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Theoretisch könnte alles, was ein Nutztier verdauen kann auch als Futtermittel eingesetzt werden. In der Praxis begrenzen vor allem hygienische Gründe die Auswahl. In der Schweiz wird die Mehrheit der Futtermittel speziell zum Zweck der Verfütterung angebaut und geerntet. Das ist vor allem Raufutter (Gras, Heu, Silage etc.) sowie Futterrüben und Futtergetreide.
Daneben werden zahlreiche Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung als Futtermittel genutzt wie Apfeltrester, Biertreber, Buttermilchpulver, Dinkelspelzen, Getreideschlempe, Maiskleber, Weizennachmehl und dergleichen mehr. Diese Futtermittel stellen keine Konkurrenz zur menschliche Ernährung dar. Ein Teil dieser Produkte dient als Zutat für die Herstellung von Mischfutter. Dazu kommen Vitamine und Mineralstoffe sowie Stoffe wie Futterkalk oder Viehsalz, die entweder Nährwerte ausgleichen oder die Schmackhaftigkeit des Futters erhöhen. Auch das Vieh frisst mehr, wenn es ihm schmeckt.
Grund- und Kraftfutter
Die Ansprüche an die Tierernährung sind vielfältig, sie stehen den Ansprüchen an eine gesunde Ernährung beim Menschen nicht nach. Bei Tieren unterscheidet man zwischen Erhaltungs- und Leistungsbedarf. Der Erhaltungsbedarf ist das, was das Tier selbst zum Leben braucht. Der Leistungsbedarf wird dagegen für die Produktion einer tierischen Leistung wie z.B. Fleischzuwachs, Milchproduktion oder Legeleistung benötigt. Mehr zu füttern als nötig ist weder wirtschaftlich, noch gesund: Die Tiere würden verfetten. Fette Tiere leisten weniger und fettes Fleisch wird am Markt mit Preisabzügen bestraft.
Grundsätzlich stehen den Tierhaltern zur Ernährung der Tiere Grundfutter und sogenanntes Kraftfutter zur Verfügung. Die Grundfutter umfassen vor allem Gras, Silagen oder Heu und werden in der Regel auf dem Betrieb selbst produziert. Für Kraftfutter gibt es verschiedene Definitionen. Meistens werden darunter Futtermittel mit einer erhöhten Nährstoffkonzentration verstanden wie z.B. Mais, Getreide oder Eiweisserbsen.
Es kommen Einzel- und Mischfuttermittel zum Einsatz. Bereits wenn zwei Einzelfuttermittel gemischt werden, handelt es sich rein rechtlich gesehen um Mischfutter. Ein Grossteil des Mischfutters wird in Futtermühlen hergestellt. Diese Unternehmen wenden oft sehr komplexe Rezepturen an, um den Nährstoffbedarf der Tiere möglichst optimal zu decken. Sie verwenden dazu Produkte aus den verschiedene Rohstoffkategorien wie Energieträger (Weizen, Mais), Proteinträger (Sojakuchen, Rapskuchen), Rohfaserträger (Kleie), Mineralstoffe (Salz, Kalk) und Zusatzstoffe (Vitamine, Enzyme).
Alles unter Kontrolle
Alles was im Futtermittel drin ist kann später im Fleisch, in der Milch oder den Eiern landen. Der Handel mit Futtermitteln wird also weniger des Tieres wegen kontrolliert und reglementiert, sondern um die Verbraucher zu schützen. Wer Futtermittel herstellt, in Verkehr bringt oder einführen will, muss sich zuvor bei der amtlichen Futtermittelkontrolle Agroscope Liebefeld-Posieux registrieren lassen. Lediglich Heimtierfuttermittel für den privaten Gebrauch dürfen ohne Registrierung importiert werden. Derzeit sind rund 1500 Unternehmen durch Agroscope für den Futtermittelhandel zugelassen, darunter 25 Selbstmischer.
