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Haus Kasinostrasse 3
Die schmalste Fassade in der Winterthurer Altstadt ist das Haus an der Ecke Stadthausstrasse zur Kasinostrasse. In diesem Gebäude befindet sich das renommierte Uhren- und Schmuckgeschäft Mundwiler.
Wer kennt es nicht, das Traditionsgeschäft Mundwiler, Juwelen und Uhren, an der Ecke Stadthausstrasse/Kasinostrasse in der Altstadt? Am 1. Oktober 1955 eröffnete die Familie Mundwiler ihr erstes Geschäft im Erdgeschoss der Hypothekarbank am Untertor. Wegen bevorstehenden Ersatzes des Bank-Gebäudes (heute Schild AG) suchte die Familie für ihr Geschäft einen neuen Sitz. Fündig wurden Mundwilers an der Kasinostrasse. Dort stand das Haus 3 zum Verkauf. Um 1960 war dieses in stark baufälligem Zustand, doch die Lage gab den Ausschlag für den Ankauf. Seither haben Mundwilers das Haus ausgezeichnet instand gestellt und manches erlebt. Wohl noch in aller Erinnerung ist der Raubüberfall mit Geiselnahme.
Doch was macht dieses Haus noch interessant? Wer sich die Mühe macht, auf die Fassade an der Stadthausstrasse zu achten, wird rasch merken, dass das Haus gegen diesen Strassenraum nur eine Fensterachse besitzt. Was als grosses Zeilenhaus gegen die Kasinostrasse auftritt, entpuppt sich als ein äusserst schmales Gebäude, in dem man gegen die Stadthausstrasse nicht mal ein Doppelbett aufstellen konnte.
Der Grund für den äusserst schlanken, lang gezogenen Gebäudegrundriss liegt in der Stadtplanung des 19. Jahrhunderts. Nach der Auffüllung der Stadtgräben wurde der Ruf nach einer neuen Querverbindung durch die Altstadt laut. Ein breiter Strassenzug sollte die Stadthausstrasse über den Neumarkt mit der Technikumstrasse verbinden. 1860 lag das Projekt vor, zuerst wurde der Abschnitt gegen die Technikumstrasse geschaffen und zwei Jahre später der Durchbruch gegen die Stadthausstrasse. Für diesen mussten private Eigentümer Land abtreten. Dem Durchbruch musste ein dreigeschossiges Riegelhaus an der Stelle von Kasinostrasse 3 geopfert werden.
Auf dem Restgrundstück entstand das heutige Haus. Dieses hatte auf die neue Baulinie Rücksicht zu nehmen, weshalb eine nur 2,55 Meter lange Fassade mit je einem Fenster pro Geschoss gegen die Stadthausstrasse entstand. Die Stadt hatte aber ein starkes Interesse an einer würdigen Eckgestaltung an der neuen Strasseneinmündung. Diese Interessen dürfte auch die Casinogesellschaft geteilt haben. Wahrscheinlich ist eine finanzielle Beteiligung. Auf jeden Fall kam es nicht zu einem über Jahrzehnte dauernden Ärgernis wie an der Durchfahrt von der Obergasse in die-Technikumstrasse.
Nachteilig für die Zukunft des viergeschossigen, spätklassizistischen Neubaus erwies sich aber das fehlende Gebäudevolumen. Die stark eingeengten Verhältnisse im Neubau führten wohl schon früh zu einem ausgeprägten Desinteresse am Gebäude, was sich in der Baufälligkeit um 1960 ausdrückte. Familie Mundwiler zeigte, was sich aus der gegebenen, anspruchsvollen Situation alles machen liess.
Text von Heinz Pantli, Bauforscher und Denkmalpfleger. Pantli ist selbstständiger Gutachter und Berater von Behörden und Privatkunden im Bereich der Kulturpflege.