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Pfarrkirche St. Martin
Der Flecken und Hauptort Schwyz
Der Urkanton Schwyz und sein gleichnamiger Hauptort werden noch im 18. Jahrhundert «Schweiz» geschrieben. «Swizter» ist in Süddeutschland schon im 14. Jahrhundert nicht nur die Bezeichnung für das kriegerische Volk dieses Urkantons, sondern für alle Einwohner der Eidgenossenschaft. Schwyz, wie es seit dem 19. Jahrhundert genannt wird, ist damit schon früh Namensgeberin der Schweiz.
|Der Flecken Schwyz mit den beiden Haken (Mythen) von Süden gesehen. Holzschnitt nach Vorlage Hans Asper aus der Schweizer Chronik von Johannes Stumpf 1548.

Bildquelle: Zentralbibliothek Zürich.
|Pfarrkirche und Hauptplatz im Zustand (nach) 1642 bis 1768.

Zeichnung Thomas Fassbind 1786 im Staatsarchiv Schwyz.
Bildquelle: André Meyer (1972).
|Eine Aquatinta-Radierung (um 1810) von Augustin Schmid zeigt den Schwyzer Hauptplatz mit der Kirche und dem grossen Mythen im Hintergrund. Rechts Gasthaus Rössli und Rathaus.

Bildquelle: Helvetic Archives.
Die alte Kirche
Eine erste Darstellung der Kirche findet sich in der 1548 erschienenen Ansicht von Schwyz der Chronik von Johannes Stumpf. Beherrscht wird der Flecken von den beiden Hakenbergen, wie die Mythen damals genannt werden. Dominant liegt in erhöhter, ummauerter Lage die grosse gotische Kirche über dem Dorfplatz. Noch heute hat sich an dieser Dominanz nichts geändert. Nach dem Dorfbrand von 1642, dem auch die Kirche zum Opfer fällt, wird sie auf den alten Mauern in gleicher Grösse wiederaufgebaut.[1] An ihrer Aussenerscheinung ändert wenig. Nur der gotische Spitzhelm weicht einer barocken Haube. Wahrscheinlich ist die frühbarocke Kirche, wie schon ihre gotische Vorgängerin, eine dreischiffige Freipfeilerhalle.
Neubauvorbereitungen 1762–1769
1762 beschliesst die Kirchgemeinde einen Neubau der Kirche. Initiator und Förderer ist Augustin Reding «der Reiche».[2] Der vom Kirchenrat gewählte Bauausschuss[3] lässt bei Br. Caspar Braun[4] in Einsiedeln ein Gutachten erstellten. Dieser empfiehlt einen vergrösserten Neubau. Aus zwei eingereichten Projekten wählt er 1763 dasjenige der Baumeister Jakob und Johann Anton Singer.[5] Die beiden Brüder arbeiten zu dieser Zeit noch an St. Ursen in Solothurn. Nach der Hinwendung des Solothurner Rates zu einer klassizistischen Ausführung lassen sie sich im Juli 1763 auszahlen.[6] Im Dezember des gleichen Jahres schliesst die Schwyzer Bauherrschaft,[7] vertreten durch Landschreiber Franz Ludwig Weber, den Akkord mit Jakob und Johann Anton Singer. In 23 Artikeln werden die Vertragsbedingungen detailliert aufgelistet und ein Baubeschrieb erstellt. Termine und Material sind darin festgelegt. So soll der Bau im dritten Baujahr mit Tuff-oder Ziegelsteinen gewölbt werden. Jakob Singer wird als leitender Baumeister bezeichnet. Falls das Gebäude zur Befriedigung der Kirchgemeinde ausfalle, erhalte er nebst den 20 000 Gulden noch 500 Gulden Trinkgeld. Sein Bruder Johann Anton wird als Verantwortlicher für die Baufertigstellung im Todesfall bestimmt. Singer muss zudem eine Kaution von 4000 Gulden für die Qualitätssicherung hinterlegen.
Mit dem Neubau kann 1764 nicht begonnen werden, weil die Schwyzer Landleute an der Dezember-Landsgemeinde 1763 einen Machtkampf mit den führenden Geschlechtern um die französischen Pensionen beginnen, der erst 1767 mit dem Sieg der franzosenfreundlichen führenden Geschlechter endet.[8]
Während der mehrjährigen Pause wird die Winterzeit zur Materialbeschaffung genutzt. Die Brüder Singer überarbeiten gleichzeitig das Projekt. Ende November 1768 erneuert die Kirchgemeinde den Auftrag an die Brüder Singer und erteilt dem Kirchenrat den Auftrag zur Ausführung aufgrund der Überarbeitung. Dieser erhöht den Akkord auf 22 000 Gulden.
Der Neubau 1769–1782
Rohbau 1769–1772
Am 6. Oktober 1769 ist Baubeginn. Die alte Kirche steht im Frühjahr nur noch zur Hälfte. Obwohl die Brüder Singer schon vorher in einem neuen Riss nur noch drei anstelle der vier Langhausjoche vorschlagen, wird mit sechs statt mit vier Pfeilerfundamenten begonnen. Kurz vor der am 24. April 1770 erfolgten Grundsteinlegung genehmigt der Kirchenrat die Reduktion auf vier Freipfeiler. Im September 1771 beginnt der Zimmermeister Johann Michael Natter[9] aus dem Bregenzerwald den Dachstuhl mit 20 Gesellen. Aufrichte ist am 6. Oktober 1771. Bis Ende Jahr ist das Dach gedeckt.
