Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03401.jsonl.gz/2033

Eine Kolloidzyste ist eine gutartige Zyste, die typischerweise im Bereich der 3. Hirnkammer vorkommt und unter Umständen zu einem Aufstau des Hirnwassers und damit zu einem Hydrozephalus führen kann. Nicht jede Kolloidzyste muss behandelt werden. Sollte die Zyste allerdings Symptome verursachen und eine Operation notwendig werden, können wir in unserer Klinik auf grosse Erfahrungswerte zurückgreifen.
Kolloidzysten sind gutartige zystische Strukturen, die mit einer Epithelschicht ausgekleidet sind und eine schleimige Flüssigkeit enthalten. Durch die Ansammlung dieser mukoiden Flüssigkeit, die von den Zellen der Zystenwand ausgeht, kommt es im Verlauf häufig zu einem allmählichen Zystenwachstum. Kolloidzysten finden sich mehrheitlich im vorderen oberen Bereich des 3. Hirnventrikels. Das Ventrikelsystem ist ein mit Hirnflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) gefülltes, zusammenhängendes Hohlraumsystem im Inneren des Gehirns, dessen 4 Hirnkammern (Ventrikel) über Öffnungen (Foramina) miteinander verbunden sind. Kolloidzysten können den Übergang von beiden Seitenventrikeln zum 3. Ventrikel, dem sogenannten Foramen Monroi, blockieren, so dass es zu einem Aufstau der Hirnflüssigkeit in einem oder meistens auch beiden Seitenventrikeln kommt. Dieser Liquorstau führt zu einem langsamen Anstieg oder bei vollständigem Verschluss der Passage auch zu einem plötzlichen und gefährlichen Anstieg des Schädeldrucks.
Die Erkrankung ist relativ selten und macht lediglich 0,5–1 % aller intrakraniellen Raumforderungen aus. Am häufigsten ist die Altersgruppe zwischen 20–50 Jahren betroffen.
Die häufigsten Beschwerden sind:
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- Übelkeit/Erbrechen
- Gleichgewichtsstörungen
- Sehstörungen wie verschwommenes Sehen
- Inkontinenz
- Einschränkungen der Konzentrationsfähigkeit
- Gedächtnisstörungen
Seltener sind:
- Doppelbilder
- epileptische Anfälle
- Tinnitus
Alle diese Symptome treten erst dann auf, wenn es zu einer Einengung der Liquorabflusswege kommt. Vorher sind Kolloidzysten asymptomatisch und werden oft nur als Zufallsbefund bei einer anderen Untersuchung diagnostiziert.
Die Beschwerden können bei einem nicht vollständigen Verschluss langsam zunehmen, zeitweilig nachlassen oder sogar aussetzen. Dies geschieht mitunter in Abhängigkeit von der Kopfposition. Bei einem akuten und vollständigen Verschluss der Liquorwege kommt es jedoch zu plötzlich einsetzenden und schnell zunehmenden Symptomen mit einer gefährlichen Hirndrucksteigerung. Ein plötzlicher Anstieg des intrakraniellen Drucks kann akut lebensbedrohlich sein, und es wurden schon – wenn auch selten – Todesfälle aufgrund von Kolloidzysten beschrieben. Nichtsdestotrotz ist die Inzidenz akuter neurologischer Verschlechterung niedrig (0,8 %).
Die Zysten entspringen dem embryonalen Gewebe des Zwischenhirns (Diencephalon). Es handelt sich bei ihnen um eine Anlagestörung während der Embryonalentwicklung. Durch die Absonderung von Sekret von den Epithelzellen der Zystenwand ins Zysteninnere nimmt die Zyste an Grösse zu.
Die Zyste und die Raumforderung im Foramen Monroi können per Computertomografie (CT) erkannt werden. Im Computertomogramm zeigen sich die Zysten meistens als helle Strukturen, die leicht Kontrastmittel aufnehmen. Verkalkungen sind eher selten.
In der Magnetresonanztomografie (MRT oder MRI von engl. Magnetic Resonance Imaging) stellen sich die Zyste und deren Abgrenzung zu den Nachbarstrukturen deutlicher dar. In T1-gewichteten Aufnahmen sind Kolloidzysten typischerweise iso- oder hyperintens, in T2-gewichteten Aufnahmen hypointens, in FLAIR-Aufnahmen hyperintens. Leichte Kontrastmittelanreicherungen sind möglich. Das Ausmass des Liquoraufstaus kann anhand der Weite der Seitenventrikel bestimmt werden.
Nicht jede Kolloidzyste wächst und muss behandelt werden. Kleine Kolloidzysten, die keine Störung oder Blockade der Liquorzirkulation verursachen, können in regelmässigen Abständen kontrolliert und mit Hilfe der genannten Bildgebungsverfahren beobachtet werden. Zysten, die das Foramen Monroi erheblich einengen oder bereits zu einem Liquoraufstau führen, sollten entfernt werden. Die Notwendigkeit einer Intervention bei wachsenden Zysten ergibt sich in etwa 8,6 % aller Fälle.
Die Operation wird über einen minimalinvasiven Zugang endoskopisch oder mikrochirurgisch durchgeführt. Der Zugang zur Zyste erfolgt transkortikal oder transkallosal. Das ideale operative Vorgehen wird im Einzelfall aufgrund der genauen Zystenlokalisation und -grösse sowie des Ausmasses des Hydrozephalus bestimmt. Zur postoperativen Nachbetreuung gehört eine MRI-Kontrolle, um eventuelle Rezidive, die allerdings nur selten auftreten, rechtzeitig zu erkennen.
Durch die Zystenentfernung kann der Liquorfluss wiederhergestellt werden. Bei einigen Patienten kann es jedoch nach dem Eingriff zu einer gestörten Liquorresorption und dadurch innerhalb von Tagen oder Wochen zu einem sogenannten Hydrocephalus malresorptivus kommen. Dieser muss durch die Implantation eines Shunts behoben werden. Ausserdem kann es zu Rezidiven kommen, wenn bei stark anhaftenden Zysten ein Rest der Zystenwand am Dach des 3. Ventrikels zurückbleibt.
-
Greenberg MS. Handbook of Neurosurgery. Thieme; 2016:1664.
-
O’Neill AH, Gragnaniello C, Lai LT. Natural history of incidental colloid cysts of the third ventricle: A systematic review. J Clin Neurosci. 2018;53:122-126.