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Unter Kinetose versteht man alle Beschwerden, die beim Reisen mit Transportmitteln auftreten. Immerhin 25 % der Weltbevölkerung leiden angeblich in der einen oder anderen Form an Reisebeschwerden. Oft reicht eine kurvenreiche Autofahrt, um die Symptome hervorzurufen.
Bewegung im Raum wird dem Menschen durch ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedener sensorischer Systeme ermöglicht: Gleichgewichtsorgan, räumliches Sehen und Hören, Muskelkontraktionen, Tastsinn etc. liefern ihre Informationen an das Gehirn, wo sie zu einem harmonischen Bild von Umwelt und Bewegung zusammengesetzt werden. Probleme entstehen dann, wenn die Informationen, die das Gehirn von den einzelnen Sinnesorganen bekommt, nicht zueinander passen.
So ist z. B. ein Reisender, in einem Auto, der ein Buch liest, gefährdet, weil seine Augen den Eindruck von Ruhe vermitteln, während zum selben Zeitpunkt das Gleichgewichtssystem Bewegung registriert.
Symptome
Das Gehirn kann diese Widersprüche oft nicht verarbeiten. Die Folgen können von leichter Übelkeit und Schwindelgefühl bis zum Erbrechen reichen. Studien zeigen, dass sich die Kinetose dabei meist auf ein konkretes Transportmittel beschränkt und nicht allgemein das Reisen erschwert. Kinetose tritt plötzlich, auch aus bestem Wohlbefinden heraus, auf. Der Speichelfluss wird vermehrt, ein eigenartiges Gefühl im Magen tritt auf, gepaart mit einem Bedürfnis zu Gähnen. In der Folge konzentriert sich die Person immer mehr auf den eigenen Körper: Übelkeit, Schwindel und Erbrechen folgen. In besonders schweren Fällen kann es zum Kreislaufkollaps kommen. Lärm und Vibrationen begünstigen das Auftreten der Krankheit. Ein weiterer Faktor ist die Magenfüllung. Achten Sie darauf, dass der Magen weder leer noch überfüllt ist.
Wenn Kinder im Auto reisekrank werden, kann eine Autofahrt für alle Insassen sehr unangenehm werden. Hier ein paar bewährte Tricks, die Familien geholfen haben:
- Pfefferminz, und zwar jede Menge davon. Sie sollten immer einen Vorrat an Pfefferminzbonbons oder Kaugummis im Auto haben.
- Ingwer, z. B. in Keksen oder als Tee, vor der Fahrt einnehmen und während der Fahrt immer mal wieder davon nehmen.
- Verbieten Sie Ihrem Kind, im Auto zu lesen, besonders bei kurven-reichen Strecken. Es sollte vorne aus dem Wagen sehen (Kindersitz also in der Mitte anbringen), das hilft dem Gleichgewichtssinn, sich zu orientieren.
- Wählen Sie einen Punkt aus, der möglichst weit entfernt ist, und lassen Sie Ihr Kind so lange wie möglich darauf schauen, anstatt auf die Straße zu sehen.
- Tief durch den Mund atmen, nicht durch die Nase.
- Die Hand aus dem Fenster halten.
- Frisches Wasser und salzige Cracker.
- Nehmen Sie eine verschließbare Spuck-Schüssel mit in den Wagen, so dass Sie im Fall der Fälle einen Deckel darauf geben können, bis Sie eine Stelle erreicht haben, an der Sie anhalten und die Schüssel leeren bzw. entsorgen können.
- Halten Sie Lutscher bereit.
- Kalte Waschlappen auf der Stirn helfen, ein Kühlelement im Nacken ebenfalls.
- Nehmen Sie einen Duftspray mit, falls „es“ doch passiert… Fahren Sie nie ohne eine große Packung Erfrischungstücher.
- Nehmen Sie für alle Insassen Wechselkleidung mit.
- Nehmen Sie am Abend vor der Fahrt nur leicht verdauliche, warme Mahlzeiten zu sich, also fettarme Nahrung mit möglichst wenigen Ballaststoffen.
- Beginnen Sie die Fahrt ausgeschlafen, in Ruhe und ohne Hektik. Für Kinder ist es günstig in der Nacht zu fahren.
- Beschäftigen Sie den Magen während der Reise mit kleinen Mengen Zwieback, getrocknetem Weissbrot, Salzbrezeln, ungesüssten Kaugummis oder fettarmen Keksen.
- Meiden Sie penetrante Gerüche, z. B. üble Essens-, Benzin- oder Toilettengerüche, da sie die Übelkeit beschleunigen.
Die richtige Vorbereitung ist wichtig
- Ausschlafen vor der Reise
- Vor Antritt der Reise eine leichte Mahlzeit einnehmen
- Seitliche Drehungen des Kopfs während der Reise möglichst vermeiden
- In die Ferne sehen
- Wenn möglich für frische Luft sorgen
Hilfe aus der Natur
Aus der Naturheilkunde empfiehlt sich Ingwer, der den Magen beruhigt, ohne zu ermüden. Verwenden Sie dazu Ingwer-Kapseln oder natürliche Ingwer-Wurzeln. Einreibungen der Handgelenke mit Rosmarin- oder Basilikumöl gelten als hilfreich, ebenso wie Melissetropfen, die Sie schon bereits einen Tag vor Reisebeginn einnehmen sollten. Während der Fahrt kann es helfen, eine Zitrone oder einen Kaugummi zu kauen oder einen Eiswürfel im Mund zu lutschen.
Die richtigen Autospielzeuge
Nehmen Sie für Autofahrten keine Spielzeuge mit Kleinteilen mit. Es sei denn, Sie wollen Ihre Yogaübungen perfektionieren, indem Sie alle 10 Minuten mit dem Arm unter dem Sitz nach verlorenem Zubehör suchen.
Fahren Sie schattig
Bei Autofahrten sollten die Rückfenster mit Sonnenschutz versehen sein. Rollos, Window-Sox oder ein einfaches Handtuch schützen die Augen vor Sonne und den Wagen vor Hitze. Wenn Sie parken, legen Sie das Handtuch über den Kindersitz, damit dieser nicht heiss wird.
Reisekrankheit
Wenn Ihr Kind reisekrank werden kann, verhindern Sie, dass es während der Fahrt liest. Lassen Sie es lieber eine neue Kassette oder CD hören und dabei aus dem Fenster sehen.
Machen Sie Pausen
Wenn Sie mit dem Auto fahren, sollten Sie viele Pausen machen. Kinder können nicht so lange im Auto still sitzen und bei sehr kleinen Babys birgt längeres Sitzen in der Babyschale die Gefahr, dass die Blutversorgung im Kopf nicht ausreichend gewährleistet ist. Eine Pause macht alle Insassen wieder frisch und ist ein wichtiger Faktor zur Unfallprävention.