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Hoch geehrter Herr
Da ich nicht sicher bin ob ich Sie morgen noch sehen werde, mache ich Ihnen brieflich folgende Mittheilung:
General von Röder sagt mir eben, Herr Wirth-Sand sei gestern bei ihm gewesen um ihm zu eröffnen dass sich für den Bau des Lukmanier eine «consolidirte» Gesellschaft gebildet habe die über die nöthigen Fonds verfüge;1 dieselbe beabsichtige nächstens in Berlin Eröffnungen zu machen; ob er (Herr | Röder) glaube, dass dieselben eine gute Aufnahme zu gewärtigen hätten.
Röder erwiederte: er glaube die Anfrage verneinen zu müssen, da Bismark2 offiziell erklärt habe nur von den schweizerischen Behörden Eröffnungen entgegen nehmen zu wollen, nachdem in der Schweiz selbst eine Einigung stattgefunden habe.3 Übrigens dürfe wohl der Lukmanier in Berlin überhaupt nicht auf grosse Sympathien zählen. Sobald der Gotthard nicht eine unverhältnissmässig lange Bauzeit in Anspruch nehme, werde sich Preussen | für diesen und nicht für eine Bahn entscheiden die den östr. Grenzen entlang führe.
Mit der Bemerkung des Hrn Wirth-Sand, es hätte doch ein Abgeordneter letzten Herbst in Berlin für das Lukmanierproject williges Gehör gefunden, wurde die Conversation geendigt über die ich Ihnen genau in den eigenen Ausdrücken des Generals referire.
Herr von Röder sprach schliesslich noch den Wunsch aus die Bemerkungen die Sie ihm über die Anerbietungen Gratoni's4, die Bauzeit des Tunels etc.5 gemacht hätten, schriftlich zu besitzen, | damit er dieselben nach Berlin schicken könne.
Mit Hochschätzung
Ihr ergebenster
E Welti
Bern
22. Dec. 1868.