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PSYCHO
JOHN ZORN (*1953)
Kol Nidre
BERNARD HERRMANN (1911 – 1975)
Psycho
OSVALDO GOLIJOV (*1960)
Last round
AARON COPLAND (1900 – 1990)
Appalachian Spring
BERNARD HERRMANN (1911 – 1975)
Psycho
OSVALDO GOLIJOV (*1960)
Last round
Als «Präludium» spielt die CAMERATA BERN zuerst um 11 Uhr gratis ein «Walk-in» Konzert in der Museumsstrasse im Zentrum Paul Klee!
AARON COPLAND – Appalachian Spring (1944)
Mitten im zweiten Weltkrieg beauftragte die amerikanische Tänzerin und Choreografin Martha Graham den Landsmann Aaron Copland, ein Ballett zu schreiben. Ihre Vision: ein mythisches Bild des amerikanischen Pionierlebens. Copland, der wenige Jahre zuvor mit den Balletts Billy the Kid und Rodeo Bekanntheit erlangt hatte, war ebenso wie Graham auf der Suche nach einer amerikanischen Musik-Identität, losgelöst von der europäischen Tradition. Und er schafft mit dem BallettAppalachian Spring, wie der Musikkritiker Alex Ross schreibt, „das Bild einer idealen Nation, eines Amerikas, wie es hätte sein können oder
noch immer werden kann“. Da treffen in den
Hügeln Pennsylvanias ein Bräutigam und eine Braut aufeinander, feiern und tanzen mit der Hochzeitsgesellschaft.
Verunsicherung über die Zukunft wirft einen Schatten auf die Idylle. Nach fünf Variationen über die Shakermelodie „Simple Gifts“ wird das Paar ruhig und stark in seinem neuen Haus allein gelassen,
wie Copland schreib. Durch eine sorgfältige Orchestrierung und Anklänge an die amerikanische Folk-Tradition lässt das Ballett die Lebensweise
der Pioniere des 19. Jahrhunderts aufleben, ohne banal oder kitschig zu wirken. Dafür erhält Copland 1945 den Pulitzer-Preis für Musik.
BERNARD HERRMANN – Psycho (1960)
Die angsteinflössende Fussspur entsteht an diesem Abend durch das musikalische Thema der Mordszene unter der Dusche
im Thriller ’Psycho’. Dank Alfred Hitchcocks grandioser Schnitttechnik und Bernard Herrmanns prägnanter Musik und
den hohen, an den Nerven zehrenden Violintönen, gehört die Szene zu
den unheimlichsten Momenten der Filmgeschichte.
Ursprünglich plante sie der Regisseur ohne musikalische Untermalung. Der Komponist konnte ihn jedoch mit seinem Entwurf begeistern. Aus Kostengründen komponierte Herrmann den Soundtrack für Streichorchester und erzielt doch gerade damit in ’the prelude’ eine unglaubliche Spannung. Die repetitiven, vorwärtsdrängenden Töne lassen die lauernde Gefahr erahnen und der dunkle, intensive Klang der Streicher „con sordini“ (mit Dämpfer) verstärkt die Bildsprache Hitchcocks. Dieser meinte später, dass 33 % der Wirkung von ’Psycho’ der Musik zu verdanken sei.
OSVALDO GOLIJOV – Last round (1996)
Last round, das letzte Stück des Programms, entstand ebenfalls 1996 und entführt in die Welt des Tangos. Der in New York ansässige argentinische Komponist Osvaldo Golijov beschreibt die zwei sichgegenüberstehenden Streichquartette im ersten Satz: „Die Bögen fliegen durch die Luft wie umgedrehte Beine und
kreuzen sich, ständig einander anziehend und abstossend,
immer in der Gefahr zu kollidieren, im letzten Moment ausweichend (…).“ Sie klingen dabei wie ein idealisiertes Bandoneon, ein u.a. vom Deutschen Heinrich Band konstruiertes
Handzuginstrument, welches mit den Auswanderern Anfang des 20. Jh. nach Südamerika kam und u.a. in Argentinien den Klang des Tango nuevo prägte.
Ein Meister dieses Instruments und Begründer des neuen Tangos war Astor Piazzolla. Anlässlich seines überraschenden Todes 1991 komponierte Golijov den zweiten Satz von Last round, einen „langgezogenen Seufzer“ (Golijov), und fügte später den ersten Satz hinzu, als Hommage an den grossen Komponisten und Musiker.
Text: Sara Seidl
Der israelisch-kanadische Violinist und Bratschist Daniel Bard begann mit dem Violinspiel in Haifa und setzte seine Studien in Toronto fort, wo er auch seine Leidenschaft für Kammermusik entdeckte. 2007 gründete er das Trio Mondrian, das am internationalen Wettbewerb für Kammermusik in Triest den ersten Preis für seine Interpretation von Brahms Klaviertrio erhielt.
Daniel Bard ist Konzertmeister der schwedischen Camerata Nordica sowie Solobratschist bei der Amsterdam Sinfonietta. Erstmals durch Tabea Zimmermann empfohlen, leitete er in Folge mehrere erfolgreiche Projekte der CAMERATA BERN.