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Mit dem Wachstum des Römischen Reiches wurde die Rebe über die Alpen aus dem Süden importiert. An den Handelswegen Zürichsee und Rheintal entstanden Viscus (röm. Dörfer). Nach etwa 300 Jahren nach Christus wurden an diesen Orten viele nach Süden gerichtete Hänge mit Reben bepflanzt. Dieser Wein wurde von den immer zahlreicheren Einwohnern genossen.

Im 5. Jahrhundert erschienen die Alemannen – sie waren vor allem Biertrinker. Die Rebberge vergandeten und wurden nicht mehr genutzt.
Mit der Christianisierung übernahmen die Klöster die Aufgabe, diese Rebgelände wieder zu bewirtschaften. Die Klöster Pfäfers, St.Gallen und Einsiedeln förderten den Rebbau auf ihren Gebieten. Dank dem Übersetzen alter griechischer und römischer Schriften hatten sie Kenntnisse über die Vinifikation. Es war auch der Stolz jedes Klosters, hohe Gäste mit gutem Wein zu bedienen.
Im Mittelalter waren es Städte und reichere Kaufleute, die das Rebwerk besorgten . Der Wein wurde zum Alltagsgetränk. Mit ihm wurde unter anderem auch das nicht immer einwandfreie Trinkwasser „desinfiziert“. Der Ertrag aus dem „Weinhandel“ kam auch den Spitteln zu; Kranke und Pilger erhielten diesen Wein. Der Wein hatte zu jener Zeit oft nur wenig Alkohol (5 % - 7 % Vol.). Die Qualität hing damals noch sehr stark vom klimatischen Verlauf des Jahres ab. Mit den heutigen gepflegten Weinen waren die Tropfen nicht zu vergleichen.
Im zu Ende gehenden 19. Jahrhundert waren es Krankheiten (Echter- und Falscher Mehltau und die Reblaus), die aus Amerika eingeschleppt wurden, die grosse Rebflächen zum Verschwinden brachten. Den „Todesstoss“ aber erhielten diese Rebgemeinden durch das Aufkommen der Eisenbahn: Aus dem Süden wurde besserer und billiger (Rot-) Wein eingeführt. Der Wein kam bis nach dem Zweiten Weltkrieg in Fässern in die Gaststätten; waren diese halbleer, wurde meistens auch die Beiz gewechselt; man wusste schnell, wo ein neues Fass angestochen wurde und man damit zu einem „besseren“ Trunk kam. Kurz nach 1900 fiel die Rebfläche in der Ostschweiz auf noch einen Fünftel des ursprünglichen Bestandes.
In den vergangenen drei Jahrzehnten haben innovative Rebbauern den St.Galler Weinbau wieder aktiviert. Eine gute und gezielte Ausbildung, das Zusammenlegen von Rebparzellen und eine verstärkte Selbstvermarktung haben dem Rebbau wieder Erfolg beschieden. Auf heute 21'902 Aren werden durch rund 30 grössere Betriebe und einige Selbstkelterer kräftige, fruchtige St.Galler Weine produziert. Viele Nebenerwerbs- und Hobby-Rebbauern bewirtschaften zum Teil unrentable Parzellen und tragen so zum schönen Landschaftsbild bei.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Rebstöcke vielerorts mit Strohschirmen vor den Frühjahrsfrösten geschützt
Die jungen Triebe wurden vorwiegend mit Weidenruten angebunden
Das Hacken der Rebberge war während Jahrhunderten die strengste Rebarbeit
Weinlese Ende des 19. Jahrhunderts im Werdenberg