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Hautkrankheiten Hund
Die Dermatomyositis ist eine seltene Hautkrankheit des Hundes, die eher Collies, Shelties, Beauceron, aber auch andere Rassen und Mischlinge befallen kann. Meist sind junge Hunde, schon vor ihrem ersten Altersjahr betroffen. Die Krankheit kann aber auch erst im Alter ausbrechen und scheint dann eine mildere Verlaufsform zu haben.
Häufige Hautsymptome sind haarlose Stellen, Krusten, Schuppen, Rötung und seltener auch Ulzerationen. Oft ist die Gesichtshaut betroffen, aber auch die Beine, Krallen, Schwanzspitze oder andere Stellen am Rumpf können verändert sein. Zusätzlich kommen vor allem bei Hunden mit starken Hautveränderungen auch Muskelentzündungen am Kopf und an den Extremitäten vor, welche die Kau-, Schluck- oder andere Muskulatur betreffen kann.
Die genaue Ursache der Dermatomyositis ist nicht klar. Beim Collie wird eine genetische Ursache mit autosomal dominantem Erbgang und unterschiedlicher Expression vermutet. Darum soll mit betroffenen Tieren nicht gezüchtet werden.
Die Diagnosestellung ist nicht einfach und soll einerseits klinisch von anderen, ähnlich aussehenden Krankheiten unterschieden werden und mit Hautbiopsien und histologischer Untersuchung untermauert werden.
Zur Therapie stehen mehrere Medikamente, unter anderem Kortison, zur Verfügung. Da die Therapie lebenslang notwendig ist, wird meist mit einer stärkeren Therapieform begonnen, die dann bei gutem Ansprechen individuell auf die kleinste noch wirksame Dosierung reduziert wird. Oder es wird auf eine mildere Therapieform umgestellt, um dem Patienten wenn möglich ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen, ohne dass die Medikamente zu grosse Nebenwirkungen hervorrufen.
Der cutane (oder discoide) Lupus erythematosus beim Hund ist eine seltene, nicht ansteckende Hautkrankheit, die auch beim Menschen und äusserst selten bei der Katze vorkommen kann. Die Ursachen scheinen beim Hund ähnlich wie beim Menschen multifaktoriell zu sein, wobei genetische Grundlagen, UV-Licht und das überreagierende Immunsystem eine Rolle spielen.
Langnasige Hunderassen wie Deutsche Schäferhunde, Collies, Shelties und Pudel sind eher betroffen als andere Rassen.
Hautveränderungen wie Pigmentverlust (Depigmentation), Ulzerationen, Krusten und Strukturverlust der normalen pflastersteinartigen Oberfläche des Nasenspiegels sind häufige Symptome eines cutanen Lupus erythematosus. Es können aber auch andere Hautstellen betroffen sein wie die Lefzen, Augenlider, Präputium oder Vulva und die innere Fläche der Ohrmuscheln.
Der Verlauf der Krankheit ist meist schubweise und zum Teil wird eine Verschlimmerung durch Sonnenstrahlen (UV-Licht) verursacht. Einige Hunde sind nur leicht betroffen, andere stärker.
Es gibt mehrere Therapieformen, die angewendet werden können und je nach Stärke der Symptome individuell angepasst werden können:
- die lokale Therapie mit kortisonhaltigen oder ähnlichen Salben
- die systemische Therapie in Tablettenform mit Kortison oder anderen immunmodulierenden Medikamenten
- die Kombination von lokaler und systemischer Therapie
- zusätzlicher Sonnenschutz ist in jedem Fall wichtig (vermeiden von Sonnenbestrahlung, ev. Anbringen von Sonnencremes mit hohem Schutzfaktor, z.B. Daylong 50)
Meistens wird zuerst eine stärkere Therapie gewählt, um dann bei gutem Ansprechen auf mildere Medikamente umzustellen für die lebenslange Langzeittherapie. Im Allgemeinen sprechen die Hunde gut auf diese Therapieform an. Das Ziel ist es, dem Hund die Beschwerden zu minimieren mit einer möglichst minimalen Langzeitbehandlung, die den Patienten nicht belastet.
Bei Fragen beraten wir Sie gerne weiter.
