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Der Mord an George Floyd durch einen weissen Polizisten hat in den USA die Debatte über Rassismus intensiviert – auch über strukturellen Rassismus. Viele werden sich erst jetzt bewusst, wie sehr Entscheide des Staates und der Behörden Schwarze und andere Minderheiten benachteiligen. Solchen strukturellen Rassismus gab es auch bei der Stadtplanung.
Ein Beispiel ist Overtown, das Schwarzenviertel von Miami. Dort ist die Kriminalitätsrate 50 Prozent höher als im Rest der Stadt, viele sind arbeitslos und leben in Armut. Das war nicht immer so. Overtown war früher ein strikt abgetrenntes Viertel, die dort lebenden Schwarzen durften nur zum Arbeiten ins weisse Miami Beach, das sich zum mondänen Ferienziel der Reichen mauserte.
Dort traten in den Hotels und Ballsälen in den 50er Jahren auch die schwarzen Stars des Jazz und Soul auf. Übernachten aber durften sie in Miami Beach nicht – nach ihren Auftritten vor den Weissen mussten sie zurück nach Overtown. In den dortigen Clubs gaben sie dann aber legendäre Konzerte, viele davon in der Second Avenue von Overtown. Und mit der Bürgerrechtsbewegung und der Lockerung der Rassengesetze zog im schwarzen Stadtteil Zuversicht und ein bescheidener Wohlstand ein.
Doch all das hatte ein Ende, als man landesweit die Interstate Highways zu planen begann. Die Stadt beschloss, in Miami die Autobahn quer durch Overtown zu bauen – im vollen Wissen darum, dass dies das Viertel zerstören und einen Teil der Bevölkerung vertreiben würde. Und so kam es auch. Bis heute sind die verheerenden Auswirkungen dieses planerischen Entscheids von damals spürbar.