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Ziel: Die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchs verbessern
Zwischen 5000 und 8000 Postdocs arbeiten an Schweizer Universitäten und Hochschulen in befristeten Anstellungen (Bericht des SBFI von 2014). Nur wenige von ihnen werden je einen unbefristeten Arbeitsvertrag im Bereich der akademischen Forschung und Lehre erhalten. Derzeit erinnert der akademische Karriereweg in seiner Unberechenbarkeit an ein «Leiterlispiel»: Es gibt zwar verschiedene Ansätze und Ideen für verlässlichere Karriereperspektiven, gerade für den oberen Mittelbau. Grosse Reformen, welche die grundlegenden Fragen adressieren, sind bislang aber ausgeblieben:
- Wie kann die Situation des Nachwuchses verbessert werden?
- Welche Alternativen zur Professur bieten sich an?
- Was muss getan werden, um prekäre Arbeitsbedingungen und Unsicherheit zu vermeiden?
Die Situation der Postdocs kann nur mit deutlichen Veränderungen am bestehenden System verbessert werden. Die SAGW setzt sich für einen Richtungswechsel in der akademischen Nachwuchsförderung ein: Die Karrierewege sollen flexibler und durchlässiger werden und nicht länger im Zeichen der Prekarität stehen.
Aktivitäten der SAGW
2017 hat die SAGW die Thematik an einem Workshop mit Expertinnen und Experten in Angriff genommen. Anknüpfend an die Erkenntnisse aus diesem Workshop erschien 2018 der Bericht «Next Generation: für eine wirksame Nachwuchsförderung», der eine breite Debatte über eine zeitgemässe Nachwuchsförderung mitangestossen hat. Im August 2020 folgt daran anschliessend der Bericht «Next Generation und Third Space: neue Karriereprofile im Wissenschaftssystem» (vgl. unten).
Bericht | Next Generation und Third Space: neue Karriereprofile im Wissenschaftssystem (2020)
Der promovierte Soziologe, der ein Forschungsprojekt koordiniert, die Betriebswissenschaftlerin mit MBA-Abschluss, die eine Graduate School aufbaut, die Psychologin, die für die Qualitätskontrolle bei Prüfungen zuständig ist: Sie alle übernehmen Übersetzungs- und Vermittlungsaufgaben in einem Kontinuum zwischen den Polen Forschung und Administration. In den letzten rund 10 Jahren hat sich für diesen akademischen Zwischenraum der Begriff«Third Space» eingebürgert. Eine Diskussion über dessen Bedeutung wurde in der Schweiz bislang nur in Ansätzen geführt.
Die Studie «Next Generation und Third Space: neue Karriereprofile im Wissenschaftssystem» macht den Third Space fassbar. Professorinnen und Professoren aus den Geistes- und Sozialwissenschaften schätzen die Praxis und den Bedarf an Third-Space-Profilen ein; auf quantitativer Ebene wird der Umfang der bestehenden Third-Space-Stellen im Wissenschaftssystem abgeschätzt.
Der Bericht liefert so einen Beitrag zur Diskussion über eine zeitgemässe Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und alternative Karriereoptionen, welche die SAGW 2018 mit dem Bericht «Next Generation: für eine wirksame Nachwuchsförderung» mitangestossen hat.
Schlussfolgerungen der AutorInnen zum akademischen Third Space
Die Autorinnen Sabina Schmidlin, Eva Bühlmann und Fitore Muharremi, welche die Studie im Auftrag der SAGW durchführten, kommen zum Schluss:
- Der Third Space ist längst eine Realität. Mehr als jede sechste Stelle an Schweizer Hochschulen ist gemessen an Vollzeitäquivalenten eine Third-Space-Stelle.
- Der Bedarf an Third-Space-Stellen wird weiter steigen, doch mit steigenden Ansprüchen, zu deren Erfüllung ein Doktorat allein nicht ausreicht.
- Diffuse Begrifflichkeiten schmälern die Profilierung einer eigenständigen Personalgruppe.
- Positionen im Third Space werden häufig nicht als gleichwertige akademische Karriereweg angesehen, sondern mit einer verpassten akademischen Karriere assoziiert.
- Der Frauenanteil im Third Space beträgt rund 70 Prozent. Es besteht die Gefahr, dass er als Rückzugsgebiet für Frauen mit familiären Betreuungspflichten angesehen wird.
Bericht | Next Generation: Für eine wirksame Nachwuchsförderung (2018)
2018 publizierte die SAGW einen Bericht zur wissenschaftlichen Nachwuchsförderung in der Schweiz, verfasst von Thomas Hildbrand. Er beschreibt auf 60 Seiten den Status quo, analysiert die Herausforderungen, skizziert eine Vision mit Leitprinzipien und macht Vorschläge für konkrete Massnahmen. Zudem formuliert der Bericht Empfehlungen vor allem an die Universitäten, deren Koordinationsorgan swissuniversities und deren Trägerschaften sowie an Bund und Nationalfonds. Im Zentrum der Empfehlungen steht die Etablierung von mehreren Karrierewegen für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Morgen: Drei unterschiedliche Karrierewege?
Der Bericht skizziert ein Modell für zukünftige akademische Karrierewege. Es sieht drei unterschiedliche Karriereziele innerhalb der Universitäten vor, die sich in Aufgabenspektren, Qualifikationsanforderungen, Aufstiegsperspektiven und struktureller Positionierung unterscheiden. Zunächst einmal sind alle drei Karrierewege als eigenständige Entwicklungsmöglichkeiten ausgestaltet, dennoch gibt es zwischen den drei Tracks Durchlässigkeiten. Auch besteht die Möglichkeit, sich ausserhalb der Universität beruflich weiterzuentwickeln oder an die Universität zurückzukommen. Die Durchlässigkeit zum Fachhochschulbereich und zu den Pädagogischen Hochschulen (und wieder zurück) ist ebenfalls eine wichtige Option.
Kontakt
Noemi Daugaard
Wissenschaftliche Mitarbeiterin+41 (0)31 306 92 56