Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03219.jsonl.gz/1268

« ZurückWeiter »
auf Vervollkommnung des technischen Bildungswesens abzielen. Seit Jahren beteiligte er sich persönlich an den Prüfungen des Technikums Winterthur. Besonders aber wandte er sein Interesse der neuzeitlichen Technischen Hochschule und ihrer Weiterentwicklung zu, betonend, daß eine gründliche wissenschaftliche Bildung, besonders in der Maschinenmechanik, notwendig sei.
Mit der seinem späteren Wirkungskreise naheliegenden Technischen Hochschule Zürich stand er in reger Fühlung, aus der sich ein freundschaftliches Verhältnis zu deren Dozenten, namentlich zu dem bekannten Inhaber des Lehrstuhles für Hydraulik, Professor Prášil, entwickelte.
Soweit es mit den geschäftlichen Verhältnissen bei Abnahmeprüfungen vereinbar war, ließ Zodel wissenschaftliche Untersuchungsverfahren und schwebende Fragen der wissenschaftlichen Forschung verständnisvoll berücksichtigen, von dem richtigen Gedanken ausgehend, daß neue Erfolge der Wissenschaft schließlich auch ihm zugute kommen würden. Besondere Sorgfalt wandte Zodel der Wahl seiner Mitarbeiter zu, deren Fähigkeiten und Leistungen er schätzte und gelten lies.
Mit seiner hervorragenden Fähigkeit als Ingenieur verband Zodel kaufmännischen Scharfblick, vorzügliche geschäftliche Kenntnisse und Gewandtheit, die er in den späteren Jahren auf geschäftlichen Reisen, die ihn fast um den ganzen Erdball führten, mit Erfolg verwertete.
Vielseitigkeit, trotz Gründlichkeit in seinem Fach, war Zodel in auffallendem Maße eigen. Alle Aeußerungen menschlichen Geisteslebens fanden bei ihm eindringendes Verständnis und Interesse. Alte anhängliche Freundschaft verband ihn mit hervorragenden Musikern und Denkern, mit Männern der Bühne und der bildenden Kunst. Er selbst war ein schlagfertiger, witziger und guter Redner, der sich über eine geistreiche Aeußerung im Freundeskreise lange und herzlich freuen konnte und selbst immer wieder anregend auf seine Umgebung wirkte. Wegen seiner humorvollen witzigen Art war er im persönlichen Verkehr geschätzt. In der Unterhaltung verweilte er am liebsten bei Fragen philosophischer Natur, wobei er über eine ungewöhnliche Belesenheit verfügte. Idealismus war ein hervorstechender Zug seines Charakters. Er beherrschte mehrere fremde Sprachen, deren eine, die italienische, ihm ebenso vertraut wie seine Muttersprache war. Wohl jeder, der mit Zodel näher bekannt wurde, gewann von ihm den Eindruck eines nicht alltäglichen Menschen. Wie seine Persönlichkeit, hatte auch sein Entwicklungsgang etwas Eigenartiges.
Ohne eine technische Schule besucht zu haben, trat Zodel schon in jüngeren Jahren mit großem Erfolg in Wettbewerb mit seinen schulmäßig gebildeten Berufskollegen, erwarb sich unter ihnen einen hervorragenden Platz und wirkte bahnbrechend in seinem Fach, in dem er sich durch sein Lebenswerk einen dauernden Namen gemacht hat. Die Geschichte der Technik ist ja besonders reich an Beispielen dieser Art; es sei nur an Edison und Zeppelin erinnert.
Am 28. Februar 1862 wurde Louis Zodel zu Engetweiler im württembergischen Oberamt Waldsee geboren. Sein Schulbesuch mußte im ersten Jahre infolge eines Unfalles unterbrochen werden. Ein halbes Jahr hütete der Knabe das Bett und erhielt während dieser Zeit Unterricht von einer Verwandten, die sich der übernommenen Aufgabe erfolgreich unterzog. Später besuchte er die Schule in Altann und hatte das für sein späteres Leben und Streben bedeutungsvolle Glück, bei einem jüngeren intelligenten Lehrer Verständnis für seine Begabung und seinen Eifer zu finden. Durch Privatunterricht brachte ihn dieser Lehrer so weit, daß er beim Eintritt in die Realschule zu Saulgau gleich mehrere Klassen Vorsprung gewinnen konnte.
