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Was ist passiert? Bei einer gewaltigen Detonation am Dienstag in Beirut, der Hauptstadt des Libanon, wurden 137 Menschen getötet, rund 5000 wurden verletzt. Rettungshelfer suchen auch zwei Tage nach der Explosion weiter nach Überlebenden. Noch immer werden nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes rund 100 Menschen vermisst. Grosse Teile des Hafens und umliegender Wohngebiete wurden zerstört.
Was war die Ursache? Ausgelöst worden sein soll die Explosion durch Ammoniumnitrat, das nach Regierungsangaben seit 2013 ohne grössere Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden war. Schätzungsweise um 2750 Tonnen der gefährlichen Substanz handelte es sich. Ammoniumnitrat kann bei höheren Temperaturen detonieren. Die Ursache wurde jedoch noch nicht bestätigt.
Eine Untersuchungskommission der Regierung soll dem Kabinett innerhalb von fünf Tagen einen Bericht vorlegen. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron will heute in Beirut mit führenden Politikern des Landes zusammenkommen.
Warum wurde Ammoniumnitrat dort gelagert? Der Stoff soll von einem Frachtschiff stammen, dem libanesische Behörden laut Berichten im Jahr 2013 wegen Mängeln die Weiterfahrt untersagt hatten.
US-Verteidigungsminister spricht ebenfalls von Unfall
Nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Mark Esper ist die Explosion ein Unfall gewesen. Die verfügbaren Informationen erlaubten noch kein abschliessendes Bild, die «meisten» Quellen gingen aber von einem Unfall aus, sagte Esper am Mittwoch. «Es ist natürlich eine Tragödie.» Die US-Regierung sei im Gespräch mit dem Libanon, um zu sehen, wie die USA helfen könnten, sagte Esper per Video beim Aspen-Forum für Sicherheitspolitik.
US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf seine «Generäle» erklärt, es habe sich vermutlich um einen Anschlag gehandelt. Seine Berater «scheinen zu denken, dass es ein Anschlag war, dass es eine Art von Bombe war», sagte Trump im Weissen Haus. Trumps Bemerkung sorgte für Irritationen, weil er damit auch den Angaben der libanesischen Behörden widersprach.
Der Besitzer des Schiffes war ein russischer Geschäftsmann, der noch vor dem Eintreffen des Schiffes im Hafen von Beirut offenbar Pleite ging. Das Schiff war demnach von Georgien aus ins südafrikanische Mosambik unterwegs.
Wer wird für das Unglück verantwortlich gemacht? Die Regierung will die Verantwortlichen des Hafens unter Hausarrest stellen. Dabei handle es sich um Personen, die für die Lagerung des Ammoniumnitrats zuständig gewesen seien, erklärte Informationsministerin Manal Abdel Samad. Bisher ist unklar, wie viele Personen betroffen sind.
Wie hart trifft es die libanesische Bevölkerung? Die Explosion stürzte die libanesische Hauptstadt, deren Bevölkerung schon unter einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise leidet, in noch tieferes Chaos. Beirut, in dessen Grossraum schätzungsweise bis zu 2.4 Millionen Menschen leben, wurde zur «Katastrophen-Stadt» erklärt. Nach libanesischen Angaben seien etwa 200'000 bis 250'000 Menschen ohne Wohnung. Viele machen die korrupte und nachlässige Regierung für das Unglück verantwortlich.
Glückskette sammelt für den Libanon
Eine Katastrophe zu viel für das erschöpfte Land: Unter diesem Titel ruft die Glückskette zur Solidarität mit den Menschen im Libanon auf. Spenden können unter www.glueckskette.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster und auf das Postkonto 10-15000-6 mit dem Vermerk «Nothilfe Libanon» überwiesen werden.
Der zerstörte Hafen ist für die Versorgung zentral. Beobachter warnen, die Versorgungskrise könnte sich weiter verschärfen, da das Land stark von Importen abhängig ist. Die Schäden am Beiruter Hafen könnten sich nach UN-Angaben auch auf die Lage vieler Menschen in Syrien auswirken. Der Hafen wird zum Umschlag von Hilfsgütern für das Bürgerkriegsgebiet genutzt.
Sind Schweizer betroffen? Die Schweizer Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz ist bei der Explosion leicht verletzt worden. Laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sind bisher keine weiteren Schweizer betroffen. Die Schweiz sendet ein Team von Infrastrukturspezialisten zur Unterstützung der stark beschädigten Botschaft, das seine Expertise zur Verfügung stellen wird.
Wie reagierte der Präsident? Der libanesische Präsident Michel Aoun hat die internationale Gemeinschaft um schnelle Unterstützung gebeten. Dringend notwendig sei Hilfe für Krankenhäuser, betroffene Familien sowie zum Wiederaufbau zerstörter Gebäude. Das Kabinett verhängte zudem einen zweiwöchigen Notstand für die Stadt. Aoun sagte weiter, er wolle die Hintergründe der Explosion so schnell wie möglich aufklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.
Viele Staaten sendeten sofort Unterstützung
Viele Regierungen zeigten sich betroffen und schickten Unterstützung. Über den EU-Krisenmechanismus machte sich unter anderem aus den Niederlanden ein Team aus 70 Spezialisten auf den Weg. Frankreich schickte zwei Militärflugzeuge mit 55 Angehörigen des Zivilschutzes und tonnenweise Material zur Behandlung von Verletzten, der französische Präsident reist zudem am Donnerstag nach Beirut.
Auch aus Deutschland naht Hilfe. Die Bundeswehr fliegt ein medizinisches Erkundungsteam der Streitkräfte nach Beirut, das Technische Hilfswerk (THW) entsandte ein Team der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) sowie ein Botschaftsunterstützungsteam.
Tschechien schickte ein Team, das auf die Bergung von Verschütteten spezialisiert ist. Auch Griechenland und Zypern schickten Rettungsmannschaften mit Spürhunden. Russland schickte fünf Flugzeuge mit Ärzten und einem mobilen Krankenhaus. Die Türkei sendet Helfer der Katastrophenschutzbehörde und des Roten Halbmonds, zudem plant sie die Errichtung eines Feldlazaretts. Am Mittwochabend traf eine Maschine mit Hilfsgütern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ein. Auch der Iran bot gemäss eigenen Angaben medizinische und humanitäre Unterstützung an.
Helfen will nach eigenen Angaben auch Israel, selbst wenn sich das Land mit Libanon offiziell noch im Krieg befindet. Aus Solidarität sollen die Farben der libanesischen Fahne das Rathaus der israelischen Küstenstadt Tel Aviv erleuchten.
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