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Wrestling ist Blödsinn, sagte Marco Schütz als Teenager. Heute nennt er sich Skyjumper, nimmt an allen Shows in der Schweiz teil und leitet Trainings. Er erzählt, was ihn an dem Showsport fasziniert, der in der Schweiz meist ignoriert oder belächelt wird.
Vor einem Kampf geht Marco Schütz in Gedanken nochmals alles durch, wie es Turner mit ihrem Turnprogramm machen. Zuerst wird er sich auf den Hinterkopf schlagen lassen. Er wird so tun, als ob er sich nicht aus dem Haltegriff befreien könnte. Die Schläge werden kaum schmerzen, sein Gegner wird zwar die Faust ballen, Marco Schütz wird jedoch nur die Fläche des Unterarms zu spüren bekommen. Dann wird er sich befreien. Er wird seine Beine um den Hals des Widersachers schlingen, sich drehen und ihn auf den Ringboden befördern. Er wird auf das oberste der drei Ringseile steigen, seinen Gegner anvisieren und springen. Ellbogen gegen Gesicht. Doch sein Gegner wird rechtzeitig aus dem gespielten Zustand der Belämmerung aufwachen und sich wegdrehen, sodass Marco Schütz auf den Ringboden prallen wird. Das wird etwas wehtun, aber nicht so sehr, wie er es dem Publikum vorspielen wird. Danach wird er Tritte einstecken. Er wird am Hals gepackt, hochgehoben und auf den Rücken geschmettert werden. Dann wird Marco Schütz verlieren.
Marco Schütz sieht nicht aus wie die Wrestler aus den US-amerikanischen Shows. Natürlich gibt es dort unterschiedliche Typen, doch meist sind es grossgewachsene Männer mit gestählten Körpern, bei denen das eingeriebene Öl die Muskeln glänzen lässt. Der 22-Jährige ist 1.70 Meter gross, seine Muskeln kaum definiert und er trägt einen Sechstagebart. Sein Haaransatz hat sich bereits weit nach hinten verschoben. Vielleicht liegt es am Stress, sagt er. Schütz ist Koch in einem Restaurant in Murten.
Beim Wrestling trägt Marco Schütz eine Maske. Sie ist schwarz mit goldenen Mustern, zwei spitzige Ohren erinnern an Teufelshörner. Es ist eine Maske wie sie Sin Cara immer trägt, ein US-amerikanischer Wrestler mexikanischer Abstammung.
Ein Luchador. Der Kampfstil Lucha Libre ist in Lateinamerika populär, eine Maske als Markenzeichen ebenso. Deshalb wird Marco Schütz an Shows oft auf Spanisch angesprochen. Er erklärt dann, dass er weder mexikanische Wurzeln hat noch Spanisch spricht. Jedoch liegt ihm der Kampfstil Luca Libre. Marco Schütz ist meist kleiner als seine Gegner. Deshalb schlägt er weniger hart, dafür öfter zu. Statt seine Gegner hochzuheben und zu werfen, schneidet er ihnen mit Haltegriffen die Luft ab oder verdreht ihre Arme. Dazu zeigt er oft akrobatische Elemente wie Backflips und Kopfscheren; er holt Anlauf aus den Ringseilen oder springt von ihnen hinab. Solche Wrestler werden High-Flyer genannt, Marco Schütz‘ Ringname ist Skyjumper.
Abgekartet, billig und primitiv
Skyjumper ist einer von etwa 20 Wrestlern in der Schweiz, die regelmässig an Showkämpfen auftreten. Wrestling ist ein Nischenhobby par excellence.
Die Schweizer Wrestling-Veranstalterin heisst Swiss Wrestling Entertainment (SWE). Sie existiert seit 2014. Es gab mehrere Vorgängerinnen, alle gaben irgendwann auf. Zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag. Im Schnitt besuchen etwa 200 Zuschauer die Shows, das Highlight sind die aus dem Ausland eingeladenen Wrestler. SWE-Chef Steffen Semmet träumt davon, in fünf Jahren Shows zu veranstalten, bei denen 1000 Menschen oder mehr zuschauen.
