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Inhaltverzeichnis
- 1 Wappenkunde (Heraldik) und Fahnen- und Flaggenkunde (Vexillologie) auch bei den Fahnen der Ehemaligen Schweizergardisten
- 2 Gesetzesmässigkeiten des Heraldikers (der Wappenkundige) bzw. des Vexillologen (der Fahnen- und Flaggenkundige)
- 3 Die farbenfrohen Sektionsfahnen
- 4 Die Fahne der Vereinigung von 1988 (Zentralfahne genannt)
- 5 Die Fahne der Sektion Region Basel (2005)
- 6 Die Fahne der Sektion Jurassia (2006)
- 7 Die Fahne der Sektion Ostschweiz (2006)
- 8 Gelb, rot und blau waren auch in früheren Jahren dominant:
- 9 Die Fahne der Sektion Lémania (1981)
- 10 Die Fahne der Sektion Zürich (1986)
- 11 Die Fahne der Sektion Zentralschweiz (1989).
- 12 Die Fahne der Sektion Fribourg/Freiburg (1995)
- 13 Die Fahne der Sektion Wallis (2016)
- 14 Die Fahne der Sektion italienische Schweiz (2016)
- 15 illegale Verwendung päpstlicher Wappen und Symbole
- 16 Heraldische Beratung durch
- 17 Redaktion
- 18 Buchhinweise
- 19 Internet-Hinweise
- 20 Nachtrag zu den Medici-Farben, Dr. med. E. Dreyer
Wappenkunde (Heraldik) und Fahnen- und Flaggenkunde (Vexillologie) auch bei den Fahnen der Ehemaligen Schweizergardisten
Die Exgardisten in der Schweiz
Zuerst sollen die
Gesetzesmässigkeiten des Heraldikers (der Wappenkundige) bzw. des Vexillologen (der Fahnen- und Flaggenkundige)
vorgestellt werden: Wie konzipiert oder liest er eine Fahne? Hier die „Faustregeln“:
1. Die spezifische Aussage einer Fahne
Auf den ersten Blick sollte eine Fahne ausdrücken, wofür sie weht. Beispielsweise sagt eine treffend grosse Darstellung einer Posaune oder Trompete aus, dass es sich um einen Musikverein handeln kann. Wie verhält es sich bei den Exgardisten? Hier fällt auf, dass die Mehrzahl der Ex-Gardistenfahnen (auch die des Garde-Kommandanten) ein sehr schönes Kreuzmuster ziert? Es stammt von einer alten Schweizer Militärtradition: Alle Fahnen von Schweizer Regimentern in fremden Diensten trugen ein weisses, durchgehendes Kreuz. Es liegt nahe, dass bei den Exgardisten-Fahnen mit diesem Kreuz die Tradition angeknüpft und damit belebt wird.
Eine Fahne darf insgesamt nicht überladen und kompliziert sein; je weniger in der Fahne dargestellt wird, umso aussagekräftiger und schöner ist sie. Zudem sollen Fahnentuch und die Wappen keine Buchstaben und Ziffern aufweisen. Diese Regel wird bei den heutigen Vereinsfahnen öfters umgangen. Beim Wappen zielt man strenger auf die Regel. Und doch haben 20 Schweizer Gemeinden Buchstaben/Ziffern in ihren Wappen, z. B. Lugano oder im Kanton Zürich beispielsweise Bubikon und Rüti, auch 2 Kantonswappen (Appenzell Ausserrhoden, Waadt) sind davon nicht verschont. Hier sei auch noch auf das Stadtwappen Roms hingewiesen, das die Buchstaben SPQR mit einem griechischen Kreuz kennt. Ebenso haben 16 Länder in ihren Staatsflaggen Buchstaben/Ziffern, in Europa beispielsweise Malta, San Marino und Spanien. Alles gegen die Regeln.
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Nationalflaggen
Wo soll aber ein Text stehen, wenn die Absicht da ist, die Fahne „anzuschreiben“? Die Stände Zürich, Glarus und Aarau bedienten sich zur Reisläuferzeit des Schwenkels (Dr. Dreyer und Mattern). Siehe nachstehend die Sektionsfahne von Zürich. Ebenso kann man die Krawatte wählen, ein Stoffband, das an der Fahnenstange befestigt ist (siehe nachstehend die Sektionsfahne von Lemania). In vielen Teilen Österreichs und Deutschlands ist an der Spitze der Fahnenstange eine Aufhängevorrichtung montiert, wo sogenannte Fahnenbänder befestigt werden können. Sie dokumentieren eine Teilnahme an einem (feierlichen) Anlass, beispielsweise für eine Musikkapelle, die an einem Landes- oder Kreiswettbewerb teilnahm:
Die Fahne des Rotkreuz-Vereins von Hier die vielen Fahnenbänder, die Auskunft
Seefeld/Tirol mit Fahnenwache, Fahne mit geben über die verschiedenen Teilnahmen Fahnenbändern an Verbandstreffen
Die Fahne der Sebastiani-Bruderschaft Die Fahne der Bürgermusikkapelle Seefeld/ Mittenwald/Bayern mit Fahnenbändern Tirol, auch bestückt mit Fahnenbändern
Alle 4 Fotos: Fronleichnamsprozessionen 2018
Dann gibt es bei den Fachleuten Unterschiede bei der Auslegung folgender Regel: Die heraldischen Farben rot/blau/schwarz/grün dürfen in Wappen und Fahnen nie neben- oder untereinander stehen, ebenso dürfen gold/silber (d. h. gelb/weiss, Metalle genannt) nie zusammen sein. Zwischen zwei Farben gehört immer gelb oder weiss. Beispiele: Die Farbenfolge schwarz/gelb/rot ist richtig, aber schwarz/rot/gelb (Flagge Deutschlands) ist falsch. Ebenso falsch sind z. B. jene von Ecuador, Kolumbien und Venezuela (gelb/blau/rot). Die Flaggen vom Fürstentum Liechtenstein und des Kantons Tessin (mit den Farben rot und blau) sind nach dieser Regel ebenfalls falsch. Diese Farbenregel hat 1929 der Staat der Vatikanstadt nicht angewendet: Seine Flaggenfarben sind gelb/weiss (zwei Metalle nebeneinander sind falsch). Sie sollen die Binde- und Lösegewalt des Papstes als Nachfolger Petrus‘ darstellen. Der Ausnahme-Status der Kirche, die nicht den Gesetzen der Welt unterworfen ist, ermögliche diese Farbenwahl.
Bei puristischer (unverfälschter, reiner) heraldischer Betrachtung müsste die Farbfolge der Medici richtigerweise Geld-Rot-Blau sein (or-gules-azur). Nur wird die heraldische Tinkturenregel verletzt, wonach keine Farbe auf Farbe und kein Metall auf Metall liegen darf. Für den Traditionalisten wäre also Rot neben Blau eine heraldische Todsünde (Dr. Dreyer).
2. Das Obereck der Fahne. Ort: nahe der Fahnenstange, links oben
Der zweite Blick: Das Obereck, der Ehrenplatz (Dr. Dreyer), sagt zur Fahne etwas Näheres, Markantes aus. Um beim Musikverein zu bleiben: Ein Gemeindewappen würde aussagen, wo dieser Verein ansässig ist. Welches Motiv könnten die Exgardisten-Fahnen enthalten? Sicher wäre unter anderen das (die) Kantonswappen der Sektion, das Papstwappen von Julius II. oder eines der zwei Embleme des Heiligen Stuhles zu empfehlen, nicht aber z. B. das Staatswappen des Staates der Vatikanstadt, weil die Garde dem Heiligen Stuhl zugeteilt ist (siehe nachfolgend).
Der Ort der oberen linken Ecke wird mit ‚Obereck‘ bezeichnet. Das gemalte oder aufgenähte Bild in diesem Obereck (Bildschmuck) nennt man ‚Eckquartier‘. Ist dort ein religiöses Motiv, z. B. das Emblem des Hl. Stuhles oder das Papstwappen enthalten, nennt man es ‚Zwickelbild‘ (Dres. Dreyer und Mattern).
Bevor ein päpstliches oder vatikanisches Wappen/Zeichen in einer Fahne verwendet wird, empfehlen wir, eine Genehmigung beim Kommando oder bei der Nuntiatur in Bern einzuholen.
3. In unserem Falle: die gefragten Medici- und della-Rovere-Farben
Die Medicifarben können bei unverfälschter (puristischer) Anwendung in der Abfolge gelb – rot – blau und die della-Rovere-Farben in der Abfolge blau – gelb dargestellt werden. Beide Familienfarben können heraldisch neben- oder untereinander folgen.
Die farbenfrohen Sektionsfahnen
⇒ Nochmaliger Hinweis: Alle Beschreibungen sind aus der Sicht der Betrachterin/des Betrachters, entgegen heraldischer Gepflogenheit. Fahnenstange links.

