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Dank ihrer kleinen Schwester hat die 14-jährige Kadia den Mut gefasst, den verpassten Lernstoff aufzuholen. Nun will sie ein selbstbestimmtes Leben führen und sie hat Zukunftspläne.
In einem abseits gelegenen Wohnviertel in Niamey, im Niger – am Rande einer Müllzone – schleppt die 14-jährige Kadia morgens um fünf Uhr schwere Wassereimer durch die Strassen. Ihre Familie braucht das Wasser für den täglichen Bedarf. Eine Weile später beginnt Kadia mit der Hausarbeit und hilft ihrer Mutter beim Waschen. Zur Schule geht sie nicht mehr. Ihre Eltern konnten das Schulgeld nicht regelmässig aufbringen, deshalb nahmen sie ihre Kinder phasenweise immer wieder aus der Schule. Das führte zu sehr vielen Fehlzeiten und am Ende konnte Kadia ihre Wissenslücken nicht mehr schliessen: zu viel verpasster Schulstoff. Ihre Eltern trafen eine harte Entscheidung: Sie nahmen Kadia aus der Schule, liessen ihre neunjährige Schwester Abebi aber weiterlernen. Sie hatte bessere Noten.
Not der Eltern verhindert Bildung der Kinder
Der Armut zu entfliehen, ist für Kinder von Eltern, die weniger gut oder gar nicht ausgebildet sind, schwer. Oftmals haben sie gar keine Chance auf bessere Zukunftsperspektiven. Das trifft auch auf Kadia zu. Ihre Mutter versuchte, mit der Produktion von Erdnuss- und Hirsepaste sowie mit gelegentlichen Frisörarbeiten ihren wirtschaftlichen Beitrag zum Überleben zu leisten. Der Vater verdiente nur mit Gelegenheitsjobs Geld, sodass beide Elternteile über ein sehr unregelmässiges Einkommen verfügten. Die wirtschaftliche Situation der Familie verbesserte sich, als lokale Mitarbeitende von SOS-Kinderdorf im Rahmen des Familienstärkungsprogramms «Niamey» auf Kadias Situation aufmerksam wurden. Sie erkundigten sich, warum die 14-Jährige nicht in der Schule sei, und nahmen schliesslich die gesamte Familie im Familienstärkungsprogramm auf. So konnten Kadias Eltern einer Spar-und-Leih-Gruppe beitreten, einen Kredit aufnehmen und sich ihre eigene Existenz aufbauen. Obwohl sich ihre wirtschaftliche Lage nach einer Weile erheblich verbessert hatte und genügend Geld da war, um beiden Kindern die Schule zu finanzieren, blieb Kadia der Schule immer noch fern. Sie hatte ihr Selbstvertrauen verloren und gab sich einfach auf.
Die Ecole Passerelle ist eine staatliche Einrichtung für Kinder, die mehrmals die öffentliche Schule verlassen mussten. Verpasster Lernstoff kann hier nachgeholt werden, damit der Anschluss an das öffentliche Schulsystem funktioniert
Schwester Abebi hilft
Kadias Schwester half ihr schliesslich, die Motivation wiederzufinden. Sie erzählte Kadia jeden Tag begeistert Geschichten vom Unterricht und vom Schulalltag und schwärmte ihr vor, welchen Beruf sie mit ihren guten Noten später erlernen wolle. So sprang der Funke irgendwann über, und Kadia fasste Mut. Mit der Unterstützung von SOS-Kinderdorf konnte sie auf der Ecole Passerelle den versäumten Schulstoff nachholen. Inzwischen ist sie zurück auf der öffentlichen Schule und möchte später Krankenschwester werden. Wir drücken ihr die Daumen und sind stolz, dass auch sie ihre Chance genutzt hat.