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AGFF-Schermausradar 2021
Cornel J. Stutz, Agroscope Zürich, und Rafael Gago, AGFF Zürich
Das Schermaus-Radar ist ein Instrument, um die Dichte von Mäusepopulationen zu messen. Seit Frühling 2010 werden von Agroscope und der AGFF jährlich die Dichten von Schermauspopulationen an rund 50 Standorten im Deutschschweizer Mittelland und den angrenzenden Hügelgebieten ermittelt. Die Daten der Mäusepopulationsschätzungen in den Kantonen Freiburg, Jura und Neuenburg werden der AGFF von den jeweiligen Fachstellen für Pflanzenschutz zur Verfügung gestellt.
Das Wissen, ob es zurzeit viele oder wenige Mäuse hat und wie sich die Situation weiter entwickeln wird, ist für Landwirte von grossem Nutzen. Das Schermaus-Radar hilft in Kombination mit einer Beurteilung der Lage auf dem eigenen Betrieb beispielsweise, folgende Fragen zu beantworten:
- Wann ungefähr kann mit einem Populationszusammenbruch gerechnet werden?
- Bis wann lohnt es sich, Mäusebekämpfung zu betreiben?
- Wann muss man damit beginnen, Futterreserven anzulegen, um bei einem allfälligen Totalschaden in den Wiesen glimpflich davon zu kommen?
In Gebieten, wo der Anteil an Futter- und/oder Obstbauflächen hoch ist, verhalten sich Mäusepopulationen zyklisch. Es sind zwei Zyklustypen bekannt:
- Kurve mit Peak: Nach einer relativ langen Periode mit minimaler Mäuseaktivität folgt eine starke, aber kurze Massenvermehrung mit einem anschliessenden raschen Zusammenbruch der Population (z.B. Standorte in den Kantonen Jura und Neuenburg); regelmässige Zyklusdauer von zirka 5 bis 7 Jahren.
- Glockenkurve: Nach einer kurzen Zeit mit geringer Mäusedichte folgt eine relativ schwache langandauernde Wachstumsphase mit mässigem Maximum und anschliessendem allmählichen Abklingen der Population (z.B. die meisten Mittelland-Standorte); unregelmässiger Zyklus.
Bei einer Mäusezahl von 300 bis 1000 Tieren pro Hektare, aus pflanzenbaulicher Sicht ein Totalschaden, bricht die Population gewöhnlich zusammen, so dass nur noch wenige Individuen auf der Fläche überleben.
Hinweis zur Interpretation des Mäuseradars
Die Populationsgrössen der untersuchten Flächen geben zwar einen Hinweis, können aber nicht vorbehaltlos auf die Mäusedichte der gesamten Region übertragen werden. Der Mäusebefall kann lokal von Parzelle zu Parzelle stark variieren. Hingegen zeigt die Entwicklung der Mäuseradar-Beobachtungsparzellen an, ob die Schermausbestände regional stagnieren, zu- oder abnehmen.
Die auf der Schweizerkarte eingezeichneten grünen und gelben Punkte symbolisieren Standorte, an denen die Mäusepopulationen momentan noch mit einem vernünftigen Aufwand reguliert werden können. Bei den roten, violetten oder sogar schwarzen Punkten, sind die Mäusepopulationen bereits so gross, dass eine grossflächige Regulierung einen unverhältnismässigen Aufwand bedeuten würde. In solchen Gebieten ist es ratsam, den Mäusen nur noch in wertvollen Kulturen (z.B. Obstanlagen, Gemüsegärten oder Blumenfelder) nachzustellen. Bei den violetten und schwarzen Punkten ist mit einem baldigen Zusammenbruch der Populationen zu rechnen.
Aktuelle Erkenntnisse aus den Erhebungen 2021
Für die Mäuse war 2020 kein schlechtes Jahr. Es begann mit einem milden Winter, der es den Mäusen erlaubte, im Frühling etwas früher als normal mit der Vermehrung zu beginnen. Im Weiteren verlief die Witterung eher gemässigt, also nicht zu viel Hitze, nicht zu viel Kälte, nicht zu viel Trockenheit und an den meisten Orten auch nicht zu viel Nässe. Auch der Winter 20/21 war gemäss MeteoSchweiz insgesamt eher mild. Es überrascht daher nicht, dass an zahlreichen Beobachtungsstandorten, wo es im letzten Frühling bereits viele Mäuse hatte, die Populationen noch einen Zacken zulegen konnten.
Grosse Mäuseschäden gibt es aktuell beispielsweise in den Gebieten St. Galler Fürstenland, Toggenburg, Ricken und Linthebene, im Zürcher Mittelland und Oberland, im Entlebuch und im Kanton Jura.
Verhältnismässig wenig Mäuse leben derzeit auf dem Hirzel und mehrheitlich in den Kantonen Bern, Aargau und Schaffhausen.
Zu Vegetationsbeginn ist der beste Zeitpunkt, um mäusegeschädigte oder generell lückige Wiesen- und Weidebestände zu verbessern. Dazu gehört als erstes das Abschleppen der Mäusehaufen mit Wiesenegge, Striegel oder Walze. Bei einem erhöhten Anteil von Lücken im Pflanzenbestand (25 – 50% Lücken) ist zudem eine Übersaat erforderlich. Ist der Pflanzenbestand jedoch zu stark beschädigt (mehr als 50% Lücken), ist eine Totalsanierung mit Neuansaat angezeigt.
Weitere Informationen und Hinweise siehe auch:
- AGFF-Merkblatt Nr. 5 «Wiesenverbesserung im mittelintensiven und intensiven Futterbau»
- AGFF-Information U6 «Regulieren von Mäusepopulation»
- AGFF-Information U6.1 «Sanierung von Mäuseschäden in Wiesen und Weiden»
- AGFF-Information U5 «Wiesen- und Weidepflege mit Striegel, Wiesenegge und Walze»
- Standorte Aargauer Mittelland 2021 (161 KB)
- Standorte Deutschschweizer Jura 2021 (204 KB)
- Standorte Kanton Jura 2021 (212 KB)
- Standorte Luzerner Mittelland 2021 (162 KB)
- Standorte Napfgebiet 2021 (163 KB)
- Standorte Ostschweizer Voralpen 2021 (165 KB)
- Standorte Zuercher Mittelland 2021 (165 KB)
- Uebersicht aller Standorte 2021 (183 KB)
- Uebersicht Erhebungen Maerz 2021 (54 KB)