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3. Die eigentliche Stiftshütte
Damit die Stiftshütte auf ihren zahlreichen Etappen durch die Wüste transportiert werden konnte, war sie in ihre verschiedenen Teile zerlegbar, bildete aber gleichwohl ein Ganzes. Bei jedem Aufbruch wurde sie von den Leviten zerlegt und so befördert, teils auf ihren Schultern, teils auf Wagen. An jedem neuen Lagerplatz stellte man zuerst die Stiftshütte auf und dann lagerte sich das Volk rings um die Wohnung herum (4. Mo. Kap. 1 bis 4).
Das eigentliche Haus der Stiftshütte war aus Brettern, Teppichen und Vorhängen zusammengesetzt. In einer Hinsicht ist es ein Vorbild von Christus, in anderer Hinsicht aber ein Vorbild auf die Erlösten, die zusammen das Haus Gottes, die Versammlung, bilden.
Bretter
Masse: 1½ Ellen breit, 10 Ellen hoch. 20 Bretter im Norden, 20 im Süden, 8 im Westen, insgesamt 48 Bretter.
Jedes Brett war also breit und hoch, angefertigt aus einem Baum mit grossem Umfang. Der Baum musste gefällt und das Brett zugeschnitten werden, bevor man es zur Stiftshütte brachte. So ist auch der Erlöste aus dieser Welt herausgezogen und von Gott zubereitet worden, um ein wesentlicher Bestandteil seines Hauses zu werden (vgl. 1. Könige 6,7).
Aber ein Brett, so breit und hoch es auch ist, kann sich allein nicht aufrecht halten (2. Mo 26,15). Deshalb waren am Fuss jedes Brettes zwei Zapfen, die tief in zwei Silberfüsse hineinversenkt wurden. Diese Füsse stellen die Erlösung dar (2. Mo 30,11-16; 38,25-27). Die beiden Füsse erinnern an zwei grundlegende Wahrheiten: an die Gerechtigkeit und die Liebe Gottes, denen das Werk Christi vollkommen entsprochen hat. Weil Christus unsere Sünden auf sich genommen hat, für uns zur Sünde gemacht worden ist und an unserer statt das Gericht ertrug, ist Gott gerecht, wenn Er dem Sünder vergibt, das heisst, wenn Er «den rechtfertigt, der des Glaubens an Jesus ist» (Römer 3,26). Seine Liebe, die vergeben wollte, ist also mit seiner Gerechtigkeit eng verbunden. Gott kann nicht anders, Er muss dem, der sich im Glauben unter das Blut Jesu stellt, die Sünden vergeben: das ist ein Akt der Gerechtigkeit gegenüber Christus.
Geradeso wie ein Brett im Sand der Wüste sicher und aufrecht auf seinen Füssen stand, wird der Erlöste aufrecht gehalten, und sein Heil ist völlig gesichert.
«Ihr steht durch den Glauben», sagt uns 2. Korinther 1,24. In der Tat, weder durch unsere Kraft noch durch unsere Erkenntnis, sondern einzig und allein durch Glauben an das durch den Herrn Jesus vollbrachte Werk können wir aufrecht stehen. «Daher, wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle.» (1. Kor 10,12). Es gibt welche, die zu stehen scheinen: Sie sind in einer christlichen Umgebung aufgewachsen, haben in der Sonntagsschule oder in Versammlungen eine ziemlich grosse, verstandesmässige Erkenntnis empfangen. Aber sie haben den Heiland niemals für sich selbst angenommen. Und weil das Wort in ihren Herzen «nicht mit dem Glauben verbunden» ist, so werden sie nicht zu stehen vermögen, sondern gewiss fallen.
Diese Warnung richtet sich auch an wahre Kinder Gottes, im Blick auf ihren praktischen Wandel. Wenn wir einen Bruder sehen, der gefallen ist, so lasst uns doch keinen Augenblick denken, das werde uns nie zustossen! (Gal 6,1). Lasst uns vielmehr unser Vertrauen auf die Gnade und die Macht des Herrn setzen, gemäss dem Wort: «Der Herr vermag ihn aufrecht zu halten» (Römer 14,4).
