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© 1992 Markus Kappeler
Britisches Antarktis-Territorium
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)
Klimaforschung oder Schatzsuche?
Um es gleich vorwegzunehmen: Ein Britisches Antarktis-Territorium gibt es eigentlich gar nicht. Zwar macht Grossbritannien einen «historisch» begründeten Anspruch auf einen Teil der Antarktis geltend. Gemäss dem sogenannten «Antarktisvertrag», einem zwischen allen an der Antarktis interessierten Staaten getroffenen Abkommen, sind jedoch sämtliche Souveränitätsansprüche vorerst bis im Jahr 2041 eingefroren. Was dann geschieht, wird sich weisen. Ginge es nach den Staaten ohne Landanspruch in der Antarktis, wäre die Sache klar: Die Antarktis gehört ihrer Meinung nach zum gemeinsamen Erbe der gesamten Menschheit und sollte am besten als Mandatsgebiet den Vereinten Nationen unterstellt werden. Der mächtige «Club» der Antarktisvertragsstaaten ist jedoch nicht bereit, sein Regime an die Weltorganisation abzutreten. Zu gross ist die Gier nach den in der Antarktis lagernden Bodenschätzen, von denen einige den Bedarf der gesamten Menschheit für mehrere Jahrhunderte decken dürften.
1917 hatte Grossbritannien als erster Staat einen Sektor der praktisch kreisrunden Antarktis für sich reklamiert. Damals erklärte es kurzerhand seine Oberhoheit über «alle Länder und Inseln zwischen dem 20. und 50. westlichen Längengrad südlich des 50. Breitengrads sowie alle Länder und Inseln zwischen dem 50. und 80. westlichen Längengrad südlich des 58. Breitengrads» - ein Gebiet von insgesamt 1,7 Millionen Quadratkilometern!
Andere Nationen liessen nicht lange auf sich warten und schnitten sich ihrerseits je ein Stück aus der «Eistorte» am Südpol. Es ergab sich schliesslich folgende Situation: Grossbritannien, Frankreich, Norwegen, Australien und Neuseeland hatten vier Fünftel der Antarktis unter sich aufgeteilt und anerkannten untereinander die jeweiligen Landansprüche, während Argentinien und Chile mit Grossbritannien um das gleiche Stück stritten: Argentinien erhob nämlich auf alle Gebiete zwischen dem 25. und 74. westlichen Längengrad Anspruch, Chile auf alle Gebiete zwischen dem 53. und 90. westlichen Längengrad.
Besonders die Grossmächte USA und UdSSR waren keineswegs bereit, diese Gebietsansprüche zu anerkennen, und so stand die Antarktis im Begriff, zum Zankapfel zwischen den diversen Nationen zu werden. Es war dann 1958 der Präsident der USA, Dwight David Eisenhower, welcher vorschlug, eine Konferenz am Sitz der UNO durchzuführen, um die endgültige Ordnung auf dem abgeschiedenen Kontinent zu erörtern. Die Konferenz wurde am 15. Oktober 1959 eröffnet. Es nahmen jene zwölf Länder daran teil, die im Rahmen des «Internationalen Geophysikalischen Jahres» von 1957/58 - einem vorher nie erreichten Höhepunkt der internationalen Forschungszusammenarbeit - wissenschaftliche Tätigkeiten in der Antarktis entfaltet hatten. Neben den eingangs genannten Ländern mit konkreten Besitzansprüchen waren dies die USA, die UdSSR, Japan, Südafrika und Belgien.
Für viele Beobachter überraschend gelangten die zwölf Länder tatsächlich zu einer vollständigen Übereinkunft. Keine zwei Monate nach Beginn der Konferenz, am 1. Dezember 1959, unterzeichneten sie allesamt den sogenannten «Antarktisvertrag», der 1961 für vorerst 30 Jahre in Kraft trat und 1991 um weitere 50 Jahre verlängert wurde. Er bestimmt unter anderem, dass alle Gebietsansprüche vorerst zurückgestellt werden, dass keine Militärstützpunkte eingerichtet werden dürfen, dass die Antarktis einzig für die friedliche wissenschaftliche Forschung genutzt werden darf, dass Atomexplosionen verboten sind und dass auf jeglichen Rohstoffabbau vorderhand verzichtet wird.
