Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03397.jsonl.gz/287

Die Welt Anti Doping Agentur (WADA) will überprüfen lassen, ob THC (enthalten in Cannabis, Haschisch etc.) weiterhin auf der Liste der verbotenen Substanzen stehen soll. Wie Gras die sportliche Leistung steigern soll, war noch nie schlüssig zu erklären.
Die Diskussion ist nicht neu, doch diesen Sommer brachte ein prominenter Fall das Thema wieder aufs Tapet. Die Sprinterin Sha’Carri Richardson hatte sich als Schnellste der US-Trials für die Olympischen Spiele qualifiziert. Wenig später wurde bekannt, dass in ihrer Dopingprobe Spuren von THC gefunden worden waren. Sie gestand, einen Joint geraucht zu haben, nachdem sie erfahren hatte, dass ihre leibliche Mutter gestorben war. Die Olympischen Spiele waren für sie damit ebenfalls gestorben. Immerhin dauerte ihre Sperre lediglich 30 Tage – ein Hinweis darauf, dass auch die WADA-Verantwortlichen THC-Konsum nicht als schweren Verstoss gegen die Doping-Richtlinien ansieht.
Nun war es noch nie einsichtig, wie Gras oder Haschisch die sportliche Leistung steigern sollen, schliesslich machen sie eher träge und unaufmerksam. Die Sporthochschule Köln argumentiert auf ihrer Website, dass man wegen der sedierenden Wirkung möglicherweise «risikobereiter in den Wettkampf gehen» könne und nennt als Beispiel «Downhill Radfahren», wo dies zu einem besseren Resultat führen könne.
Pinkbike hatte schon 2019 die Geschichte des Downhillers Gary Houseman ausgegraben, dem 2003 ein Weltcup-Sieg aberkannt wurde, weil in seiner Probe THC-Rückstände gefunden worden waren. Auch er hatte lange vor dem Wettkampf etwas geraucht, um psychischen Stress abzubauen. Ride hatte damals kurz über den Vorfall berichtet (Link unten).
Die Zeiten, in denen es an Downhill-Rennen süsslich aus Fahrer-Unterkünften qualmte, sind schon lange vorbei. Sollte THC tatsächlich von der Liste der verbotenen Substanzen gestrichen werden, würde das für den Sport und die Athleten kaum etwas ändern. Zugleich würde es Einzelne womöglich entspannen zu wissen, dass sie keine Sperre riskieren, wenn sie sich in einer ruhigen Stunden etwas Cannabis erlauben.
Die WADA erklärte, sie sei von verschiedenen Akteuren («stakeholders») aufgefordert worden, die Richtlinien bezüglich THC zu überdenken. Noch ist nichts entschieden. Möglich, dass sie erneut zum Schluss kommt, Gras oder Haschisch könne unter Umständen doch einer Athletin oder einem Athleten zum Vorteil gereichen. Das Argument, es sei schliesslich immer noch illegal, zieht jedenfalls auch immer weniger, da mehr und mehr Staaten und US-Bundesstaaten das grüne Zeug freigeben.