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Künftige Staatspräsidenten und Nobelpreisträger: Persönlichkeiten wie Albert Einstein haben in der Schweiz die Schulbank gedrückt. Teil des Schweizer Bildungssystems sind aber nicht nur hervorragende Gymnasien und Hochschulen, auch die Höheren Fachbildungen in Hunderten von Berufen geniessen einen ausgezeichneten Ruf. Für Ausländer und Grenzgänger ist es wichtig, die Besonderheiten gut zu kennen – etwa den Begriff «duales Bildungssystem».
- Bildungssystem: Zuständigkeit von Bund und Kanton
- Schule Schweiz: Unterrichtssprachen
- Was ist bei der Anmeldung zu beachten?
- Stärken der Schweizer Schulen
- Anerkennung von Diplomen
- Ausblick
Privatschulen und Eliteinternate wie Le Rolley am Genfersee sorgen international immer wieder für Schlagzeilen. Le Rolley gilt als wohl teuerste und elitärste Privatschule der Welt. Das Schweizer Bildungssystem wird aber grundsätzlich von der öffentlichen Hand getragen und ist kantonal organisiert. Viele Kompetenzen für die obligatorischen Schulen und die Lehrinhalte liegen bei den 26 Kantonen. Das Schulsystem verspricht von der Primarschule bis zu den Universitäten und Hochschulen eine sehr hohe Qualität.
In den meisten Kantonen ist eine Schulpflicht nach dem 4. Geburtstag zu beachten. Schulbeginn ist jeweils im August, und die Kinder sind zwischen vier und fünf Jahre alt. Die obligatorische Schule in der Schweiz dauert normalerweise 11 Jahre. In den meisten Kantonen sind dies zwei Jahre Kindergarten, anschliessend folgen insgesamt neun Schuljahre der Primarschule und der Sekundarstufe I.
Bildungssystem: Zuständigkeit von Bund und Kanton
Die Schweizer Kantone («Gliedstaaten» in anderen Ländern) haben bei den Lehrinhalten und der Gestaltung der einzelnen Stufen ein hohes Mass an Autonomie. Die meisten Deutschschweizer Kantone starten ab dem 4. Altersjahr mit zwei Jahren Kindergarten und sechs Jahren Primarschule. In der Westschweiz gliedert sich die erste Phase hingegen in einen Zyklus 1 und einen Zyklus 2 (4 bis 8 Jahre sowie 8 bis 12 Jahre).
Die weitaus meisten Kinder und Jugendlichen besuchen die öffentlichen Schulen – über 95 Prozent! Die öffentlichen Schulen sind kostenlos. Ausländerinnen und Ausländer, die vorübergehend in der Schweiz leben, schicken ihre Kinder teils in Privatschulen. Vor allem in Genf und im Kanton Zug, aber auch in vielen anderen Kantonen gibt es private, international ausgerichtete Schulen. Je nach dem ist dann Englisch die vorwiegende Unterrichtssprache.
Schule Schweiz: Unterrichtssprachen
In den öffentlichen Schulen richtet sich die Unterrichtssprache nach der jeweiligen Sprachregion. Je nach Landesteil werden die Kinder in Deutsch, Französisch, Italienisch oder auch Rätoromanisch unterrichtet. Im Schweizer Bildungssystem haben Fremdsprachen einen hohen Stellenwert. Die meisten Kinder und Jugendlichen lernen Englisch und mindestens eine zweite Landessprache.
Was ist bei der Anmeldung zu beachten?
Einschulung und Anmeldung sind direkt am Wohnsitz respektive bei der zuständigen Gemeinde vorzunehmen. Wer sich als Ausländer in der Schweiz niederlässt, ist verpflichtet, sich bei der zuständigen Behörde in der Gemeinde anzumelden (Wohngemeinde/Einwohnerbehörde). Parallel dazu sind schulpflichtige Kinder den Schulbehörden zu melden. Die zuständige Behörde oder Schulleitung heisst je nach Kanton und Gemeinde anders. Es ist üblich, dass sich die Eltern zu einem Gespräch anmelden. Dabei können alle offenen Fragen zum Schuleintritt der Kinder geregelt werden.
Die obligatorische Schulzeit umfasst in der Regel:
- die achtjährige Primarstufe (inkl. Kindergarten). Die Kinder sind am Ende der Primarstufe zwischen 12 und 13 Jahre alt.
- dann die dreijährige Sekundarstufe I. Die Jugendlichen sind an deren Ende zwischen 15 und 16 Jahre alt.
Teil des Unterrichts in der Sekundarstufe I sind die jeweilige Landessprache, meist zwei Fremdsprachen, Mathematik, Naturwissenschaften, Geografie, Geschichte, Zeichnen/bildnerisches Gestalten, Musik, Hauswirtschaft sowie Sport.
