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Weitere Luftaufnahmen
Auf dem inselartig aus der Ebene aufragenden Felsrücken von St-Triphon, der sich wie ein gigantischer Querriegel in das Rohnetal vorschiebt, sind die Reste einer ausgedehnten mittelalterlichen Wehranlage zu erkennen. Ohne systematische Grabungen lassen sich die architektonischen Zusammenhänge und baugeschichtlichen Abfolgen freilich nicht bestimmen, doch zeigen die noch sichtbaren Überreste, dass die Gesamtanlage einst von ungewöhnlichen Ausmassen gewesen sein muss. Der allseits von jähen Felsabstürzen begrenzte Höhenrücken misst in seiner Längsachse gegen 500 Meter und an seiner breitesten Stelle 120 Meter, und die vorhandenen Mauerreste deuten darauf hin, dass der grösste Teil dieses weitläufigen, durch einzelne felsige Erhebungen gegliederten Hochfläche zum mittelalterlichen Wehrbezirk gehört hat.
Die romanische Wallfahrtskirche
Vom Dorf St-Triphon aus führt der Burgweg zu einer flachen Senke in der Mitte des Höhenrückens, wo an der Geländekante die Reste eines in dem äusseren Mauerring eingelassenen Tores enthalten sind. Vorgelagterte Mauerteile könnten zu einer kleinen Barbakane gehört haben. Vom äusseren Tor aus steigt der Weg empor zur nordöstlichen Partie des Felsrückens, wo sich die Trümmer der Hauptburg und einer romanischen Wallfahrtskirche erheben, doch muss auch die südwestliche Hälfte des Felsrückens in das Burgareal einbezogen gewesen sein, wie aus den Resten eines Viereckturmes auf isoliertem Felskopf und einer der Geländekante folgenden Umfassungsmauer hervorgeht.
Die Hauptburg, auf einer felsigen Erhebung im mittleren Teil des Höhenrückens gelegen, bestand gemäss den noch sichtbaren Überresten aus einem äusseren Bering mit glockenförmigen Grundriss und einer Kernburg mit markantem Hauptturm. Eine Toranlage darf an der südwestlichen Peripherie vermutet werden. Im Schutt liegt ein sorgfältig gehauener Schüttstein.
Die Kernburg war von einem annähernd regelmässigen Mauervieleck umgeben, das als innere Ringmauer diente. Im Mittelpunkt dieser Anlage steht das Wahrzeichen von St.-Triphon, der heute noch aufrechte Hauptturm, ein mächtiger Bau mit viereckigem Grundriss. Das Mauerwerk wird von einem hervorragenden Quaderverband aus präzis zugehauenen Blöcken gebildet. Eine umlaufende Reihe von Steinkonsolen markiert die Lage einer Holzlaube. Ausser dem Austritt auf diese Laube und dem Hocheingang weist der Turm an Maueröffnungen nur noch winzige Rundbogenfenster sowie einen schrägen Abflusskanal eines Abortes auf. Bauten von vergleichbarer handwerklicher Qualität sind bei Schweizer Burgen selten anzutreffen.
So bedeutend sich die Anlage von St.-Triphon in ihrer Gesamtheit darbietet, so dürftig sind die Spuren, welche die Burg in der schriftlichen Überlieferung hinterlassen hat. Die erst im 13. Jahrhundert einsetzenden urkundlichen Nachrichten bestätigen die vom Baubestand her sich aufdrängende Vermutung, der Felsen von St.-Triphon habe schon zur Zeit der Könige von Hochburgund eine grosse Wehranlage getragen, in welcher dann im 11. oder 12. Jahrhundert das Haus Savoyen die eigentliche Hauptburg errichtet habe. Der mächtige Turm ist aufgrund seiner Bauweise wohl ins 12. Jahrhundert zu datieren.
Wo noch vor 1200 eine aus der Überlieferung verschwindende Familie, die sich nach St.-Triphon nannte, gehaust hatte und in welchem Verhältnis sie zum Hause Savoyen stand, muss eine offene Frage bleiben. Gewiss ist, das die Burganlage von St.-Triphon ihre grosse Zeit in der überlieferungsarmen Epoche des 11. und 12. Jahrhunderts hatte und ihre Bedeutung im 13. Jahrhundert bereits einbüsste. Nur so lässt sich die Tatsache erklären, dass um 1232 Thomas von Savoyen die Burg tauschweise als Lehen dem Guy von Saillon überliess, der dem Grafen dafür seine für Savoyen offenbar wichtigeren Rechte zu Saillon abtrat.
In der Folgezeit sassen die Herren von Saillon bzw. die mit ihren stammverwandten Herren von Pontverre als savoyische Casallen auf St.-Triphon.
Im 14. Jahrhundert wechselte das Lehen mehrmals den Inhaber, bis es 1341 zunächst an die in savoyischen Diensten stehende lombardische Bankiersfamilie Thome und 1367 an die Rovéréaz fiel.
Im 15. Jahrhundert begann sich die Herrschaft aufzulösen, doch konnten die Rovéréaz den Hauptteil ihrer Güter und rechte um 1530 wieder zusammenfügen. Den Grundbesitz vermochten sie bis 1798 zu behaupten, während die Hoheitsrechte im Anschluss an die Burgunderkriege von den Bernern, die sich der savoyischen Herrschaft Aigle bemächtigt hatten, übernommen und zum Mandement Ollon geschlagen wurden.
Die Burgunderkriege hatten auch der Burg St.-Triphon den Untergang gebracht, als die Walliser 1475 einen Einfall in das savoyische untere Rhonetal unternahmen und eine Reihe von Burgen zerstörten.
Photos d'autome par Fabrice Ducret
Bibliographie