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Rötelreiher
Egretta rufescens
© 2011 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Artwork © Owen Bell
Mit einer Länge von 68 bis 82 Zentimetern, einem Gewicht um 600 Gramm und einer Flügelspannweite von ungefähr 120 Zentimetern ist der Rötelreiher (Egretta rufescens) ein mittelgrosses Mitglied der etwa 65 Arten umfassenden Familie der Reiher (Ardeidae). Die Männchen sind durchschnittlich eine Spur grösser als die Weibchen. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Geschlechter äusserlich nicht voneinander.
Es gibt allerdings unabhängig vom Geschlecht zwei verschiedene Farbschläge: Sowohl bei den männlichen als auch bei den weiblichen Rötelreihern haben manche Individuen ein schiefergraues Körper- und rostrotes Kopf-Hals-Gefieder, während andere ein vollständig weisses Kleid tragen.
Der weisse Farbschlag wurde einst als eine separate Art eingeschätzt und als Peale-Reiher (Ardea pealii) wissenschaftlich beschrieben. Der Irrtum wurde erst Jahre später bemerkt, als beobachtet werden konnte, dass es beim Rötelreiher gemischtfarbige Paare und gemischtfarbige Bruten gibt und also der Peale-Reiher bloss ein Farbschlag des Rötelreihers darstellt.
Der Rötelreiher ist im mittelamerikanischen und karibischen Raum weit verbreitet. Im Unterschied zu den meisten seiner Vettern lebt er im Allgemeinen nicht im Bereich von Seen, Sümpfen und weiteren Süssgewässern im Binnenland, sondern hält sich an den Rändern von Salz- oder Brackgewässern auf, also an Meeresküsten und in Flussmündungen. Dort bewegt er sich die meiste Zeit im seichten Wasser flacher, schlickiger Küsten- bzw. Uferabschnitte umher und macht vor allem Jagd auf kleine Fische, erbeutet aber auch Krabben, Insekten und weitere wirbellose Kleintiere.
Bei der Jagd verhalten sich viele Reiher recht passiv: Wie versteinert und mit enormer Geduld warten sie an einem Gewässerrand oder an einem anderen geeigneten Ort darauf, dass ein unachtsames Beutetier in ihre Reichweite gelangt. Der Rötelreiher gehört nicht zu ihnen - er bevorzugt aktivere Jagdtechniken: Oft schreitet er gemächlich durch das seichte Wasser und zuckt immer wieder mit den Flügeln. Schreckt er mit seinen Füssen oder mit seinen Flügeln ein Beutetier auf, so wirft er sofort zielsicher seinen Kopf wie einen Speer nach vorn und packt es mit dem Schnabel oder spiesst es mit demselben auf. Eine andere Jagdweise besteht darin, wild umherzurennen und dabei mit den Flügeln zu schlagen. Auch auf diese Weise vermag er offensichtlich Beutetiere aus ihren Verstecken hervorzuscheuchen, nach denen er dann blitzschnell sticht.
Die Rötelreiher gehen zwar vorzugsweise einzeln auf Beutefang; zur Brut schreiten sie aber häufig in grösseren, oft mehrere Dutzend Nester umfassenden Kolonien. Soweit wir wissen, führen sie kein monogames Leben; die Paare halten also nicht mehrere Jahre oder gar ein Leben lang zusammen, sondern bilden sich in jeder Brutsaison neu.
Sein Nest baut das Rötelreiherpaar an einem vor Wind und Blicken gut geschützten Ort, meistens auf einem Gehölz, manchmal aber auch am Boden. Es handelt sich um eine kreisrunde Plattform aus Stöckchen und Zweigen, welche eine Höhe von etwa 10 Zentimetern und einen Durchmesser von 50 bis 70 Zentimetern aufweist.
Das Gelege umfasst in den meisten Fällen drei oder vier bläulichgrüne Eier. Die beiden Altvögel beteiligen sich partnerschaftlich am Bebrüten des Geleges, bis nach einer Brutzeit von etwa 30 Tagen die jungen Rötelreiher aus den Eiern schlüpfen. Sie sind zunächst fast vollständig nackt, doch lässt sich anhand der wenigen vorhandenen Flaumfederchen bereits ihre Farbschlagzugehörigkeit erkennen. Später wächst ihnen ein graues bzw. weisses Daunenkleid. Flugfähig werden sie im Alter von etwa sieben Wochen, und ungefähr weitere drei Wochen später lösen sie sich bereits von ihren Eltern und machen sich selbstständig. Das Höchstalter beträgt in der freien Wildbahn etwa zwölf Jahre.
Der Rötelreiher steht in der Kategorie «Potenziell Gefährdet» auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN). Als Begründung wird genannt, dass die Brutvorkommen innerhalb des weiten Artverbreitungsgebiets weit verstreut liegen, dass die Fachleute den Gesamtbestand auf nur noch ungefähr 11000 Brutvögel schätzen, und dass der verfügbare Lebensraum weiter schwindet. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass die Bestände der Rötelreiher nur noch innerhalb von Schutzgebieten stabil sind, ausserhalb derselben jedoch rückläufig.
Es sind vor allem die vielfältigen Beeinträchtigungen seiner Küstenlebensräume, die dem Rötelreiher zu schaffen machen. Je mehr seichte, schlickige Küstenstriche aufgefüllt, trockengelegt, überbaut, touristisch erschlossen, verschmutzt oder sonstwie beeinträchtigt werden, desto weniger Lebensraum und Nahrungsgrundlage bleiben für ihn übrig.
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