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Von den Sümpfen auf den See. Schnelligkeit war die wichtigste Waffe des Pferdes, als es vor Millionen von Jahren die Ursümpfe verliess und in den weiten Steppen überleben musste. Das Vermögen, schnell galoppieren zu können, ist denn auch eine der vielen Eigenschaften, die das Pferd für den Menschen interessant machen. Seit dieser die Equiden domestiziert, lässt er sie auch gegeneinander um die Wette laufen: sowohl aus Spass als auch aus züchterischen Überlegungen und später der Verdienstmöglichkeiten wegen.
Zu echten Sportdisziplinen haben sich Pferderennen spätestens im alten Griechenland entwickelt. 680 v. Chr. gehörten Wagenrennen zu den Höhepunkten der Olympischen Spiele, einige Dekaden später wurde das Programm mit berittenen Prüfungen erweitert. Schon damals wechselten die besten Pferde nach ihren Erfolgen ins Gestüt. Das Ziel, Stärke, Leistungsfähigkeit und Adel im sportlichen Vergleich zu erproben und diese mittels gezielter Auswahl von Tieren an die nächsten Generationen verbessert weiterzugeben, bildete vor gut 300 Jahren schliesslich die Grundlage für die Entwicklung jener Pferderasse, die sich im Laufe der Zeit von England ausgehend auf alle Kontinente verbreitet und als Rennpferd etabliert hat: das englische Vollblut.
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts ist der Galopprennsport auf den britischen Inseln organisiert. Schon 1756 wurden die ersten Rennen für dreijährige Pferde ausgetragen. In den darauf folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die so genannt klassische Route mit St.Leger, Derby, 1000 und 2000 Guineas sowie Oaks. In ihren formalen Grundsätzen unverändert und nur in terminologischer Hinsicht angepasst, hat sie auch heutzutage in aller Welt Bestand und bildet eines der Kernstücke für züchterische Entscheide. Zahlreiche andere bedeutende Prüfungen für Dreijährige und Ältere wie auch für Zweijährige wurden im Laufe der Zeit kreiert. Auf den Hippodroms von Ascot, Epsom, Newmarket, dem Curragh, Paris-Longchamp, Chantilly, Baden-Baden, Mailand etc. oder vielerorts in den USA und Australien entwickelten sich Traditions-Meetings, die aus den sportlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungskalendern nicht wegzudenken sind.
Seit Ende des letzten Jahrhunderts erlebt der Pferderennsport auch in Japan, Singapur, Hongkong und Dubai einen wahren Boom. Die ersten Pferderennen in der Schweiz gelangten am 29. September 1872 auf der Wollishofer Allmend in Zürich zur Austragung. Hier zu Lande hat der Turf eine besondere Prägung, zumal er nicht von der Zucht getragen wird und deshalb nicht wie im Ausland einen Industriezweig bildet. Die Traditionen sind dennoch reich und werden auf einer Vielzahl von Bahnen bis heute gewahrt. International beachtet wird der Schweizer Rennsport indes nur in Ausnahmefällen: zum Beispiel im Februar, wenn die spektakulären Bilder des White Turf in alle Welt hinausgetragen werden. Was die Rennen in St.Moritz so ganz anders, so speziell macht, sagte vor einigen Jahren der frühere Champion-Jockey Europas und Trainer Peter Schiergen, «ist das Bewusstsein, über einen See zu galoppieren. Über Eis, so wie der Reiter in der Ballade vom Bodensee, nur ohne die gefährlichen Spalten.»
Corinne Schlatter