Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03168.jsonl.gz/961

Die 17. Auflage der Rolex Farr 40-Weltmeisterschaft fand vom 15. bis 18. Oktober in San Francisco/USA statt.
Alle Bilder Photo By: Rolex / Daniel Forster
Internationales Stelldichein
Ausgerichtet vom St. Francis Yacht Club hieß die Rolex Farr 40-WM 2014 insgesamt 19 internationale Teilnehmer willkommen – darunter Teams aus Australien, Deutschland, Italien, Kanada, Mexiko, Türkei und den USA. Der Wettbewerb wurde im Jahr 1998 ins Leben gerufen und wird seit 2001 von Rolex gesponsert.
Zu den Teilnehmern gehörte der Titelverteidiger – Italiens Enfant Terrible von Eigner Alberto Rossi – und drei Steuermänner, die den Event zuvor schon gewonnen hatten. Guido Belgiorno-Nettis auf der Transfusion (Sydney 2011) und Helmut Jahn auf der Flash Gordon 6 (Chicago 2012) triumphierten auf ihren Heimatrevieren, während Jim Richardson mit der Barking Mad (1998, 2004, 2009) als einer von zwei Rekordhaltern schon dreimal siegte. In San Francisco stand Richardson hinterm Steuer der Kokomo unter australischer Flagge.
Die Farr 40-Klassenregeln sichern einen fairen, ausgeglichenen Wettbewerb. Die Einheitsklassenboote werden streng überprüft, um sicherzustellen, dass sie alle gleich sind. Der Eigner des Boots muss es steuern. Er wird dabei von einem passionierten, professionellen Taktiker unterstützt, während zum Rest der zehnköpfigen Crew nicht mehr als vier Profis gehören dürfen. Die Formel ist einfach: das am besten gesegelte Boot gewinnt.
Taktischer Test
Die Bedeutung des Wettbewerbs wird durch die eindrucksvolle Liste der teilnehmenden Taktiker gekennzeichnet. Der Event 2014 glänzte durch Vasco Vascotto (Italien, Enfant Terrible); Ian Williams (Großbritannien, Flash Gordon 6); Cameron Appleton (Neuseeland, Groovederci); Malcolm Page (Australien, Kokomo); Terry Hutchinson (USA, Plenty); Ray Davies (Neuseeland, Struntje Light) und den ISAF Rolex Weltsegler des Jahres 2010, Tom Slingsby (Australien, Transfusion). Alle lieben die knappen Ausgänge des Wettstreits sowie den Spirit der Klasse und loben die Langlebigkeit der Boote.
„Es gibt viele Faktoren (warum das Farr 40-Boot ein Erfolg wurde)", erklärte Vascotto, ein viermaliger Weltmeister der Klasse. „Als alles begann, war es ein Boot, das seiner Zeit zehn Jahre voraus war. Das Preis-Qualitäts-Verhältnis war phantastisch, es wurde gut gemanagt und intelligent vorangetrieben."
„Das Teamelement macht einen großen Teil aus", meint der vierfache Matchraceweltmeister Williams. „Die Profis an Bord müssen der Mannschaft um sich herum bei deren Bestleistung helfen. Es geht darum, ein effizientes Team aufzubauen, in dem jeder seine Rolle einnimmt und alle gemeinsam an einem Strang in dieselbe Richtung ziehen."
Nach den Erfolgen mit Richardson auf der Barking Mad in 2004 und 2009 jagte Hutchinson dem dritten Gesamtsieg als Taktiker hinterher und bestimmte auf Alex Roepers Plenty die Richtung, dem Team in Topform vor der WM.
„Ich sehe uns nicht als haushohe Favoriten", stapelte Hutchinson vorab tief. „Ich bin verhalten optimistisch, aber ich weiß, die Konkurrenz schläft nicht. Ich fühle mich ganz sicher nicht wie ein Favorit, würde die Bürde aber genauso sicher auch nicht von mir weisen. Das Schöne an der Farr 40-Klasse ist das Spiel um Zentimeter", fügte Hutchinson hinzu. „Es bleibt eindrucksvoll, wie eng es zugeht – es ist die 17. Weltmeisterschaft, und das gab's noch nie bei einem 40-Fuß-Boot."
