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- Al Jarreau, einer der bekanntesten Jazzsänger der letzten vier Jahrzehnte, ist im Alter von 76 Jahren verstorben.
- Er war ein begnadeter Sänger und Meister der Perkussion: Al Jarreau setzte seinen ganzen Körper ein, um Klangeffekte zu erzeugen.
- 24 Mal war Al Jarreau auch in Montreux zu Gast, und häufig in Europa auf Tournee.
Einer der populärsten Jazzsänger der letzten vier Jahrzehnte ist verstummt: Al Jarreau starb am Sonntag im Kreise seiner Familie in Los Angeles im Alter von 76 Jahren. Seine grössten Erfolge feierte er immer wieder in Europa: So in Hamburg, wo seine Karriere 1975 durchstartete, aber auch in Montreux, wo er insgesamt 24 Konzerte gab.
Congas auf der Zunge
Auf seiner Europa-Tournee 1976 verblüffte Al Jarreau sein Publikum und die Musikerkollegen nicht nur mit seinen Sangeskünsten, sondern vor allem mit einem Conga-Solo. Nur standen dabei gar keine Congas auf der Bühne.
Die perkussiven Kapriolen produzierte er ausschliesslich mit seiner Stimme und seinem Körper. Und er suchte sich dafür nicht irgendeinen brasilianischen oder afrokubanischen Standard aus, sondern den Jazzklassiker «Take Five» mit seinem markanten 5/4-Rhythmus.
Voller Körpereinsatz
Al Jarreau setzte für solche Effekte seinen ganzen Körper ein. Er liess die Lippen schnalzen, oder klopfte mit der Hand auf seinen Brustkorb, während er gleichzeitig sang. Und er entwickelte bei solchen Techniken eine Virtuosität, die bei Konzerten mit schöner Regelmässigkeit zu Standing Ovations führten.
Aber es blieb nicht nur bei perkussiven Effekten. Al Jarreau wurde auch gerne als der weltbeste Flötenimitator bezeichnet. Auch jede andere instrumentale Farbe lieferte ihm ein willkommenes Sprungbrett für seine eigenen Improvisationen.
Ein langer Anlauf
Als seine Karriere Fahrt aufnahm, war Al Jarreau allerdings schon 35 Jahre alt. Er hatte lange Jahre tagsüber als Rehabilitationshelfer in San Francisco gearbeitet, und abends Clubkonzerte mit seinem Trio um den Pianisten George Duke absolviert.
Erst 1975 nahm er seine erste Platte unter eigenem Namen auf, «We Got By» für das Label Warner. Diese und ein längeres Engagement in Hamburg brachten dann den Durchbruch, dem eine triumphale Europa-Tournee folgte. Die ist mit dem Live-Album «Look To The Rainbow» dokumentiert, auf der sich die famose Version von «Take Five» findet.
Zurück zu den Wurzeln
Der Rest ist (Jazz-)Geschichte. In den 1980er- und 1990er-Jahren machte Al Jarreau eine ganze Reihe von teilweise überproduzierten Alben, die künstlerisch nicht mehr an sein früheres Schaffen heranreichten, bevor er im Herbst seiner langen und überaus erfolgreichen Laufbahn wieder zu seinen Wurzeln zurückfand. Seine letzte Tournee absolvierte er im letzten Jahr mit der NDR Big Band aus Hamburg und einem Duke-Ellington-Programm.