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Etwa 3% der schweizerischen Gesamtbevölkerung leidet unter dem Borderline-Syndrom. Es ist eine Krankheit, über die mehr Vorurteile als Wissen existiert, weswegen ich mich in diesem Artikel mit dem Thema auseinandersetzen werde, um so viel Aufklärung wie möglich zu bieten.
!!!Triggerwarnung!!!
Dieser Artikel beinhaltet das Thema Selbstverletzung und Suizid. Das unten Verfasste dient nicht zur selbst Diagnostizierung!
Borderline – was ist das?
Die Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS), auch bekannt unter dem Namen «emotionale Dysregulation», entwickelt sich meist in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter. Menschen, die diese Diagnose kriegen, erleben starke Stimmungsschwankungen, haben oft ein ausgeprägtes schwarz-weiss Denken und fühlen Emotionen stärker als andere.
Wichtig ist zu wissen, dass nicht alle Borderliner gleiche oder gleich stark ausgeprägte Symptome haben. Diese KÖNNEN sein:
- Ein chronisches Gefühl der Leere
- Starke Stimmungsschwankungen (z.B. heftige Wutausbrüche), die zwischen wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen dauern können
- Mangelnde Kontrolle über diese Schwankungen
- Unbeständige zwischenmenschliche Beziehungen
- Instabiles Selbstbild mit teilweise exzessiver Selbstkritik
- Impulsive Verhaltensweisen, wie zum Beispiel übertriebenes Sexualverhalten, Drogenkonsum, riskantes Autofahren, Essanfälle
- Selbstverletzendes Verhalten, Suizidandrohungen oder -versuche
- Kurzfristige, wahnhafte Vorstellungen, welche durch Belastungen ausgelöst werden
- Starke Angst vor dem Verlassenwerden
Bei der Diagnostik wird zwischen zwei Typen unterschieden: Der Impulsive Typus: Dabei steht die fehlende Kontrolle über die eigenen Emotionen und die emotionale Instabilität im Fokus. Der Borderline-Typus: Mindestens fünf der oben genannten Symptome müssen vorhanden sein.
Grundsätzlich aber werden Diagnosen, die sich auf die Psyche beziehen, mit grosser Vorsicht gestellt, wenn man noch nicht volljährig ist. Man spricht dann meist von einer Verdachtsdiagnose. Folgendes muss dafür aber gegeben sein: Die geforderte Mindestanzahl der Kriterien und die typischen Verhaltensmuster in diesem Alter, die dann auch durchgehend und situationsübergreifend auftreten. Borderline aber verschwindet in den meisten Fällen von allein mit dem Alter. Aber bis dorthin ist es ein steiniger Weg.
Statistiken
BPS im Alltag und in Beziehungen
Meine Gefühle sind mit Nitroglycerin vergleichbar. Sobald mein Alltag beginnt, werde ich einmal durchgeschüttelt und meine Gefühle explodieren.Quelle: Anonym
Bis zu einem gewissen Grad kann man sich das etwa wie Hochsensibilität vorstellen. Menschen mit Borderline nehmen die Welt auf ihre ganz spezielle Art und Weise wahr, indem sie Gefühle anders aufnehmen und verarbeiten. Sie denken länger über Geschehnisse nach, die «normale» Leute nach wenigen Minuten schon wieder vergessen haben. Die sogenannten «Gedankenkreise» sind bei Borderliner sehr ausgeprägt.
Ausserdem sind sie sensibler, spüren die eigenen Emotionen und die ihrer Mitmenschen stärker als andere und haben Mühe, sich selber zu regulieren. Viele von ihnen fangen an zu dissoziieren. Dissoziationen sind Zustände, die mit dem Tagträumen vergleichbar sind. Es geht darum, Abstand von der Realität zu nehmen, um eine «Pause» zu machen.
Ihre Beziehungen sind oft durch ein Auf und Ab gekennzeichnet. Sie erleben neue Beziehungen am Anfang als aufregend, bis die ersten Konflikte kommen und die Stimmung kippt. In diesen Beziehungen durchlaufen sie viele Gefühle von Euphorie zu Aggression oder Wut, welche mehrmals am Tag wechseln können. Somit ist die Frusttoleranz meist gering, woran schlussendlich viele solcher Beziehungen zerbrechen. Aber nicht nur Liebesbeziehungen leiden darunter, auch Freundschaften sind wechselhaft. Zudem kommt, dass sie häufig lügen, weil «Fehler» nicht in ihr schwarz-weiss Denken passen.
Die Familiendynamik, in der sich Borderliner befinden, ist meistens stark angespannt. Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, und Angehörige erleben das Verhalten des Betroffenen als abnormal. Gesunde Geschwister haben manchmal Mühe die Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen, wodurch ein gewisser Hass auf die betroffene Person fällt. Therapeuten können helfen, die Familienstruktur ein bisschen aufzulockern und Verständnis für beide Seiten aufzuzeigen.
