Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03405.jsonl.gz/1885

Die Botanik ist eine wissenschaftliche Disziplin, deren Ziel die Erforschung von Pflanzen ist. Die botanischen und mykologischen Sammlungen umfassen Pflanzen im weitesten Sinn (Algen, Moose, Farne und Samenpflanzen) sowie Pilze. Da die Letzteren keine Blüten besitzen, betrachtete man sie einst als «niedere» Pflanzen. Die meisten gesammelten Pflanzen können durch einfaches Pressen und Trocknen für die Herbarien haltbar gemacht werden. Pilze hingegen müssen zur Konservierung einem Gefriertrockenprozess unterzogen werden.
Den Grundstock der botanischen Sammlungen des Naturhistorischen Museums Freiburg bildeten das Herbarium des Chorherren Charles-Aloyse Fontaine (1754–1834) sowie zahlreiche Schenkungen von Botanikern, hauptsächlich solchen aus Freiburg. Später wurden die Sammlungen mit Belegen aus aller Welt, aber insbesondere aus Afrika und Asien (wohin die ersten grossen botanischen Forschungsreisen geführt hatten), bereichert. Dies dank dem geografischen Herbarium von Franz Joseph Lagger (1802–1870). Guerrard-Samuel Perrottet (1790–1870), ein berühmter Freiburger Botaniker und Forschungsreisender, vermachte dem Museum ein Indien-Herbarium; aus diesem Legat resultierten etliche Austausche und Korrespondenzen zwischen dem NHMF und dem Botanischen Garten von Kalkutta. Auch sollen hier die umfangreiche Sammlung von Franz Lorinser (1821–1893) mit ihren fast 20'000 Belegen aus aller Welt sowie das Herbarium von Tonkin von Henri-François Bon (1844–1894) nicht unerwähnt bleiben. Letzteres umfasst Referenzexemplare in Hülle und Fülle, also Objekte, deren Beobachtung es erlaubt hatte, neue Arten zu beschreiben. Die internationale Bedeutung der Sammlungen des NHMF erreichte damals ihren Höhepunkt; für die Freiburger Botanik brach anschliessend ein goldenes Zeitalter an. Der versierte und unermüdliche Botaniker Firmin Jaquet (1858–1933) machte es sich zur Hauptaufgabe, sämtliche Herbarien der Naturforschern des 19. Jahrhunderts zu sortieren, beziehungsweise zu katalogisieren. Er gehört zweifelsohne zu den bedeutendsten Botanikern des Kantons Freiburg; sein 1930 publizierter „Catalogue raisonné des plantes vasculaires du canton de Fribourg et des contrées limitrophes“ gilt heute noch als das Referenzwerk für Freiburg schlechthin.
Die umfangreichen botanischen Sammlungen, sie lagern in rund 1200 speziellen Kartonschachteln, müssen stets vor Insektenbefall sowie vor Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen geschützt werden. Um Beschädigungen zu vermeiden, dürfen die Herbarbögen zudem nur von Fachpersonal manipuliert werden. Daher kann der breiten Bevölkerung die Sammlungen nicht als Ganzes zur Verfügung gestellt werden. Das NHMF ist jedoch seit 1999 unentwegt daran, die Sammlungen zu digitalisieren. Dies erlaubt es Forschenden und/oder Botanikbegeisterten aus aller Welt, schnell und einfach auf die Sammlungen zuzugreifen. Das Naturhistorische Museum verfügt seit Kurzem über eine Spezialausrüstung zur besonders schonenden Digitalisierung von Herbarbelegen.
Auf Anfrage können Studierende und Forschende die Sammlungen einsehen. Melden Sie sich bitte bei Gregor Kozlowski und erläutern Sie die Art Ihrer wissenschaftlichen Arbeit und den Rahmen, in dem diese stattfindet.
- Herbarien Dr. F. Jaquet, 257 Schachteln: 19'506 Belege
- Herbarium Friburgense Dr. F. Jaquet, 1919, 37 Schachteln: > 2000 Belege
- Europäisches Herbarium Chan. Cottet, 66 Schachteln
- Herbarium Helveticum Chan. Castella, 41 Schachteln
- Herbarium Prof. J.-D. Michel, 16 Schachteln
- Herbarium Generale, leg. Chan. Lorinser, 168 Schachteln
- Geografisches Herbarium Dr. F.G. Lagger, 185 Schachteln
- Herbarium H. Sudre, 12 Schachteln
- Herbarium J. Aebischer, 154 Schachteln
- Herbarium Prof. A. Ursprung, 15 Schachteln: 1720 Belege
- Verschiedene Herbarien, 210 Schachteln
- Herbier P. Niquille 150 Muster
- Herbier Michel Yerly (Moose > 400 Muster)
- Sammlung gefriergetrockneter Pilze (ca. 5000 Exemplare)