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Wenn ein Kind von Suizid spricht, macht dies Angst und löst viele Fragen aus. Und doch ist wichtig, dass Sie den Kopf über Wasser halten und ruhig reagieren. Nicht nur für Ihr Kind, auch für sich selbst müssen Sie in dieser Situation Sorge tragen. Wie kann das gehen?
Frustreaktion oder suizidale Äusserung?
Manchmal äussern sich Jugendliche radikal: «Ich kann mich ja gleich umbringen, wenn ihr mir das verbietet!» Ein solcher Ausruf kann eine Frustreaktion sein und ist längst nicht in jedem Fall ein Anzeichen für Suizidalität. Wenn Ihr Kind jedoch wiederholt Dinge sagt wie: «Ich wollt, ich wäre nicht mehr da!», «Ich bin ja sowieso nur eine Last für euch alle!», wenn es niedergeschlagen wirkt, sich anders verhält als sonst, dann deutet dies darauf hin, dass Ihr Kind Hilfe braucht.
Lassen Sie sich von einer Fachperson unterstützen.
Schaffen Sie Situationen, in denen Ihr Kind über Sorgen, Trauer, Angst, Wut, Enttäuschung und das Leben sprechen kann.
Verbringen Sie Zeit mit Ihrem Kind, auch wenn Ihr Kind nichts erzählt.
Behalten Sie Ruhe
Wenn Ihr Kind suizidale Äusserungen macht, ist es gut, wenn Sie rasch reagieren und doch erst dann, wenn Sie dabei einigermassen ruhig und gefasst sein können. Panische Reaktionen verunmöglichen die Verständigung. Hilfreich ist, wenn Sie zeigen, dass Sie da sind, dass Sie die Probleme ernst nehmen, dass Sie an eine Lösung glauben und mithelfen werden, diese zu finden.
Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Suizidgedanken
Nehmen Sie Ihr Kind beim Wort und fragen Sie ganz konkret nach: «Was meinst du, wenn du sagst, du magst nicht mehr?» Oder: «Es macht mir Sorgen, wie du dich verhältst. Tauchen bei dir manchmal Gedanken auf, dass du dir das Leben nehmen willst?». Man bringt mit solchen Fragen niemanden auf die Idee, einen Suizidversuch zu machen. Im Gegenteil: Über solche Gedanken sprechen zu können, entlastet. Suizidgedanken tauchen in schwierigen Lebenssituationen oft plötzlich auf und machen auch den Betroffenen selbst Angst.
Zeigen Sie, dass Sie die Sorgen ernst nehmen
Fragen Sie nach, bis Sie das Gefühl haben, zu verstehen, was Ihr Kind fühlt. Sie können zum Beispiel sagen: «Was denkst du, wie ist es dazu gekommen, dass bei dir solche Gedanken auftauchen?» Hören Sie zu, auch wenn die Antwort trotzig oder beschuldigend ausfällt. Nehmen Sie die Sorgen ernst auch wenn Sie selbst alles halb so schlimm finden. Teenager-Sorgen sind für uns Erwachsene nicht immer nachvollziehbar. Versuchen Sie nicht, die Äusserungen zu relativieren oder richtig zu stellen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es ernst nehmen. Zum Beispiel, indem Sie sagen: «Ich wusste nicht, dass es für dich gerade so schlimm ist. Du bist mir wichtig. Ich bin für dich da. Wir werden gemeinsam einen Weg finden, damit es dir wieder besser geht.»
Holen Sie fachliche Hilfe – für Sie selbst und für Ihr Kind
Wenn Jugendliche suizidal sind, ist die Begleitung durch Fachpersonen wichtig. Der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst ist die Fachstelle, bei der Sie sich über mögliche nächste Schritte informieren können. Sie und ihr Kind werden dort beraten und bei Bedarf sind therapeutischen Angebote vorhanden. Sie können sich auch an die Pro Juventute Elternberatung wenden: 058 261 61 61 oder per E-Mail Pro Juventute Elternberatung. Kinder und Jugendliche selber können rund um die Uhr bei Beratung + Hilfe 147 unter der Nummer 147 anrufen oder schreiben: Chat, SMS oder E-Mail an Beratung + Hilfe 147.
Verbringen Sie Zeit mit Ihrem Kind
Weder Sie selbst noch Ihr Kind sollten nur noch über Probleme miteinander sprechen. Schaffen Sie darum Zeitinseln, in denen kein Gesprächsdruck besteht, sondern die Möglichkeit, gemeinsam einfach „zu sein». Gemeinsame Spaziergänge, Abwaschen, ein Spiel spielen, zusammen Einkaufen gehen, nach dem Fernsehgucken sitzen bleiben und einen Tee trinken.
Tragen Sie Sich selber Sorge
Es ist wichtig, dass Sie sich selbst Sorge tragen: Holen Sie sich Unterstützung durch eine Vertrauensperson. Tun Sie Dinge, die Ihnen selbst gut tun: Bewegung, Sport, Musik hören, Kochen oder was Sie mögen. Wenn Ihre Gedanken immer sorgenvoll um die Situation Ihres Kindes kreisen, wenn Sie nicht mehr schlafen können, Sie sich nur noch niedergeschlagen und hoffnungslos fühlen, dann holen Sie sich fachliche Unterstützung. Wenden Sie sich dafür an Ihre Hausarztpraxis oder an die Pro Juventute Elternberatung: 058 261 61 61, oder E-Mail Pro Juventute Elternberatung
Manchmal ist ein Psychiatrieaufenthalt notwendig
Ist Ihr Sohn oder Ihre Tochter stark suizidgefährdet, sollten Sie Ihr Kind in psychiatrische Obhut geben. Eine Einweisung kann via die Hausarztpraxis, den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst oder den Notfallärztlichen Dienst erfolgen. Das eigene Kind in eine psychiatrische Klinik einzuweisen, allenfalls sogar gegen seinen Willen, tut weh. Doch halten Sie sich vor Augen: Es geht darum, die akut suizidale Zeit zu überstehen, damit Ihr Kind überlebt und wieder gesund werden kann.
Sebastian Rotzler ist systemischer Berater und Supervisor in selbständiger Praxis (kraftaverk.ch). Sein Studium in Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie die langjährige Berufserfahrung im Jugend, Familien und Suchtbereich wird durch Zusatzausbildungen in Systemischer Strukturarbeit und lösungsfokussierter Traumaarbeit ergänzt. Er ist regelmässiger Autor für die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147. Der Text wurde lektoriert und ergänzt von Annett Niklaus, Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich.