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Kaisten-Dorfstrasse
Ein Neubau an der Dorfstrasse in Kaisten brachte Anfang Juni 2019 unerwartet römische Schichten und frühneuzeitliche Siedlungsstrukturen an den Tag. Die Kantonsarchäologie dokumentierte diese mit einem kleinen Team.
Die Bauparzelle befindet sich zwischen zwei bekannten Fundstellen: Zwischen dem alemannischen Gräberfeld bei der Eichmatt und den Ausläufern der mittelalterlichen Siedlung im Hofacher. Aufgrund dieser Lage begleitete die Kantonsarchäologie den Aushub und sensibilisierte die Bauleute, sich bei allfälligen Funden zu melden.
Alt aber beständig
Im nördlichen Bereich des Bauareals überraschten die etwa 80 Zentimeter hoch erhaltenen Mauerreste eines Steinkellers. Der 32 Quadratmeter grosse Keller beeindruckt durch ein solid gemörteltes und 90 Zentimeter mächtiges Bruchsteinmauerwerk. Die Qualität der Bauweise zeigte sich eindrücklich beim anschliessenden Abbruch, als die Kellermauern erst nach mehreren Baggeranläufen nachgaben. Der Kellerboden war zwei Mal aufwändig mit Kieselwacken gepflastert worden. Zur jüngeren Pflasterung gehört ein Entwässerungskanal, der in einer Ecke des Kellers nach draussen in einen eigens angelegten Kanal führte. Das ehemals zum Keller gehörende Gebäude ist spurlos verschwunden, es dürfte gegen Ende des 18. Jahrhundert aufgegeben worden sein.
Gesteuerte Wasserkraft
Ab dem ausgehenden Spätmittelalter bzw. beginnender Neuzeit wurde Wasser in einen im Keller verlaufenden Kanal geleitet und dort wahrscheinlich auch gestaut. Zwei minimal behauene, mit Zapfenlöchern und Aussparungen versehene Baumstämme, die an Ort und Stelle noch erhalten waren, könnten als tragende Konstruktion für einen Schieber gedient haben, der den Wasserdurchfluss steuerte. Es scheint, dass der Kanal schon während der Zeit seiner Nutzung auch zur Müllentsorgung gedient hat, dafür spricht jedenfalls die beachtliche Fundmenge in den unteren Schichten. In diesen Schichten herrscht bis heute ein feuchtes Milieu, das die Erhaltung von Hölzern, Holzobjekten und organischen Resten ermöglicht. Nach der Aufgabe wurde der Kanal mehrheitlich mit Hausmüll und Abbruchmaterial aus den umliegenden Gebäuden verfüllt. Darunter befand sich eine Schüssel, die mit samt organischem Inhalt in die Bachstaue geworfen worden war.