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Hangbewegungen in den Alpen, Voralpen, im Jura und sogar im schweiz. Mittelland bilden vielenorts eine Naturgefahr. Der Umfang dieser Naturerscheinung ist freilich äusserst unterschiedlich. Die Masse des bewegten Gesteins kann von einigen Kubikmetern bis zu mehreren Kubikkilometern, die Geschwindigkeit der Bewegung von wenigen Millimetern im Jahr bis zu zehn Metern pro Sekunde reichen. Für die verschiedenen Formen haben der Volksmund und die Geologen eigene Begriffe geschaffen, wie B., Felssturz, Rutsch, Schlipf usw. Albert Heim hat in seiner Untersuchung des durch unüberlegte Ausbeutung eines Schieferbruchs verursachten Bergsturzes von Elm (1881) - bei vielen solchen Naturkatastrophen hat der Mensch seine Hand im Spiel - gezeigt, dass bei grosser Bewegungsenergie selbst beträchtl. Felsmassen im wörtl. Sinne durch die Luft fliegen und weite Strecken zurücklegen. Der Bergsturz von Randa dagegen vollzog sich 1991 in mehreren Schüben, so dass der Gesteinskegel nicht weit in das Tal rutschte, obwohl sich über 30 Mio. m³ Gestein bewegt hatten. Nicht mit B.n zu verwechseln sind Rüfen und Murgänge, wie z.B. 1987 im Puschlav, die häufig auf menschl. Einflüsse zurückzuführen sind (Rodung, Übernutzung, Erosion).
Rund 6% des Gebiets der heutigen Schweiz sind Zonen mit unstabilem Gestein. Ursachen für Instabilitäten sind der geolog. Aufbau, die morpholog. Tätigkeit und der Rückzug der Gletscher während und nach den Eiszeiten. Geologisch unstabile Zonen gibt es v.a. in Graubünden und in der Innerschweiz (Obwalden, Schwyz und Glarus). Obwohl einige stabilisiert worden sind, drohen dort weiterhin Erdrutsche und Rüfen. Einige Gebiete in den Kantonen Uri, Glarus und Wallis sind durch Felsstürze gefährdet; betroffen sind in erster Linie besonders exponierte Siedlungen und Verkehrswege.
Zu allen Zeiten haben sich B. tief in die kollektive Erinnerung eingegraben, zum einen wegen der hohen Opferzahl - Heim schätzt sie für das letzte Jahrtausend auf über 5'000, davon in Plurs im Veltlin (1618) mehr als 2'000, 1806 in Goldau 457 und in Elm 116 -, zum andern wegen der grossen Verwüstungen, die sie anrichteten: zerstörte Dörfer, unterbrochene Verkehrswege, abgeschnittene Täler, in denen sich Seen stauten, die sich sturzflutartig entleerten (Buzza di Biasca) oder erhalten blieben (Lago di Poschiavo, Klöntal, Schwarzsee, Derborence). Die mittelbaren wirtschaftl. Folgen konnten beträchtl. sein (z.B. Verlust der Lebensgrundlagen, Störung der Dienstleistungen, Schutzarbeiten und Kontrolle der Erdbewegungen). So hat der B. von Randa den Zugang nach Zermatt lange behindert. Die ständige Bedrohung durch eine Naturkatastrophe wirkte sich auch auf das gesellschaftl. Leben aus. So wollten die meisten Einwohner von Bristen nicht mehr in ihrem Dorf weiterleben, selbst nachdem es 1983 durch einen Schutzwall gegen einen drohenden B. gesichert worden war. Andererseits konnte eine durch B. bedrohte Bevölkerung auch keinerlei Gefahrenbewusstsein zeigen, obwohl diesem, z.B. 1584 in Yvorne während fünf Tagen, eindeutige Zeichen vorangingen.
Wo die Gefahr eines erneuten B.es besteht, wie z.B. in Randa, werden die Bewegungen überwacht. In mehreren Kantonen wurden die gefährl. Gesteinsmassen kartografisch erfasst. Die Einschätzung der Gefährlichkeit der B. hängt davon ab, welche Objekte (Siedlungsgebiet, Verkehrswege usw.) bedroht sind. Stabilisierungs- und Schutztechniken, wie Verankerungen, Drainagen, Netze, Wälle und Schutzgalerien lassen sich auf räumlich eingegrenzte Gefahrenzonen anwenden. Die gängigste Schutzmassnahme der Gemeinden sind Bauverbote in Gefahrengebieten.
Literatur
– A. Heim, Bergsturz und Menschenleben, 1932
– E. Recordon et al., Détection et utilisation des terrains instables (DUTI), 1985, (mit Lit.)
Autorin/Autor: Christophe Bonnard / AW