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Werner J. Haller | 16.11.2023
Langstrecken-WM Die Geschichte des Motorsports ist um ein Kapitel reicher. Die Iron Dames gewannen als
erstes Frauenteam einen Lauf zur Langstrecken-WM. Dabei bei diesem Exploit war auch die Solothurnerin.
Verschiedene Frauen haben in verschiedenen Rennserien rund um den Globus schon Erfolge gefeiert. Angefangen bei Lella Lombardi (I), die 1975 als bisher einzige Frau bei einem Formel-1-GP in die Punkteränge fuhr. Michèle Mouton (F), die 1982 hinter Walter Röhrl Gesamtzweite der Rallye-WM war. Oder Jutta Kleinschmidt (D), die 2001 die Rallye Dakar gewann. Der jüngste Erfolg von Frauen im Motorsport datiert vom 4. November 2023. Die Solothurnerin Rahel Frey, die Dänin Michelle Gatting und die Belgierin Sarah Bovy holten sich in Bahrain als erstes Frauenteam den Sieg bei einem Lauf zur Langstreckenweltmeisterschaft. «Dass uns dieser Coup zudem auch noch im letzten Rennen der GTE-Kategorie gelungen ist, macht den Sieg umso spezieller», sagt Frey. Die «wunderschönen, tollen GTE-Rennwagen» werden in der Langstrecken-WM ab nächstem Jahr durch GT3-Fahrzeuge ersetzt. Iron Lynx wird als offizielles Team von Lamborghini mehrere Huracán Evo 2 einsetzen.
Der lange Weg zum Erfolg
«Wir haben lange auf diesen Erfolg hingearbeitet», sagt Rahel Frey und blickt zurück auf bisher fünf Jahre, in welchen der Rennstall Iron Lynx um Deborah Mayer das Projekt Iron Dames betreibt. Über die Ferrari-Challenge mit dem Gesamtsieg von Gatting in der Trofeo Pirelli 2021 und die European Le Mans Series mit mehreren Podestplätzen bis zum ersten Rennsieg Mitte Oktober 2022 in Portimão (P) kamen auch die Erfolge in der Langstrecken-WM. Dieses Jahr holten die Iron Dames in ihrer Klasse bei sieben WM-Läufen fünf Top-Five-Resultate, darunter Mitte April Rang drei in Portimão und zuletzt den Sieg in Bahrain. Das reichte zu WM-Rang zwei in der LMGTE-Wertung!
«Das Paket muss stimmen», mahnt Rahel Frey. «Wir sind Menschen, Fehler passieren. Mal lag es am Material, mal am Team. Es ist alles andere als einfach, in einem hochstehenden Wettbewerb wie der Langstrecken-WM an die Spitze zu fahren. Zumal die Gegner ja auch nicht stehen bleiben. Unser Projekt ist langfristig angelegt. Nach fünf Jahren lässt sich unsere Teilzeitbilanz sehen!» Dass die Iron Dames auf diese Saison hin einen Ferrari 488 GTE Evo mit einem Porsche 911 RSR-19 ersetzten, sei nur ein Teil des Erfolgs 2023. «Der Porsche ist ein unglaublich tolles Langstreckenauto. Schade, dass er nun ins Museum geht. Ich möchte aber nicht behaupten, dass es uns mit dem Porsche einfacher gelaufen ist als zuvor mit dem Ferrari. Alles braucht seine Zeit, deshalb ist dieser historische Sieg von uns letztlich die Summe von sehr viel Aufwand, vom Geld über die Zeit bis hin zur Leidenschaft», erklärt Frey.
Täglich Anfragen von Frauen
Erfolge wie jene der Iron Dames geben Frauen, die in den Motorsport drängen, recht. Förderprogramme wie jenes der Iron Dames erfahren einen regelrechten Ansturm. «Wir bekommen viele Anfragen und Bewerbungen von Mädchen und Frauen, jeden Tag! Sie wollen im Motorsport arbeiten, sei es als Rennfahrerin, Ingenieurin oder Mechanikerin», sagt Frey. «Frauen im Motorsport sind extrem gesucht, nicht nur bei Rennteams, auch bei Verbänden und Veranstaltern.» In diesem Business müsse man aber eines bedenken, mahnt die Solothurnerin: «Qualität kommt vor Quantität. Es gibt viele Mädchen und Frauen, die wollen, aber noch nicht bereit sind. Sie brauchen Zeit, Investoren müssen geduldig sein – andernfalls werden diese Mädchen und Frauen nur verheizt.» Aber Frey richtet sich auch an ihre Geschlechtsgenossinnen: «Leidenschaft ist im Rennsport immens wichtig und unabdingbar. Für Frauen gilt das doppelt. Passion schliesst zum Beispiel auch Verzicht mit ein. Ohne Herzblut funktioniert es im Motorsport nicht. Sonst ist es nur eine Frage der Zeit, bis man scheitert.»
Rahel Frey weiss das nur zu gut. Sie habe sich in den Rennsport verliebt, als sie erstmals als Mädchen in einem Kart gesessen sei. Heute blickt sie mit 37 Jahren auf eine tolle Karriere zurück: «Ich war unter anderem zehn Jahre Werksfahrerin. Natürlich, als Sportlerin hätte ich mir Frauenförderprogramme gewünscht. Dennoch bin ich sehr stolz auf das, was ich erreicht habe. Es stimmt für mich.» Und die Zukunft ist schon aufgegleist. Die Solothurnerin ist Projektmanagerin der Iron Dames – schon ab nächstem Jahr wird sie als Rennfahrerin nur noch sporadisch hinter dem Lenkrad sitzen, verrät sie der AUTOMOBIL REVUE. «Ich habe eine tolle Perspektive im Team und im Projekt. Die nächsten fünf Jahre werden sehr spannend, wir expandieren extrem! Der Fokus ist auf die Jugend gelegt, wir wollen Mädchen und Frauen auch schon bei den Karts fördern.»
Der historische Sieg des Frauentrios Frey-Gatting-Bovy in der Langstrecken-WM ist ein besonderer Motivationsschub. «Unser Weg hin zu diesem Erfolg gibt uns recht – und er steht für Qualität!», sagt Rahel Frey.