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1946
1946: Der Kreis - Le Cercle
Wegen der allgemeinen Teuerung musste man den Abonnementspreis erhöhen. Um diese Ankündigung schmackhafter zu machen, strich die Redaktion die Besonderheit des einzig existierenden schweizerischen Blattes für Kameradenliebe heraus, das zudem Organ einer Vereinigung sei, die Treffen und Festlichkeiten ermögliche und nun, wo die Grenzen offen stehen, "bald Verbindungen mit dem Ausland aufnehmen" werde, um "dort Anregung und Beispiel zu geben". Man hatte also entscheidend wichtige Dinge im Auge, für deren Erreichen sich ein (kleines) finanzielles Opfer lohnen sollte.
Anhand eines Berichtes über Gefangene in Nazi-Konzentrationslagern, in denen "nur Gewohnheitsverbrecher, Schurken und Homosexuelle" eingewiesen worden seien, schrieb Karl Meier / Rolf eine bemerkenswerte Besinnung darüber, dass dem "Irrwahn der Nazis" nebst den Tausenden von homosexuellen Opfern auch gewisse andere Homosexuelle erlegen seien – im falschen Glauben, es lasse sich "in Waffenbünden und Ordensburgen im Kreis von Kameraden" gut leben. Er schloss mit den Worten:
"Vergessen wir nie, dass einer politischen Gesinnung nicht deshalb zum Durchbruch verholfen werden darf, weil sie unseren Neigungen (scheinbar) entgegen kommt."
In Heften des Jahrgangs 1946 erschienen auch ein Nachruf auf Adolf Brand, den Herausgeber der ersten homoerotischen Zeitschrift überhaupt, Der Eigene, und eine Ehrung zum 70. Geburtstag des für die Entkriminalisierung der Homosexualität wichtigen Strafrechtsprofessors Ernst Hafter.
Ernst Ostertag, Oktober 2010