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Als Sohn des Komponisten Fernando Lobo wuchs Edu Lobo in Rio de Janeiro heran und im Haus seines Onkels in Recife (Pernambuco), wo er stets seine Schulferien verbrachte. Sein erstes Musikinstrument war ein Akkordeon, auf dem lernte er im Alter von acht bis vierzehn Jahren. Er absolvierte die Grundschule und das Gymnasium des Santo-Inácio-Kollegs, und schon damals versuchte er sich im Komponieren.
Auf der PUC-Universität belegte er ein Rechtsstudium bis im sechsten Semester. Mit sechzehn Jahren begann er sich für die Gitarre zu interessieren und lernte die ersten Griffe von einem Schulfreund, dem Komponisten Theo de Barros – später studierte er musikalische Theorie bei Wilma Graça. Etwa um 1961 frequentierte er Shows, besonders im “Beco das Garrafas” in Copacabana, wo er Gelegenheit hatte, Präsentationen der neuen musikalischen Generation zu erleben, darunter João Gilberto, Sergio Mendes, und Luis Eça (vom Tamba Trio). Im Jahr 1961 lernte er auch den Poeten Vinicius de Moraes kennen, der den Text zum Song “Só me fez bem” schrieb, veröffentlicht 1967 auf der LP “Edu-Betânia”. Zu jener Zeit bildete er mit Dori Caymmi und Marcos Valle eine Gruppe, die in TV-Programmen und Shows auftrat. Sein Vater motivierte ihn, seine erste Platte aufzunehmen, eine Doppel-Single mit vier eigenen Kompositionen – ganz im charakteristischen, intimistischen Stil des Bossa Nova, deren Rückseite von Vinicius, seinem neuen Partner, getextet wurde.
Bald darauf erweiterte er seine Arbeit mit Themen und Motiven der “Cultura Popular” (Volkskultur), dank des Einflusses von Sérgio Ricardo, João do Vale, Carlos Lyra und besonders Rui Guerra, seinem Partner in “Canção da terra, Reza und Aleluia”, repräsentative Songs dieser neuen Schaffensphase, geprägt von ihrem gesellschaftskritischen Inhalt. Dann begann er fürs Theater zu komponieren und schuf 1963 die Musik zu dem Stück “Os Azaredos mais os Benevides”, von Oduvaldo Viana Filho. Daraus wurde der Song “Chegança” (mit Text von Oduvaldo Viana Filho) ein ganz besonderer Hit – er wurde ebenfalls in das Theaterstück “Opinião” (Meinung) aufgenommen, einem Protest-Musical aufgeführt 1964 in Rio de Janeiro. Noch im gleichen Jahr schrieb Edu Lobo die Musik für “O Berço do Herói” (die Wiege des Helden), Theaterstück von Dias Gomes, und wurde dann von Gianfrancesco Guarnieri eingeladen (zusammen mit Vinicius de Moraes), an der Realisierung eines Musicals mitzuwirken, dessen Idee aus dem Lied “Zambi” entstanden war. Im Mai 1965 war es dann soweit, das Stück “Arena conta Zumbi” von Gianfrancesco Guarnieri und Augusto Boal wurde im Teatro de Aren, in São Paulo, uraufgeführt – mit der Musik von Edu Lobo. Unter den Songs des Spektakels wurde besonders “Upa Neguinho” ein Riesenhit – später gesungen von Elis Regina.
Im April 1965 schrieb sich Edu Lobo ins erste FMPB (Festival der Brasilianischen Volksmusik) beim TV-Kanal Excelsior in São Paulo ein – mit zwei Kompositionen: “Aleluia” (mit Rui Guerra) und “Arrastão” (mit Vinicius de Moraes) – beide schon vorher auf einer LP aufgenommen, deren Herausgabe jedoch aufgeschoben wurde, damit sie als Erstaufführungen auf jenem Festival präsentiert werden konnten. Interpretiert von Elis Regina, gewann “Arrastão” den Ersten Preis und projektierte damit seinen Komponisten über die Grenzen Brasiliens hinaus – der nunmehr als einer der bedeutendsten Komponisten nach der Aera des Bossa Nova angesehen wurde. Noch im Jahr 1965 präsentierte sich Edu an der Seite von Nara Leão, vom Tamba Trio und dem Quintett Villa-Lobos im Nachtclub “Zum-Zum” von Rio de Janeiro, in einer Show, die von Aloysio de Oliveira dirigiert wurde.
