Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/3971

Bündner Passübergang auf 2383 m zwischen Davos im Landwassertal und Susch im Unterengadin, 26 km lang. Da der F. nicht direkt über den Alpenkamm, sondern ins Quertal Engadin führt, besass er im Bündner Transitverkehr nie die Bedeutung von Septimer oder Splügen. 1513 Fluela.
Eine Lanzenspitze aus Bronze, die auf der Passhöhe gefunden wurde, spricht für eine Begehung in der Urgeschichte. In Susch wurden röm. Münzen entdeckt. Die Davoser Seite weist eine Burgstelle am Eingang zum Flüelatal auf; in Susch, beim Zusammentreffen von Engadiner Talweg und F., finden sich zahlreiche Türme und Wehranlagen. Solange das Davoser Gebiet von einer rom. Bevölkerung nur dünn besiedelt war, gehörte das Flüelatal am Nordabhang des F.es zur Suscher Allmend. Nach Ankunft der Walser in Davos gegen Ende des 13. Jh. wurde das Tal vorerst an die deutschsprachigen Neusiedler verpachtet, 1328 verkauft. Der Saumweg von Chur über den Strelapass nach Davos und den F. ins Engadin war die kürzeste Verbindung Richtung Tirol oder über den Ofenpass ins Münstertal und in den Vinschgau. Kg. Sigismund zog 1413 auf dieser Route vom Vinschgau nach Chur. Der parallel zum F. verlaufende Scalettapass diente v.a. als Verbindung zum Berninapass und ins Veltlin. Über den F. ins Tirol oder in den Vinschgau gingen Vieh und Butter, zurück kamen Salz und Korn. Im 16. Jh. wurde der F. der Chronik von Ulrich Campell zufolge nur in der schneefreien Zeit begangen. Der oberste Zufluchtsort befand sich auf Tschuggen (1938 m) im Flüelatal; die erste Schutzhütte auf der Passhöhe stammt wahrscheinlich von 1668. Die Fahrstrasse wurde 1866-67 erbaut, das Passhospiz 1868-69. Der aufkommende Fremdenverkehr erhöhte die Bedeutung des F.es als kürzester Verbindung ins Unterengadin. Die Eröffnung der Bahn bis Davos (1890) kam ihm zustatten, während die Unterengadiner Linie (1913) eine grosse Konkurrenz bildete. Die Flüelastrasse ist stark lawinengefährdet. Mit der Eröffnung des Vereinatunnels 1999 verlor der F. an Bedeutung.
Literatur
– E. Poeschel, «Aus der Gesch. des F.es», in Schweiz 8, 1956, 7
Autorin/Autor: Jürg Simonett