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Die Strukturen der internationalen Gesundheit – von der Forschung über die Herstellung von Medikamenten und Impfstoffen bis hin zur Gesundheitspolitik – sind immer noch wesentlich durch die koloniale Vergangenheit geprägt und werden ständig neu produziert. Im Bereich Gesundheit tut Dekolonialisierung also not. Ein erster Schritt dazu besteht im kognitiven Erfassen der bestehenden Ungleichheit und Benachteiligung anhand konkreter Beispiele. Die Beiträge zu diesem Heft entstanden im Frühjahr 2022 im Rahmen einer interdisziplinären Lehrveranstaltung am Departement Geschichte der Universität Basel.
Vor beinahe 50 Nummern begann im Juni 2010 die Zusammenarbeit zwischen Zentrum für Afrikastudien und Afrikakomitee mit einem Heft zu «Afrikanische Städte: Entwicklung und Magie».
Seither fokussierten immer wieder einzelne Beiträge auf die Stadt, aber das vorliegende Heft ist das erste, das wieder ganz der Stadt gewidmet ist. Und es schliesst in eleganter Weise an das Heft Nr. 138 an, kommen doch bei der Frage, wie es um das Recht auf die Stadt steht, die gleichen Themen zur Sprache: Wer hat Anrecht, sich in der Stadt niederzulassen, an der städtischen Ökonomie und an der Politik teilzuhaben? Wer hat Anrecht auf die Stadt als kreativen Raum?
Die Hintergründe von kriegerischen Auseinandersetzungen sind immer komplex und werden von den Kontrahenten unterschiedlich erzählt. Das liegt in der Natur der Sache. Dabei ist es nicht unerheblich, wie ein Krieg begann, wer ihn begann und wann er begann. Gemäss dem Narrativ der TPLF (Tigray People’s Liberation Front), das den westlichen Medien ursprünglich als Vorlage diente, begann der Krieg in Äthiopien am 4. November 2020 mit dem Eingreifen der Zentralregierung in Tigray. Dass die dort stationierten Einheiten der äthiopischen Armee bereits in der Nacht vom 3. November in einer konzertierten Aktion von Truppen unter dem Kommando der TPLF überfallen wurden, ignoriert dieses Narrativ. Sich im Wirrwarr von Propaganda und Interessen geleiteter Berichterstattung ein Bild zu verschaffen, war für das Redaktionsteam nicht leicht. Mit dem vorliegenden Bulletin wollen wir einen Beitrag zur Klärung verschiedener Fragen leisten.
Sie spielten eine essentielle Rolle für die Unabhängigkeit afrikanischer Staaten und ziehen über ihr Leben und ihr Land hinaus Menschen in ihren Bann, weil sie für etwas Bestimmtes stehen, das weiterhin Bedeutung hat – das Ringen um die Wiedererlangung der Würde Afrikas, die Zurückweisung von kolonialer Unterjochung, wirtschaftlicher Benachteiligung, struktureller Ungleichheit und Rassismus. Wir gehen der Frage nach, weshalb Figuren wie Amílcar Cabral, Julius Nyerere und Thomas Sankara auch heute noch auf Resonanz stossen und was ihre Besonderheit ausmacht.
Aus Platzgründen waren wir gezwungen, eine Auswahl zu treffen, die etwas willkürlich und wohl auch zeitgebunden ist.
Fussball gehört vielleicht zu den grossen Kulturleistungen der Menschheit, vermag er doch Testosteronschübe und unnötige Territorialkämpfe, die daraus immer wieder zu entstehen scheinen, zu kanalisieren. Dass diese heilsame Erfindung inzwischen auch wirtschaftlich usurpiert wird, mag einigen den Sport vergällen, doch die kommerzielle Verwertung scheint seiner herausragenden Position im gesellschaftlichen Diskurs kaum zu schaden. Fussballnachrichten kommen vielerorts nahe an den Rang der Börsenkurse in den täglichen Meldungen heran. Mit dem Ruhm, den international gefragte Spieler erlangen, droht der Spielcharakter allerdings für die jungen Sportler:innen rasch zweitrangig zu werden: Eine Karriere als Fussballer scheint gerade unter jungen Männern aus Afrika, sei es auf dem Kontinent oder in der Diaspora, vielversprechender als jedes Bildungsprojekt. Das Thema Sport lädt folglich ein, den Blick auf die Sportindustrie zu lenken, und nicht nur das – der Sportbetrieb bietet sich auch als Sinnbild an, um Nord-Süd-Beziehungen zu diskutieren.
