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Flötenbauer/in
Flötenbauer* stellen Flöten her. Die Familie der Flöten umfasst eine grosse Vielfalt an verschiedenen Blasinstrumenten (→ Blasinstrumentenbauer), deren gemeinsames Kennzeichen das Prinzip der Tonerzeugung ist: Der Luftstrom wird auf eine scharfe Kante oder eine Schneide gelenkt, an der er sich bricht. Je nachdem, an welcher Stelle die Kante bzw. Schneide positioniert ist, kann eine Flöte verschiedenen Typen zugeordnet werden; zu den heute bei uns bekanntesten zählen Querflöte, Blockflöte und Panflöte.
- Bei der Querflöte befindet sich die Kante als ovales oder rundes Mundloch an der Seite des Instruments, in einer Linie mit den Grifflöchern.
- Die Blockflöte (auch: Schnabelflöte) erhielt ihren Namen von dem hölzernen Block im Rohrkopf. Ein schmaler Spalt zwischen Block und Flötenrohr lenkt den Luftstrom zur Schneide, dem sogenannten Labiumfenster.
- Die Panflöte besteht aus mehreren zusammengefügten Rohren unterschiedlicher Länge. Die abgeschnittenen und zugeschliffenen Rohrenden bilden die einzelnen Kanten.
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Materialien
Je nach Flötentyp verarbeitet der Flötenbauer unterschiedliche Materialien. Querflöten werden heute überwiegend aus Metall hergestellt, üblicherweise aus Silber, Gold oder Neusilber. In jüngster Zeit werden vermehrt auch wieder hölzerne Querflöten gebaut (auch bei diesen bestehen sämtliche Klappen aber immer aus Metall). Für Blockflöten kommen verschiedene Holzarten in Frage, häufig sind Birnbaum, Ahorn oder Grenadill. Für Qualitäts-Panflöten wird Bambus verwendet.
Gemeinsamkeiten im Bau von Block- und Querflöten
Heutige Block- und Querflöten sind typischerweise dreiteilig: Kopf, Mittelstück und Fuss bilden das Flötenrohr (Ausnahmen: Die kleinsten Blockflöten bestehen aus zwei oder sogar nur einem Stück). Während Holzinstrumente auf der Drehbank Die einzelnen Teile werden nicht fest miteinander verbunden, sondern nur ineinandergesteckt. Sorgfältige Feinausarbeitung der Kontaktstellen ist deshalb besonders wichtig, damit das Instrument später weder auseinanderfällt noch „klemmt“. Die Tonlöcher werden in Mittelstück und Fuss gebohrt. Bei Querflöten und den grösseren Blockflöten kommen metallene Klappen zum Öffnen und Schliessen der Tonlöcher hinzu. Um einen luftdichten Verschluss der Tonlöcher zu gewährleisten, werden die Innenseiten der Klappen mit einem kleinen Polster, zum Beispiel aus Ziegenleder mit Filzeinlage, ausgekleidet.
Während das Material auf den Klang des Instruments keinen wesentlichen Einfluss hat, bestehen in der Herstellung natürlich erhebliche Unterschiede zwischen einem Metall- und einem Holzinstrument. Im Folgenden sollen exemplarisch die wichtigsten Arbeitsschritte beim Bau einer einfachen klappenlosen Blockflöte beschrieben werden.
Die Herstellung einer Blockflöte
Der erste Schritt besteht in der sorgfältigen Auswahl des Holzes. Dieses wird in Stangen geeigneter Länge und Dicke zugeschnitten und getrocknet, bis ein Feuchtigkeitsgehalt von 8-12% erreicht ist. Nun werden die Stangen in der Mitte mit dem Spiralbohrer durchbohrt und anschliessend auf der Drehmaschine auf die Rohform gedrechselt. Die Flötenrohlinge werden mit Paraffin oder Leinöl imprägniert. Nach einer weiteren Ruhephase von einigen Wochen bis Monaten erhalten die Flötenrohrteile ihre endgültige Form. Die Innenbohrung, von welcher Klang und Tonumfang der Flöte weitgehend abhängen, wird auf den gewünschten Durchmesser und die gewünschte Form gebracht. Letztere kann auch unregelmässig verlaufen und komplizierte Kurven bilden. Die Aussenform des Flötenkörpers wird gedrechselt. Dies geschieht heute auch für komplizierte Formen zunehmend automatisch auf computergesteuerten Drehmaschinen. Nach dem Drechseln wird die Oberfläche von Hand geschliffen und geglättet. Anschliessend wird das Holz gebeizt und lackiert oder geölt.
