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- Länderinfo
- Kirgistan
Kirgistan, das beeindruckende Gebirgsland ist seiner vielen Attraktionen zum Trotz als Reiseland noch ziemlich unbekannt. Das wunderschöne Land ist aber auf jeden Fall eine Reise wert und alle, die jemals dort waren, bringen ausser Filzsouvenirs auch phantastische Fotografien und Erinnerungen mit: von tiefblauen Hochgebirgsseen, eingerahmt von vergletscherten Bergketten, von Jurten, aus denen einladend Rauch aufsteigt, und bunten Pferdeherden, die im Sommer scheinbar wild über die Hochgebirgsalmen stromern. Sie teilen Erinnerungen an turmhohe, mit Heu beladene Eselskarren, die schwankend durch lange Pappelalleen rumpeln, und an Menschen, die im Abendlicht vor ihren Häusern stehen und schwatzen. Da die Kirgisen wissen, dass Tourismus auf ihrem landschaftlich einzigartigen, aber sonst nicht gerade mit Reichtümern gesegneten Flecken Erde eine wichtige Einkommensquelle ist, tun sie auch alles dafür, dass sich ihre Gäste sicher und gut aufgehoben fühlen.
Geschichte
Einen Staat mit Namen Kirgistan hat es vor der Auflösung der Sowjetunion nie gegeben. Er entstand erst 1991 aus der kirgisischen Sowjetrepublik, welche ihrerseits bereits zu Zarenzeiten ein Bestandteil Turkestans war. Auch die heutige Titularnation, die Kirgisen, wanderten erst im 15./16. Jahrhundert vom Oberlauf des sibirischen Flusses Jenissej ein. Selbstverständlich gibt es aber zahlreiche Spuren früherer menschlicher Besiedlungen in der gesamten Region.
Geographische Lage
Kirgistan gehört zu den kleineren mittelasiatischen Republiken und wird flächenmässig nur noch von Tadschikistan unterboten, das im Süden und Südwesten an das Land grenzt. Im Norden und Nordwesten stösst das Land an Kasachstan, im Osten und Südosten an China und im Westen an Usbekistan. Die grösste Nord-Süd-Ausdehnung beträgt nur 435 und die West-Ost-Ausdehnung 900 Kilometer. Ungefähr 95 Prozent des Landes werden durch das Gebirgssystem des Tien Schan eingenommen, der restliche Teil gehört zum Gebirgssystem des Pamir.
Klima
Kirgistan ist ein Hochgebirgsland, entsprechend extrem sind die Wetterverhältnisse. Am Issyk-Kul herrscht allerdings nahezu maritimes Klima, in Südkirgistan kann es im Sommer sehr heiss werden, Die beste Reisezeit ist von Juni bis September. Aufgrund der Höhenunterschiede von etwa 7000 Metern, kann man das Land von Ende März bis Ende Oktober bereisen. Ende März sind in Bischkek Temperaturen um die 25 Grad und in Osch um die 30 Grad möglich, allerdings sind fast alle Pässe oberhalb 3000 Metern noch verschneit.
Essen und Trinken
Die Geschichte der Kirgisen als viehzüchtendes Nomadenvolk bestimmt die Küche ganz wesentlich. Die Hauptnahrung der Kirgisen ist: Fleisch. Die Zubereitungsarten variieren, als Beilage sind Nudeln, Reis und Kartoffeln verbreitet. Gegessen werden vor allem Schaf und Pferd. Letzteres wird, neben der Kuh und seltener der Ziege, auch als Milchlieferant genutzt. Stutenmilch, besonders in vergorener Form (Kymyz) ist das saisonale Lieblingsgetränk aller Kirgisen. Es gibt sie nur dann, wenn die Stuten junge Fohlen haben - also von Mai bis August oder September. Genauso erfrischend und für mitteleuropäischen Gaumen ungewöhnlich ist Schoro, ein Getränk aus vergorenem Getreide. Brot in Form von Fladen wird meist selbst im Lehmofen gebacken, und die kleinen, in fett ausgebackenen Boorsok-Teigbällchen dürfen auf dem kirgisischen Tisch nicht fehlen.
Einreisebestimmungen
Schweizer Bürger benötigen für die Einreise einen gültigen Reisepass, der mindestens 6 Monate über das Rückreisedatum hinaus gültig ist.
