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100 Jahre und kein bisschen müde
Nach den Wirren des Ersten Weltkrieges wurde der Gewerbeverein Schlieren 1920 gegründet. Sein 100-Jahr-Jubiläum kann der nach wie vor sehr aktive Verein also 2020 feiern, das als Jahr der Coronavirus-Pandemie in die Geschichtsbücher eingehen wird.
Die Depression am Ende der 1910er-Jahre war enorm. Einerseits neigte sich der Erste Weltkrieg endlich seinem Ende entgegen, andererseits drohte der innerschweizerische Konflikt zwischen der bürgerlich geprägten Deutschschweiz und der sozialistischen Romandie die Schweiz zu spalten. Und als ob dies nicht genug wäre, grassierte während den Jahren 1918 und 1919 in Grossteilen der Welt die Spanische Grippe.
Aber es musste irgendwie weitergehen. Das sagten sich auch die 28 Schlieremer Männer, die sich am 23. Februar 1920 im Gasthaus Zur Lilie zur konstituierenden Sitzung des neuen Vereins trafen. «Handwerksmeister- und Gewerbeverein Schlieren» sollte er heissen. Der Baumeister Johann Kappeler übernahm als erster Präsident das Zepter.
Mitgliederbeitrag von sechs Franken
Dieser Vorstand hätte sich damals wohl kaum vorstellen können, dass der Verein 100 Jahre später 200 Mitglieder zählen würde. Und auch der Mitgliederbeitrag hat sich selbstredend verändert. Sechs Franken waren es im Gründungsjahr 1920, 100 Jahre später wird jährlich der Betrag von 230 Franken einbezahlt.
Es waren wirklich schwere Gründerzeiten und die Herausforderungen für das Gewerbe riesig. Als die Krise der frühen 1920er-Jahre um 1927 abklang, kam grosse Hoffnung auf, die aber bereits zu Beginn der 1930er-Jahre mit der Weltwirtschaftskrise sang- und klanglos unterging. In den Jahren 1935/36 erreichte die Arbeitslosigkeit in unserem Land den Höchststand.
Drei Jahre später brach der grausame Krieg aus. So endete das erste Vierteljahrhundert des Gewerbevereins Schlieren (GVS) mit dem Zweiten Weltkrieg, und niemand hätte sich 1945 wohl vorstellen können, dass im zweiten Vierteljahrhundert des GVS der anhaltendste und grösste wirtschaftliche Aufschwung stattfinden würde, den unser Land jemals erlebt hat.
Limmattal war «Zukunftsland»
Die Wirtschaft prosperierte in der Nachkriegszeit in einem nie dagewesenen Ausmass, und viele gut geführte Unternehmen entwickelten sich prächtig. Für viele Geschäftsleute und Unternehmen folgten goldene Jahre, und es war in der Zeit vor 1970 unverkennbar, dass das Limmattal zwischen Zürich und Baden «Zukunftsland» war.
Als Willi Neuenschwander 1970 anlässlich der Jubiläums-Generalversammlung «50 Jahre GVS» das Präsidentenamt an Karl Wälti übergab, blickte der ganze Verein sehr zuversichtlich in die Zukunft. Man wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was der Jom-Kippur-Krieg im Nahen Osten und die damit ausgelöste Ölpreis-Krise für Probleme mit sich bringen würde.
Die Ölpreis-Krise in den 1970er-Jahren und der Immobilien-Crash zu Beginn der 1990er-Jahre trafen die Schweiz hart, und doch liessen sich die Mitglieder des Gewerbevereines nicht unterkriegen.
Vielfältiges Engagement für das Stadtleben
Vielfältig engagierte sich der Verein auch in diesen schwierigen Zeiten im Dorf-, bzw. Stadtleben von Schlieren. So wurden beispielsweise – in enger Zusammenarbeit mit der 1966 gegründeten Detaillistenvereinigung Pro Schlieren – viele festliche und gesellschaftliche Aktivitäten organisiert. Dazu gehörten unter anderem Weihnachtsbeleuchtungen und die Kinderfasnacht. Und die vielen Schlieremer Gewerbeausstellungen waren immer Publikumsmagnete.
Auch an den Schlierefäschtern waren die Gewerbetreibenden immer aktiv beteiligt. Die vielleicht spektakulärste Aktion war das Sponsoring des Theaters «Die kleine Niederdorfoper» am ersten 10-tägigen Schlierefäscht im Jahre 2011. Ein überwältigender Erfolg, der die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer begeisterte und den dies möglich machenden Gewerbeverein mit Stolz erfüllt.
Ein besonderes Kapital war die «Schlieremer Zytig», welche der Gewerbeverein unter Präsident Daniel Binz herausgab. 41 Ausgaben lang war das Geschehen in Schlieren in dieser lokalen Publikation viel beachtet, ehe 2004 die Zeitung im Tabloidformat eingestellt wurde.
Zahllose Veranstaltungen und Ausflüge prägten während einem Jahrhundert das Vereinsleben. Alle diese Kontakte haben sicher einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass der GVS bis heute ein ausgesprochen lebendiger und aktiver Verein ist.
Ermöglicht haben dies unzählige Menschen, die sich für den Verein engagiert haben. Stellvertretend für alle diese fleissigen Helferinnen und Helfer nachstehend die Vereinspräsidenten der vergangenen 100 Jahre GVS: Johann Kappeler; Andreas Blöchli; Alfred Weber; Fritz Miller; Stephan Tellini; Max Epple; Arthur Huber; Hans Bachmann; Kurt Markwalder; Willy Neuenschwander; Karl Wälti; Otto Schlosser; René Stoffel; Ruedi Troxler; Silvio Höhn; Daniel Binz; Doris Müller (Vorsitzende); Bernhard Lutz sowie Thomas Landis und Diego Albertanti (Co-Präsidium seit 2008).
Text: Charly Mettier; Fotos: zVg