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Schmerzhafte Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, die in den Kopf ausstrahlen, sind für Betroffene häufig sehr belastend, weil die Schmerzen den Alltag und damit auch die Lebensqualität teilweise stark einschränken.
Bei einem Halswirbelsäulen-Syndrom, kurz HWS-Syndrom, handelt es sich zusammenfassend um Schmerzen und sonstige Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule. Mediziner sprechen auch von einem Zervikalsyndrom.
Etwa zwei von drei Menschen in Deutschland sind laut Statistik mindestens einmal in ihrem Leben von den Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule betroffen, die Tendenz ist sogar steigend und schätzungsweise leidet genau zu diesem Zeitpunkt mehr als jeder zehnte Mensch unter den Beschwerden der Nacken-Schulter-Armregion. Das HWS-Syndrom stellt damit ein recht häufiges Leiden dar, zumindest wird die Diagnose oft gestellt.
Die häufigsten Ursachen für HWS-Syndrom: Funktionelle Störungen und degenerative Veränderungen
Die häufigsten Ursachen für das HWS-Syndrom sind funktionelle Störungen, zum Beispiel Fehlhaltungen und Fehlbelastungen sowie Erkrankungen der Brustwirbelsäule (BWS) und Lendenwirbelsäule (LWS) oder degenerative Veränderungen an den Bandscheiben, Wirbelkörpern oder Wirbelgelenken. Je nachdem wo die Ursachen für die Schmerzen lokalisiert sind, treten entsprechende Begleitsymptome auf.
Was genau ist das HWS-Syndrom? Wodurch werden die Schmerzen in der Halswirbelsäule hervorgerufen? Welche Symptome treten neben Nackenschmerzen noch auf? Wann solltest Du die Beschwerden besser von einem Arzt abklären lassen und welcher Arzt stellt überhaupt die Diagnose? Wie sieht die Behandlung eines HWS-Syndrom aus und was kannst Du selbst im Alltag unternehmen, um die Schmerzen zu lindern und einem HWS-Syndrom vorzubeugen?
Was ist ein HWS-Syndrom?
Der Begriff „Syndrom“ deutet schon darauf hin, dass es sich um einen unspezifischen Sammelbegriff von verschiedenen Symptomen handelt. Das HWS-Syndrom ist eine allgemeine Bezeichnung für Nackenschmerzen und sonstige Symptome innerhalb des komplexen Gebildes aus Wirbeln, Muskeln, Sehnen, Bändern, Faszien und Nerven, die durch direkte (degenerative) Erkrankungen der HWS oder durch eine gestörte Funktion der HWS ausgelöst werden.
Akutes, subchronisches und chronisches HWS-Syndrom
Mediziner unterscheiden zwischen einer akuten, subchronischen und chronischen Verlaufsform des HWS-Syndroms.
Beim akuten HWS-Syndrom stehen in den meisten Fällen Verletzungen der Halswirbelsäule, eine plötzliche übermäßige Beanspruchung, wie z.B. durch ein Schleudertrauma bei Auffahrunfällen, Zugluft oder ungewohnte, körperliche Betätigungen als Auslöser im Vordergrund.
Bei chronischen HWS-Syndromen sorgen hingegen meist degenerative Veränderungen wie beispielsweise eine Arthrose oder Fehlhaltungen der Halswirbelsäule für dauerhafte Beschwerden. Treten die Beschwerden der Halswirbelsäule in regelmäßigen Abständen immer wieder auf, handelt es sich auch um ein chronisches HWS-Syndrom.
Von einem chronischen Geschehen sprechen Ärzte, wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten. In den ersten drei Monaten handelt es sich um ein subchronisches HWS-Syndrom. Die Dauer der akuten Verlaufsform liegt zwischen wenigen Tagen bis maximal drei Wochen.
Anatomie der hochbeweglichen Halswirbelsäule (HWS)
Ein kleiner Überblick über die Anatomie der HWS hilft dabei, die vielen verschiedenen Beschwerden durch das HWS-Syndrom besser zu verstehen.
Bei der Halswirbelsäule handelt es sich um eine sehr empfindliche, bewegliche und komplexe Körperregion, die mit Muskeln und Sehnen dafür sorgt, dass unser Kopf stabil und beweglich bleibt.
