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Überblick
Ein Schädel-Hirn-Trauma ist eine Verletzung des Schädels, bei der auch das Gehirn beeinträchtigt wird. Die meisten Verletzungen dieser Art ereignen sich in der Schweiz bei Unfällen im Strassenverkehr, sowie bei Sport- und Arbeitsunfällen.
Häufige Fragen
Ursachen
Schädel-Hirn-Traumata entstehen in der Regel als Folge von Unfällen. Am häufigsten geschehen diese im Strassenverkehr, Sport oder bei der Arbeit. Voraussetzung ist eine plötzliche starke Gewalteinwirkung auf den Schädel, wie sie bei einem Schlag oder einem Sturz vorkommt.
Jüngere Menschen sind häufiger betroffen, da sie oft einen besonders aktiven Lebensstil pflegen, körperlich arbeiten und grössere Risiken eingehen.
Symptome
- Bewusstlosigkeit
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Schwindel
- Müdigkeit
- Blutende Wunden an der Kopfhaut
- Gedächtnisstörungen
- Verwirrtheit
- Lähmungen
- Sprachprobleme
- Epileptische Anfälle
Diagnose
Die notfallmässige Abklärung umfasst eine körperliche Untersuchung mit Fokus auf das Nervensystem sowie Untersuchungen des Kopfes und des Gehirns mithilfe der Computertomographie (CT) oder der Magnetresonanztomographie (MRT). Diese bildgebenden Verfahren erlauben eine Aussage über das Ausmass und die Art der Hirnverletzung. Schädel-Hirn-Traumata werden in drei Schweregrade eingeteilt. Ausschlaggebend für die Zuordnung ist dabei vor allem der Bewusstseinszustand des Patienten.
Ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma (Grad 1) wird landläufig «Hirnerschütterung» genannt. Die Bewusstlosigkeit dauert nur wenige Sekunden oder Minuten.
Bei einer stärkeren und länger als zwei Stunden dauernden Bewusstseinseintrübung spricht man von einem mittelschweren (Grad 2) oder schweren Schädel-Hirn-Trauma (Grad 3). In solchen Fällen ist das Hirn strukturell verletzt und die Betroffenen werden in der Regel auf die Neurochirurgische Abteilung gebracht. Nicht selten ist zur Überwachung auch ein Aufenthalt auf der Intensivstation erforderlich.
Verlauf
Welche Beschwerden bei einem Schädel-Hirn-Trauma auftreten und wie lange Sie andauern, hängt vom Schweregrad und dem Ort der Verletzung ab. Bei einem leichten Trauma können Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit sofort oder auch erst nach mehreren Stunden auftreten. Der Betroffene erholt sich aber meistens innert weniger Tage und eine Behandlung durch einen Spezialisten ist nicht nötig.
Bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma kommt es meist zu Knochenbrüchen am Schädel. Besonders gefährlich ist aber die Schwellung des Gehirns, welche durch die Gewalteinwirkung auftreten kann. In der starren Hülle des knöchernen Schädels kann diese Schwellung den Blutfluss im Gehirn stören und damit zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen. Durch die Gewalteinwirkung können auch Blutgefässe im Gehirn platzen und zu gefährlichen Hirnblutungen führen.
Behandlung
Als Zentrumsspital ist das Luzerner Kantonsspital auf die Behandlung von Unfallopfern mit schweren Hirnverletzungen spezialisiert. Ziel der Therapie ist es, das Ausmass der Hirnschädigung zu begrenzen und optimale Bedingungen zu ermöglichen, für die Heilung der Hirnzellen, die in ihrer Funktion beeinträchtigt wurden.
In der Regel bleiben auch Patienten, die nur kurz das Bewusstsein verloren haben, für mindestens einen Tag zur Überwachung im Spital. So kann sofort reagiert werden, sollte es bei ihnen zu Nachblutungen im oder um das Gehirn kommen.
Schwere Schädel-Hirn-Verletzungen können eine längere Behandlung auf der Intensivstation erfordern. Solche Situationen sind immer kritisch. Da das verletzte Hirngewebe anschwellen kann, platzieren die Neurochirurgen eine Sonde im Gehirn, mit der sie den Druck im Schädelinneren fortlaufend messen. Manchmal werden die Betroffenen für längere Zeit in ein künstliches Koma versetzt und müssen beatmet werden.
Operation
Blutungen im Gehirn müssen in einer notfallmässigen Operation rasch entfernt werden. Zu diesem Zweck wird der Schädel geöffnet (Kraniotomie). Anschliessend wird das Blut durch das in den Schädelknochen gesägte Loch abgesaugt, was zu einer Entlastung des Gehirns führt.
Wenn es nicht gelingt die Hirnschwellung zu kontrollieren, kann eine weitere neurochirurgische Operation notwendig werden. Dabei entfernen die Neurochirurgen Teile des Schädeldeckels, so dass das Gehirn mehr Platz erhält und sich der Druck im Schädelinneren senken kann (Entlastungskraniektomie). Später wird der entfernte Knochendeckel wieder eingesetzt.
Therapie
Die Erholung von einem mittelschweren und vor allem von einem schweren Schädel-Hirn-Trauma kann lang, manchmal viele Monate, dauern. Zudem sind bleibende Störungen von gewissen Hirnfunktionen bei schweren Traumata leider nicht selten. Je nach geschädigtem Hirnareal können die Sprache, das Sehen, das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit oder das Verhalten von einer Störung betroffen sein. Auch kann es zu Lähmungen und epileptischen Anfällen kommen. Grundsätzlich gilt jedoch, dass die Folgeschäden umso geringer ausfallen, je früher mit der Neurorehabilitation begonnen wird. Deshalb beginnt die stationäre Akut-Neurorehabilitation unmittelbar nach der Intensivbehandlung. Dazu verfügt das Luzerner Kantonsspital über eine spezialisierte Einheit. In ihr kommen Therapiekonzepte zum Einsatz, die auf dem aktuellsten Wissen in der Neurorehabilitation basieren. Das Team besteht aus Neurologen, Neuropsychologen und qualifizierten Rehabilitationsfachleuten aus der Pflege sowie der Physio-, Ergo- und Sprachtherapie. Die Dauer der Neurorehabilitation hängt vom Schweregrad der Hirnverletzungen ab. Unter Umständen bedarf es eines mehrmonatigen Aufenthalts in einer spezialisierten Klinik für Neurorehabilitation. Andere Patienten kommen in die tagesklinische und später in die ambulante Neurorehabilitation.
Vorsorge
- Schutzrichtlinien im Strassenverkehr, bei der Arbeit und bei Freizeitaktivitäten beachten