Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03397.jsonl.gz/754

Der Russe Daniil Medwedew gehört neu zum exklusiven Kreis der Grand-Slam-Sieger. Im Final der US Open in New York schlägt er Novak Djokovic 6:4, 6:4, 6:4 und zerstört damit dessen Traum vom Gewinn aller vier Major-Turniere im gleichen Jahr.
Daniil Medwedews Erfolg mag in dieser Deutlichkeit überraschen, doch der Erfolg an sich hatte sich über Jahre abgezeichnet. Im Herbst 2019 hatte er Turniere in Cincinnati, St.Petersburg und Schanghai gewonnen, stand dazu in Washington im Final und erreichte bei den US Open sein erstes Grand-Slam-Finale, wo er Rafael Nadal nach einem 0:2-Satzrückstand noch an den Rand einer Niederlage drängte.
Über den Jahreswechsel hatte er zwölf Spiele in Folge gegen Spieler aus den Top Ten gewonnen und dabei Djokovic, Rafael Nadal, Dominic Thiem und Stefanos Tsitsipas bezwungen. Die Serie endete im Final der Australien Open, wo er Djokovic unterlag.
Seit 2018 hat Medwedew elf Turniere auf Hartbelägen gewonnen, stand 17 Mal im Final und hat 146 Siege gefeiert – mehr als jeder andere. 2020 gewann er den Final der acht Jahresbesten und besiegte auf dem Weg dorthin die Nummern 1 (Djokovic), 2 (Nadal) und 3 (Thiem) der Welt. Das war zuvor erst einem Spieler gelungen – David Nalbandian 2007 in Madrid.
Nun ist Medwedew der grosse Spielverderber der Geschichte. Rod Laver und Don Budge bleiben die einzigen Männer, die alle vier Grand-Slam-Turniere innerhalb eines Kalenderjahres gewinnen konnten.
So unscheinbar Medwedew wirkt, so extrovertiert tritt er zuweilen auf. Bei den US Open 2019 hatte er erst einen Balljungen beleidigt, sich mit dem Schiedsrichter und dann auch noch mit dem Publikum angelegt. Von diesem Moment an war er bei jeder Aktion gnadenlos ausgebuht worden.
Im Platzinterview bedankte er sich sarkastisch für die Unterstützung. Statt auf die Fragen einzugehen, wandte er sich an die Zuschauer und sagte: «Nur dank euch bin ich noch im Turnier. Ich war am Ende meiner Kräfte. Doch ihr habt mir die Energie gegeben, mich zurückzukämpfen. Danke!»
Medwedew entschuldigte sich später und gelobte Besserung. Neben dem Platz sei er ein sehr ruhiger Typ. «Ich habe keine Ahnung, weshalb die Dämonen aus mir herausbrechen, sobald ich Tennis spiele», sagte er der «New York Times». Vor allem als Junior habe er sich damit immer wieder in Schwierigkeiten gebracht.
Aber auch später. Unvergessen ist, wie er 2017 in Wimbledon nach einer Niederlage der Schiedsrichterin Münzen vor den Stuhl warf und ihr damit Bestechlichkeit vorwarf. Im Jahr davor war er in Paris wegen rassistischen Verhaltens disqualifiziert worden.
Medwedew gilt als selbstkritisch und sehr intelligent, soll ein begnadeter Schachspieler sein. Bevor er sich auf die Tenniskarriere konzentrierte, besuchte er Mathematik- und Physikstunden für Hochbegabte. Nach dem Umzug in eine französische Tennisakademie lernte er innerhalb weniger Monate Französisch. Bereits mit 22 Jahren heiratete er seine Daria.
Heute lebt Medwedew in Monte Carlo und trainiert in der Nähe von Nizza. Er ist gereift, und weiss sein Temperament inzwischen weit besser zu zügeln.
In New York hatte Daniil Medwedew gleich doppelten Grund zur Freude: Er feierte am Tag seines grössten sportlichen Erfolgs nämlich auch seinen dritten Hochzeitstag.