Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03305.jsonl.gz/1856

Fortan ward Livland nebst
Esthland Zankapfel zwischen
Polen,
Schweden und Rußland. 1660 verband der
Friede von
Oliva Livland mit
Esthland
als schwedische
Provinz, eine Zeitlang zum Nutzen
Livlands; denn
Schweden schuf ein protestantisches
Kirchen- und
Schulwesen und
organisierte dieGerichtshöfe und Behörden.
Später achtete es die provinziellen Eigentümlichkeiten
weniger und hob 1694 die Landesverfassung auf. Seine Bemühungen, mit
HilfePolens, dann Rußlands Livland von der schwedischen
Herrschaft zu befreien, mußte der vielgewandte
Patkul mit einem schrecklichen
Tod büßen (1707); schließlich kam durch den
NystaderFrieden 1721 Livland mit
Esthland dennoch an Rußland, das die provinzielle Selbständigkeit
Livlands,
namentlich die der lutherischen
Landeskirche, im Besitzergreifungspatent zu erhalten versprach.
Auch
Alexander II. bestätigte 1856 die Adelsprivilegien
Livlands. Die
Lage des Bauernstandes wurde 1819 durch Aufhebung der
Leibeigenschaft und noch mehr 1849 verbessert. Auch in Livland wurde 1835 das russische
Gesetzbuch eingeführt und
die
russische Sprache als Amtssprache bevorzugt, aber die deutsche nicht unterdrückt. Nur in kirchlicher Beziehung traten
die russischen Behörden schroffer auf, verleiteten 1845-48 etwa 140,000
Menschen aus dem Bauernstand zum Übertritt zur orthodoxen
Kirche und wollten die
Zurücknahme dieses übereilten
Schrittes nicht dulden.
Vittorio Emmanuele die ältere Stadt der Quere nach durchzieht und mit den Hauptverkaufsläden geschmückt ist, große
Plätze (darunter der Hauptplatz: PiazzaVittorio Emmanuele) und hohe, bis fünfstöckige, geräumige Häuser; doch fehlt Livórno ebensowohl
die Nationalphysiognomie, wie es an nationalen Kunstleistungen Mangel hat. Bemerkenswert sind unter den Bauwerken: der Dom
(aus dem 17. Jahrh.), außer welchem die Stadt noch 23 Kirchen (darunter eine deutsche protestantische,
eine englische, eine schottische, eine griechisch-unierte und eine schismatische, eine armen.
Kirche und eine große schöne Synagoge von 1603) besitzt;
ferner der ehemalige großherzogliche Palast (von 1605), das Stadthaus
(1720), die Börse, die Präfektur, die Hauptwache, der Palast Larderel (mit Gemäldesammlung).
Der Hafen besteht aus dem innern, von den Mediceern angelegten Bassin, Porto vecchio, welches durch einen 525 m langen, mit
einer Batterie endigenden Damm abgeschlossen wird, und dem 1854 hinzugefügten äußern Hafen, Porto nuovo, welcher durch einen
bogenförmig vorgelegten Wellenbrecher mit zwei Leuchttürmen geschützt wird und 8-10 m tief ist. Auf
einer Felseninsel in diesem Vorhafen erhebt sich der alte, 1303 errichtete Leuchtturm. Der alte Hafen enthält Schiffswerften
und zwei Arsenale; außerhalb des Hafens befinden sich an der Meeresküste zwei Lazarette.
Dem städtischen Verkehr dient ein Tramway. Im Hafen sind 1885 im internationalen Verkehr 636 beladene Schiffe
[* 26] mit 297,729 Ton.
ein- und 431 Schiffe mit 181,030 T. ausgelaufen. Auf den Verkehr mit italienischen Häfen kamen 3394 ein- und 2696 ausgelaufene
Fahrzeuge mit 1,041,412, resp. 1,021,297 T. Der Gesamtverkehr bezifferte
sich sonach auf 7157 Schiffe und 2,541,468 T., mit welchen Ziffern Livórno unter den Häfen Italiens nur Genua und Neapel nachsteht.
Auf den Dampfschiffahrtsverkehr kamen 3653 Schiffe und 2,357,217 T. Nächst der italienischen Flagge behaupteten die englische
und französische Flagge den Vorrang.