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Katja Petrowskaja
1970 geboren, in Kiew aufgewachsen. Nach Studienjahren in Estland und den USA ging sie 1999 als Journalistin nach Berlin, wo sie heute lebt. Für einen Auszug aus «Vielleicht Esther» gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis 2013.
Werke (Auswahl)
Vielleicht Esther.
Suhrkamp Verlag, 2014
Vielleicht Esther
Suhrkamp Verlag, 2014
«Vielleicht Esther» handelt von den Reisen, Reflexionen und Assoziationen einer nachgeborenen Ich-Erzählerin, die sich ihrer in Osteuropa verankerten, vom Holocaust gezeichneten Familie und deren Geschichte zuwendet. Im Fokus ihres Denkens und Fragens steht Esther, ihre Urgrossmutter, die von den Nazis ermordet wurde.
Valérie Poirier
Aus: Katja Petrowskaja. Vielleicht Esther. Suhrkamp Verlag, 2014
Lasse der Herrgott Dich so viel wissen, wie ich nicht weiss, sagte Babuschka immer wieder. Sie wiederholte den Satz leicht beleidigt, aber auch stolz. Ihr Enkel Marik, mein Vater, war ungewöhnlich belesen. Bis zu seinem neunten Lebensjahr hatte er bereits Hunderte von Büchern verschlungen und stellte den Erwachsenen, wie er dachte, ganz einfache, elementare Fragen. Babuschka wusste meistens keine Antwort. Auch den Ausspruch von Sokrates, Ich weiss, dass ich nichts weiss, kannte sie nicht.