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Şener Arslan
Ekonomi ve Yatırım Uzmanı
Wirtschafts- und Anlagespezialist
Für die Gesellschaft ist die Landeswährung, in der sie sich aufhält, massgebend. Spätestens im Urlaub wird festgestellt, dass der Wert und damit der Preis einer anderen Währung nicht immer gleichbleibend ist. Die Gründe für diese Unterschiede zu verstehen, ist aber nicht trivial. Begriffe wie schwache Wirtschaft, hohe Schulden, Währungskrieg, Deflation, Inflation etc. werden häufig in diesem Zusammenhang verwendet. Diesen Bezeichnungen jedoch einen Sinn zu geben und richtig einzuordnen, ist komplex. So können Fragen entstehen, wie: „Welchen Zusammenhang hat die Währung mit der Wirtschaftsentwicklung? Wer bestimmt den Wert der Währung eines Landes?“ Diese und weitere Fragen werden in den folgenden Artikeln beantwortet. Einen besonderen Fokus muss hier jedoch auf die Aktivität der grossen Notenbanken gelegt werden, die im letzten Jahrzehnt massgeblich die Währungsentwicklungen geprägt haben.
Lassen Sie uns dazu jedoch zuerst einen kleinen Exkurs in den Sommer 2007 machen. Zu diesem Zeitpunkt platzte in den Vereinigten Staaten von Amerika die Immobilienblase. Der Grund für diese Krise und deren detaillierten Auswirkungen, werde ich in zukünftigen Artikeln aufnehmen. Der wirtschaftliche Abschwung geschah erstmals in den USA und entwickelte sich anschliessend zu einer Angelegenheit, welche die ganze Welt beeinflusste und wurde somit zu einer Weltwirtschaftskrise. Dies zeichnete sich mit stagnierenden und schrumpfenden Wachstumszahlen, hoher Arbeitslosigkeit und Wertvernichtungen auf den Finanzmärkten, aus. Damit sich die Krise nicht noch schlimmer ausweitete und ein ähnliches Mass annahm, wie in der Weltwirtschaftskrise um 1929, haben die Zentralbanken im Jahr 2007 und den darauf folgenden Jahren massiv auf die bedrohliche Situation reagiert. Sie haben in diesem Zusammenhang die Zinsen gesenkt, Staatsanleihen sowie angeschlagene Kreditpapiere von den Banken aufgekauft und die Wirtschaft mit Liquidität überflutet. Dies wirkte sich stark auf die monetäre Basis bzw. der in der Wirtschaft eingepumpter Liquidität aus, wie hier am Beispiel der US-Zentralbank FED ersichtlich. Aufgrund des hohen USD-Angebots, das durch die FED sichergestellt wurde, entwertete sich der USD in den darauffolgenden Jahren. Der Wert des USD hat in der Tendenz von 2007 bis 2011 abgenommen, um fast 20% gegenüber den wichtigsten Handelswährungen. Durch den Aufschwung der US-Wirtschaft und der lockernden Geldpolitik in Europa und Japan wurde dieser Trend in den letzten Jahren wieder gestoppt.
