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Häufige Fragen
Wie wird die Höhe der IV-Renten berechnet?
Zur Berechnung des IV-Rentenbetrags wird das gleiche System wie bei den AHV-Renten angewendet: Ausschlaggebend ist, wie lange die behinderte Person versichert und wie hoch ihr durchschnittliches Einkommen war. Die ausbezahlten Beträge der IV-Renten sind gleich hoch wie diejenigen der AHV. Die maximale Rente ist doppelt so hoch wie die minimale Rente.
Der Invaliditätsgrad bestimmt die Rente:
Wie wird der Invaliditätsgrad bemessen?
Nach der Höhe der Erwerbseinbusse in Prozent.
Um den Grad der Invalidität zu bestimmen, unterscheidet die IV zwischen:
- Erwerbstätigen
- Nichterwerbstätigen
- teilweise Erwerbstätigen
Bei Erwerbstätigen bemisst die IV-Stelle den Invaliditätsgrad mit einem Einkommensvergleich. Sie ermittelt dabei zuerst das Erwerbseinkommen, das ohne den Gesundheitsschaden erzielt werden könnte. Davon zieht sie das Erwerbseinkommen ab, das nach dem Gesundheitsschaden und nach der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen auf zumutbare Weise erreicht werden könnte, unabhängig davon, ob dieses Einkommen tatsächlich erzielt wird. Daraus ergibt sich ein Fehlbetrag: die invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse. Drückt man diesen in Prozenten aus, erhält man den Invaliditätsgrad. Findet also ein Handwerker, der wegen eines Rückenleidens den Beruf aufgeben musste, nur noch eine leichtere Arbeit, bei der er wesentlich weniger verdient, wird der Invaliditätsgrad folgendermassen berechnet:
- Einkommen als gelernter Handwerker: Fr. 50'000.--
- Zumutbares Einkommen bei leichterer Arbeit: Fr. 22'000.--
- Differenz: Fr. 28'000.--
Die Erwerbseinbusse von Fr. 28'000.-- entspricht 56 %. Damit liegt auch der Invaliditätsgrad des Handwerkers bei 56 %, was zu einer halben Rente führt.
Bei Nichterwerbstätigen bemisst die IV-Stelle den Invaliditätsgrad mit einem Betätigungsvergleich: Fachleute der IV klären an Ort und Stelle ab, wie stark sich die Behinderung im bisherigen Aufgabenbereich, also zum Beispiel im Haushalt, auswirkt.
Bei teilweise Erwerbstätigen bemisst die IV-Stelle den Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen: im Erwerbsleben (Erwerbseinbusse) und im bisherigen Aufgabenbereich (Betätigungsvergleich).
Was sind Hilfsmittel?
Unterstützung für Beruf und Alltag.
Behinderte Versicherte haben einerseits Anspruch auf Hilfsmittel, die sie benötigen, um weiter erwerbstätig oder in ihrem angestammten Aufgabenbereich (z. B. Haushalt) tätig bleiben zu können. Anderseits haben sie auch Anspruch auf Hilfsmittel, die sie brauchen, um ihren privaten Alltag möglichst selbstständig und unabhängig zu bewältigen.
Was sind Berufliche Massnahmen?
Berufsberatung, Arbeitsvermittlung und Beiträge an Ausbildungen.
Die berufliche Eingliederung behinderter Personen ist ein zentrales Ziel der IV. Deshalb erbringt sie auf diesem Gebiet umfangreiche Leistungen: Fachleute der IV-Stellen bieten selbst Dienstleistungen in der Berufsberatung und in der Arbeitsvermittlung an; ausserdem übernimmt die IV Kosten für die berufliche Ausbildung oder Umschulung.
Bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung übernimmt die IV die Kosten, welche Versicherten aufgrund ihrer Invalidität zusätzlich entstehen. Zur erstmaligen beruflichen Ausbildung zählen: die Berufs- oder Anlehre, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule, eine Ausbildung für Tätigkeiten im Haushalt und die Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
Die IV übernimmt die Kosten für die Umschulung, wenn Versicherte wegen eines bleibenden Gesundheitsschadens ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr oder nur noch unter erschwerten Umständen ausführen können. Dazu gehören auch Kosten für Verpflegung, Unterkunft und Reise. Ist beispielsweise ein gelernter Maurer nach einem Sturz nicht mehr in der Lage, seinen Beruf auszuüben, kann eine Umschulung zum Hochbauzeichner sinnvoll sein. Die IV übernimmt dafür die Kosten. Weil der Maurer in dieser Zeit nur einen Lehrlingslohn erhält, richtet die IV ihm während der Umschulung zusätzlich ein Taggeld aus. Nach der Ausbildung hilft ihm die IV, wenn nötig, bei der Arbeitsvermittlung. Dabei besteht die Möglichkeit, dem Arbeitgebenden während längstens einem halben Jahr einen Einarbeitungszuschuss zu gewähren. Zudem kann die Versicherung eine Entschädigung ausrichten, wenn eine vermittelte Person während eines Jahres mehr als 15 Tage krankheitsbedingt fehlt.
Unter Umständen gewährt die IV auch Kredite in Form von Kapitalhilfen, wenn behinderte Personen sich selbstständig machen möchten oder wenn betriebliche Umstellungen aufgrund der Invalidität nötig werden.
Was sind Integrationsmassnahmen?
Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung.
Durch sozialberufliche Rehabilitation und Beschäftigungsmassnahmen sollen insbesondere bei psychisch behinderten Versicherten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass berufliche Massnahmen im Hinblick auf eine Eingliederung in die freie Wirtschaft ermöglicht werden. Eine versicherte Person hat Anspruch auf Integrationsmassnahmen höchstens einmal während eines Jahres.
Was sind medizinische Massnahmen?
Behandlung der anerkannten Geburtsgebrechen bis zum 20. Altersjahr.
Die IV unterscheidet bei den medizinischen Massnahmen zwischen angeborenen Leiden und solchen, die eine Folge von Krankheit oder Unfall sind.
Die IV übernimmt alle zur Behandlung der anerkannten Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen Massnahmen. Zudem übernimmt sie einige wenige Behandlungen von erworbenen Leiden (z. B. grauer Star).
Diese medizinischen Massnahmen können von der IV jedoch nur bis zum Erreichen des 20. Altersjahres erbracht werden.
Anders als die Krankenkassen übernimmt die IV die vollen Kosten ohne Selbstbehalte oder Franchisen.
Was sind Eingliederungsmassnahmen?
Massnahmen zur dauernden und wesentlichen Verbesserung der Erwerbstätigkeit.
Damit behinderte Personen weiterhin erwerbstätig oder in ihrem bisherigen Arbeitsbereich tätig bleiben können, werden sie von der IV mit verschiedenen Eingliederungsmassnahmen unterstützt:
- Medizinische Massnahmen
- Integrationsmassnahmen
- Berufliche Massnahmen
- Hilfsmittel
- Taggelder und Reisekostenvergütung als zusätzliche Leistungen
Sind Bezügerinnen und Bezüger von IV-Leistungen beitragspflichtig?
Ja, auch wer IV-Leistungen bezieht, muss weiterhin bis zum Erreichen des AHV-Alters Beiträge an AHV, IV und EO leisten. Falls IV-Rentnerinnen und -Rentner keinerlei Erwerbseinkommen mehr erzielen, müssen sie sich als Nichterwerbstätige bei der kantonalen Ausgleichskasse ihres Wohnsitzes melden, damit ihre Beitragspflicht weiterhin erfüllt werden kann. Geschieht dies nicht, besteht das Risiko einer Beitragslücke. Die künftige AHV-Rente kann dadurch geschmälert werden.
Welches Ziel verfolgt die Frühintervention?
Welche Leistungen erbringt die IV?
Die Leistungen der IV sind auf das Ziel "Eingliederung vor Rente" ausgerichtet.
- Massnahmen der Frühintervention:
Sie beugen gesundheitsbedingten Problemen am Arbeitsplatz vor.
- Eingliederungsmassnahmen:
Sie verbessern oder erhalten die Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich.
