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Ein Visionär der «Virtual Reality»: Adolfo Bioy Casares (15. September 1914 - 8. März 1999)
Borges, der unter dem Doppelpseudonym H.Bustos Domecq y B.Suarez Lynch Kriminalstories mit ihm schrieb, nannte es «vernunftgerechte Phantasie», was der am 15.September 1914 in Buenos Aires geborene und 1999 am gleichen Ort verstorbene Adolfo Bioy Casares in seinen Romanen entwickelte. Im Nachhinein aber erscheint es schlechthin visionär, was der Argentinier in Sachen Cyberspace und virtuelle Realität um Jahrzehnte vorwegnahm.
«La invención de Morel», 1940 erschienen, handelt von rein virtuellen, filmisch generierten Gestalten, die ein genialer Erfinder auf einer einsamen Insel von realen Menschen, die Jahrzehnte zuvor da lebten, abkopiert hat und die einen fiktiven Tagebuchschreiber so sehr irritieren und fesseln, dass er die mysteriöse Apparatur bedienen lernt und sich selbst der Scheinwelt zugesellt, obwohl das seinen «realen» Tod zur Folge hat. Mindestens so verblüffend ist «Plan de evasión», «Fluchtplan» von 1945, wo ein Arzt die Wahrnehmung der Menschen operativ so sehr verändert, dass vor ihrem innern Auge ein glückliches Leben in einem Inselparadies abläuft, während sie in stumpfen Zellen in Guayana dahinvegetieren. Aber nicht nur im Abseits des Exotischen, auch mitten in Buenos Aires lässt Bioy Casares die zivilisatorische Apokalypse über die Menschen hereinbrechen. So ist der Schweinekrieg von 1969 im «Diario de la guerra del Cerdo» ein mörderischer Vernichtungsfeldzug der Jungen gegen die Alten, so verlieren in «Un campeón desparejo» von 1993 die Protagonisten zunehmend das Vermögen, Reales von Irrealem zu unterscheiden, und selbst die «Historias de amor», seine kunstvollsten Texte, geben unverhohlen zu Protokoll, dass auch die Liebe zwischen Mann und Frau - der am weitesten gehende Versuch, aus der lähmenden Isolation des Ich herauszukommen -, letztlich zum Scheitern verdammt ist. «Es liegen», liest man da, «Welten zwischen uns und der Frau an unserer Seite.»