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Firma Friedrich Adolf Richter
Rudolstadt (Thüringen)
Ende des 19. Jahrhunderts
Kunststein, Holz
H. 4,3 cm, B. 26,1–32,7 cm,
T. 17,5–22,3 cm (Holzkisten)
1960 g und 3350 g (Gesamtgewicht)
Inv. 1969.88.a.–c.
Verkaufsschlager aus Thüringen
Eines der beliebtesten Spielzeuge in bürgerlichen Kinderzimmern des späten 19. Jahrhunderts war der Steinbaukasten. Die Erfindung der dafür benutzten Kunststeinmasse, bestehend aus Sand, Kreide, Leinöl und Farbzusätzen, geht auf die Brüder Gustav (1849–1933) und Otto (1848–1896) Lilienthal zurück.
Sie hatten erfolglos versucht, dieses Rezept selbst zu vermarkten und es schliesslich an den Unternehmer Friedrich Adolf Richter im thüringischen Rudolstadt verkauft. 1880 nahm dieser die Produktion der Steinbaukästen auf, die ab 1895 als «Anker Steinbaukästen» bezeichnet wurden.
Gut kombinierbare Einzelelemente, die auf wenige Grundformen zurückgehen, und ein ausgeklügeltes System von Ergänzungskästen sorgten für guten Absatz und für Wiederholungskäufe. Zudem setzte Richter in einem Mass, das im Spielzeughandel zuvor unbekannt war, Werbung ein, um die Überlegenheit seiner Produkte zu suggerieren. Neben Filialen in New York, St. Petersburg und Prag besass er auch eine Niederlassung in der Schweiz, bezeichnenderweise im bahntechnisch sehr gut gelegenen Olten.
Die nach den beigelegten Vorlagen entstehenden Bauten entsprachen in ihrer historisierenden Architektursprache der städtischen Umwelt. Auch die Farben erinnern an die dort verwendeten Materialien: Kalkstein, Sandstein und Schiefer. Die Kunststeine sind schwer wie natürliche Steine, und die Aufbauten erfolgen ohne Verbindungshilfen. So erlernten die Kinder elementare Kenntnisse vom Tragen und Lasten. Die strenge, vorgegebene Anordnung der Einzelteile im Kasten musste, wollte man ihn schliessen und alle Steine versorgen können, eingehalten werden. So wurde die Kaufentscheidung durch ein weiteres pädagogisches Argument, nämlich die Erziehung zur Ordnung, unterstützt.