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Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern zu eliminieren. Die epidemiologische Überwachung dieser Krankheit ist wichtig, um sporadische Fälle und Ausbrüche zu erkennen, Massnahmen zur Verhinderung einer Übertragung zu ergreifen, und die Fortschritte auf dem Weg zur Elimination zu dokumentieren.
Aktualisierung: 16.07.2019
Das Ziel: Elimination der Masern
Die WHO zielt darauf ab, die Masern zu eliminieren. Die Schweiz hat sich - wie alle anderen europäischen Länder auch - hinter dieses Ziel gestellt. Sie möchte dies durch eine Erhöhung der Durchimpfung in der Bevölkerung, ein griffiges Meldesystem und die Kontrolle von Ausbrüchen erreichen. Die WHO hat festgelegt, dass die Masern dann eliminiert sind, wenn während mindestens 12 Monaten keine endemischen Fälle mehr auftreten. Die eingeschleppten bzw. mit einer Einschleppung assoziierten Fälle werden dabei nicht gezählt, und es ist die Aufgabe des Meldesystems, diesen Nachweis zu erbringen. Weiter sind bei jedem sporadisch auftretenden Fall - unabhängig davon ob eingeschleppt oder endemisch - Massnahmen zu treffen, um die Übertragung der Krankheit zu verhindern. Dies ist umso wichtiger, wenn ein Ausbruch mit mindestens zwei miteinander verbundenen Fällen auftritt. Voraussetzung dafür ist, dass Masernfälle rasch erkannt, durch einen Labornachweis bestätigt und innerhalb kurzer Frist den zuständigen Gesundheitsbehörden gemeldet werden. Der Lagebericht zur Masernsituation beschreibt die im Rahmen der obligatorischen Meldepflicht verzeichneten Fälle und fasst die getroffenen Massnahmen zusammen
Allgemeine Lage
Von Anfang Januar bis 16. Juli 2019 wurden in der Schweiz 204 Fälle von Masern verzeichnet, mehr als achtmal soviele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres (25 Fälle). Die Inzidenz ist von 2,5 (2018) auf 23,9 (2019) Fälle pro Million Einwohner gestiegen (nicht-annualisierte Inzidenz). Der letzte gemeldete Fall ereignete sich am 7. Juni. Die Ausbrüche welche in der Schweiz zwischen Januar und Mai 2019 aufgetreten sind, konnten eingedämmt werden.
Von den 204 bislang im 2019 gemeldeten Personen waren 19% Einzelfälle, die verteilt über dreizehn Kantone auftraten. Die Mehrheit der Fälle (63%) gehörte zu einem Ausbruch, wobei ein solcher als ‘mindestens zwei epidemiologisch zusammenhängende Fälle’ definiert ist. 18% der Fälle konnten noch nicht klassifiziert werden. Allein im Kanton Bern sind 82 Fälle aufgetreten (40% des Totals). 60% der Fälle sind endemisch aufgetreten, 17% wurden importiert, 10% standen in Zusammenhang mit importierten Masern, und 13% konnten nicht zugeordnet werden. 20% der Fälle waren unter 10 Jahre alt, 24% zwischen 10 und 19 Jahre alt, und 56% 20 Jahre und älter. 91% der 160 Fälle mit bekanntem Impfstatus waren nicht oder nicht ausreichend geimpft. 43 Fälle (21% der 203 Fälle, für die eine Arztmeldung vorlag) mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden; bei 14 (7%) wurde eine Lungenentzündung diagnostiziert, in 1 Fall eine Enzephalitis (0,5%).
Dem BAG wurden seit Anfang Jahr zwei Todesfälle gemeldet, welche in Zusammenhang mit Masern stehen. Beim ersten Fall handelt es sich um einen ca. 30-jährigen zuvor ungeimpften Mann, welcher sich in seinem privaten Umfeld mit Masern angesteckt hat. Er wurde 67 Stunden nach Exposition nachgeimpft. Diese Impfung kam aber leider zu spät, denn er erkrankte trotzdem an Masern, verursacht durch ein nachgewiesenes Wildtyp-Virus. Er verstarb innert kürzester Zeit zu Hause, die genaue Todesursache wird abgeklärt. Beim zweiten Fall handelt es sich um einen ca. 70-jährigen Mann, welcher wegen einem Krebsleiden immunsupprimiert war. Wie sich der Mann mit Masern angesteckt hat, ist nicht bekannt. Er verstarb wenige Tage nach Beginn einer masernbedingten Lungenentzündung trotz Intensivpflege im Spital.
Ausbrüche
Die 30 im Jahr 2019 festgestellten Ausbrüche umfassten je zwischen 2 und 31 Fälle. Sie traten – teils über Kantonsgrenzen hinweg – in zwölf Kantonen auf (siehe Grafik). Die Fälle wurden in Ausbrüche gruppiert, und zwar hauptsächlich aufgrund eines bekannten epidemiologischen Zusammenhangs zwischen den Fällen (Besuch derselben Schule, familiäre Exposition, genaue Erwähnung des Kontakts zu einem anderen Fall). Die genetische Analyse der zirkulierenden Masernviren zeigt jedoch, dass seit Anfang des Jahres der ganzen Schweiz im Wesentlichen dieselbe Virusvariante (D8-4683) zirkuliert (68 von 91 untersuchten Fällen; 75%). Die 23 Fälle mit anderen Varianten des Genotyps wurden alle importiert oder sind mit einem importierten Fall verbunden. Es ist daher wahrscheinlich, dass alle oder ein Teil der vielen Ausbrüche, die mit der dominanten Virusvariante assoziiert sind, tatsächlich einen einzigen grossen Ausbruch darstellen.
