Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03340.jsonl.gz/869

Racal Engineering Ltd.,

überarbeitet am 19.9.2010

Ende der fünfziger Jahre stellte der englische Elektronikkonzern Racal Engineering Ltd. den ersten auf der von Dr. T. L. Wadley entwickelten Wadley Loop - Schaltung basierenden Kommunikationsempfänger vor. Dabei wurde im Gegensatz zu früheren Schaltungen in denen für jede Oszillatorfrequenz ein eigener Quarz eingesetzt wurde, die Oszillatorfrequenz aus im Abstand von 1 MHz auseinanderliegenden von einem einzigen Mutteroszillator stammenden Oberwellen gewonnen. So war bei hoher Linearität der Analogskala eine gute Ablesegenauigkeit und Frequenzstabilität mit einem vergleichsweise geringen Aufwand an Bauteilen möglich geworden. Später fand sich dies Wadley - Loop - Prinzip in zahlreichen kommerziellen und auch Amateur - Kurzwellenempfängern bis hin zum Yaesu FRG-7 und Barlow Wadley XCR-30 wieder, bis es von der PLL- Schaltung abgelöst wurde.
Die Grundversion RA 17 wurde 1958 vorgestellt, es gab eine US - amerikanische Version (RA 17 UA / UC mit Produktdetektor), die sich vom englischen Gerät u. a. durch das angebrachte und nicht über eine Gerätesteckdose zugeführte Netzkabel, die fehlende direkte Spannungsumschaltung und eine zusätzliche Eichung des Feldstärkemessinstrumentes in S - Stufen unterscheidet, auf der Frontplatte ist die direkt unter dem S - Meter lokalisierte Kappe zum Erreichen des S - Meter - Eichpotis auffällig. In der Folgeversion RA 17 L ist die Filterbestückung geringfügig geändert, gegenüber den 100 Hz / 300 Hz / 750 Hz, 1,2 sowie 3 und 8 Khz des Vorgängers verfügt das in dieser Version auch mir vorliegende Gerät über 0,1 / 0,3 / 1,2 / 3,0 / 6,5 und 13 kHz - Filter. Mein Gerät stammt von Singer aus Aachen.
Das Gerät, türkis - bläulich - grau im sogenannten "light battleship grey" gestrichen, wiegt in der 19" - Rack - Version mit den Ausmassen 48 x 26,5 x 51 cm 30,5 kg und bringt somit manch normales Regal fast zum Durchbiegen, es wurde auch in einem Stahlgehäuse geliefert und wog dann ganze 44 kg. Auffallend ist an der Form, dass das Gerät wesentlich tiefer als breit ist, Handgriffe an der Frontplatte erleichtern das Vorhaben, den Empfänger aus dem Einschubgestell zu heben. Nach Abheben der Staubschutzdeckel präsentiert sich das Innere in sauber abgeschirmten Einheiten, die interne mit im Kurzwellen/VHF - Spektrum liegenden Frequenzen arbeitende Frequenzaufbereitung machte solch aufwendige Abschirmmassnahmen notwendig.
Die Frontplatte wird dominiert vom Frequenzskalenfenster. Im 15 cm breiten Ausschnitt wird jeweils ein Bereich von 100 kHz sichtbar. Ein gesamtes Megahertz - Band wird auf einer 1,4 m langen Filmskala überstrichen, die bei Abstimmung mit dem linken grossen kHz - Wahlknopf hinter dem Skalenausschnitt vorbeigezogen wird. Die 1 kHz - Striche liegen ca 1,5 mm auseinander, so dass eine Frequenzablesung auf ca. 0,5 kHz möglich wird, die Ablesemarke lässt sich zur Feineinstellung nach Eichung mit dem Eichmarkengeber verschieben. Mit dem zweiten grossen Drehknopf rechts unter des Frequenzfensters lässt sich der MHz - Bereich wählen, die Zahl wird im kleineren Fenster unterhalb der kHz-Skala abgelesen. Zwischen den grossen Drehknöpfen liegt die mechanische Bremse, die den Empfänger im point to point - Einsatz gegen unbeabsichtigtes Verstimmen schützt. Oben rechts findet sich das Feldstärkemessgerät, das in Mikroampères geeicht ist, mit dem darunter liegenden Schalter lässt es sich auf Messung der NF-Ausgangsleistung umschalten. Des weiteren liegen unterhalb des Messinstrumentes die Bedienungselemente des Preselektors, oben die Feinabstimmung des Vorkreises, unten die Bandbereichswahl, der Preselektor kann auch in der Stellung "wide band" umgangen werden, was sich in einer Verschlechterung des Grosssignalverhaltens bemerkbar macht.In der Mitte der untersten Reihe von Bedienungselementen liegt der Betriebsartenschalter, die HF-Regelung AVC lässt sich hier ausschalten, des weiteren lässt sich hier der Eichmarkengeber einschalten, der alle 100 kHz ein Signal abgibt, sowie ein Signal zum Kalibrieren des BFO. Gleich zur rechten liegt der Netzschalter, im weiteren der mit "A.F.Gain" bezeichnete Lautstärkeregler. Unter einer Kappe "A.F.Level" kann der Pegel eines 600 Ohm - Zweitausganges eingestellt