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"Wann haben Sie zuletzt Ihren Partner zu einem Wochenend-Trip nach Frankfurt mitgenommen?", fragte Valérie Pécresse, Präsidentin der Region Paris, am Montag auf einer Pressekonferenz in London. Vorausgegangen waren Treffen mit 80 Finanziers und Vermögensverwaltern. "Wenn man irgendwo leben will, schaut man sich alle Aspekte des kulturellen Lebens an - die Küche, die Gesundheitsfürsorge, die Kinderbetreuung - und in dieser Hinsicht liegt Paris in Kontinentaleuropa auf dem ersten Platz.
Paris konkurriert vor allem mit Frankfurt und Dublin um Londoner Banker. Die Finanzfirmen aus der britischen Metropole sind dabei, neue Standorte in der Europäischen Union zu etablieren, bevor Grossbritannien voraussichtlich 2019 die Gemeinschaft verlässt. Die Chefs globaler Banken haben Premierministerin Theresa May bereits gewarnt, dass sie in Kürze damit beginnen werden, geschäftliche Aktivitäten und Arbeitsplätze aus London abzuziehen.
Paris, "die Stadt der Liebe", könnte über 20.000 Arbeitskräfte gewinnen, hat Arnaud de Bresson, geschäftsführender Direktor der Pariser Lobbygruppe Europlace erklärt. Paris positioniert sich als das einzige verbleibende globale Finanzzentrum in der Europäischen Union nach dem Brexit. Das Marketing-Material von Europlace stellt heraus, dass die französische Hauptstadt bereits den grössten Bondmarkt der Region beheimatet und die zweitgrösste Anzahl an Asset-Managern.
Weltstadt mit Sprachhürden
"Paris ist die einzige globale, mit London vergleichbare Weltstadt in Europa", sagt Jean-Louis Missika, der Vize-Bürgermeister von Paris. "Wir sind, zusammen mit London, die einzigeStadt mit einer führenden Finanzplattform, beheimaten die Zentralen von Weltklassefirmen in der Branche, haben ein dynamisches Innovations-Ökosystem und beispiellose Universitäts- und Forschungskapazitäten."
Doch auch wenn einige der grössten Banken Europas ihren Sitz in Frankreich haben - das Land hinkt als internationales Bankendrehkreuz Grossbritannien und Deutschland hinterher. Frankreich gilt als feindlich gesinnt gegenüber Finanzfirmen und liegt im Global Financial Centres Index von Z/Yen auf Platz 29 - nur einen Rang über Casablanca.
Richard Boggis-Rolfe, Vorsitzender der Personalberatung Odgers Berndtson, sagte vergangene Woche auf einer Konferenz, Banker seien verärgert gewesen über eine Präsentation in Paris in französischer Sprache. Das gleiche Problem gab es am Montag auf der Pressekonferenz, als Patrick Ollier, der Präsident der Métropole du Grand Paris, nach der Hälfte seiner Präsentation ins Französische wechselte - bis ihm ein Mitarbeiter deutlich machte, dass er Englisch sprechen müsse.
Andere Städte in der Pole Position
Frankfurt und Dublin kristallisieren sich als die grössten Gewinner zu Lasten Londons als Folge des Brexit heraus. Standard Chartered und Barclays tendieren dazu, die irische Hauptstadt als ihre EU-Basis für den Zugang zum gemeinsamen Markt nach dem Brexit zu wählen. Goldman Sachs und Citigroup liebäugeln mit Frankfurt. HSBC ist bislang die einzige Bank, die sich zu Paris bekannt und den Umzug von bis zu 1.000 Händlern in Aussicht gestellt hat.
"Das tiefgestaffelte Angebot an Talenten hier, unsere Attraktivität als Standort für Arbeit und Leben, und Aktiva wie das englische Recht, die Sprache und unsere regulatorische Landschaft bedeuten, dass wir die Nummer eins der globalen Finanzplätze bleiben werden", erklärt hingegen Mark Boleat, Policy Chairman der City of London Corp. per E-Mail. "Wir erwarten, dass Städte wie Paris um den Handel und die damit verbundenen Jobs konkurrieren werden."
(Bloomberg)