Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03605.jsonl.gz/2304

Hodel, seine Frau und eine Helferin wollten im März 2012 das Springpferd «Saten» verladefähig machen, also das Pferd dazu bringen, in den Anhänger zu steigen und dort stehen zu bleiben. «Saten» trat jedoch jeweils rückwärts die Flucht an.
Dabei drückte er sich einmal gar unter der Querstange durch und verletzte sich dabei an der Wirbelsäule. Zwei Monate später wurde das Pferd eingeschläfert. Das tierärztliche Gutachten spricht dabei von einem «in seiner Art einmaligen Vorfall», wie es bei der Urteilseröffnung hiess.
«Es wurde nicht gequält»
Dass das Pferd unter Stress stand, liege in der Natur der Sache, urteilte das Gericht. Das Tier sei aber weder überanstrengt noch sei ihm Schaden zugefügt worden. «Es wurde also auch nicht gequält.» Dass es sich unter der Stange durchzwängen und dabei verletzten würde, sei nicht voraussehbar gewesen. Deshalb könne man auch nicht sagen, dass die Beteiligten den Unfall verursacht hätten. Das Training habe auch nicht zu lange gedauert.
Das Gericht hielt zudem fest, dass die Anspannung von «Saten» während des Trainings nicht konstant hoch gewesen sei. Es sei normal, einen gewissen Druck auszuüben, wenn sich das Tier weigere. Dabei spreche man aber nicht gleich von Tierquälerei. Auch die angewandte Methode sei gemäss Gutachter korrekt gewesen.
Mögliche Zukunft als Freizeitpferd
Das Gericht sprach die Beschuldigten nicht nur frei, es äusserte sich auch zum Tod des Pferdes und ging mit den Besitzern hart ins Gericht. Denn ein Gutachten widerlegt, dass das Tier hätte eingeschläfert werden müssen. Die Spezialistenmeinung sei, dass «Saten» nach der Ausheilung durchaus als Freizeitpferd oder dank Spezialsattel auch als Reitpferd hätte eingesetzt werden können.
Es habe aber von seinen Besitzern nie eine Chance erhalten, sich zu regenerieren und beispielsweise bei einem anderen Besitzer als Freizeitpferd zu leben. Die Richter sähen im Tod des Pferdes «keinen Sinn». Es sei frappierend, wie schnell man sich von einem Tier trenne und einen Tierarzt finde, der einem darin unterstütze.
Ersatz stand bereits im Stall
Die Besitzer, die das Tier als Springpferd einsetzen wollten, fürchteten wohl die hohen Kosten einer Operation. Dies schrieben sie zumindest in einer E-Mail, die dem Gericht vorlag. Noch vor dem Tod von «Saten» stand sein Ersatz bereits im Stall. Die Verteidigerin vermutete im Prozess denn auch, dass es bei der ganzen Sache eigentlich nur um Geld gehe.
«Ich bin überzeugt, dass wir nach besten Wissen und Gewissen gehandelt haben. Wir haben nichts falsch gemacht», sagte Hodel während des Prozesses. Entsprechend gross ist seine Erleichterung darüber, dass das Obergericht seiner Darstellung folgte, die drei Beschuldigten freisprach und die Schadensersatzklage auf den Zivilweg verwies. «Wir sind wahnsinnig erleichtert, dass etwas Alltägliches nicht bestraft wird», sagte seine Anwältin Daniela Fischer gegenüber der sda. «Das Urteil schafft Klarheit.»
Zu bedingter Geldstrafe verurteilt
Seit der Verurteilung durch das Bezirksgericht Affoltern ZH zu bedingten Geldstrafen machten die Beschuldigten gemäss eigenen Angaben eine schwierige Zeit durch. Kunden würden es sich heute zweimal überlegen, ob sie bei ihnen ein Pferd kaufen sollen.
«Es bricht mir das Herz, so in der Öffentlichkeit zu stehen», sagte Hodels Ehefrau. Sie hätten sogar Morddrohungen erhalten. Dabei sei ihr Leben von Pferden geprägt. Ob die Staatsanwaltschaft das Urteil weiterzieht, ist noch unklar.