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| Gregor der Grosse († 604) - Vier Bücher Dialoge (Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum)

Zweites Buch
IV. Kapitel: Von der Bestrafung eines herumstreunenden Mönches
In einem der Klöster, die er ringsum errichtet hatte, lebte ein Mönch, der es beim Gebet nicht aushalten konnte; sobald die Brüder sich zum Gebete niederneigten, ging er hinaus und beschäftigte sich unsteten Sinnes mit irdischen und nichtigen Dingen. Nach oftmaligen Verwarnungen durch seinen Abt wurde er zu dem Manne Gottes geführt, der seine Torheit ebenfalls strenge tadelte; aber er hielt sich nach seiner Rückkehr kaum zwei Tage lang an die Ermahnung des Mannes Gottes. Denn am dritten Tage verfiel er wieder in seine Eigenheit und fing wieder an, während des Gebetes umherzuschweifen. Als das dem Diener Gottes von dem Klosterabt berichtet wurde, ließ er ihm sagen: „Ich will kommen und selber ihn bessern.” Als nun der Mann Gottes in das Kloster gekommen war und die Brüder zur bestimmten Stunde nach Vollendung der Psalmodie [S. 61] sich ins Gebet begeben hatten, sah er, wie ein kleiner, schwarzer Knabe jenen Mönch, der es beim Gebet nicht aushalten konnte, am Saume seines Gewandes hinauszog. Hierauf sprach er heimlich zu dem Klosterabt, der Pompejanus hieß, und zu Maurus, dem Diener Gottes: „Seht ihr es nicht, wer jenen Mönch hinauszieht?” Sie antworteten: „Nein.” Er sprach zu ihnen: „Wir wollen beten, daß auch ihr sehet, wem der Mönch folgt”; und nachdem sie zwei Tage lang gebetet hatten, sah es der Mönch Maurus; Pompejanus aber, der Abt des Klosters, konnte es nicht sehen. Als nun an einem andern Tage der Mann Gottes nach Schluß des Gebetes zum Oratorium hinausging, sah er den Mönch draußen stehen und schlug ihn ob der Blindheit seines Herzens mit einer Rute; und von jenem Tage an hatte er keine Einflüsterung mehr von dem schwarzen Knaben zu erdulden, er verhielt sich vielmehr unbeweglich während der Übung des Gebetes, und der Urfeind wagte nicht mehr, über seine Gedanken zu herrschen, gerade als ob er selbst geschlagen worden wäre.