Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03662.jsonl.gz/2766

Titel
Freiburg,
französisch Fribourg. Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft, in der offiziellen Reihenfolge der Kantone deren neunter.
Lage und Grösse.
Der Kanton umfasst eine Fläche von 1675 km2 und zählte am 127951 Ew.; seiner Fläche nach steht er unter den schweizerischen Kantonen an achter, seiner Bevölkerung nach an neunter Stelle. Er liegt zwischen 46° 04' und 47° n. Br. und zwischen 4° 28' und 5° 04' ö. L. von Paris (oder zwischen 6° 48' und 7° 24' ö. L. von Greenwich). Seine grösste Länge erreicht er mit 66 km auf der in der Richtung NNO. verlaufenden Linie von der Chaux de Naye (in der Gruppe der Rochers de Naye) bis Fräschels (am Rand des Grossen Mooses).
Die Breite schwankt stark; sie nimmt von dem in die Spitze über Allières auslaufenden Zipfel an rasch zu, erreicht zwischen Montet (an der Kleinen Glâne) und dem Gipfel des Schafharnisch mit 45 km ihr Maximum, beträgt zwischen Greng und Liebistorf noch 9,5 km und nimmt dann bis zur Spitze von Fräschels stetig wieder ab. Im Mittel kann man sie auf etwa 40 km veranschlagen. Alle diese Zahlen beziehen sich nur auf den zusammenhängenden Körper des Kantons und lassen dessen Enklaven ganz ausser Betracht.
Begrenzt wird der Kanton im N. und O., von
Witzwil am NO.-Ende des
Neuenburgersees bis zur
Dent de Ruth,
vom Kanton Bern;
im S. und W., von der
Dent de Ruth bis
Gletterens und von
Delley bis zur Mündung der
Broye in den
Neuenburgersee, vom Kanton Waadt.
Auf der Strecke
Gletterens-Delley grenzt der Hauptkörper des Kantons mit dem nach NW. vorgeschobenen
Zipfel von
Saint Aubin auch an den
Neuenburgersee. Zum Kanton
Freiburg
gehören noch eine Reihe von kleineren Gebieten, die als Enklaven
von anderen Kantonen gänzlich umschlossen sind. So liegen die
Freiburger Enklaven
Surpierre
(Ueberstein) und
Vuissens im Kanton Waadt
und die Enklave
Wallenbuch ganz im Kanton Bern,
während das Gebiet von
Estavayer mit den Gemeinden der
Haute
Broye,
das sonst auf allen übrigen
Seiten von Waadtländer Boden umschlossen ist, im NW., von
Cheyres bis
Forel, an den
Neuenburgersee
stösst. Umgekehrt liegen dagegen mitten im Kanton
Freiburg
die beiden
Berner Enklaven
Münchenwiler und
Clavaleyres.
Geologie.
Der Kanton Freiburg bildet in geologischer Hinsicht zwei scharf getrennte Gebiete: das tertiäre Hügelland mit ⅔ der Oberfläche und das Alpenland. Das Freiburger Hügelland hat eine angenehm wellige Oberfläche, wo Kulturland in den ebenen Teilen mit Waldungen auf den Erhebungen wechseln. Die Oberflächenformen sind das Ergebnis der Erosion, welche in flachliegende Schichten Thaleinschnitte mit steilabfallenden Rändern, in aufgerichtete Schichten dagegen je nach der Widerstandsfähigkeit des Gesteins abwechslungsweise Thälchen gegraben und aus den dazwischenliegenden härteren Schichten abgerundete Hügelzüge herausmodelliert hat.
Den Untergrund bilden Tertiärablagerungen (Oligocän u. Miocän). Im NW., zwischen der Senke des Neuenburgersees und einer Linie, welche, von SW. nach NO. verlaufend, in etwa 7 km Entfernung parallel zum Alpenrande streicht, sind die Molasseablagerungen fast horizontal gelagert. In der Nähe dieser Linie heben sie sich allmählig gegen die Alpen zu und fallen dann plötzlich ziemlich steil nach SO. ein. Somit bildet diese tektonische Linie eine wirkliche Antiklinalachse, durch welche das eigentliche Tertiärbecken von der subalpinen Molassezone getrennt wird, in welch' letzterer die Schichten noch intensiv gefaltet und sonst gestört sind, aber im allgemeinen gegen die Alpen einsinken.