Die ALP kontrolliert diese Unternehmen und führt die amtliche Futtermittelkontrolle durch. Sie kontrolliert ob die Futtermittelverordnungen eingehalten werden und bewilligt gegebenenfalls neue Produkte für die Tierfütterung. Bei den Unternehmenskontrollen liegt die Beanstandungsquote seit Jahren bei rund 35 Prozent, d. h. rund jede dritte Kontrolle führt zu einer Beanstandung. Die Beanstandungen beziehen sich hauptsächlich auf ungenügende Sauberkeit, Lücken bei der Rückverfolgbarkeit oder beim Herstellungsprozess, unkorrekte Handhabung von Rückstellmustern oder lückenhafte Umsetzung der Leitlinien. Die Sicherheit der hergestellten Futtermittel ist in der Regel aber nicht in Gefahr.
Auch bei den Futtermittelkontrollen wird viel beanstandet. Das liegt zum Teil daran, dass die Futtermittelkontrolle risikobasiert erfolgt. Die Beanstandungen entsprechen nicht dem Durchschnitt auf dem Schweizer Futtermittelmarkt. 2016 wurden 1'220 Nutztierfuttermittel von verschiedenen Kategorien beprobt und analysiert.
Rund zwei Drittel der untersuchten Proben waren in Ordnung. Rund ein Achtel war nicht korrekt deklariert oder die Nährstoffgehalte stimmten nicht genau und ein gutes Fünftel der Proben (265 Proben) wies schwerwiegende Nicht-Konformitäten auf. Vor allem bei Vitaminen und Spurenelementen ist oft nicht drin, was drauf steht oder es steht nicht drauf, was tatsächlich drin ist. Bei den Mineralstoffen wurde sogar fast jede zweite Probe beanstandet, während bei Einzelfuttermitteln die Beanstandungsquote bei 5 Prozent lag.
Seit dem 1. Januar 2015 ist Agroscope auch für den Vollzug im Bio-Futtermittelbereich zuständig. 2016 wurden 98 Bio Futtermittel überprüft, davon 18 aus importierten Bio-Futtermitteln. 95 Prozent der Proben waren biokonform, 5 Prozent waren es nicht.
Bei den 372 Nutztierfuttermittelproben, welche auf GVO untersucht wurden, wurden die Forscher 28 mal fündig. Allerdings überschritt keine der Proben die GVO-Deklarationslimite.
Bei schweren Verstössen gegen die Gesetzgebung stellt die amtliche Futtermittelkontrolle Verfügungen aus. Im Jahr 2016 wurden insgesamt sieben solche Verfügungen erlassen. Sechs davon betrafen Bio-Futtermittel, welche deklassiert werden mussten und eines ein Produkt, das einen unerlaubten Zusatzstoff enthielt.
Einzelfuttermittel
Einzelfuttermittel, wie z.B. Futtergerste oder Biertreber, können direkt verfüttert, oder als Ausgangsprodukt für Mischfutter verwendet werden. Sie unterliegen keiner Zulassung, sondern werden im "Katalog der Einzelfuttermittel" im Anhang der Futtermittelbuch-Verordnung aufgeführt. Diese Liste wird von der EU übernommen. Sie ist lang und enthält viele Kuppelprodukt der Lebensmittelindustrie, wie die Beispiele zu den jeweiligen Kategorien zeigen:
- Getreide und daraus gewonnene Getreiderzeugnisse (z.B. Futtergerste, Kleie, Biertreber oder Maiskleber, ein Produkt, das bei der Maisstärkegewinnung anfällt);
- Ölsaaten, Ölfrüchte und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Soja-, Sonnenblumen- oder Raps-Extraktionsschrot als Nebenprodukt der Ölerzeugung);
- Körnerleguminosen und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Süsslupinen, Ackerbohnen, Erbsenfuttermehl);
- Knollen, Wurzeln und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Kartoffeleiweiss, ein Nebenprodukt der Stärkegewinnung oder Zuckerrübenschnitzel);
- Andere Saaten und Früchte und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Obsttrester, Pektin oder Buchweizenfuttermehl);
- Grünfutter und Raufutter und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Rübenblätter, Erbsenstroh oder Luzernemehl);
- Andere Pflanzen, Algen und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Pflanzenkohle, Zuckerrohrmelasse oder Algen);
- Milcherzeugnisse und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Molke oder Molkenpulver, Buttermilch oder Kasein);
- Erzeugnisse von Landtieren und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. getrocknete Eierschalen, Gelatine oder Tierfett);
- Fisch, andere Wassertiere und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Fischmehl, Fischöl);
- Mineralstoffe und daraus gewonnene Erzeugnisse (z.B. Kaliumkarbonat, auch als Pottasche bekannt, oder Calcium-Magnesiumphosphat)
- Erzeugnisse/Nebenerzeugnisse der Vergärung von Mikroorganismen (z.B. Vinasse, also eingedickte Melassenschlempe oder Bierhefe)
- Verschiedene Erzeugnisse (z.B. Erzeugnisse, die bei der Verarbeitung von Kartoffeln, Snacks oder Teigwaren anfallen).
