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Die Arschkarte. 1970 entschied sich die Dudenredaktion, dieses feminine Substantiv in ihren mittlerweile zwei Milliarden Worte umfassenden Sprachkorpus aufzunehmen. Die «Arschkarte» wurde nach Einführung der Roten Karte im Fussball populär. Um Verwechslungen zu vermeiden, bewahrten die Schiedsrichter die Gelbe Karte in der Brusttasche, die Rote Karte in der Gesässtasche und zogen fortan nach grobem Foulspiel die «Arschkarte». Wenn heute jemand vom Pech verfolgt ist, sagt er: «Ich habe die Arschkarte gezogen.»
Die deutschen Fernsehzuschauer konnten ab 1970 die Tagesschauen von ARD und ZDF in Farbe empfangen. Was sie nun in Farbe sahen, war aber genauso unerfreulich wie das, was sie zuvor in Schwarz-Weiss gesehen hatten: US-Präsident Richard Nixon kündigte in einer Fernsehansprache den Angriff auf Kambodscha an, in Ohio wurden vier Anti-Vietnam-Demonstranten von Nationalgardisten erschossen, palästinensische Terroristen töteten neun israelische Schulkinder, Swissair-Flug 330 wurde Opfer eines Terroranschlags, in Deutschland wurde die Terrorgruppe Rote Armee Fraktion gegründet und die «marxistisch-leninistische demokratische Front zur Befreiung Palästinas» verübte ein Attentat auf Jordaniens König Hussein I. und bescherte dem Land einen verlustreichen Bürgerkrieg («Schwarzer September»).
Im friedlichen Teil der Welt begeisterte man sich nach drei depressiven Weinjahrgängen für den sensationellen 70er Bordeaux in Saint-Emilion und Pomerol. Der 1970er Château Pétrus gilt heute gar als Jahrhundertwein. Genauso erfolgreich war der Jahrgang der Film- und Musikproduktionen.
Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand und Gian Maria Volonté waren die «Vier im roten Kreis». Mit dem epischen Gangsterfilm schuf Jean-Pierre Melville einen Klassiker, der sowohl in Europa als auch in Amerika begeisterte. Kultregisseur Michelangelo Antonioni drehte mit dem Roadmovie «Zabriskie Point» eine Hommage an die 68er-Bewegung, während Arnold Strong in den europäischen Kinos als «Herkules» sein Filmdebüt gab und später als Arnold Schwarzenegger Weltruhm erlangte.
1970 erhielt der Erfinder Douglas C. Engelbart ein Patent auf einen «X-Y-Positions-Anzeiger für Bildschirmsysteme», das heute der Einfachheit halber «Maus» genannt wird. Die Firma Apple lizenzierte in den 80er-Jahren diese «Maschine-Mensch-Schnittstelle» und brachte sie als Kugelmaus erstmals in ihrem Rechner «Lisa» auf den Markt. Trotz grosser Werbekampagne scheiterte der Rechner. Er war zu teuer.
Erfolgreichere Werbung betrieb Jägermeister: «Ich trinke Jägermeister, weil mir Roland tatsächlich nur seine Briefmarkensammlung gezeigt hat.» Gezeigt wurde eine hübsche, junge Frau mit einer offenen Flasche Jägermeister und einem Glas. Nachträglich für Ironie sorgt auch die VW- Werbung von 1970: «Es gibt noch Dinge, auf die man sich verlassen kann.»
Sex sells. Die britische Boulevardzeitung The Sun druckte erstmals ein Seite-drei-Girl auf der Frontseite und steigerte damit die Auflage um sage und schreibe 40 Prozent. Ob das den heute weltweit grassierenden Auflagenschwund der Printmedien stoppen könnte?
Nicht mehr aufzuhalten war die Trennung der «Fab Four» aus Liverpool. Zehn Jahre hatten ausgereicht, um eine der grössten Rockbands aller Zeiten zu werden und mit 200 Songs Musikgeschichte zu schreiben. Mit «Let It Be» brachten die zerstrittenen Pilzköpfe John Lennon und Paul McCartney ihre Abschieds-LP doch noch zustande.
For though they may be parted
There is still a chance that they will see
There will be an answer
Let it be