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Mitten im Gespräch steht Patricia Kaas, 42, auf, geht ans Fenster und zieht die Tagesvorhänge zu. «Ich mag die harte Wintersonne nicht», sagt sie. Das nun einfallende weichere Licht passt zum Chanson-Star mit der rauchigen
Stimme.
Die zierliche Französin, die fast perfekt Deutsch spricht, nimmt Platz auf dem Sofa in der Suite des Hotels Alden Splügenschloss im Zürcher Enge-Quartier und krault ihrer Malteser-Hündin Tequila das Fell.
Seit fast drei Jahren lebt «Mademoiselle chante
le blues» nicht mehr in der Limmatstadt. Vieles hat sich verändert. Auf ihrem neuen Album «Kabaret» besingt sie Coco Chanel und Marlene Dietrich.
Ausserdem liebt sie einen neuen Mann: Yannick Alléno, einen Pariser Drei-Sternekoch, und sie lebt abwechslungsweise in ihrem Haus bei Avignon oder in ihrer Wohnung in Paris – direkt gegenüber dem Elysée-Palast, dem Amtssitz von Präsident Nicolas Sarkozy.
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Frau Kaas, von da, wo Sie in Paris wohnen, sehen Sie täglich Carla Bruni Sarkozy?
Mais non! Wir unterhielten uns an einem Wohltätigkeitskonzert für Obdachlose in einer Fernsehshow. Sie schien schüchtern und gleichzeitig sehr selbstbewusst.
Sie mögen sie wohl nicht besonders?
Aber doch. Wie kommen Sie darauf?
Nun, Sie sagten einmal, dass Sie Menschen mit Selbstvertrauen nicht mögen.
Bon, ich habe tatsächlich ein Problem mit allzu selbstbewussten Personen. Wahrscheinlich kommt das daher, dass ich früher wenig Selbstvertrauen hatte. Ich zweifle heute noch an mir.
Eine Frau wie Sie?!
Warum nicht? Der Zweifel ist gut, er treibt mich an. Und was die Schönheit anbelangt – ich fühle mich auf der Bühne schöner und sicherer als im wirklichen Leben.
Im wahren Leben sind Sie seit kurzer Zeit mit Yannick Alléno liiert. Ist er der Richtige?
Die Zukunft wird es zeigen. Je suis bien avec lui.
Sind Kinder ein Thema, wenn Sie sich so wohlfühlen mit Yannick?
Es war früher ein wichtigeres Thema. Der Zeitpunkt stimmte nie, und den passenden Mann gabs auch nicht. Das passiert auch anderen Frauen.
Wie haben Sie Yannick kennengelernt?
An einem privaten Anlass in Paris. Ich sang, und er kochte.
Ein «coup de foudre», Liebe auf den ersten Blick?
Wenn ich arbeite, schaue ich mich nicht nach Männern um. Dann gibt es nur das Singen, meine Leidenschaft. Aber Yannick hat kurz danach meinen Manager und mich zum Essen im Hotel Le Meurice eingeladen …
Angeblich sind Sie kein Gourmet. Gibt es in Ihrer Beziehung eine Gänseleber-Butterbrot-Front?
Mir liegt die «Cuisine fine» wirklich nicht. Wenn Yannick und ich zusammen sind – das kommt selten vor – veranstalten wir keine Koch-Orgien. Eine Omelette, eine Gemüsesuppe – wunderbar. Zum Beispiel hatte ich heute zum Mittagessen Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti. Ich mags währschaft.
Sie haben lange in Zürich gewohnt. Vermissen Sie die Stadt, die Schweiz?
Ich vermisse nie Orte, sondern meine Wohnung, mein Zuhause. Aber ich denke gern an die Schweiz zurück. Ich mag die Wälder, die Seen und die Kultur in Zürich. Da war im Sommer immer so viel los. Im Vergleich dazu empfinde ich Paris als museal.
Sprechen Sie Schweizerdeutsch?
Nein. Aber ich verstehe ein paar Worte, weil es mich an den Dialekt erinnert, den man in Lothringen spricht. (Patricia wuchs als Tochter eines französischen Bergarbeiters und einer Deutschen im französisch-deutschen Grenzgebiet auf. Anm. der Red.)
Was wünschen Sie der Schweiz?
Etwas mehr Lockerheit vielleicht. Manchmal sind die Menschen hier zu strikt. Andererseits funktioniert im Vergleich zu Frankreich einfach alles perfekt.
Sie werden im Mai für Frankreich am «Eurovision Song Contest» in Moskau auftreten. Sorgen Sie sich nicht um Ihr Image?
Nein, der Wettbewerb hat seit zwei Jahren wieder an Niveau zugelegt. Als man mich anfragte, fühlte ich mich geschmeichelt, musste es mir aber trotzdem überlegen. Ich sagte zu. Es war für mich ein Wink des Schicksals.
Wie meinen Sie das?
Der Contest findet am 16. Mai statt, dem Todestag meiner Mutter. Seit sie vor über zwanzig Jahren an Krebs gestorben war, sang ich nie mehr an diesem Datum. Vielleicht ist es eine Chance.
Eine Chance?
Ja, im Leben weiterzukommen. Die Wunde ist zwar verheilt, aber manchmal tut es noch weh.
Sind Sie denn oft traurig?
Nein, das nicht. Vielleicht melancholisch. Das Leben ist eben ein Traum mit vielen Überraschungen – auch negativen.