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Im Dezember 1959 wurde die Valascia mit einem Länderspiel offiziell eingeweiht. Die noch heute bestehende Tribüne, inklusive der Garderoben, wurde jedoch bereits in den 40er-Jahren erstellt. Erst 20 Jahre nach der offiziellen Einweihung, im Jahr 1979, wurde das Eisfeld überdacht. Diese Massnahme wurde vor allem zum Schutz vor gutem und schlechtem Wetter vollzogen, da die Saison immer früher begann und später endete. Seither haben sich darin viele Szenen, Dramen und gute wie schlechte Geschichten abgespielt. Diese Halle ist zu einem Mythos geworden, der aber wohl in zwei Jahren der „Nuova Valascia“ wird weichen müssen.
November 2009: Valascia soll renoviert werden.
Die Klubführung fasste vor bald acht Jahren den Entscheid, die Valascia für insgesamt 15 Millionen Schweizer Franken zu renovieren. Gewisse Anlagen und Teile mussten so oder so erneuert werden, um den Anforderungen der Liga zu entsprechen. Geplant waren eine Generalsanierung der Valascia und eine Modernisierung vieler Stadionbereiche. Um genügend finanzielle Mittel zusammenzubringen, wurde gar auf Facebook eine Sammelaktion gestartet. Es sollte aber alles ganz anders kommen.Die Valascia, wie sie seit 1979 existiert. (Bild: Mike Schaub/CC BY-SA 3.0)
Dezember 2010: „No“
Der Kanton hatte dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung Davos den Auftrag gegeben, eine Gefahrenstudie für den Hang über der Valascia zu erstellen. Dabei kam heraus, dass das Stadion in einer Lawinenzone steht, die (neuerdings) als hoch eingestuft wurde. Daher untersagten die Behörden die vollumfänglich geplanten Renovierungen. Den Tag dieses Entscheides bezeichnete Präsident Filippo Lombardi auf SRF.ch als schwärzesten der Klubgeschichte: „Wir sind 75 Jahre alt. Wir haben immer in der Valascia gespielt. Es ist eine Tradition. Es ist Kult. Und plötzlich wird uns gesagt, wir können nicht sanieren… Das ist sehr emotionell und auch finanziell ein grosses Problem.“ Es war ein grosser Tiefschlag. Gleichzeitig musste man aber nach vorne schauen und plante ein neues Stadion. Die Unterstützung der Gemeinde hatte man auf sicher, dazu kamen noch einige Investoren. Erneut wurde eine Sammelaktion unter den Fans initiiert, nun aber für das neue Stadion und nicht für die Renovation.
Dezember 2011: Grundsatzentscheidung – Ziel 2017/18
Die HCAP SA und der Gemeinderat von Quinto schlossen eine Grundsatzvereinbarung ab. Danach konnte die Projektierungsphase eingeleitet werden. Demnach sollte das neue Stadion auf dem Flugplatz Quinto direkt neben der Autobahn A2 zu stehen kommen. Die Planung sah vor, dass die neue Halle ab der Saison 2017/18 für den Spielbetrieb verfügbar sein sollte.
September 2013: Quinto erteilt Bewilligung.
Die Gemeinde Quinto und der Kanton Tessin gaben im September die Startfreigabe für die Planung der neuen Valascia. Im Speziellen wurde der Bebauungsplan geändert, womit die Planung der neuen Valascia definitiv gestartet werden konnte.
2014/2015: Positive und negative News.
