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von Hans-Peter Schröder
„Gott sei Dank bin ich meinen Weg gegangen und nicht jenen, den mir andere einreden wollten.“
„Eines Nachts, alleine, als ich 12 Jahre alt war,
schaute ich hoch zum Planeten Mars und sagte:
„Nimm mich zu dir, nachhause.“
Und der Planet Mars brachte mich nach Hause
und ich kam nie mehr zurück.“
Ray Douglas Bradbury (22. August 1920 – 5. Juni 2012)
Mit herzlichem Dank an SchoeneNeueWelt86 ,
http://www.youtube.com/watch?v=uBiV5fuPujo 5:20
Ray Bradbury ist ein Schriftsteller aus Amerika. Sein Werk mit dem Begriff Science Fiction einzugrenzen, hieße dem Autor nicht gerecht zu werden, denn was ist Science? Und was Fiction? Und was wären beide ohne einander? So betrachtet ist alles Science Fiction. Science Fiction muß nicht in der Zukunft oder auf fremden Planeten spielen. Das erleichtert höchstens die Einführung eines ungewohnten Erzählmusters, oder einer alltagsentzogenen Idee, so wie Kostüme und Bühnenbilder die Handlung eines Theaterstücks unterstreichen sollen. Nacktes Herumgeballere ist keine Science Fiction, sondern Klamauk.
Hinter jedem guten Mann steht ein guter Geist. Der gute Geist Bradburys schenkte uns mit vollen Händen aus vollem Herzen die Chroniken des Planeten Mars, den illustrierten Mann, Kriminalromane, das Drehbuch zu der Verfilmung von Melvilles Moby Dick und jede Menge genrebefreiter Kurzgeschichten; 600 oder mehr flattern durch die Welt. Einige sind verfilmt worden und auf youtube zu sehen. Reine Medizin für Melancholie.
Ein bereits berühmter Schriftsteller sagte zu ihm in jungen Jahren: „Mr. Bradbury, wissen sie, was sie sind? Sie sind ein Dichter.“ Manchmal muß es von aussen hineingesagt werden, erst dann wird man sich bewußt, wer man ist.
Der Dichter Ray Bradbury hat uns am 5. Juni 2012 verlassen. Im Alter von 91 Jahren. Wo er jetzt ist? Wo schon, auf dem Mars natürlich, wo sonst. „We love you.“
ein Abend mit Ray Bradbury 2001
2001 wandte sich Ray Bradbury auf dem Schriftstellerkongreß in Point Loma bei San Diego mit einem Vortrag über die Kunst des Schreibens und wie sie zu erlernen, zu üben und auszuüben ist, an seine Schriftstellerkollegen. Umrahmt von Anekdoten und gewürzt mit humorvollen Seitenhieben präsentierte er ihnen folgendes Rezept:
„Beginnt mit Kurzgeschichten. Lasst die Finger von Romanen. Ich habe bis 30 gewartet, bevor ich meinen ersten Roman verfasste, Fahrenheit 451. Das hat sich doch gelohnt so lange zu warten, oder? Wenn ihr jede Woche eine Kurzgeschichte schreibt, so ist das ein gutes Training. Man lernt zu vereinfachen und nach Ideen Ausschau zu halten. Am Ende des Jahres habt ihr 52 Kurzgeschichten – und jede Woche ein Erfolgserlebnis gehabt. Es ist fast unmöglich 52 schlechte Kurzgeschichten zu schreiben. Es wird etwas Gutes dabei sein.
Ihr lernt euer Handwerk beim Schreiben und beim Lesen. Lest die Kurzgeschichten von Roald Dahl, von Guy de Maupassant und von John Collier, einem der besten Kurzgeschichtenautoren des Jahrhunderts – und ihr habt wahrscheinlich noch nie seinen Namen gehört
Und bleibt weg von den meisten der modernen Anthologien, das sind Ansammlungen von Bruchstücken des Lebens, die führen nirgendwo hin, sie enthalten keine Metaphern. Habt ihr vor kurzem in den New Yorker geschaut (Zeitschrift) und versucht, eine der Geschichten zu lesen? Haben die euch nicht sofort eingeschläfert? Je früher ihr lernt, eine Metapher zu erkennen und sie aufzuschreiben, desto besser werdet ihr. Ich bin ein Sammler von Metaphern. Ich weiß nicht, wie ich euch lehren kann, eine zu bemerken, wenn ihr sie seht. Was ihr ab heute tun sollt ist, eueren Kopf mit den verschiedensten Dingen aus den verschiedensten Gebieten zu füllen. Ich gebe euch ein einfaches Rezept, bevor ihr einschlaft, lest eine Kurzgeschichte, das dauert nicht länger als 10, 15 Minuten, dann lest ein Gedicht pro Abend, aus dem weiten Feld der Poesie, aus allen Zeiten und allen Stilen.
Bleibt weg von den meisten modernen Gedichten, die sind Mist und keine Poesie. Wenn ihr euch veralbern wollt und Zeilen schreiben wollt, die aussehen wie Poesie, dann könnt ihr sie lesen. Es wird euch nirgendwohin führen.
Lest die großen Dichter. Lest Shakespeare, Alexander Pope, Robert Frost. Dann lest vor dem Einschlafen noch ein Essay. 1000 Nächte lang, 1000 Kurzgeschichten, 1000 Gedichte, 1000 Essays. Essays aus allen Gebieten, Biologie, Politik, Anthropologie, Religion, Astronomie, lest alle großen Philosophen der Geschichte und vergleicht sie miteinander. Essays stecken voller Ideen. Zusammen mit euerer eigenen Sicht auf die Dinge, mit euerer Form von Wahrnehmung und eueren persönlichen Erfahrungen werdet ihr nach 1000 Nächten voller Ideen sein, voller Anregungen und Möglichkeiten, voller Stoff für 1000 Geschichten.“
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„Den ganzen Sommer an einem Tag“
nach der Kurzgeschichte All Summer In A Day von Ray Bradbury
Auf dem Planeten Venus regnet es ohne Unterbrechung. Alles ist feucht, betongraubröselig, innen wie außen. Unter einem undichten grauen Himmel aus dem beständig Wasser rinnt, eilen in Ölzeug und Regenmäntel verschnürte Kinder zwischen den Wasserlachen und Pfützen der Schule zu, die aussieht wie ein verlassenes Fort auf einer englischen Kanalinsel, an dem die Tropfen in Schnüren und Kaskaden entlangrieseln.
Er hört niemals auf, der Regen. Es regnet seit Jahren. Keiner der Schüler hat jemals den Himmel gesehen, sie sind auf der Venus geboren und aufgewachsen, nie hat sich etwas verändert, alles liegt jenseits der geschlossenen Wolkendecke und jenseits ihres Vorstellungsvermögens. Sie kennen die Geschichten über die Erde, über blaue Himmel mit Wolkenschiffen und über grüne Hügel, die ihnen ihre Eltern und Großeltern immer wieder erzählt haben, aber gesehen haben sie nichts davon.
Und dann verkünden die Astrometeorologen eines Tages, daß für einen Tag oder nur für eine Stunde der Regen aufhören soll und daß dann der Himmel sein wahres Gesicht offenbaren wird…. . Ein Mädchen beginnt zu erzählen, wie es aussieht, wenn der Regen aufhört und was geschieht, wenn die Sonne auf das Land scheint…… .
All summer in a day führt uns in das Herz des folgenden Geschehens. Was wir beim Erleben des Filmes fühlen, könnte unser eigenes Herz sein.