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Mit Demenz daheim – dank betreuender Angehöriger und Spitex.
Die meisten Menschen wollen lange zu Hause wohnen, auch mit einer Demenzerkrankung. Vielfach wird das ermöglicht dank Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis sowie von Fachpersonen. Insbesondere sind es sensibilisierte Mitarbeitende der Spitex, die alles daran setzen, die Würde von Menschen zu wahren, deren Leben brüchig wird und in Fragmente zerfällt. Wo liegen die Möglichkeiten und Grenzen der häuslichen Betreuung?
Durch guten Schlaf das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen?
In den letzten zwei Jahrzehnten wurde ein komplexer wechselseitiger Zusammenhang zwischen Schlaf und Alzheimer festgestellt.
Erstens sind zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen ein häufiges Symptom bei Alzheimerpatienten: 1) Schlaflosigkeit findet sich bei 30 bis 50 Prozent der Patienten, aber subtile (z.B. aktigrafisch gemessene) Anzeichen können bereits in der Prodromalphase beobachtet werden; 2) Übermässige Tagesschläfrigkeit wird von 20 bis 50 Prozent der Patienten berichtet; 3) Zirkadiane Störungen kommen in fortgeschrittenen Stadien häufiger vor und wurden mit dem Auftreten des sogenannten Sundowning-Syndroms in Verbindung gebracht. Subtile Veränderungen der zirkadianen Rhythmen können auch in der Prodromalphase beobachtet werden; 4) Schlafbezogene Atemstörungen treten bei Alzheimerpatienten häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Zweitens wurde festgestellt, dass Schlafstörungen wie Schlaflosigkeit, erhöhte Schlafdauer, übermässige Tagesschläfrigkeit und Schichtarbeit einen Risikofaktor für Alzheimer darstellen. Experimentelle und klinische Studien deuten auf eine erhöhte Anreicherung des schädlichen Beta-Amyloid und des Tau-Proteins hin, die zu den Hauptmechanismen gehören, durch die Schlaf-Wach-Rhythmusstörung die Neurodegeneration bei Alzheimer vorantreiben (siehe Abbildung).
Die Hinweise auf eine effektive Behandlung von Schlafstörungen bei Alzheimer nehmen zu. Nicht pharmakologische (z.B. regelmässige Bewegung, Vermeidung von Nickerchen und Koffein, helles Licht, kognitive Verhaltenstherapie, CPAP-Beatmung) und pharmakologische (z.B. Ramelteon, Melatonin, Suvorexant, Modafinil) Ansätze können Schlaflosigkeit, übermässige Tagesschläfrigkeit, schlafbezogene Atemstörungen (SBAS), zirkadiane Störungen / Sundowning-Syndrom und schliesslich Kognition und Lebensqualität verbessern. Umgekehrt zeigt sich, dass der Einsatz von Benzodiazepinen, Z-Drugs und Trazodon das Sturzrisiko erhöht und die Kognition beeinträchtigt. Schliesslich deuten erste Ergebnisse darauf hin, dass die pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Ansätze eine förderliche Rolle bei der Verbesserung des Tiefschlafs spielen.
Weitere Forschung ist erforderlich, um den Zusammenhang zwischen Alzheimer und Schlafstörungen und das Potenzial einer gezielten Beeinflussung des Schlafs zur Vorbeugung und Modulation des Krankheitsverlaufs von Alzheimer zu verstehen.
Demenz ist eine der Hauptursachen für Behinderungen bei älteren Erwachsenen weltweit. Angesichts des derzeitigen Mangels an wirksamer Behandlung ist ein Public-Health-Ansatz für Demenz, der die Prävention in den Vordergrund stellt, unerlässlich. Ziel dieser Präsentation ist es, 1) grundlegende Konzepte der Demenz-Epidemiologie zu definieren und 2) veränderbare Risikofaktoren und die bestehenden Informationssysteme in der Demenzforschung, einschließlich des Global Dementia Observatory, zu erforschen.