Von April bis Mai und von Juli bis August 1772 werden die Gewölbe mit Ausnahme der Kuppel gemauert. Der Unterbruch erklärt sich aus fehlendem Nachschub an Ziegel- und Tuffsteinen. Gleichzeitig wird er alte Turmoberbau abgebrochen und auf altem Unterbau neu hochgeführt.
Innenausbau und Umgebung 1772–1774
Noch im August 1772 beginnen die Brüder Singer mit den Stuckaturen im Chor. Den ersten von ihnen eingesetzten Stuckateur müssen sie auf Druck der Bauherrschaft entlassen. Die anschliessend eingestellten beiden Lechtaler Stuckateure Johann Georg Scharpf und Anton Klotz[10] können bis Ende Oktober den Chor stuckieren, während gleichzeitig Johann Conrad Wengner aus Konstanz[11] die Fresken malt.
1773 erstellen die Brüder Singer die Vierungskuppel. Die Stuckaturen im Langhaus und die Deckenfresken können noch im Sommer des gleichen Jahres vollendet werden. Weil die Fresken im Chor nicht befriedigen, wird auch Wengner entlassen. Der Gesamtauftrag geht für 1500 Gulden an Joseph Ignaz Weiss aus Kempten im Allgäu.[12] Er malt die Kuppel noch 1773, die weiteren Fresken im folgenden Jahr. Anschliessend erteilt ihm der Rat den Zusatzauftrag für die Übermalung der Chorfresken Wengners.
Im gleichen Jahr erhält Carlo Andrea Galetti[13] aus San Fedele d'Intelvi den Auftrag für den Hochaltar. Er muss aber darauf verzichten, weil der betagte Abt Nikolaus II. Einsiedeln, Stifter des Altars, diesen eigenmächtig an Lorenz Schmid[14] aus Pflugdorf bei Vilgertshofen vergibt. Der Wessobrunner Altarbauer und Stuckateur Schmid erstellt noch im gleichen Jahr mit 48 Gesellen den Altar und die beiden Sedilien. Die noch dem Spätbarock verhaftete, aus heutiger Sicht aber überzeugende Altararchitektur befriedigt die offenbar schon stark dem Klassizismus zugeneigten Ratsmitglieder nicht, sie erteilen deshalb 1781 an Carlo Andrea Galetti einen Änderungsauftrag.[15] Die Unterschiede der Altarbauer aus Wessobrunn zu denjenigen aus der Valle d'Intelvi liegen nicht nur in der Architekturauffassung, der Chronist vermerkt mit der Bemerkung «dieser lege seinen Grund auf Holz, jener aber auf gebrannte Ziegelstein» auch die unterschiedlichen Techniken.
Nach dem Eklat mit dem Hochaltar wird mit Galetti ein neuer Vertag geschlossen. Nun kann er vier Seitenaltäre ausführen, die er im September 1773 beginnt und im folgenden Jahr fertigstellt. 1774 folgt der Auftrag für die beiden Querhausaltäre. Mit 6000 Gulden wird Galetti für die Altäre fürstlich entschädigt.
Sein Landsmann Stefano Saltiero[16] ist Schöpfer der Plastiken.
Gleichzeitig mit den inneren Ausbauarbeiten bauen die Brüder Singer die Kirchhofmauer neu und planieren den Kirchhof als Terrasse über dem Dorfplatz.
Auf das Frontispiz der Westfront werden Statuen des Bildhauers Ferdinand Resch[17] gesetzt.
Mit diesen letzten Aussenarbeiten ist auch die Baumeistertätigkeit der Brüder Singer beendet
Am 26. November 1774 wird die Kirche, deren Ausstattung noch nicht vollständig ist, durch den Abt von Einsiedeln eingeweiht.
Ausstattungen 1775–1782
Gleichzeitig mit den beiden Querhausaltäre bauen Galetti und Saltiero im folgenden Jahr auch die Kanzel und den Taufstein.
1776 kann der Orgelbauer Franz Joseph Bouthillier[18] aus Dinkelsbühl die ihm schon 1772 verdingte Orgel aufstellen. Ihre Grösse bedingt einen Umbau der Orgelempore. Werk und Gehäuse sind deshalb erst 1781 fertig. Das Prospektgehäuse erstellt Felix Joseph Schilliger aus Stans.[19] Dieser ist auch Bildhauer der Holzplastiken aller Schreinerarbeiten in der Kirche. Vor allem sein Nussbaum-Chorgestühl zeigt überragendes Können. Nachdem der Altarbauer Galetti den Hochaltar 1781/82 den Wünschen des Kirchenrates entsprechend umbaut, ist das Kirchenbauwerk Ende 1782 vollständig fertiggestellt.
