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1900 war ein Schlüsseljahr für den nationalen und internationalen Pferdesport: im April 1900 schlossen sich die Schweizer Rennvereine zu einem nationalen Verband zusammen – aus dem der heutige SVPS hervorging. Einige Monate später fanden in Yverdon die ersten verbürgten Spring- und Dressurprüfungen in der Schweiz statt. In Paris lud 1900 das nationale Reitturnier der Société Hippique Française erstmals ausländische Reiter und Fahrer ein und wurde somit international.
Hatte sich in den Jahrzehnten vor der Jahrhundertwende 1900 der Pferdesport noch auf Rennen (seit 1872 in der Schweiz), auf die Bewertung der Pferde an Schauen und Märkten, auf Gruppendressurvorführungen, Patrouillenritte und Reiterspiele beschränkt, lösten die Pionierereignisse von 1900 bis zum 1. Weltkrieg 1914 einen eigentlichen Innovationsboom aus: 1902 fand in Turin der erste grosse Concours Hippique International mit Dressur und Springen statt. Die französische Armee schuf eine reiterliche Mehrkampfprüfung, das Championnat du Cheval d‘Armes, aus der sich die heutige Vielseitigkeitsprüfung entwickelte.
1909 wagte sich der Rennclub Luzern an die Austragung eines internationalen Springturniers, welches bald zu einem der bedeutendsten Zusammentreffen der europäischen Reiterelite und zu einem gesellschaftlichen Höhepunkt der Stadt Luzern wurde. 1912 schliesslich, an den 5. Olympischen Spielen von Stockholm, wurde der Pferdesport eingeführt – mit einem Programm, das heute, über 100 Jahre später, noch immer gültig ist.
Erste Grosserfolge von Schweizer Pferdesportlern
Nach dem 1. Weltkrieg, in den zwei Jahrzehnten bis zum 2. Weltkrieg, fand der Pferdesport seine heutige Form. Luzern führte 1927 die beiden ersten Championate unter der Schirmherrschaft des Internationalen Pferdesportverbandes FEI in der Dressur und in der Military durch. Im gleichen Jahr wurde in Genf das erste internationale Springturnier organisiert, dies mit einem Nationenpreis, wobei die Schweiz den Sieg davontrug.
Die Schweizer Springreiter feierten erste internationale Erfolge: Gleich bei der ersten Auslandreise einer Schweizer Equipe, 1921 nach Nizza, gewann Charles Kuhn mit Gecko den Grossen Preis. 1926, 1927 und 1930 siegte die Schweiz im Nationenpreis von Dublin und durfte den ersten Aga Khan Cup nach Hause nehmen.
1924 entsandte die Schweiz erstmals Reiter an die Olympischen Spiele, und zwar gleich volle Besetzung in allen drei olympischen Disziplinen: Springen, Dressur und Military. Einzelgold für den Springreiter Alphonse Gemuseus im Sattel der Stute Lucette und Mannschaftssilber für die Schweizer Springreitequipe war die Ausbeute von Paris.
1932 wurde aus dem Verband der Schweizerischen Renngesellschaften der Schweizerische Verband für Pferdesport SVP. Fünf Jahre später kam es zu einer weiteren Reorganisation: der Teilung in einen Zentralverband mit beschnittenen Kompetenzen, in eine Abteilung Concours und in eine Abteilung Rennen. Dabei blieb es bis 1989, als sich die Rennen vom SVP lösten, die Bezeichnung «Abteilung Concours» verschwand und deren Aufgaben vom SVPS übernommen wurden.
Ein Verband auf dem Weg in die Moderne
In den Jahren seit 1900 entwickelte sich der Verband vielfältig. Bereits 1903 gab es den ersten Jahreskalender, der Vorgänger des heutigen «Bulletin». Der Verband setzte 1922 das erste Springreglement in Kraft. 1928 folgte die Einführung des offiziellen Pferderegisters. 1944 kam das Fahren als vierte Disziplin hinzu und 1952 führte der SVP erstmals einen Journalistenkurs durch. 1956 fand dann das erste Schweizer Springreiter-Championat statt. Später folgten auch Meisterschaften in den anderen Disziplinen – dies nach Jahrzehnten der Punktechampionate.
In den 1960er-Jahren nahm der Verband die Bekämpfung des Dopings auf und acht Jahre später gab es erstmals Dopingkontrollen. Ab 1976 war das Tragen eines Sturzhelms gestattet. 1979 kamen die Disziplinen Voltigieren und Endurance zum Verband, 1981 das Ponyreiten. Im selben Jahr wurde der nationale Pferdepass eingeführt. Bereits ein Jahr nach der Schaffung des heutigen SVPS am 28. Januar 1989, führten die Verantwortlichen die Grundausbildung «Reiterbrevet» ein. Neu zum Verband stiessen die Disziplinen Vierkampf und das therapeutische Reiten, welches sich später zum heutigen Para-Equestrian Dressage entwickelte. 2001 kam Reining als siebte Disziplin dazu. Seit der Integration des Pferdesports in das Förderprogramm des Bundes «Jugend+Sport» im Jahre 1998 verfügt der SVPS über ein in die Breite gehendes Nachwuchsförderungsprogramm für Kinder und Jugendliche. In diesem Jahrtausend wurden neue Strukturen und Leitbilder erarbeitet, 2012 ein neues Nachwuchsförderungskonzept eingeführt, 2019 eine neue Grundausbildungsstruktur.
