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upg. Massnahmen gegen eine expansive Bevölkerungspolitik und zum internationalen Durchsetzen des Rechts auf Verhütung sind sogar beim Weltklimarats tabu. Ein neues Beispiel ist dessen jüngster Bericht. Das kritisiert Martin Rott der französischen Organisation «Démographie Responsable» in einem Gastbeitrag.
Der neuste Bericht des Weltklimarats ICCP thematisiert weder eine mögliche Reduzierung des Wirtschaftswachstums noch die weitere Zunahme der Weltbevölkerung. Tabu sind nicht nur Massnahmen, um die Zunahme der Weltbevölkerung zu bremsen, sondern auch Massnahmen, um den Pro-Kopf-Verbrauch zu senken. Der Synthesebericht vom April 2022 einer Arbeitsgruppe des Weltklimarat (ICCP), der politische, wirtschaftliche und technologische Optionen zur Minderung des anthropogenen Klimawandels aufzeigen soll, enthält zwar Vorschläge, um den Energiebedarf zu senken, jedoch stets im Rahmen einer «nachhaltigen Entwicklung» (Sustainable Development Goals SDG).
Die Möglichkeit, das Wachstum und damit den Pro-Kopf-Verbrauch zu reduzieren, untersuchte der IPCC nicht. Die «Demografie» kommt in diesem IPCC-Synthesebericht nicht vor, obwohl die zuständige Arbeitsgruppe bestätigt, dass die Bevölkerungsgrösse einen direkten Effekt auf die Menge der Treibhausgas-Emissionen hat. Wie die vorherigen Berichte stützt sich auch der neuste auf die bekannte Kaya-Formel (siehe unten). Diese verknüpft die anthropogenen CO2-Emissionen mit wirtschaftlichen und energiepolitischen, aber auch mit demografischen Parametern. In ihrem Synthesebericht schreiben die Autoren zum Ergebnis ihrer Forschung für den Zeitraum 2010-2019:
«Auf globaler Ebene sind das Pro-Kopf-Inlandprodukt und das Bevölkerungswachstum die stärksten Beschleuniger der Erdölverbrennung geblieben.»
Doch der ICCP erachtet die Bevölkerungsentwicklung als exogen und unveränderbar. Deshalb enthält der Bericht keine Empfehlungen zur Beschränkung des Bevölkerungswachstums.
Anders bezüglich Energie und Konsum: Dazu enthält der Bericht sehr detaillierte Empfehlungen zur Verringerung ihrer Auswirkungen auf die globalen Emissionen.
Politische Einflussnahme beim ICCP
Auffälligerweise fehlt das erwähnte Forschungsergebnis (dass das Bevölkerungswachstum der stärkste Beschleuniger der Erdölverbrennung sei) in der 72-seitigen Zusammenfassung für politische Entscheidungträger (Summary for Policy Makers, SPM). Diese wichtige Zusammenfassung wird von externen Wissenschaftlern abgesegnet, die von den Mitgliedsländern des IPCC ernannt werden. Dies ebnet den Weg für eine politische Einflussnahme.
Es ist unwahrscheinlich, dass dieser relevante Satz aus Platzgründen oder wegen Irrelevanz weggelassen wurde. Alle anderen wichtigen Erkenntnisse aus den Kapitel 2-4 des Synthese-Reports wurden in der Zusammenfassung übernommen. Nur eine Feststellung fehlt: nämlich diejenige über die Auswirkung des Bevölkerungswachstums.
Pro-natalistische Staaten stellen sich quer
Diese Auslassung des demografischen Faktors steht in der Tradition der Praxis, welche alle Abschlussberichte der verschiedenen Klimakonferenzen – zuletzt 2021 in Glasgow – prägte. Auf Betreiben einiger pro-natalistischer Staaten wurden sämtliche Hinweise auf die Demografie eliminiert. Das Problem der Überbevölkerung wird in der politischen Umweltdebatte generell heruntergespielt und als irrelevant abgetan.
Die zensurierte Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger bestärkt die Entscheidungsträger in ihren Vorurteilen. Die meisten Journalisten lesen nur die Zusammenfassung und stützen sich nicht auf den umfangreichen vollständigen Bericht. Deshalb erfährt die Öffentlichkeit nichts über diese Zensur. Eine Analyse der publizierten Artikel in Zeitungen und Online-Journalen bestätigt dies. [1]
So wird eine wesentliche Ursache für das Leiden unseres Planeten, die Überbevölkerung, mit Schweigen übergangen. Noch immer halten viele Länder an einer expansiven Bevölkerungspolitik fest, welche eine hohe Geburtsrate finanziell fördert.
