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Die Erikastrasse befindet sich im Klybeckquartier – einem Quartier, dessen Entwicklung eng mit jener der Chemiefirmen in Basel zusammenhängt. Die Chemie-Konzerne Ciba AG und Sandoz expandierten in der Nachkriegszeit, es brauchte neue Arbeitskräfte. Der für die Arbeiter*innen benötigte Wohnraum wurde in Quartieren wie dem Klybeck geschaffen. Mit dem Boom der Wirtschaft kamen viele Menschen – zuerst aus Italien, später aus Spanien und Portugal – als billige Arbeitskräfte in die Schweiz. Sie hatten als Gastarbeiter*innen keine Chance, eine Aufenthaltsbewilligung zu bekommen. Gefragt war nur ihre Arbeitskraft. Viele von ihnen arbeiten in der Chemie, lassen sich in Basel nieder und finden im Klybeckquartier ein Zuhause. Sie lebten in Häusern wie jenen in der Erikastrasse.
In den 80er, 90er und 00er-Jahren migrierten mehr Menschen aus der Türkei oder den Balkanländern nach Basel. Sie kommen aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichen Motiven. Viele eint die ökonomische Prekarität, also lassen sie sich in Nachbarschaften mit günstigen Mieten nieder. Über die Jahrzehnte wachsen in diesen Quartieren soziale Gemeinschaften. Es entstehen Nachbarschaften, die sich von Quartieren wie dem Neubad oder dem Gellert unterscheiden, in denen man nach 21:00 nur noch leere Strassen und geschlossene Fensterläden antrifft. Es sind Quartiere, in denen der Alltag auch auf der Strasse stattfindet. Es sind Quartiere, die leben.
Diese Gemeinschaften sind heute von einem Verdrängungsprozess betroffen. Mit „Klybeck plus“ und „Rheinhatten“ sind zwei grosse Entwicklungsprojekte in Planung. Im Quartier sollen neue Wohnungen und Arbeitsplätze entstehen, sogar der Bau eines unterirdischen Bahnhofs gleich vor der Erikastrasse ist geplant. Der städtische Raum soll für Unternehmen und ökonomisch Besser-gestellte attraktiver werden. Firmen wie BASF und Novartis, die von den Arbeiter*innen aus genau diesen Quartieren aufgebaut wurden, planen nun zusammen mit der Stadt „Aufwertungsprojekte“, in denen es für Menschen mit niedrigem Einkommen keinen Platz hat. Im Entwicklungsprojekt „KlybeckPlus“ sind beispielsweise gerade 15% Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen vorgesehen. Menschen, die das Quartier jahrzehntelang prägten und formten, passen nicht in dieses Bild und werden verdrängt. In diesem Kontext stehen die Kündigungen an der Erikastrasse, der Klybeckstrasse 170 oder an den Häusern am Giessliweg in Kleinhünungen. Sie sind nicht nur das Werk einzelner Immobilienspekulanten, sondern Teil einer städtischen Entwicklung, in der arme Menschen aus den Zentren verdrängt werden.
An der Erikastrasse leben Menschen mit vielen verschiedenen Hintergründen. Hier leben Arbeiter*innen, Student*innen, Kunstschaffende und Erziehende. Hier leben Menschen unterschiedlicher Nationalität: Schweizer*innen, Kosovar*innen oder Italiener*innen. Was uns eint ist, dass für uns in diesem Verdrängungsprozess kein Platz ist – und dass wir uns dagegen wehren werden.