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Monatsinterview mit IM Roland Ekström – «Ich mag Spieler mit extremen Spielstilen»
von Felix Hindermann
fh - Um den viermaligen Schweizer Meister (1988, 1999, 2001, 2008) IM Roland Ekström wurde es schachlich gesehen zuletzt ruhiger, ist er doch vor einigen Jahren aus Steuergründen nach Swieqi auf Malta ausgewandert und widmet sich seither primär dem Poker. Aufgrund der stetig steigenden Kosten erwägt er jedoch einen erneuten Umzug.
Welche Schachfigur spiegelt Ihren Charakter am besten wider und weshalb?
Als erstes kam mir der Bauer in den Sinn, dann keine Figur, ich bin ich.
Welche Person(en) hat (haben) Sie am meisten geprägt? In schachlicher Hinsicht?
Zuerst spielte ich mit meinem Vater, und vor 50 Jahren bin ich einem Schachklub beigetreten. Wir spielten jeden Freitag in jeweils zehn Gruppen, allerdings stets ohne Trainer. Nach einem Jahr zeigte ein stärkerer Spieler im Klub uns Junioren eine Partie (das war auch der einzige Partie, die in 35 Jahren vorgeführt wurde). Ich erinnere mich an die ersten Züge 1. e4 e5 2. Sc3, als plötzlich ein Junior den Arm streckte und fragte «Wieso nicht 2. Sf3?». Die Antwort des erfahrenen Spielers war, dass man sich vor dem Angriff zuerst verteidigen sollte. Zu dieser Zeit stellte niemand die Frage nach einem Trainer, in anderen Klubs war es dasselbe. Schweden war zu dieser Zeit ein schachliches Niemandsland. Ich mochte Spieler mit einer extremen Spielweise wie Tal (aggressiv), Andersson («rock-solid») und später Niklaus Giertz (symmetrisch solange wie möglich), hatte aber kein bestimmtes Vorbild. Tugenden wie Logik, Kampfgeist, Mut oder der Sinn für Gefahren gingen in den letzten Jahren den Leuten aus irgendeinem Grund abhanden. Daher mag ich: Den Kampfgeist von Viktor Kortschnoi, Robert Hübner für sein logisches Denken und Tigran Petrosjan wegen seines Gefühls für Gefahren. Fischer sagte über den ehemaligen Weltmeister Petrosjan, dass dieser ein unglaubliches taktisches Gespür habe und zudem würde er jedes Anzeichen für Gefahren bereits 20 Züge im Voraus riechen. Selber glaubte ich lange, was mir gesagt wurde, dass Robert Fischer verrückt wurde. Er hätte in den USA für den Rest seines Lebens ein Held sein können, aber er wollte nicht mit den bösen Jungs («evil boys») kooperieren. Das war für diese beschämend, sodass sie alles daran setzten seinen Ruf zu zerstören. Die Filme über ihn geben vor, objektiv zu sein (beispielsweise «Pawn Sacrifice»), dennoch versuchen sie, pathetische Informationen zu verbreiten, dass Weltmeister einem hohen Risiko ausgesetzt sind, verrückt zu werden, weil es so viele Varianten im Schach gibt.
Welche Rolle spielt Schach in Ihrem Leben?
Zurzeit keine wichtige Rolle – in Malta gibt es nicht viele Möglichkeiten zu spielen.
Wie erklären Sie einem Laien die Faszination des Schachspiels?
Ich mag, dass man im Schach nicht lügen kann.
Der Schweizerische Schachbund leidet seit Jahren an einem Mitgliederschwund – mit welchen Massnahmen würden Sie diesen Trend stoppen?
Vielleicht ist dieser Trend gar nicht zu stoppen. Im World Wide Web gibt es mittlerweile neben Schach unzählige andere Onlinespiele. Zudem ist es kein gutes Zeichen, wenn die Leute denken, man werde verrückt, wenn man Schach spiele.
Warum gibt es so wenig schachspielende Frauen?
Frauen neigen eher dazu, anderen Menschen zu helfen als diese zu schlagen.
Was und wann haben Sie zuletzt neu erlernt?
Vor fünf Jahren habe ich angefangen, mich für die (kommende) «Neue Weltordnung» (NWO) zu interessieren. Hierzu schaute ich einige hundert Videos an. Heute schrieb jemand: «Mach dir keine Sorgen, alles ist ausser Kontrolle!» (https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Weltordnung_(Verschw%C3%B6rungstheorie)
Für was können Sie sich begeistern?
Für nichts. Ich bin die meiste Zeit zufrieden, wenn ich nicht daran denke, was ich die letzten fünf Jahre gelernt habe.
Was stört Sie in der Schweiz? Was würden Sie ändern, wenn Sie könnten?
Ich würde die Neue Weltordnung ausladen. Ich glaube nicht, dass Petrosjan unserer Generation gute Noten gegeben hätte.
Welche Länder/Orte haben Sie bereist, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben – und warum?
Ich bin nicht viel gereist, eigentlich fast nie nur zum Zwecke der Erholung oder des Vergnügens. Manchmal bin ich nach einem Turnier ein paar Tage an einem Ort geblieben, das reichte mir. Schweizer Wälder sind die besten.
Welchen Traum würden Sie sich gerne noch erfüllen?
Es wäre ein Traum, falls jemand mir aufzeigen könnte, dass ich mich bezüglich der Pläne der Neuen Weltordnung irre.
Abschliessende Frage: Was sind Ähnlichkeiten/Unterschiede zwischen einem Leben als Schach- und als Pokerprofi?
Diese Frage sollte besser einem Schach- oder Pokerprofi gestellt werden. Robert Hübner würde vermutlich sagen: «Wir müssen zuerst definieren, was ein Profi ist.» Wo ist das grosse Geld («big bucks») im Schach? Schach kann ich als kleines Standbein ansehen. Ich finde nicht, dass ich ein guter Pokerspieler bin, ich habe vielleicht zufälligerweise mehr gewonnen als verloren. Aber um die Frage nach den Gemeinsamkeiten zu beantworten: Das Denken ist ähnlich (auch im realen Leben), zudem gibt es auch im Poker verschiede Varianten zu berechnen. Vor 30 Jahren schrieb John Nunn etwas in der Art von «manche Spieler können sich aus schlechten Stellungen herausmogeln, weil sie verstehen, dass sie mit normalem Spiel verlieren würden, daher ändern sie ihre Pläne.» Unterschiede: Im Schach gibt es sowohl weniger zu gewinnen als auch weniger zu verlieren. Während man im Poker viel mehr Geld gewinnen kann, aber auch dieses Geld regnet es nicht vom Himmel, das Preisgeld wird durch die Startgelder der Spieler generiert.
Roland Ekström im Porträt
Geburtsdatum: 22. Mai 1956.
Wohnort: Malta.
Beruf: Pokerprofi.
Titel: Internationaler Meister (seit 1982).
Grösste Erfolge: Schwedischer Juniorenmeister 1972, Schweizer Meister 1988, 1999, 2001, 2008, Schweizer Mannschaftsmeister 2013, 2014 (beide mit Réti), Team-Cup-Sieger 1989 (mit Basler Schachgesellschaft), GM-Normen bei der Europameisterschaft 2001 in Ohrid (Maz) und bei der Mannschafts-Europameisterschaft 2009 in Novi Sad (Ser).