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Über die Flora des Nationalparkgebietes im Unterengadin
C. Schröter ( Sektion Uto ).
Von Nur zögernd folgte der Verfasser der ehrenden Aufforderung des Zentralkomitees, für das Jahrbuch einen Artikel über die Flora des Nationalparks zu schreiben; hat ja doch, nach den vorbereitenden Arbeiten eines Brügger, Christ, Killias, Brunies und Braun1 ), die ganz eingehende wissenschaftliche Durchforschung der Flora des Gebietes erst eingesetzt, unter der Ägide der Schweizerischen naturforschenden Gesellschaft. Doch überwog schließlich die Überlegung, daß ein solcher Artikel geeignet sein werde, der guten Sache unter den Klubgenossen neue Freunde zu werben. In diesem Sinne möge man das Folgende beurteilen. Wie der Nationalpark geworden ist, welche hohen Vorzüge sein Gebiet insbesondere als Pflanzenasyl bietet, welche wissenschaftlichen Fragen dort der Biologe zu lösen hofft, wie die Durchforschung organisiert ist, und endlich, welche interessanten Vegetationsbilder und Pflanzentypen hier die Aufmerksamkeit des Wanderers fesseln können, das möchte ich im folgenden auseinandersetzen. Wer sich dann tiefer in die Flora des Gebietes einarbeiten will, der möge zu den oben erwähnten Arbeiten greifen, auf die ich mich im wesentlichen ebenfalls stütze, abgesehen von eigenen Beobachtungen auf zahlreichen Exkursionen.
I.
Im Jahre 1906 wurde auf der Jahresversammlung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in St. Gallen auf Anregung von Fritz Sarasin die schweizerische Naturschutzkommission gegründet, an deren Spitze von Anfang an Dr. Paul Sarasin stand und noch steht. Schon in ihrer ersten konstituierenden Sitzung im November 1906 in Bern sprach man, eine ganz in Vergessenheit geratene Anregung von Nationalrat Bühler wieder aufgreifend, vom Val Scarl als zu-künftigem Schutzgebiet. 1907 kommt willkommene Hülfe aus der Westschweiz: die „ Société de physique et d' histoire naturelle de Genève " regt beim Bundesrate die Schaffung von Naturreservationen an, veranlaßt durch die drohende Profanierung des Matterhorns durch eine Bergbahn. Unsere oberste Landesbehörde verlangt von der Naturschutzkommission einen Bericht über diese Angelegenheit, in welchem wieder auf einen im Unterengadin zu schaffenden Nationalpark hingewiesen wird. Im Jahre 1908 wird, wieder auf Anregung von Fritz Sarasin, der Bund für Naturschutz gegründet, der die Mittel für die Schaffung eines Nationalparks liefern soll. Schon 1909 gelingt es den vereinten Bemühungen von Dr. Paul Sarasin und Dr. Brunies, dem Romanen aus Cinuskel, also einem Sohne des Unterengadins, mit der Gemeinde Zernez einen Vertrag abzuschließen über die Reservation des Val Cluoza. 1911 kommen weitere Teile dazu, und nun wird ein Subventionsgesuch an den Bundesrat gerichtet. Es wird von unserm allverehrten Veteranen Dr. Coaz, dem damaligen Oberforstinspektor, lebhaft unterstützt.
Im Juli 1913 bereisten die Kommissionen unserer Räte das Nationalparkgebiet und kehrten voll Enthusiasmus für dieses patriotische Unternehmen zurück. Im März 1914 endlich fanden jene denkwürdigen Tagungen statt, in welchen in hochgesinnten, von idealem Schwung getragenen Voten ( es sei namentlich an die hinreissende Rede des Kommissionspräsidenten im Nationalrat, des unvergeßlichen Dr. Bisse gger, erinnert ) die Subvention für den Nationalpark beschlossen wurde, mit überwältigendem Mehr. Einen ganz wesentlichen Anteil am Zustandekommen des Werkes hat auch Nationalrat Dr. Bühlmann, der in unermüdlicher Arbeit seine Gesetzes-kunde zur Überwindung aller der formellen Schwierigkeiten zur Verfügung stellte.
Das heute, 1918, als Nationalpark unter absoluten Schutz gestellte Gebiet umfaßt drei verschiedene Teile ( siehe das Übersichtskärtchen, Fig. 1 ):
1. Das zentrale Gebiet der Gemeinde Zernez, auf 99 Jahre durch einen Dienstbarkeitsvertrag abgetreten: Val Cluoza, Val Tantermozza, Praspöl, Fuorn und Stavelchod, im Umfang von 97 km2, vom Bunde jährlich mit 18,000 Fr. subventioniert.
2. Das westliche Gebiet: Val Muschains, Trupclmm und Mela, 10 km2 umfassend, von der Gemeinde Scanfs auf 25 Jahre abgetreten, vom Naturschutzbund gepachtet, da der Bundesrat nur auf eine 99jährige Pachtzeit eintreten will.
3. Das östliche Gebiet: die linke Talseite des Val Scarl mit den Seitentälern Val Mingér, Foraz und Tavrü, von der Gemeinde Schuls auf 25 Jahre abgetreten, ebenfalls bis jetzt nur vom Naturschutzbund gepachtet, 32 km2 umfassend.
Da der Naturschutzbund auch für die Bewachung, Zugänglichmachung und wissenschaftliche Erforschung des Nationalparkes zu sorgen hat, laut vertraglicher Verpflichtung, so ist es darum eine patriotische Pflicht jeden Naturfreundes — und welcher Klubist ist das nicht! —, für seine Stärkung durch Zuführung neuer Mitglieder zu sorgen. Jede Klubsektion sollte sich als lebenslängliches Mitglied mit einem erheblichen Beitrag aufnehmen lassen, unbeschadet der Teilnahme der einzelnen Mitglieder.
So ist unser Nationalpark entstanden! Welches ist nun seine Bedeutung?
Der Nationalpark ist eine Stätte, wo jegliche Einwirkung des Menschen für alle Zeiten ausgeschaltet ist, wo alpine Urnatur sich ungestört wiederherstellen und weiterentwickeln kann und wird. Er bildet ein Refugium für Pflanzen- und Tierwelt, ein Sanctuarium, ein Naturheiligtum. An seinen Grenzen brechen sich die über alles Land strömenden Wogen menschlicher Kultur, die das ursprüngliche Antlitz der Mutter Erde zerstören: er ist aus der „ Ökumene ", aus der Besiedelungssphäre, ausgeschaltet. Er wird eine bleibende Insel alten, ursprünglichen Lebens bilden.
Und damit wird er eine Erbauungsstätte für jeden Naturfreund. Weit offen sollen seine Tore stehen für jeden. Aber still, von ahnungsvollen Schauern erfüllt, soll der Besucher seine Schritte durch das Sanctuarium lenken, um seine Tierwelt nicht zu stören. Kein lautes Hotelgetriebe soll ihn erfüllen, kein Auto soll ihn durchfauchen: Weg und Steg, Unterkunft und Verpflegung sollen alpinen, einfachen Charakter tragen.
IL Die Vorzüge, welche das erweiterte Nationalparkgebietl ) als Florenschutz-gebiet ( siehe das Kärtchen Fig. 1 ) zum Studium besonders geeignet erscheinen lassen, sind mannigfacher Natur.
Die bedeutende Höhendifferenz, über welche das Gebiet sich erstreckt ( von 1200 m am Inn bei Schuls bis 3169 m Piz Quatervals, 3178 m Piz Pisoc ), bringt es mit sich, daß die Flora aller drei Höhenstufen der Bündner Flora ( 4)2 ) hier studiert werden kann. Die Kulturstufe ist durch das Inntal von Schuls bis oberhalb Zernez und den Eingang des Ofentals vertreten; Braun rechnet diese Strecken zu dem „ Florenbereiche der trockenen Föhrentäler des Innern ", durch Waldföhre und Steineiche charakterisiert und durch „ xerotherme " Pflanzenkolonien ausgezeichnet, „ Bewohner der trocken-warmen Talgebiete, südliche oder östliche Arten, die in den feuchten Buchengebieten fehlen ". Das Unterengadin speziell ist besonders reich an solchen Arten ( 92, ebensoviel wie das Ckurer Rheintal ); es ist klimatisch ausgezeichnet durch große Trockenheit ( Schuls nur 656 mm, Zernez 730 rom Niederschlag ), durch Klarheit der Luft ( Schuls hat nur 1.4 Nebel tage jährlich ) und starke jährliche Temperaturschwankung ( 21.5° ).
Von besonderem Interesse sind auch die Einwanderungswege dieser Pflanzen. Die wärmeliebenden Pflanzen des Unterengadins wanderten nicht längs des Haupttals herauf, sondern kamen, wie schon Christ 1879 hervorhebt, über die Rechenscheideck aus dem Etschtal und liber den Ofenpaß aus dem Münstertal. Dafür spricht namentlich die Tatsache, daß sie unterhalb Nauders und Finstermünz ,fehlen oder spärlich auftreten.
Die Stufe des subalpinen Nadelwaldes beherbergt im Nationalparkgebiet eine reiche und guterhaltene Bewaldung; es sind unsere sämtlichen Nadelhölzer mit Ausnahme der Weißtanne ( Abies alba)3 ), der Eibe ( Taxus baccalà)4 ) und des Sade-baums ( Juniperus Sabina)"0 ) im erweiterten Gebiet vertreten.
Die alpine und nivale Stufe zeichnen sich dadurch aus, daß die Höllengrenzen hier, im Gebiet der Massenerhebung der Spölalpen, sehr hoch liegen; die Waldgrenze liegt nach Imhof im Ofenpaßtal bei 2190 m, im Scarltal bei 2230 m, die Schneegrenze nach Jegerlehner bei 2900—3000 m.
So ist für die reiche Entwicklung alpinen Lebens eine besonders breite Zone offen. Die Nivalstuf e freilich, oberhalb der Grenze des ewigen Schnees, ist relativ arm. Auch die Sumpf- und Wasserflora ist schwach vertreten: an Mooren und Seen ist das Gebiet arm.Abgesehen von diesen armem Kategorien ist aber die Flora reich und mannigfaltig.
; ' ) Wir verstehen hier unter „ erweitertem Nationalparkgebiet " das der wissenschaftlichen Erforschung zu unterwerfende Gebiet; es umfaßt den Nationalpark plus die westlich und nördlich bis zum Inn sich erstreckenden Gebiete.
z ) Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf die Nummer der Literaturangabe am Schlüsse des Aufsatzes.
3 ) Die von Killias angegebenen Standorte der Weißtanne ( Fernertobel und Sampuoir ) liegen in Seitentälern des Samnaun. Herr Forstinspektor Schwyter, jetzt in Glarus, früher längere Zeit in Schuls, bestätigt aus eigener reicher Erfahrung das Fehlen der Weißtanne im Nationalparkgebiet.
4 ) Lateinische Nomenklatur nach Schinz und Keller, Flora der Schweiz, 3. Auflage.
5 ) Juniperus Sabina wächst nach Killias unter Fetan, zwischen Schuls und Sent, und dann von Remüs an häufig; Herr Forstinspektor Schwyter fand ihn auch im Val Lischanna bei zirka 1500 m im lichten Föhrenwald.
. :. .y.V --.,: Der floristische Reichtum des Gebietes wird außer durch die bedeutende Höhenerstreckung und die Nähe reicher Nährgebiete durch zwei weitere Momente bedingt: durch die Lage an der Grenzscheide ostalpiner und westalpiner Flora und durch den reichen Gesteinswechsel. Wie die Gesteine vorwiegend ostalpine Facies zeigen, mit denen der österreichischen Alpen nahe verwandt sind, so zeigt auch die Flora einen starken Einschlag östlicher Arten; umgekehrt machen eine Reihe westlicher Arten hier halt. Ein Blick auf die Legende der geologischen Karte von Spitz und Dyrrenfurth zeigt uns an kalkarmen Gesteinen: Diorit, Diabas, Quarzporphyr, Granit, Granitgneis und andere Gneisformen, Quarzphyllit, Amphibolit, kalkarmen Bündnerschiefer, Glimmerquarzite, Serpentin und Verrucano; von kalkreichen Sedimenten: kalkreichen Bündnerschiefer, Ophicalcit, Dolomit, Gips, Rauchwacke, Foraminiferenmergel, Liaskalke, rhätische Kalke, Mergel und Muschelkalk.
So finden kalkliebende und kalkfliehende Pflanzen Gelegenheit zur Entwicklung.
Der floristische Reichtum dieser südöstlichen Ecke unseres Landes möge durch die in Fig. 2 vorliegende Zusammenstellung einiger Seltenheiten ersten Ranges illustriert werden.
Der totale Schutz dieses reichen Gebietes bedeutet also die vollständige, für alle Zeiten gesicherte Erhaltung aller einzelnen Arten.
Die reiche orographische und geologische Gliederung bedingt aber auch eine fast vollständige Vertretung der alpinen Pf anzenf ormationen: Wir finden da Auen-, Fichten-, Arven-, Lärchen-, Bergföhrenwälder, Nadelmischwald, Legföhren-, Alpenerlen- und Alpenrosengebüsch, Zwergstrauchheiden, Spaliersträucher, die mannigfachsten Typen des alpinen Rasens, Schneetälchenfluren, Hochstaudenfluren, Lägerfluren, ausgedehnte Schuttfluren auf bewegtem und ruhendem Schutt, auf Moränen, kiesigen und sandigen Alluvialflächen und Felsfluren der mannigfachsten Gesteine, also eine reiche Gelegenheit, den Aufbau und Werdegang dieser Vegetationen zu verfolgen.
Ein besonderer Vorzug des schwach bevölkerten Gebietes ist weiter die relativ geringe bisherige Beeinflussung durch den Menschen. Nur kleine Komplexe sind gedüngt und gemäht worden; die Alpenweiden nehmen nur einen kleinen Bruchteil des Parkes ein, und der schwach oder gar nicht genützte Wald, der sich von den teilweisen frühem Verwüstungen durch die Bergwerkbetriebe gut erholt hat, besitzt vielerorts typischen Urwaldcharakter. So besonders im Val Cluoza, wo seit 50 Jahren nicht mehr geholzt wurde, dann am linkseitigen Hang des Spöltals von Punt Praspöl bis Murtarus: prächtige, undurchdringliche wilde Wälder, überall junger Anflug in Hülle und Fülle, gefallene, vermodernde Stämme bieten überall Keimbetten; hier wurde außer von den Hirten niemals geholzt, ebenso am Westhang des Munt la Schera.
Die große Ausdehnung des Gebietes bietet alle Gewähr dafür, daß mit der Zeit eine völlig natürliche Lebensgemeinschaft sich hier herstellen wird, die in sich selbst ihr Gleichgewicht findet. Es werden die gegenseitige Beeinflussung einerseits der Pflanzen unter sich, anderseits der Tiere unter sich, sowie die Wechselbeziehungen der beiden Reiche auf rein natürlicher Grundlage sich entfalten können.
So vereinigt denn unser Gebiet alle Bedingungen, die man von einem Naturschutzgebiet verlangen kann:
Reichtum an packenden landschaftlichen Szenerien, an Flora und Fauna, an Gesteinsarten, Oberflächenformen und Vegetationen, relative Wildheit und Unberührtheit auf weiten Strecken, geringe Besiedelung, große horizontale und vertikale Erstreckung.
Seltene Pflanzen des Nationalparkgebietes.
I. Xcrotherme Elemente, Bewohner der trocken-warmen Talgebiete.
1. Myosotis micrantha PallasM. arenaria Schrader, M. stricta Link ), das kleinblütige Vergissmeinnicht, ein schmächtiges einjähriges Pflänzchen des üs'liehen und südlichen Europas, das aber bis nach Island, Norwegen und Schweden reicht; in der Schweiz bisher nur im Tessin. Wallis, Basel, Aargau und Thurgau bekannt, im Grenzgebiet im Oberinntal, Vintschgau und Bormio, neuerdings von Braun u. Thellung bei Remüs und Zernez entdeckt.
2. Veronica i?;'Ke»îïCrantz(=campestris Schmal-bausen = V, verna L. var. longistyla Ges. Pass, et Ghib ), der Heide-Ehrenpreis, durch den langen Griffel ( Fig. 2, rechts ) vom Typus der V. verna verschieden; eine Charakterpflanze sonniger Grashalden Mittel- und Südeuropas; in der Schweiz erst Tor kurzem durch Braun bei Münster und Zernez nachgewiesen.
3. Carex praecox Schreber, die frühblühende Segge, für die Schweiz zum erstenmal nachgewiesen durch Dr. Schibier auf einer berasten Mauer bei Zernez, eine vorwiegend östliche, trok-kenheitliebende Art ( Kaukasus, Oral, Sibirien, Korea, zerstreut in Süd- und Mitteleuropa, bis Südschweden, Frankreich und Nordspanien; auch im benachbarten Vintschgau ).
4. Minnartia mucronata ( L. ) Schinz & ThellungAlsine rostrata Fenzl)'die bedornte Miere, eine westliche Art, von den Pyrenäen über Frankreich bis Tirol verbreitet, die südalpinen Täler besiedelnd, aber dem eigentlichen Mediterrangebiet fehlend; im Unterengadin bis Zernez nicht selten —, taucht am Felsen von Guardaval auch im Oberengadin auf.
