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«Ein Italiener oder Appenzeller könnte sich also nicht auf dieses ‹Privileg› berufen.» So lautet die Einsicht, zu welcher der Germanist Hans Bänziger (1917–2005) in der Kolumne «Brief aus dem College» der Ausgabe Juni 1977 der damaligen «Schweizer Monatshefte» gelangte. Bänziger, von 1967 bis 1982 Professor im Bryn Mawr College in Pennsylvania, war darauf gestossen, dass sein Arbeitgeber sich als «Equal Opportunity/Affirmative Action Employer» bezeichnete. «Den zweiten Begriff verstehe ich schlechter und misstraue offen gestanden der Wortkombination.» Deshalb nahm er Einblick in die entsprechenden «Higher Education Guidelines» des Office for Civil Rights. Affirmative Action solle die Beschäftigungschancen von Frauen und Minderheiten fördern, wobei Minderheiten vom Arbeitsministerium als «Neger, Menschen mit spanischen Nachnamen, amerikanische Indianer und Orientale» definiert wurden.
Ende Juni hat der Supreme Court, das oberste Gericht in den USA, entschieden, dass eine auf dem Kriterium der Rasse basierende Zulassungspolitik des Harvard College und der University of North Carolina nicht mit der Verfassung vereinbar ist. Damit versetzt das oberste Gericht der USA der seit den 1960er-Jahren aktiven Affirmative-Action-Bewegung, die Minderheiten im Bildungsbereich bevorzugen will, um Diskriminierungen in der Vergangenheit zu kompensieren, einen schweren Schlag. Das Urteil umfasst inklusive abweichender Richtermeinungen 237 Seiten. Was hätte Hans Bänziger, der dem Leser dieser Zeitschrift erstmals überhaupt den Begriff Affirmative Action näherbrachte, dazu wohl gesagt? Vielleicht das, was er damals im letzten Satz seiner Kolumne schrieb: «‹Give him a chance› tönt gewiss menschlicher als ‹Affirmative Action›». (pk)