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Habt Ihr Euch auch schon einmal gefragt, woher Wörter wie trans*, lesbisch oder schwul kommen? Und welche Bezeichnungen es für uns Falschsexuelle sonst noch gibt?
Wir erklären Euch, woher die wichtigsten Begriffe kommen.
FALSCHSEXUELL
«Falschsexuell» ist eine Übersetzung des Begriffs «queer», die von der Milchjugend erfunden wurde. Ziel ist es, mit diesem Wort zu provozieren und zu irritieren. Wir möchten uns damit auch öffnen und nicht auf übliche Kategorien wie lesbisch, schwul, bi, trans*, und so weiter festlegen. Das «falsch» soll zeigen, dass wir in den Augen der Gesellschaft immer noch nicht akzeptiert sind und als anders wahrgenommen werden. Gleichzeitig soll der Begriff dazu ermuntern, sich nicht an eine Norm anzupassen, sondern so zu sein und so zu leben, wie mensch ist und wie mensch sich fühlt.
DRAG
Der Legende nach soll es William Shakespeare gewesen sein, der das Wort «Drag» erfunden hat. Im England des 16. Jahrhunderts, als Shakespeare lebte, galt es nämlich für eine Frau als unziemlich, auf der Bühne zu stehen. Deswegen übernahmen Männer auch sämtliche Frauenrollen. Shakespeare schrieb in die Regieanweisungen an den Rand, wann ein Schauspieler als Frau verkleidet auftreten sollte: «Dressed as a Girl», also DRAG.
BUTCH
Butch hat trotz klanglicher Ähnlichkeit nichtsmit Bitch zu tun – ursprünglich kommt das Wort wahrscheinlich vom englischen butcher (‚Metzger‘), und war einfach eine Abkürzung dessen.In den 1940er-Jahren findet mensch den Begriff in seiner modernen Bedeutung, als Bezeichnung für eine Lesbe mit in stereotypischem Sinne maskulinen Zügen in Aussehen und Verhalten, wobei er heute mehr innerhalb der Community in Gebrauch ist und damit auch ironisch umgeht mit der Idee von «Maskulinität» oder Geschlechterrollen überhaupt.
HOMOPHIL
«Homophilie» ist mehr oder weniger ein Synonym für «Homosexualität», war aber vor allem in den 1950ern und 1960ern populär. Die amerikanischen und europäischen Aktivist_innen dieser Zeit benutzten ihn, um sich von der Reduzierung der gleichgeschlechtlichen Liebe auf den sexuellen Akt abzugrenzen. Die Homophilen-Bewegung konzentrierte sich vor allem auf den Aufbau einer Community mit guter Vernetzung und Hilfsangeboten. Mit der breiteren Gesellschaft ging sie nicht auf Konfrontation, sondern versuchte unaufgeregte Dialoge zu führen. Die Generation der «Gay Liberation»-Aktivist_innen ab 1969 lehnten den Begriff ab, da sie ihn als beschönigt und zu wenig provokativ empfand.
URNIGE
Karl Heinrich Ulrichs, selbst falschsexuell, war einer der ersten, der 1864 positive Begriffe einführte: Urning (für Männer*), Urninde (für Frauen*) und Uranismus (für das Phänomen insgesamt). Er leitete den Begriff aus Platons Buch «Symposion» ab: Die Göttin Aphrodite Urania sei der Legende nach nicht von einem Mann und einer Frau, also durch zweigeschlechtlichen Sex, gezeugt worden, sondern aus abgetrennten Körperteilen ihres Vaters Uranus entstanden.
Karl Heinrich Ulrichs war überzeugt, dass Urninge und Urninden sich ganz grundsätzlich von Dioningen – so nannte er Heterosexuelle – unterschieden. Mit ihrem falschsexuellen Verhalten würden sie nur ihrer Natur folgen, und sollten deshalb nicht bestraft werden. Nach der Veröffentlichung seiner Theorie bekam Ulrichs viele Briefe von sogenannten «Selbstbetroffenen» und startete damit eine erste kleine Falschsexuellenbewegung.
