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Die Vertretung von Frauen in den Leitungs- und Kontrollgremien von Unternehmen hat in letzter Zeit in Wissenschaft und Politik viel Aufmerksamkeit erregt. Die empirischen Belege für den Zusammenhang zwischen weiblichen Aufsichtsratsmitgliedern und der finanziellen Leistungsfähigkeit von Unternehmen sind jedoch nicht schlüssig, und die Mechanismen, die diesen Zusammenhang bewirken, sind noch lange nicht vollständig geklärt.
Dr. Jasmin Joecks, Dozentin für Innovation Management an der FFHS, führte gemeinsam mit Prof. Dr. Kerstin Pull der Universität Tübingen und Dr. Katrin Scharfenkamp der Universität Bielefeld eine Analyse quantitativer Daten aus deutschen Aufsichtsräten über einen Zeitraum von 11 Jahren durch. Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen mit einer höheren Beteiligung von Frauen im Aufsichtsrat tendenziell eine bessere finanzielle Leistung erzielen als Unternehmen mit weniger Frauen im Aufsichtsrat. Die Studie zeigt zudem, dass ein erhöhter Frauenanteil im Aufsichtsrat auch die Gesamtanwesenheitsquote im Aufsichtsrat an den Sitzungen erhöht. Bereits ab einer Frau im Aufsichtsrat zeigt sich eine höhere Anwesenheitsquote an den Sitzungen, aber diese führt nicht automatisch zu einer besseren Unternehmensperformance. Hierzu bedarf es mehr als einer Frau. Dies könnte darauf hinweisen, dass Unternehmen profitieren, wenn sie mehr als eine Frau in den Aufsichtsrat berufen.
Zusammenhänge aufgrund der Anwesenheit von Frauen in Aufsichtsräten
Die Literatur zielt zunehmend darauf ab, die potenziellen Gründe und Randbedingungen des Zusammenhangs zwischen der Vertretung von Frauen in Aufsichtsräten und der finanziellen Leistung von Unternehmen zu untersuchen. Mit ihrer Studie ergänzen die Forscherinnen diese Literatur und analysieren die Gesamtanwesenheitsquote an Aufsichtsratssitzungen als potenziellen Mediator zwischen Frauen und Unternehmensleistung. Um die Mechanismen, die den Ergebnissen zugrunde liegen, besser zu verstehen, haben sie Interviews mit 17 weiblichen und männlichen Aufsichtsratsmitgliedern geführt. Insbesondere liefern sie mit Hilfe dieser qualitativen Interviews eine authentische Beschreibung der Interaktion zwischen den Aufsichtsratsmitgliedern und legen dar, dass die Anwesenheit in den Aufsichtsräten mit mehreren zwischengeschalteten Prozessen in Verbindung steht, die die Zusammensetzung der Aufsichtsräte und die Leistung der Aufsichtsräte miteinander verknüpfen. Darüber hinaus halten sie fest, dass es eine wichtige Randbedingung für die postulierte Mediation gibt, nämlich dass sie nur dann gilt, wenn mehr als eine Frau im Aufsichtsrat vertreten ist.
Akademische und praktische Implikationen
Aus akademischer Perspektive trägt die Studie dazu bei, unser aller Verständnis darüber zu erweitern, wie und wann weibliche Aufsichtsratsmitglieder und die finanzielle Leistung von Unternehmen miteinander verbunden sind. Die Autorinnen der Studie heben hervor, welche Vorteile es bringen kann, wenn Unternehmen sich für eine ausgewogeneres Verhältnis von Männern und Frauen in Leitungs- und Kontrollgremien engagieren und die Rolle von Frauen im oberen Management stärken. In der Praxis können Unternehmen ermutigt werden, mehr als eine Frau in ihre Leitungs- und Kontrollgremien zu berufen, um von einer höheren Anwesenheitsquote an Sitzungen zu profitieren, die sich dann auch in einer besseren finanziellen Leistung des Unternehmens niederschlagen könnte.