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Autorin: Anna Trökes
Die Forscher:innen des internationalen und interdisziplinären Hatha-Yoga-Projects, das von mehreren Universitäten in Europa, den USA und Indien fünf Jahre begleitet wurde, beleuchteten die Geschichte, die Konzepte, die Methoden und die Entwicklung des Hatha Yoga durch die Jahrhunderte. Dabei wurde ihnen klar, dass dieser Yogaweg seine Wurzeln gleichermassen in den sehr alten Strömungen des Asketismus hat (weswegen er auch als «Yoga der gewaltsamen Anstrengung» verstanden wurde), als auch in der Mystik des Tantra hat (daher kommt die Übersetzung «Sonne-Mond-Yoga»).
Das Studium der vielen erstmals oder neu übersetzten Quellentexte liess keinen Zweifel daran, dass sich der Hatha Yoga immer als ein ganzheitlicher Weg versteht, in dem Pranayama und Meditation (Mudra) im Zentrum der Übungspraxis stehen. Man könnte auch sagen, der Hatha Yoga ist ein Weg zur Entfaltung der eigenen Bewusstseins- und Energiepotentiale.
Der Hatha Yoga wird uns in der Hathapradipika als ein «Yoga der Energie» beschrieben. Sie wird heutzutage als der wichtigste Quellentext angesehen, denn alle folgenden Sanskrit Hatha-Yoga-Anthologien und -Kommentare beziehen sich auf sie. Für die meisten Traditionen sind ihre Definitionen der Übungspraxis des Hatha Yoga verbindlich.
Gleich zu Beginn beschreibt Svatmarama den von ihm beschriebenen Übungsweg als eine Leiter. Er betont, dass sie ausschliesslich dazu gedacht sei, sich Sprosse um Sprosse in den höchsten Zustand (Samadhi) zu begeben, der hier Raja-Yoga genannt wird. Ähnlich wie bei den ineinandergreifenden Gliedern (Angas), die uns Patanjali im Yogasutra als Ashtanga Yoga vorstellt, sind auch bei einer Leiter alle Sprossen gleich unverzichtbar und wesentlich.
Mehr zum Thema finden Sie in der aktuellen Ausgabe 1/23.