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Nur die gute Welpenschule führt zu einer glücklichen Beziehung von Herrn und Hund.
Cesar Millan hat bereits tausenden Hundebesitzern geholfen, ihren geliebten Gefährten besser zu verstehen und das Zusammenleben optimal zu gestalten. Dieses Buch enthält alles, was man für die perfekte Hundeerziehung wissen muss. Worauf ist bei der Ernährung zu achten? Welche Impfungen sind notwendig? Wie wird der Hund stubenrein? Wann ist der richtige Zeitpunkt, um dem Hund Regeln beizubringen? Mit seinen praxiserprobten Ratschlägen wird der renommierte und sympathische "Hundeflüsterer" zum unverzichtbaren Coach für die ersten Monate mit dem Welpen - und ebnet den Weg für eine lebenslange erfüllte Beziehung zwischen Mensch und Hund.
Autorentext
Cesar Millan, in Mexiko geboren, ist der Begründer des Dog Psychology Center in Los Angeles. Seine Fernsehsendung "Dog Whisperer" (Hundeflüsterer) sehen Millionen von Amerikanern. Zusammen mit seiner Frau gründete er die "Cesar and Ilusion Millan Foundation", die Tierheime mit Fachwissen und finanzieller Unterstützung versorgt. Seine Bücher sind internationale Bestseller.
Melissa Jo Peltier ist Mitgründerin und Miteigentümerin der renommierten Produktionsfirma MPH Entertainment in Burbank, Kalifornien. Ihre Arbeit als TV-Autorin und Regisseurin wurde mit über fünfzig internationalen Auszeichnungen, darunter auch dem "Emmy", belohnt. Mit ihren Partnern produziert sie die Sendung "Dog Whisperer with Cesar Millan" für den "National Geographic Channel", für die sie auch als Co-Autorin tätig ist. Mit ihrer Familie lebt sie in New York.
Klappentext
Cesar Millan hat bereits tausenden Hundebesitzern geholfen, ihren geliebten Gefährten besser zu verstehen und das Zusammenleben optimal zu gestalten. Dieses Buch enthält alles, was man für die perfekte Hundeerziehung wissen muss. Worauf ist bei der Ernährung zu achten? Welche Impfungen sind notwendig? Wie wird der Hund stubenrein? Wann ist der richtige Zeitpunkt, um dem Hund Regeln beizubringen? Mit seinen praxiserprobten Ratschlägen wird der renommierte und sympathische »Hundeflüsterer« zum unverzichtbaren Coach für die ersten Monate mit dem Welpen - und ebnet den Weg für eine lebenslange erfüllte Beziehung zwischen Mensch und Hund.
Vor einigen Monaten betrat ich unser Büro und sah, wie sich unsere Angestellten um einen Computerbildschirm scharten und Rufe des Entzückens ausstießen. Ich drängte mich nach vorn, um zu sehen, was der Grund für die Aufregung war. Vor mir sah ich das leicht verschwommene Video eines Wurfes sechs entzückender Shiba-Inu-Welpen, drei Rüden und drei Weibchen, die in einem gepolsterten Hundebett verspielt durcheinanderkrabbelten. Als ich erfuhr, dass die Bilder tatsächlich live und in Echtzeit im Internet übertragen wurden, war ich fasziniert und beeindruckt. Offenbar hatten die Züchter, ein Pärchen aus San Francisco, eine Videokamera aufgestellt, die wie eine Art Babyfon funktioniert und es ihnen ermöglichen sollte, jederzeit ein Auge auf ihre Schützlinge zu haben. Die Angestellten der Internetfirma, von der die Live-Übertragung eingerichtet worden war, verliebten sich in die Welpen und fingen an, den Link an ihre Freunde zu schicken. Er verbreitete sich wie ein Lauffeuer und mit einem Mal klebten Millionen von Menschen in über vierzig Ländern an ihren Bildschirmen und wurden Zeugen dieses selbstgemachten Phänomens, das unter der Bezeichnung "Puppycam" bekannt wurde. Zu einer Zeit, in der viele Menschen wirtschaftliche Probleme haben, gaben die Zuschauer an, das Betrachten der Shiba-Inu-Welpen würde sie beruhigen, von ihren Sorgen ablenken und sich ganz allgemein positiv auf ihre mentale Gesundheit auswirken.
