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Harnblasenentzündung
Eine Harnblasenentzündung beim Pferd kommt weniger häufig vor als bei anderen Tierarten oder beim Menschen. Typische Symptome sind Unwohlsein beim Harnabsatz, häufiges Harnabsetzen in kleinen Mengen, Absetzen von farblich verändertem Harn und Veränderungen der Haut im Zwischenschenkelspalt. Weiter kommen auch unspezifische Symptome wie Unwohlsein, Zähneknirschen oder Unrittigkeit vor.
Eine Harnblasenentzündnung kann primär auftreten oder sekundär zu anderen Erkrankungen, welche die Blasenfunktion beeinträchtigen, entstehen. Zeigt Ihr Pferd Symptome einer Harnblasenentzündung, sollte dies unbedingt tierärztlich abgeklärt und behandelt werden.
Wissenswertes zur Harnblasenentzündung
Wie entsteht eine Harnblasenentzündung
Eine Harnblasenentzündung ist meist durch Bakterien bedingt. Selten kommt sie primär, das heisst ohne zusätzliche Erkrankung vor. Häufiger entsteht sie sekundär zu anderen Erkrankungen, welche die Funktion der Harnblase beeinträchtigen.
Eine primäre Entzündung entsteht meist durch eine aufsteigende Infektion durch die Harnröhre. Sie kommt häufiger bei Stuten vor, da bei der Stute die Harnröhre sehr kurz ist. Die Bakterien müssen hier nur einen kurzen Weg bis zur Harnblase zurücklegen. Gewisse anatomische Gegebenheiten, wie zum Beispiel die Form der Scheide, können die Entstehung begünstigen.
Sekundäre Harnblasenentzündungen entstehen zum Beispiel aufgrund von Harnsteinen, Harnblasentumoren oder Harnblasenentleerungsstörung infolge Blasenlähmung. Eine Blasenlähmung tritt beispielsweise im Rahmen einer Herpesvirusinfektion auf . In schweren Fällen einer primären oder sekundären Harnblasenentzündung kann die Infektion über die Harnleiter in die Nieren aufsteigen.
Sonderform sabulöse Zystitis (Akkumulation von Harngriess)
Bei dieser Form kommt es zur Ansammlung grosser Mengen Harngriess in der Blase.
Harngriess entsteht ähnlich wie Harnsteine. Die sabulöse Zystitis ist meist die Folge einer Blasenentleerungsstörung. Dabei führt eine nervale Störung zu einer teilweisen oder vollständigen Blasenlähmung. Dadurch kann der Harngriess nicht ausgeschieden werden und sammelt sich in der Harnblase an. Befindet sich eine griessartige Masse in der Harnblase, spricht man von sabulöser Zystitis.
Typische Symptome bei Harnblasenentzündung
Typische Symptome sind
- Inkontinenz
- Häufiges Harnabsetzen in kleinen Mengen
- Blut- oder Eiterbeimengungen im Harn
- Unwohlsein beim Harnabsetzen
- Unrittigkeit und Fell- und Hautveränderungen im Zwischenschenkelspalt bzw. an den Hinterbeinen
Die Symptome bleiben meist lokalisiert auf den Harnapparat. Auch sind die Entzündungswerte im Blut meist normal. Steigt die Infektion in die Nieren auf, zeigt das Pferd zusätzlich Fieber, Mattigkeit und Fressunlust. Dies weist auf einen schwerwiegenden Verlauf hin und sollte sofort tierärztlich abgeklärt und behandelt werden.
Wie wird eine Harnblasenentzündung diagnostiziert?
Der Urin kann mittels eines Schnelltestes (Dipstick) durch den Tierarzt untersucht werden.
Wenn sich im Urin Entzündungszellen oder Blut befinden, oder Ihr Pferd die oben genannten Symptome zeigt, empfehlen wir eine genauere Untersuchung mittels Endoskopie der Blase (Zystoskopie).