II. Südalpiner Relikt-Endemismus, Rest einer frühern, weiten Verbreitung eines uralten Typus.
5. Carex baldensìs L., die Segge vom Monte Baldo, ein in Europa ganz isolierter Typus, dessen nächste Verwandte in Chile, Brasilien, Nordamerika, am Kap, in Ostindien und Java sich finden; sie ist von allen unsern übrigen Scheingräsern durch ihre schneeweissen Bracteen verschieden, die als Schauapparat pollenfressende Insekten anlocken. Sie hat einen kompakten, südalpinen Verbreitungsbezirk vom Comersee bis in die vizen-tinischen Alpen; davon sondert sich nach Norden ein Vorposten im Veltlin und sogar ein die Alpen übersehreitender in Bayern ab. Der einzige schweizerische Standort liegt im Ofengebiet ( Legföhrengebüsche im Val Nüglia und Chachlot, ob dem Wegerhaus Buffalora und am Munt della Bescha1901 von Brunies entdeckt, bildet er die absolute Westgrenze der Art.
III. Glazialrelikte nordischen Ursprungs.
Eiszeitliche Einwanderer aus dem hohen Norden mit jetzt zerrissenem Areal.
6. Banunculns pygmaeus L., der Zwerg-Hahnen-fuss, eine dem einjährigen Gifthahnenfuss ( R. sce-leratus ) nahestehende, ausdauernde, kalkfliehende Art von zirkumpolarer ( bis 80 " N.B. ) und hoch-nordischer Verbreitung: siehe das Kartellen Fig. 3, in der hohen Tatra und in den Ostalpen ( Ötztaleralpen, Vorderestal. hohe Tauern, z.B. am Venediger bis 3000 m ), ein Bestandteil der hochalpinen.Schnee-talchenflora. Der einzige Standort in der Schweiz, 1898 von Prof. Fischer entdeckt, liegt auf dem Plateau von Macun, im Hintergrund des Val Zeznina bei 2600 m.
7. Minnartia biflora ( L. ) Schinz & ThellungAlsine biflora ( L. ) Wahlenberg ). Die zweiblütige Miere ist eine in der Arktis ( bis 80 » N.B. ) und in den Gebirgen Zentralasiens heimische, kalkliebende Art, die in den östlichen Alpen ganz zerstreut auftritt: Tirol, Salzburg, Karaten; selten im Wallis, Waadt; im Bündnerland im Oberengadin, Avers, Davos, Arosa, Lenzerhorn, Bergünerstöcke, Hochwang, und neuerdings, von Braun entdeckt, auf einem Kohlenmeiler zwischen Alp La Schera und Plan dell'Asino bei zirka 2090 m.
8. Potentina mnltiflda L., das vielspaltige Fingerkraut. Bisher aus den Westalpen ( Pelvoux, Mont Cenis, Col de laVanoise, Iséran, Vallée de Bagnes, Zermatt und Saas ) bekannt, wurde sie 1916 von Braun im Sesvennatal ob Marangun bei 2560 m auf einem Gemsläger entdeckt in Gesellschaft düngerliebender Pflanzen ( Capsella pauciflora, Chenopodium Bonus Henricus, Taraxacum officinale ), als neu für die Ostalpen. Das Massen-zentrum dieser Art liegt in Hoch- und Nordasien ( Ural, Altai, Sibirien, Tibet, Himalaya, Afghanistan, Kaukasus ), von dort hat sie wohl einerseits die Arktis, anderseits ( zur Eiszeit ) die Alpen besiedelt, wo ihr spärliches und sprunghaftes Vorkommen auf Reliktnatur deutet ( der Dnterengadiner Standort ist 215 km von dem nächstliegenden Walliser Standort entfernt !).
9. Qalinm trifloram M chx ., das dreiblütige Labkraut, in Nordeuropa ( Norwegen, Lappland, Nordschweden, Finnland, Nordrussland ), dem Altai, Himalaya, Japan und besonders Nordamerika verbreitet, hat seine zwei einzigen Standorte im übrigen Europa in den Alpen bei Tarasp ( wo es 1878 von Dr. Killias entdeckt und 1882 von Ascher-s o n [la] erkannt wurde ) und im Val d' Hérémenee im Wallis ( von K o h 1 e r entdeckt ).
IT. Nur in den Alpen vorkommend.
( „ Alpigenes " Element .) a ) Im ganzen Alpenbogen ein stark zerrissenes Areal besiedelnd.
10. Minnartia rnpestris ( Seop. ) Schinz & Thellung, die Felsenmiere: von der Provence über Dauphiné, Piémont bis nach Salzburg, Kärnten und Krain sprunghaft verbreitet, in der Schweiz bisher von der Furca di Bosco, Simplon, Lunghin, Küpfenfluh, Lavirums, Heutal, Gemsfreiheit, Trupchum. Sulsanna und Schlinigerpass bekannt, wurde von Braun im Sesvennatal entdeckt.
Vorwiegend westliche Alpenpflanze.
11. Crépis pygmaea L., der Zwergpippau, eine Pflanze des Kalkschuttes, von Spanien und den Pyrenäen die Alpen bis nach Tirol besiedelnd, besitzt in der Schweiz nur wenige Standorte ( Waadt, Wallis, besonders am Südhang der Berner Alpen, Graubünden ) und ist in unserm Gebiet bis jetzt nur am Piz Murtarus an der italienischen Grenze von Brunies gefunden; im Grenzgebiet am Spöl ob Livigno.
c ) Ostalpin.
12. Primula glutinosa Wulfen, die klebrige Primel, der „ Speik " der Tiroler, eine ostalpiue Art aus der rein „ alpigenen " Sippe der Aurikeln, von den norischen Alpen in zusammenhängender Verbreitung bis ins Unterengadin streichend ( im Na-tionalparkgiebiet am Sesvennagrat in Masse bei 2840 m und1 Munt Falein im Scarltal bei 2570 m ); ein westlich vorgeschobener Posten findet sich am Parpaner Rothorn und Älplihorn, 60 km von dem ünterengadiner Standort.
V. Osteuropäisch, von den Karpathen bis zum Val Sesia, mit Schwergewicht In den Südalpen.
13. Euphorbia camiolica Jacquin, die Krainer Wolfsmilch, springt vom Rande ihres südalpinen Teilareals in den Bergamaskeralpen und bei Bozen in einem ganz abgesprengten Vorposten ins unter-engadin beiVulpera ( noch 1916 von Dr. Schibier gesammelt ).
VI. Strassenwanderer.
14. Atropis distans Grieseb. ( L. ). Abstehendes Salzgras. Ein weitverbreitetes, salzliebendes Gras ( Mittel- und Nordeuropa, Südrussland, Balkanhalbinsel, Sibirien ), auf Salzboden und von tierischen Flüssigkeiten benetzten Stellen, besonders auf Strassen, in der Schweiz sehr selten, bisher nur aus dem Kanton Genf, Wallis, Basel und Zürich bekannt, neuerdings von Braun an der Ofen-strasse von Zernez bis Buffalora bei zirka 1920 m gefunden, besonders an Brückenrändern, wohl aus dem Vintschgau eingeführt.
III.
Verweilen wir einen Augenblick bei den Folgen des Schutzes und bei der wissenschaftlichen Untersuchung des Parkes.
Im Walde hört jede Pflege auf: gefallenes Holz, Windwurf- und Lawinenholz bleibt liegen und vermodert. Man hat daraus die Befürchtung abgeleitet, daß diese ungepflegten Wälder einen Herd für schädliche Insekten, insbesondere Borkenkäfer, bilden und so eine Gefahr für die umliegenden Wälder sein werden. Das Studium längst bestehender Urwälder in Böhmen, im Kaukasus, in Nordamerika zeigt, daß diese Befürchtung ganz unbegründet ist. In diesen Naturwäldern hat sich im Laufe der Zeiten zwischen den vielen in Gesellschaft lebenden pflanzlichen und tierischen Organismen eine Art von Gleichgewichtszustand herausgebildet, der erst durch unglückliche kulturelle Eingriffe des Menschen zerstört wird.
„ Wie ängstlich haben in unsern künstlich gegründeten reinen gleichaltrigen Beständen die Forstorgane darüber zu wachen, daß ja alle kränkelnden und dürren Bäume schleunigst aus dem Walde geschafft und die im Walde liegenden Hölzer rechtzeitig entrindet werden, und wie bedeutungslos sind diese hygienischen Maßregeln für den Urwald! Es mutet uns beim Anblick des kraftstrotzenden Urwaldes ganz eigenartig an, wenn wir bedenken, daß heute so manchenorts die wichtigste Kunst des Forstmannes darin besteht, seine in naturwidriger Weise begründeten Bestände vor frühzeitiger Vernichtung durch Insekten, Pilze, Schnee und Wind zu schützen !"
So äußert sich Prof. Arnold Engler in seinen Studien über den Urwald bei Schattawa in Böhmen ( Schweiz. Zeitschrift für das Forstwesen, 1904 ). Prof. Engler ist einer der Vorkämpfer für den „ Plenterbetriebu im Walde, mit ungleichaltrigen, natürlich sich verjüngenden Beständen, die dem Urwald nahe stehen, gegenüber dem glücklicherweise bei uns mehr und mehr verlassenen Betrieb mit künstlicher Rein-pflanzung gleichaltriger Bestände.
Ganz ähnlich spricht sich Prof. ( jetzt Oberforstinspektor ) Decoppetaus auf Grund seiner Beobachtungen im Kaukasus. Die prachtvollen üppigen Urwälder am Mount Rainier bei Tacoma in Nordwest-Nordamerika boten dem Verfasser das gleiche Bild: überall kräftiges Leben, reiche Verjüngung, gesunde Stämme. Eine Gefahr für die umliegenden Wälder bietet also der ungepflegte Wald des Nationalparks nicht, denn er ist keine Reinanpflanzung, sondern ein natürlich gewordener Bestand. Die jetzt schon bestehenden, nie genutzten und gepflegten Urwälder im Spöltal hätten ja längst die umgebenden Wälder anstecken müssen, wenn die Urwaldnatur eine Borkenkäfergefahr bedeuten würde. Das betont auch Herr alt Oberförster Li editi in Murten, der als eidgenössischer Esperte die Waldungen des Nationalparks zu taxieren hatte; er schreibt mir u.a.:... „ man darf jede Gefahr von Insekten-schaden als ausgeschlossen betrachten ". Parkwächter Langen, der seit 5 Jahren mit aufmerksamem Auge speziell auf diese Frage geachtet hat und besonders in Gebieten mit viel Schneebruch-, Windbruch- und Lawinenholz nach dem Borkenkäfer fahndete, schreibt mir: „ Im Nationalpark habe ich den Borkenkäfer nur im Ofengebiet ( Stavelchod, Val del Botsch, Ftur und La Schera ) gefunden, meist im Fallholz, stehende Stämme nur vereinzelt. Jeweilen habe ich mir die Stellen notiert und markiert und im nächsten Jahre wieder abgesucht, aber den Käfer nicht mehr gefunden. " Speziell für Cluoza teilt Herr Forstverwalter Barblan in Zernez mit, daß er dort nie Borkenkäferschaden gesehen habe.
Der Rasenbestand des Nationalparks ist zweierlei Natur:
1. ursprünglich, soweit er a ) oberhalb der Baumgrenze; b ) in stets baumfrei gewesenen Lawinenzügen; c ) als Moorwiesen und Verlandungsbestände baumfrei war; und 2. künstlich, vom Menschen in den Wald hineingerodet, also an Stelle von Wald entstanden: so sind alle frischen und trockenen Matten und Weiden im Gebiete des Waldes aufzufassen.
Soweit diese Rasenbestände gedüngt, bewässert, gemäht oder beweidet wurden, ist außerdem ihre Rasendecke durch den Einfluß dieser Eingriffe verändert worden; denn der Bestand einer jeden Wiese ist durch den ständigen Konkurrenzkampf aller Arten untereinander in stetem labilen Gleichgewicht: sobald eine Bedingung sich ändert, werden gewisse Arten begünstigt und verdrängen andere. Es ist namentlich der animalische Dünger, der hier die stärkste Wirkung ausübt; jede „ Geilstelle ", wo ein Kuhfladen gelegen hat, hat ihre eigene Flora von düngerliebenden Arten. Das Extrem dieser Düngerwirkung stellen die „ Läger " dar, jene üppigen Bestände düngerliebender Hochstauden auf den überdüngten Plätzen um die Sennhütten und auf ebenen Lagerplätzen des Viehes, wo Eisenhut und Alpenampfer, Kälberkropf und Sternmiere, Nesseln und Alpenkreuzkraut wuchern, vom Vieh verschmäht.
Welches wird nun das Schicksal all' dieser Wiesen sein, wenn sie vom Augenblick der Reservation an sich gänzlich selbst überlassen bleiben?
Sie werden allmählich, im Laufe von langen Jahrzehnten, in ihren ursprünglichen Zustand zurückkehren, und es wird eine der interessantesten Aufgaben der wissenschaftlichen Erforschung des Parkes sein, diese Änderungen dauernd zu ver- folgen. Es werden bestimmte Stellen fixiert, deren Bestand an Arten genau aufgenommen und von Zeit zu Zeit, etwa alle 10 Jahre, neu kontrolliert.
Da wird zunächst der Wald das ihm geraubte Terrain wiedergewinnen. Es ist eine alte Erfahrung, daß auf den Wiesen im Gebiete des Waldes stets eine Menge Baumkeimlinge auftreten, die dann aber durch Mähen oder Weiden wieder vernichtet werden. Im Nationalpark können sie ungestört sich entwickeln, und es wird sich allmählich die ursprüngliche Waldvegetation wieder herstellen.
Dann wird der Einfluß des Düngers in dem Maße zurücktreten, als der Boden- vorrat allmählich sich erschöpft. Die gedüngten Mähewiesen werden zunächst, weil das Mähen aufhört und so die Stoffe, die sonst als Heu weggeführt wurden, als Gründüngung im Boden einfaulen, eine Steigerung ihrer Entwicklung erfahren.
Wenn aber nach Jahren der durch den Dünger aufgehäufte Nährstoffvörrat im Boden aufgebraucht ist, wird der Rasen zurückgehen und seine Zusammensetzung ändern, indem gegenüber den Düngerzeigern die Magerkeitszeiger die Oberhand gewinnen werden; dann werden Bäume sich einstellen, und es wird nun von großem Interesse sein, zu beobachten, welche Arten der Wiese als Unterwuchs im Walde bleiben werden.
Die langsamste Veränderung wird die Lägerflora aufweisen, weil hier der maßgebende Dünger in größerer Menge aufgehäuft ist. Aber auch sie werden endlich vom Walde zurückerobert werden.
Von praktischem Interesse verspricht das Studium der Weiden zu werden. Hier ist unter den Älplern allgemein die Ansicht verbreitet, daß sich selbst überlassene Weiden „ verwildern ", d.h. ihren Bestand verschlechtern. Soweit sie im Bereiche des Waldes liegen und allmählich von Gesträuch und Bäumen überwuchert werden, mag das zutreffen. Existieren doch in verschiedenen Alpgesetzen Vorschriften, welche die Sennen verpflichten, die auf der Weide sich einstellenden Holzpflanzen zu vernichten. Weiden aber, die oberhalb der Holzgrenze liegen, werden zunächst nicht „ verwildern ", sondern im Gegenteil als Folge des Schutzes gegen Beweidung einen üppigem Bestand aufweisen. Das ist jetzt, sieben Jahre nach der Schließung der Weide, im Val Cluoza auf der Weide der Alp Murtèr, die früher von Bergamaskerschafen kahl geschoren wurde, deutlich zu konstatieren. Für die alpwirtschaftliche Praxis scheint mir daraus zu folgen, daß solchen, namentlich übernutzten Weiden eine derartige Ruhe- und Wiedererstarkungsperiode zu großem Vorteil gereichen würde. Das zeigt sich auch deutlich an der noch im Waldgürtel liegenden Weide am Eingang in das Val Mingèr. Sie weist eine wunderbare Üppigkeit und Dichte ihres Bestandes auf. Baumkeimlinge können in dem dichten Rasen noch gar nicht aufkommen.
Später freilich, wenn der vom abfallenden Dünger herrührende Nährstoffvorrat aufgebraucht sein wird, wird auch hier die Entwicklung wieder zurückgehen. Es wird sich wohl auch die Zusammensetzung des Bestandes etwas ändern, wenn die Selektion durch den Zahn des Viehs aufhört. Was das ständige Abgerupftwerden nicht erträgt, das ist auf der vielbegangenen Weide verschwunden und hat den typischen „ Weidepflanzen " den Platz geräumt, daher die Trivialisierung der Weide gegenüber der Matte, die durch den Düngereinfluß verstärkt wird.
Hört aber diese Begünstigung der weideertragenden Pflanzen im Konkurrenzkampf auf, so werden auch „ weidescheue " Arten sich wieder einstellen und den Charakter der „ Urwiese " mitbestimmen.