Fahnenfelder

Die Fahne der Vereinigung von 1988 (Zentralfahne genannt)

Die Fahne der Sektion Region Basel (2005)
|Aus „Der Exgardist“, Nrn. 40 und 44 und Angaben durch Urs Hahn, Ex-Zentralpräsident||Entwurf durch die Heimgartner Fahnen AG, Wil, in Zusammenarbeit mit einer 6-köpfigen Fahnenkommission der Sektion. Entwurfsgedanken: Webseite und Urs Hahn, Kommissionspräsident|
|Entwurf durch die Heimgartner Fahnen AG, Wil, in Anlehnung an die Kommandantenfahne. Begutachtung (und Korrekturen) durch Erzbischof +Bruno Heim, Olten.||Die Farben der Wellen sind die Gardefarben. Die blauen Wellen deuten den Rhein und die Nebenflüsse, die im Sektionsgebiet fliessen.|
|Nur Feld 4 ist gegenüber der Kommandantenfahne neu. Siehe nachstehende heraldische Betrachtung.||Links oben ist das Papstsymbol. Julius-Banner-Damast; reine Seide.|
|Betrachtung durch den Heraldiker||Betrachtung durch den Heraldiker|
|Gesamtkonzeption sehr gut. Obereck gut. Historisch gut angeknüpft.||Nicht sofort als Sektionsfahne von Altgardisten zu erkennen wegen der Bewegung (Wellenbalken: Wassersportverein?). Kantonswappen (beide Stäbe) gut gelöst. Decken sie „Region Basel“ genügend ab (Basel-Stadt, Basel-Landschaft, das aargauische Fricktal, die solothurnischen Dorneck/Thierstein)?|
|Feld 1: Papstwappen von Julius II.,

