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Die Anfänge der Aarauer Reisszeugindustrie gehen zurück ins Jahr 1803, als der Mechaniker L. Esser in seiner mechanischen Werkstatt anfing Zirkel herzustellen. Bei ihm lernten die drei jungen Aarauer Hommel, Kern und Gysi das Handwerk und jeder eröffnete später seine eigene Werkstatt. Sie bildeten zusammen die „Aarauer Reisszeugindustrie“, die in den folgenden 50 Jahren zur grössten und bedeutendsten der Welt werden sollte. Die in Aarau hergestellten Zirkel waren unter den Begriffen „Schweizer Zirkel“ oder „Aarauer Form“ weltweit der Standard für Technik und Qualität und beherrschten bis zur Jahrhundertwende den Weltmarkt.
In seiner 1819 in Aarau eröffneten Werkstatt produziert Jakob Kern zunächst Reisszeuge. Schon bald aber kamen verschiedene mechanische Geräte dazu und im Jahre 1824 der erste Theodolit. Den Reisszeugen aber hielt man bei der Firma Kern während 168 Jahren, bis ins Jahr 1987 die Treue. Obwohl die Reisszeuge in den letzten Jahrzehnten Ihres Bestehens kaum mehr als 10% am Gesamtumsatz ausmachten, wurde Kern in der Öffentlichkeit stets als die Reisszeugfirma wahrgenommen.
Zirkelkopf
Die Konstruktion des Zirkelkopfes gibt wichtige Hinweise auf Alter, Ausführung und Gebrauch eines Zirkels. Die ersten Kern-Zirkel ab 1819 hatten einen Rundkopf, ohne Kopfgriff und Geradeführung. Ab 1830 erschienen die ersten Zirkel mit Griff. Die Stellung des Kopfgriffes aber war zufällig. Der erste Zirkel mit einer exakten Geradeführung des Kopfgriffs kam 1897 auf den Markt. Mit der Geradeführung wird der Kopfgriff mechanisch geführt und kommt bei jeder Öffnung des Zirkels automatisch in die Winkelhalbierende der beiden Zirkelschenkel zu stehen.
Die Entwicklung des Zirkelkopfes:
- 1819 Rundkopfzirkel ohne Kopfgriff (1)
- 1830 Zirkel mit Kopfgriff, ohne Geradeführung (2 und 3)
- 1897 "Neuer Schweizer Zirkel" erstmals mit Geradeführung (4)
- 1904 Pivotkopfbügel, Serie A und B (5, 6, 7)
- 1916 Flachrund-Zirkel (8)
- 1939 Flachrund-Zirkel mit Spitzkopfbügel (9)
- 1950 neuer Kopfbügel, Serie C
- 1964 neuer Kopfbügel, Serie B, Präzisions-Geradeführung, Serie A mit Hartverchromung
- 1978 Kunststoff-Kopfbügel, Serie C mit Zahnstangen-Geradeführung und Serie D mit Zahnrad-Geradeführung
- 1983 Kunststoff-Kopfbügel, Serie T, Geradeführung mit Delrin-Zahnstange und Serie U mit Zahnstangen-Geradeführung
Reissfedern
Die Reissfeder (Ziehfeder) wurde bis in die Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts zum Zeichnen von Linien verwendet. Reissfedern wurden an Linealen oder freihändig (Kurvenfeder) geführt und konnten auch im Zirkel eingesetzt werden. Gefertigt wurden sie aus vorgedrehten Stahlstangen. Die beiden Schenkel entstanden, indem die Stangen auf Fräsmaschinen der Länge nach aufgeschlitzt wurden. Durch sorgfältiges Feinschleifen und Polieren, meist in aufwändiger Handarbeit, erhielten die Spitzen ihre endgültige Form. Die Tinte oder Tusche wurde als Tropfen zwischen diesen Schenkeln eingefüllt. Der Abstand der Schenkel, verstellbar mit einer Stellschraube, ergab die Strichbreite.
Das Angebot an Reissfedern:
Neben verschiedenen Längen der Griffe aus Elfenbein, Ebenholz, Aluminium oder Metall waren die Spitzen als Haarstrichfeder, Schmalfeder, Handreissfeder, Starkstrichfeder, Dreiblattfeder, Doppelstrichfeder, Geometerfeder, Kurvenfeder, Doppelkurvenfeder, Punktierfeder oder Reissfeder mit Teilscheibe erhältlich.
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Tuschefüller
Unter dem Druck der Mitbewerber entschied man sich in den siebziger Jahren bei der Firma Kern einen Tuschefüller zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Der Prontograph wurde in zwei Reihen angeboten: je neun Füller in 1/10mm-Abstufung und als Mikronorm, in der Abstufung von √2 für Zeichnungs-Änderungen in den DIN-A Formaten. Das „System für rationelles Zeichnen“ enthielt neben dem Prontograph ein umfassendes Angebot an Schrift-, Symbol- und Zeichenschablonen, Zirkeleinsätzen und umfassendes Zubehör.