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| Kristallisierende Wassertropfen

Teil 3
aktive Imagination (AI),
luzider Traum (LD - lucid dream, Klartraum) und
ausserkörperliche Erfahrung (OOBE, AKE)
Werner Zurfluh
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Wassertropfen Teil 2 (Schulanalyse)
1. Charakterisierung von AI, LD und OOBE
AI, LD's und OOBE's bieten die Möglichkeit,
sich direkt und mit einem kontinuierlichen Ich-Bewusstsein (BK) mit den
sogenannten "personifizierten Inhalten des Unbewussten"
auseinanderzusetzen. «C.G. JUNG hielt die aktive
Imagination, die er mit der von den Alchemisten geforderten imaginatio vera
et non fantastica verglich, für den entscheidenden Schritt zur
wirklichen Selbständigkeit und zum Erwachsensein» (von Franz 2001:7).
(Inhalt)
1.1. AI Definition
Bei der AI geht es um die bewusste
Auseinandersetzung mit den Inhalten des "Unbewussten", wobei
allerdings die Bewusstseinsklarheit an den Wachzustand des physischen Körpers
gekoppelt bleibt. Es ist möglich, das Gesehene und Gehörte direkt zu
protokollieren oder mittels anderer Körperbewegungen (z.B. Tanzen) auszudrücken.
Eine Schwierigkeit der AI besteht darin, dass sie oft - vielleicht sogar in den meisten Fällen - eine "Phantasie- oder Gedankenqualität" wie ein Tagtraum oder eine Erinnerung besitzt. Sie ist dann bloss eine "imaginatio fantastica" und keine "imaginatio vera". Diese Schwierigkeit beruht vor allem darauf, dass zwischen Traum und Phantasie zu wenig unterschieden wird und - im Wachzustand des physischen Körpers - unterschieden werden kann.
Mir selber gelang es niemals, mittels einer AI an jene "Erlebnisqualität" heranzukommen, die der OOBE entspricht. Die Resultate waren irgendwie unbefriedigend, denn es kam zu keiner Imagination, die sich zweifelsfrei als ein "absolut objektives Geschehen" hätte einstufen lassen (Bsp.: Zum Drachen geht's über den Zaun).
Der Grund hierfür war nicht das kontinuierliche Bewusstsein (BK), sondern der Wachheitszustand des Körpers. Da gab es nämlich keinen "subtle body", sondern "nur" eine physische Körperlichkeit - und diese blieb Träger des Bewusstseins. Das "Vehikel" entsprach also grundsätzlich und in keinem Moment den Anforderungen der "anderen Seite". Es ist, als würde ein Auto benutzt, um unter Wasser zu fahren!
Bei der AI sind zwei Bedingungen zu erfüllen. Erstens muss Bewusstseinsklarheit (BK) vorhanden sein und zweitens muss der physische Körper wachbewusst bleiben. Beides ist jedoch strikt miteinander gekoppelt! Und exakt hierin liegt die Schwierigkeit. Das Vehikel ist stets der physische Körper. Und der ist andauernd gezwungen, im Zustand "wachbewusst" zu verbleiben, um Träger des kontinuierlichen Ich-Bewusstseins zu sein.
Das Vehikel-Problem wird in Boten aus Atlantis als Motorrad dargestellt, das "vom Himmel kommt".Die Sache wird jedoch von Vertretern des alten Paradigma nicht ernst genommen, sondern innerhalb des Alltagsrahmens bzw. des Psychologierahmens analysiert und unsachgemäss zerlegt. Dabei kommt es zu einer peniblen Demontage, bei der es sich erweist, dass das "objektiv Psychische" gerade von jenen nicht ernsthaft erwogen wird, die behaupten, sie würden sich mit den Inhalten des "Unbewusstsein" intensiv auseinandersetzen. Statt dessen wird das "Ganz-Andere" andauernd mit Alltagsdingen vermischt und verwechselt.
Mein Vater als Personifikation eines von einem ländlichen Umfeld geprägten Menschen kann problemlos eine Runde auf dem Motorrad fahren. Dabei gerät er deshalb nicht in Versuchung, die Sache zu hinterfragen, weil ihm sein traditionelles Weltbild eine selbstverständliche Sicherheit gibt. Er erfährt das Vehikel und bannt - in Übereinstimmung mit den traditionellen Anschauungen des Kantons (vgl.: E. Renner «Goldener Ring über Uri») - mit seinem Rundumfahren den ganzen Fragenkomplex.
Dass das Motorrad vom Mutterschiff (UFO) an einem Seil wie an einer Silber- bzw. Nabelschnur herabgelassen wird, weist möglicherweise auf einen kulturhistorischen Kontext. Denn schamanisches Wissen wurde im Alpenraum seit jeher rituell oder mittels Sagen weitergegeben.
Wenn die eigenen, direkten Erfahrungen (LD's/OOBE's) fehlen, werden die Ebenen verwechselt und es kommt zu einer "Rationalisierung", etwa in der Art, dass gesagt wird, ein Metall könne nicht lebendig sein und zusammenwachsen, oder - Bewusstheit sei strikt an den Wachzustand des physischen Körpers gebunden.
Die einzige Notwendigkeit, den Wachzustand des Körpers mit dem Wachzustand des Ichs zu koppeln, besteht darin, dass die Zustände in Übereinstimmung mit einer Schulmeinung miteinander identifiziert werden (müssen). Das Auto - um bei diesem Beispiel zu bleiben - ist als Vehikel identisch mit dem Fahrer. Eine etwas absurde Vorstellung, aber vom Gesichtspunkt der LD's und OOBE's durchaus zutreffend. Es gibt jedoch noch andere Vehikel, z.B. den "subtle body" und sogar die punktuelle Existenz der Bewusstheit.
CR: Beim Malen bin ich oft in einen AI-Zustand, in dem die Bilder erfahren und bearbeitet werden. In diesem Grenzzustand ist es notwendig, im wachen physischen Körper zu sein und gleichzeitig in die "seelische Welt" hinüber zu sehen. Ernst Fuchs sagt, dass eine Begegnung mit dem Phantastischen - mit jener Welt, die das LEIBLICHE Auge selten oder nie sieht (es sei denn im gemalten Bild) - bei ihm immer auf der "anderen Ebene" stattgefunden habe. Und diese "andere Welt" habe sich ihm in einem Trance-Zustand bzw. in LD's regelrecht eingeprägt.
Der folgende Text aus: Ernst Fuchs «Architectura caelestis - Die Bilder des verlorenen Stils» (Salzburg: Residenz Verlag 1970: 162f.
Im Frühjahr 1954 hatte ich einen Traum, «der mich so entscheidend beeindruckt hat und der meine erste Begegnung mit dem verschollenen Stil bedeutet. ... Da träumte ich, wie ich zuvor noch nie geträumt hatte: stark und farbig leuchtend und die Stimme eines unsichtbaren Sprechers hörend.
Es war Nacht, ich stand am Ufer des Meeres, auf gemauertem Pier, und blickte auf das schwarzblaue Meer. Der Himmel war leuchtend dunkelblau und das Licht des Mondes glänzte auf dem Wasser. Da sah ich, daß das Meer nicht weit vom Ufer grün und hell zu leuchten begann und ein kolossaler, riesiger runder Schädel tauchte daraus empor. Sein Antlitz war mir zugewandt, sein Augenpaar, rund und stark nach außen gewölbt, war auf mich gerichtet.
Macht und Stärke strahlte sein Anblick aus. Das Haupt, das grün, teils wie Stein, teils wie Erz glänzte, schien von Algen und Korallen bewachsen, die wie hervorquellende oder die Oberfläche des Leibes überrankende Adern aussahen. Ich erinnere mich - ich war voll Unverständnis beim Anblick dieses Hauptes, und die Worte, die ich heute zu seiner Beschreibung wähle, sind die, die ich damals im Traume selbst assoziiert habe.
Trotz meines Unverständnisses überkam mich gleich zu Beginn des Traumes ein Hochgefühl. ... So stürzte ich mich ins Wasser, von großem Verlangen bewegt, den Koloß ganz zu sehen. Das Meer und der Koloß, der mit gespreizten Beinen auf dem Grunde stand, waren hell, wie von innen erleuchtet ... und ich sah, daß er so hoch wie breit war - wie ein Quader ... riesenhaft war seine Gestalt (an die 12 Meter hoch) ... Der Anblick dieses Kolosses erfüllte mich mit einer bis dahin nie gekannten Begeisterung. ... Ich wußte, mir hatte etwas ganz Besonderes, etwas "Bedeutendes" geträumt, und da mir zuvor noch nie etwas Derartiges geschehen war, machte mir dieses Ereignis nicht wenig zu schaffen. ... Bis heute ist mir vieles an diesem Traum nicht verständlich. Was ich in diesem Traum gesehen und erlebt habe. steht noch immer weit über dem Horizont meines Bewußtseins und Wissens. Aber im Laufe der Jahre, die seither vergangen sind, ist einiges geschehen, was mir die Rätsel des Traumes zumindest erhellt hat.
Ich entsinne mich gut, daß meine Begegnungen mit dem Phantastischen, mit jener Welt, die das leibliche Auge selten oder nie sieht (es sei denn im gemalten Bilde), zuvor immer auf anderer Ebene stattgefunden hatten: auf der Ebene, der Fläche des Mal- und Zeichengrundes, der Tafel, der sich "automatisch", wie in Trance, Bilder einprägten, deren Sinn und Aussehen mich selbst als zuvor nie gesehene erstaunten. Nie zuvor hatte ich so heftig geträumt, nie eine solche Vision gesehen, war nie zuvor in diese andere Welt "wirklich", mit "offenen Augen" versetzt worden. Denn - und dessen bin ich sicher - solcher Traum wird nicht im Schlaf geschaut, der Zustand des Träumers ist ein wacher, ein hellwacher.»
RFR: Die von mir entwickelte Körperzentrierete Visualisierungtm beruht einerseits auf C. G. Jungs Idee der Aktiven Imagination, andererseits auf gewissen intuitiven Einsichten des Paracelsus (vgl. Hat AIDS einen Sinn?, Kap. 5 und 6) über die "Innenansicht des Körpers". Voraussetzung dafür ist die Einsicht, dass wir neben dem Logos-Bewusstsein oder Kopfhirn auch ein Eros-Bewusstsein oder Bauchhirn (vgl. Das UFO trägst du in deinem Bauch und UFO-Erfahrungen und -Entführungen aus tiefenpsychologischer Sicht ) besitzen, das wir jedoch im Laufe der naturwissenschaftlichen Entwicklung der letzten 350 Jahre (seit Descartes, Kepler und Newton) völlig verdrängt und verloren haben. Das Kopfhirn (und das Zentralnervensystem) beobachtet und erfährt daher den rein physischen (physikalisch-chemischen und neurologischen) Aspekt des Körpers. Gelingt es, das Kopfhirn zu verlassen und in das Bauchhirn hinunter zu kommen, wird eine Beziehung zu dieser "Innenansicht des Körpers" (vgl. Bilder aus dem Bauch: Tantrismus und alternative Psychosomatik) aufgebaut.