Gründerpapst.
Felder 2 und 3 können wir nicht interpretieren. Die farblichen Reihenfolgen sind unterschiedlich. Wir können sie nicht begründen.
|Das kleine Schweizerkreuz ist überflüssig. Obereck: gute heraldische Absicht. Das Wappen hat aber grosse Ähnlichkeit mit dem Wappen des alten Kirchenstaates bis 1870.|
|Feld 4 stellt das Wappen des Papsttums und der Vatikanstadt dar; eine von Bruno Heim entwickelte Idee (siehe vorne und Buchhinweis am Schlusse)||Grosszügig interpretiert ist es das heutige Staatswappen des Vatikans. Der goldene Schlüssel muss aber links stehen. Hier gehörte das Emblem des Heiligen Stuhles (Arbeitgeber der Schweizergarde) oder das della-Rovere-|
|Gesamtbild: Gute Lösung. Stangenbänder (heraldisch „Krawatten“ genannt) mit Text in den vier Landessprachen||

Wappen (Gründer der Garde) nach unserer Meinung hin. – Weil das weisse Reisläufer-Kreuz fehlt, ist es keine eigentliche Militärfahne.
Farben unterhalb der Stäbe: siehe Text zu Felder 2 und 3 bei der Zentralfahne.

Die Fahne der Sektion Jurassia (2006)

Die Fahne der Sektion Ostschweiz (2006)
Genaue Kopie der alten Fahne von 1972
|Entwurf durch eine 5-köpfige Exgardisten-Kommission der Sektion. Präsident J.-C. Veya dazu:||Entwurf von †Alexander Good, Exgardist, Entwurfsprotokoll vom 23.01.1972|
|Mit dem Kreuz erhielten wir 4 Quadrate:||Weisses Kreuz: den Fahnen der Regimenter in fremden Diensten (17./18. Jh.) entnommen.|
|Quadrat 1: Das alte Wappen des Kirchenstaates.||1. Geviert: FIDES (Sammelbegriff für Treue, Ehre und Glauben ET (und) VIRTUS (Mann-|
|Quadrat 2 und 3: Gardefarben. Zuerst wollten wir sie geflammt, später gefiel uns die jetzige Ausführung.||haftigkeit, Starkmut und Unbestechlichkeit). Ich habe das Altlateinische gewählt, das eine umfassendere Aussagekraft besitzt.|
|Quadrat 4: Wappen des Kantons Jura.||2. und 3. Geviert: die Hausfarben der Medici-Päpste analog der Kommandantenfahne.|
|Den Text wollten wir in der Fahne.||

4. Geviert: Die rote Farbe ist die Farbe des Blutes, d. h. Leben, Glück, Gesundheit, Schutz. Umgekehrt aber Macht, Gefahr, Abwehr.
Das Band in den päpstlichen Farben gelb/weiss. Text: GSP SEKTION OST-SCHWEIZ. Er bezeichnet die Gemeinschaft miteinander näher.
|Betrachtung durch den Heraldiker
||Betrachtung durch den Heraldiker|
|Spezifische Aussage nicht so gut wie bei der Zentralfahne. Störend: weiss auf weiss beim Kreuz und Feld 4:||Gute Lösung. „FIDES ET VIRTUS“ sind historische Begriffe im Militär.|
|Die Abgrenzung ist nicht gelungen, heraldisch nicht gut gelöst.||Anhand der Felder 2 und 3 kann auf den ersten Blick eine Exgardistenfahne ausgemacht werden (waagrechte Farben, deren Reihenfolge wir nicht begründen können).|
|Felder 2 und 3 sind gut gelöst. Die Frage steht dabei im Raum, warum man von den klassischen Typen, nämlich von den horizontalen zu den||Feld 4: Rot ist eigentlich eine Aggres-sionsfarbe. Das Feld selber erinnert an die alte Standesfahne des Kantons Schwyz (ohne Kreuz).|
|diagonalen Linien abweicht.||Der Krawattentext „GSP SEKTION OSTSCHWEIZ“ (auf der Rückseite in Italienisch und Romanisch) ist inhaltlich falsch:|
|Farben der Felder 2 und 3: siehe Text bei der Zentralfahne. Obereck: gute heraldische Absicht. Nach unserer Meinung sollte hier ein Emblem des Hl. Stuhles oder das Wappen des Gründerpapstes stehen und nicht das Staatswappen des Vatikans. Die Schlüsselfarben wären ohnehin verkehrt.||Der Entwerfer wollte die Verbundenheit zwischen der Sektion und den Aktiven untermalen, nimmt man es wörtlich, hätte die Schweizergarde in ihren Reihen eine Sektion Ostschweiz angegliedert. Vorschlag: siehe Sektion Region Basel|

Gelb, rot und blau waren auch in früheren Jahren dominant:

Die Fahne der Sektion Lémania (1981)
| Die Fahne der Sektion Wallis (1983)

