Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03130.jsonl.gz/2144

|(Klick aufs Bild für volle Grösse)|
Max im Zürcher-Büro (1971)
Je länger das Studium am Technikum Winterthur dauerte, je unsicherer wurde ich, ob die Arbeit als Chemiker mich glücklich machen würde. Die beiden Fächer "organische und physikalische Chemie" bekam ich nicht in den Griff. Ich konnte diese Gebiete einfach nicht verstehen und musste alles auswenidg lernen. Wahrscheinlich haben sie mich auch nicht interessiert.
Immer wieder erinnerte ich mich zurück an die Zeit als Laborant, als ich neben meiner Laborantentätigkeit für meinen Laborchef Dr. H.J. Poschet Lochkarten ausstanzen und sogar die ersten Schritte mit FORTRAN IV machen konnnte. Ich erinnerte mich aber auch daran, dass ich im Rechenzentrum der CIBA den Operators zu Hand gehen und Magnetbänder umhängen durfte, dabei lernte ich auch den späteren Raumfahrtexperten Bruno L. Stanek kennen. Er machte auf dem CIBA-Rechner seine damaligen Weltraum-Simulationen. Mich faszinierte einfach die EDV. So war es nicht verwunderlich, dass ich auf ein Inserat des Computer-Herstellers UNIVAC reagierte, der die Ausbildung zum IT-Spezialisten anbot.
Zum besseren Verständnis meiner nachfolgenden Erlebnisse muss man wissen, dass der amerikanische Computer-Hersteller bis 1977 "UNIVAC" hiess, und sich erst ab 1978 "SPERRY UNIVAC" nannte. Später dann ab 1986, als sie vom kleineren Konkurrenten Burroughs übernommen wurden, hiess ihr neuer Name "UNISYS". Diese Zeit erlebte ich aber nur noch als Sandoz-Mitarbeiter.
Ich hatte die Diplomprüfungen an der Chemie-Abteilung des Technikum Winterthur noch nicht beendet, startete ich zusammen mit meinem Klassenkameraden Ruedi Bucher bei UNIVAC zum 1-jährigen "Kader-Karriere-Kurs". Ein Studium oder eine Lehre als EDV-Mann war zu der Zeit noch nicht möglich. Man musste sich von unten her hocharbeiten. Der "Kader-Karriere-Kurs" war erstmals eine Möglichkeit, diesen Beruf professionell zu erlernen, auch wenn es UNIVAC nur um eine einfache Art der Personal-Findung ging. Bei UNIVAC wurde ich in die "Elektronische Daten-Verarbeitung (EDV)", wie sich die IT dazumal noch nannte, eingearbeitet. Ich wurde in der "Programmierung" und der "System-Analyse" ausgebildet und erhielt mein Praktikum in der Programmierung im Rahmen des Projektes "COMET" der Radio Schweiz AG.
|(Klick aufs Bild für volle Grösse)|
Marktgasse Bern (1973)
Während meine Tech-Kollegen bereits gutes Geld in der Chemie verdienten, begann ich im Kader-Karriere-Kurs mit einem Monatssalär von Fr. 1'000.-- wieder ganz unten. Als mein damaliger Chef Dr. Sailer auf unsere Frage nach seinem Gehalt antwortete, er verdiene Fr. 5'000.--, bekamen wir alle glänzende Augen. Dies war ein Vermögen und für uns unvorstelltbar viel.
Mein erster Arbeitsplatz war in Zürich im Eckhaus Langstrasse/Militärstrasse, ein ideales Terrain für einen jungen Mann. Der Kreis 4 "Chaib" (Langstrasse) war neben dem Niederdorf das zweite Unterhaltungsviertel der Stadt Zürich. Es gab dort unzählige Bars, Nightclubs und hübsche Frauen. Meinen Autoparkplatz hatte ich im Keller neben dem schnittigen Lamborghini eines Zuhälters. Tagsüber sah ich die Dirnen, wie sie als normale Hausfrauen einkauften. Man grüsste sich und plauderte miteinander. Ich selber wohnte in Dübendorf.
Tagsüber war die Langstrasse eine normale Durchgangsstrasse mit Geschäften und Restaurants. Aber abends lebt das Quartier auf. Es war immer etwas los. Man traf sich in den Bars und plauderte miteinander. Die Zuhälter diskutierten in zwielichtigen Lokalen. Oft gab es dabei auch Streit. Ich erinnere mich gut an die Bar der Monika Kälin und ihrem Fritz Künzli in einer Seitengasse zur Langstrasse. Damals war sie berühmt, denn sie war die erste Schweizerin, die sich für den Playboy auszog. Ich erinnere mich aber auch an eine junge Bar-Maid mit einem riesigen Natur-Busen, den sie offenherzig ohne BH zur Schau stelte. Künstliche Brüste und Erweiterungen gab es damals noch nicht.
Bereits in meiner Ausbildungszeit wurde ich als Verkäufer in der Büfa-Computer-Ausstellung in Zürich eingesetzt. Ich erinnere mich noch gut an zwei fesche Schauspielerinnen, die die Produkte von Sperry Univac präsentierten. Wir Jungen konnten es nicht unterlassen, mit den beiden anzubandeln, sie abends auszuführen und schlussendlich in einer ihrer Wohnungen zu landen. Kumpel in jener Zeit war Franz Humer, der späteren Roche Chef. Er hatte einen grossartigen, trockenen Humor. Er war damals zwar Mitarbeiter bei ICME am Zürichberg, besuchte aber ebenfalls den Kader-Karriere-Kurs.
Meinen ersten Einsatz als Programmierer begann ich im Projekt COMET ("Internationales Message Switching resp. Telegramm-Vermittlung") für die Radio Schweiz AG in Bern. Es war unser Praktikums-Einsatz im Rahmen des Kader-Karriere-Kurses". Wir wurden nach kurzer Programmier-Einführung einfach ins Wasser geschmissen. Ruedi Bucher war besser als ich und hat die Materie schneller verstanden.
Zu der Zeit gab es noch kein Internet. Text-Nachrichten wie Briefe und Bankaufträge wurden als Telegramme via Lochstreifen von Punkt zu Punkt übermittelt. Sie wurden pro Zeichen und Distanz verrechnet. Als Geräte dienten sog. Fernschreiber. Das waren Schreibmaschinen, die Lochstreifen ausstanzten resp. lesen konnten. Eine Nachricht von der UBS-Basel zur UBS-New-York musste zum Beispiel mehrmals weitergeleitet werden, bis sie endlich an der Destination in New York ankam. Weiterleiten bedeutete per Lochstreifen von einem Fernschreiber zum anderen: von UBS-Basel zu Radio Schweiz, von Radio Schweiz nach ATT-USA etc. Oft gingen solche Meldungen durch Fehler in der Handarbeit verloren oder blieben liegen.
Die Radio Schweiz AG war damals in der Schweiz für den Telex- und Telegrafmm-Verkehr verantwortlich. Im Jahre 1971 vermittelte die Radio Schweiz AG rund 2.1 Mio Telegramme, entsprechend rund 8'600 pro Tag.
Dieses manuelle Ausstanzen und wieder neu Einlesen von Lochstreifen wollte man mit Computer automatisieren. Anstelle von unzähligen Fernschreibern in der Vermittlungszentrale der Radio Schweiz AG sollte das "Message-Switching-System COMET" diese Verteilung übernehmen.
|Projekt COMET|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Das COMET-Rechenzentrum (1970)
Als Computer standen 2 Univac 418-II Rechner mit einer Univac 9300 als In- und Output-Medium zur Verfügung. Als Speicher stand etwas vom modernsten nämlich ein Trommelspeicher mit einer damals sagenhaften Kapazität von vielleicht 30 MBytes zur Verfügung. Der Prozessor hatte zwei arithmetische 18-Bit-Register, Upper- und Lower Register, die entweder unabhängig oder für Doppel-Wort-Operationen verwendet werden konnte. Dies tönt sehr kompliziert, in der Praxis konnte man mit einem 18-Bit-Register z.B. 2 Buchstaben in einem Telegramm verarbeiten. Wir programmierten in der Maschinen-Sprache der 418-II Systeme.
Die Verfügbarkeit eines solchen Comptersystems musste hoch sein. In Falle von COMET nämlich 99.7% bei max. 3 Ausfällen je Monat. Um diese hohe Verfügbarkeit zu erreichen, wurden zwei Computer parallel geschalten, wobei nur die Resultate des einen System verwendet wurden. Bei einem Ausfall, konnte aber das andere System unterbruchsfrei weiterfahren, ohne dass irgendwelche Daten verloren gingen.
Beim ähnlichen System ATECO, das den Schweizer-Tegramm-Verkehr automatisierte, nutzte man 3 Univac-418-Rechner, die parallel arbeiteten. Sofern alle drei dasselbe Resultat berechneten, war alles gut. Falls ein Unterschied festgestellt wurde, wurde das Mehrheits-Resultat weitergeschickt. Diese Synchronisierungs-Methode hat sich aber nicht bewährt. Der Rechenaufwand war zu gross.
Chef des Projektes war ein Herr Osann. Er verstand wenig von EDV, war extrem gehemmt und unbeliebt. Der fachliche Projektleiter war Roland Henrich, ein Deutsch-Argentinier. Er war ein Profi und brachte seine ganzn Erfahrungen aus den ähnlichen TWA- und ATECO-Systemen mit. Mein Gruppenleiter hiess Schlegel. Er war ruhig und gab sich Mühe, mir das Programmieren beizubringen.
