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| Vinzenz v. Lerin († vor 450) - Commonitorium

30. Zehn Kirchenväter, deren Glaubenszeugnisse auf dem Konzil zu Ephesus verlesen wurden.
Es sind also folgende Männer, deren Schriften wie von Richtern oder von Zeugen auf jenem Konzil verlesen wurden: der hl. Petrus, Bischof von Alexandrien, ein vorzüglicher Lehrer und seliger Märtyrer1 ; der hl. Athanasius, Bischof derselben Stadt, ein treuer und hervorragender Bekenner; der hl. Theophilus, ebenfalls Bischof jener Stadt, ein durch Glauben, Lebenswandel und Wissenschaft hinlänglich bekannter Mann2 ; sein Nachfolger war der ehrwürdige Cyrill, der jetzt noch die alexandrinische Kirche ziert. Und damit man nicht etwa glaube, daß dies nur die Lehre einer Stadt und Provinz sei, wurden auch jene Leuchten Kappadoziens zugezogen: der hl. Gregor, Bischof und Bekenner von Nazianz; der hl. Basilius, Bischof und Bekenner von Cäsarea in Kappadozien; ebenso der andere hl. Gregor, Bischof von Nyssa, in Glauben, Wandel, Reinheit und Weisheit seines Bruders Basilius durchaus würdig. Zum Beweise, daß nicht nur Griechenland und der Orient, sondern auch der Okzident und die lateinische Welt immer dieselbe Überzeugung gehabt haben, wurden dann auch einige Briefe des hl. Märtyrers Felix und des hl. Julius3 , die beide Bischöfe von Rom waren, daselbst verlesen. Und damit nicht nur die Hauptstadt des Erdkreises, sondern auch die Seitenteile für jenes Gericht ihr Zeugnis abgäben, wurde auch von Süden der hl. Cyprian, Bischof von Karthago und Märtyrer, und von Norden der hl. Ambrosius, Bischof von Mailand, herangezogen. Alle diese also wurden zu Ephesus nach der geheiligten Zahl des Dekalogs4 als Lehrer, Ratgeber, Zeugen und Richter vorgeführt; an ihrer Lehre festhaltend, ihrem Rate folgend, ihrem Zeugnisse vertrauend und ihrem Urteile gehorchend, hat jene heilige Synode ohne Abneigung, ohne Voreingenommenheit und Vorliebe sich über die Glaubensregeln ausgesprochen. Es hätte wohl eine viel größere Zahl von Vorfahren beigezogen werden können, aber es war nicht notwendig; denn weder durfte durch Häufung der Zeugen die für die Verhandlung notwendige Zeit gekürzt werden noch zweifelte jemand, daß jene zehn Männer keine andere Überzeugung gehabt haben als alle ihre übrigen Amtsgenossen.
1: Er wurde 311 in Alexandrien gemartert; auch Eusebius [h. e. X 6, 2] rühmt seine Tugenden und Predigten.
2: Er ist aber auch bekannt durch sein feindseliges Verhalten gegen den hl. Johannes Chrysostomus; der hl. Cyrill der ihm 412 auf dem Bisehofsstuhle folgte, war sein Neffe
3: Felix I. regierte 268—274, Julius I. 337—352; der erstere bestätigte die im Jahre 268 auf einer Synode zu Antioehien gegen Paul von Samosata gefaßten Beschlüsse; bei Julius I. fand der hl. Athanasius in seiner zweiten Verbannung zu Rom gastliche Aufnahme.
4: Nicht nur die Reihenfolge, sondern auch die Zahl der Zeugen hat Vinzenz vergessen; denn es waren ihrer nicht zehn, sondern zwölf, nämlich außer den Genannten noch Bischof Attikus, der Nachfolger des hl. Chrysostomus zu Konstantinopel, und Amphilochius, Bischof von Ikonium [gest. um 394].