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Ungleiche Gesundheitschancen werden im Nationalen Gesundheitsbericht als Querschnittsthema behandelt, beginnend bei den Faktoren, die die Gesundheit und das Wohlbefinden in seiner ganzen Breite beeinflussen (Kapitel Lebenswelten, Umweltfaktoren und gesellschaftliche Rahmenbedingungen), bis zu den Bedingungen, die den Zugang zum Gesundheitssystem bestimmen (Kapitel Gesundheitsversorgung).
In verschiedenen Kapiteln werden Kinder mit erhöhten familiären Belastungen im Hinblick auf ihre Gesundheits- und Lebenschancen beschrieben. Gewisse Kinder und Jugendliche übernehmen eine Pflege- oder Betreuungsrolle für nahestehende Personen, eine Herausforderung, die ihre eigenen Gesundheitschancen beeinträchtigen kann. Weitere Gesundheitsrisiken in der Familie sind geringe Bildung, Armut, fehlende Arbeit oder unsichere Arbeitsbedingungen und insbesondere auch Migrationserfahrungen.
Häufig sind Kinder und Jugendliche hinsichtlich der Gesundheitschancen mehrfach belastet, zum Beispiel leben Armutsbetroffene oft unter ungünstigen räumlichen Bedingungen: So hatten 2015 83,5% der armutsbetroffenen Haushalte und 57,1% der Haushalte von Menschen in prekären Lebenslagen keinen angemessenen Wohnraum (Kapitel Lebenswelten, Umweltfaktoren und gesellschaftliche Rahmenbedingungen).
Als schwere Belastung ist das Erleben von Gewalt einzuschätzen. 10% der männlichen und 18% der weiblichen Jugendlichen (15–16 Jahre) erlebten im Jahr der Befragung Gewalt durch ihre Eltern. Gemäss aktuellen Zahlen erleben zudem 6,9% der 11- bis 15-jährigen Mädchen und 5,8% der Jungen mehrmals im Monat bis mehrmals in der Woche Mobbing durch Dritte (Kapitel Lebenswelten, Umweltfaktoren und gesellschaftliche Rahmenbedingungen). Bezüglich Cyberbullying oder mobbing geben rund ein Viertel der Jugendlichen in der Schweiz an, bereits einmal im Internet «fertig gemacht» worden zu sein, und 16% haben schon erlebt, dass online Falsches oder Beleidigendes über sie verbreitet wurde (Kapitel Digitale Medien: Chancen und Risiken für die Gesundheit).
Neben Faktoren, die direkt auf die Gesundheit einwirken, hat auch das Gesundheitssystem einen Einfluss auf die Chancengleichheit bezüglich Gesundheit und Wohlbefinden: Der Zugang gewisser Gruppen der Migrationsbevölkerung zu gesundheitsfördernden Angeboten ist teilweise ungenügend (Kapitel Gesundheitsförderung und Prävention). Ausgleichend wirken hingegen Schuluntersuchungen, wo vorhanden: Sie können fehlende Kontrollen oder Impfungen bei Kindern nachholen, die sie in der frühen Kindheit nicht erhielten. Ein Engpass, der sich auf Familien in sozioökonomisch bescheidenen Verhältnissen verstärkt auswirkt, besteht bei der Versorgung der Kinder mit psychotherapeutischen Angeboten (Kapitel Gesundheitsversorgung).