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Die Insel hielt, was die Werbung versprochen hatte. Als Tobi und Lea ankamen, waren Land und Meer in flimmerndes Licht getaucht. Die Schaumkronen der Brandung, das klare seegrün an den Strand schwappende Wasser der Südsee und ein Himmel, der höher und blauer schien, als sie es von daheim kannten. Der Traum vom Urlaubsparadies war zum Greifen nah.
Am folgenden Tag zog es die beiden am Morgen unwiderstehlich an den Strand. Tobi stürzte sich mit einem Jubelschrei ins Meer und machte sich mit dem Schnorchel daran, nach bunten Fischen Ausschau zu halten. Lea schwamm im bauchtiefen Wasser, den Blick auf ihre Umgebung gerichtet. Plötzlich hörte Tobi Leas Schrei.
Er sah sie wie angewurzelt stehen. «Eine Qualle, eine Qualle!», stiess Lea angstverzerrt hervor und zeigte auf ihr rechtes Bein. Langsam hob sie ihr Bein aus dem Wasser. Um die Wade hatte sich eine Plastikfolie gelegt, die sich ohne Mühe entfernen liess. Tobi lachte: «Schöne Qualle, wie?», rief er aus und küsste Lea auf die Stirn.
In der Nacht änderte sich das Wetter. Der auffrischende Wind wurde zum Sturm. Als Tobi am Morgen auf den Balkon hinaustrat, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. «Lea», rief er aufgeregt. «Komm schnell!» Der Traumstrand hatte sich über Nacht in ein Horrorszenario verwandelt. Er war übersät mit Plastikteilen, mit Fetzen von Fischernetzen, mit Kisten, Brettern und Flaschen. Kurz gesagt, der Strand glich einer riesigen Müllhalde.
Während Lea mit Tränen in den Augen kaum fähig war, einen klaren Gedanken zu fassen, ging Tobi auf Entdeckungstour. Überall lagen Unmengen Plastiktüten, Fetzen von Müllsäcken, Reste von Kleinmöbeln, Bretter, Stämme, Flaschen und Autoreifen. Als er eine Puppe fand, der die Arme fehlten, blieb er stehen und hob sie auf. Er nahm sie mit, zeigte sie Lea und beide rätselten darüber, was für eine Geschichte sich dahinter verbergen mochte.
Am folgenden Tag fand Tobi das abgenagte Skelett eines grossen Seevogels. Alles sprach dafür, dass es sich um die Überreste von einem Albatros handelte. Es war bekannt, dass sich diese Tiere den Magen mit Plastikteilen vollstopften, bis der Tod eintrat. Als Tobi mit dem Skelett in die Wohnung kam, verlor Lea die Fassung. Sie wollte kein totes Getier im Haus haben, schimpfte Lea. Aber Tobi verteidigte sein Sammel- und Forschungsinteresse. Er sprach von seinem Flugsaurier, auf dessen Fund er echt stolz sei.
Lea, die Tag für Tag am Pool des Hauses sass und nach ein paar Beckenrunden die Zeit auf der Liege verbrachte, hatte keine Lust, an diesem Ort noch länger zu bleiben. Sie gab das Tobi eindringlich zu verstehen, und er willigte schliesslich ein, um weiteren Streit zu vermeiden. Sie nahmen die nächste Maschine in Richtung Heimat.
Zu Hause angekommen, verbarg Lea nicht ihre Enttäuschung über den missglückten Trip ins Paradies. Tobi hingegen wurde nicht müde, seinen Kollegen und Freunden davon zu berichten, wie aus gleichförmigen Wellness-Tagen ein aufregender Abenteuer-Urlaub geworden war.