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Für eine Diskussion in unserer regelmässigen Arbeitsgruppe «Foro Paradigmas del Desarrollo» («Forum Paradigmen der Entwicklung») habe ich ein paar Daten über Abholzung zusammengetragen, die ich schweren Herzens teile. Das Ausmass der Katastrophe wurde mir erst jetzt wieder bewusst…
- Weltweit verlieren wir 13 Millionen Hektaren Wald pro Jahr. Dies entspricht der Fläche von Griechenland und bedeutet eine Abholzung von 35 Fussballfeldern PRO MINUTE. Am radikalsten wird in Zentral- und Südamerika, in Zentralafrika und in Südostasien abgeholzt.
- In Lateinamerika sind es 4,3 Millionen Hektaren pro Jahr, Tendenz steigend. Führend in der Zerstörung der Regenwälder ist Brasilien, wo minütlich 5 Hektaren der Säge zum Opfer fallen – eine Fläche von sieben Fussballfeldern.
- Das Amazonasbecken ist die Region mit der grössten zusammenhängenden Fläche Urwald auf der ganzen Welt – noch. Zwischen 2000 und 2010 wurden dort fast 64 Millionen Hektaren Wald abgeholzt, 7 Prozent seiner gesamten Ausdehnung. Mehr als ein Drittel der weltweiten Abholzung findet in dieser Region statt.
- Heute sind nur noch ca. 30 Prozent der Welt mit Wald bedeckt. In Bolivien sind es noch 60 Prozent, ca. 60 Millionen Hektaren. Doch zwischen 2001 und 2016 wurden mehr als 4 Millionen Hektaren gefällt – allein 2016 war es fast eine halbe Million Hektaren.
- Weltweit gibt es nur drei Länder, die mehr abholzen als Bolivien: Botswana, Paraguay und Namibia.
Es gibt verschiedenste Gründe für Abholzung, doch meist hängen sie mit dem Wunsch oder der Notwendigkeit zusammen, Geld zu verdienen oder Lebensmittel zu produzieren. Brandrodung für Ackerbau und Viehzucht ist in Lateinamerika und anderen Regionen der Welt weit verbreitet. Doch eine Folge dessen ist die Erosion der Böden, die sich wiederum negativ auf die Landwirtschaft auswirkt, weil die Erde an Fruchtbarkeit verliert. Grosse Waldflächen werden für den Anbau von Soja, Kaffee oder Palmöl sowie Rohstoffförderung geopfert, ausserdem für die Gewinnung von Tropenholz oder den Bau von Strassen.
Die Zerstörung der Urwälder führt zum radikalen Verlust der Biodiversität: Jeden Tag sterben mehr als 100 Tier- und Pflanzenarten aus. Die Wälder des Planeten sind die Heimat von 70 Prozent der Flora und Fauna. Doch die Abholzung bedroht nicht nur das natürliche Gleichgewicht, sondern trägt auch erheblich zum Klimawandel bei. Die Böden der Wälder sind feucht, und ohne den Schutz der Bäume trocknen sie schnell aus. Die Bäume sind integraler Bestandteil des Wasserkreislaufs und sorgen dafür, dass Wasserdampf zurück in die Atmosphäre gelangt. Mit dem Fällen der Bäume verwandeln sich Wälder in Wüsten.
Wälder sind ausserdem Temperatur-Regler und beschützen Fauna und Flora: Tagsüber schirmen die Bäume die Sonnenstrahlen ab, nachts speichern sie Wärme. Ohne Wälder werden die Temperaturen schnell extremer, was sich ebenfalls tödlich auf Tiere und Pflanzen auswirkt.
Ausserdem sind Bäume unersetzlich in ihrer Absorption von CO2 und Triebhausgasen, die verantwortlich für die globale Erwärmung sind. Mit jedem Baum, der fällt, bleiben mehr Triebhausgase in der Atmosphäre, und der Klimawandel wird noch beschleunigt.
Überall auf der Welt gibt es Wiederaufforstungsprojekte, die der Abholzung entgegenzuwirken versuchen. Eins der grössten findet zurzeit in Afrika statt. Afrika verliert pro Jahr 4 Millionen Hektaren Wald, vor allem im Sudan und im Kongo. Das Projekt «Die Grosse Grüne Mauer» sieht vor, eine Mauer aus Bäumen zu pflanzen, die sich 8’000 Kilometer weit quer durch den Kontinenten zieht.
WAS KÖNNEN WIR TUN?
