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Dr. Pop, welches ist die teuerste Platte der Welt?
Was die Produktionskosten angeht, ist es bekanntlich „Chinese Democracy“. Was den Verkaufspreis betrifft, dominieren die Beatles das obere Preissegment.
Der Wert des wertvollsten Tonträgers der Welt kann lediglich geschätzt werden, denn das Unikat ist laut The Independent unverkäuflich: „In reality it is priceless. Its owner, Sir Paul McCartney, is never likely to sell it.“ Die Rede ist von der ersten gemeinsamen Aufnahme von McCartney, Lennon und Harrison. 1958 hatten die Fab Three unter dem Namen The Quarrymen die beiden Stücke „That’ll Be the Day“ und „In Spite of All the Danger“ eingespielt, die im Studio auf eine einzigartige 10-Inch-Single gepresst wurden.
Die teuerste Platte, die je unter den Hammer kam, nimmt in der Geschichte der Plattenauktionen eine Sonderstellung ein, weil sie mehr ist, als ein einzigartiges Stück Vinyl. Sie enthält gleichzeitig das zweitletzte Autogramm von John Lennon und die Fingerabdrücke von dessen Mörder. Wenige Stunden vor seinem Attentat hat Mark Chapman Lennon um eine Unterschrift auf seiner „Double Fantasy“-LP gebeten. Das Chapman-Album, aus dem der Attentäter offenbar selbst Kapital schlagen wollte, wurde 1999 für 150.000$ verkauft, obwohl mancherorts auch von 460.000$ die Rede ist. Auch dass die Platte 2003 für sagenhafte 525.000$ weiterverkauft wurde, ist scheinbar nur ein Gerücht. Angeblich würde sich der anonyme Besitzer für 600.000$ von dem Artefakt trennen.
Ein realistischerer Sammlertraum ist das legendäre „Butcher-Cover“ des Beatles-Albums „Yesterday And Today“. Für eine sogenannte „1st-State“ Mono-Pressung muss man rund 10.000$ in die Hand nehmen, für die ultrararen Stereo-Pressungen bis zu 40.000$. Das Cover von 1966, das die Beatles mit verstümmelten Puppen und rohem Fleisch zeigt, ging nie in den Verkauf. Die Erstpressungen wurden lediglich an Radiostationen verschickt, worauf Parlophone die LPs zurückrief und beschloss, die bereits gedruckten Hüllen mit einem harmloseren Cover zu überkleben. Eine Anleitung, wie man das aufgeklebte Cover ablöst, findet man hier. Dies sollte man jedoch nur nach reiflicher Überlegung tun, sind die ungeschälten Butcher-Covers doch inzwischen rarer als die „gepeelten“, die schon ab 1.000$ zu haben sind.
Zurückgezogen wurde 1963 auch die erste Pressung von Bob Dylan’s „Freewheelin“-LP, weil Dylan vier Songs des Albums für „too oldfashioned“ hielt. Wie beim „Butcher-Cover“ lautet die preisentscheidende Frage auch hier Mono oder Stereo? Ersteres gibt es bereits ab 10.000$, letzteres kostet bis zu 30.000$. Fast genauso viel kostet die teuerste 7-Inch-Single der Welt, die lediglich viermal gepresst wurde: „Do I Love You (Indeed I Do)“ von Frank Wilson ist der heilige Gral der Soulsammler. Für das einzige in „Mint Condition“ erhaltene Exemplar wurde bei einer Auktion in England 15.000£ geboten.
Eine absolut einzigartige Aufnahme zu besitzen, ist der ultimative Traum jedes Sammlers. Für Studio-Einzelpressungen wie die eingangs erwähnte Quarrymen-Platte, die aus Acetat statt aus Vinyl bestehen, werden immer wieder Unsummen geboten. 2006 sorgte ein Acetat-Deal auf ebay für Aufsehen. Dem Plattensammler Waren Hill gelang damit der Coup seines Lebens: Für 75 Cent kaufte er auf einem New Yorker Flohmarkt eine mysteriöse Platte mit der Aufschrift ‚Velvet Underground. 4-25-66‘, worauf sich herausstellte, dass es sich dabei um die verschollen geglaubten ersten Aufnahmen der Band handelt. Die erste Auktion platzte, weil der Meistbietende gestand, er könne die 155.401$ nicht bezahlen, beim zweiten mal ging die Scheibe für 25.200$ weg.
Das Velvet Underground-Acetat hat jedoch drei Haken: Erstens hat die Platte Sprünge, zweitens können Acetat-Pressungen im Gegensatz zu Vinyl nur ein paar Mal abgespielt werden und drittens kann man die Songs inzwischen gratis downloaden. Die Patina bleibt dabei allerdings auf der Strecke.
> Leserfragen an Dr. Pop, den Briefkastenonkel von 78s, bitte an dr.pop(ät)78s.ch
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