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jemand mit Du anreden, eine Sitte, die bei allen alten Völkern üblich war. Im Mittelalter, nachweislich im 9. Jahrh.,
kam das Ihrzen (mit Ihr anreden) auf. Bis zum 13. Jahrh. hatte sich etwa
folgende Gewohnheit ausgeprägt: geihrzt wurden Höhere von Niedern, der Vater von den Kindern, Geistliche, Fremde, vornehmere
Eheleute untereinander etc.;
in direkter Beziehung auf den Angeredeten wurde jedoch noch geihrzt.
Seit dem 17. Jahrh.
wurde »Herr« und »Frau« in der Anrede bloßes Höflichkeitszeichen; man verband damit anfangs noch Ihr,
aber bald fing man
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an, die indirekte dritte Person dazuzusetzen (Erzen und Siezen im Singular). So blieb es, als später auch »Herr« und »Frau« weggelassen
wurde. Die Anrede per Ihr ward nun eine gewisse Mittelstufe zwischen der tiefsten des Duzens und der höchsten des Erzens
und Siezens. Gegen Ende des 17. Jahrh. (die ersten Spuren zwischen 1680 und 1690) begann die feinste Höflichkeit,
die Anrede aus der dritten Person des Singulars in die dritte des Plurals zu setzen (Siezen im Plural), und um 1740 war diese
Sitte oder Unsitte in der vornehmen Welt allgemein herrschend. In neuester Zeit hat das Duzen, besonders in vertraulichen
Kreisen, wieder mehr Platz gegriffen.
Quäker und Tiroler, besonders außerhalb ihres Landes, reden alle Welt mit Du an, und bei erstern ist es Glaubenssache; auch
der Dichter hat die Freiheit des Duzens. Von den übrigen europäischen Völkern brauchen die Holländer meist Ihr (gij). In
Frankreich wird Du (tu) nur bei dem vertraulichsten Verkehr unter intimen Freunden und in der Familie angewendet.
Nimmt das Gespräch selbst unter diesen eine weniger vertraute Wendung, so tritt oft plötzlich das gebräuchlichere vous
an dessen Stelle.