Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03239.jsonl.gz/1252

Der Name Horburg findet sich auch noch an andern Orten, z. B. in Colmar, und leitet sich aus der Wurzel hor,
horb =
Sumpf her. In Horburg stand schon im 18. Jahrhundert eine Anzahl von
Häusern.
Nachdem der Bau des Badischen Bahnhofes 1855 die
Schleifung eines Teiles der Basler Befestigungsanlagen veranlasst hatte, entstanden hier draussen neue Strassenzüge.
Die
Zeit der stärksten Bautätigkeit im Horburgquartier waren aber die Jahre 1880-1890, die der Erstellung
der Johanniterbrücke (1882) unmittelbar vorangingen und folgten.
Heute ist Horburg das am dichtesten bewohnte Stadtviertel.
Hier stehen die reformierte Matthäuskirche (1895 erbaut) und die katholische St. Josephskirche (1902 erbaut).
2 Schulhäuser, 2 öffentliche
Plätze, Friedhof von Klein Basel
mit Krematorium.
Das von der Gesellschaft zur Beförderung des
Guten und Gemeinnützigen
(oder Gemeinnützigen Gesellschaft) am Bläsiringweg erstellte Bläsistift dient den umwohnenden Arbeitern und enthält Mietzimmer
für alleinstehende Arbeiter, Lesesäle, Vortragssaal, Volksbibliothek, eine Krippe,
Bäder, Näh- und Flickschulen für Mädchen.
Eine Zichorienfabrik, eine grosse
Mühle, 2 grosse Fabriken für chemische Produkte.
Postbureau, Telegraph. In der Nähe der
Park Langen
Erlen mit dem zoologischen
Garten, ein beliebter Spazierweg der Basler.
Schönenberg,
Thalwil u.Wädenswil, welche sämtlich auch Kirchgemeinden sind. Bezirkshauptort ist Horgen. 4662
Häuser, 9250 Haushaltungen
und 39576 Ew., wovon 32010 Reformierte u. 7195 Katholiken; 37968 Ew. deutscher, 269 französischer, 1231 italienischer und 24 romanischer
Zunge. Auf 1 km2 wohnen 385 Ew., eine Zahl, die nur vom Bezirk
Zürich übertroffen wird. 1888 zählte man 30850 Ew.;
dies ergibt also eine Zunahme von 26,1% in 12 Jahren. Es ist dies fast genau das gleiche Wachstum, wie es die Bevölkerung
des ganzen Kantons Zürich
zeigt (27,8%). Die Bodenform ist eine sehr einfache: vom
Zürichsee steigt der Boden zu einem Höhenzuge an,
der parallel mit demSee verläuft und nach seinem höchsten Punkte, dem
Zimmerberg (773 m), häufig Zimmerbergkette
genannt wird.
Westl. davon fliesst in tief eingeschnittenem Thal als wilder Waldstrom die
Sihl, welche auf dem grössten Teil ihres
Laufes
auch parallel zum
See geht. Westl. davon erhebt sich dann der steile und auffallend scharfe
Grat des
Albis,
im
Bürglenstutz bis 918 m ansteigend. Wie im grössten Teil des Kantons bilden auch hier die Ablagerungen der Miocänzeit,
nämlich weiche, tonige Sandsteine oder Molasse, Mergel und Nagelfluh die Grundlage der Gegend. Die Schichten liegen im n.
Teil wagrecht; etwa s. von
Wädenswil fangen sie an, gegen dieAlpen hin schärfer anzusteigen; s. von
Hütten stehen sie senkrecht, und am Hohen
Ronen fallen sie schon nach S. gegen die
Alpen hin. Ueber die miocänen Schichten
hin sind dann unregelmässig die glazialen Ablagerungen der Eiszeiten verstreut. Auf dem
Kamm des
Albis finden
¶
mehr
sich Schotter und Moränen, die zum Teil der ersten, zum Teil der zweiten, d. h. der grössten Vergletscherung angehören.
Die Zimmerbergkette dagegen ist mit den zusammenhängenden Seitenmoränen des Linthgletschers aus der 3. Eiszeit gekrönt.
Auf der breiten Hochfläche zwischen Wädenswil und Hütten liegen diese Moränenwälle in vielfacher Wiederholung hintereinander
über die ganze Fläche zerstreut; weiter nördl., bei Horgen-Oberrieden, scharen sie sich und bilden
einen grossen Hauptkamm. Die flachern Teile gegen den See sind unregelmässig mit Gletscherschutt überstreut, verdanken aber
gerade diesem ihre Fruchtbarkeit. Landwirtschaftlich wird der Boden in folgender Weise benutzt:
Es zeigt sich also ein ziemlich bedeutender Weinbau (3,7% der Fläche), welcher die Arbeit des Winzers weniger durch eine
gute Qualität, als durch bedeutende Quantität lohnt. Der Wiesenbau dominiert gewaltig gegenüber den andern Benutzungsarten
des Bodens. Dem entspricht auch die sehr bedeutende Viehzucht, welche folgende Zahlen aufweist:
1886
1896
1901
Rindvieh
6961
7982
8160
Pferde
555
766
781
Schweine
1486
1819
1992
Schafe
66
52
53
Ziegen
395
325
340
Bienenstöcke
1288
1635
1894
Aber die Landwirtschaft wäre trotz ihres sehr intensiven Betriebes nicht im Stande, die Bewohner des Bezirkes zu ernähren.
