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An einem der besten Kletterberge der Schweiz wird gefeiert, unter anderem mit einem Buch der Brüder Remy.
«L’Argentine hantait nos esprits. Nous en avions fait deux fois la traversée de l’arête en 1921, mais le Grand Miroir nous fascinait. Le samedi 27 mai 1922, nous sommes montés à pied, tous les trois, de Bex jusqu’à La Benjamine, où nous avons laissé les sacs. Puis grimpant les pentes du pâturage de Solalex, nous avons examiné en détail cette paroi. Nous avions choisi l’itinéraire qui nous paraissait le plus facile pour mettre toutes les chances de notre côté. Notre technique de varappe et nos souliers à clous avaient quelque chose de primitif en comparaison de ce que vous pratiquez maintenant. Le dimanche 28 mai nous nous sommes levés à 3 h 30.»
Und dann, beim ersten Tageslicht, stiegen die drei Lausanner Studenten André Bugnion, Jean-Pierre Vittoz et Henri Moreillon in die 450 Meter hohe, noch undurchstiegene Kalkwand des Grand Miroir ein. In dieses Schaustück der Nordwestwand der Arête de l’Argentine; der Grat erstreckt sich über gut zwei Kilometer von der Haute Corde über die Haute Pointe (2422 m) bis zum Lion de l’Argentine. Zügig kletterten das Trio durch die teils noch mit Schnee und Eis gefüllten Risse im östlichen Teil des Grossen Spiegels – eine mutige Erstdurchsteigung einer beeindruckenden Wandflucht im Herzen der Waadtländer Alpen. 100 Jahre nach der Premiere des Couloir Est durchziehen schier unzählige Routen die breite Wand, darunter auch der am 1. September 1926 eröffnete Normalweg oder Itinéraire de l’Y im Grand Miroir, der klassische Weg, der Eingang gefunden hat in den einst sehr beliebten Bildbandführer „Im schweren Fels. 100 Genußklettereien in den Alpen“ von Walter Pause.
Das Zitat von Henri Moreillon über die erste Durchsteigung des Grand Miroir findet sich im Buch „Les Miroirs de l’Argentine“ von Claude und Yves Remy aus dem Jahre 1997. Es war die erste alpinhistorische Monografie, welche die Brüder Remy über ihre Kletterheimat veröffentlichten. 1999 folgte „Gastlosen“, 2006 „Les falaises du Jura“. Und jetzt, pünktlich zur „100ème de la première ascension du Miroir de l’Argentine“, erscheint „Les Miroirs de l’Argentine“ in einer prächtig erweiterten und aktualisierten Neuauflage. 40 zusätzliche Seiten, grossartige neue Fotos, eine präzise Übersicht über alle die Kletterrouten. Und vor allem wieder die alten und neuen Geschichten und Porträts der Kletterer und Kletterinnen, die im grossen und kleinen Spiegel der Argentine, in den Aufschwüngen dazwischen und auf dem luftigen Grat hoch oben ihre Spuren hinterliessen, ihrer Leidenschaft nachgingen auf schmalen Tritten und Griffen und manchmal auch in der Luft. Ein starkes Buch, das mit einer ganz besonderen Erinnerung beginnt: Claude und Yves Remy besuchten im Juni 2022 Paul Trachsel (Jahrgang 1915), der 1931 mit Alice Berger de Buren durch den Grand Miroir kletterte. Das schwarzweisse Foto zeigt die beiden oben auf dem Grat, sie lachend, er locker konzentriert, denn die Tour war ja noch nicht zu Ende, und das Leben auch nicht.
Das soll gefeiert werden, 100 Jahre Erstdurchsteigung des Grand Miroir de l’Argentine und die Neuauflage der Monografie des frères Remy. Die Feierlichkeiten finden am Samstag, 10. September, in Solalex statt, am Fusse des Miroir. Ab 16.00 Uhr mit der Vernissage des Buches, mit einem Vortrag über die Geschichte des Kletterns an der Argentine, mit dem Film „Les fichiers du Muret“ und mit der Beleuchtung der Y-Route. Wenn das kein Grund ist, in die Alpes vaudoises zu fahren: mit der Zahnradbahn von Bex hinauf nach La Barboleuse zwischen Gryon und Villars-sur-Ollon, dann knapp zwei Stunden wandern nach Solalex. Es fährt manchmal auch ein Bus, und eine Mitfahrgelegenheit findet sich bestimmt. Bonne balade – und vielleicht ja auch bonne varappe!
Claude et Yves Remy: Les Miroirs de l’Argentine. Coloria Graphic Design, Vevey 2022. Fr. 70.-
Programm vom 10.9.2022: www.miroir-argentine.ch