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Fleischfressende Kannenpflanze – Nepenthes madagascariensis
Madagaskar ist voller einzigartiger Pflanzen. Auch zwei fleischfressende Kannenpflanzen wachsen ausschliesslich auf der Großen Insel im Indischen Ozean.
Die in Madagaskar endemische Pflanze Nepenthes madagascariensis gehört, ebenso wie die Art Nepenthes masoalis, zur Familie der Kannenpflanzen (Nepenthaceae).
Die Kannenpflanze Nepenthes madagascariensis kommt ausschließlich im Tiefland Madagaskars unter 400 Meter Höhe vor – sie ist an der madagassischen Ostküste verbreitet, vor allem im Süden rund um die Stadt Tolagnaro. Auf den sandigen Böden sowie offenen, hellen Standorten unweit von Gewässern wächst sie in grosser Menge. Auch am Rand von Sumpfgebieten siedelt sie oft, ebenso wie in der Nähe des Madagaskar-Wahrzeichens, der Ravenala-Palme (auch Baum des Reisenden genannt).
Die madagassische Kannenpflanze wächst als Strauch mit bis zu zwei Meter Höhe. Sie frisst vor allem Ameisen, daneben auch hin und wieder Zweiflügler sowie Käfer. Die namensgebenden Kannen sind eigentlich Blätter. Sie sehen schlank und trichterförmig aus und bei der Madagaskar Kannenpflanze leuchtend gelb oder rot gefärbt. Die Kannen werden bis zu 25 Zentimeter lang und sind mit einem giftigen Sekret gefüllt, das nach Regenfällen mit bis zu einem halben Glas Wasser je Kanne verdünnt wird. Damit sie nicht zu voll laufen werden sie von einem fast kreisrunden Deckel bedeckt. Neben der auffälligen und beeindruckenden Färbung lockt die Madagaskar Kannenpflanze ihre Beute durch Nektar an, der sich am Kannenrand befindet. Die Pflanze sondert zudem einen Duft aus Alkaloiden und ätherischen Ölen ab, der Insekten bereits aus weiterer Entfernung betört und sie dann bei einem Aufenthalt benommen macht. Nepenthes madagascariensis zweihäusig, es gibt also männliche sowie weibliche Pflanzen.
Auf der IUCN-Liste für gefährdete Arten wird die Madagaskar Kannenpflanze als gefährdet (Vulnerable) eingestuft.
Bereits 1661 wurde die Madaskar Kannenpflanze vom französischen Gouverneur Etienne de Flacourt in seiner Romanerzählung Histoire de a Grand Ile Madagascar erwähnt: Er war von der Färbung der Kannen sehr angetan und nannte die Kannenpflanze Amramatico. Er beschrieb auch die Eigenheit der Madagassen, diese Pflanze nicht zu pflücken, da es sonst am selben Tag regnen solle. Flacourt beschrieb die Pflanze jedoch nicht als neue Art. Dies wurde erst 1977 vom Schweizer Lehrer Dr. Rudolf Schmidt-Hollinger getan und bis heute wissen Forscher relativ wenig über die Madagaskar Kannenpflanze. Auch wie die Kannenpflanzengattung Nepenthes generell nach Madagaskar gelangt ist, ist unbekannt. Es wird vermutet, dass die staubfeinen Samen durch Wind oder Seevögel aus dem Hauptverbreitungsgebiet Indonesien, Malaysia und dem südlichen Thailand nach Madagaskar getragen wurden. In Madagaskar erreicht diese Pflanze nämlich auch die westliche Grenze ihrer Verbreitung auf der Welt.