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Geschichte
1967 - 50 Jahre Sommer der Liebe
1967. Ein Jahr wird 50. Die Geburtsstunde des Acid und Psychedelic Rock auf Platte. Denn natürlich hatte es "die Bewegung" schon vorher geben: LSD war bis Ende 1966 legal und als sich am 14. Januar 1967 schätzungsweise 20'000 Hippies und Möchtegerns im Golden Gate Park versammelten, um gegen dieses Verbot zu demonstrieren, war die sogenannte Gegenkultur nicht mehr zu übersehen. Im Sommer 1967 - dem "summer of love" - strömten 75'000 Hippies durch das Haight-Ashbury-Viertel in San Francisco. Findige Marketing-Strategen hatten sogar Busgesellschaften gegründet, um in gesicherten "Hippie-Hop"-Bus-Fahrten das Viertel zu durchqueren.
Haight not Hate
Das Aushängeschild der "Bewegung" waren Jefferson Airplane, die einzige Band die nicht nur auf dem oben beschriebenen Human Be-In Festival spielte, sondern auch auf allen anderen drei Hippie-Festivals dabei war: Monterey Pop Festival (1967) und Altamont (1967) und Woodstock (1969). Ihre beiden Hits "Somebody To Love" und "White Rabbit" gehören zum popkulturellen Repertoire jedes fortgeschrittenen Haushalts und verkörpern das Hippie-sein wie kaum etwas anderes, sie sind quasi der Inbegriff des neuen Lebensgefühls, das sich 1967 Bahn brach. Jedoch sind die beiden Songs vom Inhalt her keinesfalls so "hippiesque" wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen, wie Antonius Weixler in vorliegender Anthologie zum Jahre 1967 durchblicken lässt. Erster wurde von Grace Slicks Schwager geschrieben, um seiner enttäuschten Liebe gegenüber der Sängerin der Band Ausdruck zu verleihen, aber sie war ja mit seinem Bruder verheiratet. Der zweite Hit wiederum handelt von nichts anderem als dem Buch "Alice in Wonderland" wie hinlänglich bekannt sein dürfte. Weiteres Insiderwissen gibt Weixler auch zur Namensgebung der Band und ihrem ersten Auftrittsort "The Matrix" in San Francisco preis.
Doors and Dead
Dass das, was man sich damals auf Platte kaufen konnte keinesfalls dem Lebensgefühl der damaligen Zeit entsprach, wird auch in dem Beitrag von David Christopher Assmann über The Grateful Dead deutlich. Jerry Garcia - der übrigens auch Surrealistic Pillow von Jefferson Airplane produziert hatte - nahm mit seiner Band ein Album auf, das durchwegs enttäuschte. Das selbstbetitelte Debüt der Band musste nämlich ohne die Acid-Tests auskommen, die damals auf Konzerten der Dead verbreitet waren. "Something completely different" war damals der allgemeine Tenor beim Hören des Albums, denn Warner Bros hatten alles was die Grateful Dead ausmachte - das Live-Improvisieren - zwecks marktkonformere Konvention und Vermarktbarkeit - zusammengeschnitten. Der Drei-Minuten-Pop-Song war geboren worden! Auch das erste Album der Doors erschien 1967, im Januar, sowie im Oktober desselben Jahres "Strange Days", eine Band die sich ebensowenig wie die Dead auf ein Popformat zusammenstreichen ließ: Light My Fire, der Single-Hit und die "Hymne der psychodelischen Bewegung" wie Niels Penke den Song nennt , hatte 7 Minuten, "The End" über 11 Minuten. Man könnte also auch sagen, dass 1967 nicht nur den Anfang des Pop markierte, sondern auch das Ende der psychodelischen Bewegung und seine Unterwerfung unter die Marktlogik. Dennoch sind 50 Jahre 1967 natürlich ein Grund zu feiern und das tut die vorliegende Publikation des Wagenbach-Verlages meisterlich: weitere lesenswerte Beiträge zu den 1967 erschienen Alben behandeln unter anderem "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band", Jimi Hendrix' Debüt "Are You Experienced" oder Velvet Underground & Nico, Pink Floyds "Piper at the Gates of Dawn", David Bowies Debüt, die Beach Boys, Bob Dylan und die Byrds.
Das letzte Kapitel des Buches behandelt die Rezeption des englischsprachigen Pop in Deutschland, der zu so witzigen Blüten wie der Interpretation des Rolling Stones' Songs "Satisfaction" durch die Dorados führte und in der Übersetzung "Das ist alles keine Klasse" lautete. Die vorliegende Publikation hat sehr viel Klasse und könnte jetzt schon mein Lieblingsbuch 2017 sein. Absolut empfehlenswert und unterhaltsam. Fünf Sterne in der Milchstraße.