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Ist das Gras beim Nachbarn grüner? Hat es weniger braune Flecken, weniger Unkraut? Wächst es regelmässiger? Falls das wirklich so ist, hat der Nachbar einfach den Rasen erwischt, der besser zu ihm – und vor allem zu seinem Zeitbudget – passt.
Kleine Rasengeschichte
Der Rasen, wie wir ihn heute kennen, wurde natürlich nicht erfunden. Wohl aber der Rasenmäher, der ihn erst ermöglicht: 1830 liess der Brite Edwin Budding den ersten Rasenmäher patentieren.
Doch bereits Ende des 13. Jahrhunderts tauchte in der Literatur erstmals der Begriff «Rasen» auf: im Werk «De vegetabilibus» von Albertus Magnus, Naturwissenschaftler und Bischof von Regensburg. Er gab eine genaue Anleitung zur Anlage eines Rasens: «Alsdann muss mit Rasenstücken eines feinen Grases der ganze Platz belegt werden …»
Der Rasen ist eine Art Gegenbewegung zu den üppigen und zum Teil grössenwahnsinnigen europäischen Renaissance-Gärten: Ab dem 17. Jahrhundert entstanden in England die ersten Landschaftsgärten. Teil dieser Gärten waren oft grössere Flächen für Ballspiele (Pleasure Grounds), die aus Rasen bestanden. Ab dem 18. Jahrhundert verwendete man spezielles Saatgut für Rasen, anfänglich vor allem Englisches Raygras, eine relativ strapazierfähige Sorte, und Kleearten.
«Nichts ist wohltuender für das Auge als grünes, kurzgeschorenes Gras», soll der britische Jurist, Philosoph und Staatsmann Francis Bacon 1625 gesagt haben.
Die richtige Rasenpflege
Egal, ob der Rasen angesät oder ausgerollt ist: Kaum ist er da, will er Pflege. So vermeiden Sie kahle Stellen, Unkraut und Moos:
- So braucht der Rasen zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst, Dünger – auch wenn die Werbung für Rasenroboter verspricht, dass die liegengebliebenen Grasschnipsel den Rasen düngen.
- Ausserdem ist es wichtig, den Rasen im Frühling und im Herbst zu vertikutieren.
- Im Sommer, besonders bei grosser Hitze, ist ausreichend Wasser nötig, um den Rasen saftig grün zu halten. Dabei gilt: Lieber einmal sehr stark wässern als immer ein wenig. Wurzeln sind «faul» – wässert man den Rasen zu häufig, wachsen sie nicht in die Tiefe. Gibt es dann einmal ein paar Tage kein Wasser, verdorrt der Rasen.
Tipp: Das Wasser sollte pro Bewässerung mindestens zehn Zentimeter in den Boden eindringen, damit die Wurzeln auch unterhalb der Oberfläche noch Wasser und damit Anreiz finden, in die Tiefe zu wachsen. Das macht sie widerstandsfähiger.
Die gemütliche Variante: angesäter Rasen
Um das Säen selbst in die Hand zu nehmen, ist es wichtig, dass Sie Ihren Boden kennen. Ist er eher feucht oder trocken? Ist er lehmig oder sandig? Liegt die Rasenfläche im Schatten oder in der Sonne? Dies sind die grundlegenden Fragen, die Sie sich vor der Aussaat stellen sollten, weil sie über die Sorte der Rasensamen und damit das Gedeihen des Grases entscheiden.
Zusätzlich gilt es zu überlegen, wie strapazierfähig der Rasen sein soll. Wollen Sie ihn eher von Weitem betrachten, dann reicht der einfache Hausrasen. Sollen hingegen Kinder darauf Fussball spielen können, dann greifen Sie besser zum strapazierfähigen Sportrasen.
Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie viel Zeit und Pflege Sie investieren wollen – so macht es bereits einen Unterschied, ob Sie vorhaben, den Rasen zu mähen oder einen Rasenroboter anzuschaffen. Im Gegensatz zum Rasenmäher lässt der Rasenroboter Abschnitte liegen. Diese verrotten und düngen den Rasen zwar, können aber auch Moosbildung verursachen.
Tipp: Wenn Sie sich für Ihren Wunschrasen entschieden haben, lassen Sie am besten den Profi ran, der die Saat mit einem sogenannten Rasenigel einarbeitet. So bleibt die Saat an Ort und Stelle und eine gleichmässige Rasenfläche ist garantiert.
Vorteil: Sie können die Mischung der Aussaat genau Ihren Bedürfnissen anpassen.
Nachteile: Zwischen Aussaat und dem ersten Grün liegen ein paar Wochen. Dann dauert es noch einmal ein paar Wochen, bis Sie wirklich einen Rasen vor der Tür haben, auf dem Sie sich sonnen oder die Kinder tschutten können.
