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ist Co-Redaktionsleiter des Haus Magazin und schreibt für Fachzeitschriften und Tageszeitungen über die Themen Gebäudetechnik, Energieeffizienz, Wissenschaft und Natur.
Trinkwasser gilt als Lebensmittel, entsprechend hochwertig muss unser Wassernetz sein.
Es war jahrtausendelang ein Traum der Menschen und ist heute selbstverständlich: Fliessendes Wasser zuhause. Eine kleine Historie des Trinkwassers.
Text — Raphael Hegglin*
Wer Weltenbummler fragt, was sie nach ihrer Heimkehr am meisten schätzen, bekommt oft zur Antwort: Dass man hierzulande den Wasserhahn aufdrehen kann und immer bestes Trinkwasser daraus fliesst.
Welches Privileg es ist, jederzeit ab dem eigenen Hahn trinken zu können, geht oft genug vergessen. Dabei ist ein Wasseranschluss alles andere als selbstverständlich. Er ist das Resultat aus Jahrtausenden menschlichen Fortschritts. Die Geschichte der Wasserversorgung reicht weit zurück: Eine der bekanntesten Überlieferungen stammt aus der Stadt Ninive, die im heutigen Irak liegt. Schon im 7. Jahrhundert vor Christus bauten dort die Assyrer leistungsfähige Wasserleitungen. Auch die Griechen erstellten später ähnliche Versorgungssysteme, mit denen sie frisches Wasser durch gedeckte Kanäle, Stollen und über Aquädukte in die Städte führten.
In der Antike erblühten Städte erst, wenn sie über eine funktionierende Trinkwasserversorgung verfügten. Die Römer trieben es mit ihren zahlreichen Thermen, Zieranlagen und Brunnen auf die Spitze: Der Pro-Kopf-Wasserverbrauch im alten Rom war etwa 50 Prozent höher als er heute in der Schweiz ist.
Das Mittelalter bedeutete jedoch einen Rückschritt in der Trinkwasserversorgung. Bestehende Systeme – Aquädukte und Kanäle – zerfielen, aus ihren Steinen baute man Burgen und andere Festungen. Als Trinkwasserquelle dienten nur noch Brunnen, von denen das Wasser in Eimern nach Hause getragen werden musste.
Industrialisierung und massiver Bevölkerungszuwachs führten zu einer Wende. Eine funktionierende und flächendeckende Wasserversorgung war zentral für alle Siedlungen. Da aber viele Flüsse verschmutzt waren, musste das Trinkwasser zunehmend Quellen und dem Grundwasser entnommen werden.
Später erschloss man mit Oberflächenwasser aus Seen und Flüssen neue Trinkwasserquellen. Möglich wurde das durch moderne Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Im Jahr 2016 verbrauchte die Schweizer Bevölkerung 177 Mio. m3 Trinkwasser aus Seen, 374 Mio. m3 aus dem Grundwasser und 372 Mio. m3 aus Quellen.
Dass bei uns aus allen Hähnen einwandfreies Trinkwasser sprudelt, ist strengen Normen zu verdanken. Trinkwasser gilt als Lebensmittel, entsprechend hochwertig muss unser Wassernetz sein. Die Leitungen dürfen keine Fremdstoffe ins Wasser abgeben und kein Herd für Bakterien sein. Entsprechend wichtig ist es, die Wasserleitungen im eigenen Haus zu unterhalten. Nur so bleibt unser Wasser hygienisch, lebensmittelecht und bleibt Basis für Leben und Wohlstand.
Auch hierzulande existieren historische Wasserleitungen. Und sie sind teilweise heute noch in Betrieb: Die Suonen – oder auch Bissen genannt – sind künstliche Bewässerungssysteme im Kanton Wallis. Ihre Existenz ist seit dem 15. Jahrhundert gut dokumentiert. Sie dienen hauptsächlich der Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen in trockenen Hängen. Die längste Suone ist die 32 Kilometer lange Bisse de Saxon. Mehr Infos: https://suone.ch