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«Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel ist.»
Franz Kafka
Ich, Nelly Reichenbach-Marti, geboren am 3. April 1923 im Grund, aufgewachsen auf der Post mit Bruder Marcel, 1920 geboren, Schwester Trudi, 1926 geboren, und Edith, 1931 geboren. Ich denke an eine fröhliche Kindheit zurück mit unseren drei Cousinen im oberen Haus.
Nach Schulaustritt war ich ein Jahr im Welschland, in Epesses, wo es mir gut ging und ich die französische Sprache lernte. Wieder zu Hause, half ich Papa in der Landwirtschaft und beim Briefträgern, da ich meine Mama viel zu früh verloren hatte.
Am 1. Mai 1941 lernte ich Emil Reichenbach beim Tanzen kennen. Wir heirateten am 22. April 1944. 1946 kam unsere Tochter Mariette Gerda, 1952 Tochter Silvia und 1964 Tochter Kathrin auf die Welt. Unser Wohnsitz war im Ebnit unter der Brücke.
Wir gingen 25 Sommer lang z Bärg, fünf Jahre im Studeli, zwölf Jahre im Wittenberg, vier Jahre auf dem Col des Mosses und vier Jahre auf dem Vorder Walig. 1967 durften wir in unser neues Heim im Gigerli einziehen. Ich war überglücklich, ein eigenes Heim zu haben.
Soweit die Niederschrift von Nelly Reichenbach-Marti selbst.
* * *
Was sie nicht erwähnte aus ihren jungen Jahren, ist die ihr wichtige Zeit im Hotel Bernerhof, wo sie in der Winterzeit als Saaltochter arbeitete.
In ihrem neuen Heim Gigerli ging Mama auf. Mit viel Liebe pflegte sie den Garten, den Blumenschmuck und die Umgebung. Mama half auch fleissig bei den Feldarbeiten mit. Misthacken, Worben und Rechen an den steilen «Börtern» waren ihr nie zu viel.
Ihr wurden im Laufe der Zeit elf Grosskinder und sieben Urgrosskinder geschenkt. Mit Kathrins Kindern kam Leben ins Gigerli und es war nun ihre Aufgabe, sich liebevoll um die Grosskinder zu kümmern.
Mama wurde auch von schweren Schicksalsschlägen nicht verschont: der frühe Tod ihres Bruders Marcel, der Unfalltod ihres Grossohnes Romeo, kurz darauf Papas Unfall und Tod und später der Tod ihres Schwiegersohnes Ferdy.
An Mama gingen die Jahre nicht spurlos vorbei. Die Kräfte liessen nach und Altersbeschwerden begleiteten ihren Alltag. Dank der Spitex und der liebevollen Betreuung von Grosstochter Nathalie durfte Mama bis letzten Sommer zu Hause leben. Der Sturz am 22. Juni zwang sie, nach etlichen Operationen mit Spitalaufenthalten, ihr geliebtes Gigerli für immer zu verlassen. Mama war pflegebedürftig und wir waren froh, dass sie im Pflegeheim Pfyffenegg ein Plätzli gefunden hatte. Sie beklagte sich nie und wir waren froh, dass sie gut gepflegt wurde.
In den letzten Wochen verschlechterte sich ihr Zustand zusehends. Mama konnte nicht mehr aufstehen, hatte keinen Appetit mehr und wurde immer schwächer. In der zweiten Januarwoche nun ist sie eingeschlafen.
Mama, wir danken dir von Herzen für deine Liebe und Fürsorge. Wir gönnen dir die Ruhe. Du wirst immer in unseren Herzen bleiben.
IN LIEBE: DEINE FAMILIE