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Jakob Joseph Müller kennt man heute als Schöpfer von Bild-Meisterwerken im stilistischen Übergang vom Barock zum Rokoko. Das Deckengemälde in Maria Dreibrunnen ist ein eindrücklicher Beleg seiner Meisterschaft.
Doch der begabte Kunstschaffende verfügte noch über andere Fähigkeiten. In seiner Vaterstadt machte er auch in der Verwaltung und in der Politik als Magistrat Karriere.
Er übte verschiedene Funktionen aus: Er war unter anderem für die Wiler Finanzen zuständig, amtete als Ratsherr, als Richter, als Kirchenpfleger und war zeitweise auch Stadtoberhaupt. Zudem hatte er eine Handelsfirma für Textilen sowie für Vanille und Schokolade, und er betätigte sich als Wirt. Zeitweise verdiente er sein Geld auch als Kunsthändler.
Ausbildungsjahre in Rom und Madrid
Jakob Joseph war ein Sprössling der Müller-Dynastie, die im Steinhaus am Fusse der Altstadt zuhause war. Am 30. Juli 1729 kam er zur Welt. In einigen Unterlagen ist der 28. Juli als Geburtsdatum vermerkt. Das Steinhaus stand an der Stelle der heutigen Niederlassung der St. Galler Kantonalbank.
Sein Vater betrieb mit Partnern einen künstlerischen Malerbetrieb. Bei ihm erhielt Jakob seien ersten Anleitungen im Zeichnen. Als Neuzehnjähriger reiste er nach Rom. Dort nahm ihn Corrado Giaquinto als einen seiner Schüler auf. Giaquinto gilt als bedeutender Maler des Rokoko.
Er wurde als Direktor der Königlichen Akademie in Madrid ernannt. Müller nahm er mit. Dieser errang dort als herausragendes Talent den ersten Preis an der Akademie in Form eines Diploms und einer Goldmedaille.
Gelöbnis für ein Deckengemälde
In Spanien vermählte er sich mit einer Frau, die wahrscheinlich Schweizer Wurzeln hatte. Sie brachte einige Vermögenswerte in die Ehe mit ein. Als sein Vater 1759 starb, kehrt Müller mit seiner Familie nach Wil zurück. 1761 bot er dem Rat von Wil an, kostenlos die Decke von Maria Dreibrunnen zu bemalen, wenn der Rat seinerseits die Kosten für das Material übernehme. Müller soll damit ein Gelöbnis eingelöst haben: Wenn er unbeschadet von Madrid nach Hause zurückkehren würde, so wolle er dieses Deckenbild malen. 1763 fertigte er zudem Medaillonbilder für die Seitenwände der Kirche an. Wiler Familien hatten diese Bilder gestiftet.
Künstlerische Spuren in Kirchen
In späteren Jahren hielt er sich auch in Wien auf, wo er Gemälde berühmter Meister kopierte. Er reiste ein weiteres Mal nach Madrid sowie auch nach Mailand. In diesen Metropolen holte er sich Inspirationen für eigene Werke.
Insbesondere in der Ostschweiz erhielt er zahlreiche Malaufträge in Kirchen, so etwa im St. Galler Dom, in Niederbüren, in Mühlrüti, in Wattwil, in Hemberg, in Wallenwil, in Mörschwil, in Wildhaus, in Bernhardzell und auch in Wil. Er war als der «Maler von Wil» bekannt und hat wahrscheinlich auch Mitarbeiter beschäftigt.
Heute gilt nur noch das Bild in Maria Dreibrunnen als unverfälscht. Viele weitere Arbeiten von Müller wurden in späteren Jahren nach seinem Tod abgeändert, ergänzt oder übermalt, um sie dem veränderten Zeitgeschmack anzupassen.
Mit hohem gesellschaftlichem Ansehen und einem immensen Lebenswerk ist Jakob Joseph Müller 1801 gestorben.