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Ian McEwan versteht es wie kein anderer Autor, die Schattenseiten der Pubertät zu schildern: Man ist kein Kind mehr und idealisiert die Welt der Erwachsenen, zu der man aber doch noch nicht gehört; man beobachtet die Erwachsenen und versucht herauszufinden, was hinter ihren Worten, ihren Bewegungen, ihren Gesichtsausdrücken steht, dann da scheint es viel mehr zu geben, als auf den ersten Blick erkennbar ist... und wenn man wie die 13-jährige Briony Tallis ein leidenschaftliches, phantasievolles Mädchen ist, das viel sich selbst überlassen wird, dann bleibt man nicht beim Beobachten, sondern interpretiert und denkt sich Geschichten aus, solange, bis man sie beinahe selbst glaubt. Dies tut Briony am Abend eines langen, heißen Sommertags und verändert damit auf gravierende Weise das Leben ihrer älteren Schwester und das deren Geliebten.
Der erste Teil des Romans, großteils aus der Sicht von Briony geschildert, erinnert sehr an McEwans "Zementgarten" und die Spiele der Hauptfiguren zwischen Unschuld, Macht und Inzest. Auch diese Geschichte spielt sich in einem unerhört heißen Sommer ab, als wäre die Temperatur immer ein wichtiger Faktor dafür, dass die Charaktere Grenzen überschreiten.
"Abbitte" endet jedoch nicht wie der "Zementgarten" mit auf ewig jugendlichen Protagonisten, Briony wird erwachsen und ergreift als junge Frau die Chance, sich ihrem Fehler zu stellen, wenn er auch nicht rückgängig gemacht werden kann.
Ein spannendes und meisterhaft geschriebenes Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen möchte.
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