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Viele Touristen - aber auch die grosse St. Helena Diaspora in Kapstadt - wünschen sich schon lange regelmässige Flugverbindungen mit AIRLINK von Kapstadt nach St. Helena. Aktuell werden Flüge nur ab Johannesburg angeboten und man muss aufgrund der Flugzeiten jeweils in Johannesburg übernachten.
Im Oktober erwarb AIRLINK 40% der Anteile an FLY NAMIBIA, aktuell der einzigen namibischen Fluggesellschaft nach dem Konkurs von Air Namibia während der COVID-Pandemie. Was könnte das für St. Helena bedeuten?
Aktuell müssen die Flüge von Johannesburg nach St. Helena in Walvis Bay einen technischen Zwischenhalt zum Auftanken einlegen. Die Regierung von Namibia verbot jedoch vor der Pandemie, dass in Namibia Passagiere zusteigen können. Das kann möglicherweise darauf zurückzuführen sein, dass sich ursprünglich AIR NAMIBIA auch für die Flugroute nach St. Helena interessierte, die südafrikanische SA AIRLINK jedoch das Rennen machte. Das mit der Verweigerung der namibischen Behörden, während des Zwischenhalts in Namibia auch (Umsteige-)Passagiere zuzulassen, kann eine entsprechende Retourkutsche gewesen sein.
Das Passagieraufkommen nach St. Helena wird - von der Weihnachtszeit vielleicht abgesehen - in absehbarer Zeit keinen Direktflug von Kapstadt nach St. Helena rechtfertigen. Möglicherweise kann aber mittelfristig die neue Zusammenarbeit zwischen AIRLINK und FLY NAMIBIA eine Umsteigeverbindung in entweder Walvis Bay oder Windhoek von/nach Kapstadt ermöglichen. Sollte Windhoek Hosea Kutako als Umsteigeflughafen gewählt werden, so könnte von Frankfurt aus sogar Umsteigeverbindungen ohne Übernachtungen in Windhoek möglich sein. Gem. Aussage des CEOs von AIRLINK seien in der Zwischenzeit die regulatorischen Hürden überwunden. Aber es gäbe auch noch offene operationelle Fragen, welcher Flughafen als Umsteigeort gewählt werden sollte.
Die grösste Hürde sind aber kommerzielle Überlegungen: Im Moment sei das Passagieraufkommen schlicht zu klein, als dass sich eine Änderung des status quos aufdrängen würde. Da die Flugzeuggrösse für Flüge nach St. Helena unter anderem aufgrund der Pistenlänge limitiert ist, kann das Passagieraufkommen nur minim gesteigert werden. Fazit: Es dürfte noch lange dauern, bis die von vielen gewünschte Anschlussverbindung ab Kapstadt realisiert werden wird - sofern überhaupt.
Wer über die Insel und dessen Geschichte etwas detaillierter informiert sein will findet in der jährlich erscheinenden Zeitschrift "Wirebird" vom Verein "Friends of St. Helena" immer spannende und zuweilen ungewöhnliche Geschichten über St. Helena. In der soeben erschienen Ausgabe 51 werden zum Beispiel die folgenden Themen behandelt:
Die Zeitschrift wird ausschliesslich den Mitgliedern der "Friends of St Helena" zugestellt und ist nicht im öffentlichen Handel erhältlich. Die Mitgliedschaft kostet für £ 30.-- pro Jahr (ausser man lebt in England oder auf St. Helena, dann wird es billiger). Neben dem "Wirebird" erhält man zweimal jährlich noch die Zeitschrift "St Helena Connection", welche jeweils aktuelle Themen aufgreift. Anmelden und informieren kann man sich auf www.friendsofsthelena.com oder per E-Mail an <email-pii>.
Am 14. Oktober 2017 landete eine Embraer E190 von SA Airlink als erster kommerzieller Flieger auf dem neueröffneten Flughafen von St. Helena. Die Anfangseuphorie hat - natürlich auch durch die COVID-19-Pandemie - in der Zwischenzeit einen kräftigen Dämpfer erhalten. Die komplette Abschottung der Insel vom Frühling 2020 bis in den Sommer 2022 hat das zarte Pflänzchen des aufstrebenden Tourismus wieder in Vor-Flughafenzeiten zurückversetzt. Es ist zu hoffen, dass es die Insel nun in einem zweiten Anlauf schafft, sich als stabile, nachhaltige Nischen-Tourismusdestination mit guten Serviceleistungen zu etablieren. Ein erster Schritt ist - natürlich neben der Wiederaufnahme der wöchentlichen Flüge von Johannesburg nach St. Helena im August 2022 - sicherlich die Wiedereröffnung des einzigen 4-Sterne-Hotels auf St. Helena, dem Boutiquehotel Mantis St. Helena, Mitte Oktober 2022.
