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Auszüge aus dem Buch
Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Landschaft, Band IB
Der Bezirk Waldenburg Axel Gampp und Sabine Sommerer
AUSSENHOF HOLDENWEID, NR. 16-19
Von dem Dutzend Aussenhöfen in Hölstein ist einzig im Hof Holdenweid historische Bausubstanz weitgehend erhalten. Bestehend aus Villa, Bauernhaus und dazugehörigen Ökonomiebauten bildet er ein bedeutendes Ensemble und reiht sich zudem unter die frühesten Höfe Hölsteins ein.
LAGE
Das Hofgut Holdenweid liegt nordöstlich von Hölstein und schmiegt sich in abgeschlossener Lage in ein kleines Seitental, das von Wald und Wiesen umgeben ist. Zum schon früh gegründeten Hofgut gehören eine herrschaftliche Villa (Nr. 16), ein Bauernhaus mit anschliessendem Stall (Nr. 17, 17a) und dazu gehörendenden Ökonomiegebäuden (Nr. 19a, 19b und 16 b) sowie ein Gebäude (Nr. 19) südöstlich des Hofs, das bis 1986 ein psychiatrisch betreutes Alterswohnheim beherbergte.
BAUGESCHICHTE
Im Jahr 1755 erwähnt Bruckner „eine kleine Sennerey, die Holtenwaide genannt“wird. Es kann nur gemutmasst werden, dass damit das Pächterhaus (Nr. 17) gemeint ist. Das Hofgut gelangte 1796 in den Besitz von Johann Lukas Legrand, der einer angesehenen Basler Familie entstammte. Unter im entstand laut Bauinschrift 1798 das prächtige Herrschaftshaus, das er als Sommersitz bezog. In den frühen 1930er-Jahren wurden bislang nicht genau definierte Umbauten an der Villa vorgenommen, wie einem damals angefertigten Plan der Anlage zu entnehmen ist. Dieser Plan gibt Aufschluss über die Datierung der Ökonomiegebäude: Der Hühnerstall 19b fehlt noch, stammt also aus der Zeit nach 1930, während ein als Waschküche benutztes Gebäude als schmaler Vorgängerbau bereits auf dem Plan verzeichnet und nach 1930 erweitert worden ist. 1949 wurde das Hofgut an die Stadt Basel verkauft, die 1953 durch die Architektengemeinschaft Paul Stamm und Bercher & Zimmer eine psychiatrische Altersstation erbauen liess. Die Villa diente als Schwesternhaus, woran noch heute die Garderobenschränke im Dachstock sowie die Anordnung der Zimmer erinnern. Bei den damals vorgenommenen Umbauten wurde ein der Westfassade vorgeblendeter Wintergarten mit darüber liegendem Balkon sowie ein Kunstofen im nordwestlichen Zimmer im Erdgeschoss abgebrochen. Ebenso entfernte man alle Kamine aus dem Haus und baute eine Ölheizung ein. Das Bauernhaus, anlässlich des Umbaus saniert und mit neuen Öfen und Heizung ausgestattet, wurde verpachtet.
BESCHREIBUNG VILLA, NR. 16
Die Villa steht quer zum Tal und ist als westlichstes Gebäude der Anlage durch die Zufahrt als erstes erschlossen. Der stattliche, zweigeschossige Baukörper über rechteckigem Grundriss wird von einem geknickten Mansarddach mit beidseitig holzverschalten Teilwalmgiebeln abgeschlossen. Die Firstmitte bekrönt ein schmucker Dachreiter samt Glocke, die durch eine Inschrift ins Jahr 1797 datiert ist: Dm. 35 cm, Schlagton c, Inschrift: “Weitnauer in Basel, 1797“. Darunter besetzen Fledermausgauben die oberen und an den Längsseiten Schleppgauben die unteren Dachabschnitte. Der Eingangsfassade ist östlich ein zweigeschossiger Laubenbau vorgestellt. Die anderen drei Fassaden sind durch zwei Fensterachsen an der Nord- und Südseite bzw. fünf an der Westseite regelmässig gegliedert. Ursprünglich war die Laube über einen Treppenaufgang an der nördlichen Schmalseite erschlossen. Im Inneren gliedert ein Flur, der einst in den rückwärtigen Wintergarten führte, das Erdgeschoss in zwei ungleiche Hälften: links der grosse Salon mit Stuckaturen und Täfern, rechts zwei kleinere Zimmer. Vom Flur führt eine zweiläufige Treppe in den gewölbten Keller bzw. bis ins zweite Obergeschoss. Die oberen Geschosse weisen kleinere Zimmer auf, die teilweise noch Wandtäfer sowie die alten Beschläge an Fenstern und Türen aufweisen. Auf dem Dachboden hat sich das zur Glocke des Dachreiters gehörende Pendeluhrwerk erhalten. Heute umgibt im Osten eine Rasenfläche mit einer alten Linde die Villa während die Rückseite mit einer halbrunden Terrasse gegen die Talseite hin abgeschlossen ist.
