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Master students interested in writing a thesis in the field of Economic Geography are welcome to approach us with their own suggestions. Possible themes could still be broad, the concrete research focus then being worked out together with potential supervisors in the research group. So please don't hesitate and contact us with exciting ideas!
In addition to this, members of the Research Group regularly announce topics for possible master thesis (see list below). These themes are introduced in a general way in order to allow specification according to the interests of prospective applicants. Again, don't hesitate to make more detailed suggestions.
Der globale Pestizidkomplex: Findet eine Verschiebung der Produktions- und Lieferketten problematischer Herbizide in den globalen Süden statt?
Sprache: Deutsch oder Englisch
Seit dem Auslaufen des Patentschutzes für wichtige Herbizide (v.a. Glyphosat) hat sich weltweit ein boomender Generikamarkt etabliert, dessen Produktionsnetzwerke vor allem von Unternehmen aus China und Indien gesteuert werden. Ihre Absatzmärkte haben diese Produkte zunehmend in Ländern des globalen «Südens», vor allem in Lateinamerika, aber auch in Südostasien, Subsahara-Afrika und Osteuropa. Dadurch haben sich im globalen Pestizidhandel neue «Süd-Süd-Beziehungen» etabliert, welche die etablierten Agrarchemiekonzerne des Nordens vor Herausforderungen stellen. Wie reagieren Unternehmen wie Bayer-Monsanto oder Syngenta auf diese Veränderungen? Wie passen sie ihre eigenen Lieferketten, Produktionsstrategien und Distributionsnetze an? Ist tatsächlich eine Verschiebung in den globalen Süden festzustellen? Das Ziel der Arbeit ist es vor diesem Hintergrund Veränderungen in den Produktions- und Distributionsnetzen auf Unternehmensebene zu analysieren und dabei insbesondere die Annahme einer möglichen Verschiebung in den globalen Süden zu überprüfen. Dazu stehen zum einen umfangreiche Informationen und Daten des auf Agrarchemie spezialisierten Marktforschungsunternehmens PhillipsMcDougall zur Verfügung. Zum anderen sollen Online-Recherchen (Medien, Branchenportale, Webseiten von Unternehmen usw.) durchgeführt werden. Es ist unter Umständen sinnvoll sich geographisch auf bestimmte Regionen zu beschränken.
Finance, Development und Digitalisierung: die Idee von «posthumanen» Märkten zur Lösung der Armuts- und Klimaproblematik
Seit einigen Jahren wächst der Einfluss globaler Finanzmärkte im Bereich der Sozial- und Entwicklungspolitik vieler Staaten. Finanzinstrumente wie Vaccine Bonds, Development Impact Bonds oder Social Impact Bonds stehen exemplarisch für diese Entwicklung, wobei Finanzmarktlogiken eine besondere Rolle in der Lösung der Armuts- und/oder Klimaproblematik zugeschrieben werden. Gleichzeitig lassen sich in entwicklungspolitischen Diskursen und Praktiken Tendenzen erkennen, die auf eine wachsende Bedeutung verhaltens- und experimentalökonomischer Ansätze hindeuten. Konkrete Projekte zur Lösung von sozialen Problemen zielen in diesem Zusammenhang vermehrt auf verhaltensändernde Interventionen ab. In diesem Schnittfeld von Finanzialisierung und Verhaltensökonomie könnte sich eine Masterarbeiten mit Innovationen im Bereich der Entwicklungsfinanzierung auseinandersetzen, die verstärkt mithilfe von digitalen Technologien wie smart contracts, digital identities und blockchains umgesetzt werden. Konkret könnte zum Beispiel untersucht werden, wie solche Utopien von automatisierten, «posthumanen» Märkten aussehen, wie diese Ideen funktionieren und wie Menschen in konkreten Projekten von solchen Prozessen betroffen sind. Wie lassen sich solche Ideen in gängige Entwicklungsdiskurse einordnen? Wie funktionieren sie im Zusammenhang mit Finanzialisierung und verhaltensökonomischen Ansätzen? Welche Chancen und Risiken bergen solche Projekte? Die Masterarbeit kann auf Deutsch oder Englisch verfasst werden.
