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Habe ich richtig verstanden, dass man Pu Er – so wie Grüntee – mehrere Male aufgiesst? Welche erst-Ziehzeit würden Sie für diese beiden Pu Ers (1990, 2003) empfehlen? Macht man da einen Unterschied zwischen einem jungen und einem alten Pu Er, auch bezüglich der Aufgusstemperatur? Zerbröselt man die Teeblätter ein wenig vor dem 1. Aufguss, oder überlässt man das vollkommen dem Wasser? Dosierung ist etwas schwierig, benutzt man eigentlich für genaue Teedosierung eine spezielle Waage?
Teefreundin Winnie möchte sehr gerne wissen über die Ziehzeit. Eigentlich habe ich diese Frage bereits mehrmals beantwortet und beantworte diese Frage täglich in Shui Tang.
Liebe Winnie, möchtest Du ein standarisiertes Wissen hier hören oder etwas anders, was Deine Vorstellung von Tee vielleicht „revolutionieren“ kann?
Standardmässig und energiesparend würde ich sagen:
alle Tees MUSS in kleiner Menge zubereitet werden! Also nicht mehr als 150 ml.
Grüntee mit leicht abgekühltem Wasser, Oolong und roter Tee mit ganz heißem Wasser; Pu Er nur mit ganz heißem Wasser aufgiessen. Nur in Porzellan für Grüntee und nur in Yi-Xing-Kanne für Oolong und Pu Er! Alle Tees nicht länger als 1 Minuten ziehen lassen!
Bist Du mit dieser Aussage nun zufrieden?
Diese Antwort ist eine Antwort für Menschen, die Tee trinken als eine biologische Akt verstehen.
Bist Du so einer, der nicht viel denken will? Oder Bist Du, wie die meisten Menschen im Europa behaupten, ein INDIVIDUALIST?
Die größte Ironie, die ich im Europa erlebe, ist der Witz mit dem Individualismus! Wo sind die Individualisten? Ich sehe die ähnliche Mode auf der Strasse, die ähnliche Telefons am Ohr, die ähnliche Argumenten bei Tee trinken – gesund, fett brennen und wellness!
Wo sind die Individualisten im Europa? Im Twitter oder in Xing? Wo findet man einen Individualist? Ist er vielleicht nicht im Facebook?
Meine Vorgehensweise ist so:
Verstehst Du Dich selbst? Trinkst Du gerne voll aromatisch oder eher mild? Ist Dein Tee-Spielfreund neben Dir eine junge Damen, die gerne leicht florale Note bevorzugt oder ein Hardcore-Typ, der kräftige Nuance will?
Dann was für ein Teegefäss hast Du? Groß oder klein? Porzellan oder Glas?
Alles spielen zusammen eine Rolle. Porzellan ist generall gut für jeden Tee, während Glas in meinem Auge nur für den weißen Tee geeignet ist. Ton-Kanne ist für einen Teeliebhaber, der gerne pflegt, nicht geeignet für Menschen wie mich, der schlampig ist.
Bei dem Pu Er Tee würde ich die gerpessten Teile leicht auseinander lösen, so vorsichtig, dass die Blätter noch vollständig bleiben – dies garantiert die Qualität und Stabilität des Aufgusses. Ich benötige beim Genuss des Tees nie eine Waage, während eine Briefwaage für eine Profi-Degustation notwendig ist! Allgemein nehme ich so viel Teeblätter, die den Boden des Teegefäss leicht bedecken – diese Menge gilt für 4-6 Aufgusses.
Den Unterschied bei Zieh-Zeit macht man nicht bei verschiedenen Jahrgang des Tees, sondern für den richtigen Geschmack zu treffen. Ich trinke gerne einen Tee in seiner vollaromatischen Form, darum lass ich je nach dem bis zum 1 Minuten ziehen – wenn ich mit Teegefäss arbeite, die nicht größer ist als 150 ml. Wenn der Geschmack des Tees richtig zum Ausdruck gebracht wird, freut es mich unglaublich. Es gibt Tees, wie z. B. Buddhas Hand, den ich nicht gut zubereiten kann. Und jedesmal, wenn es mir gelingt, bereitet mir große Freude!
Du siehst, auch ich, kann Dir keine Garantie liefern, eine gute Tasse zu machen. Ich probiere, experimentiere und spreche noch ständig mit dem Tee!
Das heißt nicht, everything goes. Es würde so gehen, wenn man Tee und Teatoys tatsächlich versteht. Man kann es nur verstehen, wenn man wirklich „spielt“. Und bevor man etwas weiß, weiß man den Mund zu halten – dies ist das schwerigste für mich und für Menschen im Europa!
Letztes Mal, als ich meine Tee-Eltern in Bodman wieder besuchte, war es mir bewußt wie stark wir an Form anhaften. Es war der ersten Maitag und der Frühling ist schon längst im Garten. Meine Tee-Eltern sind nun im fortgeschrittenen Alter, der Körper ist hinfällig und die Kraft dem Umstände entsprechend. Aber wir wollten noch zusammen spielen und freuten uns sehr darauf. Im Teeraum war noch Ro im Einsatz. Normalerweise wäre nun Fu-Ro für die Sommerstellung bereit. Wir spielten die Temae für Ro miteinander. Glücklich und erfüllt. Detlef sagte mir, „Weiß Du, der Rikyu (DER TEEMEISTER des Chados) guckt nicht nach Bodman.“ Wem müssen wir denn überhaupt rechtfertigen? Die versteckte Zeigefinger, der auf uns selbst richtet, der uns selbst ständig mit dem Dualismus plagt und uns von unserem wahren Selbst trennt, kann wirklich aufhören – vor allem beim Tee! Wenn wir aufhören können, dualistisch zu denken, dann kann das wahre Mitgefühl entstehen. Unsere Welt wird einfacher mit Tee.
Danke für Deine Aufmerksamkeit.