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Die gemeinnützige Alfred Escher-Stiftung wurde 2006 errichtet. Ihr Zweck besteht darin, die historisch-kritische Forschung zu Eschers Leben und Werk zu fördern und die Forschungsergebnisse an ein breites Publikum zu vermitteln. Ein zentrales Element bei der Erfüllung dieser Aufgabe ist die Publikation der Korrespondenz Alfred Eschers. Diese Schriftwechsel sind von unschätzbarem Wert für die Alfred Escher-Forschung, weil in ihrer Substanz reiche neue Erkenntnisse hinsichtlich wichtiger Ereignisse und Entwicklungen in der Schweizer Wirtschafts-, Kultur- und Parteiengeschichte liegen.
Die Briefe von und an Alfred Escher sind auf verschiedenste Archive verteilt. Mit der digitalen Edition werden sie erstmals zusammengeführt, transkribiert, bearbeitet, kommentiert und vernetz erschlossen. Hervorzuheben ist, dass die Publikation in vier Varianten erfolgt. Durch die edierte Transkription, das digitalisierte Original und zwei diplomatische Text-Bild-Ansichten wird die weitere Forschung mit den Escher-Briefen stark vereinfacht und eine Plattform zur Untersuchung vielfältiger Forschungsfragen geschaffen.
Der heute bekannte Briefbestand umfasst über 5‘000 Briefe von und an Alfred Escher. Mit rund 2‘300 Briefen befindet sich knapp die Hälfte davon in Alfred Eschers Nachlass im Schweizerischen Bundesarchiv in Bern. Weitere rund 2‘050 Briefe sind zusammen mit den Akten der Gotthardbahn im Historischen Archiv der SBB überliefert. In der Zentralbibliothek Zürich sind rund 230 Escher-Briefe im Familienarchiv «Escher vom Glas» und in Nachlässen weiterer Personen und Familien aufbewahrt. Rund 170 weitere Briefe stammen aus dem Familienarchiv Tschudi. Die restlichen 250 Briefe liegen in 27 Archiven in der ganzen Schweiz.
Die digitale Edition macht ausschliesslich jene Briefe zugänglich, die Alfred Escher persönlich erhalten oder die er als Einzelperson unterzeichnet hat. Die offizielle Geschäftskorrespondenz wurde nicht in die Edition aufgenommen. Ebenfalls nicht publiziert werden die rund 2‘200 identifizierten Telegramme.
Bereits vor der Gründung der Alfred Escher-Stiftung erschien anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Schweizerischen Kreditanstalt (heute Credit Suisse) die breit angelegte und umfangreiche vierbändige Escher-Biographie «Alfred Escher, 1819–1882 – Der Aufbruch zur modernen Schweiz» von Joseph Jung (Verlag NZZ Libro, Zürich). Diese Publikation stützt sich erstmals systematisch auf die Briefe von und an Alfred Escher und wertet diese aus. Eine gekürzte einbändige Fassung mit dem Titel «Alfred Escher (1819–1882). Aufstieg, Macht, Tragik», ebenfalls von Joseph Jung, ist erstmals 2007 erschienen und liegt seit 2014 in der fünften, revidierten Auflage vor (Verlag NZZ Libro, Zürich).
Die Publikation der Korrespondenz Alfred Eschers erfolgt im Rahmen eines multimedialen Editionsprojekts. Die Briefe werden als gedruckte Buchreihe und als digitale Edition publiziert. In der gedruckten Editionsreihe, die unter der Herausgeberschaft und wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Joseph Jung publiziert wurde, sind zwischen 2007 und 2015 sechs Bände im Verlag NZZ Libro in Zürich erschienen. Sowohl die gedruckte Buchreihe als auch die digitale Edition basieren auf den gleichen XML-Dateien. Die Datenstrukturen dieser Dateien wurden in Zusammenarbeit mit der Firma swissedit namentlich von der Computerlinguistin Ute Recker-Hamm (Universität Trier) definiert.
Im August 2010 präsentierte die Alfred Escher-Stiftung einem Kreis von Experten und Vertretern von Bibliotheken und Archiven an einem Symposium in Zürich das Projekt der digitalen Edition. In der Folge erstellte die Stiftung ein Konzept, in das die Erkenntnisse dieses Symposiums ebenso eingeflossen sind wie die Projektionen des Editionswissenschaftlers Patrick Sahle (Cologne Center for eHumanities an der Universität Köln). Er zeigte aus editionstheoretischer Sicht auf, was die Möglichkeiten von und die Erwartungen an eine digitale Briefedition sind.
Im Januar 2011 organisierte die Alfred Escher-Stiftung gemeinsam mit Editionsspezialisten an der Universität Köln einen Workshop mit dem Ziel, das bestehende Konzept kritisch zu diskutieren. Die auf dem Fazit dieses Workshops abgestützte Detailspezifikation wurde regelmässig von externen Experten verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, von Archiven und Bibliotheken sowie durch Editionsspezialisten und Grafiker kritisch begutachtet (Sounding Boards, Testimonials, Expert Reviews).
Die Umsetzung der Detailspezifikation und der kritischen Rückmeldungen erfolgte sowohl auf inhaltlicher als auch auf technischer Ebene durch die Alfred Escher-Stiftung. Sie wurde dabei insbesondere von Ute Recker-Hamm und Informatikingenieur Peter Cicman (Credit Suisse) unterstützt.
2008 nahmen wissenschaftliche Mitarbeitende die systematische Transkription sämtlicher Briefe auf. Die technische Auszeichnung sowie auch die Personenrecherchen wurden ab 2011 von Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen ausgeführt. Ab 2013 wurden die Studierenden auch für die verbliebenen Transkriptionsarbeiten eingesetzt. So beschäftigte die Alfred Escher-Stiftung zwischen 2011 und 2014 jeweils während den Semesterferien insgesamt 60 Studierende der Universitäten Zürich, Bern, Luzern, Fribourg und Genf sowie der ETH Zürich. Unterstützt wurden die Studierenden von 9 wissenschaftlichen Mitarbeitenden, die mit unterschiedlichen Arbeitspensen von 2010 bis 2015 für die inhaltliche und technische Qualitätskontrolle, weiterführende Recherchearbeiten und das Coaching verantwortlich waren. Im Rahmen der von Studierenden erledigten Arbeiten wurden rund 33‘000 Arbeitsstunden geleistet.
Am 21. Februar 2012 wurden als Pilotprojekt 501 Briefe aus dem Zeitraum von 1831 bis 1848 online verfügbar gemacht. Darauf aufbauend wurden konzeptionelle, funktionale und visuelle Ergänzungen und Optimierungen vorgenommen. Unter Beisein von Frau Bundesrätin Doris Leuthard und hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft konnte am 1. Juli 2015 die hier vorliegende Edition sämtlicher bekannter Briefe von und an Alfred Escher offiziell der Öffentlichkeit übergeben werden.
Allfällige neu ermittelte Briefe und Korrekturen werden in Zukunft sukzessive veröffentlicht. Bei Bedarf werden auch Funktionalitäten und Design modifiziert werden.