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Ich überspringe die ärmliche Kindheit, die hauptsächlich von einer engen Bindung zwischen Mutter und Sohn geprägt war, erwähne nur kurz Elvis 10. Geburtstag, an dem er seine erste Gitarre geschenkt bekam und lande sogleich irgendwann im Juni 1953. Elvis besang im Nachhinein für den 41. Geburtstag seiner Mutter in dem kleinen SUN-Studio eine Geschenkplatte mit den Liedern "My Happiness" und "That's When Your Heartaches Begin". Marion Keisker, die Angestellte von Sam Phillips, hörte die einmalige Stimme von Elvis, erinnerte sich im richtigen Moment daran und legte damit den Grundstein für eine einmalige Karriere.
Schon am 7. oder 8. Juli 1954 wurden die ersten Bänder mit Elvis Presley, Scotty Moore und Bill Black aufgenommen. Und noch im Juli ging Sam Phillips damit zum Rundfunksender WHBQ in Memphis um sie dort dem Discjockey
Auftritte in anderen Radioprogrammen folgten, Rückschläge und Enttäuschungen blieben nicht aus. Doch Elvis war immer ein scharfer Beobachter seiner Umwelt und nahm Anregungen und Reaktionen seines Publikums in sich auf. Dadurch konnte er schon als junger Sänger seine Bühnenshow so perfektionieren, dass er Emotionen freisetzte, die bis dahin kein weißer Sänger zu wecken im Stande war. Inzwischen wurden im SUN-Studio die zweite und die dritte Single aufgenommen. Im gleichen Monat, in dem Elvis begann, mit seinen beiden Musikern bei Bob-Neal-Veranstaltungen aufzutreten, veröffentlichte Sam Phillips die dritte Single. Auf ihr waren "Milkcow Blues Boogie" und "You're A Heartbreaker" zu hören.
Der große Durchbruch kam für Elvis jedoch erst mit dem Auftauchen von Colonel Thomas Andrew Parker. Im Mai 1955 begann Elvis seine erste größere Tournee mit dem beliebten Hank Snow Jamboree, ein Konzertprogramm mit vielen Sängern, Bands und anderen Attraktionen, die Colonel Parker um seinen damaligen Star Hank Snow herumgebaut hatte. Es war eine sehr wichtige Tour für Elvis, der erstmals seine Heimatboden verließ. Und er hatte Erfolg. Ein Zeitzeuge berichtet: "Erschien Elvis auf der Bühne, dann trug er die
verrücktesten Anzüge. Die Gitarre hing ihm lässig über der linken Schulter, die Augen hielt er halb geschlossen. Sein rechter Mundwinkel war leicht nach oben gezogen. Dabei schaute er unentwegt auf die Mädchen, wackelte ein einziges Mal mit den Hüften und die Musiker intonierten einen Rock. Und da verwandelte sich Elvis in einen Vulkan. Er stieß rhythmisch die Hüften nach vorne, schlug auf seine Gitarre ein, als wolle er sie zerbrechen oder trommelte den Takt auf das Holz. Das war "Action", wie man sie vorher nie gesehen hatte."
Am 5. Jänner 1956 - der Colonel hatte Elvis um 40.000 Dollar von SUN nach RCA verkauft - drei Tage vor seinem 21. Geburtstag, betrat Elvis zum ersten Mal das RCA Studio in Nashville. Der Gitarrist Chet Atkins sollte die erste Elvis-Session koordinieren. Die Titel "I Got A Woman" und "Heratbreak Hotel" wurden aufgenommen. Nun ging es steil bergauf. 1956 trat Elvis in TV-Shows bei "Tommy und Jimmy Dorsey auf und prompt schnellten die Einschaltquoten in schwindelnde Höhen. Damit aber waren auch die goldenen Zeiten der Swing-Ära endgültig vorbei - von nun an herrschte der Rock 'n' Roll, und Elvis war der Star! Das war auch die Zeit des pinkfarbenen Cadillacs und der Übersiedlung in ein neues Haus. Es lag am Audubon Drive Nr. 1034 in Memphis. Inzwischen hatte der Colonel eine Konzerttournee nach Las Vegas gebucht, aber in der Wüstenstadt in Nevada wollte man weder Elvis, noch seine Musik und schon gar nicht seine obszönen unanständigen Bewegungen. Nach sechs Tagen musste die Auftrittsreihe abgebrochen werden. So geschehen im April 1956!
Nach dem Durchbruch von "Heartbreak Hotel" und den Fernsehauftritten in den "Dorsey Shows", wurde nun auch Hollywood auf den jungen Sänger aufmerksam, und bald führte der Colonel Verhandlungen mit verschiedenen Filmgesellschaften in Los Angeles und Hollywood. Die Filmgesellschaften sahen in Elvis Presley einen möglichen Nachfolger für James Dean, der wenige Monate vorher bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Und als der Produzent
Hal Wallis auf Elvis aufmerksam wurde, sah der Colonel die Zeit gekommen. Doch noch trat Elvis in der "Milton Berle Show" und später in der "Steve-Allen-Show" auf. Und nun musste auch Ed Sullivan, der sich früher sehr abfällig über Elvis geäußert hatte, den Star in seine Show bitten, sonst wären er und sein Sender an verschwindend kleinen Einschaltquoten eingegangen. Der Auftritt war eine Sensation. Die Show wurde von 54 Millionen Amerikanern gesehen.
