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Heute vormittag verlangte der deutsche Gesandte eine Audienz und trug vor:
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Ganz konfidentiell glaube er mitteilen zu sollen, dass der Kaiser dieses Jahr wahrscheinlich nicht nach der Schweiz kommen werde. Man sei in Berlin ganz damit einverstanden, dass es eine verfehlte Idee gewesen, der Kaiser sollte halb offiziell, halb incognito zu den schweizerischen Manövern kommen, und man anerkenne dort die Richtigkeit der schweizerischerseits geäusserten Bedenken. Wenn er komme, so geschehe es auf dem Wege eines offiziellen Besuches beim Bundesrat, der ja zur Zeit der Manöver erfolgen und mit dem ja ein Besuch der Manöver verbunden werden könne.
Wenn er dieses Jahr nicht komme, so liege der Grund darin, dass die Manöver in der welschen Schweiz stattfinden und es zu Missdeutungen Veranlassung geben könnte, wenn der Kaiser extra eine 36 Stunden für einen Weg (aus Ostpreussen) beanspruchende Reise unternehmen würde, um schweizerischen Manövern an der französischen Grenze beizuwohnen. Und das besonders jetzt, wo betreffend Marocco gewisse Differenzen bestehen, von denen jedoch anzunehmen sei, dass sie noch im Laufe dieses Jahres beigelegt werden3.
Man «denke» in Berlin, dass der Besuch des Kaisers nächstes Jahr stattfinden werde.
Antwort: Ich nehme diese Mitteilung, wie er wünsche, als konfidentiell entgegen. Wenn der hohe Herr nächstes Jahr dem Bundesrat einen Besuch machen werde, so werden wir das als eine grosse Ehre betrachten.
Die Frage der Einladung berührte der Gesandte mit keinem Wort und ich auch nicht.
Hierauf bemerkte ich, der Besuch von Herrn v. B. sei mir angenehm, um etwas anderes zur Sprache zu bringen. Es falle hierorts auf, dass nun auch deutsche Blätter über Oberst Müller in Tanger herfallen4. Wir seien überzeugt, dass diese Angriffe ungerecht seien und dass er seine Aufgabe richtig, pflichtgemäss und absolut taktvoll erfülle, was gegenwärtig besonders schwierig sei. Es wäre uns angenehm zu erfahren, ob nicht dieses unser Urteil mit der Auffassung des Auswärtigen Amtes in Berlin übereinstimme.
Antwort: Er (B.) wisse nichts Anderes, als dass man in Berlin die gleiche Auffassung habe wie wir. Er werde aber Veranlassung nehmen, sich darüber zu vergewissern. Es sei ihm, B., bekannt, dass die Franzosen Herrn Müller aufsätzig seien, was wohl daher rühren dürfte, dass er eben gerade seine Pflicht erfülle. Es müsse in Tanger ein Schweizer sein, dessen Name ihm entfallen sei, der einst Müllers Angestellter gewesen und nunmehr gegen Müller hetze, speziell bei den Franzosen.
Ich: Letzteres ist richtig und uns bekannt. Der Mann heisst Fischer.