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Gemeine und Deutsche Wespe
guêpes (franz.); wasps (engl.)
wissenschaftliche Namen:
Gemeine Wespe: Vespula vulgaris L.
Deutsche Wespe: Vespula germanica (Fabricius)
Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Hymenoptera, Vespidae
Die Gemeine und die Deutsche Wespe (Vespula vulgaris und V. germanica) werden von süssen Trauben und dem Geruch von Gärung angelockt. Sie höhlen die Trauben von innen her aus und fressen das Fruchtfleisch. Das Aufhängen von Nahrungsfallen mit einer Flüssigkeit, die Wespen anzieht, ist ein Mittel zur Verhinderung von Schäden durch Wespen.
Abb. 1. Wespen durchstechen die Traubenhaut und höhlen die Beeren von innen her aus.
Schaden / Schadwirkung
Wespen können grosse Schäden anrichten, insbesondere an frühen und aromatischen Rebsorten oder an Tafeltrauben. Wespen werden von süssen Substanzen und dem Geruch von Gärung angezogen. Sie durchstechen mit ihren Mundwerkzeugen die Traubenhaut und fressen von innen her das Fruchtfleisch (Abb. 1). Dadurch können sie die Entwicklung von Grau- und Essigfäule begünstigen. Abgesehen von den Schäden an der Ernte sind Wespen auch eine Gefahr für Menschen, die in den Weinbergen arbeiten.
Abb. 2. Die Gemeine und die Deutsche Wespe können mit Hilfe der Zeichnung des Stirnschildes unterschieden werden.
Beschreibung der Gemeinen und der Deutschen Wespe
Die Gemeine und die Deutsche Wespe sehen phänotypisch sehr ähnlich aus (Abb. 2). Beide Arten gehören zu den Hautflüglern (Ordnung Hymenoptera) und haben zwei Paar häutige Flügel. Die Brust (Thorax) und der Hinterleib (Abdomen) sind durch eine Einschnürung (Wespentaille) voneinander getrennt. Sie sind gelb-schwarz gefärbt und haben einen Giftstachel, mit dem sie Beutetiere (Insekten, Spinnen usw.) lähmen können.
Die Arbeiterinnen können anhand der Zeichnung des Stirnschildes unterschieden werden. Die Gemeine Wespe hat auf der Vorderseite des Kopfes zwischen den Augen eine ankerförmige Markierung auf gelbem Grund. Während die Deutsche Wespe einen nach unten gerichteten Streifen und schwarze Flecken oder nur schwarze Flecken (1-3 schwarze Flecken) zeigt.
Lebensraum der Gemeinen Wespe
Die Gemeine Wespe nistet meist unterirdisch im Boden von Wäldern, Wiesen, Grashängen, an Ufern oder in Gärten (z. B. in Höhlen von Nagetieren oder Erdspalten). Oberirdische Nester befinden sich immer in geschlossenen, dunklen Räumen, wie Baumhöhlen, Mauerlücken, Dachböden oder zum Beispiel Rolllädenkästen. Das Nest wird aus zerkautem Holz, das mit dem eigenen Speichel vermischt ist (Holzbrei), zusammengeklebt. Es besteht aus einer Hülle, aus Waben mit Zellen für die Eier/Larven sowie einem Ein- und Ausflugloch. Die Nester werden von oben nach unten gebaut. Im Sommer hat das Nest einen Durchmesser von rund 20 cm mit etwa 7´000 bis 10´000 Zellen und die Kolonie umfasst rund 16´000 Arbeiterinnen (viele Zellen werden mehrfach genutzt) (Zahradnik, 1985).
Lebensraum der Deutschen Wespe
Im Allgemeinen bevorzugt die Deutsche Wespe offene Lebensräume und ist auch häufig in städtischen Gebieten zu finden. Die Nistplätze sind meist unterirdisch in Grasland aber auch oberirdische Nester kommen vor. Im Boden können die Nester einen Durchmesser von 25 cm erreichen. Das Nest ist grau, was darauf zurückzuführen ist, dass die Arbeiterinnen verwittertes Holz von alten, trockenen Stämmen oder Holzpfählen sammeln (im Gegensatz zur Gemeinen Wespe, die verrottetes Holz verwendet).
Ausgewachsene Nester bestehen im Durchschnitt aus etwa 7´500 Zellen, aufgeteilt in 7-8 Waben, aus denen etwa 8´000 Arbeiterinnen und mehrere Hundert Männchen und Weibchen aufgezogen werden (Zahradnik, 1985).
