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Paul Krugman, Wirtschafts-Nobelpreisträger des Jahres 2008, ehemaliger Professor of Economics and International Affairs an der University Princeton und seit 2015 Mitglied der Fakultät des Graduate Center der City University of New York, hat zusammen mit seiner Forschungskollegin und Ehefrau Robin Wells ein weltweit erfolgreiches Einführungslehrbuch in die Mikro- und Makroökonomie verfasst. Auch bei der dritten Auflage der deutschen Ausgabe des US-amerikanischen Lehrbuchs "Economics" handelt es sich wiederum nicht um eine reine Übersetzung, sondern der US-amerikanische Fokus wird durch eine europäische und deutsche Perspektive erweitert.
Krugman ist nicht nur dem Fachpublikum als Bestseller-Autor von Sachbüchern, sondern auch einer breiten Leserschaft als scharfsinniger Kolumnist der New York Times bekannt. Bereits die Einführung "Leben in einer Volkswirtschaft" macht deutlich, dass es sich nicht um ein – in deutschen Lehrbüchern leider oftmals anzutreffendes – staubtrockenes ökonomisches Traktat handelt, sondern um eine spannende, praxisorientierte und gleichermaßen geistreiche Abhandlung. Am Beispiel von diversen Beobachtungen anlässlich einer Fahrt durch das Perlflussdelta am südchinesischen Meer, der weltweit größten Metropolregion, die sich über eine Fläche in der Größe des Bundeslandes Thüringen erstreckt und in der mehr als 100 Millionen Menschen leben, wird unterhaltsam und dennoch zielgerichtet aufgezeigt, was man unter den Begriffen bzw. Phänomenen Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften, Marktwirtschaft und "unsichtbare Hand", Mikro- und Makroökonomie sowie Marktversagen und Rezessionen zu verstehen hat.
Das Werk deckt mit 33 Kapiteln, welche zu 15 Teilen zusammengefasst werden, die gesamte Breite der wichtigsten VWL-Themen ab:
Teil 1 "Was ist Volkswirtschaftslehre?" – Hierbei geht es um eine Reihe von fundamentalen Prinzipien, welche zeigen, wie Individuen ökonomische Entscheidungen treffen und wie individuelle Entscheidungen wechselseitig voneinander abhängen. Des Weiteren werden insbesondere das Wesen und die Funktionen ökonomischer Modelle untersucht.
Teil 2 "Angebot und Nachfrage" – Das Modell von Angebot und Nachfrage illustriert, wie ein Wettbewerbsmarkt, d. h. ein Zusammentreffen vieler Käufer und Verkäufer derselben Ware oder Dienstleistung, funktioniert. In diesem Zusammenhang werden auch die Bedeutung der Konsumenten- und Produzentenrente sowie die Funktion der Eigentumsrechte erklärt und es wird aufgezeigt, welche Rolle die Preise als ökonomische Signale für ein möglichst reibungsloses Funktionieren eines Marktes haben. Des Weiteren geht es auch um Staatsinterventionen in Form von Preisvorschriften sowie Mengenbeschränkungen und auch darum, wie der Markt zurückschlägt. Da viele ökonomische Fragen davon abhängen, wie stark Konsumenten oder Produzenten auf Änderungen des Preises oder anderer Größen reagieren, wird mit dem Konzept der Elastizität das Verständnis des Marktes vertieft.
Teil 3 "Individuen und Märkte" – In einem Kapitel über Steuern werden die Auswirkungen von Steuern auf Angebot und Nachfrage beschrieben und es wird untersucht, welche Faktoren darüber bestimmen, wer die Steuerlast tatsächlich trägt. Danach werden der Unterschied zwischen progressiven und regressiven Steuern sowie der Trade-off zwischen Steuergerechtigkeit und Steuereffizienz thematisiert. Abschließend werden wichtige Aspekte des deutschen Steuersystems erörtert. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit dem internationalen Handel, u. a. mit der Frage, wie Zölle und Importquoten Ineffizienzen verursachen und den Wohlfahrtsgewinn vermindern. Von besonderer Aktualität sind die Ausführungen zur Fragestellung, warum Regierungen oft zu Handelsprotektionismus greifen und wie internationale Handelsabkommen diesem entgegenwirken.