Ein Programmier-König wurde ich dabei nie, eher ein Arbeiter. Ich war zu wenig akribisch und exakt in meiner Arbeit. Ich liebte es gar nicht, versteckte Systematik- und Logik-Fehler in meinen Programmen zu suchen. Meist liess ich es mit einer Umgehungslösung bewenden, was ein Graus für Profis war. Sie nannten dies "kriminelles Programmieren". Meine Methode der "Umgehungslösungen" bestand darin, dass ich herausfand, wann mein Fehler auftrat.
Beispiel: Wenn ich herausfand, dass mein Fehler immer beim 10. Durchlauf passierte, dann baute ich einen Zähler ein, der sich bei jedem Durchlauf um 1 erhöhte und beim 10. Mal gabs dann die Korrektur!
Ein spannende Zeit waren die wochenlangen Abnahme- und Stabilitätstests. Nicht nur, weil sie das Ende der monatelangen Programmierarbeiten bedeutete, sondern weil wir endlich sehen konnte, wie und ob die unzähligen Programme miteinander arbeiteten und Textmeldungen von einem Ort zum anderen tranferierten. In mehreren grossen Räumen wurden unzählige Sende- und Empfangs-Fernschreiber installiert und zu einem grossen virtuellen Stern-Netz zusammengefügt. In schriftlich festgelegten und vorbereiteten Testspielen wurde jeder Programmzweig mit realen Daten, d.h. Telegrammen auf Lochstreifen nach Drehbuch durchgetestet.
Das System und somit mein Arbeitsort war im Bollwerk beim Bahnhof Bern. Jeden zweiten Morgen bin ich von Zürich kommend nach Bern gefahren, habe dort den ganzen Tag und die Nacht gearbeitet und bin mit dem ersten Zug am nächsten Morgen früh um 4 Uhr nach Hause in Dübendorf gefahren. So ging es immer Hin und Her. Es war eine harte Zeit, aber ich lernte, effizient zu arbeiten.
Im März 1972 wurde COMET in Betrieb genommen.

Symphonie mit dem Paukenschlag, gespielt von einem Kettendrucker
Ich und meine Kollegen waren allesamt noch jung und hatten manchen Blödsinn im Kopf. Ein paar Profis brachten die Transistoren in den Computern zum schwingen und programmierten so Musik. Dies waren die ersten Synthesizer. Wir waren nicht so gut, kamen aber auf die Idee, Joseph Haydn's "Symphonie mit dem Paukenschlag" auf einem Kettendrucker der UNIVAC-1004-Drucker nachzubilden.
Um das zu verstehen, sollte man wissen, wie ein Kettendrucker funktionierte: Eine schnell rotierende Kette mit aufgebrachten Drucktypen wurde dabei über ein Farbband geführt. An jeder Druckposition befand sich ein Hammerwerk. Die einzelnen Hammerwerke schlugen genau dann an, wenn an der Druckposition das gewünschte Zeichen der Typenkette vorbeifuhr. Gedruckt wurde auf Endlospapier. Die Kettendrucker waren sehr schnell und konnten eine A3-Seite im Sekundentakt drucken.
Die hohe Druck-Geschwindigkeit wurde dadurch erreicht, dass auf der Druckkette die druckbaren Zeichen zum Teil mehrfach vorhanden waren, sodass die in einer Zeile zu druckenden Zeichen nicht nur sequentiell, sondern gleichzeitig gedruckt werden können.
Und genau diese Fähigkeit haben wir ausgenutzt, in dem wir bei Musik-Beginn also beim langsamen Tempo den Drucker nur zeichenweise drucken liessen, bis zum Paukenschlag, bei dem zur selben Zeit alle 132 Druckpositionen mehrmals angeschlagen wurden. Was zu einem grossen Knall dem Paukenschlag führte. Manchmal knallte dabei auch die ganze Kette auseinander.
|Skifahren auf der Kleinen Scheidegg|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Nachdem das Projekt COMET erfolgreich in Betrieb ging, wurde ich von Bruno Grünenfelder, dem Verkaufsdirektor der Abteilung "Bundesverwaltung" dahin bearbeitet, in den Verkauf zu gehen. Ich musste mir dies lange überlegen, denn ich strebte primär ein sicheres Gehalt an. Mein Traum nach einem eigenen Haus bewog mich, das sichere und feste Gehalt eines Projekt-Mitarbeiters gegen den unsicheren provisions basierenden Lohn eines Verkäufers (Salesman) einzutauschen. Wir fanden uns. Ich erhielt ein Basisgehalt, das recht hoch war und für den täglichen Bedarf genügte. Die Provisionen waren dann fürs Haus, resp. für die Steuern, wie es sich später herausstellte.
Zu der damaligen Zeit konnte man viel Geld durch den Verkauf von Computer-Systemen verdienen. Die Computer waren sehr teuer. Unter 1 Mio CHF war kein solches System erhältlich und 1 - 1,5% des Verkaufspreises plus Prämien gehörten dem Verkäufer. Ich war sehr erfolgreich und erfüllte 4 Jahre hintereinander die mir zugeteilten Verkaufs-Quoten, was mir neben viel Geld, Zusatzprämien und Ansehen, auch Einladungen zu den internationenen Belohnungsreisen der erfolgreichsten Verkäufer einbrachte.
Mein Chef der Gruppe "Special Projects" war Fred Rüssli, der ehemalige Weltklasse-Ruderer im Zweier (Rüssli/Zwimpfer). Wir hatten alle Projekte der Bundesverwaltung in Bern mit Ausnahme der PTT zu bearbeiten. Darunter fielen die Militärprojekte und die vielen Dienststellen des Bundes. Ein Original in unserem Verkaufsteam war Martin Keller, ein Ur-Berner. Fred machte in den Jahren nach mir grosse Karriere bei SPERRY UNIVAC und in der Nachfolge-Firma UNISYS, bevor er zum Verwaltungsratspräsidenten der ASCOM ernannt wurde.
Das Geheimnis meiner Verkaufserfolge war, dass ich mich immer nur auf 1 grosses Geschäft fokussierte, dies aber mit 100% Einsatz und mit voller Identifikation auf mein Angebot. Ich gab dem Kunden das Vertrauen, dass er nicht nur einen Computer sondern vorallem mich als Garantie kaufen wird. Rückblickend habe ich das Vertrauen der Kunden immer gerechtfertigt. Sie waren allesamt zufrieden.
Wir Verkäufer wurden einem harten Verkäufer-Training ausgesetzt. Die "Gustav-Käser-Kurse" waren damals das A&O auf dem Markt. Wer erinnert sich nicht an den Neanderthaler-Vergleich ... oder die Verkaufs-Uebung mit der Büroklammer. Wie ich soeben via Google entdeckt habe, gibt es diese Kurse auch heute noch im Jahre 2014.
Meine grössten Verkaufserfolge waren:
Sept. 1973: 3760-Doppel-System für automatische Meldungsvermittlung zu Gunsten Dritter (Projekt "DATA-CARE") der Radio Schweiz AG im Werte von 1.7 Mio SFr.
Ende 1974: Das weltweit grösste 90/30-System für die Eidg. Alkoholverwaltung in Bern im Werte von über 3.5 Mio Franken.
Dazwischen war ich 1976 - 78 Geschäftsführer der Mildat AG in Ostermundigen.
1979: Ausbau des RTC-Banken-System u.a. mit 10 grossen Plattensystemen im Werte von über 2 Mio SFr.
1980: 1100/62 Multiprozessor System für die Sandoz AG im Werte von 3 Mio SFr.
Der Ehrlichkeit halber soll es nicht unerwähnt bleiben. Ein grosses Geschäft habe ich verloren: Die Ausschreibung von mehreren hundert Bildschirm-Arbeitsplätzen für die IBM-Rechner der PTT. Ich wollte eigentlich nichts damit zu tun haben, denn unsere Chancen hielt ich für gering, obwohl unser Angebot des IBM-kompatiblen Bildschirms "Hazeltine" finanziell interessant war. So kam es, wie es kommen musste, IBM konnte lieferte.
|Skifahren auf der Kleinen Scheidegg|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Einer der jährlichen Höhepunkte von uns Verkäufern war die Büfa in den Züspa-Hallen bei Oerlikon. Es war die Ausstellung der Computer-Hersteller. Wir Verkäufer wurden auf diese Ausstellungen hin gedrillt durch die "Käser-Kurse" und vorallem durch "Harry Holzheu". Wie benehme und bewege ich mich auf dem Stand? Wie spreche ich einen Kunden an? Wie erhalte ich seine Adresse, um einen nächsten Besuch einzuleiten?
