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Der Pharmakonzern Roche meldet für das Jahr 2014 eine Umsatzsteigerung von 54 Prozent mit dem Influenza-Mittel Tamiflu. Doch seit längerem ist bekannt, dass der Nutzen dieses Medikaments gering ist.
Praktisch gleichzeitig mit den für Roche erfreulichen Umsatzzahlen veröffentlichte die Fachzeitschrift «Lancet» eine von Roche gesponserte Studie über Nutzen und Schaden von Tamiflu.
Den Nutzen beschreiben die Studienautoren wie folgt:
- Mit Tamiflu verschwanden die Influenza-Symptome Halsschmerzen, Gliederschmerzen oder Husten nach 98 Stunden, ohne Tamiflu nach 123 Stunden.
- Mit Tamiflu mussten 6 von 1000 PatientInnen ins Spital eingeliefert werden, ohne Tamiflu 17 von 1000.
- Mit Tamiflu mussten sich 100 von 1000 PatientInnen übergeben, ohne Tamiflu 62 von 1000.
Nur ein Drittel aller Studienteilnehmenden ausgewertet
Den erwähnten Nutzen von Tamiflu (einen Tag weniger Symptome und weniger Einlieferungen ins Spital) konnten die Studienautoren jedoch nur ausweisen, weil sie zwei Drittel der Tamiflu-PatientInnen gar nicht ausgewertet hatten.
Das Problem: Tamiflu erreicht den beschriebenen Nutzen nur, falls Influenza-Erkrankte das Medikament sofort nach den ersten Krankheitssymptomen einnehmen. Ob es sich aber beim ersten Auftreten von Symptomen wie Halsschmerzen, Husten oder Gliederschmerzen überhaupt um eine Influenza-Erkrankung handelt, konnte man erst nach Verabreichung von Tamiflu abklären.
Resultat: Zwei Drittel aller Probanden hatten nur eine gewöhnliche Grippe/Erkältung erwischt. Alle diese PatientInnen nahmen Tamiflu ohne jeglichen Nutzen ein, weil Tamiflu bei einer gewöhnlichen Grippe/Erkältung überhaupt nichts nützt, sondern wegen der Nebenwirkungen nur schadet.
Berücksichtigt man für die Bilanz von Nutzen und Schaden sämtliche PatientInnen, die Tamiflu nehmen mussten, dann verkürzt sich die durchschnittliche Krankheitsdauer nur noch um 18 Stunden, und die Spitaleinlieferungen unterscheiden sich statistisch nicht mehr signifikant.
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Siehe
DOSSIER «Umstrittenes Tamiflu gegen Influenza»
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Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Der Autor vertritt PatientInnen und Prämienzahlende in der Eidgenössischen Kommission für Arzneimittel.