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Neue Bergfahrten in den Schweizer Alpen 1906
Mont Blanc-Gebiet.
Aiguilles Rouges du Dolent „ La Mouche " 3582 m Aner. 12. Juli. ( Dieser bisher unerstiegene Gipfel liegt östlich von Punkt 3691 der Barbeykarte von 1906. ) Messrs. W. N. Ling und Harold Raeburn verließen ein Biwak am linken Ufer des Neuvazgletschers oberhalb der Moräne um 9 Uhr morgens, stiegen auf die Moräne herunter und kreuzten diese und zahlreiche Bäche in der Richtung auf die große Südwand des Tour Noir. Über einige steile Platten und eine kurze Eiswand oberhalb derselben erreichten sie den Neuvazgletscher um 10 Uhr, gerade zu ihrer Linken, westlich von dem Ende der Südwand des Tour Noir. Unterhalb der Klippen des Tour Noir traversierend erreichten sie den Doppelbergschrund um 11 Uhr 17 Min, kreuzten ihn in 10 Minuten und erreichten über einen Schneehang etwa 30 Meter ansteigend einen Felsrücken; über diesen ( leichte, aber lose Felsen wechselten mit Schnee- und Eisgräten ab ) erreichten sie den Fuß der Aiguille um 2 Uhr 15 Min.; der letzte Gipfelturm ist etwa 120 m. hoch und außerordentlich steil. Er zerfällt in drei Zinken, von denen der südlichste der höchste ist. Ein etwa 65 m. hoher Kamin führt hinauf zu einer Scharte zwischen dem südlichen und dem mittleren Zinken. Dieser Kamin wurde hauptsächlich zum Aufstieg benutzt. An einer Stelle erwies sich das Hinaustreten in die Wand des mittleren Zinkens als notwendig. Die Rückkehr in den Kamin erfolgte höher oben in der Weise, daß man sich über eine vorspringende Felsnase an den Händen hangend herumwand. Nahe der Scharte verließen sie den Kamin wieder und stiegen ( in Strümpfen ) über den plattigen Hang des Südzinkens hinauf. Von der Scharte führte eine Traverse nach links, aufwärts, mit guten Griffen, aber wenig Stützpunkten für die Füße an den Fuß einer überhängenden Felsritze von ungefähr 10 m. Höhe. Am Ende derselben war eine kleine Plattform, von welcher ein Band direktDieses Verzeichnis umfaßt die während des letzten Jahres in den Schweizeralpen und deren Grenzgebieten neu oder auf neuem Wege ausgeführten Bergfahrten, soweit sie bis Ende März, sei es durch direkte Mitteilung oder durch die alpine Literatur, zur Kenntnis der Redaktion gelangt sind. Nicht aufgenommen wurden die in den Tourenverzeichnissen der „ Alpin ", des „ Echo des Alpes " oder anderswo angeführten ersten Ersteigungen, über welche keine nähern Angaben gemacht wurden. Auf die Berichte in der „ Alpina " wird hier nur kurz verwiesen.
m auf den letzten Grat führte. Der etwas überhängende und nur 2—3 Fuß dicke Gipfel wurde um 3 Uhr 45 Min. erreicht. Der Abstieg wurde um 4 Uhr 40 Min. auf dem gleichen Wege angetreten ( an der schwierigsten Stelle wurde ein leichtes Reserveseil von 25 m. Länge zum Abseilen benutzt ) und der Gletscher um 7 Uhr 20 Min., das Biwak um 9 Uhr erreicht. A.J. Nr. 174, pag. 327x ).
Aiguille d' Argentière. Traversierung über den Südgipfel ( Flèche Rousse ). 15. Juli. Die nHmlichen verließen die Saleinazhütte um 3 Uhr morgens, stiegen zum Gletscher hinab und über dessen Mitte hinauf gegen den Fuß des großen Ostwalls der Aiguille. Bevor sie diese erreichten, wendeten sie sich links und umgingen an seinem Fuße den Südgipfel und den Südostgrat der Aiguille d' Argentière, der sich, mit vielen Gendarmen gekrönt, von der Flèche Rousse bis zum Col du Tour Noir hinzieht. Ungefähr in der Mitte zwischen diesen zwei Punkten steigen zwei Felsrippen, durch ein Eiscouloir getrennt, vom Berg gegen die Höhe des Südostgrates hinauf; die nördlichere reicht bis auf den Grat und endigt dort in einem großen Gendarmen, die südliche verliert sich etwa halbwegs in der Wand. Der Bergschrund wurde um 5 Uhr morgens erreicht und unterhalb'der kürzeren Rippe überschritten und über hartes Eis die schwierigen und vereisten Felsen erreicht und erstiegen. Nach einem Frühstückshalt ( 8 Uhr 30 Min. bis 9 Uhr ) traversierten sie das Couloir zu der größeren Rippe und erreichten über deren lose Felsen den Gendarmen auf dem Südostgrat um 10 Uhr 55 Min. Nun folgten sie dem Grate, den letzten Felsturm vor der Flèche Rousse auf der Seite des Glacier des Améthystes umgehend, und erstiegen die Flèche Rousse in abwechslungsreicher und schwieriger Kletterei erst über den südlichen Zacken, dann durch „ Briefkasten " und längs eines Eisgrates an den Fuß eines steilen Kamins, durch dieses hinauf und über leichte Felsen zum höchsten Punkt ( 3885 m Barbey ) um 3 Uhr 7 Min. Sie verließen den Gipfel um 3 Uhr 25 Min. und stiegen über eine sehr steile Wand auf den Sttdost-grat ab, folgten diesem und erreichten den Mittelgipfel 3lJO7 m um 4 Uhr 10 Min., verließen diesen wieder um 4 Uhr 20 Min., erreichten auf dem gewöhnlichen Wege den Nordgipfel und stiegen von diesem zum Glacier du Chardonnet ab. Über diesen ansteigend erreichten sie den Col du Chardonnet um 6 Uhr 25 Min. und über den Glacier de Saleinaz absteigend die Saleinazhütte um 8 Uhr. A.J. Nr. 174, pag. 327—328.
Unbenannter Punkt zwischen der Aiguille du Passon und dem Col Adams-Reilly, 3409 m der Triangulation Vallot ( vgl. die Skizze in Mont. 1905, pag. 231 ), und Aiguille Adams-Reilly im Grat direkt nordwestlich der Aiguille du Chardonnet, 3506 m T. V. 3. Juni 1905. M. Emile Fontaine mit Jean Ravanel, du Diandian, und Léon Tournier. Nähere Berichte fehlen. E.d.A.. 1905, pag. 303.
Aiguille du Triolet über den Ostgrat. 15. Juli 1905. Die nämlichen. Die Besteigung wurde über den Glacier de Pré de Bar ausgeführt, wobei der Grat in der Nähe der Scharte 3569 m Barbey erreicht wurde. E.d.A.. 1905, pag. 303.
