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Die Zeitumstellung spaltet die Gemüter. Manche betonen die gesundheitlichen Vorteile der Uhrumstellung, andere beklagen ihre praktischen Nachteile. Nun sind in der EU sogar Bestrebungen im Gange, die Umstellung ganz abzuschaffen.
Es ist wieder soweit, die Sommerzeit geht zu Ende. Am Sonntag findet deshalb die Zeitumstellung statt. Zwei gute Nachrichten: Wir gewinnen eine Stunde und am Morgen ist es wieder heller. Die schlechte Nachricht: Am Abend ist es früher dunkel.
Der Unmut in der Bevölkerung ist sogar so gross, dass in der EU bereits diskutiert wird, ob man die Zeitumstellung abschaffen will. Mehr zur Geschichte hinter der Uhrumstellung, ihre Vor- und Nachteile und wann sie frühestens abgeschafft wird, erfährst du hier:
Beginnen wir am Anfang. Die Idee, unsere Lebensweise und damit unsere Uhren besser dem Tageslicht anzupassen, kam erstmals im 19. Jahrhundert auf. Forscher aus der ganzen Welt propagierten die Idee, sie fand jedoch in der breiten Bevölkerung kaum Anklang. Zu kompliziert, entschied man damals.
Erst mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges erhielt die Zeitumstellung einen erneuten Schub, weil man knapp werdende Brennstoffe zur Beleuchtung sparen wollte. So führten fast alle am Krieg beteiligten Parteien die Sommerzeit ein. Nach Ende des Krieges wurde die teilweise unbeliebte Kriegsmassnahme vereinzelt wieder abgeschafft, der 2. Weltkrieg brachte sie jedoch wieder zurück.
Auch die Schweiz führte in den Jahren 1941 und 1942 die Zeitumstellung kurzfristig als Kriegsmassnahme ein. Ende der 70er-Jahre gab es wegen der Ölkrise erneut Bestrebungen in Deutschland und Österreich, die Sommerzeit permanent einzuführen. Die Schweizer Politik wollte mitziehen, die Bevölkerung machte ihr aber per Referendum und Volksabstimmung einen Strich durch die Rechnung.
Als die Nachbarländer die Umstellung 1980 endgültig einführten, wurden die Probleme aber deutlich. Die Schweiz als Insel mitten in Europa, in der zur Hälfte des Jahres eine andere Zeit gilt, erschwerte damit die Organisation des mitteleuropäischen Bahnverkehrs erheblich. Am 1. Januar 1981 trat die Zeitumstellung also auch in der Schweiz in Kraft. Ein Referendum kam nicht mehr zustande und auch spätere Abschaffungs-Bemühungen – zum Beispiel von SVP-Übervater Christoph Blocher – scheiterten.
Bereits damals in den 80er-Jahren wurde die Zeitumstellung negativ aufgenommen. «Kaum entscheidet man sich in Bonn [damals Hauptstadt der BRD, Anm. d. Red.] für die Zeitumstellung, geraten wir in Aufruhr!», ereiferten sich die Gegner. Im Vordergrund stand damals, dass die SBB schwere wirtschaftliche Konsequenzen zu tragen hätten, wenn die Schweiz nicht ebenfalls auf die Sommerzeit einträte.
Um den Übergang so geschmeidig wie möglich zu gestalten, entschied man sich, die Umstellung auf eine Nacht im Wochenende zu legen. Diese Zeit machte die Umstellung für die SBB einfacher, ein Grossteil der Bevölkerung schläft und Nachzügler haben am Sonntag noch Zeit, die Uhren umzustellen.
Am Sonntag endet die Sommerzeit und die Winterzeit beginnt. Das heisst, wir stellen die Uhren eine Stunde zurück. Also von 3 Uhr auf 2 Uhr. Die meisten Uhren stellen automatisch um. Die gute Nachricht: Wir gewinnen mit der Umstellung die Stunde, die wir im März verloren haben.
PS: Die Backofenuhr geht gerne mal vergessen, also immer schön umstellen!
Die Argumente für die Zeitumstellung waren in der Schweiz immer praktischer Natur: Die Anpassung an die europäische Norm stand im Vordergrund. Die Begründung, man könne damit Energie sparen, hat sich jedoch nicht bestätigt. Zwar stimme es, dass während der Sommerzeit am Abend weniger Strom verbraucht wird, dieses Plus wird aber in der Winterzeit wieder kompensiert.
Viele Forscher würden eine Abschaffung der Sommerzeit begrüssen, und zwar aus gesundheitlichen Gründen. Die Umstellung zwei Mal im Jahr führt bei einigen Personen zu einem Mini-Jetlag und kann Schlafstörungen verursachen. Doch auch auf biologischer Ebene ist die Zeitumstellung belastend. Blutdruck, Pulsfrequenz und Körpertemperatur zum Beispiel folgen einer inneren biologischen Uhr. Verändert sich der Tagesrhythmus, kann dies zu Anpassungsschwierigkeiten und damit zu Bluthochdruck führen.
Die deutsche Regierungspartei CDU entschied sich bereits 2014, sich für die Abschaffung der Umstellung einzusetzen. Die EU trat erst 2018 auf den Plan. Das EU-Parlament beauftragte die EU-Kommission, die Umstellung neu zu bewerten. Diese startete daraufhin eine Umfrage. Eine erste Auswertung zeigte, dass 84 Prozent der Teilnehmer sich für eine Abschaffung aussprachen.
Daraufhin plante die EU, die Zeitumstellung auf das Jahr 2020 abzuschaffen und die Sommerzeit permanent beizubehalten. Sowohl die EU-Kommission wie auch das Parlament stimmte diesem Fahrplan zu. Das Problem ist hingegen, dass diese Änderung auch eine Mehrheit unter den EU-Staaten braucht. In vielen Ländern gab es aber bisher kaum Bestrebungen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Nun hat das Europaparlament entschieden, dass die Zeitumstellung 2021 abgeschafft wird. Der konkrete Ablauf der Umstellung wurde jedoch noch nicht beschlossen. Das Coronavirus dürfte das EU-Parlament Die Mitgliederstaaten dürfen selbst entscheiden, ob sie die Sommer oder die Winterzeit beibehalten wollen. Wird die Zeitumstellung also trotz Corona abgeschafft, würden jene Staaten, die auf Sommerzeit setzen, die Uhr im März 2021 zum letzten Mal umstellen. Für jene, die auf die Winterzeit setzen, wäre diese Umstellung am Sonntag die letzte.
Ob man die Winter- oder die Sommerzeit als Normalzeit festlegen soll, ist jedoch umstritten. Wissenschaftler fürchten, dass es gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung haben könnte, sollte man sich für die Sommerzeit entscheiden. Ausserdem strebt die EU eine einheitliche Umsetzung an, man stelle sich das Chaos sonst vor.
Macht die EU der Winterzeit den Garaus, wird die Schweiz wohl folgen. Ähnlich wie bei der Anpassung an Europa bei der Einführung würde es auch heute keinen Sinn machen, alleine an der Winterzeit festzuhalten.
Nur etwa ein Drittel aller Länder haben sich auf die Sommerzeit festgelegt. Dazu gehören die meisten europäischen und nordamerikanischen Länder. Hinzu kommen noch Israel, Syrien, der Iran, Peru, Paraguay und Teile Australiens. Diese Karte zeigt einen Überblick:
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