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Die Bewegung des Begriffs bei Hegel
Die Lehre vom Sein
Das reine Sein ist der erste und damit unmittelbare Gedanke, der alle Realität umfasst, d.h. ein Absolutes ist. Alle Realität umfassen bedeutet die Negation jeder bestimmten Realität und ist somit Unbestimmtheit, d.h. die absolute Negativität, das Insichgehen, die absolute Freiheit - das Nichts. Die Gedanken des reinen Sein und reinen Nichts sind nicht nur unmittelbar eins - das eine evoziert das andere - sondern stehen sich auch als unmittelbarer Gegensatz gegenüber. Als dieser unmittelbare Widerspruch von Einheit und Gegensatz (Verschiedenheit) ist der Gedanke des reinen Seins reines Werden, in dem Sein und Nichts Momente sind.
Da voraussetzungsgemäss noch keines der beiden Moment durch sein anderes bestimmt ist, "in dem einen schon eine Bestimmung gesetzt wäre, welche dessen Beziehung auf das Andere enthielte" (Glocknerausgabe, S. 54) [es herrscht unmittelbare Verschiedenheit in der Einheit, der Unterschied hat sich noch nicht bestimmt, seine Bestimmung wäre hier nur eine Meinung, keine Wahrheit], ist das reine Werden, das sich aus dem Gedanken des reinen Seins ergeben hat, absolutes Umschlagen von einem seiner Momente in das andere, vom Sein in sein Anderes, das Nichts, und umgekehrt: das Sein (alle Realität) soll etwas sein, und ist doch nichts, negiert alle Realität.
Die weitere Entwicklung vorausnehmend, kann man es auch so ausdrücken: Im einfachen oder reinen Werden sind das Ansichsein (Substanz, Wahrheit) und das Fürsichsein (Subjekt, Gewissheit) eins, jedoch so, dass die Negativität des Fürsich-Sein (Nichts) und die Positivität des Ansich-Sein (Sein) einander unvermittelt gegenüberstehen: die werdende Unmittelbarkeit, welche die reflexive Vermittlung - die Bewegung des sich in sich selbst Reflektierens - noch nicht realisiert, aber potentiell als Zweck in sich hat. Die werdende Unmittelbarkeit drängt deshalb ins einseitige Dasein zur Realisierung der Vermittlung ihrer beiden Seiten. Deshalb sagt Hegel, dass die Substanz auch als Subjekt genommen werden muss, und zwar von Anfang an. Nichts anderes drückt auch das Absolute Wissen aus, in dem Denken und Sein als eins der Logik voraus-gesetzt ist (siehe dazu auch Vorrede zur Phänomenologie des Geistes, TWA 3: 25-27).
Der Widerspruch der Unbestimmtheit des Seins - die unmittelbare Entgegensetzung von Sein und Nichts - löst sich auf im (oder treibt zum) Gedanken des Daseins, der erste Gedanke von fester Bestimmtheit: "das Werden wird, weil es der Widerspruch in sich ist, zu einem GEWORDENEN, zum Dasein" (Glocknerausgabe, S. 57).
Mögliche Zusätze:
- Methode (Analyse - Synthese - Dialektik)
- Meinung - Wahrheit
- Zur Kategorie des Seins gehörende Metaphysik (Eleaten, Heraklit positive/negative Theologie: Maimonindes, Cusanus etc.)
- Begriff (Einheit, die durch ihre Momente bestimmt ist, die wiederum in der Einheit aufgehoben sind)
Das Dasein
Im Gedanken des Daseins ist der Widerspruch von Sein und Nichts vorerst verschwunden, d.h. die beiden sind zu einfachen Momenten in einer neuen Einheit geworden - das Dasein als "Sein mit der Negation oder Bestimmheit" (Glocknerausgabe, S. 58). Damit ist die im Werden gegebene absolute Negativität, das Insichgehen, die absolute Freiheit aufgehoben in der Bestimmheit.
