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Titel
Geschütz
(hierzu Tafeln »Geschütze [* 2] I u. II«),
Feuerwaffe von solcher
Schwere, daß
sie den Handgebrauch ausschließt,
besteht im allgemeinen aus dem
Geschützrohr und der
Lafette (s. d.). Man unterscheidet
Feld-, Gebirgs-, Belagerungs-,
Festungs-,
Küsten- und
Schiffsgeschütze. Zum kampffähigen
Geschütz gehören die Bedienung, das
Geschützzubehör und die
Munition,
zum
Feldgeschütz noch die
Protze und Bespannung, zum Belagerungs-,
Festungs-,
Küsten- und
Schiffsgeschütz, wenn dieselben nicht
auf einer
Bettung oder dem
Geschützstand
(Deck bei
Schiffen) zurücklaufen, noch der
Rahmen mit Unterlagen, daher Rahmen
geschütze.
Kasematten-,
Turm-,
Bug-,
Heck-, Breitseit-,
Batterie-, Oberdecks
geschütze sind solche, die in
Kasematten, in
Panzertürmen der
Landbefestigungen und
Schiffe,
[* 3] im
Bug,
Heck, auf den Breitseiten, in der
Batterie oder auf dem Oberdeck von
Schiffen ihre
Aufstellung finden. Gebirgsgeschütze werden zerlegt auf Tragtieren fortgeschafft und kommen im
Gebirgskrieg (s. d.)
zur Verwendung. Panzergeschütze sind
Geschütze schweren
Kalibers, in der
Regel erst von 21 (in
Deutschland
[* 4] schon von 15)
cm
beginnend, welche vermöge der bedeutenden Durchschlagskraft ihrer
Geschosse
[* 5] geeignet sind, Eisenpanzerungen
zu durchdringen, die daher sowohl zur
Küsten- als zur Schiffsartillerie gehören.
Ausfallgeschütze sind Feldgeschütze, die, zu Batterien, ähnlich den Feldbatterien, formiert, bei den Ausfällen aus einer belagerten Festung [* 6] ihre Verwendung finden. Flankengeschütze sind Geschütze kleinen Kalibers, die zur Flankierung der Gräben in Festungen und auf den Flügeln der Angriffsarbeiten bei Belagerungen aufgestellt und vorzugsweise mit Kartätschen gegen stürmende Truppen ausgerüstet sind; auch werden Revolverkanonen als solche verwendet.
Die während der Belagerung von Paris [* 7] 1870/71 bekannt gewordenen Kruppschen Ballongeschütze waren kleine gezogene Kanonen von 4 cm Seelendurchmesser, welche die aus Paris kommenden Luftballons beschießen sollten. Landungskanonen sind leichte 8 cm Geschütze, die bei Landungen der Schiffsbesatzungen von diesen bewegt und verwendet werden. Je nach ihrer Konstruktion unterscheidet man glatte und gezogene Geschütze, Kanonen, Mörser, Haubitzen (s. d.).
Die Geschütze werden aus Gußeisen, Bronze, [* 8] Gußstahl oder Schmiedeeisen, auch aus zweien dieser Metalle zugleich gefertigt, z. B. aus Gußeisen mit schmiedeeisernen oder stählernen Ringen (französische Marinegeschütze) oder aus einem Stahlkern, mit schmiedeeisernen Ringen umgeben (England). Die Bohrung des Geschützes heißt Seele, ihr Durchmesser das Kaliber. Die Geschützrohre werden nach ihrem Kaliber benannt, und man drückt dies entweder nach dem Gewicht einer eisernen Vollkugel von gleichem Durchmesser in Pfunden, 4-, 6-, 12-, 24-Pfünder etc., oder nach dem Durchmesser in Zentimetern aus, 8, 9, 12, 15 cm etc. Letztere Art ist jetzt die gebräuchlichste. In England werden die Geschütze unter 7 Zoll Kaliber nach dem Geschoßgewicht, darüber nach dem Kaliber in Zollen und über 5 Tonnen schwer nach dem Rohrgewicht in Tonnen (à 1015,65 kg) benannt. Je nachdem die Geschütze von vorn oder hinten geladen werden, nennt man sie Vorder- oder Hinterlader; erstere können sowohl glatt als gezogen sein, letztere sind stets gezogen, d. h. in die Seelenwand sind flache Vertiefungen, Züge, spiralförmig, also Schraubengänge bildend, eingeschnitten, die den Zweck haben, dem Geschoß eine Drehung um seine Längenachse zu geben (s. Flugbahn).
Die Mittellinie der Seele, Seelenachse, soll bei richtig gearbeiteten Rohren mit der Rohrachse zusammenfallen. Zur Verbindung des Rohrs mit der Lafette dienen die Schildzapfen, walzenförmige Angüsse zu beiden Seiten des Rohrs, deren Achse, Schildzapfenachse, senkrecht zur Rohrachse stehen muß. Der Schnittpunkt beider heißt der Lagerpunkt; liegt derselbe unter der Rohrachse, so heißt er versenkt, wie bei den ältern preußischen Festungs- und den österreichischen Feldgeschützen.
