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Autor: Carole Schneuwly
Während Jahrhunderten war das Marionettentheater die wichtigste Form der darstellenden Kunst in Burma. Die aus Holz gefertigten Puppen wurden Schauspielern aus Fleisch und Blut vorgezogen, weil das Theater sich ausschliesslich mit religiösen Themen befasste: Das Figurentheater stand weit weniger unter dem Verdacht der Blasphemie, wie er etwa auf dem Tanztheater lastete. Im Gegensatz zu den wenig angesehenen burmesischen Geistertänzern handelte es sich bei den Marionettenspielern um ehrenhafte, konservative Männer, die unter dem Schutz des Königshauses standen.
Eine alte Tradition
Seine Blütezeit erlebte das Marionettentheater Burmas im 18. und 19. Jahrhundert, nach der Eroberung der siamesischen Hauptstadt Ayutthia durch die Burmesen im Jahr 1767. Burma importierte damals Elemente des höfischen Figurentheaters, wie es in Siam gespielt wurde. Am königlichen Hof gab es vier Marionettenbühnen, die einzigen festen Bühnen in Burma, wo das Marionettentheater traditionell ein Wandertheater war.
Raffinierte Bewegungen
Das Figurentheater-Museum Freiburg besitzt rund 20 burmesische Figuren aus dem goldenen Zeitalter im 18. und 19. Jahrhundert. Diese Sammlung ist jetzt zum ersten Mal komplett im Museum in der Unterstadt ausgestellt. Ein Teil der Figuren stammt aus dem Fundus von Museumsgründer Jean Bindschedler, der sie selber in Burma gekauft hat. Andere hat die Trägerstiftung von Jean Pugin, der in Burma lebt, erstanden.
Bei den ausgestellten Figuren handle es sich um typische burmesische Fadenmarionetten, erklärt Museumsleiterin Mares Jans. Ihre elf bis sechzehn an einem Spielkreuz hängenden Fäden erlaubten raffinierte Bewegungen. Zu sehen sind Figuren, die in keinem burmesischen Marionettentheater fehlen durften: Prinz und Prinzessin, der Brahmane, Mönche oder der Affengott Hanuman.
Unveränderter Ablauf
Das traditionelle Marionettentheater hat sich in Burma über Jahrhunderte kaum verändert: Es beginnt mit der buddhistischen Vorstellung von der Schöpfung aus den Naturkräften Feuer, Wasser und Wind. Danach folgen die Auftritte der Geister, die als die ersten Bewohner der Welt galten, der übernatürlichen Wesen wie Magier oder Menschenfresser, der Tiere und dann der Menschen. Nach einer Szene rund um den König, seine Minister, den Prinzen und die Prinzessin beginnt die eigentliche Handlung um Themen aus dem buddhistischen Glauben.
Heute spielen die wenigen Marionettentheater, die es in Burma noch gibt, hauptsächlich in den Touristenzentren. Viele Einheimische ziehen den alten Holzfiguren neue Unterhaltungsformen wie das Tanztheater oder das Kino vor.
Figurentheater-Museum,Hinter den Gärten 2, Freiburg. Bis zum 10. Juni. Mi. bis So. 10 bis 17 Uhr. www.marionnette.ch.
Dank der vielen Fäden erzeugen die burmesischen Marionettenspieler raffinierte Bewegungen.Bilder zvg
Osterzeit:Marionetten zum Thema Passion
Parallel zur Wechselausstellung über die Marionetten aus Burma hat Museumsleiterin Mares Jans einige Vitrinen im Hinblick auf die Osterzeit neu bestückt: Sie präsentiert hier von Jean Bindschedler selbst kreierte Figuren zum Thema Passion. Vorlage für die Puppen waren Entwürfe des Greyerzer Künstlers Pierre Spori. cs