Nach der obligatorischen Schulzeit folgt nach dem Schweizer Bildungssystem die so genannte Sekundarstufe II. Dabei stehen den Jugendlichen zahlreiche Möglichkeiten offen:
Eine Berufslehre in einem Ausbildungsbetrieb sowie ein bis zwei Tage pro Woche Unterricht an einer Berufsfachschule. Diese Bildung ist sehr praxisorientiert und versteht sich als unmittelbare Vorbereitung für einen erfolgreichen Berufseinstieg. Manche Lehrlinge werden nach dem Abschluss im Betrieb weiterbeschäftigt.
Dieser Weg führt zu einer gymnasialen Maturität (Äquivalent zum Abitur in Deutschland). Die Matura in der Schweiz eröffnet den Absolventen den praktisch freien Zugang zu allen kantonalen Universitäten und den beiden Eidg. Technischen Hochschulen (ETH) in Zürich und Lausanne.
Diese allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe II vermitteln Stoff und Fachwissen in Bereichen wie Gesundheit, Pädagogik, Soziales etc. Sie bereiten den Zugang zu höheren Fachschulen oder Fachhochschulen (FH) vor. Diese bieten eine grosse Vielfalt an Studiengängen auf der Tertiärstufe. Darunter etwa Soziales, Gesundheit, Wirtschaft, Bau und Technik, Informatik, Kunst, Kommunikation, Linguistik, Architektur und Ingenieurwesen und vieles mehr. An den Fachhochschulen ist ein Abschluss (nach meist drei Jahren) mit einem Bachelor möglich, oder nach zwei weiteren Jahren mit einem Master. Während des Studiums ist es üblich, ein Praktikum zu absolvieren und Erfahrungen zu sammeln.
Rund zwei Drittel der Jugendlichen wählen auf der Sekundarstufe II den Weg einer beruflichen Grundbildung (Berufslehre), also zum Beispiel Schreiner, Kaufmann bzw. Kauffrau, Detailhandel, Informatiker, Fachmann bzw. Fachfrau Gesundheit, medizinische Praxisassistentin, Coiffeur, Floristin etc.
«Je nach Herkunft ist bei manchen Familien aus dem Ausland das Vorurteil verbreitet, eine Berufslehre sei zweite Wahl und etwas für lernschwache Schülerinnen und Schüler», sagt Alexander Gerlings von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Dabei geht oft vergessen, dass eben dieses so genannte duale Bildungssystem mit einem Fokus auf berufliche Grundbildung einen ausgezeichneten Ruf geniesst. Den Schülerinnen und Schülern stehen in der Schweiz über 240 Berufslehren zu allen möglichen Themen offen. Die Synthese von praktischer Tätigkeit in einem Ausbildungsbetrieb mit schulischem Fachwissen führt zu einer hohen Kompetenz. Die weitaus meisten Absolventen einer beruflichen Grundbildung sind auf dem Stellenmarkt sehr gesucht.
Ein wesentliches Element des Schweizer Bildungssystems ist weiter die Durchlässigkeit. So stehen den Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr viele Möglichkeiten zu Weiterbildung, weiteren Diplomabschlüssen und damit höherer Qualifikation offen. Wer eine Berufslehre oder Fachmittelschule absolviert, wird später auch einen Studiengang an einer höheren Fachhochschule und an einer Fachhochschule absolvieren können (über den Weg von Berufsmaturität oder Fachmaturität). Über eine so genannte Passerelle steht sogar der Weg zu den Universitäten und Eidgenössisch Technischen Hochschulen offen (ETH).
Die Tertiärstufe in der Schweiz umfasst die kantonalen Universitäten, die Eidgenössischen Technischen Hochschulen, die bereits erwähnten Fachhochschulen und die pädagogischen Hochschulen für Lehrberufe. Ein zweiter wichtiger Pfeiler der Tertiärstufe ist die höhere Berufsbildung. Wer über Praxiserfahrung und einen anerkannten Berufsabschluss auf der Sekundarstufe II verfügt, kann sich mit einer höheren Berufsbildung auf anspruchsvolle Fach- oder Führungsfunktionen vorbereiten. Qualifizierte Personen haben im Schweizer Bildungssystem die Wahl unter rund 450 Berufs- und Höheren Fachprüfungen, darunter zum Beispiel Bauleiter, Ausbildungsleiterin, verschiedenste Varianten von Betriebsleiter, Pensionskassenleiter, Leiterin Human Ressources etc.
