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Überaktive Blase
Synonym: hyperaktive Blase, «Reizblase», sensible Blase, Syndrom der überaktiven Blase
Personen mit einer überaktiven Blase (ÜAB oder engl.: overactive bladder, OAB) haben sehr oft ein sehr starkes Gefühl, Wasser lassen zu müssen. Der Harndrang kommt meistens plötzlich und so heftig, dass die Miktion – das Wasserlassen – keinen Moment mehr aufschiebbar ist. Wenn der Weg zur Toilette lang ist, kann unfreiwillig Harn verloren gehen. Dann liegt eine «nasse» ÜAB vor, die mit Harninkontinenz verbunden ist. Bei der «trockenen» ÜAB kommt es nicht zum Harnverlust.
Eine ÜAB verringert die Lebensqualität massiv; sie ist weit verbreitet, etwa weiter als Diabetes mellitus. Betroffene müssen mehr als achtmal pro Tag auf die Toilette. Auch nachts kann Wasserlassen vermehrt nötig sein. Körperliche Ursachen sind nicht zu finden. Sobald Ärzte körperliche Gründe für eine Inkontinenz mit unbeherrschbarem Harndrang entdecken, sprechen sie zur Unterscheidung von einer Dranginkontinenz statt von einer nassen ÜAB.
Möglichkeiten zur Behandlung einer ÜAB umfassen Medikamente, Kontinenztraining, Physiotherapie, pflanzliche Heilmittel, Akupunktur und einfache wie auch grössere operative Verfahren als letzte Auswege. Die Behandlung der trockenen und der nassen Form gleicht sich.
In älteren Texten steht der Begriff «Reizblase» oft sowohl für die trockene wie auch für die nasse Form der ÜAB und teilweise sogar für die Dranginkontinenz. Auch der veraltete Begriff «Blasenschwäche» steht gelegentlich für eine ÜAB, meistens aber für Formen der Inkontinenz wie Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz.
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Symptome
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Haben Sie häufig einen sehr starken Drang, Wasser lassen zu müssen, und können Sie den Gang zur Toilette dann nicht aufschieben?Müssen Sie tagsüber mehr als achtmal Wasser lassen?
Wenn ja, liegt der Verdacht auf eine ÜAB nahe. Dabei steht das Symptom Harndrang im Vordergrund. Häufiges Wasserlassen ist ebenfalls charakteristisch. Als weiteres Kennzeichen gilt, dass bei jeder Miktion nur kleine Harnmengen kommen. Zusätzliche mögliche Symptome sind vermehrtes nächtliches Wasserlassen und ungewollter Harnverlust (Harninkontinenz).
- Harndrang: Bei einer ÜAB ist er sehr stark und nicht selten schmerzhaft, weil sich die Muskulatur der Harnblase verkrampft. Wenn das Gefühl so unbändig wird, dass die Miktion unmöglich aufzuschieben ist, spricht man von einem imperativen Harndrang. Bestimmte Umstände wie beispielsweise Stress, Sorgen, kalte Füsse, das Geräusch von rauschendem Wasser und Gedanken an Harndrang können bei einer ÜAB den Harndrang auslösen oder unbeherrschbar machen. Durch die Angst vor solchen Notsituationen werden bei vielen Betroffenen immer mehr Umstände zu Auslösern von imperativem Harndrang. Mit jedem neuen Auslöser sinkt die Lebensqualität weiter. Um Notlagen auszuweichen, gewöhnen sich viele Personen mit trockener oder nasser ÜAB über Jahre ein schlechtes Trink- und Miktionsverhalten an.
- Häufige Toilettengänge: Betroffene lassen häufig Wasser bei normaler täglicher Gesamtmenge an Harn (Pollakisurie). Laut Definition müssen Personen mit einer ÜAB mehr als achtmal täglich Wasser lassen. Die Harnmenge bei jeder einzelnen Miktion ist klein. Doch die gesamte Harnmenge, die Betroffene über den ganzen Tag ausscheiden, ist üblicherweise weder kleiner noch grösser als bei Gesunden.
- Nächtliches Wasserlassen: Während der Nacht müssen viele Betroffene ebenfalls vermehrt Wasser lassen (Nykturie). Harndrang weckt sie dann mindestens zweimal und zwingt zur Blasenentleerung.
