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„Gunny“ Ermey verkörpert für Pazifisten und Bellizisten gleichermassen den Prototypen des menschenverachtenden und urkomischen Drill Sergeants des U.S. Marine Corps in „Full Metal Jacket“. Aber auch seine Rollen in „Mississippi Burning“ oder „The Texas Chainsaw Massacre“ bleiben unvergessen. Gestern ist R. Lee Ermey an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben.
Wenn man einen strammen Militärburschen, einen „Redneck“ oder einen verbitterten Menschen brauchte, war der Schauspieler und Ex-Marine Ronald Lee Ermey der erste Mann. Der ehemalige Vietnamkriegssoldat und Staff Sergant a.D. sollte nach seiner militärischen Laufbahn, welche von 1961 – 1971 ging lediglich als Berater für Francis Ford Coppola „Apocalypse Now“ dienen. Nach dieser Rolle studierte er Theaterwissenschaften und so langsam nahm seine Zweitkarriere Fahrt auf. So sollte er 1987 urspünglich dem zunächst für die Rolle des Gunnery Sergeant Hartman vorgesehenen Schauspieler Tim Colceri die richtige Verhaltens- und Ausdrucksweise eines Grundausbilders im US Marine Corps beibringen. Hierfür hatte Ermey dem Regisseur ein 150 Seiten starkes Notizbüchlein mit gesammelten Beschimpfungs- und Erniedrigungsvokabeln aus seiner aktiven Militärzeit übergeben. Doch dann sah Stanley Kubrick eine 15-minütige Filmaufnahme von Ermey, in der er ohne Unterbrechungen oder Wiederholungen Filmrekruten beschimpfte, obwohl er in der Zeit mit Orangen und Tennisbällen beworfen wurde. Kubrick war von Ermeys realistischer Darstellungsweise des Drill-Instructors derart beeindruckt, dass er ihm die Rolle gab. Selten wurde ein Militärausbilder oder allgemein ein Militärmensch so grandios in einen Film dargestellt. Ermey schaffte keine Figur, er war sie. Die Rolle brachte Ermey eine Golden-Globe-Nominierung ein.
Danach spielte er in vielen guten Filmen mit, wie „Mississippi Burning“, „Body Snatchers“, „Sieben“, „The Salton Sea“ oder „The Texas Chainsaw Massacre“ um nur einige zu nennen. Man mag ja von Tobe Hoopers Remake halten, was man will, aber Sheriff Hoyt wurde von Gunny grossartig bösartig verkörpert. Auch im Fernsehen war er zu sehen, so z.B. in „Akte X“, „Geschichten aus der Gruft“ oder „Dr. House“. Bei 125 Film- und Fernsehauftritten war er einer der meistbeschäftigsten Schauspieler. Der Höhepunkt seines Schaffens bildete m.E. jedoch nicht „Full Metal Jacket“, sondern die Doku-Serie „Lock’n’Load“, deren Staffeln allesamt auf Youtube zu finden sind. Mit der Begeisterung eines Zwölfjährigen testet er dort Feuerwaffen verschiedensten Kalibers, schiesst Melonen und Truthähne in Fetzen und freut sich dabei den Arsch ab. Wer wünscht sich nicht so einen schiessgeilen Opa? Einen besseren Vorstand hätte sich die NRA gar nicht wünschen können. Ermey spielt stets so, als ob ein Vulkan kurz vorm Explodieren steht. Und er verkörpert den Ur-Ami wie man ihn sich vorstellt. Der Ex-Marine hat mit seiner Darstellung des Drill Sergeant Hardman wahrhaft Filmgeschichte geschrieben und er wird für mich unvergessen bleiben als Sheriff Hoyt. Semper Fi, Gunny. Godspeed.