Mit Hilfe des Eros-Bewusstseins wird also der physische Körper sozusagen verlassen, so dass eine Art "innerer OOBE" erlebt wird. Den Prozess, der dabei abläuft, bezeichne ich als die Transformation der physischen in die objektivpsychische Energie (oder in den subtle body-Aspekt) des Körpers. Er äussert sich in bildhaften Sequenzen, die man vor dem geistigen Auge sieht. Es sind gewisse Kriterien zu erfüllen, um sicher zu gehen, dass eine imaginatio vera und keine imaginatio phantastica (s.o.) - die bei der Aktiven Imagination der heutigen Jungianer meist vorliegt - stattfindet. Auf der anderen Seite ist eine Abgrenzung gegenüber dem Neo-Tantrismus nötig (vgl. Neo-Tantrismus und Visualisierung - Nachahmung des östlichen oder kreativer Neubeginn auf dem westlichen Weg?).
Im Krankheitsfall wird die von mir entwickelte introvertierte Methode zur sogenannten Symptom-Symbol-Transformationtm da darin das Krankheitssymptom (Schmerz, Spannung, aber auch Angst und Panik) in ein Symbol, das heisst, in ein inneres Bild oder einen "inneren Film" transformiert wird. Ich wende sie bei therapieresistenten oder unheilbaren psychosomatischen und somatischen Krankheiten und bei Angstzuständen an. Eine weitere Anwendung erfolgt in der Arbeit mit Menschen mit UFO- und Entführungserfahrungen. Meine Arbeit mit diesen Klientinnen und Klienten hat mir gezeigt, dass derart das UFO sozusagen in den Bauch hinein genommen wird, was mit dem Erlebnis verbunden ist, dass die traumatischen Erfahrungen in eine positive Richtung gelenkt werden können (vgl. Das UFO trägst du in deinem Bauch, ein Erlebnisbericht einer unheilbar kranken Frau; weitere Berichte über UFO-Netzwerk).)
Eine weitere Schwierigkeit ist die Wortbedeutung von "Imagination", denn sie deutet in erster Linie einmal auf "Einbildungskraft", "bildhaft anschauliches Denken" und - "Einbildung" hin. Aber schon ein normaler, nicht-luzider (nächtlicher) Traum unterscheidet sich von der Erlebnisqualität "fantastica" bzw. von (gelenkten) Tagträumen ganz erheblich. Auch LD's und OOBE's unterscheiden sich qualitativ von "Phantasien", obwohl in ihnen die bewussten Ichfunktionen vorhanden sind. Dies gilt auch für eine AI, sofern sie eine "imaginatio VERA" ist.
RFR: Ich vermeide das Wort Imagination immer mehr und verwende statt dessen den alchemistischen Ausdruck imaginatio (vgl. Paracelsus und das erneuerte Gottesbild, Abschn. 4.2), der eine ganz bestimmte Bedeutung besitzt. Wesentlich daran ist, dass man loslassen und das Unbewusste (oder was immer dieses "ganz Andere" ist) aus sich selbst heraus agieren lassen kann (alchemistisch: Die Seele tritt an die Stelle Gottes und macht dann, was sie will). Eben diese unkontrollierbare Eigenaktivität der "Seele" kann unser hyperaktives, willensbetontes Bewusstsein sehr oft nicht zulassen. Ich habe daher auch Mühe mit Marie-Louise v. Franz' Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Imagination. Bei ersterer besteht die grosse Gefahr, dass das Ich ein Logos-Ich bleibt, das mit einer Machteinstellung eingreift. Daher spreche ich von einem passiven Logos, der jedoch von einem aktiven Eros begleitet ist. Dieser akzeptiert auch das Leiden, das des öfteren viel angebrachter ist, als ein aktives Eingreifen (zum Zwecke der Verhinderung des bewussten Leidens).
Als "imaginatio vera" haben AI/LD's/OOBE's einen wesentlich intensiveren und sinnlicheren Charakter. Phantasien und Gedanken erscheinen gegenüber diesen total realistischen und ganzheitlichen Erfahrungen wie ein flacher Abklatsch.
CG: Da in LD's und OOBE's alle Sinnesmodalitäten einbezogen sind, besteht ein wesentlich höherer "Erlebnisdruck". Im (luziden) Traumzustand ist es deshalb oft wesentlich schwieriger als in einer AI, die Bewusstseinskontinuität aufrecht zu erhalten.
Aber eigentlich ist die AI - gemäss von Franz - etwas sehr Ursprüngliches, denn «es waren immer in erster Linie die Medizinmänner und Schamanen, welche eine direkte Auseinandersetzung mit jenseitigen Mächten aufsuchten, um daraus ihre Schutzgeister' und ihr Wissen' zu erlangen. Als JUNG das, was er später aktive Imagination nannte, selber entdeckte, tat er dasselbe. Er stieg ins Jenseits' hinab und sprach direkt mit Personifikationen des Unbewussten. ... Im Gegensatz zu den primitiven Medizinmännern begab er sich dabei nicht in Trance, sondern bemühte sich, seinen normalen Bewusstseinszustand beizubehalten» (von Franz 2001:39). - Jung hat nur übersehen, dass Trance und OOBE dasselbe sind.
RFR: Ich glaube nicht, dass die AI Jungs mit der Schamanenreise (vgl. dazu Die Heilung von der Bergkrankheit mit Hilfe der Visualisierung und die Ausstrahlung der Schamanin) verglichen werden kann. Das Bewusstsein des Schamanen ist ein Eros-Bewusstsein im obigen Sinn, es weist niemals jene Differenzierung des Logos auf, die für die AI Jungs benötigt wird. Es ist zwar im Sinne der Logos-Psychologie "archaisch", besitzt jedoch den Vorteil, die subtle body-Qualität der Realität und des eigenen Körpers wahrnehmen zu können. Welch unglaubliches Erlebnis diese Erfahrung sein kann, können die "Psycho-Logiker" sich nicht einmal im Traum vorstellen...! Also theoretisieren sie weiter über die "Ich-Selbst-Achse" und solchen Schwachsinn.
Marie-Louise von Franz hat gegen das Ende ihres Lebens selber noch gesehen, dass meine Visualisierung eine viel intensivere körperliche Qualität als die AI Jungs vermittelt und hat sie als "revolutionär" bezeichnet. Ich verdanke ihr daher wesentliche Impulse für die Entwicklung meiner Methode (vgl. Nachruf auf Marie-Louise von Franz). Obwohl sie sich selbst eine Beschränkung auferlegte - sie sagte mir mehrmals wörtlich folgendes: "Ich kann nicht über Jung hinausgehen!" - wendete sie diese, wie die obigen Ausführungen zeigen, auf mich nicht an.
Sie erprobte zudem in den letzten Jahren ihres Lebens meine in Hat AIDS einen Sinn? publizierte Methode an sich selbst, um ihre Parkinsonsche Krankheit in Schach zu halten, und sie war von deren Wirkung überzeugt. Ich kann daher bezeugen, dass sie mir gegenüber immer sehr offen für Neues war, und es war ihr unglaublich intensiver "Gwunder" (Neugierde), der sie immer wieder äusserst interessiert nach Fortschritten meiner Forschung fragen liess.
CR Seit ich mich erinnern kann, benutze ich eine der AI zumindest ähnliche Technik und versuche, die "unbewusst" aufsteigenden Bilder oder unbefriedigende Endszenen eines Traumes zeichnerisch festzuhalten. Bereits im Kindergarten wurden solche Zeichnungen konfisziert - etwa eine Serie von Enthauptungen, die ich aufgrund eines Traumes zur Zeit der Einschulung gezeichnet hatte. In diesem wurden alle meine Mitschüler im Schulhaus geköpft. Ich konnte mich zwar mittels Flucht entziehen, aber meine Schulzeit verlief dann alles andere als reibungslos.
Jedenfalls habe ich anhand einiger erst kürzlich wiedergefundener Zeichnungen aus jener Zeit feststellen können, dass sämtliche "archetypischen" Motive - die mich seither mein ganzes Leben lang beschäftigen - bereits schon damals aufgetaucht sind. Eine psychologische Interpretation war in jener Zeit natürlich weder möglich noch notwendig, zumal ich die Zeichnungen schnell einmal zu Bildgeschichten umgestaltete, um - ähnlich wie im Märchen - eine Lösung im Rahmen des betreffenden Bildes zu finden. Probleme entstanden dabei eher wegen der ablehnenden Haltung der Umwelt bzw. der Erziehungspersonen. Denn diese taten alles als nutzlos und sinnlos ab - und bezeichneten es als ein zu viel an Phantasie. Ich war also sozusagen von Anfang an gezwungen, mich mit der anderen Seite auseinanderzusetzen.
Im Zusammenhang mit dem Gagele bzw. Schaukeln, Wiegen usw. wurde festgestellt, dass während der Kippbewegungen, also einer der Methoden der Trance-Induktion, das Gehirn sich weniger durch einen Alpha Rhythmus auszeichnet als vielmehr durch eine Deaktivierung und einen Theta Rhythmus.
Ein (westlicher) Beobachter, der die OOBE
niemals selbst erlebt hat, sieht nur den Körper und schliesst aus
dessen Zutand auf den Bewusstseinszustand des Ichs, also auch auf den
Bewusstseinszustand eines sich in Trance befindlichen Schamanen. Dies ist ein
prinzipieller Fehler, denn die Befindlichkeit des Körpers ist keine
Widerspiegelung des Ich-Bewusstseins. Dies könnte eigentlich allgemein
bekannt sein, denn eine Krankheit (z.B. Erkältung, Durchfall, Tumor und gelähmte
oder amputierte Gliedmassen) bedeutet keineswegs automatisch, dass das Ich ähnlich
oder gar gleichartig davon betroffen ist. Mit aller Deutlichkeit zeigen dies die
Nahtoderfahrungen. Klinisch Tote erleben die wundersamsten Abenteuer und wissen
nach der Reanimation eindrücklich davon zu erzählen - und sie sehen
nach diesen Erlebnissen die Welt in einem ganz anderen Licht.
