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Die von der russischen Regierung eingerichtete Behörde zur Rettung finanziell notleidender, «national bedeutender Industrien» schaltet einen Gang höher. Nachdem zuvor ein Fonds mit rund 50 Mrd Dollar Finanzhilfen für die durch den Einbruch der russischen Börse in Bedrängnis gekommenen Oligarchen aufgelegt worden war, wurden die ersten Kredite an deren Unternehmen ausgezahlt.
Die grösste Summe aus der ers-ten 10-Mrd-Dollar-Tranche – 4,5 Mrd – geht laut Branchenkennern an den Aluminiumkonzern United Co. Rusal, der vom Milliardär Oleg Deripaska kontrolliert wird. Die Finanzspritze soll dazu dienen, eine Gruppe westlicher Geldgeber, angeführt von der BNP Paribas, auszuzahlen. Die Befürchtung war, dass diese sich sonst den 25%-Anteil, den Rusal am Bergbaukonzern Norilsk Nickel hält, als Sicherheit einverleiben.
Schutz des russischen Besitzes
Deripaska musste bereits Anteile an Unternehmen wie dem Automobilzulieferer Magna oder dem deutschen Baukonzern Hochtief, die als Sicherheiten fungierten und deren Kurs stark gefallen war, verkaufen. In einem Interview im staatlichen TV-Sender Vesti-24 sagte ein Sprecher der Vneshekonombank, die mit der Vergabe der Finanzhilfen betraut ist und direkt von der Regierung kontrolliert wird, dass das Institut denjenigen Refinanzierungsgeschäften Vorrang gibt, die «russischen Besitz» schützen, dessen Verlust an ausländische Investoren «ernsthafte wirtschaftliche und soziale Konsequenzen» für das Land bedeuten würde.
Staat entscheidet, wen er rettet
Auch die Alfa Group des Oligarchen Michail Fridman soll nach Angaben aus gut unterrichteten Kreisen Geld aus dem Rettungsfonds erhalten haben, um einen 2-Mrd-Kredit an eine Bankengruppe unter Leitung der Deutschen Bank zurückzuzahlen. Dadurch konnte Fridman seinen 44%-Anteil an einem von Russlands grössten Handybetreibern, OAO Vimpel Communications, behalten, den er als Pfand gegenüber der Deutschen Bank eingesetzt hatte.
Offizielle sagen, der Rettungsplan diene nicht der Verstaatlichung wichtiger Assets. Doch Banker und Anleger in Russland erinnern an Deals Mitte der 1990er Jahre, durch die die Oligarchen grosse Anteile an staatlichen Unternehmen als Sicherheiten für Kredite an die Regierung erwerben konnten. Nun hat die Regierung die Macht zu entscheiden, wen sie rettet.