Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03352.jsonl.gz/2849

Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und gesundheitliche Probleme
Ausgangslage
Frau A. ist verheiratet und ist wie ihr Mann erwerbstätig. Das Paar hat zwei Kinder im Vorschulalter. Vor sechs Monaten war sie nach dem Mutterschaftsurlaub wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Sie hatte jedoch die Doppelbelastung unterschätzt und fühlte sich bald von den unterschiedlichen Ansprüchen überfordert. Schuldgefühle gegenüber Arbeitgeberin, Kindern, Partner und dem Freundeskreis plagten sie zunehmend.
Auftrag an Proitera
Frau A. erwartete von uns Unterstützung, damit sie aus der Erschöpfung herausfinden und künftig allen Ansprüchen gerecht werden könnte.
Intervention Proitera
Im Erstgespräch beschrieb sie sich als ausgebrannt und energielos. Sie habe Schlafprobleme. Auf der Skala von 0–100% betrage ihre Energie nur noch 25%. Eine Krankschreibung wegen Erschöpfung komme nicht infrage und eine Pensenreduktion sei aus finanziellen Gründen nicht möglich. Eine ärztliche Konsultation erachteten wir zu Beginn als notwendig, um die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen und die Leistungs- resp. Konzentrationsfähigkeit am Arbeitsplatz sicherzustellen. Dazu willigte Frau A. ein, denn sie besagte, sich infolge Stress nicht ausgewogen ernährt zu haben. Nach den medizinischen Aspekten folgte die Auseinandersetzung über die unterschiedlichen Herausforderungen und Verpflichtungen. Frau A. meinte: 'Ich will immer zu viel und überlade den Karren!' Sie merkte dabei, dass bereits diese Einsicht entlastend wirkte. Die angenehme Gesprächsatmosphäre bei uns täte ihr gut und erleichtere das offene und ehrliche Gespräch. Sie stellte fest, dass sie solche Gespräche mit dem Mann vermisste. Gerne würde sie ihm sagen, dass sie sich überlastet fühlte und die Arbeit reduzieren möchte. Ihr wurde bewusst, dass sie sich als Versagerin fühlte. Das Ja zum zweiten Kind war nämlich an das Versprechen geknüpft, dass sie zu 80% erwerbstätig bleiben würde. Durch 'Focusing', eine Intervention nach Gendlin, konnte sie ihre Beklemmung lokalisieren und Mut schöpfen, zu ihrer Selbstüberschätzung zu stehen. Ihre Mutter um Unterstützung mit der Kinderbetreuung anzufragen und das Gespräch mit ihrem Mann und dem Vorgesetzten zu suchen, erschien ihr plötzlich machbar und klug. Eine Budgetberatung im Folgegespräch half ihr, die finanzielle Situation besser einzuschätzen und Existenzängste abzubauen. Im Abschlussgespräch wurden die ärztliche Beurteilung und die mit dem Ehemann erfolgten Gespräche besprochen und Bilanz gezogen. Diese fiel sehr positiv aus.
Ergebnis
Die Gespräche entlasteten und halfen Frau A., ihre Situation und ihr Verhalten objektiver zu reflektieren, meinte sie. Die Überlastung benennen und dazu stehen zu können, empfand sie als 'halbe Miete'. Das Gespräch mit dem Vorgesetzten fiel entgegen ihrer Befürchtung verständnisvoll und wohlwollend aus. 'Ich habe Glück', sagte sie strahlend. 'Ich werde voraussichtlich eine 40%-Stelle erhalten! Und falls das nicht klappen sollte, weiss ich, dass ich sogar eine Weile zu Hause bleiben kann.' Per Mail teilte sie ihrer Beraterin später mit: 'Mit dem internen Stellenwechsel klappt es!' Frau A. hat es geschafft, ohne Krankenabsenzen alle Anforderungen unter 'einen Hut' zu bringen. Die Firma hat eine erfahrene, geschätzte Mitarbeiterin halten können.