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In elf Minuten mehr gelernt als in stundenlangen Talkshows. So geht das! Schön, F. B. über Serhii Plokhy hier zu lesen.
Liebe Leandra, ich kenne Sie nicht nur aus Ihren Kommentaren hier aber auch aus den Medien, bin daher etwas überrascht. Ich hätte nicht erwartet, dass Sie die Tatsache, dass Frauen im besprochenen Buch anscheinend nur am Rande vorkommen, unkommentiert hinnehmen, wenn Sie sich schon äussern, auch wenn nur kurz aber doch uneingeschränkt positiv.
Im weiteren seien die einfachen Menschen als anonyme Masse abgehandelt worden, der Antisemitismus der Zwischenkriegszeit z.T. ausgespart. Und überhaupt, ein Text über ein umfassendes Buch zur Geschichte der Ukraine, der die Kosaken als deren "Inbegriff" benennt, in dem die Wörter Jude/Jüdin/ jüdisch nicht vorkommen...
Sie haben natürlich Recht, ich habe auch viel dazugelernt.
Leider aber auch, dass es auch heute (oder 2015, Erscheinungsjahr des Originals) kein grosses Problem darstellt, in einem "Hauptwerk", "einer Gesamtschau" Frauen und jüdische Menschen zu marginalisieren. Wäre interessant zu wissen, was über andere ethnische, religiöse, sprachliche, etc. Minderheiten im Buch zu erfahren ist.
Liebe Frau T., danke für diese Antwort. Ich kann die Überraschung nachvollziehen. Aber meine Wertung bezieht sich auf den Artikel, der das Buch einordnet. F. B. hat das kritisch gemacht und die von Ihnen erwähnten Leerstellen auch problematisiert. Insofern finde ich, dass die elf Minuten mehr zum Verständnis inklusive der bestehenden Lücken beitragen als das Meiste, was zurzeit zur Ukraine kursiert. Die feministischen Ansätze liefern meine Kolleginnen und ich ;) denn ja, da geh ich völlig einig, es ist ein Problem wenn ein Hauptwerk Frauen auslässt.
Liebe Frau T., besten Dank für Ihren Kommentar. In Sachen jüdische Geschichte ist das Versäumnis meines – die jüdische Bevölkerung der Ukraine nimmt im Buch einen angemessen zentralen Platz ein (wie auch z.B. die katholisch-polnische oder krimtatarische Bevölkerung). Wenn ich das in der Rezension nicht erwähnt habe, so vielleicht z.T. aufgrund einer Déformation professionelle – die Wichtigkeit ethnischer Minderheiten erschien mir so offensichtlich zu sein, dass ich sie in Plokhys Buch nicht weiter auffällig fand – aber vor allem auch, weil ich für einen kurzen Text eine Auswahl an Themen treffen musste. Das Buch marginalisiert aber die Jüdinnen und Juden keineswegs. In diesem Sinne: mea culpa!
Was das Buch insgesamt betrifft, so legt Plokhy den Fokus wie gesagt auf eine relativ traditionelle Politikgeschichte (inklusive sozioökonomischer Hintergründe). Gerade wenn man versucht einem breiteren Publikum die grossen Linien einer weitgehend unbekannten Geschichte nahezubringen, besteht in einem solchen Fall die Gefahr, dass man die Frauen vernachlässigt. In meinem eigenen Buch habe ich dieses Problem versucht zu überwinden, indem ich die politische Geschichte anhand einer Familiengeschichte erzähle – und da wird dann schnell klar, dass Frauen schon lange bevor sie politische Rechte erhielten politisch aktiv waren.
Ein verblüffend guter Beitrag.
Man kann sich einzig etwas über den Beitrag des Zarenreiches hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung streiten (inklusive Besiedlung des eigentlich fast menschenleeren Raumes).
Aber eines geht klar hervor: die Ukraine ist ein Land mit einer eigenen Identität UND mit mehr als nur einer Wurzel.
Hoffentlich lesen auch die Parlamentarier der verhovna rada das Buch und korrigieren ihre ultranationalen Gesetze.