- Ungewollter Harnverlust: Harninkontinenz ohne körperliche Ursache tritt bei etwa jeder dritten Person mit einer ÜAB auf. Oft ist in Situationen, in denen sich imperativer Harndrang meldet, der Weg zur Toilette zu weit.
Andere Symptome sind selten. Nur in Einzelfällen erscheint ein Brennen bei der Miktion, wie es bei Harnwegsinfektionen häufig ist. Daran lassen sich die ÜAB und beispielsweise eine Blasenentzündung oft gut unterscheiden.
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Behandlung
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Die typischen Beschwerden sprechen schnell für eine ÜAB. Doch eine ärztliche Untersuchung muss ausschliessen, dass Harnwegsinfektionen wie etwa eine Blasenentzündung vorliegen oder eine Dranginkontinenz mit körperlichen Ursachen. Die Patienten müssen Fragen beantworten oder Fragebögen ausfüllen zu Trinkverhalten, Art und Dauer ihrer Beschwerden, möglichen anderen Beschwerden und Begleiterkrankungen, zu neurologischen Erkrankungen oder zurückliegenden Operationen. Körperliche Untersuchungen und Urinuntersuchungen klären über die allgemeine Gesundheit sowie den Zustand von Urin, Harntrakt und Genitalien auf. Ergeben sich keine Hinweise auf andere Erkrankungen oder körperliche Schäden, ist der Verdacht auf eine ÜAB abgesichert.
Für Diagnose und Therapie sind Miktionstagebücher eine wertvolle Grundlage. Patienten notieren für mehrere Tage, wann und wie viel sie trinken, die Häufigkeit ihrer Toilettengänge, die Zeitabstände dazwischen, die jeweilige Harnmenge, die Stärke des Harndrangs, die Empfindungen beim Wasserlassen, weitere Umstände und ihren Leidensdruck. Daraus ergeben sich wichtige Werte für ein Blasen- und Toilettentraining. Zudem kommen Auslöser des Harndrangs ans Licht. Später ermöglichen Miktionstagebücher, den Erfolg während der Therapie zu prüfen.
Medikamente zur Therapie der überaktiven Blase
Die Behandlung kombiniert in vielen Fällen Medikamente mit Physio- und Verhaltenstherapie, also mit Beckenboden-, Blasen- und Toilettentraining. Zusammen mit ihnen wirken die Medikamente besser. Diese unterstützen ihrerseits den Erfolg der anderen Verfahren. Zum Einsatz kommen bei der ÜAB hauptsächlich Anticholinergika und lokal auch Östrogene. Die Wirkstoffe aus diesen Familien lassen sich mit Wirkstoffen aus der jeweils anderen Familie kombinieren. Als Reservemittel bei einer ÜAB gelten Substanzen aus anderen Wirkstofffamilien (z.B. Antipsychotika, trizyklische Antidepressiva, Spasmolytika). Sie bringen grössere Risiken mit als Anticholinergika, wirken aber nicht stärker.
- Anticholinergika (Parasympatholytika): Diese Substanzen sind bei einer ÜAB die Mittel der ersten Wahl. Neuere Wirkstoffe müssen nur einmal täglich eingenommen werden, sollen grössere Erfolge erzielen und besser verträglich sein. Durch Anticholinergika krampft sich die Blase bei einer ÜAB nicht mehr so stark zusammen. Die möglichen Nebenwirkungen und Eigenschaften der Anticholinergika unterscheiden sich. Schnell wirkende Substanzen eignen sich besonders dazu, sie gezielt vor bestimmten Situationen einzusetzen, langsam wirkende zur dauerhaften Behandlung. Ist nach vier Wochen keine Besserung spürbar, muss eventuell die Dosis erhöht werden. Weil bei einer ÜAB keine körperlichen Ursachen festzustellen sind, können Anticholinergika nur Symptome lindern. Viele Patienten nehmen sie dauerhaft ein.
- Lokal angewandte Östrogene: Sie können als Cremes oder Zäpfchen die Beschwerden bei einer ÜAB bessern und gegebenenfalls die Zahl der Inkontinenzepisoden senken. Die Hormone halten die Schleimhäute in den Harnwegen und Genitalien feucht. Trockene Schleimhäute neigen zu Reizungen und Entzündungen, die im Verdacht stehen, eine ÜAB zu begünstigen. Zudem sollen Östrogene auch die Durchblutung der Blase verbessern, wodurch die Elastizität ihrer Wand zunimmt. Die Blasenwand verkrampft sich dann nicht mehr so leicht.
