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1612 erschien Maria in Linden.
2012 jährte sich zum 400. Mal die Marienerscheinung zu Kehrsiten.
Es war wohl ein Tag wie jeder andere, als 1612 die beiden Kehrsiter Fischer Gotthard Engelberger und Markus Baggenstos auf dem See ihrer Arbeit nachgingen. Doch plötzlich erschien den Männern zwischen zwei Linden am Seeufer die Muttergottes. Die beiden frommen Fischer waren von der Vision so stark berührt, dass sie beschlossen, am Orte der Marienerscheinung ein kleines Bethaus zu errichten. Markus Baggenstos stiftete dafür das Land von seinem Grundstück, Gotthard Engelberger übernahm die Kosten für den Bau.
Kirchlein mit Turm
Wann genau das kleine Gotteshaus gebaut wurde und wie dieses ausgesehen hat, ist nicht mehr bekannt. Vermutlich erfolgte der Bau zwischen 1613 und 1615, und mit grosser Wahrscheinlichkeit verfügte das erste Kirchlein bereits über einen Turm. In alten Dokumenten ist nämlich überliefert, dass der Landrat Nidwalden den Kehrsitern 1616 erlaubte, für eine Kirchenglocke «Gevatterleute anzustellen», also Gotte und Götti. 1674 wurde der Dachstuhl der Kapelle neu gesetzt. Dazu bewilligte die Nidwaldner Obrigkeit eigens das Fällen von vier kleinen Eichen und einer Tanne im Lopperwald.
Vollständiger Neubau
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde der Pilgerstrom immer grösser. Das dürfte denn auch einer der Gründe gewesen sein, weshalb die Kehrsiter dem Luzerner Johann Anton Singer den Auftrag für den Bau einer neuen Kapelle erteilten. Der Vertrag wurde am 24. Februar 1758 unterzeichnet und am 7. Mai wurde der Grundstein gelegt. Zwar war der Rohbau der Kapelle ein Jahr später fertig. Doch es brauchte eine lange Zeit, bis auch die Innenausstattung zu Ende geführt war: Stuckaturen, Altäre, Kanzel und Gemälde. 1768 wurde dann das Gotteshaus feierlich eingeweiht.
Brandschatzende Franzosen
Doch lange konnten sich die Kehrsiter nicht an ihrer schmucken Ka-pelle erfreuen. Am 9. September 1798 zogen marodierende französische Soldaten durch das Dorf und steckten die Kapelle in Brand. Nur die Aussenmauern blieben stehen. Die Kehrsiter liessen sich indes nicht entmutigen und bauten die Kapelle in ihrer heutigen Form schon bald wieder auf. In den beiden folgenden Jahrhunderten wurden immer wieder Änderungen und Renovationen vollzogen – und teilweise wieder rückgängig gemacht. In den vergangenen Jahren wurde die Kapelle innen und aussen vollständig renoviert – damit sie rechtzeitig zum 400-Jahr-Jubiläum neu erstrahlt.
Der Wallfahrtsort
Die Nachricht der Marienerscheinung im Jahr 1612 zog schon bald erste Wallfahrer an. Kamen diese in den Anfängen noch vor allem aus dem Gebiet von Kehrsiten, erstreckte sich deren Einzugsgebiet schon bald von Luzern über die benachbarten Seegemeinden bis hinauf nach Engelberg. Gegen eiternde Wunden und Geschwüre waren die Blätter der beiden Lindenbäume, zwischen denen Maria erschien, sehr gefragt. Man legte die Blätter auf die Wunden und rief gleichzeitig Maria um ihren Beistand an. Aber auch Gebetserhörungen bei Holzerunfällen oder Seenot sind bezeugt. Bis in die heutige Zeit ist Maria in Linden für viele Menschen ein Ort geblieben um Kraft und Rat zu finden. Dies bezeugen auch die zahlreichen Eintragungen ins Bittbuch, das in der Kapelle am See aufliegt.