PÄCHTERHAUS, NR. 17
Das Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert erhebt sich über längsrechteckigem Grundriss und steht östlich und über Eck zur Villa. Unter einem gemeinsamen Satteldach schliesst an den zweigeschossigen Wohnteil gegen Osten die Ökonomie an. Grössere bauliche Eingriffe erfuhr der Dachstock: das Dach auf der Ostseite wurde angehoben und die Ostfassade mit einer Bretterverkleidung nach oben hin verlängert. Die alte Dachkonstruktion hingegen ist zum grössten Teil, mehrmals verstärkt und ausgebessert, erhalten. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, als im Inneren eine Wendeltreppe eingebaut wurde, bildete die Laube an der westlichen Traufseite den einzigen Zugang zum Obergeschoss. Die malerische Laubentreppe mit barockem Geländer blieb neben vier tragenden, verstrebten Holzpfeilern erhalten, während die Verschalung aus neuer Zeit stammt. Unter der Laube befinden sich zwei vergitterte Fenster und eine schlichte Tür. Bis auf einen Raum haben sich in allen Wohnräumen im Obergeschoss Wandtäfer erhalten. Auch die Türstöcke und Eichenschwellen im Obergeschoss sind original, ebenso einige der Fenster und Türbeschläge.
ÖKONOMIEBAUTEN NRN. 19a,19b,16b
Die zum Hofgut gehörenden Ökonomiebauten dienten vor allem zur Unterbringung der Nutztiere und der landwirtschaftlichen Geräte. In nächster Nähe und parallel zur Villa liegt ein lang gezogener Bau mit Fachwerkkonstruktion in der westlichen Hälfte, dessen verschalter Giebel an Brettern, Flugdreieck und Bugkonsolen mit Laubsägearbeiten geschmückt ist. Während das Erdgeschoss in mehrere Räume unterteilt ist, die als Wagenremise, Pferde und Schweinestall, Werkstatt und Holzschopf dienten, wohnten im oberen Geschoss die Knechte. Ebenso weist auch der Hühnerstall dahinter mit geschweiften Bügen an der Giebelseite oder geschwungenen Holzgewänden an der Südfassade Baudekor im Laubsägestil auf. Besonders aufwendig mit Sägewerk verziert ist ein kleiner Blockbau am nordöstlichen Hang oberhalb des Gehöfts, der einst als Bienenhäuschen diente.
WÜRDIGUNG
In seiner abgeschiedenen Lage zeugt das weitgehend erhaltene Gebäudeensemble mit seiner stattlichen Infrastruktur noch heute von der einstigen Pracht als herrschaftlicher Sommersitz. Trotz mancher Eingriffe in die historische Substanz von Villa und Pächterhaus hat sich deren Grundstruktur Aussen und Innen erhalten. Die Zimmereinteilung hat sich kaum verändert, und die urspüngliche Raumgestaltung lässt sich anhand der originalen Fenster, Täfer, Türen, Türstöcke und Beschläge noch erkennen. Besonders hervorzuheben sind die aufwendigen Laubsägeverzierungen an den Kaum veränderten, jedoch zunehmend schadhaft gewordenen Ökonomiebauten.