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Recycling ABC
Abfall
Gemäss Schweizer Gesetzgebung wird ein Produkt zu Abfall, sobald es der Besitzer entledigt oder eine Entsorgung im öffentlichen Interesse geboten ist (Art. 7 Abs. 6 USG).
Bioplastics
Kunststoffe aus nachwachsenden und / oder biologisch abbaubaren Rohstoffen (können auch synthetisch sein).
Chemisches Recycling - Hydrierung
Unter Hydrierung wird im Allgemeinen eine chemische Reaktion mit Wasserstoff (H2) verstanden. Bei hohen Drücken (bis 300 bar) und Temperaturen (bis 500 C) ist es grundsätzlich möglich, aus organischen Verbindungen (auch Polymere mit langen Kohlenwasserstoff-Ketten) Produkte zu gewinnen, die eine kleinere Kettenlänge aufweisen – bei Polymeren (Kunststoffen) sogar bis zur Grösse eines Monomer-Moleküls. Dieser Prozess wird auch hydrierende Spaltung genannt. Chemische Recyclingverfahren sind heute noch nicht so stark verbreitet. Zurzeit gibt es aber Entwicklungen, die zu einem verbreiteten Einsatz, auch in Europa, führen könnten. Chemische Recyclingverfahren eignen sich sowohl für separat gesammelte (sortenreine) als auch für gemischte Kunststoff-Fraktionen.
Closed-loop / geschlossener Kreislauf
Nach dem Recyclingprozess findet der Sekundärrohstoff im gleichen Produkt Einsatz. Ein Beispiel hierfür wäre eine PET-Getränkeflasche, deren Rezyklat wieder zu einer PET-Getränkeflasche wird. Die Qualität des Rezyklates muss damit den Qualitätsanforderungen des ursprünglichen Produktes entsprechen. Geschlossene Kreisläufe sind von offenen Kreisläufen zu unterscheiden.
Convenience
Cross-Contamination
Einbringung von Stör-/Schadstoffen bzw. Verschmutzung durch Gemischtsammlung.
Design for Recycling (DfR)
Design for Recycling ist ein Ansatz, bei welchem die Hersteller ihre Produkte so konzipieren, dass sie recyclingfähig sind. Dazu gehört, dass die Produkte einfach und ökonomisch und möglichst mit bestehender Technologie recycelt werden können. Sortenreinheit, Demontageeignung und Reparierbarkeit sind Eigenschaften, die DfR begünstigen.
Down-Cycling*
Prozess, wenn aus einem Produkt ein anderes Produkt entsteht, das schlechtere Eigenschaften besitzt. Die Eigenschaft kann sowohl die materielle / technische Qualität wie auch den monetären Wert betreffen. (Up-Cycling)
*Aufgrund der vielseitigen Betrachtungsweisen rät Swiss Recycling davon ab, die wertzuweisenden Begriffe Up- und Downcycling zu verwenden. Werden diese Begriffe dennoch verwendet, sollte eindeutig genannt werden, auf welche Betrachtungsweise sich das Up- resp. Downcycling bezieht.
Ersatzbrennstoff (EBS)
auch Sekundärbrennstoff
EBS sind Brennstoffe, die aus Abfall gewonnen werden und in bestimmten Anlagen zumindest teilweise andere Brennstoffe ersetzen können. Dabei handelt es sich um eine thermische Verwertung der Abfälle. Als EBS werden meist Kunststoffe, aber auch Altöl oder sonstige (Gewerbe-)Abfälle eingesetzt. Es kann sich um feste, flüssige oder gasförmige Abfälle handeln.
EBS werden vor allem in Zement-, Kalk-, Braunkohle- und in Industriekraftwerken sowie in KVAs verwendet.
Erweiterte Produzentenverantwortung (EPV / engl. EPR)
Die EPV basiert auf dem Verursacherprinzip, indem externe Kosten internalisiert werden. Zweck des Ansatzes ist es, die Verantwortung eines Produzenten über die eigentliche Nutzung eines Produktes zu verlängern. In die Verantwortung der Produzenten gehört sowohl vorgelagert die Produktion als auch nachgelagert die Verwertung. Hauptziel ist es, durch die erhöhte Selbstverantwortung Optimierungen zu erzielen, zum Beispiel im Produktdesign.
