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Zwei berühmte amerikanische Reporter, Schriftsteller der eine, Fotograf der andere, reisen 1947 einige Wochen durch das Rätsel Sowjetunion. Sie wollen die Befindlichkeiten und das Leben des russischen Volkes dokumentieren, misstrauen sie doch der antikommunistischen Propaganda ihrer Regierung. Den beiden war aufgefallen, »dass es einige Dinge in Russland gab, über die niemand schrieb, und dass es gerade diese Dinge waren, die uns am meisten interessierten. Was tragen die Leute dort? Was tischen sie zum Abendessen auf? Feiern sie Feste? Wie lieben sie, und wie sterben sie?«.
Entstanden ist ein einzigartiges Zeitdokument: eine literarische Reportage, begleitet von faszinierenden Aufnahmen eines der grossen Fotografen des 20. Jahrhunderts.
Portrait
Steinbeck, John
John Steinbeck, geboren 1902 in Kalifornien, verdiente seinen Lebensunterhalt nach einem naturwissenschaftlichen Studium als Reporter und Maurer. Nebenbei versuchte er sich, anfangs erfolglos, als Schriftsteller. Erst 1940 gelang ihm mit Früchte des Zorns der grosse Durchbruch. Zudem war er auch als Reporter und Kriegsberichterstatter tätig. 1962 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. John Steinbeck starb 1968 in New York.
Capa, Robert
Robert Capa, geboren 1913 als André Friedmann in Budapest, war amerikanischer Fotograf ungarischer Abstammung und einer der berühmtesten Kriegsreporter aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Zudem war er Mitbegründer der Agentur Magnum. Robert Capa kam 1954 in Thai-Binh, während eines Aufenthalts für eine Fotoreportage aus dem Indochinakrieg, durch eine Landmine ums Leben.
Trojanow, Ilija
Ilija Trojanow, geboren 1965 in Sofia, floh mit seiner Familie Anfang der Siebzigerjahre aus Bulgarien und verbrachte seine Jugend in Deutschland und Kenia. Der Schriftsteller, leidenschaftliche Leser und »Weltensammler« hebt verborgene literarische Schätze, die er in dieser hochwertigen Reihe versammelt. Nach vielen Jahren in Indien und Südafrika lebt Ilija Trojanow heute in Wien.
Urban, Susann
Susann Urban studierte Germanistik, Anglistik und Politikwissenschaft. Nach vielen Jahren im Buchhandel arbeitet sie heute als Lektorin und als freie Übersetzerin aus dem Englischen.
Mit großartigen Fotos & dokumentarisch engagiertem Stil werden wir hineingeholt ins Alltagsleben SU 1948. Worüber nicht berichtet wird, spricht für sich. Appell zur Verständigung!
spannende Reisebeschreibung
von einer Kundin/einem Kunden aus Linz am 10.10.2011
Bewertet: Buch (gebunden)
aus dem "Reich des Bösen" kurz nach Ende des II. Weltkrieges.John Steinbeck gelang das Kunststück, im Kalten Krieg in die Sowjetunion zu reisen.
Er näherte sich dem Land relativ vorurteilsfrei und beschreibt sehr eindrucksvoll das Leben in diesem geschundenen Land, ein Leben, das trotz der Wunden des Weltkrieges die Gastfreund...
aus dem "Reich des Bösen" kurz nach Ende des II. Weltkrieges.John Steinbeck gelang das Kunststück, im Kalten Krieg in die Sowjetunion zu reisen.
Er näherte sich dem Land relativ vorurteilsfrei und beschreibt sehr eindrucksvoll das Leben in diesem geschundenen Land, ein Leben, das trotz der Wunden des Weltkrieges die Gastfreundschaft hoch hält, seine Kultur pflegt und mit viel Energie die Trümmer wieder aufbaut.
Beeindruckt hat mich die Schilderung, wie die Menschen in den Trümmern lebten und dennoch würdevoll ihren Alltag meisterten. Sehr humorvoll seine Schilderungen der Gastfreundschaft in Georgien, welches doch einen nicht unbedeutenden Teil seiner Erzählung einnimmt.Interessant vor allem, wenn man das Georgien von heute kennt - es wird einem richtig bewusst, wie sehr der Wohlstand dort abgenommen hat.
