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Am 9. Januar 2007 präsentierte Steve Jobs ein kleines Gerät, das sein Unternehmen reicher als Dagobert Duck machte und ganze Wirtschaftszweige auf den Kopf stellte. Ein Rückblick mit unbekannten Fakten und spannenden Videos.
Am 9. Januar 2007 präsentierte der Apple-Chef zum Auftakt der Macworld-Konferenz in San Francisco ein Handy, das den Mobilfunkmarkt revolutionieren sollte. «Wir nennen es iPhone», sagte der sichtlich stolze Steve Jobs vor staunendem Publikum.
Zum Jubiläum blicken wir zurück – zeigen sehenswerte Momente im Video und verraten ein paar kaum bekannte Fakten.
Als das mittlerweile verstorbene Marketing-Genie nach anfänglichem Zögern 2008 den App Store nachlegte, war endgültig ein neuer Markt geboren. Der Beginn eines Multimilliarden-Geschäfts: 2016 bezahlte Apple die unglaubliche Summe von 20 Milliarden Dollar an App-Entwickler aus.
Der Name John Appleseed tauchte bei der Präsentation des ersten iPhones auf und wurde später immer wieder in Produktedemonstrationen von Apple verwendet. Der Legende nach handelt es sich nicht um die bekannte amerikanische Folklore-Figur Johnny Appleseed, sondern um einen real existierenden Mann aus Cupertino. Dieser wollte sich einst bei Steve Jobs beschweren, weil jemand unter dem Pseudonym John Appleseed Apple-Software entwickelte. Das war in den 80er-Jahren. Und der Programmierer niemand Geringeres als Mike Markkula – der erste Investor von Apple und CEO von 1981 bis 1983.
Der echte John Appleseed passte Jobs auf dem Parkplatz ab. Weil der Apple-Chef guter Laune war, liess er sich auf ein Gespräch ein. Daraus wurde eine Bekanntschaft, die über Jahre Bestand hatte. Ab und zu telefonierten die beiden, etwa dann, wenn Jobs den Rat eines Aussenstehenden suchte.
Das iPhone als Mega-Seller sorgte dafür, dass Apple sich zum wertvollsten Unternehmen der Welt entwickelte. In der zehnjährigen Geschichte wurden über eine Milliarde iPhones verkauft. Dabei ist es dem Unternehmen auch gelungen, die Geräte mit einer ordentlichen Marge auf den Markt zu bringen.
Das hatte auch damit zu tun, dass Steve Jobs die Machtverhältnisse in der Telekommunikationsbranche umgekehrt hatte. Früher mussten die Handy-Hersteller sich nach den Wünschen der Provider richten. Jobs liess die Telekommunikationsunternehmen nach seiner Pfeife tanzen.
Apple nannte die ersten drei Generationen der System-Software schlicht iPhone OS (für «Operating System»).
2010 brachte Apple – mit dem iPhone 4 – iOS 4 heraus.
Limitiert wird der Einfluss des iPhones allein durch Google und sein Smartphone-Betriebssystem Android, mit dem die Smartphones von Samsung, LG, Motorola, Xiaomi und vielen anderen Herstellern laufen. Jobs verwies bei der Premiere des iPhone von zehn Jahren noch darauf, wie sehr Apple das Gerät und die Software durch Patente geschützt habe.
In einem erbittert (und weltweit) geführten Patentkrieg gegen Samsung erwiesen sich aber viele der Patente als quasi wirkungslos. Apple konnte nur kleinere Erfolge vor Gericht durchsetzen, nicht aber den Erfolg von Android stoppen.
Googles Betriebssystem Android läuft inzwischen weltweit auf deutlich über 80 Prozent aller Smartphones, allerdings verdient in der Branche Apple den überwiegenden Anteil des Gewinns. Apple-Chef Tim Cook und Google-Mitbegründer Larry Page legten den Patentkrieg 2014 bei.
