Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/768

Wartau - Für kurze Zeit eine eigene Republik
Die heutige Gemeinde Wartau, in welcher einzelne prähistorische Funde gemacht wurden, hatte im Mittelalter wechselnde Herrschaftsverhältnisse: die Bischöfe von Chur, die Edlen von Wildenberg, die Grafen von Werdenberg und von Sargans und die Glarner bzw. die eidgenössichen Orte. Hitzige Auseinandersetzungen um die Wiedereinführung der Messe in Wartau hätten 1694 beinhahe zu einem eidgenössischen Religionskrieg geführt. Im Jahre 1802 bildete die Gemeinde für kurze Zeit eine eigene Republik. 1803 aber wurde Wartau dem Bezirk Sargans und 1831 dem neuerstandenen Bezirk Werdenberg zugeteilt.

Bewegte Geschichte|
In Wartau fallen neben den deutschen die vielen romanischen Orts- und Flurnamen auf. Es sind verbliebene Zeugen aus der Räter- und Römerzeit, der ältesten Kulturstufe in dieser Gegend. Kurz vor Christi Geburt eroberte das starke Rom Rätien, zu dem auch das Gebiet am Fusse von Gonzen, Gauschla und Alvier gehörte. Die lateinische Sprache der römischen Besetzer vermischte sich im Laufe vieler Jahre mit jener der rätischen Bevölkerung. So dürfte die rätoromanische Sprache entstanden sein. Noch um das Jahr 1400 soll in Wartau von einigen Bevölkerungsgruppen die «welsche» Sprache gesprochen worden sein.
Etwa 500 Jahre nach Christus geriet das Rheintal als Teil der Provinz Rätia unter die Botmässigkeit fränkischer Fürsten. Aber erst 400 Jahre später ging Churrätien, zu dem das Gebiet der heutigen Gemeinde Wartau gehörte, im Herzogtum Alemanien auf. Immer mehr alemannische Lehensleute und Obere drangen in diese Gegend ein und brachten die rätoromanische Sprache zum Verschwinden.
Die Alemannen kamen
Um etwa 1300 brachte der alemannische Stamm der Freien Walser eine neue Volksgruppe nach Wartau, welche der deutschen Sprache zum Durchbruch verhalf. Die deutsche Sprache wurde zur Amtssprache. Aus der Zeit der Ansiedlung der Alemannen stammen noch die fast nicht mehr erkennbaren Überreste eines Kirchenkastells auf dem St.Martinsberg, dem heutigen Ochsenberg.
Dass sich die rätoromanische Kultur bis ins 14. Jahrhundert hinein zu halten vermochte, davon zeugen heute nebst wertvollen Fundgegenständen noch Orts- und Flurnamen wie Pradastrada (Wiesen-strasse), Fontnas, Gelalunga, Pradarossa (rote Wiese), usw. an das sonst entschwundene Rätoromanische. Dessen werden viele Sagenmotive von den Freien Walsern herrühren, die gegen Ende des 13. Jahrhunderts hauptsächlich die hochgelegenen Teile der Gemeinde besiedelten und sich auf Matug, am Walserberg und auf der schönen Alpterasse Palfris niederliessen.
Die «Warte ob der Au»
Die «Warte ob der Au», die Burg Wartau, die heute eine Ruine ist, ist auf dem rebenbekranzten Hügel das weitherum sichtbare Wahrzeichen der Gemeinde. Erstmals 1261 im Besitz der «Edlen von Wildenberg» erwähnt und später von den «Freiherren von Hewen» bewohnt, gab sie der damaligen Herrschaft den Namen. Unter ungewöhnlich vielen Besitzerwechseln wurde die Burg Wartau anno 1517 zusammen mit dem Dörfchen Gretschins und seiner Kirche als Herrschaft Wartau vom Stande Glarus gekauft. Der grösste Teil der Gemeinde mit Azmoos, Malans, Oberschan, Fontnas und Murris aber unterstand schon ab 1483 einem eidgenössischen Vogt auf dem Schloss Sargans. Die Vorfahren der heutigen Wartauer hatten nicht nur den Feudalherren, sondern auch den ihnen folgenden Landvögten erdrückende Abgaben zu leisten.
Die Gemeinde wurde aber erst viel später nach der Burg Wartau benannt. Daraus erklärt sich auch der Umstand, dass es keinen Weiler oder ein Dorf Wartau gibt. Als bescheidener Grafsitz zwischen den mächtigen Schlössern Werdenberg und Sargans spielte die «Warte ob der Au» geschichtlich keine besondere Rolle. Schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts unbewohnt, zerfiel der sagenumwobene Doppelturm mit seinen Zinnen und dem Plattendach allmählich. Er wurde 1932 und 1982 renoviert und damit vor drohenden Einstürzen bewahrt. Heute ist die Ortsgemeinde Wartau Eigentümerin der Burgruine mit dem dazugehörigen Hof.
Freie Republik
Im Jahre 1542, wenige Jahre, nachdem die Herrschaft an Glarus ging, schlossen sich die Wartauer der Reformation an. Ein späterer Konfessionskonflikt in den Jahren 1694/95, der Wartauer Handel, wäre fast in einen landesweiten Religionskrieg ausgeartet. Eine interessante Begebenheit und typisch für Wartau ist der Umstand, dass nach dem Revolutionsjahr 1798 auf der Wiese von Pramalans einmal die «freie Republik» ausgerufen wurde. Nach kurzer Dauer kam Wartau im Jahre 1803 zum Kanton St.Gallen, der damals ebenfalls zur Eidgenossenschaft hinzu gekommen ist. Dieses Ereignis spricht für die tiefe Liebe zur Freiheit und Eigenverantwortung, die auch heute noch in den Wartauern verwurzelt ist und geachtet und gelebt werden will.