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Peter Ochs war ein grosser und begeisterter Briefeschreiber. Ich werde in den kommenden Wochen dieses Jahres regelmässig Auszüge aus seinen Briefen veröffentlichen, die seine persönlichen Verhältnisse und seine politischen Überlegungen reflektieren. Ich stütze mich dabei auf die von Gustav Steiner herausgegebene «Korrespondenz des Peter Ochs».
Woche 26
10. Dezember 1796: Ochs an Leonhard Meister in Zürich
«Nos frontières terrestres et aquatiques sont foulées par des troupes étrangères, et cannonnées ou bombardées presque sans interruption. En même temps on nous bombarde de lettres et de déductions. Grand Conseil, Petit Conseil, Conseil secret, audiences publiques et particulières se succèdent sans discontinuer. Je dors peut. Avant-hier j’écrivais encore lorsque j’entendis sonner cinq heures de la nuit. Nuit fatale du 30 novembre au 1er décembre [als österreichische Truppen über Basler Territorium marschierten und den der Festung Hüningen vorgelagerten Brückenkopf angriffen]. Nuit fatale sous plusieurs rapports! Qu’en sait-on chez vous et ailleurs en Suisse? Qu’en pense-t-on surtout ? Adieu, mon ami. Il est des moments où je déspère du salut de la patrie [Liste von präzisen Fragen zum Hüninger Zwischenfall] O mon ami! Quelles circonstances que celle où je me trouve, et voilà la fin de toute mes peines depuis 1789 [d.h. Ochs’ Bemühungen um die Neutralität der Eidgenossenschaft]».
(«Unsere Grenzen sind zu Land und Wasser dicht besetzt von fremden Truppen, und sie stehen unter fast ununterbrochenem Beschuss durch Kanonen und Bomben. Gleichzeitig bombardiert man uns mit Briefen und Situationsanalysen. Sitzungen des Grossen Rats, des Kleinen Rats, des Geheimen Rats, öffentliche Anhörungen und Privatkonferenzen jagen sich ohne Unterbruch. Ich schlafe wenig. Vorgestern war ich noch am Schreiben, als ich es 5 Uhr nachts schlagen hörte. Eine fatale Nacht, die Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember! [als österreichische Truppen über Basler Territorium den der Festung Hüningen vorgelagerten Brückenkopf angriffen]. In vieler Hinsicht eine Schicksalsnacht! Was weiss man davon bei Euch und in der übrigen Schweiz? Vor allem, was denkt man darüber? Adieu, lieber Freund. Es gibt Momente, da verzweifle ich am Wohl meines Vaterlands [Liste von präzisen Fragen zum Hüninger Zwischenfall] Oh, mein Freund! In was für Umständen finde ich mich wieder, voilà, das Ende aller meiner Bemühungen seit 1789 [d.h. Ochs’ Bemühungen um die Neutralität der Eidgenossenschaft]»).
(Steiner, Korr. II, Nr. 46, S. 44−46)
Kommentar: Die Wahl Ochs’ zum Oberstzunftmeister am 23. Mai 1796 erfolgte zwei Tage, nachdem Österreich den Waffenstillstand mit Frankreich vom 1. Januar 1796 aufgekündigt hatte. Als Ochs am 4. Juni in Paris ankam, hatte der Krieg bereits begonnen. Umso wichtiger war seine diplomatische Mission: die Beseitigung der Zweifel an der eidgenössischen Neutralität. Ochs’ Erfolg in Paris markiert den Höhepunkt seiner politischen Karriere. Nur wenige Monate später war alles infrage gestellt. Anders als in Italien verlief die Kampagne in der Markgrafschaft Baden für die Franzosen wenig erfolgreich. Sie mussten sich über den Rhein zurückziehen. Basel befand sich mitten im Kampfgeschehen, geschützt nur durch die Neutralität seines Territoriums. Der Erfolg der österreichischen Truppen in der Schlacht bei Schliengen am 24. Oktober gab der antifranzösischen Partei in Basel, Ochs’ politischen Gegnern, Auftrieb: Basler Offiziere unterstützten die österreichische Grenzverletzung bei Hüningen. Der Sturm auf den Brückenkopf wurde von den Franzosen aber abgewehrt. Als Konsequenz war Ochs’ Frankreichpolitik desavouiert und Basel akut bedroht durch französische Repressalien. Ochs brach in dieser Situation mit den hergebrachten politischen Spielregeln, die öffentliche Kritik an den Regierenden ausschloss. Mit seinem harten Vorgehen gegen die verantwortlichen Offiziere und seiner offenen Kritik an den politischen Auftraggebern in der regierenden Schicht Basels machte Ochs sich viele Feinde, auch unter Baslern, die ihn bisher unterstützt hatten.