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zf. Auch die EU sei ein finanzielles Trauerspiel und «müsse» deshalb martialisch werden, erzählt man uns seit Monaten. Eine Schweizerin, die in ihre frühere Heimat in Spanien zurückkehrte und dort den dritten Lebensabschnitt verbringen will, sagt aber, es sei überall Geld vorhanden wie immer. Und nirgends finde eine seriöse Diskussion statt. Sie frage sich, ob die Wirtschaftskrise nur in Zeitungen und Fernsehen stattfinde und was damit gewollt sei.
Und «Süsse Orte» gibt es nach Ruchir Sharma in der EU also auch:
«Diese zwei Nationen haben einen einzigartigen süssen Ort [«sweet spot»] in der Weltwirtschaft inne: den Zeitraum, nachdem eine Nation der EU beigetreten ist, aber noch nicht zur Euro-Zone gehört. Es ist der Punkt, an dem die Nation stabile Bank- und Finanzinstitutionen geschaffen hat, die für eine Mitgliedschaft erforderlich sind, und riesige neue Investitionsströme aus anderen EU-Mitgliedsstaaten anzieht. Sie wird dazu berechtigt, grosszügige EU-Transferzahlungen zu bekommen, die dabei helfen, dass das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der EU-Volkswirtschaften erreicht werden kann. Es wurde immer angenommen, dass für eine Nation, die der EU beigetreten ist, der nächste Schritt, nämlich die gemeinsame Währung einzuführen, noch einen weiteren Aufschwung herbeiführen würde. Die Mitgliedschaft in der Euro-Zone und die Haushaltsdisziplin, die durch die Mitgliedschaft angeregt wird (aber nicht erzwungen werden kann), würde diese kleinen, postkommunistischen Staaten stabiler und zuverlässiger aussehen lassen; sie wären dann besser in der Lage, Kredite zurückzuzahlen, und deshalb berechtigt, niedrigere Zinsraten zu erhalten. […]
Im Falle von Portugal und Spanien sieht es nun so aus, als ob der Euro (und die tiefen Zinsraten, die er mit sich brachte) sie für die Immobilienblasen reif machte, die in der Krise von 2008 platzten. Unter den Slowaken, die den Euro 2009, kurz vor der Krise in Griechenland, annahmen, kam es zu einer öffentlichen Gegenreaktion, als die Slowakei nun neben viel reicheren Ländern der Euro-Zone wie Deutschland steht, um einiges reichere Länder der Euro-Zone wie Griechenland retten zu müssen.
Währenddessen geniessen Polen und die Tschechische Republik ihre süsse Ecke, und könnten noch viele Jahre so weiterfahren. Sie nehmen die Vorteile des EU-Rechts auf freien Personen- und Güterverkehr innerhalb der Union voll wahr: Polnische und tschechische Exporte in den Rest der EU haben rapide zugenommen, und beide profitieren von EU-Zuschüssen und Transferzahlungen, die von Einkommensunterstützungen für Einzelpersonen bis zu Geldern für Strassenbau und den Kauf von Maschinen für private Firmen reichen. […]
Die meisten der neuen EU-Staaten sind heute glücklich, in der Union zu sein, sind aber nicht sicher, ob sie Mitglied der Euro-Zone werden sollen. Weit davon entfernt, sich zu beeilen, das ganze Programm durchzuziehen und den Euro zu übernehmen, schieben sie den Tag der Abrechnung auf jede ihnen mögliche Art hinaus. Die Tschechen haben ihr Beitrittsdatum schon viele Male verschoben, da sich die öffentliche Meinung gegen einen baldigen Beitritt wendet. Der tschechische Präsident Vaclav Klaus nannte den Euro «einen Misserfolg» und sagte, sein Land würde einen Nichtbeitritt anstreben. In Polen zeigen neueste Meinungsumfragen zum ersten Mal eine solide Mehrheit (60%) gegen die Annahme des Euro. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Kanzlerin Angela Merkel im Dezember 2010 Polen und die Tschechische Repbulik anrief und sie einlud, der Euro-Zone frühzeitig beizutreten, weil sie bei dem laufenden europäischen Kampf darum, wie mit verschwenderischen Mitgliedern verfahren werden sollte, weitere fiskalisch konservative Verbündete wollte. Die Polen und die Tschechen bedankten sich beide, allerdings mit Nein Danke.» (S. 106 ff.)
Quelle: Ruchir Sharma, Breakout Nations. In Pursuit of the Next Economic Miracles. New York 2012. ISBN 978-0-393-08026-1
(Übersetzung Zeit-Fragen)
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