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Mit dem WM-Ort Åre verbindet Loïc Meillard überaus gute Erinnerungen. Vor zwei Jahren gewann er hier seine insgesamt zweite und dritte Goldmedaille an einer Junioren-WM – im Riesenslalom und in der Kombination. Im letzten März schaffte der 22-jährige Romand im mittelschwedischen Ski-Ort nahe der norwegischen Grenze seine bis dahin beste Platzierung im Weltcup, als er beim Saisonfinale im Riesenslalom Vierter wurde.
Welches ist das erste Ereignis an einer Ski-WM, an das du dich als kleiner Junge erinnern kannst?
Ich erinnere mich nur vage an die Ski-WM 2007 in Åre. Der Podestplatz von Daniel Albrecht im Riesenslalom ist mir aber geblieben. Die Ski-WM 2009 in Val d'Isère ist mir hingegen noch recht präsent. Ich habe mir alle Rennen angesehen. Besonders beeindruckt war ich von Carlo Jankas Riesenslalom-Läufen – und davon, wie steil die Strecke La Face de Bellevarde insbesondere für die Speedrennen ist.
Hattest du in dieser Zeit, in deiner Jugend, ein Idol, dem du nacheifern wolltest?
Ich hatte niemals nur ein Idol. Mich inspirierten mehrere Skifahrer, darunter Didier Cuche, Carlo Janka, Bode Miller und Ted Ligety. Ich habe versucht, mir von jedem etwas abzuschauen, um daraus meinen eigenen Stil zu entwickeln.
In den letzten zwei Jahren war ich zweimal in Åre - beide Male ist es für mich gut gelaufen.
Mit dem diesjährigen WM-Ort Åre verbindest du sehr gute Erinnerungen. Im letzten März hast du hier dein bis dahin bestes Weltcup-Ergebnis realisiert - einen 4. Platz im Riesenslalom. Ist so etwas im Hinterkopf, wenn man wieder an diesen Ort zurückkommt?
Das gibt natürlich Selbstvertrauen. In den letzten zwei Jahren war ich zweimal in Åre, zunächst an der Junioren-WM und später am Weltcup-Finale. Beide Male ist es für mich gut gelaufen. Auf dieser Piste habe ich mich wohl gefühlt, und ich kann es kaum erwarten, dort wieder an den Start zu gehen. Denn es ist durchaus möglich, dass ich dabei einmal mehr gut abschneide.
Du giltst für viele Experten als eines der grössten Talente im alpinen Ski-Weltcup. Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf, wenn du mit solchem Lob konfrontiert wirst? Spürst du zusätzlichen Druck?
Zusätzlichen Druck verspüre ich nicht. Mir ist bewusst, dass ich relativ früh in den Weltcup eingestiegen bin. Schaut man sich die Fahrer an, die die Ranglisten aktuell anführen, zeigt sich jedoch, dass einige dieser Athleten noch deutlich früher dran waren als ich. Es stimmt, dass das für mich alles recht schnell gegangen ist. Ich versuche aber, meinen Weg zu gehen und mich auf mein Skifahren zu konzentrieren. Wir werden sehen, wohin das führt.
Kurz vor Weihnachten hast du deine ersten beiden Podestplatzierungen im Weltcup herausgefahren. Damit ging für dich ein Traum in Erfüllung. Was hat nach diesem Erfolg überwogen? Die Freude oder die Erleichterung, dieses Ziel erreicht zu haben?
Die Freude! Es hat Spass gemacht, es aufs «Treppchen» zu schaffen – und noch dazu an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in zwei unterschiedlichen Disziplinen. Das war wirklich etwas ganz Besonderes.
Je anspruchsvoller eine Strecke ist, desto besser fährst du. Worauf führst du diese Stärke zurück?
Als Kind haben mich meine Eltern bei allen Schneeverhältnissen zum Skifahren mitgenommen. Dadurch habe ich technische Fähigkeiten entwickelt, die mir heute unter schwierigen Bedingungen auf anspruchsvollen Pisten zugutekommen. Nach wie vor fahre ich zum Spass Pulverschneehänge und Buckelpisten hinunter, wenn sich die Gelegenheit bietet. Meiner Meinung nach hilft mir das auch auf besonders schwierigen Wettkampfpisten.
In welchen Bereichen hast du dich auf diese Saison hin am meisten verbessert?
Im Vergleich zur letzten Saison habe ich besonders daran gearbeitet, mich auf die verschiedenen Schneearten und Disziplinen einzustellen. Ich hoffe, dadurch konstanter und präziser zu fahren und den Druck auf meine Ski besser den äusseren Bedingungen anpassen zu können.
Eine deiner fünf Medaillen an Junioren-Weltmeisterschaften hast du im Super-G gewonnen. Sind dereinst auch Weltcup-Starts in den Speed-Disziplinen geplant - oder fokussierst du dich in den kommenden Jahren auf Riesenslalom und Slalom?
Mein Ziel ist es, nach und nach auch im Super-G Erfahrungen zu sammeln, die Pisten kennenzulernen und zu schauen, wie es läuft. Riesenslalom und Slalom haben für mich aber auf jeden Fall auch weiterhin Priorität.
Wie kannst du am besten vom Skifahren abschalten und auf andere Gedanken kommen?
Wenn ich zu Hause bin, nutze ich die Pisten in meiner Umgebung, gehe zum Freeriden oder auf eine Skitour. So erhole ich mich von der Wettkampfanspannung. Und in den Trainings- und Wettkampfphasen hilft mir die Fotografie dabei, mich auf andere Dinge zu konzentrieren. Zusammen mit meinen Teamkollegen an einem rennfreien Tag etwas völlig anderes zu unternehmen, ist ebenfalls ein gutes Mittel zur Entspannung.
Deine Schwester Mélanie macht nach zwei Operationen am Knie schwierige Zeiten durch. Du erlebst derzeit also auch die Schattenseiten des Skirennsports sehr nah mit. Wie gehst du respektive wie geht ihr als Familie damit um?
Verletzungen gehören, wie wir wissen, leider zu unserem Sport dazu. Als Athlet oder Athletin geht man Risiken ein. Entsprechend häufig sind Blessuren. Natürlich ist niemand glücklich, wenn so etwas seiner Schwester zustösst. Mélanie hat sich aber ihre positive Einstellung bewahrt. Sie ist fest entschlossen und äusserst motiviert, ihr Comeback auf höchstem Niveau zu feiern. Wir anderen sind für sie da, um sie zu ermutigen und zu unterstützen.