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Auf der Hand lag es auch, den Namen Jo Siffert einzusetzen. Für die erste Uhrenserie – man schrieb das Jahr 1995/96 – wurde er schlicht und einfach auf die Zifferblätter aufgestempelt. Eines entschied der Mann, der hauptberuflich in der Automobilbranche arbeitet, übrigens schon damals: «Ich mache keine Horlogerie, ich mache Uhren für die Fans.»
«Kaufe sie doch endlich»
Ambitionslos war er nie, das Geschäft mit den Uhren wurde langsam leicht professionalisiert. Vor 15 Jahren liess Philippe den Namen Jo Siffert deshalb schützen – «was nicht gratis war», wie er betont.
Für textile Accessoires, Mützen, T-Shirts, Jacken sowie für Uhren darf seither niemand sonst den Namen verwenden. Und das ist für den Sohn ein Glücksfall, wie er sagt. Denn der Formel-1- und Sportwagenpilot aus Freiburg bleibt der Leuchtturm der Schweizer Rennsportgeschichte – verehrt, geliebt und unvergessen.
«Es gibt Leute», sagt Siffert, «die mir dafür danken, dass sie für eine Jo-Siffert-Uhr bezahlen können.» Auch wenn der Preis für einige ein Opfer ist: «Es gab zum Beispiel einen Mann, der drei Jahre an der Auto Zürich um meinen Stand herumstrich und die Uhren beäugte», erzählt Siffert. «Bis seine Frau ihm erlösend sagte: Jetzt kaufe sie doch endlich.»
Als erste ernster zu nehmende Uhr kam im Dezember 2008 das Modell Serie 22 auf den Markt. Die Bedeutung der Zahl muss man Fans der Rennsportlegende nicht wirklich erklären: Mit der Startnummer 22 hatte Jo Siffert 1968 den Grossen Preis von England gewonnen – vor zwei Ferraris. Was für Jo Siffert so etwas wie den internationalen Durchbruch bedeutete.
Serie 22 also. Beim Besuch der Walliser Firma, die die Uhr für Philippe Siffert produzieren sollte, fielen dem Rennfahrersohn im Katalog coussinförmige Gehäuse auf. «Cool», fand er. «Ehrlich gesagt», beschied man ihm, «laufen Modelle mit diesem Gehäuse kommerziell nicht besonders gut.» «Perfekt», antwortete Siffert, «dann haben Sie davon sicher genug an Lager.» Und so habe das Abenteuer begonnen.
Zwar pflegen viele Uhrenmarken eine Liaison mit dem Automobilsport und kokettieren mit Rennsportlegenden, aber keine hat bislang den Kontakt zu Philippe Siffert gesucht oder sich gar ernsthaft für die Benützung des Namens Jo Siffert interessiert.
«Ich wäre offen», sagt er – allerdings unter Auflagen. Will heissen: Mit dem Namen müsse behutsam umgegangen werden, Schabernack sei tabu. «Der Name darf kein Alibi sein, lieber schmeisse ich den Bettel hin.»
Siffert-Uhren: alles selfmade
Als zweites Uhrenmodell lancierte Siffert 2011 die Endurance in den klassischen Gulf-Farben, einen Chronographen mit dem Kaliber Valjoux 7750 für 3600 Franken. Die Gulf-Farben erwiesen sich als juristisch nicht unproblematisch, Siffert musste zurückbuchstabieren.
Neu – und speziell für das Fünfzig-Jahre-Jubiläum – kommt jetzt die Endurance Spéciale GMT. Der Redlichkeit zuliebe sei erwähnt, dass die Uhr zum Zeitpunkt des Gesprächs real noch nicht existierte. 117 Stück davon soll es geben, für je 6917 Franken.
Wer bei diesen Zahlen an Jo Sifferts hellblau-orangen Porsche 917 denkt, liegt richtig. Der Rennwagen, den der Pilot aus der Freiburger Unterstadt 1970 dem Werk abgekauft hatte und der von Steve McQueen im Kultfilm «Le Mans» gefahren worden war, hat Sohnemann Philippe in seinen Träumen nie mehr losgelassen.
«Welcome back», steht auf dem Werbeplakat für die Uhr. Das heisst: Das Auto soll mit dem Erlös der Uhren zurückgekauft werden. Was allerdings nicht ganz einfach ist – für 14 Millionen Dollar war der Wagen mit der Chassisnummer 917-024 vor drei Jahren in Pebble Beach versteigert worden. Doch ein Siffert tritt deswegen nicht auf die Bremse: Statt des Originals wird es eben eine täuschend echte Replika sein – derzeit in Givisiez zu sehen.
Philippe Siffert war auch schon an der Baselworld präsent oder an einem Uhrenanlass in China. Doch er habe gemerkt, dass er nicht am richtigen Ort sei – die Kosten seien riesig gewesen, das Interesse der Uhrenfans mässig. Also ging er wieder seinen eigenen Weg und verkauft selbst. Der direkte Kontakt zum Kunden zahle sich aus. Eine Distribution in Boutiquen aufzubauen, sei hingegen illusorisch.
Reich, man ahnt es, ist Philippe Siffert mit den Uhren nicht geworden. Er lacht. «Wenn es ein einträgliches Business wäre», sagt er, «würde ich nichts anderes mehr daneben machen.»