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Zu Anfang des 5. Jahrhunderts nahmen die Alemannen diese Gebiete in Besitz. Sie gerieten aber schon zu Ende desselben Jahrhunderts unter die fränkische Herrschaft, mit der die Gauverfassung Eingang fand. Diese schied den grössten Teil des jetzigen Kantons dem Aargau zu, mit Ausnahme des Habsburgeramtes, das als Bestandteil des Zürichgaues galt.
Den Kern des gegenwärtigen Staatsgebietes bildete wie noch heute die Stadt Luzern, als deren Mittelpunkt das um die Mitte des 8. Jahrhunderts von Murbach aus gegründete Benediktinerkloster im Hof zu betrachten ist. Ihr Emporblühen verdankt die Stadt dem Aufkommen des Gotthardpasses (Mitte des 13. Jahrhunderts), wodurch sie zu einem bedeutenden Stapelplatz des Handels zwischen der oberrheinischen Tiefebene und der Poebene wurde. In ihrer innern Entwickelung stimmt sie in den Hauptzügen mit jener grossen Zahl von mittelalterlichen Städten auf deutschem Boden überein, die aus geistlicher Grundherrschaft hervorgegangen sind. Im Jahr 1291 kam sie durch Kauf an König Rudolf von Habsburg und war von da an eine österreichische Landstadt.
Ihre freiheitlichen Errungenschaften wusste sie unter dem neuen Herrn nicht blos zu wahren, sondern noch zu vermehren. Am trat sie dem Bunde der 3 Waldstätte bei, worauf ihr der glückliche Ausgang des Sempacherkrieges die völlige Unabhängigkeit von Oesterreich brachte. Hand in Hand mit dieser Loslösung von Habsburg ging das Streben nach Erlangung eines Herrschaftsgebietes. 1380 erwarb sie die ehemals österreichische Vogtei Weggis; der 20jährige Friede von 1394 führte ihr die Aemter von Wolhusen, das Städtchen Sempach, die Dörfer Root, Hochdorf und Urswil und das Amt Rotenburg zu. 1397 begab sich Merenschwand freiwillig unter luzernische Schutzherrschaft; 1406 kaufte die Stadt die Vogtei Habsburg und 1407 Stadt und Grafschaft Willisau.
Die Eroberung des Aargaues brachte St. Urban, das Michaelsamt und Sursee ein. Das gesamte Staatsgebiet war in 13 Vogteien gegliedert: Willisau, Rotenburg-Hochdorf, Entlebuch, Ruswil, Münster, Merenschwand, Büron, Habsburg, Malters-Littau, Kriens-Horw, Weggis, Knutwil und die Schlossvogtei Wikon. Die Städte Sursee und Sempach genossen eine ziemlich freie Stellung. Nur vorübergehend in luzernischem Besitz waren die Herrschaften Werdenberg und Wartau im Rheinthal und Griessenberg im Thurgau. Mit der Zuteilung des Amtes Hitzkirch und der Lostrennung von Merenschwand im Jahr 1803 erlangte der Kanton seinen heutigen Umfang.
In hervorragender Weise beteiligte sich Luzern zu Anfang des 15. Jahrhunderts an den italienischen Feldzügen, und erst die unglückselige Schlacht bei Arbedo kühlte diesen Eifer etwas ab. 1458 gab die Kränkung eines Luzerners auf einem Schützenfest zu Konstanz Veranlassung zum sog. Plappartkrieg. Ebenso trat Luzern während und unmittelbar nach den Burgunderkriegen in den Vordergrund (Saubannerzug, Burgrecht mit den Städten, Amstaldenhandel, Schlacht bei Giornico).
Auch am Schwabenkrieg nahm es regen Anteil, vor allem an den Treffen beim Schwaderloch und bei Dornach. Beim Ausbruch der Kirchentrennung verharrte es beim alten Glauben, hatte aber grosse Mühe, die da und dort aufkommende Neuerung zu unterdrücken. In der Folge wurde es mehr und mehr das Zentrum der katholischen Politik, besonders in der Periode der Gegenreformation. Im Lauf des 16. Jahrhunderts bildete sich aus den vom 15. Jahrhundert überkommenen Ansätzen allmählig die aristokratische Verfassung aus, die aber durch den Bauernkrieg von 1653 hart bedroht wurde.
Die Bewegung nahm ihren Anfang im Entlebuch und verpflanzte sich von da über die Kantone Bern, Solothurn, Basel, den bernischen Aargau und die freien Aemter, unterlag jedoch wie eine Reihe von frühem Erhebungen. Das Endergebnis war eine mächtige Stärkung des Patriziats. Kaum war die Ruhe wieder hergestellt, so brachen religiöse Streitigkeiten aus (erster Villmergerkrieg von 1656), die durch das kräftige Eingreifen Luzerns mit einer Niederlage der Reformierten endigten. Einen entgegengesetzten Ausgang nahm dafür der Krieg von 1712, während dessen Verlauf gefährliche Volksbewegungen das luzernische Staatswesen in seinen Grundvesten erschütterten.
Am dankte die aristokratische Regierung ab. Kurze Zeit hernach wurde das alte Staatsgebiet als Kanton Luzern der helvetischen Republik einverleibt und Luzern als Sitz der helvetischen Zentralbehörden bezeichnet. Die Durchführung der Einheitsverfassung gelang jedoch erst nach heftigem Widerstand des Volkes (Röthlerkrieg und Käferkrieg). Die Vermittlungsakte des ersten Konsuls rief die Kantone wieder ins Leben und erhob Luzern zum Range eines Direktorialkantons.
Das Jahr 1815 brachte eine teilweise Wiederherstellung der Verhältnisse vor 1798. Allein die aristokratischen Einrichtungen konnten sich auf die Dauer nicht mehr halten; die dreissiger Bewegung beseitigte einen grossen Teil derselben, und die Verfassungsrevision von 1841 verschaffte endlich der Volkssouveränität vollen Durchbruch. In den vierziger Jahren war Luzern der Schauplatz heftiger Parteikämpfe, die zu den beiden Freischaarenzügen vom und führten und mit dem Sonderbundskrieg ihren Abschluss fanden. Der Sieg der eidgenössischen Truppen bei Gisikon brachte die liberale Partei an's Ruder, die sich bis zum Mai 1871 halten konnte und dann wieder durch die konservative Gegenpartei abgelöst wurde. Vergl. Pfyffer, Casimir. Geschichte der Stadt und des Kantons Luzern. 2 Bde. Zürich 1850, 1852. - Pfyffer, Cas. Der Kanton Luzern. (Gemälde der Schweiz. 3). 2 Tle. St. Gallen und Bern 1858, 1859. - Segesser, Ant. Phil. v. Rechtsgeschichte der Stadt und Republik Luzern. 4 Bde. Luzern 1851-1858.
[Seminarlehrer Alb. Achermann].