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Dörfer und Städte
Wie unterscheidet sich das Land, das Dorf von der Stadt? Noch bis zur Mitte des 19. Jh. stellte sich diese Frage kaum. Zwischen der Stadt Basel und den Bauerndörfern sowie den Städtchen Waldenburg, Laufen und Liestal lagen Wiesen, Felder und Wälder. Dörfer und Städte waren gut unterscheidbar voneinander getrennt. Innerhalb der Dörfer und Städte waren die Häuser jedoch eng zusammengebaut. So blieb das Land frei für die Landwirtschaft. Felder, Äcker, Weiden und Obstwiesen lagen ausserhalb des Dorfes, die Bäche suchten sich ihren Weg frei durch die Landschaft.
Mit dem Bau von Fabriken ab 1850 zogen viele Menschen, angelockt von neuen Arbeitsmöglichkeiten, in die Städte. Vor allem Basel wirkte in der Anfangsphase der Industrialisierung wie ein Magnet für die Landbevölkerung. Das Leben in der Stadt war jedoch schwierig. Obwohl viele neue Häuser gebaut wurden, gab es nicht genügend Wohnungen. Diese waren zudem oft dunkel, eng und teuer. Erst als in den 1860er-Jahren die Stadtmauern abgebrochen wurden, konnten vor der Stadt Häuser errichtet werden. Neue Wohnquartiere wie das Gundeldinger- oder das Bruderholzquartier wurden auf den Wiesen und Weiden des Umlandes gebaut, auf denen vor dem Abbruch der Mauern noch Kühe geweidet hatten und Äcker gepflügt wurden. Die Landschaft vor der Stadt wurde so zu neuen Stadtquartieren.
Siedlungswachstum
Neue Tramlinien führten ab 1900 ins Rhein-, Birs- und Birsigtal und ins benachbarte Ausland. So fuhr das Tram nach St. Louis und Huningue in Frankreich und nach Lörrach in Deutschland. Die Menschen begannen, entlang dieser Tramlinien zu wohnen. Besonders nach dem 2. Weltkrieg wurden Häuser und Strassen neu gebaut, bestehende Tram- und Eisenbahnlinien ausgebaut. Bauland war damals billig. Viele Wiesen und Rebberge wurden überbaut und Obstbäume gefällt. Mehr und mehr fehlten deshalb Tieren und Pflanzen ihre Lebensräume. Als die Menschen dies merkten, begannen sie in den 60-er und 70er-Jahren vermehrt darüber nachzudenken, was man unternehmen sollte, um die Landschaft zu schützen. Das Resultat war, dass besondere Landschaften, aber auch das Landwirtschaftsland vor Überbauungen per Gesetz geschützt wurden.
Trotzdem sind heute die Dörfer der Region zusammengewachsen. Fast alle Orte sind mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem Auto gut zu erreichen. Das ist möglich, weil in den 70er-Jahren die Autobahn und weitere Schnellstrassen gebaut und später auch die Bahnlinien ausgebaut wurden. So können die Menschen in den Dörfern wohnen und in die Stadt pendeln, um dort zu arbeiten. Weil sich viele Bewohner der Region entschieden haben, im Grünen zu leben, wurde die Landschaft lange Zeit mit Einfamilienhäusern verbaut. Um das in der Zukunft zu ändern, werden heute vermehrt Hochhäuser und Wohnsiedlungen in der Stadt erstellt. Darin können pro Fäche mehr Leute wohnen als in einem Einfamilienhausquartier. Wünschbar wäre, dass die Menschen möglichst dort wohnen, wo sie arbeiten.
Natur im Siedlungsraum
In der mittelalterlichen Stadt und auch während der Zeit der Industrialisierung gab es nur wenige grüne Plätze für die ärmere Bevölkerung. Der Petersplatz in Basel war ein solcher Ort mit vielen Bäumen. Erst als die Friedhöfe an andere Orte ausserhalb der Stadt verlegt wurden, konnten dort Pärke zur Erholung der Menschen gestaltet werden. Ein Beispiel ist der Kannenfeldpark, der vormals ein Friedhof war.
In der Stadt gab es sonst wenig Natur. Die Flüsse, die durch die Stadt flossen, wurden kanalisiert – wie die Birs – oder eingedolt und überdeckt - wie die Birsig. In der Stadt konnten sich nur die reicheren Bürger Wohnhäuser mit schön gestalteten Gärten leisten. Die ärmere Bevölkerung erhielten im Stadtgraben oder entlang der Stadtmauern Pflanzland gegen einen Pachtzins. Mit dem Abriss der Stadtmauern ab 1860 gab es wieder Luft, Licht und Platz in der erweiterten Stadt. Dort, wo die Stadtmauern verliefen, erstellten die Stadtgärtner deshalb bepflanzte Grünanlagen wie zum Beispiel die St. Alban Anlage.
Heute wollen die Menschen in den Städten und Siedlungen wieder mehr Grün und Natur sehen. Deshalb werden zum Beispiel Flüsse ausgedolt oder aus ihrem Kanal befreit. Im Sommer kann man heute an einem Kiesstrand an der Birs sitzen und im Fluss baden. Auch dürfen grosse Bäume in der Stadt nicht mehr ohne eine Bewilligung gefällt werden. Viele verschiedene Pflanzen wachsen wieder am Ufer. Städte beherbergen heute oft mehr Pflanzen und Tiere als der ländliche Raum.
Gärten - gestaltete Natur
In der Stadt konnten sich nur die reicheren Bewohner Privat-Gärten leisten. Besonders die Barockgärten oder «Französischen Gärten» waren geometrisch genau gestaltet, geplant und bepflanzt. Auch auf dem Land wurden solche Gärten angelegt. Im 18. und 19. Jh., wollten die Menschen die Natur wieder in die Gärten der Herrschaftshäuser in der Stadt und auf dem Land zurückbringen – mit dem «Englischen Garten». In diesen Gärten wurde die Natur nachgestaltet und nicht mehr zurückgedrängt wie zu Zeiten der Barockgärten.
In den Dörfern gestalteten die Bauern während Jahrhunderten ihre Bauerngärten mit Beeten und Wegen. Sie konnten sich mit dem eigenen Gemüse selber versorgen. Die Gartenstadt-Idee der 1920er-Jahre brachte das Wohnen im Grünen mit dem eigenen Pflanzplätz auch für den Mittelstand in Reichweite. In der Stadt selber konnte die landlose Bevölkerung in den Schrebergärten am Stadtrand, heute werden sie Familien- und Freizeitgärten genannt, ihr eigenes Gemüse anpflanzen kann. Auch in den Einfamilienhausquartieren finden sich heute gestaltete Gärten. Oft sind diese jedoch mit exotischen Pfanzen bepflanzt.
MJ