Auch die Erfahrungen von Ertrinkenden und Abstürzenden weisen darauf hin, dass der Zustand des physischen Körpers niemals mit dem Bewusstseinszustand gleichgesetzt werden darf. - Und schon gar nicht von "Aussenstehenden", denn die sind (ausser Hellsichtige) überhaupt nicht in der Lage, eine im Wasser schwimmende "grüne Fee" oder einen über der Unfallstelle schwebenden Zweitkörper zu sehen.
Wie sollte es also möglich sein, einen Bewusstseinszustand zu beurteilen, wenn ein Mensch - aus welchen Gründen auch immer - unfähig ist, diesen zu kommunizieren?
(Zur Beurteilung der Begriffe "Ekstase", "Trance", "magischer Flug" usw. insbesondere in bezug auf die ausserkörperliche Erfahrung (OOBE) und dem Wissen um die Aufrechterhaltung der Kontinuität des Ich-Bewusstseins z.B. auch bei schlafendem Körper vgl. Ausserkörperlich durch die Löcher des Netzes fliegen - Von "aussen" gesehen.)
CG Ähnlich wie die AI arbeitet die Hypnotherapie auch mit imaginativen Techniken, wobei das in einer dialogischen Situation durchgeführt wird. Der Therapeut gibt offene imaginative Impulse, die vom Klienten in Trance nachvollzogen und insbesondere auch ausgestaltet werden. Hier spielt dann das Unbewusste herein. Der Klient, ansonst ganz in Trance bei sich, hat einen "Kontaktfaden" zum Therapeuten. Er kommuniziert entweder mit einfachen Fingerzeichen (Ja/Nein) oder unter Umständen auch mit der Sprache, sofern das die Trance nicht zu stark stört.
Das Verfahren ist in einem Beitrag von J. Philip Zindel beschrieben in Gaetano Benedettis Buch: Botschaft der Träume. Der Kreis um den Psychoanalytiker Benedetti zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie viel mit Träumen und imaginativen Verfahren mit Schizophrenen und Borderlinepatienten arbeiten. Ein anspruchsvolles und auch heikles Verfahren. Zindel beschreibt, wie diese Klienten in Trance unter grossen Erfahrungsdruck 0kommen und der Therapeut versucht im Dialog ihnen beizustehen und die Ichfunktionen zu stärken. Eindrücklich! Diese Art von Imagination mit dieser Klientel hat für mich von der Beschreibung her schon eher Qualitäten, wie sie in LD's oder OOBE's auftreten, sie ist real und keine blosse Phantasie mehr.
Borderline und Schizophreniepatienten zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass ihre Ichfunktionen nicht genügend stark sind. Dadurch haben sie einen leichteren Zugang zu den inneren Welten, werden von diesen aber auch leichter durch den intensiven Erfahrungsdruck überrannt. Sie können ihre Erfahrungen nicht mehr recht strukturieren. Häufig sind sie von der Psyche her oder auch allgemein sehr kreativ. Die Macht und Ohnmachtproblematik ist häufig zentral. Die Unterscheidung der Welten ist häufig nicht so scharf gezogen wie bei uns "Normalneurotikern".
(Inhalt)
1.2. LD Definition
Dem erlebenden Ich wird die Tatsache, eine
Begegnung mit "unbewussten" Inhalten zu erleben, erst im Verlauf eines
normalen, nicht-luziden Traumgeschehens bewusst. Das nunmehr
bewusstseinskontinuierliche Ich weiss dann nach dem Erwachen zur Luzidität,
dass es sich in einem "anderen Zustand" befindet - und zwar in einem,
der 'Traum' genannt wird. Es weiss auch, dass der physische Körper schläft
und dass sich Ich- und Körperzustand in bezug auf den Wachheitszustand
voneinander unterscheiden.
(Inhalt)
1.3. OOBE Definition
Bei einer ausserkörperlichen Erfahrung (AKE, OOBE (out-of-body-experience) [Synonyme] bleibt das Ich-Bewusstsein in der Einschlafphase des physischen Körpers kontinuierlich bestehen. Meistens wird auch eine "Ablösung" eines Zweitkörpers (subtle body) vom physischen Körper erlebt. Als ausserkörperlich ist somit jener Seinszustand zu bezeichnen, in dem man/frau die Gewissheit und das durch nichts zu erschütternde Gefühl hat, mit dem Bewusstsein, der Ich-Entität, ausserhalb des physischen Körpers zu sein. Die OOBE kann auch als "Trance" bezeichnet werden - dieses Wort ist allerdings mit vielen Missverständnissen behaftet..
RFR: So weit ich dies bis heute beurteilen kann, besteht der Unterschied zwischen OOBE und meiner körperzentrierten Visualisierungtm darin, dass ich versuche, eine Kontinuität des Eros-Bewusstseins - sozusagen BK-Eros - aufzubauen. In diesem relativieren sich Raum und Zeit in einem bewussten Prozess, der wesentlich damit zu tun hat, existentielle und Todesängste (Panik!) synthetisch zu transformieren (statt wie in der Psychoanalyse zu analysieren = wörtlich: "zersetzen"!). Derart wird das Eros-Bewusstsein aufgebaut, das über das Bauchhirn einen direkten Zugang zur subtle-body-Realität des Körpers besitzt. Dieses Zusammenspiel von Eros-Bewusstsein und subtle body ersetzt die "äussere OOBE" mit ihren quälenden und schockierenden Erfahrungen. Statt dessen stellt sich eine "in-of-body-Realität" ein, in der man sich zutiefst im Inneren zentriert fühlt, obwohl sich in ihr Raum und Zeit weitgehend auflösen. Ähnliches gilt für die UFO-Phänomenologie. Wahrscheinlich besteht überhaupt der Sinn der OOBE und des UFO- und Entführungsphänomens darin, die Betroffenen an diese existentiellen Ängste heranzuführen, die sie dann synthetisch transformieren sollten.
Meine eigene und die therapeutische Erfahrung zeigen daher, dass wir uns ein theoretisches Konzept einer ganzheitlichen Welt als aus zwei Paaren bestehend vorstellen müssen. Das eine - für viele das einzige - Paar besteht aus dem Logos-Bewusstsein und dessen "Gehirnerfahrung" (ZNS) des eigenen, physischen Körpers. Das andere Paar besteht aus dem Eros-Bewusstsein und der "Bauchhirnerfahrung" (veg. NS und enterisches NS) des subtle body, oder der "Innenansicht des eigenen Körpers" (vgl. Bilder aus dem Bauch: Tantrismus und alternative Psychosomatik).
Dieses "Bauchhirn" wurde - nebenbei gesagt - von Michael Gershon [The Second Brain, HarperCollins, N.Y. 1998; dt.: Der kluge Bauch, Goldmann, 2001] als das äusserst intensiv mit dem vegegetativen NS verbundene enterische NS (um die Gedärme herum!) vor 20 Jahren (wieder)entdeckt. Als naturwissenschaftlich orientierter Arzt kann er allerdings nicht sehen, dass dieses Bauchhirn nicht nur ohne Unterstützung des Gehirns die Prozesse im Bauch (u.a.) steuert, sondern auch Bilder und "innere Filme" produzieren kann und derart die physische Energie in subtle body transformiert.
Bleibt jedoch das Ich mit dem physischen Körper identisch, muss die OOBE - in Unkenntnis anderer Möglichkeiten - prinzipiell mit dem Sterben und dem Tod gleichsetzen bzw. identifiziert werden. Die Befangenheit in unreflektierten Glaubens- und Meinungsvorstellungen wirkt sich in solchen Momenten fatal aus
(Inhalt)
1.4. Gemeinsamkeiten AI, LD und OOBE
Weil das Ich-Bewusstsein und damit die
emotionalen und kognitiven Funktionen in einer AI, einem LD oder einer OOBE vollumfänglich
erhalten bleiben, ist es möglich, sich direkt mit den Kräften
und Gestalten des "Unbewussten" auseinanderzusetzen. Die Kontinuität
des Ich-Bewusstseins (BK) ist in allen drei Fällen im Gegensatz zum
Normaltraum vorhanden. Deshalb können die eigenen Verhaltensweisen - wie
auch im Alltag - stets kritisch reflektiert, kontrolliert und gegebenenfalls
modifiziert werden.
Prinzipiell geht es dabei darum, eine Beziehung mit dem "Unbewussten" aufzunehmen und mit der "anderen Welt" so in Wechselwirkung zu treten, dass sie sich in ihrer Eigenständigkeit auszudrücken vermag. Wenn jedoch die Meinung besteht, jene Welten seien bloss subjektiv und besässen kein Eigenleben, ist es diesen unmöglich, sich selbst in ihrer Eigenart darzustellen und die Barriere der Egohaftigkeit zu durchbrechen. Das Beharrungsvermögen eines "verkrampften" Bewusstseins lässt jede Art von Erfahrung in das Vergessen abgleiten und im Nichts verschwinden. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass das Ich sich seiner Vorstellungen und Identitäten bewusst wird, diese aufgibt und "leer" wird - ohne dabei die BK zu verlieren (vgl. Abstieg ins Unbewusste - 21.Februar 1967).
Mittels AI führte C.G. Jung «Gespräche mit inneren Figuren oft über Wochen weiter, manchmal nahm er aber auch seinen Ausgangspunkt von einer augenblicklichen Stimmung und frug seine Anima', was denn los sei» (von Franz 2001:39). Jung ging sogar mit einer Gestalt namens Philemon im Garten spazieren, der ihm manchmal «fast wie physisch real» (Jung 1962:187). vorkam: «Ich ging mit ihm im Garten auf und ab, und er war mir das, was die Inder als Guru bezeichnen» (ibid.).
Die AI als "imaginatio vera" scheint tatsächlich für eine Auseinandersetzung mit "personifizierten Inhalten des Unbewussten" am besten geeignet, weil das Gespräch direkt protokolliert werden kann. Und es besteht eine gewisse Verwandtschaft zum Chanelling. Aber dabei kann es relativ leicht zum Effekt der Ebenenvermischung bzw. -überblendung kommen - und dies ist nicht ganz so harmlos.