Die Lage der Schildzapfen gibt dem Rohr entweder Hintergewicht, damit es auf der Richtsohle aufliege und ihren Bewegungen folge, oder hält das Rohr im Gleichgewicht, [* 9] um den schädlichen Einfluß des Buckens (Abprallens des Rohrs von der Richtsohle beim Schießen) [* 10] auf die Richtmaschine abzuschwächen. Die Mündung des Rohrs ist häufig verstärkt durch den Geschützkopf, der bei ältern Rohren eine bedeutende Höhe erreicht, bei den neuern entweder nur klein ist, oder auch ganz fehlt, weil er das Bucken vermehrt.
Der Teil des Geschützrohrs vom Kopf bis zu dem Teil, an dem die Schildzapfen sitzen, Mittel- oder Zapfenstück: wird das Langefeld genannt; an das Mittelstück schließt sich nach hinten das Bodenstück an, welches bei Vorderladern in der Traube endigt, die zur leichtern Handhabung des Rohrs dient. Einen gleichen Zweck haben die Henkel (Delphine), welche über dem Schwerpunkt [* 11] älterer bronzener Rohre stehen. Bei ältern Rohren sind die genannten Rohrteile durch Karniese, Bänder oder Rundstäbchen abgegrenzt; die neuern Rohre bestehen in der Regel nur aus einem konischen vordern und cylindrischen hintern Teil.
Bei den Hinterladungsgeschützen ist in das Bodenstück das Keil- oder Quercylinderloch eingeschnitten, bestimmt, die gleichnamigen Verschlußteile aufzunehmen, um die Seele hinten abzuschließen, den Seelenboden herzustellen. In der Nähe des Seelenbodens befindet sich entweder senkrecht zur Rohrachse oder schräg von hinten nach vorn gehend das Zündloch, Oberzündung; in neuerer Zeit wird es in der Rohrachse durch den Keil geführt, Zentralzündung. Weil Bronze und Gußstahl leicht ausbrennen, haben Rohre aus diesem Metall einen Zündlochstollen aus Kupfer. [* 12] Um dem Geschützrohr die Richtung geben zu können, ist entweder vorn auf dem Kopf, auf den Schildzapfen, oder seitlich derselben auf dem Rohr ein Korn angebracht. Der zweite Teil der Richteinrichtung am Geschützrohr ist der Aufsatz (s. d.).
Kanonen, ob glatt oder gezogen, sind Geschütze von ca. 18-35 Kalibern Rohrlänge, die im Verhältnis zum Gewicht des Geschosses mit möglichst großer Pulverladung feuern, daher bei relativ großer Stoßkraft des Geschosses eine flache (rasante) Flugbahn haben. Haubitzen hatten etwa 6-8, die Mörser nur 3-3½ Kaliber Rohrlänge. Gezogene Kanonen von kürzerer Rohrlänge (der Charakter der Haubitzen, auf gezogene Geschütze modifizierend angewendet) heißen kurze Kanonen, z. B. kurze 15 und kurze 21 cm Kanonen. In allen Feldartillerien finden wir nur noch gezogene Geschütze. In der Festungsartillerie werden ¶
Deutsches Feldgeschütz. Konstruktion vom Jahr 1873.
Minimal-Scharten-Lafette für 15 Zentim.-Ringkanonen, zur Aufstellung hinter Eisenpanzern.
Nach der Konstruktion von Gruson.
Gezogener 21 Zentim.-Mörser der deutschen Belagerungs- und Festungsartillerie in fahrbarer Lafette.
15 Zentim.-Belagerungs-Lafette. Konstruktion 1864/69.
Typus aller Kanonen-Lafetten der deutschen Belagerungs- und Festungsartillerie seit 1864.
Zum Artikel »Geschütz«. ¶
Lange 15 Zentim.-Ringkanone (3,84 Meter Rohrlänge) in Oberdeckslafette mit Mittelpivot.
Typus der Mittelpivot-Lafetten der deutschen Marine.
Kurze 21 Zentim.-Marine-Ringkanone (4 Meter Rohrlänge) in Breitseiten-Lafette der deutschen Panzerfregatten »Kronprinz« und »Friedrich Karl«.
Typus der Breitseiten- und Rahmen-Oberdecks-Lafetten mit Vorderpivot.
Lange 24 Zentim.-Ringkanone (5,23 Meter Rohrlänge) in Küsten-Lafette.
Typus der deutschen Küstengeschütze.
Moncrieffs Gleichgewichts-Lafette für 7 Tons-Geschütze (17,7 Zentim. Seelendurchmesser).
(England.)
Zum Artikel »Geschütz«. ¶
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die glatten nur noch als Kartätschgeschütze zur Grabenverteidigung verwendet.
Geschütze der europäischen Armeen.
Die gezogenen Geschütze der deutschen Artillerie sind Hinterlader mit gepreßter Geschoßführung, d. h. die Geschosse, mit Ausnahme der Kartätschen, haben auf dem cylindrischen Teil ihrer Oberfläche eine Ummantelung von Blei, [* 16] Hartblei oder Kupferringe. Durch das Einpressen der ringförmigen Bleiwülste in die Züge des Rohrs wird der Spielraum zwischen Geschoß und Seelenwand aufgehoben. Die Geschosse sind Granaten, [* 17] Schrapnells und Kartätschen. In Deutschland sind 8, 9, 12, 15, 17, 21, 24, 26, 28 und 30,5 cm Kaliber im Gebrauch, unter denen 9, 15 und 21 cm Mörser, 8, 9, 12 und 15 cm Kanonen aus Bronze, seit 1878 Hartbronze (in Österreich [* 18] Stahlbronze genannt) gefertigt werden.