"Feedstock"-Recycling
Unter „Feedstock“-Recycling werden Verfahren verstanden, die auch mit erhöhten Temperaturen und Drücken (oft auch unter Ausschluss von Sauerstoff und eventuell Zugabe von Katalysatoren) arbeiten. Als Produkte werden petrochemische Grundstoffe wie Öle oder Gase erhalten. Diese Recyclingverfahren werden hauptsächlich bei gemischten Kunststoff-Fraktionen eingesetzt. Unter rohstofflichen Verwertungsprozessen werden sowohl chemische als auch „Feedstock“-Verfahren verstanden.
Gemischtsack
Ein Gemischtsack bezeichnet einen Sammelsack, in dem verschiedene Fraktionen zusammen gesammelt werden können. Die Bezeichnung bezieht sich insbesondere auf Kunststoffsammelsäcke, in welchen Produkte aus verschiedenen Arten von Kunststoff zusammen gesammelt und in einem späteren Schritt getrennt werden.
Getrennte Separatsammlung (vs. gemischte Separatsammlung)
Separat erfasste Fraktionen können getrennt (jede einzeln) oder gemischt gesammelt werden. Aluminium und Stahlblech können z. B. ohne weiteres gemischt gesammelt werden.
Graue Energie
Die Energiemenge, die für die Herstellung, den Transport, die Lagerung, den Verkauf eines Produktes benötigt wird. Die graue Energie wird durch das Verbrennen vernichtet.
Hohlkörper
Behälter wie Plastikflaschen, Alu-/Blechdosen, Getränkekarton etc.
Hol- und Bringsammlung
Eine Holsammlung unterscheidet sind von einer Bringsammlung dadurch, dass die Wertstoffe oder der Kehricht von der Gemeinde oder einer Organisation bei der Bevölkerung zuhause bzw. an der Strasse abgeholt werden (z. B. in vielen Gemeinden Papier- und Kartonsammlung). Bei einer Bringsammlung werden die Wertstoffe zu einer Sammelstelle gebracht (z. B. Glassammlung).
Kreislaufwirtschaft
In einer Kreislaufwirtschaft werden Ressourcen in möglichst geschlossenen Kreisläufen geführt. Der Ressourcen-Einsatz wird mit kreislauffähigen Materialien umgesetzt, bei welchen im Wiederaufbereitungsprozess möglichst keine Ausschüsse entstehen.
Kritikalität
Es gibt Rohstoffe, bei denen es besonders wichtig ist, den Stoffkreislauf zu schliessen. Dies sind die sogenannten kritischen Rohstoffe. Einerseits ist die Verfügbarkeit dieser Rohstoffe gering, was ein Versorgungsrisiko birgt. Hierbei spielen auch geopolitische, soziale oder ökologische Faktoren eine Rolle. Andererseits ist die strategische Bedeutung bzw. die wirtschaftliche Relevanz der Rohstoffe hoch, d. h. sie werden zur Umsetzung der Technologie benötigt und können nur schwer substituiert werden. Die Kritikalität ist ein Mass zur Messung dieser zwei Dimensionen. Je höher sie ist, desto höher das Versorgungsrisiko und desto höher die wirtschaftliche Relevanz. Ein Beispiel für solche Rohstoffe sind seltene Metalle wie Indium, Platin oder Tantal, welche in vielen elektronischen Geräten und Cleantech-Produkten eingesetzt und benötigt werden.
(Bemerkung: Die Definition bezieht sich auf die Kritikalität von Rohstoffen. Im Bereich der Kernphysik trägt der Begriff eine andere Bedeutung)
Mechanisches Recycling
Bei mechanischen Recyclingverfahren werden sortenreine Fraktionen mittels verschiedener Prozessschritte zu Sekundärrohstoffen verarbeitet. Bei separat gesammelten Kunststoffabfällen beispielsweise heisst dies, dass sie gewaschen, zerkleinert und über einen Extruder zu Regranulat gemacht werden. Das Regranulat kann so wieder zur Produktion neuer Produkte eingesetzt werden.
Wird eine Misch-Fraktion mittels eines mechanischen Recyclings verwertet, kann grundsätzlich von Downcycling gesprochen werden.
