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Kunst
Prinz Eisenherz: Verbürgte Geschichte
Zeichnerisch beeindruckende Großillustrationen, die sogar 2/3 einer Seite einnehmen sowie der Einsatz rand-, bzw. rahmenloser Bilder, um in die Saga eingelegte Erzählungen der Figuren und/oder Flashbacks (Rückblenden) durch die Illustrationen hervorzuheben, zeichnen auch die Fortsetzung der von Hal Foster erfundenen Prinz Eisenherz Erzählung durch Murphy/Gianni aus, schreibt Uwe Baumann u. a. in seinem Vorwort zur vorliegenden Ausgabe, Band 17 Jahrgang 2003/2004. So wird etwa die Erzählung vom Eremiten Jabal Musa, in der die Geschichte der Belagerung Jerusalems (701 v. Chr.) durch den Assyrerkönig Sanherib und die Rettung der Stadt durch die kluge Vorsorge Hiskias, des Königs von Israel, pointiert - und komischerweise nicht rahmenlos - zusammengefasst. Gemäß der über Jahrzehnte richtungsweisenden Logik müssten ungeachtet weiterer rahmenloser Illustrationen, sogar eine ganze Reihe von Einzelbildern oder Bildsequenzen ebenfalls rahmenlos erscheinen, wie Baumann nachweist und aufzählt. Tatsächlich ist der Wechsel des Illustrators für diese Abweichung oder Modifikation und den folgenden Bedeutungsverlust der Differenzierung von gerahmten und randlosen Illustrationen verantwortlich, wie Baumann pointiert bemerkt.
Historisch verbürgt
Insgesamt zeichnet sich auch die weitere Folge der großen Erzählung durch gründliche Recherche, kluge Akzentuierung und Anschaulichkeit aus, wie Baumann nicht müde wird die Vorteile der Serie gegenüber anderen Graphic Novels hervorzuheben. So wird etwa in der Erzählung des Königs über Aurora und Tithonus die Geschichte der Liebe zwischen Eos (Aurora) und Tithonos und der Wassernymphe Strymo thematisiert. Eos bekam von Zeus die Bitte nach der ewigen Jugend für Tithonos zwar gewährt, jedoch vergisst sie, ihn auch vom Altern befreien zu lassen. Am Ende verwandelt sie ihn in einen Grashüpfer. Eine weitere Geschichte greift ebenfalls auf die griechische Mythologie zurück und erzählt von Melampus, der die Gunst des Sehens gewährt bekam. Die Melampiden gehören allerdings nicht unbedingt zum glücklichsten Geschlecht, denn es gibt wohl keinen Ort der Welt, an dem sie nicht die Gedanken ihres Gegenübers lesen müssten.
Abdankung des "Königs"
Auch der jüngste Sohn von Eisenherz steht wieder im Rampenlicht der Erzählung und beschäftigt sich mit der Gralssuche. Besonders interessant - und historisch überzeugend - ist die Geschichte von den acht altägyptischen Obelisken in Rom, in der einer der "Nadeln der Kleopatra" zurück nach Ägypten transportiert werden soll. Auch die Schriften von Qumran, die bei Masada gefunden wurden, spielen eine Rolle auf Galans und Nefertaris Reise durch das Heilige Land, dem heutigen Israel, die durch Panorama-Ansichten von Ein-Gedi und Jerusalem glänzt. Aber auch die Abdankungsszene König Arthurs kann als witzige Selbstreferenz der Autoren interpretiert werden: John Cullen Murphy war bei der Übergabe des Prinzen an Gianni bereits über 80 Jahre alt. Nicht nur Prinz Eisenherz selbst, sondern auch seine Schöpfer erreichen also ein hohes Alter, was man sicherlich Gary Gianni und seiner Neuschöpfung des Prinzen ebenfalls wünschen möchte.
Übergabe der Legende
Gary Gianni assistierte John Cullen Murphy ab 2001 bei einigen Sonntagsseiten und mit seiner letzten Seite vom 21. März 2004 übergab John Cullen Murphy endgültig die alleinige Verantwortung für die Sonntagsseite an Gianni. Murphys Sohn Cullen schrieb die Texte noch weiter bis November 2004, dann übernahm Mark Schultz die ehrenvolle Aufgabe, die "Legende vom Singenden Schwert" fortzusetzen.