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Drama
Frankreich / Kambodscha / Belgien, 2008
Alternative Titel Un barrage contre le Pacifique; Heisse Küste
Regie Rithy Panh
Buch Rithy Panh, Michel Fessler nach dem Roman von Marguerite Duras
Darsteller Isabelle Huppert, Gaspard Ulliel, Astrid Berges-Frisbey, Randal Douc, Duong Vanthon
Länge 111 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 12
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.|
©
Text Marco, molodezhnaja 29.1.10
© Bilder Trigon, Screenshots molodezhnaja
STORY
Französisch Indochina, 1931: In der Ream-Ebene am Golf von Siam besitzt eine verarmte französische Witwe (Isabelle Huppert) ein paar Reisfelder. Sie lebt mit ihren Kindern dort, dem 20-jährigen Joseph (Gaspard Ulliel) und der 16-jährigen Suzanne (Astrid Berges-Frisbey). Die Sprösslinge haben sich mit dem Exil in den Tropen arrangiert, sind jedoch kurz davor, die Farm zu verlassen. Und die Mama müde geworden, selbst ihre Medikamente will sie nicht mehr einnehmen. Trotzdem kämpft sie gegen die korrupten Kolonialbeamten und steckt ihre ganze Energie in ein aussichtsloses Projekt: Mit Hilfe der Bauern möchte sie einen Damm gegen den Ozean errichten, damit die Felder nicht immer mit Salzwasser überflutet werden. Derweil verliebt sich Monsieur Jo (Randal Douc), der Sohn eines reichen chinesischen Händlers, in die reizende Suzanne.
REVIEW
Marguerite Duras (1914-1996) wurde gerne vorgeworfen, sie wiederhole sich. Tatsächlich ziehen sich manche Themen wie ein roter Faden durch ihr Schaffen - vom Kolonialismus bis zur Liebe zwischen Ost und West. Das erstaunt nicht, wuchs sie doch in Indochina auf und schrieb über das, was sie prägte. Ihrem Frühwerk "Un barrage contre le Pacifique" wurde diese Repetition freilich noch nicht unterstellt, schliesslich war das 1950 erschienene Werk erst ihr dritter Roman und ihr erster Grosserfolg. 1958 wurde er bereits einmal verfilmt, und zwar von René Clément, nun tritt der Kambodschaner Rithy Panh (One Evening After the War) an, der den Vorteil hat, aus jenem Kulturkreis zu stammen, den Duras beschreibt.
Die Fusion aus Duras und Panh ist denn auch eine geglückte. Der Regisseur kann einige seiner früher behandelten Themen und Motive einfliessen lassen, nicht zuletzt die Reisfelder in Rice People, die hier einen Nebenschauplatz bilden. Und er findet einen leicht anderen Zugang zu Duras' Stoff, als es etwa westliche Regisseure wie Jean-Jacques Annaud ("L'amant") taten. Der Unterschied ist aber nicht immens, schliesslich wurde Panh in Frankreich ausgebildet und lebt mittlerweile in der Grande Nation. Kann gut sein, dass auch er seine Heimat bereits mit dem Hauch von Exotik anschaut.
Auf jeden Fall zeigen er und sein Kameramann Pierre Milon ("Entre les murs", "Qui a tué Bambi?") Kambodscha mit Hilfe üppiger, saftig grüner Bilder. Die typische cineastische Nostalgie mit ihren erdigen Tönen. Kein unerwarteter, aber allemal eindrücklicher Anblick. Und nicht allein die Natur schmeichelt der Linse, auch die Schauspieler bieten etwas fürs Auge. So gibt Gaspard Ulliel ("Hannibal Rising") Joseph als viriles Mannsbild, stets aufbrausend und maskulin sexy. Die TV-Schauspielerin Astrid Berges-Frisbey wiederum ist die unberührte 16-jährige Versuchung, nicht annähernd so lüstern wie Jane March in "L'amant", aber für ihren chinesischen Dandy allemal eine Eroberung wert.
Kurioserweise herrscht zwischen Berges und Ulliel das stärkste Knistern, das beinahe inzestuöse Dimensionen annimmt. Sie mag nur "wilde und schöne Männer" wie ihren Bruder, meint Suzanne einmal, später tanzen sie eng umschlungen, wobei seine Hand beherzt ihren Po packt. Das mag nur die gerne kolportierte französische Offenheit widerspiegeln, doch es dient auch dazu, den Kontrast zum Chinesen Jo herzustellen, der gesittet und zurückhaltend wirkt, jedoch seine Lust spürbar unter einer Fassade hält und sich am Ende als Wolf im Schafspelz entpuppt. Gespielt wird er vom Debütanten Randal Douc auf beklatschenswerte Weise.
Und dann ist da noch Isabelle Huppert, eine Grande Dame des französischen Kinos, und stets verlässliche Aktrice. Sie vereint den kränklichen und den widerborstig-rebellischen Aspekt ihrer Figur bestens und rundet das eh schon tolle Ensemble bestens ab. Alleine schon die Schauspiel-Power macht "Un barrage contre le Pacifique", der auf Englisch unter dem Titel "The Sea Wall" lanciert wurde, sehenswert. Nimmt man dazu die epischen Bilder und die tolle Atmosphäre, dann punktet der Film gleich mehrfach. Panh fängt wunderbar die durch die Dekadenz hervorgerufene Lethargie ein, die den Untergang des Kolonialismus und das Aufbegehren der Einheimischen ankündigt.
In der Zeit, in der die Story spielt, waren die Bürokraten der Besatzungsmacht jedoch noch in Kontrolle. Und Panh macht ihre Herrschaftsansprüche in mehreren Szenen lächerlich, etwa wenn ein Zettel Papier den Besitz eines Stücks Land beweisen soll, auf dem Menschen leben, die nicht einmal die Sprache dieser vermeintlichen Besitzer sprechen. Kolonialismus als unbegründeter und unbelegbarer Anspruch. Da wären wir wieder bei den Lieblingsthemen - jenen von Duras und auch von Panh. Mindestens beim Kolonialismus findet sich ein Deckungsbereich und den hier zu erforschen, ist stimulierend.
Aber auch das persönliche Drama um die dahinsiechende Mutter und die Kinder, die ausbrechen wollen, ist reizvoll. Panh hat den Duras-Roman in einigen Punkten abgeändert, so wird die Stadt hier ausgeklammert, alles spielt auf dem Land, und die Figur der Mutter wurde etwas weicher gezeichnet. Doch diese Unterschiede passen zu ihm und schaden der Geschichte keinesfalls. Vielmehr kriegen wir hier gleichsam Episches und Intimes, gleichzeitig Entspanntes und Knisterndes geboten. Das Ganze könnte noch etwas mehr Griff und Tempo haben, ausserdem kann der Film ein Gefühl von Déjà-vu nicht abschütteln und das langgezogene Ende enttäuscht. Doch "Un barrage contre le Pacifique" ist fraglos gehobenes Kino.
MEINE DVD
Schweiz, Code 0, PAL
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Französisch 2.0 mit deutschen, englischen und französischen Untertiteln.
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