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Albrecht von Haller (1708-1777) gilt als einer der bekanntesten und produktivsten Universalgelehrten des 18. Jahrhunderts. Insbesondere als Mediziner, aber auch als Botaniker und als Dichter des monumentalen Werkes „Die Alpen“ von 1729 ist er über seine Vaterstadt Bern hinaus bekannt.
Dieser Beitrag beleuchtet die botanischen Publikationen von Albrecht von Haller, die als Rara in der Bibliothek der ETH Zürich aufbewahrt werden. Sie sind auch als Digitalisate über www.e-rara.ch verfügbar.
Eine Europäische Karriere
Schon als Fünfzehnjähriger studierte Albrecht von Haller in Tübingen Medizin. Anschliessend weilte er für zwei Jahre in Leiden und wurde dort zum Dr. med. promoviert. Nach kurzen Aufenthalten in London und Paris wirkte er als Dozent der Anatomie an der Universität Basel und praktizierte von 1729 bis 1736 als Arzt in Bern. Schliesslich wechselte er für 17 Jahre als Professor für Anatomie, Botanik und Chirurgie an die neu gegründete Universität Göttingen. Im April 1749 wurde Haller von Kaiser Franz I in den Adelsstand erhoben. Doch dann zog es ihn in die Heimat zurück. Von 1758 bis 1764 war Haller Rathausammann in Bern und Direktor der bernischen Salinen in Roche in der Waadt, und zudem für zwei Jahre Amtstatthalter in Aigle. Er starb am 12. Dezember 1777 im Alter von gut 69 Jahren in Bern.
Studienreise durch die Alpen
Albrecht von Haller wurde 1728 während seines Aufenthalts in Basel mit der Botanik vertraut. Zusamen mit seinem Studienkollegen Johannes Gessner (1709-1790) aus Zürich, der bereits durch Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733) in die Pflanzenkunde eingeführt worden war, unternahm er im Sommer jenes Jahres von Basel aus eine etwa einen Monat dauernde Studienreise durch die Alpen. Diese führte sie von Genf, durch das Rhonetal, über die Gemmi ins Berner Oberland, dann über den Jochpass nach Engelberg, Luzern und Zürich führte. Rückblickend stellte Albrecht von Haller 1768 in der Einleitung seiner Schweizer Flora fest:
… ich liebte die Bücher und eine sitzende Lebensweise. Ich sah ein, dass es meiner Gesundheit schlecht bekäme, wenn ich in ständigen Studien erbleichte. Ich sah mich um, wie ich diese Trägheit überwinden könnte und fand kein anderes Heilmittel als die Beschäftigung mit der Botanik.
Fast jährlich unternahm Albrecht von Haller, oft im Zusammenhang mit seinen dienstlichen Reisen, botanische Erkundungen in der Schweiz und in Deutschland. Wohl schon in Basel hatte er den Plan ins Auge gefasst, die einheimischen Pflanzen in einer „Flora helvetica“ vorzustellen. An Carl von Linné (1707-1778) schrieb er 1737: «Ich richte fast meine ganze Arbeit nur auf die einheimischen Pflanzen, da ich zur gleichen Zeit auch Medizin und Anatomie ausüben muss, nicht so wie Du, der geweihte Priester der Flora.» Die Neuerungen von Linné zur Benennung der Pflanzen in Form der binominalen Nomenklatur lehnte er, im Gegensatz zu seinem Freund Gessner, ab. Insgesamt entdeckte und beschrieb Haller etwa 300 Arten neu für die Wissenschaft; allerdings sind diese wegen der Polynomen (aus mehreren Wörtern bestehende Pflanzennamen) für die heutige Systematik nicht mehr zu berücksichtigen.
Albrecht von Haller: Enumeratio methodica stirpium Helvetiae indigenarum, 1742, Titelblatt
Beeindruckende botanische Publikationen
In der 1742 veröffentlichten Schweizer Flora Enumeratio methodica stirpium Helvetiae indigenarum präsentierte Haller eine umfassende Auswertung seiner eigenen und von fremden Sammlungen. Zur Ergänzung seines Herbariums, welches heute in Paris aufbewahrt wird, erteilte er zahlreiche Aufträge an Pflanzensammler, die für ihn vor allem im Wallis und in Graubünden, aber auch im Tessin, tätig waren. Nach seiner Rückkehr nach Bern beschäftigte er sich mit der Fertigstellung einer zweiten und stark erweiterten Fassung seiner Schweizer Flora Historia stirpium indigenarum Helvetiae inchoata, welche in drei Bänden 1768 veröffentlicht wurde. Was dieses Werke auszeichnet, sind genaue morphologische Beschreibungen der Arten auf der Grundlage von Beobachtungen an verschiedenen Pflanzen in der Natur und aus dem Herbarium, die Nennung von Fundorten, und gelegentlich sogar von Standortfaktoren, und insbesondere durch eine ausführliche Synonymie der vorlinneischen, polynomen Pflanzennamen. Zudem versuchte Haller die Pflanzen – im Gegensatz zur künstlichen Sexualklassifikation von Linné – in einem natürlichen System zu ordnen.
Mehrere seiner kleineren botanischen Schriften veröffentlichte Haller 1749 in einem Sammelband Opuscula sua botanica prius edita recensuit, retractavit,auxit, coniuncta. Schliesslich stellte er 1771-1772 noch eine umfassende und kritisch kommentierte Bibliographie Bibliotheca botanica qua scripta ad rem herbariam facientia a rerum initiis recensentur mit allen botanischen Werken bis zu seiner Zeit zusammen.
Verweise
Dieser Beitrag fusst auf Informationen der folgenden Publikationen:
Boschung, U. 2009. Lebenslauf. In: Albrecht von Haller: Leben – Werk – Epoche; Seiten 15-82. 2. Aufl. Hrsg. von H. Steinke, U. Boschung und W. Pross. Göttingen: Wallstein Verlag.
Drouin, J-M. & Lienhard, L. 2009. Botanik. In: Albrecht von Haller. Leben – Werk – Epoche; Seiten 292-314. 2. Aufl. Hrsg. von H. Steinke, U. Boschung und W. Pross. Göttingen: Wallstein Verlag.