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Ambrose Bierce hatte ich hier schon einmal recht summarisch dargestellt. Im letzten Abschnitt jenes Artikels bin ich auch ganz kurz auf Des Teufels Wörterbuch eingegangen. Da ich im Moment den Teufel sowieso gerade in der Mangel habe, dachte ich mir, es könnte nicht schaden, auch Bierce’ Wörterbuch noch einmal zu lesen und ein bisschen genauer vorzustellen.
Des Teufels Wörterbuch ging hervor aus diversen kleinen Zeitungskolumnen, mit winzigen, zynisch-satirischen Aperçus, die der Journalist Bierce an verschiedenen Orten neben seiner eigentlichen journalistischen Arbeit publiziert hatte. Diese Aperçus wurden bekannt, herumgereicht und kopiert. Irgendwann – Jahre nachdem bereits Imitatoren und Plagiatoren auf den Plan getreten waren, die seinen Ruf zu verdunkeln drohten – beschloss Bierce dann doch, seine Aperçus in einem eigenen Buch zu sammeln. 1906 erschien The Cynic’s Word Book, das Wörterbuch des Zynikers. Bierce schrieb aber immer noch weitere Aperçus, und 1911 erschien eine vervollständigte Version, die u.a. nun auch sämtliche Buchstaben des Alphabets abdeckte und deshalb mit Recht neu Dictionary genannt werden konnte. Auch der Zyniker verschwand als Name aus dem Titel und machte dem obersten aller Zyniker Platz, dem Teufel. So nannte sich Band 7 der Collected Works nunmehr The Devil’s Dictionary. das Wörterbuch des Teufels.
Natürlich sind nicht alle Aperçus von der gleichen Qualität. Sie sind auch nicht alle im gleichen Stil verfasst. Neben eigentlichen Kurzdefinitionen, die oft von einer Gegenüberstellung überbrachter moralischer Ansichten mit den eigentlichen Beweggründen dafür, jemanden mit diesem moralischen Fehler oder auch der Tugend zu behaften – der Teil, der das Wörterbuch und seinen Autor berühmt gemacht hat, z.B. die Definition von “Egoist”: Egotist (n.) A person of low taste, more interested in himself than in me. – finden wir auch Dritten, Pseudonymen oder Akronymen, zugeschobene Gedichte, ja Kürzestgeschichten, die in ihrem dunklen Zynismus auf Bierce’ übrige Kurzgeschichten verweisen.
Neben allgemein menschlich-moralischen Kurzschlüssen, wie im obigen Zitat, wendet sich Bierce gerne auch gegen die Politik, die Politiker und die politischen Ideologien, deren menschlich-moralischen Kurzschlüsse er in ein paar Worten entlarvt. Und wenn es nicht die Politik ist, die er angreift, dann ist es die Religion, die aus den Menschen bigotte Egoisten macht, die Moral vorschieben, wo letztlich Eigennutz dahinter steht.
Wie jedes Wörterbuch, ist auch Des Teufels Wörterbuch ein Buch mehr gemacht dafür, darin zu stöbern, als es von vorne bis hinten durchzulesen. Aber auch dies kann getan werden und tut der Freude ob Bierce’ Zynismus keinen Abbruch. (Natürlich nur, sofern man an Zynismen seine Freude hat. Wer so etwas nicht mag, tut gut daran, Des Teufels Wörterbuch von seiner Leseliste zu streichen.)

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