Wenn ein Futtermittelunternehmer andere Einzelfuttermittel als die auf der Liste aufgeführten in Verkehr bringen will, muss er diese bei Agroscope melden.
Futtermittel-Zusatzstoffe
Futtermittelzusatzstoffe sind Stoffe, die Futtermitteln oder dem Tränkewasser zugesetzt werden. Alle Futtermittel-Zusatzstoffe sind in Anhang 2 der Futtermittelbuch-Verordnung oder in den von ALP publizierten Bewilligungslisten aufgeführt. Dazu gehören Konservierungsmittel, Antioxidationsmittel, Emulgatoren, Stabilisatoren, Verdickungsmittel, Geliermittel, Bindemittel, Trennmittell, Säureregulatoren, Silierzusatzstoffe, Vergällungsmittel, Stoffe zur Verringerung der Kontamination von Futtermitteln mit Mykotoxinen, Stoffe zur Verbesserung der hygienischen Beschaffenheit, Sensorische Zusatzstoffe wie Farbstoffe oder Aromastoffe, Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe wie Vitamine, Provitamine, Spurenelementen, Aminosäuren etc. sowie Zootechnische Zusatzstoffe wie Verdaulichkeitsförderer, Darmflorastabilisatoren etc.
Ebenfalls zu den Zusatzstoffen gehören Kokzidiostika / Histomonostika. Die letztgenannten sind eigentlich Arzneimittel. Sie werden vorbeugend zu Verhütung der Kokzidiose bei Hühnern, Puten und Mastkaninchen eingesetzt.
Keine Hormone im Schweizer Fleisch
Die Verfütterung von Hormonen zur Leistungsförderung sind in der Schweiz bereits seit 1999 verboten. Weniger der Tiere als mehr der Konsumenten zuliebe: Eine Verbrauchergefährdung kann nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden.
Hormone zur Leistungsförderung kommen jedoch in den USA, Japan oder Kanada zum Einsatz. Dort bekommen z.B. Mastrinder ein kleines Hormonimplantat hinterm Ohr eingepflanzt, welches kontinuierlich Hormone freisetzt. Ractopamin ist eines dieser Hormone, das auch in Brasilien gerne benutzt wird. Ractopamin lässt Mastschweine und Rinder schneller Fleisch ansetzen, und Kühe geben durch das Medikament mehr Milch. Je nach gemästeter Tierart steigt die Produktivität der Betriebe durch den Zusatzstoff angeblich um bis zu 38 Prozent.
Lebensmittel, die mit hormonellen Leistungsförderern produziert worden, dürfen in die Schweiz eingeführt werden. Dabei besteht eine Deklarationspflicht. Der Hinweis "kann mit Hormonen als Leistungsförderer erzeugt sein" muss auf dem Fleisch, Fleischzubereitungen und Fleischerzeugnissen mit einem Fleischanteil von mindestens 20 Massenprozent angebracht werden, nicht jedoch auf Brühwurst-, Rohwurst- und Kochwurstwaren.
