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Ein alter Mann verliebt sich in sein Mündel. Doch ein Graf kommt ihm mit der Hilfe eines gewitzten Barbiers zuvor und gewinnt das hübsche und kluge Mädchen für sich. Das ist im Wesentlichen die Handlung der Oper «Il barbiere di Siviglia» von Gioachino Rossini. 1816 in Rom uraufgeführt, wurde das Werk zuerst skeptisch aufgenommen. Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Denn die Oper über den Barbier Figaro ist heute wohl das verbreitetste Werk Rossinis. So gehört das Zitat «Figaro! Figaro! Figaro! Figaro!» zu den berühmtesten Melodien der Operngeschichte. Bis am 9. Januar ist das Werk in einer Inszenierung der Neuen Oper Freiburg im Equilibre zu sehen. Am Sonntag war Premiere.
Vielversprechende Ouvertüre
Das Freiburger Kammerorchester unter der Leitung des italienischen Belcantospezialisten Sebastiano Rolli begann mit einer Ouvertüre, die zu den Höhepunkten des Abends gehörte. Die launenhafte Musik nahm die vielen Wendungen der Handlung vorweg. Die Ouvertüre weckte hohe Erwartungen, die in der Folge nur teilweise eingelöst wurden. Das lag hauptsächlich an den männlichen Hauptdarstellern. Konu Kim (Graf Almaviva) und Alexandre Beuchat (Figaro) traten speziell in den ersten Szenen stimmlich so wuchtig auf, dass viele Nuancen ihrer Figuren verloren gingen. Auch das Ensemble als Ganzes sowie der Chor wirkten akkustisch nicht immer ausgeglichen.
Im Gegensatz dazu überzeugte Rosina (Sheva Tehoval) mit ihrer Ausdruckskraft: Zart bangte sie um die Gefühle Almavivas, legte im zweiten Akt den ganzen Schmerz über den vermeintlichen Betrug Almavivas in ihre Stimme, bevor sie sich nach der Auflösung ganz den Wonnen der Liebe hingab. Graeme Danby begeisterte das Freiburger Publikum bereits im Frühling als Lady Bracknell in «The Importance of Being Earnest». Nun zeigt Danby, wie gut ihm solche ungehobelten Rollen liegen. Sein Bartolo ist ein alter Choleriker, der alles unter Kontrolle haben will, sich dabei aber übertölpeln lässt. Grossartig sein heiliger Zorn, als er am Ende des Quintetts «Don Basilio! Cosa veggo» realisiert, dass es der vermeintliche Musiklehrer Alonso in Wirklichkeit auf Rosina abgesehen hat. Treffend besetzt ist auch Don Basilio: Hört man etwa in «La calunnia è un venticello» dem dunklen Bass von Andrew Nolen zu, kann man sich mühelos vorstellen, zu welchen Intrigen Basilio fähig ist.
Regisseur Julien Chavaz siedelt die Handlung zum grössten Teil in einem überdimensionierten Schmuckkästchen an, ein hübsches Symbol für die Macht des Geldes, die in dieser Oper eine zentrale Rolle spielt. Zu den besten Momenten gehörten aber die Szenen, die sich auf einer minimalistischen Bühne abspielten. Gerade die Rossini-typischen Handlungsbrüche gegen Ende des ersten Aktes wirkten stark, wenn die Figuren auf der Bühne plötzlich erstarrten. Umso eindrücklicher, wie sich die Spannung im letzten Stück des Aktes entlud.
Kunstvoll wird auch die Gewitterszene inszeniert. Auf der Bühne zuckten die Blitze. Im Orchestergraben rollte der Donner. Wie von Sinnen torkelte Rosina auf der Bühne umher. Kurzzeitig verschwand sie im Rauch, dann verhedderte sie sich in aufgespannten Seilen. Kurz zuvor teilte ihr Bartolo mit, Almaviva spiele ein unredliches Spiel mit ihr. So wird das Gewitter zur Metapher für Rosinas aufgewühltes Innenleben.
Begeistertes Publikum
Wie es sich für eine komische Oper gehört, lässt sich auch schmunzeln. So etwa, wenn Figaro, Rosina und Almaviva Basilio mit vollem Körpereinsatz überzeugen, dass er Fieber hat. So werden sie Rosinas Musiklehrer los, der im dümmsten Augenblick aufkreuzt. Unterhaltsam ist auch, wie Figaro kurz vor Schluss Almaviva und Rosina verzweifelt dazu bringen will, ihre Liebesfreuden auf später zu verschieben.
Das Publikum nahm den «Barbiere di Siviglia» begeistert auf. Das erstaunt nicht: Musikalisch gibt es sicher differenziertere Interpretationen. Trotzdem überzeugt der Freiburger «Barbiere» als Gesamtkunstwerk.
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