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«Ich habe den Auftrag, GC zu verkaufen»
Um den Rekordmeister zu retten, sucht Interimspräsident Andras Gurovits einen neuen Besitzer. Auch im Ausland. Die Zeit drängt.
Peter M. Birrer und Ueli Kägi (TA)
Andras Gurovits, gibt es GC im Sommer noch?
Ja.
Woher diese Zuversicht?
Die Gespräche mit möglichen Geldgebern sind vielversprechend.
Das heisst, dass die bisherigen Aktionäre Peter Stüber und Stephan Anliker ihre Anteile verkaufen und Sie nächstens neue Besitzer präsentieren?
Ich bin guten Mutes, dass wir eine Lösung präsentieren können. Aber ich weiss auch: Ein Deal ist ein Deal, wenn er unterschrieben ist.
Viel Zeit bleibt nicht. Am 2. März muss GC die Lizenz für kommende Saison beantragen. Eine Super-League-Lizenz?
Wir werden sicher die Super-League-Lizenz beantragen.
Im Antrag müssen auch die Defizitgarantien vorliegen.
Wir müssen nachweisen, dass die Finanzierung der nächsten Saison sichergestellt ist, denken aber darüber hinaus. Wir brauchen eine Lösung, um einmal mittel- und langfristig planen zu können. Und nicht von Saison zu Saison. Derzeit sind wir allerdings gut unterwegs. Das Defizit wird kleiner sein als budgetiert.
«Platz 2 und 5 Punkte vor dem Dritten – dafür hätten wir unterschrieben.»
Tiefer als 6,5 Millionen Franken?
Wesentlich tiefer.
Diese Saison kann sich GC Ausgaben von 13,6 Millionen Franken leisten, weil Stüber und Anliker 6,5 Millionen eingeschossen haben. Wie hoch ist das Super-League-Budget, das Sie vorsehen?
Es wird sicher etwas höher sein als 13,6 Millionen. Aber nicht frühere Dimensionen erreichen.
Also nicht mehr 20, 22 Millionen Franken, sondern etwa 16?
Lassen wir das offen. Wir haben die Kosten massiv gesenkt. Auf dieser Basis lässt sich aufbauen.
GC liegt derzeit auf Platz 2. Wie viel Geld stünde für ein weiteres Jahr in der Challenge League zur Verfügung?
Etwas mehr als jetzt.
Das würde bedeuten, dass der neue Besitzer bereit ist, mehr als 6,5 Millionen einzuschiessen. Wer will so viel geben?
Schauen Sie: Ich verstehe, dass ein Interesse an der Zukunft von GC besteht. Würde ich aber mehr sagen, könnte das Geschäft gefährdet sein. Ich muss in Ruhe die Verhandlungen führen können.
GC liegt sechs Punkte hinter Lausanne. Sind Transfers nötig, um den direkten Aufstieg noch zu schaffen?
Wir haben kein Geld, um für die Rückrunde zusätzlich zu investieren.
Auch nicht mit den neuen Geldgebern?
Ich gehe davon aus, dass wir mit dem aktuellen Kader in die zweite Saisonhälfte gehen. Und ich habe das Gefühl, dass Spieler, Trainer und die Leute in der Administration noch näher zusammengerückt sind. Der Geist ist gut, ich bin sehr positiv gestimmt.
Sie sprechen den Zusammenhalt an: Ein Nachwuchsgoalietrainer kümmert sich bei GC jetzt auch um IT-Belange.
Er hat noch andere Talente. Das ist eine gute Sache und für mich nichts Aussergewöhnliches.
Und wenn Sportchef und Geschäftsführer Fredy Bickel sagt, dass er auch noch die Buchhaltung mache, ist das ebenfalls nichts Aussergewöhnliches?
(lacht) Er leitet die Buchhaltung. Aber er führt sie nicht.
Trotzdem zeigt das: GC muss jeden Franken umdrehen.
Das ist so.
Sie sind Spitzenwirtschaftsanwalt. Wie viel Zeit wenden Sie für die Grasshoppers auf?
Das ist ein Vollzeitjob.
Ein bezahlter Vollzeitjob?
Ich habe mit den Aktionären ein Arrangement. Beide Seiten sind Kompromisse eingegangen.
Sind Sie gerne GC-Präsident?
Offiziell bin ich ja nicht Präsident. Ich bin einfach der einzige Verwaltungsrat. Ich bin in diese Aufgabe reingerutscht. Und nur mit halbem Einsatz kann ich das nicht machen. Vor allem nicht, wenn es darum geht, GC zu verkaufen.
Und das ist Ihr Auftrag, den Sie von Stüber und Anliker erhalten haben?
