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Die eigens durch mich entwickelte Crosspunch-Methode
Vorwort
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
mit diesem Artikel möchte ich Ihnen in kompakter Form aufzeigen, wie die von mir neu entwickelte Eigenhaarverpflanzungstechnik Crosspunch dazu eingesetzt werden kann, ein ästhetisch besonders ansprechendes Behandlungsergebnis zu erzielen. Dabei soll zunächst darauf eingegangen werden, welche Indikationen für eine Eigenhaarverpflanzung bestehen, um Ihnen anschliessend aufzuzeigen, wie sich Crosspunch von anderen Techniken unterscheidet und welche Haartypen für diese Technik besonders geeignet sind. Auf diese Weise soll Ihnen der folgende Artikel als Vorbereitung für ein Aufklärungsgespräch bei mir dienen, wenn Sie Interesse an weiterführenden Informationen haben.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen!
Ihre Angela Lehmann
Welche Gruppen von Haarausfall gibt es?
Grundsätzlich lassen sich zwei verschiedene Formen des Haarausfalls (medizinisch auch als Alopezie bezeichnet) unterscheiden, die unterschiedliche Auswirkungen auf die Entscheidung für oder gegen eine Eigenhaartransplantation haben. Diese Unterscheidung wird anhand der Ursache des Haarausfalls getroffen.
Zum einen gibt es die sogenannten reversiblen Alopezien. Der Ausdruck reversibel bezeichnet dabei die Tatsache, dass der Haarausfall prinzipiell wieder rückgängig gemacht werden kann beziehungsweise zu erwarten ist, dass er aufgrund äusserer Tatsachen von alleine aufhört und die Haare künftig wieder normal wachsen. Zu dieser Form des Haarausfalls zählt beispielsweise die diffuse Alopezie. Diese bezeichnet, im Gegensatz zum kreisrunden Haarausfall, das Lichterwerden des gesamten Haupthaars, das heisst also, dass nicht, wie im Fall von Geheimratsecken, klar definierte Kopfhautareale betroffen sind, sondern die Gesamtzahl der Haare abnimmt.
Eine weitere Form des reversiblen Haarausfalls ist jene, die Frauen in der Zeit nach einer Geburt betreffen kann. Auch Stoffwechselerkrankungen und -veränderungen, wie sie bei Schilddrüsenfehlfunktionen, einer strengen Diät, der Aufnahme von zu viel Vitamin A, der falschen Einstellung von Diabetikern oder Vergiftungen mit Schwermetallen, wie Thallium, Kadmium oder Quecksilber, auftreten, können für reversible Alopezien verantwortlich sein. Regelmässig sind auch Menschen, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, von der reversiblen Form des Haarausfalls betroffen. Für diese Typen des Haarausfalls ist keine Eigenhaartransplantation angezeigt, da der Haarverlust prinzipiell umkehrbar ist.
Gedanken über eine Eigenhaartransplantation können sich insbesondere Menschen machen, die unter einer unumkehrbaren (also irreversiblen) Form des Haarausfalls leiden. Auch diese Gruppe der Alopezie kann mehrere Ursachen haben. Die häufigste Alopezie dieses Typs ist die androgenetische Alopezie, bei welcher aufgrund der Verstoffwechselung des Sexualhormons Testosteron die Haarfollikel verkümmern. Auch Narbenbildung, beispielsweise infolge von Verletzungen, Operationen, Verbrennungen, führt zu einem unwiederbringlichen Verlust der Haare auf dem betroffenen Areal. Ebenso führen psychische Erkrankungen, wie das zwanghafte Ausreissen der eigenen Haare (Trichotillomanie), zu irreversiblen Alopezien. Eine Eigenhaartransplantation kann auch bei der eigentlich reversiblen Alopecia areata, einer spontan auftretenden und in der Regel auch wieder verschwindenden Immunreaktion gegen die eigenen Haare, indiziert sein, wenn das erkrankte Areal schon über Jahre hinweg unverändert stabil bleibt.
Welche Haare sind am besten für eine Eigenhaartransplantation geeignet?
