Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03277.jsonl.gz/3096

Chapeau Madame Calmy-Rey. Sie haben die französische (Wahlkampf-)Attacke gegen das Schweizer Steuersystem glänzend pariert. Auch innerhalb der EU versuchen Frankreich und Deutschland den Steuerwettbewerb mit allen Mitteln zu unterbinden. Angriffe gegen Irland, Luxemburg und osteuropäische Staaten sind an der Tagesordnung. Das Ziel ist klar: ablenken von den eigenen Fehlern und seinen Folgen: tiefes Wirtschaftswachstum, hohe Arbeitslosigkeit, fehlende Investitionen. Ich lebe und arbeite seit 15 Jahren in Irland und erlebte den Aufstieg der grünen Insel vom Armenhaus Europas zum beneideten Wohlstandsparadies. Doch dieser kam nicht von selbst: im Rahmen wirtschaftspolitischer Reformen wurde die Unternehmenssteuer auf 12,5% abgesenkt und für Holding- und Finanzierungsgesellschaften wurden zahlreiche Steuerprivilegien eingeführt. Der Wirtschaftsstandort Irland ist heute so attraktiv, dass zahlreiche Firmen wie Apple ihr Europageschäft von Irland aus steuern. Irland hat deshalb mit halb so vielen Arbeitslosen zu kämpfen wie Deutschland und Frankreich. Die grossen Staaten Westeuropas – ausgenommen Grossbritannien – würden besser ihre Hausaufgaben machen als andere ständig zu kritisieren. Eine Angleichung der Steuerquoten in Europa führt automatisch zu stetig ansteigenden Steuern und Abgaben und damit zu sinkendem Wohlstand. Die Schweiz und die übrigen wirtschaftlich erfolgreichen Staaten Europas dürften dem Druck der Grossen keinesfalls nachgeben.