Zu den 12 anfänglichen Unterzeichnerstaaten des Antarktisvertrags sind bis heute 8 ebenfalls stimmberechtigte Mitglieder hinzugekommen. 19 weitere Staaten haben das Abkommen zwar unterzeichnet, besitzen jedoch (noch) kein Stimmrecht. Voraussetzung für die Vollmitgliedschaft ist nämlich der Bau und der Betrieb einer wissenschaftlichen Forschungsstation in der Antarktis, und das ist der enormen Kosten wegen nur wenigen kapitalkräftigen Ländern möglich. Insgesamt 36 grössere, ständig besetzte Forschungsstationen und rund 50 im Sommer benutzte Stationen werden mittlerweile in der Antarktis betrieben. Bis auf zwei permanente Basen auf dem Inlandeis (eine russische und eine US-amerikanische) befinden sich diese Stützpunkte der verschiedenen Nationen an der antarktischen Küste, darunter die von Deutschland betriebene Georg-von-Neumayer-Station an der Küste des Königin-Maud-Landes (im von Norwegen beanspruchten Sektor).
«Jeder der Vertragspartner verpflichtet sich, geeignete Massnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass in der Antarktis Tätigkeiten entfaltet werden, die den Grundsätzen des vorliegenden Abkommens zuwiderlaufen», heisst es in Artikel 10 des Antarktisvertrags. Die Realität sieht jedoch anders aus: Vieles deutet nämlich darauf hin, dass die bis zu 4000 Menschen, die sich in den Sommermonaten in der Antarktis aufhalten, keineswegs nur wissenschaftliche Studien betreiben, sondern sich heute in erster Linie der profitträchtigen Erkundung der Bodenschätze widmen, die sich unter dem Eis verbergen. So mutet beispielsweise eigenartig an, dass sich auf der von Grossbritannien, Argentinien und Chile gleichermassen beanspruchten King-George-Insel (im nördlichen Bereich der Südshetlandinseln) gleich zehn Forschungsstationen befinden - darunter sinnigerweise sechs Wetterstationen. Der im Antarktisvertrag vielbeschworene wissenschaftliche Informationsaustausch scheint also entweder nur auf dem Papier zu bestehen - oder aber es werden hier gar nicht die antarktischen Winde untersucht.
Sonderbare Forschung gibt es auch auf chilenischen und argentinischen Stationen. Auf einzelnen Basen leben über hundert Leute, aber unter ihnen findet sich kein einziger Wissenschaftler. Dafür trifft man zahlreiche Soldaten mit ihren Familien. 1978 hatte Argentinien erstmals eine schwangere Soldatenfrau einfliegen und gebären lassen, um für das Kind eine Art antarktisches Heimatrecht geltend zu machen - und damit seine Gebietsansprüche zu erhärten.
Und dann sind vor ein paar Jahren durch eine Indiskretion auch die recht präzisen Schätzungen der US-amerikanischen «Forscher» hinsichtlich der in der Antarktis lagernden Bodenschätze publik geworden. Von 7 Milliarden Tonnen Erdöl, 3000 Milliarden Kubikmetern Erdgas und 100 Milliarden Tonnen Steinkohle war da - nebst Funden von Mangan, Chrom, Kupfer, Zinn, Titan, Gold und Silber - die Rede!
Zwar dürfte es gegenwärtig schwer, kostspielig oder gar technisch unmöglich sein, an die in der Antarktis lagernden Bodenschätze heranzukommen und sie im grossen Stil abzubauen. Doch der Appetit auf sie ist grösser denn je, und die Gebietsansprüche der traditionellen ebenso wie der neuen Signatarstaaten des Antarktisvertrags weiterhin äusserst real.
