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Letztes Jahr um ungefähr die gleiche Zeit habe ich Ihnen von Heidi Rehn ?Der Sommer der Freiheit? vorgestellt. Und damals habe ich auch die Frage gestellt, ob es eine Fortsetzung geben wird. Dieser jetzt erschienene Roman ist keine Fortsetzung der Geschichte um Selma, Grischa, Constanze, Robert und Gero im... Letztes Jahr um ungefähr die gleiche Zeit habe ich Ihnen von Heidi Rehn ?Der Sommer der Freiheit? vorgestellt. Und damals habe ich auch die Frage gestellt, ob es eine Fortsetzung geben wird. Dieser jetzt erschienene Roman ist keine Fortsetzung der Geschichte um Selma, Grischa, Constanze, Robert und Gero im eigentlichen Sinne. Aber zeitlich schließt er an das vorige Buch an. Denn der neue Roman spielt in der Zeit von 1919 bis 1924. Tauchen Sie in dem neuen Roman von Heidi Rehn in die wilden Zwanziger Jahre ein. Der Roman beginnt dieses Mal im München und endet auch wieder in Berlin. Dieses Mal ist die junge Lou die Hauptperson. Gleich im allerersten Kapitel schlägt das Unglück zu. Eine verirrte Kugel trifft ihren Verlobten Curd und tötet ihn. Da dies bereits der zweite Mann ist, dem sie ihrer Meinung nach Unglück gebracht hat, will sie sich nicht mehr verlieben. Also bleibt sie alleine zurück und muss sehen, wie sie weiterleben soll. Nur ihre guten Freunde Max und Judith, die sie über Curd kennengelernt hat, stehen ihr weiterhin zur Seite. Lou ist eine gelernte Täschnerin, die davon träumt eine eigene Taschenkollektion auf den Markt zu bringen. Doch dazu sind die frühen Zwanziger Jahre noch nicht die richtige Zeit. Mit Glück und einer gehörigen Portion Schneid bekommt sie eine Stelle in einer Lederwerkstatt und bessert dort die eingehenden Reparaturaufträge aus. Die Schwiegertochter ihres Chefs, Frieda, wird ihre neue Freundin und zeigt ihr eine ganz andere Welt. Mit ihr taucht sie ein in das Münchner Nachtleben und lernt dort jemanden kennen, der ihr Leben in eine ganz andere Richtung lenkt. Ihre beiden Freunde Judith und Max gehen in der Zwischenzeit nach Berlin, da sie mit der politischen Stimmung in München nicht mehr zurecht kommen. Und einige Zeit später folgt auch Lou. Heidi Rehn hat einen ausgesprochen spannenden Roman der wilden Zwanziger Jahre geschrieben. Als Leser taucht man richtig in diese Zeit ein, wo ein Hunger sowohl im eigentlichen Sinne als auch auf das Leben vorherrscht. Es ist das fiebrige Leben in den Tanzsälen und Kabarets. Es ist das ungesunde Leben, wo die Menschen über Alkohol, Koks, Sex und Tanz das Vergessen suchen. Einige Menschen prostituieren sich in dieser Zeit, denn nach dem Krieg gibt es viele Neureiche, die sich für ihr Geld alles kaufen können. Und so helfen sich einige attraktive Frauen, die ohne Ehemann zurückgeblieben sind, über diese schwierige Zeit hinweg, wo die Lebensmittel immer unbezahlbarer werden und die Liebe nicht satt macht. Die Autorin trifft diese Zeit ausgesprochen gut. Man fiebert mit Lou mit und wünscht ihr, dass sich ihr Glück endlich erfüllt. Doch davor muss sie noch einige Hürden überwinden. Da dies ein Unterhaltungsroman ist, werden die politischen Themen am Rande gestreift, aber nicht wirklich vertieft. So kommt der frühe Hitler in diesem Roman vor. Die Autorin zeigt, wie er der Liebling der wohlhabenden Münchner wird. Aber über seinen Putsch erfährt man nur am Rande etwas. Genauso ist es auch in Berlin. Wir lernen den Ost- und den Westteil Berlins kennen. Wir erfahren, dass das Scheunenviertel ein gefährliches Viertel ist, da dort sehr viele Ostjuden leben, die sich noch nicht assimiliert haben, so dass sie bereits Opfer von Angriffen werden. Aber auch dies ist nicht das Hauptthema des Romans. Auch bei diesem Roman würde ich mir wieder eine Fortsetzung wünschen. Speziell die Geschichte der jüdischen Journalistin Judith würde ich sehr gerne noch weiterverfolgen. Denn sie war mein heimlicher Liebling in diesem Roman. Ein gut gemachter, ausgesprochen spannender Unterhaltungsroman, der alles hat, was man sich bei diesem Genre wünschen kann.
