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Die riffbauenden Steinkorallen fordern eine Wassertemperatur von mehr als 19°, Abwesenheit von Verunreinigungen
wie Sand, Schlamm etc. und hinreichende Nahrung. Sie sind deshalb beschränkt auf die tropischen und subtropischen Meere und
auf seichtes Wasser; tiefer als 50 m unter dem Meeresspiegel gedeihen keine Riffkorallen. Sie fehlen an
Flußmündungen und an solchen Stellen, wo der WindSand ins Meer weht. Sie sind abhängig von Strömungen, welche ihnen Nahrung
zuführen.
Man findet Riffkorallen an den tropischen Ostküsten, die von warmen, an Tieren reichen Strömungen bespült werden, während
sie an den Westküsten mit kalten Strömungen und mit schneller Temperaturabnahme nach der Tiefe hin
fehlen. Siedeln sich Riffkorallen an einer günstig gelegenen, bisher noch unbesetzten Küste an, so wird sich bald der submarine
Abhang von der Ebbegrenze bis hinab zu einer Tiefe von 50 m mit Korallen
[* 3] bedecken. Die Breite
[* 4] des Korallengürtels, welcher
in dieser Weise zu stande kommt, hängt von der Steilheit des submarinen Abhanges ab, den er bedeckt.
Ist der Neigungswinkel α, so beträgt die Breite des Korallengürtels 50/(tg α) m. Innerhalb dieser Korallenzone wachsen
die Korallen, fußend auf den Skeletten ihrer Ahnen, senkrecht empor bis zur Ebbegrenze und erreichen dieselbe selbstverständlich
zuerst in der Nähe der Strandlinie. Das ebene Korallenplateau verbreitert sich und sein Rand rückt vor
bis zu der Tiefenlinie von 50 m. In manchen Gegenden, wie im RotenMeere, sind diese Strandriffe viel weniger mächtig, da
die Korallen dort nicht unter 20 m Tiefe zu gedeihen scheinen.
An der steilen, unter Umständen 50 m hohen äußern Wand der Strandriffe wachsen die Korallen, von den
heranflutenden Wogen reichlich ernährt, üppig und schnell weiter. Es entsteht also ein überhängender Teil, der endlich
sich nicht mehr zu tragen vermag, von Stürmen losgerissen wird und in die Tiefe stürzt. So entstehen am Fuße der
äußern
Wand steile Geröllhalden, auf denen sich Korallenbrut ansetzen kann, und wenn die Bodenneigung in der
Umgebung des Riffes eine sanfte ist, so kann sich das letztere sehr weit ausbreiten. Bei schnell zunehmender Tiefe ist der
Zuwachs ein sehr geringer, und bei großen Tiefen wirkt der hier herrschende Reichtum des Meerwassers an
Kohlensäure schnell lösend auf die Korallentrümmer, so daß das Riff über die Tiefenlinie von 1500-2000 m nicht hinauswachsen
kann. Die am äußern Rande lebenden Korallen ersetzen die abgerissenen Teile, das Riff bleibt stationär.
Durch diese Dammbildung am Rande wird den weiter landeinwärts wachsenden Korallen die Nahrung mehr und mehr entzogen, so daß
eine Erhöhung nicht mehr stattfinden kann, daß die Korallen absterben. Sinkt nun das Land und mit ihm der Meeresboden, so
wird der Rand des Strandriffs sich immer an der Meeresoberfläche halten, zwischen ihm und dem Lande aber
entsteht ein Kanal,
[* 7] der Lagunenkanal, der nach außen durch den Rand, das Wallriff (Barrierriff), abgeschlossen wird.
Die Abdachung vom innern Rande des Walles ist eine sehr sanfte, und die Vegetation reicht in der Regel bis hart an den Rand der
Lagune. Tümpel und Sümpfe werden häufig am Ufer der Lagune angetroffen. Am äußern Rande des Walles ist die Vegetation durch
eine sanft geneigte Flache weißen Korallensandes vom Meere getrennt. Ein wenig unter der Ebbegrenze liegendes,
von schmalen Schluchten durchfurchtes Plateau erstreckt sich vom äußern Rande der Insel sanft geneigt mehrere hundert Meter
weit in die offene See hinaus und bricht plötzlich mit steiler Wand ab. Dieser Steilhang ist häufig unregelmäßig und klippig,
stets aber nimmt seine Neigung nach untenhin ab. Auf dem Plateau, besonders gegen den Rand hin sowie an den
obern Teilen des äußern Steilhanges wachsen riffbauende Korallen. In Tiefen von 50 m und mehr findet man Bruchstücke von
Korallen, welche Geröllhalden bilden und schnell miteinander zu hartem Kalkstein oder Dolomit verkittet
werden, in welchem Korallenstruktur oft gar nicht mehr zu erkennen ist. Bei tiefer Ebbe brechen sich die großen Wogen der
offenen See an dem Plateaurande, bei hoher Flut näher dem Strande, stets aber ist das Plateau von heftig bewegtem Wasser überflutet,
welches den Korallen reichlich Nahrung zuführt und üppiges Wachstum begünstigt. Durch weitere positive
Strandverschiebungen wird die Gestalt des Atolls nicht wesentlich verändert; es wächst
¶
mehr
ebenso schnell in die Höhe, wie das Meer ansteigt, und nimmt gleichzeitig an horizontaler Ausdehnung
[* 9] zu. Dies geschieht dort
am schnellsten und stärksten, wo das Meer am reichlichsten Nahrung zuführt, und deshalb wird der der Strömung zugekehrte
Teil des Atolls nach außen fortwachsen, während dies bei dem gegenüberliegenden Teile gar nicht oder
nur in geringem Maße der Fall sein wird.
