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Botswana hat sich dank Diamanten beachtlich entwickelt. Eine junge Ministerin versucht, das Land von der Abhängigkeit zu lösen.
Bogolo Kenewendo ist erst 31 Jahre alt und leitet bereits ein eigenes Ministerium. Für das St. Gallen Symposium weilte die Botswanische Ministerin für Industrie, Handel und Industrie in der Schweiz. Im Interview erzählt die Jungpolitikerin, wieso Botswana als Musterland gilt – und welche prominente US-Amerikanerin für sie ein Vorbild ist.
Botswana gilt als Vorzeigeland im Süden
Afrika. Was zeichnet Botswana aus?
Bogolo Kenewendo*: Botswana wird für die gute Regierungsführung, den Frieden und die geringe Anfälligkeit für Korruption gelobt. Wir sind die älteste Demokratie in Afrika, anderswo auf dem Kontinent ist sie durch Diktaturen oder Coups unterbrochen worden. Es ist dem Land gelungen, seine Diamantvorkommen zum Nutzen seiner Bevölkerung zu verwenden.
Wieso hat sich Botswana seit der Unabhängigkeit 1966 so erfolgreich entwickelt?
Die gute Regierungsführung war entscheidend. Unsere Führer nach der Unabhängigkeit haben sich auf den Aufbau des Staats konzentriert. Wenn ein armes Land in die Unabhängigkeit entlassen wird, geht es darum, etwas aufzubauen. Sie legten die Grundlagen für funktionierende Institutionen, anstatt grosse Ausgaben zu tätigen.
Botswana ist vom Diamantabbau abhängig. Wie versucht das Land, seine Wirtschaft zu diversifzieren?
Es ist eine schwierige und langwierige Aufgabe. Es gibt eine kleine Industrie, auch die Lebensmittelverarbeitung im Land wächst. Zudem entsteht gerade eine Finanzdienstleistungssektor. Im Vergleich mit dem Diamantensektor sind aber alle diese Aktivitäten wenig bedeutend. Es gibt allerdings riesige Rohstoffvorkommen. Botswana verfügt über Kohle, Aluminium, Kupfer, Nickel und etwas Gold. Diese Vorkommen werden abgebaut.
Was unternimmt die Regierung, um die Wirtschaft zu entwickeln?
Wir investieren viel in die Ausbildung, um die Abhängigkeit vom Diamantensektor zu verringern. Unser Bildungssystem ist vergleichsweise gut. Investoren bieten wir Anreize. Beispielsweise erhalten Industrieunternehmen, dich sich in Botswana ansiedeln, Steuerrabatte. Zusätzlich sind wird im Begriff, Sonderwirtschaftszonen zu schaffen – um ausländische Investoren anzulocken.
Seit Anfang April hat Botswana einen neuen Präsidenten, Mokgweetsi Masisi. Für was steht er ein?
In seiner Eröffnungsrede hat er die botswanischen Prinzipien hervorgehoben. Unsere Nation beruft sich auf Respekt, den Zusammenhalt und den Staatsaufbau. Mithilfe dieser Wert sollen Jobs geschaffen, die Armut bekämpft und die Ungleichheit verringert werden. Auf diesen Ziele fokussieren wir. In meinem Ministerium geht es auch darum, für Investoren den roten Teppich auszurollen, die im Süden Afrikas investieren wollen. Wir ermöglichen ausländischen Unternehmen auch Zugang zu den Märkten in unseren Nachbarländern Sambia, Simbabwe, Namibia und Südafrika.
Wie arbeitet Botswana mit seinen Nachbarn zusammen?
Unser Präsident hat bereits die Nachbarländer besucht, um die enge Kooperation zu garantieren. Wir sind Teil der Zollunion SACU zusammen mit Botswana, Lesotho, Swaziland, Namibia und Südafrika. Zudem bilden wir mit 14 anderen Ländern die Handelsorganisation SATUC. Wir haben realisiert, dass wir für unsere eigene Entwicklung die gesamte Region voranbringen müssen. Das gleiche Rezept hat auch die Europäische Union mit Erfolg angewandt.
Chinas Einfluss in Afrika wächst. Ist China auch für Botswana wichtig?
Wir schätzen alle unsere internationalen Partner – China ist einer davon. Wenn wir uns zum Zentrum in unserer Region entwickeln wollen, müssen wir offen für alle Investoren bleiben. Etwa 15 bis 20 Prozent unseres Handels wickeln wir mit China ab – dieser Anteil ist tiefer als in vielen anderen afrikanischen Ländern. Der Einfluss Chinas ist schwächer, weil Botswana vor allem Diamanten exportiert. In dem Sektor gibt es wenige chinesische Unternehmen.
Sie sind jung und eine Frau. Mit diesen zwei Eigenschaften sind Sie eine Ausnahme in der Politik Botswanas. Ist Ihre Ernennung ein Zeichen dafür, dass sich Botswana wandelt?
Ich weible dafür, dass Frauen und Junge mehr Einfluss auf die Entscheide in unserem Land haben. Unser neuer Präsident hat sich dafür ausgesprochen, der jungen Generation mehr Gehör zu verschaffen. Mit meiner Ernennung hat er dafür ein Zeichen gesetzt. Das Durchschnittsalter von Ministern in Afrika ist etwa 50 Jahre. Aber Revolutionen sind nie von 60-Jährigen angeführt worden – dass zeigt auch unsere eigene Geschichte. Meine Ernennung sollte deshalb nicht als aussergewöhnlich angesehen werden.
Sie hatten eine inspirierende Begegnung mit der ehemaligen First Lady der USA,
Michele Obama. Erzählen Sie!
2011 war ich Teil des «Young African Leadership Forums», Michele Obama war die Schirmherrin. Sie war fantastisch, die Begegnung mit der damaligen First Lady hat mich inspiriert. Zudem erhielt ich im Nachgang dieser Begegnung finanzielle Starthilfe von der US-Regierung für mein Mentorenprogramm. Mit meiner Organisation unterstützen wir junge Frauen in Botswana beim Start ins Arbeitsleben. Das Programm führe ich privat und nicht als Ministerin.
2019 finden in Botswana Parlamentswahlen statt. Der Opposition wird einen Wahlgewinn zugetraut. Wäre Ihre Partei bereit, die Macht abzugeben?
Ich rechne damit, dass wir gewinnen. Die Stabilität Botswanas hängt aber sowohl von der Regierungspartei wie auch der Opposition ab – beide berufen sich auf das botswanische Prinzip, demokratische Niederlagen zu akzeptieren. Die Wahlen werden sicher und stabil ablaufen. Im Moment kandidiert ein Oppositionspolitiker für das Panafrikanische Parlament (das Parlament der Afrikanischen Union). Und wir als Regierungspartei unterstützen ihn. Das wäre in anderen Ländern wohl nicht der Fall.