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Und trotz brummender Wirtschaft – die Lohntüten der Schweizer Informatiker sind in den letzten 12 Monaten insgesamt etwas schmaler, und die Informatiker noch älter geworden.
Obwohl die Konjunktur in der Schweizer Wirtschaft deutlich angezogen hat, ist das durchschnittliche Realeinkommen der Informatikerinnen und Informatiker in der Schweiz gemäss der jährlichen "Salärerhebung" des Branchenverbands SwissICT zwischen April 2005 und April 2006 leicht gesunken. Der Nominallohn, so SwissICT, sei zwar um ein halbes Prozent gestiegen, aufgrund der Jahresteuerung von 1,4 Prozent errechnet sich daraus aber ein um durchschnittlich 0,64 Prozent tieferes Realreinkommen.
SwissICT interpretiert dies damit, dass die "Bereinigung der schwierigen Phase von 2002 bis 2004 noch nicht abgeschlossen sei." Mit anderen Worten: Das Wiedererstarken der Wirtschaft hat sich anscheinend (noch?) nicht in den durchschnittlichen Löhnen der IT-Leute niedergeschlagen. Gestützt werde diese Deutung, so SwissICT, durch die so genannten "Marktsaläre". Dabei handelt es sich um die Löhne, die bei der Ausschreibung einer neuen Stelle zur Anwendung kommen. Diese lägen noch immer um über 6 Prozent tiefer als die durchschnittlichen Saläre vergleichbarer, bereits besetzter Stellen. Nach den "Marktsalären" wurde allerdings dieses Jahr in der Salärerhebung zum ersten Mal gefragt – ein Vergleichswert aus früheren Jahren liegt also nicht direkt vor.
Gemäss der Salärerhebung 2006 scheint sich in der Schweiz ausserdem ein Phänomen zu zeigen, dass auch in anderen Ländern Europas zu beobachten ist: Die Gehälter in den Tätigkeitsbereichen, wo vorher schon viel verdient wurde, wurden noch höher während die Gehälter in den weniger lohnträchtigen Bereichen sinken – die Lohnschere innerhalb der Informatikerberufe geht also weiter auseinander. In diesem April lag der Durchschnittslohn für einen "Junior Operator" gemäss SwissICT bei 67'000 Franken, während der Durchschnittslohn für dieses Tätigkeitsgebiet 2005 noch 78'200 Franken betrug. Ein "Business Analyst" verdiente dafür im Mittel 165'000 Franken, rund 1500 Franken mehr als 12 Monate vorher. (SwissICT verwendet für die Angaben des Durchschnittlohns nicht den mathematischen "Durchschnitt" sondern den Median. Das bedeutet, dass die Hälfte aller Löhne unter dem angegebenen Durchschnitt liegen und die andere Hälfte darüber.)
Dies deckt sich unserer Meinung nach nicht nur mit allgemeinen Trends in der Wirtschaft sondern auch mit spezifischen Entwicklungen im Informatikermarkt. Grundlegende IT-Infrastruktur wird zuverlässiger und einfacher in der Bedienung – eine "Commodity" wie man das heute nennt. Die IT-Infrastruktur einfach im Betrieb zu halten dürfte daher lohnmässig auch in Zukunft zunehmend weniger honoriert werden, als früher. Deutlich bessere Karten am Lohnverhandlungstisch haben IT-Leute mit höheren Ausbildungen und IT-Leute – das muss nicht deckungsgleich sein – die mit ihrem IT-Know-how und ihren IT-Ideen ein Unternehmen geschäftlich vorwärts bringen können.
Ein weiteres interessantes Resultat der Salärerhebung, ist dass das durchschnittliche Alter der Informatiker weiter steigt. Im Jahr 2001 waren noch 32 Prozent der Angestellten jünger als 35 Jahre. Schon letztes Jahr waren es aber nur noch 28 Prozent und im aktuellen Kalenderjahr sank ihr Anteil noch weiter auf 26 Prozent. Das Klischee von der IT-Abteilung als Domäne jugendlicher "Geeks" dürfte also bald einmal ausgedient haben.
SwissICT führt seine Salärerhebung jährlich durch. Dieses Jahr nahmen 219 Unternehmen in der Schweiz, die insgesamt 18'364 Informatikerinnen und Informatiker beschäftigen, daran teil. Gemäss SwissICT dürfte dies etwa 15 Prozent aller Informatik-Angestellten in der Schweiz entsprechen (Alle Branchen zusammengezählt, nicht nur ICT-Branche selbst.) Die detaillierten Resultate der Salärerhebung kann man in Buchform oder in einer Online-Version für 100 Franken als SwissICT-Mitglied oder 250 Franken als Nichtmitglied bei swissICT bestellen
. (Hans Jörg Maron)