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Als die Beatles-Alben 1987 erstmals auf dem neuen Format der Compact Disc veröffentlicht wurden, war das die Gelegenheit, den Katalog zu vereinheitlichen und die englische Diskografie zur einzig offiziellen zu erklären. Mit der Ausnahme des US-Albums «Magical Mystery Tour», auf dessen ersten Seite die Songs aus dem Film und auf der zweiten Seite alle Songs von 1967 sind, die nicht auf dem «Sgt. Pepper»-Album erschienen waren, wurden die ungeliebten amerikanischen Stiefkinder, die zwischen 1964 und 1970 von Captiol Records für den US-Markt zusammengestellten Alben, aus dem Handel genommen.
Ebenfalls nicht neu aufgelegt wurden die britische Doppel EP «Magical Mystery Tour» und die beiden Kompilationsalben «1962-1966» und «1967-1970», dafür wurde 1988 Album «Past Masters» veröffentlicht, das alle Songs enthält, die nur auf Singles und EPs erschienen sind. Darunter sind Klassiker wie «She Loves You», «Hey Jude» oder «Lady Madonna». «Past Masters» wurde mit dem Einverständnis der noch lebenden Beatles und John Lennons Witwe Yoko Ono herausgegeben und bezieht sich auf den englischen Katalog, Die eigens für die USA angefertigten Remixe hingegen wurden ausser acht gelassen. Da «1962-1966» und «1967-1970» sich aber bereits in den 80er-Jahren als ideale Einstiegsalben in die Musik der Beatles etabliert hatten, wurden sie 1993, im Unterschied zu den Originalalben 1973, mit dem Segen der Beatles, mit der Erstveröffentlichung in den Katalog aufgenommen.
von Nordamerika in die Welt
Trotz der Katalog-Bereinigung gerieten die US Alben nicht in Vergessenheit. In den USA waren zwischen 1964 und 1987 mehrere Jugendgenerationen mit den Capitol-Alben aufgewachsen. Und mit einem Mal wurde Millionen von Amerikanern gesagt, dass ihre Erinnerungen, wie sie die Beatles kennengelernt hatten, falsch seien, dass sich in Tat und Wahrheit alles ganz anders abgespielt hatte, als sie sie es selber erlebt hatten. Männiglich fragte sich: «Was soll denn das?» Die Capitol-Alben waren hauptsächlich in den USA vertrieben worden. Zum Teil auch in Kanada, wenn man dort nicht auf die europäischen Versionen zurückgriff. Einzelne Alben, wie «Something New» (1964), «Magical Mystery Tour» und «Hey Jude» (1970) wurden auch in Deutschland oder Japan veröffentlicht. Da ab 1987 weltweit sowohl auf CD als auch auf Langspielplatte nur noch die ursprünglichen englischen Originalalben vertrieben wurden, entstanden ab Ende der 80er-Jahre CD illegale Raubkopien der US-Alben, an denen weder die Beatles noch ihre Plattenfirma verdienten.
Dass die US-Alben weder von den Beatles, ihrem Verlag Apple noch von ihrer englischen Plattenfirma EMI Parlophone geschätzt wurden, liegt nicht nur daran, dass sie kürzere Laufzeiten hatten als die englischen: 11 Songs anstatt 14, und das die Songs zum Teil von verschiedenen englischen Veröffentlichungen zusammengewürfelt worden waren. Die Hassliebe lag auch an der amerikanischen Arroganz: Capitol erhielt die ersten Kopien von den Masterbändern, die EMI in England verwahrte. Doch anstatt die von George Martin hergestellten und von den Beatles freigegebene Produktion tel quel zu übernehmen, mischte Capitol ungefragt die Songs neu ab und passte sie den damals populären amerikanischen Hörgewohnheiten mit mehr Lautstärke, geringerem Bass und mehr Hall in den Stimmen an. Erst 1967, als Beatles-Manager Brian Epstein einen neuen Vertrag mit Capitol aushandelte, wurden auch in den USA, von «Sgt. Pepper» an, die von den Beatles freigegebenen Originalaufnahmen verwendet.
Das sorgfältig produzierte Box Set mit den 13 Alben und dem Begleitbuch.
Da es aber eine konstante Nachfrage nach den aus dem Verkehr gezogenen US-Alben gab, entschloss sich Capitol 2004 in einem Box Set die ersten vier und 2006 in einem zweiten Box Set die nächsten vier US-Alben als CD-Replikate der Schallplatten im Original-Artwork und mit den US-Abmischungen zu veröffentlichen. Auf allen CDs fand sich zunächst die Mono Abmischung und dann der Stereo Mix des Albums. Diese Versionen unterschieden sich einerseits untereinander oder dann von den englischen Originalen: So hat die amerikanische Mono Version von «I’ll Cry Instead» eine dritte Strophe und der Song dauert 20 Sekunden länger als die UK Version. Bei der Stereo Version von «I’m Looking Through You» ist der Fehlstart dabei, der im Mono Mix und im englischen Original rausgeschnitten worden war. Auf «Beatles ’65» wurde bei «I Feel Fine» und «She’s A Woman» bei den Capitol-Versionen Hall auf die Stimmen gelegt und bei «Thank You Girl» mischte Capitol John Lennons Mundharmonika beim Solo und am Ende des Songs in den Vordergrund. Die Harmonika war im englischen Original stumm gemischt worden.
das 2014er-Box Set
Die Wiederveröffentlichung folgt dem gleichen Prinzip, dass zunächst die Mono Version und dann der Stereo Mix zu hören ist. Die CDs sind Mini-Ausgaben der Alben, sogar die Innenhülle mit den Werbeaufdrucken aus den 1960er-Jahren wurde repliziert. Für die Musik wurden nicht mehr die Submaster von Capitol benutzt, sondern die Remaster von 2009, die in den Abbey Road Studios hergestellt wurden. So war Jeff Jones der ausführende Produzent des Box Sets, die Musik war von Paul Hicks, Sean Magee, Guy Massey, Sam Oakell, Steve Rooke und Greg Calbi remastered. Calbi stellte die Masterbänder für «The US Albums» 2013 im New Yorker Sterling Studio zusammen.
