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Altes Rathaus
Es handelt sich bei diesem Gebäude um ein ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus, das 1899 im Auftrag des Landarztes Dr. Josef Schmon erstellt worden ist. Im Parterre betrieb seine Gemahlin den Gemischtwarenladen "Handlung Dr. Schmon". Im Obergeschoss waren zwei grosse, komfortable Wohnungen untergebracht. Dieser Neubau erfolgte in Bezug auf die örtliche Bautradition mehr oder weniger kompromisslos, ein typischer Vertreter des Historismus; ein Zeuge auch des durch die Textilindustrie bedingten konjunkturellen Aufschwungs. Die längliche, sehr schmale Parzelle östlich des Tschudischen Witwensitzes, wo einst das Gasthaus zur Linde stand, führte zu einem schiefwinkligen Grundriss. Der Bau ist so konzipiert, dass er drei zwar völlig unterschiedliche, für sich jeweils aber repräsentative Fassaden aufweist, welche durch eine kunstvolle Dachgestaltung zu einer Einheit zusammengefasst sind. Die kleinste Fassade, auf den Marktplatz gerichtet, wurde mit einem säulengetragenen, gusseisernen Balkon als Hauptfront hervorgehoben. Ein über Eck gestellter Turm führt in die Längsfassade über, aus welcher sich axial ein Mittelrisalit erhebt. Die Gesamterscheinung dieses Hauses lebt von der neuklassizistischen Fassadengliederung, die sich bis auf den Balkon in allen Details erhalten hat. Im Innern waren für die damalige Zeit sehr moderne Räumlichkeiten anzutreffen: hohe, mit eleganten Schaufenstern versehene Verkaufsräume beidseitig des Hauseingangs und Wohnungen mit Täferverkleidungen, Parkettböden und Stuckdecken. Auch verfügte das Gebäude über eine Zentralheizung und eine Gasbeleuchtung, der aber schon bald eine vollständige Elektrisierung folgte.
Der erste Weltkrieg und der damit verbundene totale Einbruch in der Stickereiindustrie führten zu einer beispiellosen Krise und zur Aufgabe des Gemischtwarenladens. Daraufhin sah sich die Familie Schmon zum Verkauf des Hauses gezwungen. Weil dazumal seitens der Gemeinde Flums einerseits ein Bedarf nach einem grösseren Verwaltungsgebäude bestand und andererseits die soziale Unterstützung der krisengeschüttelten Bevölkerung notwendig war, stiftete die Firma Spoerry die Summe von 64'000 Franken, welche zum Kauf des Hauses sowie für die Einrichtung einer Suppenküche reichte.
Das ehemalige Kaufhaus war somit 1919 zum Rathaus geworden und blieb in dieser Funktion bis 1998 mehr oder weniger unverändert. Unterhalt wurde nur auf Sparflamme betrieben, weil man davon ausging, dass dieses Haus dereinst wohl abgebrochen würde. Das bedeutete auch, dass - bis auf die Entfernung des Balkons (er wurde klugerweise nicht verschrottet, sondern eingelagert) - keinerlei äussere Veränderungen vorgenommen wurden und die schönen Wohnräume substanziell intakt blieben. Innen etwas verstaubt, aussen in durchaus normalem Rahmen renovationsbedürftig, präsentierte sich das Gebäude vor einigen Jahren und bewies damit, wie solid und dauerhaft früher gebaut wurde und wie tauglich - oder nachhaltig - historische Bauten sind.
Sehr schnell fand sich auch ein Interessent für den Kauf. Realistisch genug erkannte dieser das Potenzial des Gebäudes und erschrak nicht über das Verhältnis zwischen den Renovationskosten und dem (bewusst tief gehaltenen) Kaufpreis. Um eine denkmalpflegerisch gute Lösung zu ermöglichen, wurde die angestammte Nutzung beibehalten: Verkaufsräume im Parterre, Wohnraum im ersten Stock, Lagerraum und Estrich im Dachgeschoss. Die beiden Wohnungen wurden zu einer Art "Zwei-Generationen-Haushalt" zusammengelegt. Die Innenausstattung konnte durch die behutsame Restaurierung wieder zu Ehren gebracht werden. Kleine Ergänzungen und vertretbare Rückführungen waren nötig und möglich. Besonders schön sind die auf beiden Kopfseiten situierten ehemaligen Salons mit Parkettböden, Gusseisenheizkörpern, wandhohen Täfern und Stuckdecken. Auf zeitgemässe Anforderungen wie komfortable Badezimmer, eine Wohnküche und einen behaglichen Aussenraum in Form der wiederhergestellten Terrassenanlage auf der Südfassade musste nicht verzichtet werden. Und der kluge Entschluss, das Dachgeschoss nicht auszubauen, ersparte bauliche Sachzwänge und kostentreibende Investitionen; es bleibt hier eine Raumreserve, über welche die nächste Generation immer noch verfügen kann. Das Optikergeschäft, das im Parterre geeignete Verkaufsräume beziehen konnte, scheint mit seiner Brille als kunstvoll inszeniertem Aushängeschild das Auge für das renovierte Rathaus zu schulen und zu sagen, das alte Rathaus sei im Flumser Ortsbild selbst zum Aushängeschild geworden. Bezüglich Aussenrenovation fiel die Erneuerung sämtlicher Malerarbeiten an. Der sehr robuste, gut erhaltene Besenwurf-Verputz wurde vom 100-jährigen Schmutz befreit, an einigen Stellen geflickt und mit neuer Farbe versehen. Das Dach musste nur revidiert werden und der in Zinkblech geschaffene Zierrat an Dachgauben und Turm konnte zum grössten Teil erhalten bleiben. Die Fenster wurden nur dort ersetzt, wo sie innen nicht Teil einer Wandvertäferung waren.
Die Eigentümer haben bewiesen, dass der Kauf eines alten Hauses kein Abenteuer - und dessen Erhaltung kein Fass ohne Boden ist. Dazu verhalf ihnen ein unkonventionelles Denken in Bezug auf den Umgang mit diesem Gebäude. Und natürlich forderte eine derartige Renovation den Beizug eines verständnisvollen Architekten und - nicht zuletzt - erhebliche Eigenleistungen. Zudem mussten finanzielle Schwerpunkte gesetzt werden. So erfolgte die Wiederherstellung des gusseisernen Balkons, der für die Platzfassade so wichtig ist, erst einige Zeit nach Abschluss der Renovationsarbeiten im Jahr 2001. Einen schöneren Abschluss hätte diese Gesamtrestaurierung nicht finden können.