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Rosapelikan
Pelecanus onocrotalus
© 2008 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Die Ordnung der Ruderfüsser (Pelecaniformes) setzt sich aus sechs Familien mit insgesamt etwa 65 Arten zusammen. Es handelt sich um die Pelikane (Familie Pelecanidae), die Tropikvögel (Phaethontidae), die Fregattvögel (Fregatidae), die Tölpel (Sulidae), die Kormorane (Phalacrocoracidae) und die Schlangenhalsvögel (Anhingidae). Benannt ist diese vielgestaltige Wasservogelsippe nach dem Ruderfuss, welcher allen Mitgliedern gemein ist. Bei diesem sind - anders als beispielsweise bei den Enten und Gänsen - nicht nur die drei Vorderzehen durch eine Schwimmhaut miteinander verbunden, sondern diese zusätzlich noch mit der nach innen gerichteten Hinterzehe.
Die Familie der Pelikane besteht aus sieben Arten. Diese gliedern sich in zwei Gruppen, welche hinsichtlich ihrer Gefiederfärbung und ihres Brutverhaltens deutlich verschieden sind. Zur ersten Gruppe zählen vier grosse, überwiegend weisse, am Boden in dichten Kolonien brütende Arten: der eurasiatisch-afrikanische Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus), von dem hier berichtet werden soll, der eurasiatische Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus), der australisch-tasmanische Brillenpelikan (Pelecanus conspicillatus) und der nord- und mittelamerikanische Nashornpelikan (Pelecanus erythrorhynchos). Zur zweiten Gruppe gehören drei etwas kleinere, überwiegend grau oder braun gefiederte und meist in lockeren Trupps auf Sträuchern und Bäumen nistende Arten: der indisch-srilankische Graupelikan (Pelecanus philippensis), der afrikanische Rötelpelikan (Pelecanus rufescens) und der nord-, mittel- und südamerikanische Braune Pelikan (Pelecanus occidentalis).
«Rouge» aus der Bürzeldrüse
Der Rosapelikan weist gewöhnlich eine Körperlänge von 160 bis 180 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 250 bis 280 Zentimeter, eine Schnabellänge von 35 bis 45 Zentimeter und ein Gewicht von 8 bis 12 Kilogramm auf, wobei die Männchen im Durchschnitt grösser sind als die Weibchen. Das Gefieder ist bei beiden Geschlechtern weiss, kann aber mehr oder weniger stark rosa «überhaucht» sein. Dieser Farbton wird durch den - je nach dem regionalen und saisonalen Nahrungsangebot unterschiedlich hohen - Karotinoidgehalt des Bürzeldrüsensekrets hervorgerufen, mit welchem die Vögel regelmässig ihr Gefieder einfetten. Interessanterweise finden sich Bürzeldrüsensekrete mit «Rouge» weltweit bei nur etwa zehn Vogelarten, darunter dem Rosa- und dem Rötelpelikan.
Von allen altweltlichen Pelikanarten hat der Rosapelikan die weiteste Verbreitung. Seine Population ist zweigeteilt: Die eine Teilpopulation lebt zur Hauptsache in Afrika südlich der Sahara; die andere lebt fleckenartig verstreut vom Südosten Europas bis nach Kasachstan in Zentralasien und bis nach Indien, Bangladesch und Burma in Südasien. Diejenigen Bestände, welche in der gemässigten Klimazone Eurasiens brüten, sind Langstreckenzieher. Sie weichen nach der Brutsaison teils in nordost- und ostafrikanische, teils in südasiatische Überwinterungsgebiete aus. Sie tun dies, weil ihre Heimatgewässer, in denen sie auf Fischfang gehen, im Winterhalbjahr zufrieren, was zu Nahrungsengpässen führen würde. Die afrikanischen Bestände südlich der Sahara und die südasiatischen sind hingegen sesshaft; sie verweilen das ganze Jahr über in ihren Brutgebieten.
Trotz ihrer beachtlichen «Körperfülle» sind die Rosapelikane vollendete Segelflieger. Während Stunden vermögen sie auf warmen Aufwinden dahinzugleiten und sich - ohne Flügelschlag und Energieaufwand - zum gewünschten Ziel tragen zu lassen. Ihr hohes Gewicht macht zwar das Abheben zu einer anstrengenden Sache: Sie müssen eine lange Strecke flügelschlagend auf der Wasseroberfläche laufen, ehe sie sich in die Luft erheben können. Sind sie aber erfolgreich gestartet, erweisen sie sich als sehr ausdauernde und elegante Flieger. Beim Langstreckenzug können sie bis zu 24 Stunden lang ohne Pause fliegen und dabei mehr als 1000 Kilometer zurücklegen. Die Fluggeschwindigkeit kann kurzfristig bei über 60 Kilometer je Stunde liegen; die Flughöhe reicht bis über 3000 Meter.
