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Der 1. Weltkrieg war auch auf dem Sentenhof spürbar
Mit der Übernahme des Betriebes führte Franz Ineichen 1913/ 14 die doppelte Buchführung ein und verfasste jedes Jahr fein säuberlich einen detaillierten Bericht über den Betriebsverlauf. Als «Mathematiker im Bauernkittel» genoss er bald über die Landesgrenzen hinaus grosses Ansehen. Durch Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der damit verbundenen Mobilisation im August 1914 wurden dem Betrieb die Unternehmer und einige weitere Arbeitskräfte sowie auch die Zugpferde entzogen. Man sah sich gezwungen, die Arbeiten derart einzustellen, dass die zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte die anfallenden Arbeiten bewältigen konnten. Damit die Haushaltungskosten nach der Erhöhung der Fleischpreise im Jahre 1915 nicht noch weiter anstiegen, wurde ein zweiter fleischloser Tag eingeführt und ein Jahr später kam sogar an drei Tagen kein Fleisch auf den Tisch. 1916/17 wurden zwei Neuerungen im Getreidebau realisiert: erstmals wurde das Hacken der Getreidefelder durchgeführt und zur Erleichterung der harten Erntearbeit ein Selbstbinder angeschafft. Franz Ineichen \\’ar es auch, der eine Saatgutreinigungsanlage kaufte, der er später eine zweite Windfege einbaute. Diese Anlage ist noch heute in Betrieb und kommt insbesondere bei der Saatzucht zum Einsatz. Seit 1948 wird nämlich auf dem Sentenhof das Saatgut für das Oberkulmer Rotkorn gezüchtet; eine willkommene Nischenproduktion. Im Frühjahr 1918 konnte in Geltwil das 31,16 Hektaren umfassende Bächler-Gut für 130000 Franken erworben werden. Das Gut wurde für die Winterung der Rinder benützt. Im gleichen Jahr wurde vom eidg. Brotamt ein Traktor probeweise in Betrieb genommen, der sich aber an den Hängen nicht eignete und daher nicht angeschafft wurde.
Kein Glück mit der Schweinezucht
In den meisten Jahresberichten von Franz Ineichen ist nachzulesen, dass die Schweinezucht auf dem Sentenhof nicht florierte. Im Berichtsjahr 1913/14 ist dazu vermerkt: «Das ungünstige Resultat der Schweinehaltung ist nicht überraschend. 15 Mutterschweine der Berkshirerasse warfen während des Rechnungsjahres 89 Ferkel, von denen 28 Stück oder 31 Prozent umstanden. Der Zuwachs betrug pro Tag und 1000 kg Lebendgewicbt 3,62 kg; ist also sehr gering. Das frühreife und mastfahige Berkshirescbwein vermag mit dem fruchtbaren und widerstandsfahigen veredelten Landschwein nicht zu konkurrieren». Auch mit der veredelten Landrasse hatte man auf dem Sentenhof vorerst kein Glück: «Von den ersten Würfen der beiden zugekauften Sauen der veredelten Landrasse konnte nichts davon gebracht werden.» Man stellte sich die Frage, ob der Grund des Misserfolges beim Stall auszumachen ist, da die Tiere in einem Zementkasten gehalten wurden.
Franz Ineichen dürfte in den Nachbargemeinden nicht so beliebt gewesen sein; aufjeden Fall wurde ihm ein Anschluss ans Stromnetz in Boswil und Muri versagt. Aber der Sentenhofbauer fand auch in dieser Situation einen Ausweg. Für das Dreschen des Kornes wurde eine Turbine angeschafft, die mit Wasser des neu angelegten Weihers gespiesen wurde; mit der vorhandenen Wassermenge konnte jeweils ein halber Tag gedroschen werden. Im Frühjahr 1920 erfolgte der Anschluss an das Leitungsnetz des aargauischen Elektrizitätswerkes. Die Leitung von Bremgarten nach Seengen fl.ihrte in der Nähe des Sentenhofes vorbei. So musste auf der Höhe des Sentenhofes lediglich ein Abzweig realisiert werden. Das KantOilswerk erstellte das Sekundärnetz, die Primärleitung und einen Transformator für 12 Kilowatt. Das Gut musste als Gegenwert rur mindestens 10 Jahre einen Stromverbrauch im Betrage von rund 1350 Franken je Jahr garantieren. Die Elektroanlage kam auf den 1. Juli im ganzen Sentenhofareal in Betrieb.
Unrentabler Most und das erste Radio
Die bäuerliche Mosterei hat heute ihren Boden verloren, wird im Jahresbericht 1923/24 festgehalten. «Die Kunden halten sich an die Grossmostereien, welche die Ware direkt in den Keller liefern und im Allgemeinen auch über ausgeglichenere Produkte verfügen». In der gleichen Zeit hielt das Radio auf dem Sentenhof Einzug: «Der Radioapparat erfreut sich starker Benützung bei Familie und Gesinde. Er bietet auch wesentliche Vorteile durch Vermittlung der Marktberichte und der Wetterprognose». Im November 1925 war Franz !neichen mit seinem Freund Dr. Roman Abt aus Bünzen in Frankreich unterwegs mit der Absicht, ein Landgut zu kaufen. Man fand nichts Passendes und suchte im Februar 1926 dann in Deutschland weiter. Am 26. Februar 1926 konnte dann der Kauf für den 166 Hektaren umfassenden Leistenhof bei Angermünde abgeschlossen werden. Der Preis betrug 90000 Mark. Der Hof wurde gleichzeitig zu 1310 Zentner Roggen an den bisherigen Pächter verpachtet. Grund für den Hotkauf war die günstige Lage in der Nähe der Stadt; man reclmete für die nahe Zukunft mit dem Verkauf einiger Parzellen als Bauland. Bereits ein Jahr später musste der Hof wegen grösserer Betrügereien des Pächters wieder veräussert werden.
Der erste Traktor war ein Raupenschlepper
Im Oktober 1922 wurde der erste Traktor, ein Schlepper Cletrac 12/20 HP, angeschafft, nachdem die Proben nicht erfreulich aber immerhin befriedigend ausgefallen waren. Der Traktor, weIcher per Bahn nach Muri kam, vermochte die steile Strecke vom Bahnhof zum Sentenhof nicht aus eigener Kraft zu überwinden und musste mit Hilfe von zwei Stieren hinaufgeschleppt werden. Es zeigte sich vor allem, dass im schweren Boden bei den vielen Bodenunebenheiten der Raupenschlepper ebenso wenig wie seinerzeit der «Mogul» zwei Furchen auf genügende Tiefe durchzieht. Man musste sich also mit einem Schar begnügen und die Tagesleistung betrug 0,8 bis 1,0 Hektare. Der Cletrac-Schlepper erwies sich in der Folge als eine Maschine, dic nicht genügend durchkonstruiert und störungsanfällig war. Der zu Beginn des Jahres 1926 angeschaffte Fordsonschlepper bewährte sich dann besser. Es zeigte sich in der Folge, dass der Radschlepper nicht weniger leistet als der Kettenschlepper. Ab 1926 wurde jedes Jahr ein neuer eisenbereifter Fordson-Traktor angeschafft. Der Traktor kam vor allem flir schwere Arbeiten, wie das Pflügen, zum Einsatz, während die 12 Pferde und die 10 bis 12 Muni weiterhin als Zugtiere für leichtere Arbeiten im Einsatz standen.
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