Lupoide Onychodystrophie beim HundDiese Erkrankung der Krallen geht mit einem abnormalen Aussehen der Krallen (Onychodystrophie) einher. Meist fallen zuerst einzelne abnormale Krallen auf, aber nach einigen Wochen sind alle Krallen an allen Pfoten verändert. Anfangs teilen sich die Krallen am Krallenbett und lösen sich schliesslich ab. Die nachwachsenden Krallen sind kurz, missgeformt, trocken, weich und brüchig, manchmal auch farblos. 50% der Hunde zeigen eine Lahmheit und / oder Schmerzen. Rassen, die besonders häufig betroffen zu sein scheinen, sind der Deutsche Schäferhund, Rottweiler, Schnauzer und Labrador.
Es können Hunde jeden Alters erkranken, wobei die meisten Erkrankungen im Alter von 3 bis 8 Jahren auftreten.
Ursachen
Die meisten Fälle der lupoiden Onychodystrophie sind idiopathisch, d.h. ohne eine bekannte zu Grunde liegende Ursache. Oft scheint es sich um eine autoimmunbedingte Erkrankung zu handeln. Bei einigen Hunden scheint die Krallenerkrankung in Zusammenhang mit einer bakteriellen Infektion, einer Unterfunktion der Schilddrüse oder einer Allergie zu stehen. In wie fern diese Krankheiten aber wirklich die lupoide Onychodystrophie hervorrufen oder beeinflussen, ist noch nicht bekannt.
Diagnose
Zur Diagnosestellung ist eine Biopsie, also eine Gewebeprobe, notwendig. Da in dieser das Krallenbett erhalten sein muss, reicht es nicht, alleine die Krallen zu untersuchen, sondern man muss die Kralle mit dem letzten Zehenglied amputieren. Wenn möglich wird eine Afterkralle entfernt. Die Amputation erfolgt in einer kurzen Vollnarkose.
Therapie
Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden. Abhängig vom Schweregrad der Erkrankung wird für jeden Hund das passende Therapieschema ausgewählt. Es kann aber trotzdem möglich sein, dass ein Behandlungserfolg mit dem Medikament der ersten Wahl ausbleibt und man zu einem anderen Medikament wechseln muss.
Prognose
Eine klinische Besserung ist erst nach einigen Monaten ersichtlich. Es kann sich um eine lebenslange Therapie handeln, aber es ist auch möglich, dass die Medikamente nach einer Zeit abgesetzt werden können. Dennoch sind zu jeder Zeit Rückfälle möglich.
Die hereditäre nasale Parakeratose der Labrador Retriever ist eine seltene Erkrankung, die wahrscheinlich autosomal rezessiv vererbt wird und sich durch eine starke Borkenbildung des Nasenspiegels äussert. Die betroffenen Hunde sind sonst gesund.
Symptome
Vor allem auf dem dorsalen Nasenspiegel bildet sich eine raue und trockene borkige Hautschicht, die fest mit der Nase verbunden ist und nicht abgelöst werden kann. Es können sich Risse bilden, die zum Teil bluten und Krusten verursachen und sich sekundär mit Bakterien infizieren können. Der vorher dunkle Nasenspiegel kann heller werden.
Im späteren Stadium kann die typische feine backsteinartige Architektur der Hundenase verloren gehen.
Die Symptome treten erstmals im Alter von 6 Monaten bis 1 Jahr auf. Männliche Tiere scheinen öfters befallen zu sein. Alle Farbvarianten des Labradors können betroffen sein (schwarz, braun und blond).
Therapie
Die regelmässige lokale Therapie mit Vaseline, Propylenglycol- oder Salicylsäure-haltigen Produkten hilft, die Borken aufzuweichen und zu reduzieren. Die Therapie muss lebenslang angewendet werden. Bei einer sekundären bakteriellen Infektion soll diese zusätzlich behandelt werden.
Bakterielle Hautentzündungen (Pyodermien), meistens durch das Bakterium Staphylococcus pseudintermedius verursacht, gehören zu den häufigsten Hautproblemen des Hundes. Diese Bakterien bereiten unter normalen Umständen auf der Hundehaut keine Probleme und sind auch auf gesunder Hundehaut zu finden. Falls die Hautoberfläche jedoch gereizt ist oder das Hautmilieu nicht ausgeglichen ist, können diese Staphylokokken eine Hautinfektion verursachen. Dieses gestörte Hautmilieu wird vor allem bei Allergien (Futterallergie, Flohallergie und atopische Dermatitis), Ektoparasiten (Flöhe, Demodex, Sarkoptes), Verhornungsstörungen und hormonellen Erkrankungen gesehen.
