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Tafel Planggenalp
Planggenalp ob Engelberg (Gersauer-Alp)
Zwischen 1332 und 1359 geschah in Gersau etwas Eigenartiges, das kaum in allem enträtselt werden kann: 26 Personen, darunter auch Vogt- oder Waisenkinder verstorbener Besitzer der Gersauer Planggenalp" ob Engelberg , verkauften im Jahr 1345 diese Alp dem Abt und dem Konvent des Klosters Engelberg!
Am Sonntag, 13. März 1345, zwei Wochen vor Ostern, fanden im Hof Gersau in Gegenwart des Vogtes und Pflegers Jost von Moos Verhandlungen über den Verkauf der Planggenalp ob Engelberg statt. Im Stiftsarchiv des Klosters Engelberg kann die Kaufurkunde eingesehen werden; der Text mit insgesamt 34 Zeilen, wobei jede Zeile zwischen 100 und 108 Buchstaben enthält, ist in Minuskelschrift geschrieben. Die beiden Siegel von Rudolf von Yberg und Jost von Moos sind abgefallen. Auf der Rückseite der Kaufurkunde wurden nach 1345 zwei Notizen angebracht: Alp ze blanckon" und Brieff wie die alp ze Blankon kofft ward von denen vo Gersow zu dess Gotshuss Engelberg hand Ao 1345."
Die Urkunde ist wie ein moderner Kaufvertrag aufgebaut: Verkäuferschaft Kaufgegenstand Käuferschaft Kaufpreis Beurkundung. Die Verkäuferschaft besteht aus 26 Personen, die Eigentumsrechte an der Planggenalp besassen; sie wird angeführt vom Ammann von Gersau, Rudolf an der Würzen. Dieser Ammann stand in Vertretung des Vogtes und Pflegers der Hofgemeinde von Gersau vor. Der Kaufgegenstand heisst: alpe ze Blankon" mit allem, was zu dieser Alp gehört: Matten, Holz, Feld, Grund und Grat sowie mit allen Rechten, Alpgerechtigekeiten und Alpnutzen. Die Alp Blankon" gehörte zum Hof Gersau, zu unsern Gütern, die zu Gersau in den Hof gehören."
Es gab damals noch keine grundbuchrechtlichen Vorschriften, und es fehlten auch genau vermessene Grenzsteine, sog. Marchen. Als Käuferschaft traten Abt und Konvent des Klosters Engelberg auf, wobei an Stelle des in Engelberg weilenden Abtes und der Mönche der Probst des Stiftes Engelberg, Heinrich von Sempach, im Hof Gersau anwesend war und als rechtmässiger Vertreter des Abtes und des Konventes auftrat. Die Urkunde wurde nach dem Hofrecht von Gersau und nach alter Gewohnheit erstellt. Der Kaufpreis betrug 100 Pfund Pfennige nach Luzerner Währung. Die 26 Gersauer, angeführt von ihrem Ammann, können bei diesem Alpverkauf wie eine Art von Alpgenossenschaft angesehen werden, wie solche aufgrund von genossenschaftlich bewirtschafteten Alpen etwas später in Gersau und Engelberg entstanden sind!
Albert Müller, Zug