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Mitten auf dem grönländischen Eisschild, zwischen Upernavik im Westen und dem Scoresby-Sund im Osten, liegt die Summit Station auf 3’216 Metern über Meer. Sie ist damit die am höchsten gelegene, ganzjährlich betriebene Station in Grönland. Besonders interessant sind hier die meteorologischen Messungen, besonders jetzt im Rahmen der Klimaforschung. Denn eigentlich sollten hier die klimatischen und atmosphärischen Bedingungen für Messungen stabil sein. Doch in den vergangenen Jahren vermeldete die Station immer wieder Wärmeeinbrüche und sogar massive Schmelzvorgänge. Doch was am 14. August gemessen wurde, war ein bisher einzigartiges Ereignis: Regen!
Wie das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) in Boulder, Colorado (USA) meldete, fielen Regenmengen während mehreren Stunden und die Lufttemperatur blieb für rund neun Stunden über dem Gefrierpunkt. Da an diesem Ort noch nie zuvor Regen vorgekommen ist, waren keine geeigneten Messgeräte für die Regenmenge vorhanden. Dadurch konnten auch keine Angaben zu den Mengen gemacht werden.
Nach Angaben der NSIDC warn der Grund für das Wetterextrem derselbe wie schon für das grosse Schmelzereignis einige Wochen zuvor: Ein Tiefdruckgebiet über der Westseite Grönlands bis nach Baffin Island und ein Hochdruckgebiet über der Südostküste der Insel liessen warme und sehr feuchte Luft nach Norden fliessen. Dadurch stieg zum einen die Temperatur in der Mitte der Insel relativ rasch derart stark an, dass statt (Nass)-Schnee Regen fiel. Die Experten schätzen, dass insgesamt rund 7 Milliarden Tonnen Wasser sich über Grönland ergossen hatten.
Dies ist bereits das dritte Mal innerhalb von 10 Jahren, dass Forscher auf der Summit Station Plusgrade gemessen hatten. Die anderen beiden Male waren es 2012 und 2019. Davor waren sie nur 1995 von Messgeräten und in einem Fall durch Daten aus Eiskernen im späten 19. Jahrhundert festgestellt worden, heisst es bei der NSIDC. Teilweise lag die Temperatur 18°C über dem langjährigen Durchschnitt in Teilen von Grönland und liess wieder grosse Teile des Eisschildes schmelzen.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal