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Die Auflagen von Swissmedic bezüglich Pyrrolizidinalkaloidhöchstwerten gemäss Empfehlung deutscher Behörden bedeutet faktisch das AUS für die oben genannten TCM-Kräuter. In kaum einer Zubereitung, welche für die innerliche Anwendung bestimmt ist, können die festgelegten Bedingungen erfüllt werden. Lediglich für äusserlichen Gebrauch (Zi Cao = Lithospermum / Arnebia) mag die eine oder andere Mischung die verlangten Grenzwerte einzuhalten, vor allem in Zubereitungen als Salben oder Crèmen.
Lithospermum / Arnebia (Zi Cao)
Der Verlust von Zi Cao ist ein schwerer Schlag gegen die TCM. Es gibt andere Kräuter, die das Xue (Blut) kühlen, doch wie wir alle wissen, benötigt jede Krankheit ihr spezifisches Mittel zur Kühlung. So wird zum Beispiel bei Lupus erythematodes unbedingt Zi Cao benötigt und Mittel wie Cortex Moutan (Mu Dan Pi) oder Radix Paeoniae rubrae (Chi Shao Yao) wirken zwar auch Xue kühlend, jedoch sind sie nicht in diesem spezifischen Fall von besonderer Wirksamkeit, denn ihnen fehlt die Affinität für diesen Fall.
In der Behandlung von Ekzemen können Cortex Moutan (Mu Dan Pi) und Radix Paeoniae rubrae (Chi Shao Yao) als Mittel der ersten Wahl zur Kühlung des Xue gelten und Zi Cao (Lithospermum / Arnbebia) ist weniger wichtig.
Hingegen kann bei Psoriasis wiederum nicht auf Zi Cao verzichtet werden. Ausserdem ist Zi Cao für äusserliche Behandlung unverzichtbar.
Eupatorium (Pei Lan)
Eupatorium (Pei Lan) ist gleichermassen nach Ansicht vieler TCM-Leute ein wichtiges Mittel. Seine Funktion als den Kopf von Feuchtigkeit klärendes Kraut ist so bedeutend, dass das Kraut sogar seinen zweiten Namen danach erhalten hat: Xing Tou Cao heisst es und bedeutet: den Kopf aufweckend. Pei Lan wirkt auf die Funktionskreise Magen und Milz, harmonisiert die Mitte. Wegen seines aromatischen Charakters kann es auch die Oberfläche öffnen und sogar als das Xue bewegend eingesetzt werden.
Symptome der Feuchtigkeit in den genannten Funktionskreisen äussern sich als Appetitlosigkeit, Klumpengefühl im Epigastrium. Bei Kindern (!), welche äusserst empfindlich auf falsche Ernährung reagieren und schnell einmal nichts mehr essen wollen am Tisch, kann Pei Lan wahre Wunder bewirken. Ungern wird man darauf verzichten. Herba Agastachis (Huo Xiang) ist in dieser Situation nicht der perfekte Ersatz. Letzterem ist nur bei ‚Sommergrippe' der Vorzug zu geben.
Einige weitere typische Mittel dieser Wirkkategorie seien noch zur Erinnerung erwähnt:
- Rhizoma Atractylodes Cang Zhu
- Cortex Magnoliae Hou Po
- Fructus Amomi Sha Ren
- Fructus Amomi Bai Dou Kou
- Fructus Amomi Tsao Guo
- Semen Lablab Bai Bian Dou
Es gibt giftigere und weniger giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA). Die deutsche Empfehlung, welcher Swissmedic folgt, empfindet PA mit einem ungesättigten 1,2-Necingerüst als besonders toxisch. Complemedis teilt diese Ansicht nicht vollumfänglich. Auch bei dieser Gattung PA gibt es toxischere und weniger toxische. Swissmedic zeigt sich offen und würde neue Erkenntnisse akzeptieren und ihre Einschränkung modifizieren, wenn genügend Evidenz besteht für eine andere Meinung allfälliger Antragsteller.
Leider ist es aber so, dass auch bei einer differenzierten Messung der PA noch meistens zu viele toxischere PA in unseren Kräutern sind.
Leider sind Pyrrolizidnalkaloide gut wasserlöslich und gehen daher leicht in den Dekokt über, besonders im sauren Milieu und auch deshalb, weil sie oft als leicht lösliche N-Oxide vorliegen. Zudem sind sie hitzestabil und es kann nicht erwartet werden, dass längeres Kochen sie zerstören würde.
