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Das musst du wissen
- Das bewusste Kaufen nennt man Buykott, das bewusste Nicht-Kaufen Boykott.
- Buykott und Boykott von Produkten aus ethischen oder politischen Gründen sind neue politischen Partizipationsformen.
- Persönlichkeitsmerkmale können miterklären, wer ein politischer Konsument ist und wer nicht.
Die Art und Weise, wie Menschen sich am politischen Prozess beteiligen, verändert sich ständig: neue Formen der Partizipation kommen hinzu, alte verlieren an Bedeutung. Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass immer mehr Menschen ihrer politischen Meinung durch bewusste Kaufentscheidungen Ausdruck verleihen. Sie kaufen beispielsweise bewusst fair gehandelte Schokolade oder verzichten bewusst auf die Produkte von Konzernen, die für ihre Produktionsmethoden öffentlich in der Kritik stehen. Inzwischen gehören das bewusste Kaufen (Buykott) und das bewusste Nicht-Kaufen (Boykott) von Produkten aus politischen, ethischen oder ökologischen Gründen zu den am häufigsten genutzten Partizipationsformen in westlichen Demokratien. Im Ländervergleich zählt die Schweiz zu den Ländern, in denen der politische Konsum am stärksten verbreitet ist. Laut einer neuen Studie hat sich 2014 ungefähr die Hälfte der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten schon einmal bewusst aus politischen, ethischen oder ökologischen Gründen für ein Produkt entschieden.
Persönlichkeitseigenschaften als Erklärungsfaktoren für politische Partizipation
Im Vergleich zur Teilnahme an Demonstrationen oder dem Engagement in Parteien und politischen Vereinigungen, kann die bewusste politische Entscheidung für oder gegen ein Produkt individuell getroffen werden und bedarf nicht der Mitwirkung anderer. Individuelle Persönlichkeitseigenschaften könnten zur Erklärung dieser individualisierten und sachorientierten Form der Partizipation besonders relevant sein.
In der Psychologie hat sich die Beschreibung von Persönlichkeitseigenschaften anhand des Fünf-Faktoren-Modells («Big Five»-Modell) etabliert. Das Modell nimmt an, dass sich Individuen und ihre Verhaltenstendenzen anhand von fünf Persönlichkeitsmerkmalen – Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus – unterscheiden lassen. Einer Person, die neugierig und interessiert an Neuem ist, wird beispielsweise ein hohes Mass an Offenheit für Erfahrungen attestiert. Studien zeigen, dass Persönlichkeitsmerkmale nicht nur das alltägliche Verhalten von Individuen beeinflussen, sondern auch deren Denken und Handeln in der politischen Sphäre.
Offenheit fördert, Gewissenhaftigkeit hemmt politischen Konsum
Eine Analyse untersuchte den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und politischem Konsum . Diese zeigt, dass vor allem die Persönlichkeitsmerkmale «Offenheit für Erfahrungen» und «Gewissenhaftigkeit» beeinflussen, ob eine Person zur politischen Konsumentin oder zum politischen Konsument wird. Offene Personen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich an Boykott und Buykott zu beteiligen als weniger offene Personen. Ist eine Person hingegen sehr gewissenhaft, nimmt die Wahrscheinlichkeit der Beteiligung an politischem Konsum ab. Verträgliche Personen greifen indes nur zum Instrument des Buykotts, das als weniger konfliktbehaftet angesehen wird.
Science-Check ✓Studie: Psychological roots of political consumerism: Personality traits and participation in boycott and buycottKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDie Analyse untersucht Umfragedaten, also Angaben, welche die Personen selber gaben. Diese können mit Unsicherheiten behaftet sein. Auch ist ein kausaler Zusammenhang zwischen Persönlichkeitseigenschaften und politischem Konsum noch nicht bewiesen. Die Studie gibt aber Hinweise.Mehr Infos zu dieser Studie...Zuverlässigkeit: Umfragedaten des Schweizer Freiwilligen Monitor 2014 verwendet, der 5721 Befragte enthält, peer-reviewed.Studien-Art: Umfrage/Beobachtungsstudie.Geldgeber: Keine Angabe.Alle Informationen zum higgs-Science-Check
Soziale und politische Einstellungen als Mittler?
Neben Persönlichkeitseigenschaften begünstigen oder verhindern natürlich noch andere individuelle Faktoren die Teilnahme an Boykott und Buykott. Immer wieder wird beispielsweise die Rolle von sozialen und politischen Einstellungen betont. Verschiedene Studien zeigen, dass Persönlichkeitsmerkmale auch diese Einstellungen beeinflussen. Daher ist es denkbar, dass sie als Mittler für den Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und politischem Konsum verantwortlich sind.
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In weiterführenden Analysen wurden soziales und politisches Vertrauen, politisches Interesse und Ideologie überprüft, um diese Annahme zu prüfen. Die Analysen deuten zwar darauf hin, dass diese Einstellungen eine Rolle spielen. Sie können den Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und politischem Konsum jedoch nicht gänzlich erklären. Persönlichkeitsmerkmale sind also auch als eigenständige Grösse zu verstehen, die uns helfen zu verstehen, wer politisch konsumiert und wer nicht.