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| Gregor v. Nyssa (†394) - Große Katechese (Oratio catechetica magna)

Kapitel 21. Die Menschwerdung beweist auch die Gerechtigkeit Gottes.
1.
Wie zeigt sich nun die Gerechtigkeit Gottes in der Menschwerdung? Zunächst müssen wir uns an das, was wir der Ordnung halber am Anfang der Untersuchung gesagt haben, wieder erinnern, nämlich, daß der Mensch als Abbild der göttlichen Natur geschaffen wurde und sowohl durch manch andere Vorzüge als auch durch die Freiheit des Willens die Ähnlichkeit mit Gott an sich trägt, aber auch, daß er mit einer gewissen Notwendigkeit eine veränderliche Natur besitzt. Denn weil er den Anfang seiner Existenz durch Veränderung gewann, so war es unmöglich, daß er unwandelbar sei. Der Übergang aus dem Nichtsein in das Sein bedeutet eine gewisse Veränderung, indem sich die Nicht-Existenz durch die Macht Gottes in Existenz verwandelt. Auch aus dem Grunde haftet die Veränderlichkeit notwendig am Menschen, weil er ein Nachbild der göttlichen Natur ist, das Nachbild aber, wenn es sich nicht einigermaßen unterschiede, ganz dasselbe wäre, was das Urbild ist. Die Verschiedenheit zwischen dem geschaffenen Nachbild und dem Urbild besteht nun darin, daß letzteres seiner Natur nach unwandelbar ist, ersteres aber nicht; entsprechend der Veränderung, welcher das Nachbild seine Existenz verdankt, verharrt es aber als Verändertes nicht in der Existenz.