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Historische Entwicklung des Netzes von Freihandelsabkommen
Das Netz der Freihandelsabkommen der Schweiz besteht zu einem grossen Teil aus Abkommen, welche von den Mitgliedstaaten der EFTA gemeinsam abgeschlossen worden sind.
In einer ersten Phase (seit Beginn der 1990er Jahre) schlossen die EFTA-Staaten – nach ersten Abkommen mit der Türkei und Israel – hauptsächlich Freihandelsabkommen mit mittel- und osteuropäischen Staaten ab. Diese Freihandelsabkommen, welche die EFTA parallel zu ähnlichen Abkommen der EU mit diesen Staaten abschloss, dienten nicht nur der gegenseitigen Verbesserung des Marktzugangs, sondern auch der Unterstützung der Wirtschaftsreformen in den mittel- und osteuropäischen Transitionsländern. Acht dieser Freihandelsabkommen sind seit dem 01.05.2004, zwei weitere seit dem 01.01.2007 und eines seit dem 01.07.2013 nicht mehr in Kraft, da die entsprechenden Partnerstaaten auf diesen Zeitpunkt Mitglied der EU geworden sind. Die Freihandelsbeziehungen zwischen der Schweiz und den neuen EU-Mitgliedstaaten bestehen jedoch weiter, neu auf der Grundlage des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und der EU von 1972. Gegenwärtig sind EFTA-Freihandelsabkommen mit Mazedonien, Albanien, Serbien, Ukraine, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Georgien in Kraft.
Ab Mitte der 1990er Jahre wurde das EFTA-Abkommensnetz im Mittelmeerraum ausgebaut. Damit wollen die EFTA-Staaten ihre Integration im Wirtschaftsraum Europa-Mittelmeer vorantreiben. Im Rahmen dieser Bemühungen beteiligt sich die Schweiz auch aktiv an den Arbeiten zur Modernisierung des Regionalen Übereinkommens über die Paneuropa-Mittelmeer-Präferenzursprungsregeln. Gleichzeitig leisten die EFTA-Staaten mit dem Abschluss dieser Freihandelsabkommen einen Beitrag zur Förderung der euro-mediterranen Wirtschaftszusammenarbeit. Die EFTA hat bisher mit acht Mittelmeerpartnern Freihandelsabkommen abgeschlossen: Türkei, Israel, Marokko, Palästinensische Behörde, Jordanien, Libanon, Tunesien und Ägypten. Am 25. Juni 2018 wurde ein modernisiertes und erweitertes Abkommen mit der Türkei unterzeichnet.
Vor dem Hintergrund der weltweiten Tendenz zum Abschluss regionaler und vermehrt auch regionenübergreifender Freihandelsabkommen haben die EFTA-Staaten seit Ende der 1990er Jahre begonnen, ihre Freihandelspolitik auch auf Partner weltweit auszurichten. Bisher sind Freihandelsabkommen mit Mexiko, Singapur, Chile, der Republik Korea, mit den SACU-Staaten (Southern African Customs Union: Botswana, Namibia, Lesotho, Südafrika und Eswatini), Kanada, Kolumbien, dem arabischen Golfkooperationsrat (GCC: Saudi-Arabien, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kuwait und Oman), Peru, Hong Kong, den Zentralamerikanischen Staaten (Panama und Costa Rica; eventuell Guatemala) sowie den Philippinen in Kraft. Mit Ecuador wurde am 25. Juni 2018 ein Freihandelsabkommen unterzeichnet, mit Indonesien am 16. Dezember 2018. Verhandlungen sind derzeit mit Indien, Vietnam und Malaysia im Gang. Mit den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) wurden im Sommer 2020 die Verhandlungen in der Substanz abgeschlossen.
Auf bilateraler Ebene ist das Wirtschaftliche Partnerschafts- und Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und Japan seit September 2009 in Kraft. Die Schweiz war das erste europäische Land, das mit Japan ein solches Abkommen abgeschlossen hat. Ebenfalls ist am 1. Juli 2014 das bilaterale Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China in Kraft getreten. China ist nach den USA die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt und nach der EU und den USA der drittwichtigste Aussenwirtschaftspartner der Schweiz. Zudem verfügt die Schweiz über ein bilaterales FHA mit den Färöern.
Ausserdem stehen die Schweiz und die EFTA-Staaten mit anderen potenziellen Partnern wie beispielsweise Moldova oder Thailand in Kontakt, um die Möglichkeit der Errichtung von Freihandelsbeziehungen zu prüfen.
Eine aktuelle Übersicht über das Netz der Freihandelsabkommen der Schweiz sowie Verhandlungen oder deren Vorbereitung findet sich unter der Rubrik Freihandelspartner der Schweiz.