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Die Geschichte des EVZ
1953-1967: Die Gründerjahre
Der erste Zuger Hockeyklub
Die Geschichte des EVZ beginnt in Baar und trägt am Anfang einen anderen Namen: Baarer Schlittschuhclub. So hiess der Verein, der im Dezember 1953 unter dem Patronat des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Baar gegründet wurde. Pioniere wie Hans Schumpf, Hans-Peter Gasser, Peter Bieler oder Richard Baltensberger gründeten den ersten Zuger Eishockeyklub, der sich im Winter 1954/55 in der 3. Liga erstmals an der Meisterschaft beteiligte. Gespielt wurde nur bei tiefen Temperaturen auf dem Lättich-Weiher. Die Brauerei Baar hatte den Weiher angelegt, um Eis für die Bier-Kühlung gewinnen zu können. Während einigen Wochen stand die Eisfläche den sportlichen Einsätzen des Baarer SC zur Verfügung. 200 bis 300 Fans pilgerten regelmässig an den zugefrorenen Weiher.
Vom Baarer SC zum EVZ
1967 qualifizierte sich der Baarer Schlittschuhclub für die zweite Liga. Doch da stand ein anderes Thema im Vordergrund: Der Umzug nach Zug und ein Namenswechsel. Weil der Bau der Kunsteisbahn Zug AG im Stadtzuger Hertiquartier immer wieder hinausgezögert worden war, wollten die Baarer im Standort "Höll" bei der Spinnerei ursprünglich ein eigenes Projekt realisieren. Als die KEB Zug dann endlich realisiert wurde, stand man natürlich voll dahinter. Nur der Name sorgte für Diskussionsstoff. Baarer SC ging nicht mehr, da war man sich einig. ZSC (als Abkürzung für Zuger Schlittschuhclub) war schon vergeben. Als daraus ein SCZ werden sollte, wehrten sich die Fussballer vom Sportclub Zug gegen die Verwechslungsgefahr. Der Kompromiss war ein neuer Name, dessen Abkürzung im Schweizer Eishockey ein Markenzeichen geworden ist: Eissportverein Zug. Oder einfach und einprägsam: EVZ!
Gründungsversammlung 1967
Der 5. Mai 1967 ist das offizielle Gründungsdatum des EVZ. An diesem Tag fand im ehemaligen Hotel Lindenhof in Baar die Gründungsversammlung statt. Am 25. November 1967 wurde die neue Zuger Kunsteisbahn eröffnet. Der Funke „Eishockey“ zündete beim Zuger Publikum schon in der Geburtsstunde: Zum Eröffnungsturnier kamen über 5000 Zuschauer und feierten die Siege des Zweitligisten gegen Arosa und Bern.
1967-1973: Euphorie entsteht
Die erste Saison in der 2. Liga
Der EVZ startete im November 1967 mit zwei Aktivteams (2. Liga und 3.Liga) sowie einer Junioren- und einer Schülermannschaft in die erste Saison der Vereinsgeschichte. Bis Ende Oktober wurden rund vier Stunden pro Woche trainiert, im Winter standen drei Eistrainings pro Woche auf dem Programm. Das erste Meisterschaftsspiel in St. Gallen verlor der EVZ mit 4:7. Die Heimpremiere am 2. Dezember 1967 gegen den EHC Bassersdorf wurde vor 1000 Zuschauern mit 9:6 gewonnen. Am Ende belegte das Team von Spielertrainer Jürg Bosshard den guten 3. Platz. Regelmässig kamen über 1000 Fans zu den Heimspielen und immer mehr Nachwuchssportler zum EVZ.
Aufstieg in die 1. Liga
In der Saison 1968/69 landete der EVZ seinen ersten Transfercoup: Als Spielertrainer konnte Verteidiger Walter Wipf verpflichtet werden, der ein Jahr zuvor mit Kloten Schweizermeister geworden war. Zusammen mit weiteren ex-Klotenern (Ruedi Bücheler, Jacques Bräm) und den bekannten Zuger Koryphäen um René Bachmann und Oski Huber führte Wipf die Zuger auf Anhieb in die 1. Liga.
Neuling EVZ startete auch in der 1. Liga durch und beendete die Meisterschaft 1969/70 als Gruppensieger. In den Aufstiegsspielen gegen Uzwil und Olten verpassten sie jedoch den Aufstieg in die Nationalliga B, den man auch nicht unbedingt angestrebt hatte: In einer internen Befragung hatten sich drei Viertel der Mannschaft gegen einen Aufstieg ausgesprochen. Die Zeit sei noch nicht reif dafür. Fast logischerweise wurde auch Walter Wipfs dritte und letzte Saison (1970/71 ein weiteres Aufbaujahr: Mit Rang 3 verpasste der EVZ die Aufstiegsspiele klar.
