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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

22. Buch
16. Der Sinn der Worte von der Gleichgestaltung der Heiligen mit dem Bilde des Sohnes Gottes.
Auch das andere Apostelwort nämlich, das von der Gleichgestaltung der Auserwählten mit dem Bilde des Sohnes Gottes1 , läßt sich vom inneren Menschen verstehen [gerade diesen meint ja der Apostel auch, wenn er uns mahnt2 : „Wollet euch nicht gleichgestalten dieser Welt, sondern gestaltet euch um in Erneuerung eures Sinnes“; dort also, wo wir uns umzugestalten haben, um uns nicht dieser Welt gleichzugestalten, findet auch die Gleichgestaltung mit dem Sohne Gottes statt]; es kann aber auch dahin aufgefaßt werden, daß, wie er uns gleichgestaltet worden ist in Sterblichkeit, so wir ihm gleichgestaltet werden in Unsterblichkeit; und so aufgefaßt, bezieht es sich unmittelbar auf die Auferstehung des Leibes. Falls aber auch in diesen Worten eine Andeutung enthalten ist, in welcher Gestalt der Leib auferstehen wird, so gilt von dieser Gleichgestaltung das nämliche wie von jenem „Maß“: sie ist nicht auf die Körpergröße zu beziehen, sondern auf das Alter. Es werden also alle mit der Leibesgröße auferstehen, die sie im jugendlichen Alter hatten oder hätten haben sollen; doch würde es auch nichts verschlagen, wenn die Leibesgestalt die eines Kindes oder eines Greises sein sollte; es ist ja doch jegliche Schwäche wie des Geistes so selbst auch des Leibes aufgehoben. Wenn darum jemand behaupten will, die Auferstehung werde für jeden einzelnen in dem Leibesmaße erfolgen, das er beim Tode hatte, so braucht man sich darüber nicht erst lang herumzustreiten.
1: Röm. 8, 29.
2: Röm. 12, 2.