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Noch ist die Wasserqualität im Kanton allgemein gut, es finden sich aber im Wasser Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Ein kantonaler Massnahmenplan soll dafür sorgen, dass dies in Zukunft weniger der Fall sein wird.
Die Qualität des Wassers im Kanton Freiburg ist grundsätzlich gut. Gemäss einem neuen Bericht des Amts für Umwelt, welcher Daten und Beobachtungen bis 2020 berücksichtigt, überschreiten Pestizidwirkstoffe den gesetzlichen Grenzwert nur selten. Allerdings enthalten 74 Prozent der entnommenen Proben mindestens einen Abbaustoff eines Pestizids, manchmal in einer Konzentration über dem gesetzlichen Grenzwert. Am stärksten davon betroffen sind der Broye-, der See-, der Sense- und der Saanebezirk.
Bei den Oberflächengewässern sei die Wasserqualität im Voralpengebiet gut bis sehr gut, was den Pestizidgehalt betreffe; jedoch verschlechtere sich die Qualität im Flachland. Zwei Drittel der Messstationen zeigen eine gute bis sehr gute Qualität an; ungenügend sei die Qualität im Einzugsgebiet der Bäche Arbogne, Bibera, Chandon, Kleine Glane und Sonnaz, kommt der Bericht zum Schluss.
Grosser Rat muss Kredit zustimmen
Das ist dem Staatsrat allerdings nicht gut genug. Ende Juni hat er den Aktionsplan zur Reduktion der Risiken von Pflanzenschutzmitteln verabschiedet und am Mittwoch in einer Medienkonferenz vorgestellt. Dieser Massnahmenplan (siehe Kasten) hat den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Gartenbau, bei Gemeindediensten und bei Privaten im Visier. Zur Umsetzung des Aktionsplans im Zeitraum 2022 bis 2025 beantragt der Staatsrat dem Grossen Rat einen Kredit von 7,6 Millionen Franken, in dem auch zwei zusätzliche Vollzeitstellen beim Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve sowie eine beim Amt für Umwelt vorgesehen sind. 8,6 Millionen kostet das Gesamtprojekt.
Wie Staatsrat Jean-François Steiert (SP) sagte, orientiert sich der kantonale Aktionsplan am übergeordneten Rahmen der Agenda 2030 auf internationaler Ebene und am Aktionsplan des Bundes aus dem Jahr 2017, der die Risiken des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln bis 2027 halbieren will. Seit dem Aktionsplan des Bundes wurden in Grangeneuve schon Versuche mit neuen Anbautechniken zur Reduktion der Pflanzenschutzmittel vorgenommen, und der Kanton hat auch die Einrichtung von speziellen Waschplätzen für Spritzgeräte unterstützt.
Wie Steiert sagte, zielen auch die kantonale Strategie zur nachhaltigen Entwicklung, der Sachplan Gewässerbewirtschaftung, die kantonale Planung gegen Mikroverunreinigungen in Kläranlagen sowie der kantonale Klimaplan in diese Richtung. «Diese Pläne helfen, das Problem ganzheitlich anzugehen», sagte Steiert.
Weniger Mittel einsetzen
Gemäss Landwirtschaftsdirektor Didier Castella (FDP) sei das Freiburger Vorgehen langfristig und evolutiv. Der Kanton habe sich die Zielsetzung des Bundes mit der Halbierung der Risiken bis 2027 ebenfalls zu eigen gemacht, aber er wolle noch weiter gehen. Er strebe eine deutliche Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln bis 2025 an. Damit sollen nicht nur die wichtigen Trinkwasserressourcen des Kantons erhalten, sondern auch Qualitätsdefizite im Grundwasser und in Oberflächengewässern beseitigt werden. Deshalb zielt der Plan auch auf Gruppen ausserhalb der Landwirtschaft und setzt auf die zentrale Rolle von Grangeneuve.
«Es gibt keine Wundermassnahme», zog Didier Castella Fazit. Im Gegenteil setze man auf eine Vielzahl von Massnahmen – von technischen Anpassungen bis zur Sensibilisierung und Schulung. Die Massnahmen seien transversal und richteten sich sowohl an Bauern als auch an Konsumenten. «Die Zukunft unseres Wassers hängt von unserem gemeinsamen Vorgehen ab», sagte er. «Handeln wir deshalb zusammen!»
Der Massnahmenplan
Mit vielfältigen Ansätzen zu einer Verminderung der Pestizide
Die im Aktionsplan vorgesehenen Massnahmen sollen bestehende Aktivitäten stärken, schlagen aber auch neue, gezielte Schritte vor.
Im Bereich der Landwirtschaft soll die unabhängige Beratung und Weiterbildung der Landwirte gestärkt werden. Schulungen und Austausch zu Pflanzenschutzfragen sollen es erlauben, angepasste Lösungen zu finden. Zusätzlich zu den Beiträgen des Bundes möchte auch der Kanton Freiburg einen finanziellen Beitrag leisten, um Bauern den Entscheid zu erleichtern, auf Herbizide insbesondere auf offenen Ackerflächen oder Dauerkulturen zu verzichten.
In der Umgebung von Fliessgewässern soll extensive Bewirtschaftung durchgesetzt werden, und in der Nähe von Trinkwasserfassungen sollen nur Pflanzenschutzmittel erlaubt sein, bei denen keine konkrete Gefahr einer Verschmutzung besteht. Auch ist die Durchführung von Pilotprojekten vorgesehen.
Der Staat soll im Bereich Landwirtschaft eine Vorbildfunktion übernehmen. So ist auf dem Schulbauernhof Grangeneuve ein System zur Behandlung von Schmutzwasser mit Pflanzenschutzmittelrückständen eingerichtet. Allgemein möchte der Kanton noch besser die Einhaltung der Vorschriften beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kontrollieren. Gezielt will er Pflanzen- und Bodenproben vornehmen.
Beim Konsum setzt der Kanton auf die Unterstützung freiburgischer Landwirtschaftsprodukte, die mit weniger Pflanzenschutzmitteln produziert werden. Dies zielt auf einen lokalen nachhaltigen Konsum ab. Der Massnahmenplan sieht weiter vor, dass Grangeneuve in Zusammenarbeit mit Jardin Suisse und der Hochschule für Landschaft, Technik und Architektur Genf zu einem Referenzzentrum für Weiterbildungen im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln wird.
Weiter sieht der kantonale Plan vor, Private zu sensibilisieren. Er soll zu einer Rückkehr zur natürlichen, nicht chemischen Pflege der Privatgärten animieren. Gezielt sollen Alternativen zur Chemie aufgezeigt werden. Eine Schulung und Sensibilisierung ist auch in den Gemeinden vorgesehen. Dort sollen die Kenntnisse und Praktiken der Gemeindeangestellten verbessert werden, welche Pflanzenschutzmittel verwenden. Die Gemeinden hätten dabei eine Vorbildwirkung für Private und könnten mit Naturräumen zur Förderung der Artenvielfalt bei Privaten für mehr Akzeptanz sorgen. Schliesslich soll im Kanton Freiburg die Problematik der Pestizide inklusive Chlorothalonil auch in die kantonale und kommunale Planung der Trinkwasserversorgung einfliessen. uh