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- 21. April 2014
Ein Lesegenuss: Die Autoren beschreiben das Thema sehr frisch. Sie zeigen auf, dass die vorhandenen Handlungsspielgräume praktisch nie genutzt werden. Dass Macht relational sei (sich in Beziehungen konstelliert), häufig nicht richtig greife, beim einen anderes bewirke als beim anderen. Dass sie nicht übertragbar sei, da es möglich ist, dass sie bei der einen Person greift und bei der anderen gar nicht. Und dass Macht entsteht, wenn jemand aus seinen Tauschbedingungen mehr herausholen kann als das Gegenüber. Nun sagt man: alle kochen mit Wasser. Aber die einen kochen mit weniger Wasser und damit schneller. Machtquellen sind primär Ungewissheiten (oder das, als wie problematisch und wichtig man deren Klärung konstruieren kann) und die Fähigkeit, die darin entstehenden Handlungsmöglichkeiten zu nutzen. Solche basieren erstens auf dem relevanten Sachwissen und der funktionalen Spezialisierung, zweitens auf Beziehungen zu Umfeldsegmenten, drittens auf der Kontrolle von Informationen und Kommunikationskanälen und viertens auf vorhandenen allgemeinen organisatorischen Regeln. Das alles geht in ein Kräftespiel ein, wo das Spiel manchmal mehr Wirkung hat als die Kräfte und sich zeigt, wie neben einem Organigramm eine Organisation wirklich gesteuert wird. Die Autoren zeigen auf, dass eine lokale Rationalität das Verhalten bestimmt. Sie belegen, dass unter dem Titel eines gemeinsamen Zieles jede beteiligte Person einen eigenen Zielbereich hat, und schauen muss, dass ihre Position erhalten bleibt. Dieses Spiel ist existentiell, und ermöglicht, dass unter dem Titel eines gemeinsamen Zieles viele individuelle Ziele erhalten bleiben können. Sie zeigen auf, dass viele Autoren diese Aspekte zwar wahrgenommen, sich dann aber den vorangehenden Autoren angeschlossen haben. Spezifisch sei aber, dass die Organisation sich nicht nach einem offiziellen Ziele richte, sondern dass alle darin unter dem gleichen Titel das verfolgen müssten, was ihre (formale und informelle) Position erhalte. Das sei möglich, weil sie ihre „Spiele“ in einem bekannten Umfeld mit den bekannten Deals und Machtbalancen abschliessen können. Die damit verknüpften individuellen Ziele seien nun gerade bei Veränderungen des Organigramms (Fusion, Umstrukturierung) existentiell gefährdet, da die informellen Zugänge zur Zielerreichung bei einer Veränderung gekappt werden könnten, selbst wenn formal die offizielle Zielsetzung einer Stelle erhalten bleibe, weil die bisher zugänglichen Deals nicht mehr bespielbar sind.
Abschliessend stellen die Autoren fest, dass das Thema Macht (im Jahre 1979) noch stärker tabuisiert sei als Sexualität. Es sei unklar, ob es dabei um Machterhaltung gehe, weil Transparenz und Klarheit zum Spiel dieses entmächtige. Eine Reflexion über Macht schafft Handlungsspielräume und Freiheiten.