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Basel (?), 1897 datiert
Seide; Stickerei mit Seidengarn und Goldlahn
H. 185 cm, B. 173 cm
Inv. 2010.56.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich die Stadt Basel in einem sprunghaften Wachstum. Mit den zahlreichen Zuwanderern aus anderen Teilen der Schweiz und den benachbarten Regionen Deutschlands kamen auch immer mehr Gesellen katholischer Konfession nach Basel.
Um diesen in einer reformierten Stadt ein soziales Netz mit katholischem Hintergrund zu bieten, wurde der Katholische Gesellenverein Basel ins Leben gerufen. Es galt, die jungen Männer in der Fremde vor Verwahrlosung, sozialem Abstieg und Entfremdung von der christlichen Lebensweise zu bewahren; sie auch vor sozialdemokratischer Beeinfl ussung zu schützen, mag ein weiteres Ziel gewesen sein.
In Anwesenheit des Kölner Priesters Adolph Kolping (1813–1865) wurde der Katholische Gesellenverein Basel am 21. August 1859 feierlich in der St. Clara-Kirche ge- gründet. Adolph Kolping, der auch als «Gesellenvater» bezeichnet und 1991 seliggesprochen wurde, hatte massgeblich die Entstehung dieses katholischen Sozialwerkes gefördert. Unter seiner Leitung hatte sich die Bewegung sehr rasch im deutschsprachigen Raum verbreitet. In der Schweiz waren Gründungen katholischer Gesellenvereine in Appenzell (1853), Rorschach (1854) und St. Gallen (1855) dem Basler Verein vorangegangen.
Das 1897 datierte Banner ist die dritte Fahne des Katholischen Gesellenvereins Basel. Die erste war zur Gründung 1859, die zweite zum 20. Jahrestag eingesegnet worden. Die dritte Fahne wurde ohne Jubiläumsanlass, aber vielleicht in Hinblick auf den 40. Jahrestag der Gründung, der 1899 anstand, in Auftrag gegeben. Auf der einen Seite zeigt es auf blau-weiss-gefl ammtem Grund das Basler Wappen, umgeben vom Schriftzug «Gesellenverein Basel 1897». Die reich bestickte Rückseite zeigt unter der Devise «Gott segne das ehrbare Handwerk» den hl. Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm. Als Zimmermann war der Ziehvater Jesu ein geeigneter Schutzpatron für die Vereinigung von Handwerkergesellen. Seine Verehrung erfuhr in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Gesellenvereine eine starke Verbreitung. Mit «Religion & Tugend», «Arbeit & Fleiss», «Frohsinn & Scherz» sowie «Eintracht & Liebe» sind in den vier Ecken die recht umfassend angelegten Ziele des Gesellenvereins benannt.
Während die Schweizer Gesellenvereine zunächst vor allem den ausländischen, meist deutschen Gesellen auf Wanderschaft gedient hatten, verlagerte sich nach dem Ersten Weltkrieg ihr Wirkungsfeld immer mehr auf die Betreuung einheimischer Gesellen und Handwerker. Das heute noch bestehende, stattliche Kolpinghaus nahe der Kartause in Kleinbasel dient diesem Zweck erst seit 1930; zuvor waren die Vereinsräume recht provisorisch an verschiedenen Örtlichkeiten untergebracht.