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Der Afrika-Cup findet kurzfristig in Äquatorialguinea statt. Keine Schande, wenn man nicht mal weiss, wo das ist. Wir schaffen mit einem Crashkurs Abhilfe.
«Na nie ghört», «Äquatori…was?» oder «isch das in Afrika?» sind einige der meist gehörten Antworten, wenn ich in den letzten Wochen davon erzählte, dass ich an den Afrika-Cup in Äquatorialguinea reisen möchte. Selbst eine Mitarbeiterin beim EDA kannte die Nation nicht und die Dame am Bankschalter der CS – nachdem die ZKB mitteilte, dass man die in Äquatorialguinea gebräuchlichen Zentralafrikanischen Franc nicht handle – erklärte freimütig: «Von dieser Währung habe ich noch nie gehört.» Ehe sie immerhin welche bestellen konnte. Beim Check-in fragt die Angestellte: «Herr Fehr, jetzt müssen Sie mir helfen: Wo liegt Malabo?». Kurz: Es herrscht Handlungsbedarf im Geographie-Unterricht.
Vom 17. Januar bis 8. Februar kämpfen die besten 16 Fussballnationalmannschaften Afrikas in Äquatorialguinea um den kontinentalen Titel. watson-Sportchef Reto Fehr berichtet regelmässig aus dem fast unbekannten Land. Nach den Problemen bei der Visum- und Unterkunftbeschaffung stellen wir heute die Nation kurz vor.
Äquatorialguineas Fläche beträgt mit 28'000 Quadratkilometern rund drei Viertel der Schweiz. Das Land grenzt im Norden an Kamerun, im Osten und Süden an Gabun, der Äquator durchläuft entgegen dem Namen aber nicht das Land, sondern führt knapp südlich daran vorbei. 26'000 Quadratkilometer der Nation bildet der Festlandteil Mbini, die restlichen 2000 Quadratkilometer verteilen sich auf Inseln im Atlantik. Die grösste davon ist Bioko (fast 2000 Quadratkilometer), auf der sich auch die Hauptstadt Malabo befindet. Dort befindet sich mit dem Pico Basile (3011 m) der höchste Berg des Landes, ein erloschener Vulkan.
Neben der Hauptstadt Malabo ist Bata die grösste und wichtigste Stadt des Landes. Drittgrösste Stadt ist Ebebiyin. Alle drei Orte sind Spielorte des Afrika-Cups. Vierter Austragungsort ist Mongomo.
Das ist schwierig. Die Angaben variieren zwischen 600'000 und 1,6 Millionen. Im letzten Juli schätzte das CIA-Factbook die Einwohnerzahl auf 722'000. Rund 20 Prozent leben auf Bioko, 79 auf dem Festland, wobei die meisten an der Küste leben. Weniger als 1 Prozent lebt auf den weiteren Inseln, von denen Annobon die grösste ist. 85 Prozent der Menschen gehört dem Fang-Stamm an, rund 7 der Bubi, der Rest kleineren ethischen Gruppen. Wie viele Einwohner die vier Spielorte ausweisen, ist logischerweise auch nicht abschliessend zu beurteilen. Gemäss Schätzungen sind es: Bata ca. 170'000, Malabo ca. 150'000, Ebebiyin ca. 25'000 und Mongomo ca. 6000.
Äquatorialguinea ist eine ehemalige spanische Kolonie. Amtssprachen sind daher Spanisch (als einziges Land Afrikas) und Französisch. Ebenfalls anerkannt sind Fang, Bube und Ambo. Die meisten Äquatorialguineer haben den römisch-katholischen Glauben.
Am 3. August 1979 putschte sich Teodoro Obiang Nguema Mbasogo an die Macht. Er brachte dafür seinen Onkel Macías Nguema um, welcher das Land seit der Unabhängigkeit von Spanien 1968 führte. Beide Staatsmänner gelten als gefürchtetste und brutalste Regierungschefs Afrikas. Obwohl Äquatorialguinea offiziell eine Demokratie ist, wird das Land diktatorisch und mit viel Militärpräsenz geführt. Das Land gehört zu den korruptesten der Welt. Der Präsident lässt sich jeweils mit fast 100 Prozent der Wählerstimmen für sieben weitere Jahre wieder wählen.
1995 stiess man nur 20 Kilometer vor der Insel Bioko auf riesige Öl-Vorkommen. Äquatorialguinea ist nach Nigeria und Angola der drittgrösste Öl-Lieferant Afrikas. Es ist zwar schwierig, das Pro-Kopf-Einkommen zu berechnen, wenn die Bevölkerungszahl unklar ist. Aber Äquatorialguinea weist auf dem Papier das höchste ganz Afrikas aus. Der unglaubliche Reichtum beschränkt sich aber auf den Präsidenten (er gilt je nach Schätzungen mit 600 Millionen bis drei Milliarden Vermögen als reichster Mann Afrikas) und sein Gefolge. So hat mehr als 50 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem fliessenden Wasser.
– Das Durchschnittsalter beträgt 19,4 Jahre (Schweiz 42 Jahre)
– Die Lebenserwartung liegt bei 63,4 Jahren (Schweiz 82,3 Jahre)
– 20 Prozent der Kinder sterben vor dem fünften Geburtstag
– Die Immigrationsrate beträgt praktisch 0 Prozent
– Eine Frau bringt im Schnitt 4,6 Kinder zur Welt (Schweiz 1,5)
– Malabo ist die einzige Hauptstadt weltweit ohne Tageszeitung. Es gibt nur eine monatliche «Zeitung»
Das war's mal für's Erste mit dem Crashkurs. In den nächsten Tagen kann ich Ihnen das Land hoffentlich etwas näher bringen.