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Semaglutid vielversprechend bei adipositasbedingter HFpEF
In der Studie STEP-HF verbesserte der GLP1-Rezeptor-Agonist Semaglutid Körpergewicht, Lebensqualität und Belastbarkeit von Patienten mit adipositasbedingter Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF). Für die klinische Umsetzung fehlen allerdings noch Daten zu harten klinischen Endpunkten und Ansätze zur Eingliederung in den Therapiealgorithmus.
Rund die Hälfte der Herzinsuffizienz leidet unter der HFpEF-Form. Dabei leidet die Mehrheit der HFpEF-Patienten entweder Übergewicht oder Adipositas.
Eine neue Studie (1,2) zeigt, dass der Glucagon-like-Peptide (GLP)-1-Rezeptor-Agonist Semaglutid vielversprechend bei der Behandlung der adipositasbedingten HFpEF sein könnte. Diese spezifische Indikation hat einen hohen ungedeckten Therapiebedarf: Bisher ist kein einziges Medikament zugelassen.
Zulassung als Antidiabetikum und zum Gewichtsverlust
Der GLP-1-Rezeptor-Agonist Semaglutid wurde ursprünglich als Antidiabetikum entwickelt. Die Anwendung des Wirkstoffes führt bei den meisten Patienten zu einer signifikanten Gewichtsabnahme verbunden. In der Schweiz ist es derzeit für Patienten mit Typ-2-Diabetes, sowie zur Gewichtsregulation ab einem BMI ab 30 kg/m2, bzw. ab einem BMI von 27 kg/m2 sowie einer vorliegenden gewichtsbedingten Begleiterkrankung zugelassen.
Eingeschlossen wurden 529 Patienten mit HFpEF mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) von mehr als 40 Prozent , sowie einem BMI von 30 kg/m2 oder darüber (Durchschnittsalter 69 Jahre, 56,1% Frauen). 52 Wochen lang erhielt die Hälfte der Teilnehmer einmal wöchentlich eine Injektion mit 2,4 Milligramm Semaglutid, die andere Hälfte ein Placebo.
Als primäre Endpunkte untersucht wurden Veränderungen beim Körpergewicht, sowie bei der herzinsuffizienz-spezifischen Lebensqualität mittels KCCQ-CSS (Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire Clinical Summary)-Score. Als sekundärer Endpunkt galten Verbesserungen beim 6-Minuten-Gehtest, der die kardiovaskuläre und pulmonale Leistungsfähigkeit abschätzt.
Gewicht sinkt, herzinsuffizienz-bezogene Lebensqualität steigt mit Semaglutid
Die Studie erreichte beide primäre Endpunkte. So verbesserte sich der KCCQ-CSS-Score der Patienten in der Semaglutid-Gruppe im Schnitt um 16,6 Punkte, mit Placebo um 8,7 Punkte (geschätzte Behandlungsdifferenz ETD: 7,8 Punkte, 95%-KI: 4,8 – 10,9; p<0,001). Das Körpergewicht der mit Semaglutid behandelten Teilnehmer sank im Mittel um 13,3 Prozent, mit Placebo um 2,6 Prozent (ETD: -10,7%, 95%-KI -11,9% – 9,4%; p<0,001).
Auch die gegangene Distanz im 6-Minuten-Gehtest verbesserte sich signifikant um rund 20,4 Meter durch Semaglutid gegenüber Placebo.
Explorativ wurden zudem Veränderungen beim NTproBNP-Wert, sowie herzinsuffizienzbedingte Hospitalisationen untersucht. Bei beiden Parametern gab es Verbesserungen. Schwere Nebenwirkungen wurden in der Semaglutid-Gruppe seltener beobachtet als mit Placebo (13,3 vs. 26,7 %; p<0,001).
«Beweis bei harten Endpunkten noch ausständig»
Für Professor Dr. Stefan Störk, Oberarzt der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Würzburg, sind die in der Studie beobachteten Effekte in erster Linie überzeugend. Gewicht, Lebensqualität und Gehstrecke seien prinzipiell wahrscheinlich gute Annäherungskriterien für die Prognose von Patienten mit HFpEF. Relevant sei aber auch, ob sich Semaglutid auch positiv auf harte klinische Endpunkte (z.B. Mortalität und Hospitalisationsrate) auswirkt. Ob Semaglutid also konkret gegen Herzinsuffizienz wirksam ist, ist für ihn daher noch unklar.
Auch, dass Semaglutid nach bisherigem Wissen nur während der Einnahme wirkt, ist für ihn ein Hauptkritikpunkt. «Ideal wäre es, wenn sich mittels der Therapie das Mind-Set der Betroffenen änderte und sie dann mit einem niedrigeren Körpergewicht wieder mehr Sport machen und sich gesünder ernähren, aber das ist vermutlich nur mit einer (recht kleinen) Subgruppe zu schaffen» gibt er im Zuge einer Pressemeldung zu bedenken.
Darüber hinaus sei der Preis für das Medikament im Moment noch hoch. Es ist darüber hinaus vorhersehbar, dass Krankenkassen die Finanzierung erst übernehmen, wenn Endpunktstudien verfügbar sind.
Fettgewebe nicht Begleiter, sondern Ursache der HFpEF?
Die Akkumulation von Körperfett stellt mit hoher Wahrscheinlichkeit keine reine Komorbidität der HFpEF dar. Epidemiologische Studien legen nahe, dass das Fettgewebe eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung, dem Fortschreiten und den negativen Folgen der HFpEF spielt (3).
Auch die neue Studie unterstreicht die mögliche Bedeutung des Fettgewebes bei der Entwicklung der HFpEF.