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Mein Name ist Cam Ly. Ich bin 1974 in Vietnam in der Stadt Saigon geboren. Bei der Geburt hatte ich zuwenig Luft und darum eine leichte Körperbehinderung bekommen. Später bekam ich als Baby eine Hirnhautentzündung und verlor das Gehör zum grossen Teil.
Meine grosse Familie ist ethnisch halb chinesisch, halb vietnamesisch. Nach dem Ende des Vietnamkriegs musste meine Familie in mehreren Booten nach Malaysia flüchten. Wir lebten lange Zeit auf der Flüchtlingsinsel. Weil jemand aus meiner Familie Kinderlähmung hatte und wegen meiner doppelten Behinderung hat das Schweizerische Rote Kreuz einen Teil meiner Familie als Flüchtlinge angenommen und uns in die Schweiz geholt. Damals war für meine Familie Sprache und Kultur in der Schweiz sehr fremd und konnte mir in der Schule und bei der Therapie nicht viel helfen.
Früher als Mädchen trug ich einen gepolsterten Helm, weil ich ständig mit dem Kopf anschlug und wackelte. Die Therapie hat viel geholfen und ich brauche keinen Helm mehr, aber die Körperbehinderung ist grundsätzlich unheilbar.
Ungefähr 1980 kam ich erst im Alter von 7 Jahre nach Münchenbuchsee in die Sprachheilschule. Dort lernte ich Deutsch und andere Schulfächer. Meine gehörlosen Schulkameraden und -freundinnen hatten keine Körperbehinderung. Trotz des Gebärdensprachverbots (siehe auch Artikel im Beobachter) lernte ich die Gebärdensprache. Ich blieb dort 9 Jahre. Ich war eine begabte Schülerin, nur wegen der Körperbehinderung war ich beim Schreiben etwas langsamer.
Die Lehrerin entschied für mich, dass ich nach Hohenrain im Kanton Luzern ins Internat soll. Das war keine gute Sache. Ich war dort völlig unterfordert. Der Lehrer gab sich auch keine Mühe. Es war eine verlorene Zeit. Danach hatte ich eine zweijährige kaufmännische Anlehre bei der Berufsschule für Hörgeschädigte in Zürich. Leider habe ich während der Anlehre auch nicht wirklich Vernünftiges gelernt. Ich verlor nach und nach mein Selbstwertgefühl. Schlussendlich konnte ich meine Stelle im geschützten Arbeitsmarkt bei der Stiftung Rodtegg für Menschen mit Körperbehinderung antreten und blieb dort zehn Jahre. Auch das war nicht so ideal, weil ich mit den anderen Behinderten durch meine Gehörlosigkeit nicht richtig kommunizieren konnte, aber ich konnte viel lernen (siehe Beitrag Erwartungen an die IV). In der Gebärdensprachgemeinschaft konnte ich besser kommunizieren und mich austauschen, aber manche Gehörlose hatten nicht soviel Geduld wegen meiner Körperbehinderung.
Gleichzeitig wurde mir von der IV ein Invaliditätsgrad von 90% und eine volle Rente zugesprochen und eine Hilflosenentschädigung (für eine Hilflosigkeit leichten Grades).
Jetzt lebe ich in der Region Bern zusammen mit meinem Mann, auch gehörlos. Ich habe eine Auswahl von guten Freunden in der Gebärdensprachgemeinschaft. Heute versuche ich meine verpasste Ausbildung nachzuholen. Ich besuche einen Deutschkurs des Vereins Dima in Zürich.
Die Texte auf dieser Website lasse ich korrekturlesen, weil ich selber nicht so gut Deutsch schreiben kann. Trotz Korrektur kann es vorkommen, dass das Deutsch hier Fehler hat. Ich bitte um Entschuldigung. Ich freue mich über Feedback. Du kannst das Formular unten benützen.