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Die älteste Amateurtheatergruppe aus dem Bezirk Horgen feiert in diesem Jahr ihr 125-Jahr-Jubiläum. Am 14. November 1895 gegründet, begeistert die Theatergruppe Richterswil bis heute ein grosses Publikum.
Alles begann im Jahr 1865. Von der Monatsgesellschaft, und später der Theatergesellschaft, wurden damals im «Engel» verschiedene Stücke wie «Der gerade Weg ist der Beste», «Die Zillertaler» und «Das Sonntags-Räuschchen» aufgeführt. 1880 wurde erstmals der dramatische Verein Richterswil gegründet, verschwand aber nach einmaligem Gastspiel wieder von der Bildfläche.
Spannende Jahre folgten. Verschiedene Richterswiler Vereine bildeten ab 1891 ein Komitee, zum Bau einer Bühne im Hotel Drei Könige. Das Hotel war eines der führenden Häuser zur hohen Zeit des Richterswiler Tourismus mit Beherbergung der Pilger und später mit Molken- und Badekuren. So wurde auf der neu gebauten Bühne das Stück «Der Zunftmeister von Nürnberg» aufgeführt.
Die Preise der Plätze betrugen Fr. 2.–, 1.50, und 1.–. Finanziell wurde das Stück jedoch zu einem Flopp und es grenzte an ein Wunder, dass trotzdem am 14. November 1895 der dramatische Verein Richterswil gegründet wurde.
Zitat aus den Gründungsschriften: «Möge er, getreu seiner Zweckbestimmung, die Pflege und Förderung der dramatischen Kunst festhalten, uns und den Unsrigen zur Freude, der Gemeinde zur Ehre.» Und später stand geschrieben: «Es geziemt sich wohl, der Gründer zu gedenken, die mit so viel Mut und Eifer ans Werk gingen, der Gemeinde einen Verein zu schenken, der in der Folgezeit so vieles bot.»
Erstaufführung im Hotel Drei Könige
Das erste Stück nach der Gründung wurde 1896 auf der Bühne im Hotel Drei Könige aufgeführt. «Der Sonnwendhof» von Salomon Hermann Mosenthal unter der Regie von einem Richterswiler Sekundarlehrer G. Ammann. Aufführungen wie 1900 das Stück Jägerblut oder 1905 «s Nullerl» wurden unter der Regie des Kunstmalers Edwin Bachmann vorgeführt. Edwin Bachmann war viele Jahre in Richterswil Leiter einer Werkstatt für Theatermalerei und Hintergründe für Photographenateliers. So geht man davon aus, dass die aufwändig gemalten Bühnenbilder von Bachmann gemalt wurden.
In der Anfangszeit wurden mehrheitlich historische Dramen und vaterländische Volksstücke aufgeführt. Während des Ersten Weltkrieges fanden praktisch keine Aufführungen mehr statt. Danach, in den Jahren des Zweiten Weltkrieges wurden mehr unterhaltende und lustige Stücke gespielt.
Mangel an Finanzen und Mitglieder
Die Nachkriegsjahre gehörten nicht zur Blütezeit des Vereins. Die Mitgliederzahl schrumpfte bis auf 100 Aktive und Passive zusammen. Protokollausschnitte aus den Jahren 1946/47 zeigten, wie ernst die Lage damals war. Zum einen wurde die Gemeinde zur finanziellen Unterstützung aufgefordert: Die sollen auch einmal etwas für die Kunst tun. Zum andern führte der Misserfolg des Stücks «Venus vom Tivoli» zu einer Publikumsschelte: «das Publikum erhält, mit Ausnahme der einen Aufführung, die sozusagen die Elite von Richterswil versammelte, eine sehr schlechte Note.»
Ein paar Unentwegten gelang es dank ihrer Beharrlichkeit und ihrem Glauben an bessere Zeiten, den Verein in die Gegenwart zu führen. Einen grossen Anteil daran hatte sicher die Familie Graf, in deren Händen die Spielleitung von 1936 bis 1984 lag. Ab den siebziger Jahren (inzwischen in Theatergruppe Richterswil [TGR] umbenannt) spielte die TGR mehrheitlich zeitgenössische Komödien und Krimis, aber auch kritische Stücke.
Von 1996 bis und mit 2009 fand jährlich eine Theaterproduktion statt, mal im Stammlokal Hotel Drei Könige, mal in oder vor der alten Lokremise im Seebad oder in der alten Fabrik Zinggeler.
Ab 2010 hat sich die Theatergruppe Richterswil vollends von der traditionellen Bühne im «Chünge», wie die Dorfbühne im Hotel Drei Könige im Volksmund immer noch genannt wird, verabschiedet und zeitgleich von den jährlichen Produktionen zu einem 2-Jahres-Rhythmus umgestellt. Dies, da fortan im ganzen Gemeindegebiet nach geeigneten Spiellokalitäten gesucht wird.
Auf der Suche nach geeigneten Spielorten
Ist ein geeigneter Spielort gefunden, wird ein passendes Theaterstück dazu gesucht und bearbeitet, damit Ort und Spiel sich optimal ergänzen. Bühnenbau und Technik sind in dieser Produktionsart um einiges aufwendiger, da viele Spielorte «leer» übernommen und nach dem Spiel wieder abgegeben werden. Zusätzlich wird jeweils passend zum Stück eine Theaterbeiz integriert, damit den Zuschauern ein «Theaterspektakel» in Kleinstformat geboten werden kann.
All dies bedeutet viel Freiwilligenarbeit in einer Zeit, in welcher Arbeit nur noch selten mit «freiwillig» verbunden wird. Nichts desto trotz schmiedete die Theatergruppe jeweils kurz nach dem Abspielen der «alten Saison» Pläne für die neue Theatersaison, denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und wenn Theaterblut durch deine Adern und Venen fliesst, so ist keine Hürde zu hoch, kein Nein gilt für immer und jeder Traum kann Wirklichkeit werden. (e)
www.tgr.ch