(alt)
|Entwurf von Pierre Tomasetti, Genf, Exgardist. Seine Erläuterungen:||Entwurf von †Heinzen, Blatten, Exgardist|
|Weisses Kreuz: wie die Regimenter der Reisläufer. „LEMANIA“ im Kreuz: wie in den kantonalen Militärfahnen.||Der Fahnengötti +Pietro Eyer, Naters, kennt die Ideen des Entwurfes nicht, spricht aber von einem verwurzelten Walliser Treuebekenntnis zur Garde und zum Hl. Stuhl.|
|Feld 1: die Insignien des Papstes (Tiara/Schlüssel).|
|Feld 2 und 3: Farben gleich wie bei der Kommandofahne.|
|Feld 4: Die Hellebarde, die alle getragen haben.|
|Das Band „EX-GARDES“ kann man verwenden, aber auch nicht verwenden.|
|Betrachtung durch den Heraldiker
||Betrachtung durch den Heraldiker|
|Gute Lösung. Klassische Form. „LEMANIA“ auf dem Kreuz entspricht den Fahnen der Schweizer Truppen.||Einmal eine ganz andere Fahne mit den päpstlichen Farben gelb und weiss. Der Hellebardier erinnert an die aktive Garde.|
|Obereck: das stylisierte Emblem des Hl. Stuhles (heraldisch richtig).

Die Schlüsselfarben sind verkehrt. Die Krawatte mit dem Text „EX-GARDES“ hängt an der Fahnenstange. Heraldisch gut gelöst.
|Die Fahne ist heraldisch nicht so schön. Sie erinnert nicht sofort an die ehemaligen Gardisten. Das Schweizerwappen im Obereck ist überflüssig. Korrektes Papstwappen von Julius II., dem Gründerpapst der Garde.|
|Die Farben in Felder 2 und 3: siehe Text bei der Zentralfahne. Wir können uns die Farbenabfolge nicht erklären.||Inhaltsfehler im Text? „VEREIN“ statt „VEREINIGUNG EHEMALIGER PÄPSTLICHER SCHWEIZERGARDISTEN“. Keine Militärfahne.

Weihe der neuen Fahne: 5. Mai 2016 (siehe Foto und Besprechung nachstehend)
|Feld 4 ist einwandfrei.|

Die Fahne der Sektion Zürich (1986)

Die Fahne der Sektion Zentralschweiz (1989).
Hier Fahnenstange rechts
|Entwurf von der Heimgartner Fahnen AG, Wil
||Entwurf von Lorenzo Odermatt, Exgardist|
|Der ehemalige Sektionsvorstand wollte folgende Punkte in der Fahne (Angaben von H. P. Heil, Ex-Präsident):||Meine Grundgedanken: Schweiz, Garde und Papsttum symbolisch und farblich als eine Einheit darstellen mit 3-teiliger Fahne und Symbolen (von Bruno B. Heim eingesehen):|
|– Wappen von Julius II, zentral in der

Fahne
|– oberer Teil mit Schweizer Kreuz|
|– Zürcher Kantonswappen||– mittlerer Teil mit den Medici-/della Rovere-

Farben mit Farbenstrahl
|– Gardefarben||– unterer Teil rot mit der Tiara und den

Schlüsseln

An der bisher längsten GV der Sektion entschied sich die Mehrheit aus zwei Vorschlägen für diese Fahne:
Das Kreuz hatte bei der Wahl keine Symbolik, aber es ist mit den Vatikanfarben ausgestattet.
Das Julius-Wappen hatte von Anfang an zentralen Charakter, denn ohne diesen Papst gäbe es vermutlich keine Schweizergarde.

Der Text mit den Kantonswappen hängt als Band herunter. – Wegen der geschichts-trächtigen, ruhmreichen Vergangenheit der Sektion Sottoselva und der sehr engen Beziehungen beider Sektionen wie der geografischen Lage der Sektion Sottoselva, sie liegt im Gebiet der Sektion Zentralschweiz, wurde das Unterwaldnerwappen auf die Fahne der Sektion Zentralschweiz zusätzlich angebracht.
|Betrachtung durch den Heraldiker||Betrachtung durch den Heraldiker|
|Spezifische Erkennung: Die Fahne ist nicht als Ex-Gardistenfahne erkennbar. Es kann irgendein Fahneninhalt sein. Hier überwiegt das Blau, zwar sind die Medici- und della Rovere-Farben versteckt.||Auf den ersten Blick kann man keine Exgardisten-Fahne erkennen. Doch sind die Medici- und della Rovere-Farben enthalten (siehe Text zu Feld 2 und 3 bei der Zentralfahne).|
|Das Obereck ist gut gelöst.||Das weisse Band oben ist die Krawatte (gut gelöst). Hier fällt ein inhaltlicher Fehler auf. Das Band trägt folgenden Text: „PÄPSTLICHE SCHWEIZERGARDISTEN SEKTION ZENTRALSCHWEIZ“. Es müsste heissen: „EHEMALIGE PÄPSTLICHE SCHWEIZERGARDISTEN SEKTION ZENTRALSCHWEIZ“.|
|Das Papstwappen von Julius II. ist korrekt, die Zahl „1506“ darf nicht darin stehen.||Das Schweizerkreuz erübrigt sich, weil Kantonswappen in der Nähe sind. Es stört heraldisch.|
|Statt dem weissen Kreuz enthält es die päpstlichen Farben. Das Kreuz ist geständert, d. h. die Farben stehen seitenverkehrt zueinander.||Stattdessen empfehlen wir dort ein Emblem des Hl. Stuhles. Das Emblem auf dieser Fahne ist von Bruno Heim entwickelt. Es nähert sich dem jetzigen stylisierten Emblem des Hl. Stuhles.|
|Felder 2 und 3 sind rein rot. Siehe Erklärungen zur Ostschweizer Fahne.||Gesamtkonzeption: Die Keilform stört nicht.|
|Diese Fahne enthält einen Schwenkel, der direkt oben an der Fahne sitzt. Dieser Schwenkel sieht man vor allem an historischen Zürcher Standesfahnen (auch GL und AG). Heraldisch sieht man lieber eine Krawatte (hängendes Band). – Der Schwenkel wird auch Zagel genannt. Er bedeutete ein besonderes Ehren- und Hoheitszeichen (Pannermehrung). Aber im Mittelalter auch ein Schandmal für den Verlust eines Banners in der Schlacht.||Zur Keilform: Die Fahnen der Schweizerischen Regimenter in französischen Diensten sind ausnahmslos geflammt. Dreiecksformen wie hier oder gar quadratische findet man nirgends vor. Zudem verzichtete man bei dieser Sektionsfahne auf das weisse Reisläufer-Kreuz, das früher beinahe alle Regimentsfahnen-Fahnen trugen und dadurch als Militärfahne ausgewiesen wurde. Man beachte, dass die heutige Päpstliche Schweizergarde die letzte schweizerische Reisläufer-Einheit ist.|

