Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03622.jsonl.gz/3003

Die Weltgemeinschaft will bis Mitte dieses Jahrhunderts «Net Zero» erreichen um die Erderwärmung bis 2100 auf 1.5° Grad zu begrenzen. Nur: Reicht «Net Zero»?
Net Zero
Myclimate schreibt «Um bei Emissionen netto auf null zu kommen und die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, muss CO₂ der Atmosphäre entzogen und dauerhaft gespeichert werden. Dies wird als Kohlendioxidabscheidung bezeichnet. Da es sich hierbei um das Gegenteil von Emissionen handelt, werden diese Verfahren oder Technologien oft als Erzielung «negativer Emissionen» oder «Senken» bezeichnet. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem radikalen Absenken der CO₂-Emissionen und der CO₂-Abscheidung: Je früher wir nahe der Null bei den realen Emissionen kommen, desto weniger CO₂-Abscheidung ist notwendig. (1)
Net Zero ist also CO2 Emissionen – CO2 Abscheidung = 0
Net Zero verhindert die Emissionen nicht, net zero fordert lediglich eine gleichhohe CO2 Abscheidung, wenn auch nicht zwingend in gleicher Qualität und egal wo auf der Welt.
Net zero ist wie «eine schwarze Null» in einer Buchhaltung, in der die konkreten Kosten in einer billigen Fremdwährung verrechnet und keine Verluste vorgetragen werden.
Ziel muss sein, die Emissionen selbst so weit wie möglich zu reduzieren. «Net zero» sei ein wichtiges Etappenziel, sagt greenpeace, aber es genügt nicht, die Klimakrise zu lösen. Maik Marahrens über Why Net Zero and Offsets won’t solve the climate crisis →
Ernährungssouveränität und Agrarökologie allein reichen nicht mehr
Der obengenannte buchhalterische Verlustvortrag entspricht, übertragen auf die Landwirtschaft, den zerstörten Böden, der Luft- und Wasserverschmutzung, dem Biodiversitätsverlust, der sozialen Ungerechtigkeit, auch dem «Höfesterben» und und und. Strich drunter, Schwamm drüber, Neuanfang – weiter wie bisher, mit kühlerem Klima, ohne Hunger und globalem Wohlstand?
Die Gesundheit des Planeten wird nicht besser, indem man zum Beispiel die Tierfabriken besser absichert. Diese unwürdige und ungesunde Tierhaltung bleibt umweltschädlich. Besser als jede «Kompensation» ist, wenn die ganzen Risiken, die von diesem System aus gehen, gar nicht erst eintreffen. Lies: diese Art von Fleischproduktion gestoppt wird und Nutztiere artgerecht gehalten werden. Denn die Nutztiere haben durchaus ihren Platz und ihre Aufgabe – in der Landpflege, Humusbildung und damit im Nahrungsmittelkreislauf.
Wie kann die Ernährungswirtschaft nicht nur möglichst umweltfreundlich, sondern sogar planetengesundheitsfördernd sein? Der bisherige Schaden sei zu gross, als dass eine nachhaltige Ernährungswirtschaft, wie sie zum Beispiel die Ernährungssouveränität und Agrarökologie vorzeichnen, reichen würde. Dr. Vandana Shiva, Ronnie Cummins, Dr. Hans Herren, André Leu and Steve Rye und gingen deshalb einen Schritt weiter und gründeten dazu «Regenerative International». Unterdessen ist daraus eine globale Bewegung geworden. Ihr erklärtes Ziel:
Feed the world and restore public health, prosperity and peace on a global scale.
Dazu fördern sie den globalen Übergang zu einer «regenerative Lebensmittelkette, Land- und Bodenbewirtschaftung zur Wiederherstellung der Klimastabilität, Beendigung des Welthungers und Wiederaufbau geschädigter sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Systeme» (2).
Ein regeneratives Ernährungssystem in Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das fängt auf dem Bauernhof mit einer natürlichen Landwirtschaft an – dazu gehören auch artengerechte Tierhaltung, bodenfreundliche Fruchtfolge, sozial gerechte und gesunde Arbeitsumgebung – und geht hin bis zu uns «Endverbraucher*innen».
Wir haben Einfluss
«Wenn jede.r ein bisschen etwas macht, dann gibt das, bei hunderten von Millionen Menschen, schon eine rechte Menge» argumentierte jemand am Panel «Changing Consumer Behaviour #COP26» (3). Die Diskutant.inn.en lieferten auch einen Fächer von Ideen – diese reichten vom mit kaltem Wasser die Hände waschen bis zur Isolation der Gebäude. Dem Allgemeinwohl zuliebe, aber auch für sich selbst, weil, « Net Zero by 2050» reicht nicht.
Es reiche auch nicht mehr, dass sich nur die Industrie und Politik kümmern müsse, machten die Panelist*inn*en klar, sondern jede und jeder sei herausgefordert. Und wenn wir alle mitmachen müssen und unsere Gewohnheiten ändern, dann können wir ja auch gleich anfangen damit. Irgendwo, wo es am einfachsten scheint. Bekanntlich sind kleine Erfolge am Anfang eines Projekts motivierend, um weiter zu machen. Das kann beim Einkaufen sein oder bei täglichen Gewohnheiten.
Fangen wir an!
Schon überlegt, was Sie machen könnten, heute, fürs Klima? Welche graue Energie kann ich am einfachsten reduzieren, oder welche bringt die grösste Abwechslung in den Alltag, wenn ich sie reduziere?
Und da die Ernährung in der von uns verursachten Umweltbelastung der wichtigste Konsumbereich ist, kommt gleich die nächste Möglichkeit, unseren Fussabdruck zu reduzieren:
(zur Illustration eine Chart, basierend auf Ökobilanzen, die von esu-Services errechnet wurden)
Sogar ohne Menu-Umstellung kann Mensch beim Essen die Umwelt schonen: 8-10% der globalen Treibhausgasemissionen kommen von Foodwaste. In der Schweiz landet, über die ganze Nahrungsmittelkette verteilt, ein Drittel der Lebensmittel im Müll. Also Schritt eins: Foodwaste stoppen. Das heisst vor allem, nur Einkaufen, was man essen wird. Natürlich, je kürzer die Kette und je transparenter das Netzwerk, desto mehr Verlust können wir vermeiden, aber das ist dann eine spätere Herausforderung.
Was wir tun können ist nicht unbedingt das Wichtigste. Dass wir etwas tun und uns dabei gut fühlen, sei das Wichtigste, so die Panelist*innen an der COP26. Umso mehr, als dass ein erster kleiner Erfolg zum Weitermachen motiviert, und so die Schritte immer grösser werden, sicherer, und fester.
Viel Vergnügen!
Weiterführende Links
- La Via Campesina, Climate and environmental justice →
- novetic: COP26 : les marchés carbone au cœur des négociations cette semaine →
- Webseite der COP26 →