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«Nicht die Krankheit, sondern die Gesundheit müssen wir pflegen.»
Dr. Lothar Burgerstein 1895–1987 (Orthomolekularmediziner)
Der Wissenschaftler und zweifache Nobelpreisträger Prof. Dr. Linus Pauling (1901 - 1994), ein amerikanischer Wissenschaftler, führte die Orthomolekulare Medizin und Therapie als einen neuen Zweig in der Medizin ein. Im Jahr 1968 beschrieb er seine Idee u.a. in der Fachzeitschrift Science mit den Worten:
«Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit verantwortlich sind.»
1980 eröffnete der Schweizer Dr. Lothar Burgerstein in Rapperswil die erste Arztpraxis für orthomolekulare Medizin, 1982 publizierte er dann das erste deutschsprachige Lehrbuch zu dieser Methode. Seither hat sich die orthomolekulare Therapie auch in Europa etabliert. Im europäisches Vergleich, ist das Angebot an orthomolekulare Produkte in der Schweiz eher bescheiden.
Dennoch findet die Verwendung von Vitalstoffen zur Vorbeugung und Heilung (wenn auch langsam) Einzug in die Schulmedizin. Vor allem als Nahrungsergänzung kann sie eine konventionelle Therapie begleiten. Vorteil: Meistens gibt es keine Nebenwirkungen. Bewährt haben sich beispielsweise Jod und Selen bei der Vorbeugung gegen Schilddrüsenerkrankungen und Folsäure, die in der Schwangerschaft verordnet wird, um Fehlbildungen des Embyos vorzubeugen, oder Eisenpräparate, um bei einer durch Eisenmangel entstandenen Blutarmut (Anämie) den Ferritinspeicher zu füllen.
Was sind Mikronährstoffe?
Der menschliche Körper braucht, für ein gesundes, reibungsloses Funktionieren aller Organe über 40 Mikronährstoffe. Wir nehmen nahezu alle Mikronährstoffe in einer gewissen Menge mit unserer täglichen Ernährung auf. Die Substanzen, die dem Körper unbedingt zugeführt werden müssen, weil er sie nicht selbst bilden kann, nennt man «essentiell». Mikronährstoffe sind allgemein auch als Vitalstoffe oder Nahrungsergänzungsmittel bekannt, und Vitamine, Spurenelemente sowie Mineralstoffe gehören dazu. Auch essentielle Fett- und Aminosäuren, Enzyme, sekundäre Pflanzenstoffe sowie Pro- und Prebiotika kommen im Rahmen der orthomolekularen Medizin zum Einsatz. Sekundäre Pflanzenwirkstoffe ergänzen orthomolekulare Präparate optimal, da sie ihre Wirkung steigern.
Ursachen eines erhöhten Bedarfs an Vitalstoffen
- Alter
- Erkrankungen
- Umwelteinflüsse (z.B. Rauchen)
- Einnahme von Medikamenten
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Stress
- Sport
Senioren
Viele ältere Menschen ernähren sich einseitig, essen wenig oder trinken wenig, da das Durstgefühl im Alter nachlässt. Die eigene Produktion von Vitalstoffen nimmt mit dem Alter ebenfalls ab. Ab dem 40. Lebensjahr nimmt beispielsweise das Vitaminaoid Q10 oder durch die altersbedingte Veränderung der Haut das Vitamin D3 ab. Im Weiteren beeinflussen Krankheiten und regelmässige Medikamenteneinnahme den Vitaminhaushalt, wodurch es leicht zu einem Vitaminmangel kommen kann.
Schwangere und Stillende
Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist der Körper der Frau stark belastet. Sie braucht deshalb von fast allen Vitaminen mehr als gewöhnlich; bei einigen Vitaminen beträgt der Mehrbedarf sogar bis zu 100 %.
