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Gabunviper
Bitis gabonica
© 2012 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork © Owen Bell
Schwerste Giftschlange, längste Giftzähne
Die Gabunviper (Bitis gabonica) gehört der Familie der Vipern oder Ottern (Viperidae) an. Deren rund 300 Mitglieder kommen in den meisten Bereichen der tropischen und gemässigten Klimazonen vor, fehlen aber in Australien, auf Madagaskar sowie auf Hawaii und weiteren ozeanischen Inseln. Alle von ihnen verfügen über ein mehr oder weniger starkes Gift, das sie beim Beutefang und bei der Feindabwehr einsetzen. Und bei den meisten von ihnen legen die Weibchen keine Eier ab, sondern bringen lebende Junge zur Welt.
Die Gattung der Puffottern (Bitis), zu welcher die Gabunviper gehört, besteht aus 14 Arten, welche in Afrika und auf der südlichen Arabischen Halbinsel heimisch sind. Zu ihnen gehört sowohl die leichteste als auch die schwerste aller Vipern. Bei der leichtesten Viper handelt es sich um die Namaqua-Zwergpuffotter (Bitis schneideri), welche als erwachsenes Tier nur 19 bis 25 Zentimeter lang und maximal 38 Gramm schwer wird. Die schwerste ist die Gabunviper.
Mit einer bisher festgestellten Maximallänge von 206 Zentimeter ist die Gabunviper zwar keineswegs die längste Viper der Welt. Beispielsweise werden die nordamerikanische Diamant-Klapperschlange (Crotalus adamanteus) mit bis zu 250 Zentimetern und der Südamerikanische Buschmeister (Lachesia muta) mit bis zu 300 Zentimetern deutlich länger. Diese sind aber schlanker gebaut. Die Gabunviper hingegen bringt aufgrund ihres untersetzten Körperbaus ein Gewicht von bis über zehn Kilogramm auf die Waage. Dies wird selbst von deutlich längeren Mitgliedern der zweiten grossen Giftschlangenfamilie, der Giftnattern (Elapidae), - darunter die Königskobra (Ophiophagus hannah) mit einer nachgewiesenen Maximallänge von 559 Zentimetern - nicht erreicht. Die Gabunviper ist darum nicht nur die schwerste aller Vipern, sondern die schwerste Giftschlange überhaupt. Hinzu kommt, dass ihre Giftzähne mit einer Länge von bis zu 5,6 Zentimetern die längsten aller Schlangenarten sind und dass die beim Zubeissen abgegebene Nassgiftmenge mit bis zu 7,6 Millilitern die grösste ist, die für Giftschlangen dokumentiert ist.
Anzumerken ist, dass die Länge der erwachsenen Gabunvipern im Allgemeinen zwischen 120 und 150 Zentimetern und das Gewicht zwischen 3,5 und 5,5 Kilogramm liegt, wobei die Weibchen im Durchschnitt etwas länger und schwerer sind als die Männchen. Die beiden Geschlechter sehen äusserlich ähnlich aus, lassen sich aber anhand der Schwanzlänge gut voneinander unterscheiden: Diese beträgt bei den Männchen etwa zwölf Prozent der Körperlänge, bei den Weibchen hingegen nur etwa sechs Prozent.
Nicht nur in Gabun heimisch
Die Erstbeschreibung der Gabunviper erfolgte anhand eines Exemplars, das aus dem zentralafrikanischen Land Gabun stammte, daher der wissenschaftliche wie auch der volkstümliche Name. Sie sind jedoch missverständlich, denn die Gabunviper lebt keineswegs nur in Gabun, sondern hat ein sehr weites Verbreitungsgebiet in Afrika südlich der Sahara. Zum einen erstreckt es sich von Guinea und Sierra Leone im Westen bis zur so genannten Dahomey-Lücke, einer von Natur aus nahezu waldfreien, trockenen Region bei Togo und Benin, welche die äquatorialafrikanischen Regenwälder zweiteilt. Zum anderen erstreckt es sich von der Dahomey-Lücke ostwärts bis nach Kenia und südwärts bis nach Sambia. Hinzu kommen mehrere isolierte Vorkommen in Sudan, Tansania, Malawi, Simbabwe, Mosambik und Südafrika.
