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Streifenuhu - Bubo philippensis
Rotohreule - Mimizuku gurneyi
Grossohreule - Otus megalotis
Philippinenkauz - Ninox philippensis
© 2005 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Die Ordnung der Eulenvögel (Strigiformes) umfasst weltweit etwas mehr als 200 Arten. Diese werden in zwei Familien gegliedert: die Familie der Schleiereulen (Tytonidae) mit 16 Arten und die Familie der Eigentlichen Eulen (Strigidae) mit ungefähr 190 Arten.
Insgesamt, als Sippe, haben es die Eulenvögel im Laufe ihrer Stammesgeschichte geschafft, ein überaus breites Spektrum von Lebensräumen zu besiedeln. Man begegnet ihnen auf den kleinsten Inseln im Pazifischen Ozean ebenso wie auf den höchsten Gipfeln der zentralasiatischen Gebirge, sieht sie über die Eisfelder Grönlands ebenso dahinschweben wie über die sonnendurchglühten Sanddünen der Sahara und bemerkt sie im Dickicht der südamerikanischen Urwälder ebenso wie auf den Kirchtürmen der mitteleuropäischen Dörfer. Einzig den antarktischen Kontinent haben sie nicht zu erobern vermocht.
Wie bei den meisten Tiersippen ist die Artenvielfalt der Eulen in den Tropen am höchsten. So beherbergen die Philippinen - das in der südostasiatischen Tropenregion gelegene, 300 000 Quadratkilometer grosse Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken - mehr Eulenarten als das gesamte Europa, dessen Landfläche dreissig Mal so gross ist. Vierzehn Arten sind es. Davon sind acht «endemisch», kommen also ausschliesslich auf dem philippinischen Archipel vor. Vier von ihnen wollen wir hier vorstellen: 1. den Streifenuhu (Bubo philippensis)
, 2. die Rotohreule oder Riesen-Zwergohreule (Mimizuku gurneyi)
, 3. die Grossohreule oder Philippinen-Zwergohreule (Otus megalotis)
in Form der Unterart Negros-Grossohreule (Otus megalotis nigrorum)
, und 4. den Philippinenkauz oder Philippinen-Buschkauz (Ninox philippensis)
in Form der Unterart Mittlerer Philippinenkauz (Ninox philippensis centralis)
.
Mit den Nachtschwalben verwandt
Über die Stammesgeschichte der Eulenvögel wissen wir wenig, da bisher erst wenige versteinerte Eulenknochen gefunden worden sind. Die Eulen stellen aber auf jeden Fall eine sehr alte Vogelsippe dar. Mit Gewissheit flogen bereits im Paläozän, vor rund 58 Millionen Jahren, eulenartige Vögel umher, und vermutlich gab es sie schon in der Kreidezeit, vor mehr als 70 Millionen Jahren. Welches die nächsten Verwandten der Eulen innerhalb der Vogelwelt sind, ist nicht abschliessend geklärt. Lange Zeit wurden die Eulen als «Nachtgreifvögel» an die Seite der «Taggreifvögel» - also der Adler, Habichte, Bussarde, Falken usw. in der Ordnung Falconiformes - gestellt. Neueren Erkenntnissen zufolge scheinen sich die beiden Sippen jedoch unabhängig voneinander zu Beutegreifern entwickelt zu haben. Wahrscheinlich stehen die Eulen verwandtschaftlich einer anderen Gruppe vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiver Vögel am nächsten, nämlich den Nachtschwalben, Ziegenmelkern und Schwalmen in der Ordnung Caprimulgiformes.
In ihrer viele Jahrmillionen langen Stammesgeschichte haben sich die Eulen in eine Vielzahl verschiedener Typen aufgespaltet. Zwerge und Riesen gehören heute zur Eulensippe: Die Palette reicht vom oftmals nur 13 Zentimeter langen und 45 Gramm schweren - also bloss sperlingsgrossen - Elfenkauz (Micrathene whitneyi)
in Nordamerika bis hin zum gelegentlich über 70 Zentimeter langen, 180 Zentimeter spannenden und 3,5 Kilogramm wiegenden - also fast adlergrossen - eurasischen Uhu (Bubo bubo)
.
