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«Ohne Fairness verlieren wir das Vertrauen»
Februar 20, 2021
Bereits 2020 konnte die Generalkonferenz der Methodist/innen nicht durchgeführt werden. Auch für die für 2021 geplante Durchführung sind noch wichtige Fragen zu klären.
Eigentlich hätte die Generalkonferenz der weltweiten Methodistenkirche im Mai 2020 in Minneapolis, im US-Bundesstaat Minnesota stattfinden sollen. Unter den Tagesordnungspunkten stand vor allem der Vorschlag «Versöhnung und Gnade durch Trennung» im Zentrum des Interesses. Mit ihm sollte eine Trennung der weltweiten Methodistenkirche ermöglicht werden, um so die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um sexualethische Fragen zu beenden.
Auf 2021 verschoben
Aufgrund der Coronapandemie konnte die Tagung nicht wie geplant stattfinden. Die Organisatoren beschlossen, die Durchführung auf den vom 29. August bis 7. September 2021 zu verschieben. Am Tagungsort hielten sie fest.
Die Ungewissheit wächst
Doch erneut steht infrage, ob eine Durchführung möglich sein wird. Die Impfstoffe gegen das Coronavirus kommen nur langsam auf den Markt. Weitere ansteckende Virusvarianten tauchen auf. Weltweit gelten zudem weiterhin Reisebeschränkungen.
Möglichkeiten abklären
Bereits im Herbst 2020 hatte die für die Planung und Durchführung zuständige Kommission darum eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die abklären sollte, ob eine virtuelle Durchführung der Versammlung möglich wäre. Angesichts von über 850 Delegierten aus den USA, Afrika, Europa und den Philippinen stehen die Organisatoren vor immensen Herausforderungen.
Das sind die Schwierigkeiten
Kim Simpson, Vorsitzende der eingesetzten Arbeitsgruppe, nennt als Ergebnis ihrer Sondierungen die folgenden neuralgischen Punkte:
• Konnektivität: Zugang zum Internet und durchgängige Versorgung mit Strom seien nicht für alle Delegierten weltweit in gleicher Weise sichergestellt.
• Zeitzonen: Der Zeitunterschied zwischen der Westküste der USA und den Philippinen beträgt 16 Stunden.
• Übersetzung: Neun Sprachen werden auf der Generalkonferenz gesprochen. Das Kirchenrecht schreibt vor, dass die Anträge und das Verfahren in vier Sprachen übersetzt werden müssen: Englisch, Französisch, Portugiesisch und Kiswahili.
• Legislativausschüsse: Die Legislativausschüsse sind die erste Anlaufstelle für die meisten Anträge, die bei der Generalkonferenz eingereicht werden, wobei nur die von den Ausschüssen genehmigten Gesetze zur Abstimmung durch alle Delegierten ins Plenum gelangen. Die Generalkonferenz hat 14 Legislativausschüsse, denen Delegierte aus der ganzen Welt angehören, die mehrere Sprachen sprechen.
• Leitende Amtsträger: Die von den Delegierten gewählten Vorsitzenden leiten die einzelnen Legislativausschüsse. Bischöfe führen den Vorsitz in den Plenarsitzungen. Wie und wo werden diese leitenden Personen untergebracht?
• Sicherheit und Integrität des Abstimmungsprozesses: Bei der Abstimmung an der ausserordentlichen Generalkonferenz 2019 hatten vier nicht wahlberechtigte Personen mit den Beglaubigungsschreiben von Delegierten, die nicht anwesend waren, Stimmen abgegeben. Die Prüfungsverfahren wurden daraufhin verschärft.
• Kirchenordnung und Regeln der Generalkonferenz: Die Generalkonferenz muss die Anforderungen erfüllen, die in der Kirchenordnung und in den Beschlüssen zur Durchführung der Generalkonferenz festgelegt sind.
Erneut verschieben?
Angesichts der Herausforderungen bringen einige Methodist/innen die Möglichkeit ins Gespräch, dass die Generalkonferenz erneut verschoben werden muss. «Ich sympathisiere mit dieser harten Entscheidung», sagte zum Beispiel Jeremy Smith, Blogger und Pfarrer der First United Methodist Church in Seattle, gegenüber dem methodistischen Nachrichtenportal UM News. «Ich denke, dass eine virtuelle Generalkonferenz zu leicht manipuliert werden kann, zu wenig repräsentativ ist und zu viele Menschen ausschliesst.»
Fairness gewährleisten!
Christine Schneider, Delegierte der Mehodist/innen in der Schweiz, teilt die Bedenken gegenüber einer virtuellen Generalkonferenz. Doch habe die Generalkonferenz auch in normalen Zeiten ihre Probleme. Die Übersetzung sei manches Mal schlecht. Die Regeln, nach denen Diskussionen geführt werden, seien problematisch. Ausserdem gebe es immer wieder Irritationen darüber, wie die Vorsitzenden mit Debatten umgehen. «In welcher Form auch immer wir die nächste Generalkonferenz abhalten werden, die grösste Herausforderung ist aus meiner Sicht, dass Fairness gewährleistet wird», sagte Schneider. «Ohne Fairness verlieren wir das Vertrauen. Und das wäre in dieser kritischen Zeit im Leben der Methodistenkirche katastrophal.»
Heather Hahn, UM News / S.F.
Beitragsbild: Vorbereitungen für die Sitzplätze der Delegierten an der Generalkonferenz der weltweiten Methodistenkirche 2019 in St. Louis. (Bild: Mike DuBose, UMNS, flickr.com)
Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der United Methodist Church. Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.
Zentralkonferenz
In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa unter der bischöflichen Aufsicht von Bischof Dr. Patrick Streiff (Zürich).