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Ferien mit Pinguinen: Reise zu den Falklandinseln
Rund 200 Inseln umfasst die Gruppe der Falklandinseln, darunter neben den beiden Hauptinseln West-Falkland und Ost-Falkland eine grosse Zahl unbewohnter Eilande. Unbewohnt heisst jedoch nicht verlassen, denn die Bevölkerung der Falklandinseln umfasst neben 3000 Einwohnern auch eine faszinierende Artenvielfalt.
Wilde Landsäugetiere sucht man auf den Falklandinseln zwar vergebens; dafür erwartet den Besucher auf der britischen Inselgruppe eine Vielzahl von Vogelarten und viele der gossen Meerestiere, allen voran mehrere Millionen von Pinguinen. Auch Robben, Seebären, Delfine und See-Elefanten nutzen die Inseln als Lebensraum.
Die weiten, verlassenen Landschaften der Falklandinseln locken jedes Jahr Zehntausende von Feriengästen an. Gelegen vor der äussersten Südspitze Argentiniens, ist das Klima auf den Inseln zwar ziemlich rau. Die kargen Inselwelten bieten jedoch zugleich beste Gelegenheit, um fernab von jeder städtischen Hektik ausgedehnte Wanderungen in einer ursprünglichen, beeindruckenden Naturlandschaft zu unternehmen.
Vom umstrittenen Territorium zum friedlichen Naturparadies
Viele Europäer kennen die Falklandinseln nur durch den Falklandkrieg, in dem Grossbritannien und Argentinien 1982 um die Inselgruppe kämpften. Dass die Inseln vor der argentinischen Küste lange Zeit umkämpft waren, hat politische, geografische und historische Ursachen. Die Falklandinseln wurden 1592 entdeckt, aber erst 1690 erstmalig von einem britischen Seefahrer betreten. Die erste Siedlung errichteten Franzosen im 18. Jahrhundert, übergaben den neugegründeten Ort allerdings schon bald an Spanien. Aus dieser Zeit rühren die ersten Territorialstreitigkeiten zwischen Spanien und Grossbritannien, das seit 1833 einen Flottenstützpunkt auf den Inseln unterhält.
Der Falklandkrieg wurde am 2. April 1982 durch die argentinische Besetzung der Inselgruppe ausgelöst. Die argentinische Regierung erklärt ihre Besitzansprüche bis heute dadurch, dass seit der Unabhängigkeit das gesamte spanische Vizekönigreich am La Plata als argentinisches Staatsgebiet angesehen wird – und dazu zählen auch die umstrittenen Falklandinseln. Grossbritannien reagierte auf den argentinischen Einmarsch mit der Entsendung von Kriegsschiffen, und in einem mehrmonatigen blutigen Konflikt mit über 1000 Toten übernahm Grossbritannien abermals die Kontrolle über die Inselgruppe.
Wenngleich die Zugehörigkeit der Falklandinseln bis heute umstritten ist, gab es seit dem Falklandkrieg nur noch verbale Auseinandersetzungen. In einer Volksabstimmung erklärten 2013 99,8% der Bewohner, bei Grossbritannien verbleiben zu wollen. Nur drei Einwohner befürworteten eine argentinische Staatsbürgerschaft. Das Ergebnis erklärt sich durch eine starke kulturelle Zugehörigkeit, denn fast die gesamte Bevölkerung ist nordenglischen oder schottischen Ursprungs.
Unter Pinguinen und Robben auf den Falklandinseln
Die grösste Attraktion der Falklandinseln sind für viele Besucher die Pinguine. Fünf Arten sind auf den Inseln anzutreffen, und vom Hauptort Stanley aus müssen neugierige Touristen nicht weit fahren, um den ersten Pinguinkolonien zu begegnen. Nur wenige Kilometer nordöstlich der Stadt liegt die idyllische Bucht Yorke Bay, deren Seitenbucht Gypsy Cove ein Brutgebiet der bedrohten Magellanpinguine ist. Auch Robben und See-Elefanten können an den Stränden entdeckt werden, während mächtige Albatrosse und andere Seevögel hoch in der Luft ihre Runden drehen.
Auch die Insel Sea Lions Island trägt ihren Namen nicht ohne Grund, denn die Insel ist bekannt für die grosse Anzahl an Meeressäugern, die hier ihre Brutgebiete haben. Neben Robben und See-Elefanten sind vor der Küste sogar Schwertwale anzutreffen. Sea Lions Island ist besonders für seinen Ökotourismus bekannt, und das örtliche Gästehaus dient umweltbewussten Reisenden ebenso als Unterkunft wie Forschern und Wissenschaftlern. Neben ihren tierischen Bewohnern überraschen die Falklandinseln auch immer wieder mit atemberaubenden Klippenlandschaften und einsamen Traumstränden, die beim Besucher beinahe Südsee-Feeling aufkommen lassen.
Kleine Hauptstadt Stanley
Die Hauptstadt der Falklandinseln als Stadt zu bezeichnen, mag einem Grossstädter seltsam erscheinen. Tatsächlich ist der 3000-Einwohner-Ort Stanley auf Ost-Falkland der mit Abstand grösste Ort der Inselgruppe. Auf den gesamten Falklandinseln sind nicht einmal zehn Dörfer mit mehr als 50 Einwohnern zu finden; Port Howard, der Hauptort von West-Falkland, hat kaum mehr als 20 Einwohner. Dementsprechend bildet Stanley das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Inseln, umfasst einen Grossteil der Einkaufsmöglichkeiten und der touristischen Infrastruktur.
Besucher können in Stanley zwischen rund einem Dutzend Hotels und Gästehäusern wählen, die britisch beeinflusste lokale Küche geniessen und die umliegenden Inseln über Flug- und Fährverbindungen erreichen. Ungeachtet seiner Grösse hat der Ort ausserdem eine bewegte Geschichte aufzuweisen, denn der Hafen von Stanley war einst ein wichtiger Zwischenstopp für Handelsschiffe auf dem Weg zur Magellanstrasse. Mit dem Bau des Panamakanals verringerte sich Stanleys Bedeutung für die Handelsschifffahrt, und der Ort entwickelte sich zu einem Zentrum der Wal- und Robbenjagd für den Südatlantik und die Antarktis.
Während des Falklandkriegs wurde Stanley von argentinischen Truppen eingenommen und in Puerto Argentino umbenannt, ein Name, der für die vielen britischstämmigen Bewohner eine unerhörte Beleidigung darstellte. Nach dem britischen Sieg wurde die stark zerstörte Stadt unter altem Namen wieder aufgebaut und bildet seitdem ein wichtiges Fischerei- und Tourismus-Zentrum. Das Falklandinsel-Museum bietet heute einen lohnenswerten Einblick in die Geschichte des Falklandkriegs, aber auch in die generelle Inselgeschichte und die örtliche Flora und Fauna.
Einen Besuch wert ist auch die Kathedrale von Stanley, die südlichste Kathedrale der Welt. Charakteristisch für die lange Walfang-Tradition auf den Falklandinseln ist der mächtige Eingangsbogen, der aus den Kieferknochen von zwei Blauwalen gefertigt wurde.
Oberstes Bild: Pinguinkolonie am Strand von Saunders Island (© Ben Tubby / Wikimedia / CC)