Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03529.jsonl.gz/67

Bereits seit einigen Jahren rücken Leichte Sprache und Einfache Sprache ins öffentliche Bewusstsein. So werden immer mehr Internetauftritte, Audio- und Videobeiträge, Broschüren und Flyer auch in Leichte oder Einfache Sprache «übersetzt». Oft werden beide Begriffe synonym verwendet, was weder sinnvoll noch richtig ist. Denn die beiden Konzepte richten sich an sehr unterschiedliche Personengruppen.
Wenn auch Sie Ihre Texte in Leichter oder Einfacher Sprache zur Verfügung stellen möchten, erfahren Sie in diesem Beitrag, worauf Sie achten sollten.
Einfache Sprache
Anders als bei der Leichten Sprache gibt es für die Einfache Sprache kein spezifisches Regelwerk. Im Vergleich zur Leichten Sprache ist die Einfache Sprache wesentlich komplexer und der Wortschatz weniger limitiert. Längere Sätze sowie Nebensätze sind erlaubt und es müssen nicht nach jedem Satzzeichen Absätze eingeführt werden. Dennoch gilt es auch bei der Einfachen Sprache, Fremdwörter zu vermeiden oder zu erklären und eine klare Textstruktur mit sinnvoller Gliederung zu verwenden. Die Einfache Sprache kommt übrigens vielen Menschen zugute. Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche, älteren Menschen und hörbehinderten Menschen mit geringerer Lautsprachkompetenz, Menschen mit geringen Sprachkenntnissen, aber auch Tourist*innen kommt die Einfache Sprache entgegen.
Leichte Sprache
Die Leichte Sprache im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention folgt einem Regelwerk, mit dem Ziel, Menschen mit Leseschwierigkeiten die Teilhabe an Gesellschaft und Politik zu ermöglichen. Leichte Sprache bedeutet also, dass Texte und Sprache einfach zu verstehen sind. Zudem sollen einfache, kurze Wörter sowie kurze Sätze mit einfachem Satzbau verwendet werden. Auf die Verwendung von Fremdwörtern sollte verzichtet werden. Auch in Bezug auf die Formatierung gilt es, einige Vorgaben wie kurze Zeilen sowie grosse Zeilen- und Absatzabstände zu beachten. Zusätzlich werden Texte in Leichter Sprache meistens mit entsprechenden Bildern ergänzt. Da es für die Leichte Sprache ein festes Regelwerk gibt, ist es durchaus empfehlenswert, mit einem professionellen Übersetzungsdienstleister zusammenzuarbeiten.
Sollten Sie sich dennoch gerne selbst mit der Umsetzung von Texten in Leichter Sprache befassen wollen, zeigen wir Ihnen folgend einige wichtige Regeln:
Benutzen Sie einfache Wörter.
Schlecht: genehmigen
Gut: erlauben
Benutzen Sie Wörter, die etwas genau beschreiben.
Schlecht: öffentlicher Nahverkehr
Gut: Bus und Bahn
Benutzen Sie bekannte Wörter und verzichten Sie auf Fach- bzw. Fremdwörter.
Schlecht: Workshop
Gut: Arbeits-Gruppe
Schwierige Wörter sollten Sie erklären und ankündigen. Am Ende eines Textes können Sie ein Glossar einfügen.
Gut:
Herr Meier hatte einen schweren Unfall.
Jetzt lernt er einen anderen Beruf.
Das schwierige Wort dafür ist:
berufliche Rehabilitation.
Benutzen Sie kurze Wörter.
Schlecht: Omnibus
Gut: Bus
Wenn sich lange Wörter nicht vermeiden lassen, trennen Sie diese mit einem Bindestrich.
Schlecht: Bundesgleichstellungsgesetz
Gut: Bundes-Gleichstellungs-Gesetz
Verzichten Sie auf Abkürzungen.
Schlecht: d. h.
Gut: das heisst
Ausnahmen bestehen in sehr bekannten Abkürzungen wie WC, LKW oder Dr.
Vermeiden Sie den Genitiv.
Schlecht: Das Haus des Lehrers / Des Lehrers Haus
Gut: Das Haus von dem Lehrer / Das Haus vom Lehrer
Vermeiden Sie den Konjunktiv.
Schlecht: Morgen könnte es regnen.
Gut: Morgen regnet es vielleicht.
Vermeiden Sie Redewendungen und bildliche Sprache bzw. erläutern Sie diese.
Schlecht: Die Eltern sind echte Rabeneltern.
Gut:
Das Wort Raben-Eltern ist bildliche Sprache.
Raben-Eltern sind nicht die Eltern von Raben-Küken.
Mit Raben-Eltern meint man: schlechte Eltern.
Da das Wort «nicht» oft übersehen wird, sollten Sie positive Sprache verwenden.
Schlecht: Peter ist nicht krank.
Gut: Peter ist gesund.
Schreiben Sie Zahlen so, wie die meisten Menschen sie kennen.
Schlecht: römische Zahlen wie IX
Gut: arabische Zahlen wie 9
Vermeiden Sie alte Jahreszahlen.
Schlecht: 1867
Gut:
Vor langer Zeit.
Vor mehr als 100 Jahren.
Vermeiden Sie hohe Zahlen oder Prozentangaben.
Schlecht: 14 795 Menschen
Gut: viele Menschen
Vermeiden Sie Sonderzeichen.
Wenn Sie ein Sonderzeichen verwenden müssen, erklären Sie dieses.
Schlecht: «» % … ; & () §
Gut:
Ein Paragraf ist ein Teil in einem Gesetz.
Das Zeichen für Paragraf ist: §.
Jeder Paragraf hat eine Nummer.
Auch die Wort-Zeichen-Kombination ist denkbar: Paragraf §1.
Trennen Sie keine Wörter am Ende einer Zeile.
Schlecht:
Der letzte Urlaub auf Mallorca war ein Er-
lebnis.
Gut:
Der letzte Urlaub auf Mallorca
war ein Erlebnis.
Benutzen Sie eine einfache Schriftart.
Schlecht:
Times New Roman
Arial kursiv
Courier New
Zapfino
Gut:
Arial
Lucida Sans
Tahoma
Verdana
Century Gothic
Schreiben Sie Adressen wie auf einem Brief.
Schlecht:
Frau Tanja Muster, Alte Mustergasse
10, 1234 Musterstadt, Musterland
Gut:
Tanja Muster
Alte Mustergasse 10
1234 Musterstadt
Musterland