Die grössten Ausbrüche wurden in folgenden Kantonen festgestellt:
- Genf – 5 Fälle zwischen dem 12. Januar und dem 5. Februar 2019; betroffen war eine Mutter mit ihrem Kleinkind sowie drei Hotelangestellte. Keiner dieser Fälle war vollständig geimpft. Die Ansteckungsquelle des Index-Falls – die Mutter – konnte nicht eruiert werden. Der erste Fall im Hotel wurde von einem Kunden aus dem an Genf angrenzenden Gebiet Frankreichs angesteckt. Auch wenn keine direkte epidemiologische Verbindung zwischen den beiden Transmissionsketten festgestellt werden konnte, wurden diese doch demselben Ausbruch zugeordnet. Denn die räumlich-zeitliche Nähe der Fälle sowie die Genotyp-Analyse, welche identische Viren in beiden Ketten zeigte, sprachen dafür.
- St. Gallen und Zürich – 6 Fälle zwischen dem 27. Januar und dem 20. Februar 2019. Zwei dieser Fälle waren vollständig geimpft. Infiziert auf den Philippinen, hat der erste Fall auf dem Heimflug in die Schweiz zwei andere Personen angesteckt und dann die Infektion an den Bruder und eine Gesundheitsfachperson weitergegeben. Der Bruder steckte eine weitere Gesundheitsfachperson an. Alle Fälle waren Erwachsene im Alter von 18 bis 66 Jahren.
- Neuenburg und Bern – 31 Fälle zwischen dem 1. Februar und dem 10. März 2019; die Ansteckungen fanden im familiären und schulischen Rahmen statt (8 Fälle im Kanton Neuenburg, 23 Fälle im Kanton Bern). Keiner der Fälle war geimpft, ausser zweien die lediglich mit einer Dosis geimpft waren. Die beiden ersten Fälle traten fast gleichzeitig in derselben Gemeinde Neuenburgs auf, ohne dass die Quelle der Exposition identifiziert werden konnte. Einer dieser Fälle hat dann die Masern in eine Privatschule in Biel eingeschleppt. 28 der Fälle dieses Ausbruchs waren Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 3 und 16 Jahren, und 3 waren Erwachsene im Alter zwischen 35 und 40 Jahren.
- Bern – 6 Fälle zwischen dem 4. und 29. März 2019; die Ansteckung fand in familiären Rahmen bzw. in Wohngemeinschaften statt. Ein Fall war unvollständig mit nur einer Dosis geimpft, die anderen waren nicht geimpft. Mit Ausnahme eines 2-jährigen Kindes waren alle Fälle zwischen 29 und 34 Jahren alt.
- Bern – 12 Fälle zwischen dem 9. und 30. März 2019; betroffen waren Kinder im Alter von 1 bis 15 Jahren. Die Ansteckung fand hauptsächlich im schulischen Rahmen statt und setzte sich teilweise in der familiären Umgebung fort. Lediglich einer dieser Fälle war vollständig geimpft.
Bewertung im Hinblick auf das Eliminationsziel
Angesichts der detaillierten Surveillance-Daten hat die WHO im 2017 zum ersten Mal bestätigt, dass die endemische Zirkulation des Masernvirus in der Schweiz 2016 unterbrochen werden konnte. Sie hat dies auch für 2017 bestätigt. Die Daten für 2018 weisen in dieselbe Richtung. Dieser Erfolg basiert im Wesentlichen auf tendenziell zunehmenden Durchimpfungszahlen (87 % bei den 2-Jährigen, 93 % bei den 16-Jährigen; Werte für 2 Dosen). Die Situation ist jedoch fragil: Die Elimination der Masern kann nur erreicht werden, wenn mindestens 95 % der Bevölkerung gegen Masern immun sind. Personen, die mit 2 Dosen geimpft sind, nachweislich die Masern hatten, oder 1963 oder in den Jahren davor geboren sind, verfügen in der Regel über eine ausreichende Immunität. Wer unsicher ist, wie es um die Immunität gegen Masern steht, kann kostenlos den Risiko-Check Masern des BAG durchführen.
Insbesondere die grösseren Ausbrüche in den Kantonen Neuenburg und Bern zeigen jedoch, dass nebst der Impfung zusätzliche Massnahmen erforderlich sind, um die Ausbreitung der Masern zu verhindern. Dazu gehört zum Beispiel die Identifikation der Kontaktpersonen, der KiTa- bzw. Schulausschluss von nicht-geimpften Kindern bzw. Jugendlichen, die Impfung des Umfeldes von Erkrankten sowie die postexpositionelle Impfung. Darüber hinaus müssen alle Fluggäste, die im selben Flugzeug wie ein infektiöser Masernfall reisen, über die Exposition und allfällige Massnahmen informiert werden.
Dokumente
Meldepflichtige Infektionskrankheiten 2019 (PDF, 572 kB, 17.12.2018)Leitfaden zur Meldepflicht 2019
Richtlinien zur Bekämpfung von Masern und Masernausbrüchen (PDF, 1 MB, 19.04.2013)Richtlinien und Empfehlungen - Stand: März 2019
Empfehlungen zur Prävention von Masern, Mumps und Röteln (PDF, 767 kB, 25.03.2019)Richtlinien und Empfehlungen - Stand: März 2019
Links
Medien
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Zahlen zu Masern
Entwicklung der wöchentlichen Fallzahlen auf der Basis des obligatorischen Meldesystems, welches aufgrund von Meldungen der Ärzte erstellt wird.
Letzte Änderung 16.07.2019