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Eine Rezension über die Grundlagenforschung aus der Sicht eines Physikers
Im September 2015 publizierte der Indische Physiker Nandy Papiya (Centre for Inderdisciplinary Research and Education, Kolkata, WestBengal, India) eine spannende Rezension über die Grundlagenforschung in der Homöopathie.
Die Tatsache, dass homöopathische Hochpotenzen eine Wirkung haben, stellt die Wissenschaft vor eine grosse Herausforderung. Es steht die Hypothese im Raum, dass der Prozess der Potenzierung die Grösse der Bestandteile verkleinert, bis die Teilchen Nanodimensionen angenommen haben. Dies wurde mittels Elektronenmikroskop und dynamischer Lichtstreuung festgestellt. Hochpotenzen manifestieren sich gemäss des Autors im Effekt auf die Fluidität1 der Zellmembrane. Diese nanodimensionalen Eigenschaften hat der Autor mit seinem Team versucht, in technischen Anwendungsgebiete umzusetzen. Dieser Teil der Arbeit wird in dieser Zusammenfassung der Rezension bewusst weggelassen. Es wird hier lediglich die Bedeutung bezüglich der Homöopathie dargelegt.
Es ist eine Tatsache, dass sich die homöopathischen Mittel in der Hochpotenz unterscheiden. Da keine molekularen Bestandteile nachweisbar sind, stellt dies für die Wissenschaft eine fast unüberwindbare Hürde bezüglich Akzeptanz dar und zeigt sich in der Aussage, dass es sich nur um Placebo handeln kann.
Davenas et al 2 zeigte, dass Hochpotenzen biologische und pharmakologische Aktivitäten zeigen können. Diese Ergebnisse wurden von der wissenschaftlichen Gemeinschaft als unglaublich angesehen. Auch andere Forscher kamen zum Ergebnis, dass Hochpotenzen bei Pflanzen, Tieren und Menschen klinische Aktivitäten zeigen. In den vergangenen Jahren gabt es mehrere Studien, die versuchten, den molekularen Wirkungsmechanismus aufzuzeigen. Es steht vor allem die Hypothese im Raum, dass Hochpotenzen genregulative Mechanismen haben 3. Mögliche Erklärungen für die Wirkungsweise gibt es viele, vom „Gedächtnis der Flüssigkeiten“, über die Anordnung von Clathraten bis zur Quantenmechanik.
Die Homöopathie ist ein Beispiel von „Very Low Molarity Repetitve Succussive Diluted Liquid (VLMRSDL) und die hochpotenzierten Mittel zeigen, dass sich ihre Eigenschaft im Vergleich zur Ausgangssubstanz verändert und sie modifizierte Eigenschaften aufweisen. Analysen aus Quantenfeld Experimenten für VLMRSDL zeigen, dass die Potenzierung Rotone4 und Photonen anregen.
Der Autor und sein Team haben Experimente mit zwei verschiedenen Mitteln durchgeführt: Cuprum metallicum und Aconitum napellus. Um die physikalischen Eigenschaften der Mittel zu vergleichen, wurden die spektralen Charakteristiken, die Grössenverteilung der Teilchen von verschiedenen Potenzen und der Effekt auf die Fluidität der Zellmembran untersucht. Bei beiden Mitteln wurde experimentell festgestellt, dass die Potenz eine entscheidende Rolle auf die physiochemischen Eigenschaften des Mittels hat.
Untersucht wurde, ob durch die Potenzierung die Grösse der Nanopartikel verändert wird. Chikramane 5 et al hat 2010 durch Experimente das Vorhandensein von Nanopartikel in dem von ihm untersuchten Cuprum metallicum nachgewiesen. Die Experimente von Upadhyay and Nayak 6 zeigten das Vorhandensein von Nanopartikeln in Hochpotenzen, fanden aber keinen Unterschied in der Grösse der Nanopartikel bei den verschiedenen Potenzen. Gemäss den Aussagen dieser Autoren erhalten die Nanopoartikel ihre Information aus der Ursubstanz, wo die Information im Kristallwachstum verschlüsselt vorliegt. Nandy Papiya geht in seinem Artikel auf die verschiedenen Untersuchungsmethoden ein: Dynamic light scattering (DLS) und „High resolution transmission electro microscopy (HRTEM), und er zeigt auf, dass potenziertes Cuprum, (C6, C30, C200) im Vergleich zu potenziertem Aconitum (in den gleichen Potenzen) andere Bilder hervorbringt. Rao et al 7 zeigte, dass mit dem UV Spektroskop die Unterschiede der Potenzen eines Homöopathikas bildlich dargestellt werden können.
Die Abnahme der Partikelgrösse hat einen Anstieg in der Oberfläche des Massenverhältnisses zur Folge. Mit der Reduktion der Partikelgrösse vergrössert sich der Abstand zwischen den verbundenen Energieniveaus. Dies zeigt sich im UV sichtbaren Spektrum. Mit der Fourier Transformation Infrared Radiation (FTIR) zeigt sich deutlich, dass je höher die Potenz ist, desto höher ist der Zuwachs der Resorption. Mit der Ramen-Streuung8 wurde bei homöopathischen Mitteln festgestellt, dass keine chemische Veränderung der Struktur durch die Potenzierung stattfindet.
