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«Es gilt die Energie zu bündeln»
Profis und Amateure musizieren meist in getrennten Orchestern. Der Dirigent und langjährige Jugendorchesterleiter Georgios Balatsinos erklärt, warum von einer vermehrten Zusammenarbeit beide Seiten profitieren könnten.
Georgios Balatsinos übernahm die Leitung des Jugendsinfonieorchesters Arabesque Thun 2010. Es gelang ihm, das damals kleine Ensemble innerhalb weniger Jahre auf mittlerweile über 60 ambitionierte junge Musikerinnen und Musiker zu vergrössern und zu einem der schweizweit führenden Jugendorchester zu machen. Bereits 2012 gewann Balatsinos mit dem Arabesque beim Jugendorchester-Wettbewerb der Murten Classics den dritten Preis. 2015 brachte Balatsinos das junge Thuner Orchester an das Summa Cum Laude International Youth Music Festival nach Wien, wo das Arabesque mit dem zweiten Preis ausgezeichnet wurde und im Goldenen Saal des Musikvereins und im Konzerthaus auftrat.
Der in Bern lebende griechische Dirigent Balatsinos ist Preisträger mehrer internationaler Dirigierwettbewerbe. 2016 gewann er beim International Concert Competition in Berlin den zweiten und 2012 beim Black Sea Conducting Competition in Rumänien den ersten Preis. Zudem war er 2016 Halbfinalist des Donatella Flick Conducting Competition des London Symphony Orchestra. Zu seinen Mentoren gehören David Zinman, Jorma Panula und Peter Eötvös.
Im Juni 2016 dirigierte er die Berliner Symphoniker in der Berliner Philharmonie und 2015 leitete er Don Pasquale im Stadttheater Meiningen. Der 32-Jährige dirigierte weltweit zahlreiche Orchester wie das NAC Orchestra Ottawa, das Athener Staatsorchester, das Gstaad Festival Orchestra, das Orchestra Sinfonica de Sanremo, das Athens Symphony Orchestra und das Orchestra Sinfonica Guiseppe Verdi di Milano. Dieses Jahr wird Balatsinos sein Debut mit dem Orchestra Sinfonica die Salerno Claudio Abbado, mit dem Moscow Symphony Orchestra und mit dem Taurida International Symphony Orchestra St. Petersburg geben.
> www.jso-arabesque.ch
Interview: Miriam Schild — Am 26. Februar standen das Jugendsinfonieorchester Arabesque aus Thun und das Berner Kammerorchester (BKO) zusammen auf der Bühne des Kulturcasinos in Bern. Vereinigt zu einem rund 100-köpfigen Orchester, brachten die jungen Amateure und Studenten des Arabesque gemeinsam mit den erfahrenen Profis Gustav Mahlers erste Sinfonie sowie das Klavierkonzert von Edvard Grieg mit dem Pianisten Andrew Tyson zur Aufführung. Initiert worden war die Zusammenarbeit von Georgios Balatsinos, dem Dirigenten und Künstlerischen Leiter des Arabesque. Die EOV-Redaktion hat mit Balatsinos einige Tage vor dem Konzert über den nicht alltäglichen Schulterschluss eines Profi- und eines Jugendorchesters gesprochen.
Georgios Balatsinos, wie ist die Zusammenarbeit des Arabesque mit dem Berner Kammerorchester zustande gekommen?
Auf meinen Vorschlag hin sind der Administrative Leiter des Arabesque Beat Aberegg und ich auf den Chefdirigenten des BKO Philippe Bach zugegangen. Bach stammt aus Saanen, also aus dem Einzugsgebiet des Arabesque, und war vor über zehn Jahren selbst dessen Leiter. Danach hat er eine beeindruckende internationale Dirigentenkarriere gestartet. Ich dachte, dass eine «Rückkehr» Bachs zum Arabesque eine schöne Sache wäre. Philippe, den ich vorher nicht persönlich gekannt hatte, war von der Idee sofort begeistert und hat auch die beiden Werke, Mahler und Grieg, vorgeschlagen. Insbesondere die Mahler-Sinfonie eignet sich bestens für das gemeinsame Projekt, da dank der doppelten Bläserbesetzung die Bläserregister beider Orchester vollständig integriert werden können.
Wie haben die beiden Orchester für das Projekt geprobt?
Mit dem Arabesque probe ich seit vergangenem September. Die Proben finden wöchentlich statt, so wie bei jedem anderen Projekt auch. Die Musiker des BKO kamen dann im Februar für die vier letzten Proben dazu. Bereits im Januar waren bei einer Arabesque-Probe die Streicherstimmführer und einige Bläser des BKO dabei. Ausserdem haben die Stimmführer des BKO mit den Streichern des Arabesque je eine Registerprobe gemacht, das war mir wichtig.
Wie profitieren das Arabesque und seine Mitglieder von der Zusammenarbeit?
In erster Linie geht es mir bei dem Projekt darum, den Jugendlichen ein besonderes musikalisches Erlebnis und einen Austausch mit einem Profiorchester zu ermöglichen. Die Zusammenarbeit soll sie motivieren; die Musiker des BKO sind Vorbilder und Mentoren. Zahlreiche Mitglieder des BKO sind nicht nur Orchestermusiker, sondern auch erfahrene Pädagogen, so dass die Jugendlichen viel von ihnen lernen können. Vereinzelt bestehen sogar Lehrer-Schüler-Verhältnisse. Mit dem eigenen Lehrer im Orchester spielen zu dürfen, ist natürlich etwas Einzigartiges.
Und was bringt das Projekt dem BKO als Profiorchester?
Zum einen wäre es dem BKO als Kammerorchester nicht möglich, im Alleingang eine Mahler-Sinfonie zu spielen. Und zum anderen können die Profimusiker von der jugendlichen Energie des Arabesque profitieren.
Berufsorchester und Amateurorchester sind in der Schweiz zwei klar getrennte Kategorien. Austausch gibt es wenig. Allenfalls realisieren die städtischen Berufsorchester sporadisch ein Konzert mit den Konsi-Jugendorchestern. Sollten Profiorchester und Jugend- resp. Amateurorchester Ihrer Meinung nach häufiger zusammenspannen?
Unbedingt. Eine strikte Trennung zwischen Profi- und Amateurmusikern macht meiner Ansicht nach oft wenig Sinn – obwohl es natürlich vor allem technisch und in Bezug auf die musikalische Erfahrung grosse Unterschiede gibt. Ich denke, dass Jugendliche, Amateure und Profis je verschiedene Stärken haben, die man kombinieren sollte. Für mich geht es beim Orchesterspiel dennn auch primär um den Fluss von Energie. Es gilt, zwischen den Orchestermusikern untereinander sowie zwischen den Instrumentalisten und dem Dirigenten Energie auszutauschen und diese schliesslich zu bündeln. Das Orchester muss als Ganzes zu höchster Konzentration, gepaart mit Leidenschaft, finden. Diese Gruppendynamik ist meiner Meinung nach entscheidend für ein gelungenes Orchesterkonzert.