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Tony Fosu und Joyce Owusu-Dabo aus Ghana gehören zu den Privilegierten mit guter Ausbildung. Das motivierte sie, sich für ihre Landsleute einzusetzen. Sie fördern nun Frauen sowie junge Berufsleute und ermöglichen damit den Ausstieg aus der Armut.
«Wir waren nicht reich, aber meistens bekam ich zweimal am Tag zu essen», erzählt Tony Fosu aus Ghana. «Damit war ich glücklich, und meine Familie gehörte nicht zu den ganz Armen.» Das Abendessens sei jeweils reichlich ausgefallen, die Reste wurden am nächsten Morgen verzehrt. «Viele meiner Freunde mussten mit einer Mahlzeit pro Tag auskommen», berichtet der 51-Jährige. Sein Vater brauchte mehrere Jobs, um die Familie zu ernähren. Die Mutter hatte beobachtet, dass Leute mit guter Ausbildung nicht länger arm blieben. Sie verkaufte deshalb Kohlen, um ihren sieben Kindern die Schule zu ermöglichen. Bei Tony führte das bis zum Uni-Abschluss in Agrarökonomie.
Danach begann er, für Sinapi Aba (dt. Senfkorn) zu arbeiten, der Partnerorganisation von Opportunity International Schweiz. Das Hilfswerk ermöglicht jungen Menschen eine Ausbildung und versorgt Frauen mit Mikrokrediten. Dieses Vorgehen begeistert den Geschäftsführer und Jugendpastor Toni. «In Ghana muss ein Lehrling für seine Ausbildung bezahlen – das können sich nicht viele leisten», erklärt er. Von Schweizern übernommene Patenschaften ermöglichten jungen Frauen und Männern, einen handwerklichen Beruf zu lernen und damit ihr Leben zu finanzieren. Meist unterstützen sie damit noch zahlreiche weitere Personen, wie zum Beispiel jüngere Geschwister oder die alleinerziehende Mutter. «Wenn ich in die strahlenden Gesichter der Lehrlinge schaue, weiss ich, dass sich mein Einsatz lohnt», bestätigt der neunfache Vater. Seit 21 Jahren ist er mit der Apothekerin Uriel verheiratet, sie haben zusammen vier Kinder, fünf weitere sind adoptiert. Seine älteste Tochter, 20, studiert Medizin. Auch sie möchte mithelfen, die Not im eigenen Land zu lindern.
Die dreifache Mutter Joyce Owusu-Dabu, 51, steht von Herzen hinter der Vision von Sinapi Aba: «Mit Gottes Hilfe in die Würde kommen, für sich selbst und seine Familie sorgen zu können.» Sie zitiert: «Wenn du einen Fisch verschenkst, ist jemand einen Tag lang satt. Lehrst du ihn zu fischen, kann er sich sein Leben lang selbst ernähren.» Joyce hat einen Master in Businessadministration absolviert und vermittelt als Projektleiterin Mikrokredite an Frauen, die damit ein kleines Geschäft eröffnen können. «Die grossen Banken interessieren sich nicht für die kleinen Leute», weiss sie. Hier springen die Spar- und Leihkassen von Sinapi Aba ein.
Die Erfahrung habe gezeigt, dass Männer Geld gerne für sich selbst ausgeben, Frauen es in der Regel für ihre Familie einsetzen. Sei es als Schulgeld oder für Arztrechnungen. Daher sind es ausschliesslich Frauengruppen, die gemeinsam die kleinen Darlehen von Sinapi Aba verwalten, zurückzahlen und sich bei Bedarf etwas grössere Beträge ausleihen, um wieder zu investieren. «Später werden ihre Kinder zu ihren Mitarbeitenden oder diese machen sich ebenfalls selbständig», führt Joyce aus.
Die Jugendlichen würden während der Lehre auch darin unterrichtet, was zum Unternehmertum gehört. «Gut die Hälfte von ihnen findet nach dem Abschluss eine Stelle – wir helfen ihnen dabei, wenn es nötig ist. Die andere Hälfte macht sich gleich selbständig. Wir begleiten dann die Start-ups so lange wie nötig.» Joyce und Toni bestätigen den Teilnehmenden am CGS-Apéro: «Euer Geld bewirkt viel in Ghana!»
Joyce und Tony wurden von Opportunity zu einer kleinen Schweiz-Tournee eingeladen. Dieser direkte Kontakt werde von Spendenden sehr geschätzt, erklärt Geschäftsführer Tom Gerber am CGS-Anlass in den Räumen von Libs, dem Ausbildungszentrum für elektronische Berufe in Zürich. «Wenn eine Ghanaerin ein eigenes Geschäft betreibt, verleiht ihr das Würde.» Viele von ihnen besuchten dann aus Dankbarkeit die Kirche und seien stolz, durch ihre Kollekte nun selbst zum Gemeinwohl beitragen zu können.
«In Ghana ist es günstiger, auf dem Markt ein Stück Stoff zu kaufen und sich ein Kleidungsstück nähen zu lassen, als importierte Ware zu erstehen», hält er fest. So werde das einheimische Gewerbe unterstützt. «Weil den Leuten der Zugang zu Wasser und die nötigen Pflegemittel für ihre Haare fehlen, gehen sie häufig zur Coiffeuse. Das kostet sie nicht viel, und gerade die Frauen schätzen das Zusammensein und plaudern fröhlich miteinander.»
Opportunity sei keine Missionsgesellschaft, sondern ein Hilfswerk für alle, stellt Gerber klar. Doch wenn er nach seiner Motivation gefragt werde, weise er gern auf die Aufforderung Jesu hin, sich um Arme und Schwache zu kümmern. Auch Joyce bestätigt: «Wir lieben die Leute und erzählen ihnen von Jesus.» Sie möchte nicht mehr in die Industrie zurück, wo sie zwei Jahre gearbeitet hat. Ihr Mann habe ihr Engagement für ihre Landsleute immer unterstützt, zu den Kindern geschaut oder sie in der Verwandtschaft untergebracht, wenn er nicht selbst für sie da sein konnte. «In Afrika sind die Familien gross», lacht sie. «Da findet man immer jemanden.» Dank Spenden aus der Schweiz kann sie das tun, was ihr am Herzen liegt: junge Menschen und Frauen fördern. Dafür ist sie sehr dankbar.