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Augusto Giacometti, Im Atelier, 1936
17 Werke von Augusto Giacometti (1877–1947) befinden sich neu in der Sammlung als Depositum aus Privatbesitz. Dank dieser privaten Zuwendung wird der Bestand des Bergeller Künstlers, der mit seinen frühen Abstraktionen einen wesentlichen Beitrag zur Erneuerung der Schweizer Malerei des zwanzigsten Jahrhunderts leistete und im Bündner Kunstmuseum einen Sammlungsschwerpunkt bildet, ansehnlich erweitert. Es handelt sich dabei um eine grössere Werkgruppe aus seiner Schaffenszeit aus den 1920- und 1930er-Jahren, darunter Blumenstillleben, Ansichten von seinen Reisen nach Venedig und Tunis sowie sakrale Bildthemen und drei Farbabstraktionen. Dazu gehört auch ein Porträt von Martha Ziegler-Huber, der Frau des Papierfabrikanten Emil Ziegler-Huber und Sammlerin von Augusto Giacometti, welches Zeugnis ablegt über Giacomettis illustren Freundeskreis, und ein Interieurbild seines Ateliers an der Rämistrasse 5 beim Bellevue in Zürich. Hier arbeitete der Künstler seit seiner Rückkehr aus Florenz 1915 bis zu seinem Ableben mehrheitlich. Am 8. Dezember 1936 hält er in seinem 4. Tagebuch fest: "Das Bild begonnen mit dem roten Stuhl im Atelier." Tag für Tag ging er in sein Atelier, arbeitete strukturiert und routiniert, empfing Besuche und las zeitweise auch. Der breite Lehnstuhl mit der roten Sitzfläche umgeben von Werken mag davon Zeugnis ablegen.
Obwohl sich der Künstler ab den 1920er-Jahren nach seinem pionierhaften Gang in die Abstraktion wieder figurativen Bildthemen zuwandte, machen diese Werke der späteren Schaffenszeit deutlich, wie sehr sich Augusto Giacometti zeitlebens für die Farbe und die Farbwirkung interessierte und stets nach dem grösstmöglichen Leuchten der Farben in seinen Werken strebte. Seine Auffassung der Leuchtkraft von Farbe und Licht zeigt sich am deutlichsten in seinen Aufträgen für die Gestaltung von Kirchenfenstern ab 1918 und in seiner Vorliebe für beleuchtete (Schau-)Fenster, Leuchtreklamen und stimmungsvolle Interieurs. Dies brachte er in seinem berühmten Vortrag "Die Farbe und ich" im Studio Fluntern am 14. November 1933 öffentlich zum Ausdruck.
Gegenwärtig wird im Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA am Werkverzeichnis der Gemälde, Wandbilder und Glasmalereien von Augusto Giacometti gearbeitet. Darin werden mit der systematischen Erfassung des gemalten Œuvres die Zusammenhänge der einzelnen Schaffensphasen und die Rolle, welche dem Aspekt der Farbe und Giacomettis farbtheoretischer Beschäftigung zukummt, untersucht.
Augusto Giacometti (1877-1947)
Im Atelier, 1936
Öl auf Leinwand
37.2 - 46.3 cm
Depositum