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Die Minenaktionszentren (MAC) warnen, dass Sprengkörper aus dem Krieg Hunderte Kilometer weit geschwemmt werden könnten, unter anderem bis zum Schwarzen Meer. Eine Mine sei auch nach Jahren noch eine tödliche Gefahr, selbst wenn der Zündmechanismus feucht geworden sei. Das Hochwasser hat auch Schilder zerstört, die vor den Sprengkörpern warnen. Die MAC-Zentren in Bosnien, Kroatien und Serbien stellen ein Team zusammen, das die Gefahr der Sprengkörper einschätzen soll.
SRF: Was muss man in Bosnien nun machen?
Benedikt Truniger: Man klärt das Gebiet weiträumig ab und versucht, die unmittelbaren Gefahrenzonen einzukreisen. Dann muss man diese Gefahrenzone untersuchen. Man macht das wie üblich mit Maschinen, von Hand oder mit Hunden.
Das Gebiet in Bosnien ist grossflächig überschwemmt. Ist es realistisch, dass man da wirklich alles absucht und umgräbt?
Nein, sicher nicht. Alles absuchen und umgraben, das würde heissen, dass man ganze Quadratkilometer auf drei oder vier Meter Tiefe umgräbt. Das sicher nicht. Darum betreibt man in der Entminung ein so genanntes Risk Management. Man versucht also, die Zonen zu reduzieren und sich auf jene Risikozonen zu konzentrieren, bei denen man von einer unmittelbaren Gefahr ausgeht.
In jenen Zonen, die man dann nicht als Gefahrenzone festlegt, dort bleiben die Minen dann also liegen?
Das kann durchaus sein, dass die Minen da liegen bleiben, weil sie zum einen zu tief liegen oder weil sie zum Beispiel im Wasser sind und nicht auffindbar sind.
Sie haben gesagt, man muss am Boden suchen. Gibt es keine Möglichkeit, zum Beispiel aus der Luft mit Flugzeugen diese Gebiete abzusuchen und Minen aufzuspüren?
Die Forschung betreibt intensive Arbeit, seit Jahrzehnten. Da wäre natürlich ein so genanntes Ground Penetrating, ein Radargerät, das durch den Grund suchen kann viel wert. Das wäre natürlich ein Traum, aber so viel ich weiss, besteht diese Technologie noch nicht, sicher nicht im kommerziellen Bereich, vielleicht gibt es aber etwas im militärischen Bereich.
Dann muss man also damit rechnen, dass in den betroffenen Gebieten in Bosnien noch lange Minen liegen bleiben?
Das ist nicht auszuschliessen. Bosnien – wie viele Länder im Balkan – sind noch nicht vollständig entmint und somit führen Überschwemmungen auch in Zukunft immer wieder zum Auftauchen von Minen.
Die Vergangenheit meldet sich
Aus dem Krieg zwischen Serben, Kroaten und Muslimen in den 1990er Jahren liegen allein in Bosnien-Herzegowina 120‘000 Landminen. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen. Die Gegenden um Doboj und Olovo, die jetzt besonders vom Hochwasser betroffen sind, sind noch stark vermint. In Kroatien wird die Zahl der Sprengkörper auf 13'000 geschätzt.