Der enorme ökonomische Erfolg des iPhone sorgte auch dafür, dass Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten Apple für Probleme der Branche insgesamt verantwortlich machten. Greenpeace legte sich schon 2007 mit Steve Jobs an und beklagte, dass im iPhone gefährliche Chemikalien verbaut werden.
Auch für miese Arbeitsbedingungen beim chinesischen Auftragsfertiger Foxconn wurde vor allem Apple verantwortlich gemacht, nicht etwa andere Foxconn-Kunden wie Hewlett-Packard, Dell, Microsoft oder Sony. Und jeden September, wenn Apple sein neues Smartphone-Modell präsentiert, entflammen Konsumentenschützer eine Debatte, ob es tatsächlich notwendig ist, schon wieder ein neues iPhone zu kaufen.
Apple-Mitbegründer Jobs erkannte nur zögerlich, dass nicht nur das Design und die Funktion des iPhones alleine den Erfolg begründen können. Erst sein Nachfolger Cook setzte mit Nachdruck durch, dass Umweltschutz-Prinzipien eingehalten werden müssen und möglichst nur konfliktfreie Rohstoffe verwendet werden dürfen. Heute ist Apple ein Vorbild der Branche.
Apple experimentierte vor der Lancierung des iPhones nicht nur mit der Multi-Touch-Benutzeroberfläche, die zuerst für einen grösseren Tablet-Computer entwickelt worden war. Es gab auch einen Prototypen, der sich stark an den iPod anlehnte. Der australische Blogger und bekannte Produkte-«Leaker» Sonny Dickinson schildert hier die spannenden Hintergründe.
Ausserdem setzte sich Cook für bessere Verhältnisse in den chinesischen Fabriken ein. Inzwischen gilt Apple bei Greenpeace quasi als Vorzeigeunternehmen. Und auch in den Werkhallen in China wird inzwischen stärker auf die Einhaltung von Arbeitszeit-Beschränkungen geachtet, auch wenn die Bedingungen dort längst noch nicht alle Kritiker zufriedenstellen.
Die Debatte um Apple wird inzwischen aber weniger von diesen politischen Themen bestimmt, sondern von der Frage, ob Apple nach dem Tod von Steve Jobs noch echte Innovationen wie iPod, iPhone und iPad vorlegen kann. Jobs starb am 5. Oktober 2011, einen Tag nachdem der sichtlich mitgenommene Tim Cook das iPhone 4S vorgestellt hatte.
Rein ökonomisch kann sich die Bilanz von Jobs-Nachfolger Cook sehen lassen. Besonders gross war der Sprung mit dem iPhone 6, als im Weihnachtsgeschäft 2014 als mit der Einführung grösserer Modelle die iPhone-Verkäufe um 46 Prozent auf rund 74.5 Millionen Geräte hochschnellten.
2015 gelang es Apple in einem abgebremsten Smartphone-Markt aber nur noch, diese Zahlenmarke knapp zu übertreffen. Und im vergangenen Jahr sanken die iPhone-Verkäufe erstmals seit der Markteinführung. Und Kritiker bezweifelten, ob die wenigen Neuheiten beim iPhone 7 ausreichen werden, diesen Trend wieder umzukehren.
Trotzdem steht das iPhone weiterhin im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Das zeigen auch die Statistiken des Apple-Konkurrenten Google. In der Top-10-Liste der «Suchbegriffe des Jahres» eroberte «iPhone 7» hinter «EM 2016» und «Pokémon Go» Platz drei. Andere Smartphones wie das «Pixel» von Google tauchen in der Liste nicht auf.
«Das iPhone mit 10 – die Revolution geht weiter»: So betitelt Apple eine am Sonntag veröffentlichten Medienmitteilung zum runden Geburtstag seines wichtigsten Produkts. Und der Apple-Chef stellt den iPhone-Fans in Aussicht: «Das Beste kommt noch». Zur nächsten Generation wird selbstverständlich nichts verraten. Das dürften in den kommenden Wochen und Monaten einmal mehr die «Leaker» bei Zulieferfirmen übernehmen.
(dsc/sda/dpa)