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Beim Schielen erfassen die Sehachsen beider Augen nicht koordiniert den gleichen Punkt. Sie stehen vielmehr in einem Winkel zueinander, dem Schielwinkel, und je grösser dieser ist, desto deutlicher fällt das Schielen auf.
Die Augenbewegungen sind gewöhnlich so abgestimmt, dass sich die Sehachsen auf den Punkt unserer willentlichen Beobachtung, den Fixpunkt, einstellen. Beim Blick in die Ferne liegen die beiden Sehachsen parallel nebeneinander. Beim Fixieren eines näher gelegenen Gegenstands neigen sie sich einander zu, sie konvergieren, und zwar umso mehr, je näher sich das Objekt befindet. Bemüht man sich, auf die eigene Nasenspitze zu blicken, empfindet man die Konvergenz deutlich. Vom Fixpunkt entstehen auf der Netzhaut beider Augen Bildchen, die geringfügig voneinander abweichen. Im Gehirn verschmelzen sie dann zu einem einzigen Eindruck (Fusion), der als dreidimensional empfunden wird.
Neugeborene müssen das Sehen erst lernen, anfänglich fixieren sie noch nicht und erkennen die Umwelt wahrscheinlich nur unscharf. Das Sehen-Lernen ist im 6. bis 8. Lebensjahr abgeschlossen.
Allgemein das Schielen. Strabologie: die Lehre vom Schielen, ein Spezialgebiet der Augenheilkunde.
Hier können beide Augen gleichwertig funktionieren, indem sie abwechselnd die führende (fixierende) Rolle übernehmen.
Es bleibt immer nur das gleiche Auge führend, die Sehkraft des anderen Auges verkümmert früher oder später.
Die Augen bewegen sich koordiniert mit stets gleichem Schielwinkel; es besteht das Risiko einer sekundären Sehschwäche (einseitiges Schielen).
Der Schielwinkel ist veränderlich und es können Doppelbilder auftreten. Die Untersuchung des Schielwinkels erlaubt es, Lähmungs- von Begleitschielen zu unterscheiden.
Es ist nicht immer vorhanden, tritt nur fallweise auf. Eine leichte Form dieses Strabismus kommt sehr häufig vor, bei etwa drei Viertel der Menschen, wirkt sich aber nicht auf das Sehen aus und wird nur selten bemerkt.
Beim Einwärtsschielen kreuzen sich die Sehachsen, beim Auswärtsschielen divergieren sie und beim vertikalen- oder Höhenschielen haben sie eine unterschiedliche Höhenausrichtung (Elevation).
Hirnrinde, Hirnstamm und Hirnnerven sind an den koordinierten Blickbewegungen beteiligt; sechs Augenmuskelpaare sind die „ausführenden Organe“. Ist eine dieser Komponenten nicht voll funktionsfähig, sind die Bewegungen des Augenpaars unkoordiniert. Weshalb auf einer der Stufen eine Beeinträchtigung entsteht, bleibt oft unklar.
Eine erbliche Veranlagung lässt sich oft nachweisen. So finden sich bei über der Hälfte der Betroffenen in der Blutsverwandtschaft Schielen oder andere Sehbehinderungen. Gelegentlich tritt Begleitschielen nur unter bestimmten Belastungen oder während Allgemeinerkrankungen wie Infektionen auf.
Unmittelbare Auslöser können sein: Weitsichtigkeit, schlechteres Sehvermögen eines Auges, unausgereifte Fusionsfähigkeit im Gehirn, das die leicht unterschiedlichen Seheindrücke der beiden Augen nicht genügend verschmelzen kann und deshalb eines aus dem Bewusstwerden verdrängt.
Mögliche Ursache sind organische Hirnschädigungen: Hirnentzündung, Hirnblutung oder Blutzirkulationsstörung, Schädel-Hirn-Trauma (Hirnerschütterung, Geburtsverletzung) oder Hirntumore. Ein Neuauftreten dieser Schielform ist in jedem Alter möglich.
