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7. Februar 2010: Das gelbe Blümlein
Folgender Ausschnitt ist von einem Buch (484 Tage bis ans Ende der Welt) von Eveline Binsack, welche eine grosse Expediton in die Antarctis gemacht hat:
Überdies hatte ich Hunger. Nach Stunden unterwegs - Pause. Ich setzte mich an die Böschung und ass eine Banane. Als ich die Brille ablegte, fiel der Blick auf ein Blümchen. Es war vom gleichen Bananengelb, aber unscheinbar klein, und jedes Mal, wenn ein Truck vorbeidonnerte, wuschsch, drückte ein Luftstoss das wehrlose Geschöpfchen zu Boden. Dann kamm es wieder hoch, rein und schön wie zuvor, immer aufs Neue. Ich bedauerte das Blümchen wegen seines Standplatzes und weil es keine Beine hatte wie ich, um von hier zu flüchten. Als Nächstes überlegte ich mir, dass es einer kostbaren Demut bedarf, sich den täglichen Demütigungen zu stellen und trotzdem derart als Blume leuchten zu können. Kaum ein Mensch vor mir hat dieses Blümchen wahrgenommen, kein Mensch ihm gesagt, wie schön es sei. Trotzdem gibt es sein Bestes und blüht, solange ihm die Zeit gegönnt ist. "Evelyne", sagte ich unversehens zu mir, "wenn du jetzt nicht in Senitimentalitäten versumpfen willst, nimmst du dir das Blümlein zum Vorbild. "Magst du noch so übersehen, missachtet und mit Dreck eingedeckt werden: Machs wie das Blümlein. Komm wieder hoch. Jedes Mal, wenn es dich umhaut, stehst du wieder auf. Das Blümlein lehrte mich, dass Demut nicht bedeutet, gesenkten Hauptes durch das Leben zu wandeln, sondern dass sie es ermöglicht, die Egozentrik zu regulieren und zu akzeptieren, dass grosse Ziele immer auch Verzicht verlangen. Das ist die Lektion des gelben Blümchens, die ich meiner Krise an der Böschung der Pyrenäen verdanke.