Die Fahne der Sektion Fribourg/Freiburg (1995)
|Ideen von 6 Sektionsmitgliedern zuhanden einer Fahnenkommission (Alexander Chassot, Präs.), die die Vorschläge auf einen Nenner brachte.|
|Die Fahne hat keinen Text. Die Bezeichnung EHEMALIGE PÄPSTLICHE SCHWEIZER-GARDISTEN FREIBURG“ ist zweisprachig im hängenden Band an der Stange.|
|Das weisse Kreuz und die geflammten Schweizergarde-Farben (von der Sektions-GV geflammt verlangt, die Kommission wollte sie waagrecht), sind geschichtlich nachweisbar.|
|Oben links: Kathedrale, Les Tornalettes (Signet der Stadt Fribourg) mit Gardist zusammen ergeben das Corporate Identity der Sektion Fribourg/Freiburg.|
|In der Mitte der Fahne der Kranz mit dem Kantonswappen.|
|Unten rechts das Papstwappen.|
|Betrachtung durch den Heraldiker|
|Gute Lösung. Die klassischen Muster sind enthalten: durchgehendes weisses Kreuz, geflammte Felder 2 und 3 entsprechen den Schweizer Militärfahnen des 18. Jahrhunderts.|
|Das alte Kirchenstaatswappen (wäre der gelbe Schlüssel links, handelte es sich um das Original-Staatswappen des Staates der Vatikanstadt) sollte z. B. durch ein Emblem des Heiligen Stuhles ersetzt werden und müsste in Feld 1 (Obereck) statt 4 stehen.|
|Der jetzige Inhalt in Feld 1 (Corporate Identity) ist eigentlich überflüssig.|
|Den Eichenkranz in der Mitte mit dem Wappen des Kantons Fribourg (zweisprachig) kennen wir von der Kommandantenfahne im Vatikan und hat die Bedeutung von „besondere Ehre und Auszeichnung“ für den Gardekommandanten. Hier wurde das dem Kanton Fribourg zuteil. Ob das die Absicht war als Hauptaussage des Fahnens? Den Kranz sähe man eher nur im Gardefahnen.|
Die Fahne der Sektion Wallis (2016)
Entwurf vom Fahnen-Komitee unter dem Präsidium von Bernhard Rotzer, Sektionspräsident, mit folgenden Absichten:
Nach Eurer Stellungnahme (Dr. Dreyer/Affentranger) haben wir sofort die Schlüsselfarben gewechselt, damit diese mit den Vatikanschlüsseln übereinstimmen. Ansonsten wird die Fahne so gelassen, wie es vom Komitee genehmigt wurde. Sie sieht gut aus und hat ähnliche Züge wie die Kommandantenfahne in Rom. Folgende Absichten waren massgebend:
- Das Walliserwappen ins Zentrum stellen, damit nicht rot auf rot gerät
- Die Farben blau und gelb gehören zusammen, da der Gründerpapst Julius II. diese Farben in seinem Wappen hatte, rot kam erst bei Papst Klemens VII. hinzu.
- Pius VII. hatte auf seinem Wappen die Inschrift PAX. 3 Wörter überfüllen hier die Fahne nicht.
- Oben links: Petrusschlüssel mit Tiara: Vatikansymbole in Vatikanflagge.
- Unten rechts: Acriter et fideliter, Gardeideal.
- In der Mitte: Walliser Wappen mit Lorbeerkranz. Der grüne Lorbeerkranz wurde hinzugefügt, um das teils rote Walliser Wappen mit den anderen roten Teilen der Flagge zu differenzieren.
- Oben rechts, unten links: die 3 Farben rot, blau gelb, sind die Farben des
Papstes Medici Klemens VII. (Sacco di Roma). Der Gründerpapst Julius II.
hatte die Farben blau und gelb. Diese Farben wurden in der
Flammenschwertform gewählt, d. h., Flammenschwertträger stehen bei
der Vereidigung rechts und links der Fahne, auf welche die Gardisten ihren
Eid ablegen.
Betrachtung durch den Vexillologen/Heraldiker
Die Fahne ist schön, zweckmässig und mit der heutigen Computertechnik wirklich fantastisch schön gelungen. Wenn man die Fahne betrachtet, fällt zuerst der Kranz im Zentrum ins Auge. Gardefahne? Wenn die Fahne nicht im Winde flattert, erblickt das Auge zuerst Tiara und Schlüssel. Gardefahne? Bei langem Hinsehen ist es doch nicht die Gardefahne. Nur bei schön flatternder Fahne hat sie irgend etwas mit dem Wallis zu tun. Sie hat starke Ähnlichkeit mit der Gardefahne. Der Kranz sollte aus Respekt nur ihr und dem Kommandantenwappen überlassen sein (gilt auch für die Sektionsfahne Fribourg). Der Kranz bedeutet „besondere Ehre und Auszeichnung“, eher gedacht für Personen und Korpseinheiten (vielfach auch im Römisches Reich). In der Sektionsfahne Wallis ist es eine Auszeichnung oder eine Ehre für den Kanton Wallis. Es ist neu, wenn ein Kanton primär in eine Exgardisten-Sektionsfahne gestellt wird. Entspricht das der Absicht und der Verwendung der Fahne? Meiner Meinung nach ist der Kranz deplatziert; er gehört nicht in eine Sektionsfahne. Vorschlag: das Walliser Wappen in ein Fahnenfeld.
