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Verlag Kümmerly, Zürich; Theilung & Stauffacher (Lithografie)
zwischen 1886 und 1889
Farblithographie, auf Karton aufgezogen, Holzfiguren,
Kartonschachtel
H. 50 cm, B. 73 cm (Spielplan)
H. 1,5 cm, B. 31, 2 cm, T. 20 cm (Schachtel)
Inv. 1971.70.
Der Titel «Schweizerisches Eisenbahnspiel» auf der Schachtel und auf dem Spielplan wird begleitet von einer Wappenkartusche mit Schweizerkreuz auf rotem Grund, eingefasst mit Eichen- und Lorbeerzweigen. Die Darstellung einer technisch und historisch nicht ganz korrekten Lokomotive mit der Aufschrift «Gotthardbahn» am Tender auf der Schachtel und in der unteren, linken Ecke des Spielplans nimmt Bezug auf die Gotthardbahn, die am 1. Juni 1882 dem durchgehenden, fahrplanmässigen Betrieb übergeben wurde. In der rechten unteren Ecke ist ein Raddampfer dargestellt mit der für die Zürichseeschiffe damals typischen Heckkabine und der Zürcher Flagge am Bug. Die Legende in der rechten oberen Ecke erklärt die farblich unterschiedlich dargestellten Eisenbahngesellschaften.
Das Schweizer Eisenbahnnetz ist noch in zahlreiche Privatbahnen und einzelne kantonale Staatsbahnen aufgesplittert. Das dargestellte Bahnnetz, das den Jura und das Mittelland bereits mit einem dichten Geflecht von Strecken überzieht und mit der Gotthardbahn sowie den Linien Lausanne–Martigny–Brig und Zürich–Sargans– Chur in die Alpentäler vordringt, gibt Hinweise auf die Datierung. Die 1886 eröffnete Strecke Urnäsch–Appenzell der schmalspurigen Appenzellerbahn ist eingezeichnet, die 1889 eröffnete, ebenfalls schmalspurige Landquart– Davos-Bahn fehlt jedoch noch. Das Spiel dürfte somit zwischen 1886 und 1889 entstanden sein.
Von Basel führt die Linie der Schweizerischen Centralbahn über Olten nach Luzern, mit Verzweigungen nach Bern, Biel und Aarau. Für die intensiven Handelsbeziehungen vieler Basler Firmen, war die Gotthardachse nach der oberitalienischen Metropole Mailand und weiter zum Mittelmeer-Handelshafen Genua, seit Jahrhunderten von zentraler verkehrspolitischer Bedeutung. Es war deshalb für Basel wichtig, dass sich auch die Zürcher für diese Verbindung gewinnen liessen, die sich früher für eine Verbindung durch den Lukmanier nach Italien stark gemacht hatten. Die Jura–Bern–Luzern-Bahn stellt, das damals deutsche Elsass umfahrend, über Delémont–Porrentruy– Delle die Verbindung nach der französischen Hauptstadt Paris und mit einer Verzweigung nach Biel jene in die Westschweiz her. Diese Route über Delémont–Delle–Paris wurde auch von den Auswandererzügen Basel–Le Havre benutzt. Zürich ist bereits mit der Bötzberglinie der Nordostbahn über Frick–Brugg–Baden ohne den Umweg über Olten zu erreichen.
Mit der Eisenbahn wurden der Vierwaldstättersee und die Rigi für den wohlhabenden Basler Mittelstand und die Oberschicht zu gut erreichbaren Tagesausflugszielen.
Bemerkenswerterweise sind die 1871 bzw. 1875 eröffneten Zahnradbahnen von Vitznau bzw. Arth auf den international bekannten Ausflugsgipfel Rigi im Spielplan nicht eingezeichnet.
Ebenso fehlt die Zahnradbahn von Rorschach nach dem renommierten Appenzeller Molkekurort Heiden.
Davon abgesehen ist dieses Spiel «Zur Unterhaltung & Belehrung für die Schweizer Jugend» von bemerkenswerter Genauigkeit und zeigt die Schweiz im Prozess zunehmender verkehrstechnischer Erschliessung.