Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03143.jsonl.gz/2535

Aktuelle Studien zur Behandlung der Herzinsuffizienz zeigten auf dem diesjährigen ESC 2020, dass SGLT2-Inhibitoren, wie z.B. das Empagliflozin, das Risiko für kardiovaskulären Tod oder auch für die Hospitalisierung bei Herzinsuffizienz mit erniedrigter Auswurffraktion im Vergleich zu Placebo reduzierten [1–3]. Diese Effekte traten unabhängig davon auf, ob ein Diabetes mellitus vorlag oder nicht.
SGLT2-Inhibitoren (sodium-glucose cotransporter 2 inhibitors) haben ursprünglich als Antidiabetika eine Marktzulassung erhalten. Jedoch zeigte sich in zahlreichen Studien ein interessanter „Nebeneffekt“ dieser Medikamentengruppe: So scheinen SGLT2-Inhibitoren sowohl kardioprotektiv als auch nephroprotektiv zu sein.
Eine wichtige Studie zur Wirksamkeit von SGLT2-Inhibitoren bei Herzinsuffizienz nutzte beispielsweise den SGLT2-Hemmer Dapagliflozin, der bereits das Risiko für kardiovaskulären Tod oder für Krankenhausaufenthalte bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion verringerte, unabhängig vom Diabetes-Status der PatientInnen.
In dieser Studie wurden in erster Linie PatientInnen (n = 4.744) mit leicht- bis mäßiggradiger linksventrikulärer systolischer Dysfunktion und einem erhöhten natriuretischen Peptidspiegel aufgenommen. Die Ergebnisse dienten darüber hinaus gleichzeitig als Ausgangspunkt für eine weitere Studie, um die Auswirkungen von SGLT2-Inhibitoren bei PatientInnen mit Herzinsuffizienz und deutlich reduzierter Auswurffraktion zu untersuchen.
Diese aktuelle Studie, die von Dr. Milton Packer (Baylor University Medical Center, USA) anlässlich des virtuellen ESC 2020 vorgestellt wurde, setzte Empagliflozin bei 3.730 PatientInnen mit leichter, mittelschwerer oder schwerer chronischer Herzinsuffizienz (Klasse II, III oder IV) und verminderter Auswurffraktion ein. Lediglich die Hälfte der eingeschlossenen PatientInnen litt unter einem begleitenden Diabetes mellitus, die andere Hälfte war diabetesfrei. Die Randomisierung erfolgte in zwei Gruppen: 1.863 PatientInnen erhielten Empagliflozin (10 mg einmal täglich), 1.867 bekamen ein Placebo.
Die Untersuchungen konzentrierten sich auf drei wesentliche Studienendpunkte:
Im Ergebnis der Studie wurde der primäre Endpunkt erreicht und das Risiko für kardiovaskulären Tod oder Hospitalisierung um 25% gegenüber Placebo reduziert. Insgesamt wurde auch das Risiko für die Gesamt-Hospitalisierungen im ersten sekundären Endpunkt um 30% reduziert.
Der Abfall der glomerulären Filtrationsrate im zweiten sekundären Endpunkt wurde innerhalb von 16 Monaten gegenüber Placebo ebenfalls deutlich gebremst: -4,2 ml/min/1,73 m2 bei Placebo gegenüber -0,9 ml/min/1,73 m2 unter Empagliflozin.
Die jährliche Rate des Rückgangs der geschätzten glomerulären Filtrationsrate war in der Empagliflozin-Gruppe somit signifikant langsamer als in der Placebo-Gruppe. Darüber hinaus hatten mit Empagliflozin behandelte PatientInnen ein geringeres Risiko für schwere Nierenereignisse.
Beide Studien zeigten, dass SGLT2-Inhibitoren klinisch für PatientInnen mit Herzinsuffizienz bedeutende Vorteile für die Kardio- und Nephroprotektion haben und zudem gut verträglich sind. Laut Dr. Packer lieferten die Ergebnisse der Studien mit Dapagliflozin und Empagliflozin überzeugende Beweise dafür, dass SGLT2-Hemmer zukünftig zu den empfohlenen Behandlungen für Herzinsuffizienz-Patientinnen mit und ohne Diabetes – aber mit einer reduzierten Auswurffraktion – hinzugefügt werden sollten.
Referenzen:
(1) Packer M. Empagliflozin in heart failure with a reduced ejection fraction, with and without diabetes. Hot Line 1, ESC Congress 2020, 29th Aug
(2) Packer M, et al., New Engl J Med 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2022190
(3) Zannad F et al., The Lancet 2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31824-9