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«Oma hatte ihre ganz eigenen Erziehungsmethoden. Sie kaufte mir teure Kuchenformen für die Sandkiste. Wenn andere Kinder die Förmchen ausleihen wollten, rief sie ‹Das könnte euch so passen, ihr Banditen!›, und schrie, bis sie vertrieben waren. Nach einiger Zeit konnte ich unheimlich gute Burgen bauen, hatte aber unheimlich wenige Kumpels.»
Wer so trocken schreiben kann wie der 1966 im norddeutschen Cuxhaven geborene Box- und Reisejournalist Knud Kohr, hat Glück. In seinem jetzt erschienenen Debütroman «In Cuxhaven» lässt er einen – wie Kohr in Berlin lebenden – Mann in seine Heimat fahren, weil er mit seiner Mutter noch etwas zu klären hat. Das klingt nicht schön – und ist es auch nicht.
Aber es ist erschreckend schön, wie es Kohr gelingt, seinen trockenen Ton auch beim Erzählen schlimmer und seltsamer Dinge zu bewahren: Alkoholismus, fahrlässige Erziehungsmethoden, die Beziehung des Protagonisten zu Tibor, die sprechende Kakerlake, wundersame Methoden des Broccolianbaus, Andeutungen über sexuellen Missbrauch. Am Ende der Reise weiss der Held nicht alles, hat aber immerhin zwei solide Chromstahlwasserhähne ergattert.
Vielleicht kann nur jemand so trocken über eine unheimliche Familie in einer ebenso unheimlichen Kleinstadt schreiben, der so manches davon kennt? Ist «In Cuxhaven» ein autobiografischer Roman? Die Frage lässt Kohr, der gelegentlich auch für die WOZ schreibt, zögern: «Nun – die Kakerlake Tibor war wirklich ein netter Kerl.»