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| Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über die Auferweckung des Lazarus (Joh. 11, 43.)

6.
Gerade als die Trauer um ihn heftig war und seine Lieben ihn bitter beweinten, als man in der Synagoge, jener Hasserin der Wahrheit, die Geschichte seines Todes besprach und die Wölbung des Trauerhauses noch von dem Getöse der Scharen von Juden dröhnte, als einer dem andern erzählte, daß Lazarus gestorben sei, wie andere vor ihm, und die Klage über ihn noch nicht verhallt war, als die Kunde von seinem Tode noch lebendig war und jedermann kam, seine Schwestern seinetwegen zu trösten, als die Nachricht von seinem Hinscheiden sicher und sein Begräbnis vielen bekannt war, als die Totenklage noch in seinem Hause gehalten wurde und seine Bekannten ihn noch beklagten: da erschien der Herr der Auferweckung, um seine Macht zu zeigen, nicht so sehr, um den Lazarus aufzuerwecken, als vielmehr, um die Hoffnung [auf die allgemeine Auferstehung] zu stärken. Durch diesen einen Entschlafenen gab er der ganzen Welt ein Beispiel der [allgemeinen] Auferweckung und richtete in der Festung der Begrabenen das Banner des Lebens auf. Er ließ den Verstorbenen in Verwesung übergehen, und dann erst kam er, um ihn aufzuerwecken. Auf diese Weise beglaubigte sein Verwesungsgeruch den Tod und seine Auferstehung die Auferweckung. Der Entschlafene wanderte drei Tage lang unversehrt im Lande des Todes, erst am vierten Tage stieg er hinab in das Meer der Verwesung. Der Tod nahm ihn und führte ihn im Jenseits drei Tagreisen weit; aber an der vierten Station schloß er ihn wie die übrigen [Toten] im Abgrunde der Toten ein.