Dazu müssten jedoch viele Schweizerinnen und Schweizer ihre Vorurteile gegenüber dem Wrestling ablegen. Diese sind vor allem in den Kommentarspalten von Wrestling-Artikeln zu finden. Abgekartet, billig und primitiv sind nur einige Schlagwörter. Alles Show, amerikanischer Nonsens. Wieso Wrestling anschauen, wenn man auch Schwingen verfolgen kann? Dort ist alles echt. Echte Muskeln, echte Kämpfe, echte Gewinner.
Kritiker zitieren gerne Aussagen des ehemaligen Profiwrestlers Christopher Pallies, bekannt als King Kong Bundy. Pallies bezeichnete Wrestling in einem Interview salopp als „Bullshit“. „Wrestling, das sind zwei Männer in ihrer Unterwäsche, die so tun, als ob sie kämpften.“ Obwohl er selbst jahrelang mitgewirkt habe, habe er sich nie richtig mit dem Showsport identifizieren können.
Als er im Teenageralter ist, hält Marco Schütz ebenfalls wenig von Wrestling. Wenn er Shows wie Smackdown und Raw schaut, denkt er: Was für ein Blödsinn. Kampfsport ist nichts für ihn. „Wie kann man Freude daran haben, jemanden zusammenzuschlagen?“ Trotzdem schaut sich Marco Schütz die Shows immer wieder an. „Weil nichts anderes im Fernsehen lief.“ Bald schaltet er jede Woche ein, wenn Wrestler wie Rey Mysterio, John Cena oder The Undertaker gegeneinander kämpfen. Irgendwie hat es halt doch etwas. Die Akrobatik bei den Kampfbewegungen fasziniert ihn. Genauso intensiv fesseln Marco Schütz die gespielten Handlungen rund um die Kämpfe herum.
Wrestling erzählt Geschichten
Wer Wrestler in der Schweiz fragt, hört meist dasselbe. Alle sassen auf dem Sofa, wenn im Fernsehen die Shows von World Wrestling Entertainment (WWE) liefen, der grössten Veranstalterin von Wrestlingevents. Sie suchten sich einen Lieblingswrestler und fieberten mit ihm mit. Das jährliche Highlight ist die Wrestlemania. Seit zwölf Jahren gehen mindestens 70000 Menschen ins Stadion, um die Show zu verfolgen. Vor drei Jahren schauten sich erstmals mehr als 100000 Menschen die Wrestlemania vor Ort an.
Um zu verstehen, was die Wrestler in der Schweiz fasziniert, ist ein Blick in die WWE notwendig. Ein Exkurs, der ebenfalls zeigt, dass die Storylines im Wrestling oft wichtiger sind als die Kämpfe selbst:
John Cena fordert im Frühjahr über Wochen hinweg The Undertaker heraus, sich ihm an der Wrestlemania im Ring zu stellen. Letzterer, eine der Wrestling-Ikonen schlechthin, hat ein Jahr zuvor nach einem verlorenen Kampf seine Handschuhe, seinen Mantel und seinen Hut im Ring liegen und danach nichts mehr von sich hören lassen. Je näher die Show rückt, desto übler provoziert John Cena den Undertaker. Wichtigtuer, Egozentriker, Feigling. Seine Kampfansagen bleiben unbeantwortet. Die Veranstalter kündigen in einer Vorschau viele Kämpfe an. Das Duell zwischen John Cena und dem Undertaker ist nicht aufgelistet.