Das Gleichgewicht von Augenmuskeln ist gestört, was aber in der Regel durch das Sehen mit beiden Augen kompensiert werden kann. Unter bestimmten Umständen gelingt jedoch das Fokussieren der Augenachsen auf einen Punkt nicht mehr und es stellt sich vorübergehendes Schielen ein, z.B. bei Übermüdung, Allgemeinerkrankungen, Vergiftungen, Alkohol, langes Arbeiten am Bildschirm oder Aufregung
Der Beginn des Begleitschielens fällt gewöhnlich in die ersten Lebensmonate; gegen 3% aller Kleinkinder schielen einwärts.
Die Gefahr des frühkindlichen Schielens liegt darin, dass stets nur mit dem gleichen Auge fixiert wird, das andere dadurch in seiner Entwicklung zurück bleibt und eine bleibende Sehschwäche (Amblyopie) erleidet. Das Sehen mit nur einem Auge verhindert zwar das Entstehen von Doppelbildern, verunmöglicht aber die dreidimensionale Wahrnehmung (Raumtiefe), zudem ist das Gesichtsfeld eingeschränkt.
Doppelbilder können also fehlen, entweder weil ein dominantes Auge allein die optische Wahrnehmung vermittelt und Eindrücke des schwächeren Auges verdrängt werden, oder weil abwechselnd das eine oder andere Auge die Führung übernimmt. Wenn grössere Kinder gleichwohl Doppelbilder bewusst erleben, versuchen sie diese durch Abdecken oder Zukneifen eines Auges zu eliminieren.
Auf schlecht erkennbares Schielen, das aber trotzdem ein Risiko für spätere Sehschwäche birgt, können hinweisen:
Bei dieser Form lösen plötzlich auftretende Doppelbilder bisweilen Schwindel und Übelkeit aus. Zu deren Vermeidung wird oft ein Auge abgedeckt oder der Kopf zur Seite geneigt. Abhängig von der Ursache kann sich das Lähmungsschielen spontan wieder zurück bilden.
Es wird oft nicht richtig interpretiert und kann für die Umgebung etwas Irritierendes oder auch Charmantes haben – man spricht gelegentlich von „Silberblick“. Betroffene schielen allerdings nur zwischenzeitlich. Fallweise auftretende Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen oder Doppelbilder sind Hinweise. Wenn solche auftreten, werden sie klar realisiert.
Zum Erhalten des Sehvermögens beider Augen ist das frühzeitige Erkennen des Schielens entscheidend, was bei kleinen Kindern in den Verantwortungsbereich der Eltern fällt.
Doppelbilder: Brillenträger können spezielle Folien aufkleben, um solche unangenehmen Erscheinungen zu eliminieren.
Betreffend Vorbeugen lassen sich keine Empfehlungen abgeben.
Beim ersten Verdacht, dass ein Kleinkind schielt – auch wenn das Schielen nur zeitweilig zu erkennen ist (latentes Schielen) – sollte ein Arzt beigezogen werden
Frühzeitiges Training verhindert die Mangelentwicklung und Sehschwäche eines Auges, besonders beim Begleitschielen, und ist die beste Voraussetzung für spätere Korrekturoperationen. Bereits im Säuglingsalter wird der Arzt das wechselseitige Abdecken anordnen, damit beide Augen das Sehen erlernen. Frühestens im 2. Lebensjahr werden Brillen verordnet, eventuell mit Prismengläsern oder Abdeckfolien gegen Doppelbilder. Von grosser Bedeutung ist das geduldige Mitwirken der Eltern, wenn das Kind einer jahrelang dauernden Schielbehandlung unterzogen wird.
Allenfalls notwendige Schieloperationen sind schon im Kindesalter anzustreben. Günstig ist das Vorschulalter, die Kinder sind dann bereits in der Lage, aktiv bei der anschliessenden Sehschulung (Orthoptik) mitzumachen.