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2018 widmete das Filmpodium Leo McCarey eine Retrospektive. Damals fehlte einer seiner wichtigsten Filme, Love Affair, der zwei Remakes zeugte: An Affair to Remember (Leo McCarey, 1957) und Love Affair (Glenn Gordon Caron, 1994). Nun zeigen wir die witzige und wegweisende Original-Romanze mit Charles Boyer und Irene Dunne in restaurierter Form.
Der französische Playboy Marnay und die ehemalige Sängerin Terry McKay lernen sich auf der Überfahrt von Europa nach New York kennen und verlieben sich, aber beide stehen bereits in einer anderen Beziehung. Sie vereinbaren, wenn ihre Gefühle füreinander nach sechs Monaten der Trennung immer noch so stark sind, sich auf dem Empire State Building wiederzusehen. Doch ihr Plan geht schief.
«Love Affair, ein zentraler Film in Leo McCareys Karriere, vervollständigt die mit Make Way for Tomorrow und The Awful Truth begonnene Trilogie über die Ehe und führt die spirituellen Themen ein, die McCareys grosse religiöse Trilogie der 1940er-Jahre, Going My Way, The Bells of St. Mary’s und Good Sam, prägen werden. Gott, in Make Way ... so auffallend abwesend (...), ist in Love Affair allgegenwärtig, wenn auch in verschiedenen Verkleidungen, von der heiligmässigen alten Frau (Maria Ouspenskaya), die dem unwahrscheinlichen Paar aus ihrem Playboy-Enkel und der amerikanischen Nachtclubsängerin, die er an Bord eines Ozeandampfers kennengelernt hat, ihren Segen gibt, bis hin zu dem Betrunkenen, der mit einem Weihnachtsbaum ringt und (Marnay) in einem Schlüsselmoment der Handlung aus dem Nebel der Niedergeschlagenheit erweckt. Überragt (im wahrsten Sinne des Wortes) wird alles von der riesigen Gestalt des Empire State Building, ‹das von allem, was wir in New York haben, dem Himmel am nächsten kommt›, wo die beiden Liebenden nach einer sechsmonatigen Trennung, um die Gültigkeit ihrer Verbindung auf die Probe zu stellen, sich wiedersehen sollen. Mit einem visuellen Flair, das eher an das Werk Frank Borzages als an McCareys üblichen, geradlinig-realistischen Stil erinnert, macht der Film aus dem Gebäude ein wiederkehrendes Bild der Abgeschiedenheit und Unerreichbarkeit (es taucht aus einer Wolke auf oder spiegelt sich in einer Fensterscheibe), gleichzeitig ist es ein Versprechen von letztendlicher Ordnung und Gleichmut, von einer höheren Macht, die über die Figuren wacht und sie zur Erfüllung führt.
Es ist kaum zu glauben, dass dieser perfekt konstruierte Film mit seiner Ausgewogenheit von Komödie und Melodrama, seiner beiläufigen Annäherung an spirituelle Grösse durch eine Reihe scheinbar trivialer Ereignisse, kurz nach Beginn der Dreharbeiten eilig umgeschrieben werden musste (von Delmer Daves und Donald Ogden Stewart), als die französische Regierung Einwände gegen Boyers ‹losen› Charakter erhob mit der Begründung, dass dieser kurz vor dem Krieg die französisch-amerikanische Freundschaft gefährden würde. Im Gegensatz zu Cary Grant machte Boyer bei McCareys Improvisationsmethoden begeistert mit, und Love Affair blieb Boyers Liebling unter seinen Hollywoodfilmen.» (Dave Kehr, Il cinema ritrovato 2015)
«Der Playboy Marnay (Charles Boyer) und die zunächst skeptische Terry McKay (Irene Dunne) verlieben sich auf einer Atlantiküberfahrt, aber beide sind jemand anderem versprochen. Um ihre Gefühle auf die Probe zu stellen, vereinbaren sie, sich nach sechs Monaten auf dem Empire State Building zu treffen, doch das Schicksal kommt dazwischen. Leo McCarey hat später das etwas schwerfällige Remake An Affair to Remember gedreht; Warren Beatty hat es versucht und ist gescheitert; Sleepless in Seattle hat den Stoff mit vielsagender Ironie verwertet, doch das Original bleibt unübertroffen, weil seine konstruierte Handlung ein klassisches Hollywoodprodukt ist und die Besetzung unschlagbar. Dunne ist schlicht ein Wunder, köstlich sarkastisch, wenn nötig, wahrhaftig von Leidenschaft verklärt, rührend stoisch, als sich die Ereignisse gegen sie wenden, während Boyer an Menschlichkeit gewinnt, indem er seinen aalglatten Franzosencharme als blossen Deckmantel für rasende Selbstzweifel einsetzt. Die ständig wechselnden Emotionen in ihrer langen Schlussszene machen diese zu einem kleinen Meisterstück in Sachen Schauspiel, Drehbuch und Regie.» (Trevor Johnston, Time Out Film Guide)
Drehbuch: Delmer Daves, Donald Ogden Stewart, nach einer Story von Mildred Cram, Leo McCarey, S. N. Behrman (ungenannt)
Kamera: Rudolph Maté
Musik: Roy Webb
Schnitt: Edward Dmytryk, George Hively
Mit: Irene Dunne (Terry McKay), Charles Boyer (Michel Marnay), Maria Ouspenskaya (Grossmutter), Lee Bowman (Kenneth Bradley), Astrid Allwyn (Lois Clarke), Maurice Moscovitch (Maurice Cobert)
88 Min., sw, DCP, E+F/d