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Ich sitze hier in der Union Station Chigago und warte auf den Zug mit dem Namen “City of New Orleans”. Hinter mir liegen 2 ½ Wochen harte Inbetriebnahmearbeit in Kankakee IL. Meine Kollegen in der Schweiz hatten mich gewarnt, in Kankakee sei, wie man so sagt, der Hund begraben. Vor meiner ersten Reise im letzten Jahr erkundete ich die Gegend in Google Maps. Einer der „Points of Interest“, die ich fand, war der Amtrak Bahnhof in Kankakee. Der Fahrplan zeigte einige wenige Züge pro Tag. Einer trug den Namen „City of New Orleans“. Irgendwie klang da etwas an – in den Tiefen meiner Erinnerungen. Was es war, war mir nicht bewusst. Google half weiter: Es war ein Song aus weit zurück liegenden Jugendtagen. Arlo Guthrie: “I’m the train they call the city of New Orleans….” Auf Youtube gibt es zahlreiche Versionen davon. Für mich ist, obwohl ursprünglich von Steve Goodman, Arlo Guthrie’s Version das “Original”. Nun sitze ich hier, wie gesagt, warte auf den Zug und freue mich auf einige Tage in New Orleans…
Im Gegensatz zur Warnung meiner Kollegen, übrigens, hatte ich eine gute Zeit in Kankakee. Es liegt im Prairieland südlich von Chicago, wo früher die die riesigen Büffelherden umherzogen. Sicher nicht reich gesegnet mit touristischen Highlihts, aber doch einige sehenswerte Plätze, z.B. Kankakee River Park, Perry Farm, der Bahnhof mit seinen Railroad Museum und zwei älteren Herren, die sich viel Zeit nahmen um mir ihre Geschichten über die Eisenbahn und den Bahnhof zu erzählen (Kurt hätte seine Freude daran gehabt). Das Salz in der Suppe waren zwei Besuche in Chicago. Ein Spaziergang am Strand des Lake Michigan mit der Skyline auf einer und der schier unendlichen Weite des Sees auf der anderen Seite ist absolut zu empfehlen. Das Arts Institue, eines der grössten Kunstmuseen in USA, ist ebenfalls sehenswert.
Die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Kollegen war trotz der wenigen Freizeit erfreulich. Ich konnte einige professionelle und äusserst liebenswerte Menschen kennen lernen. Meine Arbeit wurde sehr geschätzt und ich fühlte mich stets willkommen. Der Abschied war trotz der Freude auf die kommenden Tage etwas schmerzhaft. We will meet again if the Good Lord should be willing – wer weiss? Es sind diese grossen und kleinen Begegnungen, die Reisen für mich wertvoll machen. Die Sightseeing- Attraktionen sind da eher nebensächlich.
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09:30 Die Nacht im Zug ist vorüber – rund drei Stunden Verspätung. Der Zug wartet im Bahnhof Memphis Tennessee. Die Ausläufer eines schweren Sturmes über Oklahoma haben auch uns erwischt – starker Wind und heftiger Regen. Die Geschwindigkeit war, wegen möglicher Unterspülung der Gleise, stark reduziert. Die Nacht war entsprechend unruhig. Zusätzlich wurde ich durch das dauernde Hupen der Lokomotive direkt vor meinem Wagen gestört. Mit den Ohrenstopfen, die ich glücklicherweise zur Hand hatte, war es dann erträglich. Tipp für allfällige spätere Reisen: Decke oder warmen Trainer mitnehmen – die Decken sind dünn und der kalte Wind der Klimaanlage ist für mich sehr ungewohnt. Zum Frühstück hatte ich zwei Vietnam Veteranen gegenüber. Einer von ihnen war zweimal verwundet – Purple Heart mit zwei Sternen – „we had a lot of fun“. Sie erzählten von ihren Heldentaten, Vorzügen verschiedener Sturmgewehre: M1, M16 usw. – ich habe nur einen Teil verstanden. Mühsam. Ich habe nichts gesagt und mich bald in meinen Wagen zurückgezogen.
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10:00 Endlich geht es weiter.
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11:45 Der Zug gleitet über das flache Land. Mais- Soja- und Getreidefelder soweit das Auge reicht. Dazwischen Auwälder und Sümpfe, Flüsse, hin und wieder einzelne Farmen oder kleine Siedlungen.
Nächster Halt Greenwood MS – wir haben immer noch 3 Stunden Verspätung. Geschätzte Verspätung in New Orleans ist 1 ½ Stunden (gemäss amtrak.com).
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13:35 Angenehme Gesellschaft beim Mittagessen – etwas small Talk über dies und das. Warten auf einen Güterzug. Jetzt geht’s wieder weiter. Geschätzte Verspätung in New Orleans ist 1 ¾ Stunden (gemäss amtrak.com).
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17:05 Einer der Amtrak Angestellten, Michel Antoinne, hatte mich auf Französisch angesprochen, nachdem ich ihm sagte, woher ich komme. Er erzählte mir, er komme aus Quebec in Kanada. Der Vater Grieche aus Lesbos und die Mutter aus dem Baskenland. Zu Hause sprachen sie Baskisch, Griechisch und Französisch, jedoch kein Englisch. Er spricht neun Sprachen (sechs davon fliessend) und hat drei Universitätsabschlüsse, z.B. in internationaler Politik. Es sei jedoch besser als Zugbegleiter bei Amtrak zu arbeiten, als Lehrer in Amerika zu sein. Wir hatten ein interessantes Gespräch über die baskische Geschichte, die Hugenotten (sie waren ursprünglich Basken) und über die Religionskriege. Zum Schluss noch einige Tipps, was ich in New Orleans unbedingt sehen müsse…
Wir sind in Hammond Lousiana. Die Architektur und die Vegetation werden südlicher und der Himmel blauer. Mehr und mehr Wasserflächen. In den Sumpfwäldern habe ich riesige Teiche mit Seerosen gesehen.
Geschätzte Verspätung in New Orleans ist 3 Stunden (gemäss amtrak.com). Es könnten auch etwas mehr werden. Wir werden sehen…
18:30 Das Ziel ist errreicht