Typische Symptome der Pyodermie sind Haarausfall, gerötete Haut, Papeln, Pusteln (eitergefüllt), Schuppen und Krusten. Der Juckreiz kann unterschiedlich sein.
Die Therapie der Pyodermie besteht oft aus Antibiotikum-Tabletten, kombiniert mit einem speziellen Shampoo (z.B. Pyoderm). Bei lokalisierten Pyodermien können zusätzlich auch regelmässige Waschungen mit Desinfektionstüchlein zur Abheilung beitragen. Je tiefer die Hautinfektion ist, umso länger muss das Antibiotikum verabreicht werden. Es ist wichtig, dass die volle Dosierung, über die ganze vorgesehene Therapiedauer verabreicht wird, auch wenn die Haut schon vorher besser aussieht. Zu frühes Absetzen des Antibiotikums kann zu Resistenzentwicklung oder Rezidiven führen.
Eine Kontrolluntersuchung nach 3-4 Wochen ist empfehlenswert. Das zu Grunde liegende Problem kann nach dem Abheilen der Pyodermie besser eingeschätzt und Rezidive können verhindert oder vermindert werden.
Je nach Grundproblem und Fellqualität kann das regelmässige Schären von langhaarigen Hunden die Hautqualität verbessern und das Rezidivrisiko senken. Zusätzlich vermindert die Anwendung von speziellen Shampoos und Desinfektionstüchleins das Rückfallrisiko.
FarbmutantenalopezieWas ist eine Farbmutantenalopezie?
Die Farbmutantenalopezie ist eine relativ seltene Hauterkrankung des Hundes wird in der Literatur auch Color dilution alopecia (CDA), blue dog disease und beim Dobermann blue Dobermann disease genannt.
Welche Hunde können betroffen sein?
Die Farbmutantenalopezie kommt gehäuft bei Hunden vor, die auf eine Farbaufhellung (blaugraue, silbrig oder falbe) hin gezüchtet wurden, typischerweise beim blauen Dobermann, Yorkshire Terrier, Zwergpinscher, Dogge, Whippet, aber auch bei vielen anderen Rassen. Nicht jeder Hund und nicht jede Rasse mit dieser hellen Fellfarbe erkrankt zwangsläufig an der Farbmutantenalopezie. Der Weimaraner mit der typischen blaugrauen (oder falben) Fellfarbe ist interessanterweise nicht von dieser Krankheit betroffen. Bei einigen Hunderassen wurde aber der Zusammenhang der häufigen Hauterkrankungen mit der aufgehellten Fellbarbe von den Rasseclubs erkannt und Hunde mit diesen Fehlfarben werden nicht (mehr) zur Zucht zugelassen.
Was verursacht die Erkrankung?
Die blaugraue Fellfarbe dieser Hunde wird durch eine genetische Mutation hervorgerufen, die eine Pigmentierungsstörung der Haare und eine Verhornungsstörung der Haut verursacht. Durch diese Mutation werden abnormal gefärbte Haare gebildet, das Pigment ist verklumpt und die Haare sind schwach und brechen oft ab, was zu der Alopezie (= Haarausfall) führt. Zusammen mit der Keratinisierungsstörung sind diese Hunde aber auch gefährdet für rezidivierende bakterielle Hautinfektionen.
Die helle Farbmutation wird rezessiv vererbt, das heisst, beide Elterntiere eines Hundes mit aufgehellter Farbe sind Träger des mutierten Gens, obwohl sie selber nicht auch hell sein müssen. Es gibt einen Gentest, der die Trägertiere für eine Farbmutation erkennt. Aber es gibt bisher keinen Test, der erkennt, welche Hunde mit der Farbmutante dann auch eine Farbmutantenalopezie entwickeln.
Wie äussert sich eine Farbmutantenalopezie?
Betroffene Hunde sind bei der Geburt unauffällig (ausser der hellen Fellfarbe), sie entwickeln im Alter zwischen 6 Monaten und 2 Jahren die ersten Symptome mit Ausdünnen der Haare und leichter Schuppung meist über den Rücken. Normal gefärbte Hautbezirke (z.B. bei gefleckten Hunden) sind nicht betroffen. Häufig entwickelt sich dann in den betroffenen Gebieten eine sekundäre Pyodermie (bakterielle Hautentzündung), die den Hund stört und Juckreiz verursachen kann. Der Verdacht der Erkrankung kann der Tierarzt schon mit den klinischen Symptomen und einer Haarprobe (Trichogramm) stellen. Für eine definitive Diagnose braucht es jedoch Hautbiopsien, die histologisch untersucht werden.
