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Weitere Luftaufnahmen von Oberurnen
Auf einem felsigen Bergsporn nördlich des Dorfes Oberurnen erheben sich die wuchtigen Überreste der einst bedeutendsten Burganlage des Kantons Glarus. Die Ruine besteht aus einem trutzigen, mächtigen Palas mit Umfassungsmauer. Der Palas beschreibt im Grundriss ein ausgedehntes Rechteck von 18 auf 21 Meter Grundfläche. Von diesem wehrhaften Hauptbau ragt lediglich die noch über zwei Meter mächtige Nordwestwand ungefähr 16 Meter in die Höhe. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stand die Südseite noch aufrecht. Das Mauerwerk besteht aus lagerhaft angeordneten, wenig bearbeiteten Kalksteinblöcken. Die Ecken sind sorgfältig aus Bossenquadern mit Randschlag ausgeführt. Das Innere des Gebäudes ist heute mit Schutt angefüllt. Dennoch lässt sich der Verlauf von Mauerzügen eines späteren Innenausbaus erkennen. Durch eine Baufuge deutlich getrennt, schliesst sich auf der Ostseite eine jüngere Umfassungsmauer an das Wohngebäude an. Dieser Bering besteht aus kleineren, unbearbeiteten, regelmässig angeordneten Kalksteinen. Südlich und westlich war dem Palas ein schmaler Zwinger vorgelagert, von dessen Umfassungsmauern nur noch schwache Spuren zu erkennen sind. Auf der Westseite der Anlage sollte ein doppelter Halsgraben die Annäherung an das Bauwerk erschweren. Über den inneren Graben gelangte man mittels einer Brücke zur Nordecke der Burg. Hier sind noch geringe Reste eines Widerlagers vorhanden. Zum Haupttor, das sich vermutlich im Nordteil der Umfassungsmauer befand, gelangte man durch einen Aussenzwinger. Von den noch aufgehenden Mauerzügen sind die Reste des wehrhaften Palas als ältester Teil der Anlage ins ausgehende 13. Jahrhundert zu datieren. Die restlichen Bauteile wie Zwinger, Innenbauten, Umfassungsmauer usw. wurden vermutlich um 1300 oder im beginnenden 14. Jahrhundert errichtet. Nicht völlig abwegig erscheint uns die Vermutung, der Ausbau könnte nach der Zerstörung der Burg von Näfels erfolgt sein. Nach einem erhaltenen Klagerodel wurde die Burg Näfels 1351 von den Glarnern zerstört. Sie war als österreichisches Verwaltungszentrum benutzt worden. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts diente sie dem österreichischen Vogt Hermann von Landenberg als Wohnsitz. Von einem Wiederaufbau der zerstörten Burg von Näfels ist nichts bekannt.
Am Ostfuss des Burghügels der Vorburg sind Spuren eines Ökonomiegebäudes erhalten. 1972 konnte bei einer archäologischen Sondierung eine dünne Kulturschicht, die vorwiegend Tierknochen enthielt, im Mauergeviert nachgewiesen werden. Zur Burganlage gehörte früher ein gerodeter Landumschwung, der noch heute bewirtschaftet wird. Die Anlage mit ihren wuchtigen Mauerteilen war ein habsburgisches Verwaltungszentrum. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts residierten die Stucki als Untervögte auf der Burg. Die Angabe von Gilg Tschudi, dem berühmten Glarner Geschichtsschreiber, die Burg sei nach 1386 von den Leuten aus Ober- und Niederurnen als Zufluchtsort bei Gefahr benutzt worden, ist nicht abwegig, da der Name „Vorburg“ eigentlich als Vorwerk der nahen Letzi von Näfels zu verstehen ist. Der ursprüngliche Name der Burg mag Urnen oder Oberurnen geläutet haben. Von einer Zerstörung der Anlage in den Freiheitskämpfen ist urkundlich nichts bekannt. Spätestens im 15. Jahrhundert wurde die Burg verlassen und ist dann allmählich zerfallen. Sicherungsarbeiten nach der letzten Jahrhundertwende haben vor allem die Nordwestmauer des wehrhaften Wohngebäudes vor dem gänzlichen Zerfall gerettet. Um 1940 sind die südlichen Teile der Umfassungsmauer teilweise freigelegt worden.
Das Haus Habsburg hatte 1264 als Erbe der Grafen von Kyburg die Vogtei und 1288 das Meieramt über das Glarnerland vom Kloster Säckingen als Lehen übernommen. Habsburg-Österreich bemühte sich in der Folgezeit, diese Hoheitsrechte zu einer Territorialherrschaft über das ganze Gebiet auszubauen. Dazu gehörte die Errichtung von Burgen als Verwaltungszentren und vor allem auch als sichtbare Symbole der landesherrlichen Machtansprüche. Nach der Erweiterung der Burg Näfels wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts die Vorburg als zweites habsburgisches Herrschaftszentrum errichtet. Sie diente den Habsburgischen Beamten als Wohn- und Amtssitz. In den Freiheitskriegen des 14. Jahrhunderts bildeten die österreichischen Burgen die Ziele der zerstörungswütigen Glarner und der befreundeten Eidgenossen. So wurde die Burg Näfels von den Glarnern gestürmt und zerstört. Unsicher ist hingegen das Los, das der Vorburg beschieden war. Die Rötung der Mauersteine im Innern der Anlage deutet zwar auf eine Brandkatastrophe hin, doch muss diese nicht zwangsläufig mit einer kriegerischen Zerstörung in Verbindung gebracht werden.
Bibliographie