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Mario Vargas Llosa, Das grüne Haus
2010 erhielt der peruanische Schriftsteller Mario Margas Llosa, geboren 1936, den Nobelpreis für Literatur zugesprochen - „für seine Analyse der Machtstrukturen mit messerscharfen Bildern“. Llosa kritisierte als Journalist, Essayist und Romancier stets die undemokratischen und korrupten links- und rechtsgerichteten Systeme. Als einer seiner wichtigsten Romane gilt „Das grüne Haus“, das im nordperuanischen Amazonasgebiet spielt. Das Buch gewährt einen tiefen Einblick in eine gemischte Gesellschaft mit niedriger Schwelle zur Gewaltbereitschaft und einer rassistischen Klassenordnung.
Llosa entwickelt fünf Hauptstränge, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben: Die Geschichte des geraubten Indiomädchens Bonifacia, den Lebenslauf des japanischen Abenteurers Fushia, die Machenschaften der korrupten Kautschukhändler, die schillernde Figur des Bordellgründers (das grüne Haus) Don Anselmo und die Beschreibung und Charakterisierung der häufigsten Gäste des grünen Hauses.
Die Einwohner von Piura, einer peruanischen Kleinstadt, sind aufgebracht, als der Fremdling Don Anselmo plötzlich ein Bordell eröffnet, in welchem Musik, Tanz und Erotik als Gipfel der Unsittlichkeit herrschen. Eines Tages brennen sie unter der Führung des Padre Garcia das Haus nieder, machen es dem Erdboden gleich. Verbunden mit der Geschichte des grünen Hauses ist u.a. das Leben des Indiomädchens Bonifacia, das von Glaubensschwestern aus dem schwer zugänglichen Urwald entführt worden war, um es „auf den richtigen Weg zu einem christlichen Leben und zur Zivilisation“ zu bringen.
Es ist ein kompliziertes Buch. Llosa springt von einer Geschichte zur andern, von einer Zeit zur nächsten oder zur vorherigen. Es gibt Handlungslücken, plötzliche neue Situationen, Überblendungen. Der Leser muss sich in diesem Puzzle zurecht finden. Das ist nicht einfach, aber von Lloas beabsichtigt. Es lag zur Zeit, als „Das grüne Buch“ (Erstausgabe 1965) erschien, in der Absicht des Autors, die Desorientierung, welche die Sinnsuche seiner Romanfiguren charakterisiert, auch beim Leser hervor zu rufen. Das ist ihm in „Das grüne Buch“ hervorragend gelungen. Die Leser sehen sich vor der schwierigen Aufgabe, die Übersicht über die vielfältigen Geschehnisse zu behalten.
Teddy Buser (2011)
Buchinformation
Mario Vargas Llosa, Das grüne Haus, Taschenbuch
IBSN 978-3-518-36842-8, 504 Seiten