Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03205.jsonl.gz/2629

Am 22. November 2021 wurde in Zeglingen ein Wolf beobachtet und fotografiert. Wahrscheinlich handelt es sich um ein männliches Jungtier. Seit der Rückkehr des Wolfes in die Schweiz ist es die erste Sichtung im Kanton Basel-Landschaft. Die ersten Artikel mit überspitzten Titeln und manch offenen Fragen sind bereits publiziert. Die DNA-Analyse bestätigt nun, dass die sieben Geissen in der Gemeinde Lauwil von einem Wolf gerissen wurden. Ob der Jungwolf für die Risse verantwortlich ist, bleibt unklar.
Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurde der Wolf (Canis lupus) in Teilen Europas sowie in der Schweiz mit Gewehr und Gift ausgerottet. Seit 1995 wandert er nun aus dem italienisch-französischen Alpenraum wieder in die Schweiz ein. Mittlerweile haben sich fünfzehn Rudel im Kanton Graubünden, Tessin und im Oberwallis angesiedelt. Weitere (Einzel-)Nachweise stammen aus den Pyrenäen, dem Massif Central, den Vogesen und dem französischen Jura. Eine Ausbreitung in den schweizerischen Jura wurde stets als Möglichkeit angesehen.
Nun wurde ein erstes Tier in Zeglingen an zwei verschiedenen Orten gesichtet. Die Stiftung KORA (Stiftung Raubtierökologie und Wildtiermanagement) hat die Sichtung bereits offiziell bestätigt. Es wird vermutet, dass sich das männliche Jungtier lediglich auf der Durchreise befindet. Die Zeit wird es zeigen, ob er bleibt oder weiterzieht.
Angst vor dem Wolf muss niemand haben, denn er ist ein scheues Tier. Einen Angriff auf einen Menschen gab es in Westeuropa schon seit Generationen nicht mehr. Konflikte ereignen sich vor allem wegen Übergriffen auf Nutztiere wie Schafe und Ziegen, wenn diese ungeschützt sind. Durchschnittlich zweihundert Nutztiere werden pro Jahr in der Schweiz gerissen. Zum Vergleich: Jährlich sterben rund viertausend Schafe an Krankheiten und bei Abstürzen auf der Alp, weil sie ungenügend kontrolliert werden. Als wichtigste Massnahme bei der Ankunft des Wolfes gilt somit ein gut funktionierender Herdenschutz. So ist ein Miteinander möglich.
Der WWF setzt sich seit Jahren dafür ein, dass der Wolf in der Schweiz überleben kann. Für ein konfliktfreies Nebeneinander von Wolf und Mensch ist der Schutz von Nutztieren wichtig. Zum Schutz der Schaf- und Ziegenherden gibt es eine Vielzahl von Methoden: So unterstützt der WWF die Haltung von Herdenschutzhunden, die Ausbildung von freiwilligen Hirtenhilfen und ebenfalls wichtig: Dass der Wolf per Gesetz weiterhin geschützt bleibt.
Der Wolf ist ein häufiger Charakter in Märchen, Sagen und Mythen. So wird er in von der Jagd abhängigen Völker als starker und überlegener Mitstreiter betrachtet und bewundert. In unserer abendländischen Kultur wird er jedoch oft als hinterhältiger (Rotkäppchen, Brüder Grimm), böser (Der Wolf und die sieben Geisslein, Brüder Grimm) oder gar dämonischer Wolf (Werwolfmythos) dargestellt. Wichtig bleibt: Märchen und Realität müssen voneinander getrennt betrachtet werden.
Wölfe sind soziale Tiere und leben im Rudel. In Europa besteht dieses meist aus den Elterntieren und vier bis sechs Jungtieren. Haben diese die Geschlechtsreife erreicht (meist im zweiten Lebensjahr) wandern sie ab und gründen eigene neue Rudel. Jedes Rudel verteidigt ein entsprechendes Revier.
Die Wölfe jagen mehrheitlich Rothirsche, Rehe und Gämsen. Sie sind jedoch nicht besonders wählerisch. So stehen auch Kleinsäuger, Insekten, Vögel, Reptilien, Früchte und Aas auf ihrem Speiseplan. Da sie vorwiegend kranke und schwache Tiere erlegen, tragen sie zum ökologischen Gleichgewicht bei und gewährleisten als natürlich vorkommende Jäger einen gesunden Wildbestand.
Wissenschaftlicher Name: Wolf, Canis lupus
Verwandtschaft: Aufgrund seiner weltweiten Verbreitung haben sich mehrere Unterarten entwickelt.
Gefährdungsstatus (IUCN): Weltweit nicht gefährdet, Alpenpopulation jedoch stark gefährdet
Körpergrösse: Je nach Lebensraum, gibt es deutliche Unterschiede: Schulterhöhe: 50 bis 100 cm
Gewicht: Je nach Lebensraum, gibt es deutliche Unterschiede: 15 bis 80 kg
Verbreitung: An stark unterschiedliche Lebensräume angepasst: Nadelwälder, Steppen, Wüsten, Hochgebirge.
Texte von Nora Kaiser-Hungerbühler im November 2021,
basierend auf Informationen von WWF Schweiz, WWF Bern, KORA und Gruppe Wolf Schweiz.