Eine Kamera wird unter Sedation in die Harnröhre bis zur Blase eingeführt um die Blase zu untersuchen. Bei dieser Untersuchung können auch andere Erkrankungen der Harnwege, z.B. Harnblasentumor oder Harnsteine abgeklärt werden.
Zusätzliche Untersuchungen
Zusätzlich zur Endoskopie der Blase wird der Urin auf Bakterien untersucht und eine Bakterienkultur mit Antibiogramm angefertigt. So können die wirksamsten Antibiotika ausgewählt werden. Für diese Untersuchung muss die Urinprobe steril gewonnen werden. Zu diesem Zweck wird ein steriler Harnkatheter in die Blase eingeführt. Um festzustellen ob eine Entzündung vorliegt, werden die Entzündungswerte im Blut bestimmt. Da in schwerwiegenden Fällen die Infektion aus der Harnblase bis in die Nieren aufsteigen kann, wird die Nierenfunktion mit Hilfe einer Blutuntersuchung überprüft.
Bei der rektalen Untersuchung wird die Grösse und Tonizitiät der Blase bestimmt und festgestellt, ob eine teilweise Blasenlähmung vorliegt.
Mit einer ultrasonographischen Untersuchung der Blase können Veränderungen in der Blasenwand diagnostiziert werden.
Behandlung von Harnblasenentzündungen
Wer behandelt mein Pferd?
Ihr Pferd wird von einer Tierärztin oder einem Tierarzt mit Spezialgebiet Pferdemedizin untersucht. Für spezielle Behandlungen werden weitere Spezialistinnen und Spezialisten anderer Fachgebiete beigezogen.
Bei uns stehen Spezialisten zur Verfügung, die mit Hilfe von modernsten Untersuchungsmethoden die Ursache der Symptome bei Ihrem Pferd diagnostizieren, den Schweregrad und die Prognose der Erkrankung beurteilen und Ihnen die Therapiemöglichkeiten aufzeigen, sollte Ihr Pferd an einer Harnblasenentzündung erkrankt sein.
Wie wird es behandelt?
Basierend auf den Befunden erstellen wir in Absprache mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan für Ihr Pferd.
Harnblasenentzündungen werden mit Antibiotika und Schmerzmitteln behandelt. Das wirksame Antibiotikum wird anhand der Resultate des Antibiogramms gewählt.
Bei hochgradigen Harnblasenentzündungen müssen täglich Blasenspülungen durchgeführt werden. In diesen Fällen muss das Pferd stationär in die Klinik aufgenommen werden.
Nachsorge
Wird Ihr Pferd aus der Klinik entlassen, können Sie die notwendigen Medikamente direkt von uns oder je nach Absprache, bei Ihrem Privattierarzt oder Ihrer Privattierärztin beziehen.
Sie bekommen einen detaillierten Bericht, in dem nochmals alle Befunde zusammengefasst sind, die Behandlung aufgeführt ist, sowie wichtige Informationen zur Erkrankung und Nachsorge aufgeführt sind.
Wir informieren auch Ihren Privattierarzt oder Ihre Privattierärztin, damit Nachkontrollen wenn möglich zu Hause durchgeführt werden können.
Prognose
Eine primäre Blasenentzündung hat eine gute Prognose und heilt meist nach 7-10 Tagen unter Therapie komplikationslos ab. Bei sekundären Blasenentzündungen ist die Prognose abhängig vom auslösenden Problem.
Wenn eine sabulöse Zystitis oder eine Blasenlähmung vorliegt ist die Prognose meist vorsichtig, da die Funktion der Blase nicht wieder vollständig hergestellt werden kann. Oft kommt es in diesen Fällen zum Wachstum von multi-resistenten Bakterien, die kaum mehr durch Antibiotika behandelt werden können. Die Behandlung zielt hier vor allem darauf ab, dem Pferd die Schmerzen zu nehmen und das Wachstum der Bakterien einzudämmen. Eine vollständige Heilung kann nicht mehr erzielt werden.
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