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Direktor der Botanischen Expedition des Vizekönigreichs Neu-Granada und Königlicher Astronom in Santa Fé de Bogota, kam am 6. April 1732 in einer wohlhabenden Familie in Cádiz zur Welt. In Europa ist er nur durch seine umfassenden Kenntnisse in der Botanik (Linné nennt ihn Phytologorum americanorum princeps [den Ersten unter den amerikanischen Pflanzenforschern]) bekannt geworden. Aber der Dienst, den er allen Zweigen der Naturgeschichte erwiesen hat, die Entdeckung der Chinarindenbäume in Regionen, in denen man von ihrer Existenz nichts wußte, sein günstiger Einfluß auf die Zivilisation und das Fortschreiten der Aufklärung in den spanischen Kolonien weisen ihm einen hervorragenden Rang unter den Männern zu, welche die Neue Welt bekannter gemacht haben. Nachdem Mutis sich mit Eifer dem Studium der Mathematik gewidmet hatte, zwangen seine Eltern ihn, sich in praktischer Medizin auszubilden. Er nahm Studien am Colegio San Fernando in Cádiz auf, erhielt in Sevilla seine Diplome und wurde 1757 zur Vertretung auf einen Lehrstuhl für Anatomie nach Madrid berufen. Während eines dreijährigen Aufenthaltes in der spanischen Hauptstadt zeigte er mehr Interesse an botanischen Exkursionen als an Besuchen in Krankenhäusern; und er hatte das seltene Glück, sich dem berühmten Naturforscher aus Uppsala bekannt zu machen, der die Pflanzen der Halbinsel in seine Herbarien aufnehmen wollte. Die Korrespondenz von Mutis mit Linné gewann besondere Bedeutung für die Wissenschaften, da der Vizekönig Don Pedro Mesía de La Cerda ihn 1750 in seine Dienste nahm, damit er ihn als Arzt nach Amerika begleite. Das Ministerium hatte unseren jungen Botaniker in den Kreis derjenigen Personen berufen, die auserwählt waren, ihre Studien in Paris, Leiden und Bologna zu vervollständigen; doch ohne zu zögern opferte er die Möglichkeit, die berühmtesten Universitäten Europas zu besuchen, den Vorzügen einer Expedition in weite Fernen. – In Neu-Granada angekommen, war er außerordentlich beeindruckt von den natürlichen Schätzen eines Landes, in dem die Klimate aufeinander folgen wie in Etagen. Nach langen Aufenthalten in Cartagena de Indias, in Turbaco und in Honda (wichtigste Anlegestelle am Río Magdalena) begleitete Mutis den Vizekönig auf seiner Reise nach Santa Fé de Bogota. Die Stadt liegt auf einer Hochebene von 1.365 Toisen über dem Meeresspiegel, deren Temperatur derjenigen von Bordeaux ähnelt. Zwischen Honda und Santa Fé durchquerte er Wälder, die kostbare Arten von Cinchonas (Chinarindenbäumen) enthalten; doch bis 1772 erkannte er deren nutzenbringendes Produkt nicht. Zum Professor der Mathematik am Colegio Mayor de Nuestra Señora del Rosario ernannt, verbreitete er in Santa Fé die ersten Begriffe von dem wahren Planetensystem. Die Dominikaner sahen nicht ohne Sorge, daß die „Irrlehren des Kopernikus“, welche bereits Bouguer, Godin und La Condamine in Quito verkündet hatten, nach Neu-Granada vordringen könnten; doch der Vizekönig schützte Mutis vor den Mönchen, die wollten, daß die Erde unbeweglich bliebe. Sie gewöhnten sich nur langsam an das, was sie noch immer „die Hypothesen der neuen Philosophie“ nennen. Mit dem Wunsch, die Pflanzen der heißen Zone zu erforschen und die Silberminen von Neu-Granada zu besuchen, verließ Mutis die Hochebene von Santa Fé. Er hielt sich lange zunächst in La Montuosa, zwischen Girón und Pamplona, auf, dann (von 1777 bis 