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Agri
decumátes
(Zehntland),
Landschaft im röm. Germanien,
[* 2] welche sich von der obern
Donau bis nach dem Mittelrhein
hin erstreckte und ein
Dreieck
[* 3] bildete, dessen eine Seite die obere
Donau, die andre der
Ober- und Mittelrhein bis zur
Lahn bildete,
während die dritte durch eine befestigte
Linie bezeichnet war, die sich von der
Donau oberhalb
Regensburg
[* 4] bis an die
Lahn unweit
ihrer Mündung in den
Rhein zog. In ältester Zeit waren diese Gegenden von
Kelten, besonders
Helvetiern, bewohnt und wurden
nach deren
Auswanderung im 1. Jahrh.
v. Chr. von
Sueven eingenommen; doch waren sie nur spärlich bevölkert.
Um eine schnellere und sicherere
Verbindung zwischen
Rätien und den eroberten rheinischen
Provinzen herzustellen, besetzte
Drusus jene
Landschaft, versah sie mit
Straßen und
Kanälen und legte den
Grund zu der erwähnten befestigten
Linie.
Tiberius, Domitius Ahenobarbus und M. Vincius führten das von Drusus begonnene Werk fort, und die bildeten seitdem ein Vorland des römischen Reichs, eine Art von Militärgrenzland gegen die noch unbezwungenen Germanen. Seit der Regierung des Kaisers Claudius gerieten zwar die dortigen Ansiedelungen in Verfall; aber Trajan stellte sie wieder her, und Hadrian erneuerte auch den schadhaft gewordenen Grenzwall, der deshalb Vallum Hadriani genannt wurde. Derselbe war 600 km lang, teilweise doppelt und dreifach und bestand aus Kastellen und Wachttürmen, welche durch Dammbauten und Fahrstraßen in Verbindung gesetzt waren.
Außer römischen Veteranenkolonien wurden gallische Ansiedler nach den verpflanzt, welche einen Pachtzehnten zu zahlen hatten, nach dem das Land seinen Namen erhielt. Zahlreiche Straßen, Wohngebäude, Villen, Badeanlagen mit Statuen und Mosaikfußböden zeugen von der frühern Kultur. Dies währte bis 234 n. Chr., als die Alemannen ihre Angriffe auf dies römische Grenzland begannen. Schon zur Zeit des Kaisers Valerian (253) hatten sie sich desselben großenteils bemächtigt, und nach Aurelians Tod (275) fiel es ihnen ganz zu. Dem Kaiser Probus gelang es zwar, sie wieder über die Rauhe Alb und den Neckar zurückzutreiben; aber gleich nach seinem Tod (282) drangen sie aufs neue in das Land ein, um es nicht wieder zu verlassen.
Fortan bildete die Landschaft einen Teil Alemanniens, und der römische Limes transrhenanus, jener Grenzwall, der noch von Probus wiederhergestellt worden war, sank mit den meisten römischen Kastellen und Städten in Trümmer (s. Pfahlgraben).
Vgl. E. Hübner, Der römische Grenzwall in Deutschland [* 5] (mit Karte von Kiepert, in den »Jahrbüchern des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinland«, Heft 63, Bonn [* 6] 1878);
v. Cohausen, Der römische Grenzwall in Deutschland (Wiesb. 1884).