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Seit dem Erfolg des Südstaaten-Dramas «Monster’s Ball» (2001) sind fast zwei Jahrzehnte vergangen. Marc Forster gehört mittlerweile zur obersten Liga der Hollywood-Regisseure. Der gebürtige Davoser liess sich in dieser Zeit nicht an einen bestimmten Stil oder ein Genre binden.
Zu seinem Portfolio gehören, zum Beispiel, der knallharte James-Bond-Film «Quantum of Solace» (2008), die Komödie «Stranger than Fiction» (2006), die Verfilmung des Afghanistan-Romans «The Kite Runner» (2007) sowie die Zombie-Apokalypse «World War Z» (2013). Nun hat sich Forster mit seinem zwölften Langspielfilm «Christopher Robin» der beliebten Kinderbuchfigur Winnie Puuh angenommen.
Die Figur des Puuh hat eine weitreichende Geschichte. Sie wurde in den 1920er-Jahren vom Engländer Alan Alexander Milne entwickelt, basierend auf den Stofftieren seines Sohnes. Das erste Buch von Milne mit Illustrationen von Ernest Shepard erschien 1926.
Nach dem Tod von Milne kaufte Disney 1961 die Rechte an Winnie Puuh und stellte seither mehrere Zeichentrickfilme und -serien her. «Christopher Robin» ist die erste Realverfilmung, wobei die Tierfiguren computeranimiert sind. In Forsters Film ist Christopher Robin, der Junge aus den Pooh-Geschichten, erwachsen geworden und lebt mit seiner Familie im London der Nachkriegszeit.
Christopher (Ewan McGregor) ist überarbeitet und verbringt mehr Zeit in seinem Büro als zu Hause mit seiner Frau Evelyn (Hayley Atwell) und seiner Tochter Madeline (Bronte Carmichael).
Er erinnert sich kaum an seine Kindheit, als er im Hundertmorgenwald unzählige Abenteuer mit Winnie Puuh und seinen Freunden erlebte. Da taucht eines Tages der honigliebende Bär mitten in London auf und bringt Christopher Robins Alltag gehörig durcheinander.
Alter Bär, neues Konzept
Dreissig Jahre Pendeln zwischen den USA und der Schweiz haben bei Marc Forster Spuren hinterlassen. Nicht etwa auf sein Auftreten. Der Regissuer trägt ein schlichtes schwarzes T-Shirt, schwarze Jeans und gibt sich sympathisch zurückhaltend. Hollywood-Allüren besitzt er keine. Den Einfluss des Pendelns bemerkt man, wenn er spricht: zuweilen schleicht sich eine nordamerikanische Aussprache und das eine oder andere Wort auf Englisch ein.
Im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» erzählt der 49-jährige Regisseur, wieso er sich für den Filmstoff von Winnie Puuh entschieden hat. «Ich war mit meiner Tochter in den Ferien, und sie schaute sich einen Zeichentrickfilm von Winnie Puuh an. Sie drehte sich zu mir um und sagte: ‹Könntest du endlich mal einen Film für Kinder machen?› Da habe ich mir gedacht: warum nicht über Puuh?»
Tatsächlich sei Forster seit seinem Film «Finding Neverland» (2004) über die Entstehung von Peter Pan auf der Suche nach einem weiteren Film mit Elementen des Magischen Realismus gewesen. Wie es der Zufall wollte, war Disney schon seit längerer Zeit an der Entwicklung eines Realfilms über Winnie Puuh interessiert.
Die Produzenten sind auf Forster zugegangen und zusammen haben sie die Geschichte weiterentwickelt. «Die Idee war einfach: Wir nahmen diesen global geliebten Bären und führten ein neues Konzept ein. Christopher Robin ist nun erwachsen. Er hat sein inneres Kind verloren und muss den Weg zu seiner Kindheit zurückfinden.»
Dabei sei es für Forster wichtig gewesen, dass der Film sich in der Darstellung der Tierfiguren möglichst nah an das Original von Milne und den darauf folgenden Disney Adaptionen hält. Zusammen mit den Kostümbildnern und Computeranimateuren wollte Forster einen ganz bestimmten Look für Puuh und Co. «Ich hab mich zuerst an den ursprünglichen Buchillustrationen von Ernest Howard Shepard orientiert. Danach habe ich mir die ersten Animationszeichnungen von Disney in ihrem Archiv angeschaut. Die Plüschtiere sollten möglichst echt wirken, sodass man das Gefühl hat, Christopher Robin habe mit ihnen gespielt.»
Die Liebe zum Detail hat sich gelohnt. Puuh, Ferkel, I-Aah, Tigger und wie sie alle heissen, wirken charmant aus der Zeit gefallen und so flauschig, dass man sie am liebsten knuddeln würde. Doch Marc Forster hat sich nicht nur bei der äusserlichen Darstellung der Figuren an das Original gehalten, sondern auch bei deren Charakterisierung.
Tierisches Vergnügen – die schönsten Zeichentrickfilme:
Das kommt vor allem bei Puuh zum Vorschein. «Ich habe möglichst viele Sätze aus den Büchern eingebaut. Sie sind voller Puuhismen, die ich liebe», erklärt Forster. Mit Puuhismen meint der Regisseur die scheinbar simplen Sätze des Bären wie «Ich komme immer irgendwo an, indem ich von dort losgehe, wo ich gerade war.»
Oder: «Menschen sagen ‹nichts ist unmöglich›, aber ich mache jeden Tag nichts.» Diese und andere Weisheiten offenbaren ein Weltbild, das ganz im Hier und Jetzt verankert ist. In ihrer Einfachheit sind sie Hoch auf den Müssiggang und ein Plädoyer für das Nickerchen. Eine Philosophie, die dem Regisseur gefällt. «In der heutigen Zeit ist es für uns alle wichtig, mal einfach nichts zu tun und abzuschalten, weil man konstant bombardiert wird.»