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In der Schweiz haben Schuluniformen einen schweren Stand. Das ist vor allem historisch bedingt. Doch das Thema kommt immer mal wieder aufs Tapet, und sowohl Schüler als auch Experten sehen durchaus Vorteile.
Ein Blick auf einen beliebigen Schweizer Pausenplatz genügt, um festzustellen: Schweizer Schülerinnen und Schüler tragen keine Uniformen. Stattdessen sind Jeans, Kapuzenpullover und Sneakers die bevorzugte Kleiderwahl.
Die Ausnahme bilden einige private Eliteschulen, zum Beispiel die Lemania-Verbier International Schoolexterner Link in Verbier, wo jüngst die dänischen Royalsexterner Link Frederick und Mary ihre Kinder eingeschrieben haben. Dort lautet der Dresscode: graue Hose und weisses Poloshirt.
In den öffentlichen Schulen sind Unformen nicht vorhanden. Das Thema taucht dennoch regelmässig auf der politischen Agenda auf. Im Frühjahr 2019 etwa wies das Walliser Kantonsparlament eine Motionexterner Link ab, welche das Tragen von Schuluniformen an öffentlichen Walliser Schulen forderte. Die Begründung lautete: Es sei "ein Rückschritt" und die Schülerinnen und Schüler seien bereits jetzt gewissen Kleiderregeln unterworfen.
Kein Präzedenzfall in der Schweiz
"Schuluniformen sind hauptsächlich im angelsächsischen Raum, ehemaligen britischen Kolonien und asiatischen Ländern verbreitet", sagt Beat A. Schwendimann, Vorstandsmitglied des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCHexterner Link). "In der Schweiz gab es das nie, weshalb kein Präzedenzfall existiert."
Schuluniformen hätten ihre Wurzeln beim Militär und würden seit dem 19. Jahrhundert als Ausdruck egalitärer Idealeexterner Link verwendet. In Privatschulen werden sie als Unterscheidungsmerkmal zu öffentlichen Schulen verwendet.
"Diese Ideen passen nicht in ein modernes, öffentliches Bildungssystem in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft", sagt Schwendimann. Auch das französischsprachige Pendant des LCH, das Syndicat des Enseignants Romands (SERexterner Link), lehnt Schuluniformen ab.
Aber wie steht es um den Gruppenzwang auf Schweizer Pausenplätzen, modische Designerklamotten tragen zu müssen? Oder um das Problem von zu knappen Outfits oder Pullovern mit unangebrachten Slogans? Könnten Uniformen nicht dazu beitragen, "Spaltungen und soziale Unterschiede", wie es in der Walliser Motion heisst, abzubauen?
Die positiven Auswirkungen seien zu ungewiss, die Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit zu gross, schreibt der LCH in einem Positionspapier. Nicht nur im Wallis, sondern schweizweit behandeln zahlreiche Schulen das Thema intern mit Dresscodes. Kopftücher zum Beispiel sind laut einem Urteils des Bundesgerichtsexterner Link erlaubt.
Massnahme gegen "Sexualisierung"
Und trotzdem flackert das Thema Uniform immer mal wieder auf. Etwa 2006 im Kanton Basel. Damals testete die Basler Weiterbildungsschule (WBS) das Tragen von "trendigen" Uniformen in zwei Klassen. "Es war eine Zeit, in der die Kleiderwahl der Jugendlichen stark sexualisiert war", erinnert sich Christian Griss, damaliger WBS-Direktor und aktuell Leiter Dienste des Bildungsdepartements Basel-Stadtexterner Link.
"Viele trugen Tangas, bauchfreie Tops und Oberteile mit grossem V-Ausschnitt", konkretisiert Griss. "Das verursachte Probleme, vor allem bei Schülern aus anderen Kulturen, aber auch bei Lehrern. Es war hinderlich bei der Lehrstellensuche und verursachte bei einigen Schülern auch Geldprobleme."
Die Schule schlug für ihren Versuch eine Uniform vor, welche aus Cargo-Hosen, Kapuzenoberteile und Mützen bestand und von einem örtlichen Modedesigner entworfen worden war. Die Garderobe kostete rund 730 Franken, wovon die Eltern rund 100 Franken berappen mussten.