werden, beispielsweise zum Einsatz eines Fernschreibkonverters. Ganz rechts unten findet sich der Antennenabschwächer mit insgesamt 5 Schalterstellungen. Links vom Betriebsartenschalter finden sich die Schalter für den Störaustaster und den BFO. Die BFO - Einstellung ist mit einem Feintrieb versehen und liegt am linken Rand der Fronplatte. In der untersten Bedienelementereihe liegen weiter links die Umschaltung der AVC - Ansprechcharakteristik und ganz links unten der Bandbreitenumschalter. Kristallfilter arbeiten in den Stellungen 100 Hz und 300 Hz, in den höheren Stellungen Spulenfilter. Oben links liegt der eingebaute Monitorlautsprecher mitsamt entsprechendem Schalter, darunter die Regelung der HF - Verstärkung, der "R.F. Gain".
Rückseitig neben dem Spannungswahlschalter und der Netzzuleitung liegt die Klemmenleiste mit sämtlichen verfügbaren Ausgängen inkl. AVC - Steuerspannung um das Gerät im Diversity - Empfang mit einem zweiten verwenden zu können und jeweils den Empfänger mit der höheren Signalspannung freizuschalten. Rechts davon der Antenneneingang und 100 kHz - Zwischenfrequenzausgänge.
Im Blockschaltbild ist die Technik des Wadley - Loops gut nachvollziehbar. Das Signal durchläuft nach dem Antenneneingang einen Tiefpass und gelangt nach Verstärkung und einer ersten von Hand abzustimmenden Vorselektion (Preselektor) über einen weiteren Tiefpass zum ersten Mischer. Nach dem Mutteroszillator, der mit 1 Mhz schwingt, werden dessen Harmonische bis 32 Mhz durch einen Tiefpass abgeschnitten. Nach Mischung mit einer festen Frequenz von 37,5 Mhz können mit dem VFO 1 die Frequenzen von 40,5 bis 69,5 Mhz jeweils in ganzzahligen MHz-Werten gewählt werden. Im ersten Mischer entsteht die erste Zwischenfrequenz von 40 ± 0,5 Mhz, die in einem entsprechenden Bandpass ausgefiltert wird. Nach Subtraktion des Signals von 37,5 Mhz liegt die zweite Zwischenfrequenz von 2,5 ± 0,5 Mhz an. Der zweite VFO, der zur kHz-Abstimmung eingesetzt wird und mit der Filmskala gekoppelt ist, überstreicht linear den Bereich von 2,1 - 3,1 Mhz. Nach erneuter Subtraktion entsteht im dritten Mischer die dritte Zwischenfrequenz von 100 kHz, diese durchläuft nach Verstärkung die Filterbank. Neben zwei schmalbandigen Quartzfiltern für die CQ - Bandbreiten verfügt der RA 17 über 4 Spulenfilter. Bei der tiefen Zwischenfrequenz von 100 kHz ist mit dieser günstigeren Lösung eine ausreichende Selektivität zu erreichen, auch wenn man mechanische Filter vergebens sucht, ist die Selektivität in der Praxis erstaunlich gut. Nach dem Diodendetektor, über eine zweite Diode wird die AVC - Spannung generiert, gelangt das Signal auf den NF - Verstärkerzweig.
Im praktischen Einsatz zeichnet sich der Empfänger durch eine - verglichen mit den heutigen Synthesizer - Empfängern mit direkter Frequenzangabe - etwas umständlichere Bedienung aus. Mit dem MHz - Abstimmknopf wird zunächst der gewünschte MHz-Bereich gewählt, mit dem Preselektor - Bereichsschalter wird der gewünschte Bereich vorgewählt und mit dem Preselektor - Drehko auf Rauschmaximum abgestimmt. Die Preselektoreinstellung muss sehr feinfühlig erfolgen, falls mit dem Peak versehentlich auf Signalmaximum einer starken Nachbarstation abgestimmt wurde, kann ein Nutzsignal unterdrückt werden. Nachdem nun das Rauschen hörbar wird, kann es durch feinfühlige Korektur am MHz-Knopf noch maximiert werden. Der Empfänger verfägt nicht über eine automatische Einrastung auf der MHz-Oszillatorfrequenz oder eine Signallampe, die das Einrasten durch Erlöschen anzeigt, wie ähnliche spätere Geräte mit Wadley - Loop. Nun kann auf die gewünschte Frequenz abgestimmt werden. Die Ablesegenauigkeit liegt, vor allem nach Calibration mit dem internen Eichmarkengeber, unter 1 kHz und die Empfindlichkeit liegt bei meinem Gerät - nach Angaben im Handbuch 3 uV für ein 20 dB Signal-to-Noise - Verhältnis - im Bereiche des Collins R - 388 oder des R & S EK 07, mein neu abgeglichener Collins R - 390 wie auch der NRD 525 mit dem für meinen Geschmack etwas übernervös reagierenden S - Meter ergaben bei ganz schwachen Signalen bessere Verständlichkeit. Mit dem 6,5 kHz - Filter lassen sich schwächere Nachbarkanalstörer in 5 kHz Abstand recht zuverlässig umgehen, für stärkere Nachbarkanalstörer ist das 3 kHz -Filter die Wahl.
weitere Lektüre:
© Martin Bösch 24.11.1999