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Wiglaf Droste war bekannt für seinen Sprachwitz, aber auch für seine Boshaftigkeit. Er hat für das Satiremagazin «Titanic» gearbeitet, und dutzende von Büchern mit Kolumnen und Gedichten, sowie zahlreiche Tonträger mit satirischen Songs herausgebracht.
Nun ist der deutsche Satiriker, Autor und Sänger mit 57 Jahren gestorben. Der Frankfurter Satiriker und Schriftsteller Jürgen Roth hat Droste dreissig Jahre lang gekannt und mit ihm zusammengearbeitet.
Jürgen Roth
Schriftsteller
Jürgen Roth ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Schriftsteller. Er schreibt unter anderem für «konkret», «Titanic» und die «taz». Neben satirischen Texten schreibt er über Fussball. Roth ist Mitglied der Deutschen Akademie für Fussball-Kultur.
SRF: Wer war Wiglaf Droste unter den deutschen Satire-Literaten?
Jürgen Roth: Er war der Politischste, der Engagierteste. Er ist in den Nahkampf gegangen und hat sich nicht gescheut, auch Prozesse auf sich zu ziehen.
Er war jemand, der die Satire nicht missverstanden hat als lustige Unterhaltung für den Feierabend, sondern damit tatsächlich Missstände aus der Welt schaffen wollte.
Diese Mischung aus Zögerlichkeit, Empathie, Zartheit einerseits und Brachialität und Brutalität andererseits. Er hat Gerhard Schröder zum Beispiel als ein «kugelsicheres Gesicht» beschrieben. Er ging mit unerbittlichem Hass gegen die Geistferne und den Phrasensumpf vor, und suchte auf der anderen Seite das Schöne im Leben.
Seine grosse Kunst lag in der pointierten, wortschöpferischen Formulierung.
Diese Mischung muss man zur Kenntnis nehmen, wenn man sich mit Wiglaf Drostes Texten beschäftigt, um nicht immer nur den Bulldozer oder den Rambo zu sehen.
Worin genau lag seine Qualität?
In seiner Wortfindungskunst und in seiner Beschreibungsfähigkeit. Leider hat er es nie geschafft, die kleine Form zu verlassen.
Ich hätte von Wiglaf Droste gerne mal einen langen Text, eine Novelle, eine Idylle, einen langen Prosatext gesehen. Dafür hatte er leider nicht den Atem. Seine grosse Kunst lag in der pointierten, wortschöpferischen Formulierung. Und es gibt nicht viele, die das können.
Wie kommt es, dass er in letzter Zeit relativ wenig bekannt gewesen ist?
Da müsste ich jetzt aus dem Nähkästchen plaudern, und Sie sehen es mir nach, dass ich das nicht tue. Er hat es sich aufgrund bestimmter Eigenschaften, die er hatte, sehr verscherzt mit einigen Leuten.
Uns bleibt die Erinnerung an einen, der die Liebe zur Sprache und die Liebe zum Leben ernst genommen hat.
Er hat dann eine Heimstatt gefunden vor vielen Jahren in der linken Tageszeitung «Junge Welt» und hat dort bis zu seinem Tode eine tägliche Kolumne geschrieben. Ich bin den Kollegen von der «Jungen Welt» sehr dankbar, dass sie ihm dieses Gerüst gegeben haben.
Wie wirkte sich seine Alkoholsucht aus?
Wie wirkt sich so etwas aus? Sucht wirkt sich so aus, dass sie einem mitunter Produktivitätsphasen ermöglicht, aber auch zu grossen Verschattungen seelischer Art führt. Und natürlich hat das mit Unzuverlässigkeit zu tun, das war ein Problem.
Was bleibt von Wiglaf Droste?
Die Erinnerung an einen unerbittlichen Aufklärer, der sich mit dem kohärenten Schwachsinn unserer Zeit nicht hat abfinden können und dagegen die Stimme erhoben hat. Und zugleich die Erinnerung an einen, der die Liebe zur Sprache und die Liebe zum Leben ernst genommen hat.
Das Gespräch führte Michael Luisier.