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Seit über 130 Jahren gibt es die Holzschnitzereischule in Brienz. Sie ist wohl die bekannteste des Landes. Die Präzisionsarbeit der Handwerker fasziniert auch heute noch viele Leute. Was sich im Laufe der Jahre zur Kunst entwickelte, begann ursprünglich als einfaches Handwerk der einheimischen Berufsleute.
Die meisten von ihnen waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Armut betroffen. Als Begründer der gewerbsmässig betriebenen Holzschnitzerei gilt Christian Fischer. Im Hungerjahr 1816 begann er seine gedrechselten Holzgegenstände an die Touristen zu verkaufen. Die Eierbecher, Pokale und Dosen verzierte er mit kunstvollen Schnitzereien. Da der Tourismus zu dieser Zeit einen Aufschwung erlebte, funktionierte das Geschäft. Der Verkauf der Souvenirartikel entwickelte sich zum blühenden Wirtschaftszweig. Viele Leute konnten sich so einen Nebenverdienst erwirtschaften, manche sogar den Hauptverdienst. Das Sortiment wurde bald mit Skulpturen von Tieren, Jägern, Willhelm Tell und Häusern erweitert. Die Holzbildhauerei entwickelte sich zur Kunst. Später folgten Möbel und Raumtäferungen. 1851 erzielte die Brienzer Holzschnitzerei an der Weltausstellung in London einen ersten internationalen Erfolg. 1884 wurde die Schnitzlerschule in Brienz gegründet. Diese förderte fortan nicht nur die handwerklichen Grundlagen, sondern auch die Vermittlung und Weiterentwicklung der nationalen und internationalen Tendenzen im Kunsthandwerk. Neue Stile verbreiterten das Sortiment der Skulpturen. Anfangs des 20. Jahrhunderts folgte der wirtschaftliche Einbruch. Der Fortschritt der Bauindustrie und der neue Lebensstil der Menschen führten dazu, dass die Holzbildhauerei kaum noch Interesse fand. Die beiden Weltkriege schwächten den Tourismus und somit auch den Absatz der begabten Bildhauer. Trotz der Konjunkturerholung in den 20er Jahren hatte das Holzbildhauergewerbe mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Ausländische Holzschnitzereien wurden importiert. Dazu kamen die Einführung von Exportbarrieren und Zöllen. Auch der Nachwuchs war nicht vorhanden. Eine Renaissance erlebte die Holzschnitzerei nach 1974. Junge Handwerker entdeckten den Beruf des Holzbildhauers neu. Die Schnitzlerschule verzeichnete Rekordanmeldungszahlen. Die Zahl der Anmeldungen ist seither gesunken. Heute leben die „Schnitzler“ vor allem von Spezialaufträgen.