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Die Bezirksfeuerwehren werden zur Milizfeuerwehr
13. Dezember 2021
Die Miliz- oder auch Freiwillige Feuerwehr existierte in Basel lange vor der Berufsfeuerwehr. Dass das Feuerwehrwesen - im Gegensatz zu anderen Kantonen - in Basel-Stadt eine kantonale Angelegenheit war, zeigte sich mit dem Gesetz über das Löschwesen von 1879 wie folgt: Das Kantonsgebiet wird in vier städtische (drei im Gross- und einer im Kleinbasel) und drei kommunale (Kleinhüningen, Riehen und Bettingen) Löschbezirke eingeteilt. Der Feuerwehrdienst war nicht etwa freiwillig, sondern für alle männlichen Einwohner vom 32. bis 44. Lebensjahr obligatorisch. Die gesamte Feuerwehr untersteht den Befehlen des Feuerwehrkommandanten. Auf den ersten Alarm rückte nur die Kompanie aus, in deren Bezirk es brannte.
Die städtische Entwicklung führte immer wieder zu organisatorischen Reformen. 1892 wird beispielsweise auf sechs Löschbezirke reduziert. Auch die Diskussionen über den Sinn der Bezirksfeuerwehr flammten immer wieder auf. Mitte der 1920er Jahre wurde diskutiert, welche Aufgaben die Berufs- und welche die Bezirksfeuerwehr haben soll. Denn in Folge der Gründung der Berufsfeuerwehr im Jahr 1882 verschwand die Bezirksfeuerwehr mehr und mehr in deren Schatten. Die Hauptaufgabe bestand darin, bei langandauernden Löscharbeiten mitzuhelfen. Auch die Auflösung der Bezirksfeuerwehr stand zur Diskussion. Im Gegenzug hätte die Berufsfeuerwehr aufgestockt werden sollen. Die Erfahrungen mit Grossbränden sprachen jedoch dagegen. Ab 1935 gilt die Feuerwehrpflicht bereits ab dem 28. Lebensjahr und der Mannschaftsbestand einer Kompanie betrug neu 85 Angehörige. Während des Zweiten Weltkriegs erhalten die Kompanien Saurer-Mannschaftswagen; diese roten Fahrzeuge erhielten rasch den Übernamen Rolls Royce und waren unter den Motorfahrern sehr beliebt. 1958 erfolgte die Vollmotorisierung der Bezirksfeuerwehrkompanien - 15 Mowag-Mannschaftswagen und ebenso viele Anhänger-Motorspritzen wurden angeschafft. Die «Mowag» waren bis fast zur Jahrtausendwende im Einsatz; jede Kompanie besass in dieser Zeit drei motorisierte Löschzüge.
Diese bildeten grundsätzlich einen Bestandteil der Ausrüstung der Kriegsfeuerwehrkompanien des Zivilschutzes. Mit Genehmigung des Vorstehers des Löschwesens konnte die Bezirksfeuerwehr in den 1960er-Jahren auch das zivilschutzeigene Material wie Schläuche, Pionierwerkzeuge und weiteres Material vom Zivilschutz übernehmen. 1973 wurde die neue Brandschutzausrüstung mit Jacken und Hosen eingeführt. Um 1980 kamen neue Pumpen hinzu für Pioniereinsätze wie beispielsweise Keller auspumpen. Zudem bekamen die Kompanien Funk, um die Verbindung aufrechtzuerhalten, wenn bei einem Pioniereinsatz mehrere Schadenplätze zu bearbeiten waren. Und Ende der 1980er-Jahre wurden sie mit umluftunabhängigen Atemschutzgeräten ausgerüstet. Grund war die vermehrte Verwendung von Kunststoffen in Bauten. In den 1990er-Jahren erhielten die ersten Milizfeuerwehrangehörigen, vornehmlich aus dem Kader, einen Pager, um auch ausser Haus per Alarm erreichbar zu sein.
