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In einem grünen Feld ein weissgekleideter linkshändiger Mäher mit einem weissen Hut und einer silbernen Sense an goldenem Worb, das ist das Madiswiler Wappen.
Es erinnert an die Sage vom Linksmähder von Madiswil. Sie handelt vom Burschen Ueli, der um eine reiche Bauerntochter warb. Der Vater des Mädchens wollte der unerwünschten Liebschaft ein Ende machen, indem er dem Jüngling als Bedingung für die Hand seiner Tochter eine schier unerfüllbare Aufgabe stellte. Ueli sollte innert einer bestimmten Frist mit der linken Sense ein Kreuz in eine ausgedehnte Matte mähen. Unter Aufbietung seiner ganzen Kraft schaffte er es, das schwere Werk rechtzeitig zu vollenden. Nach dem letzten Sensestreich aber brach der Unglückliche zusammen, und mit einem Aufschrei warf sich Vreneli über seinen geliebten Ueli. Sehr unterschiedlich sind in den drei Linksmähder-Fassungen die Angaben über Uelis Todesursache. Auch das weitere Schicksal Vrenelis wird nicht einheitlich dargestellt. Seither, so sagt man, führe Madiswil den Linksmähder im Wappen. Die Madiswiler können den Ort, wo sich jenes tragische Geschehen abgespielt haben soll, heute noch bezeichnen: es ist die Grossmatte.
Dieser interessante Sagenstoff wurde mehrmals dramatisiert. Das erste Mal von Jakob Steffen, Platten, im Jahre 1888, dann, 1912 vom damaligen Pfarrer Mayu und später auch die heute gespielte Fassung von Lehrer Heinz Künzi. Eine Besonderheit ist, dass dieses Theaterstück in fünf Aufzügen Eigentum der Gemeinde Madiswil ist. Es wird auch heute noch alle zehn Jahre durch die Madiswiler Vereine aufgeführt (letztmals im Winter/Frühjahr 2010) und findet stets über die Region hinaus grosse Beachtung.
Die Anfänge von Madiswil reichen weit in eine Zeit zurück, von der die Geschichtsquellen nur spärlich fliessen. Im Stiftsarchiv von St. Gallen befindet sich eine Urkunde aus dem 8. Jahrhundert, in der Madiswil, zusammen mit Rohrbach, als erste Gemeinden der Region Erwähnung finden. Dieses Dokument belegt eine Schenkung aus dem Jahr 795 durch Heribold, der zu seinem Seelenheil der Kirche des heiligen Martin zu Rohrbach seine Besitzungen im aargauischen Ort Madalestwilare übermachte.
1995 haben die Madiswilerinnen und Madiswiler das 1‘200-jährige Bestehen mit einem grossen Dorffest gefeiert. Aus Anlass der Feierlichkeiten gab die Gemeinde eine 650 Seiten umfassende Dorfchronik heraus. Als Autor des Werks zeichnet Simon Kuert, Pfarrer, Langenthal. Die Chronik kann via Internet oder bei der Gemeindeverwaltung zum Preis von Fr. 10.00 pro Exemplar bestellt und bezogen werden.
Der zu Madiswil gehörende Ortsteil Gutenburg wurde erstmals 1277 als Guotenberg urkundlich erwähnt und war bis Ende des Jahres 2006 eine eigenständige Gemeinde. Auf Grund verschiedener Überlegungen, vor allem aber aus Mangel an Behördenmitgliedern, entschloss sich die Einwohnergemeinde Gutenburg mit Madiswil zusammenzuschliessen. Gutenburg war flächenmässig mit rund 59 Hektaren die kleinste Gemeinde im Kanton Bern. Sie zählte 120 Einwohner.
Die Ursprünge gehen in die Zeit der Kelten zurück. Es wird vermutet, dass dieses Volk auf dem Turmhubel bereits eine heilige Stätte unter den Eichenbäumen errichtet hatte. Seine geschichtlich bedeutungsvollste Zeit hatte Gutenburg im 13. und 14. Jahrhundert, als die Freiherren von Utzingen auf der Gutenburg weilten. Um das Jahr 1300 wurde die Burg von Solothurnern belagert und der damalige Ritter Rudolf Ortolf hatte Streitigkeiten und Auseinandersetzungen mit dem Kloster St. Urban. Im Jahre 1370 kauften die Herzöge von Österreich-Habsburg die Herrschaft Gutenburg und übergaben sie Freiherr Walter von Grünenberg als Ersatz für einen Erbanspruch. Sein Enkel, der arg verschuldet war, verkaufte 1431 die Burg der Stadt Burgdorf. Damit endete die Herrschaft Gutenburg. Burgdorf liess die Gutenburg zerfallen. 1662 war die Burg bereits eine Ruine. 1799 stand der mächtige, aus Tuffsteinen gebaute Viereckturm, wenn auch als Ruine, noch in voller Höhe. Im Jahre 1800 verkauften die Burgdorfer die Steine der Gutenburg den Bauern von Kleindietwil, die sie zum Bau einer Mühle verwendeten. Heute ist das Verteidigungssystem des Burggrabens und der Wälle nur noch andeutungsweise vorhanden.
Über Gutenburg und seine Geschichte hat Fritz Junker im Dezember 1987 eine Schrift herausgegeben. Diese ist bei der Gemeindeverwaltung Madiswil deponiert und kann von Interessierten kostenlos bezogen werden.
