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Am 18. Mai 2022 durfte Vereinspräsident Timotheus Bruderer im Wetziker Kronensaal eine Schar interessierter Teilnehmer zum Anlass «Welches Schulmodell braucht die Sekundarschule Wetzikon?» willkommen heissen. Er stellte zunächst den veranstaltenden Verein «Starke Volksschule Zürich» und dessen Tätigkeit vor. Daraufhin beschrieb er, wie er im Jahr 2020 im Wetziker Parlament mit breiter politischer Unterstützung eine Interpellation zur handstreichartig abgeschafften Sekundarstufe C einreichen konnte. Die Abschaffung der Stufe für die leistungsschwächsten Schüler war von der Schulpflege damit begründet worden, dass diese Schüler angeblich aufgrund eines «Sek-C-Stempels» diskriminiert würden. Eine Evaluation im Jahr 2021 brachte eine tiefe Zufriedenheit der Lehrerschaft, aber teils auch der Eltern mit dem zweigliedrigen Schulmodell zutage. Auch eine persönliche Umfrage von Timotheus Bruderer im Rahmen seines diesjährigen Wahlkampfs (65 Teilnehmer) zeigte auf, dass fast zwei Drittel der Befragten dem integrativen Ansatz in der Schule skeptisch gegenüberstehen. Die Verantwortlichen der Schule sind aber der Auffassung, es sei alles in bester Ordnung. Aus dieser Diskrepanz resultiert der Auftrag der Politik, sich mit den vorhandenen Problemen auseinanderzusetzen und aktiv zu werden.
Hanspeter Amstutz schöpfte aus seiner reichen beruflichen und politischen Erfahrung, als er dem Publikum in seinem Referat die Vorteile eines dreiteiligen Sekundarschulmodells aufzeigte. Die Dreiteiligkeit reduziert die Heterogenität in den Klassen und ermöglicht klare Leistungsprofile. Die Sek-C-Klassen müssen sich zwar mehr an den Ressourcen der Jugendlichen orientieren, ermöglichen aber ebenfalls den Zugang zu verschiedenen Berufslehren. Die Lernbeziehungen sind besser, weil die Lehrer mehr Zeit für die Schüler haben, es weniger Wechsel bzw. Unruhe in den Klassenzimmern gibt und die Stundenplanung flexibler ist. Es braucht dafür Lehrer mit einem breitem Fächerprofil, die ein ganzheitliches Bild von ihren Schülern und von deren Begabungen haben. In weniger heterogenen Klassen beteiligen sich schwächere Schüler mehr und haben häufiger schulische Erfolgserlebnisse. Dank mehr Flexibilität im Unterricht kann das Bildungsprogramm in Sek-C-Klassen besser auf bestimmte Berufslehren ausgerichtet werden. Bei heterogenen Klassen gibt es hingegen eine Nivellierung nach unten und die Schüler verlieren mit der Zeit den Mut. In kleineren Klassen mit zwei Lehrpersonen im Einsatz kann ein individuelles Lernprogramm für die Schüler erstellt werden. Die Potenziale bei den Schülern werden mittels konzentriertem Lernen in kleinen zielgerichteten Schritten gefördert.
Auch im Referat von Marianne Wüthrich war ihr Erfahrungshintergrund als ehemalige Berufsschullehrerin deutlich spürbar. Der Wert einer Schulbildung bemisst sich, wie sie ausführte, nicht nach der Etikettierung als Sekundarschule A, B oder C, sondern es kommt auf die Unterrichtsqualität an. Die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems können auch lernschwächere Schüler für sich nutzen, was Marianne Wüthrich anhand illustrativer Beispiele aufzeigte.
In der anschliessenden Diskussion mit dem Publikum wurde vertieft auf weitere Aspekte wie etwa den Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern eingegangen. Praktiker auch aus Wetzikon zeigten auf, wie gross der Lernrückstand in den heterogenen B-Klassen heute ist. Leider bringt die Einstufung als Sek-B-Schüler für die lernschwächeren Sekundarschüler keineswegs bessere Chancen im späteren Arbeitsleben mit sich.
Eines kristallisierte sich deutlich heraus: Es braucht homogenere Klassen, unter anderem durch die Wiedereinführung einer dritten Schulstufe. Ein integratives oder gar inklusives Modell um jeden Preis führt hingegen in die bildungspolitische Irre. Den ersten Schritt zurück zu einem mehrstufigen Schulmodell, das den Bedürfnissen von lernschwächeren Schülern vermehrt gerecht wird, macht der Verein «Starke Volksschule Zürich» mit einer Petition, welche wieder ein dreiteiliges Schulmodell für die Sekundarschule Wetzikon fordert. Diese Petition wird in den kommenden Wochen von der betroffenen Wetziker Bevölkerung hoffentlich rege unterzeichnet.