Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03587.jsonl.gz/1263

Schleif-
und
Wetzsteine. Der formelle Unterschied zwischen beiden besteht darin, daß die erstern als
Scheiben auf Axen gesteckt sind
und beim Gebrauch in Umlauf gesetzt, die andern meistens mit der Hand geführt werden.
Die
Umlaufsteine werden sowohl aus weißem, als aus grauem
Sandstein gehauen; es kommt bei ihnen nicht, wie bei
Mühlsteinen, auf
große Härte an; sie dürfen vielmehr nur mäßig hart, müssen aber in ihrer Masse sehr gleichartig,
feinkörnig
und frei von härtern Einschlüssen sein. Es finden sich auch viel mehr Brüche für gute S. als für
Mühlsteine
in fast allen Gegenden. In Sachsen ist es der Pirnaer
Sandstein, aus dem solche Steine in Menge gefertigt werden. Böhmen
liefert deren ebenfalls viele, ebenso Thüringen, Bayern, Württemberg u. a.
Der Detailhandel mit S. bildet öfter einen Nebenzweig der Seiler. Außer dem gewöhnlichen Gebrauch der S. dienen solche
in sehr großem Format
und von Dampfkraft getrieben neuerdings auch als ein wichtiges Werkzeug in Maschinenfabriken zur Überarbeitung
großer Eisenkörper
und es wird damit eine Menge Arbeit des Feilens, Hobelns u.
dgl. erspart. -
Wetzsteine im engern Sinne sind diejenigen, welche zum trocknen
Schärfen von Sensen, Sicheln, Strohmessern dienen
und hierzu eine besondere, nach beiden Enden verjüngt zulaufende Form
erhalten haben.
Sie sind bekanntlich ein häufiger Artikel des Hausierhandels. Die Krainer namentlich tragen sie weit umher, ohne sie
gerade immer von Hause zu bringen. Eine große Produktion solcher Steine besteht zu Unterammergau in Bayern; die dortigen
Brüche werden schon über 300 Jahre lang betrieben
und es werden jährl. an 80000 Stck. gefertigt.
Steiermark und Böhmen liefern dergleichen Steine ebenfalls. Ihre Masse ist meist blauer oder grauer Thonschiefer, zum
Teil auch Kieselschiefer. - Eine andre Sorte von
Wetzsteinen zum nassen Abziehen feinerer Schneidwerkzeuge (mit Wasser oder
Öl) heißen gewöhnlich Wetzschalen oder Streichschalen, ihre Form ist eine länglich grade, und der Masse nach bestehen
sie meist aus dem Mineral, das in der Gesteinkunde speziell Wetzschiefer heißt, eine Thonschiefermasse von Kieselsäure
durchdrungen, daher bedeutend hart, von Farbe hell- oder grünlichgrau, im gemeinen Thonschiefer schmale Zonen bildend.
Steine der Art finden sich bei Sonneberg und Saalfeld in Thüringen, Lerbach und andern Orten am
Harz, in Sachsen (grüner
Ölstein), in den Ardennen etc. Diese Steine bestehen meist aus zwei Lagern, der obern brauchbaren
und einer Unterlage von gewöhnlichem dunkelm Thonschiefer. Es können diese Doubletten infolge der Lagerung wohl zuweilen
aus dem Ganzen gebrochen werden, sie sind aber meistens zusammengekittet. Eine Sorte, die früher mehr als jetzt gesucht
war, da sie durch andres ersetzt werden kann, sind die levantischen Ölsteine, eine graubraune von Kieselsäure
durchdrungene Abart von Dolomit. Diese Steine kommen in Blöcken nach Marseille, wo sie erst gespalten und bearbeitet werden.
Arkansasschalen aus Nordamerika sind ebenfalls sehr gute Ölsteine, zum
Schleifen der feinsten Messerwaren geeignet. Sie
sind weißlich, unglasiertem
Porzellan ähnlich und bestehen aus einer Art
Chalcedon. - Für die eigentlichen
Schleif- oder
Drehsteine werden nicht selten künstliche Surrogate
¶
mehr
in verschiedner Art hergestellt, z. B. so, daß man gemahlenen feinkörnigen Sandstein mit Thon mengt und die Masse formt und
brennt, oder daß man scharfe Pulver wie Sand, Bimsstein, Schmirgel, gestoßenes Glas mit einem Bindemittel wie Wasserglas, Kautschukmasse,
Schellack oder Magnesiazement zu einem Ganzen vereinigt. Am meisten scheint man sich hierzu des Schmirgels
in Verbindung mit Schellack zu bedienen; die hieraus gefertigten
Schleifscheiben greifen selbst Stahl und Glas sehr gut an.
- Zoll: S. aller Art außer Verbindung mit andern Materialien sind zollfrei. Mit Holz oder Eisen ohne Politur oder Lack verbunden
Nr. 33 d 1, mit andern Materialien verbunden gem.
Tarif im Anh. Nr. 33 d 2.