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Mit "Junebug" ist Robert Francis seit mehreren Wochen in den Top 3 der Airplay-Charts. Der Singer-Songwriter aus Kalifornien war Ende April in der Schweiz zu Gast und hat auch für ein Interview bei uns vorbeigeschaut.
hitparade.ch: Du bist in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Denkst du, du wärst auch Musiker geworden, wenn du in einem anderen Umfeld gross geworden wärst?
Robert: Ja, denn ich hoffe es war mehr als nur meine Erziehung, die mich zur Musik gebracht hat. Aber es war definitiv fördernd, dass mein Vater als ich sechs Jahre alt war, mich jeweils auf seinen Schoss setzte und stundenlang Klavier spielte. Wir hatten zwei Pianos, die sich gegenüberstanden, so dass wir uns sehen konnten beim Spielen. Er spielte mir etwas vor und ich musste es vom Gehör nachspielen. Mit der Zeit begann ich auch noch Gitarre zu spielen. Ich hatte verschiedene Leute die mich unterstützten und förderten, aber die Musik war wirklich meine Entscheidung.
hitparade.ch: Vor drei Jahren erschien dein Debutalbum "One by One". Was hast du dir damals vorgestellt, dass du im Jahr 2010 machen würdest?
Robert: Ich wünschte mir, dass genau das der Weg war, wie sich die Dinge entwickelten. Die CD erschien, als ich 19 Jahre alt war und ich tat es nur für mich. Während einem Jahr nahm ich die CD selbständig auf. Jedes Instrument spielte ich selbst. Ich wollte kein grosses Label suchen, sondern entschied mich für dieses kleine Indie-Label bestehend aus zwei Personen. Es interessierte mich vor allem, wen meine Musik ansprechen würde und ich wollte meine Karriere möglichst natürlich und langsam angehen. Ich denke, ich hatte bereits damals die richtigen Vorstellungen von meinem Leben im 2010.
hitparade.ch: Wie hart war die Entscheidung, zu Atlantic Records zu wechseln, nachdem dein erstes Album so gute Kritiken hatte?
Robert: Ich habe beim Indie-Publikum nie so stark akzeptiert gefühlt, wie ich es gerne gehabt hätte. Schon immer träumte ich davon, die Welt zu bereisen und in grösseren Hallen zu spielen. Meiner Meinung nach konnte mir nur dieses Major-Label dabei helfen. Atlantic liess mich bei den Aufnahmen tun was ich wollte. Den einzigen Kompromiss um den ich gebeten wurde, war, dass ich den Song "One By One" auf das neue Album nehmen soll. Sie wollten, dass mehr Leute dieses Lied hören - und wenn das der einzige Wunsch eines Labels ist, finde ich das wunderbar.
hitparade.ch: Ry Cooder und John Frusciante waren früher Mentoren von dir. Wie eng ist heute deine Beziehung zu ihnen? Wie stark beeinflussten sie dein neustes Album?
Robert: Ry stehe ich immer noch sehr nahe. Mit Frusciante sprach ich dafür nicht mehr, seit ich ungefähr 17 war. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er weiss, was ich tue. Ry hatte immer einen magischen und sehr intensiven Einfluss auf meine Karriere. Frusciante eher weniger, aber ich würde trotzdem nicht sagen, dass ich es bereue. Ich nahm sehr gerne Unterricht bei ihm - es war grossartig! Ich lernte viel, aber bei Ry ist das alles anders. Seine Art zu spielen lässt sich mit jemandem wie Jimi Hendrix vergleichen, wenn man sieht, mit welcher Vernarrtheit er spielt.
hitparade.ch: Du konntest für "One by One" den bekannten Produzenten Dave Sardy verpflichten. Warum hast du dich für ihn entschieden und wie war es, mit ihm zusammenzuarbeiten?
