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Sie liegen schon seit fast hundert Jahren in der Kollektion des British Museum: zwei Mumien aus der vordynastischen Zeit, bekannt unter dem Namen Gebelein-Mann A und Gebelein-Frau. Jetzt haben Wissenschaftler Tattoos auf der Haut der beiden Mumien entdeckt, die zwischen 3351 und 3017 vor Christus gestochen wurden – was sie zu den bisher ältesten Bild-Tattoos der Welt macht.
Noch etwas älter sind zwar die Tattoos, die an der Eismumie des Ötzi entdeckt wurden. Diese bestehen aber ausschliesslich aus Punkten und Strichen. Die Tattoos, die der Gebelein-Mann auf seinem Oberarm trägt, zeigen dagegen einen Stier und einen Mähnenspringer (ein in Nordafrika beheimatetes ziegenartiges Huftier), wie die Forscher schreiben. Ihre Studie wurde im Journal of Archaeological Science veröffentlicht.
Bisher waren an der Haut der Mumien nur mysteriöse schwarze Flecken aufgefallen. Erst eine gründliche Untersuchung mit verschiedenen Methoden – darunter Infrarot-Aufnahmen und eine Computertomographie – brachte die Erkenntnis, dass es sich um Tattoos handelt. Sie wurden nicht oberflächlich angebracht, sondern unter die Haut gestochen. Als Farbstoff diente ein kohlenstoffhaltiges Material, vielleicht Russ.
Der Gebelein-Mann, der rothaarig war, ist jung gestorben; zum Zeitpunkt seines Todes war er zwischen 18 und 21 Jahren alt. Die Wissenschaftler entdeckten vor einigen Jahren, dass er vermutlich durch einen Stich in den Rücken ermordet wurde.
Die weibliche Mumie weist ebenfalls mehrere Tattoos auf, die sich auf Oberarm und Schulter befinden. Auf ihrer rechten Schulter sind vier S-förmige Motive zu sehen, auf dem Oberarm ein weiteres linienförmiges Tattoo. Beide Tattoos sind so angebracht, dass sie gut sichtbar waren. Möglicherweise handelte es sich dabei um Statussymbole.
Die Tattoos der Frau sind die ältesten, die bisher auf einem weiblichen Körper gefunden wurden. Aus späteren Perioden des ägyptischen Altertums sind andere figurative Tattoos auf weiblichen Mumien bekannt. Aufsehenerregend sind auch die Tattoos des Mannes, denn bisher ging man davon aus, dass im alten Ägypten nur Frauen tätowiert wurden.
Beide Mumien stammen von der Ausgrabungsstätte Gebelein, die sich etwa 40 Kilometer südlich von Luxor befindet. Neben diesen beiden konservierten Leichen haben die Fortscher noch sieben andere Mumien aus Gebelein untersucht, aber bei keiner davon Tattoos gefunden.
(dhr)