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Tänzerinnen werfen Genfer Choreographen sexuelle Belästigung vor
Die Stadt Genf soll die von rund einem Dutzend Tänzerinnen erhobenen Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegenüber dem Direktor und Choreographen der Genfer Tanzgruppe Alias aufklären. Dies fordern die Organisation unabhängiger Bühnendarsteller und die Westschweizer Gewerkschaft der Bühnenschaffenden SSRS.
Die beiden Branchenorganisationen reagierten mit der Forderung auf eine Recherche der Westschweizer Tageszeitung „Le Temps“, die diese in ihrer Mittwochausgabe veröffentlichte. Demnach soll der Choreograph Dutzende Frauen in seiner Tanzkompagnie unsittlich berührt haben – und das seit mehreren Jahren. „Le Temps“ beruft sich dabei auf Zeugenaussagen von mehreren ehemaligen Tänzerinnen der Gruppe.
Der Choreograph bestreitet in dem Zeitungsartikel, sich unsittlich verhalten zu haben. Er fügte hinzu, seine Gesten seien wohl missverstanden worden. Für die Nachrichtenagentur Keystone-SDA war der Angeschuldigte für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Die Gewerkschaft Syndicat suisse romand du spectacle (SSRS) und die Organisation unabhängiger Bühnendarsteller arts_sainements unterstreichen in einer Mitteilung vom Mittwoch, dass ihnen ebenfalls mehrere Personen berichtet hätten, die gleichen Erfahrungen mit dem Choreographen gemacht zu haben. Dabei hätten diese auch andere Formen von Missbrauch erwähnt.
Die beiden Organisationen äusserten die Hoffnung, dass das Schweigen über Missbräuche in ihrer Branche ein Ende haben möge. Sie forderten unter anderem, dass die Stadt Genf ein Audit, also eine Betriebsprüfung, durchführt, und so schnell wie möglich veranlasst, dass Massnahmen zum Schutz der Beschäftigten ergriffen werden.
Die Stadt Genf habe den Antrag zur Kenntnis genommen, sagte Félicien Mazzola, Sprecher des Departements für Kultur und digitalen Wandel, am Mittwoch. Die Stadt sei für eine gemeinsame Analyse, um die Fakten zu verstehen und diese Art von Verhalten zu verhindern.
In Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften hat die Stadt Genf demnach bereits Massnahmen zum Schutz der Kulturschaffenden ergriffen, insbesondere durch die Einsetzung von Vertrauenspersonen (Mediatoren, Anwälte, Psychologen), die im Falle von Problemen kontaktiert werden können.
Es ist nicht das erste Mal, dass dem Choreographen der Tanzgruppe Alias sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. Im November 2018 hatte eine junge Tänzerin, die an einem seiner Kurse teilgenommen hatte, eine Beschwerde gegen ihn eingereicht.
Ende August 2021 verurteilte das Bezirksgericht Lausanne den Mann wegen unsittlicher Berührungen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung und 5000 Franken Schmerzensgeld. Der Choreograph hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.
(text:sda/bild:unsplash)
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