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Was ist eine Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung?
Von einer Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (K-PTBS) oder einem Entwicklungstrauma wird gesprochen, wenn Menschen über eine längere Zeit, insbesondere in der frühen Kindheit, einer traumatischen Situation oder traumatischen Ereignissen ausgesetzt sind und in der Folge körperliche und psychische Symptome entwickeln. Dabei kann es sich um physische, sexuelle und / oder psychische Gewalt oder Vernachlässigung handeln. Laut dem Traumatherapeuten Pete Walker ist die Komponente, welche die gravierendsten Auswirkungen für Betroffene hat, die emotionale Vernachlässigung, da im Gegensatz zu aktiven Formen von Gewalteinwirkungen, Betroffene keine Erinnerungen an traumatische Erfahrungen haben, sondern in der Regel ihr Erleben so verarbeiteten, dass sie es nicht besser verdient hätten. Ein Bewusstsein davon, dass wichtige Elemente für eine gesunde Entwicklung fehlten besteht kaum, allenfalls in Form von Sehnsüchten, welche sich häufig im Erwachsenenalter in Form von Süchten manifestieren.
Betroffene entwickeln in der Regel früh psychologische und zwischenmenschliche Überlebensstrategien, welche es ihnen ermöglichen, die missbräuchlichen und gewalttätigen Personen auf Distanz zu halten. Diese sind allerdings mit dem Preis einer permanent hohen autonomen körperlichen Aktivierung verbunden, was dazu führt, dass Betroffene unter vielfäligen körperlichen und psychischen Beschwerden leiden können. Zudem führen diese Strategien, welche eine Art emotionale Schutzmauer zur Umwelt darstellen, dazu, dass wichtige zwischenmenschliche Bedürfnisse (Zugehörigkeit, Anerkennung, Wertschätzung, Geborgenheit) nicht mehr befriedigt werden können und ein inneres Klima geprägt von Einsamkeit, Wertlosigkeit, Kälte, Misstrauen, Weltschmerz und Verachtung entstehen kann.
Wie wird eine K-PTBS oder ein Entwicklungstrauma behandelt?
Häufig kommen Betroffene in eine Therapie, weil sie Ängsten, Depressionen, Süchten leiden, weil es immer wieder zu Konflikten in Beziehungen kommt, weil es ihnen nicht gelingt, beruflich erfolgreich zu sein oder wegen unerklärlichen körperlichen Symptomen. Das Bewusstsein dafür, dass das Leiden mit frühkindlichen Erfahrungen zu tun hat, fehlt oft, insbesondere auch, weil es für das frühere Überleben wichtig war, die Bezugspersonen, welche für die Verletzungen verantwortlich waren, zu idealisieren, da das eigene Überleben von ihnen abhing. Die Erkenntnis, dass das Leiden in der Gegenwart mit Prägungen aus der Vergangenheit zu tun hat, ist ein wichtiger erster Schritt für eine wirksame Behandlung. Danach geht es darum, die Überlebensstrategien zu identifizieren und behutsam, Schritt für Schritt abzubauen oder zu verändern, den Schutzwall abzutragen sozusagen, so dass neue, heilsame Erfahrungen ins psychische System eingespeist werden können. Insbesondere bei dieser Form von Traumatisierung ist es zentral, den Körper, das Körpergedächtnis in die Behandlung mit einzubeziehen, da sich der Körper in einem permanenten Zustand von Über- oder Unteraktivierung befindet, ohne dass dies den Betroffenen bewusst sein muss. Es ist zu ihrer Normalität geworden. Ein neues Gleichgewicht zu finden, sich selber körperlich und psychisch neu kennen zu lernen, kann mit viel Angst verbunden sein, führt letzten Endes aber dazu, dass die im Körpergedächtnis abgespeicherte traumatische Vergangenheit zurückgelassen werden und ein neues, erfüllteres Leben im Hier und Jetzt begonnen werden kann.
Genauso wie bei der einfachen PTBS empfiehlt sich auch bei dieser Form der Traumatisierung eine Behandlung im geschützten und sicheren Rahmen einer therapeutischen Gruppe, damit Betroffene vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben die Erfahrung machen können, dass andere Menschen nicht nur eine Bedrohung darstellen, vor der es sich zu schützen gilt, sondern eine Quelle von erfüllenden Beziehungserfahrungen sein können.
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