Kann eine Farbmutantenalopezie behandelt werden?
Es ist keine spezifische Therapie bekannt, welche die Pigmentsörung und -verklumpung behandeln könnte. Eine symptomatische Therapie kann mit milden antiseborrhoeischen und/oder antibakteriellen Shampoos erfolgen. Bei sekundärer Pyodermie muss diese mit 3-4 wöchiger Antibiotikumgabe therapiert werden, am besten zusammen mit einem antibakteriellen Shampoo.
Die Prognose ist gut. Der Haarverlust wird jedoch irreversibel sein und der Hund braucht meist eine dauerhafte Hautpflege, welche die möglichen wiederkehrenden Pyodermien vorbeugen soll.
Was soll weiter beachtet werden?
Da der Vererbungsmodus der hellen Farbmutation und damit das Risiko der Erkrankung bekannt ist, sind zuchthygienische Massnahmen sehr effektiv und auf jeden Fall zu empfehlen. Mit betroffenen Hunden und den Geschwistern soll nicht gezüchtet werden, und vor allem sollten die Elterntiere der betroffenen Hunde nicht mehr gepaart werden, um eine weitere Verbreitung der Erkrankung zu vermeiden.
Wo kann ich mich weiter informieren (interessante Literatur)?
- //www.hundemagazin.ch/pdf/fellfarben_grundlagen_1.pdf
- //hundemagazin.ch/pdf/1_07_fellfarben.pdf
- //hundemagazin.ch/pdf/2_07_fellfarben.pdf
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Oder ich stehe Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung.
Wie sieht die Sebadenitis aus?
Die Hautveränderungen beginnen oft auf dem Kopf, Hals und Rücken, aber auch der Schwanz, der seitliche Körper und die Beine können später betroffen sein. Meist ist am Anfang kein oder nur wenig Juckreiz vorhanden. Deutlich zu sehen sind viele Schuppen auf der Haut, aber auch um die Haarbüschel herum, wie Manschetten (sogenannte Keratinmanschetten). Häufig entwickelt sich auch ein ausgeprägter Haarbruch und Haarlosigkeit. Dadurch wirkt das Haarkleid borstig und die Haut durch die Schuppen und Keratinmanschetten panzerartig verdickt. Bakterien oder Hefepilze können sich dazugesellen die Entzündung verstärken und Juckreiz verursachen und einen unangenehmen Geruch verursachen.
Die Ausprägung der Hautveränderungen kann schwanken, mal besser, mal schlechter sein. Das Allgemeinbefinden ist aber nicht beeinträchtigt.
Bild fleckige Haarlosigkeit
Bild Keratinmanschetten
Wie kommt es zu der Sebadenitis?
Durch die Entzündung in der Haut werden die Talgdrüsen meist vollständig zerstört. Dadurch fehlt der Talg, der wichtige Funktionen für gesunde Haut und Haare hat, so dass sich Schuppen bilden und die Haare abbrechen. Die Ursachen, warum das Immunsystem die Talgdrüsen zerstört, sind nicht klar. Folgende Hypothesen werden diskutiert: Genetische Entwicklungsstörung der Talgdrüsen, Autoimmun-bedingte Zerstörung der Talgdrüsen, Störung des Stoffwechsels der Hautfette.
Welche Hunde können eine Sebadenitis bekommen?
Die Sebadenitis kann in jedem Alter, bei jeder Rasse und auch bei Mischlingen auftreten, wird aber überwiegend bei bestimmten Rassen wie den Akitas, Pudels, Hovawarts , Vizslas und Springer Spaniels beobachtet. Tiere mit Sebadenitis sollten von der Zucht ausgeschlossen werden, da eine erbliche Komponente möglich ist.
Wie wird Sebadenitis diagnostiziert?
Die Sebadenitis ist nicht einfach zu diagnostizieren, weil sie einerseits selten vorkommt und andererseits vielen anderen Hauterkrankungen ähneln kann, die vorher ausgeschlossen werden müssen. Die endgültige Diagnose kann gestellt werden, wenn kleine Hautstücke (Hautbiopsien) entnommen werden und zur histologischen Untersuchung eingeschickt werden.
