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In einem Punkt gleichen sich neue Diktatoren im Osten und neue Individualisten im Westen: Die Herkunft ihrer Werte ist ihnen egal. Hier wie dort geben sie sich als Ideologen ohne Ideologie. Marx & Engels drehen sich täglich einmal im Grab herum, wenn ihnen zu Ohren kommt, worauf sich diese Langzeitautokraten ideologisch berufen. Kant & Mills stehen täglich einmal die Haare zu Berge, wenn sie auf Transparenten lesen, welche Art Freiheit auf Demonstrationen eingefordert wird. Vergessen die Mütter & Väter, vergessen deren Denksystem, vergessen die mühsame Hirnarbeit!
Wie kam es dazu? Werte der Generationen bis etwa 1965 waren überwiegend von aussen diktiert und von Gemeinwesen formuliert, waren extrinsisch wie Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit. Werte der Generationen bis etwa 1985 überlagerten sich, waren noch von aussen gegeben und schon von innen diktiert. Werte der Generationen seit etwa 1985 sind überwiegend von innen bestimmt, vom eigenen Bauchgefühl geprägt, selbst collagiert, sind intrinsisch wie Selbstbestimmung, Kreativität, Spass. Was dominiert?
Institutionen wie die Europäische Union proklamieren sich regelmässig selbst als Wertegemeinschaft, allerdings zu selten mit klarer Ansage, welche extrinsischen und intrinsischen Werte sich in welcher Ordnung zu einem verstehbaren System verbinden. Ohne Angabe dazu bleibt der sehr sinnvolle Begriff aber tatsächlich sinnleer. Neue Diktatoren im Osten grinsen, und neue Individualisten im Westen höhnen. Klar, es wäre mühsame Hirnarbeit, aus extrinsischen Traditionen und intrinsischen Innovationen eine Art Wertetafel herzustellen, die gemeinschaftsbildend werden könnte wie einst eine der Tugendtafeln.
Ohne sie aber bleibt nur das viral gegangene Blablabla einer jungen Schwedin, das neue Fremdwort unserer Tage in Ost und West.