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Die ersten Experimente im 300 Meter unter der Oberfläche liegenden Felslabor Mont Terri fanden im Jahr 1996 statt, seither wurden 128 Experimente abgeschlossen, derzeit laufen deren 46. 70 Prozent der Forschungsarbeiten würden sich mit der Lagerung von radioaktiven Abfällen befassen, teilte das Bundesamt für Landestopografie Swisstopo mit.
Im Zentrum der Untersuchungen steht der Opalinuston, ein festes Gestein, das in der Jurazeit vor rund 173 Millionen Jahren über ein grosses Gebiet nördlich der heutigen Alpenkette abgelagert wurde.
Die im Felslabor gewonnenen Erkenntnisse hätten gezeigt, dass Opalinuston die unangefochten erste Wahl für ein künftiges geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle in der Schweiz darstelle, sagte Bundesrätin Viola Amherd anlässlich der Jubiläumsfeier gemäss Redetext.
So ist Opalinuston praktisch undurchlässig für Wasser. Die elektrischen Eigenschaften der Tonmineralien sorgen dafür, dass Radionuklide zurückgehalten werden oder nur sehr langsam durchwandern. Zudem besitzt das Gestein die Fähigkeit, durch Aufquellen der Tonmineralien Risse quasi selbst wieder zu verschliessen.
Allerdings zeigten Experimente, dass der Opalinuston nicht über 90 Grad aufgeheizt werden darf. Denn zu viel Wärme kann die Struktur des Gesteins so verändern, dass der Rückhalt beeinträchtigt wird.
CO2-Speicherung wird geprüft
Seit einigen Jahren laufen ausserdem Experimente im Felslabor Mont Terri, um zu überprüfen, unter welchen Bedingungen sich das klimawirksame Gas CO2 sicher im Fels speichern liesse. Um die Klimaerwärmung zu bremsen, könnte dies ein wichtiges Puzzlestück sein. Die Idee: CO2 aus industriellen Prozessen oder direkt aus der Luft abzuscheiden und dauerhaft im Untergrund einzuschliessen.
Die Speicherung von CO2 in der Tiefe sei eine «wichtige Etappe hin zum Ziel der Netto-Null-Emissionen», sagte denn auch Bundesrätin Viola Amherd. Es sei aber nicht das Ziel, radioaktive Abfälle oder Kohlendioxid im Felslabor Mont Terri einzulagern, das aus 1200 Metern Stollen und Nischen besteht. Vielmehr geht es darum, mit den Experimenten die geologischen, chemischen und physikalischen Prozesse im Fels besser zu verstehen.
An den Experimenten im Felslabor sind 22 Partner aus Europa, Japan, Kanada und den USA beteiligt.
Möglichen Konflikt im Untergrund jetzt abklären
Region: Opalinuston kommt im Weinland vor. Die 110 Meter mächtige Schicht befindet sich in 600 bis 750 Meter Tiefe und ist einheitlich ausgebildet – Zürich Nordost ist denn auch eines von drei möglichen Gebieten für ein geologisches Tiefenlager für Atommüll. Im November 2022 will die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) sagen, wo sie das Lager bauen möchte.
Für Kantonsrat Markus Späth-Walter (SP, Feuerthalen) ist das «die letztlich entscheidende Weichenstellung». Mit einer dringlichen Interpellation von Mitte Dezember weist er noch einmal auf die Thematik Trinkwasserreserve hin und stellt explizit die Frage nach dem Nutzungskonflikt im Untergrund: abklären und dann entscheiden oder umgekehrt?
Denn unter den beiden möglichen Gebieten im Kanton befänden sich «die letzten grossen Reserven von unbelastetem Trinkwasser». Diese gehörten unbestritten dem Kanton, der deshalb verpflichtet sei, sie zu schützen. Jedoch fehle ein Überblick über Ausdehnung, Qualität und Fliessverhalten.
Markus Späth-Walter spricht sich wegen der Dringlichkeit der Standortfrage dafür aus, dies nachzuholen. Und er warnt: Der Bund könnte im Umfeld der Tiefenlager künftige Nutzungen im Untergrund sperren, ohne dass der Kanton ein Rechtsmittel dagegen hätte oder Entschädigung erhalten würde – so geschehen bei thermischen Nutzungen in geplanten Standortgebieten. Die dringliche Interpellation enthält fünf Fragen. (spa)