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Die Azheimer- Erkrankung
Stefan Bogdanov
Alzheimer ist eine Erkrankung des Gehirns, verbunden mit:
Die Alzheimer Demenz ist die häufigste Demenzform und nimmt heutzutage bedrohlich zu.
In der Schweiz leiden 150'000 Personen daran, Experten rechnen für das Jahr 2030 mit 350'000 Fällen. Die Tendenz ist stark
steigend. Ein Grund dafür liegt in der alternden Gesellschaft wird älter und dem Anstieg des
Demenz-Risikos mit zunehmendem Alter. Nach 65 verdoppelt sich die Alzheimerhäufigkeit alle fünf Jahre. Jede zweite Person über 85 Jahre muss mit einer Erkrankung von Alzheimerdemenz rechnen, aber auch jüngere Leute
werden betroffen. Nach der Diagnose beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung 7-10 Jahre.
Die Begriffe Alzheimer und Demenz werden oft gleichgesetzt, wobei dies allerding nicht korrekt ist. Die Alzheimer-Demenz ist lediglich die häufigste Form der Demenzen, mit 60% bis 70 % aller Demenzen. Daneben sind die Lewy-Körper-Demenz, die Demenz bei Morbus Parkinson sowie die fronto-temporale Demenz die häufigsten Arten.
Alzheimer Symptome
Die Krankheit braucht oft 20 bis 30 Jahre bis erkennbare Symptome auftreten: Alzheimer ist eher ein Prozess als ein Zustanf. Eine Person entwickelt die Alzheimer-Krankheit in der Regel nach dem Alter von 65 Jahren, aber es sind manchmal auch jungere Leute betroffen. Die Symptome zeigen sich am Anfang als allgemeiner Gedächtnisverlust und schreiten schliesslich zu einer weiteren Beeinträchtigung des täglichen Lebens fort. Die zehn Warnzeichen und Symptome der Alzheimer-Krankheit im Vergleich zu den normalen Zeichen des Alterns sind unten aufgelistet.

Symptome der Alzheimer-Krankheit

Anzeichen für normales Altern

Gedächtnisverlust, der das tägliche Leben stört, insbesondere das Vergessen neu erlernter Informationen.

Neu erlernte Informationen wie Termine oder Namen werden vergessen, können aber später wieder abgerufen werden.

Schwierigkeiten bei der Lösung alltäglicher Probleme wie die Bezahlung von Rechnungen.

Gelegentliche Fehler, aber keine, die signifikant oder ungewöhnlich sind.

Schwierigkeiten bei der Erledigung vertrauter Aufgaben, z.B. Autofahrt nach Hause oder zur Arbeit,

Hilfe benötigen beim Einrichten neuer Geräte oder Elektronik.

Den Überblick über Daten, Jahreszeiten oder die Zeit verlieren.

Vorübergehend den Tag vergessen, aber die Möglichkeit haben, ihn später wieder abzurufen.

Schwierigkeiten bei Beurteilung von Entfernung, räumlichen Beziehungen und Kontrasten.

Verschlechterung der Sehkraft durch grauen Star.

Schwierigkeiten, sich Wörter für Dinge zu merken, Gesprächen zu folgen und zu sprechen

Gelegentlich Schwierigkeiten, ein Wort zu finden, ohne die Namen von Gegenständen zu vergessen

Verlegen von Gegenständen und nicht in der Lage sein, Schritte zurückzuverfolgen.

Verlegte Gegenstände schwieriger finden, aber den Weg finden.

Schlechtes Urteilsvermögen;
Unfähigkeit zu Multitasking

Gelegentliche schlechte Entscheidungen treffen, aber selten mit grösseren negativen Folgen.

Sozialer Rückzug.

Bevorzugung einer geringeren Sozialisierung.

Persönlichkeits- und Stimmungsänderungen.

