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Überaltertes China
Chinas Gesellschaft wird im Durchschnitt immer älter, so dass mittlerweile die Zahl der Personen im Rentenalter langsam, aber sicher die Zahl der Erwerbsfähigen übersteigt. Am ersten 1. Juli fand in Beijing eine Konferenz statt, um Lösungen für die Überalterung der chinesischen Gesellschaft zu finden. Vertreter des Ministeriums für Personalwesen und Soziale Sicherheit erachten es dabei als Notwendigkeit, das bisherige Pensionsalter zu erhöhen, um einer überalternden Gesellschaft entgegenzuwirken.
Denn die bisherige Altersgrenze zur Pensionierung liegt in China relativ tief: Männer werden mit 60 Jahren, Frauen mit 50 Jahren pensioniert. Unter speziellen Konditionen jedoch, wie etwa bei harten Arbeitsbedingungen, findet die Pensionierung noch früher statt. Ein Vorschlag des Ministeriums sieht nun vor, ab dem Jahr 2016 das Rentenalter kontinuierlich heraufzusetzen. Das Ziel sei, bis in das Jahr 2045 für Männer wie für Frauen das Rentenalter von 65 Jahren zu erreichen.
Reaktion: Skeptisch bis ablehnend
Die Reaktionen auf eine solche Erhöhung sind grösstenteils negativ und ablehnend, wie etwa die Jiefang Daily und das Newsportal Sina berichten. Viele User nehmen an, dass ein höheres Rentenalter nur dazu dienen sollte, die Mängel im Pensionskassensystem zu lindern. Zudem haben junge Universitätsabgänger bereits Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden (Asienspiegel berichtete). Blieben Angestellte noch länger in ihren Arbeitspositionen, so eine weitere Meinung, wäre die Arbeitssuche noch schwieriger.
Eine Umfrage der Chongqing shangbao ergab schliesslich, dass mehr als die Hälfte der Beteiligten sich ein Rentenalter von 55 Jahren für Männer und von 50 Jahren für Frauen wünschten. Doch die Umfrage weist auch auf aktuelle Probleme im Sozialwesen Chinas hin: Falls nämlich das Rentenalter auf 65 Jahre heraufgesetzt werden würde, so wünschten sich die User ein besseres System zur Kranken-, Arbeitslosen- und Sozialversicherung. Denn in China ist die Altersvorsorge und Altenpflege bislang noch unausgegoren, traditionell übernimmt dies das eigene Kind.
Nebenwirkungen der Einkindpolitik
Bereits in anderen Ländern droht eine alternde Gesellschaft, wie etwa in der Schweiz und Japan (Asienspiegel berichtete). Dort altert die Bevölkerung jedoch aufgrund der Tatsache, dass immer mehr junge Paare keine oder nur wenige Kinder wollen. Zudem geht die Generation der Babyboomer aus der Nachkriegszeit allmählich in Pension, so dass immer weniger erwerbsfähige Personen für die materielle Versorgung der Bevölkerung aufkommen können. Das Problem, dass Chinas Bevölkerung rasant altert, basiert jedoch auf einer «hausgemachten» politischen Entscheidung, was die chinesischen Medien mit keinem Wort erwähnen.
Denn die überalterte Gesellschaft Chinas ist ein direktes Nebenprodukt der Einkindpolitik Chinas. Die Bestimmung, dass ab 1980 sämtliche Familien Chinas – mit einigen Sonderregelungen – nur ein Kind haben dürfen, führte zu dieser Situation (Asienspiegel berichtete). In China hingegen muss ein einzelnes Ehepaar für vier alte Leute aufkommen, und es wird, im Gegensatz zu anderen Ländern, durch kein genügend ausgebildetes Wohlfahrtssystem unterstützt. Wäre dies besser gesellschaftlich verankert, wäre wohl auch ein Rentenalter von 65 Jahren akzeptabel.