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Viele Watvögel ziehen im Frühjahr in die Arktis, weil sie dort ideal Brut- und Fressbedingungen vorfinden. Ein weiterer Grund war früher ein niedrigeres Risiko, die Brut an Räuber zu verlieren. Doc dieses Risiko ist nun in den letzten Jahrzehnten massiv angestiegen, wie ein internationales Forschungsteam herausgefunden hat. Die Gründe dafür sind jedoch noch nicht bekannt. Die Daten zeigen aber, dass wohl der Klimawandel eine nicht unwesentliche Rolle dabei spielt.
Historisch gesehen war das Risiko, dass ein Nest Vogels geplündert wurde, in den Tropen immer höher als in der Arktis. Der wahrscheinlichste Grund dafür war die höhere Zahl potentiellen Räubern. Das mag ein Grund dafür gewesen sein, dass viele Watvogelarten in den hohen Norden ziehen, um ihre Nester zu bauen und ihre Junge grosszuziehen. Nun hat aber ein internationales Forschungsteam herausgefunden, dass die Rate der täglichen Nestplünderung global gesehen angestiegen ist. Vor allem in der Arktis ist das Risiko in den letzten 70 Jahren um das Dreifache angestiegen. Auch im gemässigten Norden (Europa, Nordamerika, Asien) ist das Risiko gestiegen, aber «nur» um das Doppelte. Damit sind die Populationen von Watvögeln weiter unter Druck geraten, da die Erwachsenen weltweit schon unter Verlust des Lebensraumes, Jagd und Verschmutzung leiden. Arten wie Regenpfeifer und Löffelstrandläufer, die schon als stark gefährdet gelten, könnten dadurch noch schneller verschwinden. Die Autoren untersuchten die Daten von über 38'000 Nestern von 111 Arten an 149 Orten auf allen Kontinenten und veröffentlichten ihre Daten in der renommierten Fachzeitschrift Science.
Die Gründe für dieses höhere Risiko sind noch nicht hinreichend bekannt. Die Autoren der Studie vermuten, dass eine Veränderung der Nahrungsgewohnheiten bei den Räubern einer der Gründe sein könnte, oder die Zusammensetzung der Räuberarten sich verändert hat. Professor Tamas Székely vom Milner Centre for Evolution der Universität Bath erklärt dazu: «Die Resultate sind alarmierend. Die Erde ist ein fragiler Planet mit komplexen Ökosystemen. Änderungen in den Räuber-Beute-Beziehungen können zu einer Kaskade von Effekten im Nahrungsnetz führen und zu negativen Konsequenzen für viele Organismen, die tausende von Kilometern weit weg sind, führen. Das (der Verlust von jungen Watvögeln) könnte der Nagel zum Sarg von gefährdeten Arten wie dem Löffelstrandläufer sein.» Auch Mitautor Professor Robert Freckleton von der Universität Sheffield meint, dass der massiv höhere Verlust in der Arktis in den letzten zwanzig Jahren besonders schlimm ist. «Die genauen Mechanismen sind wahrscheinlich sehr komplex. Doch im Grossen und Ganzen sieht es aus, als ob der Klimawandel eine Hauptrolle im Antrieb dieser Veränderung spielt, sowohl in der Arktis wie auch weltweit. Das ist besonders bedrohlich für diese Vogelgruppe, da viele Arten sich bereits im Rückgang befinden und viele sich in der Arktis in Sicherheit wähnten, um ihre Jungen aufzuziehen», sagt Freckleton weiter. Und der Hauptautor der Studie, Vojtěch Kubelka von der Universität Prag, sagt abschliessend: «Die Arktis (…) ist nicht mehr länger ein sicherer Platz für die brütenden Vögel: Im Gegenteil, die Arktis bildet jetzt eine ausserordentlich ökologische Falle für Zugvögel, wenn man die Nestplünderungen betrachtet.»
Quelle: Universität Bath / Science
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