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Die natürliche Haarfarbe, die Haarbeschaffenheit und die Neigung zum Ergrauen sind genetisch vorbestimmt, ebenso wie die Anfälligkeit für androgenetische Alopezie. Dieser Artikel konzentriert sich nicht auf erblich bedingten Haarausfall (Mehr dazu in unserem Artikel “Haarausfall – 5 Ursachen und was du dagegen tun kannst“). Stattdessen behandelt er die Entstehung der natürlichen Haarfarbe, künstliche Haarfarbveränderung, das Ergrauen des menschlichen Haares, oxidativen Stress und den damit zusammenhängenden Alterungsprozess sowie mögliche Maßnahmen gegen graue Haare.
Die Entstehung der natürlichen Haarfarbe
Die Haarfarbe eines Menschen hängt vom Vorkommen und von der Anzahl folgender beiden Pigmente in der Faserschicht der Haare ab:
- Phäomelanin
- Eumelanin
Eumelanin ist das Schwarz-Braun– und Phäomelanin das Rot-Pigment. Eumelanin, welches in grösserer Anzahl in braunem und schwarzem Haar enthalten ist, entscheidet über die Farbtiefe. Nimmt man das Phäomelanin als Massstab ist das Eumelanin ungemein viel grösser und von der Struktur her geradezu porös. Das Phäomelanin, welches in hoher Konzentration bei rothaarigen und blonden Menschen anzutreffen ist, ist demgegenüber geradezu winzig und von feiner Konsistenz.
Für die Produktion obgenannter Melanine sind die Melanozyten-Zellen verantwortlich. In den Haarfollikeln sitzend wandeln sie körpereigene Aminosäuren zu verschiedenartigen Pigmenttypen um und sorgen damit für die beim Menschen typischen Farbvariationen. Je nach Mischungsverhältnis der beiden Melanin-Farbpigmenten gibt es neben unilateralen Kompositionen viele dazwischenliegende Haarschattierungen. Die „Farb-Cocktails“ brünett, rotbraun, rotblond, hellblond etc., um nur einige zu nennen, entstehen unisono alle aus den beiden Ingredienzien Eumelanin und Phäomelanin.
Fehlen diese Melanine in der Faserschicht der Haare komplett liegt eine Pigmentstörung vor. (In der medizinischen Terminologie auch Albinismus genannt.) Mit der Konsequenz, dass Menschen die an Albinismus leiden, meist sehr helle, ja bisweilen sogar bleiche Haare haben.
Ob Haare matt anmuten oder sich kräftig leuchtend darstellen hängt hingegen nicht von den Pigmenten ab, sondern von den Schuppen an der Haaroberfläche. Stehen diese farblosen Schuppenzellen in einer Schicht ab, wirkt das Haar eher fahl und matt. Liegen die Schuppen fest an, wirkt die Farbe leuchtend kräftig.
Künstliche Haarfarbveränderung
Die natürliche Haarfarbe eines Menschen verändert sich in der Regel unter folgenden zwei Szenarien: Entweder ungewollt, wenn sie bsp. im Kindesalter einem natürlichen Veränderungsprozess unterworfen sind oder wenn sie bsp. ergrauen, andererseits aber auch willentlich beim Färben, Tönen oder Bleichen. Was das Bleichen anbelangt gilt es zu sagen, dass die eigenen Pigmente dabei gezielt zerstört werden. Unter Verwendung von Wasserstoffperoxid ist Bleichen vergleichbar wie ein Verbrennen von Materie, weshalb die Blondierungspräparate bei unsachgemässer Anwendung sowohl die darunterliegende Kopfhaut als auch die übrige Peripherie in Mitleidenschaft ziehen können. Nach dem Bleichvorgang bedürfen gebleichte Haare besonderer Pflege, weil sie eine viel geringere Strapazierfähigkeit und Reissfestigkeit als naturbelassenes Haar aufweisen.
Und nun zum Schreckensszenario für viele: Den unliebsamen grauen Haare…
Das Ergrauen des menschlichen Haares
Es wird immer wieder berichtet, dass die Generation unserer Grosseltern bis ins hohe Alter von grauen Haaren verschont blieb. Früher hätten sie keine Probleme mit grauen Haaren gehabt. Graue Haare seien ein Phänomen der Neuzeit. Dies ist jedoch genauso ein Mythos, wie Erzählungen, dass Menschen nach einem schrecklichen Ereignis von einem Tag auf den nächsten komplett ergraut seien. Das ist wissenschaftlich schlichtweg nicht haltbar. Viel wahrscheinlicher ist in seltenen Fällen plötzlichen Ergrauens, dass massiver psychischer Stress und/oder Schockerlebnisse einen akuten Haarausfall ausgelöst haben, bei dem die farbigen Haare ausgefallen sind und nur die grauen übrig blieben.
Haare ergrauen nicht urplötzlich. Zumeist ist es ein schleichender Prozess und zwar mitunter auch davon abhängig an welcher Position sich die Haare befinden. So dürfte dem ein oder anderen Betroffenen sicherlich auch schon aufgefallen sein, dass die Barthaare und die Schläfenhaare in der Regel als erstes ergrauen. Dies liegt ganz einfach an der kürzeren Lebensdauer der Haare an besagten Partien, weshalb diese auch früher tangiert sind.
Für den Grund des Ergrauens (Canities) selber gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Ihnen allen gleich ist, dass offenbar das Alter und/oder bestimmte Erkrankungen bzw. Fehlfunktionen eine Rolle spielen.
