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Der wissenschaftliche Hochleistungsrechner aus dem Jahr 1949, aus dem später einer der ersten Businesscomputer der Welt entstand, soll 2015 zum ersten Mal nach rund fünf Jahrzehnten wieder gebootet werden.
Die Restaurierung hochgezüchteter Computer-Hardware aus längst vergangenen Tagen stellt aus Ingenieurssicht eine ganz besondere Herausforderung dar. Ein Informatikerteam des National Museum of Computing (TNMOC) in England treibt derartige Bemühungen nun auf die Spitze: In einem langwierigen, mühsamen Projekt, das sowohl von privaten Geldgebern als auch von Internetkonzernen wie Google mitfinanziert wird, soll der britische Hochleistungsrechner EDSAC (Electronic Delay Storage Automatic Calculator) aus dem Jahr 1949 wieder zum Leben erweckt werden. Der Starttermin für den ersten Re-Boot des historischen Computers ist für 2015 geplant.
"Vielen Leuten ist es heute gar nicht klar: Der EDSAC markiert den Beginn des Computerzeitalters", zitiert BBC News den Computerexperten Hermann Hauser, der das ambitionierte Restaurierungsprojekt mit einer ersten Geldspende in der Höhe von 250'000 Pfund mitinitiiert hat. "Es war der erste Rechner, den man tatsächlich zu etwas gebrauchen konnte", sagt Hauser. Jeder Computer davor sei ausschließlich experimenteller Natur gewesen. "Der EDSAC war vor allem zur Unterstützung der Wissenschaftler gedacht. Diese hatten dadurch die Möglichkeit, die Grenzen mechanischer Rechenmaschinen zu überschreiten und Probleme anzugehen, die sie sonst nie lösen hätten können", so der Experte.
Erster Business-, erster Game-Computer?
Der EDSAC war auch zumindest einer der ersten Computer, der seinen Weg in die Privatwirtschaft fand. Das britische Unternehmen J. Lyons & Company, eigentlich ein Teehandelskonzern, entwickelte den darauf basierenden "LEO I" und setzte ihn ab 1951 ein. Nachfolgemodelle wurden auch an andere britische und ausländische Unternehmen verkauft.
Auf dem EDSAC lief zudem auch das möglicherweise erste grafische Computerspiel der Welte: OXO
, eine Umsetzung von Tic-tac-Toe, beziehungsweise "Drei gewinnt".
Enormer Aufwand
Um dem Rechner-Urgestein, das ursprünglich von Maurice V. Wilkes und Kollegen an der University of Cambridge entwickelt worden ist, wieder neues Leben einzuhauchen, betreibt Hauser gemeinsam mit Projektleiter Andrew Herbert und seinem Team einen enormen Aufwand. Zu Beginn der 2011 gestarteten Restaurierungsarbeiten mussten zunächst erst einmal alle Teile und Hardware-Komponenten des Originalrechners identifiziert werden. Dieser bestand aus insgesamt mehr als 3'000 einzelnen Elementen, die auf ein Rahmengehäuse montiert waren, das sich wiederum aus über 100 Stahlbords zusammensetzte.
"Da so gut wie keine originalen Designpläne mehr existieren, waren wir dazu gezwungen, alte Fotos zu sammeln, um herauszufinden, welche Teile wohin gehören", schildert Herbert die Vorgehensweise. Doch ein erster Meilenstein sei bereits erreicht. "Wir wissen schon über gut drei Viertel des Gehäuses Bescheid. Die Teile, die uns noch fehlen, sind für die Funktion des Rechners nicht zentral", erläutert der Projektleiter.
Restaurierungs-Experten
Die TNMOC-Informatiker sind in Sachen Computerrestaurierung offenbar eine Klasse für sich. Erst Ende November 2012 hatte ein Team dortiger Experten verkündet, mit dem Harwell Dekatron ein weiteres "Urmonster" der Computergeschichte erfolgreich generalüberholt und reaktiviert zu haben
/hjm)
(Foto: University of Cambridge)