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Im Oktober 2005 schrieb Guido Mingels im Magazin des Zürcher Tages-Anzeigers einen Artikel mit dem Titel "Die Revolution, die keine war" (pdf, 635kB). Fazit: 15 Jahre Internet haben die Welt nicht verändert. Der Artikel erntete Buhrufe aus der Blogger-Szene. In einem Wiki sammelten Andreas Göldi, Peter Hogenkamp und Robert Stark Gegenargumente, die sie schliesslich per Leserbrief ans Magazin retournierten.
Nun, die Frage, inwiefern das Internet unserern Alltag verändert ist damit längst noch nicht beantwortet. Einen neuen Vorstoss unternimmt zur Zeit (27. März 2006) gerade Mark Glaser in seinem Blog MediaShift.
Hier ein paar Antworten:
Now: I use Yahoo Calendar to organize my schedule from multiple locations and multiple computers.
Before: I wrote items on a paper calendar that sat on my desk.
Change: I can have items emailed to me so I remember them better. I am dependent on having an online connection to see my daily calendar.
Now: If I meet someone new, I find out who they are by Googling them and searching for their name online.
Before: If I met someone new, I would talk to common friends to find out more about them.
Change: I know more about people before getting to know them personally, or my perceptions are slanted by what I find out about them online.
Doch Glaser belässt die Sache nicht bei eigenen Erfahrungen. Er startet gleich ein "Open Source Reporting project", in dem er seine Leser bittet:
"list some aspect of your life that you now live online, then explain how you used to do that before the web existed, and then explain how it has changed your life — for better or worse."
Glaser zelebriert damit eine wesentliche formale Möglichkeit von Blogs - nämlich die, Feedbacks einzuholen. In seiner Rubrik "Your Take" taucht diese Form ganz regelmässig auf, zum Beispiel:
Damit hat das Internet die Kommunikation verändert:
Heute: Wenn ich eine Frage stellen, eine Diskussion anzetteln möchte, poste ich einen Beitrag in meinem Blog.
Früher: Ich frage einer Hand voll Freundinnen und Kollegen Löcher in den Bauch.
Unterschied: Heute ist es leicht, Fragen in einem "öffentlichen" Raum zu stellen, die Antworten sind damit weniger vorhersehbar, überraschender. Dagegen fördert der direkte Kontakt Reaktionen zu Tage, die online keine (schriftlichen) Spuren provoziert hätten.
Glaser macht von mindestes zwei weiteren Formen des Bloggens expliziten Gebrauch. Da sind einmal "The Weeks top 5 - People, Trends and Tech on Our Radar". Es handelt sich um eine wöchentliche Auswahl von fünf Links, im besten Fall mit einer erklärenden Zeile ergänzt, ganz im Stil eines "Filters", eines Blogs, dessen Eigenleistung ausschliesslich im Sammeln und Bündeln von fremden Nachrichten besteht.
Weiter gibt es bei Glaser das Interview - oft in Form eines redigierten Mailwechsels. Die Fragen an Yossi Alpher (Bitterlemons.org) und Ali Abunimah (Electronic Intifada) über Onlinemedien in Palästina sind ein Beispiel, das mir gut gefallen hat. Es zeigt auch, wie einfach es ist Grenzen zu überschreiten - geographisch, konfessionell und medial. Hier bricht endlich einmal Blogger aus der Beschränktheit seines medialen Dunstkreises - der Blogosphäre - aus.
Glaser ist mit dieser formalen Vielfalt sicher eine Ausnahme - die meisten Blogs nutzen wohl eher eine bis zwei Formate. Es dürfte aber interessant sein, zu verfolgen, ob sich bei den Blogs ein eigener Kanon von differenzierten Darstellungsformen herausbildet, ähnlich wie bei anderen Medien (Zeitung, Magazin, Radio, etc.).
Bisher galt ja das Blog selbst als Format, das sich dabei auch noch technisch definierte. Allerdings kann man mitlerweilen ganze Websites mit einem Blog betreiben und CMS verfügen zunehmend über die technischen Features eines Blogs. Blogs werden zudem nicht nur von Einzelpersonen sondern immer häufiger auch von Organisationen betrieben. Es dürfte somit technisch wie organisatorisch immer schwieriger werden, Blogs von Nicht-Blogs zu unterscheiden. Potenzial hat dagegen die inneren Ausdifferenzierung in eine Vielzahl von Formaten.
Abgeschickt von Faviola am 16 Juni 2008 - 19:40