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Möbelindustrie hat unter verschiedenen Streikbewegungen ziemlich gelitten, zählt aber immer noch Firmen von gutem Ruf. Die Gerberei und Lederfabrikation, einst eine der glänzendsten Spezialindustrien von Lausanne, hat heute viel von ihrer ehemaligen Bedeutung eingebüsst, da sie trotz fortgesetzt hervorragender Produkte stark unter der Konkurrenz von billigen ausländischen (selbst amerikanischen) Lederwaren zu leiden hat. Wie Lausanne nicht als Industriestadt angesprochen werden kann, so ist es auch keine eigentliche Handelsstadt, da sein kaufmännischer Verkehr grösstenteils nur von den Bedürfnissen der Stadt selbst und des Kantons abhängt.
Immerhin befassen sich mehrere Firmen mit dem Warenexport im Grossen. Lausanne hat neben zahlreichen schönen und wohl eingerichteten Verkaufsläden auch grosse Waren- und Lagerhäuser, ferner drei Bahnhöfe und einen Seehafen; die Stadt ist der Sitz einer kantonalen Handelsschule, des Waadtländer Handels- und Gewerbevereins (Union vaudoise du commerce et de l'industrie) und der Waadtländer Handelskammer, deren Umsatz eine beträchtliche Summe erreicht. Grosse Verdienste hat sich die 1859 gegründete «Société industrielle et commerciale» erworben, die u. a. auch die unentgeltlichen kaufmännischen Fortbildungskurse geschaffen hat.
Man zählt mehrere deutende Bankinstitute. Das ursprünglich 2 Millionen Franken betragende Aktienkapital der 1845 gegründeten Waadtländer Kantonalbank ist nach und nach bis auf 12 Millionen Franken erhöht worden. Ihre verschiedenen Reservefonds erreichen jetzt mehr als 6 Millionen Franken, uni ihr Gesamtumsatz, der vor 50 Jahren 50 Millionen Franken betrug, ist heute auf eine jährliche Summe von 1½ Milliarden Franken gestiegen. Ihre Banknotenemission im Betrag von zusammen 12 Millionen Franken wird zu 60% vom Staat Waadt garantiert. Im ganzen Kanton zählt sie 22 Filialen.
Die am gegründete Hypothekarbank (Crédit foncier vaudois) verfolgt in der Hauptsache den Zweck, den Waadtländer Grundeigentümern auf Hypotheken ersten Ranges und den einzelnen Waadtländer Gemeinden auch ohne Hypothekarsicherung leihweise Geld zu verschaffen. Den von ihrem Stammkapital von 30 Millionen Franken emittierten 12 Millionen Franken garantiert der Staat Waadt einen Minimalzinsfuss von 4%. Ende 1902 betrug die Gesamtsumme der zu 4 und 4¼% ausgeliehenen Gelder 109 Millionen Franken.
Von der Hypothekarbank wird auch die durch Grossratsbeschluss vom gegründete, vom Staat garantierte und unter seiner Aufsicht stehende kantonale Sparkasse (Caisse d'épargne cantonale) verwaltet, der zu Ende 1902 62544 Einleger 57934030 Franken anvertraut hatten. Neben ihr gestehen auch noch andere Sparkassen, wie die 1817 gegründete Caisse d'épargne et de prévoyance, die 1867 gegründete Caisse populaire d'épargne et de crédit. Weitere nennenswerte Geldinstitute sind noch die 1890 mit einem Kapital von 2½ Millionen Franken gegründete Banque d'escompte et de dépôts, die hauptsächlich dem Wechsel- und Depotverkehr dient; die 1864 gegründete und auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruhende Union vaudoise du Crédit (mit Sparkasse); dann Filialen von Banken, die ihren Hauptsitz anderswo haben (z. B. der Eidgenössischen Bank A. G.) und endlich eine ganze Reihe von privaten Bankhäusern von z. T. altbegründetem Ruf.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hat in Lausanne die Hotelindustrie einen grossen Aufschwung genommen, da die Stadt dank ihres Klimas, ihrer Lage, ihrer hygienischen Vorzüge und ihrer zahlreichen intellektuellen und natürlichen Hilfsmittel sich zu einem bevorzugten Aufenthaltsort von Fremden entwickelt hat. Neben zahlreichen Gasthöfen und Restaurants zählt man 103 Erziehungsinstitute für Mädchen, und 19 solche für Knaben, 203 Familienpensionen für Studierende und etwa 80 Privatpensionen für Fremde. In Les Figuiers bei Cour besteht eine Hotelfachschule, die theoretisch und praktisch geschultes männliches Hotelpersonal heranbildet.
