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Classement thématique série 1848–1945:
I. RELATIONS BILATÉRALES
I.2. Autriche
I.2.4. Relations commerciales
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Die Verhandlungen, welche der Herr Handelsminister in der letzten Zeit mit England und den zur Abschliessung eines Vertrages sich hier befindenden Abgeordneten gepflogen, wollten nicht recht vorwärts schreiten und noch vor einem Monate zweifelte man an einem Resultate. Seit ungefähr 3 Wochen hat man sich jedoch in den Ansichten genähert und man zweifelt nun an dem Zustandekommen desselben nicht mehr. Was die näheren Bestimmungen sind, ist noch unbekannt, auch ist nicht daran zu denken, dass derselbe sobald ins Leben treten wird, ja man spricht vom Jahre 1868. Die Gerüchte über diesen Vertrag sowol als auch die Behauptungen, dass Frankreich und Russland in gleicher Richtung Anstrengungen machen, haben mich veranlasst, dem Herrn Handelsminister meinen Besuch abzustatten, um ihn bezüglich seiner Ansichten über einen Anschluss an die Handelsverhältnisse der Schweiz zu sondiren. Ich theilte dem Herrn Minister mit, dass der h.B.R. bereits im Mai d.J. der k. Regierung den Vorschlag gemacht habe2, Österreich bezüglich des Zoll-Tarifes den begünstigten Nationen gleich stellen zu wollen, wenn Österreich bereit sei, auch die Schweiz den am meisten begünstigten Nationen gleich zu halten. Als ich diesen Vorschlag im Monat Mai dem Grafen Mensdorff gemacht, waren jedoch die Zollverhältnisse noch so sehr im Unklaren, dass man keinen Entschluss fassen konnte.3 Obgleich man das Vorteilhafte eines solchen Vorschlages für die österreichischen Handelsverhältnisse nicht in Abrede stellen konnte, so musste ich mich damals mit einer Vertröstung auf spätere Zeit begnügen. Zu meiner Freude hätte ich jedoch gesehen, dass unter seiner Leitung sich endlich das verwirklichen werde, was schon längst im Interesse Österreichs gelegen, eine Anbahnung eines freien Handelsverkehrs mit den anderen Staaten, und ich sei daher mit Vergnügen bereit, auch bezüglich der Schweiz die bereits früher gemachten Anerbietungen zu wiederholen. Indem ich dem H. Minister das einzige Exemplar der statistischen Übersicht des Handels der Schweiz mit Österreich, welches ich hatte, übergab, machte ich ihn auf das ungeheure Missverhältnis aufmerksam, welches gegen die früheren Jahre und gegen andere Staaten in unserem Handelsverkehre mit Österreich existire. Ich stellte dem H. Minister in ausführlicher Weise alle die für Österreich sich ergebenden Vortheile eines Handelsvertrages mit der Schweiz vor.
Der H. Minister hatte die Güte, meiner Vorstellung mit Interesse zu folgen und mit Fachkenntnis sein Urtheil abzugeben. Er äusserte sich, dass er die Vortheile einer freien Handelsverbindung Österreichs mit der Schweiz vollkommen einsehe, wie er überhaupt es als eine Nothwendigkeit erachte, dass Österreich aus seiner abgeschlossenen Position heraustreten müsse. Allein er könne es sich nicht verhehlen, dass dieser Schritt für Österreich mit der grössten Vorsicht begonnen werden müsse, wenn die Industrie nicht tief darunter leiden solle. Der gegenwärtige Zolltarif befinde sich noch in einer solchen Unklarheit, dass er zu Verhandlungen mit auswärtigen Staaten gar keine Basis bilde. Die Gegenstände seien alle so sehr durcheinander geworfen, dass man zuerst an eine Sortirung derselben denken müsste, so z. B. bei Eisenwaaren seien Stahlwaaren, Roheisen, gezogene Drähte, usw., alle in eine Kategorie gestellt, ebenso verhalte es sich bei den Manufakturwaaren. Er habe deshalb sogleich zwei eigene Bureaux eingerichtet, welche einzig mit dieser Arbeit betraut sind, und erst nach Vollendung derselben sei es möglich, sich ein klaares Bild zu entwerfen und Vergleiche anzustellen. In einem Monate hoffe er diese Arbeit beendet zu sehen und er werde dann nicht ermangeln, mich um Wiederholung meines Besuches zu bitten.
Ich schmeichle mir, h. H., dass Sie mit meinem Schritte, bei Zeiten die für die Schweiz so wichtige Frage wieder angeregt zu haben, einverstanden sein werden, denn der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, wo Österreich in der Zollfrage einen entscheidenden Schritt vornehmen muss. Die Ausnahme-Stellung, welche es bis jetzt eingenommen, muss aufhören, wenn die Industrie nicht ganz zu Grunde gehen soll.
Ich bitte Sie, Tit., diese Mittheilung als eine vertrauliche zu behandeln, da von meinem Schritte ausser dem Handelsminister vorerst niemand Kenntnis hat. Angenehm wäre es, wenn Sie mir unter Kreuzband noch zwei Exemplare des Handelsverkehrs mit Deutschland, Österreich und der Schweiz einsenden wollten.4