Innerhalb dieses weiten Areals kommt die Gabunviper hauptsächlich in Wäldern mit verhältnismässig viel Niederschlag vor, das heisst vor allem in tropischen Regenwäldern und deren Randwäldern. Ausserhalb von Waldgebieten wurde sie schon in üppig bewachsenen Sumpfländern verzeichnet, ferner in Kaffeeplantagen, Sekundärwäldern und weiteren Dickichten in ehemaligen Regenwaldgebieten. Hauptsächlich besiedelt sie tiefe Lagen, seltener Hügelland bis in Höhen von etwa 1500 Metern über dem Meeresspiegel.
Von alters her werden zwei Unterarten der Gabunviper unterschieden: die Westliche Gabunviper (Bitis gabonica rhinoceros) westlich der Dahomey-Lücke und die Östliche Gabunviper (Bitis gabonica gabonica) östlich davon. Neueren molekulargenetischen Untersuchungen zufolge soll es sich sogar um zwei separate Arten handeln. Äusserlich lassen sich die beiden Formen dadurch unterscheiden, dass bei den erwachsenen Individuen der Westlichen Gabunviper die Schuppen an der Schnauzenspitze («Nasenschilde») zwei markante nashornartige Auswüchse aufweisen, während diese bei der Östlichen Gabunviper sehr klein sind oder gänzlich fehlen. Ferner weist die Westliche Gabunviper vom Auge ausgehend zum Mundwinkel hin nur eine einzige, zusammenhängende dunkle dreieckige Fläche auf, während diese Fläche bei der Östlichen Gabunviper zweigeteilt ist.
In der sonstigen Gestalt und Färbung unterscheiden sich die beiden Unterarten nicht voneinander. Beide weisen ein stark gemustertes Schuppenkleid auf, das aus einem bunten Mosaik aus Dreiecken, Rechtecken, Rauten und weiteren regelmässig geformten Flächen besteht und keine eigentliche Grundfarbe erkennen lässt. Die Zeichnung wie auch die Färbung der Flächen ist individuell variabel. In jedem Fall aber ist die Gabunviper dank dieser Musterung ausgezeichnet getarnt, wenn sie in der Laubstreu eines Waldes halb eingetaucht auf der Lauer liegt.
Selbst Stachelschweine werden verschluckt
Die Gabunviper ist eine am Boden lebende, nachtaktive Schlange. Tagsüber verbirgt sie sich gewöhnlich in einem Dickicht; auf die Jagd geht sie jeweils in der Dunkelheit der Nacht. Im Allgemeinen betreibt sie nicht die Pirschjagd, sondern die Lauerjagd. Oft legt sie sich neben einem Wildwechsel auf die Lauer und bewegt sich stundenlang nicht von der Stelle. In enge Windungen gelegt - wie eine Sprungfeder - wartet sie geduldig, bis ein ahnungsloses Beutetier in ihre Nähe gerät. Dann schiesst sie unvermittelt und treffsicher auf dieses zu und packt es mit ihren kräftigen Kiefern. Beim Zustossen wurden Geschwindigkeiten von über 20 Metern je Sekunde gemessen, was rund 80 Kilometern je Stunde entspricht. Dem Opfer bleibt angesichts dieses explosiven Angriffs keinerlei Zeit zu einer Fluchtreaktion.
Beim Zupacken dringen die vorn im Oberkiefer befindlichen, ausklappbaren, im Ruhezustand von einer fleischigen Scheide umhüllten Giftzähne weit in das Beutetier ein. Sie sind durch je einen innen liegenden Kanal mit den beiden hinter den Augen liegenden, sehr grossen Giftdrüsen verbunden. Durch die Kanäle wird das sowohl neurotoxisch als auch hämolytisch wirkende Gift tief in den Körper eingebracht und führt entsprechend schnell zur Lähmung und zum Tod des Beutetiers. Dies umso mehr, als die injizierte Giftmenge enorm gross ist. Hochrechnungen haben ergeben, dass für den Menschen ein unbehandelter Biss der Gabunviper mit einer Injektion von mehr als 35 Milligramm Gift als tödlich einzustufen ist. Im Durchschnitt gibt die Gabunviper jedoch bei ihrem Biss weit grössere Giftmengen im Bereich von 200 bis 300 Milligramm ab. Da ihre Hauptbeutetiere Ratten und Mäuse sind, kann man sich die Tödlichkeit ihres Bisses gut vorstellen.
