Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03448.jsonl.gz/1509

Albanien ist für uns Schweizer nicht das erste, zweite oder dritte Land, welches uns zum Thema Wein, in den Sinn kommt, dabei hat Albanien auch eine lange Weinbau Geschichte. Herr Memedi importiert und vertreibt Wein aus Albanien. Ich habe Ihm 10 Frage über das Thema Wein in Albanien gestellt.
-
Wie sind Sie dazu gekommen Albanischen Wein in die Schweiz zu Importieren?
Wein ist schon länger eine Leidenschaft von mir. In Albanien haben wir gute Freundschaften, unter anderem auch aus Berat, die Stadt, aus welcher unsere Weine herkommen. Berat nennt man auch die Stadt der 1000 Fenster.
Vor etwa zwei Jahren besuchten meine Eltern dort ihre Freunde. Sie hatten die Möglichkeit bei der Winzer Familie çobo die Kellerei zu besichtigen und eine Degustation zu geniessen. Während einem Gespräch hatten der eine Winzer und mein Vater die Idee. Ich sollte den Wein in die Schweiz importieren und hier unsere albanischen Weinkünste vorstellen und bekannt machen. Den Wein kannte ich selber bereits, also wurde ich rasch von der Idee überzeugt. Es gab mehrere Gespräche, welche über ein Jahr lang dauerten. Danach war es eine Sache der Organisation. Und so geschah es, wir haben uns schlussendlich entschlossen Ende 2015 den Wein zu importieren und hier eine unbekannte Nische abzudecken.
-
Können Sie mir was über die Geschichte des Weinbau in Albanien sagen?
Der Weinbau in Albanien kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die Region des Heutigen Albaniens dürfte eines der wenigen Rückzugsgebiete der Rebe während der Eiszeit gewesen sein. Schon in vorrömischer Zeit und vor der griechischen Kolonialisierung wurde hier Wein gekeltert: Die Illyrer Produzirten währen der Etrukisch-Illyrischen Vitikultur bereits im 8. Jahrhundert v.Chr. Wein unabhängig von den Nachbarvölkern. Die ältesten gefundenen Samen in der Region sind 4000 bis 6000 Jahre alt. Diverse historische Abbildungen darunter solche aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. und das Mosaik im Baptisterium von Butrint aus dem 6. Jahrhundert zeugen von der Gesellschaftlichen Bedeutung des Weins. Der Wein wurde primär im Inland konsumiert.
Unter der Herrschaft der Osmanen erlebte der Weinbau einen Niedergang, konnte sich aber zumindest in einigen christlich dominierten Gebieten halten. Nach der Unabhängigkeit gewann der Weinbau rasch an Verbreitung.
Als aber 1945 in Albanien eine kommunistische Regierung etabliert oder Übernahm der Staat die Weinberge. Viele Familientraditionen hörten auf zu existieren, Privatunternehmen wurden unter dem neuen Regime verboten. Glücklicherweise ist aber diese wertvolle Tradition durch die Erzählungen und Erinnerungen von älteren Mitgliedern am Leben erhalten blieb. Viele Weinberge wurden zerstört oder verlassen. Erst allmählich begann Ende der 1990er Jahre einzelne Bauern wieder mit dem professionellen Weinanbau, so dass heute im Inland wieder einheimische Weine erhältlich sind. Um den hohen Bederf der Rebstöcken decken zu können, wurden aber vor allem aus dem nahen Ausland importierte Sorten angebaut wie Merlot, Cabernet und Pinot Noir
-
Können Sie mir was über die Weinregionen sagen, gibt es mehrere und wenn ja, was unterscheidet Sie?
Albanien hat spezifische Regionen von Weinbauten, die sich durch folgende Faktoren unterscheiden:
- Höhe über dem Meeresspiegel
- geografischer Raum
- Höhenlage und Position der Erde
- Entfernung zum Meer sowie die Meeresluftströmungen
Diese Abhängigkeit der Faktoren hat verschiedene Regionen mit unterschiedlichen Sorten, Reife, Säure, Aromen, Farben und pH-Werte für Most und Wein geschaffen. Folglich gibt es unabhängig von den technologischen Prozessen Wein mit unterschiedlichen Merkmalen.
Unter Berücksichtigung der Höhe über dem Meeresspiegel gibt es zwei Regionen. Das Becken des Shkodersees von 9 bis 250 m über dem Meeresspiegel und See von Pogradec von 700 bis 900 m über dem Meeresspiegel.
- Südost-Regionen, Leskovik, Korca, Devoll. Diese sind frische Regionen mit verspäteter Vegetation und Reife. Eine gute Region für Sorten wie die Serine und Debine.
- Südliche Regionen, Saranda, Gjirokastra, Permet, Tepelena, sind tiefe Zonen mit früher Vegetation und Reife.
- Region von Vlora, Fier, Lushnja und Berat. Diese habe eine moderate und leichte Wirkung durch das Meer mit durchschnittlicher Vegetation und Reife sowie einem hohen Anteil an Zucker und Farbintensität.
