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Durchgang bei den Häusern „Zur Palme“ und „Zum Palmenhof“
Ein schmaler Durchgang ermöglicht eine schnelle Verbindung vom Stadtgarten in die innere Altstadt. Seit dem 18. Jahrhundert steht er unscheinbar zur Verfügung.
Heute hat der öffentliche Durchgang zwischen den beiden Häusern „Zur Palme“ und „Zum Palmenhof“ von der Stadthausstrasse zur Marktgasse nicht mehr die Bedeutung, die er in der Zeit der Erstellung hatte. Wann die schmale Passage erstellt wurde ist nicht bekannt. Wohl aber der Nutzen aus der Zeit als es den Stadtgarten noch nicht gab. Auf dem damaligen Stadtgarten-Areal entstanden so ab anfangs des 18. Jahrhunderts Sommer- und Gartenhäuschen der vornehmen Bürger aus der Altstadt. Ihr Weg zu den Wochenhäuschen führte durch diesen Durchgang. Auch zurück für den Gang zur Kirche am Sonntagmorgen diente dieser Weg. Auch die Vorstädter aus dem Lind- und St. Georgen-Quartier benützten diesen kurzen und direkten Zugang zur Altstadt. Als dann das Knabenschulhaus (heute Oskar-Reinhart-Museum) in Betrieb war, entdeckten die jungen Männer diesen Durchgang schnell, wo immer sie hinwollten.
STADTHAUSSTRASSE 93, Haus „Zur Palme“
Das fünfgeschossige Zeilenhaus „Zur Palme", das sich heute mit einer frühklassizistischen Fassadengestaltung des späten 18. Jahrhunderts präsentiert, weist Bausubstanz auf, die mindestens ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Aus dieser Zeit stammen manieristische Wandmalereien, die im ersten Obergeschoss zum Vorschein gekommen sind. Ferner birgt das Haus im Innern wertvolle Interieurs aus dem späten 18. Jahrhundert.
STADTHAUSSTRASSE 95, Haus „Zum Palmenhof
Das Haus „Zum Palmenhof“ dürfte bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, darauf deutet u. a. ein Kreuzstockfenster im zweiten Obergeschoss der Hoffassade hin. In der zweiten Hälfte des 18. und des 19. Jahrhunderts erfuhr das Haus tiefgreifende Veränderungen, sowohl im Inneren als auch an der Fassade. Heute zeigt sich das schmale Gebäude mit einer schlichten, zweiachsig gegliederten Fassadengestaltung, die auf das 18. Jahrhundert zurückgehen dürfte.
Hans Kägi, alt Chefredaktor des Neuen Winterthurer Tagblattes, erinnert sich in seinem Büchlein „Gras zwischen den Steinen“ an Bewohner bei diesem Durchgang: „…..da der über neunzigjährige Konservator Alfred Ernst aus der «Palme» — zwar etwas steifbeinig — dem Kaffeeplausch im «Rheinfels» zustelzte. Aus dem «Tiergarten» war ihm der quecksilbrige Buchhändler Moritz Kieschke vorausgetrippelt, und aus der «Dankbarkeit» folgte der regsame Lithograph Caspar Studer nach. Derweilen staubte die Glashändlerin Luise Kiefer mit ihrem Federwischer sorgsam Stück um Stück ihrer Kelche, Pokale, Schalen und Humpen ab und wies dem einen und andern im Schaufenster einen besseren Blickfang zu. Dabei mochte sie wohl ein Porzellantässchen, zierlich umkränzelt mit der Aufschrift «Zur Erinnerung» sinnend in ihren zitterigen Händen halten: «Erinnerung? ... an was, an wen?»
Das Lädelchen der Luise Kiefer verliess kein Stück, das nicht zuvor durch den pochenden Knöchel des Zeigefingers auf seine Makellosigkeit geprüft worden wäre. Als die betagten Hüterinnen des «Palmenhofs» gebrechlich wurden, übernahmen die Gebrüder Widmann dieses Lädelchen und reihten auf den Tablaren ihre Spirituosen, Mineralwasser und Limonaden auf. Während damals die Maler an den beiden Türen der Doppelläden die Namen der Inhaber noch öfter änderten, schienen in der kleinstädtischen Mittagsstille die Stundenschläge der Pendülen und Wecker, der Regulatoren und der Schwarzwälder Uhren einander wie in kurzem, raschem Wettlauf zu folgen. Bald indessen klang es aus dem Hinterhaus wie Glockenton, wenn Schlossermeister Stöhr eines seiner kunstvollen Gitterornamente auf dem Amboss schmiedete.
Auf der andern Seite — gegen die « Gymi »-Allee — behütete damals der schmächtige Vittorio Venturini die Säcke der «spanischen» Nüsse und Maronen, des Johannisbrots sowie die Körbe und Gitter der Orangen und Datteln, während sein Vater als «fliegender Händler» den Handkarren auf den Markt oder an den Zugang zu einem Ausflugsziele oder Sportplatz zog.“