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“Demenz” bezeichnet ein klinisches Syndrom, das meist als Folge einer chronisch fortschreitenden Erkrankung des Gehirns auftritt.
Eine Demenz äussert sich durch eine Störung mehrerer Hirnfunktionsbereiche in einem Ausmass, das die Betroffenen im täglichen Leben und im Beruf einschränkt.
Von den Störungen betroffen sein können zum Beispiel Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis, Wahrnehmungsfunktionen, Exekutivfunktionen wie Planen, abstraktes Denken, der Einsatz von Strategien oder die Problemlösung. Frühe Anzeichen für eine mögliche Demenz sind neu auftretende Schwierigkeiten bei alltäglichen und vertrauten Abläufen aber auch Wortfindungsstörungen sowie Veränderungen in der sozialen Interaktion. Psychische Veränderungen, zum Beispiel in Form einer depressiven Verstimmung, sind oftmals „Vorboten“ einer beginnenden Demenz und schwierig von einer eigenständigen Depression ohne Demenz abzugrenzen.
Mit zunehmendem Alter nimmt das Risiko zu, an einer Demenz zu erkranken. Nach dem 60. Lebensjahr verdoppelt sich sie Anzahl der Demenzpatienten alle fünf Jahre. Da die Lebenserwartung immer höher wird, nehmen auch die Demenzerkrankungen zu.
Erbanlagen können das Risiko erhöhen.
Weitere Risiken sind all die Faktoren, welche die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen, wie zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen oder Alkohol.
Zu einem höheren Risiko führen aber auch frühere Hirnverletzungen oder Depressionen.
Demenz kann zahlreiche Ursachen und Formen haben. Einige Demenzformen werden als reversibel bezeichnet: Sie können durch eine geeignete Behandlung teilweise oder ganz geheilt werden. Dies ist etwa bei Stoffwechselkrankheiten wie z.B. einer Schilddrüsenunterfunktion oder bei einem Vitamin-B12-Mangel der Fall. Bei irreversiblen, also nicht rückgängig zu machenden Demenzformen ist das Gehirn direkt erkrankt.
Die Alzheimer-Krankheit und die vaskuläre Demenz zählen zu den häufigsten irreversiblen Demenzformen. Etwas weniger häufig sind die Lewy-Körperchen-Demenz und die frontotemporalen Demenzen.
Alzheimer-Erkrankung: Die Alzheimer-Krankheit ist eine unheilbare, hirnabbauende Erkrankung. Sie ist nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer (1864 – 1915) benannt, der die Krankheit erstmals im Jahre 1906 wissenschaftlich beschrieben hat. Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit ist das Alter. Nur in seltenen Fällen sind die Betroffenen jünger als 60 Jahre. Kennzeichnend für die Erkrankung ist der langsam fortschreitende Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten.
Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) festzustellen.
Zum Krankheitsbild gehören Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Diese Störungen sind bei den Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt und nehmen im Verlauf der Erkrankung zu.
Die Patienten sind mit der Zeit zunehmend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Die Anforderungen an Betreuung, Pflege, Therapie und ärztliche Behandlung sind dabei jeweils sehr unterschiedlich, denn Alzheimer-Kranke sind keine einheitliche Gruppe, sondern Individuen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen, Kompetenzen und Defiziten, die in unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Situationen leben.
Vaskuläre Demenz: Bei vaskulären Demenzen kommt es in der Folge von Durchblutungsstörungen des Gehirns zu einem Absterben von Nervenzellen. Vom Ausmaß der Durchblutungsstörung ist abhängig, wie ausgeprägt die Demenz ist.
Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor. Der Beginn der vaskulären Demenz vollzieht sich oft schleichend, das Fortschreiten allmählich – also schwer von der Alzheimer-Krankheit zu unterscheiden. Allerdings sind die Symptome anders. Im Vordergrund stehen etwas weniger Gedächtnisstörungen, sondern eher Verlangsamung, Leistungsschwankungen und Stimmungslabilität.
Eine seltenere Form der vaskulären Demenz ist die Multi-Infarkt-Demenz, bei der das Gehirn durch viele kleine Schlaganfälle geschädigt wird. Die Multi-Infarkt-Demenz beginnt meist plötzlich und schreitet in der Regel stufenweise fort.
Risikofaktoren sind u.a. Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), ein hoher Cholesterinspiegel (Blutfettwerte), Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen.
Lewy-Body-Demenz (LBD): Lewy-Körperchen-Demenz und Alzheimer-Krankheit ähneln sich sehr stark und sind schwer voneinander zu unterscheiden. Es ist deshalb nicht leicht zu klären, in welchem Umfang Mischformen der beiden Demenzen vorkommen.
Kennzeichnend für eine Lewy-Körperchen-Demenz sind:
Es müssen allerdings nicht alle Symptome auftreten. Besonders gut scheinen die Patienten auf Behandlung mit modernen Antidementiva, mit Acetylcholinesterase-Hemmern, anzusprechen. Bei der Behandlung mit Neuroleptika ist dagegen Vorsicht geboten, weil besonders die LBD-Patienten darauf überempfindlich reagieren.
Frontotemporale Demenz (FDT): Die Frontotemporale Demenz (FTD) ist eine Krankheit, bei der der Abbau von Nervenzellen zunächst im Stirn- und Schläfenbereich (Fronto-Temporal-Lappen) des Gehirns stattfindet. Von hier aus werden u.a. Emotionen und Sozialverhalten kontrolliert.
Frontotemporale Demenzen treten normalerweise früher auf als die Alzheimer-Krankheit, meistens schon zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr oder noch früher.
Bei fast allen Patienten fallen zu Beginn der Erkrankung Veränderungen der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens auf. Dazu zählen insbesondere Aggressivität, Taktlosigkeit, maßloses Essen, aber auch Teilnahmslosigkeit. Im Verlauf der Erkrankung entwickeln sich Störungen der Sprache, die sich in Wortfindungsstörungen, Störungen des Benennens, Sprachverständnisstörungen und fehlendem Mitteilungsbedürfnis bis hin zum völligen Verstummen äußern. Im weiteren Verlauf kommt es zur Beeinträchtigung des Gedächtnisses, die lange Zeit aber nicht so stark ausgeprägt ist wie bei der Alzheimer-Krankheit.
Die Diagnostik der Frontotemporalen Demenz kann schwierig sein. Weil zu Beginn der Erkrankung Veränderungen der Persönlichkeit und des sozialen Verhaltens im Vordergrund stehen, kommt es nicht selten zu Verwechslungen mit psychischen Störungen wie zum Beispiel der Depression. Die Betroffenen zeigen in der Regel kaum Krankheitseinsicht.
Unter dem Punkt “Diagnostik” erfahren Sie, wo und wie Sie sich bei Verdacht auf eine Demenz abklären lassen können und wie eine solche Abklärung abläuft.