Im Dezember 2014 hatte die Tessiner Regierung einem Kredit von fast 5 Millionen CHF für das neue Stadion stattgegeben. Zu diesem Zeitpunkt rechnete man mit Kosten von 35 bis 40 Millionen. Da die Valascia in einem Lawinengefahrengebiet steht, rechnete man mit Bundesgeldern von rund sechs Millionen, die aus einem Fonds kommen sollten. Im Januar wurde bekannt gegeben, dass Stararchitekt Mario Botta die neue Arena entwerfen würde. Auf eine öffentliche Ausschreibung wurde aus Zeitgründen verzichtet, was sich im Nachhinein als einen heiklen Entscheid herausstellen sollte. Da Botta selbst ein grosser Fan des HCAP ist, reichte er unentgeltlich diverse Vorschläge ein. Am Ende gewann das Projekt, das auf dem Flugfeld zu stehen kommen sollte und 7000 Zuschauern Platz bietet. Die Halle wurde mit 35 Millionen budgetiert sowie zusätzlichen 10 Millionen für Restaurants und Büros. 17 Millionen sollten von der öffentlichen Hand kommen, der Rest von Privaten. Soweit die grundsätzlich positiven Nachrichten. Es ging wenigstens mal etwas vorwärts.
Aber ausgerechnet aus der Stadt des Kantonsrivalen auf dem Eis kamen die nächsten schlechten Nachrichten. Das Architekturbüro von Jachen Könz aus Lugano reichte beim kantonalen Verwaltungsgericht eine Beschwerde ein und beanstandete, dass für das Projekt keine öffentliche Ausschreibung stattgefunden hatte. Am Ende blieb die Beschwerde jedoch ohne Chance, weil sich der HCAP gegen diesen Fall abgesichert hatte. Es brachte aber weitere (unnötige) Diskussionen und Verzögerungen.
Sofort nach dem negativen Entscheid zur Renovation im 2010, hatte die Gemeinde Quinto dem Klub seine Hilfe zugesichert. Diesen Worten liess die Gemeinde im Februar 2015 Taten folgen. Die Gemeinde überliess dem HC Ambrì-Piotta das beabsichtigte Bauland auf dem ehemaligen Militärflugplatz kostenlos. Es hatte einen Wert von rund 1.3 Millionen Schweizer Franken.
August 2015: Projekt ausgestellt.
Einen Monat lang stellten der HCAP und die Valascia Immobiliare SA das Projekt der «Nuova Valascia» auf der Gemeinde Quinto aus. Zu diesem Zeitpunkt plante man noch eine Halle für 7000 Zuschauer mit Büros, Restaurants und einer Piazza.Der Plan im August 2015 für (nur) 35 Millionen. (Bild: hcap.ch)
Ab November 2016: Das grosse Tohuwabohu – Wann? Wo? Wie?
Aufgrund von Anpassungen in der Planung wurde klar, dass das neue Stadion nicht auf die Saison 2018/19 fertig werden würde. Der Bau war zu diesem Zeitpunkt auf 50 Millionen Franken budgetiert. Wegen der Verzögerungen wurde bei der Liga eine Nutzungsverlängerung der alten Valascia beantragt. Aufgrund vergleichbarer Fälle rechnete man nicht mit grösseren Problemen, was dann auch nicht der Fall zu sein schien. Standortprobleme standen dann erst im März/April 2017 zur Diskussion.
Eigentlich rechneten viele damit, dass man nach dem geschafften Ligaerhalt 2017 auf dem Flugplatz hätte zu baggern beginnen können. Allerdings sorgte dann eine ganz andere Meldung für rote Köpfe und viel Verwirrung. Plötzlich waren die Finanzen nur noch indirekt das grosse Thema. Nun ging es darum, wo die „Nuova Valascia“ zu stehen kommen sollte, wie Angelo Lanini auf der Webseite der Gazzetta dell`Ambri ausführlich darlegte. Auch Castione, nahe Bellinzona, schien auf einmal möglich.
