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Aufsatz-Kastenofen für den Kurarzt Dr. Peter Josef Hegglin (1832–1893), Bad Schönbrunn bei Edlibach in Menzingen
Der Aufsatz-Kastenofen mit zwei Schauseiten ist im Stile der Neurenaissance gehalten. Die Frontseite des Aufsatzes ist mit einer Füllkachel geschmückt, auf die in vertiefter Arkade eine beflügelte Frau in antikem Gewand gemalt ist. Sie giesst mit der rechten Hand ein Kännchen aus und hält in der Linken eine Schale. Vorlage für diese allegorische Darstellung der Heilquelle ist ein Stich von 1570 mit der Stadtgöttin von Florenz. Die Schmalseite des Ofens wird durch Füllkacheln, bemalt mit Grotesken, und eine Lisene gegliedert. Den Feuerkasten schmücken weissgrüne Chimären auf blauschwarzem Grund, an der Frontseite unterteilt durch ein Medaillon mit dem Allianzwappen Hegglin-Bossard (Allianz mittels Heirat zwischen Dr. Peter Josef/Joseph Hegglin und Lina Bossard, Lebensdaten unbekannt), an der Schmalseite durch eine Lisene. Den Feuerkasten flankieren reliefierte Hermen, den Aufsatz, mit Putten und Akanthusblättern verzierte Halbsäulen. Löwen und eine Schale mit einer Flamme bekrönen den Ofen.
Der Ofen wurde 1884 vom Hafner Josef Anton Keiser (1859–1923) für den Kurarzt Dr. Peter Josef/Joseph Hegglin (11.01.1832–13.04.1893) geschaffen. Hegglin war der Gründer und erste Besitzer der 1857/1858 gegründeten «Wasserheilanstalt» Bad Schönbrunn (auch unter dem Namen «Kurhaus Bad Schönbrunn» bekannt) bei Edlibach in der Gemeinde Menzingen.
Der Zuger Hafner Josef Anton Keiser (26.08.1859–21.04.1923) erlernte sein Hafnerhandwerk zuerst bei seinem Vater Josef Kaiser (1827–12.03.1890). Nach Aufenthalten in Morges, Besançon und an der Weltausstellung 1878 in Paris folgten Reisen nach Deutschland, Österreich-Ungarn, Rumänien und Südrussland. 1881 bis 1882 und 1884 bildete er sich an der Kunstgewerbeschule in Zürich (Vorgänger-Institution der heutigen Zürcher Hochschule der Künste ZHdK) aus und besuchte dort Kurse im Zeichnen, Malen und Modellieren bei Professor Joseph Regl (01.11.1846–29.03.1911). Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1890 übernahm Josef Anton Keiser das Geschäft der Hafnerei Keiser in Zug. 1894 erfolgte die Heirat mit Elisabeth Meier/Meyer (1864/1866–14.04.1938) aus Winterthur. Sie trat 1885 als Malerin in die Hafnerei Keiser ein und war eine Schülerin des letzten Vertreters der Pfau-Dynastie in Winterthur. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1923 führte sie zusammen mit ihren Kindern Gertrud (geb. 1896) und Karl (geb. 1898) die Hafnerei Keiser unter dem Namen «Josef Keisers Erben» weiter.