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«Save the Bees!» oder «Rettet die Bienen!» ist ein Ausruf geworden, der auf den Klimawandel aufmerksam macht und den sich nicht nur Imkerinnen und Imker auf die Fahne schreiben. Doch wie würden wir den Ausruf in die verschiedenen Dialekte der Deutschschweiz übersetzen?
Ein aktuelles Forschungsprojekt an der Universität Bern ist unter anderem dieser Frage nachgegangen und hat historische Bezeichnungen für die fleissigen Insekten mit aktuellen Angaben von 1000 Personen aus 125 Orten der Deutschschweiz verglichen.
Woher stammt das Wort Biene?
Schweizerdeutschen zwei Stämme bekannt: Biene (Bien(d)li, Biin(d)li, Biene, Biine, Bieni, Biini, Biili, Biijeli, Biiji o. ä.) und Imme (Immi, Imbi, Iime, o. ä.). Wichtig in Bezug auf die hier verwendete Schreibweise ist die Abgrenzung zwischen einem langen «ii» (wie etwa in Biili) und einem Doppelvokal (wie in Bienli), wo das «e» im Gegensatz zur gewohnten hochdeutschen Schreibung tatsächlich ausgesprochen wird.
Die Herkunft von Biene kann auf das mittelhochdeutsche bine oder bin, respektive auf das althochdeutsche, im Lötschental (VS) noch belegte bini zurückgeführt werden. Demgegenüber ist die Herkunft von Imme nicht komplett geklärt. Es gibt Quellen aus dem 9. Jahrhundert, die den Begriff imbi verwenden, um einen Bienenschwarm zu bezeichnen. So könnte Imme mit altirisch imbed, altkymrisch immet für «Fülle, Menge» oder auch indoeuropäisch für «Dunst, Wolke» in Verbindung gebracht werden, was jedoch nicht gesichert ist. Die kollektive Bedeutung von Imme für den Schwarm wurde schliesslich im Mittelalter aufgegeben.
Wussten Sie schon?
- Sowohl das Wort Biene als auch das Wort Imme können ihrer Herkunft nach ein einzelnes Insekt, aber auch einen ganzen Schwarm bezeichnen.
- Früher wurde ein Imker auch Bienenvater genannt. Einer Tradition nach muss man das Bienenvolk dringend informieren, wenn dieser stirbt; sonst riskiert man, dass ihm das ganze Volk in den Tod folgt, wegfliegt oder keinen Honig mehr produziert. In den Kantonen Zug und Zürich gab es sogar die Behauptung, dass die Bienen mit oder ohne Nachricht noch während des Trauerjahres sterben.
- Unter der Zürcher Imkerschaft gab es einst folgenden Aberglauben: Man solle weder sich umsehen, noch ein Wort sprechen oder einen Gruss erwidern, wenn man einen bevölkerten Bienenstock über die Strasse trägt, da sonst alle Bienen fortflögen.
Wie haben sich die Bezeichnungen im Verlauf des letzten Jahrhunderts verändert?
Auf den drei Karten sind die verschiedenen Bezeichnungen für die Biene zu drei Zeitpunkten dargestellt. Werden die Karten miteinander verglichen, so können Veränderungen zwischen den historischen (Karte oben), aktuell älteren (Karte nächste Seite oben) und jüngeren Befragten (Karte nächste Seite unten) nachvollzogen werden. Die Karten zeigen dabei, welche Bezeichnung an einem Ort dominiert, was aber nicht zwingend bedeutet, dass keine anderen Wörter dokumentiert wurden. Schraffierte Flächen deuten an, dass zwei Bezeichnungen gleich häufig vorkommen. Dies war beispielsweise 1950 im Kanton Uri der Fall bei «Biine» und «Biijeli» (siehe Karte unten).
Seit 1950 ist der Gebrauch jeglicher Formen von Imme (hier in Gelbtönen dargestellt) sehr stark zurückgegangen. Ebenfalls rückläufig sind Bezeichnungen wie Biili in der Zentral- und Nordostschweiz, Biijeli im Kanton Uri sowie Beiji oder Beijeli im Berner Dialekt. Hingegen erleben Formen wie Bien(d)li und Biin(d)li, die in den 1950er Jahren nur vereinzelt vorkamen, einen Aufschwung und verteilen sich heute über das gesamte Flachland und um den Vierwaldstättersee. Gleichzeitig nimmt das Bieni vom Sensebezirk (FR) herkommend mehr Raum ein. Auch die Biine breitet sich von Graubünden her Richtung Nordosten sowie in der Stadt Basel aus. Im Wallis sticht das vermeintlich neue Biini im Lötschental stark heraus. Dies ist jedoch keine neue Variante, sondern war in den alten Sprachdaten aus den 1950ern nur in Nachbarorten dokumentiert, die hier nicht dargestellt werden.
Wie geht es weiter?
Vergleicht man die beiden Karten der aktuell älteren und der jüngeren Generation, so lässt sich eine klare Tendenz herauslesen, wie es mit den Bezeichnungen für die Biene weitergehen könnte: Während die ältere Generation teilweise noch Varianten des Begriffs Imme verwendet, benutzen die Jungen vor allem Varianten des Begriffs Biene. Es kann also gut sein, dass alle Varianten von Imme in Zukunft nicht mehr gebraucht werden – so retten wir also auch in der Schweiz wohl nicht mehr die Immen, sondern die Bienen. Ob dabei auch die Imkerinnen und Imker in künftigen Generationen zum besseren Verständnis wieder zu Bienenvätern oder -müttern werden?
Zum Dialektprojekt an der Universität Bern und dem neuen schweizerdeutschen Sprachatlas
Sprachen und Dialekte verändern sich. Oft hört man, dass heute ganz anders gesprochen wird als noch vor einigen Jahrzehnten. Inwiefern sich dies in der Deutschschweiz beobachten lässt und wie allfällige Veränderungen begründet werden können, ist Gegenstand eines aktuellen Forschungsprojekts unter der Leitung von Prof. Dr. Adrian Leemann an der Universität Bern. In diesem Projekt wurden zwischen 2020 und 2021 Daten von insgesamt 1000 Personen aus 125 Ortschaften gesammelt. Durch den Vergleich mit historischen Daten aus den 1950er-Jahren sowie zwischen der aktuell älteren und jüngeren Generation können Veränderungen im Wortschatz, in der Aussprache und in der Grammatik festgestellt werden.
Da die Resultate aus diesem Dialektprojekt nicht nur für die Wissenschaft interessant sind, sondern gerade hierzulande ein sehr breites Publikum begeistern, sollen Karten wie die hier dargestellten zur «Biene» im Rahmen eines bunten Sprachatlanten aufbereitet werden, dessen Veröffentlichung voraussichtlich im Dezember 2023 erwartet werden kann (alle Informationen unter www.dialektatlas.ch).