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Stellen wir uns eine Ritterfamilie um 1250 vor. Ihr Eigenbesitz umfasste einige Wald- und Ackerflächen sowie ein paar Bauernhöfe. Daneben besass der Burgherr von einem Hochadligen verschiedene Lehen, z.B. Landgüter, Höfe, eine Kornmühle, die Güter zweier Kirchen, die niedere Gerichtsbarkeit über zwei Dörfer und einen Brückenzoll.
Auf der Burg lebten nebst dem Burgherrn und der Burgherrin fünf eigene Kinder, eine Grossmutter, drei Knechte und zwei Mägde mit weiteren zwei Kindern, also rund 15 Personen auf engstem Raum zusammen. Der dazugehörige Bauernhof wurde von der Burg aus bewirtschaftet.
Die erste Sorge «unseres Ritters» galt seiner Familie und dem Gesinde. Er kümmerte sich um den landwirtschaftlichen Betrieb und erteilte seinen Knechten Anweisungen. Er legte auch immer wieder selbst Hand an. Darüber hinaus sorgte er für das Einziehen der Abgaben und Zölle und bestrafte Rechtsbrecher bei kleineren Vergehen. Er konnte von seinem Lehensherrn zum Kriegsdienst aufgeboten werden. Deshalb musste er über ein Pferd und eine Rüstung verfügen, was sehr kostspielig war.
Hohe Kosten erwuchsen dem Burgherrn auch aus dem Unterhalt oder der Erweiterung seiner Burg. Für prunkvolle Feste blieben wenig Mittel übrig. Festliche Turniere fanden deshalb nicht auf den Burgen, sondern in den aufblühenden Städten des Spätmittelalters statt. Der harte Alltag des mittelalterlichen Menschen wurde durch die rund 130 kirchlichen Sonn- und Feiertage etwas aufgelockert.
Die Burgherrin nahm als Hausfrau eine wichtige Stellung ein. Ihr oblag die Erziehung der Kinder, die Aufsicht über die Mägde, die Sorge für den Haushalt sowie die Pflege der Kleintiere und des Gartens. Sie stand als weitgehend gleichberechtigte Partnerin neben ihrem Gatten.