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Sie haben auch ein Bild, zu dem Sie uns Ihre Geschichte erzählen möchten? Schreiben Sie an: <email-pii>.
Dieser Satz mit der Mailadresse steht regelmässig jeweils am Schluss eines Textes im Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Über dem Text steht ein kurzer Titel und über diesen Titel ist eine Fotografie zu sehen. «Flüstern, 1941» heisst der Text in der Ausgabe des Nachrichtenmagazins vom 16. Januar 2021. Auf der Fotografie ist ein Ehepaar zu sehen, beide sonntäglich gekleidet, er mit Krawatte und Zweireiher, sie mit weisser Bluse. Die Frau hält einen Säugling, das Baby lacht in die Kamera, die Mutter lächelt, der Vater blickt etwas streng drein, die Hände hinter dem Rücken. Yigal Drucker, 80 Jahre alt, wohnhaft in Berlin, hat die Fotografie dem Magazin geschickt. Er ist das kleine Kind von damals und erzählt heute Spiegel-Mitarbeiter Jonathan Stock im Text die Geschichte zum Bild, das im Mai 1941 am Rothschild-Boulevard in Tel Aviv aufgenommen wurde. Yigals Eltern waren aus Deutschland nach Palästina geflohen, wo Yigal als Kind aufgewachsen ist. Er erzählt, wie vorsichtig flüsternd sich seine Eltern damals in der Öffentlichkeit in ihrer deutschen Muttersprache unterhalten haben. Deutsch war damals im englischen Mandatsgebiet verpönt.
Etwas mehr als ein Jahr früher kommentiert in der Ausgabe des Nachrichtenmagazins vom 29.11.2019 die 86 Jahre alte Beate Glunz aus Hamburg-Altona eine im Sommer 1961 aufgenommene Fotografie, auf der sie als junge Frau am Steuerrad eines Autos der Marke Borgward Isabella zu sehen ist. Keck schaut sie drein, die Aufnahme hat ein Profi-Fotograf am Timmendorfer Strand gemacht. Das Foto bewahrt sie in einer Box auf, mit vielen weiteren Bildern, sie schaue es sich nicht oft an, berichtet sie Spiegel Redakteur Max Polonyi: «Dieses ausladende Lenkrad, die feinen Armaturen – heute sehen Autos aus wie Insekten oder Sahnetorten, das hier ist einfach elegant. Es fühlte sich an, als lenkte man ein Schiff durch ruhige See, behäbig und sanft, aber kontrolliert. Ich konnte immer besser Auto fahren als meine Männer, ich bin einfach eingestiegen und habe die Bewegungen genossen, kuppeln, schalten, die Pedale antippen, ganz leicht, es fühlte sich für mich natürlich an».
Den teuren Wagen hatte ihr ihr damaliger Mann geschenkt. Ein Jahr nachdem die Aufnahme gemacht wurde, ging ihre Ehe auseinander, den Wagen konnte sie nicht behalten. «Damals wurden geschiedene Frauen um die dreißig schräg angeguckt, das war nicht normal, damals blieb man zusammen.», erinnert sich Beate Glunz. Ihr geschiedener Mann sowie der Fotograf leben nicht mehr, geblieben sind die Fotografie und die Erinnerungen, die sie auslöst.
Schöne, schwierige, wunderbare und schräge Geschichten, Einblicke in Lebenswelten anhand von Fotos aus dem Familienalbum oder aus Schachteln mit alten Bildern im Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Am liebsten würde man sie gesammelt in einem Buch lesen. Oder auch: Man blickt sich im Freundeskreis um und denkt, man könnte in einem Kreis von Bekannten und Freunden eine Runde gründen, die sich Geschichten aus dem Fundus früher Fotos zeigen und erzählen.
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Eingeworfen am 25.02.2021