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Nach Kauw, 1669
Die mittelalterliche, später in ein Barockschloss verwandelte Burg Reichenbach ist höchstwahrscheinlich aus einem römischen Flusskastell entstanden, das mit dem Castrum auf der Engehalbinsel in Verbindung stand. Die Herrschaft Reichenbach mit ihren Marchen, Waldungen, Gewässern und bewohnten Örtlichkeiten bestand bis 1830 und ist mit der heutigen Einwohnergemeinde Zollikofen identisch. Sie wurde zu Beginn des 14. Jh. von Rudolf von Erlach, dem Sieger von Laupen, gegründet. Es folgten etliche Besitzerwechsel. Die Herrschaft Reichenbach geht 1683 an Beat Fischer, Landvogt von Wangen a. A. Beat Fischer gilt als Begründer des Schweizerischen Postwesens. Er erstellte zwischen 1683 - 1688 anstelle der alten Burg das Schloss im Hochbarockstil und baute gleichzeitig mit Knechten aus Bayern die Brauerei hinter dem Schloss. Die Fischerpost war eine der bedeutendsten europäischen Postbetriebe der damaligen Zeit und der wichtigste Schweizerische Postbetrieb.
Vereinzelte archäologische Funde lassen vermuten, dass das Gebiet der Gemeinde Zollikofen sowie die Engehalbinsel bereits in der Bronzezeit (ca. 1300 v.Chr.) besiedelt waren.
Genauere Angaben lassen sich über die Zeit der Kelten und Römer machen: Auf der durch die Aare geschützten Engehalbinsel gibt es eine grössere keltische und später eine römische Siedlung. An der Stelle des Schloss Reichenbach steht vermutlich ein römisches Flusskastell. Unklar ist, ob als Verbindung zum Castrum auf der Halbinsel eine Furt, eine Fähre oder sogar eine Brücke bestand. Sicher gibt es einen gepflasterten Weg in Richtung Steinibach, wo eine Brücke existierte. Eine direktere Verbindung ist aber zu vermuten, da für die Bauten auf der Engehalbinsel grösstenteils in Reichenbach gewonnener Tuffstein verwendet wurde.
Aus der Zeit der Alemannen, die Mitte des 5. Jahrhunderts die Römer verdrängten, gibt es wieder weniger Spuren, da dieses Volk hauptsächlich mit Holz baute. Allerdings ist der Name Zollikofen höchstwahrscheinlich alemannischen Ursprungs (Cholinchove). Relativ detailliert lässt sich die Geschichte bis zum Mittelalter zurückverfolgen, weshalb im folgenden lediglich auf die für die Planung besonders relevanten Bereiche eingegangen wird. Umfassende Abhandlungen finden sich in Nussbaum und in Junger.
Das Schloss Reichenbach entstand aus der Burg Reichenbach, diese wiederum ging möglicherweise aus dem oben erwähnten römischen Flusskastell hervor. Ob auch zur Zeit der Alemannen eine Befestigung existierte und wann die in verschiedenen Abbildungen überlieferte Burg (Feste) errichtet wurde, ist unklar. Urkundlich erwähnt wird Reichenbach erstmals zu Beginn des 14. Jahrhunderts, als Rudolf von Erlach die Herrschaft Reichenbach gründete.
Es existieren zwei Serien von historischen Ansichten, beide mit Blick von Südosten auf die Festungsanlage. Die eine folgt der Darstellung von Kauw 1669. Die andere wird nach Stettler bezeichnet und unterscheidet sich von der ersten nebst einem leicht anderen Blickwinkel insbesondere durch ein zusätzliches Gebäude westlich des Schlosses. Diesen Aufnahmen lässt sich entnehmen, dass es innerhalb der Befestigung einen kleinen Burggarten (vermutlich Nutzgarten) gab. Ausserhalb der Festungsmauern, welche sich auf der Ostseite bis an den Chräbsbach (damals Reichenbach genannt) erstrecken, liegen landwirtschaftliche Flächen, bei denen es sich wahrscheinlich grösstenteils um Weideland handelt. Am Ufer der Aare finden sich nur wenige, je nach Darstellung auch überhaupt keine Gehölze.
