Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03616.jsonl.gz/1730

|Druckversion|
Die Sporenstaubfarbe der Blätterpilze
Xanders 8. Pilzbrief
Lieber Jörg,
Weisst Du warum ich nach meinen einführenden Pilzbriefen zuerst auf die Röhrlinge und nicht auf die Blätterpilze zu sprechen kam? Ganz einfach deshalb, weil die Röhrlinge "leichter" zu erlernen sind als die andern. Und dies aus dem einfachen Grund, dass es bei uns "nur" knapp hundert Röhrlinge, aber etliche tausend Blätterpilze gibt. Dass man sich bei letzteren viel eher verirren kann, ist ja klar. Einfach ist es nämlich nicht, im Riesenhaufen Ordnung zu schaffen.
Ein wichtiges Unterscheidungskriterium für die Grobeinteilung dieser vielen Pilze ist die Sporenstaubfarbe der Blätterpilze.
Es kommt etwa vor, dass Pilze so dicht stehen, dass der Hut des einen teilweise den eines anderen überdeckt. Hast Du dabei schon beobachtet, dass in diesem Fall der unter Hut von einem feinen "Staub" bedeckt sein kann? Dieser Staub setzt sich aus den unzähligen Sporen zusammen, die von den Lamellen herunterfallen und einzeln so winzig klein sind, dass man sie von blossem Auge gar nicht sieht. Liegen sie aber zu Millionen auf einem Haufen, bilden sie den gut sichtbaren Sporenstaub. Möglicherweise ist dieser weiss; er kann aber auch braun, schwarz, violett, rosa oder grünlich sein oder noch eine andere Farbe aufweisen. Bevor Du einen Blätterpilz "bearbeitest", musst Du auf alle Fälle die Farbe seines Sporenstaubes feststellen. Grundsätzlich kannst Du dieses Problem auf zwei Arten zu lösen versuchen:
A: Du drehst den Pilz um und schaust Dir die Farbe der Lamellen an. Von ihr schliesst Du auf die Sporenfarbe. Eine furchtbar einfache, rasche Methode. Sie hat nur den Nachteil, dass Dein Ergebnis mit grosser Wahrscheinlichkeit falsch ist, weil die Sporen und die Lamellenfarbe keineswegs gleich zu sein brauchen.
B. Du musst Dich gedulden, etliche Stunden oder sogar eine ganze Nacht. Beim zu untersuchenden Pilz schneidest Du den Stiel ab und legst den Hut (Lamellenseite natürlich gegen unten) auf ein weisses Papier (siehe Abbildung). Willst Du diese zweite Methode noch perfektionieren, so gehst Du folgendermassen vor:
1. Giesse etwas Wasser in einen Joghurtbecher;
2. Lege ein Stück festes, weisses Papier auf den Becher(etwa 8 cm x 8 cm), das in der Mitte ein Loch aufweist.
3. Stecke den (ganzen) Pilz mit dem Stiel durch das Loch;
4. Stülpe einen zweiten Joghurtbecher über den Hut;
5. Warte.
Meistens erhältst Du so ein wunderschönes Sporenbild. Das Wasser im Joghurtbecher sorgt dafür, dass Dein Pilz nicht austrocknet, und der zweite Joghurtbecher hält auch den leisesten Luftzug ab, der Deine Sporen davon wirbeln könnte. Ich selbst habe Papierquadrate mit drei verschieden grossen Lochdurchmessern. Dein Sporenpräparat kannst Du übrigens aufbewahren, wenn Du das Papier mit einer Klarsichtfolie überziehst.
Vergiss aber nicht, auf der Rückseite, Datum und Pilznamen zu notieren. Viel Spass beim Anlegen der Sporenstaubsammlung wünscht Dir
Dein Xander