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Die Reaktion kommt spät, sehr spät. Das Zürcher Klimaunternehmen South Pole reagiert auf kritische Medienberichte und beendet die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen CO₂-Kompensationsprojekt Kariba REDD+ «per sofort», wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt.
Der Ausstieg sei nach «sorgfältiger Prüfung» des Projekts, der damit verbundenen Probleme und der «öffentlich erhobenen Vorwürfe» erfolgt. Alle Aktivitäten im Zusammenhang mit der CO₂-Zertifizierung und den CO₂-Gutschriften aus dem Kariba-Projekt liegen nun in der Verantwortung des simbabwischen Projektinhabers Steve Wentzel. Die Rolle von South Pole als Entwickler von Carbon Assets sei damit beendet, schreibt South Pole.
Das Unternehmen glaube weiterhin an die Bedeutung des Projekts für die lokale Bevölkerung, den grossflächigen Waldschutz und die lokale Biodiversität. Sollten die simbabwischen Behörden die technische Unterstützung von South Pole für eine «gewisse Zeit» in Anspruch nehmen wollen, sei das Unternehmen bereit, dies «in Betracht zu ziehen».
Das Fass zum Überlaufen gebracht
South Pole steht seit Monaten wegen seines Umgangs mit dem Waldschutzprojekt in der Kritik. Das Fass zum Überlaufen brachten Enthüllungen des US-Magazins «The New Yorker», die South-Pole-Gründer und CEO Renat Heuberger in ein schiefes Licht rücken. Offenbar war dem Unternehmen schon länger bekannt, dass der Projektinhaber mit fragwürdigen Methoden arbeitet. So gibt es keine Belege, wie viel Geld für Schutzmassnahmen geflossen ist und wie viel die lokale Bevölkerung erhalten hat. Steve Wentzel sagte dem Magazin, dass er illegal gehandelt habe und möglicherweise im Gefängnis landen werde.
Auch sei schon früh klar gewesen, dass das angenommene Kompensationspotenzial des Projekts viel zu hoch angesetzt war. Trotz dieses Wissens verkaufte South Pole weiterhin CO₂-Zertifikate aus dem Kariba-Projekt. Recherchen zufolge verkaufte das Unternehmen in den Monaten nach Bekanntwerden des Rechenfehlers mehr als drei Millionen ökologisch wertlose Zertifikate an Porsche, Nestlé und Nando's sowie an weitere Unternehmen wie das Filmfestival Cannes und ein Netzwerk australischer Zoos.
Wie South Pole in einer am Freitag verschickten Erklärung schreibt, seien das Unternehmen und das Management «entschlossen», aus den Erfahrungen mit Kariba «zu lernen». «Das Management ist sich bewusst, dass sowohl das Projekt als auch der breitere freiwillige Kohlenstoffmarkt derzeit auf dem Prüfstand stehen.» Aus diesem Grund arbeitet South Pole seit mehr als einem Jahr an der Verbesserung seiner konzernweiten Qualitätskontroll- und Due-Diligence-Prozesse, die beim Kariba-Projekt offensichtlich versagt haben.
Werden die Korrekturmassnahmen reichen?
In der Stellungnahme wird ein spezielles Team erwähnt, das das interne Qualitätssicherungssystem neu aufbaut. Dazu gehören periodische Risikobewertungen oder das Management und die Planung von Korrekturmassnahmen. Speziell für sogenannte REDD+-Projekte wird das interne Baseline-Monitoring nun alle drei Jahre durchgeführt und nicht mehr alle sechs Jahre, wie es beispielsweise der Zertifizierer Verra verlangt.
Ob das ausreichen wird, um die wichtigsten Stakeholder von South Pole milde zu stimmen, wird sich weisen. Gut möglich ist, dass das Unternehmen auch personelle Konsequenzen ziehen muss, um einen glaubwürdigen Neuanfang zu starten.