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Salvisbergs Architektur
Otto Rudolf Salvisberg hat Bern vier seiner bedeutendsten Bauten hinterlassen, das Lory-Spital 1924/26-29, das kantonale Säuglings- und Mütterheim Elfenau 1928/30 mit dem Ausbau zur Mütterschule von 1935, das Institutsgebäude der Universität Bern 1928-31 und das SUVA-Haus 1930-31. Mendelsons abstrakter Expressionismus der Volumetrien, Tessenows schlichte Gestaltung und raffinierte Detaillierung und Tauts Sinn für Farben und Texturen bringt Salvisberg mit, wenn er sein Können und erworbenes Wissen an den vier Berner Bauten geradezu exemplarisch vorführt. Das Werk dieser drei Architekten bildet den Anspielungszusammenhang für Salvisbergs Entwerfen, darin sich die Hinweise und Richtwerte finden lassen, wenn seine Architektur in eine neue Nutzbarkeit übergeführt werden soll.
Pouponniere wird Alterspflegeheim. Wie lässt sich eine Neugeborenenpflegeeinrichtung verwandeln in eine Pflegestation für die Heutigen, die selber doch jenen Geburtenjahrgängen entstammen, ohne dass die Vorstellung, hier müssten alte Hüllen ausgetragen werden, lästig wird? Vielleicht stellvertretend durch die Wertschätzung des Gebäudes beim sorgfältigen Umbauen? In einer ersten Etappe wurde 1987 mit der Umnutzung begonnen, jetzt soll ergänzend ein heutiger betrieblich verantwortbarer Stand erreicht werden, und das weiter-gesteckte Ziel ist, dabei alle Belange, des Betriebs, der Ökonomie und des Denkmalaspekts zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen und als Dank der Gemeinschaft für die Lebensleistung den heutigen Bewohnern zu offerieren.
Nutzungen, das lässt Salvisberg Entwurf zu, können in der vorhandenen Struktur leicht neu verteilt werden, die Kammerung des zweiten und die Ebenen des ersten Baus sind grundsätzlich geeignet, um das verlangte Programm unterzubringen und dabei die Regeln der Wohnlichkeit, der Würde, der Handhabbarkeit zu beachten. Unserem Entwurf gelingt es, 73 Betten in einzelnen, schallgetrennten Räumen unterzubringen. Dabei sind 24 Zimmer im Haus B mit einer doppelt genutzten Nasszelle versehen, diese könnten also nach Massgabe des Bedarfs auch zu Doppelzimmern gemacht werden, und 49 Zimmer, überwiegend im Haus A, sind in dieser Hinsicht autonom. Da und dort sind zudem besondere Eingriffe vorgesehen. Am Wichtigsten wohl ist die neuformulierte Eingangshalle, die dem Besucher den unverstellten Blick auf die transparente Anlage des ersten Baus erlauben soll. Im Übergangstrakt zwischen den beiden Flügeln dann soll die Kontinuität grosszügig wiederhergestellt werden durch eine freie Möblierung für Aktivierungs-programme und die offene Gestaltung der Durchgänge zum Treppenhaus. Dieses mündet schliesslich neu über Dach in der neu zu errichtenden Aufbahrungshalle, die hier sicherlich würdiger als bisher platziert ist und die Dachkantengleiche wieder in Erinnerung ruft, die seit 1966 verloren ist. Eine Verbesserung der Raumverhältnisse erfolgt im Winkel des zweiten Flügels, den eine günstige neue Erschliessungs-treppe von der provisorischen Aussentreppe befreit, die neuen Balkonen Platz machen kann. Schliesslich wird gartenseitig unter dem Terrassen-vordach eine liebenswerte Raumgruppe geschaffen werden aus Teeküche und Aufenthaltsraum.
Bilder: Pfister Schiess Tropeano