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Am 19. April 2018 geht eine prägende Ära in der Geschichte Kubas zu Ende. Raúl Castro, der Bruder des Ende 2016 verstorbenen Revolutionsführers Fidel, wird sich von der Staatsspitze zurückziehen. Niemand hat das Land so sehr geprägt wie die beiden Brüder. Weder José Martí, der Nationalheld aus dem zweiten Unabhängigkeitskrieg, noch Che Guevara, der Revolutionär. Nach knapp 60 Jahren an der Spitze wird der neue Staatschef nicht mehr den Namen Castro tragen.
Ein Generationswechsel steht bevor: Miguel Díaz Canel, der just am 20. April 2018 seinen 58. Geburtstag feiert, gilt als aussichtsreichster Nachfolger. Zum ersten Mal seit dem Triumph der Revolution im Jahr 1959 wird, bei einer Wahl von Canel, kein sogenannter historischer Führer, der seit Anfang der kubanischen Revolution dabei war, die Staatsgeschäfte führen.
Kubas Auferstehung Ende der 90er Jahre
Kuba ist bekannt für edlen Tabak und feinen Rum sowie schmucke Kolonialstädte. Aber vor allem der Konflikt mit den benachbarten USA hat das Land in den letzten Jahrzehnten geprägt. 1962, ein Jahr nach Beginn der Revolution, verhängten die USA ein einseitiges Embargo gegen Kuba. So wurde es amerikanischen Firmen untersagt , mit der Karibikinsel Handel zu treiben. US-Bürger durften bis Januar 2011 nicht mehr nach Kuba reisen. In dieser Zeit lehnte sich Kuba eng an die damalige Sowjetunion an. Die Wirtschaft im Kommunismus funktionierte mehr schlecht als recht - bis 1989 die Sowjetunion zusammenbrach. Das hatte für Kuba gravierende Folgen. Der Staat brauchte Geld, um Wirtschaftsgüter auf dem Weltmarkt einzukaufen. Tourismus wurde schon früh als ein Mittel gesehen, um an Devisen zu kommen.
Ende der 90er Jahre lenkte der Film und die Musik des «Buena Vista Social Club» das öffentliche Interesse auf die grosse Insel und weckte Kuba aus dem touristischen Dornröschenschlaf. Bis dahin war Kuba allenfalls für Insider ein Geheimtipp. Seit 1995 wird das Land von immer mehr Individualreisenden bereist, die den kubanischen Sozialismus hautnah erleben wollen. Die staatlichen Hotels konnten den Ansturm von Touristen nicht mehr bewältigen. Seit dieser Zeit dürfen kubanische Familien an ausländische Touristen Zimmer vermieten – sogenannte Casas Particulares. Parallel entstanden auch die «Paladares» – privat geführte Restaurants. Für die Reisenden bieten diese eine Möglichkeit, das sehr schmackhafte und vielfältige kubanische Essen zu kosten.
Touristische Leistungen mussten bis 2003 mit der Währung des Erzfeindes, den US-amerikanischen Greenbacks (Dollar) bezahlt werden. Seither hat Kuba den «Peso Convertible». Daneben gibt es weiterhin den Peso Cubano, mit welchem Touristen allerdings bloss auf dem Bauernmarkt Früchte und Gemüse einkaufen können. Kubaner bezahlen damit die Lebensmittel, welche sie stark subventioniert vom Staat bekommen. Diese werden beim Einkauf auf der «Libreta», der Rationierungskarte, eingetragen, welche jeder Kubaner besitzt. Die Einheimischen bekommen vom Staat genügend Nahrungsmittel zum (Über)leben, jeder lebt in einem stabilen Haus und die medizinische Grundversorgung ist, im Vergleich zu vielen anderen Ländern in Lateinamerika, gut.
Fortschritt macht sich zunehmend bemerkbar
Seit 2014, als der damalige US-Präsident Barack Obama weitere «Tourismusbarrieren» beseitigte und es amerikanischen Airlines, Kreuzfahrtgesellschaften und Hotels erlaubte, in Kuba tätig zu sein, erlebte das Land einen ungeahnten Tourismusboom. Am 1. September 2016 nahm die US-Airline JetBlue den ersten regulären Passagierflug aus den USA auf – nach einer 50-jährigen Zwangspause.
Bis vor wenigen Jahren fand man in den Strassen Kubas fast keine Werbeplakate. Dafür sozialistische Durchhalteparolen wie «Resistir, Luchar, Vencer» oder «Viva la Revolucion!». Auch Firmen wie Coca-Cola, McDonald’s oder KFC suchte man in Kuba bis vor Kurzem vergeblich. Doch das ändert sich.
Auch im Hotelsektor ist ein grosser Wandel in Gang. Bis vor rund fünf Jahren mussten Reisebüros ihre Kunden noch warnen, dass die Unterkünfte zumeist deutlich unter den internationalen Standards liegen. Das ist nicht mehr der Fall. Mit der Eröffnung des Gran Hotel Manzana von Kempinski hat die kubanische Hauptstadt Havanna zudem kürzlich ihr erstes Luxushotel erhalten.
Auch der Fortschritt von Handy zu Smartphone trifft nach und nach ein. Zwar ist es relativ selten, aber es gibt immer mehr Kubaner, die Iphones besitzen. Bestimmte öffentliche Plätze bieten neu auch kostenloses Internet an, welches es Einheimischen wie auch Touristen ermöglicht, ihr Smartphone in aller Öffentlichkeit zu konsultieren.
Fakt ist, das die Kommerzialisierung im Leben der Kubaner längst stattfindet. Der Kapitalismus ist definitiv nach Kuba zurückgekehrt. Es wird unweigerlich zu vielen Veränderungen kommen, die dem Land einerseits wirtschaftlich gut tun werden, aber auch zwangsläufig den heute bekannten und von vielen Touristen geschätzten Lebenswandel im Land massiv beeinflussen und verändern werden. Das kubanische Volk sieht den Änderungen teils mit Skepsis entgegen. Doch niemand will weiterhin unter Armut leiden, nur um die Insel als eine Art Museum der 50er Jahre zu erhalten. Kubaner wollen genauso Sneakers und Smartphones wie die Bevölkerung andernorts. Man kann nur hoffen, dass die neue kubanische Führung diese Veränderungen gut bewältigt und die Integrität der kubanischen Kultur und der Landschaft soweit wie möglich bewahrt wird.
Kuba versprüht viel Charme und bietet kulturellen Reichtum. Keine der Veränderungen, die stattgefunden haben oder im Moment stattfinden, können das ändern. Ausserdem sind Änderungen ja nicht punktuell, sondern passieren dauernd - nur ist dies auf Kuba bislang etwas langsamer geschehen als anderswo. Doch Kuba wird einzigartig bleiben und sich weiterhin als eines der charmantesten Reiseziele der Welt einen Namen machen.
Um sich ein Bild des modernen Kuba machen zu können, verfolgen Sie in den kommenden Tagen am besten die Beiträge von Travelnews.ch auf dem Instagram- oder Facebook-Account im Rahmen der Treasure Hunt Cuba, der vom 12. bis 17. April 2018 dauert.