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|Die Kolumne «Gopfried Stutz» erschien zuerst im|
Nicht wenige fragen sich: Wann löst China die USA als grösste Wirtschaftsmacht ab? Als Beispiel sei das "Manager Magazin" vom 26. Dezember 2020 zitiert. Danach gehen britische Ökonomen davon aus, dass China schon 2028 die Vereinigten Staaten als weltgrösste Volkswirtschaft ablösen wird.
Das erinnert mich an die frühen 90er-Jahre, als ich als USA-Korrespondent in New York lebte. Wer's genauer wissen will: in Forest Hills im Stadtteil Queens, gleich neben dem legendären Tenniscourt.
Damals hiess es: Das 19. Jahrhundert gehörte den Briten, das 20. Jahrhundert gehört den US-Amerikanern, und das 21. Jahrhundert wird den Japanern gehören.
Adam Smith ist einer, der sich intensiv mit dem Phänomen Japan befasste. Gemeint ist nicht der grosse Philosoph und Nationalökonom des 18. Jahrhunderts. Gemeint ist der Autor von "The Money Game", der sich das Pseudonym Adam Smith zulegte. In seinem Buch "The Roaring ’80s" skizziert er das Wirtschaftswunder Japan. Smith beschreibt, was Nippon anders macht als die USA. Die höhere Sparquote etwa, die fehlende Streikkultur oder die lebenslange und schon fast unerschütterliche Treue gegenüber dem Arbeitgeber.
"Das 21. Jahrhundert ist das japanische Jahrhundert", prophezeite auch der 1922 geborene Zukunftsforscher Herman Kahn schon in den 70ern. Und 1978 publizierte der amerikanische Soziologe Ezra Vogel den Bestseller "Japan as Number One: Lessons for America".
Logisch: Wenn das kleinere Land A schneller wächst als das grössere Land B, dann wird Land B irgendwann vom kleineren Land A überholt werden. Nur ist halt nicht garantiert, dass die Wachstumskurve eines Landes ohne Unterbruch schön konstant nach oben verläuft. Die Geschichte entwickelt sich nicht linear.
Das Beispiel Japan zeigt dies eindrücklich. Anfang 1990 peilten die Aktienkurse an der Tokioter Börse unverdrossen neue Rekordwerte an. Dann passierte, was man das Platzen einer Blase nennt: Der Nikkei-Index verlor innert eines Jahres 40 Prozent seines Wertes. Der Wert der mit viel Fremdkapital finanzierten landesweiten Immobilien sank um 1,6 Billionen Franken.
Noch Jahre später machten japanische Kreditgenossenschaften und Hypothekenfinanzierer reihenweise Konkurs. Das fernöstliche Inselreich hat sich nie richtig von diesem Schock erholt, trotz schwerer Konjunkturpakete und rekordtiefer Zinsen. Heute sprechen wir von japanischen Verhältnissen, wenn wir eine Periode anhaltend tiefer Zinsen bei schwachem Wachstum beschreiben.
Unter dem Eindruck des Kalten Krieges sagten wir schon als Buben: "Der Optimist lernt Russisch, der Pessimist lernt Chinesisch." Mag sein, dass wir damals recht hatten. Es sei denn, China erliegt einem ähnlichen Schicksal wie Japan.