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"16. April. 15:00." Yuddy will, dass Lizhen sich diesen Tag und diese Uhrzeit merkt. Denn in dieser Minute liebt er sie. Wird sie ihr Versprechen halten können? "Days of Being Wild" aus dem Jahre 1990 ist eine weitere Liebesgeschichte des Regisseurs Wong Kar-wai und eigentlich der Auftakt der inoffiziellen Trilogie, die er mit "In the Mood for Love" (2000) und "2046" (2004) fortsetzte. Auch in diesem Film geht es wieder um einen Charmeur und Womanizer, im Hongkong der Sechziger, Yuddy (Leslie Cheung), der lieber alleine bleibt, als zu heiraten.
"Wenn ich jetzt auf diese Uhr schaue, dann will ich, dass ich ihn jetzt, in dieser Minute, vergesse.", schwört sich Lizhen schon wenig später. Denn Yuddy hat sie schwer enttäuscht. Yuddy und Su Lizhen (Maggie Cheung) lernten sich an ihrem Arbeitsplatz an der Kasse eines Fußballstadions kennen. Aber als sich herausstellt, dass er nie bereit sein wird, Lizhen zu heiraten, beendet sie die Romanze vorschnell. Allerdings bleibt sie mit gebrochenem Herzen zurück. Lizhen findet vorläufig Trost in nächtlichen Spaziergängen mit dem melancholischen Polizisten Tide (Andy Lau), der davon träumt, eines Tages zur See zu fahren. Vorläufig will er aber bei seiner Mutter bleiben und spielt weiterhin den Polizisten Auch Yuddy bleibt nicht lange allein und stürzt sich gleich in die nächste Beziehung. Dieses Mal mit der Kabarett-Tänzerin Mimi (Carina Lau), in die auch sein Kindheitsfreund Zeb (Jacky Cheung) verliebt ist. Auch Yuddy hat ein Mutter-Problem: er ist bei seiner Ziehmutter aufgewachsen und will von dieser unbedingt erfahren, wo in den Philippinen seine leibliche Mutter lebt und wie sie heißt. Als sich ausgerechnet Tide und Yuddy auf einer Zugfahrt kennenlernen, finden sie aufgrund eines Erinnerungsrätsels schnell heraus, dass sie beide Lizhen kennen. Inzwischen ist Mimi Yuddy nachgereist, weil Zeb aus dem Autoverkauf ihre Reise finanzierte. Das Auto gehörte Yuddy. Aber Zeb hofft, dass Mimi zurückkehrt, sollte sie Yuddy nicht finden.
Der Film erzählt auch ein Gleichnis von einem Vogel ohne Füße, der nur ein einziges Mal auf der Erde landet: um zu sterben. Es wird wieder heftig geraucht ("Craven A") und Wong Kar-wai filmt durch verregnete Fensterscheiben, inszeniert irrwitzige Dialoge und verbreitet gutgelaunte Melancholie zu Calypsoklängen. Neben dem einzigartigen "Perfidia" von Xavier Cugat legt er auch den Sound der Los Indios Tabajaras über seine bestechenden Bilder. "Ich weiß nicht, welche Frau ich am meisten geliebt habe. Erst am Ende meines Lebens, werde ich wissen, welche davon ich am meisten geliebt habe", meint Yuddy noch. "Always in My Heart" der beiden aus Brasilien stammenden Indigenas verzaubert den Zuseher nicht nur wegen der wunderschönen Melodie, sondern auch wegen dem Palmenwald, den Wong Kar-wai zu diesen Klängen mit der Kamera überfliegt. "Days of Being Wild" ist ein wilder, melancholischer Film, der in Gewalttätigkeit ausartet, um den Gangstermythos zu stilisieren, dessen es in späteren Filmen Kar-wais nicht mehr bedarf. Seine sinnliche Bilderflut betört durch Dialoge voller Liebesbezeugungen, die doch nur Liebeskummer ausdrücken. Wong Kar-wai erzählt von emotionaler Zurückweisung bei gleichzeitigem Begehren. Dazu gehören auch die ikonisch gewordenen Regenfälle, die ausschließlich Wong Kar-wai so zu inszenieren weiß. Eine poetische Kulisse für die Liebenden aller Kontinente, Welten und Universen. Eine Bühne auf der man sich wiedererkennen wird.