Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/230016

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, eine Reform der Rechtsgrundlagen der Bundesanwaltschaft und ihrer Aufsicht vorzulegen. Die Reform soll sich im Rahmen des "modifizierter Status quo ante" gemäss dem GPK-Bericht vom 22. Juni 2021 bewegen (siehe Medienmitteilung der GPK-S vom 22. Juni 2021 unter <a href="https://www.parlament.ch/press-releases/Pages/mm-gpk-s-2021-06-22.aspx?lang=1031">https://www.parlament.ch/press-releases/Pages/mm-gpk-s-2021-06-22.aspx?lang=1031</a>). Dieses Modell geht von einer Rückführung in bzw. Anbindung an den Bundesrat unter Wahrung der Unabhängigkeit der BA in der Strafverfolgung aus.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Mit dem Erlass des Strafbehördenorganisationsgesetzes vom 19. März 2010 (StBOG; SR 173.71) legte der Gesetzgeber fest, dass die Aufsicht über die Bundesanwaltschaft (BA) durch ein besonderes Organ, die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA), ausgeübt werden soll. Er wich damit vom Entwurf des Bundesrates vom 10. September 2008 (BBl 2008 8189) zum StBOG ab, der noch eine Aufsicht durch den Bundesrat vorgeschlagen hatte. Hinter dem Entscheid des Gesetzgebers stand die Überlegung, dass die BA wegen ihrer teilweise richterlichen Befugnisse unabhängig von der Exekutive, gleichzeitig aber einer ebenfalls unabhängigen, starken und fachkundigen Aufsicht unterstellt sein muss. Diesen Anforderungen genügte nach Ansicht des damaligen Gesetzgebers die AB-BA am besten.</p><p>Der Bundesrat ist der Meinung, das heutige Modell habe sich grundsätzlich bewährt. Die weitgehenden, zum Teil richterlichen Befugnisse der Bundesanwaltschaft rufen einerseits nach Unabhängigkeit dieser Behörde von der Exekutive, machen aber anderseits eine ebenfalls unabhängige und starke Aufsicht über die BA erforderlich. Eine Aufsicht der BA durch die Exekutive vermag die Unabhängigkeit der BA weniger gut zu gewährleisten; darüber hinaus fehlt es der Exekutive am erforderlichen Spezialwissen, um die Aufsicht wirksam wahrnehmen zu können. Auch eine Rückkehr zur geteilten Aufsicht, bei der die fachliche Aufsicht der Beschwerdekammer und die administrative dem Bundesrat zukam, erachtet der Bundesrat nicht als sinnvoll. Dieses System, wie es von 2002 bis 2011 galt, wies insbesondere den Mangel auf, dass die Abgrenzung der Zuständigkeiten unklar war und es deshalb zu negativen Kompetenzkonflikten zwischen den beiden Aufsichtsorganen kam.</p><p>Aus Sicht des Bundesrats ist daher am heutigen Modell grundsätzlich festzuhalten; die von den Geschäftsprüfungskommissionen von National- und Ständerat (GPK) festgestellten Mängel sind jedoch zu beheben.</p><p>Diesen Weg will auch das Parlament beschreiten: Der Ständerat hat am 15. September 2021 die Motion 21.3970 (Mo. RK-S. Reform der Bundesanwaltschaft und ihrer Aufsicht) einstimmig angenommen. Der Nationalrat hat am 21. September 2021 die gleichlautende Motion 21.3972 seiner Kommission für Rechtsfragen mit 128 zu 45 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Die Motionen verlangen die Vorlage von Gesetzesänderungen, welche die von der GPK festgestellten Mängel im Rahmen des "Status Quo Plus" gemäss dem Bericht der GPK vom 22. Juni 2021 beheben. Der Bundesrat hat dem Parlament die Annahme der beiden Motionen empfohlen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.