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Mein lieber Freund!
Der Zweck dieser Zeilen besteht lediglich darin, Dir ein neues Alphabet für chiffrirte Schrift zu übermitteln & Dich zu bitten, dasselbe von nun an benutzen zu wollen. Ich habe nämlich in Erfahrung gebracht, daß unsere Chiffren auf dem hiesigen Telegraphenbureau entziffert worden seien. Unter diesen Umständen schien mir eine Änderung des Alphabetes geboten.
Meinem gestrigen Telegramme betreffend die Begehren 1.) & 2.) der Großrathscommission habe ich nichts beizufügen. Betreffend Begehren 3.) & 4.) gewärtige ich die in Aussicht gestellten Redactionen. Vorläufig will es mir scheinen, daß Du auf Grundlage unserer Besprechung in Luzern im äußersten Falle dem Begehren 4.) entsprechen, bez|weise zur Streichung von Art. 4. [d. h. ?] Betreffe des Cessionsvertrages Hand bieten könnest. Das Begehren 3. anlangend wäre vielleicht, wenn durchaus nöthig, ein Zugeständniß in dem Sinne zulässig, daß gesagt würde, der große Tunnel dürfe nicht dem Betriebe übergeben werden, so lange nicht das ganze Tessin'sche Eisenbahnnetz, zu dessen Ausführung wir uns verpflichtet, vollendet sei.
Feer-Herzog wird Morgen von hier nach Florenz abreisen, dort vor aussichtlich am Dienstage eintreffen, um wahrscheinlich sehr bald nachher nach Genua & zum Behufe der Verhandlung mit der [...lante?] Italien nach turin zu gehen. Du kannst also die ungeduldigen Tessiner mit dieser Aussicht auf eine beförderliche Anhandnahme der Negotiation betr. Chiasso–Camerlata trösten.
Unsere große Sache schreitet vorwärts, | aber nicht ohne die größten Schwierigkeiten, die sich fortwährend in den Weg stellen & an denen der – Unverstand der Menschen nicht etwa den kleinsten Antheil hat!
Und nun Gott befohlen. Von Herzen
Dein
Dr A Escher
Zürich
2 Mai 1869.