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«Wo es zu viele junge Männer gibt, wird getötet.» Das ist das Fazit des Bremer Soziologen und Völkermordforschers Gunnar Heinsohn. Wie er kürzlich wieder in der NZZ ausführte, gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Anteil junger Männer an der Gesamtbevölkerung und gesellschaftlicher Gewaltbereitschaft. Heinsohn hat «einen einfachen Kriegsindex» entwickelt, der die Anzahl junger Männer zwischen 15 und 19 in Relation setzt zur Zahl jener zwischen 55 und 59 Jahren. In geburtenstarken Zeiten gibt es mehr junge Männer, und es kracht.
Weil die Bevölkerung im 19. Jahrhundert stark gewachsen war und es – so Heinsohn – 1914 «längst nicht genügend frei werdende Positionen gibt, suchen die vielen jungen Männer einen Ausweg in Heroismus durch Heldentod oder Sieg». 1918 war dieser Überschuss zwangsläufig tot, aber schon 1939 gabs offenbar wieder genügend abenteuerlustige Jünglinge, um innerhalb von sechs Jahren weltweit über siebzig Millionen Menschen zu metzeln – inklusive Frauen.
Kürzlich äusserte der Forscher, die nach 1945 geborenen Knaben hätten ihr Heldentum in der 68er-Revolte ausgelebt. Da bin ich ja froh, dass sie sich gerade noch verkneifen konnten, den Dritten Weltkrieg anzuzetteln. So betrachtet erscheint die Massnahme des Königs Herodes, alle männlichen Kleinkinder ermorden zu lassen, direkt als Akt der Friedensstiftung.
Für alle, denen diese Geschichtsdeutung zu testikelgesteuert ist, gibts übrigens auch gute Bücher, zum Beispiel «Das andere Achtundsechzig», München 2018, von Christina von Hodenberg. Und dieser Name ist nun wirklich nur ein dummer Zufall.