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Ordnerverwaltung für HF 18 Block 09 Chronischer Schmerz, Gate-Control-Theory, Total Pain Konzept
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Was ist die Definition von "chronischer Schmerz"?
Eine Unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung, die von aktuellen oder potentiellen Gewebeschädigungen herrührt oder mit Begriffen solcher Schädigungen beschrieben werden kann. Plötzlicher oder allmählicher Beginn in einer Intensität, die von leicht bis schwer reichen kann, mit einem nicht vorhersehbaren oder vorhersagbarem Ende und einer Dauer von mehr als sechs Monaten.
Ununterbrochene Schmerzdauer von 6 Monaten und Beeinträchtigung auf Kognitiv-emotionaler Ebene durch Störung von Befindlichkeit, Stimmung und Denken, auf der Verhaltensebene durch schmerzbezogenes Verhalten, auf der sozialen Ebene durch Störung der sozialen Interaktion und Behinderung der Arbeit sowie auf der physiologisch-organischen Ebene durch Mobilitätsverlust und Funktionseinschränkungen.
Was sind die Unterschiede zwischen akutem und chronischem Schmerz?
Akut
Dauer: Sekunden bis einige Wochen
Ist in der Regel an erkennbare Auslöser gekoppelt
Beendigung des Auslösers => Beendigung des Schmerzes
Gut umschreibbare Lokalisation des Schmerzes
Chronisch
Dauer: ab 6 Monate oder: Schmerz, der über den Zeitraum des normal zu erwartenden Heilungsprozesses hinaus weiterbesteht
Kopplung an Auslöser nicht erkennbar oder Schmerz weitaus grösser als erkennbare Schädigung
Häufig sind verschieden Areale des Körpers betroffen
Aus welchen vier Komponenten besteht das Schmerzverhalten des individuums?
Sensorisch-diskriminative Komponente
Erfasst Lokalisation, Intensität und Dauer
Kognitive Komponente
Bewertung des Schmerz im jeweiligen Zusammenhang mit seiner Entstehung
Affektive Komponente
Folgt aus der Bewertung des Schmerz und bezeichnet das damit verbundene Gefühl
Motorische Komponente (sensomotorisch und vegetativ)
Motorische und autonome Reaktionen auf einen schädlichen Reiz
Schmerz ist eine aktive Reaktion eines Individuums auf ein objektives körperliches Phänomen.
Richtig
Falsch
Was ist die Nozizeption?
Die Nozizeption ist die Aufnahme, Weiterleitung und zentralnervöse Verarbeitung von noxischen Signalen. Hierbei handelt es sich um objektivierbare neuronale Prozesse, von denen die subjektive und nicht direkt messbare Empfindung „Schmerz“ abgegrenzt werden kann
Welche afferenten Fasern der Nozizeptoren sind an der Nozizieption beteiligt?
Aδ-Fasern und C-Fasern.
Welche Afferenzen leiten Aδ-Fasern weiter?
Hautafferenzen (Temperatur und "schneller" Schmerz, lösen Reflexantworten aus)
Welche Afferenzen leiten C-Fasern weiter?
Hautafferenz ("langsamer" Schmerz,)
Wie entsteht Schmerz auf der physiologischen Basis?
Am Anfang steht eine Noxe, die zu einer Gewebeschädigung führt
Dadurch werden ATP, Protonen, Sauerstoff-Radikalen, Kalium-Ionen und Arachidonsäure freigesetzt.
Zudem befindet sich in den Endothelzellen das Enzym Cyclooxygenase 1 (COX1) welches durch die Verletzung ebenfalls freigesetzt wird. Leukozyten beginnen Cyclooxygenase 2 (COX2) auszuschütten.
Kommen die Cyclooxygenasen mit Arachidonsäure in Kontakt entsteht Prostaglandin.
Durch die Gewebszerstörung werden auch das Gewebshormon Bradykinin und durch die Zerstörung von Nervenzellen und Thrombozyten Serotonin freigesetzt.
Bradykinin und Histamin (das aus Mastzellen herbeigeführt wird) führen nun zu Vasodilatation und einer Steigerung der Gefässpermeabilität wodurch der Austritt von Leukozyten und Granulozyten ins Gewebe ermöglicht wird. Es entsteht ein lokales Ödem (Schwellung).
Prostaglandin, Bradykinin und Serotonin stimulieren das nozizeptive System und steigern seine Empfindlichkeit.
Wie verläuft die Schmerzreitzleitung?
