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7. April 1968: Jim Clark verliert auf dem Hockenheimring in einem unbedeutenden Formel-2-Rennen sein Leben. Nur der tödliche Unfall von Ayrton Senna hat die Rennsportwelt ähnlich stark erschüttert.
Als er sein Leben verliert, gilt Jim Clark als bester Rennfahrer aller Zeiten. Der Mythos des Schotten lebt. Noch heute zählt er zu den Besten, die es je gegeben hat. Er wird 1963 und 1965 Weltmeister und verliert den Titel 1962 und 1964 erst durch technischen Defekt im letzten Rennen. 1965 ist er der erste Europäer, der nach dem zweiten Weltkrieg die 500 Meilen von Indianapolis gewinnt.
Clark ist Kultfigur für zahlreiche spätere Champions wie Jackie Stewart, Alain Prost oder Ayrton Senna. Mit seiner bescheidenen Art unterscheidet er sich von den vielen Lebemännern im Renngeschäft. Er trinkt kaum Alkohol und ist Nichtraucher. Er liebt die Frauen, bleibt aber Junggeselle und als echter Gentleman gibt er sich nie dem Lebensstil eines Playboy hin.
Bereits am 10. September 1961 ist Clark in einen der schwersten Unfälle der Formel-1-Geschichte verwickelt. Beim GP von Italien in Monza kollidiert Wolfgang Graf Berghe von Trips in seinem Ferrari in der zweiten Runde mit dem Lotus von Jim Clark bei der Anfahrt zur Parabolica-Kurve. Der Ferrari des Grafen, der unmittelbar vor dem Gewinn des WM-Titels steht, gerät auf den seitlichen Erdwall der Geraden vor der Kurve und prallt gegen die Drahtabzäunung vor der Tribüne.
14 Zuschauer werden getötet und 60 weitere verletzt. Berghe von Trips wird aus seinem Boliden geschleudert, bricht sich das Genick und ist sofort tot. Jim Clark bleibt unverletzt. Doch der Unfall wird ihn noch jahrelang verfolgen.
Welch eine grausame Ironie des Schicksals, dass der Nichtraucher Jim Clark im Grunde wegen Tabakreklame sein Leben lassen muss. Nach deren Einführung soll auch Clark mit den neuen rollenden Werbemobilen Geld verdienen. Sogar bei Formel-2-Rennen, die für ihn sportlich längst keinen Sinn mehr machen.
Samstag, 6. April 1968: Jim Clark wird am Sonntag das Formel-2-Rennen auf dem Hockenheimring fahren. Nun gibt er im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF noch ein Interview. Er sagt unter anderem: «Die Strecke ist für Formel-2-Rennen einfach lächerlich. Die Strecke hat zu viele Geraden. Der Fahrer kann überhaupt nichts machen.» Niemand ahnt, dass es sein letztes Interview ist.
Am nächsten Tag steht um 12.30 Uhr das Formel-2-Rennen auf dem Programm. Es ist ein regnerischer und trüber Tag und das Rennen ist für den Formel-1-Champion völlig bedeutungslos. Es geht einzig um den Werbeauftritt. Jim Clark steht in der dritten Startreihe neben Chris Amon. Jean-Pierre Beltoise geht auf dem Matra M7A in Führung, Clark kommt als Sechster aus der Startrunde zurück. In der fünften Runde – er ist bereits auf Rang 7 zurückgefallen – kommt es zum tödlichen Drama.
Jim Clark gerät mit seinem Lotus auf der Waldgeraden nach dem Motodrom, wahrscheinlich wegen eines schleichenden Plattfusses und Reifenschadens, ins Schleudern und rast in einen Baum. Es gibt keinen unmittelbaren Augenzeugen, da an dieser Stelle keine Zuschauer stehen.
Einziger Beobachter ist ein Streckenposten. Er erzählt später: «Clark hatte keine Kontrolle mehr über sein Fahrzeug. Und donnerte zwölf Meter neben mir in den Wald. Sein Pech war, dass er mit dem Kopf gegen einen Baum prallte. Sein Auto wurde auseinandergerissen, Motor und Getriebe flogen in den Wald hinein. An der Unfallstelle drehte ich Clark auf den Rücken. Kurz darauf traf der Krankenwagen ein. Später hörte ich, dass er zehn Verletzungen, jede für sich tödlich, gehabt haben soll.»
Lotus-Chef Colin Chapman lässt den Unfall untersuchen. Er beauftragt damit Peter Jowitt, einen auf Unfallermittlungen von Militärflugzeugprototypen spezialisierten Ingenieur. Diese Untersuchung ergibt, dass Jim Clark keine Chance hatte. Auf dem Waldboden hat er noch versucht, das Fahrzeug mit Maximaldrehzahl in eine andere Richtung zu steuern, doch durch die Vielzahl der Bäume fehlt der Platz und es kommt zum fatalen Einschlag. Peter Jowitt kommt zum Ergebnis, dass ein Reifenschaden ursächlich für das Unglück ist.
Heute würde dieser Unfall nicht mehr passieren. Nach der Tragödie werden Leitplanken montiert, ein Sicherheitsstreifen angelegt und nahe der Unfallstelle eine Bremsschikane in die Piste eingebaut. Die «Jim-Clark-Schikane».