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Es muss ein gewaltiges Gewoge gewesen sein, als Zehntausende von Bisons die Prärie braunschwarz färbten.
Ein Film in der sehenswerten Schau «Bison, Büffel, Buffalo» vermittelt einen Nachgeschmack der grössten Tierherden, die je über die Erde galoppiert sind. Zig Millionen Bisons – die Schätzungen schwanken zwischen 25 und 100 Millionen Tieren – besiedelten einst Nordamerika. Nachdem sie beinahe ausgerottet wurden, leben heute wieder gegen fünfzigtausend Bisons in den Great Plains östlich der Rocky Mountains. Um ihre Bedeutung hervorzuheben, hat der damalige US-Präsident Barack Obama letztes Jahr per Gesetz den Bison zum neuen Wappentier neben dem Weisskopfseeadler erklärt.
Die Bisonherden und ihr Schicksal spiegeln praktisch eins zu eins das kulturelle und natürliche Auf und Ab in der Geschichte der grossen US-Prärien. In der heissesten Phase Mitte des 19. Jahrhunderts tobten veritable Dreieckskämpfe zwischen den Bisons, den Indianern und den weissen Abenteurern. Die Symbiose zwischen Indianern und Bisons hatte zuvor jahrhundertelang funktioniert. Die Büffel lieferten den Präriestämmen Fleisch, Felle, das Material zu Waffen wie Pfeil und Bogen, aber auch spirituelle Überlebenshilfe.Die Indianer wiederum jagten den Bison nur nach Bedarf. Die Probleme begannen mit der weissen Besiedlung des nordamerikanischen Westens. An einer langen, halbrunden Wand wird in der Ausstellung auf einer farbigen Darstellung der Great Plains die komplexe Geschichte ab 1500 erzählt. Attraktiv und erhellend, wie das gesamte Konzept und die optische Gestaltung der Schau.
Da steht man beispielsweise vor einem Tisch mit einer grossen US-Landeskarte. Figuren von Büffeln, frommen Siedlern, ein gepunktetes Symbol für Pocken und anderes mehr kann man auf bestimmte Punkte auf die Karte stellen und erhält so eine an die Wand projizierte Lichtbilderklärung zum entsprechenden Thema. In Vitrinen prangen aus Bisondärmen genähte und verzierte Messerscheiden und andere Büffelleder-Utensilien. Apropos: Wissen Sie, was ein «Bison-Chip» ist? Nein, nichts Essbares, jedoch als getrocknetes Büffelexkrement ein vorzügliches Brennmaterial.
Hinter den einschlägigen Gegenständen fassen oft grosse Reproduktionen das jeweilige Thema zusammen – etwa in einer Indianer / Bison-Jagd voller Drive oder in einer schrecklichen Darstellung des Abschlachtens ganzer Büffelherden von der Eisenbahn aus, deren Schienenlegung den US-Westen grundlegend veränderte. Ende des 19. Jahrhunderts war der Bison praktisch ausgerottet – und damit auch das Schicksal der Indianer besiegelt. Hans Keller
Bison, Büffel, Buffalo
Eine Ausstellung des Nordamerika Native Museum in Zürich
Bis 3. September 2017
www.nonam.ch
Foto: Karl Bodmer, «Bisonherden und Elkhirsche am obern Missouri». Stecher / Radierer: Charles Vogel, 1837. Sammlung NONAM.