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150 Jahre Londoner Underground
Heute befördert sie jährlich 1171 Millionen Passagiere (Betriebsjahr 2011/12) auf einem Streckennetz von 402 Kilometern von dem 180 Kilometer in Tunneln verlaufen. Die durchschnittlich täglich 3,2 Millionen Passagiere werden über 270 Stationen bedient. Die theoretisch mögliche Kapazität von 315'000 Passagieren pro Stunde wird heute nur etwa zu 50 Prozent ausgeschöpft.
Nach der Eröffnung der ersten U-Bahn-Linie, der heutigen „Metropolitan Line“ sind im Laufe der Zeit noch zehn weitere Linien dazugekommen. Ganz unterirdisch verlaufen allerdings nur die „Victoria Line“ sowie die „Waterloo & City Line“. In den ersten Jahrzehnten der Londoner U-Bahn kamen auch Wagen ohne Fenster zum Einsatz, da man in den Tunnels ohnehin nichts zu sehen bekam, wie man meinte. Das war billiger und - angesichts des Dampfbetriebs wohl auch relativ sauberer.
Von der Unterpflasterbahn zur Röhrenbahn
Die älteren Linien wurden im 19. Jahrhundert als Unterpflaster-Bahnen, ca. fünf Meter unter der Erdoberfläche gebaut. Sie haben einen Tunnel-Durchmesser von 7,62 Metern, das entspricht dem Lichtraumprofil der britischen Eisenbahnen. Spätere Linien wurden als Röhrenbahnen erstellt, in 20 bis 50 Metern Tiefe mit einem minimalen Tunneldurchmesser von nur 3,56 Metern, wobei jedes Gleis eine eigene Röhre beansprucht. Beim Bau der ersten Röhren kamen noch Spitzhacke und Schaufel zum Einsatz, später wurde auf Schildvortrieb umgestellt. Der kleine Tunneldurchmesser und die grösseren Tiefen erlaubten einen schnelleren Vortrieb mit wenig Baustellen unter freiem Himmel. Sieben der elf Underground-Linien sind Röhrenbahnen. Bereits vor 122 Jahren wurde die erste Strecke elektrisch betrieben und 1908 wurde die Elektrifizierung der Linien weitgehend abgeschlossen. Die Strom-Produktion erfolgte mit zwei nach 1900 erstellten Kohlekraftwerken, die das Netz während 97 Jahren, bis 2002 zuverlässig mit Strom versorgten.
U-Bahn-Stationen als Luftschutz-Bunker
Im zweiten Weltkrieges, vor allem während der Luftschlacht um England wurden tiefer gelegene U-Bahn-Stationen zu Luftschutz-Bunkern umfunktioniert. In einem noch nicht eröffneten Tunnelabschnitt war eine Fabrik für Flugzeugteile eingerichtet und auch Winston Churchill hatte seine Sitzungsräume in einer bombensicheren U-Bahn-Station. Anderen U-Bahn-Stationen dienten der Einlagerung von Kunstschätze der Museen. In einer anderen Station war das Luftabwehr-Zentrum untergebracht.
Eine Pionierleistung für die ganze Welt
Die Londoner U-Bahn ist Vorbild für Hunderte ähnlicher Verkehrseinrichtungen. In der 150 jährigen Geschichte wurde vieles neu entwickelt, ausprobiert, aber auch verworfen. Auch der schematische Liniennetzplan von Harry Beck aus dem Jahr 1933, der ohne genaue geografisch Positionen auskommt und dafür die räumlichen Beziehungen der Stationen und Linien untereinander klar, farbig und schematisch darstellt ist Vorbild für Verkehrsbetriebe in der ganzen Welt. - Bis 2030 sollen Milliarden in den weiteren Ausbau der Londoner U-Bahn gesteckt werden. Investiert wird in neue Linien, in Kapazitäts-Steigerungen, in neue Stations-Erschliessungs-Anlagen, Aufzüge, Rolltreppen und in neue elektronische Ticket- und Zutritts-Systeme. (mai)