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Vierfarbig und wortreich. So präsentiert der Rohstoffkonzern Glencore seinen neuen Nachhaltigkeitsbericht. Das Beispiel der Glencore-Mine in der Demokratischen Republik Kongo zeigt dass Glencore die Durchsetzung der Menschenrechte immer noch nicht als Teil seiner Verantwortung sieht, sondern mit Almosen verwechselt. Die Kontakte der Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer belegen eine andere Realität.
Für die DR Kongo beziffert Glencore in ihrem Nachhaltigkeitsbericht die „sozialen Investitionen“ auf 16,7 Millionen Dollar (rund 15,5 Mio. Fr.). Zum Vergleich: 2011 hat der weltweit führende Rohstoffkonzern (mit der kürzlich übernommenen Xstrata) einen Umsatz von 220 Milliarden Dollar (204 Mrd. Fr.) und einen Betriebsgewinn von 18 Milliarden Dollar (16,7 Mrd. Fr.) erwirtschaftet. Ein Teil der in der DR Kongo als „soziale Investitionen geförderten Projekte seien zudem normale wirtschaftliche Investitionen. So wurden gemeinsam mit dem lokalen Elektrizitätswerk die benötigte Stromversorgung ausgebaut oder Strassen verbessert. Beides diene vorwiegend der Bergbauaktivität von Glencore, hält Peyer fest. Es ist deshalb billig, diese Investitionen als soziale Errungenschaften für die Menschen rund um die Mine zu „verkaufen“.
Keine transparenten Steuerzahlen
Weit entfernt von der versprochenen grösseren Transparenz bleiben auch die Ausführungen zu den von Glencore bezahlten Steuern. Im Gegenteil, hält François Mercier, Finanzexperte und Programmverantwortlicher für die DR Kongo bei Fastenopfer, fest: «Das Unternehmen hat in Aussicht gestellt, gemäss der Initiative für mehr Transparenz in der Bergbaubranche (ITIE) zusätzliche Details zu nennen. Doch die Details im Bericht bleiben sogar hinter den Anforderungen von ITIE zurück», sagt Mercier. Zugleich verheimlicht Glencore die Praxis der Steueroptimierung dank verschachtelter Strukturen und Tochterfirmen in Steuerparadiesen. Laut Bericht wurden afrikanischen Regierungen 72 Millionen Dollar (67 Mio. Fr.) Steuern bezahlt, nach 89 Millionen (83 Mio. Fr.) 2010. «Unsere Recherchen zeigen aber, dass Glencore allein in den Jahren 2010 und 2011 dem Kongo durch „legale“ Steueroptimierung zwischen 123 und 196 Millionen US-Dollar vorenthalten hat.»
Keine Antworten zu den Menschenrechten
Bezüglich der Menschenrechte und wie sie gewährleistet werden, hüllt sich Glencore im Bericht weitgehend in Schweigen. So fehlen Ausführungen und Lösungswege zum Problem der vielen Kleinschürfer auf dem Gelände der Glencore-Mine Tilwezembe. Diese graben unter misslichen Bedingungen, oft fast ohne Ausrüstung nach Erz. Häufig arbeiten auch Kinder mit.
Fehlender Beschwerdeweg in der DR Kongo
Glencore hat versprochen, Mechanismen für einen einfachen Dialog mit der betroffenen Bevölkerung zu schaffen. So sollten Beschwerden gegenüber Missständen einfacher möglich werden. Laut Bericht kamen 2011 von allen Minen und Betriebsstätten 1900 Eingaben. Allerdings: In den Dörfern Luilu und Musonoi, beide gleich neben einer Mine von Glencore, haben die von Peyer befragten Behördenmitglieder noch nie etwas von diesen Mechanismen gehört. Ja, die Gemeindebehörden warten noch immer auf eine Antwort auf ihre Briefe an Glencore. Darin wurde der Konzern auf die enorme Staubbelastung, den Mangel an Trinkwasser und dessen Verschmutzung sowie Schäden an den Häusern aufmerksam gemacht.
Glencore muss glaubwürdiger werden
Die Analyse des Nachhaltigkeitsberichtes von Glencore für die DR Kongo zeigt, dass die Forderungen von Brot für alle und Fastenopfer noch immer berechtigt sind. So betont Peyer, dass «Glencore und Xstrata bezüglich Einhaltung der Menschenrechte, Umwelt- und Sozialstandards nur glaubwürdig werden, wenn sie mit einem unabhängigen Institut ein Menschenrechts-Impact-Assessment durchführen und die Auswirkungen ihrer Tätigkeiten überprüfen lassen». Die Werke fordern aber auch echte Transparenz der Finanzflüsse. «Dazu gehören alle Zahlungen an die Regierungen gemäss den Vorgaben von ITIE und die Offenlegung der Geldflüsse zwischen den einzelnen Ländern mit Tochterfirmen», sagt François Mercier.
Ihre Kontaktpersonen
Chantal Peyer, Brot für alle
Verantwortliche für Unternehmen und Menschenrechte
079 759 39 30 oder 021 614 77 10 / Mail