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„Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man es gerne gewesen wäre.“ (George Eliot)
Wenn ich am Ende meines Lebens zurückschaue: Was für ein Mensch möchte ich gewesen sein? Wie müsste ich gewesen sein, dass ich dann sagen kann: Ich war ein guter Mensch und ich habe ein gutes Leben geführt?
Wir müssen nicht so lange warten damit, der Mensch zu sein, der wir sein wollen. Wir müssen auch nicht so lange warten, um zu sehen, wie wir gerne gelebt hätten. Wir können heute aufwachen aus unserem eingefahrenen Lebenstramp und uns fragen: Lebe ich das Leben, das ich leben möchte? Ist es ein gutes Leben, eines, das mir und meinen Werten entspricht? Bin ich der Mensch, der ich gerne sein möchte? Was könnte ich tun, um noch mehr dieser Mensch zu sein? Und dann liegt es in unserer Verantwortung, das zu leben und zu sein.
Und irgendwann stehen wir dann am Ende unseres Lebens und können zufrieden sagen:
Das war MEIN Leben und es war ein gutes.
„Es wird niemand zum Menschen, der nicht zuerst zu einer tiefen Selbsterfahrung gekommen ist, in der er sich über sich selbst klar wird, sich ein eigenes Urteil bildet und so auf gewisse Weise seine Bestimmung und sein Leben in die Hand nimmt.“ (Giacomo Leopardi)
Wenn wir auf die Welt kommen, sagen uns erst die Eltern, was wir zu tun haben, später der Lehrer, dann der Chef. Und wenn keiner etwas sagt, hören wir oft noch Stimmen von früher, die uns eintrichtern, was gut ist, was nicht, was von uns erwartet wird, wo wir anders zu sein hätten, um den vordefinierten Normen zu entsprechen, um als normales Mitglied in der Gesellschaft zu funktionieren. Wir sind bessere Schafe in einer Herde, aber Menschen?
Immanuel Kant sagte einst, wir sollten den Mut haben, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen. Vor allem sollten wir den Mut haben, hinzusehen, wer wir selber eigentlich sind und nach welchen Massstäben wir leben wollen: Eigenen oder fremden? Wollen wir nur Ausführende von anderen Ansprüchen sein oder aber selbstbestimmt durchs Leben gehen?
Für ein selbstbestimmtes Leben gibt es nur eines: Geh in dich, frage dich, wer du bist und wer du sein willst, löse dich von inneren und äusseren Autoritäten, die über dein Leben bestimmen wollen, und lebe, wie es dir entspricht.
„1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen?
4. Was ist der Mensch?“ (Immanuel Kant)
Wenn wir durchs Leben gehen, neigen wir dazu, alles zu bewerten und zu beurteilen. Wir teilen ein in gute und schlechte Dinge, richtiges und falsches Verhalten, schön und hässlich, nett und unfreundlich. Wir bestimmen, mit wem und was wir uns umgeben wollen und wen oder was wir lieber meiden. Oft schiessen wir mit solchen Urteilen auch zu schnell heraus – teilweise bereuen wir das später. Es kann durchaus helfen, uns ab und an selber zu hinterfragen, bevor wir wieder einmal urteilen wollen:
Was weiss ich überhaupt wirklich über den Menschen oder die Situation? Steht mir ein Urteil zu? Was ist das Verhalten, das ich mir wünschen würde von dem Menschen, der ich sein möchte? Und schliesslich: Worauf kann ich im Leben hoffen und welche Hoffnungen führen nur zu falschen Erwartungen und damit zu Enttäuschungen?
Bei all diesen Fragen hilft es immer auch wieder darüber nachzudenken, was es überhaupt heisst, Mensch zu sein, denn: (Unser) Menschsein ist die Basis für alles andere, das aus ihm erwächst.
„Wer einmal zu sich selbst gefunden hat, der kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren.“ (Stefan Zweig)
Es gibt unzählige Geschichten davon, wie Menschen in die Welt zogen, um Glück oder Reichtum zu finden, und erst spät merkten, dass beides schon immer da war. Wie oft suchen wir unser Glück in Dingen? Wie oft denken wir, dass wir nur noch dies oder jenes haben müssten, um dann glücklich zu sein? Und wie oft fürchten wir, etwas zu verlieren, was uns lieb und teuer ist, so dass wir kaum geniessen können, es zu haben?
