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von Bertram Jenisch
Die grossflächigen Ausgrabungen in der ehemaligen Altstadt von Neuenburg am Rhein haben unsere Kenntnis zur Frühgeschichte der Stadt und zu deren Genese erheblich erweitert. Die lediglich aus Schriftquellen zu erschliessende Vorgängersiedlung wurde zwischen Schlüssel- und Metzgerstrasse erfasst. Diese präurbane Siedlung ist in der zweiten Hälfte des 12. Jh. nachweisbar und brachte deutliche Belege für metallverarbeitendes Handwerk.
Bei der Neuanlage der Stadt durch die Zähringer ab dem späten 12. Jh. wurde das Gelände erheblich umgestaltet. Die grossen Kiesmassen des Grabenaushubs wurden zur Anlage des Walls hinter der Mauer, aber auch zur Egalisierung von Senken im Stadtgebiet und vor allem zur Gewinnung von Siedlungsflächen am Rheinufer verwendet. Erst nach dieser Vorbereitung wurde ein planmässiges Strassen- und Stadtbachsystem angelegt. Die Baublocks parzellierte man in gleichförmige Hofstätten. An der Schlüsselstrasse fanden sich vier benachbarte Parzellen mit den identischen Abmessungen von 50 x 120 Fuss. Die frühen Steinbauten orientierten sich traufständig an den Strassen. Im späteren Mittelalter kam es zur Siedlungsverdichtung und der Herausbildung geschlossener Häuserzeilen. Damit wird deutlich, dass ähnlich wie bei Freiburg im Breisgau und anderen Gründungsstädten über mehrere Jahrzehnte hinweg ein klares Konzept zur Anlage der neuen Stadt verfolgt wurde.
, Bertram : Aktuelle Ausgrabungsbefinde zur Geschichte der Zähringer aus Neuenburg
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 23. Jahrgang 2018, Heft 3, 119 - 127.