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Pilatus P-2
In den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges bemühten sich die Pilatus Flugzeugwerke um den Nachbau des zweisitzigen italienischen Trainingsflugzeuges Ambrosini S. A. l. 7 und um den deutschen Typ Arado 96 B. Als sich herausstellte, dass für keinen der beiden Flugzeugtypen Lizenzrechte erhältlich waren, entschloss man sich auf eigenes Risiko zur Entwicklung des Trainingsflugzeuges P-2. Ein Vorentwurf und eine kurze Beschreibung wurden im November 1942 dem Militärdepartement, beziehungsweise der Fliegertruppe übergeben. Diese unterstützte das Vorhaben sofort, da die Umschulungsflugzeuge Messerschmitt Me (Bf) 108 B Taifun bereits erste Abnutzungserscheinungen zeigten und alle Maschinen zudem hohe Betriebsstundenzahlen aufwiesen.
Die Fliegertruppe wünschte ein Trainingsflugzeug für zwei verschiedene Aufgaben: ein Umschulungsflugzeug als Stufe zwischen dem Schulflugzeug und den Frontmaschinen und eine Maschine für das Waffentraining wie Schiessen, Bombenabwurf sowie für das Funktraining.
Die Entwicklung gestaltete sich wie folgt:
P -2.O1 HB-GAB/A-1 01 /U-1 01
Prototyp. Mit dem Bau wurde gegen Ende 1943 begonnen; dann folgten die Anpassungen an die Forderungen der Fliegertruppe. Der Erstflug erfolgte am 27.April '1945 durch Horst Siegfried und am 25. Mai konnte die P-2.01, HB-GAB, auf dem Flugplatz Buochs zum ersten Mal der Fliegertruppe vorgestellt werden.
Ende September kaufte die Armee die P-2.01 an, welche von nun an das militärische Kennzeichen A-101 trug. Nach zweimonatiger intensiver Erprobung durch die Direktion der Militärflugplätze (D. M. P.), heute BAMF wurde die P-2 als Trainingsflugzeug akzeptiert und der Serienbau beantragt. Nach 36 Dienstjahren kehrte die A-101 wieder zu den Pilatus Flugzeugwerken zurück und ist heute auf dem Werkgelände ausgestellt.
P-2.02
Dies war eine Zelle, an der Belastungsversuche bis zum Bruch durchgeführt wurden.
P-2.03 A-102
P-2.04 U-101
Im Juni 1944 erteilte die Kriegstechnische Abteilung (KTA), heute Gruppe für Rüstungsdienste (GRD), den Auftrag zur Entwicklung und zum Bau von zwei Prototypen mit Hispano-Suiza Motoren, da man zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ob die für die Serienausführung vorgesehenen Argus As 410 Triebwerke überhaupt erhältlich sein würden. In der Not versuchte man die alten, von den Jagdflugzeugen Dewoitine D.27 stammenden Hispano-Suiza HS-5712 Mb Motoren für die Serienausführung der P-2 zu verwenden. Die Flugzeuge kamen im Sommer 1947 zur Erprobung nach Dübendorf. Die Flugleistungen und das Flugverhalten befriedigten aber nicht, so dass auf eine Weiterführung der Versuche verzichtet wurde. Beide Flugzeuge waren für die gleichen Aufgaben vorgesehen, wie sie den nachfolgenden Serienmaschinen P-2.05 und P-2.06 zufielen.
Die P-2.03, A-1O2 musste am 11. September 1957 wegen Motorendefekt eine Notlandung vornehmen und erlitt einen Totalschaden.
Die P-2.04, U-101 war mit je einem Maschinengewehr für den Piloten und den Beobachter ausgerüstet; sie wurde 1962 ebenfalls wegen Motorendefekt abgeschrieben.
P-2.05
A-103 bis A-128
U-103 bis U-128 (ab 1965)
Da sich bei der Erprobung der P-2.01 keine Mängel oder nur solche von sekundärer Bedeutung zeigten, konnte 1946 eine Serie von 26 Umschulungs-Flugzeugen P-2.05 in Auftrag gegeben werden. Sie dienten als Stufe zwischen dem Schulflugzeug einerseits und dem Frontflugzeug andererseits. Um die P-2.05 als Schulflugzeug besser kenntlich zu machen, wurden die Tragflächen gelb gestrichen.
Ab 1965, als die Flugzeuge mit Funk und für den Instrumentenflug ausgerüstet wurden, änderten sich die Kennzeichen auf U-103 bis U-128, der gelbe Flügelanstrich wurde durch einen silbernen ersetzt.
P-2.06
U-102
U-103 bis U-128
U-132 bis U-157 (ab 1965)
Als weiterer Prototyp konnte im Oktober 1948 die bewaffnete P-2.06, U-102 erprobt werden. Dieser Prototyp wurde 1944 mit den P-2.03 und .04 bestellt. Er verfügte über ein im Rumpf fest eingebautes MG - mit Schussbahn durch den Propellerkreis - und über zwei Bombenrecke für je drei Übungs- oder Splitterbomben. Das Flugverhalten und die Flugleitungen waren mit denen der P-2.05 praktisch identisch. Dies führte im Sommer 1948 zur Beschaffung von 25 P-2.06. Die Ablieferung an die Flugwaffe erfolgte zwischen Dezember 1949 und September 1950. Ab 1965 wurden die Flugzeuge mit U-132 bis U-157 bezeichnet. Die P-2 haben sich bei der Schweizerischen Flugwaffe ausserordentlich gut bewährt, und sie standen bis 1981 in ihrem Dienst. Im Mai 1981 konnten23 P-2.05/06 an private Interessenten versteigert werden. Elf Flugzeuge fanden Käufer in der Schweiz, und zwölf Maschinen gingen in Länder wie Belgien, Deutschland, England, Frankreich und neuerdings auch in die USA.
Die P-2.06, U-134 befindet sich im Museum der schweizerischen Fliegertruppe in Dübendorf.
Aufbau
Bei der P-2 handelt es sich um einen zweisitzigen, freitragenden Tiefdecker in Gemischtbauweise. Der Flügel besteht aus einer zweiholmigen Holzkonstruktion mit Sperrholzbeplankung. Im Mittelteil sind zwischen den Holmen drei Brennstofftanks mit total 240 Liter Fassungsvermögen untergebracht. Die Querruder sind stoffbespannte Metallkonstruktionen. Der Rumpf wurde in einer unter teilten Halbschalenbauart hergestellt. Die obere und untere Verkleidung am Rumpfhinterteil können zur besseren Wartung demontiert werden. Das Leitwerk ist fest mit dem Rumpf verbunden. Die Flossen sind metallbeplankt und die Ruder stoffbespannt. Das hydraulisch einziehbare Hauptfahrwerk und das feste Heckrad stammen von ausgemusterten Jagdflugzeugen Messerschmitt Me 109D/E, aber auch das Flieger MG 29 der P-2.06 war schon in diesen Jägern eingebaut. Selbst ein Teil der Instrumentierung kam aus "zweiter Hand".
Technische Daten P-2.05
Ein Argus As 410-A2 mit einer Startleistung von 465 PS
|Spannweite||11,00 m|
|Länge||9,07 m|
|Höhe||2,70 m|
|Flügelfläche||17,00 m2|
|Leergewicht||1410 kg|
|Startgewicht||1800 kg|
|Maximalgeschwindigkeit in 2000 m/M||336 km/h|
|Minimalgeschwindigkeit||120 km/h|
|Steigleistung||6,7 m/sec|
|Gipfelhöhe||6500 m|
|Startstrecke||170 m|
|Landestrecke||120 m|