Die Bestimmheit aber ist noch eine unmittelbare oder eben seiende, auf sich bezogene, d.h. ---> Qualität des Daseins. Qualität als Negation ist jedoch auch unmittelbare Beziehung auf Anderes, d.h. Qualität setzt Nichtsein des Daseins oder Anderssein voraus. Als Sein-für-anderes und zugleich Beziehung auf sich selbst ist Qualität ---> Realität. Das reine Sein ist zur ruhigen Einheit als Beziehung auf sich selbst geworden, die ihr Sein-für-anderes oder ihr Nichtsein an sich selbst hat. Die beiden - Sein und Nichts - stehen jetzt am Anfang ihrer Vermittlung, d.h. in dem einen Moment ist eine Bestimmung gesetzt, welche die Beziehung auf das Andere enthält, wenn auch noch ganz unmittelbar, ohne seine zweite Negation im Fürsichsein.
So ist das Sein jetzt zu ---> Etwas geworden, und das Nichts zum ---> Anderen. Damit ist aber gedanklich wiederum eine Trennung eingetreten: Das Etwas - "Realität als reine Beziehung auf sich" (Glocknerausgabe, S. 59) - ist eine Qualität (oder Realität), die von seinem Andern unterschieden ist. Sie stehen 'gleichgültig' zueinander. Man kann jedoch die Einheit nicht retten vor dem Anderssein, da "in Etwas die Bestimmung eins mit seinem Seyn ist", "das Andersseyn nicht ein gleichgültiges ausser ihm ist" (Glocknerausgabe, S. 59). Damit aber wird das Etwas in seinem Einssein mit dem Andern zu einem Zufälligen, einem Endlichen und Veränderlichen: "die Veränderlichkeit [Negativität] GEHÖRT seinem Sein an" (Glocknerausgabe, S. 59).
Da das Eins-Sein des Etwas nur in der ersten Negation ist, kommt es bei der Bestimmung zu einer ---> negativen (schlechten) Unendlichkeit, in der das Andere immer wieder im Etwas als Moment aufgehoben wird, jedoch als anderes Etwas wieder auftaucht. Der frühere Widerspruch zwischen Sein und Nichts im Werden erneuert sich im Etwas und Anderssein und manifestiert sich jetzt als Dualismus, der die Endlichkeit von Etwas und Andersssein in einem "Progress ins Unendliche", in einem "Sollen des Aufhebens", auflösen will und dabei beim "Aussprechen des Widerspruchs" der Endlichkeit stehen bleibt (Glocknerausgabe, S. 59).
Wie immer in der Seinslogik wird der Widerspruch aufgelöst durch ein Übergehen in eine neue Kategorie: das Dasein geht ins Fürsichsein über, in dem das Etwas in seinem Übergehen in sein Anderseins sich nur mit sich selbst zusammenschliesst, also eins oder identisch bleibt in seinem Anderssein, für sich wird ---> das wahrhaft Unendliche, das die Negation des Eins-Sein im Dasein negiert: "So ist das Seyn, aber als Negation der Negation wieder hergestellt, und ist das ---> Fürsichseyn" (Glocknerausgabe, S. 60).
Das Sein ist wieder in sich gegangen, allerdings jetzt so, dass das Nichts ihm nicht mehr als Gegensatz unvermittelt entgegensteht, sondern als Anderssein negiert ist: Das Ding ist identisch mit dem, was es nicht ist.
Mögliche Zusätze:
- Zur Kategorie des Daseins gehörende Metaphysik (Kant in der KrV und KpV)
- Zusätzliche Bemerkungen zum Begriff und zur Entwicklung des Begriffs
- Fürsichsein als praktische Selbstkonzeption --> 'Bestimmung' als Negation des Anderssein (Hegels Erbe, S. 48 ff)
Das Fürsichsein
Mit dem Fürsichsein ist eine neue Unmittelbarkeit oder wahre Unendlichkeit hergestellt. Das Fürsichsein für sich genommen, d.h. "als Beziehung des Negativen auf sich", ist das Fürsichseiende oder ---> das Eins (Glocknerausgabe, S. 60). Als Unmittelbares ist das Eins jedoch ---> absolute Repulsion, d.h Setzen und gegenseitige Ausschliessung Vieler Eins. Die wiedererlangte Freiheit in der Beziehung des Negativen auf das Eins-Sein wird in der Bestimmtheit von Sein, d.h. im unmittelbaren Vorhandensein der Vielen Eins, zur gegenseitigen Ausschliessung. Das Fürsichsein ist ausschliessendes Eins.
