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Simone Collinet (1897-1980), geborene Kahn, gehörte zu den prägenden Figuren der Anfangs-phase des Surrealismus und besass eine ausserordentliche Sammlung surrealistischer Werke. Diese kann in dieser Ausstellung zum ersten Mal als Einheit gezeigt werden.
Simone lernte André Breton 1920 kennen, den sie 1921 heiratete. Bis zu ihrem Bruch im Herbst 1928 war Simone ein aktives Mitglied der surrealistischen Gruppe und führte das Bureau central des recherches surréalistes. Ein mit »S.B.« bezeichneter Textbeitrag von ihr erschien 1924 in der massgebenden surrealistischen Zeitschrift La révolution surréaliste.
In ihrem gemeinsamen Wohn-Atelier an der Rue Fontaine in Paris entstand eine hochkarätige Kunstsammlung. Bei ihrer Trennung wurde der Bestand aufgeteilt. Im Gegensatz zum Anteil Bretons blieb derjenige von Simone zu grossen Teilen bis heute in Familienbesitz. Er präsentiert auf höchstem Niveau mit Gemälden, Arbeiten auf Papier, Fotografien, aber auch Kunst der aussereuropäischen Völker die ganze Breite einer surrealistischen Sammlung. Ebenfalls besass Simone wichtige Manuskripte des Surrealismus, unter anderem die handschriftliche Fassung des ersten surrealistischen Manifestes. Dieses befindet sich heute wie zwei weitere Manuskripte sowie ein Gemälde de Chiricos und eine Zeichnung Massons in verschiedenen Museen, können aber im Rahmen dieser Ausstellung wieder mit der Sammlung vereint werden.
Nach ihrer Scheidung von Breton 1931 blieb Simone in den 30er Jahren mit dem intellektuellen und künstlerischen Milieu ihrer alten Freunde verbunden. In späteren Jahren verband sie auch mit Breton selbst wieder eine freundschaftliche Beziehung. 1938 heiratete sie Michel Collinet, einen Politiker der Linken. Nach dem Krieg vermittelte Simone als Galeristin vornehmlich surrealistische und dadaistische Kunst. Sie baute ihre Sammlung weiter aus, wovon hier zwei Gemälde Massons zeugen. Aber auch wichtige Erwerbungen von Werken Picabias fallen in diese Zeit.
Die Sammlung wird in der Ausstellung nicht in musealer Weise präsentiert. Vielmehr soll durch das Mischen von Techniken und Gattungen der private Charakter spürbar bleiben, wie er für das Ensemble kennzeichnend ist.
Die Amerikanerin Peggy Gugenheim (1898-1979) ist eine der grössten Sammlerinnen und Förderinnen des Surrealismus. Ihr ist ein Raum in der Ausstellung gewidmet. Bereits seit den frühen 20er Jahren begann sie sich für die Kunst der Moderne zu interessieren und wurde später als Sammlerin moderner Kunst aktiv. 1938 hatte sie in London ihre erste Galerie Guggenheim jeune, in der sie auch Werke der Surrealisten ausstellte. Neben ihrer galeristischen Tätigkeit war sie mit vielen der Künstler befreundet und half diesen jahrelang aus der finanziellen Not. Max Ernst, André Breton und Victor Brauner verhalf sie 1940-41 zur Flucht vor dem Nationalsozialismus in die USA und unterstützte sie und andere während ihres amerikanischen Exils. 1941 heiratete sie Max Ernst, die beiden trennten sich nach einem Jahr.
1942 eröffnete sie in New York ihre legendäre Galerie Art of This Century. In zwei Raumensembles präsentierte sie ihre Sammlung surrealistischer und abstrakter Werke. An der Eröffnung der Galerie trug sie jeweils einen Ohrring von Yves Tanguy und einen von Alexander Calder, um ihre Unparteilichkeit gegenüber der surrealistischen und der abstrakten Kunst zu bekunden.
1951 machte sie ihre Sammlung im Palazzo Venier dei Leoni in Venedig der Öffentlichkeit zugänglich.
Der in der Ausstellung präsentierte Raum wurde in Zusammenarbeit mit der Peggy Guggenheim Collection in Venedig konzipiert. Er enthält bedeutende Werke dieses Museums und zusätzlich weitere aus anderen Sammlungen, die einst Peggy gehörten, oder durch ihre Galerie gingen. So wird der Blick dieser grossen Sammlerin und leidenschaftlichen Kämpferin für die Sache der Kunst auf den Surrealismus erfahrbar. Die Präsentation des Raumes erinnert an die historische, von Friedrich Kiesler entworfene Ausstellungsarchitektur des surrealistischen Raums in Art of This Century.