So lange wir uns an äussere und vergängliche Dinge hängen (und unser Körper und das Leben an sich gehören ebenfalls dazu) verschliessen wir uns selber den Weg zu wahrem Glück. Das Glück ist immer da, es liegt in uns selber. Tauchen wir also ein und finden es. Was könnte uns dann noch etwas anhaben? Wer könnte uns noch etwas nehmen?
„Irgendwo in uns ist die Kraft, die Welt zu verändern.“ (Roald Dahl)
Wenn dir die Welt, wie sie ist, nicht gefällt, ändere dich. Das mag auf den ersten Blick paradox klingen, ist es aber nicht.
Veränderungen beginnen immer bei uns selber. Oft missfällt uns im Aussen das, was auch in uns selber steckt, nur sehen wir es bei uns oft nicht. Wenn wir das mal erkannt haben, können wir daran arbeiten, es zu verändern. Wir können in uns das stärken, was uns hilft, der Mensch zu werden, der wir sein wollen. Auch ist es an uns, all das, was wir in der Welt sehen wollen, in die Welt zu bringen.
Wir wollen in einer Welt leben, in der Mitgefühl und Liebe gelebt werden? Leben wir es selber.
„Heute bin ich allen bedrückenden Umständen ausgewichen, besser gesagt, ich habe mich von ihnen befreit, denn der Druck kam nicht von aussen, sondern von mir und meinen Annahmen.“ (Marc Aurel)
Die Eltern sind schuld für das verpfuschte Leben, der Chef für die ausgebliebene Karriere, der doofe Exfreund an der Tatsache, dass auch künftige Beziehungen in die Hosen gingen. Nur: So lange wir uns als Opfer von Situationen oder Menschen sehen, werden wir genau das auch bleiben: Opfer. Und wir merken dabei nicht, dass wir selber es sind, die uns zu diesem Opfer machen, indem wir uns diese Geschichten erzählen. Bei den Eltern sind wir längst ausgezogen, hätten also spätestens beim Auszug die Gelegenheit gehabt, von nun an eigene Wege zu gehen. Vielleicht liegt es nicht am Chef, sondern an unserer Haltung zu diesem oder zu unserer Arbeit, dass wir nicht weiter kommen? Und wenn nicht, könnten wir vielleicht auch dran denken, etwas am Arbeitsumfeld oder gar der Tätigkeit zu ändern? Mit dem Exfreund sind wir nicht mehr zusammen, geben ihm aber immer noch Macht über unser Leben, indem wir innerlich permanent hadern, statt nach vorne zu schauen.
Es sind selten die äusseren Umstände, welche uns leiden lassen, sondern mehrheitlich ist es unsere Haltung: Statt die Dinge, die passieren, anzunehmen und zu schauen, wie wir konstruktiv damit umgehen könnten, lassen wir uns in eine Gedanken- und Gefühlsspirale ziehen, aus der nur eines resultiert: Leiden. Wenn wir das erkennen, können wir die Spirale durchbrechen und statt Opfer Steuermann unseres Lebens werden.
„Die Wurzel der Weisheit liegt in der Beobachtung des eigenen Geistes.“ (Gönpawa)
Weisheit bedeutet, das zu erkennen, was wirklich ist, statt Illusionen aufzusitzen. Wie oft tun wir aber genau das Gegenteil? Wir messen dem Wert zu, das keinen hat, suchen nach Glück im Aussen, statt es in uns selber zu finden. Wir denken in Kategorien wie ich und mein und hängen uns daran, so dass der (Gedanke an den) Verlust uns ins Leiden stürzt.
Überhaupt: Wir denken in einem fort, ohne Pause. Wir bewerten und verurteilen uns und andere, bedauern oder planen, schimpfen und toben, springen von Thema zu Thema. Wenn wir das durch genaue Beobachtung erkennen, haben wir den Boden für Weisheit gesetzt. Und: Wir haben ganz viel Leiden den Boden entzogen.