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herüber. Es kann vorkommen, daß der Prozentsatz der Fremdwörter demjenigen der einheimischen sehr nahe kommt oder
ihn sogar übersteigt, wie dies z. B. mit den romanischen Wörtern im Englischen der Fall ist; eine solche Sprache heißt eine
Mischsprache (s. d.). Die Form, in der die Fremdwörter herübergenommen
werden, ist oft in frühern Sprachperioden eine ganz andre als in spätern; so ist schon früh das lateinische
Wort advocatus in der Form Vogt ins Deutsche
[* 5] übergegangen und in unsrer Zeit noch einmal in der Form Advokat aufgenommen worden,
nachdem längst der Ursprung und die Grundbedeutung von Vogt vergessen waren. In besonders großer Anzahl finden
sich solche »Dubletten« im Französischen und andern romanischen Sprachen. So ist dette das lateinische debitum, combler das
lateinische cumulare; in neuerer Zeit wurden aber diese Wörter noch einmal in einer den lateinischen Wörtern näherstehenden
Form: débit und cumuler, dem Latein entnommen.
Die Franzosen nennen alle solche neuern Wörter »mots savants«, weil sie denGelehrten und Gebildeten ihren
Ursprung verdanken, im Gegensatz zu den volkstümlichen Wörtern, die bei der Entstehung des Französischen aus dem Latein entnommen
und mit dem besonders dem Volk eignen lebhaften Sprachgefühl umgemodelt, den französischen Laut- und Accentgesetzen angepaßt
wurden. Solche »gelehrte Wörter« finden sich in allen neuern Sprachen, und es ist eine zwar von eifrigen
Patrioten oft beklagte, aber ganz natürliche Erscheinung, daß gerade Fremdwörter dieser Art im Deutschen immer häufiger werden. Je
weiter sich in der neuern Zeit die Kenntnis der Schrift, des Buchdrucks und fremder Sprachen verbreitet hat, je mehr man sich
daran gewöhnt hat, alle Wörter und besonders die Fremdwörter nicht bloß mit dem Auge,
[* 6] sondern auch mit dem Ohr
[* 7] zu betrachten, desto mehr ist man bestrebt, gerade dem Fremdwort genau die Aussprache und Form zu belassen, die es in seiner
eignen Sprache hat.
Früher war dies gerade umgekehrt; zu einer Zeit, als man noch wenig schrieb und las und die Fremdwörter nicht
durch die Litteratur, sondern durch den mündlichen Verkehr eingeführt wurden, mußten sich die Fremdwörter viel größere Veränderungen
gefallen lassen. Noch in der neuesten Zeit haben die Einwohner von Hawai,
[* 8] als sie das englische Wort steel (Stahl) aufnahmen,
daraus kila gemacht. Ähnlich ist es den schon früher ins Deutsche aufgenommenen Fremdwörtern ergangen,
wie z. B. Pilger, lat. peregrinus (»der Fremde«); Pferd,
[* 9] mittellat. paraveredus; Samstag aus Sabbattag (hebr. schabbât, judend.
Schabbes).
Man nennt bisweilen die letztern, ganz umgedeutschten WörterLehnwörter, diejenigen, welche ihren fremdländischen Charakter
noch entschieden beibehalten haben, Fremdwörter im engern Sinn. Erstere haben vor letztern den Vorzug, daß sie
gar nicht mehr als etwas Fremdes gefühlt werden und daher beliebige neue Ableitungen erzeugen können, wie z. B. unser »schreiben«
der Ausgangspunkt einer beträchtlichen Anzahl deutscher Wortbildungen geworden ist, obschon es von dem lateinischen scribere
herstammt.
Hiermit soll indessen der massenweisen und geschmacklosen Überschwemmung der deutschen Sprache mit französischen
Wörtern und ganzen Phrasen, die besonders vom 16.-18. Jahrh. stattfand, in keiner Weise das Wort geredet werden; vielmehr verdienen
die Bemühungen, dem zum Teil noch herrschenden Unwesen in maß- und verständnisvoller Weise zu steuern, entschiedene Unterstützung
(s. Sprachreinigung). Von den zahlreichen Fremdwörterbüchern, die wir seit Campe (1801) besitzen, seien
hier nur die von Heyse (16. Aufl., Hannov. 1879; auch neu bearbeitet von Böttger, 6. Aufl., Leipz. 1883), Sanders (das. 1871, 2 Bde.)
und Kehrein (mit etymologischen Erklärungen und Belegen, Stuttg. 1876) erwähnt.
Für die Orthographie der Fremdwörter gilt jetzt im allgemeinen der Grundsatz, daß die fremde Orthographie dann
beibehalten wird, wenn auch die fremde Aussprache geblieben ist, andernfalls aber die deutsche Bezeichnungsweise herrscht.
So schreiben wir allgemein Vagabund für franz. vagabond, blümerant für franz.
bleumourant, Schanze (Glücksfall) für franz. chance etc., weil die
Aussprache dieser Wörter bei uns eine andre geworden ist, als sie im Französischen war.
Völlige Regellosigkeit herrscht betreffs der Schreibung der Fremdwörter, die, wie z. B.
viele Orts- und Personennamen, aus ferner liegenden Sprachen entnommen sind. Indessen stammen weitaus die meisten deutschen
Fremdwörter aus den drei sehr allgemein bekannten Sprachen: Französisch (dem wir auch im Mittelalter zur Zeit des
in Frankreich zuerst emporgeblühten Rittertums schon viele Wörter entlehnt haben), Lateinisch und Griechisch;
auch unsre lateinischen
Fremdwörter sind uns vielfach erst indirekt
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aus dem Französischen zugekommen, die griechischen haben in den meisten Fällen mindestens Eine Zwischenstufe, die des Latein,
durchlaufen. Im ganzen ist jetzt betreffs der aus diesen Sprachen stammenden Wörter eine ziemliche Einheit derOrthographie
erreicht. Ein starkes Schwanken herrscht nur zwischen k und c und zwischen z und c, z. B.
in Komitee neben Comité, Konjugation neben Conjugation; in Zigarre neben Cigarre, publizieren neben publicieren. Doch sind unverkennbar
die der deutschen Bezeichnungsweise gemäßen Buchstaben k und z im Vordringen begriffen, das z besonders in Süddeutschland,
weshalb es auch in der neuen bayrischen Orthographie besonders begünstigt wird, während das k auch in der
neuen preußischen Orthographie in den meisten Fällen den Vorzug erhält.