GAY
Im Französischen bedeutet gai ganz einfach ‚fröhlich, lustig‘. Das englische gay hat denn auch seine Wurzeln im Altfranzösischen gai, ging aber relativ schnell seine eigenen Wege und hiess im Englischen des 14. Jahrhunderts so etwas wie ‚schön, hell, gut gekleidet‘. Die Bedeutung wandelte sich mit der Zeit zu ‚amoralisch, sexuell freizügig, lustgetrieben‘. Erst ab den 1920er-Jahren taucht «gay» in verschiedenen falschsexuellen Gedichten, Liedern und dergleichen auf. Lange vor allem innerhalb der Community in Gebrauch, schwappte das Wort Ende der 60er-Jahre auf die Allgemeinheit über.
TRANS*
Trans* wird oft als Oberbegriff für Trans*gender, Transidentität, Transsexualität, Transvestit, genderqueer, non-binary und so weiter benutzt. Der Stern symbolisiert dabei einen Platzhalter, an dem alle möglichen Endungen eingesetzt werden können. Manche Menschen benutzen Trans* aber auch direkt als Selbstbezeichnung, weil er offener ist als die Unterbegriffe. «Trans» kommt aus dem Lateinischen und bedeutet «jenseitig» oder «darüber hinaus». Der Gegenbegriff zu «Trans» ist «Cis» (diesseitig), damit werden Menschen bezeichnet, die im Geschlecht leben, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.
QUEER
Das Wort «queer» bedeutete ursprünglich «seltsam» und wurde bis in die 1980er-Jahre als Schimpfwort für Falschsexuelle verwendet. Erst mit Act Up, einer Gruppe von Aktivist_innen, die sich während der AIDS-Krise gegen gesellschaftliche Unterdrückung auflehnte, gelang es, den Begriff positiv zu besetzen und als stolze Eigenbezeichnung zu verwenden.
TRAVESTIE
«Travestie» bezeichnet die Darstellung eines Geschlechts auf der Bühne durch eine Person, die im Alltag in einem anderen Geschlecht lebt. Der Begriff wurde im 16. Jahrhundert aus den Wörtern «trans» (hinüber) und «vestire» (kleiden) gebildet. Er wurde zunächst vor allem im Italienischen und im Französischen für bestimmte Theater-, Ballett- und Opernrollen benutzt und später ins Deutsche übertragen. Schon in der Antike und im Mittelalter gab es Travestierollen, die Blütezeit erlebten diese aber ab dem 16. Jahrhundert. Zunächst ersetzten vor allem junge Männer die Frauen, die auf der Bühne nicht erlaubt waren, ab dem 17. Jahrhundert aber kamen «Hosenrollen» sehr in Mode, also Frauen, die Männerrollen spielten. «Drag Queens», bei welchen die Parodisierung der Geschlechter im Mittelpunkt steht, kamen erst viel später auf.
DYKE
Obskure Theorien kursieren zur Herkunft dieses Wortes. Zum Beispiel könnte es sein, dass es sich aus einem amerikanischen Slang des 19. Jahrhunderts für ‚Vulva‘ entwickelt hat, was wiederum von der auch heute noch gültigen weiteren Bedeutung von dyke ‚Damm, Grube‘ stammen mag. Die moderne Bedeutung von ‚Lesbe‘ stammt aus der afro-amerikanischen Community von Harlem, New York, in den 1920er-Jahren, wo der Begriff auch in längerer Form als bulldyke vorkam (bull ‚Stier‘). Zuerst ähnlich wie Butch auf äusserlich «maskuline» Merkmale bezogen und eher beleidigend gemeint, nahmen die frauenliebenden Frauen* den Begriff als Selbstbezeichnung an, wodurch er heute vor allem in der Community als neutraler oder positiver Begriff umhergeht. Niedlicher Fact: Hieraus entwickelte sich die Unterbezeichnung baby dyke, womit junge, unerfahrene Lesben gemeint sind.