Nach langen, langen Jahren, wenn durch allmähliches Ausschalten der Nachwirkung der Kulturfaktoren überall die „ Urwiese " sich hergestellt hat, und alle Wiesen des ganzen Gebietes als solche bezeichnet werden können, dann hat man einen experimentellen, durch ein großartiges „ Naturexperiment ", einen „ systematischen Verwilder ungs versuch ", hergestellten Beweis dafür, welche Wiesen im Waldgebiet überhaupt ursprüngliche Wiesen sind. Und dann wird man auch die weitere Frage entscheiden können, welche Arten unserer „ Halbkultur-wiesen " wirklich im Gebiet einheimisch sind, und welche nur durch die Kultur-einflüsse von außen auf die Wiesen gelangt sind.
Immerhin dürfen wir dabei eine Fehlerquelle nicht aus dem Auge verlieren: den Verkehr der Menschen, der Reit- und Packtiere im Nationalpark, die allerlei Samen einschleppen können, direkt oder durch ihr Futter, durch Heu. Das ist nicht auszuschalten, denn der Park soll jedermann zugänglich sein; auch führt ja die Ofenstraße auf einer Strecke von ö'/s km durch Nationalparkgebiet, und ist dort für das Ofenwirtshaus eine Exklave mit Weidebetrieb nötig geworden, von der aus ebenfalls Einschleppungen stattfinden können. Es dürfte sich vielleicht empfehlen, später einmal eine größere Partie des Parkes ganz abzuschließen, um sie für wissenschaftliche Zwecke rein und völlig intakt zu erhalten.
Besonders interessant wird sich das Studium der „ Kampfzone " gestalten, oberhalb der jetzigen Waldgrenze ( siehe das Vollbild zu pag. 174 ). Es ist ja eine allbekannte Erscheinung, daß in unsern Alpen fast überall die Waldgrenze durch menschlichen Eingriff stark herabgedrückt wurde. Hat doch Pater Karl Hager von Disentis in seiner schönen forstbotanischen Monographie des Bündner Oberlandes* ) nachgewiesen, daß dort im ganzen Gebiet auf eine Horizontalerstreckung von 400 Kilometern die Baumgrenze um 250 m durch den Menschen herabgedrückt wurde, und daß teils Weiden, teils Zwergstrauchbestände diesen frühern Waldgürtel bedecken. Es ließ sich dabei nachweisen, daß die obere Grenze des geschlossenen Alpenrosengürtels mit der ursprünglichen klimatischen Waldgrenze zusammenfällt. Im Nationalparkgebiet, wo ebenfalls an vielen Orten die Waldgrenze künstlich herabgedrückt wurde, wird sich eine Gelegenheit bieten, die Wiedereroberung dieses verloren gegangenen Gebietes durch den Wald zu verfolgen, und die Richtigkeit der Auffassung gleichsam experimentell zu prüfen, daß die obern Grenzen der Alpenheide und des Waldes zusammenfallen. Die Einzelheiten dieser Wiederbewaldung, die Aufeinanderfolge der grenzbildenden Baumarten ( Fichte, Arve, Lärche, aufrechte Bergföhre ), das ganze Bild dieser „ retrograden Sukzession " wird auf die erste Besiedelung des Koniferengürtels nach der Eiszeit Licht werfen.
Da die zoologischen Bearbeiter mit den botanischen Hand in Hand arbeiten, wird auch der Zusammenhang der Tierwelt mit den Veränderungen in der Pflanzenwelt studiert; es wird die gesamte „ Biocönose ", die Lebensgemeinschaft in ihren natürlichen Wechselbeziehungen vor uns erstehen. Die Bedingtheit der Tiergemein-schaften durch die Pflanzengesellschaften ist neuerdings besonders in England und Amerika eingehend studiert worden. Es hat sich dort sogar ein besonderer gemeinsamer Verein der Botaniker und Zoologen für solche Studien gebildet.
Der Schutz vor störenden Eingriffen von Mensch und Vieh und die Möglichkeit lange dauernder Beobachtungen wird den Nationalpark zu einem unschätzbaren Laboratorium gestalten, in welchem auch ökologische Experimente durchgeführt werden können, soweit sie die Lebewelt nicht schädigen. Ich denke da z.B. an Untersuchungen über Fruchtansatz bei Ausschluß von Insekten, über Samenbildung ohne Bestäubung, über Erfolge der Bastardierung, über die Wirkung künstlicher Beschattung, künstlichen Freihaltens des Schneeschutzes, ferner Beobachtung über die Lebensdauer der ausdauernden Pflanzen, über die Verschiebung der Pflanzengrenzen im Laufe der Zeit, über Besiedelung von Neuland. Für Lehrzwecke wird der Park ein herrliches Demonstrationsobjekt bilden, um so erzieherischer wirkend, als hier gelehrt wird, ohne irgend etwas zu zerstören. „ Zum Herbarium, dem Garten und dem Laboratorium muß das Naturschutzgebiet zugefügt werden, als notwendiges Element des modernen biologischen Forschungsapparates, als charakteristisches Bedürfnis der jüngsten Periode in der biologischen Forschung " ( Diels ), die man etwa als „ Freilichtperiode " bezeichnen könnte.
Das durch den h. Bundesrat genehmigte „ Reglement für den schweizerischen Nationalpark im Unterengadin " sieht eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung des Parkes vor. In 11 dieses Reglements heißt es:
„ Durch die Schweizerische naturforschende Gesellschaft ist eine umfassende monographische Bearbeitung der gesamten Natur des Parkes durchzuführen, die den dermaligen Bestand des Nationalparks darstellt. Die daherigen Aufnahmen haben mindestens für eine Reihe typischer Standorte zu geschehen und unterliegen einer umfassenden Nachführung, welche die Veränderungen und Verschiebungen der Pflanzen- und Tierwelt in ihrem qualitativen und quantitativen Zusammenhang und in deren Lebensweise festzustellen und die Wege aufzudecken sucht, auf denen sie ihr Gleichgewicht sucht und findet. "
Die nähere Organisation der wissenschaftlichen Erforschung des Nationalparks wurde einer von der Schweizerischen naturforschenden Gesellschaft im Jahre 19IG bestellten Kommission von 14 Naturforschern unterstellt. Meteorologen, Geographen, Geologen, Botaniker und Zoologen sind darin vertreten. Sie hat sich in vier Sub-kommissionen ( meteorologische, geographisch-geologische, botanische und zoologische ) gegliedert und ein einläßliches Arbeitsprogramm entworfen, das ebenfalls von der eidgenössischen Parkkommission und dem h. Bundesrat genehmigt wurde. Als Richtlinien für das Arbeitsprogramm stellte sie folgende Punkte auf:
1. Der Hauptgesichtspunkt, unter dem die wissenschaftlichen Arbeiten im Nationalpark durchgeführt werden sollen, ist: Die Erforschung der Lebewelt des Parks, ihrer Lebensweise und ihrer Entwicklung nach Ausschaltung des menschlichen Einflusses.
2. Der Umfang des zu bearbeitenden Gebietes soll über die Grenzen des jetzigen und des projektierten Nationalparks im Westen und Norden bis zum Inn hinausgreifen ( s. Fig. 1 ).
3. Das Gesamtgebiet ist in sukzessive zu bearbeitende, natürlich umgrenzte Teilstrecken zu zerlegen.
4. Die monographische Bearbeitung der Gebiete erstreckt sich auf folgende Punkte: Geographische, hydrologische, geologische, klimatologische Verhältnisse, vollständiger Standorts- katalog der gesamten Lebewesen, insbesondere auch der Mikroflora und Mikrofauna.
Darstellung der typischen Pflanzen- und Tierformationen ( Biocönosen ). Besondere Darstellung der anthropogenen Einflüsse, insbesondere: Studium der Besiedelungsgeschichte und der Waldgeschichte des Gebietes.
5. Besonderes Gewicht ist auf die möglichst reichhaltige Gewinnung biologisch wertvoller meteorologischer und bodenkundlicher Daten zu legen, namentlich auch auf das Studium von Klima und Boden im kleinsten Raum ( Standortsklima ). 6. Folgende Arbeiten sind ebenfalls zulassig, soweit sie sich in das Hauptprogramm einfügen lassen:
Studium einer kleineren Pflanzen- und Tiergruppe im ganzen Gebiete. Studium spezieller geologischer, topographischer, meteorologischer und anderer Fragen.
Die Arbeit ist in-vollem Gange: ihr Stand im Frühjahr 1918 ist folgender: in Ausführung von Punkt 5 sind drei meteorologische Stationen ( Val Cluoza, Wegerhaus Buffalora und Val Scarl ) eingerichtet, ein registrierender Thermograph an der Baumgrenze im Val Cluoza aufgestellt, zwei Totalisatoren ( zur Messung der Niederschlagsmenge ) angeschafft, die beim Blockhaus Val Cluoza und an der Baumgrenze auf Alp Murtèr aufgestellt werden sollen, und Verdunstungsmessungen geplant. Die Geographen planieren u.a. eingehende langjährige Studien über die Wirkung der Krosion, die Botaniker haben den besten Kenner der Bündnerflora, Dr. Josias Braun, Konservator des geobotanischen Instituts von Dr. Rubel in Zürich, und den besten bodenständigen Kenner des Nationalparkgebietes, Dr. St. Brunies, Sekretär des Naturschutzbundes, als Bearbeiter der Gefäßpflanzen des Gebietes gewonnen, und zwei der besten Mooskenner der Schweiz, Herrn Charles Meylan in La Chaux bei Ste-Croix und Dr. Jules Amann in Lausanne, das Studium der Moose übertragen. Auf zoologischem Gebiete hat Herr Bütikofer die Weichtiere des Gebietes bearbeitet, Herr G. v. Burg in Ölten studiert die Säugetiere und Vögel, der eidgenössische Fischereiinspektor Dr. Surbeck die Fische, Dr. Bigler die Diplopoden ( Schnurasseln, eine Gruppe der Tausendfüßer ), Dr. Menzel und Dr. Hofämmer die Halbflügler, Dr. Carl dieCollembolen und die Hautflügler, Dr. de Lessert die Spinnen.
Leider sind die finanziellen Mittel zur Durchführung der Riesenaufgabe bis jetzt sehr spärlich; es ist zu hoffen, daß weitere Kreise da helfend eingreifen werden; schon hat die Schweizerische zoologische Gesellschaft 500 Fr. für die zoologische Erforschung, die Zürcherische naturforschende Gesellschaft ebensoviel für die botanischen Arbeiten gespendet; möchten diese guten Beispiele Nachahmung finden!
IV.
Durchwandern wir nun unser Gebiet durch alle Höhenstufen, und machen wir dabei vor den bezeichnendsten Vegetationsbildern einige Augenblicke halt.
In der Kulturstufe sind in unserm Gebiet, das ja im Haupttal nur das rechte, schattigere Innufer von Scanfs bis Schuls umfaßt, die typischen Standorte xerothermer Pflanzen weit schwächer vertreten als auf den sonnigen Terrassen der linken Talseite. Am Wege von Zernez zum Val Cluoza, gleich am Ausgange des Dorfes, hat sich immerhin auf dem Hügel von Chasté Muottas eine solche, Wärme und Trockenheit liebende Flora angesiedelt: Steppengräser bilden den Rasen ( Festuca vallesiaca, Phleum phleoïdes, Koeleria gracüisweiß schimmern im Schmuck ihrer Spinnwebhaare die Rosetten einer Hauswurz ( Sempervivum tomentosum ): weitere xerotherme Elemente sind: Chenopodium foüosum, Tunica Saxifraga, Minuartia mucronata ( entdeckt von Braun, siehe Fig. 2 ), Potentina rupestris, Geranium sanguineum, Artemisia campestris, Lappula echinata, Anchusa ofßcinalis, Veronica spicata und Dil-lenii ( entdeckt von Braun, siehe Fig. 2 ).
Weitere bekannte trockenwarme Standorte bieten der Schloßhügel von Tarasp und die ihm benachbarten Hügel bei Vulpera, auf denen sich folgende wärmeliebende, zum Teil xerotherme Formen finden ( zum Teil nach Braun ): Melica Fig. 4. Langbegrannte Scheinfrüchte zweier Wärme und Trockenheit liebender Steppengräser des Nationalparkgebietes :,.LinksJdas Federgras ( Stipa pennata ), rechts das Haargras ( Stipa capillata ). Die spitzen Scheinfrüchte bohren sich mit Hülfe der hygrokopischen, drehbaren Grannen in den Boden.
Nach Natur von Simeon ( etwas verkleinert ).
transsilvanica, Tunica Saxifraga, Minuartia rostrata ( s. Fig. 2 ), Fumaria Schleicheri, Draba incana, Cappella pauciflora, Astragalus depressus, Astragalus Cicer, Oxytropispilosa, Ononis rotundifolia ( Vulpera ), Seseli montanum, Euphrasia tatarica, Globularia Willkommii, Artemisia Absinthium, Artemisia vulgaris var. vestita, Onopordon Acanthium, Lactuca perennis.
Einzelne Wärmezeiger gehen an der Ofenstraße an den warmen südlich exponierten Kalkfelseu weit ins Ofental hinein: so namentlich das Steppen bewohnende Federgras {Stipa pennata, Fig. 4 ), dessen silberglänzende wehende Grannen in der Sonne flimmern, wie im Wallis etwa an den Hängen von Tourbillon und Valére. Dann auch eine zierliche, seltene Kreuzblütlerin, die Felsen-Steinkresse ( Aethionema saxatile, Fig. 5 ) mit rötlichen Blüten und eigentümlich trüb-violetten Schötchen, in der Schweiz im Wallis, Tessin, Berner Oberland, in Graubünden nur im Ofengebiet zu finden, an Felsen und besonders häufig im Flußkies des Ofenbaches. Es ist eine in den Gebirgen rings um das Mittelmeerbecken verbreitete felsschutt- und felsbewohnende Thermophile, auch in Nordafrika und Kleinasien zu Hause, kalkstet, und in den West- und Ostalpen zerstreut, bis in die bayrischen Heiden vorkommend, auf dem Flußkies der Isar bei München. Die drüsig-klebrige rundblättrige Hauhechel ( Ononis rotundifolia ) mit schönen roten Blütentrauben wagt sich sogar im Spöltal bis 1900 m, im Kiefernwald an den trockenen Südosthang oberhalb Punt Praspöl gegen Plan Larschaida.
Auf trockenen Matten an der Ofenstraße ob Zernez grüßt uns eine Seltenheit ersten Ranges: die echte bulbillen-tragende Feuerlilie ( Lilium bulbiferum ), mit zahlreichen Brutzwiebelchen in den Blattachseln, in der ganzen Schweiz nur im Unterengadin ( auch bei Fontana ) und im Münstertal zu Hause. Es ist eine submediterrane Gebirgspflanze, die auch noch zu den xerothermen Elementen zu zählen ist. Die Feuei-lilie der Felsen ( Lilium crocetim ) ist davon durch eine ganze Reihe von Merkmalen deutlich verschieden; sie wächst unweit davon an Felsen an der Ofenstraße.
„ Berühmt ist der Reichtum des Unterengadins an duftenden Hagrosen ( gibt es doch in der Tat wohl nur wenige Gebiete, wo ein solcher Formenreichtum mit solcher Individuenfülle verbunden isti ( 21a ); besonders Schuls-Tnrasp ist ein wahres „ Rosenparadies " ). " Killias ( 24 ), Christ ( „ Rosen der Schweiz " ), Crépin ( 18a ) und Robert Keller ( 21a ) haben ihn erforscht. Freundlichen schriftlichen Mitteilungen des letztern entnehme ich, daß nicht weniger als 14 Arten in 21 Abänderungen und mit zwei Bastarden die sonnigen Hänge der untern Höhenstufe im Juni und Juli mit ihren Blüten schmücken. Aber auch das Laub duftet im Sonnenschein! Würzig-harzig bei der großfrüchtigen Bosa pomifera, nach Äpfeln bei der eglanteria, nach Gewürznelken bei der Rosa rhaetica, die eine Charakterart des Gebietes darstellt, auf der ganzen Erde nur im Unterengadin, Tirol und Veltlin vorkommend, nach Keller eine lokal mehrfach entstandene sprunghafte Abänderung einer weitverbreiteten Art.
Y.
Der Wald ist im Nationalparkgebiet reich entwickelt: erstreckt sich doch im Haupttal des Unterengadins von Zernez bis Martinsbruck, auf einer Ausdehnung von 60 km Länge, ein fast ununterbrochener Nadelwaldgürtel am Gehänge der rechten Talseite. Herrschend ist die Fichte, mit starker Beimengung der Waldföhre; unten ist der Wald meist umsäumt von einem Lärchen-gürtel und geht nach oben in Arven-und Lärchenbestände über. Aber auch die Seitentäler sind reich bewaldet, im Ofengebiet und untern Scarlgebiet mit Dominanz der aufrechten Bergföhre.
