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Das Okavango-Delta ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und gehört zu den schönsten offenen Wildtierparks auf dem Kontinent. Viele Touristinnen und Touristen sind sich jedoch nicht bewusst, dass am Rande des Parks auch Menschen leben und Zehntausende Stück Vieh. Dieses wandert regelmässig ins Delta, wo es sich tagsüber aufhält, um abends gleich neben den Nilpferden durch die Kanäle zurück nach Hause zu waten. Sind die Löwen zu faul eine Antilope zu jagen, nehmen sie sich kurzerhand eine Kuh.
Vieh ist wichtigster Besitz
Das Vieh ist der wichtigste Besitz der Menschen entlang des Deltas. Es kann verkauft werden, wird bei Heiraten und Begräbnissen geschlachtet und erhöht den sozialen Rang. Das Vieh übernachtet in sogenannten Kraals, umzäunten Strukturen aus zusammen gesammelten Ästen, die einem Löwen-Angriff nicht standhalten. Doch ums Vieh kümmert sich heute vor allem die ältere Generation, die Kinder gehen in die Schule statt die Herde tagsüber zu begleiten, die junge Generation versucht ihr Glück in der Safari-Industrie.
Löwenwarnsystem über GPS-Tracker
Der Amerikaner Andrew Stein, arbeitete als Wildtierspezialist in anderen Pärken Botswana, als er vom verschärften Konflikt zwischen Bauern und Löwen hörte. Er gründete die NGO «Clawsconservancy» und entwickelte in den letzten sieben Jahren zusammen mit internationalen Partnern und in Konsultation mit der lokalen Bevölkerung ein Löwenwarnsystem.
Bereits sieben Löwen haben ein Halsband mit GPS-Tracker. Die Daten werden alle zwei Stunden in einer Cloud gespeichert. Ein Algorithmus schafft um jedes Dorf ein virtueller Zaun von 3 Kilometer Durchmesser. Durchquert ein Löwe den Zaun, erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner eine SMS. Gleichzeitig versucht Stein das traditionelle Hirtensystem zu reaktivieren, damit die Kühe nicht mehr allein unterwegs sind.
120 Bauern bereits registriert
Die Fünf Dörfer, die bei «Clawsconservancy» mitmachen, haben weder fliessend Wasser noch Elektrizität. Doch ein Handy haben die meisten, es wird mit Solarpanels geladen. Bis heute haben sich 120 Bauern für das Warnsystem registrieren lassen. Sie können wählen, ob sie eine SMS oder eine Sprachnachricht erhalten.
Der 61-jährige Bauer Bhuti Bhuti und sein Neffe besitzen 40 Stück Vieh. Sie sind begeistert vom Warnsystem. Geht es los, machen sie sich meist mitten in der Nacht auf zu ihrem Kraal, eine Art offener Stall, wo das Vieh übernachtet und machen ein grosses Feuer. «Das sei die beste Art, Löwen zu vertreiben», sagt der Bauer. Sein Neffe erklärt, dass das Verständnis für Löwen gestiegen sei und die Menschen begriffen hätten, dass nicht alle Löwen es auf ihr Vieh abgesehen hätten. Deshalb müssten nicht alle getötet werden. Seit Beginn des Projektes wurde kein einziger Löwe mehr vergiftet.
Es ist sehr aufwändig, in der Wildnis Löwen zu finden, sie betäuben und ihnen ein Halsband umzulegen. Häufig geschieht dies mitten in der Nacht, nach stundenlangem Warten. Der Aufwand scheint riesig im Verhältnis zum Ertrag: einem Halsband mit Satellitenverbindung. Doch Löwen sind gefährdet und jeder mit einem Halsband hilft nicht nur dem Warnsystem für die Bauern, sondern gibt auch Aufschlüsse über das Ökosystem im Delta.