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Konzertsaal des KKL in Luzern
Programm und Vorinformationen:
Friedrich Cerha (*1926)
Konzert für Schlagzeug und Orchester
Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47
«Das ist ein Spiel, das übel ausgehen kann»: Mit dieser offenen Drohung wurde Dmitri Schostakowitsch 1936 in der Prawda gebrandmarkt. Seine Musik sei bloss ein dekadentes «Gepolter und Geprassel», war dort zu lesen, sie sei lärmend und neurotisch. Schostakowitsch wusste, was die Worte bedeuteten: Er lebte fortan in ständiger Todesangst. Mit seiner Fünften Sinfonie versuchte er – nach offizieller Lesart – die Vorwürfe zu entkräften, aber Jahrzehnte später enthüllte er die wahre Bedeutung des «positiven» Finales mit Pauken und Trompeten, dessen Euphorie nur erzwungen sei: «So als schlage man uns mit einem Knüppel und verlange dazu: ‹Jubeln sollt ihr, jubeln sollt ihr!›». Ganz zwanglos dagegen trommelt, hämmert und schlägt «artiste étoile» Martin Grubinger zum fulminanten Kehraus auf: mit dem Schlagzeugkonzert, das Friedrich Cerha für ihn komponiert hat. Dieses Werk, sagt Grubinger, «ist das musikalisch wertvollste, das wir im Repertoire haben. Aber es enthält auch die schwerste Stelle, die ich kenne …»
Rezension von Gabriela Bucher:
Symphoniekonzert 27 – ein ganz spezielles Konzert
Die Wiener Philharmoniker
„Sind Sie auch hier um ein ganz spezielles Konzert zu geniessen“ fragte eine Konzertbesucherin eine andere anlässlich des Symphoniekonzertes 27 vom letzten Sonntag, während ein grauhaariger Pianist im Foyer fetzige Rhythmen hinlegte auf seinem Steinway. Ob sie dabei vom Solisten, dem Orchester und seinem Dirigenten oder dem Programm sprach war nicht klar, denn alle drei waren etwas Besonderes. Der Schlagzeuger Martin Grubinger, welcher bereits mehr als einmal Furore gemacht hatte als „artiste etoile“ an diesem Festival, die Wiener Philharmoniker mit Lorin Maazel oder das Konzert für Schlagzeug und Orchester von Friedrich Cerha und die Sinfonie Nr. 5 in d-Moll op. 47 von Dmitri Schostakowitsch.
Martin Grubinger
Für mich wars auf jeden Fall ein ganz spezielles Konzert und ein unglaublich gutes Gefühl, dieses sozusagen aus einem Logenplatz mitten in bester Gesellschaft geniessen zu dürfen. Die 10. Reihe erlaubte mir einen direkten Blick auf Martin Grubinger und sein spitzbübisches Lachen als er auf die Bühne trat. Danach allerdings stand er da in allerhöchster Konzentration, die Schläger erhoben als wollte er in der nächsten Sekunde seine diversen Trommeln überfallen.
Das Konzert für Schlagzeug und Orchester hatte Friedrich Cerha 2007/2008 auf Anfrage von Martin Grubinger speziell für ihn komponiert. Dieses entspricht einem traditionellen Solokonzert: zwei schnelle Sätze umrahmen einen langsameren. Im ersten, schnellen Satz scheint Grubinger ein Zwiegespräch zu führen mit seinen diversen Trommeln, die Bläser schieben sich dazwischen, schreien auf, so erreicht Cerha, wie er selber sagt, einen bohrenden, insistierenden Klangcharakter. Im zweiten, sanften Satz inspirierte er sich in der Natur mit Klängen verschiedener Schlaginstrumente wie Vibraphon, Glocken, Gongs und Klangschalen. Da scheint Grubinger teilweise die Töne nur anzuhauchen, man wähnt sich auf einer italienischen Piazza, von weitem die tiefe Kirchenglocke, dazu ein melodiöses Glockenspiel. Je länger das Stück dauert, desto mehr vergisst man das Orchester, welches diesen Ausnahmekünstler begleitet. Die diversen Schlagzeuge lassen unter Grubingers Händen Melodien erklingen, sphärisch wird es, wenn er mit einem Geigenbogen die Xylophonplatten zum Vibrieren bringt und obwohl er in jeder Hinsicht Höchstleistungen erbringen muss und sich zwischen seinen drei verschiedenen Klangstationen hin- und herbewegt, sieht alles trotzdem leicht und locker aus. Im dritten Satz folgen sich rasende Läufe, denen man kaum mehr folgen kann und in einem gewitterähnlichen Trommelwirbel und gewaltigen Gongschlägen endet das Konzert, so, wie es begonnen hat. Grubinger verharrt vor den sanft schwingenden Gongs, Arme hoch erhoben, als wollte er sie beschwören, während die Zuhörer gebannt den allerletzten Schwingungen nachhören, bevor sie in begeisterten Applaus ausbrechen.
Mit einem schwindelerregenden Ragtime auf dem Xylophon bedankt und verabschiedet sich Grubinger und beeindruckt noch einmal.
MaestroLorin Maazel
Nach der Pause erklang die Fünfte Symphonie von Dmitri Schostakowitsch, entstanden 1937 auf der Krim und in Leningrad beendet. Klagemotive und ein Trauermarsch-Charakter prägen das Hauptthema. Schmelzend melancholische Themen im ersten Satz, ein Teppich von Bläsern unterstreicht die Tragik, an- und abschwellend. Der zweite Satz mit dem Charakter eines Ländlers beschwingt und rhythmisch, liebliche Themen zwischen Streichern und Bläsern, erinnert stark an Mahler, der dritte Satz wiederum elegisch schmerzvoll. Eine wunderschöne Sinfonie, meisterhaft orchestriert von Lorin Maazel, perfekt interpretiert von den Wiener Philharmonikern, ein bleibendes Erlebnis, in jeder Hinsicht. Ein bisschen schade nur, dass Maazel mit der etwas zu beschwingten Zugabe die magische Stimmung Schostakowitschs fast weggespielt hat.
Fotos: www.lucernefestival.ch
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