Die Züge sind bei allen von gleicher Einrichtung, 1,3-2,6 mm tief, hinten 16-18 mm breit, vorn 3-5 mm schmäler. Man nennt sie ihrer ungleichen Breite [* 19] wegen Keilzüge; deren Zweck ist, den Widerstand der Geschoßführung auf die ganze Rohrlänge zu verteilen. Parallelzüge sind vorn und hinten gleich breit. Die zwischen den Zügen stehen gebliebenen Teile heißen Felder. Die Anzahl der Züge steigt mit dem Kaliber von 12 bei der 8 cm bis zu 36 bei der 28 cm Kanone. Krupps [* 20] 40 cm Kanone hat 96 Züge.
Die Ansteigung der Züge (Drallwinkel) liegt zwischen 2½- 4½ Grad. Die Dralllänge ist das Maß für die einmalige Umdrehung der Züge, man pflegt sie in Anzahl Kalibern auszudrücken; sie muß abnehmen mit dem Wachsen der Ladung und der Länge des Geschosses und zwar um so mehr, je kleiner das Kaliber ist; sie beträgt bei Krupps Kanonen etwa 28-45 Kaliber, erstere bei 9 cm, letztere bei 40 cm Kanonen. Der hintere Teil der Seele, der Ladungsraum, ist glatt, bei neuern Geschützen gezogen (Züge von etwa der halben Tiefe der gezogenen Seele), dient zur Aufnahme des Geschosses und der Pulverladung und hat deshalb einen größern Durchmesser als die Seele in den Zügen; er muß sich in Rücksicht auf Pulververwertung zur Länge des Ladungsraums wie 1:3-4,5 verhalten, wächst also, wenn man die Ladung desselben Kalibers steigert.
Dieses Verhalten des erweiterten Ladungsraums ist wissenschaftlich noch nicht erklärt. Vom Ladungsraum zum gezogenen Teil führt der Übergangskonus. Die Seele wird hinten durch den Verschluß geschlossen, der seiner Konstruktion nach entweder Kolben- oder Keilverschluß ist. Ersterer ist älterer Art (9 cm) und besteht aus dem Verschlußkolben a [* 15] (Fig. 1), in der Seelenachse liegend, der seine Führung in der Verschlußthür b erhält. Senkrecht zur Seelenachse wird durch das Rohr und den Verschlußkolben der Quercylinder c gesteckt, der dem Stoß der Pulverladung Widerstand bieten muß.
Die Handhabung geschieht mittels der Kurbel [* 21] d. Der Keilverschluß ist entweder Doppel- [* 22] oder Einheitskeil. Ersterer ist die ältere Konstruktion; sein Konstruktionsprinzip ist folgendes [* 15] (Fig. 2): Zwei rechtwinkelige Keile a und e liegen mit den schrägen Flächen aneinander, so daß Vorder- und Hinterfläche parallel laufen. Je nachdem man nun die schrägen Flächen von- oder übereinander schiebt, vermindert oder vermehrt sich der Abstand der parallelen Vorder- und Hinterfläche und gestattet das Herausziehen und Hineinschieben des Verschlusses oder das Öffnen und Schließen des Rohrs. Die Knebelschraube i begrenzt das Herausziehen, so daß die Ladeöffnungen k in die Seele treten. Bei den Panzergeschützen mußte der Doppelkeilverschluß seiner ungenügenden Widerstandsfähigkeit wegen durch den Kruppschen Einheitskeil, nach Form der hintern Keilfläche Rundkeil, bei einigen aptierten Geschützen Flachkeil genannt, ersetzt werden. Er [* 15] (Fig. 3) ist ein ungeteilter prismatischer Körper a aus Stahl, dessen vordere Fläche i senkrecht, dessen hintere k aber schräg zur Rohrachse steht.
Eine gleiche Form hat das Keilloch. Der Keil erhält seine Führung durch Führungsleisten und Nuten auf der obern und untern Keil- und Keillochfläche, die parallel der hintern schrägen Keilfläche laufen, wodurch es möglich ist, nach geringer Lockerung den Verschluß aus dem Rohr zu ziehen. Das Bewegen und Feststellen des Keils geschieht durch eine Kurbel b, die eine Schraubenvorrichtung von eigentümlicher Konstruktion, aus der Verschlußschraube f und der Spindel c bestehend, in Drehung setzt. Bei den Panzergeschützen wird der Verschluß seiner Schwere wegen (der 28 cm Verschluß wiegt 675 kg) im Rohr durch eine Transportschraube bewegt.
Um die Seele vollständig gasdicht abzuschließen, bedarf man eines besondern Liderungsmittels. Beim Kolbenverschluß dient hierzu der Preßspanboden, ein flaschenbodenähnlicher Napf aus mehrfachen Lagen sehr fester Preßspanpappe. Beim Keilverschluß ist in die Stahlplatte eine Kupferliderung [* 15] (Fig. 2: m
[* 15] ^[Abb.: Fig. 1. Kolbenverschluß.]
[* 15] ^[Abb.: Fig. 2 Doppelkeilverschluß.]
