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Sicherheitsanalyse zum Pferdesport in der Schweiz
Ausgangslage
Der Pferdesport unterscheidet sich von vielen Sportarten darin, dass er mit einem lebendigen Wesen ausgeübt wird. Das Pferd ist ein Flucht -, Herden - und Steppentier und agiert entsprechend. In der Schweiz reiten knapp 140 000 Personen im Alter von 10 bis 74 Jahren zumindest ab und zu. Rund 85 –95 % davon sind Frauen. Der Pferdesport ist mit seinen diversen Disziplinen sehr vielseitig und diese Vielseitigkeit spiegelt sich auch im Unfallgeschehen wider. In der vorliegenden Sicherheitsanalyse wird der Fokus auf die Verletzungen beim Freizeitreiten gelegt. Auf Pferdesportunfälle im Militär, bei der Berufsausübung, im Wettkampfbereich sowie beim Kutschenfahren wird nicht weiter eingegangen.
Unfallanalyse
In Korrelation mit der Häufigkeit der Sportausübung erleiden insbesondere die Frauen viele Verletzungen beim Pferdesport. Bei Frauen im erwerbstätigen Alter ist der Pferdesport nach dem Skifahren gar die Sportart mit den zweit meisten Verletzungen. Erwachsene Reiter (17 –64 Jahre) erleiden rund 3,5 Verletzungen pro 10 000 Stunden Ausübung. Absolut gesehen verletzen sich jährlich knapp 8000 Personen (ø 2006 –2010) der Schweizer Wohnbevölkerung so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Zudem starben in der Schweiz seit dem Jahr 2000 29 Personen bei der Ausübung des Pferdesports. Hier fällt auf, dass die Männer in Relation zum Anteil der Ausübenden und Verletzten bedeutend häufiger von tödlichen Unfällen betroffen sind als die Frauen. Die meisten Verletzungen und tödlichen Unfälle ereignen sich beim Reiten, hauptsächlich in Folge von Stürzen vom Pferd. Die Reitenden ziehen sich am häufigsten Verletzungen im Bereich des Rumpfs und der oberen Extremitäten zu. Kopfverletzungen machen jedoch den grössten Anteil der Verletzungen mit schweren oder gar tödlichen Folgen aus.
Risikofaktorenanalyse
Die Grösse, das Gewicht und die Trittkraft eines Pferdes vermögen Energien freizusetzen, die beim Menschen zu (schweren) Verletzungen führen können. Der Fluchtinstinkt sowie die Verteidigung des Pferdes mit Huftritten und Bissen bergen Gefahren. Viel Erfahrung, Übung und Wissen sind daher Voraussetzung für einen sicheren Umgang mit dem Pferd. Gerade deshalb haben ungeübte Reitende ein höheres Verletzungsrisiko. Aber auch junge und noch nicht ausreichend ausgebildete Pferde bergen ein erhöhtes Unfallrisiko. Dasselbe gilt für falsche oder mangelhafte Ausrüstung sowie den falschen Umgang damit. Wird zudem die erforderliche Schutzausrüstung nicht getragen, so haben Stürze eher gravierende Folgen. Die Schutzwirkung der Ausrüstung ist von grosser Bedeutung. Bei fehlender Aufsicht von Kindern und Ungeübten steigt die Verletzungsgefahr ebenfalls an. Schliesslich können auch infrastrukturelle Faktoren und die Wahl der Reitumgebung das Risiko massgeblich beeinflussen.
Präventionsempfehlungen
Um das Verletzungsrisiko beim Reiten zu reduzieren, bieten sich diverse Präventionsmassnahmen an. Ein Kurs besuch ist beim Erlernen des Reitens von grosser Bedeutung. Zudem ist es empfehlenswert, das Reiterbrevet zu absolvieren. Aber nicht nur die Reitenden, sondern auch die Pferde benötigen eine gute Ausbildung, damit der Umgang mit ihnen möglichst sicher ist. Die Qualität des Reitunterrichts könnte mit einem Label «Sichere Reitschule » gefördert werden. Ein solches Qualitätslabel würde auch die Möglichkeit bieten, eine gute Haltung und Schulung der Pferde, die Verwendung guter und korrekter Ausrüstung für Pferd und Reiter, eine gute Aufsicht der Kinder und Anfänger sowie eine sichere Infrastruktur in Reitschulen/ -höfen zu garantieren. Anstrengungen zur Verbesserung der baulichen Sicherheit von Stallungen und Reitsportanlagen helfen, Verletzungen von Pferden und Menschen zu verhindern. Eine artgerechte Haltung der Pferde spielt dabei eine wichtige Rolle. Aktivitäten im Rahmen der Produktesicherheit sorg en zudem dafür, dass nur Material auf den Schweizer Markt kommt, das den Sicherheitsvorgaben entspricht. Eine verbesserte Wirkung der Schutzausrüstung und Erhöhung der (Trag-)Akzeptanz sind ebenso erstrebenswert. Reglemente und Weisungen stellen eine effiziente Möglichkeit dar, mit bestimmten Massnahmen (z. B. Reithelmtragen) mehr Wirkung zu erzielen. Durch Informationsanstrengungen sollten Reitende für einen sicheren Umgang mit dem Pferd, das Tragen der korrekten (Schutz-)Ausrüstung, die Verwendung der richtigen Ausrüstung für das Pferd und den Umgang damit sowie für die Wichtigkeit der physiologischen Fitness sensibilisiert werden. Reitlehrpersonen und Eltern sollten sich zudem bewusst sein, dass Kinder und Anfänger nie unbeaufsichtigt gelassen werden dürfen. Die sichere Gestaltung und die Wahl einer adäquaten Reitumgebung sind weitere Themen, auf die Reitlehrpersonen, Reitende und Pferdehalter hingewiesen werden sollten.