«Antarktis» und «Antarktika»
In der Antarktis befinden sich 90 Prozent allen Eises der Erde. Im Durchschnitt beträgt die Eisdicke 2500 Meter und erreicht an den höchsten Stellen mehr als 4750 Meter. Das Eis schwimmt aber nicht einfach auf dem Meer wie in der Arktis, sondern türmt sich auf einem Festlandsockel. Dieser ist mit einer Fläche von 12,4 Millionen Quadratkilometern rund 1,5mal so gross wie Australien und rund 35mal so gross wie Deutschland. Er bildet den sechsten Kontinent unseres Planeten und heisst «Antarktika».
Der Begriff «Antarktis» ist viel umfassender: Hierunter fällt das gesamte Südpolargebiet mit dem antarktischen Kontinent einerseits und dem Südpolarmeer andererseits. Letzteres reicht weit über den südlichen Polarkreis hinaus. Als natürliche Grenze gilt die sogenannte «Antarktische Konvergenz». Man versteht darunter einen ungefähr 50 Kilometer breiten Saum, an welchem das von Süden kommende kalte Oberflächenwasser der Antarktis in die Tiefe absinkt. Dieser Saum liegt je nach geografischer Länge zwischen dem 48. und 61. südlichen Breitengrad.
Zur Antarktis rechnet man deshalb auch die Südshetland-, die Südorkney und die Südsandwichinseln, ferner Südgeorgien sowie die Bouvet-, die Heard und die MacDonald-lnsel. Sie alle liegen südlich der Antarktischen Konvergenz, werden somit während des ganzen Jahres von Wassermassen umspült, deren Temperatur nie weit über den Gefrierpunkt steigt, und haben ein entsprechend frostiges Klima. Die Kergueleninseln sind ein «Grenzfall», denn sie befinden sich annähernd auf der Konvergenzlinie.
Antarktika, der Kontinent, wird durch die grossen, mit Schelfeis gefüllten Buchten des Weddellmeers und des Rossmeers in Ostantarktika und Westantarktika gegliedert. Von Westantarktika zieht sich die Antarktische Halbinsel mit ihren vorgelagerten Inseln weit nach Norden. Ein Faltengebirge, das den patagonischen Anden ähnelt, zieht sich quer durch die Antarktische Halbinsel und durch Westantarktika. Die Ostantarktika besteht aus einem sehr ausgedehnten Hochland, von dem sich da und dort Gebirgsketten abheben.
Zu 98 Prozent liegt der Kontinent unter einem dicken Binneneispanzer begraben. Nur einige Küstenstreifen und die höchsten Gipfel, darunter das gigantische Vinsonmassiv mit 5410 Metern Höhe, sind eisfrei. Im südlichen Winter, zwischen April und September, ist der ganze Kontinent im übrigen von einem dichten, mehrere hundert Kilometer breiten Eisring umgeben, dem Packeis, das manchmal bis nahe ans Kap Hoorn reicht. Über 20 Millionen Quadratkilometer gross ist dann der Packeisgürtel. Im Sommer schmilzt diese Eisbarriere grösstenteils und wird für Schiffe passierbar.
Das antarktische Treibeis seinerseits dringt vielfach bis über den Südpolarkreis hinaus vor. Das hat damit zu tun, dass die antarktischen Eisberge im Durchschnitt bedeutend grösser sind als die arktischen. Den Rekord hält noch immer ein Eisberg, welcher 1927 bei den Südorkneyinseln angetroffen wurde und der bei einer Höhe von 40 Metern 160 Kilometer lang war!
Das Reich der Pinguine
Die Antarktis ist wohl die letzte grosse Wildnis unseres Planeten. Ihr «jungfräulicher» Zustand ist darauf zurückzuführen, dass sie zu den lebensfeindlichsten Gebieten der Erde zählt. So wurde die tiefste, jemals auf der Erde festgestellte Temperatur mit -88,3°C in der Antarktis gemessen, und dasselbe gilt für die höchste Windgeschwindigkeit von 322 Kilometern je Stunde.
