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Koordinaten: 625.010/243.900
Es besteht kein Zweifel, dass der Pass über den oberen Hauenstein als Verbindung vom Oberrhein ins Mittelland und weiter nach Südfrankreich oder über die Alpenpässe nach Italien schon in der Römerzeit eine ausserordentlich wichtige Rolle spielte. So fand man auf der Passhöhe, beim Hof Freichelen, verschiedentlich römische Münzen und in der Nähe einen Votivaltar – wohl Hinweise auf ein römisches Passheiligtum. Erst die Öffnung der Schöllenen zu Beginn des 13. Jahrhunderts brachte den Juraübergang gegenüber dem nun günstiger gelegenen unteren Hauenstein etwas ins Hintertreffen. Doch auch später noch blieb der obere Hauenstein für den Verkehr in die Westschweiz wichtig: Grössen wie die Kaiser Sigismund (1414/15) und Joseph II. (1777) nutzten ihn, oder Napoléon, der ihn 1797 in der Kutsche schlafend passierte. Eine eigentliche Römerstrasse konnte bisher – trotz gegenteiligem Volksmund – jedoch noch nie sicher nachgewiesen werden.
Der «Howenstein» erscheint 1145 erstmals in den Urkunden. Daniel Bruckner schreibt dazu um die Mitte des 18. Jahrhunderts, dass vor etwan 300 Jahren die Felsen haben müssen ausgehauen werden um die Durchfahrt grosser Wägen zuwegen zu bringen, daher ward in etwelchen alten Schriften dieser Berg «Gehowenstein» benannt. Dieser Name nimmt ohne Zweifel auf den Felsdurchschnitt am Kräheck (Chräiegg) unmittelbar nördlich der Passhöhe Bezug, dem bekanntesten, immer wieder als «römisch» taxierten Abschnitt der alten Hauensteinstrasse. Ein römischer Ursprung ist zwar durchaus möglich, zumal man vor gut 100 Jahren beim «Wegräumen des Schuttes, der nahe bei dem Felsenthor lag», eine Bronzemünze des römischen Kaisers Hadrian fand. Anderseits ist aber bekannt, dass man das Kräheck noch bis zur Eröffnung einer neuen Streckenführung 1741/42 passierte, und zwar – seit dem 16. Jahrhundert bezeugt – mit einer Seilhaspel, welche die Wagen sicherte und zog.
Eine kleine Notgrabung in der Flur «Dellen» am südlichen Ausgang von Langenbruck brachte nun die Gelegenheit, ein Stück der alten Passstrasse mit den Mitteln der modernen Archäologie unter die Lupe zu nehmen. Es handelte sich um einen Strassenabschnitt, der im Gelände noch gut zu erkennen war, und der gemäss alten Plänen noch bis zur letzten grossen Sanierung der Kantonsstrasse in den Jahren 1830–33 befahren wurde. Erst danach wurde der kleine Anstieg umgangen und die Strasse auf das heutige Trassee wenige Meter hangabwärts verlegt. Die Kiesoberfläche der alten Passstrasse war nur durch wenige Zentimeter Humus überdeckt und noch recht gut erhalten. In ihr zeichneten sich zwar verschiedene unregelmässige Wagenspuren, jedoch keine eigentlichen Karrengeleise ab. Der Strassenbelag bestand aus mehreren Lagen Flusskies, die von verschiedenen Belagssanierungen im Laufe der Zeit zeugen. Zuunterst fand sich ein Fundament aus ungewöhnlich mächtigen, schweren Steinblöcken. Auch sie waren eine zeitlang befahren worden, wie Abnützungsspuren zeigen.
Unter dieser jüngsten Strasse lag – getrennt durch eine gut 40 cm dicke Lehmschicht – ein älterer Strassenbelag, der wiederum aus Flusskies bestand und Wagenspuren aufwies, jedoch ohne Kofferung aus grösseren Steinen auskam. Auch dieser Belag wurde mindestens einmal ausgebessert. In einer älteren Phase musste just an der Stelle unserer Grabung eine hangseitige Quelle gefasst und durch einen kleinen Holzkanal über die Strasse geleitet werden. Die dabei verwendeten Hölzer konnten mit der Jahrringmethode (Dendrochronologie) in die Jahre 1724–27 datiert werden. Der oberste Belag dieser unteren Strasse könnte demnach auf die bezeugten, ersten umfangreichen Reparaturen der Hauensteinstrasse von 1738–1744 zurückgehen. Damit ist ausgeschlossen, dass wir an dieser Stelle die gesuchte Römerstrasse gefunden haben könnten. Die Römerstrasse liess sich also – einmal mehr – archäologisch nicht nachweisen. Es scheint sogar, dass sie an dieser Stelle einen völlig anderen Verlauf nahm – vielleicht doch durch das Bachbett, wie es auch für das frühere Mittelalter anzunehmen ist?
Reto Marti
September 2001