Nächtliche Kleintierjäger
Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Eulen als nächtliche Kleintierjäger. Für das Beutegreifen in der Dunkelheit sind sie vortrefflich ausgerüstet: Zu nennen sind zuallererst ihre bemerkenswert lichtempfindlichen Augen. Eulen benötigen zum Sehen bis zu hundert Mal weniger Licht als der Mensch. Wo wir längst im Dunkeln tappen, da erkennen die Eulen noch jede umherhuschende Maus. Damit sie diese hohe Lichtempfindlichkeit erreichen, sind die Eulenaugen sehr gross gebaut: Sie nehmen rund ein Drittel des Eulenkopfes ein. Hätten wir Menschen ähnlich bemessene Augen, dann wären sie so gross wie Äpfel.
Im Gegensatz zu unseren Augen, die wir in alle Richtungen rollen können, sind die Augen der Eulen starr mit dem Schädel verbunden und damit völlig unbeweglich. Wollen die Eulen ihre Blickrichtung ändern, so müssen sie gleich den ganzen Kopf wenden. Das bereitet ihnen allerdings keine Mühe, denn sie haben zu diesem Zweck einen äusserst beweglichen Hals mit doppelt so vielen Wirbeln wie beim Menschen. Bis zu 270 Grad können die Eulen ihren Kopf in beide Richtungen schwenken. Ruhig dasitzend können sie also ihren Kopf so weit nach links herum drehen, bis sie über die rechte Schulter schauen - und umgekehrt. Das ist sehr sinnvoll, denn wenn sie ein Beutetier ins Auge fassen wollen, das hinter ihrem Rücken raschelt, so brauchen sie sich nicht umzudrehen, sondern müssen lediglich ihren Kopf wenden. Das geht viel schneller. Ausserdem entfällt die Gefahr, dass sie mit ihren Krallen auf der Astrinde schaben und durch dieses Geräusch das Beutetier warnen.
Im Übrigen befinden sich die Augen der Eulen nicht seitlich am Kopf wie bei den meisten anderen Vögeln, sondern sie sind nach vorn gerichtet. Dies ermöglicht ihnen räumliches Sehen und damit eine genaue Entfernungsmessung. Auch dies ist für die erfolgreiche Jagd sehr wichtig.
Hervorragend ausgebildet sind sodann die Eulenohren. Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Nachtjäger besser hören können als alle anderen Lebewesen der Erde. Die meisten Eulen lassen sich deshalb bei der Jagd - trotz ihrer guten Augen - zur Hauptsache von ihrem leistungsfähigen Gehör leiten. Tatsächlich haben beispielsweise europäische Schleiereulen (Tyto alba)
bei wissenschaftlichen Versuchen bewiesen, dass sie selbst bei absoluter Dunkelheit Beutetiere zu orten und zu fangen vermögen. Und von den im hohen Norden Amerikas und Eurasiens heimischen Eulenarten wissen wir, dass sie regelmässig Nagetiere erbeuten, die sich unsichtbar unter einer dicken Schneedecke umherbewegen.
Für die Empfindlichkeit der Ohren ist der «Gesichtsschleier» der Eulen von grosser Bedeutung. So nennt man die kreisförmig um Schnabel und Augen angeordneten Kränze ziemlich starrer Federchen. Der Gesichtsschleier wirkt wie ein Schalltrichter: Er fängt selbst die leisesten Geräusche ein, bündelt sie und leitet sie links und rechts durch eine Art Gefiederkanäle zu den Ohren mit den extrem grossen Trommelfellen. Statt mit abstehenden Ohrmuscheln, wie sie die meisten Säugetiere besitzen, fangen die Eulen den Schall also mit ihren Gesichtsflächen auf.
Eulen können im Übrigen nicht nur leiseste Geräusche wahrnehmen, sondern können auch räumlich hören und somit etwa die Richtung und Entfernung einer piepsenden Maus haargenau feststellen. Für diese Fähigkeit ist vor allem der sehr komplizierte und zudem ungleiche Bau der beiden äusseren Gehörgänge verantwortlich, der hier nicht näher beschrieben werden soll. Ausserdem liegt das rechte Ohr viel weiter oben am Kopf als das linke. Es ist auf diese - für uns Menschen schwer vorstellbare - Fähigkeit des räumlichen Hörens zurückzuführen, dass die Eulen gewissermassen im Blindflug auf Beutefang gehen können.
