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Am Valentinstag, am 14. Februar, tauschen Liebende auf der ganzen Welt Glückwünsche und Liebeserklärungen aus. Um den Ursprung dieses „Tages der Herzen“ ranken sich verschiedene Legenden. Valentin soll im 3. Jahrhundert nach Christus in Interamna, einer römischen Stadt in Umbrien, zum Bischof geweiht worden sein. Damals herrschte dort der Kaiser Claudius Goticus, der Valentin an einem 14. Februar hatte hinrichten lassen. Als Märtyrer wird Sankt Valentin seither verehrt und mit Blumengeschenken in Verbindung gebracht. Die Stadt existiert auch heute noch, allerdings unter dem neuen Namen Terni. Der Schutzheilige von Terni ist aber immer noch Sankt Valentin.
Blumen, Karten, Gedichte und Romane. Der Brauch des Blumenschenkens kam wohl mit Auswanderern nach Amerika und sorgte dort für schnelle Verbreitung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg rückte der Valentinstag auch bei uns in den Vordergrund, amerikanische Soldaten sollen den Brauch wieder zurück nach Europa gebracht haben. Dass es jedoch nicht immer Blumen sein müssen, dafür bürgen die Engländer mit einem 500 Jahre alten Brauchtum. In England bildete sich nämlich der Brauch heraus, am 14. Februar unter feierlichen Ritualen sogenannte „Valentinspaare“ zu bilden. Texte und Gedichte auf Karten, sogenannten Valentinskarten, wurden unter diesen Paaren ausgetauscht. Das Schreiben von Valentinskarten mag dem Buchhandel nun wohl auch die Idee nahegelegt haben, nicht bloss Karten, sondern gleich einen „Internationalen Bestseller zum Valentinstag 2021“ zu kreieren.
Der „Internationale Bestseller zum Valentinstag 2021“ heisst „Jedes Jahr im Juni“. Geschrieben hat den Liebesroman die englische Autorin Lia Louis. Die Engländerin arbeitete als Werbetexterin und als Bloggerin. Sie gewann auch schon den jährlichen Schreibwettbewerb der Zeitschrift Elle. (Lia Louis: Dear Emmie Blue (Originaltitel). Deutsche Erstausgabe übersetzt von Veronika Dünninger, Penguin TB Verlag 2021, 415 Seiten.) Der Roman handelt von einer grossen Liebe, die zwar starke Gefühle freisetzt, die aber auch auf eine harte Probe gestellt wird. Erzählt wird die Lovestory in Rückblicken. Alles nimmt seinen Anfang mit einem Luftballon. Den Luftballon steigen lassen hat eine Schülerin, 16 Jahre alt, aus einer Sekundarschule in Kent, Vereinigtes Königsreich. Die Schülerin heisst Emmie Blue, und das schreibt sie auch – zusammen mit ihrer Anschrift – auf eine Karte, die sie an den Luftballon hängt.
„Emmie Blue, 16 Jahre alt, Klasse 11R, Fortescue-Lane-Sekundarschule, Ramsgate, Kent, Vereinigtes Königreich. Wenn dieser Luftballon je gefunden wird, werden Sie der einzige Mensch auf der Welt sein, der es weiss. Ich war es.“Aus: „Jedes Jahr im Juni“ von Lia Louis
Eine Luftballon-Liebe. Den Wunsch-Luftballon, der Emmi Blue zu einem Freund verhelfen soll, lässt sie in England steigen. Er nimmt Fahrt auf und fliegt über den Ärmelkanal in Richtung Frankreich. Lucas Moreau heisst der junge Mann, der Emmis Ballon in Frankreich am Strand bei Boulogne-sur-Mer entdeckt. Mit ihm findet Emmi Blue den Freund, den sie sich sehnsüchtig gewünscht hat. Der Zufall will es, dass beide auf den Tag genau gleich alt sind. Jahrelang treffen sich die beiden Liebenden am Tag ihres gemeinsamen Geburtstags. Und jahrelang hofft Emmi, dass Lucas die gleichen starken Gefühle für sie hegt, die sie ihm entgegenbringt. Lucas ist Emmis ganz persönliche Luftballonliebe. Aber eigentlich würde Emmi nur allzu gern mit Lucas in einer Paarbeziehung zusammenleben. Wird er ihr zum 30. Geburtstag endlich die Frage aller Fragen stellen? Wird er sie heiraten? Lucas ist ein Charmeur, einer, der sich seiner Wirkung auf Frauen bewusst ist. Er versteht es, Frauen zu umgarnen. Und so kommt es, dass Emmi die Enttäuschung ihres Lebens zu verarbeiten hat.
„Heiraten. Lucas wird heiraten. In neun Monaten wird mein bester Freund seit vierzehn Jahren, der Mann, in den ich verliebt bin, eine Frau heiraten, die er liebt. Eine Frau, die nicht ich bin.“Aus: „Jedes Jahr im Juni“ von Lia Louis
Wie lässt sich ein gebrochenes Herz reparieren? Die Romanstory nimmt uns mit auf eine Berg- und Talfahrt durch die Gefühlswelt. Verliebtheit, Begeisterung und Freundschaft verglimmen in Traurigkeit, Melancholie und Verlustangst. Emmi muss kleine Schritte gehen, um wieder zu sich selbst zu finden. Für manche Leser*innen wird wohl Taschentücher-Alarm angesagt sein. Autorin Lia Louis gesteht mit ihrem mitreissend-emotionalen Erzählstil ihrer Protagonistin Emmi zutiefst menschliche Gefühle zu, besonders dann, wenn der Traum von einer gemeinsamen Zukunft wie ein Luftballon in eisiger Kälte zerplatzt.
„Jetzt brennen Tränen hinter meinen Augenlidern. Denn ich weiss, dass ich ihn unterstützen muss. Ich weiss, dass ich bei diesem Schritt, den Lucas tut, diesem gewaltigen, riesigen Sprung, applaudieren muss, denn egal, wie schmerzlich es ist, das bin ich ihm schuldig. Das ist, was eine beste Freundin tut. Eine Trauzeugin.“Aus: „Jedes Jahr im Juni“ von Lia Louis
Überraschende Wendungen und heftige Emotionen sind in diesem Liebesroman inklusive. Bis der „Internationale Bestseller zum Valentinstag 2021“ jedoch in ein glückliches Ende mündet, sind reichlich Streitereien und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Romantische Szenen am Meer lassen die Schmetterlinge im Bauch schliesslich erneut aufgeregt flattern. Ein Buch für alle, die an den Zauber und die Magie der grossen Liebe glauben. Eine Geschichte, die vom Loslassen und Wiederfinden handelt, und die beim Lesen längst verklungen geglaubte Töne wieder erklingen lässt.
Text und Bild: Kurt Schnidrig