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Vom Gleichstrom mitgerissen?
Bei der transkraniellen Gleichstrom-Stimulation (tDCS) wird schwacher Strom über Elektroden abgegeben, die auf der Kopfhaut befestigt werden. Er soll die kortikale Aktivität und Erregbarkeit modulieren. Das Zielgebiet für die Therapie der Depression ist der dorsolaterale präfrontale Kortex, in dem die Stimmung reguliert wird.
In einer Doppelblindstudie haben Ärzte aus Brasilien den Effekt von tDCS und medikamentöser Therapie mit dem SSRI* Escitalopram bei Patienten mit Depression verglichen. Der Gleichstrom wurde mit einer Stärke von 2 mA in Sitzungen à 30 Minuten Dauer präfrontal appliziert. Am Anfang standen 15 Sitzungen an dreimal fünf konsekutiven Wochentagen. Daran schlossen sich sieben weitere Behandlungen, jeweils einmal in der Woche, an.
Viel besser als Placebo, mehr Nebenwirkungen als Arznei
Escitalopram erhielten die Patienten in den ersten drei Wochen in einer Dosis von 10 mg einmal täglich, danach wurde die Dosis verdoppelt. Von den insgesamt 245 Patienten mit unipolarer Depression bekamen 91 Escitalopram (plus Schein-Stimulation), 94 die Stimulation (plus Escitalopram-Placebo) und 60 Placebo (Schein-Stimulation und Escitalopram-Placebo).
Wie die beiden Therapien die Depression beeinflussen, wurde mit der 17 Punkte umfassende Hamilton-Depressionsskala (HAMD-17) ermittelt. Escitalopram bewirkte eine Abnahme des HAMD-Score um 11,3 Punkte, die Stimulation sorgte für eine Reduktion um 9 Punkte und Placebo um 5,8 Punkte. Damit verfehlte die Stimulation die vordefinierten Kriterien für eine Nichtunterlegenheit gegenüber der medikamentösen Therapie. Aber beide Behandlungsformen waren signifikant effektiver als ein Placebo.
In der Stimulationsgruppe traten allerdings mehr Nebenwirkungen auf als im Escitalopram-Kollektiv: Hautrötungen, Tinnitus und Nervosität plagten die Patienten in der Stimulationsgruppe. Ausserdem entwickelten zwei Patienten erstmals eine Manie. Müdigkeit und Obstipation zeigten sich als Hauptprobleme unter der SSRI-Behandlung.
Fazit: Alternativen zu Medikamenten in der Depressionstherapie erscheinen oft attraktiv. Aber wenn sie schlechter wirken und auch schlechter verträglich sind, verlässt man sich doch besser auf Antidepressiva.
Suboptimale Dosierung nicht ausgeschlossen
Aber vielleicht ist das letzte Wort zur tDCS noch nicht gesprochen. Das Studienergebnis könnte auch an einer suboptimalen Dosierung gelegen haben, schreibt Dr. Sarah H. Lisanby vom National Institute of Mental Heath, Bethesda, in ihrem Kommentar.
* selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
Brunoni AR et al. N Engl J Med 2017; 376: 2523–2533.