Pointe Durier 3997 m T. V. im Nordwestgrat des Mont Maudit ( vgl. die Skizze. E.d.A.. 1905, pag. 144 ). 4. Juli 1905. Die nämlichen. Näherer Bericht fehlt. E.d.A.. 1905, pag. 304.
Pointe Mieulet 4287 m T. V. im Nordwestgrat des Mont Maudit. 11. Juli. Die nämlichen. Der Nordwestgrat des Mont Maudit wurde verfolgt von der Pointe Durier bis zum Col 4348 m T. V. E.d.A.. 1905, pag. 304.
Caïman, bisher unbenannte und nicht kotierte Spitze, ungefähr halbwegs im Grate zwischen der Aiguille du Plan und der Aiguille du Fou ( der Name ist nach Analogie der Dent du Requin gegeben ). 20. Juli 1905. Die nämlichen. Näherer Bericht fehlt. E.d.A.. 1905, pag. 304.
Le Grand Charmoz über den Westgrat ( vom Petit Charmoz zum Grand Charmoz ). 14. Juli 1905. M. Ryan mit Fr. und Jos. Lochmatter. Näherer Bericht fehlt. E.d.A.. 1905, pag. 304.
Aiguille Centrale des Pèlerins. 9. Juli 1905. ( Aiguilles des Pèlerins werden neuestens die drei Gipfel in dem Grate genannt, welcher von der Aiguille du Plan nach Westen absteigt und den Glacier des Pèlerins beherrscht. ) Count B. O'Gorman und M. Albert Brun mit Jos. Ravanel ( le Rouge ) und Ed. Charlet.
Aiguille Orientale des Pèlerins. 15. Juli 1905. M. Beaujard mit Jos. und Louis Simond und François Payod. Nähere Berichte fehlen. E.d.A.. 1905, pag. 304.
Mont Brouillard 4053 m Barbey. 11. Juli. HH. Dr. K. Blodig und Oskar Eckenstein mit Alessio Brocherel verließen die Capanna Quintino Sella in den Rochers du Mont Blanc, welche sie am Vortage von den Hütten der Alpe de l' Allée aus erreicht hatten, um 5 Uhr morgens, stiegen erst ein Stück weit auf der zum Mont Blanc führenden Route an, traversierten nach etwa 3/* Stunde, in einer Höhe von etwa 3430 m angekommen, zu einem vom Pie Luigi Amedeo herabkommenden Felssporn hinüber, dessen Höhe sie um 6 Uhr 30 Min. erreichten. Von hier stiegen sie auf den Gletscher hinunter, standen um 6 Uhr 45 Min. auf dem obersten Firnboden, wanden sich durch einen Firnbruch und gelangten um 7 Uhr an den Fuß des großen zum Col Emile Rey hinaufführenden Schneecouloirs; durch dieses oder dessen Randfelsen aufsteigend erreichten sie um 11 Uhr 40 Min. eine etwa 4010 m hohe Einsattelung im Grat, etwa 60 m. südwestlich vom Col Emile Rey. Von hier um 12 Uhr aufbrechend erreichten sie teils über den Grat selbst, teils auf Gesimsen in dessen Flanken den höchsten Punkt um 12 Uhr 20 Min. Der Abstieg wurde um 1 Uhr 40 Min. auf dem nämlichen Wege angetreten und die Capanna Quintino Sella um 6 Uhr 40 Min. erreicht. Ö.A.Z. 1907, pag. 13 — 17.
Penninische Alpen.
Pic Tyndall ( im Südwestgrat des Mont Cervin ) auf neuem Wege über die Südsüdwestwand und den entsprechenden Grat. 9. bis 10. August. S1 Ugo de Amicis-Ferraris und Aug. Ferraris. Aus einem dem A.J. von Mr. C. W. Nettleton eingesandten Auszug aus dem Hüttenbuch der italienischen Matterhornhütte geht über diese Expedition folgendes hervor: Die beiden verließen das Hotel Giomein am Mittag des 9. August und wurden von Mr. Nettleton am 5 Uhr abends hoch oben in der Südsüdwestwand beobachtet. Sie bezogen um 8 Uhr abends ein Biwak auf einer kleinen und ziemlich exponierten Felsterrasse ungefähr in gleicher Höhe mit den höchsten Schneepartien des Glacier du Lion, wie man ihn von Breuil aus sieht. Am nächsten Morgen, nach einer schlaflos verbrachten Nacht, stiegen sie über die glatten und schwierigen Platten des Südsüdwestgrates empor. Traversierungen nach rechts waren durch das Terrain ausgeschlossen, und die wenigen Versuche nach links, in der Richtung auf den gewöhnlichen Weg, der über den Südwestgrat führt, auszuweichen, waren durch Steinfall gefährdet. Trotz eines Schneesturmes gelangten sie über den Grat und die sich daran schließende Schneefirst, wo Mr. Nettleton am folgenden Tage ihre Spuren sah, bis auf die Höhe des Pic Tyndall, setzten dann aber wegen des schlechten Wetters und der späten Tageszeit den Aufstieg nicht weiter fort, sondern stiegen zur italienischen Hütte ab, wo sie mit Mr. Nettleton zusammentrafen. Wegen der großen Schwierigkeiten und Gefahr wird der neue Weg nicht empfohlen. A.J. Nr. 174, pag. 329.
Täschhorn über die Südwand. 11. August. Mr. G. V. Byan und G. Winthrop Young mit Jos. und Frane Lochmatter und Jos. Knubel verließen die Täschalp um 1 Uhr 45 Min., stiegen die Nordbucht des Weingartengletschers hinan und betraten das zunächst gangbar scheinende mittlere Bollwerk der Südwand, dem sie den Vorzug vor dem mit Eis gefüllten großen Couloir zur Rechten gaben; die Felsen der Wand waren durchwegs schlecht, brüchig und nach abwärts gestuft. Die erste Hälfte wurde indessen leidlich überwunden und um 7 Uhr 30 Min. ein Frühstückshalt auf einem weiten Schneeband gemacht, welches auf das große Couloir überhing. Der weitere Weg war sehr schwierig. Etwas unterhalb der Stelle, wo das Couloir scharf nach rechts umbiegt und über die Wand hinweg den Südwestgrat erreicht, nötigten senkrechte Felsen die Gesellschaft zu einer schwierigen Traversierung, aufwärts und ostwärts, in das große Couloir. Dieses bot übrigens keine Erleichterung, und die Traversierung wurde schräg aufwärts über vereiste Platten von besonderer Schwierigkeit fortgesetzt zu einem zweiten schmalen Couloir, welches die Mitte der Wand steil durchschneidet. Etwa 180 m. unterhalb des Gipfels endigt dieser Kamin in einer weitwinkeligen Eckkante, etwa 30 m. hoch, steil und mit Überhang. Diese schwierige Stelle wurde von Franz Lochmatter brillant erklettert und die übrigen wurden von schmalen Halt-stellen aus aufgehißt. Nach weiteren schwierigen Stellen wurde unvermutet ein leichter Zugang zum Südostgrat, etwa 20 m. unterhalb des Gipfels, gefunden. Der höchste Punkt wurde um 5 Uhr 30 Min. nachmittags erreicht ( die letzten 300 m. hatten etwa 9 Stunden Arbeit gekostet ). Der Abstieg wurde auf dem gewöhnlichen Wege über den Kiengletscher angetreten, die Moräne noch vor der Dunkelheit erreicht, aber Randa erst um 11 Uhr 30 Min. nachts. A.J. Nr. 174, pag. 329 — 330.
