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Vor langer Zeit teilten sich zwei Sennen eine schöne, fruchtbare Alp, hoch über dem Seealpsee am Fusse des Altmanns. Der obere Teil der Alp war steiler und schwerer zu bewirtschaften. Sie gehörte Josua, dem älteren der beiden. Der untere Teil war fruchtbar, denn mittendrin glitzerte ein tiefblauer See, welcher dem Vieh als Tränke diente. Dieser Teil der Alp gehörte Meggelin.
Die beiden Älpler hätten unterschiedlicher nicht sein können. Josua war ein verschlossener, griesgrämiger Einzelgänger, Meggelin dagegen ein fröhlicher, gutmütiger und überall beliebter Mensch. Er war bei den Leuten so beliebt, dass sie ihn eines Tages zu ihrem Landammann wählten.
Das war zuviel für Josua. Von Neid und Missgunst getrieben wartete er auf den passenden Moment, Meggelin von der Alp zu vertreiben und dessen Teil an sich zu reissen.
Eines Abends kehrte eine finstere Gestalt in der Alphütte von Josua ein und fragte nach einem Nachtquartier. Dieser bot ihm ein Nachtlager an unter der Bedingung, dass der unheimliche Fremde ihm helfe, Meggelin von seiner Alp zu vertreiben. Der Fremde willigte ein unter der Bedingung, dass er zum Dank dafür die obere Alp bekommen würde. Josua zögerte erst und willigte schliesslich in den Handel ein.
Der finstere Fremde entfernte sich und sprach einen furchtbaren Fluch aus über Meggelins Alp. Darauf versiegten die wasserreichen Bäche, der See auf Meggelins Alp begann auszutrocknen. Die Quelle auf Josuas Alp sprudelte hingegen nach wie vor, doch versiegte das Wasser genau an der Grenze zu Meggelins Alp zwischen den Steinen, ohne eine Spur zu hinterlassen.
Meggelins Alp verödete, seine Tiere hatten nichts zu fressen und kein Trinkwasser mehr. In seiner Not wandte sich Meggelin an die geheimnisvollen Zwerge, die hinten auf seiner Alp in einer Höhle wohnten. Obwohl kein Mensch mit diesen Wesen etwas zu tun haben wollte, hatte Meggelin sie stets gewähren lassen und ihnen hie und da sogar ein Stück Käse vor die Höhle gelegt.
Anfänglich sträubten die Zwerge sich, doch weil Meggelin stets ein freundlicher Nachbar war, willigten sie schliesslich ein. In einer klaren Vollmondnacht verzauberten sie Meggelins Alp. Der böse Fluch auf dessen Alp war jedoch so stark, dass die Zwerge selbst mit all ihren Kräften den alten Zustand nicht mehr herstellen konnten.
Der See blieb verschwunden und das Quellwasser von der oberen Alp versickerte nach wie vor, ohne eine Spur zu hinterlassen. Trotzdem waren die Brunnen jeden Morgen wieder voll und die Alp erhielt wie aus unsichtbarer Quelle genug Wasser für Meggelin und sein Vieh.
Kurz nach dem geheimnisvollen Zauber der Zwerge erschien die finstere Gestalt bei Josua auf der Alp und wollte ihren Lohn einfordern. Josua dachte nicht daran, seine Alp herzugeben, da der Versuch gescheitert war, Meggelin zu vertreiben. Der unheimliche Fremde rannte wütend davon, den Hang zum Berg hinauf und liess einen riesigen Stein auf Josuas Alp hinunter rollen. Der schwere Stein begrub den arglistigen Senn mitsamt seiner Alphütte unter sich. Noch heute steht der gewaltige spitzige Stein an der selben Stelle und gibt der Alp Spitzig Stein ihren Namen.
Meggelin hingegen baute seine gastliche Hütte aus und gelobte, allen Besuchern auf seiner Alp ein aufmerksamer Gastgeber zu sein. Die Zwerge aber wurden vom Tag an nie mehr gesehen und blieben bis heute verschwunden. Nur ihre Höhle, wo sie damals wohnten, kann man noch besichtigen – wenn man sich denn dorthin getraut.
Der Zauber der Zwerge hält bis zum heutigen Tage immer noch an. Meggelins Alp, die heute Meglisalp genannt wird, erhält trotz ausgetrocknetem See und gespenstisch versiegendem Quellbach noch heute jederzeit genug Wasser, selbst wenn wochenlang kein Tropfen Regen fällt.
Es soll sogar vorkommen, dass Besucher beim Betreten der Meglisalp den Zauber leise spüren und die Meglisalp selbst heute noch als verzauberte Alp wahrnehmen.