[* 15] ^[Abb.: Fig. 3. Einheitskeil.] ¶
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in der Stahlplatte h), deren Querschnitt ein rechtwinkeliges Dreieck [* 24] bildet, so eingesetzt, daß eine Kathete die Liderungsfläche bildet und in Funktion tritt, sobald die Pulvergase unter die Hypotenuse treten und die Kupferliderung heben. Die Kupferliderung setzt eine immer gleiche Lage des Vorderkeils im Rohr voraus, die bei Verschmutzungen nicht immer erreichbar ist; wegen der Weichheit ihres Metalls wird sie auch leicht unbrauchbar. Diese Nachteile sind durch den Broadwell-Ring beseitigt. Seine Konstruktion ist aus dem Durchschnitt [* 23] (Fig. 4) ersichtlich. Er sitzt im Rohr an der Mündungskante des Ladungsraums und wird durch die bei a eintretenden Pulvergase gegen die Stahlplatte des Keils gedrückt.
Alle neuen Geschütze (auch Feldgeschütze) erhalten eine durch Beseitigung der sehr empfindlichen scharfen Kante b modifizierte Form [* 23] (Fig. 5), Liderungsring [* 25] C/1873. Weil derselbe im Rohr sitzt, ist die gleiche Lage des Keils im Rohr bei jedem Schuß nicht geboten. Aber auch dieser Liderungsring erfordert eine so außerordentlich aufmerksame und sachverständige Behandlung zur Erfüllung seines Zwecks, daß die gegen seine Kriegsbrauchbarkeit laut werdenden Bedenken sich mehren.
Major Wille hält deshalb die Annahme von metallenen Kartuschhülsen, nach Art der Gewehrpatronenhülsen, für Geschütze, die sowohl die Pulverladung aufnehmen, als die Liderung bewirken, nur noch für eine Frage der Zeit. Der Verschluß wie die Bedienung der Geschütze würde dadurch vereinfacht und die Gebrauchsfähigkeit des erstern nicht durch Ausbrennungen beschränkt werden. Solche von Lorenz in Karlsruhe [* 26] gepreßte Kartuschhülsen für Feldgeschütze befinden sich im Versuch.
Die deutschen Feldgeschütze C/1873 sind aus dem Bestreben hervorgegangen, den Geschossen eine möglichst große Anfangsgeschwindigkeit zu geben (s. Flugbahn), weshalb sie nach den Prinzipien der »künstlichen« Metallkonstruktion (S. 219) als Ring- [* 27] (Mantel-) Rohre gefertigt wurden. Einige der wichtigsten Geschütze der deutschen Artillerie nebst den Lafetten sind auf beifolgenden Tafeln »Geschütze I u. II« abgebildet.
Die russische Feldartillerie hat ihre bronzenen 4 und 9pfündigen Kanonen, deren Leistungen im russisch-türkischen Krieg nicht befriedigten, zufolge Verordnung vom durch Kruppsche Stahlkanonen, die nur unerheblich von den deutschen Feldkanonen abweichen, ersetzt. Die nähern Angaben sind aus der Tabelle S. 219 ersichtlich. Die Kanonen von 10,67 cm Kaliber heißen Batteriekanonen, die 8,7 cm der Fußartillerie leichte, die der reitenden Artillerie Kavalleriekanonen.
Die Belagerungs-, Festungs-, Küsten- und Schiffsgeschütze sind, mit Ausnahme einer Anzahl 12 und 15 cm nach englischem System beschaffter Rohre, alle mit den preußischen gleicher Konstruktion und zum großen Teil von Krupp bezogen oder zum Teil auch in russischen Fabriken, in dem Obuchowschen Gußstahlwerk am Ladogasee, gefertigt. Man hat 6-, 8-, 9-, 12zöllige Gußstahlringkanonen, zum Teil mit französischem Schraubenverschluß oder Rundkeil mit Broadwell-Ring, sowie leichte und schwere Hinterladungsmörser aus Bronze und Stahl mit Rundkeil und Parallelzügen. Ebenso ist gegenwärtig in der belgischen Artillerie durchweg das preußische System vertreten.
In die französische Feldartillerie wurden, nachdem sie im Krieg 1870/71 fast ihr gesamtes Material verloren hatte, neue Feldgeschütze nach der Konstruktion des Generals Reffye eingeführt, gezogene Hinterlader aus Bronze von 7,5 und 8,5 cm Kaliber mit gepreßter Geschoßführung, benannt nach dem Gewicht ihrer Granaten canon de 5 und de 7. Sie hatten den in Frankreich gebräuchlichen Schraubenverschluß und am Boden der Kartusche eine kurze kupferne Hülse, [* 28] welche die Liderung bewirken sollte, sich aber nicht bewährte, weil sie sich festschoß und schwer ausziehen ließ.
Die Geschütze waren nur ein Übergangsmodell bis zur Herstellung von Gußstahlringgeschützen nach der Konstruktion von Lahitolle. Es wurde ein solches von 95 mm Kaliber als Einheitsgeschütz eingestellt; als sich dasselbe zu schwer erwies, traten 2 Kaliber von 80 und 90 mm für die eigentlichen Feldbatterien an seine Stelle, während die 95 mm Kanonen für Feldpositionsbatterien bestimmt wurden. Nähere Angaben s. Tabelle S. 219. Die bis 1870 bestehenden Feld- und Gebirgskanonen aus Bronze waren gezogene Vorderlader nach dem System La Hitte.
