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oder Hamburger, auch Elbkaviar genannt wird und zwar viel kleinkörniger als guter russischer ist, indes auch mit Genuß
gegessen werden kann. In Rußland werden
Stör, Hausen etc. in den großen Flüssen, die ins Kaspische und Schwarze Meer fallen,
im Sommer und Winter gefangen und auf Kaviar,
Hausenblase und
Fleisch völlig ausgenutzt, während bei
uns das Störfleisch nicht Vielen munden will. Der Fischrogen, wenn solcher vorhanden, wird sofort nach der Erlegung der
Fische dem Bereiter übergeben und von diesem gewöhnlich in eine bessere und geringere Sorte geschieden.
Letztere wird einfach gesalzen und in kleine Holzfäßchen gefüllt. Die gute Sorte verarbeitet man entweder
zu gepreßtem oder zu körnigem K. Die Masse wird sanft durch Siebe gerieben, auf welchen die
Häute zurückbleiben. Was gepresst
werden soll, wird in konzentrierter Salzlösung so lange gerührt, bis es reif ist, d. h. sich
in der Hand ballen läßt, dann ausgeschöpft, abtropfen gelassen und in Bastsäcken in Massen von etwa 60 kg
unter die Presse gebracht, alsdann in kleine leinene Säcke, die etwa 2½ kg fassen, oder in Fässer fest eingestampft.
Der körnige Kaviar wird bloß durchgerieben und zwar gleich in die für ihn bestimmten Fässer, wo er schichtenweis mit
trocknem
Salz, je nach der Jahreszeit, ½-1 kg auf das Pud (20 kg) eingestreut wird. Diese Fässer enthalten
gewöhnlich 60 kg. Der Preßkaviar ist in den Gegenden seiner Erzeugung eine Speise für Jedermann,
die fast als
Brot gegessen wird. Die echt russische Ware betitelt sich wohl sämtlich
Astrachaner; sie wird um so höher geschätzt,
je größer, unzusammenhängender und glasiger die einzelnen Körner sind. Die Ware hat infolge des Einsalzens
eine fast schwarze Farbe angenommen; im frisch gesalzenen Zustande als heller oder sog. weißer
K. soll er noch vorzüglicher schmecken, was aber natürlich nur an Ort und Stelle konstatiert werden könnte. - Einfuhrzoll
s. Tarif im Anh. Nr. 25 n.
in Schottland und Irland die an den dortigen Küsten und Inseln durch Verbrennen verschiedner Arten von Seetangen
gewonnene Asche, aus der man früher durch Auslaugen kohlensaures Natron sowie auch Kalisalze gewann.
Was gegenwärtig noch
von dieser Industrie übrig ist, hat ein andres Hauptziel, nämlich die Gewinnung vonJod, unter welchem
Worte Näheres.
eine Benennung, die in alle drei Naturreiche einschlägt. Aus dem Tierreich erstlich stammen die Kermeskörner
oder Scharlachbeeren (grana chermes), ein Färbmaterial, das schon im fernsten Altertum zum Rotfärben diente und erst dann
in den Hintergrund trat, als die
Cochenille aus Amerika in Gebrauch kam, welche schöner und haltbarer
färbt
und viel ausgiebiger an Farbstoff ist. Wie diese besteht auch der Kermes aus den getrockneten trächtigen Weibchen
einer Schildlaus, Coccus ilicis, welche auf den Zweigen der im südlichen Europa und im Orient häufig wachsenden strauchartigen
Scharlacheiche (Quercus coccifera) lebt.
Das Weibchen schwillt nach der Befruchtung kugelförmig auf, strotzt von
Eiern und rotem Farbstoff und
wird in diesem Zustande gesammelt. Man tötet die
Tiere durch Besprengen mit
Essig und trocknet sie an der Sonne. Sie bilden
glatte oder etwas runzliche, getrocknet dunkelrotbraune, zum Teil auch violette, den Korinthen ähnliche Körner, teils hohl,
teils mit einem körnigen roten Staube erfüllt, äußerlich mit einem weißlichen Staube oder Schimmel
überzogen.
Gekaut färben sie den Speichel braunrot, geben zerrieben ein rotes Pulver und mit Zinnsalz ein feuriges Scharlachrot. Sie
sind in den Ländern ihres Vorkommens sehr häufig und dienen dort auch noch zum Färben, namentlich im Orient, bei uns sind
sie nur noch Handelsware ohne alle Bedeutung und kamen früher in größern Mengen aus dem südlichen
Frankreich (Rhonemündung), Spanien, Italien-, Nordafrika, Griechenland und dem Orient. Die spanischen gelten als die besten.
Die Bezeichnung der getrockneten
Tiere als Beeren stammt natürlich aus frühern Zeiten her, wo über den Ursprung fremder
Produkte mancherlei Irrtümer herrschten.
Inzwischen haben sich aber auch wirkliche Beerenfrüchte hinzugefunden, die eigentlichen Kermesbeeren, denen dieser Name
offenbar zugefallen ist, weil man sie in gleicher Weise, wie die vorige Drogue auf ihren roten Farbstoff benutzte. Jetzt
werden sie wohl kaum noch zum Färben verwendet, nur in Italien soll man sie zuweilen zum Färben von
Rotwein benutzen, wovon jedoch ihrer abführenden Wirkung wegen abzuraten ist. Es sind dies die Früchte eines aus Virginien
nach dem südlichen Europa verpflanzten und dort verwilderten, schon in Österreich häufig vorkommenden, ausdauernden Gewächses,
Phytolacca decandra. -
Der mineralische K. (Kermes minerale) endlich ist ein altes, unter dem Namen Karthäuserpulver bekanntes
und zuweilen noch jetzt medizinisch gebrauchtes Antimonpräparat, das erhalten wird durch Kochen von schwarzem Schwefelantimon
mit Pottaschelösung. Beim Erkalten der filtrierten Lösung fällt der K. als Niederschlag heraus und bildet ein feines,
leichtes, schön rotbraunes Pulver, welches aus Schwefelantimon und Antimonoxyd in wechselndem Mischungsverhältnis besteht.
- Alle 3 Arten von K. sind zollfrei.
(Lichter,Lichtkerzen, frz. bougies, engl. candles);
es sind dies bekanntlich aus verschiednen brennbaren und leicht schmelzbaren Stoffen gefertigte lange cylinderförmige Körper,
in deren Mitte, der Längenaxe entsprechend, ein Docht angebracht ist. Je nach dem Materiale, aus dem die K. gefertigt werden,
unterscheidet man: Talgkerzen, Stearinkerzen, Wachskerzen, Palmwachskerzen, Walratkerzen, Paraffinkerzen
und Ceresinkerzen. Die Materialien dieser K. sind unter ihren
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mehr
besondern Namen beschrieben, sodaß es genügt, hier nur einiges Allgemeine über die K. selbst hinzuzufügen. Es tritt uns
hier zunächst die volkstümliche Talgkerze entgegen, welche allerdings bei uns mehr und mehr vor den wohlfeil gewordenen
Stearinkerzen weichen muß. Indes ist ihre Fabrikation in Süddeutschland, in Polen und Rußland immerhin noch
sehr bedeutend. Das Talglicht hat bekanntlich den Übelstand, daß es trübe brennt, wenn es nicht fleißig geputzt wird,
und dies ist nicht abzustellen, denn die Erfindung der bei den übrigen K. gebräuchlichen sich selbst verzehrenden Dochte
kann hier nicht angebracht werden, da der Talg unter allen Umständen einen dicken Docht haben muß, weil
er zu leichtflüssig ist und der Docht zugleich als Reservoir für den geschmolzenen Teil desselben zu dienen hat.
Man bereitet die Lichter aus einer Mischung von gereinigtem Rinds- und Hammeltalg, die vereint eine bessere Masse bilden
als jeder Stoff einzeln. Das früher übliche Ziehen derselben, indem man eine Anzahl an einem Stabe
hängender Dochte wiederholt in geschmolzenen Talg tauchte, bis die verlangte Dicke erreicht war, kommt kaum mehr vor, vielmehr
ist jetzt das Gießen der K. allgemein und zwar dienen hierzu Formen aus einer Komposition von Zinn und Blei. Die einzelnen
Formen, welche etwas konisch sind, damit die gegossene Kerze sich herausheben läßt, werden mit dem
obern Ende nach unten in großer Anzahl in den mit einer Menge runder Löcher versehenen Gußtisch eingehangen, dann die
Dochte mit Haken eingezogen und zugleich ein kleiner Eingußtrichter auf jede Form gesetzt, der einen Quersteg hat, an welchen
der Docht angehangen wird, indes derselbe in dem an der Spitze befindlichen Loche sich von selbst einklemmt.