Während Jahrmärkte nur noch von untergeordneter Bedeutung sind, erfreuen sich die am Mittwoch und Samstag auf der Place de la Riponne und in verschiedenen Strassen stattfindenden Wochenmärkte eines lebhaften und stets steigenden Zuspruches. Da die Stadt keine eigene Markthalle besitzt, bilden diese Märkte unter offenem Himmel ein eigentümlich anziehendes Bild im Stadtleben von Lausanne.
Verkehrsmittel.
In einer Stadt mit so unregelmässigen Terrainverhältnissen wie sie Lausanne aufweist, konnte als Triebkraft für ein rationelles Strassenbahnnetz nur die Elektrizität in Frage kommen. Nachdem am die eidgenössische Konzession dazu erwirkt worden war, bildete sich am die Société des Tramways lausannois mit einem Kapital von 960000 Fr. Am konnten das städtische Netz und die Linie nach Lutry dem Verkehr übergeben werden. An diese schlossen sich dann in der Folge die Linien nach La Pontaise, Chailly, La Sallaz, Prilly, Renens, Montoie, Ouchy und Cugy an. Ende 1904 wird das ganze Betriebsnetz eine Länge von 30000 m umfassen.
Die Strassenbahnen beförderten im Jahr 1902 3621943 Personen und nahmen dafür 439013 Fr. ein. Während der ersten Betriebsjahre wurde die erforderliche Kraft von Crossleymotoren von je 130 PS geliefert. Nachdem dann das Rhonewerk am Bois Noir bei Saint Maurice die Ueberführung von elektrischer Kraft nach Lausanne übernommen hatte, werden die Strassenbahnen seit dem von der Transformatorstation von Pierre de Plan mit Kraft versorgt. Die Drahtseilbahn Lausanne-Ouchy (die zeitlich erste der Schweiz) verbindet die Stadt in 9 Minuten mit ihrem am See gelegenen Hafenort Ouchy.
Diese 1875/76 erbaute und 1877 dem Verkehr übergebene Linie ist normalspurig und 1476 m lang; sie hat drei Zwischenstationen, unterfährt den Hügel von Montbenon und den Bahnhof der Jurasimplonbahn in einem Tunnel und weist zudem noch zahlreiche andere Kunstbauten auf. Inn Jahre 1900 beförderte sie 880796 Reisende und 40046 Tonnen Waren. Sie wird ergänzt durch die seit dem dem Betrieb übergebene Seilbahn mit Zahnrad Lausanne-Gare, die 314 m lang und ebenfalls normalspurig ist. Diese führt die Wagen vermittels eines sinnreich konstruirten und von einer Turbine getriebenen Kabelschlittens bis zu der mitten in der Stadt gelegenen Place du Flon. Sie hat 1900 98744 Personen und 76039 Tonnen Waren befördert. Die Triebkraft wird beiden Linien von den Wassern des Lac de Bret geliefert. Beide haben der Stadt seit ihrem Bestehen schon grosse Dienste ¶
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geleistet und sind wesentlich an ihrem Aufschwung mitbeteiligt. Der eigentliche Güterbahnhof von Lausanne ist die Gare du Flon, die auf der von der Bahngesellschaft Lausanne-Ouchy durch Auffüllung des Flonthales geschaffenen Place du Flon steht und durch grosse, ebenfalls von der Gesellschaft L.