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Sächsisches Erzgebirge, um 1840
Holz, gedrechselt und geschnitzt,
mit Deckfarben bemalt
H. 9–9,5 cm (Soldaten)
L. 18–20 cm (Wagen)
Inv. 1900.243.
Für Feldzüge und Schlachten
Die arme, aber holzreiche Region des sächsischen Erzgebirges hatte sich seit dem frühen 19. Jahrhundert auf die Fertigung von hölzernem Spielzeug konzentriert. In den langen, harten Wintern wurden in Heimarbeit unter Mithilfe der gesamten Familie grosse Mengen von kleinformatigen Spielfiguren gefertigt: Bauernhöfe, Archen mit zahllosen Tieren, Marktstände und tönende Bewegungsspiele. Verpackt wurden die Figuren in Spanholzschachteln, ein sicheres Anzeichen dafür, dass mit dem Material Holz in dieser Region nicht gespart zu werden brauchte. Über Verleger im thüringischen Sonneberg wurden diese Spielwaren nach Nürnberg und von dort über den Handel in weite Teile Europas gebracht.
Die verschiedenen Bestandteile dieser Artillerietruppe, stehende Soldaten und Reiter auf den Zugpferden, Kanonen sowie Gespanne mit Munitionswagen erlaubten ein abwechslungsreiches Spiel. Mit dem Transport der Munition und der Geschütze, dem Abhängen der Kanonen von den Protzen, dem Kommando mit der Trompete, dem Laden und schliesslich dem ‹Abfeuern› der Kanonen konnten die Knaben des Biedermeier das sie faszinierende Kriegsgeschehen nachempfinden und sich in heldenhafte Rollen hineinträumen.
Das Spiel mit Gewehren und Geschützen, mit Zinnsoldaten oder auch das spielerische Tragen von Uniformen stellte für die Knaben bis weit in das 20. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit dar. Das Militär war ein fester, oft glamourös inszenierter Bestandteil des öffentlichen Lebens, der die Kinder ungemein faszinierte. Für viele Knaben stellte das Militär zudem eine zukünftige Berufsperspektive und damit die Aussicht auf wirtschaftliche Sicherheit dar. Die Diskussion um «verrohendes Kriegsspielzeug» setzte in grossem Rahmen erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein; während des gesamten 19. Jahrhunderts war militärisches Spielzeug ein selbstverständlicher, nicht hinterfragter Bestandteil des Knabenspiels.