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Landwirtschaftliche
Maschinen und Geräte, mechanische Apparate, welche beim Betrieb der Landwirtschaft zur Bearbeitung, Bestellung und Beerntung des Bodens sowie zur Verarbeitung der geernteten Produkte zu marktfähiger Ware oder zu Saatgut benutzt werden. Während die Landwirtschaft bis zu Ende des letzten Jahrhunderts sich nur der einfachsten ¶
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mechanischen Hilfsmittel, wie der Handgeräte (Spaten, Sense, Sichel, Dreschflegel), des Pflugs, der Ackerschleife und der Egge [* 3] sowie schließlich der Windfege zum Abscheiden des Getreides von Spreu und Kaff, bediente, kam mit Anfang dieses Jahrhunderts eine große Anzahl von mechanischen Apparaten in der Landwirtschaft in Anwendung, deren Zahl und Mannigfaltigkeit sich noch von Jahr zu Jahr vermehrt. Ihre Anwendung gibt der modernen Landwirtschaft einen gänzlich verschiedenen Charakter gegenüber der uns aus früherer Zeit überkommenen; die Kulturmethoden und vor allem der Betrieb erlitten die mannigfaltigsten Änderungen.
Wenn das Programm der modernen Landwirtschaft dahin aufgefaßt wird, mit den möglichst geringsten Kosten die höchsten Reinerträge zu erzielen, so läßt sich die Ausführung desselben nicht ohne Zuhilfenahme der vervollkommten neuern Maschinen denken. Zunächst gehört dazu eine Herstellung des Saatbeets in einen Zustand, in welchem dasselbe am besten im stande ist, eine vollkommene Entwickelung der Kulturpflanzen zu ermöglichen. Mit den bessern Pflügen, Kultivatoren, [* 4] Eggen und Walzen läßt sich in der That ohne übermäßige Zugkraft der Boden derartig für die Aussaat vorbereiten, daß, soweit die mechanische Bearbeitung hierzu beitragen kann, alle Elemente eines gedeihlichen Wachstums gegeben sind.
Die Ausstreuung künstlichen Düngers, welche durch Handarbeit niemals in vollkommener Weise bewerkstelligt werden kann, erfolgt jetzt in gleichmäßiger Weise, wobei durch die genaue Bemessung der Ausstreumenge einer Verschwendung des kostspieligen Materials vorgebeugt wird. Die Säemaschinen [* 5] gewähren die mannigfaltigsten Vorteile gegenüber der Handsaat. Schon die breitwürfige Säemaschine, deren Arbeit übereinstimmt mit derjenigen des Säemanns, gibt die Gewißheit, daß jedes Flächenelement sein genau bemessenes, innerhalb gewisser Grenzen [* 6] nach Belieben festzusetzendes Saatquantum erhält; die Wirtschaft wird unabhängig von dem guten Willen und der Geschicklichkeit des Säemanns.
Ein jeder kann die einfache Maschine [* 7] führen, während nur wenige ländliche Arbeiter die Handsaat vollziehen können. Die Kontrolle über das Saatgetreide ist eine bessere, da sich dasselbe bei richtiger Einstellung der Maschine leicht berechnen läßt. Die Drill- u. Dibbelmaschinen, welche das Saatgut in parallelen Reihen, erstere kontinuierlich, letztere intermittierend, unterbringen, ersetzen nicht nur die zeitraubende und mühsame Handarbeit, sondern ermöglichen erst die Drill-, bez. Dibbelkultur, die auf größern Flächen nur mit Zugrundelegung der Maschine ausführbar ist.
Der ausgedehnte Anbau der Zuckerrübe wäre ohne diese Maschinen niemals möglich gewesen. Die Vorzüge der Reihensaat für den Anbau des Getreides werden immer mehr erkannt; vielfach ist die Drillsäemaschine bereits ein notwendiges Inventarstück der bäuerlichen Besitzungen. Mit derselben kann der Acker nach Art der im Gartenbau üblichen Methode kultiviert werden: jedes Saatkorn wird an bestimmter Stelle in zweckmäßigster Tiefe im Boden untergebracht, niemals findet ein Anhäufen von Saatkörnern auf einer Stelle statt, so daß aus dieser Kultur zunächst eine zuweilen nicht unerhebliche Ersparung an Saatfrucht resultiert.
Der gleichmäßige Stand des Getreides, die Durchlüftung der Zwischenräume, der Umstand, daß jeder Pflanze ein bestimmt bemessenes Volumen Boden zur Verfügung gestellt wird, aus welchem dieselbe die Nährstoffe entnehmen kann, geben schließlich erhöhten Ernteertrag in Stroh und Körnern, bez. Wurzeln und, was von gleicher Bedeutung ist, eine größere Sicherung derselben. Die bei den Hackfrüchten nach der Aussaat vorzunehmenden Kulturen wie das Hacken und Häufeln, lassen sich am vollkommensten mit Hilfe der Maschinen- (Pferde-) Hacke ausführen. Dieselbe macht eine große Anzahl von Arbeitern überflüssig und verrichtet ihre Aufgabe in gleichmäßigerer, jedenfalls auch besser zu kontrollierender Weise als die Handarbeit. Wo letztere zur Zeit des Hackens und Häufelns der Rüben nicht in genügender Menge und zu niedrigen Löhnen zur Verfügung steht, würden ohne Benutzung der Maschinen der Rübenkultur die ernstesten Verlegenheiten bereitet werden.
