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«Vom ersten Augenblick an genoss das neue Fach in Zürich grossen Zulauf, als ob die Studierenden nur darauf gewartet hätten, es endlich belegen zu dürfen».
Es war eine Pionierleistung: Als erste Professorin für Filmwissenschaft in der Schweiz etablierte Christine Noll Brinckmann das Fach Filmwissenschaft an der Universität Zürich und legte damit das Fundament für ein Gebiet, das heute zum Fächerkanon der Geisteswissenschaften zählt.
Kindheit im Reich der Mitte
1937 wurde Christine Noll Brinckmann in China geboren. Die Eltern waren in den 1920er-Jahren aus Deutschland nach Shanghai ausgewandert, wo der Vater, der Arzt Dr. Kurt Noll, ein eigenes Hospital eröffnete. Bis zum elften Lebensjahr lebte die Tochter im Reich der Mitte, in einer exotischen Welt, von der sich deutsche Kinder kaum eine Vorstellung hätten machen können. Mit ihren drei Geschwistern wurde sie von der Mutter unterrichtet. Chinesische Bedienstete umgaben die Familie, Hunde und Ziegen bevölkerten den Garten. Doch in China blieb die Zeit nicht stehen: Mao Zedong kam an die Macht und veränderte die Verhältnisse; die Familie kehrte nach Deutschland zurück, wo Christine Noll 1955 an dem internationalen Nicolaus-Cusanus-Gymnasium das Abitur ablegte.
Steine auf dem Weg zur Wissenschaft
Brinckmann lehrte zunächst Literaturwissenschaft am Institut für England- und Amerikastudien der Frankfurter Universität, erst als Assistentin, später als akademische Rätin. Dabei konnte sie sich mehr und mehr in das – in Deutschland noch nicht existente – Fach Filmwissenschaft einarbeiten. Ein amerikanisches Stipendium führte sie 1979 als Visiting Scholar an das Department of Cinema Studies der New York University: eine vorzügliche Gelegenheit, sich intensiv auf das Thema Film einzulassen, das dort gut bestallt florierte. Auch konnte sie erste Kontakte mit Kolleginnen und Kollegen knüpfen und so eine Basis zur internationalen Vernetzung schaffen. Das Stipendienjahr musste allerdings schwer erkämpft werden. Da die deutschen Oberbehörden der Meinung waren, dass Christine N. Brinckmanns Karriere mit der Ernennung zur akademischen Rätin «abgeschlossen» sei und sie sich nicht weiterqualifizieren müsse, verwehrten sie ihr die beantragte Freistellung. Sie konnte erst durch Einsprache der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien sowie die Intervention eines Landtagsabgeordneten durchgesetzt werden. Es waren Steine auf dem Weg zur Wissenschaft, der für Frauen durchaus beschwerlicher war als für Männer – damals noch mehr als heute, sagt Brinckmann.