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Als Eddy Yusof und Pablo Brägger ihre letzte Übung an den Ringen jeweils in den Stand gebracht hatten, freuten sie sich zurecht. Die beiden zeigten in der Rio Olympic Arena einen nahezu fehlerlosen Auftritt und rehabilitierten sich mit 87,914 respektive 87,383 Punkten für die enttäuschende Leistung der Schweizer Mannschaft in der Qualifikation, als die STV-Riege das grosse Ziel in Rio, den Einzug in den Team-Final, nach einem fehlerhaften Wettkampf verpasst hatte. “Heute haben sie gezeigt, was sie drauf haben”, sagte Felix Stingelin, der Chef Spitzensport im STV. “Sie haben nahezu das Maximum herausgeholt. Gegenüber der Qualifikation war es wie Tag und Nacht.”
Brägger musste Sprung vereinfachen
Den beiden Schweizern war der Auftakt in den Wettkampf sehr gut geglückt. Pablo Brägger aus Oberbüren musste zwar seinen Sprung, bei dem er in der Qualifikation gestürzt war, kurzfristig während der Flugphase vereinfachen, um nicht noch einmal zu stürzen, an den anderen Geräten verzeichnete er aber keinen einzigen Fehler mehr. Yusof kam am Barren und am Reck im Gegensatz zum Vorkampf ohne Patzer durch, wodurch sowohl er (7.) als auch Brägger (9.) nach der Hälfte des Pensums in den Top Ten lagen. Der Rückstand Yusofs auf den späteren Olympiasieger Uchimura betrug dabei nach drei Geräten nur 0,8 Punkte.
Die Schweizer zogen auch danach ihr Programm ohne Schnitzer durch, fielen an ihren tendenziell schwächeren Geräten aber erwartungsgemäss noch etwas zurück. Mit den Plätzen 12 und 16 erreichten sie die Zielsetzung des STV und das beste Mehrkampf-Ergebnis an Olympischen Spielen seit Sepp Zellweger und Markus Lehmann, die 1984 in Los Angeles die Ränge 11 und 12 belegten. Die beiden hatten damals allerdings vom Boykott des Ostblocks profitiert.
“Der Druck war nicht mehr so gross”
“Ich habe mein Ding durchgezogen. Der Druck war nicht mehr so gross und ich konnte befreit auftreten”, sagte Yusof, der seinen ersten Mehrkampf-Final an einem internationalen Grossanlass bestritt. Auch Brägger zeigte sich zufrieden und sprach von einem versöhnlichen Abschluss. Für den Ostschweizer sind die Sommerspiele in Rio de Janeiro aber noch nicht beendet. Er wird weiter trainieren, da er für den Reck-Final erster Ersatzturner ist. Der Kubaner Manrique Larduet, der sich für den Reck-Final qualifiziert hat, musste den Mehrkampf-Final nach einem Sturz beim Sprung wegen einer Fussverletzung, die er sich bereits in der Qualifikation zugezogen hatte, aufgeben.
Den Kampf um Gold entschied in einem Kopf-an-Kopf-Rennen Kohei Uchimura gegen Oleg Wernjajew mit weniger als einem Zehntel Vorsprung für sich. Die Entscheidung fiel am letzten Gerät Reck, als Uchimura den 22-jährigen Ukrainer, der den Wettkampf seines Lebens zeigte, noch vom Thron stiess. Wernjajew hatte den besten Mehrkämpfer der Geschichte in der Qualifikation noch deutlich in die Schranken gewiesen und war auch im Final nahe dran, “King Kohei” zu stürzen. Sein Vorsprung vor dem letzten Gerät hatte fast einen Punkt betragen. Bronze ging an den Briten Max Whitlock.
Geschichtsträchtige Leistung
Uchimura verhinderte auf den letzten Drücker seine erste Niederlage in einem Mehrkampf an internationalen Titelkämpfen seit Peking 2008, als er bei seiner Olympia-Premiere Silber gewonnen hatte. Seither gewann der 27-Jährige sechs WM-Titel im Mehrkampf in Serie und Gold an den Sommerspielen 2012 in London.
Erst als vierter Turner der Geschichte schaffte es der 27-Jährige, zweimal in Folge Olympia-Gold im Mehrkampf zu gewinnen. Zuvor hatten dies nur der Italiener Alberto Braglia (1908/1912), der Sowjetrusse Viktor Tschukarin (1952/1956) sowie der Japaner Sawao Kato (1968/1972) geschafft. Sein grösstes Ziel in Rio hatte Uchimura bereits am Montag mit dem Gewinn der Goldmedaille mit dem Team, dem einzigen Erfolg, der ihm in seinem Palmarès noch gefehlt hatte, erreicht.
(SDA)