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Max in Indien (2014)
Merkwürdigerweise ist die Steigerungsform von "alt", also "älter", meist jünger als älter, erst recht als "alt". In der Tat ist dieser Satz sehr kompliziert zu verstehen. Lies ihn ruhig zweimal durch. Ein "älterer Herr" ist jünger als ein "alter Mann".
Ein "älterer Herr", das ist einer, der bedächtig und aufmerksam durch einen Park spaziert. Sein Stöckchen mehr zur Zier in der Hand als zu Hilfe. Er sieht im Allgemeinen jünger aus.
Ein "alter Mann" ist meist jemand, dem man es ansieht, dass er sein Leben lang hart arbeiten musste und damit seinen Körper verschlissen und abgenutzt hat. Er sieht um Jahre älter aus. Er braucht seinen Stock als Gehhilfe.
In der Realität bin ich glücklich. Ich habe manche Hochs und Tiefs durchschritten, aber ändern würde ich nichts, wenn ich alles nochmals durchleben könnte. Von den Tiefs habe ich viel gelernt und die darauf folgenden Hochs in vollen Zügen genossen und ausgelebt. Ich hatte ein wunderbares Leben und ich habe ungemein viel erlebt. Es gibt wenige Dinge, die mich traurig machten, weil ich sie verpasst hatte oder vielleicht noch machen möchte.
Mit dem Alter geht manches verloren oder funktioniert nicht mehr wie früher, aber ich lebe und entdecke immer noch Neues. Ich habe gelernt, mit dem Vorhandenen zufrieden und glücklich zu sein, und das Vergangene abzuhacken. Meine Sinne sind weiterhin offen und bereit auf Neues.
Als Kind freute ich mich, älter zu werden. Aber nicht so alt, wie meine Eltern, denn die waren in meinen Augen "richtig alt". Ich erinnere mich noch gut an die Kleidung meines Vaters. Er trug immer einen Anzug mit Kravatte und Hut. Höchstens in den Ferien auf einer Wanderung da traten eine Windjacke und "Knickerbocker" an seine Stelle. Er trieb keinen Sport und starb mit 52 Jahren an einem Auto-Unfall in England.
Vielleicht war dies auch der Grund, dass ich meinen 40. Geburtstag nicht feierte, weil ich das Gefühl hatte, nun alt zu werden. Dann kam meine Scheidung! Ein schreckliches Erlebnis, aber nachträglich einer meiner grössten Glücksfälle. Ich lebte auf und entdeckte ein neues Leben mit neuen Zielen. Die weiteren geraden Geburtstage, den 50., 60. und auch 70. habe ich dann wieder mit voller Freude gefeiert, denn ich entdeckte, dass ich immer noch leben, geniessen und Neues entdecken konnte.
Ich bin mir aber auch bewusst, dass ich selber keine Lebensaufgabe gemäss Evolution mehr habe. Ich bin nicht mehr verantwortlich für Nachwuchs. Ich konsumiere nur noch. Und dies mache ich nun in vollen Zügen.
4102 Binningen, 30. April 2015
Max W. Lehmann
Ich bin weder ein Politiker, noch ein Prominenter. Ich bin kein Spitzensportler und noch weniger ein Fernsehstar. Ich bin ein ganz normaler Bürger, Vater, Ehemann, ein Mensch wie Du und ich, der aber viel erlebt hat. Ich bin ein Lebens-Star
Eine Autobiographie oder Memoiren zu schreiben, ist ein typisches Zeichen des Alters. Ich habe etwas erreicht und will es jemandem mitteilen, oder mich beweisen oder anerkannt werden. Mit einer Autobiografie kann man auch Geld verdienen. Zu denen werde ich wahrscheinlich nicht gehören. Autobiografien sind aber auch ein Mittel, um seinen exhibitionistischen Neigungen nachzugehen.
Ueber meine Vorfahren weiss ich wenig oder fast gar nichts. Auch das Leben meiner Eltern ist wie ein Buch aus sieben Siegeln. Ich habe es verpasst, sie vor ihrem Tod auszufragen. Es blieb bei einem recht detaillierten Stammbaum über etwa 4-5 Generationen. Dasselbe soll für meine Nachfahren nicht gelten. Sie sollen über mich und mein Leben Bescheid wissen. Auch wenn sie es nicht mögen.
Bereits vor Jahren nach meiner Scheidung im 1990 habe ich begonnen ein Tagebuch zu schreiben. Dann kam im 2001 meine Homepage im Internet dazu, in der ich verschiedene Lebensabschnitte, Episoden und Interessen versuchte, zu beschreiben und genauer zu durchleuchten. Es war für mich faszinierend, was dabei alles herauskam. Ich entdeckte, wie ich mich im Laufe der Zeit entwickelte, wie ich auf dem geraden Weg abbog und eine neue Richtung einschlug. Aus heutiger Sicht meist ins Positive. Ich lernte meine Umwelt rückblickend einzuordnen. Vielleicht ist das schreiben meiner Autobiografie eine Therapie?
