Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03249.jsonl.gz/818

Autor*innen: Hans Utz, Angelika Wenzel, Christoph C. Maier
Lernziele
Die Industrialisierung in der Schweiz soll dazu dienen, in einem geografisch begrenzten, uns nahestehenden Gebiet einen Überblick über die Industrialisierung als Ganzes von der Protoindustrialisierung bis heute zu verschaffen.
Es basiert auf der Einteilung der Industrialisierung in die Protoindustrialisierung, deren Bevölkerungswachstum erst die Voraussetzungen schuf, und in drei Technische Revolutionen, die dem Menschen sukzessive die Muskelarbeit abnahmen, die Wahrnehmung und Kommunikation erleichterten und schliesslich, in der dritten Technischen Revolution, die einfachen Denkvorgänge auf Maschinen übertrug (Übersicht in Kapitel 18.2.1) Die folgenden vier Kapitel gehen immer von der Technik über die Wirtschaftsorganisation zum Berufsleben über, gewichten aber unterschiedlich.
Die Protoindustrialisierung (der Begriff wird für die Schülerinnen und Schüler nicht verwendet) wird anhand des Verlagswesens dargestellt. Die Schülerinnen und Schüler erleben es durch die Augen einer fiktiven Heimarbeiterfamilie und können es vertiefen durch den Besuch der Dauerausstellung «Seidenband» im Kantonsmuseum Baselland in Liestal.
Bei der ersten Technische Revolution stellen wir den Gang in die Fabrik (für Arbeiterinnen und Arbeiter wie für Fabrikanten) in den Vordergrund. Wir konzentrieren uns auf sozialen und Mentalitätsfragen. Anhand eines Würfelspiels mit Denkanstössen vertiefen Schülergruppen diese Entwicklung.
Die Darstellung der zweiten Technischen Revolution legt dagegen ein Schwergewicht auf die Organisation der Firmen und auf den Interessen der verschiedenen an der Industrialisierung beteiligten Gruppen.
Ohne Verlagswesen wäre es kaum erklärbar, warum die Bevölkerung in der Eidgenossenschaft so stark anwachsen konnte, dass sie auf die Industrialisierung angewiesen war. Gleichzeitig prägte das Verlagswesen die für die Schweiz typische Verbindung von Industrie und (flachem, erschlossenem) Landgebiet und legte damit die Grundlage für eine relativ breit verteilte Industrialisierung der Schweiz.
Die Themeneinheit richtet den Fokus auch auf die einfachen Menschen in der Form einer supponierten Familie aus Reinach AG, um die Schülerinnen und Schüler mehr intuitiv als theoretisch einen Wandel des Lebensentwurfes im 18. Jahrhundert erleben zu lassen.
Als mögliche Vertiefung wird die ausgezeichnete Dauerausstellung im Kantonsmuseum Baselland aufgearbeitet. Diese kann von den Schülerinnen und Schülern anhand zweier detaillierter Arbeitsblätter erschlossen werden.
Kapitel 1: Problem
Mit einer Fallstudie «Ein grosses Problem» werden die Schülerinnen und Schüler mit dem Problem der fehlenden Erwerbsmöglichkeiten um 1730 konfrontiert, einer Hauptursache für die schnelle Ausbreitung der Heimindustrie oder des Verlagswesens.
Kapitel 2: Lösung
Ein Übersichtstext orientiert die Schülerinnen und Schüler über die Lösung, die sich im 18. Jahrhundert durch die Heimindustrie, das Verlagswesen ergab. Sie lösen die damit zusammenhängenden Fragen in Einzelarbeit.
Kapitel 3: Textinterpretation
Durch eine anspruchsvollen Textinterpretation und eine Rechenaufgabe werden die Auswirkungen des Verlagswesens für die Schweiz sichtbar.
Kapitel 4: Ausstellungsbesuch
Die Schülerinnen und Schüler werden durch die Dauerausstellung im Kantonsmuseum Baselland über die Posamenterei geführt: Die Schülerinnen und Schüler erhalten das Bild eines Gegenstandes, den sie suchen (bei Museumsbesuch im Museum zu beziehen). Auf dem Weg dazu und durch die Ausstellung bearbeiten sie einfache Aufgaben zu einzelnen Exponaten und füllen einen Fragebogen bei Posten 8 aus.
Kapitel 5: Industrialisierung
Den Übergang von der Heim- zur Fabrikarbeit können die Schülerinnen und Schüler auf der Basis ihres in der Ausstellung gewonnenen Wissens durch Beantwortung von Fragen erarbeiten
Die erste Technische Revolution wird im Geschichtsunterricht meist in den Mittelpunkt gestellt, obwohl man aus heutiger Sicht sagen muss, dass sie trotz spektakulärer Maschinen das heutige Leben nicht stärker beeinflusst hat als die zweite oder dritte Technische Revolution oder als das Verlagswesen, das erst die Bevölkerungsreserven für die Industrialisierung bereitstellte.
Die erste Technische Revolution wird hier vor allem aus der Sicht der Menschen dargestellt: dem Übergang zum Arbeitertum, aber auch der Entstehung des Typs des Fabrikeigentümers und gleichzeitigen Fabrikleiters (Kapitel 18.2.2 bis 18.2.4). Für die technische Seite, die Dampfmaschine, bietet sich eher das Ursprungsland der Industrialisierung, Grossbritannien, an. Wichtig scheint, dass die Schülerinnen und Schüler einen Überblick über die Industrialiserung generell erhalten (Kapitel 18.2.1).
Mit einem Würfelspiel (Kapitel 18.2.5) können Sie die Schülerinnen und Schüler die Situation spielerisch erleben lassen.
Zusatz: Quellentext «Das harte Los der Fabrikler»
Kapitel 1: Prinzip
Das Prinzip der Industrialisierung versuchen die Schülerinnen und Schüler nach Ihren Ausführungen zuerst selbstständig in einer vorgegebenen Struktur festzuhalten. Anschliessend kontrollieren Sie die Arbeit.
Kapitel 2: Umstellung
Die Schülerinnen und Schüler begleiten die Heimarbeiterfamilie in die Fabrik. Anhand einer Quelle erarbeiten sie, welche Umstellung dies für die Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter bedeutet.
Kapitel 3: Kinderarbeit
Die Kinderarbeit wird hier als Schwerpunktthema herausgegriffen, weil sich die Schülerinnen und Schüler leichter hineinversetzen können und weil sie weltweit noch immer ein grosses Problem darstellt. Die Klasse kann in Gruppen von 6 bis 8 Schülerinnen und Schüler aufgeteilt die damit verbundenen Interessen diskutieren.
Kapitel 4: Direktoren
Die Einschätzung der Fabrikdirektoren und -eigentümer ist schwierig: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich damit auseinander, dass auch sie in der Frühzeit der Industrialisierung schwer arbeiteten und grosse Risiken trugen, dass sie allerdings unter günstigen Umständen reich werden konnten.
Kapite 5: Würfelspiel
Das Würfelspiel wird in Vierergruppen gespielt, wobei jede Figur eine andere Rolle darstellt und unterschiedlich rasch vorankommt. Daraus und aus den Begleitinformationen ergeben sich Erlebnisse und Einsichten in den Prozess der Industrialisierung in der Schweiz zwischen 1800 und 1900. Das Spiel dauert rund 30 Minuten, mit der Auswertung gerade eine Lektion.
Während bei der ersten Technischen Revolution in der Schweiz mehr die Entstehung des Typs der Fabrikarbeiterin und des Fabrikarbeiters und ihre Probleme im Vordergrund gestanden hatten, liegt das Schwergewicht bei der zweiten Technischen Revolution auf der Wirtschaft und der Organisation der Unternehmen, aber auch der Interessen.Denn die vor gut hundert Jahren entstandenen Strukturen prägen heute noch mindestens die zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und die Parteien. Genossenschaften und Gewerkschaften haben sich zwar gewandelt, vertreten aber – einander ergänzend – immer noch die Industriebevölkerung als Staatsbürger/-innen, Arbeiter/-innen und Konsumentinnen und Konsumenten. (Auf Produktionsgenossenchaften wird hier nicht eingegangen).
Kapitel 1: Elektrizität
Weil die auf Elektrizität basierende Technik der zweiten Technischen Revolution uns heute näher steht, werden die Schülerinnen und Schüler in dieser Themeneinheit in die Zusammenhänge der technischen Entwicklung hineingeführt. Dies geschieht nach einem Einstieg mit dem «Handy» von damals mit einer Bilderserie
Kapitel 2: Geigy
Am Beispiel einer Firma, der Firma Geigy in Basel, erarbeiten die Schülerinnen und Schüler in Einzel- oder in Partnerarbeiten die typischen Unterschiede zur ersten Technischen Revolution. Dazu ist die vorgängige Bearbeitung des typischen Unternehmerporträts aus der ersten Technischen Revolution (Caspar Honegger) von Vorteil.
Kapitel 3: Interessenorganisationen
Nach dem Detailbeispiel arbeiten die Schülerinnen und Schüler nun wieder mit grossen Strukturen: Der Bevölkerungszunahme in den Städten und damit verbunden, der Bildung von Interessenorganisationen in Genossenschaften, Gewerkschaften und Parteien. Für die statistische Arbeit kann hier eine Excel-Tabelle abgerufen werden, obwohl eine Handarbeit wohl ebenso nahe liegt.