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«Und darum gibts, dank Micky, jeden Morgen Kuchen.» Der Schlusssatz ist das Beste an Maurice Sendaks Buch «In the Night Kitchen» («In der Nachtküche»). Das findet zumindest meine 4-jährige Tochter. Kuchen statt Butterbrot zum Zmorge, das gibt es höchstens in den Ferien in Italien, oder in der Traumwelt von Kindern. Genau dort ist Sendaks surreales Bilderbuch angesiedelt. Wie in seinem bekanntesten Werk «Where the Wild Things Are» («Wo die wilden Kerle wohnen») beginnt die Reise in einem Kinderzimmer, von dem aus sich die Hauptfigur in eine andere Welt träumt.
Micky erwacht in der Nacht vom Lärm der Nachtküche. Dort «unten» fällt er in einen Kuchenteig und wird von drei singenden Bäckern («Milch in den Teig! Milch in den Teig! Schlagen! Rühren! Klopfen! Probieren!») in einen Ofen geschoben. Frisch gebacken knetet sich Micky aus einem Brotteig ein Flugzeug, mit dem er in eine überdimensionale Flasche taucht, um für die Bäcker Milch für den Kuchenteig zu holen.
Als Kind hatte das Buch, das zu meinen liebsten gehörte, für mich immer auch den Reiz des Unheimlichen: die drei identischen, unappetitlichen Köche mit den roten Nasen, als wären sie betrunken, der Ofen, in dem Micky gebacken wird, und die Eskapaden dieses merkwürdigen Jungen, der auf fast allen Bildern nackt ist, durch die kalte Nacht. Und wahrscheinlich quälte mich dieselbe Frage, die jetzt auch meine Tochter beschäftigt: «Wo sind Mickys Mama und Papa?» Am Anfang seines Abenteuers zieht er am Zimmer seiner schlafenden Eltern vorbei, findet am Ende aber selbstständig den Weg zurück in sein Bett. Wie meistens bei Sendak braucht es keine elterliche Fürsorge, die eigensinnigen, oft störrischen Protagonisten wissen sich selber zu helfen.
Inspiriert zum 1970 erschienenen «In the Night Kitchen» hat Sendak die Leuchtreklame einer Bäckerei, die er als Kind gesehen hat, sie warb mit dem Slogan «We Bake While You Sleep». Das Buch des in Brooklyn als Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer aufgewachsenen Autors und Illustrators ist gespickt mit Zitaten. So sind die Bäcker ein Abbild Oliver Hardys von Laurel and Hardy, ihre an Hitler erinnernden Schnäuze und der Ofen wurden als Auseinandersetzung Sendaks mit dem Holocaust gedeutet, und die Labels der Flaschen und Dosen, die in Mickys Welt die Skyline bilden, sind Hommagen an Familie und Freunde des Autors. Das ist das Tolle an diesem mit Eindrücken prallvollen Buch, das textlich als «nursery rhyme» angelegt ist und visuell an einen Comic erinnert: Es langweilt weder Kinder noch Eltern, die die Geschichte zum hundertsten Mal erzählen müssen.
Wer ein Exemplar von Sendaks «In der Nachtküche» gewinnen möchte, schreibt bis 12. März ein E-Mail an <email-pii>. Die Gewinnerin/der Gewinner wird ausgelost, benachrichtigt und muss das Buch persönlich im Chinderbuechlade an der Gerechtigkeitsgasse 26 in Bern abholen.
Sarah Sartorius ist Redaktionsleiterin der Berner Kulturagenda. Sie freut sich, dank ihrer Tochter wieder in die Bücher ihrer Kindheit einzutauchen. Unter dem Titel «Eselsohren» stellt sie Lieblingsbilderbücher vor. Diese Rubrik wird unterstützt vom Chinderbuechlade Bern.