Viele Länder wollen mit finanziellen Anreizen die Geburtenrate erhöhen
bbm/upg. Die Lobby des Geschäfts mit künstlichen Befruchtungen will in der Schweiz, dass die obligatorische Grundversicherung der Krankenkassen teure künstlichen Befruchtungen künftig bezahlen muss. Denn Unfruchtbarkeit sei eine «Krankheit».
Zinslose Kredite ab drei Kindern
- Ungarn versucht seit Jahren, die Geburtenrate mit finanziellen Anreizen zu erhöhen. Frauen, die zum ersten Mal heiraten, erhalten unter anderem Steuerermässigungen und Kredite, etwa für den Kauf einer Wohnung. Zinslos sind die Kredite allerdings erst ab drei Kindern. Jetzt hat die reaktionäre Regierung angekündigt, dass sie noch weniger Steuern zahlen und höhere zinslose Kredite erhalten sollen. Doch: Wenn Frauen nicht drei Kinder bekommen, bleiben sie auf Schulden sitzen, für die sie erst noch Zinsen zahlen müssen.
- In Deutschland gibt es seit 2018 Baukindergeld. Das ist ein jährlicher Zuschuss von 1200 Euro pro Kind an den Kauf oder Bau einer Immobilie (1200 Franken). Zudem zahlen einige Städte und Kommunen einmalige Prämien für die Geburt eines Kindes.
- In der Schweiz zahlt der Kanton Tessin 3000 Franken für jedes neugeborene Kind (3000 Euro). Die Prämie wird nach Ablauf des Mutterschaftsurlaubs ausbezahlt. Sie soll es laut dem zuständigen Regierungsmitglied Paolo Beltraminelli (CVP) Eltern ermöglichen, «mehr bei den Kindern zu sein». Einmalige Prämien bei der Geburt eines Kindes gibt es auch in anderen Kantonen wie Neuenburg, Jura, Freiburg, Uri, Schwyz und Luzern, Wallis, Waadt und Genf.
Ackerland vom Staat für das dritte Kind
- In Italien will die populistische Regierung für das dritte Kind den Eltern Ackerland in kostenloser Pacht überlassen. Und sie sollen für ein neues Haus 200’000 Euro als zinsfreien Baukredit erhalten (200’000 Franken). Landwirtschaftsminister Gian Marco Centinaio argumentiert ähnlich wie Ungarns Ministerpräsident Victor Orban: Die Anreize sollen den «gefährlichen Trend», dass die Italiener keinen Nachwuchs mehr bekommen, aufhalten oder sogar umkehren.
- In Österreich will die rechtskonservative Regierung die Geburtenrate mit Steuererleichterungen erhöhen. Eltern können einen Steuerabzug von 250 bis 1500 Euro pro Jahr und Kind geltend machen. Steuerabzüge kommen in der Regel den Männern zugute. Und wer keine Steuern zahlt, geht leer aus.
- In Russland gibt es seit 2007 ab dem zweiten Kind für jedes Kind eine Prämie von rund 6000 Euro (6000 Franken). Dieses «Mutterschaftskapital» muss in Wohneigentum, in die Ausbildung der Kinder oder in die Altersvorsorge investiert werden.
- China erlaubt seit 2016 Paaren, zwei Kinder zu bekommen (vorher ein Kind). Provinzen versuchen, Zweitkinder mit finanziellen Anreizen wie Geburtsprämien, Steuererleichterungen und Wohnungsbeihilfen zu fördern.
- In Portugal versuchen Städte und Dörfer, mit Babyprämien für Neugeborene den Bevölkerungsschwund stoppen.
- In Spanien gab es bis 2010 eine Babyprämie von 2500 Euro für jedes neugeborene Kind. Wegen der Finanzkrise wurde diese gestrichen.
- Tschechien zahlt Eltern mit geringem Einkommen für das erste Kind eine Prämie von umgerechnet maximal 520 Euro und für das zweite Kind von maximal 400 Euro.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Der Autor ist Regionaldelegierter der französischen Organisation «Démographie Responsable».
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.