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Verschlafen schlurfen die Knirpse um zehn vor acht in das Kindergartenzimmer und setzen sich in den Sitzkreis. Die ersten schnappen sich die begehrten Plätze neben der Kindergärtnerin Jasmin Schaller. Nach einem Lied beginnen alle zusammen zu zählen: «Eins, zwei, drei …», bis auf 16, denn 16 Kinder besuchen diesen Kindergarten an der Vignettaz-Schule im Beaumont-Quartier in Freiburg.
Sie zählen auch noch auf Schweizerdeutsch, Französisch und Englisch. Nicht in jeder Sprache sind sich alle Kinder gleich sicher. Arsen bewegt beim Englischen beispielsweise nur den Mund und blickt fasziniert zu seiner Nachbarin, die mit Englisch keine Probleme hat. Arsen könnte dafür auf Russisch zählen.
Eine Realität in der Stadt
Im Kindergarten treffen achtSprachen aufeinander: Deutsch,Französisch, Italienisch, Englisch, Russisch, Tamilisch, Spanisch und Albanisch. An den Freiburger Schulen ist das nichts Besonderes: 72 verschiedene Länder sind vertreten. Die Stadt hat Angebote aufgebaut, um die mehrsprachigen Kinder zu unterstützen (siehe Kasten). Im Kindergarten kommt dreimal pro Woche Andrea Trepp vorbei, sie unterrichtet Deutsch für Fremdsprachige.
Jetzt, zu Beginn des Schuljahres, macht sie vor allem spielerische Wortschatzübungen. Die Kinder betätigen sich beispielsweise als Früchteverkäufer und lernen so die Wörter für die Früchte, aber auch Begriffe rund um das Einkaufen, Bezahlen und Grüssen.
Italienisch flüstern
Mittlerweile spielen die Kinder im ganzen Zimmer verteilt. Einige Jungen tollen auf dem Boden, andere spielen mit Würfeln und einige sitzen an einem langen Tisch und zeichnen. Martina und Camilla stecken die Köpfe zusammen, flüstern auf Italienisch. Neben ihnen zeichnet Aheertha. Sie male ihr Mami und ihren Papi, sagt sie. «Und was ist das?»–Mit grossen Augen blickt sie auf. Schweigt. «Fleurs?»–«Blumen?»–«Ja, Blumen», bestätigt sie, und ihre Augen strahlen.
Dass die Kinder nur Hochdeutsch sprechen, sei schwierig durchzusetzen, sagt Jasmin Schaller. «Mittlerweile halten sie sich jedoch meist gut daran.» Einfach sei es aber nicht für alle, Aheertha etwa habe zu Beginn kein Wort verstanden. Nach nur vier Wochen im Kindergarten kann sie bereits einem grossen Teil der Anweisungen gut folgen.
Auch für Schaller ist es eine Herausforderung, mit den vielen Sprachen umzugehen. «Ich unterstreiche meine Worte mit Gesten und wiederhole, was ich sage.» Sie sieht die Mehrsprachigkeit und auch das Aufeinandertreffen der Kulturen als Chance für die Kinder. «Weil so viele einen anderen sprachlichen Hintergrund haben, wird niemand ausgeschlossen.»
Riesige Karotte
Beim Znüni herrscht ein fröhliches Durcheinander. Als Luca eine grosse Karotte auspackt und sie der Kindergärtnerin gibt, lachen die anderen. «Eine riesige Karotte», sagt Schaller. «Eine riesige Karotte, eine riesige Karotte», wiederholt Viola, die zu Hause albanisch spricht, mehrmals leise. Sie scheint sich die Wörter auf der Zunge zergehen zu lassen. Dann blickt sie auf, packt ihre Sachen und rennt mit den anderen in die Pause.
Mehrsprachigkeit: Nachhilfestunden und ein Vermittler zwischen Eltern und Schule
O bwohl Kinder grundsätzlich schnell eine Sprache lernen, ist die Einschulung nicht immer einfach für sie, wenn sie dort eine andere Sprache sprechen müssen als zu Hause. Die Stadt Freiburg hat mehrere Angebote, um den Kindern den Einstieg zu erleichtern: Die ersten zwei Klassen können Fremdsprachige in Einführungsklassen absolvieren, dies allerdings nur in der französischsprachigen Abteilung. Es gibt auch Sprachkurse und Nachhilfestunden. «Das zweite Kindergartenjahr ist ebenfalls ein Vorteil», sagt Gemeinderätin Antoinette de Weck. Neu hat die Stadt auch einen Dienst, der den Kontakt zwischen der Schule und den Eltern herstellen soll. «Eltern, die nicht in der Schweiz zur Schule gingen, kennen unser Schulsystem nicht», sagt de Weck. Der französischsprachige Paulo Wirz hat diese Stelle im September angetreten. «Es geht darum, zu übersetzen und die Lehrer zu unterstützen», sagt er. mir