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Wer denkt, dass in einer Bank bloss Geld, Schmuck, Gold und
Wertsachen aufbewahrt werden, kann sich ganz schön täuschen.
In Laos, Indien, Kambodscha, Vietnam, Madagaskar und vielen
anderen Ländern der Erde gibt es Reisbanken, Bohnenbanken,
Wasserbüffelbanken, Hühnerbanken und viele andere mehr. Im Gegensatz
zu unseren Paradebanken an den schönen Plätzen mit blinkenden
Fensterscheiben, sind die Reisbanken meist einfache Hütten, die auf
Stelzen stehen.
Sie bestehen aus Latten oder Bambusstangen, einer dünnen
Wand, die vor Regen schützt und einem wetterdichten Dach. Die Bank steht
auf Stelzen, damit weder Ratten noch Mäuse das Kapital in der Bank
zerstören können, denn das Reisguthaben ist oft das einzige, was arme
Familien ausser ihrem Hausstand besitzen.
Eingezahlt wird der Reis meist wöchentlich, an der
Versammlung der Reisbank-Gesellschaft. Diese wird geleitet von einer
Präsidentin und einer Schreiberin. Jedes Reiskorn, das in die Bank
gebracht wird, wird gewogen und verbucht. Der Reis gehört allen zusammen.
Wer Not leidet, wer zuwenig zu Essen hat oder ein krankes Kind zu Hause hat,
stellt einen Antrag an die Reisbank-Gesellschaft. Gemeinsam wird besprochen,
wer einen Kredit in Form von Reis bekommt. Den Reis kann die Familie zum Kochen
brauchen oder auf dem Markt verkaufen um mit dem Geld Medikamente oder was
immer gebraucht wird, zu kaufen. Zurückgezahlt wird mit einem kleinen
Zins, damit die Reisbank auch genügend Reis für alle Bedürftigen
enthält. So müssen die Familien, die dringend Geld oder Reis
brauchen, nicht Kredite aufnehmen, die sie zu Wucherzinsen, die bis zu 300
Prozent im Monat betragen können, zurückzahlen müssen.

Andere Reisbanken enthalten nur ungeschälten Reis, der
auch als Saatgut gebraucht werden kann. Diese Reisbanken geben zur Saatzeit
einen oder mehrere Säcke Reis an die Bauern ab.
Nach der Ernte zahlen die Bauern den Reis, den sie als Saatgut
erhalten haben, zurück und geben noch 10 oder 20 Prozent mehr ab, damit im
nächsten Jahr noch weitere Bauern, die sich das teure Saatgut nicht
leisten können, Reis anpflanzen können.
So wird der Reis zu einer geheimen Währung der Armen. Eine
Schale Reis füllt den Magen immer gleich, ob jetzt der Reispreis hoch oder
tief ist. Eine Schale Reis aus der Reisbank hilft im richtigen Moment mehr als
ein teurer Bargeldkredit beim Geldverleiher.