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Was hat Sie dazu bewogen, ein Auslandsemester in den USA zu machen?
Ich wollte schon immer ein Auslandsemester machen. Chicago hatte ich eigentlich nicht auf dem Radar, weil ich dachte, mein Englisch sei zu wenig gut. In verschiedenen Gesprächen kann dann aber immer wieder die Rede auf das renommierte College of Urban Planning and Public Affairs, wo die Hochschule Luzern jährlich einen Studienplatz zu vergeben hat und im Gegenzug amerikanische Studierende zur Summer School in Luzern einlädt. Da dachte ich: Was habe ich schon zu verlieren? Ich machte das erforderliche TOEFL-Diplom und kümmerte mich um all die Formalitäten für das Visum, was ziemlich viel Zeit in Anspruch nahm. Das College unterstützte mich nach Kräften und schickte mir sogar eine Packliste. Ich fühlte mich in Chicago sofort wohl und kann sagen, dass ich meinen Entscheid keine Sekunde bereut habe.
Wie war es, alleine in einer fremden Stadt zu leben?
Ich bin schon früher allein gereist und mache das sehr gerne. Das Alleinsein war also nichts Neues für mich, und Heimweh kenne ich praktisch nicht. Ich wohnte mit einer Französin und einer Ukrainerin zusammen in einem Wohnheim für Studierende auf dem Campus. Vor allem mit der französischen Kollegin habe ich viel unternommen, die Stadt aber auch gerne alleine erkundet. Sie ist mit ihren mexikanischen Quartieren, «Little Italy», Chinatown, zahlreichen bedeutenden Museen und vielen Festivals im Sommer sehr abwechslungsreich. Und ausserdem ist es der Geburtsort des Improvisationstheaters; das ist eines meiner Hobbys. Ich besuchte einen entsprechenden Kurs und fand so schnell Anschluss.
Was waren in schulischer Hinsicht die grössten Unterschiede zwischen Chicago und Luzern?
Ich musste unter der Woche mehr zu Hause arbeiten als in Luzern, Papers schreiben zum Beispiel. Dafür wusste man schon während des Semesters, wo man etwa steht, und die Schlussprüfung war ein weniger grosser Brocken.
Viele Module wurden in Klassen à 20 bis 30 Personen unterrichtet wie in Luzern auch. Die Lehrpersonen wussten zum Teil die Namen der Studierenden; das empfand ich als sehr positiv. Inhaltlich dreht sich vieles um Chicago selbst; ich habe eine Menge über die Stadt, ihre Politik und Probleme gelernt und einen neuen Blick auf die Soziale Arbeit erhalten dank Themen, die in Chicago virulent, in der Schweiz aber fast vernachlässigbar sind: Korruption, Menschenrechtsverletzungen oder die Segregation von Arm und Reich.
Diese Themen haben mich über mein Auslandsemester hinaus beschäftigt. Eigentlich dachte ich, ich arbeite nach dem Bachelor-Abschluss im Bereich Sozialpädagogik, doch nun überlege ich mir, ein Master-Studium in Richtung Entwicklungsarbeit und Menschenrechte zu machen.
Was waren Ihre Erwartungen an den Auslandaufenthalt? Haben sich diese erfüllt?
Ich wollte besser Englisch lernen und Land und Leute – und zwar Locals generell, nicht nur Studierende –kennenlernen. Wenn man an einem fremden Ort lebt und arbeitet, ist das eher möglich als auf der Durchreise in den Ferien. Rückblickend würde ich wohl eine Wohnung ausserhalb des Campus nehmen; das traute ich mich nicht, weil ich Angst hatte, keine zu finden. Natürlich hat das Wohnen auf dem Universitätsgelände durchaus seine Vorteile, aber bei einem allfälligen nächsten Mal würde ich das anders machen. Meine Erwartungen an den Auslandaufenthalt haben sich dennoch mehr als erfüllt: Ich hatte wirklich eine unglaublich tolle Zeit in Chicago.
Was raten Sie Studierenden, die vor der Entscheidung für ein Auslandsemester stehen?
Ich rate ihnen auf jeden Fall, ein solches Auslandsemester zu wagen. Es empfiehlt sich, rechtzeitig mit dessen Organisation zu beginnen, weil etwa das Einholen eines Visums ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Finanziell ist ein Semester im Ausland kostspieliger als eines in der Schweiz, obwohl man nur die Schweizer Semestergebühr bezahlt und die Hochschule Luzern den Rest übernimmt. Man muss jedoch bedenken, dass Kosten für die Reise und das Leben im Gastland hinzukommen. Die USA sind ein relativ «einfaches» Land für ein Auslandsemester: Man hat eine gemeinsame Sprache mit den Einheimischen und sticht als Ausländerin nicht so aus der Masse heraus, wie das etwa in Asien der Fall wäre.
Mai 2020
Portrait Carmen Grab
Carmen Grab studiert Sozialpädagogik an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Ihr fünftes Semester hat sie am College of Urban Planning and Public Affairs (CUPPA) der University of Illinois in Chicago absolviert. Derzeit schreibt Carmen Grab ihre Bachelor-Arbeit und überlegt sich, ein Master-Studium anzuhängen.
Module zur Internationalisierung
Die Module 150 Field Practice und 160 Auslandsemester ermöglichen Studierenden im Rahmen ihres Studiums der Sozialen Arbeit einen längeren Auslandsaufenthalt zu machen.
Während im Modul 150 Field Practice ein Einsatz in einer Praxisorganisation im Rahmen von mindestens neun Wochen stattfindet, besteht im Modul 160 Auslandsemester die Möglichkeit, an einer der Partnerhochschulen der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit ein Auslandssemester zu absolvieren.
Die Praxisorganisationen im Modul 150 Field Practice werden gemeinsam mit der Modulverantwortlichen Suzanne Lischer sorgfältig überprüft. Suzanne Lischer ist für die Studierenden während des Field Practice die erste Ansprechperson der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Die gemachten Erfahrungen werden in einem Abschlussbericht und einem Workshop reflektiert.
Im Modul 160 Auslandsaufenthalt werden Module an der Partnerhochschule ausgewählt, die das eigene Portfolio gut ergänzen. Gemeinsam mit der Modulverantwortlichen Annette Dietrich werden die Module der Partnerhochschule auf die Vergleichbarkeit mit den Modulen der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit geprüft.
Beide Module eröffnen spannende, vielseitige und interessante Erfahrungen der Sozialen Arbeit im Ausland.