Die gegenseitige Ausschliessung ist jedoch gleichzeitig ausschliessende BEZIEHUNG, d.h. die Eins sind gegenseitig auf sich bezogen. Die Repulsion ist daher ebenso wesentlich --->Attraktion. Repulsion und Attraktion sind somit der neue unmittelbare Gegensatz, der die Möglichkeiten der qualitativen Bestimmtheit beschliesst: (1) Unbestimmtheit (reines Sein/Werden), (2) an sich seiende Bestimmtheit (Dasein), (3) an und für sich seiende Bestimmtheit (Fürsichsein mit dem Sein für Anderes negiert an sich selbst). In der Auflösung dieses Gegensatzes hebt sich das ausschliessende Eins auf und geht als Aufgehobenes in ruhige --->Quantität über.
Repulsion weist auf Verschiedenheit, Attraktion auf Gleichheit. Gleichheit und Verschiedenheit sind jedoch variable Grössen. Das Setzen von Unterschieden bedeutet immer auch das Übersehen von Gleichheit, und das Setzen von Gleichheit muss Feinheiten von Unterschieden ausklammern. Mit Kategorien des Sein und der äusseren Anschauung sind keine Kriterien für eine allgemeingültige Festlegung von Gleichheit und Verschiedenheit zu finden. So abstrakte Begriffe wie Repulsion und Attraktion können somit das Fürsichseiende als an und für sich seiende (qualitative) Bestimmtheit nur insofern retten, als sie diese voraus- bzw. gleichgültig setzen - aufheben. Andernfalls müsste es als Moment in ein umfassenderes und konkreteres Umfeld gesetzt werden, z.B. ein wissenschaftliches System, oder in sprachliche Konvention. So weit sind wir jedoch noch nicht, und das Absolute als Seinskategorie geht von qualitativer Bestimmheit in reine Quantität über. Neue Abstraktionen des Sein tun sich auf.
Mögliche Zusätze:
- Zur Kategorie des Fürsichseienden gehörende Philosophien (Atomismus, Monadologie)
- Beschränktheit der Philosophie des Seins, deren Kategorien nur Uebergehende sind und dabei nie ein explizites Aufgehobensein in der folgenden Seins-Kategorie erreichen können: Zurückfallen von Vermitteltsein in Unmittelbarkeit; Sein bleibt in der Äusserlichkeit stehen (Unterschied zwischen Begriff an sich und Begriff an und für sich)
Die reine Quantität
Als Qualität ist die Bestimmtheit eins mit dem Sein gesetzt, als ---> reine Quantität ist sie als aufgehoben oder (was hier gleichbedeutend ist) gleichgültig gesetzt. Die qualitative Bestimmungskraft des Fürsichsein ist voraus-gesetzt und die an es herantretende quantitative Bestimmheit ist in ihm aufgehoben oder für es gleichgültig. Ob das Haus nun etwas grösser oder kleiner ist, ob es mehr oder weniger Fenster hat, es bleibt ein Haus. Ob die Extension und Intension von Rot grösser oder kleiner ist, es bleibt rot und ist als solches voraus-gesetzt. Veränderungen und Unterschiede werden nur noch quantitativ aufgefasst: "Das Absolute ist reine Quantität" (Glocknerausgabe, S. 62)
Im Bereich der Quantität sprechen wir nicht mehr von Fürsichsein und Sein für Anderes, sondern von Einheit und Vielheit, von Einem und Vielem. Es wird nicht mehr versucht, die Sache oder das 'Etwas und das Andere' durch die Abscheidung von qualitativ Wesenlichem (Sein) und qualitativ Unwesentlichen (Nichts) zu bestimmen, sondern durch Anzahl, Ausmass, Grösse etc., die das 'Etwas und das Andere' in seinem Wesen nicht tangieren.
