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Massive Vorwürfe aus den USA: Die Schweizer Bank Julius Bär soll Millionen von Dollars an Kundengeldern hinterzogen, unrechtmässig angelegt oder weiterverschoben haben.
Die Anwaltsfirma Leahey and Johnson verklagt die Bank auf mindestens 40 Mio. Dollar plus Zinsen und Schadenersatz.
Vertreter von Julius Bär in Zürich sagten gegenüber swissinfo, die Behauptungen und Anschuldigungen in den USA seien "lächerlich". Wenn nötig werde die Bank ihre Handlungsweise "rigoros verteidigen".
Die Bank Bär bezeichnet die Anklage gegen sie auch als möglichen Grund ihrerseits gegen die Wall Street Firma Leahey and Johnson vorzugehen.
Die Klage von Leahey and Johnson wurde beim Obersten Gerichtshof des Bundesstaates New York eingereicht. Sie richtet sich gegen verschiedene Personen, darunter den Ehrenvorsitzenden der Julius-Bär-Holding, Hans Bär, und Raymond J. Bär, den gegenwärtigen Vorsitzenden der Bank.
Langjähriges System
In den swissinfo per Fax zugeschickten Aussagen erklären Leahey and Johnson, die Klage richte sich gegen die Bank sowie gegen einige ihrer Tochtergesellschaften, Angestellten, Agenten, Kontroll-Verantwortlichen und Direktoren.
Sie sollen an einem seit langer Zeit bestehenden System von Betrug, Plünderung und Umwandlung von Geldanlagen beteiligt gewesen sein. Es geht der Klage zufolge um Geld, das ein Antiquitätenhändler aus Manhattan, der vor der Verfolgung von Juden in Iran in die USA geflohen sei, um hier das US-Bürgerrecht zu erlangen, der Bank zur Betreuung übergeben habe.
Die Klage, welche die Anwälte im Auftrag von Bijan Nassi und seines Unternehmens BBCFD eingereicht haben, umfasst 115 Seiten.
Ebenfalls als Angeklagter aufgeführt ist Yehuda Shiv, ein Finanzberater im New Yorker Büro der Bank, der bereits wegen Wertpapier-Betrugs zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt worden war.
Es wird behauptet, dass Shiv und die Bank in ein "ausgeklügeltes System" involviert gewesen seien, um Geld aus Nassis Investitionen zu ihrem Nutzen abzuzweigen.
Vermögensverwaltung
Auch wenn die Bank darauf hinweist, dass sie einen hängigen Fall nicht kommentieren könne, war den Verantwortlichen wichtig darauf hinzuweisen, dass Julius Bär – ein Unternehmen mit jüdischen Wurzeln – in diesem Fall als vermögensverwaltende Bank gehandelt habe. Man habe nur herkömmliche Vermögensverwaltung betrieben.
Leahey and Johnson werfen der Bank Julius Bär vor, sie sei "bekannt für ihre Haltung in der Holocaust-Kontroverse".
Die Bank habe sich dabei gegen Klagen von Erben von jüdischen Konteninhabern gesperrt, die während des Holocausts ums Leben kamen, heisst es in der Erklärung der Anwälte weiter.
Für Bankensprecher Jürg Stähelin ist diese Beschuldigung "unerhört". Er wies gegenüber swissinfo darauf hin, dass Hans J. Bär prominentes Mitglied des Volcker-Komitees gewesen sei, das mit dem Bankenvergleich eine "geeignete Lösung" für die Konten aus der Zeit des Holocaust gefunden habe.
Die Klage von Leahey and Johnson listet Einzelheiten auf über das Familienvermögen, welches Nassi in der Niederlassung der Bank Bär in der Madison Avenue anlegte.
Weiter wird behauptet, dass er da von der Bank getäuscht wurde, die ihrerseits mit einem "verurteilten Anlagebetrüger" unter einer Decke gesteckt habe, der als de facto-Angestellter Zugang zur Bank hatte.
Die Macht des Rechtanwaltes
Die Behauptung in der Klage geht dahin, dass mit Kenntnis und oder durch Nachlässigkeit Bevollmächtigte Millionen Dollar von Nassi und weiteren Konten illegal zu Shiv (Inhaber der Sagam Corporation )und der Bank selber transferiert wurden.
"Shiv hatte sein Büro in der Bank, hatte Zugang zum Computer- und Kommunikationssystem und wurde von der Bank dafür bezahlt, dass er Kunden brachte", liess Peter James Johnson, einer der Rechtsanwälte Nassis in einer Erklärung verlauten.
"In der Anklage steht, dass Bankenvertreter die Sachlage kannten oder sich der Lage bewusst sein hätten müssen, dass hier massiver Betrug an Anlegern und amerikanischen Bankenvertretern stattfand", so Johnson weiter.
Johnson erklärte in seiner Stellungnahme weiter, über Jahre hinweg habe - nach dem immer gleichen Vorgehen - ein unerlaubter Transfer von Nassis Geldern stattgefunden.
Eine Liste zeigt 99 "unerlaubte" Transaktionen von Nassis Kapital auf. Dabei sollen zwischen 1988 und 2001 fast 19 Mio. Dollar geflossen sein. Diese Liste ist Bestandteil der Klage.
Viele dieser Überweisungen erfolgten an Shiv's Sagam Corporation – eine Firma für Anlage-Management. Diese Firma, so wird behauptet, habe als Joint Venture mit der Bank Bär zusammengearbeitet.
Gemäss der Erklärung von Leahey und Johnson soll die Bank angeblich alle diese 99 Kapitaltransfers von Nassis Geldern an die Sagam Corporation aus den Büchern getilgt haben.
Zusammenarbeit mit den Behörden
Gegenüber swissinfo heiss es bei Julius Bär, dass die Bank bei den Ermittlungen gegen Shiv seit Anfang 2002 mit der Banken-Aufsichtsbehörde zusammengearbeitet habe.
Die Bank beschreibt Shiv als einen Kapital-Anlageverwalter, der bei der Bank Bär Konten seiner Kunden betreute.
"Wir waren geschockt, als wir erfahren mussten, dass Herr Shiv und seine Firmen über Jahre hinweg falsche Informationen über die Erträge und die Höhe der Vermögen seiner Kunde machten", hiess es bei Julius Bär weiter.
"Wir von der Bank Julius Bär haben vollständig mit den Untersuchungs-Behörden, welche die Geschäfte Shivs untersuchten, zusammen gearbeitet."
"Wir können die Gefühle der Kunden von Herrn Shiv nachvollziehen. Allerdings sind wir auch überzeugt, dass wir die Verantwortung als Bank für Vermögensverwaltung durchwegs wahrgenommen haben. Wenn es sein muss, werden wir unsere Tätigkeit darlegen und entschieden verteidigen", sagt Bär.
swissinfo, Robert Brookes
Fakten
Die Klage wurde beim Obersten Gerichtshof des Bundesstaats New York eingereicht.
Die Bank weist die Vorwürfe zurück.
In Kürze
Ein Anwaltsbüro reichte beim Obersten Gericht des Bundesstaates New York gegen die Schweizer Bank Julius Bär eine Klage in der Höhe von 40 Mio. Dollar ein.
Die Bank wird beschuldigt, Millionen von Dollars an Kundengeldern hinterzogen oder unrechtmässig angelegt und weiterverschoben zu haben.
Die Bank Julius Bär bezeichnete die Anschuldigungen als "lächerlich". Man werde die Tätigkeit als Vermögensbank wenn nötig rigoros darlegen und verteidigen.