Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03461.jsonl.gz/1809

So neu ist der Begriff gar nicht. Der Begriff entstand bereits 1932 und zurück auf die Veröffentlichung Ending the Depression Through Planned Obsolescence des US-amerikanischen Kaufmanns Bernard London.
Mit geplanter oder vorzeitiger Obsoleszenz wird eine Produktstrategie bezeichnet, bei der Erzeugnisse und Hardware vom Hersteller mit einer definierten und gegenüber üblichen Produkten kürzeren Haltbarkeit auf den Markt gebracht werden und Ersatzteile nicht oder nur überteuert angeboten werden. Bei Software werden Updates nicht oder nur während eines beschränkten Zeitraumes angeboten. Es ist das Ziel, dass das Produkt schneller fehlerhaft wird und nur noch eingeschränkt oder gar nicht genutzt werden kann, um so einen Neukauf zu veranlassen. Dies entspricht der Wegwerf-Mentalität und wird von vielen Kunden gar nicht hinterfragt.
Als Erfinder und erster Verwender der geplanten Obsolzeszenz gilt der Geschäftsleiter von GM General Motors, der damit bereits 1920 damit bezwecken wollte, dass die Kunden etwa alle drei Jahre ein neues Auto kaufen müssen. Ebenfalls in diesem Zusammenhang berühmt wurde das sogenannte Phoebuskartell, das erfolgreich mit allen Herstellern vereinbart hatte, dass Glühlampen generell nur 1000 Stunden brennen sollten und dann ersetzt werden müssen.
Man kann geplante Obsoleszenz auch mit „Soll-Bruchstelle“ vergleichen. Es ist vorgsehen, dass ein gewisses Produkt an der schwächsten Stelle – die oft als schwächste Stelle konzipiert oder geplant wird – nach kurzer angemessener Zeit bricht. Meist ist dies kurz nach Garantie-Ende. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten: Bei den meisten Computern und elektronischen Geräten werden heute Updates eingespielt. Bei Apple wird dann plötzlich vermerkt, dass man das neue Update leider nicht mehr auf das Gerät spielen kann, da es zu alt ist. Nach einer gewissen Zeit muss man also leider ein tadellos funktionierendes Gerät entsorgen und ein neues kaufen, obwohl das technisch überhaupt nicht notwendig ist.
Es gibt viele Statistiken die belegen, dass die Hersteller die Produkte gezielt verschlechtern, obwohl sie Werbung mit Verbesserungen publizieren. Ein TV-Flachbildschirm mit viel mehr Komponenten im Jahre 2007 hat im Durchschnitt 5.7 Jahre seinen Dienst versehen. Im Jahr 2010 ist dies bereits auf 4.4 Jahre zurückgegangen. Der TV-Käufer wird bewusst so manipuliert, dass er einen neuen TV haben muss, auch wenn der alte noch funktionieren würde. Im Jahr 2015 ist dieser Wert zum Glück wieder auf 5.6 Jahre gestiegen. Bei Notebooks und Laptops zeigt eine ausgesprochen interessante Studie aus dem Jahr 2016, dass es eine verschiedene Obsoleszenz für private und geschäftliche Geräte gibt.
Zusammenfassung der Studie vom Umweltbundesamt
Die Analyse hat gezeigt, dass es in der Realität sehr vielfältige Gründe gibt, Produkte zu ersetzen: werkstoffliche, funktionale, ökonomische und psychologische Gründe. Selbst die auftretenden technischen Defekte von Produkten haben wiederum vielfältige Ursachen. Schwerpunkte, auch im Hinblick auf bewusst eingebaute Schwachstellen, konnten im Rahmen der Studie nicht identifiziert werden.