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<h2>SubmittedText<h2><p>Der Sprecher des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation, Martin Fischer, hat auf RSI (Radiotelevisione svizzera di lingua italiana) bekanntgegeben, dass im Jahr 2012 2814 Schweizer Studenten und Studentinnen am Erasmus-Programm teilgenommen haben. Bei einem Total von rund 185 000 Studierenden auf Universitätsstufe entspricht dies 1,45 Prozent. Der Sprecher hat ausserdem hinzugefügt, dass keine statistischen Daten darüber vorliegen, wie hoch der Anteil von Schweizer Studierenden ist, die an Erasmus teilnehmen.</p><p>Ich frage den Bundesrat:</p><p>1. Bestätigt er, dass nur 1,45 Prozent der Studierenden am Erasmus-Programm teilnehmen?</p><p>2. Wie beurteilt er diesen kleinen Prozentsatz?</p><p>3. Ist er nicht der Ansicht, dass die Bedeutung dieses Programms noch geringer ist als bisher angenommen, wenn man die starke Positionierung der Schweizer Hochschulen im Vergleich zur EU berücksichtigt - zumindest bei den naturwissenschaftlichen Fakultäten -, und dass ein Studienaufenthalt in der EU deshalb kaum einen Mehrwert darstellt?</p><p>4. Bestätigt er, dass es keine statistischen Erhebungen gibt über die Anzahl der Schweizer Studierenden, die an Erasmus teilnehmen?</p><p>5. Wenn ja, ist es normal, dass es keine vollständigen und aktualisierten Daten gibt zu einem Programm, das jährlich mehrere Dutzend Millionen Franken kostet?</p><p>6. Kann er nach Fakultät aufgeschlüsselt angeben, wie viele Studenten und Studentinnen 2012 am Erasmus-Programm teilgenommen haben?</p><p>7. Ist es sinnvoll, solchen Programmen beizutreten, wenn es viel kostengünstiger wäre, Studenten und Studentinnen, die im Ausland studieren möchten, finanziell direkt zu unterstützen?</p><p>8. Warum hat der Bundesrat die Tragweite des Ausschlusses der Schweiz von Erasmus nicht unverzüglich relativiert, angesichts der Tatsache,</p><p>a. dass die EU ihre Beitragsforderungen gegenüber der Schweiz neu auf das Doppelte erhöht hatte und</p><p>b. dass die Zahl der Schweizer Teilnehmenden sehr klein ist?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat bestätigt, dass bisher pro akademischem Jahr rund 3000 Studierende über Erasmus gefördert wurden. Die absoluten Zahlen zu Anzahl, Dauer, Destination und Herkunft der Erasmus-Mobilität auf Hochschulebene werden durch die nationale Agentur, die CH-Stiftung, regelmässig aufbereitet und publiziert.</p><p>Die Relation zur Gesamtzahl aller Studierenden des Tertiärbereichs (1,45 Prozent) ist jedoch nicht geeignet, valable Vergleichsdaten zu liefern, da sich die Erasmus-Mobilität auf ein akademisches Jahr und die Gesamtzahl aller Studierenden auf drei bis fünf Studienjahrgänge bezieht. Zieht man einen einzelnen Studienjahrgang als Vergleichsbasis hinzu, also beispielsweise die tertiären Abschlüsse des Jahres 2012 (41 932 Lizenziate/Bachelor/Master in Unis/FH/PH), ergibt sich ein Mobilitätsanteil von 6,7 Prozent eines Jahrgangs.</p><p>Auch dieser Wert ist jedoch nur wenig aussagekräftig, da sich die Mobilität auf Tertiärebene nicht auf Erasmus beschränkt. Eine aggregierte Analyse der Mobilität ist daher angebracht. Das Bundesamt für Statistik hat diesem Thema eine Studie gewidmet, welche zum Schluss kommt, dass insgesamt 20,6 Prozent der Absolventen und Absolventinnen auf Master- oder Lizenziatsstufe des Abschlussjahres 2008 einen Studienaufenthalt im Ausland getätigt haben. Unabhängig davon wird die ch Stiftung wie bisher eine ausführliche Datenbasis über die geförderten Aktivitäten zusammenstellen und zugänglich machen.</p><p>Die Zahlen der CH-Stiftung belegen, dass Erasmus-Aufenthalte in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Wirtschafts- und Rechtswissenschaften besonders gefragt sind. Aus dieser Tatsache kann aber nicht geschlossen werden, dass für die naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen kein Mehrwert in der Mobilität besteht. Eine Mobilität kann nicht nur in fachlicher Hinsicht wertvoll sein, sie vermittelt auch wichtige sprachliche, interkulturelle Kompetenzen und fördert die Selbstständigkeit der Studierenden - alles wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben.</p><p>Gemäss obigen Ausführungen existiert eine Übersicht der Erasmus-Teilnehmer 2011/12 nach Fachrichtungen auf der Internetseite der CH-Stiftung. </p><p>Eine direkte Finanzierung der Schweizer Studierenden könnte grundsätzlich weniger Kosten verursachen als die Assoziierung an solchen Programmen. Neben finanziellen "Einsparungen" entstehen aber auch wesentliche Nachteile: So ist der Zugang zum Gesamtangebot nicht mehr gewährleistet, und die Schweiz ist als Partnerland aus allen Gremien ausgeschlossen. Der Bundesrat setzt sich jedoch ein, internationale Mobilität für alle Bildungsbereiche gleichermassen anzubieten, und möchte nicht ausschliesslich die tertiäre Bildung fördern. Gerade im Hochschulbereich beruht die Mobilität ausserdem auf dem Prinzip der Reziprozität. Es ist nicht davon auszugehen, dass europäische Gasthochschulen einseitige Mobilität von Schweizer Studierenden akzeptieren.</p><p>Die in der Interpellation vorgebrachten Punkte (Erhöhung der Programmbeiträge und die aus Sicht des Interpellanten geringfügige Nachfrage) rechtfertigen nach Ansicht des Bundesrates keine Relativierung des Drittstaat-Status der Schweiz in Erasmus plus. Auch wenn in der Anfangsphase der Beteiligung an den europäischen Bildungsprogrammen die Nachfrage in einzelnen Bereichen noch nicht den steigenden Programmbeiträgen zu folgen vermag, entspricht eine Vollassoziierung an den europäischen Bildungsprogrammen den Zielen des Bundesrates in der internationalen Bildungszusammenarbeit weiterhin am besten.</p>  Antwort des Bundesrates.