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Konkret erfolgt die Stimmrechtsbeschränkung für die Wiederwahl der unabhängigen Verwaltungsräte, die beantragte Neuwahl von Jacques Bischoff, die Wahl des VR-Präsidenten sowie die Abstimmung über den Nominierungs- und den Vergütungsausschuss. Der Verwaltungsrat behalte sich zudem vor, die Beschränkung auch bei weiteren Anträgen anzuwenden, sofern welche gestellt würden.
Es ist der einzige Weg für den Verwaltungsrat, die für die Übernahme wichtigen Abstimmungen nicht zu verlieren. Denn eigentlich verfügt die SWH der Gründerfamilie über eine Mehrheit: Sie hält mit 16% am Aktienkapital 53% der Stimmrechte.
VON GERICHT GESTÜTZT
Hälg begründete die erneute Stimmrechtsbeschränkung wie in den Vorjahren mit dem Hinweis auf die Statuten und dem darin enthaltenen Vinkulierungsartikel. Dieser sei geschaffen worden, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, sagte Hälg.
Der Verwaltungsrat sieht sich bei der Anwendung des Artikels durch ein erstes Urteil des Zuger Kantonsgerichts vom Oktober 2016 bestätigt. Das Gericht hat darin das Vorgehen des Verwaltungsrates gestützt. Die Erbenfamilie akzeptierte jedoch das Urteil nicht und hat es an die nächste Instanz weitergezogen.
TIEFERE DIVIDENDE ZU ERWARTEN
Mit Blick auf die von der SWH beantragte tiefere Dividende sagte Hälg: "Wir gehen davon aus, dass die SWH unter Punkt 2 einen entsprechenden Antrag stellen wird." Eine Stimmrechtsbeschränkung sehe Sika - zum Nachteil von 84% der Aktionäre - aber nicht vor. Statt einer vom Verwaltungsrat beantragten Dividende von 102 CHF je Inhaberaktie, schlug die SWH vor zwei Wochen in einer Medienmitteilung 96 CHF je Anteil vor.
Hälg äusserte sich gleichwohl zur Ausschüttung. Es sei "zumindest ungewöhnlich", dass sich ein Aktionär gegen eine zu hohe Dividende wehre. Es gehe der SWH dabei kaum um eine "angebliche Sicherung der langfristigen Entwicklung" der Firma, sondern wohl eher um Eigeninteressen der Erben. Denn die Dividende stehe laut dem Kaufvertrag bereits Saint-Gobain zu und werde vom Kaufpreis der Familie abgezogen, so Hälg.
ANGEBOT ERNEUERT
Der Sika-Verwaltungsrat hält "seit langem" eine detaillierte und sorgfältig geprüfte Alternative zum Angebot von Saint-Gobain bereit. "Ich wiederhole das Angebot an die Familie Burkard, diese Alternative unverbindlich und vertraulich zu prüfen", erklärte VR-Präsident Paul Hälg der Generalversammlung. Dieses Angebot ergebe für die Erben keinen Nachteil gegenüber dem Angebot von Saint-Gobain, fügte er an.
"Damit propagieren wir keinen Vertragsbuch", hielt Hälg fest. Aber angesichts der heutigen Lage wäre es aus seiner Sicht auch für die Erben von Interesse, Alternativen zu prüfen. Dies für den Fall, dass sich Saint-Gobain entscheiden würde, die Vertragsdauer nicht zu verlängern.
"Wir bedauern deshalb, dass sich die Burkard Erben unseren Vorschlag bis jetzt nicht ansehen wollten, und dass die Zeichen weiterhin auf Konfrontation stehen."
SWH ERTEILT ABSAGE
Urs Burkard, der Sprecher der Familie, antwortete gleich als erstes. "Wir stehen mehr denn je zum Vertrag mit Saint-Gobain", erklärte dieser. "Der Verwaltungsrat kann eine Schlacht gegen seinen Hauptaktionär gewinnen, aber niemals einen Krieg", warnte Burkard.
Mit Blick auf das im Oktober gefällt Urteil des Zuger Kantonsgericht merkte Burkard an, die Richter hätten sich in ihrer Begründung "auffallenderweise stark" auf österreichisches und deutsches Recht gestützt. "Deshalb mussten wir in Berufung gehen."
ra/cp
(AWP)