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Hohe volkswirtschaftliche Bedeutung des Verkehrssektors
Die Verkehrsbranche trägt einen wichtigen Teil zur gesamtwirtschaftlichen Leistung der Schweiz bei und bildet die Brücke zwischen Anbieter und Nachfrager. In den letzten 26 Jahren hat die Bedeutung der Verkehrsbranche – gemessen am Anteil der nominalen Bruttowertschöpfung an der Gesamtwirtschaft – von 4,9% im Jahr 1980 auf 3,4% im Jahr 2006 abgenommen (vgl. Grafik 1). Dieser relative Bedeutungsrückgang ist vor allem auf die anhaltende Tertiarisierung der Gesamtwirtschaft und den damit einhergehenden starken Bedeutungsgewinn anderer Branchen – wie z.B. jenem der unternehmensorientierten Dienstleistungen – zurückzuführen. Dies hat zur Folge, dass binnenmarktorientierte Branchen wie der Verkehrssektor einen heute verhältnismässig geringeren Beitrag leisten. Die effektive Bedeutung des Verkehrssektors bleibt jedoch bei einer isolierten Betrachtung bei weitem unterschätzt. Innovative Neuerungen, die zum Beispiel durchgängige Logistik- und Informationsketten ermöglichen, schaffen entscheidende Wettbewerbsvorteile für produzierende Unternehmen auf den internationalen Märkten. Der Anteil des Verkehrs in den Produktionsfunktionen einzelner Branchen variiert dabei erheblich. In der Schweiz ist dieser Anteil z.B. in der Holzbranche durch die meist weiten Wege zwischen Holzgewinnung und Sägerei sowie durch den tiefen Materialwert von Holz relativ hoch. Weitere Branchen mit einer hohen Verkehrsintensität (Anteil >4%) sind das Baugewerbe, der Grosshandel und die Landwirtschaft. Im Rahmen der allgemeinen Tertiarisierung der Wirtschaft ist auch im Verkehrssektor eine Dienstleistungsorientierung der Unternehmen zu beobachten, was sich in der Zunahme des Anteils Erwerbstätige im Verkehrssektor an der Gesamtwirtschaft von 3,9% im Jahr 1980 auf 4,4% im Jahr 2006 zeigt. Waren 1980 noch ca. 130000 Personen im Verkehrssektor tätig, hat sich diese Zahl im Jahr 2006 auf rund 190000 Personen erhöht. Betrachtet man die Entwicklung der rea-len – also preisbereinigten – Wertschöpfung in den letzten 26 Jahren, so zeigt sich, dass die Verkehrsbranche ein leichtes Wachstum von durchschnittlich 0,14% pro Jahr aufwies (vgl. Grafik 2). Die Gesamtwirtschaft ohne Verkehr entwickelte sich dagegen im gleichen Zeitraum mit einem Wachstum von 1,6% deutlich dynamischer. In jüngster Vergangenheit scheint sich diese Diskrepanz allerdings zu verringern. Von 2000 bis 2006 wuchs der Verkehrssektor um jährlich 1%, während die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung um durchschnittlich 1,3% zunahm.
