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wenig wasserreiche
Wildbäche an, die der
Rhone oder dem
Genfersee zufliessen. Die Eiszeit hat überall ihre Spuren in Form
von Moränen und fluvioglazialen Schottern hinterlassen, die vom
Rhone- und Aaregletscher des Diluviums und ihren Schmelzwassern
abgelagert worden sind. Bedeutende Alluvionen liegen im untern
Simmenthal und im untern Saanethal beiBulle.
Infolge der geringen
Höhe der Ketten der Saane- und Simmengruppe und der geringen breite derjenigen ihrer
Kämme, die die
Schneegrenze erreichen oder überschreiten, finden sich hier zur Jetztzeit keine
Gletscher mehr. Immerhin liegen an schattigen
Hängen und in einzelnen Karen noch einige dauernde Firnflecken als letzte ärmliche Ueberbleibsel der einstigen
Gletscher der Eiszeit.
Der höchste Punkt des Amtsbezirkes ist das
Wildhorn (3264 m), der niedrigste das
Bett der Saane
bei
Vanel (1000 m). Saanen ist das
einzige Amt des Kantons, das durchwegs über 1000 m hoch liegt. Es umfasst das Quellgebiet der
Saane und stellt sich auch
in dieser Beziehung in Gegensatz zu den übrigen Landschaften des
Oberlandes, deren Wasserläufe sich
alle mit dem Oberlauf der
Aare im Becken des
Brienzer- und
Thunersees vereinigen. Saanen umfasst die beiden vom Hauptkamm der
Berneralpen herabkommenden
Thäler von
Gsteig und
Lauenen, die den
Voralpen angehörenden
Thäler von
TurbachTscherzis,
Kalberhöhni
und des
Grischbaches
(Les Fenils), das Hauptthal und die südl. Abdachung der flachen Senke der
Saanenmööser
und endlich den geographisch zu Freiburg
gehörenden obersten Abschnitt des Jaunthales. Die 24040 ha umfassende Gesamtfläche verteilt
sich wie folgt:
Hauptbeschäftigung der Bevölkerung ist Alpwirtschaft mit Viehzucht. Nennenswert ist auch die Ausfuhr der
bekannten Saanenziege, die in grosser Zahl nach Deutschland, Frankreich, Oesterreich und Belgien verkauft wird. Ein bedeutender
Exportartikel ist ferner der Saanenkäse, ein haltbarer Hartkäse. Ziemlich wichtiger Holzhandel; grosse
Sägen und Baugeschäfte
in
Gstaad und Saanen. In letzter Zeit, besonders seit dem Bau der
Montreux-Oberlandbahn, hat sich die Fremdenindustrie bedeutend
gehoben.
In landschaftlicher Beziehung ist das Saanenland von eigenartiger Schönheit, die bis jetzt noch zu wenig
gewürdigt wird. Der untere Abschnitt bildet einen weiten und mächtigen Thalkessel, aus dem sich die mit prächtigen Alpweiden
bekleideten sanften Gehänge der
Vorberge¶
Hoch- und Vorgebirge des Saanenlandes werden in alpinistischer Hinsicht zu sehr vernachlässigt. Dank seinem gesunden Klima,
das den Nebel sozusagen nicht kennt, ist das Saanenland auch zum Winteraufenthalt geeignet. 1019 Häuser, 1262 Haushaltungen
und 5017 reformierte und deutsch sprechende Ew. 280 Ew. auf einen km2. Der Amtsbezirk umfasst die
drei Gemeinden Saanen, Gsteig und Lauenen, die zugleich auch Pfarreien sind und denen sich als vierte Kirchgemeinde noch Abläntschen
(in der politischen Gemeinde Saanen) beigesellt.
Die Bewohner bilden einen eigenartigen Menschenschlag, der sich von seinen Nachbarn im Ober Simmenthal
deutlich unterscheidet und grosse Verwandtschaft mit der Bevölkerung des angrenzenden waadtländischen Oberlandes aufweist.
Im alten Saanendialekt finden sich nicht wenige französische Ausdrücke (z. B. Murschli für Stück, französ. morceau),
besonders auch in den Dank- und Grussformen (wie «obligé» etc.). Der feine,
gewandte, am Alten hängende Saaner hat eine anziehende Schilderung erhalten durch die im 18. Jahrhundert
viel gelesenen Briefe über ein schweizerisches Hirtenland von Karl Viktor von Bonstetten, der sie 1779 als Oberamtmann dieses
Bezirkes verfasste. Ein vorzügliches Denkmal des saanerischen Dialektes ist das von dem gebornen Saanerdichter J. J. Romang
verfasste Gedicht Der Friesenweg, das in meisterhafter Weise eine Sage des Saanenlandes behandelt.
In geschichtlicher Hinsicht fehlt über unser Gebiet bis zu Ende des ersten Jahrtausends n. Chr. jegliche sichere Nachricht.
