Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03159.jsonl.gz/2305

Die Besitzerin hatte vor etwa 2 Monaten beobachtet, dass „Nala“ offenbar rollig war. Um die damit verbundenen, unerwünschten Verhaltensveränderung zu unterdrücken und eine Trächtigkeit der freilaufenden Katze zu vermeiden, verabreichte die Besitzerin in der Folge die „Anti-Baby-Pille für Katzen“. Diese konnte aber nur unregelmässig appliziert werden. Gestern hatte nun die Besitzerin bei „Nala“ einen dunklen Scheidenfluss beobachtet und hatte das Gefühl, dass sich das Tier auf eine bevorstehende Geburt vorbereitete.
„Nala“ zeigt einen guten Allgemeinzustand und ist munter. Das Abtasten des Bauches liefert keine Hinweise auf eine Trächtigkeit. Die Vulva ist nicht geschwollen, es können aber kleine Mengen eines bräunlich-grünen Ausflusses beobachtet werden.
Im Ultraschall ist ersichtlich, dass die Katze nicht trächtig ist. Die Gebärmutterschleimhaut ist aber stark verdickt und weist einen Dicke von bis zu 9 mm auf (normal: ca. 2-4 mm); stellenweise enthält die Gebärmutter auch etwas Flüssigkeit. In der Gegend des rechten Eierstockes findet sich eine Cyste von etwa 1 cm Durchmesser.
Die Ultraschallbefunde schliessen eine Trächtigkeit aus und weisen auf einen krankhaft veränderten Geschlechtstrakt hin. Deshalb wird entschieden, die Katze zu kastrieren um eine gesundheitliche Gefährdung des Tieres auszuschliessen.
Bei „Nala“ wird aufgrund der Gebärmutterveränderung zusätzlich zu den Eierstöcken auch der Uterus entfernt. Der Ultraschallbefund einer Cyste am rechten Eierstock kann intraoperativ bestätigt werden. Die Gebärmutter weist eine stark verdickte Wand auf und enthält in beiden Hörnern kleine Mengen einer grünlichen Flüssigkeit.
Die Bauchwunde wird routinemässig verschlossen, „Nala“ erhält für einige Tage ein Antibiotikum und erholt sich sehr gut von der Operation.
Katzen haben einen etwas speziellen und unregelmässigen Geschlechtszyklus: Abhängig von der geographischen Breite durchläuft die Kätzin während der wärmeren Jahreshälfte (ca. Februar bis Oktober) mehrere unterschiedlich lange Phasen der Rolligkeit – während dieser Phase ist das Tier empfängnisbereit. Die Tageslänge respektive Sonnenscheindauer haben einen grossen Einfluss auf die Dauer und Ausprägung der Rolligkeitssaison; es ist aber z.B. auch nicht ausgeschlossen, dass eine Kätzin im November rollig und erfolgreich gedeckt wird.
Eine unkontrollierte Vermehrung von freilaufenden Kätzinnen kann entweder mittels einer Kastration oder aber durch Verwendung von empfängnisverhütenden Medikamenten (Injektionen oder Tabletten) unterbunden werden. Die Entfernung der Eierstöcke bei der Jungkatze (idealerweise vor der ersten Rolligkeit im Alter von ca. 6 Monaten) ist eine einfache, risiko- und nebenwirkungsarme sowie sehr effiziente Methode der Empfängnisverhütung.
In gewissen Situationen kann eine medikamentelle Rolligkeitsunterdrückung durchgeführt werden – beispielsweise wenn die Besitzer zu einem späteren Zeitpunkt einen Wurf wünschen. Die Verwendung von solchen Hormonen birgt aber auch verschiedene Probleme. Einerseits sollte nach Möglichkeit die Medikamentengabe in einer Ruhephase des Zyklus (d.h. nicht während einer Rolligkeit) begonnen werden, da sonst die Gefahr von Nebenwirkungen (z.B. einer Gebärmuttervereiterung) erhöht ist. Bei Katzen kann die regelmässige, zuverlässige, wöchentliche Applikation des Medikamentes technisch schwierig sein (Ausspucken der Tablette, oder die Katze ist zum entscheidenden Zeitpunkt nicht auffindbar). Werden die Hormontabletten während einer (unbemerkten) Trächtigkeit verabreicht, kann dies zu Missbildungen der Föten oder Aborten führen. Als mögliche Nebenwirkungen können, insbesondere bei Langzeitbehandlung, die Entwicklung eines Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit), starke Gewichtszunahme und zystische Gebärmutterentartungen angeführt werden. Quintessenz: Eine hormonelle Rolligkeitsunterdrückung ist in der Regel nur als kurzfristige Form der Empfängnisverhütung vertretbar.
Da bei „Nala“ keine Gewebsuntersuchung der veränderten Gebärmutter durchgeführt wurde, bleibt die genaue Ursache der Schleimhautverdickung ungeklärt. Fruchtwasserähnliche Rückstände in der Gebärmutter könnten aber auf eine erfolgte Befruchtung mit Fruchttod und Resorption der Föten während der Behandlung mit den Hormontabletten hinweisen.