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Meine Frau brachte mich dazu, zum Arzt zu gehen. Ich hatte etwas Fieber und seit längerer Zeit einen aufgeblähten Bauch. Bei der Ultraschalluntersuchung sah man einen grossen Klumpen im Unterbauch. Im Spital wurde das Ausmass klar: 20 Zentimeter lang, 2,5 Kilogramm schwer. Die Diagnose war niederschmetternd: Dieser Krebs lässt sich nicht besiegen. Als ich den Arzt fragte, wie viel Zeit er mir noch gebe, meinte er ausweichend: «Geniessen Sie die nächsten Tage, gehen Sie mit Ihrer Frau ein paarmal auswärts essen.»
Die folgenden Wochen waren schwer. Ich sprach viel mit meiner Familie. Meine Frau gab mir enorme Kraft. Es war noch nicht klar, woher der Tumor kam und welche Organe bereits betroffen waren. Eine Operation war überlebensnotwendig, aber sehr riskant. Ich wusste, dass sie meinen Bauch bei einem Lebertumor unverrichteter Dinge wieder schliessen würden. Nur bei einem Nierentumor hatte ich noch eine Chance auf ein paar Monate Leben. In diesem Fall wollte ich später an einer neuartigen Impfstudie teilnehmen.
Schlimme Nebenwirkungen Die Operation im April 2005 verlief optimal. Es war Nierenkrebs. Ich rechnete mir aus: Jetzt lebe ich vielleicht noch ein Jahr. Die Impftherapie begann im Juli. Nach drei Monaten war klar: nicht erfolgreich. Die Metastasen in Lunge und Leber wuchsen langsam, aber stetig weiter.
Ein halbes Jahr später sollte ein neues Mittel auf den Markt kommen. Ich nutzte die Zeit zu einer Immuntherapie: Meine Frau spritzte mir jeden zweiten Tag Interferon. Doch darauf sprach ich nicht an.
Im März 2006 endlich durfte ich mit Nexavar beginnen. Dieses Medikament sei eigens für Nierenkrebs gemacht, hiess es. Da es noch nicht in der Schweiz erhältlich war, musste die Ethikkommission die The-rapie bewilligen. Unklar war, ob die Krankenkasse die rund 6000 Franken monatlich übernehmen würde. Mein Onkologe verhandelte mit der Herstellerfirma, um eine Kostenübernahme zu regeln. Ich vertraute darauf, dass wir eine Lösung finden würden. Die Nebenwirkungen waren schlimm: Mein Kopf schwoll an, meine Füsse brannten, ich konnte kaum gehen. Bald musste ich die Dosis reduzieren.
Sechs Monate später stand fest, dass auch diese Therapie den Krebs nicht aufhält. Jetzt bin ich an der vierten Therapie, einer klassischen Chemo. Ich weiss nicht, wie viel Zeit mir bleibt. Tage, Wochen, Monate?
Es gibt noch ein neues Medikament Ich habe noch nicht aufgegeben. Seit Anfang Jahr lege ich mehr Gewicht auf die Alternativmedizin: Was macht mein Körper, wenn ich die Chemie einmal weglasse? Langsam habe ich das Gefühl, dass vor allem die Misteltherapie, die ich seit Beginn parallel zu allen schulmedizinischen Therapien mache, am besten hilft.
Es gibt ganz neu auf dem Markt ein weiteres Medikament, das mir noch eine gewisse Lebensverlängerung bringen könnte. Noch schrecke ich aber vor den Nebenwirkungen zurück. Momentan geht es mir nicht so schlecht. Noch beeinträchtigen nicht die Metastasen meine Lebensqualität, sondern die Nebenwirkungen der Medikamente. Wichtig ist mir vor allem, dass ich viel Zeit mit meiner Familie verbringe. Sie gibt mir auf wunderbare Weise Kraft. Trost finde ich auch im Glauben. Ich bin nicht verbittert, dass mein Leben früher endet als geplant. Die Krankheit bietet mir eine wunderbare Gelegenheit, das Leben tiefer kennen zu lernen.