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Je länger die malaysischen Behörden mit offiziellen Informationen zum Rätselflug MH370 geizen, desto rascher verbreiten sich Gerüchte oder dringen Bruchstücke von Ermittlungsergebnissen via Medien an die Öffentlichkeit.
Neuen Kurs im Computer programmiert?
So soll die erste Kursänderung der Maschine mit 239 Menschen an Bord nach einem Bericht der «New York Times» gezielt in ein Computersystem des Flugzeugs eingegeben worden sein. Das Flugzeug habe die Richtungsänderung also nicht von Hand gesteuert vollzogen.
Vielmehr habe diese sehr wahrscheinlich jemand im Cockpit programmiert, schrieb die Zeitung unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Die Flugrichtung sei über sieben oder acht Tastenanschläge in einen Computer zwischen dem Kapitän und dem Ersten Offizier eingestellt worden.
Richtungswechsel wirft neue Fragen auf
Der US-TV-Sender NBC berichtete, die Kursänderung sei bereits vor der Abmeldung der Piloten bei der malaysischen Flugsicherung und dem Ausfall der Radar- und übrigen Funksignale im Bordcomputer eingegeben worden.
Wahrscheinlich war es der Copilot Fariq Abdul Hamid, der sich um 01.19 Uhr mit «Alright, good night» aus dem Cockpit abmeldete. Die Kursänderung sei mindestens zwölf Minuten vorher im Bordcomputer gewesen, berichtete NBC. Um 01.07 Uhr erfolgte die letzte automatische Datenmeldung des Kommunikationssystems ACARS. Dann wäre die Kursänderung bei der Bodenkontrolle angekommen.
Das wirft zwei Fragen auf: Erstens, warum erwähnten die Piloten bei der Abmeldung den neuen Kurs nicht? Und zweitens, wieso hat die Bodenkontrolle die Kursänderung nicht registriert oder wenn doch, aus welchen Gründen verschweigen dies die Ermittler allenfalls? Malaysische Ermittler wischten solche Fragen am Mittwoch vom Tisch, in dem sie den Zeitungsbericht dementierten.
Allerdings haben die malaysischen Ermittler vergangene Woche schon mehrfach Medienberichte dementiert, die später bestätigt wurden. Und auch die Medien selbst trugen da und dort zur Verwirrung bei.
Ist die Crew darin verwickelt?
Zunächst hiess es nämlich in einer malaysischen Zeitung, im sichergestellten heimischen Flugsimulator des Piloten seien Landebahnen auf den Malediven, in Sri Lanka und Indien programmiert gewesen. Diese lägen auf einer der beiden Flugrouten, welche die Behörden als neue Flugrichtung der Maschine für möglich halten. Inzwischen klingt das anders.
Auf dem privaten Flugsimulator des Piloten seien vielmehr am 3. Februar Daten gelöscht worden. Das berichtete der malaysische Polizeichef Khalid Abu Bakar in Kuala Lumpur. Das Gerät werde weiter analysiert und die Experten versuchten, die gelöschten Informationen zurückzuholen. Verkehrsminister Hishammuddin Hussein betonte: «Alle Crew-Mitglieder, einschliesslich der Piloten, sind unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist.»
Gleicher Art war der Lebenszyklus einer weiteren vermeintlichen Spur. Auch hier beeilte sich der malaysische Verkehrsminister mit einem Dementi. Eine in der Zeitung «Haveeru» kolportierte Beobachtung von maledivischen Fischern könne nicht bestätigt werden, sagte der Minister. Die Fischer hätten eine tieffliegende Passagiermaschine gesehen, berichtete die Zeitung. Weiss mit roten Streifen bemalt – wie häufig auch die Flugzeuge der Malaysia Airlines.
Ein Suchgebiet so gross wie Australien
Diese offensichtliche Ratlosigkeit und Desinformation ist für die Angehörigen der Verschollenen am schwersten. Immer lauter wird darum ihr Protest am Vorgehen der zuständigen Behörden. So versuchten chinesische Angehörige und Freunde der Insassen laut protestierend, das Briefing in Kuala Lumpur zu stürmen. Sie verlangten Informationen, eine Betroffene trat öffentlich in den Hungerstreik. Ordner drängten sie ab und brauchten sie in einen geschützten Raum.
Während an der Informationsfront die Meldungen wie aus der Kanone schiessen, herrscht für die Suchtrupps auf dem Meer gähnende Leere. Bis zur Stunde haben die Australier mit ihren Seeaufklärern keine Spur der verschwundenen Boeing gefunden. Schiffe in der Region hätten ebenfalls Ausschau gehalten und kein verdächtiges Material gesichtet, berichtete die Behörde für Seesicherheit. Auch aus dem anderen Suchkorridor nordwestlich von Malaysia wurde keine Sichtung gemeldet.
Entschädigungsgelder fliessen bereits
Einzig die Versicherer der Malaysia Airlines scheinen mit dem Geschehen Schritt zu halten. Der Versicherungskonzern Allianz begann nämlich mit der Auszahlung einer Millionensumme für das vermisste Flugzeug aus Malaysia. Ausser der Fluggesellschaft Malaysia Airlines erhielten auch die Angehörigen der vermissten Passagiere eine finanzielle Entschädigung. Das Geld liegt vorderhand auf einem Treuhand-Konto.
China protestiert
China wirft den malaysischen Ermittlern Inkompetenz vor. Wegen mangelnder Transparenz seien intensive Bemühungen verpufft und viele Gerüchte aufgekommen. Dadurch sei wertvolle Zeit verloren gegangen, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.