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Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) verursacht keine Schmerzen und auch sonst lange Zeit keine Symptome. Deshalb wird er in vielen Fällen erst spät erkannt. Die Gefahr, dass er dann schon auf umliegende Organe übergegriffen hat, ist gross. Meist betrifft der Eierstockkrebs Frauen deutlich nach den Wechseljahren.
Die Eierstöcke (Ovarien) gehören zu den weiblichen Geschlechtsorganen. Die mandelförmigen Gebilde liegen im Becken rechts und links von der Gebärmutter. Jeden Monat wächst darin eine Eizelle heran, die später durch den Eileiter in Richtung Gebärmutter bewegt wird. Bereits zum Zeitpunkt der Geburt sind in den beiden Eierstöcken jeweils rund 400‘000 unreife Eizellen angelegt. Hormone steuern die gezielte Reifung dieser Eizellen. Gleichzeitig produzieren die Eierstöcke auch die Hormone Östrogen und Progesteron.
Bei einem Eierstockkrebs vermehren sich Zellen der Eierstöcke unkontrolliert. Prinzipiell gibt es gutartige und bösartige Tumore in den Eierstöcken: Gutartige streuen ihre Zellen nicht und befallen keine weiteren Organe; deshalb lassen sie sich gut entfernen. Bösartige Tumore hingegen wachsen in benachbarte Organe wie die Eileiter, Gebärmutter oder das Bauchfell hinein. Auch Blase, Leber, Darm oder Milz können vom Ovarialkarzinom befallen sein. Die meisten Tumore der Eierstöcke entstehen im obersten Deckgewebe (epitheliale Tumore). Seltener wächst Eierstockkrebs aus dem Stützgewebe (Keimstrangstroma-Tumor). In der Regel muss der Tumor so schnell wie möglich entfernt werden. Oft ist zusätzlich eine Chemotherapie, seltener eine Bestrahlung nötig.
Eierstockkrebs ist eine eher selten vorkommende Krebsart. In der Schweiz erkranken pro Jahr rund 600 Frauen daran. Rund drei Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen bilden sich an den Eierstöcken. In den allermeisten Fällen tritt Eierstockkrebs erst nach den Wechseljahren auf, meist sogar erst ab dem Alter von 60 Jahren. Nur bei jeder zehnten Frau entsteht er vor dem 45. Lebensjahr. Gleichzeitig ist rund jeder zehnte Eierstockkrebs erblich bedingt. Statistisch betrachtet erkrankt im Laufe ihres Lebens etwa eine von 68 Frauen an Eierstockkrebs.
Grundsätzlich gibt es keine direkte Ursache für Eierstockkrebs. Jüngere Frauen müssen sich wenig Sorgen machen, daran zu erkranken. Ein deutlich höheres Risiko für Eierstockkrebs haben Frauen mit einer BRCA-Genveränderung. Das sind geschätzt 0.1 bis 0.2 Prozent aller Frauen in der Schweiz. Von den Frauen, deren Gene eine BRCA1-Mutation haben, erkrankt knapp die Hälfte bis zum 70. Lebensjahr an Eierstockkrebs. Bei Frauen mit einer BRCA2-Mutation liegt das Risiko für Eierstockkrebs bei 10 bis 20 Prozent. Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit ergibt sich auch, wenn mehrere nahe Verwandte an Eierstock- oder Brustkrebs erkrankt sind.
Am USZ haben sich zahlreiche Fachbereiche zu einem Gynäkologisches Tumorzentrum zusammengeschlossen. Das Zentrum ist nach den Richtlinien der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert. Ein auf die medizinische Versorgung von Eierstockkrebs spezialisiertes Expertenteam arbeitet hier zum Wohle unserer Patientinnen eng zusammen. An DKG-zertifizierten Zentren werden Betroffene nach strengen Qualitätskriterien behandelt und haben, gemäss aktueller Studien, im Durchschnitt eine bessere Überlebenschance.