Aber selbst wenn ein Brett fest auf seinen Füssen ruht, kann es durch den Wüstenwind leicht umgeworfen werden, wenn es allein steht. Darum mussten die Bretter miteinander verbunden werden. Darin steckt für uns Christen jeden Alters eine wichtige Lektion: Wir dürfen als Gläubige nicht allein bleiben, sondern sollen die Gemeinschaft der Kinder Gottes aufsuchen. Junge Leute, die das väterliche Haus ihrer Studien, einer Berufslehre oder anderer Umstände wegen verlassen und in eine fremde Stadt oder ins Ausland ziehen, sollten dies besonders beachten.
«Freundschaft der Welt ist Feindschaft gegen Gott» (Jak 4,4). Lasst uns darauf achten, nicht in der Welt Freunde zu suchen. Seien wir im Gegenteil dankbar für gläubige Freunde, die Gott auf unseren Weg führt, mit denen wir ein gemeinsames Teil und ein gleiches Ziel haben. Einander eine Hilfe sein auf dem Glaubensweg, zusammen beten, einander an wunderbaren Entdeckungen im Wort Gottes und an Erfahrungen teilnehmen lassen, die der Herr uns in seiner Liebe machen lässt – das sind einige der Freuden christlicher Freundschaft.
Aber mehr noch. Nicht nur einzelne Bretter sollten zusammengestellt werden, sondern alle mussten mittels fünf «Riegeln» gut miteinander verbunden und zusammengehalten werden (2. Mo 26,26-28). Diese Riegel haben verschiedene Bedeutungen:
- «Der mittlere Riegel in der Mitte der Bretter durchlaufend von einem Ende zum andern» lässt an den Heiligen Geist denken, der gemäss 1. Korinther 12,13 die Erlösten zu einem Leib vereinigt. (Dabei muss man sich aber bewusst sein, dass die Wahrheit des «Leibes» im Alten Testament noch nicht offenbart war.)
- Diese Riegel sind auch ein Vorbild des Dienstes durch den Geist nach Epheser 4,11-14, dessen Ziel unter anderem in der «Auferbauung des Leibes des Christus» besteht, «bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens … damit wir nicht mehr Unmündige seien …» Man kann die Riegel auch mit Apostelgeschichte 2,42 in Verbindung bringen.
- In einem sittlichen Sinn endlich erinnern diese Riegel an Epheser 4,1-3, woraus hervorgeht, dass Demut, Sanftmut, Langmut und das Sich-in-Liebe-vertragen unerlässlich sind, damit die Gläubigen praktisch eng verbunden bleiben.
Die aufrechtstehenden Bretter, in ihren Füssen von Silber befestigt und durch die Riegel verbunden, waren mit Gold überdeckt. Die Erlösten des Herrn sind von neuem geboren und «Teilhaber der göttlichen Natur» geworden (2. Pet 1,4). Wenn sie, wie die Bretter, im Heiligtum betrachtet werden, sieht man nur das «Gold», das sie bedeckt. Auf diese Weise bilden sie als «lebendige Steine» heute das Haus Gottes (1. Pet 2,5).
Der Vorhang (2. Mose 26,31-35)
Nach Hebräer 10,20 stellt der Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennte, Christus im Fleisch gekommen dar. Er wurde gewoben
- aus blauem Purpur (ein Bild dessen, der vom Himmel herabgestiegen ist)
- aus rotem Purpur (redet von dem, der nach den Leiden die universelle Herrlichkeit empfängt)
- aus Karmesin (Farbe des Blutes, das an seine Leiden erinnert, aber auch an seine Herrlichkeit als der Messias Israels) und
- aus Byssus (Menschheit und vollkommener Wandel Jesu)
Das alles sind Charakterzüge des Herrn Jesus, die uns in besonderer Weise in den vier Evangelien (vier Säulen), aber auch auf allen anderen Seiten des Wortes Gottes vorgestellt werden.
