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Swiss Organ Living-Donor Health Registry SOL-DHR/SNO
ENTWICKLUNG DER NIERENLEBENDSPENDE
Die Idee, kranken Menschen mit schweren Organschäden ein funktionierendes Spenderorgan einzusetzen, ist ein jahrhundertealter Traum der Menschheit.
Im Jahr 1954 erfolgte die erste Nierentransplantation durch eine Lebendspende. Der Chirurg Joseph Edward Murray transplantierte einem schwer nierenkranken Patienten die Niere seines eineiigen Zwillingsbruders. Die Operation war lebensrettend, denn die Dialyse war damals nicht verfügbar und Patienten mit chronischem Nierenversagen verstarben.
Die erste erfolgreiche Nierenlebendspende in der Schweiz wurde im Jahr 1966 durch Ake Senning und Felix Largiadèr im Kantonsspital Zürich durchgeführt. Ende der sechziger Jahre wurde Basel unter der Leitung von Gil Thiel rasch zu einem national und international führenden Zentrum der Nierentransplantation.
Durch die moderne Intensivmedizin mit Immunsuppression war es nachfolgend auch möglich, Organe von verstorbenen SpenderInnen zu entnehmen und zu transplantieren.
Die Spende von Verstorbenen war bis Anfang der neunziger Jahre die häufigste Art der Nierentransplantation.
Die zunehmenden Erfahrungen mit der Lebendspende belegten, dass das Risiko für die SpenderInnen vertretbar ist. Gleichzeitig waren die Resultate nach Lebendnierentransplantation deutlich besser als bei der Spende von verstorbenen Organspendern. Diese positiven Ergebnisse und der zunehmende Organmangel führten zu einem massiven Anstieg der Lebendnierentransplantationen. Im Jahr 2003 war in der Schweiz erstmals die Zahl der LebendspenderInnen grösser als die von verstorbenen Organspendern.
Mit dem Anstieg der Nierenlebendspende wuchs die Verantwortung der Transplantationszentren gegenüber den Spendern. Bevor eine gesunde Person zur Nierenspende einwilligt, sollte sie objektiv über die Kurz- und Langzeit-Risiken des Eingriffs informiert werden. Art und Häufigkeit der Risiken mussten aber erst erfasst werden, damit die Informationen belegt werden konnten. Wer eine Niere gespendet hat, sollte ausserdem kostenlose und regelmässige Gesundheitsnachkontrollen erhalten, um gesundheitliche Risiken für die verbliebene Niere frühzeitig erkennen und behandeln zu können.
Um diese verschiedenen Forderungen umzusetzen, gründete Gil Thiel im April 1993 das Schweizer Organ Lebendspender-Gesundheitsregister (SOL-DHR, Swiss Organ Living-Donor Health Registry). Es war weltweit das erste Gesundheitsregister dieser Art.
SOL-DHR dient vor allem dem Schutz der Spender. Alle Personen, die ab April 1993 eine Niere gespendet hatten, wurden ins Register aufgenommen und regelmässig medizinisch nachbetreut. Im Jahr 2008 wurden auch die Leberlebendspender ins Register integriert.
Das Lebendspender-Gesundheitsregister verfolgt drei Hauptziele:
1. Früherkennung allfälliger Probleme nach Spende,
2. Meldung an SpenderIn und Hausarzt, falls solche erkennbar werden.
3. Analyse der Risiken nach Lebendspende.
Die Informationen, die bis vor der Gründung von SOL-DHR zukünftigen SpenderInnen gegeben werden konnten, beruhten auf Erfahrungen von PatientInnen und Nephrologen mit LebendspenderInnen. Mit den Erkenntnissen aus den Analysen der über 20jährigen Datensammlung kann SOL-DHR künftige Spender und behandelnde Ärzte über Aspekte der Nierenlebendspende optimal beraten.
Siehe auch Lebendspenderbroschüre 2015, 4. Auflage.