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Coming-of-Age-Filme für Jugendliche, Erwachsene und Kinder
Der englische Ausdruck Coming of Age heisst so viel wie Heranwachsen, Erwachsenwerden, Adoleszenz und gibt einem ganzen Filmgenre den Namen: Coming-of-Age-Movies sind Filme, in denen es ums Erwachsenwerden geht oder, etwas allgemeiner gefasst, in denen die Protagonistin oder der Protagonist einen Reifeprozess, eine Entwicklung durchmacht und am Ende des Films an einem anderen Punkt steht als am Anfang.[1]
Typische Themen, die im Coming-of-Age-Film behandelt werden, sind: Selbstfindung und Identität, Freundschaft, Liebe und Sexualität, Auseinandersetzung mit dem Elternhaus, mit der Schule oder mit der Gesellschaft als ganzer.[2] Dabei erlebt die Hauptfigur typischerweise eine Krise, findet dann aber eine Lösung, indem sie sich aus alten Mustern und Abhängigkeiten löst und neue Wege einschlägt.
Klassische Coming-of-Age-Filme sind z. B. der James-Dean-Film «… denn sie wissen nicht, was sie tun» (1955) von Nicholas Ray oder Peter Weirs «Der Club der toten Dichter» (1989).[3]
Im Relimedia-Angebot gibt es eine Reihe von Filmen, die auf die Herausforderungen von Jugendalter und Adoleszenz eingehen und sich daher sehr gut für den Unterricht und die Jugendarbeit eignen. Sie sind auch in der Arbeit mit Eltern und Erziehungspersonen einsetzbar – und zudem für alle spannend, die sich wieder einmal an die Lebensphase und das Lebensgefühl als Heranwachsende erinnern wollen.
Dọlápọ̀ is fine (2020) ist ein Kurzspielfilm von Ethosheia Hylton.
Dọlápọ̀ stammt aus Nigeria und besucht ein Internat in Grossbritannien. Eine Mentorin unterstützt sie in ihren Karriereplänen als Investmentbankerin und bei der Bewerbung auf eine Praktikumsstelle im Bankenviertel. Allerdings findet sie, dass Dọlápọ̀s Afro nicht zu diesem Metier passt … Im Spannungsfeld von Eltern, Freundeskreis und Geschäftswelt muss die junge Frau entscheiden, ob sie sich anpassen oder stolz zu ihren Vorzügen stehen soll, und findet im Laufe des Films ihren eigenen, selbstbewussten Weg.
Ganz neu im Sortiment ist der Kurzfilm Mit Gefühl (2020) von Doug Roland.
Im nächtlichen New York begegnet Tereek, ein junger Mann, der nicht weiss, wo er die Nacht verbringen soll, an einer Strassenecke dem taubblinden Artie. Der fragt ihn nach der nächsten Bushaltestelle und verwickelt ihn mittels Notizblock und Schreiben-in-die-Handfläche in ein Gespräch. Zuerst ist Tereek gestresst und will möglichst rasch weiter. Je mehr er sich jedoch auf die Begegnung einlässt, desto mehr wächst die Ruhe in ihm. Als die beiden sich verabschieden, ist Tereeks Schritt beschwingt. Trotz seiner immer noch komplizierten Lebenssituation wirkt er zuversichtlich.
Diese beiden Kurzfilme entfalten Themen des klassischen Coming-of-Age-Spielfilms auf einer Länge von nur knapp 20 Minuten. Sie vermitteln Stärke und Zuversicht und sind deshalb für Menschen verschiedenster Altersgruppen inspirierend.
Coming of Age kann unter erschwerten Bedingungen stattfinden, nämlich wenn das Leben bedroht ist oder die verbleibende Lebenszeit womöglich nicht mehr lange währt. Wie eine Teenagerin damit umgeht, davon erzählt der Spielfilm Milla meets Moses (2019, von Shannon Murphy). Milla, 16 Jahre jung, hat Krebs. Als sie eines Tages den um einige Jahre älteren Obdachlosen Moses mit nach Hause bringt, sind ihre Eltern überhaupt nicht begeistert. Doch die Gesellschaft von Moses tut Milla offensichtlich gut … Eindrücklich ist an diesem Film nicht nur die Entwicklung der Hauptfigur, äusserlich untermalt durch das Stilmittel verschiedenfarbiger Perücken, sondern auch, wie Milla zugleich ihre Umgebung mit in eine Veränderung hineinnimmt.
Menschliche Entwicklungs- und Reifungsprozesse sind nicht an ein bestimmtes Lebensalter gebunden, sondern ereignen sich ein Leben lang. Ob im Film oder im Leben: Auch Erwachsene «entwickeln sich … weiter und gelangen am Ende … zu einem neuen Blick auf die Welt und einem veränderten Bewusstsein».[4]
In Roadmovies wie Nomadland oder The Straight Story können wir ältere Protagonistinnen und Protagonisten bei ihrem Weg bzw. ihrer Fahrt durch Krisen und Neuanfänge begleiten.
Und schliesslich ist auch die Kindheit schon eine Zeit der Übergänge und grosser Entwicklungsschritte. Der Animationsfilm Tobi und der Turbobus von Verena Fels greift einige davon auf: Freundschaften, die sich verändern; das Finden neuer Freunde; Abhängigkeiten, die man hinter sich lässt; ein Anflug von erster Liebe … All das kommt vor und wird pointiert, einfühlsam und unterhaltsam gezeichnet.
Weitere Filme zum Thema:
Contra
Stein im Schuh
Christy
Kokon
Boyhood
Alles steht Kopf
Tschick
Drachenläufer (The Kite Runner)
Persepolis
Billy Elliot – I will dance
Das Schicksal ist ein mieser Verräter : The fault in our stars
Jugend ohne Gott
Ties
Coming of Age – Vom Kind zum Erwachsenen
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
Kick it like Beckham
Good Will Hunting : Der gute Will Hunting
Literatur und Links:
Petra Anders/Michael Staiger/Christian Albrecht/Manfred Rüsel /Claudia Vorst: Einführung in die Filmdidaktik. Kino, Fernsehen, Video, Internet. Berlin: Metzler/Springer, 2019.
Frank Münschke: Coming-of-Age-Film. In: KinderundJugendmedien.de. Erstveröffentlichung: 13.08.2018. (Zuletzt aktualisiert am: 14.06.2022). URL: https://www.kinderundjugendmedien.de/index.php/begriffe-und-termini/2482-coming-of-age-film. Zugriff: 23.01.2023.
https://www.kinofenster.de/lehrmaterial/glossar/coming_of_age_filme/ (Zugriff: 23.1.2023)
https://nur-muth.com/filmlexikon/coming-of-age-film/ (Zugriff: 23.1.2023)
Fussnoten:
[1] Anders, Springer u. a. schreiben: «Zentral ist hierbei die Auslotung von Grenzen und das Erleben von Schwellenerfahrungen. Die Protagonisten entwickeln sich im Verlauf der Handlung weiter und gelangen am Ende des Films zu einem neuen Blick auf die Welt und einem veränderten Bewusstsein.» Petra Anders/Michael Staiger/Christian Albrecht/Manfred Rüsel /Claudia Vorst: Einführung in die Filmdidaktik. Kino, Fernsehen, Video, Internet. Berlin: Metzler/Springer, 2019, S. 88.
[3] Eine Liste weiterer bekannter Coming-of-Age-Filme findet sich auf: https://nur-muth.com/filmlexikon/coming-of-age-film/.
[4] Vgl. die Definition von Anders, Springer u. a. (siehe Fussnote 1).