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Rückblick
Das erste Quartal stellte bis Mitte Februar eigentlich die kontinuierliche Fortsetzung der Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten dar; zahlreiche Börsen erreichten dabei neue Höchststände. Seit Ende Februar führte der Corona Virus-Ausbruch über Ostasien hinaus global zu Marktverwerfungen ungeahnten Ausmasses und tiefen Einschränkungen des öffentlichen Lebens, aber auch zu beispiellosen wirtschaftlichen Hilfsprogrammen. Gleichzeitig kollabierte der Erdölpreis und fiel auf das tiefste Niveau seit 18 Jahren. Der Weltaktienindex MSCI büsste, notabene unter Berücksichtigung einer temporären Markterholung gegen Ende der Berichtsperiode, 20.7% ein, der amerikanische S&P500 18.3%, sowie der Technologieindex Nasdaq Composite 12.5%. Die europäischen Börsen verzeichneten Wertverluste in ähnlichem Ausmass, so der breit gefasste Eurostoxx 600 mit 22.5%, der deutsche Dax (-25%), oder der französische Markt (-26.5%). Die Schweizer Börsen hielten sich dank der Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis mit -11.8% (SPI) vergleichsweise robuster. In Asien verlor der japanische Index 19.3%, gefolgt von Hongkong und Shanghai mit -16.3% bzw. -9.8%. Die detaillierte Übersicht über die Börsenindices befindet sich in der Beilage.
Die unterschiedlichen Entwicklungen auf Branchen- und Sektorebene waren geprägt von einem regelrechten Einbruch der fossilen Energiewerte, gefolgt von den Bank-, Versicherungs- und Automobilaktien. Relativ gut hielten sich die Pharma- und stabilen Konsumgütervaloren.
Auch die Anleihen konnten sich den Marktverwerfungen nicht entziehen. Die Ankündigung der Notenbanken, die Finanzmärkte und die Realwirtschaft mit einer beispiellos grossen Geldmenge zu überfluten, führte bei den 10jährigen Staatsanleihen der USA zu einem Renditerückgang auf 0.68% (Ende 2019: 1.9%), die deutschen Bundespapiere weiteten ihre Negativrendite auf -0.48% versus -0.19% zu Jahresende aus, die Eidgenossen verharrten mit -0.35% ebenfalls im negativen Bereich.
Erstaunlich ruhig blieb es im Währungsbereich, mit leichten Aufwertungen des CHF und USD gegenüber dem Euro. Das Gold konnte nach vorübergehenden Korrekturen, wegen Verkäufen zur Liquiditätsbeschaffung, um rund 5% zulegen.
Der erbitterte Preiskampf der grossen Produzenten Saudi-Arabien, Russland und USA sowie die Erwartungen eines Nachfrageeinbruchs führten beim Erdöl zu einem Preissturz von 65% seit Jahresbeginn.
Standortbestimmung
Die Weltwirtschaft steht still. Was schleichend begann und zunächst als unbedeutendes Problem in einer Provinz in China wahrgenommen wurde, hat sich mittlerweile zur grössten Herausforderung der Nachkriegszeit entwickelt. Praktisch alle Länder der Welt sind in Alarmbereitschaft, strenge behördliche Massnahmen zur Verhinderung einer unkontrollierten Virusausbreitung verursachen einen Quasistillstand ganzer Wirtschaftszweige und des sozialen Lebens. Während sich in China ein schrittweises Hochfahren der Wirtschaft abzeichnet, steht der Rest der Welt erst am Anfang der wirtschaftlichen Vollbremsung. Ohne Zweifel wird die Weltwirtschaft in eine tiefe und schwere Rezession abgleiten, noch grösser als bei der Finanzkrise 2008/2009. Über den möglichen Erholungspfad nach der Krise wird derzeit viel geschrieben und diskutiert. Dabei hilft ein Blick zurück in die Vergangenheit nur bedingt, weil die aktuelle Situation als Ganzes nicht direkt mit Wirtschafts- oder Finanzmarkt-induzierten Rezessionen vergleichbar ist. Die Heftigkeit des weltweiten Nachfrage- und Angebotsschocks, der Ausfall globaler Wertschöpfungsketten, zu allem Übel noch flankiert von kollabierenden Erdölpreisen, macht diese Situation so komplex und einmalig in der Geschichte. Fakt ist, dass nicht konsumierte Dienstleistungen typischerweise nicht nachgeholt werden und demnach dauerhaft verloren sind. Aus aktueller Beurteilung ist von einer flachen, langsamen und eher zähen konjunkturellen Erholung auszugehen.
Die Notenbanken und Regierungen rund um den Globus haben noch nie dagewesene Hilfsmassnahmen veranlasst. Zinssenkungen, der unbegrenzte Aufkauf von Staatsanleihen, Wertpapierkäufe der Notenbanken sowie das Angebot zusätzlicher Kreditlimiten für die Geschäftsbanken sollen Liquiditätsengpässe verhindern. Zudem sollen konjunkturelle Hilfestellungen, staatliche Hilfspakete und Liquiditätsspritzen Einkommensverluste der Haushalte und Unternehmen abfedern.
Ausblick
Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die Chancen und Risiken in folgender Weise:
Chancen:
- Die geld- und fiskalpolitischen Hilfen für Unternehmen und Arbeitnehmende bewirken zumindest eine partielle Abfederung der Rezessionsfolgen.
- Nachhaltige Zinserhöhungen sind auf längere Zeit auszuschliessen.
- Die Aktien liegen nach der erfolgten Korrektur wieder auf recht attraktiven Bewertungsniveaus.
Risiken:
- Das Ausmass und die Länge der rezessiven Phase sind nicht abzuschätzen.
- Die Auswirkungen des globalen Shutdowns auf die Staatsfinanzen sind ganz gravierend. Auch die Verschuldungssituation der Unternehmen wird sich – bei allen Unterschieden im Einzelnen – per Saldo verschlechtern.
- Die laufenden Gewinn- und Dividendenprognosen der Unternehmen werden, je nach Branche, massiv nach unten angepasst werden.
- Bärmarktphasen (s. Chart in der Beilage) können länger dauern und noch stärker ausfallen. Grössere Korrekturen waren typischerweise nicht schon nach wenigen Wochen ausgestanden.
Anlagepolitische Konklusionen:
- „Fahren und Navigieren auf Sicht“ beschreibt unseren derzeitigen anlagepolitischen Ansatz wohl zutreffend. Vergangene Bärmarktphasen – wenn auch nicht vollumfänglich vergleichbar – haben gezeigt, dass forcierte Wertschriftenverkäufe in extrem volatilen Marktkonstellationen nicht sinnvoll sind. Im Gegenteil können weitere deutliche Kursabschwächungen bei längerfristigem Anlagehorizont zu günstigen Investitionsopportunitäten bei zahlreichen Unternehmen mit solider Bilanz- und Martkstärke führen. Die rigorosen Qualitätsansprüche bei der Selektion der Anlagen bewähren sich besonders in schwierigen Marktphasen.
- Wandelanleihen haben sich in der jüngsten Marktphase als eine vergleichsweise risikoreduzierte Anlageklasse bewiesen.
- Festverzinsliche Anlagen bleiben weiterhin deutlich untergewichtet. US-Anleihen mit kürzeren Restlaufzeiten bilden einen stabilisierenden Portfoliobestandteil.
- Goldanlagen dienen weiterhin als klassischer „Risikopuffer