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<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat führt im Bericht zur Erfüllung des Postulats 12.3657 aus, dass die berufliche Grundbildung zunehmend nur zu einem Zwischenschritt auf dem Weg zu einer Fachhochschule oder einer höheren Berufsbildung wird. Stossend ist dabei, dass der Bund beispielsweise unter dem Stichwort "BerufsbildungPlus" aufwendige Kampagnen unterstützt, die unter dem Deckmantel der Weiterbildung Handwerksberufe und Eidg. Fähigkeitsausweise (EFZ) als minderwertig darstellen. Kampagnen-Sprüche wie "Lerne Elektroinstallateur, werde Physiker" oder "Lerne Maler, werde Sozialpädagoge" mit dem Vermerk "Profis kommen weiter" untermauern diesen Trend der unterschwelligen Abwertung der beruflichen Grundbildung und von Handwerksberufen. Durchlässigkeit ist wichtig, aber eine solch abwertende Gegenüberstellung kann nicht im Sinne der Berufsbildung sein.</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat diese Entwicklungen?</p><p>2. Wo sieht der Bundesrat Handlungsbedarf, damit Handwerksberufe ihren wichtigen Platz in der Schweizer Wirtschaft verteidigen können?</p><p>3. Wie schafft der Bund Rahmenbedingungen, dass Handwerksberufe in der Schweiz attraktiv bleiben?</p><p>4. Wie kann der Trend verhindert werden, dass aus der Schweiz mittelfristig nur noch Hochschulabsolventen kommen und Handwerker dann nur noch aus dem Ausland?</p><p>5. Wie wirkt sich dieser Trend auf die Qualität und den Preis von handwerklichen Dienstleistungen und Produkten in der Schweiz aus?</p><p>6. Viel wichtiger als akademische Weiterbildungen in Theoriesälen zu absolvieren ist es, den Unternehmergeist und die praxisbezogene Weiterentwicklung zu fördern. Das schafft Produktivität und Innovation, nicht die Titel und Zertifikate. Welche Mittel und Wege gibt es, eine unternehmerische und praxisbezogene Aufwertung von Handwerksberufen und der beruflichen Grundbildung zu etablieren?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p align="both">1. Das Schweizer Bildungssystem zeichnet sich durch attraktive Bildungsangebote, vielfältige Karrierewege und eine hohe Durchlässigkeit aus. Dem Bundesrat ist daran gelegen, dass die verschiedenen Bildungswege nicht gegeneinander ausgespielt werden. Diskriminierungen und Stigmatisierungen sind zu vermeiden. Hier knüpft die Kampagne "Berufsbildungplus.ch" an. Denn eine gute Mischung von beruflich und akademisch ausgebildeten Arbeitnehmenden hat nachweislich einen positiven Effekt auf Produktivität und Innovation. Die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachleuten in allen Bereichen trägt zu guten Rahmenbedingungen für die Schweizer Wirtschaft bei. In Bezug auf die Innovationsleistungen der Schweiz kann die Bedeutung der beruflichen Grundbildung und der höheren Berufsbildung nicht genug betont werden.</p><p align="both">2./3. Die Berufsbildung ist eine gemeinsame Verbundaufgabe von Bund, Kantonen und Wirtschaft. Die Zusammenarbeit dieser drei Partner ist für den Erfolg der dualen Berufsbildung entscheidend. Jahr für Jahr werden so dem Arbeitsmarkt praktisch und theoretisch geschulte Fach- und Führungskräfte zugeführt, deren Handlungskompetenzen auf neuestem Stand sind und die sich rasch an neue Entwicklungen anpassen können. Dies gilt auch für handwerkliche Berufe. Die Anforderungen an die einzelnen Abschlüsse der beruflichen Grundbildung und der höheren Berufsbildung werden dabei von der Wirtschaft festgelegt. Diese orientiert sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts. Innovationen und neue Entwicklungen fliessen so direkt in die Ausbildung ein. Die Organisationen der Arbeitswelt und die ausbildenden Betriebe sind auch für das Berufsmarketing zuständig, um den in ihrem Bereich benötigten Nachwuchs zu rekrutieren. Der Bund unterstützt sie dabei, indem er sich beispielsweise im Rahmen der Projektförderung auf Basis von Art. 54 und 55 Berufsbildungsgesetz (BBG; SR 412.10) an der Finanzierung der Berufsmeisterschaften beteiligt, welche Jugendlichen und Eltern die Attraktivität der Berufe aufzeigen.</p><p align="both">Damit sich die Berufsbildung sowohl inhaltlich wie auch systemisch laufend weiterentwickeln kann, unterstützt der Bund die nötigen Innovationen durch die Berufsbildungsforschung und durch die Projektförderung. Die Berufsbildungsforschung generiert Steuerungswissen für die laufende Weiterentwicklung und Anpassung an neue Herausforderungen. Dazu zählen zum Beispiel Untersuchungen zur Ausbildungsbereitschaft der Lehrbetriebe. Mit der Projektförderung unterstützt der Bund Kantone und Organisationen der Arbeitswelt bei der Erprobung neuer, zukunftsorientierter Vorhaben wie beispielsweise flexible Ausbildungsmodelle, damit die Berufsbildung auch in Zukunft für Jugendliche und Lehrbetriebe attraktiv bleibt.</p><p align="both">4./5. Dank der hohen Arbeitsmarktorientierung der Bildungsangebote und der Transparenz der Abschlüsse haben die Absolventinnen und Absolventen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Berufsbildung deckt zudem ein breites Spektrum an Bildungsmöglichkeiten ab; die Angebote berücksichtigen unterschiedliche Fähigkeiten. Gemäss der Studie "Beitrag der Berufsbildung zur Innovation" der Universität Zürich (2019) hilft die Berufsbildung Innovationen voranzutreiben. Auf diese Weise trägt sie dazu bei, ein gutes Preis-Qualitäts-Verhältnis von Dienstleistungen und Produkten sicherzustellen oder dieses noch zu verbessern. Bei der Zuwanderung in die Schweiz sind Fachkräfte mit höchster Ausbildung auf Sekundarstufe II im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung unterdurchschnittlich vertreten. Die Daten der letzten Jahre zeigten bei der Zuwanderung zudem einen leicht rückläufigen Anteil bei mittleren (Sekundarstufe II) und eine Zunahme bei höheren Qualifikationsniveaus (Tertiärstufe). Damit hilft die Zuwanderung, komplementär zu den Bildungsinvestitionen in der Schweiz, den wachsenden Bedarf an höher qualifizierten Fachkräften zu decken.</p><p align="both">6. Die höhere Berufsbildung bietet auf der Tertiärstufe praxisorientierte und auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragte Qualifikationsmöglichkeiten an. Sie baut auf der beruflichen Erfahrung auf und kombiniert Unterricht sowie Berufspraxis. Die Ausbildung ist kompetenz- und arbeitsmarktorientiert. Damit fördert die höhere Berufsbildung das unternehmerische Denken und versorgt die hochspezialisierte Schweizer Wirtschaft mit qualifizierten Fach- und Führungskräften. Seit Anfang 2018 werden die Teilnehmenden vorbereitender Kurse für eidgenössische Berufs- und höhere Fachprüfungen vom Bund direkt finanziell entlastet.</p>  Antwort des Bundesrates.