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«Die Vereinbarung kam genau rechtzeitig», sagt Caspar Bijleveld, Direktor des Papilioramas in Kerzers. «Sonst wäre das Land in Kürze der industriellen Landwirtschaft der Mennoniten zum Opfer gefallen, und der Naturkorridor wäre nicht mehr möglich gewesen.» Über drei Jahre lang hat das Papiliorama über seine lokale Nichtregierungsorganisation (NGO) in Belize auf die Erschaffung eines Schutzkorridors hingearbeitet. Nun wurde einer der grössten biologischen Korridore in Zentralamerika von der Regierung in Belize ratifiziert.
Verbindung dank Landkauf
Der Korridor verbindet das bereits bestehende Papiliorama-Reservat Shipstern im Nordosten des Landes mit anderen südwestlich gelegenen Schutzgebieten. Damit eine ununterbrochene Verbindung zwischen den unversehrten Landstücken überhaupt möglich war, erwarb das Papiliorama mit Unterstützung von Partnern im In- und Ausland 160 Quadratkilometer Land. Der sogenannte Nordostkorridor umfasst damit mehr als 280 Quadratkilometer natürliche Lebensräume, die je zur Hälfte in öffentlicher und in privater Hand sind. Mit der Ratifizierung ist er für die Ewigkeit unter Schutz gestellt. Inklusive Shipstern ist das Naturreservat, welches von der NGO des Papilioramas in Belize verwaltet wird, doppelt so gross wie der Schweizerische Nationalpark.
Raum für Tiere und Pflanzen
Das Areal bietet vielen Tieren wie Tapiren, Tuberkelhokkos und den 26 dort lebenden Jaguaren einen geschützten Lebensraum. Die Baum- und Pflanzenwelt erbringt zudem unverzichtbare Ökosystemleistungen, wie die Reinigung von Luft und Wasser. «Mit der Ratifizierung anerkennt die Regierung auch die Wichtigkeit des Waldbestandes als CO2-Speicher», sagt Bijleveld. «Sie markiert den Beginn einer neuen Ära und Kultur des Naturschutzes von Belize.»
Dank Schweizer Art
Die Wälder im Karibikstaat sind allerdings keine Urwälder im eigentlichen Sinn, da sie bereits unter der britischen Kronkolonie geplündert worden waren. Die Briten hatten es unter anderem auf den Mahagonibaum abgesehen. Die Wiederaufforstung ist darum ein Ziel von Caspar Bijleveld. Sein Traum ist es aber auch, den Korridor so zu erweitern, dass er sich dereinst durch das ganze Land von Norden bis Süden erstreckt. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn: «Die Regierung von Belize hat sich verpflichtet, das Modell in anderen Teilen des Landes zu replizieren.» Dass es zu diesem Versprechen kam, sei den langjährigen Beziehungen zwischen dem Papiliorama und der Regierung von Belize zu verdanken. «Während viele NGOs in Konfrontation zu den Behörden stehen, praktizieren wir seit rund einem Jahrzehnt eine Praxis der Annäherung. Wir sind apolitisch und bieten einfach unsere Unterstützung an.» Derweil das ursprünglich von der Weltbank finanzierte Projekt nicht voranmachte, hat es also nach Schweizer Art geklappt: «Dank einem starken öffentlich-privaten Dialog und viel Vertrauen.»
Geschichte
30 Jahre Engagement
Die Stiftung Papiliorama arbeitet seit über dreissig Jahren in Belize, in Partnerschaft mit dem Burgers’ Zoo im niederländischen Arnheim. 1989 gründete sie die international tätige Schwesterstiftung «International Tropical Conservation Foundation», welche Waldschutzprojekte verwaltet. Diese erwarb das Naturschutzgebiet Shipstern in Belize – Land, das ursprünglich Ex-Beatle Ringo Starr gehört hatte. Vor Ort werden die Schutzgebiete von der Corozal Sustainable Future Initiative verwaltet, einer lokalen NGO, die ebenfalls vom Papiliorama gegründet wurde. Der Schutz der Wälder wird durch Spenden von Besuchern des Papilioramas sowie durch die Unterstützung anderer Zoos in der Schweiz und in Europa ermöglicht.
«Mit der Ratifizierung anerkennt die Regierung auch die Wichtigkeit des Waldbestandes als CO2-Speicher.»
Caspar Bijleveld
Direktor Papiliorama Kerzers
Zahlen und Fakten
Ein kleines Land in Zentralamerika
Belize, ehemals Britisch-Honduras, wurde 1981 ein unabhängiger Staat und ist eine der jüngsten Demokratien der Welt. Es zeichnet sich durch Stabilität in einer Region, die in den letzten Jahrzehnten viele politische Unruhen, darunter auch Bürgerkriege, erlebt hat, aus. Dank seiner geringen Bevölkerungsdichte – derzeit etwa 360 000 Einwohner auf 22 000 Quadratkilometern – ist es relativ unberührt geblieben. Etwa 50 Prozent des Landes sind immer noch von natürlicher Vegetation bedeckt und 35 Prozent des Landes stehen in irgendeiner Form unter Schutz. Trotz vieler Herausforderungen ist Belize eines der wenigen Länder Zentralamerikas, in denen die Einrichtung biologischer Korridore zwischen Schutzgebieten landschaftlich und politisch noch möglich ist. Wie das Papiliorama in seiner Medienmitteilung schreibt, nähere sich die landwirtschaftliche Entwicklung aber rasch den letzten verbliebenen Waldflächen an. Die grössten Farmen werden massgeblich von der Volksgruppe der Mennoniten – als Täufer eng mit den Amischen verbunden – betrieben.