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Es begann wie bei den meisten Kindern mit der Blockflöte. Ich war jedoch nie ein musikalisches Talent, aber ich liebte die Musik. Aus mir wurde nie ein reproduzierender Musiker. Ich blieb ein Geniesser. Ich liebte und genoss den Dixieland, die Pop-Musik und vorallem die klassische Musik. Mit der Volksmusik und dem richtigen Jazz konnte ich hingegen nie etwas anfangen. Die klassische Musik genoss ich vorallem im Konzertsaal und dem Theater, während ich die Pop-Musik eher als Hintergrundmusik ab Radio oder aber CD genoss.
Für jedes Kind gehört die "Blockflöte" zum Erziehungsprogramm. In der Tat ist es eins der am leichtesten erlernbaren Instrumente. In meiner Erinnerung blieb leider die Aufforderung "Zeig doch Maxli, was Du gelernt hast!" haften. Ich erinnere mich an meine Auftritte an Weihnachten mit "Stille Nacht" und "Oh Du Fröhliche" begleitet von meinem Vater auf dem Klavier. Später kam dann meine Schwester Christeli, so riefen wir sie während ihrer Kinderzeit, noch dazu. Ich weiss, es gibt Kinder, die produzieren sich gerne. Bei mir war dies nie der Fall. Das Schlimme dabei war, dass wir immer zuerst etwas leisten sprich vorspielen mussten, bevor wir endlich "d'Gschänggli" aufmachen durften. So wurde die Musik zu einer Pflicht, die ich schnell hinter mich bringen wollte.
Mein Vater konnte sehr gut Klavier spielen. Er konnte auch improvisieren, d.h. ohne Noten spielen. Er war unbestritten musikalisch, denn er betreute nebenbei einen grossen Männerchor als Dirigenten. Ich bewunderte ihn wegen seinr Musikalität. So kam es, wie es kommen musste: Nicht nur schulisch sollte ich etwas werden, sondern auch musikalisch. Auswahl gab es keine. Es musste Klavier sein.
So wurde ich in meiner Primarschulzeit zu einem alten Klavierlehrer, einem der alten Schule, der nebenbei auch den Männerchor St. Johann dirigierte, geschickt. Dies war genügend Referenz für meine Eltern. Als Dirigent eines grossen Männerchores muss er gut sein! Er vertrat die "alte Schule", d.h. bevor man ein schön klingendes Stück oder sogar einen Ohrwurm spielen durfte, mussten die Grundlagen, das Handwerkszeug geübt werden: Etuden und Fingerübungen aufwärts und abwärts. Ich kam nie über diese Uebungsphase hinweg und kann mich nicht erinnern, dass ich je einen Ohrwurm resp. Schlager spielen durfte.
Neben meiner schulischen Aufgaben sollte ich zusätzlich täglich 30 Minuten üben Ich übte nicht viel. Der doppelte Druck "schulisch " und "musikalisch" war mir zu gross. In der wöchentlichen Klavierstunde riss ich mich zusammen und konnte es "so-la-la". Mein Lehrer sagte immer "Der Max hat Talent, aber er will nicht". Dieses Martyrium dauerte so lange, bis ich auf meinem Wunschzettel für Weihnachten schrieb "Ich möchte nicht mehr in die Klavier-Stunden".

Max beim Orgelspiel (1986)
Singen war nie meine Sache. In der Schule hatten wir Sing-Unterricht, den ich glücklicherweise nach meinem Stimmbruch nicht mehr besuchen musste. Später in der Kirche, wenn es galt Choräle und Kirchenlieder zu singen, musste ich ab der 2. Strophe immer gähnen und nach Luft schnappen, da ich eine falsche Sing-Technik hatte. Desgleichen an Weihnachten, wenn es galt die wirklich schönen Weihnachslieder zu singen. Als Papi mit eigener Familie habe ich mich mit CD's beholfen, die über die Stereo-Anlage die echte Weihnachts-Stimmung brachten.
