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18.11.2012
Durch die Jahrhunderte der Schuhmode "gestiefelt"

Die ersten Menschen trugen weder Bekleidung noch Schuhe, doch auch in geschichtlicher Zeit waren Schuhe als allgemeines Bekleidungsmittel nicht üblich. Selbst die alten Ägypter - mit Ausnahme der Pharaonen - trugen keine Schuhe, und auch bei den Griechen und Römern war dies zunächst nicht Sitte, es sei denn, man bekleidete einen hohen Rang. Doch gab es auch Ausnahmen. So soll es der griechische Dichter Aeschylus gewesen sein, der für die Schauspieler Schuhe mit enorm dicken Sohlen einführte (Abb.1). Diese "Kothurne" genannten, Stiefel sollten die Schauspieler größer erscheinen lassen, und da die Griechinnen jener Zeit klein und zierlich waren, griffen sie diese Mode gerne auf.
Stiefel gibt es schon lange, und etwa um die Zeitwende (Christi Geburt) waren Modelle der in Abb.2 gezeigten Art modern. Änderungen erfolgten damals nur langsam, weshalb auch Stiefeletten der Normannen (um das Jahr 1000) nicht viel anders aussahen, obwohl sie bereits eine seitliche Schnürung hatten (Abb. 3).
Knopfstiefel gab es um das Jahr 1400. Solche Stiefel bestanden aus einem Stück und hatten am Rist einen Schlitz, damit sie gut verstellbar waren. Der obere Teil war gamaschenartig ausgeführt, wurde jedoch mit dem Unterteil durch eine Naht verbunden (Abb. 4).
Nun wurde das Bild langsam bunter. Der in (Abb. 5) dargestellte englische Stiefel des 17. Jahrhunderts hatte z.B. als Vorbild einen Bierkrug aus Leder, der mit Teer überzogen worden war. Der Stiefel wurde über dem normalen Schuhwerk getragen. Die ersten nordamerikanischen Siedler fanden so großen Gefallen an dieser Schuhart, dass schließlich ein Gesetz erlassen wurde, wonach ihn nur Bürger von hohem Rang tragen durften. Zwei Jahrhunderte zuvor, unter Edward
III., war von den Schuhmachern ein Schutzschuh aus Metall kopiert worden, den die Ritter hoch zu Pferde trugen (Abb. 6). Daraus entstand ein Schuhtyp, der sich in ganz Europa verbreitete. Schuhe der (Abb. 7) kamen vor allem aus Böhmen und können als die ersten Exportschlager auf diesem Sektor bezeichnet werden. Die lange Spitze unterstrich, dass ihr Träger nicht viel gehen - also nicht arbeiten
musste.

Im 15.Jahrhundert waren die Schuhe spitz und ähnelten eher einem Schlauch, als einem fußgerechten Schuh. Der englische König Heinrich
VIII. war nicht nur mit zahlreichen Frauen verheiratet, sondern zeichnete sich auch durch andere Extravaganzen aus. Wie für Spreizzehen gefertigt wirken seine aus weichem Velourleder genähten Schuhe (Abb.8). Nun schlug das Pendel nach der anderen Seite aus, und die Schuhe - Entenschnäbel genannt - wurden immer breiter. Schließlich wurde die Zehenbreite der Schuhe durch Gesetz auf 6 Zoll beschränkt (15cm). Auch dieser Schuhtyp war nach relativ kurzer Zeit überall in Europa zu
finden. Ganz verspielt wurden die Stiefel im Rokoko (um 1775). Frankreich hatte in der Zeit nach Ludwig
XIV. einen Gipfel modischer Eleganz erreicht, den ganz Europa nachahmte. Die französische Gesellschaft war nun tonangebend. Die Stiefeletten entsprachen dem damaligen Stilgefühl und waren sehr verspielt, was ja ganz allgemein für die Mode der damaligen Zeit galt. (Abb.9) zeigt eine Stiefelette aus Ziegenleder mit Rüschen aus Seide, die etwa um 1800 getragen wurde. Auch die Biedermeierzeit (181-1848) hatte ihre eigene Schuhmode. (Abb. 10) zeigt eine
Stiefelette, wie sie die vornehme Bevölkerung trug. Der Schnitt selbst ist relativ einfach, doch weist der Schaft dezente ornamentale Verzierungen auf. Mitte des 19.Jahrhunderts verzierte man dagegen die Schäfte mit Pompons (Abb. 11).

Die Schuhe waren betont farbig gehalten, wobei Weiß, Grün, Gelb und Rot im Vordergrund standen. Weiches Ziegenleder war das ideale Material für solche Schuhe. Es gab aber auch Kombinationen mit Atlasseide oder Musselin.
Um 1850/60 bevorzugten die Damen fast ausschließlich geknöpfte oder geschnürte halbhohe Stiefel (Abb.12), wobei schwarzes Ziegenleder als Schaftmaterial den Vorzug bekam. Der halbhohe Absatz ermöglichte ein bequemes Gehen. Damit soll der kurze Streifzug durch die Stiefelmode in der Zeitepoche beendet sein, in der der Schuhmacher als bisher alleiniger Schöpfer dieser kleinen Kunstwerke erst ganz langsam aber dann immer stürmischer von der maschinellen Schuhproduktion abgelöst wurde.

Es ist gut, hin und wieder daran zu erinnern, welche lange, weit in die Frühgeschichte zurückreichende, Tradition das Handwerk der Schuhmacher hat.
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