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In den vorhergehenden Arbeitsschritte (Teil 1/6) habe ich mir überlegt, wie das Bonuskapitel in etwa verlaufen soll. Nun geht es darum, wo ich in die Geschichte einsteigen soll. Eine Grundregel lautet: So spät wie möglich rein, so früh wie möglich raus. Ich werde also darauf verzichten, Matthews bisheriger Tag vom Augenaufschlagen, Ankleiden, Frühstücken, zur Arbeit fahren usw bis zur Abfahrt mit Amber zu beschreiben.
Konflikte sind immer gut. Sie machen einen Text spannend. Gelingt ein Vorhaben, oder wird es in letzter Minute vereitelt? Deshalb beginne ich damit, dass Matthews liebevoll vorbereitetes Picknick beinahe ins Wasser fällt.
Okay, nun hüpfe ich in den “Flow” und beginne zu Schreiben:
Ein Date mit dem Kameramann
Matthew parkte den Jeep Grand Cherokee vor dem Hotel Avalon, und checkte nochmals, ob er wirklich an alles gedacht hatte: Zwei grosse, karierte Wolldecken, Campinggeschirr, drei Flaschen zuckerfreie Softgetränke, zwei alkoholfreie Aperogetränke, Biobrot, fünf Sorten Käse, Trockenfleisch, Butter und seine selber gemachte Pannacotta zum Dessert. Dazu eine Thermosflasche heisses Wasser sowie löslichen Kaffee und verschiedene Teebeutel.
In der Lobby begegnete er Evelyn, die gerade aus dem Aufzug herauskam. “Hi, Linny, warst du bei Amber oben? Hast du sie für unseren Ausflug gestylt?”
“Ausflug?”, gab sie mit einer hochgezogenen Augenbraue zurück, und sah mich irritiert an. “Sie hat gleich ein ‘Meet & Greet’ im ‘Ivy’. Wo warst du? Alle warten auf dich.”
“A-aber, das ist unmöglich. Ich führe sie heute Abend aus.”
“Ein Date? Amber hat ein Date mit ihrem Kameramann?” Sie schüttelte ungläubig den Kopf.
Er winkte ab. “Ja, es ist ein Date, aber nicht im üblichen Sinn. Wir wollen einfach mal was unternehmen, ohne dass jedes ihrer Worte gleich auf die Goldwaage gelegt wird.”
Evelyn schmunzelte immer noch. “Na, schau an, wer hätte das gedacht. Da baggerst du unbemerkt unter unseren Augen einen Star an. Aber wie gesagt, sie hat keine Zeit heute Abend.”
Matthew nahm den Aufzug. Als er die Suite betrat, sass Amber mit Samantha, ihrer persönlichen Assistentin, im Salon.
“Hey, Cowboy, wo hast du gesteckt?”, sagte Amber lächelnd und stand auf.
“Hi, Amber.” Sofort wandte er sich an Samantha. “Sam, was soll das? Es war schon seit Tagen abgemacht, dass Amber und ich heute Abend einen Ausflug machen. Wer hat diesen Plan umgestossen, ohne mir etwas zu sagen? Ich …”
Samantha und Amber schütteten sich aus vor Lachen. “Ganz ruhig”, sagte Amber und legte ihm die Hand auf die Schulter. “Evelyn wollte dich nur necken. Sie hat sich echauffiert, weil du noch nicht da warst. Aber ich wusste ja, dass du noch was organisieren wolltest.”
Matthew schaute verwirrt zwischen den beiden Frauen hin und her. Dann grinste er entspannt. “Na, das ist ihr ja gelungen. Wie ich sehe, bist du für ein Outdoorabenteuer gestylt.”
“Ganz nach deinen Anweisungen, lieber Matthew.” Sie drehte sich vor ihm wie eine Ballkönigin. Ihre hüftlangen, goldblonden Haare schwangen herum wie ein Seidenvorhang am offenen Fenster. Von den Schläfen wanden sich schmale Zöpfe zum Hinterkopf, wo sie von einer Haarbrosche zusammengehalten wurden und den übrigen Haaren als Haarband dienten. Im Übrigen trug sie eine eierschalenfarbene Bluse mit tiefem V-Ausschnitt, eine Wrangler Jeansjacke und Jeans, die über den Knöcheln erweitert waren.
Er wies auf die gelben Pumps, die neben der Couch standen. “Du ziehst dir aber schon was Anständiges an, oder? Wo wir hinfahren, bleibst du mit diesen da im Gebüsch hängen.”
Samantha sagte: “Linny meinte, sie solle die Pumps tragen, bis ihr zur Stadt raus seid. Amber nimmt noch leichte Trekkingschuhe mit.”
Matthew schüttelte den Kopf. Er begriff nicht, weshalb um die Klamotten stets ein solches Gewese gemacht wurde. “Von mir aus.” Er zwinkerte Amber zu. “Hauptsache, du kommst nicht auf die Idee, dich im Wald zu schminken.”
Sie verzog das Gesicht. “Du weisst doch, dass ich mich erst schminke, seit ich in L.A. bin. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich Shorts und ein ausgewaschenes T-Shirt angezogen. Aber Evelyn hat auf diesem Outfit bestanden.” Sie zuckte die Schulter. “Dann geht’s jetzt los?”
“Soll ich Sam bitten, noch ein Foto von uns zu schiessen?”
Ambers Gesicht verschloss sich. “Wir hatten ausgemacht, dass dies ein Abend ohne Öffentlichkeit wird.”
Matthew lachte. “Natürlich ist er das. Ich habe trotzdem meine Fotoausrüstung dabei, falls du ein romantisches Fotoshooting mit Sonnenuntergang und allem drum und dran machen möchtest. Nur für dich allein, ohne Social Medias.”
Sie blickte ihn skeptisch an. “Wir werden ja sehen.”
***
So weit für’s Erste. In einer Woche folgt der nächste Teil, wo Matthew und Amber – gemäss ‘unumstösslichem’ Plot – auf Lisa Connelly und ihren bekifften Freund treffen.
Beurteilung meiner Tagesleistung
An dieser Stelle würde ich entweder gleich weiter schreiben, oder die Arbeit bis zum nächsten Zeitfenster liegen lassen. Spätestens dann lese ich nochmals, was ich geschrieben habe, um wieder das Gefühl für die weiterführende Geschichte zu bekommen.
Ich finde, es ist annehmbar, aber noch nicht der grosse Wurf. Mal sehen, wohin mich die nächste Schreibsession führt.
Diskussion
- Was würdest du anders machen?
- Gibt es Details, die du besser beleuchten, und solche, die du weglassen würdest?