RFR: Ich bin der verbalen AI gegenüber sehr skeptisch eingestellt. Ich glaube so ziemlich alles gelesen zu haben, was die Jungianer über diese publiziert haben. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass das verbale Gespräch dazu dient, die Auslieferung des Ichs an das "ganz Andere" zu verhindern. Es stellt also - wie Werner Zurfluh ebenfalls feststellt - eine Abkapselung gegenüber dem Unbewussten dar. Sinnigerweise fand der Nobelpreisträger Wolfgang Pauli eben denselben Tatbestand beim Verhalten der Physiker der Materie gegenüber! Beide wollen das "ganz Andere" beherrschen, sich seiner bemächtigen, es vergewaltigen, die Physiker mit Hilfe des (willentlich gestarteten) physikalischen Experimentes, die Tiefenpsychologen, indem sie es in ihre Theorie einsperren. Daher wird das UFO-Phänomen diesen Machtwahn der Physiker korrigieren, und die Jungianer werden, wie Pauli vorausgesagt hat, "ein esoterisches Sonderdasein führen" und weiterhin "Quaternitäten fern vom Menschen im Himmel' aufhängen".
Jungs verbale AI mit personifizierten Gestalten wirkt auf mich jedoch sehr echt, z.B. in seinen Septem Sermones [im Anhang zu seiner Autobiographie Erinnerungen, Träume, Gedanken]Man sieht darin, wie sein rational-logisch eingeschränktes Bewusstsein immer wieder von den tiefsinnigen statements des Abraxas überrumpelt wird, ganz ähnlich wie die Physiker in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts, als sie die Akausalität der Quantenphysik entdeckten. Das Zulassen dieser Überraschung ist für mich das entscheidende Kriterium. Die meisten publizierten AI's der Jungianer wirken auf mich jedoch völlig künstlich, vom kollektiven Unbewussten abgeschottet, eben als Kopfgeburt einer imaginatio phantastica.
Aber auch in LD's und OOBE's können Gespräche geführt werden. Diese müssen dann nachträglich aufgeschrieben werden. Das wollte mir selber nie so recht gelingen, weil mein akustisches Erinnerungsvermögen wesentlich schlechter ist als das visuelle. Abgesehen davon, geschah die Kommunikation oft telepathisch, wobei komplexe und ineinander verschachtelte Informationen ausgetauscht wurden. Es fällt mir in solchen Fällen - wie auch bei Xenoglossie - schwer, das Erfahrene im gewohnten Rahmen zu erinnern, linear zu strukturieren und in eine verständliche Sprache zu übersetzen.
Im zweiten luziden Traum in der Nacht auf den 8.Dezember 1975 gehe ich in einen Raum, in dem ein Vortrag im Rahmen eines Zyklus stattfindet, den ich bereits mehrfach besucht habe.
... Auch diesmal habe ich meine Schreibmaschine (1975 gab es keine Laptops) mitgenommen, um das mir wichtig scheinende direkt so eintippen zu können, dass das Notierte später auf Kartothekkarten übertragen werden kann. Dieses Verfahren ist sehr zeitsparend und effektiv, denn ich kann so wesentlich mehr festhalten.
Nach und nach füllt sich der Raum. Das Papier eingespannt warte ich auf den Vortragenden. Er kommt. Da die Maschine noch nicht richtig eingestellt ist, muss "nachjustiert" werden - und ich kann nicht zum Rednerpult schauen. Der Mann beginnt sofort zu sprechen, also beginne ich zu schreiben - und muss dabei auf die Tasten schauen! - Nach etwa zehn oder fünfzehn Minuten - das erste A4-Blatt ist beinahe schon voll - schaue ich nach vorn und sehe - mir droht vor Freude fast das Herz stillzustehen - Carl Gustav Jung!
Ich schaue noch einmal hin und denke: «Jung ist doch längst gestorben! Er kann's doch gar nicht sein!» Aber je mehr ich hinschaue, desto mehr muss ich mich vom optischen Erscheinungsbild überzeugen lassen - er ist es und kein anderer!
Ich schaue nochmals und wieder und wieder. Aber Jung bleibt Jung. Der Mann ist etwa 70 Jahre alt, hat schütteres weisses Haar und diverse Altersflecken auf seiner Gesichtshaut. Dennoch strahlt er eine ungeheure Spannkraft aus und wirkt ungemein überzeugend. Ich bin wie gebannt und vor allem überwältigt. Endlich ist es mir vergönnt, C.G. Jung selber sprechen zu hören und von Angesicht zu Angesicht zu sehen.
Aber darf ich es unter diesen Umständen überhaupt wagen, weiter auf meiner Schreibmaschine zu tippen - es macht doch einen gehörigen Krach. Ich beschliesse also, es zu unterlassen, denn ich will nicht auffallen. Die anderen Vortragenden wussten um meine Angewohnheit - und es fiel deshalb nicht auf.
Doch es ist zu spät, denn Jung tritt zu meiner links von mir sitzenden Nachbarin, deutet auf mich und fragt: «Ist der da ein besonders aufgeweckter Student?» Sie bejaht und ich sage: «Nein - dies ist einfach meine Arbeitsmethode und hat nichts mit 'besonders aufgeweckt' zu tun!»
Meine Antwort scheint Jung keineswegs zu überzeugen und er wendet sich im weiteren Verlauf des Abends ausschliesslich mir zu. Es kommt dann zu einem sehr intensiven Zwiegespräch, in dem diverse grundlegende Probleme meines Forschungsfeldes "Bewusstseinskontinuität" und "Ausserkörperlichkeit" (OOBE) diskutiert werden. Jung äussert sich positiv über meine Fragestellungen und meint, dass man diese auch von seiner Seite her bejahen könne.
Das Gespräch mit Jung wird immer mehr zu einer Sache nur von uns beiden, so dass wir zu guter Letzt unter vier Augen weitersprechen - auch als alle anderen längst den Raum verlassen haben. Meine Fragestellungen scheinen Jung sehr zu engagieren und aufmerken zu lassen.
RFR: Es sind solche Träume, die mir (und wahrscheinlich auch Werner Zurfluh) immer wieder zeigen, dass ich mich auf dem Individuationsweg befinde. Für mich ist es schon längst zur Gewohnheit geworden, nicht mehr auf die meist sehr kurzsichtige Kritik der im alten Paradigma befangenen Tiefenpsychologen und Physiker, sondern nur noch auf derartige Botschaften aus dem Jenseits, das heisst auf Träume von C.G. Jung - bei mir auch von Einstein, Wolfgang Pauli und seit ihrem Tod auch von Marie-Louise von Franz - zu hören, um zu entscheiden, ob ich in meinem Individuationsprozess richtig liege. Alle äussere Kritik interessiert mich nicht mehr. In Anlehnung an Jean Piaget könnte man sagen: "Meine Träume bestätigen mir, das ich recht habe. Das genügt mir."
Die Beibehaltung des kontinuierlichen Ich-Bewusstseins während einer AI/LD/OOBE ist eine ziemlich schwierige Sache, weil «an der Schwelle des Unbewussten» eine subtile Mitte zwischen heller Bewusstheit und Schläfrigkeit eingehalten werden muss (vgl. von Franz 2001:41).. Für die AI gilt wie für LD's/OOBE's: Ist man zu hell bewusst und in die Alltagsvostellungen eingebunden «so bricht die Phantasie leicht ab, ist man es zuwenig, so schläft man ein oder hat nicht mehr genug Kraft, um das Geschaute und Gehörte zu notieren» (von Franz 2001:41f). bzw. nach dem Erwachen des physischen Körpers zu erinnern. Die Alchemisten nannten übrigens das "Hellwach-Schlafen" dormiens vigila.
CG: Dies dürfte auch eine Frage der zur Verfügung stehenden Energie sein. Häufig, wenn ich im Traum luzid werde, bläst ein kräftiger Wind und lässt mich bewusst werden. Wenn in einem Traum zu wenig "Action" ist, wenn ich z.B. zu sehr darüber nachdenke, was ich nun tun könnte, oder wenn ich etwas zu lange betrachte, so verblasst der Traum und ich bin im Bett - oder eine andere Traumgeschichte entwickelt sich. Es scheint also eine gewisse Dynamik herrschen zu müssen. Zu viel Dynamik, d.h. ein zu hoher Erlebnisdruck, kann wiederum dazu führen, dass ich unbewusst werde oder erschreckt in die physische Welt flüchte.
Und wie bei den LD's und OOBE's kommen auch bei der AI «Bilder, Phantasien oder Phantasiestimmen von innen empor. Jetzt kommt ein entscheidender Schritt: Man kann nämlich von da an in einem inneren Kino' für immer sitzen bleiben und betrachten, was da geschieht oder gesagt wird, ohne dass irgend etwas Positives dabei herauskommt - das nämlich ist erst passive Imagination. Der entscheidende Schritt besteht nun darin, dass man selber als handelnde und leidende Figur in das innere Drama eintritt, und zwar so ganz und so echt, wie wenn das, was sich vor dem inneren Auge abspielt, wirklich wäre. Es ist ja auch absolut wirklich, die Wirklichkeit der Seele, objektiv vorhanden, und nicht nur eine Phantasie'» (von Franz 2001:41).
CR Indem der Maler die besten Kräfte den Bildern opfert und indem er seine Phantasie nährt, verhilft er seiner eigenen "unbewussten" Seite zu einem selbständigen Leben. - Ich habe nämlich nicht das Gefühl, meine Phantasie zu nähren. Denn ICH "mache" die Bilder nicht, indem ich sie nähre. Vielmehr ist es so, dass SIE es sind, die meine Phantasie "füttern". Ich selber verhelfe ihnen bestenfalls durch die handwerkliche Übersetzung - dem Malen - zu einem selbständigen Leben. Dafür ist es aber nötig, mein "Herzblut hineinzugeben". Dies bedeutet natürlich, dass der Anteil des Ausführenden und Darstellenden als Gestalter nicht unterschätzt werden darf. Aber als Maler ist es für mich wichtig, mich der Realisierungstendenz der Innenwelt sozusagen zu unterwerfen oder ihr meine eigenen Dienste und Kräfte anzubieten - und dabei den eigenen Standpunkt miteinfliessen zu lassen. Dies könnte als "Beseelung des Bildes" bezeichnet werden (vgl. 2. Kapitel "Die Sennenpuppe (Tuntschi) und deren Herstellung").
(Inhalt)
1.5. Die Ablehnung möglicher Zusammenhänge
Die Frage ist nun die, weshalb weder C.G. Jung
noch die Jungianer den Zusammenhang zwischen der AI und den LD's und OOBE's
jemals problematisiert haben. - Dafür dürften vor allem folgende Gründe
ausschlaggebend sein:
1. Der Zustand des physischen Körpers wird mit dem Zustand des Ichs identifiziert. Die bewusste Wachheit des Ichs (BK) ist somit prinzipiell gekoppelt mit der "hellwachen" Körperlichkeit.