Tagsüber hatten wir Standdienst und abends ging es ins nächtliche Vergnügen. Wir Verkäufer waren allesamt Lebemänner (und Säufer). Die Guten konnten alles verkaufen, jeden Mist, sogar ihre eigene Grussmutter. Ich passte nicht ganz dazu. Ich war zu seriös und musste vom meinem Angebot und dem Produkt überzeugt sein. Mein Ziel war, dass der Kunde mit mir zufrieden war. Oft entstand so eine private Freundschaft.
|Verkauf UNIVAC 3760 an Radio-Dchweiz AG|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Pressemitteilung (1973)
Abends beim Ausgang nahmen sich die älteren Verkäufer den jüngeren an. Walti Weiss zum Beispiel war der Star in der Geschäftsstelle Basel, denn Sandoz als Kunde hielt ihn über Wasser. Man erzählte sich, dass er schwer zu führen und mit seiner Spesenkompetenz sehr grosszügig war. So soll er öfters seine Sandoz-Kunden in die besten Restaurants eingeladen und horrende Rechnungen seinem Vorgesetzten zur Abzeichnung vorgelegt haben. Mit ihm gingen wir ins Terrasse, einem der grossen Nightclubs mit Striptease und hübschen Girls. Hier kam ich erstmals mit dieser rosaroten Welt in Kontakt. Ich war noch scheu und "geizig". Mich reute das viele Geld für eine Nacht, obwohl eine der käuflichen Damen einen tollen Busen ohne BH unter durchsichtiger Bluse trug und mich durch die Hose hindurch bearbeitete. Für eine Nacht hätten wir 4 Verkäufer "nur" Fr. 500 aufbringen müssen.
Im Projekt COMET bei Radio Schweiz AG (RS AG) habe ich meine ersten Schritte in der EDV gemacht. So war es naheliegend, dass mein erster Kunde auch die Radio Schweiz war. Durch meine Kontakte erfuhr ich von ihrem neuen Geschäftsmodell, "Message Switching zu Gunsten Dritt-Kunden" wie Banken und Gross-Industrien anzubieten. Auch diese arbeiteten immer noch mit Lochstreifen. Man muss sich das vorstellen, Es waren alles Punkt zu Punkt-Verbindungen. Vom Bank-Hauptsitz je ein Fernschreiber zu jeder einzelnen Filiale! Allein die UBS hatte so 100e von Fernschreibern im Hauptsitz stehen.
Zum neuen EDV-Leiter der RS AG Philip Mermod hatte ich einen guten Draht. Mit ihm und Roland Henrich entwickelten wir ein Konzept mit einem Rechner, der für die Kommunikation prädestiniert war, der "Univac 3760". Er war klein, kompakt und wurde als Pult ausgeliefert. Im Sept. 1973 unterzeichneten wir den Vertrag für ein Dual-System 3760 über 1.7 Mio SFr. im Beisein der höchsten Verteter von Univac wie Harry A. Steinberg (Worldwide Marketing President) und John Butler, Vicepresident Europe. Dieser Verkauf war eine echte Sensation bei ganz Univac. Mit diesem Vertrag erreichte ich meine erste Verkaufsquote und qualifizierte mich für den exklusiven Club Europe 1974 in Madeira!
Ich war stolz. Ich war erfolgreich und erhielt neben den Provisionen zusätzliche Erfolgs-Prämien für erreichte Verkaufsquoten. Erfolgreiche Verkäufer in einer amerikanischen Firma wurden bewundert. So wurde auch ich bewundert. Dies wurde auch von UNIVAC gefördert, indem die Erfolgreichen immer wieder speziell erwähnt wurden. In der Tat sind es aus Sicht der amerikanischen Firmen die Verkäufer, die die Arbeitsplätze der anderen Mitarbeiter sichern.
|Club Europe 74 in Madeira|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Diplom "Club Europe 76 Madeira" (1974)
Madeira und Kanarische Inseln
Nun gehörte auch ich zur Elite der Verkäufer von Univac, die zum Club Europe 74 vom 2. - 9. Juni 1974 ins Hotel Savoy in Funchal, Madeira (Portugal) eingeladen wurden. Die Begleitung durch Ehefrauen oder Freundinnen wurde mit der Drohung untersagt, dass solche Verkäufer unverzüglich zurück nach Hause geschickt würden. Der Hinflug, der normalerweise 3-4 Stunden dauert, dauerte 9 Stunden, denn er führte von Zürich via Milano - Madrid - Lissabon - Funchal.. Das Ticket wurde in Italien ausgestellt, weil es dort wahrscheinlich günstiger war.
Aus der Schweiz wurden 7 Verkäufer zum Club Europe nach Madeira delegiert. In Klammern deren Hauptkunden: Walter Buchmann (GS Zürich), Hardi Günther (SBG später UBS), Henry Keller (Verkaufsdirektor), Gui Laveissiere (RTC AG), Max Lehmann, Roger Seipel, Ivo Voegeli (Rechenzentrum).
Dr. Henry Keller kam vom Computerhersteller Honeywell und war dort als Verkaufsleiter für den Kanton Zürich zuständig. Die Zürcher Elektro- und Wasser-Werke arbeiteten mit Honeywell-Computern. Er wurde sogleich als Verkaufsdirektor bei Univac installiert. Er war nicht beliebt, denn erzählte zu viel von seinen (Miss-)Erfolgen in Zürich. Wir erfuhren aber, dass er bei Honeywell nur Misserfolge landete! Man hielt sich als Verkäufer gerne fern von ihm, denn er stank penetrant nach Schweiss. Eines aber habe ich von ihm gelernt. Er schrieb von jedem Gespräch und jeder Sitzung laufend ein handgeschriebenes Protokoll. Ich habe dies später auch versucht.
Der Flughafen von Madeira ist auch heute noch einer der gefährlichsten in Europa, wenn nicht weltweit. Er verfügt nur über eine kurze Piste von 1'781 Metern entlang der Insel. Der Anflug auf den Flughafen ist schwierig und gefürchtet, da sich die Piste direkt am Hang entlang der Steilküste befindet, wo schwierige Fall-Winde auftreten können.
Als Unterkunft wurden im Club Europe immer grosse feudale Kongress-Hotels mit Swimmings-Pools, Golfplätzen und ähnlichen Freizeitangeboten gewählt, denn hier trafen sich 150-200 der besten Verkäufer aus ganz Europa. Auf Madeira logierten wir im Hotel Savoy in Funchal. Es lag direkt am Meer und hatte einen grossen Swmming-Pool.
Ziel des "Club Europe" war es, die erfolgreichen Spitzenverkäufer neu zu motivieren. So gabe es jeden Morgen und Abend eine Motivationssession über die "sagenhaftesten Erfolge", die "besten Produkte" und die "besten Verkäufer" von Univac. Wir wurden begrüsst von den Höchsten der obersten Univac Geschäftsleitung. Wir waren per Du mit ihnen, mit dem John and Charles und Bob. Die meisten hiessen John. Während der Tage des Club Europes gehörte wir zur Elite des amerikanischen Computer Konzerns. Ziel war es, dass wir alle voll motiviert und "erfolgsgeil" zurück in die Schweiz auf die Kunden losgelassen werden konnten.
Viel Wert wurde für den Gedankenaustausch zwischen den einzelnen Ländern, aber auch der Kontaktpflege zu anderen Verkäufern gelegt. So lernte ich den Generalmanager von Oesterreich H. Krumböck, der mir ein paar Monate später gute Dienste leistete, als ich mit der Eidg. Alkoholverwaltung in Wien weilte. Dazu dienten die Freizeit-Veranstaltungen wie zum Beispiel das Mittagessen im "British Country Club", wo man sich im sportlichen Freizeitdress ohne Kravatte einfand. Der Dresscode war wichtig und musste eingehalten werden. Jeans waren an den offiziellen Sessions verboten. Der Koffer war übervoll mit Anzügen, Hemden, Kravatten und Schuhen, die man zu tragen hatte.
|Club Europe 74 in Madeira|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Unvergesslich der Ausflug in die Umgebung mit dem berühmten Toboggan-Run, der Fahrt auf einem Holzschlitten vom höchsten Punkt Madeiras über die steinigen Wege bis auf Funchal. Anschliessend wie es sich gehört, kosteten wir im Rahmen einer Degustation die für Madeira typisch süssen Port-Weine. Aber auch Fischen auf dem Meer sollte nicht fehlen, wobei einige von uns die Fische gefüttert haben, weil es ein wenig Seegang hatte.
Das Spielcasino in Funchal übte für viele der Verkäufer eine Faszination aus. Verkäufer sind eben Gambler (nur ich nicht, ich blieb ein Steinbock). Sie gingen dorthin, um zu spielen und zu gewinnen. Vom verlieren sprach keiner. Ich erinner mich noch an Fritz Tschinkel, einen Oesterreicher. Ich begleitete ihn auch einmal ins Casino, denn ich wollte die Luft der High-Society einatmen. Und Fritz gewann und gewann. Der anfänglich kleine Haufen Chips wuchs und wuchs. Nach mehreren Stunden hörte er auf und begab sich zur Kasse, um sich das gewonnene Geld von um die 20'000 DM (Deutsche Mark) auszahlen zu lassen. Aber es gab kein Bar-Geld in der von ihm gewonnenen Menge. Nur ein Bank-Check resp. Ueberweisung in seine Heimat. Dies wollte er aber nicht. Er wollte Bargeld. So verteilte er alle sein Chips an uns Verkäufer-Kollegen in einer Grösse, die Barauszahlung erlaubte, und wir liessen uns an der Kasse das Geld auszahlen. Tage darauf wusste ich, warum Fritz Bargeld wollte. Er spielte nämlich weiter und mit noch grösseren Einsätzen und verlor alles!
|Club Europe 74 in Madeira|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)

Die Schweizer Gruppe um den Generalmanager Max Steinmann

Degustation im Port-Wein-Keller
Mein nächstes Geschäft war bereits prickelnder, denn in der Eidg. Alkoholverwaltung stand ein alter IBM-Rechner, der nur Lochkarten verarbeiten konnte. Das neue Computersystem sollte die Alkohol-Brenner der Schweiz samt ihren Brennhäfen auf einer grossen Datenbank verwalten. Die Bundesstelle ZOB (Zenralstelle für Organisationsfragen der Bundesverwaltung) überwachte mit Herrn Donnet die Ausschreibung. Alles musste Ihnen vorgelegt werden. Es ging das Gerücht um, dass sie IBM-lastig seien.
