Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03603.jsonl.gz/2316

In einer Zusammenarbeit einer Forschergruppe dreier Universitäten in Amerika wurden die Gefühle und Gedanken von Personen erforscht, die wussten, dass sie in unmittelbarer Zeit sterben werden. Einerseits waren dies unheilbar Krebskranke, andererseits zum Tode verurteilte Menschen. Überraschenderweise fanden die Forscher, dass die Personen, die sich ihrem unmittelbar bevorstehendem Tod bewusst waren, diesen als weniger beängstigend wahrnahmen als gesunde Personen, die sich lediglich vorstellten, zu erkranken. Beim Vergleich von verschiedenen Aufzeichnungen wie Tagebücher, Notizen und Blogeinträgen fand man 17% mehr positive und 30% weniger negative Begriffe. Je näher der Tod rückte, desto höher war sogar der Anteil an positiv konnotierten Wörtern.
Eine Erklärung dafür könnte die wachsende Akzeptanz unserer Endlichkeit sein. Wie auch in vielen vorhergehenden Studien konnte gezeigt werden, dass die Studienteilnehmer, die sich mit Ihrem Tod befassten, sich hinterher glücklicher fühlten und eine höhere Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber ihrem Leben aufwiesen. Weiter konnte auch festgestellt werden, dass die Auseinandersetzung mit dem Tod helfen konnte Prioritäten im Leben zu setzen und nach mehr Sinn und Bedeutung zu suchen.
Ganz ähnlich zu dem Konzept bei Ängsten und Sorgen können wir sagen: wenn wir „dem Drachen in’s Auge schauen“ nimmt ihm dies vermutlich etwas von der Bedrohlichkeit.
Literatur:
Goranson, A., Ritter, R., Waytz, A., Norton, M. & Gray, K. (2017). Dying is unexpectedly positive, Psychological Science, doi: 10.1177/0956707617701186.
Lic. phil. Andrea Bender