Klinischer Neurologe, ordentlicher Professor für Klinische Neurowissenschaften an der Universität Genf und Leiter des Gedächtniszentrums am Genfer Universitätsspital. Ehemaliger wissenschaftlicher Direktor am Nationalen Alzheimer-Zentrum in Brescia (Italien). Autor von über 500 in PubMed aufgeführten wissenschaftlichen Artikeln, Imaging Editor von «Neurobiology of Aging» und Gründungsmitglied des Editorial Board von «The Lancet Neurology». Er leitete nationale und internationale Projekte, die von der Europäischen Kommission, der IMI, der Alzheimer’s Association, dem italienischen Gesundheitsministerium, dem Bundesamt für Gesundheit und der Industrie finanziert wurden. In Ausschreibungen hat er etwa 40 Millionen Euro an Forschungsgeldern eingeworben. Er war Vorsitzender des Alzheimer’s Imaging Consortium an den internationalen Alzheimer-Konferenzen 2010 und 2011. Giovanni B. Frisoni ist Ehrenmitglied der Österreichischen Neurologischen Gesellschaft und der Französischen Gesellschaft für Neurologie. 2016 erhielt er den Investigator Award der Europäischen Akademie für Neurologie.
Empirische Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein beträchtlicher Anteil der Demenzfälle vermeidbar ist. Einige Präventionsmassnahmen könnten sofort, andere möglicherweise in naher Zukunft umgesetzt werden. Primärprävention durch Lebensstil- und multidimensionale Interventionen (einschliesslich allgemeiner kardiovaskulärer Gesundheit) kann auf kognitiv nicht beeinträchtigte Personen mit beeinflussbaren Risikofaktoren abzielen. Auch wenn ihre Wirkung auf Einzelpersonen bescheiden sein mag, könnte sie doch einen erheblichen gesamtgesellschaftlichen Einfluss haben, indem die Demenzinzidenz um bis zu 35 % verringert wird.
Für die Sekundärprävention bei kognitiv nicht beeinträchtigten Personen mit hohem Demenzrisiko aufgrund der Alzheimer-Krankheit könnten zukünftig Anti-Amyloid-, Anti-Tau- und weitere Medikamente zur Verfügung stehen. Dieser Ansatz dürfte sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft von grossem Nutzen sein. In den Gedächtniszentren werden strukturelle und funktionelle Veränderungen notwendig sein, um sich an die neuen Technologien und die steigenden Anforderungen der Patienten anzupassen. Möglicherweise müssen neue Angebote entwickelt werden, die auf die Erstellung von Risikoprofilen, die Risikokommunikation und individualisierte Programme zur Risikominderung fokussieren.
Dr. med. Dan Georgescu ist Klinikleiter und Chefarzt an den Psychiatrischen Diensten Aargau AG. Er war Mitglied der Arbeitsgruppe, welche die Empfehlungen für die Diagnostik der Demenzerkrankungen im Rahmen des Projekts 3.1 der Nationalen Demenzstrategie 2014–2019 erarbeitet und veröffentlicht hat. Er amtet als Co-Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Alterspsychiatrie und -psychotherapie, Vizepräsident der Swiss Memory Clinics sowie Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheit bei Menschen mit intellektuellen Entwicklungsstörungen. Sein Interesse gilt seit Jahren insbesondere der Behandlung von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen.
Der Behandlungserfolg bei Demenz hängt stark von Qualität und Zeitpunkt der Abklärung ab. Im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie 2014–2019 wurden unter der Federführung der Swiss Memory Clinics (SMC) Qualitätsstandards für die Demenzabklärung entwickelt und publiziert. Sie bezwecken, die Frühdiagnostik der Demenz in der Hausarztpraxis sowie in den spezialisierten Zentren zu verbessern. Das Referat stellt die Standards und die neuen Entwicklungen seit deren Veröffentlichung (2018) vor.
