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Der kleine Jäger mit der grossen Passion
Schweizer Niederlaufhunde sind hochpassionierte Schweizer Bracken, die in der Regel in Jägerhände gehören. Mit ihrem anmutigen Erscheinungsbild verkörpern sie zusammen mit den Laufhunden den ursprünglichen Typ des Jagdhundes.
Der Niederlaufhund wurde 1954 von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) mit vier farbspezifischen Rassen anerkannt. 2015 erfolgte mit der Zusammenlegung zu einer Rasse eine Neufassung des FCI-Standards. Ursprungsland ist die Schweiz. Die Rasse wird vom Schweizer Niederlaufhund- und Dachsbracken-Club SNLC betreut.
Schweizer Niederlaufhund
FCI-Gruppe
Nr. 6 – Laufhunde, Schweisshunde und verwandte Rassen
Sektion
Laufhunde
FCI-Standard
Nr. 60
Geschichte und Herkunft
Gegen Ende des 19.Jahrhundert wurde in einigen Kantonen des Schweizer Mittellandes die kantonsweite Patentjagd ins System der Revierjagd überführt. Da man der Ansicht war, die allseits beliebten, mittelgrossen Schweizer Laufhunde seien in den nun kleinen Revieren zu schnell und jagten zu weiträumig, beschloss man, diese durch kleinere niederläufige Laufhunde zu ersetzen. Die durch planmässige Zuchtauslese und geeignete Kreuzungen zielorientiert gezüchtete neue, kleinere Rasse wurde «Niederlaufhund» genannt und zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: Sie ist relativ niedrig in der Risthöhe, hat ein den Schweizer Laufhunden ähnlich attraktiv gefärbtes Haarkleid, einen wohlklingenden Spur- und Fährtenlaut und einen sehr passionierten Finderwillen zum Brackieren und für die Schweissarbeit (Suche eines verletzten oder kranken Wildes).
Der Schweizerische Niederlaufhund-Club (SNLC) wurde am 1. Juni 1905 gegründet. Durch die spätere Aufnahme der Dachsbracken wurde er zum Schweizer Niederlaufhund- und Dachsbracken-Club umbenannt.
Aussehen und Physiologie
Der Niederlaufhund stellt mit 33 bis 43 cm Risthöhe die verkleinerte Ausgabe des Schweizer Laufhundes dar. Im Format ist er rechteckig, mässig lang, kräftig gebaut. Er hat einen mittelgrossen, trockenen, edlen Kopf mit freundlich-aufmerksamem Gesichtsausdruck. Die Behänge (Ohren) sind sehr lang, tief angesetzt und schön gefaltet. Hündinnen erreichen ein Gewicht bis ca. 15 kg, Rüden bis ca. 20 kg.
Der revidierte FCI-Standard von 2015 verzichtet auf die vier verschiedenen, von ihrer Farbvarietäten abhängigen Rassen. Stattdessen werden alle Farben zu einer Rasse, dem Schweizer Niederlaufhund zusammengelegt. In der Folge können nun alle Farbschläge grundsätzlich miteinander gekreuzt werden. Damit sind neben den klassischen Farbschlägen alle Mischfarben davon zulässig. Das Fell kann sowohl kurzhaarig als auch rauhhaarig sein.
Farbschläge: Bernerfarben: weiss/schwarz mit lohfarbenen Abzeichen. Jurafarben: schwarz mit lohfarbenen Abzeichen. Luzernerfarben: blauschimmel mit schwarzen Platten. Schwyzerfarben: weiss/orange.
Der Schweizer Niederlaufhund ist ein feinnasiger, ausdauernder und passionierter kleiner Laufhund, der die Fährte sicher hält und mit wohlklingendem Laut anhaltend jagt. Er sucht mit grosser Sicherheit auch in schwierigem Gelände. Im Wesen ist er freundlich, sensibel aber nicht ängstlich oder aggressiv, im Temperament ruhig bis lebhaft. Die Wildschärfe ist in der Regel nur mässig ausgeprägt, Ausnahmen kommen allerdings vor.
Charakter und Temperament
Schweizer Niederlaufhunde sind hochintelligente Begleiter und Helfer auf der lauten Jagd mit einem ausgeprägten Führerbezug. Dank ihrem ruhigen Wesen und der feinen Nase leisten sie auch auf der Schweissarbeit hervorragende Arbeit.
