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Das Gold der USA reiche bei weitem nicht mehr aus, um den Dollar gegenüber Amerikas Schulden zu stützen, behauptet der Börsenguru Jim Rogers.
Der Amerikaner Jim Rogers (Bild) erstellte in der Online-Radiosendung «New York Markets Live» eine düstere Prognose für die Weltwirtschaft, und insbesondere für die der Vereinigten Staaten, sagt der Moderator Miguel Perez-Santalla, seines Zeichens auch Vice President beim Londoner Gold- und Silberhändler BullionVault.
«In 1918 war Grossbritannien die reichste und mächtigste Nation der Welt», erklärte Jim Rogers. «Aber innerhalb einer Generation geriet es in ein wirtschaftliches Chaos, und innerhalb von drei Generationen war es bankrott und der Internationale Währungsfonds musste dem Land finanziell unter die Arme greifen. Die Lage war dermassen schlecht, dass sich keine Staatsanleihen mehr verkaufen liessen.»
Keinerlei Einschränkungen
Gemäss Rogers sieht es momentan so aus, als könnten die Vereinigten Staaten ihre Macht und ihren Reichtum auf ähnliche Weise verlieren, wie es vor rund 100 Jahren dem Vereinigten Königreich passierte.
«Ich befürchte, dass [...] es heutzutage keinerlei Einschränkungen für die US-Notenbank und den Kongress mehr gibt. Sie treffen weiterhin ihre Abmachungen, so dass sämtliche ernsthaften Haushaltskürzungen verschoben werden», sagt der Rohstoff-Experte, der heute in Singapur lebt.
Nur vorübergehende Korrekturen
«Egal wo, [Politiker] unterliegen keinerlei Einschränkung. Zentralbanken können soviel Geld drucken wie sie möchten. Und die Regierungen können soviel Geld ausgeben wie sie möchte», sagt Rogers.
«Von daher gibt es keinerlei Anzeichen, dass dies in nächster Zeit anders werden sollte, denn alle Korrekturen, die durch ein Tapering entstünden, wären wohl nur vorübergehend», folgert der Amerikaner.
Kein Zuckerschlecken
Warum vorübergehend? Weil die Zentralbanken bei dem ersten Anzeichen von Schwierigkeiten in Panik geraten und wieder zum Gelddrucken zurückkehren werden. Jim Rogers denkt, dass dies solange der Fall sein wird, bis «die Märkte irgendwann klar machen werden, dass sie keine Lust mehr auf diesen ganzen Unsinn haben und dies absurd sei.»
«Dies wird dann kein Zuckerschlecken. Und glauben Sie nicht, dass ich mich darauf freue. Das wird eine Katastrophe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bürokraten zur Vernunft kommen. Von daher werden es die Märkte sein, und das bedeutet, dass uns schwierige Zeiten bevorstehen», warnt Rogers.
Soziale Unruhen
«Es gibt bereits in zahlreichen Ländern soziale Unruhen. Und ich versichere Ihnen, dass diese noch zunehmen werden», ist der Börsenexperte überzeugt.
Auf die Frage, warum es in diesem Jahr zu dem starken Anstieg der Aktienmärkte gekommen sei, meinte er, dass auf Grund der expansiven Geldpolitik und den Nullzinsen nun ein «künstliches Meer aus Liquidität» bestehe, das in die Aktien fliesse.
«Das mag für einige Marktakteure toll sein, aber die allgemeine Situation wird dadurch immer schlimmer. Und wir alle müssen mit den Folgen dieses massiven Gelddruckens leben», sagte Rogers.
Akademiker und Bürokraten bestimmen
Auf die Frage, welche Folgen das lang erwartete Tapering der US-Notenbank auf die Wirtschaft haben könnte, antwortete Rogers: «Diese Leute sind Akademiker und Bürokraten. Ich vermute, dass, wenn sie zur Vernunft kommen und anfangen, [ihre expansive Geldpolitik] zurückzufahren, dies zu Korrekturen führen wird und die Märkte allerorts fallen werden. Daraufhin werden sie in Panik geraten und schnell wieder Geld drucken.»
«In Amerika hat sich die Konjunktur alle vier bis sechs Jahre verlangsamt. Im Jahr 2008 wurde es schlimmer und schlimmer, weil auch die Schulden immer höher wurden. Wenn man aus dem Fenster schaut, kann man mittlerweile den steigenden Schuldenberg vermutlich schon sehen», sagt der in Singapur wohnhafte Rogers ironisch.
Existiert das Gold überhaupt noch?
«Egal, ob der [Wirtschaftsabschwung] 2014 oder 2015 kommt, der nächste wird um einiges schlimmer werden, weil nämlich diesmal auch die Schulden viel grösser sind», warnt Rogers und ergänzt: «Seien Sie vorsichtig. Seien Sie besorgt. Seien Sie vorbereitet.»
Gefragt, ob er denke, dass unter einem neuen Währungsregime Amerikas Goldreserven zur Stützung des Dollars beitragen könnten, antwortete er: «Ich weiss ja nicht einmal, ob diese überhaupt existieren. Es gibt zwar keinen Anhaltspunkt, davon auszugehen, dass sie es nicht tun, aber es gab auch schon seit Jahrzehnten keine richtige Prüfung von Amerikas Gold mehr – falls es eine solche überhaupt schon einmal gab.»
Nicht mehr ausreichend
Berichten zufolge soll die US-Regierung Goldreserven in der Höhe von 8'133 Tonnen besitzen. Doch Rogers fährt fort, dass selbst wenn diese Menge noch zutreffe, «dies nicht annähernd dafür ausreichen würde, den Dollar zu stützen. Denn wir sind die grösste Schuldnernation in der Geschichte – mit Billionen und Billionen von Dollar [an Schulden].»