Die Erfahrung mit der "Puppycam" inspirierte auch einige Mitarbeiter des Teams meiner Fernsehsendung "Dog Whisperer" (Hundeflüsterer), Webcams zu Hause aufzustellen, um ihre Hunde und Welpen zu beobachten. Und so entfalteten sich, auch nachdem die Shiba-lnu-Welpen groß geworden waren und ein neues Leben begonnen hatten, immer wieder neue Welpenabenteuer auf einem unserer Bürocomputer.
Ganz gleich, welchen kulturellen Hintergrund und welche Hautfarbe Sie haben, welche Sprache Sie sprechen, welche Überzeugungen Sie vertreten oder welcher Religion Sie angehören - Sie müssten aus Stein gemacht sein, um beim Anblick der lustigen kleinen Welpen ungerührt zu bleiben. Ihre scheinbare Hilflosigkeit und ihre zauberhaft tollpatschigen Versuche, eine für sie neue Welt zu erkunden, wecken ganz automatisch jene Beschützerinstinkte, die von der Natur tief in den Genen jedes Mannes und jeder Frau, jedes Kindes und aller Großeltern verankert wurden. Die Kommentare der Puppycam-Fans beweisen: Die Liebe zu den Welpen tut uns gut! Welpen bringen uns dem unschuldigen, natürlichen, animalischen Teil unseres Wesens näher. Ihr Anblick lindert Stress, verbessert unsere Gesundheit und erinnert uns daran, dass es wahres Glück nur im Augenblick gibt. Einen Welpen zu lieben und aufzuziehen kann eine der bereicherndsten, lohnendsten Erfahrungen im Leben eines Menschen sein. Und sobald dieser Welpe zu einem ausgewachsenen Hund herangereift ist, kann sich das in den ersten acht Monaten - die ich als Welpenzeit bezeichne - geschmiedete Band zu einer Beziehung festigen, die ihnen das ganze Leben Ihres Hundes hindurch und noch darüber hinaus Kraft schenken wird.
Dass unsere menschlichen Herzen jedes Mal dahin- schmelzen wie Butter in der Sonne, wenn wir einen Welpen sehen, qualifiziert uns jedoch nicht automatisch dafür, ihn auch aufzuziehen. Deshalb schreibe ich dieses Buch.
Was haben Hunde nur an sich, dass wir glauben, wir könnten sie ebenso leicht erziehen wie unseren menschlichen Nachwuchs? Ich kenne nicht viele Leute, die glauben, sie wüssten automatisch, wie sie einen kleinen Elefanten, Leoparden oder Delfin aufziehen müssten, wenn er ihnen in den Schoß fiele. Sicher wissen die meisten instinktiv, dass man eine kleine Robbe, ein Papageienküken oder ein Fohlen nicht wie ein menschliches Kind großziehen kann. Der Mensch macht sogar schlechte Erfahrungen, wenn er versucht, seinen engsten Verwandten - den Affen - aufzuziehen, als wäre er eine behaartere Version seiner selbst. Kürzlich las ich das herzzerreißende Buch Nim Chimpsky - The Chimp Who Would Be Human von Elizabeth Hess. Es erzählt von einem Experiment in den siebziger Jahren, bei dem einem Schimpansen in einem sozialen Umfeld die menschliche Sprache vermittelt werden sollte. Er wurde bereits als Baby von seiner Mutter getrennt und wie ein menschlicher Junge im Kreise einer vornehmen Familie in Manhattan aufgezogen. Es gelang Nim tatsächlich wunderbar, die Gebärdensprache zu erlernen, und er konnte sich sein Leben lang damit verständigen. Doch schon bald überwältigte der animalische Aspekt seines Wesens die menschlichen Mitglieder seiner naiven Adoptivfamilie, die daraufhin gezwungen waren, ihn fortzugeben. Den Rest seines traurigen Lebens verbrachte er in einer Art Niemandsland aus Pflegefamilien und Instituten für Primatenforschung, ohne je zu wissen, ob er nun Schimpanse, Mensch oder irgendetwas dazwischen war.
