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|Abt Kuno von Stoffeln (1379-1411)

Abt Kuno von Stoffeln
Kuno von Stoffeln, 1379-1411. Das Geschlecht der Stöffeln hatte seinen Stammsitz auf der Stöffelburg bei Gönningen (in der Nähe von Tübingen). Kuno ist am 4.11.1365 als Kustos von St. Gallen belegt. Seit 1375 amtierte er als Propst und Pfleger der Abtei. Am 6.4.1379 wurde er zum Abt gewählt; am 26.4. versprach er, sich um die Bestätigung der Wahl in Rom zu bemühen. Die Abgabe von 300 Gulden an die päpstliche Kammer konnte er freilich erst 1383 entrichten. Von König Wenzel erhielt er am 16.10.1379 die Temporalien verliehen und alle Rechte und Freiheiten bestätigt. Am gleichen Tag erlaubte ihm der König, jede vom Reich verpfändete Vogtei über Klosterbesitzungen zu lösen, und befreite ihn und alle seine Gotteshausleute vom königlichen Hof- und Landgericht. Auch er wurde schon zu Beginn seiner Regierung mit dem Autonomiestreben seiner Untertanen konfrontiert, St. Gallen und Appenzell verweigerten die Huldigung, letzteres sogar die Steuern. Durch die Vermittlung der Städte um den Bodensee kam es am 16.11.1379 zwischen dem Abt und Appenzell, Hundwil, Urnäsch und Teufen zu einem Vergleich. Der Streit mit der Stadt St.Gallen dauerte länger. Nach einem ersten Vergleich im Herbst 1379, worauf der Abt am 11.10. die Handfeste bestätigte, folgten erneut Auseinandersetzungen, widerrief doch König Wenzel am 3.5.1380 alle Privilegien, die er der Stadt zum Nachteil des Klosters gegeben hatte; erst nach langwierigen Verhandlungen kam es am 17.7.1382 zur Einigung. Abt Kuno wandte alle verfügbaren Machtmittel an, um seine Herrschaft zu sichern und auszubauen. Er löste verpfändete Güter und Vogteien ein, ließ sich das Bürgerrecht von Lindau erneuern, schloß am 23.1.1392 mit Herzog Leopold IV. von Österreich ein Bündnis und ging 1401 mit der Stadt Konstanz ein Burgrecht ein. Neben der Herrschaftssicherung gelang es ihm, die Klosterwirtschaft zu konsolidieren. Beides wurde durch die 1401 losbrechenden Unruhen wieder zunichte gemacht. Am 17.1.1401 schlossen die Appenzeller und die St. Galler ein Bündnis, kurz danach begann der Appenzellerkrieg, in dem der Abt und seine Verbündeten, vor allem Österreich, den Appenzellern, die von den Schwyzern unterstützt wurden, militärisch unterlegen waren. Da in der Folge die Abgaben nicht mehr erstattet wurden, begannen mit dem Jahre 1403 Verpfändungen und Verkäufe, wodurch die Klosterwirtschaft ruiniert wurde. Abt Kuno erscheint urkundlich zum letzten Mal am 15.9.1411. Am 19. Oktober desselben Jahres ist er gestorben.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)