Großartige Austragungsorte
Nach Porto Cervo, Newport, Miami und Sydney bewahrte San Francisco die Tradition der Rolex Farr 40-WM, großartige Segelreviere zu besuchen. Eigner und Mannschaften waren gleichermaßen begeistert über das Segeln auf der Bucht.
Ein Jahr zuvor hatte die Stadt ihre Reputation als Segelstandort ausgebaut, als sie den America's Cup ausrichtete. Ein großartiges Revier vor einem ikonischen Hintergrund ergibt eine unwiderstehliche Kombination. „Ich habe noch nie zuvor in San Francisco gesegelt", sagte Belgiorno-Nettis. „Wenn ich an meine Heimatstadt Sydney denke, das sind ikonische Häfen. Da hast du das Opernhaus und die Golden Gate Brücke, diese bilden einen fabelhaften Rahmen, wenn du so willst. Die garantieren eine großartige Erfahrung für alle Segler."
„San Francisco ist ein großartiger Platz zum Regattasegeln, es ist trickreich dort, weil es viel Strömung gibt und Inseln in der Umgebung, die für schwierig vorhersehbare Windablenkungen sorgen", fügte Williams hinzu. „Auch die Brise ist durch die thermischen Effekte und Fronten schwer vorherzusagen. Es kommt darauf an, die Augen offen zu halten und die Gelegenheiten zu erspähen."
Das Land der Plenty
Roepers hat als Farr 40-Eigner sieben Jahre gebraucht, um die begehrte WM-Trophäe in den Händen zu halten. Viele hatten geahnt, dass seine Zeit gekommen war. Die Plenty ging nach einer dominanten Saison und hervorragenden Leistungen bei der Generalprobe Rolex Big Boat Series als Topfavoritin in die Rennen.
Roepers und seine Crew lieferten ordnungsgemäß. Am Eröffnungstag zeigte die Plenty meisterliches Farr 40-Segeln. Drei Tagessiege in Folge ließen die Gegner an den Köpfen kratzend stehen. Die Messlatte war gleich zum Auftakt gelegt.
Der zweite Wettkampftag war dann viel eher ein typischer Rolex Farr 40-Tag; enge Positionskämpfe schon in der Startphase, knappe Tonnenrundungen und insgesamt intensive Rennen, die drei verschiedene Tagessieger produzierten. Wolfgang und Angela Schäfers Struntje Light aus Lüneburg heimste das erste ein; Richardson warf all seine Erfahrung in die Waagschale, um Kokomo zum Sieg in der zweiten Tageswettfahrt zu führen; und im dritten Anlauf gelang der Plenty ihr vierter Renngewinn.
„Voriges Jahr war der Durchschnitt (an Einzelplätzen) 4,1, um die Regatta zu gewinnen", erinnerte Hutchinson. „Das sagt schon alles, was du tun musst. Es sind weniger die Rennen, in denen du führst. Es sind vielmehr die Wettfahrten, in denen du als Zehnter oder Elfter an die erste Luvtonne kommst, und die du in einen fünften oder sechsten Platz ins Ziel verbesserst. Es ist eine Serie von elf Rennen, eine lange Regatta. Die erste Hälfte des Events gilt allein dem Überleben und Arbeiten für konstante Ergebnisse. Das ist für mich der beste Teil."
Zur Halbzeit waren die Rollen klar verteilt: Die Verfolger und die Verfolgten. „Wir könnten noch aufschließen, aber die Crew der Plenty macht kaum Fehler: Sie segelt schnell und smart. Heute (am Tag 2) lag sie oft weit zurück und musste sich ihren Weg durchs Feld bahnen. Das macht sie ziemlich eindrucksvoll. Wir können sie noch kriegen, aber sie müsste ein paar Fehler machen", erklärte Transfusions Slingsby.