Die Baukosten und deren Finanzierung
Die Baukosten betragen 107 555 Gulden.[20] Weil in der Regel die Abrechnungen ohne Erfassung der Fronfuhren und der freiwilligen Arbeitsleistungen erstellt werden, kann es sich bei diesem hohen Betrag nur um eine schwyzerische Gulden-Währung handeln. Dies ändert aber nichts an der interessanten Finanzierung durch Spenden von Schwyzer Familien an ihren Kirchenneubau, die der Chronist Abyberg 1782 präzise auflistet. 605 namentlich genannte Personen von 129 in Schwyz ansässigen Geschlechtern stiften 77 000 Gulden. Zusammen mit den Zuwendungen der politischen Hand und des Klosters Einsiedeln sind bis 1782 von 121 000 Gulden an den Bau gespendet. Die Kosten des Kirchenneubaus in Schwyz sind damit weit überzeichnet.
Das 19. Jahrhundert und die späteren Restaurierungen
Auch die Pfarrkirche von Schwyz bleibt nicht von gutgemeinten Verbesserungen des 19. und 20. Jahrhunderts verschont. Schon 1812 wird das Altarblatt des Rosenkranzaltars durch ein Blatt von Johann Anton Messmer[21] ersetzt. Eine erste Renovation erfolgt 1863. 1864 ersetzt der Stanser Maler Melchior Paul Deschwanden drei weitere Blätter der Seitenaltäre durch fromme Gemälde. Gleichzeitig übermalt er das Hochaltarbild. Altarblätter aus dem 18. Jahrhundert sind deshalb heute nicht mehr zu sehen. Eine eingreifende, vor allem farbliche Veränderung des Innenraums folgt 1906 unter der Leitung von Pater Albert Kuhn aus Einsiedeln. Die Gesamtrestaurierung 1964–1968 macht viele dieser Eingriffe wieder rückgängig. Eine letzte konservierende Restaurierung erfolgt aussen 2011 und innen 2016.
Architektur und Ausstattung
Typologie
Werden die massiven Gewölbe eines mehrschiffigen Langhauses auf gleicher Höhe von freigestellten Pfeilern getragen, und überspannt ein Dachstuhl mit durchgehenden Zerrbalken alle Schiffe, spricht man von einer Freipfeilerhalle. Die Pfarrkirche von Schwyz entspricht diesen Kriterien. Dies ist mit der Vorgängerkirche erklärbar, die bereits eine Freipfeilerhalle ist. Der Bautyp ist im Barock äusserst selten. In Sarnen wird 1738–1742 von einem Landsmann der Schwyzer Baumeister eine Freipfeilerhalle gebaut.[22] Sie ist von grosser Wirkung auf die Architektur der Schwyzer Pfarrkirche. Hier bringen die Brüder Singer «das Schema von Sarnen in eleganterer und reicherer Manier zur Reife»[23]
Für weitere Erläuterungen zum Architekturtypus siehe den Exkurs «Die barocke Freipfeilerhalle und ihre Herkunft».
Der Baukörper
Das Bauwerk im Dorfbild
Ich zitiere hier Heinz Horat, der das Bauwerk wie folgt beschreibt:[24]
«Auf einer niederen Terrasse stehend, hebt sich die Pfarrkirche mit ihrem monumentalen Bauvolumen weit über die behäbigen Häuser des Dorfkernes von Schwyz hinaus. Nicht so sehr der zum Platz und zur Herrengasse hin abgesetzte ehemalige Friedhof ist es, der die Kirche besonders markiert, der ruhige Kubus wirkt gerade aus sich selbst als eigentliches Dorfzentrum. Von ebenbürtiger Bedeutung ist die Südfassade, die durch den Sockel des «Bogens» vom einige Meter tiefer liegenden, sich nach Süden senkenden Hauptplatz klar abgeschieden ist. Zusammen mit dem diesen Platz begrenzenden Häusern scheint sie als eigentliche Kulisse für mannigfaltige Veranstaltungen geschaffen worden zu sein».
Das architektonische Gerüst
Zwei Freipfeilerpaare tragen die Gewölbe des dreischiffigen und dreijochigen Langhauses. Die Mittelschiffjoche sind mit 13 x 12 Meter Achsmass beinahe quadratisch. Das dritte Joch ist zu einem korbbogig abgeschlossenen Querhaus erweitert und wird durch eine Vierungskuppel betont. Die Gewölbe sind mit Ziegel- und Tuffsteinen gemauert. Die Pendentifkuppel ragt 4,8 Meter in den Dachraum. Die weiteren Gewölbe sind wie in Sarnen gebaut, im Mittelschiff sind es Längstonnen mit Stichkappen, die Seitenschiffe haben Quertonnen mit Stichkappen. Der leicht eingezogene Chor übernimmt die Gewölbehöhe und -Struktur des Mittelschiffes. Er ist halbrund geschlossen. Seine Breite ist durch die Lage des Turms gegeben, der im Unterbau das Vorgängerbauwerk übernimmt. Beidseitige Choranbauten übernehmen Flucht und Höhe des Langhauses und verlängern den Baukörper optisch. Im südlichen Anbau liegen über der Sakristei offene Loggien.
