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Short Selling, Short Positionen, Short Squeezes – in dieser Serie erklären wir Begriffe rund um den Aktienhandel. Die Miniserie ist folgendermassen aufgebaut:
Hedgefonds-Serie: Leerverkauf – was ist das?
Short gehen, Short Selling oder Leerverkauf – spätestens seit dem spektakulären GameStop-Fall sind solche Begriffe in aller Munde. Doch wissen Sie auch, was sie bedeuten? Wir klären auf.
- Teil 1: Was geschah im Fall GameStop und wie beeinflussen Communities die Kurse?
- Teil 2: Leerverkauf – was ist das?
- Teil 3: Short Squeeze – einfach erklärt
Hinter den Begriffen «Short gehen», «Short Selling» und zu Deutsch «Leerverkauf» steht dieselbe Handelsmethode. Aber was ist denn nun kurz oder leer bei diesem Verkauf? In diesem Artikel, dem zweiten Teil unserer Hedgefonds-Serie, zeigen wir auf, was mit diesem Konzept gemeint ist, welche Arten von Leerverkäufen es gibt und was sie so risikoreich macht.
Was sind Leerverkäufe, beziehungsweise was ist Short Selling?
Short bedeutet im Anlagekontext, dass man auf sinkende Kurse spekuliert und zuerst etwas verkauft, das einem nicht gehört. Ein Leerverkauf findet also statt, wenn Vermögenswerte an der Börse verkauft werden, die nicht Eigentum der Anlegerin oder des Anlegers, sondern bloss geliehen sind. Warum würde jemand etwas verkaufen, was ihr oder ihm nicht gehört, und wie ist dies möglich? Der Anleger verkauft gewisse Aktien zu einem bestimmten Preis, weil er davon ausgeht, dass der Aktienkurs sinkt und er die Aktie zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sich der «perfekte» sinkende Aktienkurs entwickelt, wieder kaufen kann.
Grundsätzlich ist Short Selling nur möglich, wenn Grossaktionäre wie Pensionskassen an der Börse sind, die ihre Aktien verleihen. Warum sollte das jemand mit seinen Aktien tun? Ganz einfach: Weil er für das Verleihen der Aktien unter anderem eine Gebühr verlangen kann. Wie das konkret abläuft, zeigt folgendes Beispiel:
Wie genau funktionieren solche Leerverkäufe?
Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine Aktie, also einen Anteil an einem Unternehmen, von einer Bank ausleihen. Für diese Leihgabe zahlen Sie der Bank eine Gebühr von CHF 20.–. Die Aktie können Sie aktuell für CHF 1’000.– verkaufen. Und genau das tun Sie, denn Sie glauben, dass der Kurs der Aktie sinken wird – eine hochspekulative Wette.
Nun sinkt der Kurs der Aktie tatsächlich, und Sie kaufen die Aktie einige Wochen später auf dem Aktienmarkt für CHF 900.– zurück. Was ist der Gewinn, den Sie erwirtschaftet haben? Richtig, CHF 80.– . Die geliehene Aktie können sie nun entspannt der Bank zurückgeben.
So funktioniert das Spekulieren auf fallende Kurse, wie es Hedgefonds unter anderem tun. Genau das wurde auch im Fall GameStop getan, wie Sie bereits in unserem ersten Artikel «Hedgefonds-Serie: Was geschah im Fall GameStop und wie beeinflussen Communities die Kurse?» erfahren haben.
Es wird zwischen gedeckten und ungedeckten Leerverkäufen unterschieden
Bei Leerverkäufen wird zwischen gedeckten und ungedeckten Verkäufen unterschieden.
Gedeckter Leerkauf
Der Normalfall sind die gedeckten Leerverkäufe, bei denen der Basiswert, also die Aktie, tatsächlich ausgeliehen wurde. Dies entspricht dem oben erklärten Fall.