Schon während der Schuljahre zeigte er ein lebhaftes Interesse für die Technik und faßte noch vor seinem Austritt den Entschluß, Maschinenbauer zu werden.
Nach Abschluß einer 1878 angetretenen 2jährigen Lehrzeit in der Mühlenbauanstalt Haas in Ravensburg nahm Zodel in dem Ingenieurbureau des Baurats Zuppinger, ebenfalls in Ravensburg, eine Stellung an. Hier fand er Gelegenheit, sich namentlich im Wassermotorenbau theoretisch weiter zu bilden. Daneben betrieb er eifrige Studien in technischen Fächern und besonders in Mathematik. Alle freie Zeit, von den frühesten Morgenstunden bis zur späten Nacht, benutzte er zu seiner Weiterbildung, indem er Sprachen, Philosophie und schönwissenschaftliche Literatur schon mit in seinen Interessenkreis zog.
Nach einigen Jahren weiterer Tätigkeit, teils in' Rorschach, teils wieder in Ravensburg, trat Zodel mit 23 Jahren in die Maschinenfabrik Cerutti in Prato bei Florenz ein. Hier blieb er zwei Jahre. In diese Zeit fällt seine Verheiratung
Im Alter von
mit Fräulein Anna Beck aus Ravensburg. 25 Jahren faßte er bereits den Plan, sich selbständig zu machen, und übernahm mit dieser Absicht die Leitung einer mechanischen Werkstätte in Fazzeri bei Catanzaro in Calabrien; nach kaum sechsmonatiger Tätigkeit aber trat er bei der jetzigen Firma Riva, Monneret & Cie. in Mailand ein. Auf Zodels Veranlassung hin nahm diese Mühlenbaufirma als erste in Oberitalien den Wasserturbinenbau auf. Als Beweis für die rasche Entwicklung, die die neue Abteilung unter Zodels Leitung nahm, sei die Tatsache angeführt, daß die größte der damals auf dem Kontinent gebauten Anlagen für die Elektrizitätszentrale Paderno-Mailand von Zodel im Wettbewerb gegen Escher, Wyß & Co. seiner Firma gesichert wurde. Der junge Konstrukteur machte sich, hauptsächlich in italienischen Fachkreisen, schon damals einen Namen, und noch heute wird er in Italien gern »il padre della turbina« genannt.
Im Jahre 1899 nahm Zodel eine ihm von Escher, WyB & Co. angebotene Tätigkeit in Zürich an, in der er bis zu seinem Ende wirkte, mit der Genugtuung, die ihm unterstellte Abteilung für Wasserturbinenbau zum stärksten Zweig dieses Werkes sich entwickeln zu sehen.
Von den zahlreichen unter Zodels Leitung errichteten gröBeren Kraftanlagen seien nur die der Canadian Niagara-Falls Power Co., der Shavinigan Water Power Co., die Turbinenanlage am Stadtbach in Augsburg, Canvery-Falls, Kykkelsrud, Rauris, Wangen a. d. Aare, Festi Rasini bei Verona, Brusio, Adamello, Tata Iron (Indien), Necaxa (Mexiko) genannt.
Von der Bedeutung einzelner Anlagen mögen folgende Leistungszahlen ein Bild geben:
Kraftanlage Tyssedalen (Norwegen)
Eine der letzten Freuden, die dem Entschlafenen zuteil wurde, war die Auszeichnung mit dem »Water Arbitration Prize (Wasserfachpreis), den die englische Society of Mechanical Engineers alle zwei Jahre einmal verleiht. Diese Nachricht erreichte ihn wenige Tage vor dem Ende seines an Arbeit und Erfolgen reichen Lebens.
Mit Zodel ging ein edler Mann zur Ruhe, dessen Name und Geist nicht nur in der technischen Welt, sondern auch in den Herzen aller derer, die ihn näher kannten, fortleben wird.
deutscher Ingenieure.
Jahr
1907
1908
1909
1910
1911 1912
Personenwagen
Die bayrische Postverwaltung benutzt bereits 152 Omnibusse. Im Harz betreibt der Büssing-Kraftwagenbetrieb seine Harzlinien mit 20 Omnibussen. Auch im sächsischen Erzgebirge zeigt sich jetzt eine starke Entwicklung des Omnibusverkehrs.
