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Anfrage über die im Projekt Spange Nord zugrunde gelegten Verkehrsprognosen auf der Seebrücke
Archiv: 19. Juni 2017
Urban Frye, Michael Töngi, Ali R. Celik, Christina Reusser, Monique Frey und Mitunterzeichnende bitten den Regierungsrat um die Beantwortung einiger Fragen zu den Verkehrsprognosen, die dem Projekt Spange Nord zugrunde gelegt wurden.
Laut den Angaben der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur zum Mobilitätsmanagement soll die Bevölkerung in der Agglomeration Luzern bis zum Jahr 2030 um 16 Prozent, also von heute 210000 Personen auf 243000 Personen zunehmen. Erfahrungsgemäss würde der Verkehr schneller als die Bevölkerung wachsen.
Bei der Seebrücke rechnet die Dienststelle ohne den Bau der Spange Nord mit einer Zunahme der durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärke (DTV) bis 2030 von heute (Stand 2015) 36485 auf 42100 Fahrzeuge1. Das heisst, mit einer Zunahme um 15,4 Prozent etwas weniger als die erwartete Zunahme der Bevölkerung im gleichen Zeitrahmen. Der Verkehr würde also nicht schneller wachsen als die Bevölkerung.
Diese im Projekt Spange Nord zugrunde gelegten Verkehrsprognosen sind jedoch infrage zu stellen: Das Verkehrsaufkommen auf der Seebrücke nimmt seit 2004 kontinuierlich ab, obwohl die Stadt Luzern in den letzten zwölf Jahren um 7000 Einwohnerinnen und Einwohner und 10000 Arbeitsplätze gewachsen ist. Waren es im Jahr 2004 noch 42000 Fahrzeuge pro Tag, so sind es heute 36000. Ohne zusätzlichen Ausbau von Strassen, dafür mit gescheiten verkehrsplanerischen Massnahmen konnte in den letzten Jahren der Verkehr auf der Seebrücke um 6000 Fahrzeuge oder um 13 Prozent reduziert werden. Das Bevölkerungswachstum hat also nicht zu einem Verkehrswachstum geführt, im Gegenteil. Es ist deshalb sehr fraglich, ob der Verkehr bis 2030 wirklich so stark zunehmen wird, wie in den Projektunterlagen Spange Nord ausgewiesen wird. Angesichts der rückläufigen Verkehrszahlen in der Innenstadt sollte es also möglich sein, die flankierenden Massnahmen vorzuziehen. Der Verkehr auf der Seebrücke im Jahr 2015 liegt nämlich bereits heute tiefer als die 38100 Fahrzeuge, die mit der Spange Nord laut dem Planungsbericht erreicht werden können und die Realisierung der flankierenden Massnahmen (durchgehende Bussspur) ermöglicht.
Wir bitten den Regierungsrat, folgende Fragen zu beantworten:
- Auf welchen Grundlagen basiert die Annahme der Regierung, dass der Verkehr am neuralgischsten Punkt der Stadt Luzern, der Seebrücke, analog zu dem erwarteten Bevölkerungswachstum zunehmen wird, obwohl die realen Erfahrungen der vergangenen Jahre genau das Gegenteil annehmen lassen?
- Warum realisiert der Regierungsrat nicht bereits heute eine durchgehende Busspur von der Pilatusstrasse über die Seebrücke bis zum Löwenplatz, da die in den vergangenen Jahren erfolgte Abnahme des Verkehrs dies zulassen würde?
- Auf welchen anderen Strassen in der Agglomeration Luzern hat sich der Verkehr in den letzten 20 Jahren auch nicht so entwickelt, wie es das Verkehrsmodell errechnet hat? Sind die Algorithmen für das Verkehrsmodell entsprechend angepasst worden und wie? Wie sehen die Verkehrszahlen 2030 nun auf den verschiedenen Strassen der Agglomeration mit dem angepassten Algorithmus aus?
1Siehe Tabelle 1 (Seite 18) Bericht «Verkehrsgrundlagen», Spange Nord und Massnahmen
für den öV, https://spange-nord.lu.ch/projekt/Vernehmlassungsunterlagen_Vorprojekt / Verkehrsgrundlagen, 9. Februar 2017