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Fürstbischof von Breslau 1683–1732
Fürstpropst von Ellwangen 1694–1732
Hoch- und Deutschmeister des Deutschen Ordens 1694–1732
Fürstbischof von Worms 1694–1732
Erzbischof und Kurfürst von Trier 1716–1729
Erzbischof und Kurfürst von Mainz 1729–1732
Herkunft und Jugend
Franz Ludwig wird am 26. Juli 1664 auf Schloss Neuburg an der Donau geboren. Er ist das neunte von vierzehn überlebenden Kindern des Pfalzgrafen und Herzogs Philip Wilhelm von Pfalz-Neuburg und seiner zweiten Ehefrau Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt. Alle diese Geschwister spielen später in der europäischen Diplomatie eine wichtige Rolle. Taufpate des Bruders Ludwig Anton ist Louis XIV. Die älteste Schwester wird Ehefrau des Kaisers Leopold, die jüngste stirbt 14-jährig als Braut des bayrischen Kurfürsten. Jüngere Schwestern sind später Königinnen von Spanien und Portugal, Herzogin in Parma und Ehefrau eines polnischen Prinzen. Die Brüder werden Generäle, Fürstpröpste, Kurfürsten, Hoch- und Deutschmeister und Bischöfe. Die Schulerziehung aller Geschwister auf Schloss Neuburg beginnt mit drei Jahren und ist streng. Alle nachgeborenen Söhne sind für den geistlichen Stand bestimmt und werden entsprechend geschult. Sie beherrschen als Jugendliche die Fremdsprachen Latein, Französisch, Italienisch und Spanisch. Jesuiten als Hauslehrer erteilen den Unterricht. Er umfasst nebst den sprachlichen und mathematischen Fächern auch Musik, Zivil- und Militärbaukunst, Malerei, Tanz und natürlich Fechten, Reiten und militärische Übungen. Der junge Franz Ludwig wächst so in einem Bildungsumfeld auf, das umfassend und selbst für europäische Höfe einmalig ist. Seine Karriere in der nur Adeligen vorbehaltenen Reichskirche ist entsprechend fulminant. Mit acht Jahren wird er vom Augsburger Fürstbischof gefirmt, erhält mit päpstlichem Altersdispens gleichzeitig die Tonsur und damit das Recht auf kanonische Würden. Er unternimmt 1681–1683 mit zwei seiner Brüder und einem Hofstaat von 20 Personen eine Romreise.
Fürstbischof von Breslau
Nach der Rückkehr wird der 19-jährige Franz Ludwig mit Protektion seines Schwagers, des Kaisers Leopold, zum Fürstbischof von Breslau gewählt. Der Kaiser ernennt ihn auch zum Obersten Landeshauptmann von Schlesien. Um als Fürstbischof regieren zu können, lässt er sich 1687 zum Subdiakon weihen. Von den höheren Weihen, der Priester- oder der Bischofsweihe, lässt er sich suspendieren. In Schlesien beginnt der junge Regent eine harte Kurskorrektur der Gegenreformation, die zur Verschärfung der konfessionellen Gegensätze führt und auf Druck der protestantischen europäischen Mächte 1707 in einer Toleranz-Konvention behoben wird.
Fürstpropst von Ellwangen, Hoch- und Deutschmeister, Kurfürst von Trier und Mainz
Nach dem Tod seines Bruders Ludwig Anton wird Franz Ludwig 1694 dessen Nachfolger als Fürstpropst von Ellwangen, als Fürstbischof von Worms und als Hoch- und Deutschmeister des Deutschen Ordens. Mit seinen acht Kanonikaten, dem «Tafelgut» im Bistum Breslau und der Stelle des Obersten Landeshauptmanns von Schlesien hat er schon unvorstellbar hohe Privateinkünfte von fast 100 000 Reichsgulden,[1] das Tausendfache eines Handwerker-Jahreseinkommens. Mit der «ohne sonderbare menschliche Coorporation durch göttliche Eingebung»[2] 1694 erfolgten Wahl erhöhen sich diese privaten Einnahmen allein aus der Fürstpropstei Ellwangen um jährlich 120 000 Gulden. 1710 wird Franz Ludwig auch zum Koadjutor, das heisst zum Nachfolger des mächtigen Fürstbischofs von Mainz gewählt. 1716 erfolgt seine Wahl, wieder unter kaiserlichem Druck, als Erzbischof und Kurfürst von Trier, unter Beibehaltung aller früheren Würden. Im siebenköpfigen Kurfürstenkollegium ist er an der Spitze von Reichskirche und Reichsdiplomatie. Unnötig zu erwähnen, dass die Einkünfte nochmals steigen.[3] 1729 stirbt Lothar Franz von Schönborn, Kurfürst und Erzbischof von Mainz. Franz Ludwig verzichtet jetzt auf Trier und wird zum Nachfolger in Mainz gewählt. Damit erlangt er auch die Würde des Reichserzkanzlers.
