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Toyota: Die Geschichte eines Weltkonzerns
Toyota blickt auf eine lange und bewegte Firmenhistorie zurück. Den Anfang nahm die Geschichte im Jahr 1867, als der spätere Unternehmensgründer Sakichi Toyoda als Sohn des Zimmermanns Ikichi Toyoda in einer ärmlichen Region unweit von Nagoya/Japan geboren wurde. Der Vater gab seine handwerklichen Fähigkeiten an Sakichi weiter, was sich schon bald als nutzbringend herausstellen sollte: Bereits in den 1880er Jahren begann der Sohn, hölzerne Spinnmaschinen zu bauen.
Im Jahr 1894 verlegte sich Sakichi auf das Konstruieren manueller Webstühle, die nicht nur preiswerter waren als alle zur damaligen Zeit verfügbaren Modelle, sondern auch effektiver arbeiteten. Seine Motivation bestand darin, seinen Mitmenschen die schwierigen Arbeitsbedingungen in den Fabriken, in denen auch einige seiner Familienangehörigen tätig waren, zu erleichtern. Auf Basis einer gebrauchten Dampfmaschine entwickelte Toyoda schließlich eine kraftmaschinengetriebene Webmaschine.
Sakichis Sohn Kiichirō Toyoda studierte zu dieser Zeit Maschinenbau an der Tokioter Universität. Nach dem Abschluss konstruierte er gemeinsam mit seinem Vater die Webmaschine “Toyota Automatic Loom”, in der erstmals das bahnbrechende Jidōka (“autonome Automation”)-Prinzip zur Anwendung kam. Durch spezielle Maschinenteile konnte der Produktionsprozess bei Fehlern sofort gestoppt werden, woraus sich zwei entscheidende Vorteile ergaben: Zum einen wurden keine defekten Produkte mehr hergestellt, andererseits konnte die Ursache des Problems intensiv untersucht werden.
Gründung der Toyota Motor Company
In den 1920er-Jahren stieg die Nachfrage im noch jungen Kraftfahrzeug-Sektor stark an. Sakichi Toyoda erkannte die sich bietende Chance und entsandte Kiichirō im Jahr 1929 nach Großbritannien. Das Ziel seiner Reise bestand darin, die Patentrechte an der Webmaschine an das Unternehmen Platt Brothers zu verkaufen und den Erlös dafür zu verwenden, eine Automobilfirma zu gründen. Der Plan ging auf: Die beiden ersten Modelle, der Toyota A1 und der GG Truck, wurden im Jahr 1934 vorgestellt. Zwei Jahre später folgte der AA, der wie der A1 eine Ganzstahlkarosserie besaß.
Am 28. August 1937 gründete Kiichirō gemeinsam mit seinem Cousin Eiji Toyoda die Toyota Motor Corporation. Das “D” in Toyoda wurde aus marketingtechnischen Gründen durch ein “T” ersetzt. Der AA wurde bis zum Jahr 1943 gebaut und dann durch den AC ersetzt. Bis 1942 wurden außerdem 353 AB-Phaetons verkauft, die über vier Türen und eine nach vorn umklappbare Windschutzscheibe verfügten. Ferner gab es eine Militärversion (“ABR”). Die Lkw-Produktion diente während des Pazifikkrieges (1937–1945) fast ausschließlich der Unterstützung der japanischen Streitkräfte.
Nachkriegszeit
Nach der Kapitulation des Kaiserreichs am 2. September 1945 kam die Fertigung zum Erliegen, obwohl die Toyota-Werke von den Bombenabwürfen der Amerikaner verschont geblieben waren. Erst im Jahr 1947 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Das erste Modell der Nachkriegszeit war der SA, der eine Neuentwicklung war und sich von den bis dahin hergestellten Toyotas stark unterschied. Die wichtigsten Merkmale waren der Vierzylinder-Reihenmotor, die Einzelradaufhängung sowie die stromlinienförmige Karosserie, die an den VW Käfer erinnerte.
