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Die Stiftung Menschen für Menschen Schweiz macht es sich zur Aufgabe, auf dem Land wie in den Städten Verelend-
ung aufzuhalten und Lebenschancen aufzubauen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie die Menschen in Äthiopien unterstützen können. Hier finden Sie alle Spendenmöglichkeiten mit konkreten Beispielen.
Wiege der Menschheit, Herkunftsland des Kaffees, reiche Kultur und arme Familien. Über 100 Millionen Menschen leben hier: Auf Besuch in einem widersprüchlichen Land.
Die einzigen Möbel sind ein niedriges Tischchen, zwei Sitzbänke und ein Bett, grob zusammengezimmert. Der Kochtopf steht auf Steinen über einem rauchigen Feuer. Am Morgen und am Abend gibt es meist Brot mit einer kleinen Tasse Kaffee. «Das Mittagessen lassen wir ausfallen», sagt Zinabwa, die Mutter. «Wir haben kein Geld dafür.»
Eine Plastikplane über einem Gerüst aus Zweigen ist das Dach. Die Wände bestehen aus Holzstangen und Brettern, innen mit Lehm beworfen, teils sind sie nur mit Planen verkleidet. Der Verputz ist schlecht. Die Familie kann sich keinen Rinderdung leisten, der dem Lehm beigemischt werden müsste, um den Verputz langlebig zu machen. In der Trockenzeit wird er rissig. In der Regenzeit spült das Wasser Löcher in die Wände.
Die Familie im Wohnzimmer
Die Strasse vor dem Haus, die Böschung zur Tür, der Boden im Haus: überall nackte Erde. Die Kleider der Töchter haben die rotbraune Farbe der Erde angenommen. Sie haben keine Garnituren zum Wechseln. Ihr Blick ist wach, sie legen ihre Köpfe an die Schultern der Eltern, hören aufmerksam zu, während diese von ihrem Leben berichten. Die Gesichter der Mädchen sind sauber, die Eltern kümmern sich um Hygiene – bei derart armen Familien in Äthiopien, die jeden Tag ums Überleben kämpfen, ist das nicht selbstverständlich. Auch nicht, wie sanft Tariku Tilahun, 30, seine Frau Zinabwa Boru, 28, anschaut, wenn sie erzählt. «Wir kennen uns, seit wir Kinder sind. Wir haben gespielt und Wasser geholt», sagt Zinabwa.
«Mit der Zeit kam die Liebe», sagt Tariku. «Ich habe sie gefragt, ob sie mich heiraten will. Ich habe es nie bereut. Sie ist eine gute Mutter. Sie arbeitet hart. Sie tröstet mich.»
«Ich liebte Tariku vor der Heirat und ich liebe ihn heute», sagt Zinabwa.
Aber von Liebe allein wird niemand satt: Ihre Herkunft gab dem Paar ein schlechtes Blatt in die Hand. «Ich durfte nie in die Schule gehen», sagt Zinabwa. Sie stammt aus einer Familie mit acht Kindern – traditionell kommen die Mädchen an zweiter Stelle, wenn es um Schulbildung geht.
«Zinabwa ist eine gute Mutter. Sie arbeitet hart. Sie tröstet mich.»
Tarikus Vater war Soldat, er fiel im damaligen äthiopischen Bürgerkrieg kurz nach der Geburt seines Sohnes. Tarikus Mutter verkaufte das kleine Stück Land der Familie, um das Begräbnis auszurichten und das Dorf zu bewirten, so wie es die Sitte verlangt.
Als die Mutter krank wurde, schickte sie ihren Sohn als Hütebub zu einem Bauern im Dorf. Tariku verbrachte seine Kindheit und Jugend damit, Ziegen und Schafe zu hüten. Sein Lohn waren Kost und Logis bei der Bauernfamilie. Einmal gab der Bauer Tariku ein Schaf. Seine Mutter verkaufte es, um Getreide und Medikamente kaufen zu können.
