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Wieviel Glück muss man haben um glücklich zu sein? Diese Frage lässt sich nicht beantworten. Sie bleibt ein Geheimnis.
Ich bin schon Menschen begegnet, die auf mich sehr glücklich wirkten, obwohl sie sehr viel Unglück erfahren hatten. Bei Krankenbesuchen im Spital habe ich das erlebt. Manchmal waren die Chancen auf Besserung nach einem Unfall nicht sehr gut. Oder jemand musste sich nach erfolgter Diagnose mit einer Krankheit auseinandersetzten, die nicht heilbar war. Aber solche Schicksale machten die Betroffenen nicht von vornherein unglücklich.
Ich denke auch an eine ehemalige Nachbarin. Allein schon ihre Kindheit hätte ihr genügend Grund gegeben, mit ihrem Leben zu hadern. Ihre Eltern schlugen sie und übten auf gewaltsame Weise religiösen Druck aus, doch ich spürte bei ihr keinerlei Verbitterung. Sie war stets freundlich, aufmerksam und verfolgte das Leben um sich herum mit wachem Interesse. Nachdem ihr Mann gestorben war und sich bei ihr eine beginnende Demenz abzeichnete, scheute sie sich nicht, in ein Altersheim im Nachbarort zu ziehen. Wenn ich sie dort besuchte, sagte sie immer: «Ich bin zufrieden mit dem, was möglich ist.» Sie freute sich zum Beispiel daran, auf dem Balkon zu sitzen und so am Leben teilzuhaben, das sich vor ihrem Haus abspielte.
Die Zufriedenheit dieser Frau hatte eine Außenwirkung. Die Leute vom Pflegedienst lächelten, wenn sie in ihr Zimmer traten. Auch ich freute mich sie zu besuchen, denn nach meinem Besuch war ich selbst eine Weile froh und zufrieden.