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Mattenbach (Gewässer)
Der Mattenbach durchfliesst am südlichen Rande, den in den 1960er-Jahren stark gewachsene Stadtkreis Mattenbach. Er entsteht im Raume Ricketwil, durchfliesst die Stadtkreise Seen und Mattenbach und mündet im Wildbach-Quartier in die Eulach. Der Mattenbach, ursprünglich ein Wiesenbach, wurde in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts in ein künstliches Gerinne gelegt und hochwassersicher gemacht.
Winterthur hat die Töss, die die Stadt im Südwesten umfliesst. Sie hat auch die Eulach, die am Schauenberg entsteht und die Eulachstadt von Hegi bis Wülflingen durchquert. Und dann gibt es auch den Mattenbach, nach dem 1973 der weitaus jüngste Stadtkreis benannt wurde. Hans Kägi, Redaktor und Kulturpolitiker, beschreibt den Mattenbach so:
„Von weit oben, aus der Ricketwiler Höhe kommt er, sammelt vom Hulmen und Andelbach kühle Rinnsale, dringt als «Krebsbach» durchs Waldtobel, nimmt vom Binzenlooh den Brünnibach, vom Eichbühl den Haarbach, vom Etzberg den Schwerzenbach, vom Eschenberg den Qualletbach samt den Quellen aus dem Loogebiet auf. Während seines acht Kilometer langen Laufs wird aus dem Wässerchen ein ansehnlicher Bach. …. Oberhalb Seen ist unser Gewässer noch kein « Matten »-, sondern ein «Krebsbach». Dann benimmt er sich im gebannten Lauf gesittet und spendet sein Wasser den Püntikern.“ (Text aus „Gras zwischen Steinen“ von Hans Kägis Geschichten um Winterthur. 1971 Gemsberg-Verlag)
Dieser literarische Text beschreibt sehr eindrücklich, wie der Mattenbach das Wasser aus einem grossen Einzugsgebiet sammelt und der Eulach zuführt. Bis ins Dorfzentrum von Seen wird das Gewässer Krebsbach genannt und erst im untersten kanalisierten Flusslauf heisst er Mattenbach.
Der Mattenbach mündet nördlich der Zeughäuser, auf der Höhe der Metallarbeiterschule, linksufrig in die Eulach. Sein 10,9 Quadratkilometer umfassendes Einzugsgebiet erstreckt sich südostwärts bis nach Ricketwil—Tolhusen und zum Eidberg. Der Mattenbach entspringt mehreren zum Teil gefassten Quellen des Ricketwilerplateaus, deren Wasser eingedolt dem Krebsbach, dem Oberlauf des Mattenbaches zugeführt werden und fliesst als kleines Wildwasser durch das zwischen dem Hulmen und Eichbüel gelegene Waldtobel. Im Grüntal, zwischen Seen und Oberseen, erreicht es die Talebene. Ab der Einmündung des Brunnibachs, nördlich des Felsenhofes in Oberseen, wird der Krebsbach Mattenbach genannt. Nach der Bahnlinie fliesst er zwischen Häusern eingezwängt, bald eingedolt, seinem unterhalb Seen begradigten und tiefergelegten Bett entgegen.
Die Mattenbachkorrektionen, 1946 — 1953
Der vor der Korrektion oberflächennahe, zum Teil zwischen Dämmen über der Terrainhöhe geführte Mattenbach, brachte infolge der baulichen Entwicklung vermehrt grössere Wassermengen zum Abfluss. Kleinere Überschwemmungen des Kulturlandes zwischen der ehemaligen Natureisbahn Zelgli und Seen häuften sich. Hochwasserschäden im weiter unten liegenden Mattenbachquartier wollte man mit einer durchgehenden Korrektion vermeiden.
Der auf 1941 geplante Baubeginn der ersten Etappe von 1,133 Kilometern Länge musste, obschon die Finanzierung gesichert war, wegen des Mangels an Arbeitskräften, Baumaterialien und Treibstoffen vorläufig zurückgestellt werden. Während nach einem früheren Projekt die Ebene zwischen Seen und dem Mattenbachquartier mit einem 1,3 Kilometer langen geraden Bachverlauf hätte durchschnitten werden sollen, wurde bei der neuen Linienführung durch die Anordnung von drei flachen Bogen, ähnlich einem langgestreckten «S», eine Brechung der geraden Strecke und ein geschmeidiger, in landschaftlicher Hinsicht bedeutend befriedigenderer Lauf erreicht.
Anfang Mai 1946 nahm die Stadt die erste, von der Mattenbacheinmündung in die Eulach bis zur Heinrich-Bosshard-Strasse reichende Bauetappe in Angriff. Die Dringlichkeit der Fortsetzung der Mattenbachkorrektion oberhalb der damals im Bau sich befindenden ersten Etappe zeigte sich deutlich anlässlich des Hochwassers vom 6./7. September. Die zweite Etappe wurde in den darauffolgenden Jahren bis 1953 fertiggestellt.
Vom alten Bachverlauf ist heute nicht mehr viel zu erkennen. In Tat und Wahrheit beinhaltete die Mattenbachkorrektion den Bau einer völlig neuen Flussstrecke. Vor der Korrektion floss der Mattenbach von der Kanzleistrasse zum unteren Ende der Bollstrasse, folgte dann ein Stück weit der Tösstalstrasse, anschliessend nordnordwestwärts der Seenerstrasse bis zur Landvogt-Waser-Strasse. Hier bog der Mattenbach nach Westen ab und durchquerte das Feuchtgebiet Gern, bei Hochwasser entlud er da seine Fracht in einen ersten natürlichen Rückhalteraum. Bei der Einmündung der Endlikerstrasse in die Tösstalstrasse unterquerte er die letztere und versorgte gleich anschliessend ein weiteres Sumpfgebiet mit Wasser. Von hier an widerspiegelt im Wesentlichen die Linienführung der Endlikerstrasse den alten Bachverlauf. Südlich des Schulhauses Mattenbach fliesst der Mattenbach in seinem alten, stark abgetieften Bett, verlässt dieses aber ab dem Unteren Deutweg nordostwärts ein letztes Mal.
Die dritte Korrektionsetappe, die naturnahe und zum Teil natürliche Bachstrecke zwischen dem Sägeweg und der Oberseenerstrasse, hätte vom März 1974 bis Juni 1975 korrigiert werden sollen, dies gemäss einem Artikel im «Landboten» vom 24. Juli 1973. Heftige Opposition seitens der Bevölkerung verhinderte die Realisation des Projektes; man war der zu vielen, teils recht lieblosen Korrektionen überdrüssig geworden.
Quellen
„Gras zwischen Steinen“ von Hans Kägi
„Namen der laufenden Gewässer Winterthur“ von Jörg Rutishauser
„Die Eulach“ von Markus-Hermann Schertenleib