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Fin de chantier: Zwischen Schulhaus und Industriebau
Die Berufsfachschule Freiburg von Graber Pulver Architekten erstaunt gleich dreifach: mit ihrer Länge von über 170 Metern, mit ihrer industriellen Fassade und mit dem geknickten Dach.
Die Berufsfachschule steht wie ein übergrosses Werkstück im früheren Industriegebiet und erstaunt gleich dreifach: mit ihrer Länge von über 170 Metern, mit ihrer industriellen Fassade und mit dem geknickten Dach. In der Schule, die nicht wie eine aussieht, werden Polymechaniker, Informatikerinnen und Multimediagestalter ausgebildet. Das Haus vereint die drei Abteilungen unter einer perforierten Aluminiumhaut, die sich über die Fassade legt und wie ein Schleier vor dem verglasten Erdgeschoss hängt. Die Betonflächen an den Stirnseiten brechen die Länge des Hauses abrupt ab. Sie verweisen auf den Querschnitt des Gebäudes, der über die ganze Länge gleich bleibt — wie bei einem extrudierten Metallprofil.
Im Sockel quartierten die Architekten die Parkgarage ein. Eine pragmatische Lösung, richtig an diesem Ort. So wird das Erdgeschoss von der Höhe der Auspuffe abgehoben. Über das verglaste Erdgeschoss sucht das Haus dennoch den Dialog mit der Stadt. Dahinter befindet sich das Foyer, das sich von der Turnhalle bis zum Audi-torium am andern Ende des Gebäudes spannt. Es macht aus der Länge ein endloses Panorama und kompensiert den fehlenden Pausenplatz.
Im Schulzimmergeschoss darüber spitzen die Architekten die lineare Ausdehnung weiter zu: Ein gedrückter Gang sticht durch das ganze Haus und entwickelt eine Art Sogwirkung mit seiner schwindelerregenden Länge. In den Schulzimmern strahlen die Wände orange oder blau, man landet erneut in einer anderen Welt. Das Treppenhaus richtet den Blick über die Oblichter gegen den Himmel. Im obersten Geschoss arbeiten die Studenten an Werkbänken und Elektronikschaltpulten. Über ihren Köpfen zackt das Sheddach durch den Raum, holt oben Licht herein und gibt unten den Blick frei auf die Stadt. Unter der Decke verlaufen Trapezbleche, das Gebäude wird hier ganz zum Industriebau.
Die Architekten ziehen die Linearität konsequent durch, sie schaffen so unterschiedliche Stimmungen. Gegenpol zur Länge ist der Kreis. Er taucht überall im Gebäude auf: in den Lampen unter der Decke, in der Perforation der Wand-paneele, in den Bullaugenfenstern der Zimmertüren. Mit Witz und Konsequenz schafft das Haus den Spagat zwischen lärmigen Werkstätten und konzentrierten Schulzimmern. Es schweisst Machen und Denken in einem Bau zusammen und lässt Luft für atemberaubende Räume.
Berufsfachschule Technik und Kunst Freiburg (EMF), 2011Chemin du Musée 2, Freiburg
– Bauherrschaft: Kanton Freiburg
– Architektur: Graber Pulver Architekten, Zürich / Bern; Katrin Urwyler Projektleitung)
– Auftragsart: Wettbewerb, 2003
– Kunst-und-Bau: Eric Lanz, Düsseldorf
– Kosten: CHF 44 Mio.