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Die Nestler bildeten erst seit dem 15. Jahrhundert ein besonderes Handwerk, das sich mit der Verarbeitung des feineren Leders zu Nesteln abgab. Es ging durch Spezialisierung der Arbeit aus dem älteren Secklerhandwerk hervor. Späne und Zweiung unter den beiden ineinander greifenden Berufen veranlassten deren Meister um die Mitte des 15. Jahrhunderts die Zunft zur Schlichtung ihrer Streitigkeiten anzurufen. Die Folge war eine deutliche Scheidung der beiden Handwerke.
Die bisherige Gewohnheit, dass Seckler mochten Nestler ersetzen und umgekehrt, sollte inskünftig verboten sein, also, dass kein Seckler, der sein Handwerk redlich gelernt hat, Nestel machen, desgleichen kein Nestler Seckel, noch Handschuhe, «Oeser noch oeser fassen» darf, sondern jeder Teil soll bei seinem Handwerk verbleiben und dies redlich und aufrecht halten. Entgegen der bisherigen Übung dürfen die Nestler hinfür auch kein «Mischelwerk» mehr machen, sondern sollen jegliche Art Leder, es sei von Schafen, Hirschen, Rehen oder Hunden besonders verarbeiten und in seiner Währschaft halten, d.h. nur für das ausgeben, was es wirklich ist. Nicht Innehalten dieser Abmachungen sollte zum Nutzen der Zunft mit vier Pfund Wachs gebüsst werden.
Um den eingesessenen, zünftigen Nestlern das Monopol auf den Absatz in der Stadt zu sichern, verbot der Rat zu Ende des Mittelaters die Niederlassung von Nestlern zwei Meilen rings um die Stadt herum. Im Sinne dieser Erkanntnis liess die Safranzunft die Nestler Kaspar Spitzenberg (1499) und Vincenz Strobel (1503) bei ihrem Eintritt in die Zunft einen Eid zu Gott und den Heiligen schwören, falls sie ihr Burg- und Zunftrecht wieder aufgäben, «in zweyen myle wegs schybwise umb die statt Basel» weder selbst noch durch ihre Gesellen eine Werkstatt aufzurichten.
Seine Blütezeit erlangte der Nestlerberuf in der ersten 16. Jahrhunderts als mit den «zerhauenen» Kleidern die spezifische Renaissancetracht in Basel einzog. In dieser Epoche nährte das Handwerk dreiundzwanzig zünftige Meister. Dann sank es rash zur Bedeutungslosigkeit herab. Die Taxordnung von 1646 tut seiner keine Erwähnung. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erlebte es nochmals einen gewissen Aufschwung, indem zwölf Nestler als Meister der Zunft beitraten.
Aus dieser Zeit stammt auch die einzige Klage wegen beruflicher Eingriffe durch andere Zunftgenossen. Im Jahre 1654 beklagte sich Nestler Johann Uebelin, dass die Gürtler sich anmassten, Nestel zu beschlagen. Auf die Antwort der Beklagten, sie hätten das jeweilen getan, befahl die Zunft, die alte Ordnung des Nestlerhandwerks hervorzusuchen und in der Staatskanzlei nachzuschlagen, was für Ratserkanntnisse in dieser Sache vorhanden seien. Von einem Entscheid findet sich aber in den Protokollen keine Spur.
Es scheint damals überhaupt eine Unsicherheit über die Handwerksrechte der Nestler geherrscht zu haben. Im Jahre 1661 wurde der vorgenannte Johann Uebelin von den Weissgerbern vor Zunftgericht gezogen, da er gleich ihnen Felle aus dem Escherloch verarbeitete. Uebelin betonte, das beanstandete Arbeitsverfahren sei zu seinem Handwerk dienlich. Die Safranherren wussten, mangels klarer Bestimmungen, nicht wie entscheiden. Sie auferlegten Uebelin, sich aus andern Städten Ordnungen und gute Atteste, wie daselbst sein Handwerk gehalten, zu verschaffen. Da solche Recherchen nicht minder kostspielig als zeitraubend waren, zog es Uebelin vor, sich dem Willen der Gegenpartei zu fügen.
Wie sehr die Nestler auf ihr Handwerksrecht erpicht waren, erhärtet auch ihre 1719 vor Zunftgericht ergangene Klage gegen den Schuhmacher Landis, der sich herausgenommen hatte, Nestel zum Verkauf herauszuhängen. Er erklärte, es handle sich nur um einen unverkauften Restbestand aus dem Besitz seiner Schwiegermutter. Die Zunft gönnte ihm denn auch eine vierwöchige Verkaufsfrist; alsdann sollte er den Schild wegtun bei Strafe einer Mark Silber im Weigerungsfall.
Anderer Art waren zwei Verhandlungen, die sich auf zwei Nestler bezogen und die uns die weitreichende Kompetenz der Zunft in die häuslichen und persönlichen Verhältnisse ihrer Mitglieder dartun. Der eine Fall betraf den Nestler Heinrich Meyer, über den die Vorgesetzten 1671 wegen seines übeln Haushaltens Recht zu sprechen hatten. Ihr Wahrspruch lautete:
« 1. dass vordrest sein Meyers zween habenden gesellen abgeschafft. 2. dass er Meyer sein brot bey einem andern meister oder aber an einem gewahrsamen ort verdiene. 3. dass das noch vorhandene gütlein, so ohne was wenigs mobilien in allerhandt mittlen, gegen 600 lb. sich erstrecke, anderst nicht angewandt als allein, dass der fraw undt kindern das interesse davon bis auf anderwertige verordnung verabfolgt werde».
Im zweiten, 1698 behandelten Fall galt es für die Zunftvorgesetzten, den Nestler Samuel Uebelin gegenüber übertriebenen, von Seiten des Handwerks geltend gemachten Ehrbegriffen zu schützen, als die Nestler ihren genannten Mitmeister für unredlich und unehrlich erklärten, weil er im Kriegswesen eine Zeitlang die Stelle eines Profossen innegehabt hatte!