Armin von Gunten ist Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie. Er verfügt zudem über einen Schwerpunkttitel in Alterspsychiatrie und Psychotherapie sowie in Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie. Er ist ordentlicher Professor an der Biologischen und Medizinischen Fakultät (FBM) der Universität Lausanne (UNIL) und Chefarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik für Alterspsychiatrie (SUPAA) am Universitätsspital Lausanne (CHUV).
Die nichtmedikamentösen Therapien beinhalten psychosoziale Ansätze und solche der interventionellen Psychiatrie. Die psychosozialen Ansätze bilden die Grundlage bei der Betreuung von Patienten mit Demenzsyndromen. Die Methoden der interventionellen Psychiatrie (TMS, andere) sind in Abklärung. Dieser Vortrag bietet eine Übersicht über die psychosozialen Methoden und den potentiellen Nutzen der interventionellen Methoden, mit einem Fokus auf die psychiatrischen Symptome und Verhaltenssymptome.
Claudio Bassetti ist im Tessin geboren und aufgewachsen, verheiratet und Vater von drei Söhnen. Seit 2012 ist er ordentlicher Professor für Neurologie an der Universität Bern und Direktor der Abteilung für Neurologie am Inselspital. Zurzeit ist er Präsident der Europäischen Akademie für Neurologie und Dekan der Medizinischen Fakultät in Bern.
Andreas Monsch studierte Klinische Psychologie an der Universität Zürich und promovierte 1991. Nach einem Forschungsaufenthalt von 1991-1994 an der University of California, San Diego (USA) folgte 2001 die Habilitation und 2003 die Beförderung zum Titularprofessor für Psychologie an der Universität Basel. Seit 2002 leitet er als Fachpsychologe für Neuropsychologie die Memory Clinic, Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER. Andreas forscht und lehrt auf den Gebieten „Früherkennung dementieller Krankheiten“ und „Seltene Ursachen der Demenz“. Er hat bis heute über 150 Papers und Buchkapitel publiziert.
„Use it or lose it!“ gilt auch für das Gehirn. Viele Studien haben gezeigt, dass wenig Schulbildung und kognitive Inaktivität zu den wichtigsten, modifizierbaren Risikofaktoren der Demenz gehören. Im für Hausärzte und andere Gesundheitsfachpersonen entwickelten „BrainCoach-Programm“ wird deshalb versucht, geistig wenig aktive Menschen zu kognitiv stimulierenden Tätigkeiten zu animieren.
Pascale Gmür ist freiberufliche Autorin von Sachbüchern und Dokumentarfilmen, Journalistin und Redaktorin mit sozialmedizinischen Schwerpunkten. In ihrem Buch «Puzzeln mit Ananas. Menschen der Spitex erzählen» (Verlag Hier und Jetzt, Baden/Zürich 2019) befasst sie sich mit den Lebensaspekten wie Würde und Selbstbestimmung, Demenz und betreuende Angehörige.
Tobias Nef ist Professor für Gerontechnologie und Rehabilitation an der Universität Bern. Er gehört zum ARTORG Forschungszentrum für Biomedizinische Technik und zur Universitätsklinik für Neurologie. In seiner Forschung untersucht er die Möglichkeiten der Assistenztechnologie für Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen sowie mit Hirnverletzung. Schwerpunktthema ist das Telemonitoring sowie die Telerehabilitation.
Der Vortrag behandelt die technischen Methoden und die klinische Anwendung von Assistenztechnologie für Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen. Besprochen werden Aspekte von Telemonitoring bei Demenz zur Früherkennung von Verhaltens- und kognitiven Störungen sowie die Verwendung von Virtueller Realität für die kognitive Diagnostik und Intervention.
Prof. Dr. med. Dr. phil. Nikola Biller-Andorno ist – nach Stationen an der Universität Göttingen, der WHO und der Charité in Berlin – seit 2005 Inhaberin des Lehrstuhls für Biomedizinische Ethik der Universität Zürich. Sie ist Mitglied der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften und fungiert als Vizepräsidentin des klinischen EthikKomitees des UniversitätsSpitals Zürich. Das akademische Jahr 2012/13 verbrachte sie als Gastprofessorin an der Harvard University; seit 2016 ist sie Fellow am Collegium Helveticum, wo sie zum Thema „Digitale Unterstützung von Entscheidungen im Gesundheitswesen“ forscht. Seit 2017 leitet sie ein von der Alzheimer-Vereinigung gefördertes Forschungsprojekt zum Erleben von Menschen mit Alzheimer und ihren Angehörigen.