Am unteren Teil bzw. am Mittel- und Fussstück der Flöte werden nun die Tonlöcher gebohrt. Lage und Durchmesser der Tonlöcher müssen exakt auf die Innenbohrung abgestimmt werden.
Am Kopfteil werden Labium und Windkanal geschnitzt und gehobelt, und der Block, traditionell aus Zedernholz gefertigt, wird eingepasst. Diese Elemente beeinflussen den Klang der fertigen Flöte massgeblich, ihre Ausarbeitung verlangt deshalb äusserste Präzision. Abschliessend wird das Mundstück ausgesägt und geschliffen.
Die Kontaktstellen zwischen den einzelnen Flötenteilen bestehen aus Zapfenverbindungen: Der am oberen Ende des Mittelstücks sitzende Zapfen passt genau ins sogenannte Zapfenherz, eine Aushöhlung am unteren Ende des Mundstücks. Für einen luftdichten, aber dennoch flexiblen Verschluss wird der Zapfen mit einem Korkstreifen oder mit Faden umwickelt.
Abschliessend muss die Flöte probegespielt und nachgestimmt werden. Das Nachstimmen erfolgt an den Tonlöchern: Diese werden, wo nötig, zur Innenbohrung hin im Durchmesser erweitert. Um den Klang einer Flöte korrekt beurteilen zu können, muss der Flötenbauer das Instrument selber spielen können und insbesondere auch über ein sehr gutes Musikgehör verfügen.
Die Herstellung von Panflöten
Panflöten werden meist aus Bambusrohren hergestellt. Die einzelnen Rohre werden sorgfältig geschliffen, an der Unterseite mit einem Zapfen verschlossen und mittels Bienenwachs auf den gewünschten Ton gestimmt. Entscheidend für die Tonhöhe ist die Rohrlänge: Je länger das Rohr, desto tiefer der Ton. Während bei volkstümlichen Instrumenten die Einzelrohre in vielen Ländern auch heute noch mit Schnur oder Bast zusammengebunden werden, werden sie bei einer modernen Konzertpanflöte miteinander verleimt. Für einen festen, unverrückbaren Sitz wird an die Unterkante des Instruments ein hölzerner Schuh angebracht. Abschliessend erhält die Panflöte einen schützenden Lackanstrich.
Geschichte
Steinzeit
Unter den Blasinstrumenten ist die Flöte vermutlich das älteste. Mindestens 35‘000 Jahre alte Fundstücke belegen, dass Menschen bereits in der Steinzeit Grifflöcher in ausgehöhlte Knochen bohrten. Dass diese bearbeiteten Mammut-, Schwan- und Geierknochen auch tatsächlich Töne erzeugen konnten, bewies der Nachbau: Auf einer rekonstruierten Flöte aus Mammutelfenbein lassen sich sechs verschiedene Töne spielen. Aus diesen ersten, primitiven Formen entwickelten die Menschen so gut wie überall auf der Erde allmählich elaboriertere Flöteninstrumente. Neben Knochen wurden auch andere Materialien verwendet, vor allem Holz, Stein und Ton.
Wie die steinzeitlichen „Flötenbauer“ aus hohlen Gegenständen, zum Beispiel Bambus oder Muscheln, die bei Anblasen einen Ton erzeugen, allmählich eigentliche Blasinstrumente erschufen, kann man nur vermuten. Möglich wäre zum Beispiel der folgende Ablauf: Zunächst stellten experimentierfreudige Bambusrohrbläser fest, dass einem einfachen Bambusrohr durch Überblasen, also durch Modulation der Lippenspannung und des Luftstromes, zusätzliche Töne zu entlocken waren. Ebenso wurde sicher früh bemerkt, dass Bambusrohre unterschiedlicher Längen unterschiedliche Töne erzeugten; die Aneinanderreihung mehrerer Röhren zur Panflöte war damit ein naheliegender Schritt. Die späteren Flöten mit Grifflöchern hatten ihren Ursprung wohl in der Beobachtung, dass verschliessbare Löcher im Rohr weitere Töne erzeugen konnten. Die Tonlöcher wurden zunächst vermutlich aufs Geratewohl angebracht, ehe man den Zusammenhang zwischen Abständen und Tonhöhen begriff und das zufällige Muster einer gewollten Anordnung wich.
