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Gleich wie die Spekulation mit Immobilien (Anfang der 90er Jahre in der Schweiz) und Aktien (Dotcom-Blase 1995-März 2000) immer wieder zu überhöhten Preisen führt, ist auch die Spekulation mit Nahrungsmitteln zu beurteilen. Nur trifft diese die Ärmsten der Armen. Die Preise der vier Hauptnahrungsmittel Reis, Mais, Weizen und Sojabohne verdreifachten sich zwischen 2005 und 2008. In Entwicklungsländern kam es während der Nahrungsmittelpreiskrise 07/08 zu Anstiegen der Verbraucherpreise von bis zu 40 Prozent. Solche extremen Preisausschläge haben mit Angebot und Nachfrage nichts mehr zu tun. Ursache sind Finanzkonzerne, die mit ihren spekulativen Anlagestrategien den Markt mit Liquidität überschwemmen. Werden steigende Preise verzeichnet, investieren alle AnlegerInnen massiv in das entsprechende Produkt, die Nachfrage wird erhöht und damit steigen die Preise noch weiter. Eine Blase entsteht. Seit die Rohstoffbörsen für spekulative AnlegerInnen geöffnet worden sind, sind die Preisschwankungen ausser Kontrolle. Nahrungsmittelspekulation kann kurz und mittelfristig die Preise auf einem Niveau halten, das für die ärmsten Bevölkerungsschichten Hunger und Tod bedeuten kann.
Es ist unbegreiflich, dass der frühere Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik im SECO, Prof. Dr. Aymo Brunetti, noch 2008 (Die Volkswirtschaft 9-2008, Seite 5) behaupten konnte, die Spekulation spiele bei der Preisbildung keine relevante Rolle. Was passiert, wenn die Menge der Kauforder jene der Verkaufsorder ständig übersteigt? Die Verkäufer erhalten das Signal, dass sich der Markt verknappt und erhöhen die Verkaufspreise. Solange die Käufer und Verkäufer glauben, dass sich die Preise auch in Zukunft erhöhen werden, bleiben die Preise oben. Auch wenn die Realwirtschaft und die Lagerhaltung andere Signale geben, können solche Erwartungshaltungen über eine längere Frist bestehen bleiben und zu unerwünschten Verzerrungen führen. Zahlreiche Studien verschiedener Institutionen, unter anderem der Weltbank, belegen die Folgen der Spekulation für Millionen von Menschen auf der Welt. Höhere Nahrungsmittelpreise sind selbstverständlich auch ein Anreiz, mehr zu produzieren. Kurz- und mittelfristig kann die Produktion aber nicht gesteigert werden, so dass die negativen Folgen der Preissteigerung voll auf die KonsumentInnen durchschlagen.
Die EU revidiert derzeit ihre Finanzmarktrichtlinie (Mifid). Im Zentrum der Debatte steht die Einführung von Positionslimits, also Obergrenzen für jeden Marktteilnehmer und jede Ware. Die Idee dahinter ist, dass keine Bank im Auftrag eines einzelnen Kunden Milliardenbeträge investieren kann. Auch Befürworter dieser Massnahme anerkennen allerdings, dass es Schlupflöcher und Umgehungsmöglichkeiten gibt. Sie hoffen aber, den Preisausschlägen zuminderst die Spitze brechen zu können. Auch die USA arbeiten daran, die Rohstoffbörsen wieder stärker zu regulieren.
Ein sehr grosser Teil der Spekulation mit Nahrungsmitteln läuft über die Schweiz und die grössten Rohstoffunternehmen der Welt haben hier ihren Firmensitz. Der Kampf gegen das Geschäft mit Hunger muss deshalb hier beginnen. Es ist an der Zeit, dass die Schweiz mit gutem Beispiel vorangeht und ein Verbot auch auf das internationale politische Parkett hievt.
Das Abwandern von den Geschäften ins Ausland ist unwahrscheinlich. Pensionskassen können nicht ins Ausland und für die Grossbanken ist der ‚Farbtupfer‘ Nahrungsmittelspekulation kein Grund, den Sitz und alle Niederlassungen zu schliessen, die Schweiz hat viele andere Standortvorteile. Es ist also nicht nur möglich, sondern notwendig, dass wir in der Schweiz beginnen und dieses widerliche Geschäft verbieten.
Die Eidg. Volksinitiative „Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln!“ verlangt Bundesvorschriften zur Bekämpfung der Spekulation mit Agrarrohstoffen und Nahrungsmitteln.