Im Unterschied zur Mehrzahl der anderen grossen Giftschlangen hält die Gabunviper ihr Beutetier meistens fest, bis es durch die Giftwirkung gestorben ist. Nur selten, beispielsweise bei besonders wehrhafter Beute, lässt sie das Opfer nach dem Biss los, wartet ein bis zwei Minuten ab und begibt sich dann auf die Suche nach ihm, indem sie seiner Duftspur folgt. Die Beute wird stets mit dem Kopf voran im Ganzen verschluckt.
Bei verschiedenen Feldstudien über die Lebensweise der Gabunviper hat sich gezeigt, dass Nagetiere zwar die Hauptspeise der kräftigen Schlange bilden, dass die Liste der Beutetierarten aber enorm lang ist und neben Vögeln aller Art auch Frösche und Echsen sowie zahlreiche ungewöhnliche «Bissen» wie Stachelschweine, Fledertiere und Affen umfasst. Zu den grössten festgestellten Beutetieren zählte eine Südliche Grossfleck-Ginsterkatze (Genetta tigrina), welche ein Gewicht von 2,1 Kilogramm aufwies.
Die Gabunviper hatte einst einen äusserst schlechten Ruf und galt als extrem gefährliche Giftschlange. Heute wissen wir, dass sie bemerkenswert friedfertig ist. Bei unmittelbarer Feindgefahr zeigt sie zwar oft das typische Drohverhalten aller Mitglieder der Puffottergattung: Sie bläht sich auf und entlässt die Luft stossweise mit lautem Zischgeräusch (engl. puff). Zum Angriff geht sie jedoch kaum je über. Am ehesten werden Menschen von einer Gabunviper gebissen, wenn sie aus Unachtsamkeit auf dieselbe treten - und selbst dann muss nicht zwingend der Zubiss erfolgen. Einer der Feldforscher bemerkte jedenfalls erst dann, dass er auf eines seiner Forschungsobjekte getreten war, als dieses sich unter seinem Fuss wand. Und ein anderes Mal beobachtete er, dass sein Hund über eine Gabunviper hinweglief und dabei auf ihren Kopf trat, ohne etwas davon wahrzunehmen. In beiden Fällen liess die Schlange nicht einmal ein Zischen vernehmen.
Bissunfälle bei Menschen kommen darum höchst selten vor. Medizinisch gesehen gilt die Gabunviper sogar - trotz ihres weiten Verbreitungsgebiets, trotz ihrer Grösse und trotz ihres sehr wirksamen Gifts - als «irrelevant», da bisher keine durch ihren Biss verursachten Todesfälle bei Menschen verzeichnet sind.
Tänze der Männchen
Die Gabunviper führt die meiste Zeit des Jahres ein einzelgängerisches Leben. Bei einer Feldstudie in Südafrika hat sich gezeigt, dass die männlichen Gabunvipern über das ganze Jahr gesehen in einem Gebiet von bis zu 40 Hektaren umherstreifen, die meiste Zeit aber nur etwa 7 Hektaren davon nutzen. Die Streifgebiete der Weibchen waren mit einer Gesamtfläche von etwa 10 Hektaren deutlich kleiner als die der Männchen, doch auch sie nutzten die meiste Zeit nur einen Kernbereich davon. Häufig hielten sich die untersuchten Gabunvipern wochenlang praktisch an derselben Stelle auf und unternahmen lediglich kurze Ausflüge von bis zu etwa fünfzig Metern, um auf Beutefang zu gehen. Weitere Ausflüge unternahmen sie hingegen während der Paarungszeit. Die Männchen legten dann teils mehr als 500 Meter innerhalb von 24 Stunden zurück.
