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01.08.2014 Luoyang Luoyang ist der Wohnort von Laura, unserer chinesischen Führerin. Ihr früherer Arbeitsort waren die Longmen Grotten. Heute führt sie uns. Luoyang ist eine der vier grossen alten Hauptstädte Chinas, die unter mehreren Dynastien die Hauptstadtfunktion ausübte. Heute hat sie sich zu einer wichtigen Industriestadt entwickelt. Im Jahr 493 verlegte die Nördliche Wei-Dynastie ihre Hauptstadt von Datong nach Luoyang. Gleichzeitig begann man, die Longmen-Höhlen zu graben. Dort hat man mehr als 30'000 buddhistische Bilder aus der Wei-Zeit gefunden. In jener Zeit soll Luoyang eine Bevölkerung von einer halben Million Einwohnern gehabt haben. Sie stieg zu einem der wichtigsten Handelszentren in Asien auf. Schon 543 gaben die Wei-Kaiser Luoyang auf und zwangen die Bewohner, mit ihnen nach Ye zu ziehen; die Stadt zerfiel. Auf einem etwa 1'000 m langen Klippenstück entlang des nord- südlichen Durchbruchstals des Flusses Yi befinden sich 2'345 Nischen. Sie enthalten zahlreiche Pagoden, Gedenksteine, Buddhafiguren und Steinskulpturen. Die Zahl der Statuen liegt bei über 100'000, jene der Inschriften bei etwa 2'800. Die Longmen-Grotten gehören seit dem Jahr 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Es ist 9 Uhr und wir gehen von unserem Platz die 500 Meter bis zum Eingang der Grotten. Es sind erst wenige Busse hier. Darunter versteht man in China etwa 50! Bis am Mittag sollen aber doppelt soviele angekommen sein und ich kann mir das Gedränge dann kaum vorstellen. Offenbar ist es das, was die Chinesen lieben - Körperkontakt wo immer es möglich ist. Inzwischen habe ich mich damit abgefunden. Erst wenn man sich an den vielen Eigenheiten in China nicht mehr stört, beginnt man das wahre China zu verstehen (sage ich und nicht Konfuzius!). Die Grotten sind sehr beeindruckend. Was da von Mönchen in Jahrhunderten an filigraner Arbeit geschaffen wurde ist erstaunlich. Viele der Figuren sollen heilende und magische Wirkung haben. Darum werden sie ehrfurchtvoll angefasst und einige davon sehen auch abgegriffen aus. Chinesen stellen sich immer vor etwas um sich fotografieren zu lassen oder machen ein Selfie. Wenn man dazu noch eine Langnase aufs Bild bekommt, ist dieses gerade doppelt gut gelungen und man kann es im Bekanntenkreis herumreichen - "seht mal was ich da habe ...". Fast immer ist es für uns belustigend, Modell zu stehen und darum halte ich auch Gegenrecht und fotografiere was mir gefällt oder kurios genug ist. Manchmal geht es aber zuweit. Gestern, als ich kurz ausgestiegen bin, hat mich einer mit Gesten gefragt, ob ich ein Bild von ihm machen würde und hat mir sein Handy in die Hand gedrückt. Wie immer bin ich davon ausgegangen, dass er vor dem Auto posiert, dieser ist aber kurzerhand durch die offene Fahrertür eingestiegen und hat sich triumphierend ans Steuer gesetzt. Da war ich perplex!
Nach 2 Stunden verlassen wir die Grotten und fahren mit dem Bus zum Shaolin-Kloster. Vorher aber essen wir wieder einmal gemeinsam in einem Restaurant, wie schon früher, an einem runden 10er-Tisch, mit drehbarer Platte, auf welcher 10 oder noch mehr verschiedene Speisen aufgetragen werden. Inzwischen beginnen wir die qualitativen Unterschiede der verschiedenen Lokale und der Speisen zu erkennen - diesmal war es wieder hervorragend.
