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ZWEI WILER BEI INTER MAILAND
ZWEI WILER BEI INTER MAILAND
Die Fussballpause macht’s möglich: man hat Zeit für neue Projekte.
Schon seit einiger Zeit sammelt der Wiler Stadtarchivar Werner Warth Materialien und Dokumente zum Thema «Fussball in Wil» und zum FC Wil im Speziellen. Diese Quellen bieten Stoff für unzählige Geschichten aus der Wiler Fussball-Historie. Jetzt können sie ausgewertet werden. Stadtarchivar Werner Warth und FC Wil-Medienchef Dani Wyler lassen in loser Folge Personen, Ereignisse und Entwicklungen wiederaufleben.
In der ersten Folge gehen wir rund 110 Jahre zurück:
Nicht nur Fabian Schär hat von Wil aus den Sprung zu bekannten internationalen Teams geschafft. 100 Jahre vorher heuerten die Wiler Peterli-Brüder schon bei Inter Mailand an. Ernst und Alfred Peterli spielten in diesen frühen Jahren des Fussballsports auch im Nationalteam.
Ernst Peterli (Jahrgang 1892) und sein Bruder Alfred (Jahrgang 1890) stammten aus Wil und lebten auch in der Stadt. Ihre Eltern bewirteten das Restaurant Sonne. Ernst Peterli spielte beim SC Brühl Fussball, bevor er zu Ausbildungszwecken unter anderem nach Mailand reiste. Von 1909 bis 1914 spielte er bei Inter Mailand- und er war einer der Grossen dort. In der Saison 1909/10 wurde der spätere Spitzenverein erstmals italienischer Meister. «Ernesto» Peterli steuerte dazu in 16 Spielen 25 Tore bei- er war massgeblich am Titelgewinn beteiligt! In einer Partie gegen seinen späteren Verein Torino erzielte er beim 7:2-Sieg sechs(!) Tore. Insgesamt 9 Schweizer standen übrigens damals im Kader von Inter Mailand. Zeitweise spielten die Peterli-Brüder gemeinsam bei den Mailändern.
Mit dem FC Torino ging Ernst Peterli 1914 auf eine Südamerika-Tournee- per Schiff. Das war für damalige Zeiten ein riesiges Unterfangen. Im Nationalteam kam er zu vier Einsätzen gegen Belgien, Italien und zweimal gegen Österreich. Er begann als Mittelstürmer, spielte auch im Mittelfeld und als Verteidiger. Gegen Italien war er sogar Captain des Nationalteams. Auch der Ältere der beiden Brüder- Alfred Peterli- bestritt ein Länderspiel.
“Der beste Mann auf dem Platz”
Der bekanntere aber war Ernst. Sein Name war in den Fussballkreisen jener Zeit ein Begriff. In den Zeitungsberichten konnte man oft lesen, er sei «der beste Mann auf dem Platz» gewesen. Die italienische Sportzeitung Guerin sportivo schrieb vor einigen Jahren in einem Artikel:» Dieser Blondschopf hatte einen tollen Antritt, war schnell, von hagerer Gestalt, er hatte einen Torriecher wie kaum ein anderer.» Ernst Peterli war ein Sportler durch und durch. Nach seiner Fussballkarriere widmete er sich in Wil dem Aufbau des Tennissports.
In Wil kehrte er zurück zu seinen Wurzeln und übernahm das elterliche Restaurant Sonne. Der Name Peterli ist auch in der Kulturszene von Wil ein Begriff: der bekannte Kunstmaler Karl Peterli war ein Bruder von Ernst und Alfred.
Die Bilder erhielten wir verdankenswerterweise vom Stadtarchiv Wil. Sie zeigen ausschliesslich den jüngeren und bekannteren Ernst Peterli. In der Fotogalerie enthalten sind auch Bilder des damaligen Restaurants Sonne und eine Kopie der Geburtsurkunde.