Kein Doping in Schweizer Ställen
Leistungsförderer sind Stoffe, die die Nährstoffaufnahme im Pansen oder Darm verbessern. Damit wird der Futterverbrauch pro Kilogramm Gewichtszuwachs reduziert und es werden weniger Nährstoffen ausgeschieden. Meistens werden gleichzeitig unerwünschte Bakterien und Pilze im Darm oder Pansen behindert und gewünschte Organismen wie beispielsweise Milchsäurebakterien gefördert.
Ein klassischer Leistungsförderer ist Antibiotika. Bei Schweinen und Geflügel wirken die antibiotischen Leistungsförderer auf den Darm, bei Wiederkäuern dagegen vor allem auf den Pansen. Wenn weniger Mikroorganismen in Darm oder Pansen leben verbrauchen sie auch weniger Nährstoffe aus dem Futter, so dass diese vermehrt dem Tier zur Verfügung stehen. Ausserdem produzieren die Tiere dann weniger klimaschädliche Gase wie Ammoniak, bzw. Methan.
Die beste Wirkung zeigen antibiotische Leistungsförderer bei Jungtieren. Und je schlechter die Haltungs- und Fütterungsbedingungen, desto grösser ist der Effekt der zugesetzten Antibiotika. Die Tiere sind damit in der Lage Leistungen zu erbringen, zu denen sie sonst unter den gegebenen Umständen gar nicht fähig werden.
In der Schweiz sind antibiotikahaltige Leistungsförderer im Futter seit 1999 verboten. Trotzdem dürfen aus dem Ausland weiterhin Fleisch- oder Milchprodukte, die mit antibiotikahaltigen Futtermitteln erzeugt wurden, importiert werden. Sie müssen lediglich entsprechend deklariert werden. In der Schweiz dürfen Antibiotika nur noch als Arzneimittel bei Krankheiten verabreicht werden. Um auch diese Menge zu verringern, wird derzeit an einer Antibiotika-Reduktionsstrategie gearbeitet.
Probiotika statt Antibiotika
Es gibt nicht nur hormonelle und antibiotische Leistungsförderer. Seit einigen Jahren werden auch probiotische Leistungsförderer eingesetzt. Meistens sind es Mikroorganismen wie Bacillus-Arten, Milchsäurebakterien und Hefen. Diese Zusätze unterstützen die Darmflora und haben so einen günstigen Effekt auf das Tier, was Verdauung und Nährstoffverwertung betrifft.
Weil sich diese Stoffe nicht dauerhaft im Darm ansiedeln können müssen sie laufend über das Futter zugeführt werden. Man kennt das von der menschlichen Ernährung her: Seit einigen Jahren sind probiotische - also mit mikroskopisch kleinen Organismen angereicherte - Milchprodukte auf dem Markt. Auch hier ist das Ziel, die Darmflora mit "guten" Mikroorganismen zu besiedeln, um krankmachende Keime zurück zu drängen. Wie bei der Tierernährung auch kommen dabei v.a. lebende Milchsäurebakterien zum Einsatz.
Verzicht auf GVO
Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVO) ist in der Schweiz verboten. Dass das entsprechende Moratorium vom Parlament bis zum Jahr 2021 verlängert wurde, ist allgemein bekannt. Weit weniger bekannt ist, dass der Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel in der Schweiz grundsätzlich erlaubt ist. Das BLW kann auch bereits im Ausland bewilligte Einzelfuttermittel, die nicht aus GVO bestehen oder solche enthalten, in die GVO-Futtermittelliste aufnehmen, wenn das ausländische Zulassungsverfahren dem schweizerischen entspricht. Laut GVO-Futtermittelliste des BLW sind derzeit eine gentechnisch veränderte Sojasorte (GTS 40-3-2 von Monsanto) und drei gentechnisch erzeugte Maissorten zugelassen (Mais Bt 11 von Syngenta, Mais MON810 von Monsanto und Mais 1507 von Pioneer HiBred).
Trotzdem werden in der Schweiz keine GVO-haltigen Futtermittel für die Produktion tierischer Lebensmittel verwendet, und das freiwillig. Dabei kosten GVO-freie Futtermittel mehr und sind schwieriger zu beschaffen.