1782) in Real del Sapo und in Mariquita, am Fuß der Anden von Quindío und des Páramo de Herveo. In La Montuosa begann er mit der großen Flora von Neu-Granada, dem botanischen Werk, an dem er vierzig Jahre lang ununterbrochen arbeitete, und das, so ist zu befürchten, vielleicht niemals in Gänze publiziert werden wird. Linné hat im Supplement zu Species plantarum und in seinen Mantissa eine große Zahl seltener Arten aufgeführt, die Mutis ihm aus La Montuosa geschickt hatte; doch er beging den sonderbaren und für die Geographie der Pflanzen unheilvollen Irrtum, Mexiko als ihren Herkunftsort anzugeben. Das wenige Geld, das unser Reisender gelegentlich durch die Ausübung seiner Kunst bei der Ausbeutung der Minen verdiente, verwendete er für den Aufbau einer botanischen Bibliothek und die Beschaffung von Barometern, geodätischen Instrumenten und Fernrohren, um die Verfinsterungen der Jupitertrabanten zu beobachten. Er zog Maler heran, welche die bemerkenswertesten Pflanzen zeichneten und in Öl, meist in Lebensgröße, die einheimischen Tiere malten. Der Verfasser dieses Artikels hat einen Teil jener kostbaren Sammlung gesehen, die entstand, bevor Mutis in den Genuß der Großzügigkeit des Königs kam. Während des Aufenthaltes in Real del Sapo (1786) machte er auch die bedeutende Entdeckung einer Quecksilbermine in der Nähe von Ibagué Viejo, zwischen dem Nevado de Tolima und dem Río Saldaña. So viele nützliche Arbeiten fanden schließlich ehrenhafte Förderung. Der Hof in Madrid beschloß 1782 auf Veranlassung des Vizekönigs und Erzbischofs Don Antonio Caballero y Góngora, zunächst in Mariquita, dann (1790) in Santa Fé de Bogotá ein großes Institut für Naturgeschichte zu gründen, unter dem Namen Expedición real botánica [Königliche Botanische Expedition], dessen Leitung man Don Celestino Mutis übertrug. Ein großes Gebäude der Hauptstadt wurde diesem Institut zur Verfügung gestellt. Es enthielt die Herbarien, die Zeichenschule und die Bibliothek, eine der schönsten und reichsten, wie sie in Europa je einem einzigen Zweig der Naturgeschichte gewidmet wurden. Schon 1772 war Mutis in den geistlichen Stand eingetreten. Er wurde zum Domherrn der Metropolitankirche von Santa Fé und zum Beichtvater eines Nonnenklosters ernannt. Da er die Pflichten, die er sich auferlegt hatte, gewissenhaft erfüllte, konnte er nur Exkursionen in der Nähe der Hauptstadt unternehmen. Doch er schickte die für seine Expedition tätigen Maler in die heißen und gemäßigten Regionen um die Hochebene von Bogotá. Spanische Künstler, deren Können er mit seinen Ratschlägen gefördert hatte, bildeten innerhalb weniger Jahre eine Schule junger eingeborener Zeichner heran. Die Indianer, die Mestizen und die Abkömmlinge gemischter Rassen zeigten außergewöhnliche Begabungen für die Nachahmung der Gestalt und der Farbe der Pflanzen. Die Zeichnungen der Flora von Bogotá waren auf Papier des Formats Grand-Aigle ausgeführt; man wählte die Zweige mit den meisten Blüten aus. Die Analyse oder die Anatomie der Teile zur Fruchtbildung waren unterhalb der Zeichnung hinzugefügt. Gewöhnlich war jede Pflanze auf drei oder vier großen Blättern dargestellt, zugleich in Farbe und in Schwarz. Die Farben waren zum Teil aus einheimischen Farbstoffen hergestellt, die in Europa unbekannt sind. Nie wurde eine Sammlung von Zeichnungen aufwendiger, man könnte sagen, in größerem Stil ausgestattet. Mutis hatte die herausragenden botanischen Werke seiner Zeit zu