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Zug steht nahe am Wasser.
Deshalb sind die Fundamente vieler Bauten gepfählt.
Seit kurzem stehen die Zuger Pfahlbauten als UNESCO-Welterbe unter Schutz.
Hoffentlich aber nicht die neusten.
Ein leises Gefühl von Invasion keimt in mir auf, wenn ich mich in unserer schönen Stadt umschaue. Nicht die Russen, nicht die Amerikaner oder andere Fremde sind es, die uns besetzen, sondern eine Gruppe teuflischer, rebellischer Architekten. Das elfte Gesetz ihrer Bibel umfasst nur einen Gedanken: “Du sollst kein anderes Dach bauen als ein flaches.” Und so, wo immer ich mein Auge ruhen lasse, begrüssen mich gerade Linien, nichts als gerade Linien.
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Roger Amgwerd (RA) und Adrian Bättig (AB) spazieren für ihre Ansichten von Zug drei Punkten entlang, mit denen sie biografisch verbunden sind. Der vierte Punkt ergibt sich aus der Spiegelung der ersten zwei Etappen. RA AB versuchen möglichst nahe den in der Karte eingezeichneten Geraden zu folgen und sprechen über jene Sichten auf die Stadt, die ihre Gedanken beim Gehen provozieren.
RA AB sind beim Kunstraum am Blumenweg losgelaufen und passieren die Loretohöhe. Sie sprechen mit einem Gärtner, dessen Kollege in schwindelerregender Höhe ohne Sicherung daran ist, mit der Motorsäge einen Baum zurückzustutzen.
RA: Der Gärtner sagte uns eben, im Winter würden die Bäumen schlafen und dann hauten sie ihnen die Köpfe ab – ein toller Satz.
AB: Und er erzählte uns weiter, sein Kollege sei Schweizer Meister im Bäume Klettern. Ein entsprechender Wettbewerb finde jeweils in Holzhäusern statt. Dann meinte er noch, generell sei das Baumklettern ohne Leiter sicherer als mit, weil fallende Äste die Leiter wegschlagen und den Arbeiter darauf gefährden könnten.
Unterhalb der Loretohöhe angekommen, betrachten RA AB ein grösseres, rundum spiegelndes Gebäude, das am Wäldchenrand steht.
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Roger Amgwerd (RA) und Adrian Bättig (AB) stellen Vorlagen für Spazierwege zu Ansichten von Zug her. Dazu bestimmen RA AB Spielregeln mit Hilfe eines Stadtplanes und eines Lineals. Sie ziehen eine Linie. Das Ziel des Spieles: RA AB spazieren möglichst nahe der Linie entlang und sprechen über jene Sichtpunkte auf die Stadt, die ihre Gedankengänge schrittweise provozieren.
RA AB steigen aus dem Bus bei der Endstation Schulhaus Herti und schauen sich um.
AB: Das Schulhaus, das wir sehen, stammt der Architektur nach zu schliessen aus den 70er-Jahren, und darum herum ist viel neu gebaut worden. Es scheint mir fast, die Anwohner sind zum Schulhaus gekommen und nicht umgekehrt.
RA: Was mir ebenfalls auffällt an diesem Schulhaus, das sind die Orange- und Gelbtöne. Diese suchen für mich irgendwie eine Nähe. Aber aus der Distanz wirken sie apart und fremd. Sie wirken für mich verstaubt.
AB: Verstaubt ist in diesem Zusammenhang ein interessanter Begriff, weil die Farben des Herti-Schulhauses eigentlich erdig untermischt sind, wenn man sie genauer anschaut, und man weiss nicht so recht, ob da noch Patina drauf ist.
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Städte bestehen nicht nur aus Stein und Beton, sie bilden ein Soziogeflecht aus Handlungen und Begegnungen und sind vor allem die Summe der Aktionen und Interaktionen ihrer Bewohner.
Bei vielen Architekturen der Moderne gelingt es nicht Zwischenräume und öffentliche Orte zu erzeugen, die mehr als nur funktionale Verbindungen sind.
Wie könnte man einen Ort umfunktionieren und als möglichen Treffpunkt neu öffentlich nutzbar machen?
Als was sollte die perfekte Stadt fungieren? Als eine „selfmade city“, dessen architektonische Qualitäten sich den Notwendigkeiten des Alltags und an die neuen Erfordernisse anpassen, oder als eine mit durchrationalisierten Gebäuden, in der man sich ungeheure Mühe geben muss, um etwas Spontanität zuzulassen, da unser Benehmen von Normen und Vorschriften reguliert wird?
Als bebaute Umwelt nimmt die Architektur in Zug großen Einfluss auf das Arbeits- und Wohnleben, da die Stadt eine Vielzahl an räumlichen Strukturen und Infrastrukturen bietet. Hier stellt sich die Frage nach der Interaktion des Stadtraums auf die Freizeit. Wie spielt sich die Freizeit im Stadtzentrum ab, wie wird gestaltet und animiert und wie verändert sich das Stadtleben im öffentlichen Raum?
Nimmt die städtebauliche Entwicklung Einfluss auf das Privatleben oder ist die Veränderung des Verhältnisses zwischen Stadtraum und Bewohnern der Globalisierung, den neuen Trends und der Digitalisierung zuzuschreiben, welche die Aktivitäten im Freien in organisierten Freizeitanlagen mit umfangreichen Freizeitprogrammen oder in die häuslichen Privatsphären schieben?
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