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Geschaffen für die vier grossen Nischen an der ursprünglichen Hauptfassade des Eidgenössischen Polytechnikums stellen die vier allegorischen Frauenfiguren die fachlichen Schwerpunkte am Eidgenössischen Polytechnikum im Jahr 1896 dar. Eine Figur wird den «Land- und Forstwirthschaftlichen Wissenschaften» gewidmet; in dieser Zusammensetzung seit 1871 Bestandteil des Lehrangebots der Schule.
Im November 1892 rief die Eidgenössische Kunstkommission zu einem Wettbewerb aus, «um Entwürfe für die von Semper in den vier Nischen der Hauptfassade des Baues vorgesehenen sitzenden Figuren zu erlangen.» Diese vier, bereits in den Plänen des Architekts Gottfried Semper vorgesehenen Figuren, sollten die «hauptsächlichsten am eidg. Polytechnikum vertretenen Lehrfächer verkörpern», nämlich die Baukunst, die Ingenieurkunst, die Naturwissenschaft und die Land- und Forstwirtschaftlichen Wissenschaften. Die zwanzig Jahre früher neu gegründete und aus der Erweiterung der Forstschule entstandene Land- und Forstwirtschaftliche Schule (siehe Beitrag Wie 1871 alles begann) erhielt somit eine eigene allegorische Figur.
Sichel, Stierkopf und Baumstamm
Natale Albisetti, ein Tessiner Bildhauer aus Stabio und in Paris ansässig, erfüllte mit seiner Einreichung die Vorstellungen des Preisgerichtes und schuf vier allegorische Frauengestalten, welche mit ihren Attributen die vier Fachrichtungen symbolisierten. So wird die Figur der Land- und Forstwirtschaftlichen Wissenschaften den damaligen Vorstellungen entsprechend in bäuerlicher Tracht, samt Kopftuch und vor der Brust geschnürter Weste dargestellt. Die Sichel in ihrer rechten Hand und der Stierkopf, dessen Hörner verlorengegangen sind, links neben ihren Füssen stellen zusammen mit dem Baumstamm, auf dem sie sitzt, die verschiedenen Fachdisziplinen, die in der Land- und Forstwirtschaftlichen Schule am Zürcher Polytechnikum unterrichtet wurden, dar: Landwirtschaft, Tierzucht und Forstwirtschaft. Das reich gefüllte Füllhorn unter ihrem rechten Fuss, eine Reminiszenz aus der antiken Ikonografie, steht als Symbol für Fruchtbarkeit in Zusammenhang mit einer gut betriebenen Landwirtschaft.
Doch zu gross für die Fassade…
Zwischen September 1894 und 1920 stand die aus Porenkalkstein vom Typ Savonnières aus Ostfrankreich gefertigte Figur zusammen mit den drei anderen Frauengestalten in den Nischen der Fassade Richtung Stadt, wie auf Fotografien noch zu erkennen ist. Anders als die Eidgenössische Kunstkommission ihrer Zeit empfand die Direktion der eidgenössischen Bauten ca. 30 Jahre später die Wirkung der Figuren an der Fassade als störend. 1920 wurde in einem Schreiben anlässlich der Instandstellung des Semper-Baus der Auftrag erteilt, die Nischenfiguren von ihrem Platz zu entfernen, «weil sie im Massstab zur Architektur der Fassade nicht passen».
Heute haben die vier Statuen ihren Platz im Hauptgebäude gefunden: Die Land- und Forstwissenschaft befindet sich mit der Baukunst in der westlichen Eingangshalle (jeweils links und rechts der Treppe), die Ingenieurkunst und die Naturwissenschaften in der Eingangshalle Richtung Rämistrasse (bei den Treppen zur Tiefgarage).