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Sowohl das Restless-Legs-Syndrom wie auch die chronische Müdigkeit (Fatigue) können Ausdruck von einem Eisenmangel ohne Anämie sein. B. Wurzinger und P. König haben in ihrem Übersichtsartikel in der Wiener Medizinischen Wochenschrift die Charakteristiken dieser beiden Zustände bei Eisenmangel beleuchtet und wichtige klinische Aspekte wie Häufigkeit, Entstehung, Diagnose und Behandlung zusammengefasst.
Die chronische Müdigkeit ist ein häufiges Gesundheitsproblem in der Praxis und betrifft je nach Erhebung zwischen 14 und 33% der Patienten. Oft ist eine Anämie mit Eisenmangel verantwortlich für die Müdigkeit. Neuere Studien, vor allem die PREFER-Studie aus dem Jahr 2014 haben gezeigt, dass die chronische Müdigkeit, aber auch andere Symptome wie Restless-Legs, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwäche mit einem Eisenmangel ohne Anämie assoziiert sind. Für die Beschwerden des Eisenmangels ohne Anämie sind eisenabhängige Stoffwechselvorgänge wie zum Beispiel der Sauerstofftransport oder der mitochondriale Elektronentransport verantwortlich.
Differentialdiagnostisch sollten beim Leitsymptom Müdigkeit andere Ursachen wie z.B. Hypothyreose, Hyperthyreose, Diabetes mellitus, MS oder eine endogene Depression ausgeschlossen werden.
Zur Behandlung können eine Ernährungsumstellung, die orale Substitutionstherapie oder die intravenöse Eisentherapie in Betracht gezogen werden. Das Auffüllen der Eisenspeicher mit einer alleinigen Ernährungsumstellung dauert aber sehr lange, benötigt viel Geduld und die kontinuierlichen Eisenverluste dürfen nicht zu gross sein.
Die orale Eisentherapie ist sicher und kostengünstig, in der Praxis aber oft doch nicht befriedigend, wegen dem verzögerten Wirkungseintritt und den gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Blähungen oder Obstipation.
Die intravenöse Eisensubstitution kommt zum Zug bei dokumentierter Unverträglichkeit der oralen Therapie, bei Malabsorption oder ungenügender Compliance oder wenn ein rascher Wirkungseintritt notwendig ist. Verschiedene Studien wie die PREFER-Studie oder die FERRIM-Studie haben die Wirksamkeit der intravenösen Eisentherapie bei chronischer Müdigkeit und Eisenmangel ohne Anämie gezeigt.
Das Restless-Legs-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung gekennzeichnet durch unangenehme Empfindungen wie Kribbeln und Ziehen in den Beinen, seltener in den Armen. Charakteristisch für die Erkrankung sind der damit verbundene Bewegungsdrang und eine Linderung der Beschwerden durch Bewegung. Vier Kriterien sind essentiell für die Diagnose:
Die Prävalenz schwankt, je nach Studie, zwischen 5-15%. Man unterscheidet zwischen der idiopathischen Form und sekundären Formen. Die häufigste Ursache für die sekundären Formen ist ein Eisenmangel. Die Häufigkeit von Restless-Legs bei Eisenmangel wird in einer Studie von Allen et al. mit 23.9% angegeben. Schwangerschaft, Niereninsuffizienz Diabetes mellitus oder Rheumatoide Arthritis sind andere Ursachen einer sekundären Form.
Die idiopathische Form wird mit Dopamin oder Dopamin Agonisten behandelt. Bei den sekundären Formen steht die Behandlung der Ursache im Vordergrund. Bei Eisenmangel richtet sich die Therapie nach den etablierten Vorgehensweisen wie weiter oben beschrieben. Bei Behandlung mit Dopamin oder Dopamin Agonisten kann es zu einer medikamentös induzierten Verstärkung der Symptomatik kommen. Diese, Augmentation genannte, Komplikation ist gefürchtet und tritt gehäuft bei niedrigen Ferritin Werten auf. Die Eisenspeicher sollten daher bei Restless-Legs-Syndrom immer gefüllt bleiben. Garcia-Borreguero et al. empfehlen in ihren Richtlinien, die Ferritin Werte nicht unter 75 µg/L sinken zu lassen um das Risiko einer Augmentation zu senken.
Referenzen siehe Übersichtsartikel:
http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10354-016-0497-3