Die Fassaden
Die übliche Schaufassade im barocken Kirchenbau ist die meist westliche Giebelfassade. Diese ist in Schwyz sehr schlicht gehalten. Sie bildet den Abschluss der zur Kirche abfallenden Herrengasse. Mit Sandsteinpilastern dreiachsig gegliedert, ist der flache Mittelteil vorgewölbt. Die Vorwölbung birgt im Erdgeschoss die offene Eingangsvorhalle und im Obergeschoss die Orgelnische. Über dem Hauptgesims liegt ein mit Anschwüngen versehenes Frontispiz mit klassischem Dreiecksgiebel. Im Oeuvre der Singer ist eine derart vorgeschwungene Fassade bisher einmalig.[25]
Wirkungsvoll sind die Längsfassaden gestaltet. Auffallendes Element sind die Thermenfenster, dreigeteilte Halbrundöffnungen.[26] Seit Sarnen ist die Längsfassaden-Gestaltung mit einem Thermenfenster pro Joch und zwei darunterliegenden Rundbogenfenster eine feste Grösse in vielen Landkirchen der Innerschweiz.
Der Innenraum
Frühklassizistische Anklänge
Die Weite des Innenraums mit seiner Zentralisierungstendenz zur Vierung, die Reduktion der spätbarocken Stuckaturen auf Bildrahmungen, der Verzicht auf Farbfassungen von Flächen oder von Gliederungen – all dies führt zu einer bewusst gestalteten Monumentalität, die bereits in den Frühklassizismus weist. Diese neue Haltung verdanken die Brüder Singer ihrer Tätigkeit für St. Ursen in Solothurn. Hier setzen sie sich intensiv mit dem französischen Frühklassizismus des Konkurrenten Ritter auseinander. Sie kennen auch den 1770 schon vollendeten Innenraum von Pisoni und Pozzi. Die Solothurner Erfahrungen der Brüder Singer sind in Schwyz spürbar.
Stuckaturen und Fresken
Im Wesentlichen sind die Stuckaturen eine flüssig-leichte Rokokorahmung der Bildflächen. Nur in den ersten zwei Mitteljochen ziehen sich vom Bildrahmen zarte Blütenschnüre in Richtung der Stichkappen. Die Bildkartuschen der Kuppelpendentifs sind dichter gerahmt und zeigen die grosse Meisterschaft der Lechtaler Stuckateure.
1763 malt Joseph Ignaz Weiss 23 grössere und kleinere Gewölbefresken.[27] Die Bilder werden 1964/68 wieder freigelegt. Das dunkle Kolorit (ist es wirklich ursprünglich?) lässt wenig Klarheit zu. Diese hat, vergleicht man Schwarz-Weiss Fotografien von 1930 und 1978, zudem abgenommen. Dem Bildaufbau fehlt das illusionistische «sotto in sù», die barocke Illusion wird nur noch mit Architekturstaffagen angedeutet. Dies sei dem Übergang zum klassizistischen Bild geschuldet, schreiben die Kunsthistoriker. Salopp ausgedrückt: Die Bilder sind weder Barock noch Klassizismus, was kein grosses Lob für den Maler bedeutet.
|Gewölbe, erstes Joch.

Maler: Joseph Ignaz Weiss 1773.
Im Hauptbild Mariä Himmelfahrt. In den Seitenschiff-Nebenbildern: Mariä Tempelgang (Nord, hier links); Heimsuchung (Süd, hier rechts).
|Gewölbe, zweites Joch.

Maler: Joseph Ignaz Weiss 1773.
Im Hauptbild Christi Himmelfahrt. In den Seitenschiff-Nebenbildern: Christus erscheint Magdalena (Nord, hier links); In Emmaus erkennen die Jünger Christus am Brotbrechen (Süd, hier rechts).
|Vierungskuppel (drittes Joch).

Maler: Joseph Ignaz Weiss 1773.
Im Kuppelbild Christi Geburt und Anbetung der Drei Könige (Weihnachtsbild) mit einer Scheitelöffnung für das Aufziehen der Christusstatue am Himmelfahrtstag. Das Kuppelbild wird von drei Scheitelkartuschen (Justitia, Veritas, Pax) begleitet. Die vierte Kartusche enthält das Zifferblatt. In die Kartuschen der Pendentifzwickel sind die vier Evangelisten gemalt. Themen der hier sichtbaren Nebenbilder in den Seitenschiffen (Querschiffen): Mariä Geburt (Nord, hier links); Namengebung an Johannes den Täufer (Süd, hier rechts).
|Chorgewölbe.

Maler: Joseph Ignaz Weiss 1774 Die Grisaille-Kartuschen und das Wandbild 1772 von Johann Conrad Wengner).
Im Hauptbild das Abendmahl in scheinperspektivischer Architektur. Die vier Zwickelkartuschen mit den theologischen Vorbildern des Kreuztodes: Die Opfer Abels, Noahs, Abrahams und Jephtas.
Alle Fotos: Bieri 2021
Ausstattung
Altäre, Kanzel, Taufstein
Alle Altäre, die Kanzel und auch der Taufstein sind Stuckmarmorarbeiten.
Der Hochaltar, ein in die Tiefe gestuftes Ädikula-Säulenretabel mit ähnlich gestaltetem Auszug, wirkt durch seine überzeugende Architektur und seine feine Abstimmung der Stuckmarmorfarbigkeit. Die Figuralplastik ist vor allem in der Gruppe der Dreifaltigkeit des Auszuges bemerkenswert.
Die Seitenaltäre wirken mit ihrer hervorragenden Figuralplastik. Die klassisch strengen Retabel sind zu Zwillingsaltären zusammengefügt. Mit mittigen Säulenpaaren wird eine Trennung nur suggeriert, denn die übereck gestellten Doppelsäulen wiederholen sich aussen. Im Aufbau und auch in der kühlen Marmorierung ist die oberitalienische Herkunft ablesbar.