So bestand meine Hauptaufgabe, ein Projekt zu kreieren, deren Realisierung glaubhaft war. Dies wollte ich erreichen, indem ich "mich verkaufte". Herr S. Mascheroni und ich wurden dabei recht gute Freunde. Wir berieten, wie wir das Projekt durch die ZOB bringen konnten. Ich setzte dabei alles ein, sogar meine Familie und besuchte Herrn S. Mascheroni sogar zu Hause in Meikirch, wo er ein Dorffest mitorganisierte.
In allen meinen Geschäften versuchte ich meine "feindlichen" Konkurrenz-Verkäufer zu identifizieren. Auch den im Falle der Eid. Alkoholverwaltung von IBM aus der Geschäftstelle Bern, André Berdat. Welch Ueberraschung, ich kannte ihn. Wir waren gemeinsam in der Offizierschule in Dübendorf. In derselben Klasse der Flieger-Uebermittlungs-OS. Ich kannte seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Er war hoch intelligent, aber etwas stur und weniger kreativ. Ein Vorteil, aber auch sein grösster Nachteil war, dass er Nachbar von Herrn Mascheroni in Meikirch war! Und Nachbarn haben doch immer etwas Probleme miteinander.
|Verkauf UNIVAC 90/30 für die Eidg. Alkoholverwaltung|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Entscheidend für meinen Verkaufs-Erfolg war die 3-tägige Reise nach Wien mit Herrn S. Mascheroni, wo wir eine Bank-Applikation mit einer Oracle-Datenbank anschauen wollten. Im August 1974 ging es mit dem Nachtzug von Zürich nach Wien. Bereits vorgängig habe ich alles notwendige mit dem General-Manager von Univac-Oesterreich H. Krumböck abgesprochen und organisiert. Für alles war gesorgt. Die feinen Essen in den besten und sehenswertesten "Beisln" (=Gaststätten) in Alt-Wien, einen Besuch im Sacher, die Hofburg mit den heiligen Reliquien, Schloss Schönbrunn und einen altern Trödler-Markt, wo ich zwei alte Setzkasten erwarb.
|Verkauf UNIVAC 90/30 für die Eidg. Alkoholverwaltung|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Auch den Wiener-Humor lernte ich dabei kennen, als wir in der Hofburg die unzähligen heiligen Reliquien betrachteten. "Schon damals haben die Araber die Kreuz-Rittern aus Europa über den Tisch gezogen und jedes Stück Holz als Teil von "Christi Tisch beim Abendmal" verkauft. Deshalb hat es nun keine Wälder mehr in ganz Arabien."
Diese drei Tage in Wien haben uns einander sehr nahe gebracht. Wir hatten ähnliche Interessen und waren uns sehr sympatisch. Ich wusste nun, wenn das ZOB noch mitmacht, dann wäre das Geschäft geritzt. Und in der Tat, Herr S.Mascheroni kämpfte für unser wirklich gutes Konzept mit einer bereits detailliert geplanten Datenbank.
Im Dezember 1974 wurde der Vertrag für eine UNIVAC 90/30 gross ausgebaut mit mehreren 300MB-Magnetplatten im Werte von 3.5 Mio SFr. unterzeichnet. Wie schrieb doch der Marketingleiter von Europe in einem Gratulations-Telex "You also hold the world record for the largest 90/30 order" (Du hältst den Welt-Rekord für den grösste 90/30 Auftrag.)
Im Jan. 1976 wurde die Anlage im 1. Stock der Alkoholverwaltung installiert. Die Daten wurden bereits vorgängig mit einem Inforex-Datenerfassungssystem erfasst. 3 volle Tage dauerte das Laden der Oracle-Datenbank ab den unzähligen Magnetbändern.
Mit dem Erfolg dieses Geschäftes sprudelte viel Geld in meine Kasse. Der Traum vom Eigenheim war in Griffweite. Um die 200'000 Franken wurden auf mein Konto überwiesen. Diese hohe Summer setzte sich zusammen aus den 1.5% Provision vom Verkaufspreise 3.5 Mio Franken, dem Faktor 3 weil ich ein Konkurrenzprodukt ablöste und Ende Jahr den Faktor 1.3 über alle Verkäufe weil ich die Verkaufsquote fürs Geschäftsjahr erreicht hatte.
Der Schock kam aber 1 oder 2 Jahre später, als meine Steuer-Rechnungen explodierten, ich aber in der Mildat AG nur noch ein normales Gehalt bezog. Bern hat überdurchschnittlich hohe Steuern. Ueber 30% musste ich abliefern. Ich trug mich ernsthaft mit dem Gedanken, meinen Steuersitz ins Liechtenstein zu verlegen.
Als Stellvertreter von Fred Rüssli in der Abteilung "GOVERNMENT MARKETING SPECIAL PROJECTS" wurde ich zum "Handlungsbevollmächtigten" befördert. Zu dieser Beförderung durfte ich mir nicht allzuviel einbildern. Es ist wie bei den Banken, als Verkäufer und Kundenberater muss man unterschriftsberechtigt sein. Was würde der Kunde denn denken, wenn sein Berater nicht einmal das unterschreiben darf, was er empfiehlt?
Meine erste Aktivität als Stellvertreter von Fred Rüssli ging total in die Hosen. Fred war krank und ich sollte die Auswahl einer Sekretärin auf ein laufendes Inserat vorantreiben. Fünf Bewerberinnen lud ich zu einem Vorstellungsgespräch ein. Eine hat mich besonders beeindruckt: Eine Blondine, etwa 25 Jahre alt, im Mini, hohen Absätzen und einem grossen Busen. Stolz führte ich sie Fred vor, der mich etwas komisch anblickte. Ihre erste Aufgabe bestand im Erstellen von 5 Kopien einer grossen mehrere 100 Seiten dicken Offerte, die wir am kommenden Tag abgeben sollten. Es wurde zu einem Drama, denn sie konnte nicht einmal lochen. Die Löcher in jedem Papierstoss waren unterschiedlich. Zum Teil waren die Löcher sogar ausserhalb des Papiers. Dies war die letzte Aktion "meiner Sekretärin". Fred entliess sie auf der Stelle. Gemeinsam kopierten wir nochmals die ganze Offerte, lochten sie, wie es sich gehöhrt und gingen um Mitternacht nach Hause.
|Karte Cote d'Azur mit Cannes und Nizza|
Nach meinem grossartigen 90/30 Erfolg bei der Alkoholverwaltung war ich bereits zum zweiten Mal Mitglied der exklusiven Club Europe Verkäufergarde und wurde nach Cannes eingeladen, wo vom 23. - 27. Juni der 1975er Club stattfinden sollte.
Dieses Jahr waren 14 Schweizer Verkäufer dabei: Heinz Blatter (Rechenzentrum), Walter Buchmann (GS Zürich), Edi Burkhard (Verkaufsdirektor), Alfred Durrer (Romands), Hardi Günther (SBG), Robert Kübler (GS Zürich), Charly Kunz (GS Zürich), Edi Lanzini, Max Lehmann, Peter Meyer, Erhard Mühlethaler (Blaser AG), Dr. Markus Rauh (Huber&Suhner), Robert Treichler, Ivo Voegeli (Rechenzentrum)
Der Charly Kunz war der Prototyp eines Verkäufers. Er konnte alles verkaufen, wir meinten "auch seine eigene Grossmutter". Als er Jahre später, ich war bereits bei Sandoz, mich einmal besuchte, war er selbständig und hat für Kleinfirmen Produkte aller Art auch Kosmetika und Haushaltgeräte verkauft. Eben ein echter Verkäufer. Nicht umzubringen und immer voller neuer Pläne und Ideen.
Der Hardy Günther war unser SBG-Verkäufer und wie kam er dazu? Die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) war langjähriger UNIVAC-Kunde, entschied sich aber in den 70er Jahren mit CDC-Computern eine grosse Online-Bankenapplikation zu realisieren. Hardi Günther musste zu der Zeit die SBG als Kunde übernehmen. Kein anderer Verkäufer war zu diesem Himmelfahrtskommando bereit. 1974 passierte dann die unverhoffte Sensation: Die SBG stornierte alle CDC Verträge, weil die Pläne nicht realisierbar waren, und beauftragte UNIVAC ohne Ausschreibung quasi als Rettungsanker mit neuer Hardware die geplanten Banken-Applikationen UBISCO zu realisieren. Dieser unerwartete Entscheid machte Hardi Günther zu einem der erfolgreichsten und reichsten Verkäufer bei Sperry Univac.

Wenn die Badewanne überläuft
Untergebracht waren wir in einem der besten Hotels von Cannes, im *****Hotel Martinez direkt an der Croisette (Küstenstrasse). Es war ein tolles Hotel. Nur das feinste war gut genug. In den Zimmern mehrere Zentimer dicke Teppiche. Diese wurden mir fast zum Verhängnis.
Als ich an einem Nachmittag nach einer durchzechten Nacht mich frischmachen wollte, liess ich das Wasser fürs Bad einlaufen, legte mich noch kurz aufs Bett und schlief dabei ein. Als ich aufwachte und realisierte, dass das Wasser immer noch plätscherte, kam es mir bereits im Schlafraum entgegen. Ich war innert Sekundenbruchteilen wach und beäugte den See im mehreren Zentimeter dicken Hochfloor-Teppich. Unverzüglich begann ich mit den weissen Badetüchern, das Wasser aufzunehmen. Es dauerte Stunden, bis ich den See ausgetrocknet hatte. Ich hatte Glück, niemand hatte sich beschwert.
Abends ging ich mit meinen deutschsprachigen Kollegen mehrmals ins Dancing beim Palm Beach Casino in Cannes. Ich war dabei eher zurückhaltend, während meine Kollegen voll auf Aufriss aus waren. Erstaunlicherweise hatte ich damit aber mehr Erfolg, denn zum Schluss sassen mehrere Verehrerinnen bei mir. Ich hatte die Auswahl und begleitete eine hübsche Amerikanerin ins Hotel. Wir benötigten für den 30 minütigen Weg gegen zwei Stunden.
In der Folge habe ich sie noch mehrmals getroffen. Wir gingen zusammen ins Meer oder ins Dancing. Aber es blieb beim schmusen, was sie sichtlich enttäuschte. Ich war verheiratet und hatte in mir eine natürliche Blockade, Zeit meines Lebens. Ich habe nie eine Frau betrogen!
|Meine Visitenkarte|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Auf keinen Fall wollte ich den Ausflug nach St. Tropez verpassen. Der Ort meines Jugendschwarms Brigitte Bardot. Im Hotel Byblos gabs den Lunch, inmitten der Reichen und Schönen. Da gabs viel zu sehen. Keine Altertümer, aber viele hübsche junge Frauen mit noch hübscheren natürlichen Brüsten, denn hier war Oben-Ohne ein Muss!
Beim Bund war nicht mehr viel zu holen. Fred Rüssli machte noch ein Geschäft mit dem Militär, einer Artillerie-Simulation- und Trainings-Anwendung mit der militärischen Version des 3760-Computers. Das Postcheck-Geschäft war in einer eigenen Geschäftsstelle zusammengefasst. So wechselte ich in die Geschäftstelle Bern zu Ernst Wullschleger als sein Stellvertreter und Verkaufsleiter.
Nun stand ich nicht mehr alleine an der Front. Ich hatte meine Verkäufer, die ich zu führen hatte und profitierte von deren Erfolgen .... und sie waren derart erfolgreich, dass ich auch dieses Jahr Member des Club Europe wurde.
Es war eine Reise der Superlative. Zusammen mit Walter Buchmann und Hardi Günther verlängerten wir den Club auf die Bahamas um eine Woche vor dem offiziellen Meeting auf die Insel "Eleuthera" und nach dem offiziellen Club nochmals eine Woche auf die Insel "Andros Island", um zu tauchen.
|Auf nach Bahamas|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Den Flug von Zürich nach Nassau über London am 9. Juni 1976 und den Flug zurück von Nassau via Miami - London nach Zürich am 24./25. Juni 1976 bezahlte SPERRY UNIVAC. Insgesamt 5mal mussten wir umsteigen und das Flugzeug wechseln. Univac buchte einmal mehr den günstigsten Flug für den längsten Weg. Ein extremer Widerspruch zu dem grosszügigen und teuren Anlass in Nassau.
Die Anforderungen an den diesjährigen Club waren hoch. Nur 4 Verkäufer aus der Schweiz waren auf diesem Uebersee-Club dabei, auch meine beiden Freunde der Vorjahre: Walter Buchmann, Hardy Günther (SBG), Robert Kübler.
|Karte von Eleuthera|
Von London kommend landeten wir um etwa 16 Uhr in Nassau. Täglich gab es nur einen Flug von Nassau nach Eleuthera. Es blieb uns nur wenig Zeit um umzusteigen. Endlich hatten wir unser Gepäck, aber durch die Halle sahen wir unser Flugzeug nach Eleuthera bereits unterwegs zum Start rollen. Aber wir hatten Glück. Mit einem Auto der Fluggesellschaft Bahamair wurden wir zur startbereiten zweimotorigen Fokker Friendship gebracht, die draussen auf der Gangway auf uns wartete. Da sie ein Hochdecker war, klappten sie die Flugzeug eigene Treppe herunter und liessen uns einsteigen. Um 17:10 landeten wir auf dem kleinen Flugplatz von "Governors Harbour" mitten im Urwald von Eleuthera.
Wir waren die einzigen Passagiere, die hier ausstiegen. Wie naiv waren wir doch beim buchen zu Hause in der Schweiz. Es gab ja noch kein Internet, um nachzuschauen. Wir erwarteten einen normalen Flugplatz mit Abfertigungs-Hallen und -Gebäuden. Aber nichts davon. Eine kleine Hütte stellte das Flughafengebäude dar. Keine wartenden Taxis. Kein Flughafen-Personal. Guter Rat war teuer. Wie kamen wir wohl zu unserem 60 km nördlich entfernten Hotel dem "Current Island Club"? Wir fanden ein Telefon und konnten so das Hotel anrufen, die uns abholten.
Wir wohnten in einem schönen Bungalow zu Fr. 100.--/Tag und Person inkl. Halb-Pension, was horrend teuer war. Bereits hier spürten wir den amerikanischen Einfluss auf die Preise. Die Bungalows hatten keine Schlösser an den Türen. Auf Nachfrage wurde uns mitgeteilt, dass hier nichts gestohlen werde. Die Einheimischen seien alle arm. Sobald einer auffällt, weil er unverhältnismässig viel Geld hätte, würde darüber getratscht und er wäre verraten. Die Amerikaner waren schon blauäugig! Man muss eben nur an den guten Menschen glauben. Wir haben unser Geld unter einer losen Holzplanke des Bodens im Bungalow versteckt.
In dieser Gegend auf den Bahamas müssen Adam und Eva gelebt haben. So muss das Paradies ausgesehen haben. Es war ruhig, kein Auto-Lärm oder Geräusch anderer modernen Errungenschaften. Wir entdeckten Blumen aller Art und auch Tiere aller Art. Ueberrascht waren wir von den grossen Krebsen, die uns zwei schwarze Schönheiten zeigten und wahrscheinlich verkaufen wollten. Um die 30-40 cm breit müssen sie gewesen sein. Alle diese Krebse leben primär im Wasser.
In der Hotel-Bar sang eine Art Harry Belafonte die Ohrwürmer vom Strand und der schönen weiten Welt. Wir begnügten uns mit den wunderbaren süssen Drinks bestehend aus viel Rum kaschiert mit süssen Fruchtsäften. Sie waren süffig und flossen ganz gehörig in die Beine. Nach zweien mussten wir uns zum Schlafen hinlegen, denn unsere Beine und Knie machten sich selbständig.
Der Strand vor dem Hotel war prächtig und voller Palmen. Wir waren die einzigen Menschen weit und breit. km-weit dem Meer entlang konnten wir spazieren. Das Baden im 27°C warmen blauen Wasser war sogar für mich himmlisch, der ich doch das Salzwasser gar nicht liebe. Einmal sahen wir unweit von uns die Flosse eines kleinen Hais. Er war vielleicht 1-1½ m gross. Ich war selten so schnell aus dem Wasser. Wie ich später vernahm, gibt es auf den Bahamas unzählige Haie, auch Menschen attackierende.
Das Leben hier war nicht ungefährlich. Vorallem, wenn es windete und stürmte. Dann musste man sich vor den "harten" Kokosnüssen in acht nehmen, denn wir lebten unter unzählige Kokospalmen. Eine durchschlug unser Bungalow-Dach während eines Sturmes und landete neben dem Bett. Wir mussten das Bungalow wechseln.
|Auf der Insel Eleuthera|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Wir machten mehrere Ausflüge über die 160 km lange und durchschnittlich nur 3 km breite Insel mit einem Hotel-Mietwagen. Wir entdeckten eine Tropfsteinhöhle, bestaunten an der Kalksteinküste in Richtung zum atlantischen Ozean die stürmische See, besichtigten auch das einzige kleine Städchen oder eher Dorf "Current" und den schönsten Strand der Welt, das "Windermere Island". Er war menschenleer. Weisser feiner Sand. Der Strand war derart hell und weiss, dass wir uns trotz bedecktem Himmel innerhalb von 30 Minuten einen Sonnenbrand holten.
Für den Rückflug nach Nassau am 14. Juni liessen wir uns etwas spezielles einfallen. Wir buchten ein einmotoriges Flugzeug. Solche Flüge zwischen den Bahamas Inseln waren üblich. Wir bezahlten dafür Fr. 50.--/Person. Der Pilot war ein ehemaliger US-Militärpilot. Ich weiss nicht, ob er uns seine fliegerischen Künste demonstrieren oder uns die Erde unter uns zeigen wollte. Er flog sehr tief, knapp über den Wellen. Umflog die malerischen Küsten und Riffs, und drehte schlussendlich über Nassau ein paar Runden. Er nannte sich "der Tiefflieger" und war ein Erlebnis.
