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Mit der Frage, weshalb der Klimawandel in der Alltagsgestaltung so wenig Widerhall findet, hat sich der kanadische Umweltpsychologe, Robert Gifford, befasst. Durch die Auseinandersetzung mit dieser Frage, konnte er sieben psychologische Handlungsbarrieren aufdecken, warum der Mensch nicht klimafreundlich handelt, respektive was ihn davon abhält. Diese Barrieren nannte er «Die Drachen der Untätigkeit» (engl. The Dragons of Inaction).
Warum gerade die Figur des Drachen? Der Drache symbolisiert im westlichen Teil der Welt etwas Gefährliches, was von einem Helden oder einer Heldin bezwungen werden muss, um ein Ziel zu erreichen. Die Drachen verkörpern in diesem Kontext also unsere Gewohnheiten und Bequemlichkeiten, die uns im Weg stehen und zu überwinden sind.
Drache «Begrenztes Denkvermögen» (Limited Cognition)
Menschen denken oft weniger rational als angenommen. Mit diesem Drachen konfrontierte Menschen sind zum Beispiel davon überzeugt, dass sich der Klimawandel im eigenen Umfeld nicht so schlimm auswirken werde und Handlungen deshalb überflüssig seien. Unwissenheit ist ein weiteres Problem. Sie verunmöglicht situationsgerechtes Handeln. Dieser Drache steht auch für das Phänomen des Kontrollverlustes. Das eigene Handeln wird als irrelevant eingestuft und als Tropfen auf den heissen Stein empfunden.
Drache «Ideologien» (Ideologies)
Persönliche Ideologien und Weltanschauungen bilden Überzeugungen, die mit dem Klimaschutz und umweltfreundlichem Handeln nicht vereinbar sind. Sie hindern einen daran, sein Verhalten zu ändern. Solche Überzeugungen sind zum Beispiel:
- Der Kapitalismus hat einen angenehmen Lebensstil für viele Menschen ermöglicht
- Die Technologie allein kann den Klimawandel aufhalten
- Der menschliche Einfluss ist begrenzt, die Natur kommt mit den Problemen allein klar
Drache «Vergleiche mit anderen» (Comparison with other people)
Soziale Vergleiche und das Gefühl von (Un-)Gerechtigkeit sind im menschlichen Wesen stark verankert. Das führt dazu, dass die Meinungen Anderer einen enormen Einfluss auf das eigene Handeln haben. Wenn sich im eigenen sozialen Umfeld niemand klimafreundlich verhält: Woher soll dann der Impuls dafür kommen? Man stellt sich dann also die Frage: «Wenn meine Nachbarn sich nicht klimafreundlich verhalten, warum sollte ich es tun?!»
Drache «Unumkehrbare Kosten» (Sunk Costs)
Unter unumkehrbaren Kosten versteht man bereits getätigte Investitionen, welche die klimafreundliche Entscheidung einschränken. Wenn man sich also etwas leistet und sich an dessen Bequemlichkeit und den Komfort gewohnt hat, ist es schwierig, in Zukunft wieder darauf zu verzichten.
Drache «Missbilligung» (Discredence)
Menschen, die zu dieser Kategorie gezählt werden, verleumden den Klimawandel sowie dessen wissenschaftliche Beweise aktiv. Das hat generell mit ablehnenden Einstellungen sowie mangelndem Vertrauen zu tun. Wenn kein Vertrauen - etwa in wissenschaftliche Erkenntnisse -vorhanden ist, wird man Vorschlägen nicht folgen und sich schlimmstenfalls sogar gegen diese Vorschläge/Empfehlungen zur Wehr setzen.
Drache «Wahrgenommenes Risiko» (Perceived Risk)
Veränderungen werden meist als negativ empfunden und mit verschiedenen Risiken in Verbindung gebracht, welche einen daran hindern, sein Handeln anzupassen. Bei Unternehmen ist das finanzielle Risiko eine grosse Thematik. Neue Technologien sind kostspielig und müssen sich ausserdem auf dem Markt bewähren.
Es gibt aber auch soziale Risiken wie die Angst, aus einer sozialen Gruppe ausgeschlossen zu werden oder die Befürchtung, für das neue, umweltfreundliche Handeln verspottet zu werden.
Drache «Begrenztes Handeln» (Limited Behavior)
«Tokenism» beschreibt das minimalste umweltfreundliche Verhalten von Menschen, wie zum Beispiel das Trennen von Abfall. Dieses wird bereits als ausreichend befunden. Grössere Veränderungen, wie etwa der Verzicht auf Flugreisen, werden nicht umgesetzt. Der «Rebound-Effekt» ist eine weitere Charakteristik dieses Drachens. Dabei wird umweltfreundliches Verhalten mit etwas nicht Umweltfreundlichem belohnt. Die Gewinne aus der umweltfreundlichen Handlung werden dadurch geschmälert oder sogar zunichte gemacht.
Diese sieben psychologischen Barrieren stehen uns also im Wege, unser Wissen schliesslich auch umzusetzen. Doch kann in diesen sieben Drachen auch eine Chance gesehen werden. Wenn man sich mit diesen psychologischen Barrieren befasst, kann man erkennen, wo noch persönliches Entwicklungspotenzial liegt. Denn wie andere Laster und Verhaltensmuster können diese Drachen bekämpft und besiegt werden. Dies benötigt aber, wie alles andere, Zeit und Geduld.
Traust du dich und hast du Interesse herauszufinden, welchen Drachen du bekämpfen musst? Dann finde es heraus mit der Drachen-Diagnose-Matrix von Gifford.