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Projekt 667B, mit dem Decknamen Murena, war eine Klasse sowjetischer U-Boote mit ballistischen Raketen. Sie wurde von der NATO als DELTA-I KLASSE bezeichnet. Projekt 667B bildete die technische Grundlage für die nachfolgenden Projekte 667BD DELTA-II KLASSE, 667BDR DELTA-III KLASSE, und 667BDRM DELTA-IV KLASSE. Nachdem die U-Boote des Projektes 667A DELTA-I KLASSE nicht geeignet waren, moderne Interkontinentalraketen mit größeren Reichweiten unterzubringen und einzusetzen, beschloss die sowjetische Führung, eine neue Klasse von U-Booten zu bauen. Der Einsatz dieser Waffen mit ihrer vergrößerten Reichweite erschien auch deshalb zwingend notwendig, um die Träger-U-Boote vor dem Start der Raketen aus Gewässern, die von NATO-U-Jagd-Verbänden kontrolliert wurden, fernzuhalten. Auf diese Weise sollte die Zweitschlagkapazität der Sowjetunion sichergestellt werden, da Verbände der NATO so die Raketen-U-Boote im Falle eines Krieges nicht würden zerstören können, bevor diese ihre Waffen zu einem Vergeltungsschlag einsetzen konnten. Anders als noch bei den U-Booten des Projekts 667A konnten die neuen U-Boote so nicht mehr ausschließlich nach einem abgeschlossenen Atomangriff auf das eigene Land den klassischen Zweit- oder Vergeltungsschlag führen, sondern schon in einem laufenden nuklearen Schlagabtausch die übrigen Kräfte der Sowjetunion und ihrer Verbündeten direkt unterstützen, um den Ausgang des Konfliktes zu deren Gunsten zu beeinflussen. Ab 1963 war der Komplex D-9 für den Raketeneinsatz von U-Booten entwickelt worden, das eine Reichweitensteigerung um das dreifache des bisherigen Wertes erlauben sollte. 1965 genehmigte man den Bau eines neuen U-Boot-Typs mit dem Komplex. Die Planungen für Projekt 667B DELTA-I KLASSE wurden vom Entwicklungsbüro Rubin durchgeführt und waren abgeschlossen, bevor die R-29-Rakete einsatzbereit war, so dass man sie implementieren musste, als der Bau der ersten Projekt-667B-U-Boote auf den Werften in Sewerodwinsk und Komsomolsk am Amur bereits begonnen hatte. Projekt 667B DELTA-I KLASSE war 139 Meter lang und mit einer doppelten Hülle für den Druckkörper ausgeführt, so dass die U-Boote resistenter gegen Schäden waren als ihre westlichen Gegenstücke. Die 13 Meter langen und 30 Tonnen schweren Raketen wurden in zwei Reihen zu je sechs Silos untergebracht. Wie beim Vorgängermodell Projekt 667A YANKEE-KLASSE erschien es am sinnvollsten, die schwere Raketenabteilung in der Mitte der U-Boote hinter dem Turm zu positionieren. Die Abmessung der Interkontinentalraketen zwang die Architekten von Projekt 667B DELTA-I KLASSE, den eigentlichen Druckkörper im Querschnitt nicht mehr rund wie bei Projekt 667A YANKEE-KLASSE, sondern ellipsoid auszuführen und das ursprünglich gleiche Verhältnis von Breite zu Höhe zugunsten einer größeren Höhe zu verschieben. Dennoch ragten die Raketenschächte deutlich über den Druckkörper hinaus, so dass sie in einem Buckel hinter dem Turm zusammengefasst werden mussten, der das charakteristische Erscheinungsbild der Boote entscheidend prägte. Der Druckkörper selbst unterteilte sich in zehn wasserdicht verschließbare Abteilungen: 1: Torpedoraum mit Torpedorohren, Reservetorpedos, vordere