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Depot Claragraben
In Jeanmaire (Archiv Nr. 1) ist das Bauprojekt der Basler Strassenbahnen von 1895 wiedergegeben: "Vom Claraplatz zweigt ein Zufahrtsgeleise von 360 m Länge nach der Wagenremise in der Hammerstrasse ab, von welchem, da an der Kraftstation vorbeigeführt, zwei Geleise in die in der letzteren befindlichen Reparatur-Werkstätte führen. (...)
Für die Kraftstation wurde ein Areal im Claragraben in Aussicht genommen und da dasselbe mit Rücksicht auf die vorgesehene Erweiterung des Netzes sich auch für die Unterbringung der Wagenremise als zu klein erwies, wurde letztere von der Kraftstation getrennt und auf einer hiezu angekauften Liegenschaft separat angelegt. Der damit verbundene Nachteil, dass Kraftstation und Remise nicht örtlich vereinigt sind, fällt nicht schwer ins Gewicht, da beide bloss 250 m auseinander liegen und vom Remisenzufahrtsgeleise eine Abzweigung in die, in der Kraftstation befindliche Reparatur-Werkstätte führt. Revisionen undkleinere Reparaturen werden in der Wagenremise durchgeführt, während die Hauptrevision, bei welcher der Wagenkasten abgehoben werden muss, sowie grössere Wagen-Reparaturen in der Reparatur-Werkstätte vorgenommen werden. (...)
Im Gebäude der Kraftsation sind im Erdgeschoss untergebracht: die Reparaturwerkstätte... Der vordere Teil der Kraftstation ist überbaut und es befinden sich im ersten Stock die Verwaltungsbureaux. (...)
Die Reparaturwerkstätte enthält einen Motor, der zugleich Gleichstrom-Transformator von 500V auf 120 V für die Beleuchtung ist, indem mit diesem Motor eine Dynamomaschine für 120 V direkt gekuppelt ist. Der Motor treibt zugleich durch einfache Riemenübersetzung eine Deckentransmission, welche die nötigen Werkzeugmaschinen als Drehbank, Shappingmaschine, Bohrmaschine etc. bedient. Ein in der Werkstätte befindliches Tableau enthält einen Accumulatorenzellenschalter, Voltmeter, Ampèremeter und einen automatischen Rückstromausschalter. (...)
In der Reparaturwerkstätte befinden sich ausserdem noch zwei Geleise für je einen Wagenstand, von welchen eines eine Putzgrube besitzt."
Die Entdeckung vom 22. April 2005
Beim Umbau der Gebäude der Basler Verkehrsbetriebe am Claragraben 55 kamen im Bereich der Eingangshalle die zwei Werkstattgeleise mit Profil-Rillenschinen zum Vorschein. Das rechte der beiden Geleise liegt auf festem Untergrund, unter dem linken ist eine teils noch erhaltene Grube. Die Grube ist etwas breiter als 1 Meter, in der Grube sind noch einzelne gemauerte Gleisabstützungen vorhanden. Ebenfalls entdeckt wurde eine gusseiserne Säule der ehemaligen Werkstatt. Die Entdeckungen sind auf dem Plan von 1895 rot eingezeichnet.
Die Entdeckungen lassen den Schluss zu, dass es diese erste Tramwerkstatt tatsächlich gegeben hat, und dass sie exakt so ausgesehen hat wie auf den bei Jeanmaire abgebildeten Plänen von 1895 und der oben zitierten Beschreibung. Die beiden in den Claragraben führenden Werkstattgeleise mündeten in das Depotgeleise, das vom Claragraben via Clarahofweg durch die Hammerstrasse führte. Offenbar wurde diese erste Basler Tramwerkstatt bereits 1897 aufgegeben und ins neue Depot Klybeck verlegt: In den Ausbauplänen der Kraftstation von 1897 war die Werkstatt an der betreffenden Stelle nicht mehr eingezeichnet, der entsprechende Raum wurde zum Lager- und Beleuchtungsraum. Wie ersichtlich, war dieses erste Werkstattgebäude doppelstöckig mit Büroräumen über der Werkstatt. Wann die heute noch bestehenden, weiteren Etagen aufgestockt worden sind, ist noch nicht geklärt (vermutlich um 1900).
Die Entdeckung von 2005 ist zweifellos von kulturhistorischem Wert als Zeitzeuge aus dem ersten Betriebsjahr des Basler Trams. Wir hoffen, dass diese ältesten Basler Tramgeleise auf irgend eine Art konserviert und erhalten werden können.
Links: Vom Claragraben aus betrachtet das linke Werkstattgleis mit der darunter liegenden Grube. Der rötliche Steinsockel, auf dem die Schiene ruht, gehört bereits zur Gleisgrube. Schön erkennbar ist auch das historische Schienenprofil von 1895.
Rechts: Die gusseiserne Säule war bisher unter Mauerwerk und Verputz verborgen. Sie stammt aus der Zeit der Werkstatt (1895-1897) und ist oben im Plan von 1895 rot eingezeichnet.
Die weissen Pfeile markieren die aus dem Boden ragenden Schienenenden. Wir blicken vom Claragraben her ins Gebäudeinnere der Liegenschaft Nr. 55. Das Gleisstück links ist dasselbe wie auf dem Bild oben, an der linken unteren Bildecke ist die Stück der angeschnittenen Gleisgrube erkennbar.
Links: Basler Tram-Archeologie: Ein schönes Stück Gleis wurde am 23.4.2005 nach über 100 Jahren wieder freigelegt. Das Schienenstück gehört zum rechten Geleise (ohne Grube), wir blicken vom Gebäudeinnern Richtung Claragraben.

In der Grube: Der Betrachter liegt auf dem staubigen Boden und blickt gegen die Decke. An den Bildrändern links und rechts erkennen wir die rostig braunen Unterseiten der beiden historischen Schienen. Die weissen Gebilde in den beiden oberen Bildecken sind die gemauerten Gleisstützen, die am Grubenrand als Säulen das Geleise tragen. Die Betondecke zwischen den beiden Schienen dürfte 1897 entstanden sein, die drei grauen Kunststoffröhren und die Backsteine stammen vom jetzigen Umbau (2005).