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Schon Aristoteles erkannte, dass Tiere über ein bestimmtes Mass an Intelligenz verfügen. In seiner zoologischen Schrift Historia animalium schrieb der griechische Gelehrte Hunden, Elefanten und einigen weiteren höheren Säugetieren das geistige Niveau eines Kindes zu. Dass einige Tiere zu erstaunlichen kognitiven Leistungen imstande sind, bezweifelt heute kaum jemand mehr.
Zugleich ist es sehr schwierig, diese Leistungen untereinander und mit der menschlichen Intelligenz zu vergleichen. Schon innerhalb einer Spezies, zum Beispiel beim Menschen, sind Intelligenztests eine delikate Sache; hier vergleicht man so unterschiedliche Tiere wie Delfine, Papageien und Bonobos. Als Kriterien für tierische Intelligenz dienen meist die Gehirngrösse in Relation zum Körpergewicht, das Vokabular (Sprachverständnis), die Lernfähigkeit und der Werkzeuggebrauch.
Jede entsprechende Rangliste sollte daher mit Vorsicht betrachtet werden – es gibt eine Vielzahl von solchen Rankings, die sich keineswegs decken. Sicher ist, dass die Menschenaffen, die Delfine und einige Vogelarten jeweils weit oben stehen.
Die grossen Primaten waren seit je Anwärter auf die vordersten Ränge. Seitdem die Biologen auch den Homo sapiens den Menschenaffen zurechnen, steht diese Primatenfamilie ohnehin an der Spitze. Unsere nahen Verwandten – die Gorillas, die Orang-Utans und die Schimpansen – benutzen Werkzeuge und bearbeiten diese sogar, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Sie lernen voneinander und erkennen sich im Spiegel, auch die lange unterschätzten Orang-Utans sowie vermutlich die Gorillas. Zudem können sie sich in andere hineinversetzen.
Besonders die Schimpansen, und zwar Bonobos wie Gemeine Schimpansen, zeigen bemerkenswerte Fähigkeiten. Sie jagen organisiert und stellen sogar Waffen für die Jagd her. Sie können lernen, via Zeichensprache mit Menschen zu kommunizieren. Der in Gefangenschaft aufgewachsene Bonobo Kanzi zum Beispiel versteht etwa 3000 Wörter und hat einen aktiven Wortschatz von 500 Wörtern (er kommuniziert über Lexigramme, kleine abstrakte Symbole).
Der Schimpanse Ayumu zeigt Gedächtnisleistungen mit Zahlen, die weit besser sind als bei vielen Menschen. Im Zahlenmemory erinnerte er sich an die richtige Reihenfolge von neun Zahlen, die nur für kurze Zeit zufällig auf einem Touchscreen erschienen.
Die Verhaltensforscher unterschätzten die Intelligenz der Vögel lange. Doch die Rabenvögel und mehr noch die Papageien sind in der Lage, mit Menschen zu kommunizieren und zielgerichtet Probleme zu lösen, auch mithilfe von Werkzeugen. Einige sind sogar in der Lage, erlernte Strategien zu ändern.
Sie besitzen genau wie Menschen ein in zwei Hälften geteiltes Gehirn, was ihnen erlaubt, mehrere Informationen zeitgleich zu verarbeiten. Die Intelligenz von Papageien entspricht etwa der eines vierjährigen Kindes. Sie können zielgerichtet bestimmte Aufgaben lösen.
Keas, neuseeländische Gebirgspapageien, lernen voneinander indem sie Artgenossen beobachten. Beim Öffnen von Schlössern zum Beispiel scheint es so, dass sie andere Keas nicht einfach imitieren, sondern die Funktionsweise verstehen. Dies gilt auch für andere Spezies aus der Familie der Papageien, etwa Graupapageien – darunter Alex, der 500 Wörter verstand und beschränkt zählen konnte.
Ebenfalls sehr schlau sind Kakadus. Ihre aussergewöhnlichen Intelligenzleistungen sind verblüffend. In Gefangenschaft gehaltene Indonesische Goffin-Kakadus beissen mit ihrem Schnabel Splitter aus einem Holzbalken, damit sie eine Cashewnuss erreichen können. Oder sie verbiegen einen Draht zu einem Haken, um an eine Nuss zu kommen.
