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Die meisten Kinder hassten es, kotzten es auf den Tisch, warfen mit dem Löffel nach ihrer Mutter oder verkrochen sich in der Waschküche. Ab 1929 wurden Millionen von Kindern mit dieser braunen Pampe zwangsernährt, eine pädagogisch umstrittene Form des Waterboardings. Schuld daran war der amerikanische Comic-Zeichner Elzie Crisler Segar, der den prügelnden Seemann Popeye erfand, der zur Stärkung jeweils eine Büchse Spinat verdrückte.
Als Fleisch während des Zweiten Weltkriegs Mangelware wurde, empfahl man den Soldaten Spinat. Denn Wissenschaftler glaubten, dass der hohe Eisengehalt von 35 Milligramm die Muskeln stärke. In den USA stieg der Spinatkonsum um ein Drittel, und Popeye erhielt in der texanischen Spinathochburg Crystal City ein Denkmal.
Erst im Erwachsenenalter erfuhren die einst traumatisierten Spinatleugner, dass der Eisengehalt pro hundert Gramm nicht 35 Milligramm beträgt, sondern lediglich 3,5 Milligramm. Eine Legende besagt, dass der Schweizer Physiologe Gustav von Bunge 1890 den Eisenwert zwar korrekt berechnet hatte, aber dass er für seine Untersuchungen getrockneten Spinat benutzt hatte.
Frischer Spinat hat einen Wassergehalt von rund 90 Prozent und somit nur gerade 3,5 Prozent Eisen. Da Wissenschaftler unfehlbar sind, schob man die Schuld auf eine Sekretärin, die sich angeblich um eine Kommastelle verhauen hatte. Im Zug der Political Correctness wurde aus dem Fräulein ein Laborant.
Obwohl die Menschen in Europa noch nie so alt wurden, warnen uns regelmässig neue Studien vor dem Genuss einzelner Nahrungsmittel. Jede Studie empfiehlt eine andere tolerierbare Tagesmenge. Mal betrifft es Eier, Erdnüsse, Kaffee, manchmal Rotwein, wobei hier die schädliche Tagesmenge davon abhängt, ob die Studie in einem Weinland durchgeführt wurde. Mediziner in Katalonien empfehlen maximal 70 Gramm Alkohol pro Tag, in Deutschland liegt die empfohlene Obergrenze bei 20 Gramm.
Soeben publizierten die sieben grossen ernährungswissenschaftlichen Institutionen die Mutter aller Studien und kamen zum Schluss: alles Chabis. Die Einteilung in gesunde und ungesunde Lebensmittel sei nicht mehr zeitgemäss.
Wahrscheinlich ist es unserer Unkenntnis geschuldet, dass wir uns überhaupt noch ernähren.
© Blick 4. Oktober 2019, Kolumne 46