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Georges Python (1856 - 1927)
Der Jurist und Anwalt Georges Python lehrt in seinen frühen Jahren an der Freiburger Rechtsschule, bevor er Präsident des Bezirksgerichts Saane wird (1883-1886). 1881 tritt er in die Politik ein: Als Abgeordneter der CVP ist er zunächst Grossrat (bis 1921), später Nationalrat (1884-1893), Freiburger Staatsrat und Vorsteher der Erziehungsdirektion (1886-1927) sowie Ständerat (1896-1926). In der Freiburger Politwelt seiner Zeit ist er der unbestrittene Anführer, und dank seiner guten bundesweiten Vernetzung gilt er als einflussreicher Schweizer Politiker. Python ist Gründer und Mitgründer mehrere Vereine, Gesellschaften und Einrichtungen, darunter die Freiburger Staatsbank (1892, heute Freiburger Kantonalbank), die Freiburgischen Elektrizitätswerke (1915) und die Universität (1889).
Als Joseph Beck zu Beginn des 20. Jahrhunderts Georges Python um Unterstützung zur Gründung einer Hochschule für Frauen, namentlich für Ordensfrauen, ersucht, wendet er sich an den wohl mächtigsten Mann im Kanton. Und Georges Python zögert nicht, denn er befürwortet die Zulassung von Frauen zu höheren Studien und unterstützt schon ein ähnliches Projekt: das im Jahr 1902 von Joseph Berthier gegründete „Institut des Hautes Etudes pour Jeunes Filles“. Berthier hingegen missfällt die Idee, denn er befürchtet ernsthafte Konkurrenz.
Python geht einmal mehr so vor, wie es für ihn typisch ist: Er hat verschiedene Eisen im Feuer und setzt sich bei seinen Projekten für möglichst kostengünstige Varianten ein. Der Staat stellt das Grundstück zur Verfügung und finanziert gegebenenfalls den Direktorenposten, wohingegen er die Verantwortung für Personal, Gebäude und Betriebskosten den religiösen Kongregationen überträgt. So gelingen ihm gleich zwei Dinge: Erstens entlastet er die ohnehin knapp gefüllte Staatskasse, zweitens kommt er damit seiner Idee von der Schaffung einer christlichen Republik einen Schritt näher. Mit dem erweiterten Ausbildungsangebot kann er den vermeintlich bedrohlichen ideologischen und politischen Strömungen im Volk entgegenwirken.
Nicht anders geht er vor, als er das Lehrerinnenseminar in Bulle oder in den ländlichen Primarschulen des Kantons Mädchenklassen eröffnet. Letztere vertraut er zu gut einem Viertel den Freiburger Ursulinen, den Schwestern von Ingenbohl oder – einmal mehr – den Menzinger Schwestern an. Ohne der konservativen, der Frauenbildung gegenüber wenig aufgeschlossenen Landbevölkerung direkt die Stirn zu bieten, gelingt es Python, eine für die Frauen bedeutende Entwicklung in Gang zu setzen, und all dies praktisch zum Nulltarif für die Staatskasse.
Etwa seit 1914 sieht sich Python von einer nachwachsenden jüngeren Politikergeneration zunehmend in Frage gestellt. Dass sein Stern sinkt, lässt ihn nicht unberührt. Als 1921 mit einer neuen Verfassungsbestimmung die Gewaltentrennung eingeführt wird, ist er gezwungen, seinen Sitz im eidgenössischen Parlament zu räumen. Dessen ungeachtet bleibt Georges Python im Freiburger Volk bis über seinen Tod hinaus äusserst beliebt. Ihm zu Ehren tragen viele Orte seinen Namen, und in vielen Primarschulen des Kantons bleibt sein Portrait noch jahrzehntelang an den Wänden hängen.