1971-1976: Schnellzug in die Nationalliga A
Der Erfolgshunger kehrt zurück
Mit dem kanadischen Startrainer Derek Holmes kehrten beim EVZ die Ambitionen zurück. Jetzt war der Aufstieg in die Nationalliga B das offizielle Ziel. Doch am Ende der Saison 1971/72 scheiterten die Zuger als Gruppenzweiter genauso wie ein Jahr später als souveräner Gruppensieger. Mit den Stareinkäufen Reto Stuppan (Spielertrainer), Gérald Rigolet und Paul Probst – alles aktuelle Nationalspieler – verloren sie das Aufstiegsduell gegen Arosa. Mit 7200 Fans platzte die offene Kunsteisbahn im entscheidenden letzten Heimspiel (4:4) aus allen Nähten.
Endlich Nationalliga B!
Für die Saison 1973/74 verstärkte sich der EVZ mit einem vierten Nationalspieler (Heinz Jenni) und weiteren NLA-Routiniers. Der Aufstieg war ein Muss geworden und sollte im zweiten Anlauf auch Tatsache werden. Nach dem ungefährdeten 1. Platz in der Regular Season vermochten sich die Zuger diesmal auch in den Aufstiegsspielen gegen Chur und Uzwil durchzusetzen. 6795 Zuschauer feierten am 9. März 1974 den Aufstieg in die Nationalliga B.
Erstmals Nationalliga A
Reto Stuppan trieb seine Mannschaft in der Saison 1974/75 weiter nach oben und der Zuger Aufstiegsexpress war auch in der zweithöchsten Spielklasse nicht zu stoppen: Der EVZ wurde Erster in der Ostgruppe und Zweiter in der Aufstiegsrunde. Ohne den Ausfall des verletzten Nationaltorhüters Rigolet in der Aufstiegsrunde wäre der NLA-Aufstieg wohl schon damals Tatsache geworden.
In der Saison 1975/76 wurde das Verpasste nachgeholt: Mit einem 7:6-Sieg im Zürcher Hallenstadion schaffte der EVZ im März 1976 - nicht einmal 10 Jahre nach seiner Gründung - den Sprung in die höchste Spielklasse. Die Protagonisten im dramatischsten Spiel der Vereinsgeschichte waren der finnische Superstar Jorma Peltonen und der jahrelange Topscorer vom Dienst, Heinz Jenni. Peltonen schoss zwei Minuten vor Schluss das 6:6, Jenni 22 Sekunden vor Schluss das 7:6. Und das alles nach einem 3:5-Rückstand!
1976-1982: Traum und Albtraum
Abstieg in die Nationalliga B
Nach dem Aufstieg in die NLA wurde das Hertistadion überdacht und die offizielle Zuschauerkapazität von 6500 auf 8350 erweitert. Dank den Erfolgen der ersten Mannschaft verfügte der EVZ inzwischen über eine breite Nachwuchs-Abteilung und startete mit zehn Mannschaften in die Saison 1976/77.
Der EVZ hatte sich nach dem Aufstieg mit Nationalkeeper Andy Jorns, Verteidiger Fritz Bhend und den Stürmern Ueli Lüthi, Herbert Messer und Noldi Lörtscher verstärkt und wurde bereits als Anwärter auf einen Spitzenplatz gehandelt. An einen möglichen Abstieg dachte niemand. Doch das Glück war nicht auf der Seite der Zuger. Die Ernennung von Superstürmer Jorma Peltonen zum Spielertrainer entpuppte sich als Fehlentscheid, der überforderte Finne gab das Traineramt noch während der Saison an Dany Smit ab. Der sofortige Abstieg konnte trotzdem nicht verhindert werden. Nach 13 unglücklichen Niederlagen mit einem oder zwei Toren Unterschied mussten der EVZ Ende Saison wieder in die NLB zurück. Ein Albtraum für die Mannschaft und die durchschnittlich 6‘940 Zuschauer (heute noch Rekord) im Hertistadion!