An der Wrestlemania zeigen die Showmaster John Cena als einer der 78133 Zuschauer. Plötzlich rennt ein Ringrichter auf Cena zu und flüstert ihm etwas ins Ohr. Dieser springt erfreut von seinem Platz auf und verschwindet hinter den Kulissen. Ein Raunen geht durch die Arena. Hat der Undertaker die Herausforderung doch angenommen? Als Cena im Ring auf seinen Gegner wartet, taucht aber nicht der Undertaker auf, sondern Elias. Ein WWE-Neuling, der sich über Cena und die erwartungsfrohen Zuschauer lustig macht. Er spielt Gitarre und singt: „John Cena sucks, because he’s like all of you.“ (frei übersetzt: John Cena ist scheisse, weil er so ist wie ihr alle.) Die Provokation wirkt. Die Zuschauer buhen und Cena macht dem Auftritt ein jähes Ende. Scheinbar enttäuscht verlässt Cena den Ring, The Undertaker ist nicht aufgetaucht. Da gehen in der Arena die Lichter aus. Im Ring liegen Handschuhe, Mantel und Hut des Undertakers, ein Blitz lässt sie verschwinden. Der Gong einer Glocke ertönt. Es ist das Intro des Undertakers. Die Zuschauer schreien und jubeln als hätten sie soeben den Lotto-Jackpot geknackt. Eigentlich könnte das Theater hier zu Ende sein, der Kampf ist bloss eine Zugabe.
Das Intermezzo mit Cena und Elias zog sich über acht Minuten, der Einmarsch des Undertakers wurde über sechs Minuten zelebriert, der Kampf zwischen John Cena und The Undertaker dauerte nicht einmal drei Minuten. The Undertaker durfte gewinnen.
Seifenoper oder Sport?
„Ich denke nicht, dass es Zuschauer gibt, die nur wegen den Kämpfen Wrestling schauen“, sagt Marco Schütz. „Es geht um die Geschichte zwischen den beiden Wrestlern. Alle wollen wissen, was passiert und wie es weiter geht.“ Ist Wrestling also mehr Seifenoper als Sport? Schütz überlegt und sagt dann: „Es ist beides.“ Wrestler trainieren hart, um die Kampfszenen glaubwürdig darstellen zu können. Gefragt sind klassische Sportattribute wie Ausdauer, Kraft und Konzentration.
Marco Schütz über das Wichtigste im Wrestling.
In einem zehnminütigen Kampf, so erklärt Marco Schütz, sind etwa vier Minuten abgesprochen. Anfang, Mitte, Schluss. Dazwischen improvisieren die Wrestler. Sie flüstern sich am Boden zu, welche Schläge folgen. Oder sie geben sich mit Handbewegungen Zeichen. Dennoch: „Ein Wettkampfsport ist Wrestling nicht.“ Die Schläge und Tritte werden nicht durchgezogen. Der Veranstalter bestimmt, wer den Kampf gewinnt.
Der Teenager Marco Schütz ist nach ein paar Wochen ein eingefleischter Fan. Er kauft sich das WWE-Game für die Playstation. In diesem lernt er die Namen der Schläge, Griffe und Würfe auswendig. Den Chop, bei dem der Wrestler mit der flachen Hand auf die Brust des Gegners schlägt. Den Bear Hug, bei dem der Wrestler seinen Gegner um die Taille greift, die Arme zusammenzieht und ihm die Luft abschneidet. Oder den Chokeslam, bei dem der Wrestler seinen Gegner einhändig am Hals packt, ihn in die Luft hebt und dann auf den Boden wirft. Um nur drei der sogenannten Moves des schier endlosen Repertoires zu nennen.
Gamen ist bald nicht mehr genug. Marco Schütz möchte in den Ring steigen. In anderen Sportarten ist er nicht glücklich geworden. Im Fussball ärgerte er sich über eine Vereinsfusion, Tennis und Geräteturnen haben ihn „einfach nicht gepackt“. Auf eine körperliche Betätigung möchte er jedoch nicht verzichten. Er braucht den Ausgleich zum anstrengenden Alltag. Doch ausgerechnet Wrestling? Der Showsport, den er am Anfang abgelehnt hat, weil er ihm wie ein Kampfsport schien? Marco hebt den Zeigefinger. „In den meisten Kampfsportarten prügeln zwei Sportler solange aufeinander ein, bis einer K.o. geht. Ich könnte das nicht.“ Im Wrestling wissen die Kämpfer, welcher Move folgt und können sich darauf vorbereiten. „Wir kämpfen miteinander, nicht gegeneinander. Es sieht spektakulär aus und niemand leidet.“
An den Schmerz gewohnt
In der Schweiz gibt es zwei Trainingszentren. Das eine ist in Rorbas, eine Gemeinde im Zürcher Tösstal. Dort trainieren die Wrestler im Dachgeschoss eines alten Industriebaus. Das andere ist in Kallnach, eine Gemeinde im Seeland. Dort trainieren die Wrestler in einer Scheune.
