Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03415.jsonl.gz/260

Was ist Haarausfall?
Wenn Haare dauerhaft ohne nachzuwachsen ausfallen, spricht man von Haarausfall. Der Vorgang des Haarausfalls wird in der Fachsprache auch Effluvium genannt (lat. effluvium = Erguss, Ausfluss, Ausdünstung), wohingegen beim Zustand der Haarlosigkeit von Alopezie die Rede ist (griech. alōpekía = krankhafter Haarausfall). Um zu verstehen, warum der Mensch täglich Haare verliert, muss man sich den Prozess der Haarproduktion im Körper anschauen. Das Haar wird im sogenannten Haarfollikel bzw. im unteren Teil des Haarfollikels – der Haarwurzel – gebildet. Die Zellen der Haarwurzel gelten als die teilungsaktivsten des menschlichen Körpers. Bedeutsam für ein gutes Wachstum der Haare ist dabei die Durchblutung. Der Entstehungsprozess der Haare kann in drei Phasen unterteilt werden:
- Anagenphase: In dieser ersten Phase, die auch Wachstumsphase genannt wird, erhalten unsere Haare über die Haarwurzeln Nährstoffe und beginnen zu wachsen. Die Wachstumsphase dauert in der Regel mehrere Jahre.
- Katagenphase: Die zweite Phase ist die sogenannte Übergangsphase. Bei dieser wird die Versorgung der Haare gestoppt und die Haare stellen innerhalb von nur zwei Wochen ihr Wachstum ein.
- Telogenphase: Nach der Übergangsphase folgt die Ruhephase, in der die Haare zwei bis vier Monate bleiben, bevor sie letztlich ausfallen. Im Anschluss beginnt ein neuer Kreislauf.
Beim krankhaften Haarausfall ist ein Teil dieses Kreislaufs gestört. Ob der Haarausfall dauerhaft oder vorübergehend ist, hängt folglich davon ab, an welcher Stelle der drei Phasen eine Störung vorliegt.
Die bekanntesten Formen von Haarausfall
Erblich bedingter Haarausfall
Acht von zehn Männern sind von erblich bedingtem Haarausfall betroffen. Dieser ist bei vielen Teil des Älterwerdens. Im ersten Schritt tritt meist die Stirn-Haar-Grenze an den Schläfen zurück und Geheimratsecken entstehen. Im Anschluss dünnt das Haar am Hinterkopf aus. Wenn sich die kahlen Stellen dann verbinden, entsteht unter Umständen eine Glatze. Bei Frauen tritt diese Form des Haarausfalls – wenn auch seltener – nach den Wechseljahren auf. Statistisch ist dies bei zwei bis drei von zehn Frauen der Fall. Gegen erblich bedingten Haarausfall gibt es verschiedene Mittel, die helfen können. In der Schweiz sind aktuell für Männer die beiden Wirkstoffe Finasterid und Minoxidil sowie Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, für Frauen wird Minoxidil in einer anderen Verdünnung verwendet. Alle Wirkstoffe haben gemeinsam, dass deren volle Wirkung erst nach einigen Monaten eintritt und nicht von Dauer ist. Wenn die Behandlung ausgesetzt wird, tritt der Haarausfall also wieder ein.
Kreisrunder Haarausfall
Eine andere Form ist der kreisrunde Haarausfall. Bei ihm entstehen runde kahle Flecken am Kopf oder an anderen behaarten Körperstellen wie Augenbrauen und Bart. Meist ist dieser Haarausfall zeitlich begrenzt und die Haare wachsen irgendwann wieder nach. Er kann jedoch in Schüben wieder zurückkommen. Betroffene leiden oft sehr unter den sichtbaren kahlen Stellen, obwohl kreisrunder Haarausfall aus medizinischer Sicht harmlos ist. Er kann zwar in jedem Alter auftreten, besonders häufig sind jedoch Kinder oder junge Erwachsene betroffen. Ursache ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft eine Autoimmunerkrankung. Um dem kreisrunden Haarausfall entgegenzuwirken können Zink, Glukokortikoide und Diphenylcyclopropenon (DCP) zum Einsatz kommen.
Diffuser Haarausfall
Im Gegensatz zum kreisrunden Haarausfall werden beim diffusen Haarausfall die Haare gleichmässig auf dem ganzen Kopf lichter und der Haarausfall betrifft damit nicht nur einzelne Stellen. Sowohl innere als auch äussere Einflüsse auf den Körper verursachen den diffusen Haarausfall. So können Hormonschwankungen oder Schilddrüsenerkrankungen, aber auch Eisenmangel, Vergiftungen, Infektionen, Medikamente und Stress Ursache für den Haarausfall sein. Entscheidend ist, dass der Grund erkannt wird, damit auf diese Weise der diffuse Haarausfall behandelt werden kann. Mehr Frauen als Männer leiden an diffusem Haarausfall. Bei sehr hohem Leidensdruck kann beispielsweise Minoxidil zur Unterstützung des Haarwachstums eingesetzt werden.