Man kann dies auch so ausdrücken: Auf dem Standpunkt der reinen Quantität wird von der Form abstrahiert und das Absolute in "Bestimmung von Materie" (Glocknerausgabe, S. 62) oder Atome gesetzt. Damit aber ist die qualitative Bestimmung (Etwas, Anderes) nicht verschwunden, sondern als - wenn auch gleichgültiges - Moment erhalten. Aller Unterschied ist aber nur äussere Verschiedenheit: "das Reale ist gleichgültige Raumerfüllung" innerhalb der reinen Quantität des Raums, die Gestaltung oder Trübung des Lichts ist äusserlicher Unterschied an der reinen Quantität des Lichts. Der Raum bleibt Raum, was immer auch darin ist, die Materie bleibt Materie, was immer auch ihre Form ist. Sie sind das Absolute [Achtung: Form, Materie, Raum, Licht sind nur Beipiele für die realphilosophische (hier naturphilosophische) Realisierung der Kategorie der reinen Quantität und nicht selber logische Kategorien].
Die Momente in der Quantität sind somit nur Bestimmungen ihrer Einheit, haben keine selbständige Bedeutung. Wird diese Bestimmung als "durch die Attraktion gesetzte Gleichheit mit sich selbst" (Glocknerausgabe, S. 63) genommen, ist Quantität kontinuierlich, wird sie als Repulsion der Vielen, d.h. in der Bestimmung der vielen Eins - der Ungleichheit mit sich selbst - genommen, dann ist sie diskret. Aber Quantität als kontinuierlich, ist Kontinuität der Vielen, d.h. auch diskret, und Quantität als diskret ist auch Einheit der vielen Eins und damit kontinuierlich. Reine Quantität kann als Vielheit in der Einheit (diskret) wie auch als Einheit in der Vielheit (kontinuierlich) genommen werden. Beide sind dasselbe, unter verschiedenen Bestimmungen gesetzt, und die (qualitativen) Momente der reinen Quantität sind somit nur Bestimmungen ihrer Einheit und gehen in ihr auf, sind in ihr aufgehoben und als gleichgültig gesetzt.
Das Quantum
Nimmt man die reine Quantität in ihrer einfachen Bestimmtheit ist sie --->Quantum. Wie die Qualität als Bestimmtheit des Daseins ein Negatives ist und in das Etwas mit der eigenen Grenze zum Andern übergeht, so geht die Quantität in ihrer unmittelbaren einfachen Bestimmheit oder Negativität ins Quantum über, und das Negative des Eins wird zur Grenze (Negation, die ihr Anderes enthält). Seine vollkommene Bestimmtheit bekommt das Quantum in der --->Zahl, "weil deren Element das Eins ausmacht" und als solche sowohl Anzahl, d.h. Vielheit (Diskretion), als auch Einheit (Kontinuität) ist: Im Eins ist dieser qualitative Unterschied aufgehoben, und es ist "die ganze Zahl, die Anzahl und die Einheit, das mit seiner Grenze identische Wesen des Quantums" (Glocknerausgabe, S. 63/64).
Im Unterschied zur Qualität und ihrer Spezifizierung im Fürsichsein bleibt somit in der Quantität und ihrer Spezifizierung im Quantum das Andere (Viele) im Einen bewahrt, wenn auch nur in abstrakter Form, die von der Qualität abstrahieren muss und damit nur äusserlich ist.
Der Grad oder das quantitative Verhältnis
Im --->Grad ist das Quantum in seiner Bestimmtheit gesetzt, oder, er ist der Begriff des Quantum (der Zahl), gesetzt als Intensives oder Diskretes, d.h. für sich und einfach. Er ist jedoch ein Fürsichsein, das absolute Äusserlichkeit ist, und so ist der unendliche quantitative Progress gesetzt - das Extensive im Intensiven, die nicht wahrhaft eins geworden sind, sondern in einem äusserlichen Verhältnis stehen: die Bestimmtheit des Grades ist ausser ihm in einer andern Grösse, oder: sein Anderes ist etwas schlechthin Äusserers.
