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In der Schweizer NLA im Tischtennis ist ein Szenario aktuell, das es bis anhin noch nicht gegeben hat. Am 27. Dezember hat die Geschäftsstelle von Swisstabletennis über den Missbrauch der Doppellizenzregelung von Jakub Perek informiert – meinem Teamkolle- gen beim TTC Rio-Star Muttenz. Daraufhin ist es am 30. Januar zum Lizenzentzug und der Eröffnung des Verfahrens gekommen. Die Doppellizenzregelung besagt, dass ein in der Schweiz lizenzierter Spieler zusätzlich zur hiesigen Liga noch maximal in einer weiteren Liga zum Einsatz kommen darf. Mein Klub hat nicht gewusst, dass der polnische Spieler zusätzlich zur Schweiz noch in Polen und Serbien angetreten ist.
Nach dem Start des Verfahrens hat Rio-Star dem Verband Dokumente vorgelegt, in denen ersichtlich ist, dass der Klub vertraglich festgelegt hat, dass der Spieler nur in zwei Ligen spielen kann. Auch wurde klar, dass eine Überprüfung seitens des Klubs bezüglich Doppellizenz nicht möglich ist, da sonst jede Liga auf der Welt vor jedem Spiel geprüft werden müsste. Auch kann der Klub den Spieler abseits des vertraglichen Wegs nicht daran hindern, noch Einsätze in einer weiteren Liga zu leisten. Als vergleichbaren Prozess hat Rio-Star Sanktionen bei Doping-Vergehen von einzelnen Sportlern in Mannschaften vorgelegt. Solche Vergehen führten immer zu einer Bestrafung des Sportlers, aber nicht des Teams als Ganzes. Daraufhin hat der Vorstand der Nationalliga entschieden, nur den Spieler und nicht den Klub zu sanktionieren. Jakub wurde gesperrt und die Dinge nahmen ansonsten ihren normalen Lauf.
Andere Klubs haben Rekurs gegen diese Entscheidung eingelegt und die Rekurskomission hat entschieden, dass alle Spiele, die Jakub für Rio-Star absolviert hat, für das ganze Team forfait verloren gehen. Eine rechtliche Begründung der Rekurskomission wurde noch nicht abgegeben.
Durch diese Entscheidung bin ich mit meinem Team vom 2. Platz (Play-offs) auf den letzten Platz (Play-outs) zurückgefallen und wir müssen voraussichtlich um den Abstieg spielen. In der Zwischenzeit hat Rio- Star Einspruch beim Zivilgericht erhoben. Wie es weitergeht, steht in den Sternen.
Ich hoffe von ganzem Herzen, dass wir um den Titel spielen dürfen. Denn darauf haben wir die ganze Saison hingearbeitet. Auch sollte aus meiner Sicht die Doppellizenz-Regelung aufgehoben werden. Entweder die Liga wird geschlossen (nur Lizenz in CH) oder die Liga wird komplett geöffnet (unbegrenzte Anzahl Lizenzen). Wie es in allen anderen Verbänden auch der Fall ist.
Die Kolumne ist am 12.04 23 in der Volksstimme - Die Zeitung für das Oberbaselbiet erschienen.