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«Die Kuh ist kein Klimakiller!» Ein Buchtitel, eine Schlagzeile im Jahr 2010. Ist das heute noch ein Thema? Die Kuh produziert viel Methan, egal was sie frisst. In einem weiteren Kontext macht es aber einen grossen Unterschied, ob die Kuh Getreide oder Gras frisst. Über die Kuh zu urteilen ohne über ihr Futter zu sprechen macht keinen Sinn.
Graslandflächen können oft nur mit Hilfe der Kuh zur Nahrungsmittelproduktion beitragen, da viele davon nicht als Ackerland taugen. Grasland speichert viel Kohlenstoff, der bei Umbruch zu Ackerland – wo dies möglich wäre - als klimawirksame Emissionen verloren ginge. Grasland ist wichtig für die Biodiversität. Grasland spielt eine grosse Rolle beim Wasserhaushalt ganzer Regionen und für den Hochwasserschutz. Und Grasland ist im Tourismus beliebt. All dies ist nicht gratis. Die Kuh auf dem Grasland erlaubt es, diese Leistungen quasi als Nebenprodukt der Fleisch- und Milchproduktion bereitzustellen.
Stellen wir also die Kuh auf die Wiese statt auf den Acker. Wir lassen das Kraftfutter weg und haben dann weniger Kühe, tiefere Milchleistungen und Fleischerträge, und produzieren insgesamt weniger Fleisch und Milch. Das muss ökonomisch erst mal funktionieren, aber dies klammern wir hier aus. Wir brauchen dann weniger Ackerflächen für Futtermittel und haben mehr Flächen für die Nahrungsmittel, es gibt weniger Methan und Mist. Nicht die einzelne Kuh ist der Klimakiller, sondern die sehr grosse Anzahl Kühe und die Produktion der Futtermittel, die anstelle von Gras verfüttert werden.
Produzierten wir auf diese Art viel weniger Fleisch und Milch in der Schweiz, dann würden diese Produkte wohl importiert werden, um die Nachfrage zu decken. Die über 50 Prozent Treibhausgasemissionen unseres Essens, die über Importe im Ausland anfallen, erhöhten sich weiter. Über die Kuh und das Grasland zu sprechen ohne über den Konsum zu sprechen macht also auch keinen Sinn.
Die Klimastrategie Landwirtschaft von 2011 will bis 2050 je einen Drittel der Landwirtschaftsemissionen über Produktions- und Konsumänderungen reduzieren. In der Produktion tut sich einiges, es ist aber komplex und aufwändig, und die Effekte sind oft klein. Im Konsum, wo die grösste Hebelwirkung möglich wäre, tut sich – nichts. Dies müssen wir in der Diskussion um Klimaschutz in der Landwirtschaft ändern. AM, CS
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 22.06.2015