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Der Roman «Wenn das Glück kommt, soll man ihm einen Stuhl hinstellen» von Mirjam Pressler handelt von Halinka, einem polnischen Mädchen, das 1952 in einem Kinderheim in der Nähe von Schwetzingen in Deutschland aufwächst. Der Roman erzählt davon, wie das anfangs verschlossene und eher misstrauische Mädchen sich im Heim nach und nach besser zurechtfindet und dem Glück begegnet.
Halinka wohnt seit zwei Jahren im Heim, weil ihre Mutter nicht für sie sorgen kann. Tante Lou, die Schwester der Mutter, würde Halinka gern zu sich nehmen. Sie hat jedoch keine Zeit für sie, da sie ihren Lebensunterhalt verdienen muss. Halinka hofft, dass Tante Lou bald einen Mann findet, der sie versorgt. Im Heim ist Halinka eine der Kleinen und kann sich gegen die gefrässige Duro oder die boshafte Elisabeth nicht wehren. Sie bleibt oft hungrig, hat keine Freundin und ihr einziger Besitz sind eine bunte Decke von Tante Lou und ein Taschenmesser. Halinka mag Renate, die sich jeden Abend in den Schlaf weint. Als Freundin käme sie allerdings nicht in Betracht, weil sie nicht stark genug ist. Auf dem Kofferspeicher hinter dem Handarbeitssaal hat Halinka sich ein Versteck eingerichtet. Nachts schleicht sie dorthin, macht bei Kerzenlicht Notizen in ihrem «Gedankenbuch».
Als Renate eines Abends wieder weint, tröstet Halinka sie und nimmt sie mit zu ihrem Geheimplatz. Am Morgen ist Halinka das nächtliche Zusammensein mit Renate peinlich und sie weicht ihr aus. Als Elisabeth aber beginnt, Renate zu beleidigen und zum Weinen zu bringen, greift Halinka Elisabeth an. Es kommt zu einer Prügelei, bei der beide Mädchen sich so verletzen, dass sie ärztlich behandelt werden müssen.
Halinka weiss jetzt, dass sie sich wehren kann und sich nicht alles gefallen lassen muss. Während sie sich auf der Krankenstation erholt, kommt Renate zu ihr und schenkt ihr eine kleine Puppe. Die beiden vertrauen sich ihre grössten Geheimnisse an und werden Freundinnen.
Halinka hat bei einer Strassensammlung für ein Hilfswerk das meiste Geld gesammelt und erhält einen Preis: einen Ausflug in den Schwetzinger Schlosspark. Eigentlich hätte sie lieber ein Buch gehabt, doch dann macht ihr der Ausflug grosse Freude. Die Schönheit einer Statue im Schlosspark rührt sie zu Tränen. Halinka erhält einen Brief von Tante Lou mit zehn Mark für eine Fahrkarte. Sie darf ihre Tante am Wochenende besuchen. Tante Lou erlaubt, dass sie ihre Freundin Renate mitbringt.
Mir gefällt, dass Frau Pressler das Schicksal von Halinka im Heim so genau und so einfühlsam beschreibt. Sie zeigt damit, dass es auch aus einer schwierigen Situation Auswege geben kann. Das finde ich sehr ermutigend. Dieses Buch macht Mut.
Diese Stelle ist typisch für das Buch:
«Ich denke immer nur an Tante Lou. An wen denn sonst? Es gibt Gedanken, die wehtun, bei denen mir übel wird. Solche Gedanken will ich nicht, die schiebe ich schnell weg. Gedanken an Tante Lou aber sind immer schön.»
Ich empfehle dieses Buch Jugendlichen ab 12 Jahren, die sich gerne in andere Menschen hineinversetzen und sich Gedanken über Themen wie Freundschaft oder Armut machen.
(mh)