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Heute steht vor der stolzen Burg Alt-Rheineck, um die sich einst Kaiser, Herzöge und Äbte stritten, lediglich noch der Turm. Die eine Wand ragt rund 18 Meter auf. Bei Grabarbeiten konnte man den Grundriss von 10.5 Metern im Geviert bei einer Mauerdicke von bis zu 3.5 Metern feststellen. Die noch erhaltenen beiden Eckverbände zeigen trotz sehr starker Verwitterung Sandsteinquader mit Kantenschlag und Bossen. Ebenso sind die Mauern mit sorgfältig geglätteten Sandsteinplatten aufgebaut. Da wesentliche teile des inneren Mantels ausgebrochen, vielleicht wiederverwendet wurde, tritt der aus kleinem Geröll und Splittern gebildete Kern frei zutage, was dem Erhaltungszustand sehr abträglich ist. Einst bildete wohl ein hölzerner, vorkragender Obergaden den Abschluss; er stützte sich aber nicht auf hölzerne Büge, sondern auf sich nach aussen überlappende Sandsteinplatten, welche eine solide Konsole bildeten. Von der ehemaligen Ringmauer und dem davor liegenden Graben ist ebenso wenig erkennbar wie von allfälligen Wohn- und Ökonomiegebäuden.
(Foto Marcel Steiner)
Das linksrheinische Gebiet, in dessen Zentrum der Hof Thal lag, gehörte zur Grundherrschaft des Bischofs von Konstanz. Hier liess das Bistum wohl schon um die Mitte des 12. Jahrhunderts zur Sicherung und Verwaltung seines Besitzes eine Burg errichten. Die Dienstleute, welche als Vertreter hier amteten, die Herren von Rheineck, sind mit Cuno von 1170 an urkundlich erfassbar. Zu bischöflichem Lehen erhielt Graf Rudolf von Pfullendorf den Hof Thal, überliess aber die lokale Verwaltung Afterlehensträgern, den Rittern und Vögten von Rheineck. Mit des Grafen Tod ging die Herrschaft als dessen Vermächtnis in den direkten Besitz Kaiser Friedrich Barbarossas und wurde damit eine Reichsvogtei. Als der jüngste Sohn des Kaisers, Philipp von Schwaben, 1208 ermordet wurde, betrachtete der Bischof dieses Reichslehen als erloschen. Jetzt erhob aber auch das Kloster St. Gallen Anspruch auf die Herrschaft, denn Rudolf von Pfullendorf war ebenfalls Schirmvogt des Klosters gewesen und hatte diese Schirmvogtei 1180, vor seinem Aufbruch ins Heilige Land, in gleicher Form Kaiser Friedrich I abgetreten. In der Folge kam es zu heftigen Auseinandersetzungen und zur Fehde zwischen Bischof Werner von Staufen und Abt Ulrich VI von Sax. Dieser erlitt auf dem Breitfeld, westlich von St. Gallen, eine empfindliche Niederlage. Sein Ziel, die eigene Macht des Klosters zu stärken und zusammen mit seinem Bruder, Heinrich von Sax, der die Schirmherrschaft über das Kloster innehatte, die saxische Hausmacht zu mehren, konnte er nicht erreichen. Im Gegenteil, die Reichsvogtei ging wiederum an die Krone, an den Welfen Otto IV zurück. Somit amteten die Herren von Rheineck weiterhin als königliche Vögte. Erst gegen 1300 gaben sie das Lehen an Dietrich von Untra weiter. In diesem Zeitraum wurde auch die vordere Burg, Neu-Rheineck, erbaut. Offenbar aus wirtschaftlichen Gründen war Kaiser Heinrich VII 1309 gezwungen, die Vogtei Rheineck zu verpfänden. Als Pfandnehmer trat Graf Hugo III von Werdenberg-Heiligenberg auf. Bis zur Mitte des Jahrhunderts waren die Rheineck noch Bewohner der Burg. Vor 1372 starb das Geschlecht jedoch aus. Wer die Neue Rheineck, welche unmittelbar über dem Städtchen stand mit dem diesem befestigungsmässig verbunden war, erbaute, konnte bis heute nicht abgeklärt werden. Wahrscheinlich waren es die Werdenberger. Die Burg ist heute vollkommen verschwunden.
Foto Lukas Unseld
1363 hatte das Haus Habsburg-Österreich das Land Tirol erworben. Vom kinderlosen Grafen Rudolf V von Montfort-Feldkirch kaufte es 1375 auch dessen Besitzungen und und liess sich von König Wetzel die Bewilligung zur Auslösung der Reichspfandschaft Rheineck geben. Im Krieg von 1395 eroberte Österreich die Vogteien Rheintal und Rheineck und übergab die Burg ihrem Vogt Ulrich von Ems. Dies hatte zur Folge, dass die Feste Rheineck wenige Jahre später eines der Angriffsziele der Appenzeller wurde. In ihrem ungestümen Vormarsch stürmten und verbrannten sie die Burg und zwangen das Städtchen zur Übergabe. Der österreichische Vogt kehrte erst nach der Niederlage der Appenzeller von Bregenz, 1408, zurück und baute die Burg teilweise wieder auf. Während des Alten Zürichkrieges, der um die Erbschaft des letzten Toggenburgers 1436 ausgebrochen war, zogen die mit den Eidgenossen verbündeten Appenzeller erneut vor das österreichische Bollwerk und eroberten und zerstörten es endgültig. 1803 zum Kanton gelangt, wurde der noch erhaltene Teil des Bergfrieds als Schenkung an die Gemeinde abgetreten, nachdem sich diese verpflichtet hatte, den Burgstall angemessen zu unterhalten. 1939 fand die Restaurierung unter der Leitung des Kantonsbauamtes statt.
Bibliographie