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Langjähriger Direktor des Instituts und Pionier der Unterhaltungsforschung
Als Louis Bosshart Anfang 1982 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Freiburg berufen und gleichzeitig zum Institutsdirektor ernannt wurde, war er der erste und noch für viele Jahre der einzige Ordinarius für Kommunikations- und Medienwissenschaft in der Schweiz, der auch bereits sein Studium in diesem Fach absolviert hatte. In seinen Anfangszeiten wurde das 1966 gegründete Institut nämlich noch nicht von Kommunikationswissenschaftlern geleitet: Der erste Direktor, Prof. Dr. Florian H. Fleck, war Volkswirt, und die fachbezogene Ausbildung war stark praxisorientiert und wurde überwiegend von Journalisten bestritten. Louis Bosshart hatte an diesem Institut studiert und promoviert, danach in Grossbritannien, den USA und Deutschland geforscht und gelehrt und 1979 mit einer Arbeit über die „Dynamik der Fernseh-Unterhaltung“ habilitiert. Gleichzeitig konnte er umfangreiche Praxiserfahrung als Korrespondent, Redaktor und Pressechef vorweisen. Als Professor und Institutsleiter war er in den folgenden Jahrzehnten bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2013 massgeblich verantwortlich für die Ausweitung des Lehrprogramms und den strukturellen Ausbau des Instituts, aus dem das heutige Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung mit sechs Professuren, zahlreichen Doktoranden- und mehreren Lektoren- und Oberassistenzstellen hervorgegangen ist.
Als Forscher hat Louis Bosshart wiederholt Pionierarbeit geleistet. Mit der Bearbeitung einer geisteswissenschaftlichen Fragestellung mit sozial-empirischen Methoden beschritt er bereits in seiner 1972 publizierten Dissertation mit dem Titel „Motive der Vornamengebung im Kanton Schaffhausen von 1960 bis 1970“ neue Wege, und 1988 war er im deutschsprachigen Raum der Erste, der sich mit einer umfassenden Publikation zum Thema „Frauen und Massenmedien“ geäussert hat. Zu seinem wichtigsten Forschungsfeld wurde jedoch die Medienunterhaltung: Mit seiner Habilitation und zahlreichen weiteren Arbeiten trug er dazu bei, dass die Bedeutung von Unterhaltungsaspekten im Journalismus und in der PR gerade auch im deutschen Sprachraum von der Fachgemeinschaft besser anerkannt wurde und sich die Forschung darüber etablieren konnte. Daneben beschäftigte sich Louis Bosshart auch mit zahlreichen anderen Themen, unter anderem mit dem Berufsfeld Journalismus, mit Fragen der journalistischen Ethik, dem lokalen Rundfunk, der Pressekonzentration und der Rezeption von Wahlberichterstattung.
Neben seiner Tätigkeit in Freiburg nahm Louis Bosshart an verschiedenen Universitäten Lehraufträge und Gastprofessuren wahr, namentlich an der Stanford University in Kalifornien, wo er 1993 und 1994 als Visiting Professor wirkte und seither regelmässig Sommerkurse auf dem Gebiet der Medienunterhaltung gibt. Auch ausserhalb der Universität übernahm er vielseitige Aufgaben, etwa als Mitglied von Expertengruppen und Fachkommissionen, als Leiter der Hauptpressestelle beim Besuch von Papst Johannes Paul II. in Freiburg im Jahr 1984, als Pressechef der „Triennale Internationale de la Photographie“ in Freiburg von 1985 bis 1991 oder als Jurymitglied für verschiedene Journalismuspreise.
(Dieser Text wurde ursprünglich für den Eintrag zu Louis Bosshart im „Biografischen Lexikon der Kommunikationswissenschaft“ des Halem-Verlags verfasst. Der vollständige Eintrag ist hier abrufbar.)