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Die Geschichte des Historischen Museums Uri
1884 fasste die im Jahre 1831 gegründete Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Uri unter dem Präsidium von Landammann und Ständerat Gustav Muheim (1851-1917) den Beschluss, verschiedene Sammlungen anzulegen. Vorgesehen waren eine Leih- und Lesebibliothek, eine naturwissenschaftliche Sammlung, eine historisch-antiquarische Sammlung, eine Kunst- und Gewerbesammlung, eine Sammlung literarischer Erzeugnisse von Urnern und über Uri und eine Porträtsammlung. Hinter diesen Sammlungen stand die Idee zur Errichtung eines Museums. Die Gesellschaft mietete in der Folge die erforderlichen Lokalitäten im Schmidschen Haus, das auf dem Altdorfer Lehnplatz neben der Gewerbehalle stand. Der hoffnungsvolle Anfang für die historisch-antiquarische Sammlung war getan. Die Bibliothek besass bald 484 Bände, und das Lesezimmer wurde mit Literatur ausgestattet. Die übrigen Sammlungen blieben allerdings fromme Wünsche, und für die Bibliothek und das Lesezimmer brach bald einmal die Zeit verminderter Leselust an. Die Bücherei schlummerte bald in einer grossen Kiste.
Gründung der Gesellschaft
für Geschichte und Altertümer von Uri
Hingegen tat sich einiges hinsichtlich der historisch-antiquarischen Sammlung. Am 6. September 1892 konstituierte sich die Gesellschaft für Geschichte und Altertümer von Uri, der spätere Verein für Geschichte und Altertümer von Uri, der heutige Historische Verein Uri. Die Vereinigung setzte sich zum Ziele, die kantonale Geschichte zu erforschen und darzustellen, die einschlägigen Geschichtsquellen zu sammeln, zu ordnen und herauszugeben, für Renovation und Erhaltung historischer Baudenkmäler zu sorgen sowie schliesslich ein Museum für Altertümer anzulegen und zu eröffnen. Gründungspräsident der neuen Vereinigung war wiederum Gustav Muheim. Die Nähe zur Gemeinnützigen Gesellschaft war somit gegeben. Der Magistrat bezeichnete die neue Vereinigung denn auch als blühende Tochter der Gemeinnützigen Gesellschaft, robust und schaffensfreudig wie die Mutter, und wenn beide auch in gesondertem Haushalt leben, sie doch gute Freundschaft pflegen würden. Als erstes freundschaftliches Zeichen überliess die Gemeinnützige Gesellschaft im Jahre 1892 dem neu gegründeten Verein unentgeltlich ihre kleine antiquarische Sammlung. Diese bestand aus 37 Porträts von Urner Landammännern und anderen «hervorragenden Urnern» sowie rund 60 anderen Gegenständen. Die Donatorin knüpfte an die Schenkung bloss die Bedingung, dass die Sammlung ihr zurückfallen müsse, sofern der Verein sich vor der kantonalen Gemeinnützigen Gesellschaft auflöse, andernfalls habe diese an den Kanton überzugehen. Diesem Grundstocke reihten sich bald weitere und erheblichere Zuwendungen an, wie die Fundstücke der Ausgrabungen der Burganlage in Attinghausen. Der Bund kaufte sodann die Altertümersammlung von Pfarrer Anton Denier (1847-1922) um den Preis von 70'000 Franken. Die rund 300 Gegenstände, die das Landesmuseum nicht selber aufbewahren wollte, gingen wieder in ihre Heimat zurück Auch von privater Seite gingen verschiedene Geschenke ein. Dank einer 50-prozentigen Bundessubvention konnten verschiedene Ankäufe getätigt werden. Im seit 1895 erscheinenden Historischen Neujahrsblatt 1904 bemerkte Vereinspräsident Gustav Muheim: «Unser Verein hat diesen ,Kampf ums Dasein' eben mit Leuten zu führen, deren Börse besser gespickt ist als die seinige, und dann mit allerlei antiquarischen Freischärlern, die auf Um- und Schleichwegen das Terrain absuchen und gleich rasch aufzutauchen wie zu verschwinden wissen. Deshalb richtet der Verein auch von dieser Seite aus den warmen Appell an diejenigen, deren Altertümer feil sind, sie ihm anzutragen.» Es drohte der Ausverkauf der Heimat!
