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Als das Gründungsjahr der Schützengesellschaft Lupsingen gilt das Jahr 1874. Allerdings bestehen bereits vom Juli 1864 datierte Statuten und ein Schiessreglement für einen freiwilligen Schiessverein mit dem Zweck: «sich in der Handhabung der ordnungsmässigen Schiesswaffen und im Zielschiessen zu üben». Auch wurde schon von einem Gründungsjahr 1872 gesprochen, das 75-Jahr Jubiläum fand denn auch 1947 statt, doch auch dieses Jahr ist nicht abgesichert, da diesbezüglich schriftliche Unterlagen fehlen. Obwohl erst ab dem Jahr 1926 Protokolle und Jahresberichte vorhanden sind, darf angenommen werden, dass die Inschrift auf der Schlaufe der ersten und einzigen Vereinsfahne, die da lautet: «Eintracht macht Stark - Gegründet den 1. Mai 1874», das eigentliche Gründungsjahr dokumentiert. Diese Annahme ist umso wahrscheinlicher als die meisten Schiessvereine im Baselbiet in dieser Zeit gegründet wurden.
Wie bereits erwähnt, verfügen wir aus Protokollen der Mlilitärdirektion des Kantons Basel-Landschaft über Abschriften von Statuten, Reglementen und diversen Korrespondenzen aus dem Jahr 1864. Die in schwunghafter deutscher Kurrentschrift ausgefertigten Dokumente verdienen es, nachfolgend auszugsweise festgehalten zu werden.
Statuten des freiwilligen Schiessvereins zu Lupsingen
Die unterzeichneten Einwohner von Lupsingen gründen einen freiwilligen Schiessverein um sich in der Handhabung der ordnungsmässigen Schiesswaffen und im Zielschiessen zu üben.
Jeder Einwohner von Lupsingen kann Mitglied des Vereins werden wenn er 1. in bürgerlichen Ehren und Rechten steht und 2. ein Eintrittsgeld bezahlt, das dem jeweiligen Kassenanteil eines Mitgliedes entspricht.
Ein Schützenmeister und ein Kassier bilden den Vorstand des Vereins. Der Schützenmeister leitet die Übungen und fertigt die Rapporte aus. Der Kassier besorgt alle Ausgaben und Einnahmen des Vereins und legt monatliche Rechnung ab. Sie werden alljährlich neu gewählt.
Die Vereinskasse wird gebildet aus den Eintrittsgeldern und Einlagen. Jeden Schiesstag muss jedes Mitglied 30 Cts. erlegen.
Die Mitglieder haften in solidarischer Verbindung für Waffen und sonstigen Verpflichtungen des Vereins.
Am ersten und dritten Sonntag jeden Monats ist obligatorischer Schiesstag. Jede Versäumnis derselben wird mit 30 Cts. Busse belegt.
Die Aufnahme neuer Mitglieder geschieht nur zu Anfang des Monats.
Ein Mitglied kann auch zu Ende eines Monats aus dem Verein treten. Es haftet aber allfällig vorhandener Schulden und verliert jeglichen Anspruch auf das Vereinsvermögen.
Diese Statuten können je am Ende eines Schiessjahres umgeändert und verbessert werden.
Die Unterzeichneten erklären hiermit den Beitritt zum Verein und Übernahme der in den Statuten vorgeschriebenen Verpflichtungen.Lupsingen am 24. Juli 1864 Es haben im Original unterzeichnet:
Karl Tschudin, Korporal der II. Centrumcompagnie des Auszug
Samuel Dürrenberger Soldat I. Centrumcompagnie des Auszug
Adolf Tschudin, Soldat I. Centrumcompagnie des Auszug
Johannes Kestenholz, Soldat IV Centrumcompagnie des Auszug
Jakob Schneider, Soldat I. Jägercompagnie des Auszug
Wilhelm Dürrenberger Johann Jakob Tschopp
Jakob Grollimund
Karl Mangold
Jakob Tschudin
Eugen Dürrenberger, Trainsoldat
Johannes Schäfer, Soldat I. Compagnie Landwehr
Felix Dürrenberger
Eduard Wiesner, Soldat I. Compagnie des Bataillons 87
Matthias Schäfer
Zolmann Tschudin
Jakob Wiesner, Soldat der IV. Centrumcompagnie des Auszug
Matthias Salathe
Georg Weber
Die Echtheit dieser Abschrift bezeugen:
G. Weber Schützenmeister
Johannes Schäfer Kassier
Die Statuten von 1864 (Klicken um zu vergrössern)
Korrespondenzen mit dem Regierungsrat des Kantons Basellandschaft
Bereits am 25.Juli 1864 ging nachfolgendes Schreiben an den Regierungsrat des Kantons Basellandschaft:
An E:E: Regierungsrat des Kantons Basellandschaft
Geehrter Herr Präsident.
