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«Wenn ich eine Idee habe, dann probiere ich sie einfach aus, bis sie funktioniert», sagt Anita Niederhäusern. Die 56-jährige Ueberstorferin, die seit sechs Jahren in der Stadt Freiburg zu Hause und Mutter zweier erwachsener Töchter ist, kann auf ein aufregendes Berufsleben zurückblicken.
«Eigentlich bin ich Kindergärtnerin, habe aber nicht lange auf dem Beruf gearbeitet», sagt sie. Als junge Frau habe es sie nach Amerika gezogen. Einen Augenblick lang habe sie mit der Idee gespielt, dorthin auszuwandern. «Ich wollte vor allem Englisch lernen und verstehen, was in den damals immer populärer werdenden Songs aus den USA überhaupt so gesungen wird.» Sie lerne seit jeher die Sprachen insbesondere übers Ohr. Nachdem sie aber als Theaterschauspielerin am Off-Off-Broadway in New York ohne gültiges Visum hängen geblieben war, verschlug es sie nach einem Jahr doch wieder zurück in die Schweiz.
Es folgte bald einmal die Dolmetscherschule in Zürich. «Da ich als gelernte Kindergärtnerin keine Matura vorweisen konnte, musste ich erst ein Jahr Vorkurse besuchen und die Aufnahmeprüfung bestehen», sagt Anita Niederhäusern. Überraschenderweise erfolgreich, wie sie betont. Nach der viereinhalbjährigen Ausbildung an der Übersetzerabteilung war sie für die Naturfreunde Schweiz als Übersetzerin und Dolmetscherin tätig. Besonders Übersetzungen von Deutsch in Französisch seien damals gesucht gewesen, sagt sie. «Ich bin seit gut 20 Jahren nicht mehr in diesem Bereich tätig, und doch sprechen Bekannte von mir immer noch davon, dass ich etwas mit Übersetzungen mache», erzählt sie mit einem Schmunzeln.
Bereits zur Jahrtausendwende habe sie sich neuen Aufgaben gewidmet. Durch Zufall, wie sie sagt. Eine grosse Fachzeitschrift für erneuerbare Energien, die sowohl eine deutschsprachige als auch eine französischsprachige Ausgabe herausgab, suchte damals eine zweisprachige Chefredaktorin. Beim Vorstellungsgespräch auf die Frage, ob sie denn auch etwas von erneuerbaren Energien verstehe, habe sie einfach gesagt, dass sie eine Bauerstochter sei und die Kraft der Sonne schon bemerkt habe. Anita Niederhäusern bekam die Stelle und schrieb als freie Fachjournalistin bald auch Artikel für andere Fachzeitschriften. «Ich bin sozusagen mit der damals jungen Branche gewachsen und habe mir mein Fachwissen angeeignet», erzählt sie. Verschiedene Weiterbildungen in Journalismus und in Kommunikation folgten. Vor über zehn Jahren habe sie dann ein eigenes Online-Fachmagazin über erneuerbare Energien und Energieeffizienz lanciert und erreiche damit Leserinnen und Leser aus dem Inland sowie dem nahen Ausland. Generell seien erneuerbare Energien in Deutschland, aber auch in Österreich viel früher ein Thema gewesen als in der dabei etwas rückständigen Schweiz, wie die «Energiefachfrau» sagt.
Pelletpreis berechnet
«Beim Schwimmen hatte ich schon die besten Einfälle, so auch für die Erhebung der Preise von Holzpellets», sagt Anita Niederhäusern, die in ihrer Freizeit leidenschaftliche Schwimmerin ist. Das müsse etwa im Jahr 2005 gewesen sein, erinnert sie sich. Damals habe sie in Ueberstorf in ihrem Haus eine Pelletheizung besessen und sich gefragt, wie viel diese Pellets im Durchschnitt überhaupt kosteten. «Beim Heizöl war der Preis bereits online abrufbar. Das war bei Holzpellets überhaupt noch nicht der Fall.» Sie sei dann eben 2008 die Erste gewesen – und sei heute noch die Einzige –, die eine Online-Pellet-Preiserhebung in der Schweiz erfolgreich realisieren habe können. Viele Lieferanten von Holzpellets seien zunächst irritiert gewesen, dass eine Frau die Branche mit ihrem Mikrounternehmen aufmische, hätten sich aber rasch an sie gewöhnt.
Viele Hobbys
Neben einem nicht besonders geradlinigen Berufsleben probiert Anita Niederhäusern auch in ihrer Freizeit immer wieder Neues aus. Mit 34 Jahren versuchte sie sich im Judo und blieb dem japanischen Kampfsport 20 Jahre lang treu – und sie war nebenbei auch musikalisch nicht untätig. «Ich habe wahnsinnig gerne Musik» sagt sie. Darum nehme sie Jazz-Gesangsunterricht und spiele seit über zehn Jahren Saxofon. Seit zwei Jahren mit dem Bariton in der Big Band des Konservatoriums Freiburg.
Eine Stafette mit Porträts
In einer losen Serie stellen die «Freiburger Nachrichten» verschiedenste Menschen aus ihrem Einzugsgebiet vor. Die Artikelserie funktioniert wie eine Stafette: Es ist die jeweils porträtierte Person, die das nachfolgende Porträt bestimmt.