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Gerold Haimb
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Lehrer in Muri: 1702–1711
Pfarrer in Bünzen: 1711–1713
Spiritual in Hermetschwil: 1711–1713
Subprior: 1713–1717
Dekan: 1717–1723
Abt: 1723–1751
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Eltern: Martin Haimb, Gastwirt und Bürgermeister in Stühlingen, und dessen zweiter Frau Barbara Thienger. Sie vermählte sich in zweiter Ehe mit Franz Heinrich Jost von Willisau, der damals Sekretär des Abtes von Rheinau war, später Sekretär des Deutschordenskomturs von Hitzkirch und schliesslich Ammann des Klosters Eschenbach wird.
Geschwister:
- P. Marian (Franz Anton) Haimb, OCap.
Lebensbeschreibung
Die Heimat dieses Abtes ist Stühlingen im Schwarzwald, wo seine Eltern das Wirtshaus zum Hirschen betrieben. Geboren war er am 24. Oktober 1678. Der Vater starb sehr früh, die Mutter verheiratete sich wieder mit dem Sekretär des Abtes von Rheinau, Franz Heinrich Jost von Willisau, der mit der Familie aber bald als Sekretär in die Komturei Hitzkirch übersiedelte. So wurde die Schweiz die zweite Heimat des späteren Abtes. Die ersten Studien machte Johann Martin, wie er getauft war, in Beromünster, wo er auch eifrig Musik betrieb. Später kam er zu den Jesuiten in Luzern, bei denen er Rhetorik und Philosophie studierte und längere Zeit sich mit dem Gedanken beschäftigte, dort der Gesellschaft Jesu beizutreten. Indessen entschied er sich dann für Muri, wo er am 6. Januar 1699 die Gelübde ablegte. Nach Abschluss der theologischen Studien wurde er sofort als Lehrer der Theologie bestimmt und tradierte nach einigen Jahren auch die Philosophie. 1711 bis 1713 betreute er die Pfarrei Bünzen und zwar zugleich Spiritual der Klosterfrauen in Hermetschwil. 1716 bis 1725 war er Sekretär der Kongregation. 1717 bis 1723 war P. Gerold Dekan. Am 27. September 1723 wurde P. Gerold unter dem Vorsitz des Nuntius Passionei und Assistenz der Äbte Josef von St. Gallen, Thomas von Einsiedeln und Gerold von Rheinau, zum Abt gewählt. Er wurde am 24. Oktober vom Nuntius benediziert.
P. Gerold hätte schon 1719 Abt in Mariastein werden sollen, aber er schlug die Würde entschieden und beharrlich aus. Obwohl Abt Gerolds hervorstechender Charakterzug die Güte und Liebe gewesen sein soll, musste gerade er öfters gegen Feinde kämpfen. Kaum hatte er das sogenannte Schutzgeld entrichtet, das bei jeder Abwahl höher stieg, begann der Kampf mit dem Berner Landvogt, der bei den sogenannten Güterbereinigungen und bei Grenzstreitigkeiten der zehntpflichtigen Güter von Muri auf alle Weise Geld zu erpressen suchte. Das Beispiel wirkte ansteckend, so dass bald auch die Vögte der oberen Freiämter solche einträgliche Güterbereinigungen veranstalteten. Dazu kamen ungezählte Streitigkeiten wegen verschiedener bekämpfter Klosterrechte an verschiedenen Orten. Der Chronist P. Leodegar Mayer berichtet, dass Muri in den Jahren 1724 bis 1749 allein für Prozesse wenigstens 26'674 Gulden ausgab. Und all diese Leiden waren um so empfindlicher, weil sich bald herausstellte, dass der weltliche Kanzler an all diesen Dingen nicht wenig beteiligt war. In all den vielen Leiden war dem Abt sein religiöser Sinn ein grosser Trost, besonders seine Liebe und Verehrung zum heiligsten Altarssakrament und sein Konvent, mit dem er in ungetrübtem Frieden lebte und der ihm in allem treu zur Seite stand. Auch stand der Abt in bestem Einvernehmen, ja in intimer Freundschaft, besonders mit den Nuntien der Schweiz. Der uns schon bekannte Graf Trauttmansdorff und sein Nachfolger im Amt als kaiserlicher Botschafter in der Schweiz, Marquis Pries, genossen oft längere Zeit die Gastfreundschaft des Klosters. Auch der kaiserliche Agent in Mailand, Kränzlin, ein Schweizer, der 1736 wegen Kriegsausbruch in seine Heimat flüchtete, war im genannten Jahre bei Anlass des Stifterjahrtages Gast in Muri und berichtete über das dort Gesehene an seinen Herrn, Kaiser Karl VI., der bald darauf dem Fürstabt ein schmeichelhaftes Schreiben zukommen liess.
