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Auf das über den diplomatischen Weg zugestellte Schreiben der deutschen Bundesregierung, das Umweltminister Jürgen Trittin verfasst hatte und dem eine technische Dokumentation beilag, werde er nicht antworten. Sein Land habe ein souveränes Recht auf eine eigene Energiepolitik, betonte Zeman am 18. Juli 2001 vor den Medien in Prag. Seine Regierung habe keine Veranlassung, an der Sicherheit und Umweltverträglichkeit von Temelin zu zweifeln. Sie habe schon mehrfach bestätigt, sie werde sich nach den Berichten richten, die im Rahmen des im österreichischen Melk mit Nachbarländern und der Europäischen Union vereinbarten Verfahrens vorbereitet würden.
Stark unterstützt wurde diese Haltung am gleichen Tag vom Präsidenten der World Nuclear Association (WNA, früher Uranium Institute) in London, dem Amerikaner John Ritch: "Seit zwei Jahren sieht die Weltöffentlichkeit zu, wie eine ideologisch geführte Energiepolitik Deutschland vom Weg der Vernunft weg und hin zu den Phantasien der Grünen über eine von Fahrrädern, Solarpanels und Windmühlen angetriebene Welt führt. Inzwischen glaubt kein seriöser Fachmann mehr, dass Deutschland seine CO2-Reduktionszie-le ohne die saubere Kernenergie erreichen kann, die Herr Trittin so entschlossen zerstören möchte. Es ist traurig genug, dass die Launen der Koalitionspolitik es Herrn Trittin erlauben, seine Minderheitsideologie in Deutschland durchzusetzen. Es gibt keinen Grund, weshalb die Welt stumm zuschauen sollte, wenn er versucht, ähnlichen Schaden in einem souveränen Nachbarland anzurichten." John Ritch erinnerte an die wiederholten Sicherheits- und Umweltüberprüfungen von Temelin durch die Internationale AtomenergieOrganisation (IAEO), die West European Nuclear Regulators Association (WENRA) und die Atomic Questions Group (AQG) der EU-Kommission: "Keine dieser Gruppen fand in Temelin ein Problem, das nicht durch normale Sicherheitsverfahren zu lösen wäre. Die beispiellos gründliche Überprüfung hat zu einem starken, positiven Ergebnis geführt ... Während Herr Trittin über eine saubere Energiezukunft plaudert, sucht die tschechische Regierung sie zu verwirklichen. Deutschland sollte das Gleiche tun."
In einem offenen Brief antwortete Frantisek Hezoucky, zuständiges Mitglied der Geschäftsleitung der tschechischen Kraftwerksgesellschaft CEZ als Betreiberin von Temelin, Minister Trittin am 24. Juli 2001. Hezoucky bedauert, dass sich der deutsche Umweltminister in seinem Vorstoss nicht an die Fakten halte, ob-schon ihm das Gutachten der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) und weitere Berichte vorlägen: "Leider bin ich gezwungen festzustellen, dass Ihre Schlussfolgerungen gar nicht in Übereinstimmung mit den bestehenden Materialien sind." Durch die unrichtige Interpretation und die Entstellung der Fakten schädige Minister Trittin den Ruf von Temelin und der CEZ. Im technischen Teil seines Briefs erinnert Hezoucky an den am 6. November 2000 durch die GRS an der Eurosafe in Köln veröffentlichten Bericht über ihre Sicherheitsüberprüfung. Die GRS habe keine Probleme entdeckt und somit entgegen Trittins Behauptung keine begründbaren Zweifel an Temelin vorgebracht. Die AQG der EU-Kommission habe laut ihrem im Juni 2001 publizierten Bericht in Temelin ebenfalls keine technischen Probleme gefunden, die einer Inbetriebnahme entgegenstünden. Sie habe nur - ähnlich wie die GRS - festgestellt, dass zur Parallelführung bestimmter hochenergetischer Leitungen und der Qualifikation gewisser für die Sicherheit wichtiger Ventile die technische Begründung nicht ausreiche. Die CEZ werde diese Begründung nachreichen und sei bereit, mit der GRS darüber zu diskutieren. Irreführend sei Trittins Aussage, Temelin entspreche nicht den deutschen Vorschriften, und vollständig unrichtig sei seine Behauptung, das Kernkraftwerk wäre nach internationalen Standards nicht zu bewilligen. Auch Trittin dürfte bekannt sein, dass es keine solchen internationalen Standards gebe, aber die GRS in ihrem Bericht festgestellt habe, in den meisten Bereichen würden die Sicherheitsnormen anderer westeuropäischer Länder beziehungsweise der amerikanischen Nuclear Regulatory Commission befolgt. Zu den auslegungsüberschreitenden Unfällen schliesslich verweist Hezoucky auf die überprüfte Tatsache, dass Temelin alle tschechischen Vorschriften erfülle und diese wahrscheinlich viel strenger seien als die entsprechenden deutschen Regelwerke. Im übrigen wiederhole Trittin unkritisch Argumente aus Österreich, auf die schon im Rahmen des Melker Abkommens ausführlich geantwortet worden sei.
Nach einer Unterbrechung zur Behebung von Problemen mit der Turbogruppe (Vibrationen und Austausch von Ventilen durch Skoda) ist der Probebetrieb von Block 1 des Kernkraftwerks Temelin am 12. August wieder aufgenommen worden.
Quelle
P.B. nach NucNet vom 18., 19. und 27. Juli sowie Mitteilungen der CEZ und der WNA