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Gegen Morgen regnet es. Um 10h15, als wir losfahren ist es 14° kalt, total bewölkt, grau in grau, hie und da Regenschauer. Zuerst fahren wir zum „Gezeitenkraftwerk“ bei Dinar.
In der Flussmündung der Rance befindet sich mit der Usine marémotrice de la Rance seit 1966 das weltweit erste und bis 2011 grösste Gezeitenkraftwerk der Welt. Die Usine marémotrice de la Rance ist ein 1966 gebautes Gezeitenkraftwerk in Damm-Bauweise an der Mündung des Flusses Rance zwischen Saint-Malo und Dinard in der Bretagne. Das Kraftwerk bezieht den grösseren Anteil seiner Energiegewinnung aus der Gezeitenströmung des Atlantiks, der an dieser Stelle einen Tidenhub von über acht Metern aufweist. Ein deutlich kleinerer Anteil seiner Leistung kommt aus der ablaufenden Strömung der Flussmündung. Das Kraftwerk speiste 1967 erstmals Strom ins Netz ein und war damit das erste kommerziell genutzte Gezeitenkraftwerk der Welt. Mit seiner Spitzenleistung von insgesamt 240 Megawatt war es mehr als 40 Jahre lang mit grossem Abstand das grösste Kraftwerk dieser Art weltweit (vor dem Gezeitenkraftwerk Annapolis, Kanada, mit nur ca. 20 MW). Im August 2011 wurde es vom koreanischen Werk Sihwa-ho als Rekordhalter bei der Spitzenleistung abgelöst (mit 254 MW). Bereits lange vor dem 20. Jahrhundert gab es in der Bretagne, insbesondere entlang der Rance, Gezeitenmühlen, die die Kraft der Tiden zum Antrieb von Mühlsteinen und anderen Maschinen nutzten.
Der Vorschlag, die starken Gezeiten in der Region auch im großen Stil zur Stromerzeugung zu nutzen, wurde erstmals 1921 gemacht. Ab 1925 gab es im kleinen Ort Aber Wrac’h bei Landéda eine Versuchsanlage, die aber wegen Finanzierungsproblemen bereits fünf Jahre später wieder stillgelegt wurde. Ab 1943 führte die Société d’étude pour l’utilisation des marées (deutsch: Studiengesellschaft zur Nutzung der Gezeiten) eine detaillierte Untersuchung zum Bau eines Gezeitenkraftwerkes an der Rance-Mündung durch. Danach dauerte es noch fast 20 weitere Jahre, bis die Bauarbeiten 1961 unter der Führung von Albert Caquot tatsächlich begannen. Durch zwei provisorische Stauwände aus riesigen Betonzylindern wurde ein Abschnitt der Rance-Mündung trockengelegt, und in der so entstandenen Wanne wurde ab 1963 das heutige Absperrbauwerk mit dem Kraftwerk errichtet. Dies dauerte drei weitere Jahre, bis der Damm am 26. November 1966 durch den französischen Präsidenten Charles de Gaulle feierlich eingeweiht wurde. Im Folgejahr 1967 wurde auch die Strasse über den Damm zur Überfahrt freigegeben und am 4. Dezember 1967 speiste das Kraftwerk erstmals Strom ins nationale Netz ein. Die durch das Kraftwerk vom offenen Meer abgeteilte Bucht der Rance-Mündung hat eine Fläche von etwa 22 km² und ein Speichervolumen von etwa 180 Mio. m³. Bei maximalem Tidenhub strömen mit jeder Tide 720 Mio. m³ Wasser durch das Kraftwerk, was einem mittleren Durchfluss von 15.000 m³/s entspricht (nur Tidenströmung; die Strömung des Flusses nicht mitgerechnet). Das für das Kraftwerk errichtete, insgesamt etwa 750 m lange Absperrbauwerk besteht (von West nach Ost) aus einem 65 m langen und etwa 10 m breiten Schleusenbauwerk für die Schifffahrt, einer 390 m langen, betonierten Staumauer, in die das Maschinenhaus für die 24 Turbinen integriert ist, einem Staudamm von 175 m Länge und einem 115 m breiten Sperrwerk, bestehend aus sechs Abschnitten, durch welche der Tidendurchfluss am Kraftwerk vorbei reguliert werden kann. Das Bauwerk ist überfahrbar, die Route zwischen Dinard und Saint-Malo kreuzt auf diesem Wege die Rance. Im Bereich der Schleuse ist eine Klappbrücke angeordnet, die auch grösseren Schiffen die Passage erlaubt. Durch die Schleuse fahren jährlich etwa 16.000 Schiffe und Boote; über die Strasse zu Spitzenzeiten bis zu 35.000 Fahrzeuge täglich.