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04.12.2009 - 13.02.2010
Mit „Ihre Malerei ist originell“ kommentierte Pablo Picasso 1936 die erste Ausstellung der jungen Hélène de Beauvoir (1910-2001) in der Pariser Galerie Bonjean. Die Worte des Meisters waren als ein Lob zu deuten, denn zu jener Zeit ahmten viele junge Künstler Picasso nach, sie dagegen suchte die Eigenständigkeit, so erinnert die Künstlerin sich später. Wenngleich ihr Schaffen vor jenen kritischen Augen Achtung fand, stand sie Zeit ihres Lebens im Schatten ihrer älteren Schwester Simone. In dieser Ausstellung, die anlässlich ihres 100. Geburtstages veranstaltet wird, ist sie neu zu entdecken. Das Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath zeigte die Künstlerin schon einmal, vor 48 Jahren in ihrer ersten Einzelausstellung in Deutschland 1961.
Hélène de Beauvoir erhielt ihre Ausbildung an den Kunstakademien Colarossi, Grande Chaumière, Académie Scandinave und der École dÂ’Art et Publicité. Die zwei Jahre ältere Schwester Simone, die eine feste Anstellung als Lehrerin hatte, bezahlte ihr das Atelier. Als Gegenleitung tippte Hélène die Manuskripte der Schwester und die Jean-Paul Sartres. Reisen führten nach Spanien und in die großen Kunstsammlungen Italiens. 1942 heiratete Hélène den Kulturattaché Lionel de Roulet, den sie in Portugal kennengelernt hatte und mit dem sie fortan ein „bürgerliches“ Leben führte, was ihr kritische Worte der Schwester einbrachte. Es folgten Umzüge nach Wien, Belgrad, Casablanca, Mailand und über Paris schließlich 1963 nach Goxwiller im Elsass, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.
Das Werk, der klassischen Moderne zuzurechnen, bewegt sich zwischen Realismus und Abstraktion, die Strömungen des 20. Jahrhunderts, wie Kubismus, Tachismus und Surrealismus aufnehmend. Von fern scheinen auch der Orphismus, d.h. die Kreisbewegungen Robert Delaunays, einzuwirken, wenngleich Beauvoir auf eine der Glasmalerei ähnliche Auffacettierung von Licht und Farbe setzt. Offen für neue Techniken, wie zum Beispiel die Spritztechnik, die an die zeitgenössische amerikanische Malerei des abstrakten Expressionismus denken lässt, war sie Zeit ihres künstlerischen Schaffens auf der Suche. Landschaften, Stadtbilder und Menschen sind die bestimmenden Motive ihres Œuvres. Doch ihr politisches Bewusstsein war wach, vor allem zeichnete sie sich durch eine Sensibilität für Frauenthemen aus.
Werke der Künstlerin befinden sich heute im Musée de la Moderne, Paris, in Pittsburg, Regensburg, Strassbourg und Lausanne. Das Frankfurter Kunstkabinett zeigt Arbeiten in Öl und Aquarell aus dem Hauptwerk der Künstlerin.