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Ein Marker für die Entdeckung (und Vermeidung) der Herzschäden durch das Coronavirus
Im Fokus das Troponin, ein Protein, das bei Covid-19-Patienten erhöht vorkommt und ein Anzeichen für mögliche Herzprobleme ist. Gespräch mit Professor Giovanni Pedrazzini (Cardiocentro)von Paola Scaccabarozzi
Giovanni Pedrazzini ist Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie (der erste Tessiner, der diesen hochrangigen Posten bekleidet) sowie ein herausragender Arzt und Forscher, Co-Chefarzt für Kardiologie am Cardiocentro Ticino in Lugano und ordentlicher Professor an der Fakultät für biomedizinische Wissenschaften der Università della Svizzera italiana. In dieser von Covid-19 beherrschten Zeit hat er gemeinsam mit anderen schweizerischen und italienischen Kollegen im «Journal of Cardiac Failure» eine interessante Studie (ein «Review») über die möglichen Schäden veröffentlicht, die das Coronavirus einem so lebenswichtigen Organ wie dem Herzen zufügen kann: Ein heikles Thema, das es noch weiter «zu enthüllen» gilt.
Herr Professor, welche Auswirkungen hat SARS-CoV-2 (so lautet der präzise Name des Coronavirus, das die Krankheit Covid-19 verursacht) auf den Herzmuskel?
«Bereits die ersten Daten, die aus der Stadt Wuhan in China kamen, deuteten auf eine mögliche Auswirkung von Covid-19 auf das Herz hin – erklärt Pedrazzini. – Insbesondere wurde ein Anstieg von Troponin beobachtet, einem hochsensiblen „Marker“, der auf einen möglichen Schaden des Myokardmuskels nach einer Coronainfektion hinweist».
Mit welcher Häufigkeit ist ein solcher Anstieg des Troponins aufgetreten und was bedeutet er?
«Aus den Ergebnissen der Studie, die im Journal of Cardiac Failure erschienen ist, den Daten der bisher verfügbaren Literatur und den internationalen Statistiken geht hervor, dass ein variabler Anteil zwischen 20 % und 50 % der stationär aufgenommenen, an Covid erkrankten Patienten einen Anstieg von Troponin gezeigt hat. Der Anstieg dieses Markers ist ein Hinweis für einen schwereren Verlauf von Covid, also für das Eintreten von widrigen Ereignissen, die häufiger zu einem unheilvollen Ausgang führen können.
Gibt es auch andere Situationen, in denen das Troponin erhöht ist?
«Bei einem Myokardinfarkt, also bei Situationen, in denen das Herz akut Schaden nimmt, wird Troponin im Blut freigesetzt. Sogar eine Grippe, die im Vergleich zu Covid-19 eine deutlich niedrigere Sterblichkeit aufweist, kann einen temporären Anstieg dieses „Markers“ bedingen. Wir dürfen nämlich nicht vergessen, dass es sich bei Covid nicht „allein“ um eine Atemwegsinfektion handelt, sondern um ein Virus, das den ganzen Organismus angreift und somit einen Multi-Organschaden verursacht».
Steigt dieser Marker nur bei gefährdeten Personen, also solchen mit kardiologischer Vorerkrankung an, oder auch bei Patienten, die zuvor gesund waren?
«Der Anstieg von Troponin tritt auch bei Patienten ohne kardiologische Vorerkrankungen auf. Allerdings steht ein entsprechender Anstieg nur bei Personen mit Vorerkrankungen in Zusammenhang mit einer deutlichen Zunahme der Sterblichkeit».
Hat diese Entdeckung zur Entwicklung einer speziellen Therapie für Patienten mit erhöhtem Troponinwert geführt?
«Bis heute nicht. Allerdings ist der Troponinwert aufschlussreich für eine noch aufmerksamere Überwachung der Patienten, bei denen er erhöht ist, vor allem bei Hochrisikopatienten, deren Protokoll die Verwendung von Heparin für die Vermeidung von Embolien und Blutgerinnseln vorsieht.
Ist der Herzschaden nach einer Coronainfektion temporär oder verursacht er Folgeschäden, die auch nach dem Überwinden der Krankheit bestehen bleiben?
«Nach dem derzeitigen Kenntnisstand bezieht sich der Herzschaden nur auf die aktive Phase der Krankheit und sollte keine weiteren Beschwerden verursachen. Allerdings ist seit dem Ausbruch der Pandemie zu wenig Zeit vergangen, um eine präzise und verlässliche Antwort zu geben».