Strukturwandel: Dienstleistungsorientierung im Verkehrssektor
Innerhalb der Verkehrsbranche kommt dem Landverkehr sowohl in Bezug auf die Wertschöpfung als auch hinsichtlich der Erwerbstätigen die grösste Bedeutung zu (zur Definition der einzelnen Branchen siehe Kasten 1 Die Verkehrsbranche umfasst nach der Allgemeinen Systematik der Wirtschaftszweige (Noga) des Bundesamtes für Statistik (BFS) von 2002 die Branchen Landverkehr (Noga 60), Schifffahrt (Noga 61), Luftfahrt (Noga 62) sowie Hilfs- und Nebentätigkeiten für den Verkehr (Noga 63). Zum Landverkehr zählen der Personen- und Gütertransport über die Schiene und die Strasse sowie der Transport in Rohrfernleitungen. Die Schifffahrt beschränkt sich in der Schweiz auf die Binnenschifffahrt. Zur Luftfahrt zählen der Personen- und Gütertransport sowie der Raumtransport. In der Noga-Branche 63 sind alle Hilfs- und Nebentätigkeiten für den Verkehr sowie die Verkehrsvermittlung subsumiert. Dazu gehören unter anderem der Frachtumschlag, die Lagerung von Gütern, Reisebüros, Speditionen und sonstige Hilfs- und Nebentätigkeiten für alle Verkehrsarten.). Im Jahr 2006 waren im Landverkehr ca. 108000 Personen tätig, was 58% der Erwerbstätigen innerhalb des Verkehrssektors entspricht; sie erwirtschafteten 63% der Branchenwertschöpfung. An zweiter Stelle folgt die Kategorie «Hilfs- und Nebentätigkeiten für den Verkehr», welche vor allem Logistikdienstleister und Reisebüros umfasst. In diesem dienstleistungsintensiven Bereich waren im Jahr 2006 über 65000 (35%) Personen beschäftigt, die 30% der Branchenwertschöpfung erbrachten. Sowohl die Schifffahrt als auch die Luftfahrt sind wertschöpfungs- und beschäftigungsmässig weitaus weniger bedeutend. Während die Luftfahrt im Jahr 2006 ca. 9000 Personen (5%) beschäftigte, waren es in der Schifffahrt knapp 3000 (2%). Die Hilfs- und Nebentätigkeiten innerhalb der Verkehrsbranche sind seit 1980 am stärksten gewachsen, und zwar sowohl bezüglich der realen Wertschöpfung (+3,6%) als auch bezüglich der Erwerbstätigen (+6,3%). Darin zeigt sich die strukturelle Veränderung des Sektors hin zu einer dienstleistungsorientierten Branche.
Unterschiedliche regionale Bedeutung des Verkehrssektors in der Schweiz
Die regionale volkswirtschaftliche Bedeutung des Verkehrssektors in den einzelnen Kantonen zeigt ein differenziertes Bild. Mit einem Anteil von jeweils 5,6% im Jahr 2006 trägt der Verkehrssektor zum Beispiel entscheidend zur nominalen Wertschöpfung in den Kantonen Uri und Graubünden bei (vgl. Grafik 3). Diese dem Alpenraum zugehörigen Kantone sind von einer eher traditionellen Wirtschaftsstruktur mit einem geringen Dienstleistungsanteil geprägt, wodurch der Verkehrssektor verhältnismässig bedeutender wird. Ebenfalls zu dieser Kategorie zählt der Kanton Wallis, in dem der Verkehrssektor 5% zur Wertschöpfung beiträgt. Eine weitere bedeutende Rolle kommt dem Verkehrssektor in der funktional eng verflochtenen Nordwestschweiz zu. Im relativ kleinflächigen Kanton Basel-Stadt beträgt dessen Anteil an der gesamten Wertschöpfung 5,1%, im Kanton Solothurn 4,7% und im Kanton Basel-Landschaft 4,3%. Die grosse Bedeutung des Sektors im Kanton Basel-Stadt ist durch seine frühe Rolle als Handelsknotenpunkt mit einem florierenden Rheinhafen in erster Linie geschichtlich bedingt. Wegen seiner verkehrstechnisch günstigen Lage im Dreiländereck wurde der Stadtkanton lange als «goldenes Tor zur Schweiz» bezeichnet. International tätige Speditionsunternehmen – wie die Panalpina, DHL Logistics und DHL Express – haben heute ihren Sitz in Basel. Auch im Raum Olten (Kanton SO) sind viele Transport- und Logistikbetriebe angesiedelt. Unter anderem befinden sich dort das Paket- und Briefpostzentrum der Post und das Verteilzentrum der Migros. Absolut betrachtet zeigt sich allerdings ein etwas anderes Bild des Verkehrssektors, welcher in den grossen Agglomerationen der Schweiz – und dort v.a. in den MS-Regionen Glattal-Furttal bei Zürich, Basel-Stadt, Zürich, Genf und Bern – die höchste nominale Bruttowertschöpfung erzielt (vgl. Grafik 4).
