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Bildung ist nicht gleich Bildung. In vielen Entwicklungsländern ist es nicht selbstverständlich, richtig lesen zu lernen.
Text: Elissa Webster und Mel Carswell, World Vision
Ihre Eltern hatten Recht: Schule ist wirklich wichtig. Sie ist sogar so wichtig, dass eine hochwertige Bildung eines der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung ist. Denn Bildung ist eines der wirksamsten und bewährtesten Mittel, um den Kreislauf der Armut für Kinder und ihre Länder zu durchbrechen. Aber «Schule» und «Bildung» kann in verschiedenen Teilen der Welt sehr unterschiedliche Dinge bedeuten – und der Bildungsstandard, den Kinder in verschiedenen Ländern erhalten, kann sich dementsprechend stark unterscheiden.
Ein Kind in die Schule zu schicken, ist der erste Schritt. Aber viele Faktoren wirken sich auf die Bildungsergebnisse aus – vom Lehrplan und den Bedingungen in der Schule bis hin zu den kulturellen Erwartungen der Gemeinschaft und was das für die Unterstützung bedeutet, die sie zu Hause erhalten, die Regelmässigkeit des Schulbesuchs und vieles mehr.
Hier sind 10 Fakten über Schulen in Ländern des Globalen Südens, mit denen viele Patenkinder jeden Tag konfrontiert werden – und die Sie dank Ihrer Patenschaft ändern können.
1. Schule kann teuer sein, auch wenn sie kostenlos ist
Laut der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jedes Kind das Recht auf eine kostenlose Grundschulbildung. In den letzten Jahrzehnten haben Regierungen auf der ganzen Welt die Schulgebühren abgeschafft und damit Millionen von Kindern die Chance gegeben, zum ersten Mal eine Schule zu besuchen. Aber Schule kann immer noch teuer sein – Uniformen, Bücher und Prüfungsgebühren können sich auf bis zu 40 Prozent des Haushaltseinkommens summieren. Wenn ein Kind in der Schule ist, kann es auch nicht arbeiten, um die Familie zu unterstützen. Daher kann es sein, dass Kinder später mit der Schule beginnen, sie für eine gewisse Zeit unterbrechen oder sie ganz abbrechen, wenn die Familie es verlangt – was zu Bildungsrückschlägen führt. Kinderpatenschaften tragen dazu bei, dass Kinder zur Schule gehen, indem sie verschiedene Bedürfnisse erfüllen: Dies kann die Bereitstellung von Uniformen oder Schulbüchern sein, die Änderung der Einstellung der Eltern, die Unterstützung der Familien bei der Erzielung eines eigenen Einkommens und vieles mehr.
2. Ein Schulweg wie ein Marathon
Für viele Kinder in Ländern des Globalen Südens besteht der Schulweg aus einem mehrstündigen Fussmarsch. Kinder in abgelegenen Gebieten wie Chengzhen im Südwesten Chinas müssen unter Umständen einen Bergpass überqueren, um zur Schule zu gelangen. Kinder in ländlichen Gebieten in Mali laufen jeden Tag durchschnittlich sieben Kilometer zur Schule. Ein so langer Schulweg bedeutet, dass einige Kinder zu erschöpft sind, um gut lernen zu können, dass sie nicht zur Schule gehen oder häufig Tage ausfallen lassen, was ihr Lernen verlangsamt. Kinderpatenschaften helfen, Kinder mit Schulen in Verbindung zu bringen, und mancherorts geht es dabei weniger um Schulgebühren als vielmehr um den Bau besserer Strassen, die Unterstützung beim Transport oder den Bau von Schulen in einer Gemeinde.
3. Ich verstehe kein Wort
In Indien werden mehr als 19’500 verschiedene Dialekte gesprochen – aber nur 47 werden auch als Unterrichtssprache in den Schulen eingesetzt. Viele Kinder auf der ganzen Welt werden in der Schule in einer anderen Sprache unterrichtet als in jener, die sie zu Hause sprechen. Dies kann ihr Lernen ebenfalls verlangsamen. Das bedeutet oft, dass sie zu Hause niemanden haben, der ihnen beim Verstehen oder bei den Hausaufgaben hilft. Kinderpatenschaften geben Kindern die Möglichkeit, ihren Lernrückstand durch Leseclubs, Lerngruppen und andere lokale Lernhilfen aufzuholen.
