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In der Nacht auf Freitag endete eine kurze, aber heftige Schneefallperiode. Eine Südstaulage hatte grosse Neuschneemengen gebracht, die auch weit über den Alpenhauptkamm nach Norden hinüber gegriffen hatten. An einzelnen Stationen wurden die höchsten 2-Tages-Neuschneesummen seit Beginn der Messungen registriert. In den Hauptniederschlagsgebieten wurde vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Im Nachhinein zeigte sich, dass schon während des intensiven Schneefalls sehr viele Lawinen abgegangen waren. Diese waren teils sehr gross, aber nur selten aussergewöhnlich, so dass keine grösseren Schäden bekannt wurden. Bei wechselhaftem Wetter ohne grössere Schneefälle beruhigte sich die Lawinensituation in der Folge sehr schnell.
Bereits am Dienstag, 02.02. fiel im Süden Niederschlag (siehe letzten Wochenbericht). Von Mittwoch- bis Freitagmorgen schneite es dann verbreitet und gebietsweise sehr intensiv, wobei sich die stärksten Schneefälle mit der Zeit vom Oberwalliser Alpenhauptkamm nach Osten bis zum Berninagebiet verlagerten und weit über den zentralen Alpenhauptkamm nach Norden übergriffen. Die Schneefallgrenze lag zunächst bei 1600 bis 2000 m. Im Norden sank sie rasch unter 1000 m, im Süden und im Osten auf 1200 bis 1600 m. Der Südwind blies anfangs stark bis stürmisch. Im Norden war er von Westen her schon während des Niederschlags stark abgeflaut. Insgesamt fielen im Süden von Dienstag- bis Freitagmorgen bzw. im Norden von Mittwoch- bis Freitagmorgen folgende Schneemengen (Abbildung 1):
Am Freitag war es im Süden meist bewölkt, sonst sonnig (Abbildung 2).
So viel Neuschnee in so kurzer Zeit ist im Süden nicht aussergewöhnlich, in den nördlichen Gebieten aber schon. So wurden an den beiden Messstationen in den Haslitälern (Guttannen und Gadmen) die höchsten, und an vier weiteren Stationen in Uri und Obwalden die zweithöchsten, je gemessenen 2-Tages Neuschneesummen verzeichnet (Tabelle 1). Im Süden dagegen reichte es einzig an der Station Ritom oberhalb von Piotta für einen 8. Rang. Ursache ist einerseits, dass Starkniederschläge im Süden häufiger sind, und andererseits, dass die Schneefallgrenze im Norden deutlich tiefer lag, so dass dort auch die gewöhnlich weniger schneereichen, eher tiefer gelegenen Stationen viel Neuschnee erhielten. Von den höher gelegenen, langjährigen IMIS-Stationen erreichte einzig die Station Laucheren im Meiental (UR) einen neuen 2-Tages Neuschneerekord.
Tab. 1: Aussergewöhnliche 2-Tages-Neuschneesummen am Freitagmorgen, 05.04.2019, gemessen an den manuellen Messfeldern von SLF und MeteoSchweiz.
Station (Kanton)
Höhe
(m ü.M.)
Messdauer
(Jahre)
2-Tages Neu-schneesumme (cm)
Rang
Guttannen (BE)
1055
72
160
1
Gadmen (BE)
1190
66
112
1
Göscheneralp (UR)
1550
31
160
2
Göschenen (UR)
1110
51
136
2
Gurtnellen (UR)
950
51
117
2
Engelberg (OW)
1055
70
95
2
Diavolezza (GR)
2090
74
100
3
Meien (UR)
1320
66
130
4
Juf (GR)
2117
25
89
4
Curaglia (GR)
1330
43
89
7
Ritom (TI)
1800
64
128
8
Corvatsch (GR)
2690
26
91
9
Andermatt (UR)
1440
79
101
10
In mittleren Höhen liegt um diese Jahreszeit normalerweise nicht mehr allzu viel Schnee. Deshalb reichten die grossen 2-Tages-Neuschneesummen an folgenden 3, eher tief gelegenen Messfeldern für die höchsten, je an einem 5. April gemessenen Schneehöhen:
In grosser Höhe lag schon davor viel Schnee, so dass nach dem Grossschneefall an fast einem Drittel der IMIS-Stationen mit mindestens 10-jähriger Messreihe (35 von 115) so viel Schnee gemessen wurde wie noch nie an einem 5. April. Darunter waren allerdings auch einzelne Stationen, die während des aktuellen Winters durch Lawinen getroffen wurden und seither zu grosse Schneehöhen lieferten. Jede 5. Station mass den zweithöchsten Wert (23 von 115). Die grössten oder zweitgrössten Schneemengen traten vor allem am Alpenhauptkamm vom Oberwallis ostwärts, in den Urner Alpen und in Graubünden auf (Abbildung 3). Die Schneehöhen waren praktisch in den ganzen Schweizer Alpen überdurchschnittlich, am Oberwalliser Alpenhauptkamm und am östlichen Alpenhauptkamm sogar stark überdurchschnittlich (Abbildung 4).
