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Damit man versteht warum die Kenntnisnahme des Kindes zuerkannt werden muss, erläutere ich das Alte und Neue Adoptionsrecht.
ALTES ADOPTIONSRECHT
Ein nationales Adoptionsrecht gibt es in der Schweiz, seit dem 1. Januar 1912, welches im Zivilgesetzbuch (ZGB) in Kraft gesetzt worden ist. Zuvor gab es Regelungen nur in einzelnen Kantonen. Gedacht war Adoption damals als ein Rechtsinstitut im Interesse der Adoptionseltern. Dank Adoptionen von Nachkommen konnten kinderlose Ehepaare Name und Vermögen weitergeben.
Mit dem ZGB von 1912 wurde die Adoption Schweiz weit einheitlich geregelt. Der entsprechende Abschnitt im Gesetzeswerk umfasste fünf Artikel, Art. 264-269 ZGB. war mit Kindesannahme betitelt und beschrieb eine schwache, respektive offene Form der Adoption:
Ein Adoptionsgeheimnis war nicht vorgesehen; die leiblichen Eltern konnten ein Besuchsrecht beanspruchen und das angestammte Kindesverhältnis zu den leiblichen Eltern dauerte fort. Das Kind gehörte mit der Kindesannahme somit zwei Familien an.
Die Position der Kindesmutter wurde im Vergleich zur vorangegangenen Praxis gestärkt:
Hatte zuvor die Unterschrift des Kindsvater genügt, um eine Adoption zu ermöglichen, galt von nun an, dass die leiblichen Eltern bzw. nur derjenige Elternteil, der Inhaber der elterlichen Gewalt war, um ihre Zustimmung angegangen werden mussten.
In vielen Fällen von Zwangsadoptionen in denen hier die Rede ist, lag die Entscheidungsgewalt nicht bei der Kindsmutter. Bei Minderjährigkeit der Kindsmutter,
waren die Eltern und/oder die Vormundschaftsbehörden Unterschriftsbevollmächtigt. Bei Volljährigen Müttern setzte die Vormundschaftsbehörde diese unter Druck zu Unterschreiben, oder
entmündigte die Kindsmutter.
Im einzelnen lautete das alte Adoptionsrecht von 1912 wie folgt
Biologische Eltern, deren Kinder vor dem 1. April 1973 zur Adoption freigegeben wurden und die Adoption nicht auf das "neue Adoptionsrecht" überschrieben wurde, haben das Recht, von den Behörden Informationen über ihre adoptierten Kinder zu erhalten.
Lisa Brönnimann, 30. Mai 2013 zu Händen des Runden Tische für Opfer von FSZM
Als Sprachrohr der Mütter und Väter, die Opfer von Zwangsadoption wurden, nehme ich an Vernehmlassungen und Anhörungen zu Gesetzesvorlagen des Bundes teil und bringe darin die Haltung der Opfer differenziert und konstruktiv zum Ausdruck.
Junge und arme ledige Mütter wurden unter grossem druck zur Adoption des Kindes gezwungen. Die meisten haben seither ihre Kinder nicht mehr gesehen und wissen nichts über ihre Identität und ihren Aufenthalt. Für die betroffenen Frauen ist dieser Zustand eine zusätzliche grosse Belastung.
Adoptierte Kinder haben laut Bundesgericht einen gesetzlichen Anspruch darauf, die Identität ihrer leiblichen Eltern zu erfahren. Nicht geklärt ist hingegen die Frage, ob auch leibliche Mütter dieses Recht haben. Die meisten Amtsstellen berufen sich in dieser rechtlich unklaren Situation auf das Adoptionsgeheimnis und verweigern die Herausgabe der Akten.
Das Adoptionsgeheimnis macht bis zur Volljährigkeit des adoptierten Kindes durchaus Sinn. Die neue Familie kann sich so unabhängig von den leiblichen Eltern entwickeln.
Ist das Kind aber volljährig, stellt sich die Frage anders. Es ist nicht einsichtig, weshalb den leiblichen Eltern die Akteneinsicht für immer verwehrt wird.
Opfer fordern die Umsetzung der Schubladisierten 06.3268 Motion Adoptionsgeheimnis
Welche am 9.12.2009 neu eingereicht wurde 09.4107 Motion Adoptionsgeheimnis
Das Adoptionsgeheimnis hat Ausgedient.
Wir fordern, der Bund muss den heutigen Bedürfnissen der Adoptionsakteure Rechnung tragen und auf die Lockerung des Adoptionsgeheimnis eintreten.
Das geltende Gesetz gewährleistet die Gleichberechtigung nicht. sie steht aber nach wie vor im Widerspruch zum Grundsatz der Gleichberechtigung. Gemäss Artikel 8 Absatz 3 der Bundesverfassung (BV SR 101) sind Mann und Frau gleichberechtigt: «Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit.» (Art. 8 Abs. 3 Satz 2 BV). So soll es auch leiblichen Vätern anerkannt werden, die Kenntnisnahme ihrer Kinder zu erhalten.
Bern, den 28.11.2014
Lockerung des Adoptionsgeheimnisses
Neben der Flexibilisierung der Adoptionsvoraussetzungen will der Bundesrat auch das Adoptionsgeheimnis lockern. Leibliche Eltern, die ihr Kind zur Adoption freigegeben haben und später das Kind suchen oder Informationen über ihr Kind erhalten möchten, sollen dessen Personalien in Erfahrung bringen können - vorausgesetzt, das volljährige oder zumindest urteilsfähige Adoptivkind hat der Bekanntgabe zugestimmt. Ist das Kind minderjährig, so muss zusätzlich die Zustimmung seiner Adoptiveltern vorliegen. Demgegenüber steht dem adoptierten Kind heute schon ein absoluter Anspruch auf Kenntnis seiner Abstammung zu, ohne dass die leiblichen Eltern der Bekanntgabe der Informationen vorgängig zustimmen müssen. Entsprechende Gesuche soll dabei jene kantonale Behörde beurteilen, die auch für das Adoptionsverfahren zuständig ist.