Mit einem Taxi fuhren wir vom Flughafen zum "Nassau Beach Hotel", wo der diesjährige Club stattfinden sollte. Der Taxifahrer war ein Schwarzer und fuhr mit horrendem Tempo, auch durch die Kurven. Um den Taxi auf der Strasse zu halten, bremste er intervallweise .... ruck...ruck ... ruck.... "Dies habe er von einem richtigen Autorennfahrer gelernt", meinte er. Er war sichtlich stolz auf seine Fahrweise. Wir waren hingegen froh, als wir aussteigen konnten..
|Hauptsession auf Nassau|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Das Hotel lag direkt am Meer am wunderbaren Sandstrand, ein paar Kilometer ausserhalb Nassau. Hier hatte es mehr Gäste, als auf der Insel vorhin. In und um Nassau scheint alles künstlich zu sein, es gab sogar Golfplätze, denn normalerweise herrscht hier wie auch auf den anderen Inseln Einöde mit vielen Steinen. Nassau war im Mittelalter eine Piratensiedlung. Zwischen den vereinzelten Hotel- und Bankpalästen sah man viele Holzhäuser und noch mehr Souvenier-Shops. Die Mehrheit der Bevölkerung war schwarzer Hautfarbe.
Wie es im Club Europe üblich war, gab es ein paar Ausflüge mit einem Schiff, dann grosse Motivations-Meetings und die obligate Diplom- und Preisverteilung durch das oberste Management. Typisch amerikanische Firma. Die Besten werden gehätschelt, die andern Verkäufer zu Hause sind NICHTS. Das Wort "Pech" gibt es in amerikanischen Firmen nicht. Ein guter Verkäufer hat nie Pech!
|Hauptsession auf Nassau|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Unvergesslich der schwarze Kellner, der uns an einem dieser grossen Bankette mit feinem Essen einen nicht billigen kalifornischen Rotwein brachte. Er zeigte uns seine Etkette, wie es sich gehört, und dann zu unserer grossen Ueberraschung wirbelte er die Flasche wie ein Jongleur im Zirkus zweimal um seine eigene Achse und fing sie mit stolzem Ausdruck wieder auf. Wir waren derart überrascht, dass wir nicht einmal eine neue Flasche verlangten und den geschüttelten Wein tranken.
Die dritte und letzte Bahamas-Woche verbrachten wir auf "Andros-Island". Mit einer Fokker Friendship der "Bahamasair" flogen wir die kleine Strecke und fuhren mit dem Hotel-Taxi ins "Small Hope Bay Lodge".
|Von Nassau nach Andros Island|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
"Andros" ist die grösste der Bahamas-Inseln und nur 40 km von Nassau entfernt. Andros ist bekannt als Tauch-Paradies, denn direkt vor der Insel liegt das drittgrösste Barriere-Riff der Erde mit den vielfältigsten Fischen bis zu Haien.
Schnorcheln war unser Ziel, denn das klare blaue Wasser war bis weit ins Meer hinaus nur 2.5 - 5 m tief und voller Fische. An der Bar beim abendlichen Zusammensitzen trafen wir die Taucher, die hier ihren Sport auslebten. Sie schwärmten von der wunderbaren Unterwelt. Wir sollten es doch auch versuchen und einen entsprechenden Tauchkurs absolvieren, mit dem Ziel zum Schiffs-Wrack in 27 m Tiefe hinunterzutauchen. 27m scheint nicht tief zu sein, aber es entspricht einem 9-10 stöckigen Haus. Aber unser jugendlicher Ehrgeiz heizte uns an. Wir wollten dieses Tauchdiplom über 90 Fuss Tiefe erringen!
|Schwimmen und Tauchen auf Andros Island|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Bevor wir in die Tiefe gehen und dieses Wagnis auf uns nehmen durften, mussten wir einen Tauchkurs mit abschliessender Tauglichkeitsprüfung absolvieren. Keiner von uns hatte Erfahrung. Als erstes mussten wir uns üben im Schnorcheln mit offenem Rohr und Schimmflossen, bis dies automatisch funktionierte. Ein Rohr mit einem kleinen Ball, der das Rohr beim Abtauchen schloss, war unprofessionell. Ueben, üben ... nicht nur schwimmen mit dem Kopf unter Wasser, sondern immer wieder abtauchen und beim auftauchen das Wasser aus dem Schnorchelrohr ausblasen. Wir übten stundenlang. Das Meerwasser war warm, so war dies kein Hinderungsgrund.
Nach einem Tag hatten wir das Schnorcheln mit den Flossen im Griff, dann galt unser Training dem Tauchen mit Luftflasche. Eine ganz neue Erfahrung, denn anfänglich wehrte sich der Körper, unter Wasser durch die Maske zu atmen. Diesen Wiederstand galt es zu überwinden. Das nächste Problem war, dass ungeübte Taucher, wie wir es waren, aus Stress zu schnell atmen und die Flasche "leer saufen". Die Übungen begannen im seichten Wasser, indem wir den Kopf unter Wasser halten und durch die Maske atmen mussten. Sobald wir dies im Griff hatten, durften wir mit Flasche und Atem-Maske schwimmen. Wir erlebten dabei eine wunderbare Welt, denn wir schwebten im Wasser. Dann galt es unter Wasser die Gesichtsmaske zu öffnen und wieder auszublasen, bis sich kein Wasser mehr in der Maske befand. Als wir auch dies im Griff hatten, mussten wir eine Tauchflasche samt Gesichtsmaske unter Wasser anziehen und dabei die Maske ausblasen und als Höhepunkt kam dann die Kameradenhilfe dazu, in der wir zu zweit mit nur einer Tauchflasche abtauchten und abwechslungsweise mit der einen Maske resp. Mundstück atmeten mussten.
Am 3. Tag waren wir bereits soweit geübt, dass wir zu unserem ersten Tauchgang aufbrechen durften. Als erstes wurden uns Bleiplatten angehängt, um den Auftrieb durch Luft in unserem Körper auszugleichen, ansonsten würden wir nach oben gespühlt und müssten viel zu viel Kraft aufwenden, um nach unten zu gelangen. Mit dem Tauchboot ging es hinaus aufs offene Meer. Es ging nur 10 m tief. Wir mussten alles bisher Geübte hier nochmals zeigen, auch die Unterwasser-Zeichensprachen. Da es in 10 m Tiefer bereits um einiges kühler war, zogen ich mir ein Leibchen an, das mich vor dem Abkühlen bewahrte.
|Tauchgang auf 27 m Tiefe zum Kriegsschiff|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Am Tag 4 starteten wir zu unserem grossen Abenteuer, dem Tauchgang zum Kriegsschiff in 90 Fuss Tiefe (=27 m Tiefe). Ich mietete mir im Lodge einen Unterwasser-Fotopparat, um unser Erlebnis zu verewigen. Mit dem Tauchschiff ging es weit hinaus aufs offene Meer zum Barriere-Riff. Dort unten am Abhang soll das Kriegsschiff liegen. Als erstes wurde ein Seil mit Anker heruntergelassen. Es sollte uns unter Wasser den Weg zurück zum Schiff markieren. Der Tauchlehrer ging als erstes nach unten. Er hatte einen Elektro-Speer gegen bösartige Fische wie Barakudas und Haie bei sich. Von diesen soll es viele hier unten geben. Er nahm aber auch Fleisch mit, das er den Fischen zum fressen gab. Grosse Barakudas mit ihren gefürchtigen Gebissen waren darunter. Es war schon etwas gewöhnungsbedürftig, im Wasser neben diesen Fleischfressern zu schwimmen. Ein Blick nach oben, zeigt mir den Boden des Tauchbootes umgeben von türkis-blauem Wasser. Der Blick nach unten führte in die unendlich Nacht.
Dann auf einmal sah ich die Umrisse des Wrack unter mir. Muscheln und andere Meeres-Tiere haben es voll in Besitz genommen. Unheimliche Ruhe herrschte hier unten. Als ich am Wrack vorbei etwas weiter ins offene Meer geschwommen bin, da sah ich, wie es unter mir in die Tiefe ging. Steil und endlos in die absolute Dunkelheit. Ich empfand, obwohl ich im Wasser schwebte, eine Art Höhenschwindel und Höhenangst. Ich dreht schnell um und schwamm zum Wrack zurück, wo es nicht so steil war!
Ich war noch keine 20 Minuten unten, als ich beim Atmen entdeckte, dass meine Atemflasche leer war. Ja, ich habe die Luft vor lauter Stress ausgesoffen. Ein Griff nach oben hinter den Kopf und Umschalten auf Reserve, behob mein einstweiliges Problem. Aber es hiess nun, auftauchen. Nun wurde ich doch etwas nervös und tauchte schnell auf. Zu schnell, denn oben hatte ich Nasenbluten. Dies war wohl nicht so gut, aber sonstige Schäden hatte ich keine. Beim gemeinsamen Drink in der Bar mit allen Tauchern nahm ich stolz und freudig mein Diplom entgegen.
