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In der Schweiz gibt es nur bescheidene Goldvorkommen. Aber für die Verarbeitung von Gold ist das Land ein globales Zentrum. Die Transparenz in diesem Sektor, wo Menschenrechte und Ökologie oft mit Füssen getreten werden, wird klein geschrieben.
Der letzte Fall liegt nur wenige Monate zurück: In Peru stehen 30 Personen und vier Unternehmen unter Verdacht, illegal Gold abgebaut und Geld gewaschen zu haben.
Innert einiger Jahre sollen sie aus der Amazonas-Region Madre de Dios, woher ein Fünftel des peruanischen Goldes stammt, rund 25 Tonnen Gold im Wert von 900 Mio. Dollar verkauft haben. Es soll an zwei Schweizer Gesellschaften verkauft worden sein, an die Genfer MKS (Switzerland) SA, Besitzerin der Tessiner Edelmetall-Affinerie Pamp, und an Metalor in Neuenburg.
Laut MKS-Sprecher Frédéric Panizzutti hat das Genfer Unternehmen zusätzliche Recherchen in der Schweiz und in Peru in die Wege geleitet, deren Resultate aber noch nicht publiziert wurden: "Es gibt keine Anhaltspunkte, um bezüglich der Herkunft des Goldes Verdacht zu schöpfen."
Auch habe nichts auf die Notwendigkeit hingewiesen, eine Mitteilung an die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) zu machen: "Das von MKS verarbeitete peruanische Gold ist legal ausgeführt worden." Es stamme unter anderem aus gewerblichen Minenbetrieben. Diese seien aber bei der peruanischen Behörde registriert und hielten die Regeln ein, was die Nachverfolgung des Goldes betreffe.
Unter den 1625 Mitteilungen, die 2011 an die Meldestelle gelangt sind, befand sich nur eine einzige, die sich auf den Edelmetallhandel bezieht. Verglichen mit den mit diesem Handel erreichten Umsätzen – in der Schweiz wurden 2011 über 2600 Tonnen Gold im Wert von rund 96 Mrd. Franken eingeführt – wäre dies zu hinterfragen.
"Im Edelmetallsektor ist die Anzahl Kunden und Transaktionen viel kleiner als im Bankenbereich. Die Veredelungsbetriebe arbeiten hauptsächlich mit Firmenkunden und nicht mit Privaten wie die Banken", so Panizzutti.
So habe 2003 die Vorgänger-Institution der heutigen Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) die Anzahl privater Konten auf Schweizer Banken auf rund 14,5 Millionen geschätzt – gegenüber weniger als tausend Konten in der Edelmetallbranche.
Tobias Lux von der Finma präzisiert jedoch: "Das Geldwäschereigesetz geht auch jene Finanzintermediäre an, die mit Gold handeln. Ein Giessereibetrieb hingegen, der Rohgold kauft und Goldbarren herstellt, untersteht diesem Gesetz nicht." Deshalb müsse man immer zwischen Produktion und Handel unterscheiden.
Herkunft
Marc Guéniat von der Erklärung von Bern (EvB) sagt, dass die Gold- und Rohstoffbranche ganz generell sehr undurchsichtig sei: "Transaktionen finden bereits ab den ersten Zwischenhändlern oft über eine Reihe von Offshore-Gesellschaften statt. Diese haben ihr Domizil an Orten, wo die Rechtssprechung das Wissen darüber erschwert, wer der eigentliche Nutzniesser ist."
Der erwähnte peruanische Fall ist nicht der erste, in welchen Schweizer Gesellschaften involviert sind. Kürzlich ist zum Beispiel der Name Metalor in einem UNO-Expertenbericht aufgetaucht, der das Embargo gegen Eritrea zu begutachten hatte. Die Neuenburger Firma hat laut dem Journalisten Gilles Labarthe aus Eritrea zwischen Februar 2011 und Juli 2012 zehn Tonnen Gold eingeführt.