Obwohl viel Forschung betrieben wird, ist die Auswirkung von homöopathischen Mitteln auf die Zellmembrane nur wenig untersucht worden. Das Wissen um eine Interaktion zwischen einer Arznei und der Zellmembran ist wesentlich, wenn man die Wirkungsweise eines Arzneistoffes untersuchen möchte. Bhandary et al.9 hat den Einfluss von Aconitum auf die Mikroviskosität der Zellmembrane untersucht. Die Arbeiten sind dahingehend interessant, dass die Rigidität der Zellmembrane zunimmt je höher die Potenz ist. Eine Erklärung dafür suchte man auf molekularer Ebene. Man stellte fest, dass je höher eine homöopathische Potenz ist, desto mehr verringerte sich die Fluidität der Zellmembrane. Dies hat zur Folge, dass mehr vom homöopathischen Mittel die Zellmembrane durchdringen kann. Die Autoren sahen hierin den Beweis, dass eine ursprüngliche Verbundenheit der Mittelstruktur durch die Potenzierung so verkleinert wird, dass Nanopartikel daraus hervorgehen und die Penetration der Zellmembran, bei welcher sich die Fluidität verminderte, so vereinfacht wird. Auch Gosh et al 10 hat Untersuchungen zum liposomalen Membransystem durchgeführt. Sein Fazit ist, dass bei Cuprum die Fluidität bei niedrigen Potenzen zunimmt. Bei Aconitum ist dies nicht der Fall. Dies scheint darin begründet, dass Aconitum hyrophobe Eigenschaften hat und direkt die Zellmembran durchdringen kann, Cuprum mit hydrophilen Eigenschaften mit der liposomalen Membran interagiert.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Forschungsergebnisse dahin deuten, dass sich die Grösse der Partikel im Nanobereich bewegen. Je höher die Potenz, desto kleiner die Partikel. Je kleiner die Partikel, desto besser können diese die Zellmembran durchdringen. Je höher die Potenz, desto weniger Partikel sind verfügbar, um mit der Lipid-Kopfgruppe zu interagieren. Dadurch wird die Anosotropie 11 der Membran kleiner. Die optimale Anosotropie, welche Gesundheit oder Krankheit ausmacht, kann nicht ermittelt werden, da der Versuch in einem Modell bzw. unter Laborbedingungen durchgeführt wurde. Was man aber sagen kann, ist, dass die Form und Grösse der Nanopartikel entscheidend für die „Verinnerlichung“ bzw. Aufnahme ist.
Abschliessend lässt sich sagen, dass die Resultate von DLS und HRTEM- Experimenten die Schlussfolgerung zulassen, dass je höher die Potenz ist, desto kleiner werden die (Nano)partikel. Warum die Hochpotenzen in der Homöopathie so wirksam sind, findet nun eine Antwort in den Untersuchungen und Experimenten. Eine Antwort, die bis anhin die Wissenschaft vor so grosse Rätsel gestellt hat. Diese Nanopartikel stellen den Schlüssel zur Wirksamkeit von Hochpotenzen dar.
Erstmalig wurde mit Einsatz von technischen Hilfsmitteln das Verhalten von Nanopartikeln untersucht. 12
Flavia Leimbacher
Wissenschaftsgruppe
Literatur/Erläuterungen
1 A review of Basic Research on Homeopathy from a physicist’s point of view, Nandy Papiya, Indian Journal of Research in Homeopathy, 30 Sept 2015
2 Davenas E, Beauvais F, Amara J, Oberbaum M, Robinzon B, Miadonna A, et al. Human basophil degranulation triggered by very dilute antiserum against IgE, Nature 1988; 333:816-8
3 Khuda-Bukhsh AR. Currnt trends in high dilution research with particular reference to gene regulatory hypothesis. Nucleus 2014; 57:3-17
4 Das Roton ist eine Anregung von suprafluiden Flüssigkeiten, die von dem russischen Physiker Lew Landau eingeführt wurde. Dieses Quasiteilchen beschreibt die makroskopischen Rotationszustände der suprafluiden Flüssigkeit
5 Chikramane PS, Suresh AK, Bellare JR, Kane SG. Extreme homeopathic dilutions retain starting materials: A nanoparticulate perspective. Homoeopathy 2010;99:231-42.
6 Upadhyay RP, Nayak C. Homoeopathy emerging as nanomedicine. Int J High Dilution Res 2011;10:299-310
7 Rao ML, Roy R, Bell IR, Hoover R. The defining role of structure (including epitaxy) in the plausibility of homoeopathy. Homoeopathy 2007;96:175-82
8 Als Raman-Streuung (auch Raman-Effekt oder Smekal-Raman-Effekt) wird die unelastische Streuung von Licht an Atomen oder Molekülen bezeichnet.
9 Bhandary S, Das S, Basu R, Bhattacharyya S, Nandy P. Effect of Aconitum napelles on liposomal microviscosity. Int J Emerg Technol Sci Eng 2011;3:1-5. , Nandy P, Bhandary S, Das S, Basu R, Bhattacharya S. Nanoparticles and membrane anisotropy. Homoeopathy 2011;100:194.
10 Ghosh S, Chakraborty M, Das S, Basu R, Nandy P. Effect of different potencies of nanomedicine Cuprum metallicum on membrane fluidity – A biophysical study. Am J Homeopath Med 2014;107:161-9
11 Anisotropie bezeichnet die Richtungsabhängigkeit einer Eigenschaft oder eines Vorgangs
12 Pal BK, Basu B, Bhar DS, Das S, Nandy P. Effect of potency of homeopathic nano medicine Ferrum metallicum on poly (vinylidene fluoride) film – Significant improvement of the electrical properties; 2015 Communicated