Das von Google finanzierte Glasfaserkabel Equiano (benannt nach einem westafrikanischen Schriftsteller aus dem 18. Jahrhundert) verbindet Portugal mit Südafrika und mit Seitenästen nach Westafrika, Namibia und St. Helena. Das Kabel soll in der ersten Hälfte 2023 in Betrieb genommen werden.
Ein Glasfaserkabel nützt aber auch nur etwas, wenn auf St. Helena die berühmte "letzte Meile" leistungsfähig ist. Deshalb hat die Regierung von St. Helena mit der englischen Telekommunikationsfirma Maestro Technologies eine Vereinbarung unterschrieben, um ein neues Glasfaserkabelnetz auf St. Helena aufzubauen und gleichzeitig ab 1. Januar 2024 die Telefon- und Internetdienstleistungen auf St. Helena anzubieten. Ein interessantes aber sehr wichtiges Detail: Das Glasfasernetz wird im Besitz der Regierung von St. Helena sein und nicht im Besitz der Telekommunikationsfirma. Dies wird in Zukunft sicherlich helfen, wenn es um die Ausschreibung von neuen Telekommunikationsaufträgen geht.
Zunächst einmal: Wie fühlt es sich an, Direktor eines Museums zu sein, das aufgrund der bis vor kurzem noch bestehenden Reisebeschränkungen kaum Besucher hatte?
Es waren sehr seltsame zwei Jahre, wie Sie sicher alle erfahren haben. Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als dass die Menschen das Museum besuchen können, um etwas über die Geschichte der Insel zu erfahren. Leider war dies im Interesse der öffentlichen Gesundheit nicht möglich. Das heisst aber nicht, dass wir keine Besucher hatten, darunter viele Einheimische, vor allem Schulklassen, die sich für bestimmte Themen interessieren. Es gab auch eine sehr kleine Anzahl von Touristen, die bereit waren, die zehntägige Quarantäne zu überstehen.
Zweitens: Wie sind Sie dazu gekommen, als Direktor für das St. Helena Museum zu arbeiten? St. Helena ist nicht gerade der Ort, an dem man üblicherweise eine Stelle in einem Museum annimmt?
Ich kam 2012 arbeitslos auf die Insel, zusammen mit meiner Partnerin, einer gebürtigen Saint. Innerhalb der ersten Monate begann ich an der Secondary School als Geschichtslehrer zu arbeiten, da mein akademischer Hintergrund Geschichte ist. Nach etwa 18 Monaten als Lehrer bot sich die Gelegenheit, als Assistent im Museum zu arbeiten, und innerhalb der nächsten Jahre trat der damalige Direktor zurück. Ich bewarb mich auf die Stelle des Direktors! Es war eine Reihe von schicksalhaften Ereignissen, die mich in diese Position brachten und ich schätze mich sehr glücklich, dass es so gekommen ist.
Wie viele Besucher haben Sie in normalen Jahren (z.B. 2018/2019)?
2018 war nach unseren üblichen Erwartungen ein "Boom"-Jahr, denn der Flughafen wurde eröffnet und die RMS St. Helena ging vom Netz. Das brachte eine viel höhere Besucherzahl. Im Jahr 2017 hatten wir etwa 3‘500 Besucher, 2018 stieg diese Zahl auf etwa 5‘400, 2019 ging sie auf 4‘600 zurück, aber das war immer noch eine sehr ermutigende Zahl, viel höher als in jedem anderen Jahr seit 2003. Mit Covid und der allmählichen Einstellung des weltweiten Reiseverkehrs fielen die Zahlen auf 2‘600 im Jahr 2020 und 1‘700 im Jahr 2021, was das schlechteste Jahr in den Aufzeichnungen war.
Was können Sie uns darüber sagen, woher die Besucher kommen (Nationalitäten, aber auch Art des Besuchs wie Kreuzfahrtpassagiere, "normale" Touristen, Expats usw.)?
