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Mitte des 15. Jahrhunderts malte Sesshū Tōyō ein Tuschegemälde mit dem Titel «Hō Kakei Sansui-zu» (Imitation eines Landschaftsbildes von Xia Gui). Das poetische Landschaftsbild gehörte zu den bedeutenden Kunstwerken der Muromachi-Zeit (1338 bis 1573). Zuletzt wurde es 1933 in einem Kunstkatalog eines Bahnbetreibers in Kyushu zum Verkauf angeboten. Danach verschwand es, spurlos. Die Kunstexperten nannten es das «Phantom-Gemälde».
84 Jahre später ist es wieder aufgetaucht, wie das Yamaguchi Prefectural Art Museum bekanntgab. Offenbar hatte man es bereits letztes Jahr wieder entdeckt, wie NHK News berichtete. Es ist Besitz eines Privatmannes. Mehr verriet das Museum nicht. Das Geheimnis um die letzten 84 Jahre bleibt so vorerst ungelüftet. Zwischen dem 31. Oktober und 10. Dezember wird es im Museum in Yamaguchi erstmals wieder der Öffentlichkeit gezeigt.
Ein exzentrischer Künstler
Sesshū (1420 bis 1506) gehört zu den einflussreichsten Künstler seiner Zeit. Seine Werke waren von den grossen Tuschemalern der chinesischen Song-Dynastie geprägt. Zugleich entwickelte er jedoch seinen ganz eigenen originellen Ausdruck. Als Zen-Priester war er in verschiedenen Tempeln im Land tätig. Seine Leidenschaft galt jedoch ganz der Tuschemalerei, die ihn sogar bis nach China führte.
Seine über 15 Meter lange Landschafstrolle Sansui Chōkan gehört zu seinen bekanntesten Arbeiten. Das exzentrische Werk Haboku Sansui, eine abstrakte Landschaft aus hingespritzter Tusche hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Das letzte Werk seines Lebens war wiederum eine realistisch-detaillierte Abbildung der natürlichen Sandbank Amanohashidate, die heute noch ein Anziehungspunkt ist. Sechs von Sesshūs Werken gehören heute zum Nationalschatz Japans.