Um den Geschossen eine Drehung um ihre Längenachse zu geben, sind in die Seelenwand Züge mit ca. 7° Drallwinkel eingeschnitten. In das Geschoß (s. Granaten) sind Zinkwarzen (ailettes) zur Führung, daher Ailettenführung, eingesetzt. Die ältern französischen Festungs- und Belagerungsgeschütze sind nach demselben System gefertigt. Auch die ältern Marinegeschütze sind eiserne Hinterlader mit Ailettenführung, aus Gußeisen, am Bodenstück mit Stahlreifen umringt, die sich mit der Rohroberfläche vergleichen.
Die Zahl und Art der Züge ist 3, 5 oder 6, Rechts- oder Linksdrall. Die Valérie, welche 1871 als Beute vom Mont Valérien heimgebracht wurde und jetzt neben dem Zeughaus zu Berlin [* 29] ausgestellt ist, hat 21 cm Kaliber und 5 Linkszüge mit Progressivdrall, weshalb die hintern Ailetten halbmondförmig sind. Diese Geschütze haben den Schraubenverschluß [* 23] (Fig. 6). Die Verschlußschraube a hat ein Schraubengewinde, das in drei Sextanten bis auf die Spindel fortgenommen ist (b). In der Seele befindet sich die entsprechende Muttereinrichtung, so daß die Verschlußschraube,
[* 23] ^[Abb.: Fig. 4. Broadwell-Ring.]
[* 23] ^[Abb.: Fig. 5. Liderungsring C/1873.]
[* 23] ^[Abb.: Fig. 6. Schraubenverschluß.] ¶
Im Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910
Geschütz,
Schießwerkzeug besonders größerer Art, war früherhin mehr Sammelwort, gleichbedeutend mit Artillerie (s. d.), während das einzelne Geschütz Stück hieß (frz. pièce; ital. pezzo). Jetzt wird Geschütz sogar vorherrschend in letzterm Sinne gebraucht, Stück ist veraltet und kommt nur noch in einzelnen Zusammensetzungen (Regimentstücke u. s. w.) vor. Die Romanen brauchen für das einzelne Geschütz auch (frz.) canon, (ital.) cannone, (span.) cañon, doch mehr in verallgemeinerndem Sinne, da dies Wort eigentlich einer Specialität entspricht; frz. auch bouche à feu, Feuerschlund.
Das engl. gun ist jede Schießwaffe. Geschütz ist somit die Bezeichnung für diejenigen Feuerwaffen, welche Geschosse von größerm Umfang und Gewicht fortschleudern und im Zusammenhange damit so schwer sind, daß sie nur auf fester Unterstützung ruhend gebraucht werden können, in der Regel durch die vereinten Kräfte mehrerer Leute bedient und mittels Zugtieren fortgeschafft werden. Die Geschütz bilden in diesen Beziehungen den Gegensatz zu den Handfeuerwaffen [* 31] (s. d.). Die Geschosse der Geschütz kommen heute in Gewichten von 0,45 bis 1500 kg, mit Durchmessern von 3,7 bis 45 cm vor (s. Geschoß und Tafel: Moderne Geschosse).
Vermöge des Gewichts und Umfangs der Geschosse haben die Geschütz vor den Handfeuerwaffen folgende Vorzüge: größere Durchschlagskraft der Geschosse, Möglichkeit der Anwendung wirkungsvoller Spreng- und Streugeschosse sowie von Brand- und Leuchtgeschossen. Die Geschütz besitzen im Vergleich zu jenen außerdem eine größere Trefffähigkeit und Schußweite, und es lassen sich mittels Geschütz nicht bloß freistehende, sondern auch verdeckte und wagerechte Ziele beschießen.
Dagegen erwachsen aus den Konstruktionsverhältnissen der Geschütz für dieselben auch manche Nachteile, wie größere Kompliziertheit des Materials, größere Abhängigkeit vom Gelände, Einseitigkeit des Gebrauchs (nur als Feuerwaffe). Endlich ist das Geschütz im Felde schwerer zu decken und bietet mit seiner Bedienung und Vespannung dem einzeln auftretenden Infanteristen gegenüber ein leicht treffbares Ziel, während die Wirkung der Geschütz gegen zerstreute Fechter verhältnismäßig gering ist.
Im taktischen Sinne begreift man unter dem Namen Geschütz die dazu gehörige Bedienungsmannschaft und Bespannung mit. Bei dem Geschütz im besondern sind zu unterscheiden: das Geschützrohr und die als Schießgerüst wie Transportmittel desselben dienende Lafette. In vielen Fällen tritt dazu noch als Ergänzungsmittel die Protze, mit der das Geschütz zu einem vierräderigen Fuhrwerk umgeformt und der Transport auf größere Strecken erleichtert wird.
Das Geschützrohr aus Bronze, Eisen [* 32] oder Stahl hat im allgemeinen eine cylindrische Bohrung, die Seele, von größerer oder geringerer Weite und von sehr verschiedenem Verhältnis der Länge zum Querdurchmesser, der das Kaliber des Rohrs heißt; die Mittellinie der Seele heißt Seelenachse. Die Stärke [* 33] der Wände des Rohrs nimmt von hinten nach der Mündung zu ab; die hintere Öffnung ist entweder dauernd verschlossen, oder mit einem beweglichen Verschluß versehen, je nachdem das Geschütz von vorn oder von hinten geladen werden soll. Es ergiebt sich daraus der Gegensatz von Vorder- und von Hinterladungsgeschützen.