Der Grossteil unserer Besucher kommt aus Grossbritannien, sei es, dass sie in irgendeiner Form eine persönliche Verbindung zu St. Helena haben oder ein langjähriges Interesse an der Insel. Es folgen französische und südafrikanische Besucher, die ihre eigenen historischen Verbindungen zur Insel haben. Kreuzfahrtschiffe kommen in kurzen, aber sehr grossen Schüben - wir können nur vier bis fünf Schiffe pro Jahr erwarten, die aber manchmal bis zu 2‘000 Passagiere befördern! Normalerweise haben die Kreuzfahrtschiffe ein paar hundert Passagiere an Bord und die Insel ist den ganzen Tag über belebt. Diese Schiffe scheinen eine Mischung aus europäischen und nordamerikanischen Besuchern zu sein.
Was sind Ihre aktuellen Aufgaben/Projekte, an denen Sie gerade arbeiten?
Im Moment arbeiten wir daran, das Museum nach der Aufhebung der Quarantänebeschränkungen im August 2022 auf den erwarteten Anstieg der Besucherzahlen auf Vordermann zu bringen. Wir arbeiten ständig an der Konservierung, um sicherzustellen, dass unsere Sammlung in einem guten Zustand bleibt, aber auch an der Aktualisierung und Gestaltung neuer Ausstellungen. Derzeit sind keine neuen Ausstellungen geplant, aber wir haben eine Reihe von Ideen, was wir als nächstes tun könnten.
Wie sieht es mit der Umbettung der Sklaven aus, die derzeit ziemlich unwürdig hinter dem Gefängnis lagern? Gibt es endlich einen Zeitrahmen, in dem sie in eine reguläre Grabstätte zurückgebracht werden können?
Hier handelt es sich nicht nur um ein Museumsprojekt, sondern um einen inselweiten Prozess zur Umbettung der 325 menschlichen Überreste, die 2008 für das Flughafenprojekt ausgegraben wurden. Das Projekt läuft nun schon seit 14 Jahren, viel zu lange, und seit ich hier arbeite, gab es eine Reihe von Versuchen, einen Plan für die Umbettung und das Gedenken an die Toten aufzustellen. Mit der Erstellung eines "Masterplans" und der Bereitstellung von Mitteln für die Umbettung kamen die Dinge ab 2019 endlich richtig in Gang. Ich freue mich, sagen zu können, dass die Umbettung am 20. August 2022 stattfand, umrahmt von einer Gedenkfeier.
Bei meinem letzten Besuch vor einigen Monaten ist mir aufgefallen, dass viele Ausstellungsstücke in Ecken des Museums oder in der Umgebung des Museums gelagert werden. Haben Sie Pläne, das Museum zu erweitern?
Ja, uns ist der Platz ausgegangen, so dass viele Dinge im ganzen Museum verstreut sind! Wir haben auch zwei grosse Lager mit vielen Gegenständen, die wir nicht ausstellen können. Die St. Helena Heritage Society (die für die Verwaltung des Museums zuständig ist) plant, ein grosses ehemaliges Lagerhaus neben dem bestehenden Museum in ein Kulturzentrum umzuwandeln, in dem die Bibliothek, das Archiv und das Museum unter einem Dach vereint sind. Dieses Projekt wird uns in die Lage versetzen, neue Ausstellungen zu Themen zu schaffen, denen wir im Museum nicht gerecht werden konnten - wie z. B. eine erweiterte maritime Geschichte, eine grössere Ausstellung über die East India Company auf St. Helena, Naturgeschichte und vieles mehr!
Die meisten Museen können ohne staatliche Subventionen oder einen zahlungskräftigen Mäzen finanziell nicht überleben. Woher bekommt das St. Helena-Museum die notwendigen Mittel?
Wir haben das grosse Glück, seit etwa 15 Jahren einen jährlichen Zuschuss von der Regierung von St. Helena zu erhalten, der uns hilft, die meisten unserer laufenden Ausgaben zu decken. Der Betrieb des Museums ist nicht billig, da die Stromkosten auf St. Helena sehr hoch sind. Wir suchen immer nach Möglichkeiten, diese Kosten zu senken, z. B. durch die Installation von Sonnenkollektoren.
Wir haben auch das Glück, eine Reihe von Einzelpersonen zu haben, die im Laufe der Jahre ihre Zeit und ihr Fachwissen zur Verfügung gestellt haben, um das Museum zu leiten und uns zu unterstützen; ausserdem haben sie im Laufe der Jahre sehr grosszügig viele Objekte für unsere Sammlungen gespendet.
Wir haben einen kleinen Laden, der einen Teil der Einnahmen generiert, und eine Spendenbox, da das Museum keinen Eintritt verlangt.