- Region von Durres, Kavaje, Tirana. Auch diese Region hat eine Wirkung durch das Meer, aber im Gegensatz zu den höheren Bereichen hat sie eine höhere Feuchtigkeit als Folge von zahlreichem Niederschlag.
- Bergregionen wie Mat, Diber, Mirdita und das Drini Tal. Diese Regionen haben keine Einwirkung durch das Meer und sind sehr frische Lagen. Hier werden in erster Linie lokale Trauben angebaut.
-
Was sind typische Weissweintrauben aus Albanien und was macht sie so Typisch?
Typische Weisswein Sorten, die weit verbreitet sind und sich auch in der Önologie bewähren.
„Shesh i Bardhe“. Diese Traube reift im September vor allem in niederen Gebieten von Norden bis Süden Albaniens. Man vermutet, dass die Herkunft aus einem Bergdorf Shesh, 15km von der Hauptstadt Tirana entfernt, stammt.
Es entsteht ein Wein mit strohgelber Farbe und grünlichen Nuance, dies ist abhängig von der Reife der Traube. Er weist eine mittelhohe Säure und durchschnittliche Tannine auf.
„Puls i Bardhe“, der weisse Puls. Diese Traube ist im Vorgebirge weit verbreitet, auch bekannt als Sorte von Berat. Diese Traube hat einen überdurchschnittlichen Säurewert. Sie produziert einen zarten Wein mit strohgelbem Farbstich und grünen Reflexen. Der Puls hat eine gute Struktur und langanhaltenden Geschmack. Auch gewinnt man daraus einen schaumigen Wein (Champagner) mit hoher Qualität.
„Cerruja“. Weit verbreitet Sorte in den Bergen sowie nord- und nordöstliche Teile Albaniens. Hat einen hohen Anteil an Zucker und reift Ende September. Der erhaltene Wein ist Tannine haltig.
„Debine e Bardhe“. Charakteristisch für die Gegend von Devoll, Leskovik, Permet und Tepelena. Die Traube reift in den ersten Wochen des Monats September. Man gewinnt eine elegante und fruchtige Wein-Mischung mit exotischem Aroma, letzteres jedoch nur wenn reifere Trauben verwendet werden.
„Serine e Bardhe“. Diese Sorte ist in den Teilen von Korça und Pogradec verbreitet.
-
Was sind typische Rotwein aus Albanien und was macht sie so Typisch?
“Shesh i Zi“, das schwarze Feld. Diese Traube ist ebenfalls eine Sorte mit Herkunft aus dem Dorf Shesh. Sie reift Mitte September bis Mitte Oktober, dies hängt vom angebauten Ort und dem Jahr ab. In den niedrigeren und mittleren Gebieten ist sie die weitest verbreitete, schwarze Traube. Sie ist eine Sorte, die eine hohe Ausbeute aufweist. Um qualitativ hochwertigen Wein zu erhalten, ist es notwendig, eine durchschnittliche Ernte von nicht mehr als 120 hl/ha zu verwenden. Der Wein erhält eine rubinrote Farbe überdurchschnittlicher Intensität mit starken Tanninen und einen relativ hohen Anteil an Alkohol.
„Kallmet“. Hat seinen Ursprung aus dem Kallmet in Lezha. Aktuell wird er in Lezha und Shkoder angebaut. Der Wein hat eine nicht allzu starke Farbe, dafür ist er sehr elegant, wobei es keine Sorte ist, die lange altern kann.
„Vlosh“. Es wird vermutet, dass der Ursprung aus dem Vlosh das mittelalbanische Fier stammt, obwohl man ihn in der Lagune von Narta traditionell anbaute. Während des Kommunismus wurde bei der Auswahl einer Kopie des Vlosh ein neuer Klon kreiert, welcher einen hohen Alkoholgehalt aufweist sowie viele Phenole enthält. Aktuell gibt es davon nur zwei Hektare Weinberg in ganz Albanien.
„Serine e Zeze“ ist eine verbreitete Sorte in den selben Gebieten wie die „Serine e Bardh“ sowie auch in Berat. Man erhält einen nicht stark gefärbten Wein sowie eine durchschnittliche Struktur.
„Debin e Zeze“. Auch diese Sorte ist gleich verbreitet wie die „Debine e Bardhe“. Sie reift Ende September. Erhält eine starke weinrote bis schwarze Farbe.
Rotweine Kallmet, Serina, Shesh i zi (bei uns erhältlich) und Vlosh (in Zukunft bei uns).
Der Prozess der Weingewinnung in der Kantine ist unterschiedlich und hängt stark von der Art der Traube ab.