Kurz nach Saisonende ertönten noch positive Signale der potenziellen Geldgeber. Doch nur wenig später wurde über fehlendes Geld für ein neues Stadion in Quinto/Ambrì berichtet und dass man über einen Standortwechsel nachdenkt. Sponsoren brachten das Argument ein, dass eine Halle in Castione zwischengenutzt werden könnte und so leichter im Unterhalt sei. Der HC Ambrì-Piotta wäre bei dieser Variante nur Mieter in der eigenen Halle gewesen. Anstoss dieser Diskussion waren die (überrissenen) Kosten, die von 35 Millionen mittlerweile auf das doppelte angestiegen waren. Daraufhin schraubte man die Kosten für das Projekt wieder auf 50 Millionen runter, was aber immer noch viel ist.
An diesem Punkt kam dann aber wieder die Gemeinde Quinto ins Spiel. Als klar wurde, dass eine neue Halle gebaut werden muss, hatte sie, wie oben bereits erwähnt, sofort ihre Unterstützung zugesichert. Quinto hatte aber gleichzeitig darauf bestanden, dass die neue Halle auf Gemeindegebiet erstellt werden würde und eine multifunktionelle Nutzung garantiert. Dies mit der Absicht, Synergien zu nutzen und die Region aufzuwerten.
Mai 2017: Valascia bleibt in der Leventina.
Nun also doch. Nach einem Treffen der Verantwortlichen des HCAPs und der Gemeinde Quinto wurde entschieden, dass die neue Halle wie geplant auf dem Flugplatz von Quinto bzw. Ambrì und nicht in Castione zu stehen kommt. Das Projekt sollte zudem nochmals weniger kosten. Nun sind nur noch Kosten von 42.5 Millionen Franken budgetiert.
Wäre tatsächlich ein Stadion ausserhalb Ambrìs geplant worden, hätte es riesige Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern gegeben. In einer Umfrage zum angesprochenen Bericht von Angelo Lanini wurde die Meinung der Leser erfragt. Unter 313 Votes sprach sich eine Mehrheit von 58% dafür aus, in Ambrì zu bleiben. Dies unabhängig davon, ob in der bestehenden Valascia gespielt würde oder in einer neuen Billig-Halle. Auch ein Abstieg in die NLB hätte man in Kauf genommen. Die anderen 130 Stimmen hätten einen Umzug nach Castione bevorzugt, wenn damit der Verbleib in der NLA gewährleistet gewesen wäre. Die Stichprobe ist zwar verschwindend klein und trotzdem gibt diese Umfrage einen Anhaltspunkt dafür, dass die Verbundenheit zum Klub direkt mit dem Standort zusammenhängt. Ein Standortwechsel wäre für die Seele und Kultur des Klubs eine Katastrophe gewesen.
Aber was nun? Bereits sind wieder einige Wochen der wertvollen Zeit vergangen. Fassen wir zusammen: Zu Beginn wurden die Kosten auf 35 Millionen beziffert, dann plötzlich auf das doppelte und dann wieder auf „nur“ noch 50 Millionen. Weil aber auch das für den Klub immer noch viel war, wurde nochmals gekürzt, nun auf 42.5 Millionen. Dass im Moment nichts mehr zu hören ist, deutet wohl darauf hin, dass man immer noch auf Geldsuche ist. Zu diesem Thema hat HeShootsHeScoores.com ende Mai einen Artikel veröffentlicht, in dem die Kosten auf 45 Millionen beziffert wurden. Dabei sollen die fehlenden 20 Millionen von einem Bankenkonsortium, angeführt von der BancaStato, übernommen werden. Genauere Angaben sucht man bisher vergebens. Vieles ist sehr schwammig und unklar. Die Deadline ist angeblich für Mitte Juli angesetzt und dann wird man sehen, „wann“, „wo“ und vor allem „wie“ eine neue Valascia gebaut werden wird. Es scheint eine Never-Ending-Story zu sein. Deshalb werden noch viele, viele Kapitel geschrieben bzw. hoffentlich bald gebaut werden.Informationen und Zahlen zum Stadionprojekt und den Entwicklungen wurden der Webseite www.hcap-luzern.ch entnommen.