Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03187.jsonl.gz/2234

Es haben sich Paten für die Brüder gefunden, und als wir die Familie etwas besser kennen lernen durften, haben wir uns mit ihnen zusammen sehr darüber gefreut.
Bei unserem letzten Besuch hatten wir die Mutter mit den Buben nur kurz getroffen, und Roy hatte später die Details nachgeliefert. Als erstes stolperten wir über das Geburtsdatum des Jüngeren: 01.10.2005!? Da der Vater im Tsunami umgekommen war, konnte das doch gar nicht sein? Mit etwas Rechnen kamen wir dann darauf, dass es sehr wohl sein konnte und für die Mutter besonders tragisch gewesen sein muss.
Sie war nach dem Tsunami zu ihrer Familie nach Bandarawela gezogen. Weil sie dort von jeglicher Hilfe der Regierung ausgeschlossen war, blieb ihr nichts anderes übrig, als mit dem damals dreijährigen Sakeer nach Hambantota in eine Flüchtlings-unterkunft zu ziehen. Eigentlich hätte sie auch ein Häuschen in der Tsunamisiedlung gekommen sollen, aber man habe sie dann in einer Wohnung der World Vision Flats untergebracht. Die Wohnung gehört ihr, sie hat aber keine Besitzurkunde, weil immer noch nicht klar ist, ob die Häuser der Hafenerweiterung werden weichen müssen.
Sie habe während des Ramadan viele Lebensmittelspenden bekommen und hätte damals schon angefangen, Rice and Curry Lunchpakete zum Verkauf herzustellen. Bei unserem ersten Besuch war sie auch am Kochen, und sie zeigte uns Chips Packungen, die sie ebenfalls zum Verkauf herstellt. Da wir sie ganz offensichtlich von ihrer Arbeit abhielten, verabredeten wir uns auf den späteren Nachmittag.
Dann war wieder Rechnen angesagt, und wir haben die arme Frau mit Fragen gelöchert, weil wir vieles einfach nicht fassen konnten.
Sie bekommt eine monatliche Unterstützung von der Regierung von Rs. 250 (CHF 1.85). Nicht etwa pro Familienmitglied, sondern für alle Drei. Zusätzlich Lebensmittel, wahlweise Reis, Linsen oder Öl im Wert von Rs. 360 (CHF 2.65). Auch pro Monat und pro Familie.
Die Gasflasche hat sie von UNICEF geschenkt bekommen, die Füllung von Rs. 2400 muss sie selber bestreiten, sie reicht für 40 Tage. Das Tuk Tuk für den Transport in die Schule kostet pro Kind und Monat Rs. 800. Um Geld zu sparen, hatten sie für Sakeer ein Fahrrad für Rs. 2000 gekauft.
Sie konnte den Gewinn, den sie mit den Chips erzielt, nicht genau beziffern. Sie würde verschieden grosse Packungen verkaufen, die grossen an Läden und die kleineren an Kioske. Mit fünf Kilo Reismehl würde sie ca. Rs. 450 erwirtschaften, pro Lunchpacket ca. Rs. 20. Unvorstellbar, wie die Frau ihre kleine Familie durchgebracht hat.
10 Kilo Mehl nach Hause schleppen, dünne Fladen herstellen, zusammen mit Erbsen und Chili frittieren, abpacken und zurück in die Stadt, alles verkaufen – schon hat man das Geld für den Schulbus für ein Kind zusammen!?
Ihr Hauptabnehmer für die Chips, ein örtlicher Supermarkt, wurde Anfang dieses Jahres wegen des Hafenumbaus abgerissen. Sie sei sehr verzweifelt gewesen, und da sei die Nachricht von Roy gekommen, dass Geld für sie überwiesen worden sei. Als das Geld im folgenden Monat wieder gekommen sei, habe sie die Buben für Kurse in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften angemeldet. Am Sonntag würden sie noch Klassen für Singhalesisch und Religion besuchen. Ihre Dankbarkeit war zum Steinerweichen.
Die beiden Buben sassen die ganze Zeit still neben der Mutter und haben das Gespräch mit grossen Augen verfolgt. Wir fragten Sakeer, ob er uns sein Fahrrad zeigen würde, und nach einem fragenden Blick auf die Mutter flitzte der Junge los. Fünf Minuten später fuhr er damit vor, stellte es in die Mitte unserer Runde und setzte sich wieder neben seine Mutter. Das Fahrrad war in erbärmlichen Zustand mit völlig abgewetzten Bremsklötzen.
Während wir uns unterhielten, wurde er immer zappeliger und flüsterte und zupfte die Mutter am Ärmel. Da wir so viele Fragen gestellt hätten, sei er jetzt dran. Was er denn wissen möchte? Schluss-endlich musste die Mutter das Offensichtliche aussprechen: ob er denn vielleicht ein neues Fahrrad bekommen würde?
Ei freilich! Das Fahrrad im Singer Shop war zwar zusammengebaut, aber musste noch zum Fahrradmechaniker. Dort haben wir uns am nächsten Tag getroffen und auch das alte Fahrrad abgegeben, damit es für Sameer in Stand gestellt werden konnte.
Die Beiden besuchen eine tamilische Schule und sind ein bisschen klein und ein bisschen zu ernsthaft für ihr Alter. Wir hoffen sehr, dass sich dies ändern wird und auch die Mutter ein bisschen zur Ruhe kommt.
Wir möchten an dieser Stelle den Patenpaaren Christine und Bernhard und Sandra und Thomas ganz herzlich danken.
Ebenfalls bedanken möchten wir uns bei der Bank CIC (Schweiz) die alle Überweisungen kostenfrei ausführt! Jeder Rappen kommt somit beim Empfänger an.