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Frauenchor Wülflingen
Der gut aufgestellte Verein Frauenchor Wülflingen feierte 2018 sein 150-jähriges Bestehen und blickt zuversichtlich in die Zukunft, auf die nächsten 150 Jahre!
Am 27. Juli 1868 hatten sich 28 junge Frauen zusammengefunden, um den Frauenchor Wülflingen zu gründen. In den ersten Statuten war unter anderem zu lesen: „Zweck des Vereins ist die Übung und Vervollkommnung der edlen Kunst des Gesangs. Diese Zweckbestimmung ist aktuell geblieben, wenn man sie wohl heute in einfacheren Worten ausdrücken würde. Seine Gültigkeit verloren hat auch der Paragraph: „Es werden nur ehrbare Jungfrauen in den Verein aufgenommen“– die heutigen Mitglieder sind vielseitig interessierte, singfreudige Frauen.
Der Töchterchor war bereits 1870 im Dorf Wülflingen kulturell gut integriert. Das Liedgut des Chors umfasste in den Anfängen unter der Leitung von verschiedenen Dirigenten vor allem kirchliche Lieder oder Volksweisen. Auch das Singen an Konfirmationssonntagen wurde zur Tradition, bis im Jahr 1948 der Kirchenchor diese Aufgabe übernahm.
Zu Beginn des 1. Weltkriegs 1914 mussten die Proben eingestellt werden. Grosse Ungewissheit über die Zukunft herrschte und man bangte auch um den Zusammenhalt im Chor. Die Freude war gross, als die Proben wieder aufgenommen wurden. 1915 engagierten sich die jungen Frauen bei der Sammlung für die „Nationale Frauenspende". Dazu begaben sie sich auch in die Hintergassen Wülflingens, wo sie allerlei Kommentare entgegen nehmen mussten. Mit Stolz konnte der Betrag von Fr. 700.- abgeliefert werden.
Für 1918 war eine Jubiläumsfeier zu 50 Jahren Töchterchor Wülflingen geplant, da aber die Spanische Grippe so stark grassierte und auch im Chor einige Todesfälle forderte, wurde davon abgesehen. 1919 übernahm Fräulein Paula Ulrich als erste weibliche Dirigentin die Chorleitung. Sie sah es als ihre Aufgabe, die Töchter musikalisch weiterzubilden. Mit anspruchsvollen Liedern aus der Klassik ergänzte sie das Repertoire während zehn Jahren. Die Bestürzung der Sängerinnen war denn auch gross, als die beliebte Dirigentin 1929 ihre Verlobung ankündigte, denn bis zu diesem Zeitpunkt mussten verheiratete Frauen den Chor verlassen. Erst 1931 wurde diese Klausel abgeschafft und bei dieser Gelegenheit kam es auch zur Umbenennung des Töchterchors zum Frauen-und Töchterchor Wülflingen.
Die Weiterführung des beachtlichen Liedgutes, ging nach einem kurzen Einsatz von Herrn Baumann (1930-1933) in die Hände der neuen Dirigentin Fräulein Lydia Giger (ab 1936 Frau Lydia Morf-Giger) über. Sie leitete den Chor während 46 Jahren und spornte die Frauen zu Höchstleistungen an. Als 1939 bei Ausbruch des zweiten Weltkriegs Soldaten in den Schulhäusern einquartiert waren und keine Proben stattfinden konnten, beschäftigten sich die Frauen mit Stricken von Socken und Kniewärmern und Nähen von Hemden für das Militär.
Am 1. August 1941 feierte Wülflingen mit sämtlichen Dorfvereinen das Bestehen von 650 Jahren Eidgenossenschaft. Und im November 1943 gab es zusammen mit dem Musikverein Edelweiss endlich wieder einmal eine Abendunterhaltung – die erste seit Kriegsbeginn, und wohl auch zum Anlass des 75. Jubiläums des Chors. Nach Ende des 2. Weltkriegs erhielt der unterdessen weitherum bekannte und beliebte Frauen-und Töchterchor viele Einladungen, unter anderem auch ins Stadthaus Winterthur, wo 1946 gemeinsam mit Jodel- und Trachtenchören ein patriotisches Programm aufgeführt wurde, wohl aus Dankbarkeit, dass man vom Krieg verschont geblieben war.
Nach viel fleissigem Üben war am 17. November 1968 der grosse Tag des 100-jährigen Jubiläums des Chors gekommen. Das zweiteilige Konzert war mit einer anspruchsvollen Ersten und einer zweiten Hälfte mit Tessiner Liedern und einem Kinderchor gestaltet. 1979 nach 46 Jahren Chorleitung, musste sich Frau Morf aus gesundheitlichen Gründen vom Chor verabschieden. Die Nachfolgerin war Frau Maria Brüngger aus Kollbrunn. Auch sie verstand es, den Chor auf hohem Niveau zu fordern. Mit ihren neuen und modernen Ideen dauerte es nicht lange, bis sie bei Sängerinnen und Publikum gleichermassen beliebt war. 1985 erfolgte die Umbenennung des Frauen- und Töchterchors in Frauenchor Wülflingen.
