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Erneut zeigte sich, wie sehr das Theater-Spektakel-Publikum zirzensische Produktionen liebt: Er ging an das junge australische Quintett Casus Circus, das mit seinem liebenswürdigen Akrobatikprogramm «Driftwood» das Publikum im Sturm eroberte.
Der Förderpreis versteht sich als Auszeichnung für eine Gruppe, einen Einzelkünstler oder eine Einzelkünstlerin aus den Bereichen Theater, Tanztheater oder Performancekunst, der/die einen innovativen und unverwechselbaren Umgang mit neuen Theaterformen pflegt. Der Preis ist dazu bestimmt, eine Gruppe oder einzelne ihrer Mitglieder bei einer geplanten Arbeit zu unterstützen. Er wird einer Aufführung zugesprochen, deren Uraufführung nicht länger als drei Jahre zurückliegt und die das freie Theaterschaffen auf besondere Weise repräsentiert. Der Förderpreis ist mit 30'000 Franken dotiert.
Die Festivalleitung nominiert aus dem Programm des Zürcher Theater Spektakels fünf bis sieben Produktionen, die den genannten Kriterien entsprechen. Bevorzugt werden Produktionen von KünstlerInnen, deren Arbeit noch nicht auf allgemeine Anerkennung stösst. Frühere Gewinner des Preises sind von einer erneuten Nominierung ausgeschlossen.
Preisträger 2018: Silke Huysmans & Hannes Dereere (Brasilien, Belgien)
Mit dem ZKB Förderpreis 2018 wurde das belgische Künstlerduo Silke Huysmans & Hannes Dereere für ihre dokumentarische Theater-Performance «Mining Stories» ausgezeichnet. Die Jury lobte insbesondere, dass das Duo «im vollen Bewusstsein unserer visuell orientierten Repräsentationskultur auf eine eindrucksvoll vielschichtige, aber dennoch simple Inszenierungsstrategie setzt, in der die Stimme den Bildern vorgezogen wird. Sie generieren so einen offenen Raum, in dem die Zuschauenden sich jeweils individuell mit der vermeidbaren Umweltkatastrophe in Beziehung setzen und eigene Schlüsse ziehen können.»
Die ausführliche Begründung der Jury finden Sie hier
Der Anerkennungspreis erlaubt eine zusätzliche Würdigung oder Förderung eines der Nominierten. Er wird einer Gruppe, einem Einzelkünstler oder einer Einzelkünstlerin für eine ausserordentliche Leistung verliehen, zum Beispiel im Bereich Choreografie, Dramaturgie, Publikumseinbezug oder Schauspielkunst. Der Anerkennungspreis ist mit 5000 Franken dotiert.
Seit der Lancierung des Programmschwerpunktes «Short Pieces» 2012 sind jeweils alle in diesem Rahmen gezeigten Produktionen für den Anerkennungspreis nominiert, sofern die KünstlerInnen nicht bereits einmal für den ZKB Anerkennungspreis nominiert waren.
Preisträger 2018: Youness Atbane & Youness Aboulakoul (Marokko)
Mit dem ZKB Anerkennungspreis wurde das marokkanische Duo Youness Atbane & Youness Aboulakoul ausgezeichnet, das in seiner Performance «The Architects» in lustvoller Weise entlarvt, wie Kunst und Markt zusammenspielen.
Die ausführliche Begründung der Jury finden Sie hier
Eine unabhängige Jury, bestehend aus fünf Fachpersonen, entscheidet über die Vergabe der Preise. Die Jury wird von der Festivalleitung bestimmt und von einem ihrer Mitglieder präsidiert. Diese Person übt kein Stimmrecht aus. Die Beratungen der Jury sind nicht öffentlich; begründet wird lediglich der Entscheid für die ausgezeichnete Produktion. Die Jury gibt ihre Entscheide am letzten Wochenende des Festivals im Rahmen einer Preisverleihungsfeier bekannt.
Mitglieder der Jury 2018 waren:
(*1993) Kulturmanagerin. Sie hat in Edinburgh Kulturmanagement studiert und ist seit 2016 Geschäftsleiterin des D-CAF Downtown Contemporary Arts Festival in Kairo, des einzigen internationalen multidisziplinären Kulturfestivals in Ägypten. Als Assistenzkuratorin arbeitet sie zudem beim D-CAF Arab Arts Focus mit, einer Plattform für arabische Performing Arts.
(*1989) Dramaturgin, Tanz- und Theaterwissenschaftlerin. Sie wuchs in Bolivien auf und studierte Tanz- und Theaterwissenschaft, Germanistik und World Arts an den Universitäten Bern und Paris 8. Seit 2013 arbeitet sie mit der Choreografin und Performerin Emma Murray zusammen. Dabei entstanden Bühnenstücke wie «the way you look tonight» (2015) und «Mother*Fuckers» (2017). Seit 2017 ist sie Assistentin am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern, wo sie im Bereich Tanz forscht und lehrt.
(*1977) Theaterwissenschaftlerin und Journalistin. Sie hat an der Goldsmiths, University of London, Theater studiert und sich danach am Martin E. Segal Theatre Center in New York weitergebildet. Während 15 Jahren hat sie als Theaterkritikerin für japanische Zeitungen gearbeitet. Seit 2015 ist sie Leiterin von Scene/Asia, einer Plattform asiatische Performing Arts. 2017 war sie Beraterin für das Asien-Programm des SPIELART Festivals 2017 in München.
