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Wie alt ist «altes Geld», und woher kommt es?
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- Montag, 21. Oktober 2013 22:52
In einer Serie auf finews.ch zeigen Bankexperten, welche Veränderungen in der neuen Wealth-Management-Welt für die einzelnen Kundengruppen zu erwarten sind. (Teil 2)
Selbstverständlich bezeichnet «altes Geld» nicht mit Dukaten gefüllte Schatztruhen oder seit Jahrzehnten in Tresoren gestapelte Banknotenbündel. Auch Numismatik ist damit nicht gemeint.
Das Gegenstück zu «altem Geld» ist logischerweise «junges Geld». Dieses bezeichnet Vermögen von Selfmade-Multimillionären, also Personen, die ihren Reichtum nicht geerbt, sondern selber erarbeitet haben, wie Roger Federer, Daniel Vasella oder erfolgreiche Startup-Besitzer. «Altes Geld» hingegen charakterisiert Vermögen, das vor Generationen entstanden ist. Dabei treten zwei Quellen der Vermögensentstehung in den Vordergrund.
Vermögen aus der Industrialisierung
Erstens unternehmerisch erarbeitetes Vermögen, welches zum Teil noch auf die Industrialisierung zurückgeht. Beispiele dafür sind Namen wie Bührle (Werkzeugmaschinen, Lokomotiven und Kanonen, gegründet 1876), Thyssen (Kohle, Eisen, Stahl, gegründet 1883), Sulzer (Eisenguss, Pumpen, Textilmaschinen, gegründet 1834), Hoffmann-La Roche (Pharmaprodukte, gegründet 1896), Agnelli (Fiat Automobile, gegründet 1899), Vanderbilt (Dampfschiffe, Eisenbahnen, gegründet 1929), Rockefeller (Erdöl, gegründet 1858).
Die Vermögen bestanden zur Hauptsache aus Aktien- und Immobilienbesitz, häufig auch Kunstsammlungen und dergleichen. Diese Werte wurden über Generationen weitervererbt. Die Erbschaften waren häufig von Streitigkeiten überschattet, die sich auf Grund der Familiengrössen, von häufigen Scheidungen, Zweit- und Drittehen, Intrigen und vor allem schlecht gelösten Nachfolgeregelungen beinahe zwangsläufig ergaben.
Verzettelung grosser Vermögen
Bei fehlender sauberer Erbschaftsregelung resultierte häufig eine Verzettelung der grossen Vermögen. Auch kann festgestellt werden, dass in vielen Industriellen-Dynastien ab der 3. Generation das Interesse an unternehmerischen Aufgaben und Geld im Allgemeinen zurückgeht.
Vermögensverzehr und Verlust der Kontrolle über die Familienunternehmen waren die Folge. Häufig wandten sich die Nachkommen der späteren Generationen Tätigkeiten im Kunst- und Kulturbereich zu. Trotz all dieser Entwicklungen sind die übrig gebliebenen Beteiligungen und Vermögen zum Teil beträchtlich geblieben. Nicht zuletzt deshalb, weil sie als Sachwerte Zeiten mit Hyperinflation mehr oder weniger schadlos überstanden haben.
Beträchtliche Erbschaftssteuern
Die zweite Quelle der Vermögensentstehung von «altem Geld» ist die Aristokratie. Oftmals noch älter als die oben genannte erste Entstehungskategorie bestehen diese Vermögen hauptsächlich aus Immobilien, Ländereien, Landwirtschaftsbetrieben, Antiquitäten, Bildern und dergleichen. Die liquiden Mittel sind bei Adelsfamilien vielfach unterdotiert.
Nicht zuletzt deshalb, weil auf Grund von Erbteilungen über Jahrhunderte beträchtliche Erbschaftssteuern zu bezahlen waren. Die Mittel dazu wurden meistens über Kredite beschafft, so dass heutige Adelsfamilien häufig ein beachtliches Leverage aufweisen. Auf Grund fehlender Cashflows und Alternativen werden diese Kredite normalerweise durch Verkauf von Vermögenswerten zurückgeführt.
Komplexe Beteiligungsstrukturen
Für beide Kategorien gilt, dass die Vermögen auf Grund fortgesetzter Erbteilungen und Nachfolgeregelungen oft in komplexen Beteiligungsstrukturen untergebracht sind und – je nach Vermögensgrösse – durch eigene Family-Offices verwaltet werden. Der Einsatz von Stiftungen und Trusts ist hier eher die Regel als die Ausnahme und Steueroptimierung ein Mittel zum Zweck, die Vermögen bei steigender Steuerbelastung nicht noch stärker schrumpfen zu lassen.
Viele dieser Trusts und Stiftungen – auch solche mit Domizil Cayman Islands, Panama, Bahamas oder British Virgin Islands – und auch die verwendeten Steuermodelle sind juristisch einwandfrei, auch wenn diese Tatsache von manchem Politiker gerne ausgeblendet wird.
Schwarze Schafe
Selbstverständlich gibt es auch die schwarzen Schafe – nicht gering an der Zahl – welche die erwähnten Offshore-Zentren zum Zweck der Steuerhinterziehung nutzen. Steueroptimierung wird hier grosszügig und zu eigenen Gunsten ausgelegt und wurde unrühmlicherweise eine Zeit lang von einigen Banken noch gefördert.
Bei der Betreuung wird auf Grund der Komplexität fast immer ein Finanzplaner hinzugezogen. Die Kundschaft will mit geeigneten Events umworben werden. Hier bestehen interessante Möglichkeiten für eine Bank, sich zu differenzieren, indem sie sich zum Beispiel neben den typischen Events auch unaufdringlich um die «Financial Education» des Nachwuchses der Kunden kümmert. Solche Angebote stärken die Kundenbindung nachhaltig über Generationen hinweg.
Zunehmend unter Druck
Die Kombination «Finanzkrise-Staatsverschuldung-Populismus-in-der-Politik und Steuerhinterziehung» hat dazu geführt, dass Schweizer Finanzinstitute von in- und ausländischen Regulatoren und Regierungen zunehmend unter Druck geraten und als Folge davon das hochgehaltene Schweizer Bankgeheimnis Stück für Stück preisgeben müssen. Der Schritt zum automatischen Informationsaustausch ist nicht mehr gross.
Was macht das «alte Geld» vor diesem Hintergrund? Das «complex money» (also korrekt strukturiert und versteuert) sieht dieser Entwicklung relativ gelassen entgegen. Relativ deshalb, weil keine zusätzliche Kosten zu erwarten sind, jedoch auf Seiten erodierender Diskretion und Medienberichterstattung eine Flanke geöffnet wird.
Die Karawane zieht weiter
Das «simple money» (also das Schwarzgeld) hat zwei Möglichkeiten: Offenlegung, Selbstanzeige, Strafsteuer einerseits oder mit der Karawane zum nächsten geschützten Finanzplatz weiterziehen; Miami zum Beispiel oder Panama.
- 1. Teil: «Wealth Management: Wer ist mein Kunde?»
- Lesen Sie den 3. Teil dieser Serie am Freitag, 25. Oktober 2013.
* David Fankhauser verfügt über weitreichende Erfahrung im internationalen Wealth Management. Er war in London, Hongkong, Frankfurt, Berlin sowie in der Schweiz tätig und hat langjährige Führungserfahrung. Dr. Christoph Kley ist Dozent für Banking & Finance sowie Projektleiter am Zentrum für Banking und Finance der ZHAW School of Management and Law. Robert Fehr ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am selben Zentrum.
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