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Abdelwahab Meddeb (geboren 1946), Sprössling einer alteingesessenen tunesischen Schriftgelehrtenfamilie, zählt zu den scharfsinnigsten Intellektuellen unter den französischen AutorInnen maghrebinischer Herkunft. Kühn weist er auf das Erneuerungspotenzial des im Konservativismus zu erstarren drohenden Islam hin und arbeitet es in sorgfältiger Erinnerungsarbeit aus den Grundtexten, der Überlieferung und der Geschichte heraus.
Meddeb lässt sich seinen Islam nicht nehmen. Streitbar und beschlagen verteidigt er seinen Glauben gegen die nihilistischen Attacken reaktionärer Extremisten, die die Mainstreamwahrnehmung der verfemten Religion prägen. Zu Recht bezeichnet er sich als «Kosmopolit mit islamischen Wurzeln».
Bereits in seiner Studie «Die Krankheit des Islam» (2002) stigmatisierte er den Fundamentalismus in all seinen Schattierungen als Krebsgeschwür der ursprünglich für ihre Toleranz berühmten Weltreligion, wies auf ihre die Sinnlichkeit erschliessende und transzendierende «sanfte Glut» hin, wie sie uns in «Erzählungen aus 1001 Nacht», Gedichten von Hafis oder der Philosophie von Ibn Arabi fasziniert.
Auch in seinem neuen Buch «Zwischen Europa und Islam», einer Sammlung von 115 als «Gegenpredigten» titulierten Essays, zitiert Meddeb den von den Fundamentalisten missachteten Hadith «Gott ist schön und liebt die Schönheit». Die Wiederbelebung der Ästhetik kann nach Meddeb zu einer das «Unversehrte im Zerstörten» bewahrenden Ethik führen und die ideologische Enge durch die kreative Abweichung vom Dogma öffnen.
Seine mutigen Illuminationen gehen auf Rundfunksendungen zurück, die zwischen März 2003 und Januar 2006 wöchentlich von Médi I, einem frankofonen Senderin Tanger, ausgestrahlt wurden - jener Stadt, die als Symbol und Beispiel für das von Meddeb angestrebte Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen steht.