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Grantham: Neue Tiefstwerte sind möglich
Im aktuellen Quartalsletter von GMO beschäftigt sich Chairman Jeremy Grantham mit den Ursachen der Finanzkrise und den noch zu erwartenden weiteren Konsequenzen. Er bringt den Grund für das Platzen der immensen Asset Bubble auf den einfachen Nenner: Gier + Inkompetenz + Glaube an Markteffizienz = Desaster.
Grantham bezeichnet die Wertsteigerungen der vergangenen Jahre als Vermögensillusion: Ein Haus, wenn auch im Höchst der Blase zum Dreifachen des ursprünglichen Kaufpreises bewertet, bleibe doch nur das selbe Haus. Viele Menschen hätten sich der Illusion hingegeben, durch solche Wertsteigerung reich zu sein. Durch die Wertverminderung um 50 Prozent bei US-Aktien und um 35 Prozent bei US-Immobilien ergibt sich ein Vermögensverlust der Privathaushalte von 20 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig sind die Schulden der Privathaushalte im Verhältnis zum BIP der USA auf Rekordniveau. Um auf ein vernünftigeres Schuldenniveau zurückzukommen, müssen weitere 12 bis 15 Billionen Dollar Schulden verschwinden. Bisher wurde aber erst rund 1 Billion Dollar abgeschrieben.
Die Entschuldung kann auf einen Schlag erfolgen, oder wie in Japan über viele Jahre einhergehend mit einer Erhöhung der Sparrate, oder aber über die Inflationierung und damit Entwertung der Schulden. Alle drei Möglichkeiten bezeichnet Grantham als extrem schmerzhaft.
Bei den gegenwärtigen Marktbewertungen empfiehlt er einen graduellen Wiedereinstieg in globale Aktien, insbesondere in hochqualitative Aktien, das heisst Aktien mit hohen und stabilen Erträgen und geringer Verschuldung und Aktien aus Emerging Markets. Allerdings sei es aufgrund der historischen Muster wahrscheinlich, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren noch neue Tiefstwerte (S&P 500 in der Region von 600) getestet würden. Im Bondmarkt sieht er attraktive Risiko-Spreads insbesondere bei Unternehmensanleihen, langfristige Regierungsanleihen dagegen betrachtet er als überbewertet.
Grantham nimmt im Quartalsletter auch Stellung zu den Ernennungen in der Regierung von Barack Obama, die er im Bereich Wirtschaft und Finanzen als desillusionierend bezeichnet, da keiner von ihnen vor der jetzigen Krise gewarnt hatte.
Den ersten Teil des Quartalsletters können Sie hier herunterladen. Teil 2 erscheint in wenigen Wochen.