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Seit heute ist die VOTO-Studie zu den eidgenössischen Volksabstimmungen vom 23. September 2018 online erhältlich. Die Studie zeigt, dass in Bezug auf den Stimmentscheid bei den Agrarvorlagen kaum differenziert wurde. Zusammen mit Lukas Lauener von FORS habe ich eine kleine Zusatzanalyse durchgeführt. Wir haben uns dafür interessiert, welche Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Fair-Food-Initiative guthiessen und die Ernährungssouveränität verwarfen. Dabei zeigt sich, dass Parteisympathien und Sprachregionen von Bedeutung waren.
Bei der VOTO-Studie handelt es sich um die umfangreichste Nachbefragung von Abstimmungen in der Schweiz. Sie wird von FORS, dem ZDA und dem Befragungsinstitut LINK durchgeführt und von der Schweizerischen Bundeskanzlei finanziert. Die Studie zeigt unter anderem, dass unter Ausklammerung von Leerstimmen rund neun von zehn Bürgerinnen und Bürgern bei Fair Food und Ernährungssouveränität identisch abgestimmt haben. Beinahe 60 Prozent legten ein doppeltes Nein ein, während 29 Prozent beide Vorlagen befürworteten. Die übrigen Partizipierenden nahmen hingegen eine Differenzierung vor. Dabei zeigt sich, dass eine Annahme der Fair-Food-Initiative bei gleichzeitiger Ablehnung der Ernährungssouveränität weit häufiger vorkam (9%) als umgekehrt (3%).
Die Anhängerschaften der Grünliberalen und der Grünen differenzierten ihre Stimmentscheide eher zu Gunsten der Fair-Food-Initiative als jene der übrigen Parteien. Im Fall der Grünliberalen kann dieses Ergebnis mit der Parteiparole in Verbindung gebracht werden. Während die GLP bei Fair Food Stimmfreigabe beschloss, empfahl sie die Volksinitiative für Ernährungssouveränität zur Ablehnung.
Was die Sympathisantinnen und Sympathisanten der Grünen anbelangt, kann der Umstand ins Feld geführt werden, dass die Fair-Food-Initiative von ihrer bevorzugten Partei lanciert wurde. Somit erscheint es plausibel, dass die eigene Basis in höherem Masse von dieser Vorlage überzeugt war. Es ist indessen darauf hinzuweisen, dass gemäss VOTO-Studie die Anhängerschaft der Grünen auch die Ernährungssouveränität grossmehrheitlich annahm (71% Ja-Stimmenanteil vs. 83% bei Fair Food).
Schliesslich waren die befragten Personen aus der italienisch- und deutschsprachigen Schweiz gegenüber den Romands eher dazu geneigt, die Fair-Food-Initiative anzunehmen und jene für die Ernährungssouveränität abzulehnen. Dieses sprachregionale Muster mag damit zusammenhängen, dass die Volksinitiative für Ernährungssouveränität aus der Westschweiz stammte. Insofern vermag es nicht zu überraschen, dass die Zustimmung zur Ernährungssouveränität in der Romandie weit höher ausfiel als in der Deutschschweiz und im Tessin.
Quelle: Anke Tresch, Laurent Bernhard, Lukas Lauener und Laura Scaperrotta (2018). VOTO-Studie zur eidgenössischen Volksabstimmung vom 23. September 2018. FORS, ZDA, LINK: Lausanne/Aarau/Luzern.