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Basel - Allgemeines
Mit Fotos der drei französischen Denkmäler in Basel
Waffenstillstandsfeier im Kannenfeldpark
Das Gefallenendenkmal der drei Kriege von 1870-71, 1914-18 und 1939-1945 auf dem ehemaligen West-Gottesacker der Stadt Basel wurde aufgefrischt
Von Jürg-Peter Lienhard
Die schlichte Zeremonie der Kranzniederlegung vor dem gereinigten französischen Gefallenendenkmal im Kannenfeldpark (von links): Regierungsrat Wessels, Sénatrice-Maire Patricia Schillinger, Honorakonsul Gilbert Pfendler. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Jedes Jahr gibt es um den französischen Feiertag «Armistice 1918» (Waffenstillstand 1918) eine kleine Gedenkfeier, die von den in Basel ansässigen Franzosen - meist SNCF- oder Chemie-Mitarbeiter sowie des konsularischen Korps - am Gefallenendenkmal im Kannenfeldpark organisiert wird. Das bald einmal hundert Jahre alte «Monument aux morts» wurde um die Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts im damaligen West-Gottesacker der Stadt errichtet. Es ist das einzige Grabmal, das nach der Aufhebung des Friedhofes und dem Umbau zu einem Erholungs- und Familien-Park stehengeblieben ist.
Die gesenkten Fahnen der ancien combattants bedeuten eine Ehrenbezeugung vor den Gefallenen. In der vordersten Reihe ganz links: der französische Generalkonsul für die Schweiz, Jean-Luc Faurêt-Tournaire. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Der Lauf der Zeit hat dem roten Sandstein zum Gedenken an die drei Kriege mit den Namen der Gefallenen, die jeweils zuvor in Basel lebten und wirkten, aber als Franzosen zum Kriegsdienst in die heimatliche Armee eingezogen worden waren und auf den Schlachtfeldern Europas und den Kriegsschauplätzen der Welt umkamen, zugesetzt. Das Baudepartement der Stadt Basel hat es daher kürzlich wieder etwas aufgefrischt und die Auffrischung zum Anlass genommen, die diesjährige Feier in etwas grösserem Rahmen abzuhalten. Da der «Armistice 1918» dieses Jahr auf den Donnerstag, 11. November 2009, fiel, aber hier in der Schweiz kein Feiertag ist, wurde die Feier auf den Sonntag, 15. November 2009, verlegt.
Für die Stadt lud Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Vorsteher des für die Auffrischung federführenden Baudepartements ein, und es nahmen teil der französische Generalkonsul in der Schweiz, Jean-Luc Faurêt-Tournaire, der französische Honorarkonsul Gilbert Pfendler, der Rabbi von Saint-Louis, Raphaël Breisacher und Pasteur Jürg Scheibler von der Eglise française réformée de Bâle. Sie sagten ein paar Worte des Gedenkens; der Rabbi und der Pasteuer zitierten zufälligerweise gar dieselben Bibelstellen, was Schmunzeln erzeugte.
«Aux morts de la Grande Guerre 1914-1918» Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Darauf wurden zwei Kränze niedergelegt, die beiden Fahnenträger der ancien combattants senkten ihre Fahnen zu Ehren der Gefallenen, und die Fanfare de Bourgfelden schmetterten die Marseillaise, derweil die uniformierten französischen Offiziere - zur See und zu Land sowie die Gendarmerie-Kommandanten von Altkrich und Saint-Louis - salutierten.
In Basel gibt es drei Denkmäler, die an die deutsch-französischen und die beiden Weltkriege erinnern. Das grösste und künstlerisch bedeutendste ist das «Strassburger Denkmal» im Park vor dem De-Wette-Schulhauses am Bahnhof SBB. Es wurde von keinem Geringeren als von Frédéric-Auguste Bartholdi geschaffen, dem Colmarer Bildhauer, der auch die Freiheitsstatue «Liberty» von New York entwarf und baute. Das «Strassburger Denkmal» war ein Geschenk der Stadt Strassburg an die Stadt Basel, die im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 ihren mitunter familiär verwandten elsässischen Nachbarn Hilfe und Unterstützung zukommen liess.