1966 unter Vertrag des TV-Record in São Paulo, trat er wöchentlich in Programmen dieses Kanals auf und nahm erneut am zweiten FMPB teil, bei dem er “Jogo de Roda” präsentierte (mit Rui Guerra) und am LFIC des Globo-Kanals in Rio, wo er mit “Canto Triste” (mit Vinicius de Moraes) konkurrierte, präsentiert von Elis Regina und unter den Finalisten klassifiziert. Im selben Jahr tourte er durch Europa mit anderen Künstlern zusammen, unter ihnen Sylvia Telles und das “Salvador Trio” – die in der Bundesrepublik Deutschland eine Platte aufnahmen. In Brasilien zurück, 1967 – nach einem Aufenthalt von vier Monaten in Paris, wo er in einem Fernsehfilm auftrat und die Musik für den Film “Valmy” von Jean Chérasse schrieb – nahm Edu wieder an Festivals in seiner Heimat teil, gewann wieder das dritte FMPB mit “Ponteio” (mit Capinan), interpretiert von Marília Medalha.
Im folgenden Jahr kam seine dritte LP bei der Philips auf den Markt – darauf wurde der Frevo-Song “No cordão da saideira” ein Hit. Dann komponierte er einige Lieder für das Theaterstück “Marta Saré” von Gianfrancesco Guarnieri, das im Jahr 1969 im Theater João Caetano, in Rio de Janeiro, uraufgeführt wurde. Anfang 1969 nahm er an der MIDEM in Cannes, Frankreich, teil. Zurück in Brasilien – nach einem Abstecher nach New York und Los Angeles – heiratete er im April des Jahres Vanda Sá – mit ihr kehrte er nach Los Angeles zurück, wo er zwei Jahre lang residierte. Er widmete sich während dieser Zeit einem systematischen Musikstudium, absolvierte einen Orchestrations-Kurs bei Albert Harris und einen anderen in Filmmusik, bei Lalo Schiffrin.
Während jener Periode reiste er zusammen mit Sérgio Mendes durch Japan – letzterer produzierte auch die LP “Lobo”, aufgenommen 1971 in Los Angeles und von der A&M Records auf den Markt gebracht. Edu machte Plattenaufnahmen mit Paul Desmond, dem Saxophonisten des Dave-Brubeck-Quartetts, für die LP “Fram the hot afternoon” – mit Kompositionen von ihm selbst, sowie von Milton Nascimento. Unter den in USA aufgenommenen Platten wurde lediglich die LP “Cantiga de Longe” in Brasilien herausgegeben – auf ihr sind Beiträge von Hermeto Paschoal, Airto Moreira, Claudio Slon und Vanda Sá zu hören – letztere feierte ihr Comeback als Interpretin mit dem Lied “Água Verde” (von ihr selbst geschrieben). Edu, 1971 zurück in Brasilien, betätigte sich in erster Linie als Orchestrator und Komponist von Musikuntermalungen bei TV und Film. Er schuf die Musik zum Film von Miguel Borges “O Barão Otelo no barato dos bilhões”. Er komponierte und orchestrierte die Musik zum Theaterstück “Woyzec. Er orchestrierte und arrangierte eine Platte von Marília Medalha und Vinicius de Moraes, und im Jahr 1973 brachte er die LP “Edu Lobo” (bei der EMI) heraus, mit bisher unveröffentlichten Musikstücken – inklusive einer Messe. Noch im Jahr 1973 arbeitete er an der Orchestrierung der Musik zu “Calabar”, oder “O elogio da traição” von Chico Buarque de Holanda und Rui Guerra, einige der Songs wurden 1974 in die LP “Chico Canta” aufgenommen.
1974 und 1975 betätigte er sich als Orchestrator unter Vertrag des TV-Globo – er war verantwortlich für die Musik von 12 Programmen der Serie “Casos Especiais” (Besondere Fälle). 1975 komponierte er mit Vivicius de Moraes die musikalische Untermalung des Musicals “Deus lhe pague”, von Joracy Camargo, mit einer Anpassung von Millôr Fernandes, und brachte im Anschluss die LP mit den Songs dieses Stücks im Verlag der EMI auf den Markt – produziert von Aloysio de Oliveira.
Im darauf folgenden Jahr kam seine LP “Limite das Águas” heraus – und 1977 tourte er durch ganz Deutschland, um diese LP zu promoten, welche im Ausland vom Verlag MPS lanciert worden war.
Ein Jahr später nahm er die LP “Camaleão” auf, die in Brasilien und Japan auf den Markt kam, und auf der Edu zum ersten Mal auch als Interpret zu hören war – mit einem Text von Ferreira Gullar “O Trenzinho do Caipira” von Heitor Villa-Lobos (angepasst und orchestriert von Edu Lobo und Dori Caymmi). 1979 komponierte er die Musik zu dem Film “Barra Pesada” von Reginaldo Farias, der einen Preis beim Festival von Gramado (Rio Grande do Sul) bekam. Im Jahr 1980, nachdem bei der Polygram die LP “Tempo Presente” erschienen war, schrieb und komponierte Edu Lobo das Ballett “Jogos de Dança” für das Theater Guaíra in Curitiba (Paraná), ein Jahr später als LP von der Som Livre auf den Markt gebracht.
