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Bild des Monats Juli 2010: Robert Müller, porträtiert von Egon Schiele
Robert Müller zählte in den 1910er- und 1920er-Jahren zu den herausragenden Autoren des Expressionismus. Von den Zeitgenossen wurden seine Erzähltexte und Essays euphorisch aufgenommen; Robert Musil lobte die ‹animalische Kraft› der Sprache Müllers, Alfred Döblin schwärmte angesichts des 1915 erschienenen Romans Tropen von dessen ‹Explosionsstil›: «Auf einer Seite passiert soviel, wie früher in ganzen Büchern.»
Ausgehend von der zeitgenössischen Sinnesphysiologie zählen erkenntnistheoretische Fragen und solche der Wahrnehmung zu den zentralen Themen der müllerschen Prosa. Unter Bezugnahme auf die zeitgenössische Philosophie und auf technische und spiritistische Medien folgen Müllers Texte einer ‹Poetik des Visionären›: Sie erzählen von visionärem Erleben und wollen dieses zugleich erzeugen. Entscheidenden Anteil an diesem Prozess hat der Leser, der in die Textbewegung miteinbezogen wird und an der Textgenese partizipiert. Das Spannungsverhältnis zwischen medialen Übertragungen und ihrer Theoretisierung einerseits und Strategien der Erzeugung visionären Erlebens andererseits äußert sich in Präsenzeffekten – in Kippbewegungen zwischen einer Vorstellungs- und einer Reflexionsebene der Lektüre. Der Roman Tropen kann unter einer solchen Perspektive als Metatheorie des Medialen gelesen werden.