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Über die vergangenen 500 Jahre hat sich im Mittel jedes Jahrhundert ein Erdbeben ereignet, das im Wallis grosse Gebäudeschäden verursacht hat. Je weiter man in der Zeit zurückgeht, umso unvollständiger ist die Information. Es ist aber davon auszugehen, dass im Wallis auch in der Zeit vor 1500 Erdbeben stattgefunden haben, die das Potential gehabt haben, schwere Gebäudeschäden zu verursachen. Das letzte Schadensbeben im Wallis war dasjenige vom 23. März 1960 bei Brig, welches eine Intensität von VII erreichte. Seitdem war es vergleichsweise ruhig, hat doch kein Beben die Intensität von V überschritten.
Visp 1855
Für das Erdbeben von Visp vom 25. Juli 1855, mit einer geschätzten Magnitude von 6.2, ist es gelungen, das Ausmass der Schäden genau zu rekonstruieren. Dies gilt sowohl für die geographische Ausdehnung des Schadensgebietes, als auch für den Umfang der Schäden innerhalb der direkt betroffenen Ortschaften. Im Vispertal erreichte das Beben eine maximale Intensität von VIII und verwüstete grosse Teile der Ortschaften Visp, Stalden, Törbel, Grächen und St. Niklaus. Es forderte dutzende Verletzte und ein Todesopfer. Hunderte von Felsblöcken lösten sich, ganze Hänge rutschten, sackten zu Tal, verschütteten Strassen und liessen bestehende Quellen versiegen sowie neue entstehen. Noch in Genf, Basel, Zürich und Schaffhausen hatte das Beben Auswirkungen der Intensität VI, waren also leichte Gebäudeschäden zu verzeichnen und in Paris, Lyon, Genua, Ingolstadt und Mainz wurde das Beben verspürt. Eine Reihe von hunderten verspürten Nachbeben erstreckte sich über die folgenden Jahre, wovon bis Ende 1855 acht Beben mit Intensitäten zwischen VI und VIII weitere Gebäudeschäden anrichteten.
Sierre 1946
Das Erdbeben von Sierre am 25. Januar 1946 ist das stärkste Beben, welches sich im 20. Jahrhundert in der Schweiz ereignet hat. Aus ein paar im Ausland aufgezeichneten Seismogrammen konnte eine Momentenmagnitude von 5.8 berechnet werden, was einer Richter-Magnitude von ungefähr 6.1 entspricht. Das Beben forderte drei Todesopfer und verursachte schwere Schäden an rund 3‘500 Gebäuden in Sierre, Sion und Umgebung. Allein bis Ende 1946 folgten über 500 verspürte Nachbeben, wovon 4 die Intensitäten VI und VII erreichten. Besonders zu erwähnen ist das Nachbeben vom 30. Mai 1946, welches einen gewaltigen Bergsturz am Rawilhorn auslöste, dessen Spuren noch heute im Gelände sichtbar sind. Schon früher sind im weiteren Epizentralgebiet des Bebens von 1946 wiederholt Erdbeben dokumentiert worden und es ist möglich, dass auch die Konzentration von Erdbebenepizentren nördlich von Sion und Sierre, die noch heute in den Karten der instrumentell aufgezeichneten Ereignissen sichtbar ist, mit den Beben von 1946 in Zusammenhang steht.
Erdbeben von Sierre heute
Die Schadensumme des Bebens von 1946 beläuft sich nach heutigem Wert auf ungefähr 26 Millionen CHF. Aufgrund der dichteren Bebauung wären die Folgen eines gleich starken Bebens heute viel grösser. Im Gegensatz zu 1946 ist der Talboden des Rhonetals mittlerweile dicht besiedelt und Standort grosser Industrieanlagen. Hinzu kommt ein ungünstiger Untergrund: In den weichen Sedimenten des Talbodens werden die Amplitude der Erdbebenwellen bis zu zehn Mal gegenüber einem harten Untergrund verstärkt. Das heisst, die Erschütterungen fallen hier viel stärker aus als an felsigen Standorten, was zu grösseren Gebäudeschäden bis hin zu Hauseinstürzen führen würde. Weil auch viele neue Gebäude einem starken Erdbeben unter diesen Bedingungen wahrscheinlich nicht standhalten würden, wären viel mehr Opfer als 1946 zu erwarten.