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Über das Wort überflüssig
Ein überflüssiges Gesicht
Ich lese bei Heinrich Heine von einem «Herrn Wirt mit überflüssigem Gesicht» und sofort sehe ich, wie es auf den Tisch tropft und dann auf den Boden, und die Frau Wirtin kommt mit Kübel und Lappen, um es aufzuwischen.
Flüssig ist ja schon problematisch,
aber überflüssig ist eine Katastrophe.
Und dann muss der Wirt ja, will er sein überflüssiges Gesicht behalten, kräftig trinken, Burgunder oder einen Wein aus der Region (der Wirt lebt im Harz, im Norden Deutschlands), und je mehr er trinkt, desto mehr beginnt das Gesicht wieder zu fliessen; ein Teufelskreis.
Aber ohne trinken geht es ja nicht, das Gesicht wäre früher oder später ausgelaufen, und wir sprechen hier nicht von Tränen, nein hier tropft das ganze Gesicht und alles, was ein Gesicht ausmacht, was bei diesem Wirt nicht allzu viel ist, weil es ja ein überflüssiges Gesicht ist, aber trotzdem.
Ein leeres Gesicht geht zur Not, aber ein auslaufendes Gesicht ist lästig und teuer im Unterhalt; man muss jeden Tag nachgiessen.
Aniflur '20
Eher überflüssig
Ich brauche in letzter Zeit häufig das Wort «eher». Ich sage zum Beispiel: Ist sie nicht eher Italienerin?
Vielleicht weil ich mich nicht festlegen möchte.
Ich sage auch: Ich bin eher für die Sommerzeit.
Nur um dann gleich zu sagen: Aber sie abzuschaffen, wäre auch nicht schlecht. (Ich brauche auch gerne den Konjunktiv, wie man sieht.)
Vielleicht ist der Gebrauch von «eher» eher eine Charakterschwäche
als ein Wortschatzproblem.
Eher schon, scheint mir. «Scheint mir» gehört auch dazu.
Ich sage zum Beispiel: Es scheint mir, es regnet, obwohl es eindeutig regnet, und ich schon nass bin.
Und «vielleicht» ist auch so ein Wort. Es ist eigentlich mein Lieblingswort. Aber was heisst "vielleicht" überhaupt. Viel leicht?
Das müsste doch heissen: sehr leicht. Viel leicht ist grammatikalisch falsch.
Was sind das alles überhaupt für Wörter: eher, vielleicht. Auch «überhaupt» gehört dazu. Was heisst über Haupt überhaupt?
Eigentlich heisst es überhaupt nichts. Genauso wie «eigentlich».
Eigentlich ist eigentlich immer überflüssig: «Eigentlich habe ich keine Lust». Das heisst: Ich habe keine Lust.
Und überflüssig; was ist das jetzt wieder? Mehr als flüssig kann etwas nicht sein, sonst ist es Gas. Das «über» könnte man also weglassen. Und das «also» auch.
Oder der Satz: Das ist natürlich nicht wahr. Was ist an dem Satz «natürlich»? Es genügt zu sagen: Das ist nicht wahr. Ist sogar besser.
Vielleicht, könnte sein, eher schon, bin aber nicht sicher, wer weiss.