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Eine Sufi-Geschichte
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Ein Mann hatte sein Leben lang in Tugend verbracht und sich auch immer bemüht, noch besser und weiser zu werden, damit ihm nach seinem Tod das Paradies offen stünde. Einen einzigen Makel hatte er: die Unachtsamkeit. Manchmal übersah er deshalb, wenn jemand Hilfe brauchte, oder verpasste eine Gelegenheit, eine neue Erkenntnis zu erlangen. Er meinte, diese kleine Schwäche wiege nicht so schwer, angesichts all seiner Tugenden, und Gott würde sie ihm bestimmt verzeihen.
Als er dann nach einem erfüllten Leben starb, war er sich nach einer kurzen Gewissensprüfung sicher, dass er ins Paradies eingehen würde. Doch wie er an den Pforten ankam, stellte er fest, dass sie geschlossen waren.
Während er sich noch darüber wunderte, hörte er eine Stimme sagen: „Sei achtsam! Denn die Pforten öffnen sich nur einmal alle hundert Jahre.“
So liess er sich davor nieder und wartete geduldig – Geduld war eine der Tugenden, die er in seinem irdischen Leben erworben hatte. Doch mit der Achtsamkeit hatte er seine liebe Mühe, gab es doch vor dem Paradies nichts zu sehen, nichts zu hören und auch nichts Gutes zu tun!
Nach einer Weile des Wartens, die ihm so lange vorkam wie ein ganzes Jahrhundert, schloss er für einen winzigen Augenblick die Augen.
In diesem Moment gingen die Tore des Paradieses auf – und noch bevor er seine Augen wieder richtig geöffnet hatte, schlossen sie sich erneut mit lautem Getöse.