Born über die Südseite. 28. August. Messieurs G. Winthrop Young und B. G. Mayor mit Gabr. Lochmatter und Jos. Knubel verließen die neue Kiengletscherhütte um 3 Uhr 50 Min. morgens, stiegen über den nördlichen Arm des Kiengletschers empor und passierten den Bergschrund an der östlichen Ecke des großen mittleren Couloirs. Indem sie die gebrochenen Platten direkt unterhalb des großen gelben Bollwerks, welches sich von dem Südgrat fast bis in die Mitte des großen Couloirs erstreckt, schrägaufwärts querten und nachher durch steile Kamine das Bollwerk selbst erstiegen, erreichten sie das offene Couloir wieder, stiegen an seiner Ostseite rasch empor, bis da, wo es sich zu dem Zirkus von gewundenen Platten erweitert, in welchem die 4 oder 5 Kamine, die von den obern Partien des Süd- und Westgrates herabkommen, sich vereinigen. Diese durch Steinfall aus dem westlichsten dieser Kamine bedrohten Platten wurden im Laufschritt passiert, bis der Schutz eines Felsrückens, der vom Gipfel leicht westwärts im Zirkus heruntersteigt, erreicht war. Etwas höher oben auf diesem Rücken wurde von 10 Uhr 20 Min. bis 11 URr 20 Min ein Halt gemacht. Dann wurde über den Rücken hinauf in tüchtiger Kletterei an den Fuß des Gipfelwalls gestiegen. Dieser, im untern Teil überhängend, führte direkt zum höchsten Punkt um 1 Uhr 10 Min. Der Abstieg über den Festigletscher wurde um 1 Uhr 45 Min. angetreten und Randa um 4 Uhr 33 Min. erreicht. A.J. Nr. 174, pag. 330—331.
Weißhorn über die Südwand. 21. August. Messieurs G. Winthrop Young und B. G. Mayor mit J. Knubel verließen die Weißhornhütte um 3 Uhr 15 Min., folgten der gewöhnlichen Route über den östlichen Arm des Schalliberggletschers und erstiegen, mit geringen Schwierigkeiten in dem Eiscouloir, das große teilende Bollwerk, den Ausgangspunkt aller Besteigungsrouten auf dieser Seite. Nach einiger Prüfung wurde beschlossen, die östlichste der Hauptrippen zum Aufstieg zu benutzen. Diese bildet die Westwand des weiten Schneecoulois, durch welches Mr. Mathews 1860 den Ostgrat beinahe erreichte, und liegt zunächst östlich von derjenigen Rippe, über welche am 28. August 1905 der direkte Aufstieg zum Gipfel erfolgte ( vgl. S.A.C. XLI, pag. 294—295, und A.J. XXII, pag. 616 ). Stufen in hartem Schnee, gelegentlich im Eis, führten auf die Rippe, deren feste Platten rasch und sicher förderten. Auf zwei Drittel ihrer Höhe wendet sich die Rippe nordwestlich und vereinigt sich mit der zweiten Rippe bei einigen großen ockerfarbigen Geadarmen. Oberhalb der Vereinigungsstelle zieht sich die Rippe wieder westwärts und ostwärts, bis sie in den Ostgrat ausläuft. Dieser wurde an einem Punkte erreicht, der unter normalen Umständen 20 Minuten vom Gipfel entfernt ist. Der Gipfel wurde um 10 Uhr 15 Min. erreicht. Abstieg zur Weißhornhütte in 2 Stunden und nach Randa in weiteren 65 Minuten. Die Route ist nur im Anfang ( Eiscouloir ) schwierig und frei von Steinfall; bei Nordwind der gewöhnlichen Route über den Ostgrat vorzuziehen. A.J. XXIII, pag. 331—332.
Monte delle Locce über die Südwand. 27.28. August ( die erste Ersteigung auf dieser Route ist 1905 durch f Se Vico Sanguinetti mit Gius, und Baff. Cerini gemacht worden, der aber keinen Bericht hinterlassen hat ). S° Ugo di OttolengM di Vallepiana mit Gius, und Baff. Cerini verließen ihr Nachtquartier auf der Alp von Flua um 5 Uhr morgens, stiegen in gerader Linie die Moräne und den Gletscher hinauf, der sich am Fuß der Wand der Locce befindet. Hier angekommen, stiegen sie in 10 Minuten die Wand hinauf, um sich dann westwärts zu wenden und eine breite Spalte in der Wand zu begehen, welche zu einem Gendarmen führte. 20 Meter höher oben kamen sie zu einer schrägen Platte, welche sie nötigte, ohne Schuhe und sich platt anschmiegend zu traversieren. Der weitere Aufstieg war eine interessante Kletterei und führte ungefähr 20 Meter vom Gipfel entfernt auf den Guglielminettigrat und über diesen zum höchsten Punkte ( 4 Stunden von der Fluaalp ). Der Abstieg wurde auf dem gewöhnlichen Wege über den Colle delle Locce genommen. R.M. 1906, pag. 367—368.
Castor, neue Route über die Westwand. 22. August. Herren Dr. Eberty und Paul Beuschel querten vom Zwillingsjoch, das über das Breithornplateau und den Verragletscher erreicht worden war, nach Süden allmählich ansteigend unterhalb der kleinen Randkluft und eines Eisbruches die Westwand, bis die weite Firnmulde erreicht war. In ihr stiegen sie aufwärts, wandten sich aber nach einiger Zeit, der Spalten wegen, nach links hinüber zu dem schwach ausgeprägten Rücken, der vom Vorgipfel nach Westen herabzieht. Nunmehr stiegen sie ziemlich gerade aufwärts, bald über die Eishänge Stufen schlagend, bald auf den plattigen Felsleisten emporkletternd. So erreichten sie direkt den Vorgipfel, wo die gewöhnlich begangene Nordwestgratroute einmündet, und gelangten in kurzer Zeit über die scharfe, etwas verwächtete Eisschneide zum Gipfel ( 2 Stunden vom Joch ). Abstieg auf demselben Wege.
Pollux über den Südgrat, neue Variante im Abstieg. 22. August. Die nämlichen wandten sich von dem südlichen Vorgipfel, den sie im Aufstieg mit Umgehung des m letzten Plattenturms, direkt über den Süd- grat erreicht hatten, nach Osten hinab. Zunächst über wasserüberronnene Platten, dann durch Geröll- und Schuttrinnen absteigend, unmittelbar oberhalb der Randkluft, querten sie südlich die teilweise vereisten Hänge und erreichten den Südgrat am Rande des Gletschers wieder. A.A.V.B. 1906, pag. 14—15.
