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The site of the month November is a highly abbreviated version of an inventory record in the new ISOS Publication Thurgau (only available in German).
Siedlungsentwicklung
Um 1230 liess sich eine von Winterthur kommende «Sammlung frommer Frauen» im Städtchen Diessenhofen nieder. Mit Erlaubnis des Konstanzer Bischofs Heinrich von Tanne zogen diese Beginen zwischen 1242 und 1246 weiter rheinabwärts, um am heutigen Ort St. Katharinental Kirche, Kloster und Wirtschaftsbauten zu errichten. Die Grundherren, die Grafen Hartmann d. Ä. und Hartmann d. J. von Kyburg, gaben in einer Urkunde von 1242 ihr Einverständnis und verliehen dem Kloster dieselben Privilegien, welche sie den Schwestern von St. Markus in Strassburg und Töss bei Winterthur zugestanden hatten: Sie verzichteten auf alle Rechte, die sie an den Nonnen und deren Vermögen hätten geltend machen können. 1251 bezogen die Frauen das - zu jenem Zeitpunkt wohl noch nicht ganz erstellte - Kloster. Die Kirche wurde 1267/69 von Albertus Magnus (ca. 1193-1280) geweiht.
Um für die Nonnen die päpstliche Einweisungsempfehlung zum Dominikanerorden und die Zustimmung des Ordenskapitels zu erwirken, machte sich der Winterthurer Bürger Konrad von Cloten im Jahr 1245 auf eigene Kosten nach Lyon auf. Mit Erfolg. Die beiden von Papst Innozenz im Juli 1245 ausgestellten Bullen enthalten ausser der Einweisungsempfehlung auch einige Entschärfungen der Ordensregel, zum Beispiel die Einhaltung der vollständigen Armut: Weil die Frauen nicht durch Betteln zu ihrer leiblichen Existenz beitragen durften, wurde das Gebot der völligen Besitzlosigkeit preisgegeben. Ferner war den Nonnen ein eigener Kaplan erlaubt, denn keinem Dominikaner konnte zugemutet werden, ununterbrochen im Frauenkloster anwesend zu sein. Mit der päpstlichen Einweisungsbulle wurde St. Katharinenthal ausschliesslich der geistlichen Gerichtsbarkeit des Ordens unterstellt und erhielt alle generellen Ordensprivilegien wie die Befreiung von Lasten und Abgaben. 1418 erreichte St. Katharinental die Reichsunmittelbarkeit, kehrte jedoch von 1442 bis zur Eroberung des Thurgaus im Jahr 1460 unter die Oberhoheit der Habsburger, der politischen Nachfolger der Kyburger, zurück und kam dann unter eidgenössische Herrschaft.
Unter geistlicher Obhut der konstanzischen Dominikaner und im Schutz des mächtigen Habsburg hatte sich das Kloster schon im 14. Jahrhundert mit Heinrich Seuse (1295-1366), einem Schüler Meister Eckharts (1260-1328), zu einem Hauptzentrum der mystischen Bewegung entwickelt, und im 15. Jahrhundert war von St. Katharinental eine Erneuerung der Ordensdisziplin ausgegangen, was bis in die Niederlande ausstrahlte. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die meist adeligen Schwestern in der Reformationszeit standhaft beim alten Glauben blieben. Den zweimaligen Einbruch der reformierten Diessenhofer in Kirche und Kloster in den Jahren 1529 und 1530 konnten sie jedoch nicht verhindern. Die wütenden Eindringlinge zerstörten Bilder, Skulpturen und andere wertvolle Gegenstände und vertrieben die Nonnen. Immerhin kehrten diese bereits 1532 wieder in ihr Kloster zurück, nachdem die Reformierten in der Schlacht bei Kappel unterlegen waren.