Die Paarungszeit der Gabunvipern fällt in den klimatisch saisonal geprägten Regionen des südlichen Afrikas in die sommerliche Regenzeit. In dieser Phase des Jahres begeben sich die Männchen auf die Suche nach paarungswilligen Weibchen und wandern weit umher. Zwar streifen auch die paarungsbereiten Weibchen während der Paarungszeit deutlich weiter umher als sonst. Sie suchen aber nicht aktiv nach Männchen, legen jedoch bei ihren Streifzügen viele Duftspuren, die den Männchen den Weg weisen, erhöhen also auf diese Weise ihre Chance, von Männchen gefunden zu werden.
Dies erklärt auch, weshalb es in der Paarungszeit - im Gegensatz zum Rest des Jahres - häufig zu unliebsamen Begegnungen zwischen zwei Männchen kommt: Sie treffen aufeinander, während sie beide derselben Duftspur folgen. Die Männchen zeigen dann jeweils ritualisierte Ringkämpfe, so genannte Kommentkämpfe, welche eine genau festgelegte Abfolge von Verhaltensweisen aufweisen und einzig dem Kräftemessen und nicht der Beschädigung des Rivalen dienen. Sie richten ihre Vorderkörper auf, umschlingen einander und versuchen, den Gegner zu Boden zu drücken. Bei diesen «Tänzen» lassen sie ständig puffottertypisches Drohzischen vernehmen. Meistens erkennt einer der beiden Rivalen alsbald seine Unterlegenheit und zieht sich zurück.
Die Jungtiere werden etwa ein Jahr nach der Paarung wiederum während der Regenzeit geboren, wenn das Angebot an kleinen Beutetieren reichlich ist. Berichte über Geburten in der freien Wildbahn fehlen, und in Menschenobhut gelingt die Nachzucht von Gabunvipern selten, weshalb die uns vorliegenden Informationen über Gabunvipergeburten spärlich sind. Wir wissen aber, dass die Jungtiere bei der Geburt noch von einer dünnen Embryonalhaut umhüllt sind, welche direkt nach der Geburt aufreisst und die Jungtiere freigibt. Man nennt diese Fortpflanzungsweise, bei welcher die Eier nicht abgelegt, sondern im weiblichen Körper ausgebrütet werden, und bei welcher die Jungtiere kurz vor oder nach dem Geburtsvorgang aus den Eiern schlüpfen, ovo-vivipar («ei-lebendgebärend»).
Bei einer genau erfassten Geburt kamen 43 Junge zur Welt, 20 Männchen und 23 Weibchen. Sie wiesen eine Länge zwischen 240 und 270 Millimetern auf und wogen zwischen 32 und 39 Gramm. In einem anderen Fall konnte beobachtet werden, dass schon einen Tag alte Gabunvipern lebende Mäusebabys in ihrem Käfig angriffen und töteten. Tatsächlich waren ihre Giftzähne bereits voll ausgebildet und einsatzfähig. Die jungen Gabunvipern können sich also sofort nach ihrer Geburt selbstständig ernähren und sind nicht auf mütterliche Fürsorge angewiesen.
Im Alter von einem Jahr weisen die jungen Gabunvipern eine Länge um 60 Zentimeter auf. Im Alter von zwei Jahren sind sie etwa 100 Zentimeter lang, im Alter von drei Jahren etwa 130. In diesem Alter erreichen sie die Geschlechtsreife, doch sind sie erst im Alter von ungefähr sechs Jahren ausgewachsen. Ihre Körperlänge nimmt hernach nur noch geringfügig zu, und ihr Körpergewicht bleibt weitgehend konstant. Die Lebensspanne in Menschenobhut beträgt bis etwa 30 Jahre.
Niemand kennt die Bestandsgrössen
Die Gabunviper steht nicht auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten der IUCN. Daraus darf aber nicht geschlossen werden, dass die Art nicht gefährdet ist. Es bedeutet einzig, dass ihre Bestandssituation noch nicht eingeschätzt worden ist und ihr Gefährdungsgrad unbekannt ist. Das einzige Land innerhalb des weiten Artverbreitungsgebiets, das sich zum Gefährdungsgrad der Gabunviper äussert, ist Südafrika. Dort gilt die grosse Schlange als «verletzlich» und steht unter gesetzlichem Schutz. In verschiedenen anderen Ländern wird die Gabunviper zwar als «selten» eingestuft, doch hat diese Einschätzung wenig Aussagekraft: Sie könnte einfach auf das heimliche, nächtliche Leben und auf das gute Tarnkleid der Gabunviper zurückzuführen sein.
