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Falls du je einem Engel begegnest und er dir eine unglaubliche Neuigkeit erzählt: stell ruhig Rückfragen. Engel haben nicht grundsätzlich etwas dagegen. Aber es gibt Sätze, mit denen du den Engel gegen dich aufbringen könntest. Und das ist nicht zu empfehlen.
Zacharias taumelt aus dem Tempel, stumm und wahrscheinlich kreidebleich. Dem wartenden Volk versucht er durch Zeichensprache klar zu machen, dass er dem Erzengel Gabriel begegnet ist und in seinem Grosspapi-Alter bald Vater werden wird (versuch das mal mit Zeichensprache zu erklären, ist gar nicht so einfach).
Die falsche Frage
Hätte Zacharias nicht im Tempel diese eine dumme Frage gestellt, dann könnte er noch sprechen.
«Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin ein alter Mann, und meine Frau ist weit vorgerückt in ihren Tagen.» – Lk 1,18
Eines muss man ihm lassen: Zacharias versteht es, wohlwollend über das Alter seiner Frau zu sprechen. Sich selbst nennt er alt, während er seine Frau als «vorgerückt in ihren Tagen» bezeichnet. Klarer Pluspunkt. Weniger gut ist allerdings die Frage, die er dem Engel stellt: «Woran soll ich das erkennen?» Soeben hat ihm der Engel eröffnet, dass seine Frau Elisabeth den Vorläufer des Messias gebären wird (wir berichteten). Aber Zacharias kann es nicht so recht glauben. Er verlangt einen Beweis, ein Zeichen. Ein Regenbogen wie bei Noah wäre schön. Oder ein Gideon-Flies, das mal trocken und mal nass ist. Das Wort des Engels genügt ihm nicht. Der Engel Gabriel ist über den Einwand von Zacharias – sagen wir – nicht gerade erfreut:
«Ich bin Gabriel, der als Diener vor Gottes Angesicht steht, und bin gesandt, um zu dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu verkündigen. Doch nun vernimm: Du wirst stumm sein und nicht reden können bis zu dem Tage, an dem diese meine Verheissung sich erfüllt, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die zu ihrer Zeit in Erfüllung gehen werden.» – Lk 1,19–20
Zacharias will ein Zeichen? Ein Zeichen soll er haben! Weil er die Worte Gabriels nicht ernst genommen hat, wird er die nächsten neun Monate auf «mute» gestellt. Bis zur Erfüllung der Engelsworte wird er selbst kein Wort mehr sagen. Seinen Gesprächsbeitrag darf er fortan auf einer mobilen Wandtafel kundtun.
Was ist das Problem an dieser Frage? Ihr Fundament ist Unglaube. Zacharias zweifelt. Die Verheissung, die Gott ihm durch den Engel gibt, reicht nicht aus. Er fordert einen Beweis.
Die Maria-Option Im Lukasevangelium verlaufen die Geburtsgeschichten von Jesus und Johannes dem Täufer parallel. Der Engel Gabriel begegnet nun auch Maria und verheisst ihr einen Sohn (darüber mehr im nächsten Blogbeitrag). Interessant ist die Reaktion von Maria. Es ist ebenfalls eine Rückfrage:
«Maria aber sprach zu dem Engel: Wie kann das sein, da ich von keinem Mann weiss?» – Lk 1,34
Wird der Engel wütend? Nein, keine Spur:
«Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.»
Ich stelle mir die Szene so vor, dass der Engel sich neben Maria stellt, eine nachdenkliche Haltung einnimmt und ihr die Sache vertieft erklärt: «Du hast etwas nicht ganz verstanden? Also schau mal, es ist folgendermassen…». Maria verlangt nicht nach Beweisen. Das Wort des Engels reicht vollkommen aus. Sie nimmt die Verheissung von ganzem Herzen an (vgl. V. 38). Maria versucht nur, das Unglaubliche zu verstehen. Der Engel hilft ihr gerne dabei.
Eine Frage der Haltung Die Unterschiede sind offensichtlich: Zacharias verlangt einen Beweis. Maria bittet um Erklärung. Er stellt sich dem Engel konfrontativ gegenüber. Sie stellt sich neben den Engel und bringt ihre Fragen vor. Es ist eine Frage der Haltung.
Wenn Gott spricht, dann erwartet er nicht eine wortlose Hinnahme. Menschen sind keine Roboter, die Befehle hören und stumm ausführen. Rückfragen sind erlaubt! Aber es kommt auf die Herzenshaltung an. Genügt seine Verheissung? Oder braucht es eine zusätzliche Absicherung, ein Zeichen, einen Beweis? Zeichen sind an sich nichts Schlechtes. Aber manchmal liegt der Frage: «Woran soll ich das erkennen?» ein tieferes Problem offen: Dass ich seiner Verheissung nicht traue. Deshalb: frage nicht nach einem Beweis für die Verheissung, sondern für ein tieferes Verständnis. Das kommt besser an.
Die Geschichte hat ein Happy End: Gott findet auch mit Zacharias ans Ziel. Elisabeth muss sich zwar monatelang mit ihrem komplett wortlosen Mann herumschlagen (Hinweis an Männer: seid nicht allzu wortkarg, das ist für eure Frauen nicht einfach). Aber als ihm nach der Geburt des Kindes der Mund wieder geöffnet wird, spricht Zacharias eines der schönsten prophetischen Gebete der ganzen Bibel. Die zwangsverordnete Stille scheint ihm gutgetan zu haben.