Die beiden Querhausaltäre der gleichen Meister sind ebenfalls italienisch geprägt, ihr Aufbau ist aber von völlig anderer Art. Die freistehende Mensa dieser Altäre steht vor einem Unterbau mit liegenden Glasschreinen «Heiligen Leiber».[28] Darüber ragt eine stilisierte Nischenädikula mit Baldachin-«Auszug». Wie bei den Seitenaltären zeugt auch hier die expressive Figuralplastik des Comasken Saltiero von grosser Meisterschaft, vor allem diejenige des Sebastians im gleichnamigen Nordaltar.
Die Altarblätter aller Altäre sind Neuschöpfungen oder Übermalungen des 19. Jahrhunderts.[29]
Die Kanzel ist im architektonischen Aufbau einfach, lebt aber von den Figuren Saltieros. Seine Atlanten tragen den Kanzelkorb, seine Reliefs bilden die Füllungen, zwei Genien der Rückwand halten einen vom Schalldeckel herabhängenden Vorhang und auf dem Schalldeckel tummeln sich Putti, die zuoberst das Kreuz halten.
Der Kanzel als Kunstwerk ebenbürtig ist der Taufstein von 1776, der vor einer den Querhausretabeln angenäherten Stuckmarmorrückwand platziert ist. Das Mittelrelief und die Ornamente stammen vom Goldschmied und Metallplastiker Joseph Anton Curiger.[30]
Emporenorgel
Das Werk der Bouthillier-Orgel von 1776/80 (II/P/31) ist heute nicht mehr erhalten. Im noch erhaltenen Prospektgehäuse wird 1970 ein neues Werk (III/P/46) eingebaut. Der grosse neunteilige und dreitürmige Prospekt gipfelt im mittigen Prinzipalturm. Die Bildhauerarbeiten beschränken sich auf die Schleierbretter mit barocken Laub- und Blumenwerk und Bekrönungen mit Louis XVI Motiven.
Pius Bieri 2020
|Literatur

Birchler, Linus: Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz. Band II. Basel 1930.

Meyer, André: Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz. Der Bezirk Schwyz I. Basel 1978.
|Keller, Willy: Bau Chronik der Pfarrkirche St. Martin, Schwyz, 1762–1782 (Transkription der Handschrift von Ratsherr und Landesarchivar Heinrich Franz Maria ab Yberg), in: Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz, Band 65. Schwyz 1972.|
|Horat, Heinz: Die Baumeister Singer im schweizerischen Baubetrieb des 18. Jahrhunderts. Luzern/Stuttgart 1980.|
Anmerkungen
[1] Die gotische Kirche hat eine Aussenlänge von 43,5 Meter und eine äussere Langhausbreite von 24 Meter. Beim Neubau von 1769 betragen die gleichen Masse 58,5 / 25,5 m (Querschiff 32 m). Die entsprechenden Innenmasse des Neubaus sind 52,4 m / 22,2 m (29 m).
[2] Joseph Augustin Reding (1687–1772) aus Schwyz, als Seidenindustrieller der erste schwyzerische Patrizier, der sich mit industrieller Tätigkeit und nicht mit Fremden Diensten ein Vermögen macht. Er ist auch Inhaber verschiedener Landesämter. An den Kirchenneubau spendet er 37 500 Gulden.
[3] 12 Mitglieder, zur Hälfte aus der Reihe der «Gnädigen Herren», zu Hälfte aus dem Kreis der Landleute. Geistliche Personen dürfen nur beratend mitwirken.
[4] Br. Caspar Braun OSB (1714–1781) aus Bregenz, Konventuale der Abtei Einsiedeln, ursprünglich Steinmetz, dann vermehrt als Klosterarchitekt wirkend. Er baut in Einsiedeln den Marstall und in Pfäffikon das Schloss, ist auch beratend in St. Gallen tätig. «In dem Kloster wurde ihm die Aufsicht über die Gebäude anvertraut, und da übte vielleicht dieser zuweilen etwas mehr Herrschaft, als einem Bruder anstehet, aus» schreibt Abt Beat Küttel im Nachruf.
[5] Jakob Singer (1718–1788) und Johann Anton Singer (1721–1795) aus Forchach im Lechtal, Baumeister in Luzern. Sie sind bis 1763 am Neubau der Stadt- und Stiftskirche St. Ursen in Solothurn beschäftigt, überlassen aber den umkämpften Bau nach mehreren Jahren Planung und einem Jahr Ausführung an den klassizistisch geschulten Tessiner Gaetano Matteo Pisoni. Zu den Brüder Singer siehe die Biografien in dieser Webseite.
[6] Die Einstellung von Gaetano Matteo Pisoni als Oberbauleiter von St. Ursen im Juni 1763 ist ein Markstein in der schweizerischen Architekturgeschichte. Zum ersten Mal wird hier ein grosser und stadtprägender Sakralbaubau gemäss klassizistischen Regeln konsequent durchgeführt.
[7] Als Bauherren und Direktoren des Neubaus werden 1768 bestellt: Landammann und Pannerherr Werner Alois Weber (1703–1792), Statthalter und Kirchenvogt Franz Anton ab Yberg (1702–1772), Ehrengesandter und Salzdirektor Carl Xaver Gasser (1744–1806).