Junge Leute erwerben dabei ein vertieftes Fachwissen und zusätzliche Qualifikationen, z.B. im Bereich Unternehmensführung. Die höhere Berufsbildung in der Schweiz umfasst Abschlüsse der höheren Fachschulen, eidgenössische Diplome sowie eidgenössische Fachausweise. Insgesamt erreichen 45 Prozent der Erwachsenen einen Tertiärabschluss. 30 Prozent schliessen ihre Erstausbildung mit dem Diplom einer Hochschule und 15 Prozent mit einem Diplom einer höheren Berufsbildung ab.
Stärken der Schweizer Schulen
Charakteristisch für das Schweizer Bildungssystem sind einige übergeordnete Prinzipien: Es ist zu einem grossen Teil von der öffentlichen Hand geprägt und kostenlos. Während der obligatorischen Schulzeit fallen keinerlei Schulgebühren an. Und die höheren Ausbildungen an Universitäten oder Fachhochschulen sind mit vergleichsweise bescheidenen Studiengebühren verbunden. Jedenfalls ist es in der Schweiz möglich, völlig unabhängig von der Herkunft und den finanziellen Möglichkeiten einer Familie eine «Schulkarriere» zu machen. Die Prinzipien der öffentlichen Zugänglichkeit, Durchlässigkeit und Chancengleichheit haben einen sehr hohen Stellenwert.
Etwas andere Spielregeln gelten bei der späteren Aus- und Weiterbildung. Hier zeichnet sich ein sehr vielfältiges Angebot ab, sowohl was die Finanzierung als auch die Trägerschaft betrifft. Bund und Kantone setzen gewisse Rahmenbedingungen, während aber die tatsächlichen Anbieter und Träger von Weiterbildungsangeboten meist aus dem privaten Bereich kommen. Dementsprechend sind berufliche Weiterbildungen an privaten Schulen auch mit wesentlich höheren Kosten verbunden als etwa die obligatorische Schule oder die Universitäten der öffentlichen Hand.
Anerkennung von Diplomen
Nach aller Erfahrung haben qualifizierte Leute mit Diplomen, Praxiswissen und Weiterbildungen sehr gute Chancen auf dem Schweizer Stellenmarkt – auch als Fach- und Führungskraft. Aber wie steht es um die Anerkennung ausländischer Diplome? In vielen Branchen und Bereichen sind Fachkräfte bekanntlich sehr gesucht (Stichwort «Fachkräftemangel»). Inwiefern ausländische Diplome anerkannt sind, hängt vom konkreten Einzelfall ab. «Grundsätzlich gilt, dass Diplome im Zusammenhang mit reglementierten Berufen anerkannt werden müssen», sagt dazu Alexander Gerlings. Das gilt in hohem Mass für Berufe, wo die Qualifikation und der Zugang streng geregelt sind. Also zum Beispiel bei einer Tätigkeit als Arzt, bei Pflegeberufen, Psychotherapie, für Lehrpersonen oder für bestimmte Berufe im technischen oder juristischen Bereich etc.
Zuerst stellt sich die Frage nach der Zuständigkeit. Die allererste Adresse ist immer das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Hier findet sich auch eine detaillierte Liste zu unterschiedlichen Branchen, Diplomen und der entsprechenden Zuständigkeit. https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/bildung/diploma.html
Weniger hoch sind die Hürden, wenn es sich um nicht-reglementierte Berufe handelt. Letztlich sei es dann auch eine Frage des freien Arbeitsmarkts, für welche Bewerbung sich ein Arbeitgeber entscheide, ergänzt Bildungsexperte Alexander Gerling. Wer im Marketing, in der Websiten-Gestaltung, im Verkauf oder Verwaltung tätig ist, muss nicht unbedingt über ein explizit in der Schweiz ausgestelltes Diplom verfügen.
Ausblick
Steigende Anforderungen und Veränderungen (Digitalisierung, Automatisierung) verlangen eine sehr hohe Qualifikation und erfordern stetige Weiterbildung. In den letzten Jahren haben tendenziell mehr junge Menschen als früher eine höhere Ausbildung im tertiären Bereich abgeschlossen. Während in anderen Ländern schon die These von einer «Überakademisierung» auftaucht, ist dies in der Schweiz kaum ein Thema. Natürlich schwankt die Übergangszeit zwischen Diplomabschluss und Berufseinstieg – je nach Branche und weiteren Qualifikationen, die sich jemand schon während der Ausbildung angeeignet hat. Aber im Grossen und Ganzen machen sich Investitionen in eine erstklassige Schul- und Ausbildung bezahlt.
Schul- und Bildungssystem Schweiz:
Beispiel Einschulung:
Kanton Zürich:
Kanton Aargau:
Infos Berufsberatung Schweiz:
Das Portal enthält eine Fülle an Informationen zu allen Ausbildungen und Berufen.
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- Auswandern in die Schweiz: Basics und Checklisten
- Steuermodell Schweiz: Die Unterschiede zum Ausland
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