Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03418.jsonl.gz/391

Die UBS scheint kein Interesse an einer Ausgliederung der Investmentbank Credit Suisse First Boston zu haben. Dies berichten mit den Gesprächen vertraute Personen. Die UBS will sich die Top-Dealmaker der Investmentbank der Credit Suisse aussuchen, statt den Plan von Michael Klein zur Errichtung einer neuen, unabhängigen Firma voranzutreiben.
Führungskräfte der UBS hätten ihren Kollegen von der Credit Suisse mitgeteilt, dass sie es vorziehen würden, ihre eigene Investmentbank selektiv zu stärken und die risikoreicheren Geschäftsbereiche zu veräussern, sagten die Personen, die um Anonymität baten. In ersten Gesprächen habe die übernehmende Bank wenig Interesse gezeigt, die geplanten Bemühungen um eine Ausgliederung der CS First Boston fortzusetzen, die einen neuen Konkurrenten schaffen würde, so die Personen.
Mitarbeitende hofften auf alternativen Plan
All dies bedeutet, dass Kleins Traum, eine neue Investmentbank unter der wiederbelebten Marke CS First Boston zu führen, immer unwahrscheinlicher wird. Dennoch hoffen einige Mitarbeiter der Credit Suisse, dass Klein und Bankchef David Miller einen alternativen Plan ausarbeiten können, so die Personen. Einige Führungskräfte hätten sich an potenzielle Interessenten für die Investmentbank gewandt, darunter die japanische Mizuho Financial Group Inc. um Interesse zu wecken, das sie dann der UBS unterbreiten könnten, so die Personen.
Sprecher von UBS, Mizuho und Klein lehnten eine Stellungnahme ab. Vertreter der Credit Suisse antworteten nicht auf telefonische Anfragen.
Der erst im Entstehen begriffene First-Boston-Plan der Credit Suisse wurde durch die Vertrauenskrise und die Notübernahme der Schweizer Bank ins Wanken gebracht. Das Vorhaben hatte die Aufmerksamkeit der Wall Street auf sich gezogen, da es sich um eine Ausgliederung handelte, die in der modernen Finanzwelt einmalig war und ein seltenes Geschäftsmodell darstellte, das eine boutiqueähnliche Beratungspraxis mit der Notwendigkeit einer grösseren Bilanz zur Unterlegung der Leveraged-Finance-Sparte verband. Klein hatte eine partnerschaftsähnliche Struktur versprochen, die an eine frühere Ära erinnerte und den Star-Dealmakern eine Beteiligung an den Gewinnen ermöglichen würde.
Die Äusserungen von UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher auf einer Pressekonferenz am Sonntag, wonach UBS plane, die kombinierte Investmentbank zu verkleinern, weckten bei den Mitarbeitern der Credit Suisse die Hoffnung, dass ihr Konkurrent der Abspaltungsidee gegenüber aufgeschlossen sein könnte, zumal sie ein risikoreicheres Leveraged-Finance-Geschäft umfasst. Doch Kellehers Äusserungen waren wohl eher auf das Handelsgeschäft seines Schweizer Rivalen ausgerichtet. Und als die Gespräche zwischen den Führungsriegen am Montag begannen, schwanden diese Hoffnungen bald, sagten die Personen.
UBS interessiert an beratenden US-Bankern
Die UBS sei besonders interessiert an beratenden Bankern in den USA und an solchen, die in prominenten Branchen wie dem Technologiesektor tätig sind. Ausserdem an einigen regionalen Teams, die zu dem bestehenden Schwerpunkt der Firma auf kapitalschonender Beratungstätigkeit passen würden, berichteten einige der Personen.
Das UBS-Management habe auch wenig Interesse an einer Übernahme von Kleins Boutique gezeigt, so die Personen. Der langjährige Dealmaker, der als Mitglied des Verwaltungsrats der Credit Suisse auf eine Ausgliederung drängte und dann zum designierten CEO des Unternehmens ernannt wurde, stimmte kürzlich dem Verkauf der Klein Group an die Bank im Rahmen eines 210-Millionen-Dollar-Deals zu, der noch nicht abgeschlossen ist.
Ein Versuch, das Vorhaben zu retten, würde auf erhebliche Hürden stossen. Saudi-Arabien hatte eine Investition in die CS First Boston in Erwägung gezogen, verlor aber innerhalb weniger Monate mehr als 1 Milliarde Dollar mit der Beteiligung an der Credit Suisse, die Klein mitvermittelt hatte. Und die Schritte zur rechtlichen und operativen Trennung des Geschäfts hatten gerade erst begonnen.
Allerdings hat Klein in seiner jahrzehntelangen Karriere schon so manches Kunststück vollbracht. Der Regenmacher spielte eine Schlüsselrolle bei der Rekord-Notierung von Saudi-Aramco, dem grössten Ölunternehmen der Welt, und begleitete mehrere Mega-Deals während seiner Zeit bei Citigroup Inc.
Die Credit Suisse gab letztes Jahr bekannt, dass sie eine Zusage über 500 Millionen Dollar von einem potenziellen Geldgeber der CS First Boston erhalten habe, nannte aber nie den Namen des Investors. Chief Executive Officer Ulrich Körner sagte erst letzte Woche, dass die Bank einen möglichen Börsengang für das Geschäft im Jahr 2025 prüfe und dass es mehrere Parteien gebe, die daran interessiert seien, Investoren zu werden.
(Bloomberg)
2 Kommentare
Die UBS muss nur das Gegenteil machen, was die CS gemacht hätte und dann wird es bestimmt gut. Die CS hat einfach alles versaut was zu versauen war.
ich verstehe ja, dass viel Unmut über die CS vorhanden ist, aber derart undifferenziert zu urteilen weist nicht von Branchenverständnis hin