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zum Lehrerberuf an Primarschulen vor. Die männlichen Lehramtskandidaten studieren im Seminar zu Sitten, wo man 1905/1906 47 Seminaristen zählte, von denen 31 französischer Zunge und 16 deutscher. Die Schule für Lehrerinnen französischer Sprache befindet sich ebenfalls in Sitten und hatte 30 Schülerinnen. Ein Lehrerinnenseminar deutscher Sprache ist von den Ursulinerinnen in Brig gegründet und in der gleichen Zeit von 20 Zöglingen besucht worden. Die Aufsicht über die Primarschulen ist je einem Bezirks-Inspektor anvertraut, als welcher öfter ein Geistlicher oder ein Beamter als ein fachmännisch gebildeter Pädagog waltet.
Diesem Inspektor sind die Ortsschulkommissionen beigegeben, die aus einem Vertreter des Gemeinderates und dem Pfarrer bestehen, der von Amtes wegen Mitglied ist. Doch wird nach dem Wortlaut eines letzthin angenommenen Gesetzes eine kantonale Kommission für den Primarunterricht eingesetzt, die aus 7 vom Staatsrat ernannten Mitgliedern bestehen und in der das fachlich gebildete Element stärker vertreten sein soll. Zu diesen Anstalten verschiedener Stufen kommen noch: das kleine freie Kollegium von Saint Gingolph, das von französischen Ordensleuten geleitet wird (60 Schüler);
ferner die Waisenanstalt Sainte Marie zu Vérolliez bei Saint Maurice und das Institut Saint Joseph in Riddes, von Schwestern geleitete Mädchenschulen, sowie eine Anzahl an den verschiedensten Stellen des Kantons in Entstehung begriffene Gewerbeschulen.
18. Kultus.
Da der Kanton Wallis der einzige in der Schweiz ist, der für sich allein eine Diözese bildet, deren Grenzen fast vollständig mit denen des politischen Staates zusammenfallen, und da das Bistum und die wichtigern Klöster je nach den Fortschritten der Demokratie ihre Gerechtsame von denen der Zivilbehörden getrennt haben, funktionieren die beiden Verwaltungen parallel. Ihre gegenseitigen Beziehungen, so häufig und so eng sie scheinen mögen, gehen nur aus gegenseitigem Einverständnis hervor, das durch die Tatsache erleichtert wird, dass die Bevölkerung ausschliesslich katholisch geblieben ist.
Wir verweisen darum den Leser in Bezug auf die kirchliche Organisation auf den Artikel Sitten (Bistum) dieses Lexikons und heben hier nur die Beziehungen zwischen geistlicher und weltlicher Macht hervor. So besteht im Wallis, obschon die römisch-katholische Religion durch die Verfassung offiziell als Staatsreligion erklärt ist, kein Kultusbudget. Bistum, Domkapitel, Klöster und Kirchgemeinden sind im Besitz ihrer Güter und ihrer überlieferten Pfründen geblieben. Diese werden sogar von den allgemeinen Steuern betroffen oder befreit, je nachdem die weltlichen Ortsbehörden beschliessen.
Dessen ungeachtet verfügte der Staat bis zur Verfassung von 1907 noch über das Kollaturrecht der Pfarrpfründen Collombey Vionnaz und Port Valais, dessen Ausübung dem Grossen Rat übertragen war. Der Staat bezahlte jeder dieser Kirchgemeinden einen jährlichen Zuschuss von 200 Fr.
Nachdem nun diese Eigentümlichkeit verschwunden, besteht das einzige Vorrecht des Staates in kirchlichen Dingen in seiner Beteiligung an der Wahl des Bischofs von Sitten. Wie wir es andern Orts gesagt haben, ist dieses letzte verfassungsmässige Band zwischen dem Staat und der Kirche ein Nachklang des Rechtes, das das Walliser Volk sich errungen hatte, sein politisches Haupt selbst zu wählen, zu einer Zeit, als der Bischof zugleich auch der weltliche Herrscher des Landes war.
Dieses Recht des Staates erscheint indes als eine reine Formalität; denn bei jeder Wahl eines neuen Bischofs durch den Grossen Rat beeilt sich der Papst, um sich die unumschränkte kirchliche Oberhoheit nicht schmälern zu lassen, die Wahl zu kassieren, worauf er freilich den Erwählten nach Rom beruft, um ihm die selbe Würde zu übertragen, zu der das Volk ihn ausersehen hatte. Dennoch wollte die Mehrheit des Grossen Rates nicht auf dieses Recht verzichten, indem sie sich ohne Zweifel die möglichen Folgen der Erhebung irgend eines ausländischen Priesters auf den bischöflichen Sitz nicht verhehlte.
Seitdem die Lehren der Reformatoren im Wallis ausgerottet worden sind, gibt es keine eingebornen Protestanten mehr. Vor der Mitte des 19. Jahrhunderts war selbst die Zahl der niedergelassenen Reformierten null oder doch unbedeutend, und obgleich sie seit einem Vierteljahrhundert infolge der administrativen und industriellen Entwicklung des Kantons, sowie der Eröffnung von Sanatorien und Winterstationen progressiv zunimmt, war sie im Jahr 1900 doch erst auf 1610 gestiegen. Am meisten Protestanten befanden sich zu diesem Datum in: Sitten 316 Personen, Monthey (mit Collombey) 247, Martinach 61, Brig, Naters und Glis 232, Saint Maurice 120, Saxon 105, Siders 66, Port Valais 60. Allein mit Ausnahme von Saxon, wo einige einheimische Familien zum Protestantismus übergetreten, sind alle Anhänger derselben keine Kantonsbürger oder erst in neuester Zeit eingebürgert. Die Protestanten haben Kirchen oder Kapellen in Sitten seit 1890, in Monthey seit 1905 und in Siders seit 1906. In Saxon wird monatlich zweimal Gottesdienst gehalten. Die Orte, wo bloss der fremden Reisenden oder Pensionäre wegen reformierter Gottesdienst gehalten wird, wollen wir übergehen. Im Jahr 1900 gab es im Wallis auch 28 Israeliten und 219 Personen ohne bestimmtes Bekenntnis.
19. Finanzwesen.
|Im Jahr 1904 betrug der Wert||Fr.|
|der gebauten Immobilien||39653774|
|der nicht gebauten Immobilien||152739332|
|der steuerpflichtigen Kapitalien||43083253|
|was einem steuerpflichtigen Vermögen von:||235476359|
entspricht oder, wenn die Bevölkerung zu dieser Zeit zu 117000 Seelen angenommen wird, 2210 Fr. auf den Kopf.
Am wies das Staatsvermögen auf:
|Fr.|
|an Aktiven||5249491|
|an Passiven||6613673|
|Ueberschuss der Passiven:||1364182|
mit einer Vermögensvermehrung gegenüber dem vorhergehenden Finanzjahr von Fr. 93599.
Die Aktiva setzen sich der Hauptsache nach aus den überwiegend unproduktiven Immobilien, den Kapitalien, dem Dotationskapital der Sparkasse und den Salzvorräten zusammen; die Passiva stellen die Staatsschulden dar, die die innere Schuld und die drei kontrahierten Anleihen in sich begreifen, nämlich 1) das von 1875 infolge des Kraches der Kantonalbank, das 1906 auf Fr. 2965000 heruntergebracht wurde;
2) für die Subvention des Simplon (1898) Fr. 1000000;
3) für die Dotation der Sparkasse (1895) Fr. 950000. Die Schlussbilanz der Rechnungen zeigt 1907: ¶
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|Fr.|
|ein Total der Ausgaben von||2131175|
|ein Total der Einnahmen von||2130952|
|Ueberschuss der Ausgaben||223|
Das von der Kommission aufgestellte Budget für 1908 sieht an Ausgaben Fr. 2457934, an Einnahmen Fr. 2359405, somit einen Ausgabenüberschuss von Fr. 98529 vor. Die Vermehrung der Einnahmen wäre hauptsächlich dem Ertrag des Salzverkaufes, den Steuern auf Industrie, Unternehmungen u. s. w. die der Ausgaben dem Anteil des Staates an der Viehversicherung zuzuschreiben.
Nach den Bestimmungen des Steuergesetzes vom setzt der Grosse Rat innert den Grenzen der Verfassung die Höhe der Steuer auf Vermögen und Einkommen fest. Dieser Ansatz beträgt gegenwärtig 1½‰ für die Staatssteuer. Die Gemeindesteuern werden durch die Ortsbevölkerung oder die Gemeindebehörden unter Vorbehalt der Genehmigung des Staates bestimmt, was die Beobachtung gewisser durch das Gesetz vorgesehener Klauseln sichert. Die Gebäude werden sowohl bei der Staats- als bei der Gemeindesteuer zu zwei Drittel ihres Wertes veranschlagt.
