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Patricia Kopatchinskaja — Violine, Leitung und Solistin Programm kuratiert von Francisco Coll — Composer in Residence
W.A. Mozart(1756-1791) Ein musikalischer Spass KV 522
Alfred Schnittke (1934 – 1998) Moz-Art a la Haydn (1977)
György Ligeti (1923 – 2006) Mysteries of the Macabre (Drei Arien aus der Oper «Le Grand Macabre» eingerichtet von Elgar Howarth und Patricia Kopatchinskaja
Francisco Coll (*1985) 4 Iberian Miniatures für Violine und Orchester
Gerald Barry (*1952) Feldman's Sixpenny Editions
Composer in Residence Francisco Coll hat unter anderem die Aufgabe, ein Konzertprogramm zu kuratieren, das auch ein eigenes Werk beinhaltet. Die sogenannte «ernste» Musik regt an zum Nachdenken über die menschliche Kondition. Dieses Ziel kann sie auch mit Humor erreichen. Francisco Coll hat Werke zusammengestellt, die mit skurrilen Klangeffekten, Zitaten und Referenzen an «grosse» oder «kleine» Werke anspielen und eine lustvolle Unterhaltung bieten.
Anders als die meisten seiner vielen Divertimenti und Serenaden, also Gelegenheitsmusiken für die gehobene Unterhaltung zu einem bestimmten Anlass, entstand MozartsMusikalischer Spass nicht in seiner Salzburger Zeit, sondern erst relativ spät in Wien. Der Titel ist von Mozart selbst, der sein Divertimento für Streichquartett und zwei Hörner in seinem eigenhändigen Werkverzeichnis unter dem Eintrag vom 14.6.1787 so nannte. Musikalische Einfallsarmut und melodische Gemeinplätze werden ebenso aufs Korn genommen wie Spielfehler.
Mit Moz-Art à la Haydn zeigt sich Alfred Schnittke von seiner ironischen Seite. Fragmente der ersten Violinstimme von Mozarts Faschingspantomime fügt er mit szenisch-schauspielerischen Elementen zu einer zeigemässen Collage zusammen.
Fasziniert vom Zusammenspiel von Mehrdeutigkeit, Humor, Ironie und Verfremdung komponierte György Ligeti seine Oper Le Grand Macabre über den Tod als eine skurrile komödiantische Figur im fiktiven Breughelland. In den drei Arien von Mysteries of the Macabre erleben Sie, wie sich der Konzert- in einen Theatersaal verwandelt.
In der Malerei ist eine Miniatur eine kleine Form, die oft nur als Illustration in einem Buch eingesetzt wird. Francisco CollsFour Iberian Miniatures weisen auch kleine Dimensionen auf, sind von sorgfältigster Faktur, illustrieren jedoch nichts per se. Sie sind nicht nach einer äusseren Wirklichkeit gerichtet, sondern begnügen sich mit ihrer eigenen klanglichen Efferveszenz. Diese paradoxalen Miniaturen fokussieren und vergrössern, erweitern und verdichten gleichzeitig die volkstümlichen Elemente, die ihnen als Inspiration dienen. Francisco Coll sucht die „offensichtliche“ Tradition der spanischen Musik und treibt sie durch das Sieb seiner aussergewöhnlichen ästhetischen Empfindung.
Im frühen 20. Jahrhundert gab es in London einen Musikladen namens Feldmans, der Popmusiksammlungen für den Hausgebrauch verkaufte. Einige Ausgaben wurden Feldman’s Sixpenny Editions genannt. Sammlungen wie diese führten Gerald Barry in seiner Kindheit zu ersten fieberhaften Erkundungen der Musik. Er verliebte sich in Stücke wie Martial Steps und The dog barks, the caravan passes on. Das letzte Stück in der Sammlung, The Innermost Secret, verweist auf die Mittagessen, die Erik Satie mit Claude Debussy einnahm. Satie berichtete, dass Debussy Schweinekoteletts «mit dem innersten Geheimnis» kochte.