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Unterhaltung
Liebe und Poesie
Schon in der Eröffnungsszene offenbart sich der poetische Realismus dieses italienischen Klassikers: wie der "arme Poet" auf dem Gemälde von Carl Spitzweg liegt auch Mario auf seinem Gitterbett in einem bescheidenen Zimmer und liest eine Postkarte und schaut danach zum Fenster hinaus in die Ferne. Als er seinem Vater von dem Text der Postkarte erzählt, schweigt dieser, denn er redet nie viel, seit ihm seine Frau gestorben ist. Sein Sohn, Mario, ist ohne Arbeit und erzählt ihm, dass ihm ein Freund geschrieben habe, aus Amerika, wo es viel Arbeit gebe. Mario ist ein einfacher Mann, als Fischer arbeitslos geworden, hat er immer noch ein sanftes Herz aus Gold und sucht Arbeit, die er schließlich als Briefträger für keinen Geringeren als den großen chilenischen Poeten Pablo Neruda findet. "Ist das der mit den vielen Frauen?", fragt er seinen Postdirektor, doch dieser - selbst Kommunist - winkt ab, "Nein, das ist der große Poet". Mit viel Sympathie und Ironie wird die Geschichte von Mario erzählt, der seine große Liebe mittels der Poesie findet, seinen Freund aber verliert.
Die wahre Poesie liegt im Einfachen
Der schüchterne Mario Ruoppolo (Massimo Troisi) ist ein einfach gestrickter Charakter, der viele dumme Fragen stellt, aber genau dadurch die goldene Seite seines Wesens entblößt, denn wer Schwäche zeigt, ist authentisch und hat sich ohnehin einen Platz im Himmel verdient. Auf der Liparischen Insel Salina, wo sich der im Exil lebende legendäre Poet Pablo Neruda (Philippe Noiret) mit seiner Geliebten aufhält, bringt Mario ihm seine Pakete und Briefe seiner Verehrerinnen, ganz so wie es Mario in einer italienischen Wochenschau zuvor im Kino gesehen hat. Er erobert auch das Herz des Poeten durch seine Einfachheit und Ehrlichkeit und bald werden die beiden zu Freunden, während Pablo ihm auch die Poesie vermittelt und Mario so sein eigenes Talent dafür entdeckt. "Un poeta deve conoscere l’ogetto della sua ispirazione", rät Pablo Mario nicht ganz ohne Ironie. Als er sich nämlich in die wunderschöne Beatrice (Maria Grazia Cucinotta) verliebt, benutzt er die Poesie, um ihr Herz zu erobern und Pablo hilft ihm dabei. "Was ist eine Metapher?" fragt Mario Pablo und die einfachste Erklärung ist wohl: "Il cielo piange" - der Himmel weint: es regnet. Aber Dinge zu erklären machen sie banal, meint Pablo. "Una poesia, diventa banale quando si spiega. Tu l’hai letto con parole diverse come io gli ho scritto. Meglio di ogni spiegazione é l’esperienza diretta delle emozioni che puo svegliare la poesia di un animo predisposto a comprenderla."
Mit brennender Geduld
Beim Kickern mit der schönen Beatrice erfährt Mario schließlich auch die Segnungen der Liebe und Pablo belehrt ihn: "Niemand kann es besser sagen als du, hör auf, die Worte der anderen zu benutzen", aber auch auf die Frage, wie man zum Poeten wird, erhält man in diesem wunderbaren Film über die Liebe eine Antwort. "Te potrá serivere per le metaphore...". Wunderbar sind aber auch die Dialekte, etwa jener der Mutter von Beatrice, und die vielen literarischen Anspielungen etwa auch auf Cyrano von Bergerac und Dante Alighieri. Was das Schönste der Insel Salina sei? Beatrice Russo. Aber als Abschiedsgeschenk nimmt Mario für seinen Freund Pablo noch all die Geräusche der Insel auf Tonband auf. Das ist wahre Freundschaft über den Tod hinaus, wie auch Pablo bald versteht, hat schlussendlich der Schüler den Lehrer belehrt. Die Romanvorlage zum Film stammt von Antonio Skármetas Roman "Mit brennender Geduld" (Originaltitel: Ardiente paciencia). Dieser wunderschöne Film über die Liebe wurde Dutzendfach für Preise nominiert und auch ausgezeichnet, darunter drei BAFTA-Gewinne, fünf Oscar-Nominierungen und der Oscar für die Beste Filmmusik. Der Film ist nun bei Koch Media Entertainment erstmals in Blu-ray erhältlich. Bonusmaterial: Regiekommentar, Interview mit Komponist Luis Bacalov, Featurette über Pablo Neruda, Trailer, Bildergalerie.