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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Siebtes Buch
VIII. Kapitel
50.
1. Wer in solcher Frömmigkeit erprobt ist, der ist sicherlich nicht rasch bereit, zu lügen und zu schwören. Denn Eid ist eine bestimmte Aussage unter Berufung auf Gott.
2. Wie könnte aber der, der ein für allemal zuverlässig ist, sich als unzuverlässig erweisen, so daß er einen Eidschwur nötig hätte, anstatt daß für ihn das Leben fest und bestimmt einen Eid vertritt?1
3. Er führt sein Leben und seinen ganzen Wandel dementsprechend und beweist die Zuverlässigkeit seiner Versicherung durch eine unwandelbare und sich stets gleichbleibende Art des Lebens und der Rede.
4. Wenn aber das Unrechttun in der Entscheidung des Handelnden und Redenden, dagegen nicht in dem Erdulden dessen liegt, dem Unbill widerfährt, so wird er weder lügen noch einen Meineid schwören in der Meinung, daß er damit der Gottheit ein Leid zufügen könnte, da er ja weiß, daß sie von Natur unverletzlich ist. Aber auch wegen seines Nächsten (d. h. um ihm zu schaden) wird er nicht lügen oder gegen ein gegebenes Versprechen handeln, da er ja ihn zu lieben gelernt hat,2 auch wenn er kein vertrauter Freund ist; seiner selbst wegen aber wird er noch viel weniger lügen oder einen Meineid schwören, da er sich ja nie mit freiem Willen als Frevler gegen sich selbst wird erfinden lassen.
5. Er wird aber überhaupt nicht schwören, sondern es vorziehen, bei der Bejahung nur das Wörtchen "ja", bei der Verneinung das Wörtchen "nein" hinzuzufügen.3 Denn Schwören bedeutet, daß man einen Eid oder4 etwas, was so gut wie ein Eid ist, auf Grund seiner Überzeugung zur Bestätigung beibringt.
1: Vgl. Isokrates 1,22.
2: Vgl. Mt 19,19.
3: Vgl. ebd. 5,37; Jak. 5,12.
4: Die Annahme einer Lücke ist nicht nötig.