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Heute Samstag (23.09.) wird im Vallon de l'Ermitage ob Neuenburg das Centre Dürrenmatt eröffnet. Das aus dem Wohnhaus des Autors und einem Ausstellungsbau von Mario Botta bestehende Centre beherbergt unter anderem die Bibliothek und Bilder Dürrenmatts.Dieser Inhalt wurde am 22. September 2000 - 08:48 publiziert
Friedrich Dürrenmatt erwarb das Anwesen "Pertuis de Sault" als junger Familienvater im Jahre 1952. Damals waren zwar schon etliche Dramen, Hörspiele und Kriminalromane von ihm erschienen, aber Geld und Ruhm folgten erst vier Jahre später mit "Der Besuch der alten Dame".
Das in idyllischer Hanglage liegende Gebäude war günstig für 60'000 Franken zu haben, doch die erforderliche Renovation des Flachdachs konnte sich der junge Autor nicht leisten. Hätte Dürrenmatt nicht in einer Beiz (Kneipe) einen Mann kennengelernt, der ihm für fünf Franken mit Schiffskitt das Dach flickte, gäbe es das Centre Dürrenmatt womöglich heute nicht.
6 Mio. Franken
Nach Dürrenmatts Tod am 14. Dezember 1990 entwickelte seine zweite Frau Charlotte Kerr die Idee für das Centre, das Museum und Forschungsstätte sein soll. Sie wandte sich an den Tessiner Stararchitekten Mario Botta, einem Bewunderer von Dürrenmatts Werk und Denken, und dieser begann 1992 mit ersten Skizzen.
Ende 1997 wurde der Schenkungsvertrag zwischen Kerr und der Eidgenossenschaft unterzeichnet: Er umfasste Dürrenmatts Bilder-Nachlass, das erste der insgesamt drei Wohnhäuser auf dem Gelände sowie 4200 Quadratmeter Umschwung.
Renovation und Annex wurden mit 6 Mio. Franken veranschlagt. 3 Mio. steuerte der Bund, 2 Mio. der Kanton Neuchâtel und 1 Mio. Franken private Sponsoren bei. Die Stadt Neuenburg trägt jährlich 100'000 der 350'000 Franken Betriebskosten, das Defizit trägt der Bund.
Dürrenmatt weiterdenken
Charlotte Kerr wollte von Anfang an kein Mausoleum und kein handelsübliches Museum, sondern eine Stätte, wo Dürrenmatts Geist und Kreativität lebendig bleiben sollte. Mario Botta verwirklichte diese Vorstellung in Anlehnung an Dürrenmatts Denken und Dichtung und in Wechselbeziehung zu seinen Bildern.
Herzstück seines Baus ist eine grosse Kaverne unterhalb der alten Hausterrasse. Sie versinnbildlicht Uterus und Labyrinth der Dürrenmattschen Einbildungskraft. Lichtströme, die aus dem turmartigen Eingangsgebäude und aus den Fenstern des grossen Ausstellungssaals in die Tiefe des Gebäudes dringen, bilden ein raffiniertes Spiel aus Licht und Schatten an den Wänden.
Der Botta-Annex beherbergt teils permanente, teils wechselnde Ausstellungen. Im alten Wohnhaus wurde Dürrenmatts Bibliothek zusammengetragen: rund 4'000 Werke von der Antike bis heute, von Literatur über Philosophie bis zu Naturwissenschaften, die meisten mit handschriftlichen Kommentaren des Autors.
Ab 24. September ist das Centre jeweils von Mittwoch bis Sonntag geöffnet.
swissinfo und Agenturen
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