Und im September 1956 begannen die Dreharbeiten zu Elvis' erstem Film "Love Me Tender". Seine Platten stürmten inzwischen die Charts und hielten sich oft monatelang auf dem ersten Platz. In diese Zeit platzte die Einberufung zur Army, die Übersiedlung nach "Whitehaven", das Elvis später "Graceland" nannte. Bald darauf wurden der zweite und der dritte Film abgedreht. Im September verließen Elvis seine langjährigen Bandmitglieder Scotty Moore und Bill Black. Elvis bezahlte ihnen zu wenig Geld für ihre Arbeit. Der Colonel begann Elvis nun total zu vermarkten. Neben den Platten und den Filmen gab es mehr als hundert Produkte, die er auf den Markt warf. Von Elvis-Socken bis zu Elvis-Teddybären, von Elvis-Kaugummi-Bildchen bis zu Elvis-Taschentüchern gab es alles für die immer größer werdende Fangemeinde.
Priscilla Beaulieu kennen. Am 5. März, neunzehn Tage früher als es sein Einberufungsbefehl vorschrieb, wurde Elvis in Ehren aus der US-Army entlassen. Sofort begann er weitere Platten aufzunehmen, auch das Filmgeschäft lief sofort wieder an.
Die Stars, mit denen Elvis drehte, aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Page sprengen. Auf dem Bild sehen wir ihn mit dem Weltstar und Bond-Girl Ursula Andress bei einer der zahllosen Liebesszenen. Pro Jahr wurde jetzt ein Film gedreht, jeder brachte Elvis ein fixes Einkommen von einer Million Dollar. Der Streifen "Blue Hawaii" (November 1961) war einer der größten Kassenerfolge für Elvis und den Colonel. Allein in den USA lief er gleichzeitig in 530 Kinos. Waren die ersten Filme Elvis noch mitunter witzig und gut durchdacht, so wurde ab 1964 immer schneller, achtloser und nachlässiger produziert. Weder der Colonel noch Elvis kümmerten sich um die Drehbücher, schließlich ging es nur mehr ums Geld. Zwischen 1960 und 1968 ist kein einziger Fall bekannt, in dem Elvis den Anweisungen und Vorschlägen seines Managers widersprochen hat. Das ist
jedoch kein Zeichen dafür, dass Elvis immer einer Meinung mit Colonel Parker war, vielmehr dokumentiert es ein hohes Maß an Abhängigkeit und einen erschreckenden Mangel an eigenem Entscheidungswillen.
Bereits 1965 als für Metro-Goldwyn-Mayer Film "Harum Scarum" die Dreharbeiten begannen, hatte Elvis von diesen seichten Filmen die Nase voll. Es wurden nicht einmal mehr Drehbuchkonferenzen einberufen. Nun nahm Elvis die Arbeit einmal selbst in seine Hände und widersprach seinem Manager kräftig. Anfang Frühjahr 1968 begann man mit den Vorbereitungen zu der NBC-Fernsehshow, die im Sommer aufgezeichnet und im Dezember als Vorweihnachtsprogramm gesendet werden sollte. Von Beginn an gab es Auseinandersetzungen und Streit, denn die Vorstellungen Colonel Parkers deckten sich in keiner Weise mit denen der Produzenten. Parker dachte daran, Elvis solle, nett mit einem Anzug bekleidet, lediglich einige Weihnachtslieder zum besten geben. Doch die Produzenten wollten mehr: Elvis sollte als der archetypische Rock-Sänger gezeigt werden, dessen musikalische Botschaft immer noch aktuell unverfälscht war.
Und in diesem Streit entschied sich Elvis erstmals gegen den Colonel. Dabei bestimmte er selbst die Songs, sein Outfit und den Zeitpunkt. Und die 68-Show sollte einer der wirklichen Glanzpunkte in seiner zweiten Bühnenkarriere werden. Doch vorerst hatte Elvis nur familiäre Interessen. Er hatte am 1. Mai 1967 die knapp 21jährige Priscilla Beaulieu geheiratet. Er kannte die Tochter eines US-Armeeoffiziers aus seiner Militärzeit in Friedberg in Hessen. Die Hochzeit kam für alle in der Musikbranche völlig unerwartet, weil sich Elvis jahrelang nur mit einigen Freunden umgeben hatte, deren Zahl ständig schwankte, deren Aufgaben unklar waren, und die man die "Memphis Mafia" nannte. Und genau neun Monate nach der Hochzeit kam Elvis' Tochter Lisa Marie zur Welt.
