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Interpretant ist Teil eines diffusen Zeichenkonzeptes von C. Peirce, das sehr viele sehr verschiedene Deutungen hat, weil Definitionen schlicht fehlen. C. Peirce realisierte, dass Zeichen nur Zeichen für einen Beobachter sind. Er hat aber den Beobachter in seinem "Zeichen" aufgehoben und dazu die Semiose um den Interpretanten erweitert, was zu grosser Verwirrung führte, weil so der Beobachter Teil des Zeichens wird.
C. Morris hat später diese begriffliche "Komplexität" dadurch reduziert, dass er drei Frames vorgeschlagen hat: Syntax, Semantik und Pragmatik. Aber auch er hat den Interpretanten an Stelle eines Beobachters beibehalten.
In der Wikipedia (per 1.11.2017) steht unter Interpretant eine wilde Vorstellung ohne Quellen, die mit C. Peirce und C. Morris ganz unverträglich ist:
Als Interpretant bezeichne ich - in Anlehnung an C. Morris - die Vorstellung, wonach in einem Zeichenprozess das Wahrnehmen der Bedeutung eines Zeichens als Handlung Teil des Zeiches sei.
Ich gebe das Beispiel von C. Morris:
"Ein Pfeifen bestimmter Art bringt jemanden dazu, so zu handeln, als ob sich ein Eisenbahnzug nähert, von dem er sonst nichts wahrnimmt; für die Person, die dieses Pfeifen hört, bezeichnet der Laut dann einen sich nähernden Zug. Das, was als Zeichen operiert (d. h. was die Funktion hat, etwas zu bezeichnen) nennt man Zeichenträger; die Handlung des mittelbaren Notiznehmens wird Interpretant genannt und von einem Interpreten ausgeführt; das, wovon mittelbar Notiz genommen wird, nennen wir Designat."
Erläuterung:
Das gedeutete Signal ist in meiner Sprache ein Signal, kein Zeichen. C. Morris sagt, dass das Signal Zeichenträger sei. Wenn ich das Pfeifen einer Eisenbahn wahrnehme, weiss ich, was ich wahrnehme. Mir ist dann klar, was ich mit dem Signal verbinde. In meiner Sprache erkenne ich ein Signal. C. Morris sagt, mein Erkennen sei die Wirkung des Signals. Das Signal bestimmt als Interpretant meine Interpretation. Wenn ich einen Verweis auf eine Eisenbahn wahrnehme, ist das Referenzobjekt des Verweises eine Eisenbahn. C. Morris bezeichnet das als Designat.
Entsprechend dieser Definition muß jedes Zeichen designieren („ein Designat haben"), aber es braucht nicht akutell irgendetwas zu denotieren („braucht keine Denotate zu haben"). Man kann von einem näherkommenden Zug Notiz nehmen ([also wirklich oder in Gedanken] so handeln, als ob sich ein Zug näherte), selbst wenn in Wirklichkeit kein Zug kommt; in diesem Falle designiert der vernommene Laut, aber er denotiert nicht („hat ein Designat, aber keine Denotate"). Ein Designat ist also eine Klasse von Objekten, die durch bestimmte definierende Eigenschaften ausgezeichnet sind, und eine Klasse braucht keine Elemente zu haben; die Denotate sind die Elemente - falls es überhaupt welche gibt - der betreffenden Klasse.
Erläuterung:
C. Morris bezieht sich auf seine Auffassung des semiotischen Dreiecks. Als Designat bezeichnet den sprachlich gemeinten - semantischen - Inhalt, als Denotation bezeichnet er den aussersprachlich gemeinten - pragmatischen Inhalt. Ich kann beispielsweise von einem Tisch oder von einer Fee sprechen und in beiden Fällen wissen, wovon ich spreche. Dazu muss weder das eine noch das andere vorhanden sein. Wenn ich von konkreten Tischen spreche, beispielsweise vom Tisch in meiner Küche, spreche ich von einem Objekt der Klasse Tisch. Dieses Objekt kann - pragmatisch - existieren, bei einer Fee ist das eher nicht der Fall.
C. Morris umschifft mit seiner Sprechweise die Differenz zwischen einem konkreten Gegenstand und der begrifflichen Beschreibung. Mit dem Ausdruck Tisch, kann ich sowohl das eine wie das andere verbinden, also denotieren. Ich kann jeden Tisch zeichnen, aber ich kann den Tisch (überhaupt) nicht zeichnen, aber ich kann von beidem sprechen.
Die Denotation ist auch beobachterunabhängig gemeint. Ein Tisch ist ein Tisch und das Wort Tisch steht für Tisch. Natürlich ist das ein Herrschaftsdiskurs, in welchem jemand festlegt, was Tisch heisst.