Nahrung der Gemeinen und der Deutschen Wespe
Arbeiterinnen sammeln Materialien, die für den Nestbau, die Ernährung oder für die Aufrechterhaltung der Nesttemperatur gebraucht werden und bringen diese zurück ins Nest. Die wichtigsten Materialien, die in eine Kolonie gebracht werden, sind ein Brei aus verrottetem Holz und Speichel, Flüssigkeiten mit gelösten Kohlenhydraten, einschliesslich Wasser im Fruchtfleisch, sowie Insekten oder Spinnen. Brei und Wasser werden für den Nestbau und als Hilfsmittel zur Senkung der Nesttemperatur verwendet, wenn es zu heiss wird. Die Flüssigkeiten und die Beutetiere werden für die Ernährung der Larven, der Königin und der neuen Generation von Weibchen und Männchen gebraucht.
Lebenszyklus der Gemeinen und der Deutschen Wespe
Im Frühling erwacht die fruchtbare Wespenkönigin aus dem Winterschlaf und sucht einen geeigneten Platz für den Nestbau. Wenn sie ein in den Boden führendes Loch (zum Beispiel ein verlassenes Mäusenest) gefunden hat, verschwindet sie darin. Ist sie mit der Wahl zufrieden, beginnt sie mit dem Nestbau. Die Königin baut ein paar Zellen und legt darin ihre befruchteten Eier ab, die sie zu ihren ersten Arbeiterinnen aufzieht. Aus den Eiern schlüpfen die Larven. Damit diese nicht aus der Zelle fallen, werden sie an der Zellwand festgeklebt. Die ersten Larven werden von der Königin gefüttert, zuerst mit Säften, später auch mit fester Nahrung. Die Larve häutet sich dreimal und verpuppt sich anschliessend in der Zelle. Die Entwicklung vom Ei zur Arbeiterin dauert etwa 4-5 Wochen. Diese bauen am Nest weiter, füttern die neu entstehende Nachkommenschaft und sorgen für eine gleichmässige Temperatur im Nest. Die Königin beschränkt ihre Tätigkeit fortan auf das Legen der Eier. Pro Tag produziert sie 200-300 Eier. Sie setzt auch Pheromone frei, um die Kolonie zusammenzuhalten. Die Anzahl Arbeiterinnen nimmt schnell zu und dementsprechend wird auch das Nest immer grösser.
Gegen Ende des Sommers hat das Wachstum der Kolonie seinen Höhepunkt erreicht. Die Königin produziert jetzt Eier, die sich zu neuen Königinnen und fruchtbaren männlichen Wespen entwickeln. Wenn das Wetter abkühlt, erreicht die Königin das Ende ihres Lebens und die soziale Struktur innerhalb der Kolonie beginnt zu zerfallen. Die verbleibenden Wespen haben keine Bindung mehr an das Nest und gönnen sich zuckerhaltige Nahrung, wie z. B. verfaultes Obst oder reife Früchte.
Die neuen Königinnen verlassen das Nest und werden von männlichen Wespen befruchtet, bevor sie einen Platz finden, um bis zum nächsten Jahr zu überwintern.
Die ganze Kolonie stirbt, nur die neuen Königinnen überleben.
Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung
- Das Aufhängen von Fallen ist ein Mittel zur Bekämpfung von Wespen im Weinberg. Die Fallen enthalten eine Mischung aus süssem Apfelwein, Fruchtsaft, Beerensirup, Essig, Wein und/oder Bier in unterschiedlichen Anteilen (Linder et al., 2016). Die Mischung wird oft mit Wasser und mit einigen Tropfen Seife verdünnt. Die Seife verringert die Oberflächenspannung und erhöht die Haltbarkeit.
- Die Trauben können auch mit feinmaschigen Netzen gegen Wespen geschützt werden. Diese schützen auch vor Vogelfrass. Damit die Vögel die Netze gut erkennen und sich nicht verletzen, sind auffällige Netze, beispielsweise in Blau, deutlich besser geeignet.
- Einige Wochen vor dem erwarteten Erntezeitpunkt, Trauben mit einem Schutzbeutel ausstatten (geeignet für den Hobbygärtner).
- Insektizide sind gegen Wespen nicht zugelassen und Behandlungen können aufgrund der zeitlichen Nähe zur Ernte nicht durchgeführt werden.
Literatur
Linder C, Kehrli P, Viret O, 2016. La Vigne, vol. 2. Ravageurs et auxiliaires. AMTRA, route de Duillier 50, 1260 Nyon: 393 S.
Zahradnnik J, 1985. Bienen, Wespen, Ameisen: Die Hautflügler Mitteleuropas. Kosmos Naturführer: 191 S.