Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/46

Ohne Beheizung ist nördlich der Alpen ein Gebäude als Wohnbau im Winter schlicht nicht nutzbar. Die Heizung ist deshalb ein entscheidender Aspekt dauerhaft bewohnter Behausungen. Nur Sommerresidenzen und Jagdschlösser waren oft ohne Heizmöglichkeit.
Auf Burgen waren neben den zum Kochen dienenden offenen Herdstellen in bewohnten Raumen offene Kamine mit Rauchhut (Cheminées) allgemein üblich. Diese Heizanlagen waren allerdings nicht sehr effizient, da der grösste Teil der erwärmten Luft durch den Kamin abzog und nur die unmittelbare Umgebung erwärmt wurde. Grosse Räume hatten zwar aufwändige und repräsentative Kamine, konnten aber kaum ausreichend beheizt werden.
Eine wichtige Neuerung des hohen Mittelalters war ab dem 11. Jh. der wesentlich komfortablere Kachelofen. Beheizt wurde die aus Lehm und speziellen, dem Wärmeaustausch dienenden Kacheln aufgebaute Ofenkuppel von einem Nebenraum aus. Damit blieb der erwärmte Raum, Stube genannt, frei von Rauch, Russ und Asche. Dies und die gleichmässige Erwärmung des Raumes trugen sie erheblich zum Wohnkomfort bei.
Seit der Mitte des 14. Jh. wurden die Ofenkacheln mit plastischem Relief dekoriert und mit gelber oder grüner Bleiglasur versehen. Der Kachelofen wurde zum Prunkstück der Stube.
Eine in Norddeutschland und im Klosterbau weit verbreitete, weiter südlich aber seltene Form der Beheizung war die Fussboden-Heizung. Auch sie beheizte indirekt: Von einem unter dem zu erwärmenden Raum gelegenen Heizraum aus wurde erhitzte Luft durch Heizkanäle unter dem Fussboden geleitet, von wo aus die erwärmte Luft durch verschliessbare Deckelöffnungen in den Raum strömte.