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03.11.2020
Vom 5. August 1990
Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam KEMR wurde 1990 von der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) verabschiedet. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Arabischen Charta der Menschenrechte. In der Kairoer Erklärung werden die Rechte und Freiheiten der Scharia unterstellt, welche als «einzig zuständige Quelle für die Auslegung oder Erklärung jedes einzelnen Artikels» dient (Art. 25). Die Kairoer Erklärung hat im Gegensatz zur Arabischen Charta keine rechtliche, sondern bloss eine symbolische und indirekt menschenrechtspolitische Bedeutung. Auf dieser Ebene markiert sie einen islamischen Gegenentwurf zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
Anfangs 2010 begannt die Independent Permanent Human Rights Commission (IPHRC) der Organisation für Islamische Zusammenarbeit mit der Überarbeitung der Kairoer Erklärung für Menschenreche im Islam, um sie der Universellen Erklärung der Menschenrechte anzunähern. Die neue «OIC Declaration on Human Rights (ODHR)» enthält wichtige Fortschritte gegenüber der Charta der 1990er Jahre. Die Organisation hat sich die Kritik an der Kairoer Erklärung zu Herzen genommen und greift in der ODHR weniger auf die Scharia zurück, sondern interpretiert die Menschenrechte im Lichte «islamischer Werte». Der Paradigmenwechsel vom Scharia Gesetz zur Hervorhebung islamischer Werte manifestiert sich unter anderem in der neuen Interpretation der Frauenrechte, die der universellen Erklärung der Menschenrechte ähnlicher ist. Die revidierte Menschenrechtserklärung der Organisation für Islamische Zusammenarbeit erklärt zudem den Mann nicht mehr zum Oberhaupt der Familie, wie dies in der Kairoer Erklärung noch der Fall war. Tatsächlich verdeutlich sich in der ODHR die Bereitschaft der islamischen Staatengemeinschaft sich vermehrt für die internationalen Menschenrechte zu engagieren, Kritik entgegenzunehmen und von der Einschränkung der Grundfreiheiten mit Berufung auf die Scharia abzuweichen.
Die neue Erklärung sollte im März 2020 von der Organisation für Islamische Zusammenarbeit verabschiedet werden. Diese Etappe wurde durch die Coronapandemie jedoch verzögert.
Weitere Informationen
- Dialog mit dem Islam als Konfliktprävention? Zur Menschenrechtspolitik gegenüber islamisch geprägten Staaten
Studie von Anna Würth, Deutsches Institut für Menschenrechte (2003, pdf, 71 S.)