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Sakerfalke (oder Würgfalke)
Falco cherrug
© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Artwork © Owen Bell
Die zur Ordnung der Greifvögel (Falconiformes) gehörende Familie der Falken (Falconidae) umfasst weltweit 67 Arten. 39 von ihnen, also fast sechzig Prozent, sind einander körperbaulich dermassen ähnlich, dass sie in einer einzigen Gattung, derjenigen der Eigentlichen Falken (Falco), zusammengefasst werden.
Einer der grössten unter ihnen ist der Sakerfalke oder Würgfalke (Falco cherrug). Er weist eine Länge von 46 bis 58 Zentimetern und eine Flügelspannweite von 104 bis 129 Zentimetern auf, wobei - wie bei vielen Greifvogelarten - die weiblichen Individuen im Durchschnitt deutlich grösser sind als die männlichen: Sie wiegen zwischen 950 und 1300 Gramm und haben eine Flügellänge von etwa 40 Zentimetern, während die Männchen ein Gewicht von 700 bis 1150 Gramm und eine Flügellänge von etwa 36 Zentimetern aufweisen. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Geschlechter äusserlich nicht voneinander.
Das Brutgebiet des Sakerfalken erstreckt sich über die offenen Steppen, Halbwüsten und felsigen Hochebenen Osteuropas und Zentralasiens - von Österreich und Ungarn im Westen bis zur Mongolei und nach China im Osten, und von Meereshöhe bis in Lagen von ungefähr 1000 Metern ü.M.
Überwinternde Bestände finden sich in verschiedenen Regionen südlich des genannten Brutareals, darunter in Indien, Iran, Ägypten, Sudan und Kenia. Tatsächlich sind die Sakerfalken, welche im nördlichen Bereich des Brutareals brüten, im Allgemeinen Zugvögel, während diejenigen, die dies im südlichen Bereich des Brutareals tun, mehrheitlich Standvögel sind. Manche Bestände verhalten sich hinsichtlich ihres Zugverhaltens allerdings flexibel: Beispielsweise bleiben die ungarischen Sakerfalken bei günstigen Nahrungsverhältnissen jeweils im Brutgebiet; anderenfalls streichen sie in den östlichen Mittelmeerraum ab oder ziehen gar weiter nach Süden bis Ostafrika.
Der Sakerfalke ist ein äusserst schneller und wendiger Jäger. Meistens geht er in unmittelbarer Bodennähe auf Beutefang und erlegt sowohl fliegende als auch am Boden sich aufhaltende Tiere. Mittelgrosse Säugetiere wie Ziesel bilden am Boden, mittelgrosse Vögel wie Tauben in der Luft seine häufigsten Opfer.
Ausserhalb der Fortpflanzungszeit leben die erwachsenen Sakerfalken einzelgängerisch. Jeweils zu Beginn der Brutsaison finden sie sich zu Paaren zusammen und besetzen grossflächige Brutreviere, in denen sie keine fremden Artgenossen dulden. In Steppengebieten horsten sie gewöhnlich auf Bäumen, und zwar stets auf alten Nestern anderer Vogelarten, darunter Bussarden und Krähen. Seltener brüten sie in den Steppen an Felsen oder Steilhängen, was hingegen in den Hochländern Zentralasiens häufig der Fall ist.
Gewöhnlich im April legt das Weibchen 3 bis 4 Eier. Die jungen Sakerfalken schlüpfen nach einer Brutdauer von 32 bis 35 Tagen aus denselben. Während ihren ersten beiden Lebenswochen werden sie rund um die Uhr vom grösseren, kräftigeren Weibchen betreut und bewacht, während das kleinere, wendigere Männchen unermüdlich auf die Jagd geht und die ganze Familie mit Nahrung versorgt. Mit etwa sieben Wochen sind sie flügge und verlassen dann das Nest, bleiben jedoch noch weitere fünf bis sechs Wochen auf die Zufütterung durch ihre Eltern angewiesen.
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) und BirdLife International schätzten die Population des Sakerfalken bereits im Jahr 1990 auf insgesamt nur noch 8500 bis 12 000 Paare, im Jahr 2003 dann sogar auf nur noch 3600 bis 4400 Paare. Aufgrund des besorgniserregenden Populationsschwunds von insgesamt 50 bis 70 Prozent innerhalb von kaum mehr als einem Jahrzehnt wurde die Art im Jahr 2004 auf der Roten Liste von «Verletzlich» zu «Bedroht» hochgestuft.
Der dramatische Rückgang des Sakerfalken im ausgehenden 20. Jahrhundert ist in erster Linie auf den Fang junger, gut abrichtbarer Individuen für die Beizjagd zurückzuführen. Diese als «Sport» betriebene Jagd auf kleines Haar- und Federwild mit Hilfe von abgerichteten Greifvögeln hat vor allem auf der Arabischen Halbinsel eine jahrtausendelange Tradition. Jagdfalken bilden dort seit Generationen ein wichtiges Statussymbol - und werden heute, aufgrund des grossen Reichtums der «Falkner» auf der Arabischen Halbinsel, zu unglaublichen Preisen gehandelt. Der Fangdruck auf die wild lebenden Bestände ist entsprechend immens.
Sakerfalken werden vor allem in ihren Brutgebieten, teils aber auch entlang der Zugrouten und in den Winterquartieren gefangen. Da die Art heute in vielen Ländern unter gesetzlichem Schutz steht und zudem ihr Handel im Rahmen der Konvention über den Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (CITES) überwacht wird, erfolgt der grösste Teil des Fangs und des Handels illegal. Aufgrund der enormen Geldsummen, die im Spiel sind, lässt sich dennoch äusserst schwer dagegen ankommen.
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