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Seltener als religiöse Inschriften sind rein symbolische Darstellungen auf mittelalterlichen Schwertklingen. Solche Schwerter scheinen in das 12. Jh. zu gehören. Ein schönes Beispiel im Landesmuseums (LM10116) ist ein Fund aus Yverdon, vormals im Privatbesitz von Heinrich Angst, der seine Sammlung 1903 dem Landesmuseum schenkte.
Gesamtlänge: 94,6 cm,
Klingenlänge: 81,6 cm,
Klingenbreite: 4,7 cm,
Länge der Parierstange: 15,4 cm.
Das Schwert hatte auf beiden Seiten der Klinge aufwändige Silbertauschierungen; leider sind sie auf der Rückseite fast ganz zerstört. Wegeli beschreibt die Darstellung wie folgt:
Zunächst den Parierstangen ist die schematische Zeichnung eines Gebäudes sichtbar, das mit einem rundbogigen Tor geöffnet und mit einem schlanken Dachreiter verziert ist. Eine Halbpalmette bildet den Schmuck des Tores. Drei Vögel streben hastig auf das Gebäude zu. Sie fliehen vor einer großen, geringelten Schlange und vor einem unsichtbaren Feinde, als dessen Werkzeuge der zweimal wiederkehrende Pfeil, Messer und Axt erscheinen. Eine mit üppigem Blattwerk bekleidete Ranke ist zwischen die Vögel eingeschoben. Den ornamentalen Abschluß der Darstellung bildet eine fortlaufende Ranke. Kleine Kreise und Doppelkreise sind anscheinend regellos über die Klinge zerstreut.
Die Rückseite der Klinge zeigt Reste von Rankenornamenten.
Ebenfalls im Landesmuseum (IN7002, gefunden im Neuenburgersee) und vielleicht aus derselben Werkstatt ist ein Schwert mit ähnlichen messingtauschierten Ornamenten: Auf der einen Seite zwei Vögel, dazwischen ein Buchstabe R, auf der anderen Seite “Pfeilornamente”.
Wegeli vergleicht Ornamente in Psalterhandschriften und interpretiert eine christliche Symbolik, nach der die Vögel Christenseelen und die Pfeile die Werkzeuge des Teufels darstellten. Aber Oakeshott (1991:47): “here is the work of an individual, or a group of craftsmen, with ideas of their own doodling on the blades they are given to decorate […] This heretical suggestion has perhaps as much validity as the rather earnest Christian approach to the problem as Wegeli’s”.
Wegeli vergleicht noch eine goldtauschierte Klingeninschrift aus der Real Armería in Madrid (Catàlogo histórico-descriptivo de la Real Armería de Madrid par El Conde V.do De Valencia Don Juan. Madrid 1898, 254f.) wo ebenfalls Vögel in Kombination mit einer Inital-Inschrift vorkommen. Schneider nennt ausserdem als verwandtes Stück: Nolfo di Carpegna, Antiche Armi del Sec. IX al XVIII gia Collezione Odescalchi
Das Schwert von Yverdon erscheint bei Oakeshott (1991) als Beispiel für den Klingentyp Xa. Oakeshott ist bereit, das Schwert in das frühe 11. Jh. zu datieren, anscheinend wegen einem Anklang der Symbolik an ähnliche Formen auf einem Schwert derselben Zeit (JPO 2242, Paris; Peirce/Oakeshott 2002, 128f., 138):
There are at least eight other weapons, both complete and fragmentary, which have similar fine inlay decoration, either in silver, latten, gold or copper. Two were found in Switzerland, one at Yverdon and the other in the lake at Neuenburg. Aother is from Leikkimäki, Kokemäki, Finland, where all of the extensive inlay is in gold. […]
These Swiss examples […] have traditionally been dated to the late 13th century. In the expanded context including this example from Finland [Suomen kanasillismuse, NM 1174:1], it is necessary now to re-date these swords to the eleventh century. [dazu Grünzweig (2009:260): “auf jeden Fall einiges zu früh”]
it is the gold inlay upon both sides of the blade which announces the considerable importance of this weapon […] On one side and some 20 cm from the point is a most beautifully executed ‘hand of God’, not in the attitude of blessing. […] Further towards the hilt is a dove-like creature, perhaps the dove of peace, followed by an as yet unidentifiable inlay, then another dove followed by another piece of inlay which defies interpretation and finally the remnants of a dove. On the reverse side and situated some 20 cm from the point, is the outline of a bishop’s crozier which, when considered alongside the hand of God and the doves, may well point to the involvement of this weapon in religious ceremony.
Rudolf Wegeli, “Symbolische Darstellungen auf mittelalterlichen Schwertklingen”, Anzeiger für schweizerische Altertumskunde 5 (1903/4).
Hugo Schneider, Waffen im Schweizerischen Landesmuseum; Griffwaffen I, (1980) Kat. Nr. 16, 17.
Ewart Oakeshott, Records of the Medieval Sword (2000 [1991]), 47-51.