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Muttergebundene Kälberaufzucht
Bei der Muttergebundenen Kälberaufzucht wächst das Kalb bei der eigenen Mutter auf und darf jeweils vor oder nach dem Melken bei der Mutter trinken. Hier gibt es viele verschiedene Formen, jeder Landwirt hat seine eigene Methode. Teilweise werden die Kälber die ersten Wochen ganz bei den Müttern gelassen oder die Kühe werden nur einmal am Tag gemolken. Aus Tierschutzsicht stellt eine solche Haltung sicherlich das Optimum für die Milchkuhhaltung dar, verlangt aber vom Landwirt viel Einfühlungsvermögen und Bereitschaft, sich mit den Tieren und den verschiedenen Möglichkeiten auseinanderzusetzen.
Muttergebundene Aufzucht: Glückliche Kuh mit Kalb in der Herde.
Ammenkuhhaltung
Eine weitere Haltungsform ist die Ammenkuhhaltung, bei der mehrere Kälber von sogenannten Ammenkühen grossgezogen werden. Ammenkühe haben ein eignes Kalb und kümmern sich um weitere nicht leibliche Kälber. Sie werden nicht gemolken, sondern säugen in der Regel zwei bis vier Kälber gleichzeitig. Die leiblichen Mütter der Kälber hingegen werden gemolken und haben meist keinen direkten Kontakt zu ihren Kälbern. In diesem System haben die Kälber zumindest die Möglichkeit, von einem Euter zu saugen. Dies entspricht ihrem natürlichen Nahrungsaufnahmeverhalten und verhindert Gesundheitsstörungen, wie sie in der konventionellen Aufzucht an der Tagesordnung sind.
Jedoch bleibt die Tatsache, dass das Kalb von seiner Mutter getrennt wird. Die damit verbundenen Nachteile dieser Trennung sind bei der Ammenkuhhaltung vorallem für die Kuh nicht gelöst. Ein Vorteil der Ammenkuhhaltung ist jedoch, dass die Kälber hier meist über einen längeren Zeitraum saugen dürfen (beispielsweise bis zum sechsten Lebensmonat) als in der Muttergebundenen Kälberaufzucht.
Das Absetzen
Das natürliche Alter, in dem sich ein Kalb von seiner Mutter entwöhnt und sich ausschliesslich von Gras ernährt, liegt bei etwa neun bis zehn Monaten. In der Muttergebundenen Kälberaufzucht werden die Kälber jedoch meist früher abgesetzt, da sonst die Milcheinbussen zu hoch sind.
Kälber fangen schon ab der zweiten Lebenswoche an, neben dem Milchtrinken zusätzlich Gras oder Heu zu fressen. Meist können sie sich mit gut drei Monaten schon selbstständig von fester Nahrung ernähren und ihren Durst mit Wasser stillen. Sofern das Absetzen so geschieht, dass Kalb und Mutter nicht zu sehr unter emotionalem Stress leiden, ist es zu diesem Zeitpunkt akzeptabel.
Man kann die Trennung von Kalb und Mutter abrupt oder stufenweise einleiten. Bevorzugt wird aus Tierschutzsicht ein stufenweises Verfahren, so dass die Trennung von Mutter und Kalb zunächst für einige Stunden erprobt wird und dies dann langsam gesteigert wird. In der Ammenkuhhaltung wird das Absetzen der Kälber in der Regel ebenfalls durch den Menschen herbeigeführt und kann auch hier abrupt oder stufenweise erfolgen.
Nicht nur das Kalb wird von seiner Mutter liebkost – auch die Mutter bekommt von ihrem Kalb Zuwendung.
Wirtschaftlichkeit
Bei Muttergebundener Kälberaufzucht ist die abgelieferte Milchmenge bis zum Absetzen des Kalbes zwar zwangsläufig niedriger, jedoch werden die Tiere seltener krank. Typische haltungs- und fütterungsbedingte Krankheiten wie Euterentzündungen bei den Kühen oder lebensbedrohliche Durchfallerkrankungen bei den Kälbern treten in der Muttergebundenen Kälberaufzucht so gut wie nicht auf. Dies wirkt sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit aus und kompensiert zu einem gewissen Anteil die Einbussen, die durch die geringer verkaufte Milchmenge entstehen.
Auf einen Teil der Milch zum Verkauf zu verzichten ist aus Versorgungsgründen nicht schlimm, da mehr Milch produziert wird, als wir brauchen. Milch wird derzeit zu Schleuderpreisen verkauft, weit unter ihrem Produktionswert. Mehr Platz, Weidezugang sowie ein höherer Aufwand im Management der Tiere durch eine Muttergebundene Kälberaufzucht führen zu einem höheren Endverbraucherpreis für einen Liter Milch. Mit diesem Mehrpreis bezahlt man jedoch direkt für mehr Tierschutz und unterstützt die Landwirte, die ganz wesentliche Tierschutzverbesserungen in die Praxis umsetzen.
Weitere Probleme in der Schweizer Milchviehhaltung
In der Schweiz leben rund 750'000 Milchkühe. Zwei Drittel von ihnen können sich nicht regelmässig frei in der Herde bewegen, sondern leben immer noch in einem Anbindestall. Vielerorts werden auch noch die für den Bau neuer Ställe mittlerweile verbotenen, elektrischen Kuhtrainer eingesetzt. Dabei handelt es ich um eine Vorrichtung, die die Kuh in Anbindehaltung mittels elektrischem Schlag dazu zwingt, beim Koten einen Schritt nach hinten zu gehen um die Liegefläche rein zu halten und die einfache Entfernung des Mists zu ermöglichen
Eine von sechs Milchkühen darf ihr ganzes Leben nie auf einer Weide grasen.
Die natürliche Lebensdauer einer Kuh beträgt 20, teilweise sogar 25 Jahre. In der Milchwirtschaft werden die auf Hochleistung gezüchteten Rassen im Durchschnitt nur noch fünf bis sechs Jahre alt. Wenn eine Milchkuh nicht mehr ausreichend Milch produzieren kann oder nicht mehr fruchtbar genug ist, wird sie in der Regel geschlachtet. Weitere, häufige Todesursachen von Milchkühen sind Eutererkrankungen, Klauen/Gliedmassen-Erkrankungen oder Unfälle.
Hier finden Sie ein Interview mit einem Milchbauern aus Deutschland, der die Kälber bei ihren Müttern lässt.