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Dank den aktuell vier Punkten befindet sich England aber auf gutem Weg in die K.o.-Runde. Die Teilnahme an den Achtelfinals wäre selbst bei einer unerwarteten Niederlage gegen die Slowakei wahrscheinlich. Aber die “Three Lions” wollen sich natürlich am Montagabend in Saint-Etienne ab 21.00 Uhr eine möglichst gute Ausgangslage für den weiteren Turnierverlauf sichern. Sollte Wales gegen Russland gewinnen, würde ihr britischer Nachbar auf sechs Punkte kommen. Bereits ein Unentschieden wäre in diesem Fall für England zu wenig, um sich Platz 1 in der eigenen Poule und damit ein Duell gegen einen Dritten aus den Gruppen A, C oder D zu sichern.
Mit einem Sieg in ihrem abschliessenden Gruppenspiel stünden auch die Slowakei und Wales fix in den Achtelfinals. Einzig Russland, das erst mit einem Punkt zu Buch steht, ist in jedem Fall von den Ergebnissen auf den anderen Plätzen abhängig.
Roy Hodgson, in den Neunzigerjahren Trainer der Schweizer Nationalmannschaft und seit Mai 2012 Coach der Engländer, ist guter Dinge. Er hatte am letzten Donnerstag beim 2:1 gegen Wales zur Pause den Erfolg eingewechselt. Jamie Vardy schoss nach dem 0:1-Rückstand den Ausgleich (56.), und Daniel Sturridge erzielte in der 92. Minute den Siegtreffer. Er könne sich kaum erinnern, in seiner 40-jährigen Karriere einen besseren Doppelwechsel vorgenommen zu haben, sagte Hodgson hinterher.
Vardy und Sturridge waren gleich für zwei der bereits elf Joker-Tore verantwortlich, die an den ersten beiden Spieltagen der Vorrunde fielen. Und sie verheissen nichts Gutes für Harry Kane und Raheem Sterling, die sowohl beim 1:1 im Startspiel gegen Russland als auch gegen Wales begannen, denen aber nun der Platz auf der Ersatzbank droht.
Bei sieben Teilnahmen in der Gruppenphase einer EM kam für England schon viermal das vorzeitige Out, doch diesmal scheint ein vorzeitiges Scheitern wie zuletzt an der WM 2014 kein Thema. Gegen die Slowakei gilt es zudem eine makellose Bilanz zu verteidigen. Die erst drei bisherigen Begegnungen gingen alle an England. In der Qualifikation zur EM 2004 resultierten zwei 2:1-Siege, und das bislang letzte Duell, ein Testspiel 2009 in London, ging mit 4:0 zu Ende.
Die Slowakei hofft, Marek Hamsik könne noch einmal so brillieren wie zuletzt am Mittwoch beim 2:1 gegen Russland, dem ersten Erfolg seines Verbandes an einer EM. Der offensive Mittelfeldspieler von Napoli, des Zweiten der italienischen Serie A, hatte mit einem herrlichen Diagonalpass das erste Tor eingeleitet, das zweite schoss er mit einem sehenswerten Schlenzer selbst. Seinen Trainer begeisterte er derart, dass der sich zur Aussage verstieg, Napoli sei inzwischen wohl zu klein für Hamsik: “Ich denke, er ist bereit, für einen wirklich grossen Klub zu spielen.”
3:144 – so lautet das Verhältnis der Einwohner von Wales und Russland in Millionen. Auf dem Rasen scheint die Sache weniger klar. Die beiden letzten Vergleiche gingen in der Qualifikation zur WM 2010 an die Russen, welche diesmal wohl darauf achten müssen, möglichst keine Fouls in Tornähe zu begehen. Denn der walisische Starstürmer Gareth Bale war in den ersten beiden Partien je einmal mit Freistössen erfolgreich. “Wir sind noch immer mittendrin”, gibt der sich gewohnt kämpferisch, wenngleich das 1:2 gegen England so kurz vor dem Ende einem Stich ins Herz gleichkam.
Für den EM-Debütanten Wales bleibt aber die Bandbreite der Möglichkeiten – falls die Slowakei gegen England punktet – gross. Vom Gruppensieg bis zum vorzeitigen Out ist alles möglich. Doch auch für die Russen, und vor allem für ihren Coach Leonid Sluzki, steht einiges auf dem Spiel. Ein vorzeitiges Ausscheiden würde die sportliche und politische Führung zwei Jahre vor der WM im eigenen Land wohl kaum goutieren. Auch für die Partie in Toulouse gilt eine erhöhte Sicherheitsstufe. Russland spielt wegen seiner unberechenbaren Fanatiker weiterhin auf Bewährung.
(SDA)