Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03447.jsonl.gz/703

«Ich liebe dich so wie du mich», «Adelaide» und «In questa tomba oscura»
Daniel Behle, Tenor
Jan Schultsz, Hammerklavier
Ludwig van Beethoven (1770-1827)
«Ich liebe dich so wie du mich» WoO 123
(Text: Karl Friedrich Wilhelm Herrosee)
«Adelaide» op. 46
(Text: Friedrich von Matthisson)
«La Tiranna» WoO 125
(Text: anon. / trad. – Übersetzung: William Wennington)
«Bitten» op. 48 Nr. 1
(Text: Christian Fürchtegott Gellert)
«Lebensglück» op. 88
(Text: anon.)
«Der Wachtelschlag» WoO 129
(Text: Samuel Friedrich Sauter)
«In questa tomba oscura» WoO 133
(Text: Giuseppe Carpani)
«Andenken» WoO 136
(Text: Friedrich von Matthisson)
«Gesang aus der Ferne» WoO 137
(Text: Christian Ludwig Reissig)
Live aufgezeichnet am 14. August in der Kirche Saanen
Der vielseitige Sänger und Komponist Daniel Behle ist in Konzert, Lied und Oper gleichermassen erfolgreich. Sein Repertoire reicht von barocken Meisterwerken über klassische und romantische Werke bis hin zu Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts. Er konzertiert mit Orchestern wie der Sächsischen Staatskapelle Dresden, den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und der Bachakademie Stuttgart. In der vergangenen Saison standen etliche Höhepunkte im Kalender: Mit «MoZart» gastierte Daniel Behle mit dem Barockorchester L’Orfeo im Oktober 2019 in der Elbphilharmonie. Im Frühjahr 2020 sang er Mendelssohns Elias mit dem Orchestre de Paris unter Leitung von Daniel Harding und Mahlers Lied von der Erde mit den Hamburger Symphonikern unter Sylvain Cambreling. Mit der Lautten Compagney Berlin gastierte er im Festspielhaus Baden-Baden, bei Klangvokal Dortmund und bei den Händelfestspielen Halle. Mit dem Alliage Quintett zusammen hat Daniel Behle im März 2020 am Theater Schweinfurt sein neues Programm «Behlcanto» aus der Taufe gehoben. Opernengagements führten ihn an wichtige Opernhäuser. Höhepunkt seiner Opernsaison 2019/2020 war das Rollendebüt als Lohengrin am Theater Dortmund und an der Staatsoper Stuttgart.
Jan Schultsz ist als Dirigent, Kammermusiker, Liedbegleiter und Festival-Intendant gleichermassen tätig. Seit Beginn seiner musikalischen Laufbahn bewegt er sich in verschiedenen musikalischen Sparten. Als Operndirigent war Jan Schultsz an der Norske Opera in Oslo, der Ungarischen Staatsoper Budapest und der Opéra Royal de Wallonie in Liège verpflichtet. Im Jahr 2000 gründete er die Opera St. Moritz, der er als Künstlerischer Leiter bis 2012 vorstand. Seit 2008 ist er auch Intendant des «Engadin Festivals», eines der ältesten Musikfestivals der Schweiz. Als Klavierbegleiter arbeitet Jan Schultsz oft mit Cecilia Bartoli, Vesselina Kasarova und Werner Güra zusammen. Seine Diskographie umfasst unter anderem die Weltersteinspielung der kompletten Klavierkammermusik des Schweizer Komponisten Joseph Joachim Raff.
Im Gegensatz zu einem Schubert oder auch einem Schumann wird Beethoven nicht sofort mit dem Lied in Verbindung gebracht. Erscheint ihm, als Vertreter der grossen Geste – des männlichen Helden und weniger des zerbrechlichen und zögerlichen Ichs – diese Ausdrucksform möglicherweise als zu intim? Zumindest hindert es ihn nicht daran, der Nachwelt knapp hundert Weisen zu hinterlassen (zu denen weitere 131 Volkslieder hinzukommen, katalogisiert unter der Werknummer 108), die in der Zeit zwischen seiner frühen Jugend und den ersten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts entstehen. Da diese Stücke für den Privatgebrauch bestimmt waren, tragen viele von ihnen keine Werknummern. Zu den wichtigsten Verfassern gehören einige Italiener, aber vor allem Deutsche, als dessen legitimer Wortführer er sich nach dem Vorbild seiner grossen Vorgänger wie Carl Philipp Emanuel Bach, Joseph Haydn, Gluck und Mozart berufen fühlt. Auch zu nennen sind Christian Fürchtegott Gellert, Christian Ludwig Reissig, sein Freund Stephan von Breuning und insbesondere der berühmte Johann Wolfgang von Goethe, von dem man weiss, dass er ihm eine grenzenlose Bewunderung entgegenbrachte. Sie treffen 1811 im böhmischen Kurbad Teplitz aufeinander. Nach Angaben von Pascale Saint-André sei man in wohlhabenden Kreisen der Romantik zugeneigt, häufig in Verbindung mit dem Sturm und Drang, mit einem Hang zur Anakreontik, patriotischer, religiöser, pantheistischer Exaltation, Anflügen von Sehnsucht, zugleich Leidenschaft und Nostalgie, und nicht selten in Kombination mit dem Sujet der ach so fernen Geliebten.
«An die ferne Geliebte» gehört zweifellos zu den berühmtesten dieser Werke. Der zwischen 1815 und 1816 komponierte Zyklus aus sechs Liedern zu den Worten von Alois Jeitteles erzählt eine wirkliche Geschichte, wie es Schubert später auf so hervorragende Weise mit seinem Zyklus über die Reifejahre machen sollte. Opus 98 gilt nebenbei als eine Art Vorreiter dieser Gattung. Im Unterschied zu der Mehrzahl der übrigen Lieder gelingt es der Stimme hier, sich vom dominanten Rahmen zu befreien, den «König Klavier» vorgibt, das hier eine neue Funktion erhält: Es stellt die Verbindung zwischen den einzelnen Melodien mit dem immerhin recht originellen Mittel des Zwischenspiels her, dem sich erst Janáček und Richard Strauss erneut bedienen sollten. Der Geist hingegen entstammt dem des Volkslieds. Was die berühmte «ferne Geliebte» betrifft, so konnte sie niemals wirklich benannt werden. Sofern Beethoven (oder Jeitteles) überhaupt an eine bestimmte Person gedacht haben. Auch wenn das Jahr 1816 in der Tat von der Sehnsucht nach einer Frau geprägt gewesen sei, so Pascale Saint-André, hauche diese Person diesem intimen Werk, in dem sich Beethoven seinen Gefühlen ergibt, doch im Geheimen und Anonymen ihren Geist ein.