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Austauschprojekt Schweiz - Ukraine
Pilotinitiative zur Implementierung der Europarats-Charta zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung
Bedeutung für die Praxis
- Zur Information
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und unter dem Eindruck des Krieges in Jugoslawien lancierte der Europarat 1997 eine breit angelegte Initiative zur Förderung der Demokratie- und Menschenrechtsbildung. Damit brachte der Europarat zum Ausdruck, welche fundamentale Rolle der Bildung für den Schutz zentraler Werte wie Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit und für die Prävention von Menschenrechtsverletzungen zukommt.
In der Folge wurden die Mitgliedstaaten des Europarates angehalten, die Demokratie- und Menschenrechtsbildung (auf Englisch «Education for Democratic Citizenship and Human Rights Education EDC/HRE») in ihrer formalen und nicht formalen Bildung zu verankern. Die ergriffenen Massnahmen reichten von Gesetzesänderungen über Weiterbildungen für Lehrpersonen zur Einführung neuer Lehrmittel. Bis anhin fehlte aber ein gemeinsamer Rahmen, der Standards und Richtlinien für die Umsetzung der Demokratie- und Menschenrechtsbildung definierte. Diese Lücke wurde am 11. Mai 2010 mit der Verabschiedung der «Charta zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung» (Empfehlung CM/Rec (2010)7) durch das Ministerkomitee des Europarates geschlossen (vgl. Artikel im SKMR-Nr. 2 vom 5.7.2011). Die Charta ist nicht rechtsverbindlich, soll aber ein wichtiger Referenzpunkt sein für alle, die in Europa in diesem Bereich tätig sind.
Pilotprojekt zur Umsetzung der Europarats-Charta
Die Verabschiedung der Charta war für den Europarat ein Anlass, die bereits bestehende Zusammenarbeit Schweiz - Ukraine im Bereich der Demokratiebildung am Zentrum «International Projects in Education (IPE)» der Pädagogischen Hochschule Zürich zu nutzen und eine Pilotinitiative zur Implementierung der EDC/HRE-Charta in den beiden Ländern zu starten. Am 21.-22. Juni 2011 trafen sich deshalb erstmals politische Vertreter aus der Ukraine und der Schweiz an der Pädagogischen Hochschule Zürich, um die inhaltlichen Elemente der Initiative zu definieren. Während des zwei Tage dauernden Treffens suchte das Projektteam, bestehend aus Dozierenden der Pädagogischen Hochschule Zürich und der National Academy of Public Administration (NAPA, Kiew), mit Unterstützung des Europarates nach Wegen, wie man die Charta ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit rücken und die konkrete Umsetzung der Charta in der Volksschule (Artikel 6) und in der Lehrer/innenbildung (Artikel 9) erreichen könnte. Spezifischere Ziele der Pilotinitiative sind:
- Austausch von vorbildlichen Praxisbeispielen in der Umsetzung von Demokratie- und Menschenrechtbildung,
- Besseres Verständnis der Bedeutung der Demokratie- und Menschenrechtsbildung in beiden Ländern,
- Unterschiede und Ähnlichkeiten identifizieren,
- Herausforderungen und mögliche Lösungen diskutieren,
- Übersicht der wichtigsten Akteure in beiden Ländern erstellen.
Besuch einer Schweizer Delegation in der Ukraine
Zwischen dem 28. November und dem 3. Dezember besuchte eine Delegation von zehn Bildungsspezialistinnen und -spezialisten unter der Leitung von Rolf Gollob (Schweizer EDC Koordinator des Europarates, Co-Leiter des Zentrum International Projects in Education (IPE) der Pädagogischen Hochschule Zürich) die Ukraine. Die Schweizer Delegation in der Ukraine setzte sich zusammen aus Dozierenden der Pädagogischen Hochschule Zürich, der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz sowie aus Vertretern und Vertreterinnen anderer Schweizer Hochschulen und NGOs wie beispielsweise dem Schweizer Friedensrat, dem Verein humanrights.ch, dem Zentrum für Demokratie Aarau, dem Zentrum für politische Bildung und Geschichtsdidaktik an der FHNW oder dem Zentrum für Menschenrechtsbildung (ZMRB) der Pädagogischen Hochschule Luzern, das im SKMR für den transversalen Bereich Menschenrechtsbildung verantwortlich ist. Die Gruppe wurde auf verschiedene Regionen der Ukraine aufgeteilt, wo sich die Teilnehmenden vor Ort ein Bild der Demokratie- und Menschenrechtsbildung in der Ukraine machen konnten. Sie besuchten Dorfschulen, Sekundarschulen, Gymnasien und Jugendprojekte und erhielten dadurch einen Eindruck davon, wie vielfältig die Charta implementiert und interpretiert wird.
Auffallend für die Schweizer Besucher/-innen war, wie sehr sich derzeit die Frage der nationalen Identität in den Vordergrund schiebt und das Individuum dahinter im zweiten Glied steht.
Gegenbesuch in der Schweiz
Zwischen dem 22. und 27. Januar stand dann der Gegenbesuch der Ukrainischen Delegation auf dem Programm. In der Delegation waren neben Angehörigen des Bildungsministeriums auch Institutsdirektorinnen und Lehrpersonen vertreten. Dabei wurde das Ziel verfolgt, mit den Ukrainischen Kolleginnen und Kollegen Institutionen und Situationen (vom Klassenrat, zur Interkulturellen Schule, zum Zentrum für Demokratie Aarau, zum Zentrum für Menschenrechtsbildung (ZMRB) bis zur NGO Amnesty International Bern) zu besuchen bzw. kennenzulernen. Diese ausgesuchten Beispiele sollten ansatzweise zeigen, wie die Schweiz bewusst oder unbewusst viele Elemente der Charta umsetzt und wo nach wie vor Lücken bestehen.
Publikation
Eine Publikation zu den besuchten und gegenseitig kommentierten Elementen von Demokratie- und Menschenrechtsbildung in der Schweiz und in der Ukraine wird das Austauschprojekt für die anderen Mitgliederländer des Europarates sichtbar machen. Diese Publikation wird anlässlich der Tagung «Human Rights and Democracy in Action - Looking Ahead - The Impact of the Council of Europe Charter on Education for Democratic Citizenship and Human Rights Education» am 29. und 30. November in Strassburg vorgestellt.
31.10.2012