Vorbildern genommen, diejenigen von Jacquin, von L’Héritier und des Abbé Cavanilles. Der Anblick der Vegetation, die Physiognomie der Pflanzen waren mit größter Genauigkeit wiedergegeben. Die modernen Botaniker, welche die Verwandtschaften der Pflanzen nach der Einfügung und Haftung der Organe untersuchen, hätten vielleicht eine detailliertere Analyse der Früchte und Samenkörner gewünscht. Als die Herren von Humboldt und Bonpland sich im Jahr 1801 in Santa Fé de Bogotá aufhielten, wo sie Mutis’ großzügige Gastfreundschaft genossen, schätzte dieser die Zahl der bereits fertigen Zeichnungen auf 2.000; darunter waren 43 Arten von Passifloren und 120 Arten von Orchideen zu bewundern. Die Reisenden waren um so erstaunter über den Reichtum der botanischen Sammlungen (die Mutis selbst sowie seine würdigen Schüler, die Herren Valenzuela, Zea und Caldas, und seine höchst geschickten Maler, die Herren Rizo und Mathis, zusammengetragen hatten), als die fruchtbarsten Regionen von Neu-Granada, die Ebenen von Tolú und von San Benito Abad, die Anden von Quindío, die Provinzen Santa Marta, Antioquia und Chocó zu jener Zeit noch von keinem Botaniker durchreist worden waren. Je größer die Menge des von ihm mit unermüdlichem Eifer gesammelten Materials war, desto mehr Schwierigkeiten begegneten dem Gelehrten bei der Veröffentlichung der Früchte seiner Arbeiten. Er hatte die Zeichnungen der Flora von Bogotá (oder, wie man heute sagt, von Cundinamarca) vervielfältigen lassen, um ein Exemplar davon nach Spanien zu schicken und andere in Santa Fé aufzubewahren. Wie aber stünde zu hoffen, daß die Gelehrten sich an diesem riesigen Werk erfreuen könnten, während die Flora Peruviana et Chilensis von Ruiz und Pavón (Siehe DOMBEY, XI, 506) trotz der finanziellen Unterstützung der Regierung und der Kolonien nur mit äußerster Langsamkeit vorankam? Mutis war den von ihm gegründeten Einrichtungen so sehr verbunden und liebte das Land, das ihm zur zweiten Heimat geworden war, so innig, daß er sich im Alter von 76 Jahren eine Rückkehr nach Europa nicht zumuten wollte. Er fuhr bis zu seinem Tod fort, Material für seine Arbeit anzusammeln, ohne einen festen Plan für die Art der Publikation zu fassen. Daran gewöhnt, unüberwindlich erscheinende Hindernisse zu besiegen, gab er sich gern dem Gedanken hin, eines Tages in seinem Haus eine Druckerei einzurichten und jenen Eingeborenen, die so erfolgreich zu malen gelernt hatten, die Kunst der Gravur beizubringen. Trotz seines hohen Alters unternahm er es 1802, in seinem Garten ein Observatorium zu erbauen. Es ist ein achteckiger Turm von zweiundsiebzig Fuß Höhe, der 1808 ein Gnomon von siebenunddreißig Fuß enthielt, einen Quadranten von Sisson, das Grahamsche Pendel, das La Condamine in Quito zurückgelassen hatte, zwei Chronometer von Emery und Fernrohre von Dollond. – Mutis hatte das Glück, den Ausbruch der blutigen Revolutionen, welche diese schönen Gegenden verwüstet haben, nicht zu erleben. Der Tod ereilte ihn am 11. September 1808, zu einer Zeit, da er sich allen Glückes erfreute, welches die Anerkennung verdienter Männer, literarischer Ruhm und die Gewißheit, in der Neuen Welt durch seine Unterweisung, durch sein Vorbild und die Übung aller Tugenden zur Verbesserung des Zustands der Gesellschaft beigetragen zu haben, einem arbeitsreichen und nützlichen Leben verleihen können. – Wir haben einen kurzen Abriß von Mutis’ Leben gegeben. Nun lassen wir einen Überblick