Die Fanfare de Bourgfelden schmettern die Marseillaise. Die Dirigentin trommelt auf einer Basler Trommel… Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Das zweite Denkmal befindet sich auf der Schützenmatte gegenüber der Tramhaltestelle und ist ebenfalls ein Geschenk aus dem Elsass, gestiftet nach dem Zweiten Weltkrieg von der Stadt Mulhouse zur Erinnerung an die Hilfe, die die Stadt Basel den elsässischen Kindern angedeihen liess, indem sie die von Entbehrungen gezeichneten wieder aufpäppelten. Sehr viele der so «gesundgefütterten» elsässischen Kinder pflegten noch während Jahrzehnten später engen Kontakt mit ihren Basler Familien.
Der - italienische - Fotograf Pino Covino im Stress: Vor ihm links der Kommandant des Polizeistüztpunktes Kannenfeld, Hptm Hans Schnider in seiner selten getragenen Galauniform und seine elsässischen Kollegen von der Gendarmerie Altkirch und Saint-Louis. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009
jpl.- Am 8. Mai 2010 jährt sich zum 65. Mal die Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg, wodurch das kriegerische Geschehen in Europa ein Ende nahm. Dieses Datum wäre ein Anlass, auch in Basel sich der Ereignisse an den Landesgrenzen der Stadt in Erinnerung zu rufen. Dabei geht es um die Friedenssicherung, denn die Pflicht zu Erinnerung ist Friedenssicherung.
Es würde der Stadt wohl anstehen, nicht nur ihre Heldentaten zu feiern, sondern auch der vielen Menschen zu gedenken, die wegen rassistischer Verfolgung und aus politischen Gründen hier in Basel Zuflucht suchten, jedoch von den Basler Behörden wieder ihren deutschen Häschern ausgeliefert und damit in den Tod getrieben wurden. Es würde auch deutlich machen, dass Basel und die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht nur eine Rolle, sondern verschiedene Rollen gespielt haben. Und dadurch würde das eine gegen das andere dargestellt werden können, damit für die Zukunft der Schluss deutlich wird, dass es für die Friedenssicherung auf jeden Einzelnen ankommt.
Gedenkveranstaltungen 8. Mai 2010 zum 65. Jahrestag der Kapitulation Nazi-Deutschlands: Mal sehen, ob die Regierung auf meine Idee eintritt oder ob sie von den Fraktionen mit tausend Vorwänden im Keim erstickt wird… Regierungsrat Wessels zeigte sich jedenfalls interessiert, obzwar dies eher eine Angelegenheit für den Präsidialvorsteher ist… Von französischer Seite kamen jedenfalls positive Signale.
Und zum Thema sind noch Überraschungen zu erwarten, zumal, was die geheimdienstliche Zusammenarbeit General Guisans mit dem Befreier des Elsass, General de Lattre de Tassigny, betrifft: Guisan hat die 2000 sundgauisch-elsässisch Internierten in Büren an der Aare ein Jahr vor Kriegsende bei Le Locle über die Grenze entlassen, damit sie zur 1. französischen Armee stossen und das Elsass mitbefreien helfen konnten. Obwohl heute der damalige Begriff «aktive Neutralität» nicht mehr bekannt ist, so steht er mit den Auslandeinsätzen der Schweizer Armee wieder zur Diskussion. Wie so oft: Geschichte wiederholt sich, wenngleich jeweils in zeitgemässem Gewand!
Die drei französischen Denkmäler in Basel
Alle Fotos: J.-P. Lienhard, Basel © 2009
In Zusammenhang mit den drei grossen Kriegen stehen in Basel drei Gedenkstätten, die an die Opfer im Elsass und die Hilfen des Schweizervolkes erinnern.
