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Studien
Tiere im Lärm
Auswirkungen und Anpassungsmöglichkeiten
Für viele Tiere spielen akustische Informationen eine wichtige Rolle. Geräusche dienen als Kommunikationsmittel für diverse Zwecke wie der Partnersuche oder der Revierabgrenzung. Zudem ist Schall eine wichtige Orientierungshilfe besonders für nachtaktive Tiere oder Meeressäuger und Fledermäuse, welche Echolot benutzen. Die verschiedenen Arten haben im Verlaufe der Zeit gelernt, mit der mitunter sehr lauten natürlichen Geräuschkulisse umzugehen. Aber wie sieht es mit menschlichem Lärm aus, welcher in den letzten Jahren stark zugenommen hat?
Die Wirkungen von Lärm sind sehr komplex.
Bild, verändert: C. D. Francis (2009)
Auswirkungen von Lärm
Die Schädlichkeit des Lärms hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Je nach Art, individueller Erfahrung, Lebensphase, Habitat und Eigenschaften des Lärms sind verschiedene Auswirkungen zu beobachten. Es kann sogar sein, dass Lärm indirekt eine positive Wirkung auf eine Art hat, wenn dadurch deren Hauptfeind oder Konkurrenz verschwindet. (siehe Grafik)
Mögliche schädliche Folgen sind Störungen der Orientierung und der Kommunikation (Maskierung), Scheucheffekte und diverse anatomisch-physiologische Effekte wie Gehörschäden oder erhöhter Blutdruck.
Reaktionen und Anpassungen
Beschränkt sich die negative Wirkung des Lärms auf das Maskieren von Kommunikationssignalen und ist er ansonsten erträglich, ist es dank flexiblen Verhaltensweisen und plastischem Phänotyp manchen Tieren durchaus möglich, damit zurechtzukommen. Allerdings verfügen nicht alle Arten über solche Fähigkeiten. Ihnen bleibt dann nur noch eine Reaktion via Evolution. Sind auch die Voraussetzungen für eine Evolution nicht gegeben, wird die Art bei zu grosser Lärmbelastung lokal aussterben.
Um die Kommunikation trotz Lärm aufrechtzuerhalten und damit indirekt das Überleben der Population zu sichern, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Erhöhen der Lautstärke des Signals
- Optimale Frequenzhöhe wählen
- engere Frequenzbandbreite wählen
- Verlängern des Signals
- Erhöhen der Rufrate/Repetition des Signals
- Zeitpunkt verschieben und in lauten Phasen kein Signal aussenden
- Den Kommunikationskanal selbst verändern
Artbildung aufgrund von Lärm
Eine Art kann sich unter bestimmten Umständen in zwei verschiedene Arten aufspalten. Für eine solche Entwicklung müssen allerdings sehr viele Voraussetzungen erfüllt sein. Dennoch ist das Potenzial vorhanden, dass es aufgrund von Lärm zu einer Aufspaltung einer Art kommt, besonders wenn eine Art grösstenteils isolierte Populationen in verschiedenen Gebieten, zum Beispiel in der lauten Stadt und im ruhigeren Wald, aufweist. Eine tatsächliche Aufspaltung in zwei Arten aufgrund von Lärm wurde zwar noch nie beobachtet. Dennoch gibt es schwache Hinweise darauf, dass solche Prozesse im Gange sind.
Schlussfolgerungen
Die Schutzmassnahmen im Umweltschutzgesetz und der Lärmschutzverordnung beziehen sich beim Thema Lärm hauptsächlich auf den Menschen. Ein Grund für das Fehlen eines entsprechenden Schutzes der Tiere könnte sein, dass immer noch relativ wenig über die komplexen Auswirkungen von Lärm bekannt ist. Obwohl die Anzahl Studien zum Thema in den letzten Jahren zugenommen hat, braucht es unbedingt noch mehr Untersuchungen.
Dennoch ist es bereits heute eine Tatsache, dass Lärm für einige Arten sehr schädlich sein kann. Diese Tiere sollte man wo immer möglich schützen. Dazu eignen sich Massnahmen an der Quelle, das Bündeln von Lärm, das Einrichten von Ruhezonen oder das Anbieten von Ausgleichsgebieten. Denn nur so kann garantiert werden, dass uns auch in Zukunft eine vielfältige und gesunde Natur erhalten bleibt.