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Neben den langjährigen Wohnorten Safenwil (AG) und Basel war für Karl Barth das Bergli oberhalb des Zürichsees einer der wichtigsten Arbeits-, Inspirations- und Erholungsorte. Hierher kehrte er während fast 30 Jahren Sommer für Sommer zurück, meistens begleitet von seiner Lebensgefährtin und wichtigsten Diskussionspartnerin Charlotte von Kirschbaum.
Begegnung mit Karl Barth und dem Bergli
Es gibt berufenere Theologinnen und Theologen in unseren Gemeinden, die über „Gottes fröhlichen Partisan“ oder den „Kirchenvater des 20. Jahrhunderts“ schreiben können. Ich beschäftigte mich mit Karl Barth erstmals, als ich vor gut 13 Jahren nach Oberrieden kam. Das Oberriedner Ferienhaus der Familie Pestalozzi, das Bergli, war mir bekannt. Ab 1920 wurde es Karl Barths „Sommerresidenz“, in der ihn viele Theologen besuchten. Dies war mir Anlass, mich mit dem Werk Barths zu beschäftigen, das ihn berühmt machte: dem Kommentar zum Römerbrief. In einer „lectio continua“ predigte ich über den Römerbrief und las dazu Barths Kommentar von 1921/22.
Ein zweites Mal begegneten mir Karl Barth und das Bergli, als wir Literatur-, Diskussions- und Kulturveranstaltungen zu Dietrich Bonhoeffer durchführten. Bonhoeffer besuchte Karl Barth 1932 in Oberrieden, als dieser gerade das Vorwort zum ersten Band seiner „Kirchlichen Dogmatik“ vollendet hatte. Bethge, Dietrich Bonhoeffers Freund, schreibt: „Nach seinem Besuch auf dem Bergli beschrieb er [Bonhoeffer] jenen Sommertag bei Karl Barth als „das Asyl für einen theologisch Obdachlosen“, an welches er ... mit Wehmut zurückdenke.“
Karl Barth auf dem Bergli
Wie kam es, dass Karl Barth so intensiv das Ferienhaus der Familie Pestalozzi aufsuchte, sodass man ihm sogar das sogenannte Torhaus erbaute, in dem er ungestört mit Charlotte von Kirschbaum arbeiten konnte?
Karl Barth hatte über seinen Freund Eduard Thurneysen den Unternehmer Ruedi Pestalozzi kennengelernt. Es entstand eine Freundschaft, in der Pestalozzi bald als grosszügiger Mäzen wirkte. Seine Frau Gerty war eine grossartige, aber spezielle Gastgeberin. Barth beschreibt die Stimmung auf dem Bergli als „Atmosphäre angenehmster Stille“ und empfand den Ort als „eine zweite Heimat“. Barth erholte sich hier, schrieb aber auch an seinen Vorträgen, Vorlesungen und an seinem dreizehnbändigen Werk, der Kirchlichen Dogmatik, die prägend für ganze Theologengenerationen werden sollte.
Inspirationsort Bergl
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Eberhard Busch, ein Biograph Karl Barths, meint, dass mit dem Beginn der Naziherrschaft das Bergli für viele Theologen „eine Oase inmitten der anschwellenden Stürme“ wurde. „Es herrschte in dieser Zeit auf dem Bergli in eigentümlicher Mischung ein besorgtes und ein fröhliches Zusammensein.“ Nach dem Frühstück arbeitete Barth, nachmittags bewegte man sich und diskutierte, abends wurde gespielt. Spätabends zogen sich Barth und von Kirschbaum nochmals ins „Törli“ zurück.
Das Bergli heute
Die Atmosphäre des Bergli können wir ein klein wenig nachvollziehen, wenn wir in Oberrieden den Wanderweg Richtung Berg die Holzgasse hinauf nehmen. Auf der Höhe des Schützenhauses befindet sich ein wunderbarer Ausblick. Man sieht im Nordosten den Säntis und Hohen Kasten, es folgen die Churfisten, und südlich dann der Glärnisch mit dem Vrenelisgärtli. Unterhalb erstrahlt das blaue Oval des Zürichsees. Schräg unter uns, zwischen den ersten zwei Häusern des Ortes befindet sich ein kleines Holzhäuschen. Pestalozzis Enkel, Robert Honegger, hat hier das Bergli, das abgerissen worden war, als Atelier klein nachgebaut.
Im H2OT-Morgengottesdienst, am 10. Februar
, wollen wir uns in einer scheinbaren Begegnung zwischen Karl Barth und Paulus auf dem Bergli den Gedanken beider versuchen anzunähern.
Pfr. Berthold Haerter, Oberrieden