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USA-Reise, Teil 6: Die Canyons von Arizona und Utah
Bevor wir uns ins Land der Canyons aufmachten, genossen wir zwei unbeschreiblich schöne Abende auf dem Lightner Creek Campground. Es war für uns der schönste Campingplatz während der mehrwöchigen Tour, er besitzt eine ausgesprochen idyllische Lage. Wir hatten unseren Stellplatz direkt am Ufer des Flüsschens unter grossen, Schatten spendenden Bäumen.
Eine fantastische Bahnfahrt
Bevor wir nach Arizona zurückfuhren, unternahmen wir in Durango noch einen Ausflug der besonderen Art. Wir bestiegen den Museumszug der Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad und liessen uns nach Silverton, einer alten Bergarbeitersiedlung mitten in den Rocky Mountains, bringen.
Dies ist ein Bericht über eine siebenwöchige USA-Reise in neun Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:
Teil 1: Von San Francisco in den Norden Kaliforniens
Teil 2: Vom Redwood NP über die Oregon Coast nach Idaho
Teil 3: Durch Idaho in den Yellowstone-Nationalpark
Teil 4: Yellowstone- und Grand-Teton-Nationalpark
Teil 5: Von Salt Lake City ins Indianerland
Teil 6: Die Canyons von Arizona und Utah
Teil 7: Vom Zockerparadies zur Ponderosa
Teil 8: Vom Yosemite-Nationalpark nach San Francisco
Teil 9: Von der Golden Gate Bridge nach San Diego
Die Bahnfahrt war atemberaubend und führte über rund 50 Meilen am Animas River entlang. Im mittleren Abschnitt führte die Trasse an einer senkrechten Felswand entlang und der Fluss lag mehr als 100 Meter unter uns. Eine Fahrt in dieser Wildwesteisenbahn ist für jeden Bahnliebhaber ein Muss. Den Tag liessen wir dann standesgemäss in einem Saloon Durangos ausklingen.
Interessanter Kontakt zu Navajos
Bis das nächste Highlight unserer Reise, der Grand Canyon, erreicht war, standen noch zwei Abstecher auf dem Reiseplan, und wir nahmen deshalb nicht die kürzeste Route. Wir verliessen den Highway US 160 und bogen auf den US 191 in südlicher Richtung ab. In der Umgebung von Chinle besuchten wir den Canyon de Chelly, ein National Monument und ebenfalls im Reservat der Navajos gelegen. Auch hier entdeckten wir einige Pueblo-Ruinen, die in Felsnischen gebaut wurden. Ein Wahrzeichen des Canyons sind die beiden über 200 Meter hohen Felsnadeln des Spider Rock.
Bei einer Rast am Canyonrand hatten wir das Glück, mit einer Navajo-Familie ein längeres Gespräch zu führen, was nicht ganz einfach ist und aufgrund der Geschichte etwas Fingerspitzengefühl erfordert. Dabei erfuhren wir, dass die Familie eine Rundreise durch ihr Stammesgebiet unternahm. In deren Rahmen sollte der vielleicht achtjährige Sohn alles zu Gesicht bekommen, was dem Stamm der Navajos heilig ist. Und dazu gehört auch der Canyon de Chelly, der ausschliesslich mit Genehmigung und indianischen Führern zugänglich ist. Lediglich der White House Trail, der zum gleichnamigen Pueblo im Talgrund führt, kann ohne Erlaubnis begangen werden.
Weiter südlich erreichten wir den vergleichsweise kleinen Nationalpark Petrified Forest. Wie der Name schon verrät, gibt es hier versteinertes Holz zu entdecken. Dies vor allem im Südteil des Parks. Die verkieselten Baumstämme haben dabei einen Durchmesser von bis zu einem Meter. Ebenfalls sehr interessant waren die Blue Mesa, die uns an eine unwirkliche Landschaft auf einem anderen Planeten erinnerte, und die Felsritzungen am „Newspaper Rock“. Anschliessend ging es auf der Interstate 40 auf schnellstem Wege nach Flaggstaff.
