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Macht ist noch nicht Wissen. Das ist geradezu eine Standardsituation in vielen Märchen:
- Die Könige, die nicht wissen, wie’s weitergehen soll (Der goldene Vogel),
- welchem Sohn sie ihr Reich übergeben sollen (Die drei Federn).
- Die Königspaare, die keine Kinder bekommen (Das Eselein).
- Die Könige, die krank sind und nicht geheilt werden können (Das Wasser des Lebens).
- Die armen Eltern, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder ernähren sollen (Hänsel und Gretel, Marienkind).
Immer geht der Auftrag absichtlich (Könige) oder unabsichtlich (Eltern) an die jungen Märchenheldinnen und Märchenhelden, die das Wissen auch nicht im Bewusstsein haben. Aber sie finden das nötige Wissen in ihrer eigenen Tiefe, bei weisen Alten, Naturwesen und hilfreichen Tieren.
Macht Wissen die Märchenheldinnen und Märchenhelden mächtig ?
- Zuerst einmal rettet Wissen sie aus schwierigen bis todgefährlichen Situationen.
- Das Wissen für sich zu behalten ist oft überlebenswichtig, Wissen mit den missgünstigen Nebenbuhlern zu teilen gefährlich. Geheimes Wissen sichert die Macht.
- Das erfolgreich angewendete Wissen verhilft zur Erlangung der Machtposition (König).
In der Regel ist der Weg zur Macht nicht nur eine Wissensprüfung sondern auch mit einer Ge-wissensprüfung verbunden. Nur wer neben seinem Wissen für Kopf und Hand auch Herzenswissen einsetzen kann, kommt zum Ziel.
Gabriele Vollmar hat in einer Kolumne (In der Zeitschrift Wissensmanagement 2011/4, p. 57) die Thematik auf die Hierarchie in einer Unternehmung angewandt. Manager verfügen oft über viel Macht, aber wenig Wissen um die Prozesse in der Unternehmung. In einem Klima des Vertrauens und der gegenseitigen Wertschätzung ist das kein grundlegendes Problem.
Die Wissenden, meist unten in der Hierarchie, erhalten Wertschätzung für ihre Wissensarbeit.
Dann müssen sie ihr Wissen auch nicht zur Machterhaltung verwenden (“Ich bin unersetzlich”) oder gar gegen ihre Vorgesetzten ausspielen. Wissen als Machtmittel von unten garantiert die Retourkutsche der unwissenden Mächtigen!
Kluge Manager bauen ihre Macht auf einem Team von Wissenden auf (vgl. das Märchen “Sechse kommen durch die ganze Welt”). Manager sollen nicht für ihr grosses Wissen geschätzt werden, sondern für ihre glaubwürdige Führungsarbeit. Glaubwürdige Führungsarbeit heisst unter anderem auch, das Wissen der Mitarbeitenden zu würdigen und ihnen eine Wissens-Entwicklung zu ermöglichen.
Bliebe da noch die Frage der Entlöhnung. Hier versagt unser Entlöhnungssystem in der Regel, indem von Ausnahmen abgesehen Machtausübung viel besser honoriert wird als Wissensarbeit.