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Im Winter 19/20 habe ich einen Stuhl bzw. Couchtisch designt, der einerseits meine bis anhin gelernte Fähig- und Fertigkeiten in sich vereint und andererseits zu einer Reminiszenz an die Werke meiner beiden Vorbilder Sam Maloof und George Nakashima wurde.
Vor meiner Lehrzeit habe ich mich intensiv mit Holzbildhauerei beschäftigt und diverse Praktika beim Holzbildhauer Martin Schibig in Steinen absolviert. Vor zwei Jahren begann ich zudem mit dem Drechslerhandwerk. Aus diesem Grunde nahm ich mir vor, ein Möbel zu bauen, welches das Drechseln sowie ein zartes bildhauerisches Element in sich vereint.
Die Konstruktion sollte dem Auge aber auch den Händen des Besitzers schmeicheln. Fliessende, weiche Formen sind mir wichtig. Die Dachform des bedeutendsten buddhistischen Tempels in Tokio (Sensō-ji/Asakusa-Schrein) hat mich zur Grundform inspiriert.
Zuerst machte ich Versuche mit dem 7-Grad-Winkel und der geschnitzten Zapfenverbindung.
Anschliessend konstruierte ich das Design mit CAD und fertigte eine 1:1 Zeichnung auf eine beschichtete Platte, um beim Bau die Masse abnehmen zu können.
Im nächsten Schritt drechselte ich die Einzelteile, wobei ich die Dominolöcher in die noch unbearbeiteten Kanteln fräste. Dies war aufgrund der 7-Grad-Winkel sehr komplex.
Für die Beine stellte ich eine Schablone her, damit diese möglichst gleich herauskamen.
So sah dann die Rohkonstruktion aus:
Danach baute ich die Konstruktion zum Testen mit Zwingen zusammen, Ich kontrollierte, ob alle Übergänge sauber aufeinanderpassen und nahm dass exakte Mass des Innenholmes ab. Da ich die 7-Grad-Winkel mit der Dominofräse und der Kappsäge ohne zu verstellen nacheinander gemacht hatte, stimmten alle Verbindungen ziemlich exakt. Nur an zwei Stellen entstand ein 2/10mm-Spalt. Beim späteren Verleimen ist der Spalt dann verschwunden.
Den Mittelholm habe ich abgelängt und danach die Dominolöcher gefräst. Dies ist das einzige Element der Grundkonstruktion, das ich vollständig geschnitzt habe. Das Bild oben rechts zeigt die verleimte Konstruktion.
Mit der Japansäge, dem Japanhobel, dem Proxxon-Winkelschleifer (bestückt mit einer Raspelscheibe) sowie mit Schnitzwerkzeug habe ich die Verbindungen grob bearbeitet. Anschliessend arbeitete ich die fliessenden und weichen Übergänge mit Schnitzwerkzeug, Schnitzmesser, Ziehklinge und Schleifpapier heraus. Hier einige Impressionen dieser – der Natur nachempfundenen – Übergänge:
Die Grobform des Mittelholms erarbeitete ich mit dem Schweifhobel.
Geschliffen habe ich alles bis zur 600er-Körnung und anschliessend mit 0000-Stahlwolle nachbearbeitet.
Vor zwei Jahren habe ich bei einem lokalen Holzhändler einen Birnbau gekauft. Ursprünglich wollte ich einen Stuhl (mit Danish-Cord-Bespannung) bauen, doch als ich in meinem Holzstapel dieses interessante, „verknorzte“ Holz fand, realisierte ich daraus einen Couchtisch und bewahrte es vor dem Hacker. Diesen «Fehler» betonte ich, wodurch es zum Highlight meines Tisches wurde.
Aus diesem Brett habe ich zwei Bretter gesägt, abgerichtet, gefügt und dickengehobelt. Da die Fuge auf diese grosse Länge nicht 100 %ig stimmte, habe ich sie mit dem Handhobel nachbearbeitet. Dann habe ich das Brett verleimt und die Position auf der Unterkonstruktion festgelegt.
Auf der Rückseite hat es einen Riss, der fast bis zur oberen schönen Seite reicht. Damit sich der Riss in den nächsten Jahren nicht weiterentwickelt, habe ich mit der Oberfräse, dem Stechbeitel und dem Hobel ein «Gravättli» eingearbeitet.
Nachdem ich die Tischplatte auf die korrekte Grösse abgelängt, die Baumkante bearbeitet, die Platte geschliffen sowie die Kanten leicht mit Schleifpapier angefast hatte, bohrte ich die Tischbeinlöcher mit einem 30mm-Astlochbohrer und setzte die Platte auf die Unterkonstruktion.
Die Oberflächen behandelte ich mit Klarwachs, dabei dringen die natürlichen Öle besonders tief in das Holz ein, schützen es von innen und halten es elastisch. Die natürlichen Wachse schützen die Oberfläche und sorgen für die hohe Strapazierfähigkeit und Pflegeleichtigkeit. Mir war eine natürliche und einfach nachzuarbeitende Oberflächenbehandlung wichtig, die auch für Kinderspielzeug verwendet werden darf.
Dann musste noch die Tischplatte beim Leerraum mit «Unterstützungstöggeli» verstärkt werden (vgl. Bild unten)
Die Rundung habe ich vor dem Drechseln gebohrt und dann die «Töggeli» leicht konisch aus zwei gestockten Ahornkanteln herausgedrechselt.
Auf das in der Luft hängende Tischbein habe ich einen Aufsatz aus Ebenholz gedrechselt, um darauf eine Kugel zu stellen. Der Kunde darf aus diversen Stein- und Holzkugeln auswählen.
Beim Kunden wird die definitive Höhe des «Couchtisches» bestimmt, der in der Regel die gleiche Höhe wie die umliegenden Sitzmöbel hat (45-50 cm).
Erst dann bekommt der Tisch seine Höhe und die Filzgleiter bzw. Gleitnägel können montiert werden.