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Dimitri Tiomkin Screen Archives Entertainment SAE-CRS-022 CD 1: 45:44/17 Tracks CD 2: 50:24/12 Tracks Limitiert auf 1500 Stk.
Edmund Rostands Schauspiel über den unglücklich verliebten Poeten mit der langen Nase feierte im Jahre 1897 seine Uraufführung, und bereits drei Jahre später folgte die erste von zahlreichen Verfilmungen, unter denen die bekannteste und beliebteste jene mit Gérard Depardieu und der tollen Musik von Jean-Claude Petit sein dürfte.
Obwohl es sich bei Hollywoods 1950er-Version um eine Major Production handelte, musste Produzent Stanley Kramer mit einem bescheidenen Budget von gerade mal 800’000 Dollar sehr haushälterisch umgehen. Daher findet man auf der Besetzungsliste mit Ausnahme von Jose Ferrer ‒ der den Cyrano schon erfolgreich am Broadway gespielt hatte ‒ kaum bekannte Namen und auch der Plan, in Farbe zu drehen, musste fallengelassen werden. Aber immerhin bei der Musik liess sich Kramer nicht lumpen und leistete sich mit Dimitri Tiomkin den Komponisten seines Vertrauens.
Cyrano de Bergerac spielt im Frankreich des 17. Jahrhunderts und damit in einer Epoche, für die Tiomkin selten die Gelegenheit hatte zu schreiben. Entsprechend engagiert ging er die Sache an, erforschte ausgiebig die Musik jener Zeit, um passende Klänge zu finden und setzte bei authentischen Klangkörpern nebst dem Cembalo auf nicht mehr so gebräuchliche Instrumente wie Serpent und Tanzmeistergeige.
Trotz der akribischen Vorbereitung, die sich vor allem in den zahlreichen romantischen und lyrischen Passagen in kammermusikalisch leichter Spielweise niederschlägt, liess sich Tiomkin aber nicht auf dieses relativ enge stilistische Korsett einengen, sondern wählte für den dramatischen Bereich ‒ insbesondere für die Schlachtszenen im zweiten Teil ‒ dann eine deutliche modernere Tonsprache. Dies gereicht dem Gesamtbild jedoch keinesfalls zum Nachteil, denn die verschiedenen Ansätze ergänzen sich hervorragend.
Zu den hervorzuhebenden Merkmalen des gediegenen Scores gehören: korngold’sche Blechfanfaren, für den Komponisten typische Fugen, ein reizendes Thema für Roxane, ein nicht minder einnehmendes für Cyrano, das im folkloristischen Spiel der Sologitarre besonders hübsch zur Geltung kommt.
Vom Aufbau interessant ist das von Cembalo, Flöte, Englischhorn und Streichern dominierte, romantische Herzstück A Pair of Suitors, das zwischen pastoraler Gartenstimmung, den wechselnden Emotionen von Cyrano und Christian und deren instrumental imitierten Stimmen hin und her pendelt. Letzteres geschieht mit augenzwinkerndem Humor und geht teilweise in den Bereich des mickey mousing, welches wir auch anderweitig, beispielsweise bei The cuckolden Count, finden.
Aus bereits erwähnten Budgetgründen war es nicht möglich, spektakuläre Schlachtszenen zu drehen, aber Tiomkin kompensiert dies mit den harschesten Elementen des Scores. Für eine Sequenz kreierte er gar vier sich überlagernde Tonspuren, bestehend aus einem wahren Arsenal von Percussion wie Glocken und Kochtöpfen sowie reinen Klangeffekten. Leider wollten die CD-Produzenten Ray Fiola und Craig Spaulding uns diesen «Angriff aufs Gehör» nicht zumuten, und so gibt es die getrennten Effektspuren nur auf einem Bonustrack. Zumindest ebenfalls als Bonus hätte ich mir die Gesamtkonzeption dieser für die damalige Zeit zweifellos progressiven Musik denn aber doch gewünscht.
Das ist der einzige Kritikpunkt an dieser ansonsten tadellosen Veröffentlichung des kompletten Scores, der abgesehen von einer 1995 eingespielten Suite von Lawrence Foster mit dem Rundfunk Sinfonieorchester Berlin für die RCA-Serie «100 Jahre Filmmusik» nun zum ersten Mal überhaupt erhältlich ist. Der Klang geht angesichts des Alters der Aufnahmen absolut in Ordnung, und den wahren Liebhaber werden auch kleinere Nebengeräusche nicht abschrecken. Das Booklet ist in Sachen Gestaltung lehrbuchhaft, aber so umfangreich, dass sich die Jewel-Box nicht mehr richtig schliessen lässt. Aber auch das mindert die Freude an dieser absolut empfehlenswerten Edition nicht im Geringsten.
Andi, 13.2.2011