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Ein Hauch von Emanzipation: Vier Schwestern (Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh und Eliza Scanlen) gehen verschiedene Wege der Selbstverwirklichung. (Paterson-Entertainment)
Taten und Träume von Unabhängigkeit
Ein Buchklassiker aus dem 19. Jahrhundert. Fünfmal wurde «Little Women» für die Preise der BAFTA (British Academy of Film and Television Arts) nominiert, erhielt aber nur einen Award, nämlich für Jacqueline Durran und das beste Kostümdesign. Bei den Oscars ist das Gesellschaftsdrama sechsmal vertreten warten, mit Nominationen für Bester Film, Beste Haupt- und Nebendarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Kostüme und Beste Filmmusik. Greta Gerwig («Lady Bird») hat den amerikanischen Frauenroman fein zugeschnitten und zauberhaft in Filmszene gesetzt. Der Stoff über vier Schwestern, die sich aus dem gesellschaftlichen Korsett befreien wollen, ist mehrfach fürs Kino und Fernsehen adaptiert worden, beispielsweise 1933 mit Katherine Hepburn und Joan Bennett, 1949 mit Elizabeth Taylor und Janet Leigh oder 1994 mit Winona Ryder, um nur einige bekannte Namen zu nennen.
Die amerikanische Schriftstellerin Louisa May Alcott hatte ihren stark autobiographisch gefärbten Roman speziell für Mädchen geschrieben und in zwei Teilen veröffentlicht: «Little Women» (1868) und «Good Wives» (1869). Im jüngsten Kinoschaustück spielen Saoirse Ronan die junge rebellische Jo (Josephine), die gern Schriftstellerin werden möchte, Eliza Scanlen die aufopfernde Beth, Florence Pugh die egoistische Amy, die sich ihren Weg als Künstlerin bahnt, und Emma Watson die bodenständige Meg.
Das Schwestern-Viergestirn lebt im Herrenhaus ohne Herren (der Vater, er kämpft im amerikanischen Bürgerkrieg). Schauplatz ist Neuengland Mitte des 19. Jahrhunderts. Erzählt wird die Geschichte der Schwestern vorwiegend aus der Perspektive Jo Marchs, welche quasi die Autorin vertritt. Regisseurin und Drehbuchautorin Gerwig schildert die Entwicklung der Schwestern in sieben Jahren, wobei sie gekonnt die Zeitebenen wechselt und so auch gekonnt konventionelle Erzählweise und Langerweile vermeidet – über 135 Minuten. Jo flattert schier unbeschwert durch ihr junges Leben. Meg fügt sich, beugt sich Konventionen und heiratet früh. Beth, musikalisch begabt, verdrängt ihre Ambitionen, lebt im Grunde für andere und erkrankt an Scharlach. Amy ist sich selbst am nächsten, sieht sich als Künstlerin, bricht aus, reist nach Europa und heiratet den wohlhabenden Nachbarsjungen Laurie.
Vier Frauen im Aufbruch und Wandel mit verschiedenen Ambitionen: Sie versuchen, Lebenssinn und Selbstverständnis zu finden und gesellschaftliche Fesseln abzustreifen. Die eine oder andere und bleibt hängen, scheitert, andere finden ihr Glück. Dabei geht es auch um materielle Sicherheit (Heirat).
Greta Gerwig inszenierte stimmig, gefühlsvoll und sorgfältig, geradezu akribisch, ohne dass ihr Film als verstaubter Kostümschinken wirkt. Ihr Film ist exzellent besetzt bis in die Nebenrolle, etwa mit Meryl Streep als reiche Tante March. Im Grunde spiegelt die Coming-of-Age-Geschichte einen Mikrokosmos und die wirtschaftliche Situation gutbürgerlicher Frauen vor rund 150 Jahren wieder, die ihre Unabhängigkeit suchen und sich verwirklichen wollen. Ein sympathischer, eleganter und aufschlussreicher Film, in dem ein Hauch von Emanzipation weht.
USA 2019
135 Minuten
Buch und Regie: Greta Gerwig
Kamera: Yorick Le Saux
Darsteller: Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Eliza Scanlen, Timothée Chalamet, Laura Dern, Meryl Streep
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