Jede Form wird einzeln vollgegossen, wenn der Talg die rechte Temperatur hat, die sich dadurch kenntlich macht, daß sich
auf der Oberfläche ein Häutchen zu bilden beginnt. Das Gießen in dieser Weise läßt sich nur bei
kühler Witterung, also zur Winterzeit ausführen, denn wenn die Lufttemperatur höher als 8° R. ist, gehen die K., die
immer mehrere Stunden zur Abkühlung brauchen, gar nicht aus den Formen. Man hat aber diesen Übelstand durch Gießmaschinen,
bei denen eine künstliche Wasserkühlung in Anwendung kommt, zu beseitigen vermocht, und es können
mit solchen Apparaten in den heißesten Sommertagen K. bequem gegossen werden. - Die Talglichter gewinnen durch Ablagern
an Härte und Güte; ihre gelbliche Farbe kann durch Aussetzen an die Luft verbessert werden. -
Das Gießen der Stearinkerzen, die erst seit Anfang der dreißiger Jahre Gegenstand der Fabrikation sind, ist
nicht so einfach wie das der Talglichter. Das Stearin nimmt beim Erstarren ein großkristallinisches Gefüge an, was den K. ein
häßliches Ansehen gibt und sie außerdem sehr zerbrechlich macht. Zur Vermeidung dieses Übelstandes muß man der Masse
stets einige Prozente Wachs zusetzen, statt dessen man jetzt auch Paraffin verwendet. Ferner läßt man
vor dem Gießen das Stearin unter beständigem Umrühren so weit erkalten, daß es dickflüssig zu werden beginnt.
Es ist
dies die Folge der schon beginnenden Kristallbildung, die aber durch das Rühren gestört wird, sodaß große Kristalle nicht
auftreten können.
Eine solche dem Gestehen nahe Masse läßt sich aber begreiflich nicht in kalte Formen gießen; diese
müssen vielmehr auf etwa 50° C. angewärmt sein. Die Formen werden entweder einzeln vollgegossen und haben dann eine trichterförmige
Erweiterung, oder häufiger in Vereinigung von 20-30 Stück mit gemeinschaftlichem Einguß. Ein solches Ensemble heißt ein
Park. Nachdem die Dochte eingezogen sind, werden die
Parks in warmem Wasser oder in einem Dampfkasten angewärmt und dann soviel Stearin hineingegeben, daß auch der Einguß mit
gefüllt ist. In diese überschüssige Masse legt man sogleich zwei Handhaben ein, die nach dem Erkalten festhaften und zum
Ausheben des Gusses dienen.
Durch Abbrechen werden die einzelnen K. von der Gießleiste getrennt. Man hat in großen Fabriken auch
Maschinen, welche den Guß wesentlich fördern. Dies geschieht vornehmlich dadurch, daß das Einziehen der einzelnen
Dochte erspart wird, indem man so zu sagen endlose Dochte anwendet. Für jede Form ist eine Dochtrolle vorhanden; wird ein
erkalteter Einguß durch ein Hebezeug aus der Form gehoben, so folgt von unten frischer Docht nach und
die Form ist wieder zum Einguß bereit. Die Formen stehen zu etwa 200 in einem ganz geschlossenen Kasten, durch dessen Decke
die Mündungen herausstehen, und in welchem sie durch abwechselnden Zutritt von Dampf und kalter Luft oder Wasser gewärmt
und gekühlt werden. Die Stearinkerzen haben das Gute, daß ihre Masse beim Erkalten ziemlich stark schwindet,
daher das Herausziehen aus den Formen keine Schwierigkeiten hat.
Der Guß von Paraffinkerzen erfolgt ähnlich wie bei den vorigen: die Formen werden angewärmt, die Masse ganz dünnflüssig
eingegossen und die Formen dann mit kaltem Wasser gekühlt. Die Paraffinmasse, namentlich wenn sie etwas
weicher Konsistenz ist, hat wieder die Eigenheit, daß sie schwierig aus der Form geht. Zur Beseitigung dieses Übelstandes
hat man den Gießmaschinen, welche meistens für den Guß dieser K. in Anwendung sind, die Einrichtung gegeben, daß jede
Kerze nach dem Erkalten durch einen Piston, welcher vom spitzen Ende nach dem dicken zu schiebt, hinausgetrieben
wird.
Endlose Dochte und alle zweckmäßigen Vorkehrungen zur Erwärmung und Kühlung sind auch bei diesen Maschinen in Anwendung.
Die Fabrikation von Stearinkerzen ist jetzt überall vertreten, indes Paraffinkerzen und ihre Fabrikation ihren Hauptsitz
in der preußischen Provinz Sachsen haben, weil da die passenden Braunkohlen liegen. Die Fabrikation ist
zu großer Bedeutung gelangt und man stellt jetzt die Ware weit besser her als früher, sodaß das unangenehme Krummziehen
fast ganz beseitigt ist. Einesteils wird jetzt das Paraffin selbst besser hergestellt, andernteils gibt der Zusatz von einigen
Prozenten Stearin der Masse eine größere Härte. Auch aus zu weichem Paraffin macht man durch Zusatz
von ebenso viel Stearin noch K., die für Primasorte Stearinkerzen
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