Diese elektrischen Impulse werden über Nervenbahnen ins Rückenmark geleitet wo sie im Bereich des Hinterhorns nochmals chemisch von einem Nerv zum anderen umgeschaltet werden.
Vom Hinterhorn gelangen sie dann ins Grosshirn wo die Reize im Bereich des Kortex die eigentliche Schmerzwahrnehmung auslösen.
Im limbischenSystem findet dann die Bewertung des Schmerzes statt.
Wo enden Aδ-Fasern?
In der Grosshirnrinde (Kortex)
Wo enden C-Fasen?
Im Stammhirn
Wie verläuft die Schmerzwahrnehmung? Auf welchen zwei Ebenen findet die Schmerzmodulation statt?
Ein Gewebeschaden führt zu einer Flut von nozizeptiver Impulse entlang von A-delta-Fasern und C-Fasern, welche dann zu Synapsen in der Substantia gelantinosa im Hinterhorn des Rückenmarks führen. Hier erfolgt die Umschaltung auf das zweite Neuron. Wenn aus der Peripherie oder aus dem Gehirn keine hemmenden Impulse gesendet werden, um das «Tor/ Gate» zu schliessen, steigen die Impulse ungehindert weiter zur Hirnrinde auf, wo dann der Schmerz wahrgenommen wird.
Die Schmerzmodulation findet auf zwei Ebenen statt: Auf der Ebene des Rückenmarkhinterhorns, wo eine Schmerzempfindung durch Stimulation von Nervenfasern aus der Peripherie, die keinen Schmerz leiten, weiter über die kognitiven oder höheren Zentren des Gehirns, woher Fasern die zum «Öffnungs- und Verschlussmechanismus des Tores» absteigen.
Die Schmerzmodulierung am Hinterhorn des Rückenmarks ergib sich aus der Aktivierung der nicht Schmerz leitenden A-beta-Fasern.
Richtig
Falsch
Wodurch werden die A-beta-Fasern aktiviert?
Durch Berührungen und Empfindungen die im normalen Zustand nicht als schmerzhaft wahrgenommen werden.
Was ist eine Hyperalgesie und wann tritt sie auf?
Prostaglandinen führen zu einer Zunahme der Schmerzempfindlichkeit, was auch als «primäre Hyperalgesie» bezeichnet wird. Die Schmerzübermittlung wird gesteigert und die Überempfindlichkeit im Gewebe nimmt zu und breitet sich auch auf umliegendes Gewebe aus, was als «sekundären Hyperalgesie» bezeichnet wird.
Welche Faktoren spielen laut der Gate-Control-Theory eine entscheidende Rolle bei der Schmerzwahrnehmung?
Faktoren wie Angst, Aufregung und Vorahnung können das «Tor/Gate» öffnen und dadurch die Schmerzwahrnehmung verstärken.
Im Gegensatz zu diesen oben genannten Faktoren, können kognitive Aktivitäten wie Ablenkung, Suggestion, Entspannung, Biofeedback und Imagination dabei helfen, dass das «Tor/Gate» geschlossen werden kann und somit die sensorische Übertragung von Schmerzen verhindert wird.
Was wird unter peripherer und zentraler Sensibilisierung verstanden?
Sensibilisierung der Nozizeptoren (periphere Sensibilisierung): Errgungsschwelle wird durch wiederholte Reize oder Mediatoren herabgesetzt
Rekrutierung von Nozizeptoren: Bisher insensitive Rezeptoren werden aktiviert (primäre Hyperalgesie)
Ektope Impulsentstehung: spontane Entladung an den Rezeptoren
Rekrutierung von nozizeptiven afferenten Neuronen
Veränderungen an der C-Faser: persistierender Reiz auf C-Faser erhöht die Ruheaktivität, erniedrigt die Reizschwelle, setzt vermehrt exzitatorische Aminosäuren / Neurotransmitter frei.
A-Beta-Fasern: beginnen bei persistierender Reizung der C-Fasern nozizeptive Neuropeptide zu bilden und halten so die zentrale Sensibilisierung aufrecht.
Führt schlussendlich zur supranormalen Reizantwort. Alles zusammen + Nerventrauma ergibt vermehrte Impulsaktivität in Richtung ZNS.
Welche Faktoren spielen neben der Sensibilisierung noch eine Rolle bei der Chronifizierung von Schmerzen?
Bislang neutrale Reize wie Sitzen, Stehen, Bücken, die mit einer Schmerzerfahrung gekoppelt sind können zu schmerzauslösenden konditionierten Reizen werden.