Zudem kann die GVO-Freiheit zurzeit nicht einmal ausgelobt werden. Mehrere parlamentarische Vorstösse in Richtung GVO-Kennzeichnung scheiterten am fehlenden Konsens der Akteure der Lebensmittelkette. Erst die Motion von SBV-Direktor Jacques Bourgeois zur Kennzeichnung von "ohne Gentechnik hergestellter" Lebensmittel schaffte den Durchbruch. Sie wurde im März 2017 vom Parlament angenommen. Eine Anpassung des Lebensmittelrechts soll der schweizerischen Lebensmittelindustrie künftig erlauben tierische Produkte mit dem Prädikat "gentechfrei" auszuloben. So, wie das im umliegenden Ausland schon länger der Fall ist.
In Spuren erlaubt
Zusatzstoffe, die aus gentechnisch veränderten Stoffen hergestellt werden, die in der GVO-Futtermittelliste nach Artikel 62 Absatz 1 enthalten sind, können in Verkehr gebracht, verwendet oder verarbeitet werden, wenn sie gemäss Artikel 20-22 zugelassen sind.
Wenn die Partie eines eingeführten Ausgangsprodukts unbeabsichtigt Spuren von GVO enthält, welche nicht auf der Liste der zugelassenen und tolerierten GVO als Futtermittel aufgeführt sind, kann das BLW das Inverkehrbringen auf Gesuch hin trotzdem zulassen, wenn:
- der Anteil der Verunreinigung höchstens 0,5 Prozent beträgt;
- diese Organismen in Kanada oder den USA legal als Futtermittel in Verkehr gebracht werden dürfen;
- geeignete Nachweismethoden und Referenzmaterialien verfügbar sind;
- der Gesuchsteller mithilfe geeigneter Massnahmen eine Verunreinigung von Lebensmitteln ausschliessen kann; und
- der Gesuchsteller die nötigen Angaben liefert, damit überprüft werden kann, ob diese Bedingungen erfüllt sind.
Für nicht in der Schweiz, der EU, den USA oder Kanada zugelassene GVO besteht dagegen Null-Toleranz.
Weiterhin kein „Gras“ für Milchkühe
Nicht nur Luzerne und Mais, sondern auch Hanf ist bei Tieren als Futter sehr beliebt. Der Anbau von Hanf ist erlaubt, sofern er weniger als 0,3 Prozent der psychoaktiven Substanz THC enthält und von einer der Sorten aus dem EU-Katalog für Öl- und Faserpflanzen stammt. Bis 2005 konnte dieser sogenannte Industriehanf an Tiere verfüttert und im Stall eingestreut werden.
Den Tieren schien es zu gefallen, immer mehr Bauern machten deshalb von dieser Möglichkeit Gebrauch. Bis eines Tages in einer Westschweizer Lokalzeitung ein Inserat auftauchte, auf dem ein Junge mit einer Milchflasche abgebildet war. „Seit Papa den Kühen Hanf verfüttert“, stand da zu lesen, „schmeckt meine Milch noch besser.“ Dieses Inserat sorgte für Aufruhr. Der Bund sah sich gezwungen, etwas zu unternehmen. Wissenschaftliche Studien über den THC-Gehalt in der Milch hanffressender Kühe fehlten. Der Bund gab Agroscope den Auftrag abzuklären, ob und falls ja, wie berauschend Hanf die Milch machen kann.
Agroscope führte ein kleines Experiment durch, welches zeigte, dass die psychoaktive Substanz tatsächlich vom Futter in die Milch gelangen kann. Bei diesem (auch unter Fachleuten nicht ganz unumstrittenen) Experiment wurden einer Kuh Pillen mit 625 Milligramm synthetisch hergestelltem THC verabreicht. Danach konnte Daniel Guidon, der damalige Leiter des Bereichs Sicherheit und Qualität von Agroscope-Posieux, in ihrer Milch 0,03 Milligramm THC pro Liter nachweisen. Das ist zwar nicht berauschend viel. Es war für den Bund aber genug, um die Verfütterung von Hanf per 1. März 2005 zu verbieten. THC, so das BLW, habe in Milch nichts zu suchen und solle sich auch nicht im Fettgewebe von Schlachttieren wiederfinden.
