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CSCS-Chef setzt auf Rechenzentren im AuslandUhr
Der KI-Boom treibt den Energiebedarf von Rechenzentren in die Höhe. Die Schweizer Infrastruktur dürfte an ihre Grenzen stossen, glaubt Thomas Schulthess, Chef des Nationalen Hochleistungsrechenzentrums. Er plädiert darum dafür, Rechenkapazitäten ins Ausland zu verlagern.
Die Schweiz sollte Rechenkapazitäten ins Ausland verlegen. Dieser Meinung ist Thomas Schulthess, Leiter des Nationalen Hochleistungsrechenzentrums (CSCS). In einem Interview mit der "Sonntagszeitung" (Paywall) präsentiert er diesen Vorschlag als Antwort auf die Frage nach dem steigenden Strombedarf von Rechenzentren. Der Boom von künstlicher Intelligenz (KI) treibt diesen zusätzlich in die Höhe: Die KI-Industrie dürfte 2026 bis zu 10 mal so viel Strom verbrauchen wie 2023, schreibt die Zeitung unter Berufung auf eine Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA).
Für die Schweiz dürfte dieser Aufwand nicht zu stemmen sein, sagt Schulthess: "Wir müssen realistisch sein: Wir werden in der Schweiz niemals Rechencenter mit einer Leistung von mehreren 100 Megawatt betreiben wie die führenden Techfirmen wie Microsoft oder Google", lässt er sich zitieren. Er plädiert dafür, die lokalen Ressourcen "auf innovative Pilotprojekte" zu konzentrieren. Für die Produktion sollten sie in ein grösseres Netzwerk mit Partnern integriert werden.
Eine entsprechende Partnerschaft nennt Schulthess bereits im Interview: Es ist das Konsortium "Lumi" ("Large Unified Modern Infrastructure"), an dem insgesamt 10 Länder beteiligt sind. Unter der Führung des Konsortiums sei in Finnland auf dem Gelände einer früheren Papierfabrik ein Rechenzentrum errichtet worden. "Der Standort passt perfekt und er ist kostengünstig", erklärt der CSCS-Chef. "Die Fabrikhalle und die zugehörige Stromproduktions- und Kühlinfrastruktur standen bereits. Anstatt Papiermaschinen stehen dort jetzt reihenweise Serverschränke mit Tausenden von Rechnern."
Finnland, Norwegen und Schweden hätten fernab der Städte grosse Wasserkraftvorkommen, die früher für die Stromversorgung von Minen oder Papierfabriken genutzt worden seien, erklärt Schulthess weiter. "Wir sollten Rechenkapazitäten ins Ausland verlegen - dorthin, wo Strom nicht so umkämpft ist wie bei uns in Mitteleuropa."
Mehr zu "Lumi" und dessen Zielen lesen Sie hier in einem Interview mit Thomas Schulthess.
Nachfolger für Piz Daint nimmt bald Betrieb auf
Derweil steht für das CSCS der nächste Meilenstein an: Bald nimmt nämlich der Supercomputer "Alps" seinen Betrieb auf - der Nachfolger des "Piz Daint". Dabei handle es sich um eine cloud-ähnliche Infrastruktur, erklärt Schulthesss im Interview mit der "Sonntagszeitung". Sie brauche in etwa dreimal so viel Strom wie der Vorgänger, soll aber mindestens das zehnfache an Leistung erbringen.
Zu den Möglichkeiten des Supercomputers sagt Schulthess: "Wir werden Simulationen etwa in Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Seismologie oder in den Umweltwissenschaften wie Wetter und Klima mit massiv mehr Leistung durchführen können. Gleichzeitig können wir diese Prozessoren für KI-Anwendungen nutzen, also etwa für das Trainieren neuronaler Netze. Diese werden für Sprachmodelle wie Chat-GPT gebraucht und in den Naturwissenschaften für die Verbesserung der Qualität der Ergebnisse. Das ist ein grossartiger Nebeneffekt dieser Entwicklung."
Ende 2023 stellten die ETHs Zürich und Lausanne die "Swiss AI"-Initiative vor. Zu ihren Zielen gehört, quelloffene und transparente Large-Language-Modelle zu entwickeln und grundlegende KI-Fragen zu klären. "Alps" soll dabei eine zentrale Rolle spielen, wie Sie hier lesen können.