Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03267.jsonl.gz/2110

Bärentraube - Arctostaphylos uva-ursi
Arctostaphylos uva-ursi (syn. Arbutus uva-ursi,
Arctostaphylos media, Arctostaphylos officinalis, Arctostaphylos
procumbens, Mairania uva-ursi, Uva-ursi buxifolia, Uva-ursi procumbens);
Bärentraube (syn. Mehlbeere, Moosbeere, Sandbeere, Wilder Buchsbaum, Wolfstraube).
VORKOMMEN
Das Vorkommen der Bärentraube erstreckt sich von Spanien über ganz Mitteleuropa nordwärts bis Skandinavien und reicht ostwärts bis zum Himalaya und schliesst auch noch Teile Nordamerikas ein. Die Bärentraube findet sich in lichten, trockenen Föhrenwäldem, oft in ausgedehntem Mass auch über die Baumgrenze im sonnigen Zwergstrauchbeständen. Der kleine Strauch bevorzugt sandige Böden. Die Pflanze steigt in den nördlichen Gebieten bis weit in die Täler hinab.
MERKMALE
Die Bärentraube ist ein niederliegender, bis 1,2 m langer, kriechender Spalierstrauch mit einer Wuchshöhe von max. 50 cm. Er hat elastische, rotbraune Zweige, die oft dichte Matten bilden. Die Laubblätter sind ledrig, derb, ganzrandig, 10 bis 30 mm lang, 4 bis 15 mm breit, immergrün, verkehrt-eiförmig, kahl, glänzend, unterseits deutlich netzartzig, an der Mittelrippe und am Rande oft feinflaumig behaart. Die Blüten sind in kurzen, endständigen und überhängenden Trauben angeordnet. Die Blütezeit reicht von März bis Juni. Im Herbst reifen scharlachrote, beerenartige Steinfrüchte mit einem Durchmesser von 6 bis 8 mm.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Uvae-ursi folium (syn. Folia Arctostaphyli, Folia Garjubae, Folia Uvae ursi, Folia Vaccinii ursi, Herba Garjubae);
Bärentraubenblätter (syn. Achelblätter, Achelkraut, Bärenkraut, Moosbeerenblätter, Sandblätter, Steinbeerenblätter, Wolfsbeerenblätter), die getrockneten Laubblätter.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Droge enthält bis zu 15 % Phenolglykoside, darunter insbesondere
Arbutin und, je nach Herkunft der Droge, bis zu 2.5 % Methylarbutin.
Über das Vorkommen von Methylarbutin in der Droge sind die Angaben in der Literatur recht unterschiedlich. Offenbar existieren verschiedene chemische Rassen, die sich im Fehlen und Vorhandensein von Methylarbutin und im Anteil des Methylarbutins am Gesamtgehalt an Hydrochinonderivaten unterscheiden.
Weitere Hydrochinonderivate und freies Hydrochinon sind nur in geringen Konzentrationen vorhanden.
Im Weiteren sind vorhanden:
- Flavonoide (bis zu 1,5 %, besonders Flavonolglykoside)
- Gerbstoffe (vorwiegend als Gallotannine und Ellagitannine)
- Phenolcarbonsäuren (z.B. Gallussäure)
- Triterpene (z.B. Ursolsäure)
- und das Iridoidglykosid Monotropein.
PHARMAKOLOGIE
In-vitro wirken Zubereitungen aus Bärentraubenblättern antibakteriell gegen viele Mikroorganismen und Pilze. Aus Arbutin wird durch Glykosidspaltung Hydrochinon freigesetzt, diesem wird der antibakterielle Effekt zugeschrieben. Arbutin ist also eigentlich eine Prodrug für das relativ toxische Hydrochinon. Die toxischen Effekte des Hydrochinons sind wegen der raschen Entgiftung aber nicht relevant.
Neueren Studien zufolge ist die Basizität des Harns für die Freisetzung des antibakteriell wirksamen Hydrochinons aus Arbutin weniger bedeutsam als früher angenommen.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):
- Anwendungsgebiete: Entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege.
- Medikamentöse und sonstige Wechselwirkungen: Bärentraubenblätter-Zubereitungen sollten nicht zusammen mit Mitteln gegeben werden, die zur Bildung eines sauren Harns führen, da dies die antibakterielle Wirkung vermindert.
