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Dissertationsprojekt
Entgegen der These Becks aus dem Jahre 1983, der soziale Ort der Deutschen liege „jenseits von Klasse und Stand“, weist die jüngere empirische Sozialforschung einen starken Trend zur Polarisierung der Gesellschaft aus. Während die Mittelschicht schrumpft, nehmen Armut und Exklusion stetig zu. Gewöhnlich wird als Hauptursache für diese Entwicklung die anhaltende Massenarbeitslosigkeit genannt, und entsprechend konzentrieren sich die Anstrengungen der Politik vorrangig auf beschäftigungsfördernde Maßnahmen nach der Maxime „Sozial ist, was Arbeit schafft!“ Doch abgesehen von der inzwischen dreißigjährigen Erfolglosigkeit im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit läßt sich zudem zeigen, daß die zugrundeliegende Annahme, der Besitz eines Arbeitsplatzes gehe gleichsam zwangsläufig mit gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe einher, ein Irrglaube ist, der auf einem Mißverständnis hinsichtlich der sozialintegrativen Effekte einer Erwerbstätigkeit beruht. Die paradoxe Folge dieses Mißverständnisses ist, daß die Senkung der Arbeitslosenzahl häufig selbst dann als sozialpolitischer Erfolg reklamiert wird, wenn sie nur durch die aktive Ausweitung des Niedriglohnsektors und die damit einhergehende Zunahme der working poor möglich geworden ist – und insofern durchaus auch als politische Förderung von Ausbeutung betrachtet werden könnte.
Vor diesem Hintergrund gilt es zunächst, ein angemesseneres Bild von den Mechanismen sozialer In- und Exklusion unter den Bedingungen der kapitalistischen Gesellschaft zu gewinnen. Die zentrale These lautet, daß die individuellen Chancen, am Leben und den reichhaltigen Möglichkeiten der Moderne teilzuhaben, in letzter Konsequenz eben nicht vom Erwerbsstatus, sondern von der Höhe des zur Verfügung stehenden Einkommens abhängen. Da das auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Wirtschaftssystem aber weder daran interessiert noch in der Lage ist, jedermann mit ausreichend bezahlten Erwerbsmöglichkeiten zu versorgen, lassen sich aus diesem Befund weitreichende Konsequenzen für die Sozialpolitik ableiten. So dürfte das demokratische Ideal der gleichberechtigten Inklusion aller Bürger nur dann zu realisieren sein, wenn es gelingt, die in Öffentlichkeit und Politik vorherrschende Lohnarbeitsfixierung zu überwinden und verstärkt auf steuerfinanzierte Maßnahmen zur individuellen Einkommenssicherung zu setzen. Den Schlußteil des Forschungsvorhabens bildet aus diesem Grunde die gerechtigkeitsethische und sozialpolitische Diskussion eines bedingungslosen Grundeinkommens.