Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03187.jsonl.gz/2215

« ZurückWeiter »
deutscher Ingenieure.
Bemerkenswert an diesen Zahlen ist, dass eine Arbeit von nicht weniger als 40 Pfkr. mit einem Nutzeffecte von nahezu 50 pCt. durch eine Leitung von 152km Länge auf elektrischem Wege transportirt worden ist, während die stromerzeugende Maschine nur 170 und der Receptor nur 277 Umdr. in der Minute gemacht hat. Als eine vorzügliche Leistung der beiden elektrischen Maschinen muss es angesehen werden, dass dieselben bei so niedrigen Umdrehungszahlen elektromotorische Kräfte bis zu 6000 Volt erzeugt haben, ohne dabei der Zerstörung anheim zu fallen. Der Receptor, eine verhältnismässig kleine Maschine, hat bei einer Stromstärke von ungefähr 7 Ampère bei jeder einzelnen Umdr. eine mechanische Nutzarbeit von 648kgm geliefert, ohne dabei, was Deprez besonders hervorhebt, merklich warm zu werden.
Unzweifelhaft hat Deprez durch diese Versuche einen glänzenden Erfolg erzielt, zu welchem man ihm und seinen Gönnern aufrichtig Glück wünschen kann. Hoffentlich findet das gute Beispiel, welches Baron Rothschild gegeben hat, auch anderwärts Nachahmung; an tüchtigen Arbeitskräften für ähnliche bahnbrechende Untersuchungen würde es gewiss auch bei uns nicht fehlen.
Richard Rühlmann.
gend Zeit blieb, während der Ablesungen an den anderen beiden Instrumenten sich auf die neue Geschwindigkeit einzustellen.
Die Justirung geschah in möglichst breitem Graben durch Schwimmversuche auf regelmässiger, nicht zu langer Schwimmstrecke und mit Beobachtung der Schwimmzeiten an einer Sekundenuhr mit Arretirung, deren Zeiger von 1/5 zu 1/5 einer Sekunde springt.
Die Instrumente gewähren den Vorteil einer namhaften Zeitersparnis; die Messung der Wassergeschwindigkeiten eines in 9 Sectionen (3 Verticalsectionen mit je 3 Horizontalsectionen) geteilten Profils erfordert nur etwa 6 Minuten, während ich bei Anwendung des Flügels ungefähr 30 Minuten brauche. Es eignen sich daher die Differentialröhren insbesondere für Wassermessungen mit solchen Bremsungen, die man auf längere Zeit auszudehnen Bedenken trägt.
Ein weiterer Vorteil dem Flügel gegenüber besteht in der Unveränderlichkeit der Coëfficienten.
Andererseits stehen allerdings die Instrumente dem Flügel insofern nach, als bei ihnen der durchschnittliche Höhenunterschied der Flüssigkeitsspiegel wegen der beständigen unregelmässigen Schwankungen geschätzt werden muss; indes unterscheiden sich die Durchschnittswerte sämmtlicher Geschwindigkeiten des Profils bei mehreren auf einander folgenden Messungen unter gleichen Umständen nur sehr wenig von einander: die Geschwindigkeit ist ja proportional der Quadratwurzel aus der Niveaudifferenz, ein Fehler bei der Ablesung der letzteren also von geringem Einflusse.
Lästig ist die sehr erhebliche Vergrösserung des Reisegepäckes: die Instrumente erfordern Kästen von über 2m Länge. Das erste Instrument war anfangs aus 2 Teilen hergestellt; dies erwies sich aber wegen der vorzunehmenden Verbindungen durch Gummiröhren als unpraktisch. Hierzu kommt noch ein kleiner Kasten für die communicirende Röhre, ein eben solcher mit Reserveteilen für die Glasteile (Glashähne, Röhren, Füllgefässe), hinreichender Vorrat an Terpentinöl und die zum Nivellement nötigen Instrumente.
