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Walter Matthias Diggelmann, Schriftsteller
1927-1979, geboren in Mönchaltdorf, gestorben in Zürich
Diggelmann war der uneheliche Sohn einer vollwaisen Bauernmagd. Er wuchs unter widrigen Umständen als Pflegekind auf, seine Schulbildung war mangelhaft. Seine Lehre als Uhrmacher brach er wegen eines Bagatelldiebstahls ab und flüchtete nach Italien, wo er von den Deutschen gefasst und als Zwangsarbeiter nach Dresden überführt wurde. Nach einem Fluchtversuch wurde er in Süddeutschland interniert. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz 1945 wurde er unter Amtsvormundschaft gestellt und für ein halbes Jahr in die Heil- und Pflegeanstalt Rheinau eingewiesen. Anschliessend Tätigkeit als Gelegenheitsarbeiter, erste schriftstellerische Versuche. Diggelmann arbeitete ab 1949 als Regieassistent am Schauspielhaus Zürich, ab 1956 als Dramaturg bei Radio Zürich, 1956-1962 auch als Werbetexter. Danach war er als freier Schriftsteller tätig und arbeitete für Presse, Funk und Fernsehen. Er war dreimal verheiratet, mit Nelly Gysin, Eliane Schopfer und der Journalistin Klara Obermüller, mit der er seit 1973 zusammen war. Diggelmann lebte während drei Jahren im Tessin, gemäss Auskunft des Schweizerischen Literaturarchivs in Tremona. Diesen Lebensabschnitt hielt er 1972 in seinem Buch „Ich und das Dorf“ fest. Im Jahr 1973 drehten Reni Mertens und Walter Marti den Film „Die Selbstzerstörung des Walter Matthias Diggelmann“ – „Lieber Walter M. Diggelmann, Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Wir machen einen Film zusammen. In diesem Film sieht man nur Walter Matthias Diggelmann. Er sitzt so bequem oder unbequem, wie es ihm passt, hat etwas zu trinken oder zu Essen, wenn er will. Eine Stunde lang. In dieser Stunde sagt W.M.D. alles, was er in einer Stunde zu sagen hat. Aus dem Stegreif, was Ihnen einfällt. Wenn möglich ohne jegliche Selbstzensur. Der Titel des Films müsste sein: DIE SELBSTZERSTÖRUNG DES WALTER M. DIGGELMANN. Einer, der die Wahrheit sagt, zerstört sich selbst. – Freundlich, Ihr Walter Marti“. Diggelmann erlag einem Krebsleiden.
Aus der „WOZ, die Wochenzeitung“ vom 22. Juni 2006: „Der Schriftsteller Walter Matthias Diggelmann (1927-1979) wurde in den sechziger und siebziger Jahren als «Linksintellektueller» tituliert, als «literarischer Gartenzwerg» und «Nestbeschmutzer» beschimpft und als nonkonformistischer Autor nicht selten in einem Atemzug mit Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt genannt. Er gehörte neben Peter Bichsel, Hans-Rudolf Hilty, Kurt Marti, Jörg Steiner oder Otto F. Walter zu jenen, die mit einer deutschschweizerischen Spielart der «littérature engagée» gegen die illiberale Geistige Landesverteidigung der «unheimlichen Patrioten» eine liberale Öffentlichkeit einforderten.“
„Engagiert ist jeder von uns, sogar jener ist engagiert, der behauptet, er sei es nicht. Der nämlich mag engagiert sein von der eigenen Angst und Mutlosigkeit oder engagiert von seiner eigenen Bequemlichkeit oder von seiner Karriere.“ Walter Matthias Diggelmann