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Wo gearbeitet wird, da fliegen bekanntlich die Späne. Selbstverständlich gilt diese Weisheit auch in der Aviatik. Grössere und kleinere Defekte werden nach dem Flug in einem grossen roten Buch eingetragen und so wird sichergestellt, dass alle betroffenen Personen über das Problemchen informiert sind.
Der Platz für den Eintrag ist limitiert und es ist darum wichtig, dass der Schreiberling das Problem mit wenigen Worten auf den Punkt bringt. Auf einem Flugzeug wie dem Airbus, bei dem die Abkürzungen wichtiger sind als die Nieten am Rumpf, kommt dem richtigen Gebrauch der Buchstabenkombinationen immense Bedeutung zu.
Jetzt muss man aber wissen, dass ich mit Abkürzungen auf Kriegsfuss stehe. Nie werde ich verstehen, dass man eine charmanten Passagierin mit dem despektierlichen Wort PAX bezeichnet und genauso wenig geht mir in den Kopf, dass der renitente Gast in der Economy mit dem gleichen Wort betitelt wird, das in einer alten Sprache «Friede» bedeuten soll. Ich nenne die Sache lieber beim Namen.
Das ist mir letzte Woche in Los Angeles wieder zum Verhängnis geworden. Der Mechaniker stürmte nach der Landung ins Flugzeug und fragte mich nach dem technischen Zustand der Maschine. «Alles in Ordnung?», erkundigte sich dieser. «Ja eigentlich schon, ausgestiegen ist nur das kleine Display auf der Copilotenseite, auf dem wir über dem Nordatlantiks mit der Kontrollstelle kommunizieren», antwortete ich pflichtbewusst.
«Meinst Du die MCDU oder das DCDU?», fragte der Mechaniker nach. «Weisst du, ich meine das Display, das wir für das CPDLC brauchen», antwortete ich unsicher. Er wusste nicht was CPDLC ist und ich kannte so auf die Schnelle den genauen Unterschied zwischen der MCDU und DCDU nicht. So taten wir das, was vernünftige Menschen in solchen Situationen machen. Wir liefen an der Nespresso Maschine vorbei, gönnten uns einen kleinen Schwarzen und danach zeigte ich mit meinem Finger auf das defekte Gerät. Es war übrigens die DCDU.
Das mit den Abkürzungen ist mir schon einmal in einer anderen Institution zum Verhängnis geworden. Auch unser Schweizer Militär liebt es Dinge so abzukürzen, dass man einen Schlüssel dazu braucht, um die Befehle noch einigermassen zu verstehen.
Noch während des kalten Krieges absolvierte ich die Ausbildung zum Grenadier in Isone. Rekrutenschule hiess die Einrichtung liebevoll, diese entpuppte sich aber im Nachhinein als ganz und gar nicht kuschelig. Es war die Zeit, als sich jede Waffengattung als Elite erklärte, der böse Feind (BöFei) aus dem Osten kam, die Armeeführung an der Einuniformdoktrin für alle vier Jahreszeiten festhielt und eine Grundausbildung ohne Todesfall nicht als richtige Grundausbildung galt (Originalton des Waffenplatzchefs in Isone).
Mir gefiel der Verein nicht so gut und so versuchte ich mich zu drücken wo es nur ging. Dies klappte einige Jahre gut, bis einer in einem verstaubten Büro entdeckte, dass meine Wenigkeit noch keinen Wiederholungskurs absolviert hatte. In der Zwischenzeit war der kalte Krieg vorüber, der BöFei kam von irgendwo, meine Spezialausbildung am Flammenwerfer war nutzlos und die Armee hat sich von der Einuniformdoktrin verabschiedet.
So wurde ich liebevoll neu eingekleidet und erhielt zu meiner Freude im Winterland Schweiz zum ersten Mal eine Winterjacke in Tarnfarben. Zu meinem Ärger wurden aber nicht nur die Kleider, sondern auch die Abkürzungen ausgewechselt.
Am Anschlagbrett fand ich eines Morgens den unmissverständlichen Befehl, dass sich alle «ADA‘s» um 13 Uhr auf den grossen Platz treffen sollten. Ich konsultierte mein persönliches Dienstbuch, schlug alle meine Qualifikationen nach, fand nirgends die Kombination «ADA» und verstand dies als unmissverständliche Aufforderung, nach dem Mittagessen noch einen Kaffee im nahegelegenen Restaurant einzunehmen.
Um 1320 Uhr stürmte mein um 15 Jahre jüngerer Vorgesetzter die Gaststätte, drohte mir mit Wochenendwachdienst und beorderte mich zur Belustigung der anderen Gäste auf den grossen Platz vor der Kaserne. Scheinbar galt das ADA auch für mich, nur weiss ich bis heute nicht, was die drei Buchstaben bedeuten. Um den Wochenendwachdienst bin ich herumgekommen und auch der Hauptmann zeigte Verständnis für meinen Abkürzungsanalphabetismus. Auch er verdiente seine Brötchen als Copilot auf dem Airbus.