Initiator war der Hofbesitzer Fabian Mori. Als er aktiv wrestlete, baute er zusammen mit Kollegen den Ring auf. Pfosten, Haupt- und Nebenträger und eine Federung aus Stahl, Stützen und Bodenplatten aus Holz. Die Wrestler trainieren neben Landmaschinen, Heuballen und Kühen. Es riecht nach Mist, aber das stört niemanden.
Weil es von seinem Wohnort Courgevaux mit dem Auto nur etwa 20 Minuten dauert, bis er in Kallnach ist, ruft Marco Schütz Fabian Mori an. Er wird zu einem Schnuppertraining eingeladen.
Dass es nach dem ersten Training im ganzen Körper zwickt, brummt und kribbelt, schreckt Marco Schütz nicht ab. „Nach einem Monat habe ich mich an die Schmerzen gewöhnt.“
Marco Schütz über Schmerzen.
Einmal wöchentlich fährt er zum Bauernhof. Bald ist er besser als viele, die schon länger trainieren als er. „Marco ist gut darin, etwas aus der Theorie in die Praxis umzusetzen. Und weil er sehr beweglich ist, wagte er sich bald an akrobatische Elemente wie Sprünge vom Seil“, erinnert sich Fabian Mori.
Mori ist froh. Nach langer Zeit hat er einen potenziellen Nachfolger gefunden. Manchmal trainiert er noch mit, doch nun ist Marco Schütz der Trainingsleiter.
Rücken- und Bauchklatscher
Wer das Zentrum in Kallnach besuchen möchte, der fährt mit dem Auto durch das ganze Dorf, dann nochmals zwei Kilometer entlang Felder und Äcker. „Es ist gut, dass unser Trainingsort so abgelegen liegt“, sagt Marco Schütz. Denn beim Wrestling wird es oft laut.
Ein Besuch zeigt, wie Recht der Wrestler damit hat. Nach ein paar Dehnübungen zum Aufwärmen stehen Fallübungen auf dem Programm. Marco Schütz läuft auf das Ringseil zu, dreht sich im letzten Moment ab, lässt sich ins Seil fallen und zurückspicken. Das wiederholt er dreimal, dann hält er in der Mitte des Rings an, springt hoch und lässt sich waagerecht auf seinen Rücken fallen. 84 Kilogramm prallen auf den nur leicht gepolsterten Holzboden. Schütz steht auf, springt wieder hoch und lässt sich erneut fallen, diesmal auf die Bauchseite.
Impressionen aus dem Training in Kallnach mit Skyjumpers‘ Einmarsch-Song: „A Warriors Call“ von Volbeat
Wichtig dabei ist, dass er möglichst gerade auf seine Vorder- oder Rückseite fällt. Vor allem Anfänger haben Mühe damit, einen Bauchklatscher auf die Matte zu machen. Der Instinkt sagt ihnen, dass sie versuchen sollen, den Fall abzufedern. Verlagert der Wrestler aber das Gewicht auf die Schultern, das Steissbein oder den Oberschenkel, kann er sich verletzen. Ebenfalls wichtig: Ausatmen beim Fallen. Sonst bleibt einem die Luft weg. Wer das einmal intus hat, der schlägt beim Aufprall zusätzlich mit den Armen auf den Boden. Das erzeugt mehr Krach und soll den Zuschauer beeindrucken.
Marco Schütz über das Training.
Tödliche Unfälle
Fall- und Abrollübungen sind das A und O des Wrestlingtrainings. Wer geworfen wird und den Kopf nicht im richtigen Moment einzieht, riskiert Genickverletzungen. Es ist etwas, das oft kritisiert wird, wenn es um Wrestling geht: Obwohl alles gespielt ist, ist das Verletzungsrisiko für Wrestler hoch. Marco Schütz hat nie eine schwere Blessur erlitten. Allerdings verlor er in einem Training mal das Bewusstsein, als er nach einem Missverständnis vom Ellbogen seines Kollegen an der Schläfe getroffen wurde. Pech sei es gewesen, kein Grund zur Sorge.
