Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03364.jsonl.gz/196

Aktualisiert: 26. Nov. 2021
Die «alte» Kirche ist wohl das bekannteste Wahrzeichen Wollishofens. Ihre Geschichte zeigt, wie eng von jeher der Ort - ungeachtet ob Vogtei, Gemeinde oder Stadtquartier - mit dem Geschick der Stadt Zürich verbunden war. In den Jahren, als Wollishofen vom letzten adligen Besitzer, Johannes Stucki dem Älteren, der Stadt vermacht wurde (1423), gehörte der Ort kirchlich zur Pfarrei Kilchberg. Zum sonntäglichen Gottesdienst und nach dem Tod auf den Friedhof musste man in die Nachbargemeinde. Es gab im Spätmittelalter zwar auch Kapellen in Wollishofen, in denen ein in der Stadt wohnender Geistlicher Messen hielt, doch das war für die Wollishofer nur eine halbe Sache, die später - spätestens mit der Reformation - aufgegeben wurde.
Alte Kirche Wollishofen. Photoglob Wehrli.
Sammlung MZ. Gelaufen am 10.4.1940.
Mit der Zürcher Reformation wurde auch Wollishofen reformiert. Wie schon vor gab es aber auch nach der Reformation das Bestreben, eine eigene Kirche zu haben. So gelangten die Wollishofer 1628 und 1642 mit dieser Bitte an den Zürcher Rat - erfolglos. 1698 erneut - und siehe da: Anfangs des 18. Jahrhunderts ging der Wunsch endlich in Erfüllung. Der Zürcher Rat beschloss im März 1702, Wollishofen von Kilchberg kirchlich abzutrennen und bewilligte dazu ein eigenes Gotteshaus - die Kirchgenossen mussten es allerdings weitgehend selber bauen und bezahlen. Neben den Kosten für den Bau kamen auch die laufenden Betriebskosten, vor allem der Lohn für den Pfarrer (eine sog. «Pfrund»), dazu.
Bau der Kirche 1702
Ende April 1702 wurde der Grundstein gesetzt, Ende November des gleichen Jahres wurden die langjährigen Bemühungen mit der Einweihung der Kirche belohnt. Endlich erhielten die Wollishofer ihre eigene Kirche, die auf einer vorher unverbauten Anhöhe, an der Landstrasse im gleichen Abstand zu Unter- und Oberdorf, zu liegen kam. Und es gab auch einen eigenen Pfarrer: Johann Jakob Balber (1673-1752). Ein Wollishofer Pfarrhaus wurde aber nicht gebaut, der Pfarrer wohnte in der Stadt und betreute seine Gemeinde von dort aus. Da konnte, wenn es eisig oder sonst schlechtes Wetter war, eine Messe auch mal ausfallen, weil der Pfarrer den langen und gefährli-chen Weg scheute. Bekannt war Pfarrer Johannes Schmutz (1700-1778), ein Nachfolger Balbers, der der Gemeinde insbesondere ein neues (das zweite) Schulhaus verschaffte - eine Schule ohne Verbindung zum dörflichen Wirtshaus!
Als Wollishofen zur eigenständigen Gemeinde wurde und im 19. Jahrhundert bevölkerungsmässig wuchs, steigerte sich auch der Bedarf nach einer eigenen selbständigen Kirchgemeinde. 1853 entsprach der Grosse Rat (heute Kantonsrat) dem Gesuch der Kirchgemeinde nach Selbständigkeit und eigenem Pfarrer in der Gemeinde. 153 Jahre nach dem Bau der ersten Kirche war es soweit. In diesem Zusammenhang wurde an der Kilchbergstrasse auch ein eigenes Pfarrhaus gebaut; am 1. Mai 1854 zog der erste Pfarrer der selbständigen Kirchgemeinde mit seiner Familie ins Pfarr-haus ein: Heinrich Schweizer war von 1851 bis 1903 Amtsträger in Wollishofen.
1903 löste Pfarrer Johann Rudolf Hauri Pfarrer Schweizer als kirchlicher Seelsorger ab und sorgte für neuen Wind. Die Frage eines Kirchgemeindehauses und jene einer neuen, grösseren Kirche waren seine Projekte. Das Land für die neue reformierte Kirche sicherte sich die Kirchgemeinde schon 1913. Doch bis zum Bau vergingen nochmals Jahre. 1934 wurde der Kredit gesprochen, sodass am 12. September 1937 die neue Kirche eingeweiht werden konnte.
Neue reformierte Kirche Wollishofen. Foto SB (19.02.2021).
Wollishofen war seit der Zürcher Reformation sehr reformiert. Deshalb behandelt dieser Blog zur «alte Kirche» nur reformierte Kirchengeschichte. Im 20. und 21. Jahrhundert ist Wollishofen aber betreffend Religion vielfältiger geworden. Diesem Phänomen wird ein späterer Blog (Religiöse Vielfalt) gewidmet sein.
(SB)