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Drehen wir das Rad der Zeit um neunzig Jahre zurück: Konrad Akert wächst in Zürich Aussersihl auf und darf die Ärztin des Quartiers bei ihren Hausbesuchen begleiten. Er ist fasziniert von ihrer Arbeit und weiss schon jetzt: Ich will Arzt werden. Das einzige Kind wird von der Mutter gefördert, der Vater ist viel auf Reisen und bleibt für das Kind eher im Hintergrund.
Konrad Akert studiert Medizin in Zürich und schreibt seine Dissertation bei dem Nobelpreisträger Walter Rudolf Hess. 1951 geht er in die Vereinigten Staaten.
Herr Akert, was zog Sie nach Amerika?
Ich schrieb gerade meine Dissertation über das optomotorische System von Forellen und wollte herausfinden, warum die Forelle, trotz Brechung an der Wasseroberfläche, ein über ihr fliegendes Insekt schnappen kann. Die finanzielle Situation war für mich schwierig, damals war die Hirnforschung noch nicht so populär wie heute. Als ich per Zufall einem Agenten der Rockefeller Stiftung mein Projekt vorstellte, gewährte er mir ein grosszügiges Stipendium, weil er meinen Ansatz interessant fand - vielleicht lag es auch daran, dass der Mann passionierter Forellenfischer war! Aus Dank beschloss ich später, meine Laufbahn in Amerika fortzusetzen.
Konrad Akert wird 1953 Professor für Physiologie und Anatomie an der University Wisconsin, Madison und arbeitet als Gastprofessor an der Stanford University und am National Institute of Health Bethesda. 1961 wird er Professor für Hirnforschung an der Universität Zürich.
Was zog Sie nach Zürich zurück?
Ich bekam einen Ruf nach Zürich und man stellte mir in Aussicht, etwas ganz Neues aufzubauen. Auf der Suche nach einem Standort offerierte mir Manfred Bleuler, Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli, eine Wiese als Baugrund. Nach einem Jahr konnten wir das Gebäude beziehen und erhielten zusätzlich vom Kantonsrat einen Kredit von einer Million Franken.
Das Institut für Hirnforschung der Universität Zürich erlangte unter der Leitung von Konrad Akert einen hervorragenden Ruf. So war er einer der ersten, die das Elektronenmikroskop für die Aufklärung der Feinstruktur von Nervengewebe benutzte. Im Laufe seiner mehr als dreissigjährigen Tätigkeit als Forscher, Institutsleiter und akademischer Lehrer wurde das Institut zu einem Anziehungspunkt für ausländische Gastwissenschaftler. Aus der Schule Akert sind viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hervorgegangen, die in aller Welt Professuren bekleideten.
Sie wurden mit 65 Jahren – wenn andere in Pension gehen – der erste vollamtliche Rektor der Universität Zürich. Was hat sie an dieser Aufgabe gereizt?
Ich wollte eigentlich gar nicht Rektor werden, habe mich aber von meiner Vorgängerin, Verena Meyer, dazu überzeugen lassen – und ich habe es nicht bereut. Verena Meyer hat mich – vor allem zu Beginn meiner Amtszeit – unterstützt, dafür bin ich ihr heute noch sehr dankbar. Als Rektor bereitete ich mich stets gut auf Berufungsverhandlungen vor. Damals entschied noch die Hochschulkommission, doch meine Voten habe ich immer gut begründet. Dazu besuchte ich Vorlesungen der Kandidaten und fragte die Studierenden nach ihrer Meinung. Eine Fehlbesetzung sollte es bei mir nicht geben.
Vorgesetzter von Konrad Akert war Regierungsrat Alfred Gilgen, damaliger Leiter der Erziehungsdirektion. Hatte Rektor Akert ein Anliegen, das die Erziehungsdirektion betraf, besprach er dieses immer persönlich mit Regierungsrat Gilgen, niemals per Telefon.
Alfred Gilgen hatte in seiner Amtszeit auch mit Studierendenprotesten zu tun. Wie erlebten Sie die Studentenschaft zur Ihrer Zeit als Rektor?
Die Studierenden waren sehr solide. Die 68er waren nicht mehr aktiv. Ich setzte mich damals für eine eigene Körperschaft für die Studierenden ein. Die juristischen Grundlagen waren erarbeitet, der Senat stimmte zu. Leider ist die Vorlage dann im Kantonsrat abgeblitzt. Das war traurig.
Konrad Akert setzte sich in seiner Amtszeit intensiv für die Förderung des Nachwuchses ein. Gute Dissertationen sollten auch belohnt und unter dem Namen des Verfassers in den entsprechenden Journals veröffentlicht werden. Zudem gründete er eine Stiftung für Studentisches Wohnen und reorganisierte die Zentrale Universitätsverwaltung, wo er unter anderem einen Verwaltungsdirektor einsetzte.
Können Sie Hühner hypnotisieren?
Ach, Sie sprechen mich auf den «Rektorkaffee» an. Ich habe mich jeweils am Mittwoch Vormittag mit einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von der Universitätsverwaltung zum Kaffee getroffen. Dabei sollte reihum jeder eine Viertelstunde etwas Interessantes erzählen. Als ich an der Reihe war, habe ich ein Huhn mitgebracht und es hypnotisiert. Das hatte ich zuvor schon oft meinen Studierenden in den Vorlesungen gezeigt. Man muss dazu das Tier nur richtig halten. Meine Mitarbeiter waren auf jeden Fall beeindruckt.
An was erinnern Sie sich gerne zurück, wenn Sie an Ihre Amtszeit denken?
An ein Symposium über Georg Büchner. Der Dichter Büchner war Naturforscher und forschte über Fische. 1836 bekam er die Doktorwürde der Universität Zürich verliehen und wurde hier Privatdozent. In seinen Kursen erläuterte er die Anatomie von Fischen und Amphibien. In meine Amtszeit fiel der 150zigste Todestag von Büchner und ich wollte einen würdigen Anlass daraus machen. Als Gastredner hatten wir Friedrich Dürrenmatt vorgesehen. Also fuhren der Germanist Peter von Matt und ich nach Neuchâtel zu Friedrich Dürrenmatt. Er sagte zu, die Gastrede zu halten. Allerdings erhielt er dann drei Wochen vor der Tagung einen deutschen Literaturpreis (Jean-Paul-Preis) und wurde selber etwa zur gleichen Zeit geehrt. Da habe ich kurzerhand Golo Mann gefragt und er hat die Ansprache gehalten. Das war dann auch sehr gut.
Anlässlich des 90. Geburtstags von Altrektor Konrad Akert findet heute, 28. Mai 2009, 17.00 Uhr, im Theatersaal an der Universität Zürich Irchel eine öffentliche Feier statt.
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