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Das musst du wissen
- Geschmacksveränderungen bei Menschen mit Krebs sind sehr individuell und treten in aller Regel nur vorübergehend auf.
- Betroffene berichten von veränderten Wahrnehmungen: salziges Essen empfinden sie dann beispielsweise als sauer.
- Gegen den metallischen Geschmack hilft es beispielsweise, auf Kaffee, Schokolade und rotes Fleisch zu verzichten.
Warum das wichtig ist. In der Schweiz leben nach Angaben der Krebsliga 370 000 Menschen mit Krebs. Viele von ihnen leiden unter Geschmacksstörungen, insbesondere nach der ersten Chemotherapie. Kenza Drareni ist Postdoktorandin am Institut Paul Bocuse und am Centre de recherche en neurosciences de Lyon und untersuchte in ihrer Dissertation den Zusammenhang zwischen veränderten Sinneswahrnehmungen und veränderten Präferenzen für Lebensmittel bei Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen:
«Von den Patienten, die mit der Behandlung begonnen haben, leiden 75 Prozent unter einer Veränderung des Geschmacks und fünf bis sechzig Prozent unter einer Veränderung des Geruchssinns. Diese grosse Variabilität ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, zum Beispiel die Lokalisation des Krebses.»
Krebserkrankungen der Zunge oder des Gaumens wirken sich deutlich auf den Geschmack der Patienten aus, wobei einige Moleküle, die für die Chemotherapie verwendet werden, grössere Veränderungen verursachen als andere. Dies gilt insbesondere für das Mittel Cisplatin, das bei der Behandlung von Lungen-, Eierstock- oder Darmkrebs eingesetzt wird.
Ungeniessbare Lebensmittel. Die Auswirkungen sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Neben den quantitativen Veränderungen – den häufigsten –, die dazu führen, dass die Patienten einen Geschmack mehr oder weniger stark wahrnehmen, gibt es auch qualitative Veränderungen. Die Doktorandin Kenza Drareni sagt:
«Die Person kann das Gefühl haben, einen Geschmack oder Geruch wahrzunehmen, beispielsweise einen unangenehmen metallischen Geschmack, obwohl im Umfeld nichts diesen Geschmack oder Geruch hervorruft. Eine weitere Veränderung besteht darin, etwas zu kosten und es anders wahrzunehmen. Zum Beispiel, etwas Salziges zu essen und es als sauer zu empfinden.»
Nathalie Kuhn Spoto, die seit Oktober 2020 wegen Krebs in Behandlung ist, erzählt von ihren Erfahrungen:
«Als ich mit der Chemotherapie begann, wurden alle Lebensmittel ungeniessbar, weil sie schlecht schmeckten. Ich erkannte den Geschmack nicht mehr. Ich konnte weder Schokolade noch Fisch essen, und ertrug den Geruch von Kaffee nicht mehr. Im Verlauf der Chemotherapie wurde es immer schlimmer.»
Ein reversibles Problem. Diese Geschmacksveränderungen sind nicht nur von Patient zu Patient sehr unterschiedlich, sondern variieren auch im Laufe der Zeit. Besonders ausgeprägt ist das Problem nach einer Chemotherapie-Injektion. Doch zum Glück ist diese Veränderung umkehrbar. Kenza Drareni sagt:
«Fälle, in denen der Geschmack nicht zurückkehrt, sind wirklich sehr selten. Nach Beendigung der Chemotherapie dauert es durchschnittlich acht Wochen, bis alle Rezeptoren erneuert sind.»
Ein weiterer Hoffnungsschimmer: Es ist möglich, trotz dieser Einschränkung, die für die Patienten und ihr Umfeld im Alltag sehr schwer zu bewältigen ist, Genuss zu erleben. Romain Paillereau, der künftige Chefkoch des Restaurants Trois Tours in Bourguillon in Freiburg, hat Rezepte entwickelt, die an den veränderten Geschmack von Nathalie Kuhn Spoto angepasst sind:
«Ich brachte ihr kleine Häppchen mit, die auf vier verschiedene Arten zubereitet waren, so dass ich ihre Vorlieben erkennen und meine Rezepte entsprechend anpassen konnte. Sie war überrascht, dass sie das Fleisch mochte und ich, dass sie den starken Sardellengeschmack überhaupt nicht wahrgenommen hat. Von der Textur her hat sich die Mischung aus roh und knusprig bewährt.»
Nathalie Kuhn Spoto war begeistert von der Erfahrung, die es ihr ermöglichte, wieder raffiniertere Gerichte zu geniessen. Für den Alltag empfiehlt sie Betroffenen, die sich in der gleichen Situation wie sie befinden, auf sichere Werte zu setzen. Bei ihr sind es die Tomaten, die sie auf verschiedene Arten zubereitet:
«Anfangs neigte ich dazu, viele Dinge auszuprobieren, mit der Erwartung, sie würden gut schmecken, aber das war enttäuschend. Ich habe erkannt, dass es keinen Sinn hat, tausend Lebensmittel auszuprobieren: Das hilft nicht und ist sogar deprimierend. Man muss die Lebensmittel nach und nach versuchen.»
Rezepte. Tomaten-Confit, Pouletbrust in Kräuterkruste und gegrillter Mini-Lattich mit Sanddorn. Die von den Köchen vorgeschlagenen Rezepte sind eine Variation desselben Themas: Bei einer Geschmacksveränderung, kann man mit den Texturen spielen.
Und was den oft erwähnten metallischen Geschmack betrifft, so kann dieser laut der Krebsliga durch den «Verzicht auf Lebensmittel wie Kaffee, Schokolade oder rotes Fleisch, die bereits einen metallischen Geschmack haben, gemildert werden. Und indem man die Zubereitung von Speisen in Metallgeschirr vermeidet und kein Metallbesteck verwendet.»