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Porträt von Bernard Boëton und seiner 35-jährigen Berufslaufbahn bei Terre des hommes
Die Begegnung mit Terre des hommes
1972 begibt sich der Franzose Bernard Boëton nach Kamerun, um dort im Rahmen seines Zivildienstes in einem Provinzgymnasium mitten im Regenwald zu unterrichten. Hier kommt er erstmals mit der NGO-Arbeit im Terrain in Kontakt. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich weckt 1979 ein Stelleninserat in der Tageszeitung Le Monde sein Interesse. Eine Schweizer NGO namens Terre des hommes sucht einen Delegierten für Bangladesch. Er entscheidet sich für eine Bewerbung, ohne genau zu wissen, was ihn erwartet.
Ein Allrounder
Nach zwei Vorstellungsgesprächen, eines davon mit Edmond Kaiser, dem Gründer von Terre des hommes, wird Boëton am 1. April 1980 verpflichtet. Er arbeitet zunächst drei Jahre als Programmverantwortlicher in Bangladesch, lange genug, um sich des Elends der Bevölkerung dieses Landes bewusst zu werden (Mangelernährung, Ausbeutung, Naturkatastrophen usw.).
Am Hauptsitz der Stiftung zurück, ist er von 1983 bis 1985 «délégué itinérant», das heisst eine Art Springer: «Das ist jemand, der aus dem Koffer lebt, wo und wann immer nötig aus diversen Gründen eingesetzt wird», erklärt Boëton. Seine Einsätze sind sehr unterschiedlich, können zwei Wochen oder auch sieben Monate dauern. In dieser Zeit eröffnet Boëton vor allem in Afrika Projekte, namentlich in Äthiopien, Burkina Faso, Togo, Mauretanien und Tschad.
In der Folge wird er Programmverantwortlicher für Schwarzafrika und auf Antrag des Stiftungsrats ab 1986 Direktor für Mittelbeschaffung und Kommunikation. Nach zehn Jahren in dieser Funktion bittet er um seine Entlassung aus der Geschäftsleitung, um «wieder an der Materie arbeiten» zu können. Er schafft die Abteilung Kinderrechte, die hauptsächlich aus drei Programmen besteht: Jugendstrafrecht, Bekämpfung von Kinderhandel und Kinderschutzpolitik. Bis 2013 hat er diese Stelle als Fachperson inne, um sich dann vollständig der Organisation des Weltkongresses zum Jugendstrafrecht zu widmen. An diesem Anlass werden Vertreter von Staaten und Zivilgesellschaft zusammenkommen, um die Umsetzung internationaler Normen und der Kinderrechte im Bereich des Jugendstrafrechts voranzubringen.
«Action, please»
Bernard Boëton hat dazu beigetragen, dass Terre des hommes in verschiedenen Ländern zum anerkannten Ansprechpartner von Justizministerien geworden ist. Denn als jemand, der sich für Philosophie begeistert, meint er: «Ideen spalten die Menschen, die Aktion vereint sie.» Die Notwendigkeit, auf Worte Taten folgen zu lassen war immer seine Richtschnur, insbesondere im Kampf um die Einführung eines wiedergutmachenden Jugendstrafrechts. Seine Erfahrung als Lehrer brachte ihn ausserdem dazu, das Thema Kinderrechte zehn Jahre lang an der Pädagogischen Hochschule Waadt zu unterrichten, beziehungsweise 14 Jahre am Institut für Menschenrechte in Lyon.
Am 31. August 2015 wird Bernard Boëton die Stiftung verlassen. Er wird uns als überzeugter, integrer und für die Kinderrechte engagierter Mann in Erinnerung bleiben, der für Terre des hommes ohne Frage eine tragende Rolle gespielt hat.