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Diese Woche geht es um die Dos und Don’ts im Strassenverkehr. Ich habe Debesay aus Eritrea, Oweys aus Afghanistan und Pascal aus der Schweiz gefragt, wie man sich in ihrem Land am besten durch den Verkehrs-Dschungel kämpft. Im Faktenvergleich seht ihr, in welchem Land wie viele Unfälle im Strassenverkehr passieren.
Debesay, Eritrea
Bist du schon einmal Auto gefahren?
Ja, drei oder vier Mal. Ich habe meinen Freunden geholfen, Material von Sudan nach Eritrea zu transportieren. Die Autoprüfung habe ich nicht gemacht. Wir dürfen eigentlich nicht ohne Fahrausweis fahren. Wenn dich die Polizei erwischt, musst du für acht Monate ins Gefängnis.
Wie lernt man in Eritrea Autofahren?
Zuerst gibt es eine Theorieprüfung. Wir haben Theorieunterricht mit einem Lehrer und lernen nachher drei Monate für die Prüfung. Danach gibt es eine Fahrprüfung mit einem Experten. Insgesamt sind es 25 Tests, die man bestehen muss.
Wie sehen die Strassen aus?
Ähnlich wie in der Schweiz. Die Italiener haben in Asmara, der Hauptstadt von Eritrea, Strassen gebaut. Eritrea war von 1890 bis 1941 eine italienische Kolonie. In Asmara gibt es noch eine katholische Kathedrale aus dieser Zeit.
Darf man hupen?
Wenn es viel Verkehr gibt, hupen die Autofahrer, um sich gegenseitig zu warnen. Wenn wir einen Freund sehen, hupen wir auch, um ihn zu grüssen.
Gibt es auch Geschwindigkeitskontrollen?
In Eritrea gibt es keine Blitzkästen.
Wenn wir jemanden sehen, der zu schnell fährt, rufen wir die Polizei. Wir arbeiten mit der Regierung zusammen.
In der Schweiz ist alles mit Geld geregelt. Auch das Parken kostet überall. In Eritrea ist das nicht so.
Wie sieht es mit dem öffentlichen Verkehr aus? Gibt es Züge in Eritrea?
Nein, jetzt nicht mehr. Als die Italiener Eritrea besetzten, gab es einen Zug von Asmara nach Masswa. Mit diesem Zug wurden Güter aus Europa vom Hafen in Masswa nach Asmara transportiert. Jetzt gibt es den Zug nicht mehr. Die Äthioper haben die Gleise zerstört.
Wie kommt man ohne Auto von A nach B?
Die Leute fahren für weite Distanzen mit dem Bus. Das Bus-Unternehmen ist vom Staat.
Das ist nicht so teuer wie in der Schweiz. Eine Strecke von 400 km kosten 108 Nafka (eriträische Währung). Das sind rund acht Franken.
Innerhalb der Stadt fahren wir mit dem Taxi.
Wie sieht es mit dem Fahrradfahren aus?
Ich war Velomechaniker in Eritrea. Ich war in einem Rennvelo-Team mit zehn anderen. Wir sind in den Städten Rennen gegen Teams gefahren. Es gab oft viele Zuschauer.
Daniel Teklehaimanot ist ein sehr guter Rennvelofahrer aus Eritrea. So wurde er 2017 bei dem Etappenrennen «Giro d’Italia» «King of the Mountains». «Die Bergwertung ist bei vielen Radsport-Etappenrennen eine separate Wertung für diejenigen Radrennfahrer, die am besten die Berge bewältigen.» (Wikipedia)
Oweys, Afghanistan
Bist du schon einmal Auto gefahren?
Ja, ein Mal auf einem Parkplatz zum Üben.
Wie lernt man in Afghanistan Autofahren?
In Afghanistan ist es nicht wie in der Schweiz. Wenn man es gelernt hat, fahren die Leute auch schon mit 15 oder 16 Jahren. Es gibt eine Regel, aber die Leute halten sich nicht daran. Eigentlich darf man erst ab 18 fahren.
Wie sehen die Strassen aus?
Es gibt auch Spuren und es herrscht Rechtsverkehr, aber die Leute halten sich nicht daran. Ich habe in einem Dorf gelebt und war nicht in der Stadt, darum weiss ich es nicht so genau.
Gibt es dann nicht viele Unfälle?
Es gibt viel Verkehr und darum fahren die Leute langsam. Ich denke, dass es deswegen nicht viele Unfälle gibt.
Gibt es Geschwindigkeitskontrollen?
Nein, sie kontrollieren die Geschwindigkeit fast gar nie. Es gibt ein paar Polizeibeamte, aber die schauen nicht. Blitzkästen gibt es auch keine.
Darf man hupen?
Die Leute hupen viel. Es ist sehr chaotisch auf den Strassen. Wenn jemand nicht gut schaut, hupt man oder um einen Bekannten zu begrüssen.
Was ist der Unterschied zwischen dem Land und der Stadt?
In der Stadt leben mehr Leute als in den Dörfern. Auf dem Land haben nicht alle ein Auto. Es fahren Minibusse in die Stadt.
Gibt es auch Züge?
Nein, gibt es nicht, nur Busse. Wir fahren viel mit dem Taxi. Es ist günstig und kostet fast gleich viel wie der Bus.
Wie sieht es mit dem Fahrradfahren aus?
Pascal, Schweiz
Bist du schon einmal Auto gefahren?
Ja, ich fahre schon seit fünf Jahren Auto.
Ab wann darf man Autofahren?