Das vorliegende Afrika-Bulletin befasst sich für ein- mal nicht mit Afrika, sondern mit der schweizerischen Entwicklungspolitik. Ausgangspunkte waren die neuen strategischen Instrumente des Bundesrates zur internationalen Zusammenarbeit sowie eine im Nachgang zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI) entstandene Debatte über die Rolle der Nichtregierungsorganisationen „Nr. 183 – Fragen zur schweizerischen Entwicklungspolitik“ weiterlesen
Noch werden Berichte von Naturkatastrophen in Afrika hierzulande meist als Einzelfälle gelesen – selbst wenn nach Idai und Kenneth 2019 dieses Jahr erneut ein verheerender Zyklon über Mozambique fegte und die Siedlungen von 5500 Familien sowie 800 000 Hektar Anpflanzungen zerstört hat. Die fünfjährige Dürre in einer von Südafrikas Regionen und die voranschreitende Desertifikation in der Sahelzone werden als Wiederholungen bekannter Risiken gelesen. War das subsaharische Afrika nicht schon seit jeher ein Kontinent der Katastrophen?
Das vorliegende Bulletin versucht, einen Überblick über die riesigen Herausforderungen zu geben, welche die Klimaveränderung der Forschung, den Regierungen und der Bevölkerung bietet. „Nr. 182 – Klimawandel – Afrika im Auge des Sturms“ weiterlesen
Schon in den 1970er und 1980er Jahren forderten ehemals kolonisierte Länder die Rückgabe von Sammlungsobjekten, doch in den letzten drei Jahren hat diese Diskussion so richtig Fahrt aufgenommen – Zeit, das Thema im Afrika-Bulletin aufzugreifen. Gast-Editor Samuel Bachmann hat spannende Beiträge zusammengestellt, die aus einer praktischen Perspektive die Erfahrungen, Chancen und Herausforderungen von Restitution diskutieren, und führt gleich selber in das Thema ein. Die Rückgabe, das zeigt sich bei allen Beiträgen, ist dringlich. Obwohl in europäischen Museen grosse Afrika Sammlungen lagern (oft grösser als jene in Museen auf dem afrikanischen Kontinent selbst), wird nur mit einem kleinen Teil davon gearbeitet. Nur durch den Zugang von descendant communities zu den Objekten und über Zusammenarbeit in Forschung und Vermittlung können neue Beziehungen entstehen. „Nr. 181 – Restitution – eine Chance für Nord und Süd“ weiterlesen Bei der Planung dieses Heftes gingen wir davon aus, dass Covid-19 die Menschen in Afrika schlimmer treffen würde als die Länder Europas. Diese Annahme ist, soweit wir wissen und zum guten Glück, nicht eingetroffen. Hingegen wird der afrikanische Kontinent, was die wirtschaftlichen Folgen der zur Eindämmung der Infektionen getroffenen Massnahmen und die weltweite Rezession als Folge der Pandemie anbelangt, an erster Stelle stehen. Wir wollten von afrikanischen Gesundheitsexpertinnen und -experten hören, wie sie den Umgang afrikanischer Länder mit Covid-19 einschätzen. Ihre Beiträge zeigen, dass Afrika, das erst mit zeitlicher Verzögerung von der Pandemie betroffen war, die Situation genau verfolgte und die Regierungen sich darauf vorbereiteten. Die Autoren und Autorinnen beklagen jedoch die chronische Unterfinanzierung des Gesundheitswesens aller afrikanischen Länder und auch den mangelhaften Zustand weiterer grundlegender Dienstleistungen, z.B. der sanitären Einrichtungen und der Wasserversorgung. „Nr. 180 – Covid-19: Afrikanische Perspektiven auf die Krise“ weiterlesen
In dieser Ausgabe des Afrika-Bulletins portraitieren wir Frauen, die sich mit ihrem Einsatz für Frieden in ihren von Konflikten versehrten Gesellschaften einen Namen gemacht haben, diskutieren die wachsende Gewalt gegenüber Frauen in Südafrika und die Schwierigkeiten von Frauen in Benin, ihren Einfluss zu wahren, präsentieren aber auch Ideen, wie diesen Traumata und der Entmutigung der Frauen begegnet werden kann. „Nr. 179 – Frauen in Bewegung“ weiterlesen