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«Es sind 106 Meilen bis Chicago, wir haben einen vollen Benzintank, eine halbe Schachtel Zigaretten, es ist dunkel, und wir tragen Sonnenbrillen.»
Im Sommer 1980 wetteiferten drei Komödien um die Gunst des amerikanischen Kinopublikums: Der Slapstick «Airplane!», die Golf-Komödie «Caddyshack» und ein exzentrisches Musical mit Namen «The Blues Brothers». Alle drei wurden sehr erfolgreich, doch «The Blues Brothers» erwies sich als erstaunlich langlebig und mauserte sich zum Kultfilm, der Jahrzehnte nachher noch unglaubliche Beliebtheit geniesst. Grund genug, 20 Fun Facts zu 40 Jahre «The Blues Brothers» Revue passieren zu lassen!
Dem Publikum ausserhalb der USA mag es erscheinen, als sei das eine fiktive Band, die eigens für den Film kreiert wurde. In Tat und Wahrheit entstand die Band The Blues Brothers als Teil der NBC-Show «Saturday Night Live». SNL-Ensemble-Mitglieder John Belushi und Dan Aykroyd traten dort bereits ab 1977 als Gebrüder «Joliet» Jake und Elwood Blues auf.
Was ursprünglich nur als Sketch gedacht war, entwickelte bald ein Eigenleben und Belushi und Aykroyd hatten derart Spass daran, dass sie bald einmal ausserhalb dieser TV-Sendung als reguläre Band auftraten. Ihr erstes Album, «Briefcase Full of Blues» wurde 1978 aufgenommen, als sie als Vorband für den Komiker Steve Martin im Universal Amphitheater von Los Angeles auftraten.
Das Album erreichte in den USA und in Grossbritannien Gold-Status. Das zweite Album (wiederum ein Live-Album) «Made In America» wurde 1980 während der Tour im Anschluss an die Film-Dreharbeiten aufgenommen.
1982 verstarb John Belushi an einer Überdosis Speedball, worauf sein Blues-‹Bruder› und enger Freund Dan Aykroyd in langjährige Depressionen verfiel und die Band für beendet erklärte. 1988 beschlossen aber die restlichen Bandmitglieder, als The Blues Brothers Band auf Tournee zu gehen.
Hey, da sind Leute wie Drummer Willie Hall dabei, der auf zig legendären Soul-Scheiben aus Memphis Schlagzeug spielte, unter anderem auf Hits von Isaac Hayes. Oder Matt «Guitar» Murphy aus Chicago, der für Howlin' Wolf Gitarre spielte und auf zahlreichen Bluessongs des legendären Chess-Labels zu hören ist. Hier ist er, 1963:
Oder Steve Cropper und Donald Duck Dunn? Das ist das Gitarren-Bass-Team von Booker T and the MGs, welche die Studioband für alle Soul-Hits der Sechzigerjahre stellten, die vom Stax-Label in Memphis veröffentlicht wurden. Hier eine Aufnahme von 1966:
Während Dan Aykroyd ein grosser Fan von Delta Blues war und selbst auch Mundharmonika spielte, war John Belushi durch und durch Punkrocker. Bands wie The Dead Kennedys oder Fear hatten es ihm besonders angetan.
Seinen Einstieg in die Welt des Blues geschah 1977, als er während den Dreharbeiten zu «Animal House» in Portland Oregon eines Nachts den örtlichen Bluesmusiker Curtis Salgado kennenlernte. Zwischen den beiden entwickelte sich eine Freundschaft und Salgado führte Belushi in die Welt des Rhythm'n'Blues der Vierziger- und Fünfzigerjahre ein.
