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Gilbert Rhême aus Freiburg hat seine ganze Kindheit in Bern verbracht. Heute lebt er in Quebec.Dieser Inhalt wurde am 22. September 2003 - 07:58 publiziert
Ein Leben, das seit Jahrzehnten der Juwelierskunst gewidmet ist.
Für den Spezialisten des Berufsberatungsbüros der Berner Schulen ist klar: "Der junge Mann hat zu wenig Fantasie." Deshalb schlägt er Gilbert Rhême eine Schusterlehre vor.
Der Jugendlichen ist enttäuscht, es kocht in ihm. Aber er weiss nicht, wie er seinen Frust und seine Wünsche ausdrücken soll.
Um dem angekündigten Schicksal zu entgehen, meldet er sich an der Kunstgewerbeschule in Bern an - und wird zu seinem grossen Erstaunen angenommen.
Doch diese Ausbildung genügt Gilbert nicht. Er will wissen, wie es anderswo aussieht. Deshalb beschliesst er, die Welt zu sehen. "Und", erinnert er sich, "wenn ich schon verreiste, dann weit weg."
Eine wichtige Begegnung
So findet er sich denn 1965 auf der Brücke eines Schiffes wieder, das auf dem Sankt-Lorenz-Strom Richtung Montreal fährt. Er ist allein. Die Freunde, die ihn begleiten sollten, bekamen im letzten Moment kalte Füsse.
Zu jener Zeit bereitet sich Quebec auf die Weltausstellung von 1967 vor. Gilbert findet schnell Arbeit als Zeichner.
Nach der Expo reist er Richtung Westen und Pazifik weiter und lässt sich für eine Weile in Vancouver nieder.
Darauf folgt Mexiko. "Schöne und wertvolle Erfahrungen", meint er heute etwas wehmütig.
Er reist zurück nach Montreal und will von da in die Schweiz zurückkehren. Aber eine unerwartete Begegnung mit einer hübschen "Québécoise" führt zu einem radikalen Planwechsel.
Doch er hat Schwierigkeiten mit dem Ring für seine Eroberung. In den Auslagen der Bijouterien findet der junge Schweizer keinen, der ihm gefällt. So lässt er einen nach eigenen Zeichnungen herstellen.
In Kanada verwurzelt
Er ahnt nicht, dass dies sein Leben verändern würde. Der Ring, den er kreiert hat, hat grossen Erfolg, so dass er plötzlich von Aufträgen überschwemmt wird.
Und er beschliesst, die Grundbegriffe des Juweliergewerbes zu erlernen. Knapp vier Jahre später lebt er vom Verkauf seines Schmucks.
Er stellt in Ottawa aus, dann in Montreal und in Quebec. Schliesslich nimmt er an Messen wie in Basel, Las Vegas und Los Angeles teil, wo er mit den Grossen der Branche zusammentrifft.
Die Society of North American Goldsmiths nimmt ihn in ihre Gilde auf. Mehr noch, sie produziert eine CD-ROM, auf der die aussergewöhnlichsten Schmuckstücke der Sammlung von Gilbert Rhême vorgestellt werden.
Heute verrät ihn nur noch sein Akzent, der noch immer von jenseits des Atlantiks geprägt ist. Aber der ehemalige Student der Kunstgewerbeschule von Bern ist in Kanada gut verwurzelt.
Er lebt in einem zweihundert Jahre alten Haus aus Natursteinen von Lachute (Quebec). Hier hat er all seine Aktivitäten zusammengefasst.
Ein Wunschleben
"Sobald es ging", vertraut er uns an, "produzierte ich nicht mehr, sondern konzentrierte mich auf das Design."
Und fährt fort: "Heute laufe ich den Ausstellungen und Kunden nicht mehr nach. Diese bleiben mir trotzdem treu, sowohl in Europa wie in Amerika. Das ist das Leben, das ich mir gewünscht habe."
Dieses Leben wurde aber auch vom brutalen Krebstod seiner Frau beeinflusst. Heute teilt er sein schönes Natursteinhaus mit einer neuen Lebensgefährtin.
Neue Kunstobjekte, alle aus Rhêmes Hand, möblieren das alte Haus: mechanisch oder elektronisch bewegte Wandskulpturen aus Aluminium und Riesenkaleidoskope.
Engen Kontakt zur Heimat
"Am liebsten", so Gilbert, "möchte ich mehrere Monate im Jahr in der Schweiz leben und da ein kleines Atelier eröffnen."
"Ich habe mich schon ein wenig in der Region Romont umgesehen. Aber es ist alles zu teuer. Dazu kommen die Versicherungen, die AHV und all das ...".
Das hindert Rhême aber nicht daran, mit seinem Heimatland in engem Kontakt zu bleiben. "Ich reise regelmässig in die Schweiz, um meine zwei Schwestern und eine ganze Armee von Cousins zu treffen, die ich im Kanton Bern habe."
Und er schliesst: "Diese Aufenthalte erinnern mich daran, dass ich ein wenig Schweizer geblieben bin, obwohl ich seit 38 Jahren im Ausland lebe. Das steht ausser Zweifel."
swissinfo, Alain Borgognon, Montréal
(Übersetzung: Charlotte Egger)
Fakten
600'000 Schweizerinnen und Schweizer leben im Ausland.
Seit 1990 hat die Zahl der Menschen in der Fünften Schweiz um 150'000 Personen zugenommen.
Im Jahre 2002 lebten in Kanada 35'000 Auslandschweizerinnen und -schweizer.
In Kürze
- 1943: Gilbert wird im freiburgischen Romont geboren.
- 1964: Lehrabschluss als Dekorateur in Bern.
- 1965: Auswanderung nach Kanada.
- 1973: Eröffnung seines Juweliergeschäfts in Lachute (Quebec).
- 1985 und 86: Gilbert gewinnt Handwerks-Auszeichungen für seine Kreationen.
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