Die Burg Reichenbach blieb bis 1530 im Besitz der Familie von Erlach. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb 1683 Landvogt Beat Fischer, der Begründer der Fischerschen Post, das Anwesen, welches schon bald zu einem wichtigen Zentrum seines sich über halb Europa erstreckenden Geschäftes wurde.
Unmittelbar nach dem Erwerb erfolgt durch Beat Fischer eine grundlegende Umgestaltung der Anlage. Um 1685 wird die Burg zum Schloss in seiner heutigen Form umgebaut und erweitert sowie die durch Mauern gestützten Terrassen errichtet. Eine umfangreiche Gartenanlage im französischen Stil erstreckt sich bis zum Aareufer, wo wiederum eine Stützmauer - sozusagen die unterste Terrassenmauer - die Abgrenzung zum Fluss bildet. Wie sich dem Herrschaftsplan von Rüdiger 1719 entnehmen lässt, ist der Garten symmetrisch auf die Mittelachse des Schlosses ausgerichtet. Das Zentrum bildet ein heute noch erhaltenes Wasserbecken mit Fontäne. Oberhalb des Aarehanges erstreckt sich ein weiterer, ebenfalls formal gestalteter langrechteckiger Gartenteil in südwestlicher Richtung (möglicherweise Obstgarten, baumbestandene Terrasse). Zudem ist im Schlosshof ein markanter Baum auszumachen.
Zu dieser Zeit werden auch einige Nebengebäude, so die Orangerie auf der anderen Seite des Chräbsbaches und die Brauerei nördlich des Schlosses (notabene zur Erfrischung der mehrheitlich bayrischen Postknechte!), errichtet. Aufgrund der Darstellungen lässt sich vermuten, dass auch die "Untere Mühle" etwa in dieser Zeit entstand, während die "Obere Mühle" schon auf der Darstellung von Kauw ersichtlich ist.
Auf dem Stich von J. L. Nöhtiger 1743 ist die Gartenanlage um zwei weitere Fontänen ergänzt worden. Gut ersichtlich sind auch die zahlreichen Spaliere auf den Terrassen und eine brückenartige Verbindung vom Schlosshof zum Schloss. Vor der Orangerie befindet sich (im Unterschied zum Plan von 1719) ein Platz mit Kübelpflanzen.
1775 entsteht Albertini’s Herrschaftsplan, welcher einen recht detaillierten Ueberblick über die ganzen Anlage ermöglicht. Der Schlosshof, welcher vom Schlossweg her auf einem unteren Niveau erschlossen ist und in dem sich ein Wasserbecken befindet, liegt tiefer als der brückenartige obere Zugang zum Schloss. Beidseitig dieser Brücke führt je eine Treppe hinunter. (Noch heute erinnert der vertieft gelegene Hof in der Nordwestecke des Schlossgebäudes an diesen Höhenunterschied, der grössere Teil des Hofes ist jedoch inzwischen aufgefüllt oder mit neuen Gebäuden bebaut.) Der zentrale Schlossgarten mit den Terrassen hat sich gegenüber früheren Darstellungen kaum verändert, lediglich die symmetrischen Beetanlagen sind etwas schlichter gestaltet.
Der südwestliche Gartenflügel ist im Vergleich zum Plan von 1719 umgestaltet worden und umfasst nun in seiner Mittelachse zwei längliche Rasenparterres, in deren Mitte sich ein ebenfalls längliches Wasserbecken befindet (heute noch bestehend). Parallel dazu verlaufen zwei Promenaden: die hangseitige ist durch einen Wasserkanal (Seitenkanal des Chräbsbaches, von der oberen Mühle her kommend) abgetrennt, die talseitige liegt etwas tiefer und ist von einer Baumreihe beschattet. Unklar ist, wie stark der Abhang zur Aare hin bewaldet war und ob der eine oder andere Ausblick bestand. Auf der Seite der Orangerie besteht eine Allee am Fusse der Tuffsteinfelsen.