Beruer Alpen.
Morgenhorn, Variante über den Ostgrat. 18. Juli. Miss Marie Hampson Simpson mit G. Hasler und Fritz Kaufmann verließen die Mutthornhütte um 2 Uhr 25 Min. und gingen in westlicher Richtung vorwärts, indem sie den Tschingelhornpaß und das Couloir, durch welches Frl. H. Kuntze und Herr G. Hasler mit J. v. Allmen am 27. August 1903 zum Ostgrat aufgestiegen waren ( siehe A.J. XXI, pag. 560, und S.A.C. XXXIX, pag. 321 ), zu ihrer Rechten ließen, bis sie ein anderes, gut ausgeprägtes Couloir erreichten, das an der Westseite eines im Siegfr. gut markierten Felssporns vom Grat herunterkommt. Nachdem sie sich in dem steilen Schnee dieses Couloirs emporgehackt hatten, erstiegen sie die sehr steilen Felsen einer Kehle und erreichten den Grat nahe der Stelle, welche die Partie von 1903 von Osten her erreicht hat. Der Ostgrat, der nun bis zum Gipfel verfolgt wurde, bietet prächtige und abwechselnde Kletterei und drei recht schwierige Absätze. Gipfel an 12 Uhr 15 Min.
Nordgipfel des Trugberg, 3933 m, über den Nordgrat. 9. August. Die nämlichen mit Heinrich Fuhrer anstatt P. Kaufmann verließen die Berglihütte um 12 Uhr 50 Min. morgens, folgten vom Ober-Mönchjoch aus dem Nordgrat, welcher zuerst eisig war und viel Stufenhauen verlangte. Dann folgte ein ziemlich schwieriges, aber kurzes Stück Felsarbeit; dann nach Umgehung eines Gendarmen auf seiner Westseite folgten sie dem Felsrücken seiner ganzen Länge nach über die drei Erhebungen des Gipfelgrates, von denen die mittlere die höchste ist. Die ersten zwei Erhebungen wurden von der Westseite des Rückens erstiegen, die dritte durch einen leichten Abstieg auf der Ostseite. Der dritte Gipfelpunkt wurde um 6 Uhr 55 Min. erreicht. Der Abstieg wurde um 7 Uhr 40 Min. angetreten und kurze Zeit der Südgrat verfolgt, dann über die Ostwand auf das Ewigschneefeld abgestiegen. Ankunft in der Berglihütte 11 Uhr 15 Min. A.J. Nr. 174, pag. 332.
Mutthorn über den Südostgrat. 4. August. HH. Dr. Eberty und Paul Reuschel gingen oberhalb der Mutthornhütte über mehrere Schneefelder hinauf zum Südostgrat und dicht unterhalb desselben auf der Tschingelfirnseite über Firn aufwärts. Vor dem ersten großen Grataufschwung betraten sie, eine Platte erkletternd, den Grat wieder, der nun in anregender Kletterei über mehrere Türme verfolgt wurde. Kurz unter der höchsten Spitze erreichten sie die Scharte, in welcher der gewöhnliche Weg einmündet, und standen wenige Minuten später auf dem Gipfel ( 1 Stunde ). Abstieg auf dem gewöhnlichen Wege durch die Geröllschlucht der Südwestwand und über den Kanderfirn. A.A.V.B. » 1906, pag. 14.
Oberaarhorn traversiert. 2. August. HH. Pfarrer Hopf und W. Baumgartner stiegen von der Oberaarjochhütte auf dem gewöhnlichen Wege zum Gipfel. Hier wurde der Grat gegen das Grunerhorn hin in Angriff genommen. Gleich am Anfang wurde ein kanzeiförmig vorspringender senkrechter Gratabbruch in der östlichen Flanke durch einen Kamin umgangen, in welchem ziemlich weit abgestiegen werden mußte, worauf in der brüchigen Wand traversierend der Grat wieder gewonnen wurde. Über diesen hinunter bis zur ersten Einsattelung, von dieser über eine Plattenwand mit spärlichen und oft lockeren Griffen hinunter gegen den Oberaargletscher. Am untern Ende der Plattenwand mußte eine zirka 10 m. hohe glatte Wand auf einem Felsband und durch eine Felsspalte überwunden werden, bevor sie über die Randkluft auf den Gletscher gelangten ( 4J/2 Stunden vom Gipfel ). A.A.C.B., I. Jahresbericht 1905/1906, pag. 19; Alp. 1906, pag. 151.
Groß-Lohner über den Nordostgrat. 21. August. Mr. William P.. Caesar mit Abr. jun. und Gottfr. Müller verließen um 3 Uhr 15 Min.. Kandersteg auf dem ins Üschinental führenden Weg und folgten in diesem angekommen, den nach der Alpschelenalp führenden Weg bis oberhalb, des Felsbandes, wo sich der Alpweg nach rechts wendet. Dann bogen sie nach links ab in der Richtung nach und bis an den Fuß der von weitem sichtbaren Couloirs der Ostwand ( 3 Stunden von Kandersteg ). Nach einer Frühstücksrast ( 40 Min. ) stiegen sie um 6 Uhr 55 Min., in das äußerste Couloir zur Linken ein, welches auch das bequemste ist ( es befindet sich dem Gellihorn gerade gegenüber ), und stiegen einige-Minuten in demselben empor. Dann bogen sie nach rechts aus dem Couloir heraus auf die nördliche Kante und stiegen längs derselben empor auf die Höhe des Nordostgrates ( in der Gegend Nünihorn genannt ), den sie etwas südlich von einem spitzigen Gendarmen und etwa 70 m. unterhalb des ersten Gratzackens erreichten ( 8 Uhr 45 Min. ). Da der Grat von hier aus ungangbar ist, stiegen sie auf der Westseite etwas ab, querten unter dem Grate hin in südwestlicher Richtung-etwa 20—-30 Minuten lang und gelangten so wieder auf die Grathöhe direkt unter dem nördlichsten Gratturm, der durch zwei schöne Kamine,, über einige schlechte Felszacken und eine Traversierstelle in der Westflanke verhältnismäßig leicht erstiegen wurde ( 11 Uhr; 2*/4 Stunden von der Stelle an, wo der Nordostgrat zuerst betreten wurde ). Bis hierher waren Mr. H. Bunge mit Abr. jun. und Gottfr. Müller am 7. August 1904 vorgedrungen. Von hier gingen sie eine Zeitlang inder Westflanke, dann wieder über den Grat ( schlechtes Gestein ) za einem weitern Gratturm, dem dritten vom Groß-Lohner aus gerechnet ( 1 Stunde 25 Min. ). Dann über bessere und zuletzt ganz gute Felsen auf Gratturm Nr. 2 ( 20 Min. ). In weiteren 15 Minuten erreichten sie von da aus Punkt 3005, den Nordgipfel des Lohner, ohne Schwierigkeiten,.
stiegen von diesem in die Lücke 2862 m hinab und erstiegen den Groß-Lohner 3059 m über den Nordgrat ( 3 Uhr 55 Min., 1 Stunde vom Nordgipfel ). Rückkehr nach Kandersteg auf dem gewöhnlichen Wege, Ankunft daselbst 8 Uhr abends. Die ganze Traversierung von Kandersteg und dahin zurück erfordert ohne Rasten etwa 14 Stunden und bietet eine sehr empfehlenswerte Kletterei. A.J. Nr. 175, pag. 397-399, und persönliche Mitteilungen.