25 185
34 224
39 475
46 922
53 478 63 120
Die Hauptentwicklung des Nutzwagenbaues in den letzten 5 Jahren liegt in der Einführung des Lastwagens. Aus der Zusammenstellung ist das Anwachsen der Lastwagen in Deutschland zu ersehen.
Bestand an Motorfahrzeugen in Deutschland.
54000 PS
72000 »
51000 »
90 000 >>
80000 »
Den kräftigsten Anstoß für die schnellere Einführung der Lastwagen gab die Subventionierung des Heeres für diese Nutzfahrzeuge. Neben dem nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß die Heeresverwaltung den Käufern von Lastwagen cine erhebliche Geldbeihülfe gewährte, sprach vor allem das
57. Nr
Februar 1913
1) Vergl. T. u. W. Jan. 1913.
2) Vergl. Z. 1912 S. 492, 932.
") Vergl. Z. 1912 S. 1644.
4) Vergl. Z. 1912 S. 81 u. f.
5) Vergl. Z. 1912 S. 850, 1635.
6) Vergl. Z. 1911 S. 1530; 1912 S. 1411 u. f., 1557.
Eingegangen 6. und 9. Dezember 1912.
Vorsitzender: Hr. Bantlin. Schriftführer: Hr. Baumann.
Der Vorsitzende berichtet über die Tätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahre.
Hr. Lind spricht über die Straßenbahnen Londons. Die Stadt London bedeckt eine Fläche von 305 qkm mit über 42 Mill. Einwohnern. Groß-London nimmt 1790 qkm mit über 7, Mill. Bewohnern ein. Das Kraftwerk von 50000 PS hat 16 Mill. M gekostet. Das Anlagekapital der Straßenbahnen beträgt über 437 Mill. M. Im letzten Jahr wurden 688 Mill. Fahrgäste befördert.
Sitzung vom 5. Dezember 1912. Vorsitzender: Hr. Bantlin. Schriftführer: Hr. Baumann. Anwesend rd. 60 Mitglieder und Gäste.
Hr. Seffers spricht über den elektrischen Schnellregler und sein Anwendungsgebiet.
Nach dem Vortrage wird eine Zugbeleuchtungsanlage von Brown, Boveri & Cie. vorgeführt.
Hr. Lind berichtet über ein Beispiel der Rauchbekämpfung.
Die Binnenschiffahrt. Ein Handbuch für alle Beteiligten von Oskar Teubert. 1. Bd. 664 S. mit 538 Abb. und 7 Wasserstraßenkarten. Leipzig 1912, Wilhelm Engelmann. Preis 24 M.
» Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen« sagt Teubert in seinem Vorwort, und danach hat er bei der Abfassung seines Buches gehandelt. Blättert man dieses zunächst oberflächlich durch, so kommen anfangs Zweifel, ob all die vielen Abbildungen mehr als ein Bilderbuch sind, umrahmt von anmutiger, aber etwas oberflächlicher Beschreibung. Aber man erkennt bald, welche Fülle schönen Stoffes dieses Bilderbuch bringt, man vertieft sich gern weiter, liest hier cine zahlenreiche Zusammenstellung, vergleicht dort die Schiffsrisse des Rheines mit denen der Weser und Elbe und findet allmählich, daß den »>>Beteiligten«, wozu vor allem die Ingenieure jeder Art gehören, ein ganz besonders wichtiges und eigenartiges Werk geboten wird, ein umfassendes Nachschlagebuch der Binnenschiffahrt. Es tat uns dringend not, fehlte aber bisher, wenn man von einem ähnlichen Werke Suppans, des verdienstvollen Betriebsleiters der Ersten k. k. priv. Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft in Wien, absicht, das weniger eingehend gehalten ist und besonders die österreichischen Verhältnisse berücksichtigt; übrigens auch ein vortreffliches Buch aus dem Jahre 1902. Nachdem wir so den Inhalt des Teubertschen Werkes, soweit es bisher vorliegt, einigermaßen kennen gelernt hatten, lasen wir auch noch die Vorrede manche lesen sie zuerst und da findet sich eine durchaus zutreffende Kennzeichnung des Zweckes und Inhaltes. Teubert schreibt: »Außer einem einleitenden und geschichtlichen Teile sollen in dem vorliegenden Buche die Fahrzeuge der Binnenschiffahrt, die Wasserstraßen mit ihren Betriebseinrichtungen, die