Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03217.jsonl.gz/1000

Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft, in der offiziellen Reihenfolge deren einundzwanzigster. Lage;Orographie und Geologie. Der Kanton Neuenburg
liegt im westl. Abschnitt der
Schweiz zwischen 46° 52' 16" und 47° 9' 58" NBr., sowie
6° 26' 01" und 7° 05' 21" OL. von Greenwich. Er grenzt an Frankreich, den Kanton Waadt,
den
Neuenburgersee und den Kanton Bern
und erstreckt sich
quer über das hier von SW. nach NO. streichende Faltengebirge des
Jura vom
Neuenburgersee (430 m) bis zum Ufer des
Doubs (750
m).Höchster Punkt im Innern des Kantons 1442 m. Ist mit 808 km2 der vierzehnte der 22 Kantone der
Schweiz.
Als jurassischer Kanton weist Neuenburg
einen im Aufriss stark gegliederten Bau auf. In den
Montagnes finden wir grosse Längsthäler
zwischen einförmigenKämmen, die an den Hängen mit grossen Tannenwaldungen bekleidet sind und auf den
Rücken Weideflächen (Sennberge) tragen. Wie im ganzen mittleren
Jura haben auch hier die Gewölberücken meist sanft gerundete
Formen,
die hie und da durch die Arbeit einer rezenten Erosion abwechslungsreicher modelliert worden sind.
Der höchste Punkt mit 1550 m findet sich aber auf der Grenze des Kantons Bern
in dem zum
Chasseral ansteigenden
Grat. Die übrigen den
Kanton durchstreichenden Ketten halten sich meist zwischen 1100 und 1300 m. Mehrere der nahezu 1000 m
hoch gelegenen Längsthäler sind trotz dieser bedeutenden
Höhe ständig bewohnt, ja es bilden sogar gerade die
Thäler von
La Chaux de Fonds und
Le Locle das am dichtesten bevölkerte Gebiet des Kantons. Die einzelnen Längsketten
nehmen in der Richtung von O. nach W. an
Höhe langsam aber stetig ab.
Die Ketten des NeuenburgerJura sind in der Hauptsache aus den Schichten der Juraperiode aufgebaut und zwar von oben nach unten
aus oberem Malmkalk (Portland, Kimeridge, Sequan), mergeligem unterem Malm (Argovien und Oxford) und
dem die Gewölbekerne bildenden Dogger (Callovien, Bathonien, Bajocien). Den Lias hat man bis jetzt nur an zwei Stellen anstehend
gefunden, nämlich am untern Ende der Combe desAuges (bei Convers) und bei Les Quignets, d. h. in der am schärfsten hervortretenden
Falte des ganzen Gebietes. An den tiefern Gehängen der Gewölbe und in der Sohle der Mulden finden sich
in der Regel auch noch die der Untern Kreide angehörenden Neocomstufen des Valangien, Hauterivien und Urgon. In der Mitte
der grossen Muldenthäler endlich liegt noch tertiäre Süsswassermolasse (Aquitanische und Langhische Stufe) und Meeresmolasse
(Burdigalische Stufe).
Dieses Tertiär zieht sich auch als schmales Band der Senke des Neuenburgersees entlang, ist hier aber
vielfach unterbrochen, da das ganze Thal des Neuenburgersees, der Zihlebene und des Bielersees gerade in die Kontaktzone zwischen
Neocom und Tertiär eingesenkt ist. Eine bedeutende Rolle spielen ferner die glazialen Ablagerungen, die zwar das Bodenrelief
wenig beeinflussen, dafür aber durch ihr Retentionsvermögen die meteorischen Wasser zurückhalten und
so einen für die Pflanzenwelt günstigen, feuchten Humusboden bilden.
Dieses vom ehemaligen Rhonegletscher abgelagerte Moränenmaterial ist am reichlichsten längs dem Jurarand vertreten, findet
sich aber auch im Val de Travers und Val de Ruz, wo ihm noch solche glazialen Geschiebe beigemengt sind, die aus
dem Jura selbst stammen und von lokalen Gletschern zurückgelassen wurden. Der Moränenschutt in den höhern Regionen (Les Verrières,
Les Ponts, Le Locle, La Chaux de Fonds,
La Brévine) verdankt sein Vorhandensein dagegen fast ausschliesslich diesen lokalen
Eis- und Firndecken.
