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Heute ist der 7. Januar, und würden ihr nicht bereits wichtige Persönlichkeiten – vom unglückseligen Ludwig III. von Bayern, über den heldenhaften kasachischen Kosmonauten Talghat Mussabajew, und den berühmten amerikanischen Schauspieler Nicolas Cage sowie den schrillen Gerhard Friedle alias DJ Ötzi bis hin zu unserem unbestechlichen Dick Marty – in gnadenloser Konkurrenz den Kalenderplatz streitig machen, müsste an diesem denkwürdigen Datum unbedingt an den Geburtstag meiner Mutter erinnert werden.
Der Geburtstag der eigenen Mutter ist einmalig. Nur wird diese Einmaligkeit des Geburtstages am 7. Januar – bei einer Weltbevölkerung, welche die Schwelle von 7 Milliarden Menschen längst überschritten hat – mit fast 20 Millionen anderen Personen geteilt.
Auch die Wahrscheinlichkeitstheorie hat sich lange mit dieser Frage beschäftigt und dabei das berühmte «Geburtstags-Paradoxon» entdeckt. Mit einfachen Worten erklärt, behauptet die Mathematik, dass die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Personen am gleichen Tag Geburtstag feiern, in einem Raum mit 23 Personen 0,51 beträgt, während sie bei 50 Personen den Wert von 0,97 erreicht: Das Ereignis wird also mit fast absoluter Sicherheit eintreffen.
Die Tradition, den Tag des Jahres, an dem ein Mensch geboren wurde, zu feiern, hat eine noch relativ junge Geschichte. In der Antike wurde dem Geburtstag eines Herrschers nicht zuletzt aus den verschiedensten astrologischen Gründen gedacht, weshalb das Christentum die Feier als heidnische Praxis betrachtete. So sind in der Bibel nur sehr wenige Geburtstage erwähnt, darunter allerdings jener berühmte des Herodes Antipas, während dessen Fest Salome das Haupt Johannes des Täufers verlangte (Mt 14,6). In Europa wurden die Geburtstage bis ins 19. Jahrhundert daher nur selten gefeiert, und wenn, dann ausschliesslich in den oberen Schichten und vorwiegend in protestantischen Gebieten. Im katholischen Raum wurde eher des Namenstags gedacht, an dem man die Personen mit dem Namen des entsprechenden Heiligen im liturgischen Kalender feierte. Mit der Abschaffung des Heiligenkultes während der protestantischen Reformation wurde auch der Kalender weltlich, und das Aufkommen der bürokratischen Staatsverwaltung mit einem Einwohnerverzeichnis erlaubte schliesslich eine grössere Gewissheit über das Geburtsdatum der Menschen aller sozialen Schichten. Dies bildete die Voraussetzung für die Ausweitung eines Festes, das aber erst im 20. Jahrhundert in seiner heutigen Form mit den Geschenken, der Torte mit den Kerzen, den Glückwünschen und allen weiteren Ritualen breite Bevölkerungsschichten erreichte.
Zum Schluss ein weiterer Streich des Kalenders: Auch Papst Gregor XIII. wurde an einem 7. Januar geboren, ausgerechnet er, dem wir den heutigen gregorianischen Kalender verdanken.
Herzliche Glückwünsche an alle, die am 7. Januar geboren wurden, und allen anderen ein gutes neues Jahr.
[Datum der Erstausstrahlung: Radiotelevisione Svizzera RSI, Rete Due, 7. Januar 2014, 07:05 Uhr]