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In Äthiopien wirbt ein patentes Duo für grüne Arbeitsplätze, während es durch das Pflanzen von Bäumen karge Landschaften begrünt.
Nefisa, 22, und Meseret, 26, wussten nichts von der Klimakrise, bis sie vor drei Jahren an einem Begrünungsprojekt teilnahmen. Sie stellten fest, dass das Wetter von Jahr zu Jahr unbeständiger wurde, aber sie wussten nicht, was passiert war und ob sie etwas dagegen tun konnten. Die beiden jungen Erwachsenen leben in Tulu Moye, einer Bauerngemeinde etwa 100 Kilometer von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, entfernt.
In Tulu Moye gibt es weite Landstriche ohne einen einzigen Baum. Sie wurden für Brennholz und Baumaterialien abgeholzt, ohne Rücksicht auf die Kosten für die Umwelt. Die Menschen hier sind auf Regenfeldbau angewiesen, um Weizen zu säen und ernten: das Grundnahrungsmittel des Landes und eine wichtige Einnahmequelle. Bei ausreichenden Regenfällen könnten die Bauern den Weizen, der drei Monate zur Reife braucht, bis zu dreimal im Jahr ernten.
Nefisa und Meseret sind jetzt Teil eines Umweltprojekts in Tulu Moye, das den Rückgang des Baumbestands in diesem Teil Äthiopiens rückgängig machen und junge Menschen darüber aufklären soll, wie sie ihren Lebensunterhalt mit dem Schutz der Umwelt verdienen können.
Grüne Wirtschaft
Die Initiative begann 2020 und ist eine Partnerschaft zwischen SOS-Kinderdorf in Äthiopien und der äthiopischen Regierung. Expertinnen und Experten des regionalen Landwirtschaftsamtes schulten 140 junge Menschen in den Bereichen Bodenvorbereitung, Aussaat, Anpflanzung und Veredelung, um sicherzustellen, dass die Setzlinge zu guten, gesunden Bäumen heranwachsen. Für den Aufbau der Baumschule erhielten sie landwirtschaftliche Geräte und verschiedene Saatgutsorten wie Kaffee, Papaya, Mango und Avocado.
«Vor den Schulungen von SOS-Kinderdorf hatte ich keinerlei Erfahrung oder Ausbildung», sagt Nefisa. «Ich war eine Hausfrau und Mutter. Ich ging nur zum Weizenverkauf auf den Markt und interessierte mich nicht für die Umwelt, weil ich nichts darüber wusste. Mittlerweile habe ich viel darüber gelernt, wie ich meine Umgebung schützen kann, und ich habe das übernommen, indem ich auch zu Hause Bäume gepflanzt habe.»
Jeden Tag kümmern sich Nefisa und Meseret mit Harken, Gartenscheren und Giesskannen um die Baumsetzlinge, die sie sorgfältig in schattigen Bereichen platzieren. Fünfzehn junge Menschen arbeiten in dieser Baumschule. Einige kommen am Morgen, andere am Nachmittag. Die ganze Gruppe arbeitet zusammen, um die Beete für die Aussaat in der neuen Saison vorzubereiten.
Durch die Schichtarbeit hat Nefisa Zeit, für ihre beiden kleinen Kinder da zu sein, und Meseret kann sich um seinen Weizenanbau kümmern. «Ich habe mich an diesem Projekt beteiligt, weil ich neugierig auf die Beziehung zwischen Bäumen und der Umwelt war und sie in der Praxis erleben wollte», sagt Meseret. «Jetzt weiss ich, dass Bäume wichtig für die Umwelt sind, weil sie die Luft reinigen, Regen anziehen, Schatten spenden und das Ökosystem erhalten. Ich bin Landwirt und kenne mich in der Landwirtschaft aus, aber durch das Projekt wurde mir der Zusammenhang zwischen Regen, Umwelt und Landwirtschaft erst richtig klar. Das wusste ich vorher nicht. Ich habe vorher nicht einmal Bäume auf meinem Grundstück gepflanzt – weder Obstbäume noch andere. Jetzt habe ich etwa 5.000 Setzlinge dort.»
Im ersten Jahr haben die grünen Unternehmerinnen und Unternehmer knapp 10’000 Setzlinge gepflanzt. Sie verkauften über 3’000 und nahmen 53’750 Äthiopische Birr (knapp 1’000 Franken) ein. Da sich die Einstellung zur Umwelt zunehmend ändert, hoffen sie, dieses Jahr 10’000 Setzlinge verkaufen zu können. Im Rahmen des grünen Projekts werden ausserdem brachliegende Flächen an sechs Grundschulen in Tulu Moye in Ökogärten umgewandelt und das Bewusstsein für bewährte Praktiken zur Wassereinsparung gestärkt.
Kampf gegen die Klimakrise
In Äthiopien gibt es eine nationale Kampagne, bei der jeden Sommer, im Juni und Juli, Bäume gepflanzt werden, um den Baumbestand im Land zu verbessern und die Klimakrise zu bekämpfen. Das drei Jahre alte grüne Projekt gibt dieser Initiative einen grossen Auftrieb. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass der Anteil der Bäume in Äthiopien von 35 Prozent vor einem Jahrhundert auf 4 Prozent in den 2000er Jahren drastisch zurückgegangen ist.
Die Forschung belegt, dass die Wiederaufforstung von Bäumen eine der besten und billigsten Möglichkeiten ist, die Klimakrise zu bekämpfen. Wenn Bäume wachsen, nehmen sie Kohlendioxid auf und speichern es: eine der Hauptursachen für die globale Erwärmung. «Die Gemeinde wird durch den Wechsel der Jahreszeiten wirklich beeinflusst», sagt Meseret. «Wenn es nicht regnet, kann die Gemeinde keine Nahrungsmittel produzieren und die Menschen verhungern. Wenn es keinen Baum gibt, gibt es auch keine Tiere, keine Insekten und keine Vögel. Unsere Existenz hängt von den Bäumen ab, denn sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Regen, und dann produziert die Gemeinschaft Nahrungsmittel durch Landwirtschaft. Ohne Regen gibt es auch keine Nahrungsmittel.»
Nefisa sagt, dass Bäume nicht nur der Natur zugutekommen, sondern auch eine wichtige Quelle für nahrhafte Lebensmittel und Einkommen für die Familien in der Gemeinde sind. «Unser Projekt hat sich bereits in vielerlei Hinsicht auf die Gemeinde ausgewirkt», sagt Nefisa. «Sie haben begonnen, auf ihrem Gelände Obstbäume zu pflanzen. Wenn die Bäume reif sind, werden sie die nahrhaften Früchte ernten und damit ihre heranwachsenden Kinder ernähren. Wenn mehr Bäume gepflanzt werden, wird sich die Landwirtschaft in diesem Gebiet verbessern.»
Nefisa und Meseret haben sich für das Pflanzen von Bäumen eingesetzt. Sie klären die Mitglieder der Gemeinde über die Klimakrise auf und ermutigen sie, ihren Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. «Meine Nachbarn besuchten mein Grundstück und sahen, wie grün es war, und sie begannen, in ihren Gärten Bäume zu pflanzen», erzählt Meseret. «Und wenn ich die Setzlinge auf den Markt bringe, erkläre ich, warum sie Bäume pflanzen sollten. Ich gebe das Wissen weiter, das mir SOS-Kinderdorf vermittelt hat, wie man die Bäume pflegt und wie wichtig sie für die Umwelt sind.»