Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03520.jsonl.gz/1052

Innovationsbedarf in der Teilprothetik
Bedingt durch die erhöhte Lebenserwartung steigt der Anteil teilbezahnter Erwachsener, und damit verbunden nimmt auch die Zahl älterer Patienten mit eigenen Zähnen zu. Die Prävalenz teilbezahnter Patienten wird bereits auf über 20 % geschätzt. In den USA könnte die Zahl der Teilbezahnten in den nächsten 15 Jahren auf über 200 Millionen ansteigen. Dort hat ein Erwachsener im Alter von 20 Jahren durchschnittlich 24,9 verbleibende Zähne, und bei 43,7 % aller US-Amerikaner wurden bereits Zähne extrahiert. Individuen über 65 Jahre weisen im Durchschnitt 18,9 Zähne auf, und 43,1% haben sechs oder mehr fehlende Zähne. In Großbritannien zeigte eine 2009 durchgeführte Studie, dass nahezu einer von fünf Erwachsenen Teil- oder Vollprothesen trägt. Dies schließt auch die 6 % zahnlose und 13 % teilbezahnte Personen mit verschiedenen Formen zahngetragener Prothesen ein.
Biokompatible Metalle wie Kobalt-Chrom oder Titan sind die Materialien der Wahl zur Herstellung von Gerüsten für Teilprothesen. Mit Gerüsten aus Metall lassen sich im Gegensatz zu Polymeren feinere Strukturen fertigen, die ausreichend steif und fest sind, Wärme und Kälte für ein natürlicheres Gefühl besser leiten, eine gute Basis für Zähne sowie Kunststoff bilden und korrosionsbeständig sind. Titan wird vor allem bei größeren Arbeiten häufiger eingesetzt. Trotz der positiven Eigenschaften dieses Materials reagiert ein geringer Prozentsatz der Patienten allergisch darauf.
Der Vorteil von Polymeren ist eine bessere Ästhetik, was mit ihrer Transluzenz und Farbe zusammenhängt. Sie sind auch finanziell günstiger, elastischer, leichter herzustellen, zeigen eine geringe Wasseraufnahme und lassen sich in der Regel einfach reparieren. Die Nachteile von Gerüsten aus Polymeren bestehen in einer niedrigeren Wärmeleitung, Sprödigkeit, einer geringeren mechanischen Belastbarkeit als Metall, einem hohen Wärmeausdehnungskoeffizienten, einem geringeren Elastizitätsmodul, einem schnelleren Verschleiß als Metall und einer möglichen Zytotoxizität durch Restmonomere. Zusätzlich lassen sich Auflager und Retentionselemente weniger gut oder gar nicht einbauen. Gerüste aus modifiziertem Polyetheretherketon (BioHPP) mit herkömmlichen Prothesenzähnen versprechen hier ähnliche Gestaltungsmöglichkeiten wie bei Metall. Da klinische Studien fehlen, kann man dieses Material aber noch nicht uneingeschränkt als Alternative zu Metallen empfehlen.
Digitale Prozesse für das Design und die Herstellung von festem sowie herausnehmbarem Zahnersatz entwickeln sich rasant und kommen immer häufiger zum Einsatz. Es sind verschiedene Lösungen für einen digitalen Work ow zur Fertigung von herausnehmbarem Zahnersatz verfügbar. Einer größeren Verbreitung stehen die zurzeit noch relativ hohen Kosten und die Lernkurve des digitalen Workflows im Weg. Digitale Technologien wie Scanner, CAD-CAM, 3-D-Drucker und industrielle Fertigungstechniken werden die ästhetischen und funktionellen Merkmale von Teilprothesen verbessern, den Zeit- und Kostenaufwand reduzieren sowie die Effizienz steigern. Vor allem Polymere erscheinen dank ihrer positiven Eigenschaften und einfacher digitaler Fertigungsmöglichkeiten vielversprechend. Probleme im Zusammenhang mit Teilprothesen wie Patientenunzufriedenheit, eingeschränkte Funktionalität, fehlende Ästhetik und orale Gesundheit müssen bei neuen Entwicklungen einkalkuliert werden.
In der vorliegenden Literaturübersicht sollten der aktuelle Stand und notwendige Weiterentwicklungen bei der Fertigung von Teilprothesen zur Behandlung teilbezahnter Patienten untersucht werden. Neben der Auflistung verfügbarer Materialien war die Patientenzufriedenheit ein wichtiger zu berücksichtigender Faktor. Gestaltung, Materialien, Reparierbarkeit, Patienteninstruktion und sorgfältige Nachuntersuchungen haben einen Einfluss auf den Erfolg der Behandlung mit Teilprothesen. Etwa 40 % der Patienten tragen ihre Teilprothesen nach 5 Jahren u. a. aus sozioökonomischen bzw. ästhetischen Gründen oder wegen Schmerzen nicht mehr.
Schlussfolgerungen: In den nächsten Jahren werden die Zahl teilbezahnter Patienten und damit der Bedarf an wirtschaftlichen Versorgungsarten wie Teilprothesen weiter steigen. Komplikationen und Misserfolge bei der Versorgung mit Teilprothesen sollten analysiert werden, um Stärken und Schwächen unterschiedlicher Gestaltungsformen und Materialien zu erkennen. Eine genaue Untersuchung des Zustandes der Zähne und der Zahnstellung, die Präparation der Pfeilerzähne, die Gerüstgestaltung sowie Recall und Unterhalt sind nur einige Punkte, die für den klinischen Erfolg ausschlaggebend sind. Eine Versorgung mit einer Teilprothese sollte helfen, die Gesundheit, die Zufriedenheit und die Mitarbeit des Patienten zu verbessern. Zukünftige Studien und Weiterentwicklungen bei der Anwendung digitalerTechnologien und biokompatibler Materialien (Metalle und Polymere) können aktuelle Probleme im Zusammenhang mit Teilprothesen und der oralen Gesundheit lösen. Die Kombination aus optimierten Materialien, digitaler Gestaltung, forcierter Forschung und verständlicher Patientenaufklärung kann die Versorgung und Lebensqualität teilbezahnter Patienten verbessern.
Campbell SD, Cooper L, Craddock H et al. Removable partial dentures: The clinical need for innovation. J Prosthet Dent 2017;118:273-280.