Fortbewegung der Schiffe, der gewerbliche Betrieb der Schiffahrt und das Verhältnis der Binnenschiffahrt zum Staate besprochen werden. Es ist wahrscheinlich, daß weder die Schiffbauingenieure aus dem Abschnitte über die Fahrzeuge, noch die Wasserbauingenieure aus dem Abschnitte über die Wasserstraßen viel Neues erfahren werden; ähnliches wird für die Betriebsingenieurc, die Schiffahrtsdirektoren, die Reeder und Kaufleute bei den folgenden beiden Teilen zutreffen, und die Verwaltungsbeamten werden aus dem letzten Teile vielleicht wenig lernen können: Alle aber werden sich aus den übrigen Teilen des Buches über die Zweige der Binnenschiffahrt unterrichten können, in denen sie selbst keine Sachkenntnis und Erfahrung besitzen. Das Bedürfnis nach einem solchen Handbuche habe ich selbst im Laufe meiner amtlichen Tätigkeit empfunden und mich darum zu seiner Abfassung entschlossen. <<
Bücherschau.
Das alles ist so richtig ausgedrückt und begründet, daß eigentlich jedes weitere Wort zu viel sein würde. Wir wollen daher nur kurz hinzufügen, daß das Buch nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslande, welches in immer stärkerem Maße Deutschland als den führenden Staat der Binnenschiffahrt in technischer und wirtschaftlicher Beziehung erkennt, mit Freuden begrüßt werden wird. Auf die vielfachen und vielseitigen Anfragen, die über alle Seiten der Binnenschiffahrt regelmäßig bei uns einlaufen, werden wir nun, erleichtert von mancher nachforschenden Arbeit, antworten können: Lesen Sie das im »Teubert« nach. Und mit welch geläutertem Verständnis werden von jetzt bei uns viele Binnenschiffahrtfragen von Beamten und Privaten behandelt und erörtert werden können, nachdem der umfangreiche, bisher weit verstreute Stoff gesammelt vor uns liegt! Nun möge noch eine kurze Inhaltsübersicht des ersten Bandes folgen.
deutscher Ingenieure.
schnitt III behandelt die Tätigkeit der verschiedenen KanalVereine und Verbände, insbesondere des Zentralvereins für Binnenschiffahrt und der Internationalen Schiffahrt-Kongresse. Abschnitt IV beschreibt die Verbesserung und Vermehrung der Binnenschiffahrtstraßen seit 1870.
Im zweiten Teile: Die Fahrzeuge der Binnenschiffahrt, wird einleitend im Abschnitt I einiges Allgemeine über Binnenschiffe gesagt; sodann folgen im Abschnitt II Lastschiffe ohne eigene Triebkraft, im Abschnitt III Schiffe mit eigener Triebkraft, Kraftschiffe, sowie endlich ein Anhang über Schiffbauanstalten und Bestand der Binnenschiffe.
Hoffentlich erscheint bald der zweite Band, der insbesondere den Ausbau der Wasserstraßen und den Schiffahrtbetrieb behandeln soll. Er wird zweifellos die infolge der Wasserstraßengesetze von 1904/05 im Bau befindlichen groBen Kanal- und Strombauten berücksichtigen, die sowohl in technischer, als auch in wirtschaftlicher Beziehung einen weiteren, bedeutsamen Schritt in der Entwicklung der deutschen Binnenschiffahrt bedeuten.
Bemerkt sei noch, daß Teubert zwar in erster Linie die deutschen Verhältnisse berücksichtigt, aber auch die wichtigeren Maßnahmen und Umstände des Auslandes ergänzend behandelt. Ueberall merkt man das auf dem Gebiete der Binnenschiffahrt umfassende Wissen des früheren Strombaudirektors der märkischen Wasserstraßen, der nach verdienstvoller amtlicher Tätigkeit seine Mußezeit verwendet, die Erfahrungen eines ungewöhnlich wirkungsreichen Lebens in mustergültiger Weise zusammenzufassen. Der in Fachkreisen bestbekannte Verlag hat dem reichen Inhalt durch vortreffliche Ausstattung eine schöne Form gegeben. Sy-.
