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Dies ist der Teil des Pantanal-Gebietes, welcher sich um den Oberlauf des Rio Paraguai erstreckt, im Südwesten des Bundesstaates Mato Grosso, an der Grenze zu Bolivien. Die Serra das Araras begrenzt hier die weite Ebene des Pantanal zum Norden hin. In diesem Gebirge findet man Felswände, Wasserfälle und Seen, zum Beispiel auch die geheimnisvolle Lagune von „Águas Milagrosas“ (die Wunder wirkenden Wasser).
Gegen Westen erstreckt sich die Pantanal-Ebene bis nach „Vila Bela da Santissima Trindade“, der kolonialen Hauptstadt der „Provinz Mato Grosso“. Sie lag damals auf dem Flussweg der Bandeirantes und anderer Abenteurer, die in Richtung Amazonasbecken unterwegs waren und wurde ein wichtiger Stützpunkt für entsprechende Expeditionen.
Es ist möglich durch das „Pantanal de Cáceres“ auf dem Rio Paraguai, der hier noch wenig Wasser führt, nach Süden zu fahren – bis zu einer der wenigen Naturschutz-Einheiten des Pantanal, der „Estação Ecológica Taiamã“. Sowohl am Ufer, als auch im Innern der Region, sind die bedeutenden antiken Vieh-Fazendas vom Anfang der Kolonialzeit längst stillgelegt worden.
In der kleinen Stadt „Cáceres“ zeugen noch viele historische Gebäudefassaden aus dieser Zeit und ein regionales Museum steuert einige interessante Exponate zu der Geschichte bei. Vom Flusshafen aus starten gut ausgerüstete Hausboote zu mehrtägigen Ausflugsfahrten – mit Vollpension und Übernachtung an Bord. Die Stadt organisiert alljährlich im September das „Festa International de Pesca“ (Internationales Angler-Festival), das grösste internationale Sportangler-Treffen im Pantanal.
Cáceres liegt 215 km westlich von der Hauptstadt Cuiabá, auf 118 m Höhe, am linken Ufer des Rio Paraguai – Anfahrt über die Bundesstrasse BR-070.
Die Stadt hat einen eigenen Flughafen, der auch für grössere Maschinen tauglich ist. Innerhalb einer City-Tour von zwei Stunden kann man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennen lernen. Zum Beispiel den Platz „Praça Barão do Rio Branco“ – beliebter Treffpunkt der Nachtschwärmer – dort befindet sich auch die „Igreja Matriz“ und der Kai des Flusshafens, von dem aus man den Sonnenuntergang am besten beobachten kann. Das schon erwähnte „Museu Histórico“ hat die kompletteste und best organisierte Sammlung von Mato Grosso! Die schmalen Gassen des Stadtzentrums sind flankiert von Jahrhunderte alten Gebäuden in gut konserviertem Zustand. In der antiken „Rua da Manga“, wo das Vieh von und auf die sogenannten „Chalanas“ verladen wurde – einer typischen Bootskonstruktion des Pantanal – sind die historischen Gebäude zwei Stockwerke hoch, man nennt diese Art in Brasilien „Sobrados“. Dieser Baustil hatte seine Begründung in den regelmässigen Überschwemmungen, während der sich die Bewohner ins obere Stockwerk flüchteten. Viele dieser Gebäude sind – und werden noch – restauriert und remodelliert. Sehenswert sind: die Gebäude in der „Rua Coronel José Dulce“, von 1896 bis 1919, das Gebäude des alten Geschäfts „O Anjo da Ventura“, welches einen Engel auf dem Dach trägt.
Die Flüsse waren einmal verantwortlich für die gesamte Entwicklung des Pantanal. Und die Flusswege haben auch jene Emigranten nach Cáceres gebracht – Italiener, Franzosen, Engländer, Belgier, Amerikaner und Libanesen – die sich mit der lokalen Bevölkerung gemischt haben. Der Dampfer „Etrúria“ war während fünfzig Jahren das berühmteste „Schiffs-Hotel“ der Stadt, das die Route „Cáceres – Corumbá“, und zurück, regelmässig fuhr. Sie dauerte rund fünf Tage. Der Dampfer, ein Symbol des Luxus und Komforts, transportierte Passagiere und auch Fracht und war die bedeutendste Verbindung zwischen dem Norden von Mato Grosso und dem Rest Brasiliens. Heute benutzt man die „Etrúria“, um Flussverkehrs-Signale zu transportieren und an den vorbestimmten Orten zu verankern.
