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in den Atlantik
Wir starten HW Gibraltar +2H, das geht super. Den Nährstrom entlang der Küste am frühen Nachmittag nutzen wir, um mit einem Österreicher eine Regatta zu bestreiten, wir sind etwa gleichschnell. Eine französische Yacht, die es eine Meile weiter aussen in der Strasse von Gibralter versucht, ist deutlich langsamer. Am Nachmittag haben wir den Strom gegen uns, dann geht es etwas rumpelig voran, Dünung und Wellen sind sich nicht wirklich einig. Am Morgen 5.10. erreichen wir Cadiz um 0300, wo wir freundlich einen Platz in der Marina Puerto America zugewiesen erhalten.
Durchgeschüttelt finden wir zunächst in der absoluten Ruhe keinen Schlaf.
5.10.: Wir machen am Nachmittag Cadiz unsicher, eine schöne Stadt! Die Marina ist knapp 2 Kilometer von der Stadt entfernt, nur gut, das gibt Bewegung. Die gesamte Altstadt ist riesig, wir sind nun schon den 4. Tag hier und entdecken täglich neue Gassen; Zara und wie die Ladenketten sonst noch heissen, sucht man (glücklicherweise) vergebens, kleine individuelle Läden, Restaurants, Werkstätten etc prägen das Altstadtbild mit seinen engen Gassen. Die Häuser sind mehrheitlich 4-stöckig, wenig Sonne dringt bis an den (sauberen) Boden. Der Baustil ähnelt demjenigen von Cartagena (hohe Fenster, eine Glasveranda drum herum, in der unteren Hälfte des Fensters eine Balustrade). In den letzten 15 Jahren wurde einiges renoviert, die Stadt subventioniert die Erhaltung ihres Stadtbildes.
Cadiz wurde von den Phöniziern (vor 3000 Jahren) gegründet, seither waren die Römer hier, die Mohren. Die Lage ist prädestiniert dazu. Blühender Handel mit der neuen Welt (New York), viele Bauten datieren aus dieser Zeit, dem 18. Jh.
Am Sonntagabend essen wir Tapas und Tuna-Würfel. Der Kellner erklärt uns, Morgen sei die Prozession der Virgen de Rosario, das sollten wir nicht verpassen. Der Montag ist tatsächlich Feiertag, viele sonntäglich gekleidete Leute flanieren, gönnen sich Tapas oder zumindest ein Getränk. Um 18 Uhr beginnt die Zeremonie, eine fröhliche Angelegenheit. Die Jungfrau wird tatsächlich durch die Gassen getragen
Die Kathedrale, Spätbarock und neoklassizistisch mit ihrer enormen Grösse ist ein Muss. Mehrere Kapellen, eine Krypta (angenehm kühl und ruhig, unter dem Meeresspiegel gelegen), ein ungemein reich verzierter Hauptalter, 2 Orgeln aus dem 18. Jh, ein Chor (geschnitzt aus den edelsten und teuersten Hölzern). Die Innenmauern sind mit Marmor verkleidet. Der Grundstein der Kirche geht auf die Römer zurück (???).
Heute, 8.10. wollen wir den Fischmarkt besuchen, scheint’s der grösste in der Gegend. Ja, super, im mercado central, unweit der Kathedrale, neben der Post finden wir ein enormes Angebot an Fischen, Muscheln, Crevetten, Prawns....Heute Abend gibt es ein Safranrisotto mit Muscheln und Crevetten, dazu ein Schwertfisch-Steak.
Die Altstadt von Cadiz ist gross, wir sind nun 6 Tage in dieser Stadt und finden immer noch Gassen, durch die wir nicht gegangen sind, und wir sind viel unterwegs!
Wir haben das Gefühl, das Wetterfenster sei gut und starten. Im grossen Becken bei Cadiz bläst der Wind mit 22 Knoten, uff, das sind mehr als die prognostizierten 15. Wir setzen das Gross im 2. Reff, die Genua ebenso und kommen flott voran. Draussen lässt der Wind bald nach, wir reffen aus und segeln. Der Wind lässt stetig nach und bald muss der Motor ran. Die See ist rauh, wir werden hin- und hergeworfen. In der Nacht versuchen wir es nochmals mit Segeln, der Wind hat auf 15 Knoten aufgefrischt. Wir müssen um 40 Grad abfallen, kommen mit 3 Knoten voran, ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Nach 3 Meilen blasen wir die Übung ab, Motor an, Genua rein. Die nächsten 14 Stunden ächzt und knarrt es, das Gross schlägt mehr, als dass es stabilisiert. Die Dünung wäre an sich okay, wir sind Spielball der querkommenden Wellen, sie machen uns das Leben unangenehm.