1 Kilogramm Fisch am Tag
In seinem ganzen Verbreitungsgebiet lebt der Rosapelikan praktisch nirgendwo am Meer, sondern bewohnt fast ausschliesslich Binnengewässer, wobei deren Salzgehalt keine Rolle zu spielen scheint. Zur Brut schreitet er vorzugsweise auf inselartigen, vegetationsfreien Erhebungen innerhalb grossflächiger Seeufer-Verlandungszonen, Sümpfe oder anderer Feuchtgebiete. Fischfang betreibt er meistens in untiefen Bereichen grosser Seen oder Flussdeltas. Während der Brutzeit pendelt er täglich zwischen seinen Brutplätzen und seinen Nahrungsgründen hin und her und legt dabei täglich viele Kilometer zurück. So fliegen beispielsweise die Rosapelikane, welche in den Niederungssümpfen im nördlichen Donaudelta brüten, nicht selten sechzig Kilometer und mehr zu den Küstenseen im Süden des Deltas, um dort zu fischen.
Der Rosapelikan ernährt sich fast ausschliesslich von kleinen bis mittelgrossen Fischen. Er ist aber kein Taucher, der seinen Beutetieren unter Wasser nachjagt, sondern er fischt von der Wasseroberfläche aus. Schwimmend stösst er von Zeit zu Zeit unvermittelt mit seinem Kopf ins Wasser und versucht, ein gesichtetes Beutetier in seinem Kehlsack zu fangen. Im Erfolgsfall hebt er den Kopf, presst das im Kehlsack befindliche Wasser durch den Schnabelspalt nach aussen und verschluckt sein Opfer im Ganzen.
Pelikane, so auch die Rosapelikane, sind bekannt für ihre Gruppenjagden, die sie mit fast menschlich anmutender Planmässigkeit ausführen: Oft gehen die grossen Vögel nämlich nicht einzeln auf Fischfang, sondern in Gruppen von zwanzig bis dreissig Individuen. Diese Gruppen bilden eine schwimmende, im Halbkreis angeordnete «Treiberkette». In dieser Formation rücken die Vögel langsam von tieferem zu seichterem Wasser vor und drängen die im Wasser unter ihnen befindlichen Fische in Richtung Ufer. Gelegentliches heftiges Schlagen der Flügel auf die Wasseroberfläche scheint ihr Bestreben noch zu unterstützen. Plötzlich tauchen alle beteiligten Pelikane wie auf ein geheimes Zeichen hin Schnabel, Kopf und Hals ins Wasser und schöpfen die in die Enge getriebenen Fische aus dem Wasser.
Im Donaudelta sind Karpfen (Cyprinus carpio), Bitterling (Rhodeus amarus) und Flussbarsch (Perca fluviatilis) die wichtigsten Beutefische der Rosapelikane. In Afrika erbeuten sie vor allem Buntbarsche der Gattungen Tilapia und Haplochromis. Ein Pelikan benötigt für seine ausreichende Ernährung täglich ungefähr zehn Prozent seines Körpergewichts in Form von Fisch. Dies entspricht beim Rosapelikan ungefähr einem Kilogramm. Eine europäische Rosapelikanfamilie konsumiert also während ihres rund acht Monate dauernden Aufenthalts im Brutgebiet ungefähr 700 Kilo Fisch.
Höchstalter 54
Die Rosapelikane fliegen vorzugsweise im Verband umher. Sie gehen gern in der Gruppe auf Fischfang. Und auch beim Brüten erweisen sie sich als sehr gesellige Vögel: Sie nisten am liebsten in kopfstarken Kolonien.
In Afrika gibt es keine festen Brutzeiten. In Europa hingegen finden die Bruten stets im Frühling statt. Für die Beschaffung des Nestbaumaterials ist das Männchen zuständig: Es sammelt Zweige, Schilfhalme und andere Pflanzenteile in der Umgebung der Brutkolonie, stiehlt aber auch gern bei den Nachbarn. Am Nistplatz übergibt es das Material dem Weibchen, welches damit einen zwar beachtlichen, jedoch wenig kunstvollen «Haufen» errichtet, der oben eine flache Mulde aufweist. Der Nestdurchmesser kann bis zu einem Meter betragen, die Nesthöhe mehr als einen halben Meter.
