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Wasserpumpen
Seit neun Jahren arbeitet Andreas Kuret für Mercy Air in Mucumbeze, Mittel-Mosambik. Der 51-jährige Schweizer Pilot und Agronom setzt sich gezielt für die bedürftige Bevölkerung südlich und nördlich des Sambeziflusses ein. Wir berichten direkt aus dem afrikanischen Busch.
Andreas Kuret, kurz vor Sonnenuntergang sahen wir Sie von Norden her mit der Cessna anfliegen und sanft auf der Schotterpiste der Missionsstation hier in Mucumbeze aufsetzen. Wo waren Sie?
In Marromeu am Rande des Sambezideltas
Was haben Sie dort gemacht?
Marromeu ist der Ausgangspunkt für diverse Einsätze ins Delta. Mit dem Mercy-Air-Helikopter, der zeitweise dort stationiert ist, besuchen wir die entlegensten Siedlungen im Delta. Der Helikopter ist die einzige Luftbrücke für die Menschen zur Zivilisation. Vor einigen Jahren initiierte ich Landwirtschaftsprojekte in zahlreichen Dörfern im Delta, die nur auf dem Luftweg erreichbar sind. Regelmässig besuchen wir – ein motiviertes Team von Einheimischen und ich – die Projekte. Das Delta ist ein sehr fruchtbares Gebiet. Von Tomaten, Zwiebeln, Kohl und Bohnen bis hin zu den süssen tropischen Früchten wie Orangen, Bananen, Kokosnüsse und vielem mehr gedeiht zwischen den Seitenflüssen des mächtigen Sambeziflusses fast alles, was man sich vorstellen kann. Trotz diesen aussergewöhnlich guten Voraussetzungen leiden die Menschen unter einseitiger Ernährung. Dies wiederum führt zu Krankheiten, die viel zu oft zum Tod führen. Es gibt praktisch keine medizinische Versorgung. Das Ziel dieser Projekte ist in erster Linie eine bessere und gesündere Ernährung. Wir ermutigen die Einheimischen, ihr Gemüse selber anzubauen, um den Speiseplan, der praktisch nur Reis und Fisch beinhaltet, zu bereichern.
Weshalb habt ihr den Luftweg gewählt?
Marromeu liegt eine Zweitagesreise von Mucombeze entfernt. Die 500 Kilometer Strasse sind in einem sehr schlechten Zustand und für Mensch und Auto nicht gesund. Luftlinie sind es immer noch 260 km, aber der Flug dauert nur rund eine Stunde. Seit die Sandpiste in Marromeu offen ist, reisen wir nur per Flugzeug und haben dadurch mehr Zeit für die Projekte im Delta.
Was befriedigt Sie am meisten bei Ihren doch sehr abwechslungsreichen Aufgaben?
Als Pilot bin ich natürlich immer sehr gerne über den Wolken. Das Fliegen alleine wird aber hier unten nichts verändern! Neben der Vielseitigkeit motivieren mich die vielen Möglichkeiten, die wir mit dem Wissen und der Technik aus einer andern Kultur haben, um den Menschen, zum Beispiel im Delta, nachhaltig zu helfen. Dazu ein Beispiel: Eine manuelle Wasserpumpe kostet, einschliesslich Installationskosten, 300 CHF. Mit dieser Pumpe kann problemlos ein 100×200 m grosses Feld mit Gemüse bewirtschaftet werden. Dies reicht aus, um 15 Familien oder 120 Menschen mit Gemüse zu versorgen. Je nach Jahreszeit können auf dem gleichen Feld in einem Jahr drei Kulturen angebaut werden: Während der Regenzeit Reis, dann Gemüse und anschliessend – während der Trockenzeit – Süsskartoffeln. Die dazu nötige Bewässerung ist nur dank der Wasserpumpe möglich. Wenn Sie einmal das Leuchten in den Augen des Bauern gesehen haben, wenn das Wasser aus dem Schlauch über die frisch gepflanzten Setzlinge rieselt und die Kinder sich lachend im Wasserstrahl abkühlen wollen, dann verstehen Sie meine Motivation.
