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Nach ihren Graubünden-Marathon-Siegen letztes Jahr auf der «Ausweichstrecke» triumphierten Timothy Short (Gb) und Maja Meneghin-Pliska nun auf dem Original. Grenzen erlebten sie.
Von Jörg Greb
Short traf bleich ein auf dem 2‘865 m hohen Parpaner Rothorn. 42,2 km hatte der 31-Jährige aus London in den Beinen und ebenso 2‘682 m Steigung, die sich zwischen dem Startort Chur und dem Ziel summiert hatten. Er schwankte. «Very hard», sagte er und verglich mit letztem Jahr, als das Rennen auf den Piz Scalottas führte. «Kein Vergleich», sagte er, «bei diesem Aufstieg hier findest du keinen Rhythmus, hier ist’s alpiner und hier bist du mental viel stärker gefordert.» Und wegen einer Infektion mit dem Ebola-Virus wurde er in der Vorbereitung arg zurückgeworfen. «Das war mein erstes Rennen in diesem Jahr», sagte Short. Es war ein langer Leidensweg.
Sein Sieg fiel dennoch deutlich aus. Über sieben Minuten betrug der Vorsprung nach den 3:41:22 Stunden. Und dabei hatte er in Lenzerheide, bei Kilometer 31, noch 70 Sekunden hinter Tobias Brack (D) zurückgelegen. «Timothy sah zu jenem Zeitpunkt ziemlich schlecht aus, doch plötzlich lief er viel lockerer wieder an mir vorbei.» Und Brack brauchte im Ziel deutlich länger, bis er wieder auf den Beinen war. Er sank in die Knie, benötigte einige Minuten auf blankem Stein, um wieder zu etwas Kraft zu kommen.
Als bester Schweizer (und Bündner) erreichte der Davoser Arthur von Siebenthal (33) das Ziel hinter Michael Barz (D) und Niklas Kroehn (Ö) als fünfter: «Ich erlebte den Graubünden Marathon als phantastisches Rennen, aber die letzten 4 km waren brutal, da war ich einfach leer», sagte auch er. Und schmunzelnd fügte er an: «Es war ein Vorteil, dass ich die Strecke nicht kannte.» So startete er flott, passierte Lenzerheide an siebter Position und machte anschliessend zwei Positionen gut – ehe er einbrach, «brutal einbrach», wie er betonte.
Meneghins Hader
Mit der achtbesten Zeit (!) lief Maja Meneghin-Pliska (Vermes) als Frauensiegerin ein. Und auch sie kam an Grenzen. «Ich glaub’ ich schaff’s nicht mehr», war ihr auf den letzten Kilometern immer wieder durch den Kopf gegangen. «Meine Kraftreserven waren aufgebraucht, es war brutal», sagte sie. Aber sie kam durch und erreichte das Ziel nach 4:20:08 Stunden und 4:32 Minuten vor der zweitplatzierten Denise Zimmermann (Mels).
Und diese Denise Zimmermann erstaunte ebenso. «Ich wollte nur geniessen», sagte sie im Wissen, dass ihr Start, bezogen auf die Leistung, wenig Sinn machte. Nur acht Tage zuvor hatte sie die 100 km von Biel bestritten (4.). Und am nächsten Wochenende startet sie beim Trailrunning Verbier über 110 km. «Als ich zu Maja aufgeschlossen hatte, machte sich zu wenig Siegeswillen breit», erklärte sie.
Bundi und Boner dominierten Rothorn Run
Die letzten 11,5 km mit den 1414 Höhenmetern des Graubünden Marathon von Lenzerheide aufs Rothorn sind ebenso als Rothorn Run ausgeschrieben. Und diese Prüfung lockte vor allem die Langläufer. Sie drückten ihr den Stempel auf und ermöglichten einen erstaunlichen Zieleinlauf. Mit Gion Andrea Bundi siegte der Zweite des Marathons vom letzten Jahr, der ehemalige Nationalkaderläufer und Sieger des Engadin Skimarathon, der sich heute verantwortlich zeichnet für den Aufbau am Sportgymnasium Davos. «Die Pumpe stimmt noch einigermassen», lachte er im Ziel. Und seine Qualitäten als starker Bergläufer hat er in den gut 15 Monaten seit dem Rücktritt nicht verloren. Bundi siegte in einer Zeit von 1:13:24 Stunden.
Bundis Vorsprung auf den Zweiten betrug 2:03 Minuten. Und als Zweiter knapp vor den nächsten Verfolgern kämpfte sich Toni Livers ins Ziel – er, der vergangenen Dezember mit dem Langlauf-Staffel-Sieg in La Clusaz brilliert hatte. «In den flächeren Passagen konnte ich Druck erzeugen, doch in den steilen fehlte mir die Kraft, um mit Gion mitzuhalten», sagte er. Wie Bundi lobte er die Strecke, deren Anforderungen und Attraktivität. «Sie ist bestimmt würdig für eine Schweizer Meisterschaft», sagten Bundi und Livers übereinstimmend. Nächstes Jahr wird’s so weit sein. «Und dann», so Bundi, «läuft der Sieger bestimmt unter 70 Minuten ein.»
Brenn fand’s locker
Gut 12 Minuten länger als der Männersieger benötigte die stärkste Frau, die Davoserin Seraina Boner – auch sie Nationalteam-Langläuferin. «Das war hart und steil, aber glücklicherweise nicht derart technisch», analysierte sie. Wegen einer Fussverletzung fühlte sie sich vor allem in der Ebene eingeschränkt. Nur 1:57 Minuten hinter Boner erreichte Nina Brenn (Zürich) das Ziel – sie ist keine Langläuferin, sondern Gigathletin. Die Dominatorin der aufsehenerregenden Schweizer Multisportevents bestritt den Rothorn Run als Vorbereitung des Dreitage-Gigathlons vom nächsten Wochenende im Wallis. «Dort sind Höhenmeter zu bewältigen wie noch nie und daherkam dieses Rennen wie gelegen», sagte sie. Und wie beurteilte sie den Parcours? «Nein, wirklich schlimm war dies nicht.»