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Für Raucher im Tessin wird das Leben schwieriger. Bis Ende Jahr sieht eine Revision des kantonalen Gesetzes vor, das Rauchen in allen Bars und Restaurants zu verbieten.
Die Massnahme zielt auf die Bekämpfung der Folgen des Passivrauchens.
Im Jahr 2002 haben gut 11'200 Tessiner eine Petition des "Vereins gegen Passivrauch" unterschrieben, in der ein energischer Eingriff der Politiker gegen das Passivrauchen gefordert wird.
Bereits 7000 Unterschriften genügen im Kanton Tessin, damit eine Volksinitiative oder ein Referendum lanciert werden kann. Deshalb konnten die Behörden einen Volksprotest dieser Grösse nicht einfach ignorieren.
Hoteliers sind für das Rauchverbot
Die Regierung bildete in der Folge 2003 eine Expertengruppe, um sich der Frage anzunehmen. Im Bericht unterstützen die Experten die Idee, wonach die Regierung "per Reglement festlegen kann, wo Rauchen verboten ist – insbesondere in Schulen, Spitälern, Läden, Versammlungsorten und Büroräumen, die von mehreren Personen benutzt werden".
Das Rauchen würde nur noch in eigens dazu bestimmten, separaten Orten erlaubt sein.
Daraus ergibt sich, dass die Kantonsregierung diesen Herbst dem kantonalen Parlament eine Gesetzesänderung vorschlägt, die ein totales Rauchverbot in Bars und Restaurants vorsieht.
Diese Aussicht scheint die Restaurateure nicht sonderlich zu alarmieren: Die wichtigsten Berufsvereinigungen haben sich für das Verbot ausgesprochen.
Sie schätzen, zu Beginn zwar einige Kunden zu verlieren, doch langfristig sind Hoteliers und Restaurateure überzeugt, dass sich das Verbot auszahlt: "Die sauberere Luft wird andere Kundschaft anziehen und die Kosten für den Unterhalt der Räumlichkeiten und der vom Rauch und von den Zigarettenstummeln beschädigten Möbel verringern."
Heutige Gesetzgebung nicht zufriedenstellend
Mit der Gesetzesänderung will man die gegenwärtigen Bestimmungen verschärfen. Sie werden als ungenügend erachtet, um das Passivrauchen wirklich effizient zu bekämpfen.
"Den Raum für Raucherinnen und Raucher zu limitieren wird bestimmt auch dazu beitragen, deren Anzahl zu verringern", sagt Alberto Polli, Präsident des Vereins gegen Passivrauch, gegenüber swissinfo.
Auch in anderen Kantonen wird über die Auswirkungen des Passivrauchens nachgedacht, aber nur im Tessin drängt man auf ein totales Verbot.
Dieses Jahr hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dem Passivrauchen eine Schlüsselrolle bei der Prävention gegen den Nikotinmissbrauch zugedacht.
Auch auf Bundesebene Revision des Gesetzes
"Jährlich führt der Tabakkonsum in der Schweiz zum verfrühten Tod von rund 8300 Personen", sagen BAG-Verantwortliche. "Das hat Krankheitskosten und Produktivitätsverluste von rund fünf Milliarden Franken zur Folge."
Um die Prävention zu verstärken, hat der Bundesrat 2001 das "Nationale Programm zur Tabakprävention 2001 - 2005" auf die Beine gestellt. Vorgesehen ist auch eine Revision der Tabakverordnung auf Bundesebene.
Obschon dieses Revisionsprojekt keine radikalen Massnahmen gegen das Passivrauchen vorsieht, erhofften sich während der Vernehmlassung zahlreiche politische Parteien und Vereinigungen explizit solche Massnahmen.
Deshalb ist es nicht auszuschliessen, dass die definitive Fassung der Bundesverordnung diesen Sorgen Rechnung trägt.
Das Tessin folgt Italien
Die Entwicklungen im Tessin sind zwar für die Schweiz ein Novum, nicht aber für Europa. Besonders in Italien wurden kürzlich strenge Regeln geschaffen, um das Passivrauchen zu verhindern.
Das Rauchen wird in allen öffentlichen Orten und Räumlichkeiten verboten sein. Das betreffende Dekret, bereits Anfang 2003 angenommen, wird Ende dieses Jahres in Kraft treten.
swissinfo, Nenad Stojanovic, Lugano
(Übertragung aus dem Italienischen: Sandro Künzle)
Fakten
1,8 Mrd. Fr. Steuererträge auf Tabakkonsum in der Schweiz.
8300 Tote jährlich in der Schweiz wegen Rauchens.
Das Rauchen tötet zehnmal mehr Menschen als der Verkehr.
In Kürze
Bis Ende Jahr dürfte der Kanton Tessin über ein Gesetz verfügen, das das Rauchen in allen öffentlichen Räumlichkeiten verbietet.
Damit sollen die negativen Folgen des Passivrauchens unterbunden werden.
Hoteliers und Wirte sprechen sich für die Massnahme aus.
In Italien ist ein analoges Gesetz bereits angenommen.