Wie allgemein bekannt ist, kann das menschliche Haar in vielen Farben und auch Formen vorkommen und somit für seine Träger ein Symbol der Individualität sein. Dementsprechend wichtig ist das Erscheinungsbild der Haare für das ästhetische Empfinden der meisten Menschen. Doch nicht jedes Haar ist gleichermassen gut für eine Eigenhaartransplantation geeignet.
Der nachfolgende Abschnitt soll Ihnen einen Eindruck dahin gehend vermitteln, welcher Haartypus besonders gut für eine Verpflanzung geeignet ist. Was die Farbe des zu transplantierenden Haars angeht, so eignet sich weisses beziehungsweise blondes Haar am besten für eine Eigenhaartransplantation. Dies liegt darin begründet, dass blonde Menschen in der Regel über eine höhere Anzahl von Haarfollikeln verfügen und somit grundsätzlich mehr verpflanzbare Haare aufweisen. Weiterhin enthalten helle Haare im Gegensatz zu dunklen nur wenige Farbpigmente.
Damit geht im Falle einer Transplantation der günstige Umstand einher, dass die hellen Haare und die helle, haarlose Kopfhaut in keinem dominanten optischen Kontrast stehen und somit weniger auffallen. Ein weiterer Vorteil ist es, wenn die Haare eine gewellte, gelockte oder sogar gekrauste Struktur aufweisen. Durch eine derartige Struktur wirkt das zu verpflanzende Haar optisch voluminöser, was wiederum das Kaschieren von den von Alopezie betroffenen Kopfhautflächen erleichtert und den Patienten ein ästhetischeres Behandlungsergebnis sichert. Andererseits stellt die Transplantation von hellem und gekraustem oder gelocktem Haar eine besondere Herausforderung für den behandelnden Therapeuten dar. Diese ergibt sich aus der anatomischen Besonderheit, dass Haare mit einer derartigen Struktur meistens aus einem elliptisch geformten Haarfollikel wachsen, was sehr hohe Präzisionsansprüche an die Extraktion und die Implantation stellt. Gleichzeitig muss beim sogenannten Splitting, der Herstellung von Feinimplantaten (siehe auch „Möglichkeiten und Grenzen der Eigenhaartransplantation“), äusserst vorsichtig vorgegangen werden, um die entnommenen Follikel nicht zu verletzen, was zu einem Follikelverlust führen würde.
Mit welchen Haartypen lassen sich am effektivsten Einzelhaartransplantate herstellen?
Für die Herstellung von Feintransplantaten, auch Micro Grafts genannt, mit nur einem oder zwei Haaren sind dunkle, gerade und dicke Haare besser geeignet, da sie aufgrund der eingelagerten Pigmente für den behandelnden Operateur am besten sichtbar sind. Gleichzeitig sind die Follikel dieser Haare gerade, was das Splitting (das Teilen der Haarfollikel enthaltenden Gewebestücke) zusätzlich erleichtert.
Ein Nachteil besteht allerdings darin, dass dunkelhaarige Personen mit dickerem Haar über weniger Haarfollikel als Personen mit hellem, feinem Haar verfügen. Auch der Vorteil blonder, gekrauster Haare die das sie Kaschieren der Kopfhaut besser ermöglichen, verkehrt sich im Fall von dunklen, geraden Haaren zum Nachteil. So bilden stark pigmentierte Haare einen besonders dominanten optischen Kontrast zur meist helleren Kopfhaut. Kopfhautareale mit weniger Haaren wirken somit auffälliger und erfordern ein entsprechendes Geschick des behandelnden Operateurs, um ein ästhetisch anspruchsvolles Behandlungsergebnis zu generieren. Dieser dominante Kontrast zeigt sich vor allem am Haaransatz. Nachfolgende Abbildung zeigt die Gesamtzahl an Haarfollikeln aufgeschlüsselt nach Haarfarbe, die Europäer durchschnittlich besitzen.
Was ist unabhängig von der gewählten Technik bei jeder Transplantation zu beachten?
