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Wenn man die Eigenheiten der Muotathaler Volksmusik verstehen will, muss man sich auch mit der Geschichte des Muotathales auseinandersetzen. Denn die Idealisierung und die hartnäckige Erhaltung gehört zur Eigenart der Muotathaler Volksmusik und deren Charakteristik.
Ich habe dazu in der Diplomarbeit „Büchel und Jutz im Muotathal“ (1978) gelesen. Diese sehr interessante Arbeit wurde von Peter Betschart („ds Baschämärtuls“) verfasst. Nachfolgend erwähne ich entweder teilweise ganze Auszüge oder ziehe Schlussfolgerungen aus der Diplomarbeit von Betschart.
Die Lage des Muotatales, ein Voralpen-Tal, eingebettet zwischen den Bergen, ist mitunter entscheidend für die Entwicklung des dortigen Menschenschlages und der dort gespielten Volksmusik.
Schon zur Römerzeit führten Strassen oder Wege von Schwyz her über den Gubel ins Tal, welches sie über den Pragel und den Kinzig wieder verliessen.
1580 wurde ein zweiter Saumweg über Schönenbuch angelegt.
1860 wurde eine Strasse von Schwyz her gebaut, auf der von da an die Postkutsche verkehrte. Trotz dieser Strasse blieb das Muotatal abgeschlossen.
Um 1940 setzte die „Eroberung“ des Muotatales durch Radio, Autos, Militär und Touristen ein. Ganz erfasst wurde es jedoch nie. Wer vom Dorf entfernt wohnte, konnte seine Eigenständigkeit bewahren. Was sich auch im gesprochenen Dialekt niederschlägt, welcher sich bis heute von den umliegenden Gemeinden unterscheidet.
Bis in unsere Zeit hat sich durch die Abgeschlossenheit des Tales ein eigener Menschenschlag entwickeln können. Der Muotathaler hatte vor allem mit seines Gleichen Kontakt, oder lebte für sich alleine auf seinem Hof oder seiner Alp. Dies führte zu einer gewissen Wortkargheit. Erst wenn er einen „Eindringling“ genügend gemustert hatte, taute er auf und begann zu erzählen.
Traditionen, Gebräuche und Redewendungen wurden so über Generationen weitergegeben, dazu gehörten auch Melodien, Tänzli und Jützli.
Der Muotathler zeichnete, oder zeichnet sich eigentlich noch heute mit seinem trockenen Humor, der Schlagfertigkeit und seiner bedächtigen Art aus. Weitere typische Merkmale sind „mit beiden Beinen auf dem Boden stehen“, schollenverbunden und urchig.
Daraus entwickelten sich „sture Traditionalisten“, welche auch in der Ländlermusik zu finden sind. Ein gutes Beispiel war Rees Gwerder, welcher stur an der Tradition festhielt.
Die Traditionalisten sind bekannt für ein natürliches Misstrauen allem Fremdem und Neuen gegenüber. Die (alten) Muotathaler waren genau solche Menschen. Natürlich hat sich das in den letzten Jahren stark verändert. Ich meine aber, ein Kern „Ur-Muotathaler“ ist noch in jedem drin, und zeigt auch den Trend der heute im Tal gespielten Ländlermusik.
Die Eigentümlichkeit des Muotathaler Schlages führte deshalb auch zum „Stegreifspielen“ im Tal. Nur wenige Menschen kannten früher die Noten so gut, dass sie ein Instrument aufgrund derer erlernen oder spielen konnten. Trotzdem hat es bei uns schon immer sehr gute Musikanten gegeben, welche nur aus dem Gehör spielten.
Natürlich sind und waren nicht alle gleich begabt, und alle Tänzli sind nicht gleich schwierig. Doch haben es einige auf der Handorgel und anderen Instrumenten zu wahren Künstlern gebracht.
Was spornte diese Leute an, zu produzieren und nicht nur zu konsumieren? Es ist, so schreibt Peter Betschart in seiner Diplomarbeit „Büchel und Jutz im Muotathal“, ein grosses Interesse vorhanden. Eine Liebe zum gemeinsam Eigenen, der Musik.
Betschart meint weiter, dass im Tal 200 Tänzli zu finden wären. Diese sind nicht von heute auf morgen von einem Komponisten entstanden. Sie sind über Jahrzehnte ohne Wiedergabegeräte tradiert und weiter gegeben worden. Es muss also demzufolge ein gewisses Musikgehör im Muotathaler Volk veranlagt sein. Die Sangesfreudigkeit dieser Menschen lässt diesen Schluss auch zu. Man darf deshalb behaupten, dass der Muotathaler musikalisch ist.
Die Charakterisierung und die Erkennung der Eigenheit des Muotathalers sind als Einstieg für die Geschichte der hiesigen Volksmusik enorm wichtig. Mit diesen Erkenntnissen versteht man die Besonderheiten der Muotathaler Ländlermusik umso besser, und kann sich ein Stück weit in diese Musiker reinversetzen.
Da ich ein waschechter Muotathaler bin, erkenne ich gar einige oben beschriebene Eigenheiten und Charakterzüge in mir. Was beweist, dass diese „guten Dinge“ sich in die Neuzeit retten konnten.
feldwaldwiesenblogger