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Geymüller 1898
Die bereits zitierten unvollständigen Angaben zum Inhalt der drei Bände wiederholt Geymüller sinngemäss in seiner Baukunst der Renaissance in Frankreich:
"Destailleur besass drei Bände gründlicher Aufnahmen der Thermen Diocletian's, die von einem französisch sprechenden Architekten des XVI. Jahrhunderts herrühren und sich gegenwärtig im Kupferstich-Cabinet zu Berlin befinden." [Geymüller 1898, S. 45]
Die Äusserungen Geymüllers erlauben mehrere Schlussfolgerungen über die jüngere Geschichte des Codex Destailleur D: Zweifellos bezieht sich der Verfasser auf diesen Codex und nicht etwa einen der weiteren, die später nach ihrem Vorbesitzer als "Codex [bzw. Codices] Destailleur" A, B, C usw. benannt wurden. Geymüller scheint den Codex D aber selbst bis zum Erscheinen des zitierten Textes nicht vollständig eingesehen zu haben, da die irrtümliche Beschränkung der Inhaltsangabe ausschliesslich auf die Diocletians-Thermen ansonsten bei einem so aufmerksamen Kenner der Architekturzeichnungen der Reniassance — besonders aber der St.-Peter-Zeichnungen — kaum zu erklären wäre. Die Inhaltsangabe lässt ausserdem den Schluss zu, dass Geymüller die 1890 an relativ entlegener Stelle erschienene Veröffentlichung Jessens [Jessen 1890]. vermutlich (noch) nicht bekannt gewesen sein dürfte.
Soweit bekannt hat Geymüller nach dem Verkauf der Sammlung Destailleur diese in Berlin nicht mehr eingesehen, so dass seine Aussagen über den hier interessierenden Codex Destailleur D auf eine — vielleicht nur kurze — frühere Einsichtnahme in Paris zurück gehen dürften. Trotzdem erscheint es mehr als bemerkenswert, dass ihm eine in ihrem Quellenwert zweifellos bedeutsame, aber in ihrer Bedeutsamkeit wiederum nur dem profunden Kenner der Antiken Roms auffällige Zeichnung zum Tambourinneren von S. Costanza nicht entging, er aber gleichzeitig die drei Bände des Codex' pauschal als Zeichnungen zu den Diocletians-Thermen klassifizierte. Es scheint ausgeschlossen Geymüller unterstellen zu wollen, er habe die Bedeutung des gesamten Codex erkannt, diesen aber durch Zurückhalten von Informationen anderen vorenthalten wollen. Dies entspräche kaum dem Persönlichkeitsbild, dass man sich aufgrund der Veröffentlichungen sowie des Nachlasses von dem bedeutenden Forscher zu machen haben wird. (Vgl. hierzu insbesondere auch die umfassende Darstellung von Josef Ploder: Heinrich von Geymüller und die Architekturzeichnung -- Werk, Wirkung und Nachlaß eines Renaissance-Forschers. Wien; Köln; Weimar: 1998 = [Ploder 1998].)