Die Ausübung jeder Industrie und jedes Handels, selbst wenn sie in das Gebiet von Wissenschaft und Kunst gehören jedes Gewerbes, jedes Handwerks, auch im Dienstverhältnisse, sind der Industriesteuer unterworfen, wofern sie nicht von der Einkommenssteuer erreicht werden. Diese Steuer, die gemeiniglich in Form von Patenten auferlegt wird, umfasst die drei Serien: a) Gewerbe, b) Handel, c) Industrie, deren verschiedene Unterabteilungen in 6 Klassen zerfallen. Die auferlegte Taxe soll 4% des Jahresgewinnes nicht übersteigen.
Ausgenommen von der Steuer sind die kleinen Handwerke und Industrien, von denen man voraussetzt, sie werfen nicht mehr als 200 Fr. ab. Der von Leuten betriebene Handel, die ausser dem Kanton niedergelassen sind oder die, wenn sie auch hier wohnen, zeitweise wandern, unterliegt dem Hausiergesetz. Die Hunde, mit Ausnahme derjenigen, die im Dienst der Hospize auf dem Grossen St. Bernhard und auf dem Simplon stehen, werden mit einer jährlichen Taxe von 8 Fr. per Stück belegt.
20. Gesellschaftliches Leben.
Unter den lokalen Gesellschaften sind die Schützenvereine (cibles) sicherlich die ältesten und zahlreichsten. Im mittlern Wallis besitzen diese Vereine oft einen Weinberg, zu dessen gemeinsamer Besorgung sie mit Trommeln und Pfeifen an der Spitze ausziehen. Der Schützenverein von Montana (Lens) besitzt in Corin eine der besten Weinbergsparzellen des Bezirkes Siders, die zu besorgen vier Mitglieder abwechselnd die Würde und Bürde haben. In Savièse müssen die aufgenommenen Kandidaten der Gesellschaft ein Stück Weinberg von bestimmter Grösse zur Verfügung stellen; den Ertrag davon haben sie selbst in den Keller zu bringen, dessen Eingang dem Schützenstand gegenüberliegt. In Montana bewahrt der Kapitän (Vorstand der Gesellschaft) den Kellerschlüssel und hat die Aufsicht über die Fässer; er wird aus den besten Trinkern gewählt. An diesem Ort, wie auch in Visperterminen kann man in diese aristokratische Korporation nur durch direkte Vererbung gelangen. In letzterer Gemeinde kann der Sohn eines Mitgliedes zu Lebzeiten seines Vaters als Kandidat aufgenommen werden, aber Schützenbruder wird er erst, wenn er einen Zweckschuss macht, also den schwarzen Punkt in der Mitte der Scheibe trifft.
Demnach kann einer Jahre lang, ja sogar immer Kandidat bleiben, wie es der Fall war mit einem gewissen Pfarrer S., der aus Visperterminen stammte und dem es nie gelang, eine Kugel ins Zentrum zu bringen (nach Stebler). Diese Bruderschaft, die aus 1698 datiert, hat auch ihren Weinberg in den berühmten «Heidenreben»; nichtsdestoweniger bezahlt der zugelassene Kandidat, ausser einer Eintrittsgebühr von 30 Fr., eine Doppelkanne Weines und liefert zudem fünfzig junge Rebstöcke zur Erneuerung der alten Pflanzen ihres Besitztums. Im Oberwallis stammen die ältesten Schützengesellschaften aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die ersten Schützenfeste, von denen man weiss, fanden 1551 zu Aernen und zu Visp statt; seither gab man sich viel Mühe für diese Uebungen. Im Unterwallis sind solche Organisationen allgemein viel jünger.
Dagegen entstanden in diesem Teil des Landes zuerst die Vereinigungen zu gegenseitiger Unterstützung; die ersten bildeten sich 1852 in Saint Maurice, 1857 in Saint Gingolph, seither in Martinach und Sitten. Heute sind dieselben, 20 an der Zahl, wovon mehrere im Mittel- und selbst im Oberwallis, mit 2400 Mitgliedern zu einem Verband zusammengeschlossen und unter die Leitung eines Zentralkomites gestellt, das aus sieben Mitgliedern besteht und für je zwei Jahre gewählt wird.
