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Hauptpost und Alpiq
Adresse
4600 Olten
SO
Architektur
Kunst am Bau
Die Hauptpost und das Verwaltungsgebäude der Alpiq in Olten strahlen mit ihren ernsten und zugleich differenzierten Rasterfassaden stolz Modernität aus. Die flach geneigten Walmdächer lesen sich hingegen als Zugeständnis an das historische Stadtzentrum. Städtebaulich prominent situiert, reagierten die Architekten mit verschieden dimensionierten und positionierten Gebäudeteilen und einer freigespielten Ecke geschickt auf die exponierte Lage an der Kreuzung zwischen Altstadt und Bahnhof.
Chronologie
Für den Neubau taten sich die Post und das Energieunternehmen Aare-Tessin AG für Elektrizität (Atel) zusammen. Als Architekten hatte die Postdirektion Walter von Gunten bestimmt. Die Stadt Olten, die sich wegen der hohen städtebaulichen Bedeutung ebenfalls am Bauvorhaben beteiligte, wollte, dass auch Hans Zaugg aus der Bürogemeinschaft Barth & Zaugg daran mitarbeitete. Das Gebäude wurde zwischen 1950 und 1953 errichtet, konnte allerdings bereits 1952 bezogen werden. Ursprünglich gehörten zur mehrteiligen Anlage ein überdeckter Posthof und entlang der Bahnlinie ein weiteres Dienstleistungsgebäude. Sie mussten Neubauten weichen. 1978 wurden die Büros ausgebaut. 2006/07 folgte ein Erweiterungsprojekt von der W. Thommen AG im Osten. 2010 wurde die Firma Atel mit dem Zusammenschluss der Westschweizer EOS zur Alpiq.
Lage
Das Gebäude befindet sich südlich des Oltner Bahnhofs am rechten Aareufer und steht am Rand einer verkehrsreichen Strassenkreuzung. Die Haupteingänge der beiden Gebäude, die in einem stumpfen Winkel aneinander anschliessen, liegen an der zum Fluss gerichteten Westfassade am Bahnhofquai. Davor sind Parkplätze vorhanden. Die Südfassade grenzt an die Unterführungsstrasse. Im Norden schliesst das Gebäude an eine niedrigere Bebauung an, im Osten an den neuen Bürokomplex von 2006/07.
Beschreibung
Die beiden Gebäudeteile unter auskragendem, ziegelbedecktem Walmdach sind unterschiedlich proportioniert: Der fünfgeschossige Komplex der Post präsentiert sich mit seiner westseitigen Längsfront zum Bahnhofquai als Riegel, das achtgeschossige, quer dazu gestellte Verwaltungsgebäude der Alpiq setzt mit seiner ebenfalls zur Strasse gerichteten Schmalseite einen turmartigen Akzent. Die Stahlbetonskelettbauten sind durch einen schmalen, sechsgeschossigen Mittelbau mit hochliegenden Bandfenstern verbunden. Der Alpiq-Trakt weist ein überhöhtes, verglastes Erdgeschoss auf, das zurückversetzt ist und durch einen zylinderförmigen Eingang erschlossen wird. Das Erdgeschoss des Post-Komplexes, das aufgrund des nach Süden leicht abfallenden Geländes auf einem unterschiedlich hohen Sockel ruht, ist ebenfalls komplett verglast. Der dezentral angeordnete Eingang ist durch eine Treppe sowie nordseitig durch eine Rampe erschlossen. Ein langgezogenes, auf filigranen Stützen ruhendes Flachdach schützt den Eingangsbereich. Die Obergeschosse zeichnen sich gegen den Bahnhofquai bei beiden Baukörpern durch eine Rasterfassade aus: Stark vortretende Fensterrahmungen aus weiss gestrichenem Beton bilden einen Kontrast zu den Fensterbrüstungen aus roh behauenem, dunkelgrauem Castionegranit. Die Südseite des Alpiq-Gebäudes weist ebenfalls vier Fensterachsen auf, die in dieser Gestaltung gehalten sind. Ausserdem sind dort drei fliegende Figuren als künstlerischer Schmuck angebracht. Im siebten und achten Obergeschoss sind sowohl an der Süd- als auch Nordseite mehrere kleine Fenster vorhanden. Die Nordfassade wird zudem durch einen hervortretenden Trakt akzentuiert, der das Walmdach durchbricht. Das ebenfalls flach geneigte Walmdach der Post ist hingegen mit einer langgezogenen Lukarne durchsetzt, die vom Bahnhofquai aus wie ein zurückversetztes Attikageschoss wirkt. Die bündig gestaltete Südfront weist durch das stark abfallende Gelände einen grossen Sockel auf und wird vom mittig angeordneten, verglasten Treppenhaus dominiert. Der von der W. Thommen AG erarbeitete Erweiterungsbau, der ostseitig folgt, orientiert sich in den Proportionen an den Gebäuden der Architekten Zaugg und von Gunten.
Literatur
Hanak, Michael. Baukultur im Kanton Solothurn 1940–1980. Ein Inventar zur Architektur der Nachkriegsmoderne, hg. von der kantonalen Denkmalpflege Solothurn. Zürich 2013, S. 170. – Roland Wälchli. Impulse einer Region. Solothurner Architektur 1940–1980, Solothurn 2005, S. 24–25. – Zietzschmann, Ernst. Neubau des Verwaltungsgebäudes der Aare-Tessin A. G. und der Hauptpost in Olten, in: Bauen + Wohnen 4/1953, S. 191–195.