Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03224.jsonl.gz/1079

Wenn Sie beabsichtigen, Ihre Publikation oder Ihren Forschungsdatensatz frei zugänglich zu veröffentlichen, sollten Sie sich im Vorfeld überlegen, unter welcher Endnutzerlizenz das Werk publiziert werden soll.
Im Folgenden finden Sie einige Informationen zu Creative-Commons-Lizenzen, die Sie bei der Wahl einer Lizenz unterstützen sollen.
Was sind Creative-Commons-Lizenzen?
Artikel und andere Publikationen, die im Internet zugänglich sind, sind in der Regel urheberrechtlich geschützte Werke. Im Zweifel muss für jede Art der Nachnutzung eines solchen Werkes (z.B. Kopieren, Verteilen, in ein anderes Werk Integrieren, Übersetzen usw.) die Erlaubnis des Autors oder Rechteinhabers (z.B. des Verlages) eingeholt werden.
Autoren, die Lesern die Nachnutzung ihrer Werke ermöglichen und erleichtern möchten, können diese unter einer CC-Lizenz veröffentlichen. Sie regeln damit, welche Arten der Nachnutzung sie den Lesern ihrer Werke gestatten. Nach dem Baukastenprinzip kann die gewünschte Lizenz aus den verfügbaren Modulen selbst zusammengestellt werden.
Auf diese Weise können rechtliche Unsicherheiten sowohl auf Seiten der Autorinnen und Autoren als auch auf Seiten der Leserinnen und Leser von vornherein ausgeschlossen werden.
Aus welchen Modulen setzen sich CC-Lizenzen zusammen?
Obligatorisch bei allen CC-Lizenzen ist die Nutzung des Moduls "Namensnennung" (BY).
Darüber hinaus kann die Lizenz, je nach Wunsch, um die Module
- Weitergabe unter gleichen Bedingungen (SA)
- keine Bearbeitung (ND)
- keine kommerzielle Nutzung (NC)
ergänzt werden.
Beispiel: CC-Lizenz mit den Modulen "Namensnennung" sowie "keine kommerzielle Nutzung".
Wer kann eine CC-Lizenz vergeben?
CC-Lizenzen können ausschliesslich vom Autor bzw. vom Rechteinhaber eines Werkes vergeben werden.
Wann kann ich als Autor eine CC-Lizenz vergeben?
Werke können nur dann unter einer CC-Lizenz veröffentlicht werden, wenn der Autor noch über das Nutzungsrecht an seiner Publikation verfügt.
Wurde z.B. das ausschliessliche Nutzungsrecht an einem Werk an einen Verlag übertragen, ist eine weitere Veröffentlichung unter einer CC-Lizenz meist nicht mehr möglich.
Zudem müssen sämtliche Co-Autoren sowie die allfälligen Inhaber von Bildrechten der Lizenzierung zustimmen.
Wie kann ein Werk unter einer CC-Lizenz publiziert werden?
Ein Werk wird unter einer CC-Lizenz publiziert, indem die Lizenz im Werk selbst angegeben wird. Hierbei ist zu bedenken, dass der Hinweis möglichst leicht auffindbar sein sollte. Möglich wäre zum Beispiel das Anbringen des Lizenzhinweises im Impressum oder auf dem Titelblatt. Enthält ein Werk nur vereinzelt Open-Content-Bestandteile oder Bestandteile mit abweichender CC-Lizenz (zum Beispiel Bilder) sollte die Lizenz am jeweiligen Bestandteil, zum Beispiel in der Bildunterschrift, angebracht werden.
Bestandteil des Lizenzhinweises sollten der Name und die stabile URL der Lizenz sowie gegebenenfalls das Lizenzlogo sein.
