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Fredi darf am Sonntagnachmittag seinen Lehrer zu Hause besuchen. Zusammen hören sie Mozarts Klarinettenkonzert, und Fredi bekommt auf seine Bitte hin einen Sirup. Dann entspinnt sich zwischen den beiden das folgende Gespräch:
Sag einmal Fredi, möchtest du nicht ein Instrument spielen lernen? Nein. Warum nicht? Es stinkt mir. Sicher? Das kann ich nicht. Ich glaube, das kannst du. Ich weiss, dass ich das nicht kann. Warum? Ich kann überhaupt nichts lernen. Ich bin nicht richtig im Kopf. Erzähle! Ich muss ja Pillen nehmen. Seit ich in den Kindergarten gehe. Das löscht mir ab. Du hast Angst. Nein. Aber es stinkt mir. Ich kann ja doch nichts lernen, auch später nicht. Also doch Angst? Ja. Was soll ich denn werden? Weisst du, weshalb du Pillen nehmen musst? Ja. Weil ich krank bin im Kopf. Nein, damit du nicht krank wirst. Das ist ein Unterschied. Das ist kein Unterschied, das kommt auf dasselbe heraus. Nein. Schau, es gibt Leute, die sich leicht erkälten. Die ziehen sich warm an, sobald es kalt wird. Und im Winter trinken sie Lebertran und solches Zeug. Damit sie nicht krank werden. Bei dir ist das ähnlich. Du nimmst diese Pillen auch, damit du keine Anfälle bekommst, damit du nicht krank wirst.
Er sieht mich lange und ernst an.
Glauben Sie? Ich weiss. Das muss ich mir überlegen. (…)
Am nächsten Tag, in der Schule:
Kommen Sie, ich muss Ihnen etwas sagen. Ich möchte ein Instrument spielen lernen. Und der Kopf? Der lernt das schon.
Kommentar
Manchmal erlaubt die Situation unter vier Augen, etwas Persönliches von einem Schüler zu erfahren, ohne dass solche Veränderungen wie bei Fredi möglich werden.
Pierre z.B hatte grosse Mühe, dem Unterricht zu folgen, seine Leistungen waren sehr schwach. Oft spielte er mit seinem Etui vor sich hin oder zeichnete. Alles Aufrufen vor der Klasse brachte keinen Erfolg. Auf der Suche nach neuen Anknüpfmöglichkeiten fragte ich ihn einmal in einer Pause nach seinen Hobbys. Er berichtete begeistert von seiner Gitarre. Auf meine Einladung hin war er gerne bereit, diese einmal in der Woche mitzubringen, um mir etwas vorzuspielen. Bei diesen Gelegenheiten war er geneigt, mir unter vier Augen Persönliches zu berichten, was er sonst niemals tat. So erzählte er mir von seinem älteren Bruder, der im Gymnasium so gut sei, dass er zu Hause gar nie lernen müsse, sondern vieles im Schlaf verarbeite.
In der Folge verstand ich Pierre und sein Verhalten besser. Er hatte sich selber schulisch abgeschrieben und fühlte sich seinem Bruder hoffnungslos unterlegen. Ich fühlte mich in der Folge weniger persönlich angegriffen und begegnete ihm gelassener, auch wenn sich sein Lernverhalten nicht wesentlich verbesserte.