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Area 51 – geheimnisvoller kann ein Ort kaum sein, vielleicht abgesehen von den Geheimarchiven des Vatikans. Lange weigerte sich die US-Regierung sogar, die Existenz des militärischen Sperrgebiets im US-Staat Nevada zu bestätigen. Das machte die Area 51 zu einem Mekka der UFO-Gläubigen und Brennpunkt zahlreicher Verschwörungstheorien.
Am 20. September aber soll der Schleier endlich gelüftet werden. An diesem Tag wollen Hunderttausende die Area 51 stürmen – zumindest wenn man den Zusagen auf der Facebookseite «Storm Area 51, They Can't Stop All of Us» vertrauen will. Es handelt sich zwar um einen eindeutig satirischen Post, doch unter den mittlerweile zwei Millionen Leuten, die zugesagt haben, gibt es womöglich einige, die den Aufruf sehr ernst nehmen.
Deshalb hier 10 Fakten über das geheimnisvolle Gelände, bevor es gestürmt wird:
Jahrzehntelang verleugnete die US-Regierung die Existenz des ominösen Testgeländes; auf Landkarten wurde es als «nicht vermessen» eingezeichnet. Doch im Juni 2013 gab der amerikanische Geheimdienst CIA Dokumente frei, in denen unter anderem eine Landkarte den Standort der Sperrzone unter der Bezeichnung «Area 51» zeigte.
Dieser Name, der von Gebietseinteilungen auf alten Karten stammt, ist allerdings nicht offiziell; die Behörden nennen das Gelände «Homey Airport» – oder «Groom Lake Air Force Base», nach dem gleichnamigen ausgetrocknete Salzsee in der Sperrzone. Eine weitere inoffizielle Bezeichnung ist «Dreamland», so lautet der Funkruf zwischen dem Tower und dort fliegenden Militärjets.
Die Freigabe der Dokumente erfolgte als Antwort auf eine Anfrage des Wissenschaftlers Jeffrey T. Richelson vom National Security Archive der George Washington University. Richelson hatte seine Anfrage bereits 2005 eingereicht und berief sich dabei auf den Freedom of Information Act, der es jedem erlaubt, Zugang zu Dokumenten von Behörden zu verlangen. Das Pentagon erklärte, die Area 51 sei ein Testgebiet für Technologien und Waffensysteme. Zugleich bestätigte das Verteidigungsministerium, dass dort zum Teil besondere Aktivitäten stattfänden, die jedoch Verschlusssache seien.
Die rund 100 km2 grosse Area 51 liegt etwa 110 Kilometer nordwestlich der Wüstenmetropole Las Vegas. Sie ist nur ein kleiner Teil des riesigen Militärgebiets Nellis Range, eines Übungsgeländes der US-Luftwaffe in der Mojave-Wüste. Nellis Range ist mit 31'000 km2 drei Viertel so gross wie die Schweiz. Ihr östlicher Teil ist lediglich für den zivilen Luftverkehr eingeschränkt, der westliche – westlich des Highway 93 – ist indes militärische Sperrzone. Hier befinden sich neben der Area 51 weitere Testgelände wie die Tonopah Test Range oder die Nevada Test Site.
Innerhalb dieser Sperrzone ist die Area 51 eine Art Hochsicherheitsgebiet – vermutlich eine der am besten gesicherten Zonen in der westlichen Welt. Die Area 51 ist selbst für militärische Flüge gesperrt: Piloten, die über der Ellis Range Testflüge absolvieren und sich über die Area 51 verirren, müssen mit disziplinarischen Massnahmen rechnen. Wer sich dem Gelände auf dem Boden nähert, wird bereits vor der Grenze überwacht – magnetische Sensoren auf den Strassen, Bewegungsmelder, Kameras und sogar Sensoren, die auf Ausdünstungen wie Schweiss reagieren, melden jede Annäherung.
Einen Zaun um das Sperrgebiet gibt es dagegen nicht; die Grenze ist lediglich mit Warnschildern markiert. Um Neugierigen den Blick auf das Areal zu verwehren, wurde das Sperrgebiet in den 90er-Jahren auf die umliegenden Berge ausgedehnt. Das Sicherheitspersonal – «Cammo dudes» genannt – besteht aus Mitarbeitern einer privaten Security-Firma. Oft handelt es sich um ehemalige Angehörige einer Spezialeinheit wie den Navy Seals.
Südwestlich des Groom Lake erstreckt sich die Nevada Test Site, auf der von 1951 bis 1962 über hundert oberirdische Atombombentests durchgeführt wurden, viele davon auf der Yucca Flat, die sich relativ nahe an der Area 51 befindet. Auch später – bis zum Atomtest-Moratorium 1992 – wurden dort noch zahllose Tests, wenn auch unterirdisch, durchgeführt.
