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Das «Berner Taschenbuch» ist eines der ganz wenigen Werkmanuskripte Rilkes. Es ermöglicht mit seinen vielfältigen Streichungen und Neuansätzen einmalige Einblicke in Rilkes Arbeitsweise und den Schreibprozess des Romans. Das schwarze Notizbuch im Format 14 x 8 cm umfasst ungefähr die zweite Hälfte des handschriftlichen Textes zu Rilkes Roman, den Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910).
Die Entwurfshandschrift zeigt eine Offenheit des Textes an verschiedenen Stellen und eine Fülle von Varianz, die in den bisherigen Editionen des Romans nicht zugänglich ist. Im laufenden Editionsprojekt, das Teil des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts Textgenese und Schreibprozess des SLA ist, soll das «Berner Taschenbuch» zum ersten Mal mit allen Streichungen und Spuren des Schreibprozesses zugänglich gemacht werden. Die textgenetische Edition wird ein Faksimile und eine diplomatische Transkription des handschriftlichen Textes umfassen, zusätzlich einen Apparat mit den Varianten des Erstdrucks von 1910.
Der in der Entwurfshandschrift enthaltene Text setzt in Aufzeichnung Nr. 36 mitten im Satz ein: «... man die Person darauf nicht entlassen könnte.» Neben dem durchgearbeiteten Entwurf zum Malte enthält das Taschenbuch auch eine Arbeitsliste mit stichwortartigen Einträgen für Aufzeichnungen, die im Roman eingearbeitet werden sollten, daneben zwei Gedichtniederschriften, Notizen und Additionen, die keinen Bezug zum Roman haben.