Die herrlichen Fotos von Cappa machen das Geschilderte nochmals eindrucksvoller, die vielen Gesichter, aus denen alle möglichen Gefühle sprechen unterstreichen eigentlich das, was Steinbeck so am Herzen lag: Es leben dort Menschen wie du und ich.
Eine Pflichlektüre für alle, die sich für das heutige Russland interessieren!
Immer noch lesenswert
von Herbert Huber aus Wasserburg am Inn am 21.06.2011
Bewertet: Buch (gebunden)
Zu Beginn des "Kalten Kriegs" und der McCarthy-Ära unternehmen der Nobelpreisträger John Steinbeck und der Fotograf Robert Capa eine Reise in die Sowjetunion. Sie war aus vielerlei Gründen ungewöhnlich.
Nun liegt ihr Reisebericht "A Russian Journal" erstmals in deutscher Übersetzung vor.
John Steinbeck und Robert Capa traten ...
Zu Beginn des "Kalten Kriegs" und der McCarthy-Ära unternehmen der Nobelpreisträger John Steinbeck und der Fotograf Robert Capa eine Reise in die Sowjetunion. Sie war aus vielerlei Gründen ungewöhnlich.
Nun liegt ihr Reisebericht "A Russian Journal" erstmals in deutscher Übersetzung vor.
John Steinbeck und Robert Capa traten die Reise im Auftrag der "New York Herald Tribune" an. Was man über das Land und die Leute im Westen wusste waren eher Gerüchte als Tatsachen. Die beiden Reisenden wollten ausdrücklich die einfachen Leute und ihr Leben kennenlernen und dokumentieren. Zum überwiegenden Teil gelang dies. Zwar kämpften Steinbeck und Capa - wie der Leser erwartet - mit Bürokratie, geheimer Überwachung und offiziellen Einladungen. Sie verstanden es aber all diesen Handicaps auszuweichen und verbrachten viel Zeit mit den sowjetischen Bürgern. Feste, Gelage und Ansprachen werden ausgiebig beschrieben. Die Besuche in Fabriken und Kolchosen nutzten Steinbeck und Capa um Eindrücke zu sammeln, auf ihren zahlreichen Reisen im Land trafen sie immer Russen und Angehöriger anderer Volksstämme, die etwas über die USA erfahren wollten. So lernten alle über die jeweiligen Länder. Und keinen heutigen Leser verwundert es, dass die Leute aus dem Volk überall friedlich mit den anderen Völkern zusammenleben wollen.
Für deutsche Leser ist lehrreich: überall wo die beiden Amerikaner hinkamen fanden sie die Zerstörungen der deutschen Wehrmacht und Luftwaffe. Ihnen wurde deutlich (und auch von den Leuten deutlich gesagt): die Deutschen führten dort nicht nur Krieg, sondern eine grausame Vernichtung.
Allerdings gewinnt man den Eindruck, dass die US-Besucher letztlich doch nicht so frei agieren und fotografieren konnten, wie sie es sich erhofft hatten. In Gefängnisse, Lager oder auch nur prekäre soziale Einrichtungen kommen sie nicht. Fotografieren durften sie nur mit Erlaubnis.
Die Übersetzung ist an manchen Stellen etwas schludrig. "Es bestehen Ähnlichkeiten mit der amerikanischen Kleinstadtmoral von vor einer Generation" (S. 46) liest sich holprig, um nur ein Beispiel zu nennen.
Die Fotos sind ohne Bildunterschrift, doch entsteht der Zusammenhang meist mit dem Text. Einen hervorragenden Fotoband darf man nicht erwarten.
Vieles im Bericht wird auch heute noch zutreffen, manches ist überholt. Außer der verspürten Bürokratie bleiben die dunklen Seiten der UdSSR ausgeblendet.
Bemerkens- und lesenswert ist der dokumentarische Bericht auch heute noch. Die "Russische Reise" ist ein Appell an die Verständigung zwischen den Völkern und Menschen.