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Hier nun mein finaler Poetry Slam und wohl auch letzter für die nächsten siebzehn Jahrzehnten, vo da her auch in extended Version, mit Erläuterung im Anhang, damit auch jeder der vertrackt komische Schluss verstehen kann.
Der Dach Mann
Es war einmal ein einsamer Mann, der irgendwo in einer Kleinstadt lebte und sein ruhiges Leben zubrachte. Gross Verwandte hatte er nicht, auch weder Frau noch Freunde waren ihm beschert, er lebte einfach sein bescheidenes Leben in seiner Wohnung.
Er stand am Morgen auf, stellte seinen alten Wecker aus, stieg aus dem Bett und schlüpfte in die Pantoffeln. Er setzte sich an den Tisch auf den Stuhl und ass Frühstück. Er bestrich sein Brot mit Butter und wenn er fertig war, ging er zum Ofen und schaute, ob er noch brannte, man weiss ja nie, plötzlich brennts.
Das Leben wurde immer uninteressanter, er wurde immer einsamer … doch da kam ihm plötzlich eine Idee: Er könnte doch anfangen, Wörter auszutauschen. Wörter mit anderen Wörtern. Er könnte ja … dem Bett Stuhl sagen und dem Stuhl Bett, dem Tisch aber Teppich! Warum heissts Brot und nicht Kamm? Kissen für Ofen?
So stand er am Morgen auf, stellte seinen alten Wecker aus, stiegt aus dem Stuhl und schlüpfte in die Pantoffeln. Er setzte sich an den Teppich auf den Tisch und ass Frühstück. Er bestrich sein Kamm mit Butter und wenn er fertig war, ging er zum Kissen und schaute, ob es noch brannte, man weiss ja nie, plötzlich brennts.
Er war ganz aufgeregt. Die Sache gefiel ihm, er freute sich. Er lernte den ganzen Tag die neuen Wörter, um auch alles nicht zu verwechseln. Dem Wecker konnte er ja auch Hund sagen und dem Hund Baum. Die Butter ist ein Brot und …!? Ganz begierig wartete er auf den neuen Tag, wartete auf das Frühstück, das Kind des Morgens, schloss sich ganz ein und er freute sich, denn er sah, dass es gut war.
So stand er am Morgen auf, stellte seinen alten Hund aus, stiegt aus dem Stuhl und schlüpfte in die Pantoffeln. Er setzte sich an den Teppich auf den Tisch und ass das Kind. Er bestrich sein Kamm mit Brot und wenn er fertig war, ging er zum Kissen und schaute, ob es noch brannte, man weiss ja nie, plötzlich brennts.
Immer mehr wollte er tauschen, kein Wort mehr am Platze lassen: Er begann nun auch die tun-Wörter zu ersetzen, die wie-Wörter ebenfalls, er nahm sein grosses Wörterbuch alles austauschen. Er vergass die alten Bedeutungen der Gegenstände vollends, nun gab es nur noch: Morgen ist Topf, aufstehen eingehen, ausstellen ist ausnehmen, alt will dick sein und essen ist schlagen und so weiter, und so fort …
So ging er am Topf ein, nahm seinen dicken Hund aus, stiegt aus dem Stuhl und schlüpfte in die Pantoffeln. Er setzte sich an den Teppich auf den Tisch und schlug das Kind. Er bestrich sein Kamm mit Brot und wenn er fertig war, ging er zum Kissen und schüttelte, ob es noch brannte, man weiss ja nie, plötzlich brennts.
Am nächsten Tag ging er am Topf ein, nahm seinen dicken Hund aus, stiegt aus dem Stuhl und rannte in die Wand. Er legte sich an den Teppich auf den Tisch und schlug das Kind. Er unterwarf seinen Kamm mit Brot und wenn er fertig war, trank er zum Kissen und schüttelte, ob es noch dachte, man weiss ja nie, plötzlich denkts. Es denkt? Dachte? Dach … te?
Er rannte zum Telefon, Nummer, wo, was, wo sollte er anrufen: Zum Bogen, zum Bogen! Das Dach stürzt ein, das Dach stürzt ein!
…
…
Jemand wusste nicht, was los war, jemand ging vorbei, was beim einsamen Mann wohl los ist? Jemand betrat das Wohnzimmer; das Dach ist intakt, alles in Ordnung, jedoch der Mann neben dem Ofen liegend, mit Blumen überwuchert.
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Entschlüsselung
Der Mann ist, wie einige Male erwähnt, sehr einsam, er beginnt mit sich selbst zu sprechen, er gibt Dingen andere Namen. Allerdings ist ihm das nicht wirklich bewusst, er tut es einfach aus sich heraus, einem inneren Reize zu Liebe stimuliert er sich selber mit den Neuschaffungen.
Der Schluss, der vor allem Fragen aufwirft ist folgendermassen auszulegen: Er replaziert ja alle Wörter mit anderen, nicht nur die paar, die wir aufgelistet sehen. Auch das Wort „Einsamkeit“ (oder etwas in dem Stil) wird ersetzt, nämlich durch „Dach“. „Brennen“ bedeutet, wie unschwer zu merken „denken“, und als er unweigerlich das Partizip davon bildet „dachte“, überkommt es ihn wie ein Schlag: Das DACH, die Einsamkeit, à la: „Was mach ich hier eigentlich?“ So versucht er dann einer „jemand“ anzurufen und meint, dass das Dach einstürzt, die Einsamkeit holt ihn ein. „Einstützen“ heisst wohl irgendwas im Sinne wie gesagt „einholen“‚s. Zum Bogen heisst wohl „zu Hilfe!“.
Der Mann stirbt in der Einsamkeit auf der stelle, besser: er vergeht. Wir sehen hier eine Parallele mit den Blumen an die antike Sage von Narzissus, der sich, als er merkt, dass er sich selber nicht lieben kann, in eine Narzisse (brainstew!!) verwandelt. Ob die Blumen nun in „unserer“ Sprache sind oder auch etwas ersetzen, und wenn, was, oder was sie gemeinhin symbolisieren ist dem Leser überlassen und hat mit der Rezeptionsästhetik zu tun, jeder vollendet den Slam für sich selbst.
Ein bisschen schwer für einen Slam, dass man das gerade aufsaugen kann, auch geschrieben wärs schon hardcore, das ist klar, von daher ungeeignet. Das Coole am Präsentieren dieses Exemplar liegt darin, die sich wiederholenden Passagen in einem Ferraritempo darniederzuprätschen.
Anmerkung: Ich habe von einigen (Lewis, Salvador, M und Co. KG) einen Hinweis bekommen, dass es sowas schon geben tut/könnte. Ich hab ein langes Gesicht gezogen, als M mir das zuerst mitgeteilt hat, haha. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand den anderen Urheber dieser Idee zeigen könnte; es gibt wahrscheinlich schon einige solche Ideen, die umgesetzt wurden, aber scheinbar eine berühmte?
Okay, wir haben ihn gefunden (danke an Sa): Peter Bichsel heisst der Mann: http://www.yolanthe.de/stories/bichsel01.htm, der eine ähnliche Geschichte geschrieben hat. Ungünstig für mich, Bichsel wird mir nicht abgeschrieben haben, umgekehrt seh ich jetzt natürlich scheisse aus, haha.
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