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| Fulgentius von Ruspe (467-533) - Ausgewählte Predigten

4. Die Erscheinung des Herrn; die Ermordung der unschuldigen Kinder und die Geschenke der Magier
1.
Ihr wißt, geliebteste Brüder, daß dieser Tag, der von uns zu Ehren des Herrn Jahr für Jahr gefeiert wird, von allen Gläubigen mit frommer Bezeichnung Epiphanie genannt wird. Da dies bekanntlich ein griechisches Wort ist, ist seine Bedeutung vielen Lateinern unbekannt. Daher kommt es, daß alle Lateiner diese Bezeichnung gebrauchen, aber nicht alle wissen, was sie sagen. Es ist daher gut, daß alle, die den heutigen Tag Epiphanie nennen, ohne die Bedeutung dieses Namens zu kennen, durch unsere Auslegung das Geheimnis der Bezeichnung des heutigen Tages kennenlernen. Das Fest dieses Tages soll nämlich von allen Gläubigen gefeiert werden, darum dürfen sie auch nicht im unklaren sein über den Grund des Festes. Dieser Tag heißt also, wie wir bereits gesagt [S. 212] haben, in der christlichen Religion Epiphanie. Epiphanie bedeutet aber Offenbarung. Es ist uns von den Vätern überliefert worden, daß der eingeborene Sohn Gottes, nachdem er dem Fleische nach in der Zeit geboren war, an diesem Tag den Magiern bei ihrer Ankunft geoffenbart und von ihnen unter Darbringung von Geschenken demütig angebetet wurde. Denn da er derselbe Gott ist, der im Alten Testament angeordnet hat, ihm die Erstlinge darzubringen, hat er nach seiner Geburt als Mensch die Erstlinge der Völker zu seiner Verehrung bestimmt. Die Autorität des Apostels bezeugt es, daß „es ein Gott ist, der die Beschneidung rechtfertigt aus dem Glauben und die Vorhaut durch den Glauben“;1 unter Beschneidung meint er ohne Zweifel die Juden, unter Vorhaut die Heiden.
1: Röm. 3, 30.