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Jede Hundeschule führt mittlerweile ein Angebot mit dem Titel "Coaching" oder "Einzelcoaching" im Programm. Um Klarheit in diesen Coaching-Dschungel zu bringen, vorab eine Definition, was Coaching beinhaltet und welche Voraussetzungen ein sogenannter Coach überhaupt mitbringen muss. Im weiteren eine Definition von Training und inwiefern sich Coaching von einem Training doch wesentlich unterscheidet. Ein Zwischenweg ist die Beratung, welche Aspekte sowohl von Coaching wie auch von Training beinhaltet
Definition Coaching:
Coaching ist eine lösungs- und ressourcenorientierte Beratungsform. In einem Coaching geht es in erster Linie darum, den Coachee ( Klieten) anzuregen, eigene Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln, um das von ihm definierte Ziel zu erreichen. Ziele sollen so festgelegt werden, dass sie motivierend, realisitisch, erreichbar und messbar sind. Aufgabe des Coaches ist es, im Gespräch gemeinsam herauszufinden, wo die Ursachen für die Probleme liegen. Er behält den Prozess im Auge und gibt Inputs, wenn der Coachee mit den eigenen Möglichkeiten der Problemlösung an einem Punkt ansteht. Es geht nicht darum, fertige Lösungswege zu präsentieren, sondern die Selbstwirksamkeit und Selbstbefähigung des Coachees zu fördern sowie dessen Ressourcen zur Problemlösung zu stärken. Der Coachee lernt sich selber besser wahrzunehmen und sein Verhalten zu reflektieren. Im Coachingprozess erfährt der Coachee seine eigenen Möglichkeiten zur Problembewältigung, was ihn innerlich stärkt.
Ein Coaching ist keine Hierarchiekonstellation, beide - sowohl Coach wie auch Coachee - sind gleichberechtige Partner. Beide legen gemeinsam den Weg fest. Der Coachee ist und bleibt Fachperson über sich selber.
Definition Training:
Training hat das Ziel, einen aktuellen Leistungsstand zu erhöhen oder zu verbessern. Im Training gibt es ein definierters Trainingsziel. Die Mittel und Methoden sind mehr oder weniger festgelegt. Sie müssen natürlich auch auf den individuellen Trainingsstand und die individuellen Möglichkeiten des Trainees angepasst werden. In einem Training kommt ein Trainee zu einem Trainer, weil der über das Wissen und den Weg verfügt, ein Problem zu lösen oder ein Ziel zu erreichen. Der Trainee ist nicht gefordert, eigene Lösungswege zu erarbeiten. Zudem gibt es eine Hierarchie zwischen Trainer und Trainee: der eine hat das Wissen und tritt als Lehrer oder Trainer auf und der andere- eben der Trainee - möchte von diesem Wissen profitieren, um weiterzukommen oder sein Ziel zu erreichen. Der Trainer ist der Experte und der Trainee der Laie sozusagen.
Definition Beratung:
Auch in der Beratung geht es nicht darum, dass der zu Beratende eigene Lösungswege entwickeln soll. Der Berater hat wie der Trainer das Wissen und die Werkzeuge, die der zu Beratende für sein Ziel benötigt. Trotzdem wird in der Beratung individuell auf die Möglichkeiten und Fähigkeiten des zu Beratenden eingegangen und diese im Lösungsprozess berücksichtig. Somit ist die Beratung so eine Art Mittelweg zwischen Coaching und Training.
Schauen wir auf diesem Hintergrund nun Angebote in Hundeschulen an, welche mit Coaching oder individuellem Coaching etc. aufgeführt werden. Bei den allermeisten geht es darum, dass ein Mensch zu einem Hundetrainer geht, weil er ein Problem weg haben möchte: mein Hund zieht an der Leine, mein Hund bellt andere Hunde an, mein Hund ist aggressiv gegenüber anderen Menschen etc. Ich bin ganz sicher, dass die Menschen nicht zu einem Hundtrainer gehen, weil sie eigene Lösungsmöglichkeiten entdecken wollen, sondern weil sie gerne eine Lösung präsentiert erhalten möchten.Oder sie gehen ins BH - TRAINING, Dummy - TRAINING, Agy - TRAINING und nicht ins BH - COACHING oder Dummy - COACHING, weil sie mit einem Trainer und mit dessen Wissen ein Trainingsziel erreichen wollen. Das ist in der Regel ja auch ok., tritt in diesem Fall der Hundetrainer doch als Fachperson auf, die ihr Wissen und Erfahrung weitergibt.
Nun frage ich mich allen ernstes: wie kommen Hundetrainer dazu, ihre Privatlektionen oder -trainings mit Coaching zu bezeichnen? Verfügen alle diese Hundetrainer über eine Ausbildung im Coachingbereich? Ist es ihnen wirklich ein Anliegen, mit dem Klienten eine Lösung zu erarbeiten? Oder werden Lösungen präsentiert? Werden in jedem Fall gemeinsam erreichbare Ziele definiert und ist der Hundetrainer gewillt, die Selbstmanagementkompetenzen seines Kunden zu fördern und dessen Selbstwirksamkeit zu stärken? Respektive ist er überhaupt in der Lage dazu?
Mit all diesen Coaching Angebote wird den Klienten etwas offeriert und suggestiert, das in dieser Form sicher in den meisten Fällen nicht stattfinden wird. Coaching tönt cool, dann bin ich dabei.
Training ist out. Heute wird gecoacht. Seltsamerweise lese ich aber nirgends im Angebot, dass es darum geht, den Kunden selbstzubefähigen, seine persönlichen, interpersonellen und handlungsbezogenen Ressourcen zu stärken, ihn zur Reflektion und Selbstwahrnehmung in Bezug auf das Thema oder die Problemstellung anzuregen.
Mein Fazit: wer als Hundetrainer oder Hundetrainerin nicht über eine entsprechende Ausbildung im Coaching oder in der Beratung verfügt, soll sich doch lieber eng an die Begrifflichkeit des HundeTRAINERS anlehnen und sich nicht mit Federn schmücken, die zwar nett aussehen, einem aber trotzdem nicht fliegen lassen.
In diesem Sinne: Schuster bleibt bei euren Leisten und überlasst das Coachen den Coaches.
Bea Koti
- Erstellt am .