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Frühling
Das Ende des Winterschlafes
Igel beenden im Schweizer Mittelland zwischen Mitte März und Mitte April ihren Winterschlaf. Der eigentliche Aufwachvorgang zieht sich über Stunden hin (siehe Häufige Fragen). Allerdings erleben viele der Stacheltiere, die sich im Spätherbst in den Winterschlaf zurückgezogen haben, den Frühlingsbeginn nicht mehr. Die Sterblichkeit während des Winters ist v.a. bei den Jungtieren sehr hoch. Diese bei Wildtieren übliche Selektion garantiert, dass nur kräftige, vitale Tiere ins neue Igeljahr starten. Aber auch die überlebenden Igel haben durchschnittlich 30% ihres Körpergewichtes verloren und deshalb einen grossen Nahrungsbedarf. Bei sehr (zu) früh erwachten Igeln reicht die Menge an vorhandenen Insekten und Würmern aber eventuell noch nicht aus, um die verloren gegangenen Reserven wieder aufzufüllen.
Wie kann ich einem Igel helfen, den ich vor Anfang April draussen antreffe?
Jetzt ist eine der wenigen Ausnahmesituationen, wo eine Zufütterung Sinn ergeben kann, falls noch keine oder nur sehr wenige Futtertiere vorhanden sind, z.B. weil für längere Zeit wieder sehr tiefe Temperaturen herrschen.
- Stellen Sie dem Igel eine Schale mit Wasser hin
- Richten Sie ihm eine temporäre(!) Futterstelle ein, aber wirklich nur solange, bis sich das Wetter bessert und wieder Futtertiere (Würmer, Mauerasseln, Tausendfüsser, Schnecken) vorhanden sind.
Ob schon Futtertiere für den Igel verfügbar sind, findet man nur raus, indem man den Boden im Garten nach ihnen absucht: Wie sieht es unter liegengebliebenem Laub aus? Sind schon Wümer zu sehen unter Steinplatten? Was zeigt die Gartenerde, die man mit der Stechgabel gewendet hat?
Würmer, Mauerasseln, Tausendfüsser und kleine Nacktschnecken sind oft schon in grösserer Zahl vorhanden als angenommen.
Wie soll eine Futterstelle für Igel aussehen?
Lesen Sie dazu bitte den Text "Zufütterung in Ausnahmesituationen" und "Wie soll eine Igel-Futterstelle aussehen".
Vorsicht bei der Gartenarbeit
Nicht mit Stechgabeln oder Ähnlichem in Kompost-, Laub- oder Asthaufen hineinstechen. Es könnte sich noch ein Igel-Langschläfer darin aufhalten.
Siehe Merkblatt «Gefahren für Igel»
Ab Ende April beginnt die Paarungszeit. Igelmännchen auf Brautschau vergrössern dann ihren monatlichen Aktionsraum (Gebiet, das ein Igel in einem Monat durchstreift) von ca. 20 auf 100 ha1 und können pro Nacht bis 5 km Wegstrecke zurücklegen. Der Paarungstrieb lässt sie oft unvorsichtig werden, Strassen z.B. werden „ohne Rücksicht auf Verluste“ überquert.
Wie kann ich dazu beitragen, die Anzahl der überfahrenen Igel zu verringern?
- Denken Sie daran, dass Igel hauptsächlich im menschlichen Siedlungsgebiet, in den Gärten zwischen den Häusern, leben. Achten Sie deshalb gerade auch auf Strassen innerhalb von Dörfern und Städten auf Igel, die die Fahrbahn überqueren!
- Bleibt ein Igel auf der Strasse sitzen, tragen Sie ihn in seiner Laufrichtung über die Strasse und setzen ihn 2-3 m vom Strassenrand entfernt vorsichtig ab.
- Versuchen Sie nie, einen auf der Strasse sitzenden Igel zwischen die Räder zu nehmen, die Wahrscheinlichkeit, dass Sie ihn auf diese Weise überfahren, ist sehr gross!
- Fahren Sie generell vorausschauend und den Sichtverhältnissen angepasst. Nicht nur Igel werden Ihnen dafür dankbar sein.
Siehe Häufige Fragen
Paarung
Vielleicht werden Sie in einer lauen Mai-Nacht von seltsamen Geräuschen aus Ihrem Garten geweckt. Dies könnten zwei sich paarende Igel sein! Dem Geschlechtsakt geht eine Treibephase voraus. Das Männchen umkreist das Weibchen, welches sich i.d.R. zunächst wehrt und den Partner laut anfaucht. Der Vorgang wird auch „Igelkarussell“ genannt und kann mehrere Stunden dauern. Nach der Paarung verlässt das Männchen seine Partnerin. Das heisst, Igelweibchen sind immer „alleinerziehende“ Mütter.
Nestbau
Wie für den Winterschlaf braucht es auch zur Aufzucht der Igelbabys ein stabiles wärmeisoliertes Nest. Die dazu nötigen Unterschlüpfe und das Nistmaterial finden die Igelinnen in möglichst naturbelassenen Gärten.
Im Schweizer Mittelland können erste Geburten schon im Mai beobachtet werden, vorausgesetzt im April herrschte schönes Wetter.
So erleichtere ich den werdenden Igelmüttern den Start in die Babysaison
- Räumen Sie Ihren Garten auch im Frühling und Sommer nicht allzu stark auf.
- Viele Tipps zur naturnahen Gartengestaltung finden Sie im Kapitel „Igelfreundlicher Garten“.
1Zingg, R. (1994): Aktivität sowie Habitat- und Raumnutzung von Igeln in einem ländlichen Siedlungsgebiet. Dissertation Universität Zürich, Zürich.