Ritzenhorn ( Punkt 2870 in der Gruppe der Galmihörner ). 22. August. M. et Mme J Gallet avec Abrali. Müller sen. Ascension en 5 heures de Münster ( Conches ) par le versant Sud. Descente par les ravines du N.E. dans le Bächital. Communication de M. J. Gallet.
GalmienhOrner Punkt 3241 und 3223. 30. Juni 1904. M. Julien Gallet mit Philipp Allemand und Adolf Wärlen erstiegen diese touristisch noch nicht besuchten Gipfel, indem sie von der Alp Großstafel im Münstertal zum Münstergletscher aufstiegen und die Firrenlücke zum Bächigletscher überschritten; von diesem aus wurde Punkt 3241 über den Osthang und Ostgrat in 1'/a Stunden erreicht und dem Grate folgend der mehr südlich gelegene Punkt 3223 in 42 Minuten erreicht. Der Abstieg wurde überden Südgrat und die Sttdostflanke zur Bächialp genommen. E.d.A.. 1905, pag. 305—320.
Vorder Galmihorn ( 3254 m ) über die Südflanke, Desorstock ( 2872 m ) und Ulricherjoch zirka 2800 m. 12.14. Juli 1905. M. Julien Gallet mit Abr. Müller und Phil. Allamand. S.A.C. XLI, pag. 57—70.
Alpen der Saane und Simino.
Bent de Savigny ( Gruppe der Gastlosen ). 31. Mai 1905. M. Raymond de Girard mit Olivier Rime machten die erste Besteigung über die Nordwand. E.d.A.. 1907, pag. 37.
Le Grenadier ( Gruppe der Gastlosen ). 2. Juli 1906. Die nämlichen mit Albert Böschung und Ed. Buchs vollführten die erste Ersteigung dieses Obelisken, indem sie die ihn von der Wand der Gastlosen trennende Spalte ( siehe S.A.C. XLI, pag. 159—160 ) vermittelst Abseilen und unter Anwendung einer Leiter überwanden. E.d.A.. 1907, pag. 18.
. Le Capucin ( 2158 m? gegenüber der Dent de Ruth, Gruppe der Gastlosen ). 21. August. Die nämlichen erstiegen in ähnlicher Weise auch diesen sehr exponierten und an seiner Basis ohne künstliche Hülfsmittel nicht zugänglichen Felszahn. Von der Stelle an, wo der Fuß erreicht wurde, wurde der Gipfel durch einen Kamin, eine böse Traversierung über einen Plattenhang und einen in Trümmer fallenden Felsgrat, in welchem zwei Gendarmen umklettert werden mußten, in 1 Stunde erstiegen. E.d.A.. 1907, pag. 37—57.
Lepontische Alpen.
Siedel Botharn ( 3292 m Siegfr. oder Bothorn 3284 m It.K.. ) ( Ofenhorngruppe ). 21. August. M. Julien Galtet avec Abraham Müller sen. Descente par la paroi de glace du flanc Nord. Communication de M. J. Gallet.
Zapporihorn ( Adulagruppe ), neuer Aufstieg über die Südkante. 20. Juli. HH. L. Lisibach, B. Patocchi, Stalder, Schürmann und Btchier. S.A.C. XLII, pag. 112—113.
Urner nnd Unterwaldner Alpen.
Großes Gelmerhorn ( 2631 m ). Abstieg über die Südwand. 16. August. Miss Mary Hampson Simpson mit G. Hasler und Heinrich Fuhrer verließen das Grimsel-Hospiz um 3 Uhr 5 Min. und gingen über die Gelmeralp in das Diechtertal. Indem sie den Diechterbach gerade unterhalb des ersten Wasserfalls kreuzten, stiegen sie durch eine lange, aber leichte Kehle hinauf zu dem Sattel nördlich des Gelmerhorns. Von diesem Punkte wurde der Aufstieg zum Gipfel über die Felsen der Nordflanke durchgeführt vermittelst einer Reihe von Spalten, Platten und Bändern. Diese Route war schon vorher einmal von Herrn G. Hasler 27. Juli 1904 begangen worden. Die Partie erreichte den Gipfel um 10 Uhr 15 Min. und trat den Abstieg über die Südwand, welche drei Abseilstellen enthält, um 11 Uhr an. So erreichten sie den Gelmersattel zwischen Groß- und Klein-Gelmerhorn und stiegen von diesem nach Westen ab durch ein steiles und glattes Couloir mit vier Steilstufen, die den Gebrauch eines Reserveseiles nötig machten. Der Fuß des Couloirs wurde bald nach 3 Uhr erreicht und der Gelmeralpweg nahe dem Gelmersee erreicht, indem man oberhalb der Gelmer Garwidiweiden traversierte. Man kann auch vom Gelmersattel durch das ( leichtere ) Couloir der Ostseite direkt zur Gelmeralp absteigen. Das Grimsel-Hospiz wurde um 7 Uhr 30 Min. abends erreicht. A.J. Nr. 174, pag. 332—333.
Hinterer Rhonestock ( 3603 m ). Traversierung und Abstieg zum Obern Winterjoch. 3. August. ( Der Hintere Rhonestock wird vom Vordem durch eine tief eingeschnittene Scharte, das Obere Winterjoch, getrennt, zu welchem er in einer zirka 200 m. hohen steilen Wand abfällt. ) HH. A. Hüz, H. Kuhn, Fr. Müller und W. Byte stiegen vom südlichen Ende der Firnkuppe, welche den Gipfel des Rhonestocks bildet, über plattigen Fels direkt südlich ab. Dann folgte ein wenig ausgeprägter schwieriger Kamin mit Überhang, der zuerst durch Abseilen und weiter unten durch abwechselndes Einklemmen von Händen und Füßen in einem engen Riß überwunden wurde. Endlich führten leichtere Felsen bis einige Meter westlich unterhalb des Jochs und zu diesem selbst ( zirka 3/4 Stunden vom Gipfel ). Abstieg vom Obern Winterjoch zum Dammafirn unter Gewitter und Hagel, in 4 Stunden. A.A.C.B., I. Jahresbericht 1905/1906, pag. 19—20.
