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Am 5. August sind sieben Tamilen und Tamilinnen nach Sri Lanka gereist, um sich in friedensfördernden Projekten zu engagieren. Sie bilden das Pionierteam des «Diaspora Internship Projects» des Service Civil International.
Die Ermordung des srilankischen Aussenministers Lakshman Kadirgamar am vergangenen 12. August zeigt, dass es starke Kräfte gibt, die den labilen Friedensprozess in Sri Lanka torpedieren und zur offenen Gewalt zurückkehren wollen. Dieser militärische Weg hat den Konflikt zwischen TamilInnen und SinghalesInnen einer politischen Lösung um nichts näher gebracht, sondern nur Leid, traumatisierte Menschen und eine daniederliegende Wirtschaft hinterlassen.
Der Friedensprozess steht bereits seit längerer Zeit still. Zwar hat der Waffenstillstand das Leben der Menschen erheblich erleichtert. Seit einiger Zeit sind die Gespräche jedoch blockiert. Noch im letzten Dezember rechneten einige BeobachterInnen mit dem Wiederaufflammen des Bürgerkrieges - der Tsunami machte den Kriegstreibern aber einen Strich durch die Rechnung. Der internationale Druck der Geberländer war so gross, dass sich die Regierung und die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) nach langem Ringen auf ein Abkommen einigen konnten, das die Verteilung der Hilfsgelder regelt.
Trotz diesem kleinen Hoffnungsschimmer konnten die Menschen in Sri Lanka noch keine wirkliche «Friedensdividende» aus der Tsunami-Katastrophe ziehen. Der Friedensprozess braucht mehr als eine geschickte internationale Diplomatie und starken finanziellen Druck seitens der Geberländer. Eine wichtige Akteurin könnte die srilankische Diaspora spielen. Hier setzt das «Diaspora Internship Project» (DIP) des Service Civil International an. Am 5. August sind vier Tamilinnen und drei Tamilen der zweiten Generation nach Sri Lanka gereist, um in einem friedensfördernden Projekt ein Praktikum aufzunehmen. Die TeilnehmerInnen wurden in der Schweiz in die Instrumente gewaltfreier Konfliktlösung eingeführt. In Sri Lanka werden sie neben der konkreten Arbeit auch an weiterführenden Seminaren und an einer Studienreise teilnehmen. Sie können sich so ein eigenes Bild über die Situation im Land ihrer Eltern zu machen. Nach ihrer Rückkehr werden die TeilnehmerInnen innerhalb der Diaspora über ihre Erfahrungen berichten.
Diaspora als friedensfördernde Akteurin
Eine Diaspora kann auf den Konflikt im Herkunftsland friedensfördernd oder aber konfliktverschärfend wirken. Losgelöst von den alltäglichen Erfahrung in ihrem Herkunftsland und unter Druck der schwierigen sozialen Situation im Gastland sind sie radikalen Kräften und einseitigen Sichtweisen sehr stark ausgesetzt. Dies führt zu einem Umfeld, in welchem gewaltbereite Ideologien leichtes Spiel haben. Umgekehrt können die realen Erfahrungen des vielfältigen Zusammenlebens in einer demokratischen Gesellschaft zu einem starken friedensfördernden Fundament heranwachsen, das über verschiedene Beziehungsnetze ins Herkunftsland weitervermittelt wird. Hier setzt das SCI-Projekt an.
Die TeilnehmerInnen des ersten SCI-Teams sind zwischen 19 und 28 Jahre alt und haben praktisch alle ihre Kindheit in der Schweiz verbracht. Mindestens die Väter gehören zur ersten Flüchtlingsgeneration aus Sri Lanka. Im näheren und weiteren srilankischen Umfeld wird die Teilnahme mit Interesse, aber auch mit Skepsis verfolgt («das bringt doch nichts...»). Der multinationale Freundeskreis verfolgt die Pläne ihrer FreundInnen ebenfalls mit Spannung.
Vier Frauen im Team
Die Motivation zur Teilnahme liegen in der attraktiven Möglichkeit, ein Praktikum in einem internationalen Umfeld zu machen, Menschen aller Ethnien in Sri Lanka kennen zu lernen sowie einen Beitrag zum Frieden zu leisten. Von Bedeutung ist auch, dass sie dies mit einer Organisation tun können, die sich für den Frieden engagiert und gleichzeitig in keiner Weise in den Konflikt involviert ist. Die Gruppe als Ganzes ist recht homogen und politisch sensibel. Dass vier Frauen gewonnen werden konnten, ist keine Selbstverständlichkeit und steht für eine doch erhebliche Unabhängigkeit aller TeilnehmerInnen gegenüber der ersten Generation.
Diese Gruppe lässt die Hoffnung keimen, dass nach der Rückkehr dieses Pionierteams, weitere Angehörige der zweiten srilankischen Migrationsgeneration für einen Einsatz gewonnen werden können. Damit könnten die Diaspora zu einem friedensfördernden «Player» in der nun schon lang andauernden Tragödie Sri Lankas werden. Oder wie es einer der Teilnehmer in einem Interview formuliert hat: Er hoffe mit dem Einsatz den Kriegsparteien aufzeigen zu können, dass «wir die Situation nicht nur von aussen her beobachten und kommentieren, sondern auch eingreifen können, und dies auch tun.»
Martin Leschhorn ist Projektkoordinator des SCI Schweiz. Mehr Informationen zum Projekt sind unter www.scich.org/sri-lanka zu finden.