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(Fieber, 1853)
- DE: Gestreifte Südschrecke
- EN: Striated Bush-cricket
- FR: La Decticelle striolée
- Syn.: Thamnotrizon appendiculatus Brunner von Wattenwyl, 1861
Morphologie
Die Grundfarbe von Pachytrachis striolatus variiert von hellbraun bis braun. Kopf, Halsschild und die ersten Hinterleibssegmente sind unregelmässig schwarz gezeichnet. Die Halsschild-Seitenlappen sind am Unter- und Hinterrand breit und hell gesäumt. Sie weisen in der Mitte einen Bereich auf, der von einem hellen Streifenmuster durchzogen ist. Die Vorderflügel ragen beim Männchen 2-3 mm, beim Weibchen kaum 1 mm unter dem Halsschild hervor. Die langen Hinterbeine tragen ein schwarzes Streifenmuster. Die schlanken, langen Cerci der Männchen sind leicht nach innen gebogen und ohne Innenzahn. Sie sind weniger kräftig als bei den Pholidoptera-Arten. Die fast körperlange Legeröhre des Weibchens ist gerade bis leicht nach unten gebogen und am Ende oben abgeschrägt. Die Larven sind vor allem auf der Körper- und Bauchseite grünlich und auf der Körperoberseite kontrastreich hell-dunkel längsgestreift.
Gesang
Pachytrachis striolatus ist hauptsächlich nachtaktiv. Der leise Spontangesang besteht aus Einzelsilben, wobei Öffnungs- und Schliessbewegung stimmhaft sind. Es werden häufig 2-6 solche Silben in Abständen von 1-2 s aneinander gereiht, bevor eine längere Pause folgt. Manche Männchen am Mt. Caslano (TI) äusserten die Silben z.T. minutenlang in regelmässigen Abständen. Beim Wechselgesang antworten sich die Männchen in einem sehr kleinen Zeitfenster, so als würde ein einzelnes Männchen zwei Silben aneinander reihen. Bei jeder Silbe wird der Körper ruckartig bewegt. Der Gesang ist bei guten Bedingungen knapp 10 m weit hörbar, meist wird er aber durch andere nachtaktiven Arten wie Tettigonia viridissima oder Eupholidoptera chabrieri übertönt. Bei der Suche nach Pachytrachis striolatus ist man daher auf die Hilfe eines Ultraschall-Detektors angewiesen. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum zwischen 20 und 40 kHz.
Spontangesang von Pachytrachis striolatus - CH, TI, Mt. Caslano, 24 °C, nachts.
Spontangesang von Pachytrachis striolatus - CH, TI, Mt. Caslano, 24 °C, nachts.
Einzelne Silbe aus dem Spontangesang von Pachytrachis striolatus - CH, TI, Mt. Caslano, 24 °C, nachts.
Verbreitung
Pachytrachis striolatus ist von Montenegro im Süden entlang der Dalmatinischen Küste, Istrien und den italienischen Alpen bis in die Südschweiz verbreitet. In Italien sind die grössten Vorkommen in den Regionen Venetien und Friaul-Julisch Venetien bekannt. In der Schweiz lebt Pachytrachis striolatus nur an wenigen Südhängen am Luganersee. Bekannte Standorte liegen auf der Halbinsel am Mt. Caslano und bei Morcote. Es ist wahrscheinlich, dass an den steilen, felsigen Berghängen entlang des Luganersees noch weitere, unentdeckte Standorte vorkommen.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Pachytrachis striolatus findet man von Ende Juli bis Oktober.
Die Eier werden in den Boden gelegt. Die Larven durchlaufen 7 Stadien und weisen besonders in den frühen Larvenstadien eine charakteristische hell-dunkel Zeichnung auf, die mit jedem Stadium etwas mehr verblasst und bei den ausgewachsenen Tieren nur noch als heller Saum auf dem Rücken erkennbar ist. Pachytrachis striolatus ist vorwiegend nachtaktiv, hält sich aber in den Morgenstunden gerne an der Sonne auf.
Lebensraum
Pachytrachis striolatus ist wärme- und trockenheitsliebend. Man findet die Art auf Waldlichtungen, an Waldrändern mit Gebüschen und in lichten Wäldern mit einer gut entwickelten Kraut- und Strauchschicht. In der Schweiz werden felsige und trockene Hänge mit hochwüchsigen Gräsern und Sträuchern besiedelt. Die Tiere halten sich gerne auf den unteren Blättern in der Strauchschicht auf und steigen kaum auf höhere Strukturen.
Gefährdung & Schutz
Pachytrachis striolatus gilt in der Schweiz wegen der geografischen Restriktion als vom Aussterben bedroht. Dazu kommt, dass sie in der Gegend des Mt. Brè bei Lugano seit 1961 nicht wiedergefunden wurde. Am Mt. Caslano gibt es allerdings beständige Vorkommen. Die grösste Bedrohung für die trockenheits- und wärmeliebende Art geht von der Isolation und der Verbuschung und Verwaldung der letzten kleinen Lebensräume aus. Durch Entbuschungsmassnahmen und Auflichten kann Pachytrachis striolatus gefördert werden. Von einer extensiven Beweidung scheint sie zu profitieren, wie eigene Beobachtungen auf dem Balkan zeigten.
- CH: CR (Vom Aussterben bedroht)
- DE: Abwesend
- AT: Abwesend
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Pachytrachis striolatus kann in erster Linie mit den Pholidoptera-Arten verwechselt werden. Die Männchen der Pholidoptera-Arten haben alle einen Innenzahn an den Cerci und die Legeröhre der Weibchen sind gerade bis leicht nach oben aber nie nach unten gebogen. Ihnen fehlt auch das für Pachytrachis striolatus typische Fischgrätmuster auf der Aussenseite der Hinterschenkel. Yersinella raymondii ist deutlich kleiner und zierlicher. Die Cerci der Männchen sind abgeflacht und die Legeröhre der Weibchen ist nach oben gebogen. Das Weibchen von Antaxius pedestris hat kein deutliches Fischgrätmuster auf den Hinterschenkeln und ist am Halsschild weniger kontrastreich gezeichnet. Die Cerci der Männchen von Antaxius pedestris sind breit abgeflacht. Im US-Detektor ist der Gesang kaum von demjenigen von Phaneroptera falcata zu unterscheiden. Die Silben von Phaneroptera falcata dauern etwas länger, dies ist aber kaum wahrnehmbar. Die Silben der Leptophyes-Arten sind wahrnehmbar kürzer. Bei hohen Temperaturen können die Verse von Pholidoptera griseoaptera an die Silben von Pachytrachis striolatus erinnern. Nachts, wenn Pachytrachis striolatus singt, sind die Temperaturen aber tiefer, so dass die Verse von Pholidoptera griseoaptera länger dauern.