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Osterglocken blühen, ein Teich glitzert in der Frühlingssonne, Meisen zwitschern um die Wette. Auch aus der Dachwohnung von Ahmad Soroush Rosta zwitschert es fröhlich. «Meine zwei Wellensittiche helfen mir über die einsamen Stunden hinweg», lächelt der junge Mann und bittet freundlich in seine neu bezogene Studiowohnung. Für einmal hatte er Glück. Trotz vorläufiger Aufnahme, dem Aufenthaltsstatus F/Ausländer, hat er bei engagierten Vermietenden Unterschlupf in einer neuen Gemeinde gefunden. «Diese Gemeinde hier ist urban und offen gegenüber Ausländer*innen. Ich bin erleichtert, dass ich umziehen konnte», sagt der 28-jährige Afghane.
Doch die Agglomerationsidylle täuscht. Dahinter verbirgt sich der hürdenreiche Integrationsprozess eines gut ausgebildeten Mannes aus der afghanischen Hauptstadt Kabul, geprägt von Zurückweisungen, Demütigungen und davon ausgelösten Selbstzweifeln. «Das Leben mit dem F-Ausweis fühlt sich an, wie in einem Raum ohne Türen zu sein», sagt Ahmad Soroush. «Weit oben siehst du ein Fenster, aus dem du vielleicht einmal wegfliegen kannst.»
In seinem Heimatland war Ahmad Soroush Wirtschaftsstudent und mit 22 Jahren bereits Direktor der politischen Nachrichtenabteilung des 2013 gegründeten Fernsehsenders Mitra TV: «Wir hatten wegen unserer Berichterstattung Konflikte mit den Taliban und mit Regierungsbeamten, welche die Taliban unterstützten», erzählt er. «Ich bin als verantwortlicher Direktor persönlich bedroht worden, mehrmals. Irgendwann hast du Angst, dass du der Nächste sein wirst, der entführt oder getötet wird.» Seine Mutter habe damals gesagt, es sei ihr lieber, wenn er weit weg in einem anderen Land lebe, dafür aber am Leben bleibe.
Nach einer gefährlichen, von der ganzen Familie mitfinanzierten Flucht erreichte er 2016 die Schweiz. Rasch wurde er einem Kanton zugewiesen, lebte dann aber lange vier Jahre mit dem N-Ausweis (für Asylsuchende ohne Entscheid) in einer Asylunterkunft mit vielen anderen Schutzsuchenden. «Mit dem N-Ausweis hast du immer ein Gefühl, du machst etwas Falsches», beschreibt er die Gefühlslage in dieser Zeit. «Du traust dich nicht, bei den Behörden nachzufragen oder gar eine Beschwerde zu machen.» 2019 erhielt er schliesslich eine vorläufige Aufnahme mit F-Ausweis für Ausländer. Die Schweiz gewährte ihm jedoch weder Asyl noch die rechtliche Anerkennung einer persönlichen Verfolgung nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Das war für ihn eine grosse Enttäuschung. Sein Anwalt riet ihm aber von einer Beschwerde ab. Denn solange diese hängig ist, hätte er weiterhin mit den Einschränkungen des N-Ausweises leben müssen.
«Mit dem F-Ausweis konnte ich wenigstens meine berufliche Karriere planen», berichtet Ahmad Soroush. «Doch ich kam mir dabei vor wie ein Hund an der Leine: bei jeder Aktivität wurde ich wieder zurückgezogen, weil es mit einem F-Ausweis viele Verbote gibt». Ein Vollzeitstudium ist zum Beispiel nicht möglich, denn die erforderlichen Auslandsemester sind mit einem F-Ausweis nicht erlaubt. Für ein Studium braucht es eine solide Onlineinfrastruktur, doch ohne das Recht auf eine eigene SIM-Karte schliessen die Anbieter kaum einen Vertrag ab. Stipendien kann man nur für ein Vollzeitstudium beantragen. So studiert er heute in Teilzeit Ökonomie an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten und arbeitet in Teilzeit als Lieferant. «Mit dem F-Ausweis geht alles länger und alles wird schliesslich auch teurer, sowohl für mich wie für die Schweiz, für die Gemeinde oder für die Stiftung, die Geflüchtete unterstützt. Macht das Sinn, ist das ökonomisch?», fragt der angehende Wirtschaftsfachmann rhetorisch und fügt traurig an: «Ich arbeite und studiere so wie meine Schweizer Kolleginnen und Kollegen, aber ich darf so vieles nicht tun. Ich höre von ihren Reisen und von ihren Auslandsemestern in europäischen Ländern. Aber für mich ist es gleich geblieben wie damals in Afghanistan: Ich sehe die europäischen Länder nur im Fernsehen. Aber ich bin jung und neugierig und ich möchte meinen Horizont erweitern, so wie die anderen auch.»
Über 37'000 Geflüchtete aus Kriegsländern wie Afghanistan, Syrien, Irak und Eritrea müssen in der Schweiz mit diesen Einschränkungen leben und haben dazu oft noch eine lebensgefährliche, jahrelange Flucht hinter sich. Sie wünschen sich eine Gleichbehandlung vor allem beim Familiennachzug und der Reisefreiheit mit den ukrainischen Geflüchteten mit S-Status. «Ja, das ist eine gute Idee», findet Ahmad Soroush. «Wenn wir reisen dürfen und unsere Ehepartner*in und Kinder rascher in die Schweiz holen können, dann sind wir besser integriert, werden nicht depressiv und mutlos. Zudem könnten wir so unseren Beitrag für die Volkswirtschaft rascher leisten.»
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