Wie wird Sebadenitis behandelt?
Es gibt zwei grundsätzliche Therapieformen, die bei einer Sebadenitis angewandt werden können: die lokale Behandlung mit Sprays und Shampoos und die systemische Behandlung mit Cyclosporin (Kapseln). Wir konnten in einer internationalen Studie zeigen, dass beide Therapieformen gleich gut wirken, und den Hunden eine deutliche Erleichterung verschaffen. Falls beide Therapien zusammen angewandt werden, wirken sie sogar noch ein klein wenig besser. Wichtig ist aber zu wissen, dass die Sebadenitis durch keine der Therapien definitiv geheilt werden kann und diese Therapien lebenslänglich angewandt werden müssen (eventuell kann aber die Dosierung oder die Häufigkeit reduziert werden).
Die Demodex-Milbe
Die Milbe Demodex canis gehört zu den normalen Hautbewohnern, die auch bei gesunden Hunden in kleiner Menge in der Haut und im Gehörgang vorkommen kann. Sie ist mikroskopisch klein, lebt und vermehrt sich vor allem in den Haarbälgen oder Haarfollikeln und hat einen Lebenszyklus (vom Ei bis zur erwachsenen Milbe) von ungefähr 30 Tagen. Unter dem Mikroskop sieht diese Milbe länglich aus. In der Aussenwelt ist sie nur für kurze Zeit überlebensfähig.
Wie werden die Hunde angesteckt?
Die Demodex-Milbe wird von der Hündin durch ihren engen Kontakt in den ersten 2-3 Lebenstagen auf die Welpen übertragen. Aber nur ein kleiner Teil dieser Welpen entwickelt später in ihrem Leben
eine Demodikose. Neben der Ansteckung braucht es noch andere begünstigende Faktoren, damit es zum Krankheitsausbruch kommt. Werden aber die Welpen z.B. durch Kaiserschnitt geboren und mutterlos aufgezogen, sind sie milbenfrei. Eine spätere Ansteckung solcher Hunde ist sehr unwahrscheinlich. Auch andere Tierarten und Menschen werden von der Demodex-Milbe des Hundes nicht angesteckt.
Demodikose schematisch dargestellt:
a normaler Haarfollikel mit einem Deckhaar und zwei dargestellten Wollhaaren
b Demodexmilben im Haarbalg mit leichter entzündlicher Reaktion und daraus resultierendem Haarausfall
c starker Befall mit Demodexmilben mit totalem Haarverlust
Welche Faktoren begünstigen den Ausbruch der Demodikose?
- Es sind eher jüngere und kurzhaarige Hunde betroffen
- eine Schwächung des Immunsystems durch Wurmbefall, Läufigkeit, Geburt, innere Krankheiten, Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, Stress oder andere Faktoren.
- die Rasse: Einige Hunderassen wie West Highland White Terrier, Shar Pei, Englische Bulldogge, Scotch Terrier, Boston Terrier, Deutsche Dogge, Weimaraner, Alaskan Malamute und der Dobermann werden öfters als andere Rassen befallen. Wo eine familiäre Häufung auftritt, ohne dass man äussere Einflüsse für eine Schwächung des Immunsystems findet (z.B. bei der generalisierten Demodikose der Junghunde), wird eine erbliche Komponente der Demodikose vermutet.
Wie sieht das Krankheitsbild aus?
Es kommen 2 verschiedene Formen der Demodikose vor:
Die lokalisierte Form:
Diese milde Form der Demodikose kommt eher beim Junghund vor. Eine oder mehrere kleine gut umschriebene Hautstellen zeigen Haarverlust, eine feine silbrige Schuppung, eventuell leichten Juckreiz und Rötung. Meistens sind diejenigen Hautstellen betroffen, die im Neugeborenenalter den engsten Kontakt mit der Mutterhündin hatten (Kopf, Lefze, Augenlider, Vorderbeine). Der Verlauf dieser Form ist gutartig, sofern der Hund ein gut funktionierendes Immunsystem besitzt. 90% der befallenen Hunde heilen innerhalb von einer Zeitspanne von 8 - 12 Wochen ohne Therapie ab. Auf jeden Fall empfiehlt sich eine tierärztliche Beratung und Kontrolle.