Erst nachher habe ich realisiert und erfahren, wie gefährlich unser Tun war. Allein mein Aufstieg hätte tödlich enden können! Ebenso ein Hustenanfall in 27 m Tiefe hätte ich niemals überlebt! Ich hatte aber einen Engel bei mir, der auf mich aufpasste. Ich erlebte etwas Aussergewöhnliches und überlebte eine der grössten Gefahren und Risiken meines Lebens. Ich wusste aber auch, dies war mein letzter Tauchgang mit einer Luftflasche.
|Tauchen auf Andros Island|
|Tauch-Diplom 90 Fuss Tiefe bis zum Kriegsschiff|
Neben Schwimmen und Relaxen nahmen wir uns viel Zeit, um Teile der Insel zu erkunden. Mit uralten Fahrrädern waren wir unterwegs. So fanden wir ein leer stehendes, etwas heruntergekommenes Hotel mit 100-150 Zimmern und grossen Kanonen als Dekoration, das uns faszinierte. Es hatte bestimmt einmal gute Zeiten gesehen. Es lag diekt am Meer unweit einer amerikanischen Tiefsee-Forschungsstation. Abends an der Bar trafen wir einen Touristik-Fachmann von der Insel, den wir darauf ansprachen. Für 3 Mio US-$ sei dieses Hotel samt eigenem Flugplatz zu kaufen. Wir begannen Pläne und Träume zu schmieden. Es hätte uns hier gefallen .... aber wir waren nicht vom Fach! So blieb es ein schöner Traum.
|Eroberung von Andros|
Dem bisherigen Leiter des Rechenzentrums des bernischen und aargauischen Milchverbandes "Mildat" wurde gekündigt. Eine Evaluation für ein neues Computersystem stand bevor. Die bisherige Univac 9300 Lochkarten-Anlage mit 4 UNISERVO-Bandstationen sollte ersetzt werden. Univac-Bern lag viel daran, diese Evaluation zu gewinnen. Ja, es war ein Muss, denn in dieser Branche durfte man bestehende Kunden nicht verlieren. So wurde ich über Beziehungen auf diesen Posten in Ostermundigen gehoben. Ein solcher Vorgang war nicht unüblich. Die IBM war in der Beziehung weltmeisterlich und eben darum auch Marktführer.
|Rechenzentrum des Berner Milchverbandes MILDAT AG|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
So stand ich auf einmal als Chef eines Rechenzentrums mit Kurt Gurtner als Operator, einem Programmier Beat Müri und etwa 25 Datatypistinnen da. Die letzteren erfassten die Milcheingänge im Raume des Berner Milchverbandes, die wir Ende Monat abrechneten. Die Milcheingänge des Aargauischen Michverbandes wurden im aargauischen Suhr erfasst und ebenfalls auf unserem Computersystem abgerechnet.
Die Frauen sollten mir noch viele Probleme bereiten. Täglich Eifersüchteleien und Intrigen untereinander! Oft kam ich mir wie ein Seelentröster vor. In der Folge habe ich mir vorgenommen: Nie mehr derart viele Frauen in einem Team! Frauen sind nicht teamfähig. Mit einzelnen Frauen funktioniert eine Zusammenarbeit immer bestens.
Um diese zwischenmenschlichen Probleme im Mildat-Team zu beheben, griff ich zu einem unüblichen Weg. Ich organisierte einen Englisch-Kurs, der 2x in der Woche bei uns in der Mildat stattfand. Damit wollte ich den Mitarbeitern auch die Angst vor dem neuen Computer und den meist englischen Fachbegriffenn nehmen.
Als meine erste Aufgabe musste ich ein Pflichtenheft erstellen und dem mir übergeordneten Verwaltungsrat zur Genehmigung vorlegen. Der Verwaltungsrat bestand aus Vertretern des Milchverbandes (u.a. HH. Horrisberger, Bosshard) und der Bauernschaft. Ein erzkonservatives Gremium voller Intrigen und politischer Querelen. Aber dies merkte ich erst später, aber dann war es bereits zu spät.
Die Evaluation lief schon bald in die von mir gewünschte Richtung. Auch der Verwaltungsrat bevorzugte eine UNIVAC-Lösung, denn man hatte gute Erfahrungen mit Herrn Lattmann, dem Berner UNIVAC-Support-Chef, gemacht. Der grosse Konkurrent war Siemens. Dieses System wollte ich aber auf keinen Fall, obwohl sie es praktisch gratis ins Rechenzentrum stellen wollten. Trotz dieser Subjektivität war mein Entscheid richtig, denn wenige Jahre später hatte Siemens das Computergeschäft eingestellt.
|Unterzeichnung des Kaufvertrages für eine UNIVAC 90/30|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Schlussendlich kam es am 28. Nov. 1977 zur Bestellung einer UNIVAC 90/30 mit 3 grossen Disc-Systemen. Die alten Bänder übernahm wir vom alten System. Die Programme haben wir in COBOL geschrieben. Für Schnellauswertungen haben wir das interaktive IMS-Abfragesystem installiert.
|Besichtigung der UNIVAC 90/30 durch den Verwaltungsrat|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Interessant für den Rückblick ist die Konfiguration der über 1 Mio SFr. teuren Computeranlage:
UNIVAC 90/30 mit 256 kB Arbeitsspeicher
Der Clou der Geschichte war die Wette zwischen dem verantwortlichen Verkäufer Walter Sieber und seinem Vorgesetzten und Verkaufsdirektor Dr. Henry Keller. Falls der Vertrag zu stande käme, würde Henry Keller am Bieler 100km-Lauf vom 16. Juni 1978 (Start um 22 Uhr) teilnehmen. Man muss dabei wissen, dass Henry Keller absolut unsportlich war und eher zu Uebergewicht neigte. Henry Keller hat den 100er tapfer absolviert.
Wie bereits angetönt, mein Ausflug in einen bundesnahen Betrieb endete nicht unbedingt brilliant. Bundes- und bestimmt auch Staatsbetriebe sind ein Fall für sich. Bei denen geht es nicht um die Leistung, sondern um Beziehungen. Man muss sich diese beschaffen und vorallem bewahren. Wehe, ein anderer hat bessere.
Ich stolperte über interne Intrigen durch die einzigen beiden Männer Gurtner und Müri, sowie einen schwachen, hilflosen Verwaltungsrat. Ein Aufsteller war, dass die Datatypistinnen, die mir so viel Aerger bereiteten, es nicht verstehen konnten und schlussendlich in Tränen ausbrachen, als ich Ihnen meinen Weggang mitteilte. Die Putzfrau lud mich zum Essen bei sich zu Hause ein und übergab mir eine elektrifizierte Radnaben-Leuchte.
|UNIVAC-Geschäfstelle Bern|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Nach meinem verunglückten Abstecher zu Mildat kehrte ich zu SPERRY UNIVAC zurück, wie die Firma in der Zwischenzeit hiess, und wurde sogleich als Projektleiter des Bankensystems RTC eingesetzt. RTC war neben dem SBG-Bankenprojekt UBISCO das grösste Computer Projekt in der Schweiz. Ich arbeitete nicht mehr auf Provisionsbasis, denn Guy Laveissiere war der Verkäufer. RTC kaufte sich in der Folge für mehrere Mio Franken Magnetplatten der modernsten Generation für die On-Line Speicherung. Jede einzelne der Magnetplatten hatte eine Kapazität von 300MB.
Zu dieser Anschaffung kam es nach einem Sicherungs-Desaster, das den Bankverkehr einen ganzen Tag lahm legte. Die damalige Magnetplatten-Technologie erlaubte zu der Zeit noch keinen Online-Transaktions-Verarbeitung. Aus diesem Grund wurde die RTC-Applikation so ausgelegt, dass alle Bank-Terminal-Transaktionen auf Magnetbändern gesichert und erst in der Nacht verarbeitet wurden. Dazu wurde immer zuerst eine Kopie der laufenden Datenbank als Sicherung auf Band gesichert und erst danach das Update gefahren. Diese Verarbeitung dauerte die ganze Nacht.
Eines Abends ist dann dieser Update misslungen. Es musste die letzte aktuelle Version der Datenbank ab Band nachgeladen werden, aber man lud irrtümlichereise eine falsche und bemerkte dies erst bei Tages- resp. Arbeitsbeginn. Ein Katastrophe, denn damit standen die Bankdaten den Bankschaltern nicht zur Verfügung und einen ganzen Tag arbeitete die Berner- und Basler Kantonalbank von der Hand in den Mund d.h. ohne Kontenbestände.
Man kann sich vorstellen. Die Nerven der Bank-Manager lagen blank und beruhigten sich erst 1-2 Tage später. Dies war dann meine Chance, mit einem neuen Speicherungskonzept und einem Grossverkauf.
Nachdem das Bankenprojekt RTC in Produktion ging, war ich nicht mehr nötig und bekam eine neue Aufgabe als Verkaufsleiter für "Chemie Schweiz" mit Arbeitsort Basel. In der Malzgasse im Sutter-Haus war mein Arbeitsplatz. Sandoz, Roche und CIBA-GEIGY waren meine Kunden, wobei einzig Sandoz seit langem UNIVAC-Rechner benutzte. In der Sandoz kannte ich mich aus und wurde auch herzlich empfangen. Anders sah es bei Roche und CIBA-GEIGY aus, beides IBM- resp. NCR-Kunden. Bei denen war es ungleich schwieriger.
