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Was ist eine manisch-depressive Störung?
Eine manisch-depressive Störung wird häufig auch als bipolare Störung bezeichnet. Die Begriffe haben dieselbe Bedeutung und können gleichwertig gebraucht werden. Sie besteht aus mehreren Episoden mit gegensätzlichen, extremen und völlig übersteigerten Stimmungslagen. Auffällig dabei ist ein deutlich beeinträchtigendes Aktivitätsniveau.
Grundsätzlich wird hier zwischen zwei Typen unterschieden:
- Bipolare Störung Typ I: Bei dieser Form der bipolaren Störung kommt es zu ausgeprägten Episoden von Manie und Depression
- Bipolare Störung Typ II: Diese Form ist ebenfalls dadurch gekennzeichnet, dass es sowohl zu depressiven als auch zu manischen Phasen kommt. Wichtig ist jedoch, dass die Manie hier weniger intensiv ausfällt, man spricht dann von einer sogenannten Hypomanie.
Um Ihnen den Aufbau einer manisch-depressiven Störung etwas anschaulicher zu erklären, vergleichen wir den Verlauf mit einer Achterbahnfahrt:
Diese besteht aus extremen Gegensätzen. Auf der einen Seite gibt es eine steile Bergfahrt, die einen in den Himmel emporhebt. Man fühlt sich euphorisch, voller Energie und hat das Gefühl, die Welt erobern zu können.
Aber dann, plötzlich und ohne Vorwarnung, geht es steil bergab. Man fällt in eine tiefe, dunkle Schlucht. Die Stimmung ändert sich drastisch, man fühlt sich niedergeschlagen, verzweifelt und hat das Gefühl, im Dunkeln gefangen zu sein, ist kraftlos, ohne Energie oder Freude.
Symptome und Merkmale einer bipolaren Störung
Grundsätzlich können sie sich die Symptome einer bipolaren Störung bei jeder bzw. jedem unterscheiden.
Ein typisches Merkmal ist der stete Wechsel zwischen Phasen der Manie und der Depression, wobei die Entwicklung sowie die Dauer der einzelnen Phasen von Person zu Person, aber auch von Phase zu Phase stark variieren kann.
Einige Betroffene haben mehrere depressive Phasen hintereinander, bevor die nächste Manie eintritt, oder umgekehrt.
Auch Mischzustände, in denen gleichzeitig Merkmale einer Depression und einer Manie auftreten, sind möglich. Das äussert sich zum Beispiel durch einen gesteigerten Antrieb trotz depressiver Stimmung.
Schwere depressive oder manische Episoden können auch psychotischen Symptome beinhalten, wie beispielsweise Wahnvorstellungen, sich verfolgt fühlen oder Halluzinationen.
Nun geben wir Ihnen einen Überblick über die konkreten Anzeichen der einzelnen Phasen.
Anzeichen der Manie
- Gehobene oder gereizte Stimmung
- Vermindertes Schlafbedürfnis
- Ruhelosigkeit, hoch motiviert
- Riskantes, ungehemmtes Verhalten
- Rededrang und rasende Gedanken
- Zerstreutheit, leicht ablenkbar
- Selbstüberschätzung, Grössenwahn
- Gesteigerte Libido
- Unkontrollierter Alkoholkonsum
- Unkontrollierte Geldausgaben
Anzeichen einer Hypomanie
Bei einer Hypomanie handelt es sich um eine abgeschwächte Form der Manie. Hypomanische Menschen stecken voller Energie und Kreativität, wirken aber nervös, zerstreut und überreizt. Folgende Anzeichen deuten auf eine Hypomanie hin:
- Leicht gehobene Stimmungslage, vermehrte Gesprächigkeit
- Distanzlosigkeit, verstärkte Geselligkeit.
- Gesteigerte Aktivität, Ruhelosigkeit,
- Konzentrationsschwierigkeiten, leichte Ablenkbarkeit
- Vermindertes Schlafbedürfnis
- Erhöhtes sexuelles Verlangen
Anzeichen der Depression
Grundsätzlich gleichen die Anzeichen einer depressiven Episode im Rahmen der bipolaren Störung den Symptomen einer klassischen Depression:
- Bedrückte Stimmung, Schwermütigkeit, Niedergeschlagenheit, Traurigkeit.
- Antriebslosigkeit
- Gleichgültigkeit und Verlust von Interesse an Tätigkeiten, die eigentlich Freude bereiten
- Plötzliches Weinen
- Gefühl der Wertlosigkeit und Schuldgefühle
- Gestörter oder schlechterer Schlaf und grundlos Müdigkeit
- Verminderter Appetit oder ein übermässiges Bedürfnis nach Essen
- Innerliche Unruhe
- Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
- Denk- und Konzentrationsschwierigkeiten
- Wiederkehrende Gedanken an Tod oder Selbstmord
Ursachen und Auslöser einer bipolaren Störung
Wichtig ist, zu betonen, dass eine bipolare Störung keine Erbkrankheit ist, genetische Prädispositionen können jedoch auftreten. So sind beispielsweise Angehörige von manisch-depressiv Erkrankten häufig anfälliger als Menschen, die bislang keine Berührungspunkte mit dem Thema hatten.
Auch Umweltfaktoren, wie beispielsweise ein belastendes Ereignis, ein Todesfall, Stress und Drogen können eine bipolare Störung begünstigen oder sogar auslösen.
