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FV-36 | Arbeitsintensivierung und Stressbelastung am Arbeitsplatz: Einfluss der Personalpolitik
Prof. Dr. Michael Beckmann, Elena Shvartsman
Personal und Organisation
Ziele des Projektes:
Das Projekt soll den Beitrag der Unternehmenspolitik an der Zunahme der Arbeits- und Stressbelastungen von Organisationsmitgliedern untersuchen. Konkret soll es um die Frage gehen, ob und inwieweit personalpolitische Instrumente eine zunehmende Arbeitsintensität und daraus resultierende Belastungen fördern oder ggf. auch einschränken. Die Identifikation dieser Instrumente stellt eine wertvolle Erkenntnis für die Unternehmen dar; schliesslich verursachen Mitarbeiter, die durch Arbeitsintensivierung und Stress (gesundheitlich) eingeschränkt sind, Kosten in nicht zu vernachlässigender Höhe. Gelingt es in der geplanten Studie, belastungs- und Stress fördernde oder vermindernde Personalinstrumente aufzudecken, so würde dies ermöglichen, Gestaltungsempfehlungen im Hinblick auf die weitere Verwendung der betreffenden Instrumente abzuleiten.
Realisierte Schritte:
Das Projekt wurde abgeschlossen und liegt als WWZ Diskussionspapier vor (siehe Abschnitt Publikationen). Der Beitrag wurde in einer referierten Fachzeitschrift eingereicht, und wird momentan nach der ersten Begutachtungsrunde, die kleinere Korrekturen einforderte, entsprechend angepasst.
Ergebnisse:
Unter Kontrolle für zeitinvariante unbeobachtete individuelle Charakteristika finden wir, dass ein seitens des Arbeitsnehmers als angemessen empfundener Lohn im Zusammenhang mit tiefer empfundenen Stressniveaus steht. Dagegen scheinen schlechte Beförderungsaussichten am Arbeitsplatz, arbeitgeberbestimmte Arbeitszeiten, und bezahlte Überstunden das Stressniveau zu erhöhen. Interessanterweise scheinen autonomiefördernde personalpolitische Massnahmen, z.B. Vertrauensarbeitszeit, in keinem Zusammenhang mit einem höheren Stressniveau zu stehen, auch wenn Arbeitnehmer mit einer selbstbestimmten Zeiteinteilung in der Regel mehr wöchentliche Arbeitsstunden leisten.
Des Weiteren scheint der positive Zusammenhang (also ein höheres Stressniveau) zwischen arbeitgeberbestimmten Arbeitszeiten und Stress vor allem für Frauen zu gelten. Wir führen das auf eine gegebenenfalls striktere Restriktion des privaten Zeitbudgets von Frauen zurück, die öfter als Männer einer Doppelrolle im Beruf und Haushalt/Familie nachgehen.
Unsere Resultate bleiben auch bestehen, wenn wir eine Stichprobe untersuchen, in der die Arbeitgeber ihren Arbeitsplatz/Arbeitgeber zwischen den Beobachtungszeitpunkten nicht gewechselt haben.
Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse leiten wir vorsichtig einige Gestaltungsempfehlungen für das Personalmanagement ab:
Erstens sollten Arbeitgeber darauf achten, ihre Mitarbeiter auch im subjektiven Sinne angemessen zu entlohnen, da dies massgeblich zu einem verbesserten Empfinden einer ausgeglichenen „Geben-und-Nehmen“-Situation beiträgt. Zweitens sollten Arbeitgeber aus demselben Grund darauf achten, ihren Mitarbeitern genügend Aufstiegschancen zu gewähren. Zuletzt erachten wir einen möglichst hohen Grad an Flexibilität im Hinblick auf die Ausgestaltung der Arbeitszeiten durch die Arbeitnehmer (und im Gegenzug möglichst wenige ad-hoc Regelungen seitens der Arbeitgeber) als wichtig. Denn gerade unter hoher Belastung scheinen Arbeitnehmer positiv auf einen möglichst hohen Selbstbestimmungsgrad zu reagieren.
Publikationen:
Shvartsman, Elena and Beckmann, Michael (2015). Stressed by your job: What is the role of personnel policy?, WWZ Discussion Paper 2015/15, University of Basel, 2015.
Dieses Diskussionspapier wurde als Beitrag für die Sonderausgabe zum Thema “Health and Labor Markets” der referierten Fachzeitschrift Journal of Applied Social Science Studies (Schmollers Jahrbuch) eingereicht.
Präsentationen und Konferenzen: Vorläufige und finale Ergebnisse des Projektes wurden an folgenden Summer Schools/Konferenzen/Workshops präsentiert:
· 18th IZA European Summer School in Labor Economics, Deutsche Post DHL Conference Center, Inning, Deutschland – Mai 2015 (Posterpräsentation)
· SASE 27th Annual Meeting, The London School of Economics and Political Sciences (LSE), London, GB –Juli 2015
· Internes Doktorandenkolloqium, IAB Nürnberg, Deutschland – Präsentation im Juli 2015
· WORK2015 – New Meanings of Work, Universität Turku, Finnland – August 2015
· Lüneburg Workshop in Economics “Health and Labor Markets”, Leuphana Universität Lüneburg, Deutschland – September 2015
· Economics Lunch, Doktorandenseminar WWZ Basel – November 2015
· AB/ZEW Workshop: “Assessing the Impact of Human Resource Management Practices”, ZEW, Mannheim, Deutschland – November 2015