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Der weltweite Handel mit Waffen hat zugenommen. Das Gesamtvolumen der In- und Exporte stieg um 7,8 Prozent. Das geht aus den Zahlen hervor, die das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri) für den Zeitraum von 2014 bis 2018 veröffentlicht hat. Besonders auffällig dabei ist, dass die Länder im Nahen und Mittleren Osten ihre Rüstungsimporte um 87 Prozent erhöht haben – warum, das erläutert Pieter D. Wezemann, Forscher am Sipri.
Pieter D. Wezemann
Senior Resarcher
Wezemann ist ein niederländischer Forscher bei Sipri, dem Stockholm International Peace Research Institute. Sein Fokus liegt auf den Militärausgaben und Waffenbeschaffungen Afrikas und des Nahen Ostens. Er arbeitete an der aktuellen Sipri-Studie mit.
SRF News: Warum kaufen ausgerechnet die Länder im Nahen und Mittleren Osten noch mehr Waffen?
Pieter D. Wezemann: Dort spielen sich mehrere Konflikte ab, in Syrien und Irak. Und es gibt mehrere Länder, die regional eine Rolle spielen wollen. Sie glauben, sie bräuchten Waffen dafür. Ich spreche von Saudi-Arabien oder von den kleineren Ländern wie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar. Es geht auch um Ägypten in Bezug auf Nordafrika.
Das Volumen der Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien hat sich um 192 Prozent erhöht. Überrascht Sie das?
Diese Zahl hat mich nicht überrascht. Es geht um die Lieferung der Waffen. Bestellt wurden sie ungefähr acht bis zehn Jahre früher. Deshalb haben wir diese Steigerung erwartet. Trotzdem führt sie zur Frage, was das für die Stabilität und Sicherheit in der Region bedeutet.
Grossbritannien, Frankreich und die USA sind bereit, Waffen an Saudi-Arabien zu liefern, selbst wenn es Kritik gibt.
Woher kommen die Waffen, die nach Saudi-Arabien geliefert werden?
Mehr als 50 Prozent der Waffen, die nach Saudi-Arabien gehen, stammen aus den USA und aus Europa. Grossbritannien zum Beispiel liefert Saudi-Arabien viele Waffen. Bei anderen Ländern ist es gemischt, woher die Waffen kommen. Ägypten zum Beispiel kauft die Waffen von den USA, aber auch von Frankreich, Russland und Deutschland.
Saudi-Arabien steht wegen des Kriegs in Jemen in der Kritik, aber auch wegen des ermordeten Journalisten Jamal Kashoggi. Trotzdem hat Saudi-Arabien noch die Möglichkeit, an Waffen zu kommen?
Das stimmt. Es gibt zwar einige Länder, die sich entschlossen haben, wenigstens einige Zeit lang keine Waffen mehr an Saudi-Arabien zu liefern. Deutschland ist das wichtigste, die Niederlande, Finnland und Schweden liefern auch keine. Aber Grossbritannien, Frankreich und die USA sind bereit, Waffen an Saudi-Arabien zu liefern, selbst wenn es diese Kritik gibt. Zudem sind da noch Russland und China. Im Moment spielen sie noch keine wichtige Rolle. Sie würden aber gerne mehr Waffen nach Saudi-Arabien oder in die VAE exportieren.
Die Waffenkäufe von Saudi-Arabien und den Emiraten ändern die militärische Bilanz in die Region.
Saudi-Arabien will in der Region eine Macht werden. Gegenspieler ist Iran. Hat das Land auch aufgerüstet?
Iran hat mit normalen, konventionellen Waffen, wie Saudi-Arabien oder die VAE es machen, nicht aufgerüstet. Iran steht noch immer unter einem Waffenembargo der UNO und kann sehr wenige Kategorien von Waffen importieren. Die Waffenkäufe von Saudi-Arabien und den Emiraten ändern die militärische Bilanz in die Region. Saudi-Arabien hat viel mehr Waffen als Iran.
Ist absehbar, dass das Volumen in Saudi-Arabien in Zukunft noch grösser wird?
Noch grösser würde ich nicht sagen, aber es geht die nächsten fünf Jahre mit grossen Waffenexporten weiter. Es gibt noch viele Verträge, auch 2018 wurden neue unterschrieben. Diese Waffen werden in den nächsten fünf bis acht Jahren geliefert werden. So wie es aussieht, wird das Volumen an Waffenexporten nach Saudi-Arabien ungefähr so gross bleiben. Es wird nicht sinken.
Das Gespräch führte Andrea Christen.