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Statutenänderungen des Berliner Bezirksvereines.
Der Berliner Bezirksverein des Vereines deutscher Ingenieure hat in der Generalversammlung vom 26. April 1867 nachstehende Statutenänderungen beschlossen, welche mit Rücksicht auf § 50 (Bb. I, S. 38 d. 3.) vom Vorstande des Hauptvereines genehmigt find:
1) Nicht wieder wählbar für das nächste Jahr ist der Vorfizende als solcher. Werden 3 oder 4 Vorstandsmitglieder wiedergewählt, so scheiden von diesen einer oder
Zweigverein.
Technischer Verein für Eisenhüttenwesen. (Fortsetzung von Seite 545.)
Generalversammlung vom 24. März 1867 in Düsseldorf (Schluß von Seite 545).
Darauf brachte der Vorstzende den von Hrn. Petersen formulirten Antrag, dahin lautend:
„Der technische Verein für Eisenhüttenwesen befürwortet die Gründung eines Lehrstuhles für Eisenhüttenkunde, überläßt jedoch die näheren Bestimmungen über die Ausdehnung der Vorträge und das Verhältniß zu dem Laboratorium den von dem zollvereinsländischen Eisenhüttenvereine und dem diesseitigen Vereine zu wählenden Ausschüssen“,
Mittheilungen
aus den Sißungsprotokollen der Bezirks- und 3weigvereine.
zur Abstimmung, und fand derfelbe einstimmige Annahme.
"
Nach Schluß der Generaldebatte wurden die vorgelegten Grundzüge zu einem Uebereinkommen mit dem zollvereinsländischen Eisenhüttenvereine behufs Errichtung eines Centrallaboratoriums nebst Lehranstalt“ ebenfalls einstimmig angenommen, und sodann zur Wahl des Betriebsausschusses geschritten, welche die HHrn. C. Petersen, H. Beitter und C. Winger ergab.
Der hierauf gefolgte Vortrag des Hrn. Schlink über Ehrhardt'sche direct und doppelt wirkende Wasserhaltungs= maschinen wird an anderer Stelle dieser Zeitschrift ausführlich mitgetheilt werden.
Zum legten Gegenstande der Tagesordnung bemerkte der Ref. Hr. C. Winzer Folgendes:
zwei durch Erklärung oder durch das Loos aus, in Stelle welcher eine Neuwahl stattfindet.
Die Patentfrage tauche von Zeit zu Zeit immer wieder auf und sei namentlich seit dem Zusammentritte des norddeutschen Parlamentes wieder en vogue, da verlaute, daß die Vorlage eines neuen Patentgeseßes für den norddeutschen Bund vorbereitet werde. Redner erläuterte, wie ein großer Theil der Volkswirthe principiell für den Wegfall jeglichen Patentschußes agitire; daß man bei Begründung dieser Ansicht u. A. als Beweis anführe, wie auch in technischen Kreisen die gänzliche Aufhebung der Patente entschieden gewünscht werde, und daß es die höchste Zeit sei, dieser seiner Ueberzeugung nach gänzlich verfehlten Ansicht auf das Kräftigste entgegenzuwirken. Namentlich wünschte Redner, daß der Verein in entsprechender Weise sich mit maßgebenden Persönlichkeiten im Reichstage in Verbindung sete, und erbot sich, den Entwurf zu einer vom Vereine zu verbreitenden Broschüre einzureichen, welches Anerbieten dankend angenommen wurde. Ein Hinweis auf die fruchtbringenden Folgen des angemessenen Patentschußes in den Vereinigten Staaten schloß mit Vorlesung des S. 479 d. Bd. d. 3. abgedruckten Artikels. Ed. Elbers, Schriftführer.
2) In der legten Generalversammlung des Jahres wird ein Etat für das nächste Jahr durch dieselbe festgestellt, und danach mit Rücksicht auf die Mitgliederzahl der Beitrag bestimmt, welcher in halbjährlichen Raten pränumerando erhoben wird.
3) Jedes Mitglied ist zur Zahlung der halbjährlichen Beiträge so lange verpflichtet, bis es seinen Austritt dem Vorsitzenden schriftlich anzeigt.
