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Die Sprachtherapie bzw. Logopädie hat sich die Prävention, Diagnostik und Therapie von Sprach-, Sprech-, Schluck- und Stimmstörungen bei Menschen aller Altersklassen zur Aufgabe gemacht. Somit finden sich unter anderem Kleinkinder, Kinder und Jugendliche, die meist Probleme mit dem Spracherwerb haben, zur logopädischen Behandlung ein. Yvonne Rettenmaier, Logopädin aus Augsburg, bringt dieses Thema näher.
Im Folgenden möchte ich dem Leser ein Bild über die Sprachentwicklungsstörung bei Kindern geben.
Sprachentwicklungsstörungen können bei normalem Hörbefund und normaler Intelligenz alle sprachlichen Bereiche betreffen. Diese Bereiche werden im Folgenden skizziert und dem Leser anhand der sprachlichen Auffälligkeiten, wie sie im Kindesalter auftreten können, erklärt.
Die erste offensichtliche Auffälligkeit kindlicher Sprachstörungen ist der verzögerte Sprachbeginn. In der Logopädie gibt es hierfür ganz klare Normen: Die ersten Wörter produziert das Kind um das erste Lebensjahr. Danach kommt es zu einem langsamen Anstieg auf 50 Wörter. Dieser Wortschatzrichtwert soll spätestens zum 24. Lebensmonat des Kindes erreicht sein. Kinder, die mit 24 Monaten den Wortschatzrichtwert von 50 Wörtern noch nicht erreicht haben, laufen Gefahr, eine Sprachentwicklungsstörung zu entwickeln.
Die sprachliche Ebene, welche bei Sprachentwicklungsstörungen isoliert aber auch in Kombination mit anderen Bereichen betroffen sein kann, sind Probleme mit dem Lauterwerb,sowie dem Erwerb des Lautsystems: Dass Kinder Wörter vereinfachen (Bsp: „Banane“ wird zu „Nane“, „Nationaltheater“ wird zu „Nataltetate“), ist Teil des gesunden Spracherwerbs. Werden diese Prozesse jedoch nicht oder nur mit deutlicher Verzögerung überwunden, spricht die Fachfrau von einer phonologischen Störung. Auch können einzelne oder mehrere Laute vom Kind fehlgebildet, ersetzt oder ausgelassen werden (Dyslalie).
Häufig treten die phonologische Störung und die Dyslalie in Kombination auf. Teilweise verändern Kinder ihre Sprache bis zur Unverständlichkeit mit dem Ergebnis, dass auch vertraute Personen, die regelmäßigen Kontakt zum Kind pflegen, das Kind nicht bzw. nur erschwert verstehen. Selbstverständlich führt dies zu einer deutlichen Frustration auf Seiten der Erwachsenen und auf Seiten des Kindes sowie zu Störungsbewusstsein.
Ebenso kann der Erwerb der Grammatik erschwert sein. Dies bedeutet, dass z. B. die Übereinstimmung von Person und Verb, die korrekte Verwendung der Zeiten, der Präpositionen und vieles mehr inkorrekt erworben werden. Der Wortschatz des Kindes kann eingeschränkt sein. Ihm fehlen die treffenden Ausdrücke, es verwendet bevorzugt Wörter wie „machen“, „tun“, „Dings“. Auch kann es sein, dass das Kind beim Abruf des Wortes am passenden Begriff verbeigreift und z. B. anstelle „Fernseher“ „Radio“ sagt.
Nicht selten ist das Sprachverständnis beeinträchtig. Die Kinder haben Schwierigkeiten die gesprochene Sprache zu verstehen. Aus einem „Der Junge schimpft die Mutter.“ kann z.B. ein „Die Mutter schimpft den Jungen.“ werden, um nur ein Beispiel für Probleme mit dem Sprachverständnis aufzuführen. Welche sprachliche Ebene bei einem Kind zu welchem Schweregrad betroffen ist, variiert von Kind zu Kind. Deshalb ist eine genaue Diagnostik der einzelnen sprachlichen Bereiche zu Beginn einer jeden Therapie vonnöten. Darauf aufbauend findet die individuell gestaltete Sprachtherapie statt.
Letzte Änderung: 23.08.2017