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So weit das Auge reicht: industrielle Landwirtschaft und Massentierhaltung. Heinrich Graf von Bassewitz ist eine Ausnahmeerscheinung in der Landwirtschaft der neuen Bundesländer.
Kurz nach der Wende kaufte er das Schloss seiner Vorfahren in Mecklenburg-Vorpommern zurück. Er pachtete immer mehr Land dazu, und hat darauf einen grossen Biohof aufgebaut: «Ich bin in den Ferien auf dem Hof meiner Grosseltern gross geworden. Da muss ich mich mit dem Virus infiziert haben», erzählt von Bassewitz. Neben dem Hof besitzt er auch 32 Ferienwohnungen und ein Restaurant.
Das Land gehörte der Gemeinschaft
Zurückkaufen musste Graf von Bassewitz den Hof, weil seiner Familie zu DDR-Zeiten enteignet wurde: Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) beschlagnahmte 1945 alle Ländereien, wenn sie über 100 Hektar gross waren. Das enteignete Land wurde mit der sogenannten Bodenreform an Siedler vergeben. Die mussten ab 1952 ihre Erträge an Landwirtschaftliche Genossenschaften, sogenannte LPG's, abgeben.
Nach der Wende, 1991, ging das Volkseigentum in Staatseigentum über: Etwa die Hälfte aller Flächen gehörte dem Bund. Die andere Hälfte gehörte Nachkommen von Bodenreformbauern.
Schwierige Besitzverhältnisse
Die Besitzverhältnisse stellten die Regierung vor eine schwierige Aufgabe: Den enteigneten Menschen ist durch die Enteignung Unrecht widerfahren. Sie hatten Anrecht auf ihr Land, ihr Erbe. Doch lebten auf diesen Grundstücken mittlerweile andere Menschen. Ihnen wurde das Land zu DDR-Zeiten zugewiesen oder sie kauften es nach der Wende. Auch sie hatten ein Anrecht auf das Land.
Die Lösung lautete: Ehemalige Besitzer konnten das enteignete Land zu einem vergünstigten Preis zurückkaufen. Heinrich Graf von Bassewitz pachtete so das Land seiner Familie in Mecklenburg-Vorpommern. Als Pächter konnten er bis zu 200 Hektar Flächen zu einem Sonderpreis erwerben. Heinrich von Bassewitz' Vater konnte zudem als ehemaliger Eigentümer 100 Hektar Land kaufen.
Der Graf und seine Frau Lucy übernahmen den Hof in einem desolaten Zustand. Sie nahmen Pickel und Pinsel selbst in die Hand und schliefen anfangs auf Matratzen. Sie hatten wenig Geld, lebten von Bankkrediten und Subventionen aus Berlin und Brüssel – das alles, für ihren grossen Traum vom eigenen Gut.
Die Leute hatten Verständnis für uns
So entstand in den vergangenen 20 Jahren nach und nach das heutige Gut mit annähernd 1000 Hektar. Graf von Bassewitz lebt mit Frau und Kindern auf dem Schloss, das Land drumherum ist zu einer blühenden Bio-Landschaft geworden. Aufgenommen wurden sie gut, erinnert sich von Bassewitz: «Das lag wohl daran, dass mein Grossvater ein sympathischer Mann war. Daran, dass die Leute Verständnis für uns hatten und dass wir sehr basismässig angefangen haben.»
Der Graf züchtet hier heute Angus-Rinder und südamerikanische Criollo-Pferde, er produziert Kartoffeln, Mais oder Weizen. Sein Hof ist zu einem Vorzeige-Bio-Hof geworden, Heinrich Graf von Bassewitz vom Deutschen Bauernverband zum Bundesbeauftragten für den ökologischen Landbau berufen worden.
Und doch ist er bis heute auf seinem Gut ständig präsent. «Ich bin ein Bauer», sagt er lachend. «Anders geht es nicht.»