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Überlieferung zur Entstehung des „Flumser Chrottni“
Schnitzer: Bless Bruno, Flums
Diese Chrottni ist auch das Logo der Fasnachtsgesellschaft Flums
Die Chrottni ist sozusagen die berühmteste Flumser Larve
Die ersten Exemplare datieren um 1890. Der Larven-Forscher
Benedikt Frei glaubt aber, dass die ältesten Exemplare um
140 bis 160 Jahre alt seien, also um ca. 1840 datieren. Einige
sehr alte Chrottni sind in privatem Besitz, oder in Museen
ausgestellt. Praktisch jeder Flumser Schnitzer versuchte sich
mit dem Schnitzen einer eigenen Chrottni, woraus sehr viele
Ausdrucksarten entstanden. Gemäss mehrheitlicher Meinung
haben aber die Chrottni-Typen von Josef Gassner und
insbesondere jene von Anton Klauser den natürlichsten Ausdruck.
Eines der wichtigsten Eigenheit, respektive Besonderheit
dieser Larve ist ihr besonderes Lächeln. Dieses Lächeln
hat in Flums etwa die gleiche Bedeutung, wie jenes der
legendären Mona Lisa.
Eine uralte Überlieferung erzählt folgendes :
Eine Posthalterfrau erzählte den Dorfbewohner immer viele
Neuigkeiten im Voraus. Deshalb hiess es in der Bevölkerung :
„Diä cheibe Chrott weiss immer alles viel früener als mier !“
In kürzester Zeit stellte es sich heraus, dass diese Post-
haltersfrau ihr Wissen von heimlich geöffneten Briefen und
gelesenen Postkarten hatte.
Daraufhin bastelten einige Flumser Fasnächtler aus Kisten
eine Post, zogen mit Ross und Wagen durchs Dorf und
öffneten während des Umzuges symbolisch Postbriefe.
Als der Posthalter während der Arbeit davon erfuhr, stürmte er
mit einer Gruppe den Umzugswagen und demolierte die
provisorische Poststelle.
Seither wurde die Posthalterfrau „Chrottäwyb“ genannt.
Geschichte
In den Jahren 1974/75 wurde wiederholt über die Fasnacht in Flums diskutiert. Wildhaber Meinrad bemühte sich in erster Linie, die Flumser Fasnacht zur Wiederauferstehung zu bringen. Meinrad lud Egli Mary, Mullis Beni, Stoop Paul, Stoop Niggi, Honegger Beni, Walter Egli sen., Gantner Peter und Georg Burger, in das Rest. Spitzmeilen zu einer Besprechung ein. Damals wurde darüber diskutiert, wie man die Einwohnerschaft unseres Dorfes dazu bringen kann, die Fasnacht wieder in Flums zu feiern. Alle kamen überein, dass jede anwesende Person sich mit den einheimischen Wirten in Verbindung setzt, da ohne deren Mithilfe keine ordentliche Fasnacht stattfinden kann, denn diese sind die effektiven Nutzniesser. Zögernd versprachen die Wirte Mithilfe.
Die grösste Begeisterung fanden wir bei Frau Gall, der damaligen Wirtin des Flumserhofes, welche ihre volle Unterstützung zusagte.
Mit Inseraten und Berichten im Sarganserländer erreichte die Fasnachtsgesellschaft, dass dann am schmutzigen Donnerstag viele Kinder verbutznet durchs Dorf zogen und dafür heisse Würste und Brot erhielten.
Im Jahr darauf wurde am 6. Juli 1976 im Rest. Flumserhof die Fasnachtsgesellschaft Flums gegründet.
Georg Burger wurde als erster Präsident gewählt. Wehrli Hans stellte sich als Kassier zur Verfügung. Damit die FGF nicht mit leerer Kasse beginnen musste, steuerte jede der anwesenden Personen im Durchschnitt Fr. 50.- bei.
An der darauffolgenden Fasnacht wurden die Restaurants mit Flumser Holzmasken dekoriert, welche von einheimischen Schnitzern grosszügig und ohne Entschädigung, leihweise zur Verfügung gestellt wurden. Zusätzlich wurde am Fasnachtsonntag ein Seifenkistenrennen für die Kinderbutzis organisiert. Es erschienen unerwartet viele Teilnehmer und vor allem sehr viele Zuschauer.
Der Optimismus bei den Verantwortlichen der FGF machte sich breit und diese beschlossen auf die nächste Fasnacht einen Umzug zu organisieren. Dieser Umzug war ein Grosserfolg und wurde von unabhängigen Personen als der Schönste im Bezirk gelobt.
Aus dem Seifenkistenrennen für die Kinder entstand so 1979 der Kinderumzug am schmutzigen Donnerstag, der noch heute um 10.00 Uhr startet. Nach dem Umzug bekommen die Kinder auch heute noch heisse Würste und Brot, die Primarschüler von der FGF und die Kindergärten vom jeweiligen Hofnarr der schwarzen Engel.
Die verschiedenen Restaurants wurden durch die FGF mit Masken dekoriert. Dieses wurde während vieler Jahre so gemacht. 1990 entstand daraus die Puppendekoration der Flumser Strassen.
