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Kurioserweise wurde der berühmte Historiker Fritz Kern (1884-1950) lange nicht eigehender erforscht, obwohl sein Werk in der Mediävistik international weitbekannt und von Studenten vieler Länder oft gelesen ist. In der englischsprachigen Welt, doch auch in Italien, Spanien, Skandinavien, Russland und anderen Sprachregionen ist er fest im Bildungskanon etabliert. Seine Stellung innerhalb der Geschichte der Humanwissenschaften allerdings war weniger bekannt. Neben Friedrich Meinekc war Fritz Kern der massgebliche Initiator der geistesgeschichtlichen Erneuerung innerhalb der Geschichtswissenschaften, die er in die Mittelalterwissenschaften trug. Später weitete er seine Perspektive auf einen universalgeschichtlichen Blick aus, doch seine hohe wissenschaftliche Reputation und fachliche Wirkungskraft rührte ganz von seinen frühen mediävistischen Schriften her, mit denen er das Muster der Geistesgeschichte erfolgreich in die Verfassungshistoriographie des Mittelalters einführte und in denen er, unter anderem, seine fast legendäre, höchst erfolgreiche Lehre vom guten alten Recht entwarf. Obwohl in ihrem Titel hierauf bezogen, behandelt die Studie nicht in erster Linie rechtshistoriographische Zusammenhänge, sondern versucht, Denken und Anliegen von Fritz Kern insgesamt in ihre Kontexte einzuordnen, um dadurch den ausserordentlichen Erfolg seines Wirkens im 20. Jahrhundert wissenschaftsgeschichtlich besser erklären zu können.
https://www.rg.mpg.de/1805963/9783465142881.pdf
Fritz Kern und das gute alte Recht. Geistesgeschichte als neuer Zugang für die Mediävistik, Frankfurt a. M. : Klostermann, 2016 (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte; 302)