Teil 4 "Wirtschaft und Entscheidungen" – Im Mittelpunkt dieser Betrachtungen stehen die ökonomischen Grundlagen der Entscheidungsfindung. Dabei geht es insbesondere um die Bedeutung von impliziten und expliziten Kosten, um die Unterscheidung zwischen dem buchhalterischen und ökonomischen Gewinn sowie um die versunkenen Kosten. Abschließend werden Erkenntnisse der Verhaltensökonomik im Kontext mit ökonomischen Entscheidungen diskutiert. Zudem wird auf Entscheidungen eingegangen, bei denen der Faktor Zeit zu berücksichtigen ist.
Teil 5 "Die Konsumentscheidung" – Es wird untersucht, wie Verbraucher darüber entscheiden, wofür sie ihr Einkommen ausgeben. Dabei spielen das Prinzip des abnehmenden Grenznutzens und das optimale Konsumbündel sowie Einkommens- und Substitutionseffekte eine wichtige Rolle.
Teil 6 "Die Produktionsentscheidung" – Es werden die Produktionsfunktion eines Unternehmens erörtert und die Frage beantwortet, weshalb die Produktion oft ein abnehmendes Grenzprodukt aufweist. Anschließend geht es um die Kosten eines Unternehmens und warum sich die Kosten bei kurz- und langfristiger Betrachtung unterscheiden können. Darüber hinaus wird vor allem untersucht, wie ein Unternehmen bei vollständiger Konkurrenz seine Produktionsentscheidung trifft.
Teil 7 "Marktstruktur: Über vollkommenen Wettbewerb hinaus" – Hierbei wird beschrieben, was Monopole und Oligopole bedeuten. Dabei wird insbesondere analysiert, wie sich ein Monopolist und Oligopolisten verhalten, um ihre Preise und Mengen gewinnmaximal festlegen zu können. Zudem wird erörtert, wie Wirtschaftspolitiker mit den Problemen umgehen, die sich aus einem Monopol ergeben und warum die Wettbewerbspolitik zur Verhinderung von wettbewerbsbeschränkendem Verhalten eine wichtige Aufgabe des Staates ist. Ein eigenes Kapitel widmet sich dem unternehmerischen Verhalten in der monopolistischen Konkurrenz.
Teil 8 "Mikroökonomik und staatliche Politik" – Dieser Schwerpunkt weist darauf hin, dass es Situationen gibt (z. B. im Kontext mit Externalitäten und öffentlichen Gütern), in denen sich selbst überlassene Märkte ineffiziente Ergebnisse hervorbringen können. Ein derartiges Marktversagen zu korrigieren, zählt zu den wichtigsten Aufgaben des Staates. Infolgedessen wird auf staatliche Instrumente der Umweltpolitik näher eingegangen. Krugman hat sich in den letzten Jahren selbst wiederholt als "free-market Keynesian" charakterisiert, d.h. er befürworte freie Märkte und gleichzeitig Staatseingriffe, um Marktversagen zu korrigieren und Stabilität zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang wird auch die Ökonomie des Wohlfahrtstaates thematisiert und der Fragen nachgegangen, wie staatliche Wohlfahrtsprogramme Armut und Einkommensungleichheit beeinflussen und warum es unterschiedliche Ansichten zur optimalen Größe bzw. Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaates geben kann.
Teil 9 "Faktormärkte und Risiko" – Genau wie die Märkte für Waren und Dienstleistungen spielen die Faktormärkte in der Volkswirtschaft eine zentrale Rolle: sie teilen die produktiven Ressourcen auf die Unternehmen auf und helfen dabei sicherzustellen, dass diese Ressourcen effizient verwendet werden. Dementsprechend geht es hierbei sowohl um die Nachfrage nach Produktionsfaktoren, u. a. auch um Fragen der Grenzproduktivitätstheorie, sowie insbesondere um das Angebot an Arbeit. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit Unsicherheit, Risiko und privaten Informationen und untersucht dabei u.a. die Logik der Risikoaversion, den Handel mit Risiken und die Phänomene der asymmetrischen Informationen.
