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Historische Fakten im Überblick
Heute ist das Klybeck ein dicht besiedeltes Wohnquartier von Basel. Vor 500 Jahren prägten dagegen sumpfige Wiesen das Landschaftsbild. Die weite Ebene zwischen dem Stadtkern von Kleinbasel und dem Fischerdorf Kleinhüningen war entlang der alten Klybeckstrasse nur locker bebaut. Bei Hochwasser kam es im Mündungsbereich oft zu grossflächigen Überschwemmungen. Deshalb wurde die Wiese mit Dämmen verbaut und das angrenzende Gebiet musste etappenweise auf Dammhöhe angehoben werden – eine Baustelle, die mehrere Generationen beschäftigte und wortwörtlich das Fundament des Klybeckquartiers legte.
Schranken für die Wiese
Zwischen 1562 und 1906 sind vier Korrekturen der Wiese historisch verbrieft. Vor der ersten Korrektur gelangte die Wiese über ein breites Bett mit vielen Flussarmen und Inseln in den Rhein.
Im Jahr 1562 wurde am rechten Ufer im Abschnitt oberhalb des Kleinbasler Teichwuhrs (Höhe Eisenbahnbrücke) die erste Uferverbauung erstellt. Weitere Verbauungen mit Holzpfählen, Flechtwerk, Längsschwellen, Steinpflästerungen und Bepflanzungen mit Erlen und Weiden ergänzten in den nächsten Jahrhunderten die erste Korrektur.
Die zweite Flusskorrektur erfolgte nach heftigen Hochwasserereignissen zwischen 1876 und 1878. Oberhalb von Kleinhüningen wurde der Fluss mit einfachen Dämmen in eine gerade Richtung gezwungen. Die Dammhöhe betrug zwischen 2.4 und 2.7 Metern. Im unteren Bereich des Flusses bis zur Mündung blieb das Ufer unverbaut.
Ab 1880 begannen die Planungsarbeiten für die dritte Wiesekorrektur, die von einem Extremhochwasser 1882 durchkreuzt wurden. Die Wiese brach am linken Ufer unterhalb der Eisenbahnbrücke aus, floss auf geradem Weg in den Rhein, riss dabei die Kleinhüningerstrasse mit, gefährdete einige Gebäude und verwüstete das Weideland. Trotzdem entschied sich der Regierungsrat 1884 gegen eine Flussbegradigung. Stattdessen sollten die Dämme erhöht und verbreitert werden. Für den Damm am linken Ufer war eine Endhöhe von 5.10 Metern vorgesehen. Ausserdem sollte der Radius in der engen Kurve unterhalb der Eisenbahnbrücke vergrössert werden. Umgesetzt wurde schliesslich eine weniger umfassende Variante. Ein Damm wurde nur am linken Ufer erstellt und erhielt eine Endhöhe von 2.4 Metern. Der Mündungsbereich blieb weiterhin verbauungsfrei. Die Bauarbeiten dauerten von 1885 bis 1887.
Zehn Jahre später, im Jahr 1896, beschloss der Regierungsrat die vierte Wiesekorrektur, diesmal mit Dämmen bis zur Mündung. Grund waren erneute zerstörerische Hochwasserereignisse. Im Jahr 1899 kaufte der Kanton einen vier Meter breiten Landstreifen auf der linken Flussseite zwischen Eisenbahnbrücke und Kleinhüningerstrasse, liess diesen auffüllen und den Damm verbreitern und erhöhen. Seit 1906 ist die Wiese durchgehend an beiden Ufern mit Dämmen verbaut. Auf der Dammkrone verläuft ein drei bis fünf Meter breiter Fussweg.
Geschiebe, Schutt und Asche als Füllmaterial
Die Verbauungen der Wiese hatten zur Folge, dass auch die Strassen im Klybeck auf Dammhöhe angehoben werden mussten. 1895 beschloss der Grosse Rat das Strassennetz für Kleinhüningen und das angrenzende Gebiet und der Regierungsrat machte die Vorgabe, sämtliche Wege und Strassen über der Hochwassergrenze der Wiese anzulegen.
Die Strassen wurden zwischen 1897 und 1936 in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit auf Dämmen erstellt. Das Gelände ausserhalb des Strassenraums wurde offiziell als Platz für Schuttablagerungen ausgewiesen. Auch der Landstreifen zwischen Altrheinweg und Rhein wurde auf Rheindammhöhe aufgefüllt und für die Hafenbahn vorbereitet.
