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VON DEM WASSERFILIPENDELWURTZ.
Der Wasserfilipendelwurtz sind zwey Geschlechte.
I. Das erste Geschlecht hat zwo oder drey lange Wurtzeln/ und darneben viel dünner Würtzlein/ die zwischen den grösseren von einem Haubt herauß wachsen/ an welchen langechtige/ runde/ und unten herauß gespitzte knoblechtige dicke Würtzlein hangen/ gleich wie an der rohten Steinbrech/ werden deren doch selten über eins an einem fadechtigen Würtzlein gefunden/ die sind am Geschmack bitterechtig/ mit einer leichten Astriction oder Zusammenziehung. Von dem Haubt der Wurtzeln wachsen herfür dicke/ feißte/ und mit Holkälen gekähnelte Stengel/ die sind einer Ellen hoch/ sich vast den Stengeln des Wassereppichs vergleichend/ unten neben den stengeln kommen herfür die untersten Blätter/ die sind den Blättern des Wüterichs ähnlich/ die aber am Stengel hinauff wachsen/ die haben eine Gleichheit mit den Blättern der Rauten/ außgenommen/ daß sie schmäler und kleiner sind/ oben am Ende der Stengel gewinnt es kleine weisse Blümlein auff Crönlein/ die wachsen gedrungen in einander/ wann dieselben vergehen folget der Saamen/ welcher dem Saamen des Schirlings ähnlich ist. Es wächst an sumpffechtigen Orten/ neben den Pfülen und fliessenden Wassern. Dieses gantze Gewächs hat ein Geruch/ schier wie der Wassereppich.
II. Das zweyte Geschlecht hat eine Wurtzel von vielen Zaseln/ die von einem Haubt herauß wachsen/ der Stengel ist dick wie der vorige mit Gleichen unterscheiden. Die Blätter von unten an biß oben aus/ vergleichen sich den Rautenblättern/ unten sind sie kürtzer und kleiner/ etwan in 2. oder 3. Theil zerschnitten/ oben auß werden sie länger/ je zwey und zwey gegen einander übergesetzt/ deren etlich nicht in zwey oder drey Theil zertheilet sind/ die Blumen seyn weiß plumechtig in einander gedrungen auff Crönlein/ nicht anders anzusehen/ dann wann ein jedes Crönlein nur ein Blum wäre. Es wächst auch dieses Geschlecht in sumpffechtigen und wasserechtigen Orten und Gründen/ sonderlich da die Wasser außlauffen. [Diese Figur soll nichts.]
Von den Namen der Wasserfilipendel.
Diese Kräuter/ die wir Wasserfilipendel genennet haben/ sind unseren Aerztzen und Apotheckern unbekandt/ ob sie auch den Alten bekandt gewesen/ und von ihnen beschrieben worden seyen/ ist uns unbewußt/ sintemal noch keine Beschreibung uns fürkommen/ die sich mit diesen Kräutern vergleichen wil/ derowegen wir sie bey ihrem gebräuchlichen Namen bleiben lassen.
I. Das erste Geschlecht wird von der Gelichheit der runden knoblechtigen Wurtzel/ so es etlicher massen mit den Wurtzeln der rohten Steinbrech gemein hat/ von den Kräutlern/ FILIPENDULA AQUATICA, FILIPENDULA PALUSTRIS, und SAXIFRAGA AQUATICA genandt. Hochteutsch/ Wasserfilipendel und Wassersteinbrech.
II. Das zweyte Geschlecht wird von den Kräutlern von wegen den Weinrautenblättern/ RUTA PALUSTRIS, und RUTA AQUATICA genandt. Teutsch Wasserraut.
Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft/ und Gebrauch des Wasserfilipendels/
und der Wasserrauten.
Beyde obgemeldte Kräuter die Wasserfilipendel/ haben ein bitterlechtigen Geschmack mit einer leichten Zusammenziehung/ sind warmer und truckener Eigenschafft und Natur. Sie eröffnen und abstergiren Treiben den Harn und das Grieß oder Lendenstein/ innerlich und ässerlich gebraucht. Sie eröffnen die Verstopffung/ reinigen die Harngäng und Blasen/ und vertreiben die Kaltseich oder die Harnwinde. Andere mehr Kräfft und Würckungen können aus den obgemeldeten durch den stätigen Gebrauch/ leichtlich von Tag zu Tag erlernet werden.