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Die Messen und Märkte, deren Ursprünge im Mittelalter liegen, entwickelten sich mit dem Aufschwung der Städte und nahmen seit dem 18. Jahrhundert zahlenmässig zu. Um die Händler, aber auch Rinder, Pferde oder Schafe an Markttagen (häufig einmal im Monat) empfangen zu können, wurden im Kanton zahlreiche Plätze eingerichtet. Diese regelmässigen Veranstaltungen bestimmten das Geschäftsleben, waren mit ihren Ständen aber auch Orte für Austausch und Geselligkeit.
Messen und Märkte bilden im 19. Jahrhundert eine Einheit, und die jeweils verkauften Waren sind nicht immer ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal, selbst wenn man eher von «Märkten» spricht, wenn das Angebot auf Vieh ausgerichtet ist, eine Besonderheit, für die Freiburg bekannt ist (vgl. den Zuchtstiermarkt in Bulle). Im folgenden Jahrhundert kamen die Viehschauen mit Wettbewerb auf, die eine wichtige Rolle für die Zucht spielten. Die Märkte verloren an Bedeutung für die Bauern, als die Händler vermehrt die Höfe aufsuchten.
Trotz des Wandels der Kauf- und Konsumgewohnheiten finden auch heute noch Wochen- und Halbwochenmärkte, die hauptsächlich auf Nahrungsmittel ausgerichtet sind, in den Freiburger Bezirkshauptorten statt, gelegentlich ebenfalls in anderen Gemeinden wie in Rue und einmal jährlich in Grandvillard (Handwerkermarkt), Murten oder Düdingen (Martinsmarkt). Im Juli und August veranstaltet Bulle seit den späten 1980er-Jahren am Donnerstag seinen berühmten Folkloremarkt, der zahlreiche Einheimische und Touristen anzieht.
Meist hat sich die Gemeindepolizei um die Zuweisung der Standplätze, das Inkasso, die Einhaltung der Zeiten und die Signalisierung zu kümmern. So trägt sie, manchmal ohne sich dessen bewusst zu sein, zur Pflege der Traditionen bei.
Anmerkungen
Laut den Fachleuten wird auch heute noch zwischen «Messen» und «Märkten» unterschieden, wobei sowohl das Angebot als der Turnus eine Rolle spielen. Die französischen Ausdrücke «foires» und «marchés» decken sich im Übrigen nicht mit den entsprechenden deutschen Begriffen. Vgl. Art. «Messen» im HLS.
Natürlich ist die Tradition der Messen und Märkte kein typisch freiburgischer Brauch. Eine lokale Besonderheit stellte lange der Verkauf und Export von Vieh dar (Didier Mottaz). Der mehr als hundertjährige Zuchtstiermarkt in Bulle ist und bleibt eine echte Institution.
Florence Bays
Uebersetzung: Hubertus von Gemmingen