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| Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift an Kaiser Constantius (Apologia ad Constantium)

15.
Denn sei überzeugt, o Kaiser, und nimm auch hiefür wieder die Wahrheit zum Zeugen, daß in den Versammlungen der Fastenzeit wegen des engen Raumes und der großen Menschenmenge sehr viele Kinder, nicht wenige jüngere Frauen, sehr viele alte Matronen und nicht wenige Jünglinge in Folge erlittener Quetschungen in die Häuser fortgetragen werden mußten. Und mit Gottes Hilfe starb zwar Niemand. Alle aber murrten und verlangten nach der größeren Kirche. Denn wenn schon in den Tagen vor dem Feste ein solches Gedränge entstanden war, was würde erst am Festtage selbst geschehen sein? Gewiß wäre Alles noch viel schlimmer abgelaufen. Aber es geziemte sich nicht, daß Trauer statt Freude, Schmerz statt Heiterkeit, Thränen statt der Festfeier vom Volke geerntet wurden. Zudem wußte ich, daß ich das Beispiel der Väter vor mir hatte. Denn der selige Alexander hielt, als die übrigen Räume zu eng waren und er an der Kirche, welche die des Theonas heißt und damals für die größte galt, bauen ließ, wegen der Menschenmenge in dieser die Versammlung, ohne wegen der Versammlung den Bau zu vernachlässigen. Ich habe das [S. 190] auch in Trier und Aquileja gesehen; denn auch dort versammelte man sich an den Festtagen wegen der Menschenmenge in den noch im Bau begriffenen Gebäuden, und es fand sich kein solcher Ankläger. Ja sogar Dein seliger Bruder fand sich in Aquileja bei einer solchen Versammlung ein. So habe auch ich es gehalten, und es fand keine Einweihung, sondern eine Versammlung zum Gebete statt. Von Dir weiß ich nun wohl, daß Du als gottesfürchtiger Mann den Eifer des Volkes gerne siehst und es mir zu gute hältst, daß ich dem Flehen so vieler Menschen nicht widerstand.