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Landesmuseum Zürich
| 20.3.2020 - 16.8.2020
Das Mittelalter war eine raue Zeit. Besonders für Frauen und ihre Perspektiven. Das Leben in einem Kloster war da ein willkommener Ausweg, der nicht nur mehr Freiheiten, sondern auch Bildung, Einfluss und zuweilen Macht möglich machte.
Nonnen im Mittelalter, da stellt man sich in der Regel asketisch lebende Frauen vor, die sich nur für eine abgeschirmte Welt innerhalb der eigenen Klostermauern interessierten. Doch es gab noch eine andere Wirklichkeit, die vielfältiger, überraschender und weltlicher war, als man vermuten würde.
Ab dem fünften Jahrhundert entstanden in Europa erste Nonnenklöster. Sie boten Frauen Möglichkeiten, die sie sonst kaum hatten: Zugang zu höherer Bildung, eine soziale Absicherung und die Chance, sich engen familiären Normen zu entziehen. Nicht selten war dieser Entscheid auch mit einem Aufstieg innerhalb der Klostergemeinschaft verbunden. Das höchste Amt war jenes der Äbtissin, Priorin oder Meisterin. Die Führung eines Klosters war anspruchsvoll, verlangte diplomatisches Geschick und eine hohe Bildung. Religiöse Zentren hatten oft enge Verbindungen zu Politik und Wirtschaft und prägten das weltliche Geschehen mit.
Beispiele hierfür sind etwa Katharina von Siena (1347 – 1380), die ihre eigene Hochzeit erfolgreich verhinderte, in einen Laienorden eintrat, zur Inspirationsquelle für eine wachsende Anhängerschaft wurde und in kirchenpolitischen Fragen gegenüber Päpsten schliesslich eine bedeutende Stimme war. Oder Pétronille de Chemillé (1080/90 – 1149), Äbtissin des Klosters von Fontevraud. Sie setzte sich in einer männlich dominierten Welt durch – gegen massive politische Widerstände gelang es ihr, den jungen, aufstrebenden Orden zu festigen. Unter Pétronilles Führung gewann Fontevraud an politischem und wirtschaftlichem Einfluss und wurde zu einem strategisch bedeutenden Ort für die Mächtigen Frankreichs. Dem Orden gehörten sowohl Frauen als auch Männer an, welche alle der Autorität der Äbtissin unterstanden. Ebenfalls erwähnenswert ist die imposante Stellung der Fürstäbtissin der Fraumünsterabtei in Zürich. Im 13. Jahrhundert war sie Stadtherrin, ernannte Bürgermeister und Richter und hatte das Sitz- und Stimmrecht im Reichstag der Fürstenversammlung des Heiligen Römischen Reichs.
Anhand von 15 Repräsentantinnen und wertvollen Exponaten unter anderem aus der Bibliothek des Vatikans oder dem Germanischen Nationalmuseum zeigt die Ausstellung, wie unterschiedlich die Lebensformen geistlicher Frauen im Mittelalter waren und welche Möglichkeiten ihnen offenstanden. Die Schau thematisiert die wichtige Stellung der Frauenklöster in Bildungsfragen, ihre Verflechtungen mit Politik und Wirtschaft sowie der bis heute oftmals unterschätzte prägende Einfluss dieser Frauen auf die Theologie. Abgerundet wird die Ausstellung mit einer Installation von Annelies Štrba. Der Videokünstler Jürg Egli hat ihre Fotografien von Kirchenfenstern, Marienfiguren und prächtigen Gärten zu einem neuen Werk verschmolzen, welches das Weibliche ins Zentrum setzt.
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