Zu beachten wäre allerdings, dass im Fall einer OOBE bereits während des Einschlafens und dann in der Schlafphase des physischen Körpers das Ich-Bewusstsein kontinuierlich bestehen bleibt. Auch in der sogenannten Trance der Schamanen bleibt der normale Bewusstseinszustand bzw. die BK in vollstem Umfang erhalten. Die Fähigkeit der BK ist ja gerade das, was einen Schamanen als solchen charakterisiert!
CR Betty Edwards zeigt im Buch "Garantiert zeichnen lernen" (Rowohlt, 1982), wie durch das Zeichnen im Wachzustand ein "bewusstes Umschalten" zum "rechtshirnigen" Modus erlernt werden kann. Dabei werden die Funktionen der rechten Hirnhälfte dominant. Dieser Zustand wird mangels besserer Worte oft als "Trance" beschrieben. Die Fähigkeit, vom linkshirnigen (L-) in den R-Modus zu wechseln, dürfte dem Wechsel in den Zustand der Trance entsprechen. Und diese Fähigkeit ist dem Menschen ebenso angeboren wie etwa das Schlafen. Und wenn beim Einschlafen gleichzeitig ein Moduswechsel der Hirnfunktionen stattfindet, kommt es zu einer (spontanen) OOBE. Aussergewöhnlich ist das nicht, denn es handelt sich um einen normalen Vorgang. Manche sind einfach begabter.
Während der Trance scheint der hintere Hirnbereich mit der Sehrinde besonders angeregt zu sein. Dies bedeutet eine Intensivierung der visuellen Vorstellung (UND der Wahrnehmung). Bei einer L-Modus-Dominanz werden im Rahmen von Trance-Experimenten die vorderen Stirnbereiche des Gehirns aktiviert, wobei es zu einer erhöhten Aufmerksamkeit und Kontrolle kommt. Sind beide Bereiche aktiv, dürfte dies jenem Zustand entsprechen, bei dem Wahrnehmungen des bewusstseinskontinuierliches Ichs im OOBE- (Trance-) Zustand möglich sind.
2. Die AI ist eine Methode für "Fortgeschrittene", denn sie ist der "entscheidende Schritt zur wirklichen Selbständigkeit und zum Erwachsensein" - und sie wird von den Jungianern eher der "zweiten Lebenshälfte" zugeordnet. In der ersten Phase einer Analyse werden Analysanden also kaum jemals zu einer AI ermuntert oder gar aufgefordert. In erster Linie geht es da um die Bewusstwerdung des Schattens und der Anima (der weiblichen Seelenanteile des Mannes) bzw. des Animus (der männlichen Seelenanteile der Frau).
RFR: Schon sehr früh, ungefähr im Jahr 1975, hat Marie-Louise von Franz diese Ansicht mir gegenüber korrigiert. Sie legte mir ans Herz, dass ich bei der Behandlung von Menschen mit körperlichen Krankheiten sofort mit AI beginnen solle! Sie sagte mir zudem wörtlich: "Wenn eine körperliche Krankheit vorliegt, muss man den Individuationsprozess umkehren". Es war eben dieser Hinweis, der mir sehr geholfen hat, meine Symptom-Symbol-TransformationTM (bzw. körperzentrierte VisualisierungTM ) zu entwickeln. Ich erkannte dann, dass diese Umkehrung dazu führt, dass die Jungschen Begriffe Animus und Anima auf den eigenen Körper bezogen werden müssen. Der subtle body (oder die "Innenansicht des Körpers) entspricht daher bei der Frau dem "Körperanimus", beim Mann der "Körperanima". Und gemäss meiner Erfahrung sind diese nicht in der Lage, sich verbal auszudrücken, ihre Sprache ist das Bild oder der "innere Film". Mit dieser Abkehr vom Verbalen wird zudem der seit dem Tod ihres Begründers feststellbare Trend bei den Jungianerinnen und Jungianern, diese empirisch erlebbare "Wirklichkeit der Seele" (C.G. Jung) in einen intellektuellen Nebel verflüchtigen zu lassen, umgekehrt.
Nun kenne ich aber kaum einen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, der nicht schon luzid geträumt oder eine OOBE erlebt hätte. Bei ihnen kann es somit niemals darum gehen, die Probleme rund um die AI so lange auszuschliessen und zu verschweigen, bis endlich genügend Einsicht in psychische Belange vorhanden ist. Wann sollte dies auch geschehen? Etwa in der Lebensmitte, wenn die Alltagsdinge das Seelische so weit abgewürgt haben, dass notgedrungenermassen eine (krankenkassenpflichtige) Psychotherapie angesagt ist? Es gibt doch überhaupt keinen Grund dafür, der das "Unbewusstes" daran hindern könnte, tiefste "archetypische Träume" hervorzubringen - egal in welchem Alter.
CG: Ich halte mich für ein Opfer dieser Einstellung. Wie ich in meinem Buch Träume erinnern - eine Gebrauchsanweisung (Düsseldorf: Walter, 2000) beschrieben habe, hatte ich einen wunderbaren Sonnentraum, der wohl ein LD war. Zwei Analytiker wussten nicht so recht, ob das ein Vorzeichen für eine Psychose sei. Auch liessen sie mich in bezug auf meine tiefen spirituellen Bedürfnisse im Stich. Beide meinten, dass ich als junger Mensch zuerst ins Leben hinein müsse, bevor ich mich solchen Dingen zuwenden sollte. Ich bin ihnen - so hilflos ich war - gefolgt und muss heute sagen, dass das teilweise eine Zeitverschwendung und ein unnötiger Umweg war. Zehn Jahre später stand ich genau wieder am gleichen Punkt.
Jung selber hatte eine grosse und beeindruckende Midlife-Crisis und die hatte er wohl auch bei einigen Klienten erlebt. Aufgrund dessen kam er zum Schluss, dass diese immer um die Lebensmitte sich ereigne, und dass ihr eine grössere Introversion folge auf der Suche nach inneren Werten, darum wohl die AI erst in der zweiten Lebenshälfte. Er konzeptualisierte diese Erfahrungen und konnte nicht sehen, dass andere Menschen solche Krisen zu einem ganz anderen Zeitpunkt haben, z.B. viel früher. Er war ja kein Kinder- und Jugendpsychologe. In der Folge hat sich dieses Konzept von bestimmten Erfahrungen, die einem bestimmten Lebensabschnitt zugeordnet werden, verfestigt und sind nun fast zu einem Dogma geworden.
Bei Jugendlichen mit solchen Erfahrungen haben Therapeuten wahrscheinlich oft Angst, weil sie diese Erfahrungen selber nicht kennen und weil sie befürchten, der Jugendliche verliere den Boden unter den Füssen, er setze sich zu wenig mit der materiellen Realität auseinander, er verliere die Basis für ein Leben in dieser Welt und seine Entwicklung in dieser Welt. Das mag wohl für einige Fälle zutreffen, aber unter kundiger Führung von erfahrenen Leuten wäre es meiner Meinung nach möglich, in beiden Welten zu leben und die wichtige Balance zu halten. Leider fehlen bis heute solche kundigen Leute.
Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs. Viele Hellsichtige berichten, dass jetzt viele Neugeborene, kleine Kinder und Jugendliche eine intensivere und leuchtendere Energiestruktur haben. Diese Kinder werden wahrscheinlich vermehrt Erfahrungen nicht-materieller Natur machen. So liegt es meiner Meinung nach an uns, über unsere Erfahrungen zu berichten, damit diese nicht ganz verloren sind in der allgemeinen materialistischen und positivistischen Weltanschauung.
Der Hinweis dafür, dass die AI/LD/OOBE nur mit einem fiktiven Ich und mit dem Gedanken "alles spielt sich nur auf rein subjektiver Ebene im Gehirn ab" vorgenommen wurde, liegt darin, dass «keine Wirkung und Veränderung der Persönlichkeit wahrnehmbar» ist. Es gibt «keine Depression, wenn in der Imagination etwas schiefging, und keine Besserung, wenn sie positiv verlief» (von Franz 2001:41).. Es ist seelisch nichts Wirkliches passiert (hierzu vgl. auch 9. Das Monster aus den Tiefen des Gehirns).
3. Weitere Gründe, warum die Jungianer die Auseinandersetzung mit LD's und OOBE's nicht suchen:
CG: Ich glaube, die Jungianger haben das Gefühl, dass man den Traum als solchen in seinem "natürlichen Zustand" nicht beeinflussen soll. Manchmal habe ich den Verdacht, dass sie den Traum als etwas Geheiligtes und somit Unberührbares ansehen.
LD's und OOBE's sind unter den Erwachsenen kein verbreitetes Phänomen. Also haben auch die Jungianer kaum praktische Erfahrung damit und sind damit in bezug zu LD's und OOBE's in einer schwachen Position - und können nichts Positives daran finden. Hat ein (angehender) Jungianer doch einmal eine solche Erfahrung, so wird diese als archetypisch mystifiziert - und die soll als solche belassen werden - oder er wird im Stich gelassen.
(Inhalt)
1.6. Die OOBE von C.G. Jung - ein Vergleich
In diesem Kapitel möchte ich die "eigentliche"
OOBE von C.G. Jung mit den OOBE's vergleichen, die ich in den letzten 40 Jahren
erleben durfte. Dies mit allem Respekt und im Wissen darum, dass die OOBE von
Jung eine "schockinduzierte" war. Zu Beginn des Jahres 1944 brach er
sich nämlich den Fuss und erlitt einen Herzinfarkt.
Jung schreibt: «Im Zustand von Bewusstlosigkeit erlebte ich Delirien und Visionen, die angefangen haben müssen, als ich in unmittelbarer Todesgefahr schwebte. ... Die Bilder waren so gewaltig, dass ich selber schloss, ich sei dem Tode nahe. ... Ich war an der äussersten Grenze und weiss nicht, befand ich mich in einem Traum oder in Ekstase. Jedenfalls begannen sich höchst eindrucksvolle Dinge für mich abzuspielen» (Jung 1962:293)..
Ein normaler Traum war es bestimmt nicht, denn Jung war bei vollstem Bewusstsein und verfügte somit über die BK, die das Kriterium für LD's und OOBE's, aber auch für die AI ist. Letzteres war es aber auch nicht! Jung spricht deshalb von einer Ekstase bzw. einer "Ausserkörperlichkeit". Aber "Ekstase" ist eine OOBE. Und das, was Jung dann als seine Erfahrung beschreibt, ist insofern nichts Aussergewöhnliches, als es von vielen Leuten in etwa in dieser Art im OOBE-Zustand erlebt wird.
