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No Milk today!
Seit wann trinken wir eigentlich Milch? Die Geschichte der Milch ist eine Geschichte der Unverträglichkeit. Aus Grabfunden weiss man, dass bereits die Pfahlbauer Ziegen hielten, aber tranken sie auch deren Milch? Rohe Milch verdirbt rasch und ist oft mit Keimen verunreinigt, dazu kommt, dass damals die Menschen, die dem Säuglingsalter entwachsen waren, oft laktoseintolerant waren. Sie bekamen von der Milch also Durchfall und Magenkrämpfe.
Käse macht Milch bekömmlich
Die Milch wurde deswegen zwar nicht weggeschüttet, aber sie wurde fermentiert und so veredelt, dass keine Laktose mehr enthalten war. In unserer Gegend machten die Menschen vor allem Käse aus der Milch. Sie liessen die Frischmilch gerinnen und fällten so das Eiweiss aus. Ob sie dafür schon Lab aus den Mägen von jungen Wiederkäuern gewannen, das viel Pepsin enthält, oder ob sie die Milch mit Joghurtbakterien gerinnen liessen, wissen wir nicht. Aber dank den zugesetzten Bakterien verschwand die Laktose fast vollständig aus der Milch und sie wurde in Form von Käse für die Menschen bekömmlich. Über die Jahrhunderte wurden viele erwachsene Menschen durch den Konsum von Milchprodukten sogar laktosetolerant.
Dennoch blieb die Milch lange lediglich ein Rohprodukt für die Käseherstellung, sie wurde nicht getrunken.
Das änderte sich erst nach dem zweiten Weltkrieg. In England und in den USA verteilten Milchmänner Milch in alle Haushalte (auch in den Grosstädten) und es begann eine riesige Propagandaaktion für Milch.
Milch und Ovo als Kultgetränk
In der Schweiz fiel diese Milchpropaganda auf besonders fruchtbaren Boden, die Kuh spielte eine wichtige Rolle in der Identität der Schweiz, darum wurde der Gesundheitsaspekt der Milch nicht hinterfragt.
Wir peppten die Trinkmilch mit Ovomaltine oder einem Schokoladenpulver auf und machten daraus unser Kindergetränk der Superlative.
In meiner Kindheit in den 60er Jahren war es unvorstellbar, dass ein Kind zum Frühstück keine Milch trank.
Ovomaltine wurde auch Sportlern als Kraftgetränk verabreicht. Es dauerte länger bis man einsah, dass die Milch vor dem Lauf nicht zu besseren Resultaten führte, sonder vielen Läufern nur den Magen umdrehte.
Käseland Schweiz
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam in der Schweiz die Milchwirtschaft auf. Schweizer Käse eignete sich gut als Exportprodukt. Durch die aufkommende Tourismusindustrie und Exporte in die Grosstädte Europas machte sich der Schweizer Käse einen weltweiten Namen. Emmentaler, Gruyère, Appenzeller, sie standen für das Bild der Schweiz im Ausland.
Die Produktion von Milch Käse und Butter wurde in der Schweiz nach dem zweiten Weltkrieg nochmals derart forciert, dass enorme Butterberge und Milchseen entstanden. Die Milchproduktion musste kontingentiert werden und ist es heute noch.
Milk for humans
Seit ca. 20 Jahren nimmt der Milchkonsum in der Schweiz langsam ab. Die meisten Kinder trinken zum Frühstück keine Milch mehr. Milchprodukte gelten als Dickmacher und sie kommen durch den aktuellen Boom nach veganen Produkten noch stärker unter Druck. Wieder kommt der neue Trend aus England. Mit dem Argument, dass Milch nur für Kälber und nicht für Menschen bestimmt ist, wird eine Hafermilch propagiert, die mittlerweile auch bei Coop erhältlich ist.
Geschmack entscheidet
Auch ich trinke heute weniger Milch als noch vor zwanzig Jahren, aber haben Sie mal Hafermilch in den Kaffee geschüttet? Und hat es geschmeckt? Nun ja, die Geschmäcker sind verschieden. Auch wenn der Schaum von Oatly Barista wunderbar sein soll, ich finde, er schmeckt leicht nach Karton. Ich mag Milch immer noch. Milch schmeckt wunderbar zum Kaffee und Rahm herrlich zu frischen Erdbeeren. Es ist wirklich nicht mehr nötig, dass eine Milchkuh über 30 L Milch pro Tag gibt, aber ich zahle gerne mehr dafür als für eine Packung Oatly.