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«Es gibt 1001 Arten, am 14. Juni zu streiken.» Dies sagte die VPOD-Sekretärin Catherine Friedli gestern an einer Medienkonferenz des Freiburger Kollektivs für den Frauenstreik. «Man kann den ganzen Tag streiken, früher von der Arbeit gehen, eine längere Pause machen, sich sichtbar machen, ein violettes T-Shirt und einen Badge tragen oder an öffentliche Orte gehen.»
Sie betonte, dass der Frauenstreik am 14. Juni nicht nur am Arbeitsort stattfinde. Es solle vielmehr ein Streik sein, bei dem die Frauen all das verweigern, was sie üblicherweise tun, auch zu Hause im Haushalt oder in der Betreuung.
Der Kanton hatte als Weisung herausgegeben, dass für den Streik Ferien oder Überzeit bezogen oder Pausen genutzt werden müssten.
Gemäss Salomé Donzallaz von der Bewegung Solidarités handelt es sich beim Freiburger Kollektiv um Frauen aus verschiedenen Organisationen, die sich auch mit Westschweizer Aktivistinnen und solchen aus dem ganzen Land austauschen.
Gegen die Lohnungleichheit
Zur Vorbereitung des Anlasses in Freiburg bildeten die Frauen Arbeitsgruppen wie Frauen vom Land, Ökofeministinnen, eine Gruppe für Strassenaktionen, eine deutschsprachige Gruppe, eine Gruppe Uni und Hochschulen sowie zehn Gruppen, die sich um die Organisation des Streiktags kümmern.
Eine der Hauptforderungen des Kollektivs betrifft die Arbeitsbedingungen. Laut Catherine Friedli liegen trotz einem Verfassungsartikel die Löhne von Frauen immer noch 20 Prozent unter jenen von Männern. Im öffentlichen Dienst betrage der Unterschied 16 Prozent. «44 Prozent der Ungleichheiten sind unerklärbar und deshalb eine Diskriminierung, die einzig auf das Geschlecht zurückzuführen ist.»
Wie sie ausführte, seien «Frauenberufe» in der Verwaltung allgemein tiefer eingestuft als andere Berufe. Und die Familienpolitik in der Schweiz beruhe zu einem grossen Teil auf der Teilzeitarbeit von Frauen. Im Staatsdienst würden nur 23 Prozent der Frauen Vollzeit arbeiten, hingegen 62 Prozent der Männer. Dies erschwere es Frauen, in hierarchisch höhere Positionen aufzusteigen, so Friedli.
Männer backen Kuchen
Um Gleichheit zu erreichen, verlangt das Kollektiv eine allgemeine Senkung der Gesamtarbeitszeit, einen besseren Schutz bei der Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub, erleichterten Urlaub im Krankheitsfall der Kinder, einen nationalen Vaterschaftsurlaub und eine höhere Einstufung von typischen Frauenberufen. Diese Forderungen fänden sich alle in einem Manifest wieder, welches am 14. Juni präsentiert werde, wie Mélanie Glayre von der Gewerkschaft Syna sagte.
«Unsere Forderungen richten sich nicht gegen die Männer, sondern gegen ein System und gegen Ungleichheit», sagte sie. «Der Frauenstreiktag ist offen für alle und deshalb ein Tag der Solidarität.»
Marie-Louise Fries von der Gewerkschaft Syna betonte, dass auch eine Arbeitsgruppe der solidarischen Männer am Aktionstag teilnehme. Sie werden schon vorher am Markt in Freiburg selbst gebackenen Kuchen verkaufen und am Frauenstreiktag selber den Kinderhütedienst und die Bar auf dem George-Python-Platz betreiben. Dieser heisst an diesem Tag übrigens Georgette-Pythone-Platz.
Programm
Symbolischer Moment um 15.24 Uhr
Der Frauenstreiktag vom 14. Juni beginnt in der ganzen Schweiz um 11 Uhr mit einem Streikaufruf. Dieser wird in jeder Schweizer Stadt öffentlich vorgetragen. Ein Gedenkmoment findet um 15.24 Uhr statt. Dies sei jener Zeitpunkt, ab dem die Frauen gemäss durchschnittlichem Lohnunterschied nicht mehr bezahlt seien, so das Kollektiv. Um 18.30 Uhr macht sich ein Protestzug vom Python-Platz aus auf einen zwei Kilometer langen Marsch durch die Stadt. Kinder können im Touristen-Züglein mitfahren. Den Tag hindurch finden auf einer Bühne beim Python-Platz kulturelle Darbietungen und Ansprachen statt.