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Auf dieser Seite werden Wörter und Begriffe rund um das Thema "Wahlen & Abstimmungen" in alphabetischer Reihenfolge erklärt und erläutert.
A
Absolutes Mehr
Bei Majorzwahlen die Bezeichnung für die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Bei Majorzwahlen ist im ersten Wahlgang gewählt, wer das absolute Mehr erreicht. Das absolute Mehr wird berechnet, indem die Zahl der gültigen Stimmen durch die Anzahl der zu vergebenden Sitze und dann durch zwei geteilt wird. Das absolute Mehr entspricht der nächsthöheren ganzen Zahl.
Aktives Wahlrecht
Das Recht der Bürgerinnen und Bürger, bei Wahlen ihre Stimme abzugeben. Wahlberechtigt ist, wer stimmberechtigt ist.
Allgemeine Anregung
Eine mögliche Form von Volksinitiativen ist die der "allgemeinen Anregung". Ist das Parlament mit einer Volksinitiative in Form der allgemeinen Anregung einverstanden, arbeitet es eine entsprechende Vorlage aus und bringt sie zur Abstimmung. Lehnt das Parlament die Volksinitiative ab, kommt die Initiative in ihrer Form als allgemeine Anregung zur Abstimmung. Wird die Initiative in dieser Abstimmung angenommen, so hat das Parlament die Volksinitiative umzusetzen.
Ausgearbeiteter Entwurf
Eine mögliche Form von Volksinitiativen ist die des "ausgearbeiteten Entwurfs". Eine Volksinitiative in Form des ausgearbeiteten Entwurfs enthält die vorgeschlagenen rechtlichen Bestimmungen im Wortlaut. Wird die Initiative angenommen, werden diese Bestimmungen direkt ins geltende Recht übernommen, ohne dass das Parlament Einfluss darauf nehmen kann.
Auslandschweizerinnen / Auslandschweizer
Das zentrale wird bei der Staatskanzlei des Kantons Aargau geführt. Hier sind alle stimmberechtigten Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer erfasst, die einer aargauischen Gemeinde zugeordnet sind. Die im Kanton Aargau registrierten Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer üben ihr Stimmrecht elektronisch (siehe ) oder brieflich aus.
Die Anmeldung zur Ausübung des Stimmrechts erfolgt über die jeweilige schweizerische Vertretung im Ausland.
B
Behördenreferendum
Im Kanton Aargau kann ein Viertel der Mitglieder des Grossen Rats, also 35, gegen referendumsfähige Beschlüsse das Behördenreferendum ergreifen. Der Beschluss wird in diesem Fall dem Stimmvolk zur Abstimmung vorgelegt.
Bezirkswahl
D
Doppelter Pukelsheim
Prof. (em.) Dr. Friedrich Pukelsheim ist Professor für Mathematik an der Universität Augsburg, Deutschland. Er ist der Entwickler des nach ihm benannten Wahlsystems "Doppelter Pukelsheim".
Es ist das Verfahren, nach dem bei den Grossratswahlen und bei den Einwohnerratswahlen im Kanton Aargau die Sitze auf die Listen verteilt werden. Folgende Verfahrensschritte kommen zur Anwendung: Mandatszuteilung an die Wahlkreise, Oberzuteilung auf die Listengruppen, Unterzuteilung der Sitze an die Listen und Bezirke.
Die offizielle Bezeichnung des Verfahrens lautet "Doppeltproportionale Divisormethode mit Standardrundung". "Doppeltproportional" deshalb, weil bei der Unterzuteilung zwei Vorgaben erfüllt sein müssen: Jede Listengruppe erhält diejenige Anzahl Sitze, die ihr gesamtkantonal zusteht, und jeder Wahlkreis erhält diejenige Anzahl Mandate, die auf ihn entfällt. Somit ist die verfassungsrechtliche Vorgabe der Erfolgswertgleichheit mit dem Verfahren "Doppelter Pukelsheim" optimal erfüllt.
Der verfassungsmässige Grundsatz der Erfolgswertgleichheit verlangt, dass alle Stimmen im ganzen Wahlgebiet, also in allen Wahlkreisen, genau gleich viel zur Wahl eines Mitglieds des Parlaments beitragen. Es geht also darum, zu verhindern, dass Stimmen "verloren gehen", indem sie an Parteien gehen, die keinen Sitz gewinnen. Das Wahlsystem "Doppelter Pukelsheim" trägt im Vergleich zu allen anderen Wahlsystemen dem Grundsatz der Erfolgswertgleichheit am besten Rechnung.
