Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03244.jsonl.gz/1866

Zitate aus einem Gespräch mit Dennis Meadows, publiziert in der vor einiger Zeit eingestellten Zeitschrift NATUR UND KULTUR, Transdisziplinäre Zeitschrift für ökologische Nachhaltigkeit (Jahrgang 6, Heft 2, Herbst 2005)
Dennis Meadows ist Mitautor der „Grenzen des Wachstums“ und der Folgepublikationen. Seine Einschätzung der aktuellen Lage: Die Aussagen von 1972 waren im Wesentlichen korrekt. Allerdings haben wir inzwischen 30 Jahre verloren. Und während wir 1972 noch einen komfortablen Abstand zur Grenze der Tragfähigkeit hatten – d.h. Bevölkerung und Industrie hatten noch Raum zu wachsen -, haben wir diese Grenze nun bereits deutlich überschritten.
Wie macht man sich ein Bild von der Zukunft?
- Manche Menschen tun dies, indem sie die Bibel lesen und das, was sie in der Bibel sehen, in ein Szenario umsetzen.
- Andere nehmen Trends aus der Vergangenheit und extrapolieren einfach ausgewählte Trends in die Zukunft.
- Wieder andere schaffen sich ihr Bild von der Zukunft aus einem Glauben; sie haben ein Ziel, einen Wunsch für sich oder für die Menschheit, und ihr Bild von der Zukunft entspringt dem Glauben, dass ihr Ziel verwirklicht wird.
- Und schliesslich gibt es noch die, die sich gar nicht um die Zukunft scheren, ausser es betrifft sie selbst, ihre kurzfristige Karriere oder andere persönliche Interessen.
Die Grundlagen von „Grenzen des Wachstums“ stützen sich auf Berechnungen mit dem Modell WORLD3. Es stützt sich auf etwa 50 Prinzipien, die das Verhalten des Industriesystems und die Bevölkerungsdynamik bestimmen. Daraus wurden die wichtigsten Verhaltenstendenzen des globalen Systems ermittelt.
Wenn wir eine stabile Zukunft mit einem passablen Lebensstandard für alle wollen, dann müssen wir die Geburtenrate senken, die Konsummuster verändern und die technologischen Prioritäten neu ausrichten. Heute wollen die meisten Menschen, die einen hohen materiellen Lebensstandard haben, einen noch höheren. Hier muss es wirklich gravierende Änderungen geben, damit man mit genug zufrieden sein kann.
Jeder von uns hat die Aufgabe, die Lage (für die Welt) besser zu machen, als sie es sonst wäre. Von niemandem wird erwartet, dass er die ganze Welt zu retten versucht.
Wir sind jenseits der Grenzen. Wir haben den Bereich verlassen, der langfristig beibehalten werden kann.
Die Globalisierung ist ein vorübergehendes Phänomen. Sie ist abhängig von billiger Energie und von der Zuversicht und der Bereitschaft, Menschen, Kapital und Güter weltweit wandern zu lassen.
Das jetzige System funktioniert nicht: Weder die Demokratie noch die Globalisierung stellen sich den Fragen von Wachstum und Grenzen. Unsere politischen und kulturellen Systeme werden sich also ändern müssen. Die physikalischen Eigenschaften des Planeten werden sich nicht an unsere Kulturen anpassen; unsere Kulturen müssen sich mit den physischen Realitäten in Übereinstimmung bringen.
Eines der Grundprobleme der menschlichen Gesellschaft ist, dass sie so lange braucht, um Handlungsbedarf zu erkennen. – Bei derart grossen Problemerkennungs-Verzögerungen kann selbst exponentiell wachsende Technologie das Problem nicht umgehen.
Wenn eine Gesellschaft sich nicht um die Umwelt schert, den Graben zwischen Arm und Reich für belanglos hält und gewaltsame Konflikte als Möglichkeit zur Austragung von Meinungsverschiedenheiten erachtet, dann wird diese Gesellschaft zwar ebenfalls technologische Fortschritte machen, aber ihre neue Technologie wird die Umwelt schädigen, den Graben zwischen Arm und reich vertiefen und die militärische Macht verstärken. – Eine solche Gesellschaft entwickelt Technologien, die den Zusammenbruch beschleunigen, statt ihn zu verhindern.
Erhoffte nachhaltige Entwicklung oder globaler Kollaps: Zu diskutieren ist nicht eine nachhaltige Entwicklung, sondern eine überlebbare Entwicklung. Wenn wir uns mit überlebbarer Entwicklung beschäftigen, werden wir versuchen einen Weg zu finden, wie wir wieder unter die Nachhaltigkeitsgrenze kommen, ohne vorher wichtige Teile der Ökosphäre zu zerstören. – z.B. dadurch, pro Wertschöpfungseinheit den Ressourcenverbrauch um 80 % und die Umweltverschmutzung um 90 % zu vermindern.
Im Grossen und Ganzen wäre ich optimistisch, wenn die Menschen anfingen, auf die physikalischen Realitäten zu achten, statt auf die kurzfristigen wirtschaftlichen und politischen Signale, die uns im Wesentlichen nur verwirren und das verschleiern, was wirklich vor sich geht.