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Für eine Finanzwirtschaft im Interesse aller Menschen
Buchhinweis – Neuerscheinung 2018:
Christian J. Jäggi:
Wirtschaftsordnung und Ethik: Problemfelder – Modelle – Lösungsansätze.
Wiesbaden: Springer Gabler Verlag. 142 Seiten. ISBN 978-
Preis: ca. EURO 38.-
Zum Inhalt:
Viele wirtschaftsethische Diskussionen konzentrieren sich auf Business Ethics und Unternehmensethik, auf Fragen des Compliance Managements oder auf tugendethisches Verhalten im Markt. Dabei werden oft übergeordnete Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Wirtschaftssystem, ordo-
Analyse
In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Realwirtschaft, also die Produktion von Gütern und Dienstleistungen, und die Finanzwirtschaft immer mehr auseinander bewegt. Während sich zum Beispiel in Deutschland die produzierte Gütermenge in den letzten 30 Jahren vervierfachte, wuchs im gleichen Zeitraum die Geldmenge zehnmal stärker, nämlich um das vierzigfache (Berger/Schmauder in Humane Wirtschaft vom Sept./Okt. 2009:8).
Das Auseinanderklaffen von Produktion und Finanzwirtschaft zeigt sich noch aus einem anderen Blickwinkel: Während die Realwirtschaft langfristig höchstens linear wächst, nimmt die Verschuldung exponential zu: So verdoppelten sich in der Bundesrepublik die Vermögenswerte – und damit die Schulden der anderen -
Nach 1990 sind immer mehr Firmen dazu übergegangen, bedeutende Anteile ihres Vermögens spekulativ anzulegen. Ja, nicht wenige Firmen verdienten vor der Finanzkrise mit Finanzanlagen wesentlich mehr Geld als in ihrem eigentlichen Kerngeschäft.
Hochspekulative Anlageformen erlebten zwischen 1990 und 2007 einen enormen Boom. So betrug Ende 2007 die Summe der Derivate laut der Bank für internationalen Zahlungsausgleich BIZ 596 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Die bis Ende 2008 erfolgten Abschreibungen der Banken aufgrund der Immobilienkrise in den USA betrugen weltweit 2,2 Billionen Dollar –eine astronomische Summe, aber weniger als ein halbes Prozent des Risiko-
Wichtige Anlageinstrumente sind Derivate. „Ein Derivat kann definiert werden als Finanzinstrument, dessen Wert von den Werten anderer grundlegender Variablen abhängt (d.h. aus ihnen abgeleitet wird). Sehr oft sind die den Derivaten zugrunde liegenden variablen Kurse gehandelter Vermögensgegenstände. Eine Aktienoption ist zum Beispiel ein Derivat, dessen Wert vom Kurs einer Aktie abhängig ist. Allerdings können Derivate von so gut wie jeder Variablen abhängen, vom Preis von Schweinen bis zur Schneemenge, die in einem bestimmten Skigebiet fällt“ (Hull 2009:24).
Max Otte (2006:114) schrieb zur Anlageform der Derivate: „Derivate sind nicht nur eng mit Dummheit, Leichtsinn, Selbstüberschätzung und Unfähigkeit verbunden. Wie der Fall Enron zeigt, fordern sie auch zum Betrug in grossem Stil auf“.
Derivate und andere hoch spekulative Anlageformen mussten fast zwangsläufig zu einer riesigen Finanzblase führen, die irgendwann platzen musste. 2008 gingen Finanzökonomen davon aus, dass das Finanzkapital jeden Tag den Globus siebenmal umrundete. Diese enormen Geldflüsse führten zu einer ungeheuren Aufblähung der Finanzvermögen.
