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Was sind Stammzellen?
Gewebe besteht zumeist aus spezialisierten Zellen, von denen es etwa 200 unterschiedliche Typen gibt. Zu den bekanntesten gehören die roten Blutkörperchen, Neuronen, Adipozyten, Fibroblasten oder Osteozyten. Zellen haben eine geringere Lebensdauer als der aus ihnen bestehende Körper. Sie müssen also ständig erneuert werden.
Stammzellen sind undifferenzierte Zellen, die noch keine spezifischen Funktionen übernommen haben. Sie verfügen über die Fähigkeit der Selbsterneuerung und der Ausdifferenzierung – können sich also je nach Bedarf des Körpers in verschiedene Zelltypen verwandeln.
Embryonale Stammzellen und adulte Stammzellen
Aber Stammzelle ist nicht gleich Stammzelle. Ein wichtiger Unterschied besteht insbesondere zwischen embryonalen Stammzellen und adulten Stammzellen.
Embryonale Stammzellen finden sich im einwöchigen Fötus und können sich in jeden beliebigen Zelltyp unseres Körpers verwandeln (pluripotente Stammzellen). Da zur Extraktion dieser Zellen der Fötus geopfert werden muss, ist ihre Verwendung ethisch nicht vertretbar.
Adulte Stammzellen sind hingegen in bestimmten Organen und Gewebepartien zu finden und können sich entweder in mehrere verschiedene Zelltypen (multipotente Stammzellen) oder nur in einen bestimmten Zelltyp verwandeln (unipotente Stammzellen). Im Gegensatz zu embryonale Stammzellen sind adulte Stammzellen ethisch unbedenklich, denn sie stammen nicht aus menschlichen Embryonen.
Hämatopoetische Stammzelle und mesenchymale Stammzellen
Adulte Stammzellen lassen sich grundsätzlich in hämatopoetische (blutbildende) und mesenchymale Stammzellen unterteilen.
- Adulte hämatopoetische Stammzellen sind Ausgangspunkt für die gesamte Zellneubildung des Blutes, einschliesslich roter und weisser Blutkörperchen und Blutplättchen.
- Adulte mesenchymale Stammzellen können verschiedene Formen annehmen und sich beispielsweise in Zellen der Knochen, Knorpel, Muskeln, Bänder, Sehnen und des Fettgewebes ausdifferenzieren.
Wo finden sich die Stammzellen?
Die unterschiedlichen Stammzelltypen finden sich praktisch in allen Gewebearten. Allerdings sind manche Körperregionen von besonderem medizinischem Interesse.
Die drei grössten Stammzellspeicher unseres Körpers:
- Knochenmark,
- Nabelschnur,
- Fettgewebe.
Die Stammzellen im Knochenmark wurden als erstes in den 60er Jahren entdeckt.
In den 80er Jahren entdeckte man das Blut der Nabelschnur als besonders reichhaltige Quelle hämatopoetischer Stammzelle, die therapeutisch besonders wertvoll und zudem sehr gut extrahierbar sind.
Die Gewinnung von Stammzellen aus der Nabelschnur ist völlig ungefährlich und einfach zu bewerkstelligen. Diese Methode hat sich daher als Alternative für das Knochenmark in den letzten 30 Jahren immer mehr durchgesetzt.
Ausserdem rufen hämatopoetischen Stammzellen aus der Nabelschnur seltener negative Immunreaktionen oder pathologische Folgeerscheinungen bei Transplantationen hervor als jene von Knochenmarkspendern. Das Nabelschnurblut muss also nicht wie beim Knochenmark genau mit jenem des Patienten übereinstimmen.
Des Weiteren lassen sich heute Stammzellen auch aus dem nach Wharton benannten gallertigen Bindegewebe der Nabelschnur (mesenchymale Stammzellen) und dem Fettgewebe gewinnen. Diese Stammzellen weisen komplementäre oder andere Eigenschaften auf als jene aus dem Nabelschnurblut.