Bei erstern ist Spielraum, d. h. der Durchmesser des Geschosses ist geringer als der des Geschützrohrs. Die Seele ist entweder glatt, oder mit Zügen, d. i. gewundenen Einschnitten versehen, vermöge deren das Geschoß geführt und in eine drehende Bewegung versetzt wird. Die Geschütz heißen dem entsprechend glatte oder gezogene Geschütz (s. Fig. 10-12, 16-19). Die Windung der Züge wird der Drall (s. d.) genannt, die Länge einer vollen Windung (Dralllänge) wird gewöhnlich in Kalibern ausgedrückt.
Die Ladung des Geschütz wird mittels einer sog. Zündung entzündet, zu deren Aufnahme das entweder im Rohrkörper oder im Verschluß angebrachte, gewöhnlich cylindrische Zündloch dient, welches zugleich das Feuer der Zündung weiter leitet. Zur Verbindung des Rohrs mit der Lafette dienen die in der Mitte des erstern vorspringenden, cylindrisch geformten Schildzapfen. Manche Rohre haben behufs Aus- und Einlegens aus der und in die Lafette über dem Schwerpunkt angebrachte Henkel.
Eine Visiervorrichtung, aus dem am hintern Teil angebrachten Aufsatz (s. d. und [* 30] Fig. 18 und 26) und dem in der Mitte oder über der Mündung sitzenden Korn (s. d. und [* 30] Fig. 18 und 19) bestehend, dient zum Nehmen der Richtung. Man benennt die Rohre verschiedenen Kalibers entweder nach diesem in Längenmaßen (Centimeter, Zoll), oder nach dem Gewicht des zugehörigen Geschosses (Kilogramm, Pfund), bei schweren Rohren auch nach dem Gewicht dieser (wie in England in Tons). Nach dem Schauplatz, für den die Geschütz bestimmt sind, teilt man dieselben in Feld-, Gebirgs-, Belagerungs-, Festungs -, Küsten -, Schiffs - (Marine-) Geschütze. Die Unterschiede liegen weniger in den Konstruktionsverhältnissen der Rohre als in der Auswahl derselben und in der Lafettierung.
Die älteste Geschichte der Geschütz fällt mit derjenigen der Feuerwaffen überhaupt zusammen, da bei den anfänglich nur geringen Kalibern der letztern eine Unterscheidung von Geschütz und Handfeuerwaffen im spätern Sinne noch nicht am Platze ist. Als Vorbilder der Feuerwaffen überhaupt kann man die Feuerlanze der Byzantiner, welche der jetzt gebräuchlichen Bombenröhre (s. Wurffeuer) entsprach, und die Madfaa der Araber, einen gestielten hölzernen Handbecher, der zum Werfen von Geschossen mittels schwacher Triebsätze diente, ansehen. Aus der Feuerlanze können wir uns die in einzelnen Waffensammlungen noch erhaltenen Holzkanonen ¶
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entstanden denken, halb durchschnittene ausgehöhlte Rundhölzer, die mit Blech gefüttert und durch außen umgelegte eiserne Ringe als Röhren [* 35] zusammen- gehalten waren. An die Madsaa schlössen sich die sog. Wurfkessel oder Mörser an, Gefäße von konischer Aushöhlung, die das Schießpulver [* 36] auf- nahmen und auf deren Mündung das steinerne Ge- schoß ruhte, sodaß sie nur in nahezu senkrechter Stel- lung gebraucht werden konnten. Ein Zündloch führte das Feuer zur Ladung. Um den Wurfkessel auch unter geringern Neigungswinkeln gebrauchen zu können, setzte man demselben ein trichterförmig sich erweiterndes Mundstück an, oder man schob den Wurfkessel mit seiner Mündung an ein längeres Robr- beran, wodurch man auf die Hiuterladung kommen mußte.
Der Wurfkessel selbst bildete jetzt nur noch den Pulversack, die vordere Verlängerung [* 37] führte das Geschoß. Dem verlängerten Vurfkefsel gab man den Namen Vombarde ls. d., ital. dom- wn'lla); die Verlängerung allein hatte im Deutschen den Namen Vumbart. Die Bombarden bildeten die ursprüngliche Form des schweren Geschütz; sie waren, da man zu jener Zeit Eisenguß noch nicht kannte, ähulicb wie ein Faß [* 38] aus Eisenstäben bergestellt, die man der Länge nach zusammenschweißte und mit eisernen Reifen umlegte.
Sie kamen schon im 14. Jahrh, in ge- waltigen Größen vor, so die «Dulle Griete» von Gent [* 39] mit 1 in Kaliber, die eine Steinkugel von 680 Psd. warf, die schott. Mons [* 40] Meg u. a. All- mählich nahmen diese Donucrbüchseu scklankere Formen an und waren dann oftmals Hinterlader. Man verschloß das von rückwärts geladene Robr mitteilen, oder legte die das Pulver enthaltende ^adc-büchse in einen am hintern Rohrende ange- brachten Bügel, wo sie mit einem Keil festgehalten wurde, oder man gab der Ladebücbse ibr Wider- lager am Schießgerüst.
