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„Wenn du schnell gehen willst, geh alleine – wenn du weit gehen willst, geh mit anderen zusammen.“ An der vergangenen Klimakonferenz in Kopenhagen haben wir es verpasst, mit anderen zusammen zu gehen, doch genau das macht dieses afrikanische Sprichwort aus. Dass sich die globale Temperatur in den letzten Jahren nicht mehr ganz so stark erwärmte, wie in den Jahren zuvor, machte viele Entscheidungsträger unsicher. Gut möglich, dass mit neuen Wärmerekorden auf globaler Ebene im 2008 und 2009 die Klimaverhandlungen anders verlaufen wären. Die Skepsis gegenüber der globalen Erwärmung ist mit der seit gut dreijährigen Stagnation der Welttemperatur wieder angewachsen – grundlos, wie jeder Klimaforscher weiss.
Kein linearer Anstieg
Trotz mehr Treibhausgasen in der Atmosphäre und voranschreitender globaler Erwärmung wird nicht jedes Jahr wärmer als das vorherige! Die Temperaturentwicklung ist vielmehr ein treppenförmiger Anstieg mit Phasen rascher Steigerung und mit Perioden der Stagnation. Diese werden durch die Überlagerung von anthropogenen, also vom Menschen verursachten, und von natürlichen Einflüssen hervorgerufen. Beispielsweise verharrt die Sonne seit 2007 in einer ungewöhnlich langen Phase niedriger Aktivität, so gelangt weniger Strahlung auf die Erdoberfläche als noch die Jahre zuvor. Zudem gab es in den letzten Jahren immer wieder Phasen mit starken La-Niña-Ereignissen. Eine Intensivierung der Meeresströmung im Pazifik, welche auf globaler Ebene kühlende Wirkung hat. Trotz solchen Faktoren konnte in den letzten Jahren kein Rückgang der globalen Temperatur beobachtet werden, die Temperaturkurve stagnierte auf dem hohen Niveau, welches vorher ohne diese kühlenden Einflüsse erreicht wurde. Phasen der Temperaturstagnation sind deshalb im Grunde ein Beweis für den anthropogenen Klimawandel! Auf globaler Ebene war die erste Dekade des 21. Jahrhunderts mit Abstand die wärmste seit Messbeginn.
Zürich: nochmals 0,5 Grad wärmer
Wie sieht es in der Schweiz, genauer gesagt in Zürich aus? Die Nullerjahre des 21. Jahrhunderts waren mit durchschnittlich 9,9 Grad in Zürich weitaus die wärmsten seit Messbeginn vor rund 150 Jahren. Gegenüber den 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde es nochmals 0,5 Grad wärmer in Zürich. Seit den 70ern wurde es in Zürich insgesamt um 1,6 Grad wärmer. Das gleiche Bild zeigt sich für die ganze Schweiz. Dabei wir aber ersichtlich, dass der Erwärmungstrend etwas abgebremst wurde: konnten sich doch die 90er um 0,7 Grad gegenüber den 80ern erwärmen. Grund dafür war vor allem das Ausbleiben einer weiteren Zunahme der Wintertemperaturen in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts. Die Winter sind zwar heute 1 Grad milder als noch in den 80ern, doch die gesamte Erwärmung fällt auf die 90er-Jahre, welche um 0,9 Grad wärmer waren als die Winter der 80er. Die Nuller-Winter des 21. Jahrhunderts erwärmten sich gegenüber den 90ern mit 0,1 Grad kaum noch. Anders sieht das Bild im Frühling und Sommer aus, hier erwärmte sich die vergangene Dekade um rund 0,5 bis 0,6 Grad gegenüber der Vordekade. Seit drei Dekaden erwärmen sich die Frühlings-und Sommermonate deutlich, so dass sie heute rund 2 Grad wärmer sind als noch in den 70ern. So waren die Sommer damals durchschnittlich 16,3 Grad in Zürich, heute misst man 18,2 Grad. Die Frühlinge waren 7,8 Grad in den 70ern, heute erwarten wir 9,9 Grad. Die grösste Erwärmung fällt aber auch hier auf die 90er. Die Frühlingsmonate erwärmten sich in jenem Jahrzehnt mit 1,2 Grad gerade doppelt so stark, wie im vergangenen. Bereits in den 40ern waren die Frühlinge mit gemittelt 8,9 Grad während einem Jahrzehnt erstaunlich warm. Noch interessanter verhalten sich die Herbstmonate: Während die 80er um 0,9 Grad milder waren als die 70er, folgte eine Abkühlung um 0,3 Grad in den 90ern. In den letzten 10 Jahren erwärmte sich der Herbst aber wieder um markante 0,8 Grad, was der grössten jahreszeitlichen Erwärmung der letzten Dekade entspricht. So sind auch die Herbstmonate um 1,4 Grad wärmer als noch in den 70ern. Auch in der Schweiz wurde der Temperaturanstieg etwas abgebremst. Während Frühling und Sommer auf die oben erwähnten, globalen Mechanismen ansprechen, zeigt sich der Herbst unbeeindruckt. Die Stagnation der Wintertemperaturen könnte auf eine langfristige Veränderung der Nordatlantischen Oszillation zurückzuführen sein, welche sich auf natürliche Weise wieder in eine 20-jährige Ruhephase (negative Phase) bewegt. Das Jahr 2009 war dafür repräsentativ: nach einem ziemlich kalten Winter waren Frühling, Sommer und Herbst deutlich zu warm. Auch in diesem Winter ist die Nordatlantische Oszillation stark gestört und ruft kaum Westwinde hervor, dementsprechend kalt gestaltet sich das Winterwetter, auch auf dem Zürichberg.