Wiederaufstieg verpasst
Unter dem Motto „Wiederaufstieg mit allen Mitteln“ startete der EVZ in die Saison 1977/78 – und hätte es beinahe geschafft! Am Ende lag man nur einen Zufallspunkt hinter Aufsteiger Lausanne zurück. Trainer Dany Smit wurde wieder von Reto Stuppan abgelöst, der Ende Saison wie das langjährige Vorbild Oski Huber seinen Abschied gab. Im letzten Heimspiel wandte sich die Vereinsführung per Stimmzettel mit der Frage ans Publikum, ob man mit allen Mitteln den Aufstieg anstreben oder ein Aufbauprogramm planen sollte. Das Publikum entschied sich für das Aufbauprogramm. Doch es folgte nicht ein Schritt nach vorne, sondern der Absturz in die Mittelässigkeit. Die Saison 1978/79 beendete der EVZ unter dem kanadischen Haudegen Stu Robertson noch einmal als Vizemeister, lag aber weit hinter Aufsteiger Davos zurück.
Abstieg in die erste Liga
Die folgenden Jahre waren geprägt von ständigen Trainerwechseln und Fehleinkäufen bei den Ausländern. In der Saison 1980/81 musste der EVZ erstmals in die NLB-Abstiegsrunde und stand vor dem finanziellen Ruin. Präsident Walter Beerli warf an einer ausserordentlichen GV das Handtuch, als Nachfolger wurde Professor Georg Keiser gewählt. Der renommierte Chefarzt des Zuger Kantonsspitals vermochte den finanziellen Kollaps abzuwenden, nicht aber den sportlichen Niedergang. In der Saison 1981/82 kam der EVZ unter den Trainern Cliff Stewart und Bruce Rolin in der Qualifikation und in der Abstiegsrunde nicht über den letzten Platz hinaus und verabschiedete sich am 27. Februar 1982 vorübergehend von der Nationalliga-Bühne.
1982-1986: Rückkehr ins Geschäft
Wiederaufstieg in die Nationalliga B
Der Abstieg in die erste Liga war so etwas wie ein reinigendes Gewitter. Unter dem neuen tschechischen Trainer Frantisek Dum gelang den Zugern in der Saison 1982/83 ungeschlagen der sofortige Wiederaufstieg in die Nationalliga B. In den entscheidenden Aufstiegsspielen wurden Ascona mit dem Gesamtscore von 14:3 und Uzwil mit 9:4 besiegt. Neben Routiniers wie Heinz Jenni, Walter Wettenschwiler oder Peter Gaw hatten auch eigene Talente wie Sandro Bertaggia, Peter Stadler, Patrick Hager oder Philipp Neuenschwander einen wichtigen Beitrag zum Erfolg geleistet.
Transferbombe nach dem Aufstieg
Nach dem Wiederaufstieg in die Nationalliga B zündeten die Zuger eine veritable Transferbombe: Dank den Beziehungen der „Tschechen-Connection“ beim EVZ kam der 256fache tschechoslowakische Nationalspieler Ivan Hlinka vom NHL-Klub Vancouver in die Innerschweiz. Hlinka, in seiner Heimat eine Legende und Weltmeister 1972, 76 und 77, lief im September 1983 mit der Nummer 14 ins Hertistadion ein. Er schoss 45 Tore in seiner ersten und 30 in seiner zweiten und letzten Zuger Saison, als er zusammen mit dem US-Amerikaner Steven Jensen den EVZ sicher in die Finalrunde schoss und beinahe noch in die auf 10 Mannschaften aufgestockte NLA geführt hätte. Im März 1985 kehrten Ivan Hlinka und Trainer Frantisek Dum zu ihrem Stammklub Litvinov zurück.
Beinahe-Abstieg und Trainertausch
Für die Saison 1985/86 verpflichteten die Zuger den schwedischen Trainer Dan Hobér, der zuletzt mit AIK Stockholm und dem HC Davos dreimal hintereinander Meister geworden war. Es sollte weiter nach oben gehen, doch der ausgewiesene Fachmann an der Bande erwies sich als Fehlbesetzung. Die Mannschaft lag nach 25 Runden noch einen Punkt vor dem Abstiegsplatz, als EVZ-Präsident Georg Keiser und ZSC-TK-Chef Guido Tognoni einen legendären Trainertausch inszenierten. Dan Hobér ging zum kriselnden ZSC in die Nationalliga A und konnte den Abstieg der Zürcher nicht mehr verhindern. Vom ZSC kam der Kanadier Andy Murray zum kriselnden EVZ, der im letzten Saisonspiel gerade noch den Klassenerhalt sichern konnte.
