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Die Nonne Aloysius Beauvier (Meryl Streep) ist Direktorin einer katholischen Schule in der irisch-italienisch geprägten Bronx der 1960er-Jahre. Ihr eisenhartes Regime basiert auf Einschüchterung, Disziplin und Angst. Damit steht ihre Haltung im krassen Gegensatz zu der des Gemeindepriesters, Father Flynn (Philip Seymour Hoffman). Dieser ist ein Anhänger des offenen Gedankenaustauschs und spricht in seinen Predigten über den Zweifel und das Recht, Fragen zu stellen. Bei seinen Schäfchen ist der charismatische, weltoffene und reformfreudige Flynn überaus beliebt. Geradezu rührend kümmert er sich um den ersten schwarzen Schüler der Schule, den zwölfjährigen Donald Miller (Joseph Foster), der von seinen neuen Mitschülern sehr schlecht behandelt wird. Donalds Lehrerin, die junge Schwester James (Amy Adams), hält Flynns Verhältnis zu dem Schüler für suspekt.
Unter Verdacht
Als sie Donald eines Tages nach einem Treffen mit dem Pater in einer besonders aufgewühlten Stimmung antrifft und sie eine Alkoholfahne an ihm wahrzunehmen glaubt, wendet sie sich mit ihrem Verdacht an die Direktorin. Da dieser der lebenslustige, sich mit kontroversen Glaubensfragen auseinandersetzende Geistliche schon lange ein Dorn im Auge ist, setzt sie jetzt die Puzzleteile ihrer eigenen Beobachtungen nach ihrer Vorstellung zusammen und kommt zu der Überzeugung, dass Pater Flynn sich an dem Knaben vergangen hat. Obwohl sie keinerlei handfeste Beweise hat, startet die Schulleiterin eine Kampagne gegen den Priester, um seinen Hinauswurf zu erreichen. Während Schwester James inzwischen längst von Zweifeln geplagt wird und sich der Verdacht auch in inquisitorisch geführten Befragungen nicht erhärten lässt, hält Schwester Aloysius unbeirrt an ihrer Überzeugung fest.
Die Wirkungsmacht des Zweifels
John Patrick Shanleys Drama wurde 2004 uraufgeführt und erhielt neben dem renommierten Pulitzer-Preis viele weitere Auszeichnungen. Die «NZZ» würdigte die Verfilmung wie folgt: «Meisterlich hat Shanley bei seiner Adaption den Zweifel, der im Zentrum dieser Ergründung menschlicher Regungen steht, auch zum inszenatorischen Prinzip gemacht. Denn Pädophilie, Homosexualität und Rassenhass, die Kernthemen des Dramas, werden nie dezidiert angesprochen, wodurch sich die Unbestimmtheit, worum es in Wirklichkeit geht und woran man glauben soll, auf das Publikum überträgt. Dieses ist gefordert, sich aus Andeutungen, Vermutungen, Meinungen und seinen eigenen Beobachtungen ein Urteil zu bilden und so die Wirkungsmacht des Zweifels zu erfahren.»
Autor John Patrick Shanley adaptierte sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Broadway-Stück «Doubt» selbst für das Kino. Unter seiner Regie spielen Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams und Viola Davis. Sie alle wurden für einen Oscar nominiert. Eine fünfte Oscar-Nomination gab es für das Drehbuch. Schweizer Radio und Fernsehen zeigt den vielfach preisgekrönten Film in Zweikanalton deutsch/englisch.
Sendeplatz
Donnerstagnacht um 00:10 Uhr auf SRF 1.