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Natyakalabushani, Natyashree Vidushi Vijaya Rao – Vijaya Rao ist derzeit eine der profundesten Exponentinnen der klassischen indischen Tanzkunst Bharata Natyam. Sie ist eine engagierte Repräsentantin dieser zeitlosen indischen Tanzkunst und berühmt für ihre Arbeit in Europa als indische Tänzerin, Choreographin, Kulturbotschafterin und Lehrmeisterin. Vijaya Rao zählt zu den wenigen Bharata Natyam-Meisterinnen ihrer Klasse, die mit ihren innovativen Interpretationen und Choreographien eine Bereicherung der Bharata Natyam-Tradition sind. Mit mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung in der Bharata Natyam Schulung hat sie durch ihre Institution Nateschwara ein bis über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Zentrum für authentischen Unterricht und Lehrweise geschaffen. Ihre Einsicht in diese Kunst unterstrich sie 1987 mit der Publikation ihres Buches „Abbild des Göttlichen“ einem Werk, das bis zum heutigen Tag als wegweisend gilt.
Herkunft und Ausbildung
Vijaya Raos Familie stammt ursprünglich aus Mysore. Sie ist in einer südindischen Familie mit langer Musiktradition aufgewachsen. Zwei ihrer Vorväter waren der große Musiker Veena Subbana und der berühmte Flötist Palladam Sanjivarao. Vijaya Rao erhielt ihre Grundausbildung in klassischem indischen Tanz Bharata Natyam vom Lehrmeister Shri Umesh Herenjal und erhielt ihre erste Musikausbildung an der Sitar von Shri Rajbi Khan in Dharwad (Karnataka).
Später wurde sie Meisterschülerin des legendären Bharata Natyam Lehrmeisters Shri Pathagudy S. Ramaswamy und Vertreterin seines Cheyyur-Bharata Natyam-Stils. Bald trat sie in seine Fußstapfen und erlernte als seine einzige Nachfolgerin die Kunst des Tanzbegleitens in Gesang und Rhythmus (Nattuvangam). Im weiteren genoss sie eine karnatische Gesangsausbildung unter dem Violin-Maestro Shri Bhimarao Raghuram, dem Gottuvadyam-Maestro Shri Narayanaswami Purushothaman und der Dasara-Pada-Exponentin Smt. Rajamma Keshavamurthy.
Werdegang
Vijaya Rao erntete erstes Ansehen als Haupttänzerin der Bharata Natyam Tanztruppe ihres ersten Lehrers Shri Umesh Herenjal, welche vom Gymkhana Club der Universität Karnataka für Aufführungen in Frankreich und Deutschland nominiert wurde. Sie nahm an Tanzdarbietungen des All India Radios von Dharwad sowie an Tanzwettbewerben teil und gewann dabei zahlreiche Preise. Im Jahr 1970 gewann sie noch während ihrem Universitätsstudium am Tanzwettbewerb der Karnataka Universität den ersten Platz und wurde 1971 am inter-universitären Jugend-Festival in Mysore für Ihre Tanzdarbietung mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Nach ihrem Universitätsabschluss in Germanistik und Französisch wurde Vijaya Rao 1976 ein Stipendium für ihre Doktorarbeit über Herman Hesse zugesprochen. Ein Jahr später reiste sie in die Schweiz, wo sie sich für ihre Dissertationsarbeit an der Universität Zürich immatrikulierte. Bald bekam sie Anfragen der universitären Sportabteilung, Kurse in Indischem Tanz zu leiten. In kürzester Zeit erlangte sie den Ruf einer vorzüglichen und charmanten indischen Tänzerin. Im Jahr 1979 heiratete sie den Schweizer Meditationslehrer Anton Tönz und eröffnete 1980 Nateschwara, ihre Schule für Indischen klassischen Tanz in Baden. 1989 erweiterte sie das Angebot ihrer Schule mit Gesangsausbildung und dazu gehörenden Indischen Sprachstudien und erhob sie zur Akademie mit ganzheitlicher Ausbildung und der Vergabe von Abschlusszertifikaten.