Daneben bestehen 17 freie Gesellschaften mit 1068 Mitgliedern. Seit mehr als einem Jahrhundert besitzt Monthey eine Blechmusik, die jetzt zu einer Harmoniemusik geworden ist; sie hat sich in letzter Zeit in zwei Vereine gespalten. Ebenso haben Sitten und Brig schon lange ihre Musik, wie auch Leukerbad, Martinach und Saint Maurice. Heute gibt es wenige Gemeinden mit grösserer Einwohnerzahl, die nicht ihre Blechmusik haben, selbst in den Seitenthälern und im Oberwallis.
Der Gesang, der ehemals, wenigstens bei den Bauern des Mittel- und Unterwallis, in keinem grossen Ansehen stand, entwickelt sich mächtig. Im letzten Jahr haben sich 21 Vereine zu einem Kantonalverband des Wallis (Fédération des chanteurs du Valais) zusammengetan. Im Oberwallis besteht seit Jahren ein Verband der Zäzilienvereine, der sich besonders die Hebung des kirchlichen Gesanges angelegen sein lässt. Konsumgenossenschaften, deren älteste bis 1884 zurückreicht, gibt es heute 17 mit 2573 Mitgliedern. Im Jahr 1906 betrug der Umsatz Fr. 1241027 mit einem Netto-Gewinn von Fr. 47207. Weinbau- und landwirtschaftliche Genossenschaften nehmen mehr und mehr zu. Wissenschaftliche und politische Gesellschaften sind im Wallis spärlich vertreten, oder, richtiger gesagt, mit Verbindungen religiösen Charakters verschmolzen. So existiert eine akademische Vereinigung, die sog. Société helvétique de Saint Maurice, deren Mittelpunkt das Kloster dieses Namens ist.
Ferner ein geschichtsforschender Verein von Oberwallis, der naturgemäss seine Tätigkeit zunächst dem deutschen Kantonsteil zuwendet, aber auch im Unterwallis und selbst in andern Kantonen eine ansehnliche Schar Mitglieder zählt; von den im Oberwallis ansässigen Mitgliedern machen die Priester den Hauptbestand aus. Zu dieser Art von Gesellschaften kann man auch die Vallensis, die kantonale Sektion des schweizerischen Studentenvereins rechnen. Die Murithienne, die Walliser naturforschende Gesellschaft, wenn sie auch unter der Aegide eines gelehrten Geistlichen steht, ist Personen jeder Meinung zugänglich und zählt selbst viele Passivmitglieder in den Nachbarkantonen und ausserhalb der Schweiz. Die liberale Opposition verfügt über keine organisierte Vereinigung. Versuche dazu sind schon seit 1880 mit der Gründung liberaler oder demokratischer Vereine gemacht worden, aber regelmässig gescheitert.
21. Gesundheitswesen; öffentliche Wohltätigkeit.
Das allgemeine Sanitätswesen ist der Oberaufsicht eines Rates von fünf Mitgliedern und drei Ersatzmännern unterstellt, dessen Präsident der Vorsteher des Departements der Innern ist; daneben besteht eine Kommission, die aus dem Kantonschemiker, einem Arzt und einem Apotheker zusammengesetzt ist und der die Kontrolle der Nahrungsmittel und Getränke obliegt. Jeder Bezirk hat seinen Amtsarzt, obschon es in jedem von ihnen seit einer Reihe von Jahren wenigstens einen angesessenen Arzt hat, ausgenommen Hérens und Conthey, die von Sitten aus versehen werden. Im Oktober 1907 war die Zahl der Arzte 34, was bei einer Bevölkerung von 120000 Einwohnern nur einen auf 3529 Personen trifft.
Apotheken sind 17 vorhanden, wovon 5 in Sitten, 3 in Martinach (Burg und Stadt), je 2 in Monthey und Brig, je eine in Saint Maurice, Sembrancher, Siders, Leuk und Visp. Viehinspektionskreise sind fünf; an der Spitze eines jeden steht ein diplomierter Tierarzt. Die öffentliche Armenpflege gewährt den Armen und den Personen, die nicht imstande sind, sich selbst zu erhalten, ständige, denen, die zufällig in Not geraten, zeitweise Unterstützungen; sie sorgt für die armen Kranken, Arbeitsunfähigen, Geisteskranken und Greise. Die Organisation dieser Unterstützungen liegt in der Pflicht der Gemeinde; jede Gemeinde muss eine Unterstützungskasse oder einen Armenfonds haben, zu dem die Bürger beisteuern ¶