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Interview mit mir
Vor einer Weile, frage mich jemand, den ich interviewt hatte, warum ich mich nicht auch interviewen lasse. Anfangs fand ich das komisch, denn ich wollte mich nicht in den Vordergrund meiner eigenen Seite stellen, aber auf Nachfrage sagten mir einige andere Bekannte, das sie die Idee ebenfalls interessant fänden.
Also habe ich viele verschiedenen Menschen aus der Shar Pei Welt gebeten mir Fragen zu schicken, die sie mir in einem Interview stellen würden. Es hat mir wirklich Spass gemacht diese Fragen zu beantworten.
Sandra, wie bist du auf den Shar Pei gekommen?
Mein Mann und ich haben ja viele Jahre in China gelebt. Anfangs hatten wir zwei Hunde. Einen Zwergschnauzer (Einstein) und einen lokalen Mix (Paula). Jeden Tag wurden wir draussen mit der gleichen Situation konfrontiert. Andere Hundebesitzer waren begeistert über den Schnauzer und Paula wurde ignoriert oder abfällig als „lokaler Mix“ bezeichnet. Ich bin schon immer gerne gegen den Strom geschwommen und hatte mir geschworen das mein nächster Hund ganz explizit eine lokale Rasse sein wird. Also habe ich erstmal recherchiert, welche chinesischen Rassen es überhaupt gibt. Und das erste Bild was ich dann von einem Shar Pei im Internet sah, hat mich sofort umgehauen. Ab dem Zeitpunkt war mir klar, so einen Hund will ich haben.
Was hat dich dazu bewogen, den Shar Pei jeder anderen Rasse vorzuziehen? Hast du eine andere chinesische Rasse in Betracht gezogen?
Zu dem damaligen Zeitpunkt, als ich mich zuerst in den Shar Pei verliebt habe, da habe ich Google um Rat gefragt nach chinesischen Rassen, so wurden mir auch nur die offiziellen Rassen angezeigt. Heute weiss ich so viel mehr über so viele, nicht anerkannte lokale Rassen in China. Und ja, der Huzi Gou (bärtiger Hund) und der ursprüngliche Sichuan Hund sind beides Rassen, für die ich mich ebenso begeistern könnte, wie für den Shar Pei. Ich mag aber auch neuere Rassen, wie den Chuandong Hound oder den Kunming dog.
Warum hast du dich für die chinesische Version gegenüber der westlichen Version des Shar Pei entschieden?
Ich habe mich nie bewusst für eine „Version“ entschieden. Ich hatte mich erstmal für eine Rasse entschieden. Nachdem unser erster Shar Pei, mein geliebter Balu, gestorben war, wusste ich sehr schnell, das ich wieder einen Shar Pei haben wollte. Mir war so ziemlich sofort klar, das der nächste Shar Pei, wie schon unser erster aus China kommen sollte. Zu dem Zeitpunkt wohnten wir in der Schweiz, aber mein Herz hing immer noch an China.
Ein anderer Grund war ein Gespräch, das ich ein Jahr davor mit Matgo Law geführt habe, als er uns in der Schweiz besucht hatte. Er hat mich damals sehr ermutigt mich mit der Rasse in ihrem Ursprungsland China zu beschäftigen. Und genau das habe ich auch getan und mache es bis heute.
Ein weiterer Grund war, das ich damals schon vage darüber nachdachte in Zukunft eventuell selber zu züchten. Als die TiHo Hannover in der Test- und Entwicklungsphase ihres SPAID Tests war, hatte ich eine Blutprobe von Balu eingeschickt. In einem späteren Gespräch, mit der betreuenden Wissenschaftlerin, erfuhr ich, das die in Hannover getesteten Marker von Balu keine Übereinstimmung hatten mit den anderen getesteten Shar Pei aus Europa, oder denen, die aus Hong Kong importiert waren. Sie sagte mir damals, Balu ist genetisch ein Shar Pei und scheint aus einer komplett eigenständigen Population zu stammen. Und das war ein weiterer Grund, warum ich in China auf die Suche gegangen bin nach einem neuen Shar Pei. Damals dachte ich, das das genetisch vielleicht mal wichtig sein könnte.
Was sind deine Zuchtziele für die Rasse?