Sodann wird mehr Zeit für die Vorbereitung am Orte der Wassermessung nötig; auch passirt es wohl bisweilen, dass während des Versuches die Gummiverbindungen undicht werden und die Flüssigkeitssäulen fallen lassen. Endlich hat man beständig sein Augenmerk darauf zu richten, dass die in der oberen Rohrkrümmung sich ansammelnde Luft wieder herausgesogen wird; kurz: die Bedienung ist bei weitem umständlicher und schwieriger, als die des Flügels.
Trotzdem werde ich die Instrumente noch heute bei Bremsungen an, welche lange fortzusetzen mir gefährlich erscheint. Die Röhren werden schon vor dem Transport auf ibre Dichtigkeit geprüft, und dann genügt ein Bebarrungszustand der Bremsung von 12 Minuten, wenn die arithmetischen Mittel der Ablesungen an den Röhren beim ersten und zweiten Durchgehen des Profiles gut übereinstimmen. Für die Justirung wird begreiflicherweise eine sehr grosse Anzahl von Versuchen nötig.
Die Gelegenheit benutzend, will ich gleich hier mit erwähnen, dass den Gedanken, den Brems, statt mit angehängter Wagschale zu versehen, auf eine Decimalwage drückend wirken zu lassen (Wellner, Polyt. Journal 1877 Seite 130), meines Wissens Hr. Niemeyer, gegenwärtig Ingenieur der Sächs. Maschinenfabrik hier, zuerst hatte. Der Zufall führte darauf. Ich hatte im Jahre 1874 ein Wasserrad in der Holzschleiferei der Herren Klingenberg & Co. in Dittersdorf bei Glashütte zu bremsen; beim massgebenden Versuche stellte sich heraus, dass schon der unbelastete Bremsbalken sank; da eine Rolle nicht bei der Hand war, verfiel Hr. Niemeyer auf den Gedanken, eine zufällig dastehende Decimalwage zu benutzen.
Ich überzeugte mich dabei von der ausserordentlichen Bequemlichkeit dieser Art der Druckmessung und brachte daher schon bei den nächsten Bremsungen (Mühle, Döllnitz) im Jahre 1875 den Bremsbalken so an, dass er unter allen Umständen auf die Brücke der Decimalwage drücken musste. Als Mittelglied diente dabei eine an beiden Enden schneidig zugeschärfte Stütze, deren Gewicht bei der Tarirung natürlich berücksichtigt wurde. Chemnitz, den 25. October 1885.
R. Berndt, Professor,
Verbesserung der Pitot’schen Röhre.
Auf S. 700 d. Bl. berichtet Hr. Professor Dr. Gieseler über eine von ihm an der Darcy'schen Röhre angebrachte Verbesserung, darin bestehend, dass der über den Wasserspiegeln befindliche Raum, statt mit Luft, mit einer Flüssigkeit angefüllt wird, deren specifisches Gewicht dem des Wassers ziemlich nahe steht.
Ich halte es für meine Schuldigkeit, hier mitzuteilen, dass auf denselben Gedanken, die Darcy röhre in eine » Differentialröhre« zu verwandeln, schon im Jahre 1872 mein verehrter College, Hr. Professor Dr. Weinhold, kam; derselbe fertigte auch sofort ein solches Instrument, das wenige Tage darauf bei einer Bremsung der Turbinen des Hrn. Wilhelm Vogel in Lunzenau Verwendung fand. Bald darauf wurden noch zwei dieser Instrumente beschafft, die in Gemeinschaft mit dem ersten vielfach zu Wassermessungen von mir benutzt worden sind.
Statt des Petroleums wurde Terpentinöl in Anwendung gebracht, das specifische Gewicht desselben, welches sich mit der Temperatur erheblich ändert, während der Wassermessung selbst bestimmt, und zwar mit Hilfe communicirender Röhren, auf welche die Sonnenstrahlen in gleicher Weise einwirkten wie auf die Instrumente selbst.