Doppeltproportionale Divisormethode mit Standardrundung
Siehe Doppelter Pukelsheim.
E
E-Voting
E-Voting bezeichnet die elektronische Stimmabgabe per Internet. Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer des Kantons Aargau konnten anlässlich von Pilotversuchen 2010–2015 diesen Stimmkanal zur Wahrnehmung ihrer politischen Rechte nutzen. Seit September 2017 ist die elektronische Stimmabgabe für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer des Kantons Aargau wieder möglich und es ist geplant, die elektronische Stimmabgabe auch in ersten Aargauer Gemeinden zu erproben.
Einheit der Form
Die Einheit der Form ist eine der Bedingungen für die Gültigkeit von Volksinitiativen. Sie besagt, dass eine Volksinitiative entweder in der Form der allgemeinen Anregung oder in der Form des ausgearbeiteten Entwurfs vorliegen muss, Mischformen sind nicht zulässig.
Einheit der Materie
Die Einheit der Materie ist eine der Bedingungen für die Gültigkeit von Volksinitiativen. Sie besagt, dass eine Volksinitiative sich auf einen sachlich einheitlichen Regelungsbereich beschränken muss. Verschiedene Themen dürfen also nicht in einer einzigen Volksinitiative miteinander verknüpft werden. Dies soll verhindern, dass die Stimmberechtigten in das Dilemma geraten, die Initiative annehmen zu müssen, obwohl sie einen Teil davon ablehnen oder umgekehrt.
Ergänzungswahl
Eine Ergänzungswahl findet statt, wenn im Laufe der Amtsperiode in einer (nach dem Majorzprinzip) gewählten Behörde zusätzliche Stellen geschaffen werden. Diese Stellen werden in einer Ergänzungswahl für den Rest der Amtsperiode besetzt.
Ersatzkandidatin/Ersatzkandidat
Als Ersatzkandidatin/Ersatzkandidat einer Liste wird die Kandidatin/der Kandidat bezeichnet, die/der von den nicht Gewählten die meisten Stimmen erhalten hat. Tritt eine gewählte Kandidatin/ein gewählter Kandidat der Liste während der Amtszeit zurück, nimmt die Ersatzkandidatin/der Ersatzkandidat deren/dessen Platz ein.
Ersatzwahl
Eine Ersatzwahl findet statt, wenn im Laufe der Amtsperiode ein Mitglied einer (nach dem Majorzprinzip) gewählten Behörde aus dem Amt ausscheidet. Die frei werdende Stelle wird in einer Ersatzwahl für den Rest der Amtsperiode besetzt.
F
Fakultatives Referendum
Referendumsfähige Beschlüsse, namentlich Gesetzesvorlagen oder Kreditbeschlüsse, können einer Volksabstimmung unterstellt werden, wenn eine gewisse Anzahl Stimmberechtigte dies innerhalb einer bestimmten Frist verlangt. Im Kanton Aargau werden dafür 3'000 Unterschriften innerhalb von 90 Tagen benötigt, auf Bundesebene 50'000 Unterschriften innerhalb von 100 Tagen.
Im Gegensatz zu obligatorischen Referendumsabstimmungen und Abstimmungen über Volksinitiativen spielt beim fakultativen Referendum auf Bundesebene das Ständemehr keine Rolle.
G
Gegenvorschlag
Die eidgenössische Bundesversammlung bzw. der Grosse Rat können einer Volksinitiative einen Gegenvorschlag gegenüberstellen. Die Stimmberechtigten entscheiden dann sowohl über die Volksinitiative als auch über den Gegenvorschlag.
Wenn bei einer aargauischen Volksinitiative sowohl die Initiativvorlage als auch der Gegenvorschlag eine Mehrheit erreichen, gilt die Initiative als angenommen. Auf Bundesebene ist bei Annahme von Volksinitiative und Gegenvorschlag die Stichfrage entscheidend.
Grossratswahlen
Der Grosse Rat ist das Parlament des Kantons Aargau. Seine 140 Mitglieder werden alle 4 Jahre in einer Proporzwahl nach dem System "Doppelter Pukelsheim" gewählt. Wahlberechtigt sind im Aargau stimmberechtigte Bürgerinnen und Bürger, Wahlkreise sind die Bezirke.
