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Instrumente
AUREA
Die «Goldene» stammt aus Stradivaris «Goldene Periode»(ca. 1700-1720). In dieser Zeit war des Meisters geniales Können ausgereift, er baute seine besten Instrumente. Darunter die Aurea aus dem Jahr 1715. Vermutlich hat Stradivari diese Geige nach dem «Goldenen Schnitt» (sectio aurea) proportioniert. Diese bezeichnet das besondere mathematische Teilungsverhältnis, wonach der kleinere Teil sich zum grösseren verhält, wie der grössere zur gesamten Strecke. Nach diesem geometrischen Muster berechnete er die klanglich optimale Position der ƒ-Löcher. Heraus kam diese schlanke, handliche Geige, die, leicht spielbar, durch eine unvergleichliche Klangfülle brilliert. Ihre Geschichte ist ab Mitte des 19. Jahrhunderts nachvollziehbar, als der Geiger Prof. Bartl dieses Instrument besass, es nach einer Fingerverletzung auf das Rechtsspiel umbauen liess und auf diese Weise 40 Jahre lang spielte. 1909 hat die Aurea vermutlich den Besitzer gewechselt. Im selben Jahr wurde sie restauriert und ist seitdem wieder links zu spielen. Ihr goldener Klang ist uns erhalten geblieben.
Das Instrument wird zur Zeit gespielt von Xiaoming Wang
KING GEORGE
Diese kostbare Geige aus dem Jahr 1710, bekannt nach ihrem Eigentümer, dem englischen König George III., wurde von ihm 1800 einem schottischen Offizier geschenkt. Dessen Motto: «Nicht ohne meine Stradivari», denn er vergötterte dieses Instrument. Als Kavallerist unter Wellington fiel er in der Schlacht von Waterloo am 18.Juni 1815. Seine Geige «überlebte». Man fand sie unversehrt in den Satteltaschen seines Pferdes. Der Spohr-Schüler Bernhard Molique war ihr nächster Eigentümer. Darauf folgte dessen Schüler Baron von Dreyfuss. Das Verhältnis der Familie Dreyfuss zur King George war mehr als eine Affäre. Die Beziehung dauerte bis 1889. Der Berliner Geigenexperte August Riechers war der neue Eigentümer. Der deutsch-amerikanische Händler Emil Hermann kaufte sie Professor Meyer ab und verkaufte sie weiter nach Tokio. Vor Ausbruch des 2. Weltkriegs fand sie auf nicht dokumentiertem Weg zurück nach Berlin.
Das Instrument wird zur Zeit gespielt von Yukiko Ishibashi
GIBSON
Wohl mit zittriger Hand verlieh Antonio Stradivari – bereits neunzigjährig – 1734 seiner vermutlich letzten Kontralto-Viola, die kleiner war als seine Tenor-Violen, eine solche handwerkliche und künstlerische Lebenskraft, die sie zu einem Instrument von ungewöhnlicher Klangfarbe und Schönheit machte. Sie sagt mehr aus über den Meister und seine Arbeit als die kostbarsten Instrumente seiner «Goldenen Periode». Absolute Vollkommenheit sowie ihr heutiger exzellenter Zustand nach mehr als 250 Jahren zeichnen die Gibson aus. Benannt ist dieses Kleinod nach dem Engländer George Alfred Gibson (1849-1924), der Professor für Violine an der königlichen Akademie sowie ein berühmter Solist und Bratschist in renommierten «Joachim-Quartett» war, in dem er das Instrument spielte.
Das Instrument wird zur Zeit gespielt von Ursula Sarntheim
GUSTAV MAHLER
Die “Mahler” vom 1672, ist eine der zehn originalen Stradivari-Bratschen, die die Jahre überlebte. Aufgrund ihre Merkmale wird dieses Instrument zu Stradivari’s erste Periode zugeordnet, indem der Einfluss von Nicolò Amati noch sehr präsent war. Um diese Vermutung zusätzlich zu bestätigen, kann der originale Zettel herangezogen werden, durch den sich das Herstellungsdatum schätzen lässt. Er lautet: “Antonins Stradivarius Cermonensis/Facibet Anno 1672”. Interessanterweise zeigt die Beschriftung einen merkwürdigen Fehler des Namens Stradivari, geschrieben Antonins statt Antonius. Diesen Fehler kann man bei mehreren anderen Instrumenten finden. Dieses erklärt sich dadurch, dass der Cremonese Meister damals vorgedruckte Beschriftungen verwendet hat, worauf nur die Zahlen des Jahres per Hand geschrieben wurden. Eine Zeit lang wurde dieses Instrument einfach als “Bratsche, 1672” bezeichnet und war Namenlos bis Herr Rolf Habisreutinger sie benannte, als er sie sich angeschaffte. Dies fand am 7. Juli 1960 statt, dem 100. Geburtstag von Gustav Mahler.