Henri Chammartin, Gustav Fischer und Marianne Gossweiler – die erste Frau, die an Olympischen Spielen für die Schweiz ritt – lieferten sich in den 1960er Jahren spannende Duelle mit den grossen Dressurnationen Deutschland und Russland. Sie gewinnen Olympia- Silber 1964 in Tokio sowie Bronze 1968 in Mexiko. (Bild: Archiv SVPS)
Höhenflug des Schweizer Pferdesports
Auf sportlicher Ebene feierte man 1947 den Sieg von Oskar Frank im FEI-Dressurchampionat und 1948 in London eine zweite Olympische Goldmedaille, erritten durch Hans Moser auf Hummer in der Dressur. Ab 1952 wurde der Höhenflug der Schweizer Dressurreiter fortgesetzt, mit olympischen Medaillen und Titelgewinnen bei WM und EM, zuerst durch die Bereiter Offiziere der EMPFA, Henri Chammartin, Gustav Fischer und Gottfried Trachsel, dann durch die Zivilreiter Christine Stückelberger und Otto Hofer. Christine Stückelberger gewann 1976 in Montreal olympisches Gold, zwölf Jahr nachdem 1964 in Tokio Henri Chammartin Olympiasieger geworden war. Mit in der Silber-Equipe von Montreal ritt Ulrich Lehmann, der letzte Schweizer Dressurreiter in Militäruniform.
Christine Stückelberger und Granat prägen den Schweizer Dressursport der 1970er und 1980er Jahre. 1976 wird das Paar Olympiasieger in Montreal und gewinnt in der Equipe mit Ulrich Lehmann und Doris Ramseier olympisches Silber. (Bild: Roland von Siebenthal/SVPS)
Die Militaryreiter erlebten ihre Höhepunkte 1959/1960 in Harewood und Rom mit einem EM-Titel und zwei olympischen Medaillen sowie 1981 in Horsens mit zwei EM-Podiumsplätzen. Hans Schwarzenbach, Anton Bühler, Rudolf Günthardt und Hansueli Schmutz waren an diesen Erfolgen beteiligt.
Bei den Springreitern begann der Aufwärtstrend in den 1960er-Jahren: mit der Amazone Monica Bachmann, den Offizieren Paul Weier und Max Hauri und den zivilen Reitern, den sogenannten «Rotröcken», Arthur Blickenstorfer und Hans Möhr. Anfangs der 1970er-Jahren entsprang aus dem Juniorenlager ein weiteres erfolgreiches Quintett: Markus und Thomas Fuchs, Walter Gabathuler, Willi Melliger und Philippe Guerdat. Bald stiessen Bruno Candrian und Heidi Robbiani dazu.
Mit dem Olympiasieg von Steve Guerdat 2012 mit Nino des Buissonnets in London – es war die 23. olympische Medaille für den Schweizer Pferdesport seit 1924 – folgte eine erneute Glanzperiode der Schweizer Springreiter mit, nach Markus Fuchs und Beat Mändli, drei weiteren Weltcupsiegen von Steve Guerdat und dem EM-Titel 2019 von Martin Fuchs. 2021 holte sich die Schweizer Springreiterequipe - nach einer grossen Enttäuschung an den olympischen Spielen von Tokio - in Deutschland den Europameistertitel.
Steve Guerdat und Nino des Buissonnets – liebevoll «Flying Nino» genannt – holen sich 2012 in London olympisches Einzelgold im Springreiten. Es ist nach 1924 die zweite Einzel-Goldmedaille in dieser Disziplin an Olympischen Spielen. (Bild: Julia Rau)
Auch die Fahrer erzielten Erfolge. Auguste Dubey und Werner Ulrich durften sich bei den Vierspännern, der Letztere zuvor auch mit zwei Pferden, Weltmeister nennen. Bei den Voltigierern erlebte die Schweiz mehrere EM- und WM-Titel der Gruppen aus St. Gallen und Lütisburg, sowie Einzeltitel von Patric Looser und Simone Jäiser. Dazu kamen Erfolge in den Disziplinen Endurance und Reining. Nicht zu vergessen Dutzende von FEI-Medaillen des Nachwuchses in allen Disziplinen.
Nach den internationalen Pionieranlässen von Luzern und Genf wurde auch St. Gallen, dessen Pferdesporttradition ins 19. Jahrhundert zurückgeht, 1953 international. Vier FEI-Championate wurden zuerst auf dem Breitfeld, dann auf dem Gründenmoos ausgetragen. Später kamen die Hallen-CSI von Zürich und Basel, beide mit dem Weltcupstatus hinzu. Das OK des über hundertjährige Pfingstrennen von Frauenfeld organisierte 1974 und 1983 die Fahr-WM und die Military-EM.
1997 zog die Geschäftsstelle des SVPS von Ostermundigen an die Papiermühlestrasse in Bern, in ein Gebäude auf dem Gelände der einstigen EMPFA um, wo sie noch heute ihren Sitz hat. Nach der Abschaffung der Kavallerie 1972 wurde der militärische Betrieb dort bis Ende 1996 aufrechterhalten. 1997 übernahm das zivile Nationale Pferdezentrum (NPZ) die Anlagen.