4. Manche Eltern wollen, dass ihre Kinder die Schule schwänzen
Vielleicht haben Sie während Ihrer Schulzeit davon geträumt, die Schule zu schwänzen, aber für viele Kinder in Entwicklungsländern ist das Realität. Manchmal fehlt den Familien schlicht und einfach das Geld für die Schulbildung des Kindes, andernorts verunmöglichen soziale Normen und Geschlechterrollen den Schulbesuch. Eine kürzlich in Kenia durchgeführte Oxfam-Studie ergab, dass ein Mädchen aus einer armen Familie eine Chance von 1 zu 250 hat, eine weiterführende Schule zu besuchen, während die Chance für einen Jungen aus einer reichen Familie bei 1 zu 3 liegt. Weltweit gehen über 130 Millionen Mädchen nicht zur Schule, und eines von drei Mädchen aus Ländern des Globalen Südens heiratet, bevor es 18 Jahre alt ist. Die Eltern halten Bildung oftmals für eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen. Mancherorts wird der Schulbesuch eines Mädchens als Gefahr für ihre Moral und die Familienehre angesehen, und in einigen Ländern, in denen sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt weit verbreitet ist oder Kinder ausgebeutet werden, kann die Schule ein echtes Sicherheitsrisiko für Mädchen darstellen. Was bedeutet das also? Kinder, die nicht zur Schule gehen können, können nicht wie andere in ihrem Alter lernen. World Vision arbeitet mit Eltern zusammen, um ihnen die Vorteile von Bildung zu vermitteln, sowie mit Eltern, Schulpersonal, religiösen Führern und anderen Führungspersönlichkeiten der Gemeinschaft, um soziale Normen in kulturell angemessener und relevanter Weise anzusprechen, die Gleichstellung der Geschlechter und die Kinderrechte zu fördern und den Kinderschutz zu stärken.
5. Manche Kinder sind nicht willkommen
Obwohl das Recht aller Kinder auf Bildung in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert ist, sind in einigen Teilen der Welt einige Kinder in der Schule nicht willkommen. In den ärmsten Ländern der Welt gehen bis zu 95 Prozent der Kinder mit Behinderungen nicht zur Schule, da ihnen oft die Einschulung verweigert wird oder ihre Eltern sie wegen der Stigmatisierung nicht zur Schule schicken wollen. Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten oder Kasten können in ähnlicher Weise diskriminiert werden. Mancherorts halten Gemeinschaften und sogar Schulen auch Mädchen davon ab, zur Schule zu gehen. Laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) geht jedes vierte Mädchen aus Ländern des Globalen Südens nicht zur Schule, und ein Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2019 kommt zum Schluss, dass es beim derzeitigen Tempo des Fortschritts mehr als 200 Jahre – also neun Generationen – dauern wird, bis die Gleichstellung der Geschlechter weltweit erreicht ist. Kinderpatenschaften helfen Kindern, Eltern und ihrem Umfeld, die Rechte aller Kinder kennenzulernen, und unterstützen sie dabei, sich für Veränderungen einzusetzen. Ausserdem helfen wir den Gemeinden beim Bau einer behindertengerechten Infrastruktur, z. B. Rampen für Rollstühle an Toiletten und Wasserstellen. Wir arbeiten mit Schulen und Unternehmen zusammen, um Lern- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen zu schaffen. Und wir gehen gemeinsam mit den Gemeinden gegen negative Stereotypen gegenüber Menschen mit Behinderungen vor, damit jedes Kind sein volles Potenzial ausschöpfen kann.
6. Viele Lehrer sind überlastet und unterqualifiziert
Die Forschung zeigt, dass Lehrpersonen der wichtigste Faktor beim Lernen sind. Aber in vielen Ländern des Globalen Südens herrscht ein gravierender Mangel an Lehrpersonen, sodass jene Lehrpersonen, die bereits vor Ort sind, mit riesigen Klassen – in Teilen Afrikas südlich der Sahara kommen durchschnittlich 50 Schüler auf einen Lehrer – und sehr begrenzten Ressourcen konfrontiert sind. Diese Lehrpersonen haben oft selbst nur eine begrenzte Ausbildung, was dazu führt, dass sechs von zehn Kindern weltweit keine Grundkenntnisse in Lesen und Rechnen haben, obwohl zwei Drittel von ihnen eine Schule besuchen. Die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen mit den Fähigkeiten, dem Wissen und den Ressourcen, die sie benötigen, um Kinder auszubilden und zu befähigen, ist ein Hauptschwerpunkt der weltweiten Arbeit von World Vision.
7. Schulen verfügen nicht immer über die notwendigen Ressourcen
Abgesehen von Kaugummi unter den Stühlen gibt es einige grundlegende Dinge, die man in jeder Schule erwarten könnte – die Stühle selbst zum Beispiel, ein Klassenzimmer, in dem sie aufgestellt werden können, Strom, um das Licht einzuschalten, Stifte und Bleistifte, Bücher und Toiletten. In einigen Schulen in den Ländern des Globalen Südens sind diese Ressourcen aber einfach nicht vorhanden. Eine UNESCO-Studie aus dem Jahr 2014 zeigte, dass nur 3,5 Prozent aller Schülerschaften der 6. Klasse über ein eigenes Lesebuch verfügten, und im Tschad gab es nur in einer von vier Schulen eine Toilette. Diese Bedingungen erschweren das Lernen. Stellen Sie sich vor, Sie müssen lesen lernen, und sich dabei ein Buch mit Dutzenden von Mitschülern teilen. Oder sie sollen schreiben lernen, wenn Sie keinen Schreibtisch haben. Deshalb helfen Kinderpatenschaften dabei, Lesematerial, Toiletten und Wasserhähne sowie andere Ressourcen wie Computer und Tablets in Schulen bereitzustellen – dort, wo sie benötigt werden.