Flöten in der Antike
Die alten Hochkulturen hatten bereits eine ausgeprägte Musikkultur, in der die Flöte eine prominente Rolle spielte. Aus Mesopotamien sind Flöten aus Ton erhalten, während Wandmalereien aus dem alten Ägypten verschiedene Flöteninstrumente abbilden, vielfach im Ensemble mit Zupf-, Schlag- und weiteren Blasinstrumenten. Im antiken Griechenland spielte man die Syrinx, eine Panflöte mit fünf oder mehr verbundenen Rohrpfeifen, deren Erfindung dem Gott Pan zugeschrieben wurde. Die Römer übernahmen von den Griechen die Syrinx, von den Etruskern die Querflöte.
Flöten im europäischen Mittelalter
Mit dem Untergang Roms ging in Europa auch die Musikkultur der Antike weitgehend verloren. Über das Schicksal der Flöte im europäischen Früh- und Hochmittelalter ist kaum etwas bekannt; in einfacher Form – z.B. Jagdpfeifen, Hirtenflöten – wurde sie vom Volk zweifellos weiterhin gespielt, eigentliche Flötenbauer gab es bei uns in diesen Jahrhunderten jedoch sicherlich nicht. Bewahrer der antiken Kultur waren einerseits Byzanz, andererseits das Islamische Reich; ca. im 10./11. Jahrhundert wurden Block- und Querflöte über Asien, vermutlich auch über Afrika (→ Spanien) in Europa wieder eingeführt.
Entwicklungen im Bau und der Verwendung von Blockflöte und Querflöte
Bis ca. 1750 verstand man in Europa unter „Flöte“ allgemein die Blockflöte. Bereits um 1500 wurden vier verschiedene Blockflöten für unterschiedliche Tonbereiche gebaut. Die Instrumente der tiefen Lagen wurden früh mit Klappen versehen, da die Tonlöcher zu weit auseinanderlagen, um durch die Finger allein gedeckt werden zu können. Eine weitere früh entwickelte Hilfskonstruktion bei grossen Blockflöten war eine S-förmige Metallröhre, die den Schnabel verlängerte und dadurch das Anblasen erleichterte. Bis zur Renaissance wurde die Blockflöte aus einem Stück gedrechselt, im Barock findet sich dann bereits die heute übliche Dreiteilung in Kopf, Mittelstück und Fuss. Die Bohrung war umgekehrt-konisch. Die Flöte besass typischerweise sechs vordere Grifflöcher, ein hinteres für den Daumen und ganz unten zwei weitere für den kleinen Finger, eines links, eines rechts angebracht. Der Spieler bestimmte selber, welche Hand er unten hielt und wählte das Loch für den kleinen Finger entsprechend aus. Das nicht benutzte Loch wurde mit Bienenwachs verschlossen.
Die Querflöte, bis Ende des 19. Jahrhunderts wie die Blockflöte aus Holz hergestellt, wurde im Mittelalter vor allem von Soldaten als Marschinstrument geblasen („Schweitzerpfeiffe“). Im 16. Jahrhundert wurden neue Typen von Querflöten entwickelt, welche deren allmähliche Aufnahme in die Kunstmusik ermöglichten. Eine weitere wichtige Neuerung im Flötenbau fand im 17. Jahrhundert mit dem Übergang von der zylindrischen zur konischen Innenbohrung statt. Diese Änderung zog auch eine Änderung der Griffmuster nach sich. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte die Querflöte schliesslich einen so rasanten Aufstieg, dass sie bereits um die Jahrhundertmitte die Blockflöte als wichtigstes Flöteninstrument und Trägerin des Gattungsnamens abgelöst hatte. Die Blockflöte verschwand in der Folge beinahe vollständig und wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt.