Feld 1: Der gelbe Schlüssel wurde im letzten Moment während der Fabrikation links gestellt. Nur das Papstwappen hat den gelben Schlüssel rechts. Die Schlüsselbärte müssen hier nur ein Kreuz aufweisen. Nicht das „heilig Rych“, wie jetzt auf der Fahne. Wenn die Sektionsfahne die Sektion Wallis vertreten soll, dann muss das Walliser Emblem zuoberst, zuvorderst platziert sein.
Feld 2 und 3: Flammen in den Medici-Farben. Vorschlag: statt 9 nur 5 Flammen; weniger ist mehr. In der Folge rot-gelb-blau-gelb-rot (wie auf der Gardefahne). 9 Flammen sind verwirrend und eine knallige Masse.
Feld 4: Drei Wörter: ACRITER ET FIDELITER. Fahnen sollten keinen Text enthalten (Der Vexillologe spricht von gestalterischer Armut und fehlendem Selbstbewusstsein). Wenn schon, dann den gelben, schwarz umrandeten Schriftzug in den Kreuzbalken. Was man hier juristisch abklären muss, ist das Nutzungsrecht des Garde-Wahlspruches. Wenn man dieses Recht eng auslegt, sollte diese Devise nur von der Garde benutzt werden können. Ist sie ein allgemeines Credo, könnte meines Erachtens die Benutzung möglich sein. Die Verwendung des Emblems des Heiligen Stuhles und des Wahlspruches bedürften sowieso der Bewilligung der Nuntiatur in Bern oder des Gardekommandanten.
Der Schwenkel ist überflüssig. – Will man (An)-Erkennung für die Fahne möglichst vieler Menschen, muss sie möglichst einfach, unverschlüsselt, durch eindeutige Symbolik und kontrastreiche, möglichst wenige Farben, von weitem gut erkennbar, direkt das Auge und Herz anspringen. Je mehr Farben, je mehr Symbolik, je komplexer das Design, desto weniger fixiert das Auge sie, desto schneller verglüht die Erinnerung an sie. Insgesamt also hätte die Walliser Sektionsfahne durch Abspecken der überladenen Symbolik an Statur, Identität und Eleganz nur gewinnen können.
Dr. med. Ernst Dreyer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Vexillologen, Zollikofen
Die Fahne der Sektion italienische Schweiz (2016)
Sezione della Svizzera italiana
(Fahnenweihe am 5. Juni 2016 in Bellinzona)
Entwurf vom Comitato-Bandiera unter dem Präsidenten Graziano C. Rossi, auch Präsident der Sektion Svizzera italiana.
Folgende Absichten haben uns zum Entwurf geführt (siehe auch DER SCHWEIZERGARDIST 1/2013):
- Wir wollten eine Reisläuferfahne (wie das auch der Fall ist bei 7 anderen Fahnen der Exgardisten) mit dem bekannten weissen Kreuz
- Im Querbalken des Kreuzes wollten wir den Wahlspruch der Garde in Lateinisch
- In Feld 2 und 3 platzierten wir die Medicifarben zwei Mal hintereinander, getrennt mit einer weissen Flamme (von Heimgartner Fahnen so vorgeschlagen)
- In Feld 4 stellten wir das Emblem des Heiligen Stuhles
- In Feld 1 wollten wir die Kantonswappen jener Kantone, in welchen italienisch die offizielle Sprache ist, nämlich Tessin und Graubünden (TI, GR). Die Wappen diagonal von der oberen rechten Ecke zur unteren linken, Graubünden zuerst
- Hintergrund in den Feldern 1 und 4: rot
- Die Fahne versehen mit dem Julius-Damast
- Die Fahne mit einer Krawatte. Text: GSP SEZIONE SVIZZERA ITALIANA
- Die weisse Flamme aus Feld 2 und 3 wurde entfernt
- Den Krawattentext haben wir geändert
- Die Kantonswappen sind neu diagonal von der oberen linken Ecke zur unteren rechten Ecke gestellt, Tessin zuerst. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Form der Kantonswappen sehr passend zur Fahne ist, sogar sehr schön aussieht
- Den Wahlspruch liessen wir im Querbalken des weissen Kreuzes stehen
- Hierauf erteilten wir den Auftrag zur Fabrikation
Betrachtung durch den Heraldiker/Vexillologen
