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Ausgangslage
Untersuchungen zum gymnasialen Schulalltag in der Schweiz deuten darauf hin, dass dieser auch heute noch weitgehend einem Muster folgt, in welchem das kurzfristige Lernen von additivem Fakten-Wissen dominiert und bei dem die verbleibenden Wissensbestände “träge” sind. Zugleich werden häufig Defizite bei der systematischen Förderung von überfachlichen Kompetenzen bemängelt.
Forschungsbedarf
Die Ausleuchtung der erwähnten Problemfelder in der gymnasial- pädagogischen Forschung ist bislang ungenügend. Auch in der fachdidaktischen Forschung wurden bisher für diese Bildungsstufe nur in unzureichendem Umfang theoretisch fundierte und empirisch prüfende Untersuchungen durchgeführt. Mit der Implementation und Prüfung des anwendungs- und problemorientierten Unterrichts (APU) sollten neue Befunde vorgelegt werden. Zurück gegriffen werden konnte dabei auf die Erfahrungen aus einem im Jahre 2003 durchgeführten Vorprojekt (vgl. Eberle et al., 2004).
Grundlagen des didaktischen Modells
Das didaktische Modell des APU basiert auf Erkenntnissen der Lehr-/Lernforschung. Verknüpft werden diese mit fachdidaktischen Überlegungen, die sich aus curricularen Zielsetzungen ergeben und die oft beklagte Theorie-Praxis-Kluft verringern helfen sollen. Im Unterschied zu verschiedenen anderen pädagogischen Interventionen ist der anwendungs- und problemorientierte Unterricht nicht auf die Förderung nur einzelner Teilkompetenzen ausgerichtet. Vielmehr soll über eine Förderung systematisch zusammenhängender Teilkomponenten der Erwerb von Handlungs- und Anwendungskompetenzen verbessert werden. Die Modellierung des entsprechenden Unterrichts erfolgt über theoretisch und empirisch gestützte Leitlinien, an denen sich die Lehrkräfte bei der Planung, Durchführung und Reflexion orientieren. Die variablen Umsetzungsmöglichkeiten der Leitlinien gewähren dabei die für professionelles Lehrhandeln wichtige „Methodenfreiheit“.
Forschung
Die forschungsleitende Hypothese lautete, dass eine systematische Umsetzung der Leitlinien auf Seite der Lernenden positive Effekte im Hinblick auf fachliche und überfachliche Wirkungskategorien zeigt. Die Prüfung der Wirksamkeit des Modells erfolgte im Rahmen eines quasiexperimentellen Designs mittels eines Versuchsplans mit vier Messzeitpunkten. Um Veränderungen in den insgesamt acht Wirkungskategorien (z.B. des verbesserten Erwerbs anwendbaren Wissens; Förderung des Interesses und der Lernleistungsmotivation) identifizieren zu können, kamen quantitative und qualitative Methoden zum Einsatz.
Stichprobe
In das Projekt waren die gymnasialen Fächer „Wirtschaft und Recht“ und „Geographie“ eingebunden. Die Implementation und Prüfung des Modells erfolgt im Schuljahr 2006/07. Am Projekt waren rund 450 Schülerinnen und Schüler von 10. und 11. Klassen aus fünf Kantonen der deutschsprachigen Schweiz beteiligt. An einer Verlängerung der Durchführungsphase im ersten Semester des Schuljahres 2007/08, die durch die Bewilligung eines Gesuchs um einen NF-Zusatzbeitrag möglich wurde, nahmen zehn Klassen teil. Durch die Verlängerung wurde die Perspektive auf die Erfassung längerfristiger Effekte erweitert.