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Oliver Schneider, Wiener Zeitung (16.01.2007)
Opernhaus Zürich: Premiere für Händels "Semele" mit Cecilia Bartoli in der Regie von Robert Carsen
"Semele" ist ein Zwitter, nicht Oratorium und nicht Oper, sondern eine "englische Oper" über die tödliche Liebe der sterblichen Semele zu Jupiter. Von seiner eifersüchtigen Ehefrau Juno wurde sie überredet, von Jupiter zu fordern, ihr in seiner göttlichen Gestalt zu erscheinen. Wegen seines Versprechens, ihr jeden Wunsch zu erfüllen, musste sie durch seine Blitze verbrennen.
Textdichter William Congreve hat die tragische Geschichte zu einem leichtfüßigen Libretto umgearbeitet, die mythologischen Figuren mit königlichen Persönlichkeiten identifiziert und so eine Satire auf die zeitgenössische englische Monarchie und Aristokratie verfasst.
Regisseur Robert Carsen wiederum hatte bei seiner Inszenierung, die erstmals 1996 in Aix-en-Provence gezeigt und seitdem mehrfach überarbeitet worden ist, nicht die englischen Könige der Barockzeit vor Augen – Hand aufs Herz, wer weiß auch schon Genaueres über deren Intimleben –, sondern die königliche Familie heute und deren Affären, die die Klatschspalten füllen. Statt Juno steht Queen Elizabeth auf der Bühne.
Bartoli elektrisiert als Luxus-Semele
Patrick Kinmonth hat einen schwarzen Einheitsraum geschaffen, in dem nur durch wenige Versatzstücke wie zwei Thronsessel, einen roten Teppich oder ein Doppelbett der jeweilige Schauplatz angedeutet wird.
Und wer ist Semele? Sie ist eine verwöhnte, eitle junge Frau, die nicht genug von Glück und Reichtum bekommen kann. Cecilia Bartoli ist dafür genau die richtige Darstellerin, die ihren ganzen Charme und ihr elektrisierendes Temperament in die Rolle einbringt.
Auf internationalen Bühnen macht die Bartoli sich rar, doch nach Zürich kehrt sie immer wieder zurück. Scheinbar mühelos perlten ihre Koloraturen, aber genauso berührte sie in den vielen lyrischen Momenten.
Zweiter Star im Orchestergraben
Uneinheitlich präsentierte sich hingegen der Rest des Ensembles. Birgit Remmert stattete die Juno mit makelloser Stimme aus und brachte vor allem ihr komisches Talent zum Einsatz. Köstlich, wie sie es zusammen mit der unbeholfenen Iris von Isabel Rey schaffte, Somnus, gesungen von dem verlässlichen Anton Scharinger, von seiner Lieblingsbeschäftigung abzuhalten, damit er in ihrem Racheplan mitspielt.
Charles Workman als Jupiter ließ es leider zuweilen an der notwendigen Beweglichkeit fehlen, konnte allerdings mit seinen beseelten Piani punkten.
Für die übrigen Partien hätte man sich jedoch Sänger mit mehr Erfahrung im Barockrepertoire gewünscht.
Neben der Bartoli gab es aber noch einen zweiten Stern an diesem Premierenabend. Wie schon im Jahr 1996 stand Dirigent William Christie am Pult des hauseigenen, hervorragend disponierten Barockorchesters La Scintilla. Er brachte Händels bildhafte, reiche Musik mit lichtem Klangbild, feinen dynamischen Abstufungen und ebenso fein dosiertem Elan zum Leuchten.