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Besetzung:
Direction musicale Gergely MadarasMetteur en scène Thomas JollyCollaboration artistiqueAlexandre DainDécors Thibaut FackCostumes Sylvette DequestLumières Antoine TravertAssistante à la mise en scène et dramaturgeKajia KrügerAssistant à la mise en scène pour les chœursPier Lamandé Fantasio Katija DragojevicLe roi de Bavière Boris GrappeLa princesse ElsbethMelody Louledjian*Le prince de Mantoue Pierre DoyenMarinoni Loïc FélixFlamel Héloïse MasSpark Philippe EstèpheFacio Fernando CuellarMax Jaime CaicompaiHartmann Fabrice FarinaLe Pénitent Harry DraganovRutten / Le Tailleur / Le Garde Suisse Bruno BayeuxL’Homme qui passeDimitri Tikhonov
Rezension:
Das Grand Theatre de Genève zeigt die Opéra Comique «Fantasio» von Jacques Offenbach, ein Werk, welches bis anhin nur sehr selten aufgeführt worden ist, zu Unrecht, wie sich nun in Genf zeigt.
Fantastischer Fantasio
Zur Geschichte: Der junge Student Fantasio (Katija Dragojevic) übernimmt die Rolle des kürzlich verstorbenen Narren Saint Jean am Hofe des bayrischen Königs und will so der Prinzessin Elsbeth (eine wunderbar feenhafte Melody Louledjian) helfen, denn diese soll gegen ihren Willen den Prinzen von Mantua (Pierre Doyen) heiraten, um einen Krieg zwischen den beiden Ländern zu verhindern. Der Prinz zieht sich seinerseits die Kleider seines Dieners (Loïc Félix) an, eine übrigens umwerfende Szene, um herauszufinden, ob die Prinzessin ihn auch als Menschen liebt und nicht nur als Prinzen. Fantasio schafft es, die Heirat zu verhindern, aber auch den drohenden Krieg abzuwenden.
Fulminanter Einstieg ins Geschehen
«Krieg» steht auf zwei Plakaten auf der Bühne des Grand Théâtre, eine Gruppe Menschen steht dicht und scheinbar etwas ratlos beieinander, es ist düster und schneit. Dann öffnet sich im Hintergrund, hinter der zweiten Bühnenebene, eine riesige Fotolinse, ein Mann kommt die grosse Treppe zwischen oberer und unterer Bühnenebene herunter und ersetzt die beiden Plakate. Jetzt steht «Frieden» drauf, darunter «Heirat». So beginnt «Fantasio» in Genf, meisterhaft inszeniert von Thomas Jolly, atmosphärisch schon so dicht, dass man bereits während der Ouvertüre mitten im Geschehen ist.
Ungewöhnliche Ein- und Ausblicke
Die Fotolinse wird sich immer wieder öffnen und den Blick freigeben, mal auf ein Schloss, dann auf eine Häusersilhouette, einen Friedhof. Scherenschnittähnlich heben sich diese zusätzlichen Kulissen gegen den je nach Situation rot, weiss oder farbig erleuchteten Hintergrund. Das Bühnenbild (Thibaut Fack) ist eins der Highlights dieser Aufführung. Mobile Elemente werden immer wieder von drei Lakaien hereingeschoben, mal witzig (ein Teppich mit wedelnden Blumen) mal poetisch (der lichterbesetzte Balkon). Dazu kommen die magischen Lichteffekte (Antoine Travert und Philippe Berthomé). Da gibt’s unzählige kleine Lämpchen, Lichtergirlanden und kunstvoll eingesetzte Lichtkegel, die dem Raum eine ganz neue Proportion geben, eine andere Atmosphäre. Das verzaubert und erzeugt magische Momente, wie z.B. beim Duett zwischen Fantasio und der Prinzessin Elsbeth, zart und zerbrechlich im weissen Kleid auf dem blumenumrankten Balkon. Oder bei der Anprobe des Hochzeitskleides mit dem unendlich langen Schleier. Bei den Hochzeitsvorbereitungen ist alles in den Farben Weiss und Rosa gehalten, Ballongirlanden in Form eines riesigen Herzes werden aufgefahren und erinnern an eine gigantische Kindergeburtstagsparty. Auch der Klamauk fehlt nicht, überzeichnete Charakteren, witzige Aktionen. Die Inszenierung ist eine wahre Augenweide, oft passiert auf dieser Bühne so viel gleichzeitig, dass man nicht allem folgen kann.
Eindrückliches Ensemble
Auch musikalisch wird das Publikum auf höchstem Niveau verwöhnt. Ein hervorragendes Ensemble singt, spricht und spielt gleichzeitig, wobei die gesprochenen Passagen, bis auf eine Ausnahme (Fantasio), in perfektem Französisch vorgetragen werden. Da gibt es keine Brüche, die Handlung bleibt fliessend, das hilft, die eher dürftige Geschichte annähernd glaubhaft zu machen. Und dann ist da noch der Chor des Grand Théâtre, von einer unglaublichen Dichte, präsent, präzise in allen Schattierungen, stark, raumfüllend. Das Orchestre de la Suisse Romande unter Gergely Madaras überzeugt ebenfalls durchgehend, Flöten und Streicher schwelgen in den wunderbaren Motiven Offenbachs.
Ein höchst vergnüglicher, bereichernder Opernabend, der eine ganze Weile nachhallt mit seinen fantastischen Bildern und mehr als ein Besucher verliess das Theater, leise «pour un peu d’amour» vor sich hinsummend.
Kleine Fotodiashow der Genfer Produktion:
Veröffentlicht auf: innerschweizonline.ch