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Das Gedankenexperiment mit der Teekanne stammt vom britischen Logiker und Philosophen Bertrand Russell. Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar glaubt, irgendwo zwischen Mars und Erde kreise eine Teekanne um die Sonne. Zwar hat noch niemand diese Teekanne gesehen, widerlegen kann man den Glauben des Nachbarn jedoch auch nicht.
Der Nachbar meint: Was nicht widerlegt ist, daran darf geglaubt werden. Doch stimmt das?
Wer trägt die Beweislast?
Russell wollte mit dem Gedankenexperiment darauf aufmerksam machen, dass es nicht die Aufgabe der Wissenschaft ist, die Existenz Gottes zu widerlegen, sondern dass vielmehr die Religionen zeigen müssen, dass Gott existiert.
Solange das nicht belegt sei, habe man gute Gründe davon auszugehen, dass Gott nicht existiert, meint Russell. Wenn die Existenz einer Sache umstritten ist, sei es immer an den Befürwortern, die Existenz nachzuweisen. Wie aber lässt sich diese Regel begründen?
Sparen, sparen, sparen
Russell kann sich auf das Sparsamkeitsprinzip berufen, das besagt, man solle keine existierenden Dinge annehmen, die man nicht braucht. Wenn man Blitz und Donner mithilfe physikalischer Gesetzmässigkeiten erklären kann, dann sollte man Götter wie Zeus aus dem Spiel lassen.
Da es keine Phänomene gibt, die allein durch die Annahme einer fliegenden Teekanne erklärt werden können, sollte man auf die Existenzannahme dieser Teekanne verzichten.
Kleine rosa Elefanten
Russell kann auch mit einer «reductio ad absurdum» argumentieren, also indem er aufweist, dass die Position des Gegners absurde Konsequenzen hat. Wenn dieser nämlich meint, man dürfe alles glauben, was nicht widerlegt sei, dann öffnet er damit Tür und Tor für Freaks und Fanatiker.
Es gibt unzählige bizarre Hypothesen, die nicht widerlegbar sind. Das fliegende Spaghetti-Monster und die kleinen rosa Elefanten lassen grüssen. Obwohl sich solche skurrilen Annahmen nicht widerlegen lassen, halten wir Leute für irrational oder gar verrückt, die ernsthaft an solche Dinge glauben.
Theist, Atheist oder Skeptiker?
In der Diskussion um die Existenz Gottes gibt es drei Lager: Gläubige, Atheisten und Skeptiker, auch Agnostiker genannt. Die ersten behaupten, Gott existiere, die zweiten, er existiere nicht, und die dritten enthalten sich des Urteils. Viele Ungläubige würden sich eher den zurückhaltenden Agnostikern zurechnen als den beinharten Atheisten.
Russells Gedankenspiel mit der Teekanne möchte aus den Agnostikern Atheisten machen. Wenn es um die Existenz von fliegenden Teekannen und unsichtbaren Einhörnern geht, sind die meisten Menschen nämlich keine Agnostiker, sondern dezidierte «Atheeisten» und Einhorngegner.
Solange für die Existenz Gottes aber nicht mehr spricht als für das Vorhandensein unsichtbarer Einhörner, sollten sich die vermeintlichen Agnostiker nichts vormachen und sich als Atheisten bekennen. Andernfalls sind sie inkonsequent.
Die Frage ist letztlich: Gibt es gute Gründe, die für die Existenz Gottes sprechen?
Stellen Sie sich vor...
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