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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Achtes Buch
11. Christus spricht vom „Eins-sein” im eigentlichen Sinn.
Mag immerhin der Unglaube den Sinn seiner Erkenntnis abändern, so muß doch notwendig eine Möglichkeit für die Deutung der Worte bestehen. Der Herr betet zum Vater, daß alle eins seien, die an ihn glauben würden, und daß sie so in ihnen eins seien, wie er im Vater und der Vater in ihm ist. Mit welchem Recht bringst du hier Gleichgesinntheit herein, mit welchem Recht Einheit der Seele und des Herzens wegen (gleicher) Willensentschließung? Denn wenn der Wille sie eins machen sollte, gab es doch wirklich Worte genug und mit treffender Bestimmtheit, daß der Herr so etwa betete: „Vater, wie wir nur eines wollen, so laß auch sie nur eines wollen, damit wir alle in Einhelligkeit des Herzens eines seien.” Oder kannte derjenige etwa nicht die genaue Bedeutung der Worte, wer das Wort ist? Oder wußte derjenige nicht die Wahrheit zu sprechen, wer die Wahrheit ist? [S. 19] Oder ist derjenige in törichtem Gerede herumgeirrt, wer die Weisheit ist? Oder befand derjenige, wer die Kraft ist, sich in solcher Schwächlichkeit, daß er nicht auszusprechen vermöchte, was er erkannt haben wollte?
Er hat doch wirklich die wahren und lauteren Geheimnisse des Glaubens der Evangelien ausgesprochen. Nicht nur wegen genauer Bezeichnung, sondern auch des Glaubens wegen hat er mit seinen Worten gelehrt: „damit alle eins seien, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, damit auch sie in uns seien.” Für diejenigen vor allem gilt das Gebet, von denen es heißt: „daß alle eins seien”; dann wird das erstrebte Ziel der Einheit durch das Beispiel einer Einheit vorgewiesen, wenn er sagt: „wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, damit auch sie in uns seien”; damit also im Vater und im Sohn alle eins seien nach der Art dieser Einheit, wie der Vater im Sohn und der Sohn im Vater ist.