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Impfreaktionen
Was sind Impfstoffe?
Impfstoffe sind biologische Produkte, welche Tiere oder Menschen vor Infektionserkrankungen schützen. Dieser Schutz wird vermittelt, indem eine Infektion verhindert wird, d. h., der Erreger kann im Körper des Tieres nicht überleben (z. B. bei der Tollwut-Impfung), oder indem klinische Krankheitszeichen sich nicht bzw. in nur einem geringen Ausmass entwickeln (z. B. bei der Katzenschnupfen-Impfung).
Unerwünschte Impfreaktionen bei der Katze
Der Impfstoffhersteller muss im Rahmen des Registrierungsverfahrens Wirksamkeit und Unschädlichkeit des Produktes nachweisen. Wie bei anderen Medikamenten kann die Anwendung von Impfstoffen jedoch auch unerwünschte Wirkungen auslösen. So kann einerseits die Schutzwirkung ungenügend sein, oder andererseits können Nebenwirkungen auftreten.
Keine Impfung ist 100 %ig wirksam: Sporadisch treten bei Katzen Infektionserkrankungen auf, obwohl sie dagegen geimpft wurden (so genannter Impfdurchbruch). Gründe für Impfdurchbrüche sind einerseits eine falsche Aufbewahrung, Handhabung oder Gabe des Impfstoffes. Andererseits können Gründe für eine ungenügende Schutzwirkung beim Patienten selber liegen: So sind Katzen, die an einer Schwäche des Immunsystems leiden (z. B. wegen einer Infektion mit dem Leukämievirus FeLV), Tiere mit einer erhöhten individuellen genetischen Empfänglichkeit für die Erkrankung oder Jungtiere besonders für einen Impfdurchbruch gefährdet. Jungtiere sind besonders anfällig auf einen Impfdurchbruch, wenn sie noch die mütterlichen Antikörper haben. Diese maternalen Antikörper wirken nämlich dem effektiven Aufbau einer Immunität nach einer Impfung entgegen. Auch bei Tieren, die zum Zeitpunkt der Impfung den Erreger schon beherbergen, ohne jedoch klinische Krankheitszeichen zu zeigen, können Impfdurchbrüche vorkommen.
Nebenwirkungen von Impfungen treten am häufigsten als unspezifische generalisierte Krankheitszeichen auf: Die Katze frisst nicht mehr so recht, ist müde und hat vielleicht etwas Fieber. Diese Nebenwirkungen treten meistens wenige Stunden nach der Impfung auf und können ein bis drei Tage andauern. Sie sind im Allgemeinen von milder Natur und verschwinden von alleine. Da die Wirkung der Impfstoffe über die Stimulation des Immunsystems vermittelt wird, werden diese Nebenwirkungen in Kauf genommen.
Es kann auch vorkommen, dass nach einer Impfung milde Symptome der Erkrankung auftreten, gegen die der Impfstoff gerichtet war. So können z. B. Schnupfen, Niesen und Nasenausfluss nach einer Katzenschnupfen-Impfung auftreten.
Gelegentlich kommen nach Impfungen auch allergische Reaktionen vor: Bei der Katze äussern sich diese am häufigsten als Durchfall, Erbrechen, Atemprobleme und Nesselfieber. In sehr seltenen Fällen kann es zum Tod der Katze kommen. Diese Nebenwirkungen treten Sekunden oder Minuten nach der Impfung auf und können 24 bis 48 Stunden dauern. Die Patienten müssen für diese Zeit beobachtet werden, und eine Therapie durch den Tierarzt kann notwendig sein.
Ob Impfungen zu einer klinisch relevanten Schwächung des Immunsystems führen können, ist bis heute nicht eindeutig bewiesen.
Örtlich begrenzte Nebenwirkungen kommen an der Impfstelle relativ oft vor. Sie äussern sich v. a. als Schmerzen und Schwellungen. Diese gutartigen Schwellungen verschwinden meistens spontan nach Wochen bis Monaten. Gravierende lokale Nebenwirkungen treten bei Katzen in Form eines bösartigen Tumors, eines so genannten Sarkoms, auf. Darauf wird im Folgenden näher eingegangen.
Wie kann das Risiko von unerwünschten Impfreaktionen gesenkt werden?
Obwohl die Notwendigkeit, Katzen weiterhin zu impfen, unbestritten ist, haben die möglichen Nebenwirkungen (insbesondere das nicht unerhebliche Risiko eines durch eine Impfung ausgelösten Sarkoms) Tierärzte und Tierbesitzer/innen sensibilisiert und dazu geführt, dass die seit Jahrzehnten durchgeführten Impfprotokolle revidiert wurden. Anhand von wissenschaftlichen Studien konnte bei manchen Krankheiten gezeigt werden, dass jährliche Impfungen nicht notwendig sind.
Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 2 / 2006
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Autorin:
Dr. med. vet. Cécile Rohrer Kaiser, Dipl. ACVIM und ECVIM-CA (Innere Medizin)