Am 1. Januar 2018 werden Hanfsamen und Produkte daraus als Futtermittel erlaubt, nur nicht für Milchkühe. Dank Fortschritten in der Sortenzüchtung gibt es inzwischen Hanfsorten mit sehr geringem THC-Gehalt, aus denen, wie das BLW schreibt, „zahlreiche gesundheitsfördernde Produkte gewonnen werden und die auch in der Tierproduktion gute Dienste leisten können.“ Und weiter: „Hanfsamen enthalten nämlich kein THC, und nur Pflanzenreste, die mit Saatgut vermischt werden, können zu Kontaminationen führen. Letztere gelten als vernachlässigbar, wenn nur die Sorten aus dem EU-Katalog verwendet werden, die einen Höchstgehalt von 0,2 Prozent THC aufweisen.“
Warum die Verfütterung von Hanfsamen an „laktierende Tiere, deren Milch zum menschlichen Verzehr bestimmt ist“, trotz dieser Sachlage weiterhin verboten bleibt, ist unklar. Vorerst wird sich mit Hanf- oder „Gras-Milch“ weiterhin keine Nischenproduktion aufbauen lassen.
Rinder mit null Promille
Vielleicht liegt es daran, dass Hanf und Alkohol in unserer Gesellschaft schon immer unterschiedlich bewertet wurden. Ein Alkoholverbot ist in der Rindviehfütterung jedenfalls kein Thema. Wer, wie Sepp Dähler im ausserhodischen Stein seine Tiere mit Biernebenprodukten wie Malztreber, Bierhefe und Biervorlauf füttert muss auch keine Angst vor torkelnden Rindern im Stall haben.
Obwohl seine Futterration leicht alkoholhaltig ist, haben die Tiere 0,00 Promille im Blut. Laut dem Tierspital Zürich liegt das daran, dass Wiederkäuer den Alkohol im Pansen abbauen können. Weil Nicht-Wiederkäuer diese Fähigkeit nicht haben, bekommen Dählers Bierschweinchen nur getrocknete Bierhefe. Mit frischer Bierhefe könnten sie zu Promilleschweinchen werden.
Insekten: Fressen statt gefressen werden
Heimtiere wie Reptilien durfte man schon immer mit Insekten füttern. Seit dem 1.Mai 2017 dürfen in der Schweiz auch Menschen Insekten essen. Grillen, europäische Wanderheuschrecken und Mehlwürmer erfreuen sich zwar noch nicht einer allzu grossen Beliebtheit, sie sind aber als Lebensmittel zugelassen. Bei den Nutztieren ist das Insektenfood weiterhin verboten. Einzige Ausnahme ist die Produktion von Speisefischen. Dabei könnte ein Teil der Nachfrage nach tierischem Futtereiweiss mit Insekten gedeckt werden.
Der Bundesrat ist zwar nicht gegen die Verfütterung von Insekten an Geflügel oder Schweine. Er findet eine breitere Abstützung der Proteinversorgung bei der Fütterung von Tieren sogar sinnvoll. Er will aber die Zulassung von Insekten in der Futtermittelproduktion erst noch mit der EU koordinieren – und das dauert.
Insekten haben in der Schweizer Gesetzgebung einen Sonderstatus. In der Tierschutzgesetzgebung werden sie gar erst nicht erwähnt, Massentierhaltung ist deshalb gang und gäbe. Beiträge für besonders tierfreundliche Haltung und Auslauf im Freien (oder müsste es Ausflug heissen?) sind auch nicht vorgesehen.
In der Futtermittelgesetzgebung werden Insekten nicht als Futtermittel, sondern als Nutztiere aufgeführt, die gefüttert werden müssen. Die Anforderungen an ihre Futtermittel sind dieselben wie für Rindvieh und Co.. Kot, Urin, Häute, Saatgut, mit Holzschutzmitteln behandeltes Holz und Sägemehl sowie Abfälle sind verboten; Speisereste einschliesslich Küchenabfälle, tierisches Eiweiss, sowie Futtermittel, die solche Bestandteile enthalten, sind genauso wenig erlaubt.
