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Den
deutschen Stummfilm entscheidend mitgeprägt hatten ohne Zweifel Joe,
Mia & Eva May.
Joe ging keiner geregelten Arbeit nach, sondern übte einen Job nach dem anderen aus (u.a. war er Autohändler und Feuerzeugvertreter). Im übrigen lebte er von den Zinsen eines Vermögens, das seine Eltern zusammengetragen hatten.
1902 heiratete er die Operettensängerin Maria Pfleger, die damals unter dem Künstlernamen Herma Angelot auftrat. Nach der Heirat pausierte seine Frau für einige Jahre und man hätte wohl weder von ihr noch von ihm je wieder etwas gehört, wenn Joe May nicht sein ganzes Vermögen durch Spekulationen verloren hätte.
Aus diesem Grund nahm seine Frau 1911 ein Engagement in Hamburg an, wo sie in der Operette "Clo-Clo" mitwirkte. Sie legte sich dort den Künstlernamen Mia May zu.
Joe folgte ihr, und dies war der Schicksalsweg, der ihn zu einer grossen Filmkarriere führen sollte.
Da das Stück, in der Mia spielte, infolge der Umbauten lange Pausen in den Zwischenakten hatte und das Publikum dadurch oftmals nicht wusste, ob das Stück nun fertig sei oder weitergehen würde und daher manchmal scharenweise zu früh das Theater verliessen, hatte Joe die Idee, während den Pausen einen Film mit den Darstellern des Stückes zu zeigen, um die Wartezeit zu überbrücken. Obwohl er keine Filmerfahrungen hatte, konnte er sein Projekt verwirklichen.
Dieser Film ebnete ihm den Weg zu der Continental-Filmkunst GmbH, wo er seinen ersten richtigen Film als Autor und Regisseur realisieren konnte - "In der Tiefe des Schachtes" (1912) - wo Mia May zugleich ihren ersten Auftritt als Filmschauspielerin hatte.
Da seine Frau bereits als Mia May bekannt war, entschloss sich Joe, den Künstlernamen seiner Frau anzunehmen und passte auch gleich noch seinen Vornamen dem Englischen an. Joe May war geboren. Dies war einer der sehr seltenen Fälle, wo der Ehemann den Künstlernamen seiner Frau annahm.
Ende 1913 lancierte Joe May die ausserordentlich erfolgreiche Detektiv-Serie "Stuart Webbs" (mit Ernst Reicher in der Hauptrolle - die Rolle machte Reicher derart berühmt, dass er bei Autogrammwünschen nebst seinem Namen auch gleich noch mit Stuart Webbs unterschrieb).
1915 zerstritten sich May und Reicher, daher sah sich Joe gezwungen, eine neue Detektivfigur ins Leben zu rufen. "Joe Dobbs" eroberte danach die Leinwand, diesmal dargestellt von Max Landa.
Joe May machte sich als Regisseur und Produzent selbständig und gründete 1915 die May-Film GmbH.
Nach dem ersten Weltkrieg kam der Film "Veritas Vincit" in die Kinos. Darin wurden Episoden aus der Römerzeit, dem Mittelalter und der Gegenwart verknüpft; alle drei Hauptrollen dieser verschiedenen Epochen wurden wie so oft von Mia May verkörpert. Durch den riesigen Erfolg des Filmes ermutigt, drehte Joe May als nächstes den achtteiligen Film "Herrin der Welt" (1919), der ebenfalls hoch in der Gunst des Publikums stand.
Ein weiterer Meilenstein setzte er mit der Inszenierung von "Das indische Grabmal" (1921) nach dem Drehbuch von Thea von Harbou und Fritz Lang.
Doch dann traf die Familie May ein folgenschwerer Schicksalsschlag. Mitten in den Dreharbeiten zu "Der Farmer aus Texas" erreichte Joe May die Nachricht vom Selbstmord seiner Tochter Eva. Als Filmprofi war Joe gezwungen, in aller Eile alles zu organisieren, damit die Dreharbeiten während seiner Abwesenheit reibungslos weiterlaufen konnten. Das Filmgeschäft war hart, es standen Millionen auf dem Spiel, dem war sich auch Joe May bewusst. Er konnte seinen von Schmerzen erfüllten Gefühlen nicht nachgeben und musste sich durch diese Phase durchbeissen, ehe er zu seiner Frau eilen konnte.
