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"Ich will die Präsidentin Frankreichs sein und nicht eine unbestimmte Region der Europäischen Union beaufsichtigen", sagte Le Pen am Montagabend und fügte hinzu: "Ich will nicht die Vizekanzlerin von Angela Merkel sein."
Ihr schärfster Konkurrent, der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron, sagte, den traditionellen Parteien sei es seit Jahrzehnten nicht gelungen, "die Probleme von gestern" zu lösen. "Sie werden das auch nicht morgen schaffen."
Neben Le Pen und Macron nahmen noch drei weitere Kandidaten an dem mit Spannung erwarteten TV-Schlagabtausch teil: der Sozialist Benoît Hamon, Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon und der Konservative François Fillon. Der Republikaner galt lange als Favorit, bis ihn ein Finanzskandal in der Wählergunst abstürzen liess.
Le Pen und der Ex-Wirtschaftsminister haben laut Umfragen die besten Chancen, nach dem ersten Wahlgang am 23. April in die Stichwahl am 7. Mai einzuziehen. Dieses direkte Duell dürfte dann Macron klar für sich entscheiden - so zumindest sehen es die derzeitigen Umfragen.
Allerdings sind fast 40 Prozent der Wähler noch unentschieden. Und Demoskopen weisen darauf hin, dass viele Befragten nicht offen sagen wollen, für wen sie in der zweiten Runde stimmen würden. An den Finanzmärkten herrscht Nervosität, dass es zu einer ähnlichen Überraschung kommen könnten wie beim britischen Brexit-Referendum im vergangenen Juni. Le Pen hat versprochen, den Euro in Frankreich abzuschaffen und eine Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft anzusetzen.
Amtsinhaber François Hollande tritt nicht erneut an. Zentrale Wahlkampfthemen sind die schleppende Konjunktur und die hohe Arbeitslosigkeit sowie die Sicherheitslage nach mehreren islamistischen Anschlägen.
Mit der Fernsehdebatte, die es in dieser Form in Frankreich vor einer Präsidentschaftswahl noch nie gegeben hat, beginnt die heisse Phase des Wahlkampfs. Bis zur ersten Wahlrunde am 23. April sind noch zwei weitere Fernsehdebatten geplant. Sie könnten das Präsidentschaftsrennen massgeblich beeinflussen, zumal viele Franzosen noch unentschlossen sind, wem sie ihre Stimme geben sollen.
Nach jetzigem Stand würde es weder der konservative, noch der sozialistische Kandidat in die zweite Wahlrunde schaffen - das wäre ein Novum in Frankreichs jüngerer Geschichte.
Über das Format der ersten TV-Debatte hatte es einigen Unmut gegeben. Denn bei der Präsidentschaftswahl treten elf Kandidaten an. Eingeladen wurden aber nur die fünf in Umfragen Bestplatzierten.
Der nicht von TF1 eingeladene rechtsgerichtete Kandidat Nicolas Dupont-Aignan kritisiert eine "mediale Manipulation". Am Montag sagte er, eine Vorauswahl der Kandidaten stehe den Fernsehsendern nicht zu. Dupont-Aignan, der in Umfragen auf drei Prozent kommt, war im Streit mit TF1 sogar vor Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht gezogen, unterlag dort aber.