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Erkrankungen der Nase bei Katzen zeigen sich fast immer durch Niesen und/oder Stertor. Stertor ist der klinische Begriff für röchelndes Atmen. Ein solches entsteht durch einen erhöhten Widerstand in den oberen Atemwegen (Nasenhöhle, Rachenbereich) im Gegensatz zu einem Giemen (pfeifendes Geräusch), das meistens bei einer Veränderung der Luftströmung in den unteren Atemwegen (Bronchien, Lunge) entsteht. Das Niesen ist ein Zeichen von Einengung oder Reizung der oberen Atemwege. Dies sind nicht willkürlich kontrollierbare Prozesse. Diese Symptome können selbstlimitierend sein und schnell vorbeigehen oder sie können hartnäckig sein und sogar schwerwiegende Folgen haben. Deshalb ist es von Vorteil, die Symptome als «einfach» (beispielsweise eine akute, vorübergehende Infektion) oder als «chronisch und schwerwiegend» zu kategorisieren.
Anamnese und klinische Untersuchung
Wie bei jeder Krankheit kann die Anamnese (Vorgeschichte) sehr viele Informationen liefern, die die weiteren Untersuchungen mitbestimmen. Neben Alter, Geschlecht und Rasse interessiert bei diesen Symptomen, ob die Katze Auslauf und somit Kontakt zu anderen Katzen hat und ob sie gewissen Reizstoffen (wie zum Beispiel Rauch, Duftstoffen oder Ähnlichem) ausgesetzt war oder ist. Ebenfalls ist sehr wichtig zu wissen, ob die Katze Nasenausfluss zeigt und wenn ja, wie dieser aussieht (wässrig, blutig, eitrig) und ob er ein- oder beidseitig vorhanden ist.
Bei der klinischen Untersuchung können Veränderungen wie Fieber und vergrösserte Lymphknoten auf Infekte oder Neoplasien (Krebs) hinweisen. Gewichtsverlust und stumpfes, mattes Fell kann auf eine längere Erkrankung hindeuten. Die Symmetrie des Schädels, die Durchgängigkeit der Nasengänge und das Gebiss werden untersucht. Dabei sollten das Zahnfleisch und jeder Zahn sehr gut angeschaut werden.
Mögliche Ursachen
Eine grosse Anzahl von möglichen Ursachen kann zu Niesen und/oder Stertor führen. Diese können in folgende Kategorien unterteilt werden:
- Infektiös
- Entzündlich
- Fremdkörper
- Polypen und Stenosen
- Neoplastisch (Krebsartig)
- Traumatisch
Infektiös: Eine Infektion zählt zu den häufigsten Ursachen, weshalb eine niesende Katze einem Tierarzt vorgestellt wird. Oftmals handelt es sich bei den Erregern um Viren. Dabei sind Herpes- und Caliciviren die üblichen Verdächtigen. Bakterielle Erreger wie Bordetella bronchiseptica, Streptococcus canis, Mycoplasma spp. und Chlamydophila felis werden auch als primäre Erkrankung der oberen Atemwege gesehen, sind jedoch selten die Auslöser. Vielmehr kolonisieren diese Bakterien die Nase in einem zweiten Schritt und unterhalten somit die bestehende Entzündung. Eine bakterielle Untersuchung der Nase ist deshalb meistens nicht hilfreich, weil die hauptsächlichen Übeltäter dabei kaum erkannt werden, sondern nur die sekundäre Infektion. Die virale Infektion muss mittels PCR (Polymerase Chain Reaction) eines Abstrichs identifiziert werden. Pilzinfektionen, verursacht durch Cryptococcus oder Aspergillus, sehen wir in unseren Breitengraden zum Glück nur sehr selten bei der Katze.
Entzündlich: Chronische Rhinitiden (Nasenentzündungen) zerstören mit der Zeit die feinen Knochen und Knorpel in der Nase, die als Filtrationssystem dienen. Dies verursacht eine Ansammlung von Schleim (mucus), wodurch wiederum Niesen und Stertor ausgelöst werden. Eine chronische Rhinitis kann durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden und unterhält sich nach angerichtetem Schaden durch die Störung der normalen Nasenfunktion von selber. Eine Gewebeprobe (Biopsie) der Nasenschleimhaut kann dazu beitragen, die zugrunde liegende Problematik zu erkennen. Zum Beispiel kann die Zellverteilung der entnommenen Probe auf eine allergische Ursache hindeuten. Ebenfalls können Zahnwurzelerkrankungen eine chronische Nasenentzündung auslösen und/oder aufrechterhalten. Dies könnte sich allenfalls bei der Futteraufnahme äussern (vorsichtiges Kauen, Futterstücke fallen plötzlich aus dem Maul, erhöhter Speichelfluss etc.). Da jedoch viele Katzen das Futter unzerkaut hinunterschlingen, können solche Symptome auch unbemerkt bleiben. (…)
Lesen Sie den ganzen Beitrag von Dr. med. vet. Sandro Hinden im KM 5/17.