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Gold – Silber – Bronze
Der Goldpreis geht an Pierre Pénet, Postdoc an der Universität Genf, für seinen Artikel «The IMF failure that wasn’t. Risk ignorance during the European debt crisis», der 2018 im British Journal of Sociology erschien. Pénet setzt sich darin kritisch mit der europäischen Schuldenkrise nach 2008 auseinander. Auf Basis umfassender Lektüre von Dokumenten des Internationalen Währungsfonds kann er am Beispiel der Kreditprogramme für Griechenland zeigen, wie Entscheidungsträger Expertenwissen mitformen und dieses Wissen zu strategischen Zwecken verwenden. Der Artikel liefert so einen wichtigen Beitrag zur kontroversen Diskussion über das Verhältnis von Experten und politischen Entscheidungsträgern in unserer Wissensgesellschaft.
Den silbernen Preis erhält Aniko Fehr, Doktorandin der Universität Lausanne, für ihren zeitgeschichtlichen Artikel zu zwei finanzpolitischen Abstimmungen in den 1960er Jahren, an denen sie grundsätzliche Aspekte der schweizerischen Finanzpolitik des 20. Jahrhunderts festmachen kann, beispielsweise die Verflechtung von Exponenten der Bundesbehörde und der Privatwirtschaft. Damit liefert sie einen profunden Beitrag zu einem genauso relevanten, wie bislang wenig beleuchteten Thema und leistet gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Geschichte des Bankgeheimnisses. Der Artikel erschien in der Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte.
Die bronzene Auszeichnung geht an Juri Auderset, Lektor an der Universität Fribourg und Mitarbeiter am Archiv für Agrargeschichte in Bern, für seinen Artikel zur transnationalen Entstehungsgeschichte der ersten vollständigen deutschen Übersetzung von Alexis de Tocquevilles Buch «De la démocratie en Amérique» ab den späten 1950er Jahren. Auderset liefert mit dem Aufsatz einen originellen Beitrag zu einem besseren Verständnis geistes- und sozialwissenschaftlichen Denkens in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Nicht zuletzt greift der Aufsatz auch die wichtige Frage der Sprachenvielfalt und ihr Potenzial zu politischen und ideologischen Interpretationskonflikten auf. Der Artikel ist in der Zeitschrift «Geschichte und Gesellschaft» erschienen.
So viele Bewerbungen wie noch nie
70 Kandidatinnen und 64 Kandidaten hatten sich für den Nachwuchspreis empfohlen, so viele wie noch nie seit der Preis 1996 lanciert wurde. «Hinter dem Gold-, Silber- und Bronzepodest steht eine grosse Zahl von Veröffentlichungen, die, auch wenn sie dieses Jahr nicht mit einem Preis geehrt werden können, von der hohen Qualität des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Schweiz zeugen», sagt Jurypräsident Jakob Tanner.
Beinahe zwei Drittel der Bewerbungen erfolgten in englischer Sprache, ungefähr je ein Drittel auf Französisch und Deutsch sowie eine Bewerbung auf Italienisch. Die Jury besteht aus einer Kommission aus zehn Professorinnen und Professoren von sieben Schweizer Universitäten. Der Nachwuchspreis wird jährlich vergeben. Er ist mit 18'000 Franken dotiert.
Die Preisverleihung findet am 25. Mai im Rahmen der Jahresversammlung der SAGW an der UniS in Bern statt.
Kontakt
Lea Berger
031 306 92 59