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Die Moral sei intakt, die Stimmung immer noch gut und das Team mental stark. So lautet der Tenor nach dem miserablen Schweizer Auftakt an der Eishockey-WM in Moskau. Auf die Worte müssen gegen Dänemark (heute) und Lettland (morgen) endlich Taten folgen.
Vieles tönt nach den Niederlagen gegen Kasachstan (2:3 nach Penaltyschiessen) und Norwegen (3:4 nach Verlängerung), dem schwächsten WM-Start seit 1983 an der B-WM in Tokio, beschönigend. «Natürlich waren wir am Sonntagabend schwer enttäuscht», sagt Nationalcoach Patrick Fischer. «Aber wir sind noch lange nicht erledigt. Wir budgetierten aus den ersten zwei Spielen mehr als zwei Punkte. Aber zwei Punkte sind besser als nichts.»
Fischer gibt sich Mühe, die Brisanz der Situation herunterzuspielen. Von Abstiegskampf will er gar nichts wissen, denn «die Mannschaft ist viel besser als die ersten zwei Resultate». Und doch wird der Beobachter vor Ort den Eindruck nicht los, der Nationalcoach wirke wie einer, der neben einer Zeitbombe sitzt und wild den richtigen «Code» sucht, mit dem er die Bombe entschärfen kann.
Für das Spiel gegen die Dänen, die mit einem 3:0 gegen Norwegen und einer 2:5-Niederlage (nach Führung) gegen Schweden ins Turnier gestartet sind, kündigte Fischer Umstellungen an. Reto Schäppi, ein 194-cm-Hüne, rückt für Gaetan Haas in die Mannschaft, «weil Schäppi gross und stark ist» (Fischer). Andres Ambühl, der Captain, darf am rechten Flügel statt als Center auflaufen, «weil Ambühl lieber am Flügel spielt». Ausserdem verteidigt gegen Dänemark Noah Schneeberger an Stelle von Robin Grossmann an der Seite von Yannick Weber.
Das sind nicht Fischers erste Umstellungen im Lauf der letzten Woche. Bei der WM-Hauptprobe in Basel gegen Deutschland stellte Fischer bei Spielmitte um, sodass kein Stein auf dem anderen blieb. Ins WM-Startspiel gegen Kasachstan starteten die Schweizer erneut mit neuen Linien, wobei Lino Martschini aus der Rolle des 13. Stürmers in die Paradelinie aufstieg. Diese Formationen wurden während der Partie gegen Norwegen in jeder Drittelspause von neuem durcheinandergewirbelt. Martschini ist mittlerweile wieder auf die 13. Position der Stürmer-Hierarchie zurückgefallen. Und Fischer probiert gegen Dänemark bereits seinen fünften «Code».
Klar ist aber auch, dass für die Schweizer Nationalmannschaft in Moskau noch nichts verloren ist, wenn am Dienstag der «Turnaround» geschafft wird. Noch immer können die Viertelfinals erreicht werden. Vor einem Jahr in Prag kamen die Schweizer mit zehn Punkten weiter, eigentlich hätten auch acht gereicht. Rein rechnerisch gibt es die Möglichkeit, mit sieben Punkten in der Achtergruppe auf den 4. Platz zu kommen.
Seit der Einführung des aktuellen WM-Modus vor vier Jahren schaffte aber noch nie ein Team mit weniger als zehn Punkten das Weiterkommen. Die Vierten kamen einmal auf 15, einmal auf 14, einmal auf 13, dreimal auf 11 und zweimal auf 10 Zähler. Um in Moskau noch auf zehn Punkte zu kommen, müssen die Schweizer nicht nur in der regulären Spielzeit Dänemark und Lettland schlagen, sondern auch noch den WM-Mitfavoriten Russland, Schweden und Tschechien insgesamt zwei Punkte abknöpfen.
(sda)