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Das US Open ist erst einen Wettkampftag alt und schon scheint sich das Image als «Corona-Grand-Slam» eingebrannt zu haben. Am Abend vor den ersten Spielen wurde bekannt, dass die Weltnummer 23 Benoît Paire positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Gemäss Protokoll schlossen die Organisatoren den Franzosen sofort aus dem Feld aus und ersetzten ihn durch Doppelspieler Marcel Granollers.
Doch wie kann es sein, dass Paire, der sich schon seit dem 18. August in der New Yorker «Bubble» befindet, positiv getestet worden ist? Schliesslich wäre das Ziel, dass die Spieler sich dort von der Öffentlichkeit und Covid-19 abgeschottet aufhalten können.
Zuletzt wurden aber vermehrt Stimmen laut, dass die Bubble am US Open gar nicht so dicht sein soll, wie sie angepriesen wurde. Eine der Stimmen ist in diesem Fall Paire selbst. Der 31-jährige Franzose meldete sich gestern per Instagram zu Wort. In seiner Story teilte er den Screenshot eines Wörterbuchs mit dem Abschnitt «sichere Umgebung» und schrieb dazu: «Nicht in der Bubble, das ist sicher.» Es gehe im im Moment gut und er habe keine Symptome, fuhr Paire fort. Und: «Ich zögere noch zu erzählen, was wirklich in dieser fake Bubble abgeht.»
Die Organisatoren des US Open liessen die Kritik nicht lange auf sich sitzen und schrieben in einem Statement: «Es gab klare Anzeichen, dass der positiv getestete Spieler die Sicherheitsmassnahmen des Bundesstaats New York missachtet hat.» Medienberichten zufolge werfen die Veranstalter Paire vor, der Maskenpflicht nicht immer gefolgt zu sein.
Doch Paire ist nicht der einzige, der das US Open und dessen Bubble kritisiert. Bereits gestern äusserte sich Noah Rubin negativ darüber, dass alle Personen, die mit Paire engen Kontakt hatten, weiterhin im Turnier sind. Er glaube deshalb, dass mindestens ein Starspieler betroffen sei und die Organisatoren diese Person nicht disqualifizieren wollen.
Der deutsche Alexander Zverev bemängelt nach seinem Sieg in der ersten Runde (7:6, 5:7, 6:3, 7:5 gegen Kevin Anderson) derweil die Kommunikation des Turniers: «Das US Open hat nicht den besten Job gemacht, uns zu informieren.» Die Spieler hätten die Situation mit Paire über die Medien erfahren. «Ich finde, in so einer Situation müsste uns Spielern zuerst Bescheid gegeben werden. Wir haben Benoit die ganze Zeit gesehen. Wir müssen als Spieler auch wissen, wer mit wem zusammen war», monierte Zverev.
Negative Stimmen gab es auch von Spielerinnen und Spielern, die mit Paire in engem Kontakt standen, etwa Adrian Mannarino oder Kristina Mladenovic. Die beiden Franzosen stehen mittlerweile unter besonderer Beobachtung, weil sie mit Paire Karten gespielt haben. Sie dürfen ihre Hotelzimmer nur verlassen, wenn sie ein Spiel haben – denn zu diesen dürfen sie immer noch antreten. «Das ist mental extrem hart. Ich weiss nicht, wie das weitergehen soll. Schliesslich muss ich irgendwie konkurrenzfähig bleiben können», sagte Mladenovic.
Mannarino meinte nach seiner Erstrundenpartie (6:1, 6:2, 2:6, 6:3 gegen Lorenzo Sonego), dass die «Bubble» eben gar nicht dicht sei: «Gewisse Personen, die für das Turnier arbeiten, kehren am Abend jeweils nach Hause zurück.» Der 32-Jährige sei sich nicht sicher, wo sich Paire mit dem Virus angesteckt habe. Die Wahrscheinlichkeit sei aber gross, dass irgendwo auf dem US-Open-Gelände gewesen sei, meinte Mannarino.
Auf die Frage, mit wem denn Paire alles Kontakt gehabt habe, seit er in New York ist, meinte Mannarino nur: «Vermutlich mit dem halben Spielerfeld.»