Die Antiklinalachse ist nicht nur eine blosse Umbiegung, sondern zugleich auch eine Verwerfungslinie, längs welcher die älteren Tertiärschichten der subalpinen Zone gegen die jüngeren im NW. überschoben sind. Dies ist besonders in der Nähe von Oron aufs deutlichste zu ersehen, wo die marine Molasse die oberoligocänen Ablagerungen direkt berührt. Das ganze Gebiet im NW. der Antiklinallinie besteht fast ausschliesslich aus mariner Molasse (helvetische und obere burdigalische Stufe); die subalpine Zone weist hauptsächlich Oligocän (kohlenführende untere Süsswassermolasse und rote Molasse) auf.
Die Facies dieser Schichten ist im allgemeinen eine sandige und mergelige. In der Nähe des Alpenrandes (bei Châtel Saint Denis, am Gibloux und bei Pont la Ville) finden sich hingegen ausgedehnte Geschiebeablagerungen, in denen Nagelfluhschichten mit sandigen und mergeligen Zwischenlagern wechseln und dies sowohl im Oberoligocän als auch im Burdigalien und besonders im marinen Helvetien. Die tertiären Kohlen sind bei Oron, Saint Martin und Corpataux mit mehr oder weniger Erfolg, oft auch nur versuchsweise, abgebaut worden. Die Sandsteine der verschiedenen Stufen liefern vielerorts brauchbare Bausteine. Die harten Sandsteine von Vaulruz besonders werden als geschätztes Material zu Treppenstufen verarbeitet.
Die Oberflächenformen der Tertiärlandschaft sind nicht nur durch die Erosion des Untergrundes bedingt, sondern auch durch das Vorhandensein von bedeutenden Gletscherschuttablagerungen, welche die Unebenheiten merklich ausgleichen, indem sie die Abhänge bedecken und die Vertiefungen ausfüllen. Die sandig-tonige Beschaffenheit dieser Gebilde bedingt die Fruchtbarkeit des Bodens, da der reine Sandsteinboden sonst unfruchtbar und meist nur mit Wald bestanden ist.
Das Alpengebiet des Kantons Freiburg, die Greierzer Alpen, gehört den sog. romanischen Voralpen (auch Stockhornalpen genannt; s. diesen Art.) an. Es umfasst aber nur ihren nw. Abschnitt, der von der subalpinen Molassezone bis in den zentralen Teil reicht (vergl. den Art. Präalpen). Drei Gebiete können hier unterschieden werden: 1. Das Flyschgebiet, umfassend die Hügelketten des Niremont, der Alpettes und der Berra mit dem Cousimbert. In diesem Flysch (mergelige Schiefer mit Sandsteineinlagerungen) stecken zahlreiche Fetzen von Kreide-, Jura- u. Triasschichten;
2. Die Kalkketten, wo sich zunächst in diskordanter Lagerung die ganze Reihenfolge der Trias-, Jura- und Kreideschichten an die Flyschzone anlehnt.