Heutzutage gibt es keine reguläre Schiffsverbindung mehr nach Cáceres. Aber einige gute „Bootels“ (Boot+Hotel), die für Sportangler und Touristen ausgerüstet sind und entsprechende Routen befahren.
„Theodore Rossevelt“, Expräsident der Vereinigten Staaten von Amerika (1933-45) schrieb: „Am Nachmittag des fünften Tages erreichten wir die hübsche alte Stadt São Luís de Cáceres, am Ende der bewohnten Region des Bundesstaates von Mato Grosso. Die Strassen der kleinen Stadt, ohne Bepflasterung, hatten schmale Fusswege aus Backstein. Die Häuser, ebenerdig, waren weiss und blau, mit roten Ziegeln und Veranden mit Holzgittern, in altem Kolonialstil….“
Es gibt eine Strassenverbindung von „Cáceres“ nach „San Matias“, in Bolivien – einer Freihandelszone – etwa 90 km auf der BR-70, von denen 40 km asphaltiert sind. Aus Gründen der absoluten Einsamkeit und fehlender verkehrstechnischer und polizeilicher Unterstützung empfiehlt es sich, diese Strasse nicht bei Nacht zu benutzen.
Jedes Jahr im September gelingt es der kleinen Stadt Cáceres ein Publikum von über 200.000 Besuchern zu ihrem berühmten internationalen Angelsport-Fest in ihren Mauern unterzubringen und zu verköstigen – kulturelle wie folkloristische Shows werden zu dieser Gelegenheit ebenfalls präsentiert. Zentrum der Veranstaltung wird dann der Hafenkai, wo mehr als 400 nationale und internationale Teams in Alubooten hinaus auf den Rio Paraguai starten. Jetzt geht es nur noch um den grössten Fisch an der Angel und um den glücklichen Angler! Während dessen finden sich am Ufer sowohl Zuschauer als auch viele Kinder und Jugendliche ein, letztere mit ihren Bambusangeln zum „Trainieren“.
Grösster Fisch bei diesem Festival war ein „Surubim“ von 1,32 m Länge und einem Gewicht von 35 kg (1999), der von den begleitenden Preisrichtern vermessen, gewogen und fotografiert wurde – und dann wieder ins feuchte Element entlassen!!! Heutzutage gehört das „Pesque-e-solte“ („fangen und freilassen“) zum sportlichen Verhalten eines Sportanglers, nicht nur im Pantanal! Andernfalls könnte man ein solches Fisch-Festival nicht durchführen, ohne dem Fischbestand bleibenden Schaden zuzufügen. Während des Wettbewerbs werden Aufsichtspersonen zur Überwachung des korrekten Verhaltens der Teilnehmer eingesetzt. Es dürfen zum Beispiel auch keine Haken mit mehreren Spitzen verwendet werden, um den Fisch so wenig wie möglich zu verletzen.
Ein Eintrag im „Guiness Book“ der Rekorde bezeichnet das Festival von Cáceres als „die grösste Veranstaltung von Süsswasser-Fischerei der Welt“. Wer dabei mitmachen möchte, sollte allerdings möglichst ein Jahr im Voraus bereits buchen.
Vielleicht ist der folgende Spruch, den ich von einem „Cacerenser“ Bürger hörte, aussagekräftig genug, um sich die Temperatur in dieser Stadt vorstellen zu können: „Wenn ein Cacerenser stirbt und in die Hölle kommt, bittet er den Teufel zuerst um eine Decke“!
„Cachoeira das Piraputangas“
Ist ein Wasserfall, der sich 12 km von Cáceres befindet, man erreicht ihn über eine Erdpiste in Richtung „Barra do Bugres“. Das Flüsschen, welches diesen Wasserfall speist, liegt auf einem privaten Gelände. Insgesamt drei Wasserfälle, die einen Natur-Pool formen, nicht sehr tief und sehr angenehm zum Baden. Wenige Meter nur von der Strasse entfernt, wird dieses Naturschwimmbad an den Wochenenden von den Bürgern aus Cáceres stark frequentiert.
