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Avenir-Suisse hat unter dem Titel „Exzellenz statt Regionalpolitik im Hochschulraum Schweiz“ eine Studie mit einem 10-Punkte-Programm für wettbewerbsfähige Hochschulen veröffentlicht. Der Grundgedanke hinter der Studie ist, dass die Schweiz im internationalen Wirtschaftswettbewerb nur bestehen kann, wenn sie über exzellente Hochschulen und über exzellente Forschungsstätten verfügt. Dazu braucht es aber in der Schweiz eine stärkere wettbewerbsorientierte Hochschulpolitik – so Avenir-Suisse. Diese soll die heutige Hochschulpolitik ablösen, welche zu häufig durch die Brille der kantonalen Standortpolitik betrieben wird. (S.87/31). Aus Sicht von Travail.Suisse führen aber die Vorschläge nicht zu mehr Exzellenz, sondern zu mehr Administration und zu einer Bildung ohne Bodenhaftung.
Das Wort „Wettbewerb“ ist der prägende Begriff der Avenir-Suisse-Studie. Einmal wird das Wort „Wettbewerb“ dazu gebraucht, um die aktuelle Wirtschaftssituation zu beschreiben: Die Schweiz steht vor enormen Herausforderungen angesichts des globalen Wirtschaftswettbewerbs. Das Wort „Wettbewerb“ steht aber auch für die Lösung des Problems. Dank einem verstärkten Wettbewerb unter den Schweizer Hochschulen soll die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz gestärkt werden. Stimmen diese Behauptungen? Dass die Schweiz in einem herausfordernden globalen Wirtschaftswettbewerb steckt, wird wohl niemand bestreiten. Aber hilft der Begriff „Wettbewerb“ auch, um die Hochschulen zu stärken. Travail.Suisse ist von den Lösungsansätzen von Avenir-Suisse nicht überzeugt:
1. Die Hochschulen der Schweiz werden mit Ausnahme der Eidgenössisch Technischen Hochschulen (ETHZ, EPFL) hauptsächlich von den Kantonen finanziert. Möchte man also zur Erhöhung des Wettbewerbs unter den Hochschulen die Verteilung der vorhandenen Gelder anhand von Qualitätskriterien vornehmen, um Exzellenz zu fördern, so stehen dazu nur die Bundesgelder zur Verfügung. Mit diesen baut man aber nur schwerlich ein wirkliches Anreizsystem auf! Warum? Da die Bundesgelder nur einen kleineren Teil der Hochschulfinanzierung ausmachen, ist ihre Wirkung von Anfang an begrenzt. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Verteilung der Bundesgelder nach Qualitätskriterien grosse administrative Abklärungen braucht, die dem System Geld entziehen, so merkt man, dass die Idee von Avenir-Suisse zuerst nicht dazu führt, dass die Qualität, sondern dass die Administration erhöht wird. Das wichtigste Argument gegen die Idee Avenir-Suisse ist aber das folgende: Jede Hochschule verfügt über verschiedenste Studiengänge. Es ist vorauszusehen, dass sie aufgrund der Qualitätskriterien für die einen Studiengänge mehr, für die anderen Studiengänge weniger als heute erhalten wird. Es ist daher wahrscheinlich, dass jede Hochschule über alle Studiengänge hinweg etwa gleich viel erhält oder der Unterschied sich im kleinen einstelligen Prozentbereich bewegt. Viel Aufwand mit wenig Wirkung! Und dabei ist das Problem noch nicht gelöst, wie Qualität wirklich sinnvoll gemessen werden kann, und zwar so, dass die Qualitätskriterien nicht falsche Anreize setzen.
2. Eine Stärke der Schweiz besteht darin, dass sie sowohl über eine starke Berufsbildung wie auch eine starke Hochschulbildung verfügt. Vor allem die Berufsbildung ist ein sehr effizientes System, indem die berufliche Grundbildung zum grossen Teil über die Wirtschaft und die Leistungen der Lernenden finanziert wird und indem die Höhere Berufsbildung als Teil des Tertiärbereichs die Hochschulen entlastet, da dieser Teil des Tertiärbereichs keinen Forschungsauftrag beinhaltet. In anderen Ländern mit fehlender starker Berufsbildung müssen die Hochschulen oft auch Funktionen der Berufsbildung übernehmen und sind daher vielfach Massenuniversitäten. Die Schweizer Hochschulen haben hier einen Vorteil. Sie können sich wirklich als Hochschulen verstehen und sind im Vergleich mit anderen Hochschulen klein. Der Begriff der „Exzellenz“, den Avenir-Suisse so gerne braucht, ist vor allem in Ländern wichtig, in denen sich die Hochschulen angesichts der Massen fragen müssen, wie sie noch wirklich Hochschule sein können, um sich von einer Massenuniversität abzuheben. Diese Frage stellt sich in der Schweiz nicht in der gleichen Weise. Nicht alle drängen an die Hochschule. Die Formel von Avenir-Suisse „Exzellenz statt Regionalpolitik im Hochschulraum Schweiz“ macht uns aber glauben, regionalpolitische Überlegungen würden wie die Massenhochschulen die Hochschulen schwächen. Ist dem so? Avenir-Suisse unterschätzt meiner Meinung nach die Wichtigkeit der regionalen Verankerung der Hochschulen. Es gibt nicht nur die internationalen, sondern auch die regionalen Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, sei dies durch die Bildung von hochqualifizierten Personen für diese regionalen Aufgaben, sei dies durch die auf die Herausforderung der Region bezogene Forschung, sei dies durch die wissenschaftliche Unterstützung der in der Region tätigen Unternehmen, die oft in internationalen Wettbewerbssituationen stehen. Unterschätzen wir also bitte die Wichtigkeit der regionalen Verankerung der Hochschulen nicht. Sie helfen mit, dass die Hochschulen nicht die Bodenhaftung verlieren.
Aus Sicht von Travail.Suisse ist es wichtiger, dass zur Erreichung und zum Erhalt der Exzellenz der Hochschulen in der kleinen/kleinräumigen Schweiz nicht der Wettbewerb unter den Hochschulen, sondern ihre Zusammenarbeit und Kooperation gefördert wird. Nur so bleiben sie im internationalen Kontext wettbewerbsfähig.