Horgen ist einer der industriellsten Bezirke des Kantons. Fast jede Gemeinde hat Anteil an der industriellen
Tätigkeit, vor allem aus Horgen und Thalwil, aber auch Wädenswil, Richterswil und die Gemeinden des Sihlthals (Langnau und Adliswil).
Die Industrie ist äusserst vielseitig: Baumwollspinnerei und -weberei, Seidenweberei und -färberei, Bau- und Möbelschreinerei,
mechanische Werkstätten, Bierbrauereien etc. In Käpfnach Kohlenbergwerk und Zementfabrik.
Dieser regen Tätigkeit entsprechen die Verkehrswege: längs des Sees führt die Linie Zürich-Ziegelbrücke-Chur, welcher
ein Hauptteil des Verkehrs mit dem Arlberg zufällt. In Thalwil zweigt davon ab die Linie Zürich-Zug-Gotthard, die die Zimmerbergkette
in einem 1,5 km langen Tunnel durchbricht, bei der Station Sihlbrugg ins Sihlthal eintritt und dann sofort
im 3,2 km langen Albistunnel den Albis unterfährt. Von Wädenswil führt eine Zweigbahn nach Einsiedeln und Goldau, und durch
das Sihlthal endlich fährt als Sekundärbahn die Sihlthalbahn bis zum Anschluss an die Linie Thalwil-Zug. Hauptstrassen sind
die linksufrige Zürichseestrasse, die Sihlthalstrasse und die Querverbindungen Horgen-Sihlbrugg-Zug
und Wädenswil-Einsiedeln. Der Bezirk hat ferner noch eine Reihe von Dampfschiffstationen.
Grosser Weinbau (60 ha), Wiesenbau und Viehzucht. Starke industrielle Tätigkeit. Man zählt in der
Gemeinde 24 Fabrikbetriebe, worunter 3 Seidenwebereien, eine Seidenfärberei, eine Bleicherei und eine Appretur, Bau- und
Möbelschreinereien, mechanische Werkstätten etc. Auf Gemeindegebiet findet sich auch das Schieferkohlenbergwerk Käpfnach.
Die abgebaute Kohle wird heute nicht mehr verkauft, sondern ausschliesslich zum Betrieb der mit dem Werk
verbundenen Zementfabrik verwendet.
Seit 1862 besteht ein aus Privatmitteln erbautes Gemeindekrankenhaus mit 25 Krankenbetten. Im Thalacker Gräber aus der La Tène
Zeit; am See Alemannengräber. 952: Horga; 1247: Horgin. Horgen war ein wichtiger Besitz der Aebtissin zum Fraumünster in
Zürich,
dessen Gerichtshoheit den Grafen von Lenzburg und Herzogen von Zähringen zustand. 1218 ging die Kastvogtei
an die Freiherren von Eschenbach auf Schnabelburg, dann an Rudolf von Aarburg, an Hans von Hallwil und endlich 1406 an die Stadt
Zürich über.
Die Meier von Horgen, Beamte der Aebtissin, gehörten dem Ritterstande nicht an, und eine Burgstelle ist in Horgen nicht
nachweisbar. Im alten Zürichkrieg ward Horgen 1443 von den Eidgenossen in Asche gelegt und nach der Schlacht
von Kappel 1531 von den Katholischen geplündert. Horgen beteiligte sich auch am Stäfenerhandel von 1794 und 1795, sowie
am Bockenkrieg von 1804. Der Führer dieser eben genannten Bewegung war der Schuhmacher Jakob Willi von
Horgen, ein ehemaliger Söldner in fremden Diensten, der einen seltenen Mut zeigte, nach der Unterdrückung des Aufstandes
aber mit andern Beteiligten enthauptet wurde. Zugleich legte man der Gemeinde ein starkes Bussgeld auf. Vergl. Strickler,
Joh. Geschichte der Gemeinde Horgen. Horgen 1882.
Vom 22.-24. September 1875 versanken bei der Bahnstation Horgen ein grosses Stück Seemauer, ein Teil
des Bahngebietes mit 3 Geleisen, ein kleines Nebengebäude und ein Teil der Kopframpe beim Güterschuppen im See. Später
mussten dann auch noch das Stationsgebäude und der Güterschuppen abgetragen werden. Die grösste Ausdehnung der Rutschung
stieg auf 204 m in der Länge und blieb in der Breite von 48 m; die ganze Fläche des versunkenen Terrains
umfasste 6560 m2. Die Ursache der
¶