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Einfluss von Grenz- und Schulschliessungen auf die Eindämmung des Coronavirus
Ein statistisches Modell zeigt, wie sich die Covid-19-Fallzahlen ohne Eindämmungsmassnahmen entwickelt hätten.
Was wäre geschehen, wenn die Schweiz in der ersten Covid-19-Welle die Grenzen und Schulen nicht geschlossen hätte? Mit letzter Sicherheit lässt sich dies nicht bestimmen, da die Situation ja eben eine andere war. Möglich sind jedoch Schätzungen zum Einfluss des Social Distancings auf die Zahl der Covid-19-Fälle anhand von statistischen Modellen. Diese können wertvolle Erkenntnisse für Entscheidungstragende liefern.
Leonhard Held, Professor für Biostatistik an der Universität Zürich, führt mit seinem Team solche Modellierungen durch. Finanziert wurden die Arbeiten im Rahmen der Sonderausschreibung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) vom Frühling 2020.
Das Forschungsteam verwendete ein etabliertes Modell für Infektionskrankheiten unter Berücksichtigung der Eigenheiten sozialer Kontakte in zwei Situationen: in Grenzregionen zu Italien mit oder ohne Schliessung der Übergänge sowie zwischen verschiedenen Altersgruppen mit oder ohne Schulschliessungen. Zur Überprüfung der Genauigkeit des Modells wurde dieses mit tatsächlich gemeldeten Zahl von Covid-19-Fällen verglichen (Grenzschliessung am 17. März 2020 und Schulschliessungen während mehrerer Wochen).
Grenzschliessungen wirksam
Die Modellierung einer Grenzschliessung zwischen der Schweiz und Italien während der ersten Welle spielten die Forschenden mit drei Szenarien durch: Grenzschliessung zu Italien am 17. März 2020, wie dies effektiv der Fall war; keine Grenzschliessung; und eine Grenzschliessung am 3. März, also zwei Wochen früher als in der Realität.
Das Modell zeigt, dass ohne Grenzschliessung die Zahl der positiven Fälle 2,5 Mal höher gewesen wäre. Eine um zwei Wochen frühere Grenzschliessung hingegen hätte nur eine 12 Prozent Abnahme der Fallzahlen bewirkt. Die Ergebnisse sind in einem Artikel als Preprint auf MedRxiv verfügbar.
Die Auswirkungen der Schulschliessungen
In einer zweiten Modellierung analysierte das Forschungsteam die Auswirkungen der Schulschliessungen während der ersten Welle im Kanton Zürich. Die Ergebnisse zeigen, dass die Fallzahlen ohne Schulschliessungen (aber mit allen anderen Massnahmen, die in Kraft waren) bei den unter 15-Jährigen um rund 20 Prozent höher ausgefallen wären. Hingegen wären etwa gleich viele ältere Menschen infiziert worden. «Aufgrund unserer Ergebnisse wäre die Schliessung der Schulen vielleicht nicht notwendig gewesen um die älteren Menschen zu schützen», meint Held. Die detaillierten Ergebnisse sind in einem demnächst erscheinenden Artikel in den Proceedings of the Royal Statistical Society zu finden.