Ungedeckter Leerverkauf
Seltener kommt es aber auch vor, dass die Basiswerte nicht im Besitz der Leerverkäuferin oder des Leerverkäufers sind, also auch nicht an diese oder diesen ausgeliehen wurden. Es wird dabei bloss angenommen, dass die Basiswerte verkauft und zum tieferen Kurs zurückgekauft werden können. In diesem Fall handelt es sich um einen ungedeckten Leerverkauf (Naked Short Selling). Solche Leerverkäufe sind doppelt spekulativ, weil nebst dem Kursrisiko auch das Risiko besteht, dass der Verkäufer die Papiere gar nicht besitzt, da er glaubt, sich bis zum Lieferzeitpunkt billiger damit eindecken zu können. Ungedeckte Leerverkäufe sind deshalb neben anderen Ländern auch in der Schweiz untersagt.
Leerverkäufe werden als Kassa- oder Termingeschäft abgewickelt
Eine weitere Unterscheidung ist zu machen: jene zwischen Kassa- oder Termingeschäft.
Kassageschäft
Beim Kassageschäft handelt es sich um eine normale Verkaufsabwicklung, wie wir sie aus dem Alltag kennen. Diese ist üblich beim Short Selling. Wird das Geschäft abgeschlossen, ist der Verkäufer verpflichtet, innerhalb von zwei bis drei Geschäftstagen die verkaufte Ware – in diesem Falle die Aktie – zu liefern.
Termingeschäft
Bei einem Termingeschäft hingegen lässt sich der Lieferzeitpunkt frei vereinbaren. Eine Leerverkäuferin oder ein Leerverkäufer kann den Terminkauf vor Fälligkeit vornehmen und die Position glattstellen. Sie oder er kann aber auch den Basiswert kaufen und bei Fälligkeit liefern.
Welche Risiken bergen Leerverkäufe?
Das Leerverkaufen kann problematisch werden. Was, wenn die Kurse stark steigen und die Aktie aus unserem Beispiel plötzlich CHF 1’500.– Wert hat? Die Bank wird die geliehene Aktie zurückwollen, und die Leerverkäuferin oder der Leerverkäufer würde Verlust machen: CHF 500.– aus dem Kursanstieg plus CHF 20.– Leihgebühr.
Richtig ungemütlich wird es, wenn der Preis plötzlich um mehr als das Zehnfache steigt, wie es im Fall der GameStop-Aktien geschehen ist. Ausnahmefälle wie der GameStop-Fall, bei dem Spekulationen für Aufsehen sorgten, tragen zum negativen Image der Leerverkäufe bei. Doch auch wenn sie einen schlechten Ruf haben: Leerverkäufe sind nicht ausschliesslich negativ.
Wieso Short Selling auch gute Seiten hat
Short Selling geniesst einen zweifelhaften Ruf, und Hedgefonds werden zum Teil als «Zerstörer» von Unternehmen bezeichnet. Es hat aber auch gute Seiten, das «Shorten» gehört ebenso zum Finanzmarkt wie das Investieren, die einen positiven Effekt auf die Marktliquidität haben. So gehören zum Beispiel Pensionskassen oder Rentenfonds zu den Aktienverleihern, was dafür spricht, dass der Markt liquider wird und sie so zusätzliche Gewinne aus ihren langfristigen Anlagen ziehen können. Zudem ist es grundsätzlich legitim, als Anlegerin oder Anleger darauf zu wetten, dass der Aktienkurs eines Unternehmens fallen wird. Das kann beispielsweise angebracht sein, wenn die Quartalszahlen nicht so ausfallen wie von den Analysten erwartet oder es auf Managementstufe zu unerwünschten Veränderungen oder Skandalen kommt. Grundsätzlich sollten Leerverkäufe professionellen Händlern überlassen werden.
Dies ist der zweite Teil unserer Hedgefonds-Serie. Lesen Sie auch die Fortsetzung unserer Serie zu Hedgefonds.