Aachener Bezirksverein.
(Fortsetzung von Seite 364.)
Sigung vom 16. März 1867. · Vorstzender: Hr. F. Baur. Protokollführer: Hr. E. Dittmar.
Discussion über vom Hauptvorstande gemachte Vorlagen.
Hr. E. Landsberg vervollständigte seinen in einer früheren Sizung gehaltenen Vortrag über die Tunnelarbeiten am MontCenis durch eine Besprechung der dabei verwendeten Gesteinsbohrmaschinen. *)
Versammlung vom 17. April 1867.
Einer freundlichen Einladung des Hrn. Bilharz, Betriebsdirector der Altenberger Gesellschaft in Moresnet, gaben die Mitglieder des Bezirksvereines freudig Folge, indem sie am 17. April eine Excursion nach dem Altenberge unternahmen.
Gegen 10 Uhr begann unter der Führung des Hrn. Bilharz und unter Begleitung mehrerer anderer Herren Beamten der Vieille Montagne die Grubenfahrt.
Die berühmten
Galmeilagerstätten des Altenberges
im neutralen Gebiete Moresnet sind schon seit Jahrhunderten in ununterbrochenem Betriebe. Eine eingehende Beschreibung der selben von Hrn. Ober-Ingenieur M. Braun findet sich in der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft (Bd. IX, S. 363). Der Kohlenkalk bildet hier eine Mulde zwischen zwei Sattelrücken von Ober-Devon, welche sich gegen Süd-Weft mit 10 bis 20 Grad einsenkt und daher in dieser Richtung immer breiter wird. Gegend Nord-Oft kommt beinahe nur Dolomit vor, auf welchem die große Maffe des Galmei's, über denselben an den Rändern übergreifend, aufliegt. Der Dolomit hat hier nur geringe Mächtigkeit, bildet das Liegende des Galmei's und tritt erst weiter gegen Süd-West im Hangenden deffelben auf.
Die Erzmasse besteht aus einem derben, meist körnigen Gemenge von Kieselzinkerz und Zinkspath, in welchem stellenweise Partieen von Willemit (wasserfreiem kieselsaurem Zinkoryd) auftreten.
Der Dolomit, im Hangenden gegen Süd-West, in welchem zur Zeit die Bohrarbeiten durch die Sachs'schen Maschinen betrieben wurden, ist sehr fest und quarzig. Die Maschine, deren Wirksamkeit betrachtet werden sollte, war vor Ort aufgestellt.
Der Güte der HHrn. Bilharz und Sachs verdanken wir sowohl ausführliche Mittheilung über die mittelft der Bohrmaschine
*) Mit Rücksicht auf die in dem Werke von Rziha über Tunnelbau enthaltene Beschreibung dieser Maschinen wird auf Wiedergabe dieses Vortrages an dieser Stelle verzichtet. D. Red. (L.)
erlangten Resultate, als auch eine genaue Zeichnung und Beschreibung der Maschine und ihres Gestelles, welche im nächsten Hefte dieser Zeitschrift ausführlich wiedergegeben werden sollen.
Die außerordentliche Wirkung der Maschine bei dem festen Gesteine, die Leichtigkeit der Maschine selbst und die leichte Be= weglichkeit derselben in dem Döring'schen Gestelle fanden den ungetheilten Beifall aller anwesenden Fachmänner.
Nach einer allgemeinen Besichtigung des Grubenbetriebes erfolgte gegen 1 Uhr die Ausfahrt, worauf sich die Theilnehmer zu einem Mittagsimbiß versammelten, zu welchem Hr. Director BilHarz im Namen seiner Gesellschaft mit großer Gastfreundlichkeit eingeladen hatte.
Nach erfolgter Restauration wurde ein Spaziergang nach einem auf der anderen Seite des See's gelegenen Steinbruche unternommen, woselbst
Versuche über die Wirksamkeit des Nobelschen Sprengöles angestellt werden sollten. Das Nitroglycerin*) kommt jezt auf dem Altenberge auch beim Grubenbetriebe außerordentlich viel in Anwendung, nachdem man es verstanden hat, demselben den größten Theil seines gefährlichen Charakters zu nehmen.