Aus etwa derselben Zeit stammt die Gouache von Schiel (1781), die denn auch denselben Zustand des Gartens zeigt. Bemerkenswert sind einige neue Details wie der Treppenvorbau an der Südfassade, die um- ausgebaute Orangerie (neu zwei Stockwerke), die zahlreichen kegelförmig geschnittenen Gehölze und die seitlichen Säulenabschlüsse im untersten Schlossgarten sowie die Fähre über die Aare. Letztere wurde übrigens bereits im Jahre 1743 eingerichtet, als das Schloss von einem englischen Gesandten als Sommerresidenz benutzt wurde.
In der Folgezeit wurde die Gartenanlage mehrmals verändert, was sich jedoch nicht im Detail nachvollziehen lässt. Aus der Zeit bis 1880 sind nur Ansichten von unterschiedlicher Detaillierung bekannt, sie zeigen zudem meist nur Teile der Anlage und sind zum Teil untereinander widersprüchlich. Aufgrund dieser Darstellungen lässt sich jedoch vermuten, dass die zwei zusätzlichen Fontänen sowie die aufwendigen Beete im unteren Gartenteil schon bald verschwinden (um 1800). Dieser Bereich präsentiert sich seitdem als grosse Rasen- bzw. Wiesenfläche mit lockeren Baumpflanzungen von wechselnder Regelmässigkeit. Von der früheren Anlage übernommen ist jedoch die offene Lage im Flussraum und die Ufermauer.
Sehr detailliert ist die Gesamtanlage auf dem Flurplan von 1880 dargestellt. Zahlreiche Nebengebäude sind hinter dem Schloss entstanden, der Hauptzugang mit baumbestandener Vorfahrt ist nun axial angelegt und befindet sich auf dem oberen Hofniveau. Die Terrassen an der Südfront des Schlosses haben die Zeit relativ unverändert überdauert und weisen ungefähr die heute noch bestehende Form auf. Lediglich östlich des Schlosses gibt es noch eine gegliederte Beetanlage. Die unterste Gartenebene weist ausser einem eingezäunten Streifen längs der Terrassenmauer nur das zentrale Wasserbecken und einige Bäume auf. Der Garten wurde gegenüber der Darstellung von Schiel jedoch nach Westen erweitert.
Der erhöht gelegene südwestliche Gartenteil ist weitgehend verschwunden, lediglich das markante Wasserbecken und der Kanal liegen noch in einem sonst offenen Feld. Die Bewaldung des Aareabhanges trennt die beiden Gartenteile räumlich, sie sind durch einen an einer neuen Grotte vorbeiführenden Weg miteinander verbunden.
Neben der inzwischen als Restaurant dienenden Orangerie liegt ein Wasserbecken am Fusse der Tuffsteinfelsen, daneben ist ein Platz (möglicherweise erhöht gelegen) ersichtlich. Parallel zur Allee liegen zwei Freiluft-Kegelbahnen sowie eine offene Halle .
Seit dem Erwerb des Schlosses durch Beat Fischer blieb die Liegenschaft im Besitz der Familie Fischer (später von Fischer). Im Jahre 1890 jedoch verkaufte sie die gesamte Anlage an den damaligen Braumeister Joseph Hofweber, dies nicht ohne vorher einen grossen Teil des wertvollen Interieurs in eine andere von Fischersche Villa, die heutige päpstliche Nuntiatur an der Thunstrasse in Bern, zu zügeln. Das Schloss inkl. Restaurant und Gartenanlage befindet sich heute im Besitz der J. Hofweber & Cie AG (Rugenbräu).
In den 1940/50er Jahren wird in der Südostecke des Gartens eine unterirdische Abwasserpumpstation gebaut, um 1970 der ganze östliche Gartenteil bis hinunter zur Aare in einen Parkplatz umgewandelt. Am südlichen Rand des Gartens entsteht ein öffentlicher Fussweg entlang der Aare in Richtung Bremgarten. In der Folge wachsen zwischen Garten und Parkplatz sowie am Aareufer dichte Gehölzriegel auf.
Das Schloss selber wird in den Jahren 1983/84 einer Fassadenrenovation unterzogen, 1986 werden die oberen Terrassenmauern samt Spaliergerüsten saniert sowie die Balustrade gegen die Hofvorfahrt rekonstruiert.
Bibliographie