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Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, etwas zu erfinden und damit reich zu werden? Doch dass eine erfolgreiche Erfindung nicht auch gleich immer Reichtum bedeutet, zeigen die Beispiele der folgenden fünf Personen.
Wer genau das Telefon erfunden hat, wird wohl nie eindeutig feststehen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts haben mehrere Erfinder weltweit unabhängig voneinander an Telefonapparaten getüftelt. Allerdings war es wohl der ausgewanderte Italiener Antonio Meucci, welcher Alexander Graham Bell für viele zum Vater des Telefons machte.
Meucci hatte seinen Apparat für Fernsprechverbindungen 1860 der Öffentlichkeit in New York vorgestellt. Allerdings bekam er für seine Erfindung nur ein vorläufiges Patent, welches er ständig erneuern musste. Als er schliesslich in finanzielle Probleme geriet, konnte er die Gebühren dafür nicht mehr aufbringen und das Patent lief 1873 aus.
Es wird vermutet, dass Alexander Graham Bell irgendwie an die Pläne und Arbeitsmuster von Meuccis Telefonapparat kam. Drei Jahre später reichte Bell seinerseits ein Patent für einen Telefonapparat ein, der offensichtlich auf Meuccis Arbeit basierte. Meucci verklagte Bell daraufhin und versuchte, wenigstens eine Entschädigung von ihm zu erstreiten. Doch bevor es zu einer Einigung kam, starb Meucci 1889 im Alter von 81 Jahren und das Verfahren wurde eingestellt.
Erst im Jahr 2002 würdigte das Amerikanische Repräsentantenhaus Meucci und seinen Beitrag zum Telefon. In einer Resolution wurde Graham Bell die Erfindung des Telefons aberkannt und stattdessen Meucci zugeschrieben.
Wie viele Dinge wurde das moderne Streichholz durch Zufall erfunden. Es war der Apotheker John Walker, welcher 1827 die ersten Dosen mit Streichhölzern verkaufte. Dass wir dies heutzutage so gut wissen, verdanken wir einem Eintrag von Walker in seinem Tagebuch. In diesem schrieb er, dass er am 7. April 1827 Dose Nummer 30 mit 100 Streichhölzern für einen Shilling an einen John Hixon verkauft hat.
Erfunden hatte Walker die Streichhölzer bereits 1826, als er wieder einmal mit einer chemischen Mischung herumexperimentierte. Dabei entdeckte er, dass sich eine Mixtur aus Antimon(III)-sulfid, Kaliumchlorat und Kautschuk auf einer rauen Oberfläche entzünden lässt. Er verbesserte die Mixtur noch etwas und verkaufte schliesslich die ersten Streichhölzer unter dem Namen «Congreves».
Patentieren liess sich Walker die Streichhölzer allerdings nie, auch wenn er sich dies als Apotheker wohl hätte leisten können. Angeblich soll er seine Entdeckung als zu wenig relevant angesehen haben, um dafür extra ein Patent anzumelden. Allerdings hielt er seine Mixtur trotzdem geheim und wollte sie fortlaufend verbessern.
Wie falsch Walker mit seiner Einschätzung lag, bewies Samuel Jones aus London. Er schaffte es, Walkers geheime Mischung zu kopieren und meldete noch 1828 ein Patent dafür an. Ab 1830 verkaufte er seine Streichhölzer dann im grossen Stil unter dem Namen «Lucifers».
Obwohl diese ersten Streichhölzer noch eher gefährlich waren – sie entzündeten sich teilweise bei kleinsten Reibungen – und unangenehm rochen, wurden die «Lucifers» ein riesiger Erfolg. Bald wurden die «Lucifers» auch ins Ausland exportiert. Währenddessen verkaufte Walker in den drei Jahren, während derer er seine «Congreves» herstellte, gerade einmal 160 Schachteln.
Als Daisuke Inoue 1971 seine erste Karaoke-Maschine zusammenschusterte, ahnte er wohl nicht, dass Karaoke einmal die Welt erobern und er trotzdem nicht zum Millionär werden würde. Dabei fing alles so gut für Inoue an:
Zu Beginn der 70er-Jahre verdingte sich Inoue als Musiker in diversen Bars. Manchmal geschah es dann, dass Besucher die Bühne enterten und den Gesangspart gleich selbst übernahmen. Irgendwann stellte sich Inoue die Frage, ob diese Leute wohl auch zu Musik singen würden, die von einem Tonband stammt.
1971 baute der damals 31-Jährige also einen Kasten, der aus einem kleinen Gitarrenverstärker, einem Abspielgerät für 8-Spur-Kassetten und einem Mikrofon bestand – die erste Karaoke-Maschine war erfunden. Tatsächlich hatte Inoue mit seiner Idee einen Nerv getroffen. Schon bald wollten immer mehr Bars eine Musikmitsingmaschine. Inoue produzierte auch gleich selbst Kassetten mit der Musik und Bücher mit den Songtexten und tingelte damit durch Osaka und Tokio.