Das Gefährliche dieses Sprengmittels bestand vorzugsweise in der leichten Explodirbarkeit durch selbst geringe Stöße; so daß einestheils der Transport, andererseits auch das Aufbewahren desselben sehr difficil war. Diese Explodirbarkeit verliert das Nitroglycerin vollständig, wenn man dasselbe mit Metylalkohol verseßt. Das so entstandene Gemisch ist durchaus unerplodirbar. In diesem Zustande kann das Sprengöl nach Belieben transportirt und aufbewahrt werden. Um der Masse nun zum Gebrauche die explosive Eigenschaft wiederzugeben, schüttelt man sie mit warmem Wasser. Lezteres löst den Metylalkohol, und das Nitroglycerin, als specifisch schwerer, sinkt zu Boden und wird aus den Gefäßen mittelst eines am Boden befindlichen Hahnes abgezogen. Dieses Demetylistren geschieht denn unmittelbar vor dem Gebrauche.
Die mächtige Wirkung des Sprengöles hatte man später im Steinbruche zu beobachten Gelegenheit, wo eine Reihe von Schüssen losgelassen wurde.
Um die Wirkung dieses Sprengmittels einigermaßen annähernd meßbar zu machen, wurden vor jedem Schuffe die Lage des Bohrloches bezüglich der Grenzen des Gesteines, sowie seine Tiefe constatirt. Das zu sprengende Gestein war Kohlenkalkstein, die Ladung jedesmal ca. Liter Sprengöl, die Tiefe des Bohrloches 5 Fuß (1,57).
Vor dem ersten Bohrloche stand noch eine feste Steinmasse von ca. 67 Fuß (2") Breite an. Die Wirkung des Schusses war eine imponirende; eine Steinmasse von 250 bis 300 Cbkfß. (7,5 bis 9 Cbkmtr.) wurde unter dumpfem Krachen den Berg hinabgeschleudert, während das benachbarte Gestein zerklüftet wurde. Die Höhe der fortgeschleuderten Masse betrug ca. 16 Fuß (5TM), also etwa 11 Fuß (3TM,5) mehr, als die Tiefe des Bohrloches.
*) Vergl. hierüber Bd. VII, S. 580; Bd. IX, S. 549 und 730; Bd. X, S. 355 und Bd. XI, S. 501, 615 u. ff. D. Red. (L.)
Abhandlungen.
Ueber das Nitroglycerin, seine Eigenschaften und seine Anwendung.
Von Dr. K. Lift.
II. Die Wirkung des Nitroglycerin's als Sprengmittel. (Fortseßung von Seite 501.)
22. Bedeutende Erfolge, ja vielleicht die bedeutendsten hat das Nitroglycerin in solchen Gesteinen gehabt, welche durch ihre Festigkeit und den Mangel einer eigentlichen Schichtung ausgezeichnet sind. Einem interessanten Bericht über seine Anwendung in Basaltlava entnehmen wir Folgendes:
"/
Der Bruch, in welchem die Sprengungen ausgeführt wurden, befindet sich in der Nähe von Seck im nassauischen Amte Rennerod und ist etablirt auf ein großartiges Vorkommen von schöner poröser Basaltlava (Mühlfteinlava), wie sie in ganz gleicher Beschaffenheit in den berühmten Mühlsteinbrüchen von Niedermendig und Mayen 2. auftritt und dort wie hier zu Mühlsteinen, Maschinenund sonstigen Hausteinen aller Größen und Gattungen verarbeitet wird. Diese Basaltlava bestzt eine so große Zähigkeit, wie kaum ein anderes Gestein, und war deshalb zur Erprobung der Explosivkraft des Nobel'schen Sprengöles sehr geeignet. Die Absonderung der Basaltlava bei Seck ist eine sehr dickbankige und großblockige, wobei das Gestein hin und wieder von feinen Schnitten und Klüftchen durchzogen ist, welche dasselbe, ebenso wie bei Niedermendig 2c., in große, mehr oder weniger regelmäßige Verticalsäulen theilen. Die Gewinnung der Steine findet vermittelst großer Tagebaue statt. In einem solchen Tagebaue wurden die Sprengversuche mit Nitroglycerin vorgenommen und sollten zum Zwecke haben, theils von oben und einer Seite freigelegte Gesteinsmassen abzu= trennen, theils nur von oben entblößte, aber ringsum noch fest geschlossene Maffen aus der Tiefe loszuheben.
Es waren, diesem Zwecke entsprechend, verschiedene Bohrlöcher von 3 bis 6 Fuß (1 bis 2TM) Tiefe und 1 bis 14 Zoll (26 bis 32mm) Durchmesser geschlagen worden, welche zum Theile unter Wasser standen und alle so angeseht waren und so viel vor hat= ten, daß ste, mit Pulverladungen versehen, wohl kein oder doch nur ein sehr geringes Resultat gehabt haben würden. Nachdem man denselben die den jedesmaligen Verhältnissen entsprechenden Delladungen im Gewichte von 6 bis 12 Loth (nur in einem Falle wurde ein starkes Pfund Sprengöl genommen, weil der betreffende Schuß gar zu gespannt saß und einen großen Gesteinsblock bis in beträchtliche Tiefe lösen sollte), theils mit, theils ohne Patronen gegeben und entweder mit losem Sande, Letten oder bloßem Wasser besezt hatte, wurde das Sprengöl mittelst Bickford'scher Zündschnur zur Explosion gebracht. Die Schüsse entluden sich meistens mit ziemlich starker Detonation, ohne jedoch nur annähernd so viele Gesteinsbrocken in die Höhe zu werfen und umher zu streuen, als dies in der Regel bei Gesteinssprengungen mit Pulver zu ge= schehen pflegt.
Die hervorgebrachte Wirkung war eine ganz außerordentliche und kann derselben diejenige des Sprengpulvers nicht im Entferntesten gleich gestellt werden. An Stellen, wo erfahrungsmäßig die stärkste Pulverladung fast ohne allen Einfluß auf das feste Gestein geblieben wäre, hatte das Nitroglycerin in erwünschtester Weise gewirkt und Blöcke von 300 bis 400 Cbffß. (9 bis 12 Cubikmeter) Inhalt abgetrennt und aus ihrem Lager gerückt, so
wie auch das angrenzende Gestein sowohl abwärts als rückwärts mit weitgehenden Rissen durchzogen, welche außer dem direct ge= lösten Gesteine noch die leichte Gewinnung großer Gesteinsblöcke ohne neue Schüsse erreichen ließen. Wo aber auch eine noch so große Masse des Gesteines gelöst und in einzelne große Steinblöcke zertheilt war, da war dennoch nur ein sehr kleiner Theil des Gesteines zerschmettert und zerbröckelt, sondern nur eben so viel aus dem Lager gehoben und zerspalten, daß man die einzelnen Blöcke leicht wegräumen konnte, aber nur sehr wenig Steinverluft hatte, der in keinem Verhältnisse stand zu demfenigen, welcher in der Regel durch Pulversprengungen herbeigeführt wird.
Daß diese eigenthümliche Eigenschaft der Sprengungen mit Nitroglycerin, abgesehen von der damit in Verbindung stehenden größeren Gefahrlosigkeit bezüglich des Umhergeschleudertwerdens der Gesteinsbrocken, von besonderem Nußen für die Gewinnung von Mühl- und anderen großen Hausteinen ist, liegt auf der Hand. Ein anderer Hauptvortheil bei der Anwendung des Sprengöles in solchen großen Werksteinbrüchen liegt darin, daß man es dabei in der Hand hat, die Gesteinsmassen nach jeder Richtung hin zu zertheilen (schneiden) und so Blöcke von beliebiger Größe zu erhalten. Dies zeigte sich am Auffallendsten bei einem freiliegenden compacten Steinblocke von ca. 500 Cbffß. (15 Cbkmtr.) Inhalt, den man in zwei Hälften theilen wollte. Nachdem man diesen colossalen Block ohne Rücksicht auf die Lagerfläche, sondern der= selben entgegengesezt, nämlich in verticaler Richtung durch Einhauen einer etwa 2 3oll (50mm) tiefen Furche gerißt hatte, ließ man in diese Furche ein etwa 3 Fuß (1") tiefes Bohrloch schlagen und versah dasselbe mit einer kleinen Oelladung unter Wasserbesaß. Nach erfolgter Explosion war der Stein in zwei Hälften getheilt und zwar genau in der Richtung der vorgezeichneten Linie.
An einer Stelle hatte ein einziger Schuß mit Sprengöl so viel gewirkt, wie vielleicht 40 bis 50 Pulverschüsse, und hierzu war 1 Pfd. Oel verwendet worden.
23. Ueber erfolgreiche Sprengungen im Granit giebt A. Nobel in seinem Prospecte mehrere Mittheilungen aus schwedischen Zeitungen. „Dagligt Allehanda" schreiben vom 14. März 1865:
Ein Bohrloch von 12 Fuß (3,4) Tiefe wurde mit 5 Pfd. Nitroglycerin geladen, wodurch die ungeheure Kraft erzeugt wurde, daß 5400 bis 6480 Cbffß. (160 bis 200 Cbkmtr.) von einem Gewichte von 7347 bis 8816 Zolletrn. Granit ausgesprengt wur= den. Es war sichtlich, daß dieser Schuß außerdem mehrere Meter lange Risse im Berge erzeugt hatte.
Eine mit Experientia gezeichnete Correspondenz des „Berggeist" (1866, Nr. 78) berichtet:
Ich habe vor einiger Zeit einen Tunnel durch harten Granit geführt und Schießbaumwolle angewendet, da diese weit kräftiger wirkt als Pulver; aber während der lezten zwei Monate brauchte ich Nitroglycerin zu den größeren und hauptsächlichen Sprengungen, und die Schießbaumwolle bei den kleineren, wobei sich das Re
sultat ergab, daß dieselben Leute den Tunnel in derselben Zeit gerade doppelt so weit brachten, als sie es mit Schießbaumwolle vermochten.
24. Der Festigkeit des Gesteines ist wohl auch der Erfolg zuzuschreiben, den das Nitroglycerin im massigen Kalksteine der älteren Formationen gehabt hat.
Eine großartige Wirkung wird aus einem Steinbruche in der Nähe der Emmaburg bei Aachen (vermuthlich im Kohlenkalke) in der Nobel'schen Broschüre mitgetheilt:
"
In eine 30 Fuß (9,5) hohe und über 50 Fuß (15") faft seiger und freistehende Wand von sehr festem compactem Kalksteine wurde ein Bohrloch von 1 3oll (40mm) Durchmesser 10 Fuß (3) tief gebohrt, und mit 1 Liter Sprengöl geladen. Das Bohrloch stand in einem Drittel der Länge der Wand und hatte nach der Wurffeite 10 Fuß (3") vor. Als der Schuß logging, war die Erschütterung auf 40 bis 50 Schritte vom Bohrloche entfernt noch so stark, daß dieselbe mit einem leichten Erdbeben verglichen werden kann.
Die Wirkung des Schusses war ebenfalls eine sehr großartige. Nach der längeren Seite vom Schuffe war das Gebirge über 20 Fuß (6TM) weit gerissen, und nach der kürzeren Seite waren die Risse bis in den Berg hinein wahrzunehmen. Völlig losgetrennt und geworfen hatte der Schuß verhältnißmäßig wenig, obenan 2 bis 3 Cbkmtr. meist in großen Blöcken; aber die ganze mit Sprüngen durchzogene Masse, welche sich mit der Keilhaue und Brechstange resp. mit Keil und Schlägel, unter Anwendung einiger kleiner Hülfsschüsse, gewinnen ließ, beträgt 3000 bis 4000 Cubiffuß (93 bis 123 Cbkmtr.).
Bei allen Versuchen hat sich herausgestellt, daß ein Werfen des Gesteines resp. Wegschleudern auf größere Entfernung, wie dieses beim Sprengpulver fast immer der Fall ist, nicht vorkommt, søndern daß sich der Effect auf ein ausgedehntes Reißen und Zer= trümmern der Masse beschränkt; mithin ist das Sprengen des Gesteines mit Sprengöl auch nicht so gefährlich, als das mit Pulver, und daher bei Steinbrüchen und Tagebauten überall zu empfehlen.'
"
Ebenso günstig fielen die Versuche aus, welche am 7. Juni 1865 vor einem auserwählten, aus deutschen und belgischen Gelehrten und Ingenieuren bestehenden Publicum bei Altenberg ausgeführt sind, und über welche in den „Compt. rend.", T. 61, S. 122 (im „Polytechn. Journal", 177, 485) berichtet ist.
25. Ueber die in den Galmeigruben von Altenberg bei Aachen gemachten Versuche bringt die Nobel'sche Broschüre einen interessanten ausführlichen Bericht. Die ersten Versuche, bei welchen sehr tiefe Bohrlöcher 6 bis 7 Fuß (1,8 bis 2,2) mit bedeutenden Mengen Sprengöl geladen wurden (1 bis 11 Liter, also 11⁄2 bis 21 Pfd.), führten zu der Ueberzeugung, daß auf diese Weise die Anwendung des Nitroglycerin's nicht vortheilhaft sei*), indem zwar an der Mündung des Schusses das Gebirge in weitem Umkreise gerissen war, aber seine Hauptwirkung in einer merkwürdigen Zermalmung des Gebirges in der nächsten Umgebung des Bohrloches bestand. Es wurden nun Versuche mit kleineren Schüssen gemacht, zulezt nur 24 bis 26 Zoll (628 bis 680mm) tiefe Löcher mit kaum 1 Cbfzll. (18 Cbfcntmtr.) Sprengöl geladen; „jedesmal war die Wirkung überraschend gut, indem die ganze vorstehende Masse weggerissen wurde, so daß bei keinem der
*) Aehnliches haben auch die ersten Versuche in dem Iserlohner Bergbaue ergeben.
Löcher etwas stehen blieb, wie dies so häufig bei dem gewöhnlichen Sprengpulver der Fall ist, wo dann die sogenannten Orgelpfeifen von 4 bis 6 Zoll (105 bis 155mm) im Tiefsten des Loches stehen bleiben“, namentlich wenn der Schuß etwas gespannt ist.
Der Bericht des Oberbergamtes zu Dortmund giebt Daten über die in dem Iserlohner Galmeibergwerke (auf dem Schachte „von Hövel“) gemachten Versuche:
,,Beim Betriebe des Querschlages, welcher in festgeschlossenem Kalk steht, stellte sich die Arbeitsleistung bei Anwendung des Sprengöles auf beinahe das Dreifache der mit Pulver erzielten. Beim Schachtabteufen, welches ebenfalls in ganz geschlossenem Kalkgebirge umgeht, konnte man beim Gebrauche des bisherigen Sprengpulvers bei ununterbrochener Belegung nur 1 Lachter (2TM) pro Monat niederkommen; bei Anwendung des Nitroglycerin's hat sich die Leistung bei gleicher Zeit und Belegung auf 24 Lachter (5") gesteigert. Dabei betrug das Gedinge beim Sprengen mit Pulver 556 Thlr., bei der Anwendung des Sprengöles 225 Thlr., während sich die Kosten für den Verbrauch des Leßteren auf 50 Thlr. gegenüber den bisherigen Pulverkosten von 30 Thlr. pro Lachter (15 Thlr. pro Meter) beliefen."*)
26. Am meisten Aufsehen hat wohl die Anwendung des Nitroglycerin's zur Sprengung großer Eisen massen erregt, welche ihrer großen Festigkeit wegen der Sprengkraft des Pulvers vollkommen widerstanden. Die Versuche, welche zu diesem Zwecke gemacht wurden, find immer von großem Erfolge gekrönt. Es liegen darüber Berichte aus Fahlun in Schweden, Hamburg, Brüssel, Falmouth, Haspe, Haßlinghausen, Altenberg bei Aachen, Rothe Hütte am Harz, Königshütte in Oberschlesten**) u. a. D. vor. Wir wollen daraus nur zwei Beispiele auswählen.
