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| Ambrosius von Mailand (340-397) - Über die Jungfrauen (De virginibus ad Marcellinam sororem libri tres)

Zweites Buch.
II. Kapitel. Maria das Bild der Jungfräulichkeit [6—14], darum das Vorbild der Jungfrauen auf Erden [15], die Braut- und Chorführerin der triumphierenden jungfräulichen Seelen im Himmel [16—17]. Die Herzen der Jungfrauen Opferaltäre Gottes [18].
9.
Das Haus zu verlassen, ließ sie sich nicht einfallen, außer sie ging zum Gottesdienst, und auch das nur in Begleitung der Eltern oder Verwandten. Zu Hause in einsamer Beschäftigung, außer dem Hause in Begleitung, hatte sie gleichwohl keinen besseren Behüter über sich als sich selbst. In Gang und Rede ehrbar, setzte sie nicht sowohl des Fußes Tritt vorwärts, sondern der Tugend Schritt aufwärts. Mag immerhin eine Jungfrau andere zu ihres Leibes Wächtern haben, zu ihrer Sittenwächterin muß sie sich selbst haben. Viele wird es geben, von denen sie lernen kann, wenn sie ihre eigene Lehrerin bleibt, welche die Tugenden zu Lehrmeisterinnen hat. Ihr ganzes Handeln ist eine Tugendschule. So achtete Maria auf alles, als ließe sie sich von vielen mahnen; so erfüllte sie alle Tugendpflichten, daß sie nicht sowohl Schülerin denn Lehrerin war,