Begonnen habe ich mit dem Schreiben dieser Autobiografie um den 10. Juli 2010, als ich auf Solaris überlegte, wie es mit meiner Homepage weitergehen sollte. Was, wenn ich einmal sterben werde? Damals entschied ich, eine Autobiografie zu schreiben und anstatt einer Abdankung mit vielen Lobpreisungen allen meinen Freunden eine CD mit meinen Lebenserinnerungen abgeben zu lassen.
Meine Autobiographie will keine Abrechnung mit irgendjemandem sein, auch wenn mich einige Ereignisse schwer getroffen haben. So versuche ich diese wenigen Ereignisse möglichst sachlich zu beschreiben und zu analysieren, denn sie gehören zu meinem Leben. Ich werde ganz speziell darauf eingehen, wie und wie schnell ich diese Tiefschläge überwunden und daraus neue Kraft geschöpft habe.
Welches Medium war nun das Geeignete? fragte ich mich als erstes. Soll ich ein Word-Dokument schreiben und daraus dann ein illustriertes Buch ausdrucken? oder vielleicht meine Vorliebe fürs Internet fortsetzen und die Internet-Sprache HTML benutzen?
Zum Internet entschloss ich mich, weil ich bereits über unzählige Geschichten, Berichte und Erlebnisse in meiner aktuellen Homepage verfasst und gespeichert habe. Mit HTML bin ich zudem flexibler und kann mit dieser Technik auch problemlos Bilder und weitere Dokumente integrieren. Und was ganz wichtig ist, alles auf eine DVD brennen und sowohl als interaktives Medium als auch in gedruckter Form hinterlassen.
Angefangen habe ich damit, alle meine Gedanken aufzuschreiben. Dies gab ein wahres Wirrwarr. Meine Lebensgeschichte hüpfte hin und her. Kurzum, ich bekam es nicht in den Griff. Ich musste eine Struktur in die Flut der Informationen bekommen. Ich begann meine Gedanken zu strukturieren. Was lag da nahe? Altersgemäss in Form eines Super-Tagebuches. Bald stellte ich aber fest, dass dies gar nicht so einfach ist, denn gewisse Erlebnisse tauchen in jedem Alter wieder auf z.B. die jährlichen Ferien, Kontakte mit den Eltern, technische Entwicklungen und Sport-Erlebnisse etc.
Da kamen mir die Memoiren resp. "Erinnerungen 1930-1982 des Helmut Kohls" in die Hände. Aus seinem Aufbau habe ich manche Ideen übernommen. Vorallem sein Einstieg mit seiner Jugendzeit und sein Rückblick auf seine Eltern und Grosseltern hat mir geholfen. Ich entdeckte manche Aehnlichkeit, denn mein und auch sein Vater waren "einfache" Staatsbeamte.
Aber wie so oft hatte ich die besten Ideen und Geistesblitze im Bett. Ich erinnere mich noch gut, als ich am 7. Sept. 2010 aufwachte, hatte ich mein Inhaltsverzeichnis vor Augen: Zwei Verzeichnisse nämlich. Ein Verzeichnis sortiert nach Zeit und ein zweites nach Begriffen und Erlebnissen. Unverzüglich setzte ich mich an den PC und schrieb die noch heute gültige Struktur meines Buches "Ich habe gelebt":
Eine zeitliche Struktur meiner Lebensentwicklung Kindheit, Schule, Lehre, Militär, Studium, Beruf, Familie, Pension etc,
und dann eine sachliche und thematische Struktur, deren Positionen zeitunabhängig sind oder zusammen gehören: Hobbies, Sport, Meine Frauen, Ferien, Wohnorte etc
Ohne PC hätte ich dieses Ziel eines Buches nie erreicht, denn ich kann nicht druckreif formulieren. Ich muss meine Sätze und Abschnitte mehrmals umschreiben und ergänzen, meist mit beschreibenden Adjektiven. Man muss wissen, dass ich in der Schule ein schlechter Schreiber war. In den Aufsätzen erhielt ich meistens ungenügende Noten. Meine Formulierungen waren holprig und nicht strukturiert. Für meine Deutsch-Lehrer muss ich ein "Deutsches Ferkel" gewesen sein. Durch viele Uebungen im Beruf und im Privaten, im Schreiben meiner Berichte und Tagebücher, habe ich mir eine gewisse Fertigkeit geschaffen. Auch heute noch, muss ich an meinen Sätzen und Formulierungen feilen, damit man mich versteht, der Text interessiert und zum Schmunzeln anregt.