Die Bekanntschaft und Freundschaft mit dem französischen Botschafter, der in Solothurn residierte, hatte für ihn und das Kloster den grossen Vorteil, dass in den Kriegen zwischen Österreich und Frankreich die Muribesitzungen in Deutschland von ihm die Zusicherung des Schutzes erhielten. In besonderer Freundschaft stand Abt Gerold mit dem Nuntius Passionei, der öfter geschätzter Gast war. Als der Nuntius 1726 vorübergehend seinen Sitz in Altdorf aufgeschlagen hatte, lud er bei Anlass der Festlichkeiten zur Thronbesteigung des Papstes Klemens XII. den Abt mit einigen Konventualen dorthin ein. Als Passionei bald nach Wien versetzt wurde, dauerte die freundschaftliche Verbindung weiter, ja, Passionei empfahl seinem Nachfolger in der Schweiz, Nuntius Acciajuoli von Wien und später als Kardinal von Rom aus, besonders das Kloster Muri und seinen Abt. Acciajuoli kam denn auch sehr oft nach Muri, besonders in der Karwoche, oder zur Erteilung von Weihen und zu Festlichkeiten, so auch zur grossartigen Säkularfeier des hl. Leontius im Jahr 1747. Um diese Zeit besuchte auch der berühmte und gelehrte Kardinal Quirinus das Stift Muri. Wenn auch Abt Gerold keine wissenschaftlichen Werke hinterliess, so war er doch ein eifriger Beförderer aller wissenschaftlichen Bestrebungen innerhalb und ausserhalb des Klosters. Insbesondere verdankte auch die Stiftsbibliothek ihm grosse und wertvolle Bereicherungen durch Vermittlung des damaligen grossen Gelehrten Dr. Iselin in Basel. Die Bücherschätze in Muri lockten im Verlaufe der Zeit viele Besucher und Gelehrte dorthin, so z.B. P. Marquart Herrgott aus St. Blasien und den gelehrten französischen Benediktiner Malmet.
Entsprechend des Hauptzugs im Leben des Abtes – seiner Güte und Liebe – übte er im grossen Massstab Wohltätigkeit. Was die Almosen an Arme betrifft, bemerkt der Abt selbst, dass er darüber nicht Rechnung hielt. Was Gerold I. für Kirchen, für öffentliche Zwecke aller Art innerhalb und ausserhalb der Schweiz tat, übertrifft bedeutend die diesbezügliche Wohltätigkeit aller seiner Vorgänger. So unterstützte er 1736 die finanzschwache Pfarrei Schattdorf durch den Kauf einer Orgel für 525 Gulden und 1744 das brandgeschädigte Benediktinerkloster Ettal mit 550 Gulden. Ferner finanzierte er 1745 beim Neubau der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Sarnen einen Altar für 500 Gulden. Was das eigene Gotteshaus betrifft, hatte sein Vorgänger ihm Ausstattung aufgespart. Für seine Kirche und für inkorporierte Kirchen gab der Abt in den Jahren 1724 bis 1749 wenigsten 89'000 Gulden aus. Dazu kamen die grosse Glocke, neue Orgeln und nicht zuletzt die herrlichen Gitterwerke vor dem Chor der Kirche und vor den Seitenaltären. Für neue Ökonomiegebäude und verschiedene Reparaturen sind unter Gerold I. wenigstens 127'000 Gulden ausgegeben worden. Wie schon bei Abt Plazidus angedeutet wurde, kam von dem späteren abgerundeten Besitze Muris in Deutschland ein Teil erst unter Abt Gerold an Muri, nämlich die Ritterherrschaft Dettingen und später noch Neckarhausen. Die Ausgaben beliefen sich auf über 165'000 Gulden. Mit Neckarhausen war auch eine Tuchfabrik und eine Heilquelle verbunden, mit beiden Gütern auch höhere und niedere Gerichtsbarkeit. Zur Zeit Gerold I. waren zu Verwaltung und Seelsorge in den deutschen Herrschaften drei Patres beschäftigt. Als Ökonom zeichnete sich P. Fintan Guntlin aus, der besonders auch durch die geometrischen Vermessungen der Güter für die Verwaltung grosse Vorteile erzielte. Erwähnenswert ist noch, dass Gerold I. für sein Kloster eine Feuerspritze mit allen nötigen Apparaten anschaffen liess.