H
Hagenbach-Bischoff
"Hagenbach-Bischoff" (benannt nach dem Schweizer Physiker Eduard Hagenbach-Bischoff) wird ein Verfahren zur Sitzverteilung bei Proporzwahlen bezeichnet. Es kommt bei den Nationalratswahlen zum Einsatz.
Die Sitzzahl einer Liste berechnet sich folgendermassen: Die Stimmenzahl der Liste wird durch die Verteilungszahl geteilt und das Ergebnis abgerundet. Die Verteilungszahl berechnet sich, indem die Gesamtzahl der Parteistimmen durch die um eins erhöhte Zahl der zu vergebenden Mandate geteilt wird. Die nächsthöhere ganze Zahl ist die Verteilungszahl.
Diese Berechnung wird für jede Liste durchgeführt. Mandate, die nach dieser Berechnung nicht verteilt sind, werden Restmandate genannt. Die Restmandate werden einzeln verteilt. Dazu wird die Stimmenzahl jeder Liste durch die Zahl der bereits zugeteilten Mandate plus 1 geteilt. Die Liste mit dem höchsten Ergebnis erhält das Restmandat.
Das Verfahren "Hagenbach-Bischoff" bevorzugt tendenziell grössere Parteien. Um diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken, können die Parteien Listenverbindungen eingehen.
K
Kandidatenstimmen
Die Stimmen, die eine Kandidatin oder ein Kandidat in einer Proporzwahl erhält. Die Wählenden geben jeder Person, die auf dem eingelegten Wahlzettel aufgeführt ist, eine Kandidatenstimme. Die Sitzverteilung innerhalb der Listen erfolgt aufgrund der Zahl der Kandidatenstimmen.
Kumulieren
Bei Proporzwahlen kann der Name eines Kandidaten oder einer Kandidatin zweimal auf dem Wahlzettel eingetragen werden. Bei vorgedruckten Wahlzetteln müssen diese Änderungen handschriftlich erfolgen.
Die kumulierten Kandidatinnen und Kandidaten können somit maximal zwei Kandidatenstimmen erhalten.
Kreiswahl
Im Wahlgebiet der Kreise werden die Friedensrichterinnen und Friedensrichter gewählt. Es handelt sich dabei um Majorzwahlen, wobei eine stille Wahl möglich ist.
L
Liste
Um an einer Proporzwahl teilzunehmen, reichen die Parteien Wahlvorschläge ein. Als Listen werden die von der Staatskanzlei geprüften und bereinigten und damit definitiven Wahlvorschläge bezeichnet. Auf ihrer Liste führt eine Partei auf, welche Kandidatinnen und Kandidaten sie zur Wahl stellt. Für jede Liste erhalten die Stimmberechtigten einen vorgedruckten Wahlzettel. Zur besseren Unterscheidung werden die Listen nummeriert, und zwar absteigend nach der Zahl der Stimmen, die die Partei bei den letzten Wahlen erhalten hat.
Die Listen beziehen sich immer auf einen Wahlkreis. Demnach reicht eine Partei für die Nationalratswahlen im Kanton Aargau eine Liste ein, bei Grossratswahlen ist eine Liste für jeden Bezirk, in dem die Partei antritt, erforderlich.
Listengruppe
Listengruppen gibt es bei Proporzwahlen, deren Ergebnis nach dem Verfahren "Doppelter Pukelsheim" ermittelt wird (im Kanton Aargau die Grossratswahlen). Als Listengruppe bezeichnet man den Zusammenzug der Listen, die die gleiche Bezeichnung tragen, über alle Bezirke hinweg. Die Listen der Partei X aus allen Bezirken bilden somit die Listengruppe X. Die Listengruppen werden für die Oberzuteilung benötigt.
Listenverbindungen
Bei Proporzwahlen, deren Ergebnisse nach dem Verfahren "Hagenbach-Bischoff" ermittelt werden, also Nationalratswahlen, können die Parteien Listenverbindungen eingehen. Bei der Sitzverteilung zwischen den Listen werden die Listenverbindungen zunächst wie eine einzige Liste behandelt.