Am 18. April 1732 stirbt Franz Ludwig von Neuburg-Pfalz im Alter von 68 Jahren in Breslau, wo er in der von ihm erbauten Kurfürstenkapelle im Dom begraben wird.
Würdigung
Der Lebenslauf von Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg zeigt die Selbstverständlichkeit, wie hochadelige Familien am Anfang des 18. Jahrhunderts gezielt einen Teil ihrer Söhne für die Übernahme der wichtigsten Ämter in der Reichskirche erziehen und ihnen die entsprechenden Sitze verschaffen. Obwohl alle Bischofssitze nur dem Hochadel vorbehalten sind, kann die aussergewöhnliche Ämterkumulation des Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg nur durch Protektion der wichtigsten Machthaber erklärt werden. Erstaunlicherweise haben alle Ländereien von seiner Regentschaft profitiert. Sichtbar ist dies in den vielen barocken Neubauten, deren Bau er bis ins Detail mitentscheidet. Erklärbar ist diese Wiederaufbautätigkeit nach den verheerenden Zerstörungen durch Louis XIV in Worms und Trier und die parallele immense Bautätigkeit in Breslau und Ellwangen durch die straffen Verwaltungs- und Justizreformen, die er bei jedem Amtsantritt durchführt und die vor allem der Bildung und der Wirtschaft zukommen. Die grossen Einnahmen aus den geistlichen Fürstentümern müssen zwar auch für die immer leeren Schatullen des Kaiserhauses verwendet werden, fliessen aber zum Teil als Investitionen wieder in die gefürsteten Länder zurück. Die absolutistische Regierung des Franz Ludwig von Neuburg-Pfalz stellt einen positiven Höhepunkt der Reichskirchenpolitik dar. Das Sprichwort «Unter dem Krummstab ist gut wohnen» trifft hier für einmal auf einen hochadeligen Kirchenfürsten zu.
Porträts und Wappen
Er ist auf vielen Stichen und Ölporträts abgebildet. Sie zeigen einen Mann mit ausgeprägter Hakennase und feinen Gesichtszügen. Immer trägt er die Alonge-Perücke nach der französischen Hofmode. Mit Ausnahme einzelner Gemälde als Kurfürst lässt er sich fast nie im geistlichen Ornat abbilden.
An vielen seinen Bauwerken finden wir auch sein Wappen, ein kompliziertes Allianzwappen mit den Stammwappen Pfalz-Neuburg, bestehend aus den Wappen der Häuser Wittelsbach, Pfalz, Jülich, Kleve, der Grafschaften Moers, Mark, Berg und Ravensberg und mit vier geistlichen Ämtern als Herz- und Mittelschild. Eine dritte Wappenebene bildet das über alles gelegte Hochmeisterkreuz mit dem deutschen Adler im Herzschild. Am schönsten finden wir dieses Prunkwappen am ehemaligen Pfarrhaus in Ellwangen mit den 14 beschriebenen Wappen. In einer vierten Ebene findet sich im obersten Herzschild über dem deutschen Adler als 15 Wappen in einem kleinen Schild das jeweils wichtigste Amt, hier das rote Kreuz des Fürstbistums Trier.
Pius Bieri 2010
Benutzte Literatur:
Kaps, Wolfgang: Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1664–1732), Neuburg 2009.
[2] Erklärung von Kaiser Leopold I. am 30. Juni 1694.
[3] Kurtrier hat zu dieser Zeit Einkünfte aus Domänen und Landständen von über 1 Million Reichstalern.
|Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1664–1732)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|26. Juni 1664||Neuburg an der Donau Bayern D||Herzogtum Pfalz-Neuburg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Fürstpropst von Ellwangen||1694–1732|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|18. April 1732||Breslau, heute Wrocław PL||Fürstbistum Breslau Schlesien|
|Kurzbiografie|

Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg ist bereits Fürstbischof in Breslau, als er 1694 gleichzeitig Deutschordensmeister, Fürstbischof von Worms und Fürstpropst von Ellwangen wird. Später wird er auch Kurfürst von Trier, dann auch von Mainz und damit Reichsvizekanzler. Er verdankt diese Ämter, alle mit grossen Einnahmen verbunden, seiner Herkunft, seiner Verwandtschaft mit dem Kaiser, aber auch seiner umfassenden Bildung. Er ist einer der mächtigsten Männer der Reichskirche. Seine Fürstentümer verwaltet er alle hervorragend. Er investiert auch private Mittel, seine Regierung gilt deshalb als ein positiver Höhepunkt der Reichskirchenpolitik.
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