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Sechs Weltkonzerne – die «Big Six» – beherrschen den globalen Markt für Landtechnik. John Deere, CNH Industrial und AGCO sind in New York börsennotierte Aktiengesellschaften, Kubota ist eine Aktiengesellschaft aus Japan. Claas und die SDF Group sind europäische Unternehmen in Familienbesitz.
Jeder dieser sechs Traktoren-, Erntetechnik- und Landmaschinen-Longliner hat mehrere traditionelle Marken unter seinem Dach, die er nach und nach dazu gekauft hat.
Die globale Konsolidierung begann nicht etwa in den USA, sondern – in Italien
Vorreiter dieser Konsolidierung ist nicht etwa ein US-Konzern, sondern – die italienische SDF Group, die schon 1975 die europäischen Marken SAME, Deutz-Fahr, Hürlimann und Lamborghini Trattori «bündelte».
AGCO hat dann ab 1990 die Konsolidierung der Landtechnik fortgesetzt. Das Unternehmen entstand, als die Manager eines US-amerikanischen Maschinenbau-Konzerns ihr eigenes Unternehmen übernahmen. In der Folge kaufte AGCO unter anderem die traditionellen Traktoren-Hersteller Massey Ferguson, Fendt und Valtra.
Parallel dazu entstand der Konzern von CNH Industrial, der Ur-amerikanische Marken wie Ford, Case, International Harvester, New Holland zusammen mit den Europäern FiatAgri, David Brown und Steyr «bündelte». CNH Industrial hat zwar eine amerikanische DNA – aber seinen juristischen Sitz in Amsterdam NL und seinen operativen Sitz in London GB.
Ein interessantes Detail ist, dass bekannte Marken wie Case IH, FiatAgri, Deutz-Fahr, Massey Ferguson und Valtra früher im Portfolio branchenfremder Industrie-Konzerne waren. Die globale Konsolidierung führte dazu, dass sie heute zu reinen Landtechnik-Konzernen gehören.
Die Landtechnik ist weltweit ein Milliarden-Business mit Potenzial in den BRIC-Staaten
In den Jahren 2014 bis 2016 mussten die «Big Six» arg Federn lassen. In diesen drei Jahren verloren sie aufgrund des weltweiten Rückgangs in den Landtechnik-Märkten rund 30 Prozent ihrer Umsätze.
Das Mitleid mit den Aktionären respektive Besitzerfamilien der sechs globalen Landtechnik-Konzernen hält sich aber in engen Grenzen: Von 2005 bis 2018 steigerten die «Big Six» ihren Umsatz von 32 Mrd auf 90 Mrd Franken. Das sind schätzungsweise 70 Prozent des globalen Weltmarktes und sogar 80 Prozent der Märkte in Nordamerika und Westeuropa.
In den grossen Wachstums-Märkten – zum Beispiel in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China – sind die «Big Six» mit Allianzen oder eigenen Werken vor Ort beteiligt.
Bald sind es die «Big Six plus 2» – Mahindra ist heute schon der weltgrösste Traktoren-Produzent
Umgekehrt produziert der Mahindra-Konzern in Indien 214 00 Traktoren pro Jahr und wird damit in Bezug auf die Stückzahl wohl der weltweit grösste Traktoren-Produzent.
Mahindra Ltd. ist eine nicht börsennotierte Kapitalgesellschaft (vergleichbar mit einer GmbH) mit 13 Mrd Franken Umsatz. Und mit grossem «Hunger»: Mahindra gehören schon 70 Prozent des südkoreanischen Autoherstellers SsangYong (2011), 51 Prozent von Peugeot Motocycles (2015), 76 Prozent von Pininfarina (2015) und je 100 Prozent der türkischen Landmaschinen-Hersteller Hisalar und Erkunt Traktör (2017).
In China produziert der halbstaatliche Industrie-Konzern Foton-Lovol 100 00 Traktoren pro Jahr und macht damit 3,5 Mrd Franken Umsatz.
Auch Foton-Lovol kauft weltweit Traktoren-Marken dazu, bisher vor allem in Italien: Den Chinesen gehören schon Arbos (2015) und Goldoni (2015). Diese produzieren neue Modelle speziell für den europäischen Markt.
Die meisten Traktoren aus Indien und China werden aber in andere Entwicklungs- und Schwellenländer verkauft. Gefragt sind dort günstige Traktoren mit wenig Hightech und einer niedrigen Motorleistung zwischen 34 bis 47 PS. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt die durchschnitt-
liche Motorenleistung bei 90 PS.
Mit Mahindra Ltd. und Foton-Lovol ist also absehbar, dass unser Über-
blick über die weltweite Landtechnik-Industrie einem Jahr «Big Six plus 2» heissen wird.
Der Technologie-Transfer in der Landtechnik geht von West nach Ost
Umgekehrt wollen die «Big Six» in den Entwicklungs- und Schwellenländern ihre Marktanteile verteidigen oder neue Marktanteile holen. Alleine in Indien und China werden mehr als die Hälfte der jährlich 2 Mio. weltweit verkauften Traktoren abgesetzt.
Länder wie Indonesien, Vietnam, Thailand und die Philippinen haben einen wachsenden Bedarf an Mechanisierung und werden den Markt für Landmaschinen in den nächsten Jahren deutlich von West nach Ost verschieben. In diese Richtung läuft auch der Technologie-Transfer.
Neben den erwähnten Allianzen mit Herstellern in diesen Märkten ergänzen die «Big Six» ihre Premium-Marken nämlich mit «Einfach-Traktoren». AGCO hat dafür mit seiner Marke Massey Ferguson 2014 die MF Global Series lanciert. Robuste und zuverlässige Traktoren mit sehr einfacher Bedienung und minimalem Wartungsaufwand. Den Anfang machte das Modell 4708 mit 82 PS, das in Changzhou in China gebaut wird.
Dies zeigt: Neue Technologien in der Landtechnik werden zuerst für Westeuropa entwickelt – und dort für die oberen Leistungsklassen der Traktoren: Vom Allrad-Antrieb über die Vorderachs-Federung und das stufenlose Getriebe bis zum elektronischen Motor-Management und der synchronen elektronischen Steuerung von Traktor und Gerät.
Nach und nach fliessen diese Entwicklungen dann auch in die kleineren Leistungsklassen ein. Und parallel dazu in die günstigeren Modelle für die Wachstums-Märkte.
Die Traktoren-Hersteller in Indien und China können mit ihren «Einfach-Traktoren» die Entwicklungs- und Schwellenländer «aufrollen». In Europa werden sie aber – im doppelten Sinne des Wortes – Exoten bleiben.
Text: Jürg Vollmer
Bild: zVg
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