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Bild
Titel:
Gedenkstein für den letzten Wolf
Thema: Land
Datum: --.--.1695
Masse: 250 x 500 cm
Standort: Steineggwald
Urheber/-in:
Beschreibung:
Eine Sandsteinplatte im Steineggwald zwischen Teufen und Speicher trägt oberhalb der grossformatig eingehauenen Jahrzahl „1695“ die nachfolgende Inschrift: "Der letzte Wolf soll im Walde von Steinegg erlegt worden sein / Die Jahreszahl wurde in den Felsen gehauen und der Ort Wolfsgrub genannt / Eingehauen bei der Waldvermessung von 1882." Demnach befand sich nahe dem hier offenliegenden Sandsteinfelsen eine so genannte Wolfsgrube, in die das Tier gestürzt und dann totgeschlagen worden war. Eine Wolfsgrube ist ein drei bis vier Meter tiefes überdecktes Erdloch. Als Köder dienten Schafe, Gänse oder Ferkel; weil die Köder 'Laut' gaben, wurden die Wölfe angelockt und stürzten dann in die Falle. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wurden in Deutschland Wölfe noch auf diese Weise eingefangen.
Geschichte:
Ab 700 wurde die Naturlandschaft des frühmittelalterlichen „Arboner Forstes“ durch Menschenhand sukzessive in die von Wiesen, Weiden und Wald sowie von Einzelhöfen, Weilern und Dorfsiedlungen geprägte typisch appenzellische Kulturlandschaft umgewandelt. Im Zuge dieses Prozesses kam die ursprünglich vielfältige Fauna zunehmend unter Druck und viele Wildtiere wurden nach und nach ausgerottet. Für die Tötung der als „schaedlich thier“ geltenden Bären, Wölfe, Wildschweine, Otter und Luchse wurden sogar obrigkeitliche Fangprämien ausgerichtet. Wie schon das silberne Landbuch des Gemeinsamen Landes so listete auch das Ausserrhoder Landbuch von 1632 entsprechende Belohnungen aus, wobei die Erlegung eines Wolfes mit 10 Gulden entschädigt werden sollte. Noch an seiner Sitzung vom 20. Mai 1647 bewilligte der Grosse Rat einem Appenzeller, der einen Wolf im Rheintal erschossen hatte, die Ausrichtung von einem Dukaten als Entschädigung. Nachdem der letzte Bär 1673 in Urnäsch erlegt worden war, ging es bald auch den letzten Wölfen an den Kragen. Bereits Johann Georg Schläpfer vermerkte dazu in seiner 1829 erschienenen Beschreibung des Kantons Appenzell: „So viel bekannt ist, wurde der letzte Wolf Anno 1695 im Wald Steinegg in Teufen erlegt. Die Jahrzahl ist in den Felsen gehauen an der vertieften Stelle, die dieses Ereignisses wegen die Wolfsgrube heisst“. Überlebt hat die einstige Präsenz des Wolfs in etlichen Flur- und Ortsnamen beider Appenzell. Als Beispiele seien genannt der Wolfsböhl in Schwende, das Wolftobel in Reute, der Wolfhag in Herisau und die Gemeinde Wolfhalden, deren Wappen selbstredend ein Wolf ziert.
Jüngsthin hat der Wolf leibhaftig in unsere Gegend zurückgefunden. Denn Mitte Mai 2014 wurden in Untereggen und Heiden vier Schafe gerissen, wobei die den Kadavern entnommenen Proben durch nachträgliche genetische Analyse eindeutig auf einen Wolf hinweisen.
Autor: Peter Witschi, Herisau
Literatur:
Die Rechtsquellen der Kantone Appenzell. Bd. 1: Appenzeller Landbücher. Bearb. von Nathalie Büsser. Basel 2009 (Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, Abt. 13)StAAR, Mp.2-38 Dokumentation. Bären und Wölfe in Appenzell Ausserrhoden.
Schläpfer, J. G. Versuch einer naturhistorischen Beschreibung des Kantons Appenzell. Trogen 1829.
Sonderegger, Stefan. Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell, 2013.
Widmer, Margrith. 1695 wurde hier der letzte Wolf erschlagen. In: Tüüfner Poscht 8/2011, S.24-25.
Wolf tötet in Heiden zwei Schafe, Mitteilung auf www.appenzell24.ch vom 16. Juni 2014.
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