Auf die anormale Kontaktlinie folgt darin ganz regelmässig gefalteter Schichtenbau. Die beiden Hauptgebirgszüge, Ganterist und Vanil Noir, umfassen je zwei Gewölbe mit dazwischenliegenden Mulden. Die Gewölbe sind oft bis auf die Trias hinunter ausgewaschen; in den Mulden findet sich Kreide (Neocom und rote obere Kreide) und oft auch Flysch. Die dazwischenliegenden Kämme bestehen aus Malm und oft auch aus unterem Lias. 3. Die SO.-Ecke des Kantons greift noch auf die mittlere Zone der Voralpen über, wo der Flysch mit ähnlicher Beschaffenheit wie am Niremont ein breites Gebiet einnimmt, an dessen NW.-Rand eine überschobene Kette, die der Gastlosen, sich anlehnt. Diese, aus Kreide, Malm u. Trias bestehend, erreicht ihren höchsten Punkt in der Dent de Savigny (2255 m). (Siehe geologisches Profil.) Die tief eingeschnittenen Thäler des Hongrin, der Saane, des Jaunbachs, der Sense u. ihrer Zuflüsse lassen den geologischen Bau des Gebirges ausserordentlich klar erkennen. Die Hauptthäler sind alle quer zur Faltung gerichtet, während die Nebenthäler als Längsthäler entweder im Verlauf der Mulden ¶
mehr
liegen oder in die tief aufgerissenen Gewölbe eingeschnitten sind; einige derselben sind teilweise auch Querthäler, so z. B. dasjenige des Rio du Mont und des Motélon. Die Freiburger Alpen haben wie alle Kalkgebirge zahlreiche grosse Quellen, sog. Strom- oder Karstquellen, so z. B. die Quelle des Jaunbachs (Cascade de Bellegarde; welche mit 6000 Sekundenlitern Wasser einer Felsspalte entspringt), die Quellen von Fornys, Bonnefontaine und der Chapelle du Roc (bei Galmis). Im Saanethal entspringt die grosse Quelle der Neirivue, die einem Wasserverlust des Hongrin oberhalb Montbovon zugeschrieben wird. Dem Felskopf des Moléson entspringen ebenfalls zwei beträchtliche Quellen (Tzuatzau und Marmotheys). Alle diese grossen Quellen kommen aus dem obern Jura oder dem Neocom.
Bibliographie: Gilliéron, V. Les Alpes de Fribourg... u. Gilliéron, V. Descr. des territoires de Vaud, Fribourg et Berne compris... entre le Lac de Neuchâtel et la Crête du Niesen. (Beitr. zur geolog. Karte der Schweiz. 12 und 18). Bern 1873 und 1885. - Favre, E., und H. Schardt. Descr. des Alpes du Cant. de Vaud... (Beitr. zur geolog. Karte der Schweiz. 22). Bern 1887.
Orographie.
Wie in geologischer bildet der Kanton Freiburg auch in orographischer Beziehung zwei sehr von einander verschiedene landschaftliche Bezirke. Das an die Senke des Neuenburgersees sich anlehnende Stück Mittelland wird von den zwei grossen und hier merkbar nach NO. gerichteten Thälern der Broye und Saane durchfurcht. Die Saane fliesst in einem tief in die Molasseschichten eingeschnittenen Thal, das besonders in den zahlreichen Mäanderkrümmungen oft den Anblick eines Cañons gewährt und vom Fluss immer noch weiter ausgewaschen wird. Es ist somit das Saanethal eine immer schärfer sich ausgestaltende Erosionsfurche. Im Gegensatz dazu zeigt uns die Broye das Bild einer ebenen, breiten Thallandschaft, die vom Flusse beständig weiter aufgeschüttet wird.
Unzählige Nebenadern von Saane und Broye entwässern das freiburgische Hügelland und bestimmen dessen Reliefformen. Eine erste, zwischen der Senke des Neuenburgersees und dem Thal der Broye sich erhebende Reihe von Hügelzügen kann man als die Zone des Vuilly (Wistenlach) bezeichnen; sie erreicht eine mittlere Höhe von 500 m und gipfelt im Mont Vuilly mit 634 m. Das Freiburger Mittelland im engeren Sinne steigt mit einer Reihe von Höhenzügen von 600-800 m bis zum Fuss der Alpen an. Sein höchster Punkt ist der Mont Gibloux (1203 m). Seinem geologischen und orographischen Aufbau, wie seinem landschaftlichen Charakter nach ist es eine Fortsetzung des Waadtländer Berglandes des Mont Jorat.
Die Freiburger oder Greierzer Alpen beginnen mit einer Bergzone, deren wellige und rundliche Formen durch die sie aufbauenden wenig widerstandsfähigen Schichten des hier der Hauptsache nach schieferigen und tonigen Flysch bedingt sind. Nur an wenigen Stellen werden diese sanften Bergformen von einigen schroffern Felspartien, die aus Jura- oder Neocomschichten bestehen, unterbrochen. Zu dieser Vorzone der Alpen gehören der Mont Corbettes (1498 m), Niremont (1514 m), die Alpettes (1415 m) und die Siaz (1390 m), zwischen welchen die beiden Quellarme der Veveyse und die Trème sich ihre Betten gegraben haben.
