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3. Juni 2019
Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge
"Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen."
Dies war der Lieblingssatz meiner Grossmutter. Danach lebte sie. Und heute habe ich einen Apfelbaum gepflanzt.
Mit Pathos trug meine Grossmutter regelmässig ihr Lieblingszitat vor:
„Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen.“
Wie viele meinte auch sie, dass das Zitat von Martin Luther sei. Das Zitat kann schriftlich erst 1944 belegt werden. Europa lag in Trümmern, und die Leute sahen ihre vertraute Welt untergehen. Das Lutherwort vom Apfelbäumchen vermittelte den Menschen damals Lebensmut in ihrer Not, damit sie weitermachen konnten.
Meine Grossmutter wurde über 90 Jahre alt. Sie verlor ihren Vater im 1. Weltkrieg. Fast zur gleichen Zeit starb ihre Mutter an der Spanischen Grippe. Mit ihrer Schwester wuchs sie auf dem Land bei der Tante auf. Sie wollte lieber Bücher lesen als Kühe hüten.
Als sie später meinen Grossvater kennen lernte, konnte sie ihre eigene Familie gründen. Im 2. Weltkrieg gebar sie zwei Kinder, meine Tante und meinen Vater. Mein Grossvater gilt seit Januar 1942 bei der Schlacht von Stalingrad als vermisst.
Meine Grossmutter verlor nach dem Krieg Haus und Hof. Ihre Kinder konnte sie in Internaten im Westen unterbringen. Sie flüchtete auf ihrem Fahrrad mit ihrer Schreibmaschine als einziges Hab und Gut. Sie machte eine Ausbildung zur Lehrerin. Jahrelang klapperte sie die Bahnhöfe ab, wenn Soldaten aus der Gefangenschaft heimkehrten. Ihre Sehnsucht nach ihrem ersten Mann währte ein Leben lang.
Sie heiratete ein zweites Mal und liess sich wieder scheiden. Bis zu ihrer Pensionierung arbeitete sie als Referendarin.
Wir verstanden uns blind. Wir zofften bis die Fetzen flogen, diskutieren und debattierten. Ich liebte sie für ihre bewegliche und abenteuerliche Art. Sie hatte eine junge Ausstrahlung und eine gerade Haltung bis ins hohe Alter. Mit über 70 machte sie uns den Kopfsprung vom 1-Meter-Brett vor – auf den Bauch. Und wegen ihr weiss ich was ein Kurschatten ist. (Person des anderen Geschlechts, mit der sich jemand für die Zeit seiner Kur anfreundet). Und davon hatte sie unzählige.
Für mich war sie eine interessante Frau. Sie erzählte gerne und liess nichts anbrennen. Noch im hohen Alter flirtete sie, getraute sich Dinge und lachte viel. Ungefragt sagte sie ihre Meinung, war stur und nicht für alle angenehm.
Wenn man genau hinsah, konnte man die Verletzlichkeit sehen und ihre Rastlosikgeit spüren. Entwurzelt, verlassen, enteignet.
Von dieser Frau habe ich meinen Optimismus. Sie gab mir diese innere Sicherheit und das Vertrauen, dass auch wenn alles aussichtslos scheint, ich mich doch dem Leben widme.
Ihr zu Ehren habe ich heute einen Apfelbaum gepflanzt. Ich weiss nicht wie lange ich hier wohnen bleibe. Doch das ist egal. Es hat mich einfach glücklich gemacht.
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Herzlichen Dank! Das freut mich!
Liebe Jeannine die Weltgeschichte wiederholt sich immer wieder, bis wir den Frieden finden. In unserem eigenen Licht.
Wunderschöne Emotionelle Geschicht.
Ist ein grosses Geschenk für Dich
Wir werden es weiter Erleben wie deine Grosmutter und wir werden uns das nächste Mal sehen wen ich wieder in die Heimat komme.
LG Brigitte
muchos gracias querida y buena salud. besitos jeanine
Ganz genial….betrifft die nachkriegs Generation. Ein Spruch den auch mein Vater gerne zitierte. Die Jahre nach dem Krieg waren nicht leicht ,immer wieder gab es Tage an denen man sich erschreckte und um das erarbeitete bangte. Um die Frau und die Kinder. Und doch blieb mein Vater hoffnungsvoll, machte Musik, blieb positiv, half uns wo er konnte ….ein Mensch mit herzenswaerme…auch ihm ein Apfelbäumchen 😀🎶🌹
Liebe Rosemarie
Herzlichen Dank für deine Worte.