Glarner Alpen.
Ringelspitze über den ganzen Südgrat. 21. Oktober. Dr. Th. Montigel verließ die untere Hütte der Alp Lavadignas um 43/* Uhr morgens und machte um 71/* Uhr Frühstücksrast auf dem Tschepp. Dann wurde der Südgrat in seiner ganzen Länge bis zum Gipfel verfolgt, während die gewöhnliche Route etwa in der Mitte des Grates in die Westflanke einbiegt. Steigeisen leisteten auf den vereisten Platten gute Dienste. Der schlanke Gratturm, welcher den Beginn des Anstiegs markiert, wurde nach links umgangen, sonst aber die Schneide des Grates streng verfolgt. Vor der letzten Steigung zum Südturm bricht der Grat in einer breiten, wohlgefügten und stark vereisten Mauer von zirka 6 Meter Höhe zu einer Scharte mit scharfer Schneide ab. Aus dem Grund der Scharte führten steile, solide Kalkfelsen rasch zum Südturm ( hier wurden unter Steinen in einer Flasche die Namen von Dr. L. Jeklin und Dr. A. Ludwig gefunden, welche im Sommer 1905 vom Nordturm herüber -geklettert waren ). Auch die schmale Gipfelscharte war rasch überwunden, über die Südwestkante der Nordturm erstiegen und der Steinmann um 972 Uhr erreicht, A.A.C.B., I. Jahresbericht 1905/1906, pag. 20.
Kirchberg, westliche Spitze ( 2425 m ). 13. Juni 1905. Herr Eugen Wortmann. Von der Schäferhütte Erismatt auf der Karrenalp über Schneefelder gegen den Fuß des „ Hohen Turm " ansteigend, dann gegen Punkt 2427 des in südwestlicher Richtung verlaufenden Kirchberggrates sich wendend, gelangt man nach l1/« Stunden an den oberen Rand einer Scharte. Man klettert nun über eine brüchige Gratschneide in diese hinab, steigt jenseits über Felsen und steiles Geröll empor und erreicht in 25 Minuten die westliche Spitze des Kirchbergs, einer nach Süden, Westen, besonders aber nach Norden steil abfallenden Felsenmauer. Auf dem Gipfel fanden sich keine Spuren einer früheren Besteigung. Die Tour bietet dem Geübten keine nennenswerten Schwierigkeiten.
Kammtyoch ( 3016 m ) ( neuer Aufstieg von Norden ). August 1905. Herren Gebhard Guyer, Dr. Theodor Herzog und Eugen Wortmann. A.A.V.M.., XIV. Jahresbericht 1905/1906, pag. 80. Näherer Bericht fehlt.
Glaserhorn ( 3128 m ). Erste Besteigung über die Nordwand. 7. August. HH. F. W. Sprecher und M. Herde, stud, med., stiegen von der Alp Tristel ( Calfeisental ) zum Glasergletscher, traversierten dessen südwestliche Ecke, erklommen südlich des „ gl " des Topographischen Atlas ( Bl. Vättis ) die steilen Kalkfelsen in etwas schwieriger Kletterei, erreichten über eine sehr steile, harte Schutthalde das bekannte Dolomitband, verfolgten dasselbe bis an den Fuß des Glaserhorns, das sie alsdann über flotte Verrukanotürme und seine Südseite erreichten.
Vordere Orgeln ( zirka 2620 m ) ( Nr. 1, östlichster Gipfel ). F. W. Sprecher allein kletterte über den Nordostgrat bis zu den obersten Gipfelfelsen. Ein Versuch, den obersten noch zirka 20 Meter höheren Gipfel zu erklettern, mußte wegen Schwierigkeiten und vorgerückter Zeit fallen gelassen werden. Abstieg auf gleichem Wege.
Vordere Orgeln ( zirka 2650 m ) ( Nr. 2, zweitwestlichster Gipfel ). Erste Besteigung über die Südostwand. 30. August. F. W. Sprecher stieg allein von der oberen Alphütte Raiuuz ( schlechte Unterkunftsver-hältnisseerst über steile Grashalden, dann in der Nähe des zwischen Gipfel 2 und 3 der Orgeln herabführenden Couloirs über die Schichtköpfe und Terrassenbänder des ersteren direkt zum Gipfel empor. Abstieg über Panära ins Calfeisental.
Pfaffenstock ( zirka 2440 m ). 1. Juni 1905. HH. ti. A. Guyer und W. Grüner stiegen von Urigen zur Scharte zwischen Pfaffenstock und Hochpfaffen; von hier auf der Nordseite unterhalb des Grates über steile Schrofenhänge ohne besondere Schwierigkeit schräg hinauf zu einer auffallenden Scharte im Gipfelgrat, von wo man nach links oder rechts auf die zwei gleich hohen Erhebungen gelangt. A.A.C.Z., X. Jahresbericht ( 1905 ), pag. 26.
Bindermattstock ( zirka 2530 m ). 16. Juni 1905. HH. G. A. Guyer und E. Wortmann stiegen von Urigen via Eiskehle zum Hochpfaffen, von dort nordöstlich zunächst dem Kamm entlang, dann unter den Ausläufern des Älplerstocks traversierend zum Älplertor. Jenseits der Scharten traversierten sie unter den Steilwänden hinüber zu einer Rinne und stiegen etwas rechts von dieser über sehr steiles Gras hinauf zum sanft geneigten. Gipfelplateau, über welches sie in westlicher Richtung den höchsten Punkt erreichten. A.A.C.Z., X. Jahresbericht ( 1905 ), pag. 27.
Pie Valpintga. Direkter Abstig ins Valpintga. 23. Juli 1905. Herr G. A. Guyer mit Führer Wipfli gingen vom Gipfel ein kurzes Stück nordöstlich zurück über den Grat, dann direkt südlich hinab ( bei dem Buchstaben V des Wortes Valpintga im Siegfr. ). Sobald es tunlich war, hielten sie nach rechts hinüber in eine Rinne und erreichten durch diese leicht den obersten Talboden des Valpintga. A.A.C.Z., X. Jahresbericht ( 1905 ), pag. 27.
Piz Cambrioles, Nord- und Südgipfel ( 3212 m Siegfr. ) traversiert; erste Begehung des Südostgrates. 3. August 1905. Dr. Fr. Weber mit J. M. Indergand. Vom Nordgipfel Abstieg in die Gipfelscharte und schöne Gratkletterei ( 1 Stunde ) zum Südgipfel. Von diesem, der zirka 20 m. höher ist als der Nordgipfel, Abstieg über den Südostgrat in teilweise schwieriger Kletterei. Im mittleren Drittel der Gratlänge zwischen Südgipfel und Culmet wurde wegen eines Unfalls der Grat verlassen und der Abstieg in südöstlicher Richtung über die unschwierige Südwestkante nach Alp Cavrein genommen.
