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Mit einer Motion im kantonalen Parlament wurde die Zürcher Kantonalbank 1933 aufgefordert, ihr Tätigkeitsgebiet nach Möglichkeit auch in den Bereich der Kleindarlehen zu erweitern. Geldsuchende ohne vorschriftsgemässe Sicherheiten würden ansonsten mit Wucherzinsen von bis zu 40 Prozent konfrontiert, wenn sie unverschuldete Notlagen überbrücken mussten. Hintergrund des politischen Vorstosses war die schwere Wirtschaftskrise, die viele Privatpersonen in arge Geldnot brachte. Der Bankrat betrachtete den Kreditbedarf «unbescholtener Personen aller Stände» als legitim und erliess 1934 provisorische Richtlinien für das Kleinkreditgeschäft. Damit entstand Spielraum für eine «weitherzige Interpretation» besonderer Umstände und Verhältnisse im Einzelfall.
Kleinkredit statt kein Kredit
Von Gesetzes wegen durfte die Zürcher Kantonalbank nur Kredite vergeben, die durch eine Sicherheit wie Faustpfand oder Bürgschaft gedeckt waren. Das Ausfallrisiko im Kreditgeschäft konnte so sehr klein gehalten werden. Doch was war mit Personen, die gar keine Sicherheit oder nur künftige Einnahmen als Deckung boten und trotzdem sofort einen Kredit für dringende Anschaffungen benötigten?
Gefahr der Liederlichkeit vorbeugen
Um einen Kredit zu erhalten, mussten ordentliche Auskünfte über den Schuldner vorliegen und dieser musste einer regelmässigen Arbeit nachgehen. Als eine Art Ersatzsicherheit dienten meist stille Lohnzessionen, d.h. Abtretung künftiger Lohnforderungen an die Bank, ohne Information des Arbeitgebers. Die Kreditlimite lag vorerst bei 500 Franken. Es war von Anfang an klar, dass in diesem Bereich mit dem «sozialen Zins» von 4 Prozent kein Geld verdient werden konnte. Aber dem Gebot einer umfassenden Kreditversorgung aller Bevölkerungskreise wurde Genüge getan. 1941 wurde das Kleinkreditgeschäft definitiv im Geschäftsreglement verankert. Der Direktor der Hypothekarabteilung machte in der Jubiläumsschrift von 1945 nochmals klar, wer in den Genuss eines Kleinkredits kommen sollte: Geldsuchende, die unverschuldet durch Krankheit in der Familie, geschäftliches Missgeschick oder Zufälligkeiten verschiedenster Art in finanzielle Notlage geraten waren. Generell solle man die Kreditgewährung nicht allzusehr erleichtern, weil sonst der «Liederlichkeit» Vorschub geleistet würde.
Befreiung aus finanzieller «Bedrängniszone»
Die Kosten für die Bank waren hoch, da die Geschäftsabwicklung einen grossen administrativen Aufwand verursachte. Oft kam es zu Mahnungen, Stundungen und Sistierungen. Insgesamt wurden bis 1968 über 30’000 Kleindarlehen im Betrag von über 26 Millionen Franken gewährt. Die Abschreiber beliefen sich auf niedrige 32’000 Franken. Der Verwendungszweck der Kleindarlehen geht aus einer Erhebung von 1965 hervor. 30 Prozent wurden für Wäsche und Kleidung, 30 Prozent für Möbel und Teppiche verwendet. Für Autos und Mopeds waren es 11 Prozent und für Haushaltsgeräte, Radios und TV-Geräte sogar nur 5 Prozent. In der Regel entsprach die Bank rund 90 Prozent der Gesuche. In der Schrift zum 100-Jahr-Jubiläum wird darauf hingewiesen, dass man mit diesem Geschäftszweig Tausende aus der «Bedrängniszone» habe befreien können. Manche seien später sogar treue Sparer oder (reguläre) Kreditnehmer bei der Bank geworden.
Ab 1980 fasste man die Kleinkredite und die für Möbelkäufe gewährten Ehestandsdarlehen unter dem Titel «Privatkredit» zusammen. Man unterschied nun zwischen dem sozialen Kredit, der nur bis zu einem gewissen Einkommen und nur bei zwingenden Aufwendungen gewährt wurde, und dem konsumorientierten Kredit, der im Normalfall zur Anwendung kam. Der Zins lag entsprechend bei 5 bzw. 10 Prozent. Weiterhin wurde keine bankübliche Sicherstellung verlangt. Eine Lohnzession genügte. Um die Verluste bei Tod oder Erwerbsunfähigkeit des Kreditnehmers zu minimieren, rief man einen Schadendeckungsfonds ins Leben, den man einmalig mit 100’000 Franken speiste und fortan mit 1 Prozent der Zinseinnahmen zufütterte. 2005 wurde das Kleinkreditgeschäft an die Cashgate AG ausgelagert, welche die Zürcher Kantonalbank zusammen mit anderen Bankengruppen gegründet hatte. Eine andere Art von Kleinkrediten bietet heute der Verein GO! an. Er vergibt seit 2009 zinsgünstige Mikrokredite ohne bankübliche Sicherheiten an Personen, die sich beruflich selbstständig machen wollen. Die Zürcher Kantonalbank ist die Partnerbank von GO! und für die Abwicklung der Kreditgeschäfte zuständig.
Titelbild: Kinowerbung von GO!, 2010.