Labarthe hat etliche Untersuchungen zum Edelmetallhandel publiziert (Vgl. sein Buch L’or africain: Pillages, trafics et commerce international (Afrikas Gold: Plünderungen, Schmuggel und internationaler Handel). Bereits vorher waren Schweizer Veredler mit Goldimporten aus der Demokratischen Republik Kongo in Zusammenhang gebracht worden.
Labarthe war 2010 von der Aussenpolitischen Kommission des Schweizer Parlaments als Experte in Sachen Rezyklierung und Transparenz in diesem Sektor angehört worden.
Metalor wies die Anschuldigungen zurück und erklärte, die Zwischenstellen des Goldhandels - von der Mine bis zum Detailhandel – genau zu überwachen. Damit werde sichergestellt, dass das Edelmetall nicht aus kriminellen Quellen oder Konfliktzonen stamme, in denen Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung seien.
Rückverfolgbarkeit als notwendige Regel
In den vergangenen Jahren haben die Akteure im Edelmetallsektor ihre Bemühungen verstärkt, eine "saubere" Lieferkette zu garantieren. Zum Beispiel Conflict Free Gold, Responsible Jewellery Council oder LBMA Responsible Gold Guidance.
"Die Anleitung, die dieses Jahr in Kraft getreten ist, basiert auf OECD-Leitlinien und reglementiert die allgemeine Sorgfaltspflicht in Sachen verantwortungsvollem Einkauf", sagt Panizzutti: Die Firmen müssen die Lieferantenkette zurückverfolgen, damit ersichtlich wird, woher das Gold stammt. Jedes Jahr sei sein Unternehmen externen Audits unterworfen, die kontrollierten, ob alle Regeln eingehalten worden seien. MKS sei ganz am Beginn dieser Regulierungen gestanden.
Diese Massnahmen erweisen sich auch deshalb als notwendig, weil der internationale Druck zugenommen hat. In den USA beispielsweise ist im August das so genannte Dodd-Frank-Gesetz angenommen worden. Es betrifft den Umgang mit Mineralien aus Konfliktzonen. Es wird davon ausgegangen, dass auch die EU nachzieht.
Für Labarthe gehen diese Schritte in die richtige Richtung, auch wenn man sich fragen könne, ob die Probleme damit wirklich gelöst werden. Denn diese Initiativen seien ja freiwillig und Verstösse dagegen würden nur selten geahndet.
"Es ist, als ob ein Strasserverkehrs-Raser selbst darüber entscheidet, welche Höchstgeschwindigkeit zugelassen ist und wie die Verkehrskontrollen auszuführen sind", zieht Marc Guéniat von der EvB den Vergleich.
Unter den Mitgliedern des Responsible Jewellery Councils gebe es Unternehmer, welche dazu neigten, nicht sehr verantwortungsvolll zu agieren. "Council-Gründungsmitglied Newmont Mining hat von uns im Jahr 2009 den beschämenden Public Eye Award für ein Minenprojekt in Ghana erhalten", so Guéniat. Das US-Unternehmen besitzt unter anderem Valcambi in Balerna im Tessin, eines der vier grössten Goldverarbeitungs-Werke der Schweiz.
Ethische Fragen können nicht endgültig in einen Rahmen gezwängt werden, entgegnet Panizzutti: "Auf der Autobahn kann mit 120 km pro Stunde gefahren werden. Das will aber nicht heissen, dass man sich nicht dennoch für ein ökologisches Fahrzeug entscheidet. Schweizer Unternehmen wenden bereits die weltweit strengsten Normen an, was die Rückverfolgbarkeit des Goldes betrifft. Und unser Unternehmen setzt sich für ein faires Handelsmodell ein."
Fragmentarische Statistiken
Was die Herkunft des in der Schweiz verarbeiteten Goldes betrifft, herrscht grosse Zurückhaltung. Seit 1981 wird beim Gold in den nationalen Statistiken das Herkunftsland nicht mehr nachgewiesen.
