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hieß im
Altertum nach den Hirtenvölkern, die die Griechen Nomades, die
Römer
[* 2] danach
Numidae nannten, ursprünglich
das ganze Hinterland der Westhälfte der nordafrik.
Küste, ohne scharfe Grenzen.
[* 3] Diese in den heutigen
Berbern fortlebenden
Stämme waren freiheitliebende, kriegerische, unstete Reitervölker, die überwiegend von ihren Herden,
von Jagd und
Krieg lebten; besonders mächtig unter ihnen waren die Massylier in der Mitte und die Massäsylier im W. des
Gebietes.
Nach der Zerstörung
Karthagos, 146 v.Chr., wurde das damals noch vorhandene Gebiet
Karthagos zur röm.
Provinz mit dem
NamenAfrika
[* 5] gemacht, das
Reich Numidien blieb bestehen, nur wurde es etwas verkleinert; so scheint spätestens nach dem Jugurthinischen
Krieg 104 v.Chr. der
Osten, von der
KleinenSyrte an, der röm. Herrschaft unterstellt worden zu sein, im
Westen löste sich Mauretanien (s. d.) los.Röm.
Provinz wurde Numidien erst nach der
Schlacht von
Thapsus (46 v.Chr.) und erhielt
den
NamenAfricanova, im Gegensatz zu der alten
ProvinzAfrika
(Africavetus); die Grenzen waren im N. das
Meer, im O. der Tuscafluß
(heute Oned el-Kebir), im S. ungefähr der 34.° südl.
Br., im W. der Ampsagafluß (heute
WadiKebir). 30 v.Chr. machte
Augustus
diese
Provinz wieder zu einem selbständigen Königreich unter
Juba II. (s. d.), aber 25 v.Chr. teilte er
Juba Mauretanien zu
und verschmolz Numidien mit
Africavetus zu einer
ProvinzAfrika.
Als Verwaltungsbezirk dieser
Provinz hat Numidien bis um 200 n.Chr. bestanden, hat aber mehr und mehr an Selbständigkeit gewonnen
als Sitz des seit 37 n.Chr. neben dem senatorischen Prokonsul vom
Kaiser ernannten Truppenbefehlshabers (Legaten). Unter Septimius
Severus (193–211) wurde Numidien abermals als selbständige
Provinz eingerichtet und ist es in der Diocletianisch-Konstantinischen
Monarchie geblieben.
Konstantin gewährte ihr seine besondere Gunst, deshalb nannte sich die
Provinz Numidia Constantina.
Das Land gelangte in der Kaiserzeit wie das benachbarte
Africavetus zu hoher
Blüte;
[* 6] im 4. Jahrh. n.Chr. zählte man 123
Bischofssitze.
Von
Städten sind außer den genannten Residenzen namentlich Lambäse (jetzt franz.Strafkolonie Lambese)
und
Theveste (jetzt Tebessa) zu nennen. Im 5. Jahrh. gründeten auch in Numidien die
Vandalen (s. d.) ihr
Reich, unter Justinian wurde es zurückgewonnen, geriet später aber unter die Herrschaft der
Araber.
Vgl.
Davis,Ruined cities within Numidian and Carthaginian territories (Lond. 1862);
Boissiere, Esquisse d'une histoire de laconquêteet de l'administration romaines dans le Nord de l'Afrique et particulièrement dans la province de Numidie (Par. 1878);
(vom griech. nómisma, lat. numisma, Münze),
Münzkunde, die Wissenschaft, welche das
Studium der Münzen
[* 7] und
Medaillen zum Gegenstande hat, bildet einen wichtigen Zweig
der
Archäologie. Man teilt sie ein in die alte Numismatik, die mit dem weström. Kaiserreich
endet, die mittelalterliche, die mit den
Byzantinern und mit den Münzen aus den
Zeiten der
Völkerwanderung beginnt, und die
moderne, von der Renaissancezeit an. Besondere
Abteilungen bilden die orient. und die überseeischen Münzen. (S.
Tafel: MünzenI–IV.) Die antiken Münzen geben wichtige Belehrung über Mythologie,
Kultus, Regierung, Kriegswesen,
Handel,
Gewerbe, Litteratur,
Sitten,
Trachten der
Völker des
Altertums und gewähren urkundliche
Belege für den jedesmaligen
Stand der
Kunstentwicklung.
Von besonderm Interesse durch die Schönheit der Prägung sind namentlich die griechischen Münzen, d. h.
die alten Münzen vom eigentlichen
Griechenland,
[* 8] von den griech.