50er und 60er Jahre
Zu Beginn der 1950er Jahre herrschten in Japan wirtschaftlich schwierige Rahmenbedingungen, die das Unternehmen in eine schwere Krise stürzten. Eine geplante Produktionsaufstockung wurde notgedrungen verschoben. Die Talsohle konnte schließlich durchschritten werden, nachdem sich eine Vielzahl von Arbeitern bereit erklärte, freiwillig in den Vorruhestand zu treten. Dies verhinderte Massenentlassungen und versetzte Toyota in die Lage, seine finanziellen Verhältnisse neu zu ordnen.
Eines der beliebtesten Fahrzeuge, die Toyota in den 1950er Jahren baute, war der Land Cruiser. Der Geländewagen zeichnete sich durch eine besondere Robustheit aus und wurde bald in zahlreiche Länder Europas und Asiens vertrieben. Auch in Amerika fand der allradgetriebene Wagen viele Anhänger. Der Land Cruiser ist mittlerweile in der siebten Generation erhältlich und stellt noch immer einen wichtigen Eckpfeiler der Modellpalette von Toyota dar.
Zu Beginn der 60er Jahre wurde ein neues Produktionsprinzip etabliert, das im Wesentlichen eine Kombination aus Just-in-time und Jidōka war. Das System wurde durch das Kanban-Prinzip gestärkt, das über Karten anzeigte, wann und wo Teile benötigt wurden.
Ein weiterer Meilenstein war die Einführung des Toyota Corona, der sich ab 1966 auf dem US-amerikanischen Markt zu einem Erfolgsmodell entwickelte. Der Absatz konnte bereits im ersten Jahr auf über 20.000 Fahrzeuge verdreifacht werden.
1967 übernahm Eiji Toyoda die Präsidentschaft des Konzerns, die er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1982 innehatte. Es waren seine Innovationen, die den Schlüssel zum weltweiten Markterfolg Toyotas bildeten.
Die 70er und 80er Jahre
Gegen Mitte der 1970er Jahre durchlebte der internationale Automobilmarkt einen drastischen Wandel. Die Ölkrise und die damit einhergehenden hohen Benzinpreise ließen die Nachfrage nach kraftstoffsparenden Autos in die Höhe schnellen. Diese Marktlücke wurde von japanischen Firmen wie Toyota ausgefüllt, die die westliche Konkurrenz in ihrer Produktivität inzwischen überholt hatten und daher in der Lage waren, ihre Erzeugnisse preiswert anzubieten. Ein weiterer Marktvorteil bestand darin, dass die Serienausstattung oft umfangreicher war als bei westlichen Fahrzeugen.
In den 80er Jahren verringerte sich der Preisvorsprung der japanischen Hersteller, da amerikanische und europäische Firmen dazu übergingen, Methoden der fernöstlichen Mitbewerber zu kopieren. Gefragt waren nun eine gute Verarbeitung und eine geringe Anfälligkeit gegen Pannen. Toyota wusste sich in diesen Punkten gegen die Konkurrenz durchzusetzen und erreichte einen weltweiten Marktanteil von über 10 Prozent. Vor allem in den USA war dem weltgrößten Autobauer großer Erfolg beschieden, der mit der Einführung der Edelmarke Lexus im Jahr 1989 weiter ausgebaut werden konnte.
Jüngere Geschichte
Im Herbst 1999 durchbrach Toyota die Marke von 100 Millionen Fahrzeugen. Einen wesentlichen Beitrag zu diesem Erfolg leistete der Corolla, der bis heute mehr als 30 Millionen mal verkauft werden konnte. Auf dem amerikanischen Markt konnte Ford im Jahr 2007 vom zweiten Platz hinter GM verdrängt werden. In diesem Jahr wurden in den USA 2,62 Millionen Neuwagen verkauft.
Die Einführung des Prius im Jahr 1997 markiert einen Höhepunkt in der Geschichte Toyotas. Als erster Vollhybride der Welt wurde der Mittelklassewagen im Jahr 1995 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Zwei Jahre später wurden die ersten Fahrzeuge an japanische Kunden ausgeliefert. Im Jahr 2009 konnten weltweit rund 200.000 Einheiten abgesetzt werden. Auf dem japanischen Markt war der Prius über lange Zeit der meistverkaufte Wagen überhaupt.