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Die zum Film 1990 erschienene CD mit ihren 30 Minuten Laufzeit konnte mich ebenso wenig begeistern wie der Film selber, bei dem sich Irvin Kershner (THE EMPIRE STRIKES BACK) nach anfänglichem Disput des Studios mit dem ursprünglichen Regisseur Tim Hunter (RIVER’S EDGE) auf den Kommandostuhl setzte. Die Produktion stand ohnehin nicht unter guten Vorzeichen, ehe die Story stand und ein Satz des Drehbuchs geschrieben worden war, schon das Startdatum festgesetzt wurde.
Leonard Rosenman wurde die Aufgabe zuteil die Musik beizusteuern und quasi in die grossen Fussstapfen, die Basil Poledouris mit seinem famosen Score 1987 hinterliess, zu steigen. Kershner, der mit dem Komponisten seit langer Zeit befreundet war, war es der sich persönlich für den 1924 geborenen Rosenman stark machte. Er machte das in dem er sein eigenes Titelthema schrieb, sinnigerweise mit Sopranstimmen (die bei den Holzbläsern sitzend aufgenommen wurden) das Wort ROBOCOP intonierend, ausgestattet, jeweils nach Rosenmans 6-Noten-Fanfare erklingend («Overture: Robocop 2»), weniger als heroische Beigabe sondern durchaus die Zerrissenheit des von Peter Weller gespielten Charakters mitteilend. Was Rosenman von Poledouris übernommen hat, sind die Amboss Schläge. Das ergibt somit einen, wenn nicht melodischen so doch recht schlauen, musikalischen Wiedererkennungswert. Eingeführt wird die Fanfare (nicht zu verwechseln mit dem kurzen, heroischen Track «Robo Fanfare») jeweils mit einem staccato Motiv (zB. «Logo/MagnaVolt»), das Rosenman auch unabhängig vom Titelmotiv den Score hindurch und in verschiedenen Instrumentierungen (mal für Fagotte, mal für Bässe oder Perkussion) verwendet, ebenso verfährt er auch mit der Fanfare, dem eigentlichen Hauptteil des neuen Titelthemas.
Dazu ist eine Art Gefahrenmotiv zu hören, das auch als «hier stimmt was nicht» Zeichen verwendet wird: «Robo and Cain Chase». Die oben erwähnten Sopranstimmen baut Rosenman ebenfalls in den Score ein, dann allerdings wortlos und als zusätzliches Instrument wie in «RoboCruiser». All das verpackt er in einen düsteren, hervorragend gemachten sinfonischen Actionscore, dessen Komplexität mich an spätere Arbeiten von Michael Kamen erinnert und der deutlich mehr offenbart als die alte Varèse CD seinerzeit. Natürlich ist auch Rosenmans «Trademark-Fuge», die wir beispielsweise aus Scores wie THE LORD OF THE RINGS und STAR TREK IV kennen, zu hören: «Robo Resolve and End Credits».
Enthalten sind nebst dem Score fünf kürzere «additional music» Stücke (Filmversionen, film construct etc.).
Rosenman überraschte 1986 mit einer unerwarteten Oscarnomination für STAR TREK IV: THE VOYAGE HOME, seinen ROBOCOP 2 Score aber würde ich als interessanter, experimentierfreudiger, origineller und sicherlich weniger verspielt bezeichnen – insbesondere in der vorliegenden Varèse Club Fassung, die übrigens etwas leise gemastert wurde. Hier heisst es also genug Aufdrehzahl am Volumenregler vornehmen.
Phil, 5.4.2019