Nudging made in Switzerland: die Rolle verhaltensökonomischer Einflüsse in der Schweizer Politikgestaltung
Ausgehend von Entwicklungen in Grossbritannien und den USA etablieren sich auch in der Schweizer Sozial- und Wirtschaftspolitik vermehrt Ideen, Praktiken und Instrumente aus dem Bereich der Verhaltens- und Experimentalökonomie. Die Idee der sogenannten «sanften Lenkung» umfasst Interventionen, Kampagnen aber auch soziomaterielle Techniken, welche Menschen auf subtile Weise zu Verhaltensänderungen bringen sollen. So sollen z.B. mittels Techniken wie nudging Menschen zu nachhaltigerem Konsum, gesunderen Lebensweisen, self-tracking von Gesundheitsdaten usw. gebracht werden. Eine Masterarbeit in diesem Feld könnte sich zum Beispiel die Thematik rund um nudging, verhaltensökonomische Politikgestaltung und «sanfter Lenkung» auf Ebene der Diskurse anschauen. Woher kommen diese Ideen und wie werden sie umgesetzt in konkreten Beispielen? Wie und von welchen Akteuren wird der Diskurs in der Schweiz vorangetrieben, welches sind die Legitimierungsstrategien? Welches sind Beispiele von solchen Interventionen oder Absichten und wie funktionieren sie? Welches sind die Adressaten? Die Masterarbeit kann auf Deutsch oder Englisch verfasst werden. Sie kann eine Diskursanalyse als methodologischen Ansatz haben oder/und auf Datenerhebung mittels qualitativen Interviews, Beobachtung etc. zurückgreifen
Produzieren, arbeiten, tauschen und konsumieren in der Alternativen Ökonomie
Jenseits der kapitalistischen Ökonomie im engeren Sinne existiert eine grosse Vielfalt an alternativen Formen von Produktions-, Arbeits-, Tausch- und Konsumprozessen (vgl. Gibson-Graham 2006 A Postcapitalist Politics). Diese beinhaltet beispielsweise sozial- und/oder ökologisch orientierte Unternehmen, Kooperativen, Genossenschaften, alternative Währungen, Tauschplattformen, Second Hand-, Recycling-, Ausleih- oder Fair Trade-basierte Austauschsysteme, etc. Die Masterarbeit bietet Gelegenheit, sich vertieft mit einem ausgewählten Aspekt der so genannt Alternativen Ökonomie auseinanderzusetzen.
Geographies of global commodity chains and transnational markets / Standards in globalen Supply Chains und Warenketten
Diverse Themen möglich
Wirtschaftsgeographien der mexikanisch-US-amerikanischen Grenze
La frontera/borderlands gilt als die paradigmatische Grenzregion, an denen die zentrale Prozesse der Globalisierung wie in einem Labor studiert werden können. Seit den späten 1990er und frühen 2000er Jahren (Nafta, 9/11) hat sich auf US-Seite der Umgang mit dieser Grenze grundlegend verändert. Im Spannungsfeld von wirtschaftlicher Öffnung und nationaler Sicherheit erhält die Grenze eine neue Form. Masterarbeiten könnten die damit verbundenen Prozesse am Beispiel unterschiedlicher Themenfelder analysieren: z.B. Arbeitsmigration, grenzüberschreitender Handel mit Agrarprodukten, Offshoring bzw. Offshore Outsourcing in die nördliche Grenzregion, Drogenhandel usw.