Irritation, wenn Dinge nicht auf eine bestimmte und bevorzugte Art und Weise getan werden.
Die Anzeichen und Symptome der Alzheimer-Demenz sind keine normalen Alterserscheinungen. Wenn Sie oder jemand, den Sie lieben, an einem dieser Symptome leiden, ist es wichtig, so schnell wie möglich mit dem Hausarzt zu sprechen, da sich die Alzheimer-Demenz mit der Zeit verstärkt.
Sobald eine Person auffällige Symptome aufweist, befindet sie sich bereits in den Phasen 2 und 3, des kognitiven Verfalls - siehe unten.
Die fünf Phasen beim Verlauf der Alzheimererkrankung
1. Subjektive geistige Beeinträchtigung (Subjective Cognitive Impairement)
Erste Warnzeichen sind: Schlafstörungen, Burn-out-Symptome, Depression. Diese Phase lässt sich nicht mit kognitiven Tests bestimmen.
2. Leichte kognitive Beeinträchtigung (Englisch MCI, Mild Cognitive Impairement)
Es treten Erinnerungslücken, sowie Störungen der räumlichen Orientierung und des Zeitgefühls auf. Das rationale Denken ist noch nicht direkt betroffen, allenfalls durch die Gedächtnisstörungen leicht beeinträchtigt. Diese frühe Phase nennt man leichte kognitive Beeinträchtigung, abgekürzt LKB, Englisch MCI Mild Cognitive Impairement. Aufgrund der irritierenden Störungen im Gedächtnis treten jedoch bei Betroffenen zunehmend Stimmungsschwankungen auf.
3. Frühe Phase der Alzheimer Erkrankung
In dieser Phase wird der geistige Zerfall immer offensichtlicher, vor allem der Abbau der Erinnerungs- und Organisationsfähigkeit. Man verliert oft das Gefühl von Ort und Zeit. Es treten zudem emotionale Veränderungen auf, sodass sich z.B. ein ruhiger und freundlicher Mensch in einen launischen und jähzornigen Menschen verwandeln kann. Man erinnert sich nicht wo die Sachen in der Wohnung hingestellt wurden, hat Schwierigkeiten, die Rechnungen zu bezahlen und über die Finanzen zu sorgen.
4. Mittlere Phase der Alzheimer-Erkrankung
Die Entwicklung der Krankheit beschleunigt sich, Neurone sterben im Gehirn ab. In dieser Phase gehen auch frühe Erinnerungen verloren und die betroffene Person fühlt sich zunehmend desorientiert. Halluzinationen und Paranoia-Anfälle treten vermehrt auf. In dieser Phase ist keine vollständige Heilung mehr möglich, aber es können jedoch Verbesserungen erreicht werden und der weitere Verlauf kann gestoppt werden.
5. Späte Phase der Alzheimer-Erkrankung
In diesem Stadium der Krankheit sind die Alzheimer-Patienten durchgehend pflegebedürftig. In dieser Phase ist leider keine Hilfe mehr möglich. Bereits viele Jahre bevor die ersten klinischen Symptome sichtbar werden, bilden sich im Gehirn des Betroffenen Plaques, die aus fehlerhaft gefalteten Peptiden bestehen. Dabei wird die Funktion der Nervenzellen bis zur Unfähigkeit eingeschränkt. Das Gehirn ist jedoch plastisch: Ist eine Hirnregion von Plaque befallen und nicht funktionstüchtig, übernehmen andere Hirnteile diese Funktion.
Entstehungsmechanismus
Die Alzheimer-Krankheit resultiert aus einem Ungleichgewicht bei der Auflösung und der Aufrechterhaltung von Neuronen und Synapsen. Es wurde beobachtet, dass sich ein als Amyloid-beta Plaque (auch als Azheimer Plaque bekannt) bekanntes Molekül in höheren als der normalen Konzentrationen im Gehirn ansammelt. Dies führt dazu, dass die Synapsen zusammen mit den für das Gedächtnis wichtigen Neuronen absterben (siehe Abb. 2) Das Amyloid-beta entsteht aus dem Amyloid-Vorläuferprotein (APP), von dem Amyloid-beta nur ein kleiner Teil ist (siehe Abb.1). Das APP wird, sobald es von Neuronen produziert wird, mit einer molekularen Schere, einem Protease-Enzym, geschnitten: entweder an drei Punkten entlang des APP oder an einer einzigen Stelle.
Wird das APP an drei bestimmten Stellen durchtrennt, verursachen die vier Peptide (Abb.1 nach rechts), die durch diese Aktion produziert werden, den synaptischen Verlust, den Neuronen-Tod, der für die Alzheimer-Krankheit charakteristisch ist.