Die Jurte – ein Aufblühen von Tradition
Die traditionelle Behausung mittelasiatischer Nomadenvölker ist die Jurte. Auf Kirgisisch heisst sie bos uj (graues Haus). Die Erfindung der Jurte hat wesentlich zur Mobilität der Turkvölker und zu ihrer Ausbreitung bis nach Ost- und Mitteleuropa beigetragen. Ohne Jurte keine Völkerwanderung unter Attila und keine mongolischen Welteroberungen unter Dschinghis Khan. Für viele Mongolen, Kirgisen und Kasachen hat die Jurte heute wieder eine mehr als symbolische Bedeutung. Nach Jahrzehnten kommunistischer Zwangskollektivierung und brutalen Massnahmen zur Sesshaftmachung der Viehzüchter war die Jurte bis Ende der 1980er Jahre auf dem Rückzug. In der Nachbarrepublik Kasachstan galt sie als Überbleibsel einer rückständigen Vergangenheit und war bestenfalls noch im Museum zu betrachten. Dabei ist die Jurte eine usserst praktische Wohnstatt: warm im Winter, kühl im Sommer, variabel in Grösse und Ausstattung. Sie ist ie ideale Behausung für Halbnomaden, die im Frühsommer mit ihren Herden in die Steppe oder in die grünen Täler der Gebirge ziehen. Sie erlaubt ein problemloses Umziehen an einen anderen rt im Falle der Abgrasung oder Austrocknung des Weidelandes. Die Grundkonstruktion der Jurte ist ein Gestell, bestehend aus einem kreisförmigen aufzustellenden Scherengitter, gebogenen Dachstangen, einer hölzernen Dachöffnung und der zweiflügeligen Holztür. Das Innere der Jurte ist aufgeteilt in eine rechte Hälfte für Frauen und eine linke Hälfte für die Männer. Rechts wird der Hausrat aufbewahrt, links die Gegenstände für die Jagd und den Viehbetrieb. Die Inneneinrichtung besteht aus bunten Borten, Troddeln und Teppichen - der schönste Teppich wird hinter dem hölzernen Bett an der Jurtenwand befestigt. In ärmeren Jurten wird auf Matten geschlafen. Alle Gegenstände finden tagsüber Platz in Truhen und Kästen oder aber an den hölzernen Stangen des Scherengitters. Der Platz in der Jurte wird dann zum Zubereiten der Mahlzeiten, zum Essen - gegessen wird im Sitzen oder Hocken um das Tischtuch oder einen niedrigen Tisch - und zum Arbeiten benötigt. In einer normalen Jurte von vier Metern Durchmesser können sechs bis zehn Personen wohnen. Oft finden auch junge Kälber oder Lämmer in kalten Nächten in der Jurte Schutz. Wohlhabende Familien besitzen mehrere Jurten, die nach Funktionsbereichen getrennt werden - Kochjurte, Essjurte, Schlafjurte, Gästejurte.
Traditionelle Reiterspiele
Die Pferde sind die Flügel der Kirgisen, besagt ein uraltes Sprichwort. Seit ewigen Zeiten ziehen die kirgisischen Nomaden mit ihren Pferden zwischen Sommer- und Winterweideplätzen hin und her. Bereits im über 1000jährigen Nationalepos Manas wird das Pferd als der wichtigste und treueste Begleiter des Kirgisen verehrt, in unzähligen Legenden und Geschichten, in Volksmusik und in der Poesie werden grosse Heldentaten sowie wilde Reiterspiele gewürdigt und gerühmt. Tschingis Aitmatow, der bekannte kirgisische Autor, erzählt in seinem Werk „Abschied von Gülsary“ eindrucksvoll von der engen Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Eines von vielen nationalen Reitspielen von Kirgistan ist das Kyz-Kumai. An diesem Spiel nehmen eine junge ledige Frau und ein ebenfalls junger unverheirateter Mann teil. Beide müssen gut reiten können, weil der junge Mann auf der Rennstrecke das Mädchen einholen muss, das einige Zeit früher losgaloppiert ist. Wenn der junge Mann sie einholt, hat er das Recht sie zu küssen, früher war es sogar so, dass er sie heiraten konnte. Wenn aber der ungeschickte junge Mann das Mädchen nicht einholen kann, dann kann ihn die junge Frau auf dem Rückweg mit der Peitsche schlagen. Vor allem auch an traditionellen Festtagen werden heute noch Pferderennen und Reiterspiele durchgeführt, im Sommer finden in manchen Orten Pferdefestivals statt. Zu diesen kommen Alt und Jung, es werden Jurten und eine grosse Bühne für die zahlreichen Zuschauer aufgebaut, jede Menge Süssigkeiten verzehrt, Tee getrunken und natürlich gefachsimpelt. Das Publikum besteht überwiegend aus Männern, die lautstark an den Wettbewerben teilnehmen, doch auch ganze Familien stürzen sich an den Festtagen in das quirlige Getümmel. Neben den Reiterspielen stehen auch Konzerte und Poesie-Wettbewerbe auf dem Programm.
Einwohner
5‘551‘900 (Januar 2012) auf einer Fläche von 199‘900 km²
Sprache
Kirgisistan ist ein offiziell zweisprachiges Land. Amtssprache ist Kirgisisch, Russisch hat seit 2001 wieder den Status einer weiteren offiziellen Sprache.
Religion
Kirgisistan ist seit der Islamisierung im 1. bis 19. Jahrhundert bis heute vorwiegend muslimisch geprägt. Ca. 75 % der Bevölkerung sind heute sunnitische Muslime.
Strom
Die Stromversorgung erfolgt bei 220V mit 50Hz. Die Öffnungen an den Steckdosen haben den gleichen Abstand wie bei uns, allerdings weisen ältere Steckdosen einen geringeren Durchmesser der Löcher auf, weshalb manche Geräte einen Adapter voraussetzen.
Zeitdifferenz
Der Zeitunterschied zur Mitteleuropäischen Zeit beträgt +4 Stunden (+5 Stunden während der Winterzeit).
Währung
Som (KGS), 1 CHF = ca. 65,54 Som (Juni 2015). Empfohlen sind US-Dollar oder Euro.