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Juli 2020
Kürzlich ist meine Halbschwester (wir hatten die gleiche Mutter) verstorben. Vorbehältlich drei kleinerer Legate hat sie im Testament vom 26. Juli 2009 ihren Lebenspartner als Alleinerben eingesetzt. Der Lebenspartner meiner Halbschwester ist bereits im Jahr 2015 gestorben. Er hat einen Sohn hinterlassen. Der Vater meiner Halbschwester hatte keine weiteren Nachkommen, jedoch zwei Schwestern und einen Bruder, die jedoch wie seine Eltern schon lange vor meiner Halbschwester verstorben sind. Der Bruder und eine der beiden Schwestern haben Kinder, die andere Schwester war Klosterfrau.
Nun machen einerseits der Sohn des Lebenspartners meiner Halbschwester sowie zwei Nachkommen eines Bruders des Vaters meiner Halbschwester Erbansprüche geltend. Wie ist die Rechtslage?
Ihre Halbschwester hat, wenn ich Sie richtig verstehe, nach dem Tod ihres Lebenspartners, den sie als Alleinerben eingesetzt hat, kein neues Testament verfasst. Da Nachkomme von eingesetzten Erben nicht "automatisch" an deren Stelle treten, hat der Sohn des Lebenspartners Ihrer Halbschwester kein Erbrecht.
Ihre Halbschwester hatte keine Nachkommen und keinen Ehegatten hinterlassen. Auch ihr Vater hatte keine Nachkommen. Die von Ihnen bezeichneten Personen, die Erbansprüche geltend machen, gehören der sog. grossväterlichen Parentel an. In dieser Konstellation ist Art. 458 ZGB anwendbar. Grundsätzlich geht die Erbschaft an den Stamm der Eltern (Art. 458 Abs. 1 ZGB), d. h. Vater und Mutter würden die Hälfte erben (Art. 458 Abs. 2 ZGB). Sind diese verstorben, treten an deren Stelle Nachkommen (Geschwister), resp. deren Nachkommen (Art. 458 Abs. 3 ZGB). Nachdem aber auf Seiten des Vaters des Vaters Ihrer Halbschwester keine Nachkommen vorhanden sind, fällt der Anteil des Vaters nicht an den grosselterlichen Stamm, sondern auf die Seite der Mutter, d. h. an Sie als Halbbruder (Art. 458 Abs. 4 ZGB). Sie können sind deshalb freuen: Sie sind Alleinerbe Ihrer Halbschwester!
Kurt Fricker
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