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24. Juli 2020
Während des «lockdown» wurden alle angewiesen, die Arztkonsultationen auf ein absolut notwendiges Minimum zu reduzieren. Es wurden nur noch dringende Konsultationen empfohlen. Solche betrafen behandlungsbedürftige Unfälle oder Krankheiten. Sogenannte Vorsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen fanden nicht mehr statt. Krankheiten und Unfälle behandeln ist das eine, Krankheiten und Unfällen vorbeugen ist das andere. Diese Vorbeugung darf nicht vernachlässigt werden, auch nicht in «Coronazeiten». Kurzfristig führten die verminderten Konsultationen zu einer Kostenersparnis, langfristig besteht jedoch die Gefahr von höheren Kosten und Leiden durch Krankheiten, die wegen fehlender Vorbeugung und Kontrolle Folgechäden anrichten können.
Die medizinische Versorgung hat die dankbare Aufgabe, Menschen mit Krankheiten und Unfällen zu behandeln und zu betreuen. Wer an Schmerzen, Unwohlsein oder irgendwelchen Gesundheitsstörungen leidet, hat eine Motivation, den Hausarzt aufzusuchen zur Untersuchung und Behandlung. Wer keine Beschwerden hat, fühlt sich eher weniger motiviert für eine ärztliche Untersuchung und Beratung.
Hoher Blutdruck macht häufig keine Beschwerden, zu hoher Blutzucker bleibt ohne Kontrolle lange unerkannt, hohe Blutfettwerte machen keine Schmerzen, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen bleiben lange stumm, chronischer Husten am Morgen kann der Beginn einer chronischen Bronchitis sein. Diese Liste könnte beliebig weitergeführt werden. Es lohnt sich, alle diese Störungen zu erfassen, bevor sie bleibende Schäden angerichtet haben.
Auch wer sich mit 30 Jahren völlig beschwerdefrei fühlt darf seine Risikofaktoren (Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, Gewicht, Alkohol, Nikotin, Drogen, Ess- und Bewegungsverhalten, Stress, Schlafbedarf, Verdauung usw.) kennen. Lange nicht jede Störung benötigt ein Medikament. Sehr häufig genügt eine einfache Verhaltensänderung, welche die Gesundheitsstörung gratis behandelt, zu einem besseren Wohlbefinden führt und die Entwicklung einer Krankheit verhindern kann. Wenn erst ein Herzinfarkt oder ein Hirnschlag zur Entdeckung von Risikofaktoren führt, sind bereits Jahre verstrichen, in denen sich die Schäden an den Gefässen still und heimlich entwickelt haben. Leider ist in diesem Zustand nur noch teure Schadensbegrenzung möglich. Ein Vorsorgeuntersuch kann solchen Schadenereignissen vorbeugen und langfristig Leiden und Kosten sparen. Warum auf den Schaden warten, wenn er verhütet werden kann?
Dr. med. Ignaz Hutter, praxis am rhy AG, 9451 Kriessern