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Biofilmanlagerung auf modernen Abutmentmaterialien
Dentale Implantate aus Titan werden heute sehr häufig für den Ersatz fehlender Zähne eingesetzt. Obwohl die Überlebensrate nach 10 Jahren bei ca. 90 % liegt, ist es wichtig, die Osseointegration und den Erhalt der perimplantären Gewebe weiter zu verbessern. Entzündungen dieser Gewebe betreffen 10% der Implantate und 20% der Patienten nach 5 bis 10 Jahren. Es gibt aber auch einige Studien, in denen höhere Werte fest gestellt wurden.
In diesem Zusammenhang haben die Auswahl des Materials und das Design des Abutments bei der pro thetischen Versorgung von Implantaten einen großen Einfluss. Mit der Einführung von individuell gestalteten und fabrizierten (CAD/CAM) Abutments ist es möglich, besser auf die individuellen funktionellen und ästhetischen Bedürfnisse der Patienten einzugehen. Neben den rein ästhetischen Überlegungen lässt sich die Schnittstelle zwischen prothetischer Suprastruktur und Implantat besser positionieren, was z. B. bei zementierten Versorgungen die Entfernung von Zementüberschüssen vereinfacht. Wegen der vergrößerten Kontaktfläche zu den periimplantären Geweben ist das Abutment für den Erhalt der perimplantären Gesundheit immer wichtiger.
In der vorliegenden Laborstudie sollte die Bildung eines Biofilms auf der Oberfläche verschiedener Abut ments untersucht werden. Die Proben wurden aus Titan, Zirkon und Polyetheretherketone (PEEK) gefertigt, während Proben aus Polymethylmethacrylat (PMMA) als Referenz dienten. Alle Proben wurden mit Hilfe eines feinen Schleifpapiers auf Hochglanz poliert. Die Rauigkeit der Oberflächen wurde profilometrisch bestimmt und die freie Energie an der Oberfläche mittels Messungen der Kontaktwinkel errechnet. Nach der Simulation einer Pellikelbildung durch Speichel wurde der Biofilm durch das Einlegen der Proben in eine Lösung aus Streptococcus gordonii, Streptococcus mutans, Actinomyces naeslundii und Candida albicans für entweder 20 oder 44 Stunden erzeugt. Die an den Proben haftende Biomasse und der prozentuale Anteil an toten Mikroorganismen wurden in den verschiedenen Biofilmen bestimmt.
PEEK und PMMA zeigten eine signifikant geringere Rauigkeit der Oberfläche als Zirkon und Titan (p < 0,001). Die freie Energie an der Oberfläche war für Zirkon signifikant niedriger als für PEEK (p = 0,038). Sowohl die Biomasse als auch die Zahl toter Mikroorganismen im gebildeten Biofilm waren nach 44 Stunden signifikant größer als nach 20 Stunden. Nach 20 Stunden zeigte PEEK signifikant weniger Biomasse auf der Oberfläche als alle anderen Materialien (p < 0,0125).
Schlussfolgerungen: Innerhalb der Grenzen dieser Laborstudie deuten die Resultate darauf hin, dass die Bildung eines Biofilms auf einer Oberfläche aus PEEK geringer ausfällt als auf den häufig verwendeten Werkstoffen Titan oder Zirkon. Polymere Materialien wer den in Zukunft sicher immer öfter in der Zahnmedizin zum Einsatz kommen und herkömmliche Materialien verdrängen. Es bedarf aber weiterer klinischer Studien, um diese Ergebnisse zu bestätigen.
Hahnel S, Wieser A, Lang R, Rosentritt M. Biofilm formation on the surface of modern implant abutment materials. Clin Oral Implants Res 2015;26:1297-1301.
Folgekosten bei Implantatversorgungen beachten
Implantatgetragene Versorgungen sind wegen der Kombination eines chirurgischen mit einem prothetischen Arbeitsschritt mit hohen Kosten für den Patienten verbunden. Dennoch wird oft nur über die finanziellen Aufwendungen für die initiale Behandlung gesprochen, obwohl der regelmäßige Unterhalt und auch mögliche technische, biologische oder ästhetische Komplikationen zusätzliche Kosten verursachen. Bis heute sind wirtschaftliche Aspekte von Implantatbehandlungen nur selten in der Literatur diskutiert worden, und wenn dies doch geschah, dann vor allem im Zusammenhang mit zahnlosen Patienten. Die Kosten stellen für Patienten immer einen entscheidenden Faktor bei der Wahl einer Behandlungsoption dar, was insbesondere dann gilt, wenn keine Kostenübernahme durch Krankenkassen oder Versicherungen möglich ist.
In der vorliegenden Studie sollte eine Schätzung der Kosten für Komplikationen bei implantatgetragenen Einzelzahnversorgungen unter Einschluss der Aufwendungen für unterschiedliche prothetische Lösungen über einen Zeitraum von 16 bis 22 Jahren erfolgen. 50 Patienten mit 59 einzelnen Implantaten wurden klinisch untersucht. Die prothetischen Versorgungen schlossen Einzelzähne und CeraOneAbutments ein, welche mit metallkeramischen, vollkeramischen oder Gold AcrylatKronen versorgt worden waren. Die durch technische, biologische oder ästhetische Komplikationen entstandenen Kosten wurden den Kranken geschichten entnommen. Gesamtkosten und jährliche Aufwendungen wurden als ein Prozentsatz der initialen Kosten berechnet. Es erfolgte eine Aufzeichnung der zur Lösung der Probleme verwendeten Stuhlzeit, und die prothetischen Varianten wurden statistisch verglichen.
Die Aufwendungen für die Behebung zusätzlicher Komplikationen summierten sich nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 18,5 Jahren auf 23 % (Spanne: 0 bis 110 %) der initialen Behandlungskosten. Insgesamt waren bei 39 % der Implantate keine Zusatzkosten entstanden, während 22 % der Versorgungen zusätzliche Mehrkosten von über 50% und 8% sogar Zusatzkosten in Höhe von 75% verursachten. In 2% der Fälle überstiegen die Kosten für die Behebung der Komplikationen die initialen Behandlungskosten. Die durchschnittlichen Zusatzkosten lagen bei jährlich 1,2 % (Spanne: 0 bis 6 %). Der Zeitaufwand für die Behandlung der Komplikationen betrug 67 Minuten pro Implantat (Spanne: 0 bis 345 Minuten). Die unterschiedlichen prothetischen Versorgungen hatten einen statistisch signifikanten Einfluss auf die jährlichen und die Gesamtkosten sowie den Zeitaufwand. Es zeigten sich signifikant höhere Kosten für die GoldAcrylat Versorgungen.
Schlussfolgerungen: Patienten sollten im Rahmen der Behandlungsplanung über mögliche Kosten für die Behebung von Komplikationen nach der Versorgung auf Einzelzahnimplantaten informiert werden. Die durchschnittlichen Aufwendungen für die Lösung der Probleme betrug fast ein Viertel der initialen Behandlungskosten. Mehrheitlich verursachten die Implantate geringere zusätzliche Kosten, wohingegen bei 22% über die Hälfte der initialen Kosten für die Behebung von Komplikationen aufgewendet werden musste. Bezüglich der Ausgaben zeigten sich klare Unterschiede zwischen den verschiedenen prothetischen Lösungen.
Dierens M, Vandeweghe S, Kisch J, Nilner K, Cosyn J, de Bruyn H. Cost estimation of single-implant treatment in the periodontally healthy patient after 16-22 years of follow-up. Clin Oral Implants Res 2015; 26:1288-1296.