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Abgeklärt wurde die Zahl möglicher Schilddrüsen-Krebsfälle bei Kindern und Jugendlichen, die zum Zeitpunkt des Unglücks weniger als 15 Jahre alt waren und im Osten des Landes lebten, als 1986 die radioaktive Wolke aus Tschernobyl durchzog. Die Zahl der Fälle könnte im Zeitraum von 1991 bis 2000 0,5 bis 22 erreichen; wenn der Zeitraum bis 2015 verlängert wird, könnte die Anzahl Erkrankungen 7 bis 55 erreichen. In den gleichen Zeiträumen ist mit 97 beziehungsweise 899 spontanen Fällen in dieser Bevölkerungsgruppe zu rechnen. Spontan heisst, die Fälle wären auch ohne Tschernobylwolke aufgetreten. Eine epidemiologische Untersuchung könnte somit bei den vorliegenden Zahlenverhältnissen die möglicherweise durch Tschernobyl ausgelösten Erkrankungen nicht erkennen.
Im Rahmen der Untersuchung wurden die effektiven zusätzlichen Dosen bestimmt. Sie sind so schwach, dass sie in keinem Fall zu einer direkt zu beobachtenden Wirkung führen würden. Die abgeschätzte Zahl möglicher Fälle wurde daher aus der bekannten Wirkung hoher Dosen durch eine lineare Extrapolation nach unten rein rechnerisch ermittelt. Im Bericht weisen die Institute auch darauf hin, dass Schilddrüsenkrebs rund 1% der diagnostizierten Krebsfälle ausmacht und gute Heilungschancen hat. Bereits vor dem Tschernobylunglück wurde ein langsamer Anstieg der Zahl von Schilddrüsenkrebsfällen beobachtet. Dieser Anstieg dürfe keinesfalls mit Tschernobyl in Zusammenhang gebracht werden. Er sei wohl das Ergebnis besserer Diagnosemethoden. Die Institute empfehlen, die Überwachung dieser Krebsform in Frankreich weiter zu verstärken.
Quelle
P.B. nach Pressemitteilung des IPSN und des InVS, 15. Dezember 2000