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Politik und Wirtschaft im Wandel der Zeit
Im Gegensatz dazu rüttelt die Moderne immer heftiger an den über Jahrhunderte hinweg gewachsenen wirtschaftlichen und politischen Strukturen des Dorfes. Durch den Einsatz von modernstem Gerät produzieren die zehn am Dorfrand ausgesiedelten Landwirtschaftsbetriebe ein Vielfaches von dem, was die einstigen 25 bis 30 kinderreichen und personalintensiven Kleinbetriebe in mühsamer Handarbeit unter Dach und Fach brachten. Zu dieser rasanten Entwicklung seit der frühen 70-er Jahre haben auch verbesserte Anbaumethoden und die Güterzusammenlegung verholfen. Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur im Dorf liessen sich früher nur durch Fronarbeit und grosse Aufopferung realisieren, weil den finanziellen Möglichkeiten der öffentlichen Hand und der Bürger enge Grenzen gesetzt waren. Ein Lugnezer Sorgenkind für Bund und Kanton war die grossangelegte Drainage, mit der die Behörden die weiträumigen Rutschgebiete auf der linken Talseite zu zähmen versuchten. Obwohl es sich um ein sinnvolles Arbeitbeschaffungsprogramm der krisengebeutelten Nachkriegszeit handelte, liess ein Vertreter des Bundesrates mit einer Rede anlässlich der Porclasfeier im Sommer 1952 die Lugnezer Bevölkerung aufhorchen, als er zu Beginn seiner feierlichen Botschaft sagte: "Ich kannte bis heute nur wenige Lugnezer, aber darunter einen ganz grossen Sünder!" Gemeint war der wilde Talfluss, "il Glogn", der mit seinem unersättlichen Hunger die lehmige Talsohle aushöhlt und die zum Teil gravierenden Erdbewegungen und Rüfen auf der linken Talseite mitverschuldet. Erst seit Mitte der 70-er Jahre und der damit verbundenen Hochkonjunktur konnte die Gemeinde viele längst fällige und kostspielige Infrastrukturprojekte dank des Kantonalen Finanzausgleiches, der reichlich fliessenden Bundessubventionen und der Unterstützungsbeiträge wohlhabender Gemeinden aus dem Unterland an die Hand nehmen.