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Es war ein grosser Wurf, doch eigentlich war er bloss für den Privatgebrauch gedacht: 1950 tüftelten die junge Innenarchitektin Rosmarie Baltensweiler und der SBB-Angestellte Rico Baltensweiler an einer Leuchte für ihre Wohnung in Luzern herum – weil sie auf der Suche nach einer ästhetisch ansprechenden, modernen Leuchte nicht fündig geworden waren. Was dabei herauskam, war eine schlichte, filigrane Leuchte mit indirekter Beleuchtung, die sich dank ihren vielen Gelenken auf verschiedene Arten einstellen liess.
Auftritt im Film und bei Le Corbusier
Und: Sie gefiel nicht nur dem jungen Paar, sondern auch den zahlreichen jungen Architekten, die in der Wohnung ein- und ausgingen; dank ihres Jobs beim renommierten Architekten Max Bill war Rosmarie Baltensweiler bestens vernetzt in der Szene. Diese jungen Architekten sorgten ab 1951 für die ersten Bestellungen. Bald darauf wurden auch Möbelhäuser auf die Leuchte aufmerksam, die die sich modernem Design verschrieben hatten.
Was danach folgte, war ein fast kometenhafter Aufstieg der Leuchte, die den Namen «Type 600» erhielt. Der Architekt Le Corbusier stellte sie 1956 in eine Musterwohnung, 1958 hatte sie einen Auftritt im Film «Mon Oncle» von Jacques Tati.
Designerlampen aus der Werkstatt im Chalet
Das junge Paar arbeitete nach Feierabend und in der Freizeit am Design neuer Lampen. «Wir trauten uns nicht recht, voll auf die Lampen zu setzen, es schien uns zu unsicher», erinnert sich die heute 92-jährige Rosmarie Baltensweiler. Sie wurde Mutter von vier Kindern, die Familie lebte in einem Chalet in Ebikon – wo sich auch die Lampenwerkstatt befand.
Wir trauten uns lange nicht, voll auf die Lampen zu setzen.
Erst in den 1960er-Jahren sattelten Rosmarie und Rico Baltensweiler vollständig auf Leuchten um. Ihr Unternehmen wuchs beständig, ihre Baltensweiler-Kollektionen setzten neue Massstäbe im Design von Leuchten für Wohnräume und Büros. Als ihr Mann 1987 überraschend starb, machte Rosmarie Baltensweiler mit ihren Kindern weiter.
Jetzt ist die dritte Generation am Ruder
Und heute? Heute sitzen bereits die Enkel in der Geschäftsleitung, das Unternehmen mit seinen gut 40 Angestellten ist gut aufgestellt. Produziert wird mittlerweile im Littauerboden.
Dass ihr Schaffen als Designerin mit dem Grand Prix Design des Bundesamts für Kultur gewürdigt wird, freut die 92-Jährige. Denn die Leidenschaft fürs Design und für Lampen hat sie bis heute nicht losgelassen. Und auch wenn sie sich aus dem Unternehmen zurückgezogen hat, für das sie einst mit ihrer «Type 600» den Grundstein legte, sagt sie: «Ich denke immer noch gerne mit, wenn meine Nachfolger über dem Design für eine neue Lampe brüten.»
Hier wurden die ersten Leuchten entworfen
Das Bad war ein Industriebau in Luzern, eine «Insel» auf der Reuss, von der Mitte der Spreuerbrücke aus erreichbar. Im letzten Jahrhundert wurde dort Spezialstahl für den Export gegossen. Von 1910 bis 1960 dienten die Öfen zur Beheizung von Wannenbädern für jene Stadtbewohner, deren Altbauwohnung kein eigenes Bad hatte.
Ab 1951 wurde die Hälfte des Langbaues von Handwerkern und Künstlern als Atelier oder Werkstatt genutzt. Im Heck des Baus, ein Stockwerk über der Plattform, richteten sich Rico Baltensweiler und Rosmarie Schwarz ihre Wohn-Werkstatt ein. Rico (1920 bis 1987) war als Elektroingenieur bei den Schweizerischen Bundesbahnen in Luzern tätig, Rosmarie (geb. 1927) arbeitete als Innenarchitektin und Assistentin bei Max Bill in Zürich.
Das Bad war auch der Ausgangspunkt für die ersten Leuchten von R+R Baltensweiler, woraus später die Kollektion Baltensweiler entstand. (Quelle baltensweiler.ch)