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Am 27. Juni 1780 gab der „Bergpraktikus“ Christ. Gottl. Mattig (von Mariakirch bei Strassburg) an, er habe bei Birmensdorf im Stierlitobel Steinkohle „sehr ergiebig und von der allerschönsten und besten Qualität“ gefunden. Weiter versprach er, diese zu 1 fl. per Röhrli abbauen zu können, sodass ein Röhrli (1 Salzröhrli = 250 kg) franko Zürich auf fl. 2.- (fl ist eine reguläre Abkürzung für Gulden) zu stehen käme. Er wusste sein Wissen um das Vorkommen so zu verkaufen, dass man ihm unter bestimmten Bedingungen eine Konzession zum Betreiben des Bergwerkes ausstellte. Die Kommission ermunterte ihn, auf eigene Rechnung zu graben und versprach, ihm zu genanntem Preis 150 – 200 Röhrli abzunehmen. Es wurden ihm die angefallenen Unkosten vergütet und zusätzlich dazu bekam er als Entdecker noch „eine Diskretion“ von 2 Neu-Louisdors. Vermutlich war Mattig nicht einmal Entdecker der Kohle. Nach Letsch wurde schon viel früher, durch ansässige Schmiede, im Stierlitobel Kohle abgebaut.
Wie viele Röhrli Mattig nach Zürich geliefert hatte ist nicht mehr bekannt. Es können aber nicht sehr viele gewesen sein, da er schon bald darauf „tätlich entlassen“ wurde, da er den gemachten Vorstellungen nicht entsprach (Letsch, 1899).
Mattig versuchte danach im Jahr 1781 sein Glück auch im Bergwerk Käpfnach bei Horgen. Da er sich verpflichtete, zu einem günstigen Preis eine gewisse Menge Kohle nach Zürich zu liefern, beschloss man, das Bergwerk wieder in Betrieb zu nehmen. Er erfüllte aber die mit ihm getroffenen Vereinbarungen nicht, so dass „sein Accord“ bald wieder aufgehoben werden musste und er entlassen wurde (Lesch 1899).
Als im Jahr 1797 der Obersteiger von Käpfnach (Friedr. Ginsberg, Sohn) auf Befehl des Zunftmeister Escher die Gegend von Birmensdorf nach Kohle untersuchte, fand er im Stierlitobel den von Mattig betriebenen Stollen. Die Kohle zeigte eine Mächtigkeit von 18 – 24 cm und war eingelagert in gutem Mergel, welcher als Dünger auf den Wiesen gute Ergebnisse erzielte (Lesch 1899).
Nach mündlichen Überlieferungen wurde Mitte der vierziger Jahre von einem gewissen Johannes Reutlinger in jenem Tobel wieder gearbeitet. Zu beiden Seiten des Baches soll er gezimmerte Stollen angelegt haben. Die abgebaute Kohle war mit zwei Pferden abtransportiert worden. Dieser Reutlinger erhielt in Aussersihl am 25. Juli 1838 einen Schürfschein für das Reppischtal zwischen Urdorf und Äugst, mit Ausnahme des dem Staate gehörenden Land „Riedhof“. Da er aber zu nahe (54 m) an der Konzessionsgrenze des Bergwerks Riedhof einen Stollen auffuhr und dabei den vorgeschriebenen Abstand von 300 m nicht einhielt, wurden ihm bereits im gleichen Jahr am 28. August 1838 weitere Tätigkeiten untersagt. Bei einer Begehung im Jahr 1899 durch Emil Letsch, konnten ihm Anwohner die Stelle im Tobel noch zeigen. Aber es war bereits alles wieder zusammen- gebrochen. Die mergeligen Abhänge mit dem daraufliegenden Moränenmatierial waren verrutscht und wanderten talwärts (diese Bewegungen sind noch heute zu beobachten). Das begehen der steilen Böschungen war mit grossen Schwierigkeiten verbunden und Letsch konnte sich nur mit Mühe vorstellen, das an diesem Ort einmal Bergbau betrieben worden war. Er hatte alle Schluchten in diesem Gebiet untersucht, aber keine Spur von Kohle gefunden.
Heute kann man die Stelle des ehemaligen Stollens von Mattig immer noch auffinden. Sie befindet sich auf einer Höhe von 565 m ü. M. im Tobel zwischen dem Stierli- und Häderliberg. Natürlich ist der Stollen längst verschwunden. Aber wenn man sich im Gelände anhand der alten Karte orientiert, findet man 54 m unterhalb das Weges hinüber zum Häderliberg, eine Stelle im Tobel die sehr gut mit den alten Überlieferungen übereinstimmt. Bei einer Begehung im Jahr 2005 ist es mir gelungen, in den vom Bach freigelegten Mergeln eine Kohlenspur mit ca. 5 cm Mächtigkeit zu finden. Die Kohle hat rein optisch betrachtet eine gute Qualität.
Letsch erwähnt in seinem Bericht aus dem Jahre 1899 eine weitere Fundstelle in der Gegend von Birmensdorf. Im Malefizgraben wurde im 18. Jahrhundert nach Kohle gegraben und auch dort ist heute alles zerfallen und keine Spur eines früheren Bergbaues zu erkennen. Dieses Flöz, wie auch das oben erwähnte werden in einem Bericht, aus dem Jahr 1840, über die bisherigen Verrichtungen der pyrotechnischen Gesellschaft in Zürich beschrieben. Darin ist von einem 9 – 12 cm mächtigen Kohlenflöz im Häderli die Rede. Die abgebaute Kohle soll der eines bituminösen Schiefers entsprochen haben und war zwischen Mergel und Sandstein eingebettet.
Alle Kohlevorkommen im Raum Birmensdorf zeigen, wie auch das Vorkommen von Sellenbüren, einen nestartigen Charakter. Obwohl sie alle auf dem gleichen Niveau anzutreffen sind, darf man nicht von einem zusammenhängenden Flöze ausgehen.
Lesch E. 1899: Beiträge zur Geologie der Schweiz, Geotechnische Serie, I. Lieferung, Die Schweizerischen Molassekohlen östlich der Reuss.
Mattig Chr. 1780: Grund und Handriss. Von dem Steinkohl und Mergel Werk auf dem Stierliberg bei Birmenstorf (Staatsarchiv des Kantons Zürich)
Roger Widmer 6. September 2012