Ich habe mich sehr gefreut.
Herzlich
Jeanine
Mir drückt diese Geschichte Tränen ins Gesicht.
Danke für diese rührende Geschichte.
Die Erzählunng ist wunderschön und erinnert mich an meine kürzlich verstorbene Mutter. Es tut gut.
Herzlichen Dank, das freut mich!
Hallo,
Bei vielen schlimmen Ereignissen pflanze ich einen Baum. Heute war es ein Walnussbaum.
Man darf die Hoffnung nie verlieren
Liebe Grüße
Sandra Bonge
Lieben Dank Sandra! Sehr schöne Idee
Wunderschön beschrieben, Ihre Großmutter.
So eine mag ich auch für meine Enkel sein.
Die Anlagen dazu hätte ich evtl. – wenigstens ein paar….
Herzlichen Dank liebe Christine!
Zeit, bei den Bäumen inne zu halten. Nicht nur daran zu denken was verloren, auch an so vieles was geschenkt. Wache, blitzende, freundliche Augen. Lachen, weinen, Begenungen, Erinnerungen wie ein Buch darin zu blättern. Wo immer ein Baum zum rasten einlädt, setz dich und atme das Leben.
Vielen Dank.
Lieben Dank!
So eine tolle, schöne und kläre Ansage…ich fühle ganz stark mit.
Wir haben ähnliches erlebt.
Bin im 75 Lebensjahr..
Toll, toll.
Lieber Walter
Herzlichen Dank! Das freut mich sehr!
Herzlich Jeanine
Sehr schön zu lesen..erinnert mich an me
Sehr schön zu lesen..erinnert mich an meine Familie.
.Habe zwar schon mehrere Bäume im Leben gepflanzt, dzoch ich weiß jetzt in dieser unserer Zeit 2022 das ich umgehend noch einen Apfelbaum pflanzen muss. Auch wenn ich hoffe unsere Welt hält noch mindestens 40 Jahre
denn ich möchte gesund 107 Jahre werden..Danke fur diese Anregung.
Lieber Roland
Herzlichen dank für deine Worte und das Teilen deiner Gedanken.
Herzlich
Jeanine
Liebe Frau Jeanine Fuhlrott,
bin bei den Vorbereitungen meiner Sonntagspredigt für eine Klinikgemeinde am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres („Weltuntergangsszenarien“) auf Ihre Erzählung gestoßen. Ja, das sind die gelebten Antworten auf „Untergänge“ und so werden Übergänge möglich. Danke für diese „Antwort“ auf die Frage, was man, wir, ich denn tun kann, wenn scheinbar alles zusammenbricht. Gerne „pflanze“ ich mit Ihrer Großmutter, mit Ihnen und anderen „Bäumchen“ damit Leben, Freude und Früchte weiterhin wachsen und nähren. Vielleicht erzähle ich dann am Sonntagfrüh von meinem Fund im Netz.
Thomas Grün
Herzlichen Dank für Ihre Worte. Das freut mich sehr.
Liebe Jeanine Fuhlrott,
auch ich bin gerade durch Zufall auf Ihre Geschichte gestoßen – das bzw. sie hat mich tief berührt. Mein Vater hat ein Apfelbäumchen gepflanzt, als meine Mutter im Sterben lag – seitdem ist dieser Satz, den dann wohl doch nicht Luther gesagt hat, für mich ein Sinnbild für Stärke und Mut in schwierigen Zeiten. Die erlebe ich auch gerade (mal wieder), weil ich nicht weiß, ob ich mein heiß geliebtes Häuschen halten kann. Aber ja, auch ich werde diese Woche einen Apfelbaum pflanzen! Egal, was die Nachbarn sagen.
Danke für die Erinnerung an meine Kraft 🙂
Liebe Ulrike
Herzlichen Dank für Ihre Worte. Ja machen Sie das und bleiben Sie in der Kraft.
Manchmal halten wir uns an Dingen fest, um später zu realisieren, dass das Leben noch schöneres für uns bereit hält.
Die Apfelbäume werden bleiben. Egal wo es uns hinzieht. Und sie stehen für das Symbol der Kraft, des Mutes und den Glauben an das Gute.
Herzlichst
Jeanine
am 17. März 2020 um 21:30 Uhr
Wunderschöne Geschichte, heute aktueller denn je, finde ich.
Danke für’s teilen!