Der heute zu Madiswil gehörende Ortsteil Kleindietwil lässt reiche historische Vergangenheit vermuten. Die aus dem 8./9. Jahrhundert stammende Holzburg auf dem „Schlosshoger“ im Hunzenwald gehört nach Ansicht der Fachleute zu den besterhaltenen mittelalterlichen Refugien oder Fliehburgen. Der Burggraben mit dem Befestigungswall sowie die Zisterne (im Belagerungsfall mit Wasser gefüllt) sind sehr gut erhalten geblieben.
Kleindietwil gehörte ursprünglich zur „Urpfarrei Rohrbach“, wo eine bereits 795 urkundlich erwähnte Kirche stand. Mitte des 9. Jahrhunderts wurde diese vom Kloster St. Gallen übernommen. 1435 wurde das Dorf an die Stadt Burgdorf verkauft. Im Gegensatz zu den umliegenden Dörfern lagen die kirchliche und die weltliche Macht nicht in denselben Händen: Abt und Edelknechte teilten sich in die staatliche Lokalgewalt und stärkten damit die Dorfautonomie erheblich.
Bis 1789 verwaltete die Vogtei Lotzwil die niedere Gerichtsbarkeit, während das hohe Gericht dem Landvogt von Wangen unterstand. In der Zeit der Helvetik (1798 – 1803) kam Kleindietwil an die Munizipalität Rohrbach, mit der es zum Distrikt Langenthal geschlagen wurde und 1803 zum Amtsbezirk Aarwangen gehörte.
Der Ortsname „Dietwil“ erschien urkundlich erstmals um 1316. Das Attribut „klein“ wurde erst im 15. Jahrhundert erwähnt. Der Doppelname der Ortschaft wurde zum ersten Mal in einer Thunstetterurkunde von 1485 mit „cleine diettwil“ bezeichnet.
Mit seinen rund 500 Einwohnern auf einer Fläche von knapp 3 km2 gehörte Kleindietwil zu den kleineren Gemeinden im heutigen Verwaltungskreis Oberaargau und war bis Ende 2010 eine eigenständige Gemeinde.
Wertvolle Bauten, zum Teil aus dem 17. Jahrhundert stammend, verleihen dem Ortsbild einen idyllischen Charakter. Der 500 – 800 m breite flache Talboden wird auf beiden Seiten durch die ansteigenden Hügelzüge Hunze-Buechberg und Chastelerberg-Schyne-Homattberg begrenzt. Der „Langete-Fluss“ durchquert das Dorf. Kleindietwil ist Ausgangspunkt für viele kurzweilige und gut markierte Wanderwege. Langenthal und Huttwil sind in wenigen Minuten mit der Bahn, dem Auto oder dem Velo erreichbar. Ab Bahnstation verkehrt ein Busbetrieb in die benachbarten Dörfer Ursenbach, Walterswil und Oeschenbach. Der Ortsteil Kleindietwil bietet verschiedene Einkaufsmöglichkeiten und ein vielseitiges Angebot an Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben.
Leimiswil – seit Januar 2011 Ortsteil von Madiswil – war von 816 bis 2010 eine eigene politische Gemeinde. Das Gebiet Leimiswil hat eine Fläche von 4,6 km2 liegt zwischen 540 bis 750 m über Meer und zählt rund 400 Einwohner.
Die Geschichte Leimiswils greift weit ins erste Jahrhundert zurück. Während erste Aufzeichnungen fehlen, wird das Dorf erstmals erwähnt, als Angehörige eines alemannischen Adelsgeschlechtes Güter in Rohrpah (Rohrbach), Diotinwilare (Dietwil) und Leimolteswilare (Leimiswil) dem Kloster St. Gallen schenkten. Das Schriftstück muss in der Zeit zwischen 816 und 837 entstanden sein. Landschenkungen oder –verkäufe an das Kloster St. Urban wurden 1287 und 1342 erwähnt. Die mittelalterlichen Besitzesverhältnisse sind nicht vollständig abgeklärt. Erwiesen ist jedoch, dass vor der Gebietsübernahme durch Bern ein grosser Teil des oberen Leimiswiler Bereichs den Klöstern St. Johannsen (Erlach) und St. Peter (Schwarzwald) gehörten.
1480 kam Leimiswil zu Bern und wurde Aarwangen zugeteilt. Eine dauernde Verbindung mit dem Oberamt Wangen bildete das Wangener Wachtfeuer, der „Chutz“, welcher bis ungefähr 1650 auf dem Bonsperg (oberstes Heimwesen auf dem heutigen Steinhaufen) stand.
Die Ereignisse der Schweizer Geschichte und die der Nachbarstaaten trafen die kleine Gemeinde meistens schwer. Von der Reformation bis hin zur Franzosenherrschaft blieb sie nicht nur dem fremden Treiben ausgeliefert, und immer wieder fanden sich auch unter den Leimiswilern tapfere Mitstreiter und Kämpfer. Schlechte Verdienstmöglichkeiten und eine mangelhafte Sozialstruktur brachten einer breiten Bevölkerungsschicht Armut und Not, was viele ergreifende Bittschreiben im Gemeindearchiv dokumentieren. Um 1850 gelang eine kleine wirtschaftliche Besserstellung durch die Initiative der Familien Leuenberger, Lindenholz. Um 1850 befanden sich dort zwei Mühlen, eine Bäckerei, eine Hammerschmiede, eine Hufschmiede und eine Metzgerei nebst einem Amtsnotariatsbüro und der Gemeindeschreiberei (zu lesen in einem Patentgesuch für den Betrieb einer Gastwirtschaft in Lindenholz, 1850.). Ein allgemeiner Wirtschaftsaufschwung liess aber noch längere Zeit auf sich warten. Heute finden sich in Leimiswil einige namhafte Gewerbe- und Industriebetriebe.