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delegieren: (jmd. delegiert etwas an jmdn.) eine Aufgabe übertragen oder weitergeben. (Quelle: Google-Wörterbuch)
Delegation beschreibt Ihre Fähigkeit und Bereitschaft, Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten an andere in einer Form abzugeben, dass diese die Aufgaben effektiv und effizient erledigen können. Delegation unterliegt, soweit der Mitarbeiter die nötige Qualifikation hat, keiner Beschränkung. (Quelle: Website einer Wirtschaftsschule)
Womit wieder einmal (wie bereits hier) demonstriert ist: Die Auto-Industrie und ihre Lobby kann alles besser als die meisten anderen Industrien und lässt die sizilianische Mafia genauso wie die National Rifle Association in den USA aussehen wie Chorknaben. Wie die das schaffen, trotzdem von einer Krise in die andere zu taumeln, bleibe ihr Geheimnis.
Es verhält sich nämlich so: die aktive Sicherheit im Strassenverkehr wird, seit die Strassen durch die Erfindung des Autos unsicher geworden sind, an alle Verkehrsteilnehmer neben den Autos delegiert. Aktive Sicherheit besteht aus Massnahmen, die zur Vermeidung von Unfällen beitragen. So greife ich nicht in flüssiges Eisen hinein, damit ich mich nicht daran verbrenne, und beim Joggen schaue nach vorne, damit ich nicht gegen einen Kandelaber renne. Es ist allerdings unklar, ob die andern Verkehrsteilnehmer wirklich besser sind in aktiver Sicherheit (siehe Definition oben) als die Autofahrenden. Nun sind Velos tatsächlich wendiger als ein Auto. Soll deshalb also stets das Velo ausweichen, wenn es auf der Strasse einem Auto begegnet?
Neben der aktiven gibt es noch eine passive Sicherheit. Das ist der Sammelbegriff für Dinge, Ausrüstung, technische Vorrichtungen und dergleichen, die uns schützen, wenn es doch einmal zu einem Unfall kommen sollte. Also ein hitzebeständiger, thermisch hochisolierender Handschuh, mit dem ich in flüssiges Eisen fingern kann, ohne mich zu verbrennen, oder ein Vollvisierhelm, mit dem ich beim Joggen auch mal gegen einen Kandelaber donnern kann. Die passive Sicherheit war schon immer die Domäne des Autobaus, denn:
- Menschen bauen einfach gern alles, was technisch machbar ist. Egal, ob es mehr Vor- oder mehr Nachteile bringt. Develop first, ask questions later.
- Menschen sind sehr träge, wenn es um Verhaltensänderungen geht. Sie bezahlen beim Skifahren lieber für einen Lawinen-Airbag, statt sich entsprechend weiterzubilden, sich über die Lawinengefahr zu erkundigen und sogar ihre Pläne zu überdenken.
- Ein Auto wird in der Regel von einem Verbrennungsmotor angetrieben. Benzin ist billig. Sicherheitsausrüstung ist schwer und teuer. Kombiniere: Es spielt keine Rolle, wie viele verschiedene Sicherheitssysteme ich in ein Auto packe, schnell fahren tut es ja trotzdem immer noch, wenn auch weniger sparsam, aber wer pfeift da nicht drauf? Und weil der Mensch ja durchaus sicherheitsbewusst ist, kauft er mir auch eine motorisierte Gummizelle zu jedem beliebigen Preis ab. Solange sie gut ausschaut und die Sicherheitssysteme schmissige Namen wie PreSafe, PreSense, Knautschzone, Seitenaufprallschutz, Differentialsperre, Gurtstraffer, Kopfstütze, Überrollbügel oder Airbag haben. Aus Sicht des Fahrers sind auch ESP und ABS passive Sicherheitssysteme, denn der Fahrer tut ja nichts dazu, sie zu aktivieren.
- Das Auto ist die Ausgeburt des Komforts, und was ist komfortabler als nicht denken, nicht gucken und nicht aufpassen?
Zusammengefasst: Komm einem Autofahrer nicht mit aktiver Sicherheit, sondern schütz dich selber, so gut es geht. Denn wer in einem Auto voller ausgeklügelter Schutzvorrichtungen sitzt, ist leicht versucht, nicht mehr auf die Strasse zu schauen oder auf das, was sich darauf so alles bewegt.
Nun aber scheinen die Autobauer die Nase voll zu haben. Wieso immer alles selber machen? Sollen die andern doch auch mal was für die passive Sicherheit tun! Zum Beispiel die Radfahrer! Die haben bis jetzt ja gar nichts gemacht, bloss weil sie langsamer, leichter und viel weniger sind! Zeit zum Aufholen. Und zwar so:
Oder so:
Vielleicht eher „Lance wore it“. Dafür tragen nun alle andern solche Helme.
Oder so:
Ja, wieso kleiden wir nicht einfach alle Velofahrer in Leuchtwesten, -mützen, -jacken und -hosen? Dann wird alles gut. Und wenn wir schon dabei sind, bauen wir das Velo überhaupt nach dem Auto und erfinden ABS und Blinker fürs Fahrrad – den Motor hat es ja schon, ebenso die Spikesreifen. Vielleicht noch ein Gurtstraffer? Dank LED-Technologie können wir heute ausserdem aus unseren Rädern Leuchtobjekte machen, die auch unter dem Flutlicht eines Fussballstadions auffallen oder als Lichtinstallation durchgehen würden. Neuerdings gibt es sogar Unfälle, weil Velofahrer von Ihresgleichen im Gegenverkehr geblendet werden und kurzzeitig ihr Sehvermögen einbüssen.
Trotz diesen unmöglichen technischen Möglichkeiten: Es ist nicht richtig, die Verantwortung für die Sicherheit im Strassenverkehr allein dem Velofahrenden aufzudrücken, indem man alle möglichen technischen Gadgets an ihn schraubt und heftet. Er soll aufmerksam sein, auf der ihm vom Gesetzgeber zugedachten Verkehrsfläche verkehren und sich bei Dunkelheit angemessen beleuchten. Aber damit hat es sich dann.
In den Garantiebestimmungen eines deutschen Optik-Discounters stand einmal zu lesen, dass kein Ersatz geleistet wird bei Schäden infolge Veränderung der Kernstruktur oder Zusammenrottung. Hübsch, oder? Weil Safety-Karl auf dem Bild oben eine Brille trägt und Deutscher ist, ich aber Schweizer bin und keine Leuchtweste tragen will, möchte ich daraus ableiten: Wenn Radfahrende schon nicht ihre Kernstruktur verändern können, um in letzter Sekunde einen Zusammenstoss mit einem Auto zu verhindern, sollten sie sich schleunigst zusammenrotten. Je mehr Velofahrende auf der Strasse, desto besser werden sie gesehen, egal in welcher Kleidung. Das bewahrt sie garantiert vor Schäden, nicht nur an der Brille, sondern auch am Schädel. Ist bewiesen! „Safety in numbers“ heisst das Prinzip. Wie man das erreicht? Just ride!