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Heilrezepte XIV
Die Auswahl der Potenz hängt von eigenen Erfahrungen ab. Es gibt diverse Meinungen unter den verschiedenen Homöopathen, wenn es um die Wahl der Potenzen geht. Während einige empfehlen, eine homöopathische Behandlung mit einer C30 zu beginnen, halten andere es für sinnvoll, mit einer C200 oder gar 1M zu beginnen. Manche brüsken sich damit, nie unter 10M zu verschreiben. Diese Beispiele zeigen mangelhafte wissenschaftliche Grundlagenkenntnisse.
Meister E.K. beschreibt in seinem Buch „Organon – The Art of Healing“ in 246 Aphorismen genau und ausführlich über den Umgang mit Potenzen. In der Praxis hat sich bei chronischen Fällen bewährt, mit C30 zu beginnen und erst die Potenz des Mittels zu erhöhen, wenn die Wirkung des Mittels abnimmt. Diese Methode unterstützt die Heilung einer Krankheit. Das Wiederholen derselben Potenz sollte vermieden werden, da sonst nicht nur der Verlauf komplizierter wird, sondern auch noch die Symptome vermischt werden. Der Grund dafür ist: Nach der ersten Gabe können entweder einige Symptome noch verbleiben oder ein ganz neues Bild könnte entstehen. Daher sollte der Arzt jedes Mal wieder neu die Gesamtheit der Symptome als Grundlage für die nächste Verschreibung aufnehmen, um den Fall erfolgreich zu behandeln. Die gleiche Potenz zu geben, ohne die Symptome neu aufzunehmen, ist nicht korrekt.
Das Verschreiben mancher Mittel mit der festen Vorstellung, sie reiche für 10, 15 oder 30 Tage aus, ist ebenso unkorrekt. Die Wirkungsdauer der Mittel ist nicht konstant. Sie hängt von der Stärke der Lebenskraft und dem Fortschritt der Erkrankung ab. Es gibt gute Beispiele, in denen 30er Potenzen sehr lange wirksam waren. Die Potenz hängt eng mit dem jeweiligen Fall zusammen. Der Arzt sollte seinen Erfahrungen entsprechend die Lebenskraft des Patienten beobachten und die geeignete Potenz aufgrund der Gesamtheit der Symptome wählen.
Wenn in chronischen Fällen auffällige mentale Symptome vorhanden sind, kommen höhere Potenzen in Frage. Treten dann später die Symptome wieder auf, sollte die Potenz stufenweise erhöht, aber nicht die gleiche Potenz zu oft wiederholt werden. Bei akuten Fällen und auch bei äußerlichen Verletzungen oder Wunden können niedrige Potenzen häufiger verschrieben werden.
Das Wichtigste ist, die Potenz immer gerade so hoch zu wählen, um die heilenden Kräfte der Lebensenergie anzuregen. Für diejenigen, die älter sind oder deren Vitalkraft schwach ist, sind niedrige Potenzen am besten. Für Patienten im mittleren Alter, deren Lebenskraft noch stärker ist, können höhere Potenzen verschrieben werden. Bei neuen Patienten kann man mit niedrigeren Dosierungen anfangen, bis deren vitalen und mentalen Kräfte besser eingeschätzt werden können.
Ist die Potenz zu niedrig gewählt, kann eine Verstärkung der Erkrankung bzw. der Symptome (eine sogenannte Erstverschlimmerung oder Heilreaktion) auftreten. Wenn die Gesamtheit der Symptome erhalten bleibt, sollte in solchen Fällen das Mittel in einer höheren Potenz gegeben werden. Eine solche Verstärkung der Erkrankung bzw. der Symptome kann sogar bei einer zu hoch gewählten Potenz auftreten. Ist das Mittel in Übereinstimmung mit der Gesamtheit der Symptome, sollte man dem Patienten ein wenig mehr Zeit geben, damit die Symptome heilen können. Die Lebenskraft sollte immer gut beobachtet werden.
Mittel aus giftigen Substanzen, wie Lachesis, Crotallus, Naja sollten nicht zu niedrig verordnet werden, z.B. als Urtinktur, da sie ihrer Urform ähnlich sind und somit gefährliche Prüfungssymptome erscheinen können.
Man sollte den Heilungsprozess des Patienten gut begleiten und sein Verhalten und den mentalen Zustand sorgfältig beobachten.
Als Hilfe für den Nutzer, um dieses Thema bezüglich der Potenz besser zu verstehen, werden im Folgenden die Erfahrungen einiger bekannter Homöopathen in ihren eigenen Worten wiedergegeben:
„Das richtige Mittel wird in fast jeder Potenz wirken, das falsche in keinem Fall.“ [DR HAHNEMANN]
„Ich möchte deutlich sagen, dass hohe Potenzen nichts für unerfahrene Menschen sind. Ein Verständnis von Metaphysik, mentaler Philosophie und Logik sind nötig, bevor man aus einiger Distanz demütig auf ein gewisses Verständnis über deren Wirkung hoffen kann. Ich bin entsetzt über manche Leute, die – nachdem sie ein oder zwei Bücher der Materia Medica gelesen haben und sich noch in einem Zustand mentaler Verdauung befinden – damit beginnen, ihre Freunde mit Kenntnissen über wiederholte Gaben hoher Potenzen und alle paar Tage ein Mittelwechsel zu beeindrucken. Mit dummer Ignoranz und eingebildetem Ruhm schaden sie dem Ruf der Homöopathie mehr, als wenn sie einfach nur mit den üblichen Hausmitteln behandeln würden.“ [Dr. Dorothy Shepherd, M.D.]
„Ein Arzt, der sich mit den verschiedenen Potenzen auskennt, hat zehn Mal mehr Erfolge als einer, der immer nur eine Potenz benutzt, egal welche es ist.“ [Dr. Kent, M.D.]
„Jeder homöopathische Arzt, der das richtige Mittel zu wählen weiß und sich nicht pressieren lässt – was sich immer rächt – wird bald erkennen: Eine hohe Dynamisierung in langen Intervallen und ohne Wiederholung gegeben sind den häufigen oder zu oft gewechselten Gaben vorzuziehen.“ [Dr. Boenninghausen]
„Die niedrigen Potenzen sind bei Asthma am erfolgreichsten. Die hohen Potenzen haben nicht versagt, aber in all der Literatur, die ich gelesen habe, schienen die niedrigen Potenzen erfolgreich. Ob das stimmt oder nicht, weiß ich nicht. Ich gebe Fakten wieder, die du selbst beurteilen magst.“ [Dr. Farrington]
… wird fortgesetzt