Leider meldete Inoue seine Erfindung nie zum Patent an. Das lag allerdings nicht daran, weil er es vergessen hätte. Vielmehr hätte er nur schon für die Patentanträge einige tausend Franken bezahlen müssen. Für Inoue herausgeworfenes Geld, denn seiner Ansicht nach habe er ja nichts Neues erfunden, sondern nur bestehende Technologie zusammengeschraubt.
Ein Fehler, denn schon bald merkten auch andere, dass sich mit Karaoke viel Geld machen lässt. Immer mehr neue Firmen stellten Karaoke-Maschinen her und drängten Inoue langsam aus dem Markt. Spätestens mit dem Einzug des digitalen Zeitalters war der Erfinder dann mit seinen Kassetten-Geräten am Ende, und er erlitt 1993 einen Nervenzusammenbruch.
Immerhin kam Inoue später noch zu etwas Ruhm, auch wenn ihm das keinen Reichtum einbrachte: 1999 listete ihn das asiatische Times-Magazin in den 100 einflussreichsten Asiaten des 20. Jahrhunderts. Fünf Jahre später erhielt er schliesslich auch den Ig-Nobelpreis, der jährlich für absurde Errungenschaften verliehen wird.
Vor etwa vier Jahren wurde die Welt von einem Gadget überflutet, das so sinnlos wie begehrt war: dem Hoverboard. Der Name war dabei etwas irreführend, denn bei diesem Ding handelte es sich nicht um ein schwebendes Skateboard, sondern um dieses Ding hier:
Erfunden hatte diese technische Spielerei Shane Chen ein paar Jahre zuvor. Der Chinese, der schon seit Jahren in den USA lebte, war auch so geistesgegenwärtig, sich die Erfindung patentieren lassen. Schon kurz darauf verkaufte er erste Hoverboards unter dem Namen Hovertrax für etwa 1000 Franken pro Stück.
Doch als die Hoverboards dank diverser Youtube-Fail-Videos viral gingen und millionenfach verkauft wurden, hatte Chen keinen Cent davon. Es waren nämlich nicht seine Hovertrax, welche weltweit gekauft wurden, sondern billige Chinakopien. Die Chinesen hatten die steigende Nachfrage bald erkannt und produzierten unzählige Imitate für einen Bruchteil des Preises. Diese fingen zwar auch gerne mal Feuer, gestört hat das aber anscheinend niemanden.
In einem Interview mit dem «Guardian» sagte Chen, dass ihm ein Bericht vorliege, wonach in China über 11'000 Fabriken existierten, welche seine Erfindung unerlaubt kopieren würden. Chen selbst war sogar einmal nach China gereist, um einige der Fabriken zu besuchen. Dort habe man ihm für seine Erfindung gedankt und auch zugegeben, dass man sich der Patentverletzung bewusst sei. Nützen tut dies Chen allerdings nichts, denn wie er selbst sagt, wüssten die Chinesen ganz genau, dass er keine Chance habe, auf dem Rechtsweg irgendetwas dagegen zu unternehmen.
Chen hatte nach eigener Aussage höchstens ein paar Tausend seiner Hoverboards verkauft. Inzwischen hat er sich damit abgefunden und tüftelt fleissig an neuen Erfindungen, die seiner Meinung nach «the next big thing» sein werden.
Es war 1963, als der Zeichner Harvey Ball einen Stift nahm, einen Kreis auf ein gelbes Blatt Papier malte und ihn mit zwei Augen und einem Grinsemund versah. Das Smiley war geboren. Gezeichnet hatte Ball die Figur für eine Versicherungsgesellschaft, die ein Motiv suchte, um ihre Mitarbeiter aufzumuntern.
100 Ansteckbuttons wurden hergestellt und an die Mitarbeiter verteilt, welche wegen der kuriosen Figur tatsächlich gelächelt haben sollen. Die Buttons wurden sehr schnell sehr beliebt, und nicht einmal zehn Jahre später hatte die Versicherung 50 Millionen Stück verkauft. Harvey Ball hatte von diesem Erfolg nichts. Der Versicherung hatte er für seine Arbeit 45 Dollar verrechnet und auf die Idee, seine Schöpfung zu patentieren, kam Ball nicht.
Allerdings kam es auch der Versicherung nicht in den Sinn, dies zu tun. Erst als der Smiley in den 70er-Jahren auch in Europa populär wurde, kam ein französischer Unternehmensberater auf diese Idee. Er veränderte den Smiley weit genug, um keine Klage fürchten zu müssen und patentierte dann dessen Aussehen.
Über die folgenden Jahrzehnte beantragten immer mehr grosse Firmen eine Lizenz und machten den Franzosen steinreich. Laut den Angaben der Firma Smiley World, die extra dafür gegründet wurde, lagen die Umsätze durch Lizenzvergaben in den Nullerjahren bei etwa 100 Millionen pro Jahr.
Und Harvey Ball? Er hat in den USA bis zu seinem Tod 2001 T-Shirts und andere Artikel mit seiner Kreation verkauft, um den Ertrag an wohltätige Organisationen zu spenden. Sein Versäumnis soll er laut seinem Sohn nie bereut haben, da er kein Mann gewesen sei, der nach Geld strebte. Als Antwort auf den verpassten Reichtum sagte Ball einmal: