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Prinz Andrew, 61, freute sich wohl auf eine unbeschwerte Zeit auf Schloss Balmoral, wo die königliche Familie jedes Jahr die Sommerferien verbringt. Gemeinsam mit Ex-Frau Sarah Ferguson, 61, und Tochter Eugenie, 31, reiste der Prinz zu seiner Mutter Queen Elizabeth II., 95, nach Schottland, doch die Begrüssung dürfte dieses Jahr weniger herzlich als auch schon ausgefallen sein.
Grund für die schlechte Stimmung ist eine Zivilklage aus den USA gegen Prinz Andrew. Die Anschuldigungen wiegen schwer: Drei Mal soll er zwischen 1999 und 2001 mit der damals minderjährigen Virginia Roberts Guiffre, 38, Geschlechtsverkehr gehabt haben – gegen ihren Willen und vermittelt durch den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, †66. Doch damit nicht genug. Nun erwägt auch Johanna Sjoberg, 43, Epsteins ehemalige Assistentin, Klage gegen den Prinzen zu erheben. Andrew soll sie im Alter von 21 Jahren mehrfach sexuell bedrängt zu haben.
Man könnte nun denken, dass Prinz Andrew als Sohn der Queen Immunität geniesst und nicht angeklagt werden kann – doch das stimmt nicht. Zwar ist Andrew, wie alle Mitglieder des englischen Königshauses, im Besitz eine Diplomatenpasses, doch dieser schützt den Prinzen nur, wenn er sich im Ausland aufhält. Die einzige Person, die in England nicht verklagt werden kann, ist die Queen. «Das Konzept der staatlichen Immunität wurde entwickelt, um ein Staatsoberhaupt zu schützen und das ist nunmal die Queen und nicht ihre Familienmitglieder», erklärt Rechtsprofessor Bob Morris der britischen Zeitung «The Sun» und ergänzt: «Prinz Andrew ist jetzt in der gleichen Situation wie jeder Bürger von Grossbritannien.»
Dass Mitglieder des englischen Königshauses für Fehler geradestehen müssen, zeigt das Beispiel von Prinzessin Anne, 70. Im Jahr 2001 wurde die Tochter der Queen zu 500 Pfund Busse verdonnert, weil ihr English Bull Terrier Dotty beim Spazieren im Windsor Park zwei Kinder gebissen hat. Sie bekannte sich schuldig und zahlte die Strafe anstandslos. Ob Prinz Andrew genauso schnell gestehen wird, ist doch eher fraglich.
Die gute Nachricht für den Prinzen vorab: Weil es sich um eine Zivilklage handelt, wird Andrew wohl nicht ins Gefängnis gehen müssen. Doch trotzdem droht ihm viel Ungemach – und zwar bei ziemlich jeder Entscheidung. Ficht er die Klage an, kann er von den Richtern vorgeladen und unter Eid zu einer Aussage gezwungen werden. Dabei könnten einige, für den Prinzen ziemlich unangenehme, Privatangelegenheiten ans Licht kommen. Bezahlt er, dann kommt das einem Schuldeingeständnis gleich. Die einzige denkbare und für den Prinzen wohl angenehmste Lösung wäre ein Vergleich, bei dem Andrew eine so hohe finanzielle Abfindung bezahlt und der eine Klausel beinhaltet, dass die Klägerinnen auch nachträglich kein Wort mehr über die Vorfälle verlieren. Wie er sich entscheidet, dürfte in den nächsten Monaten bekannt werden.
Die Klagen sind aber nicht das Einzige, was Prinz Andrew derzeit beschäftigt. Zwar dürfte er mittlerweile verdaut haben, dass er alle seine royalen Titel abgeben musste, jetzt könnte aber auch noch der Verlust seines feudalen Zuhauses folgen. Aktuell bewohnt er zusammen mit seiner Ex-Frau Fergie die Royal Lodge auf dem Gelände von Schloss Windsor. Das 30-Zimmer-Anwesen übernahm er von Queen Mum, †101, und unterschrieb einen Pachtvertrag für 75 Jahre. Nun diskutiert die Queen mit ihren Beratern, ob ihr Sohn als Bewohner der königlichen Liegenschaft noch vertretbar ist. Der Rest des Jahres 2021 dürfte für Prinz Andrew also ziemlich turbulent verlaufen.