-O. erbaute feuersichere Lagerhäuser aus Béton armé, sowie seit 1902 durch das Gebäude der Gare de Bel Air oder Gare du Grand Pont vervollständigt worden ist. Dieses steht am andern Ende des gleichen Platzes, ist 102 m lang und im Mittel 20 m breit und zeichnet sich namentlich durch einen 20 Tonnen schweren und 25 Tonnen tragenden Aufzug aus, der mit Hilfe der Wasserkraft aus dem Lac de Bret die Bahnwagen von der Place du Flon 14 m hoch bis auf das Dach des Bahnhofes und damit bis auf das Niveau der Place de Bel Air hebt. Hier steht diese obere Plattform mit der städtischen Strassenbahn und dadurch mit dem an der Place de Chauderon befindlichen Bahnhof der Linie Lausanne-Échallens in Verbindung. 1899 ist die 467 m lange Drahtseilbahn Lausanne-Signal eröffnet worden, deren Bau 230000 Fr. gekostet und die 1902 142110 Reisende und 130856 kg Waren befördert hat. Sie beginnt am Vallon und endigt etwas unterhalb der Terrasse des Signal.
Lausanne ist zugleich auch der Mittel- oder Ausgangspunkt von mehreren Schmalspurbahnen. An der Place de Chauderon steht der Bahnhof der Linie Lausanne-Echallens-Bercher (des sog. Central vaudois), die die Stadt mit dem Gros de Vaud verbindet. Sie zerfällt in die 3 Abschnitte Lausanne-Cheseaux (1873 eröffnet), Cheseaux-Échallens (1874) und Échallens-Bercher (1889) und ist 22889 m lang, wovon 14366 auf die Strecke Lausanne-Échallens und 8523 auf die Strecke Échallens-Bercher entfallen. Im Zeitraum 1873-1902 hat diese Linie zusammen 3057225 Reisende und 331875039 kg Güter befördert. Von dem über der Stadt Lausanne stehenden und mit dem Bundesbahnhof durch eine Strassenbahnlinie verbundenen Bahnhof von La Sallaz geht die elektrische Jorat-Bahn aus, die 1902 dem Betrieb übergeben worden ist und durch das Bergland des Jorat nach Moudon führt.
Lausanne ist Sitz der Kreisdirektion I der schweizerischen Bundesbahnen. Vom Hauptbahnhof strahlen eine ganze Reihe von normalspurigen Linien der Bundesbahnen aus: nach Bern, dem Simplon, Payerne-Lyss, Neuenburg, Vallorbe-Pontarlier-Paris, Genf. Die Strecken Lausanne-Renens-Morges und Renens-Yverdon (Fortsetzung der 1855 als erste Bahn im Waadtland eröffneten Strecke Bussigny-Yverdon) sind 1856 dem Betrieb übergeben worden; es folgten 1861 der Abschnitt Lausanne-Villeneuve, 1862 die Linie Lausanne-Oron (-Bern) und 1870 die Linie Lausanne-Vallorbe. 1901 beförderte der Hauptbahnhof in Lausanne 954946 Personen, während im selben Jahr der Güterverkehr auf 208396 Tonnen stieg und die Gesamteinnahmen 4033220 Franken betrugen. Er steht in Bezug auf den Personenverkehr im ersten und in Bezug auf den Güterverkehr und die Einnahmen im dritten Rang unter den Bahnstationen des ersten Bundesbahnkreises.
Dem Verkehr dienen ferner noch die den Personenverkehr mit Genf und den übrigen Uferorten des Genfersees besorgenden Dampfer der Compagnie générale de Navigation, die den Gütertransport übernehmenden Lastschiffe und die hauptsächlich Bausteine, Holz und einige andere Spezialartikel verfrachtenden Segelschiffe.