Konditionierte Reize oder nur Gedanken an diese können vorgelagerte Angst und erhöhte Muskelspannung auslösen (Respondetes Lernen.)
Stresssituationen können als zusätzliche unkonditionierte Stimuli verstanden werden
Ein zuvor dargebotener Reiz beeinflusst Wahrnehmung eines späteren Reizes im Sinne eines Lernvorgangs (Priming)
Was ist das Total Pain Konzept?
In 60er Jahren entwickeltes Konzept zur Erfassung des Schmerzes als äusserst komplexes Symptom, eine mehrdimensionale Betrachtung von Schmerz. Das Total Pain Konzept wird oft in der palliative care angewendet und zeigt die vier verschiedenen zusammenhängenden Schmerzebenen auf.
Was sind die vier Aspekte des Total Pain Konzepts?
Körperlicher Schmerz
Tumor-Wachstum und Metastasen
Nicht-onkologische Ursache
Verschiedene andersartige Symptome
Körperliche Entstellungen
Nebenwirkung von Behandlungen
Schlaflosigkeit und chronische Erschöpfung
Seelischer Schmerz
Ärger über die Verzögerung bei der Diagnosestellung
Ärger über therapeutisches Versagen
Ärger über An- und Zugehörige
Ärger über die Unerreichbarkeit von Ärzten
Angst vor Schmerzen
Gefühl der Hilflosigkeit
Sozialer Schmerz
Sorge um die Familie
Sorge um die finanzielle Situation
Sorge um den Verlust von Prestige, Beruf und Einkommen
Verlust der sozialen Position
Verlust der Rolle in der Familie
Gefühl, vernachlässigt oder isoliert
zu werden
Spiritueller Schmerz
Warum gerade ich?
Warum lässt Gott es zu, dass ich so leiden muss?
Was ist der Sinn des Ganzen?
Hat das Leben irgendeinen Sinn und Zweck?
Werden mir meine Fehler vergeben werden?
Welche Pflegediagnosen werden unter der Syndorm Pflegediagnose „chronisches Schmerzsyndrom“ zusammengefasst?
akuter/chronischer Schmerz
beeinträchtigte körperliche Mobilität
Haut-/Gewebeschädigung
Selbstversorgungsdefizit
Schlafstörung
Autonomieverlust
Hoffnungslosigkeit
Gefahr einer Körperbildstörung
Machtlosigkeit
beeinträchtigtes Selbstwertgefühl
Sexualstörung
unwirksames Therapiemanagement
Beschäftigungsdefizit
beeinträchtigte soziale Interaktion
Vereinsamungsgefahr
Ungewissheit
Was sind die Ziele der Behandlung vom chronischen Schmerzsyndrom?
Verbesserung von Koordination und Körperwahrnehmung
Verbesserung der Eigenkontrolle hinsichtlich der individuellen Belastungsfähigkeit
Veränderung der emotionalen Beeinträchtigung (vor allem Depression, Angst, „Schwarz malen“)
Veränderung des auf Ruhe ausgerichteten Krankheitsverhaltens
Veränderung der Befürchtungen in Bezug auf Aktivität und Arbeitsfähigkeit.
Absteigende Bahnen der Nozizeption wirken vorallem hemmend.
Richtig
Falsch
Welche Bekannten Schmerz-Asessments gibt es?
Visuelle Analog Skala (VAS)
Numerische Rating Skala (NRS)
Verbale Analog Skala
London Hospital Pain Observation Chart
McGill Pain Questionnaire
Brief Pain Inventory (BPI)
Schmerztagebücher
Beobachtungsinstrument für das Schmerzassessment bei alten Menschen mit Demenz (BISAD)
Was sind die 4 WHO Prinzipien der Therapie von Chronischen Schmerzen?
Möglichst orale Verabreichung (by mouth)
Vorbeugend und nach fixem Zeitschema (by the clock)
Für jeden Patienten individuell (for the individual, with attention to detail)
Nach festem Stufenplan
Welche Möglichkeiten zur Nichtmedikamentösen Therapie gibt es bei chronischen Schmerzen?
Physiotherapie
Massage
Akupunktur / Akupressur
Chiropraktik
Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
Rückenmarkstimulator
Wärme- / Kältebehandlung
Aromatherapie
Reflexologie
Psychologische Interventionen: Kognitive Verhaltenstherapie, Autogenes Training Progressive Muskelralaxation nach Jacobson, Hypnose, Musiktherapie.