Der Neuschnee fiel auf eine verbreitet günstig aufgebaute, stabile Schneedecke. Brüche in tiefen Altschneeschichten wurden denn auch keine bekannt. Trotzdem wurde in diversen Gebieten eine sehr hohe Lawinenaktivität beobachtet (Abbildung 5 und Bildstrecke). Dabei standen folgende Schwachschichten im Zentrum:
Wegen der schlechten Sicht wurden viele grössere Lawinen nur gehört statt gesehen. Am Freitag waren viele Lawinen kaum mehr zu erkennen, sodass vermutlich nur ein kleiner Teil davon gemeldet wurde. Überraschend war die teils hohe Lawinenaktivität auch in Gebieten mit relativ wenig Neuschnee. Diese betraf oft hoch gelegene Nordhänge (Abbildung 6).
In der Folge war es bei flacher Druckverteilung wechselhaft mit meist schwachen Winden. Oberhalb von etwa 1500 m fiel verschiedentlich Schnee, die Mengen waren insgesamt aber bescheiden.
Schwachschichten innerhalb des Neuschnees verfestigen sich innerhalb von Stunden oder maximal wenigen Tagen. Dies ist der Grund, warum trotz hoher Lawinenaktivität während der Schneefallperiode die Gefahr in den folgenden Tagen rasch abnahm. Anders die Altschneeoberfläche an windgeschützten Nordhängen. Weil sich Schichten aus kantig aufgebauten Kristallen nur langsam verfestigten, konnten hier vor allem in den Regionen mit wenig Neuschnee und an schneearmen Stellen noch längere Zeit Lawinen ausgelöst werden (Abbildung 6).
Ab Sonntag ging die Lawinengefahr vor allem von meist kleinen Triebschneeansammlungen aus, die sich in der Höhe und zu Beginn auch in den Föhngebieten des Nordens gebildet hatten. Vor allem zu Beginn der Berichtsperiode waren zudem feuchte Rutsche und nasse Lawinen zu beachten. Trotz verhaltener Temperaturen wurden Nordhänge bis über die Waldgrenze hinauf nass, und vielerorts bis auf über 2500 m oberflächlich leicht feucht. Dies trübte nicht nur den Spass am Skifahren, sondern führte in mittleren Lagen auch zu einer Schwächung der Schneedecke. Feuchte Rutsche gingen damit nicht nur aus Sonnenhängen, sondern unterhalb von rund 2000 m auch aus Nordhängen ab (siehe Bildgalerie).
Auch in dieser Berichtsperiode gingen immer wieder Gleitschneelawinen nieder. Diese waren zwar nicht allzu zahlreich, mit der mächtigen Schneedecke aber teils gross (Abbildung 7).
Bei der meist günstigen Lawinensituation und der wenig dynamischen Wetterentwicklung wurde die Morgenausgabe des Lawinenbulletins am Dienstag, 09.04. bis auf weiteres eingestellt. Die Abendausgabe erscheint weiterhin täglich.
Die Lawinen während und kurz nach dem Grossschneefall waren zwar teils sehr gross, aber nur selten aussergewöhnlich. Grössere Gebäude- oder Waldschäden wurden keine gemeldet. In dieser Berichtsperiode wurden folgende Unfall- und Schadenslawinen registriert:
Wegen Ostern erscheint der nächste Wochenbericht bereits am Mittwoch, 17.04. auf Deutsch und am Donnerstag, 18.04. auf Französisch.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.