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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VI.
52.
Ich hoffe nun, daß es allen, die gesunden Verstandes sind, ganz klar ist, daß dies törichte und weit ab von der wahren Glaubenswissenschaft liegende Dinge sind, Bruchstücke astrologischer Erfindung und pythagoreischer Rechenkunst, wie ihr Lernbegierige wohl einseht. Diese Ansichten habe ich ja schon vorgelegt1. Um aber noch gründlicher zu beweisen, daß sie nicht Christi, sondern des Pythagoras Schüler sind, so will ich, soweit es in einem Auszug möglich ist, auch was sie über Himmelserscheinungen sagen2, darlegen. Sie sagen nämlich folgendes: Das Universum bestehe [S. 189] aus einerEinheit und einer Zweiheit, und von der Einheit bis zu vier zählend erhalten sie die Zehnheit. Die Zweiheit hinwiederum bis zum Haltezeichen ergibt die Zwölfzahl, was da ist zwei und vier und sechs. Und wenn wir wiederum von der Zweiheit bis zu zehn zählen, ergibt sich die Dreißigzahl, in der die Achtzahl und die Zehnzahl und die Zwölfzahl enthalten ist. Die Zwölfzahl, die das Haltezeichen als Begleiter gehabt habe, nennen sie die ausgezeichnete Leidenschaft, und deswegen sei, nachdem über die Zahl zwölf ein Irrtum geschah, das Schaf entlaufen und in die Irre gegangen, ebenso auch3 von der Dekade. Diesbezüglich sprechen sie auch von der Drachme, die das Weib verlor und mit brennender Lampe suchte, und vom Schaden, der an einem Schaf geschah4 und setzen die Zahl 99 zusammen und erdichten sich Zahlen, so daß die elf mit den neun vervielfacht die Zahl 99 ergibt, und um deswillen werde Amen gesagt, das die Zahl 99 enthalte. Von einer anderen Zahl sprechen sie so: Der Buchstabe Eta mit dem Haltezeichen ist eine Achtheit, weil es von Alpha an an achter Stelle steht; dann wiederum rechnen sie ohne das Haltezeichen die Zahl der Buchstaben selbst und setzen sie bis zum Eta zusammen und erhalten die Zahl 30. Wenn einer nämlich beim Alpha beginnt und bis zum Eta fortfährt, so erhält er, wenn er das Haltezeichen wegläßt, die Zahl 30. Nachdem nun aus den drei Kräften die Zahl dreißig sich ergibt, so macht sie, selbst verdreifacht, neunzig; dreimal dreißig sind nämlich neunzig5. So bringt die Achtheit die Zahl neunundneunzig aus der ersten Achtheit und Zehnheit und Zwölfheit hervor. Hieraus errechnen sie addierend die Zahl dreißig, bald ziehen sie die zwölfte (Zahl) ab und erhalten elf; so machen sie auch aus zehn neun; durch Addition und Verzehnfachung kommen sie auf die Zahl neunundneunzig. Da der zwölfte Äon durch [S. 190] seinen Abfall elf zurückgelassen und sich nach unten begeben habe, so stimme die Sache. Der Typus der Buchstaben gebe Aufschluß: als elfter Buchstabe stehe nämlich das Lambda, das die Zahl dreißig bedeute, und das entspreche dem Bild der oberen Heilsordnung, da von Alpha an, ohne das Haltezeichen, der Zahlenwert der Buchstaben bis zum Lambda addiert die Zahl neunundneunzig ergibt. Daß das Lambda, das den elften Platz einnimmt, zur Suche des ihm gleichen herabkam, um die Zwölfzahl voll zu machen, und es fand und so voll wurde, ist aus dem Buchstabenbild selbst klar. Das Lambda nämlich, das gleichsam auf die Suche des ihm gleichen ausging, fand es, nahm es an sich und füllte so den Platz des zwölften, des Buchstabens My, aus; denn My besteht aus zwei Lambda. Die Anhänger des Markus meiden wegen dieser Erkenntnis den Ort der Zahl neunundneunzig, d. i. das Hysterema, das Abbild der linken Hand, sie streben nach dem Hen, das, zu den neunundneunzig gezählt, sie zu der rechten Hand hinüberführt.
1: Phil. 1, 2 (IV, 43); IV, 51.
2: Gö.
3: Hier nimmt Gö. eine Lücke an.
4: Luk 15, 4—10; Matth. 18, 12— 14.
5: Die Vorlage Hippolyts (Irenäus) hat hier noch den Satz: Die Dreiheit mit sich selbst multipliziert macht neun, — der zum Verständnis nötig ist.