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Der
Marathon Corgi

Teil I - Teil II
Andrew Bushnell, Schweiz
Ein Welsh Corgi in den Schweizer Alpen
«Corgis werden nicht schnell müde.
Sie eignen sich für Stadt oder Land und können einem Pferd meilenweit über jede Art von Terrain folgen.»
Charles Lister-Kaye: «The Welsh Corgi».
Wie kann ein kurzbeiniger, kräftig gebauter Hund, der im Gegensatz zu vielen anderen Rassen weniger auf Schnelligkeit gezüchtet wurde, einen Marathon laufen, die zweifache Höhe von Wales' höchstem Berg, Snowdon, erklimmen, in der Hälfte der üblichen Laufzeit ins Ziel kommen und nachher keinerlei Anzeichen von Müdigkeit zeigen?
CH & Int. Ch. Cardwyn Gwylon, alias Bryn
Den Freunden der Rasse wird der folgende Bericht gefallen, denn er zeigt, dass der Corgi immer noch das Tempo und die Ausdauer besitzt, um einen Durchschnittsathleten über jede Distanz zu schlagen.
Dieser Bergmarathon findet in den Schweizer Alpen statt mit Aussicht auf das Matterhorn und vier andere 4000 m Berge, die dem Lauf den Namen geben - Lauf der fünf Viertausender. Es ist wohl der berühmteste unter mehreren Dutzend ähnlicher Läufe, welche für das Europa-Championat der Bergläufe angerechnet werden.
Von Sierre am Ufer der Rhone, 100 km flussaufwärts vom Genfersee, erklimmen die Läufer 2000 m und legen eine Strecke von 31 km unwegsamer Bergwege zurück, bis sie in Zinal, dem letzten Dorf in einem engen Seitental halbwegs zur italienischen Grenze, ins Ziel laufen. Das entspricht, was Zeit und Anstrengung betrifft, einigem mehr als dem üblichen Marathonlauf.
Neben der dünnen Luft und der intensiven Sonnenstrahlung gibt es für einen Corgi besondere Schwierigkeiten: Geröllhalden mit scharfen Steinen, die rutschen, wenn man drauf tritt. Auf mehreren Kilometern des Wegs liegen Steinblöcke, welche der Corgi mit seinen kurzen Beinen überwinden muss. Selbst im Sommer kann das Wetter rasch in Nebel oder Schnee umschlagen, dann wird der Weg glitschig und es wird gefährlich, wenn man im Eiltempo läuft, denn an den meisten Stellen ist der Weg einspurig und führt entlang steil abfallender Berghänge.
Die 3'500 Teilnehmer stammen meistenteils aus der Schweiz und ihren Nachbarländern, plus einigen eingeladenen Champions aus Amerika und Grossbritannien. Unter der grossen anonymen Schar, die sich in den hinteren Reihen abmüht, befinden sich auch manche Briten.
Der Verfasser dieser Zeilen, ein Veteran unter der anonymen Schar, hat den grossen Vorteil, dass er nur 5 Minuten Autofahrt vom Startort entfernt wohnt. So kommt es, dass man Bryn, einen brindle Cardigan Corgi, und seinen Meister oft beim Training beobachten kann, wie sie den steilen, steinigen Weg, der im Zickzack zwischen Felsen und Bäumen den Berg hinauf führt, auf und ab laufen.
Ein schwindelfreier Hund
Als Bryn ein schnell wachsender Welpe war, konnte er nur kurze Distanzen laufen und bis im Alter von 6 Monaten wurde er schnell müde. Danach begleitete er mich auf allen Trainingsläufen, und ich habe seither nie mehr erlebt, dass er erschöpft war. Mit 8 Monaten rannte Bryn die ersten steilen 1500 m des Sierre-Zinal Marathons voraus, wobei die Steigung fast überall 1:4 beträgt. Es war der heisseste Nachmittag des Jahres, aber Bryn zeigte keine Anzeichen von Müdigkeit während oder nach dem Lauf. Um seine und meine Gelenke zu schonen, kehrten wir mit dem Bus zurück.
Paradoxerweise trugen meine Frau und ich Bryn immer noch jeden Tag die Treppe hinunter bis er 12 Monate alt war, indem wir dem Rat der Züchterin folgten, weil Aufprall und starke Belastung für Gelenke im Wachstumsalter sehr schädlich sind. Dagegen ist Langstreckentraining relativ harmlos, vorausgesetzt es wird regelmässig durchgeführt und die Kondition wird langsam aufgebaut.
Um Bryns Pfoten an die steinigen Wege zu gewöhnen, trainierten wir auf den glatten, runden Kieselsteinen am Ufer der Rhone. Damit Bryn beim Überqueren von Geröllhalden, die unter den Füssen wegrutschen, keine Angst haben sollte, übten wir uns auf den unstabilen Haufen von Kies, welches dem Fluss entnommen wird, indem wir hinauf- und hinunterrannten. Bryn fand bald Gefallen daran und schwamm beinahe im fliessenden Sand. Als er aber anfing, von hohen Kieshaufen zu mir zu rennen, wobei er den Haufen wie eine Lawine mit sich riss, war es Zeit, die Übung abzubrechen, bevor sein steigendes Selbstvertrauen das meine zu unterminieren begann.
Wanderer folgen gerne den alten Bewässerungskanälen, welche das Schmelzwasser der Gletscher entlang teilweise senkrechter Klippen zu den trockenen Feldern weiter unten führen. Als ich einem dieser Kanäle zur nächsten Schlucht folgte, bückte ich mich unter einem überhängenden Felsen und war gezwungen, in die Tiefe zu schauen. Zum Glück führte der Kanal kein Wasser, sodass ich mich darin fortbewegen konnte. Ich ging davon aus, dass Bryn wie ich an Schwindel leidet, aber er trottete munter auf dem weniger als 60 cm breiten Wall des Kanals, der gleichzeitig als Damm und Fussweg dient.
Sollte ich es wagen, ihn zurückzurufen? ... Es war kaum genügend Platz zum Umkehren vorhanden… Ich hielt den Atem an und schwieg bis er eine etwas breitere Stelle erreichte und von selbst zurück kam.
Einige Wochen später sah ich mit Erstaunen, wie Bryn auf der 10 cm breiten Kante eines mit Wasser gefüllten Steintrogs balancierte und auf einer Fläche von nur 20 cm kehrtmachte. Es war ein etwas unsicheres Manöver, aber diesmal wenigstens auf ungefährlicher Höhe.
Fortsetzung Teil II
Aus CWCA Newsletter August 1990
Übersetzung: ANo mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Siehe auch: Bryns Wassertaufe