Tatsächlich? Wer sucht, der findet zahlreiche Berichte über Wrestling-Unfälle mit fatalen Folgen. Darren Drozdovs landete nach einem Wurf auf seinem Nacken. Seither sitzt er im Rollstuhl (1999). Owen Hart löste während eines Stunts versehentlich die Sicherung seines Haltegeschirrs und fiel 24 Meter tief. Er starb vor Ort (1999). Pedro Aguayo Ramírez drehte während eines Kampfs im falschen Moment den Kopf. Der Tritt den er einsteckte, brach ihm das Genick. Er starb auf dem Weg ins Spital (2015).
Im Fall des Wrestlers Christopher Benoit, stehen einem richtiggehend die Haare zu Berge. Im Jahr 2007 fand die Polizei in Benoits Haus drei Leichen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 40-Jährige erst seine Frau sowie seinen Sohn erstickte und später sich selbst erhängte. Gemäss der angeordneten Untersuchung seines Gehirns glich dieses zum Zeitpunkt seines Todes dem eines 85-jährigen Alzheimer-Patienten. Eine Folge der vielen Gehirnerschütterungen, die sich Benoit im Ring zuzog. Ob dies der Grund für die Tat war, wird nie geklärt werden können.
Marco Schütz weiss um die Vorfälle. Benoit habe in seiner Karriere Gehirnerschütterungen zu leichtfertig in Kauf genommen, sagt er. Mittlerweile hat die WWE die ärztlichen Kontrollen vervielfacht.
Die anderen Unfälle zeigen, wie wichtig es ist, Übungen korrekt auszuführen. „Wenn wir einen neuen Move lernen, schauen wir diesen mindestens zehnmal auf Video an“, sagt Marco. Sie besprechen, wer welche Bewegungen macht und welche Muskeln angespannt werden müssen. Zuerst trainieren sie zusammen mit einem Affen aus Stoff, erst später suchen sie sich einen menschlichen Partner. „Wir gehen vorsichtig vor, aber eine Sicherheit gibt es nie.“
Die Fälle schrecken Marco Schütz jedenfalls nicht ab. Warum auch? Er möchte kein WWE-Star werden. Er will den Schweizer Fans eine gute Show bieten. Er will weiter an seinen Backflips und Kopfscheren feilen, bis er sie perfekt beherrscht, vielleicht einen neuen Move erfinden. Er will die Zuschauer unterhalten, sei es durch spektakuläre Kämpfe oder durch gespielte Fehden zwischen den Wrestlern. Er will den Menschen etwas zeigen, was sie sonst nie sehen. Wenn sie am Schluss jubeln, ist auch Marco zufrieden.
Seine Freundin wie auch seine Eltern besuchen seine Shows nur sporadisch. Jedes Mal, wenn Marco regungslos auf dem Boden liegt, läuft es ihnen eiskalt den Rücken runter. Wegen der Maske sehen sie sein Gesicht nicht. Ob sein Schmerz echt oder gespielt ist, wissen sie nicht. Dennoch versuchen sie nicht, Marco vom Wrestling abzuhalten. Er ist alt genug, muss selbst wissen, was gut für ihn ist. Seine Freundin sagt vor den Shows jeweils: „Pass uf di uf.“
Wenn Marco Schütz dann hinter dem Vorhang steht, ist er nervös und gespannt, aber auch voller Vorfreude. Sobald seine Musik abgespielt wird, tritt er hinter dem Vorhang hervor. Er trägt eine Lederjacke, deren Kapuze seine Maske verdeckt. Es läuft „A Warrior‘s Call“ (frei übersetzt: Ein Krieger wird gerufen) von Volbeat. Ein Lied mit einem markanten Schlagzeug-Intro. Er steigt in den Ring und wartet. Die Zuschauer klatschen und johlen, Adrenalin pumpt durch Marco Schütz‘ Körper. Wenn Volbeat-Sänger Michael Poulsen singt „Let’s get ready to rumble“, nimmt er die Kapuze vom Kopf und streckt die Arme in die Höhe.