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Das Tempo des weltweiten Wachstums des Bruttoinlandsprodukts (BIP) hat seit seinem Tief im Frühjahr 2016 deutlich angezogen. Die Verbesserung in der Dynamik des globalen Wachstums war vergleichsweise breit gestreut und ist auf die weltweit lockereren finanziellen Rahmenbedingungen und die verzögerten Auswirkungen der zu Beginn des Jahres 2016 getroffenen Anreizmassnahmen Chinas zurückzuführen. Darüber hinaus profitierte das Wachstum von einer Verlangsamung des Lagerabbaus und der Stabilisierung der Rohstoffpreise.
Da die Auswirkungen der Konjunkturprogramme in China und den Industrieländern Anfang 2017 nachlassen, geht man bei T. Rowe Price davon aus, dass sich das globale Wachstum nach dem Ende 2016 erreichten Höchststand etwas nachlassen wird. Die weltweiten Konjunkturaussichten sind auch wegen der steigenden Populismuswelle in den Industrieländern, die in einigen Regionen durch stärkere steuerliche Förderung zu einer Stärkung des Wachstums führen, in anderen Regionen jedoch den Fortschritt gefährden kann, ungewiss geworden.
Verunsicherung wegen steuerlichen Anreizen
Durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen ist die Unsicherheit bezüglich der künftigen Ausrichtung der globalen Geldpolitik gestiegen. Die Annahme, dass sich die US-Notenbank (Fed) 2017 auf zwei oder drei Zinssatzanhebungen beschränken wird, wird durch die Aussicht auf vermehrte steuerliche Anreize unter der neuen Trump-Regierung in Frage gestellt. Die ersten Jahre der Regierungen unter Barack Obama, George W. Bush und Ronald Reagan waren ebenfalls von einer "Anreizwelle" gekennzeichnet, allerdings verfolgte man hier die expansive Finanzpolitik jeweils vor dem Hintergrund einer erheblichen Flaute der US-Wirtschaft. Es ist unklar, wie die Wirtschaft auf Anreize reagieren wird, wenn fast Vollbeschäftigung erreicht wurde, und ebenso unklar ist die etwaige Reaktion der Fed.
Auch die Finanzmärkte passen sich der Realität an, dass die Europäische Zentralbank (EZB) damit begonnen hat, eine weniger expansive Geldpolitik umzusetzen. Es deutet nichts darauf hin, dass die Kerninflation in Europa bedeutend ansteigt, allerdings wird durch die steigenden Energiepreise die Gesamtinflation Anfang 2017 in die Höhe schnellen. Darüber hinaus schliesst sich die Produktionslücke in Europas grösster Volkswirtschaft Deutschland. Infolge dessen zeigen langfristige Inflationsprognosen eine Gesamtinflation, die in Richtung der Zwei-Prozent-Marke steigt und geben damit der EZB ein Argument, um auf Zehenspitzen einen Prozess der geldpolitischen Normalisierung einzuleiten. Wie der geldpolitische Ausschuss in seiner Dezember-Sitzung ankündigte, findet der Prozess der Normalisierung in Form einer Verlangsamung der quantitativen Lockerung statt. Die Frage hinsichtlich eines weiteren Ausschleichens aus dem Lockerungsprogramm dürfte zwischen den politischen Entscheidungsträgern der EZB heftige Debatten auslösen.
Die Aussichten für die Geldpolitik der Volkswirtschaften Asiens sind genauso vage. Die Bank of Japan nahm im September 2016 erhebliche Veränderungen in ihrem geldpolitischen Programm vor und gab bekannt, ihre Käufe im Rahmen der quantitativen Lockerung anzupassen, um stabile und positive längerfristige Renditen erzielen zu können. Das neue Programm wurde noch nicht getestet, könnte allerdings die Bank dabei unterstützen, die Aufwertung des Yen zu kontrollieren, der die japanische Wirtschaft stark belastete.
Derweil kämpft China mit seinen steigenden Unternehmensschulden, insbesondere die staatlich gelenkten Unternehmen, und der Notwendigkeit, der steigenden Zahl notleidender Kredite im Bankensystem des Landes Herr zu werden. Die Finanzhähne, die Anfang 2016 zu einer Stabilisierung der Wirtschaft beitrugen, dürften geöffnet bleiben, da sich die obersten Führungsstrukturen des ständigen Ausschusses des Politbüros in einer Phase der Veränderung befinden. Die anderen Schwellenländer durchlaufen allem Anschein nach einen relativ geordneten Entschuldungsprozess. Sie verarbeiten den Kreditboom, der vor dem Hintergrund der sehr lockeren geldpolitischen Ausrichtung der Industrieländer aufkam. Das Abschneiden dieser Volkswirtschaften wird ein entscheidender Faktor für das gesamte globale Wachstum sein.
Populismuswelle in Industrieländern
Ende 2016 kam es durch die Entschuldung der Schwellenländer zu Gegenwind (was uns seit einiger Zeit klar war), dazu kam der durch den Populismus in den Industrieländern erzeugte Seitenwind. Sowohl Grossbritanniens Entscheidung, die Europäische Union (EU) zu verlassen, als auch die Wahl Donald Trumps in den USA spiegelten eine grosse Unzufriedenheit unter Wählern in den Industrieländern wider, die durch eine sich ausbreitende Ungleichheit und das wachsende Gefühl, dass die Gewinne des Wirtschaftswachstums nicht bis zur Mittelklasse durchsickern, Nahrung erhielt. Die ungleiche Verteilung des Wohlstandes und der durch die Globalisierung erzielten Einnahmen bringt die Wähler dazu, für neue Kandidaten zu stimmen, die versprechen, durch Drosselung der Zuwanderung und Umkehr der Importströme aus Niedriglohn-Schwellenländern Stellen in der Produktion zu schützen.
