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Miyazaki und die Karikaturen
Hayao Miyazaki, der mehrfache preisgekrönte Studio-Ghibli-Gründer im Ruhestand, gab am vergangenen Montag ein seltenes Radiointerview für den Sender TBS. Wenn die Anime-Legende spricht, dann hört nicht nur Japan gerne zu – weil man auch weiss, dass der 74-Jährige nicht nur zu seiner eigenen Arbeit, sondern auch zu politischen Themen leidenschaftlich und offen Stellung nimmt.
So führte das längere Gespräch schliesslich zum Terroranschlag gegen das Satiremagazins Charlie Hebdo und die damit zusammenhängenden Mohammed-Karikaturen. Dabei stellte sich heraus, dass der Anime-Meister bezüglich Meinungsfreiheit und Karikaturen eine dezidierte Haltung vertritt.
«Ich halte es für einen Fehler, eine Person, die von einer anderen Kultur verehrt wird, zu einem Thema in einer Karikatur zu machen», sagte er. Man sollte dies lieber unterlassen. Damit meinte Miyazaki aber nicht, dass man sich als Künstler politisch zurückhalten sollte. Seiner Meinung nach muss die Karikatur jedoch in eine andere Richtung gehen: «Zuallererst sollte man die Politiker des eigenen Landes karikieren. Politiker anderer Länder zu thematisieren, halte ich für fragwürdig», zitiert ihn 47 News.
Ein bekennender Pazifist
Um Miyazakis Haltung zu verstehen, muss man wissen, dass er ein bekennder Pazifist ist, der die japanische Friedensverfassung als die Basis für Japans Wohlstand nach dem Krieg sieht und jegliche militärische Aufrüstung oder Einmischung ablehnt (Asienspiegel berichtete).
In dieser Beziehung hat Hayao Miyazaki Premierminister Shinzo Abe, der offen eine Änderung des Kriegsverzichtsartikels 9 fordert und diesen bezüglich der kollektiven Selbstverteidigung bereits uminterpretiert hat (Asienspiegel berichtete).
Japans eigene Geschichte
Im Interview mit TBS betonte er, dass die Friedensverfassung gerade in einer Welt, die zunehmend chaotischer werde, nützlich sei. Japan habe zudem den Vorteil geographisch und historisch weniger verflechtet zu sein, als beispielsweise Europa mit dem Nahen Osten.
Ausserdem sollte Japan aus der eigenen Geschichte seine Lehren ziehen. Der japanische Imperialismus habe in Japan zu 3 Millionen Kriegstoten, zwei Atombombenangriffen und anhaltenden Ressentiments in der Region geführt. Er wolle sich daher weiter für die jetzige Friedensverfassung einsetzen.
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