Bei größern Atollen ist der Ringwall in der Regel durch Kanäle durchbrochen, welche in Tiefen herabreichen können, in denen
riffbildende Korallen niemals gedeihen. Die heftigen Strömungen, welche bei Ebbe und Flut durch die Kanäle gehen, fegen alles
Sediment aus denselben hinweg, halten sie offen, mögen sie auch wohl verbreitern und schließlich
den ganzen Ringwall in einen Kreis
[* 10] isolierter Inseln auflösen. Jede einzelne Insel aber kann bei weiterer gleichsinniger Verschiebung
der Strandlinie zu einem besondern Atoll werden, und so erklären sich die Ringe von Atollen wie der Mahlos-Mahdoo-Atoll, der
Maledivenarchipel u. a.
In den tropischen Gebieten, wo eine positive Verschiebung der Strandlinien stattgefunden zu haben scheint, finden sich viele
Wallriffe und Atolle, die aus größtenteils strukturlosen, mehr oder weniger in Dolomit umgewandeltem Korallenkalk bestehen.
Die betreffenden Strandverschiebungen müssen als lokale, durch begrenzte Versenkungen herbeigeführte betrachtet werden.
Der geologische Bau derKüsten, welche großen Riffgebieten zugekehrt sind, weist in der That auf Versenkungen,
lokale Einstürze der Erdrinde hin. Diesen Senkungsfeldern entragen jetzt mächtige, steile, submarine Kalkgebirge, welche
bis an die Meeresoberfläche heranreichen. Es sind Wallriffe und Atollgruppen, Denksteine versunkener Strandlinien und Berggruppen.
Die Paläontologie lehrt, daß auch in frühern Perioden der Erdgeschichte Korallen existiert haben, welche
allem Anschein nach ein ähnliches Leben führten wie ihre Nachkommen. Es werden also wohl auch in frühern ZeitenKorallenriffe
gebildet worden sein, und man darf annehmen, daß einige derselben infolge der Oscillationen des Meeresspiegels seither trocken
gelegt worden seien. Man wird dann hohe und steile Felsen erblicken, welche sich von dem frühern Meeresgrunde
erheben, kalkig und dolomitisch sind und keine Schichtung oder andre Struktur in ihrem Gefüge erkennen lassen.
Die
großartigsten Korallenriffreste sind die triassischen Dolomitberge von Südtirol. Sie füllen eine Bucht
aus, welche von S. her in die Zentralalpen hineinragt und von dem Bozener Porphyrplateau in eine östliche und eine westliche
Hälfte zerlegt wird. Östlich von dem Plateau erlangen die triasischen Riffe ihre größte Mächtigkeit, und hier liegen auch
die größten Gipfel der Dolomiten. Das ganze Gebirge besteht aus einzelnen Felsmassen, die steil abstürzen
und schmal und klippig oder breiter und mit kleinen Plateaus gekrönt sind.
Der Bruchrand der nordwestlichen, stehengebliebenen Scholle bildete an dieser Stelle den Strand des triassischen Mittelmeers.
[* 17] Auch der Nordgrenze der Dolomiten entlang zieht ein großes Bruch mit stark abgesunkenem Südflügel. Dieses
vom Villnäßthal nach O. verlaufende Bruch bildete ebenfalls einen Teil des triassischen Strandes. Ebenso ist das Drauthal,
welches weiter östlich die Nordgrenze bildet, ein altes Bruch mit abgesunkener Südflanke; die Dolomiten sind im NW. und N.
von Brüchern eingefaßt.
Die nächste Zone bilden die Buchensteiner Schichten, welche ebenfalls in zwei Facies, als geschichtete Knollenkalke und als
sackförmige Kalk- oder Dolomitmasse, auftreten. Der Knollenkalk wurde in tieferm Wasser gebildet als das
Sediment des Muschelkalks. Zu Ende der Buchensteiner Zeit fanden nahe dem Ostufer des als Vorgebirge in die Bucht von Südtirol
hineinragenden Bozener Porphyrplateaus, welches lange vor der Triaszeit entstand, gewaltige submarine Vulkanausbrüche statt,
welche auf weite Strecken hin die Tiefe des Meeres mit vulkanischen Tuffen bedeckten. Nur die stockförmigen
Kalk- und Dolomitmassen der Buchensteiner Zone ragen aus der Tuffdecke hervor, was beweist, daß sie schon zur Zeit der Bildung
der letztern in Gestalt von Stöcken bestanden haben. Über dem Tuff lagern die jüngern Schichten der
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Erstere sind meist Mergel oder Schiefer, deren Versteinerungen auf größere Tiefe deuten als die der Buchensteiner Sedimente,
ja man kann erkennen, daß die Tiefe während ihrer Ablagerung zugenommen hat. Die stockförmigen Kalk- und Dolomitmassen
der Wengener und CassianerZone lassen keine Schichtung erkennen und wechsellagern an ihren Rändern mit dem Sediment. Sie sind
also mit letzterm gleichzeitig entstanden. Da nun die aufeinander folgenden Sedimentlagen in immer tieferm Wasser gebildet
wurden, so müssen auch diese Kalk- und Dolomitstöcke entstanden sein, während das Wasser an Tiefe zunahm,
also während einer Periode positiver Strandverschiebung.