Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03114.jsonl.gz/17

Ein sommerlich warmer Wintertag in Los Angeles. Der Santa-Ana-Wind trägt die sanften Klänge eines Pianos auf die Strasse. Sie kommen aus dem Pool-Haus hinter dem hohen Zaun, hoch oben in den Hügeln von Hollywood. Hier ist der Zürcher Schauspieler und Pianist Patrick Rapold, 38, zu Hause: «Seit mein Flügel hier ist, fühle ich mich auch wirklich hier angekommen.»
Sein kalifornisches Daheim ist eigentlich eine Villa, unterteilt in vier unabhängige Wohneinheiten mit Küchen und Bad. Das Wohnzimmer, den Swimmingpool und die Terrasse mit dem atemberaubenden Blick auf die ganze Stadt teilt er mit einer Berner Filmemacherin, einem Schaffhauser Visual Designer und einem irischen Kameramann. Kommt Patrick Rapold nach Dreharbeiten aus Europa hierher zurück, setzt er sich zuerst mit einem Glas Weisswein auf den Balkon und geniesst den kalifornischen Sonnenuntergang mit seinen Hausgenossen und der Katze Bianca San Pellegrino. «Die Hausschlampe», wie sie Rapold lachend nennt. «Sie schläft bei allen.»
Das Haus in den Hollywood Hills ist legendär: Es gehörte einer Stummfilm-Schauspielerin, die das Pool-Haus einst an James Dean vermietete, hingegen Marilyn Monroe als Untermieterin ablehnte. «Später sollen auch Jack Nicholson und Oliver Stone hier im Pool gebadet haben», erzählt der Schaffhauser. Auch heute trifft man bei einem Dinner oder einer Party in der zu drei Vierteln schweizerischen WG bisweilen einen bekannten Namen an - wie Diane Lane oder Kathleen Turner. Vielleicht bleibt auch jemand mal ein paar Tage wie der Regisseur Joe Wright («Anna Karenina»).
Ein gutes Netzwerk zu haben, ist in Hollywood besonders wichtig: «Als ich 2009 nach Los Angeles kam, spürte ich schnell, dass die restlichen 14 Millionen Leute nicht auf mich gewartet hatten. Aber ich sagte mir, sei geduldig. Momentan halte ich nach einem neuen Manager Ausschau und freue mich auf die Pilot-Season, wenn hier Anfang Jahr neue TV-Projekte gecasted werden.» Es sieht auch danach aus, als ob er bald für Christian Grey im Film «Fifty Shades of Grey» Chopins Nocturnes aufnehmen würde. Sein WG-Kumpel ist der Kameramann des Films: «Und wie er sagt, spielt die Regisseurin Sam Taylor-Johnson meine letzte CD ‹Songs Without Words› rauf und runter und sei begeistert.»
Zuerst kommt Patrick Rapold aber für den Film «Die Akte Grüninger» in die alte Heimat. Der Film handelt vom St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger, der kurz vor dem Zweiten Weltkrieg Tausenden von Juden das Leben rettete, indem er ihnen vordatierte Einreisevisen für die Schweiz ausstellte. «Ich verkörpere den Schweizer Vizekonsul in Bregenz, ein Schürzenjäger und Verbündeter von Grüninger», so der Schauspieler. «Es hat Spass gemacht, im Ostschweizer Dialekt und in historischen Kostümen zu drehen. Etwas weniger lustig war es, bei zwei Grad im November durch den Rhein zu waten.»