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Hier der 4. und letzte Teil zum Thema Placebo, nacher kommt Thema Hypnose und später noch Thema Psychosomatik.
1.2 Placebos in der Psychologie
1.2.1 Auch die Psychologie kämpft mit dem Placebo-Effekt
1.2.2 Erklärungen für den psychologischen Placebo-Effekt
1.2.1 Auch die Psychologie kämpft mit dem Placebo-Effekt
Man könnte versucht sein, die Placebo-Effekte in der Medizin auf das Konto der
Psychologie zu schreiben. Doch die Psychologie hat ihre eigenen Probleme mit dem
Placebo-Effekt {1,58}.
Kritische Psychologen (auch H.J. Eysenk) behaupten, daß 99% der psychischen
Heilungen auf den Placebo-Effekt zurückzuführen sind!
Psychotherapie und Placebo
Den ersten Schock erhielt man Anfang der 50er Jahre, als ausgerechnet H.J.
Eysenk auf die peinliche Tatsache aufmerksam machte, daß Patienten, die mangels
Therapieplatz auf der Warteliste stehen, genauso häufig "spontan" genesen, wie
die Empfänger einer langfristigen, professionellen Behandlung.
Leerjahre auf der Couch?
Inzwischen herrscht allgemeine Einigkeit darüber, daß die Heilungsquoten bei
allen großen Psychotherapie-Formen die gleiche ist. Diese Tatsache ist natürlich
für die Psychologen sehr unangenehm, da sich jeder mit seiner Therapieform
identifiziert. Doch es gibt scheinbar keine signifikanten Zusammenhänge zwischen
der Art der Psychotherapie, ihrer Dauer, der Erfahrung des Therapeuten und dem
Erfolg der Therapie.
Eine französische Studie geht sogar so weit, daß der Nutzeffekt einer Therapie
(bisher ausgenommen ist die Verhaltenstherapie) im Vergleich zu einer
Placebo-Therapie gleich null ist. Die Placebo-Studie sah so aus, daß der
Therapeut alle Fragen, die die Problematik des Patienten berührten, peinlich
mied. Trotzdem wurden Erfolge erzielt.
Auch andere Quellen berichten davon, daß eine spontane Heilung bei Schizophrenie
langfristig bei 56% der Schizophrenen weitgehend unabhängig von
Behandlungsmaßnahmen eintritt. Auch hier wird betont, daß es bis in die 80er
Jahre keinen Beweis für bessere Resultate einer rein psychotherapeutischen
Behandlung gegenüber dem Spontanverlauf gibt {30, Band X, S. 398}.
Sehr interessant war auch eine amerikanische Studie in den 30er Jahren, in der
Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung festgestellt werden sollten {30, Band XI,
S. 228}. Zu diesem Zweck sollte Beispielsweise die Beleuchtung von Arbeitsräumen
variiert werden, um die Auswirkung auf die Produktivität zu untersuchen. Das
erstaunliche Ergebnis: Egal, welche Beleuchtungsstärke der Glühbirnen man auch
wählte, ständig stieg die Produktivität. Endgültig skeptisch wurde man, als man
in einer Abteilung die Glühbirnen durch gleichwertige ersetzte und sich die
Motivation der Arbeiter dennoch erhöhte. Die Auflösung des Rätsels: Es war
allein die Beschäftigung mit den Mitarbeitern, die die Produktivität erhöhte.
Das Licht spielte nicht die Rolle, sondern der soziale Umgang. Da diese
Untersuchung in den Hawthorne-Werken gemacht wurde, nennt sich dieser Effekt
"Hawthorne-Effekt". Im übertragenen Sinne handelt es sich auch hier um eine Art
Placebo.
Biofeedback und Placebo
Biofeedback ist die Bezeichnung für die Methode, die es ermöglicht, elektrische
Gehirnschwingungen oder andere körperliche Parameter sichtbar zu machen und
durch den Probanden willentlich beeinflussen zu lassen. Auch bis in tiefe
Gehirnschichten sind die elektrischen (und damit auch gefühlsmäßigen)
Aktivitäten des Gehirns unmittelbar steuerbar geworden. {30, Band X, S. 1038}
<DIA 5>
Frei nach dem Motto "je teurer, moderner, detaillierter, zeitraubender und
gefährlicher eine Behandlung, desto größer der Placebo-Effekt" muß auch die
moderne Bio-Feedback-Forschung mit diesem schwer handhabbaren Effekt leben.
So wird von Heiner Legewie berichtet, daß ein Patient mit einem besonders
schweren Fall von Querschnittslähmung in einem Rahabilitations-Zentrum mit
Bio-Feedback erstaunliche Fortschritte machte. Das Problem war nur, daß das
Gerät einen technischen Defekt hatte, und nur Rauschen anzeigte. Das Rauschen
war für den Patienten also nicht beeinflußbar; dennoch war er im Glauben, er
könne es. Tatsächlich stellten sich deutliche Erfolge in der Koordination seines
Körpers ein, obwohl er seit zwei Jahren ein Problemfall war. Alleine sein Wille
und seine Entschlossenheit, mit dieser Methode eine Heilung herbeizuführen,
haben tatsächlich geholfen.
Psychopharmaka und Placebo
Nicht nur psychologische Therapien können einem Placebo-Effekt unterliegen,
sondern auch Psychopharmaka {20,157}. Das Wissen der Ärzte ist in diesem Gebiet
wohl noch nicht sehr sicher, denn man kann die Wirkung von
Placebo-Psychopharmaka auf den jeweiligen Patienten nicht genau bestimmen: Bei
endogen Depressiven sind starke und dauerhafte Wirkungen nachgewiesen, bei
echten psychotischen Depressionen geht die Wirkung bis auf 0% herunter.
