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Titel:
70-Jahr-Jubiläum der Generalmobilmachung in Teufen
Thema: Leute
Datum: --.--.2009
Standort: Privatbesitz Paul Studach-Hofstetter, Teufen; Digitalisat Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden
Urheber/-in: Studach-Hofstetter, Paul
Beschreibung:
Anzeige von Paul Studach-Hofstetter zum 70-Jahr-Jubiläum der Generalmobilmachung vom 1./2. September 1939.
Besondere Erwähnung der Dragoner Schwadron 21, in welche Paul Studach-Hofstetter eingeteilt war.
Geschichte:
Noch bevor die deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 Polen überfiel, wurden die Schweizer Grenzbrigaden und Teile der Fliegertruppen und Fliegerabwehrtruppen am 29. August 1939 aufgeboten, da ein Krieg unabwendbar schien. Henri Guisan wurde am 30. August zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt. Nach dem Angriff Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 gab der Bundesrat den Befehl zur allgemeinen Kriegsmobilmachung.
In Teufen AR zog damals der Gemeindeweibel trommelnd durchs Dorf und rief lautstark zur allgemeinen Mobilmachung auf, der auch Paul Studach-Hofstetter (geb. 1917) Folge leistete. Eingeteilt im Dragoner Schwadron 21 (Einheit der Schweizer Kavallerie) ritt er noch am selben Nachmittag mit seinem „Eidgenoss“, wie die Dragonerpferde genannt wurden, dem nötigen Gepäck und mit Verpflegung für drei Tage zum Alten Zeughaus in der Zeughausgasse nach St.Gallen, wo er auf seine Kameraden traf. Nach einer Nacht voller Vorbereitungen wurde dann am nächstem Morgen, dem 2. September, die Schwadron in einem Wald in der Nähe des Klosters Notkersegg mit dem Korpsmaterial und der Munition ausgerüstet. Es folgten die Eintrittsmusterung der Mannschaft und Pferde und die Einteilung der Gruppen und Züge. Die Anwesenden wurden dazu ermahnt Gerüchten über eine angebliche Kapitulation des Bundesrats keinen Glauben zu schenken; selbst wenn der Bundesrat nach Irland, das ebenfalls einen neutralen Status hatte, fliehen müsste, wäre dessen Anweisungen noch Folge zu leisten. Nach dem Verlesen der Kriegsartikel folgte zuletzt der Eidschwur der Soldaten dem Vaterland Treue zu halten und zu dienen. Zum Eidschwur gehörten die drei Schwurfinger der rechten Hand und die Worte „Ich schwöre es". Wer aus Gewissensgründen nicht schwören wollte, hielt gemäss Dienstreglement die ganze Hand hoch und musste sagen „Ich gelobe es".
Am 3. September erklärten die Westmächte Deutschland den Krieg. Zur Sicherung der Grenzräume stellte die Schweizer Armee einige Deckungsdivisionen an der schweizerischen Westgrenze auf, weil dort 6-7 französische Divisionen lagen und eine Entlastungsoffensive auf Schweizer Boden nicht unwahrscheinlich schien. Paul Studach-Hofstetter selbst kam nicht an die Westgrenze, sondern wurde mit einem Grossteil der Schwadron im Toggenburg stationiert; zusammen bildeten sie dort mit Radfahrern der Kompanie 28 eine kleine Kampftruppe.
70 Jahre später lebten noch acht Veteranen des ehemaligen Mannschaftsbestands, unter ihnen neben Paul Studach-Hofstetter auch noch die Appenzeller Hans Knöpfel aus Hundwil und Stefan Ziegler aus Waldkirch.
Autorin: Katharina Merian, Speicher
Chronologie:
Bis 1914 diente die Kavallerie als Stosstrupp und zur Attacke.
Während des Ersten Weltkrieges stellten viele Probleme (heftige Detonationen, Kampfgas) sowie die Tatsache, dass die Dragoner zu Fuss an der Grenze dienten, die Existenz der Kavallerie in Frage.
Während des Zweiten Weltkrieges sahen sich die Kavalleristen mit ähnlichen Problemen konfrontiert; die Mobilisierung der Dragoner belastete die schon stark ausgelastete Landwirtschaft zusätzlich.
1936 Umwandlung der Kavalleriebrigaden in Leichte Brigaden
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges begann die (gemäss Generalstabschef Jakob Huber) militärisch sinnvolle, aber politisch heikle Abschaffung der Kavallerie.
1972 Abschaffung der Kavallerie in der Schweiz, welche zu diesem Zeitpunkt als letztes europäisches Land noch berittene Kampfeinheiten hatte (mit Ausnahme der Sowjetunion, in welcher die Reiterregiments Filmemachern helfen sollten, historische Schlachten nachzustellen).
Literatur:
Persönliche Informationen von Paul Studach-Hofstetter, Teufen.
Weck, Hervé de: Kavallerie. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 14.10.2008. http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D8579.php (24.08.2012).
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