„Dolina Água Milagrosa“
Ist ein kreisrunder, tiefblauer Grotten-See, 22 km von Cáceres. Man erreicht ihn über die gleiche Erdstrasse in Richtung „Barra do Bugres“ (12 km) und anschliessend noch 10 km auf einer schlechten Erdpiste, mit verschiedenen „Porteiras“ – das sind Weidezaun-Tore, die man auf- und, nach Durchfahrt, wieder zumachen muss! Der Weg führt durch verschiedene Fazendas und schlängelt sich entlang dem See der Serra das Araras – mit Sicht auf eindrucksvolle Felswände. Man lässt das Fahrzeug schliesslich auf einem improvisierten Parkplatz und steigt etwa 50 Meter hoch. Von dort hat man den ersten wunderbaren Blick auf die kreisrunde Wasseroberfläche, welche von allen Seiten durch steile Felsen eingerahmt wird. Es handelt sich um eine sogenannte „Dolina“ – eine geologische Bezeichnung, welche den Abrutsch eines Terrains innerhalb von Kalkfelsen definiert. Um bis zur Wasseroberfläche zu gelangen, kann man eine sehr steile Felsentreppe benutzen, mit einem dicken Seil zum Festhalten.
Früher löschten die Sklaven mit diesem Wasser ihren Durst und badeten in ihm ihre Wunden, und man sagt dem Wasser heilende Wirkung nach. Taucher haben seine Tiefe auf 183 m vermessen. Während der Trockenzeit nimmt das Wasser eine tiefblaue Farbe an, die während der Regenperiode in ein tiefes Grün wechselt. Angeln und Schwimmen im See ist nicht erlaubt. In der Nähe befindet sich ein bescheidenes Restaurant mit regionaler Küche.
„Fazenda Descalvados“
Ist eine vollkommen restaurierte antike Fazenda aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts – 90 km von der Stadt entfernt und mitten im „Pantanal von Cáceres“. Man kann sie auf dem Landweg, über ein ziemlich schlechte Erdpiste bis „Fazenda Baiazinha“ und weiter 40 Minuten per Boot, erreichen, oder man lässt sich gleich mit einem Motorboot hinfahren, das dazu etwa 4 Stunden braucht.
Der Komplex gehörte in der Zwischenzeit schon einmal Amerikanern und dann Belgiern, bis er wieder, während des zweiten Weltkriegs, in den Besitz traditioneller brasilianischer Familien zurückfiel. Ihm angeschlossen sind eine Seifenfabrik und eine für Fleisch-Extrakt, der nach Europa exportiert wurde. Darüber hinaus gehören ein Gefängnis, eine Telegrafenstation, eine Kirche und eine Schule zum Komplex, der wunderbar, nach dem alten historischen Original, restauriert worden ist und kürzlich in eine „Pousada“ mit 9 Appartements verwandelt wurde.
Rundherum gibt es diverse Wanderwege. Einer davon führt hinauf zu einem Gipfel, dem „Morro Serro Boiada“, von wo man einen herrlichen Blick über das Pantanal geniesst. Diesen Ausflug kann man auch teilen: in einundeinhalb Stunden Fahrzeug plus eine Stunde zu Fuss. Zwischen August und September, wenn der allgemeine Wasserstand besonders niedrig ist, kann man die Tiere in der „Baía do Jacaré“ beobachten. Auf diesem Ausflug (3 Stunden) kann man u. a. auch die Reste eines uralten indianischen Friedhofs entdecken. Auf einem anderen Ausflug, der per Motorboot stattfindet, können die Gäste wilde Büffel beobachten.
„Estação Ecológica Taiamã“
Diese Umweltschutz-Einheit befindet sich 90 km von Cáceres in südlicher Richtung und mitten im Pantanal. Zu erreichen über eine sehr schlechte Erdpiste und dann noch etwa 1 Stunde per Motorboot – oder gleich mit dem Motorboot, Dauer der Fahrt dann insgesamt 5 Stunden.
Diese von der IBAMA (brasilianische Behörde für Umweltschutz) betriebene Pantanal-Station befindet sich auf einer Insel des Rio Paraguai, der „Ilha de Sararé“ – aber ohne jegliche Infrastruktur zum Empfang von Besuchern. Sie wurde am 2. Juli 1981 gegründet, mit einem anfänglichen Areal von 11.200 Hektar. 1983 konnte diese Fläche auf 16.000 Hektar erweitert werden. Der Name „Taiamã“ stammt von einem kleinen Vogel, den man auch „Talha-Mar“ nennt – Meer-Zerschneider. Man kann ihn überall im Pantanal beobachten, wie er im Gleitflug, dicht über der Wasseroberfläche, diese mit seinem orangeroten Schnabel, wie mit einer Schere zerteilt, wenn er dabei einen Fisch erwischt, klappt die Schere zu. Um diese Art des Fischens noch zu verbessern, ist die untere Schnabelhälfte etwas länger ausgebildet als die obere.
