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Dead Again (1991) war Kenneth Branaghs erster Film nach seinem viel beachteten Regiedebüt Henry V, eine der bemerkenswertesten Shakespeare Verflimungen überhaupt. Seine beiden Oscar-Nominationen für Regie und in der Hauptdarsteller-Kategorie, führten zum ersten Hollywoodauftrag, allerdings war dem Dead Again kein grosser Erfolg beschieden (das US-Publikum schien Testscreenings zufolge von der komplexen Erzählung ein wenig überfordert, weshalb die Sequenzen, die in der Vergangenheit spielen, nachträglich in s/w „gefärbt“ wurden…).
Branagh spielt in diesem Streifen, der Themen wie Reinkarnation und das uns wohl allen bekannte déjà-vu streift, einen Privatdetektiv, der in einen mysteriösen Fall um die von Amnesie geplagte Grace (Emma Thompson) verwickelt wird. Der Film erzählt parallel zwei verschiedene Zeiträume, an den gleichen Orten stattfindend, wobei in der in der Vergangenheit spielende Story der Mord an einer berühmten Konzertpianistin passiert. Es spielen ausserdem Andy Garcia (als Ehemann der Pianistin), Derek Jacobi und Hanna Schygulla.
Dead Again nur auf den Begriff „herrmannesque“ zu beschränken, wie es manche tun, würde Patrick Doyles Score bei weitem nicht gerecht werden. Doyles Musik ist in erster Linie leidenschaftlich („Winter 1948“) und wundervoll romantisch („Two Halves of the Same Person“, „It never Rains in LA“) aber auch stürmisch und mitreissend (im Titelstück „The Headlines“, „The Chase“ oder dem wundervollen „Fate Happens/Death of a Mad Son“), umunwunden thematisch, dramatisch und ja, nur damit es nochmals bemüht wird, mit einem Kleckser Herrmann versehen. Doyle verfällt weder in Plagiarismus noch in das Abnudeln von Stereotypen, denn wer Doyles Oeuvre kennt, weiss, dass hier viel Herz, Temperament und Eigenständigkeit des Schotten eingeflossen sind und spätere beliebte Musiken wie Frankenstein, Needful Things oder Much Ado About Nothing diese Handschrift mehr oder weniger innig vorgetragen haben.
Das Titelthema kleidet Doyle in diverse Variationen, ihm zur Seite steht ein romantisches Motiv, welches wir als Thema für die sich anbahnende Beziehung zwischen Branaghs und Thompsons Charakter (damals und bis Frankensteintatsächlich ein Paar) wahrnehmen. Selbst in den Spannungspassagen und den aggressiveren Momenten verliert Doyle nie seinen Weg aus den Augen, auch die seltenen Syntheinsätze können daran nicht rütteln. Für die beiden Spielorte Gegenwart und Vergangenheit erarbeitet Doyle feine Unterschiede, die er, ebenso wie Branagh mit Kamera und Schnitt, meisterhaft zu verbinden versteht.
Was wir in Dead Again hören ist der Komponist in Hochform, wie damals glücklicherweise desöfteren und, es soll gesagt sein, leider in den letzten Jahren allzu selten (um nicht zu sagen gar nicht mehr) von ihm zu hören war.
Alles in allem bleibt eine wunderbare, sinfonische Komposition aus der Feder eines Komponisten, der mehr als das Handwerk versteht und es schafft seine eigenen Typizitäten einzubringen.
Gegenüber der knapp 32 Minuten dauernden Varèse Scheibe von anno dazumal darf man hier dem vollständigen 59 Minuten Score lauschen und diese Erweiterung hat sich allemal gelohnt. Auch klangtechnisch haben die Macher eine Schippe draufgelegt, ganz abgesehen vom schönen Booklet mit den Liner Notes von Brian Satterwhite. 18 Minuten gibt es als Bonus obendrauf, aufgeteilt in Album- und alternative Versionen, source cues und frühe Niederschriften des Komponisten.
Dead Again in der La-La Land Präsentation gehört ins Pflichtenheft eines Doyle-Fans und Filmmusikromantikers.
Phil, 5.8.2014
DEAD AGAIN Patrick Doyle La-La Land Records LLCD 1284 77:33 Min. / 19 Tracks Limitiert auf 2000 Stück