Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03153.jsonl.gz/312

Pfiffige Teamplayer
Kaum ein anderer Kleinsäuger hat über Jahrzehnte eine so grosse Bedeutung für den Menschen erlangt wie das Meerschweinchen. Erwachsene und Kinder lieben sie gleichermassen. Die drolligen Nager machen viel Freude und sind interessante Mitbewohner.
Biologie und Verhalten
Meerschweinchen stammen ursprünglich aus Südamerika. Dort leben sie in Höhen bis zu 4000 m und sind dem rauen Klima gut angepasst, einzig grosse Hitze vertragen sie schlecht. Sie halten keinen Winterschlaf.
Die sympathischen Kerle sind ausgeprochene Sippentiere mit einem komplexen Sozialverhalten. Sie leben in Gruppen von 5 bis 10 Tieren, die sich zu grossen Kolonien zusammen schliessen können. Eine Gruppe besteht aus einem Bock und mehreren Weibchen. Schwächere Männchen werden vom Bock aus der Gruppe vertrieben. Die Rangordnung ermöglicht es den Tieren, ohne ständige Streitereien zusammen zu leben. Die kleinen Nager sind überaus fruchtbar. Die Weibchen können bereits mit 3 Wochen geschlechtsreif werden, Böcke mit 4 Wochen. Alle 14 Tage werden die Weibchen brünstig.
Wildlebende Meerschweinchen müssen sich vor zahlreichen Fressfeinden in Acht nehmen. Sie meiden deshalb offenes Gelände und nutzen natürliche Verstecke wie Felsspalten und Erdlöcher. Dort schlafen sie in der Gruppe und wärmen einander. In der freien Natur lassen sich innerhalb von Meerschweinchenrevieren immer wieder Trampelpfade ausmachen, auf denen die Sippe in einer ganz bestimmten Formation - meist im Gänsemarsch - voranschreitet. Dabei werden die Jungtiere schützend in der Mitte gehalten, während erfahrene Tiere Spitze und Ende des kleinen Zuges bilden. Dieses „Kontaktlaufen“ und die dabei abgegebenen Gerüche und Laute der Einzeltiere vermitteln allen Rudelmitgliedern das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Solange die Gruppe frisst, sitzt eines der Tiere abseits und hält Wache. Sobald es ein Geräusch hört, quiekt es, worauf sich die anderen in Sicherheit bringen.
Die Nahrung besteht aus Gras, Blättern, Samen, Früchte, Rinden und Blüten. Da Meerschweinchen den grössten Teil des Tages mit Fressen verbringen, werden die Zähne dabei abgenutzt und wachsen deshalb ein Leben lang. Gesunde Meerschweinchen können bis zu acht Jahre alt werden.
Die Haltung von Meerschweinchen
Es hat sehr lange gedauert, bis die natürlichen Bedürfnisse der Meerschweinchen allgemein bekannt wurden. Demnach sind Meerschweinchen Sippentiere, die keinesfalls einzeln gehalten werden dürfen. Ein Kaninchen ist kein Partnerersatz, denn Meerschweinchen sprechen nicht dieselbe Sprache wie Kaninchen. Nach der aktuell geltenden Tierschutzgesetzgebung ist die Einzelhaltung verboten.
Die ideale Gruppengrösse besteht aus einem Bock und zwei Weibchen. Um Nachwuchs zu vermeiden - es gibt bereits genug heimatlose Meerschweinchen - sollte man den Bock kastrieren lassen oder einen bereits kastrierten auswählen. Jüngere Weibchen können meist problemlos in die Gruppe eingegliedert werden.
Das Meerschweinchengehege muss gross genug und reichhaltig strukturiert sein. Wir empfehlen für Meerschweinchen die ganzjährige Aussenhaltung, denn sie sind den hiesigen klimatischen Bedingungen durchaus gewachsen. Das Gehege muss ein- und ausbruchsicher sein. Der wichtigste Feind im Freien gehaltener Heimtiere ist der Marder. Deshalb ist vor allem darauf zu achten, dass das Drahtgeflecht so eng ist, dass kein Marder durchschlüpfen kann. Eine Gruppe von 3 bis 4 Meerschweinchen braucht eine Grundfläche von mindestens 4 Quadratmetern, die Höhe sollte 50 cm nicht unterschreiten. Damit kein Eindringling unter dem Gitter durchgraben kann, versenkt man das Drahtgeflecht noch mindestens 30 cm tief in den Boden.
