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Der Schweizerhof ist das erste Grandhotel Luzerns. Durch seine über 150 Jahre währende Entwicklungsgeschichte ist der Komplex ein gewachsenes Baudenkmal und Abbild eines Prozess, als Hotelbetrieb ebenso wie als historisches Gebäude im Stadtraum.
Über Dependancen, Ökonomiegebäude und Säle verwob sich das 1845 eröffnete Haus am Vierwaldstättersee mit dem Stadtgefüge und wuchs an die Altstadt heran. An der empfindlichen Nahtstelle zwischen dem Massstab des Stadtkerns und dem der monumentalen adeligen Stadtpalais am Quai beabsichtigte der Hotelier im Zuge einer umfassenden Modernisierungsmassnahme einen neuen Baukomplex zu setzen. Unter Erhalt des Erscheinungsbilds zum See und durch Abbruch von An- und Nebenbauten sollte hinter dem Haupttrakt ein Tagungszentrum und ein Einkaufsmarkt der Migros AG errichtet werden.
Als eine Machbarkeitsstudie 1994 den Erhalt und die Renovierung bedeutender historistischer Säle als ökonomisch nicht vertretbar eingestufte, entfachten Denkmalpflege und eine Bürgerbewegung eine Kontroverse. Eine Lösung erhoffte man sich durch einen 1995 an fünf Architekturbüros vergebenen Studienauftrag.
Der Entwurf von Diener & Diener strukturiert das vorgegebene Bauprogramm um. Dadurch bleibt der asymmetrisch zum Hotel gelegene Saalbau von Leonhard Zeugheer bestehen, neben ihm wird ein freistehender Hallenbau für den Einkaufsmarkt der Migros angeordnet. Die neue Klubschule der Migros (anstelle des Tagungszentrums in das Programm aufgenommen) fügt sich städtebaulich als Kopfbau an den Ostflügel des Hotels. Ihr dunkel eingefärbter Kunststein lässt die Massivkonstruktion einfach und wertvoll erscheinen.
Über einen offenen Hof werden das Hotel und die Grossbauten der Migros mit dem Stadtraum fliessend verzahnt. Der räumlich und konstruktiv vom Schweizerhof losgelöste Einkaufsmarkt öffnet sich giebelständig zur Innenstadt. Sein dreischiffiges Äusseres greift auf den Typus der Basilika oder Markthalle zurück und korrespondiert mit der Form der direkt benachbarten neugotischen Mätthäuskirche. Eine Skelettkonstruktion aus Stahlbeton ermöglicht Grossräumigkeit im Inneren. Trotz seiner kraftvollen Grösse scheint der Solitär zurückzustehen und in seiner monumentalen Schlichtheit zwischen den ungleichen Nachbarn zu vermitteln. Die Hülle aus geschosshohen oxydierten Kupferplatten und wenigen aussenbündigen Fenstern bildet einen Hintergrund für den Kirchplatz und den Hofraum der Hotelanlage.
Die Verlegung der gesamten Versorgungslogistik in den Untergrund verleiht den Neubauten eine unvermittelte Präsenz im Stadtraum. Das Wegnehmen von Bestehendem und das Hinzukommen von Neuem konturiert den Bestand und schafft zugleich einen neuen Ort. Die Regeln hierfür sind im Bestand angelegt. Wie die grosszügigen Erweiterungen des 19. Jahrhunderts gewichten auch Diener & Diener die Komposition Schweizerhof um. Aus der Begegnung mit neuen Räumen und Körpern entsteht ein neues Ganzes, in dem das Bestehende und das Hinzugekommene ihren Platz behaupten.
Die Planung bewog den Hotelier, im neuen Saalbau kein hoteleigenes Tagungszentrum einzurichten, sondern die hotelunabhängige Weiterbildungseinrichtung der Migros, den Zeugheer-Saal hingegen durch die verbesserte Stadtraumsituation als einen Veranstaltungsraum mit Foyercharakter zu nutzen.
Wettbewerb: 1. Preis, 1995
Datum: 1995—2000
Auftraggeber: Migros Genossenschaft, Hotel Schweizerhof
Ort: Schweizerhofquai, Luzern, Schweiz
Bruttogeschossfläche (BGF): 11.750 m² (Gebäude Hertensteinstrasse Migros-Markt), 3.750 m² (Migros Klubschule in Schweizerhofquai), 10.850 m² (Parking), 2.800 m² (Gebäude Töpferstrasse Migros, Klubschule)
Programm: Hotel, Supermarkt, Klubschule
Bauingenieur: Bucher Diller Ingenieurunternehmung, Schubiger Bauingenieure
Technische Gebäudeplaner: Aicher, de Martin, Zweng
Landschaftsarchitekt: Stefan Koepfli
Klubschule Migros Farbschema: Peter Suter
Fassadenplaner: Mebatech