Erstaunlicherweise hatte ich keine Atemprobleme im Militär und im trauten Freundeskreis, wenn es galt Studenten- und Trinklieder sowie Wanderlieder zu singen. Vielleicht weil es dabei nicht so ernst zuging?
In Thailand erlebte ich dann einen letzten und einsamen Höhepunkt in meiner Gesangs-Karriere. Ich wagte mich ins "Karaoke-Fach". Dabei singt man erstens vor Freunden oder anderen Zuhörern, und zweitens mit Hilfe des Computers, der die Melodie über Lautsprecher abspielt und auf dessen Bildschirm man den Gesangstext ablesen kann. Ich wagte mich an manche berühmten internationale Titel wie "Massachusetts" von den Bee-Gees oder "Let it be me" von den Everly Brothers aus dem Jahre 1960. Für die Thais ist Karaoke kein Gesangswettbewerb. Es ist für sie ein Zeitvertreib mit Freunden. Sie mögen Gesang und freuen sich, wenn jemand auf die Bühne geht und singt. Auch wenn dieser wie ich viele Töne nicht erwischt und es oft schräg tönt. Keiner würde je lachen über einen anderen.
Wer erinnert sich nicht an die berühmte "Dutch Swing College Band", oder das "Hazy Osterwald Sextett", oder "Mr Acker Bilk" und "Chris Barber Jazz Band". Deren Konzerte im Stadt-Casino oder auf der Kunsteisbahn habe ich regelmässig besucht. Als ich mit Silvia zusammen war, ging ich sogar einmal mit ihren Kindern ans Konzert der "Kelly Family" in der Sportshalle Basel.
Während meiner Zeit als Lehrling bei Ciba als ich Landhockey spielte, hat beim Jahresfest immer der Sohn unseres Präsidenten Peter Schwalm mit seiner "Savannah Junkmen" zum Tanz aufgespielt. Er war zu der Zeit einer der berühmtesten Jazz-Trompeter der Schweiz und gewann mehrmals das Zürcher Jazz-Festival. Ich war damals ein grosser Peter Schwalm-Fan.
In diesen Zeit war ich oft im "Atlantis" anzutreffen, einem Café für die spät-pubertierende Jugend. Dort trafen sich Mädchen und Jungens bei einem Glas Coca Cola und entsprechender Life-Musik. Ich kann mich noch gut an den legendären Bob Azzam erinnern, als er dort auftrat.
Mein letzter gosses Pop-Konzert war das vom 4. März 2009 von "Rod Stewart" in Bangkok . Pat hatte mich dazu eingeladen. Ein grossartige Ueberraschung. Es war einmalig, wie die gesangesfreudigen Thais bei jedem seinr unzähligen Hits mitsangen. Man spürte es Rod Stewart an, diese Euphorie war er nicht gewohnt.
"Eine kleiner Nachtmusik" und das "Forellen-Quintett" sind die beiden klassischen Musikwerke, an die ich mich aus meiner Kinder- und Jugendzeit erinnern kann. Mein Vater hatte nämlich aus dem Nachlass eines Zahnarztes Dr. Wouters mehrere 78-Touren-Langspielplatten übernehmen können. Auf einem uralten Plattenspieler mit Metallnadeln habe ich stundenlang die klassischen Werke, die damaligen Schlager wie z.B. "In einer kleinen Konditorei" oder Märsche wie den "Radetzki-Marsch" oder Aufnahmen vom grossen Tenor Enrico Caruso abgespielt.
Mein erstes Live-Konzert "Forellen Quintett" erlebte ich im Hum. Gymnasium. Ich glaube, es fand in der Martins-Kirche statt. Es war ein unvergessliches und einprägendes Erlebnis. Daraufhin hat mein Vater das ganze Werk des "Forellen-Quintetts" auf modernen Schallplatten der Deutschen Grammophon-Gesellschaft gekauft. Dies war damals ein teurer Spass, denn auch der Plattenspieler für 33 Touren musste neu gekauft werden.
Nach der Pubertät habe ich meine Interessen an klassicher Musik verschüttet, bis im Jahre 1990 Ruth W., eine meiner ersten Freundinnen nach der Scheidung, mich wiederum für klassiche Musik motivieren konnte. Sie war ein Musik-Fan durch und durch. Sie nahm mich mit ins Theater und an klassische Konzerte. Sie konnte es nicht verstehen, dass ich nie ein Konzert oder eine Oper besucht habe, obwohl ich mit Bogdan Ulaga einen Berufsmusiker zu meinen Freunden zählte. Er spielte bei den 1. Geigen im ehemaligen "Radio-Symphonie-Orchester" und dem heutigen"Basler-Symphonie-Orchester". In der Folge war ich regelmässiger Gast im Casino-Musiksaal und der Opernbühne des Theater Basel.
Ich habe unzählige Opern miterlebt, manche auch mehrmals. Bald kannte ich auch die berühmte Türe, um in die Theater-Kantine zu gelangen, wo sich die Künstler in der Pause trafen. Unvergesslich meine Silvester-Konzerte und -Vorstellungen mit meinen Freunden im Stadt-Casino oder im Stadt-Theater, bevor man dann zu mir nach Hause ging und den Jahreswechsel feierte. Manch einer wurde duch mich zu einem Musik-Fan.
Im 1991 erlebte ich zwei grosse musikalische Höhepunkte: Im Sommer die monumentale Aida-Aufführung in den Caracalla-Thermen in Rom mit echten Elefanten, Pferdewagen und über 700 Statisten und im November ein grosses Gala-Konzert des unvergesslichen Yehoudi Menuhin mit den London-Philharmonikern in Basel.
Und schlussendlich habe ich zusammen mit Evelyne R. am 3. Juli 2004 im Amphitheater in Pula ein Abschiedskonzert von Luciano Pavarotti miterlebt. Es war auch mein Abschiedskonzert, denn fortan sollte ich die Theater-Saison mehrheitlich in Thailand verbringen. Dort besuchte ich zwar auch ein Konzert in Bangkok, aber es blieb beim einen Mal, denn der Aufwand für die Hin- und Herfahrt war doch etwas gross.
Es blieb jedoch trotz meiner fehlenden Musikalitt immer mein Traum, ein Musik-Instrument spielen zu können. Im späteren Alter von über 40 Jahren habe ich mich an diesen Traum gewagt und kaufte mir Mitte der 80er-Jahre eine elektronische Orgel der Marke Technics U90. Sie kostete etwa Fr. 8'000.--. Das besondere war, dass ich beim Verkäufer (Walter Bernstein, Grienstr. 15, 79576 Weil am Rhein) Orgel-Stunden nahm. Walter Bernstein war ein ehemaliger Berufs-Musiker (Handorgel und Orgel) und einmal im Monat trafen wir uns bei Musik, Kuchen und Tee in seiner Wohnung. und übten Akkord-Griffe, Melodien, Schlager, Schnulzen, aber auch tolle Beatles-Melodien wie "Yesterday" oder die Musical-CATS-Melodie "Memory".
Der Vorteil einer elektronischen Orgel ist, dass es sofort nach etwas tönt und ich für die Umgebung lautlos mit Hilfe eines Kopfhörers üben konnte. So musste niemand unter meinen Fehlern leiden. Ich habe schöne Fortschritte gemacht, aber fehlerfrei konnte ich nie spielen. Ich habe mich immer vertippt. Ich konnte nie im Takt mit dem eingebauten Schlagzeug spielen. Ich war immer zu schnell oder zu spät. Während der Scheidungswirren habe ich mit der Musik aufgehört und die Orgel im Jahre 2001 verschenkt.

Autobiografie von Max Lehmann

Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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