Auch mit diesem Roman hat mich Heidi Rehn wieder überzeugt. Die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts werden lebendig und die Autorin liefert ein beeindruckendes Frauenportrait dieser Zeit ab. Das Cover ist nicht so ganz mein Geschmack, der Blick wirkt doch etwas durchdringend, auch wenn die Kleidung und der... Auch mit diesem Roman hat mich Heidi Rehn wieder überzeugt. Die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts werden lebendig und die Autorin liefert ein beeindruckendes Frauenportrait dieser Zeit ab. Das Cover ist nicht so ganz mein Geschmack, der Blick wirkt doch etwas durchdringend, auch wenn die Kleidung und der Kopfschmuck, sowie das Make-up eine absolute Eleganz ausstrahlt. Der Klappentext hat mich dann wirklich neugierig gemacht, man fragt sich als Leser unweigerlich, wie es mit Lou weitergehen mag. Die Schatten der Zeit liegen wie ein böser Fluch auf den Menschen dieser Zeit und das neue Unheil ist für einige schon am Horizont sichtbar, wogegen andere der Wahrheit dessen, was da kommen mag, noch nicht ins Auge schauen können, bzw. das Unheil schlicht und ergreifend nicht erkennen. Wie schafft es diese Generation mit dem Erbe der Vergangenheit umzugehen, ohne ihre eigene Identität zu verlieren, genau dies versucht Heidi Rehn in diesem Roman zu beantworten. Der Autorin gelingt dies auch sehr gut. Man bekommt einen guten Einblick in die Sorgen und Nöte der Zeit, aber auch von den Träumen und Sehnsüchten einer Generation. Der Roman wird chronologisch erzählt, die Autorin arbeitet neben Zeitraffungen auch mit Zeitsprüngen, um den Roman geschmeidig zu erzählen und keine Langeweile aufkommen zu lassen. Die Themen: Politik, Gesellschaft, Mode, aber auch das Nachtleben kommen in diesem Roman nicht zu kurz. Die Autorin hat akribisch recherchiert, um ein beeindruckendes Portrait einer Zeit einzufangen. Mich hat die Geschichte zwar beeindruckt, dennoch bin ich nicht zu 100% mit der Protagonistin Lou warm geworden. Sie mag zwar ein Kind ihrer Zeit sein, dennoch hätte ich sie mir beispielsweise nicht als beste Freundin vorstellen können. Oft war ihr Handeln für mich nicht nachvollziehbar, bzw. ich hätte es als ihre beste Freundin nicht billigen können, was sie tat. Dies ist mein ganz persönlicher Eindruck, meine Neugier hingegen hat die Autorin mit dieser Figur in mir geweckt. Auch die anderen Figuren, waren zwar sehr gut gezeichnet, dennoch bleiben sie mir ein wenig fremd, da auch ihr Handeln für mich nicht immer akzeptabel war. Oft war alles mehr Schein als Sein und genau damit habe ich mir in einigen Situationen des Romans schwer getan. Der Schreibstil der Autorin ist sehr feinfühlig und intensiv, einmal angefangen reißt er mit und man möchte am liebsten mit dem Lesen nicht mehr aufhören. Ich kann diesen Roman nur allen empfehlen, die mehr über diese besondere Zeit zwischen den zwei Weltkriegen erfahren möchten. Ein Roman der zum Nachdenken anregt, der aber auch gleichzeitig die unbändige Lebensfreude einer Generation thematisiert.
