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Schade, dass Michael Scharang so selten Romane schreibt; die Veröffentlichung von «Das jüngste Gericht des Michelangelo Spatz» liegt zwölf Jahre zurück. Der 1941 in der österreichischen Steiermark geborene Erzähler, Essayist, Drehbuch- und Hörspielautor ist ein höchst unterhaltsamer, theoretisch beschlagener Romanautor. Elfriede Jelinek schrieb über ihn: «Scharang hat eine neue ästhetische Möglichkeit für das Schreiben gesellschaftskritischer Literatur gefunden.»
«Komödie des Alterns», Scharangs jüngster Roman, handelt von tiefer Freundschaft und der Torheit des Sturseins. Der Autor erzählt in Sätzen von grosser Klarheit und amüsanter Anmut von jener seltenen Sorte Freiheit, die ihre Grenzen nicht auf Kosten anderer auszuweiten sucht. Es ist ein antikapitalistisches Buch, in dem die ohnmächtige Resignation eines Theodor W. Adorno keinen Platz hat. In einem Interview mit der Zeitschrift «konkret» erzählte Scharang in gewissermassen optimistischer Opposition zum Frankfurter Philosophen, dass es noch keiner Macht gelungen sei, «den Menschen abzugewöhnen, die Macht zu untergraben».
Und so werden auch die befreundeten Helden des Romans, ein österreichischer Schriftsteller und ein ägyptischer Ingenieur, lieber aktiv. Mitten in der Wüste gründen sie eine Farm, eine genossenschaftlich geführte Siedlung mit allem, was es zum vernünftigen Leben braucht. In Gefahr gerät die perfekte kleine Welt nach dreissig Jahren, nachdem sich die beiden entzweit haben, wechselweise in Depressionen stecken und den anderen der Intrige beschuldigen.
Die Selbstverständlichkeit, mit der der auktoriale Erzähler linke Theorien einflicht, lässt einen Gedanken an Didaktik gar nicht erst aufkommen. Bis zum glücklichen Ende der Geschichte braucht es freilich Zeit. Schliesslich müssen menschliche Schwächen in einer Komödie gründlich dargestellt werden – andernfalls würde die mehr oder weniger heitere Lösung der Konflikte nicht so überzeugend geraten.