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Die Schlagzeugerin und Künstlerin Maru Rieben ist Teil des Kollektivs «Bern ist überall» und haut bei Spoken-Word-Veranstaltungen auf die Pauke. Wir haben sie in ihrem Proberaum getroffen.
Sie schreiben oft rhythmisch: Die Spoken Word Autorinnen und Autoren des Kollektivs «Bern ist überall». Die Truppe, die dieses Jahr ihr zwanzigjähriges Bestehen feiert, tritt in immer wechselnden Besetzungen auf, wobei Musiker:innen und Autor:innen gemeinsam die Bühne rocken. Maru Rieben ist als Perkussionistin dabei und liefert Sound zu den gesprochenen Texten. Ihr erstes Instrument war jedoch das Klavier. Doch dann kamen die Jugendunruhen der Achtzigerjahre. «Das Instrument passte nicht mehr zu mir», so Rieben. Sie besuchte das Gymnasium Kirchenfeld und kam erstmals mit linkem Gedankengut in Berührung. Die aus einem kleinbürgerlichen, katholischen Elternhaus stammende Jugendliche ging an Demonstrationen und nahm an der Besetzung der Reithalle teil. Bands wie Züri West traten auf. «Wir tanzten im Sägemehl, das noch in der Halle lag.» Um Freiräume sei es damals gegangen. Rieben meldete sich bei der Berufsberatung und sagte: «Ich will Schlagzeugerin werden.» Man verwies sie an die Jazzschule, wo sie später aufgenommen wurde und Unterricht bei der Schlagzeuger Legende Billy Brooks erhielt. Zwischen ihr und ihren Eltern herrschte zu dieser Zeit Funkstille. «Ich putzte und arbeitete an einer Tankstelle, um meine Ausbildung zu finanzieren.» Schliesslich hätten die Eltern gemerkt, dass sie es ernst meine, mit dem Schlagzeugspielen. «Die dachten ich revolutioniere nur.»
Drummer haben es gut
Frauen waren an der Jazzschule kaum vorhanden. Umso mehr wollte Rieben als Musikerin ernst genommen werden. «Ich kleidete mich unweiblich und hatte kurze Haare. Den Charme hatte ich noch nicht für mich entdeckt», erinnert sie sich lachend. Sie schloss sich der Instrumentalband «Atropa belladonna» – auf Deutsch «Schwarze Tollkirsche» – an. Die bereits verstorbenen Musikerinnen Asita Hamidi (Harfe) und Anna Kurz (Gitarre) gehörten unter anderem zu der heute nicht mehr bestehenden Band. Gibt es eine typische Schlagzeuger-Persönlichkeit? Rieben fällt dazu nur eines ein: «Drummer haben es gut miteinander.» Es herrsche wenig Konkurrenz, auch wenn jede Band nur eine Schlagzeugerin oder einen Schlagzeuger verpflichten könne. Rieben ist nicht nur als Musikerin, sondern auch als bildende Künstlerin aktiv und bestens vernetzt. In der Galerie 25 in Siselen präsentierte sie etwa eine Klanginstallation, bestehend aus Cymbals, die schwebten und in Bewegung versetzt werden konnten.
Multimedia und Komposition
Aus Neugierde besuchte sie in den Nullerjahren den «Tag der offenen Türe» an der Hochschule der Künste (HKB) und war sofort Feuer und Flamme für den Studiengang «Sound Arts», bei dem sich Multimedia, Komposition und Performance überschneiden. «Ich habe während der Ausbildung meine Angst vor dem Computer und kompliziert scheinenden Programmen verloren.» 2010 schloss sie schliesslich ihren Master an der HKB ab. Rieben schrieb in ihrer Masterarbeit über die Tücken des Schlagzeug-Transports und realisierte ein Feature, das auf Radio SRF gesendet wurde. Die Musiker Andi Hug, der Schlagzeuger von Patent Ochsner, Bals Nill und Maurice de Martin kamen zu Wort. Nicht nur das Transportieren des Instrumentes ist schwierig, auch den geeigneten Proberaum zu finden ist nicht selbstverständlich. «Man darf beim Üben niemanden stören und endet oft in Luftschutzkellern oder stinkenden Übungsräumen», so Rieben. Sie selbst hat kürzlich im Holligerhof, wo sie sich einen Raum mit drei anderen Kunstschaffenden teilt, ihren Platz gefunden. Hier kann sie getrost auf die Pauke hauen oder auf ihrem Vintage-Schlagzeug aus den 20-er Jahren spielen. Die Wände der Industriehalle sind dick und schlucken den Sound – auch wenn es mal ohrenbetäubend laut wird.
Helen Lagger
PERSÖNLICH
Maru Rieben wurde 1963 in Bern geboren. Sie hat sich an der Jazzschule in Bern zur Schlagzeugerin ausbilden lassen. Rieben ist Mitglied der Autor:innengruppe «Bern ist überall» und begleitet Lesungen von Poetry-Slammer:innen mit ihren Perkussionen. An der Hochschule der Künste in Bern hat sie Sound Arts studiert.
«BERN IST ÜBERALL»
25.10. – 9.12.:
Jubiläumsausstellung | 20 Jahre «Bern ist überall» Kornhausbibliothek Bern.
25.10., 18 Uhr:
Vernissage | Mit Stefanie Grob, Antoine Jaccoud, Guy Krneta, Gerhard Meister, Maru Rieben und Daniel de Roulet
1.11. 15 – 17 Uhr:
Geschichtenautomat für Kinder | Mit Stefanie Grob
18.11., 15 – 18 Uhr:
Wortwarenladen | Mit Guy Krneta, Daniel de Roulet und Beat Sterchi
28.11., 18.30 Uhr:
«Kosovë is everywhere» | Im Kino Rex anschliessendes Publikumsgespräch mit Ariane von Graffenried, Gerhard Meister und Matthieu Moerlen
2.12., 17 – 19 Uhr:
Gespräch zu Vielsprachigkeit und Sprachgrenzen | Ariane von Graffenried, Guy Krneta, Beat Sterchi, Daniel de Roulet und Antoine Jaccoud