Eine Erklärung ist, dass graue bzw. weisse oder transparente Haare entstehen, wenn die Zellen in den Haarfollikeln, aufgrund von stark geschädigtem Erbgut, keine ausreichende Menge der Aminosäure Tyrosin mehr produzieren können, welche für Melaninproduktion jedoch essenziell wäre. Die durch das fehlende Melanin verursachte Hypopigmentierung wird dann durch Einlagerung von Luftbläschen ersetzt, sodass solche Haare für das menschliche Auge in Grau- bis Weisstönen erscheinen.
Eine andere Erklärung stammt von Wissenschaftlern der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz in Deutschland und der University of Bradford in England. Sie haben bemerkt, dass beim regulären Stoffwechselprozess überall im menschlichen Körper kleine Mengen Wasserstoffperoxid entstehen. D.h. auch im Haar. Weil der Organismus mit fortschreitendem Alter zusehends Mühe bekundet den Abbau des Wasserstoffperoxids in seine Bestandteile Wasser und Sauerstoff zu bewerkstelligen, nimmt dessen Menge kontinuierlich zu. Die Ansammlung an Wasserstoffperoxid führt dann letztendlich dazu, dass das Enzym Tyrosinase attackiert bzw. inaktiviert wird und die Aminosäure Methionin zum oxidieren gebracht wird, was im Endeffekt ein Anhalten der Melanin-Produktion bedeutet.
Eine weitere Erklärung lieferten US-Forscher in einem Bericht von Science-Online (12/2004). Dieser legt nahe, dass sterbende Stammzellen als Ursache für die Ergrauung gelten. In einem Tierversuch wiesen sie nach, dass wenn die Zahl bestimmter Stammzellen in der Haut abnimmt, die Haare grau werden. Unter normalen Umständen verwandeln sich diese in Melanozyten, welche ihrerseits für die Produktion der Farbstoffe im Haar verantwortlich wären.
Oxidativer Stress & Alterungsprozess
Was als unbestritten gilt, ist, dass sogenannter „oxidativer Stress“ den Alterungsprozess fördert. Unter oxidativem Stress versteht man den Zustand, wenn die normalen Reparatur- und Entgiftungsfunktionen einer Zelle überfordert sind und nicht mehr greifen. Vorübergehende Verwerfungen dieser Art weiss der Organismus relativ gut abzufedern. Bei anhaltender Penetration kann es jedoch zu Schädigungen der zellulären und extrazellulären Makromolekühlen kommen, folglich dessen in punkto graue Haare eine Reihe von kontraproduktiven Stoffwechselveränderungen in Gang gesetzt werden. Dieser unglückliche Umstand tritt allerdings nicht von heute auf morgen ein. Nur durch anhaltende Einwirkung von Stressoren wie Umweltgifte, Rauchen, UV-Strahlung, schlechte Ernährung oder starke psychische Belastungen kann das Erbgut nachhaltig zerstört werden. Wobei genau genommen die Schädigung der DNA, neben Lipidperoxidation und Proteinoxidation, nur eine von drei Folgen oxidativen Dauer- Stresses ist. Letztlich sind es nämlich die drei Vorgänge zusammen, die für den Alterungsprozess mitverantwortlich gemacht werden.
Oxidativer Stress ist allerdings nicht etwas worüber Sie sich als gesund lebender Mensch andauernd zu sorgen brauchen, denn die Natur hat vorgesorgt: Mit dem antioxidativen Schutzsystem und dem Reparaturmechanismus der DNA sowie dem geregelten Abbau von Proteinen verfügen Sie gleich über zwei neutralisierende „Waffen“ gegen oxidativen Stress.
Recovery-Ansätze gegen graue Haare
Was die möglichen Therapieformen von oxidativem Stress bzw. das Recovery von grauen Haaren anbelangt, werden Sie, wie bei anderen körperlichen Leiden, stets auf zwei verschiedene Auffassungen stossen. Einerseits die Faktenlastigen, tendenziell an die klassische Medizin Angelehnten, welche sich durch eine Vielzahl von Studien bestätigt sehen, dass bsp. der Nutzen von Antioxidantien enthaltenden Supplements nie nachgewiesen werden konnte. Andererseits werden sie auf Naturheilkundler treffen, die Meinung vertreten, dass wenn jemand graue Haare hat, dies nicht zwangsweise für immer so sein müsse. Letztere räumen aber auch ein, dass zur Widererlangung der ursprünglichen Haarfarbe viel Geduld und Disziplin gefragt sei. Um die Mängel wieder auszugleichen müsse mit ein bis zwei Jahren gerechnet werden. Im vollen Glauben an die punktuell richtig eingesetzte Pflanze am richtigen Ort und die positive körperliche Reaktion darauf setzen sie voll auf die nebenwirkungsfreie Stärkungs-, Reinigungs- und Zellverjügungskur der Natur. So werden bsp. reichhaltige Nahrungsergänzungsmittel wie Super-Food Moringa zur Entgiftung des Körpers eingesetzt und unter Berücksichtigung einiger zusätzlicher Punkte wie Vermeidung synthetischer Produkte und Stressausgleich versucht das „weisse Haarkleid“ wieder abzuschütteln.
Von welcher alternativen Methode Sie sich auch immer Abhilfe versprechen, Fakt ist, man muss jedwelche Therapieform offen sein, wenn man anzuwenden gedenkt. Wir halten uns hier neutral, denn dies ist nicht unsere Kernkompetenz. Wir raten Ihnen bloss: Lassen Sie nichts unversucht, wenn Sie die grauen Haare stören. Es sei Ihnen gegönnt, wenn die Haare wieder in ihrer natürlichen Farbe spriessen!