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16 Mal hatte am Kilchberger Schwinget jeweils nur einer gewonnen. Nach dem 17. Mal dürfen sich drei Koryphäen mit Stolz und fortan Kilchberger Sieger nennen: Samuel Giger, Damian Ott und Fabian Staudenmann. Zwei Nordostschweizer und ein Berner.
Die drei sind gleichwertige Festsieger. Samuel Giger, der Saisondominator und hohe Favorit, wird im Rang 1a geführt, weil er im Schlussgang gestanden war und diesen – schon in der 2. Minute – gegen Kilian Wenger, den einzigen Schwingerkönig im erlesenen 60-köpfigen Feld, gewonnen hatte. In der kurzen Zeit war Giger selber zweimal in ernsthafte Bedrängnis geraten.
Nach dem 4. Gang wurde durch die ganze Schweiz vermeldet, Giger sei nach seinem zweiten gestellten Gang (gegen den Berner Nichteidgenossen Lukas Renfer) aus der Entscheidung gefallen. Richtig war jedoch: Aus eigener Kraft konnte der 23-jährige Thurgauer nicht mehr in den Schlussgang kommen. Er musste auf fremde Hilfe hoffen. Und die wurde ihm in den Gängen der vor ihm klassierten Schwinger in genügendem Mass zuteil.
Für die Entscheidung im Schlussgang gegen Kilian Wenger hätte Giger in einem normalen Gang eine 9,75 bekommen. Ott und Staudenmann wären an ihm vorbeigezogen. Aber vor ein paar Jahren ging der Eidgenössische Verband dazu über, dem Schlussgang-Sieger in jedem Fall eine 10,00 zu attestieren. Damit stellte man sicher, dass der Schlussgang-Sieger immer automatisch auch der Festsieger ist.
Fabian Staudenmann und Damian Ott hatten den Festsieg also schon vor dem Schlussgang mit Maximalnoten in ihren letzten Kämpfen sichergestellt. Der zweifache Saisonsieger Staudenmann war vor dem 6. Gang punktgleich mit Wenger und Giger. Den letzten Kampf gegen den Winterthurer Samir Leuppi gewann er mit einem Plattwurf, für den er die Maximalnote bekam. Ott, Aufsteiger der Saison und Gewinner der Bergkranzfeste auf dem Weissenstein und am Schwarzsee, war vor dem 6. Gang in der gleichen Ausgangslage wie Staudenmann. Und auch er siegte – gegen Bernhard Kämpf – platt.
Die drei Sieger reihen sich in Kilchberg in eine Liste überragender Triumphatoren. Die letzten Gewinner waren Jörg Abderhalden 2002, Christian Stucki 2008 und Matthias Sempach 2014.
Pechvogel Samir Leuppi
Samir Leuppi wurde mit grösster Wahrscheinlichkeit um die Teilnahme am Schlussgang geprellt. Der wuchtige Winterthurer Eidgenosse brachte früh in seinem Kampf des 5. Gangs den Berner Bernhard Kämpf auf den Boden. Leuppi drückte erfolgreich nach, liess danach vom Gegner ab und bejubelte seinen vermeintlichen Sieg, dank dem er als Punkthöchster im ganzen Feld in den Schlussgang eingezogen wäre. Aber der Platzkampfrichter gab das Resultat nicht und liess weiterschwingen. Es war riesiges Pech für Leuppi, der seinen Jubel wohl zu Recht verdient gehabt hätte. Er muss sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, dass er den Gegner nicht noch eindeutiger im Sägemehl fixierte, was nicht schwierig gewesen wäre. Nämlich so lange, bis er das “Gut” des Kampfrichters gehört hätte.
Collaud startete stark und wurde von Eidgenossen zurückgebunden
Mit je drei Siegen und drei Niederlagen konnte der junge Freiburger Romain Collaud am Kilchberger Schwinget einige Akzente setzen.
Der Südwestschweizer Verband konnte für das Kilchberger Schwinget fünf Schwinger stellen, drei davon kamen aus dem Kanton Freiburg: Romain Collaud (Vallon), Benjamin Gapany (Marsens) und Johann Borcard (Villars-sous-Mont). Das Los der drei Schwinger war unterschiedlich. Derweil Borcard keine Rolle spielen konnte und für ihn das Fest nach vier verlorenen Gängen (Remo Vogel, Damian Ott, Patrick Räbmatter und Adrian Steinauer) bereits zu Ende war, hatte Eidgenosse Gapany einmal mehr Verletzungspech zu beklagen. Der Greyerzer, der zuletzt bereits wegen Adduktorenproblemen für das Schwarzsee-Schwinget passen musste und sich zuvor auch schon mit einer Nackenblessur herumschlagen musste, wurde in Kilchberg schon wieder durch eine Verletzung ausgebremst. Nachdem er mit einem Sieg gegen Roger Erb in den Tag gestartet war, ehe er in der Folge nach einem mutigen Auftakt Joel Wicki im 2. Gang unterlag, verletzte er sich im 3. Gang gegen Domenic Schneider am Knie und musste das Fest vorzeitig aufgeben.
Mit Schönschwingerpreis ausgezeichnet
Damit richteten sich aus Freiburger Sicht endgültig alle Augen auf Collaud, der fulminant begonnen hatte. Nach Siegen gegen Sven Lang und den Eidgenossen Reto Nötzli hatte der 19-jährige Co-Sieger des Freiburger Kantonalen gar die Chance, als einziger Schwinger mit drei Erfolgen in die Mittagspause zu gehen. Im 3. Gang wartete allerdings mit Wicki einer der Festfavoriten. Dieser machte kurzen Prozess mit dem Freiburger. Mit dem Sieg gegen Michael Ledermann (Mamishaus) knüpfte Collaud nach dem Mittag an die zuvor guten Leistungen an, musste seine Hoffnungen auf einen absoluten Top-Platz dann aber mit der Niederlage gegen den weiteren Eidgenossen Nick Alpiger begraben. Und auch der weitere Routinier Roger Rychen – auch er ein Eidgenosse – war für die Freiburger Hoffnung zum Abschluss eine Nummer zu gross. Am Ende klassierte sich Collaud im geteilten 10. Rang, zusammen unter anderem mit dem Berner Ledermann, der beim Eidgenössischen 2019 in Zug noch für den Südwestschweizer Verband geschwungen hatte.
Die beherzte Leistung des Freiburgers blieb von den Experten selbstredend nicht unentdeckt. Die Ehrenmitglieder des Eidgenössischen Verbandes zeichneten Collaud mit dem Schönschwingerpreis aus.