Bibliothek der gesamten Technik. 155. Bd. Unfallverhütung und Fabrikhygiene. Von O. Feeg. Leipzig 1912, Dr. Max Jänecke. 304 S. mit 97 Abb. Preis 5 M.
In der Einleitung berichtet Dr. Holitscher aus Karlsbad über die in Deutschland bestehenden gesetzlichen Vorschriften für Unfallversicherung in der Fassung der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 5. Juli 1900. Diese Vorschriften sind in wesentlichen Punkten geändert worden durch die neuen Bestimmungen des dritten Buches der Reichsversicherungsordnung, die bereits am 1. Januar 1913 in Kraft getreten sind. Ebenso sind die im Abschnitt »Beschäftigungsschutz<< angeführten gesetzlichen Bestimmungen längst durch die Novelle zur Gewerbeordnung vom 28. Dezember 1908 überholt. Betriebsleiter, die sich nach den Ausführungen des Buches, soweit sie sich auf gesetzliche Vorschriften beziehen, richten, würden bald in arge Verlegenheit kommen. Es ist wenig erfreulich, wenn den Lesern neue Erscheinungen angeboten werden, die in wesentlichen Teilen als veraltet bezeichnet werden müssen.
Das über Betriebstättenschutz Gesagte bringt das Wissenswerte in knapper übersichtlicher Form und ist als brauchbar zu bezeichnen. Einzelne Abbildungen lassen an Deutlichkeit allerdings manches zu wünschen übrig. Auch leidet die Verständlichkeit der Darstellung bisweilen unter der Knappheit.
Ein Literaturverzeichnis fehlt.
Angesichts der genannten Mängel ist der Preis reichlich hoch. Hellmich.
57. Nr
Februar 1913
Verhältnisse im Wechselstromkreis mit Widerstand und Selbstinduktion, geht sodann über zu der gegenseitigen Induktion und entwickelt die Theorie des Transformators mit und ohne Eisenkern. Im Anschluß hieran werden die Kondensatoren im Wechselstromkreis behandelt und die Beziehungen zwischen Induktion und Kapazität mathematisch festgelegt. Die zusammengesetzten Wellenformen finden eine eingehende Würdigung. Nach diesen mehr theoretischen Betrachtungen führt das Buch zu den mehrphasigen Stromsystemen über, die in kurzer aber treffender Weise dargestellt werden. Den Schluß bildet das Kapitel über die Synchronmaschinen; im Anhang finden sich Formeln zur Ausrechnung einer zusammengesetzten Wellenform, sowie für die Selbstinduktion und die Kapazität einfacher Leiterformen.
Das Buch zeichnet sich wie alle Benischkeschen Werke durch Klarheit des Stiles aus. Die Ausstattung ist gut. Bildliche und graphische Darstellungen erleichtern das Verständnis des mathematischen Stoffes, so daß auch der Anfänger das Buch mit Erfolg zu lesen vermag. E. Vollhardt.
Von H. Rein. Radiotelegraphisches Praktikum. Berlin 1912, Julius Springer. XII und 220 S. mit 170 Abb. und 5 Kurventafeln. Preis 8 M.
Der Verfasser gibt in einer Einleitung eine kurze Beschreibung der verschiedenen Systeme der Wellentelegraphie, in je einem längeren Abschnitte die Theorie und die Beschreibung der Verfahren zur Messung von Kapazitäten, Induktionskoeffizienten, Wellenlängen, der Dämpfung, Messungen an Maschinen und Apparaten und schließlich noch Beschreibung und Vergleich der verschiedenen Stationen, ihrer Reichweite und Abstimmfähigkeit. Das Buch ist reich an guten Abbildungen der in Betracht kommenden Apparate, Schaltschemen und Kurvenaufnahmen und ist auch mit einem ausführlichen Quellenverzeichnis versehen, für welches leider im Text die nötigen Hinweise fehlen. Unschön wirkt die Schreibweise der Formeln, bei denen die Maßbezeichnung, zum Teil sogar in ganzen Wörtern, als Exponent hinzugefügt ist. Der Ausdruck »ungeshuntet« auf S. 147 unten wäre wohl besser vermieden worden. Das Papier hat einen für das Auge unangenehmen Glanz, der Druck ist jedoch klar und sorgfältig. E. Jasse.
