Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03168.jsonl.gz/1400

Zweistündige Mittagspause unter Denkmalschutz
Schnell geht es nicht. Zu bedrohlich ist die englische Pause für die Familie, zu verführerisch für Beizengänger wegen des früheren Feierabends, zu einsam für Frischverheiratete allein zu Hause, und überhaupt ist sie zu ermüdend, denn sie ist zu kurz: Von 1890 bis in die 1960er Jahre liefert das Arbeitszeitmodell der kurzen Mittagspause regelmässig medienwirksam Streitstoff.
U-Bahn dort, Rösslitram hier
Was in London mit seiner City funktioniert, ist auch für Zürich gut, meinen die Befürworter der englischen Arbeitszeit um 1890. Nämlich, dass dreissig bis fünfundvierzig Minuten Mittagspause genügen, statt der üblichen zwei Stunden. Allerdings ist Zürich nicht gleich London. In der damals mit über 6,5 Millionen Einwohnern weltgrössten Stadt, dem Zentrum des Empires, wird 1890 die weltweit erste elektrisch betriebene U-Bahn eröffnet, während in Zürich mit seinen etwa dreissigtausend Einwohnern das Rösslitram für eine gemächlichere Gangart sorgt. Keine Spur von langen Arbeitswegen in eine Zürcher City, in der sich die Geschäftswelt konzentriert; es ist der Mittagstisch in der Familie, der die Arbeitszeit in der Limmatstadt bestimmt. Und so soll es auch bleiben.“