Die wahrhafte Unendlichkeit in der qualitativen Bestimmheit des Fürsichsein ist im Eins zu etwas absolut Äusserem und damit wieder zur schlechten oder negativen Unendlichkeit geworden, oder "die Zahl ist zwar Gedanke, als die Identität der fürsichseienden Bestimmtheit mit sich, aber der Gedanke als ein sich vollkommen äusserliches Seyn" (Glocknerausgabe, S. 64). Damit ist aber die Quantität als Gedanke der Zahl auf die äussere Anschauung angewiesen. Sie ist abstrakter Gedanke, der sein Anderes - die Äusserlichkeit der Anschauung - aussser sich hat, sie als Gegensatz zum abstrakten Gedanken notwendig immer wieder erzeugen muss.
Das Quantum ist somit in seinem Begriff - der Grad - ein ständiges "Hinausschicken über sich selbst" oder es ist "in seiner fürsichseienden Bestimmtheit Äusserlichsein" (Glocknerausgabe, S. 65) und darin auf sich bezogen, oder, die Äusserlichkeit oder Quantität ist mit dem Fürsichsein oder der Qualität vereint und darin nicht mehr unmittelbar, sondern --->quantitatives Verhältnis. Die beiden Seiten des quantitativen Verhältnis sind sich jedoch noch äusserlich und stehen gleich-gültig einander gegenüber. Aber die Wahrheit des quantitativen Verhältnis ist das --->Mass, da "das Quantitative selbst Beziehung auf sich [Fürsichsein] in seiner Äusserlichkeit ist, oder das Fürsichseyn und die Gleichgültigkeit der Bestimmtheit vereinigt sind" (Glocknerausgabe, S. 65).
Das Mass
Das Mass ist ein Quantum, an das ein Dasein (sein Anderes) gebunden ist, und damit qualitatives oder spezifisches Quantum. Das in Eins vesunkene Fürsichsein hat in der Quantität als Mass sein Anderes gefunden, das ihm jetzt - wenn auch noch auf unmittelbare Art und Weise - seine qualitative Bestimmtheit als eigene Bestimmtheit gibt. Jedoch, durch die Unmittelbarkeit der Vereinigung von Qualität und Quantität bleibt dieses spezifische Quantum als --->Regel des Seins durch quantitative Vermehrung und Verminderung teils unberührt - wird nicht aufgehoben - teils erfährt dadurch die Qualität des Sein, d.h. seine Regel, eine Veränderung. Der Einfluss der quantitativen Veränderung des spezifischen oder qualitativen Quantum (Mass) auf sich und seine beiden Komponenten bleibt somit unbestimmt und es ergibt sich wieder ein unendlicher Progress für die Bestimmung von Sein in seiner qualitativen und quantitativen Ausprägung. Der Prozess des Übergehens, der für die Logik des Sein kennzeichnend ist, kann im Bereich des Begriffs an sich, der dem Sein gegenübersteht, nicht aufgehoben werden.
Man kann die Kategorien der Quantität als eine Art Entäusserung des Fürsichsein, der Qualität, betrachten, eine Entäusserung, welche nun im Mass gleichzeitig bestehen bleibt als auch aufgehoben wird, oder, die Qualität geht in ihrer Entäusserung nur mit sich selbst zusammen. Damit aber ist die schon im Übergang vom Dasein ins Fürsichsein implizit gegebene zweite Negation gesetzt - sie ging damals in die Einheit des Eins zurück, da eine rein qualitative wesenhafte Abgrenzung von Fürsichsein (Eins) und Andersein nicht möglich war - nämlich "die Negativität , in ihrem Andersseyn sich ebensowohl als dies Andersseyn aufzuheben" (Glocknerausgabe, S. 67).
