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Er entwarf Bewässerungsanlagen, Festungen und Helikopter. Er erforschte, wie Vögel fliegen, Embryos in den Bauch der Mutter passen und Grashalme wachsen. Daneben malte er die lebendigsten Porträts seiner Zeit und modellierte die Welt mit Licht und Schatten.
Sichtbar wird im Louvre die wechselvolle Karriere des Renaissancekünstlers und Gelehrten Leonardo da Vinci. Leonardo wurde 1452 als unehelicher Sohn eines Advokaten in einem norditalienischen Dorf namens Vinci geboren. 1519 starb er auf einem Schloss in Amboise – angeblich in den Armen seines grössten Fans, des französischen Königs François Ier.
Fragmentarischer Überblick
Die grosse Ausstellung zeigt elf Bilder, zahlreiche Zeichnungen und Manuskripte wissenschaftlicher Forschungen und schafft es so, Leonardos grenzenlose Neugier zu vermitteln und einen Überblick über sein Werk zu bieten.
Nicht alle angefragten Leihgaben erhielten die Kuratoren im Louvre. Der Zustand einiger Bilder ist zu fragil. Kommt dazu: Nicht wenige Werke sind verloren. Im Louvre sind sie über Zeichnungen und vorbereitende Skizzen dennoch präsent.
Etwa das verlorene Wandbild der «Schlacht von Anghiari». Leonardo malte es ab 1504 für den neuen Ratssaal in Florenz – Seite an Seite mit Michelangelo, der den Auftrag für die andere Wand ergattert hatte.
Zahlreiche Skizzen in der Louvre-Ausstellung dokumentieren, dass Leonardo immer dramatischere Kompositionen erschuf. Reiter und Pferde immer unentwirrbarer ineinander verknäulte und nach expressiven Gesichtsausdrücken für die Kämpfenden suchte.
Kommt er oder kommt er nicht?
Nicht in der Ausstellung zu sehen ist der «Salvator Mundi». Das Bild, das 2017 für 450 Mio. Dollar versteigert wurde und seither den Titel des teuersten, je auktionierten Gemäldes trägt, soll zumindest teilweise eigenhändig von Leonardo stammen.
Lange war gerätselt worden, ob der unbekannte Käufer das Bild für die Ausstellung an den Louvre ausleihen werde. Eine definitive Absage habe man bis jetzt allerdings auch nicht erhalten, sagten die Kuratoren Vincent Delieuvin und Louis Frank an der Medienkonferenz vor rund 500 Journalistinnen und Journalisten. Vielleicht komme das Bild ja doch noch.
Lächerlicher Hype
Die Aufregung um dieses eine Bild ist vor dem Hintergrund der fulminanten Ausstellung und dem grossen Überblick über das Werk Leonardos nicht nachzuvollziehen.
Auch die grossspurig angekündigte VR-Installation, die im Rahmen der Ausstellung präsentiert wird und erstmals die Mona Lisa in virtuelle Realitäten übersetzt, wirkt ein wenig lächerlich.
Wer die Datenbrille aufsetzt, erlebt ein persönliches Treffen mit der Porträtierten und wundert sich über das künstlich wirkende Kinn der animierten Dame und ihre steif fallenden Haarsträhnen.
So etwas hätte der Meister der naturalistischen Darstellung seinen Schülern wohl nicht durchgehen lassen.