Um so ein Instrument zum ersten Mal zu erschaffen, hat Stradivari sich an andere Instrumentenbeispiele seiner erfahreneren Kollegen gewandt. Charles Beare erwähnt Guarneri in diesem Kontext: “in den Proportionen orientiert sich die Bratsche stark an den Kontra-Alto Bratschen von Andrea Guarneri, eine dieser wurde nur zwei Jahre vor diesem Instrument gebaut…”; die Hill Brüder deuten zu Amati: “die Bratsche 1672 zeigt mit ihrer Wölbung, den lange Ecken, der Kantenform, der F-Löcher, des Schneckendesigns und dem blassgoldenen Lack genau was wir von diesem Datum erwarten — eine Weiterführung der Amati Tradition.”
DE KERMADEC BLÄSS
Dieses Cello wurde in den Jahren direkt nach der Jahrhundertwende gebaut, wie auf dem original Zettel bestätigt wird, welcher “Antonius Stradivarius Cremonensis Facibet Anno 1698” lautet. Das Instrument wurde nach der Familie Breton de Kermadec benannt, die es über ein Jahrhundert in ihrem Besitz hatten. Bläss ist der schweizerdeutsche Begriff für einen östlichen Schweizer Berghund. Der letzte Besitzer des Cellos, Herr Rolf Habisreutinger, legte einen solchen Wert auf das Instrument, dass er es als seinen treuen Begleiter betrachtete, so wie Schweizer den Bläss Hund. Deswegen hat er dem Cello den Namen “De Kermadec Bläss” gegeben. Der Boden ist aus zwei Stücke Pappelholz gebaut worden und mit unregelmäßigen Kurven gekennzeichnet. Die Zarge ist aus Holz ähnlich zu dem des Bodens, jedoch hatte Stradivari entschieden die Schnecke aus Birnbaumholz zu bauen. Unter Bezugnahme auf die Celli, die zu Ende des 17. Jahrhunderts gebaut wurden, äußerten die Gebrüder Hill, dass Stradivari “in mehreren Fällen Pappelholz und ähnliche Materialien, beispielsweise Lindenbaumholz, für den Boden, die Zargen und die Schnecke benutzt hat — ein Merkmal, welches von den Celli seiner Zeitgenossen, besonders denen von Francesco Ruger, inspiriert wurde.” Die zweigeteilte Decke ist aus Fichtenholz, dessen Maserung im der Mitte medium und an den Seiten offen ist. Der Lack hat eine orange-braune Farbe über der goldenen Grundierung.
Das Instrument wird zur Zeit gespielt von Christine Hu
BONAMY DOBREE – SUGGIA
Der englische Cellist Hanrock spielte es, der englische Gelehrte und Namensgeber Bonamy Dobree besass es – dieses Violoncello von Stradivari aus dem Jahre 1717. Die bewegende Geschichte dieses kostbaren Cellos beginnt eigentlich mit der geheimnisvollen, divenhaften Portugiesin Guilhermina Suggia (1885-1950), die im Spiel mit ihrem Lieblingscello durch technische Perfektion und gefühlvolle Interpretation verschmolz, und beide gemeinsam ihr Publikum mit warmen und tiefen Tönen verzauberten. Nach aussen extravagant und sprunghaft, nach innen intelligent und warmherzig lebte Suggia viele Leben: in Paris als Schülerin und Geliebte von Pablo Casals, in London als Grande Dame und Kosmopolitin, in Porto als die Sehnsuchtsvolle und Heimatsuchende. Der Mensch ist fasziniert, wenn Schönheit so unerklärlich ist. Das beschreibt Guilhermina Suggia und ihr Cello. In der Londoner Tate Gallery hängt das berühmte Gemälde von Sir August John, auf dem er Suggia und ihr Cello in harmonischer Einheit zeigt. Nach Suggias Tod wurde das Instrument verkauft; der Erlös kam Stipendiaten der Royal Academy of Music zugute.
Das Instrument wird zur Zeit gespielt von Maja Weber