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Man sagt, alle diejenigen, welche um Fraufasten in der Mitternachtsstunde geboren werden, seien geistersichtig. Wüssten sie aber vierundzwanzig Stunden lang über das zuletzt Gesehene zu schweigen, so könne ihnen keinerlei Spuk Schaden thun. So ein Kind war im Dorfe Holderbank.
Als dieses Mädchen einst zwischen 10 und 11 Uhr nachts mit mehreren Gespielinnen vom Schloss Wildegg aus, in dem sie gearbeitet hatten, über den Berg in ihr Dorf heim gehen wollte, trat ihr plötzlich ein grüngekleideter Mann mit Gewehr in den Fusspfad. Sogleich kehrte sie zurück und gelangte auf einem grosssen Umweg erst um ein Uhr zu ihrem Haus. Die andern Mädchen wussten nicht, wo sie hingekommen war und hatten schon verbreitet, sie sei durch einen Jägersmann erschossen worden. Später einmal, da sie als Braut mit ihrem Bräutigam von Holderbank nach Saffenwil auf dem Wege war, kam ein schwarzes Hündchen zwischen ihnen hergelaufen. Sie begab sich alsbald auf die andere Seite der Strasse. Und trotz aller Fragen ihres Bräutigams, warum sie sich von ihm entferne, blieb sie ihm die Antwort volle 24 Stunden lang schuldig.
E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.