Unterschiede bei Frauen und Männern
Hormone haben auf den Haarwuchs grossen Einfluss. Daher tritt Haarausfall auch häufig im Laufe des Alterungsprozesses bei Menschen auf. Von erblich bedingtem Haarausfall sind insbesondere Männer betroffen. Der Verlust von Haaren tritt häufig bei älteren Männern auf, kann aber auch bereits in jungen Jahren beginnen und in einer vollständigen Glatze resultieren. Dieser Prozess ist darin begründet, dass eine erbliche Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegen die männlichen Geschlechtshormone (sogenannte Androgene) besteht. Es können jedoch auch Frauen betroffen sein – in der Regel nach den Wechseljahren. Die betroffenen Frauen haben meist ein eher männliches Behaarungsmuster – mit stark behaarten Beinen, Haaren auf dem Rücken oder evtl. im Gesicht. Im Gegensatz zu Männern werden bei Frauen die Kopfhaare eher am Scheitel dünner und brüchig. Zwar liegt bei vielen Formen des Haarausfalls im herkömmlichen Sinne keine Krankheit vor, der wahrgenommene Attraktivitätsverlust ist jedoch häufig sehr hoch, weshalb mit dem Haarausfall auch psychische Belastungen einhergehen können. Neben Frauen gibt es auch immer mehr Männer, die den Prozess des Haarverlusts gerne aufhalten würden, weshalb der Markt an Produkten gegen Haarausfall wächst.
Ursachen
Wie bereits im Vorangegangenen besprochen gibt es verschiedene Ursachen für Haarausfall. Zu den häufigsten gehören:
- Vererbung
- Hormonelle Veränderungen
- Psychische Faktoren und Stress
- Infekte
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Angriff des eigenen Immunsystems auf die Haarfollikel
Weitere Ursachen können auch die folgenden sein:
- Pilzinfektionen bei Kindern
- Haarausfall nach der Schwangerschaft
- Haarausfall durch Druck, Zug, Zerren und Reissen an den Haaren
- Häufiges Tragen von schweren Lasten
- Langes Aufliegen des Kopfs bei Bettlägerigen oder Säuglingen
- Vererbte Defekte
- Bestrahlung, Vergiftung
- Schuppenflechte oder Syphilis
Diagnose
Um eine Diagnose stellen zu können, fragen die Fachpersonen nach der Vorgeschichte der Patient:innen. Wichtig dabei sind bisherige Untersuchungen und Therapien sowie die aktuellen Symptome. Bei Frauen können auch Veränderungen im Zyklus, Schwangerschaften oder die Einnahme der Pille eine wichtige Rolle spielen. Im zweiten Schritt ist die genaue Untersuchung der Haare unter einer Lupe entscheidend. Hierbei wird festgestellt, ob die Haare brüchig sind oder nicht. Beim sogenannten Zupftest zeigt sich, ob sich die Haare schnell ablösen lassen oder fest an der Kopfhaut sind. In einem weiteren Schritt sollte auch die Haarwurzel inspiziert werden. Mit Hilfe eines Trichogramms kann konstatiert werden, in welcher Haarwachstumsphase die Haare ausfallen. Mit dieser Erkenntnis kann unter Umständen die Ursache des Haarausfalls bestimmt werden. Darüber hinaus kann eine computergestützte Haaranalyse weitere Erkenntnisse liefern. Eine Untersuchung des Bluts oder eine Gewebeentnahme der Kopfhaut kann zudem für die Diagnose hilfreich sein.
Die meisten Ursachen für Haarausfall können mit dem Haarausfall-Check in der Rotpunkt Apotheke überprüft werden.
Behandlungsmöglichkeiten
Es gibt zahlreiche Mittel, die gegen Haarausfall eingesetzt werden können. Eine Wirksamkeit ist bei vielen jedoch wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Es ist daher ratsam, genau darauf zu achten, welche Wirkstoffe Bestandteil der jeweiligen Produkte gegen Haarausfall sind und sich im Zweifel in den Rotpunkt Apotheken beraten zu lassen.