Auf diesen zum Teil lehmigen Schuttböden haben sich dann später die namentlich in der Gegend von Les Ponts
und La Brévine so ausgedehnten Torfmoore entwickelt. Zahlreiche nasse oder vertorfte Thalböden sind jetzt durch künstliche
Entwässerung trocken gelegt (Val de Ruz, Perreux, La Brévine), während andere auf diese Urbarmachung noch warten müssen.
Stellenweise kann das lokale jurassische, d. h. nicht alpine Moränenmaterial aber auch im Bodenrelief
stark hervortreten, wie dies z. B. bei der nachträglich noch von Bergsturzmaterial überschütteten Moräne vor dem Creux du Van,
bei der grossen Lokalmoräne von Les Bayards und bei den Moränen am SO.-Hang des Plateaus von Les Ponts und bei Prépunel der
Fall ist.
Nach dem Rückzug der Gletscher gingen an manchen Orten Bergstürze und Erdschlipfe nieder, so besonders
in den Gorges de l'Areuse unterhalb des Champ du Moulin und bei der Clusette, wo die jurassische Moräne einem bedeutenden
Glazialschutthaufen alpinen Ursprunges aufsitzt. Die Sturz- und Moränenschuttbarren haben ferner die fliessenden Wasser oft
zu temporären Seen aufgestaut, die z. B. den Champ du Moulin und das ganze Val de Travers von Noiraigue
bis Buttes und Saint Sulpice überfluteten. Zu nennen sind endlich noch die an Quellen oft vorkommenden Tuffbildungen, die
am Fuss von Steilhängen liegenden Sturzschuttkegel und die besonders über dem heutigen Ufer des Neuenburgersees bemerkenswerten
lakustren Ablagerungen und alten Deltabildungen. Im ganzen Kanton spielen in orographischer, geologischer
und hydrographischer Beziehung die Gebilde der Jura- und Kreideperiode die wichtigste Rolle, da sie es sind, die die Berge des
Landes aufbauen.
allmählig oder plötzlich ausstreichen und von einem anderen Gewölbe oder Mulde abgelöst werden kann. Deshalb sind die
vier Gewölbe und drei Mulden im s. NeuenburgerJura nicht immer die direkte Fortsetzung der schon genannten tektonischen Einheiten.
So ist die Mulde von Verrières nicht die Verlängerung sondern nur das Aequivalent derjenigen von La Brévine,
die ihrerseits wieder die Synklinale von Le Locle ablöst; so erlischt auch die Mulde von Les Ponts bei Les Emposieux und wird
erst weiterhin von einer Verzweigung des synklinalen Val de Travers, nämlich der Mulde von La Côte aux Fées, abgelöst.
Einzig die Mulde Val de Ruz-RochefortVal de Travers zieht ununterbrochen von ihrem Beginn (bei Clémesin
nahe der Grenze gegen den Kanton Bern)
bis zur Waadtländer Grenze, wo sie mit derjenigen von Noirvaux verschmilzt. Dementsprechend gehen
auch einzig die Falten des Creux duVan-Chaumont und des Malmont-Sommartel ohne Ablösung durch den ganzen Kanton. (Vergl. die
tektonische Karte und die geologischen Profile).
Der Kanton Neuenburg
hat im Val de Travers und bei Saint Aubin asphaltführende Schichten, die an beiden Orten dem Obern Neocom (Urgon; Kalke
mit Requienia Ammonia) angehören. Der Asphalt findet sich in diesen porösen kreidigen Kalken als mehr oder
weniger gleichmässig verteilte Imprägnation. Die weniger als 7% Asphalt (Erdpech) enthaltenden Schichten («trappe»
genannt) werden nicht abgebaut; die abbauwürdigen Bänke enthalten bis zu 15% von diesem Material.
Die Asphaltlager im Val de Travers gehören zu den bedeutendsten in Europa und liefern jährlich mehr als 30000 Tonnen dieses
Rohstoffes. Es werden Stollen in die meist 2-4, hie und da aber auch 6-8 m mächtigen Bänke getrieben,
wobei man die an Asphalt weniger reichhaltigen Schichten, d. h. eben die «crappe»,
als Decke der Gänge stehen lässt, da die darüber lagernden Mergel des Aptien, Albien und Tertiär als solche nicht genügend
Festigkeit hätten. Da die stehen gelassenen Pfeiler bei der geringen
¶