Inseln undKolonien in
Kleinasien sowie
von
Sicilien und
Großgriechenland (Unteritalien), welche griech.
Aufschriften haben. Sie zerfallen in drei
Arten, nämlich:
Städtemünzen, Münzen der hellenistischen Könige und die unter röm. Herrschaft geprägten.
Münzeinheit war ursprünglich der
Stater (s. d.), später die
Drachme (s. d.). Die älteste Prägung griech.
Münzen schreibt die Überlieferung gewöhnlich Pheidon von
Argos (Anfang des 7. Jahrh. v.Chr.) zu, Herodot
den Lydern.
Diese und nach ihnen ein
Teil der kleinasiat. Griechenstädte scheinen jedenfalls mit der Prägung in
Gold
[* 9] und
Elektron, einem
stark mit
Silber legierten
Gold, vorangegangen zu sein. Auf dem Festlande war
Ägina die älteste Prägstätte und schlug
Silber.
Silberwährung ist auch weiter herrschend geblieben. Diese ältesten Münzen waren von länglicher oder
kugelförmiger Gestalt, hatten nur auf einer Seite eine bildliche
Darstellung, während sich auf der andern Seite eine quadratförmige
Vertiefung, das sog. quadratum incusum, befand, welches später durch Linien geteilt wurde.
Auch waren diese ältesten Münzen aufschriftlos, und nur vereinzelt kommt der Anfangsbuchstabe des Stadtnamens
vor.
Ihre Einfachheit ist vor allem durch die
Typen charakterisiert, die wappenähnlich die Stadt oder das Land bezeichnen.
So befindet sich z.B. auf den äginetischen Münzen eine Schildkröte, auf den böotischen ein Schild,
[* 10] auf den ephesischen
eine
Biene,
[* 11] auf den rhodischen eine
Rose. Später finden sich neben dem
Symbol oder Wappen
[* 12] des
¶
forlaufend
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Landes oder des Prägeortes, welches meistens auf der Rückseite, also in das vertiefte Quadrat auf- genommen wurde,
auf der Vorderseite auch schon die Schutzgötter der betreffenden Städte dargestellt. Kupferne Scheidemünzen wurden erst
gegen das I. 400 v. Chr. geprägt. Wenn auch die Typen der ältesten griech. Mün- zen schon hier und
da von künstlerischer Schönheit sind, so erreichte die griech. Münzkunst doch erst ihre
Vollkommenheit in der Zeit des 5. Jahrh, bis zu Alexander d. Gr. Zu den gelungensten Münzen der griech.
Prägekunst gehören die macedon.
Münzen mit den Köpfen des Apollo oder des Herakles,
[* 14] die von vollendeter Schönheit sind, wie sie sich
z. V. auf den Münzen von Amphipolis, der Chalkidike und von Philipp: finden. Unter Alexander d. Gr. wurden zuerst die Götterköpfe
durch das Bildnis des Königs von der Vorderfeite verdrängt. Einen teilweise noch höhern Aufschwung als in dem Mutter- lande
nahm die griech. Prägekunst in den griech. Kolonien, in Unteritalien und in Sicilien. Es wur- den viele
und große Münzen geprägt, welche sich hinsichtlich ihrer Typen durch Mannigfaltigkeit und Reichhaltigkeit auszeichnen.
Vor allem sind hier die im Anfang des 5. Jahrh, geschlagenen Dekadrach- men (Stücke zu 10 Drachmen) von Syratus zu er- wähnen,
die als die größten und zugleich vollendet- sten Münzen des Altertums zu betrachten sind. Die unter
den ersten röm. Kaisern in Griechenland und besonders in Kleinasien geprägten Münzen sind von großer Schönheit und besitzen
hauptsächlich einen bedeutenden Reichtum an Typen, wie z. V. an Dar- stellung der Lokalgottheiten und ihrer Mythen.
Sie geben auch manchen Aufschluß über Kunstwerke, welche verloren gegangen sind und die nur nach diesen
Münzen wiederhergestellt werden können. Im allgemeinen stehen dieselben jedoch, was Kunst- wert anbelangt, tief unter den
griech. Städte- oder Autonommünzen. Die spätesten griech. Münzen sind die von Alexandria, die mit der Eroberung dieser Stadt
durch Diocletian aufhören, und die der bosporanischen Könige, die bis Konstantin d. Gr.
geschlagen wurden.
