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Als Mevlana sich selber entdeckt hatte und fühlte, was er in sich besass, begann er, was er in sich besass auch bei seinen Mitmenschen zu sehen. Somit vereinte er die Gottesliebe mit der Menschenliebe.
Seine Überzeugung war: Die Menschen lieben ist Gott lieben. Es ist offensichtlich, wem die unendliche Liebe, die Mevlana für Schems empfand, schlussendlich galt; wenn wir lesen:
"Auch Tebrizli Schems ist ein Vorwand. Im Grunde genommen sind wir es, die ohnegleichen an Schönheit und Güte sind." (Divan-i Kebir, B.III, Nr. 1576)
In einem anderen Gedicht empfiehlt er uns, uns gegenseitig zu schätzen und zu lieben. Denn wir lieben unsere Geliebten nicht ihrer physischen Natur wegen, sondern dessen wegen, was sich in ihnen befindet, nämlich Allah!
"Komm, komm, wir sollten unsere gegenseitigen wirklichen inneren Werte schätzen lernen. Denn es könnte sein, dass wir uns trennen müssten. Wenn unser Prophet uns schon empfiehlt "Der Gläubige ist der Spiegel des Gläubigen", warum wendest du dich ab vom Spiegel? Deine eigennützigen Absichten, die Rachegefühle verdunkeln die Freundschaft und verletzen das Herz. Warum reissen wir nicht den Groll aus unseren Herzen?" (Divan-i Kebir, B.III, Nr. 1535)
"Komm, komm, komm noch näher! Wie lange wird diese Überheblichkeit noch andauern? Wenn du schon ich bist und ich du, weshalb dann dieses "Ich" und "Du"? Wir sind Gotteslicht, Gottesspiegel! Weshalb zanken wir dann ständig mit uns selber und mit den anderen? Warum läuft ein Licht dem anderen Licht davon?
Es ist, wie wenn wir alle im Wesen eines reifen Menschen versammelt wären! Warum schielen wir dann noch? Obwohl wir Glieder des gleichen Körpers sind, warum behandeln die Reichen die Armen so verächtlich?
Warum verachtet die rechte Hand die linke, die sich am gleichen Körper befindet? Da ja beides deine Hände sind, was bedeutet dann im gleichen Körper Glückseligkeit und Unglück?
In Wirklichkeit sind wir alle Menschen aus einer einzigen Substanz. Unser Verstand ist eins, unser Kopf ist eins. Diese ungetreue Welt bringt uns dazu, dass wir die Eins als Zwei sehen!
Los, befreie dich von diesem Ego; verständige dich mit jedem und vertrage dich mit jedem! Solange du noch du bist, bist du nur ein Korn, ein Staubkörnchen! Doch wenn du dich mit jedem vereinigst, mit jedem verschmilzest, bist du ein Ozean, eine Quelle!
Alle Menschen haben die gleiche Seele, doch gibt es Hunderttausende von Körpern! So wie es auch unzählige Mandelsorten auf dieser Welt gibt, doch in allen ist das gleiche Öl.
Es gibt verschiedene Sprachen, verschiedene Bezeichnungen auf dieser Welt; die Bedeutung von allen ist jedoch die gleiche! Das Wasser in den verschiedenen Gefässen fliesst, wenn die Gefässe zerbrechen, als ein einziges Wasser.
Wenn du die Einheit suchst und die Bedeutung davon verstehst, wenn du die Sprache und die bedeutungslosen Gedanken aus deinem Herzen herausreisst und wegwirfst, dann wird deine Seele Nachrichten an diejenigen mit eistig offenen Augen senden und die Wahrheit erzählen!"
(Divan-i Kebir, B. III, Nr. 3020)
In den oben angeführten Beispielen werden Mevlanas Gefühle und Gedanken über die Menschenliebe dargelegt. Denjenigen, die sie aufmerksam lesen und gründlich darüber nachdenken, wird Mevlana Geheimnisse ins Herzensohr flüstern.