Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/920

0.5 km
Publiziert: 31 März 2013
Die das Tal durchquerende Verteidigungsmauer und die drei Burgen von Bellinzona gehören seit dem Jahr 2000 zum Welterbe der UNESCO. Doch sie haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Zeitweilig diente das Castelgrande in der Stadtmitte gar als kantonale Strafanstalt.
Die das Tal durchquerende Verteidigungsmauer und die drei Burgen von Bellinzona gehören seit dem Jahr 2000 zum Welterbe der UNESCO. Mitten im Stadtzentrum steht das Castelgrande, die grösste der drei Burgen, das mittlere Schloss nennt sich Montebello und gilt als die schönste der drei Wehranlagen, doch die beste Aussicht hat die oberste Befestigung Sasso Corbaro. Verbunden sind die drei Burgen durch eine Verteidigungsmauer, die das gesamte Tal durchquert. Die heute sichtbare Wehranlage stammt hauptsächlich aus dem 15. Jahrhundert. Doch die Geschichte der Castelli di Bellinzona (Burgen von Bellinzona) reicht viel weiter in die Vergangenheit.
Erste Siedlungsspuren, wie Gräber und vereinzelte Ruinen aus der Jungsteinzeit im 4. Jahrtausend vor Christus entdeckt. Die Funde konzentrieren sich auf den Felshügel, auf dem das Castelgrande steht. Vermutlich wählten die Menschen das enge Tal mit dem prominenten Hügel wegen seiner guten verteidigungstechnischen Lage als Wohnort. Archäologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass der Ort auch zur Bronze- und zur Eisenzeit besiedelt war.
Der Felshügel des Castelgrande diente um das Jahr 15 vor Christus als Basis für die Eroberung des Alpenraums durch den römischen Kaiser Augustus. Die römische Befestigung wurde jedoch etwa 100 Jahre später wieder aufgegeben. Eine erneute Befestigung wurde im 4. Jahrhundert erbaut. Das Kastell in Bellinzona wurde Teil einer Kette von Sperrbefestigungen an den südlichen Alpenausgängen. Nach der Eroberung Norditaliens durch die Langobarden schützte die Befestigung in Bellinzona vor den Einfällen der Franken und der Alemannen aus dem Norden.
Im Jahre 1340 kamen die Mailänder Visconti in den Besitz Bellinzonas. Der Wechsel bedeutete einen starken Anstieg des Handelsverkehrs über den Gotthardpass. Das gesamte 15. Jahrhundert hindurch versuchten die Urner und ihre Miteidgenossen Bellinzona zu erobern, doch die Mailänder "erkauften" sich den Frieden mit Geldgeschenken, Handelsprivilegien und schenkten den Urnern die nördlichen Tessiner Täler. Sie konzentrierten ihre Verteidigungsanstrengungen auf Bellinzona und bauten die alten Befestigungen zu einer kaum bezwingbaren Talsperre aus. Der imposante Anblick, den die Befestigungen von Bellinzona heute bieten, geht auf die Bautätigkeit der Herzöge im 15. Jahrhundert zurück.
Nachdem die Eidgenossen an der Seite des französischen Königs Ludwig XII gegen die Mailänder gekämpft und gewonnen hatten, stritten sie jahrelang um die ihnen bereits versprochenen Festungen im Bellinzona. Im Vertrag von Arona wurden die Ansprüche von Uri, Schwyz und Nidwalden anerkannt. Die Grafschaft Bellinzona und ihre Wehranlage standen so bis zum Untergang der Alten Eidgenossenschaft im Jahre 1798 unter der Herrschaft von Uri, Schwyz und Nidwalden.
Mit der Gründung des Kantons Tessin im Jahre 1803 gingen die drei Burgen in den Besitz des neuen Kantons über. Dieser nutzte vor allem das Castelgrande und liess den Rest der Wehranlage und die beiden höher gelegenen Burgen Montebello und Sasso Corbaro verfallen. Das Castelgrande diente seit 1813 als Zeughaus und seit etwa 1820 als kantonale Strafanstalt. Erste Anstrengungen zur Restaurierung der Befestigungsanlagen wurden im 20. Jahrhundert unternommen. Die Sanierung wurde 1992 mit der Restaurierung des Castelgrande durch den Architekten Aurelio Galfetti abgeschlossen.
Preis
regulär: CHF 5.- ermässigt: CHF 2.-
März-Juni: 10-18 Uhr Juli-August: 10-19 Uhr (Donnerstag bis 21 Uhr) September-Oktober: 10-18 Uhr November-März: 11-16 Uhr