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Der am starkbefahrenen Heimplatz schräg gegenüber dem Schauspielhaus liegende Komplex des Kunsthauses Zürich entstand in mehreren Bauphasen: 1910 das in den Formen eines moderaten Klassizismus gestaltete Haupthaus von Karl Moser, 1958 der Anbau der Gebrüder Pfister an der Front zum Platz und 1976 die rückwärtige Erweiterung des Haupthauses durch Erwin Müller. 2008 wurde auf der anderen, durch zwei Strassen getrennten Seite des Heimplatzes ein Erweiterungsbau geplant. Das vorgesehene Hanggrundstück auf den ehemaligen Wallanlagen liegt unterhalb der Zürcher Stadtkrone mit den Hochschulbauten und der Alten Kantonsschule; es ist mit zwei Turnhallen bebaut, die zum Abbruch freigegeben wurden.
Die zentrale Idee des neuen Hauses ist eine offene, am Vorbild klassischer Villen der Renaissance orientierte Anlage, die den Stadtraum integriert und zugleich die Zusammengehörigkeit der unterirdisch verbundenen Museumsbauten sichtbar macht. Das Gebäude besteht aus einem sich den Hang hinauf erstreckenden quaderförmigen Volumen und einem nahezu ganz in der Erde verborgenen Sockelbau, der zum Fundament für eine weiträumige erhöhte Terrasse wird. Der Quaderbau ist mit seiner Schmalseite zum Heimplatz ausgerichtet und bildet zusammen mit dem Pfisterbau ein markantes Tor zum Platz. Der Eingang korrespondiert mit dem Hauptzugang im Moserbau vis-à-vis. Unmittelbar anschliessend führt eine breite, mit grosszügiger Geste sich zum Platz hinwendende Freitreppe hinauf zur Terrasse. Diese bietet nicht nur Raum für temporäre Installationen des Museums unter freiem Himmel, sondern schafft einen neuen, aus dem Verkehrsgetriebe herausgehobenen öffentlichen Raum, ein Foyer gleichermassen für die Kulturbauten am Heimplatz wie für das sich am Hang hinaufziehende künftige Hochschulquartier.
Der Erweiterungsbau soll vielfältigen Anforderungen genügen, insbesondere die Sammlungen des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne, der internationalen Kunst nach 1960 und die Sammlung E. G. Bührle aufnehmen sowie Räumlichkeiten für Wechselausstellungen mit neuen Medien zur Verfügung stellen. Für die jüngere Kunst sind unterschiedlich dimensionierte und vernetzbare Räume vorgesehen, die neue Konzepte der Präsentation möglich machen. Auch die Eingangshalle mit dem Vorplatz, die einprägsam erste Begegnungen der Besucher mit der Kunst begleitet, kann für Ausstellungen genutzt werden. Auf der Höhe der Terrasse befinden sich ein Foyer, ein Veranstaltungssaal und ein Café. Im „Piano nobile“ über der Terrasse liegen die Galerien für die Bührle-Sammlung und die Werke der klassischen Moderne. Die Säle mit vereinzelten Ausblicken nach draussen sind im Kontinuum von Enfiladen erfahrbar. Der Ausrichtung am traditionellen Typus der Galerie entspricht auch die Ausstattung mit Parkett und Holzleisten sowie die Lichtführung durch opake Glasdecken. Die Dimensionen sind im Vergleich mit historischen Sammlungsräumen etwas gesteigert.
Der Wunsch nach natürlichem Licht hat wesentlichen Einfluss auf die Anordnung und Gestaltung der Räume. Die Galerien werden von Norden durch Sheds im Dach belichtet. Hinter der Glasdecke über den Räumen im Sockelbau verbergen sich Oberlichter, die nach aussen auf der Terrasse durch 2,50 m hohe Aufbauten körperhaft hervortreten. Die Terrasse stellt sich als lose Abfolge einzelner Gartenhöfe dar, in denen sich immer wieder neu Ausstellungen und einzelne Werke arrangieren lassen. Auch hier bestimmt das Konzept der „offenen Form“ die Anlage: Stadtraum und Kunstraum gehen eine Symbiose ein und ergeben einen vielseitig bespielbaren Ort von hoher Aufenthaltsqualität.
in Zusammenarbeit mit Peter Suter
Wettbewerb: besondere Anerkennung, 2008
Datum: 2008—
Auftraggeber: Amt für Hochbauten Zürich
Ort: Heimplatz, Zürich, Schweiz
Bruttogeschossfläche (BGF): 12.750 m²
Programm: Eingangshalle, Wechselausstellung (EG), Säle und Publikumscafe (OG), Neune Galerien der Sammlung E. G. Bührle und der Sammlung des 19. Jahrhunderts (Piano Nobile)
Bauingenieur: Ernst Basler + Partner
Technische Gebäudeplanung: Ernst Basler + Partner
Landschaftsarchitekt: Rotzler Krebs Partner