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Projekt: Deine Geschichte
"Aufgewachsen bin ich in Luzern. Ich wohnte bei meiner Mutter und wuchs ohne Vater auf. Meine Mutter hat viel gearbeitet, um uns über die Runde zu bringen. Ich war mit meiner Schwester deshalb viel alleine und wir mussten uns selbst versorgen. Darunter fiel auch das selbständige kochen. Oftmals standen Teigwaren und Hackfleisch auf der Menukarte. Gemüse und Obst kannten wir nicht.
Am 3. Dezember 1989 traf mich ein schwerer Schicksalsschlag. Es kam zu einem tragischen Autounfall; der Fahrer, welcher alkoholisiert war, wie es sich später herausstellte, fuhr bei Ebikon in einen Hang hinunter…
Das Auto überschlug sich mehrere Male, bis es auf dem Autodach in einem Bachbett zum stillstand kam. Ich bekam alles mit, konnte mich nicht bewegen und realisierte an diesem Zeitpunkt nicht wirklich, was gerade passiert war. Damals war ich neun Jahre alt.
Im Spital erfuhr ich, dass meine Mutter an einem Genickbruch erlag. Der Fahrer selbst ist Querschnittsgelähmt. Meine Schwester hatte ein paar Splitter an der Schulter abbekommen. Sie kam am glimpflichsten von allen davon.
Ich selbst hatte ein Loch in der Niere und lag einen Monat lang im Krankenhaus.
Danach kam ich in ein Kinderheim. Da lernte ich Obst und Gemüse kennen. Im Heim fand ich einen guten Freund. Leider kam es später erneut zu einem Schicksalsschlag… Als wir hinter dem Haus vom Heim einen Joint rauchten, nahm mein Freund plötzlich eine Pistole aus dem Rucksack und richtete sich selber hin. Die Pistole gehörte seinem Vater. Dadurch rutschte ich in ein tiefes Loch und geriet auf die schiefe Bahn. In dieser Zeit konsumierte ich Drogen.
Ich kämpfte mich jedoch aus eigener Kraft wieder hoch und kam weg von den Drogen.
Als 14 Jähriger durfte ich glücklich das Kinderheim verlassen und kam zu meinen Pflegeeltern, welches ein Elternteil meine Patentante war. Anfangs war ich mit der Situation etwas überfordert und war auf meine Pflegegeschwister eifersüchtig. Heute sehe ich sie als meine richtige Geschwister an. Zu meinen Pflegeeltern habe ich heute noch ein gutes Verhältnis.
In der Schule war ich teilweise ein Schlägertyp, das hatte sich jedoch in der zweiten Oberstufe geändert und habe sehr gute Freunde gefunden, welche noch heute für mich da sind.
Ich habe eine Lehre als Heizungsmonteur abgeschlossen und bin angelernter Koch. Später jobbte ich als Magaziner und Chauffeur in einem Transportunternehmen.
Heute arbeite ich in einem Kanalunternehmen und bin mit dieser Arbeit sehr zufrieden und glücklich.
Manchmal mache ich „verrückte“ Sachen, wie z.b. der Auftritt bei Swissdate oder die Teilnahme am Schönheitswettbewerb „Mister Ägerithal“, bei dem ich mir den ersten Platz sicherte. Auch beim letztjährigen Bierbauch Fotoshooting war ich mit dabei und bin in dessen Kalender zu sehen."
Anm. des Fotografen: Dieses Projekt startete ich im Juni 2018. Die freiwiligen Teilnehmer werden in mein Fotostudio eingeladen und erzählen ihre Lebensgeschichte. Anschliessend folgt ein Fotoshooting, in dem ich versuche, die Geschichte bildlich zu untermalen.
Es steht jedem Teilnehmer frei, was er aus seinem Leben erzählen möchte.
Aus Respekt und Datenschutzgründen werden die Teilnehmer in der Regel nicht namentlich erwähnt, ausser sie möchten es explizit.
Falls du auch Interesse an diesem tollen Projekt hast und gerne einen Teil davon werden möchtest, dann sende mir per E-Mail eine Kurzfassung von deiner Lebensgeschichte an <email-pii>
Berger Roger