Die HWS bildet den ersten, obersten Abschnitt von insgesamt fünf Abschnitten der Wirbelsäule. Sie bildet das Mittelstück zwischen Kopf und Brustwirbelsäule und besteht aus sieben Halswirbeln, kurz C1-C7. Das C steht für „cervix“ und bedeutet übersetzt Hals.
Aufbau der Wirbelsäule:
- Halswirbelsäule (HWS): 7 Halswirbel C1-C7 (cervix = Hals)
- Brustwirbelsäule (BWS): 12 Brustwirbel Th1-Th12 (thorax = Brustkorb)
- Lendenwirbelsäule (LWS): 5 Lendenwirbel L1-L5 (lumbus = Lende)
- Kreuzbein: 5 verschmolzene Sakralwirbel S1-S5 (sacralis = heilig)
- Steißbein: 3-5 verkümmerte Steiß-Wirbel
Die Halswirbelsäule (HWS)
Unsere Halswirbelsäule stellt den beweglichsten Teil der gesamten Wirbelsäule dar. Die Halswirbel C3 bis C7 entsprechen der Form der übrigen Wirbel, C1 und C2 weisen jedoch eine ganz besondere Form auf. Der 1. Halswirbel wird auch als Atlas, der 2. Halswirbel als Axis bezeichnet. Mit der Schädelbasis bilden sie das obere und untere Kopfgelenk.
Die Besonderheiten von Atlas und Axis
Der Atlas (C1) hat sieht aus wie ein knöcherner Ring mit zwei Gelenkflächen auf der Oberseite, an die der knöcherne Schädel mit seinen Gelenkflächen aufsitzt. Diese Verbindung sorgt dafür, dass wir überhaupt mit unserem Kopf Nickbewegungen ausführen können.
Der Axis (C2) hat als besonderen Aufbau einen in den Ring des Atlas emporragenden so genannten Knochenzapfen (Dens axis = Zahn). Um diesen Zapfen kann sich der Atlas drehen, wodurch Drehbewegungen des Kopfes ermöglicht werden. Im hinteren Bereich des Atlasrings verläuft das Rückenmark.
Die beiden Querfortsätze der Wirbelkörper C3 bis C7 verfügen im Vergleich zur restlichen Wirbelsäule über je ein Loch (Foramen transversarium). Durch die Löcher ziehen Gefäße, die unser Gehirn und das Rückenmark versorgen.
Wirbel und Bandscheiben
Die Wirbel haben von C3 bis L5 einen ähnlichen Aufbau, unterscheiden sich aber nach funktionellen Erfordernissen der einzelnen Abschnitte in Größe und Form. Zwischen den Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben, die elastischen Verbindungen der Wirbelkörper. Sie erhöhen die Beweglichkeit unserer Wirbelsäule, weil sie sich verformen können. Zudem dienen sie als Stoßdämpfer und federn damit Stauchungen der Wirbelsäule ab.
Die wichtigsten Muskeln des Halses
Von der HWS entspringen außerdem viele feingliedrige Muskeln. Die Muskulatur am Hals breitet sich zum Kopf, Schultergürtel und zum Brustbereich aus und wird in zwei wichtige Gruppen gegliedert, die durch die Luft- und Speiseröhre getrennt sind: die vorderen, oberflächlichen und die hinteren, tiefen Halsmuskeln.
Vordere, oberflächliche Halsmuskulatur
- Halshautmuskel (Platysma): gehört zur mimischen Muskulatur
- Kopfwender (M. sternocleidomastoideus): verbindet den Kopf mit dem Brustkorb und ermöglicht das Drehen und Vorbeugen des Kopfes
Hintere, tiefe Halsmuskulatur
- Vordere, mittlere und hintere Treppenmuskeln (M. scalenus anterior, medius und posterius): unterstützen die Einatmung, Beugung und Seitwärtsdrehung der HWS
- Prävertebrale Halsmuskeln: liegen vor der Wirbelsäule, unterstützen die Seitwärtsbewegung des Kopfes und die Beugung nach vorne
Die Nerven des Halses
Die Nerven spielen bei dem HWS-Syndrom auch eine wichtige Rolle. Aus den Halswirbeln C1 bis C4 treten vier Rückenmarksnerven aus, die so genannten Spinalnerven. Sie aktivieren unsere Halsmuskulatur und das Zwerchfell.