Der Übungsbetrieb in jener Zeit war nicht vergleichbar mit heute. Bis 1997 gab es zwei ganztägige Kompanieübungen pro Jahr und wenige Spezialisten- sowie Kaderübungen. Aktuell sind rund 50 Übungen pro Jahr à drei Stunden - je nach Spezialisierung und Rang - nicht ausserordentlich. Die erhöhte Übungsintensität hängt auch mit zwei Reorganisationen und Materialanschaffungen zusammen. Mit dem Projekt Bezirksfeuerwehr 2000 erhielt jede Kompanie ein Lösch-, ein Transport- und ein Rüstfahrzeug auf der Basis des Mercedes Sprinters. Die sinkende Bereitschaft in der Bevölkerung - obwohl seit 1993 auch Frauen Dienst leisten dürfen - führte zur Reduktion der sechs Kompanien auf drei: Grossbasel, Kleinbasel und Riehen-Bettingen. Gleichzeitig wurde die persönliche Ausrüstung erneuert. Die komplette Einsatzausrüstung besteht aus Jacke und Hose, Helm, Handschuhen, Arbeitsanzug, T-Shirt und Pager. Zielvorgabe war es, dass eine Kompanie in ausserordentlichen Lagen einen Brand mit bis zu drei Druckleitungen selbständig löschen und bei Unwettern gleichzeitig an drei Orten selbständig eingesetzt werden konnte. Ausserdem mussten die Kompanien nach weniger als 30 Minuten mit 15 Angehörigen in den Einsatz gehen können.
2012 fällte der Grosse Rat den Entscheid, mit dem neuen Feuerwehrgesetz die Feuerwehrpflicht abzuschaffen und die Bezirksfeuerwehr analog zur restlichen Schweiz in Milizfeuerwehr umzubenennen. Die Miliz- wurde wieder zu einer freiwilligen Feuerwehr. Die Probleme, den Sollbestand von 50 Angehörigen zu erreichen, wurden damit nicht kleiner.
2014 wurde deshalb eine Arbeitsgruppe aus den Reihen der Berufs- und der Milizfeuerwehr gebildet, deren Aufgabe es war, die Organisationsstruktur der Milizfeuerwehr zu überprüfen. Das Konzept Milizfeuerwehr 2015+ wurde ab 2016 erfolgreich umgesetzt und die Milizfeuerwehr auf zwei Kompanien reduziert: Kompanie Stadt mit den Zügen Singerstrasse (Grossbasel) und Wiesenplatz (Kleinbasel) und Kompanie Riehen-Bettingen. 2015 erhielten die beiden Züge der Stadt und die Kompanie Riehen-Bettingen je ein Tanklöschfahrzeug.
Das alles vermochte das Nachwuchsproblem zwar zu mildern, aber nicht zu lösen. Deshalb wurde die Gründung einer Jugendfeuerwehr beschlossen, welche 2017 den Betrieb aufnahm. Mittlerweile zählt sie bereits über 20 Mädchen und Knaben, die mit Feuereifer bei der Sache sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vielfältigkeit der Aufgaben und die Spezialisierung auch bei der Milizfeuerwehr stetig zunehmen. Die Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr wird nun regelmässig geübt und die Milizfeuerwehr als unterstützendes und gleichwertiges Element geschätzt und eingesetzt. Gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr deckt die Milizfeuerwehr den Auftrag der Feuerwehr Basel-Stadt ab.
Quellen:
Thommen Bruno; Die Basler Feuerwehr. Birkhäuser Verlag, Basel 1982.
Thommen Bruno; Schweizerisches Feuerwehr-Museum. Feuerwehr-Museum Basel (Hrsg.), Basel 1997.
Dubler Anne-Marie: "Feuerwehr". Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.06.2021.
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007788/2021-06-08/ am 30.08.2021.
Vogelbacher, Urs: 125 Jahre Feuerwehr Riehen. Chronik 1973–1998. Bezirksfeuerwehr 5. Kp. Riehen (Hrsg.). Riehen 1998.
https://www.zrieche.ch/jahrbuch/aus-der-geschichte-der-riehener-feuerwehr/ am 17.11.2021
https://www.zrieche.ch/jahrbuch/zusammen-nicht-nur-im-einsatz/ am 17.11.2021
http://home.datacomm.ch/feuer.bettingen/organisation.htm am 17.11.2021
https://tageswoche.ch/allgemein/feuerwehr-dienstpflicht-wird-in-basel-stadt-abgeschafft/index.html am 17.11.2021
Bilder:
Feuerwehrmuseum Basel, archiviert im Staatsarchiv Basel.