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Das Älterwerden ist ein bekannter Risikofaktor für Krebs. Die meisten Krebsfälle treten nach dem 65. Lebensjahr auf, was bedeutet, dass das Alter tatsächlich der wichtigste Risikofaktor ist. Zu den häufigsten Krebsarten gehören Hautkrebs, Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs, Dickdarm- und Mastdarmkrebs, Melanom, Blasenkrebs und viele andere. Um dem vorzubeugen, sollten wir unseren Körper mindestens einmal im Monat auf Unregelmäßigkeiten hin untersuchen. Klinische Untersuchungen sollten einmal im Jahr durchgeführt werden, aber es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, wie wir unsere Gesundheit überprüfen können.
Um mehr zu erfahren, lesen Sie den Artikel von Dr. Volker Kirchner & Prof. Jacques Proust.
Krebs ist eine Erkrankung, die aus der Veränderung bestimmter Gene entsteht, die an der Kontrolle der Zellteilung beteiligt sind. In physiologischer Weise können diese Gene die Zellteilung entweder beschleunigen – in diesem Fall spricht man von Protoonkogenen – oder verlangsamen – hierbei spricht man von Tumorsuppressionsgenen. Wenn es sich um einen pathologischen Vorgang handelt, werden die sukzessiven Mutationen dieser Gene zu einer unkontrollierten Zellvermehrung führen. Die Zellen, die solche Mutationen tragen, werden Eigenschaften erwerben, die sich von jenen der normalen Zellen unterscheiden.
Sie werden unempfindlich gegenüber ihrer Umwelt, entgehen jedem Regulierungsmechanismus und werden fähig, sich in alle Bereiche des gesamten Organismus zu verbreiten und so zur Entstehung von Metastasen zu führen.
WAS VERURSACHT DIESE MUTATIONEN?
Wenn eine Zelle sich teilt, muss sie das grosse DNA-Molekül, das sich in ihrem Kern befindet, und die gesamten genetischen Informationen, die für ihr Funktionieren notwendig sind, die von den Protoonkogenen und den Tumorsuppressionsgenen kodierten Informationen eingeschlossen, vollkommen identisch replizieren. Nun ist aber das DNA-Molekül von Natur aus instabil und unterliegt Spontanmutationen.
Darüber hinaus ist dieses Molekül ständig der Wirkung karzinogener (krebserzeugender) Faktoren ausgesetzt, die das Auftreten von Mutationen begünstigen. Diese mutagenen Faktoren können aus unserer Umwelt kommen (Strahlung, Schadstoffe, Schädlingsbekämpfungsmittel, …), mit unserer Lebensweise zusammenhängen (Rauchen, Alkoholismus, übermässiger Konsum gesättigter Fette, …) oder sogar von unserem eigenen Organismus produziert werden (freie Radikale, Endprodukte der Glykierung…).
BEGÜNSTIGT DAS ALTER DAS AUFTRETEN VON KREBSERKRANKUNGEN?
Das Alter ist der Risikofaktor Nr. 1 für das Auftreten von Krebserkrankungen. Über 50% der Krebsleiden treten nach dem 65. Lebensjahr auf.
WARUM STEIGT MIT ZUNEHMENDEM ALTER DIE HÄUFIGKEIT VON KREBSERKRANKUNGEN?
Der erste Grund ist natürlich die immer länger werdende Zeit, während der ein alternder Organismus den vielfältigen umwelt-, verhaltens- und stoffwechselbedingten mutagenen Faktoren ausgesetzt ist. Ausserdem werden unsere antioxidativen Abwehrsysteme, die normalerweise für die Neutralisierung der freien Radikale sorgen, die aus unserem eigenen Stoffwechsel stammen, mit fortschreitendem Alter immer weniger effizient. Im Lauf der Zeit erschöpft sich überdies die Aktivität der Erhaltungs- und Reparatursysteme, insbesondere jener, die an der Erkennung von DNA-Mutationen und ihrer Reparatur beteiligt sind. Und schliesslich ist die Immunkontrolle, die in bestimmten Fällen für die Erkennung und Eliminierung von Krebszellen sorgt, jenseits des 65. Lebensjahres nicht mehr so leistungsfähig.
