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Welches sind die historischen Hintergründe der Craniosacralen Therapie?
Der Arzt Andrew Taylor Still (1828-1917) entwickelte zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs eine empirische und umfassende Behandlungsmethode, die er Osteopathie nannte. Diese beruhte im Wesentlichen auf manuellen Techniken. Er gründete 1874 die erste Schule für Osteopathie, das College of Osteopathy, Kirksville, Missouri (USA). William Garner Sutherland (1873-1954) erlernte dort als Schüler die Grundlagen für seine Arbeit am Menschen und entwickelte daraus die kraniale Osteopathie. Er machte die Entdeckung, dass der knöcherne Schädel nicht nur dem Schutz der Gehirnmasse dient, sondern eine rhythmische wellenförmige Bewegung durchführt, die über den Rückenmarkskanal vom Schädel (lat. Cranium) bis zum Kreuzbein (lat. Sacrum) am Ende der Wirbelsäule weitergeleitet wird und belebend auf den gesamten Organismus wirkt. Er veröffentlichte seine neu gewonnenen Erkenntnisse 1939 erstmals in dem Buch „The Cranial Bowl“. Harald Magoun, ein ehemaliger Kollege von Sutherland, fasste diese 1966 übersichtlich zusammen in dem Buch „Osteopathy in the cranial field“. John E. Upledger (1932-2012), Arzt der Osteopathie und Chirurgie, beleuchtete spezifisch die Aspekte des Craniosacralen Systems mit seinen Auswirkung auf das menschliche Befinden und leitete daraus die Craniosacrale Therapie ab. Dieser Ableger der Osteopathie hat sich verselbständigt und wird heute weltweit in vielen Ausbildungsstätten auch an Personen mit geringen medizinischen Vorkenntnissen vermittelt.
Die Osteopathie ist aber ein umfassenderes System von Diagnose und Therapie zur Prävention und Behandlung von Krankheiten. Sie umfasst neben der Beurteilung des Craniosacralen Systems auch die Behandlung innerer Organe (viscerale Osteopathie) und des Bewegungsapparates (parietale Osteopathie). Mit einem fundierten Wissen über Anatomie und Physiologie benutzt der Osteopath im Wesentlichen seine Hände um die Qualität sämtlicher Gewebe zu erfassen. Ist eine der beteiligten Strukturen in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, bedeutet dies eine Behinderung für zahlreiche damit verbundene Funktionen.
Bei welchen Beschwerden kann die Craniosacrale Therapie helfen?
Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielseitig. Häufig suchen mich Menschen auf, die an Schmerzen infolge Verletzungen, Operationen, Überlastung oder unbekannter Ursache leiden. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass auch bei Verdauungsstörungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien eine Konsultation beim Osteopathen sinnvoll ist. Sogar bei Entzündungen der Schleimhäute im Bereich der Augen, Ohren, Nebenhöhlen, Mandeln oder innerer Organe kann eine osteopathische Behandlung sehr hilfreich sein. Frauen schätzen die Osteopathie zur Linderung von Menstruations-und Wechseljahrsbeschwerden. Empfohlen wird es auch von Hebammen, wenn es nach der Geburt Probleme beim Stillen gibt oder wenn sich Verformungen des kindlichen Schädels oder Asymmetrien in Haltung und Bewegung des Kleinkindes zeigen.
Wem empfehlen Sie die Craniosacrale Therapie?
Eine Erstkonsultation beim Osteopathen erfolgt in der Regel, wenn bereits spürbare Beschwerden bestehen, sprich die Selbstheilungskraft des Körpers die Reorganisation der Gewebe nicht mehr ausreichend gewährleistet.
Allerdings kann die Behandlung die Gesundheit des Menschen am besten unterstützen, solange noch keine Schäden an den Strukturen vorliegen. Es wäre also denkbar, bereits prophylaktisch einen osteopathischen Check-up zu machen. Hier werden vom Organismus bereits eingeschlagene energieraubende Ausgleichsmechanismen erfasst und ursprünglich dafür zuständige Gewebe wieder an ihre eigentliche Funktion herangeführt.
Sie setzen die Craniosacrale Therapie meist in Kombination mit der Osteopathie ein. Mit welcher Wirkung?
Ich verstehe die Craniosacrale Therapie als einen Aspekt der Osteopathie. Gut geschulte Wahrnehmungsfähigkeit kombiniert mit weitreichendem medizinischen Wissen sind die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung des kranken Menschen.