Zernez ist mit einem Gemeindeareal von 205.9 km2 und mit einem Waldbesitz von 4945 ha die größte und waldreichste Gemeinde der Schweiz. Die Laubbäume spielen im ganzen Gebiete eine geringe Rolle: nur die Grauer 1 e(Alnus incana)ist in den fragmentarischen Auenwäldern amlnn und Spöl und in manchen Lawinenzügen reichlicher vorhanden. Die Birke, die Zitterpappel und der Vogelbeerbaum ( Betula verrucosa, Beiula pubescens und Zwischenformen, Populus tremula und Sorbus aucuparia ) sind die resistente- Fig. 5.
sten, genügsamsten, am weitesten gegen die Waldgrenze vordringenden Laubbäume unserer Alpen und mischen sich bis 1900 m dem Walde bei.
Die Birke in einer knorrigen, der nordischen Krummbirke {tortuosa Ledebour ) nahestehenden Form ziert in besonders markanter Weise den Urwald von Crappa malar an der linksseitigen, wild zerrissenen Felsflanke des Val Sassa, Seitental des Val Cluoza.
„ Arvenveteranen mit baumdicken Ästen, trotzig sparrigem Gezweig und gewaltig ausgreifenden Wurzeln sammeln an diesem von den Zerstörungsgeistern verschonten Ort die letzten treuen Wald-genossen der Lärche und aufrechten Bergföhre um sich. In das Bild des Ernstes und des Kampfes wirkt die Birke mit ihrer Atlasrinde und dem Schleier ihres leicht bewegten Zweigwerkes einen Zug nordischer Schwermut " ( Brunies ).
Der Vogelbeerbaum steigt im Arvenwalde Tamangur im Scarltal sogar bis zur obern Waldgrenze bei 2200 m, wo sich auf einem Felsblock noch ein 70 cm hohes Exemplar fand. ( Noch höher, bei 2300 m, fand ihn Verfasser am Piz Tschüffer im Heutal. ) Daß die Vogelbeeren eine Lieblingsspeise der Bären sind, das konnte, wie mir Dr. Coaz mitteilt, Kreisförster Grisch in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Misox beobachten. Er hörte in der Valle di Lostallo im Walde Äste brechen. Behutsam näherte er sich der Stelle und erblickte zu seinem nicht geringen Erstaunen einen Bären aufrecht unter einem Vogcl-beerbäumchen, der Äste abbrach und die schönen roten Fruchtdolden sich ins Maul führteBei Klosters befand sich gegen Silvretta hin ein kleiner Vogelbeerbestand, der im Herbst regelmäßig von Bären besucht wurde. Es ist zu hoffen, daß die Vogelbeeren im Nationalpark zur Wiedereinbürgerung des Bären beitragen werden.
Auch die Traubenkirsche ( Prunus Padus ), freilich zum Strauch reduziert, geht bis zu 2050 m im Sesvennatal. Baumartig wird auch die fünfmännige Weide ( Salix pentandra ) am Inn bei Zernez und die schwarzwerdende Weide ( Salix nigricans ), von der im Val Mingèr noch bei 1930 m ein 5 m hohes Bäumchen steht.
Die Fichte ist der herrschende Waldbaum an den Hängen des Haupttals bis gegen 2000 m, wo sie dann von Arve und Lärche abgelöst wird. Am Ofenpaß und im Spöltal ist " sie spärlich vertreten, dort wird sie durch die Bergföhre ersetzt, aber im feuchten und schattigen Praspöl tritt sie noch in schönen Exemplaren auf. Im Scarltal geht sie ungefähr bis Scarl ( 1800 m Bannwald Jurada ) und dringt nur spärlich ins Sesvennatal bis 2050 m; im Plavnatal geht sie nur bis 1700 m. An der Ofenstraße, unweit Zernez, finden sich ausgeprägte „ Walzenfichten"1 ), gemischt mit Lärchen, Waldföhren, Engadinerföhren und Arven; die herrliche Alpenwaldrebe {Clematis alpina, Fig. 6 ) hängt hier ihre blauen Glocken im Unterholz auf, und die Bärentraube bildet gewaltige Spalierteppiche am Hang. Hin und wieder sitzt den Fichtenästen ein kugeliger „ Hexenbesen " auf, ein dichtes Gewirr kurzer, dicker Zweige, eine erbliche Knospenabänderung, aus deren Samen kleine, buschige Zwergbäumchen hervorgehen. Es ist hier also kein parasitischer Pilz im Spiel wie bei den* Hexenbesen der Weißtanne. Ein einziges Exemplar einer seltenen Spielart, der Siiulenfichte, findet sich im Val Plavna rechts am Wege ( beim Abstieg ) von der großen Schuttebene.
Die Waldföhre ( Pinus silvestris ) ist einer der weitest verbreiteten und anpassungsfähigsten unserer Waldbäume, für den nur milde Winter gefährlich sind, und der daher um so besser gedeiht, je kontinentaler das Klima ist. Er charakterisiert durch die Häufigkeit seines Vorkommens die Talrinnen unseres Gebietes, insbesondere das Haupttal von Zernez an abwärts als zu der „ kontinentalen zentralalpinen Föhrenregion " ( Braun ) gehörig, wo Föhre und Steineiche herrschen, und wo die Buche und ihre Begleiter ganz zurücktreten. „ In Bünden ", sagt Engler ( 19 ), „ kommt die Föhre überall vor, wo ihr geringere Niederschlagsmengen und längere Trockenperioden im Verein mit geringer Wasserkapazität des Bodens die Überlegenheit über Fichte und Lärche verschaffen; gewöhnlich mischt sie sich diesen Holzarten bei. " Sie findet besonders auf jenen Böden ein Asyl, auf die ihr die anspruchsvollem Laubhölzer nicht zu folgen vermögen, ist also gleichsam ein Flüchtling im Kampf ums Dasein.
Von besonderm botanischem und forstlichem Interesse ist eine im Gebiete sehr häufige Form der Waldföhre, die „ Engadinerföhre " {Pinus silvestris L. var. engadinensis Heer ). Sie unterscheidet sich von der echten Waldföhre durch folgende Merkmale ( wobei die nach der Bergföhre hinneigenden Merkmale mit ( m ) bezeichnet sind:
Die Krone ist schmal, lockerästig und spitz ( m ), nicht oben breit abgewölbt; das Kern-holz ist hell, nicht dunkelbraun, wie bei Waldföhre und Bergföhre; der Harzgehalt ist ein geringerer als bei der Bergföhre. Die Dick-Borke ist auch bei alten Bäumen nicht so dick wie bei der Waldföhre ( m ), und die rotgelb gefärbte Schuppenborke reicht viel tiefer am Stamm herab. Die Nadeln zeigen den für die typische Waldföhre charakteristischen anatomischen Bau, ein Beweis, daß die Engadinerföhre zur Waldföhre gehört, sie haben aber eine längere Lebensdauer als bei dieser ( m ), was Eng 1 e r als eine direkte Wirkung des Klimas auffaßt, da auch Tieflandföhren bei Kultur im Gebirge die Lebensdauer ihrer Nadeln verlängern. Die Zapfen sind nicht hängend, sondern horizontal gerichtet ( m ), der Schuppens child kräftig entwickelt, bucklig verdickt und etwas glänzend ( m ), mit einem schwarzen Ring um den Nabel, der durch einen Pilz verursacht wird ( m ).
Physiologisch ist die Engadinerföhre ausgezeichnet durch ihre treffliche Anpassung an die alpinen Bedingungen: „ Die Schmalkronigkeit bietet Sicherheit gegen die Gefahren der Schnee-belastung und heftiger Stürme und gestattet eine möglichst ergiebige Ausnützung des Lichtes in der kurzen Vegetationszeit " ( E n g l e r ); in der Tat geht die Engadinerföhre im Gebirge bis zur Baumgrenze ( 2100 m auf Muottas Muraigl ) und widersteht dem Schneedruck vortrefflich, während die Waldföhren bei Anpflanzung im Gebirge durch den Schneedruck stark geschädigt werden.
Ferner zeigt sie nach den Aussaatversuchen Prof. Englers ein auffallend kräftiges und rasches Jugendwachstum: „ An den hochalpinen Anbauorten ( Samaden, Celerina, Scanfs, Davos ) übertrifft die Engadinerföhre an Gesundheit und Schönheit des Wuchses die andern Föhrensortcn und wetteifert im Höhenwachstum mit den raschwüchsigen Föhren südwestdeutscher und nord-schweizerischer Provenienz. " In tiefern Lagen ( auf dem Adlisberg bei Zürich 670 m ü. M. ) übertreffen die Engadinerföhren ( aus 1700 und 1800 m stammend ) die aus mittelhohen alpinen Standorten ( 1000 bis 1500 m ) stammenden Exemplare beträchtlich; Engler zieht daraus den Schluß, daß „ die Engadinerföhre in der Tat eine besondere von andern Gebirgsföhren sich deutlich unterscheidende Rasse bildet. " Da sie sich auch von den hochnordischen Föhren ( die sehr langsam wachsen !) scharf unterscheidet und am meisten Ähnlichkeit mit der berühmten „ Riga-Föhre ( ostpreussische und westrussische Rassen ) hat, vermutet Engler einen engeren Zusammenhang der Engadinerföhre mit diesen Rassen.
Eine weitere physiologische Eigentümlichkeit, den frühen Eintritt der winterlichen Verfärbung der Nadeln, hat die Engadinerföhre mit der hochnordischen gemein, während in der Empfänglichkeit gegen den Pilz der „ Nadelschütte " wieder ein großer Unterschied besteht; die nordischen sind wenig, die Engadinerföhren sehr stark empfänglich.
Diese „ Engadinerföhre " wurde zuerst vom Plaungood-Wald bei Samaden von Brügger und Heer beschrieben und als eine scharf begrenzte, nur dort vorkommende Abart aufgefaßt. Seither aber hat es sich gezeigt, daß in Höhenlagen sehr häufig neben typischer Waldföhre Exemplare mit mehr oder weniger „ engadinoiden " Merkmalen auftreten; sie wurden u.a. nachgewiesen von Hager: im Bündner-Oberland in der Schieinser Rötidolomit-Mulde ( mit ganz bergföhrenähnlichen braunen, glänzenden Schuppenschildern, aber typischen Waldföhrennadeln !), im Wallis am Six Carro ob dem Maiensäß Joux-Brûlée oberhalb Branson, mit Übergängen zur Waldföhre, in Gesellschaft von Arven und Lärchen ( H. Gams, schriftliche Mitteilungen ), im Veltlin oberhalb Teglio ( Gams ), Premadio bei Bormio ( Christ ), ferner zwischen 1300 und 1600 m von den Bädern von Bormio bis über Torripiano hinaus, also am Südhang des Monte Scala und gegenüber am Le Motte ( nach F u rr e r, schriftliche Mitteilungen ), im Puschlav, *o nach Brockmann einerseits eine breitkronigeWaldföhre mit „ engadinoïden " Zapfen bis 1960 m reicht, anderseits aber typische schmalkronige Engadinerföhren von 1800 m an die echte Waldföhre vertreten und bis 2320 m im Maximum steigen.
Das „ Engadinerföhrenproblem " ist eine komplizierte Frage, die vielleicht am besten durch weitere Studien und Versuche im Nationalpark gelöst werden kann. Sie wird kompliziert dadurch, daß jj„engadinoide " Zwischenformen zwischen Wald- und Bergföhre im Mischgebiet häufig vorkommen. Sie müssen wenigstens zum Teil als Kreuzungsprodukte aufgefaßt werden. So besonders im Nationalparkgebiet, wo Brunies ( 13 ) sie eingehend studiert hat: „ Im Spöltal bilden auf einer zusammenhängenden Strecke von ca. 6 km von Laachadura bis Punt Perif, besonders auf der rechten Talseite die beiden Arten dichtgeschlossene Mischbestände: diese Bäume zeigen „ in Habitus und Nadelwerk, in der Rinde, Zapfenfarbe und -Stellung und Schuppenform alle möglichen Nuancen des Überganges von der einen zur andern Art. "
Fig. 7.
( Die zwei mittleren, locker beasteten, spitzkronigen Bäume sind besonders charakteristisch. Die Aufnahme stammt aus den Waldungen von Samaden, Plaun prod, bei 1750 m, einem Mischwald von Fichten, Arven, Lärchen, Engadincrföhren und Bergföhren. Cliché von der eidgenössischen forstlichen Versuchsanstalt freundlichst zur Verfügung gestellt; publiziert in den „ Mitteilungen " dieser Anstalt, X. Band, 3. Heft, Seite 211, 1913. ) Die bisher bekannten Tatsachen lassen folgende Auffassung über die Engadinerföhre und die Mischform als die wahrscheinlichste erscheinen: Die Waldföhre zerfällt in zahlreiche durch „ montanoïde " Merkmale und ungleiche Empfänglichkeit für umgestaltende alpine Einflüsse verschiedene erbliche Rassen ' ). Im Gebirge sind die engadinerföhreuähnlichen ( schmalkronigen ) im Vorteil und bleiben am ehesten erhalten; je nach ihrer größeren oder geringeren Empfänglichkeit werden ihnen Bergföhrencharaktere stärker oder weniger stark aufgeprägt ( daher alle die Abstufungen und Zwischenformenalle diese reinen Waldföhrenabkömmlinge haben anatomisch typische Waldföhrennadeln. Dazu kommen dann noch Bastarde mit der Bergföhre, durch den Mischtypus in der Nadelanatomie ausgezeichnet und nur zwischen den Eltern auftretend. Daß in Hochlagen bis 1950 m auch noch typische unveränderte echte Waldföhren vorkommen2 ), beweist, daß eine primäre erhebliche Differenz in der alpinen Beeinflußbarkeit vorliegt.
So finden wir also in Hochlagen bis 2000 m und darüber folgende Föhrenformen: 1. Typische Waldföhren mit allen ihren Zapfenabänderungen. 2. Typische Engadinerföhren als eine erbliche physiologisch und morphologisch differente Ge birgsrasse. 3. Annäherungsformen an diese, als Parallelbildungen aus allen Zapfenabarten der Ebene hervorgehend und der Bergföhre sich nähernd. 4. Bastarde zwischen Waldföhre und Bergföhre. 5. Echte Bergföhren.
Zweifellos aber ist die forstliche Bedeutung der Engadinerföhre eine sehr große: „ Durch die Verwendung alpiner Föhrensamen ( und dabei ist besonders an die Engadinerföhre zu denken — Verf. ) wird es möglich sein, in Zukunft manche Aufforstung im Hochgebirge durch eine neue, wertvolle Holzart zu bereichern, was in Anbetracht der beschränkten Auswahl an Holzarten einen nicht zu unterschätzenden Gewinn bedeutet " ( Engler 19 ).
Über das Verhältnis der Engadinerföhre zu der ihr ähnlichen nordschwedischen oder lappländischen Föhre ( Pinus silveslris L. var. Jappo- nica [Fries] Hartmann, Pinus FrieseanaWichum ) haben sich die Ansichten geändert: während Christ ( 16 ) beide für identisch hält und die Engadinerföhre als ein nordisches Element unserer Alpenflora betrachtet, weisen sowohl Engler ( 19 ) als auch NilsSylvèn ( 32 ) in einer neuen, Aufnahme von Ernst Meyer ( Bern ), stud, for., 3. Augost 1902.
umfassenden Arbeit auf die oben erwähnten großen morphologischen und physiologischen Unterschiede hin. Nach NilsSylvèn ist die lappländische Kiefer eine gut ausgeprägte erbliche Unterart ( mit anderer Einwanderungsgeschichte als die südschwedische Kiefer ), die mit der engadinensis gar nichts zu tun hat.
Die Bergf olire ( Pinus montana, Fig. 8, 12—16 und das Vollbild zu pag. 182 ) tritt in unserm Gebiet in einem so großen Reichtum von Formen auf, wie sonst nirgends in der Schweiz; im Wuchs und im Zapfenbau sind fast alle bekannten Abänderungen hier vertreten. Besonders die aufrechte, baumartige Wuchsform ( var. arborea Tubeuf ) bildet im Ofenpaßgebiet die ausgedehntesten reinen Bestände der ganzen Schweiz ( 2600ha ), „ vor allem auf der rechtsseitigen Talebene auf dem Hauptdolomit von Ovaspin bis Sü- som, auf einer Strecke von zirka 12 km. Kaum ein Dutzend Lärchen und Waldkiefern haben es gewagt, dieses absolutistische Reich zu betreten, welches in eigenartigem Gegensatz steht zu dem bunten Mischwald ( Fichte, Bergkiefer, Lärche und Arve ) der gegenüberliegenden Talseite, dem Verrucanostock von La Schera-Buffalora " ( Brunies 13 ). Im Spöltal von Laschadura bis Punt Perif ist die Bergföhre mit der Waldföhre gemischt, während sie den Südhang des Munt La Schera wieder in reinen Beständen überzieht.
Im Haupttal des Inn ist sie schwach vertreten; nur an der Talecke Arduond-Tantermozza bildet sie grös- sere, fast reine Bestände.