Mein persönliches Ziel ist es, den Bestand der ursprünglichen Shar Pei direkt in China zu schützen und zu fördern. Ich möchte etwas erhalten, was es in meinen Augen wert ist erhalten zu werden. Durch meine Zucht hier in der Schweiz habe ich zwar nur einen geringen Einfluss auf die Population dort, aber ich kann dort helfen die ursprüngliche Rasse an sich wieder bekannt zu machen.
Mein Zuchtziel hier ist erstmal den Gesundheitsanspruch den ich an meine Zuchthunde habe konsequent aufrecht zu erhalten. Ich will weiterhin mit meinen Hunden an Studien und wissenschaftlichen Projekten teilzunehmen.
Warum möchtest du den ursprünglichen Shar Pei erhalten?
Weil wir noch ursprüngliche Hunde haben, auch wenn es wirklich sehr wenige sind. Und der Enthusiasmus, die Liebe und die Hingabe, die ich von den alten chinesischen Züchtern für ihre gefährdete Rasse erlebe, hat mich bewegt und angesteckt. Und wenn ich die Testergebnisse meiner Hunde in Bezug auf genetische Diversität sehe, dann ist das alleine schon ein Grund, warum ich in meiner Zucht auf Hunde aus dem Ursprungsland setze.
Denkst du über Verpaarungen mit westlichen Shar Pei nach, um die Gesundheit und die genetische Vielfalt zu verbessern?
Nein, nicht für meine eigene Zucht. Früher hatte ich schon die Idee gehabt. Inzwischen bin ich aber davon abgekommen und sehe darin für meine Hunde keinen Vorteil. Ich will die ursprünglichen Hunde schützen und nicht den westlichen Shar Pei retten.
Ich habe oft Anfragen für einen Welpen von Züchtern. Die meisten interessieren sich für einen weiblichen Welpen. Ich bin diesbezüglich sehr hin und her gerissen. Denn mit dem Ziel der westlichen Population etwas gutes zu tun, wären Rüden viel sinnvoller, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden.
Gibt es andere traditionelle Shar Pei Züchter außerhalb Chinas, die du kennst und mit denen du zusammenarbeiten würdest?
Ich kenne Züchter, die sagen sie züchten traditionelle Hunde. Aber was ist das eigentlich? Frage ich 10 Züchter, ich bekomme 10 unterschiedliche Antworten. Ich mag das Wort „traditionell“ absolut nicht. Vielleicht geben uns irgendwann genetische Testmöglichkeiten eine Antwort. Für den Moment muss ich also nein sagen. Zusammenarbeit ist allerdings etwas, was ich immer befürworte.
Aber das kann und wird sich sicherlich ändern. Denn die Zeiten ändern sich und mehr und mehr Menschen agieren bewusster bei der Auswahl ihres zukünftigen Traumhundes. Ich sehe das alleine daran, wie viel informierter die meisten meiner Welpeninteressenten sind. Und wer weiss, vielleicht ist bei denen ja auch der ein oder andere zukünftige Züchter dabei, den ich so inspirieren kann, wie die Chinesen mich inspiriert haben.
Wo siehst du die Beziehung zwischen der Shar Pei von China und der Shar Pei des Westens?
Sie sind alle genetisch als Shar Pei definiert. Alle sind also Shar Pei. Das ist ihre Beziehung. Wir sprechen eigentlich nur von unterschiedlichen Populationen, die sich durch Zucht in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben.
Ist Platz für beide – oder gibt es wirklich nur einen Typ?
Es gibt eine Rasse, den Shar Pei. Ich sehe die Rasse nicht als verschiedene Typen. Eher als unterschiedliche Populationen. Und ich sehe genetische Merkmalsträger für potentielle gesundheitliche Probleme und Merkmals freie Hunde.
Wo siehst du den ursprünglichen chinesischen Shar Pei in 10 Jahren?
In China hoffe ich das er wieder bekannter wird, das Menschen dort stolz sein werden auf ihre eigene besondere Rasse und das grundsätzlich mehr Interesse an chinesischen Rassen bestehen wird. Denn wenn wieder mehr ursprüngliche Shar Pei im eigenen Land nachgefragt werden, dann können Züchter wieder ihre eigenen Zuchten finanzieren. Eines unserer Hauptprobleme in China aktuell.
