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Die dicke, fleischige Zunge ist mit hornigen, nach hinten gerichteten Stacheln besetzt. In keiner andern Gruppe prägt sich
das Raubtiernaturell so entschieden aus wie hier. Das letzte Zehenglied ist senkrecht aufgerichtet, so
daß dasselbe den Boden nicht berührt, und das Tier tritt mit den weichen, oft dicht behaarten Ballen der Sohle auf. Katzen
finden sich überall in der Alten und Neuen Welt, meist im Wald, aber auch in Steppen und Wüsten, in der Ebene
und im Gebirge.
Als Versteck dienen ihnen Bäume, Gebüsch, Felsspalten und verlassene Baue andrer Tiere; sie halten sich bei Tage verborgen und
ziehen sich, wenn angegriffen, feig zurück; mit der Dunkelheit aber gehen sie auf Raub aus und streifen umher oder legen
sich auf die Lauer. Alle sind stark und sehr gewandt; sie gehen langsam, geräuschlos, laufen schnell,
machen Sprünge von 10-15facher Leibeslänge, klettern meist sehr geschickt, sind dem Wasser abhold, schwimmen aber im Notfall
recht gut und vermögen mit ihren Tatzen die Beute sehr geschickt zu treffen.
Auch der Geschmackssinn ist gut entwickelt, während die eigentümliche Vorliebe für stark duftende Pflanzen (Baldrian, Katzengamander),
auf welchen sich z. B. die Hauskatze wie im Rausch wälzt, nicht für eine sehr feine Ausbildung des Geruchs
spricht. In den geistigen Fähigkeiten stehen die Katzen hinter den Hunden zurück, doch sind auch sie derErziehung und Veredelung
fähig. Der Charakter der meisten Arten ist ein Gemisch von Besonnenheit, List, Blutgier und Tollkühnheit; viele werden rückhaltlos
zahm, doch brechen oft ihre tief eingewurzelten natürlichen Begabungen unvermutet wieder durch.
Sie leben vom Raub der Wirbeltiere, namentlich der Säugetiere, und nur sehr wenige fressen Aas. Sie beschleichen ihre Beute und
ergreifen sie im Sprung, quälen sie bisweilen noch lange wie spielend, stehen aber von weiterer Verfolgung ab, wenn der Angriffssprung
mißlang. Selbst die größten fürchten anfangs den Menschen, scheinen aber, wenn sie ihn mehrfach besiegt
haben, das Menschenfleisch allem andern vorzuziehen. In beutereicher Gegend morden sie viel mehr, als sie selbst verzehren
können. Die Weibchen
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werfen 1-6 Junge, für welche die Mutter zärtlich sorgt, während der Vater sich nur gelegentlich um sie kümmert, die noch
blinden Jungen sogar häufig frißt. Bei allen Katzen wiederholt sich die Grundform des Leibes sehr streng, und wohl in keiner
andern Tiergruppe unterscheiden sich die einzelnen Gattungen und Arten so wenig voneinander. Daher sind
für die Einteilung ziemlich nebensächliche Merkmale maßgebend, oft schon Haarwucherungen, Färbung etc.
Man kann die Gattung in drei Untergattungen teilen: Katzen im engern Sinn (Felis), Krallen völlig zurückziehbar, Schwanz in der
Regel fast so lang wie der Rumpf, Beine niedrig, keine Ohrpinsel.
echte Katzen(CatiWagn.), klein, ungefleckt, bisweilen gestreift, mit senkrecht elliptischer
Pupille. B. Neukontinentale Formen: Löwenartige (Puma), ungefleckt, ohne Mähne, und Pardelkatzen (Jaguar), sämtlich kleiner
als die altkontinentalen Formen.
sie ist sehr gedrungen gebaut, mit dickem Kopf, sehr dichtem, langem Pelz, welcher beim Männchen fahl- oder
schwarzgrau, beim Weibchen gelblichgrau ist;
das Gesicht ist rotgelb mit vier schwarzen Streifen, der Leib mit schwarzem Rückenstreif
und vielen verwaschenen Querstreifen gezeichnet;
der Bauch
[* 14] ist gelblich, schwarz gefleckt, die Beine sind schwarz gestreift;
charakteristisch ist ein gelblichweißer Kehlfleck und der starke, bis zur Spitze gleichmäßig dicke, schwarz geringelte
Schwanz.
