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20.10.2018 20:17:47

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Offnungen als Verfassung des dörflichen Rechts1500
Ab dem 16. Jahrhundert delegieren der Obervogt und das Kloster Einsiedeln immer mehr Aufgaben an ihre lokalen Beamten wie den Untervogt beziehungsweise den Ammann und später den Meier. Ausser bei wichtigen "Geschäften" wie dem Steuereinzug oder der Söldnerrekrutierung sind die staatliche und die kirchliche Obrigkeit im Alltag der Männedörfler kaum mehr präsent. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass das dörfliche Recht vermehrt in so genannten Offnungen respektive Hofrodeln präzise erfasst wird. Bis dahin waren die jeweils an den Jahresgerichtstagen festgelegten Rechtsnormen von den Dorfgenossenen mündlich überliefert worden.
Die Verschriftlichung dieser dörflichen Verfassungen, die jeweils zu Beginn des Jahresgerichts dem versammelten Publikum vorgelesen werden, setzt sich bereits im 13. Jahrhundert durch. Die älteste Männedörfler Offnung, die in einem guten Zustand erhalten ist, trägt das Datum 8. Januar 1534. Sie ist aber sicher nicht die erste, denn sie bezieht sich auf einen älteren Hofrodel aus dem Jahr 1494. Die 16-seitige Offnung zeigt, wie detailliert die Dorfbewohner ihre internen Angelegenheiten regelten. Artikel 14 etwa hält unter anderem fest, dass gedüngte Wiesen – so genannte Artwiesen – eingezäunt und so der gemeinsamen Nutzung entzogen sein sollen. Wer sich dieser Vorschrift widersetzte, konnte jederzeit – ausser an Weihnachten – gepfändet werden. Ferner schreibt sie vor, dass die Umzäunung eines Gutes gleichzeitig dem Nachbarn dienen soll. Wer seinen Zaun wieder entfernen will, muss sein Vorhaben mindestens acht Tage im Voraus seinem Nachbarn melden, damit dieser einen eigenen Zaun ziehen konnte.
Aus der Mischung von Jahresgerichten und verschiedenen, für das Dorf zentralen "Staatsakten" entwickelte sich die heutige Gemeindeversammlung. Bereits im 17. Jahrhundert finden Gemeindeversammlungen statt, die nicht mehr an die Jahresgerichte gekoppelt sind und jeweils dann einberufen werden, wenn es wichtige Dinge zu besprechen gibt.
Bild: Das Untervogthaus an der Dorfgasse 37 in Männedorf. Ob es der Sitz der Männedörfler Untervögte war, ist umstritten. Ein Wappen an der Westfassade weist zumindest darauf hin, dass es das zeitweise war.
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