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Suite Erker von Antoni Tàpies (1923-2012)
Die fünf grossformatigen Holzschnitte in der Aula sind 1992 entstanden. Sie stellen eine Reihe dar und tragen den Titel «Suite Erker». Der Begriff «suite» kommt aus der Musik und ist ein Zyklus von Instrumental- oder Orchesterstücken. Er wird in einer bestimmten, vorgegebenen Abfolge gespielt, in der Regel ohne längere Pausen. In der Kunst, aber auch in der Musik, zeichnet sich ein Zyklus durch wiederkehrende Motive und Themen aus.
Antoni Tàpies' Kunst ist verschlossen und tragisch. Er verarbeitete die Wunden und Narben der europäischen Geschichte – Nazitum, Diktaturen, Folter – zum Beispiel indem er vielfach verschlossene Türen und Fenster, zerkratzte Wände und Mauern, zerrissene Fahnen mit ärmlichen Materialien – matières pauvres – wie Staub, Sand, Schmutz, Lumpen und Fetzen darstellte. Auch die Holzschnitte in der Aula der FHS St.Gallen sind motivisch diesem Thema zuzuordnen.
Die Holzschnitte haben alle Zeichen und Chiffren. Diese sind nicht magisch oder wörtlich zu verstehen, viel eher als Initialen, als Verschlüsselung einer geheimen Botschaft. Alles bleibt offen, die Bilderrätsel von Tàpies wollen nicht enträtselt sein. Dazu kommt der Hang zum Alltäglichen, zum Banalen, zum Trivialem, ausgedrückt zum Beispiel durch Motive wie Buch, Bett, Türe, Gefäss, Hemd, Fuss, Kreuz und weitere.