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Ein Mann steht auf einem Trümmerfeld. Er wirkt ratlos. Einzig die Bodenplatten sind intakt geblieben. Sie glänzen weiss. Der Rest des Hauses wurde vom Tsunami zerstört, das Dach 50 Meter ins Landesinnere getragen. Der Mann heisst Mahar. Die weissen Platten sind sein Küchenboden.
Die Plättchen mit den Blumen hätten zur Terrasse gehört, erzählt Mahar: «Ich habe sie erst kürzlich neu gelegt. Und dort drüber, da, wo das Loch ist, da lebten mein Bruder und seine Frau. Von meiner Schwägerin fehlt bislang jede Spur.»
Das Meer hat das Loch mit Wasser gefüllt. Immer wieder seien sie rein getaucht, aber die Frau hätten sie nicht gefunden. Hühnerhaut kriege er, wenn er da stehe, sagt Mahar. Fünf Mitglieder seiner Familie kamen durch den Tsunami ums Leben. Mahar will zurück ins Zeltlager. Das liegt am Hang, weg vom Meer.
Vor den Zeltplanen, unter denen die Überlebenden eine kleine Küche und Schlafstätten eingerichtet haben, steht ein Wassertank. Das Wasser fliesst aus einem Rohr in die Eimer und Kübel, die die Lagerbewohner hinhalten. Mahar stellt sich in die Warteschlange und sagt: «Das letzte Mal kam der Wassertankwagen vor drei Tagen. Oft holen wir das Wasser am Fluss.»
In unseren Lagern leben auch Kinder, die immer noch nach ihren Eltern suchen. Viele sind traumatisiert.
Seit er im Lager lebt, liefert die lokale Partnerorganisation von «Save the Children» Wasser an die Überlebenden. Internationale Organisationen dürfen im Katastrophengebiet nur mit indonesischen Partnern arbeiten. Aduma Situmorang organisiert die Hilfe der Partnerorganisation von «Save the Children» in Palu.
Sie sagt, die Situation habe sich deutlich verbessert: «Als ich vor zwei Wochen hierher kam, gab es keinen Strom, Kommunikation war schwierig. Jetzt gibt es wieder Strom. Sogar einige Läden sind offen und der Markt funktioniert.» Trotzdem gebe es bis heute Orte, die sie nicht erreichen könnten, weil die Strassen immer noch verschüttet seien.
«In unseren Lagern leben auch Kinder, die immer noch nach ihren Eltern suchen. Viele sind traumatisiert», sagt Situmorang. Zelte, Lebensmittel und Wasser seien wichtig. Traumaarbeit ebenso. Auch diese Hilfe leisteten unzählige indonesische Freiwillige.
In einem Zeltlager auf der anderen Seite der Meeresbucht stehen Kinder in einem grossen Kreis. Sie halten sich an den Händen und singen aus voller Kehle:
Angie Hussain, die eigentlich an einer Universität Wirtschaft unterrichtet, leitet das indonesische Team von Freiwilligen, das hier und in anderen Lagern Aktivitäten für Kinder organisiert: «Wir machen Spieltherapie für die Kindern.» Zum Beispiel sollen die Kinder zeichnen, wie sie sich an den Tsunami erinnern, «Doch viele haben absolut keine Erinnerung und haben das Erlebte einfach verdrängt», sagt Hussain.
Deza-Verantwortlicher: «Wir sehen wieder Leben»
Das Lager mit den grossen weissen Zelten für Tsunami-Opfer ist ein Projekt der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Diese hat in drei Lagern Zelte für 300 Familien aufgestellt. Raoul Forster ist der Schweizer Teamleiter am Ort.
Auch er sagt, als er angekommen sei, habe nichts funktioniert, die Leute seien traumatisiert gewesen: «Und jetzt sehen wir wieder Leben, Kinder spielen und singen, die Zelte sind da. Die Leute danken uns, wo immer wir sind. Wenn wir drei Planen bringen und sie nur zwei brauchen, dann sagen sie, bringt es jemand anderem, der das nötig hat.»
Diese Woche wird das Soforteinsatzteam der Deza wieder nach Hause reisen, ihre Nothilfe in Palu ist abgeschlossen. Das Management des Lagers wird dann ans Rote Kreuz übergeben.
Denn für die Leute in den Lagern ist die Krise längst nicht vorbei. Sie werden noch Monate in den Zelten leben müssen, bis ihre Häuser wieder aufgebaut sind. Für Mahar, dessen Haus vom Tsunami zerstört wurde, ist jedoch eines klar: Er will nie mehr am Wasser leben.