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Wie aus Hubertus ein Heiliger wurde
Am Hubertustag, dem 3. November, gedenken Jäger, Förster und Hundeführer ihrem Schutzpatron: Hubertus von Lüttich. Auf den Heiligen gehen allerlei Jagdbräuche zurück.
Text: Anna Lena Kaufmann
Es war einmal ein wilder Jäger, dem erschien an einem Karfreitag auf einem seiner Jagdzüge ein Hirsch mit einem Kruzifix zwischen den Geweihstangen, woraufhin er seine Waffe(n) niederlegte und er ein frommer Mann wurde. So oder so ähnlich könnte die Kurzform der Geschichte des Hubertus von Lüttich, heute als Heiliger Hubertus und als Schutzpatron der Jagd verehrt, lauten. Freilich gibt es verschiedene Versionen der Legende, und es wird behauptet, dass die Szene mit dem Hirsch eigentlich aus dem Leben des Heiligen Eustachius stamme, und erst nachträglich auf Hubertus übertragen wurde. Die tatsächlichen, historischen Ereignisse spielen aber eher eine untergeordnete Rolle. Hinter der Parabel steckt eine tiefgründige Botschaft an die moderne Menschheit: Sie ist quasi eine göttliche Ermahnung, das eigene Handeln zu überprüfen, eine hohe Rangordnung des Lebensauftrages anzustreben, Fairness dem Menschen und allen Kreaturen gegenüber zu üben, sich immer wieder neu dem Guten zu verpflichten und den Schöpfer im Geschöpfe zu ehren!
Das Leben des Heiligen Hubertus
Hubertus von Lüttich (Hubert de Liège) wurde um das Jahr 655 im französischen Toulouse geboren. Über seine Herkunft und Jugend gibt es unterschiedliche Berichte. Bekannt ist, dass er als Pfalzgraf am Hof von Theoderich III. in Paris lebte – später floh er an den Hof des fränkischen Herrschers Pippin des Mittleren in Metz. Nach dem Tod seiner Frau verzichtete er auf alle seine Ämter und Würden und zog sich 695 in die Wälder der Ardennen zurück. Dort lebte er einige Jahre als Eremit und ernährte sich durch die Jagd. In dieser Zeit festigte sich sein Glaube. Er liess sich zum Priester weihen und wurde um 705 Bischof von Tongern-Maastricht. Im Jahr 716 verlegte er seinen Bischofssitz nach Lüttich und liess hier die Kathedrale errichten. Hubertus starb am 30. Mai 727 im heutigen Tervuren (bei Brüssel in Belgien). Am 3. November 743 fand die Erhebung der Reliquien statt. Im Jahr 825 überführte man die Gebeine in das damalige Andagium in den Ardennen, einem Ort, der heute unter dem Namen Saint-Hubert bekannt ist. Dank der dort verwahrten Reliquien wurde Saint-Hubert im Mittelalter zu einem bekannten Wallfahrtsort. Seit der französischen Revolution sind die Reliquien verschwunden.
Die Legende des Heiligen Hubertus
In mittelalterlichen Überlieferungen heisst es, dass der Tod seiner Frau Hubertus dazu bewog, ein hedonistisches Leben zu führen. Als er an einem Karfreitag jagte, erschien ihm ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih und Hubertus vernahm eine warnende Stimme: «Hubertus, warum stellst du mir nach, während die Christenheit betet? Warum sündigst du am Tag des Herrn? Kehr um, gehe in dich, denke nach und tu Busse!» Da gelobte Hubertus, sein Leben zu ändern: Gott und die Geschöpfe zu ehren und ein christliches Leben zu führen. Nach Jahren der Besinnung liess er sich zum Priester weihen und lebte fortan ein frommes Leben.
Im Grossen Hausbuch der Heiligen wird die Hubertuslegende hingegen so erzählt: «Als einst Hubert an einem Karfreitag mit seinem lauten Tross zur Jagd zog, warnte ihn seine Gattin und flehte ihn dringend an, den ernsten Todestag des Herrn nicht zu entweihen. Er schien von der liebevollen Warnung seiner frommen Gattin gerührt, dennoch siegte die Jagdlust. Mit seinem zahlreichen Gefolge sprengte er durch Wald und Busch, durch Wiesen und Gründe und verfolgte einen prächtigen Hirsch. Als er demselben nahe kam und schon den Bolzen nach dem Tiere abdrücken wollte, bleibt dasselbe plötzlich stehen, wendet sich nach dem Jäger, und mitten in seinem Geweih erscheint ein strahlendes Kreuz. Eine klagende Stimme ertönt: ,Hubertus, ich erlöste dich und dennoch verfolgst du mich!‘
Hubert erbebte, warf sein Geschoss von sich und flehte innig zu Gott um Erbarmen. Darauf baute er sich eine Hütte aus Baumzweigen und Schilf und führte, von der Welt geschieden, in stiller Waldeinsamkeit ein bussfertiges, abgetötetes Leben.»
(Quelle: Das grosse Hausbuch der Heiligen Berichte und Legenden. Hrg. von Diethard H. Klein, S. 551f.)
Brauchtum
Dem Heiligen Hubertus wird traditionell entweder am 30. Mai oder am 3. November gedacht. In manchen Regionen weiht man am Hubertustag Wasser, Brot und Salz – der Verzehr soll vor Tollwut, Hunde- und Schlangenbiss schützen. Auch Hubertusriemen, die am Knopf getragen werden, sollen dem Schutz vor wilden Hunden dienen. Darüber hinaus gibt es Hubertus-Schlüssel gegen Fieber, Hubertus-Hörnchen gegen Kopfschmerzen und zahlreiche weitere Bräuche. Zu einem beliebten christlichen Brauch sind vielerorts die Hubertusmessen geworden, bei denen Jäger den musikalischen Teil des Gottesdienstes gestalten. In der Zeit um den Gedenktag finden traditionell auch die nach Hubertus benannten Jagden statt.
Fotos: 1) Wikipedia, 2) Markus P. Stähli