Unterdessen meldeten sich beim Abt als Boten des herannahenden Alters manche gesundheitlichen Beschwerden. Darum bereitete er sich sehr gewissenhaft auf ein eventuell unerwartet schnelles Ableben vor. Das letzte Werk, das er noch zur Ausführung brachte, war ein Werk der Pietät für die Stifterfamilie. Es ist die in der Stiftskirche angebrachte Gedenktafel mit dem Motto: «Juste et Pie!»
An Weihnachten 1750 erkrankte der Abt schwer, hielt aber aus bis zum 26. Februar 1751, nachdem er einige Tage vorher in rührendster Weise von seinem Konvent und Mitbürgern Abschied genommen hatte. Er stand im 73. Lebensjahr. Nicht bloss Muri selbst, auch die Kongregation, die in Abt Gerold einen verehrten Visitator verlor, und so viele Freunde nah und fern, trauerten aufrichtig am Grab des geliebten Abtes.[1] Die Leichenrede hielt Heinrich Ludwig Sidler,[2] langjähriger Pfarrer und Ehrenkaplan von Villmergen.
Wappen
- Farbig: Leodegar Mayer: Compendium Archivii Murensis. A, Muri, S. 65 (StiAMG Sarnen M.Cod. chart. 480).
Werke
- Litterae Geroldi I. ad Oratorem Gallicum pro salva guardia contra irruptionem gallorum, 1733-1734, StiAMG Sarnen, A.IV.III.6.1.
- Nota pro P.P. in Dynastiis imperialibus constitutis, 1736, StiAMG Sarnen, A.II.10.
Bibliographie
- Helvetia Sacra, III I, S. 941f.
- Iten, Albert, Tugium Sacrum Band I. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Beiheft Nr. 2 zum Geschichtsfreund, Zug 1952.
- Iten, Albert, Tugium Sacrum Band II. Die Zuger Geistlichen der Orden, Kongregationen und Gesellschaften, Beiheft Nr. 15 zum Geschichtsfreund, Zug 1973.
- Wohler, Anton: Haimb, Gerold, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.7.2018, URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D19496.php.
- Gerold Haimb in Wikipedia.
- Gerold Haimb auf http://www.sueddeutscher-barock.ch.
- Nachlass von Abt Gerold Haimb im StiAMG Sarnen.
- Professbuch: Nr. 482.
Einzelnachweise
|Vorgänger||Amt||Nachfolger|
|Plazidus Zurlauben||Abt

1723–1751
|Fridolin Kopp|
|Luitfried Egloff||Dekan

1717–1723
|Benedikt Studer|
|Anton Buol||Subprior

1713–1717
|Martin Glutz|
|Personendaten|
|NAME||Haimb, Gerold|
|ALTERNATIVNAMEN||Haimb, Johann Martin|
|KURZBESCHREIBUNG||Fürstabt des Klosters Muri|
|GEBURTSDATUM||24. Oktober 1678|
|GEBURTSORT||Stühlingen|
|STERBEDATUM||26. Februar 1751|
|STERBEORT||Muri|