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access_time veröffentlicht 05.04.2017
Wo bleibt das Positive?
Bernhard Gurtner
Anamnestik
Wo bleibt das Positive?
05.04.2017
Wir sollten die Kranken nicht immer nur über Beschwerden und Funktionsausfälle befragen.
Wir sollten die Kranken nicht immer nur über Beschwerden und Funktionsausfälle befragen. «Was fehlt Ihnen?» ist – vor allem bei älteren Patienten – zu ergänzen durch «Was können Sie, was geht gut?» Hier liegen auch die Ansatzpunkte für geeignete Massnahmen zur Erhaltung oder nochmaligen Verbesserung der Leistungsfähigkeit.
Wer einen lohnenden Zeitaufwand wagt, kann den Patienten bitten, sich zunächst vorzustellen, ohne schon seine Krankengeschichte und die jetzigen Beschwerden zu erwähnen: «Wenn Sie einverstanden sind, würde es mich zuerst interessieren, wer Sie sind, und dann reden wir darüber, was Sie plagt». Nimmt man die Sozialanamnese an den Anfang des Gesprächs, lassen sich die darauf folgenden Aussagen besser einordnen und man wird eher den angemessenen sprachlichen Umgangston finden. Kommen die Patienten aber mit grossem Leidensdruck, ist es besser, wenn man es ihnen überlässt, was sie vordringlich sagen möchten (Monolog).
Nach der Anamnese und der anschliessenden körperlichen Untersuchung sollte auch im Epilog nicht nur auf die krankhaften Befunde verwiesen werden. Der zusammenfassenden Negativliste müssen einige positive Feststellungen entgegengesetzt werden, die man fast bei jedem Kranken machen kann. Lebensweisheit bestünde darin, mit dem gesunden Restbestand seine Defizite zu ertragen und zu überwinden.
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