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«Ich ging immer ohne Schuhe zur Schule», erklärt Octopizzo. «Ich hatte folgenden Traum: Wenn ich es eines Tages ganz nach oben schaffe, dann kauf ich mir alle Schuhe, die ich kriegen kann.» Inzwischen konnte er sich viele Schuhe kaufen. Sein Durchbruch gelang ihm 2012 mit dem lokalen Hit «Ivo Ivo». Das heisst so viel wie «es ist, wie es ist».
Ein Vermittler, der noch immer im Slum wohnt ...
Octopizzo ist in Kibera aufgewachsen, einem der grössten Slums der Welt. Er liegt im Süden der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Ab 15 hat er sich als Waise durch den Ghettoalltag geschlagen. Die Spuren dieser Kindheit sind noch heute zu sehen: Octopizzo ist sehr dünn. Als Kind bekam er immer nur eine Mahlzeit am Tag – mittags oder abends. Heute könnte er essen, was er will, aber sein Körper kann nicht so viel aufnehmen. Er nimmt Medikamente, um den Appetit anzuregen.
Seinen Namen hat Octopizzo von seinem Lieblingstier, dem Octopus. Für ihn der stärkste Bewohner der Meere, der mit seinen acht Tentakeln selbst Haie und Wale das Fürchten lehrt.
... und ein Vorbild ist
Octopizzo ist die Stimme seines Viertels und aller Slums Nairobis. Er singt auf Suaheli und Sheng, dem Slang der Slums von Nairobi. So verstehen alle seine Botschaften. Das hat entscheidend zu seinem Erfolg beigetragen. Immer noch hat er sein Haus in Kibera.
Dieser Ort sei seine Inspirationsquelle, sagt der kenianische Rapper. Dort hat er viele Freunde. Octopizzo steht zu seiner Herkunft und ist ein wichtiges Vorbild für die Jugendlichen: «Wenn ihr was erreichen wollt, dann müsst ihr hart dafür kämpfen», ermutigt Octopizzo die jungen Leute. Er verbindet mit seiner Musik eine Mission: Als Brücke zwischen den Slums und den reichen Wohnvierteln soll sie helfen, Vorurteile abzubauen. Der Präsident hoffte auf seine Unterstützung im Wahlkampf, was der junge, engagierte Rapper entschieden ablehnte.
«Chocolate City»: Brauner Schlamm und Wellblechdächer
Neben seiner musikalischen Karriere engagiert er sich in Sozialprojekten: In seiner Fernsehsendung «Black Star Movement» stellt er Helden des Alltags wie beispielsweise Strassenhändler aus den Slums vor.
Ausserdem führt er unter dem Namen «Chocolate City Tours» Leute durch sein Viertel Kibera. Leute, die noch nie einen Slum von innen gesehen haben. «Chocolate City» heisst auch Octopizzos neue Veröffentlichung. In seinen Songs berichtet der engagierte Rapper als Augenzeuge.
Im Song «Toboa» beispielsweise geht es um die Gewalt nach den Wahlen 2007 in Kenia: Kibera gleicht einem Schlachtfeld. Der damals 20-jährige Octopizzo verschanzt sich mit Freunden zu Hause und ist vollkommen verängstigt. Die Strasse betritt er nur mit einer Machete zur Selbstverteidigung. «Toboa» bedeutet auf Swahili Enthüllungen: Der engagierte Rapper warnt davor, dass eine ähnliche, verheerende politische Situation in seiner Heimat wieder ausbrechen könnte.