NIMMT DIE HÄUFIGKEIT ALLER KREBSERKRANKUNGEN MIT DEM ALTER ZU?
Dies trifft im Allgemeinen zu, von bestimmten spezifischen Leukämien des Kindesalters und dem Hodenkrebs abgesehen, der bei jungen Erwachsenen sehr viel häufiger ist.
TRETEN BESTIMMTE KREBSERKRANKUNGEN SPEZIFISCH IN EINEM BESTIMMTEN LEBENSALTER AUF?
Manche Krebsleiden, zum Beispiel das Prostatakarzinom, treten im Allgemeinen in einem fortgeschrittenen Alter auf. Untersuchungen zeigen, dass 90% der Männer im Alter von 90 Jahren mindestens eine Krebszelleninsel in ihrer Vorsteherdrüse aufweisen. Dieser Tumorherd wird jedoch zumeist umschrieben bleiben und nicht ausserhalb der Prostata streuen. Manche Hautkrebsarten (Basalzell- und Stachelzell-Hautkrebs) sind ebenfalls bei alten Menschen äusserst häufig. Aber auch andere Krebsarten, die das Immunsystem befallen (Lymphome, Myelome, chronische lymphoide Leukämie… ), treten vorwiegend im höheren Lebensalter auf.
KANN MAN DEM AUFTRETEN VON KREBSERKRANKUNGEN VORBEUGEN?
Soweit man den Zusammenhang zwischen spezifischen mutagenen Faktoren und bestimmten Krebserkrankungen kennt, ist es natürlich möglich, die Risiken durch Ausschluss der entsprechenden schädlichen Belastungen (Rauchen, Alkoholismus…) und/ oder Änderung der Lebensweise (keine gesättigten Fette, Erhöhung des Anteils an Ballaststoffen und Früchten in der Ernährung, Reduzierung des Übergewichts, Einschränkung der Sonnenexposition…) zu begrenzen. Ausserdem ist es möglich, durch Impfung bestimmten Virusinfektionen vorzubeugen, die bekanntlich eine entscheidende Rolle für die Entstehung einer Krebserkrankung spielen (Hepatitis-B-Virus und Leberkrebs, humanes Papilloma-Virus und Gebärmutterhalskrebs).
WELCHE MITTEL STEHEN ZUR FRÜHERKENNUNG ZUR VERFÜGUNG? WELCHE SIND BEI PERSONEN VON 50 JAHREN ANZUWENDEN?
• Die regelmässige Selbstuntersuchung der Haut, der Brüste und des Hodens erlaubt es, verdächtige Veränderungen sofort nach ihrem Erscheinen zu entdecken. Eine solche Feststellung muss unverzüglich zu einem Arztbesuch veranlassen.
• Die einmal pro Jahr durch den Allgemeinarzt vorgenommene klinische Untersuchung, die eine vollständige Inspektion der Haut, beim Mann aber auch eine digitale Untersuchung der Prostata in Verbindung mit einer PSABestimmung umfasst, ist einer der wesentlichen Schritte zur Früherkennung von Krebserkrankungen.
• Das Abtasten der Brüste, die gynäkologische Untersuchung und ein Gebärmutterhalsabstrich durch den Frauenarzt werden allen Frauen jeden Alters einmal pro Jahr empfohlen.
• Die Durchführung einer Mammographie alle 2 Jahre wird jenseits des Alters von 50 Jahren oder bei Vorliegen besonderer Risikofaktoren bereits früher empfohlen bzw. sobald beim Abtasten der Brüste eine Anomalie festgestellt wurde.