über seine Werke folgen, die fast alle Zweige der Naturwissenschaften umfassen. Es gibt von ihm nur eine kleine Anzahl von Arbeiten, die in den Abhandlungen der Königlichen Akademie von Stockholm (für das Jahr 1769) und in einer vorzüglichen, 1794 in Santa Fé unter dem Titel Papel periódico erschienenen Zeitschrift gedruckt sind. Doch das Supplement von Linné, die Werke des Abbé Cavanilles und des Herrn von Humboldt, der Semanario del Nuevo Reino de Granada, 1808 und 1809 von Herrn Caldas herausgegeben, haben einen Teil seiner Beobachtungen bekannt gemacht. Den Zustand der Manuskripte, die der berühmte Mann seinen Freunden und nächsten Verwandten anvertraut hatte, kennen wir nicht. Herr Caldas, der Direktor des Observatoriums von Santa Fé und Mutis’ geschätzter Schüler, Don Salvador Rizo, Erster Maler der Botanischen Expedition, und die meisten Bürger, die sich durch ihre Kenntnisse und Begabungen auszeichneten, sind während der unheilvollen Reaktion der Partei des Mutterlands umgekommen. Die kostbare Sammlung von Zeichnungen wurde nach Spanien geschickt, wo sich bereits die unveröffentlichten Materialien der Flora von Peru und Mexiko befinden. Hoffen wir, daß Mutis’ Arbeiten, wenn die politischen Unruhen auf der Halbinsel und in den Kolonien aufgehört haben, nicht in Vergessenheit geraten wie diejenigen von Sessé und Mociño. – In Europa wurde Mutis, lange bevor man von den Werken wußte, an welchen er arbeitete, durch seine Mitteilungen an Linné berühmt. Viele Gattungen (Alstonia, Vallea, Barnadesia, Escallonia, Manettia, Acaena, Brathys, Myroxylum, Befaria, Telipogon, Brabejum, Gomozia und etliche andere, die in Linnés Supplement veröffentlicht sind) verdanken wir dem Scharfsinn des Botanikers von Santa Fé. Bei der Gattung Mutisia fügt Linné hinzu: Nomen immortale quod nulla aetas unquam delebit [unsterblicher Name, den kein Zeitalter je auslöschen wird] . Mutis hat ihn als erster über die wahren Merkmale der Gattung Cinchona in Kenntnis gesetzt. Da diese Arbeit große Bedeutung erlangt hat, wollen wir in Erinnerung rufen, was man vor jener Zeit über die Chinarindenbäume der Neuen Welt wußte. La Condamine und Joseph de Jussieu hatten 1738 die Bäume in den Wäldern von Loxa untersucht, welche die fiebersenkende Rinde liefern. Ersterer hat die Beschreibung und die Zeichnung des peruanischen Chinarindenbaums in den Abhandlungen der Académie veröffentlicht: Das ist die Art, welche die Herren von Humboldt und Bonpland unter dem Namen Cinchona condaminea bekannt gemacht und die Botaniker unter dem unbestimmten Namen Cinchona officinalis lange mit einigen anderen verwechselt haben. Diese Cinchona condaminea (die man auch Cascarilla fina von Loxa, von Caxanuma und von Uritusinga nennt), ist die seltenste und wertvollste und wahrscheinlich schon am längsten verwendete Art. Jährlich werden über Guayaquil, einen Hafen an der Südsee, nur 100 Quintale Rinden exportiert. Aus dem gesamten Amerika werden jährlich (an verschiedenen Arten von Fieberrinden) 14.000 Quintale ausgeführt. Linné hatte 1742 seine Gattung Cinchona gebildet, deren Name an eine Vizekönigin von Peru erinnern sollte (siehe CINCHON, VIII, 564). Er hatte diese Gattung nur auf die unvollkommene Beschreibung von La Condamine gründen können. 