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Im Lotusland Hostel lernte ich drei Backpackers kennen, die auch auf besseres Wetter warteten um ihre Weiterreise anzutreten. Wir verbrachten das Wochenende hauptsächlich mit Karten- und Würfelspielen. Am Montag klärte sich der Himmel tatsächlich auf und die Sonne schaute vereinzelt raus. Das Essen in Nanning ist ausgezeichnet. Besonders die muslimischen Restaurants und Bäckereien haben mir sehr gemundet. Fast ähnlich wie in der Taklamakan Wüste bei den Uiguren.
Gegen Mittag fuhr ich los. Mit viel Fragen war nach einigen Stunden die G322 Richtung Vietnam gefunden. Nur noch 214 Kilometer galt es zu bewältigen bis zur Grenze. Durch die vielen Niederschläge der letzten Tage waren die nicht asphaltierten Strassenabschnitte in richtige Schlammpisten verwandelt worden. Mein Velo, die Taschen und ich selbst waren bald so braun wie die Erde.
Die typischen Kalkberge tauchten nur noch vereinzelt auf und wirkten wie Inseln im Meer. So weit man schauen konnte sah man hier hauptsächlich Zuckerrohr Felder. Bis nach Ningming, der letzten Stadt vor der Grenze, begegnete ich vielen Bauern mit ihren Ochsenwagen, die immer freundlich „Hello“ riefen und riesige Freude hatten, wenn man ihnen zurück winkte. Zum Glück gibt es auch noch vereinzelt Wälder. In diesen Monokulturen lässt es sich herrlich schlafen.
Die schwierigen Nachbarn China und Vietnam haben seit mehr als 2100 Jahren Streit. Im 2. Jh.v.Chr. besiegten Armeen der Han- Dynastie die ersten vietnamesischen Nationalisten. Nach etlichen Versuchen befreite sich Vietnam im 10. Jh.n.Chr. endlich vom Joch des Imperialismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg entsandten westliche Mächte 200 000 chinesische Nationalisten nach Nordvietnam, um die japanischen Truppen zu vertreiben. Seither befanden sich die beiden Länder ständig im Krieg, ausser als China Vietnam im Vietnamkrieg gegen die USA unterstützten. Zu offenen Kämpfen kam es 1979. Das Motiv für den chinesischen Übergriff (so die Chinesen) war ein Vertrag zwischen Vietnam und der Sowjetunion- einem weiteren Nachbarland, zu dem die Chinesen eine Hassliebe pflegen. Zudem waren die Vietnamesen in Kambodscha einmarschiert, um die Roten Khmer zu stürzen. Nicht zuletzt- und das war wohl der wichtigste Grund- hatte Vietnam den Besitz von 250 000 huaqiao (Überseechinesen) beschlagnahmt und einen Grossteil von ihnen nach Yunnan und Guangxi deportiert (oder vertrieben). Die Beziehungen verbesserten sich erst allmählich in den 90er Jahren. Am bedeutungsvollsten ist vielleicht, dass Mitte des Jahres 1999 die direkte Postverbindung durch Guangxi wieder aufgenommen wurde, die zuvor durch Singapur geleitet worden war.
Am Mittwoch war ich gegen 10:00 Uhr bereits in Ningming. Der Weg führte teilweise durch riesige Bambuswälder. Eindrücklich, wie gross diese Pflanze wachsen kann.
Nach einem kurzen Einkauf fragte ich die Leute nach dem Weg Richtung Vietnam. Etwa 8 Kilometer ausserhalb der Stadt tauchte plötzlich ein Checkpoint auf. Die Militärpolizei stoppte mich und fing an sämtliche chinesische Visas in meinem Pass zu fotografieren. Einer der Soldaten sprach ein wenig Englisch. Nach etwa 5 Minuten standen fünf von ihnen um mich rum, fotografierten mein Velo und fingen an zu telefonieren. Der junge Soldat meinte irgendwann: „You can not go to Vietnam“. Ich wurde ein wenig nervös. Was zum Teufel hatte ich den verbrochen, dass mir meine Ausreise verweigert wurde? Als ich den Soldaten fragte, weshalb ich nicht nach Vietnam reisen kann, verstand dieser kein Wort. Erst da merkte ich, das dieser nur sehr schlecht Englisch sprach. Zum Glück tauchte bald ein weiterer Soldat auf, der zwar auch nur wenig Englisch konnte aber immerhin verstand, was ich wollte. Mit Hilfe meiner Karte, dem Reiseführer und dem Laptop des Offiziers konnten sie mir den richtigen Weg zur Grenze erklären. Am Ende meinten sie noch: „Your Map is very bad“. Jetzt habe ich sogar den amtlichen Beweis, dass die Reise Know How Karte nichts taugt! Die anfangs ungemütliche Angelegenheit hatte sich schlussendlich als halb so schlimm erwiesen. Nur ging mir dadurch eine Stunde wichtige Zeit verloren. Gegen 15:00 Uhr war die richtige Grenze dann aber tatsächlich gefunden. Wie schön! Beim chinesischen Zoll verlief es erneut sehr speditiv und diszipliniert. Bei den Vietnamesen empfingen mich die Beamten an der Passkontrolle bereits mit einem freundlichen Lächeln, drückten den Stempel in den Pass und wünschten mir ganz euphorisch einen schönen Aufenthalt in Vietnam. Dann durfte ich bereits einreisen. So leicht bin ich auf meiner Reise noch nie in ein Land eingereist.
