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Das Christopher Whitehead Language College in Worcester ist ein College in den West Midlands in England mit über 1100 Lernenden.
Welche Ziele gesetzt wurden
Die empirische Forschung zeigt immer stärker, dass es sinnvoll ist, bei der Weiter- und Fortbildung von Lehrpersonen direkt im Klassenzimmer anzusetzen. Über das Unterrichten sprechen, von Kollegen lernen, “good practice” teilen und coaching Modelle entwickeln werden als wichtige Komponenten der Weiter- und Fortbildung angesehen (vgl. Hattie, 2013). So richtete das Christopher Whitehead Language College in Worcester (GB) mit dem Ziel das Lehren und Lernen an ihrer Schule sichtbar zu machen, ein Beobachtungs-Klassenzimmer ein.
Wie Lernen sichtbar machen eingeführt wurde
Ein Klassenzimmer mit einem angrenzenden Lagerraum wurde in ein Beobachtungs-Klassenzimmer umfunktioniert. Aus dem Lagerraum wurde ein gut ausgerüsteter Beobachtungsraum, wo auch Ton- und Filmaufnahmen gemacht werden können. Die Glaswand zwischen den beiden Räumen bietet die Möglichkeit auf Seite des Beobachtungsraums ungesehen zu bleiben, solange das Licht darin aus ist. Für die Benützung des Raumes gibt es ein Protokoll. Die Lernenden wissen immer, wann sie beobachtet werden und die Erlaubnis zu Filmen ist in Verträgen festgehalten.
Welche Veränderungen gemacht wurden
Anfänglich haben die Lehrpersonen das Spiegel-Klassenzimmer lediglich genutzt, um sich selbst aufzunehmen und dies dann zuhause anzuschauen. Die Schule überlegte sich dann, wie man das Klassenzimmer auf noch innovativere Weise nützen könnte.
So wurden dann Unterrichtsstunden von verschiedenen Personen hinter der Glaswand verfolgt, was im schalldichten Raum kein Problem darstellt. Bis zu zehn Beobachtende können sich eine Unterrichtsstunde anschauen und diese direkt diskutieren. So haben sich Lehrpersonen freiwillig gemeldet und Beobachtende wurden eingeladen, um zu observieren.
Obwohl man denken würde, dass es Lehrpersonen unangenehm wäre, von ihren Kolleginnen und Kollegen beobachtet zu werden, die dann ihre Unterrichtssequenz auseinandernehmen und bewerten, scheint dies an dieser Schule nicht der Fall zu sein. Am College gibt es sogar eine Warteliste für Lehrpersonen, die im Spiegel- Klassenzimmer unterrichten wollen.
Das Klassenzimmer wird auch für die Lehrerfort- und -weiterbildung genützt, um “live” zu zeigen, wie Lehr- und Lernstrategien in der Praxis umgesetzt werden. Bei diesen Workshops geht es nicht nur darum, aussergewöhnliche Unterrichtsstunden zu geben und zu sehen, sondern besonders auch um das Lehren und Lernen in realen Kontexten. Also kann auch eine Stunde, die nicht perfekt verläuft ein lehrreiches Ereignis sein und ein Anfangspunkt für Diskussionen darstellen.
Auch für die Schülerinnen und Schüler ist es inzwischen zur Normalität geworden, im Spiegel-Klassenzimmer unterrichtet zu werden. Sie vergessen regelmässig, dass sie beobachtet werden.
Welche Auswirkungen festgestellt wurden
Am Christopher Whitehead College ist man sich bewusst, dass es seine Zeit braucht, bis man anhaltende Veränderungen beobachten kann. Bisher konnten insbesondere Veränderungen im Lehrerverhalten konstatiert werden. Lehrpersonen reflektieren ihr Verhalten stärker, geben effizienteres Feedback und ermutigen andere Lehrende Erfahrungen im Spiegelzimmer zu sammeln.
Wie es weiter geht
Das Christopher Whitehead Language College hat sich dazu entschieden, das Spiegel-Klassenzimmer zu behalten und dieses sowohl für schulinterne, wie auch für Zwecke der Lehrerfort- und -weiterbildung zu gebrauchen. Die Auswirkungen werden stets weiter evaluiert.
Quellen: Lesson observations. Why we love our „Big Brother“ classroom (2013). The Guardian online. Übersetzt und redaktionell überarbeitet von Lena Greber.