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→ DISPUTAZIUNS
SUSCH
2017
Zu Reformation und Denkstandards
Zum Auftakt einer neuen, jährlich stattfindenden Konferenzreihe nahm die DISPUTAZIUNS SUSCH 2017 das 500-jährige Jubiläum der Reformation als ihren Ausgangspunkt. Basierend auf Martin Luthers 95 Thesen oder Disputation über die Macht der Ablässe, die im Oktober 1517 an Albert von Brandenburg, den Erzbischof von Mainz, geschickt wurden, bezog sich das Thema dieser ersten Disputaziuns unmittelbar auch auf den Ort der Konferenz, die Kirche in Susch, wo mit der ursprünglichen Disputaziun Susch 1537 eine der ersten protestantischen Kirchen der Schweiz begründet wurde.
Geleitet und zusammengestellt von Mareike Dittmer mit Beiträgen von Jacqueline Burckhardt, Susanne von Falkenhausen, Jörg Heiser, Kasper König, Anda Rottenberg und Luc Tuymans – um nur einige der Rednerinnen und Redner zu nennen – war Zu Reformation und Denkstandards eine Einladung, darüber zu debattieren, was genau im frühen 16ten Jahrhundert geschah, als Konzepte zauberhafter, wundersamer und göttlicher Interventionen als Erkenntnistheorie nicht mehr der aufkeimenden intellektuellen Integrität entsprachen.
Obwohl der Bruch mit der Römisch Katholischen Kirche - von Martin Luther initiiert und fortgesetzt von Jean Calvin, Huldrych Zwingli, und anderen frühen protestantischen Reformern in Europa - von einer im Kern theologischen Motivation getragen wurde, so spielten doch diverse andere Faktoren ihren Part in der Geschichte, einschliesslich des Aufstiegs des Nationalismus, das allgemeine Misstrauen gegenüber dem Papsttum und die deutliche Wahrnehmung der Korruption der römischen Kurie, dazu kamen die neuen Erkenntnisse der Renaissance und die Auswirkungen des Humanismus. Die religiösen Aspekte der Reformation wurden ergänzt durch ambitionierte politische Macht- und Kontrollinteressen, die den Beginn der modernen Ära signalisierten.
Beginnend mit der Diskussion von Bildern der Macht und der Macht der Bilder begründet die DISPUTAZIUNS SUSCH 2017 einen Ort für intellektuelle Begegnungen und einen Rückzugsort in der alpinen Bergregion, an dem sich Akademiker*innen, Kurator*innen und Künstler*innen kollektiv in konstruktiver Kritik üben und potentiell Veränderungen vorbereiten können.