Viele haben die Herrlichkeit des Fleisch gewordenen Wortes nicht erkannt.1 In der Tat, der Vorhang verhüllte die Bundeslade, aber dieser Vorhang wurde aufgrund des Werkes am Kreuz von oben bis unten zerrissen (vergleiche auch mit Heb 10,19-22). Johannes konnte sagen, dass es solche gegeben habe, die mit ihm, dem Apostel «seine Herrlichkeit angeschaut» haben, «eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit» (Joh 1,14).
Der Vorhang musste mit Cherubim verziert werden, wodurch angezeigt wurde, dass der Herr alles erforscht, von allem Kenntnis nimmt und alles richtet (Offenbarung Kapitel 1 bis 3). Diese Cherubim erinnerten in einer Hinsicht an jene im Garten Eden und zeigten, dass der Zugang zum Heiligtum noch verschlossen war. Heute aber, nachdem der Vorhang zerrissen ist, hat uns Jesus den Zugang zur Gegenwart Gottes selbst geöffnet (Lk 23,45; Heb 10,19-22).
Die Teppiche, das Zelt und die Decken
a) Die Teppiche (2. Mose 26,1-6)
Zehn Teppiche von je 4 Ellen Breite und 28 Ellen Länge bildeten ein Ganzes von 40x28 Ellen. Diese Teppiche wurden aus gleichen Fäden gemacht wie der Vorhang. Aber während beim Vorhang der blaue Purpur zuerst erwähnt wird, tritt bei den Teppichen der Byssus an die erste Stelle. In der Tat, wenn die Teppiche Christus darstellen (entsprechend dem Gedanken, dass die Stiftshütte von Gott, offenbart in Christus, redet), sind sie auch ein Bild von den Gläubigen, und zwar so, wie sie in Christus gesehen werden, «angenehm gemacht in dem Geliebten». Daher, wenn es sich um Gläubige handelt, ist es vor allem die praktische Gerechtigkeit in ihrem Wandel, die sie auszeichnen soll, während bei Christus in erster Linie sein himmlisches Wesen in den Vordergrund trat.
Die Kinder Gottes, im Heiligtum gesehen, so wie der Brief an die Epheser sie uns darstellt, tragen die Kennzeichen Christi.
Die Teppiche waren eng miteinander verbunden durch Schleifen von blauem Purpur und Goldklammern; die Bande, die die Erlösten heute verbinden, sind himmlischer und göttlicher Natur. Die Gläubigen haben sich nicht zusammengefunden, weil es ihnen passt oder weil sie in gewissen Punkten eines Sinnes sind und sich daher zusammengehörig fühlen, sondern es ist Gott, der sie unlösbar miteinander vereint hat. Indem sie sich einfach um den Herrn Jesus versammeln, geben sie von dem, was Gott getan hat, Zeugnis, oder – wie man auch schon gesagt hat – sie bringen in Wirklichkeit das zum Ausdruck, was für den Glauben schon besteht. Um dem Gedanken des Herrn zu entsprechen, muss ein solches Versammeln mit 2. Timotheus 2,19 und 22 übereinstimmen. Es ist wichtig, dass die Gläubigen in der Praxis kundtun, welches ihre Stellung im Heiligtum ist, indem sie das Wesen Christi widerspiegeln (Byssus, blauer und roter Purpur und Karmesin: «wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen», und die Wirklichkeit der Tatsache darstellen, dass Gott sie miteinander verbunden hat.
Wenn es auch dem Feind gelungen ist, die Christen im Hinblick auf ihr praktisches Zeugnis auf der Erde zu zerstreuen und zu zersplittern, so bleibt doch bestehen, dass sie in Christus und vor Gott eins sind, wie die Gesamtheit der Teppiche, die durch Klammern zusammengefügt waren, «die Wohnung, ein Ganzes» bildeten (2. Mo 26,6).
b) Das Zelt (2. Mose 26,7-13)
«Über die Wohnung» wurde zum Schutz gegen jeden Einfluss oder äusserliche Beschmutzung ein Zelt von Ziegenhaar gelegt.
