Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03498.jsonl.gz/425

In einer in The Lancet Healthy Longevity veröffentlichten Studie wurde festgestellt, dass ein um 50 Prozent beschleunigter kognitiver Verfall zu den Pandemiefolgen für Briten über 50 Jahren gehört, unabhängig davon, ob sie selbst eine Infektion durchgestanden haben oder nicht. Das Forschungsteam führt die Ergebnisse auf die sozialen Einschränkungen in den Zeiten der Lockdowns zurück. Das Demenzrisiko ist stark abhängig von den Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, welche in den Jahren der Pandemie deutlich beeinträchtigt wurden.
Die Studie
Mehr als 3’100 Briten im Alter von 50 bis 90 Jahren wurden jährlich mittels computerbasierten Tests auf ihre kognitiven Fähigkeiten geprüft. Dazu gehören Tests zum Kurzzeitgedächtnis und zur exekutiven Funktion, die Fähigkeit, komplexe Aufgaben zu lösen. Die PROTECT-Studie liefert Daten für die Pandemiejahre von 2019 bis 2022. Bereits im ersten Pandemiejahr hatten sich die beiden Parameter, mit denen kognitiver Verfall erfasst wird, signifikant schneller verschlechtert als vor der Pandemie. Zuvor kam es zu einer Verschlechterung von 0,64 Prozent pro Jahr beim Kurzzeitgedächtnis, mit der Pandemie um 1,16 Prozent, ein um 55 Prozent gesteigerter Abbau. Die exekutive Funktion wies eingangs eine Verschlechterung von 0,61 Prozent, später um 1,24 Prozent auf, sie entwickelte sich durch die Pandemie also 49 Prozent schneller. Besonders betroffen waren Personen, welche bereits vor Corona unter leichten kognitiven Einschränkungen litten und jene, welche sich tatsächlich mit Covid-19 ansteckten. Nahm man diese Personen aus der Analyse, blieb das Ergebnis dennoch bei einem signifikanten Einfluss auf den kognitiven Verfall. Da sich die Ergebnisse auch im folgenden Pandemiejahr fortsetzten, gehen die Forschenden davon aus, dass die Folgen über die Zeiten des Lockdowns weiter bestehen.
Wieso beschleunigt sich kognitiver Verfall durch eine Pandemie?
Das Team der Studie interessierte sich ausserdem dafür, welche Faktoren während der Pandemie den beschleunigten Abbau der kognitiven Fähigkeiten beeinflusst haben, die auch nach den Lockdowns bestehen blieben. Im Fokus standen schnell zwei Bereiche: deutlich reduzierte Bewegung und körperliche Fitness sowie ein sichtbar höherer Alkoholkonsum. Hinzu kommen Assoziationen mit Depressionen und Einsamkeit. Die Forschenden empfehlen, den Demenzrisikofaktoren und dem kognitiven Verfall entgegenzuwirken, gerade bei Menschen, welche schon unter ersten Beeinträchtigungen leiden. Massnahmen des Gesundheitswesens sollen die kognitive Gesundheit jener Personen gezielt stärken.