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Ab welcher Höhe müssen diese Kabel eigentlich in die Luftfahrthindernissdatenbank aufgenommen werden?
Art 63 VIL (https://www.admin.ch...0/748.131.1.pdf) besagt in etwa, dass der Eigentümer beim BAZL eine Bewilligung einholen muss bei Hindernissen, die in überbauten Gebieten 60m bzw. sonst 25m hoch sind, oder in der Umgebung von Flugplätzen noch tiefer; bei Leitungen/Seilen und ähnlichem ist das nicht bloss die Masthöhe, sondern der maximale vertikale Abstand irgendwo zwischen den Masten zwischen Boden und Objekt. Bspw. bei einem Kabel über ein Tal wird diese Grenze rasch überschritten.
Nebst der praktischen Umsetzung dieser Meldepflicht (welche über die Kantone abgewickelt wird) gibt es verschiedene reale Probleme (u.a. dass WEGOM Projektdaten enthält, welche nie realisiert sind). Verglichen mit dem Ausland funktioniert der Prozess in der Schweiz ziemlich gut, und die Daten sind ziemlich aktuell und vollständig (im Sinne der Verordnung).
Die besagte VIL Regel ist im Kontext internationaler Vereinbarungen zu verstehen, und im historischen Kontext, im Sinn von: fliegen mit Karten, kein GPS, kein Moving Map, kein Flarm, keine augmented reality/synthetic vision, kein GIS-System, beschränkte Rechenleistung/Speichermengen. Heute könnte das detaillierter gemacht werden. Gut möglich, dass dieser Unfall und ähnliche Unfälle hier national etwas in Bewegung setzen, aber das wird lange dauern. Man muss dabei beachten, dass je tiefer die Erfassungsgrenze, desto massiv mehr Objekte dazukommen.
Man könnte argumentieren, warum nicht jeder Zaun und Wassersprinkler publiziert werden muss; beide stellen für aussenlandende Segelflugzeuge immer wieder grosse Gefahren dar. Ab irgendeiner Grösse macht eine Erfassung wenig Sinn, zudem haben bodennahe Kabel auch kürzere Mastenabstände, und sind nur schon deswegen eher erkennbar für Piloten. Ab einer gewissen Grösse der Objekte muss man auch annehmen, dass Piloten im Sichtflug ohne weitere Hilfsmittel in der Lage sind, ihren Job ausreichend sicher durchzuführen.
Flarm (oder die Version für Hubschrauber Floice) enthält eine Hindernisdatenbank, welche in der Schweiz weitgehend mit WEGOM übereinstimmt. Meines Wissens ist in der Lw Puma/Cougar-Flotte derzeit ausschliesslich T331 damit ausgerüstet, der VIP-Transportheli.
Ich weiss nicht genau, wo gestern am Gotthard das Kabel durchtrennt wurde, aber die Bilder lassen die Möglichkeit zu, dass es sich um die nicht in WEGOM erfasste Fortsetzung oder Abzweigung eines in WEGOM erfassten Kabels handelt. Diese Situation wäre dann vergleichbar mit dem glimpflich verlaufenen Unfall eines REGA-Helis am Speer (Churfirsten) im Juni 2015; bei dem ein Telefonkabel zum Verhängnis wurde, welches in der Nähe noch erfasst war, nicht aber am Unfallort (http://www.sust.admi...hte//HB-ZRY.pdf), beides in Übereinstimmung mit der VIL.
Von den Bildern her sieht es so aus, dass das Kabel etwa 190m lang war (2d Projektion) zwischen den Masten, vom Bodenverlauf zuerst 26m runter ging und dann 18m hoch. Mit einer Masthöhe von ca 12-15m und entsprechendem Durchhänger dazwischen ist es durchaus möglich, dass die 25m Regel überall knapp eingehalten wurde. Oder knapp nicht.
Interessant ist, dass die 25'000er Karte der swisstopo das in WEGOM teilweise erfasste Kabel gar nicht zeigt. Das ist eher selten. Dasselbe trifft auf Open Street Maps zu.
Kabel sind eine grosse Bedrohung für Heli's. In aller Regel sind sämtliche Besatzungsmitglieder an Bord (ohne Passagiere, aber mit Flughelfer) bei Start/Landung mit dem Thema Umgebungsüberwachung wegen Kabeln beauftragt. Beim Lw Puma/Cougar dürften das 2 oder 3 Personen gewesen sein. Insofern erstaunt der Unfall.
Letzte Woche gab's auf SRF folgenden Beitrag:
http://www.srf.ch/se...er-heli-piloten
Bearbeitet von aschlapbach, 30 September 2016 - 08:04 .