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Dreizehn von Claudia Walder
Erster Satz: «Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn.» (George Orwell, 1984)
Dreizehn
Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn. Dreizehn Mal schlug der Hammer auf das Metall, unten im Dorf, und brachte die Bronze im Kirchturm zum Singen. Dreizehn Münzen glitten aus Alinas Fingern in den Opferstock, eine auf jeden Glockenschlag. Dreizehn Kerzen hatte sie bereits aufgereiht und führte nun das übergrosse Streichholz von einem Docht zum anderen, bis dreizehn kleine Flammen im Halbdunkel der Kapelle tanzten. Dreizehn Mal bat sie um Vergebung, wohlwissend, dass ihr Plan zwar entschuldbar, aber unverzeihlich war. Aber die Dreizehn hatte eine eigene Magie, eine Macht, alles zum Guten zu wenden, so hatte es die Grossmutter ihr beigebracht, hatte sie dreizehn Mal geheissen, dreizehn Brote in die kleine Bergkapelle zu tragen, sie dreizehn Schritte davon entfernt zu vergraben und dreizehn Ave-Maria dabei zu beten. Damals hatte die Dreizehn geholfen, nie hatten die Grossmutter oder Alina Schuld empfunden, nie hatte jemand Fragen gestellt. Sie würde auch jetzt wieder helfen, davon war Alina überzeugt, als sie still auf der harten, hölzernen Kirchbank sass und die Pistole lud. Dreizehn Kugeln für nur einen Mann.