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Brief-Marathon gegen Menschenrechts-Verletzungen
30'000 Briefe für Menschen in Gefahr sollen zum diesjährigen Menschenrechtstag am 10. Dezember von der Schweiz aus geschrieben und verschickt werden.
Amnesty International bezeichnet solche Schreiben als geeignetes Druckmittel, die Wirkung zeigen.
In über 55 Schweizer Städten und Ortschaften will die Schweizer Sektion der Menschenrechts-Organisation Amnesty International (AI) vom 4. bis zum 10. Dezember die Passanten motivieren, am Brief-Marathon teilzunehmen. Sei es auf Strassen oder Bahnhöfen, in Einkaufszentren, Cafés und Schulen sowie auf Weihnachtsmärkten.
Überall hat die Bevölkerung die Gelegenheit, selbst ein aktives Zeichen für die Einhaltung der Menschenrechte zu setzen. Zudem haben Interessierte seit dem 1. Dezember die Möglichkeit, via eine spezielle Website individuell am Brief-Marathon teilzunehmen.
"Die Briefaktionen gehören zu den direktesten Mitteln gegen Menschenrechtsverletzungen und zeigen unmittelbaren Erfolg", sagt Jürg Keller, Medienverantwortlicher von AI Schweiz. "Zusammen mit den Briefen, die über das ganze Jahr von Zehntausenden Menschen weltweit verschickt werden, verbessern sie in über 40% der Fälle die Situation der Opfer."
Mit Briefdruck zum Erfolg
Jürg Keller nennt Verbesserungen bei Haftbedingungen und medizinischer Behandlung bis hin zu Freilassungen aus dem Gefängnis. Die Schweizer AI-Sektion, die letztes Jahr erstmals zum internationalen Brief-Marathon mobilisiert hat, konnte konkret in fünf von elf Fällen Fortschritte erreichen.
So wurde die maledivische Journalistin Jennifer Latheef aus dem Gefängnis entlassen – sie war als "Terroristin" angeklagt und zu zehnjähriger Haft verurteilt worden, weil sie gegen Todesfälle im Gefängnis und gegen die politische Repression auf den Malediven protestiert hatte.
Sie weilt während der Aktionswoche in der Schweiz, zusammen mit dem Aktivisten Christophe Bintu aus der Demokratischen Republik Kongo.
Fälle aus allen Kontinenten
"Wir haben aus allen Kontinenten einen Fall ausgewählt", sagt Keller zu den Briefaktionen für den Marathon in der Schweiz.
Zu den Schicksalen aus Myanmar (Burma), Äthiopien, Jemen, Weissrussland, China, Algerien und Mexiko gehört jenes des 32-jährigen Geschäftsmanns Abdulsalam al-Hela aus Jemen.
Er wurde im September 2002 von ägyptischen Behörden festgenommen und an die USA übergeben. Seine Familie erhielt vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) die Nachricht, dass er in das Gefangenenlager Guantánamo verlegt worden sei. Dort wird er bis heute ohne Zugang zu einem Anwalt festgehalten.
"Es ist die Masse der Briefe, die deren Erfolg ausmacht", betont Jürg Keller. "Die Briefe machen den Menschenrechts-Verletzern bewusst, dass die ganze Welt zuschaut." Dies sei ein enormes Druckmittel.
Schweizer helfen kräftig mit
Dieses Jahr beteiligen sich rund 36 Länder am Brief-Marathon. 2005 konnte die Schweizer Sektion mit 20'000 verschickten Briefen sogar einen Viertel von weltweit über 80'000 Briefen für sich verbuchen.
Diesen Erfolg schreibt der AI-Sprecher dem guten Netz von lokalen Amnesty-Gruppen zu, die in der Schweiz das ganze Jahr über Briefe schreiben, aber auch dem Interesse der Passanten und Passantinnen, die sich auf der Strasse mobilisieren liessen.
Gestartet wurde der internationale Brief-Marathon am Menschenrechtstag 2001 von einer lokalen Gruppe der polnischen Amnesty-Sektion in Warschau. Die Teilnehmenden trafen sich während 24 Stunden und schrieben 1000 Briefe.
Die Aktion wurde ein grosser Erfolg: Zwei Jahre später beteiligten sich bereits 26 Städte in ganz Polen.
Seit 2004 wird die Aktion weltweit durchgeführt.
swissinfo und Dominique Schärer, InfoSüd
Brief-Marathon
Der internationale Brief-Marathon geht auf eine Initiative der polnischen Sektion von Amnesty Internatioal (AI) zurück. Am Menschenrechtstag 2001 schrieb die lokale Gruppe in Warschau innert 24 Stunden 1000 Briefe.
Mit der Briefaktion will AI am Menschenrechtstag vom 10. Dezember möglichst viele Menschen erreichen und ihnen zeigen, wie sie sich mit einfachen Mitteln gegen Menschenrechts-Verletzungen einsetzen können.
Amnesty International
Amnesty International ist eine weltweite Bewegung von Menschen, die sich für die Menschenrechte einsetzen.
Heute hat Amnesty über 1,8 Millionen Mitglieder und Unterstützer in mehr als 150 Ländern.
Die Schweizer Sektion wurde 1970 in Zürich offiziell gegründet. Die erste Amnesty-Gruppe der Schweiz entstand jedoch bereits 1964 in Genf.
Neben der Einzelfallarbeit setzt sich Amnesty für die Förderung der Menschenrechte und des Menschenrechts-Schutzes auf nationaler und internationaler Ebene ein.
Dazu leistet Amnesty vermehrt Öffentlichkeitsarbeit, lobbyiert bei Behörden, Parlament und Regierung und engagiert sich für ein stärkeres Menschenrechts-Bewusstsein in der Schweiz.
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