Die Kommodifizierung der Pflegearbeit
Aufgrund von Veränderungen in den Familienstrukturen und der familialen Arbeitsteilung werden bisher meist unbezahlt erbrachte Pflege- und Betreuungsarbeiten zunehmend an den Markt ausgelagert. Wie wird die steigende Nachfrage nach so genannten Care-ArbeiterInnen gedeckt? Die kommerzialisierte Pflegearbeit zeichnet sich gegenwärtig durch einen hohen Anteil an migrierten weiblichen Arbeitskräften sowie durch informelle und prekäre Arbeitsverhältnisse aus. Wie sind diese neuen Care-Arrangements ausgestaltet? Masterarbeiten können sich mit verschiedenen Aspekten der Pflegearbeit auseinandersetzen, beispielsweise mit Fragen zu Arbeitsorganisation, Arbeitsbedingungen und Arbeitswirklichkeiten im Pflegesektor, zu Migrationsregimes oder zu Ein-/Auschlussmechanismen im Pflegearbeitsmarkt. Denkbar wäre beispielsweise eine Arbeit zur diskursiven Konstruktion migrierter Pflegearbeiterinnen durch die neu auf den Markt getretenen Vermittlungsagenturen für Pflegekräfte. Neben dem Fokus auf den Pflege- und Betreuungsmarkt besteht auch die Möglichkeit, Kommerzialisierungsprozesse in anderen Dienstleistungsbranchen zu analysieren.
Wer verrichtet welche Arbeit?
Die Normen der bürgerlichen Kleinfamilie des 20. Jahrhunderts erodieren und geschlechtsspezifische Zuschreibungen sind in Bewegung geraten. Eine Masterarbeit in diesem Themenfeld bietet Gelegenheit, sich mit aktuellen Veränderungen in den Vorstellungen von Familie, Elternschaft, Arbeitsteilung, Berufstätigkeit, Karriereperspektiven und der Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit auseinanderzusetzen.
Alternative Arbeitsmodelle in der Gig-Economy
Die Vorteile der Gig-Economy scheinen grenzenlos: statt fixen Arbeitszeiten flexibel einzelne Gigs (kurze Arbeitseinsätze) annehmen, die Auftraggeber*innen und Arbeitsinhalte frei wählen, arbeiten, wann und wo man will, und endlose Freiheiten in der Arbeitsgestaltung geniessen. Wie vielfältige Forschung der letzten Jahre gezeigt hat, gibt es jedoch auch eine Kehrseite der Medaille. Arbeiten in der Gig-Economy bedeutet für viele Arbeitnehmende arbeiten unter unsicheren, unterbezahlten und ungesicherten Arbeitsbedingungen.
Um diese Missstände zu bekämpfen gibt es verschiedene Ansatzpunkte und offene Fragen, die Möglichkeiten für Forschung im Rahmen einer Masterarbeit bieten.
Welche Strategien gibt es bereits, um die Arbeitsbedingungen von Gig-Arbeitenden zu verbessern (Standards, Organisierung, Gewerkschaftskämpfe)? Wie müssen Organisierungsformen oder Widerstandsgruppierungen gestaltet sein, um den Besonderheiten der Arbeitenden in der Gig Economy zu entsprechen? Wer ist Teil dieser Bewegungen? Welche Forderungen stellen sie?
Was unternehmen die Gig-Unternehmen selbst um die Arbeitsbedingungen auf ihren Plattformen zu verbessern («fair Gigwork»)? Nach welchen Logiken und mit welchen Besonderheiten funktionieren «faire» Plattformen? Was können sie erreichen und welchen Hindernissen stehen sie gegenüber?
Mit diesen und weiteren Fragen könnten sich Masterarbeiten befassen und beispielsweise eine konkrete Widerstandsform untersuchen oder sich mit den Hintergründen und Motivationen von Menschen, die sich für alternative Arbeitsmodelle und bessere Arbeitsbedingungen in der Gig-Economy stark machen, auseinandersetzen.
