Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03629.jsonl.gz/2355

Die Corona-Pandemie bestimmte die Nachrichtenagenda in den Jahren 2020 und 2021 wie kein anderes Ereignis in den vergangenen Jahrzehnten. Von Anfang an stand die Berichterstattung jedoch unter Kritik: Die Medien seien zu alarmistisch und zu unkritisch gegenüber politischen Entscheidungen oder sie würden zu wenig ausgewogen berichten, hiess es. Stimmt das? Und wie hat sich die Berichterstattung im Laufe der Zeit entwickelt?
Das fög hat die erste Studie zur Qualität der Corona-Berichterstattung vom letzten Jahr für das Jahrbuch 2021 repliziert. Die Studie vergleicht die Befunde zur ersten Pandemie-Welle (1.1.2020 bis 30.4.2020) mit den Befunden zur zweiten Pandemie-Welle (1.9.2020 bis 28.2.2021).
Das Fazit ist durchzogen: Die Pandemie bleibt weiterhin das bestimmende Thema in der Medienberichterstattung (siehe Darstellung I.3). Doch scheint Corona mit der Zeit an Nachrichtenwert einzubüssen. Im Vergleich zur ersten Welle entkoppelt sich die Intensität der Medienberichterstattung vom tatsächlichen Pandemie-Geschehen. Journalist:innen stellen das Coronavirus in der zweiten Welle seltener (6%) als eine klare Bedrohung dar als in der ersten Welle (16%) – trotz erheblich höherer Fallzahlen.
Zudem beurteilen sie Regierungshandeln in der zweiten Welle weniger affirmativ (0,3%) als während der ersten Welle (6%), zeigen also eine Berichterstattung, die durch Behördendistanz geprägt ist. Zahlen und Statistiken werden häufiger kontextualisiert und eingeordnet (erste Welle: 12%; zweite Welle 21%), was ebenfalls positiv zu werten ist.
Andererseits lassen sich bei der Expert:innenauswahl kaum positive Veränderungen beobachten: Weiterhin ist die Vielfalt eingeschränkt. Die in den Medien thematisierten Wissenschaftler:innen stammen grösstenteils aus dem medizinischen Bereich. Ihr Anteil fällt in der zweiten Welle sogar noch etwas höher aus (83%) als in der ersten Welle (78%). Andere Disziplinen bleiben somit auch in der Berichterstattung zur zweiten Welle weitgehend aussen vor, dies obwohl die Pandemie fast alle Bereiche der Gesellschaft berührt. Auch Wissenschaftlerinnen sind im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen nach wie vor deutlich untervertreten. Im Vergleich zur ersten Welle (12%) sind sie in der zweiten Welle immerhin leicht präsenter (21%).
Die Vertiefungsstudie zur Corona-Berichterstattung des Jahrbuchs 2021 steht hier (PDF, 398 KB) zum Download zur Verfügung.