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Die Idee von Maistra 160
Von Gion A. Caminada
Von Gion A. Caminada
Für mich ist eine Idee dann stark, wenn es durch die Inkraftsetzung der mit ihr verbundenen Vorstellung möglichst vielen Menschen gut geht. Dieses «gut gehen» mag in unterschiedlichsten Arten der architektonischen Umsetzung enthalten sein. Das Finden der «guten Idee» bleibt stets die höchste Herausforderung im Entwurf. Die «gute Idee» ist etwas Übergeordnetes, in einem gewissem Sinn metaphysisch. Die Idee darf nicht zu genau und zu eindeutig umschrieben sein. In diesem nicht genau Fassbaren soll einerseits ein grosser Spielraum enthalten sein, gleichzeitig müssen Grenzen spürbar bleiben. Weist die Idee sehr eindeutig zu etwas hin, kann das zur entscheidenden Tatsache werden. Und Tatsachen können für die Suche nach einer Ganzheitlichkeit (vorausgesetzt es gibt das Ganzheitliche) hindernd sein.
Die Arbeit an der Idee beginnt mit den ersten Gedanken und endet mit dem Abschluss des Projektes. In diesem Prozess wird die Idee aus unterschiedlichen Perspektiven reflektiert, sie soll wachsen und verdichtet werden. Die Arbeit an der Idee beginnt mit dem ersten Gedanken und endet bei der Übergabe oder bei der Übernahme des Hausschlüssels. Diesen Prozess gilt es auszuhalten. Wenn, wie der Fall maistra 160, die Bauherrschaft ein unverzichtbarer Teil dieses Prozesses ist, dann stehen die Aussichten gut.
Alain Badiou beschreibt in seinem Buch «Die Philosophie und das Ereignis» eindrücklich, wie man die Idee überprüfen kann: «Man erreicht die Idee, indem man aus der Höhle hinausgeht, aber man muss wieder in die Höhle hinabsteigen, um die Höhle von der Idee aus zu beleuchten». Badiou spielt bei seinem Beispiel das Höhlengleichnis von Platon an.
Traum, Sehnsucht und Gastfreundschaft sind die inhaltlichen Begriffe der Idee von maistra 160. Maistra soll ein Haus mit einem Angebot sein, das den Gästen den Aufenthalt bereichert und diesen zum freudigen und unvergesslichen Erlebnis werden lässt. Diese begrifflichen Aspekte waren für Hotelarchitektur des Engadins trotz den grossen Veränderungen von bleibender Bedeutung. Der Wandel war gross. Er reichte von fremdartigen Architekturen (Grand Hotels der Belle Epoche) zum traditionsbezogenen, ortstypischen Regionalismus (Heimatschutzbewegung) bis zur sachlichen Architektur unserer Zeit (ab 1970). Diesen Weg geht das Maistra mit seinem Angebot und mit seiner Architektur weiter.
Das Hotel Maistra ist mehr als ein Haus, das dem Tourismus dient – Das Maistra ist ein Kulturprojekt für den Ort Pontresina. Das Haus will allen Menschen, die über seine Schwelle treten, das Gefühl von Identität und Gemeinschaft geben. Eine Gastgeberkultur, die bestrebt ist, die Sehnsucht aufrecht zu erhalten.