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Die Erkenntnis der Gesetze, welche für die Entstehung und den Wechsel des Wetters gelten, ergibt sich aus den gegenseitigen
Beziehungen, in denen diese meteorologischen Elemente zu einander stehen, und den Einwirkungen, welche
sie aufeinander ausüben. Die Beschaffenheit des Wetters an einem bestimmten Ort beruht hauptsächlich auf der daselbst zu
einer bestimmten Zeit stattfindenden Richtung des Windes, welcher seinerseits wieder von der Verteilung und von den Veränderungen
des Luftdrucks abhängt. Der Wind überträgt die Einwirkung der übrigen meteorologischen Elemente, wie
der Temperatur und der Feuchtigkeit, von einem Ort zum andern und veranlaßt dadurch den jeweilig an
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Durch derartige Betrachtungen ist ein Ausdruck für den Witterungscharakter gewonnen, welcher den verschiedenen Winden an einem
bestimmten Ort und zu einer bestimmten Jahreszeit zukommt. Die so gefundenen Zahlenresultate, welche man
auch graphisch darzustellen pflegt, nennt man Windrosen und zwar barometrische, thermometrische, gewöhnliche etc., je nachdem
sie für die einzelnen Windrichtungen den mittlern Barometerstand, die Mitteltemperatur, die Häufigkeit ihres Auftretens
etc. angeben.
Im allgemeinen ergibt sich als Resultat dieser Untersuchungen, daß, wenn größere Teile der Erdoberfläche
betrachtet werden, die Winde,
[* 7] welche von der Äquatorseite (auf der nördlichen Halbkugel also von der Südseite, auf der südlichen
von der Nordseite) herkommen, sich durch hohe Temperatur, großen Feuchtigkeitsgehalt, starke Bewölkung, häufige Niederschläge
und niedrigen Luftdruck auszeichnen, während die Winde, welche von der Polarseite (auf der nördlichen
Halbkugel also von der Nordseite etc.) kommen, durch niedrige Temperaturen, geringen Feuchtigkeitsgehalt, klaren Himmel,
[* 8] seltene
Niederschläge und hohen Luftdruck charakterisiert sind.
Die wärmsten, dunstreichsten und Wolken undRegen erzeugenden Luftströme, welche von niedrigem Luftdruck begleitet werden,
kommen wegen der angegebenen Eigenschaften der Winde und des verschiedenen Einflusses von Land und Wasser auf der nördlichen
Halbkugel an den Westküsten der Kontinente, namentlich in Europa,
[* 9] als äquatoriale Seewinde aus SW. und an den
Ostküsten aus SO., während die kältesten, trockensten und regenärmsten Luftströme mit meist
heiterm Himmel, welche vom höchsten Luftdruck begleitet werden, polare Landwinde sind und daher an den Westküsten der Kontinente
aus NO. und an den Ostküsten aus NW. wehen.
Die
Veränderungen des Wetters (Witterungswechsel) haben ihre hauptsächlichen Ursachen in den Veränderungen des Luftdrucks
und in dem Entstehen und Fortschreiten der sogen. barometrischenMinima oder Wirbel (s. Wind). Legt man durch das Zentrum eines
in unsern Gegenden meistens in östlicher Richtung fortschreitenden Minimums (s. unten) eine Linie von SSW.
nach NNO., so wird diese den Wirbel in zwei Hälften teilen, von denen die zur Rechten gelegene die Vorderseite des Wirbels
(da der Wirbel sich nach O. hin bewegt) und die zur Linken die Rückseite desselben bildet.
Auf der Vorderseite wehen (in Europa) die aus südlichern Gegenden herkommenden Winde und zwar auf der
nördlichen Hälfte aus O. durch SO. bis S. und auf der südlichen Hälfte aus S. durch SW. bis Wetter; auf der Rückseite des
Wirbels wehen dagegen die aus nördlichern Gegenden herstammenden Winde und zwar auf der nördlichen Hälfte aus O. durch NO.
bis N. und auf der südlichen Hälfte aus N. durch NW. bis Wetter. Diesen Windrichtungen entsprechend ist das Wetter auf der Vorderseite
und Rückseite eines Wirbels gerade entgegengesetzt.