«Es schien mir, als befände ich mich hoch oben im Weltraum. Weit unter mir sah ich die Erdkugel in herrlich blaues Licht getaucht, Ich sah das tiefblaue Meer und die Kontinente. ... Ich wusste, dass ich im Begriff war, von der Erde wegzugehen» (ibid.).
RFR: Diese OOBE Jungs faszinierte mich sofort ausserordentlich, als ich sie im Jahr 1973 zum ersten Mal gelesen hatte. Später dann, während meiner Ausbildung von 1975 - 1981, war ich bald einmal äusserst schockiert, als ich sehen musste, dass am Institut, das den Namen Jungs trägt, dieses Erlebnis als eine schizophrene Phase verfemt wurde (wie auch sein "Abstieg in das Unbewusste" in den Jahren 1913-1917).
Dabei hätte dieses späte Erlebnis Jungs seine Nachfolger anregen müssen, in die betreffende Richtung weiter zu forschen. Mit dem Argument der fehlenden Wissenschaftlichkeit wurde diese Forschung "gebodigt". Mir wurde dann allerdings langsam klar, dass ich den dort verwendeten Begriff "Wissenschaftlichkeit" mit "Krankenkassenzulassung" übersetzen musste.
Was Marie-Louise von Franz gegen das Ende ihres Lebens von der heute grassierenden eingeschränkten "Wissenschaftlichkeit" hielt, hat sie in einer der letzten publizierten Äusserungen [in Der Pauli-Jung-Dialog, Springer, Berlin, 1995, S. 332] dargelegt: "Meiner persönlichen Ansicht nach liegt die Schwierigkeit darin, dass die von Carl Gustav Jung vorgeschlagene Sicht der Existenz eine totale Umstellung des Bewusstseins und unserer ganzen Weltsicht impliziert und dass man darum Jungs neues Paradigma nicht nur so nebenbei in dem bisherigen Wissenschaftsbetrieb auch noch mitlaufen lassen kann. Das sollte meines Erachtens offen diskutiert werden."
Diese Diskussion findet bis heute in den offiziellen Institutionen nicht statt. Doch hat sich in der Zwischenzeit gezeigt, dass es von jeglichen Institutionen unabhängige Forscher sind, die im Stillen am Verständnis und an der Weiterentwicklung dieses neuen Paradigmas arbeiten. Auch Jung ahnte diese zukünftige Entwicklung voraus, als er schrieb, dass die meisten Alchemisten alleine, im stillen Kämmerlein und von den "Gelahrten" verlacht und verachtet ihre Forschungen betrieben hatten. Und in einer lesenswerten kurzen Parabel vom kuriosen Alten Weisen (in: Gestaltungen des Unbewussten, 1950, S. 65f., heute in GW 9/I, § 233) macht er sich über seine Anhänger lustig. Daher auch sein Spruch in einem Brief: "Gottlob bin ich Jung und kein Jungianer!"
Da es tatsächlich möglich zu sein
scheint, bei einer OOBE in den Weltraum hinauszufliegen und sogar das
Planetensystem und die Galaxis zu verlassen, kann es ziemlich problematisch
werden, wenn dies nicht bekannt ist. Es kommt dann zu einer Dramatisierung, weil
es den Anschein macht, der physische Körper würde sterben.
Aufgrund des mir zur Verfügung stehenden Wahrnehmungs- und Datenvergleichs neige ich jedenfalls zu der Annahme, im Weltraum gewesen zu sein. Jung erkundigte sich später, wie «hoch im Raume» er sich habe befinden müssen, «um einen Blick von solcher Weite zu haben. Es sind etwa 1500 km!» und betont: «Der Anblick der Erde aus dieser Höhe war das Herrlichste und Zauberhafteste, was ich je erlebt hatte» (ibid.).
Nun gut, ein solches Ereignis ist total erschütternd - und ich hatte die grösste Mühe, "Weltraumfahrten" als eine von vielen Möglichkeiten der OOBE zu akzeptieren. Beim ersten Mal meinte ich auch, der physische Körper würde dieses Wegfliegen nie und nimmer überleben. Aber nicht deswegen, weil ich mich mit dem Körper identifizierte, sondern weil ich dachte, die Verbindung zu ihm müsste bei dieser Distanz sozusagen gekappt werden und eine Rückkehr in den im Bett liegenden Körper sei deshalb unmöglich.
Es war schlicht grauenhaft! Wirklich grauenhaft! Es dauerte seine Zeit, bis ich lernte, dem Tod sozusagen offen zu begegnen und zu erkennen, dass das «Wer den Tod nicht fürchtet, ist niemandes Knecht!» auch für die OOBE's zutrifft.
Jung erzählt dann: «In geringer Entfernung erblickte ich im Raume einen gewaltigen dunkeln Steinklotz, wie ein Meteorit - etwa in der Grösse meines Hauses, vielleicht noch grösser. Im Weltall schwebte der Stein, und ich selber schwebte im Weltall. Ähnliche Steine habe ich an der Küste des Bengalischen Meerbusens gesehen. Es sind Blöcke aus schwarz-braunem Granit, in welche bisweilen Tempel gehauen wurden. Solch ein riesiger dunkler Block war auch mein Stein» (Jung 1962:294)..
Dieser Block kann als Quader bezeichnet werden. Und Quader sind etwas, das in meinen OOBE's und als "Traumbild" immer wieder vorgekommen ist. Hierzu vgl. "Die Spur der Quader 1-10" (Teil 1)).
Die Frage nach dem "Wer bin ich?" wird von Jung wie folgt beschrieben: «Ich hatte das Gefühl, als ob alles Bisherige von mir abgestreift würde. Alles, was ich meinte, was ich wünschte oder dachte, die ganze Phantasmagorie irdischen Daseins fiel von mir ab, oder wurde mir geraubt - ein äusserst schmerzlicher Prozess. Aber etwas blieb; denn es war, als ob ich alles, was ich je gelebt oder getan hätte, alles, was um mich geschehen war, nun bei mir hätte. Ich könnte auch sagen: es war bei mir, und das war Ich. Ich bestand sozusagen daraus. Ich bestand aus meiner Geschichte und hatte durchaus das Gefühl, das sei nun Ich» (ibid.).
Allein schon die Fragestellung "Wer bin ich?" zeigt, dass Luzidität vorhanden ist. Denn mit dieser Frage macht sich Jung Gedanken über seinen Zustand, über das Wo, das Wie und das Weshalb. Seinen Zustand meint er mit dem Tod identifizieren zu müssen, weil er die OOBE's nicht kennt. Das Wo kann er später "verifizieren". Das Wie identifiziert er mit dem Sterbeprozess, weil dies am ehesten seinen Vorstellungen von Realität entspricht. Nur das Weshalb bleibt vorerst mal offen. Aber es kann vorerst damit beantwortet werden, dass Jung die Wirklichkeit des Geschehens vollauf bejaht und sagt, dass er «durchaus das Gefühl» hatte, «das sei nun Ich». Wichtig ist hier, dass die Bewusstseinskontinuität (BK) sozusagen bis zum 0/0 (der "totalen Entleerung") hin bestehen bleibt.
OOBE's sind für mich gerade in diesem Zusammenhang seit jeher von "zentralster" Bedeutung gewesen. Deshalb werde ich diese "Sache" in einem Teil der "Kristallisierenden Wassertropfen" ausführlich zur Sprache bringen (hierzu vgl. vorerst auch Die Spur der Quader 8 (und 9)).
Jung wurde dann von seinem Arzt auf die Erde zurückgeholt: «Nachdem er wie ein Bild aus der Tiefe zu mir herangeschwebt war und vor mir stand, fand eine stumme Gedankenübermittlung zwischen uns statt. Mein Arzt war nämlich von der Erde delegiert, mir eine Botschaft zu bringen: es würde dagegen protestiert, dass ich im Begriff sei wegzugehen. Ich dürfe die Erde nicht verlassen und müsse zurückkehren. Im Augenblick, als ich das vernommen hatte, hörte die Vision auf. - Ich war zutiefst enttäuscht; denn jetzt schien alles umsonst. Der schmerzliche Prozess der "Entblätterung" war vergebens gewesen» (Jung 1962:295-296).
Bei dieser "Entleerung" des Ichs fallen im wahrsten Sinne des Wortes sämtliche Identitäten vom Ich ab. Übrig bleibt nur der Ich-Kern (sozusagen eine BK 1/1).
Jung wurde gemäss seinem Bericht von seinem Arzt zur Erde zurückgeholt, also hat eine stumme Gedankenübermittlung stattgefunden. Dies lässt darauf schliessen, dass Bewusstsein keine isolierte und an ein einzelnes Gehirn gebundene Grösse ist. Es gibt eine Kommunikation mit anderen Gehirnen, die offenbar schwarzmagisch ausgenutzt werden könnte, weshalb Jung es ablehnt, eine AI mit real existierenden Menschen durchzuführen.
Jung nimmt nun ganz selbstverständlich an, das sein Arzt wirklich und wahrhaftig sich auf den Weg in einen andern Realitätsbereich gemacht hat, um ihn zurückzuholen - und dass dagegen protestiert wird, dass er im Begriff sei wegzugehen. Dies ist zumindest ein Hinweis darauf, dass Jung durchaus geglaubt hat, sein Sterben sei auf der Erde bemerkt worden.
Dass der Arzt als Basileus von Kos erscheint und bald darauf stirbt, mag die Todesnähe solcher Erfahrungen bestätigen. Derartige Erlebnisse haben wohl zu der allgemeinen - auch in (Doppelgänger-) Sagen zu findenden - Formulierung geführt, OOBE's seien symbolische Todeserfahrungen. Wenn sich derartige Erfahrungen jedoch wiederholen, wird diese Auffassung erheblich relativiert. Und ausserdem wird auch mit dem "Vorurteil" aufgeräumt, Nahtoderfahrungen seien allesamt nur lichtvoll und erhaben. Sie können durchaus "höllentripartig" sein - und das ist nicht unbedingt allein mit christlich moralisierenden Kategorien zu erklären.
