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Die Landsitze vor der Stadt im 18. Jahrhundert wurden mit Vorliebe an der Strasse nach Riehen oder in Riehen selbst errichtet. Der Grund ist einfach: Vor dem St. Johann- und dem Spalentor und ganz besonders in Kleinhüningen fühlte man sich durch die Festung Hüningen gefährdet. Im Gundeldingerquartier hütete man eifrig die burgartigen Landsitze aus dem Mittelalter und fügte nur etwa einen französischen Garten hinzu. Vor dem Steinentor war man in der Nähe der Richtstätte, und im Gellert verursachte der Galgen einiges Unbehagen. So kam es, dass der Baueifer sich auf die Ebene zwischen Basel und Riehen konzentrierte.
Und hier liegt auch der Bäumlihof oder Klein-Riehen, wie er seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts auch genannt wurde. Es handelt sich um ein Gut mit ausgeprägter Barockästhetik und diente den Familien Burckhardt, Geigy und Merian als Sommersitz. Die Geschichte seiner Besitzer hat Paul Koelner in einer Monographie "Bäumlihof - Klein-Riehen. Ein Basler Landgut und seine Besitzer" von 1953 dargestellt. Aus ihr sollen diejenigen herausgegriffen werden, welche die Gestalt von Haus und Garten entscheidend verändert haben.
Der Bäumlihof ging wahrscheinlich aus einem Rebgut des Klosters Klingental hervor. Der erste bekannte Besitzer war Alexander Löffel, aber erst Martin Vogt, dem das Land 1661 gehörte, scheint ein Gebäude darauf errichtet zu haben. Vermutlich handelt es sich dabei um ein Rebhäuslein. Der Lohnherr Samuel Burckhardt-Parcus erwarb das Gut 1686 und ging daran, auch ein Wohnhaus zu errichten, ein einstöckiges Gebäude von nur drei Fensterachsen Breite. Sein Sohn Christoph Burckhardt-Merian kaufte nicht nur weiteres Land hinzu, sondern vergrösserte 1704 auch das Wohnhaus, indem er es um zwei Achsen verbreiterte und ihm noch ein Stockwerk aufsetzen liess. Bereits damals gehörte ein landwirtschaftlicher Betrieb zu dem Gut.
1733 kam es an Christoph Burckhardt-Merians Sohn, den Rechenrat Samuel Burckhardt-Zaeslin, und damit in die Hand eines Bauherrn grossen Stils. Er war ein echter Vertreter des 18. Jahrhundert: Die Bauleidenschaft seiner Zeit war ihm eine Leidenschaft, und da er damals der reichste Basler war, konnte er diese Leidenschaft auch durch Bauten ausleben. Er erbaute den Ramsteinerhof und den Holsteinerhof, die sich beide durch die Pracht ihrer Ausstattung auszeichnen, und ihm verdankt auch Klein-Riehen zur Hauptsache seine heutige Gestalt. Er legte auf dem umfangreichen Grundstück einen französischen Park an und baute auch die Wohnbauten um. Dabei kam es, der neuen künstlerischen Auffassung gemäss, auf einige Dinge an. Da war zunächst einmal die Gruppierung der verschiedenen Gebäude, die nicht mehr dem Zufall der jeweiligen Bedürfnisse überlassen, sondern so gewählt war, dass eine repräsentative Wirkung entstand. Eines der Mittel der Barockarchitektur ist der Ehrenhof, der sich gegen die Strasse öffnete und der Auffahrt des Hausherrn oder seiner Gäste den würdigen Rahmen bot. Der in der Mittelachse liegende Hauptbau ist in vornehmer Distanz in die Tiefe geschoben, flankierende Nebengebäude steigern seine Bedeutung. Sie sind nicht, wie etwa bei der Sandgrube, in einiger Distanz dem Hauptbau vorgelegt, sondern springen vor die Fassade des Wohnhauses und schaffen einen durch ein Gitter abgeschlossenen Vorplatz. Dabei lassen die niedrigen Nebengebäude den Hauptbau wichtiger erscheinen. Merkwürdig ist nur, dass von diesem Vorhof kein Zugang zur Strasse führt und wohl auch niemals geführt hat; sein Gitter öffnet sich auf eine Wiese. Zwar gibt es einen Weg von der Riehenstrasse her zur Gebäudegruppe von Klein-Riehen, aber er endet bei den Ökonomiegebäuden. Die Auffahrt erfolgt von der Südseite her durch eine lange Allee, die in dem Hof hinter dem Hauptgebäude mündet, der nun nicht nur der Form, sondern auch der Funktion nach als der eigentliche Ehrenhof bezeichnet werden muss. Dass dieser Hof auf die Hinterseite gelegt wurde, ist für Basel nicht ungewöhnlich; es zeugt von einer Abneigung gegen allzu betonte Repräsentation.