Die Mischung macht's
In der Schweiz werden Jahr für Jahr rund 200'000 Tonnen Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie verfüttert. Es handelt sich dabei vor allem um Müllereinebenprodukte, Rapskuchen, Zuckerrübenmelasse, Trockenkartoffeln, Magermilchpulver, Fette und Öle sowie Malzkeime und Trockentreber. Einzeln lassen sich diese Rohstoffe nicht sehr gut verfüttern, in der Mischung können sie sich jedoch optimal ergänzen. Solche Futtermittel leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Nahrungsmittelverschwendung - von Food Waste.
Die gesamtschweizerische Mischfutterproduktion liegt seit Jahren in einer Grössenordnung im Bereich von 1,5 Mio. Tonnen.
Die Mischfuttermenge ist konstant
Jahr
2011
2012
2013
2014
2015
2016
in Tonnen (geschätzt)
1'523'000
1'505'000
1'520'000
1'569'000
1'552'000
1'555'000
Quelle: Vereinigung Schweizerischer Futtermittelfabrikanten VSF
Die Futtermühlen verarbeiten in- und ausländische Rohstoffe, der Herstellungsprozess (Mahlen, Mischen, allenfalls Pelletieren und Abfüllen) erfolgt weitgehend in der Schweiz. Mischfutter wird kaum importiert.
Mehr als die Hälfte des in der Schweiz produzierten Mischfutters stammt von der Fenaco-Gruppe (UFA AG, Landis, Meliofeed AG), die einen Marktanteil von 55 bis 60 Prozent hat. Ein weiterer wichtiger Marktteilnehmer ist Provimi Kliba AG mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent. Der drittgrösste Marktteilnehmer dürfte gemäss Branchenkennern die Kunz Kunath AG mit einem Marktanteil von 7,5 Prozent haben. Die restlichen 15 Prozent sind auf etwa 40 Mischfuttermühlen verteilt.
Für die Mischfutterproduzenten spielt das Schweinefutter die bedeutendste Rolle. Rund 40 Prozent des produzierten Mischfutters geht in die Schweinefleischproduktion. Ein Grossteil davon fliesst in die Aufzucht von Jagern mit einem Gewicht von 30 kg bis 60 kg. Etwa 30 Prozent des Mischfutters wird an Grossvieh verfüttert, v.a. an Milchvieh. Dazu kommen noch rund 20 Prozent Mischfutter fürs Geflügel. Dieses wird sowohl in der Geflügelmast als auch zur Fütterung der Legehennen verwendet. Die restliche Mischfutterproduktion entfällt auf Pferde, Schafe, Ziegen und Haustiere.
Besonders gewachsen ist in den letzten Jahren die Nachfrage nach Geflügelfutter (Poulets und Legehennen) sowie nach Biofutter. Eine Absatzsteigerung gibt es auch bei Spezialitäten zur Vorbeugung von Stoffwechselstörungen oder Mangelkrankheiten. Die Nachfrage nach Schweinefutter stagniert dagegen.
Rückverfolgbarkeit = Sicherheit
Für die Tierhalter und die Unternehmen der Futtermittelindustrie gäbe es nichts Schlimmeres als einen Futtermittelskandal. Um das zu vermeiden arbeiten zahlreiche Unternehmen freiwillig nach dem Swiss Feed Production Standard© (SFPS).
Darin werden Anforderungen an eine gute Verfahrenspraxis für Unternehmen festgelegt welche Futtermittel produzieren, einführen, befördern und lagern. So soll die Sicherheit und Qualität von Futtermitteln und die Rückverfolgbarkeit gewährleistet werden.
Eine Mehrheit der Futtermühlen hat darüber hinaus ein Qualitätsmanagement-System (Bsp. ISO 9001:2008). Das scheint zu funktionieren. Während im Ausland immer wieder mal Dioxin, Aflatoxin und dergleichen mehr in Futtermitteln gefunden wurden, blieb die hiesige Futtermittelbranche vor ähnlichen Skandalen verschont.