Bis jetzt sind weder aus prähistorischer noch aus römischer Zeit irgendwelche Funde bekannt. Im Mittelalter gehörte Saanen
zu den Besitzungen der Grafen von Greierz. Das deutsche Saanenland, dem heutigen Amtsbezirk entsprechend,
erstreckte sich von den Quellen der Saane bis zur BurgVanel an der Mündung des Grischbaches in die Saane, das welsche Saanenland
von da über Rougemont und Château d'Œx bis nach Greierz.
Das ganze Gebiet war eingeteilt in die Schlossherrschaften (Kastlaneien) Saanen und Rougemont, die dem
Banner von Vanel folgten. Die Mannschaft hing ihrem Herrscherhaus mit grosser Treue an und zeichnete sich im Felde durch ihre
Tapferkeit aus. Schon im 14. Jahrhundert erwarb sich Saanen von seinem Herrn verschiedene Rechte und Freiheiten, so namentlich 1398. 1403 stellten
sich die Leute von Saanen unter den SchutzBern's, und 1445 erwarben sie sich neben andern neuen Freiheiten
das Recht, ein eigenes Siegel - den weissen Kranich auf einem Dreiberge in rotem Felde, d. h. das Wappen der Grafen von Greierz
- zu führen.
In den Burgunderkriegen kämpfte die Mannschaft von Saanen unter der Fahne ihres Grafen, der mit den Eidgenossen
verbündet war, und in den Mailänder Feldzügen zeichneten sich die Saaner derart aus, dass sie laut Urkunde vom vom
Papst Julius II. öffentlich belobt und mit
einem Panner beschenkt wurden. Als der letzte Graf von Greierz, Michael, in finanzielle
Bedrängnis geriet, benutzten Freiburg
und Bern
die Gelegenheit, um den grössten Teil seines Gebietes zu erwerben. 1555 zog
Bern
die Landschaft Saanen vom Sanetsch bis zum Engpass La Tine an sich und machte sie zu einer Vogtei, deren Sitz die Gebäude
der 1115 gegründeten und nun aufgehobenen Propstei Rougemont wurden.
Zugleich führte Bern
1556 in der Landschaft die Reformation ein, der die Bevölkerung grossen Widerstand
entgegensetzte, welcher sich am längsten im Turbachthal geltend gemacht haben soll. 1575 zerstörte eine Feuersbrunst einen
Teil des Fleckens Saanen. Die Mediationsakte von 1803 sanktionierte die Trennung des französischen Saanenlandes vom deutschen
Teil der Landschaft, wodurch jenes dem Kanton Waadt,
dem es schon seit 1798 als Pays d'Enhaut romand angehört hatte,
verblieb und dieser zu einem bernischen Amtsbezirk gemacht wurde.
Die dem h. Mauritius geweihte Pfarrkirche von Saanen bestand schon 1228, wurde 1444 neu erbaut und 1447 eingeweiht. Als ihre
Filialen entstanden 1402 die Kapelle in Gstaad, 1416 die Kirche in Gsteig und 1518 diejenige von Lauenen.
Auch die heutige Pfarrkirche von Abläntschen, das seit 1704 eigene Kirchgemeinde ist, rührt noch aus der Zeit vor der Reformation
her. Aus dem Saanenland stammen die Familien von Grüningen, Romang, Matti u. a., die ihrer engeren Heimat viele verdiente
Beamte geliefert haben. Zu erwähnen ist auch der bedeutende Religionsphilosoph Joh. Peter Romang (1802-1875).
Bibliographie:
Briefe über ein schweizerisches Hirtenland (1779), von C. V. von Bonstetten; herausg. von Joh. Müller (in: Teutscher Merkur.
Weimar 1781); Kohli, Jak. Versuch einer Geschichte der Landschaft Saanen.Bern
1827; Wyss J. R., der jüngere. Ausflug nach Saanenundüber denSanetschnachSitten. (Alpenrosen. Bern
1829); Saanenland, das; herausg. von der gemeinnütz. Gesellschaft
in Saanen. Thun 1905.
Gemeinde, mit Abläntschen, Bissen, Ebnit, Gruben, Grund, Gstaad, Hohnegg, Kalberhöhni, Oei, Port, Rübeldorf,
Rüti, Saanenmööser, Schonried, Turbach und Windspillen: 728 Häuser, 3690 reform. Ew. deutscher Zunge; Dorf: 85 Häuser, 539 Ew.
Ackerbau und Viehzucht. Alpwirtschaft, Fremdenindustrie; viel Kleingewerbe. Buchdruckerei. Holzhandel, Sägen und Baugeschäfte.
Käsehandel. Gutes Trinkwasser. Hydrantennetz und elektrische Beleuchtung. Krankenhaus. Sekundarschule. Das Dorf
bildet eine langgestreckte Gasse mit ziemlich enge aneinander gebauten, meist hölzernen Häusern, die auf steinernem Unterbau
ruhen. Am W.-Ende auf einer kleinen Anhöhe die alte Thalkirche, eine der grössten Kirchen des Kantons, mit mächtigem und
originellem Turm und schönem Geläute. In der Mitte der Dorfgasse das von der Gemeinde bewirt-