- Recycliertes Papier verwenden, v.a. auch recycliertes WC-Papier, denn WC-Papier kann logischerweise nicht ein weiteres Mal recycliert werden.
- Darüber nachdenken, ob man wirklich alles ausdrucken muss – und beim Drucken immer beide Seiten des Papiers benutzen.
- Gelesene Bücher verschenken.
- Keine Plastiktüten benutzen – um Plastik zu produzieren, wird Petrol benötigt, und für die Gewinnung von Petrol werden Wälder abgeholzt und vergiftet.
- Den Gebrauch von Motorfahrzeugen auf ein Minimum reduzieren.
- Möglichst wenig Produkte kaufen, die Aluminium oder andere Metalle enthalten – um diese Metalle zu gewinnen, werden ebenfalls Wälder abgeholzt und vergiftet.
ÜBRIGENS: Mobiltelefone enthalten verschiedene Metalle. Für die Produktion von Mobiltelefonen werden jedes Jahr 43 Tonnen Gold, 6’800 Tonnen Kobalt und 16’000 Tonnen Kupfer gefördert. Die Menge von Gold, die in einem einzigen Telefon steckt, produziert 100 Kilo (!!) giftigen Abfall, der die Böden und die Bäche rund um die Minen herum verschmutzt.
- Keine Produkte mit Palmöl kaufen. Grosse Waldflächen werden abgeholzt, um Ölpalmen zu pflanzen.
- Keine Möbel aus Tropenholz kaufen.
- Und zu guter Letzt: DEN FLEISCHKONSUM REDUZIEREN!!
Einer der Hauptgründe für die Abholzung von Regenwald ist der Bedarf an Ackerland für den Anbau von Soja und anderen Nahrungsmitteln, die als Futter für Kühe dienen. 75 Prozent des Sojas weltweit fliesst in die Produktion von Fleisch.
Um ein Kilo Fleisch zu produzieren, braucht es:
7 bis 16 Kilo Futter
49 Quadratmeter Land
15’000 Liter Wasser
Um ein Kilo Kartoffeln zu produzieren, braucht es dagegen nur:
100 Liter Wasser
0.25 Quadratmeter Land
Auf einer Parzelle der Grösse, die man braucht, um 50 Kilo Fleisch zu produzieren, könnte man 4’000 Kilo Äpfel oder 6’000 Kilo Kartoffeln produzieren.
Eine Parzelle, die man braucht, um eine einzige Kuh zu ernähren, kann bis zu hundert Menschen direkt ernähren.
>> 28. November: Ergänzung von Bio-Landwirt Markus Schär, VIELEN DANK!!! – Wir müssen unterscheiden zwischen Tieren, die mit Kraftfutter ernährt werden und der Bio-Landwirtschaft…
«Das Problem ist, dass wir die Kuh zur Sau gemacht haben, mit der Fütterung von Getreide und Soja. Kühe sind aber eigentlich Wiederkäuer und können sich von Gras ernähren. Sie müssen nicht mit Kraftfutter gefüttert werden, wenn sie nicht so auf Fleisch- und Milchleistung hochgezüchtet werden. Gras ist für den Menschen keine Nahrung, Milch und Fleisch von Wiederkäuern hingegen schon. Es gibt weltweit z.T. ausgedehnte Gebiete mit Grasland, die sich nicht für den Ackerbau eignen, sowie «Völker», die davon abhängig sind, Tiere zu nutzen. Nicht zu vergessen, der positiven Beitrag von Grasern auf die Bodenfruchtbarkeit («Mist ist des Bauern List») und die Speicherung von CO2 im Boden, sofern bodengebundene, bäuerliche und nicht industrielle Viehwirtschaft betrieben wird.
Es kann also nicht darum gehen, die Kuh oder das Fleischessen zu verteufeln. Sondern darum, ökologisch vielfältige, bäuerliche Landwirtschaften zu unterstützen, die den klimatischen, topographischen und pedologischen Bedingungen Rechnung und Sorge tragen. Das heisst grundsätzlich: die industrielle Landwirtschaft muss zurückgedrängt bzw abgeschafft werden. Die Agrarökolgie weist die Richtung, und darunter fällt auch die Agroforstwirtschaft, die Bäume in den Landbau integriert.
Und ja: wir Wohlhabenden müssen den Fleischkonsum reduzieren, aber vor allem den von Schwein und Huhn. Denn sie sind keine Graser und konkurrenzieren, wenn sie nicht als «Abfallverwerter» gehalten werden, die menschliche Ernährung.»