Nun hatte Elvis den Kopf frei für sein Comeback. Die Produktion wurde jedoch ein einziger Kampf. Für jede Probe, für jede Änderung, selbst für das Verschieben der Mikrophonstative ließ der Colonel erst eine Sitzung einberufen. Doch endlich, am 27. Und 28. Juni, konnte die NBC-Show
aufgezeichnet werden. Im November, als der im Oktober in die Kinos gekommene 28. Elvis-Film "Live A Little, Love A Little" schon längst wieder abgesetzt war, begann eine neue Parker'sche Werbekampagne. Keine TV-Show ist jemals so umfangreich angepriesen worden, wie dieser erste Elvis-Auftritt nach über achtjähriger Bildschirm-Abstinenz des Rock-Sängers.
Am 3. Dezember 1968, abends um 21 Uhr ging die Elvis Presley Show in den Äther.
Die Resonanz war überwältigend! Die "New York Times" schrieb begeistert: "Elvis bringt die Pop-Welt aus der Illusion in die Wirklichkeit zurück. Er hat Charisma!" Nach der NBC-Show waren sich alle einig: Elvis war besser denn je! Was hatte er in seiner Show gemacht, dass die Welt wieder auf den absonderlichen, zurückgezogen lebenden Sänger aufmerksam wurde? Elvis sang und verkörperte das, was er zu Beginn seiner Karriere für Millionen bedeutet hatte. Die Musik, die er mitgeschaffen hatte, die ihn zum Symbol der Pop-Kultur gemacht hatte: den Blues, Rhythm&Blues und den Rock 'n' Roll. Er trat seit mehr als sieben Jahren wieder vor die Kameras und vor das erste echte Publikum.
Am 20. Jänner 1975 wurde Elvis in das Baptist Memorial Krankenhaus eingeliefert. Nur wenig wurde über die Krankheit bekannt, da Elvis in einem für ihn reservierten Seitentrakt des Hospitals hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt wurde. Er hatte zur Betreuung seine eigenen Krankenschwestern und seinen Arzt, Dr. George Nichopopoulos, mitgebracht. Dieser spielte vor Journalisten Elvis' Krankheit herunter. Kein Wunder, besaß er doch mit Elvis zusammen eine Firma, die überall in den USA Tennis- und Racket-Plätze baute. In dieser Nacht, bei diesem Auftritt - als alles in Frage gestellt war - sang Elvis
so gut wie auf den ersten SUN-Singles, vielleicht noch besser. Er hatte seinem Herzen Luft gemacht, hatte alles gegeben, was er besaß. Zwei überragende RCA-Ausgaben folgten: Die LP "From Elvis In Memphis" und der Song "In The Ghetto", der sich annähernd zwei Millionen mal verkaufte. Und nun trat er auch wieder "live" in Las Vegas auf. Diesmal für einen Monat, und alle Konzerte
waren im voraus ausverkauft. In dieser Zeit besuchten 101 500 Menschen seine Show, und bald darauf wurden seine Auftritte dort zu einer ständigen Einrichtung. Zweimal jährlich erschien der King nun in Las Vegas, später auch in Lake Tahoe, um sich bejubeln zu lassen. Houston, New York und Kanada folgten. Mit der Scheidung von Priscilla - am 9. Oktober 1973 - geriet Elvis in eine tiefe Krise, aus der er sich nie mehr richtig erholen sollte.
Dazu kamen ein Augenleiden und eine schwere Darmerkrankung des Stars. Schon 1973, kurz nachdem er am 14. Jänner in Honolulu seine weltweit ausgestrahlte "Aloha From Hawaii" Show absolviert hatte, musste Parker drei Konzerte in der Gastspiel-Reihe des Hilton in Las Vegas absagen. Der Star war krank. Eine Auftrittsreihe in Lake Tahoe wurde vorzeitig beendet, und im Sommer 1974 waren seine Shows schlecht und kurz geworden. Immer mehr hatte Elvis unter Gewichtsproblemen zu leiden. Oft wog er bis zu 250 Pfund, dann wieder hungerte er sich Teile seines Übergewichts radikal herunter.
Er nahm viele und äußerst schwere Medikamente, dazu kamen Beruhigungs- und Aufputschmittel. Das Photographieren in seinen Konzerten wurde verboten. Der Star wurde jähzornig, beleidigte Bandmitglieder und Publikum gleichermaßen. Elvis erholte sich vorübergehend und konnte das Spital bald wieder verlassen. Allerdings forderte seine exzessive Lebensweise auch ihren Tribut, der nun offensichtlich wurde. Elvis Presley wurde am 16. August 1977 bereits sterbend in eben dieses Baptist Memorial Hospital in Memphis eingeliefert. Ich möchte aber nicht näher auf seinen Tod eingehen, sondern mit einem Ausspruch Elvis' schließen und den King so in Erinnerung behalten, wie wir ihn alle von seinen Auftritten und Shows her kannten.
Als Junge wollte ich immer ein Held im Film oder Comic-Heft sein; ich wurde groß damit. Jetzt habe ich diesen Traum erlebt - mehr kann sich ein Mensch nicht wünschen. (Elvis Presley)