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Porträt der Ureinwohner Amerikas
Die Indianer Nordamerikas
Um das Jahr 1900 begann Edward Sheriff Curtis (1868-1952) 80 Stämme darunter Crow, Hopi und Navajo 30 Jahre lang zu porträtieren und das besondere daran war wohl, dass er auch mit den Indianern lebte, die er für die Ewigkeit festhalten wollte. Das ist ihm gelungen, denn seine Fotobände wurden - wenn auch in sehr kleiner Auflage - gedruckt und es erschienen zwischen 1907 und 1930 insgesamt 20 Textbände und Portfoliomappen, die die Grundlage für diesen besonderen Fotoband des Taschen-Verlages bilden. Selbst Präsident Theodor "Teddy" Roosevelt (1858-1919) - der ein Vorwort zu Curtis Fotobänden verfasst hatte - zollte Curtis Tribut, indem er ihn als Künstler und Beobachter bezeichnete, dessen Fotografien weit mehr als nur Genauigkeit besäßen: "Sie sprechen die Wahrheit."
Son of a Preacher Man
Als Sohn eines Wanderpredigers lernte Curtis sehr früh das Leben unter freiem Himmel kennen und so auch die Gebräuche und Sitten der letzten Indianer. Zu einem seiner späteren indianischen Modelle gehörte auch Prinzessin Angeline, die Häuptlingstochter von Sealth, nach dem die Stadt Seattle noch heute benannt ist. Curtis arbeitete zwischendurch auch als Bergführer, was ihn sogar bis nach Alaska führte. Obwohl er wenig Schulbildung genoss, eignete er sich bald ein umfangreiches Wissen über die Ureinwohner Amerikas an und studierte sie bezüglich "Sprache, soziale und politische Organisation, religiöse Bräuche, Wohnverhältnisse, Nahrungsmittelbeschaffung und -zubereitung, geografisches Umfeld, Spiele, Musik, Tänze, Kleidung, Maße und Gewichte sowie Sitten und Gebräuche bei Geburt, Ehe und Tod", wie Hans Christian Adam in seiner lesenswerten Einleitung zu vorliegendem Buch schreibt. Zur Zeit von Curtis sei die Bevölkerung der Indianer schon um die Hälfte zurückgegangen: zu Beginn des Jahrhunderts habe die gesamte "indianische" Population Nordamerikas gerade noch 250'000 Menschen umfasst. Heute sind es zumindest wieder zwei Millionen.
Ruf nach einer besseren Welt
Ausgerechnet der Eisenbahnmagnat John Pierpont Morgan finanzierte Curtis’ ausgedehnte Reisen und trug so wesentlich zum Überleben der Kultur der Indianer auf Silberfolie bei, nachdem das "Eiserne Pferd" sie aus ihrem Lebensraum vertrieben hatte. Vom Staat, Universitäten, Wissenschaftlern oder Ethnologen wurde Curtis allerdings nicht unterstützt, mit Ausnahme des Ethnologen Frederick Hodge vom American Bureau of Ethnology, der als Herausgeber für Curtis tätig wurde. Auf den verbreiteten Vorwurf, Curtis’ Bilder seien zu künstlerisch und romantisierend, antwortet der Herausgeber, dass er vielleicht das Unrecht wiedergutmachen wollte, das an den Ureinwohnern begangen worden war und fotografisch das gängige Vorurteil vom armen Wilden nicht noch untermauern wollte. Curtis verwehrte sich jedenfalls gegen die damals üblichen Praktiken der Phrenologie und Anthropometrie, die Ethnien mit dem Maßband vermeintlich wertneutral positivistisch zu erfassen suchten. Auch wenn die Fotografien von Curtis oftmals "gestellt" seien, so würden sie doch, idealisierend und romantisch, "einen amerikanischen Traum darstellen, den Ruf nach einer besseren Welt, einen Traum von Stolz und Freiheit", so Adam.