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4 Miniaturen
K.s Geschichte: Als er Briefe einer Unbekannten erhält, glaubt er zu wissen, wer sie verfasst hat. Eines Tages klingelt eben jene, an die er dabei im Traum nicht gedacht hat, an seiner Haustür, wird rot und entschuldigt sich. Auch sie hat geglaubt zu wissen, an wen sie ihre Briefe adressiert hat. K. ist es jedenfalls nicht.
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B. erzählt: Mein Ohrenarzt ist zu Zeiten des Notdienstes äußerst mürrisch. Wenn er mir die verstopften Ohren trotzdem öffnet, dann nur zu dem Zweck, mir mitsamt dem Wasser Lyrik hineinzublasen, denn seine eigentliche Berufung ist das Dichten. Nur will niemand lesen, wie er Zeitprobleme, die mir am Herzen liegen in unzeitgemäße Barockformen verpackt – Dilemma eines Ohrenarztes, dem niemand zuhören will.
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W. sinniert über singhalesische Religionsfreiheit: Zwischen einer Dagoba, an der LKW-Fahrer ihre Spenden entrichten und um gute Fahrt bitten, und einer katholischen Kirche, in der zum selben Zweck Kerzen entzündet werden, hängt am Neujahrstag das Schild Put all your good faith in Good Year from Dunlop.
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G.s Geschichte: Als neue literarische Gattung hat sie die Literatur fürs Finanzamt entwickelt, die nur einen einzigen Leser voraussetzt: den Angestellten, der den Rechercheaufwand für ihre Erzählungen auf Absetzungsfähigkeit von der Einkommenssteuer prüft.
© Usch Kiausch, 2012