Ein einziges Tier kann die Grundlage für eine Herde bilden, für einen bescheidenen Wohlstand. Doch die ärmsten Familien haben keine Zeit zu investieren und zu warten. Sie brauchen etwas zu essen, sofort: Jeder kleinste Besitz löst sich deshalb auf wie schlechter Lehmputz in der Regenzeit.
Manche Bauern in ihrem Dorf Hafursa Bangasa im südäthiopischen Bezirk Abaya verdienen mit Kaffee gutes Geld. Aber Tariku und Zinabwa haben kein Land. Was könnte ihnen helfen? «Wir bräuchten ein kleines Startkapital», sagt Tariku. «Dann könnten wir endlich auf eigene Rechnung arbeiten.»
Birtukan, 7, die älteste Tochter
In einem Stall hinter dem Haus mästet das Paar regelmässig einen Ochsen – eigentlich ein einträgliches Geschäft. Das Problem: Zinabwa und Tariku haben kein Kapital, um selbst ein Tier zu kaufen. Stattdessen zahlt ein Nachbar den Kaufpreis. Alle Arbeit wie die Futtersuche auf kommunalen Brachflächen wird von Zinabwa und Tariku erledigt – aber beim Verkauf des Ochsen nach drei bis vier Monaten wird der Gewinn hälftig zwischen ihnen und dem Investor geteilt.
So läuft es auch in der Teebude am Dorfplatz: Tariku betreut dort von morgens bis abends die Gäste. Aber den Gewinn muss er mit dem Budenbesitzer teilen. Damit bleibt ihm ein Entgelt von umgerechnet 45 bis 55 Rappen pro Tag.
Hafursa Bangasa gehört zu den Dörfern, die in der neuen dreijährigen Projektphase von Menschen für Menschen seit Beginn dieses Jahres entwickelt werden sollen. Das Ehepaar soll nun über einen Mikrokredit von umgerechnet 280 Franken einen Mastochsen erhalten – eine bewährte Hilfe für landlose Familien.
«Das ist eine grosse Chance», sagt Tariku. «Mit dem Erlös aus dem Verkauf des Ochsen können wir Teile des Kredits zurückzahlen, ein neues Tier kaufen – und in eine eigene Teebude investieren. Wir wollen neben Tee auch süsses Gebäck anbieten.»
Ein durchaus realistischer Plan: Allein im Jahr 2021 erhielten 261 Familien in Abaya über Menschen für Menschen einen Mastochsen, konnten damit ihr Einkommen stabilisieren und Geldbeträge für Kleininvestitionen ansparen.
Nach jeweils drei Monaten verkaufen die Mäster die Ochsen mit etwa fünfzigprozentigem Aufschlag. Nach eineinhalb bis zwei Jahren des Mästens mit immer neuen Tieren ist der Kredit getilgt. Die Rückzahlungen fliessen in lokale Genossenschaften, die neue Kredite an weitere Familien vergeben: So zieht die Unterstützung Kreise. Durch die offene Tür stolziert ein Huhn ins Haus und scharrt im Lehmboden. «Die Henne gehört einem Nachbarn», sagt Tariku. Bis jetzt besitzt die Familie nicht einmal ein einziges Tier. «Doro Wot», ein scharfer Eintopf mit Poulet, ist das Nationalgericht Äthiopiens. Man isst es an Festtagen. Die Eltern hoffen, dass sie an Weihnachten ihren Kindern zum ersten Mal im Leben «Doro Wot» bieten können.
Birke Wodiso und ihr Ehemann Bogale Moke betreiben die Mast von Ochsen, dank unseres Mikrokredits
Viele Familien in den Landbezirken Abaya und Gelana haben keine ausreichenden Lebensgrundlagen. Die landwirtschaftlichen Methoden sind veraltet und wenig ertragreich. Die Not der Familien ohne Ackerland ist am grössten.
Das Potential der Mikrokredite
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