Stressgeplagte
Bei körperlichem Stress – dazu gehören Schwerstarbeit, Leistungssport und geistiger Stress – braucht der Körper mehr Vitalstoffe als gewöhnlich.
Hoher Alkoholkonsum und Rauchen
Alkohol und Rauchen beeinflussen den Vitalstoffhaushalt nachhaltig. Der Mehrbedarf ist beträchtlich, nicht zuletzt, weil der Körper diese Stoffe für die «Entgiftungsarbeit» benötigt.
Beispiel: Vitamin C, dessen Bedarf um 300 % steigen kann.
Jugendliche
Jugendliche in der Wachstumsphase müssen besonders auf eine gute Vitaminversorgung achten. Leider wirkt die beliebte Fast-Food-Ernährung dem eher entgegen.
Kranke und Genesende
Um Krankheiten zu überwinden und wieder zu Kräften zu kommen, braucht der Körper deutlich mehr Vitalstoffe. Auch durch die regelmässige Einnahme von Medikamenten kann der Bedarf erhöht sein.
Beispiel: Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen kann die Aufnahme von Nährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und anderen wichtigen Bestandteilen der Nahrung beeinträchtigt sein und zu einem Vitalstoffmangel führen.
Stadien eines Vitaminmangels – modifiziert nach Brubacher
Orthomolekulare Therapie in der Prävention
Obwohl unsere Lebensdauer statistisch eindrucksvoll gestiegen ist, hat sich die Zeitspanne, in der wir auch gesund und vital sind, nicht deutlich verlängert. Chronische Krankheiten nehmen zu und bringen uns schon in jungen Jahren um unsere Lebensqualität.
Herzinfarkt, Schlaganfall, Rheuma, Krebs (bei uns die häufigsten Todesursachen), Rheuma, Diabetes, Magen-/Darmerkrankungen, Allergien usw. sind weit verbreitete Krankheitsbilder der westlichen Industriegesellschaft, an denen Menschen heute leiden und z.T. frühzeitig sterben.
Die richtige Ernährung und eine bedarfsgerechte Versorgung mit Vitalstoffen spielen eine immer wichtigere Schlüsselrolle in der Vorbeugung ernährungsbedingter Zivilisationskrankheiten. Warum sind diese Stoffe heute wichtiger als früher?
Dies liegt vor allem in der grössere Umweltbelastung. Durch Giftstoffe aus der Nahrung und der Umwelt ist in den letzten Jahrzehnten eine ungeheure zusätzliche Belastung aufgekommen, die die Ernährungsproblematik entscheidend verschärft. Chemisch-synthetische Zusatzstoffe wie Konservierungs-, Farb- und Geschmacksstoffe in industriell hergestellten Nahrungsmittel belasten unseren Organismus. Darüber hinaus gelangen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln wie Insektizide, Pestizide und Fungizide über die Nahrung in unseren Körper. Ausserdem belasten weiterhin Schwermetalle wie Blei, Kadmium und Quecksilber, die als Teil der globalen Umweltverschmutzung durch die Atmung oder als Rückstände in der Nahrung und im Trinkwasser unseren Stoffwechsel.
Schwermetalle finden sich übrigens auch in Konservennahrung, Meerestieren, Deos, Shampoos, Kosmetika, Haarfärbemittel usw. Sie schädigen auf Dauer unsere Gesundheit, weil sie, einmal im Körper, kaum wieder ausgeschieden werden können. Sie sammeln sich über Jahre vor allem in der Leber und den Nieren und schädigen diese.
Durch die vermehrte Umweltbelastung entstehen im Körper sogenannte freie Radikale, die zu einer direkten Zellschädigung sowie Entzündungen führen. Alle diese Giftstoffe rauben unserem Körper wichtige Mikronährstoffe und greifen massiv in unseren Vitalstoffhaushalt ein. Das wichtigste Mittel gegen diese freien Radikale sind die Antioxidantien, gewisse Proteine (Aminosäuren), Vitamine und Mineralstoffe.
