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Am 29. März 1919 wurde die Volkshausgenossenschaft gegründet. Vor genau 100 Jahren also, in der schwierigen Zeit nach dem eben erst beendeten Ersten Weltkrieg. In der Schweiz war es Ende November 1918 zum Generalstreik gekommen. Die sozialen Spannungen im Lande erreichten einen Höhepunkt. Manche Zeitgenossen fürchteten einen sozialistischen Umsturzversuch und sahen die Schweiz am Rande eines Bürgerkriegs.
Die Gesellschaft war tief gespalten. Nicht nur in den grossen Städten war gestreikt und demonstriert worden, sondern auch auf dem Land und besonders in den Industrieorten am linken Zürichseeufer. So hatte sich im Generalstreik eine Wädenswiler Bürgerwehr formiert und bereit gemacht, die herrschende Ordnung wenn nötig mit Waffengewalt zu verteidigen. Im linken Lager waren die Meinungen darüber geteilt, ob das Oltener Streikkomitee mit seinem Aufruf zum Streikabbruch und zur Entschärfung der politischen Situation nun richtig gehandelt oder die Streikenden im Stiche gelassen habe.
Eine «Heimat» für die Arbeiterschaft
Die Wädenswiler Arbeitervereine hatten in diesem Umfeld Mühe, geeignete Räume für ihre Versammlungen und Veranstaltungen zu finden. Was schliesslich in die Idee mündete, durch den Kauf eines Restaurants der Arbeiterschaft eine «Heimat » zu bieten. Die Genossenschaft wurde schliesslich mit 30 Mitgliedern gegründet und es kamen durch den Verkauf von Anteilscheinen im ersten Jahr 3140 Franken zusammen. Die Liegenschaft «Löwen» an der Schönenbergstrasse, mit Wohn- und Wirtshaus, Schlachthaus, Schopf und Hof, wurde dann am 10. Mai 1919 zum Preise von 110 000 Franken gekauft. Der erste Pächter war Otto Vollrath, Uhrenmacher in Wädenswil, dem für einen Pachtzins von 7000 Franken im Jahr das «Volkshaus » übertragen wurde. Den Kauf erst möglich machten sieben Schuldbriefe im Wert von 8000 bis 30 000 Franken, welche private Geldgeber übernahmen. Das Volkshaus stand damit auf einer wackligen wirtschaftlichen Basis, was immer wieder Probleme bereitete.
Stolze Tradition
Das 100-Jahr-Jubiläum des Volkshauses ist für die heutigen Genossenschaf-terinnen und Genossenschafter ein Anlass der Freude und Zuversicht. Zahllose Menschen haben mit grossem Engagement im Verlauf dieser 100 Jahre das Unternehmen «Volkshaus» gepflegt, bewahrt und weiter entwickelt. Darauf können wir stolz sein. Das Volkshaus ist bis heute eine Genossenschaft geblieben und verkörpert eine lebendige und bewährte Unternehmensform, welche in erster Linie auf Menschen setzt und nicht auf Kapital. Jedes Mitglied der Genossenschaft hat seine Stimme in der Generalversammlung. Die Genossenschaft bündelt also die Kräfte einer breiten Basis von Genossenschafterinnen und Genossenschaftern, welche freiwillig Verantwortung übernehmen und sich für ein gemeinsames, soziales und wirtschaftliches Projekt einsetzen.
Zuversichtlich in die Zukunft
Die Volkshausgenossenschaft ist heute besser aufgestellt denn je zuvor. Das bekannte Restaurant «Coriander Leaf» erfreut sich grosser Beliebtheit und ist in unserer Region für seine ausgezeichnete asiatische Küche bekannt. Es wird seit nunmehr zehn Jahren von Albert Tan und seinem Team erfolgreich geführt. Der Wohntrakt des Volkshauses wird seit vielen Jahren von einer Wohngruppe der Stiftung Bühl genutzt. Der Vorstand der Genossenschaft setzt alles daran, dass das Volkshaus auch in den nächsten 100 Jahren erfolgreich betrieben werden kann. Dieses eindrückliche Werk so vieler Generationen soll dereinst gepflegt an unsere Nachfolgenden übergeben werden, damit es seinen Zweck als Begegnungs- und Versammlungsort auch künftig und in der dann richtigen Form erfüllen kann.
Willy Rüegg, Präsident der Volkshausgenossenschaft
VOLKSHAUS
22. Mai 2019, 20.00 Uhr
Buchvernissage und Vortrag
100 Jahre Volkshaus Wädenswil
Saal im Volkshaus, Schönenbergstrasse 25
22. Mai 2019, 20.00 Uhr
Vernissage des Jubiläumsbuchs „100 Jahre Volkshaus Wädenswil“ und Vortrag des Autors Christian Winkler über seine Spurensuche in der Geschichte der Volkshausgenossenschaft. Eintritt frei.