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von
Jürg Wyss
02. Dezember 2016
02:40
Der Bözbergtunnel blickt auf eine lange Geschichte zurück. Eröffnet am 2. August 1875, also vor 142 Jahren, durch die Bözbergbahn (BöB), ein gemeinschaftliches Unternehmen der Nordostbahn und der Centralbahn, wurde die Strecke von Basel nach Brugg zur Alternative der 1858 eröffneten Hauensteinstrecke der Schweizerischen Centralbahn. Mit der Inbetriebnahme des 2526 Meter langen Bözbergtunnels konnte der Umweg über Olten eliminiert und die Strecke Basel–Zürich um über acht Kilometer verkürzt werden. Neben dem Bözbergtunnel bildete die Brücke über die Aare bei Brugg das grösste Bauwerk der Eisenbahnlinie. Am 18. Oktober 1926 wurde die ganze Strecke von Pratteln bis Brugg elektrifiziert.
Am vergangenen Sonntag wurde mit dem Fahrplanwechsel der neue Gotthard-Basistunnel in Betrieb genommen. Der Tunnel sorgt europaweit für Aufsehen. Er ist das eigentliche Herzstück eines grossen Projekts: Um die alpenquerenden Gütertransporte weiter von der Strasse auf die Schiene verlagern zu können, wird die gesamte Nord/Süd-Achse zu einem 4-Meter-Korridor ausgebaut. Ziel ist es, dass die Lastwagen-Sattelauflieger, die man auf die Schienen verladen will, Platz haben. Bis anhin konnte man solche Fahrzeuge nur bis zu einer Höhe von 3,80 Metern verladen. Mit dem 4-Meter-Korridor wird die ganze Strecke von Basel bis Luino und Chiasso auf die Eckhöhe von vier Metern ausgebaut. So auch durch den Bözberg.
Ein neuer Bözbergtunnel
Es ist das grösste Projekt des neuen Korridors auf der Gotthard-Zubringerachse: der 2,5 Kilometer lange Bözbergtunnel. Baulich erfüllt der 142-jährige, zweispurige Tunnel die Anforderungen eines 4-Meter-Korridors nicht. Deshalb wird parallel dazu eine neue Röhre gebohrt. Verschiedene Varianten wurden in Vorprojekten geprüft. Der Neubau eines doppelspurigen Tunnels hat sich als die beste Variante erwiesen. Der Bau des 4-Meter-Korridors kostet insgesamt 940 Millionen Franken. Als grösstes Einzelprojekt kostet der Neubau des Bözbergtunnels 350 Millionen Franken. Ein Unternehmen aus Schinznach-Dorf leistet dazu einen namhaften Beitrag: Die Samuel Amsler AG.
Seit 1967 produziert das Unternehmen in ihrem Betonwerk verschiedene Betonsorten. «Durch die langjährige Erfahrung erlangten wir ein umfassendes Know-how in der Betonherstellung – eine unserer Stärken. Wir bieten wertvolle und hochwertige Baustoffe an», erklärt Geschäftsleiter Ruedi Amsler.
Kies aus der Region – für die Region
Was aus der Region stammt, geht in die Region zurück: Die Samuel Amsler AG liefert unter anderem den Spritzbeton für den neuen Tunnel. «Dieser Spritzbeton wird aus dem abgebauten Kies unserer Kiesgrube in Schinznach-Dorf hergestellt. Damit sichern wir den Ausbruch des Tunnels», sagt Amsler.
Gegenwärtig findet der sogenannte bergmännische Vortrieb statt. Dabei wird mit einem Bagger eine Strecke von über 110 Metern im Lockergestein ausgebrochen. Die Fundamente des neuen Tunnels werden aus Beton gegossen. Darauf wird sich die Tunnelbohrmaschine Meter für Meter durch den Bözberg fräsen – pro Tag rund 22 Meter. Dann erfolgt der Innenausbau des Tunnels. Die Samuel Amsler AG liefert auch dazu den Beton und fährt mit ihren Lastwagen in den Tunnel, wo der Beton abgeladen und mittels Pumpen in die Schalungen gefüllt wird. Rund 10'000 Fahrten werden es sein. «Wir transportieren etwa 75 000 m3 Beton in den Stollen – das würde für 750 Einfamilienhäuser reichen», rechnet Ruedi Amsler vor.
Ein Grossauftrag
Für die Samuel Amsler AG handelt es sich um einen Grossauftrag, wie Ruedi Amsler festhält: «Bis ins Jahr 2022 dauert der Auftrag. Er wird uns für die nächsten Jahre einen Beitrag an unsere Auslastung liefern.» Mit der Inbetriebnahme des neuen Bözbergtunnels wird 2020 gerechnet. Danach folgen die Umbauarbeiten des alten Tunnels bis Ende 2022. «Der bestehende Bözbergtunnel wird in Zukunft als Dienst- und Rettungsstollen genutzt. Fünf Querverbindungen werden dazu erstellt», ergänzt Amsler. Derzeit fährt alle vier Minuten ein Zug durch den Bözberg. «Im neuen Tunnel wird dies alle drei Minuten der Fall sein.» sagt Ruedi Amsler. Im Tunnel, ausgebaut mit Beton, hergestellt mit Kies aus der Region.