Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03104.jsonl.gz/3134

Text: Stephan Ruch, swisstrafos.ch im Dezember 2012 (09.2013)
Textquellen:
Lukas Haemmerle, die Geschichte des Schweizer-Stromnetzes, 2001
Michael Neumann, Zwischen Kraftwerk und Steckdose, Jonas Verlag 1987
1to1energy forum, 02/11
AEW; Schlossrueder Erlebnisweg
wikipedia
Geschichte
Die Schweiz ist reich an alten Trafostationen. Kaum in einem anderen Land wurden
auf so dichtem Raum so viele unterschiedliche Bautypen von Turmstationen errichtet.
Einleitung
Ohne die Transformatorenbauten wäre die Verwendung des Stroms beim Endverbraucher
nicht möglich.Transformatorenbauten sind zur Umwandlung des Stroms notwendig und
in den besiedelten Regionen und Industriegebieten überall zu finden. Meist handelt
es sich heutzutage um niedrige Fertigelementbauten, in welchen die Transformatoren
eingesetzt sind. Oder freiliegende Transformatoren, welche eingezäunt am Boden stehen
oder in der Höhe auf einem Masten aufgesetzt sind. Doch zu Beginn der Elektrifizierung
um das Jahr 1900 bis etwa Mitte der fünfziger Jahre wurden die Transformatoren vornehmlich
in turmartige Bauten eingesetzt.
Der Transformator in diesen Gebäuden hatte die Aufgabe, die Mittelspannung des Wechselstromsystems
in eine Niederspannung für den Betrieb, beispielsweise von elektrischen Geräten,
umzuwandeln. Ein Turmgebäude wurde gewählt, da die unter Spannung stehenden Freileitungen
früher in der Höhe direkt am Turmgiebel mittels Isolatoren (dienen zur Befestigung
der Kabel und zur Verhinderung des Stromflusses) befestigt werden konnten und der
Strom im Gebäudeinnern direkt dem Transformator zugeführt und in Niederspannung wieder
an die umliegenden Gebäuden verteilt werden konnte. Oftmals wurden die Turmbauten
im besiedelten Gebiet architektonisch so gestaltet, dass sie sich unauffällig in
ihre Umgebung einfügen konnten. Dies hatte schliesslich eine Vielzahl von unterschiedlichen
Bautypen zur Folge.
Trotz seinem wichtigen Verwendungszweck wurde dem ursprünglichen Trafoturm kaum grosse
Aufmerksamkeit beigemessen. Seinem unauffälligen Verschwinden ebenso. Heutzutage
haben die alten Transformatoren und dadurch die Turmbauten oftmals ausgedient, genügten
den heutigen Ansprüchen nicht mehr und wurden modernisiert. Oder sie wurden stillgelegt
oder gar abgebrochen. Glücklicherweise werden in der Schweiz jedoch noch viele altehrwürdige
Trafoturmstationen betrieben oder sind nach der Stilllegung als Zeitzeuge der Elektrifizierung
erhalten geblieben.
Turmbauten, welche nicht mehr ihrem ursprünglichen Verwendungszweck dienen, werden
heute auch anderweitig weiterverwendet. So beispielsweise wurden stillgelegte Trafostationen
zu einem Nistplatz, Wohnhaus, Clublokal oder - ganz originell - zur regionalen Bierbrauerei
umgenutzt. Oder sie wurden als Industriedenkmal unter Schutz gestellt und so vor
dem Abriss oder dem natürlichen Verfall gerettet.
Geschichte des Transformators
Die Geschichte der Trafobauten und folglich auch des Transformators geht auf die
Elektrifizierung der Wohngebiete und der Industrie auf das Jahr um 1900 zurück, als
auf das Wechselstromsystem umgestellt wurde. Zwar war der Strom in der Schweiz schon
zuvor verbreitet, allerdings im Gleichstromsystem. Erst mit der Entwicklung des Wechselstromsystems
war es schlussendlich auch möglich, die Spannung wirtschaftlich sinnvoll und ohne
grosse Spannungsverluste über weite Distanzen zu transportieren und von einer Zentrale
aus weitere Wohn- und Industriegebiete mit Strom zu versorgen.
Das Problem der Wechselstromtechnik war allerdings, dass die grosse Spannung, welche
für den Transport benötigt wurde, nicht wieder sinnvoll für die brauchbare Verwendung
der Spannung heruntertransformiert, also umgewandelt werden konnte. Im Jahre 1884
wurde der erste Transformator für die Spannungsumwandlung präsentiert. Er vermochte
die Hochspannung auf eine niedrige Spannung herunterzutransformieren, sodass eine
Glühbirne mit Storm gespiesen werden konnte. Fortan wurde der Transformator weiterentwickelt.
