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|Title / Titel||Material Culture, Oral Traditions and Identity among the Naga in Northeast-India|
|Abstract (PDF, 14 KB)|
|Original title / Originaltitel||Materielle Kultur, orale Tradition und Identität bei den Naga Nordostindiens|
|Summary / Zusammenfassung||(deutsche Fassung siehe unten)

Naga is an „ethnonym“ for a group of tribal societies, settling in the hilly borderlands of India, Myanmar and China. During the British rule in India a number of detailed ethnographies were written by the administrators and large archives and object-collections were built up in British museums. These remained to be the only sources on the Naga, as the region was turned into a prohibited area after Indian independence in 1947. In the 50 years of isolation that followed, life and culture of the Naga changed significantly; the Naga turned from a headhunting society built upon a rich material culture and oral traditions, into a “modern” society, characterised by baptism and the political struggle for independence.
In 2001, Nagaland was partly reopened to foreigners on the basis of restricted travel permits. This provides the anthropologist with an interesting challenge: to compare two strictly separated periods of time linked by a combination of field research with archival work in ethnographic collections. This research arrangement may be exemplary for future ways of studying traditional societies, once the actual objects of investigation have ceased to exist.
In regard to the history and culture of the Naga, change and continuity in their identity are an issue of great importance. Such processes manifest themselves both in material culture and in oral traditions. So far no scholarly analysis has been carried out to document the interrelation between immaterial ideas and their materialisations, - and their dynamics of change. In both fields of anthropological research – material culture and oral traditions – Michael Oppitz (the project leader) has done research in other Himalayan regions. It is hoped that the Naga project will stimulate the wider purpose of a truly comparative anthropology of the Himalayan region.
The project will approach the notion of “identity” on three levels: 1. identity as represented in material culture; 2. identity as represented in oral traditions; 3. identity as perceived from within as well as from outside Naga society. The three levels will be integrated in a final analysis. The methodological basis of the project is a combination of field-research, archive-, and museum-research and multimedia documentation. The results will be published in a collective book, but also in form of audiovisual archives, available to the scientific community and the Naga themselves.
Deutscher Projektbeschrieb:
Die Bezeichnung „Naga“ ist ein Ethnonym für eine Gruppe von etwa dreissig Stämmen, die das Bergland im Grenzgebiet von Indien, Myanmar und China bewohnen. Bis Mitte des 19. Jh. lebten sie relativ isoliert, da sie, als Krieger und Kopfjäger von ihren Nachbarn gefürchtet, von diesen gemieden wurden. Erst der britischen Kolonialverwaltung in Indien gelang es nach und nach, die verschiedenen Nagastämme zu befrieden. In dieser Zeit kam es zu einer ersten Phase intensiver Feldforschungen, auf deren Grundlage detaillierte Ethnographien sowie umfangreiche Objektsammlungen und Archive entstanden. Diese bleiben bis heute die wichtigsten Quellen über die Naga, da die Region seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 strikt abgeriegeltes Sperrgebiet und der Zugang ausländischern Besuchern versagt war. Die Kenntnisse über die Naga sind folglich auf einem Stand, der ein halbes Jahrhundert zurückliegt.
In den vergangenen 50 Jahren der Isolierung veränderten sich das Leben und die Kultur der Naga erheblich. Abgeschieden von der Aussenwelt entwickelten sie sich von einer Kopfjägergesellschaft mit einer überaus reichen materiellen Kultur und oralen Tradition alter Prägung zu einer „modernen“ Gesellschaft mit all ihren Vorzügen und Schwächen. Nagaland hat heute eine eigene Universität, aber auch eine der höchsten HIV-Infektionsraten Indiens.
Seit 2001 ist Ausländern die Einreise wieder in eingeschränktem Masse gestattet. Aus dieser Situation ergibt sich für die Ethnologie die reizvolle Herausforderung eines doppelten Brückenschlags: die Verhältnisse zweier getrennter Epochen einer Gesellschaft einander gegenüber zu stellen und die entstandene Lücke durch die Verbindung von aktueller Feldforschung mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung von Museumssammlungen und Archiven zu schliessen. Eine derartige Kombination im Forschungsarrangement dürfte beispielhaft sein für eine künftige Beschäftigung mit traditionellen Gesellschaften, die sich – in Ermangelung direkter Anschauung – vornehmlich durch das intensive Studium archivierter historischer Quellen (Artefakte, Photos, Filme, gesammelte Dokumente) werden erforschen lassen.
Einen Themenkomplex, dem in Anbetracht der spezifischen Geschichte und Kultur der Naga heute besondere Bedeutung zukommt, bilden die Konstanten und Veränderungen von Identität, sowohl in der Selbstwahrnehmung, als auch aus der Sicht und in den Kommentaren von Aussenstehenden. Diese Prozesse manifestieren sich auf greifbare Weise in den Bereichen der materiellen Kultur und der oralen Traditionen. Wissenschaftlich untersucht sind die Wechselbeziehungen von immateriellen Vorstellungen und ihren stofflichen Konkretisierungen sowie die Dynamik ihrer Veränderung bis heute nicht. In beiden Bereichen ethnologischer Forschung – der materiellen Kultur und der mündlichen Überlieferung (und ihren jeweiligen Beziehungen zu kollektiven Vorstellungen) – hat der Antragsteller, Michael Oppitz, an anderen Orten des Himalayaraumes Untersuchungen durchgeführt: bei den Magar, Sherpa und Kiranti Nepals und bei den Qiang und Naxi Südchinas. Das Vorhaben bei den Naga fügt folglich als fehlendes Glied dem fernen Ziel einer komparativen Ethnologie des Himalayaraumes ein wichtiges Bausegment hinzu.
Das vorliegende Forschungsprojekt will den Themenkomplex „Identität“ in drei Teilbereichen untersuchen: 1. in der materiellen Kultur; 2. in den oralen Traditionen; 3. in Selbstrepräsentation und Fremdbetrachtung. Diese Teilbereiche werden in der Analyse zusammengeführt. Grundlage des Projektes bildet das Zusammenwirken von Feldforschung, Archiv- und Museumsrecherchen und multimedialer Dokumentation. Die Ergebnisse sollen in einem geplanten Sammelband publiziert sowie in Form audiovisueller Archive für die internationale Forschung und den Naga selber zugänglich gemacht werden. Die Projektdauer beträgt drei Jahre mit einer intensiven Forschungsphase in den Jahren 2006 und 2007.
Weitere Informationen
|Publications / Publikationen||Michael Oppitz, Thomas Kaiser, Alban von Stockhausen and Marion Wettstein. Naga Identities: Changing Local Cultures in the Northeast of India. Snoeck Publishers, Ghent 2008. (German Edition: Naga Identitäten: Zeitenwende einer Lokalkultur im Nordosten Indiens. Benteli Verlag, Basel: 2008.)|
|Keywords / Suchbegriffe||Historical Anthropology, Identity, Material Culture, Music and Performance, Nagaland, Visual Anthropology, Oral Tradition, Museology, India, Himalaya, Gender|
|Project leadership and contacts /

Projektleitung und Kontakte

|Funding source(s) /

Unterstützt durch
|SNF (Personen- und Projektförderung)

|In collaboration with /

In Zusammenarbeit mit

|Duration of Project / Projektdauer||May 2006 to Apr 2009|