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Wer hätte gedacht, dass ein zufälliges Flusskrebsessen zweier ehemaliger Arbeitskollegen in einem Stockholmer Fischrestaurant den automobilen Status Schwedens für immer verändern würde.
Es war der Jakobstag im Jahr 1924, als Assar Gabrielsson zufälligerweise seinen alten Arbeitskollegen Gustaf Larson im Restaurant Sturehof in Stockholm traf, das für seine Flusskrebse bekannt war. Die beiden kannten sich von SKF, der Schwedischen Kugellagerfabrik, wo Gabrielsson zum Verkaufsleiter aufstieg. Larson hatte zwischenzeitlich einige Jahre in der englischen Automobilindustrie gearbeitet.
Die Freude über das Wiedersehen war gross, ein gemeinsames Thema sofort gefunden: Autos. Mitte der 1920er-Jahre waren auf Schwedens Strasse bereits 15’000 Automobile unterwegs – praktisch alle Modelle stammten aus den USA. Warum eigentlich, fragten sich Gabrielsson und Larson? Schliesslich wurde der Rohstoff für Autos schon seit Jahrhunderten in Schweden hergestellt: Metall. Je später der Abend wurde, umso einiger waren sie sich: Eine schwedische Automobilherstellung ist möglich.
Aus den Worten sollten Taten folgen. Larson begann alsbald mit der Konstruktionsarbeit – zusammen mit einigen jungen Ingenieuren, die ihm in ihrer Freizeit halfen, die ersten Konstruktionsentwürfe zu zeichnen. Nach vielen intensiven Stunden der Entwicklung waren zu Midsommar 1925 die Zeichnungen für den ersten Volvo fertig.
Gute Ideen sind das eine, das Business etwas anderes. So erwies es sich als schwierig, jemanden zu finden, der die ersten Prototypen finanzieren wollte. Also finanzierte Gabrielsson die ersten zehn Prototypen selbst und produzierte sie unter dem wachsamen Auge seines Arbeitgebers SKF, der seine private Intention, ein Auto zu bauen, zwar nicht unterstützte, aber auch nicht torpedierte, solange seine Arbeit nicht darunter litt.
Für das Design des ersten Volvo liess sich der schwedische Künstler Helmer Mas-Olle begeistern, der die Karosserie des Volvo ÖV4 entwarf. Knapp zwei Jahre nach dem legendären Flusskrebsessen rollte im Juni 1926 der erste Wagen von Stockholm nach Göteborg.
Schliesslich erkannte auch SKF die Chance, in die wachsende Automobilindustrie zu investieren. Die Schwedische Kugellagerfabrik hatte bereits ein Tochterunternehmen mit dem Namen Volvo, dessen Leitung Gabrielsson und Larson übernehmen sollten.
In der Nacht zum 14. April 1927 war der erste Volvo ÖV4 fertig und der «Jakob» rollte aus den Werkshallen in Göteborg. Zuerst allerdings rückwärts, weil ein verspätet geliefertes Bauteil verkehrt eingebaut wurde.
Warum der ÖV4 «Jakob» heisst? Während die einen vermuten, dass einer der ersten Prototypen an einem 25. Juli entstand, sind sich andere sicher, dass es mit dem ersten Zusammentreffen am 25. Juli 1924 zu tun hat, als die Idee entstand, ein schwedisches Auto zu bauen.