[8] Der kaum bekannte Aufstand, der gleichzeitig im Kanton Zug ausbricht, ist ein Vorbote der kommenden Revolution. Die Bauern und Bürger stimmen an den Landsgemeinden 1763/64 gegen das «französische Geschäft», einen von Frankreich diktierten Soldvertrag. Weil vor allem die führenden Geschlechter Profiteure der französischen Soldeinnahmen sind, ist es in erster Linie eine Kampfansage an diese Familien und an den Abt von Einsiedeln. Die Bürger und Bauern übernehmen 1765 die Macht. Der französische König reagiert mit der Entlassung alle Schwyzer Regimenter, stellt die Pensionen ein und blockiert den Salzhandel nach Schwyz. Dies trifft vor allem die Landleute. Nun wendet sich das Blatt. Die Obrigkeit siegt, sechs Rebellen aus Einsiedeln und Sattel werden 1766 hingerichtet.
[9] Johann Michael Natter (1718–nach 1782) aus Schoppernau im Bregenzerwald, Zimmermeister. 1782 auch Bauleiter für Johann Ferdinand Beer. Er arbeitet in Schwyz im Unterakkord der Brüder Singer, sein Name ist nur dank der Chronik Abyberg bekannt. Abyberg nennt auch den anschliessend arbeitenden luzernischen Dachdecker Melchior Huber, von dem aber keine Lebensdaten bekannt sind.
[10] Lebensdaten dieser Stuckateure sind nicht bekannt. Bei Johann Georg Scharpf könnte es sich um einen Verwandten von Franz Singer handeln, dessen Mutter eine Elisabeth Scharpf aus Stockach im Lechtal ist. Anton Klotz arbeitet mit Jakob und Joseph Scharpf (Brüder?) in weiteren Kirchen der Innerschweiz, so 1764 in Hünenberg, 1770/74 in Baar, 1776/77 in Frauental bei Cham.
[11] Johann Conrad Wengner (1728–1806) aus Alttann bei Wolfegg. Lehre bei Johann Jakob Kuen in Weissenhorn, seit 1745 Mitarbeiter von Franz Joseph Spiegler. Er heiratet 1762 die älteste Tochter Spieglers, wohnt 1769–1783 in Konstanz, übersiedelt dann nach München, ist aber 1798 wieder im Bodenseegebiet und stirbt 1806 in Tiengen. Er ist vor allem Tafelmaler, von den wenigen Freskenwerken sind nur diejenigen in der Schweiz bekannt, aber viele sind zerstört oder nach Übermalungen freigelegt. Es sind die Fresken in Kerns OW (1761, zerstört 1813), in Rheinau (Magdalenenkapelle 1763, 1930 zerstört), in Bischofszell (Chordecke 1770, übermalt 1866, 1968 freigelegt) und Schwyz (Pfarrkirche 1772, übermalt 1775). Dass seine Arbeiten keinen Gefallen finden, erstaunt angesichts der freigelegten Arbeiten in Bischofszell und der 1964/68 in Schwyz freigelegten Wandbildern wenig.
[12] Joseph Ignaz Weiss (1722–nach 1788) aus Altusried im Fürststift Kempten. Ausbildung wahrscheinlich bei Franz Georg Hermann in Kempten. Mit Franz Anton Kraus (1705–1752) ist er vielleicht schon 1745 in Einsiedeln tätig. Mit ihm geht er 1749 nach Wien. 1752 wird er im Kloster Einsiedeln erwähnt, wo er das Altarblatt des Rosenkranzaltars des inzwischen verstorbenen Kraus fertigmalt. Er heiratet eine Tochter aus Einsiedeln und ist in der Folge nur in der Schweiz als Freskant nachweisbar. Bekannt sind Deckenfresken in Eschenbach SG (1754), St. Gallenkappel (1756), Buttisholz (1761), Hochdorf (1769), Schwyz (1773), Beromünster (1774), Seewen (1775), Morschach (1777) und Ingenbohl (1788). Der in Grönenbach (Fürststift Kempten) wohnhafte Maler Weiss, der 1786 und 1787 für Ottobeuren tätig ist, soll gemäss Markus Britschgi (Lizentiatsarbeit 1983) mit Joseph Ignaz Weiss identisch sein.
[13] Carlo Andrea Galetti (1746–1806) aus San Fedele d'Intelvi. Altarbauer am Übergang vom Barock zum Klassizismus. Seine ersten nachweisbaren Arbeiten sind die Seitenaltäre der Pfarrkirche Schwyz, die er für je 1000 Gulden ausführen kann, nachdem im der Auftrag für den Hochaltar von 2250 Gulden wieder entzogen wird. Anschliessend arbeitet er fast ausschliesslich in der Innerschweiz und im Tessin. Er stirbt während eines Auftrages für die Altäre in Altdorf UR. Zu ihm siehe die Sikart-Seite.
