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Der Podcast von «Grace in Common» über das organische Motiv in Herman Bavincks Werk (zur Einführung siehe diese Rezension zu Eglintons Dissertation) hat es in sich. Über den Zentralbegriff hinaus hilft der Dialog zwischen den Bavinck-Forschern, den Umgang mit philosophischen Begriffen und Konzepten zu fassen. Was ich bedenkenswert finde:
- Versuche das Konzept bei einem Autor möglichst genau in dessen Werk und «Verständnisrahmen» zu orten. Eglinton und Gray Sutanto gelingt das vorzüglich (siehe Minuten 3-8; 23-26). Woher stammt der Begriff? In welchen Zusammenhängen wird er verwendet? Wo nicht? Wer hat ihn kritisiert? Kritik kam beispielsweise von Klaas Schilder, v. a. in Bezug auf die organische Kirche (Minuten 28-31).
- Es gilt zwischen einer formellen und inhaltlichen Übereinstimmung zu unterscheiden. Bavinck als Eklektiker übernahm einzelne Ideen, um sie als «sorgfältiger Integrationist» in einen reformierten Gesamtkontext einzufügen. Er knüpft an die orthodox-reformierte Unterscheidung von archetypisch/ectypisch sowie an die Bundestheologie an. Er verwendete den Begriff ausschliesslich für die Schöpfung, nicht für den Schöpfer, dessen Wesen absolut und transzendent ist; in Ihm gibt es keine Teile.
- Bavinck verwendete den Begriff für die Inspiration und den Inhalt der Schrift, für den Kosmos, aber auch für die Anthropologie. Er sah ihn im Kontrast zur mechanistisch-deterministischen Weltanschauung.
- Im Zusammenhang mit der Lehre über die Schrift und über die Menschwerdung Christi sind Differenzierungen notwendig (siehe Minuten 17-23). Bei einer strikten Anwendung werden ansonsten biblische Wahrheiten ausser Acht gelassen und Grenzen verwischt.
- Weshalb ist der Begriff ausserhalb des Werkes hilfreich? Worfür? Wofür eignet er sich nicht? Hier ist ein synthetisches bzw. antithetisches Verständnis bezüglich einzelner Strömungen in der Philosophie entscheidend. Bavinck tritt – meines Erachtens zu Recht – dafür ein, dass Wahrheit Wahrheit bleibt, wo immer sie gefunden wird. Die Idee des Organischen ist von ihrem Gehalt her schon in Kirchenvätern, insbesondere Augustinus, vorhanden. Eglintons Ausführungen in den Minuten 40-45 sind sehr erhellend.