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Im August dieses Jahres wechselte in einer Edellage am Peak auf Hongkong Island eine 6200 Quadratfuss grosse Wohnung für 470 Millionen Hongkong-Dollar den Eigentümer. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von fast 100‘000 Franken.
Im Durchschnitt kostet nach Angaben der grössten Maklerunternehmen, auf ganz Hongkong bezogen, ein Quadratmeter etwa 9000 Franken. Die Regierung hat die Steuern auf Häuserkäufen erhöht.
Zwölf Quadratmeter pro Bewohner
Die Immobilien sind auch so teuer, weil das Bauland rar ist: nur sieben Prozent der 1000 Quadratkilometer grossen Insel sind als Wohnfläche entwickelt; darum wird in die Höhe gebaut. Die über sieben Millionen Menschen leben auf engstem Raum zusammen.
In Hongkong haben die Bewohner durchschnittlich zwölf Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Für unsere Begriffe mag das klein sein, es ist aber immer noch gross für die Menschen die in Hongkong in sogenannten Kistenwohnungen leben. Um aus dem Wohnraum in den Hochhäusern mehr Geld zu machen, unterteilen die Vermieter normale Wohnungen mit Holzwänden in kleine Zimmer. Diese Zimmer sind zwischen drei bis fünf Quadratmeter gross.
Das Badezimmer wird geteilt
Die Vermieter haben das Recht auch für unterteilte Wohnungen jede marktübliche Miete zu verlangen. Und so kommt es vor, dass Menschen mit kleinerem Budget, die an guter Lage leben wollen, für ein zwei Quadratmeter grosses Zimmer schnell einmal 500 Franken bezahlen pro Monat.
Wir treffen Pen Oi Yu, die mit ihrer siebenköpfigen Familie zehn Minuten weiter weg vom Finanzdistrikt wohnt. Die Pen vermögen nur zwei Zimmer: Knapp vier Quadratmeter für 350 Franken und 4,5 Quadratmeter für 415 Franken pro Monat. Die Elektrizität bezahlen sie extra. Das Badezimmer teilt sich die Familie mit sechs weiteren Mietern, die in der unterteilten Wohnung leben, Privatsphäre gibt es nicht.
Traum vom Glitzerturm soll wahr werden
Die Familie lebt auf engstem Raum. Gekocht wird im Schlafzimmer. Jeder Winkel des Raumes wird optimal genutzt. Die zehnjährige Amy, die ihr Bett in dem kleinen Zimmer mit ihrem Bruder teilt, träumt davon einmal Modedesignerin zu werden. Amy gehört zu den Klassenbesten, sie lernt jeden Tag bis spät in die Nacht.
Alles findet bei den Pens auf engstem Raum statt. Amy lebt mit ihren Eltern, ihrer Grossmutter und ihrer Tante in zwei winzigen Zimmern. Doch die Enge hält Amy nicht davon ab zu träumen, sie möchte an einer guten Universität studieren. «Wenn ich erwachsen bin, möchte ich einmal in einem der Glitzertürme leben, die ich jeden Tag sehe», sagt Amy.
Freiheiten wiegen Enge auf
Alle Menschen, die wir in den Hochhäusern besuchen, haben eines gemeinsam: Unwichtig wie viel Platz ihnen zu Verfügung steht oder wie eng beisammen sie leben, sie sind sich in einem einig: Hongkong ist eine Stadt voller Möglichkeiten.
Lam Sui Long, ein Lehrer, der in seiner fünf Quadratmeter Wohnung Nachhilfeunterricht gibt, sagt: «Der Wohnraum ist klein und zu teurer, aber nirgends in China haben die Menschen die Freiheiten, die wir haben. Wir haben Rede-und Pressefreiheit, wir können sagen, was wir denken, das ist die Grundlage für eine Zivilgesellschaft. Das ist es wert, in Hongkong zu leben.»
Träume können wahr werden
Der Beamte Garry Chan hat seine 40-Quadratmeter-Wohnung gekauft, als die Preise auch für Normalbürger noch erschwinglich waren. Er fordert, dass die Regierung ihrer Einnahmen nicht hauptsächlich durch Landverkauf erzielt, denn das sei die Ursache für die überteuerten Immobilien.
Aber auch Garry, der in Hongkong geboren ist, sagt: «In Hongkong kannst du alles sein, was du sein willst und alles erreichen, wenn du hart genug arbeitest.»
Hongkong – die Stadt in der die Häuser an den Wolken kratzen und die Ambitionen der Menschen so hoch sind wie die Gebäude, in denen sie leben. In der Stadt der Glitzertürme können Träume wahr werden – das sagen ihre Bewohner.