1986-1991: Wieder ganz oben
Rückkehr in die Nationalliga A
Nach dem Beinahe-Abstieg wollte man in der NLB-Saison 1986/87 ohne Zittern durchkommen, doch diesmal klappte alles. Andy Murray liess seine Beziehungen spielen und eröffnete das kanadische Zeitalter beim EVZ. Von Ambri kam der Kanadier Red Laurence, der in Zug fünfmal hintereinander Torschützenkönig wurde. Seine 62 Tore in der ersten Saison sind bis heute nicht übertroffen worden. Dazu holte Murray die Kanada-Schweizer John Fritsche, Colin und Blair Müller zum EVZ und formierte mit Muller-Laurence-Fritsche eine Sturmlinie, welche die Gegner noch jahrelang in Angst und Schrecken versetzen sollte. Die Mannschaft qualifizierte sich als Dritter der Qualifikation locker für die Playoffs und sorgte dort mit einem Sieg gegen den haushohen Favoriten ZSC für die grosse Sensation: Mit einem 6:2 im fünften Spiel vor 8052 Fans im überfüllten Hertistadion gelang den Zugern am 14. März 1987 zum zweiten Mal den Sprung in die höchste Liga.
In der höchsten Liga etabliert…
Im Gegensatz zum ersten Aufstieg 1977 konnte sich der EVZ beim zweiten Versuch in der höchsten Liga etablieren. Hinten sicherten Torhüter Rolf Simmen und die schwedische Legende Mats Waltin die Defensive, vorne scorte der Paradesturm weiter wie zuvor eine Liga tiefer. Um die Schlüsselspieler hatte Andy Murray eine vor allem physisch starke Truppe zusammengestellt, die mit dem 6. Platz für das beste Ergebnis eines Aufsteigers seit 12 Jahren sorgte.
Mit Rückkehrer Philipp Neuenschwander und dem Kanadaschweizer Mike Kaszicky konnte man sich in der Saison 1988/89 sogar noch auf den 5. Platz verbessern, obwohl man in der Vorbereitung einen Tiefschlag wegstecken musste: Erfolgscoach Andy Murray folgte dem Lockruf der NHL und ging als Assistenztrainer zu Philadelphia. Als Nachfolger kam der US-Sunnyboy Billy Flynn nach Zug, dem aber schon Ende Saison das Vertrauen wieder entzogen wurde.
… aber nicht mehr als Mittelmass
In den nächsten zwei Saisons blieben die Zuger Mittelmass. Es war auch der Beginn der 10-jährigen Präsidentschafts-Aera von Fredy Egli, der einen schwierigen Amtsantritt und zwei vorzeitige Trainerentlassungen akzeptieren musste. Sportmanager Roland von Mentlen stand jeweils für den Schweden Per Bäckman und den Kanadier Kent Ruhnke an die Bande, die Mannschaft vermochte sich wenigstens knapp für die Playoffs zu qualifizieren. Mehr als die Viertelfinal-Teilnahme lag in diesen Zeiten aber nicht drin.
Dafür waren 1990 zwei Spieler zur Mannschaft gestossen, welche in den nächsten Jahren für Furore sorgen sollten: Ken Yaremchuk, der Nachfolger von Red Laurence als Torjäger, und Kanadaschweizer Misko Antisin.
1991-1998: Der Weg zum Meistertitel
Erstmals im Playoff-Halbfinal
Erst unter dem jungen Ausbildner Björn Kinding entwickelte sich der EVZ in den Jahren 1991-1994 zum Spitzenklub. Nach zwei fünften und einem vierten Platz in der Qualifikation führte der Schwede die Zuger in seiner Abschiedssaison erstmals in den Playoff-Halbfinal. Das Hertistadion explodierte, als Dino Kessler SCB-Goalielegende Renato Tosio in der Verlängerung des 7. Viertelfinals bezwingen konnte. Im Halbfinal hatte die Mannschaft gegen Fribourg mit den überragenden Russen Bykov und Chomutov keine Chance (1:3), wurde aber trotzdem mit einer Standing Ovation verabschiedet.
Zu den Leadern auf dem Eis gehörte neben Ken Yaremchuk, Misko Antisin, Philipp Neuenschwander und Colin Muller auch der US-Amerikaner Tom Fergus, der seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen leider ein Jahr später beenden musste. Und als Assistent von Björn Kinding stand ab der Saison 1992/93 erstmals ein gewisser Sean Simpson an der Bande.
