Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03659.jsonl.gz/1537

950 Jahre Pfarrkirche St. Mauritius Appenzell
In diesem Jahr blickt in Appenzell die Pfarrei St. Mauritius auf ihre 950-jährige Geschichte zurück. Dieser Anlass wurde am 24. September gebührend gefeiert. Weitere Festveranstaltungen sind geplant.
In diesem Beitrag befassen wir uns mit dem Heiligen Mauritius und der gleichnamigen Appenzeller Pfarrei.
Wer war St. Mauritius?
Der Legende nach lebte der Heilige Mauritius im 3. Jahrhundert/ Anfang des 4. Jahrhunderts. Er soll im ägyptischen Theben geboren worden sein und es heisst, dass er im Wallis verstarb. Er gilt als Leitfigur der Thebaischen Legion und wird von der orthodoxen und der katholischen Kirche gleichermassen verehrt. Im 4. Jahrhundert wurde er heiliggesprochen. Als Schutzheiligen rief man ihn an, bevor das Heer in den Krieg zog.
Berichte aus dem Leben des Heiligen Mauritius wurden wahrscheinlich über den langen Zeitraum hinweg durch das mündliche Weitergeben verfälscht. Lange Zeit nahmen Historiker die Schilderungen als bewiesen hin. Inzwischen gilt jedoch die Vermutung, dass Mauritius aus Syrien kam. Von dort stammte auch der Bischof Theodor von Sitten.
Mauritius, als Befehlshaber einer Legion, sollte mit seinem Heer, ca. 6000 Männern der Thebäischen Legion, bei Agaunum in einen Kampf gegen Christen ziehen. Da diese nicht infrage kam und sie den Befehl, der von Kaiser Maximilian ausgesprochen wurde, nicht befolgten, verlangte dieser zuerst, die Legion zu dezimieren. Nachdem das von Mauritius angeführte Heer trotzdem standhaft blieb, wurden alle getötet. Sie starben den Märtyrertod ohne Gegenwehr.
Geschichte der Pfarrkirche St. Mauritius
Es wird angenommen, dass Rodungsbauern von Rheintal her im 11. Jahrhundert begannen, Appenzell Innerrhoden zu bewirtschaften. Das Gebiet war im Besitz des Klosters St. Gallen, welches die üblichen Rechte und Pflichten eines Grundherrn wahrnahm. Dazu gehörte es, eine Pfarrei und das Gotteshaus zu stiften.
Dafür wurde der Ort ausgewählt, in welchem der Abt die Naturalienabgaben erhob. Der äbtische Wirtschaftshof wurde Abbacella genannt, abgeleitet von Wirtschaftshof (Zelle) des Abtes. Aus dieser Bezeichnung entstand schliesslich der Name des entstehenden Siedlungsraumes im Tale der Sitter: Appenzell.
Zu jener Zeit bestand das Gebiet des heutigen Appenzell Innerrhoden überwiegend aus naturbelassener Landschaft. Die Wälder wurden gerodet und dadurch konnte Kulturland gewonnen werden. Die grosse Gemeinde der St. Galler Mönche konnten durch die Abgaben ihre Existenz sichern.
Die Menschen, die sich in dem neu bewohnbar gemachten Gebiet niederliessen, verlangten nach geistig-sakraler Nahrung, was Abt Nortpert, veranlasste, vor 950 Jahren ein erstes Gotteshaus im inneren Appenzeller Landesteil erbauen zu lassen. Damit setzte er sich selbst ein Denkmal.
Das 11. Jahrhundert war allgemein eine Epoche, aus welcher wenige Urkunden vorhanden sind. Glücklicherweise liegt aber eine Abschrift der in Latein verfassten Gründungsurkunde vor. Das Original wurde wahrscheinlich im Jahre 1635 nach Deutschland veräussert und ist leider nicht mehr auffindbar.
