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Cambridge, Teil 2: Historische Stadt der Colleges und Pubs
„Studentenstadt“: Dies ist die erste Assoziation, die einem in den Sinn kommt, wenn man an Cambridge denkt. Und es stimmt tatsächlich, Cambridge ist die Universitätsstadt schlechthin, und seine Colleges dominieren das Stadtbild. Und doch können viele Besucher, die in erster Linie mit dem Eintauchen in die Universitätsatmosphäre gerechnet haben, überrascht werden, wie viel mehr Cambridge touristisch gesehen anzubieten hat.
In Cambridge ist eine beträchtliche Zahl an Museen zu finden. Zu den interessantesten davon gehört das Fitzwillam-Museum, das 1816 gegründete Kunst- und Antiquitätenmuseum der Universität Cambridge. Ca. 300´000 Besucher besichtigen das Museum jedes Jahr. Es wird hier auch kein Eintrittsgeld verlangt.
Dies ist ein Bericht über die Stadt Cambridge in England in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:
Das Fitzwillam-Museum beherbergt beeindruckende Sammlungen von Antiquitäten, Exponaten der Angewandten Kunst, Münzen und Medaillen, Manuskripten und gedruckten Büchern, Gemälden und Zeichnungen. Das Museum ist eine der besten Adresse im ganzen Land in Bezug auf Antiquitäten und die Kunst des Alten Ägyptens und Chinas. Sehr beachtenswert ist seine Pinakothek, die mit den Werken von Tizian, Rubens, Van Dyck, Cézanne, Degas, Monet, Renoir und Picasso, und einer Sammlung der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts zu den besten ihrer Art zählt.
Am 25. Januar 2006 wurde die ganze Kunstwelt über einen tragischen Vorfall im Fitzwillam-Museum erschüttert: Ein Museumsbesucher stolperte über seinen aufgegangenen Schnürsenkel, stürzte die Treppe hinunter und zertrümmerte drei riesige und unbezahlbare Porzellan-Vasen aus der Quing-Dynastie, die seit mehr als 40 Jahren ungestört auf dem Fensterbrett standen. Er landete zwischen den Vasen, die in unzählige Stücke zerbrachen und sass wie gelähmt im Splitterhaufen, bis das erschrockene Museumspersonal zum Ort der Tragödie hineilte. Die Zeugen berichten, dass alle Anwesenden, sowohl die Museumsbesucher, als auch die Mitarbeiter in den ersten Minuten in einen Schockzustand gerieten. Umgeben von den erschütterten und stillen Zuschauern zeigte der Mann auf seinen offenen Schnürsenkel und sagte nur: „Schauen Sie, das da ist schuld!“
Das Museumspersonal war tagelang damit beschäftigt, nach allen Bruchstücken zu suchen. Der Pechvogel wurde im April 2006 wegen Sachbeschädigung festgenommen. Kaum einer glaubte, dass die Vasen, deren Wert auf mehrere Hunderttausend Pfund geschätzt wird, rekonstruiert werden können. 24 Schalen voll Porzellan-Splitter haben die Restauratoren bekommen; die Presse und die Öffentlichkeit erklärten die Rekonstruktion für unmöglich. Aber nach mehreren Monaten harter Arbeit gelang es, die zerbrochenen Vasen zu restaurieren, und heute können sie wieder vom Publikum bestaunt werden.
Nach so vielen aufregenden Geschichten ist eine Erfrischung höchst angebracht. Und in Cambridge mangelt es nicht an schönen alten Pubs wie „The Pickerel Inn“ (in der Magdalena Street), „The Eagle“ (In der Bene´t Street) oder „The Salisbury Arms“ (Tenyson Road), wo den Gästen ausgezeichnetes Bier und Live-Musik angeboten werden.
Wenige Meter von der Kirche vom Heiligen Grab entfernt befindet sich St John´s College, das 1511 gegründet wurde und heute die drittgrösste Hochschule in Cambridge ist. Das ganze College-Gelände ist sehenswert, aber besonders beeindruckend sind seine Kapelle und natürlich die Seufzerbrücke, die über den Fluss Cam führt.
Eine der schönsten Formen Cambridge zu erkunden ist Punting. Ein Punt ist das typische flachbodige Boot, das man mithilfe einer langen Stange „navigiert“. Man kann einen Punt mit oder ohne Punter mieten. Wer schlau ist, sich fortbewegen und ein bisschen mehr fachkundige Information über das schöne Cambridge erhalten will, investiert ein paar Pfund mehr und nimmt ein Punt inklusive Guide, der den Punt zu lenken weiss. Der sparsamere oder abenteuerlustigere Rest versucht die langen plumpen Boote allein zu führen, und schon ist das Chaos vorprogrammiert. Die Boote fahren kreuz und quer, kommen nur schwer voran, aber ihre Besatzungen sind meistens bestens gelaunt.
In der St John´s Street sind andere wichtige Colleges zu finden. Das Trinity College fällt sofort durch seinen wunderschönen Haupteingang, das Great Gate, auf, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts als Eingang von King´s Hall gebaut wurde. Durch den Haupteingang gelangt man in den in Cambridge grössten (8´000 Meter) Innenhof, den Great Court. Um einige der berühmtesten unter seinen Studenten zu nennen: Das Trinity College war die Alma Mater von Isaac Newton und Bertrand Russel.
Ein bisschen weiter sieht man das bezaubernde Queen´s College mit seiner geheimnisvollen Mathematikerbrücke (1749), die allem Anschein nach gebaut wurde, ohne dass seine Erbauer eine einzelne Holzschraube benutzt hatten. Eine College-Route sollte auf jeden Fall durch Christ´s College führen, an dem Charles Darwin studierte, und das einen reizenden Innenhof, Court, hat. Eine weitere touristische Sehenswürdigkeit ist Emmanuel´s College, das 1584 gegründet wurde und an dessen Gestaltung Christopher Wren, der Architekt der St Paul´s Cathedral in London, mitwirkte. Ein Spaziergang durch The Backs, die grosse Wiese am anderen Cam-Ufer, könnte ein schönes Finale einer unvergesslichen Reise nach Cambridge werden.
Oberstes Bild: Der Fluss Cam und King’s College mit Kapelle (Bild: Andrew Dunn, Wikimedia, CC)