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COVID-19-Fallzahlen beherrrschen die Schlagzeilen. Die Verwirrung ist gross. Es ist hilfreich, wenn man ein bisschen weiss, was der Test so testet. Denn: ein COVID-Fall entspricht nicht einem Kranken, sondern einem positiven Test. Deshalb gebe ich hier meine Weisheit weiter. Und ja: ich bin Laie. Es kann da also durchaus etwas Falsches stehen. Aber ich glaube, das Prinzip habe ich begriffen.
Der Test ist ein PCR (Polymerase-Chain-Reaction)-Test. Wobei “Test” gebräuchlich, aber irreführend ist. Es handelt sich um die PCR-Testmethode. Ein Vergleich: eine mögliche Methode, um sich fortzubewegen, heisst “Auto”. Sie ist charakterisiert durch: 4 Räder, 1 Motor, 1 Lenkrad. Nun gibt es viele verschiedene Marken, die verschiedenste Fahrzeuge nach der Methode “Auto” herstellen. Es gibt “Autos” nicht nur für die Strasse, sondern auch für die Rennstrecke und fürs Gelände. So gibt es auch PCR-Tests für viele verschiedene Anwendungen, und es gibt COVID-PCR-Tests von vielen Herstellern, die sich unterscheiden. Die COVID-Tests sind nicht standardisiert, und die Resultate sind nur beschränkt vergleichbar.
Mich fasziniert dieser Test, wie mich überhaupt die Nachweislaborsache fasziniert. Es können minimste Stoffmengen nachgewiesen werden. So zur Veranschaulichung: eine Probe Bio-Soja aus Brasilien wird auf Gentechsojaverunreinigung untersucht. Es gibt einen Schwellenwert, darunter ist die Probe negativ, darüber verunreinigt. Wieso denn ein Schwellenwert? Wenn man etwas drin findet , ist die Probe doch verunreinigt? Eben nicht unbedingt. Vielleicht wurde vor 5 Jahren mit dem Schiff, welches die Soja nach Rotterdam brachte, GVO-Soja transportiert. Das Schiff wurde seither immer wieder gereinigt, aber irgendwo in einer Ecke hats noch Sojaspuren. Kein vernünftiger Mensch spricht hier von Verunreinigung, aber diese minimste Menge kann genügen, um in der Probe einen Nachweis zu ermöglichen. Soweit ist die Labortechnik. Die Zeit, als “negativ” bedeutete “wir können nichts nachweisen”, war einmal. Bei Soja, und auch bei Viren 🙂
Der PCR-Test läuft in zwei Stufen ab. Zuerst wird die gesuchte Substanz in der Probe vervielfältigt. Dann wird gemessen, wieviel davon vorhanden ist. Die Vervielfältigung läuft in Schritten ab, jedesmal wird die Substanzmenge verdoppelt. Das ist irgendwie so umgekehrte Homöopathie. Die Anzahl Schritte, angegeben in ct (cycleTreshold), bestimmt, wie empfindlich der Test ist. Wenn mehr ct’s gemacht werden, ist auch mehr Material da, das gemessen werden kann. Damit steigt die Sensitivität (alle Virenträger werden vom Test erkannt). Aber es leidet die Spezifität (Gesunde werden zunehmend falsch als Virenträger erkannt). Der ct-Wert definiert eigentlich den Schwellenwert, bei dem der Test positiv wird.
Der PCR-Test wurde entwickelt, um bei Kranken schnell zu eruieren, an welchem Erreger sie erkrankt sind. Der Erfinder hat einen Einsatz für die Diagnose, so wie er jetzt eingesetzt wird, ausdrücklich ausgeschlossen. Auch Herr Drosten hat sich früher so geäussert. Warum? Beim Kranken spielt die Sensitivität keine Rolle. Der Erreger ist massenhaft vorhanden und wird auf jeden Fall erwischt, auch bei wenigen ct. Aber zur Diagnose muss der Test empfindlicher sein. Deshalb kommt es zunehmend zu falsch positiven Resultaten.
Wie kommt es zu falsch positiven Resultaten? Der Test ist nicht schuld. Aber es können bereits kleinste Verunreinigungen nachgewiesen werden. Die Ursachen sind: Verunreinigung bei Probeentnahme, Verunreinigung im Labor, Verunreinigung irgendwo. Und Verunreinigungen in der Nase, die keine Infektion darstellen. In einem Umfeld, in dem wenig Viren zirkulieren, sind diese Mikroverunreinigungen unwahrscheinlich. Je mehr Viren zirkulieren, desto mehr kommt es dazu, zB bei der Probeentnahme im Testcenter, wenn ein Patient Viren streut, oder im Labor, wenn positive Proben vorhanden sind. Es geht da um kleinste Verunreinigungen. Die Anzahl ct sind entscheidend: beim Kranken genügen 20 oder 25 ct für den Nachweis. Ab 30, aber sicher ab 35 ct ist immer mit falsch positiven Resultaten zu rechnen. Es gibt wohl Länder , die mit 20 oder 25 ct messen. Die Schweiz misst mit 35 bis 40 ct, Amerika auch. Lustig: der Bund weiss es selber nicht, weil jedes Labor macht was es will.
Im Sommer hatten wir sehr wenig positive Tests. Es zirkulierten wenig Viren, und es wurde diskutiert, ob die positiven Tests nicht mehrheitlich die falsch positiven Resultate darstellten. Jetzt haben wir höhere Positivraten. Eigentlich interessieren da die vielleicht 1% falsch Positiven nicht mehr so. Aber das Problem sind die Folgen eines positiven Tests. Die Person muss in Isolation, andere müssen in Quarantäne. Da spielt es eben eine Rolle, wenn der Test falsch positiv ist. Jetzt in der Virussaison wird es zunehmend solche Fälle geben. Mich könnte es zB treffen: ich transportiere einen COVID-19-Kranken in der Ambulanz. Ich sitze mit Maske eine halbe Stunde neben ihm. Deswegen werde ich nicht krank. Aber es fliegen Viren in der Ambulanz herum, und einige bleiben in meiner Nase hängen; die Maske nützt ja nicht viel. Die paar Viren stören mich nicht, mit denen werde ich problemlos fertig. Aber wenn ich aus irgendeinem Grund jetzt getestet werde, kann der Test positiv sein.
Ein COVID-Kranker hat praktisch immer einen positiven Test. aber ein positiver Test bedeutet nicht Krankheit, nicht Ansteckungsgefahr, nicht einmal eine richtige Infektion. Es bedeutet einfach, dass da ein paar minimste Virenteilchen in der Nase oder im Labor herumlagen. Es ksnn auch sein, dass ich vor einigen Wochen infiziert war und die Virentrümmer in der Nase ausreichen für den positiven Test.
Um herauszufinden, ob ein Patient krank ist, braucht es keinen Test, das weiss der Patient ja selber. Um festzustellen, ob seine Atemwegserkrankung von COVID verursacht ist, ist der PCR-Test super, fraglich ist höchstens, ob das überhaupt interessiert :-). Um jedoch herauszufinden, ob jemand lebende Viren in der Nase hat und vielleicht ansteckend ist, braucht es andere Tests, der Virus muss angezüchtet werden zB. Das kostet, und das dauert lange.