Teil 10 "Einführung in die Makroökonomik" – Zunächst wird der Unterschied zwischen Mikro- und Makroökonomie genauer beleuchtet. Im Anschluss daran werden wichtige Themengebiete der Makroökonomik, vor allem der Konjunkturzyklus und das langfristige Wirtschaftswachstum sowie die Inflation und Deflation bearbeitet. Ein weiteres Kapitel führt in die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ein und behandelt die Ermittlung sowie die Bedeutung der wichtigen makroökonomischen Kennzahlen, z. B. das Bruttoinlandsprodukt und die Inflationsrate. Des Weiteren werden die Arbeitslosigkeit und ihre möglichen Beziehungen zur Inflation näher untersucht.
Teil 11 "Die Volkswirtschaft auf lange Sicht: Wachstum" – Diese Abhandlung beantwortet v.a. die Fragen, warum die Produktivität der Schlüssel für das langfristige Wirtschaftswachstum ist und wie die Produktivitätsentwicklung durch physisches Kapital, Humankapital sowie technischen Fortschritt beeinflusst wird. Außerdem wird recherchiert, ob wirtschaftspolitische Maßnahmen des Staates das Wachstum fördern oder behindern und es wird auch der Frage nachgegangen, ob das Wirtschaftswachstum nachhaltig ist. Ein weiteres Kapitel setzt sich mit dem Zusammenhang zwischen den wachstumsrelevanten Faktoren Sparen, Investitionsausgaben und Finanzsystem auseinander.
Teil 12 "Die Volkswirtschaft auf kurze Sicht: Konjunktur" – Konjunkturelle Schwankungen werden oft durch Änderungen bei bestimmten Einnahmen ausgelöst, etwa bei den Exporten, oder bei den Ausgaben, etwa bei den Investitionen. Dies führt zu Änderungen bei Konsumausgaben, welche die Wirkungen der ursprünglichen Änderungen auf die Volkswirtschaft als Ganzes multiplizieren. Dementsprechend wird aufgezeigt, wie dieser Prozess abläuft und wie die Multiplikatoranalyse zum Verständnis des Konjunkturzyklus beitragen kann. Anschließend werden die Modelle der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und des gesamtwirtschaftlichen Angebots entwickelt, um danach beide im AS-AD-Modell zusammenzuführen. Damit kann gezeigt werden, wie sich Angebots- und Nachfrageschocks auf die Volkswirtschaft (unangenehm) auswirken können.
Teil 13 "Stabilisierungspolitik" – Zuerst wird deutlich gemacht, warum die Fiskalpolitik ein wichtiges Instrument zur Steuerung gesamtwirtschaftlicher Schwankungen darstellt. Dabei geht es um Maßnahmen sowohl der expansiven als auch der restriktiven Finanzpolitik, um den Multiplikatoreffekt der Fiskalpolitik und wie dieser durch automatische Stabilisatoren beeinflusst wird. Zudem wird auf den strukturellen Haushaltssaldo sowie auf die Gefahren hoher Staatsschulden und indirekter Zahlungsverpflichtungen des Staates eingegangen. Ein weiteres Kapitel referiert Grundlagen zum Themenbereich Geld, Banken und Zentralbanken, diskutiert dabei auch die geldpolitische Funktion der Banken und die Rolle des Bankensystems bei der Finanzkrise der Jahre 2007 – 2009. Abschließend wird das Wesen der Geldpolitik referiert, die nach Ansicht der Verfasser, zumal mit Blick auf die USA, als das wichtigste Instrument zur Steuerung der Volkswirtschaft gilt.
Teil 14 "Ereignisse und Ideen" – Zum Verständnis des modernen makroökonomischen Denkens ist es unabdingbar, in die Vergangenheit zu blicken und zu erfahren, wie sich die Volkswirtschaftslehre angesichts gesamtwirtschaftlicher Ereignisse gewandelt hat. Deshalb wird die Entwicklung makroökonomischer Ideen der letzten 90 Jahre nachgezeichnet: vom Aufstieg keynesianischer Ideen als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise über die Grenzen einer aktiven wirtschaftspolitischen Steuerung während der Stagflation der 1970er-Jahre bis hin zur Überprüfung und Anpassung von wirtschaftstheoretischen Konzepten, welche durch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 – 2009 und ihre Folgen ausgelöst wurden.
