammelte Hundehaufen sind der vermeintliche Super-GAU in Schweizer Vorgärten, auf Trottoirs und abgesteckten Wegen.
Leben in Möglichkeitsform
Abgesteckt ist der Weg des jungen Paares, dem die Westschweizer Autorin Isabelle Flükiger in ihrem Buch den Hund mit dem Engelsnamen zulaufen lässt. Er ist Französischlehrer, sie, die Ich-Erzählerin, Sekretärin in einer staatlichen Kultureinrichtung: «Was soll man machen. Wir haben Geisteswissenschaften studiert wie alle Welt, jetzt arbeiten wir wie alle Welt. Wir lieben uns, wie junge Paare in dem Alter das tun; später werden wir Kinder haben.» Zwar will sie, die Protagonistin, ausbrechen aus dem prekären «Eden» und hat sich zu dem Zweck vorgenommen, einen Bestseller zu schreiben: «weil alles weniger abgesteckt wäre, wenn der Ruhm sich einstellen würde». Allzu leicht lässt sie sich jedoch ablenken. Zum Beispiel wenn die Arbeitskollegin sie zum Essen einlädt: «Man geht irgendwo essen, und man redet und redet und redet, nur am Ende schreibt man nicht.» Doch sie geht trotzdem mit. Und als sie im Supermarkt auf den Flüchtling Said stösst, ihr die richtige Dose Hundefutter jedoch wichtiger ist als dessen Geschichte, wirft sie sich vor: «Du lässt dich einfach von der Konsumgesellschaft und ihren Tausenden Auswahlmöglichkeiten verschlingen. Man will uns den Kopf wegfressen, indem man uns dreitausend Varianten derselben Scheisse anbietet, und – es funktioniert.» Fühlt man sich da erwischt?
Dem Nullpunkt entkommen
Mit grosser Leichtigkeit, Selbstironie, aber auch Tiefsinn schreibt die 34-Jährige davon, wie sich um die dreissig herum das Leben bedrohlich auf Mittelmass nivelliert. Keck nennt sie dabei ihren Roman «Bestseller», ihr viertes Buch. Anders als ihre Protagonistin hat sich die Freiburgerin, die heute in Bern lebt, jedoch bereits mit ihrem Debüt vom abgesteckten Weg weggeschrieben. Damals schickte sie zwei junge Frauen auf zu abenteuerlichen sexuellen Ausschweifungen – auch dies ein Experiment, dem Nullpunkt im Leben zu entkommen. Das bisher nur auf Französisch greifbare «Du ciel au ventre» hatte vor zehn Jahren in der Westschweiz für eine Art literarischen Super-GAU gesorgt.
Anne-Sophie Scholl, Berner Zeitung, 25. April 2013
Verfügbar in der Bibliothek-Mediathek unter der Signatur : JONA
Gerüche kennen keine Grenzen
Wien, 1937. Robert Seethaler erzählt von einem naiven Provinzler, der zu einem politischen Menschen wird.
Am Schluss steht er wieder am Anfang. «Vor dem Bahnhofseingang stand die Gaslaterne, an der Franz sich damals gleich nach seiner Ankunft in Wien festklammern musste.» Im Spätsommer 1937 war das, als er die übel riechenden Gerüche vom Kanal her für die Ursache seines Unwohlseins gehalten hat. Dass die «fauligen Zeiten» schuld daran seien, wie ihm damals eine Dame widersprach, bewahrheitet sich nun: Franz schaut zu, wie Sigmund Freud - es ist der 4. Juni 1938 - mit seiner Tochter Anna den Zug nach London besteigt, um vor den Nationalsozialisten zu fliehen. Franz Huchel, die Hauptfigur in «Der Trafikant», dem neuen Roman von Robert Seethaler, kommt als unpolitischer Jüngling aus dem Salzkammergut in die Donaumetropole. Er arbeitet als Hilfskraft bei Otto Trsnjek, einem ehemaligen Geliebten seiner alleinerziehenden Mutter, in einem Kiosk mit Zeitungen, Schreib- und Rauchwaren im neunten Bezirk. Das Wichtigste, so Trsnjek, sei die Zeitungslektüre. Dank dieser entwickelt der tumbe Tor aus der Provinz ein geschärftes Bewusstsein für das sich verschlimmernde politische Klima.
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