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Gefässflöten unterscheiden sich von den Rohrflöten durch ihren bauchigen, geschlossenen Resonanzkörper.
Sie gehören zu den Windinstrumenten, da der Klang durch die Vibration von Luft erzeugt wird.
Als Mundstück haben sie einen Schnabel mit einem Kernspalt wie bei der Blockflöte oder ein einfaches Loch wie die Querflöte und sind meistens aus Knochen, Holz, Tonerde oder Porzellan gearbeitet.
Bei Gefässflöten ist auch, wie bei anderen Instrumenten, die Grösse des Klangkörpers massgebend für den Grundton. Grundsätzlich gilt, je grösser das Volumen, desto tiefer der Klang.
Die kleinen Piccolos haben einen sehr hohen, Vogelstimmen ähnlichen Klang, die Soprano Ocarinas sind der C- Blockflöte ähnlich, die Tenor Ocarina klingt ruhiger und voller mit ihrem grösseren Körpervolumen, und die Bass Ocarina schwingt in tiefen, tragenden und weichen Klängen.
Mit der Grösse der Fingerlöcher werden die Ocarinas ihrem Grundton entsprechend gestimmt. Im Gegensatz zur Blockflöte wo die Löcher in genauem Abstand linear angebracht sind, können bei der Ocarina die Löcher beliebig gesetzt werden. Üblich sind 4 bis 8 oder 10 Löcher auf der Oberseite und 1 – 2 Daumenlöcher auf der Unterseite.
Eine Eigenart der Ocarina ist, dass sie, wie sehr wenige andere Instrumente (Gemshorn, Maultrommel) kaum Obertöne produziert.
Dieses akustische Phänomen erfolgt, so wird angenommen, durch die geschlossene Form des runden Klangkörpers, in dessen die Luft als Ganzes vibriert wenn sie durch das Blasen in Bewegung gesetzt wird.
Einerseits hat dies zur Folge, dass sich die Ocarina nicht wie die Rohrflöten überblasen lässt, um die höhere(n) Oktave(n) anzustimmen. Deshalb ist der Tonumfang einer Ocarina meistens auf eine bis anderthalb Oktave(n) mit allen Halb- und Zwischentönen begrenzt.
Andererseits erzeugt die Ocarina gerade durch das Minimum an mitschwingenden Obertönen sehr reine und klare Töne, welche für ihre Grösse immer wieder faszinieren.
Die Tonentstehung bei der Ocarina
Grundsätzlich gilt bei einer Rohrflöte, wie die Blockflöte, irische Pennywhistle, südamerikanische Queña usw., dass sich die Länge des Rohrs mit jedem geöffneten Loch verkürzt und dadurch die Töne höher erklingen, weil der Resonanzraum verkleinert wird.
Bei der Ocarina als Gefässflöte ist es so, dass der Resonanzkörper derselbe bleibt, jedoch die Luftmenge, die aus den geöffneten Fingerlöchern tritt, für die Klanghöhe bestimmend ist.
Es ist also möglich, mit verschiedenen Griffkombinationen die Tonleiter und alle Zwischentöne zu spielen. Massgebend ist dabei die austretende Luftmenge.
Anhand der Grifftabelle für die Ocarina mit 4 bis 6 Grifflöchern ist ersichtlich, wie die Anzahl Löcher mit steigender Höhe der Töne zunimmt und die Löcher auch grösser werden.
Bei einer Blockflöte sind die Abstände der Löcher genau berechnet, um in etwa der gleichen Grösse zu bleiben, hingegen verändert sich die Lochgrösse bei der Ocarina, und die Platzierung deren ist zum grössten Teil frei bestimmbar. Um die Vibration im Resonanzraum jedoch zu gewährleisten, ist es wichtig, dass die Löcher nicht zu nahe beim Labium sind. Besonders bei der Platzierung der Daumenlöcher ist darauf zu achten.
Folgende Faktoren beeinflussen Tonhöhe und Qualität:
Grösse des Resonanzkörpers (definiert Grundton)
Durch den Hohlraum (Resonanzkörper) wird der Grundton bestimmt. Je grösser umso tiefer, je kleiner umso höher der Ton.
Grösse und Form der Öffnung zwischen dem Luftaustritt und dem Labium:
Je grösser die Öffnung im Ganzen, desto höher wird der Grundton, je länger und schmaler die Öffnung (z.B. bei vielen südamerikanischen Ocarinas), umso weicher und luftiger wird der Klang, je kürzer und breiter (z.B. Blockflöte) umso klarer und fokussierter der Klang.
Wanddicke und Material des Instruments
Mit der Wanddicke verändert sich die Klangqualität und die benötigte Grösse der Fingerlöcher.
Ocarinas aus Steinzeugton ergeben meist einen helleren, aus Terrakotta (Niederbrand) einen wärmeren Klang.
Die Bohrung der Löcher
Bei den Fingerlöchern ist der innere Durchmesser sowie der durch die Wanddicke entstehende Hohlraum für die Stimmung massgebend. Mit der ‚Trichter-Technik‘ kann ein Fingerloch auf verschiedene Arten geschaffen werden. Ein kleines Loch kann somit durch die äussere Vergrösserung zu besserer Greifbarkeit führen. Ein grosses Loch kann durch die innere Vergrösserung aussen kleiner geschaffen werden. Am besten ist jedoch wenn das Loch gerade und gleichmässig eingestochen wird.
Querschnitt einer Ocarina zur Anschauung der Tonentstehung
Grafik: J. Meier