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Sisi Lang wurde am 1. August 1916 in Reiden als jüngere von zwei Töchtern geboren und wuchs in Uetikon am Zürichsee, auf. Ihr Vater, Robert Jakob Lang, arbeitete als Journalist und Schriftsteller zu Hause und führte bereits zu jener Zeit den Haushalt in der Rolle des Hausmanns, da die Mutter, Friedl Lang-Keck, die nebenbei als Volkstheater-Autorin erfolgreich war, wiederholt unter schweren Depressionen litt und in Kliniken eingewiesen werden musste.
Sisi Lang absolvierte an der Zürcher Kunstgewerbeschule bei Hans Finslers eine Ausbildung als Fotografin und arbeitete danach gegen Kost und Logis in dessen Atelier. 1939 heiratete sie Hans Bolliger, Sohn eines Schreiners, der in der Buchhandlung Oprecht, einem Treffpunkt vieler Emigranten, eine Buchhändlerlehre gemacht hatte und über seine persönliche Fördererin, Carola Guideon-Welker, mit Vertretern der Kunst-Avantgard wie Arp, Max Ernst, Hugo Ball, Claire Goll, Chagall, Chiacometti u.a. in Kontakt kam. In der jungen Ehe führte sie den Haushalt und bewirtete die oft illusteren Gäste des Mannes, wurde aber als Randfigur behandelt und von der Unterhaltung ausgeschlossen. 1943 und 1948 kamen ihre zwei Söhne Peter und Andres zur Welt. 1951 zog der Ehemann, der nach der Buchhandlung in einem Verlag, der Zentralbibliothek und im Kunsthaus gearbeitet hatte, nach Bern, um eine Stelle im Auktionshaus Klippstein und Kornfeld anzutreten, während der Rest der Familie zurückblieb.
Als alleinerziehende Mutter arbeitete Sisi Bolliger für zwei verschiedene Arbeitgeber in Dunkelkammern und half täglich, eine gelähmte Frau in die Badewanne hinein und hinaus zu heben, nähte in einem Innenarchitekturgeschäft Vorhänge, schneiderte und strickte für sich, ihre Buben und für Bekannte Kleider, half stundenweise in einer Boutique und produzierte Halsketten aus gefärbten Bohnen, die dort verkauft wurden. Die Ehe wurde in den frühen Fünfzigerjahren geschieden. Während es frühe, selten datierte Arbeiten gibt, existieren kaum Arbeiten aus den Jahren 1950er bis 1970er-Jahren, in denen sie sich aussschliesslich der Arbeit und den Erziehungsaufgaben widmete. Neben dem Broterwerb – sie arbeitete später bis weit über ihr achzigstes Lebensjahr hinaus – schneiderte und strickte sie sich alle Kleider selber und sie kreierte eigene Schmuckstücke.
Als die erwachsenen Söhne sie verlassen hatten, begann sie sich intensiv gestalterisch zu betätigen, um 1980, zur Zeit als der erste Enkel geboren wurde, entstanden textile Arbeiten. Sie beschäftigte sich mit Mola-Technik und Stickerei und es entstand die mit «Ein glücklicher Sommer» betitelte Arbeit. Danach konzentrierte sie sich auf Farbstiftzeichgnungen. Sie verbrachte Stunden, Tage und Wochen und sie meinte dazu: es packe sie und sie sei immer selbst gespannt, was jeweils entstehe. Wenn sie mit den Zeichnungen nicht ganz zufrieden war, wurden sie von ihr später überarbeitet.
Ihre Arbeiten hat sie nie ausgestellt und nur in der engsten Familie, wo sie diese zu Geburtstagen verschenkte, wusste man, dass sie zeichnete. Sie lebte äusserst bescheiden, eine Lebenskünstlerin mit vorbildlich positiver Lebens-einstellung, stets hellwach, interessiert und neugierig, ging sie mit offenem Auge und Ohr auf Menschen zu, denen sie begegnete. Im Juni 2010 erkrankte sie an einem Infekt und musste hospitalisiert werden. Mit ihrer positiven Haltung und ihrer offenen Art hatte sie sofort einen guten Draht zum Pflegepersonal und sie stellte sich selbstverständlich für das Staatsexamen einer Studentin zur Verfügung. Ein Darmdurchbruch machte eine Operation notwendig, die erfolgreich war, aber ihre Nieren überforderte und sie entschied sich gegen eine Dialyse und für den Abbruch der Behandlung und wurde darauf in ein Einzelzimmer verlegt, wo sie drei Tage später, am 4. Juli 2010, starb.
Beim Sichten und Räumen Ihrer Wohnung fanden sich zahlreiche Zeichnungen. Auf dem Nachttisch lag unter anderem auch Computer-Fachlititeratur. Obwohl sie nie einen Computer benutzt hat, interessierte sie, detailliert zu wissen, wie funktioniert, womit sich ihre Umgebung beschäftigte.