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In Interlaken haben 37 Länder ein verbindliches Kontrollsystem für "Blutdiamanten" verabschiedet.Dieser Inhalt wurde am 05. November 2002 - 18:55 publiziert
Ab 2003 sollen fälschungssichere Herkunfts-Zertifikate verhindern, dass Diamanten aus Konfliktgebieten in den Handel kommen.
Die strengeren Kontrollen des internationalen Diamantenhandels, auf die man sich in Interlaken geeinigt hat, sollen verhindern, dass Rebellen oder Regierungstruppen in Bürgerkriegen wie bisher ihre bewaffneten Konflikte mit dem Erlös aus dem Verkauf von Rohdiamanten finanzieren können.
Das ist das Hauptergebnis einer zweitägigen Ministerkonferenz. Sie wurde von der südafrikanischen Ministerin für Mineralien und Energie, Phumzile Mlambo-Ngcuka, und vom Schweizer Wirtschaftminister, Bundesrat Pascal Couchepin, geleitet.
Das Ergebnis stehe im Einklang mit der Schweizer Politik der Friedens-Förderung. Noch sei die verabschiedete Lösung nicht perfekt, sondern "work in progress", sagte Couchepin.
Nationale Gesetzte
Die edlen Steine, die hierzulande Symbole für Ewigkeit und Liebe sind, gelten als wichtigste Finanzierungsquelle der bewaffneten Auseinandersetzungen in Kongo-Kinshasa, Sierra Leone und Angola. Der Umsatz der Konfliktdiamanten soll rund zwei Prozent der weltweiten Produktion betragen.
Das gesetzliche Regelwerk gegen diese "Blutdiamanten" besteht aus einer Reihe nationaler Gesetze der Unterzeichner-Länder sowie aus den Selbstverpflichtungs-Zusagen von Industrie und Handel. Ab 2003 können Diamanten nur noch in versiegelten Behältern aus dem Erzeugerland in die Importländer transportiert werden.
Fälschungssicheres Zertifikat
Ein fälschungssicheres Zertifikat garantiert zudem die saubere Herkunft der Diamanten. Länder, die an diesem System nicht teilnehmen, sind vom internationalen Handel mit Rohdiamanten ausgeschlossen.
Das Kontrollregime wurde im Rahmen des "Kimberley-Prozesses" erarbeitet. Neben Vertretern aus den wichtigen Export- und Importländern war auch die Diamantenbranche an der Erarbeitung beteiligt. Der Prozess wurde von den Vereinten Nationen lanciert.
Die Schweiz wird wie die andern beteiligten Länder das Kimberley-Zertifikat auf den 1. Januar anwenden.
Vertrauen ist gut - Kontrolle wäre besser
Auch die Nichtregierungsorganisationen (NGO) waren zufrieden mit dem erzielten Kompromiss von Export- und Importländern sowie NGO und Diamantenbranche. Noch fehle aber eine unabhängige Überwachung des Kontrollsystems, erklärte die Vertreterin von ai-Schweiz, Danièle Gosteli.
Man müsse sich immer noch auf die Integrität der Staaten verlassen, dass die Zertifikate auch nicht gefälscht würden
Allgemeine Skepsis
Die "Weltwoche" vom März 2002 befasste sich in einem Artikel mit dem Dimantenhandel und den schon damals angekündigten "Kimberly-Richtlinien". Die Zeitung beschreibt, dass Genf eine der wichtigsten Drehscheiben für den Schwarzhandel mit Dimanten sei.
Der Autor des Artikels selber gab sich als Zwischenhändler aus und bot mehreren Händlern Dimanten aus angeblich afrikanischen Bürgerkriegsländern an. Die meisten Genfer Diamantaires hätten Steine gekauft.
Kritisiert wird an den Kimberly-Richtlinien, dass sie keine effektiven Kontrollen vorsähen und dass sich die Dimanten-Industrie selber kontrolliere. Auch würden die Händler nicht bestraft.
Für die Weltwoche sind die Richtlinien deshalb ein "Wachthund ohne Zähne" und das Blatt zitiert den Friedensforscher Christian Dientrich: "Der Beruf der Dimantenhändler war seit je, möglichst billig Steine einzukaufen - Steine, die oft unter sklavenähnlichen Bedingungen geschürft wurden. Sollten sich diese Händler plötzlich für Menschenrechte interessieren?"
swissinfo und Agenturen
Fakten
2001 wurden weltweit mehr als 100'000 Karat Diamanten im Gesamtwert von über 11 Mrd. Dollar gefördert.
2 bis 4% davon sind Blutdiamanten, deren Verkauf zur Finanzierung von Konflikten dient.
In Kürze
Der Diamantenhandel in der Schweiz ist in diesem Jahr eingebrochen. Importierte die Schweiz bis im vergangenen Jahr noch Rohdiamanten im Wert von zwei Milliarden Franken, schrumpfte der Wert in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres auf rund sieben Millionen Franken.
Bis im letzten Jahr war die Schweiz hinter London und Antwerpen der drittwichtigste Diamantenhandelsplatz.
Ende 2002 war die Schweiz als angebliche Drehscheibe für Blutdiamanten unter Beschuss geraten. In einem UNO-Bericht wurde ihr vorgeworfen, Diamantenhändler könnten ihre Ware als schweizerisch deklarieren lassen und damit den UN-Boykott, der damals gegen die afrikanischen Staaten Angola und Sierra Leone verhängt war, umgehen. Diese Umgehungsgeschäft sollen über die Zollfreilager in Zürich und Genf gelaufen sein.
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