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Biels Hoffen auf den grossen Coup mit Harri Säteri
Harri Säteri entpuppt sich immer mehr als Glücksfall für den EHC Biel. Dabei wäre er im Normalfall gar nicht bei den Seeländern gelandet.
Harri Säteri entpuppt sich immer mehr als Glücksfall für den EHC Biel. Dabei wäre er im Normalfall gar nicht bei den Seeländern gelandet.
Der EHC Biel wurde bisher dreimal Schweizer Meister, das letzte Mal vor genau 40 Jahren. Bei allen drei Titeln hütete der legendäre Olivier Anken das Tor. Dessen Nummer 30 wird beim EHCB nicht mehr vergeben. Nun verfügen die Seeländer mit Harri Säteri erneut über einen herausragenden Goalie.
Dass dem so ist, ist eine spezielle Geschichte. Zunächst erlitt im März 2022 der damalige Bieler Stammkeeper Joren van Pottelberghe einen Kreuzbandriss, das Comeback gab er erst Mitte Januar. Der 25-Jährige verfügt über ein enormes Potenzial und könnte dereinst im Nationalteam in die Fussstapfen von Leonardo Genoni und Reto Berra treten. Hätte sich Van Pottelberghe nicht dermassen schwer verletzt, würden die Seeländer wohl kaum auf einen ausländischen Torhüter setzen.
Im vergangenen Mai gab der Verein die Verpflichtung von Juho Olkinuora bekannt. Der Finne erhielt jedoch einen Vertrag bei den Detroit Red Wings, nachdem er an der WM in seiner Heimat zum MVP des Turniers gekürt worden war. Bemerkung am Rande: Olkinuora kam bei den Red Wings nie zum Einsatz, nach 15 Spielen beim AHL-Farmteam Grand Rapids Griffins mit einer Abwehrquote von ungenügenden 86,8 Prozent wechselte er nach Schweden zu Brynäs, das in der Folge abstieg.
Herausragende Werte
Biel musste also wieder auf die Suche nach einem Torhüter und entschied sich für Harri Säteri, der von 2019 bis zum Einmarsch der Russen in der Ukraine in der KHL bei Sibir Nowosibirsk tätig gewesen war. Danach wollte der 33-Jährige, der mit Olkinuora gut befreundet ist, nur noch weg aus Russland und beendete die Saison in der NHL bei den Arizona Coyotes (sechs Einsätze), dem Team des Ex-Bielers Janis Moser. Da sich in der besten Eishockey-Liga der Welt keine Möglichkeit für ein weiteres Engagement ergab, spielt er nun in Biel. Die Seeländer wurden also zusagen zu ihrem Glück gezwungen.
Säteri kam in der Qualifikation in 35 Spielen zum Einsatz, 22 Mal gewannen die Bieler. In den Playoffs ist er nun noch besser, steigerte er die Abwehrquote von 92,27 auf 95,03 Prozent, was aufgrund seiner mentalen Stärke wenig erstaunt. Beim 1:0 am Donnerstagabend im ersten Halbfinalspiel gegen die ZSC Lions feierte er bereits seinen neunten Shutout in der National League, den zweiten in der entscheidenden Meisterschaftsphase. Damit ist er die klare Nummer 1 der Liga, Simon Hrubec (ZSC Lions), Leonardo Genoni (Zug) und Melvin Nyffeler (Rapperswil-Jona Lakers) kommen jeweils auf deren fünf.
Brunners Sonderlob
Was Säteri auszeichnet, brachte der derzeit verletzte Damien Brunner gegenüber der NZZ auf den Punkt: «Er hat diese enorme Präsenz, du weisst: Er wird die Scheibe halten.» Er habe noch nie einen Goalie mit Säteris Ausstrahlung gesehen. Und das heisst etwas, schliesslich hat Brunner bei den New Jersey Devils mit keinem Geringeren als dem dreifachen Stanley-Cup-Sieger Martin Brodeur zusammengespielt. Dieser hält mit 691 Siegen den Rekord für die meisten gewonnenen Partien in der NHL-Qualifikation.
Da der ZSC mit Simon Hrubec ebenfalls einen Top-Torhüter in seinen Reihen hat, erwartet der Bieler Stürmer Mike Künzle auch in den weiteren Halbfinalspielen gegen die Lions wenig Treffer, obwohl «beide Mannschaften mit dem Puck etwas kreieren und nicht destruktiv spielen wollen.»
Trotz Vorsprung gewarnt
Ohnehin sind die Seeländer gewarnt: Als sie 2018 und 2019 ebenfalls die Halbfinals erreichten, führten sie gegen Lugano respektive Bern mit 2:0 Siegen, ehe sie noch ausschieden. In den beiden bisherigen Serien gegen die Lions lagen sie 1:0 (2015) sowie 2:0 (2021) vorne, worauf es zweimal ein 3:4 absetzte. In diesem Jahr scheinen die Bieler allerdings gefestigter zu sein, was der Viertelfinal gegen Bern (4:2) unterstreicht. Und mit einem Säteri im Tor ist so oder so alles möglich, selbst das Ende der nun 40 Jahre dauernden Durststrecke.