Hier bei uns erhoffe ich mir einfach mehr Wissen über die Rasse und ihre Herkunft. Und es wäre toll sich in 10 Jahren mit all den Besitzern und den Hunden die bis dahin aus meiner Zucht kommen werden zu treffen. Denn erst dann sehe ich, ob das was ich jetzt hier mache gut, richtig und sinnvoll ist.
Was ist deine größte Sorge für die Zukunft unserer Rasse?
In China ist meine grösste Sorge, das wir nicht genug junge Züchter motivieren können bevor die alten Züchter irgendwann aufhören. Unbezahlbares Wissen und Tiere würden so verloren gehen.
Hier im Westen ist meine grösste Sorge, das weiterhin ein allgemein schlechter Zustand der Rasse billigend in Kauf genommen wird. Das rassetypische Krankheiten und Allergien als Normalzustand toleriert werden. Das Probleme in der Zucht weiter unter den Teppich gekehrt werden statt sich ihnen zu stellen und radikale Konsequenzen gezogen werden.
Viele Shar Pei Besitzer sind oft mit Tierärzten konfrontiert, die die Rasse typischen Probleme kaum kennen und oft wird auch ein Mangel an Verständnis für unsere Rasse durch Tierärzte beklagt? Wie siehst du das? Worauf achtest du bei einem Tierarzt?
Ich habe dazu kaum eine Meinung, ich habe eine tolle Tierklinik. Und ich habe noch nie einen Shar Pei mit rassetypischen Krankheiten gehabt. Und ich glaube das viele Tierärzte schon sehr viel Verständnis für ihre Patienten haben. Wofür viele Tierärzte kein Verständnis haben, ist die Zunahme an kranken Tieren in ihren Praxen, die durch ethische Zucht verhindert werden könnte.
Worauf ich bei einem Tierarzt achte? Das Evidenz basiert behandelt wird.
Wenn ich kein weitere Kenntnis über den Shar Pei hätte und dich fragen würde, woran ich denken soll, bevor ich einen bekomme, welchen Rat würdest du mir geben?
Laufe so weit du kannst wenn dir ein Züchter sagt, das alle seine Hunde und Welpen immer gesund sind und es noch nie Probleme gab.
Als du angefangen hast dich mit der Zucht des Shar Pei zu beschäftigen, was hat dich an der Rasse am meisten beunruhigt?
Die Unwissenheit vieler Züchter über allgemeine und Populations Genetik. Die Mangelnde Bereitschaft Konsequenzen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ziehen. Denn alles was mich an den Hunden beunruhigt hat, ist nur ein Ergebnis der vorangegangenen Zuchtarbeit.
Welche Menschen können bei dir einen Welpen bekommen? Welche Auswahlkriterien hast du? Worauf achtest du bei einem zukünftigen Besitzer?
Jeder kann bei mir sein Interesse für einen unserer zukünftigen Welpen äussern. Ich habe natürlich Auswahlkriterien, das wichtigste ist dabei mein Bauchgefühl. Denn es muss vor allem menschlich passen, ich möchte ja auch in Zukunft Kontakt mit meinen Welpenbesitzern haben.
Worauf ich am meisten achte bei Interessenten? Das sie neugierig sind und Fragen stellen.
Wenn es bei den neuen Eigentümer nicht klappen würde, welche Unterstützung würdest du ihnen bieten?
Als aller oberste Regel: Ein verantwortungsvoller Züchter nimmt immer und jederzeit einen Hund zurück und kümmert sich um eine Lösung!
Allerdings fallen mir nur sehr wenige Gründ ein, warum es bei einem neuen Besitzer nicht klappen sollte. Denn dazu hat man diese ja schon vor der Welpen Abgabe gut genug kennengelernt.
Allerdings habe ich in dem Bereich eben noch keine Erfahrung, vielleicht sollte man mir diese Frage in 10 Jahren nochmal stellen.
Hast du einen Kaufvertrag für deine Welpen? Was sind die wichtigsten Punkte in deinem Vertrag?
Ja habe ich natürlich. Das Problem mit Kaufverträgen fängt aber da an, wo man einen Welpen ins Ausland verkauft. Mein Kaufvertrag ist hier in meinem Land rechtlich bindend. Verkaufe ich einen Welpen, sagen wir nach Kanada, dann ist das eine ganz andere Sache.
Von daher basiert eben viel auf Vertrauen und Bauchgefühl.