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In den letzten drei Artikeln zur gewaltfreien Kommunikation haben wir uns mit damit beschäftigt, was wir beobachten, fühlen und brauchen. Wir haben gelernt, all das anzuwenden, ohne zu kritisieren, beschuldigen, analysieren oder diagnostizieren.
Damit laden Sie zu Einfühlsamkeit ein und reduzieren die Chance, dass Ihnen Widerstand entgegenweht.
Heute geht’s nun darum, wie Sie eine Bitte formulieren können, damit bei Ihrem Gegenüber die Bereitschaft steigt, einfühlsam darauf zu reagieren.
Bei der Formulierung einer Bitte sollten Sie Folgendes berücksichtigen:
Dass Ihre Bitte eine konkrete Handlung, die Sie sich wünschen, enthält. Denn vage Äusserungen z.B. das Bitten um Gefühle oder Wesenszüge, die wir uns von einer Person wünschen, verwirren uns, weil wir alle etwas anderes darunter verstehen und noch immer nicht wissen, was wir tun sollen. Folgende Beispiele veranschaulichen den Unterschied.
Vage Äusserung: «Bitte respektiere meine Privatsphäre.»
Konkrete Äusserung: «Ich möchte gerne deine Zustimmung dafür, dass du an meine Tür klopfst, bevor du in mein Zimmer kommst.»
Weiter soll die Bitte positiv formuliert sein, d.h. Sie sollen das benennen was Ihr Gegenüber tun soll und nicht das, was er nicht tun soll.
Negativ formuliert: «Wir möchten uns von Ihnen nicht vorschreiben lassen, was wir tragen sollen.»
Positiv formuliert: «Wir möchten Sie bitten, einer Schülerinnenvertretung bei Entscheidungen über die Kleidung zuzustimmen.»
Was unterscheidet denn nun eine Bitte von einer Forderung?
Einerseits unterscheidet sich eine Bitte von der Forderung in der Formulierung der Bitte. Also wenn wir unsere Gefühle und Bedürfnisse in einer Formulierung äussern und ausserdem um eine konkrete Tätigkeit bitten, entspricht die Formulierung schon eher einer Bitte.
Ihre Reaktion auf die Antwort des Gegenübers ist schlussendlich ausschlaggebend, ob Ihre Formulierung als Bitte oder Forderung verstanden wird:
Wenn der Sprecher oder die Sprecherin auf die Antwort des Gegenübers mit Vorwürfen, Verdächtigungen, Bestrafungen oder dem Erzeugen von Schuldgefühlen reagiert, entspricht die Bitte einer Forderung.
Hier ein Beispiel dazu:
Max hat Marta darum gebeten, den Abend mit ihm zu verbringen, weil er sich einsam fühlt. Martha hat geantwortet, dass sie sehr müde sei und schlägt ihm vor, dass er doch einen Freund oder eine Freundin um Gesellschaft bitten soll. Wenn sich Max daraufhin wortlos wegdreht oder behauptet, dass sie ihn wohl nicht genug liebe, wenn sie lieber den Abend allein verbringe, erzeugt er bei Martha Schuldgefühle. Seine Bitte entspricht also einer Forderung.
Wenn die Sprecherin oder der Sprecher auf die Antwort des Gegenübers einfühlsam reagiert, auch wenn es nein sagt, ist es eine Bitte.
Ein zweites Beispiel hierzu:
Max reagiert auf die oben genannte Aussage von Martha so: «Bist du erschöpft und brauchst heute Abend etwas Ruhe?» Er versucht also das Bedürfnis von Martha und ihre Gefühle wahrzunehmen anstatt Ihr eine andere, böse Absicht zu unterstellen.
Das bedeutet, ob eine Botschaft als Bitte oder Forderung verstanden wird, ist auch von der Absicht der Sprecherin oder des Sprechers abhängig. Wenn unser Ziel hinter einer Bitte darin besteht, andere Leute und ihr Verhalten zu ändern oder unseren Willen durchzusetzen, dann greift die gewaltfreie Kommunikation nicht.
Das Ziel einer Bitte im Sinne der gewaltfreien Kommunikation ist, eine Beziehung zu schaffen, deren Basis Offenheit und Mitgefühl ist, so dass langfristig die Bedürfnisse aller involvierten Personen erfüllt werden.
Und nun wünschen wir Ihnen geselliges Üben und Anwenden der gewaltfreien Kommunikation. Und seien sie nicht enttäuscht, wenn es einige Anläufe und Reflexionsmomente braucht. Das ist völlig normal, wenn wir etwas so Alltägliches und Angelerntes wie Kommunizieren verändern wollen.
Das Einzige was zählt, ist der Versuch!