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Die Ursachen einer Erblindung sind vielfältig. Das Sehen beginnt zwar im Auge, endet aber im Gehirn. Jegliche Veränderung zwischen der Augenvorderfläche (Hornhaut) und der Hirnrinde kann zu einer Verschlechterung des Sehvermögens bzw. einer Erblindung führen.
Die eigentlichen Sehzellen (Photorezeptoren) reagieren auf Lichtsignale und liegen wie ein Film auf der Innenseite des Auges - ganz hinten als Teil der Netzhaut. Sie entspricht im Aussehen in etwa einer Frischhaltefolie und ist nur punktuell befestigt. Ansonsten liegt sie vor allem aufgrund des gelatinösen Glaskörpers dem Augenhintergrund an.
Wenn dieser Glaskörper sich z.B. verflüssigt oder entzündet, oder das Auge durch einen Schlag getroffen wird, kann sich die Netzhaut von ihrer Unterlage lösen. Ist sie nur punktuell abgelöst, erscheint ein blinder Fleck im
Sehfeld. Bei einer vollständigen Ablösung kommt es zum totalen Verlust des Sehvermögens.
Als Mensch reagiert man meist sofort, wenn man kleine schwarze Flecken im Gesichtsfeld sieht: Netzhautablösungen werden rasch operativ versorgt. Dies ist beim Tier leider nicht der Fall, da kleine Ablösungen kaum eine Veränderung im Verhalten der Tiere verursachen, vor allem, wenn nur ein Auge erkrankt ist. Wenn die Netzhautablösung allerdings das zweite oder beide Augen betrifft, reagieren Besitzer auch beim Hund rasch und die Diagnose wird zeitnah gestellt, wodurch häufig die vollständige Erblindung vermieden oder rückgängig gemacht werden kann.
Bei kleinen, umschriebenen Veränderungen kann ein Fortschreiten verhindert werden, indem man um die Ablösung herum mit Laserstrahlen ein Verkleben der Netzhaut mit darunter liegendem Gewebe provoziert.
Bei grösseren und vollständigen Ablösungen ist dies nicht möglich, da sich die Netzhaut zu weit vom Untergrund gelöst hat (siehe Grafik 1). Auch beim Tier besteht inzwischen die Möglichkeit, solch komplett erblindete Augen wieder sehend zu machen, allerdings ist eine rasche Operation notwendig.
In der Operation (Vitrektomie) wird der gelatinöse Glaskörper mittels einer kleinen Guillotine zerschnitten und abgesaugt (siehe Grafik 1), ohne die abgelöste Netzhaut zu verletzen. Im nächsten Schritt wird diese mithilfe von schwerem Gas wieder an den Augenhintergrund gelegt und geglättet (siehe Grafik 2) und im Randbereich zirkulär mittels Laserstrahlen fixiert.
Ist dies gelungen, wird Silikonöl als dauerhafter Ersatz des Glaskörpers in das Auge gefüllt. Dieses Öl hält die Netzhaut in Position. Beim Menschen wird es meist nach einiger Zeit entfernt, beim Tier belässt man es häufig, um eine weitere Vollnarkose und zusätzliche Kosten zu vermeiden.
Es ist recht eindrücklich, wenn Tiere, die völlig blind und orientierungslos waren, durch einen solchen Eingriff sehen können. Obwohl die OP aufgrund der aufwändigen Materialien teuer ist, sind viele Besitzer nach einer erfolgreichen OP sehr zufrieden, da die Lebensfreude der Tiere wieder deutlich grösser ist. Bisher gibt es weltweit nur circa ein Dutzend Tierkliniken, die diese Operation durchführen. Zürich gehört seit 2018 mit dazu.
Natürlich stellt sich die Frage, ob ein solcher Eingriff beim Tier gerechtfertigt bzw. notwendig ist. Nicht alle Augen mit Netzhautablösung sind für die Operation geeignet. Wenn aber die Besitzer motiviert sind, die Tiere sich gut behandeln lassen und die Netzhautablösung erst seit kurzem vorliegt, dann ist der Eingriff erfolgversprechend.
Auch wenn wir nie sicher sagen können, wie gut ein Tier nach einer solchen OP sieht - definitiv besser als mit einem blinden Auge auf alle Fälle!
Autorin: Katrin Voelter, Illustration: Pascal Glatzfelder