Die vier Halsnerven, die aus den Wirbeln C5 bis C7 entspringen, bilden mit den Nerven des ersten Brustwirbelkörpers (Th1) das Armnervengeflecht. Sie versorgen die Muskeln der Brust und Arme.
Unterteilung in 3 Gruppen: Oberes, mittleres und unteres HWS-Syndrom
Aufgrund der anatomischen Beschaffenheit der HWS entstehen im Zusammenhang mit dem HWS-Syndrom charakteristische Symptome. Als Ausgangspunkt wird der Ort der auftretenden Schmerzen verwendet. Daraus entstehen beim Syndrom der Halswirbelsäule drei Gruppen:
- Oberes HWS-Syndrom (C1 bis C2)
- Mittleres HWS-Syndrom (C3 bis C5)
- Unteres HWS-Syndrom (C6 bis C7)
Das obere HWS-Syndrom zeichnet sich dadurch aus, dass die Schmerzen typischerweise in den Kopf ausstrahlen und dort neben Kopfschmerzen weitere Beschwerden hervorrufen. Mediziner sprechen dann von einer so genannten Zervikozephalgie.
Beim mittleren HWS-Syndrom treten die Schmerzen im Bereich C3 bis C5 auf, beim unteren HWS-Syndrom im Bereich C6 bis C7. Bei beiden Gruppen strahlen die Schmerzen in die Nacken-Schulter-Armregion aus. Der medizinische Begriff dafür lautet Zervikobrachialgie.
Ursachen des HWS-Syndroms: Spezifische und unspezifische Faktoren
Einseitige Bewegung im Alltag, Fehlhaltungen und Fehlbelastungen, Erkrankungen der Brust- und Lendenwirbelsäule sowie degenerative Veränderungen der Bandscheiben und Wirbel gehören zu den häufigsten Ursachen des HWS-Syndroms mit Nackenschmerzen als Leitsymptom.
Wer sich zu wenig im Alltag bewegt, viel im Auto oder vor dem Computer sitzt oder ständig in einer falschen Schlafposition schläft, ist besonders gefährdet, ein HWS-Syndrom zu entwickeln. Stress, Übergewicht, Schwangerschaften, depressive Verstimmungen, mangelnde Bewegung und überwiegend sitzende Tätigkeiten stellen weitere große Risikofaktoren dar.
Spezifisches oder unspezifisches HWS-Syndrom
In der Medizin wird hinsichtlich der Ursachen zwischen spezifischen und unspezifischen Ursachen unterschieden. Bei einem spezifischen oder auch pathomorphologischen HWS-Syndrom werden die Schmerzen durch sichtbare Veränderungen an den Wirbeln, Wirbelgelenken und Bandscheiben oder durch ein Schleudertrauma aufgrund eines Unfalls hervorgerufen.
Beim unspezifischen HWS-Syndrom hingegen sind keine anatomischen Schäden und Veränderungen sichtbar, d.h. der Arzt kann auf Röntgenbildern oder im MRT keine Veränderungen erkennen und trotzdem bestehen die teilweise starken Schmerzen im Nacken-Schulter-Armbereich, die unbehandelt mit der Zeit immer stärker werden können.
In diese Kategorie fallen die meisten Ursachen des HWS-Syndroms. Hier entstehen die Probleme am häufigsten durch Verspannungen der Muskulatur und Verklebungen der Faszien, bei denen es sich um unsere elastischen Teile des Bindegewebes handelt.
Weitere Ursachen und Auslöser für das HWS-Syndrom
Altersbedingte Verschleißerscheinungen der Wirbel (Arthrose), Entzündungen der Wirbelkörper (Spondylitis) und Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule, die viel seltener auftreten als im Bereich der Lendenwirbel, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises wie zum Beispiel die Rheumatoide Arthritis oder die Schmerzerkrankung Fibromyalgie, Tumoren und Metastasen in der Wirbelsäule sowie ein Schleudertrauma durch einen Auffahrunfall können ebenfalls für die Nackenschmerzen verantwortlich sein.
Solltest Du Deinen Kopf um fast 180 Grad drehen können, wird das Phänomen in der Medizin als Hypermobilität bezeichnet. Solche Verrenkungen durch überbewegliche Gelenke können ebenfalls das HWS-Syndrom hervorrufen.
Auch psychische Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung des unspezifischen HWS-Syndroms. Psychische Belastungen, Stress und Depressionen führen zu Verspannungen der Muskulatur im Halsbereich und rufen dann Nackenschmerzen und Co. hervor.
Im Umkehrschluss können aber auch chronische Beschwerden des HWS-Syndroms auf unsere Psyche schlagen und Depressionen auslösen. Insbesondere dann, wenn unsere Lebensqualität stark beeinträchtigt ist.
Ursachen des HWS-Syndroms im Überblick
- Einseitige Bewegung, Fehlhaltungen, Fehlbelastungen
- Angeborene Entwicklungsstörungen (Skoliose, Missbildung Wirbelkörper)
- Verspannung der Muskulatur im Halsbereich
- Degenerative Veränderungen (Arthrose der HWS)
- Bandscheibenvorwölbung, Bandscheibenvorfall (Prolaps) der HWS
- Verschleißerscheinungen (Osteochondrose, Sponylose)
- Psychische Belastungen, Stress und Depressionen
- Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (Fibromyalgie, Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew)
- Bakterielle Infektionen, Entzündungen der Wirbelkörper (Spondylitis)
- Tumoren und Metastasen an der Wirbelsäule
- Verletzungen (Frakturen), Schleudertrauma
- Hypermobilität
- Stoffwechselerkrankungen (Osteoporose)
Symptome und Begleitbeschwerden des HWS-Syndroms
Das Leitsymptom des HWS-Syndroms sind Nackenschmerzen im Bereich der Halswirbelsäule, die je nach Lokalisation in die Schultern, den Rücken oder Kopf ausstrahlen können. Typisch sind die ziehenden und brennenden Nackenschmerzen bis hin zur Nackensteife, die bis zum hinteren Kopf und zwischen die Schulterblätter ziehen.
Die Muskulatur verspannt und verhärtet sich, wodurch eine Art Schonhaltung eingenommen wird. Die unbewusst eingenommene Haltung wiederum sorgt für eine Verstärkung der Schmerzen und Verspannungen.
Kopfschmerzen und Migräne
Die Beweglichkeit des Kopfes ist durch ein HWS-Syndrom ebenfalls eingeschränkt, was zu Spannungskopfschmerzen führt, die sich über den Hinterkopf bis zur Stirn ausbreiten. Die Schmerzausstrahlung des HWS-Syndroms in den Kopfbereich nennen Mediziner zervikozephales Syndrom. Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Symptomen des HWS-Syndroms.
Werden die Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich nicht gelöst, können auch die Kopfschmerzen eine chronische Verlaufsform annehmen und Migräne-Attacken mit Schwindel, Übelkeit und Sehstörungen auslösen.
Tinnitus und Ohrensausen
Ein HWS-Syndrom kann auch lästiges Ohrensauen und Ohrgeräusche durch einen Tinnitus hervorrufen. Dazu kommt es in den meisten Fällen, wenn die Muskeln um die Wirbelkörper C1 und C2 verspannt sind.
Empfindungsstörungen, Taubheitsgefühle und Kribbeln
Werden die Nerven im Bereich der Halswirbelsäule gequetscht oder gereizt, z.B. durch einen Bandscheibenvorfall oder einem Schulter-Arm-Syndrom, können Empfindungsstörungen, Taubheitsgefühle, Ameisenlaufen und Kribbeln in den Armen bis zu den Händen auftreten.
Schwindel (Schwankschwindel)
Bei dem HWS-Syndrom mit Beschwerden im Nacken-Schulter-Armbereich leiden Betroffene auch häufig unter Schwindelanfällen. Es handelt sich meist um eine Art Schwankschwindel, der wenige Minuten oder mehrere Stunden anhalten kann und typischerweise durch Druck auf Nervenstränge, Fehlhaltungen, Verschleißerscheinungen oder Bandscheibenvorfällen verursacht wird.
Psychische Beschwerden, Depressionen
Bei einem chronischen HWS-Syndrom kann es sein, dass die Beschwerden trotz Behandlung nie gänzlich verschwinden. Je nachdem wie eingeschränkt die Beweglichkeit, Lebensqualität und der Alltag ist, können in schweren Fällen auch psychische Störungen wie Depressionen auftreten.
Symptomatik des HWS-Syndroms im Überblick
- Nackenschmerzen, Schulterschmerzen und Rückenschmerzen
- Ausstrahlende Schmerzen in Nacken, Kopf und Arme
- Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerzen), Migräne
- Verspannungen und Verhärtungen der angrenzenden Muskeln
- Eingeschränkte Beweglichkeit von Kopf und Nacken
- Nackensteifigkeit
- Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühle, Lähmungen
- Schwindel, Gleichgewichtsstörungen
- Ohrgeräusche, Tinnitus
- Sehstörungen
- Schlafstörungen
- Innere Unruhe
- Müdigkeit
- Psychische Störungen, Depressionen bei chronischem HWS-Syndrom
Wann solltest Du einen Arzt konsultieren?
Neben „einfachen“ Nackenschmerzen, die häufig nach wenigen Tagen wieder verschwinden, gibt es im Rahmen des HWS-Syndroms auch Symptome, die Du als Warnsignal wahrnehmen solltest.
Nackenschmerzen können nämlich auch als Begleiterscheinung schwerer Erkrankungen auftreten. Dazu gehören zum Beispiel neurologische Erkrankungen, Tumoren, Durchblutungsstörungen oder Infektionen.
Auch wenn die Beschwerden und Schmerzen in der Nacken-Schulter-Armregion trotz Therapie anhalten, immer wieder auftreten oder sich weitere Begleiterscheinungen (Schwindel oder Lähmungen) dazugesellen, solltest Du dringend einen (Haus-) Arzt konsultieren.
In folgenden Fällen wird empfohlen, einen Arzt aufzusuchen und die Ursachen abklären zu lassen. Der Hausarzt oder Orthopäde wird eine Diagnose stellen, Dich möglicherweise an einen Neurologen bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall überweisen und/ oder eine entsprechende Therapie schnellstmöglich einleiten.
HWS-Syndrom: Warnsignale im Überblick
- Unfälle, Verletzungen
- Lähmungserscheinungen
- Unsichere Gangart
- Gesteigerte (krankhafte) Reflexe
- Fieber
- Nächtliche Ruheschmerzen, unabhängig von Liegeposition
- Morgendliche Steifigkeit der HWS, die länger als eine Stunde andauert
- Schmerzen der Wirbel verstärken sich durch Husten
- Unklarer Gewichtsverlust
Welcher Arzt stellt die Diagnose und welche Verfahren werden dafür eingesetzt?
Leidest Du unter starken Nackenschmerzen und Verspannungen mit einer deutlichen Bewegungseinschränkung von Kopf, Nacken und Schulter, wird die erste Anlaufstelle entweder Dein Hausarzt oder ein Orthopäde sein, der die Diagnostik durchführt.
Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall mit neurologischen Beschwerden, bei Sehstörungen, Schwindel und Tinnitus wirst Du dann für weitere Untersuchungen in der Regel zu einem Neurologen überwiesen.
Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren
Für die Diagnose des HWS-Syndroms stehen den Ärzten unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Basis einer jeden Diagnose ist das ausführliche Erstgespräch, die Anamnese. Nach der Patientenbefragung folgen dann eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computer- und Magnetresonanztomografie (CT und MRT).
Anamnese: Spontanbericht des Patienten und Patientenbefragung durch den Arzt
Nachdem Du dem Arzt die Beschwerden beschrieben hast, wird er sich während der Anamnese außerdem danach erkundigen, wie lange die Beschwerden bestehen, wo genau sie aufgetreten und ob die Schmerzen plötzlich aufgetreten sind oder schleichend entstanden sind.
Auch wird der Arzt fragen, ob Du einen Unfall hattest, ob neurologische Symptome wie Gefühlsstörungen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungen bestehen und ob Du unter Begleitsymptomen wie Fieber, Nachtschweiß oder ungewollten Gewichtsverlust leidest.
Die psychische Situation spielt außerdem eine Rolle, denn auch Stress im Beruf oder Alltag, Depressionen und Ängste sowie familiäre Konflikte können zu Verspannungen führen und ein HWS-Syndrom auslösen.
Körperliche, klinische Untersuchung: Prüfung der Beweglichkeit und Funktionalität der Wirbelsäule
Im Anschluss an die Anamnese folgt die körperliche Untersuchung mit dem Fokus auf die Beweglichkeit der Gelenke, des Nackens, der Schulter und Arme, auf der Funktionalität der Wirbelsäule, auf Verspannungen und Verhärtungen der Muskulatur sowie druckschmerzhafte Stellen, um mögliche Blockaden ausfindig zu machen.
Der Arzt wird auch Deine Körperhaltung im Blick haben und besonders auf Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule achten.
Zudem werden Deine Kraft, Reflexe und Gefühlsempfinden in den Armen überprüft. Stellt der Arzt in diesem Bereich krankhafte Veränderungen fest, wird möglicherweise eine weitere Untersuchung beim Neurologen nötig.
Bildgebende Untersuchungen: Röntgen, CT und MRT
Ein weiterer Bestandteil der Diagnostik beim HWS-Syndrom sind verschiedene bildgebende Verfahren. Röntgenbilder oder Aufnahmen einer Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) können häufig die Diagnose sichern. Röntgenbilder zeigen Veränderungen der knöchernen Strukturen, wie zum Beispiel bei Verschleißerscheinungen (Arthrose) und Knochenbrüchen (Frakturen).
Der Vorteil eines MRTs ist, dass nicht nur die Knochen, sondern auch Muskeln, Sehnen, Bänder und Knorpel abgebildet werden können. Ein CT oder MRT kommt in der Regel zum Einsatz, wenn der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall oder Tumoren besteht.
Therapie des HWS-Syndroms: Welche Behandlungen stehen Dir zur Verfügung?
Die vielen Ursachen für das HWS-Syndrom zeigen sich entsprechend auf eine vielseitige Art und Weise. Für eine zielgerichtete, wirksame Therapie ist die Diagnose deshalb sehr wichtig. Liegen Grunderkrankungen, z.B. aus dem rheumatischen Formenkreis, Tumore oder Depressionen vor, richtet sich das Augenmerk der Behandlung darauf.
Liegt ein akutes HWS-Syndrom aufgrund anderer Ursachen vor, klingen die Beschwerden in der Regel innerhalb einiger Tage nach entsprechender Therapie ab.
Bei der Therapie des HWS-Syndroms kommen im Bereich der Schulmedizin folgende Maßnahmen für die Behandlung infrage:
- Medikamentöse Therapie: schmerzlindernde und entzündungshemmende Arzneimittel
- Nicht-medikamentöse Therapie: Bewegung, Wärme, Massagen und Physiotherapie mit Übungen zur Herstellung der Beweglichkeit
- Operationen und minimal-invasive Eingriffe
Medikamentöse Schmerztherapie beim HWS-Syndrom
Das Ziel der Therapie beim akuten HWS-Syndrom lautet: Schmerzen lindern, Entzündungen hemmen und Beweglichkeit wiederherstellen. Schmerzstillende und entzündungshemmende Arzneien lindern zunächst nur die Symptome, aber letztendlich nicht die Ursachen, weshalb begleitend oder im Anschluss nicht-medikamentöse Therapien sehr sinnvoll sind.
Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
Die bekanntesten schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamente sind Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac.
Schmerzlindernde Arzneien kannst Du zur innerlichen Anwendung in Form von Tabletten oder Säften einnehmen oder für die äußerliche, nebenwirkungsärmere Anwendung in Form von Salben, Gele oder Pflaster. Auch die Einnahme von Kortison-Tabletten ist möglich. Darüber hinaus kann der Arzt Dir entzündungshemmendes Kortison auch er Injektion verabreichen.
Schmerzmittel: Vorsicht Nebenwirkungen!
Schmerzmittel sollten nur mit Bedacht eingenommen werden, weil eine zu lange Einnahme teilweise schwere Nebenwirkungen hervorrufen kann. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, allergische Reaktionen sowie Leber- und Nierenschäden.
Nicht-medikamentöse Therapien beim HWS-Syndrom
Bei der nicht-medikamentösen Behandlung des HWS-Syndroms stehen folgende Maßnahmen im Vordergrund:
- Physiotherapie (Krankengymnastik, manuelle Therapien), Akupunktur zur Unterstützung
- Physikalische Therapie (Wärme-, Kälte-Anwendungen)
- Bewegung, sportliche Aktivitäten und Übungen zur Prophylaxe
Physiotherapie für mehr Beweglichkeit
Fester Bestandteil der nicht-medikamentösen Behandlung ist die Physiotherapie, mittels der Du die Beweglichkeit trainieren kannst. Während der Physiotherapie lernst Du durch Anleitung eines Physiotherapeuten verschiedene Übungen zur Dehnung, Mobilisation, Kräftigung und Aufbau der stützenden Muskeln oder zum Lösen verklebter und schmerzender Faszien. (Alle Informationen zum Thema Faszien und wie Du verklebte Faszien lösen kannst, gibt es hier.)