Jung fühlte sich in der Genesungsphase tagsüber «meist deprimiert ... elend und schwach» (Jung 1962:297) und sagt: «Voll Betrübnis dachte ich: Jetzt muss ich wieder in diese graue Welt hinein. - Gegen Abend schlief ich ein, und mein Schlaf dauerte bis etwa gegen Mitternacht. Dann kam ich zu mir und war vielleicht eine Stunde lang wach, aber in einem ganz veränderten Zustand. Ich befand mich wie in einer Ekstase oder in einem Zustand grösster Seligkeit. Ich fühlte mich, als ob ich im Raum schwebte, als ob ich im Schoss des Weltalls geborgen wäre - in einer ungeheuren Leere, aber erfüllt von höchst-möglichem Glücksgefühl» (ibid.).
Es gab bei mir etliche OOBE's, die von einem "Zustand grösster Seligkeit" begleitet waren. Die Rückkehr in den physischen Alltag fiel mir dann ungemein schwer. Zwar fühlte ich mich nicht elend und schwach, sondern eher gestärkt, aber es konnte schon extrem deprimierend sein, wieder in eine Welt zurückkehren zu müssen, die irgendwie defekt schien. Erst nach und nach lernte ich, dass auch die materielle Welt von Licht durchflutet ist und dass es galt, nicht an und in den Trübungen hängen zu bleiben, die stets übermächtig schienen und mich einzulullen und zu fesseln drohten. Das Irdische wurde mit der Zeit transparent - und damit zeigte es sich, das es bloss verzaubert aber letztlich wirklich bezaubernd war!
«All diese Erlebnisse waren herrlich, und ich war Nacht für Nacht in lauterste Seligkeit getaucht, "umschwebt von Bildern aller Kreatur". ... Denn die inneren Zustände waren so phantastisch, dass im Vergleich zu ihnen diese Welt geradezu lächerlich erschien» (Jung 1962:298)..
Es ist bei mir so, dass nicht alle OOBE's herrlich waren. Es gab auch solche, die waren äusserst schrecklich und derart grauenhaft, dass ich mich effektiv wundere, überhaupt noch unter den Lebenden zu weilen. Das hängt wohl damit zusammen, dass dunkelste Kräfte existieren. Eine Begegnung mit solchen Mächten lässt sich nicht vermeiden - wenigstens nicht in meinem Fall. Dies ist denn auch der einzige Grund dafür, OOBE's zu meiden. Der sogenannte "Abstieg zur Hölle" ist jedenfalls keine Floskel.
Die Nichtigkeit des Weltlichen habe ich - wie Jung - dank den OOBE's - erkannt, Und auch für mich ist «das "Leben" ein Existenzausschnitt», «welcher sich in einem hierfür bereitgestellten dreidimensionalen Weltsystem abspielt» (Jung 1962:299). Wie Jung hätte ich «nie gedacht, dass man so etwas erleben könnte. ... Die Visionen und Erlebnisse waren vollkommen real; nichts war anempfunden, sondern alles war von letzter Objektivität» (ibid.).
Jung sagt: «Die Objektivität, die ich ... in den Visionen erlebte, gehört zur vollendeten Individuation» (Jung 1962:300). Ich darf also sagen, dass alle OOBE's, die ich je erleben durfte, zu einer Individuation gehören. Deshalb ist es nicht zu begreifen, weshalb viele Jungianer so tun, als seien OOBE's (und LD's) bloss Anzeichen für Infantilität, Widerstand, Projektion, Inflation und Psychose. Ich würde vorschlagen, OOBE's als spirituelle Erfahrungen zu sehen, die dem Menschsein neue Dimensionen eröffnen. Und zur Erschliessung dieser Dimensionen braucht es insbesondere auch jenes Wissen, das von C.G. Jung beigebracht worden ist.
Das Folgende ist ein Beispiel dafür, dass es sehr wichtig wäre, um OOBE's zu wissen. Da schrieb mir exakt an dem Tag (ein synchronistisches Ereignis), als ich obige Zeilen verfasste, eine Frau folgendes:
Durch das Thema "Steintraum", das ich in einem Internet-Forum zur Sprache gebracht habe, bekam ich eine Antwort, die mich auf Ihre Site (www.oobe.ch) hinwies. - Erstmals in meinem Leben fühle ich mich nicht mehr alleine mit meinen Symptomen, oder wie immer das genannt werden könnte (die Diagnose "dissoziative Bewegungsstörung" wurde übrigens nach zweimaliger stationärer Therapie gestellt).
Ich leide seit 15 Jahren an diesem Zustand, den ich selbst "Steintraum" nenne. Er trat das erste Mal auf, als ich in einer Pension in den Bergen übernachtete. Ich lag im Bett und blickte zum Fenster - plötzlich wurde ich starr wie ein Stein und konnte nichts mehr tun, nicht mal mehr den kleinen Finger bewegen. Nur noch eines war möglich, nämlich "denken".
So dachte ich, ich sei nun tot und würde alles live' miterleben. Meine Gedanken drehten sich im Kreise: «Die tragen dich nun hier weg, legen dich in einen Sarg, vergraben dich tief unter der Erde und du kannst dich nicht dagegen wehren!»
Seit 15 Jahre wiederholt sich dieser Zustand. Er hat sich im Laufe der Zeit zwar etwas verändert und verwandelt, ist jedoch immer noch "steinartig".
Manchmal sehe ich mich auch selbst dabei und sehe sogar meinen kleinen Sohn im Bett schlafen und höre seinen Atem. Das Schlimmste an diesen Zuständen ist die Todesangst und der Lärm in meinem Kopf. Es tönt, als wäre ich in einem Maschinenraum. Mein Körper vibriert. Dann geschehen auch Dinge, die ich mir ausdenke - sie werden sogleich wahr.
Gibt es eine Möglichkeit, diese Erlebnisse zu steuern, so dass das Gefühl der Hilflosigkeit verschwindet? Auch würde ich gerne einen Erfahrungsaustausch mit anderen haben.
wz: Die geschilderten Symptome sind durchaus "normal" und für den "Austritt" charakteristisch: Bewegungslosigkeit (Katalepsie bzw. "dissoziative Bewegungsstörungen"), auditive Phänomene (Geräusche) und kinästhetische Empfindungen (Vibrationen) begleiten manchmal die Ablösung des "subtle body" vom physischen Leib (vgl. Astralprojektion 5.2 Trance-Methode»). Nur sollte natürlich darum gewusst werden, denn sonst kommt es zu "Todesängsten", weil die Bewusstheit in vollstem Umfang bestehen bleibt und das Ich sozusagen gezwungen ist, den Vorgang zu interpretieren bzw. in ein bekanntes Schema einzuordnen.
Die eigenen Vorstellungen lassen sich relativ leicht in hypnagogische Bilder (auch in Musik) umsetzen. Dann wird oft nach der Ablösung die "physische Umgebung" (Zimmer, Bett, der schlafende Körper) gesehen.
RFR: Der Zustand, den diese Frau hier schildert, ist mit jenem beim UFO-Entführungs-Phänomen vergleichbar. Der Sinn des "dissoziativen Bewegungsstörung" (m.E. handelt es sich hier eher um eine "dissoziative Erkenntnisstörung" der diagonstizierende Ärzte) besteht darin, dass das Bewusstsein erkennt, dass bei stillgelegtem Körper (= "Stein", d.h. der lapis der Alchemisten) das Geschehen in den eigenen Bauch hinunter genommen werden kann, wo es sich in etwas Sinnvolles transformiert. Daher dürfte auch für diese Betroffene gelten, dass sie "das UFO im eigenen Bauch" erleben sollte (s.o.). Dies scheint mir mit Hilfe der körperzentrierten VisualisierungTM möglich (vgl. Das UFO trägst du in deinem Bauch).
OOBE's gehören zu jenem
Erleben, das «am ehesten als ein Zustand umschrieben werden» kann - «als
ein Gefühlszustand, den man jedoch nicht imaginieren kann»
(Jung 1962:300). Dies ist nicht nur
für die "Zeit-", sondern auch für die "Raumerfahrungen"
im OOBE-Zustand bezeichnend. Und ein LD erscheint eben oft wie ein Traum, aber
der ist «wie eine Vision» (ibid.), weil in ihm
das Ich hellwach bzw. luzid ist. Deshalb gehören auch LD's zum nicht
imaginierbaren Erleben.
Wie die OOBE's für mich, so war die OOBE für Jung von ausserordentlicher Bedeutung. Er betont: «Erst nach der Krankheit verstand ich, wie wichtig das Ja-sagen zum eigenen Schicksal ist. Denn auf diese Weise ist ein Ich da, das auch dann nicht versagt, wenn Unbegreifliches geschieht. Ein Ich, das aushält, das die Wahrheit erträgt, und das der Welt und dem Schicksal gewachsen ist. Dann hat man mit einer Niederlage auch einen Sieg erlebt. Es wird nichts gestört - weder aussen noch innen; denn die eigene Kontinuität hat dem Strom des Lebens und der Zeit standgehalten. Aber das kann nur geschehen, wenn man sich nicht vorwitzig in die Absichten des Schicksals einmischt» (Jung 1962:301),
CG: Im Buch von Peter Kingsley «Die Traumfahrt des Parmenides; Die mystischen Wurzeln der westlichen Zivilisation» (Frankfurt am Main: Krüger, 2000) wird nachgewiesen, dass die Ursprünge der westlichen Philosophie in Trance- Erfahrungen liegen.
Die Frage stellt sich also nochmals: Weshalb wollen die Jungianer den Zusammenhang zwischen der AI und den LD's und OOBE's trotz Jungs Nahtoderfahrung nicht problematisieren - weder in der alltäglichen Praxis noch innerhalb des geltenden theoretischen Rahmens. Hier schlagen die Nachfolger von C.G. Jung eindeutig die Tür zu anderen Wirklichkeiten zu. Die OOBE-Realität des "Unbewussten" wird rigoros zugemauert, versperrt und mit sich wissenschaftlich gebenden Siegeln verschlossen. Und dies erst noch im Namen eines Mannes, der - wie die Zitate zeigt - diesen Dingen gegenüber eine andere Einstellung hatte. Jung hat zwar seine OOBE nicht in das theoretische System eingebaut, aber er hat an der Wirklichkeit des Erlebens, das er mit den ihm zur Verfügung stehenden Worten geschildert hat, nicht gezweifelt.
1.7. Synchronizität und OOBE
In "Naturerklärung und Psyche"
(Studien aus dem C.G. Jung-Institut Bd.IV (Zürich: Rascher,1952) kommt Jung
zu der Schlussfolgerung, dass gewisse psychoide Eigenschaften von Körpern -
auch die OOBE - der Synchronizität zugeschrieben werden müssen. Was
aber heisst das "konkret"? (Alle Zitate in 1.7.
stammen aus diesem Buch.)
"Synchronizität" ist effektiv eine «höchst abstrakte und unanschauliche Grösse» (S. 90). Sie schreibt «dem bewegten Körper eine gewisse psychoide Eigenschaft zu, welche, wie Raum, Zeit und Kausalität, ein Kriterium seines Verhalten bedeutet» (ibid.). Diese Eigenschaft ist nicht linear und kausal, sondern synchronistisch und damit akausal - und sie deutet auf einen multidimensionalen Wirklichkeitszusammenhang hin, in dem sowohl Seelisch-Geistiges als auch materiell Körperliches miteinbeschlossen sind.
Nun gehören OOBE's zu jenen Erfahrungen, die sich nicht kausalistisch-linear im Rahmen der gängigen wissenschaftlichen Vorstellungen erklären lassen. Auch können bei ihnen die Rahmenbedingungen nicht konstant gehalten werden, weil z.B. Gefühle und Intuitionen mitbeteiligt sind. Derartige Phänomene lassen sich also nicht experimentell 1:1 wiederholen. OOBE's können ebensowenig bewiesen werden wie das Ich oder die Kontinuität des Bewusstseins, und wir müssen «auf die Vorstellung einer mit einem lebenden Gehirn verbundenen Psyche völlig verzichten» (ibid.).
Die Tragweite dieses Gedankens ist offensichtlich - und Jung zieht auch die korrekte Folgerung: «Man müsste sich hier, wie es scheint, die Frage vorlegen, ob nicht das Verhältnis der Seele zum Leibe unter diesem Gesichtswinkel zu betrachten, bzw. ob nicht die Koordination der psychischen und der physischen Vorgänge im Lebewesen als ein synchronistisches Phänomen statt einer kausalen Relation zu verstehen wäre" (ibid. S.91).
RFR: Diese Hypothese Jungs bildet die Grundlage meiner Körperzentrierten VisualisierungTM oder Symptom-Symbol-TransformationTM . Sie wird durch deren Resultate, das heisst, die Heilung oder Besserung psychosomatischer und somatischer Krankheiten bzw. Angst- und Panikzuständen empirisch bestätigt. Eben dieser Prozess folgt dem synchronistischen Modus. Im Unterschied zu Jungs "Aussen-Innen-Synchronizität" geschieht er jedoch völlig im Inneren des eigenen Körpers. Genauer gesagt, spielt sich das synchronistische Geschehen zwischen dem "Aussen" des physischen Körpers und dem "Innen" des subtle body ab. In einem bestimmten, vom Bewusstsein nicht bestimmbaren, das heisst zeitlich zufälligen Moment wandelt sich das Symptom in ein Symbol (Bild), und dieses in subtle body, der dem Lebenselixier des Paracelsus entspricht. Gemäss seiner Schrift De vita longa (Vom langen Leben) dient dieses Lebenselixier einerseits der Erhaltung oder dem Wiedererreichen der physischen und psychischen Gesundheit und einem langen diesseitigen Leben, andererseits ist dessen Extraktion auch die notwendige Voraussetzung für ein individuelles Leben im Jenseits nach dem Tod (vgl. dazu Paracelsus und das erneuerte Gottesbild).
Die Einführung des Prinzips der "Synchronizität"
erlaubt es, eine kausale Betrachtungsweise in bezug auf OOBE's sozusagen fallen
zu lassen. Weder muss eine präexistente Psyche angenommen werden, noch
besteht die Forderung, dass das Bewusstsein bzw. die Psyche bloss ein Epiphänomen
des Materiellen zu sein hat. Die Synchronizität wirft ein neues Licht auf
den "psychophysischen Parallelismus" und ermöglicht es, die BK in
Verbindung mit einer OOBE als ein "transzententales Sein" aufzufassen.
Jung betont, dass «jene Erfahrungen, welche das Vorhandensein psychischer Vorgänge in einem, nach allem Dafürhalten unbewussten, Zustand wahrscheinlich machen, in nähere Betrachtung» (ibid. S. 92) zu ziehen sind. Zu diesem "unbewussten Zustand" gehört auch der Schlafzustand des Körpers. Denn was von "aussen" gesehen so aussieht, als wäre Bewusstlosigkeit vorhanden, täuscht, wie diverse Beobachtungen zeigen. Jung führt Gehirnverletzungen an, die entgegen allen Erwartungen nicht die entsprechende Bewusstlosigkeit zur Folge hatten. Dann auch einen Fall aus seiner eigenen Praxis, der einen durch eine leichte Narkose induzierten Austritt darstellt. Diese Ausführung sind höchst bedeutsam für die Diskussion von AI/LD's/OOBE's.
Jung erwähnt zwar die Vermutung , "dass es sich um einen psychogenen Dämmerzustand" gehandelt haben könnte, "in welchem noch eine abgespaltene Bewusstseinshälfte bestand" (S. 90). Aber diese Vermutung weist Jung zurück - erstens wegen des medizinischen Befundes: genuiner Herzkollaps mit einer auf Gehirnanämie beruhenden Synkope, zweitens weil die Patientin nie hysterisch gewesen ist. Und dann führt er weiter aus: «Sie war wirklich ohmächtig und hätte demenstprechend psychisch völlig ausgelöscht und keineswegs klarer Beobachtung und zugleich eines Urteils fähig sein sollen. Merkwürdigerweise war es auch nicht ein unmittelbares Innewerden der Situation durch indirekte, d.h. unbewusste Beobachtung, sondern sie sah die Gesamtsituation von oben, wie wenn 'ihre Augen an der Zimmerdecke gewesen wären'» (S. 94-95).
Eine Erklärung der OOBE's kann also mittels der herkömmlichen wissenschaftlichen Mittel nicht gelingen - dessen ist sich Jung bewusst (vgl. auch S. 95-96). Aber dann redet er sich ein bisschen aus der Sache raus und weist auf andere Nervenzentren als die Gehirnrinde, etwa auf den Sympathicus. Aber trotz allem - er bleibt bei der Beobachtung, dass eine echte Abtrennung vom Körper beschrieben bzw. empfunden wird. Und dass es sich dabei um eine Erfahrungsgewissheit handelt.
Synchronizität ist ein "ursacheloses Angeordnetsein" und «ein Phänomen, welches hauptsächlich mit psychischen Bedingungen, nämlich mit Vorgängen im Unbewußten, zusammenzuhängen scheint. Mit relativer Regelmäßigkeit und Häufigkeit ergeben sich - experimentell - synchronistische Phänomene bei den intuitiven, sog. "magischen" Prozeduren, wo sie zwar subjektiv überzeugend, aber objektiv kaum oder recht schwer zu beweisen und statistisch nicht erfaßbar sind» (S. 98). Damit wird ein für die Erkenntnis notwendiges Prinzip postuliert.
«Wie die Einführung der Zeit als vierte Dimension in der modernen Physik das Postulat eines unanschaulichen Raumzeitkontinuums bedingt, so erzeugt die Synchronizität mit der ihr anhaftenden charakteristischen Sinnqualität ein Weltbild von einer zunächst beinahe verwirrenden Unanschaulichkeit» (S. 100).
Eine kausale Erklärung synchronistischer Ereignisse - zu denen auch LD's und OOBE's gezählt werden können - ist ausgeschlossen. Es kann nicht gesagt werden, weshalb es möglich ist, während 24 Stunden (im Idealfall) bewusst zu sein und beispielsweise in der der Einschlaf- und der Schlafphase des physischen Körpers bewusstseinskontinuierlich zu bleiben.
Im Zusammenhang mit LD's und OOBE's stellt sich die Frage, ob die Definition der Synchronizität, welche sich in erster Linie auf die Gleichartigkeit psychischer und physischer Vorgänge bezieht, nicht eine Erweiterung erfordert. Das Geschehen in LD's und OOBE's kann nämlich nicht als ein «ursacheloses Angeordnetsein» beschrieben werden, denn «man muß sich selbstverständlich davor hüten, jedes Geschehen, dessen Ursache unbekannt ist, als ursachelos aufzufassen» (S. 106). LD's und OOBE's sind auch keine Einzelfälle. Sie sind reproduzierbar und mittels geeigneter Techniken herbeizuführen. Zumindest gibt es Ähnlichkeiten - nicht nur bei Sterbeerfahrungen.
Eben weil «es doch auch gewisse Regelmäßigkeiten gibt und damit konstante Faktoren» muss auch Jung sagen, dass der «engerer Synchronizitätsbegriff wahrscheinlich wirklich zu eng ist und deshalb der Erweiterung bedarf» (S. 104). Jung sagt das natürlich nicht im Hinblick auf LD's, OOBE's und Sterbeerfahrungen, sondern unter Brücksichtigung der «Rhineschen Experimente und die vielfachen Erfahrungen mit hellseherisch begabten Individuen» (S. 103-104). Aber mit der Aussage, «der Archetypus ist die durch Introspektion erkennbare Form des apriorischen psychischen Angeordnetseins» (S. 104), ist in bezug auf LD's/OOBE's kaum etwas anzufangen, zumal es sich nicht um ESP (ASW) wie etwa in den Rhineschen Experimenten handelt - sondern um ganz normale Erfahrungen.
Es ist durchaus möglich, LD's/OOBE's als "sinngemäße Koinzidenzen" und damit als "reine Zufälle" zu beeichnen. «Je mehr sie sich aber häufen und je größer und genauer die Entsprechung ist, desto mehr sinkt ihre Wahrscheinlichkeit, und desto höher steigt ihre Undenkbarkeit, d. h. sie können nicht mehr als bloße Zufälle gelten, sondern müssen mangels kausaler Erklärbarkeit als Anordnungen aufgefaßt werden. Dabei besteht, wie schon betont, der "Mangel an Erklärbarkeit" nicht etwa nur aus der Tatsache, daß die Ursache unbekannt ist, sondern daraus, daß eine solche mit unseren Verstandesmitteln auch nicht denkbar ist» (S. 107).
Wassertropfen Teil 4/1
2. Die Sennenpuppe (Tuntschi) und deren Herstellung (über den Missbrauch der Luzidität)
Literaturverzeichnis
von Franz, Marie-Louise «Aktive Imagination» in:
JUNGIANA - Beiträge zur Psychologie von C. G. Jung, Reihe A Band 10 (Verlag
Stiftung für Jung'sche Psychologie: Küsnacht ZH, 2001: 39-45)
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Jung C.G. «Erinnerungen, Träume, Gedanken» (Aufgezeichnet und hrsg. von Aniela Jaffé, Zürich: Ex Libris, 1962)
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e-mail: <email-pii>
©Werner Zurfluh