Dieses nukleare Bombardement sorgte einerseits dafür, dass Neugierige abgeschreckt wurden. Andererseits musste die Area 51 deswegen auch oft evakuiert werden, denn nach einigen Tests ging bei ungünstigem Wind radioaktiver Fallout über dem Gelände nieder. Die Basis in der Area 51 war deshalb ursprünglich nur als temporäre Einrichtung gedacht.
Bis 1954 führten die USA Testflüge neuer Flugzeugtypen auf der Wright-Patterson Air Force Base bei Dayton im US-Staat Ohio durch. Als jedoch nach einem Testflug einer im Koreakrieg erbeuteten sowjetischen Jak 23 ein Junge anrief und fragte, warum hier ein sowjetischer Jet herumfliege, begann man nach einem diskreteren Standort zu suchen. Die Wahl fiel auf einen ausgetrockneten Salzsee in der Mojave-Wüste, der im Zweiten Weltkrieg als Bomben- und Artillerieschiessplatz gedient hatte – Groom Lake.
Auf dem topfebenen Groom Lake konnten lange Landebahnen angelegt werden; die längste davon ist über sieben Kilometer lang. Das erste der hier getesteten Black Projects – das sind streng geheime Rüstungsprojekte – war das U-2-Spionageflugzeug der Lockheed Advanced Development Projects Unit (die oft «Skunk Works» genannt wird). Noch vor dem Ende des U-2-Projekts begann 1961 die Entwicklung des Nachfolge-Typs A-12, der dreifache Schallgeschwindigkeit erreichte und später als SR-71 Blackbird eingesetzt wurde. Dieses Projekt lief unter der Bezeichnung «Oxcart».
Weitere Black Projects waren unter anderem das Have-Blue-Projekt, aus dem später der Stealth Bomber F-117 hervorging, Northrop Tacit Blue, ein Versuchsflugzeug, das schliesslich zum Tarnkappenbomber B-2 Spirit führte, und die Entwicklung des F-22 Raptor.
Ab 1967 testete die US-Luftwaffe auch Beuteflugzeuge sowjetischer Provenienz, die meistens aus dem Arsenal von Staaten stammten, die sowjetische Rüstungsgüter erhalten hatten. Dabei verfolgten die Amerikaner zwei Ziele: Zum einen versuchte man, über das sogenannte «Reverse Engineering» die technischen Eigenschaften der feindlichen Waffensysteme zu rekonstruieren und die Erkenntnisse daraus für die Entwicklung eigener Systeme zu nutzen.
Zum andern verwendete man die Beutestücke, um die Piloten im Kampf gegen diese Modelle – vornehmlich die MiG-21, die MiG-17 und die MiG-23 – zu trainieren. Die US-Luftwaffe bildete eigens zu diesem Zweck eine Staffel aus sowjetischen Kampfjets und veranstaltete Luftkämpfe gegen US-Modelle – schliesslich begegneten die US-Piloten im Vietnamkrieg zahlreichen Flugzeugen, die Nordvietnam von der Sowjetunion erhalten hatte.
Neben Flugzeugen wurden in der Area 51 auch andere sowjetische Waffensysteme erprobt, so Panzer oder Radaranlagen. Gerüchtehalber sollen dort bis heute russische Modelle wie die SU27 getestet werden.
Der Auftritt war der endgültige Beweis, auf den die Gemeinschaft der UFO-Gläubigen sehnsüchtig gewartet hatte: Im Mai 1989 trat in Las Vegas ein angeblicher Ex-Mitarbeiter aus der Area 51 anonym in einem Live-Interview des regionalen TV-Senders KLAS-TV auf. Er nannte sich Dennis und behauptete, es gebe in der Area 51 «neun fliegende Untertassen ausserirdischen Ursprungs». Später erschien der Mann unter seinem richtigen Namen Robert «Bob» Lazar in weiteren TV-Sendungen und erzählte, er sei als Physiker am Reverse Engineering der UFOs beteiligt gewesen. So habe er den Auftrag gehabt, den Anti-Materie-Antrieb des extraterrestrischen Flugapparats zu analysieren und nachzubauen.
Lazar gab ferner zum Besten, es habe in der Area 51 Testflüge mit den Flugscheiben gegeben. Überdies behauptete er, die US-Regierung habe schon seit Beginn der 70er-Jahre Kontakt zu Aliens, deren Äusseres er klischeekonform beschrieb: Die Ausserirdischen hätten grosse Köpfe und Augen, jedoch sehr kleine Nasen und Münder.
Lazars Bekenntnis befeuerte die bereits seit den 50er-Jahren kursierenden Gerüchte über UFOs und brachte sie erstmals mit der Area 51 in Zusammenhang, die zuvor kaum mediale Aufmerksamkeit genossen hatte. Jetzt aber rückte das geheime Testgelände in den Mittelpunkt der UFO-Spekulationen. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass Lazar keinen Beleg für seine behauptete akademische Ausbildung vorlegen konnte und seine Erklärungen zum angeblichen UFO-Antrieb zeigten, dass er fundamentale physikalische Theorien nicht kannte.
