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Intelligenz der HundeIn seinem Buch "Die Intelligenz der Hunde" unterscheidet Stanley Coren zwischen drei Formen von Intelligenz.
1) Instinktive Intelligenz, sie ist entscheidend für welche Aufgaben ein Hund gezüchtet wird.
2) Adaptive Intelligenz, die Fähigkeit zu lernen und die Fähigkeit ein Problem zu lösen. Gewisse Rassen lernen sehr schnell, haben aber etwas mehr Mühe, ein Problem zu lösen. Zu dieser Gruppe gehören z.B. die Corgis.
3) Arbeits- und Gehorsamsintelligenz, die Fähigkeit des Hundes, den Befehlen seines Herrn zu folgen.
Hirtenhunde z.B. haben ihre instinktive Intelligenz vom Wolf und anderen Caniden, die im Rudel jagen, geerbt. Zuerst gilt es, die Gruppe von potentiellen Beutetieren zusammen zu halten und in eine bestimmte Richtung zu treiben, um dann das ausgewählte Beutetier von der Gruppe zu trennen. Diese Jagdtechnik wird von fünf genetisch programmierten Impulsen gesteuert. Die beiden ersten betreffen die Positionierung um das Beutetier.
1. Wenn die Beute gesichtet ist, wird sich jeder Wolf dem Beutetier in ungefähr dem gleichen Abstand nähern.
2. Jeder Wolf hält den gleichen Abstand zum Wolf auf seiner rechten und linken Seite. Auf diese Weise ziehen sie einen immer enger werdenden Kreis um das Beutetier.
3. Wenn ein Wolfrudel jagt, kann sich ein einzelner Wolf vom Rudel abtrennen und auf die Lauer legen und warten bis das Rudel die Beute zu ihm treibt.
4. Wölfe sind dafür bekannt, dass sie eine Herde Buffalos, Antilopen oder Hirsche in eine Umgebung treiben, die durch natürliche Hindernisse abgegrenzt ist wie z.B. Felsen oder Wasser. Wenn der Fluchtweg eingeschränkt ist, fällt es leichter ein Opfer zu isolieren. Wölfe treiben die Tiere mit kurzen, frontalen Angriffen in die entgegengesetzte Richtung oder treiben sie durch Schnappen in die Fersen oder Flanken in eine andere Richtung.
5. Die soziale Organisation der Wölfe. Jedes Wolfrudel hat ein Leittier, das "Alphatier". Der Leitwolf nimmt die Führung und kontrolliert die Bewegung des Rudels, und die anderen Wölfe beobachten ihn genau und folgen ihm.
Ein guter Hirtenhund führt alle diese Manöver alleine aus, wobei der Hirte sein "Alphawolf" ist. Um das instinktive Verhaltensmuster des Hundes kontrollieren zu können, verlässt sich der Hirte auf die Gehorsams- und Arbeitsintelligenz des Hundes. Er braucht dem Hund nur noch rund 12 Befehle beizubringen, um die volle Kontrolle zu haben. Bei grösserer Distanz werden die Befehle durch Pfeifsignale ersetzt.
Die verschiedenen Hirten- und Hütehunderassen wurden während Generationen auf ihre Gebrauchseigenschaften gezüchtet, und ihre instinktive Intelligenz befähigt sie, in einer bestimmten Umgebung oder mit einer bestimmten Viehgattung, wertvolle Dienste zu leisten. Dabei spielen aber nicht nur die Gene eine Rolle, sondern auch die Erfahrungen und die Förderung.
Auf der nach Gehorsams- und Arbeitsintelligenz geordneten Liste der Rassen figuriert der Border Collie auf dem 1., der Pembroke Corgi auf dem 11. und der Cardigan Corgi auf dem 26. Platz.
Rang 1-10 sind die gescheitesten Hunde. Die meisten dieser Rassen lernen neue, einfache Befehle nach weniger als 5 Wiederholungen und behalten die Befehle im Gedächtnis ohne besondere Übung. Sie gehorchen einem Befehl zu 95% beim ersten Mal oder besser. Sie führen den Befehl auch sofort aus, selbst wenn der Führer den Befehl aus Distanz gibt.
Rang 11-26 sind hervorragende Gebrauchshunde. Einfache Befehle können ihnen nach 5-15 Wiederholungen beigebracht werden. Auch sie können erlernte Befehle recht gut behalten, wobei mit etwas Übung nachgeholfen werden kann. Sie gehorchen den Befehlen zu 85% beim ersten Mal oder besser. Bei schwierigeren Befehlen dauert es vielleicht eine Sekunde oder so länger bis der Hund reagiert, diese Verzögerungen können jedoch mit Übung eliminiert werden.
Neben Intelligenz und Gehorsam spielt aber auch das Wesen des Hundes eine wichtige Rolle. Dabei zählt der Wunsch des Hundes, es seinem Besitzer/Führer recht zu machen, mehr als seine Intelligenz. Terrier z.B. sind obwohl äusserst intelligent nicht besonders geeignet für Obedience, denn sie wurden auf Selbständigkeit gezüchtet. Hirtenhunde dagegen wie Border Collies oder Shelties eignen sich gut, denn sie wollen für den Menschen arbeiten und ihre Fähigkeiten verkümmern, wenn man ihnen keine Aufgaben stellt. Ein intelligenter und temperamentvoller Hund langweilt sich eher und lässt sich schneller ablenken, wenn immer wieder die gleiche Übung von ihm verlangt wird, während ein Hund von ruhigem Wesen seine adaptive Intelligenz voll entfalten und sich ganz auf die von ihm verlangte Aufgabe konzentrieren kann. Bei einem ängstlichen Hund hingegen wird das Lernvermögen blockiert und ein solcher Hund wird seine Fähigkeiten nie voll entwickeln können.
ANo
April 2010