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Warum sollten Menschen Leib und Leben riskieren, um über riesige Weiten gefährlicher Ozeane zu reisen und scheinbar wertlose Schmuckstücke zu verschenken? – Diese Frage stellte sich Bronisław Malinowski hinsichtlich des sogenannten Kula-Rings, den er Anfang des 20. Jahrhunderts erforschte.
Mit den scheinbar wertlosen Schmuckstücken meinte der Anthropologe Halsketten und Armbänder, die unter den Einwohnern der pazifischen Trobriand-Inseln getauscht werden. Das System nennt sich Kula oder auch Kula-Ring, da der Verlauf der Tauschgeschäfte einer Art Kreisbewegung folgt.
Die vaygu'a, wie der Tausschmuck bezeichnet wird, zirkuliert nach strengen Regeln: die Halsketten im Uhrzeigersinn und die Armbänder im Gegenuhrzeigersinn. Überhaupt ist das ganze Tauschsystem streng ritualisiert und folgt einem klaren Muster.
Wer eine Gabe erhält, muss sie bei einem späteren Treffen mit einem gleichwertigen Objekt erwidern. Ist dies nicht möglich, kann die Schuld mit einer Zwischengabe überbrückt werden. Gemäss Malinowskis Forschungen behält eine Person des Kula-Kreises ein Schmuckstück nie länger als ein bis zwei Jahre.
Mit den Gaben lässt sich nichts Materielles kaufen, dennoch haben sie einen hohen Wert. Die beteiligten Parteien gehen mit der symbolischen Transaktion eine Partnerschaft ein, die auch nach dem eigentlichen Gabenritual fortbesteht. Das Ritual schafft Vertrauen, stärkt soziale Bindungen und ist eng mit gesellschaftlichem Ansehen verknüpft.