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Der Mythos Pelé: Was nach dem Tod der Fussball-Legende bleibt
«Mehrfaches Organversagen als Folge eines Dickdarmkrebses in Verbindung mit einer Vorerkrankung», lautet die offizielle Todesursache von Pelé. Am Abend des 29. Dezember 2022 stirbt er im Kreis seiner Familie. Für viele war er der beste Fussballer aller Zeiten.
Edson Arantes do Nascimento
Aber seine Geschichte sollte von Anfang an erzählt werden. Am 23. Oktober 1940 erblickt ein gewisser Edson Arantes do Nascimento in Três Corações, Brasilien, das Licht der Welt. Später sollten sie ihn kurz «Pelé» nennen. Er wächst als Sohn eines erfolglosen Vorstadt-Fussballers und einer Wäscherin auf. Dementsprechend in sehr armen Verhältnissen. Pelé war ein Strassenfussballer par excellence.
In den brasilianischen Gassen brachte er sich selbst das Fussballspielen bei. Seine erarbeitete Technik und Schnelligkeit ermöglichte es ihm, beim FC Santos ein Probetraining zu absolvieren.
1301 Tore in 1390 Spielen
Bis zu seinem Wechsel zu New York Cosmos, wo er die letzten drei Jahre seiner Karriere verbrachte, absolvierte er 1114 Spiele für ebenjenen FC Santos. Karriereübergreifende 1301 Tore in 1390 Spielen sprechen für sich. Diese Zahl ist aber umstritten, Kritiker stellen die Zählweise zur damaligen Zeit in Frage, bei der auch Tore in Freundschaftsspielen angerechnet wurden.
Wenig bis gar keine Polemik gibt es dafür um seine Errungenschaften in der «Seleçao», der brasilianischen Fussballnationalmannschaft.
(Brasilianischer) Rekord-Weltmeister
1958 in Schweden, 1962 in Chile, 1970 in Mexiko. Pelé hat es bis dato als einziger geschafft, den Weltmeisterpokal drei Mal in die Höhe zu stemmen.
Unvergessen bleibt dabei sein erster grosser Auftritt auf der internationalen Fussballbühne 1958. Mit 17 Jahren wird er nachträglich zum Besten Spieler des Turniers ausgezeichnet, auch weil Brasilien das Endspiel gegen Schweden mit 5 zu 2 für sich entscheidet. Der Sieg lässt Brasilien seinen ersten Weltmeistertitel feiern, Pelé wird zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten.
Pelé feierte auch 4 Jahre später den Titel, obwohl das Turnier für ihn aufgrund einer Verletzung schon in der Gruppenphase zu Ende war. 1966 setzten die Portugiesen dem Stürmerstar derart zu, dass er verletzt aufgeben musste. Brasilien schied danach überraschend in der Vorrunde aus.
1970 folgte dann die Krönung zum «König des Fussballs». Nachdem Pelé vom damaligen Nationaltrainer aus dem Kader gestrichen wurde, kehrte er im Vorfeld der WM zurück in den Kreis der Seleçao. Der Rest ist Geschichte, mit anderen grossen Namen wie Jairzinho, Tostão oder Rivelino wurde er als einziger und erster Spieler in der Geschichte des Fussballs drei Mal Weltmeister.
Sein Kampf gegen die Krankheit
Der Sprung in die Gegenwart ist weniger erfreulich. Aufgrund eines Darmtumors war Pelé seit 2021 in ärztlicher Behandlung. Sein Zustand verschlechterte sich in den vergangenen Tagen zunehmend, Weihnachten musste er im Albert-Einstein-Krankenhaus in São Paulo verbringen.
Auch deshalb war der Kampf gegen seine Krankheit wohl ein aussichtloser, fast schon unfairer. Die Spieler der aktuellen brasilianischen Nationalmannschaft huldigten ihrem «König» an der WM in Katar, indem sie einen Banner für ihn anfertigen liessen. Sie hätten es wohl für keinen anderen Fussballspieler als Pelé getan.
Und eine Aussage des ehemaligen Stürmers zeigt, dass auch für ihn selbst nie Zweifel an seinem Können bestanden: «Es wird nur einen Pelé geben, wie es auch nur einen Frank Sinatra oder nur einen Michelangelo gegeben hat. Ich war der Beste.»
Aber:
Was macht den Mythos Pelé so speziell?
Fussballfanatiker unserer Generation erinnern sich wahrscheinlich nur durch Geschichten, die sie von ihren Vätern oder Grossvätern erzählt bekamen an Pelé. Doch das reicht. Pelé ist ein Paradebeispiel dafür, wie man sich von ganz unten nach ganz oben kämpfen kann. In der Gosse aufgewachsen erklimmt der Brasilianer während seiner sportlichen Laufbahn den Fussball-Olymp.
In seinem Land war das Ausnahmetalent Pelé als «O Rei do Futebol» bekannt – der «König des Fussballs». Er war aber nicht nur ein König, er war ein Gott. Vergleichbar mit dem Status von Diego Armando Maradona in Argentinien. Oder seit dem Gewinn der WM in Katar auch dem von Lionel Messi.
Der von Fussballkennern vielgezogene Vergleich von Pelé mit Kylian Mbappé hinkt indes nach. Mbappé ist in der Blüte seines Fussballlebens und bricht Rekord um Rekord. Doch «O Rei» revolutionierte den Fussball. Interpretierte ihn neu. Und so lässt es sich wohl kaum besser zusammenfassen, als es Neymar auf seinem Instagram-Kanal tut: «Vor Pelé war Fussball nur ein Sport. Er verwandelte Fussball in Kunst.»
O Rei. One of the greatest of all time. You will be a legend forever. RIP Pele 👑🙏 pic.twitter.com/BU9JIw4Djr— Luka Modrić (@lukamodric10) December 30, 2022
Der Kern des Fussballs
Pelé war ein Fussballer ohne viel Schnickschnack oder politische Statements. Zumindest wärend seiner Zeit als aktiver Fussballer. Es schien, als ob jede einzelne Minute auf dem Feld ein Genuss für ihn war. So, wie es heutzutage längst nicht mehr für alle Fussballerinnen und Fussballer ist.
Es inspirierte ein Land und deren Generationen, gab Hoffnung, begeisterte. Er war viel mehr als nur ein Fussballspieler. Er war Ikone und Vorbild zugleich für Millionen von Brasilianerinnen und Brasilianern und abermillionen Fussballfans weltweit. Und darum war er schlicht Pelé, der wahrscheinlich beste Fussballer aller Zeiten.