Geehrte Herren Regierungsräte.
Es haben sich in unserem Dorfe ein freiwilliger Schiessverein gegründet. Derselbe übersendet Ihnen hiermit seine Statuten zur gefälligen Genehmigung und ersucht zugleich um Bewilligung, die zur Übung im Zielschiessen nötige Anzahl Jägergewehre und Munition im Laufe dieser Woche noch im Zeughause beziehen zu dürfen. Der Verein wünscht nämlich die vorgeschriebene Anzahl Schiesstage diesen Sommer und Herbst noch abhalten zu können und möchte künftigen Sonntag mit den ersten zu beginnen.
Indem wir Ihnen unser Gesuch zur gefälligen Berücksichtigung empfehlen, bieten wir Ihnen die Versicherung unserer vollkommenster Hochachtung.
Lupsingen am 25. Juli 1864
lm Auftrag des freiwilligen Schiessvereins Der Präsident: G. Weber Der Kassier: Johannes Schäfer
Am 31. Juli 1864 ging ein weiteres Schreiben an den Regierungsrat; es lautet:
Titl. Herrn Häner, Vorsteher des Militänivesens Kanton Basellandschaft
Geehrter Herr Regierungsrat
Unser Gesuch um Bestätigung der Statuten und Verabfolgung von Waffen und Munition zu freiwilligen Schiessübungen konnten Sie aus Gründen, die wir selber billigen müssen, nicht berücksichtigen. Dessen ungeachtet müssen wir Sie nochmals mit unseren Bitten belästigen. Unser Verein hat nämlich bereits eine Anzahl Scheiben anfertigen lassen und anderweitige Ausgaben gehabt, die nun soviel wie vergebens wären. Von uns aus wäre es nicht möglich gewesen, schon früher die Übungen zu organisieren, weil bei der Angelegenheit des Schiessplatzes in unserem kleinen Gemeindebann vor der Beendigung der Ernte keine Schiessstätte hätte gefunden werden können. Nun ist aber bereits das passende Land wenigstens auf eine Entfernung von 400 Schritten lang und wird es im Laufe dieser Woche für weitere Distanzen werden. Aus den angeführten Gründen möchten wir Sie ersuchen, uns doch wenigstens zwei Jägergewehre oder zwei Feldstutzer nebst der erforderlichen Munition aus dem Zeughaus verabfolgen zu wollen.
Indem wir Ihnen unsere Bitte einwenigstens zur Berücksichtigung empfehlen, versichern wir Sie unserer vollkommenster Hochachtung.
lm Auftrag des freiwilligen Schiessvereins Lupsingen: Der Schützenmeister G. Weber Der Kassier: Johannes Schäfer
Der Unterzeichnete bestätigt obige Gründe und empfiehlt das Gesuch des Schiessvereins zur gefälligen Berücksichtigung.
Lupsingen, den 31. Juli 1864
Namens des Gemeinderates: Reinhard Grollimund, Präsident
Wenn sich der freiwillige Schiessverein verpflichtet, die abzugebenden Jägergewehre auf (...), das vermutlich schon im Herbstmonat stattfindet, in gutem Stand zurückliefert und sich dafür verantwortlich erklärt, so können ihm 4 Jägergewehre mit Munition von 10 Patronen pro Mann verabfolgt werden, nämlich für die 9 bei der Miliz eingeteilten Mitglieder, was 90 Patronen ausmacht.
