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Dreifrontenkrieg
“Lions for Lambs” von Robert Redford
Es hat eine Weile gedauert, bis das amerikanische Mainstream-Kino sich endlich traute, den Krieg gegen den Terror zu kritisieren – beeindruckendes Beispiel dafür ist “In the Valley of Elah”, der aktuell in den Schweizer Kinos läuft. Eine kurze Spielzeit hatte Robert Redfords “Lions for Lambs”, der schon Ende 2007 in unsere Kinos kam; trotz seines kritischen Blicks war er kaum erfolgreich. Verwundern mag dies kaum, denn obwohl es der Film gut meint, beweist er vor allem, dass gute Dialoge keinen guten Film machen.
Von Lukas Hunziker.
Drei Geschichten spielen sich parallel zueinander ab. In Washington wird die renommierte Politjournalistin Janine Roth (Meryl Streep) von Senator Jasper Irving (Tom Cruise) zu einem Interview eingeladen – eine Chance, welche sich die politisch sehr kritische Janine nicht entgehen lässt. Doch das Interview, so muss sie bald feststellen, ist nichts mehr als ein Versucht, die Presse auf die Seite der Kriegsführenden zu ziehen. Zur gleichen Zeit bittet Professor Stephen Malley an einer Universität in Los Angeles einen Studenten zu sich ins Büro und führt eine Diskussion über politisches Engagement und die Macht des Einzelnen, die Welt zu verändern. Malley plagen Gewissensbisse, da zwei seiner Studenten aus seiner Vorlesung den Schluss gezogen haben, sich in die Armee einziehen zu lassen. Und damit sind wir bei der dritten Geschichte; die beiden ehemaligen Studenten sind nämlich zu wiederum der selben Zeit über einer Bergkette in Afghanistan aus dem Helikopter gefallen, und warten nun auf Rettung – oder auf den Tod durch die heranschleichenden Taliban.
Hervorragend – durchschnittlich – mies
Die eben erwähnte Reihenfolge der Geschichte ist zugleich eine Qualitätsabfolge. So ist das Gespräch zwischen Senator Irving – grausig republikanisch gespielt von Tom Cruise – und Janine Roth hervorragend gelungen. Spannende Fragen werden aufgeworfen, die republikanische Rhetorik brillant inszeniert und es findet echte, differenzierte Kritik am amerikanischen Feldzug gegen den Terror statt. Deutlich schlaffer wirkt dagegen die Diskussion zwischen Professor und desillusioniertem Student, dessen Ergebnis philosophische Banalitäten sind, die wenig zum Thema beitragen.
Peinlich patriotisch und panisch pathetisch sind schlussendlich die verletzten Soldaten im Schnee, welche von einer bedenklich verniedlichten US-Einheit gerettet werden sollten. Die Armee wird als bessere Pfadfinder-Organisation aufbereitet, mit sympathischen Leitfiguren, die gut zu ihren ‘Jungs’ schauen. Hier traute sich “In the Valley of Elah” wesentlich weiter aufs Glatteis hinaus. Doch “Lions for Lambs” scheitert an mehr als nur der eigenen Untermauerung durch den Armee-Kitsch. So gut die Dialoge teilweise sind – der Film als Ganzes versagt und bringt kein rundes Statement zusammen. Es sind Kritikfetzen, die dem Zuschauer wie Konfetti angeschmissen werden. Viel anzufangen wissen gerade wir Europäer damit nicht.
Ausstattung
Die DVD enthält ein solides 20minütiges ‘Making of’, das brav alle Darsteller sowie Robert Redford zu Wort kommen lässt, über Drehbuch, Dreharbeiten und den Reiz der Story erzählt. Ein zusätzliches kurzes Featurette setzt sich nochmals mit dem Drehbuch, seiner Entstehung und Umsetzung auseinander. Interessant ist zudem der Audio-Kommentar Robert Redfords, der nicht wie üblich bei Audio-Kommentaren halbbetrunken belanglos plaudert, sondern ernsthaft über den Film und die politische Situation der USA redet. Der Film kann also zum Genuss werden, wenn man bei den Afghanistan-Szenen schlicht auf Audio-Kommentar umschaltet.
Seit dem 17. März 2008 im Handel.
Originaltitel: Lions for Lambs (USA 2007)
Regie: Robert Redford
Darsteller: Meryl Streep, Tom Cruise, Robert Redford, Michael Peña, Andrew Garfield
Genre: Politdrama
Dauer: 87 Minuten
Sprachen: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Schwedisch, Finnisch, Türkisch, Norwegisch
Audio: 5.1 Dolby Digital
Bonusmaterial: Audiokommentar des Regisseurs, Making of, Featurette ‘From Script to Screen’, Trailer, Promo-Film zu “United Artist” Studios
Vertrieb: Fox Home Entertainment