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Nach einem Sturz auf die Schulter oder dem
Versuch einen Sturz mit dem ausgestreckten Arm abzufangen, kann es zum Ausrenken
(Luxation) kommen. Hierbei rutscht der Oberarmkopf aus der
Schultergelenkspfanne heraus und schädigt dabei die Knorpelstruktur des
Oberarmkopfes und die untere Pfannenbegrenzung des Gelenkes (Labrum). In den
meisten Fällen muss die Luxation mit ärztlicher Hilfe in den ursprünglichen
Zustand durch Reposition zurückgeführt werden. Im weiteren Verlauf kann es bei Instabilität
des Schultergelenkes zum erneuten schmerzhaften Auskugeln des Gelenkes kommen.
Bei einem Teil der Patienten besteht von Geburt an eine Laxität (Gelenklockerheit) des Schultergelenkes mit einem vergrösserten Bewegungsumfang in allen Richtungen. Bereits ohne Unfallereignis kann es hierbei zum Auskugeln des Schultergelenkes kommen. In besonderen Fällen kann die Luxation durch den Patienten selbst ausgelöst werden.
Durch häufiges Luxieren können weitere Schäden wie z.B. ein Riss der Rotatorenmanschette, Verletzung des Gelenkknorpels und später eine Arthrose entstehen.
In
der Akutphase nach Schulterluxation sollte die Schulter zur
Schmerzreduktion durch eine Bandage gestützt werden. Nach ca. dreiwöchiger Ruhigstellung verringert sich das Reluxations-Risiko gegenüber der Behandlung ohne
Ruhigstellung laut Studien um 20–50%.
Danach wir die schulterzentrierte Physiotherapie mit dem Ziel intensiviert, eine Verbesserung von Kraft, Ausdauer, Mobilität und Koordination zu erreichen. Die Wiederaufnahme der ursprünglichen sportlichen Belastung ist nach ca. 6 Monaten, bei Kontaktsportarten nach 9 Monaten gestattet.
Bei weiter bestehender wiederholter Luxation des Schultergelenkes muss zum Schutz des Oberarmknorpels und zur Vermeidung der Ausbildung eines Gelenkverschleisses eine stabilisierende Operation durchgeführt werden.
Sollte eine Operation notwendig sein,
erfolgt diese minimalinvasiv in arthroskopischer Technik. Bei der Operation werden die abgerissene
Kapsel und die Gelenklippe wieder am Knochen befestigt. Hierfür werden
Fadenanker verwendet, die in den Knochen eingebracht werden. Über die Fäden am
Anker werden die Gelenkkapsel und Gelenklippe an Ihren ursprünglichen Positionen am
knöchernen Pfannenrand refixiert. Sollte die Kapsel zu weit sein erfolgt zusätzlich eine sog. Raffung der Kapsel.
Eine offene Stabilisierungsoperation ist selten erforderlich und wird ggf. bei relevanten knöchernen Defekten der Gelenkpfanne mit Substanszverlust des vorderen Pfannenrandes oder bei massiv überdehnter Gelenkkapsel durchgeführt.
Die Schulter wird für ca. 4 Wochen mit einer
Armschlinge unterstützt. Bereits kurz nach der Operation beginnt ein phasenorientiertes
Trainings-Programm im Rahmen der Physiotherapie. Der operierte Arm darf für 6 Wochen
nicht über Schulterniveau angehoben und belastet werden. Auch Aussen-Bewegungen sind in dieser Zeit nicht erlaubt.
Leichte körperliche Tätigkeiten (Büro, administrative Tätigkeiten) können nach ca. 2 Wochen wieder aufgenommen werden. Sportarten ohne Überkopfbelastung mit Gewichten können nach einem Zeitraum von 3 Monaten wieder begonnen werden. Die Physiotherapie erfolgt bis zur freien Schulterbeweglichkeit und bis zum Ausgleich der Muskulatur. Sie kann später durch ein Heimprogramm ersetzt werden.