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Am Puls der Stadt
Das Antlitz Budapests
Das wohlproportioniert beidseits der Donau liegende Budapest bietet eines der schönsten Stadtbilder Mitteleuropas. Das im späten 19. Jahrhundert errichtete Stadtzentrum ist in weiten Teilen erhalten und lässt den Besucher in diese für Ungarn und Europa so bedeutende Epoche eintauchen.
Auf der einen Seite liegt das hügelige Buda mit seinen alten Barockhäuschen, den Villen alter und neuer Reicher und seinen stillen Winkeln, gegenüber das quirlige Pest, das so richtig Großstadtatmosphäre verströmt, und dazwischen wälzt sich das silbergrüne, rund 500 Meter breite Band der Donau majestätisch durchs Zentrum. Obwohl die Gegend schon seit der Steinzeit besiedelt ist, wurde Budapest erst im 19. Jahrhundert geboren: 1872 wurden die zuvor unabhängigen Städte Pest, Buda und Óbuda zu Budapest vereinigt.
Formal ist die Stadt, die ihre heutige Größe durch die Eingemeindung mehrerer umliegender Siedlungen im Jahr 1950 erhielt, in 23 Stadtbezirke aufgeteilt. Sechs davon befinden sich auf der Budaer Seite, der Rest in Pest. Auch die Einwohner verteilen sich ähnlich: Rund ein Drittel der Budapester wohnt in Buda, zwei Drittel haben sich gegenüber angesiedelt. Pest war jedoch nicht immer derart im Übergewicht. Lange Jahrhunderte wurden die Geschicke Ungarns von Buda aus gelenkt. Die Hauptstadt auf dem Hügel war das politische und kulturelle Zentrum einer europäischen Mittelmacht. Die Stunde Pests schlug Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Zuge der Industrialisierung wuchs die Wirtschaftskraft der Stadt exponentiell. Während Pest ein ideales Terrain für die Ansiedlung von Industrie war, konnten in Buda aufgrund seiner hügeligen Topographie nur begrenzt Fabriken gebaut werden.
Die städtebauliche Explosion folgte einige Jahrzehnte später. Befeuert von der Errichtung der Kettenbrücke und dem Ausgleich zwischen Ungarn und Österreich, der 1867 die k.-u.-k.-Doppelmonarchie entstehen ließ, wurde Pest (und in kleinerem Umfang auch Buda) zu einer veritablen Metropole ausgebaut. Alte Stadtviertel mussten weichen und in wenigen Jahrzehnten entstand eine prächtige, mondäne Stadt, die auf die Zeitgenossen wirkte wie heutzutage die verrückten Riesenstädte Arabiens und Asiens auf Besucher aus dem alten Europa. Aus dieser Zeit stammen die herrlichen Repräsentativbauten und Mietshäuser des Stadtzentrums, die mit ihrem fantasievollen, historistischen Architekturmischmasch bis heute für die ganz besondere Budapester Atmosphäre sorgen. Seinerzeit bestand eine Verordnung, der zufolge 20 Prozent des Budgets eines Bauvorhabens für die Dekoration aufgewendet werden mussten. Dementsprechend blickt eine Unzahl von Putten, antiken Göttern, Blumenranken und sonstigen Zitaten aus 3000 Jahren Architekturgeschichte von Fassaden, Balkonsimsen und Fensterrahmen auf die Straße herab. Extremstes Beispiel ist wohl die Staatsoper {20}, die tatsächlich von zwei waschecht kopierten Sphinxen bewacht wird! Im Gegensatz dazu folgt die Straßenführung einer strikten Geometrie. Breite Ausfallstraßen, dazwischen rechtwinklig angeordnete Gassen, die von insgesamt drei Ringstraßen umrundet werden das ist die Struktur des Pester Stadtzentrums. So fällt die Orientierung leicht, und aufgrund der nicht allzu großen Entfernungen lässt sich die Innenstadt gut zu Fuß erkunden. Wer doch einmal müde Füße bekommt, wird vom öffentlichen Nahverkehrssystem zuverlässig von A nach B gebracht.
Die Stadt in Zahlen
> Erste urkundliche Erwähnung: Buda: 1243, Pest: 1148, Óbuda: 89 n. Chr., Gründung Budapests: 1872
> Einwohner: 1,7 Millionen
> Fläche: 525 km²
> Bevölkerungsdichte: 3238 Einwohner/km²
> Höhe ü. M.: 102527 m
> Stadtbezirke: 23
Blick von Buda nach Pest (024bp Abb.: mt)
Von den Anfängen bis zur Gegenwart
Die Entwicklung Budapests hängt eng mit der günstigen Lage der Stadt an der Donau zusammen. Die blühende, aber provinzielle Handels- und Hafenstadt wurde im 19. Jahrhundert im Zuge wirtschaftlicher und politischer Veränderungen innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Weltmetropole ausgebaut.
10.0008.000 v. Chr.: Aus dieser Zeit stammen die frühesten Überreste menschlicher Besiedlung in den Höhlen der Budaer Berge.
4.3. Jahrhundert v. Chr.: Der keltische Stamm der Eravisker siedelt sich auf dem Gellért-Berg an.
ca. 89 n. Chr.: Das rechte Donauufer wird von den Römern erobert. Sie gründen auf dem Gebiet des heutigen Óbuda die Stadt Aquincum. Sie hat zeitweise bis zu 50.000 Einwohner und ist Hauptstadt der Provinz Pannonia inferior.
409: Im Zuge des Zerfalls des Römischen Reiches wird Aquincum aufgegeben.
ca. 900: Die Magyaren erobern das Karpatenbecken.
1000: Stephan, Sohn des magyarischen Stammesführers Géza, wird z