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Man kann sagen was man will, doch grosse Hotels sind einfach besser auf ausländische Gäste eingerichtet und wissen, was diese gerne zum Frühstück haben. Heute Morgen gab es nämlich alles, was ich mir jeweils so wünsche und so konnte ich ziemlich Kalorien bunkern für die kommenden Kilometer.
Wie der gestrige Tag endete, so begann es heute. Blauer Himmel und viel, viel Wind. Vermutlich bilde ich mir das nur ein, doch ich hatte auch heute das Gefühl, dauernd gegen den Wind zu fahren. Zudem merkte ich relativ rasch, dass heute meine Beine nicht so fit waren, wie mein Kopf. Der gestrige Gegenwindtag hat doch ziemlich Körner gekostet und so musste ich heute zwangsläufig etwas vorsichtig mit meinen Kräften umgehen. Dabei kam mir entgegen, dass es heute nicht mehr so heiss war, ich schätze mal so 25-28° Grad.
Die ersten Hügel des Nationalparks del Pollino waren schon bald in Sicht, doch das breite Flussbett des Sinni bestimmte vorwiegend das Bild. Völlig ausgetrocknet ist es derzeit ein reines Steinfeld, gesäumt von Sträuchern, Büschen, ein paar Bäumen und gleich anschliessend folgen Gemüseanbauflächen und Oliven- und Aprikosenhaine. Wie immer liegen die Ortschaften vorwiegend auf Hügeln und ich war doch froh, dass mich meine Streckenführung nur in leichtem auf und ab entlang des Flussbetts führte.
Nach knapp 30 Kilometern kam ich in das Dorf "Valsinni" wo ich in einer Bar etwas trinken und eventuell etwas Kleines essen wollte. Gleich eingangs der Ortschaft sah ich einen alten Mann ein paar Tische vor einer Bar putzen und dachte, jawohl da mache ich Halt.
Die nachfolgende Szene erinnerte mich an einen Spagetti-Western, wo Clint Eastwood nach mehreren Tagen Ritt durch die Prärie in einen Ort kommt, an dessen Eingang Lee van Cleef steht und sich die schon halbgerauchte Zigarillo ein weiteres Mal anzündet und den Hut tief im Gesicht trägt. Links und rechts der Hüften baumeln grosse Revolver in den Halftern. Als Clint Eastwood direkt vor ihm steht, hebt er den Hut leicht an und sagt: "Was willst Du hier, Fremder? Das ist meine Stadt und ich mag keine Typen, die nach Ärger aussehen!"
Ich betrete die Bar, der alte Mann putzt in Ruhe draussen weiter die Tische. Ich mustere in der Zwischenzeit das Interieur. Die kaum zehn Quadratmeter grosse Bar ist spartanisch eingerichtet. Eine grosse Kaffeemaschine, dahinter an der Wand ein Gestell mit viel hochprozentiger Alkoholika, ein Kühlschrank voller Bier und Wasser, ein einziger Tisch mit drei klapprigen Stühlen, sonst nichts. Nichts Essbares in Sicht. Der alte Mann kommt herein, schlurft hinter die Theke und schaut mich an. Er spricht kein Wort. Ich: "Un Cappuccino, prego." Er sieht mich an und sagt ganz langsam: "Non che." Ich bin etwas verwundert, denn die Kaffeemaschine würde sehr wohl einen Cappuccino hergeben, doch er will wohl einfach keine Milch öffnen, die nachher keiner mehr trinkt und die Kaffeemaschine putzen scheint ihm auch zu viel. Er schweigt. Darauf ich "un caffe e un bicchiere di aqua?" Er: "Si" Er lässt den Kaffee aus der Maschine und sucht im Körbchen wo haufenweise Löffel liegen nach einem Plastikrührstab. Eine Untertasse gibt es nicht dazu. Er: "un Euro". Ich bezahle und denke mir, na dann halt nicht. Ich hätte vielleicht noch ein Mineralwasser gekauft, doch seine ablehnende Art hat mich davon abgehalten. Dann fülle ich halt meine Flasche draussen am Brunnen und mache mich wieder aus dem Staub. Die mögen hier keine Fremden...
Die weitere Fahrt führt immer entlang des Sinni-Tals, bis zum recht grossen Stausee "Lago di Monte Cotugno". Dieser wird nicht zur Stromerzeugung genutzt, sondern liefert das Trinkwasser für Policoro und Umgebung. Entlang der Schnellstrasse ist eine grosse Röhre verlegt, die das Wasser über die 30 Kilometer talwärts transportiert. Ich mache ein paar Fotos und fahre weiter. Der Wind nimmt wieder zu, meine Kräfte schwinden und ich weiss, dass ich wohl besser früher als später ein nettes Hotel suchen werde um nicht ganz platt am späten Abend in der Pampa zu landen.
Zu der Strecke, die zwei passenden Bilder. Die geplante Route sollte über die Brücke im linken Bild gehen... Und im Bild rechts im Hintergrund eines der Hügeldörfer und im Vordergrund die Italienfahne, die straff im Wind steht. Natürlich fuhr ich von rechts nach links und nicht umgekehrt, wie es bedeutend einfacher gewesen wäre.
Am Strassenrand begegne ich schon bald einem Schild mit der Aufschrift: "Francavilla sul Sinni", 10 km. Das ist gut, scheint das doch ein etwas grösserer Ort zu sein. Schon kurz vor der Einfahrt in den Ort sehe ich ein weiteres Schild mit: "Albergo Ristorante Mango" - auch gut. Im Ort muss ich zwar einmal nachfragen, doch dann stehe ich schon bald vor dem Albergo. Das macht einen schönen und gepflegten Eindruck und der nette Herr am Empfang ist äusserst freundlich. Das Einzelzimmer kostet nur 25 Euro und das Velo durfte ich auch in der Garage parken. Ist doch perfekt. Das Zimmer ist etwas klein, hat jedoch einen schönen Balkon, wo ich die gewaschenen Kleider gut aufhängen konnte. Bei dem Preis werde ich wohl auch hier zu Abend essen und verkrafte es locker, dass es kein Internet gibt.
Ich denke es war eine gute Entscheidung nicht mehr weiter zu fahren. Für heute hatte ich genug gesehen und auch genug Wind gehabt. Morgen sollte ich eigentlich durch den Nationalpark bis ans Mittelmeer kommen. Ich bin gespannt. Nun besichtige ich noch zu Fuss etwas das Zentrum von Francavilla. Das GPS sagt: 69 km., 4:12 Std., 990 Hm