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Landvogteischloss
Willisau wurde vom Übergang an den Stadtstaat Luzern 1407 bis zur Abdankung des Ancien Regime 1798 von einem Luzerner Vogt verwaltet. Dieser sprach Recht, führte obrigkeitliche Befehle aus und zog die Steuern ein. Anfänglich wohnte dieser in Luzern und kam nur an Gerichtstagen und zu besonders wichtigen und einträglichen Geschäften ins Hinterland. Ab 1651 hatte er ständigen Wohnsitz in Willisau. 1690 bis 1695 baute die Stadt Luzern für den Vogt das Schloss auf dem Hügel südlich des Städtchens. Der damalige Vogt hiess Franz Bernhard Feer.
Das Schloss gehört zu den bedeutendsten weltlichen Barockbauten der Innerschweiz. Beeindruckend ist vor allem die Ausgestaltung der ersten beiden Stockwerke. Dazu gehören der Stuckdekor, das Täferwerk und die Malereien. Die prächtigen Stukkaturen im Gerichtssaal schufen die beiden Luganeser Künstler Augusto Giacomo und Pietro Neurone. Die eindrücklichen Deckengemälde schuf der Tessiner Francesco Antonio Giorgioli.
Im Eingangsgeschoss befindet sich eine Gedenkstube für den Altbüroner Liedersänger und Komponisten Hans Rölli. Rölli wurde 1889 in Willisau geboren.
Mit eindrücklichem Täferwerk sind die Zimmer des ersten Stockes ausgestattet. Vor allem das Zimmer gegen Osten ist reich getäfert. Es dient heute als Trauungszimmer und als Sitzungszimmer für den Stadtrat. Im Korridor erinnert ein Bilderzyklus an die Heilig-Blut-Legende. Auch diese Bilder sind Originale, im Format aber etwas kleiner als die Tafeln in der Kapelle.
Die Fassade erinnert mit ihren Sgraffito-Dekorationen an südländische Prachtsbauten. Hier wird der Einfluss der Tessiner Künstler augenfällig. Das Schloss ist an den Kutzenturm angebaut. Dieser gehörte zur alten Stadtbefestigung und entstand Ende des 14./Anfang 15. Jahrhundert.
Nach dem Zusammenbruch der alten Ordnung 1798 verlor das Schloss seine Bedeutung. Die Besitzer wechselten mehrmals und die Nutzung war sehr verschiedenartig. So beherbergte es 1808-1810 das kantonale Lehrerseminar. 1833 eröffnete der reformierte Erzieher Friedrich Fröbel eine Erziehungsanstalt, die aber von konservativer Seite scharf kritisiert wurde. Er musste sie daher 1836 wieder schliessen. Gut 100 Jahre nutzte die Stadtverwaltung die Räume. Bis 1959 waren auch verschiedene Abteilungen der Stadt- und Mittelschule untergebracht. Heute ist das Schloss Sitz des Amtsgerichtes Willisau.
Historischer Abriss
Weitere Angaben finden Sie unter www.willisau.ch
Bibliographie