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In Norwegen gibt es 32 Waldorfschulen mit etwa 5000 Schülern und 800 Lehrern. Als die Pandemie Norwegen im März 2020 erreichte, schlossen alle Schulen und Kindergärten für etwa acht Wochen. Abgesehen davon waren die sozialen Auswirkungen jedoch nicht so stark wie in anderen Teilen Europas; die Kinder konnten immer noch Zeit im Freien verbringen, sich mit Klassenkameraden treffen und mit ihnen spielen und ihr Leben ähnlich so verbringen, wie es vor der Bedrohung durch Covid-19 war.
Da der Waldorflehrplan auf dem Erzählen von Geschichten, praktischen und künstlerischen Aufgaben und menschlichen Beziehungen basiert, erforderte der Heimunterricht sowohl von den Lehrern als auch von den Schülern ein hohes Maß an Kreativität. Die Schulen in Norwegen gingen die Herausforderungen auf viele verschiedene Arten an.
Einige Schulen stellten den Schülern Pakete mit Aufgaben und Materialien physisch zur Verfügung, damit sie zu Hause lernen konnten, natürlich mit Unterstützung der Eltern für die jüngsten Kinder. Andere Schulen stellten Unterrichtsstunden über das Internet und darüber hinaus Aufgaben zur Verfügung. Einige Lehrer nahmen Audiodateien oder Videos mit Geschichten, Versen und Liedern für ihre Schüler auf. Andere hielten den Unterricht vollständig digital ab. Die Lehrerinnen und Lehrer blieben mit ihren Schülerinnen und Schülern über Mail, Telefon und digitalen Treffen in Kontakt. Besonders anspruchsvoll war die Situation für die Schülerinnen und Schüler der unteren Klassenstufen, da ältere Schülerinnen und Schüler eher an den Umgang mit digitalen Werkzeugen gewöhnt sind und mehr Erfahrung mit dem Selbststudium haben.
Kreative Lösungen
Wir bemerkten, dass viele Lehrer herausgefordert waren, ihre Lehrmethoden zu überdenken. Die norwegischen Waldorflehrer schlossen sich schnell online in einer Facebook-Gruppe zusammen, wo sie Programme, Ideen, Inspiration, Aufgaben usw. austauschten. Über 700 Lehrer versammelten sich auf dieser Plattform, die immer noch aktiv ist und sich auch nach der Schliessung der Schulen als nützliches Werkzeug erweist.
Diese Facebook-Gruppe inspirierte zu einer Vielzahl von kreativen Projekten; Back- und Kochaufgaben, dokumentierte Naturwanderungen, Landart-Projekte, Schattentheater, Malen, Musik und Gesang, Kurzfilmprojekte, Buchlesungen und Rezensionen, Gymnastik, Formenzeichnen und sogar Eurythmieübungen für zu Hause wurden ausgetauscht.
Es wurde viel Mühe darauf verwandt, für die Schülerinnen und Schüler in diesen seltsamen Zeiten einen möglichst hochwertigen Heimunterricht zu schaffen, aber unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die Gemeinschaft eines Klassenzimmers durch nichts zu ersetzen ist. Die Sehnsucht nach dem sozialen Leben ist die größte Herausforderung dieser Zeit. Es herrschte große Freude bei den meisten Schülern und Lehrern gleichermaßen, als die Schulen im Juni wiedereröffnet wurden. Wir können uns immer noch glücklich schätzen, dass wir diesen Status im ganzen Land haben, abgesehen von den wenigen Klassen, die von Krankheit betroffen sind, und einigen Schulen der Sekundarstufe II, die nur begrenzte Öffnungszeiten haben, um Menschenansammlungen möglichst gering zu halten.
