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Angesichts des Werkkatalogs von Alain Tanner und Myriam Mézières von einer Straub-Huillet-Symbiose zu sprechen, wäre übertrieben, dennoch ist die Konstanz ihrer Zusammenarbeit bemerkenswert: Während die Liste ihrer gemeinsam geschriebenen Filme auch Le journal de Lady M. (1993) und Une flamme dans mon cœur (1987) beinhaltet, war Mézières als Schauspielerin in Tanners Filmografie bereits in Janas qui aura 25 ans en l’an 2000 (1976) präsent. Im jüngsten Film hat sich die Gewichtung verschoben: Erstmals wird Mézières in Fleurs de sang als Schauspielerin, Autorin und Regisseurin aufgeführt, während Tanner allein als Co-Regisseur fungiert.
Als Grundlage dieser bald drei Jahrzehnte dauernden Zusammenarbeit dient eine von beiden geteilte Auffassung des Autorenfilms, der einen persönlichen Blick auf die Gesellschaft bedingt, sowie die Überzeugung, dass die klassische Problematik des Konflikts zwischen Individuum und sozialem Kollektiv aus dem Blickwinkel der Frau erfasst werden muss, um heute Gültigkeit zu besitzen. Fleurs de sang gibt sich jedenfalls als konsequente Umsetzung dieser Prämissen: Lily ist Bauchtänzerin, dem Alkohol und Gelegenheitsflirts nicht abgeneigt und finanziell oft in einer derart prekären Situation, dass sie sich nach einer im Hotel verbrachten Nacht aus dem Staub zu machen pflegt, um die Unterkunftskosten zu umgehen. Ein skrupelloser Manager und berufliche Fehlschläge bringen ihre fragile Existenz in Gefahr. Erst verliert sie das Fürsorgerecht für ihre Tochter, und schliesslich beendet sie ihre Karriere als Strassenmimin in Paris.
Dank der gefühlsintensiven Interpretation von Mézières erscheint Lilys existenzieller Fall über weite Strecken bewegend; die Logik, der die Geschichte der Frau unterworfen ist, erweist sich hingegen als diskutabel. Ihr Leidensweg, der von Enttäuschungen, Betrug und (maskuliner) Gleichgültigkeit gesäumt ist, kristallisiert sich zu einer konventionellen Medienkritik, die als Korrelat zur Kritik an einer von Männern dominierten Gesellschaft verstanden werden will: Lilys Emanzipation - als Künstlerin und Frau - ist zum Scheitern verurteilt, weil ihre weibliche Subjektivität stets mit ihrem Status als Objekt kollidiert, der ihr vom männlichen Blick zugeteilt wird. Explizit zum Ausdruck kommt diese Problematik während einer nächtlichen Diskussion mit einem Liebhaber, als sich Lily beklagt, die Männer würden sich stets in ihr «Bild» verlieben.
Interessanter ist der Film, wenn er in seiner medialen Kritik zwischen der (marginalen) Bühnenkunst und den (mehrheitsfähigen) Repräsentationssystemen nuanciert. Lilys Werdegang kontrastiert mit jenem ihrer Freundin Elsa, die dank einer Rolle in einer Fernsehserie zu Bekanntheit und Reichtum gelangt ist. Auch Lilys Tochter, die aus dem Internat flieht, um Fotomodell zu werden, scheint fürs Leben besser gewappnet als ihre Mutter. Erst als sie den Fotografen, der ihre Karriere lancieren soll, aus Eifersucht niedersticht, spiegelt sich ihr seelisches Leiden in der körperlichen Versehrtheit ihrer mittlerweile verelendeten Mutter. Allerdings beharrt die Regieführung so insistent auf dieser Parallele, dass einem das Schicksal der beiden eher gleichgültig bleibt.