Es ist kaum überraschend, dass sich nur wenige Landlebewesen an die überaus harten Lebensbedingungen in der Antarktis anzupassen vermochten. Immerhin haben es ein paar wirbellose Tiere, zwei Blütenpflanzen und etwas über 300 Flechten geschafft, in der gefrorenen Landschaft eine magere Lebensgrundlage zu finden.
Ganz im Gegensatz zur «Leere» des Lands überquellen die Gewässer im Umfeld der Antarktis förmlich von Leben. Ein überaus breites und farbiges Spektrum von Krebstieren, Tintenfischen und anderen Wirbellosen sowie von Fischen, Seevögeln und Meeressäugetieren lässt sich in den küstennahen Gewässern beobachten. Die meisten dieser Tiere sind vollständig wasserlebend, verlassen also das Meer zeitlebens nicht. Zwei Tiergruppen haben jedoch den Kontakt zum Festland nicht völlig aufgegeben: die Meeresvögel und die Robben. Beide verbringen zwar einen Grossteil ihrer Zeit im Wasser und beschaffen sich dort ihre Nahrung. Für die Aufzucht ihrer Jungen suchen sie aber stets das Land bzw. das Eis auf. Sie haben im Laufe ihrer Stammesgeschichte das Kunststück fertiggebracht, sich gleich an zwei der problematischsten Lebensräume der Erde anzupassen: an die antarktische Hochsee mit ihren vielen Nahrungswettstreitern und Fressfeinden einerseits und an das antarktische Festland mit seinem frostigen Klima andererseits.
Zu den bekanntesten dieser antarktischen Überlebenskünstler zählen sicherlich die Pinguine. Der grösste von ihnen, der Kaiserpinguin, der eine Standhöhe von 110 Zentimetern und ein Gewicht um 30 Kilogramm erreicht, ist unbestritten auch der extremste bezüglich seiner Lebensweise. So ist er ein hervorragender Taucher, der bei der Jagd auf Fische und Tintenfische Tiefen von bis zu 265 Metern - Rekordtiefe für sämtliche Meeresvögel - erreicht. Ausserdem brütet er von allen Vogelarten der Erde mit Abstand unter den lebensfeindlichsten Bedingungen: Zum einen befinden sich seine Brutplätze ausnahmslos auf dem antarktischen Kontinent selbst oder auf dem angrenzenden Schelfeis, während die meisten anderen Pinguine hierfür die subantarktischen Inseln benützen. Und zudem führt er sein Brutgeschäft nicht im etwas milderen antarktischen Sommer durch, sondern mitten im Winter, wenn die Lufttemperaturen im Durchschnitt -20°C betragen und die Winde häufig mit 75 Kilometern je Stunde über die Eiswüste fegen.
Weltpark Antarktis
Ihre geografische Isolation und relative Unberührtheit machen die Antarktis zu einem Eldorado der Forschung. So stellen beispielsweise die Eismassen der Antarktis ein lückenloses Archiv der Klimageschichte unseres Planeten dar. Es beginnt mit dem Schneefall über der Antarktis, der zu Firn altert und dann durch den Druck von neuem Schnee zu Eis wird. So wurden und werden Schicht für Schicht alle Niederschläge «aufbewahrt», wobei das Eis der tiefsten Schichten mehrere hunderttausend Jahre alt ist. Im Eis eingeschlossene Staubpartikel und Luftblasen erlauben Rückschlüsse auf das Klima und die Zusammensetzung der Atmosphäre in früheren Zeiten. Wissenschaftler bohren deshalb Löcher in das Eis, ziehen lange Eisstangen heraus und analysieren diese anschliessend in den Labors der Forschungsstationen. Beispielsweise hat man so herausgefunden, dass die Kohlendioxid-Konzentration auf unserem Planeten seit dem 18. Jahrhundert um rund 30 Prozent zugenommen hat.
