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Metroid ist Kult, die Serie ist Teil von Nintendos „Big 3“, hat viele Revolutionen in die Welt der Videospiele gebracht und die Hauptdarstellerin Samus Aran gehört zu den bekanntesten Spielehelden aller Zeiten. Klar, dass da schnell Mythen auftauchen. Einer dieser Mythen handelt vom Namen „Justin Bailey“ und geht zurück auf das Ur-Metroid aus dem Jahre 1986…
Die Geschichte kennt jeder Gamer: Als das erste Metroid für NES veröffentlicht wurde, stand nirgends erwähnt, dass Samus eine Frau ist. Sie wurde in den westlichen Anleitungen sogar spezifisch als männlich beschrieben und das Artwork half natürlich auch nicht gerade weiter. Erst wenn man das Spiel in mindestens unter 5 Stunden durchspielte, nahm Samus ihren Helm ab und gab sich als Frau zu erkennen – der berühmte Satz „Samus is a girl!“ geht darauf zurück. Nun sollte es bestimmt auch kein Geheimnis sein, dass man im Spiel sogar noch bessere – sprich leichtbekleidetere – Enden sehen kann. Unter 3 Stunden trägt sie eine Art Badeanzug (Leotard um korrekt zu sein), unter einer Stunde nur noch einen Bikini. So weit sind die Fakten also klar, doch die Frage bleibt; Was hat es mit Justin Bailey auf sich?
Eigentlich ist die Frage einfach zu beantworten: Metroid hatte keinen Batteriespeicher, aus diesem Grund griff man zum Fortsetzen des Spielfortschritts (zumindest in der Cartridge-Version) auf Passwörter zurück. Gab man dabei „JUSTIN BAILEY“ ein, gefolgt von Leerschlägen, startete man das Spiel in Norfair mit beinahe maximaler Ausrüstung, aber mit dem Outfit aus dem zweitbesten Ende. Ein ähnliches Passwort war „NARPAS SWORD“, gefolgt von Nullen, welches Samus unverwundbar macht und mit allen Power-Ups abzüglich der Energie und Missile-Upgrades ausstattet. Die Mythenbildung entstand um die Herkunft dieser Codes, insbesondere des ersten. „NARPAS SWORD“ bietet dabei nicht wirklich viel Raum für Spekulationen, merkt man dem Code doch allzu deutlich an, dass er absichtlich implementiert wurde. Nur das „NAR“ am Anfang brachte einige Theorien hervor, wovon die logischste behauptet, dass es die Abkürzung für „North American Release“ wäre. Klingt plausibel, allerdings gilt es dabei zu bedenken, dass der Code auch in der europäischen Version funktioniert. Nehmen wir einfach mal an dass die Theorie wahr ist und Nintendo sich nicht den Aufwand machte, den Code in der PAL-Version auf „EURPAS SWORD“ zu ändern.
Lustiger wirds beim anderen Code. So erzählte man sich etwa, dies wäre der Name eines Entwicklers (unmöglich, da nirgends in den Credits ein Justin Bailey erwähnt wird), eines Spielers der einen Wettbewerb gewonnen hat (ähnlich wie bei A Link to the Past) oder ein Wortspiel mit einer Slangbezeichnung für Schwimmanzüge. Allerdings gibt es ein solches Slangwort in Wirklichkeit nicht. Beschäftigen wir uns doch mal mit dem mathematischen Teil des Passwortsystems…
Errechnet man die möglichen Kombinationen von 64 Zeichen und 24 Stellen, kommt man auf insgesamt 22300745198530623141535718272648361505980416 mögliche Varianten. Von denen akzeptiert das Spiel 87112285931760246646623899502532662132736 mit jeweils unterschiedlichen Effekten. Aber was genau lässt Samus‘ ohne ihren Spezialanzug herumlaufen? Praktischerweise gibt es auf TASVideos.org einen praktischen Passwort-Generator, mit dem sich hervorragend experimentieren lässt. Es scheint, dass immer die zweitletzte Stelle der oberen Zeile entscheidend ist, ob Samus ihren Anzug trägt oder nicht. Daher ist es leicht möglich, nur ein einziges richtiges Zeichen in die betreffende Stelle zu setzen, um seinen niederen 8-Bit-Gelüsten nachzugehen.
Bleibt die Frage, ob „JUSTIN BAILEY“ absichtlich integriert wurde oder nicht. BEI „NARPAS SWORD“ ist das definitiv der Fall, das steht auch bei TASVideos geschrieben; „Hardcoding“ lautet der Fachbegriff dafür. Beim anderen jedoch muss man fast annehmen, dass es Zufall ist. Wie erwähnt, kommt es im Wesentlichen nur auf die richtigen Zeichen an den richtigen Stellen an. Das heisst, es gibt deutlich mehr als nur einen Code für ein bestimmtes Ergebnis. Wenn ich „JUSTIN BIEBER“ schreibe ist Samus’s Outfit theoretisch genau gleich wie bei der klassischen Variante, nur löst es halt einen Reset aus. Man kann prinzipiell aus allem versuchen ein Passwort zu kreieren, man muss nur wissen, dass sich die Stellen der zweiten Hälfte anhand der anderen verändern können. Versuchen wir doch einmal einen NBN-Code, der Samus’s Anzug entfernt und das Spiel nicht resetet:
nerdy- by—n
erds– code3B
Auch hier gibt’s Samus im knappen Outfit zu sehen, Startpunkt Norfair. Ice und Wave Beam sind bereits eingesammelt, ebenso Bomben, High-Jump und Varia Suit. Zudem sind Mother Brain und Ridley bereits tot. Das ist zwar insgesamt weniger nützlich als der Klassiker, aber allemal besser als der Reset durch „JUSTIN BIEBER“.
Über die exakte Herkunft von „JUSTIN BAILEY“ können wir weiterhin nur spekulieren. Vielleicht hat einst ein frustrierter Zocker seinen Namen in die Passwortzeilen geschrieben und erlebte dann eine Überraschung. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir werden es wohl nie wissen…
by Andypanther