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Bericht von Carlee Marrer-Tising zu der Rassenkatzenpräsentation am Tierspital in Bern

Auf Freitag, den 27. April, 2012 habe
ich mich sehr gefreut, denn ein paar Wochen zuvor hatte ich erneut
eine Einladung von Jürg Keller, Präsident des Katzen-
und Edelkatzenclubs Bern, bekommen, an der diesjährigen
"Präsentation der Rassenkatzen" für die Studenten
und Studentinnen der veterinärmedizinischen Fakultät
der Universität Bern teilzunehmen. Die Präsentation
ist eine Art Vorlesung, die in einem Vorlesungssaal der Uni Bern
abgehalten wird und die im Einklang mit dem wichtigsten Zweck
des FFHs ist, nämlich "alles zu unternehmen, was zum
Wohle der Katze beiträgt und alles zu fördern, was
die Zucht und die Verbesserung der Katzenrassen betrifft."

Das Ziel der Rassekatze-Präsentation ist, die Studierenden erstens mit einigen Rassekatzen bekannt zu machen und zweitens, ihnen mitzuteilen, dass sie, wenn sie später praktizierende Tierärzte und Tierärztinnen sind, anders mit Züchtern und zum Teil auch mit Ausstellern umgehen können und sollten, weil diese, da sie in der Regel mehrere Tiere haben und jahrelange Erfahrungen gesammelt haben, viel mehr über Katzengesundheit und Krankheiten, über Medikamente und Genetik Bescheid wissen als andere Katzenhalter. Tierärzte und Tierärztinnen stellen übrigens immer wieder fest, dass Katzenzüchter sogar mehr über einige Aspekte der Katzenhaltung wissen als sie, und die meisten von ihnen arbeiten gerne Hand in Hand mit Züchtern und lernen auch gewisse Dinge von ihnen. Einige von uns haben z. B. die Velicano-Kurse von Herrn Dr. vet. Binzegger in Baar besucht, um mehr über Katzenernährung, Katzenpflege, die Anatomie der Katzen usw. zu lernen.
Einige Züchter und Züchterinnen In Begleitung ihrer Katzen waren auch dieses Jahr anwesend, als diese spezielle Vorlesung abgehalten wurde. Anwesend waren Vertreter der folgenden Rassen: Maine Coon, die wohl grösste Rasse-Katze, Norwegische Waldkatze, Siamese, Balinese, Ragdoll, Abessinier, Somali, Perser und meine Sphynx. Für uns ist dieser Anlass v. a. wichtig, weil wir die Gelegenheit haben, den Studierenden Sachen zu erklären und erzählen, die speziell für unsere Rassen berücksichtigt werden müssen. Züchter wissen genau, welche Krankheiten in ihren eigenen Rassen oft vorkommen, und sie wissen auch, wo es Gefahren gibt, von denen ein Tierarzt wissen sollte. Bei Sphynx und einigen anderen Rassen muss man z.B. unbedingt auf das Narkosemittel Ketamin verzichten, da dieses Mittell zwar sehr billig, aber bewiesenermassen auch sehr gefährlich ist. Ich kenne einige Personen, die ihre Sphynx wegen Ketamin verloren haben. Der Tod ist entweder während des chirurgischen Eingriffs (in einem Fall sogar bei einer routinemässigen Zahnbehandlung) oder kurz danach eingetreten.
Nachdem Jürg Keller uns einige Infos über Rassekatzen, ihre Züchter und Züchterinnen, sowie die FFH und den Katzen- und Edelkatzenclub Bern gegeben hatte, hat er den anwesenden Züchtern und Züchterinnen die Gelegenheit gegeben, nach vorne zu kommen und ihre Katzen vorzustellen. Es gibt Rassen, die von anderen Rassen schwer zu unterscheiden sind, wie zum Beispiel Maine Coons und Norwegische Waldkatzen. Uns ist erklärt worden, was für Unterschiede es gibt und auf was zu achten ist, wenn man diese Rassen vor sich hat. Man hat gut sehen können, wie diese Katzen von ihren Besitzern geliebt werden und wie stolz die Besitzer auf ihre Katzen sind.
