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«In erster Linie herrscht eine grosse Enttäuschung». Dies sagte SVP-Kantonalpräsident Roland Mesot gestern, als klar war, dass ihr Kandidat Stéphane Peiry den Sprung in die Freiburger Regierung nicht schaffen würde. Das bürgerliche Bündnis habe im ersten Wahlgang funktioniert, so Mesot, im zweiten hingegen sei das Ziel von fünf Sitzen klar nicht erreicht worden. «Warum es nicht geklappt hat, müssen wir im Detail analysieren.»
«Die SVP hat ihre Rolle im Bündnis erfüllt; darauf bin ich stolz», so Mesot. «Wir waren jederzeit ein loyaler Partner.» So sei der Erfolg des Bündnisses mit vier gewählten Bürgerlichen im ersten Wahlgang wesentlich auf die SVP-Wähler zurückzuführen. «Wir haben der Liste mehr als 10 000 Stimmen gebracht.» Mesot erachtet es auch nicht als Fehler, dass die Bürgerlichen auf Peiry und nicht auf den FDP-Kandidaten Peter Wüthrich gesetzt haben, der im ersten Wahlgang rund 2000 Stimmen vor Peiry lag. «Wir haben Wüthrich damals 12 290 Stimmen gebracht, die FDP Stéphane Peiry dagegen nur knapp 8000 Stimmen.»
Mesot wollte niemandem die Schuld an Misserfolg von gestern zuweisen. Er sagte: «Wenn wir alleine angetreten wären, hätten wir ein Potenzial von 24 000 Stimmen gehabt, so aber haben wir über 34 000 Stimmen. Wir haben Stimmen aus dem Bündnis erhalten, aber halt nicht genügend.»
Auch wenn die SVP eine weitere Legislatur nicht in der Regierung vertreten sein wird, stellt Parteipräsident Mesot die Auswahl ihres Kandidaten nicht infrage: «Wir haben mit Stéphane Peiry den richtigen Kandidaten präsentiert. Wir hatten 2011 keinen Erfolg mit Pierre-André Page als Kandidaten, den man gewiss nicht als Hardliner bezeichnen kann und der gute Arbeit leistet. Stéphane Peiry ist ebenfalls kompetent und hat umfassende Kenntnisse. Er hat sich nichts vorzuwerfen.» Dass Peiry nicht gewählt wurde, sei somit eher als ein Votum gegen die Partei zu sehen als gegen die Person, so Mesot.
«Botschaft nicht stark genug»
CVP-Präsident André Schoenenweid sieht den Grund für das Nichterreichen eines fünften Sitzes des bürgerlichen Lagers in der Mobilisierung für den zweiten Wahlgang. «Wie können wir mit einem einzigen Kandidaten unsere Wähler erneut mobilisieren? Das war die grosse Herausforderung. Nun hat sich gezeigt, dass es vor allem der Linken gelang, ihre Leute zu mobilisieren.» Schoenenweid bekannte, man habe insgeheim gehofft, das linke Lager würde sich unter dem Druck des ersten Wahlgangs spalten. Dies sei aber nicht eingetreten, und vor allem die SP-Staatsrätin Anne-Claude Demierre habe viel Boden gut gemacht.
Warum die Mobilisierung der Bürgerlichen nicht wie erhofft gelang, müsse man in den nächsten Wochen und Monaten genauer analysieren. «Wir haben unsere Basis informiert und motiviert. Aber die Botschaft war vielleicht doch nicht stark genug.»
Schoenenweid selber habe sich als Parteipräsident bis zuletzt klar zum Bündnis bekannt. Er bezog sich dabei auch auf seine Ankündigung, den Parteiausschluss des Freiburger CVP-Gemeinderats und -Grossrats Laurent Dietrich zu prüfen. Dietrich hatte sich bei einem Auftritt im Westschweizer Fernsehen nicht zu einem klaren Bekenntnis für den SVP-Kandidaten gegenüber der Grünen Marie Garnier durchringen können. «Da ist es meine Rolle, klar zu machen, dass die Präsidentschaft die Kampagne führt und nicht ein Grossrat», so Schoenenweid.
«Alles richtig gemacht»
Für FDP-Präsident Didier Castella ist der ernüchternde Ausgang des zweiten Wahlgangs «eher ein Sieg für das linke Lager als eine Niederlage für uns». Er sagte: «Es ist nicht so, dass mit nur noch einem bürgerlichen Kandidaten in unserem Lager eine Demobilisierung stattfand. Vielmehr fand die grosse Mobilisierung bei den Linken statt.»
Auch wenn der FDP-Kandidat Peter Wüthrich vor drei Wochen mehr Stimmen geholt hatte als Peiry, glaubt Castella nicht, dass eine Zweierkandidatur gestern einen anderen Ausgang für die Bürgerlichen gebracht hätte. «Zu zweit auf der Liste, das hätte das rechte Lager auseinandergebracht. Auch Wüthrich hätte keine Chance gehabt.» Castella weiter: «Mit zwei Kandidaten auf der bürgerlichen Liste hätten wir sechs Sitze angestrebt; das wäre zu viel gewesen. Wir haben mit der Einerkandidatur ausgedrückt, dass wir den fünften Sitz wollen. Insofern haben wir alles richtig gemacht.»
Gemäss Castella kann seine Partei dank den Sitzgewinnen im Grossen Rat mit den kantonalen Wahlen zufrieden sein. «Den zweiten Staatsratssitz holen wir nächstes Mal.»