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Mobilität: Warum Zürich gegenüber anderen Städten verliert
Der Urban Mobility Readiness Index misst, wie gut 65 Weltstädte auf die nächsten Entwicklungen im Verkehr vorbereitet sind.
Was haben Singapur, Boston, Los Angeles und Zürich gemeinsam? Sie alle haben an Boden verloren im Urban Mobility Readiness Index UMRI. Dagegen brilliert Helsinki, das seinen Vorsprung einmal mehr verteidigen konnte.
Für die urbane Mobilität sei es wichtiger denn je, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, heisst es in dieser Studie. Städte, die erschwingliche und effiziente Mobilität mit einfachen Mitteln wie Radwegen oder öffentlichem Verkehr anbieten, könnten Risiken wie rekordverdächtige Hitzewellen oder hohe Lebenshaltungskosten abfedern.
Viele Städte versuchen, diese Probleme anzugehen. Einige investieren massiv in den öffentlichen Nahverkehr und die Fahrradinfrastruktur, während andere mit neuen Preisstrategien experimentieren, um die Fahrpreise zu senken oder den Kauf von Elektrofahrzeugen (EV) erschwinglicher und bequemer zu machen. Dies geht aus dem Index hervor, der zeigt, wie gut die Städte aufgestellt sind, um das nächste Kapitel der Mobilität aufzuschlagen.
Auf dem ersten Platz steht Helsinki (macht 2 Ränge gut), gefolgt von Amsterdam (+4) und Stockholm (-1). Dahinter folgen San Francisco (-3), München (+2), Singapur und Zürich (je -2). Schliesslich machen Paris (+1), Kopenhagen (-) und Berlin (-1) die ersten zehn Plätze voll.
Städte, die konsequent in Mobilität investieren, machen Fortschritte
Keine Stadt zeigt besser, wie wichtig diese Faktoren sind, als Helsinki. Die finnische Hauptstadt rühmt sich autofreier Zonen, grosser Investitionen in die Ladeinfrastruktur für Elektroautos, fortschrittlicher Fahrradinfrastruktur und eines expandierenden öffentlichen Verkehrsnetzes mit neuen Stadtbahn- und Strassenbahnprojekten. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ist nur eine der Massnahmen, mit denen Helsinki versucht, die Fahrgastzahlen zu steigern: Mit einem 3-Euro-Ticket, mit dem Pendler jedes Verkehrsmittel benutzen können, macht es die Stadt auch erschwinglich.
Selbst Städte, die in der unteren Hälfte des Indexes rangieren, können bei der Modernisierung ihrer Mobilitätssysteme einen Sprung nach oben machen. Ein Beispiel dafür sind Jeddah und Bangkok, die in den letzten beiden Jahren in der Rangliste nach oben geklettert sind. Sie haben entschlossen die Zahl der Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr mit erschwinglichen Fahrpreisen und bequemen Dienstleistungen erhöht. Überraschend dürfte sein, dass Mumbai bei der Verkehrssicherheit eine Spitzenposition einnimmt oder dass Casablanca einen der höchsten Anteile an Fussgängern im Index aufweist.
Was Zürich gut macht, und was nicht so
Zürich, das weltweit auf Platz 7 landet, verfügt laut der Studie über ein starkes, vielfältiges multimodales öffentliches Verkehrssystem, das für seine Effizienz, seine Erschwinglichkeit und seine fast immer zu Fuss erreichbaren Haltestellen bekannt ist. Diese Eigenschaften brachten die Stadt im zweiten Jahr in Folge auf den zweiten Platz des Subindex für den öffentlichen Verkehr. Diese Stärken tragen dazu bei, dass der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen 41 Prozent beträgt. Zürich habe sein multimodales Angebot im Jahr 2023 noch weiter ausbauen wollen, indem es eine App für die Routenplanung mit dem öffentlichen Verkehr, dem Fahrrad, dem Auto oder zu Fuss einführte, so die Studie.
Die Stadt verfüge auch über ein gut gewartetes und vernetztes Strassennetz mit relativ wenigen Verkehrstoten. Ab 2022 habe Zürich die Geschwindigkeitsbegrenzung auf rund 40 Strassenkilometern reduziert, was zu einer spürbaren Verbesserung der Verkehrssicherheit geführt habe. Doch gebe es in Zürich noch immer keinen florierenden Ride-Sharing-Sektor. Die Stadt habe einen zu geringen Anteil von Fussgängern und Radfahrenden, obwohl der Zürcher Verkehrsplan 2030 den Bau von mehr Radwegen, die Verringerung der Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen und die Bevorzugung von Radfahrenden an Ampeln vorsehe.
Trotz früherer Investitionen der Regierung in Technologien für vernetzte und automatisierte Fahrzeuge (CAV) liege Zürich hier immer noch hinter seinen europäischen Konkurrenten zurück. Die städtischen Verkehrsbetriebe hätten 2018 zwar einen fahrerlosen Elektrobus für die letzte Meile vorgeführt, diese Technologie sei aber in den vergangenen Jahren nur langsam weiterentwickelt und nicht auf andere autonome Mobilitätsprogramme oder -initiativen ausgeweitet worden.
Wie Zürich seinen öffentlichen Verkehr und seine nachhaltige Mobilität verbessern kann
Zürichs Fahrradinfrastruktur könnte laut den Expertinnen und Experten verbessert werden. Vor allem, um die Stadt fahrradfreundlicher zu machen. Die Einrichtung von Fahrradspuren mit Sicherheitstrennwänden auf den Hauptverkehrsstrassen und deren Instandhaltung in den Wintermonaten wäre für die Erhöhung des Radverkehrsanteils sehr hilfreich. Schliesslich könnte eine Ausweitung des Angebots des kostenlosen «Züri rollt»-Stadtfahrradservices mit mehr Stationen und Fahrrädern sowie einem ganzjährigen Angebot die Velofahrenden in der ganzen Stadt weiter unterstützen.
Auch das Zürcher E-Ladenetz befinde sich erst noch im Aufbau. Um ein Weltklasse-Netz wie das von Amsterdam anbieten zu können, müsste die Stadt die Errichtung von Ladestationen massiv beschleunigen. Die Stadt könnte diese Lücke schliessen, indem sie die Einrichtung von Ladestationen für Privatpersonen noch stärker subventioniere.