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Vorhaben 1938,126 (J 6)
Zwei Zeitbereiche sind durch den Umriss einer menschlichen Gestalt voneinander getrennt, aber auch miteinander verbunden: das Gestern und das Morgen. Das Gestern liegt im linken Bilddrittel, die Vergangenheit, das bereits Geschaffene. Man sieht den Mensch, das Tier, eine Pflanze, sogar eine Fahne. Diese Dinge werden als die äussere Welt der Erscheinungen dargestellt.
In einem Tagebucheintrag schreibt Klee: «Man sammelt und summiert Gegenstände, bringt sie aber nur in einen buchstückweise plausibel erlebten Zusammenhang, der oft schroff unterbrochen wird, so dass man den Begriff des Gegenständlichen oder des Gesetzlichen nicht mehr verfolgen kann.»
Die helle Bildseite rechts zeigt eine Ansammlung von hieroglyphenartigen Zeichen, eine ungeordnete und offene Zukunft. Das Auge, hervorgehoben durch einen einzigen blauen Farbakzent im Bild, charakterisiert die Figur und gleichzeitig Symbol einer geistigen Wahrnehmung, die über Vergangenes und Gegenwärtiges hinaus reicht. Es symbolisiert den Blick in das Innere, in dem sich Erinnerung und Erwartung im Schnittpunkt des Augenblicks begegnen.
Die Zusammengehörigkeit der beiden Zeithorizonte wird durch die Verwendung der Komplementärfarben Olivgrün und Zinnoberrot betont.
Quelle: Balancieren im Zwischen, Bernhard Marx