Koleff-Drama und erstmals im Final
Der Kanadier Jim Koleff, zuvor Assistenztrainer beim SC Bern, übernahm von Kinding das Zepter. Das von ihm gepredigte "aggressive Powereishockey" zeigte schnell Wirkung: Mit 18 Punkten aus 13 Spielen lag man Anfang November an zweiter Stelle, als der sportliche Erfolg auf einen Schlag nur noch zweitrangig war: Koleffs altes Krebsleiden war wieder ausgebrochen und die Spieler hatten Tränen in den Augen, als sich der Trainer für eine Intensiv-Behandlung nach New York verabschiedete. "Fight for Jim" hiess nun das Motto - und die Mannschaft befolgte es! Mit Sean Simpson als Interimscoach holte sich der EVZ erstmals den Qualifikationssieg. Beim 8:3-Sieg am 9. März im entscheidenden Playoff-Viertelfinal gegen den ZSC stand nicht die Halbfinal-Qualifikation im Vordergrund, sondern die Rückkehr von Jim Koleff. Von der Krankheit gezeichnet, feierte Jim vor 7600 stehenden Zuschauern und in einem Meer von brennenden Wunderkerzen ein Wiedersehen, das nicht nur dem Betroffenen ans Herz ging.
Gentleman Simpson trat wieder ins zweite Glied zurück und Jim Koleff hätte die Saison der hochgehenden Emotionen beinahe mit dem grössten sportlichen Triumph abgeschlossen. Angeführt vom Ausländerduo Fergus-Yaremchuk kämpfte sich der EVZ mit 3:0-Siegen gegen Fribourg erstmals in den Playoff-Final. Eine 3:0-Auswärtsführung im vierten Finalspiel konnten die Zuger allerdings nicht ausnützen. Hinter dem damaligen Serienmeister Kloten wurde der EVZ verdient Vizemeister!
Die Zuger vermochten sich mit Top-Spielern wie André Rötheli, Patrick Sutter und Bill Mc Dougall weiter zu verstärken, mussten aber noch zwei Jahre auf den ersten Titel warten. 1995/96 im Halbfinal und ein Jahr später bei der zweiten Finalteilnahme scheiterte man am SC Bern. Jim Koleff verabschiedete sich nach Lugano, Assistent Sean Simpson wurde sein logischer Nachfolger als Headcoach an der Bande.
Endlich Schweizermeister!
Zum dritten Mal nach 1995 und 1997 stand der EVZ 1998 im Playoff-Final. Nach dem 1. Platz in der Qualifikation hatte man die ersten Playoff-Hürden mit dem nötigen Glück übersprungen. Rapperswil-Jona und Ambri konnten nach diversen Rückschlägen erst im 7. Spiel geschlagen werden. Jetzt führte der EVZ mit 3:2-Siegen gegen Davos und reiste am Samstag, 11. April 1998 zum dritten Mal ins Bündnerland. Torhüter Ronnie Rüeger, der Patrick Schöpf als Nummer 1 abgelöst hatte, die mit Nationalspielern bestückte Abwehr (Dino Kessler, Patrick Sutter, André Künzi) und die Stürmer Bill McDougall, Wes Walz, Misko Antisin waren in Topform. Die Spannung in dem mit 7680 Zuschauern ausverkauften Eisstadion war zum Greifen nahe. Doch das Team von Sean Simpson spielte souverän und holte sich mit einem 5:2-Sieg den ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Um 22.18 Uhr durfte Captain André Rötheli den Meisterpokal von Nationalliga-Geschäftsführer Kurt Locher entgegennehmen.
Dem grossen Triumph in Davos folgte eine lange Freinacht in Zug. Hupkonzerte, verstopfte Strassen und überall euphorische Fans. Die Bossardhalle gegenüber dem Hertistadion, in der das Spiel auf Grossleinwand übertragen wurde, platzte aus allen Nähten. Als die Mannschaft mehr als zwei Stunden nach Mitternacht aus Davos zurückkehrte und mit dem Pokal in die jubelnde Zuger Fangemeinde eintauchte, schien das gute alte Hertistadion zu explodieren. 3000 bis 4000 Fans hatten bis zu diesem grossen Moment ausgeharrt.
1998-2003: Würde als Bürde
Endstation Viertelfinal
Nach drei Finalteilnahmen und dem grossen Triumph 1998 tat sich der EVZ in den nächsten Jahren schwer. Schlüsselspieler wie Antisin oder Mc Dougall hatten die Mannschaft verlassen, die neuen Ausländer (Kevin Todd, Devin Edgerton) konnten ihre Vorgänger nicht vergessen machen, Sean Simpson gab schon während der Saison seinen Abgang nach München bekannt. Im Jahr 1 nach dem Titel schauten immerhin noch ein 5. Platz in der Regular Season und die Playoff-Qualifikation (1:4 gegen Lugano) heraus. Damit ging auch die Amtszeit von Präsident Fredy Egli zu Ende, der durch Gusti von Wartburg abgelöst wurde.
