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Weizen, Gluten & Co.: Tipps für einen klaren Kopf
Immer wieder erlebe ich in der Praxis, dass Weizen und Gluten schlecht vertragen werden und sich Beschwerden verbessern, wenn diese in reduzierter Menge genossen oder sogar ganz aus dem Ernährungsplan gestrichen werden. Was steckt hinter dieser Beobachtung?
Allergie, Unverträglichkeit oder Sensitivität?
Im Zusammenhang mit Weizen und Gluten gibt es verschiedene Formen von Krankheitsbildern:
Die Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)ist eine Autoimmunerkrankung, von der circa 1% der Bevölkerung betroffen ist. Die Krankheit wird häufig vererbt und kann in jedem Alter auftreten. Auslöser ist das Klebereiweiß Gluten. Der Verzehr von glutenhaltigen Getreidesorten führt zu einer Entzündung des Dünndarms. Betroffene müssen vollständig und lebenslang auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten.
Bei der Weizenallergie findet eine übertriebeneimmunologische Reaktion des Körpers gegen Weizenproteine statt. Wird eine Weizenallergie diagnostiziert, müssen Weizen und verwandte Getreidesorten vom Speiseplan gestrichen werden.
Eine dritte Weizenunverträglichkeit ist die Weizensensitivität. Sie kann sich auf ähnliche Weise wie Zöliakie äussern mit Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall, Müdigkeit und Leistungsabfall. In den 1980er Jahren entdeckten Mediziner einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Gluten und den auftretenden Beschwerden und nannten die Unverträglichkeit Glutensensitivität. Mittlerweile gehen Experten jedoch davon aus, dass nicht das Klebereiweiß schuld ist und sprechen bewusst von einer Weizensensitivität.
Warum kann Weizen das Immunsystem stressen?
In Untersuchungen wurde die Reaktion des Immunsystems auf alte Urgetreidesorten mit denen auf gezüchtete Hochleistungsgetreide verglichen. Dabei fanden die Forscher heraus, dass wahrscheinlich Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI) die Verursacher für die Beschwerden sind. ATIs aktivieren das sogenannte angeborene Immunsystem. Damit mobilisieren sie Abwehrkräfte und es kommt bei sensitiven Menschen zu leichten Entzündungsreaktionen im Darm, aber auch im Rest des Körpers. Die Forscher vermuten, dass die ATIs bei einer Reihe von Immunerkrankungen und Autoimmunerkrankungen wie entzündlichen Darmerkrankungen, Rheumatoide Arthritis oder Multiple Sklerose eine Rolle spielen.
Aufgrund der Züchtung von Hochleistungssorten hat der Gehalt an ATI im Weizen zugenommen. Moderne Züchtungen enthalten etwazwei- bis dreimal so viele ATIs wie ältere Sorten. In Dinkel sind es im Vergleich zu modernem Weizen etwa halb so viele. Relevant sind ATIs hauptsächlich bei Weizen, Gerste und Roggen. Ihr Vorhandensein ist stark an den Glutengehalt des Getreides gekoppelt.
Glutenhaltiges Getreide aus Sicht der TCM: Kraftquelle oder Klebstoff?
In der TCM gilt Getreide als wichtigstes Grundnahrungsmittel und übt durch seinen süßen Geschmack eine stützende Wirkung auf unsere "Mitte" (Milz und Magen) aus und wird vor allem dem Erd-Element zugeordnet. Ein Getreidekorn ist ein kleines Kraftwerk: Wenn es in Erde gesteckt und befeuchtet wird, kann es keimen und wachsen. Es beherbergt also sehr viel lebendige Energie. Getreide kann deshalb therapeutisch bei Trägheit, Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Verdauungsproblemen eingesetzt werden. Wird es jedoch im Übermass genossen, erzeugt es genau diese Symptome - insbesondere bei Menschen, die vom Stoffwechseltyp her Eiweiss besser vertragen als Kohlenhydrate. In unserer heutigen Ernährung konsumieren wir wenig vollwertiges Getreide und dafür sehr viel verarbeiteten Weizen in Form von Brot, Müesli, Teigwaren, Backwaren, Süssigkeiten etc.
