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Rafael Nadal liess nichts unversucht und kassierte am Ende doch die erste Niederlage des Jahres. Trotz grosser Schmerzen und Schwierigkeiten bei der Atmung mühte sich der Spanier im Finale von Indian Wells mehr als zwei Stunden lang gegen Taylor Fritz aus den USA, wehrte einen Matchball ab und unterlag gut 20 Minuten später nach einer vergebenen Grosschance im Tiebreak doch noch 3:6 und 6:7 (5:7). Statt den vierten Turniersieg des Jahres zu feiern und ungeschlagen in die Sandplatzsaison zu starten, musste der Spanier die Niederlage und die Umstände verdauen.
Enttäuschung sitzt tief
«Ich wollte es perfekt machen vor Sand», sagte Nadal. «Ich bin traurig, weil ich nicht in der Lage war, richtig zu kämpfen. Diese Gefühle sind schwer, an jedem Tag, aber besonders in einem Final ist das sehr, sehr hässlich.» 20 Spiele lang war er in diesem Jahr unbesiegt, hatte bei den Australian Open seinen 21. Grand-Slam-Titel und damit den Rekord im Herren-Tennis geholt und zudem die ATP-Turniere in Melbourne und Acapulco gewonnen - das alles nach Schwierigkeiten am Fuss, die ihn monatelang komplett ausser Gefecht gesetzt hatten.
Der Fuss werde nie wieder bei 100 Prozent sein, hatte er schon vor dem Start ins Masters in der kalifornischen Wüste gesagt, aber er könne jetzt damit umgehen und seinem Körper wieder vertrauen. Das galt, bis er sich spät im Halbfinale gegen seinen 17 Jahre jüngeren Landsmann Carlos Alcaraz am Abend zuvor auf dem Platz behandeln lassen musste. Gegen Fritz kamen am Sonntag dann weitere Eingriffe des Physios hinzu. «Es ist hart für mich zu atmen», berichtete Nadal. Trotzdem gelangen ihm mitunter wahnwitzige Punkte gegen Fritz, der seinerseits enorm stark spielte.
Als fairer Sportsmann hatte er seine offensichtlichen Beschwerden bei der Dankesrede auf dem Platz mit keiner Silbe erwähnt und Fritz zu dessen zweitem Titel auf der ATP-Tour gratuliert.
Nachfolger von Agassi
Fritz ist der erste Amerikaner seit Andre Agassi 2001, der in Indian Wells gewinnen konnte. Mit 24 Jahren ist er zudem so jung wie zuletzt Novak Djokovic bei seinem Sieg 2011. «Ich muss für alle folgenden Interviews die Tränen zurückhalten. Das ist einer dieser Kindheitsträume, dieses Turnier hier zu gewinnen, von denen du nicht mal glaubst, dass sie wahr werden könnten», sagte Fritz, der aus Kalifornien kommt, bei der ersten Reaktion auf dem Platz unter dem grossen Jubel der Zuschauer im zweitgrössten Tennis-Stadion der Welt.
Er selbst hatte ebenfalls körperliche Probleme und war sich bis kurz vor der Partie nicht sicher, ob er überhaupt antreten kann. «Ich kann nicht mal im Ansatz sagen, wie unglaublich es ist, dass ich heute spielen konnte, wie ich spielen konnte, so gross waren meine Schmerzen», berichtete er von den Problemen an seinem Sprunggelenk, die beim Warmmachen aufgetaucht waren.
Als er den zweiten Matchball im Tiebreak schliesslich nutzte, nachdem Nadal beim Stand von 5:5 einen Ball am Netz entgegen aller Erwartungen ins Aus gejagt hatte, sank Fritz auf den Rücken und streckte Arme und Beine von sich. «Ich habe diese Matches gegen die grossen Jungs mein ganzes Leben verloren und es hat sich immer angefühlt, als seien sie unschlagbar», sagte er. «Es ist eine Ehre, nun mit ihm auf dem Platz zu stehen.»