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Was Gartner kann, können wir schon lange: Hier unsere beliebten Prophezeiungen für das Schweizer IT-Jahr 2007.
Prophezeiung 1: 2007 ist das Jahr, in dem die Institution des "potemkinschen CIOs" (auch "CAIO" (Chief Alias Information Officer oder "Krypto-CIO" genannt) einen triumphalen Durchbruch erleben wird. Grosse, mittlere und sogar kleine Firmen werden einen gut aussehenden, redegewandten Herrn, der viele viele Abkürzungen kennt und gerne kleine Häppchen im Stehen verzehrt, mit Visitenkarten, auf denen "Chief Information Officer" drauf steht, ausrüsten und diesen auf die Piste schicken. Während der CAIO von IT-Veranstaltung zu Kundentag zu Weiterbildungsanlass zu Podiumsdiskussion rast und dabei auch exotische Orte wie das Schilthorn nicht scheut, wird die Arbeit im Hintergrund durch den wesentlich besser bezahlten "Schatten-CIO" erledigt.
Kernkompetenz eines "potemkinschen CIO" ist die Fähigkeit, gleichzeitig einen kleinen Teller mit gebackenen Crevetten, eine Gabel und ein Glas Wein halten zu können, während er gewandt mit Vertretern von Firmen mit drei Buchstaben über die Vorzüge von SOA und BPO plaudert. Eine gute Leber und eine ausgesprochene Powerpoint-Philie sind Voraussetzung für diesen Job, der ansonsten keine weiteren Vorkenntnisse verlangt.
Suisa wird Urheberrechtsgebühren auf Neugeborene erheben
Prophezeiung 2: Die Suisa wird zusammen mit der Software-Hersteller-Lobby BSA und der Musikverlage-Lobby IFPI das Land mit einer Propagandawelle für die Einführung von Urheberrechtsgebühren auf dem menschlichen Hirn überziehen. Begründung: Da der Mensch fähig ist, auch urheberrechtlich geschützte Werke wie etwa Lieder oder Gedichte zu speichern und beliebig wiederzugeben, müsse auf dem Hirn als Speicher analog zu CD- und DVD-Rohlingen, USB-Speichern und überhaupt allen Speichern eine Grundgebühr erhoben werden.
Die Suisa verlangt eine entsprechende Ergänzung des Urheberrechtsgesetzes. Die Gebühr (30 Rappen pro Synapse) wird bei der Geburt eines Menschen von den Eltern erhobern.
Der Gesetzesvorschlag scheitert, weil die Frage, ob die Gebühren an Leute, die alles vergessen, zurückerstattet werden sollen, nicht geklärt werden kann.
Zürich liebt SAP
Prophezeiung 3: Ein herkulisches Projekt der Stadt Zürich wird 2007 für Gesprächsstoff sorgen. Diese Prognose ist totsicher, denn die Zürcher Stadtregierung plant doch tatsächlich, gleichzeitig eine gröbere Reorganisation durchzuziehen und mySAP einzuführen. Wenn das nur gut geht - wir werden es 2007 aber noch nicht erfahren.
"Extremely Genuine Multiple Advantage"
Prophezeiung 4: Microsoft wird den Kampf gegen Raubkopien unter dem Titel "Extremely Genuine Multiple Advantage" (EGMV) verschärfen. Beim Start eines Vista-PCs wird dem User künftig eine Geheimtelefon-Nummer in Grönland angezeigt. Dort muss man anrufen und eine 46-stellige Zahl (sowie Kreditkartennummern, E-Banking-Login und Passwörter) durchgeben. Als Antwort erhält man dann einen 108-stelligen Aktivierungscode, mittels dessen man zwar den PC noch nicht anwerfen, aber immerhin einen 48-seitigen Vertrag ausdrucken kann. Dieser ist mit eigenem Blut zu unterzeichnen und nach Bangalore senden. Von dort aus wird dann der PC soweit in Betrieb genommen, dass man seine Iris scannen und sich so als legitimer Besitzer des Betriebssystems ausweisen kann. Dieses Verfahren ist alle 60 Tage zu wiederholen. Für Firmen gibt es den EGMV-Server, worin Blutkonserven der Mitarbeitenden gespeichert und die Unterschriften automatisiert auf die elektronischen Vertragsformulare aufgebracht werden können.
Völlig neue Bedeutung für TCO
Prophezeiung 5: IBM seinerseits wird dem beliebten Kürzel "TCO" einen völlig neue Bedeutung geben. Statt "Total Cost of Ownership" wird TCO künftig für "Total Company Outsourcing" stehen. Mit TCO werden Firmen endlich von lästigen Pflichten wie Forschung, Entwicklung, Produktion und Verkauf entlastet, da IBM deckungsgleiche Firmen des Kunden in Vietnam und Malaysia aufbauen wird. Werbeslogan "All you need is IR".
Prophezeiung 6: Das neue TCO-Konzept von IBM wird von neuartigen Off-Off-Offshoring-Standorten ("3O-Shoring") unterstützt. "3O"-Standorte werden riesige Flösse in internationalen Gewässern sein, auf denen gigantische künstliche Städte die Dienstleistungszentren neuen Typs beherbergen. Vorteil: Die Arbeitsproduktivität wird endlich nicht mehr durch lästige Wünsche des Personals nach Freizeit und ähnlichem Firelefanz eingeschränkt. CSC wird den Auftrag für Security auf den O3-Flössen bekommen.
Der Blogger-blogt-über-Blogger-der-über Blogger-blogt-Kreislauf endlich geschlossen
Prophezeiung 7: Die NZZ wird in der freitäglichen Beilage zum Thema 'Medien und Informatik' über ein interessantes neues Phänomen berichten. Erstmals wird sich 2007 nämlich ein weltweiter Blogger-Kreislauf schliessen. Ein Beitrag eines Bloggers wird von so vielen Bloggern kommentiert, die ihrerseits wieder kommentiert werden, dass der "Ur-Blogger", ohne es zu merken, am 7. Juli über einen Beitrag blogen wird, den er ursprünglich am 4. April selbst geschrieben hat. (Christoph Hugenschmidt)
(Bild: Grigori Alexandrowitsch Potjomkin, 1739 - 1791, Erfinder der potemkinschen Dörfer und des Prinzips des potemkinschen CIOs)