Aber auch in dem schuttreichen Plavnatal ist die baumförmige Bergföhre die Herrscherin des Waldes; sie dringt dort von den Hängen der Dolomitberge herab bis auf die ausgedehnte Schuttwüste der Talsohle, oft gleichsam bis zu den Knien in dem sie Ubersch wemmendenSchutte watend. Die linke Talseite von Mingèr, die Sonnenseite, der wilde Hang des Piz Mingèr ist mit Bergföhrenwäldern bedeckt; der schmale Pfad windet sich in der Nähe des Baches mühsam durch die Wildnis, in der uns das leuchtende tiefe Orange des stabwurzblättrigen Kreuzkrautes ( Senecio abrotanifolhis, Fig. 10 ) erfreut. Die gegen- Häufig als Unterwuchs im Bergföhrenwald des Nationalparks.
Aufnahme von Wilhelm Heller, Zürich.
überliegende Schattenseite nährt einen Mischwald mit dominierender Lärche, der Fichte, Arve und Bergföhre beigemischt sind.
Auch im untern Teil des Scarltals, im Bereich gegen den Weiler Scarl, ist sie reich vertreten, während von da an Lärche und Arve herrschen. Und im Val Cluoza bildet sie die dichtesten, wildesten Urwaldpartien, wo gefallene Stämme kreuz und quer liegen, wo der Fuß im Humus versinkt und man sich nur mühsam Bahn bricht.
Eine besonders schöne Parklandschaft mit stattlichen Bergföhrengruppen viel-stämmiger Exemplare, mit Durchmesser bis zu 70 cm, durchwandern wir auf dem Plaun dell'Aua beim Übergang von der Ofenpaßhöhe ins Scarltal ( Fig. 8 ). Ähnliche Parklandschaften treffen wir an der Ofenstraße bei Champsech; ein Prachtexemplar von dort findet sich im „ Baumalbum der Schweiz " abgebildet. Sie steigt bis zur Baumgrenze empor, geht an der Schattenseite von 1530—2170 m, an der Sonnenseite von 1650—2300 m, kommt vorwiegend auf Kalk und Dolomit vor, bildet aber auch auf Verrucano und sogar Gneis dichte Bestände.
Eine auffallende Eigenschaft der Bergföhrenwälder des Ofentals längs der Poststraße ist die weitgehende G-leichaltrigkeit der Bestände. Nach den von Oberförster Meyer in Chur im Auftrage des Kantonsforstinspektorats durchgeführten Zu-wachsuntersuchungen im Val del Fuorn ( 110-jährig ), Val del Botsch ( 112jährig ), Stavelchod ( 100jährig ), Val Chavaigl ( llöjährig ) und auf Munt La Schera ( 16Ojährig ) betrugen die größten Altersunterschiede 20-38 Jahre, also „ Zeiträume, wie sie für die vollständige natürliche Verjüngung einer kahlen Fläche nötig erscheinen. Man darf deshalb mit Bestimmtheit annehmen, daß diese Flächen seinerzeit völlig entholzt wurden ". In der Tat wird berichtet, daß der Betrieb der Bergwerke im Ofenpaß und in Buffalora eine schonungslose Raubwirtschaft gegenüber dem Wald bedingte. Außerdem wurde der Wald auch von den Tirolern dezimiert, welche hier Holz für ihre Salzpfannen in Hall kauften.
Auch zu Holzkohlen wird die Bergföhre verarbeitet: unweit der Ofenpaßhöhe erblickt man tief unten am Ofenbach einige Kohlenmeiler, in denen ein Bergamasker im Auftrage des Besitzers dieser Waldungen Holzkohle brannte. Seit Kriegsausbruch hat das Militär diese Kohlenbrennerei übernommen.
Im TTnterwuchs des Bergföhrenwaldes im Ofengebiet dominiert meist die Ericaceenheide, Heidelbeere, Preißelbeere, Moorbeere, beide Alpenrosen, Schneeheide und beide Bärentrauben. Namentlich die immergrüne Bärentraube ( Arctostaphylos uva ursi ) bildet z.B. an den Hängen des Val Ftur bei Badachül große Teppiche. Daraus leuchten in besonders schöner Entwicklung die zierlichen Sträuchlein des Steinrösels heraus, der „ gschinökigen Alpenrose " der Glarner ( Daphne striata, Fig. 9 ), die den süßen Duft des Flieders mit dem Rot der Alpenrosen und dem schmalen Blatt einer Weide verbindet, mit ihren scheinbar kelchlosen, langröhrigen Blüten. ( In Wirklichkeit entspricht der rote, vierlappige Saum einem gefärbten Kelch, und die Krone ist verloren gegangen. ) Das Steinrösel streicht von seinem östlichen Verbreitungszentrum zu uns herüber, das Ost- und Südalpen umfaßt; es findet seine relative Westgrenze in den St. Galler-, Glarner-, Vierwald-stätter- und Bündneralpen, taucht aber in den französischen Alpen wieder auf. Es ist eine Charakterpflanze der Alpen und außerhalb derselben nirgends vorkommend, eine ausgesprochene Kalkpflanze, die Fig. 10. Das stabwurzblättrige Kreuzkraut ( Senecio abrotani- folius ), mit leuchtend orangegelben Blüten.
Orig. v. Ludw. Schröter.
in der Schweiz nirgends so massenhaft auftritt, als in unserem Gebiet. Ihr häufigster Begleiter in den Ostalpen und im Bergföhrenwald ist das " buchsblätterige Kreuzkraut ( Polygala chamaebuxus ), ein Winter-blüher und Frühlingsbote, ein Gruß aus der immergrünen Mittelmeerzone, ein kalkliebender Magerkeits- und Trockenheitszeiger, ein Bewohner lichter Wälder mit Steinrösel und Schneeheide, bis über die Baumgrenze steigend ( 2480 m im Wallis, in 2100 m im Gebiet ).
Spalierrasen mit immergrünen Blättern und leuchtend weißen Blüten breitet die Silberwurz {Dryas octopetala ) über dem Boden; ähnlich, aber sommergrün, das Alpen-Sonnenröschen ( Helianthemum alpestre ), mit seinen glänzend gelben Blüten. Die herzblätterige Kugelblume ( Globularia coräifolia ), der Zwergwachholder {Juniperus communis var. montana ), die Zwerg-Eberesche {Sorbus ehamaemespilus ), die netzblätterige Weide ( Salix retieuluta ) vervollständigen die Reihe der Alpensträucher im lockeren Bergkieferwald. Zwischen ihnen breitet sich an lichteren Stellen ein gras- und kräuterreicher Teppich, aus dem mit schwefelgelben Blüten das Brillenschötchen ( Biscutella laeoigata ) herausleuchtet. Eine besondere Zierde der Bergföhrenwälder des ganzen Gebietes bildet das Stab- wurz-Kreuzkraut ( Senecio obrotanifolius L., Fig. 10 ), mit seinen fein zerteilten Blättern und glänzend orangegelben Blüten, auf Urgestein und Kalkgestein Lärche und Bergföhre begleitend, auch im Schutt und auf der Alpweide, eine vorwiegend ost- und zentralalpine Art, die aber vereinzelt noch im Wallis vorkommt.
Aber nicht nur die aufrechte Bergföhre, auch die L e g f ö h r e und alle Übergänge von der einen zur andern sind reich vertreten im Gebiet, bis 2400 m ü. M. In dichten Beständen überzieht sie namentlich die wilden Hänge von Praspöl und im Val Cluoza und bildet vielerorts einen schwer durchdringbaren Gürtel über dem Walde. Ihre sclmttbezwingende Pionierrolle ist im Hintergrunde des Val Sesvenna besonders deutlich, wo die schwarzen Legföhreninseln die vom Piz Cornet und Cristannas lierabstreichenden Dolomitschutthalden erklettern ( Fig. 12 ). Noch packender ist das Bild, das der gewaltige Piz Plavna dadaint von der Paßhölie von sur il Foss aus gewährt. ( Siehe Fig. G, pag. 217, im Artikel von Prof. Chaix. ) Eine Fülle blendendenAlpenlichts übergießt den weißen Dolomitkegel, der uns seinen ganzen 1000 m messenden Absturz zukehrt. Von dem zerschrundeten bleichen Skelett des Gipfelkegels ergießen sich breite Schuttströme talwärts, die aufwärts strebenden Pioniere der Vegetation immer wieder unter ihrer Decke begrabend. Aber sie nimmt hartnäckig den Kampf stets wieder auf: in dunkeln Plänklerschwärmen rücken von den untern schon gefestigten Partien und von den benachbarten Felskämmen die zähen Legföhren vor, ein packendes Bild aus dem Kampf der Pflanzenwelt gegen die feindlichen Mächte des Gebirges.
Einen prachtvollen Park stellt der Talhintergrund des Val Mingèr dar, wo auf blütenbuntem Rasen abwechslungsreiche Gruppen von Arven- pionieren und breitlagernden Legföhren stellen ( Fig. 13 ). Auf dem fast ebenen Boden breiten sich die liegenden Äste gewaltig aus; man trifft ( Senecio camiolicus ) mit hellgelben Blüten.
da Legföhrenexemplare von 16 m Kronendurch-messer! Eine ganz extrem liegende Form fand Dr. Coaz im Scarltal auf der Nor.d-seite des Piz Murtèra bei 2150 m ( 18 ). Der Stamm ist 40 cm dick, alle Äste liegen bergwärts und seitwärts dicht auf dem Boden. Bei 80 cm gabelt sich der Stamm in zwei Äste von 18 und 28 cm Dicke, welche sich in 12 weitere Äste teilen. Bergwärts deckt die Föhre den Boden auf 8 m, seitwärts auf 10 m, so daß dieser eine Liegebaum 80 m2 überdeckt. Die Astspitzen ragen bis 2.30 m über den Boden.
Angesichts solcher Liegebäume mit einfachem, beinahe halbmeterstarkem Stamm erscheint die von Dr. Fankhauser aufgeworfene Frage berechtigt, ob man solche Exemplare nicht als Bäume betrachten und ihre obere Grenze als Baumgrenze bezeichnen solle? Dem gegenüber muß aber umgekehrt betont werden, daß gerade das Niederliegen solcher Kraftgestalten beweist, daß in dieser Höhenstufe die Bedingungen zum normalen aufrechten Baumwuchs nicht mehr gegeben sind.
Eine typische Legföhrenwildnis durchklettern wir an der Südecke des Mot Madlein im Scarltal, wo von 1850-2200 m auf beweglichem Dolomitschntt ein breiter Legföhrengürtel sich um den Hang legt. Die Sonne brennt durch die Lücken des lichten Bestandes auf das. blendendweiße Gestein, das unter jedem Tritt nachgibt. Die Luft ist von Harzduft erfüllt. An dichten Stellen ist der Bestand schwer zu durchdringen; da versperren sich kreuzende, armdicke Äste den Weg; da gleitet der Fuß über glatte, auf dem Schutt hinkriechende Zweige; da müssen wir unter Im Hintergrund der gerundete Rücken von Mot Madlein, dahinter die gewaltige Dolomitkette zwischen Scarl und Plavna: von rechts nach links: Piz Pisoc, Südgipfel desselben, Piz Zuort und Piz Mingèr. Aufnahme von E. Muret Forstinspektor ( im Besitz des Eidgenössischen Oberforstinspektorats ).
Fig. 13. Der Talhintergrund von Val Mingèr, Seitental des Val Scarl. bei zirka 2150 m. Herrlicher Arven- und Legföhren park, hinter dem der mächtige Piz Plavna dadaint ( 3169 ln ) auftaucht. Blick von Alp Mingèr nach Westen; rechts der Paßübergang „ sur il Foss " ins Plavnatal. Aufnahme von stud. for. Ernst Meyer ( Bern ).
schlangenartig gebogenen Zweigen durchkriechen. Keine Föhre gleicht der andern; selten schießt eine in die Höhe, 5 —6 m hoch, vielstämmig, schmalkronig, dicht benadelt; meist aber sind es ausgeprägte Legföhren. Da liegt eine mit allen Ästen ganz am Boden;'hier ein gigantisches Medusenhaupt: Riesenschlangen züngeln am Boden, kriechen nebeneinander, schlüpfen in die Erde, treten wieder heraus. In phantastischen Windungen setzen sie über das Geröll, um schließlich in aufstrebenden Ästen zu enden. Sie erreichen ein respektables Alter: ein abgehauener Stumpf ließ 150 enge Jahrringe zählen.
Der Unterwuchs der Legföhrengebüsche setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen; T y p i s c h e S c h u 11 p f 1 a n z e n: in großen lockeren Rasen liegt das Gypskraut ( Gypsophila repem ) mit rötlich überhauchten Blüten über dem Geröll; in weiten Abständen tauchen, weit den Schutt durchspinnenden Ausläufern entspringend, die zweizeilig beblätterten Grastriebe eines buntblühenden Hafers auf ( Trisetum distichophyllum ); es stemmen sich die mit Hunderten blauer Glocken behangenen Rasen der zierlichen Glockenblume ( Campanula cochlearìifólia ) dem Geröll entgegen, ebenso die leuchtend roten Büsche eines Seifenkrautes ( Saponaria ocymoides ). Dann Legföhrenschützlinge, auf dem humusreichen feineren Schutt unter das Föhrengezweig sich duckend: Maiglöckchen und Salomonssiegel in ganzen Trupps {Convallaria majalis und Pohjgonatum officinale ), daneben Alpenaster, behaartes Kreuzkraut und Edelweiß {Aster alpinus, Senecio Doronicum und Leontopodium nlpinum ) und endlich langsam von oben hereindringendé Bestandteile der Blaugrashalde: das kalkliebende Blaugras, die niedrige Segge, das Steinrösel, die Schneeheide ( Sesleria coerulea, Carex humilis, Daphne striata und Erica carnea ). Die im Legföhrengebüsch am Eingang des Val Nüglia und am Südhang des Munt della Bes- dia vorkommende südalpine Segge ( Carex baldensis, Fig. 2 ) haben wir schon oben unter den alpinen Seltenheiten des Gebietes besprochen ( siehe die Legende zu Fig. 2.
Die Bergföhre in allen ihren vielgestaltigen Formen bietet durch ihre natürliche Verbreitung ein lehrreiches Problem. Sie ist neben der Waldföhre wohl eine der anpassungsfähigsten, bedürfnis- losesten, resistentesten, besonders auch windfestesten unserer Holzpflanzen in bezug auf Boden und Klima. In ihrer natürlichen Verbreitung ist sie ein Gebirgs- und Moorbaum in Mittel- und Südeuropa, von den Pyrenäen bis zum Balkan; in Kultur gedeiht sie aber auch in der Ebene vortrefflich und wird sogar an der Ostsee zur Fixierung der Flugsanddünen und in Dänemark zur Aufforstung der Heiden mit bestem Erfolg verwendet; sie gedeiht auf dem nassen Hochmoor, dem trockenen Dolomitgeröll, den sonnendurchglühten Felsen des Hochgebirgs bis 2400 m; auf allen geologi- ( Etwas verkleinert .) schen Unterlagen ( Granit, Gneis, Glimmer- und Tonschiefer, Ser- pentin, Porphyr, Kalk, Dolomit, Mergel, Sandstein ). Ihre Beschränkung auf bestimmte Gebiete der Gebirge kann also nicht allein auf dem Einfluß von Boden oder Klima beruhen: es ist, wie zuerst der dänische Forstmeister P. E. Müller ( 25 ) nachwies, die Konkurrenz der anspruchsvolleren, aber rascher wachsenden übrigen Baumarten maßgebend. Sie verdrängen sie von den bessern Standorten und lassen ihr nur diejenigen übrig, auf denen sie ihr nicht zu folgen vermögen. In unserm Gebiet — und hier namentlich hat Müller auf seinen Studienreisen dieses Verhalten beobachtet — sind es entweder die humusarmen trockenen Dolomitböden, oder die Lawinenzüge, wo die zähe Legföhre allein der mechanischen Schädigung zu trotzen vermag: hier kommt sie auch auf Verrucano und Gneis vor.
„ Die Knieholzgebüsche sind als Schlußbestand aller lawinen- und steinschlaggefährdeten Hänge der Kalkgebirge ( aber auch im Urgebirge! Verf. ) am Ofengebiet bis gegen 2400 m aufzufassen; Schlußbestand, der an geschützten und flachen, aber in den Bodenbedingungen ähnlichen bodenarmen flachgründigen Stellen vom Bergföhrenwald ersetzt wird " ( 6 ).
Drei auffallende Erscheinungen, die wir öfters im Parkgebict an der Bergföhre treffen, mögen noch erwähnt werden:
An Legföhrenästen findet man öfters an der Spitze eine schwarze, florartige Masse, welche die breitgedrückten Nadelbüschel einhüllt uud oft mit anhängenden Steinchen oder Erde behaftet ist: das ist der Florpilz ( Herpotrichia nigra ), der nur an den unter tiefer Schneelast zusammengedrückten Zweigen sich entwickelt. Die Pilzfäden bilden vor den Spaltöffnungen knollige Verdickungen und dringen von dort aus auch in das Innere des Blattes und töten es. Es können so ganze Legföhrenbestände dezimiert werden, daß sie wie vom Feuer verheert aussehen. Nach der Schneeschmelze richten sich ihre Äste wieder auf, und dann findet man diese flachgedrückten schwarzen Stellen hoch in der Luft, oft noch mit anklebender Erde oder Steinchen.