1753 besuchte ein Direktor der Münzanstalt von Santa Fé de Bogotá (Don Miguel de Santestevan) die Wälder von Loxa und entdeckte die Chinarindenbäume (zwischen Quito und Popayán) an mehreren Stellen, vor allem in der Nähe des Pueblo de Guanacas und des Sitio de los Corales. Er ließ Mutis Proben von Cinchona zukommen. Anhand dieser Proben verfaßte Mutis die erste genaue Beschreibung der Gattung. Unverzüglich schickte er Linné Blüte und Frucht des gelben Chinarindenbaums (Cinchona cordifolia); doch der große Naturforscher in Uppsala verwechselte, als er Mutis’ Beobachtungen veröffentlichte (Systema naturae, 12. Auflage, Seite 164) den gelben Chinarindenbaum mit demjenigen, den La Condamine beschrieben hatte. Bis zu dieser Zeit wurde Europa nur aus den Häfen der Südsee mit der fiebersenkenden Rinde des Chinarindenbaums beliefert. Nördlich von 2 ½° nördlicher Breite war der Baum, der dieses wertvolle Produkt liefert, noch nicht bekannt. 1772 erkannte Mutis den Chinarindenbaum sechs Meilen von Santa Fé de Bogotá entfernt im Monte de Tena. Diesem bedeutenden Fund folgte bald (1773) die Entdeckung der gleichen Pflanze auf dem Weg von Honda nach Villeta und zur Mesa de Chinga. Wir sind auf ein paar Einzelheiten über diesen Gegenstand eingegangen, weil der Chinarindenbaum aus Neu-Granada über Cartagena de Indias exportiert wird, also über einen Hafen des Karibischen Meeres, der näher an Europa liegt, was einen äußerst günstigen Einfluß auf die koloniale Industrie und auf die Senkung der Preise für die Fieberrinden auf den Märkten der Alten Welt gehabt hat. Mutis hat dieser Entdeckung, für die seine Regierung ihn nie belohnt hat, zu Recht eine große Bedeutung zugeschrieben. Ein Einwohner Panamas, Don Sebastián José López Ruiz, der in seinen Informes al Rey selbst eingesteht, von den Chinarindenbäumen in Honda erst 1774 erfahren zu haben, hat lange als der wahre descubridor de las cascarillas de Santa Fé gegolten. Er kam dafür in den Genuß einer Pension von 10.000 Francs, bis der Vizekönig Góngora 1775 dem Hof den Vorrang der Rechte Mutis’ bewies. Zur selben Zeit (1776) fand Don Francisco Renjifo den Chinarindenbaum auf der südlichen Halbkugel, auf dem Rücken der peruvianischen Anden von Guanuco. Heute kennt man ihn entlang der gesamten Kordilleren in einer Höhe zwischen 700 und 1.500 Toisen, auf einer Fläche von mehr als 600 Meilen, von La Paz und Chuquisaca bis zu den Bergen von Santa Marta und von Mérida. Mutis hat das Verdienst, als erster die verschiedenen Arten von Cinchona unterschieden zu haben, von denen diejenigen mit behaarten Blütenkronen viel wirksamer sind als die mit unbehaarten. Er hat nachgewiesen, daß man die wirksamen Arten, deren medizinische Eigenschaften mit ihrer jeweiligen Form und ihrer organischen Struktur variieren, nicht unterschiedslos anwenden darf. Die Quinologia von Mutis, die Herr Lagasca in Madrid publizieren wird und von der lediglich ein Teil im Papel periódico de Santafé de Bogota, Februar 1794, erschien, enthält diese medizinischen und botanischen Untersuchungen in ihrer Gesamtheit. Dieses Werk hat auch eine fermentierte Zubereitung der Chinarinde bekannt gemacht, die in Santa Fé, in Quito und in Lima unter dem Namen Quina-Bier (Cerveza) berühmt ist. – Zu den in Medizin und Handel nützlichen Pflanzen, die Mutis als erster beschrieben hat, ist auch Psychotria emetica oder Ipecacuanha (Raizilla) vom Río Magdalena zu zählen; Toluifera und Myroxylum, die den Tolu- und den Perubalsam liefern, Wintera grenadensis, mit der Canella alba unserer Apotheken verwandt, und Alstonia theaeformis, die den Tee von Santa Fé ergibt, wovon ein Aufguß