Pie Urlaun — Bündner lodi traversiert, erste Begehung des Südostgrates. 19. August 1905. Die nämlichen. An Stelle des gewöhnlich begangenen Südgrates, der von der Gliemslücke zum Gipfel führt, wurde die stark hervortretende Felsrippe zum Anstieg gewählt, die sich von Punkt 3316 in Südostrichtung zwischen zerrissenen Hängegletschern zum Rand des ebenen Gletscherkessels herabzieht. Die Gratrippe wurde vom südwestlichen Gletscherarm aus dicht hinter einem sehr markierten scharfen Felszahn durch eine 25 m. hohe enge Kehle in zirka 2830 m. Höhe gewonnen. Die scharfe Schneide des unteren Gratdrittels wurde zum Teil in den sehr brüchigen Felsen der Nordseite ( schwierig ) umgangen, das mittlere und obere Drittel ( Platten und schmale schneebedeckte Felsbänder ) boten keine Schwierigkeiten. Im obersten Teil über Firn zum verwächteten Hauptgrat und über diesen westwärts zum Gipfel ( 38/4 Stunden vom Zelt vor dem Puntaiglasgletscher ). Übergang zum Bündner Tödi in 21/* Stunden.
Crap Grond über den Nordwestgrat. 20. August 1905. Die nämlichen. Der gewaltige Schutthang in der Westflanke des Crap Grond wurde vom Ende des Puntaiglasgletschers aus in Nordnordostrichtung ansteigend gequert und der Nordwestgrat über teils trittige, teils plattige Felsen auf einem flachen Gratkopf dicht über dem höchsten vertikalen Gratabsturz erreicht. Nach Erklettern eines zirka 25 m. hohen Gratturmes über geneigte Platten empor bis unter die nächsten Grattürme, die auf der Südwestseite auf abschüssigen Schuttbändern umgangen werden bis unter das tief eingeschnittene Couloir, durch das man die Grathöhe kurz vor dem Gipfel gewinnt. ( Vom Zelt vor dem Puntaiglasgletscher 2i/t Stunden. ) A.A.C.Z., X. Jahresbericht ( 1905 ), pag. 28.
Wichelschyen III ( zirka 2800 m ). 14. September 1905. HH. Arm Kirschten und Schucan. Vom Spiellauifirn an die Mündung der Rinne ( 2650 m ), die zwischen Wichelschyen III und Wichelschyen IV herabzieht, und durch diese stufenhackend empor. Bei trockenen Felsen kann man links der Rinne vermutlich ohne größere Schwierigkeit emporklettern. Die Rinne wird kurz unter der Scharte von mächtigen Blöcken versperrt. Durch Stemmen bis unter den Überhang und an die linke Wand hinaus-kletternsehr schwer ). Hierauf leicht zur Scharte.Von dieser links aufwärts zu einigen großen Blöcken, von diesen ab einige Meter gerade hinauf, dann durch einen schwierigen Riß und links aufwärts zum Grat und auf der andern Seite etwas unterhalb der Schneide leicht zum Gipfel. Zeit vom Einstieg 13A Stunde.
Torturm ( 2524 m ). Juli 1905. HH. Dr. Theodor Herzog und Gebhard Guyer. Näherer Bericht fehlt. A.A.V.M.., XIV. Jahresbericht 1905/1906, pag. 80.
Brigelserhörner auf neuem Wege von Westen. 30. August. Messrs. A. E. Measures und A. L. Mumm mit Heinrich Schiesser und Job. Stoller stiegen von einem Schlafplatz am Fuß des Puntaiglasgletschers aus am obern Ende eines großen Geröllfeldes, etwas nördlich von dem Grate, welcher vom Crap Grond herunterkommt, durch ein Couloir hinauf. Am obern Ende desselben war der Weg durch einen breiten Spalt versperrt und so wurde der zum Gipfel führende Hang durch Anstieg über kleine Kamine und Felsrippen zur Rechten erreicht. Der Grat wurde in 41/* Stunden Marschzeit vom Biwak an einem Punkt etwas nördlich vom Crap Grond erreicht, von wo aus in l1/^ Stunden mehr der Gipfel des Kavestrau Grond erreicht wurde. A.J. Nr. 174, pag. 333.
Err- nud Albnlagruppc.
Mäschengrat ( zirka 2730 m ). Erste Begehung von Westen nach Osten. August 1905. HH. K. Nussberger und Brenlc. Von der Bühlen-furka leicht zum Punkt 2711 Siegfr. Abstieg Südseite, dann auf Geröll Traverse nach Osten und Aufstieg auf den Grat in der Mitte zwischen Punkt 2711 und Punkt 2726. Der Grat wurde nun über seine zahlreichen Erhebungen verfolgt bis zum Gypshorn. Bis hierher etwa 5 Stunden. Abstieg über den Grat zur Einsattelung zwischen Gypshorn und Krummhörnli. Die Kletterei über den etwa 2 Kilometer langen Grat ist meist leicht, nur wenige mittelschwere Stellen. A.V.S.B.., X. Jahresbericht 1906, pag. 69.
Piz Kesch vom Porchabellagletscher aus ( Variante ). 30. August. HH. Alex, und Ghfido Leemäertz mit Peter Mettier. S.A.C. XLII, pag. 343.
SÜTrettagruppe.
Verstanklaköpfe. Punkt 3039 und Punkt 3065. Erste Ersteigung und Überschreitung und Abstieg über die Südwand. 18. August 1905. HH. K. Nußberger und Th. Eofler. Von der Vereinahütte durchs Vernelatal bis Punkt 2207, dann den rechten Talhang hinauf ungefähr zu Punkt 2561 und nun, den Horizontalkurven folgend, zum großen Geröllkessel bei der „ Wintertälifurka " oberhalb der schwarzen Wand. Überschreitung-des Grates hart links vom Bürgenkopf 2920 m. und über eine kleine Geröllterrasse zum Grat, der großen und kleinen Wintertäligletscher scheidet. Äußerst unangenehmer Abstieg ( fauler Fels, Randkluft ) zum kleinen Wintertäligletscher und über dessen obersten Teil zur Scharte Punkt 2853. Hierher viel einfacher und kürzer im direkten Anstieg von „ Hinter den Bürgen ". Der Grat von hier zu Punkt 2996 ist leicht. 5 Stunden von der Vereinahütte.Von Punkt 2996 läuft der Grat in ungefähr östlicher Richtung bis zu Punkt 3939, dann mehr südöstlich zum Verstanklahorn 3301 m. Neu ist die Tour von Punkt 2996 an.
Vorerst mit kleinen Schwierigkeiten etwas rechts des Grates, dann zu einer Scharte desselben und in die überaus zerrissene und hohe Nordwand. In derselben mit großer Vorsicht schwer durch sehr brüchiges, faules Gestein zur nächsten tiefen Gratscharte.Von hier auf dem Grate selbst mit kleinen Abweichungen exponiert zu Punkt 3065. Nun ziemlich schwieriger und ausgesetzter Abstieg in eine tiefe und enge Scharte und von da ganz wenig rechts des Grates in schöner Kletterei bei vorzüglichem Gestein massig schwer empor. Dann teils auf der Gratschneide, teils rechts oder links ausweichend, sehr luftig zu Punkt 3039. Etwa 2'/ä Stunden vom Punkt 2996.