In der Untersuchung von Park&Covi im Jahre 1965 wurden psychisch kranken
Menschen Placebos als Hilfe angeboten - und zwar mit folgender Instruktion:
"Many people with your kind of condition have also been helped by what are
sometimes called 'sugar pills', and we feel that a so-called sugar pill may help
you, too. Do you know what a sugar pill is? A sugar pill is a pill with no
medicine in in at all. I think this pill will help you as it has helped so many
others. Are you willing to try this pill?". Als Ergebnis fühlten sich 13 von 15
Patienten besser (und wurden auch von den Ärzten als gebessert eingestuft),
obwohl sie genau darüber aufgeklärt wurden, daß sie Zuckerpillen bekommen würden
{20,165}.
Die grundlegende Bedingung für den Placebo-Effekt ist also nicht der Glaube, man
erhielte aktive Medikation, sondern der Glaube, daß eine Situation, die als
Behandlung definiert wird, helfen kann.
1.2.2 Erklärungen für den psychologischen Placebo-Effekt
Welche Einflüsse können einen Heilungserfolg bringen, der unabhängig von der
Therapie ist {1,59}?
1.Der Wille ist da. Jede Beschäftigung mit den eigenen Problemen bringt
langfristig eine Besserung. Es ist dabei wichtig zu wissen, daß bereits eine
Anmeldung zu einer Therapie ein großer Schritt ist auf dem Weg zur Heilung. Die
meisten Patienten, die sich anmelden, haben das Problem in sich erfaßt und sind
grundsätzlich bereit, sich zu ändern. So ist es zu erklären, daß auch Menschen,
die nur auf einer Warteliste stehen, häufig von ihren Problemen befreit werden.
2.Endlich hört mal jemand zu. Kommt es zu einer Therapie, so liegt schon ein
Heilungsgrund in der Tatsache, daß sich überhaupt mal ein Mensch gefunden hat,
der den Problemen des Patienten zuhört. Da die aktive Beschäftigung mit den
eigenen Schwierigkeiten schon große Erfolge bringt - unabhängig von dem
therapeutischen Ansatz - kann der Placebo-Effekt auch hierdurch erklärt werden.
Siehe in der GEO (Ausgabe noch unbekannt), S. 198 "Schreiben macht gesund". In
einer amerikanischen Studie wurde herausgefunden, daß Studenten, die sich ihre
Sorgen in ein Tagebuch schrieben, ausgeglichener und gesünder leben. Dies gilt
insbesondere dann, wenn im Tagebuch die tiefen Gefühle geäußert wurden (die
Kontrollgruppe durfte nur Fakten aufschreiben).
3.Reduktion der kognitiven Dissonanz. Es scheint so zu sein, als korreliere der
Erfolg einer Therapie damit, inwieweit der Patient eigene Opfer (Geld, Zeit,
Anstrengung, ...) geben muß. Die Anstrengungen müssen vor sich selbst
gerechtfertigt werden, was dazu führt, daß ein Mensch sich einen Nutzen und
damit einen Erfolg "konstruiert". (Siehe hierzu das Stichwort "Kognitive
Dissonanz" in dem Bericht von BR in der Damokles 3/1994.)
=> Zusammenfassend kann man also auch im psychischen Problembereich ein enormes
Selbstheilungspotential des Menschen feststellen.
1.3 Fazit zum Thema Placebo
Das Thema Placebo ist sehr umfassend - hier konnten nur einige Aspekte
aufgezeigt werden. In unserem Alltag kann der Placebo-Effekt (im Sinne einer
Selbstheilung) in vielfältiger Weise auftreten: So kann ein Gespräch mit einem
Freund zwar eine Hilfe gewesen sein, aber ob der Helfende in diesem Gespräch
wirklich aktiv die Lösung herbeigeführt hat, ist unter Umständen fraglich.
Vielleicht mußte derjenige mit dem Problem sich einfach mal aussprechen?
Man kann das Thema Placebo auch philosophisch sehen: Wie sieht es zum Beispiel
aus mit den Gegenständen, die uns - wenn wir sie gerade gekauft haben -
glücklich machen? Sind es wirklich die Gegenstände selbst, die das Glück
verbreiten? Oder ist es vielleicht "nur" die innere Einstellung, die das Glück
verbreitet! So wird ein neuer Wohnzimmer-Glastisch sicherlich nicht jedermann
glücklich machen. So könnte es doch sein, daß man dringend das Bedürfnis hat,
endlich mal wieder glücklich zu sein; als Folge dessen kauft man sich
irgendetwas (z.B. einen Glastisch) , damit dieses Gefühl durchbrechen kann.
Überhaupt können viele Dinge in unserer Welt einen Placebo-Charakter haben: Die
Ehe (sagt der Unverheiratete) ist zum Beispiel in sofern ein Placebo, als daß
die Sicherheit einer Partnerschaft durch ein Versprechen nicht steigt. In dem
aber beide Eheleute an die Festigkeit glauben, bleibt die Partnerschaft
langfristig stabil.
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Gib einem Hungernden einen Fisch, und er hat zu Essen für einen Tag.
Lehre ihn angeln, so hat er zu Essen für das ganze Leben.
Einen schönen Tag wünscht Dir Pius