Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03553.jsonl.gz/2010

Für den versprochenen Kulturwandel in der Grossbank erwies er sich offensichtlich als die falsche Besetzung.
Als der Portugiese im letzten April die Nachfolge des abtretenden Urs Rohner übernahm, schien er mit seinen Forderungen nach einem tiefgreifenden Wandel in der Credit Suisse den richtigen Ton zu treffen. Die Grossbank war in den Monaten davor wegen der Milliardenverluste aus dem Zusammenbruch des Hedgefonds Archegos und dem Ausfall der mit Greensill Capital erstellten «Lieferketten-Finanzierungsfonds» nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen herausgekommen.
Jeder ein Risikomanager
Die Credit Suisse wolle künftig eine Kultur fördern, die das Risikomanagement stärke und auf persönliche Verantwortung fokussiere, stellte Horta-Osório bereits bei seiner Wahl in Aussicht. Im Gedächtnis blieb vor allem seine Forderung, wonach «jeder Banker ein Risikomanager» sein müsse. Der frisch gebackene VR-Präsident dürfte kaum geahnt haben, wie stark er nur Monate später selbst an seiner Forderung gemessen werden würde.
Kein Vorteil dürfte es für den 57-jährigen Horta-Osório gewesen sein, dass er vor seinem Engagement keinerlei Bezug zur Schweizer Bankenwelt hatte. Begonnen hatte der Portugiese seine Karriere bei den US-Investmentbanken Citigroup und Goldman Sachs, 1993 ging er zur spanischen Santander-Gruppe. 2011 übernahm der Bankmanager dann die Spitze der britischen Lloyds Bank, die er nach der Finanzkrise stabilisieren konnte.
Seine Amtszeit bei der CS war praktisch von Anfang an von Gerüchten begleitet, dass er sich mit CEO Thomas Gottstein einen internen Machtkampf liefere. Berichte etwa, dass der Portugiese sehr viel Zeit auf dem Tennisplatz verbringe, wurden auf diese internen Rivalitäten zwischen den beiden Lagern in der Grossbank zurückgeführt. Nach aussen bemühten sich der Präsident und sein CEO allerdings sehr darum, Einigkeit zu demonstrieren.
Wenig einschneidender Umbau
Nicht überzeugen konnte Horta-Osório aber auch mit seinem wichtigsten Projekt: dem strategischen Umbau der Grossbank, mit dem die Bank aus der Krise geführt werden sollte. Die Anfang November 2021 vorgestellte neue CS-Strategie gab der Vermögensverwaltung durch die Zusammenlegung mehrerer verstreuter Einheiten wieder mehr Gewicht in der Gruppe, während die Investment Bank verschiedene Geschäfte aufgeben musste.
Die organisatorischen Massnahmen waren zwar insgesamt nur wenig bestritten, dennoch zeigten sich die meisten Investoren enttäuscht: Sie hatten sich deutlich einschneidendere strategische Einschnitte des neuen Präsidenten erwartet - die neue Strategie ähnele zu stark der alten, hiess es etwa. Nicht zuletzt wollten die Anleger wohl weitere Beweise des versprochenen Kulturwandels sehen.
Anhaltende Bericht zu Quarantäne-Verstössen
In dieses Umfeld platzten nun die nicht mehr abreissenden Berichte über die Verstösse des Verwaltungsratspräsidenten gegen Corona-Quarantäne-Vorschriften. Im Verwaltungsrat dürfte dies auch ungute Erinnerungen an die «Spionageaffäre» um den ehemaligen CEO Tidjane Thiam geweckt haben: Diese begleitete die Bank während Monaten bis zum Rücktritt von Thiam.
Nicht für Horta-Osório spricht allerdings auch die Entwicklung des CS-Aktienkurses. Der Kurs hat sich den Niveaus von Anfang 2021 - vor den Greensill- und Archegos-Debakeln - von über 13 Franken während dessen ganzen Amtszeit nicht einmal angenähert: Er blieb fast durchgehend unter dem Niveau von zehn Franken. Im Börsenjahr 2021 war die CS-Aktie mit einem Minus von 22 Prozent klar schwächster Wert im Leitindex SMI.