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Es regnete in Strömen, als die Welt am 10. Dezember 2013 im Fussballstadion von Soweto von Nelson Mandela Abschied nahm. Ausserhalb der Fussballarena trauerte ganz Südafrika um die Ikone des Befreiungskampfes. Doch einige nutzten selbst diesen Moment des Abschieds, um sich noch einmal kräftig am Erbe Mandelas zu bereichern.
Rund zwanzig Millionen Franken aus einem staatlichen Fonds für den Bau von Schulen und Spitälern wurden zur Finanzierung des Staatsbegräbnisses umgeleitet. Mit dem Geld kaufte die Regierungspartei Autos, Mützen und T-Shirts.
Von einem Teil der Ausgaben gebe es Rechnungen auf dem Briefpapier der Regierungspartei ANC. Für andere Auslagen gebe es gar keine solchen Dokumente, oder es seien Dienstleistungen in Rechnung gestellt worden, die gar nie erbracht wurden, schreibt die Ombudsfrau in ihrem 300-seitigen Untersuchungsbericht.
Gegenüber der südafrikanischen Zeitung «Mail and Guardian» bezeichnet sie es als äusserst bedenklich, dass ausgerechnet dieses Begräbnis für einen solchen Betrug missbraucht wurde. Der ANC hat nun versprochen, eine Untersuchung einzuleiten.
Der offensichtliche Betrug rund um das Begräbnis von Nelson Mandela ist nicht der erste Skandal, der Südafrikas Öffentlichkeit erschüttert. Der Betrug überrascht deshalb kaum jemanden – eher die Pietätlosigkeit.
Für Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma kommt der Skandal trotzdem zu einem ungünstigen Zeitpunkt. In zehn Tagen wählt der ANC einen neuen Parteivorsitzenden, weil Zuma nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Zuma hat seine Ex-Frau Nkosazana Zuma in Stellung gebracht. Sie soll das Familienunternehmen weiterführen.
Die Reformer im ANC hoffen dagegen auf Zumas Herausforderer, den Unternehmer Cyril Ramaphosa, der als weniger korrupt gilt.
Der ANC verspielt Mandelas Erbe
Unabhängig davon bleibt der altehrwürdigen Befreiungsbewegung – dem «African National Congress» (ANC) – nicht mehr viel Zeit, um das zu retten, was von Mandelas moralischem Erbe noch übrig ist. In knapp zwei Jahren wählt Südafrika ein neues Parlament und damit auch einen neuen Präsidenten.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der ANC dabei die Mehrheit verliert, wächst mit jedem neuen Skandal. Dass es so weit kommen könnte, hat Nelson Mandela offenbar geahnt: «Wenn der ANC nicht liefert», hat er einst notiert, «dann müssen die Südafrikaner mit ihm das gleiche tun, was sie zuvor mit dem Apartheids-Regime getan haben.»