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|HIV-Antikörper
Schnelltest: Fragen und Antworten

Der bisher übliche HIV-Antikörper-Suchtest [Suchtest zum Nachweis von Antikörpern gegen HIV, auch HIV-Antikörpertest, umgangssprachlich HIV-Test und fälschlicherweise auch "Aids-Test" genannt] ist ein Enzyme linked Immunosorbent assay (ELISA). Für diesen Test wird Serum oder Plasma, also eine Blutprobe benötigt, welche durch eine Entnahme aus einer Vene entnommen wird. Da ein ELISA spezielle Analysegeräte benötigt, werden die Blutproben ins Labor gesandt und die Testresultate sind üblicherweise innert Tagen erhältlich.
Ein negativer HIV-Antikörper-Suchtest
bedeutet, dass eine Person nicht HIV-infiziert ist*. Dieses Testresultat
muss nicht wiederholt werden.
Bis jetzt war es üblich, dass ein HIV-Antikörper-Suchtest einen Besuch bei einem Arzt/einer Teststelle bedingte, sowie eine zweite Konsultation oder einen Telephonanruf. Bei der ersten Konsultation wurde der/die KlientIn beraten und Blut für einen HIV-Antikörper-Suchtest abgenommen. Beim zweiten Besuch - oder beim telephonischen Anruf - wurde das Testergebniss mitgeteilt und der/die KlientIn wurde nunmehr in Kenntnis des Testresultats erneut beraten.
*In den Fällen, in denen sich eine Person jedoch zu früh testen lässt - bevor sich HIV-Antikörper entwickeln konnten – ist eine negativer HIV-Antikörper-Test nicht aussagekräftig. Es deshalb wichtig, im Beratungsgespräch nicht nur auf die Art des Risikoverhaltens sondern auch auf dessen Zeitpunkt anzusprechen.
Ein HIV-Antikörper-Schnelltest ist HIV-Antikörper-Suchtest, der sehr schnell Resultate produziert, üblicherweise innert 30 Minuten.
Der HIV-Antikörper-Schnelltest ist leichter durchzuführen und liefert die Resultate schneller als ein ELISA-Test. Die Sensitivität (Empfindlichkeit) und Spezifität (Genauigkeit) des HIV-Antikörper-Schnelltests sind gleich gut wie die Ergebnisse eines ELISA-Tests.
"Schnell" bedeutet nicht "früh". Ein HIV-Antikörper-Schnelltest ist - wie auch der ELISA-Test - keine Methode zum Nachweis einer akuten HIV-Infektion (Primoinfektion), da in der Frühphase der Infektion der Körper u.U. noch keine Antikörper gebildet hat.
Gegenwärtig ist in der Schweiz lediglich ein echter HIV-Antikörper-Schnelltest (Determine, Abbott Laboratories, Baar, Schweiz) zugelassen.
Ein HIV-Antikörper-Schnelltest kann bei jeder Person angewendet werden, bei der ein HIV-Antikörper-Suchtest mittels ELISA durchgeführt worden wäre.
HIV-Antikörper-Schnelltests sind zur Zeit noch nicht überall erhältlich. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie eine weite Verbreitung finden werden.
Der HIV-Antikörper-Schnelltest ist genauso exakt wie ein ELISA-Test. Wie für alle HIV-Antikörper-Suchtests üblich, muss das Resultat eines reaktiven HIV-Antikörper-Schnelltests bestätigt werden.
Der positive prädiktive Wert entspricht der errechneten Wahrscheinlichkeit, dass ein reaktives Testresultat richtigerweise aussagt, dass eine Person infiziert ist. Diese Rechnung produziert eine Zahl, welche der/die BeraterIn nutzen kann, um den KlientInnen ein HIV-Testresultat zu erklären. Z.B.: ein hoher positiver prädiktiver Wert bedeutet, dass ein reaktiver HIV-Antikörper-Suchtest mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig voraussagt, dass eine Person infiziert ist.
Ein negatives HIV-Antikörper-Suchtestresultat, ob es von einem HIV-Antikörper-Schnelltest oder von einem ELISA-Test stammt, muss nicht bestätigt werden.