Im Frühstadium bemerken die Frauen meistens nicht, dass das Gewebe ihrer Eierstöcke angefangen hat zu wuchern. Rund um die Eierstöcke ist genügend Platz im Beckenraum. Ausserdem sind die Eizellen je nach Wachstumsstadium sowieso unterschiedlich gross. Erst wenn der Tumor schon sehr gross geworden ist, macht er sich bemerkbar. Die Anzeichen sind allerdings eher unspezifisch. Mögliche Symptome können sein:
Allerdings können all diese Symptome auch bei anderen, harmlosen Krankheiten auftreten. Wenn der bösartige Tumor sich bereits weit im Bauchraum ausgebreitet hat, sammelt sich dort oft Flüssigkeit an. Obwohl sich dadurch (und oft auch durch die Grösse des Tumors) der Leibesumfang erhöht, zeigt die Waage der Betroffenen eine Gewichtsabnahme an. Wer solche Anzeichen bei sich entdeckt, sollte ärztlichen Rat einholen.
Zuerst werden wir Sie nach Ihren Beschwerden befragen. Dann wollen wir wissen, ob Krebs an weiblichen Geschlechtsorganen in Ihrer Familie häufiger aufgetreten ist. Bei einer Tastuntersuchung sowohl von aussen über die Bauchdecke als auch durch die Vagina fühlen wir nach Anzeichen einer Veränderung. Mit einem vaginalen Ultraschall können wir die Organe noch genauer sehen. In der Regel können wir damit schon feststellen, wie gross der Tumor ist und wo er angesiedelt ist. Noch genaueren Aufschluss geben Untersuchungen per Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomografie (PET).
Zur Diagnosesicherung eines Eierstockkrebses folgt gewöhnlich eine Operation. Während der OP sehen wir auch direkt, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. Erst während der Operation können wir entscheiden, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Krebs handelt. Denn erst eine Untersuchung des entnommenen Gewebes unter dem Mikroskop zeigt, ob es sich und um welche Krebszellen es sich handelt.
Tumormarker hingegen haben sich bei der Diagnose von Eierstockkrebs nicht bewährt. Sie können aber ein Indiz dafür sein. Nach erfolgter Therapie kann der Tumormarker manchmal angeben, wenn später erneut Krebszellen wachsen (Rezidiv).
Bei einer Krebsdiagnose ist eine medizinische Zweitmeinung eine wichtige Entscheidungshilfe. Das Comprehensive Cancer Center Zürich unterstützt Sie mit einer fachlich fundierten Expertenmeinung. Sie erhalten eine sorgfältige Situationsanalyse sowie eine persönliche Beratung und rasche Antworten auf ihre Fragen.
Wie bei allen Krebsarten können Sie einer Erkrankung nicht vorbeugen. Im Durchschnitt scheinen Frauen mit weniger Eisprüngen, seltener Eierstockkrebs zu entwickeln. Also können sowohl die Einnahme einer Antibabypille als auch mehrere Schwangerschaften und lange Stillzeiten das Risiko vermindern, an Eierstockkrebs zu erkranken.
Auch mit einer grundsätzlich gesunden Lebensweise können Sie das Risiko senken:
Frauen, in deren Familien mehrere nahe Angehörige an Eierstock- oder Brustkrebs erkrankt sind, können testen lassen, ob bei ihnen eine BRCA-Mutation vorliegt. Dafür wird ihr Blut untersucht. Falls sich dabei herausstellt, dass sie wegen einer BRCA-Mutation ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs haben, können sie nach abgeschlossener Familienplanung ihre Eierstöcke und Eileiter entfernen lassen. In Einzelfällen tritt zwar der Krebs dann am Bauchfell auf, doch die Gefahr, an Krebs zu erkranken, sinkt trotzdem deutlich.
Eine Früherkennung des Eierstockkrebses ist nicht möglich. Auch bei den typischen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen kann er nicht entdeckt werden. Selbst mit gezielten Untersuchungen (vaginaler Ultraschall, Bestimmung des Tumormarkers) konnte in Studien die Sterberate von Betroffenen nicht gesenkt werden.
Bei drei Viertel aller Erkrankten wird der Eierstockkrebs erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Das zieht eine recht niedrige Überlebenschance nach sich: Fünf Jahre nach der Diagnose lebt nur noch jede fünfte Erkrankte. Durch neue, gezielter wirkende medikamentöse Therapieverfahren kann die Prognose der Erkrankung auch in fortgeschrittenen Stadien verbessert werden. Wird der Tumor hingegen rechtzeitig erkannt – also, wenn er noch nicht auf weitere Organe übergegriffen oder gestreut hat – stehen die Chancen gut. Dann kann mit einer Operation alles Krebsgewebe entfernt werden. Eine Schwangerschaft ist danach allerdings nicht mehr möglich.