Erstes Museum im Meierturm Bürglen
Bereits ein Jahr nach seiner Gründung ging der Verein daran, ein Historisches Museum Uri zu verwirklichen. Vereinspräsident Gustav Muheim war bereits auf Bundesebene eine wichtige treibende Kraft bei der Gründung des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich gewesen. Die Verwirklichung gerade dieser nationalen Institution löste in ihm auch den Gedanken aus, in Uri ein Kantonsmuseum zu realisieren. Schon die erste Generalversammlung am 31. Januar 1893 im Gasthaus Tell in Bürglen beschloss, die Räumlichkeiten im alten Meierturm in Bürglen renovieren zu lassen, bis sie zur Aufnahme und Aufbewahrung der erworbenen Altertümer geeignet erschienen. Die dortige Kirchenverwaltung hatte dem Verein den Turm auf 20 Jahre unentgeltlich überlassen. Die bereits recht ansehnliche Sammlung war darin recht und schlecht untergebracht beziehungsweise aufgetürmt. Bald nach dem Einzug zeigte sich, dass der Raum für Museumszwecke denkbar ungeeignet war. «Der Turm ist zu enge oder der Altertümer sind es zu viele geworden», hiess es im Historischen Neujahrsblatt. Die Versuche des Vereins, das an den Turm angebaute Wohnhaus dazu zu erwerben, scheiterten am geforderten Preis. Man sah sich in der Folge nach anderen möglichen Orten um. Das Haus der Erziehungsanstalt in Altdorf und das Schloss A Pro in Seedorf waren im Gespräch, wurden aber aus verschiedenen Gründen wieder verworfen. Man beschloss schliesslich 1896, einen Museums-Neubau zu errichten. Doch die Sache zog sich hin. Am 25. November 1902 flog zudem der rote Hahn von dem Nachbarhause her auf das Turmdach über und zerstörte dasselbe. Verschiedene Standorte für das neue Museum mit Standort Altdorf wurden nun lebhaft diskutiert, unter anderem ein Platz auf der Landleutematte bei der neu erstellten Post, die Liegenschaft Rosenberg und ein Grundstück beim Eingang zum Kirchenplatz. Schliesslich einigte man sich auf den heutigen Standort an der Gotthardstrasse.
Erst das sechste Projekt wusste zu gefallen
Man liess sich von drei Architekten fünf Projektvorschläge ausarbeiten. Einmal wurden die vorgeschlagenen Bauten als zu wenig «antik und dekorativ» empfunden, ein anderes Projekt scheiterte an den zu hohen Kosten, für weitere Vorschläge fand man zwar anerkennende Worte, das Vorgeschlagene wusste jedoch nicht zu begeistern. Erst dem sechsten Projekt aus der Hand des renommierten Luzerner Architekten Wilhelm Hanauer-Jauch (1854-1930) gelang es im Jahre 1904, die vorbehaltlose Zustimmung des Vorstandes zu finden. Wilhelm Hanauer-Jauch stammte aus Baden, wirkte in Luzern, und war damals in Altdorf kein Unbekannter. Ausser dem markanten Museumsbau hat er im Urner Hauptort verschiedene weitere bemerkenswerte Akzente gesetzt: zum Beispiel mit der Villa des Weinhändlers Sebastian Müller (1898) samt dem zugehörigen, heute abgebrochenen Gewerbegebäude an der Bahnhofstrasse; mit der Villa Jägerheim (1903) gleich gegenüber; mit dem Wohn- und Geschäftshaus Renner mit dem neugotischen Erkertürmchen (1910) neben dem Rathaus; und mit der «Villa Clara» (1913) an der Gotthardstrasse etwas