(*1970) Kuratorin, Dramaturgin und Rechercheurin für Performing Arts. Sie hat Performing Arts und Kulturmanagement studiert. Von 1999 bis 2009 war sie in verschiedenen Funktionen für das Festival Alkantara in Lissabon tätig, zuletzt als künstlerische Leiterin von Alkantara Space. Von 2012 bis 2014 war sie künstlerische Leiterin des Festivals Panorama in Rio de Janeiro. Seit 2015 ist sie Kuratorin für internationale Projekte bei der Plattform Movimento Sur in Chile. Aktuell arbeitet sie als Kuratorin des internationalen transdisziplinären Festivals Verão Azul 2018 in Portugal.
(*1987) Regisseurin, künstlerische Aktivistin und Projektleiterin. Sie wuchs in Brasilien und in der Schweiz auf und studierte zeitgenössischen Tanz an der Ailey School in New York und Theaterregie an der ZHdK. Sie ist Gründungsmitglied des transdisziplinären KünstlerInnenkollektivs Neue Dringlichkeit und realisierte verschiedene künstlerische Projekte in Deutschland, Russland, Israel und der Schweiz. 2014 war sie Teilnehmerin des «watch&talk»-Programmes. Von 2015 bis 2017 verantwortete sie als Ko-Kuratorin das Programm der Zentralbühne am Theater Spektakel. Seit 2017 ist sie Netzwerkerin für das digitale Magazin «Republik».
Es war im Vorfeld des Zürcher Theater Spektakels 1996, als der im Sommer 2009 allzu früh verstorbene Theatermann Markus Luchsinger, Mitglied der Festivalleitung von 1990 bis 2001, mit der Idee eines Förderpreises an die Zürcher Kantonalbank gelangte. Keine ehrende Anerkennung für ein Lebenswerk, keine Würdigung vollbrachter Leistungen sollte es sein. Sondern ein Förderpreis, mit dem die Produktion einer jungen, innovativen, noch unbekannten Gruppe oder eines Einzelkünstlers aus dem Festivalprogramm ausgezeichnet werden sollte. Der Preis würde jährlich im Rahmen des Festivals verliehen werden und müsste so hoch dotiert sein, dass er einen substanziellen Beitrag zu einer weiteren Produktion der Preisträger darstellte. Kurz: Es sollte ein Preis sein, der über den Tag hinaus Wirkung hat.
Die Idee fand bei den Verantwortlichen der Zürcher Kantonalbank offene Ohren, entsprach ein solcher Preis doch in geradezu idealer Weise den Grundgedanken des nachhaltigen kulturellen Engagements dieser Bank, die bereits seit mehreren Jahren das Festival als einer der drei Hauptsponsoren unterstützte. Unbürokratisch wurden Nominationskriterien und das Prozedere von Jurierung und Preisverleihung diskutiert und festgelegt, und noch im selben Jahr konnte der damals mit 20'000 (heute 30'000) Franken dotierte ZKB Förderpreis von einer hochkarätigen Fachjury erstmals verliehen werden.
Heute blicken wir mit Freude, Dankbarkeit und auch etwas Stolz zurück. Da ist zum einen die Kontinuität: Ein derart langfristiges Engagement im Kulturbereich, wie es der ZKB Förderpreis darstellt, ist alles andere als selbstverständlich und ermöglicht es der Festivalleitung, im Bereich Nachwuchsförderung eine über das aktuelle Festival hinausreichende Perspektive zu entwickeln.
Da ist zum anderen die Nachhaltigkeit: Die Liste der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger belegt eindrücklich, dass der dem Preis zugrunde liegende Fördergedanke Früchte getragen hat: Ob Stefan Pucher, 400asa, Sarah Michelson, The Living Dance Studio, 600 HIGHWAYMEN, Eisa Jocson oder Omar Abusaada & Mohammad Al Attar – sie alle haben das Vertrauen in ihre innovative Kraft gerechtfertigt und beeindruckten auch mit ihren Folgearbeiten. Davon konnte sich auch das Publikum überzeugen: Von den meisten dieser als förderungswürdig erachteten Künstlerinnen und Künstlern war an einem der nächsten Festivals eine weitere Produktion zu sehen.
Und da ist zum Dritten die Wirkung: Die Schaffung des Förderpreises hat zur Profilierung des Festivalprogramms beigetragen, hat sich doch der Vermerk «Nominiert für den ZKB Förderpreis» im Laufe der Jahre als eigentliches Label für spannende eigenständige Nachwuchs-Produktionen etabliert, das die Aufmerksamkeit eines interessierten Publikums auf die Arbeiten dieser noch unbekannten Künstler und Künstlerinnen lenkt. Schenken Sie also den nominierten Produktionen ein ganz besonderes Augenmerk. Sie verdienen es.
Förderpreis: Silke Huysman & Hannes Dereere, Brasilien, Belgien: Mining Stories
Anerkennungspreis: Youness Atbane & Youness Aboulakoul, Marokko: The Architects
Publikumspreis: Casus Circus, Australien: Driftwood
Förderpreis: Wojtek Ziemilski & Nowy Teatr, Polen: Jeden gest (Eine Geste)
Anerkennungspreis: Fatoumata Bagayoko, Mali: Fatou t'as tout fait
Publikumspreis: Lukas Avendaño, Mexiko: No soy persona. Soy mariposa
Förderpreis: Omar Abusaada & Mohammad Al Attar, Syrien: While I Was Waiting
Anerkennungspreis: Sorour Darabi, Iran: Farci.e
Publikumspreis: Gravity & Other Myths, Australien: A Simple Space
Eine vollständige Übersicht über die PreisträgerInnen seit 1996 finden Sie hier