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Von Marc Krebs
In den 80er-Jahren galten Metallica als erstklassige Nischenband. Mit ihrem Debütalbum «Kill 'Em All» hatten sie eine beeindruckende Vorlage für die schnelle, harte Spielweise des Thrash-Metals geliefert und sich mit Talent, Ehrgeiz und eigener Handschrift auf die Frontseiten der Heavy-Metal-Magazine gespielt. Ihr zackiger Schriftzug zierte zahlreiche Konzertplakate, ihr Name war ein Begriff. Aber ihre Musik? Für die Popfans nicht nachsingbar.
Das änderte sich im Jahr 1992, als die Kalifornier die Single «Nothing Else Matters» veröffentlichten. Eine Powerrock-Ballade, die von einem langsamen Gitarrenriff eingeleitet und von schleppenden, wuchtigen Drums getragen wurde. Darüber die Stimme von James Hetfield, die in der Strophe zärtlich singt, im Refrain röhrt: «nothing else matters». Eine Ode an die Kraft der Liebe, an das Vertrauen. Ursprünglich von einer Frau inspiriert, schliesslich den Fans gewidmet. Aber im Kern so intim, dass es Hetfield unangenehm war, als er das Stück erstmals seinem Schlagzeuger Lars Ulrich vorspielte. «Ich sagte ihm, dieser Song ist nichts für Metallica. Das bin nur ich», erinnerte er sich in einem Interview mit dem Magazin «Spiegel». Doch Ulrich fand den Song fantastisch und überredete den Sänger, ihn in die Band einzubringen. Hetfields Angst, dass die Leute auf seinen Gefühlen rumtrampeln würden, erwiesen sich als Fehleinschätzung. Die Ballade wurde zum Hit, sie öffnete Metallica die Türen zum Mainstream. Und landete weltweit in den Hitparaden: In der Schweiz stiess der Song 1992 bis auf Platz 5 vor und hielt sich beeindruckende 74 Wochen lang in den Charts.
Ein Klassiker: Dafür sprechen auch die vielen Coverversionen. Mehr als 100 Veröffentlichungen sind bekannt, naheliegende wie jene der finnischen Cello-Rockformation Apocalyptica bis zu überraschenden wie jener von Jazzkantine und Xavier Naidoo (2008) oder der kolumbianischen Popsängerin Shakira (2011). Das unterstreicht den universalen Charakter dieses Songs, der weit über das Metal-Genre hinaus Spuren hinterlassen hat. Eine Tatsache, mit der sich manche Hardcore-Fans damals wie heute schwertaten und -tun. Für sie war Metallicas Ausflug in Pop-Gefilde ein schwerer Ausrutscher.
Radio Swiss Pop Topsongs
In unserer Rubrik «Radio Swiss Pop Topsongs» stellen wir in unregelmässigen Abständen Titel vor, welche aus der Sicht der Redaktion Musikgeschichte geschrieben haben oder zu den beliebtesten Titeln im Programm zählen. Bereits besprochene Titel sind:
Michael Jackson: Billie Jean
Polo Hofer: Alperose
Queen: Bohemian Rhapsody
The Eagles: Hotel California
Phil Carmen: On My Way In L.A.
Amy Macdonald: This Is The Life
Gotthard: Heaven
Simon & Garfunkel: Bridge Over Troubled Water
Lovebugs: Music Makes My World Go Round
John Lennon: Imagine
Phil Collins: In The Air Tonight
Double: The Captain Of Her Heart
Bryan Adams: Summer Of 69