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Rheintaler, 23. August 2012, 09:18 Uhr
Der Genesis-Gründer
KOPF DES TAGES
Mike Rutherford - am Freitagabend spielen Mike & the Mechanics am Summer Days Festival in Arbon. (Bild: GEORGIOS KEFALAS (KEYSTONE))
Der Genesis-Gründer Mike Rutherford ist ein privilegierter Hobbysportler. Er hatte die Ehre, gegen Prinz Charles ein Polospiel auszutragen. «Er ist ein bisschen besser als ich», sagte Rutherford und gab sich diplomatisch.
Mike Rutherford ist ein privilegierter Hobbysportler. Er hatte die Ehre, gegen Prinz Charles ein Polospiel auszutragen. «Er ist ein bisschen besser als ich», sagte Rutherford und gab sich diplomatisch. Das war 2007, Mike Rutherford, Genesis-Gründer, nutzte gerade eine mehrjährige schöpferische Pause und lernte das Ballspiel zu Pferd. Seit dem Zerfall der Band lief künstlerisch nicht mehr viel. Man war damit beschäftigt, das in 30 Jahren produzierte Material zu ordnen, neu herauszugeben und ohne viel Arbeit viel Geld zu verdienen. Nichts zu tun lag Rutherford nicht, nach einer siebenjährigen Polokarriere schaute für den Songschreiber, Bassisten und Gitarristen immerhin ein Handicap 0 – mindestens minus 2, maximal plus 10 – heraus.
Schülerband gegründet
Michael John Cleote Crawford Rutherford wurde am 2. Oktober 1950 im südenglischen Guildford geboren. Während seiner Schulzeit in der elitären Charterhouse School gründete er die Schülerband Anon. Nach zwei Jahren und diversen Umbesetzungen gab man sich den neuen Bandnamen Genesis. Die musikalische Genesis sollte von etwas Neuem künden. Tatsächlich fanden Mike Rutherford, Tony Banks, Anthony Phillips, Chris Stewart und Peter Gabriel bald zu einem neuen Stil, dem Progressive Rock, der freilich erst viel später als solcher bezeichnet wurde. Schon nach zwei Jahren, Rutherford, Gabriel und Kollegen waren gerade mal 19 Jahre alt, kam das erste Album «From Genesis to Revelation» heraus. Das Album aber war nicht erfolgreich, weil es die Plattenläden in den Sektor für religiöse Musik stellten. Wovon die Urheber aber fast nichts mitbekamen, weil sie im Schulabschluss steckten. Doch der Boden für eine grosse internationale Karriere war gelegt. Rutherford profilierte sich als Co-Songschreiber, Bassist und Rhythmusgitarrist. An Konzerten spielte er oft eine zweihälsige, als E-Bass und als E-Gitarre bestückte Gitarre. Er beherrschte auch Tasteninstrumente, insbesondere den Moog Synthesizer Taurus. Trotzdem schien er bei Genesis nicht ausgelastet zu sein, und er lancierte – wie Phil Collins und Peter Gabriel auch – in den frühen Achtzigern eine Solokarriere. Die vorerst mässig erfolgreich verlief, bis er sich eine Band zulegte und als Mike & the Mechanics 1989 den Welthit «Silent Running» auf den Markt brachte.
Auch Genesis machte weiter, in wechselnden Besetzungen, aber stets mit Rutherford. Doch man bewegte sich immer mehr in Richtung Mainstream, und vom Progressive Rock war nach Gabriels Ausstieg 1975 nicht mehr viel zu spüren. 1986 brachte man das meist verkaufte Album «Invisible Touch» heraus.
«Schaut Euch meine Zähne an»
Nach einer Pause reunierten Rutherford, Collins und Banks und begaben sich zum 40. Geburtstag der Band auf eine Europa- und USA-Tournée. Zwischenzeitlich blieben Rutherford und seine Mechaniker nicht untätig, wenn auch die Abstände der Neuveröffentlichungen grösser wurden. Es sei gut, dass ihn die Arbeit vom Polo abhalte, sagte Rutherford damals, der Sport hätte Spuren hinterlassen: «Schaut Euch meine Zähne an – alle falsch!» Am Freitagabend spielen Mike & the Mechanics am Summer Days Festival in Arbon.
Michael Hug