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Lavendelöl-Kapseln vermindern Angst, Erregung und Schlaflosigkeit bei schwer depressiven Patienten. Zu diesem Schluss kommt nun eine aktuelle Fallstudie mit acht Patienten, die sich in psychiatrischer Behandlung befanden.
Patienten mit schwerer Depression leiden häufig auch unter Angst, Erregung und Schlaflosigkeit.
Diese Symptome können schwere Agonie und Leid auslösen und sind oft mit Suizidgedanken verbunden. Ein Teil dieser Patienten befürchtet aber Nebenwirkungen einer umfassenden Pharmakotherapie, hat in der Vorgeschichte bereits Abhängigkeiten von Sedativa oder wünscht gezielt pflanzliche Arzneimitteln.
In solchen Situationen könnten Lavendelöl-Kapseln (Lasea®) eine therapeutische Alternative zu Benzodiazepinen sein. Das Präparat zeigte in Studien eine vergleichbare angstlösende Wirkung wie Lorazepam (z. B. „Temesta®“, diverse Generika).
Nun wurden Falldaten von acht Patienten, die in der Psychiatrie der Charité Berlin wegen schwerer Depressionen behandelt wurden, rückblickend ausgewertet. Die Patienten bekamen zusätzlich zu Antidepressiva pro Tag 80 mg des Lavendelöl-Präparates in den drei Wochen der Akuttherapie.
Der Erfolg der Behandlung wurde mit der Hamilton-Depressionsskala (HAMD-17) gemessen. Die Resultate der Fallstudie: Bei sechs der acht Patienten reduzierte sich die Schwere der Depression deutlich. Bei sechs Patienten sanken die Symptome von Unruhe und Erregung während der Akuttherapie. Darüber hinaus reduzierten sich bei fünf Patienten die psychischen und bei vier Patienten die körperlichen Angstsymptome.
Bei drei der Patienten besserte sich zudem das Einschlafen und das Durchschlafen. Die Autoren ziehen den Schluss, dass das Lavendelöl-Präparat eine vielversprechende – zusätzliche – Behandlungsoption bei schwer Depressiven mit Angst- und Unruhezuständen ist. Das gelte hauptsächlich für Situationen, wenn Patienten eine Behandlung mit Benzodiazepinen ablehnen oder Abhängigkeiten in der Vorgeschichte vorhanden sind.
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/depressionen/article/868278/depression-lavendeloel-mindert-angst.html?sh=13&h=945182341
(Complement Ther Med. 2014; 22: 63-69)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=quante+a+[au]+fißler+[au]
Kommentar & Ergänzung:
Lavendelöl kommt in Aromatherapie und Phytotherapie inhalativ zur Anwendung. In der Phytoherapie gibt es zusätzlich die Anwendung peroral, also via Verdauungstrakt.
Lavendelöl-Kaseln zur Linderung von leichteren generalisierten Angststörungen sind schon in Doppelblindstudien untersucht worden.
Siehe beispielsweise hier:
Dass Lavendelöl-Kapseln nun auch bei Angst im Kontext einer Depression untersucht wird, ist ein interessanter Ansatz. Allerdings ist eine Fallstudie, wie sie hier berichtet wird, nicht annähernd so aussagestark wie eine Doppelblindstudie.
Ohne Kontrollgruppe (Placebo-Gruppe) ist nie zweifelsfrei klar, ob eine Besserung wirklich vom untersuchten Präparat ausgelöst wurde. Es könnte sich bei der beobachteten Besserung auch um einen natürlichen Krankheitsverlauf handeln oder um Einflüsse der Begleitmedikation oder der Lebensumstände.
So interessant diese Ergebnisse aus der Charité Berlin also auch sind. Über die Wirksamkeit von Lasea zur Angstlinderung bei Depressionen sagen sie noch wenig Greifbares aus.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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