Training und alternative Heilverfahren
Als Ergänzungen zur medikamentösen Therapie sind Verfahren ratsam, die den Beckenboden stärken, die Wahrnehmung der Beckenbodenmuskulatur schärfen sowie das Trink- und Miktionsverhalten normalisieren. Auch Entspannungsübungen und manche alternative Methoden können hilfreich sein – und im Fall von Inkontinenz ebenso Hilfsmittel wie etwa Einlagen.
- Kontinenztraining (mit Verhaltenstherapie und Toilettentraining) ist ein wertvoller Baustein in der Behandlung. Viele Patienten gewinnen damit wieder Vertrauen in die Kontrolle ihrer Miktion. Sie legen nachteilige Gewohnheiten und einen ungünstigen Lebensstil ab. Sie lernen, den Auslösern ihres Harndrangs auszuweichen und ihr Trinkverhalten zu normalisieren. Wenig zu trinken, kann die Beschwerden vorübergehend lindern, hat auf Dauer aber gesundheitliche Nachteile.
- Physiotherapie, speziell gezieltes Beckenbodentraining, lindert meistens die Drangbeschwerden und verringert die Häufigkeit der Toilettengänge. Ein weiteres aktives Verfahren für Frauen ist das Training mit Scheidengewichten, auch Vaginalkonen genannt. Die Vibrationstherapie verbindet aktive und passive Anteile. Elektrostimulation ist ausschliesslich passiv. Laut Studien erzielen Kombinationen von Beckenbodentraining mit Elektrostimulation bei einer ÜAB die grössten Erfolge.
- Biofeedback kann bei Drangbeschwerden oder Harninkontinenz helfen, den Beckenboden besser wahrzunehmen und ihn korrekt anzuspannen. Anwender lernen weiter, Fehler bei Übungen für den Beckenboden zu vermeiden. Einige Fachleute halten Biofeedback als wirkungsvolle Ergänzung zum Beckenbodentraining für unverzichtbar.
- Entspannungsübungen und Psychotherapie sind oft erfolgreich, wenn psychische Auslöser eine grosse Rolle spielen.
- Hilfsmittel wie Einlagen empfehlen sich gerade zu Anfang, wenn eine nasse ÜAB vorliegt. Bei Inkontinenz verleihen Hilfsmittel den Betroffenen etwas Sicherheit. Das baut auf.
- Akupunktur kann bei einer nassen ÜAB die Häufigkeit von Inkontinenzereignissen senken. Wie gut die Methode wirkt, ist noch unklar. Weil sie kaum Risiken besitzt, können sich Versuche lohnen.
- Pflanzliche Mittel wie beispielsweise Tees und Extrakte aus Blättern von Bärentraube, Palme und Goldrutenkraut können die herkömmliche Therapie unterstützen.
Anregung von Nerven
Bestimmte Nerven im Beckenbereich lassen sich ohne Einschnitte von der Haut aus anregen. Eine Möglichkeit ist die elektrische Stimulation durch Klebe- oder Nadelelektroden (Elektrostimulation, nicht invasive Anregung von Nerven). Das Verfahren kann die Häufigkeit der Toilettengänge tagsüber und nachts sowie die Zahl der Inkontinenzepisoden senken. Die Stimulationen finden meist gleichzeitig mit dem Beckenbodentraining statt. Einzelsitzungen dauern in der Regel etwa 30 Minuten. Die Elektrostimulation muss über mehrere Wochen, Monate oder lebenslang durchgeführt werden. Das Verfahren ist sicher und bewährt. Es kann bei Unverträglichkeit notfalls eine Behandlung mit Anticholinergika ersetzen.
Bei Magnetstimulationen regt ein Magnetfeld von aussen Nerven an, üblicherweise im Becken liegende. Daraufhin spannen sich Muskeln im Beckenboden an und werden nach einigen Sitzungen stärker. Die Studienergebnisse zur Wirkung sind widersprüchlich. Wenn eine Wirkung erkennbar war, schwächte sie sich ohne zusätzliche, aktive Übungen (wie zum Beispiel Beckenbodengymnastik) nach ein paar Wochen wieder deutlich ab.