Medikamente
Ursprünglich als Wirkstoff gegen Bluthochdruck eingesetzt, zählt Minoxidil heute aus wissenschaftlicher Sicht zu den am besten wirkenden Wirkstoffen gegen Haarausfall, obgleich dieser nicht bei allen Betroffenen eine Wirkung zeigt. Minoxidil ist als Lösung oder auch als Schaum erhältlich und wird in der Regel zwei Mal täglich auf die Kopfhaut aufgetragen. Entscheidend dabei ist die regelmässige und kontinuierliche Anwendung, da die Wirkung beim Absetzen von Minoxidil auch sofort wieder nachlässt. Ein Wirkungseintritt ist normalerweise frühestens nach drei Monaten zu erwarten. Zunächst einmal kommt es dann paradoxerweise zu einem verstärkten Haarausfall bis dann neue stärkere Haare nachwachsen. Im Gegensatz zu einigen anderen Lösungen kann Minoxidil sowohl von Männern als auch von Frauen verwendet werden. Minoxidil wirkt, in dem die Wachstumsphase der Haarwurzel verlängert wird, was die Qualität der Haare verbessert. Die Behandlung sollte deshalb im Idealfall nicht zu spät begonnen werden, da bereits inaktive Haarwurzeln nicht wieder reaktiviert werden können. Wie bei praktisch allen Medikamenten, die eine nachgewiesene Wirkung haben, kann es auch bei Minoxidil zu Nebenwirkungen kommen. Dazu können etwa Juckreiz, Kopfschmerzen und Blutdruckprobleme gehören. Diese sind aber selten. Minoxidil ist zwar rezeptfrei erhältlich, die Behandlung sollte aber in jedem Fall mit einer Apothekerin oder einem Apotheker abgesprochen werden.
Ein zweiter Wirkstoff, der bei wissenschaftlichen Studien gut abgeschnitten hat, ist Finasterid. Dieser wird jedoch ausschliesslich Männern empfohlen, bei denen sich erste Anzeichen von erblich bedingtem Haarausfall zeigen. Frauen dürfen dieses Medikament nicht einnehmen, da bei einer eventuellen Schwangerschaft Fehlentwicklungen des Fötus möglich sein können. Finasterid wird einmal täglich in Tablettenform eingenommen. Eine deutliche Wirkung setzt in der Regel nach drei bis sechs Monaten ein. Es können in seltenen Fällen Nebenwirkungen wie etwa Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen, Abnahme der Libido oder Hautausschlag auftreten. Genauso wie bei Minoxidil muss auch Finasterid längerfristig eingenommen werden. Denn bei Absetzen des Medikaments tritt der Haarausfall wieder ein.
Finasterid wirkt, in dem es die Produktion von Dihydrotestosteron (DHT) blockiert. DHT wird in der Forschung mit Haarausfall in Verbindung gebracht, weil es eine Verkleinerung der Haarwurzel bei genetisch dazu veranlagten Männern auslöst.
Minoxidil und Finasterid sind zugelassene Arzneimittelwirkstoffe. Lesen Sie die Packungsbeilage der Produkte und lassen Sie sich beraten.
Quellen:
Minoxidil (pharmawiki.ch)
Finasterid (pharmawiki.ch)
Was hilft gegen Haarausfall? (medizin-transparent.at)
Öle, Shampoos und Nahrungsergänzungsmittel
Die Wirksamkeit von Produkten wie Ölen, Shampoos und Nahrungsergänzungsmitteln ist unterschiedlich zu bewerten. Nahrungsergänzungsmittel können insbesondere bei einem Defizit von z.B. Vitamin B einen Nutzen haben.
Kosmetische Eingriffe
Wenn Behandlungen mit Medikamenten, Shampoos und Tinkturen nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann auch über einen kosmetischen Eingriff nachgedacht werden. Neben dem Tragen von Perücken oder einer Kopfbedeckung gibt es auch die Möglichkeit einer Eigenhaartransplantation. Dabei werden Haare, die beispielsweise am Hinterkopf verblieben sind, an anderer Stelle verpflanzt. Die Haartransplantation wird von spezialisierten Hautärzt:innen vorgenommen. Aktuell gibt es zwei Möglichkeiten einer Transplantation. Die FUT-Methode (follicular unit transplantation) ist die Standardmethode. Bei ihr werden winzige Kopfhautsegmente, sogenannte Micrografts, übertragen. Die Ärztin oder der Arzt schneidet einen schmalen Streifen Haut aus dem Hinterkopf, an dem eine leicht zu überdeckende Narbe bleibt. Die Follicular Units werden nun in die kleinen Stichkanäle der Kahlfläche am Vorderkopf gesteckt. Als teure Alternative gilt die FUE-Methode (follicular unit extraction), bei der Haarwurzelgrüppchen entnommen werden. Der Vorteil hierbei ist, dass keine Narbe entsteht. Der Eingriff ist jedoch komplizierter, dauert länger und ist für die Betroffenen unter Umständen strapaziöser. Haartransplantationen können auch bei Frauen durchgeführt werden, wenn genügend Spenderhaar vorhanden ist. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, sich vor einer Haartransplantation ausreichend über Komplikationen, Kosten und den erreichbaren Erfolg beraten zu lassen, um auch die Erwartungen richtig zu stellen.
Weitere Informationen