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Kurzbeschreibung
Migrantenkinder scheitern im Schweizer Bildungssystem überdurchschnittlich häufig auf Grund von Schwierigkeiten beim bilingualen Spracherwerb und der oftmals ungünstigen beziehungsweise dysfunktionalen Ressourcen des ökonomischen, sozialen und kulturellen Kapitals ihrer Familien. Die Problematik wurde zwar schon längst erkannt, die hohe Priorität der Sprachförderung von Migrantenkindern in der Agenda der Bildungspolitik wurde aber erst mit dem internationalen Schulleistungsvergleich PISA erreicht. PISA hat aufgezeigt, dass die Lesekompetenzen von Migrantenkindern am Ende der obligatorischen Schulbildung in kaum einem anderen Land so schlecht ausgebildet sind wie in der Schweiz. Die Ursachen für die ungenügenden Sprachkompetenzen von Migrantenkindern werden von der Bildungspolitik vor allem im Vorschulbereich vermutet (EDK, 2003).
Ausgehend von dieser Problematik soll deshalb mit dem geplanten Projekt eine Möglichkeit geprüft werden, wie die Vorschulzeit für die Sprachförderung von Migrantenkindern besser genutzt werden kann. Insbesondere wird eine bessere Abstimmung und Nutzung von Synergien in der Sprachförderung in den drei Bereichen Familie, Vorschule und Kurse in heimatlicher Sprache und Kultur (HSK-Kurse) angestrebt. Entsprechend den theoretischen Überlegungen zum bilingualen Spracherwerb von Migrantenkindern wird eine Intervention auf drei Ebenen durchgeführt: (1) Förderung der Erstsprache im Vorschulalter innerhalb von HSK-Kursen, (2) Sensibilisierung der Eltern für die Förderung von Literalität innerhalb der Familie und (3) Koordination der institutionellen Sprachförderung zwischen HSK-Kursen [L1] und der Vorschule [L2] sowie zwischen der Schule und der Familie.
Als Ausgangsgrösse werden vor der Intervention die Sprachkompetenzen der Migrantenkinder sowohl in der Herkunfts- als auch in der Unterrichtssprache erfasst (Messzeitpunkt 1). Zusätzlich zu den Kompetenzen in der L1 und der L2 werden das sprachliche Selbstkonzept, die Intelligenz sowie mit einer Befragung der Eltern Merkmale der Herkunftsfamilie erhoben. Die Sprachkompetenzen werden in der Halbzeit der Intervention (Messzeitpunkt 2) und am Ende der Intervention (Messzeitpunkt 3) erneut geprüft. Das Projekt soll aufzeigen [1], wie sich die L1 und L2 von Migrantenkindern im Vergleich zur L1 von einheimischen Kindern entwickeln und über welche Sprachkompetenzen die beiden Gruppen verfügen, [2] welche Bedeutung die Sprachkompetenzen der Migrantenkinder in der L1 für den Spracherwerb der L2 haben und [3] welche Wirkung die sprachwissenschaftlich fundierte Intervention (Förderung der L1 unter Einbezug der Eltern und mit Abstimmung auf die Förderung der L2 in der Vorschule) auf die Sprachkompetenzen der Migrantenkinder hat (L1 und L2).
Das Projekt wird vom Institut für Bildungsevaluation und Leistungsmessung in Kooperation mit Prof. Dr. Iwar Werlen, Institut für Sprachwissenschaft der Universität Bern durchgeführt. Das Projekt ist Teil des Schweizerischen Nationalfondsprojekts, NFP 56 „Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz“.
Dauer: 2006 - 2008
Projektbearbeitung: Urs Moser, Nicole Bayer in Kooperation mit Prof. Dr. Iwar Werlen und Dr. Verena Tunger, Institut für Sprachwissenschaft der Universität Bern
Auftraggeber: Schweizerischer Nationalfonds, NFP 56 „Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz“
Publikationen
Moser, U., Bayer, N., Tunger, V. & Berweger, S. (2008). Entwicklung der Sprachkompetenzen in der Erst- und Zweitsprache von Migrantenkindern. Schlussbericht zum NFP 56. Zürich: Institut für Bildungsevaluation.