Konzentration des Aussenhandels auf Nachbarländer
Ein wichtiger Indikator, der Auskunft über die aktuelle Lage sowie die zukünftige Entwicklung der Verkehrsbranche gibt, ist – neben der binnenwirtschaftlichen Nachfrage und der konjunkturellen Entwicklung – der Aussenhandel. Dieser liefert zudem einen Hinweis für die Interpretation des Modalsplit, also der Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsträger. Die Schweizer Wirtschaft unterhält die intensivsten Aussenhandelsverflechtungen mit den direkten europäischen Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Italien. Insgesamt werden 37% aller Güter aus der Schweiz nach Deutschland exportiert; 34% werden von dort importiert. Als Handelspartner an zweiter Stelle steht Frankreich, mit einem Importvolumen von 6,9 Mio. Tonnen (15%) und einem Exportvolumen von 2,1 Mio. Tonnen (13%), gefolgt von Italien. Dies hat zur Folge, dass der Landverkehr den bedeutendsten Verkehrsweg für den Warentransport darstellt. Der Aussenhandel mit den aussereuropäischen Industrieländern USA, Japan und Kanada ist gewichtsmässig sehr gering, hat jedoch eine relativ hohe wertmässige Bedeutung. Von Januar bis November 2007 wurden Güter im Wert von 17 Mrd. Franken in die USA exportiert, was 62% aller wertmässigen Exporte ins aussereuropäische Ausland entspricht. Im Gegenzug wurden Waren im Wert von ca. 8 Mrd. Franken importiert (70% der wertmässigen Importe vom aussereuropäischen Ausland). Die zweitgrösste Bedeutung haben die Handelsverflechtungen mit Kanada und Japan.
Passagierzahlen der Flughäfen: Berg- und Talfahrt
Die Passagierzahlen der drei wichtigsten Schweizer Flughäfen in Zürich, Basel und Genf dienen als Indikator zur Abschätzung der Umsatz- und Wertschöpfungsentwicklung in den beiden Branchen Luftfahrt sowie Hilfs- und Nebentätigkeiten für den Verkehr. Nach den Anschlägen vom 11.September 2001, dem Grounding der Swissair und der daraus resultierenden Krise der Schweizer Luftfahrtindustrie in den Jahren 2001 und 2002 sind die Passagierzahlen gnadenlos eingebrochen (vgl. Grafik 5). Während im Jahr 2000 noch eine Zunahme der Passagiere um 10,8% erfolgte, sackte die Dynamik 2001 auf 0,6% ein. Die Folgen der Krise zeigten sich in ihrem vollen Ausmass jedoch erst im Jahr 2002, als die Flughäfen einen Wachstumsrückgang der Passagierzahlen von 17% verkraften mussten. Ab 2003 zeichnete sich eine Stabilisierung ab, indem der Wachstumsrückgang noch 5% betrug. Seit 2004 verzeichnen die Flughäfen wieder positive Wachstumsraten, im Jahr 2007 sogar in Höhe von 8%. Es ist anzunehmen, dass sich die Passagierzahlen auch in Zukunft positiv entwickeln.
Schwache Dynamik bei hoher Produktivität im internationalen Vergleich
Im internationalen Vergleich liegt der Anteil des Schweizer Verkehrssektors an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung mit durchschnittlich 4,2% von 1980 bis 2006 im Mittelfeld (vgl. Grafik 6). Eine deutlich grössere volkswirtschaftliche Bedeutung hat der Sektor vor allem in Finnland (7%), eine leicht grössere in Italien und Österreich (jeweils ca. 5%). Betrachtet man jedoch die Wachstumsdynamik im Zeitraum 1980 bis 2006, liegt der Schweizer Verkehrssektor international weit abgeschlagen. Während das Wachstum des Schweizer Verkehrssektors im betrachteten Zeitraum bei 0,15% lag, kamen andere Länder auf deutlich höhere Wachstumsraten von über 4% (USA) und über 3% (Italien, Deutschland und Vereinigtes Königreich). Das gehemmte Wachstum des Schweizer Verkehrssektors deutet darauf hin, dass Wachstumspotenziale nur ungenügend umgesetzt werden. Ein Vergleich der nominalen Stundenproduktivität mit den wichtigsten europäischen Konkurrenten und den USA zeigt hingegen, dass der Schweizer Verkehrssektor hier keine Defizite aufweist. Ein Schweizer Arbeitnehmer erzielte im Jahr 2006 eine Wertschöpfung von 45 Franken pro Stunde und liegt damit ziemlich genau im westeuropäischen Durchschnitt. Im internationalen Vergleich weisen lediglich der französische und der schwedische Verkehrssektor eine höhere Stundenproduktivität auf. Im Vergleich zur nominalen Stundenproduktivität der Schweizer Gesamtwirtschaft von 61 Franken fällt der Verkehrssektor allerdings zurück. Dies ist vor allem auf den hohen Dienstleistungsanteil dieser Branche – z.B. im Vergleich zum produzierenden Gewerbe – zurückzuführen. Ein gestiegener Konkurrenzdruck und individuelle Kundenwünsche führen zu differenzierten Anpassungsprozessen der Verkehrsleitungen, was unter anderem das Erzielen von Skaleneffekten erschwert und im Vergleich mit anderen Branchen zu einer niedrigeren Produktivität führt.
