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Nach einem Schlaganfall ist das Risiko hoch, erneut daran zu erkranken. Ein Bluttest könnte dies in Zukunft verhindern.
Schlaganfälle sind häufig und ihre Folgen gravierend. In der Schweiz ereignet sich alle 35 Minuten ein Schlaganfall, das sind 16 000 pro Jahr. Ein Viertel der Betroffenen verstirbt, 35 Prozent bleiben nach dem Ereignis dauerhaft physisch und/oder mental eingeschränkt. Beim Ischämischen Schlaganfall – der überwiegenden Form des Schlaganfalls – blockieren ein Blutgerinnsel oder atherosklerotischer Plaque plötzlich die Blutzufuhr zu einer Gehirnregion und verhindern damit die lebenswichtige Versorgung mit Sauerstoff und Glucose.
Jeder fünfte der betroffenen Patient*innen erleidet innerhalb von vier Jahren nach dem Ereignis einen erneuten Schlaganfall. Das macht die Tatsache, bereits einen Schlaganfall erlitten zu haben, zum grössten Risikofaktor. Die Sekundärprävention, also das Verhindern eines erneuten Schlaganfalls, ist darum entscheidend. Dabei ist es wichtig, die individuelle Ursache zu identifizieren, die bei einem Patienten zur Blockade der Durchblutung geführt hat. Beispiele dafür sind eine Erkrankung des Herzens sowie der grossen oder der kleinen Blutgefässe. In 30% der Fälle kann die Ursache eines Schlaganfalls aber trotz intensiver Abklärungen nicht eindeutig festgestellt werden.
Das Forschungsteam um Mira Katan, Oberärztin der Klinik für Neurologie am USZ, möchte mit der MOSES-Studie mehr Patient*innen eine spezifisch für Sie wirksame Therapie zukommen lassen. Ziel der Studie ist es zu zeigen, dass mit Hilfe eines Blutbiomarkers diejenigen Patient*innen identifiziert werden können, die mehr von einer Behandlung mit neuen blutverdünnenden Medikamenten profitieren als von der Standardtherapie. Ein Biomarker ist ein Charakteristikum, welches messbar ist und als Indikator für normale und/oder krankhafte biologische Prozesse dient. «Eine Erkrankung des linken Herzvorhofs stellt ein hohes Risiko für einen Schlaganfall durch Blutgerinnsel dar. Bei einer früheren Studie identifizieren wir einen Blutbiomarker der hochgradig mit einer Erkrankung des Herzvorhofes zusammenhängt. Der Plan ist, dass der Marker die Erkrankung auch dann anzeigt, wenn diese in der klassischen Diagnostik initial im Spital noch nicht bestimmt werden konnte. Falls wir das schaffen, könnte man einer grösseren Patientengruppe eine massgeschneiderte Therapie zukommen lassen, um erneute Schlaganfälle zu verhindern», beschreibt Mira Katan das Vorhaben. «Wir konnten in Derivations- und Validationsstudien bereits beweisen, dass der Biomarker sehr zuverlässig funktioniert und sichere Resultate liefert. Nun befinden wir uns in der letzten Studienphase vor einer möglichen klinischen Einführung».
Die mit Hilfe dieses Biomarkers gesteuerte Therapieentscheidung wäre ein Meilenstein in der Verhütung von Schlaganfällen. Dazu kommen aber noch weitere Vorteile. «Der Biomarker ist schnell und objektiv messbar, was die Ergebnisse weitgehend untersucherunabhängig macht», erklärt Mira Katan, «Den Patienti*innen wird dazu lediglich Blut abgenommen. Es ist also eine sehr einfache, schnelle und schonende Methode. Und nicht zuletzt ist sie im Vergleich zu anderen diagnostischen Verfahren kostengünstig».
Mira Katan, Oberärztin der Klinik für Neurologie