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Online-Konferenz: Entrechtete Körper - Vergleichen, Normieren, Urteilen, Leben, 1450-1850
Vergleiche ordnen die Welt und Weltwahrnehmung. Zu vergleichen bedeutet, Ähnlichkeiten und Differenzen festzustellen, zu behaupten, zu konstruieren. Häufig sind die vielfältigen Verknüpfungen untereinander mehrdeutig und erweisen sich als dynamisierend und elastisch, wenn es darum geht, bisher Unbekanntes in die Vergleichs- und Weltordnung zu integrieren. Die Frage, wie durch das Vergleichen historisch die Welt verstanden und geordnet wurde, leitet durch die Konferenz. Von besonderem Interesse sind Grenz- bzw. Begegnungszonen - religiöse, territoriale, kulturelle, gesellschaftliche. Die in der Frühen Neuzeit sich verdichtenden, globalen Verflechtungen erweiterten das Feld der Vergleichspraktiken. Besonders deutlich wird das in der Wissensgeschichte. Im Fokus unserer Tagung stehen deswegen Körper, denn auch für Körper, Körperwahrnehmung sowie damit verbundene Konzepte von Ordnung und Natur bedeutete die Zunahme der zum Vergleichen verfügbaren Körper eine spannende Herausforderung. Diese Erweiterung bedeutete auch, neu und anders vergleichen zu können: Welche Kriterien wurden neu in den Vergleichskanon aufgenommen, welche veränderten, wie zum Beispiel die Hautfarbe, ihre Bedeutung und mit welchen Konsequenzen? Welche Bedeutung hatten diese Vergleiche für die naturrechtlichen Grundlagen der globalen Interaktion, für Konfliktbewältigung und Kolonialisierung, für die grundsätzliche Frage nach Zugehörigkeit und Menschlichkeit?
Menschliche, tierische, weibliche, männliche, junge, alte, dunkle, helle, muslimische, jüdische, christliche, große, kleine, gesunde, beschädigte und viele Körper mehr standen im Fokus konkurrierender Diskurse und Herrschaftsansprüche zwischen 1450 und 1850. Uns interessiert, welche Struktur die genutzten Vergleichspraktiken haben, welche Vergleichseinheiten (comparata) durch welche Vergleichskriterien (tertia) konturiert und konstruiert wurden. Dadurch erhoffen wir uns Aufschlüsse darüber, welche Deutungs- und Handlungsmacht über Körper behauptet (auch im Sinne des Selbstbehauptens), hergestellt oder in Frage gestellt wurde. Konkurrierende Körper- und Rechtskonzeptionen, etwa in den Americas oder in den Regionen und Kulturen Asiens, beeinflussten, so eine Hypothese, auch diejenigen Körperpraktiken, die über europäische Akteure ausgetragen und vertreten wurden.
Die Konferenz findet online statt. Wir werden gemeinsam Arbeitspapiere der Beitragenden diskutieren. Bei Anmeldung (leo.siekeruni-bielefeldde) werden Ihnen die Zugangsdaten vor Beginn der Veranstaltung mitgeteilt.
Wann:
15. Juni 2020 – 16. Juni 2020
Themen:
Disziplinen:
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