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Seit 2009 werden im Kanton Genf eine Reihe von Energieeffizienzprogrammen mit dem Ziel durchgeführt, Energie (insbesondere Strom) in Haushalten einzusparen. Verschiedene Arten von Programmen wurden implementiert, darunter finanzielle Anreize (Rabattgutscheine für den Kauf energieeffizienter Geräte oder Rabatte auf die Stromrechnung), persönliche Beratung durch "Botschafter" und der kostenlose Austausch von energieverbrauchenden Geräten (vor allem Beleuchtung). Die kurzfristigen Energieeinsparungen, die durch diese Energieeffizienzprogramme in Genf erzielt werden, wurden bereits verschiedentlich untersucht und veröffentlicht. Da die Programme bereits seit einiger Zeit laufen, wurde es möglich, dieselben Haushalte noch einmal zu untersuchen, um ein besseres Verständnis darüber zu erlangen, ob die Energieeffizienzmaßnahmen noch wirksam sind. Vor diesem Hintergrund analysiert die Studie die langfristigen Auswirkungen (über 5 bis 9 Jahre) der verschiedenen Energieeffizienzmassnahmen. Der Ansatz ist sowohl quantitativer als auch qualitativer Natur. Die quantitative Untersuchung des jährlichen Stromverbrauchs von 220'000 Haushalten seit 2005, segmentiert nach ihrer Teilnahme an den verschiedenen Programmen, erlaubt es, die jeweils realisierte Stromeinsparung (in kWh pro Jahr) zu quantifizieren. Es handelt sich um einen Bottom-up- Ansatz, der auf einer deskriptiven Analyse und der Modellierung des Gerätebestands und ihrer Nutzungsintensität beruht. Der qualitative Ansatz basiert in erster Linie auf Interviews mit einer kleinen Stichprobe von Haushalten, welche an einem der Energieeffizienzprogramme teilgenommen hatten. Auf der Grundlage der daraus gewonnenen Erkenntnisse wurde ein Fragebogen entwickelt, der an 12’000 Haushalte verschickt wurde. Fast 3’000 ausgefüllte Fragebögen konnten schliesslich statistisch ausgewertet werden. Wir gingen unter anderem der Frage nach, wer sich in den Haushalten für Fragen der Energieeinsparung verantwortlich fühlt und wie Informationen zur Energieeffizienz genutzt werden. Wir versuchten auch, zu ermitteln, welche Faktoren für die langfristige Anwendung von Energiesparpraktiken entscheidend sind, wobei wir uns insbesondere sozio-ökonomische Faktoren und Verhaltensweisen konzentrieren. Die Interviews zeigen, dass sich die befragten Haushalte recht gut an die Programme erinnern, an denen sie 5 bis 9 Jahre zuvor teilgenommen hatten (fast 59 %), auch wenn sie sich manchmal nicht sicher sind, wie die Programme heissen. Die mit diesen Programmen verbundenen Erinnerungen, sind positive Natur, und die energiesparenden Verhaltensweisen wurden weitgehend beibehalten. Die Haushalte verweisen häufiger auf den "ökologischen" Nutzen ihres Verhaltens als auf den wirtschaftlichen Vorteil, obwohl das Programm in seiner Kommunikation hauptsächlich die ökonomische Vorteile in den Vordergrund stellte. Als nächster Schritt wurden die qualitativen Informationen aus den Fragebögen mit der Entwicklung des Stromverbrauchs aller Genfer Haushalte über den Zehnjahreszeitraum verknüpft. Es wurde festgestellt, dass Haushalte von Angestellten, freien Berufen und ungelernten Arbeitern ihren Stromverbrauch im untersuchten Zeitraum (zwischen 2009 und 2018) am wenigsten eingeschränkt haben. Im Hinblick auf energiesparende Verhaltensweisen haben Haushalte, die ungenutzte Geräte abgeschalteten und an dieser Praxis festgehalten haben, ihren Verbrauch deutlich reduziert. Im Rahmen des Energieeffizienzprogramms wurden auch Durchflussminderer für Wasserhähne in Wohnungen installiert. Diese Durchflussminderer sparen Endenergie und vermeiden CO2-Emissionen, sofern fossile Brennstoffe für die Warmwasserversorgung verwendet werden. Auf der Grundlage der Ex-Post-Evaluierung schätzen wir die Energieeinsparungen auf etwa 1100 kWh pro Jahr und Haushalt.
Die Ergebnisse der Umfrage geben Aufschluss darüber, wie viele Haushalte die Durchflussminderer
entfernt haben, so dass wir beurteilen können, wie langlebig diese Maßnahmen sind.
Die Ergebnisse dieser Studie können im Prinzip für jedes Energieeffizienzprogramm für Haushalte als
gültig angenommen werden. Die Ergebnisse unserer Analysen wurden auf die Schweizer Ebene
extrapoliert. Der Umfang der landesweiten Einsparung, die durch die Anwendung vergleichbarer
Massnahmen erzielt werden könnte, beträgt etwa 2'400 GWh/Jahr, was fast 13 % des Verbrauchs der
Schweizer Haushalte im Jahr 2009 entspricht.
Schliesslich haben wir festgestellt, dass die Teilnahme an einem Energieeffizienzprogramm mit
gelegentlichen begleitenden Massnahmen eine grössere Wirkung hat als eine einzelne Intervention in
Haushalten.