Operative Verfahren gegen Harndrang
Operationen kommen infrage, wenn konservative Therapien ausgeschlossen sind, nicht zufriedenstellend wirken oder zu starken Nebenwirkungen führen. Es gibt gut etablierte Verfahren und einige junge, die sich noch im Forschungsstadium befinden. Zur Stimulation von Sakralnerven, dem Ersatz oder der Erweiterung der Blase und besonders zu Injektionen mit Botulinumtoxin gibt es viele positive Erfahrungen, aber fast keine aussagekräftigen Studien. Die medizinischen Fachgesellschaften sprechen zu Eingriffen bei einer ÜAB oder Dranginkontinenz keine Empfehlungen aus. Botulinumtoxin hat aber kürzlich die Zulassung zur Therapie der ÜAB erhalten. Hier übernehmen die Kassen die Behandlungskosten. Vor anderen invasiven Therapien ist es ratsam, sich bei der Krankenkasse zu erkundigen, ob sie die Kosten übernimmt. Die weniger gut etablierten Verfahren sollte man nur erwägen, wenn triftige medizinische Gründe dafür sprechen und erfahrene Fachärzte sie anbieten.
- Botox-Injektionen in die Blasenwand: Das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum, Botulinumtoxin oder Botox genannt, blockiert die Übertragung der Erregungssignale von den Nervenzellen zu den Muskeln. Durch Injektionen in die Blasenwand lassen Harndrang und Blasenkrämpfe nach. Die Zeit zwischen dem Moment, an dem Harndrang auftritt, und dem, an dem man unaufhaltsam Wasser lassen muss, verlängert sich. Inkontinenzepisoden werden weniger oder verschwinden völlig. Nach sechs bis zwölf Monaten muss die Behandlung wiederholt werden. Die Injektion wird im Schlüssellochverfahren ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert knapp eine halbe Stunde. Die Therapie hat in mehreren Studien gute Erfolge erzielt. Wenn die Behandlung medizinisch indiziert ist, übernehmen die Krankenkassen seit 2015 die Kosten.
- Instillation von Medikamenten in die Blase: Bei diesen kleinen Eingriffen bringen Fachärzte pharmazeutische Wirkstofflösungen mit Kathetern direkt in die Blase ein. Die eingesetzten Substanzen sollen die Blase entkrampfen oder die Schutzschicht der inneren Blasenwand verbessern. Bei der «Electro Motive Drug Administration» bewirkt ein elektrisches Feld, dass Wirkstoffe tiefer in die Blasenwand eindringen. Diese neuen Instillationsverfahren bieten sich nur an, wenn andere Therapien nicht helfen.
- Stimulation von Nerven und «Blasenschrittmacher»: Verschiedene Nerven, die bei der Steuerung der Blasenentleerung mitspielen, lassen sich durch elektrische Impulse beeinflussen. Die Fachbegriffe lauten Neuromodulation oder -stimulation. In Betracht kommen die Verfahren, wenn sich Drangbeschwerden mit konservativen Mitteln und Botulinumtoxin nicht bessern lassen. Einen «Blasenschrittmacher» einzusetzen, ist aufwendig. Das Gerät enthält eine Batterie und sendet schwache elektrische Impulse aus, um bestimmte Nerven anzuregen. Mit einer Fernbedienung können Patienten so ihren Blasenzyklus von aussen selber steuern. Ähnlich funktionieren die invasive Elektrostimulation von Beckennerven und die Nervendurchtrennung inklusive Implantation eines Vorderwurzelstimulators. Bei Letzterer durchtrennen Ärzte zuerst Nerven, die eine Fehlsteuerung der Blase vermitteln; danach implantieren sie einen speziellen Harnblasenstimulator.
- Eine Erweiterung oder ein Ersatz der Blase bietet sich als letzter Ausweg an, wenn die ÜAB ansonsten nicht zu bessern ist. Ärzte entnehmen Stücke aus dem Dünndarm und vergrössern damit die Blase (Blasenaugmentation) oder setzen damit eine Ersatzblase (Neoblase) zusammen. Es gibt verschiedene Varianten. Die Nutzen und Risiken dieser sehr aufwendigen Eingriffe sollten sorgfältig abgewogen werden.
