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Wenn du nach einer geeigneten Methodik für deine Bachelor- oder Masterarbeit suchst, bist du möglicherweise bereits auf die Fallstudie gestoßen. Eine solche Analyse durchzuführen, erscheint auf den ersten Blick schwierig. Arbeitest du dich jedoch Schritt für Schritt vor und folgst einer sinnvollen Struktur, kannst du dir schnell einen Überblick über dein Vorhaben verschaffen. Hier erfährst du alles, was du dazu wissen musst.
Definition: Fallstudie
Die Fallstudie oder Case Study ist eine Methode innerhalb der qualitativen Forschung, die häufig im Zusammenhang mit Bachelor- oder Masterarbeiten angewandt wird. Obwohl der Begriff ursprünglich aus der Sozialwissenschaft stammt, sind Fallstudien heute auch in vielen wirtschafts-, politik- und medienwissenschaftlichen Studiengängen zu finden.
In einer Fallstudie wird ein aktueller Fall wie ein Ereignis oder ein Phänomen untersucht, das in der realen Welt beobachtet werden kann. Diesen konkreten Fall betrachtest und analysierst du in all seinen Einzelheiten, stets in Anbetracht des Kontextes, in dem er steht, und einer bereits bestehenden Theorie. Vergleichst du mehrere Fälle miteinander, handelt es sich um die Sonderform der vergleichenden Fallstudie oder Multiple Case Study.
Das Ziel jeder Fallstudie besteht darin, das Fallbeispiel verstehen und erklären zu können. Am Ende der Studie sollten neue Lösungsansätze oder ein neuer Blickwinkel auf die Thematik eröffnet worden sein. Um die Daten für deine Fallstudie zu erheben und zu analysieren, kannst du sowohl qualitative als auch quantitative Ansätze wählen.
Arten
Abhängig von dem Fokus, den du setzen möchtest, empfehlen sich unterschiedliche Arten der Fallstudie. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Ansätzen können fließend sein, dennoch solltest du dir dessen bewusst sein, welche Herangehensweise du für deine Fallstudie wählst.
- Problemfindungsfall (Case-Study-Method): Dies ist die klassische Variante der Fallstudie. Du kennst einen Fall, aber nicht die Probleme, die darin auftreten. Im Verlauf deiner Studie erkennst du sowohl Probleme als auch Lösungen.
- Beurteilungsfall (Case-Problem-Method): Er fokussiert sich auf die Bewertung unterschiedlicher Lösungsansätze. Du beschäftigst dich mit den Vor- und Nachteilen der Ansätze, bewertest sie und findest gegebenenfalls Alternativen.
- Informationsfall (Case-Incident-Method): Dies ist die schwierigste Form der Fallstudie. Das Problem besteht hier in unvollständigen oder nicht vorhandenen Daten, die du möglicherweise überhaupt nicht beschaffen kannst. Dennoch obliegt es dir, eine Fallstudie aus den verfügbaren Daten zu erstellen.
- Untersuchungsfall (Stated-Problem-Method): Den Ausgangspunkt für diese Methode stellt eine Problematik dar, deren Ursachen du durch deine Fallstudie ermitteln möchtest. Es handelt sich also um das exakte Gegenteil zum Problemfindungsfall.
Durchführung einer Fallstudie in fünf Schritten
Obwohl Fallstudien zu den organisatorisch einfacheren Forschungsmethoden zählen, sind sie mit ähnlich viel Recherche verbunden wie Umfrage oder Experteninterviews. Um deine Arbeit überschaubarer zu gestalten, kannst du dich an den folgenden fünf Schritten orientieren:
- Forschungsziel und Fragestellung festlegen,
- Fallbeispiel auswählen,
- Passende Literatur und Theorie finden,
- Fall beschreiben,
- Fall analysieren.
1. Lege dein Forschungsziel fest
