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MItten in der Nacht erwachte ich: es war 0:30 Uhr. Ich schaute aus dem Fenster und sah einen Bahnhof-Vorplatz mit Taxis: Jasper!
Ein paar Gestalten mit Koffern eilten den Hotels oder den Taxis entgegen. Es sah etwas kalt und nebelig aus, vor allem, wenn man aus einem warmen Bett nach draussen schaut!
Aber die Müdigkeit war zu gross, um dem weiteren Treiben zuzuschauen.
Irgendwann um 6 Uhr morgens erwachten wir (wir konnten bisher jede Nacht eine Stunde länger schlafen, da wir ausser in der ersten Nacht jedesmal eine Zeitzonen-Grenze überquerten). Draussen war ein breiter Fluss zu sehen, die Berge waren nicht sehr gross, und ab und zu lag etwas Nebel auf dem Wasser, und die Sonne zeigte sich langsam auf den Bergspitzen. Wo wir genau waren, wussten wir noch nicht, da auf den Fahrplan ja kein Verlass war.
Als wir auf dem Weg in den Speisewagen waren, wurde ein kurzer Halt in Kamloops angesagt. Und der Wagenchef sagte uns, dass inzwischen die Verspätung auf 3 Stunden geschrumpft sei, da man besser vorangekommen sei als geplant und weil der Halt in Jasper, der eigentlich auf 3½ Stunden angesetzt war, auf das Minimum reduziert worden sei.
Uns war das recht, wir vertraten uns ein wenig die Füsse an der frischen Luft, aber auch hier war nur ein minimaler Halt angesagt, so dass für eine «Wanderung» zu den Lokomotiven die Zeit nicht reichte.
Nun wussten wir, dass der Fluss der Thomson-River war und dass wir einen Grossteil der Rocky Mountains bei Nacht überquert hatten. Für uns war dies nicht weiter schlimm, da wir ja später mit dem Auto die Rockies noch ausgiebig sehen würden.
Nun näherten wir uns dem Fraser Canyon, welcher ein weiterer Höhepunkt der Zugfahrt darstellte: Die Schlucht ist vielerorts so schmal, dass neben dem reissenden Fluss nur noch die beiden Bahnlinien der CN und CP Platz haben. Der Highway 1 ist meistens oberhalb der Bahnlinien angeordnet. Und da die Eisenbahngesellschaften beim Bau Konkurrenten waren, liessen sie nicht zu, dass beide auf derselben Seite gebaut wurden, Dies ging damals so weit, dass, als eine Bahnlinie die Flusseite mit einer Brücke wechselte, die andere auch entgegengesetzt eine Brücke bauen musste. Und weiter unten ist die Schlucht so schmal, dass diese reissenden Fluten als unüberwindlich gegolten haben und als «Hells Gate», also Höllentor bezeichnet wurden. Heute führt eine kurze Luftseilbahn hinunter in ein Besucherzentrum, wo man die Stromschnellen aus der Nähe betrachten kann.
Gegen 2 Uhr erreichten wir die Ortschaft Hope am Ende des Fraser Canyon, (Fahrplanmässig um 12:01 Uhr), so dass unsere Verspätung inzwischen auf 2 Stunden geschrumpft war. Nun wurde mit dem VIA-Personal gerätselt, wann wir den in Vancouver ankommen werden, welches noch etwa 120 km entfernt war; Die Meinungen gingen von 16:30 Uhr bis 19:00 Uhr auseinander.
Nun wurde im Dome Car nochmals zum Ende der Reise Prosecco serviert, und auch Apéro-Häppchen wurden dazu gereicht.
Zuerst sah es eher nach einer frühen Ankunftszeit aus, da der Zug ohne weitere Zwischenhalte Vancouver zustrebte, aber etwa 15 km vor dem Ziel stockte die Fahrt plötzlich. Eine Durchsage kündigte weitere Verzögerungen an, da eine eingleisige Zufahrtsbrücke über den Fraser River einen Engpass bedeutete, momentan aber viele Züge in der Warteschlange wären.
So war es denn auch: Schrittweise näherten wir uns Vancouver, und um 18.00 Uhr überquerten wir endlich die Fraser Swing Bridge, aber auch nachher ging es noch etwa 45 Minuten, bis wir in einem Güterbahnhofgelände angehalten haben, von wo es dann rückwärts in den eigentlichen Bahnhof von Vancouver ging. Um 19:00 Uhr öffneten sich die Türen, eine halbe Stunde später hatten wir die aufgegebenen Koffer wieder, und um 20:00 Uhr hielt das Taxi vor unserem Hotel.
Als Abendessen holten wir um die Ecke in einer Bäckerei Sandwich und Joghurt, da wir nach der langen Reise gar keinen grossen Hunger verspürten, und gingen früh ins Bett. Ganz ungewohnt war, dass das Bett nicht rüttelte und schwankte – trotzdem schliefen wir ausgezeichnet.