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Der Strohhut mit dem blauen Band war von der Terrasse ihrer Ferienwohnung auf die Strasse mit den vielen Passanten hinunter geflattert, und als Martina sich über das Geländer beugte, war der Hut nicht mehr zu sehen. Aufgeregt wachte Martina auf, es war nur ein Traum gewesen, zum Glück, denn sie hatte nur diesen einen Hut dabei, ihren Lieblingshut. Aber sie wusste, dass sie mit mehr als einem zurückkehren würde, denn sie liebte es, Hüte zu kaufen.
Die starke Sonne drang durch die Ritzen der Jalousien. Von dieser Sonne hatte sie in den letzten Monaten geträumt, während sie sich auf die Abschlussprüfungen vorbereitete.
Es war ganz still in der Wohnung. Martina stand auf, in der Küche fand sie einen Zettel, ihre Freunde waren schon weg: „Wir gehen heute wieder zum Strand hinter den Felsen, später schauen wir, beeil dich, Küsschen.“ Sie würde ihnen sagen, sie sollten sie morgen wecken. Sie wollte nichts verpassen.
Sie ging auf die Terrasse, es war ein herrlicher Tag. Von der Terrasse hatte sie Aussicht auf ein Stück Meer, sie machte ein Foto und schickte es ihrer Mutter.
Jetzt wollte sie aber so schnell wie möglich zum Strand.
Sie holte Shorts und ein weisses, langes T-Shirt aus dem offenen Koffer hervor, zog sich an, nahm ihren Strohhut mit dem blauen Band vom Haken am Eingang und setzte ihn auf.
Sie blickte in den Spiegel und sah eine lächelnde junge Frau, keine Spur vom vergangenen Stress. Sie steckte ein Buch in ihre Tasche und ging schnell die Treppe hinunter.
Eine glühende Sonne brannte ihr auf Schultern und Arme.
Als sie den Strand erreichte, war es schon später Vormittag und sie hatte noch nicht gefrühstückt.
An einem Obststand kaufte sie eine gelbe Goldmelone, ihre Freunde würden sich freuen.
Der Meereswind blies ihr den Hut vom Kopf. Sie versuchte noch, ihn zu fangen, doch sie stolperte und als sie sich wieder aufrichtete, war der Hut weg. Sie suchte ihn eine Weile zwischen den Sonnenschirmen, links und rechts, nichts, fragte ein paar Leute, niemand hatte den Hut gesehen. Martina ging noch ein Stück zurück, dann kehrte sie um und spazierte Richtung Felsen, zu ihren Freunden.
Hinter den Felsen angekommen, sah sie den blau-weiss gestreiften Sonnenschirm ihrer Freunde, ihre Kleider lagen auch da, doch sie waren nirgends zu sehen.
Martina nahm ihr Delphintuch aus der Tasche und setzte sich unter den Sonnenschirm.
Gestern war das Meer nur leicht gekräuselt gewesen, heute schlug es Wellen und eine Gruppe junger Leute versuchte, auf den Surfbrettern zu stehen, vergebens, doch sie blieben unermüdlich und versuchten es wieder und wieder. Es waren Martinas Freunde. Später würde sie auch ins Wasser gehen, doch vorher brauchte sie einen Kaffee, sie stand auf, nahm ihre Tasche und wollte gerade los, in diesem Moment sah sie zwei altmodisch gekleidete Frauen, die in ihre Richtung kamen. Sie waren um die vierzig, mit langen dunklen Haaren. Die Frauen gingen mit schweren Schritten, es schien, als würden ihre Füsse mit jedem Schritt im Sand versinken.
Ein wenig hinter ihnen ging ein ungefähr fünfzehnjähriges Mädchen, das ihnen mit leichtem, federndem Gang folgte, wohl die Tochter einer der Frauen.
Der Strohhut mit dem blauen Band stand ihr fantastisch.
Martinas Blick blieb an ihm hängen, das Mädchen merkte es, das Lächeln verschwand aus ihrem schönen Gesicht, sie schaute Martina ernst an, ihre honigfarbenen Augen schienen traurig zu werden. Sie hob ihre zierliche, braungebrannte Hand und berührte leicht den Hut.