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Die starke Zuwanderung aus der Europäischen Union (EU) in den vergangenen Jahren hat in der Schweiz zu einem deutlichen Bevölkerungswachstum geführt. In den nächsten Jahrzehnten wird die Bevölkerung in Europa wie auch in der Schweiz rasch altern. Die Szenarien des Bundesamtes für Statistik (BFS) zur Entwicklung der Bevölkerung und der Haushalte in der Schweiz liefern plausible Antworten auf die Frage, wie sich die Gesamtzahl der Wohnbevölkerung der Schweiz und die Zahl der Haushalte entwickeln werden. Sie ermöglichen es auch, den Bedarf an Wohnraum für die nächsten Jahre abzuschätzen.
Zwischen den Jahren 2000 und 2012 ist die ständige Wohnbevölkerung um knapp 12% von 7,2 auf 8,0 Mio. Personen angestiegen. Die jährliche Zunahme war 2008 aufgrund der bedeutenden Migrationen infolge Inkrafttreten der Personenfreizügigkeit mit der EU am stärksten (1,4%). Seither hat sich die jährliche Bevölkerungszunahme bei 1,1% stabilisiert. Die Zahl der 20- bis 64-Jährigen hat von 4,4 Mio. im Jahr 2000 auf beinahe 5,0 Mio. im Jahr 2012 zugenommen. Dieser Anstieg ist fast ausschliesslich den Einwanderungen von EU-Staatsangehörigen zuzuschreiben. Die Zahl der Personen ab 65 Jahren ist in diesem Zeitraum von 1,1 Mio. auf 1,4 Mio. angewachsen, jene der unter 20-Jährigen hat sich hingegen bei gut 1,6 Mio. stabilisiert. Trotz der sehr hohen Zahl der Wanderungsbewegungen in den vergangenen Jahren hat die Alterung der Schweizer Bevölkerung in diesem Zeitraum angedauert. Der Anteil der Personen ab 65 Jahren hat von 15,4% auf 17,4% zugenommen, während jener der unter 20-Jährigen von 23,1% auf 20,4% zurückgegangen ist. Der Anteil der 20- bis 64-Jährigen ist von 61,5% auf 62,2% leicht angestiegen.
Regelmässig aktualisierte Bevölkerungsszenarien
Um die künftige Bevölkerungsentwicklung zu ermitteln, berechnet das BFS seit 1984 Szenarien zur Entwicklung der Bevölkerung der Schweiz. Jede Serie von Szenarien beruht auf neuen Hypothesen, die mit Experten ausgearbeitet und mit Vertretern der Bundesverwaltung erörtert werden. Die Hypothesen beziehen die jüngste Bevölkerungsentwicklung sowie neue demografische Erkenntnisse mit ein. Anzumerken ist, dass die künftige Bevölkerungsentwicklung in erster Linie von der aktuellen Altersstruktur der Bevölkerung und in zweiter Linie von der künftigen Entwicklung von Fruchtbarkeit, Sterblichkeit und Migration abhängt. Die letzte Serie von Szenarien stammt aus dem Jahr 2010. Sie umfasst drei Grundszenarien sowie diverse Varianten. Nachfolgend werden die Ergebnisse des Referenzszenarios (mittleres Szenario) sowie der Variante «Hoher Wanderungssaldo», die den Beobachtungen für das Jahr 2012 am nächsten ist, vorgestellt.
Fruchtbarkeit, Sterblichkeit und Migration
Die künftige Entwicklung der verschiedenen Komponenten der Bevölkerungsentwicklung hängt einerseits von den jüngsten Zahlen und Veränderungen der Komponenten und andererseits von den vorhersehbaren Einflüssen verschiedener sozialer, wirtschaftlicher, politischer und struktureller Faktoren auf die Komponenten ab. Werden diese Faktoren berücksichtigt und die vergangene Entwicklung der Komponenten analysiert, können plausible künftige Entwicklungen bestimmt werden.
Die Bevölkerung wächst und wird vor allem auch älter
Kombiniert man die oben genannten mittleren Hypothesen miteinander, ergibt sich das mittlere Szenario. Werden für die Migration die hohe Hypothese und für alle weiteren Komponenten dieselben Hypothesen wie für das mittlere Szenario kombiniert, ergibt sich die Variante «Hoher Wanderungssaldo». Gemäss diesem Szenario und dieser Variante dürfte sich die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz im Jahr 2020 auf 8,4 bis 8,7 Mio. und im Jahr 2030 auf 8,7 bis 9,3 Mio. Personen belaufen.
Das Bevölkerungswachstum hängt immer mehr von der Migration ab
In den nächsten Jahrzehnten wird das demografische Wachstum vor allem von der Migration abhängen. Es existiert jedoch keine sichere Methode, um die künftige Migrationsentwicklung zu bestimmen, da diese von zahlreichen, kaum vorhersehbaren wirtschaftlichen und politischen Faktoren abhängt. Hypothesen, die auf dem Wanderungssaldo basieren, führen langfristig zu einem sehr unterschiedlichen demografischen Wachstum, und die Ermittlung der Bevölkerungszahl ist mit grossen Unsicherheiten behaftet. Die niedrige und relativ stabile Fruchtbarkeit, der stetige Rückgang der Sterblichkeit und die aktuelle Altersstruktur der Bevölkerung lassen jedoch vermuten, dass etwa ab dem Jahr 2030 mehr Todesfälle als Geburten verzeichnet werden. Diese Situation dürfte anschliessend mehrere Jahrzehnte lang anhalten. Ab dann kann die Bevölkerung der Schweiz nur noch zunehmen, wenn der Wanderungssaldo hoch genug ist, um das Defizit der Geburten gegenüber den Todesfällen auszugleichen.
Die jüngste Entwicklung der Privathaushalte
Die Zahl der Privathaushalte hat im vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich zugenommen. Wird nur die ständige Wohnbevölkerung am Hauptwohnsitz betrachtet, ist die Zahl der Haushalte von knapp 3,1 Mio. im Jahr 2000 auf über 3,5 Mio. im Jahr 2011 angestiegen.
In Zukunft immer mehr Ein- und Zweipersonenhaushalte
Gemäss den letzten Haushaltsszenarien aus dem Jahr 2005 wird die Zahl der Haushalte in den nächsten zwei Jahrzehnten immer weiter ansteigen. Für das Jahr 2020 wird eine Zahl von mindestens 3,7 Mio. und für 2030 von mehr als 3,9 Mio. erwartet. Diese Zunahme dürfte in erster Linie auf die Ein- sowie die Zweipersonenhaushalte zurückzuführen sein, deren Zahl im Jahr 2020 rund 1,5 Mio. bzw. 1,3 Mio. betragen dürfte. Wenn diese Tendenz anhält, wird sich die Zahl der Einpersonenhaushalte 2030 voraussichtlich auf rund 1,6 Mio. und jene der Zweipersonenhaushalte auf 1,4 Mio. belaufen.
Grafik 1: «Entwicklung der ständigen Wohnbevölkerung am 31. Dezember, 1990–2030»
Grafik 2: «Entwicklung der Anzahl Haushalte nach Haushaltsgrösse, 2000–2030»
Zitiervorschlag: Raymond Kohli (2013). Die Zahl der Haushalte wird in den nächsten zwei Jahrzehnten weiter zunehmen. Die Volkswirtschaft, 01. November.