Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03346.jsonl.gz/1574

Paul Schneider 16.12.1923 bis 31.12.2001
Ohne Paul Schneider gäbe es vermutlich gar keinen GILERA CLUB AARGAU.
1952 gründete er zusammen mit einigen Fahrern dieser traditionellen italienischen Marke unsern Verein.
Von Anfang an war er Club-Präsident, bis er nach 26 Jahren zum Ehrenpräsident ernannt wurde. Bis zu seinem Tod war Paul ein aktives und bei Jung und Alt beliebtes Club-Mitglied
In den ersten Jahren kämpfte der Verein einige Male ums Überleben. Doch „Pück“, wie wir ihn alle nannten, verstand es immer wieder den Gilera-Virus zu verbreiten. Später waren auch Fahrer aller anderen Motorradmarken im Verein willkommen. Bis weit in die 70-er Jahre fuhr Paul bei den Ausfahrten, mit Emmi auf dem Sozius, mit und reklamierte lauthals, wenn der Tourenverlauf nicht unbedingt in seinem Sinne verlief.
Bei den jüngeren Club-Mitgliedern waren nun japanische Maschinen in Mode. War ein Fahrer mit einer solch von ihm betitelten „Nagelbüchse“ anderer Meinung als er oder befuhr den Pass sogar von der andern Seite, führte das zu heftigen Diskussionen und viel Benzingespräch. Später nahm Paul seine schönen Maschinen meist nur noch für spezielle Zwecke wie Spalier stehen, Sternfahrten, etc. aus der Garage.
In all den Jahren betreue Pück einige Schweizer Rennfahrer, nicht nur Club-Mitglieder, und verhalf ihnen zu schnellen Motoren. In dieser Zeit verbrachte er manches Wochenende auf ausländischen Rennplätzen. Die interessanten Begegnungen und Erlebnisse entschädigten ihn für viele Nachtschichten
Paul war öfters auch als Aktiver an Veteranen-Rennen anzutreffen. In der Solo-Klasse gab er mit seinen legendären Töffs der Marke Rudge, Motosacoche, usw. Gas und in der Seitenwagenklasse feierte er auf Gilera einige Erfolge. Letztmals setzte er sich am Revival des Bergrennens Fahrwangen-Bettwil 1977 auf seine Rennmaschine.
1993 besichtigten wir mit dem Club die Gilera-Werke in Arcore. Nur eine Person, natürlich Pück, bekam die Möglichkeit durch alle Türen und in die heiligen Hallen zu gehen. Dort hütet man noch immer die Geheimnisse der erfolgreichen Weltmeisterschafts-Rennmaschinen aus den 50-er Jahren. Pück besass schon längere Zeit ein defektes und leeres Magnesium-4-Zylinder-Kurbelgehäuse mit Kopf und Zylinder. Sein Traum war aus diesen Teilen einen kompletten Rennmotor, dazu den ganzen Töff, und sogar den Seitenwagen zu bauen. Leider gab es dazu sehr wenig zugängliche Daten und Zeichnungen. Also, im Werk schnell die Schublehre aus dem Sack, messen und im Kopf einige Skizzen erstellen. Nun hatte er für viele Jahre eine Arbeit, die ihn nicht mehr ruhen liess.
1996, an der 6. Motor-Bike-Show in Lenzburg, durfte er uns die 4-Zylinder Rennmaschine präsentieren. 1998 stand sie sogar komplett mit Seitenwagen da. Seine Vision hatte sich erfüllt und die Bewunderung und Anerkennung des Fachpublikums war ihm sicher.
1998 feierten wir mit Pück den 75. Geburtstag. Es war ein sehr lustiges Fest.
Paul war in all den Jahren an jeder Versammlung und besuchte immer die Club-Veranstaltungen in der Nähe.
Im „Vieri-Tee“ fehlte er selten, denn dort werden heftige Diskussionen um Ventile, Zylinderköpfe, Vergaser, usw. geführt.
Das 50-Jahre-Jubiläum können wir leider nicht mit Paul zusammen feiern. In all den Jahren hat er den Verein mit seiner starken, positiven Ausstrahlung stark geprägt. In diesem Sinne bleibt er in unserer Erinnerung.
(Aus Festführer anlässlich 50 Jahre Gilera Club/boa)