Die letzteren wurden bei Wassermessung auf Bretter gehängt, welche an dem Richtscheite befestigt waren, von dessen wagerecht gestellter Oberkante aus die Aufnahme der Ordinaten der Sohle des Wassermessprofiles geschah. Diese Bretter besassen stufenförmige Absätze derartig, dass die Spitzen der Instrumente in die Mitten der Sectionen fielen, in welche das Wassermessprofil geteilt war. schehener Ablesung an einem Instrumente wurde dasselbe in die Höhe der nächsten Höhensection gestellt, so dass ihm genü
Nach ge
Tafel XXXVII,
Zeitschrift, des Vereines deutscher Ingenieure, 1885.
H. Ebbs:
Fig
. 172
Fig 17
Mafsstab zu Fig. 172 und 14).
100
400
500
800
700
800
0
Band XXIX. No. 50.
12. December 1885.
Hannoverscher Bezirksverein: Ueber die Seitenabweichungen gezogener Geschosse.
983
Sitzungsberichte der Bezirksvereine.
Hr. Mente fügt hinzu, dass auch noch eine zweite ablenkende
Kraft hinzutreten könne, indem der Form des Geschosses wegen die
durch die Züge entstandenen Balken auf dem Geschosse sich mehr Sitzung vom 10. April 1885. – Vorsitzender: Elr.F.Fischer. Schriftführer: Hr. Dunsing. Anwesend 50 Mitglieder.
am hinteren Ende befinden, der Angriffspunkt der ablenkenden Kraft
daher nicht mit dem Schwerpunkte zusammenfalle.
Hr. Herhold macht einige Mitteilungen über Transmissioni'en.
Die Anordnung derselben sei von grossem Einflusse auf den Betrieb, aus welchem folgende Behauptungen und Schlüsse hervorzuheben sind. sie beeinflusse sogar sehr häufig der Gewinnertrag, da eine schlechte
1) Die Seitenabweichung oder Derivation ist eine Folge des Anordnung bedeutende Kraftvergeudung hervorrufe. Meist werden Dralls der Geschosse; rechts gezogene Geschosse weichen im allge- die Transmissionen zu schwer construirt und verursachen dann meinen rechts, links gezogene Geschosse links ab.
natürlich grosse Reibungsverluste. So habe das Diagramm einer 2) Die Derivation ist nur möglich, wenn auf der einen Seite Spinnereimaschine 46 bis 48 Pfkr. als Bedarf für den Leerlauf der des Geschosses eine grössere Luftdichtigkeit vorhanden ist als auf Transmission ergeben. der anderen Seite.
Schmiedeiserne Riemenscheiben werden neuerdings so leicht 3) Ein solcher Dichtenunterschied, und zwar oberhalb und unter- ausgeführt, dass dabei nichts mehr zu wünschen übrig bleibe, und halb der Geschossachse (wie auch erforderlich), ist nachweisbar.
bewähren sich vorzüglich. 4) Der Dichtenüberschuss ist im aufsteigenden Aste unterbalb Lange Wellen haben meistens in der ganzen Länge gleichen der Geschossachse, im absteigenden Aste oberhalb derselben vorhanden, Dmr., wenn sie auch am hinteren Ende nur einen geringen Teil der indem das Geschoss vor sich die Luft verdichtet, hinter sich aber Kraft zu übertragen haben, welche sie am vorderen Ende von der eine Verdünnung bilden lässt.
Maschine empfangen; dabei seien die Lager sehr häufig zu weit ion 5) Infolge dessen weicht bei rechtsgezogenem Geschütze, wie einander entfernt. Sehr empfehlenswert würde die Anwendung durch Zusammensetzung der Kräfte zu Kräftepaaren nachzuweisen hobler, schmiedeiserner Wellen sein; dieselben lassen sich ebenso ist, das Geschoss im aufsteigenden Aste rechts, im absteigenden Aste
gut pressen wie starkwandige Röhren, und würden die Meħrkosten links ab.