Die generalisierte Form:
Sie kann in jedem Hundealter auftreten und befällt grössere und mehrere Hautbezirke und kann sich auf den ganzen Körper ausbreiten. Die betroffenen Hautstellen zeigen Haarverlust und teilweise Schuppung. Meistens entfaltet sich eine zusätzliche bakterielle Entzündung in den Haarfollikeln, die zu nässender, eitriger, schmerzhafter Entzündung mit Hautverdickung und Krustenbildung führt. In diesem Stadium ist der Juckreiz oft ausgeprägt. Die entzündete, infizierte und durch den Juckreiz zusätzlich geschädigte Haut bildet zusätzlich ein angenehmes Klima für die Demodex-Milben, sich noch mehr zu vermehren. Besonders hartnäckig können die Pfoten befallen sein. Die generalisierte Demodikose ist eine ernste Hauterkrankung und kann ohne Behandlung den betroffenen Hund sehr stark auszehren.
Bild lokalisierte Demodikose am Kopf
Bild generalisierte Demodikose am ganzen Körper
Wie kann die Demodikose diagnostiziert werden?
Zur Diagnose braucht es die Hilfe des Tierarztes/Tierärztin. Mit einem sogenannten Hautgeschabsel kann man die Milben oft erkennen. Dabei werden obere Hautschichten mit einem Spatel oder scharfen Löffel abgeschabt und unter dem Mikroskop beurteilt. In speziellen Fällen braucht es aber auch Hautbiopsien zur Diagnose, speziell beim Shar Pei, der sehr tief liegende Haarfollikel hat, oder auch wenn die Pfoten befallen sind. Die Hautbiopsien werden je nach Lokalisation unter lokaler Anästhesie oder einer allgemeinen Narkose entnommen. Dabei werden mehrere kleine Hautstücke chirurgisch entnommen und von einem Pathologen histologisch beurteilt.
Bild
Mikroskopische Ansicht der Demodexmilben nach einem Hautgeschabsel: mehrere ausgewachsene zigarrenförmige Milben mit 8 Beinen und einem langen Rumpf.
Gibt es eine Prophylaxe gegen die Demodikose?
Da nicht alle befallenen Hunde eine Behandlung brauchen, ist eine medikamentelle Vorbeugung sicher nicht empfehlenswert. Aber befallene Hunde, bei denen eine familiäre Häufung der Krankheit auftritt, sollen aus der Zucht genommen werden. Um die erbliche Immunschwäche gegen Demodex aus einer Rasse zu eliminieren, müssten nicht nur die betroffenen Hunde, sondern auch ihre Geschwister und Elterntiere aus der Zucht genommen werden.
Vorkommen
Die Alopezie X kommt familiär gehäuft vor beim Spitz, Husky, Alaskan Malamute, Samojede, Keeshond, American Eskimo Dog, Chow-Chow und auch beim Zwergpudel.
Verschiedene Namen der Alopezie X
Alopezie steht für Haarlosigkeit und X für die Tatsache, dass wir heute trotz intensiver Forschung an dieser seltsamen Erkrankung immer noch nicht viel über die Ursache wissen. Eine hormonelle Störung in den Haarwurzeln wird vermutet, gleichzeitig sind die verschiedenen Hormonspiegel im restlichen Körper aber normal. Die meisten Studien haben wir mit Zwergspitzen durchgeführt. Die Alopezie X hat viele verschiedene (ältere) Namen: Pseudo-Cushing-Syndrom, Wachstumshormon-abhängige Dermatose des erwachsenen Hundes, Kastrations-reaktive Dermatose, Östrogen-reaktive Dermatose, Testosteron-abhängige Dermatose, Biopsie-abhängige Dermatose, Störung der adrenal-produzierten Sexualhormone, kongenitales Nebennierenrinden-Hyperplasie-ähnliches Syndrom und der bei den Züchtern beliebte Name BSD (black skin disease).
