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Der Lebensweg des vielseitigen Schaffhausers führte vom wachen Siblinger Bauernsohn über Ausbildung und Tätigkeit als Mechaniker, als Chrischonaprediger, über das universitäre Theologiestudium bis zum langjährigen Dienst als Pfarrer der Landeskirche in Buch SH, Reinach AG und Beatenberg BE.
Willy Wäckerlin wurde am 2. Januar 1934 geboren und wuchs mit zwei Schwestern und einem Bruder in Siblingen SH auf, wo seine Eltern Landwirtschaft und Rebbau betrieben. Dieses elterliche Umfeld prägte ihn für sein ganzes Leben: Tiere und die Pflege von Obstbäumen und Beeren nahmen immer einen wichtigen Platz ein.
Nach der obligatorischen Schulzeit und einer Mechanikerlehre bei der damaligen Schweizerischen Industriegesellschaft (SIG) in Neuhausen arbeitete er in dieser Firma weitere vier Jahre als Werkzeug- und Vorrichtungszeichner. Sein grosses handwerkliches Geschick und seine Improvisationsgabe liessen ihn auch mit wenig Material und Werkzeug viel erreichen und kamen ihm auch später oft zugut. Er packte überall an, wo Arbeit anfiel.
Durch sein Engagement in der kirchlichen Arbeit seines Heimatdorfes wuchs in ihm der Wunsch nach einer missionarischen Tätigkeit. 1955 vollzog er einen Berufswechsel und liess sich auf St. Chrischona bei Basel zum Prediger ausbilden. Hier hatte er auch die wichtigste Begegnung seines Lebens: Er traf seine grosse Liebe, Margrit Salathé. Die beiden heirateten trotz familiärer Widerstände im September 1961. In den folgenden Jahren wurden ihnen vier Kinder geschenkt: Elisabeth, Martin, Theres und Christine. Nach Vikariaten und während seines Dienstes als Chrischonaprediger in Bauma ZH 1962-1963 reifte in Willy Wäckerlin der Wunsch nach weiterer theologischer Ausbildung, welche er 1963 an der landeskirchlichen KTS, der „Kirchlich-theologischen Schule“ und an der Theologischen Fakultät in Basel begann. Das Studium und nicht zuletzt die finanziellen Probleme belasteten das Ehepaar mit seinen vier Kleinkindern. Neben einem Stipendium musste Willy verschiedene Einkommensquellen finden, z.B. Erteilen von Religionsunterricht, Privatstunden bei behinderten Kindern, Installieren oder Reparieren von Fernsehern, Teilzeitarbeit als Taxifahrer, später auch in vielen Stellvertretungen in Gottesdiensten im Kanton Schaffhausen.
Im April 1970 konnte die Familie aus der engen Vierzimmerwohnung ins grosse Dorfpfarrhaus mit Garten in Buch SH übersiedeln. Nach Abschluss des Studiums, einem Lernvikariat in Buch und der Erlangung der Wahlfähigkeit des Konkordates wählte ihn die Kirchgemeinde Buch zu ihrem Pfarrer. In den sechs Jahren im Pfarramt Buch nahm er die verschiedensten nebenamtlichen Tätigkeiten wahr: als teilzeitlicher Assistent am Institut „Kirche und Industrie“ der Zürcher Landeskirche, als Lehrer in Lebenskundeunterricht an den Gewerbeschulen in Schaffhausen und Zürich, als Schulpräsident in Buch und als Vorsitzender der Heimkommission des Erziehungsheimes Friedeck in Buch. Um einer drohenden Schliessung dieses Heimes zuvorzukommen, zog er mit seiner Familie vorübergehend für ein Vierteljahr in dieses Heim für schwererziehbare Jugendliche und übernahm dessen Leitung. In der ganzen Buchemer Zeit fühlte er sich sehr wohl und wurde auch von der Dorfbevölkerung ausserordentlich geschätzt. Auch zur freundschaftlichen regionalen Zusammenarbeit mit den Kollegen von Ramsen, Stein am Rhein und Burg, welche damals vorbildlich war, trug er Wesentliches bei.
1976 wurde Willy Wäckerlin ins Pfarramt Reinach AG berufen. Die Bewältigung dieses Wohnorts- und Schulwechsels war für seine Familie nicht einfach. Ihn selber erwartete in seiner neuen, sehr grossen Kirchgemeinde ein reiches und strenges Arbeitspensum, das er zusammen mit einem Pfarrkollegen, später mit einer Pfarrkollegin zusammen bewältigte, welche er beide sehr schätzte. Umfangreicher Religionsunterricht und z.B. Konfirmandenlager mit bis zu 70 Konfirmanden erforderten grössten Einsatz. Während Jahren war er dazu auch Dekan des Dekanates Kulm.
Für seine letzten zehn Berufsjahre wünschte er sich nochmals ein Einzelpfarramt: Im Herbst 1988 folgte er einem Ruf auf den Beatenberg. Der Wechsel von der Aargauer Kirchenkultur in diejenige der Berner Kantonalkirche war eine grosse Umstellung; doch die liebevolle Aufnahme durch die ganze Dorfbevölkerung sowie das heimelige Pfarrhaus vereinfachten das Einleben hier. Dazu kam nebenamrtliches Engagement im Dekanat, in der Bezirkssynode und im Protestantisch-kirchlichen Hilfsverein. Dass sich Willy Wäckerlin und seine Frau Margrit in Beatenberg ein eigenes Haus für die Zeit nach der Pensionierung bauten, zeigt ebenfalls die grosse Verbundenheit mit der Dorfbevölkerung.
Im „Ruhestand“ übernahm er viele Predigtstellvertretungen in den Kantonen Bern und Wallis, unternahm mit seiner Frau ausgedehnte Reisen in ihrem Wohnmobil durch ganz Europa und u.a. bis ans Nordkap, „arbeitete“ in seiner Werkstatt und sang bis zuletzt im Gemischten Chor Beatenberg mit. Besondere Freude bereitete ihm seine stark angewachsene Familie mit acht Enkeln. Unerwartet, nach einem kurzen Rundgang am 22. Dez. 2006 hat sein grosses Herz aufgehört zu schlagen, und er wurde allzufrüh in die Ewigkeit abgerufen.
verfasst von Margrit Wäckerlin und Familie