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Mit dem Ackerbau und der Viehzucht und der daraus folgenden Sesshaftigkeit der Menschen war die Grundlage für weitläufige Umweltveränderungen geschaffen. Es wird vermutet, dass durch diese Praktiken schon dazumal die Biodiversität schrumpfte. Mit dem Ackerbau setzte eine Veränderung der Biosphäre ein. Logischerweise waren die Einflüsse auf die Umwelt nicht so extrem wie in moderner Zeit. Die Menschen waren noch mehr von der Umwelt geprägt als umgekehrt.
Die frühen Zivilisationen
Nichtsdestotrotz gab es aber auch Naturnutzung und -zerstörung durch die frühen Zivilisationen. Diese sind aber schwer eindeutig nachweisbar. Es lässt sich schwer trennen, welche Umweltveränderungen durch natürliche Schwankungen ausgelöst wurden und welche durch den Menschen. Einige Hinweise auf Naturnutzung lassen sich aber auch in den alten Zivilisationen finden. Im Codex Hammurabi, einer altbabylonischen Gesetzessammlung aus dem 18. Jahrhundert v. Chr., findet sich schon ein Verbot des Fällens von Bäumen (Cod. Hammurabi, §59). Es wird angenommen, dass die Region des heutigen Iraks und Libanons einst stark bewaldet war, aber schon im 3./2. Jahrtausend v. Chr. grosse Landstriche gerodet wurden. Ähnliche Muster vermutet man auch für die Zivilisationen des Indus-Tal, derer im Yangtze-Tal und jener in Südamerika. Der Untergang der frühen Zivilisationen wurde dann teils durch Umweltveränderungen, z. B. durch Dürre- Kälteperioden und dadurch ausgelöste Seuchen beschleunigt.
Auch du, Natur?
Durch die Grösse des Imperium Romanum und dessen straffe Organisation konnte in grösserer Tragweite auf die Umwelt zurückgegriffen werden. Die Römer betrieben Minen, stauten Flüsse, versandeten Seen, errichteten Strassennetze. Lokal konnte dies zu grossen Einschnitten führen, so z. B. in Süddeutschland, wo viele Urwälder durch die Römer gerodet wurden. Die Folgen (Erosion, Überflutung) wurden auch schon beobachtet (Plin. Nat. 31,53). Der Bergbau hinterliess mancherorts, z. B. in Südeuropa, seine Spuren. Auch der Import/Export von Tieren war keine Seltenheit. Wahrscheinlich gelangte die Ratte durch den römischen Handel von Asien nach Mitteleuropa. Die riesigen Legionen hinterliessen bei ihren Feldzügen Spuren in der Umwelt, verschmutzten Flüsse und Bäche. Die gigantischen Bauten der Römer prägen bis heute ganze Landstriche Europas. Dass diese Praktiken nicht nur positiv bewertet wurden, macht Plinius der Ältere in seiner Naturalis Historia deutlich:
Wir durchforsten alle Adern der Erde und leben auf ihr dort, wo sie ausgehöhlt ist, und wir wundern uns noch, dass sie zuweilen auseinanderbricht und zittert, als ob dies nicht in Wahrheit aus dem Unwillen der Mutter Erde gedeutet werden könnte.
Plin. Nat. Hist. 33,1f.
Gleichzeitig lobt aber Plinius die Dominanz des Römischen Volkes über die Natur. Grundsätzlich ist die technische Überlegenheit über die Natur auch ein Topos der römischen Erzählung und damit des römischen Selbstverständnisses. Belege für diese Einstellung finden sich auch noch in der Spätantike, wo sich der Kaiser Constantius II. damit rühmt, einen Obelisken von Ägypten nach Rom gebracht und so die Natur bezwungen zu haben (CIL VI, 1136).
Die antiken Menschen: Umweltzerstörer?
Nach alldem lässt sich leicht ein Bild zeichnen, dass die Antike genauso Umweltschäden verursachte wie unsere heutige, moderne Zeit. Jedoch wäre dies ein voreiliger Schluss. Einerseits ist es schwierig, direkte Hinweise auf die Naturzerstörung in der Antike zu finden. Wir müssen uns mit Bruchstücken von Informationen zufriedengeben und daraus versuchen abzuleiten, wie in die Umwelt eingegriffen wurde. Andererseits ist unser heutiges Verständnis von Umwelt stark von unseren modernen Gegebenheiten geprägt. So verwenden wir zwar die gleichen Begriffe (Natur), ein antiker Autor kann damit aber was ganz anderes gemeint haben als das, was wir unter diesem Wort verstehen: Beispielsweise ein „inneres Wesen“ oder Prinzip eines geordneten Kosmos. Man sollte also nicht zu voreilig Schlüsse aus den Quellen ziehen. Wie können wir wissen, ob die Gesetzestexte auch wirklich umgesetzt wurden? Und wie sicher sind wir, dass die ‘Göttlichkeit’ der Natur auch wirklich so praktiziert wurde? Behält man diese Limitierungen im Kopf, so kann man dennoch den Schluss wagen, dass in der antiken Mentalität eine Ambivalenz gegenüber der Natur herrschte. Praktisch äusserte sich dies wahrscheinlich in einem Pragmatismus und einer Überordnung des Menschen, was die Naturnutzung anging. Die Folgen dieser Nutzung waren noch weniger spürbar als heute, sodass die Praktiken fortgeführt wurden.