Auf der erstern bringen die aus südlichern Gegenden kommenden Winde warme und feuchte Luft mit sich, die ihrer größern Leichtigkeit
wegen die Neigung hat, nach obenhin abzufließen. Nachdem sie auf ihrem Weg nach nördlichern Gegenden
bereits eine Abkühlung erfahren hat, wird diese durch die beim Aufsteigen der Luft erfolgte Ausdehnung
[* 10] noch vermehrt, und
daher werdende Wasserdämpfe Wolken undNiederschläge zu bilden anfangen. Die bei der Kondensation der Wasserdämpfe frei werdende
Wärme
[* 11] macht die ganze in die Höhe steigende Luftsäule leichter, wodurch der aufsteigende Luftstrom verstärkt
und ein Fallen
[* 12] des Barometers verursacht wird.
Umgekehrt verhält es sich auf der Rückseite eines Wirbels. Hier kommen die Winde aus nördlichern Gegenden und führen kalte
und trockne Luft mit sich, die sich auf ihrem Weg nach südlichern Gegenden erwärmt und deshalb mehr
Wasserdampf aufzunehmen im stande ist, wodurch Wolkenbildung und Niederschläge ausgeschlossen sind. Diese kalte und trockne
Luft bildet keinen aufsteigenden Luftstrom, sondern führt die Luft dem in der Nähe des Wirbelzentrums befindlichen luftverdünnten
Raum zu und bewirkt dadurch ein Steigen des Barometers. Da das Barometer
[* 13] auf der Vorderseite des Wirbels
fällt und auf der Rückseite steigt, wird eine Fortbewegung des barometrischenMinimums (Zentrum des Wirbels) die Folge sein
und zwar nach der Richtung hin, in welcher das Barometer am schnellsten gefallen ist.
Daher ist die seitliche Bewegung des barometrischenMinimums keine wirkliche, sondern nur eine scheinbare,
bei welcher sich dieses Minimum immer an aufeinander folgenden Stellen der Atmosphäre bildet und sein Fortschreiten daher mit
der Bewegung einer Wasserwelle verglichen werden kann. Im allgemeinen wird also das Wetter auf der Rückseite des
Wirbels, nachdem der Wind nach nördlichen Richtungen herumgegangen ist, klarer und der Niederschlag schwächer
werden, während es auf der Vorderseite bei Winden aus südlichern Richtungen trüber und der Niederschlag stärker wird. Daher
wird ein Umschlag im W. eintreten, wenn das Zentrum eines atmosphärischen Wirbels am Beobachtungsort selbst oder in größerer
Nähe desselben vorübergeht. Trübe Witterung hört auf, wenn über den Beobachtungsort, welcher früher bei
niedrigern Barometerstand den Einflüssen der Vorderseite des Wirbels unterworfen war, das Wirbelzentrum herübergeht und
er bei höherm
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mehr
Barometerstand auf die Rückseite des Wirbels gelangt; dagegen wird umgekehrt klare Witterung in trübe übergehen, wenn ein
Wirbel mit niedrigem Barometerstand an die Stelle von hohem Luftdruck tritt, oder wenn ein Wirbel auf einen vorangegangenen folgt.
Aus den vorstehenden Thatsachen ergibt sich, daß alle Veränderungen des Wetters in dem innigsten Zusammenhang
mit den Änderungen im Luftdruck stehen, und daß, wenn eine Vorherbestimmung des Wetters (Wetterprognose) aufgestellt werden
soll, es durchaus notwendig ist, sowohl die Verteilung des Luftdrucks über einem größern Gebiet zu kennen, als auch zu
wissen, wie sich dieselbe für die Zukunft gestalten wird. Wenn es in neuerer Zeit gelungen ist, wenigstens
für einen kürzern Zeitraum, für die nächstfolgenden 24 Stunden, Wetterprognosen zu stellen, die im allgemeinen 80-90 Proz.
