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Heilige
Allianz (Heiliger Bund), der Bund, welcher nach der zweiten Besiegung Frankreichs vor der Unterzeichnung des zweiten Pariser Friedens von den drei Monarchen Rußlands, Österreichs und Preußens [* 2] bei ihrer Anwesenheit in Paris [* 3] ohne amtliche Vermittelung ihrer Minister geschlossen wurde. Man ging dabei von der Idee eines großem Fürstenbundes aus, in welchem die Grundsätze des Christentums als das höchste Gesetz des Völkerlebens gelten sollten.
In der darüber abgefaßten Urkunde erklärten die drei Monarchen, daß sie sich sowohl in der Regierung ihrer Staaten als in ihrer auswärtigen Politik zu den christlichen Prinzipien der Gerechtigkeit, der Milde und des Friedens bekennen, daß sie daher nach der Forderung der Heiligen Schrift durch die Bande einer wahren und unzertrennlichen Brüderschaft vereinigt bleiben und in jedem Fall einander Hilfe und Beistand leisten, auch gleichsam als Familienväter ihre Unterthanen u. Heere in demselben brüderlichen Geist leiten wollten und als Vertreter der drei Hauptformen der Einen christlichen Religion der Überzeugung lebten, daß die christliche Erde in der That keinen andern Herrn habe als denjenigen, dem allein die Macht gebührt, nämlich Gott und den Erlöser.
Von bestimmten Leistungen der Stifter des Bundes war nirgends die Rede. Am Schluß der Urkunde ward noch der Wunsch ausgesprochen, daß alle christlichen Souveräne Europas der Allianz beitreten und die Grundsätze derselben zu den ihrigen machen möchte. Demgemäß wurde der Sultan nicht zum Beitritt aufgefordert, aber auch der Papst nicht, dem man wohl eine Allianz mit schismatischen und ketzerischen Fürsten nicht zumuten mochte. Die meisten Fürsten traten bei, nur der Prinz-Regent von England nicht, weil die englische Verfassung eine bloß persönliche Verpflichtung des Staatsoberhauptes nicht zulasse.
Die erste Anregung der
Heiligen Allianz ging von
Kaiser
Alexander I. aus, der mitunter zu
Schwärmerei und überspannter religiöser
Empfindung geneigt war. Eine reaktionäre, freiheits- und volksfeindliche
Tendenz lag ihr ursprünglich fern. Die spätere
Wirksamkeit des
Bundes auf das äußere und innere Staatsleben während der sogen. Restaurationsepoche
bestand allerdings darin, daß durch eine gemeinsame
Kongreß- und Interventionspolitik nicht nur die
Revolution, sondern auch
die
Ausbildung freiheitlicher
Institutionen verhindert wurde. Diese Unterdrückungspolitik ging aber weniger von Rußland als
von dem österreichischen
Minister
Metternich aus. Die griechische und belgische
Frage und andre Ereignisse
haben dann bald den
Bund der
Souveräne vollkommen gelockert.