"Während der 1970er- und 80er-Jahre war die Schweiz wegen ihrer Goldimporte aus Südafrika stark kritisiert worden. Gegen Südafrika gab es damals ein internationales Embargo", sagt Labarthe.
Ausserdem galt es damals, wegen dem Kalten Krieg die Goldimporte aus der UdSSR irgendwie zu kaschieren. Nur könne dafür nicht die Schweiz allein behaftet werden. "Sie befand sich in bester Gesellschaft mit anderen Ländern, die ebenfalls eine lange Tradition der Goldverarbeitung kennen, wie Kanada, Grossbritannien oder Deutschland."
Kürzlich hat der sozialdemokratische Parlamentarier Cédric Wermuth das Thema aufgegriffen und die Regierung angefragt, ob sie sich nicht bereit erkläre, diesen Rahmen zu ändern. Der Bundesrat antwortete, dass sich die technischen Voraussetzungen gegenüber dem letzten Mal, als diese Frage aufgebracht worden war, nicht verändert hätten.
Er hielt jedoch fest, dass sich der politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Kontext weiterentwickelt habe und der Bundesrat sich deshalb überlege, die Frage der Veröffentlichung der Zahlen im Goldhandel zu überdenken.
Für Labarthe sind solche publizierte Zahlen sicher nützlich. Doch das Herkunftsproblem werde in erster Linie auf internationaler institutioneller Ebene gelöst.
Der Herkunftsnachweis müsse vom Ort der Herstellung bis zum Ort der Ankunft reichen: "Im Fall der Demokratischen Republik Kongo geht das Gold zuerst nach Dubai und von dorther weiter in die Schweiz. Oder: Togo exportiert als Land tonnenweise Gold. Offiziell jedoch gibt es in Togo gar keine Goldminen."
Diamanten als Vorbild?
1998 haben die Vereinten Nationen zum ersten Mal das Problem der Finanzierung von Konflikten durch Diamanten aufgebracht.
Angola wurde mit einem Embargo belegt, womit es anderen Ländern verboten wurde, solche Edelsteine zu erwerben.
Im Jahr 2000 war Sierra Leona an der Reihe, gefolgt von Liberia, der Elfenbeinküste und der Demokratischen Republik Kongo.
Im Jahr 2000 haben sich die Diamanten-Förderländer in Kimberley, Südafrika, getroffen, um den illegalen Handel zu stoppen und Käufern die Herkunft nachzuweisen.
2001 ist der World Diamond Council ins Leben gerufen worden. Dieser sollte die Herkunft von Rohdiamanten sicherstellen.
Ein Jahr später ist, mit Billigung der UNO, das Kimberley Process Certification Scheme
eingeführt worden.
Dieses bringt Förderbetriebe, Länder und Nichtregierungs-Organisationen (NGO) bei der Rückverfolgung zusammen.
Ein Jahrzehnt später werde dieses "Scheme" von den meisten NGO als ungenügend eingeschätzt, so Marc Guéniat von der EvB.
Der Grund liege darin, dass Missbräuche nicht sanktioniert würden, wie sie beispielsweise in Simbabwe, Angola oder der Demokratischen Republik Kongo vorgekommen seien.
Dennoch: Könnte das Kimberley-Abkommen als Beispiel dafür dienen, wie auch der Goldhandel besser reglementiert werden könnte?
Für Guéniat ist die Herausforderung beim Gold viel grösser als bei Edelsteinen, da das gelbe Metall leicht eingeschmolzen werden kann.
"Dadurch ist die wirkliche Herkunft viel schwieriger herauszufinden als bei Diamanten."
Hauptsächliche Goldförder-Länder 2011
China: 355 Tonnen
Australien: 270 t
USA: 237 t
Russland: 200 t
Südafrika: 190 t
Peru: 150 t
Kanada: 110 t
Ghana, Indonesien: je 100 t
(Quelle: US Geological Survey)
(Übertragung aus dem Italienischen: Alexander Künzle), swissinfo.ch