Nördl. der Saane erhebt sich über Villarsbeney der Kamm des Mont Salvens-Bifé (1533 m), der sich über die Berra u. den Cousimbert (Käsenberg; 1634 m) bis zur Müscheneck (1278 m) und zum Schweinsberg (1649 m) fortsetzt; ö. vom Thal der Sense endlich finden wir die Pfeife (1657 m), den Seelibühl (1754 m) und den Gurnigel (1544 m). Alle diese Flyschberge sind an den untern Gehängen mit Wald und im obern Abschnitt mit oft nassen Alpweiden bestanden. Mit ihren den Höhenzügen des Mittellandes entsprechenden Formen und ihrer schon an die Alpen anklingenden Höhenlage bilden sie eine Zwischenzone zwischen diesen beiden Gebieten.
An den Gürtel der Flyschberge oder, wie wir sie auch nennen können, die Zone des Gurnigel schliesst sich alpeneinwärts die Zone des Ganterist an, die den am linken Ufer der Saane aufsteigenden Moléson (2005 m) und die Tremettaz (1909 m), seinen sw. Ausläufer, umfasst. Der Moléson ist ein aus Neocom und Malm bestehender und auf einem Sockel von Dogger, Lias und Trias stehender isolierter Synklinalrücken. Als Gegenstück zum Moléson erhebt sich zwischen den beiden Armen der Veveyse der ausschliesslich liasische und triasische Stock von Grevallaz, und nach NO. senkt sich der aus denselben Schichten bestehende Kamm von Les Clefs langsam bis zu dem über dem Rande des Saanethales stehenden Mont Barry ab. Die U-förmig gebogenen Schichten des Molésonrückens müssen einst in Form eines geschlossenen Jura- und Neocomgewölbes mit dem schmalen Kamm der Verreaux (1692 m) und mit der Dent du Li (2017 m; irrtümlich meist Dent de Lys geheissen) in Verbindung gestanden haben.
Später hat dann die Arbeit der Erosion aus diesem Gewölbe eine Reihe von Einsenkungen herausgewaschen, in denen der Querfluss Veveyse (mit seinen beiden Quellarmen) u., weiter nach N., der Längsfluss Albeuve entspringen. Ueber dem rechten Ufer der Saane setzt sich die Kette Moléson-Dent du Li im Bergstock der Dent de Broc (1829 m) und in der Dent du Chamois fort; ihnen entsprechen der zwischen dem Querfluss Motélon und dem Jaunbach sich erhebende Stock der Monse und die nö. des Jaunbachs aufsteigende Gruppe der Dents Vertes, die über Hohmättli und Ochsen mit dem dieser ganzen orographischen Einheit ihren Namen gebenden Ganterist zusammenhängt.
Eine langer Muldenzug trennt die Zone des Ganterist von derjenigen des Stockhorns oder des Vanil Noir. Der tiefste Punkt dieser Senke liegt im Thal von Montbovon-Grandvillars (740 m), wo - eine in den Greierzer Alpen seltene Erscheinung - der Lauf der Saane genau der Achse der Mulde folgt. Sw. Montbovon steigt die Mulde über das Thal von Allières allmählig bis zur Dent de Hautaudon (1874 m) und Dent de Jaman (1878 m) an, so dass das Ganze einen regelrechten Schiffsrumpf bildet. Das nämliche wiederholt sich im NO., wo vom Dorf Estavanens an die Kreide- und Flyschschichten des Muldenkerns über La Perreyre bis zum Col de la Forclaz (1593 m) hinauf sich verfolgen lassen. Von da an ist dann diese Mulde, die übrigens weiterhin mit derjenigen des Moléson verschmilzt, beständig den Kämmen (Col des Hauts Créts, Arpille und Ausseyre) aufgesetzt.