Kommen wir zu Europa, der grösste Handelspartner der Schweiz. Es war nicht überraschend, dass nachdem sich die Wirtschafts- und Schuldenkrise in Europa ausweitete im 2011, auch die Schweiz direkt betroffen war. In Europa kam zu der Wirtschaftskrise noch dazu, dass sich einzelne Länder in der Gemeinschaftswährung, mit weniger Erfolg, an den Maastrichter Regeln von 1992 gehalten haben. Insbesondere die Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien, welche gemeinsam als die PIIGS bekannt wurden, hatten strukturelle Defizite im Land. Sie waren überschuldet, hatten gleichzeitig mit einer schrumpfenden Wirtschaft zu kämpfen. Entscheidende Reformen für einen Wachstum wurden nicht eingeführt. Dies führte dazu, dass die Zinsen für neue Verschuldungen/ Kredite dementsprechend anstiegen. In der Hochphase der Krise im Jahr 2012 bezahlte beispielsweise Spanien 7% Zinsen für ihre 10 Jährigen Staatsanleihen. Zum damaligen Zeitpunkt berichteten die Medien über einen potentiellen Zusammenbruch des EUR als gemeinsame Währung. Vor allem Mario Draghi war es, der mit einer ultralockeren Geldpolitik und hoffnungsvollen Versprechen, die Märkte massiv beruhigte. Aus diesem Grund ist es heute möglich, dass sich Spanien mit 1.5% verschuldet. Die Absicht hinter dieser expansiven Geldpolitik, ist es einerseits den schwächeren Ländern dabei zu helfen neue Investitionen kostengünstiger zu tätigen und andererseits mehr Zeit für Reformen zu gewinnen. Zudem sollte die Geldschwemme den EUR schwächen und Länder mit einer starken Exportwirtschaft, wie Deutschland, unterstützen. Die Schwächung der Währung gelang in diesem Fall, im Vergleich um US FED, auch der europäischen Notenbank. Vor zwei Wochen meldete Spanien für das Jahr 2015 eine Wachstumsprognose von 2.9%, während dem es im Jahr 2013 um 2.5% schrumpfte. Das Eingreifen der Zentralbanken hat jedoch nicht nur positive Auswirkungen. Dieses übermässige Eingreifen lässt unabdingbar neue Blasen in den Finanzmärkten und Realwirtschaft entstehen. Für Unternehmen steht billiges Geld zur Verfügung, allerdings kann über die Erträge und Renditemöglichkeiten der Investitionsprojekte nur spekuliert werden. Die Zentralbanken blähen ihre Bilanzen aus, aber wie kann der Ausstieg aus dieser Schuldenfinanzierung durch öffentliche Instanzen eingeleitet werden? Die dabei entstandenen Kollateralschäden werden in diesem und in den nächsten Artikeln näher erläutert.
Am Beispiel der Schweiz ist gut ersichtlich, dass das Verhalten der unterschiedlichen Zentralbanken und Anleger dazu führte, dass sich der CHF gegenüber dem EUR massiv überbewertet hat. Der EUR/CHF sollte gemessen, an der Kaufkraftparität bei ca. 1.30 liegen. Dies war auch längere Zeit der Fall. In der Krise brach dieser Zustand jedoch ein, da der CHF im Vergleich zum EUR als sicheren Hafen gegolten hat. Um die eigene Exportwirtschaft nicht zu stark zu beinträchtigen, wurde der CHF durch die SNB auf das künstliche Niveau von 1.20 gehalten. Die Untergrenze von 1.20 musste anfangs 2015 jedoch aufgehoben werden, weil die Europäische Zentralbank (EZB) einen erneuten Start mit massiver Liquiditätsschwemme in Europa gestartet hatte. Dieser Umstand hätte die CH-Wirtschaft und Geldpolitik nochmals stärker von Europa und deren Krisen (Wirtschaft-/Schuldenkrise, Griechenland) abhängig gemacht. Seither sind wir in einer Preisfindungsphase für den EUR / CHF. Die SNB hat negative Zinsen einführt, um für ausländische Investoren und Grossinvestoren den CHF etwas weniger attraktiv zu machen. Dies gelingt ihr mit mässigem Erfolg, weil die Grossinvestoren in CHF Bundesobligationen weiterhin und sogar noch stärker investieren, welche neuerdings bis zu 10 Jahre negativ rentieren. Ein Novum in der Geschichte der Finanzmärkte.
Für die privaten Haushalte ist ein starker CHF willkommen, weil man dadurch günstiger im Ausland einkaufen oder reisen kann. Aus Sicht der Gesamtwirtschaft ist dies jedoch gegenteilig der Fall, da mit einem starken Franken unter anderem die Exportwirtschaft und die Tourismusbranche der Schweiz leiden.
Deswegen bleibt zu hoffen, dass der Euroraum nach sechs Krisenjahren endlich wieder belebt wird und damit den EUR gestärkt wird. Die ersten Anzeichen eines positiven Wachstums aus Deutschland, Spanien und Irland sind bereits sichtbar. Nun ist zu hoffen, dass die seit längerem angespannte Situation in Griechenland, ohne weitere Kollateralschäden bewältigt werden kann.
Ich wünsche Ihnen einen kostengünstigen Sommerurlaub, dank des starken CHF.