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Das Instrument haben wir in Tresnuraghes in einem nicht spielbaren Zustand vorgefunden (Januar 1999). Die Pfeifen waren ausgebaut. Die Tastenbeläge waren in Folge der Feuchtigkeit alle abgelöst. Der Gehäuseunterteil mit der gesamten Balganlage fehlte. Alle Eisenteile waren zum Teil in Zusammenhang mit der Gerbsäure im Holz, sehr stark verrostet. Viele Holzteile sind stark von Schädlingen befallen. Die meisten Leimfugen waren offen. Die Lederteile waren in einem teilweise abgelösten und schlechten Zustand. Es fehlte weiter die Pedalklaviatur, das Frontbrett über der Klaviatur, das Notenpult und die Bank.
Es erfolgte eine genaue Bestandesaufnahme. Die bestehenden Teile und die Pfeifen wurden vermessen. Das Wellenbrett trägt die Signatur: " A. D. 1792 "
Für die Rekonstruktion der fehlenden Teile wurde das Instrument von Scana Montiferru als Vorlage studiert. Das Werk von Tresnuraghes ist eindeutig durch den selben Orgelbauer, in der gleichen Art und den gleichen Materialien hergestellt worden. Obschon dieses Werk in den Abmessungen und registermässig etwas grösser ist, konnte Anhand dieser Vorlage die Bälge, die Kanäle und das Untergehäuse mit denselben Materialien und in der gleichen Machart rekonstruiert werden (Pinien- und Kastanienholz). Die Bälge können mittels Seile aufgezogen werden. Als Alternative kann heute auch ein modernes Elektrogebläse für eine bequeme Windversorgung benutzt werden.
Das bestehende Werk und die Arbeit des Erbauers wurde respektiert. Es erfolgten keine Verbesserungen. Ergänzungen erfolgten stets in den gleichen Materialien mit den selben Dimensionen (Leder, Metalle, Holz, etc.) Es wurde ausschliesslich mit Warmleim gearbeitet (Hautleim). Somit sind alle neuen Arbeiten reversibel. Alle Teile wurden mit Dampf gründlich aber schonend gereinigt. Alle Holzteile wurden gegen die Schädlinge begast. Es mussten teilweise neue Nägel in entsprechender Grösse geschmiedet werden.
Die Registernamen waren weder an den Zügen, noch auf der Lade oder dem Raster angeschrieben. Anhand der Bohrungen im Rasterbrett und wenigen Anschriften auf den Pfeifen konnte die Disposition festgestellt werden.
Principale C,D,E,F Pinie gedackt. G,A - f Pinie offen. Im Prospekt g - cs''
Voce umana ab c'
Ottava ab B
Decimaquinta
Vigesima seconda repetiert bei cs''
Vigesima sesta repetiert bei fs'' und fs''
Vigesima nona repetiert bei cs' und cs''
Auffällig ist, dass die Ottava ab B beginnt. Wir vermuten, dass hier ganz einfach der Platz fehlte, um die grossen Pfeifen unterbringen zu können! Ebenso fehlt eigenartigerweise das Register Decimanona.
Die Pfeifen C,D,E,F,G,A - d im Principale 8' sind wegen der erforderlichen Länge tiefer positioniert als die Windlade. Zwischen Windlade und Stock ist eine Verbindung mit Bambuskondukten. Die Kondukten gehen direkt unter der Lade aus den Kanzellen weg. Somit besitzen die Töne keine Schleifen und klingen immer mit.
Die Prospektpfeifen enthalten 77 % Zinn Die Innenpfeifen sind aus Blei. Die heutige Tonhöhe beträgt 430 Hz bei 18°. Durch Versuche konnte für die optimale Pfeifenansprache ein Winddruck von 42 mm Ws ermittelt werden. Die originale Temperatur konnte leider nicht mehr bestimmt werden. Wir haben uns für eine modifiziert mitteltönige Stimmung entschieden.