Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/4139

Alle sind durch Kommunalstrassen mit der Hauptstrasse verbunden. 515 Häuser und 3181 Ew., wovon 2093 Reformierte und 1088 Katholiken.
Von den einzelnen Gemeinden ist Cazis katholisch; Tartar zählt mehr Katholiken als Reformierte, wogegen die Einwohner der
übrigen Gemeinden in überwiegender Mehrzahl Protestanten sind. Ausser in Thusis, wo Handel und Gewerbe
die Haupterwerbsquellen sind, treiben die Bewohner des Kreises hauptsächlich Wiesenbau, Alpwirtschaft und Viehzucht. Die
Viehzucht nimmt im Kreis Thusis eine in Bezug auf Qualität und Quantität hohe Stufe ein.
Reform. Pfarrei, römisch-katholische Kapelle, englischer Gottesdienst. Der prachtvollen
Lage, dem angenehmen Klima und der Nähe der weltberühmten Schluchten der Via mala und des Schyn verdankt
Thusis seinen Aufschwung als Kur- und Fremdenort. Grosse Gasthöfe; Wein- und Viktualienhandel, viele Verkaufsläden. Grosse
Calciumkarbidfabrik. In Thusis finden die grössten Viehmärkte nicht nur in Graubünden,
sondern wahrscheinlich der ganzen Schweiz statt.
An die Stelle des mit dem Bau der Gotthardbahn eingegangenen einstigen Transitverkehrs ist heute der grosse Touristenverkehr
nach Via mala und Schyn getreten.
Urkundlich wird Thusis zum erstenmal 1156 als «Tosana» genannt;
1450 Thusis. Prof. Muoth leitet den Namen von tosa, einem häufig vorkommenden Appellativ für ein ungestümes Wildwasser
(hier sowohl der Hinterrhein als namentlich auch die Nolla) her.
Aus dem Besitz der Freiherren von Vaz,
denen Thusis im 12. Jahrhundert gehörte, ging es 1333 durch Erbschaft in den der Grafen von Werdenberg-Sargans über, deren
einer es 50 Jahre später an Ulrich von Rhäzüns verkaufte. 1459 gelangte Thusis neuerdings an die Werdenberger, die es 1475 für 3000 rheinische
Gulden an das Bistum Chur abtraten. 1559, 1575, 1656, 1727 und 1845 wurde der Ort durch Feuersbrünste ganz oder teilweise zerstört.
Nach dem Brand von 1845 baute man ihn an der Splügenstrasse als sehr stattlichen Flecken neu auf.
Auch Nollaausbrüche haben Thusis wiederholt schwer heimgesucht, und 1610 wurden durch die Rüfe des Porteinertobels
viele Güter zerstört. Die Pest richtete 1542, 1550, 1551, 1556, 1581, 1585 und 1629 grosse Verheerungen unter der Bevölkerung
an. Eine traurige Berühmtheit hat Thusis durch die hier abgehaltenen Strafgerichte von 1573 und besonders von 1618 erlangt.
Auch sonst litt das Dorf viel unter den politischen Wirren nach der Reformation. 1621 schlug Jürg Jenatsch
mit den Leuten aus dem Unter Engadin und dem Münsterthal die katholischen Oberbündner in einem Treffen bei Thusis, wodurch
er dieses und Sils vor der Einäscherung rettete. 1666 kaufte sich Thusis mit andern Gemeinden von den Hoheitsrechten
des
Bistums Chur los. Auch in den Kriegsjahren zu Ende des 18. Jahrhunderts wurde Thusis hart mitgenommen.
Von 1530 an war der Chronist Ardüser längere Zeit Schulmeister in Thusis. Vergl. Lechner, Ernst. Thusis und die Hinterrheinthäler.Chur 1897. - Rumpf, A. Thusis. (Europ. Wanderbilder. 15). Zürich
1881. - Heer, J. C. Thusis.Samaden 1907.