Ausstiegsluke, erster Batteriesatz, Steuergeräte für das Sonarsystem, 2: Unterkünfte auf zwei Decks und zweiter Batteriesatz auf dem dritten Deck, 3: Zentrale mit Steuerinstrumenten, Funkraum und Zugang zum Turm, 4: Raketenabteilung 1 mit acht Raketensilos, 5: Raketenabteilung 2 mit vier Raketensilos und Pumpensystemen für Raketentreibstoff, 6: Technische Abteilung mit Tanks für Dieseltreibstoff, 7: Reaktorabteilung mit den beiden hintereinander positionierten WM-Reaktoren, 8: vordere Maschinenabteilung mit Turbinen, Kondensatoren, Elektromotoren 9: hintere Maschinenabteilung mit Turbinen, Kondensatoren, Elektromotoren, 10: Heckraum mit hinterer Ausstiegsluke, Zugangsschleuse, Rudermaschine für die Heckruder und Auslöser für die Notfallboje. Hauptenergiequelle von Projekt 667B DELTA-I KLASSE war, wie schon bei Projekt 667A YANKEE-KLASSE, der OK-700-Reaktorkomplex mit zwei WM-4B-Druckwasserreaktoren. Die beiden Reaktoren leisteten 180 MW thermische Energie, mit der Dampf erzeugt wurde, der zwei GTSA-Turbinen antrieb. Die Turbinen konnten je bis zu 20.000 PS (14.710 kW) auf die beiden Wellen übertragen, die das U-Boot mit 25 Knoten Spitzengeschwindigkeit über die beiden Propeller im Tauchbetrieb vorwärts bewegten. Zwei DG-460-Dieselmotoren konnten alternativ je 460 kW Antriebsenergie zur Verfügung stellen, indem sie Dieseltreibstoff mit Luftsauerstoff verbrannten. Dazu stand, bei nuklear betriebenen U-Booten eher ungewöhnlich, auch ein Schnorchel zur Verfügung. Beide Energiequellen konnten über einen Generator auch die Bleiakkumulatoren im Rumpf aufladen. Projekt 667B DELTA-I KLASSE unterlag durch seinen nuklearen Antrieb keinen Reichweitenbeschränkungen mehr. Lediglich die mitgeführten Vorräte an Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern für die Besatzung begrenzten die Einsatzdauer der U-Boote auf geschätzte 80 Tage. Die offensive Hauptbewaffnung von Projekt 667B DELTA-I KLASSE bestand aus zwölf R-29-Interkontinentalraketen, die gemeinsam mit ihren Kontrollsystemen den D9-Raketenkomplex bildeten. Der D-9-Komplex beinhaltete ein Computersystem vom Typ „Alpha“, das die Starteinstellungen automatisch an die Waffen übertrug und erstmals ein Autorisierungssystem einschloss, das den Start einer Rakete nur dann zuließ, wenn eine entsprechende Freigabe vom Oberkommando an das U-Boot übermittelt wurde. Alle zwölf Raketen konnten dann in kurzer Folge aus bis zu 55 Metern Wassertiefe gestartet werden und je einen nuklearen Gefechtskopf mit 800 kT Sprengkraft bis zu 7.700 km weit transportieren. Weiterhin trug die Rakete eine Reihe von Täuschkörpern in der zweiten Stufe der Antriebssektion, die bei deren Abbrennen freigesetzt wurden, sich auffalteten und so Radarechos produzierten, die einen Gegner von der echten Rakete ablenken sollten. Nach einigen Jahren im Dienst erhielten einige U-Boote während ihrer turnusmäßigen Instandsetzung den verbesserten D-9D Komplex. Zur Selbstverteidigung trug jedes U-Boot vier Bugtorpedorohre im Kaliber 533 mm und zwei im Kaliber 400 mm. 16 Torpedos für die 533-mm-Rohre und vier 400-mm-Waffen konnten an Bord mitgeführt werden. Die 533-mm-Torpedomodelle SET-65, SAET-60, 53-65K oder 53-65M konnten neben dem 