Wenn wir ein bestimmtes Projekt haben, z. B. den Aufbau einer philatelistischen Sammlung im Museum, haben wir bei verschiedenen Organisationen auf der Insel wie Enterprise St. Helena (die es leider nicht mehr gibt) und der Regierung von St. Helena jeweils projektbezogene Mittel beantragt.
Jeder Direktor eines Museums hat eine Wunschliste von Dingen/Projekten, die er gerne realisieren würde, wenn das Geld zur Verfügung stünde. Welche drei Projekte für das St. Helena Museum würden Sie auf Ihre mögliche Wunschliste setzen?
Da gibt es so viele Dinge! An erster Stelle stünde die Fertigstellung des Projekts zur Renovierung des Gebäudes neben uns zu dem bereits erwähnten Kulturzentrum, das das Museum enorm aufwerten und den Besuchern einen fantastischen Raum bieten würde.
Ein grosser Raum für die Ausstellung von grösseren Objekten wäre ebenfalls auf der Wunschliste. Dann könnten wir alles ausstellen, von historischen Fahrzeugen der Insel über Maschinen, wie sie in der Flachsindustrie verwendet wurden, bis hin zu grossen militärischen Geräten wie Kanonen.
Das sind vielleicht mehrere Dinge in einem, aber eine Reihe von viel kleineren "Satelliten"-Museen auf der ganzen Insel an wichtigen Orten, die eine viel spezifischere Geschichte erzählen. Zum Beispiel ein Sklaverei-Museum in Ruperts Valley, ein Festungs-/Militärmuseum irgendwo wie Ladder Hill Fort und so weiter.
Ich könnte so weiter machen...
Dann hoffe ich, dass in der Zukunft ein oder zwei dieser Projekte realisiert werden können. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten.
Adam Sizeland ist 33 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Hertfordshire in England, wo er an der Universität von Hertfordshire Geschichte studierte und dort seine Partnerin aus St. Helena kennenlernte, die jetzt auf der Insel im Bereich Umweltmanagement und Naturschutz arbeitet. Adam lebt seit Dezember 2012 auf St. Helena und arbeitet seit 2014 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum, bis er 2016 zum Direktor gewählt wurde. Er betrachtet die Insel als seine Heimat und interessiere sich – schon alleine berufsbedingt - sehr für ihre Geschichte und Umwelt. Es sei ein grossartiger Ort zum Leben, weit weg von der Hektik der "grossen Welt", die ihm nicht immer gefallen hat. Seine Partnerin und er besitzen auf St. Helena ein Haus und Anfang Februar 2022 wurden Sie erstmals Eltern.
Bei den Vorbereitungsarbeiten für die neu zu bauende Strasse zum neuen Flughafen auf St. Helena wurden 2008 im Ruperts Valley 325 menschliche Skelette gefunden. Es handelte sich dabei um einige der geschätzten 10'000 befreiten Sklaven, die im Rahmen der Bekämpfung des Sklavenhandels in den 1840er-Jahren von der britischen Navy aus den Fängen von Menschenhändlern befreit und nach St. Helena gebracht wurden. Viele der befreiten Sklaven waren aber so geschwächt, dass sie entweder schon während der Fahrt nach St. Helena oder kurz nach der Ankunft verstarben.
Die Skelette wurden - provisorisch - in einer kleinen Lagerhalle im Zentrum von Jamestown gleich neben dem Gefängnis deponiert. Nicht ganz untypisch für St. Helena vergingen nun 14 Jahre, bis die angedachte würdevolle Bestattung der Sklaven realisiert werden konnte.
Die Skelette wurden in 325, von Schülern der lokalen Prince Andrew School auf St. Helena gefertigten, kleinen Holzsärgen gebettet und am 21. August 2022 während einer ökumenischen Feier hinter der St. Michaels Kirche im Ruperts Valley begraben.
Schlussendlich soll Ruperts Valley eine wichtige Gedenkstätte für den transatlantischen Sklavenhandel werden mit einem Memorial und einem Informationszentrum über den Sklavenhandel und die Rolle von St. Helenas. Zudem soll die Umgebung neu gestaltet werden, um dem Friedhof in eine würdige und friedliche Umgebung einzubetten. Die Tourismusverantwortlichen hoffen darauf, dass St. Helena in Zukunft nicht nur wegen der Geschichte von Napoleon bekannt sein wird, sondern auch für Geschichte in der Befreiung von westafrikanischen Sklaven. Die Geschichte über die Sklaverei finden man hier.
Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen kann das aber durchaus nochmals 14 Jahre dauern, bis alle Stakeholder engagiert genug an Bord und die dazu nötigen finanziellen Mittel beisammen sind sowie alles Beschlossene auch ausgeführt wurde.
Nigel Philipps wird am 13. August 2022 für die nächsten ungefähr vier Jahre neuer Gouverneur von St. Helena. Er wird mit dem ersten Flug ankommen, wo für Einreisende keine Quarantäne mehr gilt sondern die Einreise ohne Einschränkungen wieder möglich sein wird. Da die Stimmung auf der Insel wegen der Öffnung sehr angespannt ist und man nicht schon mit dem ersten öffentlichen Anlass eine Verbreitung des Virus innerhalb der Bevölkerung riskieren will, wird auch die Vereidigung des Gouverneurs vor dem Gerichtsgebäude in Jamestown vor weniger Gästen als üblich stattfinden.
Philipps hat bereits die Öffnung der Falkland Inseln, wo er vorher Gouverneur war, begleitet. Allerdings ist die Bevölkerung auf St. Helena doch einiges älter (und generell weniger fit) als auf den Falkland Inseln. Es wird deshalb spannend sein zu schauen, wie er kommunikativ mit der Bevölkerung umgehen wird, wenn der Virus in der bisher von COVID-19 verschonten Bevölkerung sich verbreitet.
St. Helena macht einen Schritt nach dem anderen in Richtung Normalität. Ab 8. August fällt die obligatorische Quarantäne, ab 8. Oktober werden wieder wöchentliche Flüge ab Johannesburg angeboten. Jetzt hat auch das Mantis Hotel, mit 30 Zimmern das mit Abstand grösste Hotel auf St. Helena, die Wiedereröffnung auf Mitte Oktober 2022 angekündigt. Das Mantis Hotel befindet sich in den ehemaligen Büros der East India Company im historischen Zentrum von Jamestown.
Damit sind mit dem Blue Lantern und dem Mantis Hotel für die Tourismussaison 22/23 wieder zwei Hotels geöffnet. Nun ist zu hoffen, dass das Mantis Hotel auch genügend geeignetes Personal findet bis zur Wiedereöffnung. Das ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung auf einer Insel, deren Tourismusindustrie vor der Pandemie gerade etwas Fahrt aufgenommen hatte und noch über eine sehr dünne Personaldecke im Tourismusbereich verfügt.
Nachdem die Regierung von St. Helena letzten Monat die Aufhebung des Quarantänezwangs kommuniziert hat, komme weitere erfreuliche Nachrichten von der Flugfront: Ab dem 8. Oktober 2022 werden wieder wöchentliche Flüge ab Johannesburg nach St. Helena angeboten. So kann St. Helena auch ideal als Verlängerung einer Südafrikareise gebucht werden. Die Flüge finden jeweils am Samstag statt, wobei einmal im Monat ein von der Regierung bezahlter Charterflug nach Ascension Island geflogen wird. Wie bisher muss auf dem Hinflug jeweils eine technische Zwischenlandung in Namibia eingelegt werden.
Was einige herbeigesehnt haben und viele sich fürchten vor, wird am 8. August auf St. Helena Tatsache: Die strikte zehntägige Quarantäneregelung wird ersatzlos aufgehoben und - gemäss Pressemitteilung der Regierung von St. Helena - "all restrictions will be removed". Was genau ab dem 8. August für Bedingungen für die Einreise gelten werden, darüber schweigt sich das Communique aus. Insbesondere ob eine Impfpflicht für die Einreise besteht und ob vor der Einreise noch Antigen- oder PCR-Tests notwendig sind, wird nicht erläutert.
Da die Ankündigung, die Quarantänefrist zu streichen, lokal auf viel Ablehnung stossen wird, können wir uns gut vorstellen, dass die Regierung eine vollständige Impfung gegen COVID-19 als Einreiseformalität und möglicherweise Antigentests vor dem Flug oder bei der Ankunft verlangen wird. Das wären Regeln, die für sehr viele Länder gelten und von den allermeisten Reisenden in der Zwischenzeit so akzeptiert sind. Insofern könnte die Regierung den besorgten Einheimischen den Strategiewechsel von "Kein COVID auf St. Helena" zum "Leben mit COVID auf St. Helena" etwas entgegenkommen ohne den dringend nötigen wirtschaftlichen Impuls durch die Lockerung der Vorschriften abzuwürgen.

Author
Urs Steiner
Archives
November 2022
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