8. Aussergewöhnliche Krisen, die den Schulbetrieb stören, sind alltäglich
Weltweit hat Covid-19 uns allen gezeigt, wie eine Krise den Alltag auf den Kopf stellen kann. In vielen Ländern des Globalen Südens kommt es regelmässig zu Unterbrechungen durch Katastrophen, weil die diese Länder sehr anfällig für Katastrophen sind. Einerseits, weil viele Länder in Afrika, Lateinamerika und Asien geografisch anfällig für Ereignisse wie Wirbelstürme, Überschwemmungen, Tsunamis und Vulkanausbrüche sind. Andererseits, weil sie oft nicht über Infrastruktur, Systeme und Ressourcen verfügen, die für deren Bewältigung erforderlich sind. Gleichzeitig sind die Länder des Globalen Südens unverhältnismässig stark von Konflikten betroffen. Die Weltbank schätzt, dass bis zum Jahr 2030 bis zu zwei Drittel der weltweit extrem Armen in Konfliktgebieten leben könnten. Bei Kindern in von Konflikten betroffenen Ländern ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Grundschule abschliessen, um 30 Prozent geringer und die Wahrscheinlichkeit, dass sie die erste Sekundarstufe abschliessen, um die Hälfte geringer. Für Kinder ist die Unterbrechung ihrer Ausbildung eine der vielen Auswirkungen von Naturkatastrophen, Konflikten und anderen Krisen. Dies kann verheerende lebenslange Folgen für Kinder und ihre Gemeinschaften haben, da ihr Lern- und Alphabetisierungsniveau sinkt. Kinderpatenschaften helfen dort, wo es am schwierigsten ist, ein Kind zu sein. Sie unterstützen die Gemeinschaften, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Katastrophen zu stärken und der Bildung der Kinder während der oft langwierigen Wiederaufbauphase Vorrang einzuräumen. Wir tragen auch dazu bei, Kinder vor Schaden zu bewahren, indem wir ein geschultes Netzwerk von Gemeindemitgliedern um sie herum aufbauen. Und wir unterstützen sie dabei, weiterzulernen, um eine bessere Zukunft aufzubauen – egal, was auf sie zukommt.
9. Eine Periode kann ein grosses Problem sein
Mindestens 500 Millionen Frauen und Mädchen verfügen nicht über die Ressourcen, die sie brauchen, um ihre monatliche Periode hygienisch und in Würde zu bewältigen. Wichtige Dinge wie eine Toilette, Wasser und Hygieneartikel fehlen. Deshalb bleiben sie oft zu Hause oder gehen gar nicht zur Schule. Das ist ein wichtiger Schwerpunkt für uns, denn das Versäumen der Schule kann verheerende Auswirkungen auf das Lernen und die Lese- und Schreibfähigkeit der Mädchen haben. Kinderpatenschaften helfen Mädchen in der Schule zu bleiben, indem wir abschliessbare Toiletten und Wasserhähne in Schulen installieren und Schulkinder über den Umgang mit Menstruationshygiene unterrichten. Ausserdem arbeiten wir mit Lehrpersonen und Schulen zusammen, um Wahrnehmungen und soziale Normen zu ändern und so ein günstiges Umfeld für Mädchen zu schaffen, in dem sie lernen können.
10. Es ist schwer zu lernen, wenn man sich nicht wohlfühlt
Die Experten sind sich einig, dass Kinder, die gesund und gut ernährt sind, besser lernen können als solche, bei denen dies nicht der Fall ist. Auf der anderen Seite schneiden Kinder, deren Wachstum durch Unterernährung gehemmt wurde, in Mathe-Tests um sieben Prozent schlechter ab und können im Alter von acht Jahren mit 19-prozentiger geringerer Wahrscheinlichkeit lesen. Die Folgen von Unterernährung und Zurückgebliebenheit sind ein um 20 Prozent geringeres Einkommen als Erwachsener und landesweit ein um 11 Prozent geringeres Wirtschaftsvolumen. Ebenso verpassen Kinder, die oft krank sind, mehr Schultage, und die Auswirkungen auf ihr Lernen und ihre Zukunftschancen können ein Leben lang anhalten. Kinderpatenschaften tragen dazu bei, dass Kinder gesund und lernfähig sind. Dank Kinderpatenschaften werden Familien bei der Ernährung und der Landwirtschaft unterstützt und Kinder und Betreuer über Ernährung, Gesundheit und Hygiene aufgeklärt. Wir bilden Gesundheitshelfer und Freiwillige aus und schaffen eine saubere Wasserinfrastruktur mit Pumpen, Wasserhähnen und Tanks. So werden durch Wasser übertragene Krankheiten verhindert. Wenn diese Grundlagen vorhanden sind, kann dies einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie gut Kinder lernen können und wie sich das Gelernte schliesslich in ein Leben ohne Armut umsetzen lässt.
Durch eine Kinderpatenschaft erhalten die Kinder in schwierigen Bildungsituationen die zusätzliche Unterstützung, die sie brauchen, um sich eine Zukunft aufzubauen: Schultag für Schultag, Buchstabe für Buchstabe. Schliessen Sie jetzt eine Patenschaft ab!