Danach blieben die Zuger dreimal in den Viertelfinals hängen, obwohl mit Paul Di Pietro, Chris Tancill und Todd Elik hochdotierte Ausländer kamen und mit André Rötheli ein Schweizer regelmässig zu den besten Scorern der Liga zählte. Innerhalb und ausserhalb des Vereins machte sich immer mehr Unzufriedenheit breit.
Am Rande des Abstiegs
Die Mannschaft war überaltert und wirkte in dieser Zeit oft unmotiviert und gesättigt, was nach dem 0:4 in der ersten Playoff-Runde 2000/01 gegen Kloten zur Bildung einer internen Task Force führte, welche die Gründe für die Stagnation herausfinden sollte. Als eine der Ursachen wurden die Gruppenbildung und mangelnde Einstellung des Teams ausgemacht und die „Hauptsünder“ mit Namen genannt. Danach verliessen die am meisten kritisierten Leistungsträger André Rötheli, Patrick Sutter (beide Lugano), Dino Kessler (Genf) und Andy Künzi (Rücktritt) den Verein, der dadurch sportlich nur noch in grössere Schwierigkeiten geriet.
Keiner der Nachfolger von Sean Simpson hat in Zug bleibende Spuren hinterlassen. Der Finne Rauno Korpi wurde schon vor den Playoffs 1999/2000 durch den Frankokanadier André Péloffy ersetzt, der nach seiner ersten vollen Saison (2000/2001) auch nicht mehr erwünscht war. Den Tiefpunkt erreichten die Zuger in der zweiten Saison unter dem Kanadier Doug Mason (2002/2003): Der EVZ wurde in der Tabelle nach hinten durchgereicht - ein Abwärtstrend, den auch der für Mason geholte Nothelfer Serge Pelletier nicht mehr aufhalten konnte. Am Ende lagen die Zuger auf dem 12. und letzten Tabellenplatz, für den Abstiegskampf musste das Schlimmste befürchtet werden. Nur ein nachträglicher Forfait-Sieg gegen Fribourg, das beim Sieg gegen den EVZ einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt hatte, brachte die Zuger am grünen Tisch doch noch auf den rettenden 10. Rang.
2003-2008: Neuanfang mit Sean Simpson
Die Rückkehr der Zuger
Auf die Saison 2003/2004 übernahm Engelbert Huber das Präsidentenamt von Hans-Peter Brändli, und der Ur-Zuger setzte auf einen Neuanfang mit Ur-Zugern: Als Trainer wurde Sean Simpson von Hamburg nach Zug zurückgeholt, wo er 1994 mit den Elitejunioren und 1998 mit dem NLA-Team den Schweizermeistertitel gewonnen hatte. Mit ihm kehrten auch seine früheren Spieler Patrick Fischer, Livio Fazio und Dani Giger an den Ort zurück, wo ihre Karriere in der Nachwuchsabteilung begonnen hatte. Mit einem 7. Rang schaffte man es wieder in den Playoff-Viertelfinal, war dort aber gegen den SCB trotz der Verpflichtung von NHL-Legende Claude Lemieux chancenlos (1:4).
In der Lockout-Saison 2004/2005 konnte man sich endgültig wieder nach vorne orientieren. Mit Goalie Lars Weibel von Davos und Stürmer Oleg Petrov von Genf wurde die Mannschaft mit zwei NLA-Stars verstärkt, aufgrund des NHL-Lock-out stiessen auch noch der Finne Niko Kapanen und der Kanadier Mike Fisher dazu. Nach einem 4. Rang in der Qualifikation wurde Genf im Playoff-Viertelfinal mit 4:0-Siegen weggeputzt, danach bedeutete der ZSC aber Endstation (1:4).
Erster Zuger in der NHL
Die Zuger behaupteten sich regelmässig unter den Top 5 der Liga, scheiterten aber trotz höheren Ambitionen abwechselnd in der ersten oder zweiten Playoff-Runde: 2006 im Viertelfinal an den SCRJ Lakers (3:4), 2007 im Halbfinal an Bern (1:4), 2008 im Viertelfinal an Davos (3:4 nach 3:0-Führung).
Nach der Saison 2007/2008 verabschiedete sich Sean Simpson ein zweites Mal vom EVZ und wechselte zu den ZSC Lions. Bereits 2006 hatte Schlüsselspieler Patrick Fischer den EVZ vorübergehend verlassen. Der Nationalstürmer erhielt nach den Olympischen Spielen 2006 in Turin als erster Zuger einen NHL-Vertrag bei den Phoenix Coyotes und sorgte ein Jahr später mit einem kurzen Engagement bei St. Petersburg in der KHL nochmals für Furore.