Der Nestbau dauert gewöhnlich zwei oder drei Tage. Danach legt das Weibchen zwei Eier im Abstand von etwa zwei Tagen. Mit dem Brüten beginnt das Paar gleich nach dem Ablegen des ersten Eis. Gewöhnlich übernimmt das Weibchen die Schicht tagsüber, während sich das Männchen nachts auf die Eier setzt. Nach ungefähr einem Monat schlüpfen die Küken. Sie sind zunächst nackt und völlig hilflos.
Die jungen Rosapelikane werden von beiden Altvögeln gefüttert. Anfangs halten diese ihre Schnabelspitze leicht geöffnet über den Schnabel der Küken und lassen im Magen vorverdauten Nahrungsbrei hineintropfen. Etwa ab dem siebten Lebenstag strecken die Küken dann ihren Kopf in den geöffneten Schnabel der Altvögel und bedienen sich selbst an den im Kehlsack befindlichen kleinen Fischen. Da zwischen den beiden Geschwistern von Anfang an ein erbitterter Wettstreit um Nahrung und Platz im Nest entbrennt, geht das schwächere der beiden, zumeist das Zweitgeborene, in der Regel bald zugrunde. Es wird aus dem Nest gedrängt oder verhungert im Nest. Einmal mehr lautet die harte Fortpflanzungsstrategie: lieber ein kräftiges, überlebensfähiges Junges als zwei Kümmerlinge.
Im Alter von etwa einem Monat verlassen die überlebenden Jungvögel ihre stark verschmutzten Nester und scharen sich zu Gruppen, so genannten «Krippen», zusammen. Im Alter von etwa zwei Monaten können sie schwimmen und üben sich fortan im Fischfang. Im Alter von ungefähr zweieinhalb Monaten sind sie schliesslich flugfähig und können sich selbstständig machen. Geschlechtsreif werden sie im dritten oder vierten Lebensjahr.
Die erwachsenen Rosapelikane benutzen Jahr für Jahr dieselbe Brutkolonie. Ausserdem kehren die Jungtiere nach Erreichen der Geschlechtsreife häufig an den Ort zurück, an dem sie zur Welt kamen. Die meisten Kolonien werden deshalb über viele Pelikangenerationen hinweg benutzt. In Menschenobhut liegt das Höchstalter der Rosapelikane bei 54 Jahren. In der freien Wildbahn dürften sie im Allgemeinen ein Alter von 20 bis 30 Jahren erreichen.
In Europa gefährdet
Der Rosapelikan ist über ein sehr weites Areal verbreitet. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) schätzt dessen Ausdehnung auf mindestens 100 000 Quadratkilometer. Auch der Artbestand ist mit geschätzten 270 000 bis 290 000 Individuen sehr gross. Da er in den meisten Bereichen des Verbreitungsgebiets, namentlich in Afrika und in Südasien, mehr oder weniger stabil zu sein scheint, wird der Fortbestand des Rosapelikans von der IUCN nicht als gefährdet eingestuft.
Dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Situation des Rosapelikans in den klimatisch gemässigten Bereichen Europas und Asiens keineswegs erfreulich ist. Hier gingen die Bestände in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts massiv zurück; viele ehemals umfangreiche Kolonien erloschen vollständig. In den 1990er-Jahren wurde geschätzt, dass insgesamt nur noch 6700 bis 11 000 Rosapelikanpaare an 23 bis 25 Plätzen in Eurasien (ohne Indischen Subkontinent) brüten. Der grösste Brutbestand befand sich mit 3000 bis 3500 Paaren im Donaudelta in Rumänien.
Zu dieser fatalen Entwicklung trug wesentlich bei, dass der Rosapelikan seit jeher von den Fischern als Konkurrent betrachtet wird. Sie schossen den Vogel ab, wann immer sie ihm begegneten, und sie zerstörten nach Möglichkeit seine Nester. Des Weiteren verlor der Rosapelikan viele günstige Brutplätze wegen der fortwährenden Umwandlung von Feuchtgebieten in landwirtschaftliche Nutzflächen. Nicht zuletzt wurden ferner seine Heimatgewässer durch industrielle und andere Abwässer sowie eingeschwemmte Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel stark verschmutzt, wodurch seine Nahrungsgrundlage beeinträchtigt wurde.