Alleen waren ein wichtiges Gestaltungsmittel im Bäumlihof-Areal, und ein typisches für den Barock. Von der Baselstrasse aus gut sichtbar ist die lange Lindenallee. Ursprünglich handelte es sich um 80 weissblühende Rosskastanien, dieselbe Art, wie man sie auf dem Münsterplatz pflanzte. Es scheint im 18. Jahrhundert wohl eine Art Modebaum gewesen zu sein: Blütenpracht im Frühsommer, dichter Schatten im Sommer und reicher Kastaniensegen im Herbst. Da Rosskastanien aber nicht besonders alt werden, mussten schon im 19. Jahrhundert Jungbäume als Ersatz gepflanzt werden, was zu einer Uneinheitlichkeit geführt hat. Ende der 1980er Jahre wurden die Bäume gefällt und durch die Linden ersetzt.
Samuel Burckhardt liess weitere Gebäude um den Hof errichten. Für Festlichkeiten wünschte er sich offenbar einen grossen Saal, der jedoch in den gewünschten Dimensionen im Haus selbst nicht unterzubringen war. Und da man anscheinend weder eine praktische noch eine ästhetische Notwendigkeit sah, das Haus zu ersetzen, kam es zu einer anderen Lösung: Der Saal wurde als eigenes kleines Gebäude an die vordere Ecke des Hofes gestellt. Seine Dimensionen sind respektabel, wenn man bedenkt, dass das Wohnhaus selbst gerade mal drei Meter länger ist. Den hinteren Abschluss des Hofes bildete schliesslich eine im rechten Winkel zum Hauptbau stehende grosse Scheune, deren Schmalseite der Fassade des Gartensaals angeglichen war, so dass gegen den Garten zu ein symmetrisches Bild entstand.
Das Herrenhaus selbst behielt die Gestalt, die es am Anfang des Jahrhunderts erhalten hatte: Ein schlichter Bau mit einem Erdgeschoss und zwei Obergeschossen, mit rechteckigen, gerade abgeschlossenen Fenstern und einem Satteldach mit kleinen Walmen. Der Hauptzweck von Burckhardts architektonischen Arbeiten war jedoch, im Zusammenhang mit der Errichtung des Gartensaals den Anschluss an den neuen Garten zu formen, der sich als symmetrisches Rechteck in die Tiefe erstreckte. Auf drei Seiten war der Garten durch heute noch bestehende Alleen eingefasst, und die seitlichen Alleen waren genau auf die Mittelachsen des Gartensaals und der Scheune ausgerichtet, womit der Garten in eine Beziehung zum Gebäudekomplex gebracht wurde. Der Garten wurde mit all jenen Dingen geschmückt, die das Auge erfreuen und der Gemütsergötzung diente, da es sich um einen Landsitz handelte, dessen Erscheinung zur Stadtwohnung kontrastieren sollte. Die vordere Hälfte beinhaltete Blumen, deren Beete sich ineinander verschlangen, die hintere Hälfte Boskette aus geschnittenen Hecken. In der Mitte des Gartens stand ein rundes Bassin mit einem Springbrunnen, von vier Statuen umstanden. Daniel Bruckner urteilte Mitte des 18. Jahrhunderts: "Zierliches Landgut und prächtiger Garten, so mit vielen Zierarbeiten angefüllet ist. Alle, die denselben sehen, bewundern dessen Gestalt, da Natur und Kunst liebreich miteinander vermischet und alles vortrefflich eingerichtet ist."
