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Ob Sie schreiben wollen oder müssen (wenn Sie diesen Text lesen, müssen Sie wohl …), ob es eine Bewerbung, ein Liebesbrief oder eine Masterarbeit ist, eines ist allen Texten gemeinsam: Sie sollen gelesen werden.
Überlegen Sie, an wen sich Ihr Text richtet. Wer soll ihn lesen? Für studentische Arbeiten gibt es Richtlinien, die Sie unserer Website entnehmen können. Auch die auftraggebende Institution hat Vorstellungen, die Sie berücksichtigen sollten.
Vermeiden Sie Bleiwüsten
Darüber hinaus darf eine studentische Arbeit ruhig frisch und locker klingen, sympathisch daherkommen. Der erste Eindruck ist entscheidend: Eine angenehme Schriftgrösse, eine weite Zeilenschaltung, klare Titel, genügend Absätze, eine übersichtliche Gliederung erleichtern das Lesen ungemein. Serifen – das sind die Schriften, bei denen ein kleiner Strich den Buchstaben abschliesst, z. B. Times New Roman – führen den Leser. Bilder, Tabellen und Diagramme lockern den optischen Eindruck auf. Vermeiden Sie Bleiwüsten, die Augen und Kopf ermüden und das Interesse vernichten.
Machen Sie gleich zu Beginn neugierig auf Ihr Thema. Informieren Sie den Leser in zwei, drei kurzen Absätzen, worum es geht. Wecken Sie Lust auf mehr, indem Sie den roten Faden ausrollen. Behalten Sie immer Ihren Leser im Hinterkopf. Schreiben Sie so, wie Sie sprechen würden. Verwenden Sie vorwiegend kurze Sätze, für jeden Gedanken einen. Die meistgelesene Zeitung unseres Landes ist der Blick. Warum? Weil er unter anderem einfach zu lesen ist. Die Sätze haben im Durchschnitt neun Wörter, bei der NZZ sind es 16.
Vermeiden Sie eine komplizierte Sprache
Für fast alle Fremdwörter gibt es passende, leichtverdauliche deutsche Vokabeln. Mit Fremdwörtern beeindrucken Sie niemanden und wenn Sie Pech haben bzw. kein Lateiner sind, haben Sie sie vielleicht falsch verwendet – Dann klingt es definitiv nicht gescheit. Ihre Arbeit wird nicht nach Anzahl Fremdwörtern bewertet. Jeder Experte ist froh und dankbar, wenn er nicht über Sätze brüten muss, die hochgeschraubt und unverständlich sind. Was z. B. sind Hinweise auf Implikationen? Oder was bedeutet ein qualitativer longitudinaler Ansatz?
Nutzen Sie Satzzeichen. Ein Gedankenstrich ist ein kurzes Innehalten, um Luft in den Kopf zu lassen. Auslassungspunkte geben Raum für eigene Folgerungen. Der Doppelpunkt zeigt an, dass gleich eine Erklärung folgt; der Strichpunkt oder das Semikolon trennt stärker als das Komma, aber weniger als der Punkt.
Vermeiden Sie Passivsätze und Füllwörter
Aktive Formen bringen Leben in einen Text. Statt „er geht zum Angriff über“ schreiben Sie besser „er greift an“, „bewerten“ statt „eine Bewertung durchführen“ – wann immer möglich sollten Sie das Verb dem Substantiv vorziehen.
Füllwörter verlängern zwar einen Text, machen ihn aber schwer lesbar und uninteressant. „Auch“ kann fast ausnahmslos weg, „eigentlich“ wertet eine Aussage ab, „wirklich“ braucht es nicht, „ungefähr“ und „ziemlich“ sind ebenfalls bedeutungslos. Die Liste unnötiger, abschwächender Füllwörter lässt sich beliebig erweitern.
Kompliziert zu schreiben, ist keine Kunst. Formulieren Sie Kniffliges einfach und verständlich. Egal, wer Ihre Zielgruppe ist, sie wird Ihnen dankbar sein.
Ein Tipp zum Schluss: Wenn Sie sich unsicher fühlen, lesen Sie schwierige Abschnitte laut vor. So hören Sie den Textrhythmus und Logikfehler fallen Ihnen eher auf. Oder wenden Sie sich an uns – Wir unterstützen Sie gerne beim Formulieren!
Photo-Credits: micah boswell