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Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 30. August 1911, Seite 13. (gotisch) von Elena Klassen.
Gandenfeld, Aulie-Ata, den 12. Juli 1911.
Lieber Editor!
Ich wünsche dir und den Lesern Gottes Frieden! Weil ich in der Friedensstimme las von Abraham Friesen, Halbstadt, Manitoba, daß er fragt nach seines Vaters Brüdern, so kann ich, David, berichten, daß von denselben keiner mehr am Leben ist, außer mir. Er fragt auch nach seinen Vettern und Nichten. Soviel ich weiß, sind von Jakob Friesens Kindern noch drei am Leben, und einer ist gestorben. Diese wohnen alle in Sibirien. Ich habe in der Krim gewohnt, bin aber vor drei Jahren nach Turkestan gezogen, wo wir jetzt pilgern.
Ich will dir auch berichten, lieber Abraham, daß deine Vetteren und Nichten dich alle grüßen lassen. Von meinen Kindern sind zwei Knaben und vier Mädchen; sie heißen: David, Heinrich, Elisabeth, Katharina, Sarah und Helena. Dieses möchte dir als Antwort auf deine Frage dienen. Willst du Näheres wissen, so möchtest du einen Brief schreiben, wir werden antworten.
Als ich deine Anfrage in der Friedensstimme las, hatte ich schon keine Zeit zu antworten, weil ich reisefertig war, nach Sibirien zu fahren, wo ich zwei Kinder wohnen habe, nämlich David und Elisabeth. Ich habe mich dort zeri Monate aufgehalten. Ich werde noch erwähnen, daß dort in Sibirien, als ich dort war, nicht die beste Ernteaussicht vorhanden war, aber es soll später schön geregnet haben; der Herr gebe es; die Leutchen sind dort sehr arm, obgleich nicht alle.
Als ich dort war, trug sich dort ein Unglück zu. Ein Mann war nach der Stadt gefahren, sich Geld zu holen. Auf dem Rückwege starb er auf der Steppe, und wurde tot am Wagen gefunden. Der Mann hieß Neufeld. Ich hatte die Gelegenheit, auch auf seinem Begräbnis zu sein. Als ich fragte, wie er gelebt hatte, wurde mir gesagt: „So und so – und so ist er auch gestorben“. Ich sahe mit denn Man an, und dankte meinem Gott, daß er mich wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung und bat meinen Gott, daß er mich möchte gesund zurückführen, was er auch getan hat. Ihm sei die Ehre!
Ich habe auch die Meinen gesund und froh wieder gefunden.
Nun möchte ich noch allen in Sibirien wohnenden Geschwistern und Freunden, wo ich eingekehrt bin, ein herzliches „Danke schön“ sagen für die entgegenkommende Liebe.
Ich kann nicht umhin, mitzuteilen, daß Missionar Abraham Friesen hier war. Er hat hier zwei Wochen im Segen gearbeitet, und die Frucht davon ist schon am Wachsen; daß Sünder bekehrt wurden und mehrere in der Buße stehen. „Gott wolle sie durchführen,“ ist unser aller Flehen. Auch unser Großkind ist unter denen, die schon die Gnade Gottes rühmen. Gott wird Wunder der Gnade tun, noch in der letzten Zeit. Bald wird es heißen: „Kommt wieder, Menschenkinder!“ Dann werden wir singen: „Halleluja! Amen. Komm Herr Jesu!“
Gestern passierte hier im Dorf ein Unglück. Ein noch junger Mann, namens Kröker fiel vom Heuschober, und fiel auf den sogenannten Leßstock (? – E.K.) und brach sich zwei Rippen und erhielt im Bein ein Loch. Der Herr Jesus sagt: „Ich bin der rechte Arzt!“ Gott helfe ihm!
Dav. u. El Friesen