Shaolin ist der Name eines buddhistischen Mönchsordens in China. Der Begriff Shaolin wird auch für das Ursprungskloster des Ordens verwendet, das am Berg Songshan im Ort Dengfeng in der Provinz Henan im Herzen Chinas liegt. Es ist berühmt für seinen Kampfkunststil (Shàolínquán, „Faust der Shaolin“), besser bekannt als „Shaolin Kung Fu“. Das Kloster gilt ausserdem als die Geburtsstätte des historischen Chan-Buddhismus, dem Vorläufer des Zen.
Am Eingang des Klosters empfängt uns eine grosse Kung Fu-Statue. Dann betreten wir die Kloster- und Tempelanlage. Auch hier sind wir nicht allein. Der Busparkplatz ist wahrscheinlich ebenso gross wie die Klosteranlage. Inzwischen sind uns auch die buddhistischen Tempel bekannt und wir treffen nur noch auf wenig Neues. Trotzdem, die Stimmung in den Tempeln und davor ist oft ruhig und besinnlich und nicht so laut wie anderswo. Das besondere an diesem Kloster ist, dass hier Kung Fu-Schüler ausgebildet werden. Der eigentliche Zweck aber ist, Knaben im Alter von 8 zu Novizen und mit 18 zu Mönchen zu machen.
Vor dem Eingang eines der vielen Tempel stehen Tempelwächter mit martialischen Minen und beeindruckender Kriegsbemalung. Die vielen Schildkröten und Löwen sind beliebte Objekte zum Reiben und sich draufsetzen. Darum sehen sie auch poliert aus.
Im Innern des Tempels ist das Fotografieren nicht erwünscht. Sobald man die Kamera hochhebt, meldet sich bestimmt gleich ein Mönch, welcher als Aufpasser da steht. Aber vor der Schwelle ist nicht drinnen und da greift keiner ein. Also habe ich doch noch ein Bild vom goldenen Buddha bekommen. Vor dem Tempel stehen wieder die bis obenhin mit Asche gefüllten Opferschalen. Viele Gläubige kaufen für ein paar Yuan Räucherstäbchen und zünden diese in den blumenförmigen Kerzenhaltern an,. Dann verbeugen sie sich vor dem Tempel dreimal und stecken die Räucherstäbchen in die Opferschale, um danach in den Tempel zu gehen.
In einem anderen Tempel findet gerade ein Gottesdienst statt. Von Weitem ist schon der monotone Singsang zu hören. Dann und wann wird er lautstark mit Zimbeln, Rasseln und Paukenschlägen unterbrochen. Kurz darauf endet der Gottesdienst und die Mönche verlassen den Tempel und greifen zum Handy.
Bevor wir wieder zum Bus zurückgehen besuchen wir noch den Pagoden Wald. Hier wurden früher Mönche begraben und auf jedes Grab wurde eine mehr oder weniger grosse Pagode gebaut. Um die Harmonie zu waren sind Pagoden 4-, 6-, 8-eckig und die Anzahl der Flächen ist ungeradzahlig.
Am Abend sitzen wir hinter den Wagen, dem Fluss Yi zugewandt, welcher in den Gelben Fluss mündet. Von diesem haben wir nur wenig gesehen. Auf der Fahrt hierher haben wir ihn überfahren. Aber weil die Luft immer trübe ist, sehen wir von der Landschaft nicht viel. Manchmal kann man schemenhaft etwas erkennen, vielleicht auch nur vermuten. Zu dieser Jahreszeit ist das nicht aussergewöhnlich. Man sagt uns, dass dieser Sommer der heisseste wäre seit mehr als 60 Jahren (und das ausgerechnet dann, wenn wir hier sind). Auch habe die Lufttrübung in den letzten Jahren zugenommen - kein Wunder bei dem intensiven Vorantreiben der Industrialisierung.
Übrigens: das heute unser Nationalfeiertag ist habe ich erst beim Schreiben bemerkt!