400-mm-SET-40 eingesetzt werden. Projekt 667B DELTA-I KLASSE war mit einem Almas-B-Gefechtsinformationssystem, einem Tobol-B-Navigationssystem und einem Molnija-L-Kommunikationssystem ausgerüstet. Das Sonarsystem auf Projekt 667B DELTA-I KLASSE wurde von Projekt 667A YANKEE-KLASSE übernommen, war zwischen 1960 und 1963 entwickelt worden, und trug den Decknamen „Kertsch“ und die Kennung MGK-100. Die zylindrischen Empfangs- und Sendeantennen der Anlage waren unter- und oberhalb der Bugtorpedorohre installiert. Am Turm waren ein MT-70-8- und ein PSNG-8M-Periskop installiert, hinzu kam ein Periskop für die Astronomische Navigation und ein radiometrischer Sextant vom Typ „Saiga“ (NATO: Cod Eye). Projekt 667B DELTA-I KLASSE war mit einem ausfahrbareren Radarsensor vom Typ MRK-50 „Kaskad“ (NATO: Snoop Tray 2), kombiniert mit einem MRK-57 „Korma“, zur Suche nach Oberflächenkontakten ausgerüstet, das im X-Band arbeitete. Zusätzlich war ein System zur Freund-Feind-Erkennung vom Typ „Nichrom-M“ installiert. Auf dem Turm befand sich unmittelbar hinter der Brückenwache der ausfahrbare Mast mit dem Sensor „Sintes“ (NATO: Pert Spring) für das Navigationssystem „Tobol-B“. Ein ausfahrbarer Mast mit einem ESM-Sensor Typ MRP-21 „Saliw-P“ (NATO: Brick Pulp) war an der hinteren Turmkante installiert. Projekt 667B DELTA-I KLASSE verfügte über mehrere redundante Kommunikationssysteme, die Kontakt zum Hauptquartier und befreundeten Kräften erlaubten. Dazu waren mehrere Sendeantennen für Funkkommunikation auf dem Turm installiert und eine Empfangsantenne (NATO: Park Lamp) konnte Meldungen auf Langwelle und Längstwelle empfangen. Für die Langreichweitenkommunikation in getauchtem Zustand auf extrem niedriger Frequenz besaßen die U-Boote eine Schleppantenne des Typs „Parawan“. Diese Antenne konnte von einer Winde abgewickelt werden, die sich unmittelbar hinter den Raketenschächten befand. Die Winde war unter einer Luke zwischen Druckkörper und Außenhülle montiert und konnte die Antenne freisetzten, die, von einem kleinen Schwimmkörper in der Schwebe gehalten, hinter dem Boot hergeschleppt werden konnte. Die Entsorgung der U-Boote des Projekts 667B DELTA-I KLASSE setzte sich aus drei Arbeitsschritten zusammen: Dem Sichern und Einlagern der Reaktorsektion, der Verschrottung der U-Boote und, sofern von den START-Abrüstungsverträgen verlangt, dem Unbrauchbarmachen der Raketenstartvorrichtung. Die Arbeiten wurden zunächst von der Sowjetunion und später von Russland als Verpflichtung aus den START-Verträgen finanziert, jedoch auch im Rahmen des Cooperative-Threat-Reduction-(CTR)-Programms von den USA finanziell unterstützt. Die Arbeiten werden für U-Boote der Nordflotte von der „Nerpa“- und der „Swjosdotschka“-Werft durchgeführt. Die U-Boote der Pazifikflotte werden von der „Swesda“-Werft verschrottet. Zwei sowjetische Werften bauten insgesamt 18 U-Boote des Projekts 667B DELTA-I KLASSE. Dies waren Werft 402 „Sewmasch“ in Sewerodwinsk und Werft 199 in Komsomolsk am Amur. Wegen der ständig steigenden Abmessungen der U-Boote mit ballistischen Raketen und der Lage der Werft an einem Fluss war Projekt 667B DELTA-I KLASSE die letzte sowjetische SSBN-Klasse, die auf Werft 199 produziert werden konnte.