Der Wind machte dem Feld einen Strich durch die Rechnung
Der glänzende Start würde für die Plenty vorentscheidend werden, weil am dritten und vierten Tag nur eins der angesetzten fünf Rennen absolviert werden konnte. Als der Wind abschaltete, waren auch die Chancen für eine Überraschung dahin. Die Überlegenheit der Plenty vor dem Finaltag war dann so drückend, dass die Crew auf Nummer sicher segeln konnte. Platz zehn war ausreichend, um mit zehn Punkten Vorsprung vor dem härtesten Verfolger, Martin und Lisa Hills Estate Master aus Australien, die WM zu gewinnen.
Ein großer Genuss
„Wir sind schon seit langer Zeit dabei. Ich bin vor sieben Jahren in die Klasse gekommen, und es ist die siebte Weltmeisterschaft, an der ich teilgenommen habe. Sie endlich zu gewinnen, ist ein Traum, der wahr geworden ist. Es fühlt sich unglaublich an, ich könnte nicht glücklicher sein", sagte ein champagnerseliger Roepers.
„Wir waren ziemlich nervös, als wir zur Regatta kamen. Die Konkurrenz ist so stark. Ich ziehe meinen Hut vor all den anderen Eignern und den Teams da draußen. Es ist ein sehr harter Kampf gewesen schon die ganze Saison. Wir hatten das Glück, durch Zielstrebigkeit unseren Weg bis an die Spitze zu gehen. Wir freuen uns schon auf die nächste Saison, um darauf aufzubauen."
„Es war eine lange Saison. Es ist ein großartiger Gewinn für Alex und für das Team der Plenty", freute sich Hutchinson.
Vertrauen, Freundschaft und langfristige Beziehungen, über lange Zeit gefestigt, sind wichtige Säulen der Farr 40-Klasse. Roepers und Hutchinson gehen schon sehr lange gemeinsame Wege. „Alex und ich haben die allererste Farr 40-WM zusammen gesegelt. Alex war der Springer im Cockpit, und ich war der Taktiker. Unsere Beziehung begann da bereits", erläuterte Hutchinson. „Wir haben immer den Kontakt gehalten und eine gute Freundschaft gepflegt."
CREW CELEBRATION ONBOARD PLENTY (USA)
Owner: Alex Roepers, Tactician: Terry Hutchinson
Glänzende Zukunft
Bei der feierlichen Siegerehrung in San Franciscos Palace of Fine Arts Theatre wurde die Crew der Plenty für ihre Leistung mit dem Titel des Rolex Farr 40-Weltmeisters und einer edlen Rolex Armbanduhr ausgezeichnet.
Zur 18. Auflage wird die Rolex Farr 40-WM in Kalifornien bleiben, wenn Long Beach im nächsten September Gastgeber ist. Danach ist eine Rückkehr des Wettbewerbs in europäische und australische Reviere geplant, der über fast zwei Jahrzehnte ein Sinnbild für Teamwork, Präzision und faires Segeln ist. Werte, die perfekt zum Langzeit-Titelsponsor Rolex passen.
PRIZEGIVING ROLEX FARR 40 WORLD CHAMPIONSHIP
Prize Giving Ceremony at the Palace of Fine Arts San Francisco
ROLEX FARR 40-WELTMEISTERSCHAFT
Endstand (Top 5)
1. Plenty (USA) Alex Roepers 1-1-1-6-4-1-10 24,0 Punkte
2. Estate Master (AUS) Lisa und Martin Hill 4-3-8-2-9-6-2 34,0
3. Enfant Terrible (ITA) Alberto Rossi 5-7-6-7-6-2-6 39,0
4. Struntje Light (GER) Wolfgang Schäfer 13-13-5-1-3-5-1 41,0
5. Voodoo Chile (AUS) Andrew Hunn 9-6-3-11-2-3-11 45,0