Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03133.jsonl.gz/1103

Der lukrativste Schleudersitz
Die Frage ist nicht, ob Sergio Ermotti als CEO der UBS geschasst wird. Das ist so gut wie sicher. Die Frage ist nur wann. Ein Blick auf die Geschichte der Bank macht dies deutlich.
Der Letzte der «Old School» war Nikolaus Senn, der in allen Ehren pensioniert wurde. Auf ihn folgte Robert Studer, der nach einem TV-Interview den Hut nehmen musste, in dem er die Zahlungen an Holocaust-Überlebende despektierlich als «Peanuts» bezeichnet hatte. Sein Nachfolger Mathis Cabiallavetta verlor den Topjob nach Milliardenverlusten beim LTCM-Desaster. Dann kam sein Fusions-Spezi Marcel Ospel an die Spitze, der sich bald auf den Präsidentenstuhl hievte. Von dort schasste er kurz darauf den von ihm gekürten CEO Luqman Arnold und ersetzte ihn mit Peter Wuffli. Der wurde 2007 in die Wüste geschickt und durch Marcel Rohner ersetzt. Ospel wurde im April 2008 nach dem gigantischen 37-Milliarden-Subprime-Verlust mit Schimpf und Schande und übervollen Taschen vom Hof gejagt. Als Nachfolger setzte er seinen Rechtsberater Peter Kurer ein, der Rohner absetzte und Ossi Grübel als CEO holte. Bald darauf musste auch Kurer das Handtuch werfen, und Kaspar Villiger wurde neuer Präsident. Vor kurzem trat Grübel nach dem Adoboli-Skandal zurück. Deswegen hatte auch Villiger letzte Woche seinen vorzeitigen Abschied anzukündigen.
Ja, caro Sergio Ermotti, und jetzt sind Sie dran. Bankanalysten versuchen jeweils mit einem akribischen Blick in die Vergangenheit, die Zukunft zu prognostizieren. Diese Methode nennen sie «technical chart». Ihre Kurve sieht leider verheerend aus. Die Halbwertszeit an der UBS-Spitze ist laufend kürzer geworden. Boni und Saläre sind wohl auch deshalb ins Unermessliche gestiegen, damit Topbanker für ihre glück- und erfolglosen Amtszeiten schnell in grandiosem Stil abkassieren können. Der unvermeidliche und brutale gesellschaftliche Absturz, der auf den Rausschmiss folgt, sollte ja auch irgendwie kompensiert werden.
Deshalb vernehmen wir nun, Herr Ermotti, Ihre verführerischen Prognosen für die Zukunft der UBS im vollen Wissen darüber, dass wir solche Schalmeienklänge von Ihren Vorgängern bis zum Überdruss gehört haben. Und dass wir das Ende der Geschichte kennen. Die Frage ist eben nicht ob, sondern wann.
Publiziert am 20.11.2011
von: sonntagszeitung.ch