Als Sie vorhin einige lokale Mitarbeiter grüssten, nannten diese Sie “Baba Bomba” – woher kommt das?
Ja, ja, in Mosambik bekommt man schnell einen Übernamen oder eben einen Namen, den die Einheimischen sich gut merken können. Als Andy oder Andreas wird mich kaum jemand kennen, jedoch als Baba Bomba schon. „Baba“ heisst in der lokalen Sprache, „Vater“. Der Begriff wird oft auch als Anrede für eine Respektsperson gebraucht. „Bomba“ ist portugiesisch für Pumpe – zusammen also soviel wie „Vater Pumpe“. Als ich vor 9 Jahren das erste Mal mit dem Mercy-Air-Piloten Matthias Reuter dem 300 m breiten Sambesifluss entlang flog und die vertrockneten Maisfelder entlang des Flusses sah, die Geschichten von Betroffenen hörte, wie sie Holz raspeln, um einen Brei zum Überleben zu kochen, wie Väter im Fluss trotz den Krokodilen nach Wurzeln tauchen, um ihre Familien zu ernähren, da wusste ich, dass ich mit einem Pumpenprojekt den Menschen in Not nachhaltig helfen kann. Inzwischen konnten wir in den letzten 8 Jahren zahlreiche Projekte initiieren und Wasserpumpen an Genossenschaften, Schulen und Dorfgemeinschaften übergeben. Deswegen kennt man mich nun als „Baba Bomba“!
Sie scheinen sich hier auf dieser doch sehr abgelegenen Missionsstation sehr wohl zu fühlen und sprechen die lokale Sprache sehr gut – war das schon immer so?
Hier ist mein Zuhause! Anfänglich waren die Lebensumstände schwierig, doch ich überlebte das Leben im Zelt, und ich überlebte zahlreiche Malariaerkrankungen. Von Schlangenbissen wurde ich bisher verschont, obwohl ich kürzlich das Bett mit einer Schlange teilte… Nun lebe ich in meinem kleinen von Busch umgebenen Swiss Chalet. Ja, es ist mir wohl hier. Das Leben in einer fremden Kultur wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Die Jugendjahre in den peruanischen Anden und im Dschungel von Bolivien kombiniert mit den Ausbildungen in der modernen Schweiz, helfen mir in fremden Kulturen zurecht zu kommen. Sprachlich bin ich absolut untalentiert -, Französisch war ein Disaster -, doch zum Glück spricht man in Mosambik Portugiesisch, was dem Spanischen sehr nahe kommt. Englisch lernte ich in Neuseeland, was wiederum die Grundlage für meine Flugausbildung in Kanada war. Als Vorbereitung für Mosambik besuchte ich zwei Monate eine Privatsprachschule in Brasilien.
Sie sind Pilot und Agronom. Würden Sie diese Berufe wieder wählen?
Absolut! Ich würde genau das Gleiche noch einmal machen! Als Landwirt hat man eine sehr gute Grundlage in den verschiedensten Bereichen. Landwirtschaft ist in Mosambik die Grundlage der Wirtschaft und des Überlebens. Fliegen war in der Schweiz mein Hobby, nun wurde es zu meinem Beruf, und ich kann beides kombiniert hier in einem der ärmsten Länder einsetzen. Was ich anders tun würde? Ich würde mich schon viel früher für diesen Weg entscheiden.
Was motiviert Sie als Mercy-Air-Mitarbeiter ganz besonders?
Ich habe es bereits erwähnt: Das Leuchten in den Augen eines Men-schen. Ein Mensch, der erlebt, dass er Freunde in einem anderen Land hat, die ihn unterstützen. Freunde, denen es nicht egal ist, wie es ihm geht. Dieser Freund, der hilft, ist dein Bruder, er ist deine Familie! Es ist ein Vorrecht, hier zu leben und als Baba Bomba Überbringer dieser Hilfe zu sein.