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Die sogenannte OSG-Distorsion (Verstauchung des oberen Sprunggelenkes nach innen oder aussen) ist weltweit die häufigste Verletzung überhaupt. Dabei kommt es zu einer Überdehnung oder einem Teilriss bis hin zum kompletten Riss der Aussen- oder seltener Innenbänder. Dazu können gleichzeitig Brüche und Absprengungen von Knochen (vorderer Fortsatz des Fersenbeins, Bruch des Aussen- oder Innen-Knöchels) oder weitere Bandverletzungen (Sprengung der Syndesmose, Läsion des Springligaments) auftreten. Bis zu 30 bis 40% der Bänderrisse verheilen nicht zufriedenstellend, d.h. dass das obere Sprunggelenk chronisch instabil bleibt und der Patient sich immer wieder eine Verdrehung zuzieht. Akute Bänderrisse können jedoch sehr gut mittels nicht-operativer Therapiemassnahmen behandelt werden und auch im chronischen Stadium mittels operativer Verfahren erfolgreich behoben werden.
Das typische Symptom eines chronischen Bänderrisses ist eine andauernde Instabilität des oberen Sprunggelenks. Betroffene beschreiben, dass sie bei gewissen Aktivitäten, in extremen Fällen gar beim normalen Gehen im Alltag, ein Umknicken nach aussen oder innen nur ganz knapp verhindern können oder gar wiederholt Umknicken. Dies ist insbesondere bedenklich, da bei jeder Distorsion der Gelenkknorpel etwas geschädigt werden kann und sich in gewissen Fällen langfristig eine Arthrose des oberen Sprunggelenkes entwickeln kann, welche schlussendlich sogar eine Versteifung des oberen Sprunggelenks oder die Implantation eines künstlichen Gelenks nötig macht.
Bei jeder OSG-Distorsion, welche primär meist nur klinisch als Bänderriss diagnostiziert wird, müssen bei Beschwerden, welche länger 4 bis 6 Wochen anhalten, sogenannte Begleitverletzungen gesucht werden: z.B. eine gleichzeitige Sprengung der Syndesmose (der Verbindung zwischen dem Wadenbein und dem Schienbein), Knorpelschäden, Schädigungen der Peronealsehnen (welche typischerweise einer Verdrehung des Sprunggelenkes entgegenwirken und das Sprunggelenk stabilisieren), Abrissfrakturen typischerweise am Processus anterius calcanei (vorderer Fortsatz des Fersenbeins) und im Bereich des calcaneo-cuoboidal Gelenkes.
Das Umknicken des oberen Sprunggelenkes ist die häufigste Verletzung weltweit. Man unterscheidet 3 Grade:
Grad I mit leichter Schwellung und der erhaltenen Fähigkeit, voll zu belasten. Diese Verletzungen werden mit etwas Schonung und einer Bandage behandelt.
Grad II sind Verletzungen mit einem Hämatom (Bluterguss) auf der Aussen- oder Innenseite und Schmerzen bei Belastung. Diese Verletzungen werden mit einer OSG Orthese (Schnürbandage mit Bändeln oder Klettverschlüssen) behandelt und in Abhängigkeit der Schmerzen wird für 1 bis 2 Wochen Stockentlastung verordnet.
Grad III sind schwere Verletzungen mit Hämatom auf der Innen- und Aussenseite. Diese muss man mit einer Stockentlastung und einer Unterschenkelorthese (wie ein Skischuh) während 4 bis 6 Wochen behandeln.
Als Spezialisten beobachten wir, dass OSG-Distorsionen mit Grad 2 und 3 häufig zu wenig aggressiv behandelt werden und deshalb in bis zu 30 bis 40% der Fälle mit einer chronischen Instabilität enden. Gewisse Fehlstellungen des Fusses (inbesondere Rückfuss-Varus/ O-stellung der Ferse) können prädisponierend für ein Umknicken des Sprunggelenks sein. Dies muss natürlich im therapeutische Konzept berücksichtig werden (konservative Therapie mit Einlagen oder speziellem Schuhwerk, operativ mittels Korrektur der Deformität).
Die akute Verletzung wird mit Ruhigstellung wie oben erwähnt und einer äusseren Stabilisation behandelt. Damit haben die Bänder Gelegenheit, auf natürliche Art und Weise und in der korrekten Position zu heilen und damit ihre stabilisierende Funktion wieder zu erlangen. Sollte dies nicht reichen, wird typischerweise Physiotherapie für 2 bis 6 Monate verordnet, um die Muskeln als dynamische Stabilisatioren zu kräftigen und die Körperwahrnehmung (Proprioception) zu schulen. Kann ein Patient auch mit gut trainierter Muskulatur das obere Sprunggelenk im Alltag und Sport nicht genügend stabil halten, müssen die Bänder operativ behandelt werden.
Die Naht eines Bänderrisses am oberen Sprunggelenk ist eine routinemässige Operation. Die Ruhigstellung erfolgt während 6 Wochen in einer Unterschenkelorthese mit Teilbelastung an Stöcken von ca. 10 bis 15 kg. Danach wird mit Physiotherapie begonnen.
Es handelt sich um eine routinemässige Operation, die insgesamt sehr sicher ist. Natürlich können aber selten auch bei diesem Eingriff allgemeine Operationskomplikationen wie Wundheilungsstörungen, Infektionen etc. auftreten. Gelegentlich kommt es zur Beeinträchtigung eines Hautnerven im Operationsgebiet, woraus eine abgeschwächte Sensibilität im Bereich der Narbe und auf einem Teil des Fussrists resultiert. Eine spezifische Komplikation stellt die Rezidivinstabilität dar. Dies bedeutet, dass ein eigentlich erfolgreich stabilisiertes Gelenk nach einiger Zeit wiederum instabil wird. Dies sehen wir am ehesten bei Patienten, die auch nach der Operation intensiv Sportarten mit einem hohen Distorsionsrisiko betreiben (z.B. Kunstturnen, Fussball spielen etc.) und entsprechend erneute Verletzungen erleiden oder bei Patienten, die allgemein laxe Bänder haben (Hyperlaxizität).
Weitere Informationen zu Bänderriss und den genannten Behandlungen finden Sie unter:
Inhaltsübersicht
- Was ist ein Bänderriss?
- Welche Symptome treten bei Betroffenen auf?
- Was sind mögliche Auslöser/Ursachen für Fersensporn?
- Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
- Wie ist die Nachbehandlung nach einer Bänderriss Operation?
- Welche Risiken hat eine Operation?
- Weitere Informationen zum Thema (tiefergehendes Wissen)