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Alte Wissenschaft für einen neuen Fortschritt?
Freitag, 17. Oktober 2008 | 10:30 Uhr
Freitag, 17. Oktober 2008 | 10:30 Uhr
Referent
Organisation
„Eigentlich ist es unglaublich, dass die Verantwortlichen nicht früher gehandelt haben. Alle haben gewusst, dass es nicht jährlich dreissig prozentige Zuwachsraten geben kann. Aber niemand wagte diese Entwicklung anzuzweifeln. Wir sind sehenden Auges in die Krise gerannt“ meinte Professor Ernst von Weizsäcker zur aktuellen Finanzkrise. Er rief in Erinnerung, dass es aber noch andere Probleme gebe, die dringend angepackt werden müssten wie den Klimawandel, die Überbevölkerung, neue Epidemien, die Bio- und Nanotechnologien (und deren Auswirkungen) sowie der Umgang mit neuen Grossmächten wie Indien und China. Besondere Sorge bereitet ihm der hemmungslose Umgang der Amerikaner mit fossilen Energien. „Die Regierung setzte in den 90-er Jahren bewusst die Benzinpreise tief an, was die Mobilität erheblich erhöhte. Daraufhin wurden riesige Landflächen weit ausserhalb der Städte bebaut. Die Folge: Die Bewohner hatten plötzlich doppelt so lange Arbeitswege. Dieser Effekt kreierte moderne Dinosaurier – die Offroader. Um die eigenen Ressourcen zu schonen wird in Südamerika aus Mais oder Soja Bioethanol hergestellt. Dadurch haben sich die Maispreise in Mexico verdoppelt. Verlierer sind einmal mehr die ärmsten Bevölkerungsschichten.“
Ernst von Weizsäcker, 1939 in Zürich geboren, machte 1958 sein Abitur am Max-Planck-Gymnasium in Göttingen und erlangte 1965 das Physikdiplom in Hamburg. 1969 promovierte er als Dr. rer. nat. in Biologie in Freiburg. Von 1969 bis 1972 war er wissenschaftlicher Referent in der evang. Studiengemeinschaft in Heidelberg. An der Universität Essen war er von 1972 bis 1975 ordentlicher Professor für Biologie und von 1975 bis 1980 Präsident der Universität/GHS Kassel.
Von 1980 bis 1984 war er als Direktor am UNO Zentrum für Wissenschaft und Technologie in New York tätig und von 1984 bis 1991 Direktor am Institut für europäische Umweltpolitik, Bonn, London, Paris. Von 1985 bis 1991 war er Vorstandsmitglied (1988-1991, Vorsitzender) der Vereinigung deutscher Wissenschaftler. Von 1991 bis ins Jahr 2000 präsidierte er das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie. Von 2002 bis 2004 war er Mitglied der Weltkommission für soziale Fragen der Globalisierung, Genf. Seit 1985 ist Ernst von Weizsäcker Mitglied im Kuratorium der Theodor-Heuss-Stiftung, Stuttgart und seit 1992 Mitglied des Club of Rome, seit 2003 ist er im Vorstand der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. und seit 2005 Mitglied der World Academy of Art and Science.
Bereits seit den 70-er Jahren engagierte sich Ernst von Weizsäcker aktiv in der Politik. Von 1998 bis 2005 war er Mitglied des Deutschen Bundestages, Wahlkreis 259, Stuttgart. Daneben war er von 1999 bis 2002 Vorsitzender der Enquete-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“ und von 2002 bis 2005 Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit des Deutschen Bundestages. Von Dezember 2004 – Oktober 2005 war der Sprecher der SPD-Arbeitsgruppe Nachhaltige Entwicklung im Deutschen Bundestag.
Seit Januar 2006 ist Ernst von Weizsäcker Dean der Bren School of Environmental Science and Management, University of California, Santa Barbara.
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