Bis 1802 blieb der Park in dieser Form bestehen. Samuel Merian-Kuder erweiterte das Gut bis zum Rhein hinunter und liess den französischen Barockgarten durch Johann Michael Zeyher, Hofgärtner des Markgrafen von Baden, in einen romantischen englischen Park umwandeln. Die regelmässigen Beete wurden beseitigt, und an ihre Stelle trat eine grosse Wiese mit unregelmässig geführten Wegen und malerisch verteilten Baumgruppen. Die ringsum führenden Alleen blieben bestehen genauso wie die Eckkabinette und eines der Boskette. Zeyhers Ziel war es, durch verschieden grosse Räume Stimmungsbilder zu schaffen. Neu errichtet wurde 1808 ein Bienenhaus in der Form eines dorischen Tempels, das mit Borken verkleidet war.
Samuel Merian-Merian besass ab 1842 das Gut und schuf den heute noch bestehenden Hirschpark. Ebenfalls liess er auch die alte, senkrecht zum Wohnhaus stehende Scheune abbrechen und durch eine neue ersetzen, die parallel zum Wohnhaus verlief. Als Pendant zum Gartensaal wurde am hinteren Ende des Hofes eine Orangerie errichtet. Damit wurde ein Gedanke verwirklicht, der offenbar schon 1735 zur Diskussion gestanden haben muss, was eine Zeichnung aus jener Zeit bezeugt: Der Plan zeigt ein genaues Pendant zum Gartensaal; die Idee scheint jedoch damals aufgegeben worden zu sein.
Schliesslich liess Johann Rudolf Geigy-Merian ab 1865 das Wohnhaus umbauen, jedoch ohne die Substanz zu verändern. Die Fenster des ersten Stocks wurden mit horizontalen Bekrönungen versehen, und die neue Höhe der Fenster kennzeichneten dieses Stockwerk als Hauptgeschoss. Durch einen Fenstergiebel und einen Giebelaufsatz über dem mittleren Mansardenfenster verlieh man der Mittelachse stärkere Betonung, wobei der Hauptakzent hier deutlich in der Dachzone mit dem Giebelaufsatz liegt. Das etwas fremdartige steile Dach (s. Abb.) wurde dann in den 1920er Jahren durch das jetzige, passendere Mansardendach ersetzt. Diese Ergänzungen gaben dem Haus den Charakter des barocken Klassizismus, den es heute noch hat: absolute Symmetrie, welche die horizontale und vertikale Mittelachse betont.
Wie auch hier in Klein-Riehen deutlich hervortritt, heisst "Garten" im Barock nicht isolierte Grünfläche, wie sie das 19. Jahrhundert hervorbrachte, der Garten gehört vielmehr mit dem Bau zusammen. Er ist der eine Teil des Ganzen, dessen anderer Teil das Bauwerk bildet. Insofern ist der Garten die "Aussenfunktion" des Bauwerks, und er führt dessen Funktion weiter, indem er mit seinen Achsen auch in die Ferne weist. Der Barock als Epoche, die ihre Bauten nach festen Regeln gestaltet, kann ihre Häuser nicht einfach mitten in die freie Natur setzen (oder wie Daniel Burckhardt-Werthemann es ausdrückte: "nicht frei im Gelände (…) wie ein Spiegelei auf dem Spinat"). Der "architektonische" Garten bildet hier den Übergang zwischen Architektur und Natur. Dabei stellt sich, im Falle von Klein-Riehen, das Wohnhaus als Zentrum dar, von dem das System des ganzen Guts ausgeht. Würde man das Zentrum dieses Systems beseitigen, so zerstörte man den Sinn des Ganzen.
Quellen:
- Hofmann 1991
- Boerlin 1972: 14-30