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Sojus
Sojus ist nicht nur der Name des Raumschiffs, sondern ein Programm für Jahrzehnte. (S.P.Koroljow)
Die Anfänge dieses weltweit am längsten und häufigsten verwendeten bemannten Raumschifftyps (1967 - ?) gehen auf die frühen 60er Jahre zurück. Ein grösseres und vor allem manövrierfähigeres Raumschiff für Bahnänderungen, Annäherungsmanöver, Kopplungen, für den Umstieg der Kosmonauten von einem Schiff ins andere und für längere Flüge mit besserem Komfort sollte die Wostok-Modifikation Wosschod (Wostok war die Generation Raumschiff, in der Juri Gagarin seinen Erstflug unternahm) ablösen. S.P.Koroljow konstruierte mit seinem Planungsbüro ein Mehrzweckraumschiff, das alleine oder mit anderen Objekten gekoppelt verschiedenartige Aufgaben lösen sollte. Man entschied sich für eine dreigeteilte Struktur, bestehend aus den Komponenten Geräte- und Triebwerkssektion, Kommando- und Rückkehrkabine sowie einer Orbitalsektion als zusätzlichen Aufenthaltsraum für die Besatzung. Sojus Raumschiffe waren für drei Kosmonauten ausgelegt.
Nachdem die Kapsel unbemannt getestet worden ist, wurde am 23. April 1967 der erste bemannte Test ausgeführt. Kosmonaut Vladimir Michailowich Komarov war es vergönnt den Erstflug zu unternehmen. Doch es sollte zu einem Trauerflug werden. Die Kapsel war während des Aufenthaltes im All sehr instabil und drehte sich um die eigene Achse. Nach erfolgtem Wiedereintritt geschah das Unglück. Der Bremsfallschirm öffnete sich nicht, da sich die Leinen verdreht hatten, dies als Folge des instabilen Fluges. Komarov kam dabei ums Leben.
Doch die Arbeit ging weiter. Am 14. und 15.
Januar 1969 starteten Sojus 4 und 5 zu einem Rendezvous um
den Koppelkragen zu testen. Dies gelang den beiden
Besatzungen. Da die beiden Kabinen keinen Durchstieg hatten,
stiegen zwei Kosmonauten mit Raumanzügen aus und
kletterten zu der anderen Kapsel hinüber. Die
sowjetische Presse feierte diese Kopplung als die "erste
experimentelle Raumstation" im All.
Es gibt einen direkten Abkömmling der Sojuskapsel, der nicht unerwähnt bleiben darf, Progress. Den Raumfahrtplanern war von Anfang an klar, dass bei einem Pendelverkehr zu den Orbitalstationen ( siehe Saljut & MIR) es schwierig sein wird, ausser den Kosmonauten noch den Treibstoff für die Station, Frischwasser und Atemluft sowie Lebensmittel an Bord der Sojuskapsel mitzuführen. Dringend erforderlich war also ein Materialtransporter, der von der Bodenkontrolle ferngesteuert an die Station ankoppelt. Man entwickelte diese Transporteinheit durch weglassen aller Innenanlagen und des Lebenserhaltungssystems, benutzte also nur das Gehäuse der Sojuskapsel, wobei man das Kommandomodul, weil keine Rückkehr zur Erde vorgesehen war, stark vereinfacht baute. Offiziell wurde diese Kapsel als "Progress" bezeichnet. Seit dem Start von Progress 1 am 20. Januar 1978, und der erfolgreichen Ankopplung an die Station Saljut 6 wird dieser Transporter zur Versorgung der Stationen benutzt.
Das die Sojuskapsel sehr anpassungsfähig ist, zeigte sich auch 1975 als eine Sojuskapsel der Sowjetunion mit einer Apollokapsel der USA koppelte. Diese Kopplung ging auf einen Beschluss aus dem Jahre 1970 zurück, in der die USA und die UdSSR eine "Vereinbarung zwischen den USA und der UdSSR über Zusammenarbeit in der Erforschung und friedlichen Nutzung des Weltraumes" verabschiedet wurde.
Doch was machte die Sojuskapsel so erfolgreich? War es ihre Einfachheit? War es ihre universelle Verwendbarkeit?
Tatsache ist, dass sie Kapsel seit über dreissig! Jahren im Einsatz ist. Dies ist eine sehr lange Zeit. Daher konnten Fehler in der Konstruktion ausgemerzt werden, so dass die Kapsel heute nahezu fehlerfrei ist (Ausgeschlossen sind Herstellungs- und Materialfehler). Katatsrophenflüge gab es eigentlich nur zwei. Sojus 1 und Sojus 11, bei der drei Kosmonauten wegen einem undichten Ventil getötet wurden (Dieser Unfall wäre jedoch zu vermeiden gewesen, hätten die Kosmonauten Raumanzüge getragen). Ansonsten ist die Sojus - Serie bis heute Unfallfrei und dies bei weit über 100 Starts.
Den Erfolg der Kapsel haben aber auch gewisse Konstruktionsmerkmale gebracht. So wurde wie oben erwähnt die Kapsel in drei Komponenten aufgeteilt. Die Konzentration der Triebwerke in einem Modul verringerte z.B. die Gefahr, dass bei einer Explosion der selben die ganze Kapsel beschädigt wurde. Was das für Auswirkungen hat, konnte man im Westen gut anhand des Katastrophenfluges von Apollo 13 aufzeigen. Zur universellen Verwendbarkeit trug ebenfalls die oben erwähnte Aufteilung in drei Komponenten bei. So konnte z.B. die Kommandosektion zwei- und dreisitzig ausgeführt werden. Das Orbitalmodul gab es in ca. Sechs verschiedenen Varianten.
Erwähnenswert ist sicher, dass die Sojus-Raumschiffe auch für die Mondlandung der UdSSR vorgesehen war. Diese wurde lange Zeit von der UdSSR dementiert. Dennoch gab es Projekte für eine bemannte Mondlandung der UdSSR. Diese wurden erst eingestellt als klar wurde, dass man die USA nicht mehr einholen konnte.
Ebenfalls konnte man Sojuskapseln ohne das Orbitalmodul als Sonden einsetzten. Dies geschah bei den Mondsonden Sond 1-8.
Somit kann man sagen, dass die Raumschiffe der Sojus - Serie überaus erfolgreich waren und immer noch sind. Ich schliesse mit einer Lobensrede, die Alexej Alexandrowitsch Gubarew 1981 über die Sojuskapseln sagte:
"Die Sojus-Raumschiffe lösten viele Probleme der Erschliessung des Alls: Annäherung, Kopllung, gesteuerter Abstieg, Versuchsstation, Stationszubringer, und sie trugen dazu bei, die Hürde der Schwerelosigkeit zu nehmen" (Quelle 6, S 77)

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