sich bald bezahlt machen. 6) Trotzdem ist die resultirende Abweichung als Rechtsabweichung Hr. Riehn bemerkt hierzu, dass man allerdings bei Kraftüberthatsächlich beobachtet.
tragung durch Riemen oder Seile die Wellen meistens zu schwer 7) Die Gründe hierfür sind:
mache, dass man sich aber bei Zahnradbetrieben ja vor zu dünnen a) Der aufsteigende Ast ist länger als der absteigende Ast; Wellen hüten müsse, da sonst durch die Verdrehung grosses Ge.
mithin kann die Rechtsabweichung des aufsteigenden Astes räusch in den Rädern entstehe.
Hr. Heeren weist auf den Entwurf der Regierung hin, die ausgeglichen werden.
Dampfapparate periodischen Untersuchungen zu unterwerfen; seiner b) Der Dichtenunterschied zugunsten der Rechtsabweichung Meinung nach gehe man in der Vorlage zu weit, und würde es .
ist grösser als derjenige zugunsten der Linksab weichung; wünschenswert sein, wenn dieselbe im Vereine besprochen werde. denn die Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses ist in folge
Hr. Kobus teilt mit, dass die Vorschläge der Regierung dahin des Luftwiderstandes grösser als die Endgeschwindigkeit. gingen, alle diejenigen Dampfapparate zu untersuchen, bei denen das c) Mit Abnahme der fortschreitenden Geschwindigkeit nimmt Product aus Fassungsraum in Liter und Spannung in Atm. mehr
ebenfalls infolge des Luftwiderstandes auch die Rotations- als 200 betrage; es sei damit also schon eine engere Grenze gezogen. geschwindigkeit und damit auch die ablenkende Kraft ab.
Es wird beschlossen, die Angelegenheit auf die Tagesordnung 8) Der Dichtenunterschied bat ausser der ablenkenden Kraft der nächsten Sitzung zu setzen. noch ein Kräftepaar zur Folge, welches das Geschoss entgegensetzt der ihm mitgeteilten Drehungsrichtung zu drehen strebt.
Sitzung vom 17. April 1885. – Vorsitzender: Hr. F. Fischer. 9) Ausser diesen Umständen müssen für das Gewehr noch Schriftführer: Hr. Ernst Müller. Anwesend 60 Mitglieder und weitere Einflüsse mitwirken, welche beim preussischen Infanterie- 2 Gäste. gewehre mit Rechtsdrall die Rechtsabweichung vergrössern, beim Hr. Fink hält einen Vortrag über elektrische Fahrgefranzösischen Chassepotgewehre mit stärkerem Linksdrall aber die schwindigkeitscontrole auf Eisenbahnen unter Vorführung eigentlich doch erfolgende Linksabweichung aufheben; und zwar der betreffenden Apparate; derselbe ist in Z. 1885 S. 814 veröffentmüssen diese Gründe in Constructionseigentümlichkeiten des Gewehres licht worden. zu suchen sein, welche, so lange das Geschoss sich im Laufe befindet,
Zur Prüfung der den Dampfkessel Ueberwachungsvereinen von elastische Transversalschwingungen des Laufes zur Folge haben, in- der Regierung vorgelegten Vorschriften zur Ueberwachung von folge deren bei beiden Gewehren das Geschoss nach rechts abge- Dampfkochgefässen wird eine Commission gewählt. lenkt wird. Die Ursache ist die Patroneneinlage; hierdurch wird die Hülse
Sitzung vom 24. April 1885, gemeinschaftlich mit dem des Gewehres rechts vollständig geschwächt, so dass die infolge der Hannoverschen Architekten- und Ingenieurveroine. Reibung des Geschosses an den Seelenwänden auftretenden Zugkräfte Vorsitzender: Hr. F. Fischer. Schriftführer: Hr. Dunsing. Anin der Hülse nur excentrisch von der links (und unten) vorhandenen wesend 140 Mitglieder und Gäste. Hülsenwand aufgenommen werden. Das Resultat ist ein am hinteren
Der Vorsitzende begrüsst zunächst die anwesenden Mitglieder Laufende links drehendes Kräftepaar. Dasselbe. wird vergrössert des Hannoverschen Architekten- und Ingenieurvereines. dadurch, dass die in der Richtung der Seelenachse wirkende Resul
Hr. Stadtbaurat Bokelberg hält sodann einen Vortrag über die tirende des Pulvergasdruckes excentrisch rechts durch die Leitschiene der Kammer und die hintere Endfläche der Patroneneinlage auf
Erweiterung der Wasserwerke der Stadt Hannover. genommen wird. Endlich wirkt in gleicher Weise die excentrische
» Die jetzt im Betriebe befindlichen Wasserwerke sind auf rechtsseitliche Belastung der Kammer durch Leitschiene und Knopf.
