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Hast du gewusst, wer im Römischen Reich tätowiert war oder welcher Rocker dank seiner Körperbemalung im Guinness Buch der Rekorde steht?
Die Gletschermumie Ötzi hat die ältesten Tätowierungen, die erhalten geblieben sind: Ein schwarzes Kreuz auf der Innenseite seines linken Knies, sechs gerade Linien auf seinem unteren Rücken, und parallele Linien auf seinen Knöcheln, Beinen und Handgelenken. Als die Wissenschaftler seinen Körper röntgten, entdeckten sie Gelenkerkrankungen unter jedem Tattoo, weshalb sie davon ausgingen, dass die Tätowierungen seine Schmerzen als eine Art Akupunktur gelindert hatten.
Der Ursprung des Wortes Tätowierung leitet sich direkt von dem Taihitianischen «tattau» ab. Der Wortstamm «ta» bedeutet Zeichnen und das Wort als Ganzes bedeutet eine Zeichnung in der Haut. In den Schriften des Naturwissenschaftlers Joseph Banks, der an Bord von Kapitän Cooks Schiff 1769 war, stand über die Eingeborenen von Tahiti: «Beide Geschlechter malen auf ihre Körper tattau, wie es in ihrer Sprache heisst; dies geschieht, indem die Farbe Schwarz auf eine Weise unter die Haut eingebracht wird, dass sie unauslöslich ist. Einige haben schrecklich aussehende Abbildungen von männlichen Vögeln oder Hunden.»
Die berühmten polynesischen Tattoos wurden früher nicht mit Maschinen und Nadeln, sondern mit aus verschiedenen Pflanzenteilen oder Knochen angefertigten Kämmen auf der Haut verewigt. Der Kamm wurde an einem langen Stab befestigt und dessen Spitzen durch rhythmisches Schlagen auf den Griff in die Haut getrieben, wo sie eine Tinte aus Wasser und Asche oder verbrannten Nüssen einbrachten. Diese Kämme gab es in unterschiedlichen Breiten, sie hinterliessen aber immer Linien, niemals Punkte.
Die Laser-Chirurgie ist heute die effektivste und populärste Methode, eine Tätowierung loszuwerden. Der Laser dringt in die Haut ein und bricht die Tattoo-Pigmente, so dass sie auf eine natürliche Weise durch das körpereigene Immunsystem zum Verschwinden gebracht werden. Schwarz ist am einfachsten wegzukriegen, weil es mehr Laserwellen absorbiert. Grün und Gelb dagegen sind schwieriger zu entfernen.
Als es noch keine Laser gab, waren andere Methoden zur Entfernung des Tattoos populär. Dazu gehörte zum Beispiel das Nachstechen des Tattoos mit gegorener Frauenmilch oder starken Salzlösungen. Ebenso beliebt waren mit Essigsalbe getränkte Pflaster, die als Kompresse auf die Stelle aufgelegt und anschliessend mit Alkalilösungen abgewaschen wurden. Ob diese Anwendungen erfolgreich waren, darf bezweifelt werden.
Die Griechen lernten das Tätowieren von den Persern und benutzten die Körpermalereien, um Sklaven und Verbrecher zu brandmarken, so dass sie im Falle eines Fluchtversuchs identifiziert werden konnten. Die Römer lernten es wiederum von den Griechen und haben «Fug» auf die Stirne der Sklaven tätowiert, als Abkürzung für «fugitive» (Flüchtling). Tätowierungen waren häufig als Bestrafung gedacht.
Der römische Kaiser Caligula fand es amüsant, nach Lust und Laune die Mitglieder seines Hofes zum Tätowieren zu zwingen.
Das späte Christentum verbot Tattoos, um den Menschen vor der «Verunstaltung göttlicher Schöpfung» abzuhalten. Im alten Rom war Konstantin I. (287-337 n. Chr.) der erste Kaiser, der das Tätowieren untersagte. Eine konsequente Fortsetzung fand das Verbot im Jahr 787 n. Chr. unter Papst Hadrian I., der die Körperbemalungen mit Aberglaube und Heidentum assoziierte. Nicht mal Kriminelle oder Gladiatoren durften mehr gestochen werden.
