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Die grösste Mülldeponie der Welt entstand im Verlauf weniger Jahrzehnte an einem Ort, wo sie kaum jemand bemerkte: mitten im Pazifischen Ozean. Meeresströmungen trugen dort Zehntausende von Tonnen Plastikmüll zusammen, auch bekannt unter dem Namen „Great Pacific Garbage Patch“ (oder auf Deutsch „Grosser Pazifischer Müllteppich)“.
Die Grösse des Müllteppichs im Pazifischen Ozean zwischen Kalifornien und Hawaii ist schwer zu bestimmen, und er ist nicht die einzige lokale Ansammlung von Abfällen im Meer. Doch Messungen von Schiffen und Flugzeugen zeigen, dass dieser „Great Pacific Garbage Patch“ mit 1,6 Millionen km² wohl etwa dreimal die Grösse von Frankreich hat. Der Nordpazifikwirbel, eine der grossen ozeanischen Meeresströmungen, treibt dort den im Wasser schwimmenden Müll zusammen. Insbesondere Plastikabfälle verbleiben dann jahre- oder sogar jahrzehntelang in diesem Strudel.
Hauptsächlich Plastik
Es sind etwa 1.8 Billionen Plastikstücke mit einem Gesamtgewicht von 80'000 Tonnen, die allein in diesem Gebiet auf dem Meer treiben. Grössere Stücke wie ausgediente Fischernetze, Kisten oder Flaschen machen etwa 92% der Gesamtmasse aus. Für die restlichen 8% sind unzählige kleine und kleinste Plastikteilchen verantwortlich, das so genannte Mikroplastik. Das Plastik stammt aus ganz unterschiedlichen Quellen. Bei einer Stichprobe von mehreren Hundert Plastikstücken, deren Beschriftung man noch lesen konnte, stammte ein Drittel aus Japan; man vermutet, dass sie als Folge des Tsunamis von 2011 ins Meer gespült wurden.
Insgesamt scheint gut die Hälfte des Materials aus der Fischerei oder Fischzuchtbetrieben zu kommen. Diese Gegenstände befanden sich also bereits im Meer, als sie noch in Gebrauch waren. Das ist interessant, denn aufgrund von Berechnungen hätte man eigentlich erwartet, einen höheren Anteil von Abfällen zu finden, die ursprünglich an Land entsorgt wurden und dann ins Wasser gelangten. Was ist mit diesen Abfallmengen passiert, von denen man weiss, dass sie weder recycliert noch verbrannt oder kontrolliert gelagert wurden? Die Antwort ist wohl, dass der grösste Teil des Mülls nicht schwimmt und auf den Grund des Meeres gesunken ist – wo er auch noch lange Zeit bleiben wird. Aktuelle Studien beschreiben den Fund von jahrzehntealten Plastikstücken in der Tiefsee, die keinerlei Spuren von Zersetzung aufweisen.
Die Folgen der Ansammlung von nicht abbaubarem Plastikmüll in den Weltmeeren sind bekannt: Grössere Tiere verfangen sich in Plastikverpackungen, und Hunderttausende von Meereslebewesen, insbesondere Seevögel, nehmen unverdauliche Plastikteile mit der Nahrung auf und verhungern. Insbesondere kleine Plastikteile und Mikroplastik (< 5mm) binden an ihrer Oberfläche Giftstoffe; werden sie von Meerestieren gefressen, reichern sich die Schadstoffe in der Nahrungskette an und können letztlich auch wieder auf unserem Teller landen.
Gegen das Müllproblem in der Umwelt hilft jedoch nur das Recycling von Kunststoff, wenn immer dies möglich ist, oder zumindest die korrekte Entsorgung. Denn in der Natur dauert es schätzungsweise 500 Jahre, bis sich ein Joghurtbecher zersetzt! Der grösste Teil des Abfalls im Meer stammt aus Ländern mit langen Küstenlinien, die dicht besiedelt sind und wo dementsprechend viele Plastikabfälle produziert werden. Nicht überall gibt es jedoch eine funktionierende Infrastruktur für die Entsorgung und das Recycling von Abfällen. Es muss also auf der ganzen Welt daran gearbeitet werden, dass möglichst viele wiederverwendbare Materialien eingesetzt und Abfälle reduziert oder sinnvoll entsorgt werden, so dass sie nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangen.