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Wir Männer werden nicht als Männer geboren. Wir kommen als Babys („Es ist ein Junge!“) auf die Welt; werden zu Knaben, Burschen, Jungs, junge Männer und mit der Volljährigkeit zu Männern. Das Heranwachsen alleine macht uns nicht zum Mann. ‚Mann werden‘ und ‚Mann sein‘ ist ein Entwicklungsprozess der unter anderem von aussen genährt wird. Wir begegnen während dem Heranwachsen vielen Männerbildern. Männerbilder sind unsere eigenen Wahrnehmungen bezüglich Eigenschaften und Verhalten anderer Männern, die wir erleben.
Wir Männer werden am Mann zum Mann; will heissen: die Männerbilder, die uns begegnen, prägen unser Verständnis von Mann sein. Dieses Verständnis wenden wir für uns selbst an in der Interpretation unseres eigenen männlichen Selbstbildes. Das beinhaltet ein Annehmen, „Ich möchte so stark und klug sein wie mein Grossvater“, wie auch ein Ablehnen von Männerbildern, „Ich möchte nie so sprunghaft wie mein Onkel sein“. Beide Beispiele handeln von bewussten Wahrnehmungen von Männerbildern. Männerbilder werden jedoch auch unbewusst wahrgenommen in Form von Glaubenssätzen. Glaubenssätze sind Normen und Werte, die von den Eltern geprägt und von Kindern übernommen werden, sozusagen unausgesprochene Einstellungs- und Verhaltensregeln. Auf die Männlichkeit umgemünzt können die lauten: Ein Mann ist stark, zeigt keine Gefühle, beisst sich durch etc. (wir kennen diese Stereotypen zur Genüge…).
In den meisten Familien ist der Vater – als nächste männliche Bezugsperson – der bedeutendste Lieferant von Männerbildern. Aber auch die Grossväter, die Onkel, der Vater des Nachbarn-Jungens, später die Lehrer, die Musik-Idole usw. liefern ihren Input zur Gestaltung des Männerbildes. Im Laufe der Zeit ergibt sich für den heranwachsenden Jungen ein wahres Füllhorn an Eindrücken und Erfahrungen von Männerbildern.
Ist ein Mann ein Mann, tut der Mann gut daran, seine Männlichkeit auf den Prüfstand zu stellen. Dabei geht es nicht so sehr um das Beleuchten seines männlichen Rollenverhaltens. Es geht vielmehr darum, seine eigene Männlichkeit durch einen Reifungsprozess in die Unabhängigkeit zu bringen. Sich loszulösen von Männerbildern, die er in der Kindheit, oft wenig hinterfragt, angenommen hat. Die erlebten Männerbilder kritisch zu hinterfragen und letztendlich abzuschütteln, gleicht einem zweiten Abnabelungsprozess: weg von der Männerbilder-Nabelschnur, hin zur männlichen Autonomie. Weg vom männlichen Selbstbild, hin zum (eigenen) männlichen Selbstverständnis.
Die verinnerlichten Männerbilder entdeckt ein Mann, wenn er durch seine Kindheit schweift und die männlichen Bezugspersonen, ihre Eigenschaften, ihr Verhalten, Revue passieren lässt und seine eigene Haltung, seine Gefühle und seine Körperwahrnehmungen dazu in Erinnerung ruft. Dabei wird er auch Eigenschaften und Verhalten erkennen, die er sich heute als Mann selbst zuschreiben kann: sein eigenes Männerbild im Heute wird Anteile von Männerbildern aus der Vergangenheit aufweisen. In diesem Moment kann er sich gewahr werden, inwiefern sich gelernte Männerbilder in seinem heutigen Verhalten förderlich oder hinderlich, im Umgang mit sich und anderen, erweisen. Der Mann kann sich dann bewusst entscheiden, ob er diese Eigenschaften annehmen will oder nicht. Ob er sich weiterhin mit ihnen identifizieren will oder nicht. Für das Loslassen von Eigenschaften und Männerbildern, eignen sich Rituale besonders gut.
Ein Coaching von Mann zu Mann unterstützt den Mann beim Erforschen, Hinterfragen, Loslassen und Annehmen seiner Männerbilder. Es gibt Hilfestellungen auf dem Weg vom männlichen Selbstbild hin zum männlichen Selbstverständnis – zum Mann-Sein.