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James Hutton zeigte 1795 in seiner «Theory of the Earth», dass die Erde sehr viel älter ist, als die bisher aufgrund der Bibel berechneten 6000 Jahre. Er erntete dafür seinerzeit viel Kritik, legte jedoch die Grundlage für weitere bahnbrechende Werke wie Darwins Evolutionstheorie.
Der 1726 geborene Schotte James Hutton interessierte sich schon in jungen Jahren für Chemie und studierte in Edinburgh das nächstliegende praktische Fach, die Medizin. Er führte sein Studium in Paris weiter und schloss 1749 in Leiden ab. Kurz darauf wandte er sich jedoch von der Medizin ab. Er kehrte auf die britische Insel zurück, produzierte mit einem früheren Schulfreund Ammoniak-Stoffe für Düngemittel und widmete sich einige Jahre der Landwirtschaft. Über das Studium der Böden fand er sein Interesse an geologischen Phänomenen. 1767 wurde er Mitglied einer Kommission für ein Kanalbauprojekt zwischen den Flüssen Forth und Clyde. Er hatte die Gelegenheit häufig bei Grabungsarbeiten zuzuschauen, was seine Kenntnisse der Geologie Schottlands weiter vertiefte.
Die Theorie der Erde
James Hutton verkehrte mit vielen wichtigen Gelehrten seiner Zeit und war Gründungsmitglied der Royal Society of Edinburgh. 1784 erhielt er die Einladung dort in zwei Vorträgen seine Theorie der Erde vorzustellen. Hutton erklärte, dass nicht Katastrophen in grauer Vorzeit, wie etwa die Sintflut oder einen Urozean, der Grund für geologische Formationen waren, diese liessen sich vielmehr durch die Kenntnis von Prozessen verstehen, die immer noch abliefen. Er gab seine Beobachtungen wieder, dass ein Grossteil des Landes, auf dem Menschen leben, aus dem Schutt ehemaligen Landes bestand, nämlich Schichtgestein. Lockeres Material hatte sich angesammelt und verfestigt und sich über den Meeresspiegel erhoben. Die Entstehung von Schichtgestein führte Hutton auf Hitze und Druck zurück. Gemäss seiner Theorie muss die Erde einen Regenerationszyklus durchlaufen, der eine sehr lange Zeit dauert. Dies war eine revolutionäre Aussage. Es waren zwar schon zahlreiche Theorien der Erde vorgelegt worden, aber kaum einer hatte es bis dahin gewagt, den von der biblischen Schöpfungslehre vorgegebenen Rahmen von 6000 Jahren zu sprengen. Auch wenn Hutton in den Vorträgen das Alter der Erde als «nicht abschätzbar» bezeichnete, er rüttelte damit am geltenden Weltbild und der Stellung des Menschen im Kosmos.
Der Aufsatz, der auf Huttons Vorträgen basierte, erschien 1788 im ersten Band der Transactions of the Royal Society of Edinburgh. Seine Theorie stiess auf einige Kritik, woraufhin Hutton beschloss, seinen Aufsatz zu erweitern und ein Buch zu schreiben. Er begab er sich zudem auf Feldforschung, um Gesteine und geologische Formationen zu finden, die seine Theorie bewiesen.
In dieser Zeit erkrankte Hutton schwer, trotzdem schrieb er an seiner umfassenden Theorie der Erde, die 1795 veröffentlicht wurde. Bis zu seinem Tod am 26. März 1797 hatte er zwei Teile seines geplanten vierteiligen Werks publiziert und neun Kapitel des dritten Teils geschrieben. Es sollte jedoch noch mehr als ein Jahrhundert dauern bis Archibald Geikie den dritten Teil 1899 veröffentlichte, wobei drei Kapitel in der Zwischenzeit verloren gingen.
Das Exemplar der ETH-Bibliothek
Die Originale von James Huttons Werk gelten heute als selten und wertvoll. Die «Theory of the Earth» ist 1795 in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen, ein Exemplar davon gehört zum Rara-Bestand der ETH-Bibliothek (Signatur Rar 3971). Im ersten Band befindet sich eine grosse Exlibrisetikette, die den Autor selbst zeigt, wie er Gestein untersucht, unterschrieben mit «Dr. Hutton».
Hinten im ersten Band finden wir einen Brief von seinem Namensvetter und Urgrossneffen James Hutton. Dieser schrieb am 5. August 1892 an einen gewissen Lawson. Möglicherweise handelt es sich dabei um Andrew Cowper Lawson, ein in Schottland geborener Geologe. Hutton nimmt in diesem Brief Bezug auf Dr. James Hutton aus Berwickshire, seinen Urgrossonkel. Sein ältester Bruder habe dessen Liebe für Geologie geerbt, er selbst sei an der Universität von Edinburgh ein Student von Dr. Jameson gewesen und habe ihn bei einigen Exkursionen in die Highlands begleitet. Dies ist bemerkenswert, da der erwähnte Dr. Robert Jameson einer der grössten Kritiker von James Huttons Theorie der Erde war.
Huttons Erbe
Nach dem Tod von James Hutton 1797, übernahm dessen langjähriger Freund John Playfair die Aufgabe, Huttons Erbe zu verteidigen. Er begann damit eine Kurzbiographie über seine Person zu verfassen, beschloss dann aber ein neues Buch über Huttons Theorie zu schreiben. Die «Illustrations of the Huttonian Theory of the Earth» ist 1802 erschienen.
Für sein Werk erhielt James Hutton zuerst kaum Anerkennung, es wurde wenig rezipiert und gilt bis heute als sperriges Buch und wird wenig gelesen. Erst Playfairs Erläuterungen machte Huttons Theorie weiten Kreisen bekannt. So entdeckte etwa Charles Lyell die Theorie der Erde und auch Charles Darwin diente sie als Grundlage für seine Evolutionstheorie.
Trotz aller Kritiken bahnte sich Huttons Wissen um die Geschichte der Erde schliesslich doch noch seinen Weg. Seine Theorie ist der Ausgangspunkt für das heutige Verständnis der Prozesse auf dem dynamischen Planeten Erde und James Hutton wurde zum «Vater der modernen Geologie».
Literatur
- Dean, Dennis Richard. James Hutton and the History of Geology. Ithaca: Cornell UP, 1992.
- Repcheck, Jack. Der Mann, Der Die Zeit Fand : James Hutton Und Die Entdeckung Der Erdgeschichte. Stuttgart: Klett-Cotta, 2007.