Wie im Musikinstrumentenbau allgemein üblich, waren die meisten grossen Flötenbauer auch bedeutende Flötisten. Viele Neuerungen im Flötenbau entstanden deshalb durch Versuche von Musikern, ihr Instrument zu verbessern. So wurde zum Beispiel während des 18. Jahrhunderts mit zusätzlichen Löchern experimentiert und an der Konstruktion von leicht zu bedienenden Klappen gefeilt. Änderungen im Flötenbau hatten zumeist auch direkte Auswirkungen auf das Spiel und schliesslich auf die Flötenmusik insgesamt – leicht zu bedienende Klappen ermöglichten schnelleres Spiel, was wiederum Auswirkungen auf das Tempo-Empfinden in der Musik überhaupt hatte.
Die Boehm-Flöte
Für eine Revolution im Querflötenbau sorgte schliesslich um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Münchner Flötist und Instrumentenmacher Theobald Boehm. Durch zahlreiche grundlegende Neuerungen erfand er die Querflöte quasi neu. Aufgrund akustischer Überlegungen änderte er die Zahl der Tonlöcher, ihre Grösse und ihre Anordnung. Diese Änderungen machten wiederum die Anbringung von Fingerdeckeln und Klappen sowie die Ausarbeitung vollkommen neuer Griffmuster für die einzelnen Töne nötig. Auch die Bohrung des Rohres liess Boehm nicht unangetastet und kehrte von der konischen zurück zur zylindrischen Bohrung. Das Mundstück erhielt leicht parabolische Form. Trotz des damit verbundenen Aufwands für die Querflötisten hat sich der Boehm’sche Klappenmechanismus (Ringklappenmechanik) dank seiner akustischen Überlegenheit durchgesetzt und wurde auch für andere Blasinstrumente (z.B. Klarinette, Oboe, Saxophon) übernommen. Heutige Querflöten werden überwiegend nach Boehms Modell gebaut.
Flötenbau heute
Der Flötenbau ist bis heute ein hochspezialisiertes Handwerk geblieben. Ein hochwertiges Instrument, das höchsten musikalischen Ansprüchen genügt, kann nicht am Fliessband hergestellt werden. Während einzelne Fabrikationsschritte, zum Beispiel das Drechseln standardisierter Blockflöten-Teile (s. oben, Die Herstellung einer Blockflöte), zwar durchaus ohne Schaden automatisiert werden können, bleiben für viele andere das geübte Auge, das geschulte Ohr und die erfahrene Hand des Flötenbauers unersetzlich. Die Nachfrage nach Qualitätsinstrumenten nimmt seit einigen Jahren stetig zu, so dass ein gut ausgebildeter Flötenbauer auch heute noch von seinem Handwerk leben kann.
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet.
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Literatur
Baines Anthony: Lexikon der Musikinstrumente, Stuttgart 2010.
Berufsverzeichnis des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, www.bvz.admin.ch/bvz/berufe → Eintrag Musikinstrumentenbauer EFZ / Musikinstrumentenbauerin EFZ, http://www.bvz.admin.ch/bvz/grundbildung/index.html?detail=1&typ=EFZ&item=781&lang=de, abgerufen am 28.07.2015.
Elkar Rainer S., Keller Katrin, Schneider Helmuth (Hg.): Handwerk. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Berlin 2014.
Matzke Hermann: Unser technisches Wissen von der Musik. Einführung in die musikalische Technologie, Lindau im Bodensee 1949.
Meylan Raymond: Die Flöte. Grundzüge ihrer Entwicklung von der Urgeschichte bis zur Gegenwart, Mainz 2000.
Mollenhauer Bernhard: Wie eine Blockflöte entsteht. Arbeitsblätter für den Blockflötenunterricht / Die Blockflöte Nr. 1, © Conrad Mollenhauer GmbH, Fulda, http://www.mollenhauer.com/images/stories/PDF/Wie-eine-Blockfloete-entsteht.pdf, abgerufen am 02.08.2015.
Werner-Jensen Arnold: Das Reclam-Buch der Musik, Stuttgart 2012.
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