Kleinere Parteien können durch den Zusammenschluss ihre Aussichten auf einen Sitz verbessern. Die Listenverbindungen sind somit ein Korrektiv zu der tendenziellen Benachteiligung kleinerer Parteien, die das Verfahren Hagenbach-Bischoff mit sich bringt. Die miteinander verbundenen Listen werden bei der Sitzverteilung als Einheit behandelt, womit die Chance eines zusätzlichen (gemeinsamen) Sitzes besteht. In einem zweiten Schritt werden die Sitze dann innerhalb der Listenverbindung wiederum nach dem Verfahren "Hagenbach-Bischoff" auf die einzelnen Listen verteilt.
Beim Verfahren "Doppelter Pukelsheim" wird auf die gesamtkantonalen Listengruppen abgestellt, daher lassen sich Listenverbindungen in den Bezirken nicht mit diesem Verfahren vereinbaren. Sie bieten auch keinen Vorteil mehr, da das System "Doppelter Pukelsheim" dem Grundsatz der Erfolgswertgleichheit Rechnung trägt und kleinere Parteien kaum benachteiligt werden. Daher sind Listenverbindungen bei Wahlen nach dem System "Doppelter Pukelsheim" ausgeschlossen.
Losentscheid
Im Bereich Wahlen gibt es verschiedene Konstellationen, die eine Entscheidung per Los erfordern. Wenn bei einer Proporzwahl mehrere Parteien, die bei den vorigen Wahlen nicht angetreten sind, Listen einreichen, wird über die Nummerierung dieser Listen per Los entschieden. Wenn bei Nationalratswahlen bei der Sitzverteilung innerhalb einer Liste ein Sitz unter mehreren Kandidaten mit gleicher Stimmenzahl verteilt werden muss, wird ein Losentscheid getroffen. In noch selteneren Fällen kann es auch bei der Sitzzuteilung zwischen den Listen zu Losentscheiden kommen. Auch bei Majorzwahlen kann es zu Losentscheiden kommen, falls mehrere Kandidierende gleich viele Stimmen erhalten.
M
Majorzwahl
Als Majorzwahl wird eine Wahl bezeichnet, bei der die zu vergebenden Sitze der Mehrheit zufallen, während die Minderheit – auch wenn sie nur wenig geringer ist – leer ausgeht. Die Regeln der Majorzwahl gelten z.B. bei den Regierungsrats- und Ständeratswahlen sowie für die Bezirks-/Kreis- und Gemeindewahlen. Majorzwahlen haben meist den Charakter einer Personenwahl und stehen damit im Gegensatz zu Proporzwahlen. Im Kanton Aargau sind im ersten Wahlgang Kandidierende mit dem absoluten Mehr gewählt, im zweiten Wahlgang genügt das relative Mehr.
Mandatszuteilung an die Wahlkreise
Jedem Wahlkreis steht aufgrund seiner Bevölkerungszahl eine gewisse Anzahl Mandate zu. Nach dem Verfahren "Doppelter Pukelsheim" wird zur Berechnung der Anzahl Mandate die Anzahl Personen, die in einem Wahlkreis (Bezirk) wohnt, durch den im ganzen Kanton einheitlichen Zuteilungs-Divisor geteilt und zur nächstgelegenen ganzen Zahl gerundet. Das Ergebnis bezeichnet die Zahl der Mandate, die im betreffenden Wahlkreis zu vergeben ist. Der Zuteilungs-Divisor wird so festgelegt, dass so viele Mandate auf die Wahlkreise verteilt werden, wie insgesamt zu vergeben sind.
Mehrheitswahl
Siehe Majorzwahl.
N
Nachmeldefrist
Siehe stille Wahl.
Nationalratswahl
Der Nationalrat ist die grosse Kammer der eidgenössischen Bundesversammlung. Die Wahl seiner 200 Mitglieder wird alle vier Jahre unter der Leitung der Bundeskanzlei von den Kantonen am vorletzten Sonntag im Oktober durchgeführt. Wahlberechtigt ist, wer das Stimmrecht in eidgenössischen Angelegenheiten hat. Gewählt werden können die auf den Listen aufgeführten Kandidatinnen und Kandidaten.
