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Nihil habeo - nihil gibeo
Ich habe nichts - und gebe nichts
Vom verarmten Domprost Gero
Im 13. Jahrhundert diente Hohen Rätien einem hohen Herrn als Zufluchtsort. Als sich der Kampf zwischen Papst und Kaiser Friedrich II. (auch stupor mundi - das "Erstaunen der Welt" genannt) bis in die rätischen Alpentäler ausdehnte, bekämpften sich hier zwei Bewerber um den bischöflichen Stuhl in Chur. Volkard von Neuenburg (1237) war der Kandidat des Kaisers. Auf der anderen Seite stand der Domprobst Gero, der sich vor Volkard auf Hohen Rätien flüchtete, wo Ritter Cuno III von Rialt (s. mehr zu diesem Thema) das Viztumamt inne hatte. Über diesen Gero heisst es in einer Handschrift im bischöflichen Archiv zu Chur aus dem 14. Jahrhundert: ....er war so arm, dass er sich mit Kühen und anderem Vieh abgeben musste, und wenn jemand zu ihm kam und ein Lehen oder Geschenke wünschte, so pflegte er zu sagen:
"Nihil habeo, nihil gibeo"
(Küchenlatein für "Ich habe nichts und gebe nichts")
Kaiser Friedrich II, Ausschnitt Wikipedia
Volkard von Neuburg
Volkard von Neuburg
war von 1237 bis zu seinem Tod ( 16. Oktober 1251 in Chur) Bischof von Chur. Volkard entstammte einem oberrätischen Ministerialengeschlecht. Er war seit 1219 Domherr in Chur. 1237 wurde er als Kandidat der kaiserlichen Partei zum Bischof von Chur gewählt, woraufhin die päpstliche Partei, die Konrad Propst von Ebrach unterstützte, sich an den Papst wandte. Die von Papst Gregor IX. angeordneten Untersuchungen der Wahlstreitigkeiten verursachten hohe Kosten und wurden erst 1241 beigelegt. Volkard wurde am 23. März 1238 durch den Mainzer Erzbischof geweiht. Im Konflikt zwischen Kaiser und Papst stand Volkard auf der Seite der Staufer, was 1246 zur Exkommunikation durch Innozenz IV. führte, der das Bistum an den Abt Berchtold von St. Gallen vergeben wollte. Volkards Stellung als Bischof wurde nicht beeinträchtigt, aber die kirchlichen Institutionen des Bistums litten unter dem Konflikt, da grosse Teile des churrätischen Adels auf der päpstlichen Seite standen. Volkard verpfändete 1239 den Markt von Müstair, er liess die Burgen Guardaval und Friedau errichten.
Wikipedia
Mehr zu diesem Thema
Ein Rittergeschlecht des Namens „ von Rialt“ wird in den Urkunden des 12. bis 14. Jahrhunderts öfters genannt. Die von Rialt waren Dienstmänner der Kirche in Chur und hatten das bischöfliche Vizedominat (Statthalter, Verwalter) im Domleschg. Wegen ihre Machtstellung im Tal des Hinterrheins ist anzunehmen, dass ihr Wohnsitz auf Hoch- und nicht auf dem kleineren Meieramtsitz Niederrialt zu suchen ist.
Aus dieser Story lässt sich auch der Zwiespalt der damaligen Herren von Rialt erahnen, denn
Ritter Conrad III von Rialt war während dieses Zwistes der Vizedomus von Hohen Rätien. Einerseits war der Bichof sein (vererbbarer) Brötchengeber, aber trotzdem gab er Gero Unterschlupf. Das zeigt sich auch aus die Fehde von 1255 als Ritter Conrad als Anführer in der Schlacht von Domat Ems die Herren von Belmont unterstützte und dabei zusammen mit Rhäzüns, Freiberg, Montalt und Wildenberg gegen den Bischof und Montfort den Kürzeren zog.
Vom Domprobst Gero meldet eine alte Handschrift:
„
Gero Thumprobst zu Chur, ein Welscher und in gutem Ansehen zu Rom, hat sich in das Bistum eindrungen, dessen Schlösser und anderes viel occcupiert, deme sich aber Wolkardus ordentlich erwählter Bischof widersetzt zu abtritt und wider annemung der Thumprobstei bezwengt. Vom besagten Gerone meldet ein uraldt Manuscriptum. Als er sich von Volkardus verfolgt auf Hohen Realt salvirt, habe er jenen, (Bewohner oder Besitzer) so was an ine gefordert, (Ich habe nichts und gebe nichts) Nihil habeo, nihil gibio. beantwortet“
Mooser Anton: Burg Hochrialt, Bündnerisches Monatsblatt: Zeitschrift für Bündnerische Geschichte, Landes- und Volkskunde. 1921 Heft 6
Historischen Lexikon der Schweiz
Bischfl. Archiv in Chur, v. Flugis Urkunden und Regesten.