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Geschichte der Kirche Kallnach
Die alte Kirche
Die heutige Kirche trägt die Jahrzahl 1607.Sie ist jedoch nicht das erste Gotteshaus, das Kallnach besitzt beziehungsweise besass. Es gibt dafür verschiedene Belege. Einmal musste schon im Jahre 1540 "dem Pfarrer zu Kallnach ein Baumgarten" hergerichtet werden. Darüber hinaus ist Kallnach 1530, also unmittelbar nach der Reformation, kirchlich selbständig geworden. Es existiert ein Verzeichnis der Pfarrer, die alle in Kallnach gewirkt haben. Dieses beginnt mit dem Jahre 1530.
Aber es gibt noch ein älteres Dokument dafür, dass früher hier schon ein Gotteshaus bestanden hat. Die Pfarrkirchen sind oft von adligen Familien gestiftet worden. Die Adligen stifteten den sogenannten Kirchensatz, der drei Dinge umfasste: Ein Vermögen, aus dem der Pfarrer seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte, ein Grundeigentum, das zum Unterhalt der Kirche diente und das Recht, den Pfarrer zu wählen. Ueber den Kirchensatz von Kallnach ist uns eine Nachricht erhalten, die aus dem Jahre 1230 datiert. Ein gewisser Gottfried von Oltigen vergabte damals den Kirchensatz von Kallnach dem Bistum Lausanne.
Altes und neues Geläute
Bis heute fehlen die steinernen Zeugen der ersten kirchlichen Zeit von Kallnach. Aber die Kallnacher besitzen noch eine kleine Kostbarkeit. Neben der Kirche befindet sich seit 1973 ein ebenerdiger Glockenstuhl, in dem die beiden früher benützten Glocken hängen. Die eine Glocke trägt die Jahrzahl 1487 und in gotischen Minuskeln die Aufschrift: "Ich bin ein glog vein gesamlet von einer ganzen gemein/Ave Maria gracia plena dominum tecum/ Lukas 1, 28". Die zweite Glocke, die im kleinen Glockenstuhl hängt, wurde 1961 bei Abraham Gerber in Bern gegossen. Sie ist geschmückt mit prächtigen Blumengirlanden und schön herausgearbeiteten Berner Wappen. Verewigt sind darauf auch die Namen der damaligen Dorfgrössen, des Pfarrers und des Landvogts von Aarberg. Heute rufen drei Glocken aus der Giesserei Rüetschi, Aarau, zum Wort Gottes. zweimal täglich erinnern sie - wie es auf einer Glocke heisst: "Ich rufe dich aus der Arbeit fort; halt ein, um Gottes Wort zu Preisen."
Die heutige Kirche
Die jetzige Kirche besteht aus einem einschiffigen Langhaus. Nach einer in Stein eingelassenen Tafel wurde der Chor 1607 erstellt. "Zu der Zyt was hie Praedicant Abraham Bosshard von Bern genampt." Der Chorbogen trägt die eingemeisselte Jahrzahl 1627. Genau vierzig Jahre später ist der Taufstein dazugekommen und 1663 die sehr schöne, aus verschiedenen Hölzern verfertigte Kanzel.
Für die Fenster im Chor sind spezielle Glasgemälde hergestellt worden: Zwei hübsche Berner Wappen mit dem Reichsadler und den Jahreszahlen 1608 und 1627 - und je ein Bannerträger mit dem Wappen der Stadt Büren und der Stadt Nidau. Alle vier Scheiben wurden dem Landesmuseum in Zürich verkauft - zum Preise von 2000 Franken! Mit dem Erlös kaufte die Kirchgemeinde dem Staate den Chor ab und erstand die beiden Fenster im Chor: der sinkende Petrus und die Rückkehr des verlorenen Sohnes. (Diese beiden Fenster wurden später für einige Jahrzehnte durch eine im Chor aufgestellte Orgel verdeckt.) Anlässlich der Renovation von 1949/50 wurde versucht, die verkauften Glasfenster zurückzuerwerben. Aber ohne Erfolg.
Zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde die Kirche mehr als einmal "renoviert". Es wurden ohne Grosse Fachkenntnisse neue Fenster eingesetzt - und trotzdem blieb der Raum dunkel, nicht zuletzt wegen der immer rauchenden Oefen... 1945 beschloss die Kirchgemeinde eine grosse Renovation. Der Berner Münsterbaumeister Peter Indermühle übernahm den Auftrag, einen Plan vorzulegen. Das Unmögliche gelang ihm. 1949/50 wurde die Erneuerung durchgeführt- und so entstand der heutige helle und freundliche Raum, belichtet durch drei neue gotische Fenster. Es wurde versucht, möglichst den ursprünglichen Zustand der Kirche wieder herzustellen. Zementplatten wurden durch Sandstein ersetzt. Die mussten währschaften Holzbänken weichen. Die unschöne Gipsdecke wurde herausgerissen. Heute ist eine erstklassige Zimmermannsarbeit aus Weisstanne zu bewundern. Die Orgel wurde vom Chor auf die Empore versetzt. Und schliesslich gewann der Raum in seiner Akustik.
1973 wurde die erste grosse Renovation-Restauration mit dem Umbau des Dachreiters abgeschlossen. Dieser bekam wieder die ursprüngliche Gestalt wie auf einem alten Weibel-Stich aus dem Jahre 1824 zu sehen ist. Auszug aus "Kirchen im Seeland", 1980 » Bilder
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