Da die nackte Sphynx sich wohl am meisten von anderen Katzen unterscheidet und auch einige spezielle Züge hat, die von anderen Katen abweichen, habe ich mir einige Notizen gemacht und den Studierenden ein bisschen ausführlicher erzählt und erklärt. Viele meinen, dass die Körpertemperatur einer Sphynx höher sein muss als bei anderen Katzen. Aber das trifft nicht zu. Mein Tierarzt hat rein aus Neugierde meinen Sphynx oft die Temperatur gemessen, und sie war nie höher als bei anderen Rassen. Die Sphynx-Haut fühlt sich sehr warm, ja fast heiss an, weil die isolierende Wirkung des Fells zwischen der Haut und unserer Hand fehlt. Der Stoffwechsel einer Sphynx ist anders als bei anderen Rassen; darum frisst sie viel mehr und sie setzt auch mehr Kot ab. Sie hat auch viel mehr wachsartiges Material in den Ohren und um die Krallen. Und ihre Haut sondert Fett oder eine Art Serum als Schutz ab; sie muss aber nicht deswegen oft gebadet werden. Im Gegenteil: Je mehr man sie badet, desto mehr versucht die Haut, sich zu schützen, und bald hat man echte Probleme, da ein Teufelskreis entsteht. Ich bade meine Sphynx nur wenn sie dreckig sind, und ich habe sogar welche, die noch nie gebadet worden sind.
Bei der Ohren-Tiefreinigung beim TA ist Vorsicht angesagt. Einige Sphynx-Besitzer in meinem Bekanntenkreis haben die Ohren ihrer Sphynx vom Tierarzt reinigen lassen, und das Trommelfell ist geplatzt! Man muss sehr aufpassen, da das Ohrenschmalz sich sehr leicht zu einem harten Klumpen bilden kann.
Da die Sphynx eine spontane Mutation der Hauskatze ist, ist sie recht robust und gesund. Es gibt schon seit langem Nacktkatzen in der Natur; in den 1960er Jahren hat man in Kanada ein Weibchen und ein Männchen entdeckt und beschlossen, sie weiter zu züchten, weil die Katzen so sympathisch waren. Die Sphynx ist somit eine Naturrasse und nicht eine durch Menschenhand kreierte Rasse. Da diese Mutation so selten vorkommt, könnte die Rasse vermutlich nicht ohne die Intervention des Menschen weiter bestehen. Viele machen Sphynx-Liebhabern den Vorwurf, die Sphynx könnte nicht in der Natur überleben. Könnten Katzenrassen, die seit Generationen in Haushalten leben, die gefüttert und verhätschelt werden, in der freien Natur überleben? Und der Mensch, der einzige Nackte unten Primaten? Der wäre wohl ziemlich benachteiligt gegenüber z.B. Schimpansen, Gorilla, oder Orang-Utans.
Weil einige Einkreuzungen mit Devon Rex, Burma Katzen, Siamesen und anderen Hauskatzen, gemacht worden sind, hat sich leider HCM in die Rasse eingeschlichen. Weltweit geben sich Sphynx-Züchter und Züchterinnen viel Mühe, diese heimtückische Krankheit genetisch zu erfassen und aus der Rasse auszumerzen.
Die Haut der Sphynx ist nicht komplett nackt, sondern hat einen ganz leichten Flaum, wobei die einzelnen Haare nicht länger als 2 - 3 mm sind. Einige Sphynx fühlen sich wie ein Fensterleder an, andere wie warme Pfirsiche, und andere wie weicher Gummi! Die Haut ist erstaunlich zäh, und obwohl kein Fell vorhanden ist, wird die Haut nicht leicht verletzt, auch nicht, wenn die Katzen mit einander recht grob spielen. Kleine Schrammen und Kratzer gibt es natürlich ab und zu.
Obwohl es überall in der Literatur heisst, die Schnurrhaare seien ein unentbehrliches Sinnes-Organ für die Katze, haben wir persönlich nie beobachten können, dass unsere Sphynx mit den abgebrochenen Schnurrhaaren-und wir halten Sphynx seit ca .neun Jahren-in irgendeinerArt oder Weise den anderen Katzen gegenüber benachteiligt sind. Sie spielen, springen, gehen durch die Türklappe genau gleich wie die anderen, auch im Dunkeln. Ein Tierarzt in Deutschland ist diesem Phänomen nachgegangen und hat beweisen können, dass eine Sphynx, auch eine, die total ohne Schnurrhaare ist, in keiner Art oder Weise benachteiligt ist.
Nachdem ich die paar Fragen der Studierenden beantwortet hatte, übergab ich meine Katze Joy den angehenden Tierärzten und Tierärztinnen, damit sie sie live erleben und anfassen konnten. Zum Glück war Joy damit einverstanden - ansonsten wäre sie ja auch keine Sphynx!
Als alle Katzen präsentiert und alle Fragen beantwortet waren, waren wir zu einem kleinen Imbiss eingeladen. Es war ein gelungener Anlass, und ich glaube, dass alle davon profitiert haben.
Text: Carlee Marrer-Tising

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