Dieses Finanzkapital fehlte dann natürlich im Produktionsbereich, was vor allem in wenig entwickelten Ländern zu Armut, Hunger und Elend führte. Kleine Firmen, risikoreiche Neuunternehmen oder wenig produktive Bereiche konnten kein Kapital finden, weil sie die enormen Renditevorstellungen der Geldgeber nicht erfüllen konnten. So verlangten vor der Finanzkrise 2008/2009 viele Gross-
Umgekehrt wird die Bedeutung der Finanzbranche für die Realwirtschaft nicht selten überschätzt. So trägt etwa in der Schweiz die Finanzbranche mit knapp 6% der Beschäftigten gerade 12% zum schweizerischen Bruttoinlandprodukt bei, und die Grossbanken allein zwischen 3,5 und 4% des BIP (Meister in Schweizerische Handelszeitung vom 16.-
Der frühere Nationalbankdirektor und Professor für Bankenfragen an der Universität Zürich, Urs Bichler, sieht angesichts des enormen Klumpenrisikos der beiden schweizerischen Grossbanken für die Wirtschaft und den Finanzplatz Schweiz vier mögliche Lösungsvarianten:
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Hingegen wäre die von Christoph Blocher vorgeschlagene Umbau der Grossbanken in eine Holdingstruktur zwecks einfacherer Teilliquidation keine Lösung, weil eine Holding nicht eine ausländische Tochter pleite gehen lassen kann, ohne massive Auswirkungen auf die Gesamtgruppe zu erleiden (Neue Zürcher Zeitung vom 6./7.2.2010).
Lösungsansätze
Es muss alles daran gesetzt werden, die Abkoppelung der Finanzwirtschaft von der (produktiven) Realwirtschaft rückgängig zu machen. Die Finanzwirtschaft muss wieder zum Diener der realen Wirtschaft werden, und nicht mehr zu deren Meister.
Es wäre dringend notwendig, zwischen Anlageprodukten, deren volkswirtschaftlicher Nutzen grösser ist als das volkswirtschaftliche Risikopotenzial, und Anlageprodukten, bei denen dies umgekehrt ist, zu unterscheiden. Insbesondere sollten Klumpenrisiken jeder Art ausgeschlossen werden. Gegen eine vernünftige Rendite – z.B. 4-
Die völlige Abschaffung des Zinses oder gar die Einführung eines Negativzinses – wie das etwa die Freiwirtschafter vorschlagen – ist aus mehreren Gründen kontraproduktiv:
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Nominale Negativzinsen sind noch aus einem weiteren Grund nicht wünschenswert: Nominal negative Zinssatze führen dazu, dass die Menschen Bargeld horten. So wurde Anfang 2015 bekannt, dass eine ganze Reihe von Pensionskassen hohe Geldbeträge in bar horteten, was volkswirtschaftlich keinesfalls erwünscht sein kann. Oder die Anleger flüchten in Sachwerte. Das hat sich 2014 und 2015 etwa in verschiedenen Regionen der Schweiz gezeigt, wo als Folge der Negativzinsen durch die Nationalbank – und aufgrund der billigen Hypothekarkredite – ein regelrechter Run auf Immobilien stattfand, bei anhaltend steigenden Immobilienpreisen. Genau wie die Inflation führen nominal negative Zinsen zu einer grundlegenden Bevorzugung der Reichen und Superreichen: Menschen mit grossem (Geld-
Deshalb müssten die Zentralbanken in Europa -
Angeführte Literatur
Bichlmaier, Simon
2009: Zu Geld und Ökonomie. Gelnhausen: Wagner-
Hull, John C.
2009: Optionen, Futures und andere Derivate. München et al.: Pearson Studium.
Humane Wirtschaft
Sept./Okt. 2009: Berger, Wolfgang/Schmauder, Hermann: Neu und exklusiv für regionale Banken: Ein nachhaltig tragfähiges Geschäftsmodell.
Neue Zürcher Zeitung
6./7.2.2010: Tanz um die Grossbanken. Parteien suchen Lösungen für ein vertracktes Problem.
Otte, Max
2006: Der Crash kommt. Die neue Weltwirtschaftskrise und wie Sie sich darauf vorbereiten. Berlin: Ullstein/Econ.
Schweizerische Handelszeitung
16.-
Zeit-
5.1.2009: Elsässer, Jürgen: Über Ursachen und Konsequenzen der aktuellen Finanz-
Weiterführende Texte
Jäggi, Christian J.
2014: Das Zinsproblem. Meggen: Inter-
2014: Die Trennung von Produktions-
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