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„Die grüne Hölle“ – eine kurze Geschichte des Nürburgrings, Teil 1
Der Nürburgring gehört zweifelsfrei zu den legendärsten und spektakulärsten Rennstrecken in der Geschichte des Motorsports. Spitznamen wie „die grüne Hölle“ deuten an, welche Bedeutung und welchen Rang der Kurs unter Rennfahrern einnimmt bzw. einnahm. Jackie Stewart, dreimaliger Formel-1-Weltmeister und dreimal Sieger auf dem Rundkurs, hat wahrscheinlich die treffendste Charakterisierung abgegeben. Für ihn war der Ring „wie ein vielgliedriges Ungeheuer“. Am besten gefiel er ihm, wenn er an langen Winterabenden vor dem Kamin „einfach nur darüber nachdenken“ konnte.
Nachdem Carl Benz 1886 der Öffentlichkeit seinen ersten Motorwagen präsentiert hatte, verlief die technische Entwicklung der Automobile in einem rasanten Tempo. Die Fahrzeuge wurden grösser, schneller und vor allem – es wurden immer mehr. Parallel dazu wuchs um die Wende des 19./20. Jahrhunderts die Faszination und Popularität des Motorsports. In vielen Ländern wurden Rennen veranstaltet, die von Jahr zu Jahr mehr Zuschauer anlockten und auch sehr profitabel waren. Dies führte aber bald zu der Erkenntnis, dass einerseits die Sicherheit für Fahrer und Publikum auf normalen Landstrassen nicht mehr gewährleistet, andererseits auch die Logistik kaum noch noch zu bewältigen war. Die ersten Rundkurse entstanden, nicht nur für Wettbewerbe, sondern auch als Teststrecken für die Hersteller.
Dies ist ein Bericht über die Geschichte des Nürburgrings in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:
In Deutschland liess Kaiser Wilhelm II. Pläne für eine Rennstrecke ausarbeiten. Die Eifel bot damals die besten Vorausssetzungen. Die Region war schwach besiedelt, verfügte über grosse und ebene Flächen sowie Hügel und Täler für die vorgesehenen Steigungen und Gefälle. Ab 1907 liess allerdings die Begeisterung für den Rennsport nach, und die Pläne wurden eingestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg begann dann der endgültige Siegeszug des Automobils. Neue Fabriken entstanden, und der Motorsport erlebte seine Wiederauferstehung, nicht zuletzt durch die aktive Förderung der grossen Clubs ADAC und AvD. Die Idee zum Bau einer Rennstrecke in Deutschland wurde unter Berücksichtigung der ehemaligen Planungen erneut aufgegriffen.
Dass die Eifel wiederum als erste Wahl in Frage kam, hatte noch einen weiteren wichtigen Grund. Die Region war nach dem Krieg eine der strukturschwächsten in Deutschland. Es gab einerseits kaum noch nennenswerte Industriezweige, andererseits war wegen der kargen und steinigen Böden auch die Landwirtschaft wenig ertragreich. Das Projekt wurde in das sogenannte „Grosse Notstandsprogramm“ der Regierung aufgenommen und ab 1925 massiv vorangetrieben. Man kann getrost sagen, dass es sich bei dem Bau der „Ersten Gebirgs-, Renn- und Prüfstrecke“, wie der Ring damals offiziell genannt wurde, in erster Linie um ein Programm zur Wirtschaftsförderung handelte und weniger um ein Motorsportprojekt.
Ende September 1925 wurde der Grundstein gelegt. Die Kalkulation für die Kosten belief sich auf 2,5 Millionen Reichsmark. Aber, wie so oft bei grossen Bauprojekten, war dieser Preis viel zu niedrig angesetzt. Am Ende kamen 15 Millionen Mark zusammen, die zu grossen Teilen aus staatlichen Zuschüssen finanziert wurden. Die wirtschaftliche Lage in der Eifel verbesserte sich anschliessend allerdings deutlich.
Zeitweise waren fast 3’000 Arbeitskräfte im Einsatz. Der grösste Teil des Materials stammte aus Basaltsteinbrüchen der Region. Nach knapp zwei Jahren war der dreiteilige Kurs fertiggestellt – Südschleife, Start- und Zielschleife sowie die Nordschleife hatten eine Gesamtlänge von 28 Kilometern. Berühmt und berüchtigt wegen der Unfälle und tödlich verunglückten Fahrer wurde in der Folge aber vor allem die 21 Kilometer lange Nordschleife.
Schon im ersten Jahr kamen Hunderttausende Besucher an den Kurs und sorgten für einen erheblichen Aufschwung von Hotels, Gaststätten und anderen Erwerbszweigen. Die feierliche Eröffnung fand am 18. und 19. Juni 1927 statt, mit einem Motorradrennen am Samstag und dem ersten Autorennen am Tag darauf, das Rudolf Caracciola auf Mercedes für sich entschied. Die Anlage bot aber auch noch andere Nutzungsmöglichkeiten. So wurde 1928 die Radweltmeisterschaft auf dem Nürburgring ausgetragen, und drei Bob- und Rodelbahnen dienten dem Wintersport.
Im gleichen Jahr gab es beim Grossen Preis von Deutschland leider auch schon das erste Todesopfer zu beklagen, den tschechischen Bugatti -Piloten Vincenz Junek. Er sollte nicht der letzte sein. Die ungewöhnliche Länge des Kurses und seine extreme Linienführung stellten die Fahrer vor grosse Probleme, beispielsweise, sich die richtigen Bremspunkte zu merken oder die vielen Kuppen, Kurven und Kehren exakt einzuschätzen. Auch das Wetter mit seinen regionalen Kapriolen war und ist ein spezielles Problem des Nürburgrings.
Die Nationalsozialisten sorgten in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg für einen enormen Auftrieb des Motorsports, da sie ihn als hervorragendes Propagandamittel sahen. Deutsche Autos sollten die schnellsten der Welt werden und die anderen dominieren. Dafür flossen reichlich staatliche Gelder. Die heftig geführten Duelle auf dem Nürburgring zwischen Wagen und Fahrern von Auto Union und Mercedes-Benz sind legendär. Namen wie Hans Stuck, Rudolf Caracciola, Manfred von Brauchitsch oder Bernd Rosemeyer dürften den Fans des Motorsports bis heute geläufig sein.
Oberstes Bild: Der Nürburgring – die „grüne Hölle“ des Motorsports. (© Mike Roberts, Wikimedia, CC)
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