«Durch die Einnahme der richtigen Vitamine und anderer Nährstoffe für die Erhaltung der Gesundheit können Sie nicht nur Ihr Leben, sondern auch die Zeit des Wohlbefindens um fünfundzwanzig oder sogar fünfunddreißig Jahre verlängern.» Prof. Linus Pauling (1901 -1994)
Das Essverhalten der Bevölkerung hat sich in den letzten 30 Jahren deutlich verändert. Wir essen nicht nur zu viel tierisches Fett, Eiweisse und Kohlenhydrate, sondern bewegen uns auch viel zu wenig. Wir nehmen Nahrungsmittel in viel grösseren Mengen zu uns – doch der Gehalt an Vitalstoffen ist dabei meist sehr gering, da diese durch intensive Landwirtschaft, Transport, Lagerung und Zubereitung verloren gehen.
Ein Nahrungsergänzungsmittel ist kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung, aber – wie der Name schon sagt – sinnvoll als Ergänzung. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die tägliche Zufuhr von genügend Flüssigkeit (1,5 bis 2 l pro Tag) – hauptsächlich stilles Wasser, (ungesüsste) Kräutertees und stark verdünnte Fruchtsaftschorlen. Die orthomolekulare Therapie unterstützt den Körper auf natürliche Weise und führt ihm die Vitalstoffe zu, die er benötigt, um gesund zu bleiben.
Therapie – Mikronährstoffe gegen Krankheiten?
Um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken, können Vitalstoffe auch bei Krankheiten begleitend verabreicht werden. In den orthomolekularen Medizin wird versucht, durch eine hohe Zufuhr von Mikronährstoffe pathophysiologische Prozesse zu beeinflussen. Durch die Verwendung von körpereigener Substanzen ist die Nebenwirkungsrate sehr gering.
Der Schwerpunkt der orthomolekularen Therapie liegt in der Vermeidung und Behebung von Krankheitsursachen. Die Basis der orthomolekularen Behandlung ist die Zufuhr körpereigener, orthomolekularer Substanzen in der richtigen Menge und Kombination. Die orthomolekulare Medizin geht davon aus, dass die alltäglichen Krankheiten dann auftreten, wenn die Biochemie des Körpers durch Störungen im Mikronährstoff-Haushalt oder durch chronische Belastungen (Schwermetalle, Elektrosmog, künstliche Zusatzstoffe aus der Nahrung usw.) aus dem Gleichgewicht gerät. Umgekehrt können auch Krankheiten (u.a. durch einen erhöhten Bedarf an Vitalstoffen) zu einem biochemischen Ungleichgewicht im Körper führen, das durch die Zuführung von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden sollte. Es werden auch therapeutisch notwendige Medikamente eingesetzt. Dabei wird die Gewichtung von Wirkung und Nebenwirkung jedoch besonders sorgfältig beobachtet.
Medikamente beeinflussen den Nährstoffbedarf
Die Einnahme von Medikamente kann die Aufnahme oder den Bedarf wichtiger Nährstoffe stören. Es ist bekannt, dass Cortisonpräparate den Vitamin-D-Bedarf oder Cholesterinsenker den Coenzym-Q10-Bedarf erhöhen. Auch magensäurebindende Mittel oder orale Verhütungsmittel beeinflussen den Vitaminstoffwechsel. Entwässernde Arzneimittel führen zu einer vermehrten Ausscheidung von Mineralien wie Magnesium, Kalium und Calcium. Auch Krankheiten im Magen-Darm-Bereich oder die Einnahme von Antibiotika beeinträchtigen die Nährstoffaufnahme. Kurz gesagt: Medikamente, die bei bestimmten Erkrankungen nötig und sinnvoll sind, beeinflussen immer den ganzen Organismus. Diese Auswirkungen lassen sich mit den richtigen Nährstoffen reduzieren.