Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03583.jsonl.gz/2895

Das Wichtigste in Kürze
- Vor 30 Jahren gelang es Lynne Cox als erstem Menschen, zwischen zwei Inseln in der Bering-Strasse von den USA in die damalige Sowjetunion zu schwimmen.
- Der US-Amerikanerin gelang damit eine symbolträchtige Grenzüberquerung zum Ende des Kalten Krieges.
- In ihrem neuen Buch «Swimming in the Sink» schreibt Cox über den Verlust ihrer Eltern und eine Krankheit, die sie besiegt hat.
Lynne Cox konnte schon immer gut und lange schwimmen. Nachdem sie als Teenager mit Freunden in Rekordzeit die Insel Santa Catalina vor Los Angeles erreicht hatte, machte sie sich an die Durchquerung des Ärmelkanals.
Sie schwamm die über 30 Kilometer in unter 10 Stunden und unterbot damit den bestehenden Rekord der Frauen um eine Stunde, den der Männer um 20 Minuten. Lynne war gerade einmal 15 Jahre alt.
Körperfett trifft auf Kälte
15 Jahre später waren die Startbedingungen für ihr bisher ehrgeizigstes Projekt nahezu ideal. Sportmediziner hatten bei einer Untersuchung festgestellt, dass bei ihr die perfekte Verteilung von Muskeln und Körperfett im Salzwasser zu praktisch neutralem Auftrieb führte.
Sie konnte also ihre gesamte Energie für das Vorwärtskommen verwenden. Sie war ehrgeizig und idealistisch. Und sie hatte Eltern, die sie unterstützen und inspirierten.
«Ich durchschwamm die Beringstrasse um die Grenze zwischen den USA und der Sowjetunion zu öffnen. Mein Vater inspirierte mich dazu», sagt Lynne Cox.
«Ich trainierte 11 Jahre lang dafür, und es war unglaublich schwierig, die Genehmigungen zu erhalten. Kaum jemand glaubte, dass ich es schaffen würde, weil das Wasser so kalt ist.»
Eiserner Willen im eisigen Wasser
Am 7. August 1987 war es endlich soweit. Mit einem Begleitboot an ihrer Seite stieg sie in einem normalen Badeanzug ins eisige Wasser der Beringstrasse um von der Kleinen Diomédes-Insel, die den USA gehörte, bis zur Grossen zu schwimmen, welche den östlichsten Punkt der Sowjetunion markierte.
Dazwischen lagen 3,7 Kilometer und die internationale Datumsgrenze. Lynne Cox würde also buchstäblich von der Gegenwart in die Zukunft schwimmen.
Haie, ein nebensächliches Problem
«Die Durchquerung der Beringstrasse war das Schwierigste, was ich in meinem Leben je gemacht habe», erklärt Cox.
«Das Wasser war drei bis vier Grad kalt und es gab Bedenken wegen Haien, dem Nebel und auch Walrossen. Eines der grössten Probleme lag aber in der Unterkühlung und der Gefahr eines plötzlichen Herzstillstands wegen der Kälte.»
Cox schaffte es. Die Sowjets feierten sie wie eine Nationalheldin. Sie hatte, wie sie sagt, eine Art von Kosmonauten-Status inne.
Trinkspruch von Gorbatschow
Vier Monate später erhob Russlands Parteichef Michail Gorbatschow beim Staatsbankett mit US-Präsident Ronald Reagan nach den Washingtoner Abrüstungsverhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen sein Glas und ehrte Lynne vor laufenden Kameras mit einem Trinkspruch.
«Diesen Sommer brauchte eine mutige Amerikanerin namens Lynne Cox gerade einmal zwei Stunden um von einem unserer Länder ins andere zu schwimmen. (…) Sie hat mit ihrem Mut gezeigt, wie nahe beieinander unsere beiden Völker leben.»
Party für die Pionierleistung
Lynne Cox, nach der ein Asteroid sowie ein Kap am Baikal-See benannt wurde, will den heutigen 30. Jahrestag ihrer Pionierleistung mit einer grossen Party feiern.
Sie ist unterwegs auf einer Promotionsreise für ihr neuestes Buch «Swimming in the Sink» (zu Deutsch: «Schwimmen im Spülbecken») in dem sie den Verlust ihrer Eltern und eine Krankheit thematisiert, von der sie sich – auch dank ihrer Leidenschaft für das Schwimmen im offenen Meer – wieder erholt hat.
Spannungen wegschwimmen
Sie hofft, dass ihre Leistung auch in Zukunft Menschen inspirieren wird. «Derzeit verschlechtern sich die Beziehungen zwischen den USA und Russland wieder», sagt sie.
«Es gibt Spannungen zwischen den Regierungschefs. Aber ich glaube, dass Menschen in beiden Ländern Wege zur Zusammenarbeit finden können. Für eine bessere Beziehung zwischen unseren beiden Ländern und anderen Völkern auf der ganzen Welt.»