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Marvin M'toumo & Cie Hibiscus Culturiste
Rectum Crocodile
«Rectum Crocodile» ist ein Plädoyer und ein innerer Konflikt, in dem abwechselnd durch eine Choreographie aus Gesten, Körpern und Stimmen die Geister des Kolonialismus heraufbeschworen werden, die noch immer in der Karibik herumgeistern. Das einstündige Tanzgedicht «Rectum Crocodile» ist ein Schrei, der die Fusssohlen durchdringt, ein Schrei aus den Eingeweiden, der in unseren Armen widerhallt. Mit der Mehrdeutigkeit und dem Politischen des karibischen Karnevals und der Multidisziplinarität der europäischen Operntradition als Forschungsgrundlage will «Rectum Crocodile» ein freigelegtes «Theater» zeigen, in dem jede*r seine*ihre Rolle einnimmt.
In einer vierseitigen Bühnenanordnung, mit einem Boden aus Pflanzen und einer zentral stehenden Skulptur in Form eines Reptils, fragmentieren die Tänzer*innen ihre Körper, während sie Erklärungen, Anklagen und Befragungen wiedergeben. Sie begegnen den Dämonen der «neuen Welt», den aus Afrika entrissenen Geistern, den Henkern, den Choreographien der Wildheit und den atemlosen Stimmen der Dämonen des Zorns. Das Publikum sieht ein Ballett von Figuren vorbeiziehen, die gemeinsam lautstark paradieren: Die Peitsche, der «black police man», die Teufelin, die «mûlatresse», das Krokodil, das Geld, der «black jesus», der Meister, die Meerjungfrau, der Panther, die «nègresse» und viele andere werden als Figuren ein und derselben Geschichte des Kolonialismus und als Teil der Kosmogonie oder des karibischen Ökosystems herbeizitiert, um bei der Skulptur «Rectum Crocodile» Zeugnis abzulegen.
Marvin M'toumo (*1994, lebt und arbeitet zwischen Genf und Paris)
Marvin M'toumo ist ein Künstler, dessen einzigartige Poesie sich über die akademischen Unterscheidungen zwischen Kunst, Theater, Literatur und Mode hinweg bewegt. Er bringt seine Sensibilität in der fließenden Form einer entgrenzten Praxis zum Ausdruck, in der er Identitäten, Stereotypen und Archetypen in den Mittelpunkt einer kritischen Poetik voller Symbole, Humor und Dramatik stellt. Er machte 2016 seinen Abschluss an der École Nationale Supérieure de la Villa Arson in Nizza und führte dort verschiedene Performances durch. Ausserdem schreibt er literarische Texte. 2017 wechselte er zur Abteilung Mode- und Accessoire-Design der Haute Ecole d'Arts et de Design (HEAD) in Genf, die er 2019 mit einem Diplom abschloss. Er entwarf die Kostüme und trat im Théâtre de l'Usine für das Stück «So long lives this, and this gives life to thee» von Kayije Kagame auf (2019). 2022 schreibt, inszeniert, performt und entwirft er die Kostüme für sein erstes Stück mit seiner Kompanie Hibiscus Culturiste am Théâtre de l'Usine in Genf mit dem Titel «Concours de larmes» (Wettbewerb der Tränen). Im Mai 2023 wird das Stück im Le Grütli (Genf) und im Arsenic (Lausanne) wieder aufgeführt. Im Februar 2023 wird er die Kostüme und das Bühnenbild für das Stück MILK des Choreografen Guillaume Hulot an der Oper von Hannover (Deutschland) entwerfen.