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Der australische «Bad Boy» zeigte einen brillanten Auftritt und war in allen Belangen der bessere Spieler. Damit ist auch klar, dass Medwedew seinen Platz an der Spitze der Weltrangliste einbüssen wird. Ein Trio hat noch Chancen, den Russen abzulösen: die Spanier Rafael Nadal und Carlos Alcaraz sowie der Norweger Casper Ruud.
Die Partie hielt lange, was sie im Vorfeld versprochen hatte. Im vierten Satz war es aber Kyrgios, der sich deutlich absetzen konnte. Den ersten Satz gewann der Australier nach Abwehr von drei Satzbällen im Tiebreak, den zweiten gab er nach einem frühen Break fast kampflos ab. Im dritten Durchgang war der 27-jährige Wimbledon-Finalist aber wieder voll da.
Er dominierte mit seinem Aufschlag (21 Asse) und musste nur noch eine Breakchance abwehren. Vor allem aber hielt er auch in den langen Ballwechseln von der Grundlinie, eigentlich die Stärke Medwedews, hervorragend mit und setzte diesen mit starken Returns immer wieder unter Druck.
Zu Beginn des dritten Satzes sorgte Kyrgios mit einer Showeinlage für Aufsehen. Nach einer verunglückten Abwehr Medwedews wäre der Ball auf der Seite des Russen heruntergekommen, Kyrgios hätte so einen Breakball erhalten. Aber er sprintete auf die andere Seite des Netzes, um den Ball in Medwedews Platz zu smashen. Das Publikum hatte seinen Spass, Kyrgios freute sich – aber weil ein Tennisspieler nicht auf die andere Netzseite darf, erhielt Medwedew den Punkt.
«Ich kann immer noch nicht glauben, was ich für etwas dummes gemacht habe», sagte Nick Kyrgios im Platzinterview nach dem Spiel. «Um ehrlich zu sein, ich dachte, das wäre erlaubt. Das wird nun überall gezeigt werden, also werde ich wie ein Idiot dastehen.»
Nach 2:56 Stunden nützte Kyrgios seinen ersten Matchball standesgemäss mit einem Ass. Er hatte 53 Winner geschlagen (38 unerzwungene Fehler). Medwedews Zahlen sehen mit 49 Gewinnschlägen bei nur 19 leichten Fehlern eigentlich hervorragend aus, dennoch war er am Ende ohne Chance. Der Russe verlor in New York erstmals nach zehn Siegen wieder.
Kyrgios ist hingegen in dieser Glanzform der Topfavorit auf seinen ersten Grand-Slam-Titel. Im Viertelfinal, seinem ersten am US Open, trifft er am Dienstag mit dem als Nummer 27 gesetzten Karen Chatschanow auf einen weiteren Russen. Das Ranking des Australiers, aktuell Nummer 25, wäre deutlich höher, hätte es in Wimbledon Rankingpunkte gegeben. (ram/sda)