Das Mass ist das Wesen des Sein noch in seiner vom Sein getrennten Äusserlichkeit. Gleichzeitig bezieht das Sein im Mass sich nun aber auf sich selbst und hebt in diesem Selbstbezug seine Äusserlichkeit auf. Es wird zum vermittelten Sein, zum --->Wesen. Das Wesen ist somit die Einheit von qualitativer und quantitativer Bestimmtheit des Sein, wobei diese Einheit aus ihrer Unmittelbarkeit und Äusserlichkeit heraustritt in die Innerlichkeit der Reflexion des Sein - das Subjekt. Die Aufgabe der Wesenlogik wird sein, diese Innerlichkeit wieder in die Äusserlichkeit - das Sein - treten zu lassen, sie zum Scheinen, zur Erscheinung und Wirklichkeit zu bringen, ohne dabei das Wesenhafte, das Subjekt, wieder zu verlieren. Dies kann ihr nicht gelingen, da das Wesen, "aus dem Sein herkommend, ein differentes Insichsein" (WdL, Meiner, Gesammelte Werke, PhB 375: 31) bleibt, das Objektive als Anderes ausser sich hat. Es wird sich somit zeigen, dass das Subjekt in seinem Andersein erst im 'An und für sich seienden Begriff' - der Subjektiven Logik - wahrhaft aufgehoben und als Moment gesetzt ist.
Zusammenfassung der Lehre vom Sein und Übergang ins Wesen
Erinnern wir uns: Das reine Werden ist die absolute und leere Einheit von Fürsichsein und Ansichsein, die gleichzeitig in einem absoluten Gegensatz ohne Vermittlung stehen. Durch das Übergehen ins Dasein als Aufheben dieses Widerspruchs des reinen Werden kann die Vermittlung beginnen, die allerdings im Übergehen verhaftet bleibt, so dass eine nachfolgende Kategorie der Qualität die vorhergehende immer wieder verliert.
Die Vermittlung im Prozess der qualitativen Bestimmung führt zu einem neuen Unmittelbaren, dem Fürsichsein. Als Unmittelbares verliert es seine qualitative Bestimmtheit. Das Sein wird erneut unbestimmt. Man kann es nicht weiter qualitativ bestimmen, ohne wieder in einen ständigen Wechsel von Etwas und Anderssein, d.h. in den unendlichen Prozess der qualitativen Bestimmheit zurückzufallen.
Als Eins geht es in Beziehung zu Vielen Eins in einen weiteren Vermittlungsprozess über, der andernfalls mit dem Fürsichsein als Unmittelbares und Unbestimmtes aufhören würde. Diese erneute Vermittlung führt zur quantitativen Bestimmung von Sein (Einheit - Vielheit), wodurch die implizit gewordene Qualität explizit wird und das zuerst nur unmittelbare Fürsichsein (wenn auch wieder nur vorläufige) Vermittlung erlangt.
In der Quantität als Mass dann ist die Vermittlung von Qualität (Fürsichsein) und Quantität des Sein gesetzt, d.h. die im Grad noch gegebene Getrenntheit der beiden Momente überwunden. Die Entäusserung des Fürsichsein (Qualität) in der Quantität ist aufgehoben. Das Mass bleibt jedoch in seiner wesenhaften Bestimmung dem Sein äusserlich und lässt es unbestimmt zurück. Die wahrhafte Aufhebung dieser Unbestimmtheit ist das Innerlichwerden des Masses als Regel - das Wesen, oder das dem Sein differente Insichsein.
Statt vom Sein zum Wesen, geht jetzt der Weg vom Wesen (Insichsein) zum Sein. Beide Wege als Absolute sind zum Scheitern verurteilt, aber beide sind auch die Voraus-Setzung für die Entwicklung des 'An und für sich seienden Begriff': das reine Werden verlässt sowohl das Übergehen ins Andere als auch das Scheinen im Andern und wird zur Entwicklung des Begriffs selbst, der sein Anderes in sich hält und gleichzeit frei lässt. Damit ist die Einheit von Sein und Wesen wahrhaft realisiert, weil das Andere weder ausserhalb der Einheit (Subjekt) an sich verharrt, noch in ihr (als rein formales Subjekt und Fürsichsein) lediglich durchscheint und subjektiv bleibt, sondern in ihr als Aufgehobenes und Aufgabe frei gesetzt ist.