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Die nicht kommerzielle Internet Society (ISOC), welche für die Verwaltung der für Non-Profit-Organisationen (NPO) reservierten .org-Domain zuständig ist, darf diese Registry nicht an das private Investmentunternehmen Ethos Capital verkaufen. Die Internet-Aufsichtsorganisation ICANN hat ihr Veto gegen den 1,13-Milliarden-Dollar-Deal eingelegt.
"Heute traf der ICANN-Vorstand die Entscheidung, den vorgeschlagenen Antrag auf Kontrollwechsel und die Umwandlung zu einem Unternehmen abzulehnen." Dieses Veto bedeute "das Richtige tun", und es sei "dem öffentlichen Interesse besser gedient, die Zustimmung zu verweigern".
Der Verkauf von einer dem öffentlichen Interesse verpflichteten Organisation an eine Einheit, die den Interessen eines Unternehmens diene, sei ein grundlegender Wandel, hält ICANN fest. Zudem habe Ethos Capital "keinen sinnvollen Plan, um die .org-Gemeinschaft zu schützen oder ihr zu dienen".
Weitere Faktoren seien, dass die 360 Millionen Dollar Schulden, die zur Finanzierung des Deals verwendet werden sollen, "weitere Fragen darüber aufwerfen, wie die .org-Registranten geschützt werden sollen", und dass die Massnahmen, die Ethos Capital nach den Protesten ergriffen hatte, ungenügend waren.
Die DNS-Aufsichtsbehörde stand unter wachsendem Druck, ihre Kompetenzen zu nutzen, um die geplante Übertragung der Top-Level-Domain-Verwaltung mit 10,5 Millionen Domain-Namen-Inhabern an die weitherum unbekannte profitorientierte Firma Ethos Capital abzulehnen.
Der Protest war sofort nach der Ankündigung des geplanten Verkaufs durch ISOC laut geworden. Niemand in der Domain-Namen-Branche hatte je von Ethos Capital gehört, und die Firma hatte nur zwei namentlich bekannte Mitarbeiter. Es stellte sich schnell heraus, dass das Unternehmen heimlich von einem ehemaligen CEO der ICANN gegründet worden war, und dieser hatte Ethos Capital einen Tag später gegründet, als die ICANN gesagt hatte, sie werde die Preisobergrenzen für die.org-Domains aufheben.
Mit dieser Ankündigung war der Wert des Registry sofort um mehrere zig Millionen Dollar angestiegen.
Erst hatten hunderte von NPOs protestiert, von den Pfadfinderinnen bis zu Greenpeace, gestützt von der Wikimedia Foundation, den Aktivisten der Electronic Frontier Foundation (EFF) und anderen Internetgrössen. Kürzlich hatte sich auch der kalifornische Generalstaatsanwalt gegen den Verkauf ausgesprochen mit dem Argument der Deal stelle "die Profite über das öffentliche Interesse". Sie alle argumentierten
damit, dass Ethos Capital die Preise für Domain-Registrierungen und -Verlängerungen erhöhen oder bei der Security sparen könnte. Sie befürchteten auch, dass die Privatfirma auch Überwachung oder Zensur von .org-Sites zulassen würde.
Der gesamte Aufsichtsrat trage die Entscheidung, hielt ICANN fest. Nun dürften Rechtsstreitigkeiten mit Ethos Capital folgen. Dies sei ICANN auch bewusst, spekuliert 'The Register', aber die Organisation mit Hauptsitz Los Angeles habe mehr Angst vor den Untersuchungen des kalifornischen Generalstaatsanwalts gehabt als vor den Anwälten einer Privatfirma. Die Zeitung behauptet, dass dieser in einer Untersuchung des Deals das jahrzehntelange Missmanagement des Domain-Monopolisten ICANN hätte aufdecken können.