[14] Lorenz Schmid (1751–1799) aus Pflugdorf in Oberbayern, Wessobrunner Altarbauer und Stuckateur. Er wird als Lehrling bei Johann Michael Feichtmayr vermutet. 1775 ist er Bürger von Konstanz. Arbeiten sind nur in der Schweiz bekannt. Seine beiden Ehefrauen stammen aus Bischofszell und Bern. Der Hochaltar von Schwyz ist sein erster Auftrag. Der Abt verdingt ihn für 200 Louisdor (oder 1800 Reichsgulden). Er arbeitet in Schwyz mit Franz Benedikt Scheffler (1737–1795) und mit dessen Bruder Johann Georg Scheffler (*1749) beides Stuckplastiker aus Wessobrunn. Schwyz und auch die nachfolgenden Altaraufträge in Beromünster sind noch dem ausklingenden Rokoko verpflichtet. Ab 1790 wohnt er in Bern und arbeitet ausschliesslich in Bern und Lausanne. Zu ihm siehe die Sikart-Seite.
[15] Galetti erhöht den Altar, vermutlich aber nur im Postament. Weitere Änderungen am Hochaltar sind nicht ersichtlich, sodass die Beanstandungen des Kirchenrates und auch die lange Umbauzeit vom Oktober 1781 bis zum November 1782 nicht erklärbar sind.
[16] Stefano Saltiero (1730–1806) aus Laglio am Comersee. Stuckateur und Bildhauer. Seine Werke sind mit Ausnahme von Schwyz ausschliesslich in Oberitalien zu finden. Als Stuckplastiker und Bildhauer ist er anfänglich noch stark von seinem grossen Landsmann Diego Francesco Carlone geprägt.
[17] Ferdinand Resch oder Rösch, dessen Lebensdaten unbekannt sind, ist 1742–1789 in der Innerschweiz tätig. Er wird vom Chronisten Abyberg als aus «Weissenburg in Bayern» stammend bezeichnet. Abyberg ergänzt, dass die Statuen «in selbiger Gegend verarbeitet und den 5. und 6. Tag Herbstmonats anhero gebracht worden» – was dann eine bayerische Ortschaft sehr fragwürdig macht (die Lechgrenze Altbayerns liegt in 210 Kilometer Entfernung, ein Weissenburg in Altbayern ist unbekannt, die Reichsstadt Weissenburg liegt damals noch nicht in Bayern). Felder, in: Barockplastik der Schweiz (1988) bezeichnet den Ort Weissenburg als bei Ravensburg liegend. Diesen Ort gibt es nicht. Ist vielleicht die Reichsabtei Weissenau gemeint und oder kommt Resch ursprünglich aus Wessobrunn?
[18] Franz Joseph Bouthillier (1737–1828) aus Dinkelsbühl. Er ist ältester von vier Söhnen des Orgelbauers Jacob Philipp Bouthillier aus Mainz (1710–1781). Alle Söhne werden Orgelbauer. Noch vor dem Bau der Orgel in der Pfarrkirche Schwyz (II/P/36) kann er 1774/76 in Einsiedeln zwei Emporenorgeln, die Frühamtsorgel und die Marienorgel (in bestehenden Prospekten) bauen. Die Marienorgel (II/P/33) ist heute rekonstruiert. Franz Joseph verbleibt als Orgelbauer in der Innerschweiz, baut 1781/87 die Orgel im Schwyzer Frauenkloster St. Peter (I/P/10) und dann auch die Orgel in Attinghausen UR. Nach 1783 ist er 45 Jahre Organist von St. Martin in Altdorf.
[19] Felix Joseph Schilliger (1743–1798) aus Stans. Sein Schwyzer Chorgestühl (beidseits je fünf Stallen) mit den geschwungenen Dorsalwänden und den geschnitzten Füllungen ist ein wenig beachtetes, feines Rokoko-Kunstwerk.
Weitere derartige Werke dieses Holzbildhauers sind nicht bekannt.
[20] Linus Birchler 1930, ohne Angabe der Quelle. Bei dieser Summe kann es sich nicht um die sonst üblichen rheinischen Gulden oder Reichsgulden handeln. Sind sie als Schwyzer Gulden eingesetzt, wären die Baukosten 75 300 Reichsgulden. Vergleicht man die Pfarrkirche Schwyz mit der Pfarrkirche Cham des Baumeisters Jakob Singer, die 1796 mit 38 030 Gulden abgerechnet wird, ist selbst dies noch immer eine extrem hohe Bausumme. Mehr zum Geldwert des Reichsguldens im 18. Jahrhundert siehe im Glossar dieser Webseite unter «Geld und Mass».
[22] Sarnen OW. Pfarrkirche St. Peter und Paul, 1738–1742 von Franz Singer aus Madau im Lechtal. Initialbauwerk der späteren Singer-Purtschert-Schule. Mitarbeit von Jakob Singer. Zu St. Peter und Paul in Sarnen siehe den Beschrieb in dieser Webseite. Zu Franz Singer siehe die Biografie in dieser Webseite.
[23] Adolf Reinle in «Kunstgeschichte der Schweiz» 1956.
[24] Heinz Horat, in: Die Baumeister Singer im schweizerischen Baubetrieb des 18. Jahrhunderts (1980).
