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Ein Tröpfchen Karpfenmilch, etwas Schlammoos, eine Aalschuppe, Kaffee, dreyerley Schlammwasserthierchen, etwas weniges vom Korngrase, Sauerkleesalz, Staub der Passionsblume…
Bei dieser Liste handelt es sich nicht um ein mittelalterliches Rezept oder die Zutaten für den Zaubertrank einer Hexe. Es sind die Titel der Kupfertafeln im Werk von Martin Frobenius Ledermüller und es handelt sich dabei um kleine alltägliche Dinge, die das Interesse des Naturforschers geweckt hatten. Der ausgebildete Jurist Martin Frobenius Ledermüller (1719-1769) begann um 1750 sich mit Mikroskopen zu befassen und veröffentlichte später seine Beobachtungen der Welt des Kleinen als «Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzung».
Mikroskop als Instrument zur Unterhaltung
Die ersten Mikroskope wurden Anfangs des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden entwickelt. Im Gegensatz zum Teleskop haben diese zu Beginn nicht viel Aufmerksamkeit erregt und ihre Möglichkeiten wurden erst Jahrzehnte später ausgeschöpft. Lange diente das Mikroskop weniger der Wissenschaft als vielmehr der Unterhaltung und Ergötzung. Mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts war die Mikroskopie als wissenschaftliche Technik in den Naturwissenschaften selbstverständlich geworden, aber auch in privaten Haushalten waren Mikroskope zu dieser Zeit häufig zu finden.
Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzung
Ledermüllers Hauptwerk «Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzung» bedient sowohl naturwissenschaftlich wie auch an Unterhaltung interessiertes Publikum. Das Werk ist ab 1759 in Teillieferungen erschienen und wurde auf Französisch und Holländisch übersetzt. Im Altbestand der ETH-Bibliothek befinden sich drei Bände, die von 1760 bis 1762 in Nürnberg erschienen sind. Neben der Beschreibung der Untersuchungsgegenstände sind insgesamt 150 handkolorierte Kupfertafeln enthalten, die von Georg Paul Nussbiegel und Adam Wolfgang Winterschmidt gestochen wurden.
Ledermüller zeigt in diesem Werk einen Querschnitt der ihn umgebenden Natur. Er untersucht und beschreibt Moos, Tannensamen, Rosendornen, Disteln und kleine Tiere wie Flöhe, Läuse und Bienen, aber auch Einzelteile wie Eier oder Flügel von Schmetterlingen oder Fischschuppen. Neben Fauna und Flora interessierten ihn die Salzteilchen im burgundischen und fränkischen Wein, Feuerfunken vom Stahl, Goldfäden und Teile des menschlichen Körpers wie «Menschenhaut und deren Schweisslöcher», Haare, Urin oder Tropfen von Blut.
Der Autor ging auch auf die Wünsche seiner Leserinnen ein, indem er speziell «für das schöne Geschlecht» feinen holländischer Zwirnfaden und ihm zugesandte Stoffproben unter dem Mikroskop betrachtete und in seinem Werk abbildete.
Der dritte, als «Nachleese» erschienene, Band enthält weitere illuminierte Kupfertafeln mit einer «getreuen Anweisung, wie man alle Arten Mikroskope, geschickt, leicht und nüzlich gebrauchen solle.» Ledermüller führt die Lesenden darin in die Benutzung der Mikroskope ein. Er erklärt die Voraussetzungen und Regeln für das Mikroskopieren wie gute Augen, geschickte Hände, natürlich «Trieb und Reiz» und er gibt Hinweise auf das benötigte Zubehör.
Dank der handkolorierten Kupferstiche mit Tier- und Pflanzendarstellungen gilt Ledermüllers «Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzung» als eines der schönsten Werke über Mikroskopie im 18. Jahrhundert und trug erheblich zur Popularität der Naturwissenschaften bei.
Literatur
Ledermüller, Martin Froben. (1760-1762), Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzung, [Nürnberg]: gedruckt bey Christian de Launoy. ETH-Bibliothek Zürich, Rar 6166, https://doi.org/10.3931/e-rara-23959
Martin, H. de & Martin, W. de (1983), Vier Jahrhunderte Mikroskop. Wiener Neustadt: Weilburg.
Müller, Gerhard H., „Ledermüller, Martin Frobenius“ in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 43 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116852844.html#ndbcontent