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Ausgangslage
Seit dem Schuljahr 2004/05 ist an der Sekundarschule das Deutschlehrmittel «Sprachwelt Deutsch» provisorisch obligatorisch. «Sprachwelt Deutsch» ist ein Sprachlehrmittel, das binnendifferenziert ist und damit an allen Abteilungen bzw. Stammklassen eingesetzt werden kann.
«Sprachwelt Deutsch» klammert das literarische Lesen und Lernen bewusst zum grossen Teil aus. Was den Umgang mit Literatur im Unterricht betrifft, besteht bei den Unterrichtenden ein grosser Bedarf an einer altersgemässen Auswahl von Texten und an stufengerechten Anregungen zum schulischen Umgang mit Lektüre: Gut begründete, ausformulierte und in der Praxis erprobte Unterrichtsvorschläge für die Sekundarstufe I fehlen weitgehend; das bisher erhältliche Angebot beschränkt sich zumeist auf einzelne zerstreute Lektürehilfen zu einzelnen Texten.
Konzept «Lesewelten»
Auf der Grundlage eines Konzepts, das den Literaturunterricht in allen Schuljahren der Sekundarstufe I berücksichtigt, verfolgt das neue Lehrmittel «Lesewelten» das Ziel, diese Mangelsituation zu beheben und für die Behandlung von literarischen Texten im Unterricht gut begründete Modelle anzubieten. Das Lehrmittel will zum einen Lehrenden und Lernenden neue und vielfältige Zugänge zu Literatur aufzeigen und damit eine reichhaltige literarische Erfahrung ermöglichen. Zum andern besteht der Anspruch, mit diesen Modellen die Lektürekompetenzen der Lernenden zur fördern.
Charakteristika der geplanten Materialien
- Jugendlichen soll der Einstieg in die Beschäftigung mit Literatur über verschiedenartige und vielfältige Zugänge erleichtert werden.
- Es sollen Begegnungen sowohl mit anspruchsvolleren Texten, die einer Anleitung für die erfolgreiche Auseinandersetzung bedürfen, als auch mit Texten, die wenig Vorentlastung (Wortschatz, Begriffe, Kontext) benötigen, möglich sein.
- Zu einem Werk/Gegenstand/Thema sollen mögliche Unterrichtsszenarien an Hand mehrerer unterschiedlicher Beispiele aus der Schulpraxis als «Modelle» dargestellt («Protokolle» von durchgeführtem Unterricht), erläutert und kommentiert werden.
- Die Freiheit der einzelnen Lehrperson in der Gestaltung eines auf eine bestimmte Lerngruppe zugeschnittenen Literaturunterrichts soll gewahrt bleiben. Das Angebot von Materialien und Ergänzungstexten sowie von Alternativzugängen ist in diesem Sinn als ein Auswahlangebot konzipiert.
- Die Materialien berücksichtigen die Bedingungen von Klassen mit zahlreichen Schülerinnen und Schülern und auch von Klassen verschiedener Leistungsniveaus.
- Bei der Auswahl der Texte wird darauf geachtet, dass eine Volltextlektüre für gut greifbare und vielen Lehrpersonen bekannte Texte vorgesehen wird. Bei neueren oder etwas weniger bekannten Texten schlägt «Lesewelten» in der Regel die Arbeit mit Ausschnitten vor. Mit dieser Aufteilung werden die Unterrichtsvorschläge praktikabel: Für die Lernenden kann bei einer Volltextlektüre mit einem z.B. bei Bibliomedia Schweiz in Solothurn erhältlichen Klassensatz gearbeitet werden.
Form künftiger Materialien
- Lesematerialien für die Lernenden: Inwieweit Lesetexte in gedruckter Form Teil des Unterrichtsmaterials sein werden, hängt von der Verfügbarkeit und vom Kosten-Nutzen-Verhältnis der vorgeschlagenen Texte ab. Bei Volltextlektüren soll in der Regel auf bestehende Editionen verwiesen werden, die teils bereits Bestandteil der Schulbibliotheken sind, teils als Taschenbücher über den Buchhandel beschafft werden können.
- Begleitmaterial für Lehrkräfte: Dieses Element des Angebots enthält neben gedruckten Texten (und gegebenenfalls auch Bildern) auch Hörtexte und Filme. Der Begleitkommentar für die Lehrperson umfasst die für die Arbeit am Material erforderlichen didaktischen Hinweise sowie vor allem die voraussichtlich 2-3 dokumentierten und kommentierten Beispiele durchgeführter Unterrichtssequenzen.