Bei den meisten Patienten sind, bis ein ästhetisch zufriedenstellendes Ergebnis erreicht ist, zwei Eigenhaartransplantationen notwendig. Dies liegt darin begründet, dass die Anzahl der entnehmbaren Haartransplantate begrenzt ist und zudem eine gewisse Zeitspanne und ein gewisser Platz notwendig sind, damit sich ein sogenannter Kollateralkreislauf ausbilden kann. Dies ist die Bezeichnung für einen physiologischen Umgehungskreislauf, beispielsweise der Blutversorgung, welcher die frisch implantierten Follikel auf dem Empfängerareal versorgt, damit diese zum einen gut einwachsen können und zum anderen später kräftig genug sind, um Haare zu produzieren.
Wird der Abstand zur Ausbildung des Kollateralkreislaufs auf dem Empfängerareal zu klein gewählt oder dem Gewebe nicht ausreichend Zeit gegeben, um den Kreislauf auszubilden, kann es zum örtlichen Zusammenbruch der Nährstoffversorgung im Gewebe kommen, was zum Absterben der betroffenen Areale führt, wodurch eine Nekrose (totes Gewebe, entsteht. Zudem kommt es nach jeder Eigenhaartransplantation zu einer minimalen Kontraktion der Wundfläche, was nach Abheilen des Empfängerareals den Zwischenraum, der zwischen den Implantationsorten gelassen wurde, etwas breiter erscheinen lässt. Dieser Zwischenraum kann mit einer zweiten Operation noch ästhetisch optimiert werden.
Ist es richtig, dass feinere Implantate zu einem natürlicheren Ergebnis führen?
Diese Aussage trifft mit Sicherheit beim Aufbau einer Haarlinie am Stirnansatz zu, ansonsten ist sie nur bedingt richtig. Massgeblich hängt dies von der Haarstruktur, der Beschaffenheit des Empfängerareals (eventuelles Narbengewebe in der Folge von Operationen nach Tumorresektion, Schädelverletzungen, Verbrennungen, Infektionen, Verätzungen etc.) sowie der Technik ab, mit welcher das Empfängerareal vorbereitet wird.
Bei stark gelocktem Haar kann es von Vorteil sein, ein Transplantat mit drei bis vier Haaren zu implantieren, damit sich auch auf dem Empfängerareal eine natürliche Locke ausbilden kann. Dabei muss unbedingt berücksichtigt werden, dass das Empfängerareal mit dem gleichen Bohrerdurchmesser wie jener des Transplantats vorbereitet wird. Dies hat den Vorteil, dass somit auch der natürliche Abstand zwischen den einzelnen Haaren gewährleistet wird. Das Implantieren von mehreren Haaren führt bei der sogenannten Slit Incision unweigerlich zu einem Büscheleffekt.
Die Slit Incision basiert auf der Methode, dass mithilfe eines Skalpells auf der Empfängerstelle kleinste Einschnitte vorgenommen werden und das Transplantat mit einer Pinzette direkt in diesen Schlitz eingesetzt wird. Werden bei diesem Haartyp ausschliesslich Transplantate mit nur ein oder zwei Haaren implantiert, kann der Eindruck entstehen, dass ein künstliches Haarersatzteil verwendet wurde und somit optisch nicht mit dem Haarkranz beziehungsweise der Spenderfläche übereinstimmt und so einen unnatürlichen Effekt erzeugt.
Welcher Haartyp ist am besten geeignet, haarlose Kopfhaut mittels Eigenhaartransplantation zu kaschieren?
Die meisten Menschen besitzen am Oberkopf einen Haarwirbel, der genetisch bedingt kreisförmig ist und durch den der Haarwuchs von dort in Richtung Stirn verläuft. Das schwarze, gerade Haar neigt eher dazu, sich in Strähnen zu teilen, wodurch die haarlosen Areale in der Folge des zusätzlichen Kontrasts mit der Kopfhaut deutlich sichtbar erscheinen. Unabhängig von der Haarfarbe kaschiert lockiges und krauses Haar einen Wirbel und einen Scheitel wesentlich besser.
