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Angry Monk
Reflections on Tibet
Luc Schaedler
Die Geschichte von Gendun Choephel (1903-51), einem rebellischen tibetischen Mönch, der als Heimatloser in die Fremde nach Indien zieht und als Fremder in die Heimat nach Tibet zurückkehrt. Gendun Choephel wird wegen seiner politischen Ansichten von der tibetischen Regierung verhaftet, des Aufstandes bezichtigt und ins Gefängnis geworfen. Er stirbt 1951 als gebrochener Mann. Der Film folgt den Spuren, die der rebellische Mönch in Tibet und Indien hinterlassen hat. In Gesprächen mit alten Zeitzeugen und jungen Tibetern entwickelt der Film ein spannendes Gegenbild zum mystifizierten Tibet.
ANGRY MONK bemüht sich nicht, Heldenverehrung zu betreiben. Vielmehr wird über die Ambivalenz des Protagonisten die Stellung Tibets hinterfragt. Schaedler und sein Team reisten zu den Orten, an denen der Mönch am Wirken war. So kommt unter anderem dessen Reisebegleiter Golok Jigme zu Wort, der mit Gendun Choephel zwei Jahre durch Indien pilgerte. Weiter erzählen ein Grossneffe (über die Lausbubenstreiche des Mönchs) und ein ehemaliger Mitschüler (über die Neugier und Lebenslust Choephels und wie er zum Beispiel aus Teilen von Uhren kleine Boote baute).
Der Film arbeitet mit den Stilmitteln eines Roadmovies: Die Musik ist zuweilen reduziert auf sanft angeschlagene Gitarrensaiten, welche die teils epischen Bilder stimmungsvoll untermalen. Mal hält die Kamera fest an der hypnotischen Atmosphäre in den Discos in Lhasa und Kalkutta, um dann als Gegenpol Aufnahmen von Ruhe ausstrahlenden Karawanen und der Busreise durch das Tibet von Heute zu setzen. Ein Trip für die Sinne.
Dominique Zahnd, Cineman
Bei meinen Versuchen, Tibet mit all seinen Widersprüchen zu verstehen, bin ich immer wieder auf einen Namen gestossen: Gendun Choephel — ein Mönch aus dem Alten Tibet. Seiner eigenen Gesellschaft — im Westen zum Mythos verklärt — stand er skeptisch gegenüber. Tibet, für viele das Modell einer gewaltfreien, idealen Gesellschaft, voll von Magie und Spiritualität, hielt er für dringend reformbedürftig.
Wie stark das Leben des rebellischen Mönchs mit dem Schicksal von Tibet verknüpft war, entdeckte ich erst nach und nach, während meiner Reise auf seinen Spuren. Gerade in den letzten Jahren ist er für viele Tibeter zu einer wichtigen Identifikationsfigur geworden... Für mich eine Art Schlüssel zu Tibet.
Die Idee zum Film ANGRY MONK – REFLECTIONS ON TIBET geht auf mehrere Reisen nach China, Tibet und Indien zwischen 1988 und 1999 zurück. Ohne es zu wissen, bewegte ich mich damals an denselben Orten wie der Protagonist des Films — über 50 Jahre vor mir. Seit 1988 beschäftige ich mich nun intensiv mit Tibet und vor allem damit, wie Tibet im Westen wahrgenommen wird.
Gendun Choephel (1903-51) ist ein Wanderer zwischen den Welten – gleichzeitig Träumer, Rebell und Forscher. Er lebt in einer historischen Periode, die bestimmend für die Zukunft seines Landes ist — eingeklammert durch die Invasion der britischen Kolonialisten 1903 und den Einmarsch der Chinesen 1951. Tibet ist damals nicht das unzugängliche Shangri-La, wie oft behauptet wird, sondern ein zerrissenes Land an der Schwelle des Wandels. Die Versuche die veralteten Sozialstrukturen aufzubrechen und einen eigenen Weg ins 20. Jahrhundert zu finden, scheitern am Widerstand des konservativen Adels und der Klöster.
Während sich Tibet abschottet, bleibt Gendun Choephel offen für neue Erfahrungen. Über seine Schriften, Artikel, Bilder und Skizzen hat er Spuren bis heute hinterlassen. Durch die kritische Beobachtung der eigenen Gesellschaft, die Hinwendung zu politischen Themen und dem Versuch, sie im Alltag umzusetzen, verkörpert er die Anfänge eines kritischen intellektuellen Denkens innerhalb der tibetischen Gesellschaft.
In den letzten Jahren wurde Gendun Choephel sowohl im chinesisch besetzten Tibet wie auch im indischen Exil zu einer Identifikationsfigur junger Tibeter. Während die Eltern Tibet verloren haben, sucht die jüngere Generation nach Identifikationsfiguren, die einen kritischen Blick auf die eigene Gesellschaft erlauben. Im Westen jedoch wird er nur langsam wahrgenommen, weil seine Lebensgeschichte offenbar nicht in unser starres Bild passt, welches die Tibeter lieber als Opfer und nicht als Agenten ihrer eigenen Geschichte sieht.
Luc Schaedler
Geboren 1963 in Zürich. 1983-85 Radiojournalist. 1985-97 Programm-Koordinator im Kino Xenix. Studium der Ethnologie und Filmwissenschaft an der Universität Zürich. 1997 Abschluss mit dem Dokumentarfilm «Made in Hong Kong» als Lizentiatsarbeit. Seit 1988 diverse Reisen nach Tibet, China und Indien. Seit 1998 als Produzent und Regisseur tätig.
2005 ANGRY MONK. REFLECTIONS ON TIBET
1997 MADE IN HONG KONG
News
Internet
- Website ANGRY MONK
- indiewire: Interview with Luc Schaedler
- Cineman: Kritik ANGRY MONK
- Variety review ANGRY MONK
- cinempire.com critique ANGRY MONK et entretien avec Luc Schaedler
- critic.de: Eine Reise durch Tibet
- Louise Proyect: The Unrepentant Marxist
- OutNow.ch ANGRY MONK
Preis: 25.00 CHF
An Lager
DVD9
PAL 16:9
Region 2
Angry Monk
CH 2005 97'
Regie: Luc Schaedler
Drehbuch: Luc Schaedler
Kamera: Filip Zumbrunn
Ton: Luc Schaedler
Schnitt: Salome Pitschen, Kathrin Plüss, Martin Witz
Musik: Roland Widmer, Heinz Rohrer, Loten Namling
Produktion: angry monk productions