Hin und wieder treten wie bei der Fichte kugelige Massen von dicht gedrängten Zweigen auf, sogenannte „ Hexenbesen ", deren Ursache unbekannt ist ( Fig. 14 ). Auch „ zapfen-süchtige " Bergföhren kommen vor ( Fig. 15 ).
Von den Kieferblattwespen ( Lophyrus-Arten ), welche die Nadeln abfressen, wird die Bergföhre bis in große Höhen verfolgt. So fanden wir auf der Alp Murtèr im Val Cluoza bei 2300 m in einem Legföhrenbestand einen starken Fraß.
Daß die Bergföhre in unserm Gebiet so recht zu Hause ist, beweist auch die Tatsache, daß sie nicht nur in all ihren Wuchsforraeu vorkommt, die eine gleitende Reihe von der dem Boden angepaßten Legföhre bis zum stattlichen, 10 m hohen Baum bilden, sondern daß auch ihre sämtlichen Zapfenabänderungen in absoluter Vollständigkeit vertreten sind. Sie bewegen sichebenfalls mit allen erdenklichen Übergängen, von den extremsten unsymmetri-schen Hakenföhrenzapfen bis zum ganz regelmäßig gestalteten Mnghokieferzapfen ( siehe Fig. 16 ) J ).
Während im Westen des Gesamt-gebietes der Bergföhre ( Spanien, Pyrenäen, Westalpen ) ausschließlich typische Haken- föhren, im Osten ( Ostalpen und Balkan ) vorwiegend symmetrische Pumilio- und Mughtistormen sich finden, treffen in der Schweiz, und insbesondere in unserm Gebiete, alle Formen zusammen.
Die Arve ( Plnus Cernirà, ^Fìs. 1.7 ) kommt im Nationalparkgebiet zu prachtvoller, reicher Entwicklung, in dreifacher Weise; entweder mischt sie sich den Fig. 15. ..Zapfensucht " der Legföhre. An einemExemplarfanden sich20soleher„zapfen-süchtiger " Zweige, mit bis 62 einzelnen Zäpfchen. Die kleinen, dichtgedrängten Zäpfchen stehen an Stelle der männlichen Blüten; der oberste, grössere Zapfen ist ein normaler, an seiner richtigen Stelle stehender Zapfen.
Auf Alp Laschadura bei 1910in ü. M., Oktober 1915 leg. Pit. Flury, Adjunkt der eidgenössischen forstlichen Versuchsanstalt ( siehe Schweiz. Zeitschrift für Forstwesen 1916, Seite 140 ).
übrigen Koniferen bei, wie z.B. im Val Cluoza, wo sie neben Bergföhre, Lärche und spärlicher Fichte den Urwald bildet; oder sie bezeichnet mit der Lärche den obersten Waldsaum und schreitet in ausdrucksvollen Kampfgestalten bis zur Grenze des Baumlebens, nie sich zum Krüppel erniedrigend, und mit bewundernswerter Zähigkeit aus halbverwitterten Leichen immer noch grüne Äste treibend. So finden wir sie fast überall in der Kampfzone: besonders packend am Munt La Schera, im Arvenwald von Tamangur und im hintern Talkessel des Val Mingèr.
Endlich tritt sie zu imposanten Reinbeständen zusammen, denen sich höchstens einige Lärchen beimischen. Der schönste Arvenwald des Gebietes, vielleicht sogar der Schweiz, ist der von Tamaugur am Fuße des Piz Murtèra ( 18 ).
11 -3 var. uncinata Ramon d, Ilakenföhre ( 173 Stück ). 11—2 subvar. rostrata Antoine, Schnabelföhre.
11 forma pendula Willkomm.
12 forma versicolor Willkomm.
13—4 subvar. rotunäata Antoine, Buckelföhre ( 165 ) t.
13 forma gibba Willkomm.
14 forma mughoïdes Willkomm.
15 subvar. pseudopumilio Willkomm.
II l -3 yar. pumilio Hänke ( 22 Stück ).
11 subvar. gibba Willkomm.
12 subvar. appianata Willkomm.
13 subvar. echinata Willkomm. III var. tnughus Scopoli, Mugho-Kiefer ( 5 Stück ).
„ An dem breiten, mächtig ausladenden Urgebirgspiedestal des Piz Murtèra, auf welchem sich dieser kühne Dolomitgipfel aus zerklüfteten Felsen und rinnenden Schuttmassen aufbaut zieht sich von ca. 2100—2300 m der fast ganz reine Arvenbestand. Die mächtigen dunkeln Gestalten stehen in lockerem Verband; vom gegenüberliegenden Hang aus sieht man überall den Boden dazwischen durchschimmern.
Betreten wir den Wald selbst, so finden wir nicht die geschlossene, einheitliche Phalanx eines Fichtenbochwalds, wo Stamm an Stamm sich drängt, oder eines Buchenhains, wo gewaltige Säulen ein geschlossenes Laubdach tragen: hier besteht der Wald aus Individuen: der Einzelbaum geht nicht auf in der Masse, er kommt zur Geltung, kaum beeinflußt in seiner selbständigen Entwicklung durch drängende Nachbarn. Die Beastung ist tief angesetzt, so daß nirgends unter den Kronen Aufnahme von Hans Stumm, Basel.
hindurch ein freier Blick sich öffnet; dafür entschädigen uns ununterbrochen rasch wechselnde Einzelbilder, jedes ein Kabinettstück!
Im untern Teil treten uns tadellos entwickelte Kraftgestalten von Riesenarven entgegen; fast stets richten sich mehrere Äste auf und bilden Nebengipfel; oben wölbt sich der breite Baum domartig ab ( Fig. 17 ).
Die Bodendeck£ bildet einen vollkommen geschlossenen Rasen, entsprechend dem liebten Stand. Es ist eine typische Ericaceenheide: es glänzt das dunkle, ledrige Laub der rostroten Alpenrose, es leuchten ihre purpurnen Blütentrauben; in dichten Scharen drängt sich das Heidel-beer- und Preißelbeergestrüpp um gestürzte Stämme; zwischen Rinde und Holz der modernden Leichen dringen die ausläuferartigen Triebe dieser humusliebenden Sträuchlein empor und erscheinen reihenweise obenauf, triumphierend das bleiche Skelett mit grünendem Leben zierend. Mit blauen Beeren schmückt sich die Moorbeere, schwarz glänzen die Früchte an den dunkeln Rauschbeerbüschen, und moosige Teppiche breitet die Alpenazalee im Schatten aufstrebender Callunabüsche.
Diesen dominierenden Bestandteilen des Rhodoreto-Vaccinielums schließen sich in geringerer Häutigkeit an: die Legföhre, das Steinrösel, der Zwergwachholder, die blaue Heckenkirsche und einige Weiden.
Ein .Lawinenzug reißt eine breite Furche durch den Bestand: er bietet ein Bild grauen-haftester Verwüstung! Überall liegen die entwurzelten Stämme herum; einer steht noch, ist aber völlig abgestorben und halbiert, so daß das vermoderte Innere sichtbar wird, in welches die festen, stehen gebliebenen „ Hornäste " mit scharfen Spitzen hineinragen, wie die Nägel einer „ eisernen Jungfer ".
Wir nähern uns dem oberen Teil des Waldes. Das Bild der Bäume ändert sich; hie und da wird ein Ast dürr, dann mehrere; meist sind diese toten Äste dicht überzogen von den moosartigen Rasen der giftigen Arvenflechte ( Evernia vulpina ), so daß sie schwefelgelb aus dem Düster des Bauminnern herausleuchten; dann zeigt ein ganzer Wipfel die charakteristische Wind- ( oder BlitzDürre. Aber immer noch grünt der Baum. Oft ist nur ein einziger lebender Ast da, der ganze übrige Baum ein bleiches Skelett. Dabei tritt der Windeinfluß immer deutlicher hervor: Alle Wipfel sind in der Richtung des vorherrschenden Windes bergwärts gekehrt. Der ganze Baum ist in dieser Richtung stärker entwickelt; der Grundriß der Krone ist kein Kreis, sondern eine Ellipse, deren große Achse parallel mit der Hauptwindrichtung, hier NW, läuft. Überall liegen windgeworfene, alte Bäume, zum Skelett gebleicht, im Innern in einen blutroten Mulm zerfallend. Das Wurzelwerk ist losgerissen und reckt seine phantastisch gewundenen Äste nach allen Seiten. Denn die Bewurzelung ist eine flachausgreifende, entsprechend dem felsigen, flachgründigen Standort.
Nun stehen wir an der obern Grenze, bei zirka 2270 m ü. M. Immer lichter wird der Bestand, immer greisenhafter die Bäume, immer spärlicher das Grün ihrer lebenden Äste, immer herrsehender das bleiche Weiß ihres toten Gerüstes. Aber bis zuletzt bleiben sie auf recht, und die Grenze wird markiert durch stehende, völlig abgestorbene Bäume. Der Wald klingt ganz allmählich aus; eine Ausscheidung der Wald-, Horst- und Baumgrenze ist hier nicht möglich; eine „ Krüppelgrenze " gibt es nicht, denn die Arve bildet keine reduzierten Grenzformen; auch eine ehemalige Waldgrenze, durch Stümpfe alter Bäume oberhalb der jetzigen bezeichnet, ist hier nicht nachzuweisen. "
Einer eingehenden forstlichen Taxation des Arvenwaldes von Tamangur im Auftrag des kantonalen Forstinspektors, von Kreisförster Meyer in Chur, Leiter der kantonalen Forsteinrichtung Anno 1904, ausgeführt und in der oben erwähnten Schrift ( 18 ) publiziert, entnehmen wir folgende Daten: Der Wald erstreckt sich von 2120-2270 m ü. M., letzte Einzelstämme bei ca. 2320 m; die Fläche beträgt 26 ha und enthält 2280 Stämme von 16-110 cm Dicke, welche ein Taxationsmaß von 3305 Festmetern repräsentieren. Die Maximalhöhe bei einem Stamm von 76 cm Durchmesser beträgt 22 m; das maximale Alter betrug 346 Jahre, bei einem Stamm von 80 cm Dicke an der oberen Grenze. Pro Hektar beträgt die Stammzahl 88, der Holzvorrat 127 Festmeter, der laufende Zuwachs 0,64 Festmeter.
Die höchststeigenden Arven des Gebietes finden sich bei 2400 m am Hügel ob Murtèra da Champatsch im Scarltal ( 18 ), dann bei 2390 m am Munt Plazèr im Sesvennatal ( 6 ), ferner bei 2369 m am Südhang des Munt della Bescha, allerdings nur als tote Trümmer; ( Cortusa Malthioli ), eine dunkelrot blühende Priniulacee. ( Nach Natur von L. Schröter .) bis 2320 m gehen lebende Arven am Aufstieg zum Paß, Plan Matun ( Übergang vom Ofen- ins Scarltal ), ebenso hoch die höchsten Bäume im Arvenwald Tamangur; bis 2300 m ob Alp Buffalora und zwischen Val Bruna und Val Chavaigl westlich von Buffalora ( 13 ).
Anch der Wald an der Westecke des Munt Tablasot über dem Weiler Scarl ist fast reiner Arvenwald, mit Bergföhren und vereinzelten Fichten gemischt, ein prachtvoller Urwald, feuchter als Tamangur, mit viel gefallenem, am Boden vermoderndem Holz und mit prachtvollem Flechtenbehang ( JBryopogon jubatum, die Moosflechte ). Ein alles überwuchernder Teppich von Heidelbeeren begräbt die gestürzten Riesen-leichen unter grünendem Leben und sproßt reihenweise auf den durchwachsenen Stämmen in die Höhe; blühende Alpenrosen erleuchten das Waldesdunkel. Es herrscht eine feierliche Stille, nur durch .den Ruf des Arvenhähers unterbrochen.
Im gegenüberliegenden Bannwald von „ Jurada " durchspinnt die liebliche nordische Linnaea ( Linnaea borealis ) die Moospolster mit ihren zarten Trieben und entfaltet ihre rötlichen Glocken.
Die L ä r c h e ( JLarìx decidua Miller ), der Cliarakterbaum des Oberengadins, tritt in unserem Gebiet vorzugsweise am untern und obern Rande des Fichtenwaldes auf und geht bis zur Baumgrenze, die sie manchenorts allein beherrscht, so z.B. ob Plan Larchaida ob Punt Praspöl, wo die letzten Veteranen eines reinen Lärchcn-bestandes bis 2300 m steigen. Sie durchsetzt aber auch die Bergföhren- und Arvenwälder. Reiche Mischwälder aus Fichten, Arven, Bergföhren, Engadinerföhren, Waldföhren und Lärchen finden sich am Buffalora-La Schera-Stock auf Verrucano, ferner bei Zernez, am Aufstieg zum Übergang ins Val Cluoza ( La, Selva ), auf Kalk, mit einem Unterwuchs aus kalkzeigender Blaugrashalde mit den eingestreuten vier kalkliebenden Zwergsträuchern: Schneeheide ( Erica carnea ), Steinrösel ( Daphne striata ), Silberwurz ( Bryas octopetala ) und Alpensonnenröschen ( Helianthemum alpestre ). Ein reiner Lärchenbestand stockt in Falerni bei Zernez, gegenüber der Ofenstraße; Herr alt-Gemeindepräsident Ser-rardi von Zernez ( 75jährig ) kann sich laut Parkwächter Langen erinnern, daß das Gebiet von Falcun einst ganz waldlos war. Einer der schönsten reinen Lärchenwälder Bündens, der „ Good St. Steiveii ", liegt jenseits der Grenze des Nationalparkgebiets, zwischen Ai-dez und Giarsun, gegenüber sur En; die Poststraße führt mitten durch. Un- ( In Asien vom Ural und Himalaya nach Japan und dem arktischen Sibirien. ) Nach Pampanin ).
terhalb derselben in Magnacun wächst nach Braun in Masse der schönste Lärchenbegleiter des Engadins, die weißwollige, rotblühende .Tupiters-Lichtnelke ( Lychnis flos Jovis ), eine rein südalpine Art, von den französischen Alpen bis Westtirol verbreitet, in der Schweiz im Wallis, Freiburg und Graubünden auftretend ( mit Lathyrus heterophyllus, Melica transsilvanica und Lactuca perennis zusammen ).
Die Gebüsche sind vorzugsweise durch Legföhre, Alpenerle und Alpenrosen repräsentiert. Die Legföhrenbestände haben wir schon kennen gelernt; in den Alpen-erlengebüschen anfeuchten Stellen, so auf der Schattenseite des Sesvennatales, überrascht uns eine seltene ostalpine Primulacee, mit großen an die Primula sinensis unserer Zimmerkultur erinnernden grundständigen Blättern und einer Dolde roter, kleiner Primelblüten, die^Cortusa Matthioli ( Fig. 18 ). Sie wurde erst im Jahre 1846 gleichzeitig und unabhängig voneinander von Dr. Coaz und Lehrer Krättli entdeckt, obwohl sie vom Val Tasna und Fontana an, wo sie ihre relative Westgrenze erreicht, bis Martinsbruck und im Samnaun verbreitet ist; in der Schweiz ist sie nur vom Unterengadin und Val Muranza im Münstertal bekannt. Es ist eine ost- und zentralasiatische Gebirgspflanze, besonders im arktischen Sibirien verbreitet; in den Alpen hat sie eine westlich weit vorgeschobene Verbreitungsinsel in den Westalpen und eine Reihe östlicher Inseln ( siehe Fig. 19 ). Unser Gebiet begrenzt ein mittleres Teilareal nach Westen.
Die beiden Alpenrosen sind mit ihrem Bastard reichlich vertreten, die rostrote am Abhang des Rimsspitzes im Sesvennatal am Südabhang auf Granitgneis bis 2600 m ansteigend, mit dem Steinrösel ( Daphne striata ) und der Bärentraube ( Arctostaphylos uva ursi ) ( 6 ). Der Bastard ist auch hier wie anderswo hin und wieder in ganzen Kolonien, weit entfernt von seinen Eltern anzutreffen, so z.B. am Hang von'Joata beim Übergang vom Scarltal zum Ofenpaß bei 2300 m ( 6 ). Das ist eine Bestätigung der Ansicht, daß dieses Kreuzungsprodukt eine werdende „ hybridogene " Art darstellt. Die behaarte Alpenrose steigt im Maximum bis 2580 m ( Munt della Bescha, n. Gams ), geht aber anderseits bei Tarasp bis zum Innufer hinab, wo sie zwar reichlich blüht, aber selten Früchte trägt ( 1 ).
Die alpineMatten- und Weidef 1 ora ist eine reiche, und sie wird nach dem Ausschluß von Dünger, Mahd und Weide durch Wiederausbreitung der durch diese Eingriffe geflüchteten Arten und außerdem durch vermehrtes Gedeihen der schönsten, durch den Menschen dezimierten Arten noch eindrucksvoller werden. Der unermüdliche Parkwächter Langen in Zernez, der in dem nun seit 7 Jahren ge- schützten Gebiet von Val Cluoza und Praspöl Jahr für Jahr die Entwicklung der markantesten Erscheinungen in Flora und Fauna verfolgt, konnte eine unverkennbare Ausbreitung einer Reihe schöner Pflanzen nachweisen.
