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26. – 27. JULI 1865 : EINE IMMER SCHWIERIGERE FINANZIERUNG
“Vevey empfängt während dieser Tage 40’000 Besucher, und man kann darunter mindestens 20’000 weibliche zählen, dementsprechend 20’000 Krinolinen, also insgesamt 160’000 Stahlreife, je acht davon in jedem Rock, stufenweise und in Kegelform vom Saum bis zur Taille eingesetzt. Diese acht Reife dürften zusammen an die zwei Pfund wiegen, was ein Gesamtgewicht von etwa 400 Zentner Stahl ergibt. Jede Krinoline hat auf Saumhöhe im Durchschnitt einen Umfang von 12 Fuss, und wenn man diese Umfänge zusammenzählt, kommt man auf eine Länge von 240’000 Fuss, also 60’000 Ellen Stoff, die ausreichen würden, um die Strecke von Lausanne nach Bern zu decken. […] In der Annahme, dass sie in Vevey am 26. und 27. Juli, durch die drängende Menge plattgedrückt, um ein Viertel reduziert sein würden, wird es dennoch mindestens 5000 von überflüssigem Umfang besetzte Plätze geben.” Vernes-Prescott, L’Abbaye des Vignerons, son histoire et ses Fêtes, jusqu’à et y compris la Fête de 1865
Das Winzerfest ist fortan ein sehr bedeutendes Ereignis in Vevey. Es zieht immer mehr Zuschauer an, vor allem dank der neuen Transportmittel (Zug und Seedampfer). Reiche Leute aus dem gehobenen Mittelstand reisen zahlreich an, was manche bedauern lässt, dass sich das Fest den Bürgern von Vevey entzieht.
Subskribenten verzweifelt gesucht
Die für die Gestaltung des Winzerfestes notwendigen Mittel werden so beträchtlich, dass die eigenen Gelder der Bruderschaft nicht mehr ausreichen. So appellierte sie an die Öffentlichkeit, in Form einer Subskription, die jedoch den erhofften Erfolg nicht erzielte. Man musste demzufolge den Bürgern von Vevey klarmachen, dass ohne ihre Subskriptionen das Winzerfest nicht mehr bestehen würde. Schliesslich konnte das notwendige Kapital doch noch zusammengetragen werden. Die mutigen Aktionäre verloren dabei jedoch 6,50 Franken pro zu 40 Franken gezeichneter Subskription.
SCHAUSPIEL
Präsident: Louis Bonjour
Tanzleiter: Benjamin Archinard
Musik: François Grast
Libretto: Jules Mülhauser. Das Libretto ist noch ein Kollektivwerk
Kostüme und Inszenierung: Pierre Lacaze
Bühnenbild: Ernest Burnat
Vorstellung vor den Estraden, dann traditionelle Parade durch die Stadt, mit an den “Stationen” ausgeführten Tänzen.
GEKRÖNTE WINZER
Louis Peneyres und François Lécheyres
(sowie 58 ausgezeichnete und prämierte Winzer)
ARENA UND BÜHNENBILD
3 Triumphbögen
10’500 Plätze
EIGEN- UND NEUARTIGKEITEN
Organisation: man fängt ein Jahr zuvor mit den Vorbereitungen an.
Ein Zentralausschuss (9 Räte) und 7 Unterausschüsse:
Musik, Dichtung und Ballett, Kostüme und Attribute, Erbauungen und Bühnenausstattung, Finanzen, Polizei, Unterkunft, Ess- und Trinkwaren.
Die historischen Kostüme aus der Genfersee-Gegend werden mit griechischen Drapierungen in Verbindung gebracht, das Kostüm der Zeit lässt dem regelrechten Theaterkostüm den Vorrang.
Die sehr beliebten Krinolinen bringen durch ihr Gewicht und ihren Umfang praktische Probleme mit sich.
Der Winter: die Hochzeit, mit ihren 22, jeder von ihnen einen Schweizer Kanton darstellenden Kelchen, setzt dem Fest seinen Schlusspunkt.
DAS FEST IN ZAHLEN
1’200 Statisten
3 Vorstellungen
Die Plätze kosten von 1 bis 40 Franken
Das Fest kostete 144’460 Franken
Defizit: 10’861 Franken (ein Drittel der Bruderschaft, der Rest den Aktionären zu Lasten)
Finanzierung: freiwillige Subskription, Ausgabe von 1’000 Aktien zu je 40 Franken