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Die Königsdisziplin der Leichtathletik fasziniert und bringt viele deutsche Legenden hervor. Für Christian Schenk muss man wegen der Qual "masochistisch veranlagt sein".
Jürgen Hingsen (l.) und Daley Thompson liefern sich viele legendäre Duelle
München - Zehnkampf gilt als Sport für echte Kerle. Zehnkampf bedeutet Schmerzen, Qualen und Schinderei. Zehnkampf verbindet eigentlich unvereinbare Disziplinen.
Zehnkampf ist, wenn Männer, bis zu 100 Kilo schwer und zwei Meter gross, am Ende des 1500-m-Laufs mit letzter Kraft und verzerrtem Gesicht über die Ziellinie stampfen und dann erschöpft auf der Tartanbahn liegen bleiben.
Der Applaus der Zuschauer gilt dann immer nicht allein dem Sieger, sondern auch dem Neunten, 14. oder 18. Männer wie Willi Holdorf, Kurt Bendlin, Jürgen Hingsen, Christian Schenk oder Frank Busemann haben den Zehnkampf in Deutschland zu einem Mythos werden lassen.
"Zehnkampf ist immer auch die Auseinandersetzung mit sich selbst", sagte Holdorf, "eine Art Reifeprüfung in zwei Tagen. Wer erfolgreich werden will, braucht nicht nur Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer, sondern auch Härte und Willenskraft."
Stoff für Legenden
All das hatte Holdorf, als er 1964 in einem dramatischen Finale über 1500 m in Tokio zur Goldmedaille rannte und sich zum ersten deutschen Olympiasieger im Zehnkampf krönte.
Unvergessen sind auch die Bilder, wie sich Bendlin vier Jahre später, dick bandagiert und am Ende seiner Kräfte, zu Bronze schleppte. Oder die epochalen Duelle zwischen dem Briten Daley Thompson und Jürgen Hingsen.
"Er sagt immer: "Du warst eigentlich der bessere Athlet - ich dafür der bessere Wettkämpfer'", sagt Hingsen im Rückblick auf die Zweikämpfe, aus denen er fast immer als zweiter Sieger hervorging, "aber wir haben Geschichte geschrieben und Werbung für den Zehnkampf gemacht."
USA und Deutschland dominieren
Seit 1912 gehört der Zehnkampf zu den Olympischen Spielen. Vor 100 Jahren in Stockholm, am 15. Juli, krönte sich der Amerikaner Jim Thorpe zum ersten "König der Athleten".
Keine Nation war seitdem bei Olympia im Zehnkampf erfolgreicher als die USA - von 66 möglichen Medaillen holten die Amerikaner 24. Dahinter rangieren die deutschen Mehrkämpfer mit zehn gewonnen Medaillen.
Unglaubliche Belastung
Neben Holdorf ist Schenk der zweite Olympiasieger aus Deutschland. 1988 holte er Gold für die DDR.
"Zu diesem kleinen Kreis der Olympiasieger gehören zu dürfen, erfüllt mich mit viel Stolz", sagt Schenk, schliesslich führe der Wettkampf den Athleten an die Grenze der physischen wie psychischen Belastungsgrenze.
Zehnkämpfer sind zwei Tage auf den Beinen, schlafen in der Nacht dazwischen kaum mehr als ein paar Minuten und müssen sowohl morgens um neun Uhr als auch abends um 22 Uhr Höchstleistungen bringen.
"Da muss man schon ein bisschen masochistisch veranlagt sein", sagt Schenk. "Mord in zehn Raten" hat Hingsen den Zehnkampf einmal geschimpft. Doch wer ihn überlebe, so der amerikanische Olympiasieger Bruce Jenner, gewinnt "ein Stück Unsterblichkeit".
"Das Leben in zwei Tagen"
Der neue Weltrekordhalter Ashton Eaton aus den USA hat den Zehnkampf trotz aller Entbehrungen und Qualen "vom allerersten Moment an geliebt.
Ich denke, der Grund, warum der Zehnkampf eine so grosse Anziehungskraft hat, ist, weil man das ganze Leben in zwei Tagen durchlebt", sagte er, nachdem er im Juni 9039 Punkte erzielt hatte.
"Du hast Höhen und Tiefen, Gutes und Schlechtes, liegst am Boden und hast Comebacks. Jeder liebt das Leben, und das ist der Grund, warum wir Zehnkampf lieben - er ist so wie das Leben."
SPORT1