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Das versunkene Schloss im Wald...
Ganz oben im Münsterlinger Wald müsste das versunkene Schloss gestanden haben, von dem in der kleinen Broschüre «Thurgauer Sagen» aus dem Jahre 1912 berichtet wird: Oberhalb Münsterlingen, nordwestlich von Schönenbaumgarten, hart südlich über der Landstrasse, dicht hinter der Waldecke, soll sich im jungen Gehölze ein weiter, unbewachsener, sumpfiger und scharf abgegrenzter runder Platz befunden haben. Auf diesem wuchsen nach Aussage der damaligen Umwohner seit urdenklicher Zeit keine Bäume und keine Sträucher, nur Schilf bedeckte ihn. Hier habe einst ein Schloss gestanden, das aber versunken sei. Von diesem Schloss sind keine Spuren mehr vorhanden, hingegen soll an derselben Stelle nächtens ein schwarzer Pudel spuken.
Eine zweite Sage berichtet ebenfalls von einem versunkenen Schloss. Auch dieses soll hier oben gestanden haben, auf einer Erhöhung hart am steilen Abhang, der hinunter zum Bach fällt. Der Besitzer dieser Burg führte ein unmässiges Leben und frönte allen Leidenschaften und Lastern. Namentlich der Schlemmerei war er ergeben und in wenigen Stunden pflegte er zu verprassen, was seine hörigen Untertanen in Wochen mit saurem Schweiss erarbeitet hatten.
Am Vorabend eines grossen kirchlichen Festes hatte der Burgherr wieder seine Genossen zu einem Gelage versammelt, wobei es wild zu und her ging, bis über Mitternacht hinaus, hinein in den Feiertag. Da zog ein fürchterliches Gewitter heran, die Erde bebte, und die Burg versank. An ihrer Stelle bildete sich ein kleiner, im Sommer austrocknender Sumpf.
Ein Bauer, der einst an dieser Stelle einschlummerte, sah sich plötzlich in das versunkene Schloss versetzt, mitten in die tafelnde Runde. Doch die Zecher sassen auf glühenden Stühlen vor glühenden Speisen und Getränken und jammerten vor Schmerzen. Die Uhr an der Wand aber zeigte immer noch die erste Stunde des entehrten Feiertages.
Archäologische Befunde, welche einen Hinweis auf den mutmasslichen Standort des «versunkenen Schlosses» geben könnten, sind keine bekannt. Auch von einem Rittergeschlecht in der engeren Region ist nirgends die Rede. Die beiden Erzählungen aus der Vergangenheit können uns aber veranlassen, diesen obersten Teil unserer Gemeinde mit anderen Augen zu sehen und nach einem möglichen Standort für eine solche Burg Ausschau zu halten, nach einem erhöhten Platz hart am steilen Hang über dem Tobelbach. Und davon gibt es mehrere.
(Quelle: Buch „Wir sind Münsterlingen - Geschichten und Leben einer Seegemeinde“)