Zuerst solltest du dein Forschungsziel und eine passende Forschungsfrage festlegen, damit du weißt, wonach du forschst und dich bei der Datenerhebung nicht verrennst. Dein Forschungsziel kann explorativ (entdeckend), deskriptiv (beschreibend) oder explanativ (erklärend/begründend) sein oder eine Kombination dieser Varianten darstellen. Durch das Festlegen eines übergeordneten Forschungsziels erlangst du ein erstes Verständnis davon, wie deine Forschungsfrage aussehen wird.
Bei der Forschungsfrage sollte es sich um eine möglichst präzise gestellte Wie- oder Warum-Frage handeln. Es gibt zwei Arten von Forschungsfragen, die sich für Fallstudien eignen:
- Fallspezifische Forschungsfragen beziehen sich auf einen Einzelfall. Beispiel: „Wie beeinflussen die Marketingstrategien von Coca Cola das Kaufverhalten von Jugendlichen?“
- Generische Forschungsfragen fassen die Thematik allgemeiner. Beispiel: „Wie beeinflussen verschiedene Marketingstrategien das Kaufverhalten von Jugendlichen?“
2. Wähle deinen Fall aus
Für deine Fallstudie solltest du natürlich in erster Linie ein forschungsrelevantes Beispiel auswählen. Dafür eignen sich Ereignisse, Personen, Unternehmen, Orte oder Phänomene. Orientiere dich für die Auswahl des richtigen Beispiels an den folgenden Kriterien:
- Das Beispiel sollte ungewöhnlich beziehungsweise atypisch sein.
- Das Beispiel sollte einen neuen Einblick in ein bekanntes Problem gewähren.
- Das Beispiel sollte neue Lösungsansätze aufzeigen.
- Das Beispiel sollte eine bestehende Annahme kritisch hinterfragen.
- Das Beispiel sollte neue Entwicklungsmöglichkeiten für zukünftige Forschungen eröffnen.
3. Wo finde ich die passende Literatur für meine Fallstudie?
Sobald du dein Forschungsziel und deinen Fall festgelegt hast, musst du sie mit der bereits bestehenden Literatur und dem aktuellen Forschungsstand verknüpfen. Führe dazu eine Literaturrecherche durch und vergleiche deine Fallstudie mit themenrelevanten Texten. Einen theoretischen Hintergrund kannst du etablieren, indem du eine Theorie heranziehst, die dir helfen soll, deinen Fall zu verstehen und zu erklären. Bei der Analyse deiner Fallstudie kannst du deine Resultate in Bezug auf diese Theorie diskutieren und auswerten.
4. Beschreibe deine Fallstudie
Ist die Literaturrecherche abgeschlossen, beginnst du, den Fall zu beschreiben. Handelt es sich um ein Ereignis, ist dafür beispielsweise eine Zeitleiste geeignet, die alle wichtigen Vorkommnisse inklusive der Ursachen und Auswirkungen aufzeigt. Schildere alle Einzelheiten, die für das Verständnis des Falls relevant sein könnten, so umfangreich wie möglich. Dabei verfolgst du das Ziel, dein Fallbeispiel von anderen Studien und Forschungsfragen abzuheben.
5. Analysiere den Fall deiner Fallstudie
Der letzte Schritt der Fallstudie ist die zugehörige Analyse. Die Daten, die du zusammengetragen hast, werden nun ausgewertet und erklärt. Mit den Schlussfolgerungen, die du daraus ziehst, solltest du deine Forschungsfrage beantworten können. Du kannst deine Arbeit außerdem in einen theoretischen Kontext einbetten, indem du Verbindungen zu bestehender Literatur und den Theorien anderer Forschender ziehst.
Wie genau du bei der Analyse vorgehst, kann stark variieren. Je nach Art der Fallstudie kannst du dir beispielsweise die folgenden Fragen stellen:
|Art der Fallstudie||Mögliche Analyse|
|Ereignis||Wann und wo fand das Ereignis statt?