Teil 15 "Die offene Volkswirtschaft" – Die Betrachtungen der modernen Makroökonomie werden mit der Präsentation wichtiger Elemente einer offenen Volkswirtschaft abgeschlossen. Dabei geht es u.a. um die Kapitalströme und die Zahlungsbilanz, um die Rolle der Wechselkurse sowie um die Frage, warum sich Volkswirtschaften für unterschiedliche Wechselkurssysteme entscheiden.
Die vorliegende dritte Auflage wurde komplett überarbeitet und um die Themen Covid-19-Pandemie, Digitalisierung, Marktmacht der IT-Giganten, Gig-Economy, nachhaltiges Wirtschaftswachstum und um eine ökonomische Analyse des Klimawandels ergänzt.
Paul Krugman gilt als scharfer Kritiker der Mainstream-Ökonomie. Seiner Meinung nach können zwar Mathematik und entsprechende Modelle in der Ökonomie durchaus eingesetzt werden; moderne Wirtschaftswissenschaften müssen jedoch in erster Linie auf einer realistischen Beschreibung des menschlichen Verhaltens basieren. Diese Einstellung spürt man im vorliegenden Grundlagenwerk durchgängig. Das Buch zeichnet sich deshalb durch einen relativ weitgehenden Verzicht auf Formalismus aus und bedient sich anstelle dessen zahlreicher bildhafter Beispiele, anhand derer auch Nichtökonomen zum Beispiel die Folgen fiskal- und geldpolitischen Handelns verstehen können.
Der Schäffer-Poeschel Verlag hat seinerzeit die erste Auflage dieses Buches als "didaktische Revolution in der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung" angekündigt, was tatsächlich nicht übertrieben war. Krugman und Wells präsentieren mit der neuen Auflage ein Lehrbuch, das die neue Struktur der zweiten Auflage weitgehend beibehalten hat, jedoch viele neue Darstellungen enthält. Das gesamte Werk ist wiederum in einer klaren und gut verständlichen, erzählerischen und oftmals sogar spannenden Sprache verfasst. Selbst die methodisch-didaktische Aufbereitung ist kaum mehr zu toppen:
Dieses international ausgerichtete und gleichzeitig auf das deutsche Umfeld optimal abgestimmte Grundlagenwerk der Volkswirtschaftslehre ist ein Must-have für jeden Wirtschaftsstudenten. Darüber hinaus kann es auch allen an der Wirtschaft und Wirtschaftspolitik Interessierten zur Lektüre bestens empfohlen werden.
Das Arbeits- bzw. Übungsbuch ist in seiner zweiten Auflage in einem neuen und übersichtlichen Layout erschienen und bildet die inhaltlichen und strukturellen Änderungen des Lehrbuchs ab. Es enthält 300 Aufgaben und Lösungen passend zum Lehrbuch Krugman/Wells. Zu jedem der 33 Kapitel haben die beiden Verfasser, Marco Herrmann (ECC – European Commodity Clearing AG, Leipzig) und Sarah Lisanne John (Global Solutions Initiative, Berlin), sowohl einfache Wiederholungsfragen als auch komplexe Problemstellungen formuliert und hierfür die entsprechenden Lösungen erarbeitet. Damit wird gewährleistet, dass das vielfältige Wissen aus dem Lehrbuch vertieft bzw. im Rahmen konkreter Beispiele angewandt werden kann. Die präsentierten Lösungen sind gut nachvollziehbar und viele Antworten werden durch anschauliche Abbildungen bzw. Tabellen ergänzt. Die Auswahl und der Schwierigkeitsgrad der Fragestellungen bzw. der Übungsaufgaben entsprechen dem Bachelor-Niveau im deutschen Hochschulbereich. Damit bietet das Übungsbuch auch eine gute Trainingsmöglichkeit zur Vorbereitung auf entsprechende VWL-Klausuren in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen.