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Beschreibung
Armand Baeriswyl: Zum Verhältnis von Stadt und Burg im Südwesten des Alten Reiches – Überlegungen und Thesen an Beispielen aus der Schweiz
Christian Coradi: Der Unterhof in Diessenhofen – die moderne Rezeptionsgeschichte einer mittelalterlichen Burg
Zum Verhältnis von Stadt und Burg im Südwesten des Alten Reiches – Überlegungen und thesen an Beispielen aus der Schweiz
Bereits eine kursorische Durchsicht der verschiedenen mittelalterlichen Städte der Schweiz unter dem Blickwinkel des Verhältnisses von Stadt und Stadtburg macht einiges klar.
1. Zwar ist die Burg oft älter als die zugehörige Stadt, es gibt aber genug Beispiele für die gleichzeitige Entstehung von Burg und Stadt, so dass dies nicht als seltene Ausnahme, sondern auch als Regelfall in Frage kommen kann.
2. Die Stadt machte die Burg als Bauform nicht überflüssig, deswegen ist das auch keine Erklärung für das – scheinbare – Fehlen einer Stadtburg.
3. Es kann im Gegenteil davon ausgegangen werden, dass eine Stadt im Normalfall eine Stadtburg besass, und zwar im Sinn eines architektonisch ausgezeichneten und separat befestigten Sitzes des Stadtherrn oder seines Stellvertreters, sei dies eine „klassische“ Burg, eine Domburg ein ummauerter Klosterbezirk oder – vor allem in Klein- und Kleinststädten – ein mehr oder weniger stark befestigtes Festes Haus.
4. Mit der Stadtgründungswelle des 12. –14. Jh. scheint ein Typ von Burg entstanden zu sein, der als Teil der städtischen Infrastruktur zu verstehen ist.
5. Ein Herrschaftswechsel führte meistens dazu, dass der neue Stadtherr die Burg übernahm. Er konnte aber auch zu einem Bruch führen: Eine neue Burg entstand an einem anderen Ort der Stadt, während die alte Burg abgebrochen wurde und verschwand.
6. Die Dynamik der wachsenden und politisch erstarkenden Stadt führte oft zur Entstehung einer starken Kommune, die zum Konkurrenten des Stadtherrn wurde. Am Ende konnte die friedliche oder gewaltsame Übernahme der Burg stehen. Diese Übernahme darf nicht als Akt der Befreiung vom Stadtherrn verstanden werden. Meist ging es dem Rat dabei darum, in den Besitz der entsprechenden Herrschaftsrechte zu kommen und/oder den Geltungsbereich des Stadtrechts auszudehnen. In der Folge wurde die Burg als Gebäude weiter benutzt oder durch ein Rathaus an seiner Stelle ersetzt. Öfter aber entstand das Rathaus woanders neu. Die Burg wurde dann nach der Ablösung der daran haftenden Rechte entweder abgebrochen oder sie fand je nach Eignung neue Verwendungszwecke als Wohnbau, Teil der Stadtbefestigung oder Lagerraum.
Der Unterhof in Diessenhofen – die moderne Rezeptionsgeschichte <réception > einer mittelalterlichen Burg
Im thurgauischen Landstädtchen Diessenhofen steht die Burg Unterhof aus dem 12. Jh. Als ehemaliges Machtzentrum und als eines der ältesten Gebäude des Ortes ist die Burg ein Baudenkmal ersten Ranges.
Seit den 1920er Jahren verfiel die Anlage jedoch kontinuierlich und wurde zu einem Schandfleck. Nachdem mehr als zwanzig Jahren lang erfolglos versucht wurde, eine Lösung für den bedrohten Bau zu finden, kauften 1988 die Winterthur Versicherungen die Burg.
Das Unternehmen baute den Unterhof zum firmeneigenen Ausbildungszentrum um. Der Komplex erhielt dadurch ein völlig neues Gesicht: die im 18. Jahrhundert entfernten Obergaden von Turm und Palas wurden rekonstruiert. Die Bauherrschaft begründete diese Massnahmen mit erhöhtem Platzbedarf und der besseren Ästhetik. Der Wiederaufbau typischer Elemente einer Burg und die hohe Akzeptanz der Eingriffe verweisen auf die Wirkungskraft klischierter Vorstellungen von Burgen und vom Mittelalter.
Gesamthaft betrachtet ist der Unterhof das Ergebnis von betrieblich-technischen Anforderungen, moderner Burgenromantik und denkmalpflegerischen Auflagen.