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Luisa (12)
Luisa ist ein sehr kluges und fröhliches Mädchen. Trotz ihrer aktuellen Situation scheint sie sehr selbstbewusst und widerstandsfähig. Ihr Optimismus ist ansteckend und hilft ihr durch diese schwierige Zeit.
„Ich packte meine Kleider, meine Notizbücher und ein paar Bücher. Und etwas Stoff, aus dem ich Kleider für die Puppe meiner kleinen Schwester mache.“ sagt Luisa. Sie ist 12 Jahre alt und eine von über einer Million Menschen, die aufgrund von Nahrungsmittelknappheit, wirtschaftlicher Not und zunehmender Gewalt aus Venezuela in das benachbarte Kolumbien geflohen sind.
„Ich kam mit meinem Vater über die Grenze, aber er fand Arbeit an einem Ort, wo er mich nicht mitnehmen konnte, also liess er mich hier bei meiner Mutter zurück“, sagt Luisa. „Ich war traurig, Venezuela zu verlassen, weil ich wusste, dass ich meine Verwandten sehr vermissen würde. Aber ich war auch glücklich meine Mutter wiederzusehen. Wir haben uns lange und fest umarmt, als ich sie zum ersten Mal wieder sah.“
Die Flucht nach Kolumbien war für Luisa eine grosse Veränderung. Sie kannte sich nicht aus, die Umgebung war völlig unbekannt, die Leute sprachen seltsam, benutzten andere Wörter für Dinge und sie hatte ihre Freunde und Verwandten nicht mehr in der Nähe.
Mädchen, die mit ihren Familien aus ihrem Zuhause vertrieben werden, sind auf der Flucht besonders gefährdet. Luisas Heimat im Grenzgebiet von Kolumbien ist seit Jahrzehnten Schauplatz von kämpfen zwischen Guerillagruppen und der Regierung. Die organisierte Kriminalität, Drogen- und Menschenhandel sind allgegenwärtig und Gewalt ist weit verbreitet.
Luisa musste aufgrund der Flucht die Schule abbrechen. Sie vermisst ihre Schulfreunde, den Park und das Einkaufszentrum, in das sie früher in Venezuela ging. Heute besucht sie den kinderfreundlichen Raum von Save the Children, wo Flüchtlingskinder die Möglichkeit erhalten zu spielen, zu lernen und einfach wieder Kind zu sein. Kinder aus Venezuela haben zwar das Recht, in Kolumbien die Schule zu besuchen, aufgrund der grossen Anzahl Flüchtlinge sind die Kapazitäten der Schulen jedoch schon lange ausgeschöpft.
„Ich bin bis zur sechsten Klasse in die Schule gegangen“, sagt Luisa. „Ich habe bisher nur zwei Monate am Ende des Schuljahres verpasst. Meine Mutter sucht einen Platz für mich in einer Schule hier. Das Beste am Leben in Kolumbien ist, dass ich hier Freunde gefunden habe, ich bei meiner Mutter sein kann, wir ein kleines Haus haben, und ich bei meiner kleinen Schwester bin. Ich habe drei neue Freunde – zwei Mädchen und einen Jungen – mit denen ich spiele. Und wir gehen zusammen in den kinderfreundlichen Raum von Save the Children – dort bin ich jeden Tag“.
Luisa lebt seit der Flucht mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihrer kleinen Schwester in einem Ein-Zimmer-Haus nahe der Grenze. In dieser Gegend leben viele Flüchtlinge und Migranten. Sie möchte Flugbegleiterin werden, reisen und viele Sprachen lernen. Manchmal, wenn die Leute zweifeln und sagen, dass etwas nicht möglich ist, sagt sie: „Die einfachen Dinge? Ich habe sie bereits erreicht. Die schwierigen Dinge? Sie geschehen jetzt. Das Unmögliche? Habe ich noch nicht angepackt, werde ich aber auch noch schaffen.“