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Fast von uns Schweizern unbemerkt, gibt es im hohen Norden Grossbritanniens zwei Juwele britischer Ingenieurkunst verschiedener Generationen. Die Rede ist von der Forth Road Bridge und der Forth Railway Bridge, wenige Kilometer nordwestlich der schottischen Hauptstadt Edinburgh gelegen. Sie überqueren beide den Firth of Forth und bilden das wichtigste Rückgrat in der Verbindung zwischen Edinburgh und den Highlands.
Forth Bridge
Die Forth Bridge, für eine bessere Unterscheidung von der Strassenbrücke oftmals auch Forth Railway Bridge genannt, ist eine kühne Stahlkonstruktion. Sie hat eine interessante Entstehungsgeschichte. 1879 begann der Brückenbau nach Plänen des Ingenieurs Thomas Bouch. Dumm nur, dass Ende des Jahres die von ihm entworfene Firth-of-Tay-Bridge einstürzte und 75 Menschen in den Tod riss. Also musste der Bau gestoppt werden und Bouchs Pläne wurden von Sir John Fowler (der auch an der ersten Londoner Undergroundlinie anfangs der 1860er Jahre beteiligt war) und Benjamin Baker überarbeitet. Beide sahen eine stabilere Brücke vor, die durch ihr Aussehen auch bei den Fahrgästen für Sicherheit sorgen sollte.
Typisch sind die drei rautenförmigen Fachwerkträger, die in roter Farbe gehalten sind. 1890 wurde die Brücke fertiggestellt und kostete für die damalige Zeit ungeheure 3,2 Millionen Pfund, was heute etwa 235 Millionen Pfund entsprechen würde. Während dem Bau arbeiteten bis zu 5000 Menschen an der Brücke, 57 verloren dabei ihr Leben. Sie ist der erste Stahlbau im Vereinigten Königreich.
Die 51’324 Tonnen schwere Forth Bridge überquert auf ihrer Länge von 2,5 Kilometern den Firth of Forth zwischen North Queensferry und South Queensferry. Die Bahnstrecke auf ihr ist nicht elektrifiziert, einspurig und dem Verkehr Richtung Dundee und Aberdeen vorbehalten. Züge nach Inverness verkehren über Falkirk, auf halbem Weg zwischen Edinburgh und Glasgow gelegen. Für den Güterverkehr gibt es Gewichtsgrenzen, zu schwere Züge können sie jedoch seit 2008 über eine Neubaustrecke zwischen Stirling und Aloa umfahren.
Bei ihrer Eröffnung war sie die Brücke mit der weltgrössten Spannweite, musste diesen Rekord aber 1919 an die Quebec Bridge abgeben, die welche Brücke als Vorbild hatte? Genau, die Forth Bridge. Zudem kursieren Gerüchte, dass sich Alexandre Gustave Eiffel während der Bauzeit um die Brücke herumgetrieben haben sollte, und die Verstrebungen als Impuls für seinen Eiffelturm dienten.
Im Zweiten Weltkrieg war sie das allererste Ziel des Nazi-deutschen Luftangriffs auf Grossbritannien. 2007 wurde sie von der Halifax Bank of Scotland auf Banknoten verewigt.
Forth Road Bridge
Die Forth Road Bridge entstand zwischen 1958 und 1964 und galt damals als grösste Brücke der Welt. Die Hängebrücke wurde damals, genauer gesagt am 4. September 1964, von Queen Elizabeth II. und ihrem Gemahl Philip, die sich äusserst gerne in Schottland aufhalten, eröffnet und steht seit 2001 unter Denkmalschutz (Category A). Aufgrund der Konstruktion kann sie als Zwillingsbau der Ponte 25 de Abril in Lissabon/Alameda angesehen werden. Der von Mott, Hay and Anderson und Freeman Fox & Partners ausgearbeitete Plan wurde 1858 vom schottischen Parlament angenommen. Nebst 13’000 Tonnen Stahl wurden für den Bau auch 115’000 Kubikmeter Beton verwendet. Das für den Bau zuständige Unternehmen war die Sir William Arrol & Co., die in ihrer früheren Unternehmensgeschichte nebst der Londoner Tower Bridge auch die benachbarte Eisenbahnbrücke errichtet hatte und auch am Bau der Titanic beteiligt war. Die Brücke ersetzte die Fähre zwischen North Queensferry und South Queensferry und ist nebst der 24 Kilometer flussaufwärts liegenden Kincardine Bridge die einzige Forth-Strassenbrücke. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zu ihrem Eisenbahnpendant. Obwohl sie nur wenig mehr als 70 Jahre älter als die Bahnbrücke ist, sieht man doch verschiedene Ingenieurstile. Sie ist Teil der Fernstrasse A90 und somit Teil der wichtigsten Strassenverbindung zwischen Edinburgh und den Highlands. Der meiste Verkehr in Richtung Perth, Inverness, Dundee und Aberdeen zirkuliert über die Brücke. Zur Zeit passieren rund 12 Millionen Fahrzeuge die Brücke jährlich. Seit Januar 2008 ist sie zudem mautfrei.
Die rege Nutzung hat ihre Spuren hinterlassen. Im Dezember 2010 gab das schottische Parlament den Auftrag für eine neue Brücke zwischen den beiden Queenferrys, da sie Schäden an den Tragkabeln aufweist. Jedoch soll die jetzige Strassenbrücke nicht abgebrochen werden, sondern für Busse, Taxis und Radfahrer zur Verfügung stehen. So entsteht auch eine Trennung der Verkehrstypen, da die zu bauende dann Autos und Lastwagen vorbehalten sein wird. Den Zuschlag für die Planung erhielt das Konsortium FCBC (Forth Crossing Bridge Constructors), an dem unter anderem der deutsche Baukonzern Hochtief (heute Teil der spanischen ACS des Real Madrid-Präsidenten Florentino Perez) beteiligt ist.
Die Spannweite zwischen den beiden Pylonen ist 1006 Meter lang, diejenige zwischen den Pylonen und den jeweiligen Auffahrtsviadukten noch 408 Meter. Mit den beiden Viadukten (252 Meter im Norden, 438 Meter im Süden) hat sie rund 2,5 Kilometer Länge.
Warum die Bauten Teil der Serie sind
Einerseits sind sie als Individuen schon sehenswert. Bei der Bahnbrücke die kühne Fachwerkkonstruktion, bei der Strassenbrücke der Hängenbrückenbau. Imposant sind die Befestigungen der drahtseilartigen Tragkabeln auf der Strassenebene. Besichtigt werden kann nur die Strassenbrücke, in ihrer Mitte liegt sie über 60 Meter über der Wasseroberfläche.
Noch spannender sind sie als Paar in trauter schottischer Zweisamkeit. Die Fertigstellungen liegen nur 74 Jahre auseinander, doch der Wandel der Technik ist klar und deutlich sichtbar. Während man der Bahnbrücke ihr „Alter“ ansieht (sie muss alle paar Jahre neu gestrichen werden), scheint die Strassenbrücke viel moderner. Ein Besuch von ihnen lohnt sich sehr, ich habe dafür sogar einen sechsstündigen Fussmarsch aufgebracht, ein Kunststück, dass ich vermutlich nie mehr wiederholen werde… Leider hab‘ ich nur wenig passendes Bildmaterial, da die Dateien von seither verschollen sind. Bei den Brücken gibt es übrigens noch ein Museum.
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Bereits erschienen in der Sommerserie Architektur