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Die Kantonsarchäologie Schaffhausen entdeckte im Herbst 2015 bei Bauarbeiten in Osterfingen Siedlungsreste aus der späten Bronzezeit und der Eisenzeit (1200–100 v, wie der Kanton Schaffhausen schreibt.
Chr.). In einer Rettungsgrabung wurden Tausende von Gegenständen geborgen und im Boden bewahrte Strukturen dokumentiert.
Die Menge und Erhaltung der Funde und Befunde sei ausserordentlich. Ein Fachgremium stufte die Fundstelle Osterfingen-Haafpünte deshalb als «national bedeutsam» ein.
Um die Grabungsergebnisse dem Fachpublikum und der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wertete die Kantonsarchäologie die Fundobjekte und die Grabungsdokumentation seit dem Jahr 2020 wissenschaftlich aus. Mit »Die späthallstatt- und frühlatènezeitliche Siedlung» sei nun der erste Band der dreiteiligen Reihe abgeschlossen.
Er behandelt die eisenzeitliche Besiedlung von 620 bis 380 v. Chr.
Das Buch werde digital publiziert und sei kostenlos auf der Website des Kantons verfügbar. Dynamische Siedlung Die Gebäude der eisenzeitlichen Siedlung bestanden aus Holz.
Sie mussten daher jeweils nach wenigen Jahrzehnten ersetzt werden. Mehrere übereinanderliegende Gebäudegrundrisse bezeugen den Abbruch und Neubau von Häusern an derselben Stelle.
Neben ebenerdigen Häusern, die als Wohn- oder Stallgebäude dienten, gab es kleine, quadratische Bauten, die wahrscheinlich als abgehobene Speicher zur Lagerung von Vorräten dienten. In Grubenhäusern – halb in den Boden eingetieften Gebäuden – stellte man auf Webstühlen feine Stoffe her.
Landwirte mit Fernbeziehungen Die Funde verraten, dass die Bewohner und Bewohnerinnen der Siedlung Ackerbau und Viehzucht sowie verschiedene Handwerke betrieben. Neben den Knochen von Rind, Schwein und Schaf wurden auch solche von Hühnern gefunden.
Diese waren zur damaligen Zeit ein neuartiges Haustier. Verschiedene Importfunde zeigen, dass die Siedlung in ein weitreichendes Kontaktnetz eingebunden war: Kunstvoll gefertigte Gewandspangen (Fibeln) stammen aus dem Osten Frankreichs.
Auf einem Bronzeblech sei die Fratze einer Schreckgestalt aus der griechischen Mythologie eingeprägt. Eine Glasperle fand sogar den Weg vom Karpatenbecken bis in den Klettgau.
Glaube in der Eisenzeit Aus dem Grabungsareal liegen mehrere Hinweise zu Religion und Glauben in der Eisenzeit vor. Die Ausgräberinnen fanden die filigranen Knochen von vier Säuglingen.
Diese waren kurz vor oder nach der Geburt verstorben. Wie zur damaligen Zeit üblich, habe man sie nicht in einem Gräberfeld ausserhalb des Dorfes beerdigt, sondern in der Nähe der Häuser bestattet.
Mehrere im Boden vergrabene Objekte seien Ausdruck ritueller Handlungen; so ein vollständiges Gefäss, ein Mahlstein und der Schädel eines Rindes. Weitere Schädelteile von Rindern und Ziegen legen nahe, dass Schädel mit Hörnern eine besondere Bedeutung besassen.
Welche Vorstellungen dahinterstehen, sei unbekannt. Kostenloser Zugang zu Forschungsergebnissen Mit der digitalen Publikation über die Grabungsergebnisse von Osterfingen beschreitet die Kantonsarchäologie Schaffhausen neue Wege.
Die bisherigen Monographien liegen ausschliesslich in gedruckter Form vor. Sie sollen jedoch in Kürze ebenfalls online zur Verfügung stehen.
Die neue Strategie verfolgt das Prinzip des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Erkenntnissen (Open Access), fördert die internationale archäologische Forschung und macht darüber hinaus die Schaffhauser Archäologie besser bekannt. Band 2 über zwei Töpferöfen aus dem 2. Jh.
v.Chr. erscheint noch in diesem Jahr.
Die Publikation über die spätbronzezeitliche Siedlung (1200 v.Chr.) sei in Arbeit und erscheint 2022. Nächstes Jahr sollen zudem die wichtigsten Erkenntnisse der Grabungen in einem populärwissenschaftlichen Heft mit interaktiven Inhalten sowie einem kurzen Animationsfilm zusammengefasst werden. Dieses Heft werde auch in gedruckter Form vorliegen.
Töpferöfen im Praxistest Aktuell laufen die letzten Arbeiten am Manuskript zum zweiten Band über die Töpferöfen. Während der Auswertung tauchten viele Fragen zur Funktionsweise der Öfen, dem Fassungsvermögen und dem Arbeitsprozess bei der Herstellung der Gefässe auf.
Deshalb wurden archäologische Experimente durchgeführt und dazu in einem nachgebauten Ofen originalgetreue Keramik gebrannt. Mit den gewonnenen Daten lasse sich ein präzises Bild zeichnen, wie die Kelten in Osterfingen ihr Geschirr herstellten.
Ein weiteres Brennexperiment findet vom 13.–15. August am Fundplatz der originalen Töpferöfen statt. Nach über 2000 Jahren Pause erwacht damit Osterfingens keltischer Töpfereibetrieb erneut zum Leben.
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