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Thurgau: Luchs-Anwesenheit auf dem Seerücken bestätigt
Seit einigen Monaten gingen bei der Jagd- und Fischereiverwaltung diverse Beobachtungen und Hinweise aus dem Gebiet des Seerückens ein, die auf die Anwesenheit eines Luchses hindeuteten. In den vergangenen Tagen wurden auf einer Schafweide oberhalb Salenstein zwei tote Schafe entdeckt, die von einem Luchs gerissen wurden. Der Jagd- und Fischereiverwaltung gelang es mit einer Fotofalle an einem gerissenen Schaf diesen Luchs fotografisch zu bestätigen.
Anfangs Juli 2011 erreichten erste Meldungen die Jagd- und Fischereiverwaltung, dass sich ein Luchs auf dem Seerücken aufhalten könnte. Diverse, unabhängige Beobachtungen von verschiedenen Personen von Berlingen bis Kesswil und der Fund von gerissenen Wildtieren erhärteten den Verdacht auf die Anwesenheit eines Luchses. Am 28. November und 10. Dezember 2011 entdeckte ein Schafhalter auf seiner Weide oberhalb Salenstein je ein totes Schaf mit geringen Bissverletzungen im Kehlbereich. Der Schafhalter schrieb den Tod des ersten Schafes einem streunenden Hund zu und hat dieses deshalb ohne weitere Abklärungen entsorgt. Das zweite tote Schaf liess der Halter in Absprache mit der Jagd- und Fischereiverwaltung für einige Tage liegen und es wurde eine Fotofalle installiert, in der Hoffnung, dass der Verursacher des Risses an seine Beute zurückkehren würde. Am 11. Dezember tappte dann tatsächlich ein Luchs in die Fotofalle und konnte als Verursacher des Risses bestätigt werden, was auch durch die Untersuchung des gerissenen Schafes durch das Tierspital Bern untermauert wird.
Luchse ernähren sich in der Regel von Wildtieren. Ihre Hauptbeutetiere sind Rehe und Gämsen. Selten werden von Luchsen auch vereinzelt Schafe gerissen. Schafe gehören aber nicht zum üblichen Beuteschema, was auch durch die Tatsache bestätigt wird, dass der Luchs von den beiden Schafen nichts gefressen hat. Der betroffene Halter wird für den Verlust der beiden Schafe durch Bund und Kanton entschädigt.
Die Herkunft des Luchses vom Seerücken ist völlig überraschend. Der Vergleich von fotografisch dokumentierten Luchsen aus der ganzen Schweiz durch Luchsspezialisten der KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) hat ergeben, dass dieses Tier aus dem Jura stammt. Dieser Luchs ist knapp zweijährig und wurde im Februar 2011 im Val St.-Imier fotografiert. Auf welchen Wegen dieses Tier die Distanz von ca. 150 km Luftlinie bis ins Seerückengebiet zurückgelegt hat, ist unbekannt. Da Luchse ein Streifgebiet von 50 bis 100 km2 beanspruchen und der Luchs vom Seerücken in der kommenden Fortpflanzungszeit (Februar-April) voraussichtlich einen Geschlechtspartner suchen wird, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass dieses Tier ein anderes Gebiet aufsuchen wird, wo bereits Luchse vorhanden sind. Die Schafhalter im Seerückengebiet werden jedoch aufgerufen, vorsichtshalber in der nächsten Zeit nach Möglichkeit ihre Schafe nachts einzustallen.