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Lohengrin
Autorentext von Ex Libris:
Wilhelm Richard Wagner wurde 1813 in Leipzig als neuntes Kind des Polizeiaktuarius Carl Friedrich Wagner und der Bäckerstochter Johanna Rosine Wagner geboren und starb 1883 in Venedig, im Palazzo Vendramin-Calergi. Er war war Komponist, Dramatiker, Philosoph, Dichter, Schriftsteller, Theaterregisseur und Dirigent. Mit seinen Musikdramen gilt er als einer der bedeutendsten Erneuerer der europäischen Musik im 19. Jahrhundert. Er veränderte die Ausdrucksfähigkeit romantischer Musik und die theoretischen und praktischen Grundlagen der Oper, indem er dramatische Handlungen als Gesamtkunstwerk gestaltete und dazu Text, Musik und Regieanweisungen schrieb. Als erster Komponist gründete er Festspiele in dem von ihm geplanten Bayreuther Festspielhaus. Seine Neuerungen in der Harmonik beeinflussten die Entwicklung der Musik bis in die Moderne. Mit seiner Schrift "Das Judenthum in der Musik" gehört er geistesgeschichtlich zu den Verfechtern des Antisemitismus.
Handlung:
Der deutsche König, Heinrich der Vogler, befindet sich im Fürstentum Brabant um eine Armee für den Kampf gegen Ungarn zu sammeln und um Gericht zu halten. Angeklagt ist Elsa, die von ihrem Pflegevater Friedrich von Telramund, der nach dem Tod ihres leiblichen Vaters, des Herzogs von Brabant, die Erziehung dessen Kinder übernommen hatte, dem Mord ihres Bruders Gottfrieds bezichtigt wird. Elsa ruft einen Ritter, der ihr im Traum begegnet ist, zu Hilfe, damit dieser sich mit Friedrich duellieren und so Gott über sie richten lassen solle. Falls der Ritter gewinnen würde, bietet sie sich ihm als Belohnung an. Das Erstaunen ist gross, als dieser Ritter tatsächlich in einem von einem Schwan gezogenen Boot erscheint und Friedrich im Duell besiegt, ihn aber nicht tötet. Somit ist klar, dass der Ritter Elsa heiraten wird. Er tut dies aber nur unter einer Bedingung: Elsa daf nicht fragen, wer und was er ist und woher er kommt. Als sie dies durch verschiedene Intrigen dazu bewegt dennoch tut, nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Meine Meinung:
In diesem Semester besuche ich an der Hochschule das Seminar "Wagners romantische Opern" und zu den Bedingungen eines Seminars gehört, dass man im Verlauf des Semester über eines der besprochenen Werke einen kurzen Vortrag hält. Ich habe mich für die Entstehungsgeschichte und das Libretto von Lohengrin entschieden und mit einer Mitstudentin zusammen die Handlung sowie einige Hintergrundinformationen vorgestellt. Spannend an dieser Oper - die Wagner später nicht mehr als Oper, sondern als Drama bezeichnen wird und die von Musikwissenschaftlern noch später in die Gattung Musikdrama eingeordnet werden wird - ist, dass sie ganz viele verschiedene Geschichten als Grundlage hat. Einige Begebenheiten aus dem christlichen Glauben, die Gralssage, griechische Mythen (zum Beispiel die Geschichte von Zeus und Semele), sowie dem damaligen Trend enstrechend ganz verschiedene Elemente aus dem Mittelalter und historische Eckpunkte werden von Wagner zu dieser Geschichte des Lohengrins vereint. Lohengrin taucht aber schon viel früher als der Sohn Parzifals in Texten von Wolfram von Eschenbach auf. Wagner macht schliesslich eine eigenständige Geschichte daraus, in der Lohengrin und das ihn umgebende Geheimnis im Zentrum stehen. Das Frageverbot, mit dem dieser Elsa belegt, macht aus Elsa eine unterworfene Frau, die nur zwei Möglichkeiten hat: Entweder, sie akzeptiert es, ihren Mann im wahrsten Sinne des Wortes blind zu lieben und nicht zu wissen, wer und was er ist, ihn somit nie ganz zu kennen, oder sie beharrt auf ihrem Recht als Ehefrau, ihren Mann zu kennen und opfert dafür ihre grosse Liebe, denn sie weiss nicht genau, was passieren wird, wenn sie Lohengrin befragt, aber sie weiss, dass sie ihn auf jeden Fall verlieren wird. Dass Elsa sich für zweiteres, also gegen ihre Liebe und für ihre Rechte als Frau entscheidet, lässt einige Stimmen laut werden, die Lohengrin als erste und einzige emanzipierte Wagneroper beschreiben.
Generell ranken sich wohl um keinen Komponisten und sein Werk so viele Geschichten, Diskussionen und Kritik. Trotzdem empfinde ich es als sinnvoll, sich mit Wagners Werk und seiner Lebensgeschichte und dem, was daraus gemacht wurde, auseinander zu setzen, bevor man urteilt.
Fazit:
Ein in schwülstiger Sprache geschriebenes aber interessantes Werk, welches sich als Libretto gut lesen und dank ausführlichem Nachwort verstehen lässt und welches als Musikdrama noch wesentlich überzeugender ist. Gerne empfehle ich euch, wenn ihr euch nicht gleich das ganze Werk anhören möchtet, das sehr kurze Vorspiel. Dieses wohlklingende Stück Musik wurde sogar von Wagner-Gegnern gemocht.
Zusätzliche Infos:
Autor: Richard Wagner
Reclam Taschenbuch: 115 Seiten
Verlag: Reclam
Sprache: Deutsch
ISBN 978-3-15-005637-0