In Ungarn wurde 1885 der erste praxisgerechte Transformator entwickelt, welcher durch
die von Schweizern gegründete Firma Ganz in Budapest in die ganze Welt vertrieben
wurde. Die selbe Firma war auch für den Bau des wohl ersten Schweizer Wechselstrom-Kraftwerkes
in Thorenberg bei Luzern verantwortlich. Es war auch das erste Kraftwerk, welches
den aus Wasserkraft produzierten Strom mit einer Spannung von 2000 Volt an Drittabnehmer
verkaufte. Mit Freileitungen (Niederspannungsleitungen) wurde der Strom ab 1886 in
die Stadt Luzern, wo zur Umwandlung des Stroms wohl auch die ersten turmartigen Trafobauten
der Schweiz - eine Art Eisenkabinen der Firma BBC - eingesetzt wurden, geliefert
und dort zur Versorgung der Häuser auf 100 Volt umgewandelt. Nach einem Projekt in
Deutschland, bei welchem 1891 erstmals Strom in einer grossen Spannung von 15Kv
[1 Kilovolt (Kv) entspricht 1000 Volt] über 175 km mit einem Verlust von nur 25%
transportiert werden konnte, wurden in der Folge in der Schweiz viele Kilometer Starkstromleitungen
für den weiten Transport hoher Stromspannungen im Kilovoltbereich errichtet. Bis
zu diesem Zeitpunkt kannte man in der Schweiz praktisch nur Niederspannungsleitungen,
vorallem den Strassen entlang geführt, für den Transport von Spannungen bis 1000
Volt (Wechselstrom).
Stromtransportebenen
Im Schweizer Stromnetz gibt es verschiedene Transportebenen. In der ersten Ebene
wird durch die Kraftwerke der Strom in Freileitungen (Starkstrom) eingespiesen und
zur Verteilung an die überregionalen Verteilnetze weitergeleitet. Durch Unterstationen
wird der Strom in den überregionalen Verteilnetzen auf Mittelspannung heruntertransformiert
und an die regionalen Verteilnetze weitergegeben. Zur Umwandlung der Mittelspannung
in die Niederspannung sowie zur Verteilung des Stroms an die lokalen Netze werden
die Transformatorenbauten benötigt. Sie transformieren den Strom in der Schweiz von
der Mittelspannung (in der Regel 16 Kilovolt) auf 400 Volt (Niederspannung) herunter.
Bis zum Hausanschluss wird der Strom auf der letzten Ebene an die Verteilkabinen
transportiert, welche für die Versorgung der Haushalte (230 Volt) verantwortlich
sind. Mittlere und kleinere Industriebetriebe werden mit Mittelstrom versorgt und
besitzen in der Regel eigene Transformatorenstationen.
Aufbau einer Trafostation
Eine Transformatorenstation besteht im Wesentlichen aus dem Gebäude selbst, aus mindestens
einem Transformatoren, einer Mittelspannungsschaltanlage und einer Niederspannungsverteilung.
In einer einfachen Turmstation liegt der Transformator meist im Erdgeschoss. Darüber,
im Obergeschoss, befinden sich die Schalt- und Verteilanlagen. Ein einfacher Transformator
ist in der Lage, die Stromverteilung von 60 bis 100 Haushalten abzudecken, oder den
Strom für die Strassenbeleuchtung an ganze Quartiere zu verteilen.
Der Transformator, welcher für die Umwandlung des elektrischen Stroms mit hoher Spannung
in solche mit niedriger Spannung - oder umgekehrt - zuständig ist, funktioniert wie
folgt: Er besteht aus einem geschlossenen Eisenkern und zwei Spulen (Primär- und
Sekundärspule). Die Spulen sind im Eisenkern getrennt voneinander und weisen keine
Verbindung zueinander auf. Fliesst Strom (Wechselstrom in mittlerer Spannung) durch
die Primärspule, wird ein Magnetfeld um die Spule erzeugt. Der Eisenkern bündelt
das sich ständig ändernde Magnetfeld und führt die daraus entstandene Spannung in
die Sekundärspule, welche für die Umwandlung der Ausgangsleistung verantwortlich
ist. Je mehr Windungen auf der Sekundärspule, desto grösser ist die Ausgangsspannung.
Je weniger Windungen auf der Sekundärspule, desto niedriger wird die Spannung umgewandelt.
Die Mittelspannungsschaltanlage ist für die Verteilung oder Umspannung der elektrischen
Energie verantwortlich.
Die Niederspannungsverteilung ist wie der Name bereits andeutet, für die Verteilung
der Niederspannung besorgt.