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Wetter: nass
Es regnete die ganze Nacht hindurch mit einer kleinen Pause am Morgen, während der ich das Tarp mit einem Taschentuch recht gut trocken bekam. Dummerweise begann es erneut zu regnen; ehe ich es eingepackt hatte, war es wieder pitschnass. Hmpf.
Als erstes tauschte ich heute morgen in der Smederevoer Raiffeisenbank Geld um. Es muss ein herrlicher Anblick gewesen sein: Ich in kurzen Radlerhosen und T-Shirt, mit nassen Haaren und Zwölf-Tage-Bart, die Füße ohne Socken in vor Nässe schmatzenden Sandalen. Der Sicherheitsmensch, der in der Bank gegenüber der Eingangstür sitzt und diese nach einer Gesichtskontrolle freigibt, zögerte bei mir sichtlich.
Bei einem stark frequentierten Bäcker wurde ich von einer ziemlich mürrischen Verkäuferin bedient, ihre Kollegin schaute öfter neugierig herüber und strahlte dabei über alle vier Backen. :) Gleich im Geschäft aß ich eine Blätterteigtasche, die mit saurem Käse gefüllt war - köstlich.
Danach kaufte ich in einem kleinen Supermarkt groß ein: Etwa ein Kilogramm Schokolade, ein paar Packungen Müsli, Toilettenpapier, fleckige Bananen (das einzig verfügbare Obst) und Fläschchen Rum. Mein Flachmann als Tröster für kalte Tage war in der Slowakei ebenfalls abhanden gekommen worden. :(
Unter der Markise vor dem Geschäft packte ich den Einkauf in die viel zu kleine Tasche, eine Melonenverkäuferin und ihre Tochter schauten interessiert zu. Als ich damit fertig war, kam ein Mann von einer Gruppe älterer Herren herüber und fragte, woher ich sei. Ich erzählte vom Woher und Wohin; er, dass er zwanzig Jahre in Düsseldorf gearbeitet habe und jetzt Rentner sei.
In einem Fahrradlädchen kaufte ich ein Pannenset, da ich fast kein Werkzeug mehr besaß. Dann nahm ich noch eine Luftpumpe, die 500 Dinar kosten sollte. Der Inhaber gab mir noch einen Adapter für normale Fahrradventile dazu: "Gift, Gift!" Für die Pumpe gab ich ihm fünf EUR und hab mich noch gewundert, dass Besitzer wieder, wenn auch nicht so begeistert, von "gift" sprach, nachdem er gesagt hatte: "fünf Euro - fehlen 100 Dinar" Später während des Radelns rechnete ich im Kopf meine Ausgaben um und kam darauf, dass fünf Euro etwa 400 Dinar sind (1:~77). Ich schämte mich noch nachträglich.
Zwei Männer in verschiedenen Orten riefen laut "Bravo!", als sie mich durch den Regen radeln sahen, was meine Stimmung durchaus etwas hob. In Veliko Gradište fragte ich nach dem Weg und bekam Antwort in gutem Deutsch. Schon interessant, wo überall Deutsch gesprochen wird und die Leute sich damit verständigen wollen.
Die Straße führte jetzt direkt an der Donau entlang, die Gegend wurde hügelig: man kommt in das Banater Gebirge, den südlichen Teil der Westrumänischen Karpaten. Zwar heißen die Berge nur in Rumänien so, aber trotz der dazwischen liegenden Donau gehören die Hügel auf der serbischen Seite zum selben geologischen Komplex. Durch die tief hängenden Wolken und den von der Erde aufsteigenden Dunst war die Landschaft mehr zu erahnen als zu sehen - ich kam mir vor, als sei ich im Nebelgebirge unterwegs.
Bei der Festung Golubac (Link zum englischen Wikipedia-Artikel) schaute ich zu, wie eine Familie von einer Besichtigung der Burg zurück kam und vergeblich versuchte, den Wagen zu starten, der dann kurzerhand angerollt wurde. Da ich wegen der Fahrmanöver bereits gehalten hatte und die Straße schlecht einzusehen war, winkte ich, dass die Straße frei sei.
Vor Tunnel 15 führte ein Weg Richtung Donau, dem ich auf der Suche nach einem Rastplatz zu Fuß hinabstieg. Etlichen Serpentinen tiefer fand ich nahe des Ufers drei Campinganhänger, die von einem Hund bewacht wurden. Die Hänger waren sicher per Boot an diesen Ort gebracht worden, der Weg war viel zu steil dazu.
Ich wollte weder einen kläffenden Hund als Nachbar noch das Fahrrad den langen steilen Weg hinunter- und am nächsten Tag wieder hinaufschleppen, also schlug ich das (sehr nasse) Camp etwa zwanzig Meter von der Straße entfernt auf. Landschaftlich war es herrlich gelegen, hier ein Bild vom nächsten Morgen.
Zum Waschen seifte ich mich mit Hilfe des Regens ein, mit einem Liter Wasser wurde abgespült. Wenn man will, geht alles. Als Betthupferl, zur Belohnung und zum Aufwärmen trank ich mit dem kleinen Feigling von Everett auf Everett. Mit einem Schluck Rum wollte ich nachspülen - und musste feststellen, dass das Fläschchen mit einem Einwegverschluss versehen war. Alles auf einmal auszutrinken kam nicht in Frage, aber was tun? Im Gepäck hatte ich Kamillan zur Desinfektion und Versorgung kleinerer Wunden, das halb leer war. Ich füllte es mit dem restlichen Rum auf. Das Ergebnis war sehr - gewöhnungsbedürftig im Geschmack.
Es hatte den ganzen Tag mal mehr, mal weniger stark mit kleinen Aussetzern geregnet. Ich war stolz, bei diesem Wetter so weit gefahren zu sein wie ich es war. Seltsamerweise brannte die Haut auf den Waden trotzdem - oder noch immer von den vorherigen Sonnentagen?
Innen und außen war das Tarp bereits ziemlich feucht geworden. Letzteres ist logisch, ersteres führte ich auf die hohe Luftfeuchtigkeit zurück. Auf den morgigen Tag - vor allem das Wetter - war ich gespannt. Tagebuch schrieb ich um 21:50.