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Roland Blaettler, 2019
In der Liste der Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten ist Marc-Auguste Bastard (1863–1926) ab 1901 als Maler und Dekorateur aufgeführt. Er wurde offenbar an der École des Arts Industriels in Genf ausgebildet, möglicherweise in der von Joseph Mittey geleiteten Keramikklasse. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass Bastard bereits 1885 anlässlich der Jahresausstellung der Stadt Genf im Musée Rath ein Vasenpaar aus «Fayence, Scharffeuerbrand» ausstellte; der Katalog bezeichnet ihn unter der Nr. 9 als Schüler der genannten Schule.
Mittey lehrte nur Keramikdekorationstechniken und bildete keine Keramiker aus, die den gesamten Herstellungsprozess beherrschten. Bastard musste folglich für die Formung und den Brand der Töpfereien, die er verzierte, Töpfer beauftragen. Das Musée Ariana verfügt über acht Keramiken – hauptsächlich engobierte Irdenware –, die die Unterschrift von Bastard tragen: Sieben davon wurden vom ehemaligen Musée des Arts Décoratifs von Genf in den Jahren 1902 und 1903 erworben. Im Inventar steht, dass sie von der Poterie des Pâquis ausgeführt wurden (Inv. C 0293, C 0296 bis C 0300 und C 0304). Das letzte Objekt (Inv. C 0525) ist jünger und wurde zwischen 1908 und 1910 erworben. Hierfür arbeitete Bastard mit der Töpferei Liotard in Ferney-Voltaire zusammen.
Bastard nahm mit verziertem Tafelgeschirr an der Landesausstellung von 1914 teil. Die Expertenjury lobte die Originalität der gezeigten Motive, verwies jedoch auf die mangelhafte technische Ausführungsqualität (Bern 1914, 75). Aber dieses Medium ist nur ein Teil seiner kreativen Tätigkeit: An der städtischen Kunstausstellung von 1921 im Musée Rath präsentierte er zum Beispiel einen Paravent (Katalog Nr. 410). Einer seiner populärsten Beiträge war ein Werbeposter für das Bier von Meuse, das gegen 1896 bei Lemercier in Paris gedruckt wurde (gallica.bnf.fr). Bastard verzierte auch Glas und führte Kirchenfenster (Kirche Saints-Pierre-et-Paul, Confignon GE) sowie Gebäudedekorationen aus.
In der Nr. 10 der Zeitschrift Heimatschutz – Patrimoine aus dem Jahr 1915 war die Adresse eines Händlers zu finden, der Gläser und Keramiken von Auguste Bastard verkaufte: Rue Carteret 6 in Genf.
Bastard gehörte ausserdem 1913 zu den Gründern von L’Œuvre, der Westschweizer Sektion des Schweizerischen Werkbunds, wie auch Hélène de Mandrot, mit der er befreundet war. Er war regelmässiger Gast im von Mandrot geleiteten Maison des Artistes im Schloss La Sallaz. Die beiden arbeiteten namentlich im Rahmen von Ausstellungen zusammen, die von der Vereinigung organisiert wurden (Baudin 1998, 18, 25–27, 45). Mandrot erwarb offenbar eine Keramik von Bastard, es sei denn, der Künstler schenkte sie ihr (CLS MURO 57).
Übersetzung Stephanie Tremp
Bibliographie:
Baudin 1998
Antoine Baudin, Hélène de Mandrot et la Maison des artistes de La Sarraz. Lausanne 1998.
Berne 1914
Schweizerische Landesausstellung in Bern. Fachberichte. Band VI. Berne 1914.