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In den USA wird jetzt erstmals eine medikamentöse Präexpositionsprophylaxe (PreP) von HIV-Infektionen empfohlen. Zu dem Schutz wird bei erhöhtem Infektionsrisiko geraten und nur in Verbindung mit anderen Prophylaxe-Methoden.
ATLANTA. Bereits 2012 hatte die US-Behörde FDA das Kombipräparat mit 300 mg Tenofovir und 200 mg Emtricitabin (Truvada®) zur PreP zugelassen.
In Deutschland ist die Kombination der beiden antiretroviralen Substanzen in einer Tablette seit 2005 mit demselben Handelsnamen zugelassen, allerdings mit 200 mg Emtricitabin plus 245 mg Tenofovir und ausschließlich zur Kombinationsbehandlung von bereits mit HIV infizierten Erwachsenen.
Auch in den USA wird nicht jeder, der sich zusätzlich etwa zu Kondomen vor HIV schützen möchte, auf das Kombipräparat zurückgreifen können. Nach den Empfehlungen muss belegt sein, dass keine HIV-Infektion vorliegt und die Nierenfunktion normal ist. Empfohlen wird das Präparat Männern mit HIV-infiziertem Sexual-Partner (MMWR 2014; 63: 437).
Auch schwule und bisexuelle Männer, die nicht in einer monogamen Beziehung mit einem HIV-negativen Partner leben und innerhalb der vergangenen sechs Monate Sex hatten, ohne dabei Kondome zu benutzen, oder bei denen in diesem Zeitraum eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert worden ist, sollten mit diesem Medikament behandelt werden.
Die CDC-Empfehlung gilt auch für heterosexuelle Männer und Frauen, deren Sexual-Partner ein erhöhtes Risiko für eine HIV-Infektion haben und die beim Sex nicht immer auf Kondome zurückgreifen. Dazu gehören Menschen, die sich Drogen intravenös spritzen, und ebenso bisexuelle Männer, von denen man nicht weiß, ob sie mit HIV infiziert sind.
Auch hier gilt als Voraussetzung, dass die an der PreP Interessierten nicht in einer monogamen Beziehung mit einem HIV-negativen Partner leben. Eine weitere Zielgruppe für die PreP sind Menschen, die sich im vergangenen halben Jahr Drogen i.v. gespritzt und dabei Nadeltausch praktiziert haben.
Risikoreduktion in Studien belegt
Bei der Umsetzung der Empfehlungen geht es um die Gesamtentwicklung der HIV-Ausbreitung in den USA. Nach Ansicht von Dr. Jonathan Mermin, Leiter des National Center for HIV/Aids, Viral Hepatitis, STD, and TB Prevention an den CDC, ist die PreP ein mächtiges Instrument, die HIV-Epidemie in den USA günstig zu beeinflussen, wie es in einer Mitteilung der CDC heißt.
Es müsse nun sichergestellt werden, dass die PreP nur von denen genutzt wird, die dafür tatsächlich infrage kommen und die in der Lage sind, sie korrekt anzuwenden. Dazu gehört zum Beispiel, dass nur HIV-Negative die PreP erhalten dürfen und mindestens alle drei Monate ein HIV-Test gemacht und mindestens alle sechs Monate die Nierenfunktion überprüft werden muss.
Hat sich jemand, der das Kombipräparat nutzt, trotz zusätzlicher Schutzvorkehrungen wie Kondombenutzung und “Safer Sex” dennoch infiziert, muss er die Tabletteneinnahme sofort beenden, um der Entwicklung von Resistenzen vorzubeugen. Mit anderen antiretroviralen Präparaten muss dann die eigentliche HIV-Therapie begonnen werden.
Die Entscheidung, ob jemand für die PreP infrage kommt, wird in enger Abstimmung mit einem Arzt gefällt. Dies soll durch die neuen Empfehlungen erleichtert werden. Zusätzlich bieten die CDC und andere Organisationen Veranstaltungen und Projekte an, die detaillierte Informationen über die Umsetzung der PreP liefern.
Die CDC-Empfehlungen basieren auf Erkenntnissen aus mehreren Placebo-kontrollierten Studien. An der Partners PreP-Studie hatten Männer und Frauen in diskordanten Partnerschaften teilgenommen.
Das Risiko des nicht infizierten Partners, sich beim HIV-positiven Partner anzustecken, wurde mit dem Kombipräparat im Vergleich zur Placebogruppe um 75 Prozent reduziert. In der iPreX-Studie wurde bei schwulen und bisexuellen Männern durch die PreP das HIV-Infektionsrisiko um 44 Prozent reduziert.
Bei den Männern, die das Kombipräparat regelmäßig einnahmen, war das Infektionsrisiko sogar um mehr als 90 Prozent reduziert.
von Peter Leiner
Quelle: Ärztezeitung
Kommentar zur PreP
Keine HIV-Strategie für alle!
Die USA wagen einen Vorstoß in Sachen medikamentöser HIV-Prävention und geben detaillierte Empfehlungen, wie sich eine Infektion durch die Präexpositionsprophylaxe (PreP) verhindern lässt.
Wer glaubt, dass das Sexualleben nun sorgloser ist, weil ja eine Tablette – wie manche vermuten – alle übrigen Vorsichtsmaßnahmen ersetzt, muss enttäuscht werden. Denn die empfohlene Zweifach-Kombitherapie ist nur als zusätzliches Mittel gedacht, um das Risiko, sich mit dem Aids-Erreger zu infizieren, zu minimieren.
Kondome bleiben weiterhin die Hauptsäule der Präventionsstrategie, nicht zuletzt aber “safer sex”-Praktiken, also ohne Austausch von Körperflüssigkeiten.
Mehrere Studien belegen, dass die medikamentöse PreP eine Option ist. Aber nur wenige werden sich einer Präventionsstrategie unterwerfen, die mit Nebenwirkungen vor allem auf die Nierenfunktion verbunden ist und deshalb zusätzlich zumindest im ersten Jahr der Anwendung regelmäßig Laboruntersuchungen erforderlich macht- und generell HIV-Tests.
Nicht wenige werden sich deshalb dreimal überlegen, ob sie diesen Aufwand betreiben oder doch lieber andere Strategien konsequenter als bisher nutzen. PreP ist keine Strategie für die Massen.
von Peter Leiner
Quelle: Ärztezeitung