• Die endoskopische Untersuchung der Dickdarmschleimhaut (Koloskopie) wird ab dem Alter von 50 Jahren ebenfalls alle 7 Jahre empfohlen, vor allem wenn persönliche (Ernährung mit zu viel Fleisch und zu wenig Nahrungsfasern, chronische Kolonreizung…) oder familiäre Risikofaktoren (Dickdarmkrebs bei einem Elternteil oder einem Geschwister) vorliegen.
• Weitere Untersuchungen (endoskopische Untersuchung der Schleimhaut der Speiseröhre und des Magens, Echographie, Computertomographie, MRI, Szintigraphie…) können je nach dem klinischen Hintergrund und/oder bestimmten Risikofaktoren vorgeschlagen werden.
WAS IST MIT DEN BIOLOGISCHEN TUMORMARKERN? SIND SIE ZUR FRÜHERKENNUNG VON NUTZEN?
Die Krebszellen setzen bestimmte Substanzen in unseren Organismus frei, die dann mittels Blutanalysen aufgespürt werden können. Diese biologischen Marker sind im Allgemeinen für jeden Krebstyp spezifisch (PSA bei Prostatakrebs, CA 125 bei Eierstockkrebs, CEA bei Dickdarmkrebs usw…), ihr Spezifitätsgrad kann jedoch von einem Marker zum anderen ganz erheblich variieren. Manche sehr spezifische Marker wie die PSA können zur Früherkennung genutzt werden, während andere, weniger spezifische eher im Rahmen der Verlaufskontrolle der Krankheit nach der Behandlung und zur Erkennung eventueller Rezidive herangezogen werden.
STIMMT ES, DASS KREBSERKRANKUNGEN BEI ALTEN MENSCHEN WENIGER SCHNELL FORTSCHREITEN?
Die normalen Zellen alter Menschen teilen sich langsamer als die junger Menschen. Wenn dieses Merkmal auf die Krebszellen zuträfe, müsste der Krankheitsverlauf theoretisch weniger rasch vonstatten gehen. Tatsächlich können Krebszellen, die zahlreiche Mutationen durchgemacht haben und nicht mehr den üblichen Regulationsmechanismen der Zellproliferation gehorchen, aber unabhängig vom Alter die gleiche Teilungskinetik aufweisen. Darüber hinaus sind alte Menschen empfindlicher, haben im Allgemeinen weitere hinzukommende Krankheiten, sind manchmal unterernährt und haben oft ein geschwächtes Immunsystem. Ihre Abwehr- und Widerstandskräfte gegenüber der Krebserkrankung sind folglich geringer.
MUSS DIE BEHANDLUNG ENTSPRECHEND DEM ALTER ANGEPASST WERDEN?
Bei der Wahl einer Behandlung und ihrer Durchführungsmodalitäten ist es unverzichtbar, die physiologischen und psychologischen Besonderheiten des Alters zu berücksichtigen. Man muss insbesondere darauf achten, ob Begleiterkrankungen vorliegen, über den Funktionszustand von Herz, Nieren, Leber und Atmung Bescheid wissen, den Ernährungszustand und die Reserven des Energiestoffwechsels evaluieren, aber auch den Genesungswillen des alten Menschen beurteilen.
WANN KANN MAN EINE KREBSERKRANKUNG ALS ENDGÜLTIG GEHEILT BETRACHTEN? WAS BEDEUTET [REZIDIVFREIES] 5-JAHRES-ÜBERLEBEN?
Nach der Diagnose und Behandlung einer Krebserkrankung muss für eine regelmässige Nachkontrolle in kurzen Abständen gesorgt werden. Wenn man nach 5 Jahren kein Fortschreiten der Krankheit bzw. kein Rezidiv feststellt, sagt man, dass der Patient aus der Remissionsphase in die Heilungsphase geht. Es handelt sich natürlich um eine Wahrscheinlichkeit und nicht um eine exakte Vorhersage.