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Der Titel von Tom Rachmans neuem Roman Aufstieg und Fall großer Mächte lässt den Leser eine Geschichte über Ereignisse von weltpolitischer Bedeutung erwarten. Die rasanten Veränderungen in der modernen Welt sind zwar ein wichtiges Thema, aber im wesentlichen geht es um Tooly Zylberberg, eine sympathische Frau in den Dreißigern, die ein Antiquariat in einem kleinen Ort in Wales besitzt. Sie beschäftigt den skurrilen Angestellten Fogg, 28, der gern große Reden schwingt, ohne vorher zu wissen, was er eigentlich sagen will. Der Laden läuft schlecht, und Tooly macht Verluste.
Eines Tages erhält sie eine E-Mail von ihrem ehemaligen Freund Duncan, der sie bittet, sich in Brooklyn um ihren alten, sehr kranken Vater zu kümmern. Tooly folgt dem Hilferuf und findet den alten Humphrey in einem desolaten Zustand vor. Sie nutzt den Aufenthalt in New York, um sich auf eine ausgedehnte Spurensuche zu begeben. Es gibt zu viele Geheimnisse in ihrer Vergangenheit. Sie hatte nie ein Zuhause, nie eine richtige Familie und zog mit wechselnden Erwachsenen von einem Ende der Welt zum anderen. Wer waren diese Menschen wirklich, und wie standen sie zu ihr?
Die wichtigsten Menschen in ihrem Leben sind der alte Humphrey, der ihr eine Art Bildung und die Liebe zu Büchern vermittelte, dann Sarah, der ewige Hippie, die sie abwechselnd mit Liebe überschüttet, um sie ohne Ankündigung wieder zu verlassen, der schüchterne Paul, der sie als Kind entführte und mit ihr um die halbe Welt zieht und vor allem Venn, den Tooly vergötterte, ein gefährlicher Mann mit großem Charme. Er verdiente Geld mit Drogen, später mit allerhand Betrügereien und ist absolut skrupellos. Was Tooly über die Menschen, die ihr einmal nahestanden, herausfindet, ist nicht unbedingt das, was sie gesucht hat. Es wird ausgerechnet der anfangs etwas trottelige Spinner Fogg sein, der ihr helfen wird, mit ihrem Leben weiterzumachen und ihre Buchhandlung zu einem halbwegs profitablen Geschäft auszubauen.
Aufstieg und Fall
setzt im Jahr 2011 ein und erzählt auf drei Zeitebenen Tooleys Geschichte. Außer der Erzählgegenwart spielen die jeweils etwa 12 Jahre auseinander liegenden Zeitabschnitte 1988 und 1999/2000 eine Rolle, als Tooly 10 bzw. 20-21 Jahre alt ist. Rachmans Buch ist nicht nur eine außergewöhnliche Familiengeschichte, sondern auch ein Roman über eine sich schnell wandelnde Welt. Der Ton ist zunächst heiter, teils sehr witzig, dann zunehmend melancholisch, wenn Tooly die grausame Wahrheit entdeckt. Aufstieg und Fall
ist aber auch ein Buch für Bibliophile. Bücher im Buch spielen in Form von ständigen Anspielungen und Zitaten eine wichtige Rolle. Bücher sind schließlich in Toolys unstetem Leben die beständigsten Freunde und bieten ihr am Ende auch beruflich eine Perspektive. Unter den Charakteren wachsen dem Leser vor allem die warmherzige, aufrichtige Tooly und der alte Humphrey ans Herz, der sie uneigennützig in entscheidenden Jahren ihres Lebens beschützt. Rachmans neues Buch hinterlässt einen starken Eindruck und ist unbedingt zu empfehlen.
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