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Verdacht bestätigt: Medikament erhöht Sterberisiko
Eine Studie unter Mitarbeit der Universität Bern bestätigt: Künstliche Erythropoetine, die als Begleitmedikament in der Krebstherapie verwendet werden, führen bei den Patienten zu einer höheren Sterbewahrscheinlichkeit. Das Medikament sollte nur noch eingeschränkt abgegeben werden.
Erythropoetin ist ein körpereigenes Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen unterstützt. Seit 15 Jahren werden gentechnisch erzeugte Erythropoetine als Medikament in der Behandlung von Krebspatienten eingesetzt, um die Anzahl der roten Blutkörperchen zu erhöhen und das Risiko für Bluttransfusionen zu vermindern. In einigen Studien wurde jedoch beobachtet, dass Patienten, die das Medikament erhielten, eine höhere Sterbewahrscheinlichkeit hatten. Bisher war unklar, ob es sich bei diesen Studien um Einzelfälle handelte und ob es bestimmte Risikofaktoren gibt, welche die Wirkung künstlich hergestellter Erythropoetine negativ beeinflussen. Um dieser Frage nachzugehen, wurden jetzt in einer internationalen Kollaboration unter der Mitarbeit von Forschenden des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern (ISPM) die klinischen Daten von 53 Studien mit insgesamt 13’933 Krebspatienten ausgewertet. «Wir haben fast alle Studien, die es gibt, ausgewertet und die Daten aller Patienten zu einer einzigen Studie zusammengefasst», erklärt Dr. Julia Bohlius, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ISPM.
Erhöhtes Sterberisiko nachgewiesen
Bohlius stellte die Ergebnisse dieser Studien Anfang Dezember auf der 50. Jahrestagung der «American Society of Hematology» in San Francisco vor. Jetzt wurden sie in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht. Insgesamt zeigte die Analyse, dass Patienten, die gentechnisch erzeugte Erythropoetine erhielten, ein um den Faktor 1,17 erhöhtes Risiko hatten, während der Studienlaufzeit zu versterben. Die Studie beweist damit statistisch die höhere Mortalität durch den Einsatz künstlicher Erythropoetine. Bei Patienten, die gleichzeitig eine Chemotherapie erhielten, war das Risiko um den Faktor 1,10 erhöht. Welche Risikofaktoren, wie zum Beispiel Alter, Geschlecht oder Blutwerte, einen Einfluss auf die höhere Mortalität haben, bleibt hingegen unklar: «Wir können mit den bisher untersuchten Faktoren nicht sagen, welche Patienten betroffen sind», hält Bohlius fest. Dazu müsse mehr Forschung betrieben werden, um die zellulären Mechanismen des künstlichen Erythropoetins aufzuklären.
Medikament beschränkt zugelassen
Die US-Gesundheitsbehörde hat bereits im Juli 2008 auf den vermuteten Zusammenhang reagiert und strikte Auflagen erlassen: Das Medikament sollte nur an Patienten in fortgeschrittenem Krankheitsstadium abgegeben werden, die gleichzeitig eine Chemotherapie erhalten. Auch die Blutwerte müssen sich in einem ganz bestimmten Spektrum bewegen.
Quellenangabe:Julia Bohlius, Kurt Schmidlin, Corinne Brillant, Guido Schwarzer, Sven Trelle, Jerome Seidenfeld, Marcel Zwahlen, Michael Clarke, Olaf Weingart, Sabine Kluge, Margaret Piper, Dirk Rades, David P Steensma, Benjamin Djulbegovic, Martin F Fey, Isabelle Ray-Coquard, Mitchell Machtay, Volker Moebus, Gillian Thomas, Michael Untch, Martin Schumacher, Matthias Egger, Andreas Engert: Recombinant human erythropoiesis-stimulating agents and mortality in patients with cancer: a meta-analysis of randomised trials. Lancet, Vol 373, 2009, pages 1532-1542.
01.05.2009