Im Jahr 1981 kommt, in Zusammenarbeit mit Tom Jobim, die LP “Edu&Tom” heraus, produziert von Aloysio de Oliveira. 1983, zusammen mit Chico Buarque, komponiert er die Musik für das Ballett “O Grande Circo Místico”, eine Anlehnung von Naum Alves de Souza an das Gedicht “Homônimo“ von Jorge de Lima – damit wurde auch die LP gleichen Titels eingeleitet, herausgegeben von der Som Livre, unter Teilnahme so illustrer Künstler wie Gal Costa, Tom Jobim, Gilberto Gil, Milton Nascimento, Tim Maia und Zizi Possi, unter anderen. Die Orchestrierungen wurden vom Maestro Chico de Moraes vorgenommen, unter Mitarbeit von Edu Lobo.
Die Zusammenarbeit mit Chico Buarque wiederholte sich beim “O Corsário do Rei” von Augusto Boal, und im Jahr 1985 bei “Dança da Meia-Lua” (mit Chico Buarque und Ferreira Gullar) – beide als LPs von Som Livre herausgebracht. 1984 schrieb Edu die Filmmusik zu “O Cavalinho Azul” (Der Blaue Reiter), von Eduardo Escorel, und für “Imagens do Inconsciente” (Bilder des Unterbewusstseins), von Leon Hirszman. 1990 komponierte er die Musik des Kinderprogramms “Rá-Tim-Bum” des TV-Cultura-Kanals von São Paulo, später als CD von Eldorado herausgebracht. Diese Platte gewann zwei Prämien der Sharp.
1992 widmete er sich wieder der Präsentation von Shows mit enormem Erfolg, was ihn dazu bewog, wieder eine Platte als Interpret aufzunehmen: “Corrupião” – von der Velas als CD herausgebracht.
Im Jahr 1994 erhielt er den Shell-Preis als bester Komponist brasilianischer Musik für die Gesamtheit seines Werkes. 1995 bringt er die CD “Meia-Noite” (Mitternacht) heraus, mit orchestrierten Saiteninstrumenten von Cristóvão Bastos, der einen instrumentalen Chor zu Ehren von Tom Jobim präsentiert: “Perambulando”. Diese Platte erhielt den Sharp-Preis als beste Platte der brasilianischen Volksmusik. Im gleichen Jahr kommt das CD-Songbook “Edu Lobo” heraus (Doppelalbum), sowie das Songbook mit handgeschriebenen Partituren von Edu Lobo selbst – beide im Verlag Lumiar, von Almir Chediak. 1997 komponiert Edu die Musik zum Film “Guerra de Canudos”, von Sérgio Resende, dessen Titel-Song einen Text von Cacaso hat. Im gleichen Jahr bringt Edu im Verlag BMG die CD “Album de Teatro” heraus – mit Liedern unter Zusammenarbeit mit Chico Buarque. Edu widmet sich dem Studium von Musikprogrammen im Computer und beginnt mit der Vorbereitung zu einem neuen Songbook – wesentlich vollständiger, mit zirka 120 Songs – einem Projekt, welches immer noch nicht abgeschlossen ist.
Im Jahr 2001 nimmt er die Zusammenarbeit mit Chico Buarque wieder auf und komponiert die Lieder für das Theaterstück “Cambaio”, von João Falcão und Adriana Falcão. Dann produziert er die CD “Homônimo” unter Teilnahme von Zizi Possi und Gal Costa, und teilt sich die Interpretation der Songs mit Chico Buarque – die Orchestration ist von Chico de Moraes. Diese Platte erhält im Jahr 2002 den “Grammy Latino” als beste CD der brasilianischen Musik.
Noch im Jahr 2001 komponiert er, mit Orchestrierung von Nelson Ayres, die Musik zu dem Film “O Xangô de Baker Street“, von Miguel Faria, nach dem gleichnamigen Buch von Jô Soares. Dann reist er nach Israel, um mit Nelson Ayres und Jane Duboc an einen Konzert brasilianischer Musik teilzunehmen (Sounds of Brazil), mit dem Philharmonischen Orchester von Israel, am 15. Mai 2001 im Frederic-R.-Mann-Auditorium, in Tel-Aviv.
Diskographie Edu Lobo
- CAMBAIO – Chico Buarque, Gal Costa, Lenine, Zizi Possi (2002)
- MEIA-NOITE (1996)
- CORRUPIÃO (1993)
- EDU & TOM – TOM & EDU (1981)
- TEMPO PRESENTE (1980)
- CAMALEÃO (1978)
- LIMITE DAS ÁGUAS (1976)
- EDU LOBO (1973)
- SERGIO MENDES PRESENTS LOBO (1970)