Wer bereits im Kindes- oder Jugendalter mit einer schweren Depression zu kämpfen hatte, entwickelt möglicherweise leichter eine manisch-depressive Störung.
Auch ein rascher Beginn oder die rasche Rückbildung einer Depression können dies begünstigen.
Diagnose und Begleiterkrankungen
Eine bipolare Störung zu diagnostizieren ist nicht einfach und dauert oft mehrere Jahre. Erkrankte fühlen sich in manischen Phasen gesund und sehen daher keine Notwendigkeit, sich Hilfe zu suchen.
Oft wird die manisch-depressive Störung mit einer unipolaren Depression oder einer Borderline-Persönlichkeitsstörung verwechselt, da sich die Merkmale von diesen Erkrankungen häufig ähneln. Kennzeichnend für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist jedoch eine durchgehend emotionale Instabilität und die fehlende Kontrolle über die eigenen Gefühle und Emotionen. Die Stimmung kann bei Borderline-erkrankten Menschen in kürzester Zeit kippen, während die manischen und depressiven Phasen bei bipolaren Menschen in der Regel länger andauern und dazwischen auch «normale» Zeiträume vorkommen.
Psychische Erkrankungen, die häufig in Verbindung mit einer bipolaren Störung auftreten:
Behandlung einer manisch-depressiven Störung
Bei der Behandlung einer bipolaren Störung wird zwischen zwei Therapieformen unterschieden:
- Akuttherapie: Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Symptome während einer depressiven und (hypo-)manischen Episode zu vermindern, dies wird meist im Krankenhaus oder in einer Tagesklinik durchgeführt.
- Phasenprophylaxe: Hierbei handelt es sich um eine vorbeugende Behandlung von (hypo-)manischen und depressiven Episoden. Das Auftreten von neuen Episoden sowie Einschränkungen der psychischen Funktion und Lebensqualität sollen vermieden werden.
Grundsätzlichen können Medikamente, Psychotherapien und auch andere Behandlungsmöglichkeiten zum Einsatz kommen. Diese stellen wir Ihnen nun vor.
Medikamentöse Behandlung
Bevor mit einer medikamentösen Behandlung begonnen wird, sollten vorab unbedingt Ihre Laborwerte überprüft werden, um während der Einnahme eine Verlaufsbeobachtung durchführen zu können. Sprechen Sie hierzu am besten mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin.
Einerseits kommen häufig Stimmungsstabilisatoren zum Einsatz, diese werden auch Phasenprophylaktika genannt. Zum anderen werden auch Antidepressive verschrieben. Diese sollen bei einer Bipolaren Störung jedoch nur in Zusammenhang mit Stimmungsstabilisatoren eingesetzt werden und nicht in einer gemischten Episode zur Anwendung kommen. Für weiterführende Informationen über Antidepressive empfehlen wir Ihnen unseren Artikel Antidepressiva – Wirkung und Dauer.
Über Wirkungen und möglichen Nebenwirkungen bzw. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten Sie sich unbedingt von einem Arzt oder einer Ärztin beraten lassen.
Psychotherapie
Ergänzend zur medikamentösen Behandlung kommt auch oft eine Psychotherapie zum Einsatz. Hier geht es in erster Linie um den Austausch über Gedanken, Gefühle, Beschwerden und Probleme im Alltag. Soziale Kompetenzen und der Umgang mit Symptomen sollen langfristig verbessert werden und somit die Lebensqualität anheben.
Auch die sogenannte Psychoedukation wird häufig angewandt. Dabei soll das Verständnis für die Störung gefördert und ein Bezug zum Alltag hergestellt werden, um zukünftigen Episoden optimal entgegenzusteuern.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Zusätzlich können auch folgende Behandlungsverfahren integriert werden:
- Ergotherapie
- Sport- / Bewegungstherapie
- Entspannungsmethoden wie beispielsweise progressive Muskelrelaxation (PMR)
- Lichttherapie
- Musiktherapie
- Wachtherapie: Hier bleibt der Patient oder die Patientin zwei bis drei Perioden in einer Woche für jeweils 36 bis 40 Stunden durchgehend wach.
- Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Bei der EKT (früher auch Elektrokrampftherapie genannt) wird ein generalisierter Krampfanfall künstlich durch elektrische Erregung des Gehirns erzeugt. Dies geschieht unter kontrollierten Bedingungen in Kurznarkose.
Für weitere Informationen zur Behandlung einer Depression empfehlen wir Ihnen unseren Artikel «Depression: Behandlung».
Tipps für Betroffene und Angehörige: Der richtige Umgang mit einer bipolaren Störung
Die Konfrontation mit einer manisch-depressiven Störung stellt sowohl für Betroffene als auch für Angehörige eine Herausforderung dar. Folgende Tipps können helfen, den Umgang mit dem Thema zu erleichtern:
- Bipolare Störung als Erkrankung anerkennen und Ihre Präsenz akzeptieren
- Informieren Sie sich über die Erkrankung bzw. helfen Sie Betroffenen, sich zu informieren
- Holen Sie sich professionelle Unterstützung bzw. motivieren Sie den Betroffenen, einen Arzt aufzusuchen und die Behandlung konsequent wahrzunehmen.
- Überfordern Sie den Erkrankten in der depressiven Episode nicht
- Unterstützen Sie Betroffene bei wichtigen Entscheidungen
- Nehmen Sie Äusserungen Ihres Angehörigen, nicht mehr leben zu wollen, immer ernst und informieren Sie umgehend den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin darüber.