Die Spur der Wildkatze ist der der Hauskatze, der Trittform nach, sehr ähnlich, nur sind die Tritte größer,
runder und markieren sich tiefer und schärfer im Boden. Die Trittstellung ist beim Schleichen etwas geschränkt. In der Flucht
setzt die Wildkatze ähnlich wie der Fuchs
[* 15] (s. d., S. 767) und schnürt auch ziemlich so wie dieser. Die Wildkatze findet sich
in ganz Europa
[* 16] mit Ausnahme des Nordens, einzeln in allen deutschen Mittelgebirgen, von wo sie weit in die
Waldungen der Ebene hinausschweift, viel häufiger in Süd- und namentlich in Südosteuropa.
Sie paart sich im Februar und wirft im April in den angedeuteten Verstecken 5-6 blinde Junge, welche sie
in der
Gefahr nicht verteidigt. Sie scheint sich auch mit der Hauskatze zu paaren. IhreJagd kann unter Umständen gefährlich werden,
da sie angeschossen nicht selten den Menschen angreift und sich hartnäckig verteidigt, während sie sonst in der Regel vor
dem Menschen große Furcht zeigt. GroßeHunde
[* 20] bekämpft sie erfolgreich. In der Gefangenschaft wird sie
bisweilen zahm.
Die Zwergkatze (Kueruck, F. undata Ruepp.,
s. Tafel), 65-70 cm lang, wovon 20-23 cm auf den Schwanz kommen, ist bräunlich fahlgrau, unten weiß, oben dunkel rostbraun,
unten braunschwarz gefleckt; vier Längsstreifen ziehen sich über Stirn, Scheitel, Nacken, andre Streifen verlaufen im Gesicht
und an der Brust. Diese Katze findet sich in Indien, auf den Sundainseln und in Ostasien, lebt meist auf Bäumen,
ist äußerst blutgierig und nährt sich hauptsächlich von Vögeln.
Die Falbkatze (nubische Katze, F. maniculata Ruepp.,
s. Tafel) ist 50 cm lang, mit 25 cm langem Schwanz, oben fahlgelb oder fahlgrau, an den Seiten heller, am
Bauch weißlich, am Rumpf und an den Beinen mit dunkeln, schmalen, verwaschenen Querbinden, am Oberkopf und im Nacken mit acht
schwarzen Längsbinden. Der Schwanz ist oben fahlgelb, unten weiß, schwarz geringelt und hat eine schwarze Spitze. Sie bewohnt
Ost- und Innerafrika und Palästina
[* 21] und gilt als Stammmutter der Hauskatze (F. domesticaL.). Die Mumien
und die Abbildungen auf altägyptischen Denkmälern stimmen am meisten mit dieser Katze überein, und es ist wahrscheinlich,
daß die Priester das heilige Tier von Meroe in Südnubien nach Ägypten
[* 22] brachten, von wo es sich dann weiter verbreitete.
In der Schädelbildung stimmt die Falbkatze mit der Hauskatze sehr nahe überein, und die Hauskatzen
Nordafrikas zeigen noch ganz das Gepräge der Falbkatze. Die Niam-Niam fangen noch heute Falbkatzen ein und wissen dieselben
in kurzer Zeit so weit zu zähmen, daß sie sich an die Wohnung gewöhnen und in der Nähe derselben die zahlreichen Mäuse
vertilgen. Den alten Ägyptern war die Katze wohl das heiligste aller Tiere, und wer eine Katze tötete, wurde unerbittlich mit
dem Tod bestraft.
namentlich an die dreifarbige und die schwarze Katze knüpft sich viel Aberglaube.
Von Ägypten aus
ging die Katze wahrscheinlich zuerst östlich; sie war ein Liebling Mohammeds. Viel später kam sie in die
nördlichen Länder, im 10. Jahrh. wird sie in der Gesetzsammlung für Wales als ein offenbar kostbares Tier erwähnt, und im 11. Jahrh.
hatten vornehme Frauen kostbare Schoßkatzen. Ge-
genwärtig ist die Katze im europäischen Süden und Osten und im Morgenland viel beliebter als bei den germanischen Völkern.