Eine Pioniertat war 1986 das Engagement der Jazz- und Bluesband „Downtown Stompers“ für ein gemeinsames Konzert mit Spirituals und Gospelsongs. Bei einem Konzert mit Küchenliedern, 1987, fand zur Erheiterung des Publikums auch ein „Live-Abwasch“ auf der Bühne statt. Einen weiteren Höhepunkt war 1993 am 125. Jubiläum mit der Darbietung des Programms „Balkanfeuer“, bestehend aus slawischen Volksweisen und gekleidet in polnische Trachten.
Zum grossen Bedauern der Sängerinnen kündigte Frau Brüngger, nach 21 Jahren, ihren Rücktritt auf das Jahr 2000 an. Mit Frau von Werra wurde eine sympathische Nachfolgerin gefunden. Auch bei Sabine von Werra dauerte es nicht lange, bis sie sich mit dem Chor gut etabliert hatte. Als versierte Cellistin erstaunte es nicht, dass auch sie mit einer gekonnten Musikauswahl aufwarten konnte. Ihre Serenaden mit dem Chor und jungen Musikern fanden grossen Anklang. 2013 wählte der Frauenchor als Nachfolger von Sabine von Werra den jungen Musiklehrer Raffael Schwalt – nach 80 Jahren wieder ein männlicher Dirigent! Sofort liess sich der Chor von seinem Enthusiasmus anstecken, denn er brachte frischen Wind ins Repertoire mit Liedern aus Hitparaden, einem Beatles Medley und gar Sprechgesang.
Die Pflege der Geselligkeit
Schon früh nahmen die Töchter mit Begeisterung am geselligen Dorfleben teil, sei es an Kirchweihen, Fasnacht und Sauser-Sonntag. Mit dem Männerchor, dem Turn- und dem Musikverein traf man sich an Wiesenfesten, Preisturnen und Unterhaltungen. Dazu gehörte immer begeistertes Tanzen bis in die frühen Morgenstunden. Der Chor verfolgte aber auch soziale Ziele. Beispiele dafür sind das Erlassen von Jahresbeiträgen für ärmere Mitglieder und die Abkehr von Unterhaltungsabenden zu Gunsten von häufigeren Auftritten im Pflegeheim und im Spital während der Kriegsjahre. Die Mitwirkung des Frauenchors an Altersstubeten mit Gesang und Theatern war gefragt und beliebt. Ein weiteres Steckenpferd der Sängerinnen war und sind die Vereinsreisen. Das Spektrum reicht hier von der Wanderung auf den Bachtel 1869 bis zum Flug zu einem Singfestival in Philadelphia im Jahr 1993.
Geselligkeit lebte der Chor auch an der Dorfet mit dem Grotto Ticino, das während vieler Jahre mit dem Verkauf von feinen Spaghetti überaus beliebt war. Es waren jeweils grosse Kochkünste gefragt – keine einfache Sache, ca. 1000 Portionen Spaghetti auf vorgewärmten Tellern zu planen, kochen und servieren. Aber auch der heutige Stand des Frauenchors an der Dorfet hat seine Fans für die frittierten Champignons gefunden – mehr als 40 Kilo Pilze werden unterdessen verarbeitet und verspeist! Ein weiterer „Publikums-Hit“ sind die von den Frauen liebevoll zubereiteten Apérohäppchen, die manchmal nach einem Konzertanlass angeboten werden.
Aussichten für die Zukunft am 150 Jahre-Jubiläum
Ohne die wichtige Arbeit des Organisierens und Planens hätte der Chor wohl kaum 150 Jahre überdauert. Dies ist hauptsächlich der Verdienst von all den engagierten Präsidentinnen und weiteren Vorstandsmitgliedern im Verlauf der Jahre. Der Frauenchor ist in der glücklichen Lage, auch heute noch, immer wieder einsatzfreudige Nachfolgerinnen zu finden.
Dank so vielen engagierten Sängerinnen braucht sich der Frauenchor Wülflingen für die nähere Zukunft wohl keine allzu grossen Sorgen zum Weiterbestand zu machen. Dem Zeitgeist zu folgen, mit attraktiven Auftritten, wird dem jungen Dirigenten Raffael Schwalt bestimmt gelingen. Singen wird weiterhin Herz und Gemüt erfreuen, sowohl für den Chor als auch für das Publikum. Im Jubiläumsjahr „150 Jahre Frauenchor Wülflingen“ bestand der Frauenchor Wülflingen aus der buntgemischten Schar von rund 40 Frauen, die unter der Leitung von Raffael Schwalt ein breites Spektrum an Liedgut pflegen. Je nach Anlass wird vom alten Volkslied bis zur Klassik alles gesungen. Probetag ist der Donnerstag, jeweils von 20:00-21:30 Uhr im Schulhaus Hohfurri.