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Ende der 40er Jahre musste die Rhätische Bahn Ihren Lokomotivpark modernisieren und erweitern. Die 15 Krokodile aus den 1920er Jahren waren nicht mehr in der Lage, die schweren Züge auf den steigungsreichen Strecken mit der nötigen Geschwindigkeit zu befördern. 1947 und 1953 wurden zehn moderne Drehgestelllokomotiven Ge 4/4 I geliefert, die sozusagen eine Schmalspurausgabe der BLS-Lok Ae 4/4 waren. Mit maximal 1600 PS kam auch diese Baureihe schon nach wenigen Einsatzjahren an ihre Leistungsgrenze, so dass eine noch stärkere Lok erforderlich wurde.
Die Lösung war eine sechsachsige Lokomotive, für die viele Komponenten von der Ge 4/4 I übernommen wurden. Technisch entsprechen die Maschinen dem damaligen Stand: (Niederspannungs-)Stufenschalter und Einphasen-Reihenschlussmotoren. Die äusseren beiden Drehgestelle und die Fahrmotoren können mit den Ge 4/4 I ausgetauscht werden. Das Kastengelenk zwischen den beiden Lokhälften erlaubt nur vertikale Bewegungen (um die Querachse), damit Neigungswechsel befahren werden können. Die Ge 6/6 II sind 80 km/h schnell und 65 Tonnen schwer, sie leisten 1776 kW bzw. 2400 PS bei 46 km/h. Die zulässige Anhängelast beträgt 205 t auf 45 ‰ Steigung und 280 t auf 35 ‰. Das mittlere Drehgestell kann sich seitlich ausschwenken, um enge Kurvenradien zu befahren.
Die beiden ersten Loks wurden 1958 von SLM, BBC und MFO zum Stückpreis von 230'000 Franken geliefert und erhielten die Nummern 701 und 702 mit den Namen Raetia und Curia.
Die beiden Vorserienlokomotiven bewährten sich sehr gut, so dass bald weitere fünf Maschinen bestellt und 1965 als 703 bis 707 in Betrieb genommen wurden. Sie waren rund 200'000 CHF teurer als die Vorserienloks.
Lok 701 trug den Namen der römischen Provinz Raetia, der sich bis heute als Synonym für Graubünden erhalten hat, Lok 702 den lateinischen Namen Curia der Kantonshauptstadt Chur. Die restlichen Fahrzeuge 703–707 sind nach grösseren Bündner Gemeinden, welche die Streckenendpunkte am Stammnetz sind, benannt. Neben dem Namen steht auf jeder Lokomotive zusätzlich die Betriebsnummer in weiss sowie das Wappen der Patengemeinde (bei Lok 701 das Kantonswappen).
Technisch sind alle Ge 6/6 II gleich. Die beiden ersten Loks besaßen lediglich schmalere Frontfenster und in der Mitte eine zusätzliche Übergangstüre an den Endführerständen. Später wurden diese Stirntüren verschweißt.