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Entwicklung der Bienenzucht und Völkerführung
Nach 1890 entdeckte Guido Sklenar, Bayern, sein Volk Nr. 47, welches er von seinem Schwiegervater übernommen hatte. Es zeichnete sich aus durch seine einmalige Ruhe und Sanftmut, die Stetigkeit der Winterversorgung und seine Wetterfestigkeit. Mit der Methode der Herzwabe, ähnlich dem Bogenschnitt, züchtete er Nachwuchsvölker mit gleichen Merkmalen und begründete damit den Carnica-Stamm 47. Als rühriger Kaufmann verstand er es, seine Sklenar-Biene in ganz Europa zu vermarkten. Daneben gab er 1923 auch die heute noch als Standardlehrbuch verwendete Imkerpraxis heraus.
Auch die Königinnenzucht war eine wichtige Errungenschaft der modernen Bienenhaltung. Ab 1865 wendete Henry Alley, Amerika, ein Verfahren an, bei dem er weisellosen Völkern schmale Zellstreifen mit eintägigen Larven zusetzte. G. M. Doolittle publizierte 1915 ein verbessertes Verfahren, indem er in künstliche Weiselnäpfchen von Hand je eine eintägige Larve übertrug. Diese Methode wurde als internationaler Standard übernommen.
Heinrich Freudenstein, Hessen, erkennt aufgrund eigener Versuche auf seinen Bienenständen, dass Bienenvölker mit Zuckerauffütterung besser überwintern als jene mit dem damals üblichen Honig. Weil er dadurch von vielen Imkern angefeindet wurde, gab er ab 1902 eine eigene Zeitschrift, die Neue Bienenzeitung heraus. Sie erreichte in kurzer Zeit eine Auflage von 11'000 Exemplaren.
Im Jahre 1909 entdeckte Enoch Zander, Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland) den Nosema-Erreger als Verursacher einer häufigen Durchfallerkrankung der Bienen. Neben einem umfangreichen Schriftenwerk entwickelte er zusammen mit dem Imker Johann Merz die in Deutschland stark verbreitete Zanderbeute mit dem Rähmchenmass 42 x 22 cm.
Karl Kehrle, alias Bruder Adam, Baden-Württemberg, ist durch die Zucht seiner Buckfastbiene in Devon, England, zum wohl bekanntesten Imker der Neuzeit geworden. Nachdem in England fast alle Bienen durch eine Virose in Folge der Nosemaerkrankung ausgerottet wurden, begann Bruder Adam mit den überlebenden Bienenvölkern (Mischlinge der Dunklen Biene und italienischen Biene Apis mellifera ligustica) eine neue, widerstandsfähigere Rasse zu züchten. Dazu kreuzte er lederbraune italienische Bienen mit Drohnen der einheimischen dunklen Biene. Ergebnis des ab 1916 verwendeten dynamischen Zuchtverfahrens war eine friedliche, schwarmträge Bienenrasse, die bei Verwendung moderner Wirtschaftsweise in Magazin-Beuten überdurchschnittliche Erträge brachte.