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Kuba pflegt seit 300 Jahren ein inniges Verhältnis zur deutschen Sprache, das über den Austausch mit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ihren Höhepunkt fand.Dieser Inhalt wurde am 01. Dezember 2006 - 15:12 publiziert
Auch die Schweiz hinterlässt in Kuba über die Germanistik und Sprachstudenten Spuren.
Kuba machte nach dem Niedergang der Sowjetunion (1989) schwere Zeiten durch. Die Nahrungshilfe und das Öl aus den Staaten des Comecon versiegten, die sozialistischen Plattenbauten wurden rissig und Fabriken aus dem kommunistischen Ostblock verrosteten.
Viel Sichtbares ist von der sozialistischen Bruderhilfe in Kuba nicht geblieben. Umso erstaunlicher ist das Sprach- und Kulturerbe, das aus der 30-jährigen Freundschaft und Kooperation zwischen Kuba und der DDR bis heute weiterlebt: "In Kuba gibt es rund 50'000 Menschen, die hervorragend Deutsch sprechen, schreiben und lesen. Das kann kein anderes Land in Iberoamerika aufweisen", erklärt in Havanna René Caparros, Kulturpromotor des Zentrums Wilfredo Lam, gegenüber swissinfo. Wilfredo Lam ist der bekannteste Maler der Insel.
Am Anfang war Alexander von Humboldt
Begonnen hat diese Geschichte vor mehr als dreihundert Jahren, als der deutsche Forscher und Humanist Alexander von Humboldt 1799 in die spanischen Provinzen von Südamerika zu Forschungs- und Studienreisen aufbrach und bis 1804 Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Mexiko besuchte. In Kuba war Humboldt in den Jahren 1800 und 1801.
Kuba sieht in Alexander von Humboldt den zweiten Entdecker der Insel, wie René Caparrós erklärt: "Humboldt hat uns als Menschen dieser Welt entdeckt, während Kolumbus uns nur als Wesen einer neuen Welt in Europa bekannt machte. Humboldt hat uns Gesicht und Körper gegeben".
Wo Kuba die Schweiz über ihre Schriftsteller wahrnimmt
Der deutsche Sprach- und Kulturnachlass steht in Kuba auf zwei Pfeilern. In der Oficio-Strasse von Althavanna befindet sich die Casa-Humboldt, wo Ausstellungen und Vortragsreihen stattfinden und wo besonders begabte Primarschüler unterrichtet werden.
Die Casa-Humboldt beherbergt auch eine Bibliothek mit Fachbüchern und Sonderausgaben über Leben und Werk von Alexander von Humboldt und belletristische Bücher aus der Schweiz, aus Deutschland und aus Österreich.
Die Schweizer Botschaft in Havanna und andere Organisationen, wie die Kulturstiftung Pro Helvetia, haben der Casa Humboldt im Verlauf der letzten Jahre zahlreiche Werke und Gesamtausgaben von Schweizer Literatur als Donation übergeben. Und so kommt es, dass Zehntausende Deutsch sprechender Kubanerinnen und Kubaner Friedrich Dürrenmatt, Hugo Lötscher, Friedrich Glauser, Max Frisch und viele weitere Schweizer Autoren lesen und damit auch das Land kennen lernen.
Die Catedra Humboldt kannte schon bessere Tage
Der zweite Pfeiler des deutschen Sprach- und Kulturerbes in Havanna stellt die Catedra Humboldt dar. Es handelt sich dabei um einen Lehrstuhl für deutsche Sprache, welcher der Universität von Havanna angegliedert ist. Der Bau, wo die Catedra Humboldt in der Nähe der Universität von Havanna untergebracht ist, zeigt, dass der Lehrstuhl für Deutsch und Germanistik seit dem Fall der Berliner Mauer leidet. Das Gebäude der Catedra Humboldt ist baufällig.
Das Institut verfügt über rund 6000 Bücher und 100 Videos in deutscher Sprache. Auch hier kamen in der Vergangenheit immer wieder Besucher aus der Schweiz vorbei und brachten Bücher in deutscher Sprache. Gelegentlich lasen auch Schriftsteller aus der Schweiz in der Catedra Humboldt aus ihren Werken vor.
Das Büchersortiment hat seit dem Systemwechsel geändert. Als es die DDR noch gab, lasen die kubanischen Germanisten Anna Seghers und Erwin Strittmatter; heute gibt es in der Bücherei der Catedra Humboldt sehr viele Autoren aus der Bundesrepublik Deutschland und aus der Schweiz.
Für die kubanischen Wissenschafter sind Bücher in deutscher Sprache unverzichtbar, wie René Caparrós erklärt: "Im Bereich der Medizin, der Chemie und der Biotechnologie erscheinen viele Lehrbücher und Zeitschriften in deutscher Sprache. Wenn wir in Kuba in diesen Fachgebieten an der Spitze bleiben wollen, müssen wir diese Publikationen sofort haben und sie auch in der Originalsprache lesen können", meint Caparrós.
swissinfo, Erwin Dettling, Havanna
Alexander von Humboldt
Alexander von Humboldt (1769-1859) war Naturforscher und Forschungsreisender, Universalgenie und Kosmopolit, Gelehrter und Mäzen.
1799 brach er in die Neue Welt auf. Es war die erste Reise dieser Zeit, die aus rein wissenschaftlichen Gründen unternommen wurde. Diese Reise wurde später als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert.
Mit seinem Kapitel über das Sklavenwesen bekannte sich Alexander von Humboldt zu einer humanistischen Verantwortung eines jeden Wissenschafters.
Er argumentierte vehement gegen die Zustände, in denen die schwarze Sklavenbevölkerung lebte, und stellte damit seine Länderkunde in den Dienst der Menschenrechte.