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Ostap Slyvynsky
Nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 beschloss der ukrainische Dichter und Übersetzer Ostap Slyvynsky, seine literarische Stimme den Menschen zu leihen, die aus den Kriegsgebieten flüchteten und ihm ihre Erlebnisse schilderten. Er sammelte Stimmen auf dem Bahnhof von Lviv', auf dem huntertausende Flüchtende aus dem Osten der Ukraine ankamen. In Anlehnung an den polnischen Dichter Czesław Miłosz, der 1943 im von den Nazis okkupierten Warschau einen Gedichtzyklus mit dem Titel "Die Welt. Eine naive Dichtung" schrieb, in dem die meisten Gedichte Erklärungen für einfache Wörter sind, spürt auch Slyvynsky den Bedeutungsverschiebungen von Wörtern nach, die durch den Krieg herbeigeführt werden: "Manche Bedeutungen werden stumpf, man muss sie schärfen wie ein Messer mit einem Schleifstein. Andere wiederum werden so scharf, dass man sie unmöglich betrachten kann. Manche Worte sterben und fallen ab. Manche tauchen aus irgendeiner Vergangenheit auf und bekommen wieder eine Bedeutung, werden wichtig".
Ostap Slyvynsky, geboren 1978 in Lviv, wo er studierte und auch heute lebt. Lyriker, Dozent an der Universität Lemberg. Promovierte 2007 mit einer Arbeit zum Phänomen der Stille in der Literatur, Redakteur der polnisch-deutsch-ukrainischen Literaturzeitschrift Radar, Herausgeber einer Anthologie zeitgenössischer ukrainischer und belarusischer Literatur, schreibt für diverse Magazine und wirkt an interdisziplinären Kunstprojekten mit. Für sein dichterisches Schaffen wurde Slyvynsky mehrfach ausgezeichnet, unter anderem war er 2007 Stipendiat des Literarischen Colloquiums Berlin und 2011 Writer in Residence im quartier21/MQ in Wien. Foto: Dzina Danilovich
Halijafy ist ein unabhängiger Verlag, der 2007 in Belarus gegründet wurde. Am 16. April 2022 musste er auf Beschluss des belarusischen Informationsministeriums seine Verlagstätigkeit einstellen.
Im Halijafy-Verlag konnten 15 Jahre lang Bücher zeitgenössischer belarusischer Autor:innen erscheinen. Zu den Autor:innen des Verlags gehören unter anderem auch Schriftsteller:innen wie Volha Hapeyeva, Alhierd Baharevich, Julia Cimafeeva oder Valiantsin Akudovich (Akudowitsch), die heute durch Übersetzungen ihrer Bücher den Belarus-Diskurs im deutschsprachigen Raum prägen.
Die Veröffentlichungen von Halijafy wurden mehrfach mit nichtstaatlichen Literaturpreisen in Belarus ausgezeichnet, zwei Bücher wurden als “Buch des Jahres” prämiert.
edition.fotoTAPETA ist ein Literaturverlag, der 2007 in Warschau und Berlin gegründet wurde. Unter dem Motto "LESEN SIE BLAU" erscheinen seither viele blaue Bücher, insbesondere von Autor:innen aus Osteuropa. Darunter sind auch viele Autor:innen aus Belarus. 2019 hat edition.fotoTAPETA den Kurt-Wolff-Förderpreis und den Förderpreis beim Berliner Verlagspreis bekommen. 2021 wurde die edition.fotoTAPETA mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet.
Übersetzung: Iryna Herasimovich
Iryna Herasimovich wurde 1978 in Minsk geboren und ist seit 2009 freiberufliche Übersetzerin. Sie hat Werke von Lukas Bärfuss, Georg Büchner, Monika Rinck, Nora Gomringer, Mehdi Moradpour, Jonas Lüscher, Michael Köhlmeier, Franz Hohler und Franz Kafka ins Belarusische übersetzt. Sie arbeitet auch als Dramaturgin und Kuratorin im Bereich bildende Kunst und ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Seit 2021 ist sie Doktorandin am Slavischen Seminar der Universität Zürich im SNF-Projekt "Künste & Desinformation". Foto: Nikita Fedosik
Die Übersetzung ist fertig, das Buch gesetzt, das Cover fertig. Es erscheint im Januar/Februar 2024.
Die deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel “Wörter im Krieg” im Verlag edition.FOTOtapeta, der in Zusammenarbeit mit dem Verlag Halijafy auch die belarusische Ausgabe herausbringt.
Das Wörterbuch erscheint auch in Druckausgaben auf Ukrainisch, Deutsch, Polnisch, Rumänisch, Tschechisch und Georgisch.