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Die Konstruktion des imaginären Raums
Prova di Memoria, Incantesimi, Bomarzo 27 – 28 Settembre 1997
Prova di Memoria, Incantesimi, Bomarzo 27 – 28 Settembre 1997
Dieses Bild liest sich von links nach rechts. Es entstand 1997 während eines Festivals in Bomarzo.
Giovanni Di Stefano hatte die Fläche eines rechteckigen weissen Blattes mit Rasterlinien versehen. Mit durch Zufall ermittelten Punkten bestimmte er Anfang und Ende der Linien, die dieses Blatt durchkreuzen. Danach schnitte er das Blatt gemäss den vorgezeichneten Linien in 17 Polygone. Das Blatt war halb so gross, wie die schwarze Fläche, auf welche die Polygone zu legen waren.
Das daraus entstandene Bild stellte er in sein Tachistoskop: Durch eine Öffnung dieser Holzkiste konnte man für 66 Sekunden (so viele Ecken hatten alle Polygone zusammengezählt) dieses erste Bild betrachten.
Aufgabe des Publikums
23 Briefumschlägen enthielten dieselben 17 Polygone. Die erste Person schaute sich das erste (Stimulus-)Bild durch das Tachistoskop an. Sie versuchte sich die Anordnung der geometrischen Formen zu merken. Danach versuchte sie, auf einer gleich grossen Grundfläche, die Polygone in derselben Anordnung anzubringen. Dieses zweite Bild stellte G. Di Stefano in das Tachistoskop. Es galt als Vorlage für eine nächste Person. In dieser Abfolge arbeiteten 23 Personen.
Wahrnehmung und Erinnerung sind kreative Akte
Durch Unterbrechung der Wahrnehmung (z. B. Wegnahme eines Stimulus-Bildes) ist die Information (z. B. Position von Polygonen) nicht mehr verifizierbar. Die Imagination kommt hier ins Spiel. Sie stützt sich auf unsere Erfahrung mit Realität ab. Und was wir aus ihr heraus produzieren, weicht immer von der Realität ab und ist Ausdruck unserer tiefsten Persönlichkeit: Erinnerung ist also nie präzise, und ihre Fehler sind unwillkürliche, kreative Akte.