Wahlkreise sind die Kantone. Die 200 Mandate werden der Bevölkerungszahl entsprechend auf die Kantone verteilt, wobei jedem Kanton mindestens ein Mandat zusteht. Der Kanton Aargau darf gegenwärtig 16 Mitglieder entsenden. Seit 1919 finden die Nationalratswahlen in den Kantonen, in denen mehr als ein Mandat zu vergeben ist, nach dem Proporzprinzip statt. Die Sitzverteilung zwischen den Listen erfolgt nach dem System "Hagenbach-Bischoff".
O
Oberzuteilung
Die Oberzuteilung ist ein Schritt des Verfahrens "Doppelter Pukelsheim". Bei der Oberzuteilung werden alle im Wahlgebiet (Kanton) zu verteilenden Sitze auf die Listengruppen (politischen Parteien oder Gruppierungen) verteilt. Zu diesem Zweck werden bei allen Listengruppen die Wählerzahlen ermittelt. Diese werden berechnet, indem man die Parteistimmenzahl der Liste in einem Wahlkreis (Bezirk) durch die Zahl der Sitze, die im betreffenden Wahlkreis zu vergeben ist, teilt. Anschliessend summiert man die Ergebnisse aller Wahlkreise. Diese Wählerzahl wird durch den Kantonswahlschlüssel geteilt und standardmässig gerundet. Das Ergebnis ist die Anzahl der Sitze, die eine Listengruppe im gesamten Wahlgebiet erhält. Der Kantonswahlschlüssel wird so festgelegt, dass genau so viele Sitze auf die Listengruppen verteilt werden, wie insgesamt zu vergeben sind.
Obligatorisches Referendum
Auf Bundesebene unterstehen Verfassungsänderungen und Erlasse vergleichbarer Tragweite dem obligatorischen Referendum. Dies bedeutet, dass sie von Volk und Ständen in einer Volksabstimmung angenommen werden müssen, um Gültigkeit zu erlangen.
Auch im Kanton Aargau unterstehen Änderungen der Kantonsverfassung dem obligatorischen Referendum. Zusätzlich müssen auch Gesetze einer Volksabstimmung unterstellt werden, wenn sie nicht von einer absoluten Mehrheit der Mitglieder des Grossen Rats, also 71, angenommen werden.
P
Panaschieren
Bei Proporzwahlen können die Wählerinnen und Wähler auf einem vorgedruckten Wahlzettel Namen von Kandidatinnen oder Kandidaten streichen und an deren Stelle Namen von anderen Listen desselben Wahlkreises eintragen. Diese Änderungen müssen handschriftlich vorgenommen werden.
Panaschieren bedeutet nicht nur, der gestrichenen Kandidatin/dem gestrichenen Kandidaten keine Stimme zu geben, sondern auch eine Schwächung der Liste, der die gestrichene Kandidatin/der gestrichene Kandidat angehört, verliert diese Liste doch Stimmen an die Liste der panaschierten Kandidatin/des panaschierten Kandidaten.
Parteistimme
Die Zahl der Parteistimmen einer Liste ist die Summe aller Kandidatenstimmen dieser Liste plus die Zusatzstimmen dieser Liste. Sie ist massgeblich für die Sitzverteilung zwischen den Listen.
Passives Wahlrecht
Das Recht der mündigen Bürgerinnen und Bürger, bei Wahlen zu kandidieren und gültige Stimmen erhalten zu können. Es ist an das Stimmrecht geknüpft.
Politischer Wohnsitz
Die Gemeinde, in der eine stimmberechtigte Bürgerin/ein stimmberechtigter Bürger ihre/seine politischen Rechte ausübt. Der politische Wohnsitz ist meistens, aber nicht immer, deckungsgleich mit dem zivilrechtlichen und steuerrechtlichen Wohnsitz.
Proporzwahl
Bei Proporzwahlen werden die zu vergebenden Sitze auf die einzelnen Listen im Verhältnis der für sie abgegeben Stimmen verteilt. Proporzwahlen bedingen, dass in einem Wahlkreis mehrere Sitze zu vergeben sind. Die Nationalratswahlen erfolgen seit 1919 als Proporzwahlen. Bei Proporzwahlen spielen Parteien eine massgebliche Rolle. Proporzwahlen haben meist den Charakter einer Parteienwahl und stehen damit im Gegensatz zu Majorzwahlen.
Q
Quorum
Das natürliche Quorum bezeichnet den in einem bestimmten Wahlkreis erforderlichen Stimmenanteil für die Erlangung eines Sitzes. Je weniger Sitze in einem Wahlkreis zu vergeben sind, desto höher ist das natürliche Quorum. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung beträgt das höchste verfassungsrechtlich zulässige Quorum 10 %, andernfalls ist die Erfolgswertgleichheit nicht gewahrt.
