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Von Kurt Meyer
Da die alte Turnhalle – heute Mehrzweckhalle - in meinen Anfangsjahren düster, unfreundlich und mit einem öligen, harten Parkettboden ausgestattet war, benutzten wir jede Gelegenheit, unsere Turnstunden im Freien oder im neuen Schwimmbad abzuhalten. Für meine Begriffe war die Halle für einen leidenschaftlichen Spieler wie mich schlecht ausgerüstet. In den Kästen der Lehrergarderobe fand ich unzählige Disken und Kugeln, dafür aber kaum Bälle. Mein Vorgänger musste also eher ein Leichtathlet oder Kunstturner gewesen sein – Barren, Reck, Bock und Sprungkasten waren auch vorhanden.
Im Frühling oder im Herbst, wenn die Badi noch nicht offen oder schon wieder geschlossen war, lud der nahegelegene Sportplatz zum Turnen und Spielen ein. Oft war es auch der Buchwald mit seinem dichten Blätterdach, in dem wir uns bewegten. "Schiitliverbergis" oder "Räuber und Poli" waren beliebte Spiele.
Räuber und Poli
Bevor wir ein Räuber und Poli starteten, besprachen wir die Spielregeln. Alle Räuber trugen einen farbigen Bändel. Der musste nach einer Berührung durch einen Polizisten abgegeben werden. Das Revier, in dem man sich bewegen konnte und die Spieldauer gab ich auch bekannt. Nach Spielschluss wurden die gefangenen Bändel der Räuber gezählt und in der nächsten Turnstunde tauschten die Räuber und die Polizisten die Rolle. Sieger war die Mannschaft, die mehr Räuber gefangen hatte. Zum Schluss meiner Ausführungen gab ich noch eine sehr, sehr wichtige Regel bekannt. Auf der Flucht durfte man auf keinen Fall den Weg ins hohe Gras des "Höfelers" nehmen. So nannte man den Bauern, der die Wiese – den Hof – oberhalb des Fussballplatzes bewirtschaftete. Ich wusste, dass dieser Bauer Kinder in seinem hohen Gras geschlagen oder mit der Gabel gestochen hätte. Um dieser Regel etwas Nachdruck zu verleihen, versprach ich demjenigen, der gegen diese Regel verstossen würde nicht nur den Verlust des Bändels, sondern auch noch eine Ohrfeige. Damals durfte man noch solche austeilen.
Die Räuber hatten ein paar Minuten Vorsprung, die Polizisten mussten im Schulzimmer warten, damit sie nicht sehen konnten, in welche Richtungen die Räuber flohen. Nach für sie langen fünf Minuten konnten auch die Polizisten starten.
Es kam, wie es kommen musste, in der Hitze des Gefechtes vergass Martin alle Regeln und kurz vor dem Gefangenwerden gab es für ihn nur eine Rettung, in das hohe Gras des Höfelers ausweichen. Zum Glück bemerkte dieser es nicht. Von der Kirche ertönte der Glockenschlag, der das Spiel beendete. Es wurden die Bändel gezählt, die die Polizisten erobert hatten. Dann war noch ich an der Reihe. Ich musste Martin eine Ohrfeige verpassen, die mir aber mehr weh tat als ihm. Wahrscheinlich weiss er nicht einmal mehr davon, doch für mich war es eine gute Lektion: Ich habe nie mehr eine Ohrfeige als Sanktionen angedroht. Den Kindern wurde dabei aber bewusst, dass der Meyer einhält, was er versprochen hat.
Orientierungsläufe
Auch der Orientierungslauf bot die Möglichkeit, sich im Freien zu bewegen. Am Vorabend oder am frühen Morgen vor einer Turnstunde steckte ich in der Gegend zwischen Altiger- und Butzirunse die Posten des OLs aus und liess dann Zweier- oder Dreiergruppen gestaffelt aus dem Schulzimmer laufen. Bei den früheren OLs musste man an den Posten Buchstaben notieren, später waren es OL-Zangen, mit denen man das Laufblatt stanzen konnte. Die Zangen brachten eine bessere Beurteilung der Laufzeiten, denn mindestens jemand aus dem Team musste den Posten aufsuchen. Mit dieser Art OL traf ich zwei Fliegen auf einen Streich. Einerseits bewegten sich die Kinder spielerisch und taten etwas für ihre Ausdauer, andererseits wurde auch das Soziale gefördert. Der Stärkere leistete etwas für den Schwächeren.