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Nur schon der Name: Amanda! Das Mädchen aus London mit dem langen blonden Haar war meine erste Brieffreundin. Mitte der Siebzigerjahre wars. Am Thunersee hatte ich sie kennengelernt, und wir blieben längere Zeit in Kontakt. Erschwerend kam einzig hinzu, dass ich kein Englisch sprach, geschweige schrieb, sie aber nur wenige Brocken Deutsch beherrschte. Also setzte ich meine Briefe säuberlich auf, liess sie dann von den Eltern und älteren Geschwistern übersetzen und schrieb sie schliesslich ins Reine: «Dear Amanda! Thank you very much for your letter and the funny drawings …» Nur konnte ich dann halt nicht schreiben, was ich geschrieben hätte, hätte ich die Briefe im Stillen verfasst. Ach, Frühenglisch! Warum wurdest du so spät erfunden?
Brieffreundschaften! Ich pflegte einige. Mit Lasse in Norwegen korrespondierte ich ebenfalls englisch, wobei mich die nötige Übersetzungshilfe hier weniger störte; wir tauschten uns ja über Bubenzeugs aus, Fussball und so. Joachim aus Frankfurt hatte ich in einem ligurischen Dorf kennengelernt, Anna aus Monza an einem Strand. Da war ich schon etwas älter und beherrschte — Lucio Dalla sei Dank! — die einschlägigen italienischen Vokabeln. Ferienbekanntschaften, Lagerkumpaneien, Zeltplatzbegegnungen. Man tauschte auf Papierservietten der Bar Cigolini Adressen aus, schrieb — wieder daheim — schon am ersten Abend und freute sich, wenn bald Antwort kam. «Bald» hiess: binnen eines Monats.
Nicht mal Postkarten schrieben die Kinder.
Heute gehts anders, rasanter. Nicht mal Postkarten haben unsere Kinder aus den Sportferien verschickt, ausser an Ömi und Grossätti. Mit ihren Kumpels und Kolleginnen waren sie dennoch in Kontakt. Anna Luna zum Beispiel hält den Klassenchat auf ihrem Handy auch während der Ferien aufrecht. Sie wissen schon: WhatsApp, der Nachrichtendienst, mittels dessen ganze Schulklassen sich Mitteilungen zukommen lassen, und das piepst dann Dutzende Male am Tag. Wie war das gleich mit selbigem Chat? Sie müsse all das Unwichtige dänk immer gleich lesen, hatte sie mir beschieden, denn es könnte ja mal eine wichtige Nachricht darunter sein. Letzthin war etwas Wichtiges: die Absage einer Gruppenarbeit, die sie an einem Sonntag bei uns daheim hatten erledigen wollen. Per WhatsApp annulliert. «Klappt bestimmt», beteuerte Anna Luna. Ein Kamerad stand dann vor unserer Tür, einen zweiten fanden wir ziemlich verloren an der Tramhaltestelle. Er hatte offenbar grad keine Google-Map zur Hand, Akku leer oder so.
Ich weiss, was Sie denken! Es sei nicht mehr wie früher. Dachte ich auch. Bis Hans im Freestyle-Kurs neue Bekanntschaften machte. (Was für ein toller Kurs: Trampolinspringen, mit dem Snowboard über Hindernisse und durch die Halfpipe fräsen, Klettern, Skateboard, mit dem Trotti über Schanzen springen … Und wenn Hans mal seinen Rucksack liegen liess, kümmerten sich gleich mehrere Angestellte darum, ihn wiederzufinden. Ein Hoch auf die Snowboardschule Laax!) Eben, Hans hatte eine gute Zeit mit Andrin aus Dietlikon, Yves aus Unterägeri und Jan aus Baar. «Hast du ihre Handynummern und Mail-Adressen notiert?», frage ich. «Nein, Vati! Ich habe ihre richtigen Postadressen aufgeschrieben», antwortet der Bub, «das ist viel besser.» Und wirklich: In der schmutzigen Wäsche fand ich hernach den entsprechenden Fresszettel.
Bänz Friedli live: 1.3. Interlaken BE, 2.3. Kerzers BE und Stein AG, 3.3. Gossau SG.
Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.
Die
Hausmann-Hörkolumne
, gelesen von Bänz Friedli (MP3)
Autor: Bänz Friedli
Fotograf: Bänz Friedli