Auch beiden römischen Münzen läßt sich eine lange und reiche Entwicklung verfolgen, doch ist diese, Roms Geschichte entsprechend,
einheitlicher und weniger von kunstgeschichtlicher als von wirt- schafts- und politischgeschichtlicher Bedeutung. Die Münzung
hat bei den Römern wie bei den andern Italikern mit dem Kupfer
[* 15] begonnen, das an Stelle des ältesten Tauschmittels,
des Viehs (p6cu8, davon ^cuuia.), trat. Man findet zunächst gestempelte Gewichtsbarren, die die Überlieferung dem König
Eervius Tullius zuschreibt, dann ein plumpes, rundes, gegossenes Stück von einem röm. Pfund liidi-a, davon Libralfuh).
Dieses Stück des As ls. d.) ist die älteste Münzeinheit. Erst spät, mit dem I. 269 v. Chr.,
beginnt in Rom
[* 16] die Silberprägung, nachdem man sich bis dahin mit Barren und mit den Edelmünzen der benachbarten campanischen
Griechenstädte beholfen hatte. Die Münzeinheit ist jetzt der Denar (s. d.), neben dem als kleineres StückSilber der Scherz
(s. d.) steht. Goldmünzen sind bereits 217 v. Chr.
geprägt worden, aber erst in Cäsars Zeit hat man die Goldwährung eingeführt, die dann in der Kaiferzeit bleibt. Augustus
behielt die Gold- und Silberprägung dem Kaiser vor und beließ dem Senat nur die im 1. Jahrh. n. Chr.
ganz verfallene, aber damals neu belebte Kupferprägung. Auch
Kupfermünzen autonomer Städte fanden sich
in der Kaiserzeit; das Prägerecht wurde hier beson- ders verliehen. Aurelian (gest. 275) nahm dem Senat auch noch die Kupferprägung.
Die Haupt- münzeinheit ist damals der Aureus, an dessen Stelle in Konstantins d. Gr. Zeit der Solidus (s. d.) tritt, über
den histor. Wert der Kaisermünzen s. d. Von einer wissenschaftlichen Beschäftigung
der Griechen und Römer mit Münzen ist nichts bekannt, wenngleich es den Anschein hat, daß letztere kostbare griech.
Münzen aufbewahrten (vgl. Suetons «^u- 3U8W8»,
Kap. 75). Im Mittelalter war Italien
[* 17] das erste Land, in welchem man Interesse für die Numismatik ge- wann und mit dem Sammeln von
Münzen begann.
Petrarca und Cosimo de' Medici besaßen Münz- sammlungen. Dann breitete sich das Interesse für die Münzkunde auch in Spanien,
[* 18] Frankreich, den Niederlanden und Deutschland
[* 19] aus. Zunächst legten die Fürsten Münzkabinettean, später wurde das Sammeln
von Münzen eine gelehrte Lieblingsbe- schäftigung und vornehme Modesache. Der Holland. Kupferstecher und Antiquar Hubert
Goltzius be- suchte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh, nicht weniger als 950 numismat.
Das Studium dieser Fälschungen ist ein treffliches Mittel, den praktischen Blick für echte Münzen zu schärfen; im
königl. Münzkabinett zu Berlin sind die verschiedenen Falsifikate als be- sondere Abteilung gesammelt. Ein wesentliches Verdienst
um die Verbreitung der Münzkunde haben sich die numismat. Gesellschaften erworben. Bekannt sind die Gesellschaften in Berlin,
Wien, London
[* 34] und Paris; neuerdings ist von den Brüdern Erbstein in Dresden auch ein «Kongreß deutscher Münzforscher»
ins Leben gerufen w'orden.
Litteratur. Auf dem Gebiet der antikenMün- zen war epochemachend das Werk von Ios. Eckhel, voctrina. numoruni vetsruiu (8
Bde., Wien 1792 -98). Außerdem sind hervorzuheben die Werke von Voeckh, Mionnet, Cohen, Lenormant, Graf Vorghesi, HerzogBlacas
d'Aulps, Cavedoni, Hultsch, Fried- länder, Imhoof-Blumer (s. die Einzelartikel);
ferner Werlhof, Handbuch
der griechischen Numismatik (Hannov. 1850);
Vrandis, Das Münz- und Gewichtswesen in Vorderasien bis auf Alexander d. Gr. (Berl. 1866);
Samwer, Geschichte des ältern röm. Münzwesens (Wien 1883);