Vietnam liegt mit der Zeit eine Stunde hinter China. So konnte ich bis zur Dämmerung noch ein Stück weit fahren. Die Gegend war auch hier in Vietnam enorm dicht besiedelt. Irgendwann nahm ich eine Abzweigung und landete auf einem Bauernhof. Mit einigen Erklärungen liess der Bauer mich schlussendlich in seinem Hühnerstall übernachten. Er wollte unbedingt, dass ich ein Dach über dem Kopf hatte. Mit Steinen und Brettern improvisierte er in kürzester Zeit ein Bett für mich zusammen. Ich schlief mit all den Hühnern, Schweinen, Gänsen und Ochsen wunderbar.
Am nächsten Morgen schenkten sie mir dann noch zwei Säcke voll mit Sternenfrüchten und Zuckerrohren. Wow! Nach Hanoi führt die AH1, welche sich durchs ganze Land zieht und unter Velofahrern auch „Highway of Death“ genannt wird. Laut Statistik hat Vietnam jährlich beinahe 11 000 Verkehrstote zu beklagen.
Das erste historisch belegte Königreich auf dem Gebiet des heutigen Vietnam entstand in der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. 111 v. Chr. kamen die Vietnamesen unter chinesische Kontrolle und blieben dies, jeweils durch kurze Zeiträume von Unabhängigkeit unterbrochen, bis 938 n. Chr., wo sie in Folge der Schlacht am Bạch Đằng-Fluss die Unabhängigkeit errangen. Danach erfolgte eine Blütezeit in Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. In dieser Zeit expandierte Vietnam auch in den Süden. 1880 kam Vietnam als Teil von Französisch-Indochina unter französische Kolonialherrschaft. 1945 wurde es in das kommunistische Nordvietnam (Hauptstadt Hanoi) und das von den Westmächten unterstützte Südvietnam (Hauptstadt Saigon) geteilt. Nach dem Vietnamkrieg kam es 1976 zur Wiedervereinigung und Saigon wurde nach dem verstorbenen Staatschef Nordvietnams in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt.
Vietnams Fläche entspricht ungefähr jener Deutschlands.
Die zwei mit Abstand wichtigsten Städte sind die Hauptstadt Hà Nội und die Hafenstadt Thành phố Hồ Chí Minh (Hồ-Chí-Minh-Stadt), früher Saigon. Während letztere eine der schnellstwachsenden Boomstädte der Welt ist, hat Hà Nội das Image, ruhiger und eleganter zu sein. In der Tat ist Hà Nội in wirtschaftlichen Belangen gegenüber der südlichen Metropole recht weit im Hintertreffen.
Der Einsatz von Umweltgiften durch die USA während des Vietnamkrieges hat die vietnamesische Natur nachhaltig geschädigt. Vor allem dioxinhaltige Herbizide wie Agent Orange, von dem die US-Luftwaffe etwa 40 Millionen Liter über dem Land versprühte, zeigen in großen Landstrichen nach wie vor Wirkung, da sie sich nur sehr langsam zersetzen und eine Halbwertszeit von etwa einem Jahrzehnt haben. So wurde während des Krieges etwa die Hälfte der Mangrovensümpfe zerstört, die sich nicht selbst regenerieren können. Die entlaubten Hänge im Landesinneren können nach wie vor nicht aufgeforstet werden, denn es können sich nur sehr widerstandsfähige Gräser halten, die während der Trockenzeit sehr anfällig für Flächenbrände sind. In der Regenzeit kommt es in diesen Regionen daher zu extrem starker Erosion.
