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Im Prozess um manipulierte Zinsen hat ein Londoner Geschworenengericht den früheren UBS-Händler Tom Hayes zu 14 Jahren Haft verurteilt. Der 35-Jährige wurde verdächtigt, einer der Drahtzieher im weltweiten Skandal um Tricksereien beim Referenzzinssatz Libor zu sein.
Das Gericht befand Hayes in acht Fällen für schuldig. Erstmals stand mit dem ehemaligen Investmentbanker im Zinsskandal eine Einzelperson vor einem Geschworenengericht. Der Prozess gegen den Derivate-Händler hatte Ende Mai unter grossem Medienandrang begonnen. Die britische Strafverfolgungsbehörde SFO warf ihm Vergehen in den Jahren 2006 bis 2010 vor.
Nach Erkenntnissen der Ermittler stand Hayes im Mittelpunkt eines Händler-Kartells, das sich über mindestens zehn Banken und Brokerhäuser erstreckte. Sie sollen sich abgesprochen haben, um den Libor jeweils in die gewünschte Richtung zu lenken - damit ihre individuellen Wetten aufgingen.
Der Libor-Zinssatz regelt die Kosten, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen. Er ist auch Grundlage etwa für Immobilienkredite.
Der frühere Investmentbanker Hayes hatte die Vorwürfe zunächst eingeräumt, sie dann aber vor einem Londoner Gericht wieder bestritten. Er habe sich im Polizeiverhör nur deswegen für schuldig bekannt, um eine Auslieferung in die USA zu umgehen, wo ihm deutlich härtere Strafen gedroht hätten, sagte Hayes.
Gier als Motiv
Die Jury am Southwark Crown Court wertete die Vernehmung bei der Polizei als glaubwürdig. Sie sah pure Gier als Motiv. Hayes hatte unter anderem auch erklärt, die Manipulationen seien ein branchenweites Phänomen gewesen und kein Einzelfall.
«Ich habe an einer branchenweiten Praxis teilgenommen, die vor meiner Ankunft bei UBS anfing und nach meinem Verlassen von UBS weiterging», sagte er. Er habe nicht unehrenhaft gehandelt, sondern seinen Job einfach so perfekt wie möglich machen wollen.
Hayes, der nach der UBS auch bei der Citigroup tätig war, ist der erste von zahlreichen Verdächtigen im Libor-Skandal, der verurteilt wurde. Zahlreiche Banken hatten empfindliche Strafzahlungen an Behörden in London, Washington und Brüssel zahlen müssen - darunter die UBS, die Deutsche Bank und die US-amerikanische Citigroup.
UBS äussert sich nicht
Die UBS und die US-Bank Citigroup wollten sich zu dem Urteil nicht weiter äussern. Die UBS erklärte, sie sei nicht Teil des Prozesses gewesen. Dies sei eine Sache zwischen der SFO und Hayes. Mit den meisten Behörden habe das Institut den Fall bereits beigelegt. Citigroup erklärte, Hayes habe die Bank im September 2010 verlassen. (sda/reu)