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Die öffentlichen Bäder (Thermen) liegen im Zentrum der römischen Siedlung Iuliomagus. Teile davon wurden bereits 1909 aufgedeckt, ohne aber als Badeanlage erkannt zu werden. Das Bauprojekt für einen neuen Schweinestall führte dann im Winter 1974/75 zu archäologischen Ausgrabungen auf einer Fläche von 1550 m². Dank grossem Interesse der Bevölkerung und Initiative der neu gegründeten Gesellschaft und Stiftung Pro Iuliomago konnte 1976 ein Teil der Anlage unter einem Schutzbau konserviert werden und ist für die Öffentlichkeit als Thermenmuseum zugänglich.
Die öffentlichen Bäder nahmen zur Römerzeit einen wichtigen Platz ein. Die Thermen dienten nicht nur der Körperpflege, sondern waren zugleich gesellschaftlicher Mittelpunkt einer Siedlung. Im Bad traf man Freunde, lernte Leute kennen, diskutierte, erzählte Neuigkeiten und schloss Geschäfte ab. In den Sportanlagen konnte man sich körperlich betätigen. Rings um die Bäder standen Läden und Buden, in denen Esswaren, Sportgerät, Salböl und Dinge des täglichen Lebens angeboten wurden. Eine nahe Herberge diente dem Durchreisenden als Unterkunft; in den Thermen konnte er sich waschen und von den Reisestrapazen erholen.
Römische Bäder sind eher mit einer Sauna, als mit unseren heutigen Schwimm-bädern zu vergleichen. Die Wasserbecken waren nur klein; Schwimmen war nicht vorgesehen. Gebadet wurde nach Geschlechtern getrennt. Grössere Bäder hatten für Männer und Frauen getrennte Räumlichkeiten; kleinere Bäder waren abwechslungsweise, für die Geschlechter getrennt, geöffnet. Als Badegast durchlief man mehrere Abschnitte: Nach dem Auskleideraum (Apodyterium) begab man sich in einen lauwarm beheizten Raum (Tepidarium). Hier konnte man sich an die wärmeren Temperaturen gewöhnen, sich waschen, massieren und salben. Nachher begab man sich in den zentralen Raum eines Bades, das Warmbad (Caldarium), das kleine Badewannen enthielt. Einzelne Bäder besassen zusätzlich ein separates Schwitzbad (Laconicum oder Sudatorium). Zum Abschluss kühlte man sich im Kaltbad (Frigidarium) in einem Kaltwasserbecken ab.
Im Thermenmuseum sichtbar sind vor allem die ehemals für den römischen Badegast unsichtbaren Bauteile: Unterirdisches Heizsystem (mit Präfurnien und Hypokaust), Gebäudefundamente und überbaute Teile älterer Vorgängerbauten. Dank ihrer Eintiefung haben sich diese Bauteile gut erhalten. Aufgehende Teile wurden dagegen längst abgetragen. Das einstige Gehniveau der Badegäste wird durch gut erhaltene Türschwellen angezeigt. Auch die Böden der Planschbecken haben sich erhalten. Indessen war das ganze unterirdische Heizsystem ursprünglich von einem Boden überdeckt.
Text: Kantonsarchäologie Schaffhausen.