Unter den Spätfolgen des Dioxin-Einsatzes haben nicht nur jene immer noch zu leiden, die damals direkt damit in Berührung kamen (Hautverätzungen, Chlorakne, Krebs). Das Gift fand auch seinen Weg in die Nahrungskette, was, durch die dadurch verursachte Schädigung des Erbgutes, unter anderem in signifikant erhöhten Zahlen an Fehl-, Tot- und Missgeburten seinen Niederschlag findet.
Die Bevölkerungszahl Vietnams wird auf etwa 87,3 Millionen Menschen geschätzt. Die Bevölkerung ist im Schnitt sehr jung: Landesweit waren 2005 etwa 30 % der Menschen unter 14 Jahre alt und nur etwa 5,6 % sind über 65.
Etwa 88 % der Bevölkerung sind ethnische Vietnamesen (Việt oder Kinh). Daneben sind 53 ethnische Minderheitengruppen anerkannt. Die größte davon sind die „Auslandschinesen“ (vietnam.: Hoa), deren Zahl auf etwa 1,2 Millionen geschätzt wird. Die Mehrzahl von ihnen sind Nachfahren von Einwanderern, die 1644, nach dem Zusammenbruch der Ming-Dynastie, ins Land gekommen waren. Weitere Volksgruppen sind Thai, Khmer (vor allem im Süden, der Region des Mekong-Delta, die über Jahrhunderte zu Kambodscha gehörte) und die unter der Sammelbezeichnung „Bergvölker“ (Montagnards) bekannten Bewohner der Bergregionen.
Da einige Angehörige der „Bergvölker“ im Indochinakrieg und im Vietnamkrieg jeweils auf Seiten Frankreichs bzw. der USA kämpften, gab es nach der Wiedervereinigung Vietnams Repressionen gegen diese Völker und sie sind in der vietnamesischen Gesellschaft teils nicht gut angesehen.
Die einzige offizielle Amtssprache ist Vietnamesisch, das 88 % der Bevölkerung als Muttersprache beherrschen. Geschrieben wird die vietnamesische Sprache seit 1945 in einer eigenen, lateinbasierten Schrift.
Genaue Angaben über die Religionszugehörigkeit in Vietnam sind schwer zu machen. Die große Mehrheit der Vietnamesen bekennt sich zu keinem Glauben. Laut einer 2004 veröffentlichten Studie sind 81,5 % der Vietnamesen Atheisten.Schätzungen gehen von 7,6 Millionen Buddhisten und 6 Millionen Katholiken aus.
Die Fahrt auf dem Highway lässt sich in etwa mit dem Verkehr in China vergleichen. Nur tönen die Hupen hier ein bisschen anderst. Vietnam hatte an diesem ersten Tag einige positive Überraschungen für mich auf Lager. Die Sprache hört sich auch ziemlich schwierig an ist aber dank den „normalen“ Schriftzeichen immerhin lesbar. Seit der Türkei vor 8 Monaten ist dies das erste Land wo ich die Buchstaben verstehe. Wie schön! Die erste Bäckerei wurde von mir gleich überfallen. Ofenfrisches Baguette für 5000 Dung (25 Rappen) das Stück. Dazu wirken die Vietnamesen auf mich viel offener und interessiert als die Chinesen.
Der tägliche Nieselregen stört mich gar nicht mehr sonderlich. Die Strasse war ziemlich flach und ohne Gegenwind kam ich erstaunlich gut voran. Bereits um 16:00 Uhr war ich in Hanoi. Die Suche nach der Adresse von der Nomadbikefamily war vor allem wegen dem dichten Verkehr keine einfache Sache. Bis zur Dämmerung hatte ich aber die Adresse gefunden. Es gab ein tolles Wiedersehen mit Manu, Leroy, Ella, Sandra und Patrick. Die fünf sind vor einer Woche nach 21 Monaten Reise hier an ihrem Endziel angelangt. Ein Grossteil von Patricks Familie lebt in Vietnam. Sie verbringen jetzt noch einige Monate hier in Hanoi (www.nomadbikefamily.org). Manu kann die französische Primarschule besuchen und Ella und Leeroy gehen in eine Art Kinderhort. So haben Sandra und Patrick auch mal ein wenig Zeit für sich. Am Sonntag dem 22. Januar fand das chinesische Neujahr statt. Fast in der ganzen Stadt sind Geschäfte, Restaurants und vieles mehr während fast einer Woche geschlossen. Die Vietnamesen absolvieren in dieser Zeit einen wahrhaft richtigen Familienmarathon. Während einer Woche zieht die ganze Familie von Haus zu Haus und besucht sämtliche Verwandten. Es herrschte in dieser Woche eine sonderlich ruhige Stimmung über der Stadt. Bei meiner Ankunft wurde ich noch mit lautem, stockenden Verkehr empfangen und in jeder noch so kleinsten Strassenecke gab es ein kleines Geschäft. Auch wir wurden mehrmals von Patricks Verwandten eingeladen. Das Motto lautet dabei meistens: „Esse und Trinke soviel du kannst“!
