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Getreideblattläuse
Puceron des céréales (franz.); cereal aphids (engl.)
Im mitteleuropäischen Raum leben vier Arten regelmässig auf Getreidearten und können durch Übervermehrung schädlich werden:
- Grosse Getreideblattlaus (the English grain aphid): Sitobion (=Macrosiphum) avenae Fabr.
- Hafer- oder Traubenkirschenblattlaus (the bird cherry–oat aphid): Rhopalosiphum padi L.
- bleiche Getreidelaus (the rose-grass aphid): Metopolophium dirhodum Walk.
- und im Spätsommer/Herbst die Maisblattlaus (the corn leaf aphid): Rhopalosiphum maidis Fitch.
Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Pterygota, Hemiptera, Homoptera, Aphididae (Röhrenläuse)
Abb. 1. Die Grosse Getreideblattlaus (Sitobion avenae) ist häufig die dominierende Blattlausart auf Weizen.
Grosse Getreideblattlaus (Sitobion (=Macrosiphum) avenae Fabr.)
Die grosse Getreideblattlaus ist häufig die dominierende Art und hat deshalb die grösste wirtschaftliche Bedeutung. Sie saugt an den Spelzen und der Spindel der grünen Ähren von Weizen, weniger häufig an Roggen, Gerste und Hafer. S. avenae ist nicht wirtswechselnd.
Schaderreger: Die ungeflügelten Imagines der grossen Getreideblattlaus sind breit, spindelförmig und 2 bis 3 mm lang. Die braunen Fühler sind nahezu so lang wie der Körper (das dritte Fühlerglied ist etwas heller). Die Läuse sind gelblich bis grün oder rotbraun bis schwarz mit allen Übergängen (Dubnik 1991). Die Hinterleibsröhren (Siphonen) sind schwarz und sind etwa so lang wie 1/6 der Körperlänge. Die Beine sind bräunlich gefärbt, das Beinende ist dunkelbraun bis schwarz. Das farblose Schwänzchen (Cauda) ist kürzer als die Siphonen.
Die geflügelte Form ist dunkelbraun und ebenfalls 2 bis 3 mm lang. Der Hinterleib hat braune Seitenflecken und in der Mitte breite Querbänder. Fühler, Siphonen, Beine und Schwänzchen sind denjenigen der ungeflügelten Form ähnlich.
Lebenszyklus und Epidemiologie: S. avenae überwintert im Eistadium auf Gräsern. Eine Lebendüberwinterung scheint in Westeuropa ebenfalls möglich zu sein (Dubnik 1991). Aus den Eiern schlüpfen die Stammmütter (Fundatrix), die ungeschlechtlich (parthenogenetisch) Nachkommen gebären. Ab Mitte Mai erfolgt die Besiedlung der Getreidefelder, wo sie sich während der Vegetationszeit ausschließlich lebendgebärend (parthenogenetisch) vermehren. Bei Temperaturen über 20 °C, anhaltend trockenem Wetter und intensiver Sonneneinstrahlung zum Zeitpunkt der Milchreife vervielfältigt sich die Anzahl Läuse rasch: innerhalb von 30 Tagen kann die Population um das 40 bis 50 fache zunehmen.
Ab Mitte Juni erscheinen die ersten geflügelten Formen. Sobald das Getreide reif wird, wechseln die geflügelten Läuse zu den Gräsern (einjähriges Rispengras, Weidelgräser, andere Gräser aber auch zu Ausfallgetreide oder Neuansaaten). Gegen Ende der Vegetationszeit findet in der Regel eine geschlechtliche Vermehrung statt. Die befruchteten Weibchen legen dann auf den Gräsern schwarz gefärbte Eier ab.
Abb. 2. Die Grosse Getreideblattlaus saugt an Ähren und Blättern von Weizen.
Hafer- oder Traubenkirschenblattlaus (Rhopalosiphum padi L.)