Nach Lazars «Enthüllung» entwickelte sich die Area 51 schnell zum Angelpunkt diverser Verschwörungstheorien. Zunächst drehten sich diese – den Behauptungen Lazars entsprechend – vornehmlich um UFOs und Ausserirdische. Die Area 51 dient demzufolge als Lagerplatz für abgestürzte extraterrestrische Raumschiffe, wobei gern ein Bezug zum mysteriösen Roswell-Zwischenfall 1946 hergestellt wird, dem wohl bekanntesten UFO-Vorfall überhaupt. Neben den UFOs sollen auch die ausserirdischen Besatzungen dort untersucht werden.
Mit der Zeit wurden auch andere Verschwörungstheorien mit der Area 51 in Verbindung gebracht. So sollen die USA dort streng geheime Energiewaffen für das Star-Wars-Projekt (SDI) entwickelt haben oder Experimente zur Kontrolle des Wetters durchführen. Eine weiterer, äusserst populärer Komplex von Verschwörungstheorien, die mit dem Sperrgebiet in Zusammenhang gebracht werden, bezieht sich auf die Mondlandung. Sie soll dort in geheimen Studios gefilmt worden sein.
Selbstverständlich dürfen auch welterklärende Theorien nicht fehlen, in denen Geheimbünde wie die Illuminaten am selbstredend finsteren Werk sind. Dass die Illuminaten mit der Area 51 zu tun haben müssen, ergibt sich für die Adepten dieser Theorie nur schon aus dem Umstand, dass der Geheimbund mit der Zahl 23 assoziiert wird – und 23+23+2+3 ergibt ja 51.
UFO-Sichtungen gab es schon lange vor der Inbetriebnahme der Basis in der Area 51. Nachdem dort aber 1955 die Erprobung des geheimen Spionageflugzeugs U-2 begonnen hatte, nahmen die Meldungen deutlich zu. Die U-2 erreichte nämlich extreme Flughöhen von 18 Kilometern und mehr, während Passagierflugzeuge damals in Höhen zwischen drei und sechs Kilometern flogen. Auch Bomber der US-Luftwaffe blieben unter zwölf Kilometern.
Meldungen häuften sich besonders am frühen Abend. Dann kam es vor, dass eine hoch oben fliegende U-2 noch von der Sonne angestrahlt wurde und das Licht reflektierte, während in tieferen Lagen bereits Dunkelheit herrschte. Diese Lichtreflexe sahen für weiter unten fliegende Piloten wie feurige Objekte aus. Diese gingen zudem davon aus, dass in solchen Höhen kein Flugzeug fliegen konnte, was die Erscheinungen rätselhaft machte.
Auch Testflüge des Nachfolgeprojekts, der A-12, führten zu UFO-Meldungen. Der elegante, extrem schnelle Jet mit den ungewöhnlichen Formen erschien manchen, die einen Blick darauf erhaschen konnten, wie eine extraterrestrische Maschine. Die US-Luftwaffe sammelte die UFO-Berichte, konnte aber den wahren Grund nicht nennen, da die Projekte streng geheim waren. Daher erklärte man die Vorfälle im Rahmen der Operation «Blue Book» – längst nicht immer erfolgreich – damit, es handle sich um «natürliche Phänomene» oder «Höhenwetterforschung».
Obwohl es nahezu unmöglich ist, als Normalsterblicher in die Area 51 einzudringen, hat sich der mysteriöse Sperrbezirk zu einer Touristenattraktion entwickelt. Die Neugierigen, Ufologen und Verschwörungstheoretiker pilgern vorzugsweise zur kleinen Ortschaft Rachel, die sich einige Kilometer nördlich der Nellis Range befindet. Es ist die nächstgelegene zivile Siedlung ausserhalb der Area 51. Rachel liegt an der Route 375, die mittlerweile besser als «Extraterrestrial Highway» bekannt ist – die Höchstgeschwindigkeit ist dort passend mit Warp 7 angegeben.
Das Restaurant «Little A'Le'Inn» lockt Touristen mit Bildern von UFO-Sichtungen an den Wänden und einschlägiger Lektüre. Doch nicht nur die Gastronomie in Rachel nutzt die Prominenz des nahen Sperrgeländes: Auch in Amargosa Valley südöstlich der Ellis Range gibt es eine Gastwirtschaft mit Alien-Flair. Im «Area 51 Alien Travel Center» gibt es Leckereien mit dem gewissen ausserirdischen Etwas.
Selbstverständlich hat sich auch Hollywood des Themas angenommen: In mehreren Filmen kommt das Sperrgebiet vor oder es gibt Anspielungen darauf. Hier einige wenige Beispiele:
Google hat in seinem Online-Dienst Street View eine diskrete Hommage an die Area 51 versteckt. Zieht man das kleine gelbe Männchen unten rechts («Pegman») auf die Karte, verwandelt es sich über dem Gebiet der Area 51 in ein kleines UFO: