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«Wenn das Volk entwaffnet ist / Kommt der Krieg», notierte Bertolt Brecht, als er sich mit den Februarkämpfen 1934 in Österreich beschäftigte. Die sozialistischen ArbeiterInnen, organisiert im Republikanischen Schutzbund, erhoben sich damals gegen das austrofaschistische Dollfuss-Regime, wurden aber schnell besiegt. Die Räterepublik im steirischen Bruck an der Mur existierte nur einen Tag lang, ihr Anführer Koloman Wallisch wurde von einem Standgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. «Eine Eiterbeule am Körper des obersteirischen Volkes», nannte ihn der Staatsanwalt. Auch das notierte Brecht, der über «Koloman Wallisch, den Kämpfer» eine Kantate schreiben wollte. Erhalten sind davon einige Gedichte, darunter die denkwürdigen Zeilen: «Wer den Kampf nicht geteilt hat / Der wird teilen die Niederlage.»
Der Autor und Brecht-Forscher Werner Wüthrich entdeckte im Material, das Brecht in der Schweiz zurückliess, Notizen, bisher unbekannte Gedichtzeilen sowie ein Manuskript, das man als Handlungsplan zur «Koloman-Wallisch-Kantate» lesen kann, die von Hanns Eisler hätte vertont werden sollen. Daraus hat Wüthrich eine Art Lehrstück entwickelt, das ausdrücklich keine Rekonstruktion sein will. Der Text besitzt nicht Brechts bestechende Knappheit, aber das Drama bietet gerade durch seine Ausführlichkeit ein gut verständliches Angebot für Laien, die diesen historischen Fall auf die Bühne bringen wollen.
In einem Essay erläutert Wüthrich die Ereignisse im Februar 1934 sowie Brechts Situation im Exil. Hochinteressant sind die Ausführungen zur Entwicklung der Sowjetunion hin zum Stalinismus: Sie mündete für viele Menschen und auch für die Kultur in eine Katastrophe – und könnte schuld daran sein, dass Brecht die Arbeit an der «Koloman-Wallisch-Kantate» abbrach. Diese wird nun 2014, vermutlich in Graz, zum 80. Jahrestag der Februarkämpfe in der Fassung des Schweizer Autors zur Uraufführung kommen.