Pilotversuch löste Debatte aus
Das Pilotprojekt wurde jedoch nach sechs Monaten eingestellt. Der Hauptgrund, neben der mangelnden Unterstützung durch die kantonalen Bildungsbehörden, seien die Jugendlichen selbst gewesen, schreibt Griss in einer E-Mail: Die Uniform sei ihnen nicht klassisch genug gewesen. "Eine Schuluniform wie in England wäre vielleicht auf mehr Akzeptanz gestossen, aber am Ende wollten die Jugendlichen einfach ihren Stil tragen und auf diese Weise wahrgenommen werden."
Teil des Versuchs war eine externe Untersuchung des Psychologischen Instituts der Universität Basel zu den Auswirkungen auf den Schulalltag und das Verhalten der Schüler. Diese kam zum Schluss, dass es kaum Unterschiede im Vergleich zu den Kontrollklassen gab, etwa in Bezug auf die Klassenatmosphäre.
Die Autoren hielten in ihrem Bericht aber auch fest, dass Veränderungen aufgrund des kurzen Zeitrahmens auch nicht zu erwarten gewesen seien. Das Projekt war trotzdem ein Erfolg: Es löste eine Debatte aus, sowohl unter Schülern und Eltern als auch in der breiten Öffentlichkeit: über Kleidungsvorschriften allgemein, Konsumverhalten sowie den Druck, Designermarken und Trendklamotten zu tragen.
Gemischte Eindrücke in Irland
Eine schweizerisch-irische Familie hat Erfahrung mit beiden Systemen – mit und ohne Uniform. Die Kinder der Autorin Clare O’Dea, die auch Beiträgeexterner Link für swissinfo.ch verfasst hat, verbrachten zwei Semester in einer irischen Grundschule. Die drei Mädchen mussten sich daran gewöhnen, einen grauen Kilt, ein weisses Hemd und eine blaue Strickjacke zu tragen. Ihr Urteil fiel gemischt aus.
"Normalerweise trage ich nie einen Rock, aber an der Schule machte mir das nichts aus, weil alle anderen auch einen trugen", sagt die 13-jährige Ciara. "Es war sehr praktisch, da ich jeden Morgen wusste, was ich anziehen sollte." Ihre Zwillingsschwester war weniger begeistert: "Ich denke, es ist besser ohne Uniform, damit jeder das tragen kann, was er will", sagt Maeve.
Für ihre jüngere Schwester Ashley war das Wetter ein Problem: Die Uniform sei an kalten Tagen nicht warm genug und an heissen Tagen oft zu heiss gewesen, sagt sie. Für ihre Mutter Clare hatte die Uniform mehrere Vorteile: "Die allmorgendliche Vorbereitungszeit wurde stark verkürzt, da klar war, was sie anziehen sollten.
Die Uniformen waren aber teuer – zum Glück konnten wir second-hand kaufen", berichtet sie. Sie seien zudem recht altmodisch gewesen – "was aber mir persönlich sehr gut gefallen hat".
Schuluniformen weltweit
Mal mit, mal ohne
Schuluniformen sind Tradition in Ländern wie Grossbritannien, Irland, Indien, Australien oder Zypern. In den USA sind sie an Privatschulen verbreitet, jedoch nicht an staatlichen Schulen. Japan hat auch Schuluniformen, ebenso China. In mehreren arabischen Ländern ist die Schulgarderobe ebenfalls einheitlich. In Tunesien zum Beispiel werden Uniformen strikt durchgesetzt. In Spanien sind sie nur für Privatschulen bestimmt. In öffentlichen Schulen in Latein- und Südamerika, etwa in Brasilien, werden Uniformen getragen. Im modernen Russland gibt es sie nicht mehr: Die Praxis wurde 1994 abgeschafft, ausser an einigen privaten oder angesehenen öffentlichen Schulen.
(Quelle: swissinfo.ch Sprachredaktionen)Infobox Ende
(Übertragung aus dem Englischen: Christoph Kummer)