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SRF News: Was für Raketen wurden von den Schiffen im Kaspischen Meer abgefeuert?
Mauro Mantovani: Das russische Verteidigungsministerium sprach anfangs von 26 schiffsgestützten Marschflugkörpern des Typs KALIBR (Nato-Bezeichnung SS-N-30). Diese wurden von vier Schiffen abgefeuert. Sie flogen über Iran und Nordirak nach Syrien, das heisst über eine Entfernung von circa 1500 Kilometern.
Um was für einen Raketentyp handelt es sich dabei?
Die 3M-14 KALIBR ist ein relativ neues Modell, das erst ab 2010 bei den russischen Seestreitkräften eingeführt wurde. Dabei handelt es sich exakterweise um einen Marschflugkörper und keine Rakete, wie vielfach fälschlicherweise geschrieben wurde. Konstruiert wurde sie für Landattacken. Ihre Reichweite beträgt mehr als 2000 Kilometer. Die KALIBR schlägt mit Überschallgeschwindigkeit auf, was sie sehr schwer detektierbar und abwehrbar macht.
Welche Flughöhe erreicht die KALIBR?
Das Flugprofil dieses Marschflugkörpers liegt zwischen 20-120 Meter über dem Boden.
Wie lange dauert es vom Abschuss bis zum Aufschlag?
Ausgehend von einer Einsatzdistanz von rund 1500 km wäre die KALIBR etwas über eine Stunde unterwegs.
Wie ist es um deren Treffgenauigkeit bestellt?
Die KALIBR gilt als technisch treffgenau. Allerdings sollen vier von ihnen im Iran eingeschlagen sein, was nicht für ihre Zuverlässigkeit spricht. Letztlich hängt die Treffgenauigkeit auch entscheidend von der Qualität der Aufklärung ab.
Sind Marschflugkörper für die Bekämpfung von Terroristen und deren Waffendepots geeignet?
Ja, so geeignet wie andere Luftkriegsmittel auch – mit den erwähnten Vorbehalten.
Warum schiesst Russland die KALIBR vom Kaspischen Meer ab und nicht vom syrischen Marinestützpunkt Tartus?
Weil die Waffen seegestützt sind, das heisst auf Korvetten stationiert. Diese befinden sich nun mal ausschliesslich im Kaspischen Meer.
Handelt es sich bei diesem Einsatz um eine sinnvolle militärische Alternative oder werden hier neue Waffen unter «scharfen, realen» Bedingungen getestet?
Die Marschflugkörper sind schon ausgiebig getestet worden. Allerdings noch nie im Kriegseinsatz. Dies kann zusätzliche Erkenntnisse bringen. Operationell ist ihr Einsatz aber ohne Vorteile. Politisch hingegen gibt es einen Nutzen. Russland kann den USA zeigen, dass es ein Mittel besitzt analog zu den amerikanischen Tomahawks.
Besteht aus Ihrer Sicht eine Gefahr für den zivilen Luftverkehr?
Natürlich geht auch von Marschflugkörpern eine Gefahr aus, allerdings nur für die lokale Luftfahrt in Iran, Irak und Syrien. Denn diese bewegt sich teilweise im untersten Luftraum. Für die internationale Luftfahrt hingegen sehe ich keine Gefahr, weil sie sich in einer Flughöhe von acht bis zwölf Kilometern bewegt.
Terrorismusbekämpfung lautet der offizielle Grund für Russlands Engagement in Syrien. Welches Ziel verfolgt Moskau tatsächlich?
Den Russen geht es darum, das Regime von Assad zu stützen, und damit einen wichtigen Verbündeten zu erhalten und so eine regionale Rolle zu spielen – auf Augenhöhe mit den USA. Da schwingt auch Nostalgie mit. Auch kann man immer vermuten, dass damit von innenpolitischen Problemen abgelenkt werden soll.
Mauro Mantovani
Der promovierte Historiker, war unter anderem an der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse der ETH Zürich tätig. Seit 2009 wirkt er als Dozent für Strategische Studien an der Militärakademie der ETH Zürich. Mantovani ist zudem durch eine Reihe publizistischer Beiträge zur schweizerischen Sicherheitspolitik hervorgetreten.