Stärken und Besonderheiten
Vijaya Rao ist eine Pionierin der indischen Tanzkunst in Europa. Dank ihrer hervorragenden Deutschkenntnisse hat sie sich seit 1977 unermüdlich dafür eingesetzt, den Bharata Natyam und sein traditionelles Repertoire zu lehren und zu verbreiten. Mit regelmäßigen Tanztourneen quer durch ganz Europa, viele Jahre lang zusammen mit ihrem Tanzlehrmeister Shri Pathagudi S. Ramaswamy, machte sie die authentische Form des Bharata Natyam bekannt. Ihr tiefes Verständnis für die Kunst des indischen Tanzes haben Vijaya Rao befähigt – vor allem in den deutschsprachigen Ländern wie der Schweiz, Deutschland und Österreich – auf lebendige Weise in die Tänze einzuführen. Zweifellos hat dies wesentlich zum Verständnis der indischen Kunst beigetragen und der Indischen Kultur zu einem völlig neuen Stellenwert in der europäischen Gesellschaft verholfen. In ihrer unermüdlichen Arbeit ist Vijaya Rao eine der bedeutendsten Kräfte in der Verbreitung und Belebung der indischen Tanzkunst im Westen. Als erste Tanzkünstlerin hat sie in Europa die Form des Indischen Tanzdramas „Nritya Nataka“ eingeführt, was wesentlich zum Verständnis des Indischen Tanzes und seiner Schauspielkunst beigetragen hat.
Sowohl durch ihre Professionalität und ihre hohen tänzerischen Ansprüche, als auch durch ihre charmante Persönlichkeit und ihre einnehmende Art diese Tanzform zu präsentieren, hat Vijaya Rao bei Experten und Liebhabern der indischen Kultur große Anerkennung gewonnen. Vijaya Rao repräsentiert nicht nur die Tradition dieser Kunst sondern steht auch für ihre verborgene spirituelle Tiefe und Bedeutung. Darüber hinaus besitzt sie die seltene Fähigkeit, mimisches Schauspiel (Abhinaya) durch ihre subtile Ausdruckskraft packend darzustellen und im Tanz in feinen Nuancen zu portraitieren.
Lehrerin, Choreographin und Tanzbegleiterin
Vijaya Rao hat den Ruf einer Tanzlehrerin mit exzellenten pädagogischen Fähigkeiten sowie einer kreativen Choreographin und ausgewiesenen Tanzbegleiterin. Sie verfügt über ein ungewöhnlich großes und kostbares Repertoire an alt überlieferten Tänzen. Sie präsentiert Bharata Natyam als eine vibrierende und bedeutende Tanzform der heutigen Zeit. In ihrer Akademie in Baden unterrichtet sie sowohl indische als auch europäische Studentinnen und Studenten und hat zahlreiche von ihnen zu Bharata Natyam-Tänzerinnen und -Tänzer auf hohen Niveau gemacht. Als eine der wenigen Tanzlehrerinnen weltweit beherrscht Vijaya Rao noch die anspruchsvolle Technik der Tanzbegleitung mit Zimbeln und Gesang (Nattuvangam) und begleitet damit seit 1990 sowohl die Bühnendebüts ihrer Schüler und Schülerinnen als auch Auftritte ihrer Tochter Sharmila Rao und der Nateschwara Dance Company.
Als führende Exponentin und Repräsentantin des einzigartigen Tanzstils ihres Lehrmeisters Shri Pathagudi Ramaswamy hat Vijaya Rao zahlreiche choreographische Werke produziert welche sowohl auf indischer Mythologie und klassischer Literatur als auch auf westlichen Themen basieren. Durch ihre Liebe zur Sprache Sanskrit und der altindischen Literatur hat sie die Unterstützung diverser Gelehrter und Akademiker gewonnen, darunter bspw. der Sanskritgelehrte und -Poet Prof. Dr. Jaydev Jani von der Universität Vadodara. Unter seiner literarischen Führung hat Vijaya Rao einige ihrer geschätzten Werke choreographiert.
Unter seiner literarischen Anleitung schuf Vijaya Rao, einige ihrer beliebtesten Nritya Nataka Werke in Sanskrit, wie die Liebesgeschichte „Savitri“ (2002), die Dr. Jani extra für Vijaya Rao neu komponierte, oder „Jesus Charitam“ (Jesus von Nazareth, 1999), ein bewegendes Tanzdrama über das Leben von Jesus Christus.
Eine ihrer Hauptproduktionen, „Abhijnana Shakuntalam“ (Die Wiedererkennung von Shakuntala, 1994), basierend auf dem gleichnamigen, großartigen Werk des indischen Dichters Mahakavi Kalidasa (ca. 200 n. Chr.), wurde von Kennern und Kritikern gleichermaßen mit Beifall aufgenommen und als ihre bahnbrechende Arbeit gefeiert. Ein weiteres Highlight ihrer Produktionen ist „Divya Darshana“ (Image of the Divine, 2005), das den göttlichen Ursprung des indischen Tanzes darstellt. Zusätzlich choreografierte Vijaya Rao zahlreiche traditionelle Bharata Natyam-Stücke und Soloprogramme wie „Ashta Nayaki“ (die acht emotionalen Zustände einer Frau), „Ballade der Liebe“, das Epos „Ramayana“, „Spirituality in Indian Dance“, die Jubiläumsproduktion „Jaya Ganesha“ (2010), und andere mehr, sowie ihr jüngstes Werk, das Tanzschauspiel „Gautama Buddha“ (2019).
Tanz-Drama Produktionen und Choreographien:
- Abhijnana Shakuntala – (1994)
- Jesus Charitam – Jesus von Nazareth (1999)
- Savitri (2002)
- Divya Darshanam –Abbild des Göttlichen (2005)
- Srishti – Die Schöpfung (2008)
- Jaya Ganesha (2010)
- Gautama Buddha (2019)
Tanz-Schauspiel Inszenierungen:
- Om Namah Shivaya
- Ramayana (2016)
- Om Sharavana Bhava
- Alaghar Kuravanji
Tanz-Choreographien:Vijaya Rao choreographierte zahlreiche Tänze aus dem traditionellen Bharata Natyam Repertoire-Bereich sowie Soloprogramme.
- Ashta Nayaki – Die acht Gemütszustände der Frau
- Spiritualität im Indischen Tanz
- Indien hautnah – Indische Kunst als interkulturelle Begegnung
Botschafterin indischer Kunst und Kultur
Neben dem Verfassen zahlreicher Artikel veröffentlichte Vijaya Rao 1987 ihr Buch „Abbild des Göttlichen – Bharata Natyam, der klassische indische Tanz“ , welches zu den ersten deutschsprachigen Sachbüchern über Bharata Natyam zählt und als Standardwerk des klassischen indischen Tanzes gilt. Im gleichen Jahr wurde sie zur Kulturbotschafterin der UNICEF berufen und besuchte bis 1993 mehr als 600 Schulen in der Schweiz mit ihrem Kulturaustauschprogramm „Begegnung mit Indien“ . Ebenso ist sie in Seminaren für Lehrer-Aus und Fortbildung tätig. Vijaya Rao trat in verschiedenen Sendungen des Schweizer Fernsehens auf und Teile ihres UNICEF Kulturprogramms wurden in den nationalen Fernsehnachrichten ausgestrahlt. Neben ihren Tanzaufführungen hat sie Vorträge und Demonstrationen in akademischen Institutionen gehalten, wie dem C.G. Jung Institut Zürich, dem Museum Rietberg Zürich, dem Pestalozzianum Zürich, dem Musik-Konservatorium Zürich und dem Musik-Konservatorium in Oslo.
Auszeichnungen
1995 wurde Vijaya Rao der Titel „Natyakalabushani“ (Das Juwel der Tanzkunst) für ihre Leistungen als Bharata Natyam-Tanzkünstlerin, Lehrerin und Choreografin in Chennai verliehen. Anfang Januar 2009 verlieh ihr Karnataka Kalashree B. Bhanumati anlässlich der Weltpremiere des Tanztheaters „Jesus von Nazareth“ in Bangalore im Auftrag von Nritya Kala Mandiram den Titel „Natyashree“ (Licht des Tanzes) .
Bücher
„Abbild des Göttlichen“ 1987 in deutscher Sprache über Bharata Natyam, ein ausgezeichnetes Nachschlagewerk und Lehrbuch über Bharata Natyam in deutscher Sprache, das bis heute verwendet wird.