1991 übernahm die FGF den Kindermaskenball. Auch dieser findet immer noch statt. Die FGF nahm dann ab und zu an auswärtigen Umzügen teil, dies als Brauchtumsgruppe mit Holzlarven einiger grosszügiger Larvenschnitzer aus dem Dorf, insbesondere der Schnitzerfreunde und die Jungchrottni von Stoop Gusti. Der Umzug in Flums findet immer am Fasnachtsmontag, dem Haupttag der Flumser Fasnacht um 14 Uhr statt. Zu Anfang waren es 20 befreundete Gruppen, mittlerweile gab es schon einen Rekord mit 40 Gruppen, teils auch aus benachbarten Kantonen.
Die Fasnachtsplaketten wurden von Marthy Wisi und die dazugehörenden Stempel von W. Egli sen., gestaltet. Noch heute werden diese einmaligen Birkenholz-Plaketten als Eintritt für den Fasnachts-umzug verkauft.
Die Fasnachtszeitung Chrottni entstand 1981 vor allem um die Flumser Bürger mit den neusten Februarnachrichten zu versorgen und mitunter auch die anfallenden Kosten des Umzuges und der Kinderfasnacht zu decken. Der Chrottni erscheint am schmutzigen Donnerstag in der Früh.
1997 entstand auf Wunsch einiger Kinder die Holzmaskengruppe „ Jung Chrottni“ . Diese Gruppe war über ca. 5 Jahre existent und nahm an verschiedenen auswärtigen Umzügen teil, wie z.B. in Brunnen, welcher sogar live im Fernsehen übertragen wurde.
Zum 25-jährigen Bestehen anno 2001, wurde ein Gratis Jubiläumsblatt herausgegeben.
Doch leider 2001/ 2002 erlag die FGF fast einem Zusammenbruch und war kurz vor dem Auflösen der Gesellschaft. Mit Bruno Bless, Berni Hilty, Max Schlegel, Roman Föllmi, Max Schrepfer, Monika Sennhauser und dem neu gewählten Präsidenten Jimmy Brunner fand sich ein neuer Vorstand mit viel Tatendrang, um die FGF zu erhalten.
Im Jahre 2006, zum 30-jährigen Bestehen haben sich die damaligen Verantwortlichen etwas ganz spezielles ausgedacht. Am Fasnachtsmontag um 14 Uhr startete nicht wie üblich der Umzug, sondern auf dem Postplatz wurde eine Guggämäss abgehalten in Zusammenarbeit mit dem damaligen Pastoralassistenten. Es war ein einmaliges Erlebnis und wurde von vielen Zuschauern begeistert besucht. Mit Einzug der Dunkelheit um 18.00 Uhr begann dann der erste in der Region organisierte Nachtumzug.
Zum 35 jährigen Bestehen hat der damalige Präsident Pepe Bless die Dorfdekoration neu aufleben lassen. Die grosse Chrottni, welche von Heinz Achermann vor vielen Jahren mit Gips gegossen wurde, wurde als Vorlage genutzt, um mit Kunstharz eine leichte Maske daraus zu kreieren. Die Masken wurden gegossen, gemalt und mit Tuch versehen. Als unermüdliche Produzenten sind hier ein Teil der Flumser Bevölkerung und der FGF-Vorstand zu nennen. Viele Stunden wurden investiert, die sich aber schlussendlich gelohnt haben. Diese neuen Kreationen dekorieren nun an den Strassen-kandelabern längs der Bahnhofstrasse das fasnächtliche Flums. Als weiterer Höhenpunkt organisierte die FGF 2011 wiederum einen Nachtumzug.
Seit 2014 steht die FGF wieder in einem Wandel. Die FGF ist nach dem Rücktritt von Pepe Bless ohne Präsident, auch über einen gewählten Aktuar verfügt die FGF nicht. Die Ämter werden von zur Zeit noch 6 Vorstandsmitglieder mit immensem Aufwand bewältigt.
An der Fasnacht 2015 wurde die Zusammenarbeit mit verschiedenen dorfeigenen Vereinen gesucht und glücklicherweise auch gefunden. Diese Vereine werden nun an der Fasnacht zusammen mit der FGF ein grosses Zelt auf dem Postplatz betreiben. Jedoch hat der Vorstand der FGF vieles alleine zu tragen, was die Organisation von Umzügen, Kinderfasnacht usw. betrifft.
Zum 40 Jahr- Jubiläum startet am 16. Januar 2016 um 18.40 Uhr der 3. Nachtumzug. Für diesen Jubiläumsumzug wurde aus erwähntem Personalmangel heraus, ein separates OK gebildet. Damit konnten die Arbeiten auf mehrere Schultern verteilt werden.
Die Fasnacht 2016 ist soweit sichergestellt, dies mit der Unterstützung vieler jahrelang treuer Helfer.
Viele die hier aufgeführten Personen weilen nicht mehr unter uns, alle erhalten unseren grossen Respekt und die Anerkennung für das Geleistete zur Erhaltung einer Tradition, welche die Bewohner in Flums zusammenführt. Es kommt nicht von Ungefähr, dass Flums inkl. Sarganserland 2012 als eine der wichtigsten lebendigen Traditionen im Kanton St. Gallen gewählt wurde und als internationales Kulturerbe gilt.