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Bald wird in Walzenhausen eine Ehrentafel am Geburtshaus von Carl Lutz (1895-1975) enthüllt. "Für den Ehrenbürger", wie diese Zeitung mitteilt; für einen, der "zahlreiche" jüdische Personen vor dem Tod in Konzentrationslagern gerettet hat. "Zahlreiche"? Wie viele sind das?
Es ist schön, dass es eine Gedenktafel geben wird. Neben ein paar Personen, die um diesen Mann wissen - seine Stieftochter, der Geschäftsleiter der Stiftung Sonnenblick und ein "Verein Appenzeller Friedens-Stationen - wird die Alphorngruppe Seeblick den würdigen Rahmen bilden. Und, genau, Köbi Frei, als knapp noch amtierender Regierungsrat. Dass ich von diesem Friedens-Verein noch nie gehört habe, ist wohl mein eigenes Versäumnis, dass ich die anderen Personen, ausser dem Köbi Frei, nicht kenne, wohl auch.
In der Zeitung kommt der Artikel (immerhin mit einem eindrücklichen Foto!) zwischen der Gastroszene Appenzell ("Säntis", "Harmonie", "Café Scherrer"), lokalen Sportnachrichten und der Kehrichtentsorgung in Heiden.
Carl Lutz hat sein eigenes Leben riskiert, indem er 62'000 Juden vor einem unvorstellbar schrecklichen Tod gerettet hat. Die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Budapests. Es war die grösste Rettungsaktion während des Zweiten Weltkriegs! Wie kann ich mir zweiundsechzigtausend Menschen vorstellen? Knapp die Bewohner der Stadt St. Gallen oder mehr als im ganzen Kanton Appenzell Ausserrhoden Menschen leben. Seine Anerkennung hat Carl Lutz nicht mehr erlebt, nur seine Verurteilung. Er ist verbittert und einsam gestorben.
Ja nichts gegen oben erwähnte Personen - um Himmels Willen nicht! Es geht ja auch nur um eine Gedenktafel. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass der Regierungsrat in corpore da wäre, Frau Keller Sutter dazu, eine Delegation des IKRK, ebenso eine solche aus Ungarn (gerade aus Ungarn!), und die Walzenhausener Kinder verbrächten unter der Tafel einen Spieletag. Dann bräuchte man sich nicht zu schämen!