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Der Bautyp „Terrassenhaus“ wurde in der Schweiz erst in den 1950er-Jahren entwickelt. Anlass dazu war die Frage, wie topografisch schwierige Südwest-Steilhänge sinnvoll bebaut werden können. In der Idee der Terrassenhaussiedlungen sahen die Pioniere einen ressourcenschonenden Beitrag gegen die Zersiedlung der Landschaft. Gleichzeitig sollte es eine moderne und urbane Wohnform sein: Anstelle von Einfamilienhäusern suchte man nach neuen gemeinschaftlichen Siedlungsformen. Dass sich dieser Bautyp auch für schmale Grundstücke in einer bereits bebauten Umgebung eignet, zeigt die Überbauung „Kirchbergstrasse“ in Küttigen.
Anstatt den Hang zu dramatisieren, ihn mit architektonischen Mitteln zu übersteigern, wie es bei vielen Terrassenüberbauungen zu sehen ist, verschwindet dieser Bau förmlich im Hang. Er nimmt sich zurück, hält Mass zu den benachbarten Ein- und Mehrfamilienhäusern und fügt sich so harmonisch in die Umgebung ein. Dazu aber waren aufwändige Grab- und Sicherungsarbeiten nötig. Weil man auf den Nachbarparzellen keine Abgrabungen machen durfte, musste die tiefe Baugrube auf der rechten Seite und hinten mit Bohranker abgesichert werden.
Auf der nordwestlichen Seite, wo der Hang besonders steil abfällt, wurde eine Betonmauer errichtet: Sie folgt exakt dem bestehenden Terrain und schneidet die nötigen Erschliessungsflächen (Aussentreppe, Eingangsbereiche) aus. Die verschiedenen Eingangsniveaus wurden ebenfalls durch Betonmauern abgetrennt. Südöstlich reicht eine bestehende Wiese bis an die Fassade heran. Einzig bei der untersten Wohnung wurde das Terrain zur besseren Belichtung etwas angeschnitten. „Die Belichtung ist bei derart tief in den Hang gesetzten Bauwerken ziemlich knifflig“, erklärt Projektleiter Roger Furrer vom Büro Bäumlin+John. „Zusätzlich erschwert wird sie, wenn auf seitliche Abgrabungen weitgehend verzichtet werden muss.“ Gelöst wurde das Problem durch eine geschickte Anordnung der Innenräume und Fenster.
Die vier Wohnungen weisen alle 4,5 Zimmer aus und verfügen über grosszügige Terrassen (82 bis 150 Quadratmeter), die teilweise gedeckt sind. Die Überdeckung schützt auch vor Einblicken von den oberen Terrassen. Für weiteren Einsichtschutz sorgt ein in die Brüstung integrierter Pflanzentrog, der sich über Zweidrittel der Terrasse erstreckt und die Bewohner auf Distanz hält zur vordersten Kante. Freie Sicht (vom Liegestuhl aus!) auf Küttigen, Aarau und weit darüber hinaus bietet die Glasecke angrenzend an den Trog. Zugleich brechen diese Gläser das von weissen und bronzefarbenen Bändern geprägte Fassadenbild spielerisch auf.
Die Erschliessung erfolgt von der Kirchbergstrasse her. Im UG befindet sich die Einstellhalle mit Parkplätzen, Velokeller, Technik- und Hobbyräumen. Mit dem Lift gelangt man von hier in alle Geschosse und zu den Kellerräumen, die sich im 1.OG befinden. Im EG und im 2.OG führt der Lift sogar direkt in die Wohnungen. Speziell an diesem Bau ist auch, dass jede Wohnung über eine eigene Wärmepumpe verfügt. So wird dieses Terrassenhaus sowohl dem Wunsch vom individuellen Wohnen wie auch der Erfordernis eines sorgsamen Umgangs mit dem Boden gerecht.
Auftraggeber: JKB Immobilien AG
Baujahr: 2017