Beispiel für einen Lizenzhinweis:
Creative Commons Attribution 4.0 International Lizenz publiziert.Dieses Werk ist unter einer
Im Publikationsprozess der Research Collection können Sie darüber hinaus die gewünschte Lizenz aus einem Dropdown-Menü auswählen, sodass sie auch auf der Landing Page und in den Metadaten ersichtlich ist.
Welche CC-Lizenz soll ich für meine Open-Access-Publikation wählen?
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die vier "einfachen" CC-Lizenzen und die damit verbundenen Nachnutzungsmöglichkeiten.
Der ausschlaggebende Faktor für die Entscheidung zugunsten einer Lizenz sollte die individuelle Absicht sein, die mit der Lizenzierung verfolgt wird. Zu bedenken ist dabei, dass jede zusätzliche Lizenzeinschränkung immer auch zu erhöhter Rechtsunsicherheit führt. Das heisst, restriktivere Lizenzen sind im Allgemeinen mit Nachteilen sowohl für Lizenzgeber als auch für Nutzer verbunden. Es wird daher empfohlen, die Vor- und Nachteile bei der Wahl einer Lizenz unter Berücksichtigung der subjektiven Zielsetzung sorgfältig gegeneinander abzuwägen und sich nicht vom „Bauchgefühl“ leiten zu lassen.
|Name, Symbol und URL||Konditionen||Pro||Contra|
Creative Commons Attribution 4.0 International (CC-BY)
|Der Name des Autors muss genannt werden.|
Ermöglicht die uneingeschränkte Vervielfältigung, Verbreitung, Veröffentlichung, Abwandlung und Nutzung eines Werkes.
Ist die Standardlizenz vieler renommierter Open Access Verlage.
Entspricht der Empfehlung der Open Access Scholarly Publishers Association (OASPA) und ermöglicht als einzige CC-Lizenz Open Access zu wissenschaftlicher Literatur entsprechend der Definition der Berliner Erklärung.
|Der Autor gibt die Kontrolle über die Nachnutzung seines Werkes vollständig aus der Hand.|
Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC-BY-SA)
Der Name des Autors muss genannt werden.
Das Werk muss nach Veränderungen unter der gleichen Lizenz weitergegeben werden.
|Hat den Charakter einer „viralen Lizenz“, indem aus Bearbeitungen entstehende neue Werke unter derselben Lizenz weitergegeben werden müssen.||Kann durch sogenannte „Lizenzinkompatibilitäten“ unerwünschte Einschränkungen in der Nachnutzung erzeugen: So kann Material, das innerhalb eines CC-BY-SA Artikels verwendet wurde, nur mit anderen CC-BY-SA Inhalten kombiniert und wiederveröffentlicht werden.|
Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC-BY-NC)
Der Name des Autors muss genannt werden.Keine kommerzielle Nutzung erlaubt.
|Geeignet, wenn eine realistische Aussicht darauf besteht, dass kommerzielle Nutzer für die Verwendung des Materials bezahlen.|
Kann auch die Nachnutzung in nicht-kommerziellen Angeboten verhindern, wenn diese eine liberalere Lizenz verlangen (z.B. Wikipedia).
Kann auch Anwendungsfälle in Bildung und Forschung verhindern (z.B. Verwendung in gebührenpflichtigen Studiengängen oder Public-Private Partnerships).Verhindert z.B. Text- und Data-Mining, wenn dafür eine kommerzielle Software eingesetzt wird.
Creative Commons Attribution-NoDerivatives 4.0 International (CC-BY-ND)
Der Name des Autors muss genannt werden.
Das Werk darf nicht in bearbeiteter Form weiterverbreitet werden.
|Geeignet, wenn z.B. Übersetzung in eine andere Sprache verhindert werden soll.|
Gilt als sehr restriktive Lizenz, speziell im Kontext wissenschaftlicher Forschung, die immer auf vorhergehenden Werken aufbaut.
Rechtliche Auslegung in Grenzfällen unklar, insb. bei Open-Access-Publikationen.
Führt ggf. zu Einschränkungen in der Nachnutzung, die gar nicht erwünscht sind.
