Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03139.jsonl.gz/2372

Ländliche Entwicklung
& Agrarreform
Kolumbien zeichnet sich historisch durch eine extrem ungleiche Verteilung des Grundbesitzes aus. Die extreme Landkonzentration war und ist eine der wesentlichen Konfliktursachen. Verschiedene Versuche, eine Landreform durchzuführen, sind in den 60er, 80er und 90er Jahre gescheitert. Die Rückgabe geraubter Ländereien und die Verteilung des extrem konzentrierten Grundbesitzes sind eine der wesentlichsten Herausforderungen, um einen nachhaltigen Frieden zu erreichen. Im Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der ehemaligen Guerilla FARC-EP vom November 2016 ist das erste Kapitel denn auch einer integralen Agrarreform gewidmet. Die Umsetzung dieses ersten Kapitels weisst jedoch die grösste Verzögerung auf und bestehende Gesetze wie zur Landrückgabe drohen auszulaufen, ohne dass die Ziele erreicht worden wären.
2011 verpflichtete sich Kolumbien mit dem Gesetz 1448, den Opfern von Zwangsvertreibungen und Landraub im Rahmen des bewaffneten Konflikts ihr Land zurückzugeben. Das Gesetz ist auf zehn Jahre befristet und läuft somit 2021 aus. Zwölf kolumbianische NGO kritisieren in einem Bericht an die Interamerikanische Menschenrechtskommission die schleppende Umsetzung des Gesetzes und fordern entsprechend eine konsequente Umsetzung und eine Verlängerung des Landrückgabegesetzes.
Am Mittwoch, 5. Juni 2019, haben mehr als 180 Organisationen wegen dem Gesetzesprojekt 003, mit dem das Landreformgesetz Nr. 160 von 1994 abgeändert werden soll, einen Appell an die Regierung und den Kongress gerichtet. Die Forderung ist, dass das Projekt von den Beratungen zurückgezogen werden soll, da es den Zugang zu Land für KleinbäuerInnen nicht garantiert und dem Friedensabkommen zuwider läuft.
1982 ratifizierte Kolumbien die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Diskriminierung der Frau (CEDAW). Obwohl in verschiedenen Bereichen Verbesserungen erzielt wurden, verpasst es der kolumbianische Staat bis heute, die Ursachen insbesondere der Diskriminierung von Frauen im ländlichen Raum sowie von Kleinbäuerinnen zu bekämpfen.