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Eine Forschungsgruppe der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Universität Zürich ist der Frage nachgegangen, inwieweit die Haltung in Zoos die Saisonalität der Fortpflanzung bei Wildtieren beeinflusst. Nach den Wiederkäuern und den Raubtieren untersuchten sie nun die Primaten.
Sie fanden heraus, dass sich 30 Prozent der Affenarten in Zoos gleichmässiger übers Jahr verteilt fortpflanzen als in der freien Wildbahn. Im Vergleich zu 13 Prozent der Raubtiere und 10 Prozent der Wiederkäuer ist dieser Anteil besonders hoch. Für die im Fachmagazin «Biological Reviews» erschienene Studie werteten die Forschenden die Geburtstage von 132'712 Affen von 141 verschiedenen Arten aus. Verwendet wurden die von der Organisation Species360 über Jahrzehnte gesammelten Daten.
Genetische Fixierung
Manche Affen-Arten, darunter die meisten Lemuren aus Madagaskar, gebären nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr - auch wenn dies im Zoo gar nicht nötig wäre, da hier das ganze Jahr über für Futter, angenehme Temperaturen und gefahrlose Lebensbedingungen gesorgt ist. Aber im Zuge der Evolution hat sich bei diesen Arten eine Abhängigkeit der Fortpflanzung von der Tageslichtlänge entwickelt, die genetisch fixiert ist. Dies kann nur in Habitaten geschehen, in denen es deutliche Unterschiede in der Tageslichtlänge zwischen den Jahreszeiten gibt. In Äquatornähe - wo die meisten Affen-Arten vorkommen - erfolgt diese genetische Fixierung nicht.
Darum haben viele andere Affen-Arten keine solche genetische Fixierung. Bei ihnen wird die Saisonalität in der Fortpflanzung in ihren natürlichen Lebensräumen vom Nahrungsangebot ausgelöst. Ist das Angebot das ganze Jahr über gut, so können sie sich auch das ganze Jahr über fortpflanzen - wie zum Beispiel die Gorillas. So unterscheidet sich die Fortpflanzung von Gorillas in Zoos und ihren Artgenossen in der Natur nicht.
Weisshandgibbons pflanzen sich in Zoos regelmässiger fort
Unterliegt das Nahrungsangebot im natürlichen Lebensraum jahreszeitlichen Schwankungen, so ergeben sich auch entsprechende Schwankungen in der Fortpflanzung. Dies ist zum Beispiel beim Weisshandgibbon der Fall. In Zoos hingegen pflanzt sich diese Affenart nahezu das ganze Jahr über fort.
Die Forscher überraschte, dass mehr Affen-Arten (52 Prozent) in ihrem natürlichen tropischen Habitat durch das Nahrungsangebot in ihrer Fortpflanzung eingeschränkt werden als Wiederkäuer (17 Prozent). Unter den Affen gebe es damit vergleichsweise viele Arten, deren natürliches Potential durch die Versorgung in Zoos abgerufen werden könne, so die Studienautoren.
https://doi.org/10.1111/brv.12646