Dieser Wechsel des Arbeitsortes hatte aber auch Konsequenzen im privaten Umfeld: Ich verkaufte mein Haus in Toffen und fand ein neues Zuhause in Kaiseraugst Liebrüti, und kurze Zeit später in Binningen.
Meine ersten CIBA-GEIGY Kontakte knüpfte ich bei meinem ehemaligen Labor-Chef Dr. Jürgen Poschet aus der CIBA-Zeit an, der es mittlerweilen zum Leiter des wissenschaftlichen Rechenzentrums (WRZ) gebracht hatte. Bei ihm arbeitete auch mein Kumpel Ruedi Bucher aus der Tech- und Kader-Karriere-Zeit. Viel gab es aber nicht zu verkaufen. Einzig der Leiter des IBM-Rechenzentrums Herr Caspar brauchte 2 Lochkartenstanzer, eine magere Ausbeute.
Schwieriger und mehr Mühe hatte ich, den Leiter der kommerziellen EDV von CIBA-GEIGY zu besuchen. Ich Angst und Respekt. Er war unnahbar und viele Geschichten rankten sich um ihn. Ich getraute mich nicht, ihn anzurufen.
Zufällig fand zu der Zeit wieder einmal eine "Harry Holzheu-Verkaufsschulung" statt. Jeder Teilnehmer hatte einen Fall vorzustellen. Ich nahm allen meinen Mut zusammen und schilderte meine Hemmungen/Angst in der Kontaktaufnahme mit dem CIBA-GEIGY-EDV-Chef. Flugs wurde geübt und zum Schluss musste ich aus dem Kurs heraus den Herrn Fabio Zappa anrufen und mit ihm einen Termin abmachen, was blendend gelang. Ich war stolz auf mich. Er hat mir den Kopf nicht abgerissen und wir hatten ein nettes Gespräch.
Bei Roche war es ähnlich. Beim höchsten EDV-Chaf Herrn Trachsel hatte ich keine Probleme. Er kannte Univac, denn er war vorher EDV-Chef des Uhrwerk-Herstellers Ebauches in Grenchen, welches mit UNIVAC-1100er-Rechnern arbeitete.
Beide machten mir schnell klar, dass eine Ablösung der IBM oder der NCR niemals in Frage kommen könnte. Im Gegenteil, die Roche plane, von der NCR zur IBM zu wechseln. So blieb mir nur die Sandoz als potentieller Käufer übrig, was meine Zukunft nachhaltig beeinflussen sollte. Mein Plan war nun klar. Bei SPERRY UNIVAC ging für mich die Zeit zu Ende. Ich begann meinen Wechsel zu Sandoz zu planen, wenn möglich mit einem Computer-Verkauf.
Wie ein Hammer schlug die offizielle Mitteilung von Sandoz ein, dass sie im Rahmen der Vereinheitlichung und Kompatibilität der Rechner im ganzen Konzern nur noch IBM einsetzen werden. Ein objektiv richtiger und verständlicher Entscheid, aber schlecht für einen Univac-Verkäufer.
Diese Herausforderung liess mich nicht kalt. Ich sah meine Zukunft gefährdet. Ich setzte mich mit vorhandenen Univac-Fans wie Hans Buser und Joe Meier in Sandoz zusammen und gemeinsam entwickelten wir ein Konzept: "Sicherheit sollte oberstes Ziel sein. Anstatt des geplanten unterirdischen Rechenzentrum mit einem neuen grossen IBM-Rechner sollte ein zweiter SPERRY UNIVAC-Rechner als BackUp in einem anderen Gebäude angeschafft und installiert werden. Anstatt 10 Mio SFr. für den Bunker müssten nur gegen 4 Mio SFr für ein zusätzliches System ausgegeben werden."
|Club Europe 81 in Rio|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Dieses Konzept besprach ich mit dem damaligen SYMA-Leiter (Leiter der kommerziellen EDV) und hatte vollen Erfolg. Als ehemaliger Controller sah er die Vorteile meines Konzeptes und war begeistert: Geringer finanzieller Aufwand, kein Risiko durch Hersteller-Wechsel. .... und dann bot er mir eine Dannemann-Zigarre an und meinte: "diesen Vorschlag müssen wir berauchen!" Seit diesem Tag rauchten wir jedesmal, wenn ich ihn besuchte, eine Dannemann. Meistens torkelte ich kreidebleich aus seinem Büro, ich war doch diese Zigarren nicht gewohnt und machte Lungenzüge. Es war eine harte Zeit.
Erst nach diesem Gerspräch orientierte ich die Geschäftsleitung von SPERRY UNIVAC über meinen Plan, die mir nur schwer glauben wollten, denn es existierte noch gar keine offizielle Offerte. Ich musste den Verkaufsdirektor richtiggehend zwingen, mich zu einem Gespräch zu Roland Lösser zu begleiten. Ich habe selten eine derart überraschte Geschäftsleitung erlebt, die einen unbudgetierten 1100-Rechner für 3.5 Mio SFr gegenüber den Amerikanern begründen mussten.
Kurz vor Vertragsunterzeichnung meinte Lösser zu mir unter 4-Augen, er sei bereit zu unterschreiben, hätte aber noch eine Bedingung: Ich müsse als Mitarbeiter zu Sandoz kommen! Er würde mich trotz laufender GWA-Ueberprüfung durch McKinsey anstellen. Ich versprach ihm dies in die Hand, denn diese Idee hatte ich schon einige Zeit. Weg von einem umsatzabhängigen variablen zu einem normalen festen Gehalt.
Nach der Vertragsunterzeichnung besprach ich meinen Entschluss, zu Sandoz zu wechseln, mit meinem direkten Vorgesetzten und Verkaufsdirektor Bruno Grünenfelder und bat ihn, mich dennoch für den Club Europe in Rio zu qualifizieren, obwohl dies als gekündigter Mitarbeiter nicht mehr möglich gewesen wäre. Und er stimmte zu, ich soll aber niemand etwas von meiner Kündigung erzählen.
Das spannende an disem Verkauf war, dass ich direkt gegen IBM kämpfte. Ich wusste auch, dass die IBM das nächsten Gross-Computer-System wird liefern können. Nach Abschluss des Geschäftes habe ich meinen Gegner den IBM-Verkäufer Peter Gerber getroffen und ihn zum Essen eingeladen. Wir diskutierten dabei unsere Verkaufsstrategien. Er arbeitete mit der Argumentation einer einheitlichen Rechner-Umgebung in ganz Sandoz, denn alle Tochtergesellschaften arbeiteten mit IBM. Ich hingegen verkaufte mich und empfahl eine stabile Umgebung in Basel, bevor man auf IBM wechseln sollte!...und hatte damit Erfolg. Er war perplex, denn von meiner Strategie ahnte er bis zum Schluss nichts.
In der Folge verkaufte IBM ein paar Monate später für die Personalabteilung ihr erstes vergleichsweise kleines System eine IBM 4341. Ich arbeitete damals aber bereits bei Sandoz.
Auf den 1. Juli 1981 wechselte ich zu Sandoz in die Stabsabteilung von Roland Lösser.
Bereits vor unserer Abreise ins "Sünden-Paradies" Rio de Janeiro trafen sich die diesjährigen Club-Mitglieder zu einem Briefing. Wir wurden über die Reise informiert, auch über die Risiken in der Millionen-Stadt Rio und schlussendlich auch durch einen Arzt, der uns auf die Risiken der Geschlechtskrankheiten mit den Schönen von Rio aufklärte. Immer Kondome benutzen und anschliessend sich sauber waschen, damit man keine Flöhe einfängt!
|Club Europe 81 in Rio de Janeiro|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Einen von uns hatte es erwischt. Nicht mit einer Geschlechtskrankheit, aber mit den kleinen lebenden Tierchen. Sie haben gebissen, bis er es nicht mehr aushielt und zu einem dortigen Arzt ging. Dieser rasierte ihm alle Schamhaare weg und pinselte ihn mit jodhaltigen Desinfektionmitteln ein. Wie er seine braungefärbte Nacktheit seiner Frau erklärte, konnte ich nicht erfahren.
Ich selber war viel zu ängstlich, als mich mit einem Mädchen oder einer Dirne einzulassen, obwohl sie ja wunderbar aussahen, diese Mulattinen. Ich beobachtete lieber die erotischen Formen der Mädchen, als dass ich mir die Finger verbrennen wollte. Wenn wir durch Rio oder entlang der Copacabana spazierten, versteckten wir unser Geld in den Schuhen. Das soll sicher sein, meinte Walti Buchmann, unsere Oldie unter den Verkäufern.
|Club Europe 81 in Rio de Janeiro|
(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Sonst lief eigentlich wenig. Einmal machten wir einen Ausflug zum grössten Fussballstadion der Welt, dem Maracana-Stadion. Dann spielte ich Tennis auf dem Flachdach das Nachbar-Hotels im 8. Stock über dem Ipanema Strand. Das grosse Problem für mich war, dass die portugiesische Sprache wenig mit Spanisch oder Italienisch gemein hat. Ich habe nie ein Wort verstanden, wenn ein Einheimischer etwas erklärte..

Autobiografie von Max Lehmann

Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
|Start Homepage||Start Autobiografie|