Die Fahne der Sektion Svizzera italiana ist durch die Computertechnik auch ausgezeichnet gelungen. Es ist sehr erfreulich, dass das Comitato auf die Mehrheit der heraldischen und vexillologischen Vorschläge eingegangen ist. Und doch seien Hinweise hier gestattet, nachdem der Kontakt nach den ersten Vorschlägen nicht weiter stattgefunden hat:
Die Kantonswappen mögen als schön empfunden werden, zeigen aber eine antiquierte, urgrossväterliche Schildform (entspricht einer barocken Kartusche, einem Ornament), die nicht zur modernen Generation und Zeit passen; ein Stilbruch.
Besser wären die aktuellen, verfassungsmässigen Halbrundschilde (das Tessin hat ein Wappengesetz). Zudem wäre es besser, wenn die Schilde einen schmalen, goldenen Bord hätten, denn das Tessiner Wappen ist mit seinem Rot im roten Obereck schlicht nicht zu erkennen.
Das Graubündner Wappen muss vom Tessiner Wappen teilweise verdeckt werden, nicht umgekehrt, weil die Mehrheit der Sektionsmitglieder aus dem Kanton Tessin kommt (Stand April 2016).
Bei puristischer heraldischer Betrachtung werden die Medici-Farben mit den Flammen in Feld 2 und 3 richtig wiedergegeben.
Lateinischer Wahlspruch im Querbalken: auch hier gilt die Frage nach dem Recht (Urheberrecht? Historisches Recht? Nutzungsrecht?) wie bei der neuen Walliser Fahne.
Das korrekte Emblem des Heiligen Stuhles in Feld 4 macht sich gut.
Durch die Herausnahme der weissen Flammen wurde die Fahne ruhiger, ehrenwürdiger.
Die Krawatte ist doppelseitig in italienischer Sprache und jetzt inhaltlich richtig. Es ist davon auszugehen, dass es keine rätoromanisch sprechenden Mitglieder gibt.
Es sei gestattet, abschliessend festzuhalten, dass die neue Fahne insgesamt überladen und kompliziert ist: 5 Farben, 3 Wappen, Buchstaben, 3 Muster in 4 Feldern. Aber an dem kann man nichts ändern, wenn das Grundmuster beibehalten werden soll.
Dr. med. Ernst Dreyer, Heraldiker und Vexillologe, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Vexillologen, Zollikofen
illegale Verwendung päpstlicher Wappen und Symbole
Bei dieser Gelegenheit sei noch auf einen Artikel des „L’Osservatore Romano“ Nr. 9 vom 03.03.2017, S. 4, deutsche Ausgabe, hingewiesen:
„Der Vatikan will künftig energischer gegen die illegale Verwendung päpstlicher Wappen und Symbole zu kommerziellen Zwecken vorgehen. Man werde eine systematische Kontrolle einführen und die international üblichen Rechtsmittel zum Schutz der Wappen und Symbole anwenden, teilte das vatikanische Staatssekretariat mit. Der Papst dürfe nicht instrumentalisiert werden. Seine Botschaft müsse geschützt bleiben.“
*****
Die 4 Sektionen Argovia, Bern, Solothurn und Sottoselva der Vereinigung Ehemaliger Päpstlicher Schweizergardisten führen (noch) keine Fahne.
Nicht erläutert sind in dieser Abhandlung das Banner der Kirche, das Papstwappen, das Konklave-Emblem, die Standarte des vatikanischen Staatsoberhauptes und die Gardekommandanten-Fahne (siehe hier unter Fa-Fi; Fahne des Schweizergarde-Kommandanten)
Heraldische Beratung durch
Dr. phil. Dipl. Chemiker Günter Mattern, Liestal
Heraldiker und Alt Chefredaktor des „Schweizer Archivs für Heraldik – Archivio araldico Svizzero – Archives héraldiques suisses“
Alt Vizepräsident der Schweiz. Gesellschaft für Fahnen- und Flaggenkunde
Conseiller honoraire de l’Académie Internationale d’Héraldique
Conseiller honoraire de la Conféderation Internationale de
Généalogie et d’Héraldique
Diese Abhandlung wurde von Dr. G. Mattern erstmals im Oktober 2007 einer Berliner Heraldik-Gesellschaft vorgestellt.
Redaktion
Werner Affentranger
Exgardist, a. Hauptlehrer KV und a. Redaktor der Exgardisten-Zeitschrift
E-Mail: <email-pii>
Erste Ausgabe: August 2007
Zweite, ergänzte Ausgabe: Juni 2013
Dritte ergänzte Ausgabe: Mai 2018
Handling
Markus Affentranger, Flüh
Fotos von
Beat Buck, Eveline Coulaxides, Stephan Meier,
Rita Müller-Camenzind, Werner Affentranger
Mitarbeit
Peter Hasler, a. Major GSP, Città del Vaticano
A. Maggiotto, kaufm. Direktor der Tipografia Vaticana
Exgardisten, die eine Fahne entworfen und/oder zu einem Fahnenentscheid beigetragen haben
