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Strich in der Mitte nach links schieben und wundern!
Über das Krisenjahr 1873 konnte der Kleine Rat von Basel in seinem Verwaltungsbericht immerhin ausführen: «Glücklicherweise wurden wir durch die althergebrachte grössere Solidität, womit die Geschäfte auf unserm Platz getrieben werden, und durch den Umstand, dass das hiesige Kapital noch immer die Anlage in sicheren Wertpapieren derjenigen in Effekten aleatorischer Art vorzieht, so dass unser Platz mit letztem nicht allzusehr belastet war, vor grösseren Kalamitäten bewahrt. Immerhin ist so schon des Verlustes genug.» Das waren noch Zeiten: 1881 hatte das Basler Tefefonbuch auf einer Seite Platz. In der Stadt lebten da gerade einmal 25'000 Einwohner. Eine Droschkenfahrt vom Centralbahnhof zum Marktplatz kostete einen Franken zwanzig und das Rösslitram rumpelte über die Strecke vom Badischen Bahnhof ebenfalls zum Centralbahnplatz.
Verstrickt in Finanzgeschäfte
So gemütlich die Rheinstadt damals auf den ersten Blick wirkt, so verstrickt war sie in Finanzgeschäfte. Am Bankverein und am Marktplatz waren wichtige Banken entstanden. Erste Makler betrieben in Basel schon einen «Sensalen-Markt» im «Börsengebäude», also der heutigen Hauptpost, Autor Hans Bauer beschreibt den frühen Handel so: Die Sensale hatten die Pflicht, wenigstens zweimal wöchentlich ein Kursblatt für den Platz Basel «auf Grund der eigenen Wahrnehmungen und der geschlossenen Geschäfte» zu redigieren und den Kurs auch in das Kursblatt aufzunehmen, «wenn von Aktien und anderen Effekten ein öfterer Umsatz auf hiesigem Platz stattfindet».
Während sich bald ein «globalisierter Handel» mit Wertpapieren in Basel durchsetzen sollte, ging es zu Anfang noch ganz gemütlich zu und her: «Täglich kamen die Mitglieder zur festgesetzten Stunde zwischen elf und zwölf Uhr im Telegraphenbureau, später in der Post zusammen, um Informationen auszutauschen, Angelegenheiten des Warenhandels zu besprechen und Usancen festzulegen. Es blieb zunächst bei einer Organisation der Kaufleute, der sowohl die Industriellen als auch die Banquiers fernblieben.»
Edmund Wyss von der damaligen Basler Regierung schreibt zum hundertsten Geburtstag der Basler Börse 1976: «Die Börse ist nichts Isoliertes. Und so ist auch die Geschichte einer Börse zugleich ein Stück Wirtschafts-, ja sogar ein Ausschnitt der Weltgeschichte. Krieg und Frieden, Vollbeschäftigung und Arbeitslosigkeit, Stabilität und Krise sind an der Börse messbar und spürbar, auch an einer kleineren Börse wie der Basler.»
Acht Milliarden Franken vernichtet
So klein war sie aber anfangs nicht: «Als unsere Börse Anno 1876 ihre Tätigkeit aufnahm, war Basel dank seiner handelspolitisch bevorzugten Lage ein Zentrum der Kapitalbildung und Kapitalvermittlung von europäischem Rang.» Fieberhaft wurde Ende des 19. Jahrhunderts etwa mit Eisenbahnwertpapieren gehandelt. Bis zum Kriegsausbruch 1914 boomte die Industrialisierung und weltweit eröffneten Banken und Börsen, die bald auch von einem heftigen ersten Börsenfieber geschüttelt wurde. Zu Beginn des ersten Weltkrieges waren an der Basler Börse 11 Milliarden im Umlauf. Bis auf zwei Milliarden wurde das gesamte Kapital vernichtet. Natürlich ist das kein Vergleich mit heute: Heute werden auf dem Schweizer Handelsplatz alleine mit den Hauptindices rund 42 Milliarden Franken umgesetzt.
Von einer Krise zur nächsten
Physisch war die Börse seit 1906 an der Marktgasse 8 untergebracht. Die gemütlichen Treffen der Kaufmänner im «Telegraphenbureau» waren vorbei. Der hektische Börsenhandel am Ring war entstanden. Im ersten Weltkrieg schottete sich die Schweiz weitgehend ab und schloss ihre Börsen. Auch die Nachkriegsdepression hinterliess ihre Spuren. Nach einem kurzen Höhenflug in den «Golden Twenties» folgte 1928 schon der nächste Absturz mit dem New Yorker Börsencrash von 1929. Trotz der wirtschaftlichen Verwerfungen wurde es der Basler Börse trotz der Eröffnung eines zweiten Ringes an der Marktgasse 8 zu eng, so dass die Börse 1986 an den Aeschenplatz zügelte. Zehn Jahre später war dann aber endgültig Schluss. Die Schweizer Börsen schlossen sich zum Swiss Market Exchange zusammen.
Ganz pragmatisch schreibt Chronist Hans Bauer noch zum hundertjährigen Jubiläum 1976: «Sie (die Verstaatlichung der Basler Börse Anm. der Redaktion) hat, als Folge der damaligen Meinungsbildung, zwar keine Wunder vollbracht, doch hatte sie eine gute psychologische Wirkung und schützt damit die Börse als Institution in kritischen Phasen vor Anfechtungen, wie sie in den achtziger und neunziger Jahren in Erscheinung getreten sind.» Falscher konnte man die Situation nicht einschätzen. Denn nicht nur fielen nach der Erdölkrise von 1974 reihenweise weltweit alle Handelskartelle, sondern auch der technische Fortschritt liess sich nicht mehr aufhalten. So dass anfangs der 80er bald abschätzbar, dass nur ein «neutraler Marktplatz», also eine von finanziellen Interessen unabhänige Börse erfolgreich sein würde. Drum schlossen sich die verbliebenen kantonalen Schweizer Börsen von Zürich, Genf und Basel 1996 zum «Swiss Exchange» in Zürich zusammen. Und damit war die turbulente Geschichte der Basler Börse zu Ende.
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