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Von Gregor Loepfe
Duke Ellington bewies immer ein gutes Flair, wenn es darum ging, hochtalentierte Musiker um sich zu scharen, deren kompositorische Ideen aufzugreifen und diese mit seinen eigenen raffinierten Arrangements zu «veredeln». Viele berühmte Melodien in seinem Repertoire stammen von Musikern aus seinem Orchester. Zu ihnen zählen Irving Mills und Billy Strayhorn. Der Urheber von «Caravan», Juan Tizol, kam 1920 aus San Juan in Puerto Rico in die USA und fand bald Unterschlupf in Ellingtons Orchester. Tizol spielte Ventilposaune, war weniger Solist denn «Section Player» und wirkte als Komponist und Arrangeur. Neben «Caravan» stammt auch das berühmte «Perdido» aus seiner Feder.
Der typische Ellington-Sound
Von Juan Tizol stammt die Hauptidee zu «Caravan». Sein Chef Duke Ellington arrangierte das Stück und arbeitete es um. Ellington gilt als der Vater des orchestralen Jazz. Seine Arrangements aus den 1930er-Jahren klingen bis heute frisch und originell. Dafür mitverantwortlich ist der typische Ellington-Sound mit den charakteristischen Klangfarben und Akkordstrukturen. «Caravan» ist ein schönes Beispiel für Ellingtons «Jungle Music», wie sie damals im berühmten Cotton Club in New York zu hören war. Der Begriff «Jungle» geht auf die musikalischen Effekte zurück, die der «Duke» mit seinen Mitmusikern entwickelte. Dazu gehörte auch das sogenannte «Growling»: das Spiel mit einer bestimmten Zungentechnik in Verbindung mit nicht vollständig gedrückten Ventilen und einem Plunger-Dämpfer.
Fremd anmutende Exotik trifft auf Konvention
«Caravan» steht in der für Jazzstandards typischen AABA-Form. Die orientalische Melodie Tizols setzt den Hörer auf den Rücken eines Kamels inmitten einer Wüsten-Karawane. Eine solche ist denn auch auf dem Cover der Schallplatte von Ellingtons erster Aufnahme von 1937 zu sehen. Ellington selbst schrieb den Mittelteil. Dieser ist bezüglich Melodie und Harmonik sehr konventionell gehalten und kontrastiert stark mit Tizols Einfall. Ellingtons Harmonien entsprechen jenen des Mittelteils von George Gershwins berühmtem «I Got Rhythm». Eine übliche Interpretationsweise sieht für den A-Teil einen lateinamerikanischen Rhythmus vor, der im B-Teil in einen Swing wechselt.
Die frühen Aufnahmen
Die erste Aufnahme stammt vom Klarinettisten Barney Bigard aus dem Jahr 1936. Dessen Ensemble Barney Bigard And His Jazzopators bestand aus Mitgliedern des Duke Ellington Orchestra. Eine projektgebundene Aufteilung in kleinere Formationen war damals üblich, um die gleichen Stücke unter verschiedenen Bandnamen veröffentlichen zu können. Der «Duke» nahm das Stück dann mit seinem Orchester ein Jahr später auf. Bald darauf erschienen auch Versionen von Art Tatum, Dizzy Gillespie und Ella Fitzgerald.
Interpretationen im Programm von Radio Swiss Jazz
Zwei Aufnahmen stammen von Kleinformationen: vom Duo Bob Barton & Thomas Fahrer sowie vom Charlie Byrd Trio mit Scott Hamilton am Saxofon. Mit den Versionen der Ambassador Big Band und der Buddha’s Gamblers – mit einem Schuss Dixieland – ist die Fraktion der grossen Ensembles vertreten. Gesungene Fassungen mit dem Text von Irving Mills gibt es von Kay Kostopoulos und Paula West. Und schliesslich liefert der Perkussionist und Schlagzeuger Julio Barreto eine federnd groovige Latinversion.
Radio Swiss Jazz Evergreens
In der Reihe «Radio Swiss Jazz Evergreens» sind bereits erschienen:
Summertime, Autumn Leaves, Misty, Round Midnight, Watermelon Man, Take Five,
April In Paris, Take The A Train, Lullaby Of Birdland und St. Thomas.