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Als Verstärkung bezeichne ich den Effekt eines Verstärkers, wobei ich die Redeweise des Verstärkens auf zwei ganz verschiedene Situationen beziehe:

Als Verstärkung bezeichne ich verhaltenswissenschaftlich, dass das Vorkommen eines bestimmten Verhaltens als Effekt einer Konditionierung wahrscheinlicher wird.
Beispiel (Skinnerbox):
Die Verstärkung ist in diesem Sinne ein beobachtbares Ereignis, das nicht interpretiert und nicht auf innere Zustände zurückgeführt wird.
Eine alternative Redeweise lautet, dass die Ratte gelernt hat. Dabei wird lernen in einem spezifischen Sinn verwendet. Lernen bedeutet dabei, dass bei Vorliegen eines Reizes A eine spezifisches Reaktion (Verhalten) mit grosser Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Konsequenz haben wird. Anstelle von Lernen wird auch von instrumenteller oder operanter Konditionierung gesprochen.
Reflexe werden als naturgeschichtliche Konditionierung aufgefasst. Wenn ich die Hand in ein Feuer halte, ziehe ich sie zurück, ohne dass ich davor schon Erfahrungen gemacht habe. Es ist quasi eine phylogenetische Konditionierung meines Körpers.
Ich unterschiede zwischen „positiver“ und „negativer“ Verstärkung. Beide bewirken, dass ein Verhalten häufiger gezeigt wird. Bei der positiven Verstärkung wird das Verhalten durch angenehme Verstärker (z. B. Anerkennung, Zuwendung, Geld, Schokolade) verstärkt; bei der negative Verstärkung dadurch, dass unangenehme Verstärker (aversiven Stimuli, z. B. die Entfernung von Angst, Lärm, einer unangenehmen Tätigkeit) entfernt werden.
Es gibt zwei logische Negationen:
1) die Bestrafung
Bestrafen reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Verhaltens.
Anmerkung
B. Skinner meint, dass das nicht der Fall sei, dass Bestrafen falsch sei, weil nur Verstärken funktioniere.
Die Bestrafung hat auch die beiden Varianten
a ) die Zufügung eines unangenehmen, also aversiven Reizes (z.B. Schläge, Beschimpfungen, Hausarrest)
b) die Entfernung eines angenehmen Reizes bzw. Entzug eines Privilegs (z. B. Fernsehverbot, Wegnehmen eines Spielzeugs, Ignorieren), auch Deprivation genannt.
2) eine Verstärkung des NICHT-Auftretens
Wenn das nichtausüben eines Verhaltens bestärkt wird, wenn also die Ratte nur Futter bekommt, wenn sie sie die Taste nicht drückt.
Es gibt überdies eine versteckte Verstärkung:
Die Verstärkung kann auch in der Vorstellung ablaufen, was man als verdeckte Verstärkung bezeichnet (siehe verdeckte Konditionierung).
[ Kontingenzschema ]
|Darbietung||Beseitigung|
|positiver Verstärker||positive Verstärkung||Bestrafung (Typ II)|
|negativer Verstärker||Bestrafung (Typ I)||negative Verstärkung|
In einer verbreiteten Auffassung von Behaviorismus kreuzen sich zwei Unterscheidungen:
1) lehren - lernen (programmierter Unterricht),
2) belohnen - bestrafen (operantes Konditionieren),
die beide ein re-entry haben.
Wenn ich lehre, beeinflusse ich das Verhalten eines anderen Menschen. Dabei unterscheide ich kybernetisch zwei Phasen oder Situationen, die sich abwechseln: das Vortragen und das Prüfen.
Als Prüfung beobachte ich die Situation, in welcher der belehrte Mensch ein bestimmtes Verhalten zeigen sollte. Durch das Vortragen konditoiniere ich dieses Verhalten (eigentliches Lehren), was - nebenbei bemerkt natürlich auch mich konditioniert.
Im Beispiel von Pawlow lehrt der Hund auf ein Signal zu reagieren (was er in der Prüfung zeigt), weil er hinreichend genug gezeigt bekommt, dass das Signal mit einem für ihn positiven Effekt verbunden ist (was eben Lehren ist). Der Hund bekommt jedesmal Futter, wenn er ein bestimmtes Signal hört. Es spielt dabei keine Rolle, dass der Hund nicht bewusst lernen muss, und dass er als Labortier gehalten wird. Jenseits der humanistischen Psychologie kann auch das Kind in der Volksschule so gesehen werden. Nebenbei bemerkt, ein unsinniger Teil der Behaviorismuskritik besteht im Vorwurf, dass Behavioristen Kinder so sehen, während Behavioristen ja nur beschreiben, was mit Kindern in der Schule (als Institution der Trivialisierung) tatsächlich gemacht wird.
Das Futter (im Beispiel von I. Pawlow) bezeichne ich als Verstärker, weil es den Effekt hat, ein bestimmtes Verhalten des Hundes in einer bestimmten Situation zu erzeugen oder zu begünstigen. Oder behavioristischer gesprochen: weil es situativ abgegeben die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines bestimmten Verhalten des Hundes verstärkt.
Die stets mitlaufende Prüfung beobachtet den Erfolg der Konditionierung. In der Volksschule gibt es zusätzliche Prüfungen mit einem ganz anderen - selektiven - Sinn, der hier nicht interessiert.
Beim Belehren habe ich zwei Möglichkeiten der Verstärkung, die ich beide auch als Wirkung von Belohnung bezeichnen könnte. Weil das Wort Belohnen umgangssprachlich aber positiv besetzt ist, und behavioristische als mentale Bewertung verstanden wird, spreche ich von Verstärkung. Die beiden Möglichkeiten, jemanden darin zu bestärken, etwas zu tun, was gut für ihn ist, bestehen darin, dieses Verhalten zu "belohnen"
1) indem ich ihm eine Belohnung, etwa "Futter" gebe, oder
2) indem ich eine zuvor praktizierte, aversive Verhaltensweise aufgebe, was auch als Belohnung interpretiert werden kann.
Sklavenhalter - um ein drastisches Beispiel zu geben - "belohnen" den Sklaven, indem sie aufhören, ihn zu schlagen, wenn er wieder arbeitet. Das Beispiel zeigt einerseits, warum das Wort Belohnung nicht so recht passt, und andrerseits, warum die Situation nicht als Bestrafung beschrieben werden kann. Nicht geschlagen werden ist nicht das, was gemeinhin als Belohnung bezeichnet wird, es ist aber natürlich auch keine Bestrafung, wenn ich nicht mehr geschlagen werde. Die Verstärkung beruht in beiden Fällen darauf, dass das je bestimmte Verhalten mit einem Vorteil assoziiert wird.
Lohn und Belohnung passen auch im positive Fall nicht, weil der Hund ja das Futter nicht dafür bekommt, dass er etwas getan hat, sondern weil er es getan hat.