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Am Montag überreichte Masamichi Kono, stellvertretender Generalsekretär der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), den Umweltprüfbericht 2017 in Bern Marc Chardonnens, dem Direktor des Bundesamtes für Umwelt (BAFU). Absicht sei, Dinge gemeinsam besser zu machen, sagte Kono bei der Zeugnisübergabe.
Schutzgebiete: Schweiz hinkt hinterher
Nachholbedarf sehen die Autoren bei der Biodiversität, wo die Schweiz den OECD-Staaten hinterherhinkt, trotz schönen Landschaften. Nach der Jahrtausendwende waren fast vier von fünf Reptilien, rund zwei Drittel der Amphibien, mehr als ein Drittel der Säugetiere und Vögel und über ein Viertel der Süsswasserfische verletzlich bis vom Aussterben bedroht.
Intensive Landwirtschaft, Infrastrukturbauten, Energie aus Wasserkraft und auch die Einwanderung fremder Arten sind Gründe dafür. Schutzgebiete seien im internationalen Vergleich zu klein und zu wenig untereinander vernetzt, bemängeln die Autoren zudem.
Das weltweit vereinbarte Aichi-Ziel, bis 2020 17 Prozent der Landfläche unter Schutz zu stellen, sei in der Schweiz nicht erreicht, sagte Masamichi Kono. Laut Bericht erfüllen lediglich 6,2 Prozent der Land- und Binnenwassergebiete die Kriterien der Internationalen Naturschutz-Union (IUCN).
12,5 Prozent können es werden, wenn die Inventarisierung von auf kantonaler oder kommunaler Ebene geschützten Gebiete auf Bundesebene übertragen wird. Die Schweiz verfügt über einen einzigen Nationalpark. Die Autoren bedauern es, dass das Projekt für den zweiten Park, den Parc Adula, 2016 an der Urne scheiterte.
Belastete Gewässer
Hohe Belastungen haben auch Gewässer zu tragen - auch hier werden als ein Grund in der Landwirtschaft verwendete Pestizide genannt. Mikroverunreinigungen aus Haushalt und Industrie tragen ebenso zur Belastung bei. Positiv gewertet wird, dass Frischwasserentnahmen abgenommen haben und Kläranlagen die Stickstoffbelastung senken.
Trotz Verbesserungen ein Ungenügend erteilt die OECD der Schweiz bei der Luftbelastung mit Schadstoffen: Die Belastungen durch Feinstaub und Stickoxide liegen vor allem in stark befahrenen Gebieten über den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten. Feinstaub und Ozon in der Luft verursachen jedes Jahr 2000 bis 3000 vorzeitige Todesfälle.
Nachdem die Schweiz 2007 ihren Aktionsplan Umwelt und Gesundheit (APUG) nicht erneuert habe, fehle "eine ganzheitliche Sicht der umweltbedingten Gesundheitsprobleme", heisst es im Bericht. Das Programm ging auf die Konferenz von Rio von 1992 und die damals verabschiedete "Agenda 21" zurück.
742 Kilogramm Siedlungsabfall
742 Kilogramm Siedlungsabfall gibt es laut Bericht pro Jahr und Kopf, eine der höchsten Mengen in der OECD. Recycling zeige zwar Wirkung, schreiben die Autoren. Aber auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft sehen sie Luft nach oben, namentlich bei Bau- und Abbruchabfällen.
Mehr als 15 Millionen Tonnen Abfall im Jahr entfallen auf diese Sparte. Der Bericht empfiehlt Abgaben: Würden die Hersteller von Baumaterial vermehrt zur Verantwortung gezogen, würde dies "Abfallerzeuger dazu anregen", die Kosten von nicht mehr genutzten Stoffen in Betracht zu ziehen.
Der Bericht nennt aber auch Schweizer Stärken: Aufgeführt werden Bestrebungen, den Güterverkehr von der Strasse auf die Schiene zu bringen, die CO2-Abgabe - kritisiert werden hier aber die Ausnahmen - die auf biologische Vielfalt ausgerichteten Direktzahlungen an Bauern oder die höhere Besteuerung von Diesel als von Benzin.
42 Empfehlungen
Die OECD legte bereits 1998 und 2007 Umweltprüfberichte für die Schweiz vor. Die aktuellste Version enthält 42 Empfehlungen. Chardonnens kündigte vor den Medien Umsetzungsschritte an, etwa über die Pläne des Bundes für eine grüne Wirtschaft.
Weiter nannte er die Aufrüstung der Kläranlagen. Diese würden um eine Reinigungsstufe ergänzt, damit künftig weniger Mikroorganismen ins Wasser gelangen. Ob mit dem im September verabschiedeten Aktionsplans Biodiversität die Ziele erreicht werden, lässt sich laut BAFU noch nicht abschätzen.
Die Umweltorganisationen WWF Schweiz, BirdLife Schweiz und Pro Natura sehen im Bericht ihre Forderungen bestätigt. Pro Natura verlangt die Umsetzung der Vorschriften im Gewässerschutzgesetz. BirdLife pocht auf die Umsetzung des Aktionsplans Biodiversität "mit genügend Mitteln". Dies wäre für BirdLife ein erster Schritt, ein zweiter Aktionsplan müsse folgen.