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Paul Klees «Angelus Novus» und Walter Benjamin in Muri
«Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heisst. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schliessen kann.» Walter Benjamin (1940)
in: «Über den Begriff der Geschichte»
Der grosse deutsche Philosoph und Kulturkritiker Walter Benjamin hat den «Angelus Novus» von Paul Klee 1921 erworben. Dieser Engel hat Benjamin 20 Jahre lang begleitet und sein Denken geprägt. Und Benjamin macht den «Angelus Novus» in einem seiner berühmtesten Texte schliesslich zum «Engel der Geschichte». Er verarbeitete darin den Aufstieg des Nationalsozialismus und sah sich als Jude selber in einer ausweglosen Situation. Nur wenige Wochen danach nahm sich Walter Benjamin das Leben.
Doch was kaum jemand weiss: Mit seiner Frau Dora, dem gemeinsamen Freund und Religionswissenschaftler Gershom Scholem hat Benjamin vor genau 100 Jahren für ein paar Monate in Muri gewohnt – genau gesagt an der Thorackerstrasse 19. Benjamin und Scholem waren zu jener Zeit Studenten an der Uni Bern und gründeten zusammen satirisch-ironisch die «Universität von Muri».
Ein Kunst-Gottesdienst zwischen Melancholie und Ironie, zwischen «Angelus Novus» und Muri mit dem Kunstvermittler Andreas Jahn und Manuel Perucchi.
Manuel Perucchi
Textlesungen: Max Perucchi