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(Thalwil)(PPS) In Ländern des Globalen Südens werden Frauen mit Behinderungen vielfältig benachteiligt. Zum Internationalen Frauentag vom 8. März macht die CBM Christoffel Blindenmission auf deren Lage aufmerksam.
Was hindert die Inklusion von Frauen mit Behinderungen in Ländern des Globalen Südens, was fördert sie? Um mehr darüber zu erfahren, gab das Swiss Disability and Development Consortium (SDDC), dem die CBM angehört, 2022 beim Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern eine Studie in Auftrag. Die partizipative Studie untersuchte exemplarisch die Situation von Frauen mit Behinderungen in Nepal. Ausgehend von eigenen Fotos aus ihrem persönlichen Alltag wurden zehn Frauen mit Behinderungen aus unterschiedlichen Schichten eingehend befragt.
Ohne Ausnahme erleben sie mehrfache soziale, wirtschaftliche und kulturelle Benachteiligungen. Nach dem Hauptgrund gefragt lautet die Antwort: «Es ist meine Behinderung.» Zusätzlich verstärken sich die Diskriminierungen aber aufgrund anderer Merkmale wie dem Geschlecht oder der ethnischen Zugehörigkeit. Laut der Studie wird der gleichberechtigte Einbezug von Frauen mit Behinderungen verhindert durch Stigmatisierung und Mehrfachbenachteiligungen, Extrakosten zur Bewältigung der Behinderung sowie durch die fehlende Zugänglichkeit von Diensten und Gebäuden.
Etliche Frauen mit Behinderungen in Nepal haben auch bereits sexuelle oder andere Formen der Gewalt erlebt, besonders Frauen mit Behinderungen, die einer niedrigen Kaste oder einer indigenen Volksgruppe angehören.
Systemische und individuelle Massnahmen nötig
Die Studie hat umfassende Empfehlungen ausgearbeitet. Diese Empfehlungen richten sich an politische Verantwortungsträger, die Zivilgesellschaft und Selbstvertretungsorganisationen in Nepal, aber auch an ausländische Organisationen und Länder, die in Nepal Entwicklungszusammenarbeit leisten. Unter den Massnahmen finden sich Aufklärungskampagnen, Schutz vor Gewalt und sexueller Ausbeutung, gezielte berufliche Inklusion, individuelle fördernde Begleitung, technische Hilfsmittel zur Alltagsbewältigung sowie barrierefreie Gebäude, Verkehrsmittel und Arbeitsplätze.
Die Studie empfiehlt einen zweigleisigen Ansatz: zum einen Frauen und Mädchen mit Behinderungen auf der individuellen Ebene zu fördern, zum anderen deren Anliegen bei Behörden, Institutionen und der Bevölkerung einzubringen. Dieses zweigleisige Vorgehen hat sich auch in der Arbeit der CBM bewährt. Auch in Nepal, wo die CBM unter anderem mit der Nepal Disabled Women Association (NDWA) zusammenarbeitet, einer lokalen Selbstvertretungsorganisation von Frauen mit Behinderungen.
Stolze Näherin
Unter den Frauen, welche die CBM über die NDWA unterstützt, ist auch die 43-jährige Deu Kumari. Deu Kumari gehört zur stark benachteiligten indigenen Gruppe der Tharu. Sie erkrankte als Kleinkind an Kinderlähmung. Weil sie nicht gehen konnte, war sie vom Schulbesuch ausgeschlossen. Mit 36 Jahren kam sie in Kontakt mit der NDWA und erhielt eine Ausbildung zur Schneiderin, Trainings zur Bewältigung des Alltags und ihr erstes Dreirad: «Das Rad ersetzt meine Beine, ohne das Rad käme ich nirgendwo hin. Nicht zur Werkstatt, nicht zu Freundinnen, weder zur Wahlurne noch zum Schalter, um die staatliche Rente für Menschen mit Behinderungen abzuholen.»
Heute arbeitet sie selbstständig und lehrt Frauen mit Behinderungen aus den untersten Schichten das Schneiderhandwerk. «Wenn Frauen mit Behinderungen die Möglichkeit erhalten, können sie unabhängig arbeiten, ihre Familie und sogar weitere Personen unterstützen. Dank meines Nähateliers hat sich auch die Einstellung der Leute verändert. Sie kommen vorbei und reden mit mir über meine Arbeit.»
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