- Website «www.lesewelten.ch»: Auf dieser Internetseite können u.a. weitere, nicht en détail ausgeführte Modul-Skizzen veröffentlicht sowie gute Modul-Beispiele aus der Schulpraxis publiziert werden.
Erwägungen
Der Lehrplan für die Volksschule des Kantons Zürich sieht im Unterrichtsbereich Sprache an der Oberstufe im Abschnitt Lesen vor, dass die Schülerinnen und Schüler sich mit literarischen Texten aus verschiedenen Epochen auseinandersetzen. Unter dieser Zielsetzung sollen die Lernenden mit unterschiedlichen Textsorten arbeiten.
Die kantonale Lehrmittelkommission hat das Feinkonzept zu «Lesewelten» am 1. März 2005 zur Kenntnis genommen. Sie beantragt dem Bildungsrat die Schaffung des Lehrmittels.
Der Vorstand der ilz unterstützt die Schaffung des Lehrmittels ebenfalls.
Das neue Lesemittel «Lesewelten» ist vor allem für die Schülerinnen und Schüler der anspruchsvolleren Abteilungen und Anforderungsstufen geeignet. Neben diesem Lehrmittel sind daher noch andere Angebote zur Leseförderung auf der Oberstufe zu entwickeln.
Finanzielles
«Lesewelten» wird als interkantonales Lehrmittel in Verlagsgemeinschaft zwischen dem schulverlag blmv AG Bern und dem Lehrmittelverlag des Kantons Zürich produziert.
Aufgrund des vorliegenden Konzeptes hat der BLMV einen Gesamtkostenrahmen von Fr. 1.2 Mio. errechnet.
Der Lehrmittelverlag des Kantons Zürich beteiligt sich mit 50 % am Gesamtaufwand und -ertrag. Der Betrag kann in die Globalbudgets eingestellt werden.
Projektstruktur
Bei der Schaffung von «Lesewelten» handelt es sich um ein interkantonales Lehrmittelprojekt Die Projektleitung liegt bei J. Winkelmann, Direktor ilz, P. Uhr, Direktor des schulverlags blmv AG, P. Feller, Direktor des kantonalen Lehrmittelverlags Zürich und R. Gysi, Sektorleiter Unterrichtsfragen beim Volksschulamt des Kantons Zürich. Die Projektkoordination liegt beim Berner Lehrmittel- und Medienverlag.
Antrag
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Bildungsrat:
- Es wird ein neues Deutschlehrmittel «Lesewelten Deutsch» für die Sekundarstufe I geschaffen. Dem vorliegenden Konzept wird zugestimmt.
- Der Bildungsrat nimmt zur Kenntnis, dass es sich um ein interkantonales Lehrmittel handelt, das im Rahmen der ilz in enger Zusammenarbeit zwischen dem schulverlag blmv AG einerseits und dem Lehrmittelverlag des Kantons Zürich anderseits entsteht. Die Details werden in einem Vertrag zwischen den beiden Verlagen geregelt.
- Das neue Lehrmittel erhält den Status «zugelassen».
- Publikation in geeigneter Form im Internet und im Schulblatt des Kantons Zürich.
- Mitteilung (ohne Beilage) an schulverlag blmv AG, den Vorstand der Lehrpersonen-konferenz der Volksschule (3), die Bezirksschulpflegen (12), die Schulpflegen (223), das Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich, das Departement Schule und Sport Winterthur, die Vereinigung Zürcherischer Schulpräsidenten, das Rektorat der Pädagogischen Hochschule Zürich , den Zürcher Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverband zuhanden der Stufenorganisationen, die Vereinigung der Schulleiter und Schulleiterinnen des Kantons Zürich, den Verein Sekundarlehrkräfte des Kantons Zürich, den Verband des Personals öffentlicher Dienste der Sektion Zürich (Lehrberufe), den Mittelschullehrerverband, den Verband Zürcher Privatschulen, die Vereinigung der Eltern-Organisationen im Kanton Zürich, die interkantonale Lehrmittelzentrale (ilz), die Mitglieder der kantonalen Lehrmittelkommission (10), die Bildungsdirektion, das Generalsekretariat der Bildungsdirektion / Abteilung Bildungsplanung, das Volksschulamt, das Mittelschul- und Berufsbildungsamt, den Lehrmittelverlag, die Direktion der Justiz und des Innern, Gemeindeamt.