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Angel wird uns notfallmässig vorgestellt, weil sie auf dem Spaziergang von einem grossen Hund attackiert worden war.
Zur Schockbekämpfung wird eine intravenöse Infusion gelegt und Schmerzmittel und Antibiotika verabreicht.
Später wird der Hund in Narkose gelegt. Vorsichtig wird die Haut auf der rechten Körperseite ausrasiert - die Haut des Rumpfes ist hier aufgerissen und weitflächig vom Rumpf weggezerrt worden. Noch ist nicht zu beurteilen, ob und wo die Haut nach diesem Trauma noch genügend durchblutet ist um abheilen zu können. Um Gewebewasser abführen zu können, werden Drainagen gelegt und ein Körperverband appliziert, welcher täglich gewechselt wird.
Eine knappe Woche später wird ersichtlich, dass dieWunde nicht wie gewünscht abheilen wird: Grössere Flächen der Haut erscheinen dunkel und abgestorben; die ursprünglichen Nähte sind teilweise wegen der ungenügenden Durchblutung der Areale eingerissen.
Erneut wird der Hund in Narkose gelegt. Die abgestorbenen Hautareale werden entfernt, gleichzeitig wird versucht, möglichst grosse Flächen an gut durchbluteter Haut zu bewahren und zur Rekonstruktion der Wunde zu verwenden. Ein Teil der Wunde muss offen belassen werden um so per sekundärer Wundheilung zu verheilen. Eine bakteriologische Probe zeigt zudem, dass ein Eitererreger mit vielen Antibiotikaresistenzen am Werk ist, weshalb das Antibiotikum gewechselt wird.
Zuerst täglich, später alle zwei Tage wird der Wundverband gewechselt. Die offene Wunde verheilt schnell - schon nach einer Woche hat sich ein schönes sogenanntes Granulationsbett gebildet (erste Aufnahme),weitere vier Tage später ist die Wunde schon nur noch halb so gross (zweite Aufnahme).
Knapp ein Monat nach dem Bissunfall ist die grosse Wunde abgeheilt.
"Big Dog - Little Dog" ist ein stehender Begriff in der Veterinärmedizin: Hierunter werden Fälle verstanden, bei denen ein kleiner Hund durch einem grossen Hund Verletzungen erfährt. Aufgrund des Grössenunterschiedes gehen solche Begegnungen häufig weit dramatischer aus als bei einem Hundekampf zwischen gleichgrossen Kontrahenten. Die Verletzungen reichen von Haut- über Darm- und Lungenverletzungen bis zu Rippenfrakturen und dem Tod des kleineren Hundes. Trotzdem die Wunde von Angel initial übel aussah, hatte sie doch das Glück, dass kein inneres Organ verletzt und keine Körperhöhle eröffnet wurde, so dass die Verletzung in einigermassen kurzer Zeit abheilen konnte.
Bei Bissverletzungen ist übrigens der behandelnde Tierarzt von Gesetzes wegen verpflichtet, eine Bissmeldung beim kantonalen Veterinäramt abzusetzen. Die Bissmeldung bewirkt in der Regel, dass die Halter der beiden beteiligten Hunde (so bekannt) Stellung zum Vorfall nehmen müssen und so potentielle aggressive Problemhunde erkannt werden können. Die gleiche Meldepflicht betrifft übrigens auch Ärzte, welche Menschen mit Hundebissverletzungen behandeln.