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Dank Internet und anderen modernen Kommunikations-Mitteln verschafft sich der reiche Norden immer mehr Vorteile gegenüber dem armen Süden. Genau das will nun ein loses Netzwerk von Regierungen, Hilfswerken und Privaten ändern. "Global Knowledge Partnership" heisst es. Die Schweiz hat darin neu Einsitz im Exekutivkomitee.
In diesen Tagen trifft sich das Netzwerk "Global Knowledge Partnership" in Genf. Regierungen, Hilfswerke und Private, die darüber reden, wie man den Menschen in den ärmsten Ländern der Dritten Welt Zugang zu den neuen Technologien verschaffen könnte und sollte. Internet statt Brot, sozusagen.
So einfach, so verkürzt könne man das Problem nicht sehen, sagt Gerolf Weigel von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der zuständig für das "Partnership"-Netzwerk ist. "Wir sehen diese neuen Technologien wirklich nur als eines von verschiedenen Instrumenten der Entwicklung. Es ist wichtig zu sehen, dass der Graben zwischen arm und reich in unserer Welt immer grösser wird und dass durch die rasante Entwicklung im Bereich moderne Kommunikations-Technologie die Gefahr besteht, dass dies noch beschleunigt wird."
Jetzt müssten innovative Lösungen gesucht werden, um die Technologie dazu zu gebrauchen, diesen Graben wieder kleiner zu machen, sagt Weigel. Dieser werde kleiner, wenn Handwerker, Händler und Bauern in armen Ländern ihre Produkte und Dienstleistungen auch via Internet anbieten könnten.
Moderner ist nicht teurer
Dazu gäbe es ein Missverständnis zu beseitigen: Modernste Technik müsse nicht teurer sein als "nur" moderne Technik. Dazu führt Weigel ein Beispiel an: Telefonkabel quer durch ein Land wie Mali zu verlegen könnte sich dieses Land nie leisten. Aber mit ein paar Sendern und ein paar Empfängern ist in diesem flachen Land drahtlose Telefonie relativ billig zu haben. Und weiter sagt der DEZA-Vertreter, es genüge, wenn es in einem Dorf nur einen Internet-Anschluss habe, der zum Beispiel im Zusammenhang mit einem Community-Radio, also mit lokalen Medien, genutzt werde.
Wie das Internet in der Dritten Welt genutzt werden kann zeigt das folgende Beispiel: In einem Bergdorf in Equador, wo eine Ameisen-Invasion die Lebensgrundlagen der Leute bedroht hat, haben diese Menschen Rat gesucht beim landwirtschaftlichen Beratungsdienst der Regierung. Sie erhielten von dort aber keine Lösung des Problems. Jemand in diesem Dorf hatte einen Internet-Anschluss und Adressen von einem Netzwerk in diesem Bereich. Er hat das Problem des Dorfes geschildert und innerhalb eines Tages einen Kontakt geknüpft mit einem Dorf gerade jenseits der Bergen in Peru, das das gleiche Problem hatte und es lösen konnte. Und innerhalb kurzer Zeit hatten die Dorfbewohner in Equador Informationen in ihrer Lokalsprache, wie das Problem im peruanischen Dorf erfolgreich gelöst wurde.
Keine falschen Hoffnungen wecken
Gerolf Weigel von der DEZA weist indessen auf die Gefahr hin, in der Dritten Welt unrealistische Hoffnungen zu wecken, mit einem Internet-Anschluss könnten alle Probleme gelöst werden. Das sei falsch. Das Internet könne dort in einem weiteren Rahmen einfach sinnvoll eingesetzt werden.
Und noch eins: Man müsse wahrscheinlich wegkommen vom westlichen individualistischen Ansatz "Internet für jeden einzelnen". In der Dritten Welt entspreche ein kollektiver Zugang zum Internet viel mehr der dortigen Kultur, zum Beispiel in einer Gemeinde oder in einem Netzwerk.
Jean-Michel Berthoud