Grund der vom Baurat Hagen 1874 angestellten Versuche Das resultirende Kräftepaar, welches am hinteren Laufende links dreht, lässt das vordere Ende des Laufes nach rechts schwingen
über die Ergiebigkeit der Kieslager des Leinethales in der und so das Geschoss rechts abweichen.
Weise angelegt, dass das in nachstehender Skizze punktirte, 10) Das rechts am vorderen Ende des Laufes aufgepflanzte
.80cm weite geschlitzte Sammelrohr von 918m Länge die Ent- . Seitengewehr lässt die Geschosse links abweichen, indem es der
nahmestelle im Kiese bildet. Bei den Versuchen wurde aus zwei Rückschlagbewegung des Gewehres durch seine träge Masse ein je 50m langen Versuchsgräben eine Tagesmenge von 6000 cbm Hindernis entgegensetzt. Diese hindernde Trägheitskraft wirkt an bei im Absenkung des Spiegels entnommen; der Graben lag einem Hebelarme, welcher durch die Entfernung zwischen Seelenachse
mit seiner Sohle etwa 1 m über dem die ausgedehnten Kiesund Schwerpunkt des Seitengewehres gegeben ist. Die Folge ist
lager des Leinebettes nach unten abschliessenden Thonbette, ein am vorderen Ende des Laufes links drehendes Kräftepaar und
und es ergab sich dabei eine Erstreckung der Absenkungsdamit die Linksabweichung des Geschosses.
kurve auf 60m vom Versuchsgraben. Die gesammte Anlage Hr. H. Knoevenagel bemerkt, dass die Luftverdichtung im wurde auf einen Tagesbedarf von 35 000)cbm entworfen, jedoch abfallenden Aste der Flugbahn sowohl wie im aufsteigenden unter- namentlich bezüglich der Maschinenkraft nur für 15000cbm halb des Geschosses stattfinde, da das Geschoss durch den Luft
als äusserste Leistung ausgeführt, was bei 140000 Einwohnern widerstand gezwungen werde, sich mit der Längsachse der Flugbahn
einen Tagesverbrauche von 1071 für den Kopf entspricht. anzupassen; die ablenkende Kraft wirke daher während der ganzen Länge der Flugbahn.
In den trockenen Jahren 1882 und 1883 stieg nun der Hr. Sonnemann erwähnt, dass schon in einem englischen
Tagesbedarf thatsächlich auf 14000cbm, und es entstand durch Buche die Ablenkung des Geschosses auf die Deformation des Laufes
die Trockenheit und den starken Bedarf eine Spiegelsenkung, zurückgeführt sei.
