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| Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen.

Ps. 2
Abhandlung über den zweiten Psalm.
3.
Allein vollkommen bleibt die Autorität dieser siebenzig Uebersetzer; erstens, weil sie vor der leibhaften Ankunft des Herrn übersetzt haben, und ihnen in der Uebersetzung keine Schmeichelei, welche sie sich zu Gunsten der Zeit erlaubt hätten, vorgeworfen werden kann, indem die Zeit der Uebertragung um so viel früher ist; zweitens, weil eben jene Vorsteher und Lehrer der Synagoge, welche nebst der Kenntniß des Gesetzes durch Moses auch noch durch eine geheimere Lehre vervollkommnet waren, als Schiedsrichter im Uebersetzen anerkannt werden mußten, da sie die zuverläßigsten und ehrwürdigsten Lehrer waren. Diese also haben, [S. 365] indem sie unter den übrigen Büchern auch die Psalmen übersetzten, dieselben mit Zahlen versehen, nach der Reihe geordnet, und durch Diapsalmen unterschieden, da sie nach den Hebräern alle unter einander gemischt waren, und noch sind. Die Uebersetzungen dieser Männer also waren den Hebräern, welche damals nur ihre Sprache gebrauchten, nicht nothwendig. Sie wurden aber mit fleißiger und gewissenhafter Sorgfalt aufbewahrt, und als man sie nachher, da der Herr das ganze Gesetz durch das Geheimniß seiner Körperannahme, seines Leidens und seiner Auferstehung erfüllt hatte, mit diesen Büchern, welche dieselben Uebersetzer dem Könige übergeben hatten, verglich, und als getreu übereinstimmend fand, wurde ihre Autorität durch den Vorzug der Lehre und des Alters als unumstößlich aufgestellt.