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Die Aussaat von Wildblumenmischungen gilt grundsätzlich als geeignete und effiziente Strategie zum Wiederaufbau der Biodiversität eines beschädigten Ökosystems, wie beispielsweise auf Skipisten, in Städten oder auf artenarmen Agrarflächen. Entsprechend ist die Nachfrage nach Saatgut in den letzten Jahren stark gestiegen, was die Samenhändler mehr und mehr dazu getrieben hat, ihre Samen zu niedrigeren Kosten im Ausland zu produzieren oder einzukaufen. Die Vermischung einheimischer und gebietsfremder Herkünfte birgt aber nicht zu unterschätzende Risiken, da sich die eingeführten Populationen häufig mit den einheimischen Pflanzen kreuzen. Ein solcher Prozess kann zu einer „genetischen Verschmutzung“ von benachbarten Populationen führen, da die neuen Genotypen nicht an die heimischen Bedingungen angepasst sind.
Um die möglichen Konsequenzen auf die Nachbarschaft von wieder aufgebauten Ökosystemen besser verstehen und abschätzen zu können, hat die Forschungsgruppe unter Prof. Heinz Müller-Schärer, Biologe der Universität Freiburg, den Einfluss von standortfremden Populationen am Beispiel des mehrjährigen Spitzwegerichs (Plantago lanceolata) analysiert. Die Forschenden kreuzten dafür über drei Generationen eine lokale Herkunft mit geographisch entfernten oder aus anderem Habitat stammenden Pflanzen und verglichen das Resultat anschliessend mit Kreuzungen hiesiger Populationen untereinander. Das Experiment ergab, dass sich das Wachstum der lokalen Pflanzen drastisch verlangsamte, wenn sie mit Populationen aus einem anderen Habitat gekreuzt wurden, d.h. mit Pflanzen aus der näheren Umgebung, aber beispielsweise von einem trockeneren Standort. Die Qualität des aus solchen Kreuzungen entstehenden Saatguts erwies sich als bedeutend schlechter, als das Resultat einer Kreuzung zwischen heimischen Populationen und Pflanzen aus geografisch weiter entfernten Gebieten, die jedoch aus einem ähnlichen Habitat stammen. In diesem zweiten Szenario scheinen sich die ausländischen, weniger angepassten Gene mittelfristig mit den angepassten Genen der lokalen Pflanzen zu verdünnen, was zu einer Reduktion der Anzahl schlecht angepasster Genotypen führt.
Die Analyse über drei Generationen von Pflanzen erlaubte dem Forschungsteam unter Prof. Heinz Müller-Schärer Aussagen zu den langfristigen Konsequenzen zu machen. So empfiehlt es sich, zur Wiederherstellung eines beschädigten Ökosystems unter Berücksichtigung der benachbarten Populationen bei der Auswahl der Pflanzen oder des Saatguts speziell auch auf ein ähnliches Habitat zu achten.