Open-loop / offener Kreislauf
Das Sekundärmaterial (auch Sekundärrohstoff) wird für die Herstellung eines Produktes verwendet, das sich vom vorhergehenden unterscheidet. Z. B. würde das rezyklierte PET, welches aus PET-Getränkeflaschen stammt, in PET-Verpackungsmaterial wie Keksverpackungen wiederverwendet. Meist handelt es sich hierbei um Produkte, die geringere Qualitätsansprüche an das Material stellen als die ursprünglichen Produkte. Offene Kreisläufe sind von geschlossenen Kreisläufen zu unterscheiden.
Permanente Materialien
Material, das immer wieder benutzt und recycelt werden kann, ohne dabei seine Eigenschaften zu verlieren. Beispiel: Aluminium
Quote (Sammelq. / Recyclingq.)
Sammelquote: Anteil des separat gesammelten Materials einer Fraktion oder des Siedlungsabfalles. Auch Fehlwürfe (fraktionsfremde Stoffe) werden zur Sammelquote gezählt. Meist höher als Recyclingquote.
Recyclingquote: Anteil der Rohstoffe, welche nach der Aussortierung fraktionsfremder Stoffe in die Recyclinganlage gehen. Kann sich auf eine einzelne Fraktion oder den gesamten Siedlungsabfall beziehen.
Recycling
Recycling ist Synonym für Wiederverwertung oder stoffliche Verwertung. Es bezeichnet die Rückführung von Abfällen in den Stoffkreislauf. Dabei entstehen Produkte mit ähnlichen Qualitätseigenschaften, sogenannte Sekundär-Rohstoffe. Die graue Energie in den Produkten bleibt durch das Recycling erhalten. So wird die für die Gewinnung eingesetzte Energie, quasi der „Rucksack“, z. B. vom Bauxit zum Aluminium oder vom Öl zum Kunststoff, weitergenutzt.
Schlackenaufbereitung
Gewinnung von Sekundär-Rohstoffen. Hauptsächlich sind Metalle aus der Schlacke der Kehrichtverbrennung gemeint.
Sekundärbrennstoff
Sekundärrohstoffe
Rohstoffe, welche durch Recycling aus separat entsorgtem Material gewonnen werden. Sie unterscheiden sich damit von Primärrohstoffen, welche aus der Natur gewonnen werden.
(selektive) Separatsammlung
Selektive Separatsammlung heisst, nur diejenigen Fraktionen separat zu sammeln, die stofflich verwertet werden können und bei welchen eine langfristig gesicherte Nachfrage nach dem Rezyklat besteht. Das Gegenteil davon ist eine gemischte Separatsammlung, bei der nach der Sortierung ein hoher Anteil in die Verbrennung geht.
Seltenerdmetalle
Zu den Seltenerdmetalle oder Metallen der Seltenen Erden gehören die chemischen Elemente der dritten Nebengruppe des Periodensystems (mit Ausnahme des Actiniums) und die Lanthanoide – insgesamt also 17 Elemente. Seltenerdmetalle gelten als kritische Rohstoffe (Kritikalität) und werden heute vor allem in High-Tech-Produkten wie Mobiltelefonen, Flachbildschirmen, Laptops, Hybridautos, Windturbinen oder moderner Waffensystemen eingesetzt.
Seltene Metalle
Geochemisch seltene Metalle; darunter fallen Seltenerdmetalle, aber auch andere wie z. B. Gallium, Indium, Niob, Tantal etc.
Siedlungsabfall
Siedlungsabfälle sind aus Haushalten stammende Abfälle sowie Abfälle aus Unternehmen mit weniger als 250 Vollzeitstellen, deren Zusammensetzung betreffend Inhaltsstoffen und Mengenverhältnisse mit Abfällen aus Haushalten vergleichbar ist.
Single Stream
Gemischte Sammlung verschiedenster Wertstoffe. Single Stream ist vor allem in den USA ein Trend.
Stoffliche Verwertung
Subsidiaritätsprinzip
Das Subsidiaritätsprinzip besagt, dass übergeordnete Instanzen oder Einheiten nur dann eingreifen sollen, wenn die unteren Instanzen es nicht können. Eine Aufgabe soll also von der kleinsten zuständigen Einheit übernommen werden. Bsp.: Das Design for Recycling soll nicht vom Staat verordnet werden, sondern besser von den Produkteherstellern initiiert und umgesetzt bzw. eine Branchenlösung gefunden werden.