Mehr als 90% des Terrains der Station sind von einer Überschwemmungsebene mit dichtem hohem Gras bedeckt – voller kleiner Lagunen. Ein ideales Gelände für Wasserschweine, Brillenkaimane und Fische. Man entdeckt hier auch Tuiuiú-Störche, Affen, in den Waldstücken, den Pantanal-Hirsch und, mit ein bisschen Glück, den Jaguar am Flussufer. Die Station selbst wird für ökologische Studien benutzt und ist für Publikumsbesuch nicht geöffnet. Hinkommen kann man nur per Boot – eventuelle Besucher dürfen hier aber nicht an Land gehen. Eine Fahrt rund um die Insel dauert in etwa 2 bis 4 Stunden, je nach Bootstyp.
Kaiman-Zucht
Die „Kooperative der Züchter von Kaimanen des Pantanal“ (Coocrijapan) ist eine Vereinigung, die sich einerseits zur Aufgabe gemacht hat, der illegalen Jagd auf diese Reptilien entgegenzuwirken und andererseits eine alternative Wirtschaftsquelle für die Farmer der Region zu erschliessen. Sie wurde 1991 gegründet, ihr Hauptsitz befindet sich im Distrikt von Cáceres. Von der IBAMA mit allen legalen Rechten versehen, hat die Zuchtgemeinschaft inzwischen 20 Mitglieder. Sie kommerzialisiert Kaimanfleisch – ein typisches Gericht der „Pantaneiros“ – sowie die wertvolle Haut der Tiere und Knochenmehl. Sie besitzt 11 Stallungen – mit Klima-Beschaffenheit und Temperatur-Kontrolle – sie haben eine Kapazität, 100.000 Tiere pro Jahr zu produzieren. Jedes Mitglied ist persönlich für die Brutzeit der Eier bis zur Schlüpfung der Jungtiere – nach zirka 70 Tagen verantwortlich. Dann werden die Jungen an die Kooperative weitergegeben, um dort unter Aufsicht bis zur Schlachtung heranzuwachsen.
Ein „Vorteil“ der Kaimanzucht ist, dass man von den gezüchteten Tieren die gesamte Haut für die Konfektion von Taschen, Schuhen, Gürteln und anderen Artikeln verwenden kann – während bei den abgeschossenen, gewilderten Exemplaren lediglich die der Sonnen nicht ausgesetzten Teilstücke Verwendung fanden. (Besuche nach Vereinbarung).
„Vila Bela de Santissima Trindade“
Die schon erwähnte antike Hauptstadt der „Provinz Mato Grosso“ liegt 318 km von Cáceres, in nordwestlicher Richtung. Anfahrt über die Bundestrasse BR-070 bis nach „Pontes e Lacerda“ – nach der Kreuzung noch 25 km Landstrasse (alles asphaltiert). Die ehemalige Hauptstadt von Mato Grosso ist heute ein kleines, verschlafenes Nest am Rio Guaporé – sie wurde 1752 gegründet und gehört bereits zum Amazonasbecken.
Die dicken Adobe-Wände der Kirche von Vila Bela, „S.S. Trindade“ vom Ende des 18. Jahrhunderts, haben zum Teil dem Zahn der Zeit getrotzt – sie besetzen ein Gebäude-Viertel im Zentrum der Stadt.
Der antike Palast der „Capitães Generais“, später Sitz der Präfektur, wurde mit mehr als 1 m dicken Wänden konstruiert. Archäologen fanden in Vila Bela Besteck aus dem 19. Jahrhundert und chinesisches Porzellan.
Im Monat Juli finden hier verschiedene Feste statt, eingeleitet vom Fest des „Divino Espirito Santo“, gefolgt vom „São Benedito“ und schliesslich beendet mit dem Fest der „Três Pessoas da Santíssima Trindade“ – Schutzpatrone der Stadt. In dieser Zeit werden Tänze präsentiert, die aus der Sklavenzeit stammen, wie zum Beispiel der „Congo“ – nur von Männern getanzt – oder der „Chorado“ – nur von Frauen ausgeführt.
Im staatlichen Naturpark „Parque Estadual Serra de Ricardo Franco“, der sich an der Grenze zu Bolivien befindet, gibt es einen Wasserfall, den „Galerinha“, mit 180 m hohem freien Fall! Interessant, den natürlichen Übergang zwischen dem Ökosystem des Pantanal und dem Amazonasbecken zu beobachten! Im Wasser des Rio Guaporé kann man Flussdelfine beobachten. Der „Assa Peixe do Pântano“ ist ein Strauch mit weissen Blüten und einem berauschend süssen Duft – hier am Flussufer ist er sehr häufig.