Gute Bedingungen in schwierigen Zeiten
Die norwegischen Waldorfschulen erhalten erhebliche öffentliche finanzielle Unterstützung und haben im Gegensatz zu vielen Waldorfschulen auf der ganzen Welt glücklicherweise keine Finanzkrise erlebt. Es wurden besondere Unterstützungsprogramme verteilt; erweiterte Möglichkeiten für Krankenurlaub und Ersatzregelungen. Dies ist unseren Schulen zugute gekommen und erlaubt es ihnen, sich auf die wichtigste Aufgabe zu konzentrieren: das Wohlergehen unserer Schüler und Lehrer zu gewährleisten.
Die meisten norwegischen Haushalte verfügen über Internetzugang und viele Bildschirme, so dass die Verbindung zwischen Schule und Zuhause einfach war. Darüber hinaus haben viele der norwegischen Verlage, Bibliotheken und Organisationen in dieser Zeit kostenloses Material veröffentlicht. Einiges davon war für Waldorfpädagogen und Schüler gut geeignet - Hörbücher, Filme und Dokumentarfilme, Kunstprojekte, digitale Ausstellungen und musikalische Arbeiten.
Annulliert und verschoben
Die meisten Seminare, Kurse und Konferenzen der Verbände wurden in diesem Jahr abgesagt. Es ist uns jedoch gelungen, unsere jährliche Waldorflehrertagung digital abzuhalten. Wir engagierten ein Filmteam, um 19 halbstündige Filme für die Lehrer und Schulen zu drehen. Jeder Film wurde von Aufgaben und einem Gesprächsthema für weitere Studien begleitet. Die Filme behandelten eine Vielzahl von Aspekten des Waldorflehrplans und der Anthroposophie.
Alle Filme wurden an die registrierten Schulen geschickt, und diese konnten wählen, wie sie sie verwenden wollten. Einige haben sich dafür entschieden, jede Woche während der wöchentlichen Konferenz einen Film anzuschauen, andere teilten sich in Gruppen auf und sahen den Film und erledigten Aufgaben in kleineren Gruppen. Das Material kann über einen längeren Zeitraum in einer Vielzahl von Umgebungen eingesetzt werden. Darüber hinaus wurden digitale Gruppen zusammengestellt, an denen über 300 Lehrerinnen und Lehrer teilnahmen. Das Feedback für die jährliche Lehrerkonferenz war sehr gut: Zeit und Geld schränken oft die Teilnahme aller Lehrerinnen und Lehrer jeder Schule ein, aber dieses Mal kam die Konferenz in das gesamte Kollegium.
Und die Zukunft?
Wir können uns nicht vorstellen, dass der digitale Unterricht die traditionelle Waldorflehrmethode ersetzen wird. Die wesentlichen zwischenmenschlichen Beziehungen, die praktische Ausbildung, die Künste, die Musik, das Geschichtenerzählen und das Gespräch können nicht durch Computer und Aufnahmen ersetzt werden. Dennoch eröffnete die digitale Erfahrung viele positive Möglichkeiten, insbesondere im Hinblick auf die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Schulen und Lehrern im ganzen Land. Es zeigte sich, dass es möglich war, teilzunehmen und Inspiration mit vielen anderen zu teilen, ohne zu reisen, ohne Ausgaben und mit Zeitersparnis und Schutz der Natur. Lehrerinnen und Lehrer gemeinsamer Klassenstufen und Fächer verbanden sich leicht und fruchtbar, und es eröffnete die Möglichkeit, Waldorfpädagogik und Methoden zwischen den Schulen auszutauschen, weiterzuentwickeln und zu verfeinern.
Wir waren begeistert zu sehen, wie sich unsere Waldorflehrerinnen und -lehrer bei Bedarf schnell in eine Welt von Methoden und Werkzeugen hineinfanden, mit der sie bisher nicht professionell umgehen konnten. Sich anzupassen, zu erforschen, umzudenken, zu entwickeln, zu teilen und mutig zu sein - all dies sind Qualitäten, die vielleicht sowohl für Lehrer und Lehrerinnen als auch für Schülerinnen und Schüler in diesen unsicheren Zeiten und in der Zukunft nötig sein werden.
Beathe Schieldrop und Ninon Onarheim, von der norwegischen Vereinigung für Steiner Schulen
übersetzt von Dorothee Prange