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Als Bedürfnis wird umgangssprachlich das Verlangen bezeichnet, einem empfundenen Mangel Abhilfe zu schaffen.
Dabei werden sehr verschiedene Kategorien verwendet. Manchmal wird Hunger, manchmal Nahrung, manchmal essen als Bedürfnis bezeichnet, immer gilt: Du weisst doch, wie ich meine.
Bedürfnis wird oft auch mit Motiv oder Motivation gleichgesetzt und selten von Bedarf unterschieden.
Als Bedürfnis bezeichne ich einen empfundenen Bedarf. Diese Empfindung ist nicht davon abhängig, ob und wie der Bedarf real ist und ob ein Mangel vorhanden ist.
Ich kann nicht das Bedürfnis haben, einem nicht erfüllten Bedarf Abhilfe zu schaffen. Das ist kein Bedürfnis, sondern ein verklärter Bedarf.
K. Marx schreibt am Anfang des Kapitals (S. 49):
"Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache." "Verlangen schließt Bedürfnis ein; es ist der Appetit des Geistes, und so natürlich wie Hunger für den Körper ... die meisten (Dinge) haben ihren Wert daher, daß sie Bedürfnisse des Geistes befriedigen." (Nicholas Barbon, "A Discourse on coining the new money lighter. In answer to Mr. Locke's Considerations etc.", London 1696, p. 2, 3.)
Aber natürlich macht es einen Unterschied, ob mir Sauerstoff und Nahrung fehlt, oder ein Gemälde von Picasso und etwas Kaviar.

Anmerkungen
A. Maslow hat mit seiner Pyramide die Bedürfnisse - auf eine unsinnige Weise (vergl dazu A. Leontjew - gewichtet. Das hat damit zu tun, dass er Bedarf und Bedürfnis nicht unterscheidet. Meine Bedürfnispyramide würde je nach Situation ganz anders aussehen. Unter normalen Bedingungen ist die Selbstverwirklichung mein grundlegenstes Bedürfnis.
Als Bedarf bezeichne ich eine vergesellschaftete Form eines objektivierten Bedürfnis - das Bei Maslow durchschimmert und im real existierenden Sozialismus verallgemeintert wurde.
„Dass das Bedürfnis des einen durch das Produkt des anderen und vice versa befriedigt werden kann und der eine fähig ist, den Gegenstand dem Bedürfnis des andren gegenübersteht, zeigt, dass jeder als Mensch über sein eigenes besonderes Bedürfnis etc. übergreift und dass sie sich als Mensch zueinander verhalten; dass ihr gemeinschaftliches Gattungswesen von allen gewusst ist.“ (Marx, Grundrisse MEW 42, S. 168).
"Hunger ist Hunger, aber Hunger, der sich durch gekochtes, mit Gabel und Messer gegeßnes Fleisch befriedigt, ist ein andrer Hunger, als der rohes Fleisch mit Hilfe von Hand, Nagel und Zahn verschlingt. Nicht nur der Gegenstand der Konsumtion, sondern auch die Weise der Konsumtion wird daher durch die Produktion produziert, nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv. Die Produktion schafft also den Konsumenten. MEW23, <624>[ ]