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Wer durch die Provinz Koulpélogo fährt, sieht vor allem eines: weite, flache und trockene Landschaften, ab und zu ein kleines Dorf, bestehend aus einer Gruppe Lehmhäuser. Entsprechend spärlich ist auch die Infrastruktur der Provinz: Spitäler sind eine Seltenheit, die wenigen Schulen sind überfüllt und weisen Klassengrössen von bis zu hundert Schülerinnen und Schülern auf. Viele Kinder müssen auf einen freien Platz in der Schule warten – oft so lang, bis sie zu alt sind, um eingeschult zu werden. Um allen Kindern in Koulpélogo den Zugang zur Schulbildung zu ermöglichen, hat Plan Schweiz gemeinsam mit Plan Burkina Faso im Februar 2013 ein Projekt gestartet, in dessen Rahmen Schulen gebaut und bestehende Schulen mit zusätzlichen Klassenzimmern ergänzt werden. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist auch die Verbesserung der Unterrichts qualität und die Förderung der Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler durch die Gründung von Schulregierungen, den «Gouvernements Scolaires».
Die Gouvernements Scolaires als Erfolgsmodell
Elodie* (8) ist Präsidentin des Gouvernement Scolaire der von Plan finanzierten Schule im Dorf Kamdiokin in der Provinz Koulpélogo. Sie hat das letzte Wort – gemeinsam mit ihrem 12-jährigen Premierminister Nihelté. Einmal in der Woche sitzen die beiden mit ihren ungefähr gleichaltrigen Ministerinnen und Ministern zusammen und besprechen die Themen, die die Schülerinnen und Schüler im Moment bewegen: achtlos weggeworfene Abfälle auf dem Schulhof, schmutzige Latrinen oder die von der Schule zur Verfügung gestellten Fussbälle, die immer wieder kaputtgehen, weil sich niemand verantwortlich fühlt. Alle Ministerinnen und Minister haben ihren Verantwortungsbereich: Maïmounata (13), die Ministerin für die Wasserversorgung, kümmert sich um den Brunnen, der die Schule mit Trinkwasser versorgt. Sie hat in ihrer Amtszeit bereits erreicht, dass die Schülerinnen und Schüler den Brunnen nicht mehr mit Schuhen betreten und das Brunnengelände einmal wöchentlich gefegt wird. Elie (10) ist Bildungsminister und Ansprechperson für Schülerinnen und Schüler, die mit dem Schulstoff nicht zurechtkommen, und Laverté (8), der Gesundheitsminister, besucht seine Mitschülerinnen und Mitschüler zu Hause, wenn sie krank sind.
«Der Ansatz des Gouvernement Scolaire hat unsere Schule von Grund auf verändert», meint Hamidou Noucoulma, der Schuldirektor von Kamdiokin. «Die Kinder freuen sich, dass sie aktiv mitwirken können, und nehmen ihre Aufgaben sehr ernst. Sie werden von den Mitschülerinnen und Mitschülern bewundert und respektiert.» Auch Issaaka Tapsoba, ein Klassenlehrer von Kamdiokin, freut sich: «Die Motivation der Ministerinnen und Minister des Gouvernement Scolaire sieht man auch auf dem Schulgelände: Latrinen und Schulhof sind sauberer als je zuvor, und das, ohne dass wir Lehrer die Kinder zurechtweisen müssen. Zudem haben die Schülerinnen und Schüler in Eigenregie einen Garten angelegt, den sie pflegen und regelmässig bewässern. Bereits können wir Kohl, Salat und Moringa** ernten!»
Mitwirkung von Kindern – ein riesiges Potenzial
Jedes Kind hat gemäss UN-Kinderrechtskonvention ein Recht auf Mitsprache und Mitwirkung. Das Beispiel von Kamdiokin zeigt: Die aktive Mitwirkung fördert nicht nur das Selbstvertrauen und die Sozialkompetenz der Kinder, sondern hat auch positive Auswirkungen auf ihr Umfeld und die gesamte Dorfgemeinschaft. «Das Projekt der Gouvernements Scolaires zeigt ganz deutlich, welch grosses Potenzial die Mitwirkung von Kindern birgt. Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich verantwortlich für ihre Schule, sie setzen selbständig neue Projekte um und tragen ganz wesentlich zur Verbesserung ihrer Schule bei», meint Andreas Rösch, Programmdirektor bei Plan International Schweiz.
Aus diesem Grund arbeitet Plan International weltweit nach dem Grundsatz der «kindorientierten Gemeindeentwicklung » und macht die Mitwirkung von Kindern in jedem Plan-Projekt zu einer zentralen Komponente. «Wenn wir die Kinder als blosse Hilfeempfänger wahrnehmen, verpassen wir eine grosse Chance. Wenn sie hingegen bei der Projektplanung und -umsetzung mitwirken, sind wir wirklich erfolgreich und erreichen eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände vor Ort», so Andreas Rösch weiter.
* Alle Namen der Schülerinnen und Schüler von der Redaktion geändert
** Moringa ist eine nährstoffreiche Pflanze, deren Wurzeln als Gemüse gekocht werden