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Der Januar 2019 hat die Schweiz in dreierlei Hinsicht zweigeteilt. So erlebten die Berglagen der Alpennordseite oberhalb von 1000 Meter den kältesten Jänner seit mehr als 30 Jahren, während das Tessin einen der mildesten Januarmonate seit Messbeginn registrierte. Auch bei der Niederschlagsverteilung gab es eine Zäsur. Während die Alpensüdseite mit Nordföhn häufig sonniges Winterwetter genoss und lediglich 10 bis 15 Prozent der üblichen Januarmengen erhielt, fielen am zentralen östlichen Alpennordhang mit Nordstau häufig intensive Schneefälle und St. Gallen erlebte beispielsweise einen der zehn niederschlagsreichsten Januarmonate seit Messbeginn 1866. Die dritte Zweiteilung der Schweiz im Januar lässt sich wie so oft im Winter mit dem Slogan «oben blau, unten grau» beschreiben. Ausgesprochen sonnig war der Bergwinter im Januar allerdings auch nicht überall. Zumindest aber in der Woche vom 15. bis 22. Januar verlief das Wetter vorwiegend hochdruckbestimmt, während im Flachland ab dem 19. Januar zäher Hochnebel lag.
Kalt, aber schneearm
Der Passus «oben blau, unten grau» sollte in der heutigen Zeit allerdings ergänzt werden. Treffender wäre: «oben blau und weiss, unten grau und grün». Vor allem Mitte Januar brachte eine starke Nordwestströmung massiven Schneefall in den östlichen Alpen. In Mittelbünden summierte sich der Neuschnee auf bis zu 2 Meter 30 innerhalb von drei Tagen. Im Flachland – z.B. am Zürichberg – lag im Januar 2019 allerdings nie mehr als 11 Zentimeter Schnee. Der ganze Januar 2019 zählte am Zürichberg lediglich drei Tage, an denen 5 Zentimeter Schnee oder mehr lagen. Ganz im Flachland, in der Stadt Zürich, summierte sich der Schnee an keinem einzigen Tag auf 5 Zentimeter. Damit setzt der Januar 2019 den Trend hin zu schneearmen Flachlandwintern fort, und dies, obwohl er heuer eigentlich genügend kalt und niederschlagsreich war.
In Zürich werden seit 1931 systematisch Schneedaten erhoben. In der 30-jährigen Periode von 1931 bis 1960 konnte der Zürichberg im Januar mit 11 Schneetagen mit mindestens 5 Zentimeter rechnen. In den darauffolgenden Jahrzehnten von 1961 bis 1990 erhöhte sich diese Marke sogar auf mehr als zwölf Tage. Doch dann setzte die Kehrtwende ein und so bringen Januarmonate seither (1991 bis 2019) noch lediglich fünf Tage mit einer Schneedecke von mindestens 5 Zentimeter. Dies entspricht einem Rückgang der Schneetage um knapp 60 Prozent innerhalb von drei Jahrzehnten. Die Ursachensuche mündet rasch im kontinuierlichen Anstieg der Schneefall- respektive der Nullgradgrenze. Lag die Nullgradgrenze Ende des 19. Jahrhunderts im Schweizer Winter noch bei 400 m ü. M., so lag sie in der Periode 1931 bis 1960 bereits bei 600 m und zwischen 1961 und 1990 bereits bei 700 m. Heute liegt die Nullgradgrenze im Winter im Durchschnitt bereits bei über 900 m. Der Anstieg der Schneefallgrenze zeigte sich auch im eigentlich kalten Januar eindrücklich. In Phasen intensiver Niederschläge, die vom Nordatlantik mit starken Nordwestwinden direkt an die Alpen geführt wurden, stieg die Schneefallgrenze rasch auf 1000 m an und arbeitete sich dann nur langsam auf 800, 600 m und erst bei bereits wieder abklingenden Niederschlägen bis ganz ins Flachland hinunter. Der grösste Teil des Niederschlags fiel daher als Regen und eben nicht als Schnee.
Schneearme Winter
Der Januar ist beim Rückgang der Schneetage keine Ausnahme. Über das gesamte Winterhalbjahr (Oktober bis März) betrachtet, sind die Schneetage mit mindestens 5 Zentimeter Schnee in Zürich um 40 Prozent auf durchschnittlich noch 20 Schneetage zurückgegangen. Der stärkste Rückgang an Schneetagen erlitten die Monate Januar und März. Auch der Februar zählt heute knapp 30 Prozent weniger Schneetage als noch vor 30 Jahren. Auch Schneefälle im November und Dezember sind deutlich seltener als noch vor ein paar Jahrzehnten, allerdings zeigt sich hier ein spannendes Detail. In der Periode 1931 bis 1960 waren Schneetage im November und Dezember noch seltener als heutzutage. In dieser Periode gab es im November praktisch keine Schneetage und auch im Dezember gab es im Durchschnitt lediglich vier Schneetage in Zürich. Die Jahre von 1961 bis 1990 brachten dann diesen Monaten deutlich mehr Schnee, bevor der weitere Anstieg der Schneefallgrenze die Schneetage heutzutage wieder stark dezimiert.