Eine meiner wichtigsten Lebensregeln lautet, dass wir Tiere als die Geschöpfe respektieren müssen, die sie sind, nicht als die beinahe menschlichen Gefährten, die wir vielleicht gern hätten. Wenn wir eine echte Verbindung zu einem Tier haben, bedeutet dies meiner Ansicht nach, dass wir uns vor allem an seiner animalischen Natur erfreuen und sie würdigen müssen, bevor wir anfangen, es als Freund, Seelenverwandten oder Kind zu vereinnahmen.
Welpen wirken auf uns zwar möglicherweise wie stumme menschliche Babys, aber sie sind in erster Linie Hunde. Will man einen Welpen zu einem gesunden, ausgeglichenen Tier aufziehen, unterscheidet sich dieser Prozess ganz erheblich davon, wie man einen Säugling zu einem glücklichen, selbstbewussten jungen Erwachsenen heranzieht. Ein Welpe ist nicht das Hunde-Aquivalent zu einem Säugling, sosehr wir uns das vielleicht auch wünschen - und erst recht nicht mehr dann, wenn wir die Rolle als seine Bezugsperson übernehmen. Babys sind im Grunde monatelang hilflos, aber Welpen kommen als kleine Überlebensmaschinen zur Welt und offenbaren ihre Tiernatur fast unmittelbar nach ihrer Geburt. Ein drei Tage alter Welpe wird bereits nach Dominanz über seine Geschwister streben, indem er sie von den Zitzen der Mutter verdrängt. Im Alter von zwei bis drei Wochen kann er selbstständig laufen und wird weiter daran arbeiten, seinen Platz im Rudel zu festigen. Zu dem Zeitpunkt, an dem ein seriöser Züchter meint, der ungefähr zwei Monate alte Hund könne von seiner Mutter und seinen Wurfgeschwistern getrennt werden, ist er einem gleichaltrigen Menschenbaby in seiner Entwicklung bereits um Jahre voraus. Wenn wir uns einen zwei Monate alten Welpen anschaffen, ist er alles andere als hilflos, obwohl wir das oft glauben und ihn entsprechend behandeln. Infolgedessen lassen es viele Hundebesitzer ungewollt an Achtung oder Respekt gegenüber seinem wahren Wesen, seiner "Hundenatur", fehlen.
Indem wir unsere heranwachsenden Hunde wie hilflose Säuglinge verhätscheln - sie wie Handtaschen herumtragen, all ihren Launen nachgeben, ihnen Freiheiten geben, die ein Kind niemals bekäme -, untergraben wir von Anfang an ihre Entwicklung. Wir können damit ungewollt Angst, Furchtsamkeit, Aggression oder Dominanz fördern. Wir können unsere Hunde zu einem Leben voller Instabilität und Stress verdammen. Indem wir die eigene psychologische Erfüllung über die tatsächlichen Entwicklungsbedürfnisse des heranwachsenden Hundes stellen, erzeugen wir möglicherweise unbewusst weitere Verhaltensprobleme.
Meiner Erfahrung nach veranlasst im Allgemeinen ein Mangel an Wissen wohlmeinende Hundeliebhaber zu diesen Fehlern. Alle mir bekannten Hundebesitzer wollen tatsächlich nur das Beste für ihre Tiere. In diesem Buch möchte ich Strategien vorstellen, wie Hundehalter lernen können, die wahre tierische Identität eines Hundes zu bewahren, statt ihn zu ihrem "Baby" zu machen.