Die Stockhornzone erreicht ihre grösste Höhe im Vanil Noir (2395 m). Die diese Zone quer durchschneidenden Thäler des Jaunbachs u. der Saane begreifen zwischen sich den isolierten Synklinalstock des Corjon, an den sich im NW. die Antiklinale der Sautaz und im SO. diejenige von Crau anlehnen. Nö. der Saane reihen sich bis zum Vanil Noir (2395 m) eine ganze Anzahl von immer an die Nähe der Synklinalfalte gebundenen Gipfeln von 2000-2300 m Höhe auf. Der Gipfel des Vanil Noir selbst besteht aus ¶
mehr
Neocom und bildet einen Knotenpunkt, an dem der Kamm sich spaltet, um zwischen seinen beiden Aesten (dem Grat des Follieran-Brenleyre und dem der Tours de Dorénaz) von neuem ein Muldenthal, das Thal von Les Morteys, einzuschliessen. Beide Aeste verschmelzen nö. vom Durchbruch des Rio du Mont wieder zum Bergstock der Hochmatt (2158 m), die über den Schafberg und die Scheibe sich an das Stockhorn anschliesst, das, bereits auf Berner Boden stehend, das NO.-Ende der nach ihm benannten orographischen Einheit ist.
Auf die Zone des Stockhorns folgt im SO. die Kette der Gastlosen, die vom Perte à Bovey an mit der Dent de Savigny (2259 m), Dent de Ruth (2239 m) und Wandfluh (2128 m) der Kantonsgrenze folgt und dann mit der eigenartigen Säge der Gastlosen selbst ganz auf Freiburger Boden übertritt. Diese Kette bildet einen schmalen und stark zerschnittenen und gezähnten Kamm aus senkrecht aufgerichteten Juraschichten, die zusammen mit der Trias an ihrer Basis auf den der Stockhornkette angelagerten Flysch aufgeschoben erscheinen. Vergl. den Art. Gastlosen.
Die über die Freiburger Alpen führenden Passübergänge halten sich an die Flussläufe, die zugleich auch als sehr scharfe natürliche Schnitte den Aufbau dieser Gebirgsmassen klar erkennen lassen. Im Besonderen trifft dies für beide Thäler der Veveyse zu, deren eines über den Col du Soladier (1601 m) mit dem Thal der Baye de Montreux verbunden ist und zwischen denen selbst der Col des Paccots (1557 m) vom einen zum andern hinüberleitet. Das Thal des Hongrin (Allières) führt zum Col de Jaman (1516 m); das Thal von Montbovon (Saane) steht über zahlreiche kleine Pässe mit demjenigen des Motélon einerseits und denen beider Veveyse, der Trème etc. andererseits in Verbindung. Das gleiche gilt vom Thal der Jaun, von dem aus man in die Thäler des Motélon, des Schwarzsees, von Château d'Œx etc. hinübergelangen kann. Es ist nicht möglich, alle diese zahlreichen und sehr interessanten Verbindungen von Thal zu Thal hier zu nennen. Zu erwähnen bleibt nur noch, dass eine Fahrstrasse das Thal des Jaunbachs aufwärts über den Bruch (1506 m) und von da nach Boltigen ins Simmenthal hinunter führt.
[Dr. H. Schardt.]
Klima.
In klimatologischer Hinsicht zerfällt der Kanton Freiburg in drei Teile, deren Grenzen ungefähr von N. nach S. laufen, nämlich: 1. in die Gegend um den Murten- und Neuenburgersee;
2. in die Hochebene zwischen diesen Seen und dem Thal der Broye einerseits und den Voralpen andererseits und 3. in das Voralpengebiet selbst.
Die Stadt Freiburg, deren Klima wir als typisch für den mittleren der genannten Bezirke ansehen können, hat eine mittlere Jahrestemperatur von 7,2° C. Milder ist das Seengebiet, wie schon der Umstand zeigt, dass längs der Ufer beider Seen der Weinstock gedeiht. Rauher ist natürlich entsprechend der Höhenlage das Alpengebiet. In den bis zu einer Höhe von 1100 m hinaufreichenden Thälern, z. B. der Valsainte, ist die Temperatur durchschnittlich 1-2° tiefer als in der Hauptstadt. Im Winter ist es die aus NO. wehende Bise, welche auf der Hochebene die tiefen Temperaturen besonders fühlbar macht.