In der Folgezeit stürzte er sich vermehrt in seine Arbeit, und er drehte und produzierte viele Filme, die auch vom Publikum honoriert wurden, unter anderem auch 1930 seinen ersten Tonfilm als Regisseur mit "Ihre Majestät die Liebe." Ende der 20er Jahre verfasste Joe May auch Drehbücher unter dem Pseudonym Fred Majo.
1934 wurde May nach Hollywood engagiert, wo er "Music in the Air" drehte. Dieser Filme wurde genau wie "Confession" (1937) ein Misserfolg. Er bannte "The Invisible Man Returns" und "You're Not So Tough" (beide 1940) auf die Leinwand. Seine letzte Regiearbeit lieferte er mit "Johnny Doesn't Live Here Any More" (1944) ab.
Um finanziell über die Runden zu kommen, führte er mit seiner Frau ein Restaurant, das sich auf Wiener Spezialitäten ausrichtete.
Was einen Erfolgsfilm ausmacht, definierte Joe May 1928 folgendermassen:
Joe May starb 1954.
Mia May wurde 1884 ebenfalls in Wien geboren und hatte ihre ersten Theatererfahrungen bereits mit 5 Jahren gemacht und spielte bis zum 14. Lebensjahr etliche Kinderrollen. Mit ihrem Filmdebüt unter der Regie ihres Mannes zeichnete sie sich nicht nur als Hauptdarstellerin, sondern auch als Co-Autorin verantwortlich. Mia fungierte zeitweise als Geschäftsführerin der May-Film GmbH und betätigte sich auch als Cutterin.
Durch ihr darstellerisches Leistungsvermögen avancierte Mia May zu einer der ersten deutschen Diven und wurde in einem Atemzug mit den Grossen des Stummfilms - Asta Nielsen, Henny Porten, Pola Negri - genannt. 1920 schliesslich zog sich Mia von der Filmarbeit etwas zurück, um auch ihrer Tochter als Konkurrenz Platz zu machen. Sie drehte nur noch gelegentlich einige Filme und zog sich Ende Mai 1924 gänzlich vom Filmgeschäft zurück, da auch die Kritiken über ihre Filmarbeiten nicht mehr die allerbesten waren.
Der Tiefschlag mit dem Tod ihrer Tochter liess jede Hoffnung zunichte machen, dass Mia vielleicht doch wieder einen Film drehen würde.
1934 ging sie mit Joe May nach Amerika, wo sie bis zu ihrem Tod 1980
lebte.
Eva May wurde - Nomen ist Omen - im Mai des Jahres 1902 geboren. Da ihre Eltern gross im Filmgeschäft standen, war es nur natürlich, dass auch sie diesen Weg einschlagen würde.
Da sie praktisch immer im Atelier ihres Vaters war, bekam sie schon früh die Atmosphäre der Filmarbeit mit. Bereits 1917 spielte sie ihre erste Rolle in einem der Joe-Deebs-Detektivfilme - "Der lebendige Tote." Ab 1918 arbeitete sie exklusiv für die Ring-Film GmbH unter der Leitung ihres ersten Mannes Manfred Liebenau, die eine eigene Eva-May-Reihe herausbrachte, an deren Drehbüchern Eva mitschrieb. Von der Presse wurde sie mit wohlgefallen behandelt und durch ihre sympatischen Rollen wurde sie zu "Jedermanns Liebling."
Nach 1920 drehte sie auch wieder mit ihrem Vater, doch auch mit vielen anderen Regisseuren wie Karl Grune und Max Mack.
Durch ihren Lebenswandel, ihrer Arbeitsweise und Launen kam es immer wieder zu Zerwürfnissen mit Joe May. Auch ihre dritte Ehe mit dem Regisseur Manfred Noa zerbrach nach kurzer Zeit. In der Nacht vom 9. auf den 10. September 1924 beendete Eva May ihr Leben mit einem Pistolenschuss.
Es war dies nicht der erste Selbstmordversuch. Bereits ein Jahr zuvor schnitt sie sich die Pulsadern auf.