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Das Geisterdorf in den Bergen von Yakushima
REISENOTIZEN – Ich bin zurzeit unterwegs in Japan. In dieser Serie teile ich meine täglichen Reiseerlebnisse und Beobachtungen.
Der Weg zum Jōmon-Sugi, den ich in meinem gestrigen Beitrag vorgestellt habe, ist weit mehr als eine faszinierende Wanderung. Er ist ein Fenster in die Geschichte dieser keineswegs unberührten Insel. Schon in der Edo-Zeit wurden hier die mächtigen Zedern gefällt. Mit dem Bau einer kleinen Schmalspurbahn 1923, die vom Hafendorf Anbo flussaufwärts mitten in den Wald führte, beschleunigte sich diese Produktion. Mitten im bewaldeten Niemandsland entstand das Dorf Kosugidani, in dem sich die Holzfällerfamilien niederliessen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, als mit dem Wiederaufbau des Landes die Nachfrage nach Bauholz sprunghaft anstieg, florierte das Geschäft. Zu Spitzenzeiten lebten hier 540 Menschen. Es gab eine Post, ein Rathaus, einen Friseur, Geschäfte, einen Shinto-Schrein und eine Schule, in der 1963 147 Schüler unterrichtet wurden. Etwas weiter oben entstand sogar eine zweite Siedlung mit dem Namen Ishizuka. Die Eisenbahn wurde zur Lebensader. Sie war das Transportmittel für Bäume, Waren und Passagiere. In der Freizeit fuhren die Bewohner mit dem Zug zum Einkaufen in die Hafenstadt Anbo, deren kleine Einkaufsstrasse ein Relikt aus dieser Zeit ist.
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Das ehemalige Dorf
Mit wachsendem Naturschutzbewusstsein wurde dieser Raubbau schliesslich gestoppt. 1970 wurde Kosugidani aufgegeben. Heute führt die Wanderung zum Jōmon-Sugi direkt durch dieses Geisterdorf (Asienspiegel berichtete). Heute hat die Natur den Ort vollständig zurückerobert. Von den Häusern sind nur noch die Steinfundamente erhalten. Auch der Umriss des ehemaligen Schulplatzes von Kosugidani ist noch erkennbar.
Die Schmalspurbahn von einst hat dagegen teilweise überlebt. Die alten kleinen Diesellokomotiven sind noch heute im Einsatz, um Wanderwege und Toiletten instand zu halten. Eine Wanderung zum Jōmon-Sugi zeigt eindrucksvoll, wie der einst intensiv abgeholzte Wald seit über 50 Jahren allmählich von der Natur und den Yakusugi-Zedern zurückerobert wird.
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