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Will man einen dickflüssigen, tiefschwarzen
Firnis, so trägt man in schwach erwärmtes Terpentinöl so lange Bernsteinkolophonium ein, als dieses noch gelöst wird, und
erteilt dem Firnis durch Zusatz von Terpentinöl jeden Grad von Flüssigkeit.
Mit Leinölfirnis gemischter
Bernsteinfirnis wird als Bernsteinlack bezeichnet.
Außer diesen einfachen fetten Firnissen sind auch Lösungen von Kopal oder Bernstein
[* 9] in Leinöl gebräuchlich. Zur Darstellung
des Kopalfirnisses wird der Kopal geschmolzen und in das siedende Öl eingetragen, worauf die Lösung unter
Zusatz von Bleiglätte bis zur erforderlichen Konsistenz gekocht und schließlich mit Terpentinöl vermischt wird. Man kann
auch den Kopal in einem Destillationsapparat schmelzen und auf 360° erhitzen, bis er etwa 25 Proz.
seines Gewichts verloren hat, worauf er sich ohne weiteres in Leinöl löst.
Solcher Goldfirnis erhält sehr allgemein einen Zusatz von Leinölfirnis, Bernstein und Kopallack und gewinnt dadurch bedeutend
an Haltbarkeit. Der Isochromfirnis zum Überziehen von Gemälden und kolorierten Kupferstichen ist eine Lösung von Mastix und
venezianischem Terpentin in Terpentinöl. Die Terpentinölfirnisse hinterlassen das Harz in weniger sprödem Zustand
als die Weingeistfirnisse, sie werden indes meist nur in Mischung mit fetten Firnissen (als Lackfirnis, Öllack, fetter Lack)
benutzt.
Häufig wird in den Firnissen das Terpentinöl durch Spiköl, Lavendelöl, Harzöl und leichtes Steinkohlenteeröl vom spez. Gew.
0,85 ersetzt. So erhält man Asphaltfirnis, der in dünnen Schichten gelb und durchsichtig, in stärkern
schwarz erscheint, durch Lösen von Asphalt in einem dieser Lösungsmittel. Einen Firnis zum Anstreichen von Eisen
[* 11] erhält man durch
Lösen von Steinkohlenteerpech in erwärmtem, schwererem oder leichterm Steinkohlenteeröl, je nachdem der Anstrich dicker
oder dünner ausfallen soll.
Die alkoholischen Firnisse werden hauptsächlich für Holz-, Papier- und Buchbinderarbeiten, auch für
Vergolder- und Metallarbeiten benutzt und durch einfaches Lösen der gepulverten und mit Glaspulver vermischten Harze in Alkohol
dargestellt. Einen vielfach verwendbaren Universalfirnis erhält man z. B. aus 4 Teilen Sandarach, 2 Teilen Mastix, 2 Teilen
Kolophonium, 1 Teil Kampfer und 24 Teilen Alkohol von 90 Proz. Tr. Dieser Firnis wird härter, wenn man die Hälfte
des Sandarachs durch gebleichten Schellack ersetzt und die Menge des Kampfers verdoppelt. Alkoholischer Kopalfirnis wird durch
Lösen von westindischem Kopal in einem Gemisch von sehr starkem Alkohol, Äther und Terpentinöl dargestellt. Auf Metall haften
die alkoholischen Firnisse sehr gut, wenn man ihnen 0,5 Proz.
Borsäure zusetzt. Diese Firnisse werden häufig mit Anilinfarben gefärbt, liefern aber nur dann brillante Effekte, wenn sie
völlig klar sind.
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Die Weingeistfirnisse sind am wenigsten dauerhaft; sie trocknen sehr rasch und geben einen stark glänzenden Überzug, werden
aber auch leicht rissig und lösen sich in Form eines weißen Pulvers ab, wenn man ihnen nicht durch Mastix, Elemi, Terpentin
hinreichende Zähigkeit gibt. Die Lösung der Harze befördert man durch Beimischung von grobem Glaspulver,
welches die Bildung kompakter Massen verhindert; man benutzt zur Darstellung dieser Firnisse am besten eine Destillierblase,
welche derartig mit einem Kühlapparat verbunden ist, daß der in letzterm verdichtete Alkohol in die Blase zurückfließt.
Im kleinen benutzt man einen Glaskolben, der mit feuchter, mehrmals durchstochener Blase verbunden wird.
Zur Klärung werden die Firnisse nach vollständigem Absetzen durch einen in den Hals gesteckten Baumwollbausch
filtriert, auch kann man sie durch Digerieren mit frisch ausgeglühter Knochenkohle mehr oder weniger entfärben.
Vgl. Creuzburg,
Lehrbuch der Lackierkunst etc. (10. Aufl., Weim.
1884);
Winckler, Lack- und Firnisfabrikation (3. Aufl., Leipz. 1876);
Andés, Jahresbericht über Neuerungen
etc. (das. 1877);
Derselbe, Die trocknenden Öle etc. (Braunschw. 1882). -
Im übertragenen Sinn ist Firnis s. v. w. äußerer Schein oder Anstrich, der einen Gegenstand bedeutender oder glänzender, als
er in der That ist, erscheinen läßt.