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Die Feiertage sind vorbei und damit auch die Vielesserei über die Weihnachtstage. So manch einer hat sich jetzt den Vorsatz gefasst, die Finger von Zucker und Süssem zu lassen. Auch in der Arktis warnte man bis anhin vor den Auswirkungen übermässigen Zuckerkonsums. Doch einige Grönländer können diesen Hinweis verantwortungsvoll ignorieren. Wie dänische Forscher jetzt in einer Studie herausfanden, weist ein kleiner Prozentsatz der grönländischen Bevölkerung eine genetische Variation auf, die durch den Verzehr von Zucker gesundheitliche Vorteile bringt.
Wer würde es sich nicht wünschen, durch den Genuss von Süßigkeiten aktiv etwas für seine Gesundheit tun zu können. Morgens Kuchen, mittags Schokolade und Plätzchen und am Abend Eiscreme, dazu jeweils süße Limonade: Ein wenig übertrieben, aber solch ein Speiseplan würde sicher so manchem gefallen anstelle von Brokkoli, Spinat, Kartoffeln und Möhren. Und wenn es der Körper mit einem niedrigeren Body Mass Index, einem geringeren Körpergewicht, einem niedrigeren Cholesterinspiegel und weniger Körperfett dankt, umso besser. All dies sind nämlich die Effekte, die die Wissenschaftler der Universität Kopenhagen, der Universität Süddänemark und anderen Institutionen bei einem Anteil der grönländischen Bevölkerung nach Zuckerkonsum beobachtet haben. In westlich geprägten Gesellschaften dagegen, wo eine kohlenhydratreiche Ernährung dominiert, hat ein zu hoher Zuckerkonsum gegenteilige Auswirkungen mit teils schwerwiegenden Folgen für das Herz-Kreislauf-System.
«Erwachsene Grönländer mit dieser Genvariante haben einen niedrigeren BMI, Gewicht, Fettanteil und Cholesterinspiegel und sind im Allgemeinen deutlich gesünder. Sie haben weniger Bauchfett und finden es vielleicht einfacher, ein Sixpack zu bekommen. Es ist erstaunlich und überraschend, dass eine genetische Variation einen so tiefgreifenden positiven Effekt hat», sagt Anders Albrechtsen, Biologieprofessor an der Universität Kopenhagen.
Die Forscher untersuchten 6.551 erwachsene Grönländer und führten zudem Experimente an Mäusen durch. Sie fanden heraus, dass die Träger der Variation, etwa 14 Prozent der untersuchten Personen, einen Mangel an dem Enzym Sucrase-Isomaltase haben, das für die Spaltung von Mehrfachzuckern im Darm verantwortlich ist. Das heißt, im Blutkreislauf wird der Zucker nicht normal aufgenommen wie bei Menschen ohne diese genetische Variation. Stattdessen gelangt der Zucker direkt in den Darm.
«Dort wandeln die Darmbakterien den Zucker in eine kurzkettige Fettsäure namens Acetat um, die in früheren Studien gezeigt hat, dass sie den Appetit reduziert, den Stoffwechsel anregt und das Immunsystem stärkt. Das ist höchstwahrscheinlich der Mechanismus, der hier abläuft», erklärt Mette K. Andersen, Assistenzprofessorin am Zentrum für Stoffwechselforschung an der Universität Kopenhagen und Erstautorin der Studie.
Diese Besonderheit führen die Autoren auf die spezielle Ernährung der Grönländer zurück, die sich seit Jahrtausenden von der restlichen Welt unterscheidet. «Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Grönländer nicht viel Zucker in ihrer Ernährung hatten. Sie haben sich hauptsächlich von Fleisch und Fett von Fischen, Walen, Robben und Rentieren ernährt. Eine einzelne Krähenbeere mag sich hier und da eingeschlichen haben, aber der Zuckergehalt ihrer Nahrung war minimal», so Anders Albrechtsen. Der traditionelle Speiseplan hat also zu einer häufigen genetischen Variation geführt, da nie die Notwendigkeit bestand, Zucker schnell in den Blutkreislauf aufzunehmen.
Für Kinder ist es allerdings keine gute Nachricht, wenn sie Träger der Variation sind — der Sucrase-Isomaltase-Mangel bringt ihnen unangenehme Probleme. «Jüngere Träger der Variation erleben negative Folgen aufgrund ihrer anderen Art der Zuckeraufnahme. Bei ihnen führt der Verzehr von Zucker zu Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen. Wir vermuten, dass sich ihre Darmbakterien mit zunehmendem Alter allmählich an Zucker gewöhnen und lernen, ihn in Energie umzuwandeln», erklärt Torben Hansen, Arzt und Professor am Foundation Center for Basic Metabolic Research der Universität Kopenhagen.
Das Forschungsteam hofft, dass die Ergebnisse der Studie die Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente schaffen können, die eines Tages zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettleibigkeit eingesetzt werden könnten.
«Wir sehen, dass die genetische Variation für ein besseres Gleichgewicht der Fette im Blutkreislauf sorgt, was zu einem geringeren Gewicht und folglich zu weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Wenn es gelingt, ein Medikament zu entwickeln, das das Sucrase-Isomaltase-Gen hemmt, dann könnten wir im Prinzip alle ein gleich gutes Gesundheitsprofil haben», so Hansen.
Julia Hager, PolarJournal
Link zur Studie: Mette K. Andersen, Line Skotte, Emil Jørsboe, Ryan Polito, Frederik F. Stæger, Peter Aldiss, Kristian Hanghøj, Ryan K. Waples, Cindy G. Santander, Niels Grarup, Inger K. Dahl-Petersen, Lars J. Diaz, Maria Overvad, Ninna K. Senftleber, Bolette Søborg, Christina V.L. Larsen, Clara Lemoine, Oluf Pedersen, Bjarke Feenstra, Peter Bjerregaard, Mads Melbye, Marit E. Jørgensen, Nils J. Færgeman, Anders Koch, Thomas Moritz, Matthew P. Gillum, Ida Moltke, Torben Hansen, Anders Albrechtsen. Loss of sucrase-isomaltase function increases acetate levels and improves metabolic health in Greenlandic cohorts. Gastroenterology, 2021; DOI: 10.1053/j.gastro.2021.12.236