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Das Historische Dorfmodell zeigt den historischen Dorfkern von Riehen einschliesslich des Oberdorfs im Massstab 1:300. Es entstand Anfang der 1990er-Jahre für das neugestaltete Dorfmuseum und basiert auf dem Historischen Grundbuch Riehen. Seit 2021 ist es im ersten Stock des Gemeindehauses wieder öffentlich zugänglich.
Anfang der 1990er-Jahre wurde im Hinblick auf die Neugestaltung des Dorfmuseums im Alten Wettsteinhaus ein historisches Dorfmodell in Auftrag gegeben. Als zeitlichen Fixpunkt wählte man das Jahr 1880, weil erst für diese Zeit genügend Zeugnisse vorhanden sind für eine fast vollständige, massstabgetreue und zumindest in den Grundformen authentische Wiedergabe der Bebauung im historischen Dorfzentrum. Auf der Grundlage des Historischen Grundbuchs, das sich damals noch im Aufbau befand, stellte der Historiker Albin Kaspar zu jedem Gebäude eine Dokumentation zusammen, die für das Modell als Vorlage diente. Die wichtigsten Quellen bildeten dabei Baupläne, wie sie im Kanton Basel-Stadt seit 1860 jedem Baubegehren beigelegt sein müssen, die fortlaufenden Beschreibungen der Gebäude in den Lagerbüchern der 1807 gegründeten kantonalen Brandversicherungsanstalt sowie Fotos und Zeichnungen. Für den Grundriss und die Parzellierung sowie für den Verlauf der Strassen, Wege und Bäche waren die detaillierten Katasterpläne von 1869/70 massgeblich, die im Hinblick auf die Schaffung des kantonalen Grundbuchs angefertigt worden waren. Ziel war es, die bauliche Situation im Dorfkern so getreu wie möglich nachzubilden, was oft zeitraubende Recherchen erforderte. Nur in Ausnahmefällen liessen sich brauchbare Pläne aller Fassaden eines Hauses für den gesuchten Zeitraum auftreiben. Mehrheitlich musste Albin Kaspar aus späteren Umbauplänen, anhand von Fotos, Teilplänen und Beschreibungen die Fassadenaufrisse selbst rekonstruieren.
Auf der Basis dieser Dokumentation erstellte ein Modellbauer in Grellingen ein Rohmodell aus Holz im Massstab 1:300. Es zerfällt in einen grösseren Teil mit dem Unter- und Mitteldorf sowie einen kleineren Teil mit dem Oberdorf und weist eine Fläche von insgesamt 4,2 Quadratmetern auf. Unter der Anleitung des Grafikers und Szenografen Florian Besset, der auch mit der Gestaltung der ganzen Ausstellung betraut war, zeichnete die Grafikerin Susanne Gysin nach den Vorgaben von Albin Kaspar alle Fassaden und Dächer neu und übertrug die Strichzeichnungen massstabgetreu auf ein Spezialpapier für Marinekarten. Anschliessend wurden die einzelnen Papierstücke auf die Holzflächen geklebt und mit Qualitätsfarbstiften koloriert. Gebäudeflächen, deren genaues Aussehen um 1880 durch keine Quellen erschlossen ist, beliess man im Rohzustand des Holzmodells. Zäune, Kamine und Lauben wurden aus Papier oder Karton, Bäume aus Schwämmen nachgebildet. Um den Betrachtenden eine bessere Orientierung zu ermöglichen, lassen sich die Standorte ausgewählter Gebäude per Knopfdruck optisch anzeigen.
Als man Anfang 2017 die im Kulturgüterschutzraum des Museums untergebrachte Ausstellung zur Geschichte Riehens abbaute, wurde auch das Dorfmodell ausgelagert. Im Winter 2020/21 erhielt die Firma Meier Modellbau GmbH in Binningen den Auftrag, das Modell zu reinigen, stellenweise zu reparieren und die defekte optische Zeigefunktion zu rekonstruieren. Seit Mai 2021 steht es im ersten Stock des Gemeindehauses in unmittelbarer Nähe zum Dorfmodell, das die heutige Situation des Dorfkerns wiedergibt. Beide Modelle sind öffentlich zugänglich.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 15.12.2022
Hess, Stefan: Ein Dorfmodell auf wissenschaftlicher Grundlage. In: Jahrbuch z’Rieche 2021. S. 70–77.
Stauber, Vera und Franziska Mathis: Museum im Wettsteinhaus. Zur Neugestaltung des Spielzeugmuseums und des Dorf- und Rebbaumuseums Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1992. S. 106–115, hier S. 111f.
Albin Kaspar et al.: Das Dorfmuseum. Zur Entstehungsgeschichte. In: Spielzeugmuseum, Dorf- und Rebbaumuseum Riehen (bei Basel). Braunschweig 1992. S. 99–121, hier S. 108.