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Der soziale Wandel, dem unsere Gesellschaft unterworfen ist, wirkt sich zunehmend auf die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung aus.
Davon zeugen der deutliche Anstieg der psychiatrischen Hospitalisierungen von Jugendlichen im Jahr 20211 (+6% bei Männern zwischen 10 und 24 Jahren und +26% bei Mädchen und jungen Frauen zwischen 10 und 24 Jahren) und der Anstieg der Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen2 (+20% im Vergleich zu 2021). Der Versicherer SWICA kommt in seiner im März 2022 durchgeführten Studie zu denselben Feststellungen3. Diese Entwicklungen haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Anstieg der Gesundheitskosten. Beispielsweise beliefen sich laut Obsan im Jahr 20214, “die Kosten zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) im Bereich der Psychiatrie auf rund 2,42 Milliarden Franken, was 6,6 % der gesamten der OKP in Rechnung gestellten Kosten (36,6 Milliarden Franken) entspricht”. Bei der Invalidenversicherung sind es im Jahr 2022 über 51% der Renten, die mit einem Problem der psychischen Gesundheit zusammenhängen5.
Mehrere vom Obsan zitierte Studien lassen darauf schliessen, dass 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung von einer psychischen Störung betroffen sind6. Die Mitgliedsorganisationen unserer Vereinigung Mad Pride Schweiz stellen leider fest, dass die soziale Eingliederung und der Zugang zu einem aktiven und gesellschaftlichen Leben für diese Menschen mit psychischer Beeinträchtigung noch unzureichend sind und dass das Stigma der psychischen Störungen noch zu stark ausgeprägt ist.
Wir wissen heute, dass ein sehr großer Teil unseres körperlichen und psychischen Gesundheitszustands von äußeren (sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen) Faktoren beeinflusst wird, die auch als Determinanten der psychischen Gesundheit bezeichnet werden7. Psychische Gesundheit ist daher nicht nur eine individuelle, sondern auch eine kollektive Verantwortung. Die Behörden und politischen Entscheidungsträger spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung positiv zu beeinflussen.
INITIATIVE FÜR INKLUSION
Vor diesem Hintergrund nutzen wir die Gelegenheit der Mad Pride, die am 7. Oktober in Lausanne stattfindet, um Ihre Aufmerksamkeit auf die Inklusionsinitiative zu lenken. Diese Initiative, für die derzeit Unterschriften gesammelt werden, ist für Menschen, die mit einer psychischen Behinderung leben, von zentraler Bedeutung. Sie wird von AGILE.CH, Amnesty International Schweiz, Inclusion Handicap, der Stiftung für direkte Demokratie und dem Verein Tatkraft getragen und will durch eine Änderung der Bundesverfassung die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen gewährleisten.
Wir laden Sie ein, diese Initiative zu unterzeichnen, um die Rechte der Betroffenen zu stärken und ihnen eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft auf allen Ebenen zu ermöglichen. Dazu gehören auch unterstützende und begleitende Maßnahmen, sei es in Form von persönlicher Assistenz oder Hilfsmitteln.
In unserem Land gibt es unzählige Beispiele für die Verletzung des Rechts auf Selbstbestimmung. Derzeit leben in der Schweiz fast 150’000 Menschen in Heimen, obwohl viele von ihnen gerne in einer selbstbestimmten Wohnung leben würden. Doch selbst für Menschen, die in der Lage sind, in einer eigenen Wohnung zu leben, ist es nach wie vor extrem schwierig, eine Wohnung mit dem Etikett “IV-Rentner aus psychischen Gründen” zu finden. Der Mangel an erschwinglichen und zugänglichen Wohnungen für Menschen mit Behinderungen verschlechtert diese Situation zusätzlich, ebenso wie die Tatsache, dass die Mittel immer noch hauptsächlich in Institutionen und Heime fließen und nicht in andere Formen des selbstbestimmten Wohnens.
Im Bereich der Arbeit ist es für Menschen mit einer psychischen Behinderung fast unmöglich, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden, selbst wenn sie nur Teilzeit arbeiten, selbst wenn sie über die notwendigen Qualifikationen und Kompetenzen verfügen.
Diese diskriminierenden Situationen dürfen nicht länger andauern. Diese Inklusionsinitiative soll dies ändern. Wir laden Sie ein, sie aktiv zu unterstützen, indem Sie sie unterschreiben und in Ihrem Bekanntenkreis unterschreiben lassen. Alle notwendigen Informationen und Materialien finden Sie unter www.initiative-inclusion.ch. Eine Informations- und Unterschriftenkampagne wird auch während der Mad Pride stattfinden.
1 Bericht Obsan 2023. Link hier ici
2 Laut einer Studie mit Daten von rund 250’000 Angestellten aus 6000 Unternehmen zwischen 2021 und 2022: Deutlicher Anstieg der psychischen Arbeitsunfähigkeit in der Schweiz – rts.ch – Schweiz Nette augmentation des incapacités de travail psychiques en Suisse – rts.ch – Suisse
3 Studie “Psychisch bedingte Krankschreibungen in der Schweiz: Hintergrund, Entwicklung und Verfahren. Link hier ici
4 Obsan, Psychische Gesundheit: Kennzahlen 2021. Link hier ici
5 Statistik der IV. Link hier ici
6 Obsan, Psychische Gesundheit in der Schweiz: Monitoring 2020, Link hier; Swissinfo.ch, “Ein Drittel der Schweizer leidet psychisch”, Link hier ici
7 Weitere Informationen zu den Determinanten der psychischen Gesundheit finden Sie auf der Website der Minds Association. Link hier ici