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An der Genfer Buchmesse 2019 wurde das Kinderbuch «Paulette» im Rahmen eines Vortrags unter dem Titel «Warum ist Euthanasie in Kinderbüchern ein Tabu?» vorgestellt. Im Anschluss daran war keine Diskussion möglich.
Unter diesem recht aggressiven Titel erzählen die Autoren eine scheinbar «unschuldige» Geschichte mit gelungenen Illustrationen, die es dem Kind ermöglichen, sich mit den Figuren zu identifizieren. Ein Huhn, das an einer schweren Krankheit leidet, wünscht sich, das Leiden zu beenden. Es beschliesst daher, sein Lebensende selbst in die Hand zu nehmen, indem es als letzte Lösung die Euthanasie in Anspruch nimmt: eine Euthanasie unter dem wachsamen Auge einer Hühnerfamilie auf dem Bauernhof, die «uns berühren» und das Kind auf den Abschied eines geliebten Menschen vorbereiten soll.
Die Protagonisten im Kinderbuch versuchen, uns von der Richtigkeit ihres Ansatzes zu überzeugen (Euthanasie ist in Belgien legal), aber wir können uns fragen, was das eigentliche Tabu ist. Ist es Euthanasie oder die Weigerung, das Leben bis zum Ende zu lieben, oder die Tatsache zu akzeptieren, dass es sogar eine Freude am Sterben für jemanden gibt, der sein Leben gut gelebt hat?
Ausserdem ist es in der Realität mehr als ausgefallen, wenn Ärzte das Leben eines Menschen durch ein tödliches Mittel vor dem Kind und seiner Familie auslöschen. Es ist nicht notwendig, dem Kind und seiner Familie eine von Morbidität geprägte Praxis zuzumuten. Dass das Klima einer solchen Situation Angst auslöst, wird im Buch verschwiegen.
Wie gefühlslos ist es, das Kind als einen Erwachsenen im Kleinen zu nehmen und es zu Verhaltensweisen zu konditionieren, für die es weder die psychische Reife noch die Elemente des Verständnisses von Leben und Tod hat! Dem Kind die Bedeutung der Euthanasie als endgültige Lösung des Daseins aufzuzwingen, ist weder Respekt vor der Welt des Kindes noch psychologisches Einfühlungsvermögen für seine persönliche Empfindsamkeit!
Wie unehrlich ist es, die Euthanasie anzupreisen, ohne die mitmenschliche Begleitung am Ende des Lebens zu erwähnen, die in Ruhe erfolgen sollte! Krankheit ist kein Skandal, und Alter ist kein Verfall. Das Kind kann Krankheit und Leiden nachvollziehen, wenn es mit behinderten Kindern in Kontakt kommt oder selbst eine weniger schwere Krankheit erlebt hat.
Wie unmenschlich ist es, das Fühlen und Denken des Kindes zu manipulieren, um ihm das «Bild» eines selbstbestimmten Todes einzuprägen, anstatt zu ihm von der Zärtlichkeit, vom Band der Liebe zu sprechen, das sein geliebter Mensch für sein natürliches Gehen so dringend braucht! Das Leben bis zum Ende zu lieben, trotz der Übel des alternden Körpers und des allmählich eintretenden körperlichen Verfalls, ist das beste Vorbild, das wir unseren Kindern geben können, indem wir unsere Lieben bei ihrem letzten Abschied begleiten.
Die Liebe ist stärker als der Tod. Die Erinnerung an einen geliebten Menschen ist eine Blume, die nicht verblüht.
«Du bist nicht mehr da, wo du warst, aber du bist überall, wo ich bin.»
(Victor Hugo) •
(Übersetzung Zeit-Fragen)
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