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Zur Geschichte und Bedeutung der Tonhalle
Die Tonhalle ist zugleich Ergebnis und Produzent von Gesellschaftlichkeit und von Kultur. In diesem Bau spiegelt sich die Geschichte dessen, was hier ausprobiert, angewendet, behauptet oder abgelegt wurde, beginnend mit dem internationalen Architekturwettbewerb von 1883, dem landesweiten dann von 1900, der Überarbeitung danach bis zum Bauprojekt von Julius Kunkler und dem 1911 ausgeführten Projekt mit den Maillart‘schen Beiträgen, gefolgt vom Bühnenumbau 1928 und schliesslich der General-überholung von 1993 durch Bamert. Die heutige Aufgabenstellung einer akustischen Verbesserung ist die Fortsetzung dieser Reihe.
Zu unserem Projekt
Die Bühne soll dreiseitig von einer Reliefwand von Beat Zoderer hinterfangen werden, die in der Ebene der darübergewölbten Muschel liegt und in ihrer akustischen Wirkung geplant wird. Dass damit die Orchesterplätze weiter nach vorn gerückt werden, der Bühnenrand also die beiden ersten Sitzreihen verdrängt, lässt eine weitere Verbesserung der innerorchestralen Hörbedingungen erwarten. Als Zusatznutzen ist die Treppe in der Lücke zu den rückwärtigen Räumen zu sehen. Erst, wenn sich die akustischen Bedingungen auf der Bühne und im Saal damit noch zuwenig verbessern sollten, ist die Wirkung von Segeln einzusetzen, die unter der Muschel eingerichtet werden.
Die Bühnenelemente sollen modular sein, damit sich aus Segmenten unterschiedliche Konstellationen zusammenstellen lassen. So könnte der Bühnenrand nach vorn oder nach hinten verlegt werden, je nach Ereignis. Zugleich soll ihre Höhe auf ca. einen Meter reduziert werden, um die Distanz zur Decke zu vergrössern.
Die Originalsubstanz der Muschel soll jedenfalls gesichert werden, was umso wichtiger ist, als der andere Saalabschluss gegenüber dem Entwurf Kunklers bis in die Tiefe der Maillart‘schen Struktur hinein verändert worden ist. Wo diese Intervention übers Ziel geschossen ist, soll sie zudem revidiert werden, indem die Nebenräume unter der Tribüne entfernt und die Fenster, die verschlossen wurden, geöffnet und die räumliche Situation mit einer geänderten Tribünensteigung so aktiviert wird, dass der lichte Eindruck von Transparenz, der diesem Bau eigen ist, wieder zurückgewonnen wird.
Diese neue Tribüne ist als Gegenstück und Abschluss der Bühnenumfassung von Beat Zoderer zu verstehen. So entsteht eine zusammenhängende Basis der künstlerischen Interventionen, die auch die Stücke von Ilona Rüegg umfasst.
Die akustische Situation lässt sich kontrolliert korrigieren, indem eine Reihe von Massnahmen zur Verbesserung getroffen und weitere vorgesehen sind. Die Architektur hat als Gestaltung, meinen wir, hier zurückzutreten und eine eher dramaturgische Rolle zu übernehmen, die dem Respekt vor dem Bau und seiner Geschichte und der Erfüllung der neuen Forderungen angemessener ist.
Planungsteam:
Architektur: Pfister Schiess Tropeano & Partner Architekten AG, Zürich
Kunst: Beat Zoderer, Wettingen
Akustik: Müller - BBM GmbH, Planegg - München
Lichtplanung: Habegger AG, Regensdorf
Bilder: Pfister Schiess Tropeano