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Die diesjährige Theatergruppe hat sich recht schnell für Schillers "Räuber" entschieden. Erstaunlich bei einer Gruppe, die aus 10 jungen Damen und zwei Herren besteht!
Die diesjährige Theatergruppe hat sich recht schnell für Schillers "Räuber" entschieden. Erstaunlich bei einer Gruppe, die aus 10 jungen Damen und zwei Herren besteht! Aber wie spielt man heute diesen Klassiker? Es gäbe ja Textbearbeitungen für reine Frauengruppen. Auch mehrfache Aktualisierungen gibt es. Die Engelberger Truppe aber will nahe am Original bleiben, hat keine Lust, die Geschichte mit aktuellen Themen aufzuladen. Das Publikum soll sich selber seine Gedanken dazu machen können. So haben wir uns für Marcus Brauns Bearbeitung vom Deutschen Theaterverlag entschieden, die viel vom Original übernommen hat.
Tumult und Ohnmacht, wie Helge Hesse es im Buch "Die Welt neu beginnen. Leben im Zeitalter des Aufbruchs 1775-1799" beschreibt, löst Schillers erstes Stück heute nicht mehr aus. Es hat seine Längen, ist sprachlich schwierig, ausufernd, pathetisch. Da setzt die Bearbeitung von Marcus Braun an, durch rigorose Kürzungen und sprachliche Vereinfachungen. Es entstehen (gerade auch dadurch) ironische Brechungen, die durchaus zum Lachen bringen können. Das Ganze ist vom Pathos enthoben. Vielleicht ist es gerade das, was die Jungen bei dieser Version anspricht: Das Gefälle zwischen Karl, dem moralisch Guten, und Franz, dem moralisch Schlechten, ist nicht mehr so klar. Vielleicht ist die Geschichte dem heutigen Menschen somit näher, glaubwürdiger? Und dennoch berührt der Grundkonflikt in Schillers Geschichte. Fragen nach Gut und Böse stellen sich immer wieder, immer wieder neu, sind zeitlos menschlich. Die Provokation in Schillers Stück besteht ja unter anderem darin, dass Karl als Räuber, der staatliche Gesetze bricht, moralisch positiv bewertet wird. Wer ist also der Bessere? Der jugendlich Übermütige, der Reue zeigt, der "Räuber" wird, aber moralisch (eher) überzeugt? Oder der Treue, Angepasste, der nur auf seine Vorteile bedacht ist? Welcher Zweck heiligt die Mittel? Fragen, die uns noch heute beschäftigen und uns wohl immer beschäftigen werden. Was gut oder schlecht ist, ist nicht immer einfach zu beantworten. Die Freude an Spiel und Witz sei erlaubt – und möge Sie gut unterhalten!
Franziska Bachmann Pfister
Leiterin Freifach Theater
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