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Steve Bruce wusste gleich nach der Übernahme von Newcastle United durch ein saudi-arabisches Konsortium, dass er kaum mehr lange Trainer sein wird. Üblicherweise würden neue Besitzer auch einen neuen Coach wollen, sagte Bruce.
Nun ist er seinen Job los, das 2:3 gegen Tottenham Hotspur am Wochenende war sein letzter Einsatz. Interimistisch übernimmt der bisherige Assistent Graeme Jones das Team.
13 Tage nach dem Einstieg sind die saudischen Besitzer, deren Vermögen auf rund 340 Milliarden Euro geschätzt wird, damit ganz offiziell auf Trainersuche. Der neue Mann wird einen Abstiegskandidaten übernehmen, den er so schnell wie möglich auf Vordermann bringen soll. Schliesslich will Newcastle bald angreifen: Champions League klingt schliesslich besser als Championship, der Name der zweithöchsten englischen Liga.
Ist dieses Projekt eine Aufgabe für Lucien Favre? Der 63-jährige Westschweizer wird auf der Insel als möglicher Nachfolger gehandelt. Seit Mitte Dezember und dem Rauswurf bei Borussia Dortmund ist Favre, einstiger Meistermacher des FC Zürich, ohne Job. Sein Name besitzt zwar nicht den gleich grossen Klang wie andere, an denen Newcastle angeblich Interesse hat. Aber dafür bewies er etwa bei Borussia Mönchengladbach, dass er ein «Feuerwehrmann mit Zukunftsplänen» sein kann. Er rettete Gladbach, das er als abgeschlagener Tabellenletzter übernahm, erst vor dem Abstieg und führte es gleich in der Saison darauf in die Champions League.
Wer beim Buchmacher «William Hill» 10 Pfund darauf setzt, dass Lucien Favre nächster Newcastle-Trainer wird, erhält 50 Pfund zurück. Das ist die zweitbeste Quote, nur ein Trainer wird noch höher gehandelt: Paulo Fonseca. Wer an den Portugiesen glaubt, erhält bei 10 Pfund Einsatz nur 15 Pfund zurück. Der 48-Jährige feierte reihenweise Erfolge mit Schachtar Donezk in der Ukraine, ehe er von 2019 bis in diesem Sommer Trainer der AS Roma war. Fonseca gilt als einer, der offensiven Fussball spielen lässt. Im Sommer war Tottenham angeblich kurz davor, ihn zu verpflichten.
Die «Daily Mail» berichtet, Newcastle und Fonseca hätten bereits Kontakt gehabt. In den nächsten 24 Stunden werde es zu weiteren Gesprächen kommen. Gemäss der Zeitung ist er – wie für die Buchmacher – der Topfavorit.
Hoch im Kurs sein soll mit Eddie Howe auch ein Trainer, der ausserhalb Englands kaum bekannt ist. Wie auch: Als Spieler (von 1994 bis 2007) und als Trainer (von 2009 bis 2020) verbrachte er fast seine gesamte Laufbahn beim AFC Bournemouth. Der 43-Jährige schuf sich dort einen Namen als Ausbilder, der Talente erkannte, sie förderte und mit Gewinn weiterverkaufte. Nicht die Haupteigenschaft, die ein Trainer des reichsten Klubs der Welt mitbringen muss. Zuletzt lehnte er ein Angebot von Celtic Glasgow ab.
Im Prinzip die einzig würdige Wahl für einen Klub, der mit Moneten um sich werfen kann, wie es Dagobert Duck in seinem Geldspeicher macht. Der dreifache Weltfussballer des Jahres – Weltmeister, Europameister und und und – zeigte schliesslich bei Real Madrid, dass er mit einem Ensemble von Superstars gut umgehen kann. Der 49-jährige Zidane führte die «Königlichen» zu drei Champions-League-Triumphen in Folge. Das gelang ausser ihm noch keinem Trainer. Seit dem Sommer ist der Franzose ohne Arbeitsstelle.
Als Mittelfeldspieler eine Ikone von Chelsea, als Trainer zuletzt ebenfalls bei den «Blues». In seiner ersten Saison dort hatte Lampard (43) etwas überraschend Erfolg, er machte sich einen Namen als Jugendförderer, wenn auch nicht ganz freiwillig wegen einer Transfersperre. Nach einem schwachen Halbjahr zu Beginn der zweiten Saison zog Chelsea im Januar 2021 die Reissleine und verpflichtete Thomas Tuchel – der das Team wenige Monate später zum Sieg in der Champions League führte.
Wie überlegen er die Glasgow Rangers zum schottischen Meistertitel geführt hat, wurde im Süden der Insel natürlich registriert. Schliesslich ist allen klar, dass der 104-fache Nationalspieler, eine lebende Legende des FC Liverpool, lieber früher als später einen Job bei einem der Grossen der englischen Premier League will. Das ist Newcastle zwar noch nicht – sollte dies aber aufgrund seiner finanziellen Potenz werden.
Rafael Benitez: Der Spanier ist vielleicht ein Opfer des Timings. Wären die Saudis im Sommer eingestiegen, wäre er wohl Newcastle-Trainer geworden, mutmasst die BBC. Benitez war schon einmal da, ist ein Fan-Liebling, doch er hat erst gerade Everton übernommen.
Antonio Conte: Derzeit ohne Trainerjob. Der 52-jährige Italiener ist hoch dekoriert. Er führte Juventus zu drei Meistertiteln, wurde auch mit Chelsea und Inter Meister. Conte ist einer, der weiss, wie man Erfolge erringt.
Roberto Mancini: Er führte Manchester City zum ersten Meistertitel unter den reichen Besitzern aus Abu Dhabi – er kennt sich damit also aus. Mancini dirigierte Inter zu drei Meistertiteln und machte Italien im Sommer zum Europameister. Verlässt er die «Azzurri» wirklich, nur ein Jahr vor der WM, wo sie als Mitfavorit antreten werden, sofern sie die Qualifikation schaffen?
Roberto Martinez: Steht seit 2016 bis nach der WM 2022 als Nationaltrainer Belgiens unter Vertrag. Allerdings hiess es zuletzt, er sei an einer Rückkehr in den Klubfussball interessiert. Martinez wurde mit Swansea Drittliga-Meister und gewann mit dem krassen Underdog Wigan den FA Cup – 2013 im Final gegen Mancinis ManCity.
José Mourinho: Wenig überraschend, dass auch der Name des «Special One» genannt wird, wenn es um so ein Projekt geht. Mourinho, der mit Porto und Inter die Champions League gewann, mit Manchester United die Europa League, zudem mit Chelsea und Real Madrid Meister wurde, wäre eine interessante Wahl, auch wenn er zuletzt etwas Glanz einbüsste. Mit der AS Roma liegt er auf Rang 4, neun Punkte hinter Napoli.
Der EV Zug kommt weiter nicht vom Fleck. Zwar holte der Titelverteidiger im Heimspiel gegen Ambri-Piotta zweimal einen Rückstand auf, die Verlängerung dauerte dann allerdings nur 14 Sekunden. Dann schoss Verteidiger Tim Heed die Gäste zum Sieg. Damit feierte Ambri im vierten Gotthard-Derby der Saison den dritten Erfolg, den zweiten in Zug. Für die Zentralschweizer war es nach vier Siegen die erste Heimniederlage im neuen Jahr.