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Die Galerie Baviera erinnert in ihrer Doppelretrospektive mit Werken von Wladimir Sagal (1898-1969) und Gregor Rabinovitch (1884-1958) an zwei russische Emigranten, die das Zürcher Kulturleben bereichert und das politische Zeitgeschehen reflektiert haben.
Der bei St. Petersburg geborene Gregor Rabinovitch liess sich nach Jahren in Paris und Genf 1917 in Zürich nieder, wo er sich mit seinen virtuosen Lithografien und Radierungen im Stil des Expressionismus schnell einen Namen machte. Inhaltlich thematisieren seine Arbeiten auf kompromisslose Weise Armut, Kriegsleiden und soziale Isolation; politisch engagiert, war Rabinovitch ein scharfer Kritiker des Nationalsozialismus. Sein Werk umfasst zudem Porträts von Zürcher Persönlichkeiten und Landschaften, die unter anderem im Tessin und auf Reisen in die Balkanländer entstanden sind.
Dem im weissrussischen Witebsk geborenen Wladimir Sagal gelang 1943 die Flucht aus einem französischen Internierungslager. Nach Aufenthalten in verschiedenen Schweizer Lagern darf er nach Zürich reisen, wo er bis 1949 – trotz seiner Verlobung mit der Schweizerin Lucie Aus der Au – strengen Auflagen der Fremdenpolizei untersteht. Sein Werk umfasst hauptsächlich gezeichnete Porträts von Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft. Zahlreich sind auch seine Theaterskizzen zu Aufführungen im Zürcher Schauspielhaus. Als Pressezeichner war Sagal an mehreren Zionistenkongressen anwesend und für verschiedene Zürcher Zeitungen tätig.
1991, bei der letzten Sagal-Gedenkausstellung im Stadthaus Zürich, meinte Roy Oppenheim – der das Gespräch mit Sagals Tochter Nina Zafran und Rabinovitchs Enkel Silver Hesse in der Galerie Baviera führen wird -, dass im Zentrum des Sagal’schen Oeuvres die „condition humain» stehe. Auf der ständigen Suche „nach der inneren Wahrheit der Dinge» habe Sagal seine Kunst als hermeneutischen Prozess verstanden, als einen Beitrag, die Welt verständlicher zu machen. Dies gilt sicher auch für seinen Künstlerkollegen Gregor Rabinovitch. Als früheste Mitarbeiter von Omanut haben die beiden zudem wesentlich dazu beigetragen, den Verein zu einem ernstzunehmenden und regsamen Bestandteil des Zürcher Kulturlebens zu machen.