welche erhebliche Trübung des Wassers zur Folge hatte und
deutscher Ingenieure
andere Art von Wassergewinnung vorziehen sollte. Das Sammelrohr konnte bis zur Leine nur noch etwa 400m verlängert werden, wobei aber schwierige Grunderwerbsverbältnisse zu überwinden waren. Bei Untersuchung anderer Bodenfächen ergab sich zunächst auf dem rechten Ihmeufer in der städtischen Ohe nach den chemischen Untersuchungen schlechtes Wasser. Dagegen lagen über die Ergiebigkeit der Bodenfläche zwischen der Ihme, der Altenbekener Bahn und dem Ricklinger Wege (Stamme) günstige alte Versuchsergebnisse vor. Der 0,9m weite Brunnen, welcher damals in 24 Stunden 1380cbm vorzüglichen Wassers ergeben hatte, ist noch vorhanden und leistete auch bei neuen Versuchen wieder genau dasselbe. Weiter kam die der Stadt gehörige Walmwiese, zwischen der Leine und dem Wehre im Schnellen Graben, in Frage, sowie ein Streifen am linken Ufer des Schnellen Grabens zwischen diesem und der Altenbekener Bahn (v. Alten). Wie die Skizze zeigt, liegt letzterer ganz, erstere zum Teil, unterhalb des alten Sammelrohres, woraus die Befürchtung entstand, das Wasser der Kieslager möchte vor diesen Flächen durch das Rohr abgefangen werden. Diese Befürchtung ist aber unbegründet, da das Rohr sehr hoch (bis 2,5m) über der undurchlässigen Thonsohle liegt, so dass beträchtliche Grundwasserströme sich unter ihm hinziehen werden, welche der alten Anlage gar kein Wasser zuführen und in den unterliegenden Uferwiesen abgefangen werden können. Der Walmwiese wird ausserdem der durch das Wehr erzeugte Parallelstrom des Grundwassers dicht am Leinebette durch die Lücke zwischen diesem und dem Ende des Sammelrobres zugeführt. So gab ein Versuchsbrunnen auf der Walmwiese täglich 1300cbm brauchbaren Wassers, und auf der v. Alten’schen Wiese wurde vom 7. August bis 17. October 1884 ein Brunnen mit 2,2m bleibender Spiegelsenkung betrieben, welcher zunächst 3000cbm, später ziemlich gleich mässig 1600 bis 1700cbm ergab und nur dann auf 1200cbm sank, wenn der Wasserstand der Ihme sehr niedrig war. Dabei wurde mittels gleichmässig nach allen Richtungen hin verteilter Beobachtungsröhren gefunden, dass der Entwickelungskreis der Absenkungscurve einen Halbmesser von 60m hatte.
Nach diesen Versuchen wurde beschlossen, auf den drei Grundstücken (nach Erwerbung der zwei nicht der Stadt gehörigen) Brunnen zu errichten, zu welchem Beschlusse noch die folgenden Erwägungen beitrugen. Das Sammelrohr ist imstande, die Grundwasserströme dann ziemlich vollständig abzufangen, wenn die undurchlässige Sohle nahezu wagerecht
und so liegt, dass man sich ihr mit der Rohrführung genau anschliessen kann; sie darf daher vor allen Dingen keine wesentlichen Erhebungen und Vertiefungen enthalten. Diese Gestaltung liegt nun hier nicht vor; vielmehr kommen scharfe Einsenkungen und vereinzelte besonders starke Ströme vor; namentlich zieht sich ein solcher durch eine tiefe Mulde des Stamme’schen Grundstückes winkelrecht zur Ihme. Solchen unregelmässigen Verhältnissen kann. man sich nun mittels Brunnen genau anschliessen, während ein Rohr bald in den Thon eingeschnitten werden, bald eine Kiesmulde überbrücken würde: Rohrstrecken im Thone sind aber nutzlos, und solche hoch über dem Thone lassen das Wasser unter sich durchAiessen. Bestetigt wurde die Richtigkeit der Wahl von Brunnen auch auf einer Reise des Vortragenden zur Besichtigung ähnlicher Anlagen in Kiel, Bernburg und Dresden; an letzterem Orte stellte namentlich Hr. Banrat Salbach wertvolle Erfahrungen zur Verfügung.