Zur Jagdausrüstung der Eulen gehört neben den fabelhaften Sinnesorganen - so seltsam dies klingen mag - auch ihr Gefieder. Es ist im Gegensatz zum Federkleid der meisten anderen Vögel samtweich und füllig und schmiegt sich beim Fliegen ausgezeichnet in den Flugwind. Seine Aufgabe ist es, die Fluggeräusche zu verschlucken und so für einen lautlosen Flug der nächtlichen Jäger zu sorgen. Das ist für ihren Jagderfolg sehr wichtig: Lautes Flattern würde nämlich die Beutetiere warnen, so dass sie beizeiten flüchten könnten. Ausserdem würde das Flügelrauschen das leise Rascheln, Knabbern und Trippeln der Beutetiere akustisch überdecken und dadurch das Anpeilen mit dem Gehör unmöglich machen.
Vier Porträts
Der Streifenuhu:
Mit einer Länge von bis zu 50 Zentimetern ist der Streifenuhu zwar nicht der grösste der weltweit 18 Arten von Uhus (Gattung Bubo
), aber immerhin die grösste Eule der Philippinen. Innerhalb des philippinischen Archipels ist er weit verbreitet, jedoch nirgendwo häufig. Nachweislich kommt er auf den beiden grossen Inseln Luzon im Norden und Mindanao im Süden vor, ferner auf den dazwischen liegenden kleineren Inseln Samar, Leyte, Bohol und Catanduanes. Er bewohnt gewöhnlich Wälder in tiefen Lagen unterhalb von 650 Metern ü.M., und zwar gern im Bereich von Fliess- und Stillgewässern. Ausser in Primärwäldern ist er auch schon in Kokosplantagen mit eingestreuten Sekundärwaldstücken und in Galeriewäldern im Offenland beobachtet worden.
Über seine Lebensweise in der freien Wildbahn ist kaum etwas bekannt. Wir dürfen aber annehmen, dass er bezüglich seiner Beutetiere ebenso vielseitig ist wie die anderen Uhus, das heisst mit seinen krallenbewehrten Greiffüssen so ziemlich alles packt, was nachts an bodenlebenden Tieren unterwegs ist: von Käfern und Krabben über Frösche und Schlangen bis hin zu Nagetieren und anderen kleinen bis mittelgrossen Säugern.
Die Rotohreule:
Die Rotohreule ist eine recht grosse Eule, wenn auch deutlich kleiner als der Streifenuhu: Die Weibchen weisen eine durchschnittliche Länge von 38 Zentimetern auf, die Männchen eine solche von 30. Die Männchen sind also, wie bei den meisten Eulenarten, kleiner als die Weibchen. Das Vorkommen der Rotohreule ist auf die südlichen Bereiche des philippinischen Archipels beschränkt, genauer auf die Inseln Mindanao und Samar sowie die benachbarten Eilande Dinagat und Siargao.
Die Rotohreule lebt sowohl im Inneren von Wäldern als auch entlang von Waldrändern, und zwar von Meereshöhe bis in Höhen von etwa 1300 Metern ü.M. Sie konnte schon in Primärwald, in Sekundärwald und sogar in Waldinseln inmitten von Grasländern beobachtet werden. Über ihre Kost ist zwar nichts bekannt. Da man sie aber schon im Kronenbereich des Walds hat jagen sehen, vermutet man, dass sie Jagd auf Vögel sowie baumlebende Reptilien und Kleinsäuger macht. Tagsüber ruht sie gewöhnlich auf einem Ast möglichst dicht am Stamm, wo sie mit ihrem rindenartig gemusterten Tarnanzug schwer zu entdecken ist.
Die Negros-Grossohreule:
Die Grossohreule ist eine von weltweit mehr als sechzig Zwergohreulenarten (Gattung Otus
). Es werden drei Unterarten unterschieden, wovon die Negros-Grossohreule die kleinste ist: Die Weibchen erreichen eine Länge von durchschnittlich 20 Zentimetern, während die Weibchen der beiden anderen Unterarten 22 bzw. 28 Zentimeter lang werden.