Belushi und Aykroyd übernahmen von Curtis Salgado dessen Angewohnheit, stets eine Ray-Ban-Wayfarer Sonnenbrille zu tragen, sowie den Soul-Patch-Bart zwischen Unterlippe und Kinn. Der schwarze Anzug und Pork Pie Hat kamen von einem Albumcover von John Lee Hooker:
Das Album «Briefcase Full of Blues» hatte Gold-Status erreicht und Belushi war dank des Erfolges der College-Komödie «Animal House» zum Superstar geworden. Klar buhlten nun die Filmstudios um die Rechte, «The Blues Brothers» in einen Film zu verwandeln. Aykroyd setzte sich daran, ein Drehbuch zu schreiben. Dies, obwohl er noch nie ein Filmskript gelesen, geschweige denn geschrieben hatte. Was er schliesslich mit sechsmonatiger Verzögerung ablieferte, war mit 324 Seiten so ziemlich doppelt so lange wie jedes übliche Drehbuch und hätte einen fünfstündigen Film ergeben. Regisseur John Landis schaffte dann das Kunststück, innert nur drei Wochen das Skript auf normale Länge zu editieren.
Das mit der göttlichen Mission, das war Landis' Idee. Inspiriert war er durch Dan Aykroyd, dessen Hauptmotivation eine echte Leidenschaft für die Musik war: «Danny hatte eine Vision, den Blues und R&B zurück in die Mainstream-Kultur zu bringen», so Landis. «Sein Wunsch war es, seinen Ruhm und den von John [Belushi] auszunutzen, um die Aufmerksamkeit auf diese zu wenig bekannten Meister der amerikanischen Musik zu lenken.»
John Belushi verdiente 500'000 Dollar, Dan Aykroyd 250'000.
17 Millionen – so viel war für die Produktion von «The Blues Brothers» budgetiert worden. Als man im Juli 1979 mit dem Dreh begann, scherzte Produzent Robert K. Weiss, so viel hätten sie jetzt schon bereits ausgegeben. Schliesslich kam der Streifen auf satte 10 Millionen mehr als budgetiert. Hey, alleine die Schlussszene auf dem Daley Plaza in Chicago kostete 3,5 Millionen.
Und:
Kein Witz: Für nächtliche Drehs war Kokain für die Schauspieler budgetiert worden – wobei John Belushi offenbar das meiste davon staubsaugte. Womit wir bei einem der Hauptprobleme beim Dreh wären: John Belushi.
John Belushi konnte urplötzlich zwischen Takes verschwinden. Einmal fand ihn Dan Aykroyd nach langer Suche schlafend auf der Couch einer wildfremden Person, die diesem unangekündigtem Besuch spontan Zutritt zum Haus (und Kühlschrank) gewährt hatte. Solche Eskapaden und die daraus folgenden Verzögerungen belasteten das Budget noch mehr. Die aufwändige Konzertszene mit den hunderten Statisten, etwa, war gefährdet gewesen, da Belushi im Suff einem Kind das Skateboard ausgeliehen und sich verletzt hatte. Mit gehörig vielen Schmerzmitteln und unter ärztlicher Aufsicht konnte Jake Blues seine Tanzschritte und Radschläge schliesslich doch noch ausführen.
Nach einer Weile beschlossen Belushis Frau, sein Manager und Aykroyd, einen Aufseher zu besorgen, da man sich sonst veritable Sorgen machen müsste, er würde sich was antun. Smokey Wendell, der zuvor eine ähnliche Aufgabe für Eagles-Gitarrist Joe Walsch übernommen hatte, wurde eingestellt.
Ja, auch das Nazi-Auto in der Luft – das wurde von einem Helikopter aus einer Höhe von 400 Metern fallengelassen. Dies bedurfte eine Spezialgenehmigung der Bundesluftfahrtbehörde.
Aber auch alle Verfolgungsjagden in Downtown Chicago wurden in Realtime gedreht. Nach einigen Probeaufnahmen merkte John Landis, das es Fussgänger bräuchte, da man sonst meinen würde, die Aufnahmen werden im Schnelllauf abgespielt.
Auch diese Verfolgungsjagd wurde ohne Trickaufnahmen gedreht. Drehort war ein echtes Shopping Center – allerdings eins, das vor Kurzem geschlossen worden war. Dafür wurden eigens alle Läden und Restaurants wieder aufgebaut und ausgeschmückt.