Der sichere Nachweis des Gebrauchs von Geschütz findet sich zum erstenmal 1324 in der Chronik von Metz; [* 41] von da bis zur Mitte des 14. Jahrh, läßt sich da5 Vorkommen von na- mentlich bei den roman. Völkern, aber auch in Deutschland in Abständen weniger Iabre an den verschiedenstenOrten nachweisen. Auf dieselben wird der bereits für die Kriegsmaschinen üblich gewesene Name «Artillerie» bald allgemein augewandt. Das Vorkommen von in der Schlackt von Crecy 1316 als erste Anwendung im Felde ist uicbt sicber erwiesen. Um 1400 kam bereits der Guß der Geschützrohre in Bronze vor.
Die ^tabeisengeschütze wichen mehr und mehr den Bronzegeschützen, die von den Glockengießern hergestellt wurden. Man konnte nun den hintern Abschluß des Robrs mit dem vor- [* 34] Fig. 1. dern Teil in einem Gusse herstellen, und so wurde die Vorderladuug uach und nach Regel, wenn aucb Hinterlader immer noch vorkamen und in der wei- tern Entwicklung des Geschützweseus wiederkehrten. [* 34] Fig. 1 zeigt eine ital. gegossene Bombarde von 1500. Auch in Bronze kamen bald Geschütz von gewal- tigen Abmessungen vor, wie die «Faule Mette» von Brauuschweig, die Steinkugeln von 7 Ctr.
Gewicht schoß, und das bekannte Niesengeschütz des Sultans Mahometll., das bei der Belagerung von Konstanti- nopel angewandt wurde. Es war beim Gießen [* 42] leicht, das Geschützrohr mit Henkeln und Traube (Knopf am biutern Ende) zu versehen; bald kamen auch die Säüldzapfen auf, die an fchweren Geschütz zuerst bei der Artillerie Karls V11I. von Frankreich auf seinem Zuge nach Italien [* 43] gefunden werden. Anfänglich ruhten die Geschützrohre beim Schie- ßen auf einer Balkenunterlage, oder sie waren in eine Art Schaft eingelassen, dem man durch Unter- lagen verschiedene Neigungen geben konnte.
War ein Fortschaffen nötig, so lud man die Geschütz auf be- soudere Fahrzeuge. Leichte Rohre ruhten auf Böcken. Hieraus entwickelten sich allmählich die auf Rädern rubenden Schießgerüste, die den Namen Lafetten ls. d.) erhielten. Das hintere Pferd [* 44] war bei leichtern Geschütz mittels einer Gabeldeichsel unmittelbar an der Lafette befestigt ls. [* 34] Fig. 3); später entwickelte sich hier- aus der abgesonderte Protzwagen, als Vorderwagen des Geschütz Karl V111. führte auf seinem obenerwähn- ten Zuge bereits in Wandlafetten auf Rädern mit, die zum Teil felbst mit Protzen versehen waren.
Bis zum Ende des 15. Jahrh, schwanken die Typen der Geschütz bin und her. Erst von da ab lassen sich be- stimmt benannte Arten von Geschütz deutlich unterscheiden, für die namentlich Weite und Länge der Seele und das Verhältnis beider maßgebend sind. Eine ziemlich allgemeine Benennung ist Büchsen, die wieder in Stein- und in Klotzbüchsen zerfallen, erstere eine Steinkugel, letztere eine Kugel aus Metall (für die der Name Klotz üblich war) schießend. Große Geschütz Mörser, Tümmler, [* 34] Fig. 2. werden auch Metzen genannt.
Böller decken sich mit dem oben als Bom- barden bezeichneten Muster. Der Mör- ser als eigentliches Wurfgeschütz, von gro- ßer Weite und ver- bältnismähig kurz, ge- wann erst mit dem 16. Jahrh, eine größere Bedeutung lienischer Mortaro von 1500), wo man aufing, mit demselben Vrandkugeln zu werfen, und wo fpäter die Hohlkugel verdräugt wurde. Vorherrschend zum Brescheschuß bestimmte Geschütz werden Hauptbüchsen, Scharfmetzen, Mauerbrecher genannt. Geschütz mit be- weglicher Ladebüchse heißen Kamm erb üchseu.
Die Haufsnitze hat die Form der alten Steinbüchse, indee in geringern Abmessungen und namentlich verkürzt; hieraus entwickelten sich die Haubitzen ls. d.) als kurze Kammergeschütze (s. Kammer). Aus Quartane gerung der Hauptbüchse bei gleichzeitiger Vermin- derung des Kalibers darstellt, entsteht die Bezeich- nung Kartaune, die später allgemein für große und dabei lange Geschütz gebraucht wird, bis an deren Stelle der franz. Ausdruck Kanone ls. d.) sich ein- bürgert. Geschütz mit sehr langen Rohren, dabei von ge- ringem Kaliber lwie sie in den obengenanuten Holz- kauouen vorgebildet waren), werden Schlangen, [* 45] in ihren Besonderheiten auch Feldschlaugen, Falken, Falkonetts genannt [* 34] lFig. 3, Feldschlange [* 46] von 1550). Eine besondere Gattung von Geschütz bilden die Hagelbüchsen, bei denen mehrere auf einem Gestell ¶
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vereinigte Rohre gcmcinsan: abgefeuert werden. Sie nehmen später den Namen Orgelg e s ch ü tz e (s. d.) an. Im Felde werden namentlich die leichten nnd fahrbaren Geschütz verwandt, indes ohne daß die schwe- ren ganz ausgeschlosfen gewesen wären. Ein ge- wisses Gcschützsystem zeigt sich zuerst im sog. «Zcug- der Mörser und Haubitzen, die eiserne Dohlgeschosse schießen, hervorzuheben. Es werden einerseits sehr große Mörser geschaffen, andererseits in den Coc- bornschen oderHandmörsern sehr kleine und beweg- liche, die im Belagerungskriege eine große Rolle spielten. Eine eigentümliche Konstruktion zeigt [* 47] Fig. 3. buch» Kaiser Maximilians I., wo der Art nach Hauptbüchsen, Kartaunen, Schlangen und Mörser angeführt sind.
