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Wer erinnert sich noch an Julian Cook (Bild links)? Zwischen 2003 und 2011 war er an der Spitze der Genfer Fluggesellschaft Flybaboo (später nur noch Baboo), welche eine von Swiss geschaffene Lücke in Lugano auszufüllen versuchte. Am Ende ging Baboo in die Darwin Airline auf. Zwischen 2011 und 2014 versuchte Cook dann, in Grossbritannien unter der Marke «Flya» eine Langstrecken-Low-Cost-Airline aufzubauen – allerdings ohne Erfolg: Er schaffte es nie, die nötigen Investitionen zu sichern und so die Airline zum Abheben zu bringen.
Doch Cook ist Unternehmer durch und durch. Nach weniger als zwei Jahren als Direktor beim Flugdienstleistungsunternehmen Avia Solutions Group zog es ihn nach Argentinien, wo er im Oktober 2016 Flybondi.com gründete. Er erkannte das Potenzial des riesigen südamerikanischen Landes, dessen 44 Millionen Einwohner bislang über ziemlich begrenzte Möglichkeiten im Flugverkehr verfügten. Flybondi ist als Low-Cost-Gesellschaft konzipiert und der Slogan ist deutlich, worauf man hinaus will: Jeder Argentinier soll fliegen können («Para que todos en Argentina tengamos la libertad de volar»).
Für die Umsetzung seiner kühnen Pläne holte er einen weiteren Schweizer mit an Bord: Grégoire Leresche (Bild rechts) ist seit Anbeginn als Chief Commercial Officer (CCO) bei Flybondi.com mit dabei. Der wie Cook aus der Romandie stammende Leresche blickt auf eine lange Karriere zurück: Während elf Jahren war er bei Kuoni tätig, zuletzt als Verkaufsleiter für die Westschweiz, bevor er 2009 das Amt das General Manager Switzerland bei STA Travel antrat. 2012 folgte ein weiterer Karriereschritt mit der Ernennung zum CEO der PDM Group, einer Destinationsmarketing-Firma mit Sitz in Zug und Büros in Wien. Nach dem Austritt beim PDM im Sommer 2014 war Leresche mit kleineren Consultingprojekten und der Gründung einer Personal-Trainer-Vermittlungsfirma beschäftigt.
Als Cook seinen Freund aus dessen «Komfortzone» holte und in sein Airline-Projekt in Argentinien einzubinden versuchte, zögerte Leresche nicht, zog kurzerhand nach Buenos Aires und stürzte sich in die Arbeit.
Grosse Pläne in Argentinien – und international
Nun, die beiden Schweizer haben mit ihrem Team und ihrer Airline zumindest einen Etappensieg verbucht: Letzte Woche wurde in Cordoba (Argentinien) die erste Boeing 737-800 in den gelben Flybondi-Farben ausgeliefert. Lackiert wurde sie in Singapur; getauft ist sie auf den Namen «Nelson», nach dem Hund von Gründer Julian Cook. Das Flugzeug verfügt über 189 Sitze in reiner Economy-Bestuhlung. Bei der Taufe des Flugzeugs in Buenos Aires (übernommen wurde es zwar in Cordoba, aber dann in die Hauptstadt für eine grosse mediale Präsentation überführt) waren sowohl ein Priester als auch ein Rabbiner und ein Imam anwesend, welche allesamt das Flugzeug segneten. Damit dürfte ja nichts mehr schief gehen.
Ab Januar 2018 soll damit die Route Cordoba-Bariloche bedient werden. Ende Januar soll dann die Route Cordoba-Buenos Aires folgen. Insgesamt hat Flybondi die Erlaubnis für 99 Routen beantragt, davon 53 inner-argentinisch und der Rest international. Geflogen wird planmässig hauptsächlich aus Buenos Aires, dabei sowohl vom internationalöen Flughafen Ezeiza sowie auch vom bisherigen Militärflughafen El Palomar, 18 Kilometer vom Stadtkern entfernt, welcher sich jetzt für Linienflugverkehr geöffnet hat. Wie schnell die Expansion vor sich gehen kann, hängt natürlich vom Erfolg ab. In Konkurrenz steht Flybondi nämlich mit anderen Low-Costern, welche ähnliche Pläne verfolgen, etwa Alas del Sur, Andés Lineas Aereas, American Jet oder, mit etwas mehr Muskeln, Avianca Argentina.
Auf der Webseite von Flybondi können Tickets bereits erworben werden. Für die Anfangsflüge gibt es natürlich spezielle Rabatte und es sind auch Ratenzahlungen möglich – schliesslich soll ja jeder Argentinier fliegen können.
Und so sieht das Flugzeug der jungen Airline im Video aus: