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Brunos Tramnotizen – N°21
Die drei Burschen stiegen am Bellevue in den 4er, spielten mit einer Münze Kopf oder Zahl. Der Blonde schien eine Glückssträhne zu haben, gewann immer und fragte nach einer Weile sein Gegenüber, Philipp, ob er um eine Zwanzigernote spiele, es ginge um die Endziffer der Seriennummer, eine gerade oder ungerade Zahl. Philipp willigte ein, wählte ungerade für sich, der Blonde grinste, sagte okay, dann gelte für ihn eine gerade Zahl. Beide zückten ihre Geldbeutel, zogen je eine Zwanzigernote heraus, betrachteten die Seriennummer. Philipp fluchte, seine Seriennummer endete mit einer Null. Er übergab seine Note dem Blonden, meinte, es käme die Zeit, da würde er wieder gewinnen, verabschiedete sich an der Kreuzstrasse. Der zweite Kollege des Blonden, Dani hiess er, wollte nun wissen, wie er es immer schaffe, zu gewinnen. Der Blonde schaute Dani hämisch grinsend an, fragte, ob er denn auch so naiv sei, wie Philipp, öffnete seinen Geldbeutel, erklärte, dass er im linken Fach immer Noten mit ungerader Zahl habe, im rechten die mit gerader Zahl. So gewinne er eben immer. Dani schwieg eine Weile, meinte dann, dies sei nicht fair, unter Freunden klar ein Betrug, so etwas mache man einfach nicht. Der Blonde war darob etwas irritiert, gab zurück, er sehe das eher als eine Art Überlebenskunst, in unserer Gesellschaft gehe es schliesslich auch nur um fressen oder gefressen werden, wer nicht aufpasse, sei immer der Verlierer. Wer heute gewinnen wolle, müsse sich idiotensichere Strategien aneignen, zuerst an sich selbst denken, nicht an andere, auch nicht an Freunde, immer ganz zuerst an sich! Dani schüttelte den Kopf, sagte nichts. Nach einer Weile des Schweigens versuchte es der Blonde mit einer Aufmunterung, fragte Dani nach Kopf oder Zahl. Dani blickte kurz zum Bloden auf, sagte Kopf. Der Blonde schmiss eine Münze auf, fing sie mit der gleichen Hand und klatschte sie auf den Handrücken der anderen. Zahl! Er könne ihm ja jetzt auch diesen Trick verraten, sagte Dani einsilbig. Es sei doch ganz einfach, ereiferte sich der Blonde. Beim Auffangen der Münze fühle man zwischen Fingerkuppen und Handballen, welche Seite oben und welche unten sei, die Seite mit der Zahl sei rauher, die mit Kopf glatter, die Münze drehe man dann zu seinen Gunsten und klatsche sie so auf die andere Hand. Dani erhob sich, drückte den Türöffner, schaute nun seinerseits auf den Blonden herab, sagte, irgend einmal würde auch er auf den Sack kriegen. Der Blonde schoss hoch, ging ebenfalls zur Tür, lachte und meinte nie, nie, nie, so sei das Leben, so einfach sei das. In einem Punkt musste ich dem Blonden recht geben, manchmal kommt einem das Leben tatsächlich so vor, beschissen.
12. Juli 2015