Das älteste steht im Park beim De-Wette-Schulhaus am Bahnhof SBB. Es wird «Strassburger-Denkmal» genannt und ist nicht nur das grösste der drei französischen Denkmäler in Basel, sondern gleichzeitig auch das Unbekannteste. Es ist derart ungünstig plaziert, dass es kaum zur Geltung kommt, weil die Verkehrsachse von und zum Autobahnzubringer am Wolf und der Tramknotenpunkt auf dem Centralbahnplatz es optisch beinahe erstickt. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Dabei wissen kaum die meisten Basler, dass es ein weltberühmter Bildhauer aus Colmar angefertigt hat, der eine ebenfalls weltberühmte Statue geschaffen und gebaut hat: nämlich Frédérci-August Bartholdi, Schöpfer der «Liberty», der Freiheitsstatue auf dem geschichtsträchtigen «Liberty Island» vor der Hafeneinfahrt zu New York. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Die Geschichte dieses Geschenkes der Stadt Strassburg im Andenken an die Hilfe des Schweizervolkes während der Belagerung der unterelsässischen Hauptstadt im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 durch deutsche Truppen hat Markus Kutter zusammengefasst und kann via untenstehendem Link hier im Format PDF heruntergeladen werden. Die Beschiessung der Stadt Strassburg ohne Rücksicht auf die eingeschlossene Zivilbevölkerung geschah zum ersten Mal in der abendländischen Militärgeschichte, und bedeutete einen Tabubruch im Kriegsrecht, das die Deutschen fortan in ungeheurem Masse brachen. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Das Strassburger-Denkmal ist eine symbolische Darstellung. Die linke Figur zeigt den Erzengel Gabriel. Er steht über einer Granathülse und umarmt schützend Alsatia in der Strassburger Tracht. Neben ihr hebt Helvetia ihr Schutzschild über dem mit der typischen Schlaufenhaube geschmückten Haupt der Alsatia. Am Schoss der Helvetia verbirgt ein nackter Knabe sein weinendes Gesicht. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Auf der Rückseite drängt sich ein älteres Mädchen hinter Alsatia und Helvetia. Das Mädchen hat einen Säugling auf dem linken Arm, und den rechten hält es schützend auf den Rücken eines stehenden Kleinkleinkindes. Links von der Kindergruppe kauert ein halbwüchsiger Knabe, der verängstigt von der Szene wegschaut. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Zwar ist das Strassburger-Denkmal, zumal Alsatia, etwas von Moos befallen, aber der dramatische Blick der Figuren ist beinahe lebensecht: Von Nahem betrachtet scheint, dass Alsatia kurz vor der Ohnmacht steht. Besorgt schaut ihr Helvetia mit ihrem hoch über ihr erhobenen Schutzschild in die Augen und hält ihr schwesterlich den Arm. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Im Sockel sind neben bronzenen Inschriften und einer Szene aus dem deutsch-französischen Krieg auch eine Bronzetafel mit einer Szene der «Hirsebreifahrt» von Zürich nach Strassburg eingelassen. Die Zürcher bewiesen im Jahr 1456 mit einer Bootsfahrt, dass sie innerhalb von 24 Stunden Strassburg zu Hilfe eilen konnten, weil der aus Zürich im Boot mitgebrachte Hirsebrei in Strassburg noch warm war. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Es könnte sein, dass auf der zweiten Bronzetafel hier die Strassburger Notabeln die Schweizer Gesandten begrüssen - leider liess sich auf die Schnelle keine andere Interpretation dieses Bildnisses am Sockel des bald einmal 120 Jahre alten Denkmals finden. Vielleicht kann uns ein Leser weiterhelfen? Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009
«A la Suisse généreuse - la France reconnaissante 1939–1945», steht auf dem Sockel dieses Denkmals, das der französische Künstler Georges Salandre 1948 geschaffen hat und im Schützenmattpark nahe der Tramstation aufgestellt ist: «Der grossherzigen Schweiz - das dankbare Frankreich.» Es erinnert daran, dass Basel und die Schweiz dem Elsass während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Hilfe angedeihen liess - zumal das «Wiederaufpäppeln» von elsässischen Kindern nach Kriegsende. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009
Und hier die Gesamtsicht auf das Grabmal für die französischen Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 und der beiden Weltkriege im Kannenfeldpark. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009
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Von Jürg-Peter Lienhard
Für weitere Informationen klicken Sie hier:
• Die Geschichte des Strassburger-Denkmals im Format PDF - von Markus Kutter