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Heiner Koechlin 1918-1996- Porträt eines Basler Anarchisten. Reinhardt Verlag, Basel 2013.
Am Spalenberg, der von der Vorstadt hinunter ins Herz der Stadt Basel führt, befindet sich seit gut fünfzig Jahren das Antiquariat Koechlin: ein schmaler, dunkler Laden voller Bücher, ein geheimnisvoller Ort voller Geschichten. Heiner Koechlin, Mitbegründer und Besitzer, war eine stadtbekannte Persönlichkeit. Jeden Tag sah man den hageren Mann mit der schwarzen Baskenmütze auf dem Kopf auf seinem Velosolex ins Antiquariat fahren. Hier beriet er seine Kunden, empfing Besuch aus aller Welt, beobachtete, diskutierte und schrieb. Der Antiquar Koechlin war in der Stadt aber auch als unbequemer politischer Denker bekannt.
1918 in Basel geboren, erlebte er beinahe das gesamte 20. Jahrhundert. Die Biographie – entstanden auf der Basis seiner schriftlichen Lebenserinnerungen – gibt Einblicke in ein spannendes Stück Basler Geschichte. Sie erzählt von den Grabenkämpfen zwischen Kommunisten und Sozialisten im Arbeiterquartier Kleinhüningen, von Begegnungen mit Flüchtlingen während des Zweiten Weltkriegs und von den Ängsten und Nöten der ersten spanischen Arbeitsmigranten.
In seinen Memoiren, die Koechlin «Am Rande des Geschehens» betitelte, stellt er das lokale Geschehen immer auch in einen internationalen Zusammenhang. Als politischer Denker war Heiner Koechlin zeit seines Lebens ein visionärer Chronist und Kämpfer für soziale Gleichheit und Gerechtigkeit. Als junger Mann hatte er sich intensiv mit dem Kommunismus und der Sozialdemokratie auseinandergesetzt, ehe er als konsequenter Antiideologe im Anarchismus eine politische Heimat in Freiheit fand. 1995, kurz vor seinem Tod, schrieb er:
«Fragt man mich heute, ob ich noch Anarchist sei, was häufig vorkommt, so fällt mir die Antwort nicht leicht. Sie kann nur ‹Nein› und ‹Ja› lauten. So lange Menschen Menschen sind, können wir auf einen Rechtsschutz, auch einen gewaltsamen, nicht verzichten. Doch liegt in diesem Schutz selbst wiederum eine tödliche Gefahr für das Recht, das er schützen soll. Ich bin darum nach wie vor Anarchist, indem ich kein Gesetz anerkenne, und wäre es von einer Volksmehrheit beschlossen, das meinem moralischen Empfinden widerspricht.»