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Am Abend sass ich mit Fräulein Mö vor dem Haus und versuchte, die Geschehnisse vom Nachmittag zu ordnen. Ich erinnerte mich an den Schwächeanfall, an Lolas Sieg und an die besorgten Gesichter, als ich mich am Zaun festklammerte und die Orientierung verlor. Doch den Schluss des Rennens hatte ich nicht gesehen, meine Erinnerung setzte erst dann wieder ein, als Lola durch das Ziel kam.
Der Sohn des Krabbenfischers hatte mich nach Hause gebracht. Ich versicherte ihm, dass es mir gut ginge, dass es einfach zu viel gewesen sei – die Sonne, die Menschen, die Aufregung –, und obwohl ich dies auch mir wieder und wieder einzureden versuchte, wusste ich, dass etwas nicht stimmte.
Text: Susan Brandy
Ich stand mit dem Sohn des Krabbenfischers, dem Postboten und der Frau des Hafen-Cafés am Zaun. Der Sohn des Krabbenfischers stand direkt hinter mir. Die Glocke erklang und die Schafe rannten los. Lola sprang schnell. Vor dem zweiten Hindernis hatte sie vier ihrer Konkurrenten überholt und war in die Mitte des Felds vorgedrungen. Ich wollte ihr etwas zurufen, doch was aus meinem Mund kam, klang sonderbar. Ich erkannte meine eigene Sprache nicht mehr. Mir war schwindelig und ich lehnte gegen den Zaun, bis der Schwindel vorüber war. Alles ging sehr schnell. Lola war im Ziel angekommen.
Text: Susan Brandy
Am Tag des Schafrennens veränderte sich viel. Lange glaubte ich, dass an diesem Tag das langsame Vergessen begann, auch wenn die Ärzte mir wieder und wieder versichert hatten, dass die Krankheit schon viel früher ausgebrochen war.
Die Tagebücher des Alten habe ich bis heute nicht ganz gelesen. Immer wieder hole ich ein Buch aus dem Versteck hervor und schlage es an einer zufällig gewählten Stelle auf, um nur ein paar wenige Sätze zu lesen und es dann zurückzulegen. Es bringt mir nichts mehr, mich jetzt mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Text: Susan Brandy
Radfahren, Espresso unter freiem Himmel und die Tour verfolgen, mehr braucht der Mensch nicht.
Das Meer scheint unbeeindruckt.
Noch eine gute Woche und dann sind Sommerferien, Joven fühlt sich jetzt schon leichter.
Der Alltag macht aber keine Pause und will weitermachen.
Eine Veränderung fand statt. Die Temperaturen stiegen an, die Zahl der Tagestouristen nahm zu, die Wildblumen begannen zu blühen und der immergrüne Teppich, der die Insel überzog, wurde heller. Ich begann die Menschen zu mögen.
Der Sohn des Krabbenfischers warf seine Körbe jetzt täglich aus – die frischen Krabben verkauften sich gut.
Fräulein Mö blieb in der Nähe des Hauses. Ich baute ihren Unterschlupf aus und beschäftigte mich vermehrt im Garten. Auch meine Geschichte nahm langsam Fahrt auf.
Der Sommer war da und die Insel bereitete sich für das Schafrennen vor.
Text: Susan Brandy