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Umbrien – Italiens grüne Mitte
Umbrien im Herzen Italiens liegt etwas im Schatten seiner Nachbarregionen Toskana, Latium und Marken. Es kann nicht so eindrucksvolle urbane Zentren wie Rom oder Florenz aufweisen, verfügt nicht über so berühmte Weinanbaugebiete wie das Chianti und hat keinen Zugang zum Meer – weder zur Adria noch zum Thyrrenischen Meer. Umbrien ist ein Binnenland, das vor allem von Landwirtschaft geprägt ist, sofern nicht gebirgige Gegenden eine Bewirtschaftung schwierig bis unmöglich machen. Trotzdem besitzt dieses uralte italienische Herzland seinen eigenen Reiz. Und zu sehen gibt es auch genug.
Umbriens Landschaft besteht aus Hügeln, Bergen und Tälern mit vielen Wäldern und Weiden. Die grössten Berge sind im umbrischen Bereich des Apennin zu finden, der ganz Mittelitalien durchzieht. Den höchsten Gipfel besitzt der Monte Vettore, der mit einer Höhe von 2476 Metern schon alpin wirkt. Er liegt an der Grenze zu den Marken im Nationalpark Monti Sibillini, an dem auch die umbrische Provinz Perugia einen Anteil besitzt.
Der Park ist eine wunderbare Naturlandschaft, die Möglichkeiten für Wandern, Trekking, Mountainbiking und vieles mehr bietet. Einer der Flüsse der Region ist der Tiber, der sich hier an seinem Oberlauf noch deutlich lebendiger und ungestümer zeigt als später in Rom.
Zwei Provinzen
Umbrien gliedert sich verwaltungsmässig in zwei ungleiche Teile. Die bevölkerungs- und flächenmässig grössere Einheit ist die Provinz Perugia im Nordosten, die kleinere die Provinz Terni im Südwesten. Beide sind nach ihrer jeweiligen Hauptstadt benannt. Der italische Stamm der Umbrer war der erste, der hier ab etwa 1200 v. Chr. siedelte. Später machte sich etruskischer Einfluss bemerkbar, die Römer folgten, deren Schicksal Umbrien weiterhin teilen sollte.
Perugia – alte Universitätsstadt
Die grösste Stadt Umbriens ist Perugia, eine etruskische Gründung. Ihr Glanzpunkt ist die wunderschöne Altstadt mit verwinkelten Gassen und Treppen, die malerisch auf einem Berg liegt. Zu den historischen Baudenkmälern im Herzen Perugias gehören der Arco Etrusco aus vorchristlicher Zeit, der prächtige Palazzo dei Priori aus der Renaissance sowie sehenswerte Kirchen aus unterschiedlichen Epochen. Heute hat Perugia einen Ruf als Universitätsstadt und bietet daher viel internationales Flair.
Assisi – ein heiliger Ort
Noch bekannter dürfte Assisi sein. Der Geburtsort des Heiligen Franz von Assisi steht ganz im Bann des grossen Reformers und Ordensgründers. Die Basilika San Francesco mit dem Grab des Heiligen gehört wie viele andere franziskanische Pilgerstätten in Assisi zum UNESCO-Weltkulturerbe. In und um die Stadt gibt es zahlreiche weitere hervorragende Sakralbauten, die der religiösen Bedeutung des Ortes geschuldet sind, weniger der Grösse der Stadt. Assisi ist ein Pilgerziel.
Gubbio und Spoleto
Gubbio ist ein besonders ursprüngliches Städtchen an den Hängen des Apennin. Es besitzt noch ein mittelalterliches Zentrum, das seit dem 15. Jahrhundert praktisch nicht mehr verändert wurde. Der Dom, der Palazzo Consili und der Herzogspalast sind die Wahrzeichen des Ortes.
Spoleto ist ebenfalls einen Besuch wert. Hier bilden auch der Dom und der davorliegende Platz das Zentrum. Darum herum verfügt Spoleto über besonders wertvolle alte Kirchen. Gekrönt wird die Stadt von einer mächtigen Festung. Bekannt ist das jährliche „Festival dei due mondi“, ein Musik- und Theater-Event in Spoleto, das auch den Dom und seinen Platz als Kulisse nutzt.
Am Trasimenischen See
Ein besonders beliebtes Ausflugs- und Erholungsgebiet in Umbrien bildet der Trasimenische See. Er liegt an der Grenze der Provinz Perugia zur benachbarten Toskana. In der Antike war er Schauplatz einer Hannibal-Schlacht. Heute ist der See von mehreren Badeorten umgeben. An vielen Stellen sind Baden und Wassersport möglich.
Es gibt ein reiches Angebot an Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätzen. Im See liegen mehrere Inseln, die zum Teil auch angefahren werden können. Der Trasimenische See ist mit einer Fläche von 128 Quadratkilometern das grösste Binnengewässer Mittelitaliens. Er entschädigt Umbrien ein wenig für den fehlenden Zugang zum Meer.
Orvieto
In der Provinz Terni ist vor allem die Stadt Orvieto einen Besuch wert. Sie liegt spektakulär auf einem Felsplateau und ist schon von weither sichtbar. Auch hier es soll es sich um eine etruskische Gründung handeln.
Das Wahrzeichen der Stadt, der Dom, stammt aus dem 13. Jahrhundert. Seine Fassade ist ein faszinierendes filigranes Meisterwerk, im Inneren sind wertvolle Fresken zu sehen. Das Tuffgestein des Felsplateaus ist mit Zisternen, Kellern und Gängen durchzogen, so dass es auch ein unterirdisches Orvieto gibt. Die Umgebung der Stadt gilt als bekanntes Weinanbaugebiet.
Die Provinz Terni bietet mit der Cascata delle Marmore den mit 165 Metern höchsten Wasserfall Italiens. Es handelt sich aber nicht um eine natürliche Erscheinung, sondern um ein menschliches Werk aus der Antike. Das macht den Wasserfall nahe der Provinzhauptstadt Terni aber nicht weniger eindrucksvoll.
Ein Trüffelland
Als Landwirtschaftsregion hat Umbrien auch zahlreiche kulinarische Spezialitäten zu bieten. Es gibt verschiedene Käse, hervorragendes Schweinefleisch und entsprechende Wurstwaren sowie hochwertiges Olivenöl. Umbrien ist Trüffelland, sowohl der weisse als auch der schwarze Trüffel sind hier zu finden und werden für die Gerichte der Region verwendet. Nicht nur deswegen ist Umbrien ist eine Reise wert.
Oberstes Bild: Am Trasimenischen See (© Demeester, Wikimedia, CC)