Les sources de l'énergie calorifique. Von Emilio Damour, Jean Carnot und Etienne Rengade. Paris und Lüttich 1912, Librairie Polytechnique Ch. Beranger. 501 S. 8°. Preis 20 F.
Das Werk, welches den ersten Band der von C. Chabrié herausgegebenen »>Encyclopédie de science chimique appliquée« bildet, zerfällt in zwei Hauptabschnitte: Der erste von Damour und Carnot verfaßte Teil handelt von den Vorgängen der Verbrennung und Vergasung sowie von der elektrischen Heizung; der zweite aus der Feder von Rengade umfaßt die Brennstoffe und Feuerungsanlagen. In der Einleitung zum ersten Teile, der im wesentlichen eine Erweiterung des von Damour im Jahr 1898 veröffentlichten Buches >> Le Chauffage industriel et les fours à gaz« darstellt, bezeichnet der Verfasser als Zweck seiner Arbeit, dem Leser diejenigen Angaben zu bieten, die diesen in den Stand setzen sollen, für jeden Industriezweig die wirtschaftlichste Energiequelle auszuwählen. Den genannten Zweck erfüllt das vorliegende Werk in vollkommener Weise: es liest sich wie ein vorzügliches Kolleg über industrielle Feuerungen, wobei der Leser den Eindruck erhält, daß die Verfasser den Gegenstand vollständig beherrschen und bei den sehr geschickt gewählten Beispielen aus eigener Erfahrung schöpfen.
Die Einteilung des Stoffes ist die folgende: Das erste Kapitel behandelt die Grundlagen der Energetik und Thermodynamik mit Einschluß des chemischen Gleichgewichtes. Das zweite Kapitel ist der Berechnung der (theoretischen) Anfangstemperaturen und der Messung der Reaktionstemperaturen gewidmet, sowie der Erzielung hoher Temperaturen (Aluminothermie und autogene Schweißung). Im dritten Kapitel, das von der Wirtschaftlichkeit der Feuerungen handelt, werden Wärmebilanzen für Kesselfeuerungen und Gaserzeuger mit und ohne Rekuperation aufgestellt; auch wird die Theorie
der letzteren an trefflichen Beispielen erläutert. Das vierte Kapitel, der elektrische Ofen, von Jean Carnot befaßt sich mit der Gewinnung von Elektrostahl, Kalziumkarbid und -cyanamid, Aluminium und Schwefelkohlenstoff. In Kapitel V wird gezeigt, wie sich durch Anwendung der Gesetze der Verbrennung Verbesserungen bei den verschiedensten Feuerungen bewerkstelligen lassen. Der zweite, von Etienne Rengade verfaßte Teil handelt von den Brennstoffen, Gaserzeugern, Feuerungsanlagen und Brennern für industrielle Zwecke und bietet für deutsche Leser nichts wesentlich Neues.
Das Studium des hier besprochenen Werkes, das kein Handbuch sein will, sondern sich darauf beschränkt, die Anwendung der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten auf die verschiedensten Feuerungen zu zeigen, wird jedermann von Nutzen sein, der sich für den Gegenstand interessiert.
E. J. Constam.
Die elektrolytische Alkalichloridzerlegung mit starren Metallkathoden. Von Dr. Jean Billiter, Privatdozent an der Universität Wien. Band XLI von Engelhardts Monographien über angewandte Elektrochemie. Halle a. S., Wilhelm Knapp. V und 284 S. mit 189 Abb. Preis 16,50 M.
Der Verfasser gibt nach einer ganz kurzen allgemeinen Einleitung eine Zusammenstellung der deutschen, englischen und amerikanischen Patente, etwa 450 an der Zahl, die bis heute auf dem im Titel genannten Gebiete genommen sind. Er beschränkt sich aber dabei nicht auf Auszüge aus den Patentbeschreibungen und die Wiedergabe der Patentansprüche, sondern fügt den einzelnen Patenten einige Worte über die Ausübung bei, die ihnen zuteil geworden ist, und eine kurze Charakterisierung der in ihnen enthaltenen Fortschritte oder Irrtümer. Beides mag überflüssig erscheinen für den mit dem Gebiet in allen Einzelheiten vertrauten Leser, dem das Buch nur ein bequemes Nachschlagebuch sein soll (und ist, infolge zweckmäßiger Anordnung und geeigneter Register); für jeden andern aber liegt hierin jedenfalls eine große Erhöhung des Wertes gegenüber einer trocknen und kritiklosen Aufzählung der Patente.
