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Während hierzulande alle möglichst sparsam mit Geld umgehen, weiss man im Mittleren Osten kaum wohin damit. Erst recht seit sich der Erdölpreis innert kurzer Zeit auf ein Rekordhoch verdoppelt hat, verfügen die Golfstaaten über fast unbegrenzte finanzielle Mittel. Bislang floss der Löwenanteil dieser Petrodollars in die Vereinigten Staaten. Etwa in die «Boston Area»: In den 90er-Jahren sollen in diese Region rund 20 Milliarden Dollar transferiert worden sein.
Grunddafür waren, neben der technologischen und ökonomischen Stärke der USA, die guten Beziehungen: Viele der Scheichs hatten ihre Ausbildung an amerikanischen Universitäten absolviert und schickten danach auch ihre Kinder dorthin. Tobias Levey will nun diese Beziehungen und mit ihnen das Geld nach Zürich holen. Er leitet das Projekt «Zurich Orient Foundation», das zu dem Zweck von der Universität Zürich, der ETH, dem Kanton Zürich sowie der Global Medical Forum Foundation im September letzten Jahres ins Leben gerufen wurde.
Bei seinem Vorhaben erhält Levey unverhofft Aufwind von der eigentlich unerfreulichen Tatsache, dass sich das Verhältnis zwischen den Amerikanern und den Arabern nach den Ereignissen vom 11. September 2001 nachhaltig abgekühlt hat. «Der Hochschulplatz Zürich hat den Golfstaaten viel zu bieten», weiss Levey, der Vizepräsident der Organisation. «Wir haben beispielsweise sehr gut ausgebildete Wissenschaftler und betreiben hochkarätige Forschung.» Als weitere Vorzüge nennt er das gute Bildungssystem, die politische Stabilität, ein eingespieltes lokales Netzwerk und «selbstredend die gute Standort- und Lebensqualität».
Persönliche Kontakte gefragt
Das sind attraktive Bedingungen für Investoren aus dem Golf, die Levey für Kooperationsprojekte mit Zürich gewinnen will. Dabei konzentriert er sich auf die ölreichen Staaten des «Gulf Cooperation Council» mit den Ländern Oman, Katar, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate. «Von diesen Staaten sind die Vereinigten Arabischen Emirate am prosperierendsten und fortschrittlichsten », sagt Levey. Dennoch bestünde auch in den Emiraten ein grosser Nachholbedarf bei der Bildung, der Forschung und im Gesundheitswesen. Durch Investitionen in die Biomedizin und Kooperationsprojekte im Hochschulbereich wollen die Emirate und andere Länder aus der Region diese Lücke nun schliessen. Die Schweiz wäre dazu zwar der ideale Partner – es fehlt ihr jedoch an persönlichen Kontakten. Die «Zurich Orient Foundation» soll diese nun herstellen.
Dabei hat sie gute Startbedingungen: Levey und seine Kollegen in der Stiftung sind schon seit den 70er- Jahren als Ärzte und Berater von Scheichs im Mittleren Osten tätig und haben dadurch zu diesen Beziehungen. Die «Zurich Orient Foundation» kann denn auch schon erste Erfolge verbuchen. Im vergangenen April unterzeichnete der Minister für Hochschulbildung und Forschung der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Nahayan Mubarak Al Nahayan, ein so genanntes «Memorandum of Understanding».
Darin wurden die Schwerpunkte für eine zukünftige Zusammenarbeit festgelegt. Levey legt Wert darauf, dass der Scheich das Dokument persönlich unterschrieben hat: «Es belegt die Verbindlichkeit und das Engagement der Emirate auf höchster Ebene.» Doch es soll nicht bei der Unterzeichnung eines Papiers bleiben. Erste Projekte sind bereits in Planung. So soll ein «Zurich Biomedical Fund» gegründet werden, der mehrere Millionen Franken für die Unterstützung von kleinen und mittleren Firmen erhält. «Die ausbleibende oder nur zögerlichen Finanzierung von Jungunternehmern war in den letzten Jahren deutlich spürbar», so Levey. Er prognostiziert dem Fonds einen grossen Einfluss auf die Entwicklung der Life- Science-Branche im Raum Zürich.
Konkurrenz schläft nicht
Im kommenden Januar soll eine erste Konferenz der «Zurich Orient Foundation » in den Emiraten «mit starker Beteiligung von Zürcher und Schweizer Experten» stattfinden. Zudem soll ein gemeinschaftliches Labor in Zürich und Abu Dhabi errichtet werden, das die Biodiversität in den Vereinigten Arabischen Emiraten untersuchen soll. Dabei geht es nicht nur um Technologietransfer: «Unter Umständen führt das Projekt auch zur Entwicklung neuer Medikamente.» Alles in allem ein guter Start. Doch Zürich ist mit seinen Bestrebungen nicht alleine: Skandinavien, Deutschland, aber auch Städte und Regionen wie München, Stockholm, Genf oder Paris bemühen sich zur Zeit intensiv um eine engere Kooperation mit den Erdölländern. Deshalb ist für Levey klar: «Wir müssen uns anstrengen, damit wir auch etwas vom Kuchen abbekommen.»