In Osteuropa waren Tattoos auch nicht sonderlich angesehen, vor allem im Byzantinischen Reich. Der Kaiser Theophilos hat sich an zwei Mönchen gerächt, die ihn öffentlich kritisiert hatten, indem er ihnen elf Verse aus dem obszönen jambischen Pentameter auf die Stirn stechen liess.
Schaut man sich die Kunst der alten Ägypter an, so erkennt man auf den Abbildungen Tattoos sowohl an Männern wie auch an Frauen. Bei den gefundenen Mumien konnten die Zeichnungen allerdings nur an solchen des weiblichen Geschlechts identifiziert werden. Die Forscher glauben, die Tattoos waren Symbole für Fruchtbarkeit, Jungfräulichkeit und Verjüngung.
Tommy Lee war der erste Mann, der sich 2007 bei einem Flug nach Miami in der Luft tätowieren liess. Damit landete er im Guinness Buch der Rekorde.
Von Mitte des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren Tattoos bei der russischen und der englischen Monarchie sehr angesehen. Denn damals konnten sich nur die Reichen eine Tätowierung leisten. Später, als die Körperkunst für weniger Geld zu haben war, wurde sie als «wertlos» bezeichnet. Bis zu ihrem Comeback Mitte des 20. Jahrhunderts.
Viele Gangmitglieder tragen Tattoos als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zur Gruppe. Doch die berühmtesten Tätowierungen sind wohl an den Körpern der japanischen Yakuza-Mafiosi anzutreffen. Es handelt sich um komplizierte traditionelle Designs, die über den ganzen Körper in einer speziellen Anordnung verteilt werden. Durch Kleidung können die Tattoos komplett versteckt werden.
Der New Yorker Tatoo-Künstler Samuel O'Reilly hat 1891 die Tätowiermaschine erfunden. Das Grundmodell war ein Gerät, das 1877 fürs Gravieren von Gegenständen entwickelt wurde. O'Reilly erkannte aber, dass das Gerät nach Umbau die Möglichkeit bot, Tinte unter die Haut zu stechen.
Obwohl es von der medizinischen Seite aus heisst, dass es theoretisch möglich wäre, HIV übers Tätowieren zu übertragen, gibt es bisher keine bekannten Fälle, bei denen das eingetroffen wäre.
1932 schockierte die Entführung und Ermordung des Babys von Flugpionier Charles Lindbergh die USA. Viele Eltern im Land waren danach so besorgt um ihren Nachwuchs, dass sie ihre Kinder tätowieren liessen. Wenn sie entführt worden wären, hätte man sie so identifizieren können.
Der Mann mit den meisten Tattoos heisst Gregory Paul McLaren, auch bekannt als Lucky Diamond Rich. Er ist zu 100 Prozent am ganzen Körper tätowiert, inklusive der Vorhaut, dem Mund, den Augenlidern und den Ohren.
George C. Reiger Jr., auch bekannt als der «Disney-Tattoo-Mann» hat über 1000 Disney-Tattoos, darunter auch alle 101 Dalmatiner. Dafür musste er eine spezielle Bewilligung von Disney einholen, weil die Motive mit Copyright geschützt sind.
Wenn du dir überlegst, ein Tattoo stechen zu lassen, sei dir bewusst, dass deine Haut 50-3000 Stichen pro Minute ausgesetzt sein wird. Je nachdem, welche Form und Grösse du haben möchtest.
Die Russin Lesya Toumaniantz liess sich von ihrem Freund Ruslan seinen Namen ins Gesicht stechen. Zwei Tage nachdem sie sich zum ersten Mal gesehen haben. Auf Facebook schrieb sie: «Es ist ein Symbol unserer ewigen Treue. Ich möchte, dass er jeden Zentimeter meines Körpers tätowiert.»«