Buchhinweise
° Bruno Bernhard Heim, Heraldy in the catholic church, 1978, von Duren, Seite 136
° Smith/Neubecker, Wappen und Flaggen aller Nationen, Battenberg, 1980
° Dr. Emil Dreyer, Dr. Günter Mattern: Merkblätter des Bundesamtes für Zivilschutz,
. Bundesamtes für Zivilschutz, Sektion Kulturgüterschutz, 2004
Internet-Hinweise
– www.vatican.va/news_sevices/press/documentazione/docs_index_ge.htm
– www.vatican.va
– www.schweizergarde.ch
– Google: →flags of the world
Nachtrag zu den Medici-Farben, Dr. med. E. Dreyer
E-Mail vom 29.09.2013
„Die Farben des Medici-Wappens sind der Reihe nach: Gold (oder Gelb), Rot und Blau. Gold, weil die Schildfarbe golden ist, Rot, weil das ursprüngliche Medici-Wappen nur rote Kugeln hatte. Die ursprünglichen Hausfarben waren also Gelb resp. Gold. Die drei Medici-Päpste führten die Farben Rot und Gold; naheliegend, dass die Medici weiterhin die Farben Rot und Gold/Gelb vor die Farbe Blau setzten. Die blaue Kugel mit den drei goldenen Lilien übrigens kam erst 1465 anstelle der oberen roten Kugel dazu, nachdem König Ludwig XI. den Medici die Gnade erwiesen hatte, sein königliches Wappen in ihr Familienwappen setzen zu dürfen. Man könnte auch meinen, dass es 5 rote Kugeln im Wappen gibt, aber nur eine blaue, deshalb Rot wichtiger als Blau sei. Da aber die blaue Kugel zuoberst sitzt, also am Ehrenplatz, d. h. am wichtigsten Platz, wäre nach streng heraldischer Regel zuerst Blau dran, erst danach Rot, da ja diese Farbe im Wappen unter dem Blau platziert ist. Hier aber ist es geschichtlich überliefert, dass die Medici nach dem Gold das Rot setzten, eben wegen dem ersten Medici-Wappen, und Blau erst am Schluss.
In der Heraldik zählt übrigens die „zusammengezählte flächenmässige Grösse“ der Möbel (so nennen wir die im Wappen abgebildeten Objekte) nicht, nur die Position des Möbels im Schild oder aber die Grösse eines einzelnen Möbels zählt. Wäre die blaue Kugel viel grösser als die anderen 5 roten, dann käme die Farbe Blau vor Rot. Tatsächlich werden die Mediciwappen manchmal mit einer etwas grösseren blauen Kugel als die roten dargestellt, dies aber nur, damit man die Lilien darin erkennen kann. – Wer also Blau vor Rot setzt, stellt das Wappen der Medici nicht korrekt dar.“
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Gemeindewappen Kanton Aargau, 2004, Joseph Melchior Galliker, Marcel Giger, Seite 99, Die Wappen
Die Rangfolge von Vorrang und Folgefarbe ergibt sich vom Hintergrund (Schild, Schildfeld) zum Vordergrund (gemeine Figur, Heroldsbild), von oben nach unten resp. heraldisch rechts nach links und vom Hauptsächlichen zum Nebensächlichen.
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Farben bestimmen unser Leben, symbolisieren Wichtigkeit und Freude, drücken unsere Individualität aus und beeinflussen nebenbei auch direkt unser Wohlbefinden. Wie steht es bei den Farben Gelb, Rot und Blau?
Gelb
steht für Licht, Optimismus und Freude, fördert Konzentration und Kreativität und lindert Ängste und Depressionen. Zudem wird gelben Farben eine entgiftende Wirkung nachgesagt, deshalb sie bei Rheuma, Leberstörungen und Immunsystemschwäche eingesetzt werden. Gelb lässt kleine Räume grösser wirken. Ideal für Kinderzimmer und Konferenzräume.
Rot
kann aktivieren, erwärmen, aber auch erhitzen. Es regt den Kreislauf, den Stoffwechsel und das Immunsystem an. In Räumen sollte Rot- insbesondere in einem kalten Ton – eher als Impuls eingesetzt werden, da es schnell unruhig machen kann.
Blau
steht für Ruhe, Vertrauen und Sehnsucht, fördert klares Denken, kann aber auch melancholisch wirken. Die Farbe hilft bei Schlafstörungen und Entzündungen. Kleine Räume wirken durch einen blauen Anstrich grösser. Blau wird gerne in Räumen verwendet, die der Entspannung dienen, besonders in Schlafzimmern.
(Aus bz Spezial vom 18.10.2017, Seite 6)
→ Siehe unter „Vatikan- und Kirchenmix“, Buchstabe Fa-Fi, Nebenregister
„Fahne Gardekommandant“ (die neue Gardefahne von Oberst Christoph Graf)