Die Hafer- oder Traubenkirschenblattlaus ist in Mitteleuropa sehr häufig und besiedelt alle Getreidearten sowie viele Gräser. Sie ist ein bedeutender Virusüberträger. R. padi ist wirtswechselnd.
Schaderreger: Die ungeflügelten Imagines sind oval, olivgrün und 1.8 bis 2.3 mm lang (Dubnik 1991). Die Fühler reichen bis zur Körpermitte. Die schwarzen Hinterleibsröhren (Siphonen) sind gegen das Ende hin verjüngt und haben eine Krempe an der Öffnung. Zwischen den Hinterleibsröhren und an deren Basis ist ein rostroter Fleck erkennbar.
Kopf, Hinterleibsröhre, Brust und Beinende der geflügelten Tiere sind schwarz.
Lebenszyklus und Epidemiologie: R. padiüberwintert im Eistadium an der gemeinen Traubenkirsche (Prunus padus) und dem Zwergmandelstrauch (Prunus nana) (Dubnik 1991). Eine Lebendüberwinterung an Wintergetreide kommt in Westeuropa in milden Wintern häufig vor. Im Frühling schlüpfen aus den Eiern die Stammmütter (Fundatrix), die ungeschlechtlich (parthenogenetisch) Nachkommen gebären. Später entstehen geflügelte Tiere, welche auf das Getreide wechseln. Bevorzugt werden zuerst untere, vegetative Teile (auch Wurzelhals) der Pflanzen besiedelt. Später wandert R. padi zu den Ähren. Die Vermehrungsrate von R. padi ist hoch (lebendgebärend). Aufgrund von Übervermehrung kommt es zur Bildung von geflügelten Läusen, die verschiedene Gräser, später auch Ausfallgetreide oder Neuansaaten besiedeln. Ab Mitte Oktober entstehen Weibchen (Ovipare), welche Eier an Knospen Astlöcher, Rindenrisse und anderen Stellen der Traubenkirsche usw. ablegen.
Bleiche Getreidelaus (Metopolophium dirhodum Walk.)
Die bleiche Getreidelaus findet man vorwiegend auf den Blättern. Sie hat eine geringe wirtschaftliche Bedeutung. Sie ist wirtswechselnd.
Abb. 3. Bleiche Getreideblattlaus (Metolophium dirhodum)
Schaderreger: Die ungeflügelten Imagines haben eine länglich ovale Körperform und sind 1.9 bis 2.8 mm lang (Dubnik 1991). Sie sind auffallend weisslich und haben einen dunkelgrünen Mittelstreifen auf dem Rücken. Die Länge der Fühler entspricht etwa ¾ der Körperlänge. Die hellen Hinterleibsröhren (Siphonen) sind etwa doppelt so lange wie das Schwänzchen.
Die Brust der geflügelten Tiere sind hellbraun, die Beinenden dunkelbraun. Das Stirnprofil hat einen deutlichen Mittelhöcker. Der Hinterleib ist ohne Zeichnung.
Lebenszyklus und Epidemiologie: M. dirhodumüberwintert im Eistadium an Wild- und Gartenrosen (Dubnik 1991). Im Frühling schlüpfen die Stammmütter, die sich ungeschlechtlich (parthenogenetisch) vermehren. Mit der Zeit entstehen geflügelte Tiere, die zu den Gräsern wechseln. Die bleiche Getreideblattlaus besiedelt untere Blattpartien, vorwiegend deren obere Blattseite. Sie kann häufig auch an Mais gefunden werden. Die Oviparen legen ihre Eier an Wild- und Gartenrosen.
Maisblattlaus (Rhopalosiphum maidis Fitch.)
Die Maisblattlaus ist weltweit einer der bedeutendsten Schädlinge des Mais. Man findet sie aber auch häufig an Getreide. R. maidis kann in Mitteleuropa nicht überwintern und wandert alljährlich aus südlichen Ländern ein (Dubnik 1991). Dabei muss sie Entfernungen von mehreren Kilometern bewältigen.