Liestal, den 1. August 1864
Häner Reg. Rath
1898: Gesuch um einen neuen Schiessplatz
Erst im Jahr 1898 wird das Schiesswesen in Lupsingen wiederum in Protokollauszügen der Kantonalen Militärdirektion erwähnt. Diesmal ging es um Schiessplatzsorgen, davon zeugen die nachfolgenden Korrespondenzen.
Militärdir. Protokoll vom 20. März 1898
Herrn Hauptmann Gerster Präsident der Kantonalen Schiesskommission zu Handen der tit. Militärdirektion v. Baselland.
Durch Zirkular vom 20. Januar dieses Jahres wird vom Waffenchef der Infanterie für Abhaltung der Schiessübungen in Lupsingen ein anderer Schiessplatz verlangt. Auf Einladung des Gemeindepräsidenten von Lupsingen, nahm ich am 15. den in Aussicht genommenen neuen Schiessplatz in Augenschein, derselbe befindet sich südöstlich Lupsingen, etwa 10 Minuten vom Orte entfernt auf „Unterglisen“. Die Scheiben stehen am westlichen Waldrand des Kleckenberg, die Schützen auf 300m -ungefähr beim "U" des Wortes Unterglisen, Linie -U-K- 532; auf 400m stehen die Schützen am südöstlichen Rande des Gehölzes bei Unterglisen, Linie 440-Kleckenberg.
Das Terrain ist sehr übersichtlich, Gefährdung soviel als ausgeschlossen, nur muss auf dem Wege Rothengrund und - Hof Kleckenberg (ungefähr dort, wo die Banngrenze am Südspitz den Wald verlässt) während der Schiessübungen eine Warnungstafel aufgestellt sein. Für gute Zeigenwehr (in Lettboden) ist ebenfalls garantiert.
Ich beantrage daher Genehmigung des Schiessplatzes „Unterglisen-Kleckenberg“ und zeichne achtungsvoll
F. Lüdin, Lt. Mitglieder der Schiesskommission
An die Militärdirektion von Baselland
Obenstehend besprochener Schiessplatz empfehle ich Ihnen zur Genehmigung.
Liestal, 18. März 1898 Gerster, Hptm. Präs. d. Schiesskomm. v Baselland
An die Schützengesellschaft Lupsingen
Wir bringen Ihnen zur Kenntnis, dass wir, nachdem die Kantonale Schiesskommission uns soeben den bezüglichen Bericht vorgelegt hat, Ihren neuen Schiessplatz „Unterglisen-Kleckenberg“ genehmigen.
Liestal, 20/III 98. Militärdirektion: Brodbeck
Damit ist ein ehemaliger Schiessplatz-Standort abgesichert. Soweit uns aus Aussagen älterer Schützenkameraden bekannt ist, soll vorher vom „Grüngli“ Richtung „Sonnhalde“ geschossen worden sein: Dies war wahrscheinlich der im Brief von Hauptmann Gerster erwähnte und durch den Waffenchef der Infanterie nicht mehr bewilligte Schiessplatz. Aus einer Büchel-Zeichnung von Lupsingen aus dem Jahr 1753 geht hervor, dass bereits damals ein Schiessstand mit einer Rundscheibe und einer Zeigerwehr in der „Muelte“ Richtung „Hug-Erli“ vorhanden war.
Die Zeichnung deutet darauf hin, dass in Lupsingen also bereits im 18. Jahrhundert geschossen worden ist. Aufgrund der wenigen Leute, die am Dorfrand, also bei der Schussabgabe stehen, ist anzunehmen, dass es eher Einheimische und nicht durchziehendes Militär war. Möglich wäre, dass es Einwohner waren, die sich im Kriegshandwerk übten, weil sie z.B. im Schweizer Regiment der französischen Könige dienten, wie es die vorhandene Entlassungsurkunde von Johannes Tschudin im Jahr 1815 beweist. (Textteil von Hans Rudolf Tschopp).
Über das Jahr der Inbetriebnahme des jetzigen Schiessplatzes im "Hasel", der als Feldstand angelegt wurde, bestehen keine zuverlässigen Angaben.