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Die Geschichte vom Affenkönig und vom Brahmanen ist eine Geschichte über ein vergangenes Leben des Buddha, als dieser die erforderlichen Vollkommenheiten entwickelte, um ein Buddha zu werden. Sie veranschaulicht vortrefflich die Übung von liebender Güte, Mitgefühl, mitfühlender Freude und Gleichmut. Hier ist die Fassung, in welcher der Ehrwürdige Webu Sayadaw die Kapi-Jataka-Geschichte neu erzählt hat:
Unser Bodhisattva [1] wurde in einem seiner Leben der König der Affen. Eines Tages fand er im Dschungel einen Brahmanen, der in einen Abgrund gestürzt war und, völlig hilflos, dort unten sicherlich gestorben wäre. Der Brahmane beklagte sein Schicksal und weinte: "Oh ich Ärmster bin hundert Meter tief in eine Kluft gefallen. Gewiss werde ich hier unten sterben. Oh, ich Ärmster, oh oh oh.... Meine Verwandten und Freunde, meine Frau und meine Kinder, sie alle wissen nichts von meinem Unglück. Niemand ist hier, um mir zu helfen!" Und er weinte.Nun, edle Wesen sind immer besorgt um das Wohlergehen aller Wesen, ohne Ausnahme. Und da der Bodhisattva ein solch edles Wesen ist, hatte er, der damals der Affenkönig war, Mitleid mit dem Brahmanen, so wie er Mitleid für seine eigenen Kinder gehabt hätte. Und so kletterte er in den Abgrund und ging zum Brahmanen. "Fürchte dich nicht. Verzweifle nicht, ich lasse dich nicht sterben. Ich werde dich an den Ort bringen, wo du hinwillst", sagte er zu dem Brahmanen, um ihn zu beruhigen und aufzumuntern.
Aber noch war er war nicht bereit, ihn auf seine Schultern zu heben und aus dem Abgrund hinauf zu tragen, weil er befürchtete, dass er fallen könnte und der Brahmane dabei verletzt würde. Also nahm er einen großen Stein, ungefähr gleich schwer wie der Brahmane, legte ihn sich auf die Schulter und versuchte, diesen hoch zu tragen, indem er von Stein zu Stein sprang. Erst nachdem er diese Prüfung bestanden hatte, hob er den Brahmanen vorsichtig auf seine Schultern und kletterte erneut empor, indem er von einem Felsblock zum nächsten sprang.
Nach dieser grossen Anstrengung war der Affenkönig erschöpft. Er war glücklich während er diese gute Tat vollbrachte, doch war er noch glücklicher, als es ihm gelungen war und er ein Leben gerettet hatte. Er war zuversichtlich, dass er dem Brahmanen, den er eben vor dem sicheren Tod gerettet hatte, vertrauen durfte, und sagte zu ihm: "Nachdem ich dich hinaufgetragen habe, bin ich nun etwas müde. Bitte halte für eine Weile Wache, damit ich mich ausruhen kann." Er legte seinen Kopf in den Schoss des Brahmanen und dachte, er sei vor allen Gefahren des Dschungels gut geschützt. Aber während der König der Affen schlief, dachte der Brahmane: "Ich werde bald zurück nach Hause gehen, aber ich habe meiner Frau und meinen Kindern nichts zu geben. Ich werde diesen großen Affen töten und ihnen sein Fleisch als Geschenk mitbringen." Er nahm den Stein, den der Bodhisattva für den Übungslauf nach oben getragen hatte, und versetzte ihm einen tödlichen Schlag.
Als der Bodhisattva den Schmerz des Schlags spürte, kletterte er schnell auf den nächsten Baum und fragte sich, wer oder was ihn angegriffen hatte. Er sah alsbald, dass da kein Feind war, aber dass es der Brahmane selbst war, der versucht hatte, ihn zu töten. Da dachte er bei sich: "Ja, auch solche Menschen gibt es auf der Welt." Als der Bodhisattva dies dachte, begann der Brahmane wieder zu jammern, und rief, dass er sich in diesem großen Dschungel verirrt habe und nun doch noch zugrunde gehen würde. Aber der Affenkönig sprach zu ihm und sagte vom Baum herab: "Mach dir keine Sorgen. Hab keine Angst. Ich habe versprochen, dich nach Hause zu bringen, und ich werde dieses Versprechen nicht brechen. Ich werde dich nach Hause bringen. Ich kann dich nicht mehr auf meiner Schulter tragen, aber da du meinen Schädel geöffnet hast, tropft nun Blut auf den Boden. Folge einfach der Spur des Blutes, die ich von oben aus den Bäumen für dich legen werde."
So sehen wir, wie der Affenkönig bei der Rettung des Brahmanen Liebe und Mitgefühl übte, wie er Gleichmut übte, ohne auf seinen Schmerz zu achten, als der Brahmane ihn angriff, und wie er mitfühlende Freude übte, als er sah, dass der Brahmane sicher und wohlbehalten auf seinem Heimweg war.