Das Cover zeigt eine hübsche junge Frau, die sicher Lou sein soll und die den Betrachter mit einen wirklich anziehenden Blick anschaut. Durch diesen Blick zieht das Cover auch einfach die Blicke auf sich. Lou erlebt das, was niemand im Leben erleben will, sie verliert tragisch ihren Verlobten und... Das Cover zeigt eine hübsche junge Frau, die sicher Lou sein soll und die den Betrachter mit einen wirklich anziehenden Blick anschaut. Durch diesen Blick zieht das Cover auch einfach die Blicke auf sich. Lou erlebt das, was niemand im Leben erleben will, sie verliert tragisch ihren Verlobten und als würde das nicht schon reichen, hat sie das Gefühl, dass sie allen Menschen, die in ihre Umgebung sind, einfach nur Unglück bringt. Sie versucht sich im Tanzen und im Rausch des Lebensgefühl der 20er Jahre ihr bösen Vorahnungen zu vergessen, aber da diese Gefühl sich immer und immer wieder auch in Fakten zeigt, sieht Lou nur noch einen Ausweg für sich... Lou ist als Charakter an sich eine starke Frau, aber durch die Unruhen, die auf den Strassen toben und die Schicksalsschläge, die sie ereilen, immer wieder sehr stark in ihrem Wesen erschüttert wird. Sie verliert immer wieder Freunde und das macht sie selber fertig und auch ihre Anstellung als Täschnerin macht es nicht besser, weil sie das Tanzen einfach nicht vergessen lässt, was in ihrem Leben alles schief läuft. Gerade diese Zerbrechlichkeit macht aber Lou für den Leser wirklich gut greifbar, sie ist eben nicht die perfekte Frau, aber gerade das macht sie zu etwas Besonderem. Heidi Rehn setzt die Handlungsorte München und Berlin wirklich gut nach dem 1. Weltkrieg um, sie versetzt den Leser in eine aufregende Zeit, die man immer schlechthin als die Goldenen Zwanziger bezeichnet und diese Lebensgefühl setzt Heidi Rehn auch in ihrem Buch um. Aber sie zeigt eben auch die Schattenseiten dieser Jahre, den aufstrebenden jungen Hitler, die Wirtschaftskrise, die politischen Unruhen in der Weimarer Republik, die Inflation, die Hungersnöte und alles, was dann eben in den Jahren prägend waren, was wirklich gut, weil so golden wie der Name vermuten lässt, waren die Jahre Anfang der 1920er gar nicht. Der flüssige und wunderbar leichte Schreibstil von Heidi Rehn lassen die Seiten einfach so wegfliegen und die 560 Seiten sind so schnell weg, dass man es gar nicht merkt, weil man so in der Handlung der Geschichte ist, dass man gar nicht merkt, dass das Buch immer und immer weniger von den Seiten her wird. Natürlich gibt es immer mal wieder Länge im Buch, was aber durch die gründliche Recherche bedingt ist, aber das macht das Buch sehr authentisch. Das kann man dann zwar als etwas negativ ansehen, aber wenn man sich in der Zeit nicht so wirklich auskennt, sind gerade die Erklärungen und Hintergründe wichtig für die Entwicklung der Personen im Buch. Fazit: "Tanz des Vergessens" führt den Leser in das Deutschland nach dem ersten Weltkrieg, zeigt aber, dass die Goldenen Zwanziger nicht immer golden war, die Recherche zeigt sich immer wieder in dem Buch und das macht das Buch sehr authentisch. Durch den wirklich guten Stil von Heidi Rehn fühlen sich die 560 Seiten auch nicht so an, sie lässt den Leser einfach so durch die Seiten fliegen.