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Datierung
Nicht datiert
Bildmasse
150 x 150 cm
Technik/Material
Acryl auf Leinwand
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Sammlung Rolf und Friedel Gutmann
Inv.-Nr.
SK08080
Nr. 17
Zdeněk Sýkora (1920, Louny, CZ – 2011, ebd.) war einer der innovativsten und bekanntesten tschechischen Maler seiner Generation. Für die Konzeption seiner Bilder setzte er bereits ab 1964 den Computer ein. Sie bringen ein zentrales Thema der konkreten Kunst zur Anschauung: den kalkulierten Zufall.
Wie ein Gewirr bunter Luftschlangen wirkt das Bild «Nr. 17» von Zdeněk Sýkora in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv. Es ist nicht datiert, wird aber zwischen 1981 und 1982 entstanden sein, denn es fügt sich – nicht zuletzt in seiner Nummerierung – in eine 1973 begonnene Serie vergleichbarer Linienbilder, mit denen sich der Künstler von dem strengen Raster seiner vorigen Strukturbilder löste. Das spielerisch-heiter und leicht anmutende Gemälde basiert auf Zufallszahlen, die der mit einem entsprechenden Programm gespeiste Rechner generierte: Sýkora verwendete die Zahlen, um Formen, Länge, Breite, Farben und die Schnittpunkte der Linien festzulegen. Damit führte er eine in der konkreten Kunst vielfach formulierte Forderung nach Objektivität, nach einer Zurücknahme des künstlerischen Subjekts, zu radikaler Steigerung – und untergrub zugleich die Strenge mathematisch-objektiv vorgeplanter Bildwerke.
Von 1963 bis 1973, also unmittelbar vor der Serie der Linienbilder, hatte der Künstler eine grosse Gruppe überwiegend schwarz-weisser Bilder und Objekte geschaffen, in denen vollständige und angeschnittene Kreisformen in ein gleichmässiges Quadratraster eingebettet sind – so wie in dem Gemälde «Struktur» von 1964. Sýkora hatte, um das Spektrum der kombinatorischen Möglichkeiten so weit wie möglich auszuschöpfen, erstmals den Computer eingesetzt, Unterstützung dabei erhielt er von dem Mathematiker Jaroslav Blažek.
Faszinierend und in der Sphäre der konkreten Kunst sehr ungewöhnlich ist, dass Zdeněk Sýkora, ein international gefeierter Vertreter der gegenstandsfreien Malerei, bis ins hohe Alter Landschaftsbilder schuf. Sie hatten (nach ersten surrealistischen und kubistischen Versuchen), auch schon am Anfang seiner Karriere in den 1950er-Jahren gestanden. Sýkora, der von 1945 bis 1947 Kunsterziehung, Darstellende Geometrie und Plastik an der Karlsuniversität Prag studierte und dort anschliessend viele Jahre lehrte, kam 1959 mit dem Werk von Henri Matisse in Berührung. Ein Seherlebnis, das den Anstoss zu immer weiter vorangetriebener Reduktion und Abstraktion gab und schliesslich in die rein geometrischen Strukturen mündete. Gleichwohl blieb ihm das Malen nach der Natur wichtig.
Sein Beitrag zur zeitgenössischen Kunst bescherte Zdeněk Sýkora seit den späten 1960er-Jahren zahlreiche internationale Ausstellungen; auch auf der «documenta 4» in Kassel 1968 war er vertreten. 1986 eröffnete im Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop die erste grosse Retrospektive des Künstlers im Ausland. Seine Werke befinden sich in namhaften Sammlungen wie der des Centre Pompidou in Paris oder des MUMOK – Museum moderner Kunst Wien.
Britta Schröder