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Verlauf, Komplikationen, Besonderheiten
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Bei einer ÜAB treten Harndrang und mögliche Inkontinenzepisoden oft plötzlich auf. Zwar gibt es häufige Auslöser wie etwa kühles Klima, Betroffene müssen aber erst lernen, all ihre Auslöser zu erkennen. Zusätzlich kommen bei vielen Betroffenen schnell neue Auslöser hinzu. Immer wieder ereignen sich unvorhersehbare Drangattacken. Die Angst davor verunsichert stark und wird zum dauerhaften Begleiter. Unsicherheit und Drang weiten sich auf mehr und mehr Situationen aus. Das ganze Leben kann in den Bann der Attacken geraten. Einige Betroffene verlassen ihr Haus nicht mehr, andere trinken viel zu wenig und gehen ständig auf die Toilette, um Drangattacken zuvorzukommen. Personen mit einer ÜAB eignen sich dabei schnell schlechte Gewohnheiten an. Weil sie bei Harndrang möglichst rasch versuchen, die Toilette zu erreichen, stolpern und stürzen sie häufiger. Diese Gefahr ist gerade nachts und bei älteren Personen hoch. Nächtliche Drangepisoden stören darüber hinaus den Schlaf erheblich. Übermüdung erhöht ebenfalls das Risiko für Unfälle. Sie vermindert die Leistungsfähigkeit und raubt Lebensfreude. Drangbeschwerden sorgen im Alltag für grosse Probleme und verursachen oft einen starken Leidensdruck.
Allerdings können sich die Beschwerden bei einer ÜAB von allein verändern. Harndrang und Miktionshäufigkeit können zunehmen oder eine trockene ÜAB in die nasse Form übergehen. Ebenso ist es möglich, dass die Erkrankung spontan abflaut oder sich komplett legt. Bei einer trockenen ÜAB sind die Chancen auf eine spontane Besserung fast doppelt so hoch wie bei einer nassen.
Überaktive Blase – ein junger Krankheitsname
Die Internationale Kontinenzgesellschaft (ICS) hat den Begriff «überaktive Blase» (ÜAB) erst 2002 als offizielle Krankheitsbezeichnung eingeführt. Der Hintergrund ist, dass alle Menschen, die unter einer schmerzhaften, starken oder störenden Drangsymptomatik leiden, eine Therapie verdienen. Harndrang kann sehr quälend sein und die Lebensqualität erheblich verringern. Für eine Behandlung sollte darum nicht entscheidend sein, ob Betroffene inkontinent sind oder nicht. Seit es die ÜAB als offizielle Krankheitsbezeichnung gibt, können Ärzte ihre Patienten allein durch das Symptom «Harndrang» dem Krankheitsbild ÜAB zuordnen. Damit ist eine Therapie medizinisch indiziert.
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Ursachen, Risikofaktoren und Häufigkeit
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Zur Entstehung der ÜAB haben die Fachleute nur Theorien. Eine mögliche Ursache könnten etwa falsche Füllsignale von der Blase ans Gehirn sein, das daraufhin verfrüht Harndrangalarm auslöst. Ebenso könnte das Gleichgewicht der Nervenimpulse gestört sein, die sowohl erregend als auch hemmend auf den Blasenmuskel einwirken. Weitere Möglichkeiten sind Störungen im Blasenmuskel selbst, ein schlecht erlerntes Trink- und Miktionsverhalten, eine mangelnde Koordination von Blasen- und Beckenbodenmuskulatur, psychische Gründe oder verschiedene Kombinationen dieser Umstände. Bakterien können laut neuen Untersuchungen möglicherweise auch zu einer ÜAB beitragen.
Zusätzlich kennen Fachleute ein paar Medikamente, die Drangbeschwerden begünstigen können:
- Cholinergika und Cholinesterase-Hemmer: Anwendung zum Beispiel bei Demenz und speziellen neuromuskulären Erkrankungen
- Betablocker: Anwendung zum Beispiel bei Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Herzschwäche, koronarer Herzkrankheit (Erkrankung der Herzkranzgefässe)
- Digitaliswirkstoffe, Herzglykoside: Anwendung hauptsächlich bei Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche
- Prostaglandin E1 und E2: Anwendung etwa zur Förderung der Durchblutung
Risikofaktoren für eine ÜAB sind einige bekannt. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass die familiäre Veranlagung eine Rolle spielt. Möglicherweise fördern oder verstärken auch harter Stuhl und Verstopfung eine ÜAB.