Besonders nach der Neujahrsnacht brummte mir ziemlich der Schädel von dem vielen Cognac trinken. Die Vietnamesen sprechen sehr gerne über Geld. Etwa so wie wir in der Schweiz übers Wetter sprechen. Bei der Begrüssung wird man nicht gefragt, wie es einem geht sondern ob man schon genug gegessen hat. Das gefällt mir. Endlich mal ein Land, das weiss was wichtig ist für einen Velofahrer. Die Besuche waren äusserst interessant. Sandra zauberte zu Hause herrliche Gerichte auf den Tisch. So gab es mal Schokoladencreme, leckere Reisgerichte, Gnocchis und Baguette mit richtiger Butter und Konfitüre. Das war traumhaft. Zwischendurch unternahmen wir auch ein paar Ausflüge. So besuchten wir die St.-Joseph-Kathedrale aus der französischen Kolonialzeit, den Literarischen Tempel und das Ethnologische Museum.
Für Hanoi, die älteste noch bestehende Hauptstadt Südostasiens, ist das Gründungsjahr 1010 belegt.
Insgesamt leben 6.5 Millionen Menschen in der Stadt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Hanoi wiederholt von Invasoren erobert, verlor zwischenzeitlich seine Funktion als Hauptstadt und wurde mehrfach umbenannt.
Der Literaturtempel ist ein konfuzianischer, als Nationalakademie erbauter Anlagenkomplex im Westen der Altstadt Hanois in Nord-Vietnam. Er ist der bedeutendste der Literaturtempel in Vietnam. Der Begriff „Literaturtempel“ bezeichnet weder einen Tempel, noch diente die Anlage je religiösen Zwecken. 1070 vom dritten Kaiser der Lý-Dynastie Thánh Tông erbaut, stellt die Anlage bis heute zwar das Hauptheiligtum Vietnams dar, gleichwohl handelte es sich von Anbeginn um die erste Akademie des Landes, in der zwischen 1076 bis 1915 die Söhne der Mandarine und verschiedene Hochbegabte der bürgerlichen Aristokratie unterrichtet wurden.1076 wurde im Gedenken an den weisen Konfuzius die Nationale Universität, auf dem Gelände des Literaturtempels gegründet. Der Tempel basiert auf der Grundlage des Konfuziustempels in der Geburtsstadt Konfuzius´ Qufu in der chinesischen Provinz Shandong.
Während der Trần-Dynastie (1225 bis 1400) und später nachfolgender Dynastien wurde die Tempelanlage mehrfach überarbeitet. Über die Jahre fanden auch im Literaturtempel Zerstörungen, Wiederaufbau, erneute Zerstörungen statt. Die Tempelanlage wurde zwischen 1920 und 1956 komplett renoviert, allein 1947 hatte die Rückeroberung Hanois durch französische Truppen gegen die Việt Nam Ðộc Lập Ðồng Minh Hội schwere Schäden am Komplex verursacht. Zuletzt wurde er 2000 restauriert. Heute gilt die Anlage als bedeutende historische und kulturelle Hinterlassenschaft in Hanoi. Eine Teilansicht der Anlage, einen Ausschnitt des Sees der himmlischen Klarheit, zeigt die Rückseite der 100.000-Đồng-Banknote.
Die zwei Liegeräder sind in der Wohnung eingestellt und als neues Transportmittel steht jetzt ein Scooter zur Verfügung. Ich folgte bei den Ausflügen jeweils mit dem Velo.
Die Temperaturen schwankten auch hier jeweils immer ein wenig um die 10 Grad Grenze und es regnete jeden Tag ein bisschen. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Nach diesen wunderbar erholsamen und schönen Tagen in Hanoi geht die Reise weiter Richtung Laos. Merci beaucoup Sandra, Patric, Ella, Manu et Leeroy pour cette magnifique Temps chez Vous! A la prochaine, votre Tintin.
Über blöde Kommentare und Fanpost freue ich mich immer wieder. Je nach Verfassung schreibe ich auch mal zurück. Mail: <email-pii>.