Der Abstieg geht zunächst zurück zur erwähnten tiefen Scharte und dann durch die Südwand. Dieselbe hat zwei stark ausgeprägte, durch hohe Mauern getrennte Terrassen. Die Durchkletterung der obern Mauern wird durch einen mitte!schweren Kamin ermöglicht, während die untere umgangen werden muß. Dies geschieht in einer tiefen Schlucht rechts mit zwei hohen Wandstufen. Deren obere kann links durch eine abschüssige Plattenwand vermieden werden. Die untere muß rechts in der senkrechten Begrenzungswand ( sehr schwer ) überwunden werden. Mit etwa 40 m. Seil ist Abseilen möglich, aber nicht ratsam, da das Seil hier Steinschlag verursachen würde. ( Die ganze Schlucht ist etwas steingefährlich. ) Nun betritt man den Gletscher an derjenigen Stelle, wo er mit scharfer Ecke in die Wand vordringt. ( 1 bis l'/ä Stunden vom Gipfel. ) Jetzt rechts über den Gletscher und dessen gewaltige Moränen bis „ Hinter den Bürgen ". Weiter längs der schwarzen Wand abwärts, den kleinen See „ im Kessi " rechts lassend, zum Bach. Ein schlechtes Steiglein führt durchs Vernelatal zurück nach Vereina. A.V.S.B.., X. Jahresbericht 1906, pag. 70.
Rhätikon.
Kanzelkopf ( 2443 m ). Erste Ersteigung und Traversierung, Aufstieg über die Nordwand, Abstieg über die Ostseite. 20. August. HH. Wilhelm Kissenberth und Reinhold Müller wandten sich von der Douglashütte gegen die von der Nordwand des Kanzelkopfes herabkommende Schuttreiße und gelangten auf dieser zur Westecke der Wand. Die Erkletterung der Wand vollzog sich zunächst schräg links aufwärts. Der Einstieg erfolgte unmittelbar hinter der an der westlichen Ecke der Wand herabstreichenden Felsrippe. Über gut gangbare Traversen kamen sie zu einem kurzen, ti Meter hohen Kamin, den sie durchkletterten. Eine weitere lange Traverse führte sie in östlicher Richtung in der Wand empor, dann um einen Felsvorsprung herum über Platten zu zwei hoch in die Wand hinauf eingerissenen Kaminen. Sie benutzten den östlichen, etwa 50 Meter hohen, durch seine gelbliche Farbe auffallenden, plattigen Kamin. Die Hauptschwierigkeit in der Überwindung-desselben lag in der Mitte. Hier brachte sie Stemmarbeit zu einem eingeklemmten Block; zwischen diesem und der linken Begrenzungswand ( die Kaminwände waren wasserüberronnen ) sehr anstrengend hindurch; der Kamin -endete an einem Schärtchen. Von hier erreichten sie über die plattige, brüchige Schlußwand den Westgipfel und kurz darauf in leichter Kletterei über den Grat den Hauptgipfel des Kanzelkopfes. Der am Vortage gefallene Neuschnee erschwerte die Tour. Der Abstieg vollzog sich anfänglich auf schweizerischer Seite, dann in östlicher Richtung durch das zum Lünersee herabziehende Kar. Die benötigten Zeiten sind folgende: Douglashütte ab 2 Uhr nachmittags, Einstieg in die Wand 3 Uhr, Westgipfel an 5 Uhr 10 Min., Hauptgipfel an 5 Uhr 15 Min., ab 7 Uhr, Douglashütte an 7 Uhr 45 Min.
Salonienkopf ( 2439 m ). Erste touristische Ersteigung. Erste Überschreitung mit Aufstieg über die Ostseite, Abstieg über den Nordgrat. 21. August. Die nämlichen. Vom Gipfel des Roßberges ( östlich de& Lünersees ) wurde der zum Salonienkopf streichende Grat verfolgt. Nach Umgehung des letzten bedeutenden Gratturmes stiegen sie mühsam über steiles, grasdurchsetztes und überschneites Geschröf bis kurz unter den plattengepanzerten Gipfelaufbau empor. Nach Überwindung einer 12 Meter hohen Platte — der einzigen, schwierigen Stelle — ging es leicht zur Spitze. Unterhalb derselben fanden sie die morschen Überreste eines trigonometrischen Signals. Abstieg über den Nordgrat in mittelschwerer Kletterei. A.A.V.B., III. Jahresbericht 1906, pag. 15—16.
Ferwallgruppe.
Patteriol, neuer Anstieg über Nordwand-Nordgrat-Ostgrat-Ostwand. 9. August 1905. HH. Dr. Karl Gruber und Viktor Sohm verließen die Konstanzerhütte um 3 Uhr 30 Min. früh, umgingen westlich den Kleinen Patteriol und erreichten die Scharte zwischen Patteriol und dem südlichen der beiden dem Patteriol nördlich vorgelagerten Türme ( 6 Uhr 15 Min. bis 6 Uhr 30 Min. ). Nun auf der Ostseite der Scharte hinab .zu einem Felsköpfchen und von da durch die plattigen Felsen zum zweiten Schneefeld ( dem tiefsten von der Konstanzerhütte aus sichtbaren ). Am Fuß des Schneefeldes nach Osten querend, gelangten sie in guten Fels und erreichten die gegen die Konstanzerhütte senkrecht abfallende Schulter des Nordgrates, den man auch als Ostkante der Nordwand bezeichnen kann ( 7 Uhr bis 7 Uhr 20 Min. ). Längs des Grates, meist an dessen Westseite kletternd, erreichten sie den obersten Teil der aus einem Schärtchen des Ostgrates zum zweiten Schneefeld absickernden seichten Rinne und durch sie das Schärtchen ( 7 Uhr 45 Min. bis 8 Uhr 10 Min. ). Nun hielten sie bis zum Gipfel den Weg der Erstersteiger mit kleinen Abweichungen ein, indem sie u.a. den überhängenden gespaltenen Turm nicht auf der Süd-, sondern auf der Nordflanke umgingen, wo ein gutartiger Kamin wieder auf die schmale Schneide führt. Nach Überwindung der schwersten Stelle, einer sehr schmalen, plattigen Gratstufe gelangten sie bald auf das breite, die Ostwand durchziehende Schuttband ( 9 Uhr ), das sie horizontal durch die Wand verfolgten, um dann über gut gestufte Felsen die Spitze zu erreichen ( 9 Uhr 30 Min. ). Abstieg durch die Eisrinne und zurück zur Konstanzerhütte. À. A. V. M.,. Jahresbericht 1905/1906, pag. 64—05.
Eedalction.