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Unterhalb von 2000 m liegt sehr wenig oder kein Schnee. Auch oberhalb von 2500 m sind die Schneehöhen meist unterdurchschnittlich, im Wallis teils durchschnittlich. Dieser Blog beinhaltet eine klimatologische Einordnung der gegenwärtigen Schneelage. «Wenig Schnee» bedeutet in vielen Gebieten in der Höhe ein ausgeprägtes «Altschneeproblem». Auch dazu mehr in diesem Blog.
Seit dem letzten AvaBlog am Samstag, 24.12. war es mit meist mässigem bis starkem Westwind unbeständig. Am Sonntag, 25.12. lag die Nullgradgrenze bei 3200 m, sank bis am Dienstag, 27.12. auf rund 1200 m, und stieg dann wieder über 2000 m. Es gab zwei erwähnenswerte Niederschlagsperioden: In der Nacht auf Dienstag, 27.12. und in der Nacht auf Freitag, 30.12. (vgl. Abb. 1).
Aktuell sind die Schneehöhen in den Schweizer Alpen stark unterdurchschnittlich. Auf 1500 m liegen nur ca. 5 bis 15 cm, auf 2000 m ca. 20 bis 40 cm Schnee, wobei das nur für die flachen Messfelder gilt. Von den rund 70 langjährigen Beobachterstationen zwischen 1000 und 2000 m zeigen nur 9 Messfelder relative Schneehöhen zwischen 50 und 80%, alle anderen Stationen zeigen weniger als die Hälfte wie für Ende Jahr üblich (im Vergleich zum Durchschnitt 1991-2020). Oberhalb 2000 m sieht die Situation nur wenig besser aus. Nur gerade an knapp 20% der Stationen (vor allem im Wallis) werden Schneehöhen zwischen 80 und 110 % gemessen. Gründe dafür sind einerseits die frühwinterliche Trockenheit von November bis Mitte Dezember und andererseits die hohe Nullgradgrenze während der Niederschläge um die Weihnachtszeit.
Die aktuelle schneearme Situation basierend auf allen manuellen Stationen unterhalb 2000 m (Abb. 2a) ist langjährig gesehen aussergewöhnlich, weil es nur 3 Jahre gibt mit noch weniger Schnee im ganzen Schweizer Alpenraum zu Jahresende. Allerdings liegen zwei Situationen (2015 und 2016) mit grösserer Schneearmut nur 6 respektive 7 Jahre zurück (Abb. 2b und 2c).
Das dritte Jahr war der Dezember 1989. Ähnlich wenig Schnee lag auch im Dezember 1987. Es gibt zwar auch weiter zurückliegende sehr schneearme Situationen zum Jahresende (z.B. 1963), allerdings war in diesen Jahren immer nur die Gebiete der Alpennordseite betroffen. Oberhalb 2000 m gibt es nur ganze wenige Stationen, die mehr als die letzten 20 Jahre abdecken. Ein Vergleich der aktuellen Situation auf dieser Höhenzone (Abb. 3a) mit 2015 und 2016 (Abb. 3b und 3c) zeigt, dass diese zwei Jahresenden auch oberhalb 2000 m schneeärmer waren.
Die Schneedecke ist geprägt vom intensiven, vorweihnächtlichen Dauerregen unterhalb von 2200 m und vom anhaltenden, zum Teil starken Westwind im Westen, Norden und allgemein in der Höhe. Damit entstanden immer wieder Triebschneeansammlungen, die vorübergehend leicht auslösbar waren (vgl. Abb. 4):
Unter den Neu- und Triebschneeschichten der letzten Niederschläge liegen noch immer schwache, aufbauend umgewandelte Altschneeschichten, in denen Lawinen ausgelöst werden können oder in die oberflächennah ausgelöste Lawinen hinunterreissen können (vgl. Abb. 5, 6 und 7). Dies betrifft vor allem Höhenlagen oberhalb von 2200 bis 2400 m und dort vor allem West-, Nord- und Osthänge, mit zunehmender Höhenlage auch Südhänge. Ausser in den Voralpen, im Jura und im Sotto Ceneri gibt es diese Konstellation in allen Gebieten. Aufgrund der Überlagerung von rund einem halben Meter ist die Situation für Schneesportler im Wallis südlich der Rhône, in den nördlichen Teilen Graubündens und wahrscheinlich auch in den Glarner- und St. Galler Alpen am ungünstigsten: Lawinen können im Altschnee ausgelöst und gross werden. Fernauslösungen sind möglich. In den übrigen Teilen des Wallis und Berner Oberlandes ist eine Auslösung durch Personen aufgrund der mächtigeren Überdeckung weniger wahrscheinlich. In den übrigen Teilen Graubündens ist die Anzahl Gefahrenstellen kleiner und die Lawinen erreichen aufgrund des wenigen Schnees eher kleine oder mittlere Ausmasse. Aber auch dort darf das Altschneeproblem nicht unterschätzt werden.
Aufgrund der Schneelage sind viele Touren und Variantenabfahrten noch nicht begangen worden, die sonst um diese Zeit bereits häufig begangen sind. Der Bonus «viel befahren» kann also in vielen Fällen noch nicht in die Beurteilung einbezogen werden.
In den letzten 7 Tagen wurden dem Lawinenwarndienst 28, durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet (vgl. Abb. 8). Gemäss den heutigen Informationen wurden zwei Person verletzt. Tödliche Unfälle ereigneten sich keine.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.