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"Zwar geht aus den 'Strategic Bombing Surveys der Alliierten' und anderen offiziellen Quellen hervor, dass allein die Royal Air Force in 400'000 Flügen eine Million Tonnen Bomben über dem gegnerischen Gebiet abgeworfen hat, doch was all dies in Wahrheit bedeutete, das wissen wir nicht."
"Die in der Geschichte bis dahin einzigartige Vernichtungsaktion scheint kaum eine Schmerzensspur hinterlassen zu haben im kollektiven Bewusstsein, ist aus der retrospektiven Selbsterfahrung der Betroffenen weitgehend ausgeschlossen geblieben."
"Diese Stummheit, dieses Verschlossen- und Abgewandtsein ist der Grund, weshalb wir so wenig wissen von dem, was die Deutschen gedacht und gesehen haben in dem halben Jahrzehnt zwischen 1942 und 1947. Die Trümmer, unter denen sie lebten, blieben die Terra incognita des Krieges.
W. G. Sebald fragte in seinen Zürcher Vorlesungen, weshalb die (deutsche) Nachkriegsgesellschaft die massive Zerstörung der deutschen Städte im Zweiten Weltkrieg kaum thematisiert hat. Er versucht einerseits, die ihm zufolge traumatischen Erfahrungen zu beschreiben, andererseits betonte er, dass diese Erfahrungen nicht greifbar und deshalb auch nicht 'sagbar' seien. Sebalds provokante Thesen erzeugten nicht nur ein grosses Medienecho, sondern entzündeten auch die bis heute anhaltenden Diskussionen über den Stellenwert des 'Luftkrieg' in der deutschen Erinnerungskultur.
W. G. Sebald (1944-2001), aufgewachsen in Wertach im Allgäu, lebte ab 1967 in England. Dort lehrte er u. a. mehrere Jahre Germanistik an der University of East Anglia in Norwich. Er schrieb mehrere Romane und Erzählungen, die die Erinnerung an Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg zum Thema haben (Schwindel. Gefühle 1990; Die Ausgewanderten 1992; Austerlitz 2001). Seine Zürcher Poetikvorlesungen wurden 2001 unter dem Titel Luftkireg und Literatur veröffentlicht.