Lausanne ist auch in Bezug auf den Postverkehr ein sehr bedeutender Platz, wie folgende Zusammenstellung des Verkehrs sämtlicher Postbureaus der Stadt (für 1902) zeigt:
|Versandte Pakete nach dem In- und Ausland, mit oder ohne Wertangabe||303317|
|Erhaltene Pakete vom In- oder Ausland||579886|
|Versandte Briefe, Postkarten, Drucksachen und Warenmuster||7988763|
|Versandte Zeitungsnummern||12060383|
|Erhaltene Zeitungsnummern||1949428|
|Versandte rekommandierte Briefe||126009|
|Versandte Postnachnahmen||344922|
|Versandte interne Mandate||123613|
|Versandte Auslandmandate||30673|
|Erhaltene interne Mandate||177904|
|Erhaltene Auslandmandate||19909|
|Versandte Deckungen||43747|
|Erhaltene Deckungen||24926|
|Verkaufte Wertzeichen||Fr. 870056|
Lausanne ist der Sitz des 2. eidgenöss. Postkreises, der die Kantone Waadt (exkl. den Bezirk Nyon), Freiburg und Wallis mit zusammen 670 Poststellen umfasst. Der Telegraphenkreis Lausanne umfasst die Kantone Genf, Waadt, Wallis und Freiburg (exkl. die Bezirke Sense und See) mit zusammen über 100 Telegraphenbureaux und einem Drahtnetz von 4141,7 km Länge. Im ganzen Kreis sind 1902 1615517 Telegramme und Phonogramme empfangen und aufgegeben worden, wofür 704107 Fr. eingenommen wurden. In der Stadt Lausanne sind 1902 50470 Telegramme aufgegeben und 68267 erhalten worden, während 168762 durchgingen. Die Einnahmen betrugen dafür 70305 Fr. Das im Oktober 1882 eingerichtete Telephon zählte auf Ende 1902 1731 Abonnenten mit 1897 Apparaten; 1184186 lokale und 380585 interurbane Gespräche.
Unterrichtswesen.
Wie wir schon zu bemerken Gelegenheit hatten, ist Lausanne ganz eigentlich eine Stadt des Unterrichtes und der Erziehung. Es gibt nicht viele Städte, die eine so reiche Auswahl von Schulen, Instituten und Pensionnaten aufweisen. Zudem erfreuen sich sowohl die staatlichen wie die privaten Institute eines festgegründeten und weit ausgedehnten guten Rufes. Neben den städtischen Schulen, in denen 190 Lehrer und Lehrerinnen unterrichten und für deren Unterhalt das Budget für 1903 eine Gesamtsumme von 689800 Fr. vorausgesehen hat, besitzt Lausanne noch zahlreiche staatliche Institute. Obwohl schon die Verfassung von 1803 den Volksschulunterricht obligatorisch erklärt hatte, konnte diese Bestimmung in der Stadt Lausanne erst seit 1865 streng durchgeführt werden. Von 1865 bis 1887 stieg die Zahl der Volksschüler von 4,5 auf 10% der gesamten Bevölkerungsziffer, und 1902 betrug sie 8,5% derselben.
Die seit 1895 nach Fröbelschem Muster eingerichteten Kindergärten umfassen heute 29 Klassen mit 29 Lehrerinnen und zählen 852 Schüler von je 5-7 Jahren. Ihr Budget für 1903 belief sich auf 80000 Fr. Es gibt 105 Volksschulklassen (davon 11 in den Vororten) mit 4037 Schülern im Alter von 7-14 Jahren (also durchschnittlich 40 Schüler in einer Klasse), die von 64 Lehrerinnen, 37 Lehrern und 16 Fachlehrern unterrichtet werden. Seit 1895 besteht eine Spezialklasse für Schwachbegabte (17 Schüler), die unter der Leitung einer Lehrerin steht; 12 seit 1896 eingerichtete Jugendhorte (oder classes gardiennes) mit jetzt 330 Kindern im Alter von 7-14 Jahren sind ausschliesslich für solche Schüler bestimmt, die während der Freistunden nicht von ihren ¶