Das Edelweiß hat auf den früher von Bergamaskerschafen beweideten Strecken seit 1910 Hunderte von jungen Stöcken gebildet. Auf einem kleinen Plateau haben sich wahre Edelweißgärten von Riesenstöcken mit 30 bis 50 blühenden Trieben und mit Blütensternen von 6 — 8 cm Durchmesser entwickelt ( Fig. 20 ); ein bezauberndes Bild, doppelt packend auch durch das Bewußtsein des absoluten Geborgenseins dieser verlockenden Schätze! Edelweißstöcke sind sogar in ein benachbartes Läger eingedrungen und gedeihen dort prächtig. Langen glaubt beobachtet zu haben, daß besonders auf den Gemslägem die schöne Pflanze gut gedeiht; in den gedüngten Fettmatten der Alpen allerdings geht sie regelmäßig zurück, durch die üppige Nebenflora erdrückt. Am reichsten sind manche schwer zugänglichen Felshänge aus Hauptdolomit, wo sogar an Nord- und Osthängen das Edelweiß massenhaft vorkommt, während es sonst die Südhänge vorzieht.
Das langspornige Veilchen ( Viola calcarata ) ist in wundervoller Pracht besonders oberhalb Mot Madlein am Westhang des Piz Madlein im Scarltal entwickelt; ich zählte dort auf einer Fläche von 4 Quadratmetern nicht weniger als 238 Blüten! Von den Alptriften am Ofenberg, Buftalora, Stavelchod, Val del Botsch, La Schera, Grimels sagt Brunies ( 33 ):
„ Diese Alpentriften, auf welchen namentlich Viola calcarata und Ranunculus montanus — beide in ungezählter Menge — um die Vorherrschaft des Kolorits kämpfen, bieten gegen Ende Juni einen entzückenden Anblick dar. " Am Murtèrgrat im Val Cluoza fand sich die seltene weiße Abart ( siehe das Vollbild zu pag. 198 ); dichtgedrängt schauen ihre niedlichen Blumengesichter gegen die Sonne. Auch rein-gelbe ( var. flava Becker, nicht Zoysii Wulfen ) und alle Farbenabstufungen zwischen Gelb und Violett konstatierte Brunies.
Auf der Alp Murtèr und im obern Teil des Scarltals, auf den steinigen Weiden der Alp Astras entfalten die Schmuckblumen {Callianthemum rutifolium, Fig. 21 ) die zahlreichen weißen Honigblätter ihrer Halmenfußblüten und breiten ihre fein zer- teilten blaugrünen Blätter. Diese seltene Schweizerpflanze entstammt einem zentralasiatisch - altaischen Geschlecht; sie ist einerseits im Altai, Turkestan, in Pamir, anderseits in Europa von den Pyrenäen bis zu den Karpathen in einem stark zerstückelten Areal verbreitet.
Das in der Schweiz im Tessin und Graubünden ( Heutal, Val Minor, Valserberg, Splügen ( 3 ), Mün- stertal ( 9 ), Wormserjoch ) nachgewiesene Drachenmaul der Pyrenäen, Horminum pyrenaicum ( Callianthemum rutifolium ), mit weißen Blüten ( nach Marrel ).
( Fig. 22 ), ein isolierter, rein „ alpinerLippenblütler-Typus mit großen blauen Blüten, von den Pyrenäen bis Tirol verbreitet, ziert die Weiden der Alp da Munt am Übergang vom Scarltal zum Ofen. Auf steinigen Weiden am Aufstieg vom Blockhaus zur Alp Mnrtèr, oberhalb Alp Ivraina, an lichten Waldstellen im Val Cluoza, auf Mottas da Grimels und an der obern Legföhrengrenze am Munt la Schera begegnet uns ein sonderbarer gelber Hahnenfuß mit halbrunden, sitzenden, steifen bliiulich-grünen Blättern, der Gifthahnenfuß ( Bammculus Thora, Fig. 23 ), von den Pyrenäen durch Jura und Alpen bis zu den Karpathen, Siebenbürgen, Kroatien, Dalmatien, Bosnien, Herzegowina und Montenegro, im Süden in die Apenninen und Abruzzen streichend, aber in der Schweiz selten: Waadt, Wallis, Tessin, Graubünden ( hier am Albula, Val Tisch bei Bergün, Hochducan, Schyatobel bei Davos, im ünterengadin und im Münstertal ).
Auch die stattliche, rein „ alpigene " WulfenischeHaus-wurz {Sejs^amimJSMlißMieinzige gelbblühende Hauswurz der östlichen Schweiz, bewohnt steinige Weiden im obern Teil des Scarltals ob Alp Buffalora, Alp Ivr.iina, Spadla bella etc. Sie ist im Oberengadin noch häufiger, aber doch vorwiegend von östlicher Verbreitung: von Norditalien bis Steiermark.
Auf magern Alpweiden, besonders an feuchten Stellen, wächst zu Tausenden, oft eine förmliche Formation bildend, eine wunderzierliche Miniatur-Ranunculac.ee, die Alpenwiesenraute {lhalictrum alpinum,_Fig. 24 ), mit trüb-grünen, fein zerteilten Blättern und kleinen, hängenden Blüten an zarten, gebogenen Stielchen von Fadendünne. Die Staubbeutel zittern an schlaffen Fädchen und schütten den Pollen aus, den der Wind auf die Narben weht, also eine windblütige Abtrünnige in der sonst insektenblütigen ( Horminum pyrenaicum ), eine blaublühende Lippen-blütlerin.
Familie der Ranunculaceen. Das Zwergpflänzchen ist in der Blüte oft kaum 3 cm hoch, streckt sich aber in der Fruchtreife; in den Torf moor pol stera eines Hochmoor- anfluges unterhalb Tamangur erreicht es sogar 21 cm. Die Pflanze vermehrt sich auch vegetativ durch zarte Ausläufer und tritt deshalb meist herdenweise auf, oft so dicht, daß sie dem Rasen einen trüben Trauerton verleiht. Sie ist so klein, daß man sie „ auf allen Vieren " suchen muß ( 13 ), oder „ Bauchbotanik " treibend. Sie ist hin und wieder ( Sur il Foss, Alp Marangun, Minschuns nach Fischer in [6] ) von den Aecidiumbecherchen eines Bostpilzes befallen, der Puccinia borealis Juel. „ Diese für die Schweiz hier ( Ranunculus Tfiora ). Links eine junge Pflanze mit nur einem grundständigen Blatt, rechts eine blühende Pflanze mit den knollig angeschwollenen Wurzelfasern. ( Nach Natur von Helene Ringel. ) A. Blühende Pflanze in Naturgröße ( großes ExemplarB. Fruchtstand; C. Blüte vergrößert; D. Frucht vergrößert.
zum erstenmal nachgewiesene Pilzform vermehrt die Reihe der bisher bekannten, nördlich-alpinen Uredineen um einen interessanten Vertreter " ( Fischer in [6] ).
In der Schweiz ist dieses zierliche Alpenpflänzchen nur aus der Ofenpaßgruppe, Münstertal, Livigno, Val Tuoi im Silvrettagebiet ( bei Guarda in den Inn mündend ) und endlich — einziger Standort im Oberengadin — auf Le Gessi beim Bernina- hospiz bekannt, dort von Brockmann entdeckt. Es ist ein typisch altaisch-ark-tisches Element der Alpenflora ( siehe das Kärtchen Fig. 25 ). „ In einem ziemlich geschlossenen Gürtel ist diese Pflanze in der Breitenlage von 60-71 Grad Nordbreite durch das ganze Eurasien, das nordwestliche Nordamerika bis zur Hudsonbai, durch das südliche Grönland und Island verbreitet ( R i kli ), sie erreicht im Maximum 73 Grad 20 Minuten. " Von diesem arktischen Gürtel strahlt sie aus: in die Rocky Mountains, die Faröer und Schottland, Irland und Wales, Norwegen, Ural und die asiatischen Gebirge.
Von diesem Stammareal sind durch weite, in der Eiszeit überwanderte Zwischenräume die südlichen Gebirgsareale getrennt: Pyrenäen, Westalpen, Ostalpen von Graubünden bis Kärnten, Siebenbürgen, Kaukasus, Hochasien. Unser Gebiet liegt an der Westgrenze des ostalpinen Teilareals.
Neben diesen besonders interessanten Arten sind nun aber auch die gewöhnlichen Zierden der bunten Alpenmatte und -Weide reich vertreten: Von Enzianen treffen wir: Gentiana lutea, punetata ( purpurei und pannonoica fehlen !), ciliata, ulriculosa, nicalis, bavaricer, brachyphylla, Favrdli, verna, cruciata, asclepiadea, Glusii, Kochiana, temila, und von der noch weiter zu verfolgenden kritischen Gruppe der Bebärteten ( Endolricha ) campestris, calycina, die selten« axillar is ( bisher aus der Schweiz nur vom Unterengadin, Ofengebiet und Münstertal bekannt ) und aspera. Die alpinen Glockenblumen sind vertreten durch die rasenbewohnenden barbala, ihyrsoidcu und Scheuchzeri und, um auch diese gleich anzuführen, die schuttbewohnenden cochlearifulia und die seltene cenisia, eine vorwiegend westliche Art; die bunten Lausekräuter durch Pedicularii's verticillata, incarnala, recutifa, tuberosa und rostrato-enpilala ( =.Tacr[iiini ), eine östliche Art mit Westgrenze in Bünden: Splügen, Scesaplana, Albula, Val Fless, Samnaun, Ober- und Unterengadin, im Nationalparkgebiet im Val Plavna(Dr. Schibier ) und Plan dell'Alia ( Braun ). Die Primeln, die Juwelen im Kranz der Alpenblumen, treten als Rasenbewohner mit integri folla, farinosa, elatior, officinalis, als Felsbewohner mit viscosa, hirsuta und der ganz seltenen glutinosa, der klebrigen Primel, dem „ Speik " der Tiroler auf ( siehe Legende zu D, Fig. 2 ), während merkwürdigerweise, trotz der reichen Vertretung der Kalksubstrates, die Kalkfelsen bewohnende Aurikel fehlt!
Wenden wir uns nun zum Schluß zu den Gesteinsflnren: Es gibt wohl kaum ein anderes Gebiet der Schweizeralpen, in welchem die Schutthalden eine so gewaltige Ausdehnung gewinnen wie hier. „ Nichtendenwollende " Schutthalden insbesondere am Fuß der Dolomitberge, dann aber auch im Gebiet der schwarzen Schiefer und Kalke des Rhät, wie z.B. in der Quatervalsgruppe. „ In unheimlicher Schwärze heben sich die Gipfel von den hellen Dolomitbergen ab. In abschreckender Einförmigkeit überragen sie die einsamen Hochtäler, in deren Schutt das Kauschen der Bäche erstickt, deren trostlose Öde und bedrückendes Schweigen ka'um durch die leuchtenden Firnkare ihres Hintergrundes ein wenig gemildert wird, deren Ausgang selbst versperrt ist durch wilde Klammen — so ist Val Cluoza das „ verschlossene Tal ", ein Bild, so eigenartig, wie man es in den Alpen kaum ein zweites Mal wiederfindet " ( A. Spitz im Parkbuch von Brunies, 14 ).
Auch das Val Plavna ist ein verschüttetes Dolomittal par excellence: links und rechts gewaltige Vorstöße von weißen, kahlen Schutthalden, und im Talboden eine 200 m mächtige ebene Schuttwüste ( siehe Fig. 8, pag. 219, im Artikel von Prof. Chaix ), in der der Talbach rettungslos versinkt, um weiter unten als mächtige Quelle wieder zum Vorschein zu kommen ( Hug ). Die trostlose Öde dieser Schuttmassen von Plavna wird ( im obern Teil des Tales wenigstens, besonders gegenüber der Alp Plavna ) gemildert durch eine der lieblichsten Erscheinungen unseres Gebietes, durch die blühenden Inseln des leuchtenden Goldmohns ( Papaver aurantiacum oder rhaelicum, Fig. 26 ). Fein zerteilte, graulich schimmernde Blätter, anmutig nickende braunpelzige Knospen und becherförmig an der Sonne sich öffnende, moschus-duftende Blüten mit zarten, zerknitterten Kronblättern: das ist die Signatur dieses Blütenwunders aus totem Getrümmer. Die Blüten haben keinen Honig, sondern locken durch den reichlichen Pollen der vielen Staubgefäße bestäubende Insekten an. Die Pflanze ist von vorwiegend östlicher Verbreitung: von den Kar- ( Papaver aurantiacum, = rhaeticum ).
pathen streicht sie durch die ganzen Ostalpen bis nach Bünden, wo sie bis zur Innlinie besonders reich verbreitet ist.
Ein westlich vorgeschobenes Teilareal liegt im Dauphiné und Savoyen und, ganz vereinzelt, im Wallis. In unserem Gebiet ist sie häufig: Plavna, Piz Pisoc, Piz Daint, Munt da Buffalora, Val Mora, Val del Gallo, selbst im Sande des Spöl bis gegenZernez ( Heer ), auf der Furcletta dellaVal del Botsch, Val Ftur, Val Nüglia, Val dell' Acqua, Murtèr, Piz Ivraina und Piz Mezdi ( 13 ).
Mächtige Kalkschutthalden ziehen sich auch vom Piz Murtèr ins Val Foglia und Val dell' Acqua hinab; der Geispfad, der von Murtèr zum Spöl hinabführt, senkt sich längs derselben gegen Punt Perif. Hier sind alle Stadien der Besiedlung und Festigung des Schuttes durch Blaugras, Silberwurz, Hortsegge und Polstersegge zu beobachten mit schöner Bildung von typischen Schutttreppen ( Fig. 27 ). Die bewegliche Gipsschutthalde ob Alp da Munt wird in ähnlicher Weise durch den niedrigen Baldrian {Valeriana supina [Fig. 28] ) besiedelt, eine östliche Art; ihr gesellen sich Leontodon montanus und Oxytropis campestris bei.
Auf den Kalk- und Do-lomitgeröllen, besonders im lichten Nadelwald längs der Ofenstraße 1800 m und bis hinauf zu 2300 m im Val dell' Acqua wächst unser ein-zigesVeilchen mit fingerförmig zerteilten Blättern {Viola j>in-_ nata, Fig. 29 ) mit wohlriechenden blauen Blüten. Die Pflanze reicht von den Westalpen und dem Wallis über das Tessin in ihr östliches Hauptareal, das bis Karaten reicht und in Bünden das ( Carex sempervirens ), am Abstieg vom Murtèrgrat ins Val della Foglia bei zirka 2000 m.
Aufnahme von E. Keller, stud. agr.
Ober- und Unterengadin, Münstertal, Albulatal, Rhein wakl und Churer Rheintal umfaßt.
Besonders interessant sind die Fälle, wo die nebeneinanderliegenden Kalk- und Gneisschutthalden die frappanten Gegensätze der beiden Unterlagen und besonders die starke Herabdrückung der Rasengrenze durch den Kalk studieren lassen. So am Munt Falein im Scarltal, wo kahle Kalkhalden an reich begrünte Gneishalden grenzen, oder am Südhang der Rimsspitze im Sesvennatal, wo schon bei 2650 m bis 2700 m der rutschende Kalkschutt nackt und fast völlig pflanzenlos erscheint, während in der anschließenden Gneiszone breite Rasenzungen noch bis 2800 m reichen und einzelne Raseninseln bis zirka 2850 m vorstoßen ( 6 ).
Eine besonders reiche Gesteinsflur, auf Fels und ruhendem Schutt wurzelnd, aus vorherrschender Kalkflora mit spärlicher Beimengung von Kieselpflanzen gemischt, besiedelt Piz Terza, Piz Murtèr und den beide verbindenden Grat ( 2600—2838 msie ist unterbrochen von Raseninseln aus Elynetwm und Ciirvuleium, Beständen des Nacktriedgrases und der Krummsegge {Elgna myosuroides und Carex eurvula ).
Sehr schön sind auf diesem exponierten Grat die schleifenden Wirkungen des Sand- und Schneekristallgebläses des quer über den Grat fegenden Windes zu erkennen: Lange Windstreifen quer über den Grat und abgeschliffene Polsterpflanzen und Rasenfetzen: besonders die Polster der steifen Segge {Carex firma ) sind, wohl durch kombinierte Wirkung von Ausfrieren und Windgebläsen zu Glatzköpfen, Ringen, Halbmonden und sogar wurstförmig oder schlangenförmig gewundenen Schnüren ausgefressen. Auf dem durch den Schneedruck pflasterförmig festgepreßten Schutt lagern manchmal quer zum Grat lange Streifen schwarzer, lehmiger Erde, wohl ausgeaperte Residuen aus den Winderosionsrinnen im Schnee.
