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Zunft Riesbach
Zünfte gab es in der Stadt Zürich seit der von Rudolf Brun 1336 eingeführten Revolutionsverfassung. Im Gegensatz zu anderen Städten hatten sie neben der Bedeutung als Berufsverbände eine ungewöhnliche politische Macht. Auf dem Lande gab es das nicht. Erst nach dem Zusammenbruch der alten Ordnung entstanden in der Mediationszeit (1803) Zünfte auch auf der Landschaft: Das Gebiet des Kantons Zürich wurde in fünf Bezirke eingeteilt, jeder Bezirk in dreizehn Zünfte. Sie hatten die Funktion von Wahlkreisen. Mit der Verfassung von 1831 verloren sie diese Funktion und wurden 1837 formell aufgehoben. Es ist umstritten, aber eher unwahrscheinlich, dass die Gründung der Zunft Riesbach an diese Tradition der Landzünfte anschliesst.
Ihren Anfang nahm die Zunft Riesbach bei einem Fasnachtsumzug, der am 28. Februar 1887 stattfand und wegen seiner fantasievollen Gestaltung, Grösse und Farbenpracht weitherum grosses Aufsehen erregt hatte. Die Initianten und Organisatoren gründeten dann am 3. April 1887 im Restaurant „Grütli“ einen Verein, um künftig „bei geeigneten Anlässen wie Fasnacht, Sechseläuten usw. humoristische Umzüge und Spiele“ durchzuführen. Diese „humoristische Gesellschaft“ wurde bald zu einem Brennpunkt des gesellschaftlichen Lebens und der Traditionspflege in der Vorortsgemeinde Riesbach. Die von ihr organisierten Anlässe genossen in der Bevölkerung Sympathie und Ansehen.
Der Weg zum Sechseläuten war daher nicht mehr weit: Nach der Eingemeindung im Jahre 1894 wurde die Gesellschaft eingeladen, am Sechseläutenumzug mitzuwirken, und am 9. Januar 1896 wurde sie ehrenvoll in den Zentralverband der Zünfte Zürichs aufgenommen und als Zunft Riesbach anerkannt. Sie ist damit nach der 1867 gegründeten Stadtzunft die zweite Zunft der „jüngeren Linie“.