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Bereits zweimal hat Lisa Faessler filmische Expeditionen ins Amazonasbecken unternommen. In ihrem dritten Dokumentarfilm über Amazonasindianer nach Shuar, Volk der Heiligen Wasserfälle von 1985/86 und Die letzte Beute von 1989 porträtiert sie die Huaorani aus Ecuador, einen Stamm, der seit der Tötung von fünf amerikanischen Missionaren in den fünfziger Jahren immer wieder von Filmequipen «heimgesucht» wurde, läesslers Bedenken ob ihrer eigenen Verantwortung als Filmerin hat Tumult im Urwald mitgeprägt, denn sie problematisiert darin auch das Verhalten von (gutmeinenden) Weissen im Umgang mit einer Kultur, die den Kontakt mit Fremden eigentlich immer scheute.
Nach delirierenden Bildern einer Busfahrt in den Dschungel, die den Film rahmen, nähert sich Faessler der fremden Kultur aus zwei Richtungen: Unkommentierte, meist stille Schwarzweisssequenzen zeigen Szenen aus dem Alltag der Huaorani. In Grossaufnahmen rücken Körper und Gesichter von Jägern ins Bild, die mit Giftpfeilen Affchen von den Bäumen schiessen. Makabere Bilder von den toten Tierchen, die auf dem Feuer geröstet werden, kontrastieren mit friedlichen, beinahe idyllischen Aufnahmen von nachmittäglichem Dämmerschlaf und herumkrabbelnden Kleinkindern. Der Eindruck einer archaischen Lebensform wird aber immer wieder «gestört» durch Szenen, die einen vertrauten Umgang der Indianer mit westlicher Zivilisation und moderner 'Technik (wie Funkgeräten oder Radios) dokument leren.
Diesen Schwarzweissaulnahmen hat Faessler Färbsequenzen gegenübergestellt, in denen die französische Ethnologin Laura Rival bei ihrer Forschungsarbeit beobachtet wird. Rival fordert die Huaorani auf, mit Hilfe einer Stoffpuppe szenisch vorzuführen, wie sie ihre Feinde mit Speeren töten und wie sie ihre Opfer begraben. Freundlich insistierend, an allen Details interessiert, stellt sie betont sachliche Fragen; gelassen geben die Indianer Auskunft, als sei das Töten (und Getötetwerden) für sie die natürlichste Sache der Welt.
Rivals Rolle im Film ist ambivalent. Zum einen werden, gerade in ihren Gesprächen mit dem allen Schamanen über das Sterben, immer wieder die Grenzen einer Verständigung zwischen so verschiedenen Kulturen offenbar. Faessler kommentiert dies indirekt, indem sie selber noch einmal (anders) nachfragt und Rival die eigenen 'Todesvorstellungen beschreiben lässt. Gleichzeitig dient ihr Rival, praktischerweise, als eine Art Stellvertreterin, eine rationale Instanz, die erklärt und begrifflich fassbar macht, was in den unkommentierten Schwarz weissaufnahmen ja höchstens indirekt zum Ausdruck kommen kann. Durch das dialogische Zusammenspiel der unterschiedlichen Fragestellungen und Blickwinkel ist Faessler ein dichter Film gelungen, der einiges an Irritationen bereithält und (weitere) Fragen provoziert. Einmal sagt ein Indianer: «Ihr werdet uns nie verstehen, was wir tun, wie wir leben.» Ein Salz wie ein Epilog zum Film.