Um 14 Uhr am 11. Oktober sind wir in der Bucht bei Lagos und fahren alsbald einem Segler hinterher, der die Einfahrt zwischen den Wellenbrechern passiert. Das geht ja ganz gut, die Welle (2-3 Meter) beim Eingang lässt sich gut meistern, das Schiff, das am Ausbaggern der Fahrrinne ist, passieren wir problemlos, das Festmachen am waiting pontoon geht mit Hilfe bei 0.9 Knoten auflaufender Tide auch. Bald sind wir an unserem Steg, ziemlich geschafft aber erleichtert.
Wir bleiben hier über den Winter.
Die Algarve gefällt uns gut. Wir fahren mit dem öffentlichen Bus an den westlichsten Punkt des europäischen Kontinents, zum Cabo Sao Vicente. Ein Leuchtturm, viele Cars, PW’s, Campers, generell viele Leute. Die Weite des Meeres ist enorm, wir sehen die Dünung, das Meer hat sich jedoch beruhigt, es hat auch kaum Wind. Wir wandern, wollten eigentlich den Klippen der Küste entlang, das entpuppt sich als schwierig, kaum Weg, dafür Macchia. Wir nehmen den weniger romantischen, dafür einfachen Fahrweg, werden dafür eingestaubt. Viele Surfer sind unterwegs, das Kap ist bekannt für seine Wellen. Die Camper sind oftmals uralte Klapperkisten, die Leute drin jung und alternativ.
Wir haben uns bewegt, das ist die Hauptsache.
Die Jurawind hat sich gut gehalten, keine gröberen Schäden sind aufgetreten. Wir machen uns daher gutgelaunt an den Austausch des Wasserhahnes im Salon, Roger hat dafür eine Stunde veranschlagt. Nach viel Schweiss und Gefluche haben wir auch noch herausgefunden, warum es tröpfelet, nach 5 Stunden (!) ist das Werk vollbracht.
Es ist weiterhin angenehm warm, schwere Wolken bringen etwas Regen. Wir warten, bis sie sich verzogen haben und wandern dem Strand entlang. In Portugal sind die Strände öffentlich, keine Hotels oder Privatstrände werden näher als 50 Meter ans Meer gebaut.
Ich lasse es mir nicht nehmen, ins 18 Grad warme Wasser zu steigen.
Mal kochen wir an Bord, mal gehen wir zum Inder, mal ins Roof Top-Restaurant. Sie verwenden den Fisch, der am Morgen im Fishmarket nicht verkauft worden ist, das hat uns überzeugt, tönt nach frischer Ware.
Die Ponta de Piedade erwandern wir von der Marina aus in einer Stunde. Imposant sind die Grotten. Motorboote fahren lärmig hinein, wir schauen von den Klippen beim Leuchtturm hinunter.
In der Marina lernen wir Heidi und Franz aus München kennen, ihre Albatros, eine HR 29 (?), liegt am gleichen Schwimmsteg. Sie laden uns ein auf ein Glas Portwein, anschliessend gehen wir typisch portugiesisch essen in der Werft: gegrillte Sardinen (Makrelen.....), dazu eine Schüssel Salat und Gschwellti.
Christel und Udo aus dem Saarland liegen mit ihrer perfekt polierten Najad neben uns.
Die Schweizer Beatrice und Fredi treffen wir beim Apero, sie waren auch schon Segeln, leben jetzt mehrheitlich in einem Reiheneinfamilienhaus im Nachbardorf und haben viel Besuch von Familie und Freunden.
Es gibt hinter der Marina einen “pingo doce”, das “Migros “ von Portugal. Das Angebot ist super. Auf dem Weg von dort in die Stadt stehen 2 Kamine einer ehemaligen Fabrik. Sie dienen Störchen als Nistplatz.
Lagos hat eine sehenswerte Altstadt mit engen Gassen und zig Restaurants.
Ein Diesel-Zug bringt uns in knapp 2 Stunden nach Faro. Unterwegs sehen wir auf einer Brache sicher 200 Störche. Mit einem Katamaran fahren wir in Faro in die Lagune: Grosser Brachvogel, Seidenreiher, Löffler, Storch... Wir haben Lust, mit der Jurawind im Frühling in die Lagune zu fahren; ist möglich bei Hochwasser, dann ankern.
Am 23.10. fährt Ursula mit dem Bus nach Lissabon, übernachtet und fliegt am Donnerstagmorgen heim.
Roger kann das Rentnerleben in der Algarve bis Ende November geniessen.
381.3 km, 23:44:21
381.3 km, 23:44:21