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Die Top-Favoriten auf den Meistertitel in der Premier League heissen Manchester City, Manchester United und Chelsea. Etwas im Schatten steht der FC Liverpool, dessen grosse Saison dieses Jahr kommen wird. Wäre da nicht die jüngere Vergangenheit …
Als am 27. April 2014 ausgerechnet Identifikationsfigur Steven Gerrard mit seinem Ausrutscher den 1:0-Führungstreffer für Chelsea durch Demba Ba ermöglichte, da zerbrachen die Liverpooler Titelträume. Zum ersten Mal seit der Saison 1989/90 wollten die «Reds» wieder Meister werden – der Angriff mit Luis Suarez (31 Ligatore), Daniel Sturridge (22) und dem aufstrebenden 18-jährigen Raheem Sterling (9) war Extraklasse. Doch nach elf Siegen in Serie war das 0:2 gegen Chelsea am drittletzten Spieltag verheerend. Manchester City holte Liverpool noch ein und schnappte sich den Meistertitel.
Nach zwei enttäuschenden Saisons 2014/15 und 2015/16 mit den Rängen 6 und 8 verlief die letzte Saison wieder besser: Rang 4 unter Jürgen Klopp, dessen Spielidee in Liverpool immer besser ankommt und vom Team umgesetzt wird. Dass mit «The Normal One» aber noch viel mehr drinliegen würde, zeigt Klopps Statistik gegen die Top-6-Klubs der Liga: 19 Spiele, 9 Siege, 9 Unentschieden, nur eine Niederlage.
Mit dieser hervorragenden Ausbeute gegen die Top-Klubs wäre der Meistertitel eine logische Konsequenz. Doch überdurchschnittlich oft patzen die «Reds» gegen vermeintlich kleinere Gegner.
Von 14 Liga-Niederlagen in der Ära Klopp kassierte Liverpool deren 13 gegen schwächer einzustufende Gegner, welche zum Zeitpunkt der Begegnung nicht in den Top 6 der Tabelle anzutreffen waren.
Dass Liverpool gegen die Top-Mannschaften mehr als nur mithalten kann, überrascht umso mehr, wenn man einen Blick auf die Transfers wirft: Seit Jürgen Klopp in Liverpool Trainer ist (08.10.2015), haben die Reds genau drei Spieler im zweistelligen Millionenbereich verpflichtet: Letzen Sommer waren dies Sadio Mané (41,2 Mio. von Southampton) und Georginio Wijnaldum (27,5 Mio. von Newcastle), in diesem Sommer Mohamed Salah für 42 Mio. von der AS Roma.
Mané und Salah sind dabei die perfekten Flügelspieler für das von Klopp bevorzugte 4-3-3. Gerade das gefährliche Konterspiel, welches Liverpool seit Jahren auszeichnet, ist mit den pfeilschnellen Flügeln nochmals besser geworden.
Doch genau beim überragenden Konterspiel liegt auch das grösste Problem des FC Liverpool. Gegen vermeintliche grössere Teams steht Liverpool weniger unter Druck und kann so geduldig auf Konterchancen warten. Gegen kleinere Teams, die den Fokus auf die Defensive setzen, muss Liverpool das Spiel selbst in die Hand nehmen. Das gestaltet sich oftmals schwieriger, vor allem wenn der Gegner bei Klopps aggressivem Gegenpressing gar nicht erst versucht, das Spiel aufzubauen, sondern den Ball bloss weghaut.
Hier ist Philippe Coutinho ein wichtiger Faktor. Der quirlige Brasilianer bringt gegen tief stehende Gegner die notwendige Kreativität mit. Der 25-Jährige liebäugelt aber mit einem Transfer zum FC Barcelona. Liverpool ist laut diversen Medienberichten bereit, den offensiven Mittelfeldspieler für 140 Millionen Euro plus Boni ziehen zu lassen.
Bleibt Coutinho aber in Liverpool, dann haben die «Reds» durchaus gute Chancen, endlich die Premier League, die es in der jetztigen Form erst seit 1992 gibt, ein erstes Mal zu gewinnen.
Wie stark der Auftritt von Liverpool tatsächlich war, ist gegen das desolate Arsenal, das keinen einzigen Schuss aufs Tor zustande brachte, schwer einzuschätzen.
Nach der Nati-Pause folgt für Liverpool der erste echte Härtetest: Es steht das Auswärtsspiel gegen Manchester City an. Sollte Liverpool dieses ebenfalls gewinnen, mausert es sich tatsächlich zum Favoriten – würden da nicht die Spiele gegen die kleinen Klubs wie Burnley, Leicester und Newcastle folgen. Da könnte sich die unrühmliche Tradition der Punkteverluste gegen Aussenseiter fortsetzen und mal wieder einen Titel kosten.