- Gegenanzeigen: Schwangerschaft, Stillzeit. Kinder unter 12 Jahren.
- Nebenwirkungen: Bei magenempfindlichen Personen können Übelkeit und Erbrechen auftreten.
- Verwendung bei Schwangerschaft und Laktation: Keine Anwendung in der Schwangerschaft. Der Übergang von Arbutin/Hydrochinon in die Muttermilch ist nicht untersucht. Eine Anwendung in der Stillzeit sollte daher nicht erfolgen.
- Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: Einzeldosis: 3g Droge auf 150 ml Wasser als Aufguss oder Kaltmazerat bzw. 100-210 mg Hydrochinon-Derivate, berechnet als wasserfreies Arbutin. Tagesdosis: Bis zu 4 x täglich 3g Droge bzw. 400-840 mg Hydrochinon-Derivate, berechnet als wasserfreies Arbutin.
- Art der Anwendung: Klein geschnittene Droge, Drogenpulver für Aufgüsse oder Kaltmazerate, Extrakte und feste Darreichungsformen zum Einnehmen.
- Dauer der Anwendung: Arbutinhaltige Arzneimittel sollten ohne ärztlichen Rat nicht länger als jeweils 1 Woche und höchstens fünfmal jährlich eingenommen werden.
Die ESCOP beurteilt die Droge positiv, bei den Anwendungen wird aber folgendermassen ergänzt: "wenn eine Behandlung mit Antibiotika nicht erforderlich ist".
Die Bärentraubenblätter wurden vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Bärentraube ist in zahlreichen Nieren- und Blasentees resp. -dragées enthalten, oft in Kombination mit z.B. Goldrute, Hauhechel, Echinacea, Kamille, Birkenblättern, Hagebutte, Liebstöckel, Schachtelhalm, Katzenbart und Kalmus.
Volksheilkundlich werden die Blätter der Echten Bärentraube bzw. daraus hergestellte Zubereitungen insbesondere bei Harnwegsinfektionen, aber auch bei Durchfall, bei Gallengangsbeschwerden und als Wehenmittel eingesetzt.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Bevorzugt werden unter standardisierten Bedingungen hergestellte flüssige und feste Darreichungsformen (Fertigarzneimittel).
Am besten als Kaltauszug (dieser enthält weniger Gerbstoffe als eine Teebereitung), bis zu 4 mal täglich 3 g Bärentraubenblätter auf 150 ml Wasser.
STATUS
- Kommission E : - positive Bewertung
- ESCOP: - positive Bewertung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
- Klinische Studien: positiv
HOMÖOPATHIE
Arctostaphylos uva-ursi HAB1; Bärentraube, die frischen Blätter oder die frischen Blätter und jungen Zweigspitzen.
Anwendungsgebiet: Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege.
BÄRENTRAUBE IM GARTEN
Die Bärentraube liebt sonnige bis leicht schattige Plätze mit einem
sauren, durchlässigen Boden, dazu verwndet man ein Sand-/Torfgemisch
das mit leicht saurem Kompost angereichert wird. Im Garten kultiviert
man die Bärentraube in Pflanzschalen oder noch besser im, als Alpinum
angelegten, Steingarten. Der Boden muss mässig feucht gehalten werden.
Die Pflanze kann vegetativ durch Absenken der längeren Zweige oder durch
die noch nicht vollständig verholzten Stängelteile als Stecklinge
vermehrt werden. Die Blätter können ganzjährig geerntet werden.
Die Bärentraube wird viele Jahre alt und ist zudem hitzeresistent und frosthart. Mit einem optimalen Standort wird die Bärentraube kaum Pflege benötigen. In meinem Garten wächst sie in Begleitung von Preiselbeere, Heidelbeere, Alpenrose und Rosenwurz.
SONSTIGES
Die Bärentraube ist den griechischen und römischen Ärzten unbekannt geblieben. Im Norden ist sie dagegen wohl schon lange als Heilmittel benutzt worden und findet in englischen Kräuterbüchern des 13. Jahrhunderts Erwähnung.
Letzte Änderung: 26.01.2017 / © W. Arnold