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Die gequälten Gesichter und verzerrten Körper bei Francis Bacon eröffnen eine neue Sicht auf die Werke der Künstler, die ihn inspiriert haben.
Die Fondation Beyeler in Basel bietet einen überraschenden Vergleich zwischen den Werken des anglo-irischen Künstlers und der klassischen Malerei.
"Von den Augen direkt zum Magen, ohne Umweg über den Kopf." So ähnlich wirken die Bilder von Francis Bacon (1909-1992) auf den Zuschauer. Wie der Maler selber einräumte, lassen seine Werke keinen Betrachter gleichgültig.
Im Unterschied zu den meisten zeitgenössischen Künstlern, die bevorzugt abstrakt malen, bleibt Bacon der gegenständlichen Tradition treu.
Zum ersten Mal wird nun in der Schweiz der Versuch gemacht, Bacon im Kontext der europäischen Bildtradition sichtbar zu machen. Dazu greift die Kuratorin Barbara Steffen zum Mittel der Gegenüberstellung. Diese bietet sich insofern an, als Bacon seine Vorbilder explizit genannt hat.
Der Spanier Velazquez (1599-1660) und Goya (1746-1828) gehören dazu, der Niederländer Rembrandt (1606-1669) und der Italiener Tizian (um 1490-1576).
Zu diesen Grossen der Klassik gesellen sich Meister des 19. und 20. Jahrhunderts: Ingres, Degas, Van Gogh, Picasso, Alberto Giacometti und Soutine.
Von den 80 gezeigten Werken stammen 40 von Francis Bacon und 40 von seinen Vorbildern.
Der Mensch im Zentrum
Bacon gehört zu den bedeutendsten britischen Künstlern der Nachkriegszeit. Sein Werk beschäftigt sich sehr zentral mit dem Elend und den Abgründen der menschlichen Existenz.
Das häufigste Motiv in den Bildern Bacons ist demnach der Mensch. Der Künstler malt Personen aus dem Alltag, einzeln oder in Paaren, die sich mit ganz banalen oder gewichtigen Dingen beschäftigen. Von diesen Figuren geht keinerlei Ruhe oder Harmonie aus. Sie sind im Gegenteil zusammengekrümmt, deformiert und schreiend vor Schmerz.
Als Hintergrund für diese Kreaturen dienen einengende ärmlich möblierte Zimmer, mit Gegenständen, die Folter-Instrumenten ähneln. Gefangen in diesen Käfigen, scheinen die Figuren Bacons wie besessen vom Wunsch zu fliehen.
Schreiender Papst
Um dem Publikum auf die Sprünge zu helfen, hat Barbara Steffen die Werke nach 16 Motiven gegliedert. Die Schau setzt ein mit einer Serie "Papstbilder". Eine wichtige Rolle spielte etwa "Papst Innozenz X." von Velazquez, wobei Bacon das realistische Vorbild in ein schreiendes Monster verwandelte. Das Original interessierte in nicht, vielmehr lieferte es ihm den Anreiz für die Darstellung menschlicher Qualen.
Mit seinen verdrehten Körpern entwickelte er eine eigene Bildsprache, mit der er den Lebenskampf, das Leiden, sein eigenes wohl auch, eindrücklich thematisierte. Zurückgezogen arbeitete er die letzten 30 Jahre seines Lebens in einem engen Atelier in London, wo Tausende von Reproduktionen (Fotos, Kunstbuchseiten, Fotografien) den chaotisch-kreativen Fundus seiner Arbeit bildeten.
Bezüge zu den Vorbildern
Immer wieder gelingt es Barbara Steffen, die enge Beziehung Bacons zu seinen Vorbildern aufzuzeigen. Der Künstler sei besonders offen für fremde Einflüsse gewesen, weil er keine Kunsthochschule besucht und sich autodidaktisch ausgebildet habe, sagte sie gegenüber swissinfo. Er befasste sich etwa mit griechischer Architektur und ägyptischer Skulptur, sprach Französisch, Griechisch und Spanisch.
"Mir scheint, am meisten hat ihn Picasso beeinflusst", sagte Steffen. Diese Anlehnung kommt bei den "Drei Studien zu Portrait Isabel Rawsthorne" (1965) stark zum Ausdruck. Dies gilt auch für andere Bezüge: so heisst eines der Gemälde explizit "Oedipus und die Sphinx nach Ingres" (1983). Überall bleibt jedoch die formale und inhaltliche Eigenständigkeit Bacons überdeutlich.
Die Ausstellung in Basel wurde gemeinsam mit dem Kunsthistorischen Museum Wien organisiert, und von Barbara Steffen für beide Ausstellungsorte konzipiert und kuratiert.
swissinfo
In Kürze
Francis Bacon wurde 1909 geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in London.
Statt des Besuchs einer Kunsthochschule bildete er sich seit frühester Jugend autodidaktisch aus.
Er studierte griechische Architektur, ägyptische Skulptur und lernte Französisch, Griechisch und Spanisch.
Die Ausstellung in Riehen stellt das Werk Bacons zum ersten Mal in Zusammenhang mit der früheren Kunst, von den Alten Meistern bis zur Moderne.