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Percy
Percy ist eine Katze. Sie ist eine besondere Katze, ähnlich wie die grosse Trauerbirke, die standortwechselnde Eiche, die sozialisierende Smaragdeidechse, die alle mit besonderen Eigenheiten hervorstechen. Das auffälligste Merkmal von Percy ist sein fehlender Schwanz, respektive der verbleibende Stummel, welcher nach einem tragischen Unfall noch gerettet werden konnte. Natürlich kann Percy nicht gefragt werden, wie er das erlebt hatte.
Es war auch nicht möglich Percy zu fragen, wie er sich mit seinem von Krallen zerkratzten Bauch fühlte, nachdem ein neuer
Kater ins Quartier gekommen war und Percy herausforderte. Percy wirkte nach der offensichtlichen Niederlage ausgesprochen deprimiert und schockiert über das Vorgefallene.
Die Wunden heilten und Percy gewann seine Vitalität zurück welche nun als überlegt zurückhaltend und etwas übersensibel beschrieben werden kann. Zunächst wollte er nurmehr ein paar wenige Meter ausser Haus, immer aufmerksam, ob der peinigende Rivale auch auf sicherer Distanz gehalten werden kann.
Im Laufe der Zeit eroberte er den Garten vor dem Haus als sein unbestrittenes Territorium zurück und liess den andern keinen Zentimeter des Kerngebietes betreten. Es erinnerte mich an die im Militär kultivierte Erkenntnis, dass es dreimal weniger Energie braucht, um ein Territorium zu verteidigen als es braucht um dieses zu erobern. Percy ist sich dieser Erkenntnis offenbar bewusst und sein Rivale auch. Dreimal stärker ist keine Katze so dass das letzte Rückzugsgebiet immer als gesichert betrachtet werden kann.
Von diesem Kerngebiet ausgehend, hat sich Percy, durch mutige Erkundungsgänge, weitere Gebiete neu erschlossen und damit seinem Leben neue Qualität und Erlebnishorizonte hinzugefügt.
Percy hatte schon manchmal eins aufs Dach bekommen, aber trotzdem nie aufgegeben. Nur wie kommt es, dass er eines Tages – mit einer toten Maus im Mund – an einem Ort seiner Herrin begegnet die gerade den Hund spazieren führt und versichert, dass sie Percy an dieser Stelle, weit ab von seinem Kerngebiet, noch nie gesehen habe weil er sich bis dato auch noch nie so weit vom Haus entfernt hatte?
Auf einem späteren Hundeauslauf ist Percy gleich von Anfang an einfach mitgelaufen, abermals in einer Gegend, welche er zuvor noch nie erkundet hatte. Aber nicht, dass er nun brav einfach Frauchen und Hund gefolgt wäre. Er liess sich Raum und Zeit, musterte das eine und andere, fiel immer weiter zurück und war nach rund zwei Kilometer Weg plötzlich gänzlich verschwunden. Wenn er bis zum nächsten Tag nicht wieder auftauchen würde, versicherte sich seine Herrin, würde sie ihn suchen gehen. Ich fand das mutig und machte mir Sorgen um das verlorene Tier. Als wir gut zwei Stunden später zum Haus zurückkehrten sass Percy, einerseits triumphierend und andererseits so als wäre nichts gewesen, in aller Ruhe vor der Haustüre um eingelassen zu werden.