Die Grossohreule gehört zu den am weitesten verbreiteten Eulen der Philippinen. Tatsächlich kommt sie auf fast allen Inseln des Archipels vor. Die Negros-Grossohreule ist in ihrer Verbreitung hingegen auf die beiden benachbarten Inseln Negros und Panay im zentralen Bereich des Archipels beschränkt. Man begegnet ihr im Allgemeinen in Primärwäldern und an deren Rändern, gewöhnlich in Lagen unterhalb 1000 Metern ü.M. Wahrscheinlich ernährt sie sich wie die meisten Zwergohreulen vor allem von nächtlich zirpenden Heuschrecken und anderen grossen Insekten.
Der Mittlere Philippinenkauz:
Der Philippinenkauz ist einer von etwa zwanzig Buschkäuzen (Gattung Ninox
), welche grösstenteils im asiatisch-australischen Raum heimisch sind. Abgesehen von der Insel Palawan ist er im ganzen philippinischen Archipel anzutreffen. Der Mittlere Philippinenkauz ist eine von acht Unterarten des Philippinenkauzes. Seine Heimat sind die zentralphilippinischen Inseln Negros, Panay, Bohol und Siquijor.
Mit einer durchschnittlichen Länge von etwa 22 Zentimetern ist der Mittlere Philippinenkauz etwas grösser als die Negros-Grossohreule. Ausserdem ist er ökologisch etwas anpassungsfähiger, denn er bewohnt neben Primärwäldern auch Sekundärwälder und kleine, isolierte Waldinseln im Offenland, und zwar in Höhenlagen von bis zu 1800 Metern ü.M. Über seine Kost wissen wir wenig. Vermutlich umfasst sie - ähnlich wie bei anderen Buschkäuzen - ein breites Spektrum unterschiedlicher Tiere, darunter grosse Insekten, kleine Vögel, Kleinsäuger und Reptilien.
Die philippinischen Wälder schwinden
Das Überleben der auf den Philippinen heimischen Eulen hängt in erster Linie von der Verfügbarkeit ihrer Waldlebensräume ab. Leider stehen diese unter erheblichem Druck: Die Philippinen weisen eine der höchsten Entwaldungsraten der Welt auf - zufolge von weiterhin praktiziertem Wanderfeldbau, zufolge von nicht-nachhaltigen Methoden der Holzproduktion und zufolge von Kahlschlägen zwecks Gewinnung von Plantagenland. Mehr als siebzig Prozent der einst den ganzen Archipel überwuchernden Tropenwalddecke sind bereits zerstört. Der Rest schrumpft mit einer Rate von mehr als drei Prozent im Jahr.
Die kleineren Eulenarten wie die Grossohreule und der Philippinenkauz haben zwar gegenüber ihren grossen Vettern gute Chancen, auch in kleinflächigen Waldreststücken ein Auskommen zu finden. Tatsächlich gelten die beiden Arten (noch) nicht als gefährdet. Wo praktisch jeglicher Wald verschwunden ist, wie dies auf den Inseln Negros und Panay der Fall ist, da können jedoch auch sie schwerlich überleben. Die dort heimischen Unterarten, die Negros-Grossohreule und der Mittlere Philippinenkauz, gelten dementsprechend als «bedroht» bzw. als «verletzlich».
Die beiden grösseren der vier vorgestellten Eulenarten, der Philippinenuhu und die Rotohreule, benötigen grossflächige Jagdreviere und sind deshalb auf grössere zusammenhängende Waldungen angewiesen. Erfreulicherweise kommen sie beide auf den Inseln Luzon und Mindanao vor, wo es noch ein paar grosse Waldgebiete gibt. Dennoch stehen sie beide als «verletzlich» auf der Roten Liste, da ihre Populationen inzwischen stark fragmentiert sind und der längerfristige Fortbestand ihrer letzten Lebensräume keineswegs gesichert ist.
Um das Überleben der reichen philippinischen Eulenfauna zu gewährleisten, sind zwei Schritte seitens der philippinischen Regierung dringend notwendig: Zum einen bedarf es einer land- und forstwirtschaftlichen Reform mit der zwingenden Verordnung umweltverträglicher Nutzungsformen; zum anderen gilt es, die verbleibenden Naturwaldstücke unter strikten Schutz zu stellen.
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