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Lava raubt Bananen-Bauern auf La Palma die Lebensgrundlage
Bananen von den Kanaren sind etwas Besonderes, kleiner und süsser als andere. Viele Menschen auf den Inseln leben von ihrem Anbau, auch auf La Palma. Aber die Lava des Vulkans macht auch vor den Plantagen nicht Halt.
Als erstes ging sein Haus verloren, danach das seines Vaters. Dann folgten der Lotterie-Stand und Eisenwarenladen, die ihm gehörten. Und schliesslich musste Antonio Álvarez mitansehen, wie Lava nach einer Vulkan-Eruption langsam den letzten Pfeiler des Wohlstands seiner Familie vernichtete: die Dutzenden Hektar Land, auf denen er die Bananen anbaute, die für die Kanaren typisch sind.
«Mein Vater hat mir immer gesagt, «Mach' dein Haus nicht zu gross, es bringt dir kein Geld, investiere in Bananen! Die Bananen werden dir ein Haus geben.» Und es ist wahr», sagt Álvarez. Als er gefilmt habe, wie die Lava das Haus seines Vaters zerstörte, «war es, als hätte ich ihn noch einmal sterben sehen. Das Haus war ein Teil von ihm.»
Jeder dritte Bananenbauer betroffen
Der 54-jährige ist einer von Tausenden Bauern und Arbeitern auf der Kanaren-Insel La Palma, deren Lebensunterhalt durch den nunmehr schon seit sechs Wochen aktiven Vulkans am Gebirgszug Cumbre Vieja gefährdet oder zerstört worden ist. Die Regionalregierung der Inselgruppe vor der Nordwestküste Afrikas schätzt, dass die Eruptionen des Vulkans der Bananenindustrie bereits Verluste in Höhe von 100 Millionen Euro zugefügt haben. Über 158 Hektar Anbaufläche sind von geschmolzenem Gestein bedeckt und mehr als 300 weitere Hektar abgeschnitten, nachdem Lava auf der westlichen Seite der Insel auf die Strassen geflossen ist.
Die Vereinigung der Bananenbauern der Kanarischen Inseln, Asprocan, schätzt, dass etwa 1500 der 5000 Eigentümer von Bananenplantagen Verluste erlitten haben. Die meisten der Besitzer verfügen nur über ein paar Hektar Land, andere – wie Álvarez – über deutlich mehr. Viele haben mitangesehen, wie ihr Land zerstört wurde, andere verloren ihre Ernte, weil sie nicht zu ihren Bäumen gelangen konnten. Und viele mehr können ihre Produkte nicht mehr vermarkten, weil die vulkanische Asche die Bananenschalen ruiniert hat.
Es ist ein Schock für eine Industrie, die regionalen Regierungsstatistiken zufolge 30 Prozent der Wirtschaftsleistung der Insel ausmacht. Ganze Unternehmen sind der Verpackung und dem Transport der Früchte gewidmet, die Branche hält zusammen mit dem Tourismus die Insel am Laufen.
Vulkan zerstört die Wirtschaft der Insel
«Sie sagen, dass er (der Vulkan) zehn Prozent der Wirtschaft der Insel ausgelöscht hat. Ich glaube, es sind mehr. Es waren nicht nur die Bananen oder Wohnungen oder Frühstückspensionen, er hat alles genommen», sagt Álvarez. «Was uns zugestossen ist, ist 90 Prozent der Menschen hier zugestossen.»
La Palma, das 85'000 Einwohner hat, ist der zweitgrösste Bananenerzeuger in der Gruppe von acht Inseln. Im vergangenen Jahr produzierte es 148'000 Tonnen der speziellen örtlichen Bananen, die zumeist auf das spanische Festland verschifft werden. Sie sind zwar in der Regel teurer als die importierten Bananen aus Lateinamerika und Afrika, sind kleiner, aber werden wegen ihres süsseren Geschmacks und ihrer fleischigeren Struktur oft bevorzugt.
Die Behörden haben finanzielle Hilfen für die Branche und Überbrückungsgelder für Arbeiter zugesagt, die jetzt keinen Job mehr haben. Auch soll ein Gesetz revidiert werden, das durch Lava neu geschaffenes Land zu staatlichem Eigentum erklärt. Entsalzungsanlagen sind auf die Insel geschifft worden, um Bananenbäume auch dort mit Wasser versorgen zu können, wo Lava die Berieselungssysteme zerstört hat.
Und derzeit ist kein Ende in Sicht, der Vulkan in der Cumbre Vieja kommt nicht zur Ruhe. So ist auch das Haus von Jesús Pérez weiter in Gefahr, aber das in seinen Augen wichtigste Besitztum ist ihm schon genommen worden. «Ich hätte es vorgezogen, mein Haus statt meiner Bananenbäume zu verlieren», sagt der 56-Jährige. «Die Bäume geben dir Leben, das Haus gibt dir nichts. Ich habe all mein Leben Opfer gebracht, und für was, nichts?»
Von Emilio Morenatti und Joseph Wilson, AP