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John G. Ramsay studierte Geologie und doktorierte 1954 am Imperial College London zum Thema der Überlagerung von Falten der Gesteine des Gebiets Loch Monar im Schottischen Hochland. Nach seinem Militärdienst wurde er 1957 Lecturer, 1964 Reader und 1966 Professor ad personam am Imperial College. 1973 wurde er als Professor an die Universität Leeds berufen und schliesslich wählte ihn der Bundesrat 1976 zum ordentlichen Professor für Geologie an die ETH Zürich, wo er sein Amt auf 1977 antrat. Gleichzeitig wurde er für dasselbe Lehrgebiet als Doppelprofessor an die Universität Zürich berufen. Nach einer erfolgreichen und vielfältigen Karriere wurde er im Frühjahr 1992 auf eigenen Wunsch vorzeitig emeritiert. Im Ruhestand widmete er sich seiner zweiten Leidenschaft, der Musik.
John G. Ramsay hat als weltweit anerkannter Strukturgeologe äusserst breit und vielfältig geforscht. Er entwickelte Methoden zur Beschreibung, zur quantitativen Analyse und zur Interpretation von in der Natur beobachteten Strukturen der Gesteinsverformung, die für die moderne Strukturgeologie heute grundlegend sind. Sein besonderes Interesse galt, neben dem Schottischen Hochland, der Verformungsgeschichte der Alpen und des Himalayas, unter Berücksichtigung der zeitlichen Abfolge der Teilschritte der Deformationsgeschichte, Teilschritte, die unter wechselnden Druck- und Temperaturverhältnissen stattfanden. Besonders hervorzuheben sind seine fundamentalen mathematischen Analysen zur Quantifizierung der Gesteinsdeformation, die er in verschiedenen Büchern zusammenfasste. Diese Analysen und Messungen der Deformationen in natürlich verformten Gesteinen sind elementar für die Rekonstruktion der grossräumigen Deformationen der Erdkruste. Für seine Beiträge zur Strukturgeologie wurde John G. Ramsay mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, unter anderem mit zwei Ehrendoktorwürden und der Mitgliedschaft der Royal Society.
Mit seiner Begeisterung für Feldarbeit und Naturbeobachtung wusste er die Studierenden zu motivieren. Die zahlreichen von ihm geleiteten Feldkartierungskurse und Exkursionen bleiben vielen ehemaligen Studierenden, Kolleginnen und Kollegen unvergesslich. Seine bemerkenswert detaillierten und klaren Feldkarten sind wahre Kunstwerke. Sie verdeutlichen seine Leidenschaft für die geometrische Schönheit von deformierten Gesteinen. Mit seiner zurückhaltenden und doch enthusiastischen Art gelang es ihm, diese Leidenschaft an eine grosse Anzahl von Studierenden und Mitarbeitenden weiterzugeben.