Im Hinblick auf die Welpenzeit darf man vor allem nie vergessen: Sie stellt den kürzesten Abschnitt im Leben eines gesunden Tieres dar, das nach der Einteilung in meinem Arbeitsumfeld von seiner Geburt bis zum achten Monat ein Welpe und vom achten Monat bis zum Alter von drei Jahren ein Junghund ist. Bei guter Kost und tierärztlicher Versorgung kann ein modernes Hundeleben zwischen zehn oder zwölf bis hin zu sechzehn Jahren oder länger dauern.1 Ich sehe viel zu viele Menschen, die sich in einen winzigen Welpen verlieben, weil er so niedlich ist, die aber irgendwann das Interesse an dem ausgewachsenen Hund verlieren, zu dem er sich entwickelt, oder sich gar über ihn ärgern. Das bricht mir das Herz. Ich glaube, wenn wir uns einen Hund anschaffen - ganz gleich, wie alt er ist -, übernehmen wir sein Leben lang die überaus wichtige Verantwortung für sein Wohlergehen. Hundebesitzer zu sein sollte eine freudvolle, keine belastende Erfahrung sein. Natürlich sind anfangs Disziplin und Hingabe vonnöten, aber wenn man in Vorleistung geht und diese Mühe investiert, wird sie sich später viele Jahre lang auf mannigfaltige Art und Weise auszahlen. Unsere Hunde lehren uns, den Augenblick zu genießen und uns nicht zwanghaft mit der Vergangenheit oder der Zukunft zu beschäftigen. Sie zeigen uns, dass die einfachen Freuden - auf dem Boden herumzurollen, durch den Park zu laufen, in einem Schwimmbecken zu plantschen, sich in der warmen Sonne im Gras auszustrecken - immer noch das Beste am Leben sind. Und sie helfen uns, ein Gefühl tiefer Verbundenheit nicht nur mit den Tieren, sondern auch mit den anderen Menschen in unserem Leben und mit uns selbst zu erfahren.
Wenn Sie sicher sind, dass Sie die lebenslange Verantwortung für einen Hund übernehmen wollen, bietet sich Ihnen eine unglaubliche Gelegenheit. Dies ist in der Tat Ihre Chance, den Hund zu erschaffen und zu formen, von dem Ihre Familie träumt, und es gleichzeitig einem Lebewesen zu ermöglichen, all das zu werden, was die Natur für es vorgesehen hat. Welpen sind genetisch darauf programmiert, sich an die Regeln und Grenzen der Gesellschaft anzupassen, in der sie leben. Teilen Sie dem Kleinen die in Ihrer Familie geltenden Regeln vom ersten Tag an klar und deutlich mit. Dann können Sie einen Gefährten heranziehen, der Sie respektieren, Ihnen vertrauen und eine so tiefe Verbindung zu Ihnen aufbauen wird, wie Sie es nie für möglich gehalten hätten. Genau wie Kinder sind Hunde allerdings stets damit beschäftigt zu beobachten, zu erforschen und herauszufinden, welchen Platz sie in ihrem Umfeld einnehmen. Senden Sie ihnen in den ersten gemeinsamen Tagen ständig die falschen Signale, so wird es sehr viel schwieriger, sie zu rehabilitieren - also bezüglich ihres Verhaltens zu therapieren -, wenn die schlechten Angewohnheiten erst einmal Fuß gefasst haben.
Ich habe bereits unzählige Hunde aufgezogen und durch die verschiedensten Stadien ihrer Entwicklung begleitet. Aber als ich mich entschied, dieses Buch zu schreiben, wollte ich unbedingt noch einmal bei mehreren Welpen die Zeit von ihrer Geburt bis zum Junghund miterleben. Jeder von mir rehabilitierte oder aufgenommene Hund, jeder von mir aufgezogene Welpe hilft mir, das Wesen der Hunde noch besser zu verstehen und zu erkennen, wie wir Menschen ihr Leben so gut und ausgeglichen wie möglich gestalten können. Ich hoffe, an der Entwicklung der in diesem Buch vorgestellten Hunde einige der dargelegten Konzepte beispielhaft verdeutlichen zu können.
Kann man tatsächlich den "perfekten Hund" erschaffen? Ja, davon bin ich überzeugt. Ich glaube nämlich, dass die Natur die Formel für Perfektion tief in jeden von ihr geschaffenen Organismus einbettet. Wir Menschen glauben gern, wir könnten es besser als die Natur, und in einigen Bereichen ist dies vielleicht tatsächlich der Fall. Doch was die Hundeerziehung angeht, hat die Natur es gleich beim ersten Mal richtig gemacht. Hören wir auf, das Rad neu erfinden zu wollen, und lernen wir von den besten Lehrern des Lebens - den Hunden selbst.