Eine neue Blütezeit und innere Reform erlebte das Kloster unter der Priorin Maria Dominica Josepha von Rottenberg. Um die strenge Klausur wieder einzuführen, liess sie kurz nach Amtsantritt eine völlig neue Klosteranlage planen. Baumeister für die 1715 bis 1718 erstellten Konventbauten war der in Konstanz ansässige Vorarlberger Franz Beer. Weil der bebaubare Uferstreifen zwischen Rhein und Hang nur schmal ist, musste der Gebäudekomplex in West-Ost-Richtung gestreckt werden. Damit das Kloster auch in der Breite nicht zu kümmerlich ausfiel, trugen die Arbeiter - dank eines Traums der Priorin - vorgängig einen Teil des südlichen Hanges ab. Trotz Geldmangels liess die Priorin den Bau beginnen. Künstlerische und ästhetische Gesichtspunkte wurden den funktionalen Überlegungen hintangestellt; die Architektur hatte in erster Linie der Klausur und der Regelbefolgung zu dienen. Selbst gesundheitliche und praktische Aspekte mussten zurücktreten. Mit dem Bau der Kirche sollte bereits 1719 begonnen werden, doch musste die Verwirklichung der von Franz Beer vorgelegten Entwürfe wegen fehlenden Kapitals verschoben werden; die Weihe von Kirche und Einsiedlerkapelle erfolgte 1735.
Die Zeit der Französischen Revolution und der Ära Napoleons überstand das Kloster zwar ohne Einbussen an Bauten, aber erneut mit Verlusten an Sakristeischätzen. Vor allem litt es 1798 und 1799 schwer unter Einquartierungen und über mehrere Jahre hinweg an Kontributionen. In dieser Zeit setzte der langandauernde Säkularisierungsprozess ein. 1836 kam das Kloster unter staatliche Verwaltung. Einer Aufhebung im Jahr 1848 entging es nur wegen des so genannten Epavenrechts, nach welchem seine weitläufigen Besitzungen nicht dem Kanton Thurgau, sondern dem Grossherzogtum Baden zugefallen wären. Diese zwischenstaatliche Vereinbarung wurde 1856/57 aufgehoben. Das Kloster musste seine Pforten schliessen, nachdem das Thurgauer Volk 1868 der neuen Verfassung zugestimmt hatte. In der Folge richtete der Staat in den umgebauten Gebäuden ein Kranken- und Greisenasyl ein, das bis heute als Kantonales Alters- und Pflegeheim fortbesteht.
Wie auf historischen Bildern sowie der Erstausgabe der Siegfried- und auf anderen Karten zu sehen ist, hat sich die Bebauung westlich des Klostergevierts, im Bereich der Wirtschafts- und Verwaltungsbauten mehrmals verändert. Immer wieder wurden Gebäude abgebrochen und neue erstellt, immer wurden sie aber um den noch heute bestehenden Hof gruppiert. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wuchs der Betrieb gegen Westen stetig an. Die ältesten erhaltenen Bauten sind die Alte Hofmeisterei von 1675 beim Klostertor, die auf dem Platz ihr gegenüberliegenden Gebäude Herrenhaus von 1744/45 sowie Bauern- und Gasthaus von 1749, ferner die zentral errichtete Neue Hofmeisterei von 1781.
Der Friedhof, der sich östlich des Klosters befunden hatte, war vermutlich mit dem Neubau der Anlage im 18. Jahrhundert auf den Hügel verlegt worden, wo er sich noch heute befindet. Die massige Klosterscheune oberhalb der Böschung war bald nach der Gründung des Klosters errichtet worden. Spätestens seit 1940 ist auch das Land beiderseits des Klosterweges mit ein paar Bauten belegt: Auf der einen Seite stehen zwei Wohnhäuser, auf der anderen entstanden vor kurzem vier mächtige landwirtschaftliche Lagerhallen aus Holz.
Der heutige Ort
St. Katharinental liegt etwas flussabwärts von Diessenhofen auf einem schmalen Uferstreifen unmittelbar am Rhein. Rückwärtig wird das Kloster durch eine steile, teils bewaldete Böschung begrenzt. Die heute noch bestehende historische Erschliessung erfolgt über ein Strässchen, das von Süden her in fast gerader Linie über eine Ebene hinunter zum Klosterareal (> 1) führt. Auf der letzten, von Wällen gesäumten Strecke vor dem Tor fällt der Weg stetig ab, um in einen grossen Hofraum zu münden. Dieser zentrale Freiraum wird östlich von der dreigeschossigen Hauptfront der Klosteranlage begrenzt, auf den anderen Seiten von je einem Verwaltungsgebäude. In seinem Zentrum befindet sich ein kleiner baumbestandener Platz. Eine zweite, im 19. Jahrhundert erstellte und von Diessenhofen her kommende Strasse folgt dem Flussufer, so dass das Areal auch von Osten her zugänglich ist.