Ja. Ich habe den Auftrag, GC zu verkaufen. Es ist eine enorme Herausforderung: Es geht um Stellen von Mitarbeitern, um Spieler, um Tradition …
«Platz 2 und 5 Punkte vor dem Dritten – dafür hätten wir unterschrieben.»
Dachten Sie auch schon: Ich habe genug von dieser Aufgabe?
Nein. Aufgeben ist keine Option.
Weil Sie diesen Job einfach erledigen müssen?
Ich schaue das nicht als Job an.
Sondern?
Vielleicht ist es meine Berufung. GC liegt mir am Herzen. Vor 20 Jahren hätte ich kaum zugesagt, weil die Aufgabe doch eine gewisse Lebenserfahrung erfordert und es von Vorteil ist, wenn man nicht so schnell nervös wird.
Wieso soll sich nun überhaupt jemand für GC interessieren?
Ich stelle bei den Gesprächen fest, dass GC noch immer eine starke Marke ist.
Im Umfeld von GC gibt es immer noch reiche Leute. Wieso haben diese Leute keine Lust, sich zu engagieren?
Ich habe nicht mit allen gesprochen, doch ich spüre im Umfeld eine Zurückhaltung. Deshalb schauen wir auch ins Ausland.
Oft genug haben ausländische Geldgeber bei Schweizer Clubs Chaos verursacht. Im besten Fall wird jemand GC-Eigentümer, weil er sich den Spass leisten kann. Aber niemand kauft doch Aktien eines Schweizer Clubs im Glauben, damit Geld verdienen zu können.
Das sagen Sie. Es gibt Leute, die überzeugt davon sind, dass sich damit Geld verdienen lässt.
In der Vergangenheit machten viele Vereine hohe Verluste.
Das kann sein. Kürzlich habe ich aber über den FC St. Gallen gelesen, er könne vielleicht mit einer schwarzen Null abschliessen. Chapeau!
Sie wären der Zauberer von Zürich, wenn Sie GC in eine finanziell gesicherte Zukunft führen könnten. Der Club macht ja seit 2003 immer wieder Krisen durch.
Dieses Bild des Zauberers gefällt mir nicht. Wenn es gelingt, dann gelingt es vor allem auch dank der Hilfe von Leuten, die mir wichtige Kontakte vermittelten.
Wie viele Kaufinteressenten haben sich bis jetzt gemeldet?
Etwa zehn. Allerdings sind jetzt nicht mehr alle dabei.
Red Bull möchte in Dänemark bei Bröndby einsteigen. Wäre es denkbar, dass ein Konzern GC übernimmt?
Durchaus. Womit ich nicht gesagt haben will, dass wir mit Red Bull verhandeln.
Das müssten Sie den Fans gut erklären, weil Unternehmen wie Red Bull wegen ihrer Marketingstrategien bei vielen gelinde gesagt unbeliebt sind.
Wenn wir die Wahl haben zwischen Liquidation und einer Möglichkeit, GC am Leben zu erhalten und vielleicht wieder zum Strahlen zu bringen, dann scheint mir klar, wie wir vorgehen würden.
Im Frühling 2019 drohte GC die Liquidation, es war eins vor zwölf. Wo steht die Uhr heute?
Die Situation ist nicht vergleichbar. Tatsächlich war die Liquidation damals eine Option. Nun haben wir den Turnaround geschafft, wir arbeiten gut und haben Ruhe. Darum würde ich sagen: Es ist zehn nach elf.
Als Anwalt sind Sie Spezialist für Übernahmen. Sind Sie auch Fussballexperte?
Ich spielte in der 2. Liga, würde mich aber nicht als Fachmann bezeichnen.
Diskutieren Sie mit Uli Forte über Taktik?
Nein. Wir treffen uns regelmässig zu dritt, zusammen mit Fredy Bickel, und dann teile ich meine Meinung mit.
Wie ist Ihr aktueller Eindruck?
Ich sah im ersten Teil der Vorrunde eine gute Entwicklung. Danach stagnierten wir etwas. Aber dass wir Platz 2 belegen und fünf Punkte Vorsprung auf den Dritten haben, dafür hätten wir vor Saisonbeginn unterschrieben.
War es nicht die Ambition, als Leader zu überwintern?
Natürlich hatten wir diesen Wunsch, aber wir müssen auch berücksichtigen, aus welcher Situation wir kommen. Darum dürfen alle Beteiligten stolz auf das bisherige Abschneiden sein.
Und sind Sie auch stolz, wenn GC die Barrage erreicht?
Ich bin stolz, wenn wir die Barrage gewinnen.