Am lezteren Orte hatte sich unter der Abstichöffnung eine Eisenmasse von 600 Ctr. Schwere angesammelt. Versuche, dieselbe durch Pulver zu sprengen, behufs deren ein 24 Zoll (628TM) tiefes Loch von Zoll (32TM) Durchmesser gebohrt und mit 1 Pfd. feinem Pulver geladen war, hatten nicht den geringsten Erfolg gehabt. In dasselbe Loch wurden 44 Loth Nitroglycerin gegossen, die mit dem Zünder verbundene Patrone eingesezt, sodann das Bohrloch mit losem trockenem Sande besezt und der Zünder in Brand versezt. Der Schuß entlud sich mit dumpfem Knalle, und ein Block von etwa 150 Ctr. wurde losgerissen. Durch fortgesette Sprengungen hat man nachher die ganze Sau in Blöcke von 10 bis 50 Ctr. zerkleinert.
Dabei ist die Menge von 4 Loth Sprengöl niemals überschritten worden; die Bohrlöcher sind stets rein ausgebrannt, und an den Wänden findet sich nicht der geringste Rückstand. Als Bedingung für eine sofortige Absprengung haben sich tiefe Bohrlöcher ergeben; in Wirklichkeit ist jedoch kein Schuß ohne Wirkung, denn das zu sprengende Stück reißt beim zweiten oder dritten Schuffe in mehrere Stücke, während ein Eisenblock, wenn der erste Schuß schon wirkt, gewöhnlich nur in zwei Theile zerreißt." (Nach dem, Berggeist"; 1865, Nr. 102).
von 6 bis 8 Loth in 16 bis 18 Zoll (420 bis 470TMTM) tiefe und † Zoll (24TMTM) weite Löcher geladen wurde, in einzelne Stücke zu zertheilen, die eine Wegräumung möglich machten („Berggeift“; 1865, Nr. 70).
Gewiß ist auf diese Sprengungen, in einem Materiale, worin alle bisherigen Sprengmittel versagten, besonderes Gewicht zu legen. Daß durch das Nitroglycerin nicht nur die Wegräumung solcher großer Eisenmassen erleichtert, sondern auch ihre weitere nüßliche Verwendung möglich gemacht wird, braucht kaum hervorgehoben zu werden.
27. Als Gegensatz zu den Sprengungen in massigen Gesteinen möge hier folgende Mittheilung aus Hirschberg Plaß finden.
„Daß im lockeren Gesteine die Wirkungen für das Auge nicht so eclatant hervortreten können, ist sehr natürlich, und daher mögen sich auch wohl einige divergirende Urtheile schreiben. Es hat sich aber bei dem Versuche auf hiesigem Bahnhofe, welcher anfangs erfolglos schien, nachträglich die vollständige Lockerung der Gesteinund Geröllmasse herausgestellt, so daß die Räumung derselben ohne weitere Schwierigkeit erfolgen konnte. Lockere Steinmassen zerreißen nur bei der Anwendung des Sprengöles" (,, Berggeift"; 1865, Nr. 86).
28. Endlich müffen wir noch der Wassersprengungen erwähnen, über welche das „Hamburger Gewerbeblatt" (1866, Nr. 14) berichtet.
„Um einen Vergleich mit der Wirkung des Pulvers anstellen zu können, wurden zwei gleich große Blechbüchsen, von 14 Zoll (32TMTM) Durchmeffer und 8 Zoll (205TM) Länge, die eine mit Pulver, die andere mit Sprengöl gefüllt, mit einem Holzpfropfen verschlossen in einen Teich geworfen, und durch eine Zündschnur gezündet. Durch das Pulver wurde das Wasser nur wenige Fuß hoch gehoben; der Nitroglycerinschuß bewirkte,. daß das Wasser mehrere hundert Fuß hoch in Form einer Säule gehoben wurde und in der Luft in feine Atome zerbarst."
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"}
Eine starke Blechflasche, mit ca. 24 Pfd. Sprengöl geladen, erzeugte einen großartigen Effect. Eine Wassersäule, ähnlich einer großen Fontaine von 8 bis 10 Fuß (24 bis 3") Durch= messer, wurde auf 300 bis 400 Fuß (94 bis 125") Höhe ge= hoben, von welcher ste stäubend in den Teich zurückfiel. Rund um den Centralpunkt der Erplosion hob sich das Wasser wellenförmig, um in den gebildeten Krater zurückzustürzen; die Erde erzitterte, und der Boden des Teiches schien tief aufgewühlt zu sein.".
II. Diese tritt am deutlichsten bei der Wirkung in compacten Maffen hervor, welche der Ausdehnung der Explosionsgase nach allen Richtungen hin gleichen Widerstand entgegenseßen. Wenn A. Nobel dem Sprengöle auch in riffigem Gesteine bedeutende Vorzüge vor dem Pulver zuschreibt und es zur Verwendung in lockeren Maffen empfiehlt, wo das Pulver beinahe ohne Wirkung ist, so kann er hierfür als Bestätigung die aus Hirschberg mitgetheilte Erfahrung anführen (S. 619; 27.).
III. Das Nitroglycerin zeigt die geringste Wirkung in Massen, welche eine Absonderung nach verschiedenen Richtungen haben (wie z. B. die nach den drei Dimensionen spaltbaren Steinkohle und das Steinsalz). Der deffenungeachtet gemeldete günstige Erfolg in Schieferbrüchen läßt sich dadurch erklären, daß der Schuß seine Kraft senkrecht gegen die Hauptspaltungsrichtung ausüben konnte.
IV. Um die große Kraft des Nitroglycerin's beim Betriebe von Steinbrüchen oder beim Bergbaue auszubeuten, muß für das jedesmalige Gestein das zweckmäßigste Verfahren in Anordnung der Bohrlöcher, Beseßung u. s. w. durch Versuche ermittelt und vermieden werden, dem Sprengöle Unmögliches zuzumuthen. Wir adoptiren die Ansicht, welche Neimke in seinem Berichte über die Erfolge des Nitroglycerin's im Harze (S. 503; 5.) ausgesprochen hat, und die wir oben weggelassen haben, um sie hier auf die mit Nitroglycerin gemachten Versuche im Allgemeinen zu beziehen („Berg- und hüttenm. Zeitung"; 1866, Nr. 15, S. 122):
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Bei jedem bergmännisch zu gewinnenden Gesteine, welches in fich fest zusammenhängend ist, liegen die Grenzen für die Gesteinsmengen, welche einem Bohrloche auf die vortheilhaftefte Weise vorgegeben werden dürfen, nicht gar weit von einander; je enger die herauszuschießenden Räume sind, desto näher liegen diefelben zusammen; aber selbst bei weiten Grubenräumen gehen diese Grenzen nie so weit auseinander, daß man erwarten dürfte, mit einem Bohrloche auf eine zweckmäßige Weise das zwei- und mehrfache Gefteinsquantum loszusprengen, je nachdem man nämlich ein mehr oder weniger kräftiges (sonst aber gutes und starkes) Sprengmittel anwendet. Der Bergmann bezeichnet das einem Bohrloche vorzugebende Gesteinsquantum mit dem Namen, Geschick". Die Grenzen für ein solches Geschick reichen so weit, wie die Gesteinsmasse Freiheit zum Losbrechen oder Lossprengen besigt. Geht man mit dem Ansehen eines Bohrloches über diese Grenzen nur um die halbe Stärke hinaus, dann wächst der zu überwindende Widerstand im Gesteine gleich so bedeutend, daß ihn das kräftigste Sprengmittel nicht mehr auf eine vortheilhafte Weise zu überwigden im Stande ift."
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V. Am offenbarsten sind die Vorzüge des Nitroglycerin's in wassersüchtigen" Bohrlöchern, wo zu der größeren Sprengfraft noch hinzukommt, daß die Schwierigkeiten wegfallen, welche hier das Laden mit Pulver bietet. Die Gegenwart des Wassers ist ja nicht allein nicht hinderlich; es dient vielmehr selbst als Befagmaffe (vergl. S. 512, 11. u. S. 513).
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VI. Der ökonomische Vortheil ergiebt sich bei dem höheren Preise des Sprengöles nicht allein aus den größeren Gesteins mengen, welche durch die einzelnen Schüffe hinweggethan werden, sondern auch durch eine bedeutende Ersparniß an Arbeitslohn, indem nicht nur eine geringere Anzahl, sondern auch Bohrlöcher von geringeren Dimensionen erfordert werden (vergl. besonders S. 507 und S. 509).