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Diese Woche werden die Nobelpreise zum 100. Mal vergeben. Ein wichtiges Jubiläum für die Schweiz: Denn aus diesem Land stammen - gemessen an der Bevölkerungszahl - weltweit am meisten Nobelpreis-Gewinner.Dieser Inhalt wurde am 08. Oktober 2001 - 11:59 publiziert
Den Spitzenplatz der Schweiz und dessen Hintergründe haben Fachleute der Universität Lausanne genau unter die Lupe genommen. "Es ist zum Teil eine Frage der Ressourcen, welche zu jeder Zeit in besondere Disziplinen der wissenschaftlichen Forschung gesteckt werden", sagt die Soziologin Ariane Miéville, die zusammen mit einer Kollegin die Studie über Schweizer Nobelpreisträger verfasst hat.
"Dazu kommen historische Gründe. Die Schweiz war traditionell ein Zufluchtsort für Flüchtlinge, wo Wissenschaftler eine Insel der Stabilität fanden, in der sie ihre Forschungen weiterführen konnten, auch wenn sie im eigenen Land verfolgt wurden." Einige hätten übrigens später die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten, führt die Expertin weiter aus.
Und als weitere Erklärung verweist Miéville darauf, dass Schweizer Wissenschaftler immer gut in der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft integriert gewesen seien: "Vor dem zweiten Weltkrieg hatten sie gute Beziehungen mit ihren deutschen Kollegen, und Deutschland war bekannt für seine Wissenschaft."
Ab 1945 geriet die Schweiz sozusagen in die amerikanische Einflusssphäre. Die Amerikaner hatten natürlich insgesamt die höchste Zahl an Nobelpreisträgern, und es gab viel Interaktion und Gedankenaustausch.
Einstein, Pauli, Bovet - internationale Wissenschaftler
Eine nationale Liste der Nobelpreisträger zu erstellen, ist nicht einfach. Albert Einstein, der 1921 den Nobelpreis für Physik erhielt, hat drei Nationalitäten.
Wolfgang Pauli, der 1945 den Nobelpreis für Physik erhielt, war österreichischer Jude und verbrachte fast seine ganze Karriere an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne, wurde aber erst nach Erhalt des Nobelpreises Schweizer Bürger. Daniel Bovet (Medizin, 1957) kam in Neuenburg auf die Welt, wo er auch seine Ausbildung durchlief, verfolgte aber seine Karriere in Italien.
Miéville und ihre Mitautorin Isabelle Honorez entschieden sich bei ihrer Untersuchung schliesslich für zwei Kategorien. In die erste nahmen sie Wissenschaftler auf, welche in der Schweiz geboren wurden und da den grössten Teil ihrer Ausbildung durchliefen, auch wenn ihre berufliche Karriere im Ausland stattfand. In die zweite kamen Ausländer, welche ihre gesamte Karriere oder einen Teil davon hier verfolgten und die Schweizer Staatsbürgerschaft erhielten.
Schliesslich kamen sie für die drei wissenschaftlichen Disziplinen - Physik, Chemie und Medizin - auf 18 Namen.
Entscheide immer wieder heftig umstritten
Die Verleihung der Nobelpreise hat auch schon zu Kontroversen geführt. Einstein war mehrmals nominiert. Als ihm 1921 der Preis schliesslich verliehen wurde, war es "für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts" und nicht für seine allgemeine Relativitätstheorie.
1948 erhielt Paul Hermann Müller den Nobelpreis für Medizin, "für seine Entdeckung der starken Wirkung von DDT als Kontaktgift gegen mehrere Arthropoden", wie es offiziell hiess.
"Damals galt das als grosser Nutzen für die Menschheit, die unerwünschten Folgen erkannte man erst später", erklärt Miéville.
Andererseits fehlen einige bekannte Namen in der Liste der Nobelpreisträger. Dazu gehören der Amerikaner Thomas Edison, der Erfinder der Glühbirne und des Grammophons, und der russische Chemiker Dimitri Mendeleev, der die periodische Tabelle klassifizierte.
Spitteler, Hesse - und das IKRK
Auch in anderen Disziplinen steht die Schweiz gut da. Obwohl keinem Schweizer je der Nobelpreis für Wirtschaft verliehen wurde, erhielten 1919 der Dichter Carl Spitteler und 1946 Hermann Hesse, der deutscher Nationalität war, aber die Schweizer Staatsbürgerschaft erhielt, den Nobelpreis für Literatur.
Henri Dunant erhielt 1901 den Friedensnobelpreis, welcher danach mehrmals dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und dem in Genf ansässigen UNO-Flüchtlingshilfswerk verliehen wurde.
Der letzte Schweizer Nobelpreisgewinner war Rolf Zinkernagel. Er erhielt 1996 den Nobelpreis für Medizin.
Ruhm - und viel Geld
Nobelpreise sind nicht nur prestigeträchtig, sie sind auch lukrativ. Dieses Jahr bringt jeder Nobelpreis über 1,5 Millionen Franken ein. Häufig allerdings gibt es - besonders in den Naturwissenschaften und der Medizin - mehrere Preisträger, die sich die Summe teilen müssen.
Vincent Landon
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