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In Vietnam hat Bildung einen hohen Stellenwert. Die meisten Kinder gehen zur Schule, Analphabethen gibt es nur wenige. In zwölf Schuljahren wird den Kindern und Jugendlichen viel theoretisches Wissen vermittelt. Die Eltern sind stark involviert, sie puschen ihre Kinder zu Höchstnoten, so dass sie sich eines Tages zu Ärzten oder Ingenieuren – zwei der beliebtesten und angesehensten Jobs – ausbilden lassen können.
Der Erwartungsdruck an die vietnamesischen Schüler und Schülerinnen ist hoch. Sie konkurrieren untereinander um die Plätze an den besten Universitäten des Landes. Die Auswahlverfahren sind streng und die Schüler müssen eine Vielzahl an Tests absolvieren. Wer es nicht an die Universität schafft, geht als zweite Option aufs College. Sowohl von den Universitäten wie auch von den Colleges gibt es öffentliche und private Institutionen. Für erstere sind schulische Bestnoten massgebend, während letztere sich stärker an finanziellen Kriterien orientieren.
Neben der Universität und dem College gibt es als dritte Option die Berufsschule, die ab der neunten Klasse besucht werden kann. Im Gegensatz zur Schweiz ist das Interesse an diesem Bildungsweg gering, insbesondere weil die Eltern (und die Gesellschaft) den universitären Weg bevorzugen.
In der Qualität der Bildung gibt es grosse Unterschiede zwischen Stadt und Land – auch wenn das System Chancengleichheit postuliert. Die Möglichkeiten in den grossen Städten sind besser, aber die Kinder stehen stärker unter Druck. “Nur wer gut ausbildet ist, wird Erfolg haben im Leben”, lautet ihr Credo. Bereits ab vier Jahren werden die Kinder in Abendkurse geschickt, manchmal endet ihr Schultag erst nach neun Uhr.
Auf dem Land geht es ruhiger zu und her. Die Ausbildung ist weniger wichtig als beispielsweise finanzielle Themen, denn es geht um das Überleben der Familien. Viele Kinder verlassen die Schule vor dem regulären Ende, sobald sie lesen und rechnen können. Grundschüler starten ihren Tag vor sieben Uhr mit körperlichen Übungen. Die Hälfte der Schüler besucht den Unterricht am Morgen, die andere Hälfte die Klassen am Nachmittag. Viele Lehrer arbeiten in beiden Schichten, um sich den Lebensunterhalt zu sichern.
Anders als in der Schweiz tragen vietnamesische Kinder Schuluniformen. So ist es immer ein sehr schöner Anblick, wenn sie nach der Schule aus den Gebäuden und auf die Strassen strömen.