Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03408.jsonl.gz/2553

Diese Woche hatte ein weiterer Expertenzeuge für AEG Live ausgesagt, Dr. Paul Earley. Kurz nachdem AEG Live ihn im 2011 als Berater in Bezug auf Propofolabhängigkeit angestellt hatte, erklärte sich AEG Live bereit, eine wissenschaftliche Recherche von Dr. Earley mit dem Titel „Süchtig nach Propofol: Eine Studie von 22 Behandlungsfällen“ zu finanzieren. Dieser Studie wurde im März dieses Jahres publiziert. Dr. Earley bestand in seiner Aussage darauf, dass die Finanzierung der Studie keinen Einfluss auf seine Schlussfolgerungen in seiner Zeugenaussage hatte bzw. dass AEG Live nicht versucht hatte, die Resultate seiner Studie zu beeinflussen, als Jackson Anwalt Brian Panish ihn im Kreuzverhör zur Rede stellte.
Die Jackson Anwälte hämmerten während des Kreuzverhörs auf den Zeugen ein, dass er dem wissenschaftlichen Journal „The American Society of Addiction Medicine“ und seinem Mitarbeiter nicht offengelegt hatte, dass er für diesen Prozess von AEG Live als Expertenzeugen bezahlt worden sei. Dr. Earley erwiderte, dass er sie darüber in Kenntnis gesetzt hatte, dass er für AEG Live Recherche betrieb. Dass er dafür bezahlt wurde, im Prozess für AEG Live auszusagen, erachte er als „irrelevant“, so Earley.
Während Earleys Zeugenaussage kam auch heraus, dass Dr. Torin Finver, der Co-Autor dieser von AEG Live finanzierten Studie über Propofolabhängigkeit seine Approbation verloren hatte, weil er illegal rezeptpflichtige Medikamente verschrieben hatte. Nachdem er seine Stelle bei einer Pizzeria und als Lastwagenfahrer für eine Wohltätigkeitsinstitution verloren hatte, wurde Finver von Earley angestellt, um bei der AEG Live Studie mitzuhelfen. Finver war „verzweifelt, komplett bankrott und ich wollte ihm helfen,“ so Earley, der seinerseits ehemals heroinsüchtig war. Diese Enthüllung wurde von CNN als „bizarre Wendung“ in diesem Prozess bezeichnet. Earley hatte gegenüber den AEG Live Anwälten nie offengelegt, dass seinem Co-Autor der Studie die Approbation entzogen worden war. Ironischerweise, so CNN, wird AEG Live im laufenden Prozess damit beschuldigt, Conrad Murray fahrlässigerweise angestellt zu haben, weil sie es u.a. unterlassen hatten, Murrays Background zu prüfen, bevor sie ihn angestellt hatten.
Die Jackson Anwälte hoffen, dass die Kontroverse betreffend Earleys Arbeit für AEG Live die Geschworenen von dessen Schlussfolgerung ablenken wird, dass Michael Jackson medikamentenabhängig war mit einer „ernsthaften Prognose“, die seine Lebenserwartung verkürzt hätte, wenn er nicht an einer Überdosis Propofol verstorben wäre; diese Aussage wäre relevant bei einer allfälligen Berechnung der Schadenssumme durch die Geschworenen. Jede Dosierung dieses Narkosemittels, die Murray Michael Jackson verabreicht hatte, um ihm zu Schlaf zu verhelfen, war als ob er „russisches Roulette“ gespielt hätte, so Earley.
Obwohl Earley sechs Wochen nach Michael Jacksons Tod einen Blog mit dem Titel „Michael Jackson: Addiction in the Privileged“ geschrieben hatte, meinte Earley in seiner Aussage vor Gericht, dass „nicht genug Beweise [vorlagen], dass Michael Jackson abhängig war von Propofol. […] Anfangs wurde ihm Propofol im Rahmen von notwendigen medizinischen Eingriffen verabreicht, aber irgendwann begann er damit, sich nach Ärzten umzusehen, die ihm Propofol verabreichen würden“, so Earley. Die letzten beiden Male, als dies vorkam, war im März und April 2009, wie zuvor ausgesagt wurde. Als Paul Gongaware, co-CEO von AEG Live, am 6. Mai 2009 eine E-Mail an einen Assistenten von Michael Jackson geschrieben hatte, in der er diesem mitteilte, dass Murray damit einverstanden war, als persönlicher Arzt von Michael auf Tour zu gehen („Gemacht für $150’000 pro Monat“), schien es, als ob er einen willigen Arzt gefunden hatte, so Earley.