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Der mongolische Herrscher Dschingis Khan war ein Mensch von ausserordentlicher Tatkraft. Und offenbar verfügte er über eine bemerkenswerte Zeugungsfähigkeit: Von dem Mann, der vor rund 800 Jahren die mongolischen Stämme einte und mit seinen kriegerischen Horden ein riesiges Reich eroberte, leben heute rund 16 Millionen männliche Nachkommen – das sind fast so viele Menschen, wie die Niederlande Einwohner haben.
So erstaunlich dieser Befund ist – neu ist er nicht: Bereits 2003 wurde eine Studie publiziert, die dieses beachtliche genetische Vermächtnis des Grosskhans anhand einer Signatur im Y-Chromosom nachwies. Später wurde noch ein anderer Potentat identifiziert, der ebenfalls massenweise Nachwuchs zeugte: Von dem Stammesfürsten Giocangga aus der chinesischen Qing-Dynastie, der im 16. Jahrhundert lebte, sollen 1,5 Millionen Männer in Nordchina abstammen.
Nun konnte ein Forscherteam um Mark Jobling von der Universität Leicester neun weitere Abstammungslinien nachweisen, die bis in die Gegenwart reichen. Die Genetiker, die ihre Studie im Fachblatt «European Journal of Human Genetics» veröffentlichten, hatten die Y-Chromosome von tausenden Männern aus 127 asiatischen Populationen analysiert. Dabei stiessen sie auf elf Gen-Sequenzen, die häufiger auftauchten: Die bereits bekannten von Dschingis Khan und Giocangga, daneben jene von neun bisher unbekannten Männern.
Die Urväter dieser neun Linien lebten nach Einschätzung der Wissenschaftler zwischen 2100 vor und 700 nach Christus im Nahen Osten, in Indien, Südost- und Zentralasien. Einige von ihnen waren Nomaden, andere lebten sesshaft.
Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelte es sich aber um stark hierarchische, patriarchalische Gesellschaften, in denen Polygynie (Vielweiberei) praktiziert wurde. Nur diese Praxis erlaubte es mächtigen Männern wie Dschingis Khan, Kinder mit dutzenden oder gar hunderten von Frauen zu zeugen. (dhr)
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