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Jemand springt in einen eiskalten See, um einen Nichtschwimmer, der hineingestürzt ist, zu retten. Dabei geht er das Risiko ein, sich eine Lungenentzündung zuzuziehen. Ein eindrucksvolles Zeugnis von Hilfsbereitschaft! Mehr wagt, wer nicht nur die Gesundheit, wer sogar sein Leben aufs Spiel setzt und z.B. in ein brennendes Haus eilt, weil dort die Schreie eines Kindes zu hören sind. Ein solcher Einsatz ist wahres Heldentum, höchster Bewunderung wert. Überboten wird es nur noch durch die freiwillige Hingabe des Lebens. Dadurch also, dass jemand sich für einen anderen in den sicheren Tod begibt. Von solchen Taten gilt das Wort Jesu: „Niemand hat eine grössere Liebe, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde.“ (Joh 15,13) Der Herr selbst hat es uns vorgemacht und verlangt, dass wir Ihm gegebenenfalls darin nachfolgen.
Eines der berühmtesten Beispiele dafür bietet der heilige Maximilian Kolbe. Bekanntlich hat er am 29. Juli 1941 im Konzentrationslager Auschwitz angeboten, anstelle eines anderen Häftlings, des Ehemannes und Vaters Franciszek Gajowniczek, in den Hungerbunker zu gehen. Die Stätte des langsamen, qualvollen Sterbens erfüllte Maximilian Kolbe mit hoher Hoffnung. Zwei Wochen lang tröstete er die Leidensgenossen und betete mit ihnen, bis ihm und den anderen, die noch nicht verhungert waren, am 14. August eine Phenolspritze den Tod brachte. Die Gottesmutter, mit der Maximilian Kolbe zeitlebens so innig verbunden war, hatte ihn zu einer derartigen Christusähnlichkeit geführt, dass er in Gleichförmigkeit mit seinem Herrn sterben konnte. Obwohl er nicht ausdrücklich für den Glauben sein Leben gegeben hat, wird er mit Recht als Märtyrer verehrt, denn sein Tod ist Ausdruck vollkommener christlicher Liebe.
Seit einiger Zeit nun hat der heilige Franziskanerpater für manche ein eigentümliches Patronat inne. Nicht ein offizielles, von der Kirche verkündetes, sondern ein inoffizielles Patronat, das ihm von bestimmten Kreisen angetragen wird: Maximilian Kolbe dient als Vorbild derjenigen, die sich bereiterklären, totkranken Menschen lebenswichtige Organe zu überlassen. Denn das, so sagt man, sei doch eine hervorragende Weise, heute dem Beispiel grösstmöglicher Liebe nachzufolgen und das eigene Leben hinzugeben. Wiederholt sich nicht tatsächlich dort, wo jemand – vielleicht Ehemann und Familienvater wie Franciszek Gajowniczek – angstvoll dem baldigen Sterben entgegenschaut, dann aber durch die freiwillige Gabe eines lebensfähigen Herzens errettet wird, das ergreifende Geschehen von 1941? Muss ein wahrhafter Christ nicht einen Organspendeausweis bei sich tragen? Gibt er damit nicht Zeugnis von der Liebe und ist so ein echter Märtyrer?