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Trinkwasser wird in der Schweiz zu 80% aus Grundwasser - inklusive Quellwasser - gewonnen. Grundwasser ist ein Schatz im Verborgenen, der seinen Ursprung nach den letzten Eiszeiten hat. Flüsse hatten damals grosse Gebiete mit Sand und Kies aufgefüllt und damit die Grundlage zur Versickerung des Regen- und Oberflächenwassers geschaffen. Erreicht das versickerte Wasser eine undurchlässige Schicht wie Fels oder Lehm wird es gestaut und bildet unterirdische (Grundwasser-)Vorkommen und Ströme. Gleichzeitig wird es durch die langsame Bewegung im Untergrund gefiltert und gereinigt.
Besonders mächtige Grundwasservorkommen liegen entlang grosser Flussläufe im Schweizer Mittelland. In der Regel sind sie gut geschützt. Das Mittelland ist aber auch die dichtbesiedeltste Gegend der Schweiz - Interessenskonflikte sind kaum zu vermeiden.
Entstehung und Nutzung des Grundwassers
Eine Grundwasser-App macht populärwissenschaftlich das Grundwasser "sichtbar".
Sie ermöglicht interaktiv und spielerisch einen explorativen Zugang zu den Zusammenhängen zwischen Flüssen und Grundwasser. Indem die Nutzenden verschiedene Parameter wie Landnutzung, Klima oder Flussform verändern, können sie die Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel beobachten. In drei kurzen Kapiteln lernst du wie das Grundwasser entsteht, in welcher Form wir Menschen es nutzen und was Flüsse damit zu tun haben. Anschliessend kannst du im Grundwasserlabor selber experimentieren und deine eigenen Erfahrungen über das Verhalten von Grundwasser sammeln.
Desktop-Browserversion der Grundwasser-App (Direktlink, braucht etwas Geduld)
Porengrundwasser
Zwischen den Sand- und Kieskörnern eines Lockergesteins gibt es viele Poren, durch welche Wasser abfliessen und anschliessend als Grundwasser gespeichert werden kann. Porengrundwasser kommt vor allem in grossen Flusstälern wie dem Schweizer Mittelland, dem Rhein- und dem Rhonetal vor.
Kluftgrundwasser
Unter dem Druck der Alpenbildung öffneten sich in Felsen und Gesteinsmassen kleinere und grössere Risse (Klüfte). Durch solche Öffnungen kann Wasser in den Berg eindringen und versickern. Kluftgrundwasser finden wir im Alpengebiet.
Karstgrundwasser
Wasser und Kohlendioxid aus der Luft verbinden sich zu Kohlensäure, die Kalkgestein auflösen kann. Oberirdisch entstanden dadurch bizarre Formen, während sich unterirdisch ein weitverzweigtes Höhlensystem ins Gestein gefressen hat. Solche Karsthöhlen befinden sich im Jura und in den Voralpen.
Die Nationale Grundwasserbeobachtung NAQUA erfasst an mehr als 600 Messstellen in der Schweiz die quantitative und qualitative Entwicklung der Grundwasserressourcen. Beobachtet werden der natürliche Zustand sowie die Beeinflussung durch menschliche Aktivitäten.
Ziel dieser Überwachung ist es einerseits, die wichtigsten Grundwasservorkommen in der Schweiz zu charakterisieren. Anderseits sollen problematische Stoffe und unerwünschte Entwicklungen frühzeitig erkannt und bereits ergriffene Schutzmassnahmen kontrolliert werden. NAQUA bildet die Grundlage für einen gesamtschweizerisch koordinierten Schutz der natürlichen Ressource Grundwasser.
Die Qualität des Grundwassers ist in der Schweiz sowohl durch das Gewässerschutzgesetz wie auch durch das Lebensmittelgesetz definiert.
Das Gewässerschutzgesetz setzt auf Prävention, Umweltschutz und ökotoxikologische Aspekte. Bereits geringe Verunreinigungen können auf die Umwelt und ihre Lebewesen einen negativen Einfluss haben - tiefe Toleranzwerte sind die Folge davon.
Im Lebensmittelgesetz hingegen wird die Höchstmenge an Fremdstoffen anhand von humantoxikologischen Erkenntnissen definiert. Fremdstoffe werden deshalb in höheren Mengen akzeptiert, falls sie nach heutigem Stand des Wissens für den Menschen nicht schädlich sind.
Diese Diskrepanz kann zu beträchtlichen Unterschieden in der Beurteilung der Schutzzonen führen. Während die Landwirtschaft sich auf die höheren Grenzwerte beruft, möchte der SVGW im Sinne der Prävention die tiefen Grenzwerte des Gewässerschutzgesetzes auch im Lebensmittelgesetz verankern. Trinkwasser soll so unbelastet wie nur möglich sein. Damit profitiert nicht nur die Umwelt, auch die Konsumentinnen und Konsumenten von Trinkwasser haben so eine höhere Sicherheit, dass sie ihr Trinkwasser möglichst unbelastet von Fremdstoffen geniessen können.
Aus Sicht der Vorsorge und der Ökologie ist es zwingend, dass für die natürliche Ressource Trinkwasser weitaus strengere Grenzwerte gelten als sie im Lebensmittelgesetz vorgeschrieben sind.