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Ein Schweizer Idylliker
Das Basler Orchester I Tempi interpretiert Werke für Streichorchester von Rudolf Moser.
Von dieser Musik könnte man gewiss sagen, dass sie schon alt war, als sie komponiert wurde. Sie ist verhalten, gemessen, gediegen und idyllisch. Beim Hören würde man zunächst auf einen Engländer tippen, der ein paar Lektionen bei Paul Hindemith genommen hat. Aber falsch! Ein Schweizer, geboren 1892 in Niederuzwil, aufgewachsen in Basel, unterrichtet u. a. in Leipzig wie Othmar Schoeck bei Max Reger. Später wirkte er als Chor- und Orchesterleiter sowie am Basler Konservatorium als Lehrer für Musiktheorie und Kompositionen. Zu seinen bekanntesten Schülern zählen Paul Sacher und Yehudi Menuhin. Sacher hat in seinen Anfangsjahren einiges von ihm aufgeführt. War’s das? Eine Lokalgrösse, ja. Er hatte offenbar, was er wollte, und konnte sich die Abstinenz von allem Modernen leisten. Sollen wir uns an den Komponisten erinnern? An Rudolf Moser, der 1960 in den Bergen bei Silvaplana tödlich verunglückte.
Im Schatten Schoecks werden seit einiger Zeit Schweizer Sinfoniker wie Fritz Brun oder Joseph Lauber erfolgreich wieder hervorgeholt – orchestrale Dramatiker. Daneben wirkt die Musik Mosers klassizistisch: Suiten, Divertimenti und – neben etlichen Solokonzerten – sogar ein Concerto grosso. Ja, da gibt es auch eine Spielmusik, mit leichter, aber sicherer Hand geführt, handwerklich sauber, ab und zu fugiert. Moser liebte das Kontrapunktische im Tänzerischen. Das Kammerorchester I Tempi aus Basel trägt's unter der Leitung von Gevorg Gharabekyan beschwingt und stilsicher vor und begleitet das berückende Oboenspiel von Marc Lachat im späten Konzert von 1950. Eine kleine Entdeckung also, höchst angenehm anzuhören. Ich will sie nicht überbewerten, aber darüber hinaus bieten diese fünf Stücke Rudolf Mosers eine willkommene Ergänzung im Repertoire jedes Streichorchesters.
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- Rudolf Moser
Rudolf Moser: Works for String Orchestra. Chamber Orchestra I Tempi; Leitung Gevorg Gharabekyan; Marc Lachat, Oboe. Genuin GEN 22773