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Pünktlich um 10 Uhr fahren wir mit Willi zur Rezeption, wo unser Guide schon auf uns wartet. Es ist ein älterer Herr der Deutsch spricht, auch wenn man nicht alles so wirklich versteht was er sagt und er versteht auch nicht immer was wir sagen. Vielleicht hat es ja auch mit den fehlenden Zähnen zu tun, dass die Aussprache etwas undeutlich ist. Auf jeden Fall erzählt er uns, dass er Lehrer gewesen sei, an der Universität von Fès. Aber jetzt züchte er Pilze um sie dann an Hotels und Restaurants zu verkaufen und sonst ist er noch staatlich anerkannter Fès-Touristenführer. Auf der Fahrt durch die Neustadt, Richtung Altstadt, erzählt er uns, dass Fès die zweitgrösste Stadt von Marokko sei nach Casablanca, aber selbstverständlich sehr viel schöner und besser.
Zuerst fahren wir zum Palast, oder besser zur Palast-Mauer mit dem prächtigen Haupttor.
Hier soll der König einmal im Jahr die lange Allee zur Moschee abschreiten um zu beten und das ganze Volk stehe dann an der Seite um Ihren König zu sehen. Dies beschreibt er uns so ehrfurchtvoll, dass man es sich bildlich vorstellen kann.
Dann gehen wir weiter ins alte Juden-Viertel, wo er uns einlädt auf eine frittierte Mehlspeise die, wie er bemängelt, auch besser gemacht sein könnte. Wir gehen also mit diesem sauheissen (in einem muslimischen Land vielleicht besser schafheissen) Teil in der Hand durch die Gassen, bis wir zu einem kleinen Kaffee und Teehaus kommen, da verlangt er Teller und Servietten um die heisse Backware abzustellen. Er bestellt noch drei Kaffee mit Milch und Zucker. Doch bis die zubereitet sind, machen wir uns noch auf einen Ausflug zum alten Friedhof der Juden. Er erklärt uns, dass es nie Probleme zwischen Juden und Muslimen gegeben habe, aber als der Staat Israel gegründet wurde, seien fremde Juden gekommen und hätten den einheimischen Juden Angst gemacht, dass es hier nicht sicher sei und sie nach Israel immigrieren sollen, da sie nur da sicher seien.
Als alle gegangen sind, hätte man gesagt, dass sie in Fès in einem Ghetto gelebt hätten, unter übelsten Bedingungen, was aber nicht der Wahrheit entsprochen habe. So zeigt er uns auch ein Haus, das leider am Zerfallen ist, man kann aber den Luxus und den Prunk immer noch gut an den Mosaiken und Holzschnitzereien erkennen.
Sehr beeindruckend, das müssen wir zugeben.
Das Haus ist immer noch im Besitz der jüdischen Familie, die schon seit vielen Jahren nicht mehr hier wohnt und so zerfällt es immer mehr und niemand kann es benutzen oder restaurieren wie so viele im Quartier. Einige Häuser wurden an die Araber verkauft, die nun im Juden-Viertel wohnen. Zurück in dem Teehaus ist unser Kaffee schon fast fertig und was Moni freut, findet Oliver nur halb so gut. Der Kaffee ist so süss, dass Oliver seinen Kaffee freiwillig an Moni abtritt.
Wir fahren auf eine kleine Anhöhe unter einem grossen Hotel, von wo man die ganze Stadt überblicken kann. An den Hängen sind überall gegerbte und gefärbte Tierhäute zusehen, die zum Trocknen an der Sonne ausgelegt sind.
Wir fahren auf eine kleine Anhöhe unter einem grossen Hotel, von wo man die ganze Stadt überblicken kann. An den Hängen sind überall gegerbte und gefärbte Tierhäute zusehen, die zum Trocknen an der Sonne ausgelegt sind.
Leider wissen wir die Wörter nicht mehr, doch er hat uns ausführlich erklärt wie das Wort gerben aus dem Arabischen ins Deutsche kam.
Nach dieser Lektion fahren wir weiter zu einem bewachten Parkplatz auf dem wir unseren Willi und Laila zurücklassen um die Medina zu besichtigen. Dieser alte Mann legt jedoch ein Tempo vor, durch die engen Gassen und den vielen Leuten, dass es für uns schwer wird mitzuhalten und trotzdem noch ein paar Sachen zu fotografieren und anzuschauen.
Immer wieder muss er auf uns warten, was aber kein Problem ist, da er jeden in der Stadt kennt und immer wieder kommen junge Leute um ihm die Hand zu schütteln und ein paar Worte zu wechseln. Auch sein Telefon ist im Dauer-Einsatz so, dass Oliver zugeben muss, dass Moni da nicht mithalten kann und fast schon Telefon-Abstinent lebt. Interessanter Weise hat er all seine Sachen in der Kapuze seines Mantels gelagert, vom Geld bis zum Telefon wird alles da reingeworfen.
