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Am 14. Dezember 2004 abends hatte Michael Atzler seine Übung für die Lehrerbildung vor den Weihnachtstagen abgeschlossen. Am 15. Dezember ist er mittags auf dem Weg zur Vorlesung ganz plötzlich an Herzversagen gestorben.
Damit endete ein Leben, das mitten im Zweiten Weltkrieg in Chemnitz begonnen hatte, um dann in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR durch weitere harte Zeiten zu führen. Es waren Jahre nicht nur der äusseren Not, sondern für den in einem Pfarrhaus Aufwachsenden auch des nach Innen wirkenden Zwanges. Er konnte gelegentlich deutlich von einer Schule sprechen, in der Lehrer wie Schüler zum Lügen gezwungen waren.
Seit 1960 studierte er an der Universität Leipzig, wo er in seinen «exotischen» Fächern akademische Lehrer fand, die sich dem herrschenden Geist noch entziehen konnten. Vor allem Morenz (Ägyptologie) und Heidenreich (Archäologie) haben auf ihn prägend gewirkt, fachlich wie auch als Zeitzeugen für das 20. Jahrhundert mit den beiden Weltkriegen. Bei Siegfried Morenz hat er 1968 mit einer Arbeit ««Einige Bemerkungen zur Stadt im Alten Reich»» promoviert.
Damit hat er zugleich die Epoche und die Thematik gefunden, die ihn bis zuletzt vor allem beschäftigt hat: Die Herausbildung von Staatlichkeit im Alten Ägypten. Schon die Titel seiner beiden Bücher ««Untersuchungen zur Herausbildung von Herrschaftsformen in Ägypten»» (Hildesheim 1981) und ««Randglossen zu Umwelt-Verhältnissen und ökologischen Problemen des ausgehenden Pleistozän und des frühen Holozän im Niltal, zu frühen Siedlungen und zur Herausbildung Ägyptischer Städte»» (Basel 1986) zeigen die Weite seiner Gesichtspunkte und der Fragestellung. Doch war er auch am anderen Ende der ägyptischen Geschichte mit einem Lehrauftrag für das Koptische tätig.
Im Jahre 1970 floh Atzler in die Bundesrepublik Deutschland und kam dann nach Basel, wohin wohl schon seit der Zeit der Lehrtätigkeit von Morenz Beziehungen bestanden. An der Universität Basel hat er sich im Jahre 1971 im Fach Ägyptologie habilitiert und wurde er 1991 zum ao. Professor ernannt. Ein Zerwürfnis zwischen dem Inhaber des Lehrstuhls und ihm engte aber die Möglichkeiten seiner fachlichen Entwicklung ein. So hat er sich in weitere Bereiche der Geschichte des Altertums eingearbeitet und bereits in den Jahren 1975/76 in Konstanz und Basel die Vertretung des jeweiligen Lehrstuhls für Alte Geschichte übernommen.
Seit 1990 hat er im Auftrag des Pädagogischen Instituts am Seminar für Alte Geschichte die Kurse für die Mittellehrerausbildung gehalten, in denen er einen Überblick über die Menschheitsgeschichte von den Anfängen bis zum Ende des Römischen Reiches gegeben hat. Mit ähnlich breiter Thematik hat er zudem seit einigen Jahren eine Vorlesung angeboten, die stets einen grossen Hörerkreis erreicht hat. Beide Veranstaltungen haben die Studierenden sehr beindruckt, wie gerade unter dem Eindruck des unerwarteten Todes in zahlreichen Äusserungen bewegend zum Ausdruck gekommen ist.
Sein nicht leichtes Schicksal hat Atzler Zurückhaltung gelehrt. Er gewährte nur sehr selektiv Einblicke in sein Leben. Dabei war er ein treuer Freund und er hat auch Freunde an der Universität gefunden, von denen nur der aus der Tschechoslowakei stammende Mediävist Frantisek Graus genannt sei. Mit ihm verbanden ihn die bitteren Erfahrungen der Zeitgeschichte.
