Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03514.jsonl.gz/1958

April 1986, ein Monat welcher wegen der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl in die Geschichte einging. Hunderttausende Tonnen radioaktives Material wurde dabei in die Luft abgegeben und man ging davon aus, dass die Gegend um das Kernkraftwerk für sehr lange Zeit eine tote Zone bleiben wird.
Doch mittlerweile nach rund 20 Jahren wächst in der radioaktiv verseuchten Zone dichter Wald und Biologen haben Tiere gefunden, welche sonst in Europa kaum mehr zu finden sind. Obwohl die Radioaktivität noch stark erhöht ist, haben sich Luchse, Wölfe, Rehe, Füchse und sogar Elche angesiedelt. Im brüchigen Sarkophag, welche den Reaktor abschirmt, wurden brütende Vögel entdeckt.
Die Wissenschaftler sind sich uneinig, welche Auswirkung die Radioaktivität auf die Tiere hat. Laut dem Biologen Robert Baker haben Nagetiere die Fähigkeit entwickelt sich an die Radioaktivität anzupassen. Er erklärt mit seinen Studien, dass selbst stark belastete Gebiete ein dynamisches Ökosystem ergeben.
Anders sieht das der Biologe Timothy Mousseau. Er erklärt, dass die Tiere zwar nach Tschernobyl zurück kehren, jedoch Mühe haben dort zu überleben. Mousseau untersuchte Rauchschwalben und fand elf seltene Missbildungen, wie zum Beispiel verformte Schnäbel, welche die Überlebensraten deutlich schmälern.
Weiter fanden Forscher heraus, dass eine andauernde geringe Strahlenbelastung gewisse Gene aktivieren kann, welche in der Lage sind freie Radikale zu binden. Zudem werden Antioxidantien benötigt um sich vor Strahlung zu schützen. Schwalben die lange Strecken im Jahr zurücklegen, verbrauchen dabei den grössten Teil ihrer Antioxidantien. Dies könnte der Grund sein, weshalb viele grobe Missbildungen bei Schwalben entdeckt wurden und nicht bei Nagetieren.
Fakt ist, dass die Tiere die von den Menschen verlassene Zone als Rückzugsgebiet nutzen. Die Frage bleibt, ob sie dort dauerhaft bleiben oder die Radioaktivität ihre Gesundheit so sehr beeinträchtig, dass sie keine Überlebenschance haben.
Bild: von Sven Teschke (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons