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Orinoko-Krokodil
Crocodylus intermedius
© 1994 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)
Die Heimat des Orinoko-Krokodils (Crocodylus intermedius) ist das nördliche Südamerika: Wie sein Name sagt, kommt es im Einzugsgebiet des Orinoko-Flusses, in Venezuela und Kolumbien, vor und bewohnt dort vorzugsweise träge fliessende Flussarme sowie Sümpfe und Seen.
Das Orinoko-Krokodil gehört zu den grössten der insgesamt 22 Krokodilarten der Erde: Ältere Individuen können eine Gesamtlänge von bis zu sieben Metern erreichen. Tiere dieser Grössen- und Altersklasse gibt es allerdings in freier Wildbahn kaum mehr, da das grünäugige Krokodil in unserem Jahrhundert massiver Bejagung durch den Menschen ausgesetzt war. Die meisten Orinoko-Krokodile messen heute weniger als vier Meter.
Im Bereich des Orinokos und seiner Nebenflüsse ist das Orinoko-Krokodil das beherrschende Raubtier: Es überwältigt und verzehrt jedes Lebewesen, das es im Wasser oder am Ufer zu erwischen vermag. Selbst Jaguare, Anakondas und nicht zuletzt Menschen sollen ihm schon zum Opfer gefallen sein. In der Tat ist das Orinoko-Krokodil perfekt an seinen feuchten Lebensraum und sein räuberisches «Handwerk» angepasst: Oft treibt es während Stunden bewegungslos unter der Wasseroberfläche. Nur seine Augen, Ohren und Nasenöffnungen ragen aus dem Wasser heraus. So überwacht es gut getarnt das Fluss- oder Seeufer, bis es ein Beutetier erspäht. Sehr langsam und vorsichtig nähert es sich dann seinem Opfer und schnellt schliesslich - vorwärts getrieben durch wuchtige Schläge seines muskulösen Ruderschwanzes - unversehens aus dem Wasser heraus. Mit einem Biss seiner kräftigen Kiefer ergreift es das überraschte Tier, zerrt es ins Wasser und ertränkt es.
Wie alle Krokodile vermehrt sich das Orinoko-Krokodil durch weisse, hartschalige Eier von Gänseei-Grösse. Für die Eiablage gräbt das Weibchen an einem gut besonnten Ort in Gewässernähe ein Loch in den sandigen Boden. In die Eigrube legt es sodann 40 bis 70 Eier und deckt anschliessend das Gelege mit dem herausgescharrten Erdreich wieder fein säuberlich zu.
Ungefähr zwei Monate verstreichen zwischen der Eiablage und dem Schlüpfen der Jungen. Das Weibchen wacht die ganze Zeit über sein Gelege und beschützt es vor etwaigen Nestplünderern. Ausserdem bleibt es noch mehrere Wochen lang in der Nähe der Jungtiere, nachdem diese geschlüpft sind und im Dickicht der Ufervegetation Zuflucht gesucht haben. Es betreibt also aktive Brutpflege - eine in der Reptilienwelt nicht allzu häufige Sache.
Das Orinoko-Krokodil war früher bedeutend häufiger als heute. Man schätzt, dass einst allein in Kolumbien mehrere Hunderttausend der grossen Panzerechsen lebten und in Venezuela gar mehrere Millionen. Heute steht das Orinoko-Krokodil - bei einer Gesamtpopulation von höchstens noch 2000 Individuen - am Rand des Aussterbens. Verschiedene regionale Bestände sind vollständig ausgelöscht, die restlichen stark geschwächt.
Der Niedergang der Art erfolgte zur Hauptsache in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts, nachdem aus Krokodilleder gefertigte Handtaschen, Schuhe, Gürtel und andere Modeartikel in den wohlhabenden Ländern zu begehrten Luxusartikeln geworden waren. Die Jagd auf die Tiere entwickelte sich damals zu einem äusserst einträglichen Geschäft und führte dazu, dass die Tiere selbst in den entlegensten Winkeln ihres Lebensraums aufgestöbert und niedergeschossen wurden. Gleichzeitig trug die Verminderung der natürlichen Lebensräume durch die rasch anwachsende Bevölkerung Venezuelas und Kolumbiens und die damit verbundene Ausweitung der Siedlungs- und Anbauflächen zum Rückgang der Bestände bei.
Das Orinoko-Krokodil steht heute in seinen beiden Heimatländern unter gesetzlichem Schutz. Zwar hapert es noch mit dem Vollzug der Artenschutzgesetze. Da aber mittlerweile der internationale Handel mit Krokodilleder aufgrund des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) strikten Beschränkungen unterliegt, ist der Jagddruck auf die urtümlichen Reptilien doch stark zurückgegangen. Denn wo die Nachfrage nach einem Tierprodukt wegfällt, da fehlt unweigerlich auch der Anreiz für die illegale Verfolgung der betreffenden Tierart.
Es wird im übrigen versucht, den Fortbestand der beiden grössten Restbestände des Orinoko-Krokodils entlang der Flussarme Cojedes und Capanaparo in Venezuela zu sichern. 1988 wurde zu diesem Zweck ein neuer Nationalpark namens Santos Luzardo ausgewiesen, von dem auch verschiedene andere arg bedrängte südamerikanische Flussbewohner wie der Riesenotter und der Butudelphin profitieren.
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