Das barocke Klostergeviert ist um einen rechteckigen Innenhof errichtet. Gegen Osten folgt der ummauerte Klostergarten. Um den Platz und gegen Westen liegen, durchwirkt von Grünflächen, die Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude. Zwei der herrschaftlichen Bauten stehen fast lückenlos aneinander am Rheinufer, so dass sie zusammen mit der mannshohen Klostermauer gegen den Fluss hin eine geschlossene, aus weiss verputzten Wänden bestehende Front von ungefähr 400 Metern Länge bilden. Eine Reihe von Pappeln entlang des Fussweges am Wasser unterstreicht die Längenausdehnung. Ein an das so genannte Herrenhaus anschliessender Zwischenbau mit rundbogigem Durchlass verbindet den Hof mit dem Uferbereich (> I).
Der Konvent selber besteht aus einem in west-östlicher Richtung gestreckten dreigeschossigen Geviert und hat - nach dem Vorbild des französischen Schlossbaus - Eckpavillons und Mittelrisalite. Für die Hauptbauten wurde als Dachform das Satteldach gewählt, die drei Eckpavillons sind mit Walmdächern gedeckt und der westliche und nördliche Mittelrisalit besitzen Kehrgiebel. Was die fast völlige Schmucklosigkeit der Mauerflächen stärker bestimmt hat, ordensgemässe Enthaltsamkeit oder die leere Baukasse, ist nicht bekannt. Selbst das Portal, der westliche Mittelrisalit, gibt sich spartanisch: Das Giebelfeld wird durch zwei Gesimse geteilt; seitlich der rundbogigen Aufzugsöffnung befindet sich je ein querovaler Oculus, darüber ist das Zifferblatt der Klosteruhr angebracht.
Den Westteil des südlichen Konventtrakts nimmt die Kirche ein. An das hohe quadratische Schiff schliesst im Osten der niedrigere und schmalere Chor an, auf dessen Walmdach ein Dachreiter sitzt. Die Westfassade ist einzig durch Ecklisenen und zwei Giebelgurten gegliedert. Die Schlichtheit und das auffällig grosse Giebeldach der Kirche gehen auf die Priorin zurück. Baumeister Beer hatte sich gegen die scheunenartige Erscheinung gewehrt, zu der auch die hohen Rundbogenfenster in der Westfassade beitragen; sie erinnern an die rundbogigen Öffnungen der benachbarten Kornscheune.
Den Ostteil des südlichen Konventtrakts belegt heute die im Kern mittelalterliche Kornscheune. Sie stand ursprünglich frei, wurde aber, obwohl schiefwinklig zur neuen Anlage stehend, in den Komplex integriert. Ihr massiges Volumen und die asymmetrische Gestaltung erhielt sie in den Jahren 1749/50 durch den Einbezug des alten Rossstalls. Mit drei spiegelgleichen aufgemalten Aufzugsöffnungen und dem darüber angebrachten Klebdach wurde versucht, wieder eine gewisse Symmetrie herzustellen.
