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Sissakos erster Langfilm seit Timbuktu von 2014 ist eine chinesisch-afrikanische Liebesgeschichte. Oder gleich mehrere.
In der République de Côte d’Ivoire verweigert die schöne Aya (Nina Mélo) ihrem Verlobten das Ja-Wort bei der Trauung, weil er sie am Tag zuvor mit einer alten Flamme betrogen hat.
Stattdessen sucht sie ein neues Leben in Guangzhou in China, wohnt in «Chocolate City», einem Viertel mit vielen afrikanischen Einwanderern und arbeitet im Teeladen von Cai (Chang Han).
Aya hat eine herzliche Beziehung zu vielen Menschen im Quartier, auch zu Cais Sohn aus dessen geschiedener Ehe und ihre tiefe Leidenschaft gilt dem Tee und all den Zeremonien, die dazu gehören. So sind auch Cai und Aya ein Paar, allerdings versteckt, weil sie seine Familie nicht brüskieren wollen.
Black Tea ist bald auch Ayas Spitzname unter ihren Freundinnen und Freunden des Quartiers, das ausgesprochen schön und multikulti und herzlich gezeichnet wird.
Überhaupt sind alle Menschen in diesem Film überaus attraktiv, mit Ausnahme von Cais rassistischem Ex-Schwiegervater, der die Hasspropaganda gegen die «schwarzen Schlangen» im Land ungefiltert weitergibt.
Cai und Aya sind zwei Menschen mit Trennungen und Konflikten in ihrer jeweiligen Vergangenheit. So hat Cai etwa noch eine illegitime Tochter auf dem Kapverden. Das erinnert in der Zeichnung der sehnsüchtigen Konstellation, den leisen Berührungen und den Blicken bisweilen an Wong Kar-Wais In the Mood for Love.
Aber Sissako ist kein Wong Kar-Wai, sein Film, der sich schichtet, indem sich ganze Sequenzen als Träume oder Erinnerungen entpuppen, tappt ohne Ironie in diverse Kitschfallen.
Am schlimmsten ist eine Szene in Cais Teeplantage. Er krümelt ein paar Blätter und gibt sie Aya zu riechen. Da flattert ein gelber CGI-Schmetterling daher und lässt sich auf ihrer Hand nieder, um dann auch gleich weiterzuflattern.
Zusammen mit der durchgehenden Schönheit aller in diesem Film auftauchenden Menschen, ihrer Freundlichkeit jenseits aller rassistischen Anfeindungen und der blitzsauberen Zeichnung von «Chocolate City» als einem Ort der Harmonie und der Freundschaft, bleiben grosse Teile des Films schliesslich auf der Strecke.
Denn, um es mit Rilkes erster Duineser Elegie zu sagen: Das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen…
Der Film weicht dem Schrecklichen, das ihn erträglich machen würde, aus, indem er am Ende einfach wieder auf den Anfang zurückspringt.