Herausforderungen für die Zukunft
Als bedeutende Wirtschaftsnation, aber auch als Transitland in der Mitte des erweiterten Europas ist die Schweiz in besonderem Masse gefordert, die Qualität und Effizienz des Verkehrssystems zur Stärkung der Wirtschaft und zur Unterstützung des Strukturwandels nachhaltig zu erhöhen. Hierfür sind bedarfs- und leistungsgerechte Verkehrswege, -netze und -knoten erforderlich. Durch die Konzentration des Schweizer Aussenhandels auf die angrenzenden Nachbarländer, welcher sich im Zuge des Schengener Abkommens und der Öffnung der Grenzen in den kommenden Jahren weiter verstärken dürfte, gilt es in erster Linie, direkte Reibungsverluste im grenzüberschreitenden Warenverkehr zu beseitigen bzw. zu vermeiden. Mit der Eröffnung und der Inbetriebnahme des Lötschbergbasistunnels als Teil der Neat ist im Jahr 2007 ein wichtiger Schritt in diese Richtung unternommen worden. Weiterhin wird es in Zukunft wichtig sein, Prozesse zu optimieren, um mit innovativen und preislich attraktiven Lösungen neue Kunden zu gewinnen und alte zufrieden zu stellen.
Grafik 1 «Anteil der Verkehrsbranche an der Gesamtwirtschaft, 1980 und 2005»
Grafik 2 «Reale Bruttowertschöpfung der Verkehrsbranche und der Gesamtwirtschaft ohne Verkehr, 1980-2006»
Grafik 3 «Anteil der Verkehrsbranche in den Schweizer Kantonen, 2006 Anteil der nominalen Bruttowertschöpfung an der jeweiligen Gesamtwirtschaft, in %»
Grafik 4 «Wertschöpfung der Verkehrsbranche in den Schweizer MS-Regionen, 2006»
Grafik 5 «Entwicklung der Anzahl Luftpassagiere an den Flughäfen Zürich, Basel und Genf, 1983-2006»
Grafik 6 «Nominale Stundenproduktivität der Verkehrsbranche im Vergleich zur Gesamtwirtschaft, 2006»
Grafik 7 «Wachstumsbeitrag der Verkehrsbranche an die Gesamtwirtschaft, 1980-2006»
Kasten 1: Verkehrsbranche Die Verkehrsbranche umfasst nach der Allgemeinen Systematik der Wirtschaftszweige (Noga) des Bundesamtes für Statistik (BFS) von 2002 die Branchen Landverkehr (Noga 60), Schifffahrt (Noga 61), Luftfahrt (Noga 62) sowie Hilfs- und Nebentätigkeiten für den Verkehr (Noga 63). Zum Landverkehr zählen der Personen- und Gütertransport über die Schiene und die Strasse sowie der Transport in Rohrfernleitungen. Die Schifffahrt beschränkt sich in der Schweiz auf die Binnenschifffahrt. Zur Luftfahrt zählen der Personen- und Gütertransport sowie der Raumtransport. In der Noga-Branche 63 sind alle Hilfs- und Nebentätigkeiten für den Verkehr sowie die Verkehrsvermittlung subsumiert. Dazu gehören unter anderem der Frachtumschlag, die Lagerung von Gütern, Reisebüros, Speditionen und sonstige Hilfs- und Nebentätigkeiten für alle Verkehrsarten.