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Langsam, ganz langsam ziehen drei Arbeiter die schwere Marmorplatte des Sarkophages hoch. Guido Faccani, der die Archäologie in der Abatiale de Payerne leitet, wagt nun einen ersten Blick in das Innere des Sarkophags. Man sehe etwas, das in ein Tuch eingewickelt sei, sagt er. «Das scheint der Schädel zu sein.»
Die Journalistinnen und Kameramänner müssen sich gedulden, zuerst wird alles dokumentiert. Dass man in diesem Sarkophag die sterblichen Überreste einer Königin erwartet, geht auf Vorgänge vor 200 Jahren zurück. Im Jahr 1817 fanden Arbeiter die Knochen bei Arbeiten.
Die sterblichen Überreste werden für jene der Reine Berthe gehalten. Die Waadtländer Regierung beschliesst, ihr eine schönere Ruhestätte zu geben: den Sarkophag in der Pfarrkirche, der heute geöffnet wurde.
Wichtige Identifikationsfigur
Für die Waadt, die Anfang des 19. Jahrhunderts unabhängig von den Bernern geworden wurde, war die «Reine Berthe» eine wichtige Identifikationsfigur. Solche Figuren seien gesucht gewesen, sagt Anne-Gaëlle Villet, die Kuratorin der Abteikirche von Payerne.
Dabei ist über die Königin Bertha historisch gar nicht viel bekannt. Man weiss, dass sie ursprünglich Bertha von Schwaben hiess, dann aber mit dem Burgunderkönig Rudolf II. verheiratet wurde. Nach dessen Tod wurde sie mit König Hugo von Italien vermählt, aber auch ihr zweiter Mann verstarb.
Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie Im Burgund. Bertha gilt als eine der Mitgründerinnen der Abtei von Payerne, in der Region ranken sich viele Legenden um sie. Das Ausmass der Verehrung ist aussergewöhnlich: «Die fast schon katholische Überführung von pseudo-heiligen Gebeinen von einer Kirche zur anderen in einem erzreformierten Gebiet – das muss man sich mal vorstellen», sagt Chef-Archäologe Guido Faccani
Viele offene Fragen
Inzwischen ist der Sarkophag dokumentiert. Fotografen richten die Objektive aus, der Inhalt wird vorsichtig herausgenommen. Das Tuch kommt weg, es kommen Knochen zum Vorschein. In den nächsten Monaten werden sie analysiert, sagt Geneviève Pérréard, Anthropologin und Archäologin. Man wolle zuerst das Geschlecht, das Alter und die Statur der Person herausfinden.
Zudem soll ermittelt werden, wie alt die Gebeine sind. Diese werden die Legenden um die Reine Berthe nicht vollständig klären können. Die Archäologinnen und Archäologen gehen nicht davon aus, dass sie zweifelsfrei zugewiesen werden können. In der Volkskunde in der Region Payerne wird Königin Bertha dennoch stets ihren Platz haben.