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Am Mittwoch hat er seinen "Salvator Mundi", gemalt von Leonardo da Vinci, versteigern lassen und damit einen Mehrwert von 322,8 Millionen Dollar erzielt. Aber damit hat der Oligarch Dmitri Rybolovlev einen Trumpf im Streit mit dem Kunsthändler Yves Bouvier aus der Hand gegeben. Seit 2015 beschuldigt der Russe den Schweizer, ihn beim Verkauf von Bildern betrogen zu haben.
Es ist ein Pyrrhus-Sieg, benannt nach dem König Pyrrhos von Epirus, dessen Truppen nach einer siegreichen Schlacht gegen die Römer so geschwächt waren, dass sie den Krieg schliesslich verloren. Sein "Salvator Mundi" (Retter der Welt), der am Mittwoch für 450,3 Millionen Dollar versteigert wurde, ist zum weltweit teuersten Bild geworden. Dmitri Rybolovlev hat dafür etwas mehr als 300 Millionen kassiert. Die Versteigerung von Christie's in New York dauerte 19 Minuten. Der Milliardär hatte das Bild 2013 für "nur" 127,5 Millionen Dollar gekauft.
Es war Yves Bouvier, die ehemalige Nummer 1 des weltweiten Kunsthandels, der ihm das Bild von Leonardo da Vinci damals verkauft hatte. 2015 verklagte Dmitri Rybolovlev den Kunsthändler, da ihn dieser bei der Lieferung von 37 Bildern um insgesamt eine Milliarde Euro betrogen haben soll. Das Strafverfahren wegen "Betrugs und Beihilfe zu Geldwäscherei" gegen Bouvier in Monaco läuft immer noch. Die Schweizerin Tania Rappo, die als Mittelsperson zwischen Rybolovlev und Bouvier involviert war, wurde wegen Geldwäscherei angeklagt. Nun wird der Oligarch Mühe haben, seine Klage zu rechtfertigen. Denn, wie hätte Bouvier dem Russen einerseits zu diesem Riesengewinn verhelfen und ihn andererseits über den Tisch ziehen können?
Geprellt um eine Milliarde Euro?
Der Konflikt zwischen Dmitri Rybolovlev und Yves Bouvier hat Züge einer verrückten Geschichte, wobei noch herauszufinden wäre, wer die Verrückten sind:
Der Russe, der sein Vermögen im Rohstoffhandel erzielt, will sich die schönste Sammlung der Welt beschaffen. Der Preis dafür spielt ihm keine Rolle. Er beauftragt Bouvier, den wichtigsten Mieter des Zollfreilagers am Genfer Flughafen, ihm die schönsten Gemälde zu ergattern. "Ich verbrachte mehrere Wochen damit. Rybolovlev verlangte, dass ich nach New York fahre, um dort ein Bild zu erwerben", erzählt Bouvier. Während zwölf Jahren läuft alles bestens zwischen den Beiden.
Aber im Februar 2015 lässt der Russe Bouvier nach Monaco kommen. Als dieser die Residenz mit Meersicht von Rybolovlev betreten will, stürzt sich eine kleine Armee von Polizisten auf Bouvier und legt ihn in Handschellen. Tania Rappo, die ebenfalls im Fürstentum wohnt, ereilt das gleiche Schicksal. Die Untersuchungshaft dauert 72 Stunden. Die beiden werden angeklagt, aber auf freien Fuss gesetzt. Laut der von Rybolovlev deponierten Klage war Bouvier nur ein Vermittler. Er hätte lediglich eine Kommission von 2% vom Akquisitionspreis des Kunstwerks erhalten sollen. Der König der Zollfreilager nimmt sich aber eine viel höhere Marge heraus. Der Oligarch schätzt seinen Schaden auf eine Milliarde Euro.
Klage wegen "Geldwäscherei"
Bouvier hat tatsächlich happige Gewinne gemacht. Damit kauft er den "Salvator Mundi" für 80 Millionen Dollar und verkauft diesen für 127,5 Millionen an Rybolovlev. Aber ist es ein Delikt, einen grossen Gewinn zu machen? Die Justiz von Singapur jedenfalls, welche dem Schweizer Recht gab, (Bouvier lebt im südostasiatischen Stadtstaat), weist darauf hin, dass Kunsthäuser wie Sotheby's oder Christie's für Kunstwerke normalerweise eine Provision von 20% in Rechnung stellen.
Die Gründe der monegassischen Justiz für die Festnahme von Tania Rappo wegen "Geldwäscherei" und Yves Bouvier wegen "Beihilfe zu Geldwäscherei" sind hingegen nicht ersichtlich. Bouvier hat im Fürstentum kein Konto. Und Rappo hat nie verheimlicht, dass sie eine Kommission auf den Verkauf jedes Bildes erhielt, aus dem einfachen Grund, dass Monacos Bewohner keine Steuern zahlen. Vor allem aber wurden die meisten Gemälde in Genf verkauft. Inwiefern betreffen diese Geschäfte die monegassische Justiz?
Rücktritt des monegassischen Justizministers
Die Beschlagnahmung vor einigen Wochen des Handys von Tetiana Bersheda, der Anwältin des Russen, lässt vermuten, dass Rybolovlev von der Komplizenschaft innerhalb des monegassischen Polizeiapparats und der Justiz profitieren konnte. Aus den SMS der Anwältin geht hervor, dass Philippe Narmino, Justizminister Monacos, und dessen Frau, zu Gast waren im Chalet des Oligarchen in Gstaad. Sie hatten sich mit dem Helikopter vom Fürstentum ins Berner Oberland bringen lassen.
Der Besuch hatte unmittelbar vor der Festnahme Bouviers stattgefunden. Am 22. Februar 2015, schickte Christine Narmino eine Message an Tetiana Bersheda: "Danke nochmals, liebe Tetiana, für dieses angenehme Wochenende mit dir. Lass Dmitri herzlich von uns danken für seine tadellose Gastfreundschaft. Wir beglückwünschen ihn für die Schönheit seiner Gstaader Residenz".
Danach war Philippe Narmino gezwungen, seinen Rücktritt einzureichen. Am 23. Februar 2015 schickte Tetiana Bersheda dem Hauptkommissar Christophe Haget in Monaco folgende Message: "Guten Abend, er [Yves Bouvier] wird am Morgen des 25. kommen. Das ist sicher. Wir sollten beim Plan A bleiben. Rufen Sie mich bitte zurück, sobald sie können. Merci. Tetiana". Am nächsten Tag antwortet der Kommissar, der mit dem Dossier Yves Bouvier und Tania Rappo beauftragt ist: "Sehr gut. Ich werde Sie aus meinem Büro anrufen. Herzlich." Am 25. Februar wird Bouvier, wie oben erwähnt, vor Rybolovlevs Haus verhaftet. Ein Hinterhalt? Rybolovlev behauptet immer noch, dass ihn Bouvier um eine Milliarde Euro erleichtert habe. Der König der Zollfreilager hat nun seinerseits in Monaco Klage gegen den Oligarchen eingereicht. Wie viel wird er für den erlittenen Schaden wohl einfordern?
(Übertragung aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)