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«Ihr seid von Gott geliebt… Darum bekleidet
euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Freundlichkeit,
Bescheidenheit, Milde und Geduld.» (Kol. 3,12)
Würdigung von Br. Luzian Vonlanthen
In den letzten Monaten war es still geworden um Br. Luzian. Praktisch sprach er nichts mehr, höchstens etwa noch: «ça va, mhoroi, good morning, mazviita.» In etwa anderthalb Monaten hätte er seinen 95. Geburtstag feiern können. Offenbar wollte er das nicht. Er verstarb diese Woche am Montag, still, bescheiden, ruhig, friedlich. So möchten wir jetzt sein langes Leben etwas näher betrachten und auch würdigen.
Br. Luzian aus dem Kanton Freiburg
Giffers ist der Ort seiner Geburt, seiner Familie. Er wächst auf inmitten einer Mega-Familie mit Bäckerei. Luzian ist das sechste von sechzehn Kindern. Man stelle sich vor, wie viele Brote diese Familie zum Frühstück benötigte! In Giffers geht er in die Schule, macht die Berufslehre als Gärtner drei Jahre in Fribourg, 1943 dann die Rekrutenschule, anschliessend arbeitet er als Blumengärtner in Montreux und Winterthur, Zofingen und Scuol-Tarasp. Überall ist er auch aktives Mitglied des Gesellenvereins. 1948 kommt er auf die «Schöneck», tritt ins Noviziat ein, beschäftigt sich in der Gärtnerei und macht dazu noch eine Kurzlehrzeit als Schreiner. Vier Monate lang lebt er bei Bildhauer Beat Gasser in Lungern. Nun war Br. Luzian gerüstet für die Reise nach Afrika, missionarischer Einsatz in Rhodesien, zuvor bloss vier Monate Englisch Studium in London. Die Ausreise erfolgte 1951.
Br. Luzian, der vielseitige, begabte Missionar
In Driefontein gab es für ihn die Einführung in die Shonasprache und Shonakultur. Albert Würms machte dies, meist vormittags. Nachmittags ging es an die Arbeit in der Schreinerei und Sägerei. Ein Jahr später holte ihn John Gröber nach Serima. Er brauche einen tüchtigen Bruder für den Aufbau der neuen Missionsstation. Es sah primitiv aus, dieses Serima. Kein Strom, kein fliessendes Wasser, ein kleines Zimmerchen, einfache Küche. Die Hauptarbeit bestand im Gemüsegarten, «Orchard», Heckenpflanzen, ein Eukalyptus-Wäldchen pflanzen, es einhegen und schützen gegen die Ziegen; die Schüler/innen zum Mitarbeiten animieren. So konnte John Gröber in aller Ruhe seine Kunstkirche in Serima planen und aufbauen, zusammen mit der Schnitzereischule. Luzian war neun Jahre bei ihm.
Nach dem ersten Heimaturlaub, den er nach zehn Jahren antreten durfte, kamen für ihn Einsätze in Saint Anthony’s, Zaka und in Chikwingwisha, Gweru. Wiederum kam der Ruf an ihn: «Luzian, wir brauchen dich dringend in Driefontein, aber diesmal nicht in den Gärten oder der Schreinerei, sondern in der Verwaltung des TB-Sanatoriums und des Muvonde-Spitals mit amerikanischen Ärzten. Br. Luzian schreibt: «Ich muss nur staunen über die Vielfalt einer solchen Aufgabe. Offenbar kann ein Mensch mehr, als er sich oft zutraut. Volle fünfzehn Jahre teilten wir Freud und Leid in Driefontein mit Ärzten, weissen und schwarzen Schwestern, Laienhelferinnen, Mitarbeitenden und Patienten, Patientinnen. Man glaubte, ich würde einfach zum Driefontein-Inventar gehören.»
Bischof Tobias Chiginya sah die grossen Fähigkeiten von Br. Luzian als Spitalverwalter und versetzte ihn ins nationale Priesterseminar in Chishawosha, Harare, als Verwalter. Auch hier hat Br. Luzian gut und treu gearbeitet, fand aber auch Zeit, Harare besser kennenzulernen bei seinen wöchentlichen Einkäufen. Neun Jahre lang war er in Chishawosha.
Nach dieser Zeit brauchte die Diözese einen tüchtigen Mann für den Posten des Health Coordinators für die Diözese Gweru und Mazvingo mit sechs Spitälern und neun Kliniken. Br. Luzian sagte JA zu dieser neuen Aufgabe. Eine aufwändige Arbeit kam auf ihn zu: Ablösungen von Ärzten, Beschaffung von beruflichen Unterlagen für «The Medical Council of Zimbabwe», Immigration und Arbeitsbewilligung. Nach sieben Jahren konnte Br. Luzian Sr. Alphonsa Tapererwa als seine Nachfolgerin einführen.
Aber Ruhe und reduzierte Tätigkeit, die gab es für ihn nicht. Eine neue Anfrage kam an ihn: Lehrerseminar Bondolfi in der Nähe von Mazvingo. Wiederum als Verwalter. Finanziell war das Lehrerseminar «in a mess». Haufenweise unbezahlte Rechnungen; Metzger und Bäcker lieferten nicht mehr auf Kredit. Wie 500 junge Menschen verpflegen? Br. Luzian gelang es tatsächlich, mit strikter Budgetierung und korrekter Buchhaltung in dreieinhalb Jahren das Lehrerseminar in schwarze Zahlen zu heben. Er schreibt: ein beglückender Abschluss meiner genau 47 Jahren Missionstätigkeit in Zimbabwe.
1998 kehrte er zurück in die Schweiz, und übernahm noch einmal Aufgaben: Gebäudeunterhalt und Immobilien, Schlüsseldepot, Fried-hofreinigung und das Archiv der Baupläne. Die Kräfte liessen nach. 2014 wechselte er auf die Pflegeabteilung. Er wurde immer schwächer. Am Montagmorgen ist er ruhig von uns gegangen.
Was wir an Br. Luzian bewundern
Seine echte Berufung zum Missionar. Die Pflege seiner Berufung in einer gesunden Spiritualität. Seine Verfügbarkeit, die Bereitschaft wechselnde Aufgaben anzupacken, nicht jammern, eine innere ruhige Gelassenheit, grosse Dankbarkeit, einen vornehmen, wohltuenden Charakter im Umgang, Gewissenhaftigkeit in seinen verschiedenen Aufgaben, Freude am Kleinen, Bescheidenheit im Lebensstil und gute Sprachkenntnisse: Französisch, Deutsch, Englisch und Shona. Sein Lebenslauf beendet er mit den zwei Worten: «Deo gratias.»
Zum Schluss ein Wort, das uns Dr. und Frau Herbert und Rita Aschwanden über Luzian zugeschickt haben: «Luzian war uns ein lieber und treuer Freund, seine Hilfsbereitschaft unbezahlbar über all die Jahre. Ohne ihn wäre manches misslungen in den Spitälern, dank seinem steten Einsatz wurde vieles gerettet. Luzian, wir vermissen dich, doch es wird bestimmt nicht lange dauern, bis wir dich wiedersehen.
Und so sagen wir Br. Luzian: «Chisarai enyu, garai mu rugare rwa Mwari, mazviita. Tichaonanazve.»
Josef Christen