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In ihrer Sitzung befasste sich die Kantonsregierung wieder einmal mit der Anschaffung von Literatur (Nr. 788). Der Lehrer, Volkskundler und Geograph Werner Manz (1882-1954) aus Sargans hatte den zweiten Teil seiner Dissertation zum Volksglauben und zu Volksbräuchen des Sarganserlandes publiziert, ein 162 Seiten starkes, teilweise illustriertes Werk. Herausgegeben worden war es durch die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, die ihre durch den Krieg verursachte schwierige Finanzlage geltend machte und um die Abnahme einiger Exemplare bat. Die Regierung liess sich erweichen und beschloss, 20 Exemplare zu einem Preis von je Fr. 5 anzuschaffen und unter dem Budgetposten Unvorhergesehenes zu verbuchen.
Im Buch gibt es ein Bild zu einem Palmsonntagsbrauch. Stechpalmenzweige wurden zu einem Busch oder einem Kranz zusammengebunden und mit Äpfeln und bunten Bändern geschmückt. Knaben trugen sie zur Kirche und liessen sie dort im Gottesdienst segnen. Zu Hause wurden die Objekte in den Stuben oder Schlafzimmern oder auch im Stall aufgesteckt, um Unheil, böse Geister und Krankheiten aus diesen Räumen zu bannen.
Zu den Fasnachtsbutzi von Flums (vgl. Bild) heisst es im Buch von Werner Manz (S. 32): In Flums hingegen tritt der ledige Bursche als „Butz“ auf den Plan. Der mit einem „Geröll“ (mit vielen kleinen Rollen gespickter Ledergurt) umgürtete Röllibutz steckt in einem aus lauter Tannenreisern oder kleinen, vielfarbigen, dachziegelartig angeordneten Lappen bestehenden Kleider oder sucht durch ein Konglomerat unbeschreiblicher hässlicher, ja geradezu abstossender Kleidungsstücke, alles in den Schatten zu stellen. Je hässlicher, desto schöner, ist hier der Wahlspruch. Das Gesicht ist hinter einer fratzenhaften, in ihrer Art oft vorzüglich geschnitzten Holzlarve verborgen. Den Kopf decken bis auf die Schultern hinunterhängende Ziegen- oder Schaffelle. In Flums finden sich mehr als 300 solcher aus gutgebeiztem, astlosem Linden- oder Eschenholz geschnitzter Holzlarven vor, unter denen eine Anzahl ein ziemlich hohes Alter aufweisen.
Die Regierung behandelte am selben Tag noch diverse weitere Traktanden, unter anderem Anfragen um Wirtschaftspatente (Nrn. 766-775). Ausserdem erliess sie ein Regulativ zur Förderung der Kleinviehzucht samt einer Instruktion betreffend die Tätowierung der Ferkel, Gitzi und Lämmer (Nr. 781):
Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 und A IV 162/12 (Bilder aus: Manz, Werner: Volksbrauch und Volksglaube des Sarganserlandes, Basel/Strassburg 1916)