Welche CC-Lizenz soll ich für meine Forschungsdaten wählen?
Wenn Sie Forschungsdaten publizieren möchten, müssen Sie zunächst bestimmen, ob Ihre Daten urheberrechtlich geschützt sind oder nicht. Das Schweizer Urheberrecht schützt Werke, die von einem Menschen erschaffen wurden ("geistige Schöpfung"), sinnlich wahrnehmbar sind und die ein gewisses Mass an Individualität aufweisen, also sich von bereits bestehendem abheben. (Art. 2 Abs. 1 URG).
Das bedeutet:
- Roh- oder Primärdaten, d.h. unbearbeitete Daten, sind im Allgemeinen nicht urheberrechtlich geschützt
- Bearbeitete oder angereicherte Daten welche das Kriterium der "geistigen Schöpfung" erfüllen, z.B. Diagramme, Daten die intellektuell erstellen Text enthalten oder Bilder mit einem gewissen Mass an Individualität sind gewöhnlich urheberrechtlich geschützt
Nicht urheberrechtlich geschützte Daten
Diese Daten können nicht unter einer Creative Commons Lizenz publiziert werden. Sie können diese Daten jedoch unter einer Public Domain Mark veröffentlichen. Damit helfen Sie den Endnutzern zu verstehen, dass diese Daten "gemeinfrei" sind und daher ohne Einschränkungen nachgenutzt werden können.
Daten, die (möglicherweise) urheberrechtlich geschützt sind
Diese Daten können unter einer Creative Commons Lizenz publiziert werden (unter den oben beschriebenen Bedingungen).
Alternativ können Sie Ihre geschützten Daten unter einer Public Domain Dedication (CC0) zur Verfügung stellen. Sie verzichten damit auf alle Ihnen möglicherweise aufgrund des Urheberrechts zustehenden Rechte an den Daten, d.h. jedermann kann Ihre Daten frei nachnutzen, auch ohne Ihren Namen zu nennen, was unter einer CC-Lizenz notwendig wäre.
|Public Domain Mark||Public Domain Dedication (CC0)|
|Aussage||Das Werk wurde als frei von bekannten urheberrechtlichen Einschränkungen identifiziert, einschliesslich aller verwandten Schutzrechte.|
Der Rechteinhaber hat dieses Werk in die Gemeinfreiheit - auch genannt Public Domain - entlassen, indem er weltweit auf alle urheberrechtlichen und verwandten Schutzrechte verzichtet hat, soweit das gesetzlich möglich ist.
|Konditionen für Endnutzer||Endnutzer dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne irgendwie um Erlaubnis bitten zu müssen.||Endnutzer dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne um weitere Erlaubnis bitten zu müssen.|
|Wann anwenden?|
Anwendbar, wenn Daten überhaupt nicht urheberrechtlich geschützt sind oder der urheberrechtliche Schutz bereits abgelaufen ist.
|Anwendbar, wenn alle oder ein Teil der Daten urheberrechtlich geschützt sind (oder Sie den Schutzstatus nicht eindeutigen bestimmen können).|
Kann ich die Lizenzierung meines Werkes unter Creative Commons widerrufen?
Die Vergabe einer CC-Lizenz kann nicht widerrufen werden. Ebenso wenig können „liberalere“ CC-Lizenzen nachträglich in „restriktivere“ CC-Lizenzen umgewandelt werden.
Weiterführende Literatur
- Amini, S., G. Blechl und J. Losehand (2015). FAQs zu Creative-Commons-Lizenzen unter besonderer Berücksichtigung der Wissenschaft
- Creative Commons UK (2017): Fact Sheet on Creative Commons & Open Science
- Digital Curation Center (DCC): How to License Research Data
- Kreutzer, T. (2015). Open Content – Ein Praxisleitfaden zur Nutzung von Creative Commons Lizenzen