[25] Sie wird 1777 von Johann Anton Singer in Näfels, nochmals stärker klassizistisch betont, wiederholt. Eine ähnliche Fassade, aber noch konvex geschwungen, baut Johann Michael Beer von Bildstein 1743 in Mehrerau bei Bregenz (zu Mehrerau siehe den Beschrieb in dieser Webseite). In einer Planung um 1750 für die Stiftskirche St. Gallen wiederholt Beer diese Gestaltung für die Mittelrisalite der Süd-und Nord-Fassade (> Planausschnitt). Die gebaute Fassade von Mehrerau ist für die Brüder Singer erreichbar, auch die 1756 von Peter Thumb vereinfachte Westfassade von St. Gallen (sie wird von Heinz Horat als mögliches Vorbild aufgeführt). 1761–1766 baut Johann Michael Beer von Bildstein den Chor und die Doppelturmfront von St. Gallen. Ein Kontakt der Brüder Singer mit dem St. Galler Baumeister oder seinem Palier Johann Ferdinand Beer zum Zeitpunkt des Planungsbeginns in Schwyz ist nicht ausgeschlossen. Dass die Wurzeln der Westfassade von Schwyz in St. Gallen liegen, ist deshalb möglich.
[26] Palladio steht mit seinen Kirchenbauten am Ursprung. Der Durchbruch im süddeutschen Raum kommt mit Johann Jakob Herkomer, der das Thermenfenster 1685 in Sameister verwendet. Antonio Riva folgt 1691 in Vilshofen. Caspar Moosbrugger verwendet es 1694 in der Abteikirche Muri. Herkomer oder Moosbrugger dürften das Motiv für die seitliche Hauptbelichtung 1713 nach Weingarten gebracht haben. Moosbrugger, der es schon 1701 für die Einsiedler Westfassade vorschlägt, übernimmt die Ausführung der Thermenfenster-Reihe von Weingarten 1717 in Einsiedeln. Er verwendet es hier nicht nur im Quertonnenbereich als obere Seitenbelichtung, sondern legt es auch in das Erdgeschoss. Von Einsiedeln gelangt das Motiv nach Sarnen. Auch in den Planungen von Johann Michael Beer I für St. Gallen ist das Motiv enthalten (> Planausschnitt).
Mehr zum Thermenfenster siehe im Glossar dieser Webseite, Buchstabe T.
[27] Die Bildthemen (Quelle André Meyer 1978):
– Im ersten Joch das Hauptbild mit Mariä Himmelfahrt. Themen der Seitenschiff-Nebenbilder: Mariä Tempelgang (N); Heimsuchung (S).
- Im zweiten Joch das Hauptbild mit Christi Himmelfahrt. Themen der Seitenschiff-Nebenbilder: Christus erscheint Magdalena (N); In Emmaus erkennen die Jünger Christus am Brotbrechen (S).
- In der Vierung das Kuppelbild mit Christi Geburt und Anbetung der Drei Könige (Weihnachtsbild) mit einer Scheitelöffnung für das Aufziehen der Christusstaue am Himmelfahrtstag. Das Kuppelbild wird von drei Scheitelkartuschen (Justitia, Veritas, Pax) begleitet. Die vierte Kartusche enthält das Zifferblatt. In den Kartuschen der Pendentifzwickel sind die vier Evangelisten gemalt. Themen der doppelten Nebenbilder in den Seitenschiffen (Querschiffen) der Vierung: Mariä Geburt und Verkündigung (N); Namengebung an Johannes den Täufer und Predigt des Täufers (S).
- Im Chor das Deckenbild des Abendmahls, die vier Seitenbilder mit den theologischen Vorbildern des Kreuztodes: Die Opfer Abels, Noahs, Abrahams und Jephtas.
[28] Die beiden Katakombenheiligen Polykarp (N) und Nazarius (S) sind seit 1652 und 1676 in Schwyz. Sie werden in diesen Jahren feierlich von Einsiedeln nach Schwyz überführt. Die «Heiligen Leiber», meist unbekannte Römer aus den Katakomben, werden mit Echtheitszertifikaten römischer Prälaten in Rom gekauft. E. A. Stückelberg zählt 1907 in «Die Katakombenheiligen in der Schweiz» 149 «Heilige Leiber» in Kirchen der Schweiz auf. Die meisten kommen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts in die Kirchen, vorgängig in Frauenklöstern kostbar gefasst und bekleidet.
[29] Das barocke Hochaltarbild mit der Manteltrennung des hl. Martin wird 1864 von Melchior Paul Deschwanden übermalt. 1812 malt Johann Anton Messmer das Blatt mit der Rosenkranzübergabe an den hl. Dominikus. Die weiteren drei Altarblätter von Deschwanden (1864), der sich selbst als Maler für «fromme Gemüter» bezeichnet, sind wirklich fromm und weit entfernt von jedem barocken Verständnis.
[30] Joseph Anton Curiger (1750–1830) aus Einsiedeln. Lehre 1767–1772 beim königlichen Hofgoldschmied und Medailleur Joseph Charles Roettiers in Paris. 1784 erneute Übersiedlung nach Paris.
|Ort, Land (heute)||Herrschaft (18. Jh.)|
|Schwyz, Kanton Schwyz (CH)||Eidgenössischer Stand Schwyz|
|Bistum (18. Jh.)||Baubeginn|
|Konstanz||1769|
|Bauherr und Bauträger|
|Joseph Augustin Reding (1687–1772) und Bauausschuss der Kirchegemeinde 1762–1768.

|Bauherren und Baudiektoren ab 1768: Werner Alois Weber (1703–1792), Franz Anton ab Yberg (1702–1772), Carl Xaver Gasser (1744–1806).|