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Der Schein trügt: Joan (Glenn Close) steht im Schatten ihres selbstherrlichen Mannes, des Nobelpreisträgers Joe Castleman (Jonathan Pryce). (Impuls)
Der Schein trügt
Einen Golden Globe hat sie schon, und beim Oscar-Rennen liegt sie sehr gut im Kurs als Hauptdarstellerin. Glenn Close verkörpert eine Frau, die im Schatten ihres Mannes steht und sich befreit. Joan Castleman (Close) begleitet ihren Mann Joe (Jonathan Pryce) nach Stockholm, wo er den Nobelpreis für Literatur empfangen soll. 40 Jahre hat sie ihrem eitlen Gatten «gedient» und ihm Stoff geliefert, hat ihr Licht unter den Scheffel gestellt und auf eigene literarische Ambitionen verzichtet. «Strahlemann» Castleman suhlt sich in der Anerkennung, löscht aber gern Lichter, die seinen Glanz abträglich wären. So spricht er seinem Sohn David (Max Irons) schriftstellerisches Talent rigoros ab, behandelt ihn herzlos und überheblich. Seine treue ergebene Gattin betrügt er und dankt ihr, seiner Muse, in keiner Weise. Er nutzt sie aus, gönnt ihr keine Anerkennung, von Liebe ganz zu schweigen. Journalist Nathaniel Bone (Christian Slater), der nur zu gern eine Castleman-Biographie schreiben würde und deswegen recherchiert, stellt das geschönte Bilde des Literaten Castleman infrage, will zum Geheimnis dieser Beziehung vordringen und löst einen Akt der Befreiung aus.
Der Schwede Björn Runge hat den Roman «The Wife» der amerikanischen Autorin Meg Wolitzer fürs Kino adaptiert – und liegt damit im Trend starker Frauen, die Männer als eingebildete Herrenmenschen, Nutzniesser und Unterdrücker entlarven. Hollywoodstar Glenn Close (72), deren Tochter Annie Starke hier die junge Joan spielt, liefert ein Meisterstück als «Frau des Nobelpreisträges», die eine Lebenslüge, den Schein des Glücks und Ehe nicht mehr aufrechterhalten will. Rundes Beziehungsdrama, zurecht in einer Reihe mit Filmen wie «Colette» zu sehen, dringt tief in eine Bindung und Zweckgemeinschaft, Ehe genannt, ein und legt sie Schicht um Schicht bloss wie beim Schälen einer Zwiebel. Ein Kinoerlebnis der Extraklasse.
Schweden/USA 2017
101 Minuten
Regie: Björn Runge
Buch: Jane Anderson
Kamera: Ulf Brantås
Darsteller: Glenn Close, Jonathan Pryce, Christian Slater, Max Irons, Elizabeth McGovern, Annie Starke
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