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Der aus Prag stammende Pavel Büchler lebt und arbeitet seit den 1980er Jahren in Grossbritannien und wirkt beruflich als Research Professor an der Manchester Metropolitan University. Seine künstlerische Praxis besteht ihm zufolge darin, „dafür zu sorgen, dass nichts passiert“.
So legt er sich auf die katalytische Natur der Kunst fest– auf ihr Potenzial, Aufmerksamkeit auf das Offensichtliche zu lenken, das sodann als befremdend enthüllt wird. Seine subtilen Interventionen und trocken ironischen Texte beschäftigen sich mit der Entlarvung des Akzeptierten und des Alltäglichen als letztendlich bizarre Phänomene. Büchler arbeitet mit alten Technologien, Tonaufnahmen, Licht, sowie der physischen wie psychischen Präsenz von Texten in seinen Installationen, die sich um das Auftauchen von Erfahrung und Bedeutung in der Kunst drehen. 2006 realisierte Büchler in der Kunsthalle Bern eine Einzelausstellung mit dem Titel absentmindedwindowgazing, in deren Rahmen auch der Filmloop The Moth and the Lamp (2006) gezeigt wurde. Inspiriert von einer Passage aus Günter Grass’ Blechtrommel, welche eine vom Licht angezogene Motte beschreibt und damit die Vergeblichkeit menschlichen Handelns thematisiert, zeigt Pavel Büchlers zusammen mit Mark Neville gedrehter Kurzfilm eine Motte, welche um eine Glühbirne flattert. Das Bildmaterial besteht aus einer einzigen, kontinuierlich gedrehten Aufnahme, welche mithilfe einer Hochgeschwindigkeitskamera (3’000 Bilder pro Sekunde) gefilmt wurde, aber dennoch mit den üblichen 24 Bildern pro Sekunde projiziert wird. Dank dieses technischen Kunstgriffs
scheint die statische Glühbirne leicht zu erzittern, während das nervöse Insekt geschmeidig zum Licht gleitet. Real vorherrschende, physikalische Verhältnisse werden auf poetische
Weise umgedeutet. Diese Umwertung betrifft auch die Dinge selbst: die schmucklose Glühbirne wird durch die Projektion zum leuchtenden Mittelpunkt des ganzen Raums aufgeblasen, während sich die schäbige Motte zum majestätischen Falken wandelt. Akustisch untermalt wird der zitternde Lichtkörper vom Stakkato des Filmprojektors, der sich auf einem Sockel platziert im selben Raum befindet und den zweiten Teil der Filminstallation ausmacht. Bildinhalt und Filmmaschinerie werden ästhetisch verknüpft und inhaltlich
aufeinander bezogen. Mit dieser Verdoppelung bezieht sich der Konzeptkünstler und Schriftsteller Pavel Büchler auf die Tradition des Strukturellen Films der 1970er Jahre, welcher stets die Illusionsmacht des Mediums in Frage stellte, die Parameter filmischer Wahrnehmung analysierte und trotz sprödem Meta-Diskurs eine neue Poesie erschuf.
Ph. P. (Philippe Pirotte) und J. R. (Julian Reidy)