Ab 18 Jahren darf man Autofahren.
Wie lernt man Autofahren?
Zuerst muss man einen Nothelferkurs machen. Der dauert zwei Tage. Dort lernt man Ersthilfeleistungen, zum Beispiel eine Wiederbelebung mit Herzmassage oder die Absicherung einer Unfallstelle. Zudem muss man eine Theorieprüfung ablegen. Die kann man schon vor dem 18. Lebensjahr machen. Wenn man den Nothelferkurs und die Theorieprüfung bestanden hat, bekommt man mit 18 einen Lernfahrausweis. Ab dann darf man in Begleitung Autofahren. Um zu lernen, nehmen wir Autofahrstunden bei einem Fahrlehrer. Im Schnitt braucht es circa 10 bis 30 Fahrstunden. Eine Stunde kostet rund CHF 100. Zusätzlich muss ein Verkehrskundeunterricht besucht werden. Sobald man sich sicher fühlt, kann man sich für die Fahrprüfung anmelden. Diese findet in Begleitung eines Experten statt. Besteht man diese, erhält man den Führerschein und kann auch ohne Begleitung fahren.
Wie ist der Verkehr geregelt?
Es herrscht Rechtsverkehr. Es wird vieles reguliert und kontrolliert.
Alle zwei Jahre muss man das Auto vorführen, um zu schauen ob es noch fahrtüchtig ist. Es gibt viele Geschwindigkeitskontrollen.
Darf man hupen?
Nein, nur im Notfall. Generell ist es verboten.
Wie sieht es mit dem öffentlichen Verkehr aus?
Ich fahre vor allem Auto. Die Schweiz isch sehr gut erschlossen, man kommt fast überall mit dem öffentlichen Verkehr hin.
In der Schweiz gibt es ein gutes Verkehrsnetz. Man hat selbst in den kleinsten Dörfern eine Verbindung.
Wie kommt man ohne Auto von A nach B?
Für kurze Distanzen nehmen viele den Bus oder das Fahrrad und für weitere Strecken den Zug. Die Taxis sind eher teuer, darum fahre ich selten Taxi. Manchmal nehme ich ein Taxi, um vom Ausgang nach Hause zu fahren.
Wie sieht es mit dem Fahrradfahren aus?
Es fahren viele Leute Fahrrad. An vielen Orten gibt es einen Velostreifen, der ist mit einer gelben Linie und einem Velo markiert. Mein Vater hat mir als Kind das Fahrradfahren beigebracht. Ich fahre nicht gerne Velo, ich fahre lieber Inline Skates oder bin zu Fuss unterwegs.
Verkehrsunfälle
Um die Aussagen zu relativieren, sind hier einige Fakten aufgeführt.
Anzahl Verkehrstote im Jahr 2014 auf 100’000 Einwohner
Eritrea
In Eritrea befinden sich die Strassen zwischen den sechs grossen Städten: Asmara, Massawa, Mendefera, Dekemhare, Barentu, und Keren in einem guten Zustand und sind betoniert. Ausserhalb sind die Strassen in einem schlechten Zustand. Strassenschilder und Leitplanken fehlen in den ländlichen Gegenden. Oft halten hier Fussgänger und Kühe den Verkehr auf. In Eritrea gibt es eine Gurtpflicht aber nur 60% der Personen auf den Vordersitzen und 10% auf den Rücksitzen schnallen sich an.
Das Unfallrisiko variiert stark nach Fortbewegungsmittel. Am meisten verunfallen Fussgänger. Aufgrund fehlender Transportmittel sind viele nachts zu Fuss unterwegs und werden wegen fehlender Beleuchtung übersehen. Darauf folgen Autounfälle mit 26%.
Afghanistan
Fakt ist, in Afghanistan ist die Zahl der Verkehrsunfälle hoch. Laut der Weltgesundheitsorganisation (who) lag 2013 die Zahl der Toten in Verkehrsunfällen bei 4’734. Laut offiziellen Angaben sterben täglich zehn Personen in einem Verkehrsunfall. Grund dafür ist laut dem Zentrum für strategische und regionale Studien, Kabul (CSRS) unter anderem die Korruption. So haben nur 40 von 100 Befragten ihren Führerausweis auf legalem Weg erhalten. Ausserdem sind die Strassen in einem schlechten Zustand. Des weiteren fehlen oft Kontrollen sowie Verkehrsschilder. Ausserdem ist das Verkehrsgesetz mangelhaft. So gibt es keine Gurtpflicht und kein Gesetz, das das Telefonieren während dem Fahren verbietet. Durch die fehlende Regulation gibt es viele Raserunfälle und Chaos auf den Strassen. Im Jahr 2013 waren 45.4% der Unfälle durch zu hohe Geschwindigkeiten verursacht.
Schweiz
In der Schweiz ging die Gesamtzahl an Toten in Verkehrsunfälle zurück. So sind sie von 2015 bis 2000 um 56% von 575 auf 253 Personen zurückgegangen. Somit verlor im Jahr 2015 alle 35 Stunden eine Person in einem Verkehrsunfall ihr Leben. In der Schweiz passieren im internationalen Vergleich relativ wenig tödliche Unfälle im Verkehr. Mit 3.3 Toten auf 100’000 Einwohnern liegt die Schweiz hinter Schweden mit 2.8 tödlich Verunfallten.
Das Unfallrisiko ist in der Schweiz je nach Verkehrsmittel sehr unterschiedlich. Am sichersten ist der Zug. Das höchste Risiko eines tödlichen Unfalls ist mit dem Motorrad.