2008-2013: Die Aera Doug Shedden
5x im Halbfinal
Mit dem Kanadier Doug Shedden als Headcoach und seinem kongenialen Partner, dem Finnen Waltteri Immonen als Assistent, begann in der Saison 2008/2009 eine neue Aera beim EVZ. Beide hatten zuvor schon bei Jokerit Helsinki erfolgreich zusammengearbeitet. Mit Josh Holden, Micki DuPont und Jay Harrison konnten namhafte Ausländer verpflichtet werden, von Davos wechselten die Routiniers Björn Christen und Michael Kress ins Unterland. Trotzdem tat sich der EVZ schwer und schaffte nach einer unglaublichen Aufholjagd erst in der letzten Runde noch den Sprung auf den achten Platz. Dafür gelang im Playoff-Viertelfinal mit 4:2-Siegen gegen Qualifikationssieger Bern der grosse Coup. Im Halbfinal gegen Kloten war der Treibstoff allerdings aufgebraucht (0:4).
Seither qualifizierten sich die Zuger unter Doug Shedden und mit dem finnischen Goalie Jussi Markkanen im Tor regelmässig für den Playoff-Halbfinal, der allerdings auch regelmässig Endstation bedeutete. Erst in der letzten Saison 2012/2013 waren die Chancen auf den Final und den zweiten Meistertitel wieder einmal intakt. Nach einem souveränen 4:0-Sieg in Bern wurde die grosse Chance im 6. Heimspiel vergeben. Im 7. Spiel vermochte der aktuelle Meister das Blatt noch zu wenden.
Topscorer und NHL-Stars
In der Shedden-Aera stellten die Zuger dreimal den Liga-Topscorer: 2010 mit dem Kanadier Glen Metropolit, 2011 mit Damien Brunner und 2012 mit dem Schweden Linus Omark. Drei Zuger schafften in dieser Zeit auch den Sprung in die NHL: Luca Sbisa erhielt 2009 einen Vertrag bei den Anaheim Ducks, Rafael Diaz 2011 bei den Montréal Canadiens, Damien Brunner 2012 bei den Detroit Red Wings. Diaz und Brunner kehrten letzte Saison während der Lock-out-Zeit nach Zug zurück und führten die Mannschaft nach einem schwachen Saisonstart wieder Richtung Tabellenspitze. Unbestrittener Lock-out-Star im EVZ-Dress war jedoch der Schwede Henrik Zetterberg, der Captain der Detroit Red Wings, der auch in der besten Liga der Welt zu den besten Spielern gehört.
Für Schlagzeilen bis nach Nordamerika sorgten die Zuger auch am 3. Oktober 2011: In einer Exhibition schlugen sie in der ausverkauften BOSSARD Arena die Startruppe der New York Rangers sensationell mit 8:4.
Einzug in die BOSSARD Arena
Das wichtigste Ereignis während der Amtszeit von Präsident Roland Staerkle (2006 - 2015) war zweifelsohne der Umzug vom ausgedienten Hertistadion in die hochmoderne BOSSARD Arena im Jahre 2010. Das einzigartige Stadion ist nach Minergie-Standard erbaut, bietet den Spielern die optimale Infrastruktur und auch den Gönnern, Sponsoren und Fans eine fantastische Plattform. Nicht umsonst konnte der Zuschauerschnitt in der neuen Arena um über 2000 Fans pro Spiel gesteigert werden. Im neuen Stadion ist der EVZ auch für die Gastronomie verantwortlich. Im Legends Club, in der Sportsbar 67‘, auf der Dine&View-Terrasse, in den Logen und an mehreren exklusiven Locations innerhalb des Stadions werden den Besuchern einzigartige Matcherlebnisse angeboten. Darüber hinaus wurden mit dem Pier 41 in Zug und dem Zunfthaus Kreuz in Oberwil zwei externe Gastro-Betriebe übernommen.
Das vorzeitige Ende
Scheinbar sportlich und finanziell gesund startete der EVZ in die Saison 2013/2014. Doch nach einem missglückten Saisonstart zeichnete sich bald ab, dass die Playoff-Teilnahme in Gefahr geraten könnte. Zumal sich die unglückliche Besetzung der neuen Ausländerpositionen bei der gleichzeitigen Verjüngung des Kaders doppelt negativ bemerkbar machte. Vor allem die Probleme auf der wichtigen Position des Torhüters begleiteten die Mannschaft durch die ganze Saison. Trotz einem gewaltigen Endspurt nach der Weihnachtspause reichte es sich schliesslich nur noch für Rang 10. Dass in der ausgeglichenen Liga auch Meister Bern den sicher geglaubten Platzunter den ersten Acht verpasste, war ein schlechter Trost. Das erstmalige Verpassen der Playoffs seit 2003 kostete Trainer Doug Shedden und Sportchef Jakub Horak den Kopf. Beide wurden einen Tag nach dem Ende der Qualifikationsrunde entlassen.