Für den Bau der Wiesendämme kam in erster Linie Flussgeschiebe zum Einsatz. Das Fundament der Hafenbahn bildete Aushubmaterial des Hafenbeckens 1. Zur Terrainauffüllung zwischen den Strassen im Klybeck wurde Schutt genutzt – Steine, Ziegel, Scherben, Gewerbeabfälle, Schlacken und Asche. Oft fehlte es an der notwendigen Menge Füllmaterial, weshalb das Höherlegen der Strassen und der Landgewinn dazwischen nur langsam vorankamen.
Die Entstehung des Klybeckfundaments dauerte ab Bau des Wiesendamms Ende des 19. Jahrhunderts rund 40 Jahre. Die Qualität des verwendeten Füllmaterials wurde damals nicht hinterfragt.
Einfluss der Industrie
Wegen Geruchs- und Abwasserproblemen verlegten Betriebe, die im Bereich der Produktion von Anilinfarben tätig waren, ab 1859 – also noch vor der zweiten Wiesekorrektur – ihre Standorte flussabwärts vor die Tore der Stadt. Unterhalb von Basel konnten die Betriebe ihr Abwasser direkt in den Rhein einleiten und Abfälle auf dem Gelände ablagern.
1863 baute Armand Gerber auf dem heutigen Werkareal 1 zwischen Klybeckstrasse und Rhein eine erste Teerfarbenfabrik. 1864 begann direkt daneben Alexander Clavel mit der Farbenproduktion. Im selben Jahr gründete Lukas Preiswerk im heutigen Werkareal 3 die Basler Guanofabrik. 1873 verkaufte Clavel seine Fabrik an die neugegründete Bindschedler & Busch, die 1884 in die Gesellschaft für chemische Industrie Basel Ciba AG umgewandelt wurde.
Ausbau des Hafens
In dieselbe Zeit Ende des 19. Jahrhunderts fielen auch die Uferbefestigung des Rheins und der Ausbau des Hafens. Im Jahr 1890 war die Klybeckinsel noch durch den Altrheinarm getrennt. Eine Luftaufnahme aus dem Ballonflug von Eduard Spelterini von 1895 zeigt, dass der Südteil des Altrheinarmes bereits zugeschüttet war. Der nördliche Teil ab der heutigen Klybeckstrasse war noch offen. Das Rheinufer auf Höhe des dicht bebauten Chemieareals war unbefestigt und diente der Schuttablagerung.
Um die Jahrhundertwende war der Altrheinarm komplett aufgefüllt. Zwischen 1901 und 1903 wurde der Rheindamm von oberhalb der ehemaligen Klybeckinsel bis zur Wiesemündung mit Böschungsmauern aus Schwarzwaldgranit befestigt. Im Jahr 1913 erwarb die Stadt Basel das Gelände der ehemaligen Klybeckinsel, um Platz für hochwassersichere Lagerplätze, die Geleise der Hafenbahn, den Hafenbahnhof und Industriestandorte zu gewinnen. Als Füllmaterial diente der Aushub des Hafenbeckens 1. Die Planung des Hafenbeckens 1 begann 1908, der Baubeginn erfolgte 1919 und die Eröffnung im Jahr 1923. Im Jahr 1926 ging der Hafenbahnhof in Betrieb.
Perspektiven für das Klybeck
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts war das Klybeckquartier durch ein dichtes Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten geprägt. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts verlagerte sich die industrielle Produktion der im Klybeck angesiedelten Betriebe nach und nach in die umliegenden Kantone und ins Ausland. Deshalb zeichnen sich heute weitere Entwicklungsschritte für das Klybeckquartier ab, dazu zählen u.a. die Öffnung der vormals ausschliesslich industriell genutzten Flächen im Bereich Dreirosenbrücke/Mauerstrasse (Klybeckplus), die neue Nutzung des Klybeckquais und die Entwicklung des Hafens.
Unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem diese Vorhaben umgesetzt werden, ist wegen der Geschichte des Klybeckfundaments schon heute eines klar: Beim Öffnen der versiegelten und bebauten Flächen muss mit Belastungen des Bodens gerechnet werden.
Referenzdokumente
- Eduard Golder, Die Wiese, ein Fluss und seine Geschichte, 1991, Tiefbauamt Basel-Stadt
- Auffüllung Wiesedämme, historische Untersuchung, 2009, Kiefer & Studer AG
- Auffüllung Klybeck, historische Untersuchung Etappe 1 + 2, 2011, Kiefer & Studer AG
- Werk Klybeck, historische Untersuchung, 2000, Novartis AG + Ciba Spez.Chemie AG
- Rheinhafen Kleinhüningen, Historische Untersuchung, 2002, Geotechnisches Institut AG