Hilfreich ist es, wenn man sich als Angehörige*r über die Krankheit informiert, oder selber ein paar Therapiesitzungen besucht, um darüber reden zu können. Denn natürlich belastet die Situation nicht nur den/die Betroffene(n), sondern auch dessen ganzes Umfeld.
Behandlungsmethoden
Bis man eine spezifische Therapie bekommt, dauert es eine längere Zeit, da die Verdachtsdiagnose erst dann gestellt wird, wenn die Symptome eindeutig sind. Sobald sie aber fest steht, machen viele die «DBT-Therapie» (DBT steht für Dialektisch-Behaviorale-Therapie). Dies ist eine Therapieform, die für fremd- und/oder selbstgefährdete ausgelegt ist und oft zur Behandlung von BPS genutzt wird.
Kurz und knapp erklärt, ist die DBT eine Form der Therapie, in der es darum geht, seine Gefühle besser zu verstehen und zu kontrollieren. Dies passiert meistens stationär innerhalb von zwölf Wochen, in denen man lernt, sich mit sogenannten Skills selber zu regulieren. Skills entwickelt jeder auf seine ganz eigene Art. Das können scharfe Bonbons, ein Antistressball oder das bewusste Fokussieren auf die Umgebung sein. In der Therapie lernen die Betroffenen diese Skills richtig und rechtzeitig anzuwenden.
Vorurteile gegenüber Borderliner
- «Alle Borderliner verletzen sich selbst» – Das ist definitiv nicht der Fall! Nicht alle verletzen sich selbst, sowie nicht alle Borderline haben, die sich selber verletzen.
- «Borderliner sind beziehungsunfähig» – Es braucht zwar von beiden Seiten mehr Geduld, aber beziehungsunfähig sind sie nicht. Sie können in gewissen Situationen sogar einfühlsamer sein als andere.
- «Borderliner sind manipulativ» – Nicht alle sind gleich und wenn sie manipulieren, dann oft weil sie unsicher sind, wie sie vom Gegenüber aufgenommen werden.
- «Borderliner sind immer mies drauf und denken nur negativ» – Klar, Borderliner haben starke Stimmungsschwankungen, doch mies drauf sind sie nicht immer. Man kann mit ihnen genauso viel Spass haben wie mit anderen auch.
Manchmal ist BPS auch eine Ressource
Ich weiss: Wer Borderline hat, dem geht es zum Teil echt nicht gut. Die Gefühle kochen über, alles ist mühsam und am liebsten würde man den Kopf einfach ausschalten und später wieder einschalten. Doch diese extreme Empathie kann auch eine Stärke sein. Das Gegenüber merkt schnell, wenn es verstanden wird und schätzt die Gespräche dann umso mehr. Auch wenn Borderliner manchmal als abgestumpft und gefühlskalt dargestellt werden, so geht in deren Köpfen das genaue Gegenteil ab! Von ihnen kann man das grösste Mitgefühl bekommen.
Mein Schlusswort
Ich denke, dass Personen, die noch nie psychische Probleme hatten, Mühe haben solche Menschen nachzuvollziehen. Man kann sich nur schwer ausmalen, wie es der betroffenen Person wirklich geht, was schnell zu Unverständnis führt. Trotzdem ist es wichtig sich für diese Themen zu sensibilisieren. Sich zu sensibilisieren bedeutet nicht eine Lösung zu liefern. Es bedeutet diese Krankheiten ernst zunehmen ohne manifestierte Vorurteile zu haben.
Quellen: Borderline-Syndrom: Definition, Ursachen, Verhalten – NetDoktor Borderline: Symptome und Diagnose | News | Clienia AG – Führend in Psychiatrie und Psychotherapie Psychotherapie, Paarberatung, Familientherapie & Coaching in München (muenchen-heilpraktiker-psychotherapie.de) Dialektisch-Behaviorale Therapie – Wikipedia Borderline – der lange Weg ins Licht: Vorurteile (borderline-der-lange-weg-ins-licht.blogspot.com) Borderline: Fakten, Statistiken, Studien und Zahlen (grenzwandler.org)
Bildquelle 1: Borderline-Symptome: Daran erkennst du eine Persönlichkeitsstörung | COSMOPOLITAN Bildquelle 2: Potomac Behavioral Solutions — Intensive Programs (pbshealthcare.com) Bildquelle 3: «Ahnungen» von Mariola Wloch, Abstraktes, Diverse Gefühle, Malerei | Abstrakt, Malerei, Abstrakte kunst (pinterest.com)