In der erstmals durchgeführten Zwischenrunde mit den letzten vier Mannschaften der Qualifikation sicherte sich der EVZ mit Waltteri Immonen und Leo Schumacher an der Bande dann trotz einigem Nervenflattern problemlos den Ligaerhalt. Die Punkte aus der Qualifikation konnten zum Glück mitgenommen werden, was für die beiden Tabellenletzten Biel und Lakers ein Aufholen praktisch unmöglich machte.
2014: Premiere für Harold Kreis
Trotz der enttäuschenden Saison 2013/2014 zweifelte man beim EVZ nicht am eingeschlagenen Weg in die Zukunft. Schliesslich hatte man auf dem Transfermarkt seit längerer Zeit vorgesorgt und mit Torhüter Tobias Stephan, Verteidiger Robin Grossmann und Stürmer Dario Bürgler drei Leistungsträger aus dem Kreis der Nationalmannschaft verpflichtet. Mit Meistertrainer Harold Kreis (2006 Lugano, 2008 ZSC Lions, zuletzt in Mannheim) und Sportchef Reto Kläy vom SC Langenthal konnten für die Besetzung der neuen sportlichen Führung zwei Wunschkandidaten verpflichtet werden. Diese sorgten gleich zu Beginn dafür, dass sich die junge Mannschaft auf ein leistungsfähigeres Ausländerquartett abstützen konnte. Mit Routinier Josh Holden, dem langjährigen NHL-Stürmer Pierre-Marc Bouchard, dem schwedischen Offensivverteidiger Daniel Sondell und dem torgefährlichen Robbie Earl präsentierten sich die Zuger in dieser Beziehung wieder deutlich besser aufgestellt. Nachdem auch Nationalstürmer Reto Suri seine NHL-Pläne zurückgestellt und den Verbleib beim EVZ angekündigt hatte, war klar, dass man die beiden Saisonziele, einen Platz in der ersten Ranglistenhälfte und Qualifikation für Playoffs, beruhigt angehen konnte.
2014: Startschuss für The Hockey Academy
2014 ist in der EVZ-Geschichte auch das Jahr 1 von The Hockey Academy. Mit der Ausbildung der ersten acht Athleten erfolgte im August 2014 der offizielle Startschuss zu diesem in der Schweiz einzigartigen Ausbildungskonzept, das den Sportlern die optimale Kombination von Sport, Ausbildung und Beruf ermöglicht. Das 2+2 System ermöglicht den Athleten die Ausbildung zum Büroassistenten EBA und Kaufmann EFZ. Im Fokus steht dabei die beste sportliche Ausbildung mit hervorragenden Trainern und Betreuern, idealen Trainingsstrukturen, optimaler Betreuung rund um die Uhr, zu der auch eine solide berufliche Grundausbildung für später gehört. Mehr dazu: www.thehockeyacademy.ch
2016: NLB-Farmteam EVZ Academy
Im September 2016 startete das neue NLB-Farmteam EVZ Academy in die erste Saison. Das Team ergänzt die Nachwuchs-Leistungsteams Elite Junioren A und Novizen Elite und soll die Lücke zwischen den Elitejunioren und der 1. Mannschaft des EVZ in der NLA schliessen. Ziel ist es, jungen Spielern die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen und Spielpraxis auf hohem Niveau zu sammeln und ihnen so den Sprung in die höchste Liga der Schweiz zu ermöglichen. Mittelfristig sollen im NLB-Team EVZ Academy ausschliesslich junge Spieler im Alter von 23 Jahren und jünger zum Einsatz kommen, die vorzugsweise aus dem eigenen Nachwuchs kommen. Die Ausbildung von jungen Spielern steht beim NLB-Team EVZ Academy klar im Vordergrund.
Je nach Alter und Leistungsstand haben somit die Athleten, welche die Ausbildung in The Hockey Academy absolvieren - aber auch alle anderen EVZ-Nachwuchsspieler - die Möglichkeit, bei den Novizen Eliten, Elite Junioren A, EVZ Academy (NLB) oder in der 1. Mannschaft (NLA) zu spielen. Das Team EVZ Academy tritt in der NLB als Botschafter für das schweizweit einzigartige Ausbildungskonzept von The Hockey Academy auf und sorgt so für eine schweizweit verstärkte Wahrnehmung.