Erwähnt muß noch werden, daß die Austattung des Bandes wie immer bei Knapp vorzüglich ist, daß insbesondere mit Abbildungen nicht gespart wurde, und daß dadurch das schnelle Verständnis des Textes sehr gefördert wird. Bodenstein.
Grundriß der Differential- und Integral-Rechnung. 1. Teil: Differential-Rechnung. Von Dr. L. Kiepert. 12. Auflage des gleichnamigen Leitfadens von Dr. M. Stegemann. Hannover 1912, Helwingsche Verlagsbuchhandlung. 863 S. mit 187 Abb. Preis 12,50 M.
Wie mir nachträglich bekannt wird, hat die Fassung meiner Besprechung in Z. 1912 S. 485 zu irrigen Vorstellungen Anlaß gegeben. Ich möchte deshalb an dieser Stelle betonen, daß der Verfasser sein Werk in erster Linie für die Studierenden der Technischen Hochschulen bestimmt hat, und daß der außerordentlich günstige Absatz, den das Werk gefunden hat, als Beweis dafür gelten kann, wie sehr Darstellung und Auswahl des Stoffes einer großen Zahl unter den Studierenden zusagen. Diese Tatsachen glaubte ich als bekannt voraussetzen zu sollen, da der vorliegende Grundriß in zwölfter Auflage erschien. Daher habe ich mich in meiner Besprechung darauf beschränkt, Wünschen Ausdruck zu geben, die meiner Meinung nach für die mathematische Ausbildung künftiger Ingenieure in Betracht kommen.
Auch will ich nachträglich bemerken, daß die elliptischen Integrale tatsächlich in dem zweiten Teile des Kiepertschen >> Grundrisses<< behandelt werden. Das würde aber, nach meiner Meinung, eben nicht ausschließen, daß Reihenentwicklungen von Funktionen, die über den Kreis der trigonometrischen und der Hyperbelfunktionen hinausgehen, bereits in einem Abschnitt der Differentialrechnung untersucht würden.
Auf alle Fälle gehört das Kiepertsche Werk zu den Lehrbüchern über Infinitesimalrechnung, die man in den Händen der meisten Studierenden findet.
Berlin.
E. Jahnke.
Die vorliegende siebente Auflage des 1892 zum erstenmal herausgegebenen Werkes ist das dritte Hülfsbuch für Laboratorien und Versuchsingenieure, das innerhalb kurzer Zeit auf dem englischen Büchermarkt erschienen ist1), und insofern umfassender als seine Vorgänger, als es mit Ausnahme der elektrischen alle technischen Meßverfahren behandelt. Es unterscheidet sich von den beiden früher besprochenen Büchern auch dadurch, daß es neben amerikanischen auch deutsche Quellen, insbesondere die Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, berücksichtigt, und ist daher noch am ersten für deutsche Ingenieure, z. B. neben der >>Hütte«<, verwendbar. Der Inhalt ist in 25 Abschnitte gegliedert, wovon der erste den allgemeinen Verfahren bei der Verwertung von Versuchszahlen, der zweite den Längenund Flächenmeßgeräten gewidmet ist. Hieran schließen sich drei Abschnitte, die einen Abriß der Festigkeitslehre, der Materialprüfung und der Festigkeitsmaschinen sowie AnleiDie tungen zur Durchführung solcher Versuche enthalten. weiteren Abschnitte befassen sich mit der Messung von Druck, Temperatur und Geschwindigkeit, mit der Messung der Reibung sowie der Schmiermittelprüfung, ferner der Messung von Kräften und der Untersuchung der Kraftübertragung, der Thermodynamik und der Messung von Gasen, Dämpfen und Flüssigkeiten sowie mit den Vorgängen und Messungen bei der Verbrennung. Dem Indikator und seinem Diagramm sind die beiden folgenden Abschnitte gewidmet. Den Rest, immerhin 400 Seiten, bilden Anleitungen zum Prüfen von Dampfkesseln, Dampfmaschinen, Pumpmaschinen, Lokomotiven, Dampfturbinen, Injektoren, Gasmaschinen und Gaserzeugern, Heißluftmaschinen, Kompressoren, Kältemaschinen und Wasserkraftanlagen sowie Erläuterungen über die Aufden anerstellung übersichtlicher Versuchsberichte nach kannten Regeln.
