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Manifest zur Bedeutung, Qualitätsbeurteilung und Lehre der Methoden qualitativer Sozialforschung
Herausgegeben von der SAGW, SAGW Eigenverlag, Bern 2010, 67 Seiten
Qualitative Methoden sind in der empirischen Forschungspraxis in praktisch allen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen von grosser Bedeutung. Sie werden in vielen Anwendungsgebieten eingesetzt und leisten wichtige wissenschaftliche Beiträge. Das Interesse der Studentinnen und Studenten sowie Forscherinnen und Forscher an einer breiten Ausbildung in qualitativen Verfahren ist daher gross. An den meisten Universitäten sind diese Methoden jedoch noch ungenügend etabliert, und sowohl Anbieter als auch Kunden von Forschungsdiensten schrecken oft aufgrund zweifelhafter Annahmen, die aus Vorurteilen oder falschen Informationen resultieren, vor deren Einsatz zurück. Dies dürfte auch damit zusammenzuhängen, dass Vertreter und Anhänger von qualitativen Forschungsmethoden es in der Vergangenheit eher vermieden haben, eine «scientific community» zu bilden und sich bezüglich Theorie und Anwendung qualitativer Methoden untereinander zu koordinieren. So ist weder die systematische Struktur noch die Lehre dieser Methoden definiert, und es besteht kein Konsens über Qualitätsstandards für diese Forschungsverfahren. Daher hinkt die Entwicklung und differenzierte Anwendung qualitativer Forschungsmethoden in der Schweiz hinter dem Stand von Theorienbildung und Anwendung in den angelsächsischen Ländern und Deutschland hinterher.
Aus diesen Gründen lancierte der Wissenschaftspolitische Rat der Sozialwissenschaften eine Initiative, um die qualitative Sozialforschung in der Schweiz zu fördern und zu stärken. Mehrere Treffen wurden organisiert, an denen Vertreter verschiedener Disziplinen und Fachgebiete versuchten, einen Konsens zu den Mindestanforderungen an die Lehre von qualitativen Methoden an Universitäten und einen Konsens zu Qualitätsstandards in der qualitativen Forschung zu finden.
Das vorliegende Manifest ist das Ergebnis dieses Prozesses. Es enthält Angaben über Qualitätsstandards für die meisten qualitativ ausgerichteten Forschungsverfahren und beinhaltet auch Vorschläge für die systematische Aufnahme von qualitativen Methoden in die Lehrpläne der Geistes- und Sozialwissenschaften.
Ziele der Publikation
- Erreichung der Gleichstellung von quantitativen und qualitativen Verfahren an den Universitäten und Fachhochschulen
- Bereitstellung von Grundinformationen und Qualitätskriterien für Interessengruppen
- Beschreibung von Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Disziplinen, Fachgebieten und Anwendungen
- Bestimmung der zentralen Elemente qualitativer Forschung
- Darlegung des möglichen Beitrags der qualitativen Methoden für die Einheit der Geistes- und Sozialwissenschaften
Das Manifest ist für diejenigen bestimmt, die an Forschung und Lehre an Universitäten und Fachhochschulen, in NGOs und Forschungseinrichtungen interessiert sind oder dafür Verantwortung tragen, sowie für jene, die im öffentlichen Dienst, in der Wirtschaft oder in der Politik qualitative Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften in Auftrag geben oder deren Ergebnisse nutzen.
Autorinnen und Autoren
Manfred Max Bergman (University of Basel), Thomas S. Eberle (University of St. Gallen), Uwe Flick (Alice Salomon University of Applied Sciences Berlin), Till Förster (University of Basel), Eugène Horber (University of Geneva), Christoph Maeder (University of Teacher Education Thurgau), Véronique Mottier (University of Lausanne and Jesus College, Cambridge), Eva Nadai (University of Applied Sciences Northwestern Switzerland), Johanna Rolshoven (University of Graz), Clive Seale (Queen Mary, University of London), Jean Widmer † (University of Fribourg)