Eine gewaltige Schlucht
Wir hielten uns in der touristisch geprägten Stadt nur einen Abend auf und starteten am nächsten Morgen zum Grand Canyon, den wir über den Highway US 180, die wichtigste Verbindung zum Südrand des Canyons, erreichten. Nachdem wir das Canyon Village erreicht und für unser Wohnmobil einen Stellplatz gesichert hatten, machten wir uns auf, um am Canyonrand entlangzuwandern. Als wir diese gewaltige Schlucht mit ihren unfassbaren Dimensionen sahen, waren wir zunächst einmal sprachlos und fasziniert zugleich. Richtig beeindruckend wurde es dann gegen Abend, als die tief stehende Sonne die Felswände des Canyons in ein tiefes Rot tauchte.
Nachdem es dunkel wurde, kehrten wir auf den Campingplatz zurück und beratschlagten, wie wir den nächsten Tag am Grand Canyon verbringen sollten. Zur Wahl standen entweder ein Rundflug mit einem Hubschrauber oder eine Wanderung in den Canyon hinein. Nach längerer Diskussion bei einem gekühlten „Coors“ entschieden wir uns für die Wanderung, da wir einhellig der Meinung waren, bei einer Wandertour würden wir dieses einzigartige Naturwunder viel intensiver erleben als bei einem Blick von oben.
Eine nicht zu unterschätzende Wandertour
Beizeiten ging es am nächsten Morgen los und wir nahmen den Bright Angel Trail. Da uns ein heisser Tag erwartete, rieten uns die Parkranger von einem Marsch bis zum Colorado River hinunter dringend ab, denn am Nachmittag muss man wieder zurück. Und 1400 Höhenmeter sind kein Pappenstiel bei mehr als 30 Grad. Zunächst ging es in Serpentinen 1000 Meter abwärts und nach knapp zwei Stunden Fussmarsch hatten wir den Indian Garden, eine schattige Oase, erreicht. Dort machten wir eine längere Rast und bestaunten die senkrecht aufragenden Felswände.
Nun liessen wir Männer unsere Frauen an der Oase zurück und marschierten weitere vier Kilometer bis an den Rand des inneren Canyons. 400 Meter unter uns rauschte der Colorado River durch die Schlucht. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen, um die Aussicht zu geniessen. Am Nachmittag kehrten wir in den Indian Garden zurück und nahmen nun den Aufstieg in Angriff.
Dies wurde bei sengender Sonne immer beschwerlicher. Glücklicherweise gab es entlang des Bright Angel Trail genügend Wasserstellen, um unsere Wasserbeutel regelmässig aufzufüllen. Erschöpft, aber glücklich erreichten wir mit der untergehenden Sonne den Canyonrand und verschwanden ziemlich schnell in unseren Kojen.
Nach einer erholsamen Nacht starteten wir in Richtung Utah. Nach der Anstrengung von gestern fuhren wir bis in die Nähe von Page am Glen Canyon Dam. Mithilfe einer gewaltigen Staumauer, die wir kurz besichtigten, wird nördlich des Grand Canyon der Colorado aufgestaut und bildet den riesigen Lake Powell. Den restlichen Tag nutzten wir für eine ausgiebige Bootstour auf dem See und sprangen dabei nicht nur einmal in das erfrischende Nass.
Fast unwirklich erscheinende Felsformationen
Nachdem wir den erholsamen Tag genossen hatten, starteten wir wieder durch. Auf dem Highway US 89 fuhren wir dem Bryce-Canyon-Nationalpark, unserem nächsten Ziel, entgegen. In der Nähe von Rubys Inn reservierten wir uns einen Stellplatz und machten uns noch in den Park auf. Wir waren sehr gespannt auf die bizarren Felsformationen, die uns hier erwarteten. Und wir wurden nicht enttäuscht von den erodierten Sandsteinformationen in rötlichen und gelben Farbtönen. Aussichtspunkte wie Sunset Point oder Inspiration Point sollten dabei unbedingt angesteuert werden.
Den nächsten Tag hatten wir für etwas Besonderes reserviert. Wir schlossen uns einer Reitergruppe an und erkundeten den Canyon bei einem ausgedehnten Ausritt in Wildwestmanier. Es war ein unvergessliches Erlebnis mit unbeschreiblichen Eindrücken, und auch flapsige Sprüche kamen dabei nicht zu kurz, als unser Freund beispielsweise mit „John Wayne with the Earring“ tituliert wurde. Der Tag wurde natürlich zünftig mit einem Barbecue abgeschlossen, bevor am nächsten Morgen nur eine kurze Etappe bis zum Zion-Nationalpark auf uns wartete.
Oberstes Bild: Beeindruckende Schönheit von Grand Canyon (© John Kees, Wikimedia, CC)