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Aufstellungspflicht
Der Anhang gehört regelmässig zur Jahresrechnung bzw. Jahresabschlusses aller rechnungslegungspflichtigen Personen in der Schweiz und betrifft somit
- alle Kapitalgesellschaften (Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Kommanditaktiengesellschaften), Vereine, Stiftungen und übrige juristische Personen.
- alle Einzelunternehmen und Personengesellschaften.
Für die beiden letztgenannten existiert mit OR 959c Abs. 3 allerdings eine explizite Befreiungsoption im Rechnungslegungsrecht. Hiernach können Einzelunternehmen und Personengesellschaften auf die Erstellung des Anhangs verzichten, wenn sie nicht zur Rechnungslegung nach den Vorschriften für grössere Unternehmen verpflichtet sind.
Zur Rechnungslegung für grössere Unternehmen sind gemäss OR 961 solche Einzelunternehmen und Personengesellschaften verpflichtet, die der ordentlichen Revision unterliegen und somit in Verbindung mit OR 727 Abs. 1 Ziff. 2 zwei der nachstehenden Grössen in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren überschreiten:
a. Bilanzsumme von 20 Millionen Franken,
b. Umsatzerlös von 40 Millionen Franken,
c. 250 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt.
Funktionen
Die bisherige untergeordnete Bedeutung des Anhangs im Vergleich zur Bilanz und Erfolgsrechnung wurde mit der Neuregelung des OR 959c massgeblich aufgewertet, weil seine quantitativen und qualitativen Angaben neu ebenso dazu dienen sollen, dass die Generalnorm der OR-Rechnungslegung gemäss OR 958 Abs. 1 erfüllt wird. Hiernach soll die Rechnungslegung bekanntlich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens so darstellen, dass sich Dritte ein zuverlässiges Urteil bilden können. Der Erreichung dieses Ziels ist folglich auch der Anhang mit seinen ergänzenden und erläuternden Informationen untergeordnet. Dies macht Sinn, weil die Informationen der Bilanz- und Erfolgsrechnung aufgrund von Wahlrechten und Ermessensspielräumen bei Bilanzierung, Bewertung und Ausweis die durch die Generalnorm geforderte Darstellung der wirtschaftlichen Lage allein nicht vollständig und/oder umfassend genug erreichen lassen.
Aufbau
Gemäss OR 959c besteht allgemein die Anforderung eine Vielzahl unterschiedlicher Einzelinformationen innerhalb des Anhangs darzustellen, die Angaben zum Inhalt der Bilanz und Erfolgsrechnung, zu den angewandten Bewertungsmethoden oder zu solchen Tatbeständen betreffen, die nicht in der Bilanz und Erfolgsrechnung erfasst wurden.
Es handelt sich bei der in OR 959c Abs. 1 angegebenen Umfang der Anhangsangaben jedoch nur um einen Mindestumfang an Informationspflichten, der durch weitere freiwillige Informationen ergänzt werden kann, wobei darüber hinaus auch gewisse Angaben wahlweise in Bilanz, Erfolgsrechnung oder Anhang gemacht werden dürfen.
Inhalt
Mindestens sind die folgenden Informationen im Anhang aufzuführen:
- Angaben über die in der Jahresrechnung angewandten Grundsätze, soweit diese nicht vom Gesetz vorgeschrieben sind;
- Angaben, Aufschlüsselungen und Erläuterungen zu Positionen der Bilanz und der Erfolgsrechnung;
- den Gesamtbetrag der aufgelösten Wiederbeschaffungsreserven und der darüber hinausgehenden stillen Reserven, soweit dieser den Gesamtbetrag der neugebildeten derartigen Reserven übersteigt, wenn dadurch das erwirtschaftete Ergebnis wesentlich günstiger dargestellt wird;
- weitere vom Gesetz verlangte Angaben.
Die Angabe der im Jahresabschluss angewandten und nicht gleichzeitig durch das Gesetz vorgeschriebenen Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze folgt dem Zweck, den Leser für die Interpretation der Angaben im Jahresabschluss zu orientieren. So liegen beispielsweise die Methodenwahl für die Bemessung von Abschreibungen und die Höhe der Abschreibungssätze regelmässig im Ermessen der Unternehmen. Gleiches gilt im Hinblick auf Abschreibungen bzw. Wertberichtigungen im Umlaufvermögen. Aus diesem Grund sind im Anhang die in Anspruch genommenen Wahlrechte auch zu erläutern.
Weitere nicht durch das Gesetz vorgeschriebene Angaben können die Anwendung POC-Methode, die Umsatzrealisierung, die Bewertung zu Marktpreisen einschliesslich der Bestimmung von Schwankungsreserven, die Erfassung von Gewinnen / Verlusten aus der Veräusserung von eigenen Kapitalanteilen, die Darlegung der Umrechnungsmethode bei Rechnungslegung in Fremdwährung u.a.
Der gleichen Zielsetzung dienen nähere Angaben und Aufschlüsselungen zu solchen Positionen der Bilanz und Erfolgsrechnung, deren Inhalt und Zusammensetzung nicht eindeutig sind. Dies trifft beispielsweise die Bezeichnung der Bilanzposition Vorräte, die sowohl Rohmaterialien, Halbfabrikate und Fertigfabrikate sowie Handelswaren umfassen kann. Vor allem aber als Misch-Positionen wie Sonstige Forderungen bzw. Verbindlichkeiten sowie sonstige Erträge bzw. Aufwendungen bilden regelmässig Anwendungsfälle für OR 959c Abs. 1 Ziff. 2.
Für die gemäss OR 959 Abs. 1 Ziff. 4 genannten allfälligen weiteren gesetzlich notwendigen Angaben im Anhang sind zum einen auf OR 959 Abs. 2 Ziff. 1 bis 14 sowie OR 959 Abs. 4 zu berücksichtigen. Zum anderen fallen unter diese Vorschrift auch Sachverhalte wie Abweichungen von der Annahme der Fortführung, angewandte Fremdwährungs-Umrechnungskurse, die Erläuterung einer allfälligen Bilanzierung zu beobachtbaren Marktpreisen, die Höhe von Personalaufwand, Abschreibungen und Wertberichtigungen im Falle der Darstellung der Erfolgsrechnung in Form der Absatzerfolgsrechnung, Angaben zu Nahestehenden, Rangrücktritte, Angaben über Gegenstand und Betrag von Aufwertungen oder Abweichungen vom Verrechnungsverbot bzw. vom Grundsatz der Stetigkeit.
Fazit zum Anhang
Der Anhang ist durch die Neue OR-Rechnungslegung in seiner Bedeutung massgeblich aufgewertet worden und für die Abschlussadressaten von hoher Relevanz. Als drittes Berichtselement neben Bilanz und Erfolgsrechnung übernimmt der Anhang zukünftig eine wichtige Informationsfunktion im Rahmen der Jahresrechnung.