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Warum wird die Hockey-WM eigentlich jedes Jahr gespielt? Die Antwort auf diese so oft gestellte Frage ist ganz einfach: Weil es so gut, ja perfekt ist.
Es gibt ein Ritual, das zum Hockey gehört wie der Handschlag nach dem Spiel. Jedes Jahr, in der zweiten Hälfte der WM, wenn die Themen langsam ausgehen, wird der jährliche Austragungsmodus kritisiert. Manchmal gibt es auch hockeypolitische Versuche, daran etwas zu ändern. Die Hunde bellen, die Hockey-Karawane zieht weiter. Um Jahr für Jahr an der «Oase Eishockey-WM» zu rasten und ein Fest zu feiern. Das ist gut so.
Es geht gar nicht anders. Das Eishockey steckt in der «Veranstaltungs-Falle». Im Fussball ist es möglich, deutlich mehr Geld mit Titelturnieren zu verdienen als im Eishockey. Der TV-Sport-Fussball beschert Klubs und Verbänden Millionen-Einnahmen durch den Verkauf von TV-Rechten. Wenn die Eishockey-Klubs oder der internationale Verband Geld verdienen wollen, müssen sie viel mehr Spiele und Turniere austragen, als im Fussball notwendig sind, um genug Geld zu verdienen. Sie kommen selbst bei einer alljährlichen WM nur auf den Bruchteil der Einnahmen der Fussball-WM, die bloss alle vier Jahre stattfindet. Das wird in den nächsten 100 Jahren so bleiben.
Fände die Eishockey-WM nur alle zwei Jahre statt, dann würden sich einfach die ohnehin bescheidenen Einnahmen – rund 20 Millionen Franken pro WM – für den Internationalen Verband (IIHF) halbieren. Der schöne Verbandssitz in Zürich müsste geräumt, der Personalbestand um drei Viertel reduziert und die Förderung des Spiels in Hockey-Entwicklungsländern gestrichen werden.
Der internationale Eishockeyverband wird nie mit einer WM so viel Geld verdienen, dass er davon zwei – oder wie der Fussball – vier Jahre leben kann. Also ist er dazu verurteilt, die WM alle Jahre wieder zu veranstalten. Er steckt in der «Veranstaltungs-Falle».
Eishockey ist und bleibt ein lokaler Sport. Vielleicht gelingt es einmal, den riesigen Markt Asien zu erobern. Aber davon sind wir noch so weit entfernt wie eine 1.-August-Rakete vom Mond. Eishockey bleibt auf weniger als 20 Länder beschränkt. Dort rockt das unberechenbare Spiel auf rutschiger Unterlage. Aber eine globale Vermarktung und Bedeutung wie im Fussball wird es nie geben. Deshalb ist es auch nicht möglich, in Jahren ohne WM eine Qualifikation durchzuführen. Weil ja im vornherein feststeht, wer sich qualifizieren wird – und in Ländern, für die diese Qualifikation sportlich eine Herausforderung wäre, ist Eishockey eine periphere Randsportart.
Das Eishockey kann gewisse wirtschaftliche Grenzen nicht sprengen. Eishockey kann nie werden wie Fussball. Das ist gut so. Eishockey ist ein Sport geblieben, der die Bodenhaftung nicht verloren hat – und nicht verlieren wird. Es gibt zu wenig Geld, um richtig arrogant und ignorant zu werden. Und jene, die es hin und wieder werden, kommen eher früher als später wieder an der Kasse vorbei und müssen zahlen.
Die WM würde auch sportlich keine grössere Bedeutung erlangen, wenn sie nur alle zwei oder wie im Fussball alle vier Jahre organisiert würde. Sie wäre auch kommerziell nicht erfolgreicher und hätte keine grössere öffentliche Beachtung. Ein Hype wie bei einer Fussball-WM ist beim internationalen Randsport Eishockey nicht möglich.
So wird die WM jedes Jahr organisiert. Wie ein alljährliches Klassentreffen der Hockey-Verrückten. Und das ist gut so. Die Eishockey-WM ist ein fröhliches Fest. Mit friedlichen, fröhlichen und freundlichen Fans. Fast wie das «Eidgenössische Schwingfest des Weltsportes». Was beim Eidgenössischen die Innerschweizer, Berner, Appenzeller, Toggenburger, Bündner, Mittelländer, Oberländer oder Oberaargauer, das sind im Eishockey die Schweden, Finnen, Letten, Slowaken, Schweizer, Dänen, Tschechen oder Russen. Und so wie beim Eidgenössischen Gastschwinger aus fernen Ländern wie den USA und Kanada eingeladen werden, so sind bei der Hockey-WM auch die Kanadier und Amerikaner dabei. Im Unterschied zum Eidgenössischen kommen sie aber sportlich immer in die Kränze.
Der Alkoholkonsum ist übrigens bei einer Eishockey-WM vergleichbar mit jenem des Eidgenössischen – und wie beim Schwingen wird viel, aber eben nicht zu viel vom fröhlichen Wasser getrunken.
Ohne alljährliche Eishockey-WM würde dieser Sport den internationalen Zusammenhalt und in vielen Ländern die sportpolitische Bedeutung verlieren. Es gilt der Grundsatz: Wir haben eine Eishockey-WM, also sind wir. Wenn Eishockey-WM ist, registriert auch die nicht am Eishockey interessierte Öffentlichkeit, dass es ja dieses Spiel auch gibt. Das gilt bis zu einem gewissen Grad sogar für die Schweiz.
Dazu kommt, dass die WM vorzüglichen Sport bietet. Weil der Titel jedes Jahr vergeben wird und weil es für die Titelanwärter schon in einem Jahr eine neue Chance gibt, fehlt die «totale Verbissenheit» und die ausschliesslich aufs Resultat ausgerichtete Taktik wie in den Playoffs. WM-Spiele sind inzwischen oft ein wenig wie Spengler-Cup-Partien geworden. Im Eishockey wird zelebriert und gespielt und nicht gearbeitet.
Die Eishockey-WM Jahr für Jahr mit einer Stimmung wie beim Eidgenössischen Schwingfest und mit spektakulären Spielen wie beim Spengler Cup – es ist gut, so wie es ist. Es ist perfekt.