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Schloss Arenenberg mit Schlosskapelle – Napoleon lässt grüssen
Das im 16. Jahrhundert errichtete Schloss Arenenberg beherbergt das heutige Napoleon-Museum und befindet sich am Ufer des Untersees (des kleinen Bodensees) in der Gemeinde Salenstein im Kanton Thurgau. Gegenüber ist die Insel Reichenau zu sehen. Seine kulturhistorische Bedeutung erlangte das Anwesen als Wohnsitz der Mutter des späteren französischen Kaisers Napoleon III.
Schloss Arenenberg ist von der Denkmalpflege und der Haager Konvention als schützenswertes Kulturgut der Klasse A gelistet und als Baudenkmal und Museum für den Publikumsverkehr geöffnet. Es gehört zu den schönsten und beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Bodensee-Rundwanderweges und ist aufwendig und liebevoll restauriert. Die Einrichtung des Museums besteht weitgehend aus der Originalmöblierung der Familie Napoleons.
Die Wiege Napoleons hat ihren Ursprung im 16. Jahrhundert
Der damalige Konstanzer Bürgermeister Sebastian Geissberg liess das Gebäude Anfang des 16. Jahrhunderts erbauen. Zuvor stand an derselben Stelle der kleinen Anhöhe am Untersee namens Narrenberg ein Bauernhof. Der Name Narrenberg schien den künftigen Bewohnern nicht zu gefallen, und so gebrauchten sie nach und nach den Namen Arenenberg, der sich vermutlich auf den kleinen Abhang zum See bezieht, Arnhalde genannt.
So erhielt das Anwesen schliesslich den Namen Schloss Arenenberg. Diese Schreibweise hat sich jedoch erst im 18. Jahrhundert durchgesetzt. Ein palastartiges, in Seenähe errichtetes Gebäude wird oft als Wasserschloss bezeichnet. Auf die Idee, den gutshofartigen Besitz Wasserschloss zu nennen, ist jedoch niemand gekommen – wohl, weil das Bauwerk auf einem kleinen Berg thront.
1585 wurde das herrschaftliche Gut von der Eidgenossenschaft zum Freisitz erhoben. Damals befand es sich im Besitz der Familie Hans Konrad von Schwarach. Im 18. Jahrhundert wurde es von einer Familie Streng erworben. Die in Paris geborene ehemalige holländische Königin Hortense de Beauharnais (1783–1837) erwarb das Schloss 1817 von Johann Babtist von Streng für einen Schnäppchenpreis von 30’000 Gulden. Sie lebte zu dieser Zeit im Exil in Konstanz und wünschte sich einen eigenen, sicheren Wohnsitz am Wasser.
Hortense war die Mutter von Napoleon III., dem späteren Kaiser von Frankreich, und die Gattin von Louis Bonaparte, der nur ganze vier Jahre als König von Holland regieren durfte. Bevor die Ex-Königin das leicht baufällige Schloss ab 1818 bewohnte, wurde es standesgemäss umgebaut. Danach verliess sie es bis zu ihrem Tod nicht mehr.
Der Umbau war nachhaltig und lehnte sich an den damaligen Pariser Stil an. Die Umfassungsmauer wurde gekürzt, am Hauptgebäude liess Hortense die Zinnen und das Türmchen entfernen. Sie behielt nur eines der Wirtschaftsgebäude, in dem sich später das Studierzimmer ihres ältesten Sohnes, des späteren französischen Kaisers, befand. Verantwortlich für den Umbau war der Konstanzer Baumeister Johann Baptist Wehrle.
Auch die Inneneinrichtung entsprach dem Pariser Geschmack. Hortense legte rund um das Schloss einen Landschaftspark an, dessen Planung dem französischen Gartenarchitekten Louis-Martin Berthault zugesprochen wird. Das ist jedoch nirgends belegt. Ihr Bruder Eugène de Beauharnais kaufte 1819 die Ländereien der Herrschaft Sandegg, um während der Sommermonate seiner Schwester nahe sein zu können, und liess dort das Schloss Eugensberg erbauen.
Hortense pflegte mit Hingabe das gesellschaftliche Leben in ihrem Schweizer Exil. Angesehene Künstler und Persönlichkeiten sowie Vertreter des Hochadels waren bei ihr zu Gast. Namen wie Alexandre Dumas, François-René de Chateaubriand, Casimir Delavigne und Julie Récamier standen auf ihrer Gästeliste.
In der Nähe von Schloss Arenenberg kaufte ihr jüngster Sohn, Charles Louis Napoléon Bonaparte, das Wasserschloss Gottlieben. Er verbrachte, wie auch seine zwei älteren Brüder, einen Grossteil seiner Kindheit auf der Schweizer Seite des Bodensees im romantischen Schloss Arenenberg, wollte Schloss Gottlieben nach dem Tod seiner Mutter 1837 als Alternativwohnsitz nutzen, verkaufte es jedoch kurze Zeit später wieder.
Nach mehreren missglückten Putschversuchen befand sich Louis Napoléon 1843 im Exil in England. Weil er Geld benötigte, verkaufte er auch Schloss Arenenberg. Er erhielt für das Anwesen 73’000 Gulden von einem ehemaligen Klavierlehrer aus Chemnitz, der durch die Ehe mit der Witwe des Marquis de Marcillac zu Reichtum gekommen war. Im April 1855 kaufte Napoleons Frau, Kaiserin Eugenie, Schloss Arenenberg zurück und schenkte es ihrem Gatten zum Geburtstag. Sie liess es 1855 und 1874 renovieren und erneut teilweise umbauen.
Der letzte belegte Aufenthalt Napoleons III. auf Schloss Arenenberg fand im August 1865 statt. Eugenie besuchte nach dem Tod des Kaisers noch mehrmals das Schloss, ohne jedoch länger darin zu wohnen. 1906 schenkte sie das gesamte Anwesen dem Kanton Thurgau.
Schloss Arenenberg ist ein weltbekanntes Napoleonmuseum
Im gut erhaltenen Schloss können die möblierten Räume im Parterre und in der ersten Etage besichtigt werden sowie zahlreiche Gemälde und Kunstgegenstände aus der Zeit des Empire. Ein Grossteil der prachtvoll ausgestatteten Räume befindet sich im restaurierten Originalzustand. Vor dem Eingang steht eine kleine neugotische Kapelle. Das Ökonomiegebäude wird vom Thurgauer Land- und hauswirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum genutzt. Zum 200. Geburtstag Napoleons III. im Jubiläumsjahr 2008 wurde der Schlosspark im Stil eines englischen Landschaftsgartens erneuert.
Schloss Arenenberg mit der Schlosskapelle und dem Schlosspark stellen ein Kulturdenkmal europäischen Ranges dar. Es lohnt sich zu jeder Jahreszeit, der Wiege Napoleons am Untersee einen Besuch abzustatten.
Oberstes Bild: Schloss Arenenberg, Schweiz – Wohnsitz der Königin Hortense de Beauharnais und des späteren Kaisers Napoleon III. (© Muesse, Wikimedia, CC)