Dem Nordtrakt des Klostergevierts vorgelagert ist die teilweise aus Nebenbauten gebildete Klostermauer. Grösstenteils von einem kleinen Satteldächlein bedeckt, erstreckt sie sich vom Durchlass beim Herrenhaus nach Osten. Die weiss verputzte Mauer umgibt den mit rechteckigen Feldern unterteilten Klostergarten. Dessen Zentrum betont ein achteckiger Pavillon, und den östlichen Abschluss bildet eine kleine, an die Ummauerung angelehnte Kapelle. Die westlichen Eckpunkte markieren das imposante zweigeschossige Laborgebäude und das kleine Totenhaus. Eine gute Einsicht hat, wer von Diessenhofen oder von den Parkplätzen her kommt. Bevor er in den Klostergarten gelangt, betritt er einen teils geteerten, teils begrünten und von einer grossen Linde beschatteten Platz. Westlich der Konventgebäude schliesst nahtlos der Wirtschafts- und Verwaltungsbezirk an. Er besteht aus sechs Gebäuden, von welchen fünf U-förmig angeordnet sind und eine Begrenzung nach aussen bilden. Der sechste Bau, ein zweigeschossiger und fünfachsiger Kubus, liegt mitten im geschützten Freiraum in einem eingezäunten Garten mit Kieswegen.
Zwischen der so genannten Neuen Hofmeisterei und dem Klostergeviert ist ein Oval mit mächtigen Kastanien und innerer Kiesfläche angelegt; darauf stehen ein grosser achteckiger Steinbrunnen und Sitzbänke. Umgeben wird das zentrale Oval, das Teil des belebten Hofraums ist, von den geteerten Strässchen, die die umstehenden Gebäude erschliessen. Nördlich des Hofes und der Neuen Hofmeisterei bilden die langen zweigeschossigen Trakte des verputzten Herrenhauses und des Bauern- und Gasthauses in Fachwerkbauweise eine geschlossene Front, so dass die Sicht auf das Wasser bei der Arkadenhalle umso überraschender wird.
Räumlich und von der Nutzung eher schon zur Umgebung gehörig, stehen im Westen eine eingeschossige Lager- und Unterstellhalle in Holzkonstruktion - sie fasst den rückseitigen Gartenteil der Neuen Hofmeisterei - und auf der südlichen Seite, leicht in die Böschung hineingebaut, eine zweigeschossige, im oberen Teil verbretterte Werkstatt. Die Alte Hofmeisterei, ein dreigeschossiger Bau mit gemauertem Sockelgeschoss und Fachwerk im Obergeschoss, überragt durch ihre etwas erhöhte Lage nicht nur das Torhaus, sondern den ganzen Wirtschafts- und Verwaltungsbezirk.
Parallel zur Klostermauer, unmittelbar am Fluss, verläuft ein von Pappeln gesäumter Kiesweg. Im Bereich des Herrenhauses drängt das Terrain etwas in den Rhein hinaus, so dass hier eine kleine Rasenfläche entstehen konnte (> I).
Der viereckig angelegte Klosterfriedhof auf dem Plateau über dem Wirtschafts- und Verwaltungsbezirk wird vom Klosterweg und einem rechtwinklig dazu abbiegenden Strässchen erschlossen. Südlich davon stehen seit kurzem vier mächtige landwirtschaftliche Lagerhallen. Sie beeinträchtigen nicht nur den Friedhof, sondern auch die kreuzförmige, im Kern mittelalterliche Klosterscheune in unmittelbarer Nähe. Ursprünglich stand der massive Steinbau frei im Gelände, umgeben von unverbautem Wies- und Ackerland (> II, > III).
Wir empfehlen
Wir bewerten
*** Lagequalitäten
*** Räumliche Qualitäten
*** Architekturhistorische Qualitäten
Besondere Lagequalitäten hat der Ort durch die silhouettenwirksame Situierung der kompakten, vom Umland abgeschotteten Klosteranlage unmittelbar am Rheinufer sowie dank deren intensiver Beziehung zur unverbauten Flusslandschaft.
Die besonderen räumlichen Qualitäten ergeben sich durch die Komposition verschiedener und klar zueinander platzierter Volumen sowie durch die einprägsam proportionierten Grün- und Hofräume wie dem zentralen, inneren Geviert und dem Klostergarten, ferner durch den Kontrast zwischen den prägenden Klosterbauten und den in die Landschaft eingebetteten Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden.
Besondere architekturhistorische Bedeutung des Klostergevierts als eine der ausgewogensten vorarlbergisch-schweizerischen Barockanlagen samt Kirche mit reicher Innenausstattung sowie durch die Vielfalt von stilistisch interessanten Einzelbauten.
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