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Luftreinhaltung ist Klimaschutz. Und Klimaschutz ist Luftreinhaltung. Zur Erreichung der jeweiligen Klimaschutz- und Luftreinhalteziele braucht es aber gezielte Massnahmen. Zu diesem Schluss kommen die Forschenden im Kapitel 6 des neuesten Sachstandsberichts des Weltklimarats. Das neu aufgenommene Kapitel beschreibt unter anderem, wie Nicht-CO2-Emissionen zur Erderwärmung beitragen. Und wie sich umgekehrt auch der Klimawandel auf die Luftqualität auswirkt. An einem Webinar mit Prof. Dr. Astrid Kiendler-Scharr, Leitautorin des Kapitels 6 «Kurzlebige klimawirksame Stoffe» im sechsten Sachstandsbericht des IPCC, erhielten Mitarbeitende der Stadt spannende Einblicke in den Zusammenhang zwischen Luftreinhaltung und Klimaschutz.
Methan verursacht Erwärmung um 0,5 Grad Celsius
Kapitel 6 untersucht die Wirkung von kurzlebigen klimawirksamen Stoffen wie Feinstaub, Methan, Fluorkohlenwasserstoffen und verschiedenen Vorläufersubstanzen von Ozon. In Summe tragen diese Stoffe in gleicher Grössenordnung zur Erderwärmung bei wie Kohlendioxid. «Die von Menschen verursachten Methanemissionen haben seit der Industrialisierung einen Temperaturanstieg von rund einem halben Grad Celsius verursacht», erklärt Kiendler-Scharr. Im gleichen Zeitraum ist die Durchschnittstemperatur um rund 1,1 Grad Celsius gestiegen. «Wenn wir das Klima schützen wollen, dürfen wir diese Stoffe nicht ausser Acht lassen.»
Aerosole für Sahel-Dürre verantwortlich
Dass gewisse Stoffe, nämlich Aerosole, auf der Erdoberfläche sogar eine kühlende Wirkung haben, ändert daran nichts. Aerosole wirken sich beispielsweise auf den Wasserkreislauf aus und hemmen die tropischen Monsunregen. Forschende gehen ausserdem davon aus, dass die verheerende Sahel-Dürre in den 1970er und 1980er Jahren durch eine aerosolbedingte Abkühlung in der Nordhemisphäre und dadurch verursachte Verlagerung des tropischen Regengürtels hervorgerufen wurde. Gleichzeitig trägt Russ zum Abschmelzen der Gletscher bei: Er setzt sich auf dem Eis ab, absorbiert Sonnenstrahlen und erwärmt dadurch die Oberfläche. Da Aerosole und CO2 meist gemeinsam emittiert werden, ist es daher sinnvoll, beide zu reduzieren. «Wenn wir das tun, überwiegt am Ende in jedem Fall der für das Klima positive Langzeiteffekt.»
Klimaschutz ist Gesundheitsschutz
Die Luftqualität wirkt sich aber nicht einseitig auf den Klimawandel aus. «Es ist eine Wechselwirkung», sagt die Professorin. Bestimmte Wetterlagen sorgen dafür, dass sich gesundheitsschädliche Stoffe an der Erdoberfläche anreichern und besonders lange halten. Solche Wetterlagen treten durch den Klimawandel gehäuft auf. Ein wesentlicher Gesundheitsfaktor, denn Luftschadstoffe verursachen weltweit rund vier Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr – zum Beispiel durch Lungenkrebs oder Herzkreislauf-Erkrankungen. Somit tragen Klimaschutzmassnahmen und speziell auch die Dekarbonisierung zu besserer Luftqualität und letztlich zum Gesundheitsschutz bei.
Im Interview mit dem UGZ spricht Astrid Kiendler-Scharr über den Klimawandel und über Massnahmen, die aus ihrer Sicht sinnvoll wären. Interview lesen