Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03238.jsonl.gz/357

1850
Erste schweizweit gültige Briefmarken
Nachdem einzelne Kantone bereits in den 1840er-Jahren Postwertzeichen herausgegeben haben, kommen nun eidgenössische Briefmarken auf den Markt. Sie ermöglichen der Post, das Porto bereits beim Absender zu erheben, nicht erst beim Empfänger.
Inhaltsbereich
Sie heissen «Zürich 4», «Zürich 6», «Doppelgenf» und «Basler Taube»: die ersten Briefmarken der Schweiz. Es handelt sich um Postwertzeichen, die in den 1840er-Jahren von kantonalen Postverwaltungen herausgegeben werden. Sie sind somit nur kantonal gültig. Trotzdem: Die Schweiz ist nach England das zweite Land der Welt, das Briefmarken einführt.
1850, also nach der Gründung des Bundesstaates und der Entstehung der eidgenössischen Post, erscheinen die ersten schweizweit gültigen Briefmarken. Sie tragen schlicht das Schweizer Wappen und ein Posthornsymbol. Die Briefmarken vereinfachen den Betrieb: Nun ist es möglich, das Porto bereits beim Absender zu erheben, nicht erst beim Empfänger. Dies erleichtert und beschleunigt den Dienst des Postboten, denn nun muss er die Transportkosten nicht mehr selbst eintreiben.
Sammelfieber beginnt
Neben den Dauerbriefmarken werden später auch Briefmarken zu speziellen Zwecken oder Anlässen herausgegeben. So zum Beispiel Jubiläums- und Gedenkmarken, Dienstmarken, Flugpostmarken, Sondermarken mit Zuschlag für Pro Juventute oder Europamarken.
Bereits wenige Jahre nach Erscheinen der ersten Briefmarken beginnt das Sammelfieber: Handel und Fälschungswesen setzen ein. Kataloge, Zeitschriften und Fachliteratur werden vertrieben, Vereine gegründet, beispielsweise 1883 der Schweizerische Philatelistenverein Zürich. Heute besitzt das Museum für Kommunikation in Bern die weltweit grösste öffentlich zugängliche Sammlung an Postwertzeichen.
Von Helvetia bis Globi
Briefmarken sind nicht nur Wertzeichen. Sie sind mit Bildern versehen, die die kulturelle und mentale Befindlichkeit der Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz widerspiegeln. Bis in die 1940er-Jahre zieren vorwiegend nationale Symbole die Briefmarken: die Alpen, Helvetia, Wilhelm Tell, Wappen, Trachten. Seit den 1990er-Jahren werden auch moderne Gemälde abgebildet, Comicfiguren (z. B. Globi) sowie aktuelle Ereignisse. 2007 bildet die Post Tennisstar Roger Federer auf einer Marke ab – zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine lebende berühmte Person.
Die Post schreibt die Gestaltung neuer Briefmarken seit 1901 als Wettbewerb aus oder gibt sie bei einem Künstler oder einer Grafikerin direkt in Auftrag. Für die Auswahl des Sujets berücksichtigt die Post, dass die Briefmarken Botschafter der Schweiz sind und ihre Gestaltung den Geschmack der Postkundinnen und Sammler treffen soll.
Fundstück aus dem PTT-Archiv: Briefmarke zum «Jahr der Frau» 1975
Zum «Jahr der Frau» 1975 sollte eine Briefmarke gestaltet werden. Die Briefmarkenjury (es war nebst der Sekretärin der Wertzeichenabteilung immerhin eine weitere Frau darin vertreten) war aber mit keinem der eingereichten Entwürfe einverstanden. Die Überarbeitung eines Entwurfs mit Gesichtern durch eine Künstlerin wurde als «aussichtslos» verworfen. Der Auftrag wurde dann kurzerhand Hans Erni, selbst Mitglied der Briefmarkenjury, erteilt.
Quellen:
Lavanchy, Jean-Claude: «Postwertzeichen», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/046683/2015-03-26Target not accessible
Karl Kronig, Museum für Kommunikation (Hg.): Ab die Post! 150 Jahre schweizerische Post. Bern, 1999.