Im Jahre 1248 gewährte Rom dem damaligen Abt von St. Gallen, Berchthold von Falkenstein das Recht, sollte der Kirchenherr zurücktreten oder aber nach dessen Tode, die Kirche selbst nutzen zu dürfen. Die kleine Pfarrkirche wurde ca. 1300 durch eine neue, grössere ersetzt. In der Marktrechtsurkunde von 1420 wurde erstmals der Kirchenpatron St. Mauritius erwähnt. Im gleichen Jahr weigerten sich die Appenzeller, nach den Freiheitskämpfen den Zehnten an den Abt von St. Gallen abzuliefern. Dessen Klage bliebt ergebnislos. Erst im Jahre 1426, nachdem sich die Appenzeller weigerten, sich zu unterwerfen, wurde über sie der Kirchenbann verhängt.
Der Kirchenbann war im Mittelalter eine schwerwiegende Strafe. Er schloss die Betroffenen von der Ausübung kirchlicher Ämter aus und versagte ihnen die notwendigen Sakramente, die für das Seelenheil gläubiger Menschen unverzichtbar waren.
Nach drei Jahren, also 1429, entrichteten die Appenzeller den Zehnten wieder und der Kirchenbann wurde gebrochen. 1513 wurden eine Krypta und der neue spätgotische Chor gebaut. Nach der Weihe des Kirchenbaus wurde Appenzell in die Eidgenossenschaft aufgenommen. Ein schrecklicher Dorfbrand zerstörte 1560 viele Wohnhäuser und grosse Teile der Kirche. Noch im gleichen Jahr begann man mit dem Wiederaufbau. Verantwortlich waren der Zimmermeister Hans Bilchenfelder und Baumeister und Steinmetz Jakob Alther. Ihre Aufgabe war es, den baulichen Zustand von 1513 wieder herzustellen. Das Schiff konnte noch im gleichen Jahr fertiggestellt werden. Turm und Innenausstattung dauerten mehr als 20 Jahre. Es wird angenommen, dass auch Altäre vom Feuer stark in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Im Jahre 1590 konnten schliesslich Kirche und Altäre geweiht werden.
Die Barockisierung im 17. und 18. Jahrhundert ging auch an der Pfarrkirche St. Mauritius nicht spurlos vorbei. So wurde beispielsweise 1622 ein Hochaltar im typischen Barockstil gefertigt. Namhafte Künstler waren zu jener Zeit mit der Ausstattung der Pfarrkirche beschäftigt.
Eine umfassende Renovation in den Jahren 1890 bis 1892 bedeutete einen stilistischen Bruch: Der Innenraum wurde prunkvoll ausgestattet und erhielt eine festliche Stimmung. Diese ist bis heute unverändert.
Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Krypta als Lager- und Abstellraum genutzt, bis sie Mitte des letzten Jahrhunderts durch Bischof Dr. Josephus Meile restauriert wurde und der Altar geweiht wurde. 1969/1970 erfolgten während einer Kirchenrestaurierung im Innenraum archäologische Grabungen.
Seit 1971 steht die Pfarrei St. Mauritius in Appenzell unter dem Schutz der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
Zur Jahrtausendwende fand eine Erweiterung der Sakristei statt, die Stephanskapelle wurde saniert und die Galerie erneuert. 2018/ 2019 fanden weitere Renovierungsarbeiten statt.
Die Zeitreise geht weiter
Die Pfarrei St. Mauritius in Appenzell lebt und wird auch in Zukunft weiter Geschichte schreiben. Im September 2013 wurde eine Seelsorgeeinheit mit anderen Pfarreien in Appenzell errichtet, die bis heute besteht.
Regelmässig finden Gottesdienste und Veranstaltungen sowie kirchliche Dienste statt. Dazu zählen Taufen, Firmungen, Erstkommunionen, Krankenkommunionen, Hochzeiten, Religionsunterricht, Segnungen und Beerdigungen.
Die Kirche steht allen Besuchern offen.
Kontaktdaten:
Pfarreisekretariat
Sabine Sprenger
Marktgasse 4
9050 Appenzell
071 787 14 91
<email-pii>
Verwaltungssekretariat
Ursi Dähler
Marktgasse 4
9050 Appenzell
071 787 14 92
Titelbild: Sabine Itting
Ihr Kommentar zu: 950 Jahre Pfarrkirche St. Mauritius Appenzell
Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.