Robert: Während den Aufnahmen versuchte ich immer wieder, selbst zu produzieren. Aber alles was ich tat war zwar cool, aber nicht, was alle erwarten, wenn ein so grosser Release bevorsteht. Also rief ich Dave Sardy an, den ich schon mehrmals getroffen hatte. Ich wollte ihn, der der bereits Marilyn Mansons CDs produziert hatte und nicht einen typischen, Standart-"Folk"-Produzenten. Sardy hat ein gutes Ohr für Melodien und Gesang, darum entschied ich mich für ihn. Er half mir so zu sagen, meine Stimme zu befreien.
hitparade.ch: Deine Texte stammen alle von dir und kommen von Herzen. Gibt es Themen die dir zu persönlich sind, um darüber zu singen?
Robert: Da gibt es definitive Dinge, über die ich nicht schreiben und singen würde. Aber das ganze Songwriting ist schon sehr persönlich. Es geht darum, persönliche Gedanken so zu formulieren, dass sich die Leute damit identifizieren können und sie verstehen ohne Angst zu bekommen. Die grossartigsten Songwriter verstecken sich in ihren Texten und erzählen Geschichten in einer Art, so dass du nie aufhören möchtest sie zu hören.
hitparade.ch: Ich kann mir vorstellen, das Texte schreiben eine gute Möglichkeit ist, Gefühle auszudrücken, - vor allem in schweren Zeiten.
Robert: Ja, genau. Darüber dachte ich gerade gestern nach, weil ich momentan viele Interviews gebe und mit Leuten spreche. Es ist eine Art Therapie für mich, aber auch das Musik machen generell und die Leute, die mitsingen an Konzerten.
hitparade.ch: Gibt es ein Lied, das du live am liebsten präsentierst?
Robert: Ich mag es "Mescaline" zu spielen. Es ist mein Lieblingslied auf der aktuellen CD.
hitparade.ch: Momentan bist du auf Europa-Tour zusammen mit dem John Butler Trio. Wie kam diese Kombination zu Stande?
Robert: Ich glaube, einer meiner Agenten fand, dass diese Jungs wirklich gut Gitarre spielen und eine ähnliche Beziehung zur Musik haben wie ich. Ausserdem gibt es auf unseren Karrierewegen ebenfalls Gemeinsamkeiten. Wir traten zusammen in der Französischen TV-Show "Ta Ra Ta Ta" auf und da trafen wir uns zum ersten Mal, bevor wir dann auf Tour gingen.
hitparade.ch: In den Schweizer Radios läuft "Junebug" rauf und runter. War es dein Ziel, mit diesem Lied einen solchen Radio-Hit zu landen?
Robert: Nein, habe ich nicht. Und ich frage mich oft, was passiert wäre, wenn "Junebug" kein Erfolg gewesen wäre, denn von meinem Label hat mir niemand gesagt, dass sie eine Radio-Single brauchen. Ich habe mir schon vorstellen können, dass das Lied den Leuten gefallen würde, aber geplant habe ich das nie in diesem Ausmass.
hitparade.ch: Es ist schwer für Europäer in Amerika erfolgreich zu sein. Für wie schwer hast du es empfunden, hier in Europa Fuss zu fassen?
Robert: Es ist genau umgekehrt! Verrückt, wie viel schneller ich hier in Erfolg hatte, als in den USA. Dort begann es erst gerade und erfolgt viel mehr nur schrittweise. In Europa passierte alles viel schneller. Die letzten Konzerte, die ich alleine gab, waren ausverkauft! Amerika ist total anders und hat einen übersättigten Markt.
hitparade.ch: Wie sieht deine Zukunft aus? Gibt es schon Pläne für ein neues Album?
Robert: Ich habe bereits 15 neue Songs für ein neues Album geschrieben. Die CD wird wahrscheinlich anfangs nächstes Jahr erscheinen. Ausserdem gehen in meinem Kopf noch so viele Dinge vor sich und ich habe etwa eine Million Projekte am Laufen.
hitparade.ch: Gibt es bestimmte Konzerthallen, von denen du träumst, einmal dort zu spielen?
Robert: Ich möchte gerne in der "Carnegie Hall" in New York auftreten. Aber auch im "Orpheum" in L.A. und dem "Grand Ole Opry" in Nashville.