Das direkte Quorum bezeichnet einen gesetzlich festgelegten Mindeststimmenanteil, den eine Partei in einer bestimmten Anzahl von Wahlkreisen oder im gesamten Wahlgebiet erreichen muss, um bei der Sitzverteilung berücksichtigt zu werden und so Chancen auf einen Sitz zu haben. Im Gegensatz zum natürlichen Quorum ist das direkte Quorum gesetzlich festgelegt.
Im Kanton Aargau gilt bei Grossratswahlen ein direktes Quorum von 5 % in einem Bezirk oder 3 % im ganzen Kanton.
R
Relatives Mehr
Bei Majorzwahlen hat eine Kandidatin/ein Kandidat das relative Mehr erreicht, sobald auf sie/ihn mehr Stimmen entfallen als auf jede/jeden einzelnen der anderen Kandidierenden. Das relative Mehr ist für die Wahl im zweiten Wahlgang massgeblich.
Restmandat
Siehe Hagenbach-Bischoff.
S
Sitzverteilung zwischen den Listen
Bei der Ermittlung des Ergebnisses von Proporzwahlen wird in einem ersten Schritt für jeden Wahlkreis berechnet, welche Liste wie viele Sitze erhält. Für diese Berechnung gibt es verschiedene Verfahren; bei Grossrats- und Einwohnerratswahlen kommt im Kanton Aargau das Verfahren "Doppelter Pukelsheim" zur Anwendung, bei Nationalratswahlen das Verfahren "Hagenbach-Bischoff". Die Berechnung erfolgt auf Grundlage der Parteistimmen und ist völlig unabhängig von den Kandidatenstimmen.
Sitzverteilung innerhalb der Listen
Nach der Sitzverteilung zwischen den Listen werden die einer Liste zugewiesenen Sitze nach Massgabe der Kandidatenstimmen auf die Kandidatinnen und Kandidaten verteilt. Die Kandidierenden mit den meisten Kandidatenstimmen erhalten die der Liste zugeteilten Sitze und sind somit gewählt.
Ständemehr
Eine eidgenössische Abstimmungsvorlage hat das Ständemehr erreicht, wenn sie in einer Mehrheit der Kantone angenommen wurde. Halbkantone (AI, AR, BL, BS; NW, OW) haben nur eine halbe Standesstimme.
Ständeratswahl
Jeder Kanton (mit Ausnahme der Halbkantone AI, AR, BL, BS, NW, OW) entsendet zwei Abgeordnete in den Ständerat. Für die Wahl der Mitglieder des Ständerats kommt kantonales Recht zur Anwendung. In den meisten Kantonen werden die Ständeräte gleichzeitig mit dem Nationalrat gewählt.
Im Kanton Aargau erfolgt die Wahl der Ständeräte nach dem Majorzprinzip. Da die Wahl nach Aargauer Recht erfolgt, sind im Gegensatz zu den Nationalratswahlen nur im Aargau Stimmberechtige wählbar.
Stichfrage
Wenn die eidgenössische Bundesversammlung einer eidgenössischen Volksinitiative einen Gegenvorschlag gegenüberstellt, wird den Stimmberechtigten bei der Volksabstimmung auch eine Stichfrage gestellt. Falls sowohl die Volksinitiative als auch der Gegenvorschlag angenommen werden, entscheidet die Stichfrage, welche der beiden Vorlagen in Kraft tritt.
Stille Wahl
Falls bei einer Majorzwahl nicht mehr Personen kandidieren, als Sitze zu vergeben sind, wird eine Nachmeldefrist von 5 Tagen angesetzt. Innerhalb dieser Nachmeldefrist können sich weitere Kandidierende zur Wahl vorschlagen lassen.
Wenn nach Ablauf der Nachmeldefrist weniger oder gleich viele Kandidierende zur Wahl stehen, als Sitze zu vergeben sind, kommt es zu einer stillen Wahl. Die Kandidierenden werden dann als gewählt erklärt, ohne dass es zu einem Urnengang kommt. Stille Wahlen sind für die Wahl in den Ständerat, Regierungsrat und Gemeinderat ausgeschlossen. Für diese drei Ämter ist ein Urnengang im ersten Wahlgang vom Gesetz vorgeschrieben.