Es war äusserst schwierig, die vielen Gedanken und Erinnerungen, die auf mich einprasselten, in Worte und Sätze zu fassen, ohne dass ich etwas vergass. Das Gehirn arbeitet unheimlich schnell, aber diese Flut von Informationen in Worte zu fassen, war eine grosse Herausforderung. Ohne 10-Finger-System eine Sache der Unmöglichkeit. Dank sei meinen paar Monaten in der Handelsschule und im Militärdienst bei den Funkern und Uebermittlern. Dort lernte ich im 10-Fingersystem zu schreiben.
Oft, ja viel zu oft musste ich meine Erinnerungen verifizieren. Ich wusste z.B. die Vornamen meiner Schulkameraden oder gewisse Jahreszahlen nicht mehr. Meine Fotoalben, Dokumenten-Ordner und das Internet waren mir eine grosse Hilfe.
Es ist erstaunlich, welche Informationen das Gehirn ausspucken kann. Je tiefer und je länger man über etwas nachdenkt, je mehr Erinnerungen stellt das Gedächtnis zur Verfügung. Unverhofft tauchen Details auf, die man nicht für möglich gehalten hätte. Die beste Zeit dafür ist die Nacht resp. die frühe Morgenzeit, wenn das Gehirn unbelastet vom täglichen Kram ist. Viele der Erinnerungen kamen mir zu den unmöglichsten Zeiten. Mitten im Schlaf, als ich z.B. von meinen Lehrern im HG träumte und auf einmal waren mir ihre Namen präsent.
Die beste und kreativste Zeit zum Schreiben und Formulieren hatte ich jeweilen am Vormittag. In dieser Zeit stand mir der grösste deutsche Wortschaft zur Verfügung. Später fehlten mir oft die richtigen Worte. Ich musste mich auf Stichworte begnügen.
Eine Biografie ohne Bilder und Dokumente hat keinen inhaltlichen Wert, also begann ich unzählige Fotos zu digitalisieren und mit Photoshop zu bearbeiten. Bei den meisten musste ich Bildflecken wegretuchieren und die Bilder schärfen. In meinem Fundus von meiner Mutter fand ich viele alte und uralte Bilder. Viele musste ich Personen und einer Zeitperiode zuordnungen. Es war faszinierend, wie sich dadurch eine neue Welt auftat. So entstand neben der Biografie als Nebenprodukt eine digitale Sammlung vieler Bilder und Schriftdokumente zurück bis ins Jahr 1885.
Parallel zur Dokumentation meiner Erinnerungen arbeitete ich an den beiden Stammbäumen Elsass und Buggingen, denn ich wollte die Zusammenhänge aufzeigen. Wie sind die Lehmanns, mit den Meihofers und Webers verwandt. Bald stellte ich fest, dass es in der Realität auf Buggingerseite 2 Vorfahrenlinien gibt: die der Lehmänner und Schneiders. Leider fand ich auf der Elsass-Seite meiner Mutter keine Ansprechpartner mehr. Aber Glücklicherweise habe ich von meiner Mutter noch einige Informationen über ihre Vorfahren erhalten.
Ich Max Willi Lehmann wurde geboren am 31. Dez. 1942 um 11:20 Uhr in Basel-Stadt, besuchte nach der Primarschule während 4 Jahren das altsprachliche Humanistische Gymnasium auf dem Münsterplatz in Basel, machte anschliessend eine Laboranten-Lehre bei CIBA, vertiefte meine Chemie-Kenntnisse am Technikum in Winterthur mit dem Chemie-Studium, wechselte dann aber zu meiner neuen Berufung der elektronischen Datenverarbeitung, wo ich mich als Programmierer, Analytiker, Projektleiter und Verkäufer beim amerikanischen Computer-Hersteller Sperry Univac emporarbeitete.
Dazwischen heiratete ich ein paar Mal, wurde Vater zweier Mädchen und Grossvater von 5 Enkeln. Im Militär machte ich Karriere bis zum Oberleutnant bei den Flieger- und Flab-Truppen. Zum Abschluss meines beruflichen Werdegangs war ich in verschiedenen Positionen bei Sandoz und deren Nachfolgefirma Novartis tätig, bis ich auf den 31. Dez. 2000 mit 58 Jahren auf meinen Wunsch vorzeitig pensioniert wurde. Dann bergann eine wunderbare Zeit als "Ferien-Ingenieur" in Istrien, der Toskana, Süd-Spanien und meinem geliebten Hua-Hin in Thailand. Rückblickend kann ich zufrieden feststellen:
Ich schrieb mehrere Jahre an dieser Autobiografie. Es wurde zu einer Abenteuerreise. Ich stieg als Entdecker in meine eigene Vergangenheit hinab und stiess auf Dinge, die verschüttet waren und aus dem Nichts wieder auftauchten. Bilder, woran ich mich genau zu erinnern meinte, erschienen anders, als mein Gedächtnis sie widerspiegelte, zum Teil während Jahrzehnten. Ich entdeckte Dinge, die mich beglückten, aber auch solche, die mich erschreckten und schmerzten. Aber dennoch blieb die Gewissheit:

Autobiografie von Max Lehmann

Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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