Diese Übungen solltest Du im Anschluss fest in Deinen Alltag integrieren und regelmäßig trainieren. Dadurch linderst Du Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule und beugst zudem einem schmerzhaften HWS-Syndrom vor.
Alternative Therapie: Akupunktur beim HWS-Syndrom
Leidest Du unter einem HWS-Syndrom mit Schmerzen in Schulter und Nacken, die in die Arme und Hände ausstrahlen, könnte eine Behandlung mit Akupunktur die Beschwerden lindern. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Akupunktur bei Schulterschmerzen, insbesondere als unterstützende Maßnahme zur Physiotherapie.
Physikalische Therapie: Wann tut Wärme und wann Kälte gut?
Es gibt allgemeine Regeln, wann Du die Beschwerden mit Wärme oder doch besser mit Kälte behandeln solltest.
Wärmeanwendungen wie z.B. warme Packungen (Fangopackungen), Wärmepflaster, Wärmflaschen, Rotlichtbestrahlung oder warme Bäder entfalten eine entspannende und entspannende Wirkung auf die Muskulatur und Gefäße, wodurch auch die Schmerzen gelindert werden.
Wärme kommt also vorzugsweise bei Verspannungen der Muskulatur im Bereich der Halswirbelsäule zum Einsatz sowie beim chronischen HWS-Syndrom durch altersbedingten Verschleiß.
Kälteanwendungen hingegen kommen eher bei akuten Schmerzen mit Schwellungen oder bei Entzündungen zum Einsatz. Dafür eignen sich Kühlpackungen, kühlende Umschläge und Eis oder kühlende Salben. Bei der Anwendung mit Eis besteht die Gefahr für Erfrierungen, wenn das Eis direkt auf die Haut gegeben wird.
Bewegung, sportliche Aktivitäten und Übungen zur Prophylaxe
Eine der häufigsten Ursachen und Risikofaktoren für das HWS-Syndrom sind mangelnde und monotone Bewegungen, Fehlhaltungen und Fehlbelastungen. Mit regelmäßiger Bewegung und sportlichen Aktivitäten wie Ausdauersport und gezieltes Krafttraining für den Bewegungsapparat, kannst Du Beschwerden der Halswirbelsäule lindern und ein schmerzhaftes HWS-Syndrom vorbeugen.
Vorbeugend und zum Aufbau der Rückenmuskulatur eignen sich Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen, Fahrradfahren, Nordic Walking sowie spezielle Gymnastikübungen für Schulter und Rücken. Wichtig für einen Muskelaufbau ist das regelmäßige Trainieren.
Wurde ein HWS-Syndrom diagnostiziert, hast Du wahrscheinlich zur Behandlung Physiotherapie verschrieben bekommen. Anhand der dort erlernten Übungen, kannst Du auch zu Hause den Bereich der Halswirbelsäule regelmäßig trainieren, damit gar nicht erst ein HWS-Syndrom in Zukunft entstehen kann.
3 leichte und effektive Übungen beim HWS-Syndrom für mehr Beweglichkeit
Mit diesen drei Übungen kannst Du den Bereich der Halswirbelsäule lockern, dehnen und Verspannungen lösen. Du kannst diese einfachen Übungen wunderbar zu Hause in den Alltag integrieren und im Sitzen oder Stehen durchführen. Wichtig ist, dass der Rücken währenddessen immer gerade ausgerichtet bleibt.
- Übung 1: Sitze aufrecht mit geradem Rücken und drehe den Kopf erst zur rechten Seite und führe dann mehrmals eine Nickbewegung aus. Danach drehe den Kopf zur linken Seite und wiederhole das Prozedere.
- Übung 2: Sitze aufrecht mit geradem Rücken und führe Dein Kinn in Richtung Brustbein. Jetzt drehe den Kopf zur rechten, dann zur linken Seiten. Wiederhole die Drehung mehrmals, als würdest Du den Kopf schütteln.
- Übung 3: Sitze aufrecht mit geradem Rücken und schiebe den Kopf so weit wie es geht nach vorne und nach hinten.