- Alter: Mit den Lebensjahren nimmt die Häufigkeit einer ÜAB zu.
- Übergewicht (Adipositas): Diäten können die Zahl von Inkontinenzepisoden bei einer nassen ÜAB deutlich senken.
- Kaffee- und Teekonsum: Kaffee kann Drangsymptome auslösen. In Studien nahmen die Beschwerden mit der konsumierten Menge an Kaffee oder Tee zu und verringerten sich, wenn Betroffene mit solchen Getränken sparten oder auf sie verzichteten.
- Nikotin: Raucher entwickeln öfter eine ÜAB als Nichtraucher. Aus Studien gibt es Hinweise, dass Nikotinverzicht ÜAB-Beschwerden bessert.
Ein sehr häufiges Leiden
Wahrscheinlich gibt es in der Schweiz mehr als eine Million Menschen mit Drangbeschwerden. Allerdings schwanken die Zahlen zur Häufigkeit der ÜAB in verschiedenen Erhebungen stark. Die grosse europäische EPIC-Studie hat über alle Altersklassen bei Frauen eine Häufigkeit von 12,8% ermittelt und bei Männern 10,8%. Die Dunkelziffer ist hoch. Andere Untersuchungen ergaben mehr Betroffene. Fachleute gehen davon aus, dass etwa einer von sechs Erwachsenen – also rund 16% – unter Drangbeschwerden leidet. Sie sind häufiger als beispielsweise Diabetes mellitus. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter. Frauen entwickeln eine ÜAB im Schnitt zehn bis zwanzig Jahre früher als Männer. Unter Senioren verteilen sich die Fallzahlen dann annähernd gleich auf beide Geschlechter.
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Vorbeugung
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Einer ÜAB vorzubeugen, bedeutet zuerst, alle beeinflussbaren Risikofaktoren möglichst schwach zu halten:
- Sich um Normalgewicht bemühen
- Sich ballaststoffreich ernähren
- Auf Nikotin verzichten
- Bei harntreibenden Getränken wie Kaffee und Tee sparsam sein
- Auf eine normale, ausreichende Trinkmenge achten. Das ist auch wichtig, wenn schon ab und zu einmal starker Harndrang auftritt. Wer zu wenig trinkt, geht das Risiko ein, dass das Fassungsvermögen der Blase kleiner wird. Dann entwickelt sich Harndrang schon bei kleineren Harnmengen, also früher.
- Ein Miktionstagebuch ist nützlich, wenn starker Harndrang immer wieder erscheint und beginnt, lästig zu werden. Das Tagebuch zeigt Auslöser des Harndrangs auf und ebenso, ob die Häufigkeit des Wasserlassens schon bedenklich ist. Falls nicht, können Betroffene auch allein versuchen, die Auslöser abzuschwächen.
- Um zu verhindern, dass sich leichte Drangbeschwerden verschlechtern, ist es teilweise hilfreich, die Kontrolle der Blasenentleerung bewusst zu üben. Betroffene können versuchen, Toilettengänge bei Harndrang hinauszuzögern.
- Stressabbau und eine bessere Stressbewältigung, beispielsweise durch Entspannungsübungen, können vorbeugend wirken, weil Stress, Angst und Aufregung häufig zu einer ÜAB beitragen.
- Beckenbodentraining kann einer ÜAB und Inkontinenz vorbeugen. Die Übungen sollten dazu auf jeden Fall nach Geburten stattfinden, weil diese den Beckenboden stark überdehnen.
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TopPharm hilft!
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Ihr persönlicher Gesundheits-Coach kann Sie bei einer ÜAB sehr gut unterstützen. Er kennt sich bestens mit Anticholinergika aus, den Medikamenten der ersten Wahl. Sie unterscheiden sich stark, etwa in den unerwünschten Wirkungen, die sie verursachen können. Der Wechsel zu einem anderen Wirkstoff löst oft einige Probleme. Ebenso berät Sie Ihr Gesundheits-Coach kompetent zu pflanzlichen Mitteln, die hilfreich sind. Häufig kann er Institutionen für Beckenboden- und Blasentraining in Ihrer Nähe empfehlen.
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Wirkstoffe
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