Stimmrecht
Das Stimmrecht nach Artikel 136 der Bundesverfassung – stimm- und wahlberechtigt sind alle Schweizerinnen und Schweizer, die das 18. Altersjahr zurückgelegt haben – ist das Recht, an eidgenössischen und kantonalen Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen sowie Referenden und Volksinitiativen zu unterzeichnen. Vom Stimmrecht ist ausgeschlossen, wer wegen Geisteskrankheit oder Geistesschwäche entmündigt wurde.
Im Kanton Aargau ist das Stimmrecht an die gleichen Bedingungen geknüpft wie auf Bundesebene, zusätzlich muss jedoch der politische Wohnsitz im Kanton Aargau liegen.
Stimmrechtsbescheinigung
Nur Stimmberechtigte können ein fakultatives Referendum oder eine Volksinitiative unterzeichnen. Die Stimmrechtsbescheinigung ist von der Stimmregisterführerin oder vom Stimmregisterführer einer Gemeinde kostenlos direkt auf dem Unterschriftenbogen vorzunehmen und bestätigt, dass die/der Unterzeichnende in der entsprechenden Gemeinde ihren/seinen politischen Wohnsitz hat und somit stimmberechtigt ist.
Streichen
Auf vorgedruckten Wahlzetteln, wie sie bei Proporzwahlen zum Einsatz kommen, dürfen Namen von Hand gestrichen werden. Der Wahlzettel muss aber mindestens eine wählbare Person enthalten. Die nun leere Zeile gilt als Zusatzstimme für die Liste, deren Name auf dem Wahlzettel steht.
U
Ungültige Wahlzettel
Wahlzettel sind ungültig, wenn sie
- keinen Namen einer Kandidatin oder eines Kandidaten (des Wahlkreises) enthalten
- nicht amtlich sind
- anders als handschriftlich ausgefüllt oder geändert sind
- ehrverletzende Äusserungen oder offensichtliche Kennzeichnungen enthalten
- den Willen der stimmenden Person nicht eindeutig erkennen lassen.
Unterlistenverbindung
Unterlistenverbindungen sind Listenverbindungen zweiter Stufe und kommen somit nur beim Verfahren "Hagenbach-Bischoff" zur Anwendung. Eine Unterlistenverbindung wird bei der Verteilung der Mandate innerhalb einer Listenverbindung zunächst wie eine einzige Liste behandelt. In einem weiteren Schritt werden dann die Sitze, die der Unterlistengruppe zufallen, innerhalb der Unterlistenverbindung auf die Listen verteilt.
Unterlistenverbindungen sind nur gültig zwischen Listen gleicher Bezeichnung, die sich einzig durch einen Zusatz zur Kennzeichnung des Geschlechts, der Flügel einer Gruppierung, der Region oder des Alters unterscheiden.
Unterzuteilung
Die Unterzuteilung ist ein Schritt des Verfahrens "Doppelter Pukelsheim". Nach der Oberzuteilung werden die einer Listengruppe zugewiesenen Sitze auf die einzelnen Listen dieser Listengruppe und somit auf die Wahlkreise verteilt. Zu diesem Zweck wird die Parteistimmenzahl einer Liste durch den betreffenden Listengruppen-Divisor und den entsprechenden Wahlkreis-Divisor geteilt. Damit ist gewährleistet, dass alle Listengruppen und alle Wahlkreise die ihnen zustehende Anzahl Sitze erhalten.
Der Listengruppen-Divisor wird für jede Listengruppe berechnet, der Wahlkreis-Divisor für jeden Wahlkreis. Diese Divisoren werden so berechnet, dass zum einen jede Listengruppe diejenige Anzahl Sitze erhält, die ihr gesamtkantonal zusteht, und zum anderen jeder Wahlkreis die ihm zustehende Anzahl Mandate erhält.
Unvereinbarkeit
Unvereinbarkeit bezeichnet das Verbot für Behördenmitglieder, gleichzeitig einer bestimmten anderen Behörde anzugehören. Das eidgenössische und kantonale Verfassungs- und Gesetzesrecht legt fest, welche Ämter miteinander unvereinbar sind. So dürfen zum Beispiel die Mitglieder des Parlaments, des Bundesrats, des Regierungsrats sowie Richterinnen und Richter nicht gleichzeitig einer anderen dieser Behörden angehören.
