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Jacob Christian Jacobsen
Jacob Christian Jacobsen war der Sohn eines jütländischen Bauerns, der das Bauernleben hinter sich gelassen hat, um sein Glück als Bierbrauer in Kopenhagen zu versuchen. Der junge Jacob betrat die Branche zu einer Zeit als der Markt sich in der ersten Veränderung von ober- zu untergärigen Bieren stand und der Weg nach Deutschland kurz war.
J.C. Jacobsen lernte in der Spatenbrauerei in München. Zurück in Dänemark stellte er die ersten obergärigen Biere in der Waschwanne seiner Mutter her. Im Jahr 1847 baute er eine neue Brauerei auf einem kleinen Hügel ausserhalb der Stadt und das erste Bier wurde am 10. November desselben Jahres gebraut. Die Brauerei benannte er nach seinem Sohn Carl und der kleinen Anhöhe, die er keck als Berg bezeichnete (auf Dänisch "berg"); Carl + berg = Carlsberg.
Er war wissenschaftlich sehr interessiert und erkannte schnell, dass der richtige Hefestamm zum Erfolg einer Grossproduktion führen würde. Er fuhr zu Spaten zurück und holte zwei Gläser Hefe ab und führte diese, der Geschichte nach, unter seinem Zylinder mit, während seine Kutsche ihn zurück nach Kopenhagen brachte. An allen Wasserstellen an denen sie stehenblieben um die Pferde zu tränken kühlte er die Gläser um die Hefe frisch zu halten. Er verwendete diese Hefe um Dänemarks erstes kommerzielles, untergäriges Bier - ein dunkles Lagerbier (in den letzten Jahren wieder als Jacobsen Original Dark Lager hergestellt) - zu produzieren.
J. C. Jacobsen hatte einen grossen Freundeskreis and verkehrte mit "den Grossen" der Brauereitechnologie und -wissenschaft dieser Zeit; Forscher wie der Franzose Louis Pasteur und der österreichische Chemiker Karl Josef Napoleon Balling, Braumeister wie Gabriel Sedlmayr, Anton Dreher und Eugene Velten. Sie waren Mitglieder des Vorstands des Internationalen Brauereikongresses in Wien im Jahr 1873, als Carl von Linde seine bekannte Studie über die künstliche Kühlung präsentierte. Zwei Jahre später gründete J.C. Jacobsen die berühmten Carlsberg Laboratories. Das Labor diente zur Erforschung der Braukunst sowie als Institut für allgemeine Wissenschaftsarbeiten. Er engagierte den jungen Wissenschaftler Emil Christian Hansen, der Pasteurs Arbeit in der Hefeforschung fortsetzte. Im Jahr 1883 entwickelte Emil Christian Hansen als erster eine Methode zur Isolation einer einzelnen Hefezelle und stellte so eine reine Hefekultur her. Die Hefekultur wurde "Saccharomyces Carlsbergensis" genannt und die Methode wurde weltweit allen Braumeistern zur Verfügung gestellt. Sein nächster Schritt war die weitere Forschung nach der besten Hefespezies für untergärige Fermentierung. Diese Brauhefeforschung und die Tatsache, dass Carlsberg dieses Wissen teilte, war essentiell für alle Brauereien der heutigen Zeit. In seinem Buch "The World Guide to Beer" bezeichnet der Autor und Bierliebhaber Michael Jackson Carlsberg nicht nur als grossartige Brauerei, sondern auch als "karitative Institution".
Zusätzlich zur Eröffnung der Carlsberg Laboratories gründete J.C. Jacobsen im Jahr 1876 auch die Carlsberg Stiftung. Als er starb hinterliess er der Stiftung und nicht seinem Sohn Carl seinen gesamten Brauereibetrieb. Jahrelang waren sich nämlich Vater und Sohn uneinig, wie die Brauerei geführt werden sollte.
Der Sohn Carl wollte zielstrebig die Effizienz erhöhen und eine Expansion erzielen, während sein Vater befürchtete, dass dies die Qualität beeinträchtigen könnte. Sie waren sich auch nicht einig darüber, welche Biere gebraut werden sollten; ober- oder untergärige. Zusätzlich war der Vater auch der Meinung, dass sein Sohn zuviel Zeit und Geld für Kunst aufwenden würde. Es kam so weit, dass Carl seine eigene Brauerei neben der seines Vaters eröffnete und diese die New Carlsberg Brewery nannte. Seine neue Brauerei war ein grossartiges architektonisches Gebäude, das wundervoll dekoriert war - inklusive dem bekannten Elefantentor. Im Jahr 1906 fusionierten die Brauereien. Heutzutage befindet sich die dänische Produktionsstätte in Fredericia, während man das Carlsberg Visitor Center und Jacobsen Bryghus am ursprünglichen Standort im Kopenhagener Stadtteil Valby besichtigen kann.
Im Jahr 1972 startete Carlsberg den Betrieb im Carlsberg Research Center wo sich auch das Carlsberg Laboratory als eigenständiger Bereich befindet. Das Labor ist ein international anerkanntes Forschungsinstitut in Kopenhagen. Der Zweck des Labors ist heute sowie damals die Forschung in den Prozessen der Bierbrauerei - in anderen Worten die wissenschaftliche Basis für die Malz- und Bierherstellung. Carlsberg Laboratory konzentriert die Forschungstätigkeit auf Rohmaterialien, Hefekulturen, Inhaltsstoffe und Technologien für die Bierbrauerei auf höchstem Qualitätsniveau. Die Forschungsaktivitäten des Labors konzentrieren sich aktuell auf die folgenden vier Bereiche: 1) Rohmaterialien - Erforschung der Rohmaterialien für die Brauerei, mit dem Schwerpunkt auf der Verbesserung von Gerstensorten und Hopfen. 2) Hefe - Erforschung der Mikroorganismen für die Brauerei, mit dem Schwerpunkt auf der Verbesserung von Hefekulturen. 3) Inhalts- und Nährstoffe - Erforschung neuer Inhaltsstoffe, natürlicher Substanzen und deren Verwendung in Getränken. 4) Brauchemie, -technologie und -qualität - Forschung zur Verbesserung der Brauprozesse, einschliesslich der Nutzung von Enzymen, Produktqualität und verbesserte Mess- und Überwachungsmethoden sowie Verpackungstechnologien.
Bahnbrechende Entdeckungen im Carlsberg Labor:
- Emil Christian Hansen - der Leiter der physiologischen Abteilung bei Carlsberg von 1879 bis 1901. Er entwickelte eine Methode zur Klärung von Hefe, die sich für Carlsberg als essentiell herausstellte und die Welt der Hefeindustrie revolutionierte.
- Johan Kjeldahl - der Leiter des chemischen Labors bei Carlsberg von 1876 bis 1900. Er entwickelte eine Technik zur quantitativen Bestimmung von Stickstoff in chemischen Komponenten und Rohmaterialien, die auch heute noch als Kjeldahl-Methode bekannt ist.
- S.P.L. Sørensen - der Leiter des chemischen Labors bei Carlsberg von 1901 bis 1938. Er implementierte das Konzept des pH-Wertes zur Beschreibung des Säuregehalts einer Lösung und demonstrierte die Wichtigkeit dieses Massstabs für das Verständnis biochemischer Reaktionen.