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Obwohl es mit vielen Ideen und Aufträgen begann, wurde ich bald unsanft in eine künstlerarme Realität versetzt: Mein Auftritt als Vorprogramm auf der Europatour von Mark Cawley – abgesagt. Die Planung meines Vorprogramms für die «World of Dance»-Tour als Sängerin von Sony – abgebrochen. Ich habe einen Musikverlag gegründet, um meine Musik besser lizenzieren zu können – aber meine Aufträge wurden gecancelt oder verschoben. Genau genommen wurden praktisch alle Projekte verschoben oder abgesagt. Von ca. sechs Auftritten monatlich neben dem Studium ging es runter auf null. Nach langen Nächten, die ich normalerweise in meiner Arbeit versunken von einer Deadline zur nächsten verbrachte, folgte nun Langeweile. Keine besonders verheissungsvolle Situation für eine aufstrebende Künstlerin. Was sollte ich also tun?
Vorerst in der Schweiz bleiben und mich ganz dem Fernunterricht widmen? Ein Albtraum. Ich fühlte mich aus dem unternehmerischen und «Let’s do it»-Spirit herausgerissen. Die Ressourcen, die ich vom California Institute of the Arts (CalArts) zur Verfügung gestellt bekommen hatte, konnte ich von der Schweiz aus nicht mehr nutzen und die «calartian family» fehlte mir. Zwar wusste ich, dass ich unbedingt weiterhin Musik machen wollte, aber komplett isoliert und zu Hause eingeschlossen war es nicht einfach, die nötige Energie und Motivation zu finden. Ich beschloss, diese Zeit zu nutzen, um meine Fähigkeiten zu vertiefen oder mir neues Wissen anzueignen – wann sonst hatte man schon quasi ein ganzes Jahr frei zur Verfügung? Ich fing an, meine Produzierfertigkeiten auszubauen, aber schon bald fehlte mir der richtige Ort, um Musik aufzunehmen (mein Wohnzimmer durfte ich leider nicht in ein Studio umbauen).
Ich versuchte, mich mit anderen Personen in der Schweizer Musikindustrie anzufreunden, um musikalisch «nicht ganz zu vereinsamen». Dabei kam ich mit diversen Musikerinnen und Musikern ins Gespräch, die die Situation in der Schweizer Popmusik-Industrie beklagten: Man lebe hier noch viel zu engstirnig, man habe nur mit den richtigen Beziehungen eine Chance, Menschen einer Minderheit hätten weniger Möglichkeiten, ihr Talent zu zeigen.
Das hat mich ins Staunen versetzt und so machte ich mich sofort daran (zumal ja sowieso nicht viel anderes los war), die Statistiken zu analysieren und stellte fest, dass es tatsächlich eine Diskrepanz zwischen den Geschlechtern, Kompositionsstilen und der Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Kunstschaffender gab.
Da entstand meine Vision, die sowohl bei meinem Problem, Musik aufnehmen zu können, als auch bei den analysierten Diskrepanzen Abhilfe schaffen könnte: Ich baue ein eigenes Studio, also einen Ort für Leute, die statistisch gesehen in der Musikindustrie untervertreten sind. Ein Raum für Frauen und Leute der «LGBTQ+ community of all colors» (Acronym für lesbian, gay, bisexual, transgender and queer or questioning+). Das Angebot sollte sich nicht nur auf buchbare Aufnahme-Sessions und meine Projekte beschränken, sondern auch aktiv Schulungen anbieten und KünstlerInnen in ihrem Schaffen fördern. Scheitern ist erlaubt und sogar erwünscht, ebenso wie Erfolg. Ganz nach dem Motto «art for art’s sake». Es gibt keine Grenzen, kein Versagen. Sozusagen ein kleines CalArts hier in Zürich.
Ich bat meinen Musik-Mentor in Kalifornien um Hilfe bei der logistischen Umsetzung und bei der Finanzierung. To cut a long story short: Im Mai 2020 haben mein Mentor, Freunde und ich angefangen, das Studio von Grund auf aufzubauen – wirklich von Grund auf, angefangen beim Bau von schalldichten Wänden und dem Einlegen eines Bodens. Wir steckten viel Zeit und Herzblut in das Projekt, das aufgrund der Corona-Restriktionen und der finanziellen Limite etwas länger dauern würde, voraussichtlich bis Mitte Januar 2021.
Nicht nur meine Freunde haben mich hierbei tatkräftig unterstützt, auch meine Professoren der CalArts haben mir mit ihrem Wissen und Know-how zur Seite gestanden. An der ETH habe ich mich ausserdem für diverse Elektrotechnikfächer eingeschrieben, die ich ohnehin für die CalArts hätte belegen müssen oder die mich bei meinem Schaffen unterstützen.
So verbringe ich nun die Pandemie nachts mit Vorlesungen an der CalArts, tagsüber mit Vorlesungen an der ETH und in der übrigen Zeit mit dem Bau und der Planung des Studios und mit Kompositionsaufträgen – das alles dank der grosszügigen Unterstützung der Fritz-Gerber Stiftung. Dieses Jahr hat alles auf den Kopf und mich auf eine harte Probe gestellt. Obwohl ich meine Streams ausbauen und mit meiner letzten Single «Waistd» zum ersten Mal den Break-even-Point erreichen konnte, hat mich die Pandemie gelehrt, dass ich mich nicht nur auf wenige Skills verlassen sollte. Meine Professoren an der CalArts haben mich bei der Aneignung neuer Fähigkeiten unterstützt und so gezeigt, dass diese Schule der richtige Ort ist, um über mich hinauszuwachsen. Dafür, dass Sie mich unterstützen und mir so diese Chance geben, bin ich einmal mehr der Fritz-Gerber-Stiftung dankbar.
Für diejenigen, die an meinem Projekt interessiert sind oder mehr über meine künstlerische Tätigkeit – unter dem Künstlernamen Sara Brown – erfahren möchten:
Instagram: @sarabrownmusic
Spotify: Sara Brown
YouTube: Sara Brown
Sein Wunsch, Kunst zu machen und davon zu leben, wird zur Realität. Bildhauer Dominic Corpataux erzählt von seiner grossen Leidenschaft.Dominic Corpataux
Jan Zbinden setzt sich stark mit der wissenschaftlichen/illustrativen Sichtweise seiner Umgebung auseinander.Jan Zbinden