Da vielfach auch theoretische Unterlagen für die Berechnungen beigegeben sind, so dürfte das Buch in Laboratorien und bei Abnahmeversuchen gut brauchbar sein.
Dr. techn. Heller.
New Sewage disposal. Von George W. Fuller. York 1912, Mc Graw-Hill Book Company. 767 S. Preis 25,50 M.
Fuller, ein bekannter Wassersachverständiger in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, hat in dem vorliegenden Werke seine in etwa 25 Jahren auf dem Abwassergebiete gemachten Erfahrungen niedergelegt. Das umfangreiche Buch behandelt in 26 Kapiteln, die vier etwa gleichgroße Hauptabschnitte umfassen, zuerst die Zusammensetzung des Abwassers in physikalisch-chemischer und bakteriologischer Beziehung, seine Zusammensetzung und seine Beziehungen zu Wasserversorgungsanlagen und zu den Organismen des Süßund Salzwassers. In Abschnitt 2 werden dann die amerikanischen Erfahrungen über die Beseitigung des Abwassers durch Einleitung in die Flüsse, in Seen und in das Meer mitgeteilt; auch mehrere Berichte über die zweckmäßigste Art der Abwasserbeseitigung einiger amerikanischer Städte werden bekannt gegeben. Die Abschnitte 3 und 4 bringen die verschiedenen Verfahren der Abwasserbehandlung; sie besprechen also die Rechenanlagen, die Absitzanlagen, die chemische und die elektrolytische Abwasserbehandlung, die Rieselei und die künstlichen biologischen Verfahren. Zum Schlusse wird auch die Kostenfrage in einer schönen vergleichenden Tabelle behandelt.
Das Fullersche Buch ist klar und übersichtlich geschrieben; es erörtert die Abwasserfrage der Vereinigten Staaten in erschöpfender Weise und gibt wertvolle Hinweise auch in allgemein-wissenschaftlicher und in praktischer Beziehung. Die Anschaffung des Buches kann deshalb jedem, der sich Bei Bemit Abwasser zu befassen hat, empfohlen werden. nutzung des Buches ist aber zu beachten, daß die Verhältnisse in Amerika z. B. hinsichtlich der Abwasserzusammen
1) Vergl. Z. 1912 S. 112, 802.
deutscher Ingenieure.
setzung und -menge etwas andre sind als in Deutschland, und daß deshalb die mitgeteilten Werte, z. B. diejenigen hinsichtlich der Größenverhältnisse von Kläranlagen oder der Kostenfrage, ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse nicht übertragbar sind. Berlin.
Thumm.
Verdampfen und Verkochen. Unter besonderer Von W. Berücksichtigung der Zuckerfabrikation. Greiner, Ingenieur in Braunschweig. Leipzig 1912, Otto Spamer. 123 S. mit 28 Abb. Preis 6,75 M.
4
Der Verfasser, der sich um die Entwicklung der Verdampf- und Verkochapparate und der Dampfersparnis bei der Verdampfung große Verdienste erworben hat, bietet in dem vorliegenden Buch eine sehr interessante Darstellung der Verdampfung in Theorie und Praxis. Nach einer geschichtlichen und kritischen Einleitung werden die physikalischen Grundlagen und die Verdampfung, welche er in die ideelle und die reelle teilt, behandelt. Daran schließen sich Abschnitte über die Kondensation und die Luftpumpe, über die Anwärmung, über die Kochapparate und den Dampfverbrauch, und den Schluß machen Ausblicke auf weitere Verbesserungen der Verdampfung.
Wie alles, was von Greiner stammt, ist auch dieses Buch, welches einen Band der Fischerschen chemischen Technologie in Einzeldarstellungen bildet, in klarer und anregender Weise geschrieben, so daß es für das Studium ganz besonders empfohlen werden kann. Vom Verlag ist es gut und sachgemäß ausgestattet. Dr. H. Claaßen.