Es gibt ein paar «Star Wars»-Connections in «The Blues Brothers». Einer der zahlreichen Cameos (gleich am Anfang, der Gefängnisoffizier, der Jake Blues seine Habseligkeiten retourniert) ist Frank Oz, der in den «Star Wars»-Filmen die Yoda-Puppe bediente und auch sprach. Doch am augenfälligsten ist selbstredend Prinzessin-Leia-Darstellerin Carrie Fisher, die Jake Blues' rachsüchtige Ex-Verlobte spielt. Und im echten Leben waren sie und Dan Aykroyd ein Paar. Kennengelernt hatten sie sich am Set des Films.
Papst Johannes Paul II. war gerade in Chicago auf päpstliche Visite und besuchte das Set von «The Blues Brothers» und gab dem Film seinen Segen. 2010 setzte die offizielle Zeitung des Vatikans «The Blues Brothers» auf die Liste der empfohlenen Filme für Katholiken. Obwohl im Film geflucht und auch anderweitig gesündigt wird, geht es im Plot letztlich darum, Geld für ein katholisches Waisenhaus zu sammeln.
Die dramatische Anfangsszene im Joliet Correctional Center stand kurze Zeit unter akuter Gefahr. Die Information, dass ein Helikopter in den frühen Morgenstunden Filmaufnahmen machen würde, schien nicht ganz zu allen Sicherheitskräften durchgedrungen zu sein. Einige der Wachtürme baten um Erlaubnis, den vermeintlichen Eindringling abzuschiessen.
So viele Autos werden im Film zerstört. Zähl' sie ruhig.
So sieht es Regisseur John Landis zumindest. Denn es hat Song- und Tanz-Szenen. Und die meisten Songs ergeben sich aus den Dialogen: «You better think about what you're saying. You better think about the consequences of your actions!»
Obige Filmszene ist legendär. Und Aretha Franklins Performance startete ihre Karriere neu. Es ist diese Aufnahme, die vom «The Blues Brothers»-Soundtrack, zu der alle Girls bei jeder Party abgehen. Doch ursprünglich wollten die Produzenten von Universal Studios Franklin nicht. Und auch nicht Ray Charles, Cab Calloway oder John Lee Hooker.
Stattdessen schlugen sie Rose Royce vor (die vom Disco-Hit «Carwash»), weil dieser in ihren Augen zeitgemässere Act beim breiteren Publikum besser ankommen würde. Doch Dan Aykroyd und John Landis bestanden darauf: Es geht um die Musik, stupid! Und siehe da: Der Soundtrack wurde ein Hit.
Ted Mann, etwa, Inhaber der grossen Kinokette Mann Theaters, war der Meinung, dass wegen der vielen schwarzen Musiker, von denen viele ihren kommerziellen Höhepunkt überschritten hatten, das weisse Publikum den Film nicht sehen wolle. Und Afroamerikaner, die seine Kinos in wohlhabenden weissen Vierteln besuchen würden, seien schlecht fürs Image und Geschäft.
Obwohl die Studiobetreiber verärgert waren, weil das Budget um 10 Millionen Dollar überschritten wurde, hielten die Gebrüder Blues ihr Versprechen. Am Eröffnungswochenende war der Film auf dem zweiten Platz knapp hinter «The Empire Strikes Back», und schliesslich verdiente er 115 Millionen Dollar, fast gleichmässig auf In- und Ausland aufgeteilt. Ziemlich sofort wurde er ein Kultfilm, der einen ähnlichen Status wie «The Rocky Horror Picture Show» geniesst, bei dem das Publikum sich wie die Filmfiguren verkleidet und bei den Tänzen und Songs mitmacht.
Heute haben Jake und Elwood Blues längst einen fixen Platz in der Ikonografie der Populärkultur eingenommen, sind ähnlich global erkennbar wie Elvis, McDonalds oder Darth Vader. Schwarzer Hut, Ray Ban Wayfarer, schwarzer Anzug ... na, wer bin ich wohl? Weltweit werden 1974er Dodge Monaco als Bluesmobiles aufgemotzt. Und in Albanien gab es 2008 gar eine Briefmarke (John Belushi war albanischstämmig).