Technikeinsatz: Fluch oder Segen?
Um es gleich vorwegzunehmen: Technikeinsatz kann natürlich beides bedeuten. Der Vortrag fächert zunächst das Spektrum möglicher Technologien und ihrer Funktionen anhand von konkreten Beispielen auf und fokussiert dann auf die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, dass Schaden und Risiko gering gehalten und der Nutzen für die zentralen Akteure – Betroffene, Angehörige, Pflegende – maximiert werden kann
Christophe Bula ist Facharzt FMH für Innere Medizin und Geriatrie. Er ist ordentlicher Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Geriatrie an der Fakultät für Biologie und Medizin der Universität Lausanne. Seit 2007 leitet er die Abteilung Geriatrie und geriatrische Rehabilitation am Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV).
Das Referat ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Wissensstand zur Wechselwirkung zwischen den sozialen Gesundheitsdeterminanten und dem Risiko, an Demenz zu erkranken.
Dr. phil., Betr. oec. Sandra Oppikofer ist Leiterin Entwicklung und Evaluation sowie Evaluationsberaterin am Zentrum für Gerontologie sowie für den Universitären Forschungsschwerpunkt Dynamik Gesunden Alterns der Universität Zürich tätig. Sie ist spezialisiert auf die Entwicklung und Evaluierung von psychosozialen Interventionen im Bereich Demenz, Lebensqualität und gesundes Altern.
Die Stabilisierung der individuellen Lebensqualität steht im Zentrum von Demenzerkrankungen. Derzeit gibt es jedoch keine umfassende Synthese von Faktoren, die sich auf die Lebensqualität von an Demenz erkrankten Menschen bezieht. Was hilft jedoch Menschen, gut zu leben und was erschwert ein gutes Leben mit Demenz? Anhand aktueller Forschungsergebnisse wird diesen Fragen nachgegangen.
Herr Klöppel hat in Freiburg im Brsg. und Wien Humanmedizin studiert und hat nach Stationen in Hamburg und London die Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg im Brsg. abgeschlossen. Dort leitete er auch die klinische Kernspintomographieforschung des Neurozentrums und war wissenschaftlicher Leiter des Geriatriezentrums. Herr Klöppel ist Ärztlicher Direktor der Universitären Psychiatrischen Dienst in Bern und vertritt als Chefarzt die Klinik für AIterspsychiatrie in der Interdisziplinären Memory Clinic Bern. Im Zentrum seiner Forschung stehen nicht-medikamentöse Therapieverfahren bei dementiellen Entwicklungen.
Die aktuell verfügbaren Medikamente bei Demenzerkrankungen sind symptomatisch wirksam und richten sich entweder direkt gegen die z.B. mit einer Alzheimer Krankheit verbundenen Gedächtnisstörungen oder gegen nicht-kognitive Symptome der Erkrankung. Hierzu zählen Antidepressiva, die zumeist im Stadium der leichten kognitiven Störung und leichten Demenz gegeben werden, aber auch Neuroleptika, die bei Erfolglosigkeit nicht-medikamentöser Verfahren bei der Behandlung behaviouraler und psychologischer Symptome der Demenz zum Einsatz kommen.
Tobias Nef ist Professor für Gerontechnologie und Rehabilitation an der Universität Bern. Er gehört zum ARTORG Forschungszentrum für Biomedizinische Technik und zur Universitätsklinik für Neurologie. In seiner Forschung untersucht er die Möglichkeiten der Assistenztechnologie für Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen sowie mit Hirnverletzung. Schwerpunktthema ist das Telemonitoring sowie die Telerehabilitation.