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Die Swiss beklagt Millionen-Verluste, seit sie 2002 nach der Pleite von Swissair den Betrieb aufgenommen hat.
Die Swissair-Nachfolgerin könnte von der SN Brussels Airlines lernen, meinen Luftfahrt-Experten. Auch sie startete vor zwei Jahren, fliegt aber bereits Profite ein.
SN Brussels ist die Nachfolgerin der belgischen Sabena, welche 2001 in Konkurs ging. 12'000 Arbeitsplätze gingen damals verloren.
Der Zusammenbruch wurde teilweise von der Muttergesellschaft Swissair Group mitverschuldet, welche 49,5% der Sabena-Aktien hielt. Die heute konkursite Swissair Group wurde beschuldigt, ihre Verpflichtungen nicht eingehalten zu haben, als die Sabena nach einer Not-Bargeld-Spritze verlangte.
Wie der spektakuläre Fall von Swissair in der Schweiz, wurde der Sabena-Bankrott nach 78 Betriebsjahren in Belgien als nationale Katastrophe betrachtet.
Während die Swissair-Nachfolgerin Swiss mit Milliarden von Franken an Staatsgeldern aus der Taufe gehoben wurde, musste sich die SN Brussels ohne staatliche Hilfen etablieren.
Der Preis muss bezahlt werden
Der Genfer Luftfahrt-Experte Oliver Sutton ist der Ansicht, die Swiss bezahle nun den Preis dafür, dass sie zuviel Startup-Kapital von der Regierung erhalten habe.
"Als Sabena crashte, ging sie unter und wurde vergessen. Ihre Nachfolgerin, die SN Brussels, musste das ganze Trauma durchstehen", sagt Sutton gegenüber swissinfo. "Aber in der Schweiz wurden die Probleme im Zusammenhang mit dem Swissair-Crash als zu harmlos angesehen."
Die Schweizer Regierung hätte nach Suttons Meinung einen Schritt zurück treten und dasselbe tun sollen, was der belgische Staat mit Sabena tat. "Heute hätten wir eine andere, wahrscheinlich nur halb so grosse Airline."
Analytiker sind der Ansicht, dass die Swiss für ihren Markt immer noch zu gross sei - trotz der Einsparungen der letzten zwei Jahre. Wenn sie überleben wolle, müsse sie Routen abgeben.
Swiss verbraucht jeden Tag rund eine Million Franken mehr als sie einnimmt.
Profitschwelle anpeilen
Während die Swiss immer noch redimensioniert, weitet SN Brussels ihre Geschäfte aus. Sie konnte 2003 sogar einen bescheidenen Gewinn von umgerechnet rund 924'000 Franken verbuchen.
Die Swiss unterhält momentan 42 Linien in Europa und weitere 28 in den USA, Südamerika, Asien, Afrika und im Mittleren Osten. SN Brussels konzentriert sich auf lediglich 53 Destinationen in Europa und 15 Destinationen in Afrika.
Peter Davies, der Chef der belgischen Airline betont, SN Brussels habe erkannt, dass sie nur in ihrem kleinen Binnenmarkt funktioniere. So konnte sie die Fehler vermeiden, die von ihrer Vorgängerin gemacht wurden.
"Wir wollen wachsen. Aber es ist wichtig, dies Schritt für Schritt zu tun. Man soll nicht rennen, bevor man gehen kann," sagt er.
Davies hat deshalb stur alle Anfragen zurückgewiesen, die unrentablen Sabena-Routen in den Flugplan aufzunehmen.
Vergrösserung
In der Restrukturierungs-Phase von Swiss, während der sie vor allem für negative Schlagzeilen sorgte, habe SN Brussels expandiert und sogar Geld verdienen verdienen können, erklärt Luftfahrt-Experte Sutton.
"Die alte Sabena hatte einige profitable Routen nach Afrika, welche die SN Brussels übernommen hat. Das gesamte Management hat einen guten Job gemacht und kostenbewusst gearbeitet", sagt Sutton weiter.
Die Swiss beförderte 2003 rund 10,6 Millionen Passagiere, mehr als dreimal soviele wie im gleichen Jahr bei SN Brussels an Bord gingen.
Laut Sutton sollte die Swiss erkennen, dass Passagierzahlen nichts zählen, solange die Gesellschaft Verluste einfliegt und redimensionieren muss.
"Der Fall SN Brussels zeigt, dass es viel einfacher ist, eine Airline aufzubauen als sie zu redimensionieren. Und bei Swiss dauert es lange, bis sie die richtige Grösse erreicht hat."
swissinfo, Ramsey Zarifeh
(Übertragen aus dem Englischen: Etienne Strebel)
Fakten
Swiss
Flotte: 81 Maschinen
Passagiere (2003): 10,6 Mio.
Angestellte: 7865
Ergebnis 2003: 498 Mio. Verlust
CEO: Christoph Franz
SN Brussels:
Flotte: 38 Maschinen
Passagiere (2003): 3,2 Mio.
Angestellte: 1950
Ergebnis 2003: 924'000 Franken Gewinn