Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03422.jsonl.gz/1075

Motorfahrzeuge produzieren durch Reifenabrieb einen grossen Teil des Mikroplastiks in unserer Umwelt. Der Reifenabrieb besteht aus einer Mischung von Reifenmaterial und Strassenabrieb, wobei der Gummianteil als Mikroplastik angesehen wird. (Mikroplastik bezeichnet Kunststoffpartikel, die kleiner als 5 Millimeter sind.) In der Schweiz macht der Reifenabrieb einen geschätzten Anteil von 90 Prozent des in die Umwelt freigesetzten Mikroplastiks aus.
Es ist anzumerken, dass Reifenabrieb nicht nur bei extremen Manövern – etwa Vollbremsungen – erzeugt wird. Auch bei «normalem» Fahren reiben sich die Reifen an der Strasse, wodurch Reifenmaterial freigesetzt wird.
Die wichtigsten Einflussgrössen, die über die Menge des Abriebs entscheiden, sind die Eigenschaften der Reifen (Material, Reifenluftdruck, etc.) und das Fahrverhalten. Zudem spielen auch die Beschaffenheit der Fahrbahn (raue Oberflächen führen zu mehr Abrieb), der Streckenverlauf (Steigung, Kurve, etc.), die Charakteristik des Fahrzeugs (Grösse, Radaufhängung, Breite der Reifen) sowie die zulässige Höchstgeschwindigkeit eine Rolle.
Was passiert mit dem Reifenabrieb?
Reifenabrieb kann in Form von Feinstaub, aber auch als grösseres Partikel, durch den (Fahrt-) Wind mobilisiert werden und sich – je nach Wetterverhältnissen – über grosse Distanzen verteilen. Eine Abschätzung zur Verteilung des Reifenabriebs in der Schweiz haben Forschende nun erstellt: Gut ein Viertel (zwischen 24 und 26 Prozent) des Reifenabriebs wird von Strassenabwasser-Behandlungsanlagen (SABA), Schlammsammlern, Strassenschultern oder von kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen zurückgehalten. Überwiegende Anteile von 16 bis 39 Prozent gelangen in die Gewässer und 36 bis 57 Prozent in die Böden.
Der Anteil, der in die Umwelt gelangt, ist also gross. Manche Zusatzstoffe können dabei sehr umweltschädlich sein. Beispielsweise haben sich Ozonschutzmittel besonders für Wasserlebewesen als schädlich erwiesen. Zu allerlei anderen Reifenbestandteilen fehlen noch detailliertere Untersuchungen zu ihren Risiken und Auswirkungen auf die Umwelt sowie den Menschen.
Wie kann Reifenabrieb reduziert werden?
Es gibt einige Möglichkeiten, den Reifenabrieb zu verringern. Den Forschenden zufolge sei eine einfach umsetzbare Massnahme, die Gummimischung der Reifen so zu optimieren, dass der Reifenabrieb und die Toxizität möglichst gering sind. Daneben gibt es fahrzeugspezifische Massnahmen wie etwa ein optimaler Reifendruck, korrekt eingestellte Achsgeometrie sowie ein geringes Fahrzeuggewicht. Auch ist schon die Rede von ersten Ideen, wie der Abtrieb direkt am Fahrzeug eingefangen werden könnte, bevor er in die Umwelt gelangt – praktische Lösungen fehlen hier jedoch zurzeit noch.
Zudem schlagen Wissenschaftler vor, auf Nationalstrassen Geschwindigkeitsharmonisierungs- und Gefahrenwarnanlagen einzusetzen. Bereits umgesetzte Massnahmen gibt es bei Hochleistungsstrassen am Entwässerungssystem. Auf Grund der fehlenden Flächen seien die Sanierungen der Strassenentwässerung innerorts schwieriger umzusetzen als ausserorts.
Diesen Vorschlägen ist gemeinsam, dass sie meistenteils von technischer und infrastruktureller Seite anzugehen wären. Doch wer sich jetzt denkt «Da kann ich als Privatperson ja gar nicht viel tun» liegt falsch: Durch möglichst gleichmässiges Fahren kann jede Fahrerin und jeder Fahrer ihren wichtigen Beitrag zur Reduktion von Mikroplastik leisten.
Empa: Reifenabrieb als grösste Quelle von Mikroplastik – Massnahmen zur Verminderung