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Der Zürcher Mediziner und Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733) war gut vernetzt und korrespondierte mit zahlreichen Gelehrten aus der Schweiz und Europa. Neuere Forschungen über Wissenschaft und Wissenschaftler in der Frühen Neuzeit richten den Fokus auf die Briefwechsel unter den Mitgliedern der «Gelehrtenrepublik», denn Korrespondenz spielte in der Wissensproduktion eine wichtige Rolle. Diese Studie untersucht Scheuchzers soziales Netz unterhalb der Schwelle der Gelehrtenrepublik und schliesst damit eine Forschungslücke.
Frühneuzeitliche Naturforschung war häufig ein Familienprojekt, an dem zahlreiche Helfer beteiligt waren. Die Autorin beleuchtet den wissenschaftlichen Beitrag von Susanna Vogel, der Ehefrau Scheuchzers, den gemeinsamen Söhnen, dem jüngeren Bruder Johannes und drei Schülern, die ihr Lehrjahr bei Scheuchzer in Zürich verbrachten. Sie zeigt Scheuchzers Einbettung in Zürcher Institutionen auf – er war Kurator der Bürgerbibliothek und Kunstkammer, Mathematiklehrer am Collegium Carolinum und aktives Mitglied der Akademie Collegium der Wohlgesinnten – und erläutert die Bedeutung dieser Orte des Wissens für seine Forschung. Schliesslich widmet sie sich der naturgeschichtlichen Mitarbeit von «Ungelehrten» wie Jägern oder Bauern, mit denen Scheuchzer auf seinen zwischen 1694 und 1711 unternommenen wissenschaftlichen Bergreisen zusammentraf. Durch den Einbezug bislang kaum untersuchter Quellen gewährt die Studie einen neuen Blick auf die verborgenen Mechanismen der Wissensgenerierung in der frühneuzeitlichen Naturforschung.