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Mein Bruder ist Imker und hat einige Bienenvölker. Daher habe ich ihn zu den anfallenden Arbeiten und Problemen befragt.
Arbeiten
Regelmässig muss kontrolliert werden, ob die Völker gesund und stark sind und ob sie mehr Platz brauchen. Wenn sie zu wenig Nahrung horten, um sich zu ernähren, werden sie mit Zuckerwasser zugefüttert. Ausserdem wird gegen Schädlinge behandelt. Zusätzlich kommt noch das Honigschleudern zwei Mal pro Jahr dazu. Grundsätzlich soll man pro Bienenvolk ca. 1-2 Tage Arbeit pro Jahr einrechnen.
Schädlingsbekämpfung
Wahrscheinlich das grösste Problem ist die Varroa-Milbe, welche sich an die Bienen heften und sie aussaugen. Die Varroa vermehrt sich extrem schnell und führt zu einer sehr starken Schwächung des Volkes. Wird keine Behandlung eingeleitet, stirbt das Volk. Die Behandlungsstrategien können unterschiedlich sein, mein Bruder behandelt seine Bienenvölker ca. im August mit Ameisensäure und im Dezember mit Oxalsäure.
Ein weiteres Problem sind Wachsmotten, welche, wie es der Name auch sagt, den Bienenwachs und somit die Waben zerstören. Auch sie werden mit Säure bekämpft, hier wird Schwefelsäure verwendet.
Sauerbrut und Faulbrut sind weitere Krankheiten. Sie sind bakterieller Art und befallen die Brutkammern.
Ernte – Schleudern
Geschleudert wird normalerweise zwei Mal im Jahr (ca. Juni und August). Zur Ernte entnimmt man die Honigwaben aus dem Stock. Dann werden die Honigwaben, welche mit einer dünnen Haut aus Wachs verschlossen sind, mit einem Messer oder ähnlichem Werkzeug geöffnet. Dies nennt sich „abdeckeln“. Danach werden die Waben in einer grossen Schleuder platziert, wo die Waben dann für 6 Minuten geschleudert werden und der Honig aus den Kammern läuft. Durch eine Öffnung am Boden der Schleuder fliesst dann die goldene Flüssigkeit ab. Wachsreste werden abgesiebt. Ausserdem entsteht etwas Schaum, welcher in den ersten zwei Tagen abgeschöpft wird. Der Honig wird dann später aus den grösseren Aufbewahrungsbehältern in Honiggläser abgefüllt und die Gläser mit Etiketten versehen. Bei einem gesunden Volk kann bis zu 20kg Honig pro Jahr gewonnen werden! Schwache Völker brauchen ihre Nahrungsvorräte selber und es wird ihnen nichts weggenommen und vielleicht sogar mit Zuckerwasser zugefüttert. Erwähnenswert ist auch noch, dass der Honig je nach Nahrungsquelle (verschiedene Blüten als auch verschiedener Honigtau) ganz unterschiedlich schmecken kann. (Alltags-Tipp: Jeder Honig kristallisiert früher oder später. Dies ist jedoch kein Problem: einfach den Honig etwas erhitzen, z.B. in einem Wasserbad (nur bis max. 40° erhitzen!) und schon ist er wieder flüssig.)
Impressionen vom Honigschleudern
Absatz
Den Honig verkaufen wir privat, vor allem an Freunde und Bekannte. Auch bei Gelegenheiten wie dem lokalen Koffermarkt bringen wir unsere Produkte an altbekannte als auch neue Kunden. Interessenten können sich natürlich jederzeit bei uns melden.
Probleme
Die Varroa-Milbe ist sicher ein grosses Problem, da sie sich stark verbreitet und auch schon z.B. die Inselgruppe Hawaii erreicht hat.
Weiter gibt es auch Landwirte, die Insektizide nicht korrekt einsetzen und so Bienen gefährden, indem diese durch die Mittel sofort vor Ort sterben oder zuerst noch zurück in den Bienenstock fliegen und so das Gift in den Stock tragen. Mein Bruder meint jedoch, dass Insektizide mit korrekter Anwendung nicht so ein grosses Problem darstellen. So wird z.B. abends im Dunkeln gespritzt, wenn keine Bienen fliegen.
Monokulturen führen dazu, dass es für die Bienen ein grosses Nahrungsangebot für 1-2 Wochen gibt, danach aber nichts mehr zu finden ist. Deshalb sollten Monokulturen vermieden werden, damit die Bienenvölker nicht zu anderen Nahrungsquellen transportiert werden müssen (wie dies im Film „More than Honey“ dargestellt wurde).
Ein Problem in der Schweiz ist die hohe Bienendichte. Dies führt zum Beispiel dazu, dass sich eine kranke Biene aus einem sterbenden Volk leicht bei einem Nachbarvolk „einschleimen“ kann und danach dieses gesunde Volk mit der Krankheit ansteckt.
Bio
Biologischer Honig in bewohnten oder bewirtschafteten Gebieten ist schwer herzustellen, da Bienen bis zu 3km weit fliegen und selten der ganze Umkreis biologisch bewirtschaftet wird. Deshalb gilt die Regel, dass mindestens 50% dieser umliegenden Flächen biologisch bewirtschaftet wird oder z.B. aus Wald besteht. Weiter bestehen noch andere Vorschriften, die z.B. die Wachsherkunft und –qualität, die Herkunft der Bienenrasse, die Haltung und auch die eingesetzten Materialien betreffen. Grundsätzlich scheinen sich biologische und konventionelle Produktion aber nicht gross zu unterscheiden.
Text und Bilder von: Stefanie Henauer und Roman Henauer