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Mit einem Linienflug von New York nach Frankfurt hätte Anna Sorokin (31) am vergangenen Dienstag nach Deutschland abgeschoben werden sollen. Alles war parat: Das Urteil gesprochen, die Papiere fertig, der Flug gebucht. Doch als Anna Delvey, wie sich Sorokin als Betrügerin nannte, die Kabine besteigen musste, wehrte sie sich laut Angaben von «Bild» so heftig, dass die Crew entschied, dass sie nicht mitfliegen darf.
Nun sitzt Anna Sorokin wieder in einer Zelle der US-Einwanderungsbehörde und hofft, dass ihre Einsprache gegen die Abschiebung Erfolg hat. Bis heute, 17. März 2022, kann sie noch Gründe vorbringen, weshalb sie das Recht erhalten sollte in Amerika bleiben zu dürfen. Warum sich Anna Sorokin so vehement gegen die Ausreise wehrte, ist nicht bekannt. Immerhin wäre sie in Deutschland eine freie Frau gewesen.
Im Mai 2019 fiel das Urteil gegen Anna Sorokin. Es lautete: vier bis zwölf Jahre Gefängnis wegen Betrugs – rund 260'000 Franken hatte sie von Freunden und Geschäftspartnern ergaunert und für ein Luxusleben verprasst. Bereits im Februar 2021 wurde sie wegen guter Führung auf Bewährung wieder entlassen. Doch kaum schnupperte sie nach 20 Monaten im Albion Correctional Gefängnis in Upstate New York die Luft der Freiheit, wurde sie erneut straffällig. Sie widersetzte sich, die USA zu verlassen und wurde gleich wieder eingebuchtet.
Während ihrer Haftzeit hatte es Anna Sorokin zu weltweiter Berühmtheit gebracht, die Netflix-Serie «Inventing Anna» mit Julia Garner in der Hauptrolle, entwickelte sich zum Quoten-Hit und spülte Geld in ihre leere Kasse. Etwas mehr als 300'000 Franken soll Sorokin für ihre Geschichte von Netflix bekommen haben, den Batzen nutzte sie, um Anwälte und Prozesskosten zu bezahlen und Schulden zu begleichen. Jetzt soll sie wieder pleite sein.
Anna Sorokin schaffte es, sich unter dem Pseudonym Anna Delvey in die höchsten Kreise New Yorks hochzuschwindeln. Sie behauptete, eine reiche deutsche Erbin zu sein und auf ein Treuhandvermögen von 60 Millionen Franken zu warten. Sie verkaufte ihre Geschichte dermassen glaubwürdig, dass sie von einflussreichen New Yorkerinnen und New Yorkern hofiert wurde, monatelang in Luxushotels logierte, ohne einen Penny zahlen zu müssen, und Banken ihr Kredite in Millionenhöhe anboten. Irgendwann flog ihr Schauspiel auf und der Rest der Geschichte ist bekannt.
Doch nicht mal der zweite Aufenthalt im Gefängnis scheint Anna Sorokin geläutert zu haben. Kurz vor ihrer geplanten Abschiebung nach Deutschlang gab sie im Podcast «Call me Daddy» ein Interview aus dem Gefängnis und zeigte sich erneut uneinsichtig. Sie habe niemanden an der Nase rumgeführt, schliesslich sei sie nie gefragt worden, was sie beruflich mache, verteidigt sie sich. Ausserdem sei man in New York mit einem Vermögen von 60 Millionen «beinahe arm – das ist doch fast nichts».
Nach der geplanten Ausweisung aus den USA und der Rückkehr in ihr Heimatstädtchen Eschweiler gefragt, sagt Anna Sorokin: «Ich kann überall hin in der Welt. Ich müsste nicht in Deutschland bleiben.» Tatsächlich scheint es ziemlich unrealistisch, dass sie sich nach ihrem Leben in der New Yorker High Society in der deutschen Karnevalshochburg Eschweiler wohl fühlen würde.
Sorgen um Anna Sorokin muss man sich wohl nicht machen, zumindest keine darüber, dass ihr langweilig werden könnte. Laut «Stern» hat sie bereits einige neue Business-Ideen und plant eine eigene Mode-Kollektion und die Veröffentlichung eines Buches. Eine Frage aber bleibt: Ob Anna Sorokin alle ihre Ideen und Projekte im Rahmen der Legalität halten wird.