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|Abt Ulrich von Güttingen (1272-1277)

Abt Ulrich von Güttingen
Ulrich von Güttingen, 1272-1277. Ulrich entstammte dem gleichen thurgauischen Freiherrengeschlecht wie Abt Rudolf von Güttingen (122o-1226). In der Doppelwahl vom 14.6.1272 wurde er neben Heinrich von Wartenberg gewählt, und zwar vor allem von den Dienstmannen und Bürgern der Stadt, die Heinrich ablehnten, weil dieser dem verstorbenen Abt Berchtold verwandt war. Da Ulrich die stärkere Partei hinter sich hatte, vermochte er den gegnerischen Kandidaten aus St. Gallen zu vertreiben. Die nun ausbrechende kriegerische Fehde ruinierte das Kloster finanziell, der größte Teil der von Abt Berchtold zusammengetragenen Güter ging verloren wie auch die für den Kauf von Grüningen bestimmten 1500 Mark; selbst der Kirchenschatz wurde veräußert, nicht ein einziger Kelch für die Meßliturgie soll mehr im Kloster gewesen sein. Um die Bürger von St. Gallen zu gewinnen, stellte ihnen Abt Ulrich 1272/73 eine Handfeste aus. Einen mächtigen Helfer fand er in Rudolf von Habsburg, den die Gotteshausleute und die Stadt 1273 als Schirmherrn anerkannten. Nach der Königswahl betrachtete Rudolf diese Schirmgewalt als neu erwachte Reichsvogtei. Abt Ulrich reist noch im gleichen Jahr nach Köln, wohl um einen dem Kloster günstigen Vogt zu erwirken, doch der König setzte einen Dienstmann der Abtei, Ulrich von Ramschwag, zum Vogt ein. Durch den langen Aufenthalt am Hofe geriet Abt Ulrich in finanzielle Schwierigkeiten, worauf er dem König mehrere Güter, darunter Grüningen, abtrat. Aus Erbitterung über die Verschleuderung der Klostergüter durch Abt Ulrich wählten die Anhänger Heinrichs von Wartenberg bei dessen Tod am 26.4.1274 den Dekan Rumo von Ramstein zum Abt, woraufdie Kämpfe um die Abtei andauerten, wenn auch minder heftig als zuvor. Am 14.2.1277 starb Abt Ulrich von Güttingen, nachdem er 4 Jahre und 8 Monate regiert hatte.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)