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Das Füttern von Vögeln im Winter ist eine sehr beliebte Möglichkeit etwas für die Natur zu tun. Es macht auch Spass, den Scharen von Vögeln zuzuschauen, die sich am Futterhäuschen tummeln, und Freude, eine seltene Vogelart im eigenen Garten zu entdecken. Trotzdem stellt sich immer wieder die Frage, ob dieser Eingriff in die Natur aus naturschützerischer Sicht überhaupt sinnvoll ist.
Es existiert eine Vielzahl von Studien, die sich mit diesem Thema befassen und die Auswirkungen der Vogelfütterung kritisch untersuchen. Sie zeigen generell positive Effekte einer Winterfütterung für Vogelpopulationen. Vor allem während Kälteperioden steigen die Überlebenschancen der Vögel markant, wenn sie zusätzlich von Menschen gefüttert werden. Es zeigt sich, dass mit einer Fütterung vor allem auch junge oder schwache Vögel eher überleben können. Die Studien zeigen, dass positive Effekte grundsätzlich am grössten sind, wenn die Vögel durch Umweltfaktoren besonders gestresst sind – während oder nach aussergewöhnlich harten Wintern oder wenn die Vögel in schlechten Habitaten leben, wo Nahrungsquellen knapp sind.
Neben diesen positiven direkten Auswirkungen der Winterfütterung konnten zwei Studien in England aber auch negative Folgen der Fütterung auf verschiedene Vogelpopulationen nachweisen. Die Studien zeigen, dass Vögel, die während des Winters gefüttert wurden, in der Folge weniger Eier legten, einen geringeren Bruterfolg und somit weniger Nachwuchs hatten. Die jungen Vögel waren zudem nach dem Schlüpfen weniger schwer und hatten eine geringere Überlebensrate, als der Nachwuchs nicht-gefütterter Vögel. Als mögliche Erklärung für diese Effekte wird in der Studie eine unausgewogene Fütterung mit einem zu hohen Fettanteil aufgeführt, der dazu führt, dass die Eier von schlechterer Qualität sind. Eine weiterer Erklärung könnte sein, dass durch die Fütterung auch Vögel mit einer geringeren Fitness überleben, die dann wiederum einen kleineren Bruterfolg haben. Und möglicherweise suchen sich gefütterte Vögel auch schlechtere Brutplätze in der Nähe der Fütterungsstelle aus. Die beiden Studien konnten aber keine dieser möglichen Erklärungen testen, und es bleibt somit ein Bedarf an weiterer Forschung.
Trotz diesen nachgewiesenen möglichen negativen Auswirkungen der Winterfütterung auf die Vogelpopulationen, zeigt eine Mehrzahl der durchgeführten Studien, dass eine Fütterung die Vögel sinnvoll sein kann. Gerade in Wohngebieten ist der natürliche Lebensraum der Vögel weitgehend verschwunden – und somit auch die ursprünglich in der Natur vorhandenen Nahrungsquellen. Diesem Mangel kann mit einer Winterfütterung entgegengewirkt werden. Wichtig dabei ist, dass das Futter möglichst der natürlichen Nahrung der Vögel entspricht und dass ganz allgemein bei der Gartengestaltung immer die Bedürfnisse der Vögel berücksichtigt werden. So bietet eine naturnahe Gartengestaltung den Vögel auch genügend Unterschlupfmöglichkeiten und Zufluchtsorte nahe der Fütterungsstelle. Das Pflanzen von beerentragenden einheimischen Sträuchern sowie das Stehenlassen von abgeblühten Sonnenblumen und anderen Samenständen im Herbst versorgt die Vögel mit einer natürlichen Nahrungsquelle. So wird der Garten zum Vogelparadies und der Winter zu einem Erlebnis für alle Vogelinteressierten. Weitere praktische Tipps zur Fütterung von Kleinvögeln sowie von Greifvögeln und Eulen geben die Broschüren von BirdLife/SVS oder die Webseite www.wildvogelhilfe.org.