Diese grösste Familie der Zahnwale umfasst Arten wie den Gemeinen Delfin oder den Grossen Schwertwal. Die smarten Meeressäuger haben eine grosse Fangemeinde: Einige Enthusiasten glauben sogar, sie seien dem Menschen nahezu ebenbürtig. In Douglas Adams' Roman «Per Anhalter durch die Galaxis» gelten Delfine als zweitintelligenteste Spezies auf dem Planeten – nach den Mäusen, aber vor dem Menschen.
Alle Delfinarten zeichnen sich – wie sämtliche Wale – durch aussergewöhnlich grosse Gehirne aus, auch relativ zu ihrer Körpergrösse. Ihre Denkorgane besitzen zudem eine komplexe, wenn auch dünne Hirnrinde. Die sozialen Tiere kennen einander und besitzen alle ihren eigenen Namen, eine Folge von Pfeiftönen. Delfine kommunizieren mit einem reichhaltigen Repertoire an Lauten miteinander und sind leicht zu dressieren. Sie bestehen den Spiegeltest.
Wie intelligent sie sind, ist allerdings umstritten. So sind ihre Riesenhirne weniger vernetzt als jene von Landtieren. Ihr Abstraktionsvermögen scheint nicht sehr stark entwickelt zu sein; bei entsprechenden Test schnitten sie nicht besser ab als Tauben oder Ratten. Manche Forscher glauben, dass die Meeressäuger wegen der Echolot-Ortung so grosse Hirne benötigen. Möglicherweise sind die Riesenhirne aber auch nur eine Anpassung an das Leben im kalten Wasser – relativ viele sogenannte Gliazellen halten relativ wenige Neuronen warm.
Rabenvögel galten schon in früheren Zeiten als weise, wurden aber auch mit dem Tod assoziiert, da sie sich als Aasfresser oft auf den mittelalterlichen Hinrichtungsstätten aufhielten. Der germanische Hauptgott Odin führte zwei Raben namens Hugin und Mugin mit sich, während eine Elster die germanische Totengöttin Hel begleitete.
Die Intelligenz der Rabenvögel zeigt sich beispielsweise bei den Krähen, deren Hirn in der Vogelwelt das grösste im Verhältnis zur Körpergrösse ist. Sie sind in der Lage, spontan abstrakte Zusammenhänge zu erkennen, was man lange nur Menschen und Affen zutraute. So ordnen sie Spielkarten nach abstrakten Kategorien. Werkzeuggebrauch ist verbreitet; bekannt ist auch, dass Krähen und Elstern Nüsse auf die Strasse fallen lassen, damit sie aufplatzen.
Auch andere Spezies dieser Familie lernen schnell. Kolkraben sollen sogar ein Moralempfinden haben und sie können schwindeln. Sie erkennen Gesichter und erinnern sich auch nach Jahren noch daran. Elstern bestehen den Spiegel-Test.
Die Dickhäuter haben ein grosses – bei Bullen kann es bis zu 5,4 Kilogramm schwer sein – und hoch entwickeltes Gehirn. Ihre Schläfenlappen sind gefurcht, was auf hohe Intelligenz und ein gutes Gedächtnis hindeutet. Viele Elefanten – jedoch nicht alle – erkennen sich selbst im Spiegel.
Die Rüsselriesen erkennen nur an der Stimme Herkunft, Alter und Geschlecht eines Menschen. In Ostafrika können sie Massai – von denen sie gejagt werden – zuverlässig von Kamba – diese Bauern jagen nicht – unterscheiden. Wie smart Elefanten sind, zeigt sich auch daran, dass sie gezielt Gebiete umgehen, in denen Wilderer auf sie lauern.
Elefanten, die laut Untersuchungen Mitgefühl, Trauer, Freude, Furcht und Rachsucht empfinden können, nutzen Werkzeuge nicht nur, sie stellen sie auch her. In diesem Bereich stehen sie annähernd auf einer Ebene mit Menschenaffen. Ausserdem sind sie in der Lage, miteinander zu kooperieren, um ein Ziel zu erreichen – zum Beispiel Nahrung.
Weitere Kandidaten, die es nur knapp nicht in die Top 5 geschafft haben, sind Kraken, Wildschweine, Seelöwen und unsere Haustiere Hund und Katze. Schreibe in der Kommentarspalte, welche Tiere deiner Meinung nach in die Top 5 gehören!