Ihre hohe Passion zum selbstständigen Suchen, Stechen und Jagen des Wildes zeichnet diese Jagdgebrauchshunde aus. Sie lösen sich schnell vom Führer, spüren eifrig und weiträumig das Wild auf und jagen es mit kräftigem, weithin hörbarem Laut. Idealerweise beenden sie die Jagd nach etwa einer halben Stunde und finden selbstständig zum Führer zurück.
Im Wesen sind sie furchtlos, aber niemals aggressiv, deshalb sind sie ausgesprochen gute Familienhunde, die sich auch mit Kindern bestens verstehen.
Pflege und Gesundheit
Bei der Zucht des Schweizer Niederlaufhundes legt der SNLC grossen Wert auf gesunde, robuste und langlebige Hunde. Bei korrekter Haltung und Ernährung kann von einer Lebenserwartung von 14 bis16 Jahren ausgegangen werden.
Die grösste Herausforderung stellt sicher die relativ schmale Zuchtbasis dar. Diese konnte mit der Zusammenlegung der vier Farbschläge zu einer einzigen Rasse entschärft werden. Trotzdem lässt der Zuchtwart des SNLC zusammen mit den Züchtern besondere Vorsicht bei der Auswahl der Paarungen walten.
Eine zuchtbedingte Schwachstelle der Niederlaufhunde stellen die langen Behänge (Ohren) dar, welche die Gehörgänge abdecken. Dies kann eine Erhöhung des Risikos für Ohrenzwang darstellen. Entsprechend muss der Pflege der Ohren besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ansonsten benötigen sie keine, über die normale Pflege hinausgehende Befürsorgung.
Weitere, rassespezifische gesundheitliche Probleme sind bei den Schweizer Niederlaufhunden nicht bekannt.
Training und Erziehung
Durch ihre Sensibilität sind bei der Führung und Ausbildung Ruhe, Konsequenz und Geduld gefragt. Härte und Unbeherrschtheit sind nicht angebracht und wirken sich sehr rasch kontraproduktiv aus. Genügende Empathie belohnen Niederlaufhunde mit grosser Anhänglichkeit, gutem Gehorsam und Führigkeit.
Niederlaufhunde bestechen durch eine ausgesprochen hohe Lernfähigkeit. Dies ermöglicht ihnen, aus Erfolgen und Misserfolgen rasch die Lehren zu ziehen. Diese Fähigkeit ist für die selbstständige, weiträumige Jagd auch im schwierigen Berggelände unerlässlich. Wesentlich ist einfach, dass sie genügend oft auf der Jagd eingesetzt werden. Entgegen dieser exzellenten Eigenschaft ist die Lernbereitschaft weniger ausgeprägt, was die Rasse schnell als eigensinnig oder stur erscheinen lässt. Positiv ausgedrückt heisst das, dass Niederlaufhunde schlecht zu einer Handlung zu bewegen sind, deren Sinn sie nicht einsehen.
Mit der Gehorsamsausbildung kann beim Junghund das spätere Jagdverhalten teilweise beeinflusst werden. Mit einem intensiven Appell-Training mit oft wiederholtem Abrufen kann erreicht werden, dass der Hund auf der Jagd eher zum Kurz-Jager wird. Das heisst, er sucht weniger weit und bricht die Jagd früher ab, um zum Führer zurückzukommen.
Hundesport
Während der rund zehnmonatigen jagdstillen Zeit begeistern Niederlaufhunde durch exzellente Fährtenarbeiten, auch im Mantrailing. Diese Tätigkeiten können auch sehr gut als Jagdersatz-Handlungen eingesetzt werden. Aber selbstverständlich haben Niederlaufhunde auch an einfachen Agility-Übungen Spass, sofern diese ohne Druck durchgeführt werden. Zudem sind sie treue Begleiter auf ausgedehnten Spaziergängen in der Natur, auch wenn sie mehrheitlich an der Leine geführt werden müssen. Durch ihr geringes Gewicht können Niederlaufhunde, zumindest Hündinnen, auch problemlos von Senioren geführt werden.
Aber wie bereits eingangs erwähnt, werden Niederlaufhunde konsequent für die Jagd gezüchtet und ihre Passion und Fähigkeiten entfalten sie im Jagdeinsatz.