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Abenteuergeschichte mit einer Prise Italianità
Franco Supino hat mich mit seinem Kinderbuch "Mino und die Kinderräuber" an zwei Dinge erinnert: An die Erzählungen meiner Grossmutter aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und an meine Schulzeit.
Nicht generell an die Schulzeit, sondern daran, dass meine beste Freundin aus der Oberstufe und ich mal zusammen eine längere Geschichte geschrieben haben. Es war eine Detektivgeschichte mit dem Titel "Der Fall Tetzlaf". Mehr weiss ich leider nicht mehr. Meine Grossmutter lebte, wie ich später, am Rhein, direkt an der deutschen Grenze, und berichtete uns, wie gross die Angst während des Zweiten Weltkriegs jeweils war, wenn sie die Bomben im Grenzgebiet fallen hörten und wie jeder Quadratmeter im Dorf genutzt wurde, um Gemüse anzupflanzen. So wurde sogar der Schulhof zum Kartoffelacker.
Die Geschichte in der Geschichte
In "Mino und die Kinderräuber" haben Chiara, Selma und Drago den Auftrag, eine Abenteuergeschichte zu schreiben. Und da Chiara immer noch oft an ihren verstorbenen Nonno (Grossvater) denkt, der ihr viele Geschichten aus seiner Kindheit in Süditalien erzählt hat, ist es naheliegend, diese Erzählungen ihrer eigenen Abenteuergeschichte zugrunde zu legen.
Der Schweizer Autor Franco Supino, Kind italienischer Einwanderer, holt uns in seinem ersten Kinderbuch mit den sympathischen Hauptprotagonist*innen geschickt in der Gegenwart ab und entführt uns dann mit einer Geschichte in der Geschichte in ein Bergdorf nahe Neapel. Dort lebt Mino mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Erschwert wird ihre prekäre Situation zusätzlich durch den tobenden Zweiten Weltkrieg, überall hat es deutsche und italienische Soldaten und aus der Luft drohen die Angriffe der Amerikaner. Da die Kinder im Tal noch stärker vom Krieg bedroht sind als die Kinder in Minos Bergdorf, müssen die Familien in den Bergen Kinder aus dem Tal aufnehmen. Zu Mino und seiner Mutter stossen Drago, Chiara und Selma mit ihrem Hund Albano. Als Drago und Mino von einem Kinderräuber entführt werden, nimmt das Abenteuer so richtig Fahrt auf. Ob die Mädchen den Jungs aus der Klemme helfen können?
Vom Alltag ins Abenteuer
Franco Supino verknüpft in "Mino und die Kinderräuber" den Alltag von Schweizer Kindern, die oft über einen Migrationshintergrund verfügen, mit der Geschichte ihrer Grosseltern, die eine ganz andere Kindheit durchlebt haben. So holt er die Kinder dort ab, wo sie sind und entführt sie spielerisch, mit viel Fantasie und Spannung in eine andere Epoche, in ein anderes Land. Dabei behält er immer den kindlichen Blick bei, indem zum Beispiel ein süsser Nougatbrotaufstrich und der Hund eine zentrale Rolle spielen und indem dieselben Protagonist*innen mit ihren typischen Eigenschaften in beiden Erzählsträngen die Hauptrolle spielen. Besonders gefallen haben mir die starken Charaktere der beiden Mädchen und dass mit Drago einer der Jungs auch mal eine Schulter zum Anlehnen sucht.
Die Erzählung wird ergänzt um tolle Illustrationen von Iris Wolfermann. Mit einfachen, aber dynamischen Bleistiftzeichnungen, die an Skizzen erinnern, ergänzt sie den Text mit ausgewählten Szenen, die uns einen Eindruck von den Protagonist*innen vermitteln, aber genügend Raum für die eigenen Vorstellungen lassen, genau richtig für die Zielgruppe ab ca. 8 Jahren.
Fazit
Franco Supino versteht es in seinem Kinderroman "Mino und die Kinderräuber", den Alltag der Kinder in der Schweiz mit den Erlebnissen ihrer Grosselterngeneration in Italien zu verknüpfen. Die spannende Abenteuergeschichte, die zurück in die Wirren des Zweiten Weltkrieges führt, wird die jungen Leser*innen ab 8 Jahren fesseln. Dabei bleibt die Erzählung trotz des dramatischen geschichtlichen Hintergrunds kindgerecht, empathisch und humorvoll. Und das Beste? Sie animiert Kinder, mit ihren Grosseltern über deren Kindheit zu sprechen. Ein generationenverbindendes Lesevergnügen!
Die Fakten
Franco Supino (Text)
Iris Wolfermann (Illustrationen)
Baeschlin Verlag
112 Seiten
Erschienen am 20.09.2019
ISBN: 978-3-85546-350-3
Ab 8 Jahren
PS: Herzlichen Dank an den Baeschlin Verlag für das Rezensionsexemplar.
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