Wie schon in früheren Meldungen zu toxischen Substanzen des öfteren gemeldet, handelt es sich bei westlichen pharmakologischen Betrachtungen um solche, welche isoliert eine einzelne Substanz oder Substanzgruppe beobachtet. Ob es berechtigt ist, aus Einzelbeobachtungen darauf zu schliessen, dass PA generell toxisch sind, bzw. ob tatsächlich vermehrt Schäden auftreten würden, ist nicht bekannt. Theoretisch wäre es nötig, ein Bevölkerungskollektiv, welches über Jahre PA-haltige Kräuter eingenommen hat, mit einem gleichen Kollektiv zu betrachten, welche dies nicht tat. Es bräuchte also eine vergleichende Studie. Man kann in diesem Zusammenhang verschiedene Gedanken spinnen: PA-haltige Kräuter werden in der TCM nicht als Einzelmittel gegeben. Ihr Anteil in einer Rezeptur ist sogar verhältnismässig gering. Ist es vorstellbar, dass die andern Kräuter in einer solchen Rezeptur die PA antagonisieren, also ihre toxische Wirkung aufheben? Oder ist es vorstellbar, dass andere Kräuter in der gleichen Mixtur die Apsorbtion von PA verhindern, den Abbau von PA beschleunigen, immunologische Vorgänge anregen, Reparaturvorgänge im Körper (z.B. DNS-Brüche flicken) in Gang setzen etc.
Bestehen rassische Unterschiede in der Empfindlichkeit gegenüber PA zwischen Chinesen und Europäern?
Die Hypothese, dass der Bevölkerungsteil, welcher insgesamt TCM-Mittel einnimmt, weniger Gesundheitskosten auslöst als derjenige, der keine TCM-Mittel anwendet, wäre auch eine Langzeituntersuchung wert. Ebenso eine Studie, ob in der einen Gruppe mehr Leute an Krebs oder Leberversagen erkranken. Zugegebenermassen sind dabei viele Bias möglich (confounding bias v.a.) und die Studie müsste sorgfältig aufgebaut sein. Und die Subgruppe derjenigen Leute, die PA-haltige Mittel in der Dermatolgie erhält, wäre auch eine Beobachtung wert und könnte mit andern TCM-Subgruppen und mit konventionell nach westlicher dermatologischer Schulmedizin behandelten Patienten verglichen werden.
Mazin Al-Khafaji aus London, der Hunderte, ja Tausende von dermatologischen Patienten behandelt, empfindet den Verlust von Zi Cao als blanke Katastrophe. Er wendet Tagesdosen bis 30g an. Konsequent misst er vor, während und nach der Therapie, zum Teil sogar bis zwei Jahre nach der Therapie Leberwerte. Er wäre der erste, der über Probleme berichten würde. Damit kann zumindest ein Teil des Risikos eingegrenzt werden, zumal bei frühzeitiger Entdeckung einer PA-Wirkung der Prozess reversibel ist. Allerdings dürfte es schwierig sein, das Mutagenitäts- und Cancerogenitätsrisiko rechtzeitig klinisch zu erfassen. Da helfen nur die oben erwähnten Studiendesigns.
Tussilago Kuan Dong Hua
Als vor Jahren die PA ins Gerede kamen, wurde in vielen Ländern der Gebrauch von Tussilago, da PA enthaltend, verboten. Auch in der Schweiz wurde versucht, ein solches Verbot durchzusetzen. Die Behörden lenkten nach Protesten aus der Bevölkerung aus Drogisten- und Apothekerkreisen ein und bewilligten einen eingeschränkten Gebrauch von Tussilago. In Ländern, wo Kräutermedizin traditionsgemäss nicht so gut verankert ist wie in der Schweiz, blieb das Verbot weiterhin bestehen. Tussilago ist ein zweifellos nützliches Mittel, auch in der TCM. Sicher kann es auch teilweise durch andere Gruppenmitglieder ersetzt werden, als da an neutralen bis auch warmen Mitteln sind:
- Semen Pruni armeniacae (= Semen Armeniacae amarae) (Ku) Xing Ren
- Folia Eriobotryae Pi Pa Ye
- Radix Asteris Zi Wan
- Radix Stemonae Bai Bu
Produkte, welche ab 1.1.2005 mit PA-Werten gehandelt werden, welche über den Grenzwerten liegen, sind daher als illegal gehandelte Ware zu betrachten.
Wir haben noch keine Kenntnis darüber, wie Swissmedic die Einhaltung der Bestimmung kontrollieren wird.
Die Anbieter für TCM-Mittel auf dem Schweizermarkt werden reagieren müssen. Entweder werden PA-Gehalte bestimmt, was sehr teuer ist, oder man gibt die Kräuter auf. Letzteres hat bereits ein Anbieter für Lithospermum gemacht. Vor allem dann, wenn keine qualifizierte Analytik im Hintergrund steht, welche Identitäten von Kräutern bestimmen kann, ist der Schritt zur Aufgabe eines Krautes schnell gemacht. Gerade am Beispiel Lithospermum/Arnebia, welche beide Pflanzen sind, die unter Zi Cao laufen, ist dies wichtig, denn Arnebia erfüllt die verlangte Wirkung vollumfänglich, enthält aber deutlich weniger toxische PA als Lithospermum.
Kaum etwas ist über die Absichten der Verschreiber im künftigen Szenario bekannt. Werden letztere auf den ausländischen Markt ausweichen?