Thermische Behandlung
Die Behandlung von Abfällen mit so hoher Temperatur, dass umweltgefährdende Stoffe zerstört oder durch Mineralisierung physikalisch oder chemisch gebunden werden.
Thermische Verwertung
Bei der Verbrennung von Abfall in Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen wird die entstehende Wärme entweder direkt genutzt (zu Heizzwecken) oder sie wird in Energie umgewandelt und Strom daraus gemacht. Diese Energiegewinnung nennt man thermische Verwertung.
Up-Cycling*
Prozess, wenn aus einem Produkt ein anderes Produkt entsteht, das bessere Eigenschaften besitzt. Die Eigenschaft kann sowohl die materielle / technische Qualität wie auch den monetären Wert betreffen. (Down-Cycling)
*Aufgrund der vielseitigen Betrachtungsweisen rät Swiss Recycling davon ab, die wertzuweisenden Begriffe Up- und Downcycling zu verwenden. Werden diese Begriffe dennoch verwendet, sollte eindeutig genannt werden, auf welche Betrachtungsweise sich das Up- resp. Downcycling bezieht.
Verbundstoffe (/Verbundverpackungen)
Verbundstoffe sind Materialien aus mindestens zwei verschiedenen Werkstoffen, die vollflächig miteinander verbunden sind und sich nicht ohne weiteres (von Hand) voneinander trennen lassen. Ein typisches Beispiel dafür ist der Getränkekarton, der aus Karton, dem Kunststoff Polyethylen und Aluminium besteht.
Verträglichkeit
Das Mass, wie gut sich gemischt gesammelte Fraktionen miteinander vertragen. Die Gemischtsammlung hat Auswirkungen auf die Qualität (z. B. Fremdmaterialanteil im Sekundär-Rohstoff) und Quantität (Verluste durch Sortierung).
Verursachergerecht / Verursacherprinzip
Die Kosten für etwas werden dem Verursachenden übertragen. Betreffend Siedlungsabfallentsorgung bedeutet dies, dass die anfallenden Kosten für den Verursacher volumen- oder gewichtsabhängig anfallen (Abfallsackgebühr oder Kosten bei der Entsorgung in der KVA).
Die verursachergerechte Finanzierung der Abfallentsorgung schafft Anreize zum Vermeiden und Verwerten der Abfälle.
Vorgezogene Entsorgungsgebühr (vEG)
Gebühr, welche vom Konsumenten beim Erwerb eines Produktes bezahlt wird und mit der später die separate Sammlung und fachgerechte Entsorgung finanziert werden. Die vEG ist staatlich verordnet und betrifft Glas und Batterien.
Vorgezogener Recyclingbeitrag (vRB)
Beitrag, welcher vom Konsumenten beim Erwerb eines Produktes bezahlt wird und mit dem später die separate Sammlung und das fachgerechte Recycling des Produktes finanziert werden. Der vRB ist privat geregelt und betrifft Getränkeverpackungen aus PET sowie Verpackungen aus Aluminium und Stahlblech.
Vorgezogene Recyclinggebühr (vRG)
Beitrag, welcher vom Konsumenten beim Erwerb eines Produktes bezahlt wird und mit dem später die separate Sammlung und das fachgerechte Recycling des Produktes finanziert werden. Die vRG ist privat geregelt und betrifft Elektro- und Elektronikgeräte sowie Leuchten und Leuchtmittel.
Wiederverwendung
Erneute Nutzung in gleichen Produkten oder gleicher Funktion. Z. B. ein leeres Konfiglas wird wieder mit neuer Konfi aufgefüllt.
Weiterverwendung
Nutzung in anderen Produkten oder anderer Funktion. Z. B. Das Konfiglas wird als Vase benutzt.
Wiederverwertung
Auflösung der Produktgestalt, Materialrückgewinnung für das gleiche Produkt. Z. B. Das Konfiglas wird dem Recycling zugeführt und es entsteht ein neues (Konfi-)Glas daraus.