Eine der wichtigsten Maschinen der modernen Landwirtschaft ist die Mähmaschine. Ihr Hauptwert besteht darin, daß sie überall, wo ihre Anwendung möglich, d. h. auf einigermaßen ebenen, festen, nicht durch Steine, Baumwurzeln oder Gräben behinderten Feldern, die Schnitter ersetzt und den Landwirt unabhängig macht von dem guten Willen derselben und ihren von Jahr zu Jahr steigenden Lohnforderungen. Die Ausbildung der Mähmaschine zu praktischer Brauchbarkeit ist eine der wichtigsten Ursachen, weshalb die bereits vielfach angestrebten ländlichen Arbeiterstreike stets auf kleine Gebiete beschränkt blieben.
Dieselben würden jetzt nur eine umfassendere Anwendung der Mähmaschine zur Folge haben, so daß die wenigen zur Verfügung stehenden Arbeiter für koupierte Flächen disponibel blieben. Eine Arbeitseinstellung in der Landwirtschaft, die sicher zur Zeit der Ernte [* 8] in Szene gesetzt würde, müßte stets zu einer Landeskalamität ausarten, wenn nicht in der Mähmaschine ein jetzt bereits durchaus wirksames Remedium gegen dieselbe zur Disposition stände. In einzelnen Ländern ist der Mangel an ländlichen Arbeitern bereits ein so erheblicher, daß die Mähmaschine das durchaus notwendige Erntegerät geworden ist, wie vordem die Sichel und die Sense.
Auch die Dreschmaschinen,
[* 9] namentlich die durch Göpel- und Dampfkraft betriebenen, haben sich als überaus vorteilhaft für
den Betrieb der Landwirtschaft erwiesen. Dieselben ermöglichen einen vollkommenern Reindrusch als die
Handarbeit des Flegels und erzielen demnach einen erhöhten Ertrag; sie gestatten ein schnelleres Ausdreschen als diese, die
Dampfdresch
maschinen sogar auf freiem Feld unmittelbar nach der Ernte, so daß die Landwirtschaft jede günstige Konjunktur in
den Marktpreisen wahrnehmen kann und die kostspieligen Scheunen- und Speicherräume erspart, durch welche
große Kapitalien in den Wirtschaftsgebäuden festgelegt werden.
Mit der Einführung der Dampfkraft und der kombinierten Dreschmaschine
[* 10] wird die Zeit des Einfahrens nach dem Wirtschaftshof
erspart und werden die hierbei oft nicht unerheblichen Verluste vermieden. Die
landwirtschaftliche Dampfmaschine
[* 11] (Lokomobile)
[* 12] kann nach der Dreschperiode zu andern
landwirtschaftlichen Arbeiten, z. B. zum Schneiden, Quetschen und
Mahlen des Futters und zu ähnlichen Arbeiten, für welche gleichfalls Maschinen konstruiert sind, desgleichen zum Betrieb von
Ziegel- und Torfpressen oder zu Meliorationsarbeiten, wie zum Trockenlegen von Teichen und Bewässern der Wiesen, die vorteilhafteste
Verwendung finden. Bei geschickter Einteilung der Arbeiten läßt sich dieselbe das ganze Jahr hindurch
nutzbringend verwerten. Namentlich ist dies letztere der Fall, seitdem der Dampfpflug
[* 13] zu immer größerer Vollkommenheit ausgebildet
wurde und sich den verschiedensten Arten der Bodenbearbeitung immer mehr akkommodiert. Auch dieser ist bereits aus
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dem Stadium der Versuche herausgetreten, und es zeigen sich seine Vorzüge gegenüber der Spannkultur in besserer, tieferer und schnellerer Bearbeitung des Bodens und in daraus nach mehrjährigem Gebrauch sicher eintretenden erhöhten Ernteerträgen (s. Dampfpflug).
Vgl. Perels, Die Anwendung der Dampfkraft in der Landwirtschaft (Halle [* 15] 1872);
Derselbe, Ratgeber bei Wahl und
Gebrauch
landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen (5. Aufl., Berl. 1879);
Derselbe, Handbuch des
landwirtschaftlichen Maschinenwesens
(2. Aufl., Jena
[* 16] 1880);
Fritz, Handbuch der
landwirtschaftlichen Maschinen (Berl. 1880);
Wüst, Landwirtschaftliche
Maschinenkunde
(das. 1882);
Derselbe, Jahresbericht über die Fortschritte im
landwirtschaftlichen Maschinenwesen (das. 1876-80, 4 Bde.);
Braungart, Die Ackerbaugeräte in ihrer praktischen Beziehung wie nach ihrer urgeschichtlichen und ethnographischen Bedeutung (Heidelberg [* 17] 1881).
Weiteres s. in den betreffenden Artikeln.