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Die wichtigste Aufgabe der Schweizerischen Nationalbank ist, stabile Preise zu gewährleisten. Die SNB setzt dieses Ziel mit einer mittleren Teuerung der Konsumentenpreise von 0 bis 2 Prozent pro Jahr gleich. In der Vergangenheit lag die Inflation typischerweise in der Mitte dieses Bandes, also bei 1 Prozent, und damit deutlich unter den Zielwerten anderer Zentralbanken.
Die SNB hat sich im Lauf der Zeit einen hervorragenden Ruf erarbeitet – sie hält die Preise stabil. Seit dem Konkurs von Lehman Brothers im September 2008 machen ihr jedoch grosse Schwankungen bei den Energiepreisen zu schaffen. Zudem geriet der Schweizer Franken unter extremen Aufwertungsdruck. Dies hat die Nationalbank auf eine harte Probe gestellt.
Wie wurden die Schwierigkeiten gemeistert? Ist es gelungen, die Teuerung innerhalb des Zielbands zu halten? Und: Wie funktioniert der Inflationsprozess in der Schweiz eigentlich?
Gegen Ölschocks kann die SNB nichts ausrichten
Weil die Schweiz eine kleine und sehr offene Volkswirtschaft ist, muss man bei der Inflation zwischen verschiedenen Komponenten unterscheiden. Man kann die Teuerung einerseits in eine inländischen und eine ausländische Komponente zerlegen, oder andererseits zwischen der Teuerung der Güter- und der Dienstleistungspreise differenzieren.
Diese Unterscheidungen sind hilfreich, da die SNB nicht alle Komponenten im Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) gleich stark beeinflussen kann. Thomas Jordan und seine Kollegen im Direktorium können zwar unter Umständen einen Wechselkurs durchsetzen – sie sind aber nicht in der Lage, Einfluss auf die ausländischen Preise, insbesondere auf die Energiepreise, auszuüben. Die ausländische Komponente und die Güterkomponente des LIK liegen also ausserhalb des Einflussbereichs der SNB.
Anders ist dies bei der inländischen Komponente und bei der Dienstleistungskomponente der Inflation. Hier hängt die Teuerung von der Kostenentwicklung und der Konjunktur im Inland ab – und damit von Faktoren, welche die Geldpolitik zu einem gewissen Grad beeinflussen kann (die Kontrolle ist nicht allumfassend, weil die Teuerung der Inlands- und der Dienstleistungspreise über so genannte Zweitrundeneffekte auch durch Energiepreisschocks oder Wechselkursschwankungen mitbedingt wird).
Vor allem die Güterpreise schwanken
Hier zwei Grafiken zu den beiden Aufschlüsselungsarten: Sie zeigen die Inflation der Konsumentenpreise in der Schweiz seit dem Jahr 2000, einmal geografisch und einmal nach Wirtschaftssektoren gegliedert. Es fällt auf, wie ähnlich die beiden Abbildungen sind.
Die Grafiken zeigen, dass die Inflation von 2000 bis 2007 innerhalb des Zielbands von 0 bis 2 Prozent blieb. Ab 2008 führten grosse Schwankungen der Ölpreise und Wechselkurse hingegen führten zu erheblichen Veränderungen der ausländischen und der Güterkomponente der Teuerung. In diesem Zeitraum lag die Inflation häufig im negativen Bereich. Die inländische und die Dienstleistungskomponente blieben in der Regel aber im Bereich von 0 bis 2 Prozent.
Inlandspreise wuchsen mit fast einem Prozent
Welchen Reim soll man sich daraus nun aber machen? Wie spielen die Inlands- und Auslandspreise zusammen, wie die Güter- und Dienstleistungspreise? Dazu eine Tabelle, in der die wichtigsten Statistiken zur Inflation aufgelistet sind – aufgeschlüsselt für die einzelnen Komponenten, die wir bereits kennen.
Aus der Aufstellung geht hervor, dass die Teuerung im Schweizerischen Landesindex zu zwei Dritteln von der inländischen Inflation bzw. von den Dienstleistungspreisen bestimmt wird. In beiden Bereichen lag die Inflation bei rund 0,8 Prozent und damit knapp unter der Mitte des Zielbands. Über die letzten gut fünfzehn Jahre war diese Komponente halb so volatil wie die Gesamtinflation und somit relativ stabil.
Die Teuerung wird zu einem Drittel wird der ausländischen Preisen bzw. von den Güterpreisen bestimmt. Die Inflationsrate lag hier im Schnitt unter null. Diese Schwankungen bei den ausländischen und den Güterpreisen und waren ausserdem zwei- bis dreimal so gross wie jene bei der Gesamtinflation.
Auffallend ist, dass die Korrelation zwischen beiden Komponenten jeweils nur etwa 0,2 beträgt. Das bedeutet, dass die Inflation im Inland praktisch unabhängig von der Inflation im Ausland ist, und dass sich die Dienstleistungspreise praktisch unabhängig von den Güterpreisen entwickeln. (Die Korrelation nimmt jedoch zu, wenn man die inländische bzw. die Dienstleistungsinflation nicht mit der aktuellen, sondern mit der ausländischen bzw. der Güterinflation vor 10 Monaten vergleicht, ein Anzeichen für die bereits erwähnten Zweitrundeneffekte).
Die Lage normalisiert sich langsam wieder
Was heisst das unter dem Strich – hat die Nationalbank ihre Aufgabe erfüllt? Wie ist die Zeit seit dem Frankenschock im Jahr 2015 zu bewerten, als die Preise auf breiter Front fielen?
Im Rückblick zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Aus der Grafik ist klar ersichtlich, dass nicht nur die Auslands- und die Güterpreise, sondern auch die Inlands- und die Dienstleistungspreise nach der Aufgabe des Mindestkurses nachgaben – also jene Preise, die eigentlich zum unmittelbaren Herrschaftsbereich der SNB gehören. Die Inflation erreichte dort und im Januar 2016 mit –0,5 Prozent einen Tiefstand.
Andererseits zieht die Teuerung bei den Inlands- und den Dienstleistungspreisen seit dem letzten Jahr langsam wieder an. Derzeit liegt sie bei 0,4 Prozent. Die Inflation nimmt also wieder zu. Dies ist ein Beleg dafür, dass die SNB bei der Wiederherstellung der Preisstabilität Fortschritte erzielt hat. Bis diese erreicht ist, bleibt aber noch ein langer Weg.