Um die Alben möglichst authentisch klingen zu lassen, wurden die Capitol-Abmischungen rekonstruiert. Die Duophonic Stereo Abmischungen (Fake Stereo) und die US-Mono Abmischungen wurden durch die 2009er Stereo- und Monomixe ersetzt. Alle die oben beschriebenen Unterschiede, die auf den beiden Capitol Box Sets von 2004 und 2006 beibehalten wurden, hat das Produktionsteam von «The U.S. Albums» glücklicherweise übernommen.
Neue Remixe für «The U.S. Albums»
The Beatles' Second Album
Long Tall Sally (Mono)
I Call Your Name (Mono)
A Hard Day's Night Soundtrack
I'll Cry Instead (Mono) («Something New» 2014er-Mix)
And I Love Her (Mono) («Something New» 2014er-Mix)
I'll Cry Instead (Mono) (keine Stereo-Abmischung)
Something New
I'll Cry Instead (Mono)
Any Time at All (Mono)
When I Get Home (Mono)
And I Love Her (Mono)
Beatles ’65
I'll Be Back (Mono)
She's a Woman (Mono)
I Feel Fine (Mono)
Rubber Soul
Michelle (Mono)
The Word (Stereo)
I'm Looking Through You (Stereo)
Yesterday and Today
I'm Only Sleeping (Mono)
Doctor Robert (Mono)
And Your Bird Can Sing (Mono)
We Can Work It Out (Stereo)
Day Tripper (Stereo)
In der Box nicht enthalten ist «Introducing… The Beatles» von Vee Jay Records von 1964. Nachdem Capitol ursprünglich das Angebot ausschlug, die US-Vertriebsrechte der Beatles zu übernehmen, schloss die Band einen Vertrag mit Vee Jay Records ab. Im Dezember 1963 konnte Brian Epstein doch noch einen Vertrag mit Capitol über zukünftige Beatles-Alben unterzeichnen. Im Januar erschien das Album «Introducing… The Beatles», das auf dem englischen «Please Please Me» basierte. Capitol ging gegen die kleinen Vee Jay Records juristisch vor. Vee Jay erhielt das Recht, bis im Oktober 1964 Beatles-Platten zu veröffentlichen. Im März 1965 veröffentlichte Capitol das im Box Set enthaltene Album «The Early Beatles» als Ersatz. Jedoch hatte das Album nur noch 11 Songs. Da 1987 «Magical Mystery Tour» in den Hauptkatalog der Beatles übernommen wurde und mit den 2009er Remaster veröffentlicht wurde, wurde es für «The U.S. Albums» nicht berücksichtig. Würde aber der Vollständigkeit halber hineingehören.
Rezeption und Wirkung
Obwohl die US Alben nicht auf der Webseite der Beatles zu finden sind (Stand 2021), wurde das Box Set von Kritikern und Fans begrüsst. Das Musikmagazin Mojo gab vier von fünf Sternen. Ebenso viele gab es von allmusic.com, wo Steven Thomas Erlewine schreibt, dass es kaum zu bestreiten ist, dass die 2009er-Abmischungen die klanglich besten Beatles-Aufnahmen seien. Und das Boxset würde nicht nur gut klingen, sondern auch noch gut aussehen. Jeff Slate von Guitar World vermisst den Hall der Orginal-Aufnahmen, findet das Set aber fantastisch. Und der amerikanische Blogger Mean Mister Mayo stellt fest, dass die wichtigsten Eigenheiten der US-Mixe übernommen wurden.
Die höchste Chartplatzierung erreichte das Boxset «The U.S. Albums» in Deutschland mit dem 29. Platz. In den US-Charts reichte es für Rang 48, in Spanien für Rang 82. In Holland gab es Rang 90, in Wallonien Rang 92, in Flandern den 162. Platz. In der Schweiz erreichte «The U.S. Albums» Platz 99. In Grossbritannien konnte sich – wen wundert’s, das Boxset nicht in den Charts klassieren.
Hinweis:
Für Besprechungen der einzelnen Capitol Alben, siehe Werkschau.
Foto aus dem Begleitbuch zu den «U.S. Albums», das die Beatles bei ihrem ersten USA Besuch in Washington DC zeigt. George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und Ringo Starr frösteln im Februar 1964.
Foto: Apple Corps. Ltd

Inhalt
Box Set:
Meet The Beatles
The Beatles’ Second Album
A Hard Day’s Night OST *
Something New
The Beatles’ Story *
Beatles ’65
The Early Beatles
Beatles VI
Help! OST
Rubber Soul US Version
Yesterday And Today *
Revolver US Version *
Hey Jude *
* CD Erstveröffentlichung
Promotion 2014:
Key Visual zum Andenken des 50-Jahr-Jubiläums, dass die Beatles erstmals in den USA landeten.