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Vor 20 Jahren machten inländische Unternehmen aus Hongkong aufgrund der schnell wachsenden lokalen Wirtschaft einen grossen Teil eines typischen asiatischen Aktienportfolios aus. Heutzutage ist Hongkong für Anleger immer noch ein wichtiger Markt, aber die an der dortigen Börse gelisteten Unternehmen sind nun internationaler ausgerichtet. Die lokale Wirtschaft wächst in letzter Zeit langsamer. Da Hongkong sich aber langsam in eine regionale Drehscheibe verwandelt hat, sind einige der grössten und erfolgreichsten Unternehmen aus China und der gesamten Region hier an der Börse gelistet und haben häufig ihren Firmensitz in Hongkong.
Hongkong wird oft als die freieste Wirtschaft der Welt angesehen: eine Unternehmerstadt, in der die Steuern niedrig sind. Da in Hongkong auf Dividenden keine Abgeltungssteuer erhoben wird, schütten die Unternehmen lieber Gewinne an ihre Anleger aus, als Aktien zurückzukaufen. Das kommt ertragsorientierten Anlegern zugute und behagt auch den Unternehmern, die Hauptaktionäre in ihren eigenen Unternehmen sind. Eine Vergütung in Form von steuerfreien Dividenden ist besser als steuerpflichtige Gehälter.
Ein Zentrum für die Region
Hongkong ist für viele auch immer noch das Tor zu China. Obwohl Hongkongs Integration in das Festland weiterhin schnell voranschreitet, bleibt es durch seinen Status als Sonderverwaltungszone mit eigenem Rechtssystem (basierend auf dem englischen Common Law) und eigener Währung noch mindestens bis 2047 geschützt. Im Gegensatz zum chinesischen Renminbi wird der Hongkong-Dollar (HKD) international frei gehandelt und ist an den US-Dollar gekoppelt. Diese Vorteile haben dazu beigetragen, dass Hongkong zu dem Markt wurde, an dem sich die grössten Unternehmen mit regionalen und auf dem Festland Chinas ansässigen Geschäftstätigkeiten notieren liessen – häufig zusätzlich zu den weniger zugänglichen Heimatmärkten. Dazu zählen beispielsweise führende chinesische Internet-Unternehmen wie Tencent oder AIA. Letzteres ist ein internationaler Versicherungsriese, der in der gesamten Asien-Pazifik-Region tätig und die einzige lizensierte internationale Lebensversicherung ist, die ihre Produkte auf dem chinesischen Festland verkaufen darf. Auch wenn nicht alle chinesischen Unternehmen, die an der Hongkonger Börse notiert sind, derzeit Dividenden auszahlen, haben viele jedoch das Potenzial, als Quelle für künftige steigende, regelmässige Erträge zu dienen. Zudem ist es wahrscheinlich, dass die Art von Unternehmen, die Jason Pidcock, Manager des Jupiter Asia Pacific Income SICAV in der Region mag, dort an der Börse notiert ist. Dazu zählen vor allem grosse liquide Unternehmen mit guter Unternehmensführung, einer guten Erfolgsbilanz und einer umgänglichen Geschäftsleitung.
Die Internationalisierung hat für Hongkong aber auch Nachteile. Die Koppelung des HKD an den US-Dollar bedeutet, dass sich die lokalen Zinsen im Einklang mit den US-Zinsen bewegen. Der lokale Konjunkturzyklus kann deshalb manchmal von den Entwicklungen in China und der gesamten Region abweichen und war unter anderem der Grund für die Inflation – und die nachfolgende Deflation – am lokalen Immobilienmarkt. Das wiederum hat grosse Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und deshalb wird die Immobilienkreditvergabe der Banken aktuell etwas in Mitleidenschaft gezogen, da es immer mehr faule Kredite gibt.
Der Ausblick für lokale Unternehmen...
Hongkong ist eine zyklische Volkswirtschaft, deren Wachstum den vorherrschenden Trends in der Weltwirtschaft ausgesetzt ist. Das liegt an ihren engen Handelsbeziehungen mit den globalen und insbesondere den chinesischen Handelsströmen sowie an dem Einfluss der USA über die Währung. Vieles wird deshalb davon abhängen, welche Richtung die Weltwirtschaft einschlägt. Und auch wenn Jason Pidcock davon überzeugt ist, dass die lokale Wirtschaft mit einer erwarteten Zinsanhebung in den USA umgehen kann, macht es die Sache sicherlich nicht einfacher.
Die Integration mit China ist ebenfalls ein zweischneidiges Schwert für Hongkong. Wenn seine Verbindungen mit dem Festland enger werden, schwindet sein Status als erste Anlaufstelle für Auswärtige und es muss zunehmend mit Shanghai, Peking und anderen Städten konkurrieren, wo es immer mehr Expatriates gibt und die Rechtssysteme reformiert und verständlicher werden.
Hongkong kann aber durchaus als Chinas Haupthandelszentrum in Erscheinung treten, zumal nur wenige Länder zwei haben – und da spricht vieles zu seinen Gunsten. In Hongkong wird Kantonesisch und Englisch gesprochen, in Shanghai nur Mandarin. Die Menschen aus anderen Teilen der Region, wie Taiwan, können freier nach Hongkong reisen als auf das Festland. Viele Unternehmen haben bereits ihren Sitz in Hongkong und es gibt immer ein verständliches Mass an Schwerfälligkeit. Andererseits sind Unternehmer oft mobil. Zu guter Letzt könnten ein natürlicher Hafen, eine vortreffliche Infrastruktur, der Cluster-Effekt und ein geringes politisches Risiko die ausschlaggebenden Punkte sein. Aber das ist ein mehrjähriger Prozess und es wird sich so schnell nichts ändern. Fürs Erste bleibt Hongkong ein guter Ort, um Geschäfte zu machen, und eine unermessliche, vielfältige Quelle für hochqualitative Unternehmen.
...und für unsere Ausrichtung auf Hongkong
Pidcocks Positionierung in Hongkong basiert stark auf der Titelauswahl nach dem Bottom-up Ansatz: Ein Unternehmen wird aufgrund seines Profils ausgewählt und nicht, weil er auf die lokale Wirtschaft setzt. Hier würde ein Anleger beispielsweise eine Bank oder eine Wohnimmobiliengesellschaft kaufen. Der Fonds hält weder noch. Auch wenn er den Ausblick für die lokale Wirtschaft selbst nicht besonders optimistisch beurteilt, sollten die hochqualitativen Unternehmen im Portfolio, die den Grossteil ihrer Erträge anderswo erwirtschaften, seines Erachtens gut positioniert sein, um jegliche lokalen Rückschläge zu meistern und ihr Potenzial zu entfalten.