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39° fühlen sich nach 41° schon fast gesund an. Joven ist sich zwar nicht sicher, ob da Meeresrauschen das er hört, tatsächlich vom Meer kommt, oder ob es in seinem Kopf entsteht. Seine Eltern servieren ihm heute Götterspeise. Vielleicht wollen sie ihn ja schon an die Nahrung für das Jenseits vorbereiten.
Ich gebe ungern persönliche Dinge preis und veröffentliche meine Romane unter einem Pseudonym. Die Geschichten, die ich schreibe, entspringen meiner Phantasie. Genauso gut könnten sie der Phantasie eines anderen entsprungen sein – meine Person spielt keine Rolle. Weil ich hier jedoch etwas erzähle, was ich tatsächlich erlebt habe, komme ich an dieser Stelle nicht umhin zu bestätigen, was so mancher bestimmt schon erahnt hat: Der Alte ist mein Vater.
Nur so viel: Meine Eltern liessen sich scheiden, als der Alte auf dem Gipfel seiner Karriere stand und ich, mit knapp vierzehn Jahren, in die Pubertät kam. Den vielen guten und weniger guten Ereignissen, die mein Erwachsenwerden danach prägten, werde ich hier, wie eingangs erläutert, keinen Platz einräumen. Wichtig für das Verstehen der Zusammenhänge ist, dass, als ich achtzehn Jahre alt wurde, der Kontakt zu dem Alten abbrach und er, bevor er sich für immer auf die Insel zurückzog, schwer erkrankte. Nur wenige wussten über sein Leiden Bescheid, ich gehörte nicht dazu. Der Alte und ich, wir waren uns schon lange fremd geworden.
Text: Susan Brandy
Im April flog ich über den Kontinent und bestieg an einem Dienstag die erste Fähre mit Kurs auf die Insel. Kurz bevor wir die Hafenmauern passierten, ging ich auf das hintere Deck. Da sah ich die Möwe zum ersten Mal. Sie hockte auf der Reling und starrte mich an. Ich bildete mir ein, dass sie mir etwas zu sagen hatte, doch dann stand sie auf und ich sah, dass ihr ein Bein fehlte. Sie flog davon und ich verwarf meine Phantasie. Zusammen mit einer Gruppe Tagestouristen ging ich an Land. Der Sohn des Krabbenfischers stand etwas abseits neben dem kleinen Café und ich erkannte ihn, ohne zu wissen woran. Nach einer kurzen Begrüssung luden wir mein Gepäck auf einen Pferdekarren und fuhren, begleitet von den neugierigen Blicken der Einheimischen, in Richtung Westen der Insel.
Text: Susan Brandy
Hoffentlich klappt die Verständigung zwischen den Möwen besser als zwischen Frau Adler und Herrn Cãna.
Der Alte hinterliess mir das Haus, die Bilder und eine Summe Bargeld, die grösser war, als ich es erwartet hatte. Ich unterzeichnete die Papiere und retournierte sie dem Notar. Dem Sohn des Krabbenfischers versprach ich, im Frühling auf die Insel zu kommen. Ich wollte einen Sommer lang bleiben, um an meinem neuen Buch zu schreiben, und mich nebenbei um den Verkauf des Hauses kümmern.
Text: Susan Brandy
Sind die Möwen die ihn täglich über ihn hinwegfliegen, an ihm interessiert, oder ist er nur ein lästiger Störfaktor für sie. Auf alle Fälle ist seine Zwischenverpflegung für die Möwen erstrebenswerter, als die Gedanken die Joven so durch den Kopf gehen.