Wenn sich eine Person jedoch zu früh testen lässt, d.h. bevor sich Antikörper bilden konnten, sind die Resultate von beiden Testmethoden nicht aussagekräftig. Die Bildung von HIV-Antikörpern braucht Zeit! Im Mittel beträgt die Zeit zwischen einer HIV-Infektion und dem möglichen Nachweis von HIV-Antikörpern 25 Tage. Eine HIV-Infektion kann deshalb erst nach drei Monaten durch den fehlenden Nachweis von HIV-Antikörpern ausgeschlossen werden.
Nicht unbedingt. Für die meisten Personen, die sich testen lassen, besagt ein negativer HIV-Antikörper-Suchtest, dass sie nicht infiziert sind.
In den Fällen, in denen sich eine Person jedoch zu früh testen liess - bevor sich HIV-Antikörper entwickeln konnten – ist eine negativer HIV-Antikörper-Test nicht aussagekräftig. Es deshalb wichtig, im Beratungsgespräch nicht nur auf die Art des Risikoverhaltens sondern auch auf dessen Zeitpunkt anzusprechen und risikoreiches Verhalten unabhängig von einem Testresultat sofort zu ändern.
Der Begriff "reaktiv" besagt, dass in einem Test die Anwesenheit von Antikörpern nachgewiesen wurden, die gegen HIV reagieren. Alle reaktiven HIV-Antikörper-Suchtests müssen durch einen separaten Test in einer zweiten Blutentnahme bestätigt werden (Bestätigungstest, Konfirmationstest).
Der Bestätigungstest wird in einer zweiten Blutprobe durchgeführt, die ins Labor eingeschickt wird. Das Testresultat ist üblicherweise innert Tagen zu erwarten.
Ein HIV-Antikörper-Suchtest wird nur zusammen mit einer Beratung angeboten. Die Kosten setzen sich deshalb zusammen aus den Kosten für den HIV-Antikörper-Schnelltest (Testkit), die Blutentnahme, die Durchführung des Tests, die Interpretation des Testresultats sowie für die Beratung vor- und nach dem Test.
Wird der Test nichtanonym beim Hausarzt durchgeführt, werden die Kosten von den Schweizerischen Krankenversicherungen übernommen. Wird der Test anonym, z.B. in einer der "Anonymen HIV-Test- und Beratungsstellen" durchgeführt, müssen die Kosten selbst getragen werden.
Ja. Das einzelne Testkit und die Durchführung
des Tests ist teurer als die Kosten eines ELISA's. ELISA-Tests werden üblicherweise
in Automaten durchgeführt, die mehrere Proben parallel verarbeiten.
Der HIV-Antikörper-Schnelltest wird manuell durchgeführt, ähnlich
den bekannten Schwangerschaftstests.
Da bei einem reaktiven HIV-Antikörper-Suchtest immer noch ein Konfirmationstest benötigt wird, was ist der Vorteil für eine "Anonyme HIV-Test- und Beratungsstelle" einen HIV-Antikörper-Schnelltest zu gebrauchen?
Der Vorteil für die Test- und
Beratungsstelle ist, dass die KlientInnen sofort, in Kenntnis das Testresultats
beraten werden können. Personen mit einem reaktiven HIV-Antikörper-Schnelltest
können in Kenntnis das Testresultats sofort safer sex praktizieren
und die Blutentnahme für den Bestätigungstest kann sofort erfolgen.
Personen mit einem reaktiven HIV-Antikörper-Schnelltest müssen
ein paar Tage später in die Test- und Beratungsstelle zurückkommen
um ihr definitives Testresultat zu erfahren.
Interviews bei Personen, die einen HIV-Antikörper-Suchtest durchführen lassen zeigen, dass die meisten einen HIV-Antikörper-Schnelltest bevorzugen. Sie zeigen auch, dass die meisten Personen, bei denen ein HIV-Antikörper-Schnelltest reaktiv ausfällt, in die Klinik zurückkommen, um ihr definitives Resultat zu erfahren.
Dies bedeutet, dass HIV-infizierte Personen ihr definitives Resultat früher erhalten. Unter der Voraussetzung, dass diese Personen bereits in Kenntnis des vorläufigen Testergebnisses (reaktiver HIV-Antikörperschnelltest) sofort safer sex praktizieren, könnte der HIV-Antikörper-Schnelltest dazu beitragen, dass weniger Leute mit HIV-infiziert werden.
