Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03423.jsonl.gz/1077

Unsere Werke von Bendicht Fivian
Bendicht Fivian
Bern 1949 - 2019 Winterthur
Biographie
Fivian, Johannes Bendicht * 12.9.1940 Bern, † 24.11.2019 Winterthur. Bendicht Fivian wächst in Aarberg auf. Nach dem Lehrerseminar amtet er während vier Jahren als Dorfschullehrer, bevor er sich an der Kunstgewerbeschule Bern zum Zeichenlehrer ausbildet (1964–68). 1968–69 unterrichtet er an der F+F Schule für experimentelle Gestaltung in Zürich, 1971–72 ist er Assistent für Gestaltung an der Architekturabteilung der ETH, 1988 gibt er die Lehrtätigkeit gänzlich auf. Ende der 1960er-Jahre gehört Fivian zusammen mit Franz Gertsch, Rolf Iseli, Markus Raetz und anderen zum Kreis der jungen Berner Künstler, die Jean-Christophe Ammann als «die wohl spannungsreichste Konzentration von Malern und Bildhauern in der Schweiz» (Werk, 55, 1968, 4, S. 245) bezeichnete. Infolge der 68er-Revolte radikalisiert sich Fivian derart, dass er nur noch selten malt und einen Grossteil seines früheren Werks zerstört. 1975, mit dem Umzug nach Winterthur, kommt der Neuanfang, die Vertiefung in die Malerei. Einen Namen macht sich Fivian mit Pop Art. Nach einer Serie von Plastiken in Chromstahlblech entwirft er Mitte der 1960er-Jahre Bildkästen, in denen er mehrere siebbedruckte Nylongewebe übereinander schichtet. Der Flimmereffekt bringt eine ironische Note in die überdimensionierten, typisierten Porträts von Medienstars wie Mick Jagger, John F. Kennedy oder Ursula Andress. Im Zuge seines Engagements in der 1968er-Bewegung verdrängt eine klassenkämpferische Optik die Popkultur. Agitationskunst produziert Fivian allerdings nie. In seinen Strassenszenen, kühl und sachlich gemalten Darstellungen von Aufruhr und Demonstrationen, steht nicht der heroische Kampf, sondern die Trostlosigkeit einer profitorientierten Umwelt im Zentrum. Die Einsicht in die Unvereinbarkeit von Kunst und Ideologie stürzen Fivian in eine Schaffenskrise, die er nur allmählich, dafür umso dezidierter überwindet. Ende der 1970er-Jahre meldet sich das Bedürfnis nach einer unmittelbaren, von keinerlei Vor- und Rücksicht beeinträchtigten Malerei immer heftiger. Ohne dass es zu einer eigentlichen Zäsur kommt, vollzieht sich die Neuorientierung sowohl auf der ikonografischen als auch auf der stilistischen Ebene. Eine Unabhängigkeitserklärung ist schon die Wahl der Motive: Kartonschachteln und Abfallsäcke, Kiesgruben und Landstrassen, tote Wachteln, Pilze und Bohnenkeimlinge, anonyme Passanten, dann Jumbos, Tierskelette, Steckdosen und anderes mehr. Gleichzeitig werden seine Bilder malerischer, der Strich freier, die Farben intensiver. Mit der Lockerung der Pinselschrift gewinnt der Malgrund an Bedeutung. Fivian grundiert seine Leinwände mit einer oder mehreren Farben, die schliesslich weitgehend übermalt werden, die Stimmung eines Bildes aber wesentlich prägen. Die Tiefe der Untergründe verleiht dem Sicht- und Benennbaren selbst in seiner üppigsten Sinnlichkeit noch etwas Flüchtiges. Fivian ist dem Gegenständlichen treu geblieben. Dabei beschränkt er sich auf unspektakuläre, symbolisch nicht befrachtete, hingegen plastisch relevante Motive. Bezeichnenderweise malt er nur, was er vor sich hat. Fehlt ihm etwas in den Gegenstandsversammlungen, wie er seine vielteiligen Stillleben nennt, stellt er es ohne zu zögern her. Neben den Modellen für seine Bilder entwickelt der leidenschaftliche Tüftler und Experte in Fragen des labilen Gleichgewichts eigenständige Objekte, die sich im Lauf der Zeit zu immer anspruchsvolleren kinetischen Konstruktionen auswachsen. Das Flüchtige ist auch hier ein Thema, aufgefangen vom Moment des Spielerischen. Werke: Bern, Verwaltungsgericht, Gestaltung der Eingangshalle, 1987; Moutier, Musée jurassien des Arts; Pfäffikon, Sammlung Vögele Kultur Zentrum; Rapperswil-Jona, Kunst(Zeug)Haus; Seuzach, Gemeindehaus, Kantonsschule Büelrain; Kunstmuseum Thun; Kunstmuseum Winterthur; Winterthur, Ausstattung der Haupthalle des Pflegeheims Zinzikon, 1984; Winterthur, Verwaltungsgebäude der Sulzer AG; Winterthur, Rieter AG; Winterthur, Kantonsschule Rychenberg; Zürich, Gestaltung der Cafeteria des Instituts für Betriebswirtschaftliche Forschung, 1988.