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80 Prozent des in der Schweiz verbrauchten Trinkwassers stammen aus dem Untergrund. Wasserreserven sind reichlich vorhanden, aber zunehmend kontaminiert.
In der Schweiz wird Trinkwasser aus drei verschiedenen Quellen gewonnen. Etwa 40 Prozent stammen aus dem Grundwasser, weitere 40 Prozent aus Quellen und die restlichen 20 Prozent aus Oberflächengewässern, hauptsächlich aus Seen und Flüssen. Das Grundwasser wird durch Regen, Schneeschmelze und Gletscher sowie Sickerwasser gespeist.
Die Reserven in den unterirdischen Hohlräumen sind enorm: 150 Milliarden Kubikmeter, was in etwa dem Volumen aller Schweizer Seen entspricht. Von diesen wird nur etwas mehr als eine Milliarde benötigt, um den Trinkwasserbedarf zu decken.
Nitrate und Pestizidrückstände im Wasser
Theoretisch wäre es möglich, mehr als zehnmal so viel Wasser zu entnehmen, ohne dauerhafte Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel oder die Umwelt, meint Ronald Kozel, Leiter der Abteilung "Hydrologie" beim Bundesamt für Umwelt (Bafu).
Das Problem sei, dass es heute oft nicht mehr möglich sei, neue Wassersammelstellen zu schaffen, insbesondere im Schweizer Mittelland. Die zunehmende Urbanisierung, die intensive Landnutzung durch die Landwirtschaft und die daraus resultierenden Interessenkonflikte schränken die tatsächlich nutzbare Wassermenge zunehmend ein, betont Kozel.
Es ist jedoch nicht der quantitative Aspekt, der das Bafu beunruhigt. "Die Grundwasserreserven sind zunehmend kontaminiert, grösstenteils durch die Landwirtschaft", heisst es in dem gestern vom Bafu veröffentlichten Bericht der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA. Die Qualität des Wassers wird insbesondere durch Nitrate, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Medikamenten und Mikroverunreinigungen aus Industrie, Handwerk und Haushalt beeinträchtigt, schreibt das Bafu.
Ein Drittel des Trinkwassers landet im WC
Trotz potenziell gesundheitsschädigenden Pestizidrückständen wie beispielsweise Chlorthalonil, bleibt die Qualität des Grundwassers in der Schweiz insgesamt ausgezeichnet. Ein Drittel des gesammelten Wassers kann ohne Aufbereitung in das Verteilnetz eingespeist werden.
Im Jahr 2017 wurden 300 Liter Wasser pro Person und Tag geliefert. Trotz des Bevölkerungswachstums nimmt der Trinkwasserverbrauch in der Schweiz seit Mitte der 1980er-Jahre stetig ab. Gründe dafür sind die Verbreitung von wassersparenden Technologien, die Begrenzung von Verlusten im Verteilnetz und die Verlagerung von Produktionsanlagen verschiedener Industriezweige ins Ausland.
Derzeit verbraucht eine Person in der Schweiz durchschnittlich 142 Liter pro Tag im Haushalt. Etwa ein Drittel landet in der Toilettenschüssel.
Initiative für sauberes Trinkwasser
Die vom Verein "Sauberes Wasser für alle" lancierte Volksinitiative "Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz" fordert, dass Bauern nur dann staatliche Subventionen (Direktzahlungen) bekommen, wenn sie auf Pflanzenschutzmittel und Antibiotika zur prophylaktischen Anwendung verzichten. Die erforderlichen 100'000 Unterschriften sind zusammengekommen. Die Initiative wird voraussichtlich 2020 zur Abstimmung kommen.Infobox Ende
(Übertragung aus dem Italienischen: Sibilla Bondolfi)