Schaderreger: Die Larven der ungeflügelten Form sind grau-grün gefärbt und haben einen schwarzen Fleck an der Basis der Hinterleibsröhren; die Adulten sind dunkelgrün bis blauschwarz (Dubnik 1991). Der Körper ist länglich oval und 2 bis 2.6 mm lang. Die Fühler sind halb so lang wie der Körper. Die schwarzen, kurzen Hinterleibsröhren haben einen ausgestülpten Rand.
Der Kopf, die Brust, die Fühler und die Hinterleibsröhren der geflügelten Läuse sind schwarz, der Hinterleib grau-grün bis dunkelgrün mit dunklen Flecken an der Seite (Dubnik 1991). Das Schwänzchen ist kurz und dunkel gefärbt.
Lebenszyklus und Epidemiologie: Die Maisblattlaus erscheint etwa ab Mitte Juni. Sie besiedelt zunächst überwiegend die Hühnerhirse (Echinochloa crus-galli) und die Borstenhirse (Setaria pumila). Es werden immer die jüngsten noch eingerollten Blätter besiedelt. Ab August wandert die Maisblattlaus zum Ausfallgetreide, zum Mais oder ab Oktober zum Wintergetreide. Auf Mais findet man die Maisblattlaus auf den unteren Blättern und später auch in den Blütenständen.
Wirtspflanzen
Getreideblattläuse besiedeln alle Getreidearten und Mais. Viele Gräser sind ebenfalls Wirtspflanzen. Die Hafer- oder Traubenkirschenblattlaus überwintert an der Traubenkirsche, die bleiche Getreideblattlaus an Rosen.
Schadwirkung
Getreideblattläuse saugen an Ähren und Blättern der Getreidepflanzen und entnehmen ihnen zuckerhaltige Assimilate aus den Siebröhren. Dadurch entsteht je nach Zeitpunkt der Besiedelung, der Dichte und der Dauer ein mehr oder weniger hoher Ertragsverlust. Ein Ährenbefall führt zu höheren Verlusten als ein Blattbefall.
Die Blattläuse scheiden überschüssige Nahrung in Form von sogenanntem Honigtau aus. Auf diesen klebrigen Ausscheidungen siedeln sich schnell Schwärzepilze an, welche die Assimilation der Pflanze erheblich beeinträchtigen.
Die Getreideblattläuse übertragen auch Viruskrankheiten: zum Beispiel das Gerstengelbverzwergungsvirus (barley yellow dwarf virus, BYDV), das vor allem durch S. avenae und R. padi übertragen wird.
Bekämpfung
- Ökologische Ausgleichsflächen (Hecken, Buntbrachen) fördern Nützlinge. Rosen und Traubenkirschen sind Wirtspflanzen von Getreideblattläusen. Diese Sträucher sollten deshalb hier nicht angepflanzt werden.
- Nützlinge (Marienkäfer, Schlupfwespen, Schwebfliegen und Florfliegen) durch zurückhaltenden chemischen Pflanzenschutz schonen (Häni et al. 2008).
- Chemische Bekämpfung ist nur dann sinnvoll, wenn die Bekämpfungsschwelle überschritten und die Mittel garantiert nützlingsschonend sind. Eventuell genügt bereits eine Feldrand- oder Teilflächenbehandlung. Die Ermittlung der Bekämpfungsschwelle erfolgt zwischen den Stadien „Blattscheide geschwollen“ und „Blüte“. Die Schwelle ist erreicht, falls 60% der Haupttriebe (Fahnenblatt und Ähre) mit Blattläusen befallen und nur wenige Nützlinge vorhanden sind (Häni et al. 2008).
Literatur
Dubnik H, 1991. Blattläuse: Artenbestimmung – Biologie – Bekämpfung. Verlag Th. Mann, D-4650 Gelsenkirchen-Buer: 120 S.
Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A und Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.