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Steady-State PharmakokinetikFliessgleichgewicht bei der Mehrfachdosierung
Wird ein systemisch aktives Medikament verabreicht, gelangt der Wirkstoff in den Blutkreislauf, übt seine Effekte am Wirkort aus und wird der Ausscheidung zugeführt.
Der Steady-State bezieht sich auf eine mehrfache Applikation eines Arzneimittels. Dabei läuft zunächst derselbe pharmakokinetische Prozess wie oben beschrieben ab. Bevor nun aber die Plasmakonzentration unter die minimale therapeutische Konzentration abfällt, wird erneut eine Dosis verabreicht, die im Blut auftaucht. Die Applikation wird in regelmässigen Abständen wiederholt.
So wird für eine konstante therapeutisch aktive Konzentration des Wirkstoffs im Organismus gesorgt. Der schliesslich erreichte Gleichgewichtszustand wird als Steady-State bezeichnet. Bildlich lässt er sich mit einem Brunnen veranschaulichen, dem pro Zeiteinheit dieselbe Menge Wasser zugeführt wird, die ihn durch den Abfluss verlässt. Das Wasserniveau bleibt dabei immer gleich. Man spricht von einem Fliessgleichgewicht. Die Wirkstoffaufnahme entspricht im Steady-State der Wirkstoffelimination.
Zugrunde liegt die sogenannte Kumulation (Akkumulation), welche nach einer gewissen Zeit ihr Maximum erreicht.
Die entsprechende Plasmakonzentration wird als Steady-State-Konzentration (Css) bezeichnet. Sie ist höher als nach einer einmaligen Dosis (!) Der pharmakologische Effekt kann also nach einer Mehfachdosis stärker ausgeprägt sein. Wer ein Medikament also regelmässig einnimmt, kann unter Umständen von einer stärkeren Wirkung profitieren.
Der Steady-State tritt nicht sofort, sondern mit einer zeitlichen Verzögerung ein, die von der Elimination abhängig ist. Üblicherweise beträgt der Zeitraum das Fünffache der Halbwertszeit. Ist die Elimination verlängert, zum Beispiel aufgrund einer Niereninsuffizienz, wird der Steady-State entsprechend später erreicht.
So hat etwa das Antidepressivum Fluoxetin eine Halbwertszeit von mehreren Tagen. Der Zeitraum bis zum Steady-State beträgt dementsprechend zwei bis drei Wochen. Beim Malariamittel Mefloquin mit einer Halbwertszeit von zwei bis vier Wochen nimmt der Prozess gemäss der Literatur bis zu 10 Wochen in Anspruch.
Mit einer initialen Aufsättigungsdosis (Loading Dose, LD) kann die Zeitspanne verkürzt werden. Dabei wird eine erhöhte orale Dosis oder eine intravenöse Dosis verabreicht. Es wird auch von einer initialen Stossbehandlung gesprochen. Dies ist zum Beispiel für das Antiarrhythmikum Amiodaron mit einer Halbwertszeit von 20 bis 100 Tagen erforderlich.
Ein weiterer Einflussfaktor ist das Dosierungsintervall. Je kürzer es ist, desto stärker ausgeprägt ist die Kumulation. Und je höher die Dosis, desto höher ist die Steady-State-Konzentration. Ist das Dosierungsintervall sehr viel länger als die Halbwertszeit, findet keine Kumulation statt und es gibt keinen Steady-State.
Bei Therapieänderungen und -pausen muss sich das Gleichgewicht übrigens neu einstellen, also beispielsweise bei einer Verdoppelung der Dosis.siehe auchLiteratur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH, USA)
- Lehrbücher der Pharmakologie
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.