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Sperrstelle Mülenen BE
Das Kandertal mit der wichtigen Lötschberg-Bahnlinie wurde in Mülenen zur Sperrung vorbereitet, quasi die dritte Linie. Zudem sind hinter dieser Sperre wichtige Versorgungseinrichtungen wie die Armeeapotheke in Kandersteg oder diverse Munitions- und Lebensmittellager entstanden. In Kien war der Kriegs-KP der 3. Division entstanden, in Frutigen wurde der KP des 1. Armeekorps, später als Kommandoposten der Reduitbrigade 21 genutzt – erstellt.
Der Wiler Mülenen eignet sich ideal, um den Zugang zum Kandertal – und somit auch die Lötschberg-Transitachse – zu sperren. Der Wert dieser engen Stelle wurde schon früh erkannt, spätestens im 13. Jahrhundert wurde die heute teilweise wieder sichtbare Sperrmauer erstellt. Diese «Letzi» genannte Sperre (eine Mauer von 1,45 Meter Breite und bis zu fünf Metern Höhe) wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Umfahrungsstrasse wieder entdeckt und ist heute unter Schutz. Im Zentrum dieser frühen Anlage stand die Burg auf einem teilweise künstlich erstellten Hügel.
Bekannte Objekte
- A1975 Infanteriewerk Suldschlucht – 619925/165275: Das Infanteriewerk Suldschlucht lag genau in der Schussachse des Bunkers Niesen/Kander. Es war relativ gross geplant und erbaut worden, die Besatzung umfasste einen ganzen Zug. Die eingebaute Bewaffnung variiert je nach Unterlagen, ursprünglich soll eine 7,5 cm-Bunkerkanone zur Panzerabwehr eingebaut gewesen sein (zudem 2 Mg und eine Ik). Der Eingang ist auf der Frontseite, flankiert von einer Scharte. Der Hintereingang (oder Notausgang?) ist ebenfalls mit einer wuchtigen Scharte versehen worden.
- A1976 Infanteriebunker Bergfuss – 619630/165200.
- A1977 Infanteriebunker Ruine: Der Bunker (619550/165200) hatte eine zentrale Stellung innerhalb der Sperre Mülenen. Über diesem Bunker steht heute ein Chalet, der mittelalterliche Sodbrunnen konnte glücklicherweise konserviert werden.
- A1978 Infanteriebunker Kander/Niesen: Der Bunker (619180/165350) ist für die konventionelle Bewaffnung mit einer Ik/Pak respektive einem Mg und Beobachter ausgelegt. Statt jedoch doppelstöckig ausgeführt zu werden, ist die Anlage aufgrund der geografischen Situation in den Hang hineingebaut worden. Das Munitionsmagazin und die Unterkunft für den eingeteilten Halbzug war also unmittelbar hinter dem Kampfstand. Genau in der Achse der Waffen war die Höckersperre sowie die Schartenfront des Felsenwerkes Suldschlucht. Die Feuerstände wurden im Mai 1941 festgelegt, der Baubeginn erfolgte sofort nach Vertragsunterzeichnung mit der Baufirma Mitte Juli 1941 (Kosten 83’700 Franken). Es gab jedoch beim Bau Verzögerungen wegen Rutschgefahr des Hanges. Schliesslich konnte der Bau im April 1942 beendet werden. Die im August 1943 in den Unterlagen aufgeführte Abrechnung ergab einen Gesamtbetrag von 182’574 Franken. Die Batterie zum Schiesspanorama des Mg wurde letztmals 1993 gewechselt – im September 2009 funktionierte das Licht beim ersten Einschalten: Das ist Qualität, aber ich will gar nicht wissen, was die Batterie uns Steuerzahler gekostet hat!
- M2825 Sprengobjekt Waldrain
- TXXXX GPH: Der unterste Teil des Suldbachs war als Panzergraben ausgebildet worden. Das dahinterliegende Hindernis bestand aus einer sechsreihigen Höckersperre (heute abgebrochen), aus Strassenbarrikaden und vorbereiteten Sprengungen respektive Überflutungen.
- B0844 Munitionsmagazin – 620541/165488
- B0847 Munitionsmagazin – 620276/165311
- B0846 Munitionsmagazin – 620385/165398
- B0848 Munitionsmagazin – 620504/165436
- B8585 Nomadenhaus – 619832/165256
- AXXXX Untertag-Munitionsmagazin – 620135/165181
Als die Armee im Zweiten Weltkrieg das Reduit bezog, wurde Mülenen erneut wichtig. Eine moderne Sperre entstand 1941 teilweise auf den Überresten der alten. Vorgesehen hatte die Armeeführung, hier notfalls die Bahnlinie der Lötschbergbahn zu unterbrechen. Dieser Auftrag zur Sperrung wurde vom 1. Armeekorps wie folgt umgesetzt: Mit dem Ausbau des bereits begradigten Suldbaches zu einer Betonwanne von 14,5 Metern Breite und 3,5 Metern Tiefe entstand ein für – damalige – Panzer kaum überwindbares Geländehindernis. Verstärkt wurde die Sperre durch die davor liegenden Infanteriehindernisse, Minen und Sprengfallen. Taleinwärts wurde eine sechsreihige Höckersperre errichtet – kombiniert mit Stacheldraht. Durchgänge in den Mauern für den örtlichen Verkehr konnten mittels Eisenbahnschienen rasch verbarrikadiert werden. Sprengkammern waren bereit und geladen, um die Geleise zu zerstören. Ein Mineur-Detachement war in den Sperrtruppen integriert. Der Durchgang unter der Bahnlinie war vorgesehen, um mit einer lokalen Überflutung gesperrt zu werden.
Unmittelbar hinter der Sperre waren betonierte Stellungen für eine mobile 10,5 cm Kanonenbatterie (drei 10,5 cm Kan 35 plus verbunkertes Leitgeschütz) gebaut worden. Deckname der Stellung war «Mühle» (A1970-73).
Die bestehenden Infanteriebunker werden vom Verein Infanteriefestung + Berner Oberland betreut. 2016 wurde von der armasuisse geplant, die Artillerie-Splitterschutzschilde sowie die Munitionsmagazine abzureissen. Dagegen hat der Heimatschutz Einsprache gemacht, um zumindest den historischen Wert der Anlagen zu prüfen. Das Fazit Mitte 2017: Die Munitionsmagazine werden abgebrochen, nachdem sie dokumentiert worden sind. Die Schilde und das dazugehörige Munitionsmagazin werden also bis auf weiteres erhalten bleiben – ebenfalls als Relikt dieser historisch wichtigen Sperrstelle.