Das Seminar für Alte Geschichte hat einen Mitarbeiter verloren, der an ihm mit Freude und erfolgreich gewirkt hat und mit kritischem Engagement an den aktuellen Entwicklungen der Universität teilnahm. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Basel, im Januar 2005
Jürgen v. Ungern-Sternberg
Lebenslauf
BA, New York University 2005 (Geschichte und Politikwissenschaft)
Post-Baccalaureate Program in Classical Studies, Columbia University 2006-2008
PhD, University of Michigan 2014 (Greek and Roman History)
Dissertation: Mechanics of Empire: the Karanis Register and the Writing Offices of Roman Egypt (Arthur Verhoogt and Ian Moyer, co-chairs)
Seit Februar 2015 wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich Alte Geschichte der Universität Basel
Seit September 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter im SNF-Projekt, „Edition der Basler Papyrussammlung“ (Projektleitung: Prof. Dr. Sabine R. Huebner)
jetzt Assistant Professor am Hunter College New York, Classical and Oriental Studies.
Forschungsschwerpunkte
Römische Sozialgeschichte | Griechisch-römisches Ägypten | Papyrologie | Karanis und die Dörfer des römischen Ägypten
Lebenslauf
- Oktober 2004 - Januar 2011 Studium der Alten Geschichte (Altertumswissenschaft) und der französischen Literatur- und Sprachwissenschaft in Heidelberg, Basel und Paris (Bachelor, Master)
- Januar 2011 Master of Arts an der Universität Basel
- Februar 2011 - Juli 2015 wissenschaftliche Assistentin am Seminar für Alte Geschichte der Universität Basel
- November 2009 - Juli 2016 zuständig für das Sekretariat des Collegium Beatus Rhenanus (CBR), trinationaler Forschungs- und Lehrverbund der Altertumswissenschaften am Oberrhein
- Dezember 2017 Dissertation mit dem Titel "Aliquid nostris rebus lucis adferre. Life writing am Ende der römischen Republik und zu Beginn der Kaiserzeit"
- Jetzt Lektorin beim Peter Lang Verlag, Bern
Forschungsschwerpunkte
- Life Writing in der Antike
- Späte römische Republik und frühe Kaiserzeit
- Emotionengeschichte
Lebenslauf
- seit Februar 2014 Professor für Alte Geschichte an der Universität Tübingen
- seit Oktober 2012 Assistenzprofessor mit tenure track für Alte Geschichte an der Universität Basel
- 2006-2012 Wissenschaftlicher Assistent am Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik der Universität Heidelberg. Zusätzlich seit Juli 2008 Leiter des Nachwuchskollegs der Heidelberger Akademie der Wissenschaften „Raumordnung, Norm und Recht in historischen Kulturen Europas und Asiens“.
- 2004-2006 Unternehmensberater bei THERON Business Consulting, München/Berlin/Köln.
- 2005 Promotion an der Philipps-Universität Marburg.
- 2000 Master of Studies in Ancient History an der Universität Oxford (UK).
- 1997-2000 Studium der Klassischen Philologie und Geschichte in München und Oxford.
Wissenschaftlicher Werdegang
jetzt Assistant Professor an der University of Maryland
2013-2015 Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel
2010-2013 Marie-Curie-Postdoc an den Universitäten Chicago und Heidelberg: ‘Trans-Regional Élites in the Later Roman Empire’
2009-2010 Mitglied des Istituto Svizzero di Roma.
2006-2007 DAAD-Austauschstipendiat am Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
2005-2010 Promotion am St John's College, Cambridge. Dissertationstitel: State Aristocracy: Resident Senators and Absent Emperors in Late-Antique Rome c. 320-400 (Hare Prize).
2004-2005 MPhil in Altertumswissenschaften am Pembroke College, Cambridge (Members’ Classical Essay Prize 2005).
2003-2004 BA in Altertumswissenschaften ('not for honours') am Pembroke College, Cambridge.
2001-2003 Studium der Klassischen Philologie und Alten Geschichte an der Universität Zürich.
2001 Altsprachliche Matura an der Kantonsschule Büel, Zürich.
Forschungsinteressen
Mein Forschungsinteresse gilt der Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte römischer Eliten. Mein erstes Buch (das ich gerade abschließe) ist eine Sozialgeschichte des Senats, der Führungsschicht des Römischen Reiches. Es untersucht, wie die spätantike Stärkung der Staatsgewalt das Verhältnis zwischen Kaisern und imperialer Aristokratie neu justierte. Mein nächstes Projekt ist eine Ideengeschichte des römischen Imperialismus. Ich möchte analysieren, wie lateinische und griechische Autoren von der Mittleren Republik bis zur Spätantike Roms imperiale Mission verstanden. Mein Ziel ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem politischen Selbstverständnis Roms und dem anderer antiker und neuzeitlicher Imperien herauszuarbeiten. Ein ausführlicher Lebenslauf und digitale Versionen meiner Arbeiten sind auf meiner persönlichen Webseite greifbar.