Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03425.jsonl.gz/98

Wieder vermehrt Todesfälle durch Masern
Seit Anfang 2005 werden europaweit wieder mehr Masern-Erkrankungen gemeldet - in der überwiegenden Zahl der Fälle sind nicht-geimpfte oder nicht vollständig geimpfte Kinder betroffen. Seit 2002 sanken die Zahlen wegen einer höheren Durchimpfungsraten gegen Masern, Mumps und Röteln - aber jetzt ist das Ziel der WHO, die Masern zu eliminieren, wieder in weite Ferne gerückt. In den vergangenen Monaten ist es sogar vermehrt zu Todesfällen durch Masern gekommen. Der Grund: Viele Eltern unterschätzen die gefährlichen Folgen der angeblich "harmlosen Kinderkrankheit" und entscheiden sich gegen die Masern-Mumps-Röteln-Impfung.
Aber eine Maserninfektion kann nicht nur akut gefährliche Folgen wie Enzephalitis (Hirnentzündung) oder Lungenentzündung, sondern auch tödliche Spätfolgen haben. Vor kurzem erst erkrankte ein sechsjähriger Junge aus Bielefeld (DE) nach einer Maserninfektion an der tödlichen Folgekrankheit, einer Gehirnentzündung namens SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis). Der Junge hatte sich als Säugling mit dem Masernvirus angesteckt. Als Spätfolge entwickelte sich die tödliche Gehirnentzündung. Noch zwei bis acht Jahre nach einer Masern-Infektion kann die SSPE auftreten. Sie ähnelt der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und ist wie diese unheilbar. Ursache ist das Eindringen von Masernviren ins Gehirn, wo sie Nervenzellen zerstören. Je jünger Kinder bei einer Maserninfektion sind, desto höher ist das Risiko, später an einer SSPE zu erkranken. Bei Kindern unter einem Jahr kann laut britischen Studien sogar eins von 5.000 mit Masern infizierten Kindern eine SSPE bekommen.
Masern können mit einer zweimaligen Schutzimpfung im ersten und zweiten Lebensjahr verhindert werden (MMR-Impfung). Auch im späteren Lebensalter ist die Impfung jederzeit nachholbar. Für solche empfohlene Impfungen werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Der Verdacht, eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung erhöhe das Risiko einer entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn) oder Autismus bei Kindern, konnte in mehreren langjährigen Studien bisher nicht bewiesen werden.
Quellen:
dgk (Deutsches Grünes Kreuz), Pressemitteilung vom Mai 2005 ("Das gesunde Kind")
B. Taylor et al.: British Medical Journal, 2002; 324: S. 393-396.
Stand: 5/05, B.H.