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Sehr warmer und trockener April
Anhaltendes Hochdruckwetter sorgte im April dafür, dass sich die Temperatur und die Sonnenscheindauer im Rekordbereich bewegten. Beim Niederschlag hingegen ergab sich ein grosses Defizit.
Vom 1. bis zum 18. April brachten mehrere vom Atlantik über Europa ziehende Hochdruckgebiete in der ganzen Schweiz überwiegend sehr sonnige und warme Verhältnisse. Zwischen dem 19. und 21. April führte ein Tiefdruckgebiet über dem westlichen Mittelmeer feuchte Meeresluft zur Schweiz. Ab dem 22. April wurde das Wetter zunehmend gewitterhaft, vor allem in den Bergen. Die vielen Schönwettertage sorgten dafür, dass die Aprilsumme der Sonnenstunden auf der Alpennordseite auf ungewöhnlich hohe Werte stieg.
Regen erst am Monatsende: Am 28. April floss feuchte Luft aus Südwesten zur Schweiz. Dabei fielen verbreitet 10 bis 20 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Am 30. April steuerte ein umfangreiches Tiefdruckgebiet über den Britischen Inseln eine aktive Niederschlagszone über die Schweiz. Die grössten Niederschlagsmengen fielen vor allem ganz im Westen und Süden.
Bis am 27. April erreichte die Niederschlagssumme im landesweiten Mittel nur gerade 12 % der Norm. Mit dem zusätzlichen Niederschlag am Monatsende stieg die Niederschlagssumme im landesweiten Mittel schliesslich noch auf 50 % des langjährigen Mittels.
Monatsbilanz April 2020
Im Mittelland sowie in der Nord- und Nordwestschweiz fiel in den ersten drei Aprilwochen verbreitet gar kein Niederschlag. Die anhaltende Niederschlagsarmut betraf aber nicht nur den April. Sie reichte schon weit in den März zurück. Auf der Alpensüdseite fielen bereits ab Januar extrem geringe Monatssummen.
Im landesweiten Mittel war es mit 7,6 Grad der drittwärmste April und die Apriltemperatur lag 3,7 Grad über der Norm 1981−2010. Zusammen mit dem April 2011 war es der drittwärmste April seit Messbeginn 1864.
Die Niederschlagsmengen erreichten im April verbreitet 40 bis 60 % der Norm. In der Nordwest-Schweiz, im östlichen Mittelland und am zentralen Alpennordhang lagen die Mengen vielerorts nur bei 30 % oder tiefer.
Die Sonnenscheindauer stieg im April verbreitet auf 160 bis 190 % des langjährigen Mittels. In vielen Gebieten war es der zweit- bis viertsonnigste April in den verfügbaren homogenen Messreihen, welche meist rund 60 Jahre, in wenigen Fällen über 100 Jahre zurückreichen.
Milder und sonniger Mai
In den Niederungen beidseits der Alpen war der Mai der fünfte Monat in Folge mit deutlich überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer. Er war ein Grad milder als die Norm und die Niederschlagsmengen fielen in den meisten Gebieten unterdurchschnittlich aus.
Am 1. und 2. Mai setzte sich die Niederschlagsperiode von Ende April fort. Aus Westen und Nordwesten erhielt die Schweiz feuchte Luft, die weiter zur Entspannung der Apriltrockenheit beitrug. Vom 3. bis am 9. Mai wurde das Wetter von Hochdrucklagen bestimmt. Am 10. und 11. Mai führte ein Tiefdruckgebiet über Westeuropa feuchte Luft in unser Land. Niederschlag fiel vor allem am 11. Mai in der Westschweiz und auf der Alpensüdseite. Später wurde die Alpennordseite von Kaltluft aus Norden erfasst.
Luftmassengrenze: Vom 13. bis am 16. Mai lag die Schweiz an einer West-Ost gerichteten Luftmassengrenze mit kühler Luft im Norden und mildfeuchter Luft im Süden. Auf den 17. Mai schob sich ein Ausläufer des Azorenhochs vom Atlantik nach Zentraleuropa und anschliessend weiter bis zum Schwarzen Meer. Er brachte sonniges und mildes Wetter. Die Tageshöchstwerte stiegen im Norden verbreitet auf 22 bis 25 Grad, im Süden mit Nordföhn auf 27 bis knapp 30 Grad.
Ab dem 20. Mai wurde das Schönwetter durch ein Skandinavienhoch verursacht. Nach einem Kaltfrontdurchzug am 23. Mai, begleitet von Blitz und Donner und kräftigen Regenschauern in der ganzen Schweiz, brachte ein Atlantikhoch das Schönwetter zurück. In der Schweiz blieb es bis zum Monatsende sonnig mit ganz seltenen Schauern oder Gewittern. Auf der Alpennordseite wehte oft eine mässige Bise.
