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Was bariatrische Chirurgie auf Dauer bringt
Verglichen mit Lebensstiländerung plus medikamentöse Unterstützung kann die bariatrische Chirurgie inzwischen deutlich bessere Langzeiterfolge in puncto Gewichtsverlust aufweisen. Doch wie sieht es mit Komorbiditäten und Kosten aus? Drei aktuell im „American Journal of Medicine“ publizierte Studien haben unterschiedliche Aspekte geprüft.

Roux-en-Y-Magenbypass, hierbei wird eine Dünndarmschlinge an den verkleinerten Magen angenäht, während die Verdauungssäfte aus Leber und Pankreas über die anatomischen Dünndarmanteile abgeleitet werden. Die beiden Darmstücke werden distal wieder verbunden.
|Das Team um Dr. Ted Adams von der University of Utah School of Medicine in Salt Lake City untersuchte die Auswirkungen auf Diabetes und kardiovaskuläre Risikofaktoren sechs Jahre nach Operation1. 418 Patienten nach Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB) nahmen an der Studie teil, als erste Kontrollgruppe dienten 417 Menschen, die sich gegen einen Eingriff entschieden hatten. Die zweite Kontrollgruppe umfasste 321 Teilnehmer einer bevölkerungsbasierten Kohorte. Alle Probanden wiesen initial einen BMI ≥ 35 kg/m2 auf.

Nach sechs Jahren wogen die Operierten 27,7 % weniger als vorher. Einen Gewichtsverlust von mindestens 20 % behielten 94 % nach zwei und 76 % nach den sechs Jahren bei. Die Kontrollgruppe hatten praktisch nichts abgenommen. Die Diabetes-Remissionsraten lagen am Ende bei 62 % nach Bypass, bei den anderen betrugen sie 8 bzw. 6 %. Und auch die Inzidenz der Zuckerkrankheit ließ sich durch den Eingriff erheblich senken (2 % vs. 17 bzw. 15 %). Das entsprach einer bis zu neunfachen Risikoreduktion.
Bariatrische Chirurgie: Psychische Aspekte stärker beachten!
Auch in Sachen Dyslipidämie und Hypertonie schnitten die chirurgisch Behandelten signifikant besser ab. Vermisst wurde eine Verbesserung der psychischen Komponente des SF-36-Fragebogens zur Lebensqualität, während sich das körperliche Wohlbefinden steigerte. Außerdem fiel auf, dass sich – bei sonst vergleichbaren Mortalitätsraten – vier Patienten aus der operierten Gruppe im Verlauf das Leben nahmen, aber keiner von den anderen.
Möglicherweise wirkt sich die Lebensumstellung, die der Bypass mit sich bringt, gravierend auf die Psyche aus. Deshalb sollte man bei den Operationskandidaten künftig stärker auf das seelische, emotionale und soziale Befinden achten, folgern die Autoren.
Dr. Martin Neovius von der Universität Göteborg und Kollegen beschäftigten sich mit dem Kostenverlauf über 20 Jahre nach bariatrischen Eingriffen2. Krankenhaustage, Facharztbesuche und Medikamentenkosten wurden dabei an 2010 Operierten und 2037 Kontrollen erfasst. Der Gewichtsverlust durch die Operation blieb über die Zeit mit 18 % nahezu stabil, ohne Eingriff lag er konstant bei 1 %.
Kumulativ kamen die chirurgisch Versorgten auf durchschnittlich 54 stationäre Tage, die anderen auf 40. Der Unterschied beruhte in erster Linie auf den Jahren zwei bis sechs (1,7 vs. 1,2 Tage). Danach mussten alle Studienteinehmer im Mittel 1,8 Tage im Krankenhaus verbringen.
Ähnlich sah es mit den Facharztbesuchen aus, zwischen dem zweiten und sechsten Jahr ging das chirurgische Kollektiv 1,3 mal pro Jahr zum Spezialisten, die Vergleichsgruppe 1,1 mal, in den kommenden Jahren fand sich mit jeweils 1,8 bzw. 1,9 Besuchen kein signifikanter Unterschied mehr.
Herz- und Diabetesmittel wurden eingespart
Bezüglich der Medikamentenkosten konnten insgesamt die Operierten gewinnen, in den Jahren 7 bis 20 beliefen sich bei ihnen die jährlichen Ausgaben durchschnittlich auf 930 Dollar, bei den anderen auf 1123 Dollar. Sie brauchten vor allem weniger Präparate gegen Diabetes und kardiovaskuläre Krankheiten.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die bariatrische Chirurgie mehr medizinische Versorgung in den ersten sechs Jahren erforderlich macht, danach verschwinden die Unterschiede. Eine formale Kosten-Nutzen-Rechnung steht jedoch noch aus.
Den Einfluss auf die obstruktive Schlafapnoe untersuchten Dr. John Dixon von der Monash University in Melbourne und sein Team3. 60 adipöse Patienten mit BMI zwischen 35 und 55 kg/m2 nahmen an der Studie teil. Ihr AHI (Apnoe-Hypopnoe-Index) lag bei mindestens 20 Ereignissen/Stunde. 30 Probanden unterzogen sich einem bariatrischen Eingriff, der Rest einem konventionellen Abnehmprogramm. Zwei Jahre später betrug der Gewichtsverlust 27,8 kg nach Op. gegenüber 5,1 kg bei den Kontrollen.
Schlafapnoe lässt sich nicht wegoperieren
Der AHI sank parallel um 25,5 Ereignisse/Stunde vs. 14,0/Stunde, der Unterschied zwischen den Gruppen war jedoch statistisch nicht signifikant. Überraschenderweise fanden sich in der australischen Studie auch keine Unterschiede bezüglich Blutdruck, Glukosestoffwechsel oder Lipidprofil.
Was die obstruktive Schlafapnoe angeht, vermuten die Autoren, dass eine komplexere Pathogenese dahintersteckt, die sich durch Gewichtsverlust alleine nicht beheben lässt. Alter und Geschlecht sowie Faktoren wie die Knochenstruktur könnten hierbei eine Rolle spielen.
1. Ted D. Adams et al., JAMA 2012; 308: 1122-1131
2. Martin Neovius et al., a.a.O.: 1132-1141
3. John B. Dixon et al., a.a.O.: 1142-1149