Gezielte Übungen zur Dehnung, Kräftigung und Mobilisierung von Nacken und Schultern erhältst Du hier:
Operationen und minimal-invasive Eingriffe beim chronischen HWS-Syndrom
Haben die konservativen Behandlungen, also die medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie beim HWS-Syndrom nicht zum erwünschten Erfolg geführt, stehen als weitere Möglichkeit Operationen oder minimal-invasive Eingriffe zur Verfügung.
Hierbei sollte immer genauestens abgewogen werden, wann eine stabilisierende Operation wie z.B. eine Versteifung der Gelenke oder der Einsatz einer künstlichen Bandscheibenprothese in Betracht kommt. Operationen als Therapieform sollten die letzte Option der Behandlung des HWS-Syndroms sein.
Operative Eingriffe können auch mittels Arthroskopie oder minimal-invasiver Injektionstherapie (MIT) mit Betäubungs- und Schmerzmitteln nötig werden, um die Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule zu beheben. Die MIT kommt hauptsächlich zum Einsatz, wenn Symptome wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen in Armen und Händen bestehen. Möglicherweise kann die MIT eine drohende, größere Operation vermeiden.
HWS-Syndrom: Was kannst Du selbst im Alltag gegen das Syndrom tun?
Die wichtigste Maßnahme im Alltag zur Vorbeugung und Linderung eines HWS-Syndroms mit Muskelverspannungen sind tägliche Übungen zur Stärkung, Mobilisierung und Dehnung der Muskulatur, Faszien und Bänder. Du kannst aber noch viele weitere Maßnahmen ergreifen, um die Beschwerden und lindern und vorzubeugen.
Die wichtigsten Tipps beim HWS-Syndrom für den Alltag im Überblick
- Optimale Schlafposition für den gesamten Rücken
- Homeoffice und Büro rückenfreundlich einrichten
- Entspannungstechniken lernen und Stress reduzieren
- Massagen für Rücken, Schulter und Nacken
Sorge für eine optimale und gesunde Schlafposition
Die Art und Weise, wie wir uns betten und schlafen, spielt eine zentrale Rolle für unseren Rücken und Nacken. Neben einer hochwertigen Matratze für eine gute Schlafqualität, sorgen auch spezielle (Nacken-) Kissen dafür, dass die Muskulatur der Halswirbelsäule während der Nacht nicht verspannt. Kleine, feste Kissen oder spezielle Nackenkissen geben einen besseren Halt und reduzieren Verspannungen.
Ergonomischer Arbeitsplatz für ein rückenfreundliches Homeoffice oder Büro
Die rückenfreundliche Einrichtung eines ergonomischen Arbeitsplatzes ist eine weitere wichtige Maßnahme und tut dem gesamten Rücken gut. Im Idealfall arbeitest Du an einem höhenverstellbaren Schreibtisch, achtest auf eine aufrechte Sitz- oder Stehhaltung mit hüftbreiten Beinen.
Weitere wichtige Faktoren sind außerdem der Abstand zum Bildschirm (mindestens 50 cm) und ergonomische Computermäuse und Tastaturen. Zum Telefonieren solltest Du statt mit einem normalen Telefonhörer besser ein Headset verwenden.
Entspannungstechniken lernen und Stress vermeiden
Stresszustände, psychische Belastungen und Anspannung im Alltag können zu Verspannungen im HWS-Bereich führen und Schmerzen verursachen. Hier hat sich das Erlernen von Entspannungsmethoden bewährt, z.B. Verfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training, Yoga oder Meditation.
Volkshochschulen, Sportvereine und Fitnesseinrichtungen bieten Kurse zum Erlernen an. Zu Hause solltest Du die Methoden dann regelmäßig praktizieren.
Massagen: Verspannungen lösen und Schmerzen lindern
Muskulären Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, kannst Du auch mittels sanfter Massagen lindern. Massagen wirken durchblutungsfördernd, verbessern die Beweglichkeit und entspannen die Muskulatur.
Für eine Selbstmassage eignen sich Tennis- oder Faszien-Bälle, mit denen Du gezielt Druck auf die schmerzhafte Stelle ausüben kannst. Lehne Dich dafür gegen die Wand und übe Druck, indem Du den Ball über verspannte Regionen rollst.
Weitere Tipps für den Alltag und die besten Hausmittel bei Nacken- und Schulterbeschwerden gibt es hier.