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Die drei Elemente, aus denen das Werk G 3, 1990, zusammengesetzt ist, waren unabhängig voneinander gemalt worden. Grundsätzlich sind die einzelnen Bildtafeln selbständige Arbeiten, die einander nicht zwingend bedürfen. Andererseits hat Helmut Dorner sehr häufig Bilder zu mehrteiligen Gruppen zusammengestellt; ein Indiz dafür, daß die künstlerische Produktion bei ihm nicht mit der Vollendung der einzelnen Bildtafel beendet ist; oder vielleicht mehr noch ein Indiz dafür, daß in seiner Kunst-Vorstellung der Begriff der Vollendung selbst fragwürdig ist.
Zusammengestellt zu dem Werk G 3 sind Bilder unterschiedlichen Formates, zwei größere und ein kleineres. Das kleinere ist eine Ölmalerei, während für die größere Lackfarbe gebraucht wurde. Die Malerei des Ölbildes ist sehr dicht, sie bildet ein regelrechtes Relief, strukturiert durch die Pinselzüge. Die Farbigkeit hingegen ist zurückhaltend, und es gibt keine klar voneinander abgesetzte Formen. Wohl ist die Malerei vielfarbig, und offensichtlich ist viel Arbeit darauf verwendet worden, die Farbverhältnisse des Bildes aus Kontrasten aufzubauen. Tertiärfarben aber, verschiedene Brauntöne vor allem, bestimmen den Charakter dieser Malerei, die Unterschiede zwischen den einzelnen Töne sind häufig sehr gering. So erscheint die gestaltete Farbigkeit des Bildes dauernd davon bedroht, in den Massen des Farbmaterials unterzugehen oder scheint, umgekehrt, aus diesen hervorzuleuchten.
Die Oberfläche der Lackbilder hingegen ist glatt und glänzend, zeichenhafte Markierungen sind klar und deutlich vom Bildgrund abgehoben. Auch in diesen Bildern spielen subtile Farbbeziehungen des tertiären Bereiches eine Rolle. Doch sind die Farben den Formen entsprechend weniger zahlreich, und sie sind scharf voneinander getrennt. Etwas von der Komplexität der Ölbilder ist aber auch in den Lackbildern zu finden, da sich nämlich Reflexionen des realen Raums mit der eigentlichen Malerei vermischen. So erscheint die ursprüngliche Bildgestalt der Lackbilder in Frage gestellt von der Überstrahlung durch immer wechselnde Reflexionen.
Für Dorner ist Malerei anscheinend nur möglich, wenn er sie von dort her angeht, wo Malerei nicht ist: den bildauflösenden Spiegelungen und den farbbedrohenden Mischungen. U.L.