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Die Aufgabe war so rasch definiert wie aufwändig zu realisieren: wir würden am 1. November mit nichts mehr als zwei Reisetaschen und etwas Handgepäck ins Flugzeug nach Australien steigen, während der ganze Rest unserer Besitztümer die Hardeggerstrasse 12 in Bern verlassen hatte. So galt es also, von gefühlten 500'000 Hausratgegenständen auf 500 zu kommen — ein ziemlich feiner Filter. Doch gehen wir der Reihe nach.
Als wir im vergangenen Juli den Entschluss fassten, unser Reisefahrzeug im September per Container vorauszuschicken und unsere Wohnung auf Ende Oktober zu kündigen, war klar, dass der ganze Hausrat eingestellt werden musste, und wir im Flugzeug folgen würden. Dass die Planung etwas forsch war, die Wohnung am 31. Oktober abzugeben und am 1. November abzufliegen, war ebenso klar. Irgendwie würde es schon zu schaffen sein … Mittlerweile sind wir einen halben Erdumfang weiter und haben uns erholt — so viel Planungsoptimismus musste natürlich wieder einmal mit Schlaf bezahlt werden. Aber um Projektmanagement soll es hier nicht gehen, sondern darum, wie man aus viel Zeug wenig macht.
Eine kleine Chronologie soll helfen, die Dimension des Unterfangens zu überblicken (Klick aufs Bild).
Die x-Achse zeigt fortschreitende Zeit, die y-Achse den Raum, den unser Zeug benötigte
Als wir 2008 aus unserer 2.5-Zimmerwohnung in die grosszügigen 4.5 Zimmer zogen (1), hatten wir 1 Tisch und 6 Stühle, 1 Bett, 1 Sofa, 1 Sessel, 1 Leinwand, 5 Regale, 1 Palme, 1 Auto, 1 Motorrad, 8 Velos und einen kleinen Keller. Kurze Zeit später (2) waren wir "stolze" Besitzer von 5 Tischen, 12 Stühlen, 3 Sesseln, 7 Regalen, 1 Gas-BBQ, sowie 1 Maxiwandschrank (5.5 x 2.7 x 0.6 m). Im Lauf der Jahre kamen 1 Werkbank, 1 grosses Auto, 1 Velo, 8 grosse Topfpflanzen, Lampen und weitere Anschaffungen hinzu (3). Die Wohnung machte vielleicht nicht den Eindruck von üppiger Möblierung, aber sie hatte sehr viel Stauraum. Der grosse Keller war Segen und Fluch zugleich.
Im Mai 2014 fassten wir den Entschluss, auf Reise zu gehen (4), was neue Ausrüstung erforderte (5). Als nächstes ging es darum, die rote Kurve wieder nach unten zu richten und Zeug abzubauen. Am 23. September schickten wir unseren Camper mit dem grössten Teil der Reiseausrüstung los (6). Danach ging es dem Rest an den Kragen: gemäss dem ersten Prinzip der nachhaltigen Stoffstöme — Verlängerung der Lebensdauer — organisierten wir einen garage sale (auch bekannt als yard sale oder Flohmärit) vor unserem Haus (7). Wir verkauften ein paar hundert CDs, viele Bücher, Kleider, Langlauf- und Kletterausrüstung, Geschirr, ein Velo, etc. Die Idee war für viele Passanten offenbar neu und zuerst etwas befremdlich, es ergaben sich dann aber lustige Kontakte.
Damit wir weniger Gegenstände einzulagern hatten, machten wir Freunden und Bekannten das Angebot, dass sie Möbel oder Geräte für ein bis zwei Jahre ausleihen und benutzen können. Gleichzeitig boten wir Gegenstände zum Kauf an (8). So fanden 2 Tische, 12 Stühle, 1 Sessel, 1 Gas-BBQ, 2 Lampen, 1 Spiegel, 1 Leinwand, 1 grosse Topfpflanze und 1 Rennvelo temporäre neue Besitzer, während 1 VW Sharan, 1 Mountain Bike, 1 Heimkino-Projektor, meine B&O-Anlage sowie zahlreiche grosse Pflanzen permanent die Hand wechselten.
Was sich am Flohmarkt, auf Ricardo und auch sonst als Ladenhüter entpuppte, landete bei der Heilsarmee im Bümpliz (10) oder auf dem städtischen Entsorgungshof (11).
Was nun noch übrig blieb, ging in ein Lager. Das war eine ausgewachsene Züglete, und da wurde uns vollends bewusst, wie viel Zeug wir besitzen: zu viel! Einige Regale, die wir gerne losgeworden wären, fanden keinen Abnehmer, waren aber auch zu schade fürs Recycling, und sind nun ebenfalls im Lager.
Der Lagerplatz ist 15 m2 gross, und wir konnten bis zu 3 m hoch stapeln. Da lag es nahe, möglichst viel in Kisten und Kartons zu verpacken und auf Paletten einzulagern.
Als unentbehrlich erwies sich dabei die Stretchfolie auf dem Handabroller: damit kann man rasch und einfach Gegenstände schützen oder mehrere Gegenstände zusammenkleben, egal ob klein (Streben, Tablare) oder gross (ganze Paletten).
Die Schwierigkeit beim Palettieren ist, dass man einige Paletten so stabil laden und oben eine plane Fläche schaffen muss, dass man darauf je ein weiteres Palett stapeln kann. Das gelang uns nur ungenügend. Ein nächstes Mal müssten wir noch konsequenter versuchen, alles in gleich grosse Kartons zu packen und für die sperrigen Gegenstände (z.B. Staubsauger, Lampen) mit Palettrahmen zu arbeiten. Zudem hatten wir zum Beladen des Lastwagens lediglich einen Handgabelwagen, sodass wir dort ohnehin nicht stapeln konnten. Der Effekt war, dass nicht alles auf den Lastwagen passte. Es wurde ein sehr langer Tag :-(
Im Lager hatten wir alsdann ein dreidimensionales Puzzle zu lösen, da wir kaum stapelbare Paletten hatten. Das Bild zeigt die Ausnahme. Am Ende passte "häb-chläb" alles auf die 15 m2.
Nachdem die Wohnung gereinigt und abgegeben war, musste das Putzmaterial und alles, was nicht mit auf die Reise kommen sollte, ebenfalls ins Lager einsortiert werden (12).
Mit zwei grossen Reisetaschen traten wir den Transfer nach Ozeanien an. Damit ist die Sache aber noch nicht ausgestanden: wenn wir unseren Hausrat dereinst mal wieder auslagern, ist das alte Ziel wieder das neue Ziel: Zeug filtern und loswerden! Die wirkungsvollste Massnahme scheint derzeit eine kleinere Wohnung zu sein.
Ironischerweise hatte SRF3 genau in unserer Zügelwoche eine Serie über Minimalismus. Ein "Minimalist" aus Zürich lebt konsequent mit nur 200 Gegenständen. Bevor er einen neuen kauft, wird er einen alten los. So geht das! Ich dachte jedesmal an ihn, wenn ich eine der 40 Kisten aufhob: allein in dieser Kiste würden sich vermutlich über 200 Gegenstände tummeln.