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Die Debatte um den wissenschaftlichen Wert von Filmen als historische Quellen ist so alt wie die bewegten Bilder selbst. Es ist dabei bemerkenswert, dass sie über den grössten Teil des 20. Jahrhunderts vor allem von einer gewissen »Ikonophobie« unter Historiker*innen geprägt war. Umso mehr erstaunt dies angesichts der Tatsache, dass vor allem die Bildmedien Film und Fernsehen spätestens seit den 1960er-Jahren weltweit die führenden Leitmedien darstellen. Zwar wiesen viele Forscher*innen im Verlauf 20. Jahrhunderts auf den Quellenwert von Film hin, wie etwa Siegfried Kracauer, der in den 1940er-Jahren argumentierte, dass Filme als mentalitätshistorische Quelle einzigartige Rückschlüsse auf Zeitgeist und kollektives Bewusstsein ermöglichen. Trotzdem blieben Bildquellen im Allgemeinen und bewegte Bilder im Besonderen als Quellen lange marginalisiert. Sie wurden oft nur als sekundäre Quellen zur Ergänzung und Illustration schriftlicher Quellen betrachtet. Dieser textliche Bias der Geschichtswissenschaft ist einerseits ein Erbe des Historismus und seiner Privilegierung schriftlicher Zeitdokumente, andererseits aber auch ein Resultat des oft erschwerten Zugangs zu historischem Bildmaterial, der Schwierigkeit, den affektiven und ästhetischen Qualitäten des Mediums Ausdruck zu verschaffen, und vor allem einer mangelnden historischen Methodologie der Quellenkritik im Umgang mit Film und Videodokumenten.