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Kürzlich haben wir eine Kaffee-Schulung bei einem Startup eines ‚hippen’ Rösters in Kopenhagen besucht. Es war interessant, aber ich verlies den Raum mit einem komischen Gefühl. Wie kann es sein, dass sich dieser Hipster bis ins kleinsten Detail mit der Qualität des Rohkaffees, der Röstung und der Lagerung auseinandersetzt, aber keinen einzigen Gedanken an den weltweiten Kaffeehandel verschwendet?
Zwei Mal im Jahr bereist besagter Hipster-Röster die Kaffee-Anbaugebiete und sucht die besten Bohnen aus. Sobald diese geerntet sind, werden sie als grüne Bohnen über eine Kooperative zu der Rösterei in Kopenhagen geschifft. Einmal in der Rösterei angekommen, werden die Bohnen rigorosen Qualitätstests unterzogen. Stolz hat uns der Röster erzählt, wie er rund 20% der Lieferungen zurück schickt, weil sie nicht seinen hohen Ansprüchen entsprechen. Stimmt die Qualität, werden die Bohnen frisch geröstet und zu seinen Kunden in die Weltmetropolen New York, Singapur und Shanghai gesendet.
In Kopenhagen hat er bis jetzt noch keine Kunden. Er ist von Berlin hier hin gezogen, weil ihm die Stadt gefällt. Fair enough, aber als Begründung für eine verantwortungsvolle Firma ungenügend. Da unser Serviceteam aus der Weinwelt kommt, direkt unsere Frage: wieso wird eigentlich nicht direkt in den Anbauländern geröstet? Dann würde man sicher gehen, dass ein grösserer wirtschaftlicher Mehrwert in den Kaffeeregionen bleibt. Gleichzeitig könnte man die Kaffeequalität durch geringeren Transportweg verbessern. Seine Antwort: Grüne Bohnen sind lagerfähig und deshalb besser geeignet für den Transport. Geröstete Bohnen hingegen sind ein Frischprodukt und sollten so bald wie möglich konsumiert werden. Aha. Und wieso liefert er dann seinen gerösteten Kaffee nach New York und Singapur?
Der international Kaffeehandel besitzt einen Wert von rund 22 Mrd. US-Dollars. Kaffee ist nach Erdöl die zweitwichtigste Handelsware, die von Entwicklungsländern exportiert wird. Jedoch bleiben die Kaffeebauern/-bäuerinnen auf der Strecke. Sie leben in ärmsten Verhältnissen und können kaum vom Anbau leben. Der Kaffeehandel ist immer noch nach kolonialen Machtverhältnissen strukturiert. Kein Wunder, wenn Röster sich zu schade sind, die Situation zu hinterfragen. Und auch Baristas sollten mehr Zeit damit verbringen, sich über die wirtschaftliche und soziale Verhältnisse des Kaffees zu informieren, anstatt wochenlang über die perfekte Milchtemperatur zu philosophieren. Danke.
Kennt ihr Jemanden, der mit dem Kaffee verantwortungsvoll umgeht und uns eine Alternative bietet?
PS: Diese kolonialen Ungleichheiten erinnert mich immer an meine ersten Wirtschaftseminare. Sie bauen auf die einfachsten Modelle des Kapitalismus und sind alles andere als Zufall. Mehr dazu in meinem nächsten Beitrag.