Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03235.jsonl.gz/396

Die St. Luzibrücke
Die St. Luzibrücke ist ein (unnötiges) Strassenbauprojekt des Kantons Graubünden. Die Brücke, welche die Schanfigger- mit der Julierstrasse verbände (rote Linie), soll die Stadt Chur vom Verkehr entlasten und Arosa besser erschliessen.
Die Idee für dieses Projekt existiert schon seit den 1970er Jahren. Im Jahr 2005 wurde sie wieder aufgegriffen und es wurde eine Nutzwertanalyse ausgearbeitet, welche das Projekt mit einer Verbreiterung der Arosastrasse im Stadtgebiet von Chur verglich. Damals gewann die Brücke knapp. Später wurde das Projekt aber vom Bundesgericht aufgrund von Klagen der Einwohner im Talgrund gestoppt. Vom Kanton wurde eine neue Variante ausgearbeitet, welche deutlich teurer ist, jedoch den Auflagen des Bundesgerichts entsprechen soll. Im Sommer 2020 wurde ein Projektwettbewerb ausgeschrieben, um neue Entwürfe zu erlangen. Walter Schmid, ein Churer Einwohner, hat das Projekt unter die Lupe genommen und ist in einem ausführlichen Bericht zum Resultat gelangt, dass es in vielerlei Hinsicht keinen Sinn ergibt, diese Brücke zu bauen.
Argumente
Annahmen, die zur Zeit der Erstplanung gemacht wurden, treffen nicht mehr zu. Das Bauprojekt ist zu teuer, unverhältnismässig und führt zu Mehrverkehr, was in der heutigen Zeit schlichtweg nicht verantwortbar ist.
Zunahme des Verkehrs
Der Bau von Strasseninfrastruktur führt immer zu einem deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen, da das Auto als Transportmittel scheinbar attraktiver wird. Reisecars sollen Touristen nach Arosa bringen und damit die Arosabahn konkurrenzieren. In einer Zeit, in der die CO2-Emissionen sinken müssten, ist dies definitiv der falsche Schritt.
Unnötige Ausgaben
Die Brücke wird den Steuerzahlenden fast 70 mio. Franken kosten. Es werden hier Unsummen verschwendet und das für ein Projekt, das in wenigen Jahren überflüssig wird, sollten wir unsere Klimaziele einhalten wollen. Statt sinnvoll in Klimaschutz zu investieren, werden weiter Strassen gebaut.
Unverhältnismässigkeit
Für die zu erwartende geringe Verkehrsentlastung eine über 500 m lange Brücke zu errichten, ist unverhältnismässig und greift unnötig in das Landschaftsbild ein. Eine Verbreiterung der Arosastrasse im gegenwärtigen Bestand ist für das heutige und künftige Verkehrsaufkommen ausreichend und kostengünstiger.
Veraltete Annahmen
Es muss erneut abgewogen werden, ob das jetzige Projekt immer noch besser ist als Alternativmassnahmen. Wichtige Aspekte wie Klimaschutz, Landschaftsschutz und Kosten wurden nicht oder nach veralteten Standards bewertet.
Aufgrund dieser und weiterer Erkenntnisse hat Walter Schmid beim Grossen Rat des Kantons Graubünden am 5. Februar 2021 eine Petition eingereicht, mit der Forderung, das Projekt zu sistieren. Klimastreik Graubünden unterstützt dieses Anliegen und sammelt dafür Unterschriften, die dem Grossen Rat weitergeleitet werden. Wann der Grosse Rat sich mit der Petition befasst, ist noch nicht entschieden. Sobald dieser Termin bekannt ist, wird er auf dieser Website publiziert. Bis dahin ist jede Unterschrift willkommen.
Forderungen
Die Planung der Verbindung zwischen der Julier- und der Arosastrasse mit einer Brücke vom Araschgerrank zum Brandacker ist zu sistieren. Der Projektwettbewerb ist abzubrechen.
Vor jeglicher weiteren Planung sind die bisher vorgebrachten Argumente und Planungsvorgaben für die Brücke sowie die gestützt darauf erarbeiteten Entscheidungs-grundlagen einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen und auf die heutigen Gegebenheiten anzupassen. Dabei sind die heutigen und zukünftigen Erkenntnisse und Erfordernisse für einen umweltgerechten motorisierten Verkehr mit einzubeziehen.
Der Ausbau der bestehenden Strasse ist unter Berücksichtigung der Resultate aus der vorgenannten Untersuchung und der in diesem Bericht enthaltenen Vorschläge näher zu prüfen.