Doch sind die größten Fortschritte in der Vereinfachung des Geschützwesens und zu- gleich in der Ausbildung der Feldgeschütze im 16. Jahrh, in Frankreich unter Franz I. zu verzeich- nen. Auch Kaiser Karl V. hat in dieser Hinsicht viel gethan und stellte Kaliber, Länge, Metallstärke der Stücke nach bestimmten Regeln fest. Bei Be- nennung der Kaliber ging man meist von einer ge- wissen Größe des Kugelgewichts als Einbeit aus [* 47] Fig. 4. und benannte die kleinern in Bruchteilen, die grö- ßern in Vielfachen der Einheit; fo wurden 1580 in Österreich vier Kaliber der Kartannen als ganze, halbe, Viertel- und Achteltartannen mit Kugel- gewichten von 40, 24, 10 und 5 Psd. festgestellt seine ganze Kartannc oder 40pfündiges Kanon zeigt [* 47] Fig. 4); in Frankreich unterschied man unter Karl IX. l'cliwn äo I^ane0 mit 33, (^aiiou äoudiL mit 42, Demi ciinon mit 16 Pfd. Kugel- gewicht u. s. w. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrh, kamen zu- erst gußeiserne Geschütz auf. Das 17. Jahrh, zeigt ein ent- schiedenes Bestreben, leichte, be wegliche Geschütz einzuführen, um so eine bessere Verwendung der- selben im Felde zu ermöglichen. Ganz besonders verdient in die- ser Hinsicht ist Gustav Adolf. die aus ciuer Kupferröhre mit Umwicklung von Strickwerk und Lederüberzug bestanden, zeigten eine ungenügende Haltbarkeit und wurden deshalb durch eiserne ersetzt, die schwerer waren, aber dennoch eine sehr scknclle Bedienung zuließen. Gustav Adolss Beispiel fand vielfache Nachahmung. Nach dem Dreißigjährigen Kriege sind in Bezug auf Sichtung und Vereinfachung des Geschiitzwesens keine wesent- lichen Fortschritte zu verzeichnen, dagegen ist die weitere Ausbildung der eigentlichen Wursgeschütze, [* 47] Fig. ü. [* 47] Fig. 5 in dem französischen Mörser mit Nebenkammern von 1680, auch Rebhuhn er- mörser genannt, der gleichzeitig eine große und acht kleine Bomben werfen sollte. Die Orgel- geschütze erreichten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh, ihre höchste Ausbildung, traten d ann aber dem Kartätschschuß der leichten Kanonen gegenüber gänzlich in den Hintergrund. 1732 stellte Vcilliere in Frankreich ein neue5 Geschützsystcm auf, in dem die Zahl der Kanonenkaliber auf fünf, und zwar 24-, 16-, 12-, 8- und 4-Pfünder festgesetzt wurde. Die großen Fortschritte im Geschützwesen machte allerwärts die Zeit Fried- richs d. Gr. Er selber wid- mete jenem eine große Für- sorge, sorgte für eine schär- fere Aussonderung der Feld- artillerie, auch im Material, erleichterte letzteres und stellte Haubitzen aiö Feldgeschütze ein. In Österreich stellte der Generalartilleriedirektor Fürst Wenzel Liechten- stein, 1740-70, ein Geschützsystem auf, das bis in die neuere Zeit Gültigkeit gehabt hat. In ähnlicher Weise wirkte in Frankreich Gribeauval ls. d.).
Die Hauptkennzeichen dieser Bewegung, die ihre Folgen bis in das 19. Jahrh, erstreckt, sind: Ausmerzung der schweren, nicht transportfähigen Rohre aus der Feldartillcrie, rationellere Konstruktion und Erleich- terung der für diese beibehaltenen Geschütz unter zweck- mäßigerer Bestimmung der Ladungen, die bei Kanonen auf ^ des Kugelgewichts von bisher ^ bis ^ herabgesetzt wurden, verbesserte Lafettierung der Feldgeschütze, Vereinfachung der Geschützarten und Kaliber auf den übrigen Gebieten und ratio- nellere lonstruktionsverhältnisse derselben.
Die Zeit von 1792 bis 1815 brachte im Geschütz- wesen wenig Neues. In der dann folgenden langen Friedenszeit ist der Bau von Kanonen zum Hohl- geschoßfeuer, zunächst solcher von großem Kaliber in Gestalt der vom franz. General Pairhans er- fnndenen Bombenlanonen (s. d. und unten S. 9123.) zu erwähnen. Die Granatkanonen (s. d.) sollten einen gleichen Vorteil im Feldkriege und zugleich das Mittel zur Vereinfachung des Feldgeschützsystems bieten, in welchem in der Regel noch zwei Kaliber von langen Kanonen und außerdem kurze oder lange Haubitzen vertreten waren. In der 12pfündigen Granatkanone, deren Anwendung in der Feldartillerie zuerst in ¶