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Informationen zu den Änderungen
Warum wurden die internationalen Standards revidiert?
Der Zahlungsbilanzstandard war letztmals 1993 revidiert worden. Seither haben die fortschreitende Globalisierung und die Entwicklung der Finanzindustrie eine Vielzahl von Phänomenen hervorgebracht, die neue Anforderungen an die Statistik stellen. So hat die grosse Zunahme der Anzahl Zwischen- und Spezialgesellschaften (sogenannte Special Purpose Entities SPE) innerhalb multinationaler Konzerne zu einer wachsenden Komplexität der weltweiten Direktinvestitionsbeziehungen geführt; dies beeinträchtigt die Aussagekraft der Daten. Zudem war es nötig, den Zahlungsbilanzstandard des IWF mit dem Standard der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der UNO in Übereinstimmung zu bringen. Ein Teil der Änderungen ist denn auch auf die Harmonisierung des Zahlungsbilanzstandards mit dem System of National Accounts 2008 (SNA 2008) zurückzuführen. Die Revision der Handbücher trägt dazu bei, der aussenwirtschaftlichen Entwicklung besser Rechnung zu tragen und die Konsistenz zwischen den Statistiken zu verbessern.
Welche Auswirkungen hat das bilaterale Statistikabkommen mit der EU auf die Zahlungsbilanz und das Auslandvermögen?
2004 schloss die Schweiz mit der EU die Bilateralen Verträge II ab, die neben anderen Bereichen auch die Zusammenarbeit in der Statistik (bilaterales Statistikabkommen) regeln. Das bilaterale Statistikabkommen bezieht sich auf Statistiken, die für die Zusammenarbeit der Vertragspartner bedeutend sind. Die Zahlungsbilanzstatistik wurde 2011 in das Abkommen aufgenommen. Damit verpflichtete sich die Schweiz, ab 2015 Daten zur Zahlungsbilanz und zum Auslandvermögen sowie ausführliche Angaben zum Dienstleistungshandel und zu den Direktinvestitionen gemäss den Anforderungen der EU an Eurostat zu übermitteln. Die meisten Daten der Zahlungsbilanz werden dabei nach Ländern gegliedert. Dies war bisher nur in Einzelfällen der Fall. Das Auslandvermögen wird vorläufig nicht nach Ländern aufgeschlüsselt werden.
Welche Erhebungen der SNB wurden revidiert?
Als Folge der zusätzlichen Anforderungen wurden die Leistungsbilanzerhebungen konzeptionell vollständig überholt und um neue Komponenten und Länderangaben erweitert. Ausserdem wurde der Kreis der befragten Unternehmen stark ausgedehnt, um nicht nur einzelne sondern alle im Ausland tätigen Branchen zu erfassen. Die Erhebungen der Leistungsbilanz wurden 2012 eingeführt (Leistungsbilanzerhebungen).
Das Konzept der Erhebungen des Kapitalverkehrs wurde ebenfalls grundsätzlich überarbeitet. Die Änderungen betreffen einerseits die Übernahme methodischer Neuerungen von BPM6 und BMD4 und andererseits die Ausdehnung der länderweisen Gliederung auf die Quartalserhebungen. Der bisherige Erhebungskreis wird beibehalten. Die revidierten Kapitalverkehrserhebungen werden 2014 bzw. 2015 eingeführt (Kapitalverkehrserhebungen).
Welches sind die wichtigsten Änderungen?
Grundsätzlich wird der Rahmen des bisherigen Zahlungsbilanzstandards beibehalten. Das Regelwerk wurde ausgebaut, insbesondere die Anzahl der Standardkomponenten wurde erhöht. Damit steigt der Detaillierungsgrad der Statistik. Ausserdem wurden einige grundlegende Konzepte überarbeitet, was zu einer anderen Darstellung der Daten führt. In den folgenden Abschnitten werden die wichtigsten Änderungen kommentiert.
Welches sind die wichtigsten Änderungen bei den Direktinvestitionen?
Berechnung und Darstellung der Direktinvestitionen sind am stärksten von der Umstellung auf die neuen Handbücher betroffen. Die wichtigsten darunter sind:
- Kapitalverkehr und Einkommen in der Zahlungsbilanz sowie der Aktiven und Passiven im Auslandvermögen werden neu gemäss dem Asset/Liability Prinzip brutto ausgewiesen. Bisher galt das Richtungsprinzip (Directional principle)*, bei dem Forderungen und Verpflichtungen sowie die Zinsflüsse zwischen Direktinvestor und Tochtergesellschaften miteinander verrechnet werden.
- Die Berechnung des Gewinns basiert neu einheitlich auf dem Konzept des operativen Ergebnisses. Die schweizerische Statistik hatte bisher kein Konzept vorgegeben.
- Sanierungsbeiträge an Tochtergesellschaften und ausserordentliche Dividenden (Superdividenden) werden neu beim Kapitalverkehr klassiert.
- Konzerninterne Kredite der Versicherungen sind neu in den Direktinvestitionen enthalten. Bisher fehlte diese Position in der schweizerischen Statistik.
- Die Ländergliederung des Eigenkapitalbestands von Beteiligungen im Ausland wurde an den internationalen Standard angepasst. Künftig wird nur noch der Eigenkapitalbestand im Land der direkten Beteiligung ausgewiesen.
Was ändert beim Transithandel?
Der Transithandel, bei dem der Transithändler Waren im Ausland erwirbt und unverändert weiterverkauft, ohne dass sie im Inland verzollt werden, gehört neu zum Warenverkehr statt wie bisher zu den Dienstleistungen. Zudem werden nicht nur der Saldo aus dem Transithandel, sondern auch die Bruttoeinnahmen und -ausgaben gezeigt. Dabei werden die Ausgaben als negative Einnahmen auf der Einnahmenseite der Warenexporte verbucht. Wie bisher wird der Transithandel als eigenständige Komponente gezeigt.
Was ändert bei den Sonderziehungsrechten?
Sonderziehungsrechte, die im Rahmen einer Quotenerhöhung vom IMF den Mitgliedländern zugeteilt werden, werden neu als Verpflichtungen betrachtet und als Nettozugang von Passiven der Nationalbank im Kapitalverkehr (übrige Investitionen) und als Passiven im Auslandvermögen erfasst.
Wie sieht die Gliederung nach institutionellen Sektoren gemäss BPM6 aus?
Die heutige Gliederung der Institutionellen Sektoren wird erweitert. Wie bisher werden Zentralbank, Geschäftsbanken und Öffentliche Hand als Sektoren ausgewiesen. Neu wird das Aggregat übrige Sektoren in übrige finanzielle Unternehmen und die restlichen Sektoren untergliedert (nichtfinanzielle Unternehmen, private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbscharakter).
Nach Sektoren gegliedert werden die Primär- und Sekundäreinkommen, die Portfolioinvestitionen im Ausland, die derivativen Finanzinstrumente und die übrigen Investitionen.