Liegt eine Unvereinbarkeit vor, so hat sich die betreffende Person für ein Amt zu entscheiden und kann das andere nicht ausüben.
V
Verhältniswahl
Siehe Proporzwahl.
Volksinitiative
Die politischen Rechte in der Schweiz und im Kanton Aargau umfassen auch das Recht, Volksinitiativen zu unterzeichnen und einzureichen.
Auf Bundesebene gibt es die Volksinitiative auf Teilrevision (Änderung) der Bundesverfassung und die Volksinitiative auf Totalrevision der Verfassung. Für beide Begehren müssen innerhalb einer Frist von 18 Monaten Unterschriften von 100'000 Stimmberechtigten gesammelt und bei der Bundeskanzlei eingereicht werden. Wird diese Anforderung erfüllt, kommt die Initiative zur Abstimmung. Damit eine Volksinitiative auf Bundesebene als angenommen gilt, muss sie von einer Mehrheit der Stimmenden befürwortet werden. Initiativen auf Teilrevision der Bundesverfassung müssen zudem das Ständemehr erreichen.
Der Kanton Aargau kennt die Volksinitiative auf Totalrevision der Kantonsverfassung, und die Volksinitiative auf Erlass, Änderung oder Aufhebung einzelner Verfassungsbestimmungen oder eines Gesetzes. Dafür bedarf es der Unterschriften von 3'000 Stimmberechtigten innerhalb von zwölf Monaten.
Aargauische Volksinitiativen können entweder in Form der allgemeinen Anregung oder in Form des ausgearbeiteten Entwurfs eingereicht werden. Verletzt eine Volksinitiative die Einheit der Form, die Einheit der Materie oder übergeordnete Rechtsnormen, wird sie vom Parlament für ungültig erklärt. Sowohl auf Bundesebene als auch im Kanton Aargau kann das Parlament einer Volksinitiative einen Gegenvorschlag entgegenstellen.
Vorkumulieren
Parteien können bei den Nationalratswahlen von sich aus Kandidatinnen und Kandidaten auf dem Wahlzettel doppelt vordrucken, entweder um einzelne von ihnen zu bevorteilen oder leere Linien auf dem Wahlzettel zu vermeiden. Bei Grossratswahlen und Einwohnerratswahlen ist das Vorkumulieren nicht erlaubt.
Vote électronique
Siehe E-Voting.
W
Wahlfähigkeitsausweis
Um für eine Wahl rechtsgültig kandidieren zu können, müssen die Vorgeschlagenen einen Wahlfähigkeitsausweis einreichen. Es handelt sich dabei um ein Dokument, mit dem die Gemeinde des politischen Wohnsitzes bestätigt, dass der/die Vorgeschlagene stimmberechtigt und damit wahlfähig ist. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Wahlfähigkeitsausweis kostenlos auszustellen ist.
Wahlkreis
Bei Proporzwahlen werden die zu vergebenden Mandate auf die Wahlkreise verteilt, und die Listen werden pro Wahlkreis eingereicht. Bei den Grossratswahlen bilden die Bezirke die Wahlkreise, bei den Nationalratswahlen sind die Kantone die Wahlkreise.
Z
Zusatzstimmen
In der Regel umfassen die Listen so viele Kandidierende, wie im Wahlkreis Sitze zu vergeben sind. Bleiben auf einem Wahlzettel dennoch Linien leer, sei es, weil ein Name gestrichen wurde, oder weil eine Liste nicht den ganzen Wahlzettel ausfüllt, zählen diese leeren Linien als Zusatzstimmen. Zusatzstimmen kommen der Liste zugute, deren Bezeichnung oben auf dem Wahlzettel steht. Diese Zusatzstimmen bilden zusammen mit den Kandidatenstimmen die Parteistimmenzahl.
Zweiter Wahlgang
Wenn bei einer Majorzwahl weniger Kandidierende das absolute Mehr erreichen, als Sitze zu vergeben sind, kommt es zu einem zweiten Wahlgang. Im zweiten Wahlgang können nur noch Kandidatinnen und Kandidaten, die sich frist- und formgerecht anmeldet haben, gültige Stimmen erhalten. Gewählt ist im zweiten Wahlgang, wer das relative Mehr erreicht.