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“Comeback? Ich habe nie aufgehört zu arbeiten”
Tatjana Patitz liebt Pferde. Ihrem Sohn Jonah (6) gefallen Esel besser. Sein treuster Spielgefährte heisst Jasper, ein gutmütiges Tier, mit dem er im Garten der Patitz-Villa in Malibu herumtollt. Seit einigen Wochen fordert Jonah einen Partner für Jasper. «Er will zwei Esel haben», sagt Patitz. «Das kann ich verstehen.» Die Familie – Vater Jason Johnson zog aus – wird also um einen Esel erweitert. Und weil Tatjana Patitz plant, zehn oder zwanzig Pferde zu adoptieren, verlässt sie demnächst Los Angeles, um auf eine Farm in Zentralkalifornien zu ziehen.
«Da haben wir mehr Ruhe und Platz. Trotzdem brauchen wir auf nichts zu verzichten. Ich liebe Musik, und wenn ich Konzerte hören will, fahre ich nach Santa Barbara. Alle Bands kommen da vorbei.» Schon immer interessierten Tiere und Musik Patitz mehr als die Mode. 1990 war die nackte Tatjana Patitz auf einem Titelbild der britischen «Vogue» zu sehen, wie sie sich an die ebenfalls nackten Kolleginnen Christy Turlington, Cindy Crawford, Naomi Campbell und Stephanie Seymour schmiegt. Dieses Foto von Herb Ritts definierte die goldene Ära der Supermodels. Patitz, Tochter eines deutschen Reisejournalisten und einer estnischen Tänzerin, gehörte zu den Hauptfiguren dieser Epoche. 130 Titelbilder produzierte sie, trat in George Michaels Video zu «Freedom» auf und diente Karl Lagerfeld, Herb Ritts und Jil Sander als Muse. Sie ging mit Seal, Johnny Depp, Pierce Brosnan und Richard Gere aus.
Vor wenigen Wochen wurde Tatjana Patitz 44. Nun will sie zwischen sich und dieser Vergangenheit auf den roten Teppichen die grösstmögliche Distanz herstellen – indem sie auf die Farm zieht und dort bedrohte Wildpferde aufpäppelt. «Ich habe gelernt, dass mich nur die Natur glücklich macht. Jonah geht es genauso. Warum also sollten wir noch länger in Los Angeles leben?» Wer sich mit Tatjana Patitz unterhält, lernt viel über die Probleme der Fauna in den Vereinigten Staaten. Für Wale, Delfine und Hunde hat sie sich engagiert. Sie wird einen Film produzieren über die brutale Jagd der Farmer auf Wildpferde in Nordamerika. Und sie möchte die Wölfe retten, die man von der Liste der bedrohten Tierarten strich – nach wenigen Monaten haben Hobbyjäger einen Drittel des Bestands erlegt. Um so vielen Tieren helfen zu können, muss sie allerdings auch Geld verdienen. Derzeit ist sie in Kampagnen für Marina Rinaldi, Claire Fisher und Uniqlo zu sehen. Das Modeln stellte für sie nie den Lebensinhalt dar, sondern bloss einen bequemen Weg, die Freiheit zu finanzieren.
Neulich erschien im englischen «Guardian» ein Porträt über sie mit dem Titel «Das vergessene Supermodel». Die Geschichte beschrieb, wie unterbeschäftigt sie sei im Vergleich zu den vier anderen Frauen auf Ritts’ Foto. «Ich brauche kein Comeback, denn ich habe nie aufgehört zu arbeiten», sagt Tatjana Patitz. «Wenn Sie mir vor 25 Jahren erzählt hätten, ich würde jemals diesen Satz aussprechen, dann hätte ich Sie für verrückt erklärt.»
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