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Jutta Person:
Korallen - ein Portrait
Tipp von Tommy Egger
Erst im 18. Jahrhundert wurde entdeckt“, so erklärt Jutta Person, „dass es sich bei den Korallen um Tiere handelt“. Man schrieb ihnen magische Eigenschaften zu und begehrte sie als Sammlerobjekte. In der Renaissance seien Korallen ein „Must-have“ in den Wunderkammern und später in den Naturaliensammlungen der Forscher gewesen."
"In der Literatur tauchen sie auch auf, zum Beispiel bei Shakespeare, aber auch bei Jules Verne, Josef Roth oder Silvia Plath. In der bildkünstlerischen und religiösen Ikonografie hatten sie ihren Platz als schützende Schmuckstücke vor dem „bösen Blick“. Ihre Blütezeit in der Soziologie und Philosophie erlebten Korallen im 19. Jahrhundert, als man sie mit den Arbeitermassen verglich und als „Sozialisten des Meeres“ bezeichnete. „Man hat den Korallen unterstellt“, so Jutta Person, „dass bei ihnen eine Art natürlicher Sozialismus stattfindet, weil diese Polypen so kooperieren, weil sie gemeinsame Mägen haben, weil die eben ohne Kopf und Krone auskommen und so eine Vielheit sind, die sich organisiert ohne hierarchisches Prinzip.“ Und so wundert es nicht, dass die Korallen auch in Karl Marx‘ „Kapital“ beschrieben werden als „antikapitalistische Helden“.