Arbeit, Migration und Citizenship
Migrationspolitiken prägen Arbeitsmarktverhältnisse. Dies zeigen international eine Vielzahl von Studien auf, welche den Zusammenhang zwischen Aufenthaltsstatus, Citizenship-Rechten und Beschäftigungsverhältnissen untersuchen. Dabei wird deutlich, dass migrierte Personen besonders häufig in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Diese zeichnen sich durch geringe Löhne, temporäre Verträge, geringe Arbeitsplatzsicherheit und andere Faktoren aus. Dieses „Clustern“ in bestimmten Bereichen wird unter anderem über statusbedingte Abhängigkeiten, Unsicherheiten und Kontrollmöglichkeiten erklärt, wodurch Personen mit einem bestimmten Aufenthaltsstatus besonders „attraktiv“ für prekäre Arbeit werden.
Wie gestaltet sich der Zusammenhang von Aufenthaltsstatus und Arbeitsverhältnissen in der Schweiz? Wo und wie arbeiten Personen ohne Schweizer Pass? Wie werden Aufenthaltsrechte auf Seiten der Arbeitgebenden verhandelt? Mit diesen und weiteren Fragen könnte sich eine Masterarbeit zum Thema Arbeit und Migration befassen.
Arbeiten im Zeitalter von Uber, deliveroo, coople, foodora, Batmaid & Co.
Digitale Technologien haben das Potenzial, die Arbeitswelt, wie wir sie heute kennen, grundlegend zu transformieren. Wie verändern sich durch Digitalisierung Arbeitsrealitäten bei uns in er Schweiz in räumlicher, zeitlicher und sozialer Hinsicht? Was bedeutet es, statt als herkömmliche*r Angestellte*r neu in der so genannten Gig-Economy als Freelancer*in oder (Pseudo?-)Selbständige*r für digitale Plattformen zu arbeiten? Wer hat Zugang zu diesem Arbeitsfeld und wer bleibt ausgeschlossen? Wie werden Arbeitende überwacht, beurteilt, mit Anreizen geködert (nudging) und mit Spielelementen belohnt (gamification)? Welche räumlichen, zeitlichen und sozialen Strategien entwickeln sie, um Plattformarbeit für sich zu optimieren? Masterarbeiten in diesem Themenfeld laden dazu ein, durch Selbstbeobachtung (Auto-Ethnographie) als Arbeitskraft in der Gig-Economy selbst Einblick in diese Arbeitswelt zu erhalten oder durch Beobachtung und Interviews vertiefte Informationen zu gewinnen.
Ein- und Ausschlussprozesse in Bildung und Beruf
Die Ausbildungs- und Berufswege in der Schweiz weisen ausgeprägte Segregationsmuster auf - sei es nach Geschlecht, Ethnie, Nationalität, sozialer Schicht, Alter, etc. Beispielsweise werden Männer kaum je Kleinkindererzieher und nur sehr wenige Frauen Lokomotivführerinnen. Wie internationale Vergleiche zeigen, ist die berufliche Segregation in der Schweiz weit ausgeprägter als in anderen europäischen Ländern. Welche institutionellen und normativen Grenzziehungen, welche Ein-/ Ausschlussprozesse und welche Selektionsmechanismen tragen während den verschiedenen Phasen und Übergängen in Ausbildungs- und Berufsbiographien zur Aufrechterhaltung des hohen Schweizer Segregationsniveaus bei? Wo zeichnen sich Verändernungen ab? Masterarbeiten zu diesem Themenbereich können sich beispielsweise mit der Entwicklung von Berufsorientierungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, mit Berufsverläufen/-karrieren in ausgewählten Berufsfeldern, mit Aspekten des Schweizer (Berufs-)bildungssystems oder mit der diskursiven Konstruktion bestimmter Berufsimages auseinandersetzen. Sie können dabei eine oder mehrere Identitätsdimensionen (Geschlecht, Nationalität, Ethnie, soziale Schicht, Alter, etc.) in den Blick nehmen.