Monatsbilanz Mai 2020
Im landesweiten Mittel lag der Mai 1,0 Grad über der Norm. Die Maitemperatur stieg im Wallis und auf der Alpensüdseite 1,5 bis 2,2 Grad über die Norm. Die Westschweiz und das Engadin registrierten 1,0 bis 1,4 Grad über dem langjährigen Mittel. In der übrigen Schweiz bewegten sich die Werte meist 0,1 bis 0,5 Grad über dem Durchschnitt.
Die Niederschlagsmengen erreichten im Mai verbreitet zwischen 70 und knapp 100 % der Norm. In den Alpen blieben die Summen vereinzelt auch unter 50 % des langjährigen Mittels.
Die Sonnenscheindauer stieg im Mai verbreitet auf 130 bis 170 % der Norm. Regional war es der zweit-bis viertsonnigste Mai der letzten 60 Jahre.
Nasser und sonnenarmer Juni
Die Monatstemperatur im Juni lag im landesweiten langjährigen Durchschnitt. Regional gab es markante Unterschiede in den Niederschlagsmengen. Zum Monatsende zeigte sich der Hochsommer.
Nach einem warmen Monatsanfang blieb das Wetter vom 4. bis 20. Juni vorwiegend tiefdruckbestimmt. Ein Höhentief, dessen Zentrum sich zwischen den Britischen Inseln und dem Golf von Biskaya hin und her bewegte, führte immer wieder feuchte und labil geschichtete Luft aus nordwestlicher bis südwestlicher Richtung in die Schweiz. Deshalb waren die Tagesmitteltemperaturen bis zum 11. Juni flächendeckend zwischen 3 und 5 Grad zu kühl im Vergleich zur Norm.
Im Mittelland stieg die Temperatur am 12. Juni unter dem Einfluss einer kräftigen Südsüdwestströmung verbreitet auf 26−28 Grad, ehe sich die Bedingungen ab dem 14. Juni erneut verschlechterten. Auf der Alpensüdseite führte der Wechsel auf Nordwind vom 12. bis 15. Juni zu sommerlichen Verhältnissen. Zwischen dem 16. und 20. Juni wurde es in der ganzen Schweiz noch einmal so kühl wie vor der Monatsmitte.
Die ersten zwei Drittel des Monats Juni waren regional deutlich zu nass. Eine erste Kaltfront aus Westen brachte am 4. Juni in der ganzen Schweiz Niederschlag. Die Kaltfront blieb zwischendurch nahezu stationär über der Schweiz, wodurch sich im Tessin an manchen Orten über den Tag 80 Liter pro Quadratmeter Regen ansammelten. Eine weitere Kaltfront brachte am 7. Juni auf der Alpennordseite ergiebige Niederschläge, insbesondere entlang dem Alpenkamm, in Nord- und Mittelbünden. Die Schneefallgrenze sank dabei stellenweise unter 1000 Meter. Auf der Alpensüdseite verursachten Gewitter an einigen Messstationen Tagessummen von deutlich über 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter (= 100 mm).
Am 10. Juni brachte ein Mittelmeertief über Genua kräftige Niederschläge in den Ostalpen. Zwischen dem 4. Juni und dem 11. Juni trocknete es in der ganzen Schweiz kaum ab. Eine erneute Phase mit anhaltenden Niederschlägen begann am 13. Juni und endete um den 19. Juni. Ein herannahendes Tief brachte am 17. Juni regional heftige Niederschläge innert weniger Stunden. Am 28. und 29. Juni sorgte erneut eine Kaltfront für ergiebigen Niederschlag auf der Alpennordseite, insbesondere entlang der Voralpen. Am 21. Juni setzte schliesslich Hochdruckwetter ein.
Bis zum Monatsende blieben die Temperaturen im sommerlichen Bereich. Deshalb lag die Junitemperatur am Ende trotz der langen Schlechtwetterphase beim langjährigen Durchschnitt.
Monatsbilanz Juni 2020
Die Junitemperatur war im ganzen Land sehr nahe an der Norm. Das Mittelland registrierte vorwiegend leicht positive Abweichungen von 0,1 bis 0,4 Grad. In den Jurahöhen blieb das Junimittel 0,1 bis 0,2 Grad unter der Norm. Ebenfalls mehrheitlich leicht negative Abweichungen von -0,1 bis -0,5 Grad verzeichneten die Messstandorte am Alpennordhang, in Nord- und Mittelbünden und in weiten Teilen des Wallis.
Die Niederschlagsmengen im Juni lagen fast flächendeckend deutlich über dem langjährigen Mittel. In der Westschweiz, im Jura und im Mittelland, sowie am Alpennordhang, in Nord- und Mittelbünden wurden 110 bis 160 % des durchschnittlichen Niederschlags erreicht, vereinzelt auch über 170 %. Im Wallis, im Engadin und im Südtessin waren es verbreitet 130 bis 170 % der Norm.
Überall im Land gab es im Juni unterdurchschnittliche Sonnenstunden, am meisten im zentralen und östlichen Mittelland und auf der Alpensüdseite mit 90 bis 100 % der Norm.
Quelle: MeteoSchweiz, Klimabulletins 2020