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"Ich bin so froh, habe ich diese Chance gepackt", schwärmte die Bernerin. "Ich ging mit grosser Vorfreude in diesen Lauf und ich bin mit meiner Leistung sehr zufrieden." Nach dem Zieleinlauf stand Kambundji zunächst etwas ratlos herum, als ihr Name jedoch im 3. Rang aufleuchtete, sank sie vor Freude zu Boden. "Ich wusste nicht, ob es reicht. Ich dachte, von 3 bis 6 ist alles möglich", schilderte sie das bange Warten.
Die 27-jährige Bernerin ist nach Anita Weyermann, die 1997 über 1500 m ebenfalls Dritte wurde, die zweite Schweizer Frau, die auf dieser Stufe den Sprung aufs Podest geschafft hat. Eine Medaille im Sprint ist jedoch deutlich höher einzustufen.
Kambundji musste sich mit 22,51 Sekunden einzig der Favoritin und Europameisterin Dina Asher-Smith (21,88) aus Grossbritannien und der Amerikanerin Brittany Brown (22,22) geschlagen geben. Ihren Ende August an den Schweizer Meisterschaften in Basel erzielten Schweizer Rekord verpasste sie um 25 Hundertstel. Es war für Kambundji die zweite Medaille auf Weltniveau nach Bronze im vergangenen Jahr an den Hallen-Weltmeisterschaften in Birmingham über 60 m.
Damit entschädigte sie sich für viele bittere Momente. An den letztjährigen Europameisterschaften in Berlin resultierten gleich drei 4. Ränge, zu Bronze fehlten sechs (100 m), acht (200 m) respektive sieben Hundertstel (4x100 m). Beim 5. Platz über 60 m an den Hallen-Europameisterschaften Anfang März in Glasgow verfehlte sie das Podest um eine Hundertstelsekunde. In Doha verpasste sie den Final über 100 m gar nur um fünf Tausendstel. War es für den Energiereserven vielleicht sogar von Vorteil, dass sie beim 100-m-Final zusehen musste? "Ich glaube nicht. Aber ich kann auch aus Niederlagen etwas lernen. Vor dem 100-m-Halbfinal war ich wohl etwas zu verkrampft. Im 200-m-Final war meine Vorfreude viel grösser", sagte sie.
Nun profitierte Kambundji von günstigen Umständen, wäre doch das Podest normalerweise wohl ausser Reichweite gelegen. Der saisonbesten Shaunae Miller-Uibo kam der Zeitplan in die Quere - sie läuft über 400 m. Auch andere namhafte Konkurrentinnen fehlten. So gewann Kambundji auf Weltniveau nun Bronze, obwohl sie bei ihrem 4. Rang in Berlin 2018 schneller unterwegs gewesen war. Aber am Ende zählt, dass sie die Chance nutzte. Es gelang ihr, bei sich selber zu bleiben und sich auf den letzten Metern nicht zu verkrampfen. Das war auch nötig - die Differenz zur viertplatzierten Amerikanerin Anglerne Annelus betrug acht Hundertstel.
Kambundji sicherte der Schweiz die insgesamt achte Medaille an Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Neben ihr und Weyermann gewann Kugelstösser Werner Günthör dreimal Gold (1987, 1991 und 1993), André Bucher sicherte sich 2001 über 800 m den Titel, Marcel Schelbert 1999 über 400 m Hürden sowie Viktor Röthlin 2007 im Marathon holten jeweils Bronze.
Kambundji ist trotz ihrer erst 27 Jahre schon seit einem Jahrzehnt über die Leichtathletik hinaus national bekannt. 2009 wurde die in Bern aufgewachsene Tochter eines Kongolesen und einer Schweizerin erstmals nationaler Champion über 100 und 200 m. Die Athletin des ST Bern verbesserte ihre Bestleistungen kontinuierlich und gewann 2016 EM-Bronze in Amsterdam über 100 m.
Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Valerij Bauer erfolgte im vergangenen Jahr nochmals ein Schub. Im Juli 2018 lief Kambundji die 100 m erstmals unter elf Sekunden (10,95), vor gut einem Monat entriss sie Lea Sprunger den Schweizer Rekord über 200 m. Bauer hatte vor allem auf die 100 m gesetzt, seit zwei Jahren gilt der Fokus wieder vermehrt der halben Bahnrunde.
Seit dem letzten November gehört sie der Trainingsgruppe des englischen Coaches Steve Fudge an, die in London stationiert ist. Ihr Jugend-Coach Jacques Cordey und der eng mit der Leichtathletik verbundene Trainer Adrian Rothenbühler beraten und betreuen Kambundji aber weiterhin.
Likes ohne Ende
Vor Gratulationen und Likes kann sich Mujinga Kambundji nun kaum mehr retten. Auf Social Media, wie auch per SMS und WhatsApp bekommt sie nun den Respekt für ihre lange, aufopfernde und harte Trainingsarbeit. Nicht, dass sie diese dann und wann auch schon vorher hatte, aber in diesem Ausmass ganz sicherlich noch nicht.