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Der amerikanischen Artillerie geht es in ihrer Planung vorrangig um die Reichweite ihrer Granaten, Raketen und Hyperschallgleiter. Der Forschungsdienst des Kongresses gibt dazu einen guten Überblick.
Die Kanone mit grosser Reichweite
Das Programm für eine Kanone mit grosser Reichweite betrifft eine Panzerhaubitze: die angestammte M109, genauer die M109-7A Paladin. Für das selbstfahrende Standardgeschütz wurde ein sehr viel längeres Rohre entwickelt. Dazu kommt die neue Munition: die raketengetriebene XM1113-Granate.
Das längere Rohr stösst das Geschoss mit höherer Geschwindigkeit aus, was zu einer markant gesteigerten Einsatzdistanz führt. Geplant ist ebenso eine automatische Ladevorrichtung. Sie soll es erlauben, dass die Panzerhaubitze zehn Schuss/Minute verschiesst: alle sechs Sekunden einen.
Die XM-1113-Granate ist GPS-gesteuert. Für den Fall, dass das Global Positioning System ausfällt, wird eine neue Übermittlung entwickelt, die auch ohne GPS funktioniert. Im Oktober 2023 will das Heer das erste Bataillon mit 18 M109-Panzerhaubitzen der grossen Reichweite in Dienst stellen.
Angestrebt wird eine Einsatzdistanz deutlich über 70 Kilometer, und das mit hoher Präzision und rascher Kadenz. Die erste Erprobung im scharfen Schuss fiel auf dem Waffenplatz Yuma, Arizona, positiv aus. Der Prototyp traf im Dezember 2020 Ziele über 70 Kilometer präzis. Die XM1113- und die verbesserte M982-Excalibur-Munition bewährte sich. Einen Rückschlag erlitt das Projekt beim Ladegerät: Das Ziel, zehn Schuss/Minute, wurde verfehlt.
Das Picantinny Arsenal in New Jersey und BAE Systems in Pennsylvania, Missouri und Minnesota entwickeln und bauen das neue Geschütz.
Die Präzisionsrakete
Die Präzisionsrakete PrSM wird für den M270A1-Mehrfachraketenwerfer und das hochmobile Artillerie-Raketensystem HIMARS entwickelt.
Es handelt sich um Boden-Boden-, Allwetter-, Präzisionsmissile. Sie sollen ATAMCS übertreffen und die bestehende Kadenz verdoppeln. Der Lade-Pod stellt zwei statt eine Rakete zum Abschuss bereit.
Geplant ist der Einsatz von Cluster-Munition. Die Rakete soll Fliegerabwehr-Systeme, ballistische Raketenrampen, Hauptquartiere, Kommandoposten, Truppenansammlungen und lohnende Ziele auf dem ganzen Gefechtsfeld zerstören.
Geplant ist eine Reichweite von 499 Kilometern. Der Hersteller ist Lockheed Martin. Im Dezember 2019 traf ein Prototyp die Ziele über 240 Kilometer hinweg präzis.
Auf dem White Sands Raketen-Schiessplatz in New Mexico diente HIMARS als Plattform. Weitere Testschiessen auf 499 Kilometer sind vorgesehen. Im scharfen Schuss kommt dann auch der Werfer M270A1 zum Zuge.
Die Truppe soll das System vom August 2024 einer gründlichen Erprobung unterziehen. Ein Jahr später will das Heer die Präzisionsrakete in Dienst stellen. Die Entwicklung kostet 895 Millionen $, die Beschaffung 2’083 Millionen $ und der Betrieb 2’422 Millionen $.
Die Kanone mit 1’600 km Einsatzdistanz
Das Heer prüft eine Hyperschall-Kanone mit einer Reichweite von 1’600 KIlometern. Sie soll Fliegerabwehr, Artillerie, Rakeletensysteme, Hauptquartiere und Kommandoposten bekämpfen.
Das System umfasst grundsätzlich das Geschütz selbst, das Trägerfahrzeug und die Hyperschall-Munition. Die Batterie zählt vier solche Geschützsysteme mit Fahrzeugen für die Munition und anderes schweres Gerät. Die Geschützbedienung besteht aus acht Mann.
Im Jahr 2023 will das Heer den Prototyp auf die volle Einsatzdistanz erproben. Dann wird über das Projekt entschieden. Politiker befürchten, die Kosten könnten jeden Rahmen sprengen. Gefragt wird: “Kommen wir mit Hyperschall derart weit, ohne dass die Bank zusammenbricht?”
Als ungelöst gilt auch die Anforderung, dass die Heeresartillerie Ziele in 1’600 Kilometer Entfernung aufklären, bestimmen und treffen muss.
Das Heer hat mit ersten Tests begonnen. Es prüft Effektoren und Projektile über kürzere Distanzen. 2022 sollen die Versuche auf mittlere Entfernungen ausgedehnt werden. 2023 wird dann, wie gesagt, das Jahr der Wahrheit. Dann müssen die Träger des ehrgeizigen Vorhabens über 1’600 Kilometer hinweg beweisen, dass ihre Geschosse treffen.
Ultraschnell, steuerbar, weit
Das Heer definiert die neue Hyperschall-Waffe für sehr grosse Distanzen wie folgt:
- Sie fliegt mit Mach 5, mit fünffacher Schallgeschwindigkeit.
- Sie findet ihren Weg auf unterschiedlichen Höhen und unterscheiden sich dergestalt von ballistischen Raketen.
- Eingeführt wird die Army Long Rang Hypersonic Weapon (LRHW).
- Mit ihr erhalten die USA eine neue Klasse von ultraschnellen, steuerbaren Langstreckenraketen, die vom Lande auf mobilen Plattformen abgeschossen werden.
Aggressives Testprogramm
Die Entwicklung dieser Waffe stellt höchste Ansprüche.
Sie erfordert interdisziplinäre Koordination unter den Teilstreitkräften. Heer, Marine, Luftwaffe und die Missile Defense Agency (MDA) entwickeln gemeinsam den Hyperschallgleiter. Die Navy verantwortet den Gleiter, die Army die Produktion und den Aufbau der neuen Industrie.
Die Kooperation der Teilstreitkräfte führt zum optimalen Austausch bestehender Fähigkeiten. 2023 steht der Prototyp, bestehend aus der Rakete, dem Gleiter, den Fahrzeugen, der neuen Abschusswaffe und dem Command-and-Control-System des Heeres.
Am 29. August 2019 erhielt die Firma Dynetics den Auftrag, den Gleiter zu entwickeln – für 351 Millionen $. Gleichtags wurde Lockheed Martin mit der Erstellung des Gesamtsystems beauftragt –für 347 Millionen $.
Das Heer spricht von einem aggressiven Testprogramm.
- Erste erfolgreiche Gleitertests fanden am 19. Mai 2020 auf dem Schiessplatz Kauai, Hawaii, statt.
- 2023 sollen sechs Gleiter lanciert werden, die letzten beiden schon vom Kader und den Soldaten der ersten Hyperschallwaffen-Batterie.