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ACV Stoffladen / Ermacora
Das ehemalige Bauernhaus an der Kreuzung Hauptstrasse – Bahnhofstrasse sei abgebrannt, bevor anfangs des 20. Jahrhunderts die Häusergruppe Hauptstrasse 21/23 und Bahnhofstrasse 2 als markantes Markenzeichen im alten Dorfkern errichtet wurde. Wäre der Richtplan 1964 der Gemeinde Oberwil umgesetzt worden, hätte auch dieser Komplex aus der Gründerzeit einer Neuüberbauung weichen müssen. Ein Umdenken in Oberwil hat aber dazu geführt, dass diese Häusergruppe als Baudenkmal restauriert und 1983 ins Inventar der geschützten Baudenkmäler des Kantons Basel-Landschaft aufgenommen wurde.
„Manufaktur & Schuhwaren“ des Allgemeinen Consumvereins Oberwil in der Liegenschaft an der Haupstrasse 21 (A Ry)
Wie so manches Gebäude in Oberwil, gehen auch diese Liegenschaften auf Nationalrat Stefan Gschwind und seine Genossenschaftsbewegung zurück. Trotz unterschiedlichem Baustil, sind beide Bauten vom Architekten Emil Dettwiler, der beim Baugeschäft „Gschwind & Dettwiler“ tätigt war, erbaut worden. Auf den erhaltenen Plänen findet sich die Jahreszahl 1903. Die eigenartige Schöfpung dieses Gebäudekomplexes ist Ausdruck des Stilpluralismus der Gründerzeit. Der Kopfbau in rotem Sichtbackstein ist dreigeschossig und besitzt über dem Erdgeschoss ein breites, durchgezogenes Gesimse. Die turmartigen Aufbauten, die dem Gebäude etwas schlossähnliches verleihen, enden in vasenartigen Kugeln. Der Kopfbau repräsentiert eine herrschaftliche Haltung und übernimmt die städtische Architektur jener Zeit, während dem der Anbau an der Bahnhofstrasse mit seinem Krüppelwalmdach eher die ländlich-bürgerliche Architektur jener Zeit repräsentiert.
Blick in die Hauptstrasse der 60er Jahre: Links der Turm des Restaurant Centrals, gefolgt vom Kronensaal, dem alten Konsum sowie dem Gebäude der Firma Ermacora AG in der Bildmitte (A Er)
Die damals gegründete Konsumgenossenschaft wollte sich mit dem Gebäude wohl ein Denkmal setzten, was vortrefflich gelungen ist. In der Birseckschen Produktions- und Konsumgenossenschaft (BPCG) nahm das Warengeschäft eine grosse Rolle ein. Das Warensortiment sollte so umfassend wie möglich sein. Ausser den landwirtschaftlichen Bezugsartikeln wurden auch Milch und Milchprodukte, Brot und Backwaren, Fleisch, Suppenwürfel, Kartoffeln, einheimische Früchte wie auch frische Trauben aus Italien, Wein und Bier, Raucherwaren, Kerzen und Petrol, Lampengläser, Geschirr, Bürstenwaren, Putzmittel, Drogerieartikel, Baumaterialien wie Bauhholz, Gips, Zement, Tapeten, aber auch Brennmaterial wie Kohle, Brennholz und Koks, Mercerie- und Wollwaren sowie Schuhwaren mit eigener Flickschusterei verkauft. Im ehemaligen ACV Gebäude befindet sich heute die 1961 von Adrian und Lotty Ermacora-Seiler gegründete Firma Ermacora AG.
Die Häusergruppe aus der Gründerzeit erinnert an das aufstrebende Oberwil um 1900. Aufnahme im Jahre 2012 (Ry)