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Im Auftrag von Konzert Theater Bern hat der Schweizer Autor Lukas Linder eine Satire über den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un geschrieben. Das Stück thematisiert die Zeit, die Kim in der Region Bern verbrachte. Wegen der Coronapandemie musste die Uraufführung verschoben werden. Halb so schlimm, findet Lukas Linder: Weil er in Polen lebt und gerade Vater wird, hätte er die Premiere verpasst.
Lukas Linder
Autor
Der Schweizer Dramatiker Lukas Linder wurde 1984 in Uhwiesen im Kanton Zürich geboren. Ab 2004 studierte er an der Universität Basel Germanistik und Philosophie und realisierte erste Theaterprojekte. Mit seinem Stück «Die Trägheit» wurde er 2009 mit dem Jury- und Publikumspreis des Autorenlabors am Düsseldorfer Schauspielhaus ausgezeichnet. In der Spielzeit 2011/2012 erhielt Linder ein Stipendium des «Stück Labor Basel» und wurde während dieser Zeit Hausautor am Theater Biel Solothurn. Linders Stück «Der Mann aus Oklahoma» wurde 2015 mit dem Kleist-Förderpreis ausgezeichnet. Lukas Linder lebt mit seiner Partnerin in Polen.
SRF News: Lukas Linder, das Stück «Mein Sommer mit Kim» hätte in diesen Tagen in Bern Premiere gehabt. Erzählen Sie kurz: Um was geht es?
Lukas Linder: Es ist eine Satire auf die verrückte Geschichte, dass Kim Jong-un in den 1990er-Jahren einige Zeit in Bern die Schule besuchte. Eine amerikanische Agentin wird mittels einer Zeitmaschine auf ihn angesetzt und soll ihn eliminieren. Sie will ihn aber nicht umbringen, sondern nur umpolen und aus ihm einen guten Menschen machen.
Die Agentenstory braucht einen Bösewicht – weshalb haben Sie dafür Kim ausgewählt?
Es gibt etwas Faszinierendes an Kim Jong-un. Er ist nicht nur ein Diktator, sondern auch eine unterhaltsame, fast komische Figur. Also komisch im Sinn von grotesk, skurril und unheimlich.
Kim Jong-un ist komisch im Sinn von grotesk, skurril und unheimlich.
Es gibt nur wenige Fakten über ihn, aber es gibt sehr viele Spekulationen. Mich interessierte, wie wir über Kim sprechen, und was wir über uns selber aussagen, wenn wir über Kim sprechen.
Haben Sie speziell recherchiert, oder spielen die Fakten gar nicht so eine grosse Rolle für das Stück?
Ich habe geschaut, was für Informationen zur Verfügung stehen. Alle haben die gleichen Filme gesehen, die gleichen Artikel und Bücher gelesen. Alle, die über Nordkorea reden, tauschen sich über eine kleine Menge Informationen aus. Das ist spannend für das Stück: Was haben wir überhaupt für ein Wissen über Nordkorea?
Das Gespräch führte Jörg André.
Saisonprogramm 20/21 von Konzert Theater Bern
Am Freitag hat Konzert Theater Bern sein neues Programm vorgestellt. Wie die nächste Spielzeit aussehen wird, ist noch sehr unsicher.
«Wir haben nicht nur einen Plan B, sondern auch einen Plan C, D und E», sagte der designierte Intendant Florian Scholz. Der eine Extremfall sei, «dass wir gar nicht spielen können». Der andere Extremfall bestehe darin, dass «alles wieder normal» sein werde.
Daran glaube eigentlich niemand, räumte Scholz ein. Er gehe nicht davon aus, dass im Herbst jeder Platz im Stadttheater und im Casino wieder belegt werden könne.
Insgesamt stehen mehr als 30 Premieren und Projekte auf dem neuen Spielplan, darunter neun Uraufführungen, vier Schweizer Erstaufführungen und zwölf Symphoniekonzerte.
Schauspiel: Schauspieldirektor Cihan Inan zeigt in seiner letzten Spielzeit unter anderem sein Musical «Paradise City». Es ist ein Streifzug durch die Schweizerischen Eurovisionsbeiträge der letzten 50 Jahre. Als Weihnachtsmärchen steht «Momo» von Michael Ende an.
Die Uraufführung «Mein Sommer mit Kim» über den nordkoreanischen Diktator wurde vom Mai 2020 auf Mai 2021 verschoben.
Symphonieorchester: «Ein farbiges Programm» kündigte Chefdirigent Mario Venzago an, der das Haus im Sommer 2021 verlassen wird. Zu den Konzert-Highlights dürfte etwa der Auftritt von András Schiff gehören, den das Berner Publikum in einer Doppelfunktion als Pianist und als Dirigent erleben wird.
Musiktheater: Opern- und Konzertdirektor Xavier Zuber kündigte unter anderem «Otello», «Die Fledermaus» und «Parsifal» an, aber auch «Jenufa» von Leos Janacek, das ein intensives Kammerspiel zu werden verspreche.
Tanz: Tanzdirektorin Estefania Miranda stellte zwei Produktionen ins Zentrum. Zum einen «La Divina Comedia», mit diesem Stück will Miranda nach dem Erfolg von «Vier Jahreszeiten» erneut die Räumlichkeiten des Stadttheaters erkunden. Mit «Piano Chapters» gibt es zudem einen vierteiligen Tanzabend, bei dem unterschiedliche choreografische Handschriften auf die Welt der Klaviermusik treffen.