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Von Petra Helm und Christian Marty, Ars Artis
Konzept zur Erhaltung des Gemäldes
Nach dem Tod von Eduard von Mayer 1960 verlotterte das Sanctuarium Artis Elisarion in Minusio. Auch das Rundbild nahm Schaden, insbesondere waren Wasserschäden infolge des undichten Daches zu beklagen. 1973, nach dem Tod der ehemaligen Haushälterin, ging die Verfügungsgewalt über das Gebäude an die Gemeinde Minusio. Nach Jahren von politischem Hin und Her entschloss man sich, das Haus in ein Kulturzentrum für die Gemeinde umzubauen.
Das Rundgemälde, gerettet von Harald Szeemann, fand seinen Platz in einem Pavillon auf dem Monte Verità. Auch am neuen Standort verschlechterte sich der Zustand des Gemäldes zusehends.
Der Verein Pro Elisarion – gegründet 2008 mit dem Ziel, das Werk von Elisàr von Kupffer und Eduard von Mayer zu bewahren und einer grösseren Öffentlichkeit bekannt zu machen – gab die entscheidenden Impulse. Es konnte ein Konzept erarbeitet werden für den längerfristigen Erhalt und eine zeitgemässe Präsentation des bislang stiefmütterlich behandelten Rundgemäldes. Dabei sollten auch Spiritualität und Aura, so wie sie einst nach 1939 im Sanctuarium in Minusio herrschten, in Ansätzen wieder erfahrbar gemacht werden.
Das Konzept beinhaltete neben der Gesamtrestaurierung des Gemäldezyklus auch die Rekonstruktion eines verschollenen Bildteiles von 1.8 x 2.5 Metern Grösse, den Nachbau des nach 1973 zerstörten Baldachins sowie eine kleine Begleitausstellung über die Gedankenwelt Elisàr von Kupffers.
Der Kerngedanke des Restaurierungskonzepts für das Gemälde beruhte auf der Idee, die 17 einzelnen, ungleichmässig geformten Gemäldeteile zu einem Rundbild zusammenzufügen, analog den Grosspanoramen aus dem 19. Jahrhundert. Um das zu erreichen, wurden die einzelnen Gemäldebahnen an einem Holzring (Pfettenkranz) befestigt, zusammengefügt und am unteren Gemälderand mit Hilfe von Gewichten und eines Metallringes zum Kreis gespannt. Das 3.3 Meter hohe Gemälde weist nun einen Umfang von 28.6 Meter und einen Durchmesser von rund 9,0 Metern auf, was einer Fläche von 94 m2 entspricht.
Konservierungsarbeiten
Um jedoch mit den Restaurierungsarbeiten überhaupt anfangen zu können, musste das bestehende Gebäude saniert werden, um die Nachhaltigkeit der Restaurierung gewährleisten zu können und musealen Standards zu entsprechen.
Damit die Bauarbeiten durchgeführt werden konnten, ohne das Gemälde zu beschädigen, wurden die einzelnen Bildbahnen in einem extra zu diesem Zweck konstruierten Rollgerüst aufgehängt und mit Plastikbahnen geschützt (Abb. 1 und 2). So konnte der Umbau ohne Gefahr für das Bild durchgeführt werden.
Da sich die einzelnen Bildteile konservatorisch ein einem sehr schlechten Zustand befanden, mussten in einer ersten Arbeitsetappe die unzähligen Falten und Wellen des Malgewebes mit Hilfe von Vakuum und speziellen Unterdrucktischen planiert werden. Auch die abblätternde Malschicht wurde auf diese Art und Weise gefestigt und damit gerettet. Anschliessend konnte dann das Gemälde gereinigt werden, um ihm einen Teil seiner ursprünglich lebhaften Farbigkeit zurückzugeben.
Eine grosse Herausforderung stellte das Zusammenfügen der völlig unregelmässigen Bildbahnen dar, um sie in genau gerader Linie am Pfettenkranz zu befestigen. Das wurde durch Ansetzen von Gewebestreifen erreicht, um das für die Spannung notwendige Rechteck zu erreichen. Um die Gemäldebahnen auch am Pfettenkranz fixieren zu können, wurden an den Rändern gelochte Kunststoffstreifen eingearbeitet (Abb. 4).
Anschliessend mussten die Bildbahnen genauso positioniert werden, dass sich nach dem Verbinden derselben die Darstellungen exakt zusammenfügte. Durch den Metallring am unteren Bildrand und die am Bild befestigten Gewichte wurde der für Panoramen typische Hyperboloid erreicht. (Abb. 5).
Restaurierung
Erst nach Abschluss dieser Arbeiten konnte die Restaurierung des Gemäldes durchgeführt werden. Da das Budget beschränkt war, entschloss man sich, zunächst den stark zerstörten Himmel wieder so zu retuschieren, dass sich dem Betrachter ein einheitlicherer Eindruck des Gemäldes vermittelt. Ein grosser Teil des Gemäldes muss zu einem späteren Zeitpunkt fertig gestellt werden, um die ursprüngliche Farbigkeit und Leuchtkraft der Malerei Elisàr von Kupffers wieder erlebbar zu machen.
Rekonstruktion
Ein ganz wesentlicher Teil der Rekonstruktionsarbeiten betraf die Ergänzung des Bildteils über dem Eingang. Die sog. «Supraporte» (etwa 3.5 m2) gilt als verschollen und wurde anhand eines hist. Schwarzweissfotos so rekonstruiert, dass sich das Rundgemälde wieder geschlossen präsentieren kann. Vorgängig musste dazu eine neue Eingangssituation aus einer hölzernen Stangenkonstruktion geschaffen werden (Abb. 6 und 7).
In Bezug auf die restliche Gestaltung des Eingangsbereichs sowie der Abdeckung an Bildober- und Unterkante wurde eine vereinfachte und zurückhaltende Farbgebung gewählt.
Um das historische Erlebnis des «Sanctuariums» für den Besucher wieder nachempfinden zu können, wurde im Innern des Rundbildes der Baldachin nach alten Fotos und Aquarellen mitsamt seiner floralen Ausstattung rekonstruiert.
Die farbliche Ausgestaltung des Vorraumes beruht auf einem Aquarell Elisàr von Kupffers, welches den ursprünglichen Vorraum in einem dunklen Blau zeigt.
Die Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten am Gemälde wurden durch Petra Helm, Christian Marty und Wolfgang Müller ausgeführt.
Die Rekonstruktion des Baldachins erfolgte durch Roger Martin in Zusammenarbeit mit dem Verein Pro Elisarion.