Es möge hier eine Liste der Flora nach Aufzeichnungen des Verfassers aus den Jahren 1909, 1912 und 1916 folgen; die Gipfelflora des Piz Terza ist dabei mit „ T " bezeichnet, die Kalkzeiger mit „ K ", die Kalkflieher mit „ S ":
Agrostis alpina T, Festuca pumila T, Poa alpina T, Trisetum spicatum, Sesleria coe-rula K, Sesleria dislicha S, Carex eurvula S, G. nigra, C. rupestri » K, C. firma K, Salix reti- Basen bildend.
culata, S. refusa, S. serpyllifolia K, S. herbacea, S. Silène acauli?, Cerastium cerastioides, G. latifolium K, Minuartia verna T, Mohringia ciliala, Papaver aurantiacum K. T., Ranunculus montanus, R. alpestris, R. parnassifolius K, Draba aizoides K, D. fladnizensis, D. car-inthiaca, D. tomtentosa K, Arabis alpina, A. pumila K, A. coeruha K, Sedum atratum K, Saxifraga oppositifolia, S. androsacea K, S. aphylla T K, S. ascendens K, Potentina villosa, Dnjas octopelala K, Oxylropis montana, O. lapponica, O. campestris, Helianthemum alpestre K T, Viola calcarata T, Ligusticum simplex, Loiseleuria procumbens, Androsace obtusifolia S, A. Helvetia K, Soldanella pusilla, Gentiana verna var. compacta, G. brachyphylla, G. tenella Myosotis pyrenaica T, Bartsia alpina, Aster alpinus, Erigeron uniflorus, Saussurea alpina, Leontodon montanus K, Taraxacum officinale ssp. alpinum.
Als Gegenstück dazu möge folgende aus dem Braunschen Exkursionsbericht stammende Florenliste vom Grat zwischen Sesvennajoch und Rims3pitz auf Granitgneis in Südexposition bei 2880—2930 m angeführt werden:
1. In der Androsace alpina — Association auf ruhendem Felsschutt: a ) kalkfliehend: Poa laxa, Ceraslium pedunculatum, Androsace alpina; b ) kalkmeidend: Sieversia reptans, Gentiana bavarica var. imbricata, Achillea nana; c ) indifferent: Saxifraga oppositifolia.
2. In Dicotylen-Basenpolstern ( Associationsfragmente des Caricetum curvulae ): a ) kalkfliehend: Sesleria disticha, Festuca Halleri, Saxifraga exarata, Saxifraga aspera var. bryoides, Senecio incanus, ssp. carniolicvs Fig. 11; b ) kalkmeidend: Cerastium uniflorum, Minuartia sedoides, Saxifraga Seguieri, Polentilla frigida, Gentiana brachyphylla, Phyleuma pedemon- tanum, Chrysanthemum alpinum, Achillea nana ( spärlich ), Artemisia Genipi; c ) indifferent: Luzula spicata, Gentiana punctala.
Der Gegensatz dieser beiden Florenlisten ist frappant: von den 58 Arten des Kalkgrates, auf dem nur wenige Humusauflagerungen eine kalkfeind-liche Flora ermöglichen, sind nur die indifferente Saxifraga oppositifolia, die kalkfliehende Sesleria disticha und die kalkmeidende Gentiana brachyphylla auch auf dem Gneisgrat zu finden.
Werfen wir noch einen Blick auf die durch den direkten oder indirekten Einfluß des Menschen bedingten Verbreitung'sformen und Pflanzengesellschaften.
Als „ Straßen wanderer " oder „ Straßen- begleiter " lassen sich einige Arten in ihrer stets fortschreitenden Einwanderung aus dem ünterengadin oder Münstertal verfolgen: Das Felsenkreuzkraut ( Viola pinnata ). ( Nach Natur von L. Schröter. ) ( Senecio rupester ), 1835 zum erstenmal dort erwähnt, hat sich seither längs der Straße und auch außer deren Bereich bis weit in die Täler hinein ( Val dell' Acqua 2000 m ) verbreitet. Lappula echinata, Anchusa officinalis, Campanula rapunculoides, Echium vulgäre, Chenopodium virgatum, Cirsium eriophorum gehören in diese Kategorie und haben längst das Oberengadin erreicht. Salvia verticillata und Torilis Anthriscus sind bis Süs, Cynoglossum officinale bis nach Zernez gelangt. Auch das abstehende Salzgras {Atropis distans, siehe Fig. 2 und die Legende dazu ) gehört zu den „ Straßenwanderern u.
Die Lägerflora ist an zahlreichen Stellen üppig entwickelt: besonders auf dem „ Plan dels Poms ", dem „ Apfelfeld " oberhalb Praspöl, das seinen Namen von den gelben Blütenäpfeln der Trollblume erhielt.
Eine durch wilde Tiere begünstigte, die Gemsenläger bevorzugende S 1tejit ist das durch Braun 1916 entdeckte vielspaltige Fingerkraut ( Potentilla multifida ) aus dem Sesvennatal ( siehe Fig. 2 und Legende ). Auch ihr dortiger Begleiter, das südalpine, wenigblütige Hirtentäschel ( Capsella procumbens subspecies pauciflora ), ist düngerliebend und „ höhenvag ", es war bisher in der Schweiz nur von Tarasp-Fontana und einigen andern Stellen im Unterengadin bekannt. Es ist nach Pampanini als ein rezenter Endemismus, eine junge, abgeleitete Tochterart des verbreiteten niederliegenden Hirtentäschels Südeuropas anzusehen ( der Capsella procumbens ).
Die eigenartige Schönheit und die bunte Mannigfaltigkeit des Pflanzenkleides unseres Nationalparkes konnte hier nur in wenigen Stichproben vorgeführt werden: möchte sie recht viele Klubgenossen zu eigenem Schauen reizen! Denn der Nationalpark verdient es, ein Schoßkind des Alpenklubs zu werden: seine endgültige Abrundung zum geschlossenen Ganzen und seine wissenschaftliche Erforschung mit allen Kräften zu fördern, liegt im Bereich der vaterländischen Aufgaben unseres Klubs in ihrer idealsten Auffassung. Denn bei einer Wanderung in diesem Schutzgebiet kommt | zum Eindruck der ergreifenden Großartigkeit der Landschaft und des Reichtums der Pflanzen- und Tierwelt noch das erhebende Gefühl, daß unser ganzes Volk sich das Wort gegeben, daß hier für alle Zeiten Alles Allen erhalten bleibe, jede Ausnützung zu materiellem Gewinn, jeder persönliche Vorteil ausgeschaltet ist und ein gemeinsam zu hütendes alpines ürhelvetien wiedererstehen soll: Ein Stück nationaler Erziehung, eine patriotische Tat, deren einigende Kraft in der gegenwärtigen Zeit nicht hoch genug angeschlagen werden kann.
Anhang.
Literatur über die Flora des Nationalparkgebietes ' ).
1. Appel, Otto, Zur Blütenbiologie von Carex baldensis L. ( nach Beobachtungen im Ofengebiet ). Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, 89. Jahresversammlung in St. Gallen 1906, Seite 93.
la. Ascherson, P., Botanische Wahrnehmungen im Gebiete von Schuls-Tarasp. Verhandlungen des botanischen Vereins der Provinz Brandenburg, Jahrg. 24, 1882, Seiten 61—67.
2. Braun-Blanquet, Josias, Die Föhrenregion der Zentralalpentäler, insbesondere Graubündens, in ihrer Bedeutung für die Florengeschichte.Verhandlungen der Schweiz. Naturf. Gesellsch.. 98. Jahresversammlung in Schuls-Tarasp-Vulpera. Aarau, Kommissionsverlag von R. Sauerländer, 1916.
3. Derselbe, Neue Beiträge zur Bündnerflora ( unter Mitwirkung von A. Thellung ), darunter: „ Bemerkungen zur Flora des Ofengebietes " und „ Zur Flora des Unterengadins ". Vierteljahrsschrift der Naturf. Ges. Zürich, Jabrg. 55, 1910, Seiten 251—300.
4. Derselbe, Die Hauptzüge der Pflanzenverbreitung in Graubünden. Supplementband für den „ Clubführer durch die Graubündneralpen ", herausgegeben vom Centralcomité des S.A.C. Buchdruckerei Tschopp, Zürich 1916.
5. Derselbe, Die xerothermen Pflanzenkolonien der Föhrenregion Graubündens. Vierteljahrsschrift der Naturf. Ges. Zürich, Jahrg. 62, 1917. Zürich, bei J. Beer.
6. Derselbe, Eine pflanzengeographische Excursion durchs Unterengadin und in den schweizerischen Nationalpark, mit Beiträgen der Excursionsteilnehmer und einem mycologischen Anhang von Prof. Dr. E Fischer, Dr. P. Cruchet und Dr. E. Mayor. Beiträge zur geobotanischen Landesaufnahme der Schweiz, Nr. 4, herausgegeben von der pflanzengeographischen Commission der Schweiz. Naturf. Ges. Zürich 1918, Rascher & Cie.
7. Brügger, Chr., Zur Flora Tirols. Zeitschrift des Ferdinandeums. Innsbruck 1860.
8. Derselbe, Pflanzenstandorte aus dem Unterengadin, in Berlepsch, Reisehandbuch der Schweiz, 1864.
9. Brügger: Bearbeitung der Brügger'schen Materialien zur Bündnerflora, von Jean Seiler. Jahresbericht der Naturf. Ges. Graubündens, Bd. 51, Chur 1909. Vgl. auch Braun, Jo-siax: Zu Seilers Bearbeitung dei: Brügger'schen Materialien zur Bündnerflora; Berichtigungen und Zusätze; ebenda: Bd. 52, Chur 1910.
10. Bruhin, Th.A, Galium triflorum Michaux. Deutsche botanische Monatsschrift, Bd. 9. Arnstadt 1891, S. 77.
11. Brunies, St., Carex baldensis L. und Aetbionema saxatile ( L. ) R. Br. im Kant. Graubünden. Bulletin de l' herbier Boissicr 2. série 1902, vol. 4, pag. 253—263.
12. Derselbe, Floristische Notizen vom Ofenberg; ebenda 1903, Nr. 1, pag. 29—30.
13. Ddrselbe, Die Flora des Ofengebietes ( Südost-Graubünden ). Ein floristischer und pflanzon-geographischer Beitrag zur Erforschung Graubündens. Jahresbericht der Naturf. Ges. Graubündens, neue Folge, Bd. 48, 1905/06. Chur 1906.
14. Derselbe, Der Schweizerische Nationalpark, 1. Auflage 1914, 2. Auflage 1918, mit 32 Originalzeichnungen, 6 geologischen Profilen u. einer Übersichtskarte. Basel, bei Benno Schwabe.
15. Caviezel, Das Unterengadin. Samaden 1893. .'lo. Christ, H., Das Pflanzenleben der Schweiz. Zürich 1879 ( S. 362-366, das Unterengadin ).
17. Christ, H, Aperçu des récents travaux géobotaniques, concernant la Suisse; Bâle-Genève-Lyon 1907 ( chap. 7: L' Ofenberg, pag. 30—33 ).
17a. Coaz, J., Vom Münstertal nach Schuls durchs Scarltal. Schweiz. Zeitschrift für Forst- wesen, Jahrg. 53, 1902, S. 1-8 ( mit einem Bild des Arvenwaldes Tamangur und des „ Breiten Lawinenzugs " bei Scarl ).
18. Coaz & Schröter, Ein Besuch im Val Scarl, Seitental des Unterengadin, mit einem Anhang über die Pilze des Gebietes, von Prof. Dr. H. C. Schellenberg; mit 3 Textbildern, 14 Tafeln in Phototypie und einer Waldkarte. Bern 1905.
18a. Crépin, Mes excursions rhodologiques dans les Alpes en 1889 ( Unterengadin ). Bull. Soc. Bot. de Belgique, tome XXVIII.
19. Engler, Arnold, Der Einfluß der Provenienz des Samens auf die Eigenschaften der forstlichen Holzgewächse, zweite Mitteilung. Mitteilungen der Schweiz. Centralanstalt für das forstliche Versuchswesen, Bd. 10, S. 191-256; 1913. ( Enthält wichtige Untersuchungen über die Waldföhre und die Engadinerföhre. ) 20. Fischer, E., Zwei für die Schweiz neue Pflanzen. Mitteil, der bern^ naturf. Ges. f. 189Ö, Bern 1899, pag. 8.
20a. Derselbe, Fortschritte der Floristik. Berichte der Schweiz.B.ot. Ges., Heft X, 1900, pag. Ill if. ( Pilzfunde Fischers aus dem Unterengadin. ) 21. Heer, O., Pflanzenverzeichnis aus dem Unterengadin; in: Mousson, A., Ein Bild des Unterengadins. Neujahrsblatt der Zürcher Naturf. Ges. für 1850.
21a. Keller, Robert, Beiträge zur Rosenflora des obern Inntales ( Landeck bis Guarda ) Engler's Bot. Jahrb., Bd. 19, Beibl. Nr. 47. 1894.
22. Killias, E., Nachtrag zu Moritzis Verzeichnis der Pflanzen Graubündens. Jahresbericht der Naturf. Ges. Graubündens I, 1856.
23. Derselbe, Beiträge zur rhätischen Flora. Ebenda 3, 1858.
23 a. Derselbe, Die naturhist. Verh. des Engadins, besonders des untern Teils desselben. Jahresbericht der Naturf. Ges. Graubündens, Bd. 35, 1890/91.
24. Killias, E., Kurarzt in Tarasp-Schuls, Die Flora des Unterengadins mit besonderer Berücksichtigung der speziellen Standorte und der allgemeinen Vegetationsverhältnisse. Beilage zum 21. Jahresbericht der Naturf. Ges. Graubündens. Chur 1887/88.
24a. Magnus, P., Erstes Verzeichnis der ihm aus dem Kanton Graubünden bekannt gewordenen Pilze. Jahresber. d. Naturf. Ges. Graubündens, neue Folge, Bd. 34. Chur 1891 ( enthaltend viele Pilzfunde aus dem Unterengadin ).
25. Moritzi, Die Pflanzen Graubündens. Neuchâtel 1839.
25a. Müller, P. E., Om Bergfyrren ( Pinus montana Miller ). Tidsskrift for Skovbrug, Bd. B. 9 und 11 ( auch separat erschienen ). Kopenhagen 1887 ( dänisch! Behandelt u.a. sehr einläßlich das Vorkommen der Bergföhre im Ofengebiet. Stücke davon sind übersetzt bei Brunies 13 ).
26. Muret, J., Liste des plantes recueillis dans les Grisons et qui sont rares en Suisse. Jahresber. d. Naturf. Ges. Graubündens, Bd. 6, 1859/60.
27. Papon, Das Engadin. St. Gallen, 3. Auflage, 1878.
28. Pool, L., Bemerkungen bei einer Reise in Rhätiens südöstliche Gegenden den 21. bis 30. Juni 1781. Der Sammler, 4. Jahrg., pag. 241. Chur 1872.
29. Derselbe, Das Pflanzenreich im Unterengadin; in: Fragmente zur Beschreibung des Unterengadins. Der neue Sammler, Heft 1, pag. 82. Chur 1804.
30. Rikli, M., Ranunculus pygmaeus Wahlbg., eine neue Schweizerpflanze. Berichte der Schweiz, bot. Ges., Heft 9, 1889.
31. Derselbe, Die Arve in der Schweiz. Neue Denkschriften der Schweiz. Naturf. Ges., Bd. 44. Basel, Lyon und Genf 1909. Mit 1 Arvenkarte der Schweiz, 1 Waldkarte von Davos, 19 Spezialkarten, 9 Tafeln in Lichtdruck und 51 Textbildern. Darin: Die Arve im Unterengadin, S. 31—72.
31a. Schiffner, V., Jungermania Hornschuchiana Nees. Bot. Centralblatt. Bd. 30, 1887, pag. 22 ( aus dem Unterengadin ).
32. Sylven, Nils, Den nordsvenska tallen, mit deutschem Resümee: Die nordschwedische Kiefer. Meddelanden fran Statens Skogsversöksanstalt, Heft 13—14 enthält eine ausführliche Studie über die nordschwedische Kiefer und ihr Verhältnis zur Engadinerföhre.
33. Tarnuzzer, Chr., Aus Rätiens Natur- und Alpenwelt ( Die Scarltäler, S. 200-216 ). Zürich 1916.
34. Derselbe, Die offizielle Excursion der Schweiz. Naturf. Ges. in den Nationalpark am 9. August 1916. Verhandl. der Schweiz. Naturf. Ges., 1. Teil, 98. Jahresvers, in Schuls-Tarasp. Genf 1916.
35. Theobald, G., Naturbilder aus den rhätischen Alpen. Chur, 1. Auflage 1860, 3. Auflage ( von Tarnuzzer bearbeitet ) 1893.
36. Thomas, J.L., Récit d' un voyage botanique fait en compagnie de M. J. Muret en 1863. Bull, de la société Murithienne, 3"'c fascicule.
37. Vulpius, F., Auszug aus dem Tagebuch meiner Reise nach Tirol und Kärnthen im Sommer 1850. Oesterr. bot. Zeitschr. 12, 1862.