Durch welche Umstände und Vorfälle wurde es ausgelöst?
Welche kurzfristigen und langfristigen Folgen hatte es?
|Person||Welche Eigenschaften und Erfahrungen hat diese Person?

Wodurch wird die Person relevant für die Forschung?
|Unternehmen||Welche Strategien nutzt das Unternehmen?

Hinter welchen Werten steht das Unternehmen? Wie geht das Unternehmen mit bestimmten Ereignissen um?
|Ort||Welche physischen, ökonomischen, politischen, sozialen oder kulturellen Eigenschaften hat dieser Ort?

Wieso sind sie forschungsrelevant?
|Phänomen||Welche Ursachen hat dieses Phänomen? Welche Auswirkungen hat es?

Wie hängen die Ursachen und Wirkungen miteinander zusammen?
Warum hast du dieses Phänomen für deine Fallstudie gewählt?
Fallstudien und andere wissenschaftliche Methoden
Viele Forschungsmethoden können problemlos miteinander kombiniert werden. Das ist auch bei Fallstudien möglich, die häufig mit Gruppendiskussionen oder Experteninterviews verbunden werden. Du kannst dich aber auch für einen sogenannten Mixed-Methods-Ansatz entscheiden, der die qualitative (in diesem Fall deine Fallstudie) und quantitative Forschung (beispielsweise Umfragen oder Beobachtungen) kombiniert.
Möchtest du unterschiedliche Theorien und Forschende einbeziehen, kannst du den Ansatz der Triangulation wählen. Diese Methodik erlaubt es dir, deinen Fall aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, sodass du zu objektiveren und umfangreicheren Resultaten kommst. Oftmals fallen durch die Triangulation Details auf, die bisher unentdeckt blieben.
Vorteile
Solltest du noch unschlüssig sein, welche Methode sich für deine Forschung am besten eignet, ist ein Vergleich der verschiedenen Methoden empfehlenswert. Fallstudien können beispielsweise mit den folgenden Vorteilen aufwarten:
- Sie sorgen durch den Realitätsbezug des Falls für eine authentische, realitätsnahe Forschung.
- Es fällt deutlich weniger organisatorische Arbeit als beispielsweise für Umfragen an.
- Durch das Betrachten des Falls aus verschiedenen Perspektiven erlaubt die Fallstudie einen umfassenden Blick auf die Problematik und einen großen Spielraum für deren Analyse.
- Fallstudien können Details sichtbar machen, die vorher nicht bekannt waren, und eignen sich somit gut für die präzise Untersuchung eines Problems.
- Fallstudien werden bei manchen Bewerbungsverfahren im Assessment-Center eingesetzt. Daher kann es einen beruflichen Vorteil für dich darstellen, wenn du im Studium bereits mit ihnen gearbeitet hast.
Das beste Gefühl für die Durchführung einer Fallstudie bekommst du, indem du dir Beispiele gelungener Studien ansiehst. Frage dazu auch Bekannte, ob du ihre Fallstudien lesen darfst.
Folgendes Beispiel wurde in der Psychologie durchgeführt:
Häufig gestellte Fragen
Die Fallstudie ist eine qualitative Forschungsmethode, bei der ein konkreter Fall, wie ein Ereignis oder ein Phänomen, aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und analysiert wird.
Fallstudien setzen es sich zum Ziel, das betreffende Fallbeispiel zu verstehen, zu erklären und offene Fragen zu beantworten oder Lösungen für bestehende Probleme zu finden.
Du konzentrierst dich auf einen Einzelfall, den du umfassend analysierst und mit einer bereits bestehenden Theorie verknüpfst.
Fallstudien haben den Vorteil einer besonderen Realitätsnähe. Zudem sind sie mit einem vergleichsweise geringen organisatorischen Aufwand verbunden und bieten dir die Möglichkeit, einen Fall aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten.
Das gewählte Fallbeispiel sollte forschungsrelevant sein, das bedeutet, es ist ungewöhnlich und bietet neue Einblicke, alternative Lösungsansätze oder die kritische Hinterfragung eines bekannten Themas.