Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03581.jsonl.gz/1837

Wenn du mit deiner Partnerin oder deinem Partner zusammenwohnst, ihr aber nicht verheiratet seid, dann lebt ihr im sogenannten Konkubinat. Konkubinatspaare sind in vielen Rechtslagen schlechter gestellt wie Ehepaare. Damit euch als Partner im Konkubinat in Fragen des Erb- und Sozialversicherungsrechts keine Nachteile entstehen, erklärt Simpla hier die wichtigsten Punkte, die ihr unbedingt beachten solltet.
Gut zu wissen
Als Konkubinat wird das familienähnliche Zusammenleben zweier Personen bezeichnet, die nicht verheiratet sind. Jedoch ist das Konkubinat im Gegensatz zu einer Ehe in vielen rechtlichen Punkten schlechter gestellt. Gravierende Unterschiede bestehen beispielsweise im Erbrecht wie auch im Sozialversicherungsrecht. Wer sich und seine Lebenspartnerin oder seinen Lebenspartner nicht dementsprechend absichert und gezielt vorsorgt, kann im schlimmsten Fall – beim Tod des Konkubinatspartners – mit leeren Händen dastehen.
Das Zivilgesetzbuch enthält sehr viele Bestimmungen über die Ehe. Das Konkubinat ist aber gesetzlich nicht geregelt. Dieser Umstand kann grosse Konsequenzen auf den Konkubinatspartner haben, wenn es ums Erben geht. Denn beim Tod des einen Partners hat der überlebende Konkubinatspartner kein gesetzliches Erbrecht. Das bedeutet: Der gesamte Nachlass geht in einem solchen Fall an die gesetzlichen Erben des Verstorbenen, etwa an die Eltern, die Kinder oder die Geschwister des Verstorbenen. Damit aber auch der Konkubinatspartner erben kann, ist entweder ein eigenhändiges Testament oder ein notarieller Erbvertrag zwingend.
Beim Tod des einen Konkubinatspartners erhält der überlebende Partner aus der AHV keinerlei Hinterlassenenleistung. Die AHV kennt zwar solche Leistungen in Form von Witwen- oder Witwerrenten. Jedoch gilt der hinterbliebene Konkubinatspartner nicht als Witwe oder Witwer. Zudem besteht bei der AHV keine Möglichkeit, sich gegenseitig im Todesfall zu begünstigen. Sollte das Konkubinatspaar über gemeinsame Kinder verfügen, so würden unter Umständen immerhin die Kinder entsprechende Leistungen in Form von Waisenrenten erhalten.
Bei Pensionskassen gibt es die Möglichkeit, den Konkubinatspartner im Todesfall zu begünstigen. Diese Möglichkeit muss aber im Reglement der Pensionskasse ausdrücklich vorgesehen sein. Dafür ist unter anderem eine sogenannte Begünstigtenerklärung zwingend notwendig, die bei der Pensionskasse angemeldet wird. Mit dieser Erklärung gibt die versicherte Person bekannt, dass im Fall ihres Versterbens der Konkubinatspartner Hinterlassenenleistungen aus der Pensionskasse erhalten soll. Eine solche Anmeldung ist sehr wichtig, denn ein rein faktisches Bestehen des Konkubinats zu Lebzeiten reicht für den Leistungsanspruch nicht aus. Um welche Art von Leistungen es sich handelt, das bestimmen einzig und alleine die Regelungen der Pensionskasse. Gewisse Kassen zahlen in einem solchen Fall eine sogenannte Partnerrente aus, andere wiederum entrichten ein einmaliges Todesfallkapital an den begünstigten Lebenspartner.
Es hängt von der Art der privaten Vorsorge ab, in welchem Ausmass der Konkubinatspartner begünstigt werden kann. Wer über eine gebundene Vorsorge (Säule 3a) verfügt, etwa in Form eines Bankkontos oder einer Versicherungspolice, kann den Konkubinatspartner zwar als begünstigte Person aufführen lassen. Jedoch hat die gebundene Vorsorge strengere Begünstigungsregeln als die freie Vorsorge (Säule 3b), in der die Begünstigung frei gewählt werden kann.
Wer wegen einer Krankheit oder eines Unfalles urteilsunfähig wird und den eigenen Willen nicht mehr selbstbestimmt äussern und umsetzen kann, erhält einen Beistand der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). Deshalb sollte auch hier schon vorzeitig vorgesorgt werden. Denn in einem solchen Fall hat der eine Konkubinatspartner keinerlei Rechte, um den anderen, betroffenen Partner rechtsgültig zu vertreten. Das gilt sowohl bei Entscheiden in medizinischen Fragen als auch im Rahmen des alltäglichen Lebens, wenn es etwa um die Finanzen oder die Vertretung im Rechtsverkehr geht. Gerade deshalb ist es sehr wichtig, sowohl einen ausführlichen Vorsorgeauftrag wie auch eine Patientenverfügung zu verfassen, damit nicht plötzlich staatliche Nachsorge zum Thema wird.