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Eine vergessene Katastrophe
Vor etwas mehr als WO Jahren: Gletscherlauf im Montblanc-Gebiet Die Neugier der Alpinisten, die zum Refuge du Goûter über Les Houches aufsteigen, wird durch die auf der Karte auf 2768 m verzeichnete « Baraque forestière des Rognes » geweckt. Was soll dieses offenbar aufgelassene Gebäude hier, 800 Meter über der Waldgrenze? Die Antwort zu diesem Rätsel wurde uns im Jahr 1996 während einer Exkursion der Sektion Westalpen der International Glaciological Society ( IGS ). " " .1 gegeben.
Eine nächtliche Katastrophe Am 12. Juli 1892 entleerte sich um 1 Uhr 25 morgens eine Wassertasche. Sie ging vom kleinen Tête-Rousse-Gletscher aus, der eine Oberfläche Die Prämierung von TrentoGoldener Enzian « Città di Trento » ( Hauptpreis ) Gerhard Baur ( D ): Bergkristall. Paul Membrini - ein Strahlensucher auf extremen WegenGoldener Enzian des CAI Claude Andrieux ( F ): La zone de la mortSilberner Enzian für den besten Spiel- oder Dokumentarfilm Joseph Vilsmaier ( D ): Wia die Zeit vergehtSilberner Enzian für den besten Bergfilm Pierre Beccu ( F ): Alambics ou le dernier défi de la « marraine»Silberner Enzian für den besten Forschungs- und/oder Umwelt-schutzfilm Bruce Davidson ( GB ): Mountain Gorilla: A shattered kingdomSilberner Enzian für den besten Film von volkskundlichem Interesse und besonderem wissenschaftlichen Wert Jean Boggio Pola ( F ): KarshaSonderpreis für die beste Fotografie Manuel Hinge ( GB ): Hightops of ScotlandSonderpreis der Jury für den besten von einem italienischen Autor geschaffenen Film Claudio Norza ( I ): Sotto la giungla il fiume Eine besondere Anerkennung ging an die Filme La Caverne des Phoquiers ( B.. " " .Calle und G. Jumel, F ) und Träume aus Eis und Wind ( Ch.von Lassberg, D ). Daneben wurde eine ganze Reihe von Speziaipreisen ( RAI, UIAA usw. ) verliehen.
Christine Kopp, FlüelenEin Bild der Verwüstung ( aus: L' Illu-strationEinige Leichen wurden bis nach Genf mitgerissen!
von rund zehn Hektaren aufweist und eine Mulde auf 3200 m in der Nordwestflanke der Aiguille du Goûter bedeckt. Dieser Wasserausbruch2 hatte den Tod von 175 Personen zur Folge - er war der schlimmste, der je in den französischen Alpen bekannt wurde. Einige Leichen wurden bis zur Rhone nach Genf mitgerissen.
Bereits am auf das Unglück folgenden Tag stiegen Bergführer und Forstbeamte von St-Gervais der Mure entlang hinauf bis zum Glacier de Tête Rousse.
Erste Erkenntnisse In der Stirn des Gletschers klaffte die Öffnung einer Eishöhle, die auf 20 x 38 Meter geschätzt wurde. Die c 01 5'Adresse: Cemagref, Nivologie, BP 76, F-38402, St-Martin-d'Hères 2 Ausbrüche solcher Wassertaschen in Gletschern werden als Gletscherhochwasser und bisweilen auch als Gletscherläufe bezeichnet. ( Die Red. ) Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen Die Überbleibsel der Wassertasche, die am 12. Juli 1892 aus dem Glacier de Tête Rousse ausbrach Höhle war 85 m tief und verengte sich zusehends zu einem schmalen Gang. Der Gang mündete in einen senkrechten, 35 m hohen Schacht, der sich zur Oberfläche des Gletschers hin öffnete. Der Schacht war elliptisch, mit einem Querschnitt von 50x26 m.
Die Wissenschaftler jener Zeit, allen voran Vallot, schätzten das Volumen der Hohlräume auf 200000 m3. Zur Bildung der Wassertasche und zur Dauer des Ansammeins des Wassers im Innern des Gletschers wurden die verschiedensten Hypothesen vorgebracht. Tatsächlich läuft die Bildung von Wassertaschen in einem Gletscher im verborgenen ab; sie entstehen unter besonderen Umständen, die kaum bekannt sind. Auch bei ein und demselben Gletscher wiederholen sich solche Ereignisse nur relativ selten. Eine Ausnahme bildet die Mer de Glace, deren Gletscherhochwasser berühmt sind.
Übrigens hatten die Alpinisten, die in den Wochen vor der Katastrophe bei Tête Rousse vorbeigekommen waren, nichts bemerkt.