unterhalb des Museums. Wilhelm Hanauer unterbreitete dem Vorstand verschiedene Museumsentwürfe. Einer davon wusste zu gefallen. Die Diskussionen drehten sich lediglich noch um Details, zum Beispiel um das Anbringen eines kleinen Erkers. Nachdem alles bereinigt war, erhielt der Architekt am 15. März 1905 den Auftrag, das Werk auszuführen. Am 8. Mai 1905 wurde mit dem Bau begonnen. Die knappen Finanzen verhinderten die Ausführung verschiedener Schmuckelemente, die in den Plänen vorgesehen gewesen waren, zum Beispiel ein Wandbild mit dem heiligen Martin und dekorative farbige Wappenfriese an den Fassaden. Im Mai 1905 konnte mit dem Bau begonnen werden. Im Laufe eines Jahres stand dieser bereits vollendet da und wurde am 11. Juli 1906 feierlich eingeweiht. Das Ziel war nach 13 Jahren erreicht. Gustav Muheim gab seiner Freude Ausdruck: «Das Historische Museum ist vollendet. Freudig ziehen die Vereinsgenossen in ihren vortrefflich gelungenen Tempel der heimatlichen Geschichte ein.»
Platzmangel und undichtes Dach
1939 wurde dem Museum eine Halle für «Waffen- und Verkehrsaltertümer» angefügt. Der An- und Ausbau der Abwartwolmung sowie ein Kulturgüterschutzraum 1983/1984 konnte dann vor allem durch das grosszügige Legat des 1979 verstorbenen Ernst Müller realisiert werden. Alle bisherigen Bauten wurden überwiegend durch private Spenden und Sammeltätigkeit ermöglicht. Für eine gründliche bauliche Überholung und Erneuerung des Hauptbaus fehlte dem Verein das Geld. Die baulichen Mängel dramatisierten sich. Durch das undichte Dach und die Fenster eindringendes Wasser drohte kostbares Museumsgut zu beschädigen. Zu einer Lösung drängte auch das Platzproblem. Das Museum drohte aus seinen Nähten zu platzen. Konservator Karl Iten (1931-2001) schlug Alarm. 1994 setzte der Vereinsvorstand eine Baukommission unter dem Präsidium von Ingenieur Peter Baumann, Altdorf, ein. Zur Projektierung wurde Architekt Heinz Meier, Altdorf, beigezogen. Im Herbst 1998 konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Restaurierung erfolgte nach denkmalpflegerischen Anforderungen. Unterirdisch wurde auf Kellerniveau ein Neubau mit zusätzlichen Lagermöglichkeiten und mit einem Werkraum erstellt. Die Waffenhalle wurde verlängert und mit einem Obergeschoss mit Flachdach erweitert. Dadurch konnte zusätzlicher Ausstellungsraum geschaffen werden. Und, manche Kreise schliessen sich: Im unteren Saal konnte die Kassettendecke und das Portal von 1621 aus dem Schmidschen Haus am Lehnplatz eingebaut werden, wo seinerzeit die Sammlung des Museums seinen Anfang nahm. Bei seinem Bauvorhaben wurde der Historische Verein durch die Öffentlichkeit, Stiftungen und Private unterstützt. Annalisa Müller von Altdorf schenkte dem Historischen Verein in Erinnerung an ihre verstorbene Schwester Regina und in deren Sinn und Geist an die Renovation einen grossen Betrag. Trotzdem wurde der Historische Verein durch den Umbau finanziell hart gefordert. Die Rückzahlung der Bauschuld wird noch mehrere Jahre sein Budget belasten.
Copyright: Historischer Verein Uri, Altdorf / Letzte Aktualisierung:
1.6.2014