Reisenden, die lange Zeit den Regenfällen der Tropen ausgesetzt sind, gar nicht genug empfohlen werden kann. In Mariquita, in einem angenehmen, gemäßigten Klima, hat Mutis eine kleine Pflanzung mit Chinarindenbäumen, mit jenen Zimtbäumen (Laurus cinnamomoïdes), die es in den Missionen der Andaquis in großer Fülle gibt, und mit einheimischen Muskatnußbäumen (Myristica Otoba) angelegt. Der Name dieses berühmten Botanikers ist auch mit einer Entdeckung verbunden, welche die Gemüter in Amerika sehr beschäftigt hat. Man wußte, daß die Indianer und die Neger, die in den Gold- und Platinwäschen der Provinz Chocó arbeiten, etwas besitzen, das sie das Geheimnis einer Pflanze nennen, nämlich das stärkste Gegenmittel gegen den Biß von Giftschlangen. Mutis ist es gelungen, das Geheimnis zu enthüllen und diese Pflanze bekannt zu machen: Sie ist aus der Familie der Compositae und im Land unter dem Namen Vejuco del Guaco bekannt. Die Herren von Humboldt und Bonpland haben sie als erste dargestellt (siehe Mikania guaco, in Plantae aequinoctiales, Band 11, Seite 85, Tafel 105). Die Pflanze hat einen Übelkeit erregenden Geruch, der die Riechorgane der Vipern anzugreifen scheint: Der Geruch des Guaco mischt sich vermutlich mit der Hautausdünstung des Menschen. Für eine mehr oder weniger lange Zeit hält man sich für geschützt vor dem Schlangenbiß, wenn man sich curado hat, das heißt, wenn man den Saft des Guaco in das Hautsystem eingebracht (inokuliert) hat. Kühne Versuche der Herren Zea, Vargas und Mathis in Mutis’ Haus, bei denen man sie unbehelligt mit den giftigsten Schlangen hantieren sah, sind im Madrider Semanario de agricultura, 1798, Band IV, Seite 397 beschrieben. Da Guaco in mehreren heißen Andentälern von Peru bis Cartagena de Indias und in den Bergen von Varinas gefunden wurde, verdanken viele Menschen ihre Heilung dieser schönen Entdeckung, die Mutis gemacht hat. Es ist zu bedauern, daß diese Pflanze, die man oft mit der Ayapana verwechselt hat, ihre Wirkkraft verliert, wenn die Blätter und die Stiele in Alkohol aufbewahrt werden. Guaco findet sich nicht überall, wo es viele Giftschlangen gibt. – Von Mutis’ Arbeiten zur Zoologie und Physik sind unsere Kenntnisse nur sehr gering; wir wissen jedoch, daß er lange Zeit das Verhalten der Ameisen und jener Termiten untersuchte, die in Amerika wie im Senegal Hügel von 5 bis 6 Fuß Höhe bauen. Er hat viele Arten von Säugetieren, Vögeln und Fischen Neu-Granadas äußest naturgetreu malen lassen. Nach der Methode Linnés hat er in den Abhandlungen der Akademie von Stockholm, deren Mitglied er war, eine neue Art von Stinktier (Viverra mapurito) beschrieben. – Mutis’ Manuskripte enthalten auch eine große Zahl wertvoller Beobachtungen über die atmosphärischen Gezeiten, die sich unter den Tropen, noch besser als in gemäßigten Klimaten, an den stündlichen Variationen des Barometers zeigen. Dieses Instrument steigt und fällt in der heißen Zone viermal in vierundzwanzig Stunden auf Höhe des Meeresspiegels wie auf den höchsten Plateaus mit einer solchen Regelmäßigkeit, daß man durch einen bloßen Blick auf die Quecksilbersäule fast auf eine Viertelstunde genau die Uhrzeit feststellen kann. Es scheint, daß diese erstaunliche Beobachtung, welche die Physiker so sehr beschäftigte und deren Entdeckung La Condamine (Voyage à l’équateur, Seite 50) fälschlich Godin zuschreibt, bereits 1722 in Surinam gemacht worden war (Journal littéraire de la Haye, für das