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Noroviren Indikationen GastroenteritisNoroviren sind RNA-Viren, die eine Magen-Darm-Grippe mit Durchfall und Erbrechen verursachen. Sie werden von Person zu Person, über die Luft, kontaminierte Gegenstände, Wasser und Nahrungsmittel übertragen. Aufgrund der hohen Ansteckungsfähigkeit kommt es regelmässig zu grösseren lokalen Ausbrüchen, zum Beispiel in Alters- und Pflegeheimen, in der Familie, auf Kreuzfahrten, in Hotels und Ferienlagern. Die Erkrankung hält zwar in den meisten Fällen nur einige Stunden bis wenige Tage an, aber bei Risikogruppen sind auch schwere Verläufe möglich. Zur Behandlung wird die verlorene Flüssigkeit mit Elektrolytersatzlösungen oder Infusionen ersetzt. Zusätzlich können Mittel gegen Durchfall und Erbrechen eingesetzt werden. Symptome
Eine Infektion mit Noroviren äussert sich als Magen-Darm-Grippe mit Durchfall ohne Blut im Stuhl und/oder mit heftigem, auch explosionsartigen Erbrechen. Erbrechen tritt häufiger bei Kindern auf. Ferner können Begleitsymptome wie Übelkeit, Völlegefühl, Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und leichtes Fieber auftreten. Auch ein asymptomatischer Verlauf ist möglich. Die Dauer der Erkrankung ist mit 1 bis 3 Tagen oder kurz, kann aber zum Beispiel bei älteren Menschen verlängert sein. Der Brechdurchfall hält oft nur wenige Stunden an.
Norovirus-Infektionen sind während der kalten Jahreszeit häufiger. Aufgrund der schnellen Verbreitung kommt es überall dort zu grösseren lokalen Ausbrüchen, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben. Zum Beispiel in Alters- und Pflegeheimen, in Krankenhäusern, auf Kreuzfahrtschiffen, in Hotels und Lagern, im Militär, in Zeltlagern, an Schulen und in Kinderkrippen.
Die Erkrankung verläuft in der Regel gutartig. Sie kann aber besonders bei älteren Menschen, Säuglingen, Kleinkindern und Menschen mit Grunderkrankungen zu einer gefährlichen Dehydratation, Komplikationen wie Hypokaliämie, Herzrhythmusstörungen, Transplantatabstossung, Nierenversagen und zum Tod führen.Ursache
Die Ursache der Gastroenteritis ist das Norovirus, ein genetisch diverses, unbehülltes, einzelsträngiges RNA-Virus aus der Familie der Caliciviren. Die Viren vermehren sich im Dünndarm und werden über den Stuhl und Erbrochenes ausgeschieden. Sie führen zu einer verzögerten Magenentleerung und -motilität, was Übelkeit und Erbrechen auslöst.
Noroviren können auf Oberflächen vielleicht bis zu einem Monat überleben und sind relativ temperaturbeständig (-20°C bis +60°C). Durch kurzes Kochen werden sie inaktiviert. Zudem reichen sehr wenige Viren (10 bis 100, bis 1000) für eine Ansteckung aus. Die Immunität ist kurz und es sind wiederholte Infektionen mit demselben oder anderen Stämmen möglich.Übertragung
Für eine erfolgreiche Ansteckung müssen die Viren peroral in den Darm gelangen. Sie werden direkt von Person zu Person über den Stuhl (fäkal-oral) oder Erbrochenes weitergegeben. Da sie ausserhalb des Wirts lange ansteckend bleiben, werden sie über kontaminierte Gegenstände (z.B. Türgriffe, Computertastatur, Toiletten), Wasser und Nahrungsmittel (z.B. Früchte, Salat, Gebäck, Austern und andere Muscheln) verbreitet. Die Inkubationszeit liegt bei 10 bis 50 Stunden. Die Infizierten sind kurz vor dem Ausbruch der Symptome, während der Erkrankung und Tage (vielleicht sogar Wochen) nach der Erkrankung ansteckend.
