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Diese Arbeit von Fischli/Weiss wurde 1987 in verschiedenen Zusammenhängen gezeigt: an der 8. documenta in Kassel, am Fernsehen, am Filmfestival von Locarno, im Kunsthaus Zürich und im Kino. Die Frage ist denn auch, ob und inwiefern es sich hier um eine eigenständige filmische Arbeit oder „nur“ um eine filmische Dokumentation einer künstlerischen Installation handelt.
Fischli und Weiss, zwei seit 1979 zusammenarbeitende Künstler, sammelten unzählige gebrauchte Gegenstände und Altmaterialien und bauten mit diesen verschiedene Bahnen auf. Mit Phantasie und technischem, physikalischem Know-how entwickelten sie in ihrer Zufälligkeit streng berechnete Prozesse, in denen sich die Gegenstände linear in eine Richtung gegenseitig in Bewegung versetzen. So steht etwa eine Holzwand auf Zuckerstücken, diese werden von Wasser aufgelöst; der Luftdruck der stürzenden Wand setzt eine Schachtel in Bewegung, welche an eine Kabelrolle stösst; diese wiederum rollt über ein Hindernis und berührt eine mit Nitrolösung gefüllte Büchse, die über eine schiefe Bahn rutscht und umkippt; die Lösung fliesst in ein flaches Becken, in dem ein Turm aus Styropor steht. Nitro frisst Styropor..., etc.
Im Zentrum dieser Kunstaktion stehen sowohl der Lauf der Dinge wie auch die Dinge selbst: Fischli/Weiss experimentieren mit den Relationen zwischen offenen und geschlossenen Systemen, Zufälligkeit und Kausalität in verschiedenartig begründeten Abläufen, Unordnung und Ordnung. „Handlungsträger“ sind oft- jets trouvés, ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung enthoben, mit neuen Energien aufgeladen, zu neuen „Taten“ erweckt — der kunsthistorischen Traditionszusammenhang von Duchamp bis Tinguely ist damit angesprochen. Die Interpretation der Künstler, in der die Rede ist von „Schuld und Unschuld der Dinge“, von „gut“ und „böse“ — „Oft hatten wir bei unseren gelungenen Versuchen das Gefühl vom Triumph des Willens, dabei war alles nur Schicksal, wie bei Macbeth...“ —, scheint mir, wenn sie auch nicht im wörtlichen Sinn zu verstehen ist, zu aufgesetzt.
Der Film nun geht über eine optische Dokumentation der Kunstaktion hinaus — nicht zuletzt dank der subtilen Kameraarbeit Pio Corradis. Er ist in sechs zueinander in Bezug gesetzte Abschnitte aufgeteilt; die einzelnen Gegenstände und Vorgänge werden aus verschiedenen Distanzen und Blickwinkeln ins Bild gebracht und verfolgt. Dabei ergibt sich eine interessante Spannung zwischen der Zeit des konkreten Prozesses und dem Filmrhythmus, die zudem noch intensiviert wird durch die Wiedergabe der Geräusche und die seltsam dumpfe Lichtstimmung. In dieser Arbeit mit Bildern und Ton wird etwas von der „Magie“ spürbar, durch die die Gegenstände in ihren scheinbar eigenwilligen Aktionen und Reaktionen aufgeladen werden.
Der Film ist in Zusammenhang zu sehen mit den Arbeiten von Fischli/Weiss, in denen alltägliche Dinge in bizarren Gebilden in ein labiles Gleichgewicht gebracht wurden und die als Fotodokumentation mit dem Titel „Stiller Nachmittag“ publiziert wurden.