In Ägypten genießt sie besonders große Achtung und wird in Kairo
[* 27] auch öffentlich verpflegt. Sie wurde früh nach Amerika
[* 28] verpflanzt, kam auch nach Australien
[* 29] und ist auf Neuseeland verwildert. Erst vor 20 Jahren verbreitete sie
sich am Amur. Sie hat sich durch die Zähmung viel weniger verändert als der Hund und läßt die Stammart immer noch deutlich
erkennen.
Auch ihr Verhalten ist ein wesentlich andres als das des Hundes. Sie bewahrt stets eine gewisse Selbständigkeit, zeigt, auch
wo sie wenig Pflege findet, mehr Anhänglichkeit an das Haus als an die Familie, entweicht selbst vollständig
in den Wald und kehrt, obwohl stark verwildert, im Herbst zu demselben Haus zurück; vollständig verwildert sie nicht leicht.
Sie ist stets reinlich und zierlich, geht gemessen und lautlos, bewegt sich aber auch in schnell fördernden Sätzen
oder Sprüngen, wobei sie freilich von jedem Hund eingeholt wird.
Sie springt 2-3 m hoch, klettert sehr geschickt durch Einhäkeln ihrer Krallen und weiß, wenn sie fällt, stets den Boden
mit den Füßen zuerst zu berühren. Wasser meidet sie, doch schwimmt sie im Notfall recht gut. Zum Schlaf legt sie
sich zusammengerollt am liebsten auf Heu. Ihre an und für sich rauhe Stimme ist ungemein biegsam. Unter ihren Sinnen ist das
Gehör und Gefühl am schärfsten entwickelt. Sie besitzt großen Mut und bewährt ihn im Kampf mit den stärksten Hunden, sie
ist aber auch rauflustig und balgt sich besonders mit andern Katzen zur Nachtzeit.
Sie schmeichelt gern und läßt sich schmeicheln, sie befreundet sich auf das innigste mit ihrem Pfleger; aber sie ist nicht
gutmütig wie der Hund und beißt und kratzt oft, wenn man es gar nicht vermutet. Sie paart sich Ende Februar oder Anfang März
und Anfang Juni. Nach 55 Tagen wirft sie 5-6 blinde Junge, welche am neunten Tag sehen lernen. Die Alte hält
die Jungen namentlich vor dem Kater möglichst lange verborgen und verteidigt sie mit größter Tapferkeit, zeigt aber, während
sie säugt, großes Mitleid auch gegen andre Tiere, nimmt kleine Hunde, Hasen, Ratten, Mäuse etc. als Pfleglinge
an und widmet ihnen dieselbe Sorgfalt wie den eignen Jungen.
Sie zeigt überhaupt eine überraschende Mutterliebe und widmet sich den Jungen mit vollkommenster Hingebung. Die Hauptnahrung
der Katze bilden Mäuse;
sie fängt aber auch Vögel, wagt sich an ziemlich
große Hasen und legt sich sogar auf den Fischfang. Im Haus plündert sie den Speiseschrank.
Die Hauskatze hat wenig Spielarten,
ihre Färbungen erben nicht fort und haben keinen zoologischen Wert. Die hellgrauen, mit schwarzen Fußballen und
an den Hinterfüßen schwarzen Sohlen, heißen Cyperkatzen. Eine schöne Rasse ist die sogen. Angorakatze (F. domestica angorensis,
s. Tafel), mit langem, seidenweichem, weißem, gelblichem oder gräulichem Haar,
[* 33] auch bunt, mit fleischfarbenen Lippen und
Sohlen. Sie gilt als faul, aber auch als besonders klug und anhänglich.
Von den sporadischen Krankheiten sind Darmkatarrhe nicht selten. Da der Katze die Medikamente nicht gut eingegeben werden können,
so ist die Behandlung auf die diätetische Pflege zu beschränken. Am besten bewährt sich die Verabreichung von frischem,
nahrhaftem Fleisch. Vegetabilische Nahrungsmittel,
[* 34] welche leicht der Gärung verfallen, sind beim Darmkatarrh
zu vermeiden. Vom Ungeziefer wird sie nicht sehr geplagt. Man benutzt von der Katze das Fell als Pelzwerk
[* 35] und züchtet sie zu
diesem Zweck an mehreren Orten; das weiße Fleisch ist zart und erinnert im Geschmack einigermaßen an Kalbfleisch. Früher
benutzte man verschiedene Teile der Katze medizinisch.