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Vor ca. einem Monat wurde bei einem Besuch beim Haustierarzt zur Entfernung von vermattetem Fell entdeckt, dass die Katze an den Pfoten und Ohren eine Krustenbildung aufwies. Da ein Pilzbefall vermutet wurde, wurden die betreffenden Stellen mit Iod behandelt und ein Antibiotikum verschrieben. In der Folge verstärkte sich die Krustenbildung, und auch ein Wechsel des Antibiotikums brachte keine Besserung. Das Tier zeigte zunehmend auch eine Lethargie, ein struppiges Fell und verminderte Fresslust. Zu diesem Zeitpunkt wird uns die Katze zur Zweitbeurteilung vorgestellt.
Die Katze erscheint struppig und hat offensichtlich Gewicht verloren. Mehrere Lymphknoten sind vergrössert. Die Haut des ganzen Rumpfes zeigt eine vermehrte, grobe Schuppung. Das rechte Ohr ist innen und aussen mit borkigen Krusten bedeckt; auch der Nasenspiegel und die Ränder der Zehen- und Pfotenballen sind borkig verkrustet. In den Krallenfalzen hat sich eine grosse Menge gelblich-weissliches, bröckliges Material angesammelt, und die Pfoten sind deutlich schmerzhaft. Die Körpertemperatur ist 40.2 °C (Normalwert: 38-39 °C).
Die Veränderungen erscheinen verdächtig für einen sogenannten Pemphigus Foliaceus, eine Hauterkrankung, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Um den Verdacht zu erhärten und um ähnlich erscheinende Erkrankungen auszuschliessen, werden weitere Untersuchungen angestellt.
Mittels eines Hautgeschabsels und eines Klebestreifenpräparats werden verschiedene, in und auf der Haut lebende Milben ausgeschlossen. Eine Pilzkultur wird angelegt, welche aber negativ ausfällt. Vom bröckeligen Sekret in den Krallenfalzen wird eine Probe zur bakteriologischen Kultur untersucht, in welcher eine geringe Menge eines (auch auf normaler Haut vorkommenden) Umweltkeimes festgestellt werden. Von den Pfoten werden zudem Hautbiopsien entnommen, welche einem externen Labor zur Gewebsuntersuchung zugeschickt werden und die Verdachtsdiagnose eines Pemphigus Foliaceus bestätigen.
Unter Narkose werden anlässlich der Biopsieentnahmen die Pfoten ausgeschoren und von Krusten und Totgewebe entfernt, in einem Antiseptikum gebadet und mit einer Wundsalbe versehen. Um den bakteriellen Sekundärinfekt zu bekämpfen, wird ein Antibiotikum eingesetzt, welches aufgrund des angefertigten Antibiogramms des beteiligten Bakteriums als wirksam eingeschätzt wird.
Um den Körper davon abzuhalten, eigenes Gewebe anzugreifen und dadurch die Krankheit auszulösen, wird Kortison in hohen Dosen verschrieben, wodurch das Immunsystem lahmgelegt wird.
Schon eine Woche nach Beginn der Therapie geht es Mikesch sehr viel besser und die meisten Wunden sind abgeheilt. Von den Pfoten- und Zehenballen lösen sich nun die abgestossenen Hornhautschichten, währenddem darunter neue Haut gebildet wird.
In den nächsten Wochen wird das Cortison ausgehend vom Zustand der Haut schrittweise reduziert. Möglicherweise wird Mikesch aber für den Rest seines Lebens kontinuierlich oder in gewissen Abständen dieses immunsuppressive Medikament benötigen, um weitere Ausbrüche seiner Krankheit zu unterdrücken.
Pemphigus Foliaceus ist eine seltene, sogenannte Autoimmunerkrankung. Bei dieser Gruppe von Krankheiten beginnt das Immunsystem des Körpers, körpereigene Strukturen zu bekämpfen. Manchmal ist ein Auslöser dieses Fehlverhaltens nachweisbar (z.B. eine Impfung, oder Aufnahme einer Fremdsubstanz, welche eine Fehlleistung des Immunsystems auslöst), meistens ist ein Auslöser aber nicht nachweisbar. Eine genetisch festgelegte Anfälligkeit für solche Erkrankungen scheint aber wahrscheinlich. Beispiele für Autoimmunerkrankungen beim Menschen sind Multiple Sklerose (MS), Crohn'sche Krankheit, Morbus Bechterev und rheumatoide Arthritis.
Autoimmunerkrankungen beim Tier sind recht selten. Am häufigsten anzutreffen sind Erkrankungen mit Involvierung der roten Blutkörperchen (autoimmun-hämolytische Anämie) und der Blutplättchen (autoimmune Thrombocytopenie). Auch Hautkrankheiten mit autoimmunem Hintergrund sind sehr selten anzutreffen; am Häufigsten der Pemphigus Foliaceus (P.F.).
Bei dieser Hauterkrankung wendet sich das Immunsystem gegen die Hautstrukturen, welche die verschiedenen Hautschichten wie Haftknöpfe aneinanderheften. Werden diese Haftknöpfe vom Immunsystem zerstört, lösen sich die entsprechenden Hautschichten von der Unterlage, und es bilden sich Bläschen. Diese platzen leicht und hinterlassen Krusten, Borken und Schorf, welche sich danach bakteriell infizieren.
Therapeutisch bleibt nichts anderes übrig, als das Immunsystem mit massivem Medikamenteneinsatz lahmzulegen. In Frage kommt (das von Katzen recht gut tolerierte) Cortison sowie andere, von Katzen häufig schlecht vertragene, Immunsuppressiva.
Mikesch hat auf die begonnene Behandlung sehr gut reagiert. Im weiteren Verlauf wird versucht, die Cortisondosis auf ein Minimum zu reduzieren oder ganz abzusetzen. Obwohl bei vielen Katzen ein lebenslanger kontinuierlicher oder phasenweiser Einsatz notwendig ist, ist die Prognose der Krankheit einigermassen günstig.