Krankheitsbild
Erste Zeichen der Alopezie X tritt meist im Alter von 9 bis 24 Monaten auf, manchmal aber auch später. Rüden sind von der Alopezie X häufiger betroffen als Hündinnen. Die Erkrankung wird durch einen langsam fortschreitenden Haarverlust charakterisiert, wobei die Haut nicht entzündet (gerötet oder verdickt) ist. Das Haar erscheint zuerst spröde und matt bevor es ausfällt, manchmal wird auch eine Farbveränderung beobachtet (ausbleichen, aufhellen). Später ist ein fast vollständiger Haarverlust im Bereich des Rumpfes, des Nackens, der Oberschenkel und der Rute zu beobachten. Der Kopf und die Vorderbeine bleiben normal behaart. Die veränderten Hautstellen sind zum Teil schuppig und trocken anzufühlen. Kahle Hautareale, welche dem Sonnenlicht ausgesetzt werden, zeigen eine dunkle Pigmentierung. Aus diesem Grund wird die Erkrankung im englischen Sprachraum auch als BSD (black skin disease) bezeichnet. Es kann spontan oder auch durch Behandlungsversuche zu einem erneuten Wachstum der Haare kommen, welches allerdings meist nicht dauerhaft anhält.
Wichtig zu wissen ist, dass diese Hunde sonst gesund sind und keine anderen Beschwerden im Zusammenhang mit dieser Erkrankung haben.
Diagnose
Die Diagnose Alopezie X muss durch einen Tierarzt gestellt werden. Es gibt verschiedene sehr ähnlich aussehende Krankheiten, die zu einem fortschreitenden, nicht entzündlichen Haarverlust führen können. Die meisten kann der Tierarzt bereits durch einen Vorbericht und eine klinische Untersuchung ausschliessen. Zudem muss eine Schilddrüsenunterfunktion und eine Nebennierenüberfunktion (Cushing, Hyperadrenocortizismus) durch Blut- und Urinuntersuchungen ausgeschlossen werden. Eine zusätzliche Möglichkeit die Diagnose abzusichern, ist die histopathologische Untersuchung mehrerer Hautbioptate (Hautprobe von ca. 6 mm Durchmesser).
Genetik
Äußerst wichtig für den Fortbestand einer gesunden Hunderasse werden züchterische Maßnahmen sein. Hierbei ist zu bedenken, dass es sich bei der von Alopezie X betroffenen Hunderassen der Spitze um relativ kleine Populationen handelt, bei denen in den letzten Jahren stark mit betroffenen Hunden gezüchtet wurde. Mit erkrankten Tieren sollte nicht gezüchtet werden, um eine weitere Verbreitung der Erkrankung in der Spitzpopulation einzudämmen. Das Institut für Genetik der Vetsuisse-Fakultät an der Universität Bern (Arbeitsgruppe Prof. Dr. Tosso Leeb) führt eine Studie zur Aufklärung der Ursache und zur Entwicklung eines Gentests für die Alopezie X durch und benötigt dazu EDTA Blutproben von erkrankten und gesunden Spitzen (Zwergspitz, Kleinspitz, Mittelspitz, Grossspitz, Wolfsspitz). Inzwischen werden sowohl Proben von Einzeltieren als auch von ganzen Familien gesammelt.
Therapie
Da die Gesundheit der mit Alopezie X erkrankten Tier nicht beeinträchtigt ist, muss die Erkrankung nicht unbedingt therapiert werden. Ein Mänteli kann helfen, dass die Tiere bei garstiger Witterung nicht frieren. Falls die Therapie dennoch erfolgen soll, verfolgt sie einerseits das Ziel, das Haarwachstum wieder zu stimulieren und andererseits auch die trockene und spröde Haut- und Fellqualität zu verbessern.
Haarwachstumsfördernde Therapien:
- die Kastration kann beim Rüden eine vorübergehende (-3 Jahre) oder eine andauernde positive Wirkung auf das Fellwachstum haben
- verschiedene schwächere und stärkere Medikamente können in Tablettenform verabreicht werden, wobei zu empfehlen ist, bei den schwächeren zu beginnen. Bei den stärkeren Medikamenten muss der Hund regelmässig vom Tierarzt überwacht werden (mit Blutkontrollen).
Nicht alle Hunde sprechen auf diese verschiedenen Therapieformen an, manchmal bleibt die Haarlosigkeit bestehen, schreitet sogar fort oder verbessert sich auch ohne Therapie.
Pflegende Massnahmen zu Verbesserung der Haut- und Fellqualität:
- essentielle Fettsäuren über das Futter verabreicht
- Schuppenlösende Shampoos
- Spraybehandlung mit Pflegeprodukten (Babyoel und anderes)
Diese pflegenden Massnahmen werden meist kombiniert angewendet.
Bei gutem Ansprechen benötigen die Hunde die verabreichte Therapie meistens lebenslang.