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Schluchten werden gedanklich schnell mit Wasser in Verbindung gebracht. Als Schlucht gilt ein durch einen Bach oder einen Fluss tief eingeschnittenes Erosionstal. Eine Schlucht bildet sich in Gestein, das stark der Tiefen- und weniger der Seitenerosion des Wassers ausgesetzt ist. Ein gutes Beispiel für Schluchten sind das St.-Niklausen-Tobel und die Schöllenenschlucht.
Blick in die Schöllenenschlucht, bekannt auch als Verkehrsweg und Schauplatz von Sagen.
Die Entstehung einer Schlucht geschieht aus geologischer Sicht relativ schnell. Nach der letzten Eiszeit, mit dem Wegschmelzen der ganzen Eislast, entfiel der Druck der Gletscher auf den Untergrund. Das Gestein hat sich dabei entspannt und die sogenannte Talklüftung ist eingetreten. Entlang dabei entstandener Spalten konnten sich neue Täler oder Runsen bilden. Dabei ist der Anfall von Wasser und Geschiebematerial von grosser Wichtigkeit. Die mechanische Wirkung wird stark durch diese zwei Faktoren bestimmt. Je mehr Geschiebe mitgeführt wird, desto tiefer und schneller kann sich eine Schlucht entwickeln.
Ein weiterer Faktor ist das noch immer anhaltende Wachstum der Alpen. Wenn Gebirge wachsen, verstärkt sich die Tiefenerosion und damit wird die Schluchtbildung beschleunigt. Ein typisches Beispiel ist die Schöllenenschlucht. Von Disentis im Kanton Graubünden bis nach Bellwald im Kanton Wallis verläuft die sogenannte Rhein-Rhone-Linie. Entlang dieser Linie werden durch den Druck der Afrikanischen Platte gegen die Alpen Gesteinsschichten hochgepresst. Und genau diese Zone führt im Urnerloch nördlich von Andermatt durch die Schöllenenschlucht. Ihre Bewegung wird laufend gemessen. Das Gestein im Bereich Stöckli – Luthersee (zwischen Andermatt und Oberalppass) wird um 0,7 mm pro Jahr angehoben. Diese Zone ist bei Strasse und Bahn im Urnerloch wie auch im Gotthard-Strassentunnel spürbar. Entsprechende Schäden sind schon aufgetreten. Nach dem Wegschmelzen der eiszeitlichen Gletscher verlief die Hebung noch wesentlich schneller als zum heutigen Zeitpunkt.