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Badeschwamm
(Euspongia officinalis Bronn.) oder Waschschwamm, eine zu der Gruppe der Hornschwämme gehörige Gattung der Spongien oder Schwämme [* 2] (s. d.), deren aus feinen elastischen Hornfasern bestehende Skelettmasse, von den Weichteilen des lebenden Tierkörpers und den eingeschlossenen Fremdkörpern gereinigt, in den Handel gebracht wird. Im Leben ist der ein auf dem Meeresboden festsitzender Organismus, der meist als ein Tierstock, d. h. die Vereinigung einer Mehrheit von Individuen zu betrachten ist.
Die Verwendbarkeit des
Badeschwamm beruht auf der Fähigkeit seines
Skelettes, auswaschbar zu sein, Flüssigkeiten mit großer Kraft
[* 3] und Raschheit anzusaugen und, ausgedrückt, ebenso rasch in seine frühere Form zurückzukehren. Dazu kommt die Widerstandsfähigkeit
feiner hornigen, dem
Chitin verwandten
Substanz, des sog.
Spongins, das eine lange Benutzung ermöglicht.
Diese kaum durch ein
Surrogat zu ersetzenden Eigenschaften machen den
Badeschwamm
zu einem wichtigen Handelsartikel.
Vorzugsweise ^ stammt der
Badeschwamm aus dem Mittelmeere. Die Schwammfischerei wird besonders in der Levante, an der
dalmatin.
Küste, den griech.
Inseln und längs der afrik. Nordküste betrieben. Hierbei werden die Schwämme entweder
vom
Boote aus mit gabelartigen, an lange
Stangen befestigten Geräten aus geringer
Tiefe (6-15 m) gefischt oder mit
Schleppnetzen,
an einigen Orten auch durch geübte
Taucher heraufgeholt. Das gewonnene Material wird zunächst in Wasser der Fäulnis überlassen,
wobei sich, wie bei den meisten Schwämmen, ein penetranter
Geruch entwickelt; sodann folgt das
Auswaschen
durch wiederholtes Kneten und öfteres sorgfältiges
Trocknen an der Luft.
Die Kalkeinschlüsse werden durch Einlegen in eine schwache Säure entfernt, die schöne gelbe
Farbe der Toilettenschwämme
wird durch
Bleichen (früher mittels schwefliger Säure, jetzt meist mit
Wasserstoffsuperoxyd) und manchmal durch
Färben erzielt.
Im
Handel wird eine Anzahl von Sorten unterschieden, wie die feinen, becherförmigen, sehr weichen
Badeschwamm aus
Syrien (levantischer Schwamm), die etwas festern, platten Zimoccaschwämme aus
Griechenland,
[* 4] die grobmaschigen, laibförmigen
Pferdeschwämme aus
Dalmatien und
Algier und andere. Auch aus dem
Roten
Meere kommen
Badeschwamm, die geringste Sorte bilden die
Bahamaschwämme
aus Westindien;
[* 5] sie haben am
Grunde meist eine starke braunrote Färbung. - Bei dem langsamen.
Wachstum des
Badeschwamm lag es nahe, der durch eine rohe und planlose Fischerei
[* 6] verschuldeten Verarmung der Schwammgründe
mit Versuchen künstlicher Schwammzucht entgegenzuarbeiten. Dieselbe wurde auch von einem der hervorragendsten Spongienforscher,
Oskar Schmidt, in
Dalmatien versucht, aber mit geringem Erfolge. Er zerschnitt die lebenden Schwämme
mit scharfem
Messer
[* 7] in
Stücke und befestigte dieselben mittels kleiner Holzpflöcke am
Boden durchlöcherter Holzkästen, welche
geschlossen und mit
Steinen beschwert, auf den Seeboden 2,5-3,2 m versenkt wurden.
Schon nach einer Woche waren solche Schwammstücke angewachsen und in voller Fortentwicklung begriffen, indem jedes
Stück
sich zu einem neuen Schwamme von brauchbarer Form ausbildete. Doch sind diese Versuche leider teils durch
den
Bohrwurm (s. d.), der die Hölzer zerstörte, teils durch die
Mißgunst und
Indolenz der Fischer geschädigt worden und
haben bis jetzt trotz der Bedeutung der Sache keine Wiederholung erfahren. Der Hauptmarkt für den
Badeschwamm ist
Triest.
[* 8] Er bildet dort einen starken Ausfuhrartikel, im Durchschnitt 336000 kg jährlich.
Andere nicht unbedeutende Schwammmärkte sind: Smyrna,
Tripolis,
Venedig,
[* 9] Livorno
[* 10] und für die amerik. Sorten
London.
[* 11]
Außer seiner
bekannten Verwendung hat der
Badeschwamm früher als gebrannter Schwamm
(Spongia usta,
Carbo spongiae) ein offizinelles
Mittel gegen
den
Kropf geliefert. Nach der Entdeckung, daß
Jod dessen wirksamer
Bestandteil sei, ist jener Gebrauch
abgekommen. In der
Chirurgie und
Gynäkologie bedient man sich der Preßschwämme (s. d.).
Vgl. von Eckhel, Der
Badeschwamm
(Triest 1874).