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von Werner Meyer und Silvana Bezzola
Die vorläufigen Ergebnisse der ersten Forschungsetappe auf Burg Serravalle im Bleniotal TI (2002–2004) erbrachten den Nachweis, dass auf dem Felsrücken nördlich von Semione einst nacheinander zwei Burgen standen. Die erste Burg wurde um 900 gebaut und um 1180 zerstört. Die zweite Burg wurde ohne Bezug zur ersten Burg um 1220/30 errichtet und 1402 erobert und zerstört. 1928/30 wurde die Ruine durch den Schweizerischen Burgenverein in damals üblicher Weise vom Mauerschutt befreit. Dabei wurden leider auch die oberen Schichten des Brandhorizontes von 1402 weggeräumt oder verfrachtet, was die Interpretation der Stratigraphie bei den jetzigen Forschungsarbeiten erschwerte.
Während die Mauerreste der ersten Burg zu gering waren, um den Grundriss mit Sicherheit zeichnen zu können, konnte für die zweite Burg die räumliche Gliederung und die Funktion einzelner Räume sehr gut festgestellt werden. Neben einem Latrinenbau mit drei Abortschächten sei hier namentlich der Halbrundturm – das Kennzeichen der Ruine – erwähnt, der offenbar einen Brunnen direkt ausserhalb der Ringmauer schützte.
Die zahlreichen Funde aus den verschiedenen Besiedlungs- und Zerstörungsschichten geben einen guten Einblick in den materiellen Alltag auf der Burg. In der grossen Bandbreite der Formentypen widerspiegeln sich soziale und wirtschaftliche Bezüge zum Alpenraum (z. B. Specksteingefässe zum Kochen) und nach Norditalien (z. B. Gläser und ritzverzierte Maiolica). Im Gegensatz zum Castellgrande in Bellizona mit ausgeprägten Wehr- und Verteidigungsfunktionen, handelt es sich bei Serravalle um eine Residenz mit vorwiegender Wohn- und Verwaltungsfunktion für eine wohlhabende Familie, wie die Bodenfunde zeigen.
Mit einer zweiten Forschungsetappe, ebenfalls vom Schweizerischen Nationalfond zur Förderung der Wissenschaft finanziert, sollen die aufgeworfenen Fragen weiter verfolgt werden.
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: Serravalle TI –
Vorbericht über die Grabungen 2002–2004 , Silvana
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 10. Jahrgang 2005, Heft 1, .