Jahr 1722, Seite 234). Der Pater Bondier (1742) hatte sich in Chandernagor damit befaßt; Godin (1737) in Quito; Thibault de Chanvalon (1751) auf Martinique; Lamanon 1786 in der Südsee. Mutis erklärt, er habe herausgefunden, daß der Mond einen deutlichen Einfluß auf die Periode und den Umfang der stündlichen Variationen hat (Caldas im Semanario del Nuevo Reino de Grenada, 1. Band, Seite 55 und 361, Nummer 3). – Die Natur hatte den Mann, der achtundvierzig Jahre lang in der Neuen Welt eine so erstaunliche Aktivität entfaltete, mit der günstigsten körperlichen Konstitution bedacht. Er war von hoher Statur, von edlen Zügen und würdevoller Haltung, von Gewandtheit und Höflichkeit im Umgang. Seine Konversation war so vielfältig wie die Gegenstände seiner Studien. Wenn er auch oft mit Inbrunst sprach, schätzte er doch gleichermaßen jene Kunst des Zuhörens, der Fontenelle einen so hohen Wert beimaß und die er schon zu seiner Zeit so selten fand. Wenngleich er sehr in Anspruch genommen war von einer Wissenschaft, die das gründlichste Studium des organischen Lebens verlangt, verlor Mutis niemals die großen Fragen der Physik des Erdballs aus dem Blick. Er hatte mit dem Barometer in der Hand die Kordilleren durchquert, er hatte die mittlere Temperatur jener Hochebenen bestimmt, die gleichsam Inseln inmitten des Luftozeans bilden. Voll Staunen hatte er beobachtet, wie sich der Anblick der Vegetation verändert, je tiefer man in die Täler hinabsteigt oder je höher man die eisigen Gipfel der Anden erklimmt. Alle Fragen, die sich auf die Geographie der Pflanzen beziehen, interessierten ihn aufs Lebhafteste; er war bestrebt gewesen, die mehr oder weniger engen Grenzen herauszufinden, welche den verschiedenen Arten von Cinchona an den Abhängen der Gebirge gesetzt sind. Dieses Interesse für die physischen Wissenschaften, diese tätige Suche nach der Erklärung für die Phänomene des organischen Lebens und der Meteorologie hat er bis zum letzten Augenblick seines Lebens nicht verloren. Nichts beweist seine überragenden Fähigkeiten besser als die Begeisterung, mit der er die Nachricht von einer bedeutenden Entdeckung empfing. Seit 1760 hatte er kein chemisches Laboratorium gesehen; doch dank der eifrigen Lektüre der Werke von Lavoisier, Guyton-Morveau und Fourcroy hatte er genaueste Kenntnis vom Stand der modernen Chemie. – Mutis nahm mit großer Güte junge Menschen auf, die Neigung für die Forschung zeigten; er stellte ihnen Bücher und Instrumente zur Verfügung und ließ mehrere von ihnen auf seine Kosten reisen. Nachdem wir von seiner Großzügigkeit und seinen täglichen Opfern für die Wissenschaften gesprochen haben, brauchen wir seine Uneigennützigkeit nicht mehr hervorzuheben. Er genoß lange Zeit das Vertrauen der Vizekönige, die in jenen Gegenden fast unbeschränkte Macht ausübten; aber sein Ansehen hat er nur zum Nutzen der Wissenschaft eingesetzt, um Verdienste bekannt zu machen, die sonst im Verborgenen geblieben wären, und um mutig für Benachteiligte einzutreten. Er strebte nach keinem anderen Erfolg als dem Sieg von Wahrheit und Gerechtigkeit. Mit Eifer, ja, man möchte sagen, mit strenger Inbrunst erfüllte er die Pflichten, die ihm der Stand, in den er eingetreten war, auferlegte; aber seine Frömmigkeit suchte nie den eitlen äußerlichen Glanz. Sie war sanft, wie sie es stets ist, wenn sie mit einem empfindsamen Herzen und einem edlen Charakter verbunden ist. H–DT.
Mutis (Don Josef-Celestino)