Zusammen mit Zucker und Milchprodukten führen wir unserem Körper also viele Nahrungsmittel zu, welche die Tendenz haben, sich im Körper als Feuchtigkeit oder Schleim anzuhäufen. Dies zeigt sich beispielsweise mit Übergewicht, Ödemen, Müdigkeit, Trägheits- und Benommenheitsgefühl, verlangsamtem Denken und verminderter Konzentrationsfähigkeit - alles Symptome einer geschwächten Milz-Energie. Vor allem glutenhaltige Kohlenhydrate können uns also „verkleben“ und träge machen. Deshalb lohnt es sich, stark glutenhaltige Getreide, genauso wie auch Zucker und Milchprodukte, im Mass zu geniessen und dafür mehr von den glutenfreien Getreidesorten in den Speiseplan einzubauen – so behalten Sie immer einen klaren Kopf!
Bei leichten Symptomen wie Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden oder Erkältungsanfälligkeit ist es sinnvoll, den Konsum von Weizen auf einmal täglich zu reduzieren. Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem, Allergien oder Autoimmunerkrankungen profitieren allerdings oft davon, wenn sie sich weizenfrei oder phasenweise sogar glutenfrei ernähren. Es gibt jedoch keine allgemeingültige Regel - die Ernährung sollte kontinuierlich der individuellen Konstitution, der jeweiligen Lebensphase und dem aktuellen Gesundheitszustand angepasst werden.
Meine Empfehlung:
konsumieren Sie stark glutenhaltige Getreidesorten nicht mehr als einmal täglich
bevorzugen Sie vollwertige Getreideprodukte (Vollkornteigwaren, Vollkornbrot etc.)
ersetzen Sie Weizen wo immer möglich durch Dinkel
wählen Sie bei den restlichen Mahlzeiten glutenfreie Getreidesorten oder solche mit
niedrigerem Gehalt an Gluten
stark glutenhaltige Getreidesorten
Weizen
Roggen
Gerste
glutenhaltige Getreidesorten
Hafer
Dinkel
Grünkern
Emmer
Einkorn
Kamut
glutenfreie Getreidesorten
Mais
Reis
Hirse
Buchweizen
Quinoa
Amaranth
glutenfreie Haferflocken
Die individuelle Verträglichkeit testen
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Beschwerden durch Weizen oder Gluten ausgelöst werden, empfehle ich Ihnen, zuerst für mindestens drei Wochen konsequent auf alle entsprechenden Nahrungsmittel zu verzichten. Falls sich Ihre Symptome massgeblich verbessern, können Sie damit beginnen, einmal täglich weizen- bzw. glutenhaltige Nahrungsmittel zu essen. Falls Sie beschwerdefrei bleiben, empfehle ich Ihnen, bei dieser Menge zu bleiben. Falls die Symptome jedoch zurückkommen, sollten Sie vorläufig auf Weizen bzw. Gluten verzichten und nach 2-3 Monaten wieder einen Versuch machen.
Falls Ihre Beschwerden sich nicht verbessern durch das Weglassen von Weizen bzw. Gluten, könnte es sich allenfalls lohnen, einmal Milchprodukte auf ihre Verträglichkeit zu testen. Diese können ganz ähnliche Beschwerden auslösen bei übermässigem Konsum oder Unverträglichkeit. In diesem Fall empfehle ich Ihnen, für drei Wochen ganz konsequent auf jegliche Milchprodukte zu verzichten und zu beobachten, ob sich Ihre Symptome in dieser Zeit verbessern. Falls dies der Fall ist, können Sie schrittweise verschiedene Milchprodukte ausprobieren: Welche Milchprodukte vertragen Sie gut und in welcher Menge? Welche verursachen Beschwerden? So können Sie sich an Ihre individuelle Verträglichkeit herantasten.