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Der stark von Abholzung bedrohte Great-Bear-Regenwald an der kanadischen Pazifikküste ist künftig zum grössten Teil vor Zerstörung geschützt. Dem historischen Entscheid ging eine zwei Jahrzehnte dauernde Greenpeace-Kampagne voraus.
Den Vertrag mit der Provinz-Regierung des südwestkanadischen Bundesstaates British Columbia für einen umfassenden Schutzplan haben nach langen, zähen Verhandlungen 20 indigene Gemeinschaften, Forstunternehmen und verschiedene Umweltorganisationen, darunter Greenpeace, unterzeichnet.
Die Letzten ihrer Art
Die Regenwälder an der kanadischen Westküste sind die letzten nördlichen Regenwälder der Erde. Viele indigene Gemeinschaften hatten hier ihre Heimat. Sie sind letzter Lebensraum von Grizzly-Bären, Schwarzbären, seltenen Kermode-Bären – wegen ihrer weissen Fells auch Geisterbären genannt –, Wölfen, Pumas, Seeadlern, Maultierhirschen, bärtigen Bergziegen, Bibern und Lachsen. Die Holzindustrie machte viele der dortigen Wald- und Hügellandschaften lange Zeit zu regelrechten Baumfriedhöfen. Das Holz wurde zu Schnittholz-, Papier- und Chemiezellstoff verarbeitet.
Das Waldgebiet von der Grösse Belgiens erstreckt sich über 3,6 Millionen Hektar bis nach Alaska und ist für seine Biodiversität bekannt. Auf 85 Prozent des Gebiets wird es gemäss der jetzt erzielten Einigung keinen industriellen Holzeinschlag mehr geben. Die übrigen 15 Prozent stehen der örtlichen Forstwirtschaft offen, unterliegen jedoch strengen Auflagen für kommerziellen Holzeinschlag. Die indigenen Gemeinschaften erhalten mehr Mitbestimmungsrechte in ihren Gebieten.
Was lange währt wird endlich gut
Diese Einigung ist ein riesiger Erfolg für den Great-Bear-Regenwald und für den internationalen Waldschutz. Greenpeace und andere Umweltgruppen aus verschiedenen Ländern hatten seit den 1990er-Jahren zusammen mit Ureinwohnern den Einschlag in diesem Gebiet durch ihre Protestaktionen verzögert. Als Anfang 2001 weltweit über 100 Kunden der kanadischen Holz- und Papierindustrie ihre Verträge kündigten, stimmten die Unternehmen endlich einem Einschlagmoratorium auf einer Fläche von 1,2 Millionen Hektar zu. Während die Motorsägen schwiegen, begannen mehrjährige wissenschaftlich begleitete Verhandlungen mit der Holz- und Papierindustrie, die 2006 und 2009 in ersten Schutzmassnahmen mündeten.
Der jetztige Vertrag ist ein wunderbares Schlussbouquet. Er zeigt, wie wichtig es ist, einen langen Atem zu haben, hartnäckig zu bleiben und die Interessen der lokalen, in vielen Fällen indigenen Bevölkerung miteinzubeziehen. Kampagnenerfolge stellen sich nicht immer unmittelbar ein, sondern manchmal erst nach Jahrzehnten. Ähnlich war es in Finnland, wo wir den Urwald am Polarkreis gemeinsam mit dem Volk der Samen erst nach langer intensiver Kampagne retten konnten. Das macht Hoffnung für den Schutz weiterer Urwald-Gebiete!