Elf solcher Teppiche von je 4 Ellen Breite und 30 Ellen Länge bildeten ein Ganzes von 44x30 Ellen, das also die Masse der ersten Teppiche übertraf.
Das Ziegenhaar spricht von Absonderung für Gott (Kleidung der Propheten), nicht durch Strenge gegenüber den Sündern, sondern durch die Trennung von ihnen, in der Strenge gegen sich selbst, die sich mit der vollkommensten Menschenfreundlichkeit und Sanftmut verbinden kann, wie sie in Christus gesehen wurden (J. N. Darby).
Es gibt keine Darstellung des Wesens Christi (Teppiche), ohne gleichzeitige Absonderung von der Welt. Die Frauen hatten das Ziegenhaar gesponnen (2. Mo 35,26): Jeder Gläubige, selbst der schwächste, ist berufen, diese Absonderung von der Welt in seinem täglichen Leben, in seinem Haus, bei seiner Arbeit, in seinem Benehmen praktisch zu verwirklichen. Wenn jeder da, wo er hingestellt ist, das Ziegenhaar «spinnt», wird die Trennung des Hauses Gottes von der Welt verwirklicht, aber wenn es praktisch an Fäden fehlt, wird das Gewebe des «Zeltes» keinen Schutz gegen äusserliche Verunreinigung mehr bieten.
Die Teppiche des «Zeltes» wurden durch Schleifen und Klammem von Kupfer zusammengefügt: Einheit der Gläubigen in der Absonderung und im Verurteilen des Bösen.
c) Die Decke von Widderfellen
Bei der Einweihung der Priester wurden Widder geopfert (2. Mo 29,19). Hierin haben wir ein Bild von der Hingebung der Erlösten an den Herrn, an seine Interessen und an sein Haus, hervorgerufen durch das Bewusstsein der völligen Hingebung Christi an Gott für die Erlösten, eine Weihung, die bis in den Tod ging (rotgefärbte Widderfelle): 2. Kor 5,15; Eph 5,2.
Eine äusserliche Absonderung, ohne eine von Herzen kommende innere Hingebung an den Herrn, führt zu Gesetzlichkeit und Selbstgerechtigkeit (vgl. Lukas 18,9-14).
d) Die Decke von Seekuhfellen
Diese äusserste Decke war das Einzige, was ausser dem Vorhang, der als Eingang zum «Heiligen» diente, von der Stiftshütte zu sehen war. Um die Teppiche und ihre Kunstweberarbeit, das Gold der Bretter und die verschiedenen Gegenstände des Heiligen und Allerheiligsten zu sehen, musste man in das Heiligtum eintreten. Von aussen her sah man nur diese Decke von Seekuhfellen. So ist es auch mit Christus in dieser Welt: Um seine verschiedenen Herrlichkeiten zu entdecken, ist Glauben nötig, der in Ihm den Sohn Gottes erkennt. Für die andern aber «hatte er keine Gestalt … dass wir ihn begehrt hätten» (Jesaja 53,2).
Diese Seekuhfelle reden auch von der Wachsamkeit, die erforderlich ist, um den Schlingen auszuweichen und um die Angriffe des Feindes niederzuschlagen. Die Wachsamkeit ist wie eine sittliche Schutzhülle von grosser Wirksamkeit. Fehlt sie im praktischen Wandel, so lässt man sich durch weltliche Freunde oder durch Umstände in Lagen bringen, in denen man, ohne besonderes Dazwischentreten des Herrn, Ihn nur verunehren wird (1. Kor 15,33.34; Sprüche 4,20-27).
Die vier Dinge stehen also in engem Zusammenhang: Um das Wesen Christi praktisch widerspiegeln zu können, ist es unumgänglich, dass die Kinder Gottes die Absonderung von der Welt und vom Bösen verwirklichen, sich Christus hingeben und wachsam sind. Wer dem Herrn in Abhängigkeit und Liebe zu dienen begehrt, wird vor manchen Versuchungen bewahrt, man wird die Notwendigkeit der Absonderung von der Welt besser verstehen und darüber wachen, dass nichts das Zeugnis trüben und das Werk des Herrn hindern kann.