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Schon bei den Neanderthalern dienten Hüte aus Blättern zum Schutz vor Sonne, Wind und Wetter. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts in der Zeit des Reformators Ulrich Zwingli entstand der Eisenhut, der den Träger im Streit gegen Nachbarn schützte.
Der Hut erfülle in seiner Geschichte zwei Funktionen, sagt Kulturhistoriker und Hut-Experte Tobias Engelsing. Er sei einerseits Schutz und Abwehr, andererseits Schmuck und Hohheitsabzeichen.
Zum Einsatz kam der Hut als soziales Rangabzeichen etwa während der Französischen Revolution im 18. Jahrhundert. So setzten sich die Aufständischen mit ihrer roten Revolutionsmütze «Bonnet Rouge» ab von den vornehmen Franzosen mit ihren federnbesetzten Zweispitzhüten.
Auch der Gesslerhut war ursprünglich ein Zeichen der Unterdrückung – wandelte sich dann aber im Laufe der Zeit zum Freiheitshut. So kam der Hut vom sozialen Rangabzeichen langsam ins Volk.
Das wichtigste ist das, was ein Mann auf dem Kopf trägt. Das unten ist eine auswechselbare Figur
Im 19. Jahrhundert trugen Frauen Hüte aus Wagenrädern, dekoriert mit Pfauenfedern. «Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gingen ein Mann und eine Frau nicht aus dem Haus, ohne eine Kopfbedeckung zu tragen», sagt Engelsing. Der Hut galt bis im 20. Jahrhundert als Zeichen des Wohlstandes. Zelebriert werden prachtvolle Kopfbedeckungen noch heute am königlichen Pferderennen im britischen Ascot.
Ausserdem tragen noch heute Mächtige eine Kopfbedeckung als Abzeichen ihrer besonderen Funktion. «Mächtige Menschen muss man kennzeichnen», sagt Kulturhistoriker Tobias Engelsing. Kronen und Hüte würden noch heute diesen Zweck erfüllen. Napoleon beispielsweise sei ein kleiner Mann gewesen und sei mit dem Hut als mächtiger Mensch gekennzeichnet worden. «Das wichtigste ist das, was ein Mann auf dem Kopf trägt. Das unten ist eine auswechselbare Figur.»
Schutzhelm auf dem Eisengaul
Der Helm unserer Zeit sei der Fahrradhelm, sagt Tobias Engelsing. «Ähnlich wie der Ritter, der auf seinem Gaul losgeritten ist, muss der Mann auf dem Eisengaul schauen, dass sein Kopf geschützt ist. Dafür hat er mit dem Fahrradhelm ein ästhetisches Element geschaffen, das praktisch ist.»
Der Kulturhistoriker wagt auch einen Blick in die Zukunft: «Die aktuelle Mode ist sehr kappenorientiert. Ich prophezeihe, dass in absehbarer Zeit farbige, grosse Hüte in biedermeierliche Formen wieder kommen.»