Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03514.jsonl.gz/365

Habe ich ein Problem?
Habe ich ein Problem?
Ich hatte mit meiner Freundin einige Diskussionen über meinen Alkoholkonsum. Wir haben uns nun darauf geeinigt dass ich mich ans Blaue Kreuz wende um eine neutrale Meinung zu erhalten.
Ich trinke 2x in der Woche Alkohol, jeweils Freitags und Samstags. Ca. 2x im Monat auch unter der Woche, meist bei gesellschaftlichen Anlässen. Wenn ich am nächsten Tag arbeiten muss, konsumiere ich nie soviel dass es einen Einfluss am nächsten Tag hätte. Meist 2-3 Bier oder ca. 2-3 Gläser Wein. An den Wochenenden, wenn meine Freundin auch zuhause ist (Sie ist Krankenschwester und hat oft Nacht-/Spätschicht) trinke ich eine 5dl Rotwein und ca. zwei Gläser Weisswein zum Apèro.. Aber ehrlich gesagt trinke ich dann doch meist die ganze Flasche.
Wenn Sie nicht zuhause ist, und ich alleine bin, nehme ich mir jeweils vor maximal 5dl Rotwein und 2 dl Weisswein zu trinken. Meist ist der Wein aber vor dem Ende des Film oder bevor ich ins Bett will fertig. Dann trinke ich, anstatt aufzuhören und etwas nichtalkholisches zu trinken, ein Bier oder Martini oder was wir im Haus haben. Am nächsten Morgen nerve ich mich meist weil ich nicht eingehalten habe was ich mir vorgenommen habe.
Im grossen und ganzen mach ich mir aber keine „richtige“ Sorgen um meinen Konsum und es wurde für mich auch erst zum Thema weil meine Freundin sich daran stört. Ihr Vater hat ein Alkoholproblem, daher ist Sie etwas empfindliche in diesem Bereich. Sie macht sich Sorgen das es mehr werden könnte. Mir macht Sorgen das ich die mir selbstgesetzten Ziele nicht einhalte wenn ich alleine bin (Mit Freunden oder wenn meine Freundin dabei ist, ist es eigentlich selten ein Problem.
Was ich noch anfügen möchte: Ich trinke nie vor 17:00 Alkohol und hatte bisher keine Beeinträchtigungen im Lebern (D. H. Ich geh nie nicht zur Arbeiten oder nehme Termine nicht war wegen Alkohols) Ich werde nicht gewaltätig wenn ich trinke noch bin ich je betrunken Autogefahren. Mein Alkoholkonsum ist seit ca. 10 Jahren auf diesen Niveau, Anfang 20 Habe ich mehr getrunken, meist im Ausgang.
Danke für ein Feedback
Hallo
Danke für Ihre ausführliche und offene Darlegung Ihres Alkoholkonsums, so kann ich mir doch ein wenig ein Bild davon machen.
Allgemein wird von „Fachleuten“ empfohlen, dass erwachsene Männer nicht mehr als 2 Standardgläser pro Tag/ Anlass trinken sollten (Standartglas bedeutet bei Bier 0,3 dl und bei Wein 0,1 dl). Wer ausnahmsweise etwas mehr Alkohol trinkt (z.B. bei einem Fest) sollte sich auf 4 Standartgläser beschränken. Mit Ihren mind. 7 dl Wein an den Abenden, an denen Ihre Freundin nicht zuhause ist, sind Sie also deutlich über dieser Empfehlung. Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass es zu Alkoholproblemen kommen muss, doch ab dieser Menge steigen die Risiken (Organschäden, steigender Blutdruck, Hirnschädigungen, psych. Probleme und Probleme mit anderen, wie z.B. der Partnerin). Die Frage nach dem „wie viel ist zu viel“? ist sicherlich wichtig. Aber auch andere Fragen sind von Belang: z.B. „Warum trinke ich?“ „Welche Wirkung hat der Alkohol auf mich, die ich evtl. gezielt suche?“ „Welche Funktion hat der Alkohol bei mir?“
Vor allem wenn die Auswirkungen des Alkoholkonsums noch nicht so gravierend sind (noch keine Probleme am Arbeitsplatz, mit dem Führerschein…) ist es noch leicht, sich zu sagen „es ist ja nicht so schlimm“, „ich habe kein Problem“. Aber Sie können sich ein paar ehrliche Fragen stellen:
– Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, dass Sie Ihren Konsum reduzieren sollten?
– Hat es Sie schon geärgert, wenn andere Ihr Konsumverhalten kritisieren?
– Hatten Sie wegen Ihres Konsums auch schon Gewissensbisse?
Wenn sie eine der Fragen bejahen können, ist dies ein Hinweis, dass ein Problem vorliegen kann. Wenn sie 2 oder 3 Fragen bejahen, ist es wahrscheinlich.
So wie Sie es selbst beschreiben sehe ich schon ein paar Hinweise darauf. Besonders die Tatsache, dass Sie sich eine bestimmte Menge vorgenommen haben und diese nicht einhalten konnten ist ein „Warnsignal“. Ich würde Ihnen vorschlagen, mit Ihrer Partnerin in einen ehrlichen Dialog darüber zu kommen und ihre Sorgen ernst zu nehmen. Wenn ich es richtig verstehe, geht es vor allem um die Abende, an denen Sie alleine sind. Überlegen Sie sich, wie sie diese anders gestalten könnten. Es gibt auch Ratschläge, die helfen könnten, den Konsum an diesen Abenden zu reduzieren: zum Beispiel
– den Durst mit nicht alkoholischen Getränken löschen
– langsamer trinken
– nach jedem alkoholischen Getränk ein alkoholfreies trinken
Wenn Sie sich vertiefter mit Ihrem Alkoholkonsum auseinandersetzen möchten (vielleicht sind Sie ja jetzt neugierig geworden) oder auch ihre Freundin, können Sie sich jederzeit an eine Beratungsstelle wenden (man muss dann nicht befürchten, dass man gleich als „Alkoholiker“ abgestempelt wird oder dann nie mehr trinken darf!!!). Sie können sich auch sehr gerne hier wieder melden, wenn einiges noch unbeantwortet blieb.
Mit herzlichem Gruss,
Antje
mein problem ist jetzt wueder mehr sichtbar hilfe
Hallo Steff
Wenn ich Deinen „Hilferuf“ richtig interpretiere, scheint es Dir momentan wirklich nicht gut zu gehen. Ich möchte Dir daher dringend ans Herz legen, Dich an eine Beratungsstelle in Deiner Nähe zu wenden. Du kommst an die Adressen von den Fachstellen vom Blauen Kreuz über die Links (siehe oben). Wenn Du ganz akut Hilfe brauchst, rufe Deinen Hausarzt an oder eine Kriseninterventionsstelle (KIZ) in Deiner Nähe. Immer telefonisch erreichbar ist die „Dargebotene Hand“ (Tel.: 143), die Dir rund um die Uhr weiterhelfen kann. Für einen Entzug oder wenn es Dir ganz schlecht geht, kannst Du Dich über einen Arzt in eine Akutstation (Spital oder Psychiatrie) einweisen lassen.
Es wäre sicher gut, wenn Du Dir jetzt, vor dem Wochenende, Hilfe zu holst.
Melde Dich doch bitte bis Montag wieder bei mir.
Alles Gute!