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Die grossen Zifferblätter
Für gut lesbare Zifferblätter bestand ursprünglich kein Bedarf. Das akustische Zeitsignal der Glocke genügte vollauf und wurde erst noch viel weiter herum wahrgenommen. Erst 1608 erhielt ein Kupferschmied den Auftrag, «…grosse runde kupferine schyben, daruff die buchstaben gemalen…» anzufertigen.
Die Zifferblätter sollten die Stunden und die Viertelstunden anzeigen, für Minuten bestand kein Bedarf. Noch heute weist das östliche Zifferblatt zwei Kreise auf. Der äussere, der Stundenkreis, ist mit gotischen römischen Zahlen von I bis XII beschriftet. Als Zeiger dient der längere der beiden, mit der goldenen Hand und dem drehbaren Sonnenemblem, dessen Gesicht immer in aufrechter Position steht. Der zweite, innere und schmälere Kreis ist, den Viertelstunden entsprechend, mit römischen Zahlen von I bis IIII beschriftet. Die Anzeige geschieht durch den kürzeren, pfeilförmigen Zeiger.
Das Zifferblatt mit seiner schwarzgoldenen Erscheinung symbolisiert die Schöpfungsgeschichte der Bibel, die im Mittelalter als wichtiges Dogma galt. So heisst es in Genesis I, 1-3: «Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wäst und leer und es war finster in der Tiefe… Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.» Der schwarze Grund stellt die finstere Tiefe, die goldenen Ziffern und Zeiger das Licht und damit den Beginn der Zeit dar. Das Ganze wird zu einem eindrücklichen Schauspiel, wenn im Frühling und im Herbst die Sonne über der Kramgasse aufgeht und fast horizontal auf das Zifferblatt scheint.
Das westliche Zifferblatt war ursprünglich auch schwarzgold konzipiert und versinnbildlichte ebenso die Lichtwerdung aus der Schöpfungsgeschichte. 1930 gestaltete Viktor Surbek die Westfassade mit dem Zifferblatt neu. Sein Wandbild stellt die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies dar.