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Es gebe zwar ein paar Modellrechnungen für die Schäden auf den Bahamas, aber nicht für die Gesamtschäden, sagte Swiss Re-Underwriting-Chef Edouard Schmid am Sonntag vor den Medien am Branchentreff in Monte Carlo. Das dauere noch eine oder einige Wochen. Alles andere wären Spekulationen. Da die Versicherungsdeckungen auf den Bahamas recht verbreitet seien, werde die Versicherungsbranche ihren Beitrag beim Wiederaufbau leisten, sagte Schmid.
Mit anderen Worten ausgedrückt: Es dürfte teuer werden für die Versicherer.
Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister AIR Worldwide schätzt die versicherten Schäden in der Karibik auf 1,5 bis 3 Milliarden US-Dollar. Die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass die Versicherungsbranche auch für die gesamten Schäden durch "Dorian" nicht mehr als 10 Milliarden Dollar bezahlen muss.
Die Schäden in den USA würden voraussichtlich stärker von Erstversicherern getragen, sagte Fitch-Analyst Brian Schneider am Sonntag. Rückversicherer müssten auf den Bahamas einen grösseren Anteil tragen, wo "Dorian" noch mit Hurrikanstärke getobt hatte.
Nervosität wegen "Dorian"
"Dorian" habe die Branche in den letzten zehn Tagen recht nervös gemacht, sagte Schmid. Die Lage erinnere ihn dan den Hurrikan "Irma", der vor zwei Jahren auf Miami zugesteuert habe.
Es gebe zwar die Wahrnehmung, dass der Klimawandel die Frequenz und Stärke der grossen Hurrikane antreibe, sagte Schmid: "Aber um ehrlich zu sein, ist es etwas zu früh, um diesen Schluss zu ziehen."
Denn der Klimawandel sei zwar ein Faktor. Aber es gebe Faktoren wie die Exposition von Menschen und Gütern in gefährdeten Gebieten oder die Klagebereitschaft vor Gericht, welche die Risiken für Naturkatastrophenversicherungen viel stärker hochtreiben würden.
"Jebi"-Schäden zunächst unterschätzt
Schmid erinnerte an den Taifun "Jebi", der im vergangenen September in Japan Zerstörungen hinterliess. Hier seien die usprünglichen Schadenschätzungen viel zu tief gewesen. Erst in der Analyse habe man Faktoren gesehen, welche die Schäden hochgetrieben hätten. Ein solcher Faktor sei beispielsweise der Arbeitskräftemangel in der Baubranche.
Denn die Baubranche sei gleichzeitig mit dem Wiederaufbau nach einem Erdbeben, das vor dem Hurrikan stattgefunden hatte, und dem Bau für die Olympischen Spiele in Tokio beschäftigt gewesen. Zudem habe auch in Japan die Bereitschaft zugenommen, gegen die Versicherer zu klagen, um ein Maximum aus den Verträgen herauszuholen, sagte Schmid. Solche Faktoren müsse man bei der Versicherung von Naturkatastrophenschäden künftig berücksichtigen.
jb/
(AWP)