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«Ich habe mich beim Aufstehen schon gut gefühlt», sagte Gilles Dufaux (Granges-Paccot FR) nach geschlagener Schlacht. Sein Gefühl sollte ihn nicht täuschen. Ein paar Stunden nach dem Aufwachen konnte er in der Thuner Guntelsey seinen grössten Erfolg in der bisherigen Karriere feiern. Der Fribourger krönte sich mit einer starken Leistung zum Vize-Weltmeister Gewehr 300m Militärisches Schnellfeuer. Dufaux war kniend und liegend auf Augenhöhe mit den favorisierten Norwegern. Die Stehend-Passen mussten entscheiden. In der ersten Serie erreichte er hervorragende 96 Punkte. Damit übernahm er gar die Führung im Zwischenklassement. Doch der Norweger Odd Arne Brekne konterte: Mit 93 Punkten erzielte er in der letzten Passe drei Punkte mehr als der Schweizer und konnte mit 577 Punkten den Weltmeistertitel erringen. Gilles Dufaux durfte mit 575 Zählern WM-Silber und einen neuen Schweizerrekord feiern. Als er vom minimalen Rückstand erfuhr, konnte er sich auch ein wenig aufregen: Nachdem er sich zuerst mit einem französischen Schimpfwort Luft gemacht hatte, ärgerte er sich über den Achter in der letzten Serie. Das alles allerdings mit einem Lachen auf dem Gesicht. Denn der junge Fribourger hat definitiv Silber gewonnen und nicht Gold verloren.
Die anderen beiden Schweizer konnten um die Vergabe der Medaillen nicht mitreden. Rafael Bereuter (Müswangen LU) verlor kniend und stehend ein paar Punkte zuviel. Mit 563 Punkten belegte er den 13. Platz. Andrea Rossi (Dietfurt SG) musste eine Liegend-Passe wiederholen, weil die Munition klemmte. Bereits das kostete ihn ein paar Punkte. Stehend unterlief ihm ein Fehler beim Auslösen. Die Konsequenz war eine Drei auf der Zielscheibe. Mit 554 Punkten belegte er den 28. Rang.
Gewehr 50m Dreistellung: Für Edelmetall hätte der Schweizerrekord fallen müssen
Gilles Dufaux sorgte mit seiner Silbermedaille, der fünften Medaille für die Schweiz an den Heim-Weltmeisterschaften, für den krönenden Abschluss. Die anderen Schweizer konnten am letzten Wettkampftag in Thun beim Kampf um Edelmetall nicht mitmischen. Nina Christen (Wolfenschiessen NW) und Petra Lustenberger (Rothenburg LU) lagen im Dreistellungsmatch Gewehr 50m zwar beide lange Zeit zumindest in der Nähe der Podestplätze. Am Ende verloren sie aber beide zu viele Punkte. Liegend-Weltmeisterin Nina Christen liess genau in dieser Stellung ein paar Punkte liegen, stehend konnte sie keinen Boden mehr gutmachen. Mit 1169 Punkten belegte sie den 9. Rang. Nur ein kleiner Trost wird für sie die Tatsache sein, dass nicht einmal ihr Schweizerrekord vom Vortag im Team-Wettkampf zu Bronze gereicht hätte. Mit ihren 1178 Punkten und 64 Innenzehnern wäre sie wegen einer fehlenden Mouche auf den vierten Platz verwiesen worden. Das sagt alles über das enorm hohe Niveau aus. Im Kampf um Gold spielte sich ein kleines Drama ab. Die Südkoreanerin Bae Sang Hee vergab mit einer Neun im letzten Schuss den Weltmeistertitel. Gold ging stattdessen an die Russin Iuliia Karimova. Beide Athletinnen hatten 1180 Punkte auf dem Konto, Karimova wies aber mit 79 deutlich mehr Mouchen auf als die Südkoreanerin. Mit den 1180 Zählern haben beide Schützinnen übrigens den aktuellen Weltrekord egalisiert. Tags zuvor im Teamwettkampf hatte Karimova mit 1183 gar eine neue Bestmarke gesetzt. Die Resultate an den CISM-Weltmeisterschaften werden vom Internationalen Verband allerdings nicht als Rekorde anerkannt.
Petra Lustenberger vergab eine Top-Ten-Klassierung in den Stehend-Passen. Sie war (nicht zum ersten Mal) die langsamste aller Schützinnen. Mit 1159 Punkten klassierte sie sich auf dem 21. Rang. Besser lief es Vanessa Hofstetter (Neuenegg BE). Sie zeigte einen konstanten Wettkampf und konnte sich im Vergleich zum Vortag um drei Punkte steigern. Mit 1161 Zählern belegte sie den 17. Platz.
Ehrenmeldung für Sandro Loetscher
Ohne Medaille blieb auch Sandro Loetscher (Gelterkinden BL). In einem erneut hochklassigen Pistolenwettkampf Militärisches Schnellfeuer fiel der Baselbieter in keiner Weise ab. Im Gegenteil: Es fehlten einmal mehr nur Kleinigkeiten, um bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitzureden. Mit 578 Punkten belegte er den 16. Rang. Für Bronze wären 584 Punkte nötig gewesen. Gold holte sich Alexei Klimov (RUS) mit 587 Punkten vor dem Chinesen Jin Yongde (585) und Pavlo Korostylov aus der Ukraine. (van)