Ja.
Ja. Das Resultat eines HIV-Antikörper-Suchtests (ELISA oder Schnelltest), der bei einem Kind im Alter von weniger als 15 Monaten durchgeführt wird, zeigt jedoch den HIV-Antikörperstatus der Mutter an, da HIV-Antikörper von der Mutter auf das Kind über die Plazenta übertragen werden. Bis diese Antikörper verschwinden, kann die Diagnose einer HIV-Infektion beim Kind lediglich durch Tests gestellt werden, die das Virus selbst nachweisen.
Ja. Das Sammeln von verschiedenen Proben, bevor diese alle zur gleichen Zeit getestet werden ist möglich. Dieses Vorgehen kann Zeit und Personal sparen. Ein allzu grosse Batching ist jedoch nicht sinnvoll, da dann der einzige Vorteil des HIV-Antikörper-Schnelltests, nämlich seine Geschwindigkeit, verloren geht.
Der Test inklusive Blutentnahme darf nur in Arztpraxen oder ärztlich geleiteten Institutionen durchgeführt werden. Die Ausbildung der HIV-TestberaterInnen ist Aufgabe der ärztlichen Leitung.
Die Packungsbeilage des Testkits enthält eine ausführliche Beschreibung, wie der Test durchzuführen und das Testergebniss zu interpretieren ist.
Es wird empfohlen, ein Bestätigungsresultat lediglich persönlich mitzuteilen. Ob dieser persönliche Kontakt am Telephon oder vis-à-vis stattfindet muss lokal entschieden werden.
Eine der anspruchsvollsten Herausforderungen im Beratungssetting ist die Mitteilung eines reaktiven HIV-Antikörper-Schnelltest-Resultats ohne die Möglichkeit, am gleichen Tag das Resultat eines Bestätigungstests zu erhalten. Der/die BeraterIn sollte fähig sein, mit den Klienten die Wahrscheinlichkeit eines echt positiven und falsch positiven Testresultats zu besprechen.
Die Diskussion basiert auf der Prävalenz der positiven HIV-Tests, wie sie in einer Test- und -Beratungsstelle üblicherweise beobachtet wird, verbunden mit der Abschätzung des individuellen Infektionsrisikos, welches der/die BeraterIn zuvor im individuellen Beratungsgespräch in Erfahrung gebracht hat.
In Kliniken oder Test- und -Beratungsstellen mit einer hohen Prävalenz von HIV-Infektionen unter ihren KlientInnen ist es wahrscheinlicher, dass ein reaktiver HIV-Antikörper-Schnelltest eine wahre Infektion darstellt, speziell bei Personen, die ein Risikoverhalten aufwiesen. Umgekehrt ist, bei niedriger Prävalenz von HIV-Infektionen unter den KlientInnen, insbesondere wenn kein Risikoverhalten vorliegt, die Wahrscheinlichkeit gross, dass es sich um ein falsch-positives Resultat handelt.
Jede Person mit einem reaktiven HIV-Antikörper-Schnelltestresultat sollte jedoch dahingehend beraten werden, auf jeden Fall safer sex - Massnahmen durchzuführen, bis der Infektionsstatus durch einen Konfirmationstest definitiv festgelegt werden kann.
Ein negativer HIV-Antikörper-Schnelltest bedeutet, dass eine antiretrovirale Therapie nicht notwendig ist. Die Entscheidung, ob aufgrund eines positiven Schnelltestresultats eine Therapie angezeigt ist schwieriger. In Notfällen, bei einer Frau unter Geburt (wo keine anderen Resultate vorhanden sind) muss der Arzt/die Ärztin, basierend auf dem positiven prädikativen Wert des vorläufigen HIV-Antikörper-Schnelltestresultat eine Entscheidung bezüglich einer antiretroviralen Behandlung treffen.
Sinnvoller ist eine HIV-Beratung und Testung vor oder spätestens während der Schwangerschaft.
Es gilt das gleiche wie für den
ELISA-Antikörpertest. Alle reaktiven HIV-Antikörper-Suchtests
müssen durch einen separaten Test in einer zweiten Blutentnahme bestätigt
werden (Bestätigungstest, Konfirmationstest).
06.12..99 Markus Flepp