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Der Geologe Marcos Buser hat Anfang August in der WOZ dargelegt, weshalb er aus der Kommission für Nukleare Sicherheit ausgetreten ist. Offizielle Stellen belieferten danach diverse Zeitungen mit nicht öffentlich zugänglichen Informationen über Buser, um ihn zu diskreditieren. Buser nimmt Stellung.
WOZ: Herr Buser, Sie haben Anfang August in der WOZ die Verbandelung zwischen der Atomaufsichtsbehörde Ensi und der Nationalen Genossenschaft für die Entsorgung radioaktiver Abfälle (Nagra) kritisiert. Nun hat die Zeitung «Sonntag» schwere Vorwürfe erhoben, weil Sie sich angeblich selber von der Nagra hätten bezahlen lassen. Was stimmt daran?
Marcos Buser: Der stellvertretende Chefredaktor des «Sonntags» hat mich angerufen und gesagt, sie hätten eine Gehaltsliste mit meinen Honoraren zwischen 2009 und 2011 erhalten. Ich habe deshalb noch am selben Abend entschieden, sämtliche Bezüge offenzulegen. In einer solchen Situation kann man nur mit voller Transparenz reagieren – denn es geht hier offenkundig darum, mich zu diffamieren und unglaubwürdig zu machen, weil ich es gewagt hatte, die Verfilzung zwischen der Atomaufsichtsbehörde Ensi, dem Bundesamt für Energie und der Nagra öffentlich anzuprangern. Diese Aktion sollte nur dazu dienen, von meiner Kritik abzulenken.
Gemäss «Sonntag» haben Sie zwischen 2009 und 2011 von Behörden und Nagra 275 000 Franken erhalten. Sie sagen: «Stimmt nicht, es waren sogar 500 000 Franken.» Wie kommen Sie zu diesem Honorar?
Im Durchschnitt habe ich für meine Gutachter- und Expertentätigkeit im Nuklearbereich pro Jahr brutto 166 000 Franken bezogen. Davon gehen allerdings grosse Beträge für Bürokosten, Spesen, Versicherungen, Sozialleistungen ab, da ich selbstständig erwerbend bin. Ein grosser Teil der Honorare betrifft meine Tätigkeit für die Kommission für Nukleare Sicherheit und das Mandat, das ich für den Kanton Jura ausübe. Ich vertrete für den Jura die Interessen im Endlagerversuchsstollen Mont Terri; dort amte ich auch als Präsident der Aufsichtskommission. Manchmal wurde ich von der Nagra gebeten, an Führungen im Mont Terri teilzunehmen, das wurde ihr natürlich in Rechnung gestellt. Die AKW-Betreiber sind laut Gesetz verpflichtet, die Kosten, die durch die Endlagerung verursacht werden, zu übernehmen. Deshalb werden alle derartigen Ausgaben, die im Umfeld der Entsorgung anfallen, auch der Nagra verrechnet; sie gehört ja mehrheitlich den Betreibern.
Der «Sonntag» schreibt, Sie hätten sich immer mal wieder von der Nagra zum Essen einladen lassen. Stimmt das?
Der Artikel insinuiert, ich sei käuflich und korrupt. Es stimmt, dass ich mich im Rahmen meiner KNS-Arbeit regelmässig mit den Leuten von der Nagra getroffen habe. Aufgrund der zeitlichen Belastung der Nagra-Leute wurden diese Treffen oft über Mittag abgehalten. Ich habe weder für die Anreise noch für die aufgewendete Zeit jemals eine Rechnung gestellt, die Nagra hat aber jeweils die Rechnung für das gemeinsame Essen übernommen. Bei all diesen Treffen habe ich immer Klartext geredet und immer deutlich formuliert, was ich an den Konzepten der Nagra falsch finde. Übrigens hat dies Markus Fritschi von der Nagra-Geschäftsleitung nach meinem Rücktritt auch offen gesagt. Eines könne man mir sicher nie vorwerfen: dass ich meine Kritik nicht schon vorher offen geäussert hätte.
Woher hatte der «Sonntag» die Zahlen?
Das weiss ich nicht, der Redaktor verfügte aber über Zahlen, die von der Nagra, dem Bundesamt für Energie und dem Ensi stammen mussten. Das belegt, was ich kritisiere: Die Institutionen spannen auf unzulässige Weise zusammen. Wie hätte diese Honorarliste sonst zustande kommen können? Bei all den erwähnten Honoraren handelte es sich um zweiseitige öffentlich-rechtliche Verträge, die grundsätzlich unter dem Schutz des Amtsgeheimnisses und der Vertraulichkeit stehen. Die Institutionen waren demnach nicht berechtigt, sich gegenseitig über die Zahlungen zu informieren. Sie taten es trotzdem, um mich mit einem Schlag unter die Gürtellinie zum Schweigen zu bringen. Man versuchte mit dieser plumpen Diffamierung zu verhindern, dass der Filz tatsächlich untersucht wird.
Erstatten Sie Strafanzeige?
Unbestritten wurde in dieser Angelegenheit das Amtsgeheimnis verletzt. Ich prüfe aber noch mit meinem Anwalt, ob eine Anzeige etwas bringt. Gewöhnlich kommt in solchen Fällen nicht viel heraus, doch kostet es viel Geld und nimmt viel Zeit und Energie in Anspruch.
Was müsste geändert werden, um die Endlagerfrage ohne Kungeleien anzugehen?
Das Kernproblem ist das Verursacherprinzip: Die Nagra ist zuständig für die Forschung. Sie ist finanziell von den AKW-Betreibern abhängig. Forschung, die heute vielleicht sinnvoll, aber teuer ist, wird verpasst, weil die Betreiber kein Interesse haben, mehr Geld als nötig auszugeben. Deshalb ist das Verursacherprinzip bei radioaktiven Abfällen ein fundamentaler Konstruktionsfehler. Es geht um Zeiträume von Tausenden von Jahren – da müsste eine unabhängige Instanz für die Entwicklung des Endlagerkonzepts zuständig sein. Und nicht Werke, die in erster Linie Strom für die Gegenwart produzieren müssen, aber eben auch langlebigen Abfall hinterlassen. In hundert Jahren sind die Verursacher nicht mehr da.