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Bislang sind im Bereich der Marienverehrung sozialhistorische Aspekte kaum ins Blickfeld der Forschung gerückt und zahlreiche Fragen unbeantwortet geblieben. Nahm die Jungfrau im Leben frommer Frauen (Nonnen sowie Vertreterinnen der «religiösen Frauenbewegung») wirklich den Stellenwert ein, den die Erbauungs- und Unterrichtungsschriften vorzeichneten? Welche Berührungspunkte ergeben sich zwischen der traditionellen monialen Direktionsliteratur (Jungfrauenspiegel) und den spätmittelalterlichen Hausbüchern, Erziehungstraktaten und Frauenpredigten? Welche Bedeutung kam den schillernden Reformorden des Hochmittelalters in der Verbreitung der Marienverehrung zu? Geriet daneben der Weltklerus nicht zu Unrecht etwas in Vergessenheit?
War die Jungfrau der spätmittelalterlichen Theologen wirklich identisch mit der allmächtigen Mutter Gottes, die das zeitgenössische Wallfahrtswesen beseelte? - Was erlaubt uns, Parallelen zwischen Maria und der fernen Angebeteten der höfischen Dichtung zu ziehen? - Oder welche Funktion nahm die Jungfrau im politischen Denken des Mittelalters ein? Was bewegte Bischöfe und Könige, Städte und Nationen, ihr Abbild auf Siegel und Banner zu tragen? Was die neu entstandenen Universitäten, es ihnen gleich zu tun? Kurz, das Spektrum offener Fragen ist breit. Im vorliegenden Band versuchen ausgewiesene Vertreterinnen und Vertreter aus den Fachbereichen Geschichte, Germanistik, Kunstgeschichte und Theologie, Antworten zu finden.