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Die Urform des heutigen Kanarienvogels ist der Kanarengirlitz (grosses Bild oben). Als die Spanier 1402 begannen, die Kanarischen Inseln zu erobern, wurden sie auf den guten Sänger aufmerksam und nahmen ihn mit. Mönchen in Cadiz gelang die Zucht. Sie achteten bei der Verpaarung auf den Gesang und wohl später auf mehr Gelbanteil im Gefieder. In unterschiedlichen Regionen Europas wurden dann die Rassen herausgezüchtet. Nachfolgend eine Auswahl.
Unter den Kanarien gibt es auch Eidgenossen, der Frisé Suisse etwa. Dabei handelt es sich um eine frisierte Rasse, das heisst, dass das Gefieder Frisuren zeigt. Die Brustfedern beispielsweise formen ein Körbchen. Dieser Vogel fliegt so gut wie glatt befiederte Rassen, die Brutbiologie unterscheidet sich nicht von den übrigen Rassen. Um 1900 etablierten Züchter diese Kanarienrasse in der Region Basel. Sie nimmt die Haltung eines Halbmondes ein.
Als zweite Schweizer Rasse gilt der Berner Kanarienvogel. Um 1880 finden sich erste Hinweise auf diese Rasse. Im Jahr 1908 soll der Berner Kanarienvogel von einem Besenbinder an einer Ausstellung in Bern gezeigt worden sein. Die Grösse von 16 bis 16,5 Zentimeter und die stramme Haltung der Vögel sollen herausgestochen haben. Der Berner hat seine Hochburg in der Schweiz, findet aber auch seine Liebhaber in Deutschland.
Die Geschichte des Rheinländers begann erst 1979. Er wurde von Horst Noffke aus Hilden im Rheinland (D) herausgezüchtet. Rheinländer gibt es als Hauben- und Glattkopfvögel. Die Hauben sind hufeisenförmig und verlaufen in geraden Linien oberhalb der Augen. Der Rheinländer darf maximal 12 Zentimeter gross sein. Wie bei allen Positurrassen sind auch bei ihm Farben vorgegeben: rot, gelb und weiss.
In Grossbritannien entstanden viele Rassen. So auch der Gloster, der in der Schweiz einige Liebhaber hat. Sein Ursprung geht auf die Jahre 1918 bis 1920 zurück. Eine Züchterin namens L. Rogerson aus Cheltenham in der Grafschaft Gloucestershire kreuzte Crest-Kanarien mit Harzer-Rollern. Langsam entstand der Gloster. Es werden die Varianten Corona, also mit Haube, und Consort, mit glattem Kopf, unterschieden.
Eine beliebte Rasse mit lieblichen Formen ist der Fife Fancy, benannt nach der schottischen Grafschaft Fife. Mit der Rasse ist der Name Walter Lumsden aus Kirkcaldy verknüpft. Der schottische Minenarbeiter erzüchtete die kleinen, rundlichen Kanarien aus dem Border-Kanarienvogel, der ihm zu schwer wurde. Der Durchbruch der Fife gelang allerdings erst 1973 an der Alexandra Palace Show in London. Kopf und Körper des Fife bilden Kugeln.
Der Lizard gehört zu den ältesten Rassen, die sich durch ihr besonderes, eidechsenartig gefärbtes Gefieder auszeichnet. Der Lizard wird den Positur- und nicht den Farbkanarien zugerechnet. 1762 soll die Rasse erstmals erwähnt worden sein. Der Lizard kam von Frankreich nach England, wird aber heute von den Engländern als eigene Rasse angesehen. Der Lizard ist selten in der Schweiz, da er schwierig zu züchten ist.
Der Raza Española wurde um 1918 in der spanischen Region Katalonien herausgezüchtet. Es ist ein kleiner, temperamentvoller Vogel von maximal 11,5 Zentimetern. Spanische Immigranten brachten die Rasse in die Schweiz. Sie wird hier oft auch von Liebhabern mit spanischen Wurzeln gezüchtet. Der Raza hat eine schlanke Körperform. Er ist für den Einstieg in die Kanarienzucht gut geeignet und konnte sich darum bestens etablieren.
Der Llarguet Espanõl ist eine weitere spanische Rasse. Ihre Erzüchtungsgeschichte liegt im Dunkeln. Man nimmt an, dass sie bereits vor 1950 in den Provinzen Castelló und Valencia entstanden ist. Den Llarguet charakterisieren die lang gestreckte, schlanke und zierliche Form sowie die langen Beine. Der spanische Kanarienrichter Juan Bautista Montolin Aymerich machte die Rasse in den Anfangsjahren bekannt.
Aus Portugal stammende Züchter machten den Arlekin Portugues in der Schweiz so populär, dass er heute an keiner Schau fehlt. Es handelt sich um eine neue Rasse mit und ohne Haube, die erst vor wenigen Jahren vom internationalen Vogelzüchterverband COM anerkannt wurde. Wie es der Name sagt, soll diese portugiesische Rasse so viele Farben als möglich zeigen, Voraussetzungen sind der Rot- und der Mosaikfaktor.