Bei Ausarbeitung des Entwurfes wurden dann gusseiserne Brunnen von 3m Dmr., aus 5 je 1,2m hohen Ringen zusammengesetzt, angenommen, in welchen die 3 unteren Ringe Wandschlitze haben; die Zuströmungsflächen sind so bemessen, dass die Geschwindigkeit des zuströmenden Wassers 2,5mm in der Sekunde nicht überschreitet, damit auch feine Sand- und Kiesteile nicht mitgerissen werden. Gusseisen wurde dem Steine vorgezogen, weil es schnelleres Absenken ermöglicht und nicht teurer wurde als jener. Der unterste Ring trägt eine hakenförmig stark nach aussen ausladende Schneide, welche die Reibung bei Absenken zu vermindern hat. Der oberste Ring trägt auf Consolen dann eine steinerne Brunnenaufmauerung, welche (mit Erde umschüttet) so hoch emporreicht, dass die gewöhnlichen Hochwasserstände keine Ueberflutung bewirken. Bei den höchsten Hochwassern werden die Brunnen daher zeitweise unbenutzbar sein; aber dann ist das Sammelrohr auch am leistungsfähigsten. Jeder Brunnen bekommt ein Saugrohr mit Schieber und einen Boden für Ausbesserungsarbeiten über dem gewöhnlichen Wasserstande. Solcher Brunnen sind im ganzen 9 vorgesehen, welche sich auf den gesammten Flächen so verteilen liessen, dass einerseits die günstigen Stellen des Erdbodens ausgenutzt wurden, anderseits die Absenkungskreise der einzelnen Brunnen nicht in einander schneiden. Die 9 Brunnen sind in 2 getrennten Gruppen von 6, bezw. 3 Brunnen vereinigt. Sämmtliche Brunnen einer Gruppe sind an ein Heberrohr angeschlossen. Beide Heberrohre führen selbständig zu einem neuen Sammelbrunnen an der Pumpstation. Bei Berechnung der Rohrweiten ist eine grösste Leistung von 1500cbm für 1 Brunnen in 24 Stunden bei 2,2m Absenkung des Wasserspiegels angenommen. Jeder Brunnen kann durch den Schieber seines Saugrobres aus seiner Gruppe einzeln ausgeschaltet werden.
Bei 37cm Geschwindigkeit des Wassers in den Heberrohren entsteht ein Druckhöhenverlust' von 34cm für die grosse und von 32cm für die kleine Gruppe. Die zulässige Absenkung des Spiegels in dem vom alten Sammelrohre versorgten alten Sammelbrunnen der Pumpstation beträgt nur 2,2m; er konnte somit für die Heberrohre der neuen Quellbrunnen nicht mehr benutzt werden. Für diese wurde vielmehr ein neuer, -4,5ın weiter Brunnen aus mit Rippen verstärkten Gussringen entworfen, welcher jedoch nicht blos mit den Quellbrunnen, sondern auch mit dem alten Sammelbrunnen durch einen Heber verbunden ist. Um das Heberrohr in Betrieb zu setzen, wird man es mit einem Dampfluftsauger versehen, welcher dasselbe mit Wasser füllt und etwa angesammelte Luft entfernt; ausserdem wird das Heberrohr noch mit dem zum Hochbehälter führenden Druckrohre verbunden, um auch ron hier aus gefüllt werden zu können. Ein Abreissen der Heber wird durch Rückschlagventile in allen Quellbrunnen verhütet.
Setzt man nach den gemachten Erfahrungen die Leistungsfähigkeit des alten Sammelrohres mit 12000cbm an, so wird demnächst nun die Gesammtleistung 9 · 1500 + 12000 = 25500cbn in den Gewinnungsstellen sein, also der der ersten Berechnung zu Grunde gelegten Ausdehnung des ganzen Werkes entsprechen. Es ist indessen auf 1500cbm aus je 1 Brunnen dauernd nicht gerechnet, vielmehr die Wassermenge nur als eine im günstigsten Falle höchstens zu erreichende angesehen. Werden nun 1000cbın angenommen, so stellt sich die Gesammtgewinnung auf 9 · 1000 + 12000 21000cbm, welche Menge