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A.1 Denk’ mal —
Was das Denkmal erzählt
aus: wikimedia
Schlöth hat mit seiner Dreier-Komposition ein komplexes Denkmal des sterbenden Winkelried erschaffen (vgl. Das Denkmal als Kunstwerk). In ihm sind viele Verweise auf die Ereignis- und Wirkungsgeschichte des Winkelried-Mythos angelegt. Formal stellt die Komposition dreidimensional eine Pyramide oder zweidimensional ein Dreieck dar. Der Morgenstern und die Speere nehmen der strengen Dreiecksform die Starrheit und bringen Bewegung in die Gruppe. Gleichzeitig deuten sie auf die sich gegenüberstehenden – ausserhalb der Plastik liegenden – Heere. Das Ganze wirkt durch die nach hinten wallenden Kleider und Haare der obersten Figur recht dynamisch.
Steht also die horizontale Achse für die räumliche Dimension der Schlacht von Sempach (rechts das eidgenössische, links das habsburgische Heer), so lässt sich die vertikale Achse als zeitliche Dimension der Schlacht von unten nach oben lesen: Der tote Mann unten stellt den missglückten Versuch der Eidgenossen dar, die Speere zu überwinden; der Opfertod Winkelrieds in der Mitte führt zur Wende der Schlacht; der über die beiden gefallenen Männer hinwegstürmende Jüngling bringt den Sieg.
Der Heldenmythos legt dem Helden Winkelried den Satz «Ich will euch eine Gasse machen; sorget für Frau und Kinder!» in den Mund. Vor dem Hintergrund dieses Testaments bekommt die Zeitachse eine weitere Lesart: Das Denkmal stellt in seiner senkrechten Achse den Generationsvertrag dar. Was die Eltern (alter Eidgenosse am Boden) begonnen haben, führen die Kinder (Winkelried in der Mitte) weiter und bringen die Kindeskinder (junger Eidgenosse oben) zu Ende. Gleichzeitig ist es auch die Aufforderung, sich der sozial schlechter Gestellten und Schutzlosen anzunehmen (vgl. Wirkungsgeschichte).
Die Halle liegt am oberen Rand des Dorfplatzes, ziemlich genau in der Mitte zwischen Kirche und Rathaus. Genau diese Lage zwischen den Symbolen der weltlichen und der geistlichen Macht spiegelt sich auch in den Bauelementen der Halle wider.
Das Innere der Halle mit seinen spitzbogigen Elementen erinnert an den Chor einer gotischen Kapelle. So wird der Eindruck eines sakralen Raums vermittelt, in welchem die Skulptur mit dem Helden Winkelried auf einem Sockel gleich einem Altar steht. Die Heldentat bekommt etwas Weihevolles und wird zum Märtyrertod für die Freiheit stilisiert. Der Held wird in die Nähe eines Heiligen gerückt.
Das Äussere der Halle ist der weltlichen Macht verpflichtet. Der Treppengiebel, der Brunnen mit dem wasserspeienden Löwenkopf, das terrassenartige Vorplätzchen und die Mauer vermitteln den Eindruck, die Skulptur mit dem Helden stehe in einem Schloss, wie es einem Ritter gebührt.
Mit diesem Spannungsfeld vermochte das Denkmal einerseits die religiösen und andererseits die patriotischen Gefühle der Betrachter und Betrachterinnen anzusprechen.
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aus: wikimedia