Hier kommen die Welpen Junior, Blizzard, Angel und Mr. President Als ich zum ersten Mal darüber nachdachte, ein Buch über die Erziehung des perfekten Hundes zu schreiben, war mir gleich klar: Es sollte eine persönliche Note haben und auf praktischer Erfahrung beruhen. Wie ich gelernt habe, lässt sich Wissen am leichtesten anhand von Beispielen aus dem richtigen Leben vermitteln. Ich habe im Laufe meines Lebens viele Hunde großgezogen, wollte mich während des Schreibens aber noch einmal mit den verschiedenen Entwicklungsphasen des Welpen vertraut machen, um mit meinem Gespür ganz im Einklang mit dem geschilderten Verhalten zu sein. Ich beschloss, vier Welpen unterschiedlicher Rassen aufzuziehen: einen Pitbull, einen Labrador Retriever, eine Englische Bulldogge und einen Zwergschnauzer. Sie sollten bei mir zu Hause mit meinem Rudel nach den Prinzipien der Hundepsychologie aufwachsen. Ich möchte Ihnen, liebe Leser, zeigen, dass eine möglichst natürliche Welpenerziehung Probleme und Verhaltensstörungen verhindert und ein späteres Eingreifen unnötig macht. Mein Ziel war es nicht, Hunde zu rehabilitieren, sondern ausgeglichene Tiere aufzuziehen und Hundebesitzern zu zeigen, wie man das natürliche Gleichgewicht bewahrt, das Mutter Natur den Kleinen mitgibt. Aus diesem Grund wollte ich Hunde mit einem bestimmten angeborenen Energieniveau auswählen, das ich als "mittleres" Energieniveau bezeichne - und mit dem selbst unerfahrene Hundebesitzer perfekt umgehen können. lm nächsten Kapitel werden wir ausführlicher über die "Selektion nach dem Energieniveau" sprechen. Trotzdem möchte ich Sie bitten, diese Vorstellung bereits im Hinterkopf zu behalten, wenn Sie mich bei meinem Abenteuer begleiten, die Welpen kennenzulernen.
Der Pitbull Junior Mein Pitbull Junior hatte den ersten Auftritt bereits in meinem letzten Buch, Welcher Hund passt zu uns? Aber für mich ist und bleibt er der wichtigste der vier Hunde, deren Welpenzeit ich hier schildern werde. Als ich mit diesem Buch begann, war Junior gut eineinhalb Jahre alt und befand sich mitten in der Hundepubertät, die ungefähr vom achten Monat bis zum dritten Lebensjahr dauert. Seit ich ihn zu mir nahm, haben die Kameras des "Dog-Whisperer"-Teams und ich selbst fast täglich seine Fortschritte vom unbeholfenen Welpen zu dem energiegeladenen, selbstbewussten und doch heiteren Teenager festgehalten, der er heute ist. Ich habe bei der Aufzucht von Junior viele Dinge gelernt, die ich nun mit dem größten Vergnügen an Sie weitergebe.