1985 wurde der Rosapelikan darum als gefährdete Zugvogelart auf die Liste des 1983 in Kraft getretenen, vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) getragenen «Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten» («Bonner Konvention») gesetzt. Das Übereinkommen verpflichtet die knapp 90 Vertragsstaaten, Massnahmen zum Schutz der rund 1200 erfassten Tierarten in ihrem ganzen Verbreitungsgebiet einschliesslich der Wanderungsbereiche zu treffen.
In der Ukraine, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, war der Rosapelikan einst ein häufiger Brutvogel gewesen. 1907 erloschen jedoch seine letzten Brutvorkommen in dem am Schwarzen Meer liegenden Land. Erfreulicherweise kehrten ab der Mitte der 1980er-Jahre einzelne Rosapelikantrupps zeitweilig in die Ukraine zurück. 1995 fand der erste Brutversuch statt, und zwar im 875 Quadratkilometer grossen Schwarzmeer-Biosphärenreservat. Seither schreiten die Rosapelikane hier - hauptsächlich auf der im Dnjepr-Mündungsdelta gelegenen Orlov-Insel - alljährlich zur Brut. Die Gesamtzahl der brütenden Paare schwankt je nach Jahr zwischen 5 und etwa 350.
Leider sieht die Zukunft der Rosapelikane in der Ukraine nicht unbedingt rosig aus. Von den vielen Faktoren, welche hierzu beitragen, seien die bedeutsameren kurz angesprochen: Zum einen haben die Pelikanlebensräume durch die vielfältigen Machenschaften des Menschen beträchtliche Schäden erlitten. Insbesondere ist die Nahrungsgrundlage wegen massiver Überfischung mager und zudem wegen der allgemeinen Gewässerverschmutzung gesundheitlich bedenklich. Zum anderen ist der Vollzug der Schutzgesetze ungenügend, weshalb die Vögel weiterhin durch Fischer erlegt und ihre Nester zerstört werden. In jüngerer Zeit kommen noch erhebliche Störungen der Rosapelikane an ihren Brutplätzen durch Vogelliebhaber, Tierfotografen und andere Touristen dazu. Die Vögel reagieren hierauf sehr empfindlich: Schon beim geringsten Anzeichen einer möglichen Gefahr flüchten sie, und bei wiederholter Beunruhigung lassen sie oftmals ihren Nachwuchs im Stich. Der wirksame Schutz der eindrucksvollen Vögel vor der Verfolgung durch Fischer und vor Störungen durch Touristen sind dringend erforderliche erste Massnahmen zur Sicherung der fragilen Brutbestände in der Ukraine.
Legenden
Der Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) weist gewöhnlich eine Körperlänge von 160 bis 180 Zentimeter, eine Schnabellänge von 35 bis 45 Zentimeter und ein Gewicht von 8 bis 12 Kilogramm auf, wobei die Männchen im Durchschnitt deutlich grösser sind als die Weibchen. Die Farbintensität der Gesichtshaut verstärkt sich während der Balzzeit und signalisiert dem Partner die Bereitschaft zur Fortpflanzung.
Das Brutareal des Rosapelikans erstreckt sich vom Südosten Europas bis nach Kasachstan in Zentralasien und bis nach Indien, Bangladesch und Burma in Südasien. Ausserdem umfasst es die meisten Bereiche Afrikas südlich der Sahara. Während die Bestände in Afrika und in Südasien als stabil gelten, sind diejenigen im klimatisch gemässigten Eurasien stark geschrumpft und umfassen nur noch geschätzte 6700 bis 11 000 Brutpaare in 23 bis 25 weit verstreuten Gebieten.
Rosapelikane sind sehr gesellige Vögel: Sie gehen in Gruppen auf Fischfang, schreiten in Kolonien zur Brut und fliegen gern im Verband umher. Im Flug biegen sie wie die Reiher den Hals s-förmig zurück, so dass der Kopf mit dem langen, schweren Schnabel zwischen den Schultern auf dem Hals aufliegt und von diesem gestützt wird.
Wie alle seine Vettern ist der Rosapelikan gekennzeichnet durch einen ausserordentlich langen, mit einem elastischen Kehlsack versehenen Schnabel. Dieser Kehlsack, dessen Fassungsvermögen bei den grossen Arten mehr als zehn Liter beträgt, wird beim Fischfang als Kescher eingesetzt. Das Bild zeigt ein jugendliches Individuum.
Die jungen Rosapelikane werden von beiden Eltern betreut. Etwa ab dem siebten Lebenstag werden sie von diesen nicht mehr aktiv gefüttert, sondern sie strecken ihren Kopf tief in den Kehlsack der Altvögel und bedienen sich dort selbst an den mitgebrachten kleinen Fischen.
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