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Vollständiges Abstimmungsarchiv online
29.02.2016 - Medienmitteilung
Von der Kantonsverfassung im Jahr 1831 bis zur aktuellen Durchsetzungsinitiative: Sämtliche eidgenössischen und kantonalen Sachvorlagen, zu denen sich die Stimmberechtigten des Kantons Zürich in den letzten 185 Jahren an der Urne äusserten, sind ab sofort mit detaillierten Resultaten und Zusatzinformationen im Online-Abstimmungsarchiv greifbar.
Das Statistische Amt, im Kanton Zürich zuständig für die Durchführung von Volksabstimmungen, führt eine Datenbank, die alle eidgenössischen und kantonalen Sachvorlagen umfasst, zu denen das Zürcher Stimmvolk an der Urne Stellung nahm. In den letzten Monaten hat das Amt in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv auch die Detaildaten zu denjenigen Vorlagen digital aufbereitet, die vor dem Computerzeitalter zur Abstimmung gelangten. Damit ist das digitale kantonale Abstimmungsarchiv nun vollständig. Es steht online zur Verfügung und umfasst nicht nur die detaillierten Abstimmungsergebnisse, sondern soweit verfügbar auch zusätzliche Informationen wie Abstimmungszeitungen und 3D-Visualisierungen.
Verfassung von 1831 als Startpunkt
Die erste Zürcher Volksabstimmung überhaupt fand am 10. März 1831 statt. Gegenstand war die neue, liberale Kantonsverfassung, die mit 40‘500 zu 1700 Stimmen angenommen wurde. Dieser wegweisende Entscheid verlieh dem Kanton Zürich sein Gesicht als modernes Staatswesen. Er führte die Freiheit des Glaubens, der Person, der Presse, des Handels und des Gewerbes ein, ebenso die Gewaltentrennung und das Öffentlichkeitsprinzip für die Staatsgeschäfte. Ausserdem war die liberale Verfassung Grundlage für die Säkularisierung und Neuordnung des Schulwesens im Kanton Zürich, was zur Gründung des Lehrerseminars und der Universität Zürich führte.
Vorlagen zu mehr oder weniger grundsätzlichen Fragen
In den folgenden Jahren hatte das Zürcher Stimmvolk, das bis am 15. November 1970 nur die über 20-jährigen Männer umfasste, oft über sehr grundsätzliche Geschäfte zu befinden. Darunter waren die Mandatsverteilung zwischen Stadt und Land bei den Kantonsratswahlen, die Einführung der Volksinitiative für Verfassungsrevisionen oder die Gründung der Zürcher Kantonalbank. Daneben gab es auch immer wieder Vorlagen, die aus heutiger Sicht eher fremd anmuten. 1871 sagten die Zürcher zum Beispiel zu 90 Prozent Ja zum «Konkordat über Massnahmen zur Vertilgung der Maikäfer». Ganz knapp – und entgegen der Empfehlung des Kantonsrats – war dagegen drei Jahre später das Ja zur «Errichtung staatlicher Korrektionsanstalten» für Individuen mit liederlichem, arbeitsscheuem oder ausschweifendem Lebenswandel, wie es damals hiess. Der Entscheid war in Zürich der Ausgangspunkt für die sogenannten fürsorgerischen Zwangsmassnahmen, die heute durch die Wiedergutmachungsinitiative erneut auf der politischen Agenda stehen. Sehr interessant sind aber auch die detaillierten Ergebnisse zu den wichtigen nationalen Vorlagen, etwa zur Einführung der AHV 1947 oder zur Überfremdungsinitiative vom 7. Juni 1970.
Führerprüfung im ersten Anlauf abgelehnt
Wie sehr sich die Welt in den vergangenen 100 Jahren verändert hat, zeigt sich am Beispiel zweier Verkehrsvorlagen. 1913 sprach sich das Zürcher Stimmvolk mit 56 Prozent gegen ein neues Strassenverkehrsgesetz aus, das Motorfahrzeugkontrollen und Führerprüfungen eingeführt hätte. 1928 befürwortete es dagegen das «Gesetz über die Förderung des Zivilflugverkehrs». Die damaligen Abstimmungsunterlagen zeigten auf, wie ungeahnt rasch sich der Flugverkehr seit 1922 doch entwickelt habe: Mittlerweile gebe es Linien nach Westen, Norden und Osten, und «in dem Feld der Windrose fehlt nur noch die Verbindung nach Süden über die Alpen, deren regelmässige Traversierung indessen auch nur noch eine Frage der Zeit sein wird.» In den Zwanzigerjahren wurde im Kanton Zürich übrigens auch erstmals über das Frauenstimmrecht abgestimmt. Mit nicht einmal 20 Prozent Ja-Anteil hatte es nicht den Hauch einer Chance.
Gefragte historische Daten
Mit dem Abstimmungsarchiv des Statistischen Amts kommt der Kanton Zürich dem grossen Bedürfnis nach historischen Online-Datenstämmen nach. Weitere derartige Angebote sind bereits auf dem Netz, werden zurzeit realisiert oder geplant. So wird das Staatsarchiv noch im laufenden Jahr die Gesetzestexte der sogenannten Offiziellen Sammlung, welche ebenfalls bis zurück in die Anfänge des 19. Jahrhunderts reichen, publizieren. Ausserdem ist die Erarbeitung eines Verzeichnisses aller ehemaligen Mitglieder des Kantonsrats in Planung.
(Medienmitteilung der Direktion der Justiz und des Innern)