Es ist mir sehr wichtig, einen Pitbull mit Vorbildfunktion zu haben, der mir bei der Rehabilitation aus dem Gleichgewicht geratener Tiere zur Seite steht. Meiner Ansicht nach ist es ein Verbrechen, was für einen schlechten Ruf diese Rasse genießt. Pitbulls sind zuallererst Hunde, keine wilden Tiere. Sie sind Haushunde, wie alle anderen auch. Natürlich sind sie nicht unbedingt für jede Familie geeignet - doch wenn wir der Rasse die Schuld an den vielen schrecklichen Vorfällen geben, von denen wir in der Zeitung lesen, vergessen wir dabei die grundlegende Tatsache, dass wir Menschen die Eigenschaften geschaffen haben, die wir bei ihnen missbilligen, um schlicht und einfach unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Wir sind dafür verantwortlich. Im Laufe der Jahrhunderte haben wir diese Hunde genetisch so verändert, dass sie einen starken Kiefer, ein unerschöpfliches Durchhaltevermögen und eine hohe Toleranz für Unannehmlichkeiten oder Schmerzen haben. Dies sind die schlichten, ungeschminkten genetischen Tatsachen. Aber nicht einmal in der Welt der Hunde entscheiden die Gene über das Schicksal. Pitbulls kommen nicht aggressiv gegen Hunde oder Menschen zur Welt - der Mensch macht sie dazu. Unzählige Pitbulls vegetieren in Zwingern und Tierheimen dahin, weil ihre Besitzer sie zu "harten" Tieren machten, mit denen sie später nicht mehr zurechtkamen. Viele dieser Tiere, denen die Einschläferung droht, wurden für illegale Hundekämpfe gezüchtet und ausgesetzt, als sie für ihre hartherzigen Besitzer nicht mehr profitabel genug waren. Werden Pitbulls korrekt sozialisiert und mit denselben konsequenten Regeln und Grenzen aufgezogen, die sie in einem natürlichen Rudel lernen würden, sind sie meiner Erfahrung nach ganz erstaunliche Haustiere.
Ausgerechnet die so oft von der Gesellschaft geschmähten Eigenschaften des Pitbulls lassen sich in höchst positive Bahnen lenken. Seine angeborene Zielstrebigkeit und Ausdauer etwa lassen sich in unerschütterliche Loyalität und Geduld verwandeln. Ein ausgeglichener Pitbull kann sehr lange ruhig und respektvoll warten, bis ihm sein Besitzer ein neues Kommando gibt oder eine neue Richtung weist. lm Umgang mit Kindern oder kleineren Welpen kann er der perfekte Babysitter mit viel Nachsicht sein, da sein robuster Körper das Klettern, Schieben und Ziehen problemlos aushält, mit dem ihn das verspielte Jungvolk beider Spezies traktiert. Ein gut sozialisierter, ausgeglichener Pitbull lässt alle möglichen kindischen Faxen stoisch und humorvoll über sich ergehen. lch erziehe Junior dazu, mehr "Hund" als "Pitbull" zu sein, und ich glaube, dass er und mein Pitbullsenior Daddy die blinde Voreingenommenheit aller Menschen gegenüber dieser Rasse überwinden können.
Mein treuer Gefährte hat seelenvolle grüne Augen und einen stämmigen, goldenen Körper. Mit seinen fast sechzehn Jahren hat Daddy alles erlebt, wovon ein moderner Hund nur träumen kann. Er hat mit mir die ganzen Vereinigten Staaten bereist und ist sogar schon neben mir bei der Emmy-Verleihung über den roten Teppich gelaufen. Sein ursprünglicher Besitzer, der Rapper Redman, hatte mich um Hilfe bei Daddys Erziehung gebeten, als dieser ein verspielter Welpe von gerade einmal vier Monaten war. Es war der perfekte Zeitpunkt, um damit zu beginnen, seinen jungen Geist zu formen. Daddy erwies sich sowohl bei Hunden als auch bei Menschen als eifriger und aufnahmebereiter Schüler und hat sich zu dem besten, positivsten Vorbild für seine vielgeschmähte Rasse entwickelt, das man sich nur vorstellen kann. Inzwischen hat er Scharen von Fans und sogar seine eigene Facebook-Seite! Diesen glänzenden Ruf hat er sich wirklich verdient. Inzwischen ist er auch offiziell mein Hund. Uns verbindet ein Band, das weit über alles hinausgeht, was Natur oder Wissenschaft erklären könnten. Ich glaube, uns ist die ideale Verbindung von Mensch und Hund geglückt, die ich meinen Klienten gern demonstriere, um ihnen zu beweisen, dass diese Form der gesunden Nähe zu einem Tier möglich und auch für sie greifbar ist.