Wenn es schnell gehen soll: verlegter Rollrasen
Auch bei Rollrasen ist die Wahl der richtigen Sorte entscheidend. Von strapazierfähig bis einfach nur hübsch, von Schattenrasen bis Rasen für die pralle Sonne ist alles dabei. Zum Glück hilft beim Verlegen des Rollrasens meist der Profi – der hat sicher auch gleich Tipps, welcher Rasen sich für Ihren Garten eignet.
Vorteil: Je nach Grösse innert Stunden bis Tagen verlegt.
Nachteile: Kommt teurer als (selbst) gesäter Rasen. Und benötigt ab dem Moment, wo er liegt, genau gleich viel Pflege.
Schnell und bequem: geleaster Rollrasen
Ist das Zeitbudget eng, kann man einen Rasen leasen: Der Gärtner verlegt den Rollrasen, mäht, düngt und vertikutiert ihn. Nach vier bis acht Jahren wird ein neuer verlegt. Kosten für 200 Quadratmeter: rund 2000 Franken/Jahr.
Vorteil: Sie haben keine Arbeit mit dem Rasen.
Nachteil: Ein geleaster Rasen ist mit 2000 Franken pro Jahr recht teuer.
Blühende Wiese statt strengem Kurzrasen
Eine wilde Blütenpracht statt strengem Kurzschnitt: Für die naturnahe Optik sorgt eine Blumenwiese statt dem gestutzten Rasen. Ein zusätzlicher Vorteil: So tragen Sie gleich auch zur Artenvielfalt bei. Der romantische Wildwuchs bietet Lebensräume für Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und andere Insekten.
Um die Blütenpracht zu erhalten, lassen Sie das abgeschnittene Gras im Frühling einfach liegen – so sähen sich die Blumen quasi selbst aus. Im Herbst sollten Sie das abgeschnittene Gras jedoch nicht liegenlassen. Denn sobald es draufschneit, sorgt das trockene Gras für Hohlräume, wie sie sich Mäuse schöner nicht wünschen könnten.
Die schönste und vielfältigste aller Wiesen, die Magerwiese, auf der im Frühling roter Mohn neben knallblauen Kornblumen blüht, ist ausgerechnet diejenige, für den die Böden eines Hausgartens meist am ungeeignetsten sind. Denn die Magerwiese mag es, wie der Namen schon sagt, eher karg, also trocken und sandig. Wer keinen solchen Boden hat, muss den Profi zu Hilfe holen oder mindestens eine Drainage legen.
Eine Fettwiese hingegen hat einen höheren Stickstoffgehalt und ist somit auch für feuchtere Böden geeignet. Hier ist die Pflege jedoch aufwendiger, denn die Wiese braucht regelmässig Dünger. Auf der Fettwiese wachsen zum Beispiel Wiesenglockenblumen, Margeriten oder Schafgarbe.
Vorteile: Eine Wiese ist praktisch und pflegeleicht. Je nach Sorte benötigen sie weder Dünger noch ist es notwendig, sie zu mähen. Es genügt, sie ein- oder zweimal im Jahr mit der Sense oder dem Fadenmäher zu schneiden. Im Frühling kann man den Schnitt ruhig eine Weile liegenlassen, damit die abfallenden Samen für die nächste Blumengeneration sorgen.
Nachteile: Die Blumenwiese ist eher ein Anschauungsobjekt als ein Nutzobjekt. Als Kinderspielplatz ist sie somit ungeeignet, weil man sie so wenig wie möglich betreten sollte.
Fazit: Das passt zu Ihrem Zeitbudget
Wenn Sie sich einen schönen grünen Garten wünschen, spielt immer auch Ihr persönliches Zeitbudget eine wichtige Rolle. Für Liebhaber von grünen Wiesen ohne viel Aufwand sind der geleaste Garten oder die Blumenwiese die richtige Wahl. Dabei ist der recht teure geleaste Garten jedoch nichts für den kleinen Geldbeutel. Wer ein wenig mehr Zeit erübrigen kann, entscheidet sich eher für den klassischen grünen Rasen in Eigenpflege – ob Rollrasen oder gesäter Rasen macht nur zu Beginn einen Unterschied. Mit dem Mähroboter ist die Rasenpflege verhältnismässig schnell erledigt. Für Gartenliebhaber, die gerne viel Zeit mit der Pflege ihrer grünen Oase verbringen, ist der klassische Rasenmäher völlig ausreichend. Ein- bis zweimal in der Woche sollte dieser aber dann auch zum Einsatz kommen.
Haben wir Sie inspiriert, Ihren Rasen mal wieder aufzuhübschen? Dann finden Sie hier weitere Tipps rund um die Rasenpflege.