Leider hat die wissenschaftliche Forschung in der Antarktis auch ihre Scha tenseiten. Unter anderem erzeugen die vielen Wissenschaftler und Serviceleute einigen Abfall. Es wimmelt stellenweise von verlassenen Fahrzeugen, Bauruinen und leeren Öltanks. Sturmvögel brüten ihre Eier zwischen Bierdosen, Plastikstücken und rostigen Kanistern aus. Jahrelang wurden ganze Lastwagenladungen Abfall auf das Eis vor der Küste gekippt, dann sprengte man das Eis mit Dynamit - und weg war der Dreck! Der 1989 von den Antarktisvertragsstaaten unterzeichnete neue Verhaltenskodex für den Umgang mit Müll dürfte diesbezüglich endlich eine Besserung bringen.
Eine Belastung für die antarktische Umwelt stellen aber auch die jährlich über 7000 Touristen dar, welche das Reich der Pinguine besuchen. Die meisten von ihnen reisen mit komfortablen Kreuzfahrtschiffen von der südamerikanischen Südspitze aus zur Antarktischen Halbinsel, wo die meisten Tiere zu beobachten sind. Dort werden dann Meeresvögel und Robben beim Brüten aufgescheucht, jahrhundertealte Flechtenpolster zertreten und Zigarettenstummel, Bierdosen und Filmschachteln hinterlassen. Zwar gelten seit einigen Jahren international vereinbarte Verhaltensregeln für Besucher der Antarktis, und die Reiseleiter versprechen, auf ihre Kunden aufzupassen. Aber eine wirkliche Kontrolle gibt es leider nicht. Derweil schreitet der Ausbau des Tourismus munter weiter. Chile stellt bereits ein Hotel zur Verfügung, und Argentinien hat ähnliche Pläne.
Weit verheerender als diese doch ziemlich lokalen Störungen des antarktischen Ökosystems würde sich allerdings der Abbau der Bodenschätze auf Antarktika auswirken: Er hätte mit Sicherheit fatale Folgen für alle Lebewesen auf der ganzen Welt. Riesige, bei der Rohstoffgewinnung sich bildende Staub- und Russwolken würden nämlich die Eisoberfläche stark verschmutzen und dadurch die Wärmereflexion verändern. Computermodelle prognostizieren Temperaturerhöhungen von bis zu 10 Grad innerhalb weniger Jahrzehnte - und damit unweigerlich ein rasantes Abschmelzen der antarktischen Eisränder. Besonders verhängnisvoll würde sich das beim Schelfeis des Weddell- und des Rossmeers auswirken: Die beiden gigantischen Eisplatten wirken wie Pfropfen, die das instabile Inlandeis von Westantarktika zurückhalten. Würden diese Eisplatten schmelzen, könnte das ganze westantarktische Eis abfliessen. Ein weltweiter Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter wäre die unabwendbare Folge. Bedenkt man, dass die UNO in ihrem jüngsten Klimareport von einem allmählichen Abschmelzen der Polkappen schon allein aufgrund des sogenannten «Treibhauseffekts» ausgeht, dass sie den dadurch ausgelösten Anstieg des Meeresspiegels bis im Jahr 2030 auf «nur» 60 Zentimeter schätzt und dass sie dennoch mit katastrophalen Folgen für Millionen von Küstenbewohnern auf der ganzen Welt rechnet, wird die ungeheure Gefahr deutlich, welche die geplante Ausbeutung des frostigen Kontinents heraufbeschwört.
Die Regierungen vieler Staaten setzen sich deshalb ebenso wie die internationalen Umweltschutzorganisationen WWF und Greenpeace für einen sofortigen, umfassenden Schutz der Antarktis und ein vollständiges Verbot jeglichen Rohstoffabbaus ein. Der ganze Kontinent soll zu einem Naturpark, zum «Weltpark Antarktis», erklärt werden. Am meisten Widerstand hiergegen leisten zur Zeit noch die USA und Grossbritannien, die beide unbedingt an der Option Rohstoffgewinnung festhalten wollen. Es ist zu hoffen, dass sie noch beizeiten zur Vernunft kommen werden.
