Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/123412

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Teilnahme von Stephan Schmidheiny als Redner an der Uno-Konferenz über nachhaltige Entwicklung in Rio löst grosses Befremden aus, vor allem in unserem Nachbarland Italien, wo die Eternit-Fabriken, deren letzter Eigentümer Schmidheiny war, Tausende Asbest-Todesfälle verursacht haben und noch immer verursachen. Allein in Casale Monferrato im Piemont sind 1800 Tote zu beklagen, ehemalige Arbeiterinnen und Arbeiter ebenso wie einfache Bürgerinnen und Bürger. Am 13. Februar 2012 ist Stephan Schmidheiny vom Turiner Gericht nicht nur wegen vorsätzlicher Unterlassung von Sicherheitsmassnahmen in den Eternit-Werken, sondern auch wegen vorsätzlicher Verursachung einer Umweltkatastrophe zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ausserdem muss er den Opfern und verschiedenen Organisationen Schadenersatz zahlen.</p><p>Die Angehörigen der Opfer sind entrüstet über die Teilnahme von Schmidheiny am Nachhaltigkeitsgipfel in Rio. Sie haben dieser Empörung vor einigen Tagen in einem Protestbrief an den Uno-Generalsekretär Ausdruck verliehen. Man kann sich tatsächlich zu Recht fragen, wie jemand, der wegen Verursachung einer Umweltkatastrophe verurteilt worden ist, dazu kommt, als Redner an einer Konferenz über nachhaltige Entwicklung teilzunehmen.</p><p>Die Schweiz wird an der Rio-Konferenz mit einer Delegation unter dem Vorsitz der zuständigen Bundesrätin teilnehmen. Ich frage deshalb den Bundesrat:</p><p>1. Was hält er von der Teilnahme von Stephan Schmidheiny?</p><p>2. Glaubt er nicht auch, dass dessen Teilnahme dem Image unseres Landes schaden könnte?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1./2. Die Uno-Konferenz über nachhaltige Entwicklung (Rio+20) fand vom 20. bis 22. Juni 2012 in Rio de Janeiro statt. Insgesamt nahmen über 45 000 Personen an der Konferenz teil. Die Teilnahme stand Vertreterinnen und Vertretern der Regierungen, der Uno, der Nichtregierungsorganisationen, der Wirtschaft und Zivilgesellschaft, der Presse und der allgemeinen Öffentlichkeit offen.</p><p>Die Schweiz hat als Mitgliedstaat der Uno an dieser Konferenz und den Verhandlungen teilgenommen. Die offizielle Delegation der Schweiz setzte sich aus Frau Bundesrätin Doris Leuthard und Vertreterinnen und Vertretern aus der Bundesverwaltung, der Botschaft der Schweiz in Brasilia, der Bundesversammlung, der Kantone und der Zivilgesellschaft zusammen.</p><p>Herr Stephan Schmidheiny war nicht Teil der offiziellen Delegation der Schweiz. Ob er als Privatperson an der Konferenz teilgenommen hat, ist dem Bundesrat nicht bekannt. Da Stephan Schmidheiny jedenfalls nicht als Vertreter der Schweiz an der Uno-Konferenz über nachhaltige Entwicklung oder an deren Nebenveranstaltungen teilgenommen hat, sind keine Auswirkungen auf das Image der Schweiz zu erwarten.</p>  Antwort des Bundesrates.