Ohne Zweifel leidet die Gabunviper afrikaweit unter der Zerstörung der Wälder und damit ihres Lebensraums. Mancherorts wird sie ferner nicht nur aufgrund der allgemeinen Angst vor Schlangen getötet, sondern auch gezielt wegen ihres Fleischs bejagt. Beispielsweise gilt in Uganda Gabunvipersuppe als Delikatesse. Auch der Fang für den internationalen Reptilienhandel dürfte den Beständen regional zusetzen, denn die Gabunviper ist bei Terrarianern sehr populär.
Zweifellos sind die Bestände der Gabunviper aufgrund dieser Schadfaktoren in den letzten Jahrzehnten vielerorts deutlich zurückgegangen. Möglicherweise liegt die grosse Schlange aber weiterhin in gesunden Beständen in der Laubstreu der verbleibenden Regenwälder Äquatorialafrikas auf der Lauer und leidet keinen Mangel an Beutetieren. Wie die Bestandssituation der Art gegenwärtig ausschaut, weiss schlicht niemand.
Legenden
Die Gabunviper (Bitis gabonica) gehört mit einer Maximallänge von über zwei Metern und einem Maximalgewicht von über zehn Kilogramm zu den grössten Giftschlangen der Welt. Gewöhnlich weist sie als erwachsenes Tier allerdings eine Länge von «nur» 120 bis 150 Zentimeter und ein Gewicht von 3,5 bis 5,5 Kilogramm auf. Mit ihrem stark gemusterten Schuppenkleid ist die Gabunviper ausgezeichnet getarnt, wenn sie in der Laubstreu eines Waldes halb eingetaucht auf der Lauer liegt.
Der Name der Gabunviper ist missverständlich: Die kräftige Schlange kommt keineswegs nur in Gabun vor, sondern hat ein überaus weites Verbreitungsgebiet in Afrika südlich der Sahara. Es erstreckt sich über den gesamten äquatorialafrikanischen Regenwaldgürtel und umfasst zudem mehrere isolierte Bestände in Waldgebieten südlich und östlich desselben. Wie ihre senkrecht geschlitzten Pupillen erkennen lassen, führt sie ein nachtaktives Leben.
Im Allgemeinen betreibt die Gabunviper die Lauerjagd. Oft legt sie sich neben einem Wildwechsel auf die Lauer und wartet geduldig, bis ein ahnungsloses Beutetier in ihre Nähe gerät. Sie schiesst dann unvermittelt auf dieses zu, packt es mit ihren kräftigen Kiefern und tötet es durch die Injektion ihres starken Gifts. Ratten und Mäuse bilden die Hauptspeise der Gabunviper. Die Liste der Beutetierarten umfasst aber auch diverse Vögel, Echsen und Amphibien sowie zahlreiche ungewöhnliche «Bissen» wie Stachelschweine, Schleichkatzen, Fledertiere und Affen.
Die Gabunviper ist ovo-vivipar («ei-lebendgebärend»): Die befruchteten Eier werden nicht abgelegt, sondern im weiblichen Körper ausgebrütet, und die Jungtiere schlüpfen gleich nach dem Geburtsvorgang aus der dünnen Embryonalhaut, die sie bis dahin umhüllt hat. Je Geburt kommen meistens 20 bis 50 Jungtiere zur Welt. Sie weisen eine Länge von etwa 25 Zentimetern auf, wiegen um 35 Gramm und gehen vom ersten Tag an selbstständig auf Beutefang.
Im Alter von einem Jahr weisen die jungen Gabunvipern eine Länge um 60 Zentimeter auf. Mit zwei Jahren sind sie etwa 100 Zentimeter lang, mit drei etwa 130. In diesem Alter erreichen sie die Geschlechtsreife, doch sind sie erst im Alter von ungefähr sechs Jahren ausgewachsen. Die Lebensspanne in Menschenobhut beträgt bis etwa 30 Jahre.
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