Rotweine:
Die Traubenernte wird von Hand in 20 kg Kunststoffkisten gefüllt. Unmittelbar nach der Lese werden die Trauben von Maschinenhand gepresst, welche nicht die Kerne zerquetscht, sondern lediglich so verarbeitet, als würde man dies mit den Füssen tun. Zusätzlich teilt die Maschine die Trauben von Ästen oder ähnlichem ab. Nach der Traubenpresse geht es weiter durch die Edelstahltanks, welche mit einem Kühlsystem ausgestattet sind. Während der Gärung erreicht man maximale Temperaturen von 32 Grad.
Nach der Alkohol-Gärung erfolgt die Trennung des Marks von der Flüssigkeit, welche später mehrmals abgetropft wird. Der Rotwein verlässt den Keller nicht, um auf den Markt gebracht zu werden, wenn er nicht mindestens zwei Jahren dort verbracht hat.
Ein Teil des Rotweines altert in Eichenfässern während einem Zeitraum von einem Jahr.
Weissweine:
Nach der Ernte wird diese direkt in der Maschine gepresst. Danach wird das Mark vom Most getrennt. Der Most geht in den Edelstahltank, wo durch die Kühlung der Prozess des Abtropfens vom Abfall geschieht. Der weitere Schritt ist die Gärung bei Temperaturen von 14 bis 15 Grad. Dieser Vorgang dauert für die Gewinnung von Weisswein zwischen 25 bis 35 Tage, wobei es auf die verschiedenen Jahre ankommt. Die Weissweine, welche die çobo Familie produziert, sollten kühl konsumiert werden. In der Regel wird er neun Monate ab dem Zeitpunkt der Ernte in die Falschen abgefüllt. Sie bewahren ihre Frische für ca. zwei Jahre, sind aber auch im dritten Jahr noch geniessbar.
-
Wieviel Winzer gibt es in Albanien?
Es sind rund 100 lizenzierte Weingüter. Hauptsächlich sind es Weingüter, welche nach 90 Jahren mit einer kleinen Kapazität gebaut wurden. Einige vererbte Kantinen aus der Zeit des Kommunismus haben eine relativ grosse Kapazität, die heute privatisiert sind.
-
Wie gross ist die Rebbau Fläche
Von maximal 20.000 Hektar bebauter Fläche zum Ende des Kommunismus anfangs der 1990er Jahre wurde 2006 höchstens 7000 bis 8000 Hektar noch genutzt; die Gesamtanbaufläche ist aber stark im Steigen. (Quelle Wikipedia)
-
Was wird zum Wein gegessen?
Als Beilagen oder Vorspeise, die gut zu Weisswein oder fruchtig leichtem Rotwein passt, gibt es:
- Tarator, eine Gurkensuppe.
- Fladenbrot
- Käsesorten aus Kuh-,Schafs- und Ziegenmilch
- Ajvar und Pinxhur, ein so genannter Gemüsekaviar aus Paprika
- Turshia, in Essig mit verschiedenen Gewürzen eingelegtes Gemüse
Hauptspeisen, die meistens passen zu Rotwein passen:
- Sarma, gefüllte Weinblätter/Traubenblätter
- Ferges Tirane, auch als Variante mit Fleisch und Leberstücken
- Byrek
- Fli, Gebäck aus Milch, Eiern, Sahne und Mehl
- Peta, eine Art bedeckte Pizza (aus mehreren Schichten dünnem Teig)
- Biftek/Pleskavica, Frikadellen (auch mit Käsefüllung)
- Qofte, zu vergleichen mit cevapcici. Dies sind gegrillte Röllchen aus Hackfleisch und ein in Südosteuropa verbreitetes Fleischgericht.
- Pilaf/Oriz, Fleisch auf Reis oder selbstgemachte Teigwaren im Ofen überbacken.
- Kukurec, gegrillte Schafsdärme
- Suxhuk-Gerichte (Wurst Gerichte)
Suppen und Eintöpfe:
- Kartoffelsuppe mit Kalbfleisch
- Fasul/Grosh/Pasul, Bohnensuppe mit Fleisch, traditionell in Römertöpfe
- Jani, Zwibelbrühe mit gekochtem Fleisch
- Fischsuppen
Süssspeisen:
- Bakllava , ist ein Gebäck aus Blätterteig, gefüllt mit Walnüssen übergosse mit Zuckersirup. Es wird in verschiednen Formen geschnitten und gefaltet. Es ist einzigartig, da es in Albanien nie maschinell hergestellt wird.
- Llokume, Süssigkeit aus Basis von Sirup mit gelierter Stärke und Zucker. Es ist weich und klebrig und passt in einem Happen im Mund.
- Kadaif, sind feinde Teigfäden gefüllt mit Walnüssen und mit Zuckersirup zubereitet.
- Sultjash, Reismilch
- Trileqe, in Milch getränktem Süssgebäck mit Karamell übergossen
- Sheqerpare, Zuckerteig zubereitet als kleine, feuchte Kekse
-
Wo kann man die Weine degustieren?
nächste Termine Folgen. Oder nach Anfrage, via Webseite, jederzeit Möglich
Vielen Dank für das Interview und die interessanten Antworten.
Prost Pascal Burckhardt