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Ein Papablog von Maurice Thiriet.
Die ehemalige Journalistin Sibylle Stillhart ist Mutter zweier Kinder und arbeitet jetzt beim Bund. Unlängst muss eine Kaffeepausen-Debatte in Stillharts Abteilung den Familien-Artikel zum Gegenstand gehabt haben. Jedenfalls veröffentlichte Stillhart dann am Samstag einem ganzseitigen Artikel in der «Aargauer Zeitung». Der Tenor: Männer beteiligen sich nicht an der Hausarbeit und mehr als Krippenplätze hälfe der arbeitstätigen Frau, «ein Mann, der zu Hause mit anpackt».
Den Beweis, dass die Männer im Haushalt nicht zu gebrauchen seien, führt Stillhart mit der bei komplexen Problemfeldern üblichen Verquickung von veralteten Umfrage-Ergebnissen und Zitaten dreier anonymer Kronzeuginnen, die sich aus dem engeren Bekanntenkreis rekrutieren.
So liest man, dass eine Auswertung des Bundesamts für Statistik (BfS) aus dem Jahre 2003 ergeben habe, «dass Frauen nach wie vor hauptsächlich zuständig sind für Haus- und Familienarbeiten». Diese Erkenntnis der drei Autorinnen der Studie sichert Stillhart mit den Aussagen der drei Kronzeuginnen ab. Die erste, «Gymi-Lehrerin Cornelia», Mutter zweier kleiner Töchter, ist jedes Mal angespannt, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt: «Wie sieht es wohl heute in der Wohnung aus?» Die zweite, die «Freundin, Sektionschefin» ist kinderlos und hadert damit, dass ihr Freund abends kein Sushi bringt. Die dritte, die «andere Freundin, Juristin», ist Mutter dreier Kinder und konstatiert dass sich ihr Mann «schleichend aus sämtlichen Haushaltsarbeiten zurückgezogen hat». Oha.
Kann man einer solch wasserdichten Beweisführung überhaupt etwas entgegenhalten?
Kaum. So führt Stillhart neben der BFS-Studie von weiblichen Autorinnen eine «repräsentative Umfrage» der deutschen Familienministerin Kristina Schröder im Herbst 2012 ins Feld, wonach 70 Prozent der befragten Mütter gesagt hätten, sie machten die Hausarbeit alleine. Die Studie, bei der nur Mütter befragt werden, gilt unhinterfragt als «repräsentativ». Politik und Gesellschaft bezichtigen die Männer der Haushaltsfaulheit aufgrund von Studien, bei denen Frauen andere Frauen in Sachen Haushalt befragen und deren Ergebnisse von Frauen interpretiert werden. Mit anderen Worten: Die Frauen haben auch im 21. Jahrhundert noch die alleinige Definitionshoheit darüber inne, was «Haushaltsarbeit» ist und was sie alles umfasst. Sie bestimmen damit über die Menge der anfallenden Hausarbeiten, von denen viele absolut sinnlos sind und beklagen sich dann, wenn die Männer diese nicht erledigen wollen.
Es bleibt also nur der passive Widerstand, der zivile Ungehorsam, die domestische Subversion.
Ein Freund, Informatik-Ingenieur und Vater zweier Kinder, weigert sich etwa, jeden Abend den Garten aufzuräumen: «Wozu? Die Kinder reissen sowieso am nächsten Tag alles wieder raus!» Ein anderer Freund, Abteilungsleiter und Vater eines Sohnes, lässt öfter leere Milchpackungen und Konfitüre-Gläser im Kühlschrank, da sie ihn «dort einfach nicht so stören». Und Stefan, Sek-Lehrer und Vater dreier Kinder, putzt das WC nur noch, wenn Besuch kommt. «Ich finde einfach, man soll auch mal sehen, dass die Wohnung bewohnt ist, es muss nicht immer alles klinisch rein sein», sagt er.
Langsam weiten die Männer ihre Kompetenz in Sachen Haushalt aus und entwickeln das Selbstbewusstsein, selbst zu bestimmen, welche Arbeiten wirklich gemacht werden müssen und welche nicht. So stellt eine Studie des BfS von 2009 fest, dass Väter in Familien mit kleinen Kindern «von 1997 bis 2007 ihr Engagement im Haushalt um 7,2 Stunden pro Woche erhöht» haben.
Das ist etwa das, was drinliegt. Denn sie werden nicht anfangen, Unterhosen zu bügeln und Zimmerpalmen abzustauben.
Maurice Thiriet ist seit 2008 Inlandredaktor beim «Tages-Anzeiger». 2011 wurde er mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.
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