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(Leader April 2023, Seite 8)
Der griechische Philosoph Platon (427 – 347 v. Chr.) hat in seinem Idealstaat eine klassische Arbeitsteilung postuliert, die später zum Modell der Etatisten aller Parteien geworden ist. Zuoberst stehen die politischen Lenker, die Philosophen, d. h. die Intellektuellen, die den anderen vorschreiben, was gut ist für alle, weil sie es – angeblich – besser wissen.
In der Mitte stehen die Wächter, d. h. die Soldaten, Bürokraten und Ordnungskräfte, die primär die Verteidigung gegen aussen sicherstellen und im Innern Überwachungsaufgaben wahrnehmen, und zuunterst stehen die berufstätigen Privatleute, die unter der Aufsicht der beiden anderen das wirtschaftliche Überleben aller gewährleisten. Diese Vorstellung hat dann in der mittelalterlichen Lehre von den drei Ständen ihre Fortsetzung gefunden, die bis heute nachwirkt: Der Nährstand als ökonomische Basis, der Wehrstand als Ordnungshüter und Verteidiger und der Lehrstand, der die Ideologie liefert, die das System erhält, legitimiert und dessen Sinn stiftet.
Im Lauf der Geschichte haben sich dann der Wehrstand (d. h. die Ritter und die Adeligen) mit dem Lehrstand, dem Klerus, verbandelt und der Nährstand wurde zum Zudienen und Besteuert-Werden verknechtet. Dies alles wirkt bis heute nach. Der Klerus, das sind heute die tonangebenden Intellektuellen in den Hochschulen und in den Medien, die der politischen Klasse der überwachenden Funktionäre zudienen und deren Legitimation sicherstellen.
Der Nährstand besteht aus der Mehrheit der Menschen, die in vielfältigen Berufen leisten, lernen und sparen, produzieren und konsumieren. Sie verkörpern die Wirtschaft im umfassenden Sinn und sorgen für jene Produktivität, die sich selbst trägt und die beiden anderen Stände finanziert.
Robert Nef, Publizist St.Gallen