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- Mehr als 400 Wale sind in Neuseeland an einer schmalen Landzunge gestrandet, über 300 von ihnen sind verendet.
- Hunderte Helfer versuchten, die gestrandeten Wale in tieferes Wasser zu lotsen, doch nur 50 Tiere schwammen tatsächlich ins offene Meer – mehrere Dutzend aber kehrten wieder zum Strand zurück.
- Im Interview erklärt der Meeresbiologe Nikolaus Gelpke, was hinter dem Phänomen stecken könnte.
SRF News: Wie häufig kommt es vor, dass so viele Wale auf einmal stranden?
Nikolaus Gelpke: Relativ selten. Eine Strandung von Grindwalen in ähnlichem Ausmass ist zehn oder 15 Jahre her.
Was könnten die Gründe dafür sein, dass jetzt bis zu 400 Wale gestrandet sind?
Man weiss grundsätzlich nicht, warum Wale stranden. Es gibt Vermutungen, dass das Echolotsystem, mit dem sich die Wale orientieren und mit dem sie die Wassertiefe ausloten, in diesen Fällen gestört sein könnte. Das kann durch Krankheiten, Parasiten oder etwa durch Vergiftungen mit toxischen Metallen passieren. In den letzten Jahren ist es offenbar auch wegen mehr Lärm im Meer zu Walstrandungen gekommen. Es ist quasi schon nachgewiesen, dass durch Sonarlotungen des US-Militärs Wale die Orientierung verlieren. Allerdings kann das Echolotsystem der Wale auch durch spezielle Meeresschichtungen oder -strömungen so gestört werden, dass die Tiere kein exaktes Echolotbild mehr wahrnehmen können.
Die so liebenswerte Eigenschaft der sozialen Bindung führt die Wale nun in ihr Verderben.
Wenn nun Temperaturschwankungen etwas mit den Strandungen zu tun haben könnten – könnte in dem Fall auch die Klimaveränderung dabei mitspielen?
Das kann sein. Im Zuge des Klimawandels treten immer wieder spezielle Effekte auf – etwa, dass sich kalte und warme Wassermassen anders schichten als normalerweise. Im Normalfall wissen Wale sehr genau, wie sie sich in diesen Schichtungen von wärmerem und kälterem Wasser orientieren können. Wegen klimatischer Veränderungen können sich aber auch diese Schichtungen verändern, man denke etwa an den El-Nino-Phänomen, bei dem sich vor der Westküste Südamerikas warmes, nährstoffarmes Wasser über die kalten, nährstoffreichen Wassermassen schiebt. So etwas kann nun auch vor Neuseeland passiert sein. Ausserdem kann das Echolot-Signal durch die Wasserschichtungen selber gestört werden, weil an den Schichtgrenzen die Signale anders reflektiert werden.
Reicht es, wenn in einer Walgruppe bei nur einem oder wenigen Tieren das Echolot-System falsche Signale liefert und dann alle Wale in ihr Verderben schwimmen?
Das Sozialverhalten der Wale ist stark ausgeprägt und tatsächlich ist schon oft beobachtet worden, dass eine Walgruppe einem einzelnen Tier folgt.
Die Helfer vor Ort in Neuseeland versuchen, die noch lebenden Tiere aufs offene Meer zurückzuführen, doch diese schwimmen immer wieder zum Strand zurück. Weshalb?
Das hat nichts mit einem vermeintlichen Selbstmord-Sinn der Wale zu tun. Vielmehr hat das mit ihrem äussert sozialen Verhalten zu tun. Die gegenseitige Bindung der Tiere aneinander lässt die lebenden Wale immer wieder zu den anderen zurückschwimmen. Diese so liebenswerte Eigenschaft führt die Wale nun also in ihr Verderben. Sie kehren wieder zurück zu den anderen Tieren und damit an den Strand, wo sie dann endgültig sterben.
Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.