In der Literatur sind zahlreiche Fallbeispiele beschrieben, welche die hohe Ansteckungsgefahr und die Notwendigkeit guter Hygienemassnahmen verdeutlichen. So steckte ein erkrankter Bäcker in den Niederlanden 231 Personen an, die von seinen Brötchen assen, was wiederum zu zahlreichen Ausbrüchen in den Niederlanden und in England führte (de Wit et al., 2007). Ein einzelner Konzertbesucher aus Wales, der während eines Konzerts im Saal und auf der Toilette erbrach, steckte insgesamt über 300 Menschen an (Evans et al., 2002).Diagnose
Ein Verdacht ist zwar bereits aufgrund der klinischen Symptome und der Übertragung möglich (Durchfall, Erbrechen, hohe Ansteckungsrate, kurze Dauer), aber eine akute Durchfallerkrankung kann auch von anderen Erregern und Ursachen ausgelöst werden (z.B. Rotaviren, längere Dauer). Zur Erhärtung der Diagnose stehen labormedizinische Methoden zur Verfügung, vor allem die hoch spezifische und sensitive Reverse Transkriptase Polymerase Kettenreaktion (RT-PCR).Vorbeugung
Zur Vorbeugung sind Hygienemassnahmen von zentraler Bedeutung. Die Verhinderung der Übertragung während eines lokalen Ausbruchs erfordert grosse Anstrengungen. Bei einem Ausbruch beispielsweise in einem Klassenlager, einem Heim oder in einem Hotel müssen besondere Massnahmen getroffen werden. Das Bundesamt für Gesundheit BAG stellt auf seiner Webseite dazu umfangreiche Informationen zur Verfügung.Nicht-medikamentöse Behandlung
Die Erkrankung ist in der Regel selbstlimitierend und erfordert nicht zwingend eine medikamentöse Therapie. Im Vordergrund steht der Flüssigkeits- und Elektrolytersatz und eine geeignete symptomatische Therapie, besonders bei den Risikogruppen (Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen). Falls es der Zustand der zulässt, können Bouillon, Brühe, Tee, Süssgetränke und leichte Kost verabreicht werden.Medikamentöse Behandlung
Nicht alle aufgelisteten Arzneimittel sind für Kinder und spezielle Patientengruppen geeignet (vgl. Fachinformation). Wie bereits erwähnt, sind Medikamente nicht in jedem Fall erforderlich.
Die orale Rehydratationslösung enthält Traubenzucker, Salze und Wasser und wird zum Ersatz der verlorenen Flüssigkeit und Elektrolyte eingesetzt. Bei einem schwerem Verlauf können Infusionen verabreicht werden.
Mittel gegen Übelkeit: Prokinetika wie die Dopamin-Antagonisten Domperidon oder Metoclopramid werden gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Sie hemmen den Brechreiz, fördern die Magenentleerung und die verringerte Motilität, welche diese Beschwerden auslösen. Antihistaminika wie Meclozin sind nicht motilitätsfördernd, können aber auch gegen Übelkeit wirksam sein.
Mittel gegen Durchfall: Zur Behandlung von Durchfall stehen eine Reihe von Arzneimitteln zur Verfügung. Zu den wirksamsten gehört Loperamid. Alternativ können auch pflanzliche Mittel wie Schwarztee oder Probiotika eingesetzt werden. Kohle ist ein altes Hausmittel; die Wirksamkeit ist bei Fachleuten umstritten.
Krampflösende Mittel: Zur Behandlung von Bauchkrämpfen kann zum Beispiel Scopolaminbutylbromid eingesetzt werden. Pfefferminzöl oder Kamille sind zwei mögliche pflanzliche Alternativen. Oft hilft bei den akuten Beschwerden eine Wärmeflasche.
Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können bei Bedarf gegen Fieber, Schmerzen und Kopfschmerzen eingenommen oder als Zäpfchen verabreicht werden. NSAR können die Schleimhäute zusätzlich reizen.
Antivirale Mittel stehen noch keine zur Verfügung. Die Behandlung richtet sich bisher nach den Symptomen. Antibiotika sind nicht angezeigt, da es sich nicht um eine bakterielle Infektion handelt.siehe auchLiteratur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH)
- de Wit M.A. et al. Large outbreak of norovirus: the baker who should have known better. J Infect, 2007, 55(2), 188-93 Pubmed
- Evans M.R. et al. An outbreak of viral gastroenteritis following environmental contamination at a concert hall. Epidemiol Infect, 2002, 129(2), 355-60 Pubmed
- Glass R.I., Parashar U.D., Estes M.K. Norovirus gastroenteritis. N Engl J Med, 2009, 361(18), 1776-85 Pubmed
- Goodgame R. Norovirus gastroenteritis. Curr Gastroenterol Rep, 2006, 8(5),401-8 Pubmed
- Hutson A.M., Atmar R.L., Estes M.K. Norovirus disease: changing epidemiology and host susceptibility factors. Trends Microbiol, 2004, 12(6), 279-87 Pubmed
- Kaplan J.E., Feldman R., Campbell D.S., Lookabaugh C., Gary G.W. The frequency of a Norwalk-like pattern of illness in outbreaks of acute gastroenteritis. Am J Public Health, 1982, 72(12), 1329-32 Pubmed
- Rexroth G. Gastroenterologie. Bern, Göttingen, Toronto, Seattle: Verlag Hans Huber, 2005
- Rohayem J. Norovirus seasonality and the potential impact of climate change. Clin Microbiol Infect. 2009, 15(6), 524-7 Pubmed
- Said M.A., Perl T.M., Sears C.L. Healthcare epidemiology: gastrointestinal flu: norovirus in health care and long-term care facilities. Clin Infect Dis, 2008, 47(9), 1202-8 Pubmed
- Bundesamt für Gesundheit (BAG) http://www.bag.admin.ch
- Robert Koch-Institut (RKI) http://www.rki.de
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC) http://www.cdc.gov
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