Kasten: Britisches Antarktis-Territorium
Grossbritannien beansprucht die Oberhoheit über alle Ländereien zwischen dem 20. und 50. westlichen Längengrad südlich des 50. Breitengrads sowie zwischen dem 50. und 80. westlichen Längengrad südlich des 58. Breitengrads. Diese Grenzen, die ein Gebiet von insgesamt 1,7 Millionen Quadratkilometern umschliessen, wurden in Patentbriefen vom 28. März 1917 festgelegt. Das Britische Antarktis-Territorium ist eine Verwaltungsdependenz der Falklandinseln, wobei die lokale Administration von den Wissenschaftlern des staatlichen Forschungsprogramms «British Antarctic Survey» wahrgenommen wird. Die Souveränitätsansprüche Grossbritanniens in der Antarktis sind völkerrechtlich nicht anerkannt und gemäss dem «Antarktisvertrag» von 1959 zumindest bis im Jahr 2041 eingefroren.
Bildlegenden
Antarktika - das Festland, das den geografischen Südpol umgibt - hat eine Fläche von 12,4 Millionen Quadratkilometern. Auf vier Fünftel des frostigen Kontinents haben sieben Staaten zum Teil übergreifende territoriale Ansprüche geltend gemacht, welche jedoch völkerrechtlich nicht anerkannt werden.
Drei Viertel aller Süsswasservorrdte der Erde sind im antarktischen Binneneis gebunden, das gebietsweise mehr als vier Kilometer dick ist. Vom Rand dieser «Eistorte» driften ständig Eisberge äquatorwärts, so auch dieser durchlöcherte Gigant bei den Südorkneyinseln. Es bestehen Pläne, solch weitgereiste «Süsswasserpakete» mit Schiffen an die Küsten von Ländern zu schleppen, in denen Wassermangel herrscht.
Im Durchschnitt ist die Antarktis 30°C kälter als die Arktis. Zu 95 Prozent erreicht der südliche Kontinent niemals Temperaturen über dem Gefrierpunkt, und mancherorts kann die Temperatur zeitweise weit unter -50°C fallen. Dann muss Dieselöl mit der Axt bearbeitet werden, Quecksilber gefriert im Thermometer, und Eisen wird zerbrechlich wie Glas.
Lange Zeit wurde der Einfluss der antarktischen Ströme und Winde auf das Weltklima unterschätzt. Heute ist klar, dass sie beispielsweise die Monsunregenfälle in Südostasien massgeblich beeinflussen. Um die Schlüsselrolle der «Wetterküche» am Südpol besser zu verstehen, werden zahlreiche Wetterstationen betrieben, darunter die argentinische Station Brown im nördlichen Bereich der Antarktischen Halbinsel (oben). Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind auf diesen Stationen naturgemäss eher beschränkt (unten).
Greenpeace und andere internationale Umweltschutzorganisationen setzen sich seit geraumer Zeit für einen umfassenden Schutz des gesamten Südpolargebiets ein. Gegen den geforderten «Weltpark Antarktis» bestehen jedoch besonders seitens der Antarktisvertragsstaaten, welche eine Ausbeutung der antarktischen Bodenschätze anstreben, massive Widerstände.
Jahrmillionen war die Antarktis eine durch den Menschen ungestörte Wildnis gewesen. Vor knapp 200 Jahren kamen dann die ersten Menschen in diese ungastliche Ecke der Welt, hauptsächlich um Robben und Walen nachzustellen. Später siedelten sich zahlreiche Forscher an. Und heute wird die Ruhe im «Reich der Pinguine» auch noch durch mehrere tausend Touristen im Jahr gestört.
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