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15. Juli 2022
«Kommt nach Basel, hier gibt es Arbeit»
Luis Sanchez der dienstälteste ISS-Mitarbeitende im Bethesda Spital
Mit 22 Jahren hat Luis Sanchez Andalusien verlassen, um in der Schweiz sein Glück zu suchen, Im Bethesda Spital ist er heute der dienstälteste und wohl auch bekannteste ISS Mitarbeiter. Hier erzählt er seine Lebensgeschichte.
Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie in Granada. In der Schule musste ich noch den faschistischen Gruss machen und Loblieder auf Franco singen. Dabei hatte mein Grossvater gegen Franco gekämpft. Zwar war ich gut in Mathematik, dennoch musste ich mit 14 in die Fabrik arbeiten gehen.
Mit zwei Koffern in die Schweiz
Mit 16 Jahren habe ich Carmen kennengelernt, meine grosse Liebe bis heute. Ihr Vater war bereits in den frühen 1970er-Jahren in die Schweiz ausgewandert, um auf dem Bau Geld zu verdienen. «Kommt auch nach Basel, hier gibt es gut bezahlte Arbeit», sagte er. «Aber vorher müsst ihr heiraten!»
Im August 1983 haben Carmen und ich geheiratet, da war ich 22 Jahre alt. Zwei Monate später haben wir in Granada den Zug bestiegen, drei Tage später sind wir in Basel SBB angekommen. Mit zwei Koffern in der Hand.
Geteilte Kinderbetreuung
Eine Lehre habe ich nie gemacht, aber immerhin die Lastwagenprüfung im spanischen Militär. So fand ich einen Job als Chauffeur bei Feldschlösschen, während Carmen Arbeit im Unispital Basel fand.
Als 1985 und 1987 unsere Kinder zur Welt kamen, wechselte meine Frau zur Schweizerischen Post, um Abendschichten arbeiten zu können. Fortan hat sie die Kinder morgens und mittags betreut und ich am Nachmittag und am Abend. Ich habe genau wie meine Frau gekocht, Windeln gewechselt, abgewaschen, Gute-Nacht-Lieder gesungen. Ein moderner Mann, würde man heute sagen.
Die Sehnsucht nach der Heimat
Dann packte uns das Heimweh. Bevor die Kinder eingeschult wurden, zogen wir 1992 zurück nach Granada, wo wir mittlerweile ein Haus besassen. Doch die Rückkehr war ernüchternd. Ich fand keine gute Arbeit, Carmen haderte mit den schlechten Schulen. Wir waren halt mittlerweile halbe Schweizer und anderes qewohnt. Nach eineinhalb Jahren waren wir zurück in Basel.
Als Getränkechauffeur wollte ich nicht mehr arbeiten, wegen den Rückenschmerzen. Eine Freundin von Carmen war Pflegefachfrau im Bethesda Spital und erzählte, dass sie Reinigungspersonal suchten. Ich wurde sofort eingestellt. Mein erster Arbeitstag fiel auf meinen 33. Geburtstag, und obwohl ich ganz neu war, erhielt ich einen Einkaufsqutschein über 50 Franken. Was für ein Einstand!
Von der Reinigungskraft zum Tausendsassa
Damals arbeiteten noch viele Diakonissen im Spital, die Treppenstufen haben wir mit Lumpen gewischt.
Als ISS 1997 die Unterhaltsreinigung übernahm, wurde die Arbeit modernisiert. Es gab neue Reinigungs- maschinen und klare Arbeitspläne. Ausserdem kamen immer mehr Arbeiten dazu. Etwa vor 15 Jahren fragte mich der ISS Objektmanager, ob ich nicht den internen Postdienst übernehmen wolle. Seitdem sortiere ich jeden Morgen von 6 Uhr bis 10 Uhr die Post und verteile die Pakete an Patientinnen und Patienten.
Dienstag- und Freitagnachmittag hole ich in der Zentralapotheke des Unispitals Basel die Medikamente für das Bethesda Spital und verteile sie auf den Stationen. Ausserdem richte ich die Aula, das Restaurant und die Sitzungszimmer für die unterschiedlichen Anlässe ein - inklusive Tontechnik. Ein Infoabend für Schwangere verlangt eine andere Bestuhlung in der Aula als der sonntägliche Gottesdienst. Diese Abwechslung schätze ich. Und die Bewegung! Jeden Tag laufe ich 10 bis 15 Kilometer.
Teamgeist mit Paella
Beeindruckend finde ich die Arbeit meiner Kolleginnen im Spital. Sie verdienen meinen höchsten Respekt! Mit Nuno Cruz und anderen aus dem ISS Team gehe ich ab und zu nach Feierabend etwas essen. Ich habe auch schon für sie qekocht bei mir zu Hause. Was wohl? Paella!
(Erschienen im ISS Insider Frühling 2022)