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Nährstoffversorgung in der Schweiz
Über gesunde Ernährung wird viel geschrieben. Doch wie gut sind Menschen in der Schweiz tatsächlich mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt? Christine Zuberbühler, Ernährungswissenschaftlerin, nimmt Stellung.
Frau Zuberbühler, Sie haben die Daten der Nationalen Ernährungserhebung menuCH analysiert. Mit welchen Vitaminen und Mineralstoffen ist die Schweizer Bevölkerung ausreichend versorgt?
Christine Zuberbühler: Die Zufuhr der Vitamine Thiamin, Riboflavin, Niacin, Vitamin A, B6, B12, C und E sowie der Mineralstoffe Natrium, Chlorid und Phosphor scheint für den grössten Teil der Schweizer Bevölkerung ausreichend zu sein.
Wo besteht eine Unterversorgung?
In der Schweiz könnten vor allem ältere Menschen – und insbesondere die Frauen aus dem Tessin – knapp bis ungenügend mit Mikronährstoffen versorgt sein. Die Zufuhr von Vitamin D, Folat, Pantothensäure, Kalium, Calcium, Jod sowie Eisen bei Frauen liegt unter der Empfehlung. Knapp in der Zufuhr ist zudem Magnesium.
Die anhand der menuCH-Daten berechnete Mikronährstoffzufuhr basiert auf dem Verzehr von Lebensmitteln. Die Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln konnte nicht eingerechnet werden. Das führt dazu, dass die Mikronährstoffzufuhr anhand dieser Daten unterschätzt wird. Um sich ein Bild des tatsächlichen Versorgungsstatus machen zu können, bräuchte es Analysen des Mikronährstoffgehalts im Blut oder Urin. Solche Untersuchungen sind jedoch auf Bevölkerungsebene nicht realisierbar.
Gibt es Unterschiede bei der Versorgung zwischen den Geschlechtern?
Ja. Männer sind gemäss den menuCH-Daten mit den meisten Vitaminen, insbesondere mit Vitamin B12, deutlich besser versorgt als Frauen. Männer essen insgesamt mehr als Frauen. Lediglich bei Vitamin C weisen Frauen eine höhere Zufuhr auf als Männer, wahrscheinlich, weil Frauen mehr Früchte und Gemüse essen.
Bei den Mineralstoffen liegen die grössten Unterschiede bei Eisen und Zink. Die Eisenzufuhr liegt bei den Frauen durchschnittlich dreissig Prozent unter der empfohlenen täglichen Zufuhr, wohingegen die Männer infolge des höheren Fleischkonsums gut mit Eisen versorgt sind.
Ähnlich wie es sich bei den Frauen bezüglich Eisen verhält, scheint es bei den Männern hinsichtlich von Zink zu sein. In keiner der Altersgruppen erreichen die Männer die empfohlene Zinkzufuhr, sie liegt durchschnittlich zwölf Prozent darunter. Frauen scheinen gut mit Zink versorgt zu sein. Das könnte daran liegen, dass Frauen möglicherweise mehr Vollkornprodukte konsumieren.
Haben Sie Unterschiede zwischen den drei Sprachregionen festgestellt?
Ja, insbesondere für Vitamin B12, Eisen und Calcium. Die Männer aus der Romandie und dem Tessin nehmen gemäss menuCH mehr als doppelt so viel Vitamin B12 über die Ernährung auf, als dies von den Gesellschaften für Ernährung in der Schweiz, Deutschland und Österreich D-A-CH empfohlen wird. Hingegen erreichen die Deutschschweizer Frauen als einzige Gruppe die Empfehlung für die Aufnahme von Vitamin B12 nicht. Die Tessiner Frauen weisen die tiefste Eisenzufuhr auf und die Frauen aus der Romandie scheinen mit Calcium am schlechtesten versorgt zu sein.
Welche Bevölkerungsgruppe ist tendenziell am stärksten von einer Unterversorgung mit Mikronährstoffen betroffen?
Ältere Frauen ab 65 Jahren sind im Vergleich zu den jüngeren Altersgruppen tendenziell am ehesten ungenügend mit Mikronährstoffen versorgt. Eine Ausnahme bilden die Vitamine A, C und D.
Immer mehr junge Frauen ernähren sich vegetarisch oder vegan. Welche Folgen hat dieser Trend?
Dieser Trend betrifft nicht nur junge Frauen, sondern allgemein junge Leute aus städtischen Gebieten. Nach heutigen Erkenntnissen birgt eine ausgewogene vegetarische Ernährung kein erhöhtes Risiko für eine Mikronährstoffunterversorgung. Zur veganen Ernährung lassen die menuCH-Daten leider keine gesicherte Aussage zu, da sich zu wenige der Studienteilnehmenden vegan ernährten. Grundsätzlich kann aber davon ausgegangen werden, dass auch bei einer veganen Ernährungsweise genügend Mikronährstoffe zugeführt werden können, um ein gesundes Leben zu führen, wenn Betroffene über die entsprechenden Kenntnisse verfügen.
Wie gut hält sich die Bevölkerung in der Schweiz an die Empfehlungen der Lebensmittelpyramide?
Eine entsprechende Auswertung der ersten nationalen Ernährungserhebung menuCH zeigt auf, dass sich die Bevölkerung in der Schweiz nicht besonders gut an die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung hält. Einerseits essen die Menschen zu viel Fleisch und tierische Fette. Auch der Konsum von Süssigkeiten, salzigen Snacks und Alkohol ist viel zu hoch. Andererseits liegt der Verzehr von Früchten und Gemüse, Getreideprodukten und Kartoffeln, Milch, Joghurt und Käse sowie von Pflanzenölen unter den Empfehlungen
Dieser Artikel erschien in einer Ausgabe der astreaAPOTHEKE und wurde für die Website angepasst. Die vollständige Ausgabe der astreaAPOTHEKE ist jeweils in der Apotheke erhältlich und erscheint zehnmal im Jahr.