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Originaltext gelesen bei www.krebsgesellschaft.de
Das lymphatische System ist kein einzelnes Organ, sondern mit seinen Funktionen und Zellen über den ganzen Körper verteilt. Es steht in engem Zusammenhang mit dem körpereigenen Abwehrsystem (Immunsystem) und dem Blut bildenden System im Knochenmark.
Als lymphatisches System bezeichnet man die Gesamtheit aller Lymphbahnen sowie die lymphatischen Organe, zu denen unter anderem die Lymphknoten, die Milz, die lymphatischen Gewebe im Magen-Darm-Trakt (z.B. die Peyer-Plaques des Dünndarms) und im Rachen (Rachen-, Zungen- und Gaumenmandeln) sowie die Thymusdrüse gehören. Die Lymphknoten, kleine bohnenförmige Organe, befinden sich an zahlreichen Stellen des Körpers (z.B. in der Achselhöhle, in der Leiste, im Becken, im Nacken und im Bauchbereich). Sie dienen als Filterstationen für das Gewebswasser (Lymphe) einer Körperregion und produzieren und lagern Zellen, die Infektionen im Körper bekämpfen.
Die Zellen des lymphatischen Systems sind die Lymphozyten, eine Gruppe weisser Blutkörperchen. Die Lymphozyten haben eine zentrale Aufgabe in der Immunabwehr, denn sie können ganz gezielt Krankheitserreger erkennen und beseitigen. Lymphozyten können über Blut und Lymphbahnen den ganzen Körper durchwandern und tauschen untereinander und mit anderen Zellen Informationen aus.
Man unterscheidet zwei grosse Gruppen von Lymphozyten: B-Lymphozyten und T-Lymphozyten. Alle Lymphozyten entstehen im Knochenmark aus einer gemeinsamen "Mutterzelle" (Stammzelle). Während die B-Lymphozyten bereits im Knochenmark zu funktionstüchtigen Abwehrzellen heranreifen und erst danach ins Blut und in die lymphatischen Gewebe auswandern, erfolgt die Reifung der T-Lymphozyten in der Thymusdrüse.
B- und T-Lymphozyten erfüllen unterschiedliche Funktionen in der Immunabwehr: Eine wichtige Aufgabe der B-Lymphozyten besteht darin, so genannte Antikörper zu produzieren. Das sind kleine Eiweissmoleküle, die sich an Krankheitserreger anhängen und diese damit als "Feinde" für so genannte Fresszellen (Makrophagen) oder bestimmte T-Lymphozyten (Killerzellen) erkennbar machen.
Die "Killerzellen" unter den T-Lymphozyten erkennen und vernichten von Viren befallene Körperzellen und auch Krebszellen. Andere Gruppen von T-Lymphozyten "organisieren" den Einsatz der Abwehrzellen und aktivieren oder hemmen auf diese Weise das Immunsystem.
Die verschiedenen Gruppen von Lymphozyten wirken in ihren Abwehraufgaben zusammen und stehen über bestimmte Zellhormone, die Lymphokine, miteinander in Verbindung. Das lymphatische System ist also ein äusserst komplexes Netzwerk von Zellen, Geweben und Regulationsmechanismen im Dienste der körpereigenen Immunabwehr. Bei einer Entartung von B-Zellen in den Keimzentren der Lymphknoten kann es zur Entstehung der für das Burkitt-Lymphom typischen Tumorzellen kommen.
Das Lymphgefässsystem des Menschen
Quelle: wikipedia.de
Das Lymphgefässsystem beginnt als Lymphkapillaren in der Peripherie, diese enden also "blind". Die Lymphkapillaren vereinigen sich zu grösseren Lymphgefässen. In diese Lymphgefässe sind die Lymphknoten als Filterstationen integriert. Dadurch dienen Lymphgefässe auch der Verbreitung der Lymphozyten. Die Lymphgefässe vereinigen sich zu Lymphsammelstämmen, die in die obere Hohlvene und somit in das Venensystem münden. Im Gegensatz zum Blutkreislauf gibt es also keinen "Lymphkreislauf". Im Lymphsystem werden pro Tag etwa 2 Liter Lymphflüssigkeit transportiert. Der Transport der lymphpflichtigen Flüssigkeit erfolgt durch die nicht geordneten Kontraktionen der einzelnen Lymphangione (Lymphherzen), die sich etwa 10mal pro Minute zusammenziehen. Die Lymphflüssigkeit folgt dann dem geringsten Widerstand in Richtung der sich nach proximal erweiternden Lymphgefässe. Durch eine manuelle Drainage und intermittierende Kompression können die Lymphangione angeregt werden und somit etwa 60mal pro Minute kontrahieren.
Neben der Bedeutung bei der Lymphozytenzirkulation spielt das Lymphgefässsystem eine wichtige Rolle für den Flüssigkeitsabtransport aus den verschiedenen Körperteilen. Teile des Blutes treten im Kapillarbett der Gewebe als interzelluläre Flüssigkeit (Gewebswasser) aus. Diese Gewebsflüssigkeit wird zum einem über die Venen, zu einem Teil aber als Lymphe über die Lymphgefässe abgeleitet. Die über das Lymphgefässsystem transportierte Flüssigkeit mündet schliesslich in die obere Hohlvene, womit beide Körperflüssigkeiten (Lymphe und Blut) wieder vereint sind. Die Abfallstoffe werden über den Dickdarm ausgeschieden. Über das Lymphgefässsystem werden auch die im Darm resorbierten Fette in den Blutkreislauf transportiert.