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Es war einmal ein Wurm. Er hatte genug von feuchter Erde und Dunkelheit und wollte endlich im hellen Licht der Sonne ein anderes Leben führen. Er träumte von Ruhm und Anerkennung, und er fragte sich, wie er seine vielen Talente von ihrem Schlummerdasein befreien und der Öffentlichkeit präsentieren könnte. Wochenlang trainierte, verbesserte und verfeinerte er seine Fähigkeiten, bis er strotzend vor Selbstbewusstsein zu einem Karriereberater ging.
«Dann erzählen sie doch einmal, was sie so alles können» wurde er von diesem aufgefordert. «Ich kann denken, ich kann zuhören, ich kann sprechen» antwortete der Wurm. «Ist das alles?» «Ich kann mich einsetzen, ich kann mich begeistern.» «Ja, und ...» begegnete ihm der Berater etwas ungeduldig. Der Wurm überlegte und sagte dann mit leuchtenden Augen: «Ich habe Fantasie und ich habe Mut.» Der Berater schaute genervt zur Decke. «Hören sie, gibt es denn nicht etwas Spezielles, das sie beherrschen, eine ganz typische Fähigkeit?» Mit trauriger Stimme meinte der Wurm nach einer Weile: «Ich kann kriechen.» «Ja, wieso sagen sie das denn nicht gleich?» Mit einem breiten Lachen erhob sich der Berater und reichte dem Wurm die Hand. «Herzliche Gratulation! Ihnen stehen alle Türen offen! Sie werden ganz bestimmt Karriere machen!»
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..... und du musst als solchiges zu einem grösseren ärztlichen Untersuch, wirst du erst dreiviertel Stunden durch die Gegend gekarrt. Dann führen sie dich, ob du willst oder nicht, in einen ungemütlichen, angsteinflössenden Raum. Dort verpassen sie dir, nachdem sie dir den Hals getätschelt und dir zwecks Bestechung zwei Guetzli in den Mund geschoben haben, eine Beruhigungsspritze. Stehst du dann da, wacklig wie ein stockbesoffener Matrose, und schaust mit glasigem Blick in die Welt, stossen sie dir einen Schlauch mit einer Kamera in die Nüstern, und du vernimmst, wie sie von deinem Kehlkopf, von deinen Luftsäcken und von deinen verschiedenen Höhlen sprechen. Wenn du dann deiner Besitzerin eine Kopfnuss verpasst, weil dir das Schlauchgefühl unangenehm ist, und sich ihr Schädel dummerweise gerade neben deinem befindet, wirst du erneut gestochen und kriegst Beruhigungsmittelnachschub. Nachdem sie genug von deinen Innereien gesehen haben, und du wieder einigermassen normal atmen kannst, ziehen sie sich eigenartige schwere Schürzen an und positionieren deinen Kopf ganz genau zwischen einer Platte und einem komplizierten Gerät. Du wirst aufgefordert ganz ruhig zu stehen, was fast unmöglich ist, weil du butterweiche Knie hast. Dann wird dir eine metallene Sperre in dein Maul geschoben und mittels Arrettierung verhindert, dass du zubeissen kannst, was du aber sowieso nicht tun würdest, weil du dazu nämlich viel zu müde bist. Erst betrachtet ein Mann mit einem Licht am Kopf deine Zähne und stochert mit einem Haken in deinem Maul herum. Dann macht deine Besitzerin dasselbe, nur das Herumstochern lässt sie sein, das kann sie nicht. Endlich entfernen sie das eklige sperrige Ding wieder und du wirst, nachdem du schwankend den Raum durchquert hast, an einem Ring festgebunden. Mit hängendem, tonnenschwerem Kopf siehst du etwas verschwommen, wie alle zusammen stehen und du hörst wie durch Watte: Löchlein im Zahn, Infektion, Eiter, schon etwas angefressener Knochen, drei Wochen Antibiotika, wenn das nicht hilft, operieren. Dir sträuben sich sämtliche Haare. Du vernimmst, wie deine Besitzerin von dir und von deinem Alter spricht, und wie sich ihre Augen verdrehen, als der Mann etwas von 2000 Franken sagt, und du sprichst schnell ein Gebet, dass ihr Geldseckel doch bitte voll genug sein möge, weil du doch so gerne lebst.
Die Fahrt nach Hause kriegst du nicht so ganz mit, weil du immer noch etwas belämmert bist. Nun stehst du in deiner Box und kaust dein Abendheu und deine Besitzerin, die sich lieber deine Freundin nennt, weil ihr das Wort Besitzerin so gar nicht gefällt, hat dir gerade erklärt, dass du jetzt zuerst einmal eine Antbiotikakur bekommen wirst. Dass, wenn die nicht wirke, so eine Zahnoperation auch nicht das Ende aller Tage wäre und, dass ja zum Glück schon bald Dezember sei. Dass dann gleich zwei Monatslöhne fällig seien und überhaupt, dass es dann schon irgendwie gehen würde. Du tust einen tiefen Atemzug und findest es auf einmal gar nicht mehr so schlimm, ein nicht mehr ganz junges Pferd zu sein.
Drum sorge dich nicht. Das Leben geht weiter, auch wenn du ein Pferd bist, auch wenn du alt bist und auch wenn du ein Zahnproblem hast.
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