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Sie bekomme den Preis «für den Mut und die klinische Schärfe, mit der sie die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Beschränkungen der persönlichen Erinnerung aufdeckt», sagte der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm, bei der Preisbekanntgabe. Man habe sie telefonisch noch nicht erreichen können, sagte Malm.
Erster Roman 1974
Annie Ernaux wurde am 1. September 1940 in Lillebonne bei Le Havre geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Yvetot in der Normandie. Ihre Eltern betrieben ein kleines Ladengeschäft mit Café. Ernaux besuchte ein Lycée und studierte in Rouen und Bordeaux. Danach arbeitete sie als Lehrerin am Gymnasium in Bonneville, am Collège d’Évire in Annecy-le-Vieux, in Pontoise und am Centre national d’enseignement à distance.
1974 publizierte Ernaux ihren ersten autobiografischen Roman «Les Armoires vides». 1984 erhielt sie für «La Place» den Prix Renaudot. Ihr 2008 veröffentlichter Roman «Les Années» wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Ebenfalls 2008 erhielt sie den Prix de la langue française für ihr Gesamtwerk.
Annie Ernaux gilt als eine der prägendsten Stimmen der französischen Gegenwartsliteratur. Sie wird im universitären Umfeld positiv rezipiert und ihr Werk ist Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten. In der Literaturkritik wird ihr Werk vorwiegend positiv wahrgenommen, von einzelnen Stimmen allerdings auch kritisch beurteilt.
Prestigeträchtigste literarische Auszeichnung der Welt
Der Nobelpreis für Literatur gilt als die prestigeträchtigste literarische Auszeichnung der Welt. Auf der sogenannten Longlist für den Preis standen in diesem Jahr 233 Kandidaten - welche Namen darunter sind, wird alljährlich streng geheim gehalten.
Der Literaturnobelpreis geht wie die weiteren traditionellen Nobelpreise auf das Testament des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) zurück. An dessen Todestag, dem 10. Dezember, werden die Preise in Stockholm und Oslo verliehen. Dotiert sind die Auszeichnungen in diesem Jahr erneut mit zehn Millionen schwedischen Kronen pro Kategorie. Umgerechnet entspricht das knapp 920 000 Euro.
Bereits in der ersten Wochenhälfte waren die diesjährigen Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik und Chemie verkündet worden. Deutsche Preisträger waren nicht darunter, wohl aber der Schwede Svante Pääbo, der in Leipzig arbeitet. Er erhält den Medizinnobelpreis für seine Erkenntnisse zur menschlichen Evolution.
(osc/sda)