- Invalidenrenten:
Sie werden nur dann ausgerichtet, wenn die Eingliederungsmassnahmen nicht oder nicht im erwünschten Ausmass erfolgreich waren.
- Hilflosenentschädigung:
Sie unterstützen finanziell, wenn behinderte Personen auf die Hilfe Dritter angewiesen sind.
Was können Versicherte tun, wenn sie mit dem Entscheid nicht zufrieden sind?
Vorbescheid
Nach Abschluss aller notwendigen Abklärungen erhalten die Versicherten und die betroffenen Versicherungsträger von der IV-Stelle einen Vorbescheid, der über den vorgesehenen Entscheid informiert. Innert 30 Tagen können diese Akteneinsicht nehmen und sich zum geplanten Entscheid äussern.
Verfügung
Erhebt die versicherte Person keine Einwände und gehen innerhalb der gesetzten Frist auch keine Stellungnahmen von den Parteien ein, erlässt die IV-Stelle die Verfügung.Bringen die versicherten Personen oder die Parteien Einwände vor, ist die IV-Stelle gehalten, in der Verfügung zu diesen Stellung zu nehmen und diese zu berücksichtigen.
Beschwerde
Die versicherte Person und die beteiligten Parteien, die mit der Verfügung nicht einverstanden sind, können innerhalb von 30 Tagen beim kantonalen Versicherungsgericht des Wohnsitzkantons schriftlich Beschwerde erheben. Versicherte mit Wohnsitz im Ausland richten die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen. Gegen ein Urteil des kantonalen Versicherungsgerichts oder des Bundesverwaltungsgerichts kann in der Folge bei der sozialversicherungsrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts in Luzern Beschwerde erhoben werden. Die schriftliche Beschwerde ist innerhalb von 30 Tagen einzureichen. Das Beschwerdeverfahren betreffend IV-Leistungen ist kostenpflichtig.
Welche Mitwirkungspflicht haben die Versicherten?
Versicherte Personen müssen alles ihnen Zumutbare vorkehren, um den Eintritt einer Invalidität zu verhindern. Alle jene Massnahmen gelten als zumutbar, die dem Gesundheitszustand angemessen sind.
Von den Versicherten wird erwartet, dass sie sich aktiv an der Umsetzung aller zumutbaren Abklärungs- und Eingliederungsmassnahmen (wie Massnahmen beruflicher Art oder medizinische Behandlungen) beteiligen, damit der bestehende Arbeitsplatz erhalten bleibt, eine vergleichbare Tätigkeit ausgeübt oder eine anderweitige Eingliederung ins Berufsleben stattfinden kann.
Sie haben die IV-Stellen beim Einholen der notwendigen Unterlagen zu unterstützen und erhebliche Änderungen der beruflichen, familiären und gesundheitlichen Situation zu melden. Kommt die versicherte Person diesen Verpflichtungen nicht nach, können die Leistungen gekürzt oder verweigert werden.
Was geschieht nach der Anmeldung?
Nach Eingang der Anmeldung prüft die IV-Stelle, ob die Voraussetzungen für den Anspruch auf Leistungen der IV erfüllt sind. Sie holt alle Auskünfte ein, die für die Abklärung des Gesundheitszustandes, der erwerblichen Situation oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich der versicherten Person notwendig sind.
Ein interdisziplinäres Team (Fachpersonen der beruflichen Eingliederung, der Arbeitsvermittlung, der Abklärungsstellen, der Sachbearbeitung, des Rechtsdienstes, sowie Ärzte und Ärztinnen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) wirkt bei der Abklärung und der Entscheidfindung mit. Die IV-Stellen arbeiten mit den anderen betroffenen Sozial- und Privatversicherungen eng zusammen.
Ärzte und Ärztinnen der RAD prüfen die medizinischen Anspruchsvoraussetzungen. Bei Bedarf untersucht ein Arzt oder eine Ärztin des RAD die versicherte Person. Nötigenfalls können die IV-Stellen zusätzliche ärztliche Unterlagen und Gutachten von Fachärzten/Fachärztinnen verlangen oder Untersuchungen in einer medizinischen Abklärungsstelle der IV (MEDAS) veranlassen.
