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Eigentlich wäre diese Vater-Kind-Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Prinz Charles, der zukünftige König von Grossbritannien, muss eine Frau heiraten, die er nicht liebt. Das Paar bekommt zwei Kinder - Liebe aber entfacht zwischen Charles und Diana nie. Vielmehr unterhält er weiterhin seine Affäre mit Camilla, während Diana immer einsamer wird. Es folgt eine Scheidung, eine öffentliche Schlammschlacht - und schliesslich der tragische Unfalltod von Lady Di mit nur 36 Jahren. Inklusive öffentlicher Beerdigung, bei der die Kinder William und Harry vor den Augen der Welt dem Sarg ihrer Mutter nachlaufen müssen.
Kann es eine Kindheit mit noch mehr Tragik geben? Und trotzdem attestieren Prinz William, 36, wie auch Prinz Harry, 34, dem Prinzen von Wales, immer ein guter Vater gewesen zu sein. Oder gerade deshalb?
Nur wenig Zeit für seine Kinder
Als William und Harry Kinder waren, konnte sich Prinz Charles im Alltag nur wenig Zeit für seine Kinder nehmen. Ein berufstätiger Vater, der erst noch in der halben Weltgeschichte herumreisen muss. Dies habe in einer etwas komplizierten Beziehung resultiert, weiss die Royal-Biografin Penny Junor. «Das ist aber nicht fehlender Liebe geschuldet. Vielmehr der Tatsache, dass er immer auf seine Arbeit konzentriert war und etwas in der Welt verändern wollte.» Dabei spricht sie vor allem sein Engagement im Bereich Umwelt und Natur an. Eine Herzensangelegenheit, die er auch seinen Kindern mit auf den Lebensweg geben wollte.
So versuchte Charles zumindest in seiner raren Freizeit, so viel Zeit wie möglich mit seinen Kindern zu verbringen. Viele Wochenenden weilten er und seine Söhne - zu Beginn noch zusammen mit Diana - auf Charles' Farm in Broadfield, wo er ihnen die Natur und Landwirtschaft näher brachte. Oder im nahe gelegenen Landsitz in Gloucestershire. Hier verbrachten die zwei Jungs unvergessliche Stunden mit ihrem Vater. Weit weg von der öffentlichen Beobachtung.
Zwar habe Charles seine Söhne schon als Kinder immer als junge Erwachsene behandelt, schreibt Penny Junor im «Telegraph». Aber: «Sie waren immer die Freude seines Lebens.» Wieso man ihm das nicht geben würde? Wenn man zurückblicke, so Penny Junor, denke die Öffentlichkeit immer bei Diana an den liebenden Elternteil. Aber auch, weil es von ihr so viele Bilder gebe, auf denen sie liebevoll einen Arm um ihre Söhne gelegt hat. «Charles hingegen sieht immer formell und steif aus. Natürlich war Diana sehr liebevoll. Aber die Wahrheit ist, dass Charles es genauso war und ist. Im Privaten war er genauso warm, genauso liebevoll.»
«Er war für uns da»
«Er hat als alleinerziehender Vater einen ziemlich guten Job gemacht», zieht auch Richard Kay gemäss Bild.de ein positives Fazit. Der Journalist war ein Vertrauter von Prinzessin Diana - und bezieht sich mit dieser Aussage nicht zuletzt auch auf die Tage, Wochen und Monate nach dem Tod von Diana. Eine besonders schwere Zeit für William und Harry, aber auch für Charles. Er sei es gewesen, der ihnen die Nachricht vom Tod ihrer Mutter überbracht habe, erinnern sich die zwei Prinzen in einer Dokumentation der BBC anlässlich des 20. Todestages von Diana im Jahr 2017.
«Eines der schlimmsten Dinge für Eltern ist es, ihren Kindern sagen zu müssen, dass ein Elternteil gestorben ist. Ich weiss nicht, wie man damit umgeht», erzählt Harry in dieser Dokumentation. «Aber er war für uns da. Er war der Hinterbliebene. Und er hat sein Bestes getan, sicherzustellen, dass wir beschützt und behütet sind», dankt er seinem Vater Charles.
Nicht einmal jene Situation, als er und William am Tag von Dianas Beerdigung hinter dem Sarg ihrer Mutter herlaufen mussten - vor den Augen der Weltöffentlichkeit - hält er seinem Vater vor. Zwar meinte Harry einmal, dass dies keinem Kind zugemutet werden könne. Seinem Vater aber gibt er dafür keine Schuld. Er glaube, es sei eine Gruppenentscheidung gewesen. «Ich habe eigentlich keine Meinung, ob das richtig oder falsch war. Aber wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich sehr froh, Teil davon gewesen zu sein.»
In der Galerie: Der Gang von William & Harry hinter dem Sarg ihrer Mutter
«Camilla ist keine böse Stiefmutter»
Auch im Umgang mit Camilla bewies Prinz Charles wahre Vaterqualitäten gegenüber seinen Söhnen. So wartete er sehr lange zu, bis er Camilla seinen Söhnen vorstellte. «Es war klar, dass es nicht einfach werden würde», meint Penny Junor. «Das Tempo aber gaben die Jungs vor, die bald realisierten, dass Camilla ihren Vater enorm glücklich macht. Und dass dies das Wichtigste überhaupt ist.»
Inzwischen versteht sich Camilla hervorragend mit ihren Stiefsöhnen. Sie seien sich sehr nahe und sie sei eine wunderbare Frau, meinte Prinz Harry einst. Und verteidigte sie auch gleich gegen jegliche Angriffe: «Sie ist keine böse Stiefmutter. Schaut euch die Position an, auf der sie hier reingekommen ist. Nicht William und ich sollten euch leidtun, sie sollte euch leidtun.»
Sie lieben es, Grosseltern zu sein
Auch heute noch, im Erwachsenenalter, pflegen Vater Charles und seine Söhne Harry und William eine enge Beziehung. Immer wieder soll er ihnen beratend zur Seite stehen, bei der Hochzeit von William und Herzogin Catherine, 36, konnte Charles seine Tränen kaum zurückhalten, und bei derjenigen von Harry und Herzogin Meghan, 37, schwärmte er davon, wie schön es sei, zu sehen, was aus seinem Jüngsten geworden sei.
Und natürlich sind zu den Vater- inzwischen auch Grossvater-Pflichten hinzugekommen, mit den drei Kindern von William und Catherine: Prinz George, 5, Prinzessin Charlotte, 3, und Prinz Louis, sieben Monate. Beide, Camilla und Charles, liebten es, Grosseltern zu sein, so ein Insider gegenüber «People» einst. Etwas, das Penny Junor schon kurz nach der Geburt von George prognostizierte: «Er wird ein grossartiger Grossvater sein. Er wird Grimassen machen und lustige Stimmen, um George zum Lachen zu bringen. Wie er es bei William und Harry immer gemacht hat.»
Dass dem so ist und sich Charles viel Zeit für seine Enkel nimmt, liess dieser in seinem Statement nach der Geburt von Louis durchblicken. Sei seien sehr erfreut über die Neuigkeit, teilte er damals mit. Es sei eine grosse Freude, ein weiteres Grosskind zu haben. Und fügte wohl mit einem Augenzwinkern an: «Das einzige Problem ist, dass ich nicht weiss, wie ich mit ihnen mithalten soll.» Was er wohl sagt, wenn erst das Kind von Harry und Meghan und damit sein viertes Enkelkind auf der Welt ist?
Lesen Sie im vierten Teil unserer Charles-Serie: So reagierte Prinz Charles auf die Trauer um Prinzessin Diana