Es ist weiter unklar, wie weit sich diese Welle des Populismus im Jahr 2017 insbesondere in Europa ausbreiten wird, sie könnte aber erhebliche Auswirkungen auf das globale Wachstum haben. Obwohl die rechtsextreme Freiheitliche Partei in Österreich in einer Stichwahl im Dezember 2016 die Präsidentschaft nicht übernehmen konnte, erscheint es wahrscheinlich, dass ähnliche Parteien in Frankreich, Italien, Deutschland und den Niederlanden im Jahr 2017 Wahlerfolge erzielen werden. Obwohl keine der Parteien, die gegen die Globalisierung antreten, momentan als klarer Wahlsieger gehandelt wird, hat die jüngste Geschichte gezeigt, dass Meinungsforscher scheinbar unzureichend ausgestattet sind, um die Absichten frustrierter Wähler zu erfassen. In einem solch unsicheren Umfeld ist es für Manager und Anleger verlockend, irreversible Entscheidungen aufzuschieben. Diese abwartende Haltung stellt eine zusätzliche Belastung für Wachstum und Kapitalbildung in Europa dar.
Auch die Besorgnisse in Bezug auf einen sogenannten "harten Brexit" nahmen zu. Es ist unklar, ob die britische Premierministerin Theresa May ihr Versprechen, den formellen Prozess des Rückzugs aus der EU bis Ende März zu beginnen, halten kann, da noch nicht vollständig klar ist, welche Rolle dem High Court und dem Parlament zukommen wird. Die Signale Mays und ihres politischen Freundeskreises hinsichtlich ihrer Bereitschaft, den Zugang zur Zollunion und dem EU-Binnenmarkt zu opfern, um Kontrolle über die Immigration zu haben, waren widersprüchlich und ihre Position kann sich weiterentwickeln.
Ein "harter Brexit" hätte weitreichende Folgen, die Experten von T. Rowe Price gehen aber davon aus, dass er das britische Pfund unmittelbar und stark belasten würde. Um die Wirtschaft zu schützen, könnte die Bank of England darauf mit niedrigeren Zinsen und einer Ausweitung ihres quantitativen Lockerungsprogramms reagieren, und dies, obwohl durch das schwächere Pfund der Inflationsdruck in Grossbritannien gestiegen ist.
Trumps Plan für einen "entfesselten" Energiesektor
Der Populismus in den USA ist anders ausgeprägt und wird unterschiedliche Auswirkungen auf die US-amerikanische Wirtschaft haben. Zu den zentralen Elementen in Donald Trumps Plan für die Wirtschaft zählen unter anderem ein wachstumsorientierter Steuerplan, ein neuer und moderner Regulierungsrahmen einschliesslich eines "entfesselten" Energiesektors und eine Handelspolitik, die sich "America first" auf die Fahne geschrieben hat. In einigen Bereichen ist eine schnelle Umsetzung vorstellbar, denn viele der Prioritäten Trumps können durch die Exekutive umgesetzt werden, während über andere gemeinsam mit dem republikanischen Kongress entschieden wird.
Eine Reformierung und Vereinfachung der Steuervorschriften für Privatpersonen und Unternehmen könnte noch vor einer Reduzierung der tatsächlichen Steuersätze die Wirtschaft bereits ankurbeln. Eine Verbesserung der regulatorischen Rahmenbedingungen könnte auch die Wirtschaftsdynamik verbessern, und eine Steuersenkung dürfte in Kombination mit einer Deregulierung die Wirtschaft stützen. Ein Gegenwind für das Wachstum wäre dagegen eine Handelsagenda, die Zölle oder Strafen für multinationale US-Unternehmen vorsieht, die im Ausland produzieren. Darüber hinaus könnten dadurch Vertriebsketten gestört werden und die Preise importierter Waren steigen. Auch eine aggressivere Durchsetzung der Einwanderungsgesetze könnte sich negativ auf die Wirtschaft auswirken und in Branchen und Bundesstaaten mit einer hohen Konzentration an illegalen Einwanderern zu Arbeitskräftemangel führen, wodurch wiederum die Lohnkosten in den USA steigen und die Konjunktur gedämpft werden würde. Der Kongress mag Trumps Bereitschaft, Handelskriege zu riskieren, nicht teilen, aber es ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass laut dem US-Handelsgesetz von 1974 der Präsident die exekutive Ermächtigung hat, Handelsvereinbarungen aufzukündigen und Importzölle von bis zu 15 % für bis zu 150 Tage zu erheben, ohne den Kongress zu konsultieren.
Extremem Folgen muss mehr Beachtung geschenkt werden
Das Risiko extremer Folgen oder sogenannter "Tail Outcomes" für die US-amerikanische Wirtschaft ist im Jahr 2017 einerseits durch die Aussicht auf steuerliche Anreize und Deregulierung und andererseits durch die erhöhte Gefahr von Handelskonflikten gestiegen. Die politischen Unwägbarkeiten von 2016 haben T. Rowe Price nicht veranlasst, das Basisszenario für ein US-Wachstum von etwa 2 % zu ändern. Dennoch glauben die Experten, dass Anleger darauf vorbereitet sein sollten, dass das Wachstum erheblich beschleunigt oder verlangsamt sein kann – eine Warnung, die auch für die gesamte globale Wirtschaft gilt.