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Eine Indianergeschichte für die ganze Familie
Am vergangenen Sonntag feierte das Theater Arlecchino mit seinem Stück «Pocahontas» in der Arena «Park im Grünen» Premiere.
Von: Axel Mannigel
Es war kurz vor 14 Uhr und ein paar Kinder hatten sich mit ihren Eltern in der Arena «Park im Grünen» eingefunden. Das Sonnendach schützte zwar vor der direkten Einstrahlung, doch die Hitze waberte über die Stufen der Arena, fast kein Windhauch streifte die Zuschauer. Diese blickten auf eine bunte Szenerie mit Feuerstelle, Baum, zwei Totempfählen bzw. -skulpturen und einem indianischen Tipi. Aus zwei Lautsprechern tönten sanft Natur- und Tiergeräusche, Trommelschlag und indianische Laute, welche sich alle gut mit den Umgebungsgeräuschen der Arena verbanden. Ein Indianer trat auf und entzündete ein Feuer, danach verschwand er im Tipi. Die Zuschauer, inzwischen waren es mehr geworden, aber sie sollten die Arena bei weitem nicht füllen, fächelten sich mit Fächern, Zeitungen und Prospekten Luft zu. Plötzlich ertönte Musik, endlich, es ging los, und der Indianer von vorher – Häuptling Powhatan (Silvio Fumagalli) – tanzte und sang zusammen mit seiner Tochter Pocahontas (Jenny Bühler) das Eröffnungslied.
Bekannte Geschichte
Die Geschichte der friedliebenden Indianerfrau Pocahontas ist, nicht zuletzt durch die Disney-Verfilmung, gut bekannt. In der Version des Theaters Arlecchino verläuft sie so: Powhatan schenkt Pocahontas ein Amulett ihrer Mutter, die vor zehn Jahren gestorben ist. Das Amulett ist aus Gold. Der Medizinmann und Quatschkopf Chogan (Reto Ziegler) tritt auf und bereichert die Bühne mit seinem Witz und seinen Spässen. Pocahontas klettert auf Grossmutter Weide und sieht in die Ferne. Da sieht sie riesige Kanus und verschwindet. Dafür treten drei Eroberer auf: Commander John Ratcliffe (Reinhardt Stehle), Soldat Pumpkin (Balz Aliesch) und Siedler John Smith (Noam Jenal). Erst treffen der Siedler und Pocahontas friedlich-romantisch zusammen, dann Powhatan und Pumpkin kriegerisch-lustig. Der Commander will nur das Gold und bei einer nächsten Begegnung reisst er Pocahontas das Amulett herunter und fesselt sie. Doch John Smith schlägt sich auf die Seite der Indianer und sorgt dafür, dass sich das Kräfteverhältnis ändert.
Spagat zwischen Ernst und Witz
«Grosser Manitou, lass mich nicht über jemand urteilen, bis ich nicht 1000 Schritte in seinen Mokassins gelaufen bin.» Diese Worte von Häuptling Powhatan können stellvertretend für die Inszenierung stehen, denn es geht um viel Wärme, Respekt und Verständnis. Mit Chogan und Pumpkin sind zwei Witzbolde im Spiel, die das Ernste in Lacher wandeln können. Und es wurde viel gelacht in den 55 Minuten des Stücks. Für Regisseurin Maya Zimmermann war dieser Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit die Herausforderung: «Ich möchte, dass die Zuschauer eintauchen können und das Stück nicht nur anschauen.» Dafür musste (bis auf die Weide) auch alles möglichst authentisch sein. Sehr authentisch war die Hitze, denn unten auf der Platte waren es um die 50 Grad. «Wenn es so weiter- geht, kann es auch mal sein, dass eine Vorführung wegen Hitze ausfällt», so Zimmermann. Die sechs sehr engagierten Schauspieler spielen das Stück noch bis zum 11. August täglich zweimal, jeweils um 14 und um 16 Uhr. Der Eintritt ist gratis, Reservationen sind nicht erforderlich.