Die Schäden Der Gletscherlauf fegte über das Gletschervorfeld, dann überspülte er das rechte Ufer des Glacier de Bionnassay und folgte dem Bett des Wildbaches bis zur Arve. Die Mure aus Schlamm und Geröll lagerte sich in der Ebene von Fayet ab, wo sie ein Delta von 77 Hektaren bildete. Das Volumen der Feststoffe wurde damals auf eine Million Kubikmeter berechnet; für die 14 Kilometer lange Strecke benötigte sie etwa 33 Minuten. Die Flutwelle setzte sich bis Genf fort. Die Mure selbst riss riesige Blöcke mit sich. Im oberen Teil hobelte sie das Gelände ab. Dann, entsprechend den Geländeformen, stauten sich die Eisschollen so lange auf, bis der Druck zu gross wurde und das Wasser erneut durchbrach. Auch zahlreiche Bäume wurden mitgerissen. Das Wasserniveau in der Schlucht über Bionnay stieg um 29 Meter. Der Weiler wurde zum Teil zerstört, und 33 Personen wurden mitgerissen.
Weiter talabwärts, am Ende der Schlucht bei St-Gervais, ereignete sich ein Eisstau, dessen Bruch die grosse Katastrophe verursachte: Die Mure erreichte eine Höhe von 10 bis 12 Metern, zerstörte Teile von zwei Gebäuden der Thermalbäder und riss mindestens 130 Personen mit sich! Die materiellen Schäden waren beträchtlich, allerdings ist es schwierig, sie auf den heutigen Geldwert umzurechnen.
Um weiteren Katastrophen vorzubeugen, deren Wiederkehr Vallot auf 47 bis 70 Jahre einschätzte, mussten eine Überwachung organisiert und praktische Arbeiten angegangen werden. Da bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Behörde für die Hochgebirgsregionen zuständig war, fiel diese Aufgabe schliesslich der lokalen Forstverwaltung zu.
Die Reste eines Gebäudes nach dem Gletscherlauf Kuss, ein Ingenieur der Forstverwaltung von Annecy, schlug den Bau eines Entwässerungsstollens vor. Er sollte beim Felsgrat beginnen, der den Glacier de Bionnassay überragt. In den Jahren 1898 und 1899 wurde er dann in einer Höhe von ca. 3100 m gebaut. Der 150 m lange Stollen, von dem 5 m im Eis verliefen, trat allerdings nie in Funktion: Es bildeten sich ohnehin keine Wassertaschen mehr.
Neue Warnung und ergänzende Schutzmassnahmen 1901 entdeckte man unterhalb des Loches von 1892 eine neue, 50 m lange, 4 m breite und 40 m tiefe Spalte, die sehr viel Wasser enthielt. Zwischen 1901 und 1904 schuf man nicht ohne Schwierigkeiten einen zweiten, 195 m langen Stollen. Er erreichte den Grund der Spalte und erlaubte das kontrollierte Ablassen von 22000 m3 Wasser. Dieses aussergewöhnliche Ergebnis war ein Exploit, der in wissenschaftlichen Kreisen grosses Aufsehen erregte.
Die Überwachung wird fortgesetzt Die Beobachtung des Gletschers bestand darin, dass man seine Fliessgeschwindigkeit verfolgte ( 3 bis 4 m pro Jahr ) und Bohrungen machte, um Hohlräume zu entdecken. Weiter wurden verschiedene Studien über das Eis und sein Verhalten durchgeführt.
Das Interesse an der Überwachung ging - ein Schicksal vieler erfolgrei- Eine aktuelle Aufnahme des Glacier de Tête Rousse mit der gleichnamigen Hütte; im Hintergrund die Aiguille de Bionnassay cher Schutzmassnahmen - bis 1913 allmählich verloren. Die Beobachtung wurde im Ersten Weltkrieg aufgegeben. Der Gletscher ging zurück und machte nicht mehr von sich reden. Sein Rückgang macht die Bildung einer weiteren Wassertasche sehr unwahrscheinlich. Der Stollen von 1904 wird aber dennoch alle fünf Jahre gewartet. Er enthält eine kleine Bahn mit zwei Wagen und ist abgeschlossen.
Märchenhafter Anblick Wir hatten das Glück, diesen zweiten Stollen besichtigen zu können.
Die Holzverkleidung der ersten Meter ist noch vorhanden. Wirklich aussergewöhnlich sind aber die Eiskristalle, die in Tellergrösse das Gewölbe und den oberen Teil der Seitenwände bedecken. Sie sind heute das letzte Überbleibsel jener Jahrhundertkata-strophe - die Natur hat inzwischen ihre Wunden geheilt, und die Vegetation hat sich wieder erholt.3 Jean-Paul Graf, Château-d'Oex ( üM c a.
.2 û Die Märchenwelt der grossen Eiskristalle, die das Gewölbe und die oberen Seitenwände des zweiten Entwässerungsstollens bedecken. Dieser Gang wurde geschaffen, um die Wassertaschen im Glacier de Tête Rousse zu entleeren. Die sechseckigen Kristalle in Blattform gleichen dem Reif, der sich auf dem Schnee in Frostmulden bildet. Dank der günstigen Bedingungen im Stollen konnten die Eiskristalle hier erstaunliche Ausmasse erreichen.
ä Quelle: P. Cogoluenhes, Service RTM-74 Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen c * Q.