Wird das APP jedoch nur an einer einzigen Stelle abgeschnitten, bewirken die beiden entstehenden Peptide (Abb 1 nach links.) das Gegenteil; die synaptischen Verbindungen bleiben erhalten und das Neuronen-Wachstum wird genährt. Diese beiden Peptide werden als Anti-Alzheimer-Peptide bezeichnet (Abb.1 oben links, AD-Alzheimer Disease).
Bei der Alzheimer-Krankheit nimmt die die synaptoblastische Aktivität ab (Aufbau von Synapsen) während die synaptoklastischen Aktivität (Zerstörung von Synapsen) zunimmt.
Abb 1
Bei der Plaque Bildung werden die Neuronen zerstört:
Abb 2
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung reduziert werden kann, wenn man die physiologischen Prozesse unterstützt, welche die Bildung der beiden Anti-Alzheimer-Peptide induzieren und alle diejenigen Faktoren reduziert, welche die Produktion der vier pro-Alzheimer-induzierenden Peptide verursachen.
Wie dies zu erreichen ist, bildet die Grundlage des ReCode-Programms von Dr. Bredesen, nach dessen Prinzip wir arbeiten, siehe Alzheimer Prävention.
Sechs Typen der Alzheimer-Erkrankung
Professor Bredesen („Die Alzheimer Revolution“, 2018) ist der erste Forscher der die multikausale Pathogenese der Alzheimer Erkrankung erforscht und die biologische Alzheimertherapie wissenschaftlich begründet hat. Er hat sechs Subtypen der Alzheimer-Krankheit identifiziert, die jeweils eine ähnliche Pathologie, jedoch eine unterschiedliche Entstehung aufweisen:
TYP 1: Entzündlich / infektiös (Typ heiss)
TYP 2: Atrophisch (Mangel an Vitalstoffen und Hormonen)
TYP 3: Glykotoxisch (= 1.5 Typ süss, Kombination aus 1 und 2)
Typ 4 : Toxisch
TYP 5 : Vaskulär: Blutgefässsystem –Arterien der Blut-Hirn-Schranke
TYP 6: Traumatisch
Die Häufigkeiten der Typen setzen sich wie folgt zusammen: entzündlich und glyko-toxisch: ca. 15 %, trophisch: ca. 30 %, toxisch: ca. 20%, vaskulär und traumatisch: je ca.10 %. In der Praxis sind jedoch die Typen 1 bis 5 gemischt: der toxische Typ ist in 50% bis 60 % aller Alzheimerpatienten vertreten!
Subtyp 1: entzündlich oder "heiss"
Patienten mit dieser Form der Alzheimer-Demenz haben überwiegend entzündliche Symptome. Zu diesen pro-inflammatorischen Faktoren gehören Zytokine, Chemokine, und andere entzündungsauslösende Mediatoren. Erkrankte mit Subtyp 1 Alzheimer haben auch erhöhte Werte des c-reaktiven Proteins, ein hohes Interleukin-6 und ein niedriges Albumin-Globulin-Verhältnis. Die Entzündung bei Subtyp 1 betrifft in erster Linie das Immunsystem, und normalerweise, jedoch nicht immer, gibt es eine systemische Entzündung. Dieser Subtyp tritt in der Regel nach 70.
Subtyp 2: glykotoxisch oder "süss"
Dieser Subtyp liegt zwischen den Subtypen 1 und 3, weil er sowohl entzündliche Verursacher als auch atrophische Prozesse beinhaltet. Die Glukoseregulierung ist gestört, was zu Insulinresistenz und Entzündungen aufgrund von Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker) führt. Diese Glukose-Dysfunktion stört auch hormonsignalisierende und trophische Faktoren (Moleküle, die es den Neuronen ermöglichen, benachbarte Verbindungen aufrechtzuerhalten und herzustellen).
Subtyp 3: atrophisch, nicht entzündlich oder "kalt"
Patienten mit Subtyp 3 haben atrophische Symptome, d.h. es kommt zu einer Degeneration und Funktionsstörung der neurologischen Funktionen aufgrund des Mangels an bestimmten Ernährungs- und Stoffwechselfaktoren. Auch wenn sich diese zugrunde liegende Ursache von einer Entzündung unterscheidet, führt sie doch zur gleichen Krankheit. Ähnlich wie bei Subtyp 1 führt Subtyp 3 dazu, dass die APP Amyloid-Plaques bildet. Subtyp 3 ist mit abnehmenden trophischen Faktoren wie Nervenwachstum, hirnabgeleiteten neurotrophen Faktoren (BDNF), Testosteron, Estradiol, ungenügende Schilddrüsenhormonfunktion und erhöhter Insulinspiegel assoziiert, sowie mit einem Mangel an Vitaminen und anderen Körper-Vitalstoffen. All diese abnehmenden trophischen Faktoren führen dazu, dass das Gehirn die Bildung neuer Synapsen stoppt, weshalb das Lernen neuer Dinge schwieriger wird und sich mit der Zeit verschlechtert.
Subtyp 4: toxisch
Subtyp 4 wird durch eine Toxin-Exposition verursacht, z.B. durch Aufnahme von Schimmelpilzmykotoxinen, Bakterientoxinen und von organischen (z.B. Pestizide) und anorganischen (z.B. Quecksilber, Blei, Aluminium, Arsen) Stoffen. Die Symptome des Subtyps 4 Alzheimer ähneln denen der anderen Subtypen insofern, als dass sie Gedächtnisverlust und Schwierigkeiten beim Worterinnerungsvermögen umfassen. Die Patienten können jedoch auch über einen metallischen Geschmack im Mund und eine erhöhte Geruchsempfindlichkeit berichten. Die Erkrankten haben vereinzelt Atembeschwerden, chronische Müdigkeit, Muskelschmerzen oder andere Symptome, die normalerweise mit chronischen Entzündungen verbunden sind.
Subtyp 5: vaskulär
Die Entwicklung von Alzheimer bei Patienten des Subtyps 5 ist eine protektive Reaktion auf eine Gefässinsuffizienz und führt zur Amyloid-Plaque Bildung.
Subtyp 5: traumatisch
Dieser Subtyp ist durch ein Kopftrauma gekennzeichnet, diese Patienten weisen typischerweise signifikante Persönlichkeitsveränderungen auf. Nicht alle Schädeltrauma-Patienten entwickeln Alzheimer.
Die Alzheimer Risiken
Es gibt unveränderbare und veränderbare Risiken für die Entstehung einer Demenz.
Die unveränderbaren Risiken
Genetische Veranlagung
Es gibt verschiedene Risiko-Gene für Alzheimer. Der bekannteste genetische Risikofaktor ist das ApoE4 Allel-Gen, das in 15% bis 20 % der Bevölkerung vorkommt, aber bei 30-40% aller Alzheimerkranken vorhanden ist. Eine Person kann null, eins oder zwei Apoe4 Gen- Allel-Kopien haben. Wenn man beide Apoe4-Allele hat, erhöht sich das Alzheimer-Risiko um das 10-fache, mit einer Kopie ist das Alzheimer-Risiko um das Dreifache erhöht. Personnen die dieses Gen-Allel nicht haben, können natürlich auch an Alzheimer erkranken.
Das Alter
Ein Grund für die Zunahme der Demenz in unserer Gesellschaft zunimmt ist, dass die Menschen älter werden und das das Demenz-Risiko mit dem Alter steigt. Nach 65 verdoppelt sich die Alzheimerhäufigkeit alle fünf Jahre. Jede zweite Person über 85 Jahre muss mit einer Erkrankung an Alzheimer-Demenz rechnen, aber auch jüngere Leute sind betroffen.
Das Geschlecht
Ungefähr 65 % aller Erkrankten sind Frauen. Die Ursachen, die dazu führen sind noch nicht aufgeklärt. Die Hormone spielen dabei eine Rolle.
Die veränderbaren Risiken: die Lebensstil-Faktoren
Es gibt sechs Hauptfaktoren, die zur Alzheimer-Erkrankung beitragen:
- unangemässe Ernährung
- ungenügende Bewegung
- zuviel Stress
- zu wenig geistige Aktivität
- ungenügende soziale Vernetzung
- zu wenig Schlaf
„Du bist das, was du isst“
Unangepasste Ernährung ist ein sehr wichtiger Faktor für die Entstehung von Alzheimer. Mit der Zeit entstehen im Körper altersbedingt, aber auch ernährungsbedingt Vitalstoff-Mängel, die zu Hirnschäden und Alzheimer führen können.
Zu wenig Bewegung
Mangelnde Bewegung kann die Entstehung von Herz-Kreislauf Erkrankungen, Diabetes, Stoffwechsel-Störungen begünstigen. Die mangelnde Bewegung ist nach der schlechten Ernährung der zweitwichtigste Faktor für die Entstehung von Alzheimer.
Zu viel Stress
Andauernder Stress stellt eine weitere Ursache bei der Entstehung von Alzheimer dar. Stress kann überall entstehen: in der Familie, in der Schule, im Betrieb, in zwischenmenschlichen Beziehungen, usw.
Ungenügender Schlaf
Guter Schlaf ist sehr wichtig für die Hirngesundheit. Schlechter Schlaf gilt als unabhängiger Risikofaktor für Alzheimer.
Zu wenig geistige Aktivität
Ältere Leute vermindern oft ihre geistige Aktivität, verlieren das Interesse an Neuem und an geistig anregenden Tätigkeiten. Das Hirn wird nicht mehr gebraucht und degeneriert zum Alzheimer.
Mangelndes soziales Netzwerk
Einsamkeit begünstigt die Entstehung von Alzheimer.
Literatur
1.Die Alzheimer-Lüge: Die Wahrheit über eine vermeidbare Krankheit, Michael Nehls, 2017
2. Die Alzheimer Revolution, Dr. Dale Bredesen, 2018.
3. Alzheimer & Demenzen verstehen: Diagnose, Behandlung, Alltag, Betreuung, W. Maier, J. Schulz, S. Weggen, S. Wolf, 2011
4. Demenztests in der Praxis: Ein Wegweiser, D. Ivemeyer; R. Zerfaß, 2005