In den unzähligen "Dog-Whisperer"-Folgen, in denen ich aus dem Gleichgewicht geratenen Hunden geholfen habe, hat sich Daddy ohne Zweifel den Respekt als meine tierische rechte Hand, oder besser, rechte Pfote, verdient. Doch bei den meisten gemeinsamen Einsätzen ist er auch mein Lehrer und ich folge seiner Führung in der Frage, wie wir weiter vorgehen sollen, nicht umgekehrt. Daddy verfügt über jene seltene Eigenschaft, die man nur durch sehr viel Erfahrung und in vielen Lebensjahren auf diesem Planeten erwirbt: wahre Weisheit. Er ist energetisch so ausgeglichen, dass manchmal schon seine bloße Gegenwart genügt, um einen Problemhund auf den rechten Weg zurückzuführen. Wenn ich mir in anderen Fällen nicht sicher bin, wie ich weitermachen soll, ziehe ich Daddy hinzu und beobachte ganz genau, wie er sich verhält. Eines der wichtigsten Prinzipien meiner Arbeit - dessen Bedeutung ich gerade bei der Welpenaufzucht hervorheben möchte - lautet, dass Ihnen ein erwachsener Hund mehr über "Hundeerziehung" beibringen kann als jedes Buch, Handbuch oder Video. An der Wand von Daddys Hundebox hängen weder Diplome noch Urkunden, und doch ist er meiner Ansicht nach der absolute Meister der Hunderehabilitation.
Als Senior hat Daddy immer noch ebenso viel Freude an den kleinen Augenblicken des Lebens wie als Welpe, aber er wird älter und allmählich holt ihn die Zeit zumindest körperlich ein. Ich habe kürzlich angefangen, mich damit auseinanderzusetzen, dass er nicht bis in alle Ewigkeit die Rolle meines besten Freundes, Helfers und Co-Hundeflüsterer spielen wird. Wenn Hundeliebhaber an das Ableben eines Gefährten denken, der ein Leben lang an ihrer Seite war, höre ich oft Sätze wie: "So einen Hund wird es nie wieder geben" oder "Ich könnte keinen anderen Hund lieben, denn keiner könnte so wundervoll sein wie er". Natürlich ist es richtig, dass es nie wieder einen Hund geben wird, der genauso ist wie Daddy. Ich glaube jedoch, dass es möglich ist, ein anderes Tier so aufzuziehen, dass es ebenso ausgeglichen, stabil, wohlerzogen und ganz mit mir im Einklang ist wie Daddy. Ich hatte einen Plan: Daddy selbst sollte die Verantwortung an die nächste Generation übergeben - indem er mir bei der Erziehung des idealen Nachfolgers half.
Die Verantwortung übergeben Ein langjähriger Freund von mir, der Tierarzthelfer ist und zufällig wie ich aus dem mexikanischen Bundesstaat Sinaloa stammt, versteht meine Philosophie bezüglich der Hundeerziehung und hält sie für richtig. Er hat eine Pitbullhündin, die ich als ruhig und ausgeglichen kannte - einen gelassenen Familienhund, der seinen kleinen Kindern stets ein traumhaftes "Kindermädchen" war. Mein Freund erzählte mir, er hätte seine Hündin selektiv verpaart und inzwischen sei ein neuer Wurf Welpen auf der Welt. Da er von Daddys bevorstehender Pensionierung und meinen wachsenden Bedenken deswegen wusste, fragte er, ob ich kommen und sie mir ansehen wolle. Er sagte: "Wer weiß, vielleicht findest du hier ja den nächsten Daddy."
Als Daddy und ich bei meinem Freund eintrafen, um uns den Wurf anzusehen, stellte ich erleichtert fest, dass die Hündin den Kindern gegenüber ebenso liebevoll, sanft und unterordnungsbereit war, wie ich es in Erinnerung hatte. Sie hatte das ideale Temperament für einen Familienhund und war ihren Welpen eine tüchtige, wachsame und aufmerksame Mutter. Das Temperament der Eltern ist sehr wichtig, da es oft an die nächste Generation weitergegeben wird. Mein Freund zeigte mir ein Foto des Welpenvaters, eines ebenfalls wohlerzogenen, gesunden Pitbulls und preisgekrönten Schauhundes.