Er erzählt uns viel über die hohe Kultur der Araber und die Medizin, bis zu den vielen Gelehrten, die den Koran studieren und zum Teil Jahrzehnte am Studieren sind. Auch die vielen Karawansereien und die vielen verschiedenen Märkte, je nach Handwerk und Karawanserei.
Interessant war auch die verschiedenen Höhen der Verkaufsläden, das heisst, ein Laden, den die Leute zu Fuss besuchten war etwas tiefer oder ebenerdig. Läden, die mit den Eseln besucht werden etwas höher und die mit den Kamelen noch höher, sodass jeder optimal bedient werden konnte. Da wir das nicht gleich begriffen haben, brachte er das Beispiel mit dem Mac Donalds, der ja auch die Ausgabe weiter unten hat damit man den Autofahrer optimal bedienen kann.
Leider durften wir die grosse Moschee mitten in der Medina nicht besuchen, es blieb uns nur durch die verschiedenen Eingangstore ein paar Fotos zu machen. Ach ja in Fès gibt es über 160 Moscheen, von riesen gross bis sehr klein.
Um halb eins fragt er uns, ob wir Mittag essen möchten, was wir nach diesem Marathon auch bejahen um endlich das Tempo zu drosseln. Er führt uns durch kleine, verwinkelte Gassen zu einem kleinen Restaurant, das wir niemals ohne ihn gefunden hätten. Hier könnten wir essen gehen, er würde uns dann wieder abholen. Oliver meint, wir würden ihn gerne einladen, ob er mitkommen wolle. Er strahlt und geht so gleich ins Restaurant. Trotz seines fehlenden linken Unterarms ist er sehr geschickt beim Essen, selbst die Früchte schälen stellen kein Problem für ihn dar. Das Essen ist sehr gut und die 530 DRH sicherlich angemessen. Aber irgendwie ist es schon komisch, wenn der Führer für fast einen ganzen Tag 200 DHR bekommt und sein Essen alleine schon 150 DHR kostet.
Danach geht es im gleichen Tempo weiter. Für uns, nach diesem feinen Essen, leider in das falsche Viertel. Das Metzgerviertel.
Ein echter Kamelkopf wirbt für Kamelfleisch, Geissenköpfe, aufgereiht wie die berühmten Zwiebelzöpfe von Bern werben für Geissenfleisch, noch lebende Hühner in Käfigen über dem Metzgertresen, wo sie dann frisch geschlachtet werden, wo aber auch der Kot vom Käfig runterfällt, der Geruch von Blut und Fleisch, überall Katzen, die darauf warten etwas ab zu bekommen, zum Teil auch auf den Verkaufstresen. Für uns ziemlich gewöhnungsbedürftig. Also bitte weiter. Aber nein, jetzt kommt zuerst noch, in mitten der Medina, die Leder-Kooperative, von wo wir in den Hinterhof der Gerberei sehen und vor allem riechen. Sei bloss froh, dass diese Bilder geruchsfrei sind.
Dann geht es noch in die Teppich Manufaktur, mit super Aussicht auf dem Dach und Teppichknüpfen für Moni.
Nun muss Oliver eingreifen und ihm sagen, dass es für uns nach über 6 Stunden Zeit ist zu Laila zurückzugehen um nach ihr zu sehen. Er will uns aber unbedingt noch die Seiden- Weberei zeigen, dass müsse sein, sonst könnten wir nicht sagen, dass wir in Fès gewesen sind. Also gut wir gehen noch in eine Seiden-Weberei, um uns erklären zu lassen wie sie aus Seide (nicht Raupen Seide sondern Pflanzen Seide) Stoffe weben.
Nun ist aber gut und wir machen uns auf, quer durch die Medina zurück zu Willi und Laila. Kaum sitzen wir im Willi meint er, jetzt fahren wir aber noch in eine Töpferei, das müsst ihr unbedingt noch sehen. Eigentlich sind wir so kaputt und langsam reicht es uns wirklich, aber gut wir fahren zur Töpferei. Wirklich, das hat sich gelohnt, ein Mann aus der Töpferei spricht gut Deutsch und führt uns durch alle Produktionsstufen, vom Lehm wässern, was einige Tage dauert, über das Formen, zum Bemalen und schliesslich brennen, was wieder mehrere Tage dauert. Danach zeigt er uns noch die Mosaik Manufaktur. Eine Reihe Männer sitzen neben einander am Boden und bearbeiten kleine Mosaik Stücke mit Hämmerchen und
einer Fussbetriebenen-Schleifmaschine.
Danach geht es weiter in den Showroom, wo man selbstverständlich alles kaufen kann.
Es wird uns versichert, dass sie auch grosse Sachen wie Brunnen und Bänke in die Schweiz senden können, das sei kein Problem.
Nun machen wir uns aber definitiv auf, damit wir weiter Richtung Meknès kommen, da es schon später Nachmittag ist. Unseren Führer setzen wir in der Neustadt an einem von ihm gewünschten Platz ab und machen uns auf den Weg.