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Inhalt:
Die neunzehnjährige Esther Greenwood ist eine der Auserwählten um in New York ein Schreibpraktikum für eine Modezeitschrift zu absolvieren. Doch obwohl Esther ein Stipendium an einem renomierten College hat, bereits etliche Preise gewonnen hat und eine vielversprechende Zukunft vor sich hat, verändert dieser Sommer sie. Von der zielstrebigen und zukunftsorientierten Frau, verwandelt sie sich immer mehr in jemanden, der nicht weiss was er mit seiner Zukunft anfangen soll. Eshter's Identitätskrise stürzt sie in ein tiefes Loch.
Meine Meinung:
In letzter Zeit überkam ich der Drang, ein Werk von Sylvia Plath zu lesen. Vor einigen Tagen habe ich mir also ihren einzigen Roman (ihre restlichen Werke sind Gedichte) gekauft. Ich hatte keine Ahnung was mich erwarten würde und ging mit Vorsicht an den Roman heran. Doch schon bald verlor ich meine Scheu und wurde in den Bann dieses Buches geschlagen, bis ich es nicht mehr zur Seite legen konnte.
Die Geschichte wird eigentlih in der normalen Personperspektive geschildert, jedoch gibt es ab und zu Rückblicke auf vorergehende Ereignisse. Mir hat dies sehr gefallen, es vervollständigte die Geschichte auf eine Art.
Die Protagonistin Esther war für mich eine interessante, wenn auch manchmal eine gespaltene und ganz sicher auch eine gequälte Person. Sie ist ambitiös, hat ihre Ziele ganz klar vor Augen und scheint trotzdem daran zu verzweifeln. Sie weiss nicht, was sie mit ihrem Leben machen will. Sie möchte doch eigentlich Karriere machen, Dichterin sein. Die Gesellschaft sagt ihr, sie solle Hausfrau sein und Kinder kriegen. Esther wehrt sich gegen dieses Leben. Immer wieder geht klar aus dem Buch hervor, dass sie um keinen Preis der Welt "nur" Hausfrau werden will. Da die Geschichte in den 50-er Jahren spielt, kann dieser Konflikt sehr wohl auf die gesamte Frauenbevölkerung damals übertragen werden. Karriere machen oder der von der Gesellschaft akzeptiertere Weg, Hausfrau und Mutter werden. In dieser Hinsicht stellt Esther durchaus auch eine Rebellin und Emanze dar, was sicherlich sehr bewundernswert ist.
Ich glaube es ist nicht nötig, Esther wirklich zu verstehen. Was diese plötzliche Hilflosigkeit auslöst. Warum sie sich plötzlich so verändert und in ein tiefes Loch der Depression stürzt. Als Leser leidet man mit ihr mit und sieht das Leben eines gequälten Mädchens, das innerlich fast zerrissen wird. Natürlich sind Esthers Depressionen, die nie wirklich als Depressionen bezeichnet werden (sondern eher als Verrücktheit), ein elementarer Teil im Buch. Sie kann immer weniger mit sich anfangen, will sich das Leben nehmen. Ihre unzähligen Suizidversuche, die sie nie zu Ende bringt, können nur von Plaths eigener Erfahrung zeugen. Besonders schockiert hat mich die Elektroschocktherapie, als Esther in eine Anstalt kam. Unvollstellbar zur heutigen Zeit. Als Leser leidete ich mit Esther und hoffte inständig, sie würde bald einen Weg der Besserung finden. Denn trotz allem hoffte ich, sie würde aus dem Loch der Depression entfliehen und ihre Pläne in die Tat umsetzen. Dichterin werden.
Esther zu beschreiben fällt mir schwer, oft ist sie nicht wirklich greifbar. Manchmal kam sie mir gespalten vor. Sie verhielt sich oft gegensätzlich zu verschiedenen Personen. Für mich erschien das oft unverständlich. Auch manchmal in der Anstalt kam sie mir fremd und entfernt vor. Verändert durch die Krankheit, verändert als Person.
Plaths Schreibstil gefiel mir sofort. Irgendetwas hat mich sofort in den Bann der Geschichte gezogen. Es gibt viele Textstellen, die ich mir zwei- bis dreimal durchgelesen habe, weil sie schön sind. Meiner Meinung nach merkt man, dass die Autorin Gedichte schreibt. Sie hat ein Händchen dafür Situationen wunderschön literarisch darzustellen. Was noch ein wichtiger Aspekt ist, im Bezug auf Sylvia Plath ist sicherlich die Autobiografische Seite des Buches. Ich habe nach dem Lesen viel über sie recherchiert. Die Geschichte ist an vielen Stellen sehr ähnlich mit ihrem eigenen Leben. Manchmal sogar erschreckend identisch. Das macht das Buch auf eine Art noch trauriger als es schon ist. Und gleichzeitig macht es das Buch auch authentischer, realer und greiffbarer. Es ist insgesamt gesehen einfach erschreckend schön und traurig, was Esther beziehungsweise auch Sylvia passiert.
Um zu einem Ende zu kommen: Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Es ist schwer in Worte zu fassen, warum. Ich finde es gibt noch mal einen völlig neuen Einblick zum Thema Depression. Ich könnte mir vorstellen, dass Leute, die bereits Bekanntschaft mit diesem Problem haben, sich vielleicht auch ein Stück weg mehr mit Esther identifizieren können als ich es tat. Trotzdem kann ich sagen, dass ich absolut fasziniert bin von diesem aussergewöhnlichen Buch und dieser Autorin. Ich werde definitiv weitere Werke von Sylvia Plath in Augenschein nehmen. Ich liebäugele bereits mit ihrem Gedichtband Ariel.
Deswegen auf jeden Fall lesenswert! Ein Klassiker der nicht vergessen werden sollte. Insbesondere diese aussergewöhnliche Autorin, die leider vier Wochen nach dem Erscheinen des Romans Selbstmord im Alter von 30 Jahren beging.