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Geschichte
Die Wappenscheiben im Brunner-Haus
Das Brunner-Haus ist ein repräsentatives Bürgerhaus im Zentrum von Glarus. 1811 von Fernhändler und Landessäckelmeister Cosmus Zweifel errichtet, überlebte es den Brand von Glarus 1861 unversehrt und gelangte 1904 in den Besitz der ehemaligen Textilunternehmerfamilie Brunner. Die letzten Besitzer statteten das Haus mit wertvollen Bildern, Kunst- und Einrichtungsgegenständen aus, darunter einer Wappenscheibensammlung von nationaler Bedeutung. Seit 1967 dient das Brunner-Haus als Empfangs- und Gästehaus der Glarner Regierung und des Gemeinderates von Glarus.
Die letzten Besitzer waren Dr. iur. Kurt Heinrich Brunner (1888–1957) und seine Gattin Helene Brunner-Markwalder (1907–1986). Da beim Brand von 1861 fast alle Häuser ein Raub der Flammen wurden, setzte sich das Ehepaar zum Ziel, in ihrem Haus «Im Sand» ein Kulturdenkmal zu errichten, das als dauerndes Beispiel an die Lebensweise des Glarner Bürgertums um 1860 erinnern soll. Helene Wegmann-Markwalder, die nach dem Tod ihres ersten Gatten den Zürcher Pfarrer Hans Wegmann geheiratet hat, versah das Haus in den 1950er und 60er Jahren mit einer reichen Sammlung von Familien- und Standesscheiben. 1967 gingen Haus und Sammlungen als «Stiftung für das Dr. Kurt H. Brunner-Haus» an das Land Glarus über.
Die Wappenscheiben datieren aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Es sind vor allem Glarner und Toggenburger Familienwappenscheiben. Auch Standesscheiben und Scheiben der Landschaften Gaster, March und der Grafschaft Werdenberg befinden sich darunter. Auf den Glasgemälden finden sich neben den Wappen biblische Szenen, Bilder aus der römischen und der Schweizer Geschichte, Bekleidungs- und Tafelsitten, Episoden aus dem Alltag, Jagdszenen, Darstellungen von Musikanten, Soldaten, Bauern und Gewerbetreibenden. Oft stehen die Abbildungen in einem direkten Zusammenhang mit Beruf und Herkunft des Scheibenstifters. Aufgrund ihrer hohen dokumentarischen und ikonographischen Bedeutung sind die Wappenscheiben seit 1980 im schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung.
Über die Entstehung der Sammlung berichtet die Stifterin: «1948 erwarb ich meine erste, die Pannerscheibe von Glarus, als Geschenk zum 60. Geburtstag meines Mannes. Das war sozusagen der Startschuss zur aufregenden Jagd, wie man das Suchen und Auftreiben von Wappen- und Geschlechterscheiben benennen muss, bis gegen 100 Scheiben in den Oberlichtern der Fenster hingen. Der Zürcher Kantonschulprofessor Paul Boesch vermittelte uns dabei seine profunden Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiete der Kabinettscheiben. Fritz Dold, ebenfalls ein grosser Kenner der Materie, vor allem der vielfältigen Techniken, die im Laufe der Jahrhunderte angewandt wurden, gelang es im Ausland, auch bei Rothschild in Paris, Scheiben zu erwerben; teils auch durch Tausch.» [Zitiert in: Hans Laupper, Das Brunner-Haus, Glarus 1989, S. 22]