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Der Krimi „Tage der Schuld“ von Arnaldur ist schon eine Weile im Buchhandel erhältlich, er ist 2016 als deutschsprachige Ausgabe erschienen. Kommissar Erlendur ermittelt zusammen mit seinem Kollegen Marian Briem in einem Fall, der sie in die Natobasis der Amerikaner in Keflavik führt. Der Krimi handelt in den siebziger Jahren als bei Grindavik das geothermische Kraftwerk Svartstengi gebaut wurde und das überschüssige, hellblaue Wasser in die Lava gegossen wurde. In diesem Wasser entdeckte eine Frau, welche wegen ihrer Hautkrankheit dort badete, eine Leiche. Die Blaue Lagune, das berühmteste und meist besuchte Bad Islands existierte noch nicht in der heutigen Form. Einige Leute wussten von der heilenden Wirkung des mineralienreichen Wassers und suchten eine geeignete Badestelle in der Lava und zogen sich dort ohne Umkleideanlagen um. Die Mordermittlungen führten Erlendur und Marian in die Natobasis. Es war alles andere als einfach in dieser gut überwachten Anlage zu ermitteln, die Amerikaner liessen sich ungern in die Karten schauen. Das Buch ist nicht nur als Krimi spannend, sondern vermittelt auch einen guten Eindruck aus der Zeit, als die Amerikaner noch zahlreich auf Island waren und wie speziell das Verhältnis der Isländer zu den Amerikanern und umgekehrt war – eine Art Hass-Liebe. Grosse Hangars entstanden auf dem Gelände der Amerikaner und manch einer fragte sich wohl, was genau dort zeitweise gelagert wurde… Kommissar Erlendur aber ermittelt im Buch gleichzeitig in einem zweiten Fall, welcher in Vergessenheit zu geraten drohte. Ein junge Frau verschwand, aber ihre Leiche wurde nie gefunden. Hier führt es den Kommissar in den Vesturbaer-Stadtteil in Reykjavik. Dort wurde zur Zeit des zweiten Weltkrieges in aller Eile ein Barackenlager erstellt, da es für die stationierten Soldaten viel zu wenige Unterkünfte gab. Dieser Barackenkomplex war bekannt unter dem Namen Camp Knox, welcher auch den Titel für Arnaldurs Originalausgabe lieferte, Kamp Knox erschien 2014. Zu späterer Zeit wurde Camp Know zum Armenviertel der Hauptstadt. Obwohl das Barackenlager schon gar nicht mehr vorhanden war, suchte und besuchte Erlendur Personen, welche die junge, verschwundene Frau noch gekannt hatten und konnte tatsächlich auch diesen Fall lösen. Dieser spannende Krimi ist ganz nach Arnaldurs Manier vielschichtig, so erfährt die Leserschaft unter anderem auch etwas über die zwar illegale, aber wohltuende Anwendung von Cannabis zur Schmerzbekämpfung.
Zur Zeit der 70er-Jahre war ich noch nicht in Island und es war sehr spannend nun auf diese Art und Weise Informationen zu Camp Knox, zur Amerikanischen Natobasis und zu den Anfangszeiten der Blauen Lagune zu erhalten. Letztere erfährt zur Zeit eine wiederholte Erneuerung und ist von diversen Baustellen umzingelt. Camp Know lag genau dort, wo sich jetzt Vesturbaerlaug, mein Lieblingsschwimmbad in Reykjavik befindet. Seit 2006 sind die Amerikaner aus der Natobasis abgezogen, die Zäune wurden geöffnet und viele Isländer, Studenten und Pilotenaspiranten wohnen jetzt dort. Durch Asbru, wie das Gebiet heisst, kann man nun durchfahren und sich die verschiedenen Gebäude und Hangars aus der Nähe anschauen. Einige der Wohnungen dienen auch als Hotel oder Hostel. Wie auch andere Bücher von Arnaldur Indridason ist „Tage der Schuld“ sehr empfehlenswert, sei es für Islandkenner oder solche, die es noch werden wollen. Etwas unverständlich ist für mich, weshalb der Verlag für die gebundene Ausgabe als Titelbild das Motiv der Gletscherlagune Jökulsarlon wählte. Diese liegt im Südosten und hat mit dem Buchinhalt gar nichts zu tun. Bilder von der Blauen Lagune indes gäbe es viele.