Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03497.jsonl.gz/146

Sie sehen unglaublich edel aus in ihrem Brautkleid, aber man kann sie nicht sehr häufig beobachten. Auf der letzten Reise jedoch hatte ich das unglaubliche Glück, ein Eistaucher-Paar schlafend nahe am Ufer des Myvatn zu entdecken. Beim genaueren Hinsehen lag auch noch ein flaumiges Küken auf dem Rücken eines Elternteils. Sie schienen mich nicht zu bemerken und ich hatte alle Zeit das Zoom meiner Kamera (Sony RX10M4) auszufahren, die Einstellungen anzupassen und zahlreiche Fotos zu schiessen.
Das Prachtkleid der Eistaucher würde alle erfreuen, welche Schwarzweiss gerne mögen. Die Musterung ist einzigartig. Der Kopf ist schwarz, der Schnabel dunkelgrau bis schwarz. Am Hals gibt es ovale Felder mit weissen Längslinien, an der Kehle weisse Punkte. Sie sind der Übergang zum Rücken mit weissen Vierecken auf der schwarzen Grundfarbe. Die Vierecke laufen nach hinten und zu den Flanken in weisse Punktreihen aus. An den Unterflügeln, der Brust und am Bauch sind die Eistaucher während der Paarungszeit weiss. Wie schon geschrieben, edel am ganzen Körper. Der einzige abweichende Farbtupfer ist die Iris, sie ist weinrot, Beine und Füsse sind grau.
Eistaucher sind die grössten Enten in Island, die zweitgrössten überhaupt und gehören zur Gattung der Seetaucher (Gavia). Der lateinische Name der Eisente ist „Gavia immer“, in Island heissen sie „Himbrimi“ und Englisch „Great Northern Diver“. Gemäss Wikipedia beträgt die Körperlänge 73 bis 88 cm, die Flügelspannweite 122 bis 148 cm und sie wiegen 3,6 bis 4,5 Kilogramm – Kormorane haben ähnliche Masse. Das Weibchen ist kleiner als das Männchen und man kann sie nur unterscheiden, wenn man beide sieht. Die Eistaucher kommen neben Island auch in Grönland, auf der Bäreninsel und in Jan Mayen sowie in den Tundren und Taigen Nordamerikas vor. In der Schweiz werden sie selten gesehen. Sie migrieren nur über kurze bis mittlere Strecken. Die in Island brütenden Eistaucher überwintern auf dem Meer um Island, Grossbritannien und an der europäischen Atlantikküste und tragen dann ihr dunkelgraues Schlichtkleid mit weiss an Hals und Kehle und einem schwärzlichen Halbring. Zwischen Mai und Juni kehren sie verpaart zu den Brutgebieten zurück. Dort bevorzugen sie Binnenseen. Während ihre Flugrufe denen von Gänsen ähneln, sind die Balzrufe weittragend und klagend. Dieser Ruf ist so speziell, dass er anscheinend auch in Filmen häufig verwendet wird. In der Tat, wenn man den Ruf einmal zuordnen kann, erkennt man ihn sofort, auch wenn man keinen Eistaucher sieht. Zur Balz gehört eine Zeremonie mit Schnabeleintauchen und weiteren Elementen, welche Brodowski-Fotografie eindrücklich festhalten konnte. Die Nester werden aus umliegenden Pflanzenteilen am Gewässerufer gebaut, oft hat es zwei Eier darin, seltener eines oder drei. Diese werden in 25 bis 29 Tagen von beiden Elternteilen ausgebrütet und sie führen dann auch gemeinsam die Küken. Nach zehn bis elf Wochen sind die Jungvögel selbständig. Eistaucher sind tauchende Jäger, wie der Name vermuten lässt. Sie ernähren sich von kleineren Fischen, Fröschen, Krebsen und Weichtieren. Der Eistaucher ist der Nationalvogel Kanadas. Eine Einschätzung zeigt, dass Eistaucher in ihrem Bestand nicht fährdet sind, auch wenn man sie nicht sehr oft in der Natur entdeckt.
Meine Augen und Ohren wurden auf den zahlreichen Sommertouren etwas sensibilisiert und ich halte oft Ausschau nach Eistauchern. Auf der letzten Reise Island entdecken mit Papageitauchergarantie sah ich den ersten in den späten Abendstunden bei Eskifjördur.
Wir hofften sie in Raufarhöfn zu treffen, aber nur der spezielle klagende Balzruf drang zu unseren Ohren. Ganz unverhofft und zum Glück mit Kamera entdeckte ich die eingangs erwähnte Eistaucher-Familie auf dem Uferweg des Myvatn-Sees bei Skutustadir. Dort sagte ich wegen unvorteilhaften Wetters nur einen kurzen Stopp an, sprang aber auch gleich aus dem Bus und ging zügig um den ersten Krater und gleich danach hinunter auf dem Weg, der dem See entlang führt. Wind sei Dank, hatte es gar keine Mücken. In früheren Jahren hatte ich hier Odinshühnchen, Ohrentaucher und weitere Enten entdeckt. Heute warteten die Eistaucher und wie mir schon oft auffiel, zeigten sie sich dort alleine. Ob sie andere Wasservögel von der Nestnähe vertreiben, weiss ich nicht. Aber meine Kamera war mit mir und ich freute mich über die Bilder auf dem Kamerabildschirm und später am Computer. Was für ein glücklicher Moment war mir da beschieden. Eigentlich hätte ich eine Himbrimi verdient, einen in Reykjavik hergestellten Gin. Vermutlich kaufe ich den bei der nächsten Reise im Duty Free Shop. Ja, Island ist im Sommer ein unglaubliches Ornithologenparadies!