Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/2256

King Crimson – Red
Besetzung:
Robert Fripp – guitar, mellotron
John Wetton – bass guitar, vocals
Bill Bruford – drums, percussion
Gastmusiker:
David Cross – violin on "Providence"
Mel Collins – soprano saxophone on "Starless"
Ian McDonald – alto saxophone on "One More Red Nightmare" and "Starless"
Mark Charig – cornet on "Fallen Angel", bass cello on "Red"
Robin Miller – oboe on "Fallen Angel"
Label: Island Records
Erscheinungsdatum: 1974
Stil: Progressive Rock
Trackliste:
1. Red (6:16)
2. Fallen Angel (6:02)
3. One More Red Nightmare (7:07)
4. Providence (8:09)
5. Starless (12:16)
Gesamtspieldauer: 39:54
„Red“ heißt das sechste und damit vorerst letzte Album, der nun zum Trio geschrumpften King Crimson, welches im Oktober 1974 veröffentlicht wurde. Nach dieser Platte löste Robert Fripp die Band auf und seiner Meinung nach sollte dies auch endgültig sein. Nun schön, dass dem dann doch nicht so war. Es sollten noch jede Menge weiterer Platten folgen, auch wenn diese Auflösung einige Jahre des Wartens für die Fans mit sich brachte.
Im Vorfeld zu den Aufnahmen für „Red“ hatte der Violinist David Cross die Band verlassen, da er sein Instrument in der Musik von King Crimson nicht richtig gewürdigt sah. Trotzdem ist er auf „Red“ noch mit vertreten und zwar auf der Live-Improvisation „Providence“, die im Palace Theatre, Providence, USA, am 30 Juni 1974 eingespielt worden war. Diese Nummer ist auch der einzige „Wehmutstropfen“ auf „Red“, da sich diese Improvisation zugegebenermaßen sehr zäh gestaltet und hinzieht. Dabei von Musik zu sprechen ist auch durchaus gewagt, denn bei „Providence“ handelt es sich eher um ein Klanggebilde, ohne jegliche Form und Kontur, das zunächst gehaucht, sphärisch durch den Raum schwebt, um später dann in einen kraftvollen bis aggressiven Teil überzugehen.
Das soll es allerdings gewesen sein, mit den Kritikpunkten auf „Red“. Rockig startet das Album mit dem Titelstück. Zwar ist die Nummer nicht allzu schnell, wirkt jedoch unglaublich kraftvoll, düster und irgendwie bedrohlich. Dieses reine Instrumentalstück, bildet den spannenden Aufgalopp für eine ganze Reihe sehr guter progressiver Rocklieder. „Fallen Angel“ konterkariert dann jedoch gleich die einmal eingeschlagene Stimmung. Lieblich verspielt startet die Nummer, um sich im weiteren Verlauf auch immer weiter zu steigern. Einfach nur genial umgesetzt. Schließlich wird mit diesen beiden Parts ein wenig gespielt, die Stimmungen gehen ineinander über und Kornett und Oboe tragen zu einer unfassbar einnehmenden Atmosphäre bei. Das folgende „One More Red Nightmare“ startet sofort kraftvoll durch, mündet in einen etwas ruhigeren Instrumentalteil, der vom Saxophon des Ian McDonald dominiert wird. Das klingt alles sehr melodiös, allerdings durchaus auch rau und kantig.
Nun und schließlich folgt mit „Starless“ eines der besten Lieder von King Crimson überhaupt. Und nicht nur das, es ist einer der besten Titel überhaupt, der in diesem Musikgenre jemals komponiert und geschrieben wurde. Die Nummer vereinigt alles in sich, was Musik nur in sich vereinigen kann. Melodiösität, Abwechslungsreichtum, rauschende Rhythmen, Fülle, Spannung und so weiter. Ein wahrlich sehr bewegender Titel. Beginnt alles mit einer sehr harmonischen Gesangsmelodie, so geht die Nummer nach etwas über vier Minuten in einen fast schon hypnotisch zu bezeichnenden Gitarrenteil über, in dem Robert Fripp immer nur einzelne Töne anspielt, darum herum platzieren sich die anderen Instrumente. Das Ganze steigert sich und steigert sich und steigert sich und gipfelt schließlich in einem Rausch, der Freunden dieses Musikstils die Tränen in die Augen treibt. Doch damit nicht genug, zur Krönung dieses Titels bekommen dann auch noch Mel Collins und Ian McDonald mit ihren Saxophonen ihren Einsatz. Es wird noch ein wenig aggressiver und mündet letztendlich in alles überstrahlender Harmonie. Einfach nur genial.
Fazit: Ein ganz großer Dank an King Crimson für dieses musikalische Geschenk. Eine fast perfekte Platte, die bewegt. Schade, dass hier erst mal Schluss war. „Red“ knallt rein und packt, wenn man denn mit dieser Art der Musik etwas anzufangen weiß. Für mich eines der ganz großen Alben der modernen Musik und wenn es diese Improvisation nicht geben würde, hätte die Platte auch noch ein Pünktchen mehr erhalten. Vierzehn Punkte.
Anspieltipps: Fallen Angel, Starless