Treffer ergaben, so ist das nur dadurch möglich gemacht, daß der Telegraph
[* 15] in den Dienst der Meteorologie gezogen wurde und
durch die Wettertelegraphie die zu einer bestimmten Zeit vorhandenen Werte der meteorologischen Elemente
einer Zentralstelle mitgeteilt, von dieser gesammelt und zum Entwerfen von Wetterkarten und zum Aufstellen von allgemeinen
Übersichten der Witterung (Wetterberichte) benutzt wurden.
Da die verschiedene Verteilung des Luftdrucks und die von ihr abhängige wechselnde Richtung und Stärke
[* 16] der Winde die das Wetter hauptsächlich
bestimmenden Elemente sind, so ist auch bei den Wetterkarten auf Luftdruck und Winde die meiste Rücksicht genommen. Aber auch
die andern Witterungserscheinungen, als: Temperatur, Bewölkung, Regen etc., werden in diese Wetterkarten eingetragen. Die Methode
der Anfertigung dieser Wetter- oder synoptischen Karten besteht darin, daß die Witterungserscheinungen, welche gleichzeitig
auf einem größern Gebiet stattfinden, durch vereinbarte, allen verständliche Zeichen in eine geographische
Karte eingetragen werden, um auf diese Weise ein übersichtliches Bild des Witterungszustandes zu erhalten, welches einer weitern
Diskussion unterworfen werden kann.
Vorzüglich sind zwei Arten solcher Wetterkarten zu unterscheiden: solche, welche allein auf Grund der telegraphischen Nachrichten
konstruiert werden und dem sofortigen praktischen Gebrauch, namentlich dem Ausstellen der Wetterprognosen,
dienen, und solche, welche nachher mit reichhaltigerm Material angefertigt und den wissenschaftlichen, theoretischen Forschungen
zu Grunde gelegt werden. Da unter allen europäischen meteorologischen Zentralinstituten die deutsche Seewarte in Hamburg
[* 17] (s.
Seewarte) das reichhaltigste Material bei der relativ besten Verteilung der Stationen besitzt, so mögen
als Beispiel für alle ähnlichen Wetterkarten und Wetterberichte die von der deutschen Seewarte getroffenen Einrichtungen und
Maßregeln dienen.
Außerdem sind in den Morgentelegrammen die Werte derselben Größen für 8 Uhr (beiden ausländischen Stationen
zum Teil für 7 Uhr) morgens angegeben, denen noch die relative Feuchtigkeit, die Regenmenge, der vorherrschende Himmelszustand
(Wolkenform) und meistens auch die Temperaturextreme für die letzten 24 Stunden hinzugefügt sind. Von diesen 96 Stationen
senden endlich noch 22 (13 deutsche und 9 ausländische) die Werte der meteorologischen Elemente, die in der
Morgendepesche berücksichtigt waren, auch für 2 Uhr nachmittags ein.
Die Bewölkung wird durch Ausfüllung der Ringe gegeben, so daß ein unausgefüllter Ring einen wolkenlosen und ein ausgefüllter
Ring einen völlig bedeckten Himmel bezeichnet, und die Hydrometeore werden durch international vereinbarte Zeichen eingetragen,
wobei Regen durch einen oder mehrere Punkte bezeichnet ist. Dabei bedeutet ein Punkt einen Regenfall in 24 Stunden
von 1-5 mm, zwei Punkte von 6-10 mm, drei Punkte von 11-20 mm und vier Punkte von über 20 mmHöhe.
Diese Eintragung in die Karten und die Abfassung der tabellarischen Übersicht kann schon jeden Tag um 11 Uhr vormittags dem
Druck übergeben werden. Nach Vervollständigung der Karten und mit Benutzung der Nachmittagsdepeschen werden, nachdem ein
Wetterbericht, die allgemeine Übersicht der Witterung über Zentraleuropa für 8 (7) Uhr morgens des betreffenden Tags, zusammengestellt
ist, die Aussichten für die Witterung des nächstfolgenden Tags hinzugefügt. Aus den allgemeinen Übersichten der Witterung
und den Wetterkarten, welche beide verschiedenen Zeitungen telegraphisch mitgeteilt werden, werden an verschiedenen
Orten mit Benutzung von lokal angestellten Beobachtungen sogen. Lokalprognosen gestellt und ebenso wie die Wetterkarten selbst
und die von der Seewarte¶