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Eingestürzte Gebäude, unterbezahlte Näherinnen und Kinderarbeit – die Folgen, die Fast Fashion und billig produzierte Mode mit sich bringen, sind fatal und die Zustände menschenunwürdig. Jeanshosen, die wohl bei jedermann im Schrank liegen, kosten dank dieses Phänomens teilweise weniger, als der tägliche Lunch. Dass ein solcher Preis vermutlich nichts mit vertretbaren Arbeitsbedingungen zu tun hat, ist (hoffentlich) jedermann klar. Wie wenig eine Näherin etwa in Bangladesch pro produzierte Jeans bekommt, zeigt eine Auflistung von Statista:
- Stoffkosten: 3,9 US-Dollar
- Accessoires, Zutaten: 1,05 US-Dollar
- sonstige produktionsbezogene Kosten: 1,13 US-Dollar
- Produktion inklusive Lohnkosten: 0,9 US-Dollar
- Gewinn der Fabrik: 0,26 US-Dollar
- Hafen-Gebühren: 0,2 US-Dollar
- Seefracht: 0,3 US-Dollar
- Großhändler in Hong Kong: 3,15 US-Dollar
- Finanzkosten: 0,07 US-Dollar
- Discounter-Gewinn: 1,47 US-Dollar
- Marketing Distribution: 2,27 US-Dollar
- Kosten Einzelhandelsgeschäft: 3,68 US-Dollar
… Weniger als 0,9 US-Dollar Lohn für die Arbeit einer kompletten Jeans – hierzulande ist ein solches Gehalt unvorstellbar. Aber auch in Bangladesch kommen die Näherinnen damit kaum über die Runden. Die Folge? Sie arbeiten oft mehr als 12 Stunden täglich, um gerade so überleben zu können.
Was müsste uns eine Jeans theoretisch kosten, um solche Zustände bei der Produktion ausschliessen zu können?
Die Theorie
Wie die Auflistung oben zeigt, benötigt man für die Produktion der in Bangladesch gefertigten Hose rund 18,38 Dollar. Damit der Konzern – in diesem Fall Asda, eine Tochtergesellschaft von Walmart – eine rentable Marge herausholt, verkauft er sie schlussendlich für knapp 22 Dollar. Einen Preis, den eine Jeans also mindestens kosten muss, damit wir sichergehen können, dass die Arbeiter einen legalen Lohn erhalten. Legal heisst aber nicht gleich ethisch vertretbar. Um auszukommen, bräuchten die Angestellten in Bangladesch etwa 100 Franken. In der Bekleidungsindustrie verdienen sie typischerweise zwischen 40 und 80 Franken. Klar also, dass hier keine Rede von ethischer Vertretbarkeit sein kann.
Die Praxis
Das grosse Problem der Branche: Auch wenn eine Jeans 250 Franken kostet, symbolisiert das nicht gleichzeitig eine menschenwürdige Produktion. Einerseits wird dadurch nämlich nicht automatisch sichergestellt, dass die Näherinnen mehr Lohn erhalten. Auf der anderen Seite gibt es noch zahlreiche andere Faktoren, die die Arbeitsverhältnisse der Angestellten unerträglich machen können.
Ein Beispiel? Die giftigen Chemikalien. Egal ob durch künstlich erzeugtes Indigo, Formaldehyde, Benzidine oder Natronlaugen – immer wieder erkranken die Arbeiter an Krebs, sterben im schlimmsten Fall sogar. Dazu kommen einsturzgefährdete Fabriken, Kinderarbeit, zu lange Arbeitszeiten – die Liste liesse sich weiterführen.
Neben den menschenverachtenden Aspekten leidet auch die Umwelt unter der Jeansproduktion. Für nur ein Paar werden ganze 8000 Liter Wasser benötigt und unzählige Pestizide eingesetzt, die zuerst in den Boden und später in das Grundwasser gelangen.
Was man wirklich tun kann, um ethisch vertretbare Jeans zu kaufen und möglichst lange etwas von ihnen zu haben:
- Secondhand kaufen: Jeans haben in der Regel eine lange Lebensdauer, daher kann man sie wunderbar vintage erstehen, ohne Gefahr zu laufen, sie gleich zu verschleissen.
- Die richtige Pflege: Weniger Waschen ist mehr.
- Wiederverwenden: Zu recycelten Modellen greifen.
- Die Umwelt schützen: Auf Öko Labels setzen.
Die Jeans, die nie aus der Mode geht
1955: James Dean machte die Jeans in «Rebel Without A Cause» berühmt.Getty Images