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Die zwei bekanntesten und zugleich sagenumwobensten Anlagen sind die unterirdischen Kavernen bei den Crvene Stinje (Rote Felsen) und bei der Vele Glava (Grosser Kopf). Während
man bei der Anlage Vele Glava immer schon wusste, dass es sich um einen Kommandoposten handelt, ranken sich um die Anlage Crvene Stinje noch heute zahlreiche Gerüchte und
Rätsel.

Radarzentrale in "Vele Glava"

Vele Glava - Prototypen für den Bunker von Saddam

Bei der Vele Glava handelt sich um das Reserve KP der jugoslawischen Kriegsmarine für die ganze Adria. Die Anlage ist relativ neu und wurde in den 70er Jahren errichtet. Sie
besteht aus einem Eingangsbereich und der Infrastruktur (Strom, Luft, Wasser), einem Mittelteil mit mehreren Kommando- und Arbeitsräumen, einem langen (ca. 200 m) Gang und einer
Kaverne für Übermittlungs- und Informatikeinrichtungen. Über einen Lüftungs- und Notstollen kann die Anlage im Notfall verlassen werden.
Die ganze Anlage ist ABC-sicher erbaut worden, wovon schon der Eingangsbereich Zeugnis ablegt. Dicke Panzertüren - welche heute auch schon gestohlen wurden - haben früher den
Zugang hermetisch abgeschlossen. Früher haben in dieser Anlage rund 200 Mann gearbeitet.

Unglaublich vorzustellen, wie das damals funktioniert haben soll. Dieses KP ist bestenfalls vergleichbar mit einem Brigade-KP in der Schweiz. Trotzdem herrschte in dieser Anlage
Knappheit an allem. Es existierte nur für den Admiral ein kleines Zimmer mit einer kleinen Dusche. Alle anderen in der Anlage mussten auf Klappbetten im Gang schlafen. Sanitäre
Einrichtungen waren nur in der Form von 3 Toiletten und einer Waschgelegenheit vorhanden. Duschen gab es keine. Die Führung der Marine wäre über zwei etwas grössere Arbeitsräume
erfolgt. Für die Funker gab es einen kleinen separaten Raum. Die kleine Küche war auf Grund ihrer Grösse sehr spartanisch ausgerüstet. Einzig für die Kommunikations- und
Informatikeinrichtungen war eine grössere abgetrennte Kaverne vorhanden. Obwohl sich diese KP Anlage mit keiner grösseren KP Anlage in der Schweiz vergleichen lässt und gerade zu
spartanisch wirkt, hat sie offenbar auf einen anderen Diktator Eindruck gemacht. Saddam Hussein zeigte sich bei einem Besuch in der Anlage so beeindruckt, dass dieselben
Ingenieure, welche diese Anlage gebaut hatten, auch den Bunker von Saddam gebaut haben. Sollte dieser Bunker denselben Standard gehabt haben wie die Anlage Vele Glava, dann kann
der Diktator nicht bequem gehaust haben. Jeder Schweizer Festungssoldat vom Brigadier bis zum Artilleriesoldat eines Artilleriewerks hatte den grösseren Komfort unter Tage.

Crvene Stinje - noch heute sagenumwoben
Die ersten unterirdischen Anlagen, welche auf Vis Anfang der 50er Jahre errichtet wurde, waren die beiden kleinen Kavernen in den Roten Felsen bei Komiza. Wie in der Schweiz auch,
so herrschten auch im alten Jugoslawien Sagengeschichten und Übertreibungen zu den Anlagen unter Tage. Vor unserem Besuch haben wir unzählige Geschichten über diese Anlage gehört.
Selbst die Einwohner von Vis erzählten uns etwas von einem grossen unterirdischen Spital für mehr als 1000 Personen und einem Kommandoposten. Dementsprechend gross waren unsere
Erwartungen - und wurden jäh enttäuscht!
Jurica, unser Führer auf Vis, hatte uns schon gewarnt. Er selber gehört zu jenen Leuten die diesen Geschichten keinen Glauben geschenkt haben, seit er die Anlage gesehen hat. Die
Anlage erreicht man über eine üble Zufahrtsstrasse. Bei den Roten Felsen angekommen, erkennt man zwei kleine Öffnungen am Fuss des Felsen und drei Öffnungen verteilt von unten nach
oben über die ganze Felswandhöhe. Über dem Eingang erkennt man einen kleinen "Bunker". Die erste Öffnung am Fuss des Felsen ist eine grosse Lüftungsöffnung, wie unschwer zu
erkennen ist. Die zweite Öffnung ist der Eingang. Bereits nach 100 m endet der Stollen. Links und rechts sind zwei kleinere Kavernen aus dem Fels gebrochen. Am Ende des
Eingangssollens ist eine Inschrift, die besagt: Im Kriegsfall Mauer einreisen". Eine kleine Öffnung in der Mauer zeigt, dass dahinter nur ein kleiner Stollen im Fels ist, der nach
oben zum Bunker über den Eingang führt. Mehr nicht.
Die linke Kaverne - welche die grössere ist - hat am Boden einen grossen Betonsockel. Über dem Sockel ist eine grosse Öffnung der Lüftung zu erkennen. Die Zweite Kaverne ist
schalldicht isoliert, hat eine kleine Tür oberhalb der Kaverne und verfügt noch über zwei Räumlichkeiten. Das soll ein Spital für 1000 Leute sein? Ein KP? Wohl kaum! Im Gespräch
mit Jurica kamen wir zu einem ganz anderen Schluss. Er erzählte uns, dass die Öffnungen im Felsen über einen Tunnel nach oben verbunden sind. Da er selber klettert und Kletterkurse
anbietet, hat er die Felsen und Tunnels innen erkundet. Im Inneren des Tunnels sind Aufhängevorrichtungen für Kabel montiert. Der Tunnel endet oben am Kopf des Felsens, wo ein
Strommast steht. Aus diesen Einzelheiten zusammen kombiniert kommen wir zum Schluss, dass es sich wohl um ein Elektrizitätswerk für die militärischen Anlagen der Insel gehandelt
haben muss. Der grosse Betonsockel diente definitiv einem grossen Dieselmotor und der zweite Raum muss für die Stromumformung gedient haben. Eine andere Erklärung gibt es
nicht.
Wie sehr sich aber Mythen halten können zeigt die Tatsache, dass selbst nachdem wir die Fotos dieser Anlagen gezeigt haben, zahlreiche Bunkerfans immer noch von einem Spital für
1000 Mann reden und von einer gigantischen unterirdischen Kommandozentrale. Mythen sind eben immer noch stärker als Fotos.

Radarstation Hum

Der Berg Hum ist der höchste Punkt auf der Insel Vis. Hier auf 530 m hat man bei schönem Wetter einen herrlichen Rundblick über die Insel und die Adria. Dies ist auch der Grund,
warum hier gestern wie heute eine Radarstation untergebracht war. Die Installationen auf dem Berg Hum sind auch eine der wenigen Anlagen die noch heute aktiv von der kroatischen
Marine betrieben wird. Heute ist hier eine Radarstation der Küstenüberwachung installiert. So wie in der Schweiz auch, darf man auch hier nicht zuviel darüber berichten. Wir
beschränken uns darum auf einige Fotos und belassen es dabei.

Mobile Radarstation auf Vis

Die unerzählte Geschichte der Inselfestung Vis
Marine KP "Vele Glava"
Kraftwerk "Crvene Stinje"
Radarstation "Hum"