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Visualisierungen Andreas Müller Architekten AG
Wettbewerb Neubau Laborgebäude, EAWAG, Empa Dübenforf 2016
Das Areal der Empa ist geprägt durch die 50er-Jahre Bauten von Werner Forrer, der den Campus in einem rechteckigen Muster angelegt hat. Die rechteckige Bebauungsstruktur endet vor der Zäsur des Chriesbaches mit abgetreppten Gebäuden und schafft so sägezahnartige Räume. Der mit Mauern gebändigte Chriesbach durchfliesst das Areal rasterwidrig in einer leichten Mäandrierung. Die Gebäude jenseits des Chriesbaches bilden den Auftakt für eine weitere Bebauung im rechteckigen Muster, das gegenüber dem Muster des Empa Campus um 30° abgedreht ist. Das Grundstück liegt in der Scharnierzone der beiden voneinander abgedrehten Bebauungsmuster.
Die Entwurfsidee besteht darin, die flexiblen Räume für die Labore pro Abteilung in zwei Blöcke aufzuteilen und für jede Abteilung ein Stockwerk vorzusehen. Die sich daraus ergebenden zwei fünfgeschossigen Volumen werden im Winkel, der die Biegung des Flusses abbildet, gegeneinander abgedreht. Rechtwinklig zum kleineren Laborblock schliesst sich der kleinere Büroblock an. Dadurch ergeben sich vier besonnte Fassadenfronten. Diese vier Fronten werden durch den abgewinkelten Gebäudeteil mit den Nasszellen und den Fluchttreppentürmen zu einem unregelmässigen Sechseck vervollständigt. Die Positionierung des Gebäudes betont den natürlichen Flussraum und bildet die übergeordnete städtebauliche und landschaftliche Bedeutung des Flusses im rigiden Bebauungsraster ab.
Diese geschmeidige Form passt sich gut in die durch verschiedene Abstandslinien reduzierte Perimeterfläche ein und wandelt die Einschränkungen des Grundstücks in Vorteile um. Die abgewinkelte Form des Gebäudes erlaubt es, die Strasse nur leicht verlegen zu müssen und die Strassenführung bereits in der Fernsicht von der Eduard-Amstutz-Strasse her lesbar zu machen. Durch die grossen Radien der Strasse ist der ganze Bereich zwischen der neuen Strassenführung und der Bahnlinie für die Parkierung nutzbar. Der grössere Teil der Labors liegt in den Grundflächen, in denen der NIS-Einfluss kleiner als ein Mikrotesla ist.
Die durch die Laborgeometrie bestimmt Rohbaustruktur zieht sich durch das ganze Gebäude vom Untergeschoss bis ins Dachgeschoss und der geplanten Aufstockung durch. Die im Innern zwischen den einzelnen Laborblöcken entstehenden unregelmässigen Räume dienen der Erschliessung und der Begegnung. Damit sich dort keine brandschutztechnischen Massnahmen störend auswirken, sind dem Gebäude umlaufende Fluchtbalkone vorgelagert, die auf der Nordseite des Gebäudes in zwei offene Fluchttreppentürme münden. Dadurch bleibt der von oben belichtete innere Erschliessungsraum offen, mit Sichtbezügen über alle Stockwerke hinweg, was abwechslungsreiche Aufenthaltsräume und Begegnungszonen schafft.
Die vertikale Schichtung der Fluchtwege sowie die Fenster und Fassadenplatten im regelmässigen Achsabstand bestimmen den architektonischen Ausdruck des Gebäudes. Es kommen nur wenige Materialien zum Einsatz: Beton für die Fluchtbalkone und die Fassadenverkleidung des Erdgeschosses, Faserzementplatten für die hinterlüftete Fassade, eloxiertes Aluminium für die Fensterrahmen sowie einbrennlackierter Flachstahl für die Balkonbrüstungen. Die Rigidität der Fassade wird aufgelockert durch die Richtungsänderungen des sechseckigen Grundrisses, die nach aussen geneigten Balkonbrüstungen und die aussenliegenden Fluchttreppen. Das durch die geforderte Flexibilität an sich strenge Laborgebäude erhält so ein Quantum Expressivität und Unverwechselbarkeit.
Die Anordnung der Labore und der Steigzonen entspricht dem neuesten Stand der Technik: Pro Geschoss sind zwei Openspace-Laborzonen vorgesehen, die westliche grössere mit 6 Achsen und die östliche kleinere mit 4 Achsen. Beide Laborzonen weisen eine Tiefe von 11.75 m auf. Der Deckenraster besteht in den Achsen aus 100 mm breiten Profilen, was eine achsweise Teilung der Laborfläche ermöglicht. Senkrecht zu den Achsen wird der Deckenraster aus 50 mm breiten Profilen gebildet für die flexible Tiefenteilung.
Pro Openspace-Laborzone ist seitlich eine Steigzone über die ganze Tiefe des Labors angeordnet. Darin sind alle Medien mit Ausnahme der Entwässerung untergebracht. Von der Steigzone aus werden alle Medien mit Stichleitungen und gut zugänglichen Absperrventilen in die Laborzone geführt, wo sie achsweise abgenommen und feinverteilt werden. Pro Openspace-Labor werden so nur 2 Brandschutzklappen benötigt.
Diese Anordnung ermöglicht eine kreuzungsfreie, kammförmige Installation aller Gewerke. Die Labore können als ganze, zusammenhängende Grosslabore betrieben werden oder lassen sich jederzeit achsweise und auch in der Tiefe flexibel unterteilen und separat mit Medien bedienen.