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Tag 8 Pandit Shivnath Mishra
Auch heute war es wieder ein Tag voller Musik. Als die 40 Grad Wärme etwas nachliess, vielleicht so gegen 6 Uhr Abends, kam Deobrat's Vater Shivnath in die Akademie. Er erteilte Wade, einem amerikanischen Sitarspieler der schon lange in Varanasi lebt, eine Sitar-Lesson. Es sieht so aus, wie wenn Wade zur Familie gehört.
Die Lesson klingt sogleich wie ein Konzert. Während das Tabla etwas leiser tönt, als hätte der Spieler einen "Volume-Regler" zur Verfügung, singt der Lehrer kurze Abfolgen von Angaben, die mit ihren klingenden Vokalen und stakkato-artigen Konsonanten wie ein lyrischer Liedtext zur bereits emotional geladenen Musik gesellen. Das spielen wurde nicht unterbrochen. Anweisungen des Meisters an den Tabla-Spieler waren meist kurze Blickkontakte und wenige Handzeichen. Der "Student" Wade wurde bei seinem Spielen richtiggehend vorangetrieben und stets voll unterstützt, wie mir schien.
Zwischendurch blickte mich Shivnath konzentriert an, ohne sein spektakuläres Spiel zu unterbrechen und erklärte mir mit fast singender Stimme in leicht wechselden Tönen, das jetzt "Thala" gespielt wird. (Bsp. 4x 4/4, also ein "easy 16er"). Erst war es mir fast etwas unangenehm, hatte ich mich doch nur als faszinierter Zuhörer dazugesetzt. Die Rhytmik und melodiöse Art, schienen Wade's Konzentration nicht zu stören. Als die Melodielinie immer tiefer wurde, forderte der Meister seinen Schüler auf, nicht durch das Hals-Chakra zu atmen, sondern Atem und Energie aus dem Bauch-Chakra zu holen. Beide begannen tiefer und Stossweise zu atmen in dieser Sequenz.
Zum Schluss der Stunde gab es nach kurzem Break ein Lied das Shivanath aus Mahatma Gandihs Ashram kenne. Er sang eine kurze Einleitung für Wade "Scales", die dazu zu spielen sind. Das Lied selbst wurde durch die beiden Sitars und die Tabla stark und eindrücklich. Es war ein langsam vorgetragenes Lied, das mit ausgeprägten Sitar-Pitches ausgeschmückt wurde, Jimi Hendrix hätte sicher Freude daran gehabt.
Bemerkenswerte Begegnungen
- Pandit Shivtanth Mishra ist ein Mensch mit eindrücklicher Präsenz. Es hat ihn sehr gefreut, dass ich als Vater mit Sohn Joris an der Academy Musik mache. Er hiess uns Willkommen und sagte, er freue sich, uns auf unserer musikalischen Reise zu begleiten. In Indien ist das Spielen der Sitar nicht nur eine musikalische Herausforderung, sondern ganz klar auch eine Spirituelle. Ich hatte den Eindruck, dass es ihm wichtig war, dies auf seine herzliche Weise mitzuteilen.