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Roger Hiorns
1 Februar 2015 – 5 April 2015
Roger Hiorns
1.2.2015-5.4.2015
Roger Hiorns (*1975, Birmingham, GB) ist ein führender Künstler seiner Generation. Im Jahr 2009 wurde er mit seiner von der Kritik gelobten Arbeit Seizure, einer massiven Kristallisation in einer leeren Londoner Wohnung, für den renommierten Turner Prize nominiert. Die Ausstellung im Kunsthaus CentrePasquArt, die anschliessend in der Galerie Rudolfinum, Prag präsentiert wird, ist seine bisher umfangreichste Einzelausstellung. Die Installationen und Skulpturen von Roger Hiorns generieren und besetzen Lücken zwischen abweichenden Ideen: zwischen Konstruktion und Destruktion, Theologischem und Technologischem, Temporärem und Permanenz, autoritärer Kontrolle und Spontanität. Seine Arbeit ist von einer funktionalen materiellen Präsenz geprägt, die jedoch immer mit einem Sinn für das Imaginäre, das Poetische oder das Esoterische kombiniert ist. Für die Ausstellung im Kunsthaus CentrePasquArt wird Roger Hiorns unter anderem eine neue raumfüllende, aus 200 Automotorteilen zusammengesetzte Installation realisieren.
Im Fokus von Roger Hiorns Praxis liegt die Auseinandersetzung mit sozialen Problemen in unserer Gesellschaft. Die Strategie, um sie einer künstlerischen Untersuchung zu unterziehen, beinhaltet die Aneignung von Gegenständen. Umweltprobleme inspirierten ihn beispielsweise zur Entwicklung der Installation der beings. Das Werk besteht aus Kunststoffelementen und ausrangierten Maschinen, welche so konzipiert sind, dass sie Schaum speien. Es verbindet zweihundert Objekte und ist als Kommentar zum erniedrigenden Umgang zu lesen, der sich zwischen Menschen abspielen kann. Die staatlichen Prioritäten während der BSE-Krise in Grossbritannien stellten die Bedürfnisse der Industrie über die Gesundheit der Bevölkerung. Hiorns betrachtet dies als ein offensichtliches Beispiel für diese zwischenmenschliche Haltung. Die anthropomorphe Figürlichkeit der beings lassen Sentimentalität, wertende Weltanschauung oder Geiz als Zuschreibungen erkennen. Die raumfüllende Installation wird zu einer alleinstehenden, gestaltlosen Einheit, welche eine homogene Population symbolisiert.
Die andauernde Skulpturen-Serie youth steht ebenfalls in Relation zu aktuellen Ereignissen und gesellschaftspolitischen Problemen. Sie besteht aus zusammengetragenen Objekten wie Strassenbänken, Flugzeug-Triebwerken und Edelstahl-Arbeitstischen. Die Präsenz von nackten jungen Männern und kleinen Feuern hat die Funktion, die Skulptur zu aktivieren. Zufälligkeit und externe Faktoren, die die Ausübung der Performance beeinflussen, sowie das Ritual, das zwischen der Aktion der jungen Männer und dem Blick der Besucher entsteht, sind Aspekte, die von der Werkgruppe hinterfragt werden. Sie steht zudem für eine Reflexion, die Hiorns folgendermassen umschreibt: „Uns umgeben formalisierte, für uns vorbereitete Oberflächen, die an jedem Ort unseres Lebens, Zuhause, am Arbeitsplatz oder auf Reisen gegenwärtig sind. Diese Gedanken habe ich im Bewusstsein, wenn ich an den youth-Werken arbeite. Dabei versuche ich die Lücke in der scheinbaren Glätte der neoliberalen Weltanschauung zu finden und zu akzentuieren, welche ausschliesst, was oder wer nicht passt.“
Den youth-Skultpuren immanent sind eine konstante Aktualität und eine Zeitlosigkeit, die sich durch die Abwechslung der Performer aufrechterhält. Alle Werke in der Ausstellung sind durch das duale Thema von Zeit und Körper verbunden. Die Fotografie-Sammlung des Künstlers, welche aus gefundenen und aufgenommenen Bildern besteht, wird durch eine Auswahl zugänglich gemacht, die weitgehend das Körperliche wiedergibt. Eine weitere Werkserie zeigt Latex-Flächen, die um Lautsprecher gewickelt sind. Diese Werke vermitteln Überlegungen, die sich auf unsere Denkweise wie auch auf ethische Fragestellungen zum Körper beziehen. Fragen zum Bewusstsein spiegeln sich in der Kuhgehirnmasse wieder, mit der das Latex bestrichen ist. Die eingewickelten Lautsprecher geben ein Radioprogramm einer BBC-Sendung wieder. Darin werden die gegenwärtige Lage der Welt und zukünftige Chancen aus einer medizinischen, wissenschaftlichen und religiösen Sicht beleuchtet. Eine Aufzeichnung thematisiert die Situation eines sterbenden Muslims und die Diskussion mit seiner Familie über die verschiedenen medizinischen Möglichkeiten ein Leben zu beenden.
Roger Hiorns legt eine kompromisslose Haltung an den Tag, wenn er nicht gewillt ist, abschliessende Antworten zu komplexen Themen zu geben oder Mehrdeutigkeiten gegenwärtiger sozialer und ethischer Probleme zu vereinfachen. „Ich bin ein Künstler, der Kunst macht und nicht Kunst über Kunst. Ich bin nicht daran interessiert, existierende Ideen für finanziellen Gewinn wiederzuverwerten. Auch wenn es illusorisch klingt, ich glaube, dass die Rolle des Künstlers darin besteht, uns voranzubringen, indem uns ein wahrhafter Spiegel vorgehalten wird, der Fortschritt erst ermöglicht.
Roger Hiorns studierte Bildende Kunst am Goldsmiths, University of London. Seine Arbeit wurde in zahlreichen relevanten Gruppenausstellungen in Europa und den Vereinigten Staaten gezeigt. Darunter an der Biennale von Venedig 2013, MoMA PS1 Contemporary Art Center, Long Island City, NY; Tate Modern, London; dem Armand Hammer Museum of Art an der UCLA, Los Angeles; und am Walker Art Center, Minneapolis. Er verrichtete zudem Einzelausstellungen am MIMA, Middlesbrough, GB (2012); De Hallen Haarlem, NL (2012-13); The Hepworth, Wakefield, GB (2014) und der Kunsthalle Wien, A (2014). Roger Hiorns lebt und arbeitet in London.
Publikation zur Ausstellung: Eine Publikation mit Ausstellungsansichten erscheint im Verlaufe der Ausstellung.
Kuratorin der Ausstellung: Felicity Lunn, Direktorin Kunsthaus CentrePasquArt Biel Bienne