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Der Begriff der Konjunktur ist nicht scharf definiert. Gemeinhin versteht man darunter kurzfristige Schwankungen innerhalb der langfristigen Wachstumszyklen der Wirtschaft. “Kurzfristig” bedeutet hier einige Jahre. Häufig wird auch vom Konjunkturzyklus gesprochen, welcher in Aufschwung, Hochkonjunktur, Abschwung und Rezession unterteilt wird.
Konjunkturschwankungen
Idealerweise wäre die Wachstumsrate des BIP keinen Schwankungen unterworfen. Dies würde die Kapazitätsplanung bei Staaten und Unternehmen in vielen Bereichen stark vereinfachen. Leider ist das in der Realität nicht der Fall – die Wachstumsraten schwanken relativ stark, wechseln gelegentlich auch vom positiven in den negativen Bereich und wieder zurück. Das Wirtschaftswachstum ist also alles andere als linear. Die Schwankungen der Wachstumsraten können von vielen internen und externen Faktoren ausgelöst werden. Technologieschocks, Änderungen der Wohnbevölkerung (Zuwachs wie Rückgang), Schwankungen von Rohstoffpreisen (allen voran Erdöl), politische Ereignisse und viele andere Effekte können Konjunkturschwankungen auslösen. In der Regel wird der Begriff negativ belegt verwendet, an sich sind aber auch positive Schwankungen mit vorübergehend höherem Wirtschaftswachstum denkbar. Jedoch kann auch ein vorübergehend höheres Wirtschaftswachstum negative Nebeneffekte wie erhöhte Inflation oder aufgeblähte Bewertungen an Aktien-, Immobilien- oder Anleihenmärkten mit sich bringen. Ein vorübergehend niedrigeres Wirtschaftswachstum oder gar ein Rückgang der wirtschaftlichen Leistung gehen in der Regel mit erhöhter Arbeitslosigkeit einher. Daher ist es im Interesse einer Nation, sowohl positive als auch negative Konjunkturschwankungen in einem Ramen zu halten, welcher solche Nebeneffekte auf ein verkraftbares Mass beschränkt.
Konjunkturzyklus
Die Abfolge von Aufschwung, Hochkonjunktur (Boom), Abschwung und Rezession (Depression) wird als Konjunkturzyklus bezeichnet. Auch wenn sowohl diese Beschreibung als auch die üblichen graphischen Darstellungen dies suggerieren, steckt wenig Regelmässigkeit im Konjunkturzyklus. Weder sind alle Zyklen von gleicher Dauer, noch sind sie (oder ihre einzelnen Abschnitte) gleich ausgeprägt. Auch können sich verschiedene Länder zum selben Zeitpunkt in unterschiedlichen Phasen eines Konjunkturzyklus befinden. Mitunter kann es auch schwer sein, zeitnah festzustellen, wo sich eine Wirtschaft gerade im Zyklus befindet – besonders um die Wendepunkte.
Massnahmen gegen Konjunkturschwankungen
Wie bereits erwähnt sind Nebenwirkungen wie erhöhte Inflation oder Arbeitslosigkeit, welche bei Konjunkturschwankungen anfallen, nicht erwünscht. Daher versuchen Staaten, die Schwankungen in einem verkraftbaren Rahmen zu halten. Zwei Mittel stehen dazu zur Verfügung: Die Wirtschaftspolitik, welche von der Regierung betrieben wird und die Geldpolitik, für welche die Notenbank verantwortlich zeichnet. Folgende Massnahmen stehen dabei im Vordergrund:
|Regierng||Notenbank|
|Massnahmen gegen zu hohes Wirtschaftswachstum||Steuern erhöhen, Staatsausgaben senken||Zinsen Erhöhen, Geldmengen senken / langsamer wachsen lassen|
|Massnahmen gegen zu geringes Wirtschaftswachstum||Steuern senken, Ausgaben erhöhen||Zinsen senken, Geldmengen (schneller) ausweiten|
Während die Notenbank also versucht, Konjunkturschwankungen Mittels Steuerung von Zinsen und Geldmengen zu glätten, stehen Regierungen die Wege über Steuern und Staatsausgaben offen. Wie stark die Bemühungen von Notenbank und Regierung koordiniert sein sollten, ist nicht einheitlich zu beantworten. Zwar ist ein koordiniertes Vorgehen prinzipiell wünschenswert, jedoch ist es absolut notwendig, dass die Notenbank von der Regierung unabhängig bleibt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Geldpolitik von der Regierung zu expansive Vorgaben erhält, was zwar in der kurzen Frist zu mehr Wirtschaftswachstum führen kann, in der langen Frist aber immer zu erhöhter Inflation führt. Wichtig ist auch, dass eine Massnahme die andere nicht einfach ersetzt, sondern diese im Zusammenspiel eingesetzt werden.
Eine komplette Glättung der Konjunkturzyklen ist übrigens weder möglich noch wünschenswert. Einerseits wirken die Massnahmen der Geld- und Wirtschaftspolitik immer mit einer gewissen Verzögerung (in der Regel einige Monate bis wenige Jahre). Es wären also sehr langfristig korrekte Prognosen über den Konjunkturverlauf nötig, um bereits im Vorfeld die richtigen Gegenmassnahmen einleiten zu können. Erfolgen die Massnahmen zu spät, können sie prozyklisch wirken, also den Konjunkturzyklus verstärken statt dämpfen. Andererseits wäre eine komplette Glättung der Konjunkturzyklen selbst dann nicht wünschenswert, wenn solch exakte Langzeitprognosen zur Verfügung stünden: Die notwendigen Anpassungen von Zinsen, Geldmengen, Steuern und Staatsausgaben müssten nämlich sehr abrupt und in so grossem Ausmass vorgenommen werden, dass dies der Wirtschaft mehr schaden als nützen würde (z.B. Planungsunsicherheit für Unternehmung bei der Finanzierung wegen stark schwankender Zinsen). Eine gewisse Schwankung des Wirtschaftswachstums über den Zyklus ist also durchaus zu tolerieren, lediglich starke Übertreibungen in beide Richtungen sind zu bekämpfen.