Für die Prüfung des Rentenanspruchs bei Selbständigerwerbenden, bei teilweise oder ganz im Haushalt tätigen Versicherten, sowie des Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung und gewisse Hilfsmittel kann eine Abklärung an Ort und Stelle durch den Abklärungsdienst der IV-Stelle erfolgen.
Das Fachpersonal für berufliche Eingliederung prüft mögliche Integrationsmassnahmen und Massnahmen beruflicher Art. Die versicherte Person wird dabei zu persönlichen Gesprächen eingeladen und im Hinblick auf die berufliche Eingliederung beraten. Es wird ein Eingliederungsplan erstellt und dessen Umsetzung in die Wege geleitet.
Es können Massnahmen der Frühintervention angeordnet werden, um den bestehenden Arbeitsplatz zu erhalten oder die betroffene Person in einen anderen Arbeitsplatz einzugliedern.
Die IV-Stelle fasst in der Regel innerhalb von sechs Monaten ab Einreichung der IV-Anmeldung den Grundsatzentscheid, ob der Eingliederungsweg gewählt werden kann oder ob die Rentenfrage zu prüfen ist.
Wie kann Anspruch auf IV-Leistungen geltend gemacht werden?
Früherfassung
Durch die frühzeitige Erfassung von Personen, die wegen eines Gesundheitsschadens arbeitsunfähig geworden sind, soll der Eintritt einer Invalidität verhindert werden. Die IV kann präventiv tätig werden.
Für die Früherfassung können versicherte Personen bei der IV-Stelle des Wohnsitzkantons gemeldet werden. Das Formular Meldeverfahren kann heruntergeladen oder bei den IV-Stellen, den Ausgleichskassen und ihren Zweigstellen bezogen werden. Die Früherfassung ist aber noch keine Anmeldung für eine IV-Leistung. Meldeberechtigt sind:
- die versicherte Person sowie ihre gesetzliche Vertretung,
- die im gemeinsamen Haushalt lebenden Familienangehörigen,
- der oder die Arbeitgebende,
- die behandelnden Ärzte oder Ärztinnen und Chiropraktoren,
- die Krankentaggeldversicherer,
- der Unfallversicherer,
- die Einrichtungen der beruflichen Vorsorge,
- die Arbeitslosenversicherung,
- die Sozialhilfeorgane,
- die Militärversicherung.
Die Meldung kann eingereicht werden, wenn die versicherte Person während mindestens 30 Tagen gesundheitsbedingt arbeitsunfähig war oder innerhalb eines Jahres wiederholt Absenzen aufweist und die Gefahr einer Chronifizierung des Leidens besteht. Die versicherte Person ist vorgängig über die Meldung zu informieren.
Die IV-Stelle klärt ab, ob sie tatsächlich zuständig ist und entscheidet, ob eine Anmeldung für IV-Leistungen sinnvoll ist.
IV-Anmeldung
Zum Bezug von Leistungen der IV müssen versicherte Personen bei der IV-Stelle ihres Wohnsitzkantons eine Anmeldung einreichen. Für im Ausland wohnhafte Versicherte ist die IV-Stelle für Versicherte im Ausland zuständig. Das Anmeldeformular kann heruntergeladen sowie bei den IV-Stellen, den Ausgleichskassen und ihren Zweigstellen bezogen werden.
Einen Anspruch anmelden können:
- die versicherte Person oder ihr gesetzlicher Vertreter,
- Behörden oder Dritte, die die versicherte Person regelmässig unterstützen oder dauernd betreuen.
Die versicherte Person muss die Anmeldung zum Bezug von Leistungen eigenhändig unterschreiben. Die Anmeldung soll frühzeitig erfolgen, wenn der Gesundheitsschaden Leistungen der IV auslösen kann. Eine verspätete Anmeldung kann einen Verlust von Leistungen zur Folge haben.
Welches Ziel verfolgt die IV?
Eingliederung vor Rente ist das oberste Ziel der Invalidenversicherung. Sie will behinderte Personen soweit fördern, dass sie ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise aus eigener Kraft bestreiten und ein möglichst unabhängiges Leben führen können.