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19 Nachkriegszeit (1945 bis ca. 1970)
Konjunktur nach dem Krieg
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges profitierte die Schweiz von ihrer Unversehrtheit. Der Export ins teilweise kriegszerstörte Ausland konnte markant gesteigert werden. Die Konjunktur stieg an und hielt bis weit in die Sechziger Jahre. Davon profitierten vor allem Zürich und seine Peripherie. Immer mehr Menschen wollten am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben und zogen in die Region, so auch nach Uster. In jenen Jahren stieg Usters Einwohnerzahl erheblich an. Zwischen 1941 und 1979 verdoppelte sie sich von 10'500 auf 22'000 Menschen. Mit einem besonders starken Wachstum in den 1950er und 1960er Jahren, wo allein 9'500 neue Einwohner gezählt wurden. Es waren die Boom-Jahre der Hochkonjunktur.
Moderner Wohnraum für mehr Menschen
Ab den 1950er Jahren wurden an der Ackerstrasse in Rekordzeit moderne Wohnblocks bezogen. In den 1960er Jahren waren entlang der gesamten Burgstrasse mehrere grossformatige Blockbebauungen errichtet worden, die zusammen über 150 Wohnungen verfügten. Es war für Uster eine vollkommen neue Form des Wohnens. Noch nie zuvor, und auch bis heute nicht mehr, wurde in so kurzer Zeit so viel Wohnraum geschaffen. Uster erlebte damals seine grösste Flächenausdehnung.
Kläranlage
Die steigende Einwohnerzahl erzwang Investitionen in die Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten. Aber vor allem auch in die Hygiene: Seit den 1920er Jahren war den Behörden bewusst, dass es mit der Verschmutzung von Aabach und Greifensee so nicht mehr weitergehen konnte. Erst kurz vor dem Krieg, in den späten Dreissiger Jahren, entstand ein Plan für eine Kläranlage, der wegen des Krieges aber nicht zur Ausführung kam. Auslöser hierfür war ein katastrophales Fischsterben im Greifensee im Jahr 1932, das die Bevölkerung aufgerüttelt hatte. Neuberechnungen wegen des zu erwartenden Bevölkerungswachstums verzögerten die Umsetzung des Projektes weiter, das erst 1952 einen Kredit zugesprochen bekam. 1956 endlich, wurde die Kläranlage, offiziell Abwasser-Reinigungs-Anlage ARA, im Jungholz eröffnet.
Ein Stadthaus für eine Stadt
Investieren musste die Gemeinde nach dem Krieg auch, um selbst neue Räumlichkeiten beziehen zu können, da die bestehenden schon immer nur ein Provisorium waren und nie effizient genutzt werden konnten. Über ein eigentliches Gemeindehaus verfügte Uster bis 1896 nicht. Erst damals wurde an der Poststrasse 6 eine Gemeindekanzlei eröffnet, die bis 1918 bestand hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg war sie zu klein geworden, doch statt eine neue zu bauen, richtete man sich in einigen Zimmern des Hotels Sternen ein. So richtig zufriedenstellend war die Situation für niemanden, und schon kurz nach dem Krieg standen die ersten Bürotische aus Platznot auf den Fluren. Nun plante man eine neue Kanzlei, eine für ein neues modernes Uster, das mit allen bisherigen Normen brach und den Beginn einer neuen Ortsplanung einleiten sollte. Es sollte auch keine Gemeindekanzlei mehr sein, sondern eine «Kanzlei» für eine Stadt. Der Architekt Bruno Giacometti bekam den Auftrag zugesprochen, der 1961 bis 1962 das heutige Stadthaus errichtete. Sein Bau bedeutete den bis da bedeutendsten Eingriff in die an diesem Ort gewachsene Struktur des ehemaligen Dorfzentrums.