Auch die Regenmenge und die Regenhäufigkeit sind in den drei erwähnten Bezirken sehr verschieden. Es betrug im Durchschnitt der Jahre 1890-1899:
|die in einem Jahre gefallene Regenmenge||die Zahl der Tage, an denen Regen fiel|
|in Estavayer le Lac||834 mm||114|
|in Freiburg||1002 mm||124|
|in Valsainte||1570 mm||134|
Das am Südhang der Berra gelegene Valsainte gehört damit zu den regenreichsten Gegenden der Schweiz. Dieser grosse Regenreichtum erklärt sich zum Teil durch den Umstand, dass verhältnismässig häufig Gewitter von dem obern Genfersee durch den freiburgischen Veveyse- und Greierzerbezirk nach dem unteren Simmenthal hinziehen. Der mittlere Teil des Kantons ist Gewittern weniger ausgesetzt. Im übrigen erklärt sich die erwähnte Verteilung des Regens durch die wissenschaftlich begründete Tatsache, dass der Regen in unseren Gegenden vorzüglich an den dem SW.-Wind ausgesetzten Gebirgshängen fällt. Da überall im Winter die Zahl der heiteren Tage in den Gebirgsthälern grösser ist als in der Ebene, so ist trotz des grösseren Regenreichtumes in den gebirgigen Gegenden des Kantons die Zahl der heiteren Tage im Jahr nicht geringer und die durchschnittliche Bewölkung nicht grösser als auf der Hochebene. So weist das an der Grenze des Greierzerbezirkes gelegene Marsens im Jahr durchschnittlich 80 heitere und 120 trübe Tage auf, während an 160 Tagen der Himmel etwa zur Hälfte mit Wolken bedeckt ist.
Die Nebel, die an windstillen Herbst- und Wintertagen die Schweizerische Hochebene vom Jura bis zu den Alpen zu überdecken pflegen, überfluten auch einen grossen Teil des Kantons Freiburg; doch steigen sie im allgemeinen nicht höher als 800 m, so dass grosse Teile des Sense- und des Greierzerbezirkes sich des herrlichsten Sonnenscheines erfreuen, während die westlichen Bezirke in dichte Nebel gehüllt sind. Die Zahl der Nebeltage beläuft sich in diesen Bezirken auf durchschnittlich 40 im Jahre, bleibt also noch um 10 Tage pro Jahr hinter den Gegenden an der mittleren Aare zurück.
[Dr. A. Gockel.]
Hydrographie.
Wie die Kantone Bern, Neuenburg, Waadt u. Wallis gehört auch der Kanton Freiburg gleichzeitig beiden grossen Flussgebieten der Schweiz an. Auf Freiburger Boden verläuft die Wasserscheide zwischen Rhein und Rhone von der Cape aux Moines über Dent de Lys, Tzuatzau (Kette des Moléson), Niremont, See von Lussy und Châtel Saint Denis bis zum Mont Vuarat. Man kann auf Freiburger Boden vier Einzugsgebiete zweiter Ordnung unterscheiden, nämlich die der Veveyse, Saane, Broye und Sense.
Die Sense, die heute bei Laupen in die Saane mündet, muss einst einem grossen Strom zugeflossen sein, der durch das Thal von Mühlethal (Taferna) und weiterhin durch das Thal von Thörishaus und Bümpliz seinen Lauf zur Aare genommen hat. Später füllten dann die Moränen des diluvialen Aaregletschers das Thalstück Thörishaus-Bümpliz auf und dämmten es zum Teil ab, wodurch der seines Unterlaufes beraubte Fluss zum Ausweichen nach einer anderen Richtung veranlasst wurde.
Damit erklärt sich das scharfe Knie, mit dem heute die Sense bei Unter Fahr (unterhalb Riedern) nach W. abbiegt. Vielleicht war dieser präglaziale Flusslauf nichts Anderes als die Saane, die dann also über Flamatt und Thörishaus der Aare zugeflossen wäre und in der Nähe des heutigen Bern in sie gemündet hätte. Von den genannten vier Flussgebieten zweiter Ordnung gehört nur eines dem grossen Einzugsgebiet der Rhone an, nämlich das der Veveyse. Wie viele andere Flüsse (Sense, Lütschine, Simme) bildet sich auch die Veveyse aus zwei grossen Quellarmen, der (zum grössern ¶