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Stürmischer Sonntag
Ein Sturmtief namens Uwe bestimmte heute Sonntag das Wetter in der Schweiz. Sein Zentrum zog unter weiterer Vertiefung vom Ärmelkanal über Holland und Norddeutschland hinweg in die Ostsee. Eine aktive Kaltfront zog gegen Abend vom Jura her über die Alpennordseite hinweg.
Die Alpennordseite geriet bereits in der Nacht auf heute zunehmend ins Sturmwindfeld des Tiefs, sodass auf Berggipfeln des Jura und der Voralpen bereits Böenspitzen zwischen 92 und 114 km/h aus südwestlicher Richtung gemessen wurden. Allerdings war die Schichtung der Atmosphäre über dem Flachland noch etwas zu stabil, so dass die kräftigen Höhenwinde nicht bis in die Niederungen runtergemischt wurden.
Mit Ausnahme des Juranordfusses. Dort, genauer gesagt in Delsberg, wurden bereits in den frühen Morgenstunden Böenspitzen bis 90 km/h gemessen. Der stürmische Südwestwind griff dort wie eine Art Föhn bis in die Niederungen durch und sorgte bereits am Morgen für eine Temperatur bis zu 15 Grad.
Nicht nur stürmischer West- bis Südwestwind, auch starker bis stürmischer Föhn ist in den frühen Morgenstunden über den Alpen respektive in einigen Alpentälern aufgekommen. Das besagte Tief sorgte nämlich für prägnanten Druckfall auf der Alpennordseite, während der Luftdruck im Süden nur geringfügig sank.
Daraus resultierte ein Südüberdruck von bis zu 14 hPa, was recht beachtlich, aber weit von einem Rekord entfernt ist. Dieser liegt bei rund 28 hPa (erreicht bei einem Föhnsturm am 8. November 1982)! Die Luft wurde dennoch regelrecht aus den Tälern gesogen, weshalb der Föhn in einigen Regionen ein leichtes Spiel hatte, bis zum Talboden mit Böenspitzen von 62 (Chur) bis 106 (Elm) km/h durchzugreifen.
Die stürmische Südwestströmung brauchte bereits vom Tagesanbruch an recht feuchte Luft zur Schweiz, sodass im Flachland praktisch keine Sonne mehr registriert wurde. Einzig im Luzerner Mittelland sowie am Bodensee gab es immerhin noch um 1 Stunde Sonnenschein. Noch mehr (rund 2 bis 3 Stunden) gab es dank Föhneinfluss vom Urner Reusstal über die Glarner Alpen und den Alpenstein bis zum östlichsten Bodensee sowie bis ins Landwassertal.
Die weiter oben in der Bodenwetterkarte eingezeichnete Kaltfront erreichte Mitte Nachmittag den Jura von Westen her. Sie zog in der Folge relativ rasch über die Alpennordseite hinweg und sorgte für einen markanten Druckanstieg, der von West nach Ost voranschritt.
So baute sich zwischenzeitlich ein Druckunterschied von bis zu 10 hPa zwischen der West- und der Ostschweiz (Genf bis Güttingen) auf. Auch dieser Druckunterschied war zwar beachtlich, aber im Vergleich zum Orkan Lothar schon fast unbedeutend. Damals wurde ungefähr dieselbe Druckdifferenz sogar zwischen Genf und Neuenburg– also auf rund einem Drittel der Distanz – erreicht.
Druckunterschiede wollen natürlich in Form von Wind, dem ausgeprägtesten Wetterphänomen heute – ausgeglichen werden. Die höchsten Windspitzen auf der Alpennordseite wurden in vielen Regionen in Verbindung mit der Kaltfront gemessen. Bis Redaktionsschluss um 18 Uhr wurden in den Niederungen der Alpennordseite verbreitet Böenspitzen zwischen 70 und 85, lokal zwischen 90 und knapp 100 km/h und am Juranordfuss sogar zwischen 100 und 112 km/h gemessen. In den Berglagen wurden 105 bis knapp 140 km/h erreicht.
Nicht nur windig, auch elektrisch war es in Verbindung mit der Kaltfront. Besonders westlich und südlich der Genferseeregion, wo die Front am organisiertesten daherkam, traten einige eingelagerte gewittrige Schauer auf, ganz vereinzelt auch noch am Alpennordhang.