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Die Diagnostik bei Verdacht auf Prostatakrebs bestand bisher aus der Tastuntersuchung der Prostata (sog. digital-rektale Untersuchung, DRU) sowie Bestimmung eines Blutwerts, dem sogenannten prostataspezifischen Antigens (PSA).
Bei auffälligen Befunden wurde eine ultraschall-gesteuerte Biopsie der Prostata über den Enddarm (Rektum) durchgeführt. Diese Vorgehensweise wird heute zunehmend kritisch gesehen. Heute gilt es primär Biopsien zu vermeiden. Falls jedoch biopsiert werden muss, sollte durch die Biopsie der Tumor präzise und sicher getroffen werden. Weiterhin muss die Biopsie sicherstellen, dass in der Prostata in der übrigen Prostata keine weiteren Tumoren vorliegen. Dies ist von grösster Bedeutung für die Planung einer fokalen Therapie. Die Lösung lautet roboterassistierte mpMRT/TRUS-Fusions- und Mappingbiopsie der Prostata.
In der abgebildeten Prostata sind 2 Tumoren lokalisiert: In der Bildmitte oben, mit dunklem Zentrum, ein aggressives, behandlungsbedürftiges Prostatakarzinom. In der Abbildung links, hellblau, ist ein nicht-behandlungsbedürftiger Prostatakrebs dargestellt.
Um unnötige Behandlungen zu vermeiden, ist es wichtig, zwischen signifikanten (behandlungsbedürftigen) und insignifikanten (nicht-behandlungsbedürftigen) Prostatakarzinomen zu unterscheiden. Diese Unterteilung beruht u.a. auf der feingeweblichen (histologischen) Untersuchungen von Gewebeproben aus der Prostata, sog. Biopsien
Standardverfahren ist die systematische transrektale ultraschallgesteuerte Biopsie (TRUS). Hierbei werden über den Enddarm 10–12 Biopsiezylinder aus der Prostata entnommen. Die Sensitivität dieser traditionellen Methode ist jedoch limitiert. Sie liegt in Autopsiestudien bei 53 %. D.h. im Rahmen der Biopsie wird ein Prostatakarzinom schlicht und einfach häufig übersehen (Abb. 1). Gelingt der Nachweis eines Prostatakarzinoms mit der TRUS-Biopsie, so stellt sich die Frage, ob das Ergebnis der Biopsie tatsächlich das feingewebliche Tumorstadium korrekt identifiziert. Dies ist für die Therapieplanung oder Prognoseabschätzung der Erkrankung von immenser Bedeutung.
Tatsächlich liegt das Risiko einer Fehlklassifizierung, d.h. aggressive Tumoren werden übersehen oder in ihrer Aggressivität unterschätzt, durch die herkömmliche Prostatabiopsie zwischen 21 % und 54 % (Abb. 2 und 3). Idealerweise sollte der aggressive, behandlungsbedürftige Tumor zielgerichtet biopsiert und klassifiziert werden (Abb. 4). Nur so kann eine optimale und vollumfängliche Beratung des Patienten gewährleistet werden.
Dadurch kann ein erfahrener Radiologe krebsverdächtige Regionen innerhalb der Prostata mit grösster Wahrscheinlichkeit finden. Oft handelt es sich dabei um Tumoren , die bei der herkömmlichen Stanzbiopsie nicht erreicht werden. Die mpMRT kann klinisch nicht relevante Tumore von aggressiven Tumoren unterscheiden und so helfen, unnötige Eingriffe zu vermeiden.
Wir kooperieren hier eng mit der radiologischen Abteilung https://radiologie.merianiselin.ch/ unseres Premiumpartners, der Merian Iselin Klinik in Basel. Ein Kernteam von 3 Spezialisten ist hier für die Untersuchung und Befundung der mpMRTs der Prostata zuständig. Mit mehr als 500 Untersuchungen pro Jahr können wir als Zuweiser, aber auch unsere Patienten, auf eine grosse Erfahrung und eine sehr hohe Expertise auf diesem Gebiet vertrauen.
Die roboterassistierte, perineale mpMRT/TRUS-Fusions- und Mappingbiopsie der Prostata ist Voraussetzung für die Planung einer fokalen Therapie. Die transrektale Biopsie der Prostata ist hierzu unzureichend (vgl. Studie 1 weiter unten)
In der im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlichten PRECISION-Studie (2) konnte erstmals mit höchster wissenschaftlicher Qualität gezeigt werden, dass die Kombination aus MRT der Prostata und anschliessender gezielter Fusionsbiopsie präzisere Ergebnisse liefert als die herkömmliche Ultraschall-gesteuerte Biopsie. Knapp 30 % der Studienteilnehmer, die ein MRT erhalten hatten wiesen einen unauffälligen Befund auf. Folglich blieb diesen Patienten eine Prostatabiopsie erspart, der sich die anderen Teilnehmer der Studie (ohne MRT der Prostata) unterziehen mussten.
Basierend auf den MRT-Daten und der gezielten Biopsie in den zuvor als auffällig identifizierten Arealen, wurde bei 38 % ein relevanter Prostatakrebs diagnostiziert. Mit der Standardbiopsie fand man nur bei 26 % der Patienten einen relevanten Prostatakrebs. Diese Resultate zeigen, dass die Risikobewertung eines Prostatakrebs-Verdachts per MRT und Fusionsbiopsie deutlich präziser ist als die bislang praktizierte ultraschallgesteuerte Biopsie.
Darüber hinaus reduziert dieses Vorgehen die Diagnose einesmeist nicht behandlungsbedürftigen Prostatakarzinoms um 50 %. Diese Formen des Prostatakrebses stellen für betroffene Männer zwar keine Gefahr dar, erzeugen aber durch die Diagnose „Prostatakrebs“ jedoch oftmals eine grosse seelische Belastung.
„Bei der Behandlung von Prostatakrebs steht die Lebensqualität der Betroffenen für uns an erster Stelle. Die fokale Therapie ergänzt unsere verfügbaren Behandlungsoptionen ideal und schliesst die Lücke zwischen aktiver Überwachung und Operation oder Bestrahlung.“
Dr. med. Georg Müller
alta uro, AG Basel