Ein geräumiges wetterfestes Häuschen und ein gedeckter Futterplatz gehören unbedingt in das Gehege. Im Winter sollte die Schlafstelle mit Zeitungspapier und viel Heu isoliert werden und das vereiste Trinkwasser regelmässig durch lauwarmes Wasser ersetzt werden. Im Sommer ist darauf zu achten, dass kein Hitzestau entsteht und das Gehege ganztags sonnengeschützte Bereiche aufweist. Genügend Schattenplätze und ein Häuschen mit Hohldach verhindern, dass die Hitze zur Belastung wird. Das Häuschen sollte kein Fensterloch, jedoch einen Eingang und einen Ausgang haben, damit die Luftzirkulation gesichert ist.
Meerschweinchen sind Fluchttiere und müssen deshalb immer die Möglichkeit haben, sich zu verstecken oder zurückzuziehen. Entsprechend vielfältig muss ein Meerschweinchengehege eingerichtet und strukturiert sein. Dazu eignen sich Wurzeln, Äste, Röhren und Unterstände aller Art.
Das Futter wird am besten auf drei Zeiten des Tages verteilt. Am Morgen erhalten die Tiere Heu in der Futterkrippe und Wasser. Am Mittag wird Grünfutter und Saftfutter (Gras, Löwenzahn, Früchte, Salat, Gemüse) gereicht, und das Abendessen besteht aus etwas Körnermischung speziell für Meerschweinchen. Diese ist mit Vitamin C angereichert, da sie aus dem Grünfutter nicht genügend davon aufnehmen können. Vitamin C kann aber auch über das Trinkwasser verabreicht werden. Unregelmässige Fütterung kann zu Blähungen und anderen Verdauungsstörungen führen. Heu sollte stets zur Verfügung stehen. Als Nagetiere müssen Meerschweinchen zudem stets geeignetes Nagematerial im Gehege vorfinden, damit sie ihre ein Leben lang nachwachsenden Zähne natürlicherweise abnutzen können.
Meerschweinchen, die das Leben in der Aussenhaltung noch nicht kennen, können auch in der Wohnung gehalten werden. Dazu ist ein gut eingerichtetes Vivarium nötig. Als Vivarium ist eine offene Wanne aus klarem Plexiglas, die ohne Gitterstäbe auskommt, zu empfehlen. Für eine Gruppe von 3 Tieren sollte es eine Mindestgrundfläche von 2 x 2 m und eine Höhe von mindestens 35 cm aufweisen. Falls noch andere Tiere im Haushalt leben, sollte das Vivarium mit einem Gitter gesichert werden.
Als Einstreu eignet sich zu unterst eine Lage Zeitungspapier, dann Rindenmaterial oder Späne und darüber eine Lage Heu oder Stroh. Zur Grundausstattung gehören ein Häuschen ohne Fensterloch, ein bis zwei Futterraufen, Futternapf, und ein erhöht stehender Wassernapf. Auch bei der Innenhaltung ist es wichtig, dass das Gehege strukturiert ist mit Verstecken aller Art und erhöhten Aussichtspunkten sowie Nagelfluh oder Steinen zur natürlichen Abnutzung der Krallen. Ein bis zweimal pro Woche wird das Vivarium ganz ausgeräumt. Am einfachsten rollt man dazu das Zeitungspapier mitsamt der Einstreu auf und gibt es so in den Abfall.
Wenn in der Wohnung nicht genügend Platz für ein Vivarium vorhanden ist und auch eine Aussenhaltung nicht in Frage kommt, sollte man von einer Anschaffung absehen.
Meine Meerschweinchen und ich
Als Kuscheltiere sind Meerschweinchen überhaupt nicht geeignet. Festgehalten und herum getragen zu werden, kann diese Fluchttiere in grosse Angst und Stress versetzen. Wenn man sie auf den Arm nimmt und streichelt, halten sie zwar meist still, doch ist dies mehr eine Schreckstarre als genüssliches Entspannen. Meerschweinchen fühlen sich besser, wenn man mit ihnen spricht und sie streichelt, während sie immer die Möglichkeit haben, wegzugehen.
Falls man ein Meerschweinchen aber trotzdem einmal hoch heben muss, sollte man zuerst mit ihm sprechen und es streicheln, damit es nicht erschrickt. Dann fasst man mit der einen Hand von der Seite unter den Brustkorb und stützt mit der anderen Hand das Hinterteil.
Krankheiten
Beim wöchentlichen Gesundheits-Check werden Gewicht, Fell, Haut, Krallen, Kinn und Afterregion kontrolliert. Gewichtsverlust, Haarsausfall, nasses Fell, Verklebungen an Kinn oder Afterregion können Anzeichen einer Erkrankung sein. Eine Liste von möglichen Gesundheitsproblemen und was zu tun ist, finden Sie hier.
Bitte artgerecht halten!
Buch-Tipps
- Meerschweinchen. Ein Ratgeber von Mike Mateescu und Prof. Dr. Jean-Michel Hatt.
- Artgerechte Haltung - ein Grundrecht auch für Meerschweinchen von Ruth Morgenegg. ISBN 3-9522661-0-8