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In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm Wädenswil einen gewaltigen Aufschwung. Das Bauerndorf begann sich zur Industriegemeinde zu wandeln. In der Gegend zwischen Luftquartier und Giessen entstanden 1826 – zum Teil unter anderen Bezeichnungen – gleich vier Unternehmen, die heute noch existieren: die Brauerei Wädenswil, Weber AG; die Tuchfabrik Pfenninger & Cie, AG, die Pferdehaarspinnerei J. Schnyder AG und die Seifenfabrik Sträuli AG. Die folgenden Beiträge orientieren über die bewegte Geschichte dieser Betriebe, die 1976 auf 150jähriges Bestehen zurückblicken konnten.
J. Schnyder AG
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1976 von Max Brupbacher
1813 verheiratete sich Johann Jakob Schnyder (1788-1856) mit Anna Hochstrasser aus Meilen, die schon als 16jährige Tochter ins Welschland gewandert war, um in Boudry das Rosshaarspinnen zu erlernen. 1826 eröffnete das junge Paar im Wädenswiler Luftquartier eine Rosshaarspinnerei, die 1834 ins neu erbaute Haus «Zum Morgenstern» verlegt wurde. Im Unternehmen wurde unermüdlich gearbeitet: Weil wohlhabende Leute nicht mehr auf Laubsäcken, sondern auf Rosshaarmatratzen schlafen wollten, blühte das Geschäft.
1834 gliederte Jean Schnyder seinem Betrieb eine Seifensiederei an. Diese gab man aber 1860 wieder auf, nachdem die beiden Söhne Eduard und Konrad 1843 in Biel eine gutgehende eigene Seifenfabrik gegründet hatten.
Nach dem Tode Johann Jakob Schnyders im Jahre 1856 führte Jean Schnyder-Blattmann (1831-1903) das Unternehmen weiter. 1873 erwarb er den Sägereibetrieb von Jakob Rebmann an der Reidholzstrasse (Einsiedlerstrasse) und konnte nun Wäscherei und Färberei mit Wasser aus eigenem Weiher speisen. Auf zusätzlich erworbenem Land baute er bis 1901 seine Fabrik etappenweise aus. 1903 übernahm Paul Schnyder-Welti (1871-1915) den Betrieb seines verstorbenen Vaters. 1918 wurde das Unternehmen in eine Familienaktiengesellschaft, J. Schnyder AG, umgewandelt. 1929 erweiterte man die Fabrik an der Einsiedlerstrasse auf vier Stockwerke zu je 1400 Quadratmeter Fläche. Inzwischen hatte man der Rosshaarspinnerei weitere Produktionszweige angegliedert: die Verarbeitung von Schafwolle als Matratzenauflage und die Herstellung von Polstermatten sowie von gummierten Haaren für die Polster- und Autoindustrie. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man den damals neu auf dem Markt erschienenen Kunstschaumstoffen und deren Anwendungsmöglichkeiten.
Am 15. August 1957 wurde die Fabrik durch einen Grossbrand heimgesucht. So gross der Schaden an Gebäude und Material auch war, gab dieses Unglück doch den Anstoss zu einer völlig neuen Epoche. In konsequentem und eifrigem Einsatz verwandelte man die ehemalige «Rosshaari» in die moderne, heute bestbekannte J. Schnyder AG, Fabrik für Matratzen und Liegemöbel.