Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03462.jsonl.gz/430

| Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

12. Wahrheit der Dichter.
Man sieht also, daß die Dichter nicht alles ersonnen, sondern nur manches dichterisch ausgeschmückt haben. Sie wollten Wahres erzählen, aber zugleich ihre Helden, die sie für Götter ausgaben, mit einem Schimmer der Göttlichkeit umkleiden. So ist es auch mit der Verteilung der Reiche. Dem Jupiter ist nach den Dichtern durch das Los die Herrschaft des Himmels zugefallen. Damit bezeichnen sie entweder den Berg Olympus, auf dem, alten Überlieferungen zufolge, Saturn und hernach Jupiter ihren Wohnsitz hatten, oder die Gegend des Sonnenaufgangs, die anscheinend höher liegt, [S. 141] weil von ihr das Licht ausgeht; und weil das Land des Sonnenuntergangs scheinbar tiefer liegt, so lassen sie dem Pluto die Unterwelt durchs Los zuteil werden. Das Meer aber weisen sie dem Neptun zu, weil er die Meeresküste mit allen Inseln beherrscht hat. Vieles dient so den Dichtern zur Ausschmückung. Leute, die dies nicht wissen, schuldigen sie der Lüge an; aber lediglich nur im Worte; denn in der Wirklichkeit glauben sie den Dichtern; denn die Bildnisse ihrer Gottheiten stellen sie so dar, daß sie den Göttern die Gestalt von Männern und Frauen geben und die einen für Gatten und Gattinnen, die anderen für Eltern, die anderen für Kinder ausgeben. Und damit zeigen sie jedenfalls ihre Übereinstimmung mit den Dichtern an; denn solches kann ohne Umgang und Zeugung nicht stattfinden.