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Sankt
Petersinsel, französisch
Ile de Saint Pierre (Kt. Bern,
Amtsbez. Nidau,
Gem.
Twann). 432-473 m.
Insel im
Bielersee und zugleich
grösste und schönste
Insel der
Schweiz. 2,6 km wnw. der Mündung des Aarekanales beim Hagneckwerk, 10 km wsw.
Biel; 3,7 km
ö.
Neuenstadt und 4,2 km onö.
Erlach; 1,3 km s. der Station
Ligerz der Linie
Biel-Neuenburg. Wohnhaus mit Oekonomiegebäuden, 10 reform.
Ew. Kirchgemeinde
Twann. Regelmässige Dampfbootverbindung mit
Neuenstadt und
Erlach.
Telegraph. Die St.
Petersinsel besteht wie die «Kleine
Insel» aus nahezu horizontal geschichteter Molasse. Als vor der Juragewässerkorrektion
und der Ablenkung der
Aare in den
Bielersee (1870-1875) der
Spiegel dieses letztern noch höher lag als heute, war die St.
Petersinsel
rings von tiefem
Wasser umgeben und wurde von der «Kleinen
Insel» (oder Ilôt des Lapins) durch einen 800 m
breiten Kanal getrennt. Sie hatte damals einen Umfang von 2,5 km und einen Flächeninhalt von 37,5 ha und war 1774 zum
Schutz
gegen den Wellenschlag mit einer 3 m hohen Steinmauer umgeben worden.
Diese Verhältnisse sind dann durch die Tieferlegung des Seespiegels um 2,2 m andere geworden, indem
nun die früher vom
Wasser überflutete Landzunge, welche die St.
Petersinsel mit dem Molassezug des
Jolimont (Fortsetzung
des den
Neuenburgersee in zwei Becken trennenden unterseeischen
Rückens) verbindet, trocken gelegt wurde. Es bildeten von
nun an die St.
Petersinsel und die Kleine
Insel nur mehr die höchsten Punkte einer mit Schilf bewachsenen
schlammigen Halbinsel, Heidenweg genannt, bis man diese als unangenehmes Hindernis für den Schiffsverkehr von einem Seeufer
zum andern empfand und daher etwas nö.
Erlach mit einem 320 m langen und 12-14 m breiten schiffbaren Kanal durchbrach, der
also die St.
Petersinsel (oder
Motte, wie sie auch genannt wird) wieder zu einer wirklichen
Insel machte.
Diese hat nun einschliesslich ihres trocken gelegten Strandes eine Fläche von 89,7 ha; sie zieht sich von SW. nach NO. und liegt mit ihrem höchsten Punkt 41 m über dem Spiegel des Bielersees. Von N. her gesehen, zeigt sie sich als eine langgestreckte und mit einem dichten Wald bewachsene Anhöhe. Die nach S. und SO. gekehrte sanftere Abdachung der Insel ist mit Reben, Feldern, Baumgarten und Gärten bestanden, während im N. und NW. ein prachtvoller Eichen- und Buchenwald steht.
Der trocken gelegte Strand bedeckt sich rasch mit dichtem Weidengebüsch. Längs dem Aussenrand der heute gänzlich unnütz gewordenen Steinmauer führt ein Fussweg rings um die ganze Insel. Am S.-Ufer befindet sich die bescheidene Schifflände, und 200 m nw. von ihr stehen die weitläufigen Bauten der einstigen Propstei, die heute dem Verwalter und Personal des landwirtschaftlichen Betriebes auf der dem Berner Bürgerspital gehörenden Insel als Wohnung dienen.
Sommerfrische und Gastwirtschaft. Im Verwalterhaus zeigt man den zahlreichen fremden Besuchern das von J. J. Rousseau 1765 während nahezu drei Monaten bewohnte Zimmer. Am hat die Sektion Neuenstadt der Société jurassienne d'Émulation in einer kleinen Anlage am Ufer der Insel eine Büste des unsterblichen Verfassers des Contrat social feierlich eingeweiht. Den Wald durchzieht eine von mächtigen Bäumen eingefasste prachtvolle Allee, in deren Mitte ein reizender achteckiger Pavillon eine weite Aussicht auf See, Jura und Alpen gewährt.
Die St.
Petersinsel bildet einen wirklich zauberhaften sommerlichen Aufenthaltsort, dessen Ruhe blos im
Herbst während der Zeit der Weinlese von den zahlreichen Besuchern unterbrochen wird, die in grossen und kleinen
Schiffen
und Barken von allen Uferorten des
Bielersees und selbst von Neuenburg
hierher pilgern, um unter den schattigen
Bäumen oder im Pavillon
fröhlich zu tanzen und einen vergnügten Feiertag zu halten. Die St.
Petersinsel im
Bielersee wurde zusammen
mit andern Gütern vom
Grafen Wilhelm III. von Burgund und Mâcon 1107 der Abtei Cluny geschenkt.
Graf Wilhelm III. und sein Sohn Wilhelm IV. wurden zusammen mit Peter und Philipp von
Glâne am in
Payerne ermordet
und dann auf der
Petersinsel beigesetzt, die nun den Namen der Grafeninsel
(Ile des Comtes) erhielt. Schon
um 1220 hatte die Abtei Cluny einen Propst und sechs
Mönche auf die
Insel gesandt und hier eine Propstei gründen lassen.
Diese stand unter den
Grafen von
Neuenburg-Nidau und denen von
Neuenburg-Aarberg als ihren Kastvögten, trat 1359 mit
Biel
in ein Burgrecht und besass Güter auf dem
Tessenberg und in der Grafschaft
Nidau. Am wurde die Propstei von Papst
Innozenz VIII. dem St. Vinzenzstift in Bern
geschenkt, dem sie von 1507 an unbestritten verblieb, nachdem sich 1488 das Kloster
St. Johannsen bei
Erlach ihrer eine zeitlang bemächtigt hatte.
Zur Zeit der Reformation hob man 1530 die Propstei auf und gab ihre Güter, d. h. also auch die St.
Petersinsel selbst, dem
Bürgerspital zu Bern,
das seither den Namen Inselspital führt. Die Propstei war den Heiligen Peter und Paul geweiht gewesen und
führte als Wappen einen schwarzen Dreizack im goldenen
Feld. 1688 internierte die
Berner Regierung auf
der
Insel mehr als hundert flüchtige Waldenser aus dem Piemont. Nördl. der
Insel hat man einen grossen Pfahlbau aus der Bronzezeit
und s. von ihr einen solchen aus der Steinzeit entdeckt.