Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03653.jsonl.gz/2979

Der Raum ist in blaue Farbe getaucht. Weisse Trennleinen evozieren Schwimmbad-Atmosphäre.
Einzig der anonyme Körper einer Schwimmerin bewegt sich in einer der angedeuteten Bahnen. Regelmässig,
jedoch in unterschiedlichen Tempi sind die Bewegungen der Sportlerin zu beobachten; das Auf- und Abtauchen in der
speziellen Butterfly (Schmetterling) Schwimmtechnik scheint fast beängstigend perfekt. Das Bild des frei fliegenden
Schmetterlings, welches der Begriff der Schwimmart impliziert, steht dem in Bahnen gelenkten, strengen Auf und Ab der
Schwimmerin diametral entgegen. Der menschliche Bewegungsapparat wird zur Bewegungsmaschinerie, die unaufhaltsam
vorwärts drängt. Das Vorwärtskommen trügt: es bleibt beim nutzlosen Treten an Ort. Weder Anfangs-
noch Endpunkt der zu schwimmenden Strecke verhelfen den Betrachtenden, sich in den Tiefen des (Unterwasser)-Raum- und
Zeitgefüges zurechtzufinden.
In der Thuner Installation generiert der junge Berner Künstler (*1970) - wie in seinen übrigen Arbeiten - die Bilder aus öffentlich verfügbaren Bilddatenbanken. Als Ausgangslage bedient er sich vorgefundenem Bildmaterial eines Schwimmlehrgangs, welcher die einzelnen Bewegungsmomente im Ablauf Schritt für Schritt exakt dokumentiert. Guldimann manipuliert diesen, fügt die einzelnen Bilder wieder zum kompletten Bewegungsablauf zusammen und kopiert sie auf die entsprechende Länge des Bandes. Die Verfügbarkeit von medialen Bildern stellt schliesslich Fragen nach der Autorenschaft, nach Kopie und Original sowie nach deren Funktion.
Martin Guldimann setzt diese einem Wettkampf ähnliche Situation, welche in der Installation durch die unbekannte Schwimmerin visualisiert wird, einem geradezu existenziellen Kampf gleich. Nicht zufällig fällt sein Augenmerk auf das Schwimmen, das wie die Arbeit als Künstler meist ebenso ein Einzelwettkampf ist. Im Gegensatz zum Sport, wo Aufgaben und Regeln klar definiert, Leistung und Erfolge eindeutig messbar sind, muss die künstlerische Tätigkeit anhand anderer Kriterien beurteilt werden. Beide - ob Sportlerin oder Künstler - sind als Individuen einem Publikum und somit öffentlicher Kritik ausgeliefert.
Die Siegerin schwimmt weiter; verdrängt mit ihrem Körper das Wasser, welches sie zugleich zu verschlingen scheint. Ihr schliesslich hörbarer Sieg stellt nur ein vorläufiger Endpunkt dar; und der Wettkampf geht weiter: wer ist die nächste Siegerin?
Susanne Friedli
Der Text als .pdf zum Herunterladen (Grösse: 60KB)