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am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und einer württembergischen Missionarstochter geboren, 1946 ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur, starb am 9. August 1962 in Montagnola bei Lugano. Seine Bücher, Romane, Erzählungen, Betrachtungen, Gedichte, politischen, literatur- und kulturkritischen Schriften sind mittlerweile in einer Auflage von mehr als 70 Millionen Exemplaren in aller Welt verbreitet und haben ihn zum meistgelesenen europäischen Autor des 20. Jahrhunderts in den USA und in Japan gemacht. Er wurde mit folgenden Preisen ausgezeichnet: Gottfried-Keller-Preis 1936, Nobel-Preis 1946,Goethe-Preis der Stadt Frankfurt/M. 1946, Raabe-Preis 1950, Friedenspreis des deutschen Buchhandels 1955.
Die seit Jahren wieder in den Mittelpunkt der Diskussion gerückten Romane Hermann Hesses haben ganz zu Unrecht die nicht weniger reichhaltigen und eigenständigen Erzählungen des Dichter etwas in den Hintergrund gedrängt. In verschiedenen Sammelbänden sowie in Zeitungen und Zeitschriften verstreut, waren sie schwerer zugänglich und konnten erst 1973 in einer großen Sonderausgabe zusammengefaßt werden. Der erste Band unserer auf vier Bände angelegten Taschenbuchausgabe enthält Hesses früheste Erzählungen in der Reihenfolge ihrer Entstehung. »Aus Kinderzeiten«, Titel einer dieser Geschichte, könnte leitmotivisch für alle diese frühen Arbeiten stehen, denn in den meisten werden Begebenheiten aus der Kindheit und Pubertät geschildert, dem Stadium der empfindlichsten Erlebnisfähigkeit, das inzwischen zu einem Zentralthema der modernen Psychologie geworden ist. Es sind vor allem die Erlebnisse aus Hesses Calwer Jahren, seiner imaginären »Kleinen Welt« von »Gerbersau«, die hier und im nachfolgenden Band zu Wort kommen.
»In der westlichen Kultur werden Innenwelt und Außenwelt immer gegeneinander ausgespielt. Wer die Innenwelt darstellt, wird verdächtigt, von der Außenwelt nichts zu wissen. Wer nur in der Außenwelt lebt, hat keine Innenwelt. Daß eine Innenwelt nicht ohne Außenwelt, eine Außenwelt nicht ohne Innenwelt existieren kann, wird nur der nachvollziehen, der sich von dem westlichen Denken in Ausschließlichkeiten befreit hat. Ohne Zweifel fördert die Lektüre Hesses das zunehmende Wissen von der Macht, die man in sich trägt. Aber wem nützt es, fragen mit Recht diejenigen, die nicht interessiert sind, daß der Einzelne Ich-Stärke hat und nicht der Spielball irgendeiner Bewegung oder Institution ist.« Karin Struck
Max Brod: »Kafka las Hesse mit Begeisterung.«
Alfred Döblin: »Mit einer Sicherheit, die ohnegleichen ist, rührt er an das Wesentliche.«
Hermann Hesses Erzählung Demian, entstanden 1917 und erst zwei Jahre später unter dem Pseudonym Emil Sinclair erschienen, »um die Jugend nicht durch den bekannten Namen eines alten Onkels abzuschrecken«, hatte - wie Thomas Mann in seinem Vorwort zur amerikanischen Ausgabe des Buches berichtet - auf die junge Generation nach dem Ersten Weltkrieg »eine elektrisierende Wirkung und traf mit unheimlicher Genauigkeit den Nerv der Zeit«, ähnlich Goethes Werther, dessen Wirkung Thomas Mann mit der des Demian vergleicht. »Er hebt ans Licht die urgeborene Amoralität«, schrieb Alfred Döblin, und Stefan Zweig verwies auf den »bewundernswerten Einblick in die Jugendpsychologie«, die der Demian ermöglicht, während C. G. Jung die Wirkung dieses Buches verglichen hat mit dem »Licht eines Leuchtturms in einer Sturmnacht«
Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum glücklich sein
Und wäre alles Liebste dein.
Solange du nach Verlorenem klagst
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist.
Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht Ziele mehr, noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr mit Namen nennst,
Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz - und deine Seele ruht.
Herman Hesse