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Der Lowe HF 225 ist eine verbesserte Ausführung des HF 125, dessen Äußeres
und Bedienung weitgehend unverändert blieben. Der
folgende einführende Bericht basiert auf einem reinen Hörtest,
die Beurteilungen gründen sich auf Erfahrungen mit einer
Reihe von Empfängern. Der HF 225 arbeitet von 30 kHz bis
30 Mhz, in der Grundversion verarbeitet er AM, SSB und CW-Signale.
Betrieben wurde das Gerät an einer 30 m langen
Drahtantenne, angepaßt über ein Daiwa CL 680. Auf Lang-
und Mittelwelle l wurde eine niederohmige Breitband-Aktivantenne
benutzt. Ein direkter Vergleich erfolgte abwechselnd mit
einem modifizierten NRD 515 und einem ITT/Mackey Marine
3020 (DEBEG 7200). Alle Aussagen über den HF 225
beziehen sich auf den Empfang von Rundfunkstationen (AM
und ECSS) sowie von Amateurfunkstationen (SSB).
Die erste Begegnung mit dem HF 225 (ich kannte den HF 125
nur aus Berichten) erzeugte selbst provoziertes Staunen:
Ich hatte ihn spontan auf meinen 86 kg schweren
Telefunken E 104 KW 10 "gesetzt" David und
Goliath. Gemessen an dem Mißverhältnis der Größe ist
der Unterschied in der Empfangsleistung gering. Nicht
weil der Telefunken (Baujahr 1966) so schlecht wäre - er
ist noch heute erstklassig -, sondern weil der Lowe HF
225 5° gut ist.
Das Gehäuse des HF 225 ruft bei Hochfrequenzprofis
sicherlich keine Begeisterung hervor. Es ist meiner
Meinung nach jedoch ausreichend stabil für den täglichen
Gebrauch. Die Bedienung des Gerätes hat keine Probleme
bereitet. Da solche Bewertungen subjektiv sein müssen, möchte
ich nicht weiter darauf eingehen.
Positiv wurde von Kennern professioneller
Hochfrequenztechnik dagegen der Aufbau der Platine im
Innern des Gerätes beurteilt. So sind zum Beispiel die
verwendeten Mischerbausteine HochleistungslCs, die
bei optimaler Beschaltung einen IP 3. Ordnung von bis zu
+30 dB ermöglichen. Hier könnten eventuell
Modifikationen mit geringem Aufwand zu weiteren
Verbesserungen führen. Bemerkenswert ist auch die
Anordnung der ZF-Filter. Bei den Bandbreiten 2,2 und 4
kHz liegen allein auf der zweiten ZF-Ebene insgesamt drei
Filter hintereinander. Daraus resultiert die
ausgezeichnete Trennschärfe des HF 225 bei SSB und AM
schmal bzw. normal. Die Durchlaßkurve des Gerätes bei
schmaler Bandbreite (2,2 kHz) ist bei einer Dämpfung von
6 dB 2d5 kHz und von 60 dB 3,4 kHz breit. Bei minus S;0
dB erreicht die Kurve eine Breite von gerade 5,5 kHz.
Die Nahselektion des HF 225 unmittelbar neben dem
Ortssender des NDR auf 972 kHz ist geringfügig besser
als bei meinem NRD 515. In diesen habe ich zwischen dem
zweiten Mischer und dem ersten ZF-Verstärker ein Murata
CFK 455 J (3 kHz Bandbreite mit hoher Nebenwellendämpfung
mit entsprechender Impedanzanpassung " implantiert
" - d.h. auch der Vergleichsempfänger hat auf der
zweiten ZF-Ebene hintereinander geschaltete Filter.
Hervorzuheben ist weiterhin, daß der HF 225 eine direkte
Umschaltung der Seitenbänder bei SSB erlaubt. Also kein
Anzeigeversatz, kein Frequenzversatz, ganz wie bei Empfängern
der höheren Preisklassen. Der HF 225 hat
praktischerweise umschaltbare Antenneneingänge -
niederohmig und hochohmig. Beim Betrieb mit einer
hochohmig angeschlossenen langen Drahtantenne kann es
jedoch über weite Frequenzbereiche vor allem oberhalb
von L5 Mhz zu Intermodulationserscheinungen kommen. Das
sollte man dem Empfänger nicht anlasten, da sogar
professionelle Geräte ohne ausreichende Vorselektion
unter solchen Bedingungen erhebliche Probleme bekommen können.
Meine ersten Eindrücke über
diesen Empfänger fasse ich folgendermaßen zusammen:
Der Lowe HF 225 ist schon in seiner Grundversion ein voll
einsetzbarer Allwellen-Empfänger hoher Qualität. Bei
vergleichbarer Ausstattung entsprechen die Leistungswerte
denen von semiprofessionellen Empfängern wie NRD 515.
Seine Selektivität bei SSB und seine Dämpfungswerte für
die ZF und die Spiegelfrequenzen (vor allem am 2. Mischer
liegen an der oberen Grenze dessen, was
semiprofessionelle Geräte heutzutage anbieten. Das
Fehlen einer 100-Hz-Anzeige oder einer abschaltbaren bzw.
umschaltbaren AGC beeinträchtigt die Empfangsleistung
nicht.
Einige Hinweise zum Umgang mit dem HF - 225
Seine maximale Großsignalverträglichkeit erreicht
der HF 225 erst bei einer Versorgungsspannung von 15 Volt
DC ( 16 Volt sind das Maximum, das keinesfalls überschritten
werden darf !), d.h., wer die, Leistungsfähigkeit des
Gerätes ausschöpfen will) muß es mit einem
stabilisierten (!) 15-V-Netzteil betreiben. Das
mitgelieferte 12-V-Netzteil ist unzureichend.
Da die Bandpässe im Eingang des HF - 225 sehr
breitbandig sind, sollte er unbedingt mit einer angepaßten
Antenne betrieben werden. Das ist kein Argument gegen
eine gute Großsignalfestigkeit: Der IP 3. Ordnung bei 2
Signalen im Abstand von 20 kHz dürfte bei +8 dB liegen.
Die Angaben im Handbuch beziehen sich auf Abstände von
10 kHz (+3 dB) und 50 kHz (+12 dB).
Der Empfang von Rundfunkstationen im SSB-Modus (ECSS) ist
ausgezeichnet. Ob der Synchrondemodulator eine
Verbesserung bietet, sollte in weiteren Testreihen überprüft
werden. Das Ausmaß an Eigenempfangsstellen (birdies)
entspricht dem heutigen Stand der Technik bei
semiprofessionellen Empfängern und ist dem Gerät daher
nicht anzulasten.
Der HF 225 bietet in der Grundversion für rund DM 1200
Empfangsleistungen, die in wesentlichen Punkten nur von
Empfängern geboten werden, die ein Mehrfaches kosten.
Als zusätzliche Anschaffung empfehle ich dringend ein
leistungsfähigeres Netzteil. Da die Optionen (FM-Demodulator,
Synchrondetektor, Eingabetastatur) noch nicht erhältlich
waren, können sie zur Zeit nicht beurteilt werden. Am
sinnvollsten scheint mir jedoch der Kauf der Tastatur zu
sein. Ein ausführlicher Testbericht erscheint darum in
einer der nächsten Ausgaben von weltweit hören.
tth / Rüdiger Waldeck (DG 7 HX)