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Jeder kann sein Gedächtnis mit ein paar einfachen Mitteln verbessern. «Gedächtnistraining ist keine Hexerei. Man braucht nur die nötige Technik und ein bisschen Fantasie für gute Eselsbrücken. Das kann jeder», postulierte einst der deutsche Gedächtnismeister Jürgen Peterson. – Nun gut, probieren wir es aus:
Viele haben Mühe damit, sich die Namen von neuen Bekanntschaften oder Geschäftskontakten zu merken. Die erste Regel lautet, den neuen Namen bereits während der ersten Begegnung im Gespräch so oft wie möglich zu erwähnen. Durch Wiederholung prägen wir uns Namen besser ein. Ein einfacher Gedächtnistrick zum Merken von Namen braucht nur ein wenig Kreativität, um lustige und einprägsame Bilder zu schaffen, die Sie an den Namen der Person erinnern.
Bei einem Herr Schreiner oder einer Frau Fuchs ist das relativ einfach. Sie stellen sich einfach vor, wie Herr Schreiner stets zwei gekreuzte Bretter auf seinem Rücken trägt. Frau Fuchs hingegen hat sich ihren buschigen, orangenen Pelzschwanz um den Hals gewickelt. Prägen Sie sich dieses Bild mit dem Gesicht der Person zusammen ein, und Sie können sich leichter an deren Namen erinnern.
Selbst bei ungewöhnlichen Nachnamen wie beispielsweise Nuskowsky schafft Ihre Fantasie locker eine Eselsbrücke. Wie hört sich der Namen denn an? Erinnert er nicht ein wenig an eine Nuss auf dem Kopf einer Person, die Ski fährt?
Telefonnummern merken
Um sich Telefonnummern oder andere Zahlenfolgen zu merken, wird zunächst jeder Ziffer von 0–9 ein Symbol zugeordnet. Ein Beispiel hierfür wäre:
0 = Ei
1 = Baum (weil die Form an einen Stamm erinnert)
2 = Schwan
3 = Brei (weil es sich reimt)
4 = Stuhl (wegen den vier Beinen)
5 = eine ganze Hand
6 = Würfel
7 = Siebenschläfer
8 = Sanduhr
9 = Scheune (weil es sich reimt)
Wenn Sie sich nun die Zahlenfolge 16048 merken wollen, denken Sie sich eine lebhafte Geschichte mit diesen Symbolen aus. Je verrückter, desto besser. Dies könnte zum Beispiel so lauten: Der Baum mit seinem Ast wirft den Würfel soweit er kann. Der Würfel landet direkt neben einem Ei. Ein Stuhl zerdrückt das Ei und die ganze Sauce tropft nun langsam durch eine Sanduhr hindurch. Und? Können Sie die Geschichte und damit auch die Zahlen wiederholen?
Einkaufslisten merken
Ein weiteres Hilfsmittel ist, sich eine bestimmte Abfolge von Orten zu merken, denen dann die Symbole zugeordnet werden, an die man sich erinnern will. Das könnten zum Beispiel zehn Körperstellen sein. Die erste Stelle könnten die Zehen sein, die zweite das Knie, die dritte der Bauchnabel, die vierte die Brust, die fünfte die Hände, die sechste die Schultern, die siebte der Mund, die achte die Augen und die neunte die Ohren und die zehnte Stelle der Kopf.
Sagen wir, Ihre Einkaufsliste umfasst Äpfel, Abfallsäcke, Käse, Toilettenpapier, Mehl, Butter, Brot, Milch, Joghurt und Eier. Nun beginnen Sie bei den Zehen und ordnen jedem Ort Ihres Körpers ein verrücktes Bild eines Artikels aus Ihrem Einkauf zu. Zum Beispiel: Ihre Zehen jonglieren einen Apfel, Ihre Knie sind mit Abfallsäcken zusammengebunden und aus Ihrem Bauchnabel ragt ein Stück Käse, dass sehr stark riecht. Auf Ihre Brust befinden sich zwei Rollen Toilettenpapier, ihre Hände stäuben nur so vom Mehl. Auf Ihren Schultern tanzt die Butter und schmiert dabei alles voll. Mit Ihrem Mund halten Sie ein ganzes Brot fest, aus Ihren Augen fliesst die Milch. Auf Ihren Ohren ist je ein Joghurtbecher gestülpt und auf Ihrem Kopf tanzt ein Ei. – Mit ein bisschen Übung können Sie sich so ganze Listen merken. Wichtig ist, dass Sie lebhafte Bilder verwenden und diese wenn möglich auch mit Geruch, Geschmack und Emotionen verbinden. Denn so arbeitet unser Gehirn.
Dieselbe Technik können Sie verwenden, wenn Sie sich zum Beispiel die Stichworte für eine Rede merken wollen. Ordnen Sie starke Symbole dieser Stichworte den einzelnen Orten Ihres Körpers zu. Wenn Sie mehr als zehn Punkte brauchen, können Sie sich zum Beispiel auch einzelne Stellen in Ihrer Wohnung oder die einzelnen Stationen Ihres Arbeitswegs merken. Versehen Sie diese Stationen mit Ihren Symbolen und laufen Sie die Strecke dann in Gedanken ab.
Kann Gedächtnistraining vor Demenz schützen?
Es ist wie mit einem gut trainierten Muskel. Sollte man ihn eine Weile lang nicht mehr bewegen können, dauert es länger, bis er schwach wird, als bei einem untrainierten Muskel. So hat auch ein intellektuell gefordertes Gehirn mehr Reserven und Kompensationsmöglichkeiten, bis eine Demenz bemerkbar wird.
Um die grauen Zellen auf Trab zu halten, gibt es noch andere Möglichkeiten als das Lösen von Sudokus und Kreuzworträtseln: Die Begeisterung, etwas Neues zu lernen. Wollten Sie immer schon eine bestimmte Sprache sprechen? Oder ein besonderes Musikinstrument spielen? Hätten Sie mal wieder Lust zu tanzen oder Schach zu spielen? Oder ein bestimmtes Sachbuch zu lesen? Das alles fordert unsere graue Masse heraus und lässt sich auch im Alltag anwenden.
Was laut Experten effektiver ist als blosses Gehirnjogging am PC. Selbst wenn Sie nicht den Mut oder die Möglichkeiten haben, einen Kurs zu besuchen, so sollten Sie sich unbedingt regelmässig mit Gleichgesinnten zum Austausch treffen − auch das regt die Gehirnaktivität an.
Gesunder Körper, gesunder Geist
In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist, besagt eine Redewendung. In der Tat ist es wichtig, Erkrankungen zu therapieren, die dem Hirn schaden können. Dazu zählt zum Beispiel der weit verbreitete Bluthochdruck. Er verursacht Schäden in den kleinsten Gehirnarterien und führt so zu einer chronisch fortschreitenden Beeinträchtigung der Hirnleistung.
Ein erhöhter Blutdruck kann mit blutdrucksenkenden Mitteln behandelt werden. Zur Verbesserung von Durchblutungsstörungen im Gehirn werden bestimmte Medikamente oder Ginkgo Biloba eingesetzt. Die alte Heilpflanze verbessert nicht nur die Fliesseigenschaften des Blutes. Sie wirkt auch neuroprotektiv (nervenschützend) und vermag die Gedächtnisleistung und das Lernvermögen zu verbessern. In klinischen Studien hat der Pflanzenextrakt eine mit den Medikamenten vergleichbare Wirkung gezeigt und war besser verträglich.
Sport bewegt auch das Gehirn
Ebenso wichtig ist eine gesunde Ernährung. Das Gehirn benötigt ein Fünftel unserer Energie! Am besten in Form von komplexen Kohlenhydraten wie Vollkornprodukten. Wichtig sind beispielsweise auch Vitamin B, Vitamin D, Folsäure sowie Mineralstoffe wie Eisen, Zink, Kalium, Magnesium oder Chrom sowie Omega-3-Fettsäuren.
Und dann noch ein wenig Sport. Studien zeigen, dass regelmässige sportliche Bewegung Demenzerkrankungen vorbeugen kann. Und vielleicht machen Sie es ja bald wie Jürgen Petersen, der sich während dem Joggen gleichzeitig Namen, Zahlen oder Fakten einprägt. Ein paar Tricks dazu kennen Sie ja schon.