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Bachelor Vujo, an den ich mich noch gut erinnere, hatte für seine Kandidatinnen ganze drei Kategorien parat, nämlich «Megafrau», «Megalady» und «Megasexbombe». Der Rafael hat aktuell nur zwei: «Wow» und «Wooow». Also «Wau» und «Wooou». Bitte? Sie denken dabei an zwei Bell-Laute eines Hundes? Der Rafael würde das ganz anders sehen. Er hält sich am liebsten an Gewässern auf, weil er sich selbst für «en tiefgründige Mönsch» hält.
Von Beruf ist der Mönsch Model, vielleicht, weil er DJ Antoine ähnlich sieht. Und sonst? Ist er «fröhlich, lustig, aufgestellt», macht gern Sport, liebt die Natur, ist «total stolz auf die Schweizer Berge» und arbeitet gern mit Holz. Seine Familie findet seine «Bachelor»-Teilnahme «megacool», seine Mutter will endlich «Groseli» werden.
Ich persönlich kann mir grad gar keinen langweiligeren jungen Mann als diesen Rafael Beutl vorstellen und finde nach der ersten «Bachelor»-Sendung dezidiert, dass Vujo das spannendere Menschenexperiment war. Vujo konnte man ja letztes Jahr im Camp der Triebe auf Thailand irgendein Stück Frauenfleisch vorsetzen, er bekam einen roten Kopf, glasige Augen, seine Zunge flutschte ihm aus dem Mund, sein Reaktionsvermögen war beeinträchtigt, und irgendwas an ihm triefte immer. Ich befürchte, Rafael hat sich viel besser im Griff.
Aber ich gebe zu, ich habe mir diese erste, einzige und allerletzte Folge «Bachelor» auch nicht wegen des Bachelors angeschaut, sondern wegen der Toten und der Tätowierten. Die Tätowierte und mich trennen im echten Leben nämlich 37 Treppenstufen, und da fristen also Tasha Colors und ich im gleichen Haus ein friedliches nachbarschaftliches Dasein, das höchstens mal von Diskussionen über die Haustür oder die Waschküche unterbrochen wird, wie das halt so ist.
Logisch, schaute ich mit leicht mütterlicher Besorgnis, wie sich das kolorierte Küken denn auf Ko Samui so macht. Und: dafür, dass es sich beim «Bachelor» um das primitivste Sendekonzept der Welt handelt (1 Mann + 20 Frauen + Urlaubsinsel + Quotendruck = kompetitiv übersteigertes Paarungsverhalten = wie geil ist das denn!), bin ich total erleichtert. Tasha war freundlich, zurückhaltend, hatte immer genug Sonnencrème dabei, und anstatt den Rafael zu massieren (Julia), seine Hand in ihrem Schritt zu platzieren (Melanie), eine nahende Ohnmacht vorzutäuschen (Corinne), ihn an diverse Brüste zu drücken (diverse), sang sie ihm ganz einfach etwas vor, und ich finde, sie hat hübsch gesungen.
Die Tote, ach, die Tote, sie hatte in Folge eins die meiste Sendezeit, sie neigt aber auch zu dieser Art von outgoing Crazyness, mit der man heute grosse TV-Karrieren macht, kurz, sie könnte eine liebenswertere ältere Cousine der Katzenberger sein, und das ist jetzt wirklich nicht böse gemeint. Aber Sofia, wie sie heisst, kam ja am 1. Oktober ums Leben und wurde am 18. Oktober auf der Zürcher Werdinsel in einer Trauerfeier, bei der nur der «Blick» zuschauen durfte, verabschiedet. Rafael war nicht dabei, «Sofias Tod hat mich stark bewegt, irgendwie habe ich dieses tragische Erlebnis bis heute nur schwer verarbeiten können», liess er sich vom «Blick» zitieren.
Rafael war für Sofia Liebe auf den ersten Blick: «Ich habe viele Frösche geküsst in meine Leben, aber ich habe meinen Prinz gefunden, ohgott! Ich muss keinen Frosch mehr küssen, Rafael ist mein Prinz, er ist definitiv mein Prinz, ohgott! Und wenn er mich berührt – ich schmelze!» Er wiederum bescheinigte ihr, sie habe es «dickfuscht» hinter den Ohren und sei «e chlini, villicht bösi Mitzi-Katzi-Tatzi». Hm.
Sie erhielt dann auch als erste eine Rose, ich denke, es folgen noch viele, und so vollkommen ausser sich, wie Sofia war, ist es gut möglich, dass der Rosen-Räffu ihr die letzte Zeit ihres Lebens zu einer besonders schönen gemacht hat.
Aber da ist ja auch noch die forsche deutsche Saskia, über die Räffu sagte: «I ha dänkt: wooow! Hani dänkt: da schteckt mehr dehinter als nur Dütschland.» Oder das liechtensteinische Model Sabrina, über das die andern Megaladys sagen: «Das isch doch Arschcharte! Der Maa muess grösser sii!» Räffu sieht das anders: «Si isch schon änder dä Typ, woni muss säge: Wow!»
Thailand tut mir leid.