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Deutlicher Rückgang der verwendeten Tiere im Jahr 2011?
In seiner Medienmitteilung, die anlässlich der Veröffentlichung der Statistiken erschien, schreckte das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) in keiner Weise davor zurück, die Praxis der Tierversuche herunterzuspielen. Schamlos kündigte es einen „deutlichen Rückgang der Anzahl der verwendeten Tiere“ an.
Den Zahlen gemäss wurden 662’128 Tiere verwendet, was gegenüber 2010 tatsächlich einem Rückgang von 99’547 Tieren (- 13,1 %) entspricht. Allerdings waren im Jahr 2010 55’571 Tiere mehr (+ 7,9 %) als 2009 verwendet worden.
Wie sind also diese Zahlen zu interpretieren, die Jahr für Jahr veröffentlicht werden?
Eine Bewilligung, um Tierversuche betreiben zu können, ist drei Jahre lang gültig. Im Rahmen eines Versuchs, bei dem insgesamt 3‘000 Tiere vorgesehen sind, können also im ersten Jahr 100, im zweiten ebenfalls 100 und im dritten 2‘800 Tiere verwendet werden. Je nach Planung ist natürlich auch das umgekehrte Vorgehen möglich.
Um eine echte Vorstellung von einem Rückgang oder einer Erhöhung der Anzahl Tierversuche zu erhalten, muss die Gesamtzahl der verwendeten Tiere auch mit der Zahl der gültigen Bewilligungen verglichen werden. Im Jahr 2011 waren dies 3‘592, also + 11 % gegenüber 2010. Umgekehrt ging die Zahl der 2011 neu erteilten Bewilligungen, Tierversuche durchzuführen, um 1‘015 zurück, was einem Rückgang von 15 % gegenüber dem Jahr 2010 entspricht.
Diese individuell erstellten Statistiken erlauben es nicht, sich eine sehr klare Vorstellung von der Lage in der Schweiz zu machen.
Aussagekräftiger ist hingegen die Grafik, welche die Daten von 1983 bis 2011 enthält. Daraus geht hervor, dass heute mehr Tiere verwendet werden als Ende der Neunzigerjahre. Dies obwohl die Tiere inzwischen bei zahlreichen Verfahren durch Alternativmethoden ersetzt wurden und die gesammelten Daten viel genauer analysiert werden können, wodurch die Zahl der bei einem Versuch verwendeten Tiere stark sinkt. Wenn ein Versuch im Jahr 1990 noch 500 Tiere erforderte, sind es inzwischen nur noch etwa hundert.
Angesichts dieser neuen Forschungsmethoden und der Versuche, die derzeit im Gang sind, kann in keiner Weise von einem Rückgang der Tierversuche gesprochen werden. Es handelt sich vielmehr um einen deutlichen Anstieg. So lagen 2005 beispielsweise 2‘987 gültige Bewilligungen vor (3’592 im Jahr 2011) und es wurden 934 neue Bewilligungen erteilt (1’015 im Jahr 2011), wobei insgesamt 704’250 Tiere verwendet wurden (662’128 Tiere im Jahr 2011).
Die neuen Alternativ- oder bioinformatischen Methoden tragen keineswegs zu einem Rückgang der Tierversuche bei. Dabei sind solche Methoden effizienter, weniger gefährlich für die Gesundheit und billiger als die Verwendung von Tieren. Die Einsparungen, welche die Unternehmen, Stiftungen und Universitäten erzielen, werden jedoch massiv in Tierversuche investiert. Das Konzept der 3R und anderer ethischer Pseudo-Richtlinien, welche die Verwendung von Tieren streng einschränken, stellen ein blosses Lügengespinst dar.
Tierversuche finanzieren Forscherkarrieren
Die Zahlen, die der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) veröffentlicht, sind recht aussagekräftig: 70 % der öffentlichen Gelder, die für Tierversuche bestimmt sind, dienen nur dazu, den Lohn von Tausenden von Forschern zu bezahlen.
Was also bewegt Forscher dazu, Tierversuche durchzuführen, obwohl man weis, dass menschliches Material, etwa aus Biopsien aus Spitaluntersuchungen, für die medizinische Forschung aussagekräftiger ist als die Verwendung von Mäusen?
Eine gewisse Anzahl Forscher ist überzeugt, dass sich die anhand von Mäusen erhaltenen Resultate auf den Menschen übertragen lassen. Dabei wird für einen Teil dieser Wissenschaftler das Ziel ihrer neuen Forschung darin bestehen, herauszufinden, warum das bei Mäusestämmen untersuchte Protein X zu Resultaten führt, die im Widerspruch zu den gleichen Studien führen, die an Stämmen der Mäuse Y durchgeführt wurden.
Dann gibt es auch noch die international renommierten Forscher. Oftmals handelt es sich dabei um Barone unserer Universitäten, die einen Grossteil ihrer Mitarbeitenden oder gar eine gesamte Forschungsabteilung terrorisieren. Sie haben die Macht, die Zukunft eines Postdoktoranden zu zerstören, bevor seine Karriere überhaupt begonnen hat.
Man muss diese Barone, Experten im Mäusesezieren, gesehen haben, die infolge mangelnden Know-hows in Anbetracht einer Zellkultur erbärmlich versagen. Man versteht, dass das Interesse solch ehrwürdiger Professoren nicht dem Fortschritt der medizinischen Forschung, sondern der Erhaltung ihres hierarchischen Status und der damit verbundenen Vorteile gilt.
Tierversuche werden somit nicht schon morgen durch neue Forschungsmethoden ersetzt.
In der Schweiz gibt es rund hundert solch akademische Karrieristen. Sie haben die Zukunft der Forschung in der Hand.