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Zölle gegnüber China treffen Arbeiter härter als Zölle gegenüber Mexiko: Einblicke in die Ökonomie des Aussenhandels.
Die Trump-Administration in den USA denkt über unterschiedliche Massnahmen des Handelsprotektionismus nach. Ganz gleich, ob am Schluss aber Einfuhrzölle oder ein steuerlicher Grenzausgleich eingeführt wird, gilt: Handelsprotektionismus kommt für die Konsumenten einer Steuer gleich. Diese führt zu Marktverzerrungen, denn sie verleitet die Konsumenten dazu, teurere einheimische Waren (die sie nicht wollen) zu kaufen anstatt billigere Importwaren (die sie wollen).
Eine protektionistische Handelssteuer erhält möglicherweise Arbeitsplätze in ineffizienten einheimischen Branchen. Diese Stellen werden indes mit einem niedrigeren realen Lebensstandard bezahlt (die Kosten der Steuer). Was die Darstellung anbelangt, lässt sich eine protektionistische Handelssteuer überzeugend anpreisen. Auf Twitter liest sich «1000 amerikanische Arbeitsplätze gerettet» natürlich besser als «Preissteigerung von 0,2 Prozent». Wirtschaftlich gesehen überwiegen die Kosten fast immer gegenüber dem Nutzen. In einer Welt der Hashtag-Wirtschaft zieht die Realität gegenüber «Fake News» jedoch häufig den Kürzeren.
Auto- und Lebensmittelsteuern treffen andere Schichten
Verbrauchssteuern führen zu Umverteilungseffekten, weil unterschiedliche Menschen verschiedene Waren und Dienstleistungen kaufen. Eine Verbrauchssteuer wirkt sich somit auch in unterschiedlicher Art und Weise auf soziale Schichten aus. Indem Ökonomen den Handel im Hinblick auf Mehrwerte und unterschiedliches Konsumverhalten untersuchen, können sie ein Bild davon zeichnen, welche Gruppen in den USA am stärksten unter einer protektionistischen Handelssteuer leiden würden.
Würde eine solche Steuer nach Produktarten eingeführt, würde beispielsweise eine Steuer auf Lebensmittel den Lebensstandard einkommensschwacher US-Bürger wesentlich stärker belasten als den Standard von US-Amerikanern mit hohem Einkommen. Einkommensschwache US-Amerikaner geben einen relativ hohen Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Die Auswirkungen handelsprotektionistischer Massnahmen auf Lebensmittel wären für die einkommensschwächsten US-Amerikaner um nahezu 70 Prozent höher als für die US-Bürger mit dem höchsten Einkommen.
Bei Automobilen sieht es allerdings ganz anders aus. Einkommensschwache US-Amerikaner kaufen keine Neuwagen. Für sie haben handelsprotektionistische Massnahmen gegen Autoimporte daher nur geringe direkte Konsequenzen. US-Amerikaner mit hohem Einkommen hingegen kaufen sehr häufig Neuwagen. Da es sich dabei zudem oft entweder um Importwagen handelt oder diese Autos einen hohen Anteil an importierten Bauteilen enthalten, sind US-Bürger mit hohem Einkommen vom Handelsprotektionismus im Automobilsektor mehr als dreimal so stark betroffen wie einkommensschwache US-Amerikaner.
Zölle belasten die einkommensschwachen Schichten stärker
Betrachtet man das gesamte Spektrum an Produkten, zu denen uns Daten vorliegen, werden einkommensschwache US-Amerikaner durchgängig stärker unter Einfuhrzöllen leiden als US-Bürger mit hohem Einkommen. Das gilt für alle Produkte ausser Automobile. Dies erklärt möglicherweise auch, warum US-Politiker – Republikaner wie auch Demokraten – zunehmend besorgt sind, was die Konsequenzen von Einfuhrzöllen auf die «arbeitenden US-Amerikaner» anbelangt (wobei die Nachteile für US-Rentner, die als überproportional einkommensschwach gelten, möglicherweise wesentlich grösser sind).
Was geschieht, wenn der Handelsprotektionismus nicht für bestimmte Sektoren, sondern in Form einer Pauschalbesteuerung für ein bestimmtes Land oder eine Gruppe von Ländern umgesetzt wird? Auch hier muss man wieder differenzieren, ob der Automobilsektor miteinbezogen wird oder nicht. Einkommensschwache US-Amerikaner würden unter einer allgemeinen protektionistischen Handelssteuer gegen China doppelt so stark leiden wie unter einer Steuer gegen den Euroraum und etwa dreimal so stark wie unter einer Steuer gegen Mexiko. Das mag überraschen. Mexikanische Waren werden jedoch unter hoher US-Beteiligung produziert – «Hergestellt in Mexiko» bedeutet daher eher «Hergestellt in Mexiko mit Unterstützung der USA». Für einkommensstarke US-Amerikaner ist eine protektionistische Handelssteuer gegen China doppelt so nachteilig wie eine Steuer gegen Mexiko – US-Bürger mit höherem Einkommen kaufen weniger Waren aus China als einkommensschwache US-Amerikaner.
Eine handelsprotektionistische Steuer ist also eine direkte Steuer auf den Lebensstandard der US-Amerikaner. Für die meisten Waren – mit der Ausnahme von Automobilen – tragen einkommensschwache US-Amerikaner einen überproportional hohen Anteil an dieser Steuer.