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Oskar Reinhart (1885–1965) war einer der bedeutendsten Kunstsammler der Schweiz und Spross einer Winterthurer Handelsdynastie. Seine Mutter Lilly Reinhart-Volkart (1855–1916) brachte die Firma seines Grossvaters, die 1851 gegründete «Gebrüder Volkart», in die Ehe ein. Sein Vater Theodor Reinhart (1849–1919) baute das Unternehmen aus und leistete erfolgreiche Pionierarbeit im Handel zwischen Indien und Europa.
Oskar Reinhart begann schon 1907 während seiner Ausbildung Druckgraphik alter und neuerer Meister zu sammeln und erwarb nach dem Tod des Vaters den Kern seiner Gemäldesammlung. Bis 1924 war er aktiver, bis 1939 nur noch stiller Teilhaber der Handelsfirma «Gebrüder Volkart». So konnte er sich ausschliesslich seiner Kunstsammlung und verschiedenen öffentlichen Gremien wie der Eidgenössischen Gottfried Keller-Stiftung widmen, während sein Bruder Georg (1877–1955) die Geschicke der Firma bis 1952 leitete. 1924 erwarb Oskar Reinhart die Villa «Am Römerholz», die er zu seinem ständigen Wohnsitz umbaute und mit erlesenen Kunstwerken ausstattete.
1936 verhalf Reinhart dem Münchner Kunsthändler Fritz Nathan zur Flucht in die Schweiz. 1941 bemühte er sich zusammen mit Fritz Nathan und Walter Feilchenfeldt, auch der Witwe von Max Liebermann die Emigration in die Schweiz zu ermöglichen. Zudem war er während der ganzen Herrschaft der Nationalsozialisten darauf bedacht, keine Kunstwerke aus zweifelhaften Quellen zu erwerben. Schliesslich gründete er unter dem Eindruck der politischen Ereignisse am 10. Oktober 1940 in Winterthur die «Stiftung Oskar Reinhart», in die er seine Werke deutscher, österreichischer und Schweizer Künstler des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts einbrachte. Wegen der Kriegswirren wurde das für die Stiftung zum Museum umgebaute alte Gymnasium am Stadtgarten erst 1951 eröffnet. Den Bestand an altdeutscher, niederländischer, englischer, italienischer, spanischer und französischer Malerei, der in seinem privaten Domizil «Am Römerholz» verblieb, gelangte nach Reinharts Ableben 1965 an die Eidgenossenschaft, seine graphische Sammlung vermachte er testamentarisch der «Stiftung Oskar Reinhart».