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536 Euro im Monat für den Zugang zu WhatsApp. Ein amerikanisches Forscherteam untersucht, welchen finanziellen Wert digitale Dienstleistungen und Güter für uns Konsumenten haben, selbst wenn wir oft keinen Rappen dafür bezahlen (möchten). Ihre Studie wurde im März dieses Jahres in den USA veröffentlicht und bringt erstaunliche Ergebnisse ans Licht.
Aussagen über den Wohlstand eines Landes orientieren sich häufig an seinem Bruttoinlandprodukt (BIP). Da das BIP auf der Wertschöpfung des nationalen Marktes basiert, berücksichtigt es keine Produkte, die nicht am Markt gehandelt werden. Also Güter, die für uns Konsumenten kostenlos oder kostengünstig erhältlich sind. Und doch tragen auch solche Güter und Dienstleistungen einen Teil zum Wohlstand der Bevölkerung bei. Die Ökonomen Erik Brynjolfsson, Avinash Collis und Felix Eggers nehmen für ihre Studie kostenlose, digitale Produkte ins Visier. Anhand eines Experiments treffen sie eine Aussage darüber, wie hoch der finanzielle Mehrwert für uns Konsumenten ist, den digitale Güter produzieren.
Statt die Teilnehmenden direkt zu fragen, wie viel sie für die Nutzung der diversen Dienste bezahlen würden, bedienen sich die Forschenden eines kleinen Tricks. Sie lassen den Teilnehmenden die Wahl, ob sie weiterhin Zugang zu einem bestimmten Gut haben möchten, oder ob sie für einen Geldbetrag von € (x) dazu bereit wären, auf das Gut einen Monat lang zu verzichten. Der genaue Geldbetrag wurde dabei systematisch variiert. Die Antworten der Probanden wurden aufsummiert erlaubten den Forschern den finanziellen Gegenwert von WhatsApp, Facebook, Karten-Apps (z. Bsp. Google Maps), Instagram, Snapchat, LinkedIn, Skype und Twitter für die Nutzung während eines Monats zu beziffern.
Um eine klare Aussage treffen zu können, berechneten die Forscher den Median-Wert aller Antworten. Als Median wird jener Wert bezeichnet, bei welchem 50% der Antworten höher und 50% der Antworten tiefer liegen. Er teilt also eine Liste in zwei Hälften. Die Ergebnisse (siehe Tabelle) sprechen eine eindeutige Sprache. WhatsApp scheint besonders bedeutsam zu sein: Die Hälfte der Teilnehmer wären bei einer Entschädigung von 536 Euro dazu bereit, auf den Nachrichtendienst zu verzichten. Als Grund hierfür wurde die starke Einbindung von WhatsApp ins Leben der Teilnehmenden angegeben.
Bei Facebook ist der Wert rund 97 Euro deutlich tiefer, Landkarten-Apps erreichen ebenfalls hohe Werte mit 59 Euro. Erstaunlich ist, das Twitter am Schluss der Tabelle kaum Bedeutung für die Teilnehmenden zu haben scheint.
Trotz interessanter Ergebnisse, lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf die gesamte Bevölkerung übertragen. Das Experiment wurde unter Laborbedingungen mit Studierenden durchgeführt und beinhaltet damit keinen repräsentativen Ausschnitt der Bevölkerung. Zudem ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Auch dass WhatsApp und Ko. ihre Preise als Konsequenz der Ergebnisse erhöhen ist kein realistisches Szenario. In einem solchen Fall würden Nutzer mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einem anderen, kostenlosen Nachrichtendienst wechseln.
Möchtest du wissen, ob du den Verzicht auf digitale Produkte und/oder Serviceleistungen schaffen würdest? Mach beim nächsten time:out classic mit und verzichte ab dem 1. März 2020 für eine bis sechs Wochen auf soziale Medien, auf Candy Crush, auf dein Smartphone oder auf ein weiteres Laster in deinem Leben. Melde dich hier für unseren Newsletter an und bleibe über die Aktion auf dem Laufenden.