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Die italienische Grenzstadt Domodossola gedachte am Samstag in einem Festakt ihren "Freunden aus der Schweiz".
1944, vor genau 60 Jahren, hatten Tausende von Flüchtlingen aus der Partisanenrepublik Ossola Aufnahme in der Schweiz gefunden.
"Es ist ein Anlass, um nochmals Danke zu sagen", sagt der Gemeindepräsident von Domodossola, Gian Mauro Mottini.
Dabei denkt er insbesondere an die 2500 Kinder im Alter zwischen 5 und 13 Jahren, die 1944 als Flüchtlinge aus der Partisanenrepublik Ossola durch Vermittlung des Roten Kreuzes bei Schweizer Familien Aufnahme fanden und nach Kriegsende zurückkehrten.
"In den sieben Monaten in der Schweiz entdeckten die Kinder die Bedeutung des Wortes Freiheit", sagt Mottini. Hintergrund der Hilfsaktion waren die dramatischen Ereignisse, die sich 1944 in dem ans Tessin und Wallis angrenzenden Gebiet Ossola abspielten.
In diesem kriegsgeschüttelten Jahr war es Partisanen-Formationen gelungen, eine kleine, selbstverwaltete Republik zu schaffen. Es handelte sich praktisch um eine Keimzelle der späteren italienischen Republik.
Parlamente wurden eingerichtet, in denen Dorfräte die Verantwortung übernahmen. Die Partisanenrepublik Ossola wurde am 10. September 1944 proklamiert.
Das am Südfuss des Simplon gelegene Domodossola war die "Hauptstadt" dieser Republik, die damals diesen Namen gar nicht trug, sondern sich einfach "Zona liberata", befreite Zone, nannte.
Das Gebiet reichte vom Monte Rosa über Verbania bis nach Cannobio am Lago Maggiore: Zirka 1600 Quadratkilometer mit 75'000 Einwohnern.
Angst vor Repressalien
Doch das Experiment dauerte nicht lange. Nach nur 40 Tagen, am 23. Oktober 1944, wurde das befreite Gebiet von der deutschen Wehrmacht mit Unterstützung italienischer Faschisten in der Operation "Avanti" zurück erobert. Eine Hetzjagd auf die Partisanen und die Bevölkerung begann.
Die Angst vor Repressalien durch die Deutschen veranlasste viele "Ossolani" damals zur Flucht über die Grenze ins Wallis und Tessin. Bei der Flucht kam es im Grenzgebiet zur Schweiz zu heiklen Situationen.
Überliefert sind die Schüsse deutscher Soldaten auf Flüchtlinge an den Bagni di Craveggia, am Ende des Onsernonetals im Tessin. Um ein Haar hätte dies zum Eingreifen der Schweizer Armee in den Konflikt geführt.
Erwachsene fanden in Flüchtlingslagern der Schweiz Unterkunft. Kinder wurden auf Gastfamilien in der ganzen Schweiz verteilt. Aus den Kindern von damals sind inzwischen Grosseltern geworden.
Die Verbindungen zu den Schweizer Gastfamilien, zu den damaligen "Schwestern und Brüdern" oder ihren Nachkommen, werden in einigen Fällen bis heute gepflegt.
Unvergessene Hilfsaktion
An diese Schweizer Hilfsaktion wird in Domodossola bei allen Gedenktagen und Jubiläumsfeiern zur "Partisanenrepublik Ossola" gedacht.
1974, aus Anlass der 30-jährigen Wiederkehr, wurde eine entsprechende Gedenktafel am internationalen Bahnhof enthüllt. Zum 50. Jahrestag 1994 erschien ein Buch, in dem italienische Flüchtlingskinder von ihren Erfahrungen im "Land des Weissbrots" erzählen. Es sind rührende, teilweise ergreifende Zeitzeugnisse ("Il paese del pane bianco", a cura di Paolo Bologna, Domodossola 1994).
Am Samstag, zum 60. Jahrestag, wird eine Tafel direkt im Stadtzentrum von Domodossola, an der Piazza Ex-Carceri, enthüllt.
Die Aufschrift lautet: "Zum 60. Jahrestag der Partisanenrepublik Ossola, zum Gedenken an die brüderliche Hilfe, grosszügig gewährt von Schweizer Freunden."
Gerhard Lob, Domodossola
Fakten
Nur gut 40 Tage existierte 1944 die Partisanenrepublik Ossola. Das an das Wallis und Tessin grenzende Gebiet wurde dann durch deutsche Truppen und italienische Faschisten zurückerobert.Infobox Ende
In Kürze
Um der Hetzjagd der Deutschen bei der Rückeroberung der Ossola-Republik zu entgegen, flüchtete vermutlich ein Viertel der Bevölkerung in die Schweiz.
Rund 2500 Kinder wurden für sieben Monate, bis Kriegsende, von Schweizer Gastfamilien aufgenommen.
An diese grosszügige Hilfsaktion wird in Domodossola, der Hauptstadt der ehemaligen Partisanenrepublik, bei allen Jahrestagen gedacht.
Am Samstag, aus Anlass der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag, wird im Stadtzentrum eine Gedenktafel eingeweiht.