Somit sind diese Haartypen vorteilhafter, um haarlose Areale zu überdecken, und sie erzeugen darüber hinaus optisch ein zusätzliches Volumen. Der optische Effekt, welcher durch lockiges oder gerades Haar erzielt wird, ist in folgender Abbildung anhand einer Darstellerin mit verschiedenen Frisuren zu sehen. Das lockige Haar verdeckt die Kopfhaut ungleich besser als gerades Haar.
Wozu wurde die Crosspunch-Technik entwickelt und welches Ziel verfolgt sie?
Immer wieder wird beschrieben, dass beim Implantieren der Transplantate die natürlichen Haarwuchsrichtungen berücksichtigt werden müssen. Dies stimmt aber nur bedingt, denn durch die entstandene Glatzenbildung besteht nicht mehr die gleiche Ausgangssituation.
Dies bedeutet, dass sich durch den Haarausfall auch die Anzahl der Haarfollikel verringert. Da aber auch weiterhin Haare am Haarkranz erforderlich sind, muss mit der verfügbaren Spenderfläche und somit den restlichen vorhandenen Haarfollikeln versucht werden, ein möglichst optimales Resultat zu erzielen, was das haarlose Areal bestmöglich kaschiert. Durch die neue Haartransplantationstechnik Crosspunch kann das Resultat der optischen Haardichte noch zusätzlich verbessert werden. Die neue Methode hilft, die kahle Kopfhaut besser zu kaschieren. Gleichzeitig ist es mit ihr möglich, den kahlen Hautstreifen am Haarkranz, welcher in der Folge des fortschreitenden Haarausfalls entstehen und sich somit senken kann, nicht so dominant erscheinen zu lassen.
Wie müssen Haare und Empfängerareal beschaffen sein, um Crosspunch anwenden zu können?
Die Crosspunch-Methode wurde speziell für gerades Haar entwickelt und sie kann unabhängig von Farbe oder Dicke der Haare eingesetzt werden. Dies ist möglich, da lockige und gekrauste Haare bereits von Natur aus den Effekt erzielen, welcher durch Crosspunch auch für gerades Haar am Haaransatz teilweise möglich gemacht wird. Das optisch bessere Ergebnis wird bei der Crosspunch-Methode dadurch erzielt, dass das Empfängerareal auf dem Oberkopf in feinen, abgestimmten Winkeln vorbereitet wird. Dies erfordert viel Geschick des Operateurs, wobei die Haarstruktur, die Implantationsfläche sowie ein sorgfältiges Einfügen der Transplantate in das vorbereitete Empfängerareal berücksichtigt werden müssen. Um bereits am Haaransatz ein natürliches Aussehen zu erzielen, ist zu beachten, dass bei der Rekonstruktion der Haarlinie die Haarwuchsrichtung der natürlichen Richtung entspricht und erst danach die Crosspunch-Methode angewendet wird. Crosspunch kann dabei auch bei grossen Kopfhautarealen, wie frontal von der Haarlinie bis zum Mittelkopf, vom Mittelkopf bis zum Haarwirbel sowie auf dem ganzen Oberkopf, angewendet werden.
Einschränkungen der Crosspunch-Methode liegen vor, wenn es um die Behandlung von Geheimratsecken oder zu kleinen Empfängerarealen geht. Hier kann durch Crosspunch ein künstlicher beziehungsweise unnatürlicher Eindruck vom Ergebnis entstehen. Auch bei Augenbrauenrekonstruktionen, Bart- und Schnauzbartrekonstruktionen ist diese Methode nicht geeignet.
Haben Sie weitere Fragen?
Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel einige Fragen, die Sie bezüglich einer Eigenhaartransplantation und der Crosspunch-Technik gehabt haben könnten, beantwortet habe. Sollten Sie weitere Fragen haben, besteht jederzeit die Möglichkeit, diese in einem persönlichen und kostenlosen Beratungsgespräch zu klären. Ich würde mich sehr freuen, Sie dazu in unserer Klinik begrüssen zu dürfen.
Herzlichst Angela Lehmann