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Zu schnell. Bei seiner Vorstellung am Freitag, dem 30. Juni, in Goodwood raste er erstmals an der versammelten Journalistenschar vorbei. Angekündigt war der stärkste Serien- 911er aller Zeiten. Ort der Vorstellung war der Goodwood Circuit, also die Rennstrecke, welche um das Flugfeld herum führt, das der ursprüngliche Grund für die Existenz der Piste ist. Die Familie Gordon-Lennox stellte das Gelände auf ihrem weitläufigen Goodwood-Estate im Zweiten Weltkrieg der RAF zur Verfügung, damit von hier die Flieger-Schwadrone des Vereinigten Königreichs mit ihren Spitfire den Kampf gegen die deutschen Angreifer im «Battle of Britain» aufnehmen konnten. Schnell war klar, dass es ratsam war, die Maschinen möglichst weit voneinander entfernt abzustellen, wollte man nicht riskieren, dass mit einer einzigen Fliegerbombe gleich mehrere Flieger zerstört werden konnten. So hatte jeder Vogel einen eigenen Stellplatz am Rand des Flugplatzareals. Aussen herum aber führte eine unbefestigte Strasse, damit Mechaniker und Piloten im Ernstfall schnell zu den Maschinen gelangen konnten.
Was durchaus einen ernsten Hintergrund hatte, nämlich eine rasante Autofahrt zu den einzelnen Flugzeugen, war während der Zeiten, in denen man auf einen Einsatz wartete, ein beliebter Sport: Das Flugplatzpersonal fuhr auf der Ringstrasse Rennen mit ihren MG, Riley, Singer oder auch profanen Austin Seven. Nach dem Krieg, die Deutschen waren auf der ganzen Linie geschlagen, wurde die Strasse ausgebaut und in eine Rennstrecke verwandelt.
2017 aber zeigte sich, dass die Deutschen längst zurück sind – und wie! In einem durchaus friedlichen Miteinander präsentierten alle namhaften Autobauer ihre Flaggschiffe auf dem nur 1.8 Meilen langen Strässchen, auf dem das «Festival of Speed» abgewickelt wird – NICHT auf der Rennstrecke! (Dafür gibt es das Goodwood Revival jeweils Mitte September.) Es führt direkt am stattlichen Goodwood House vorbei, quasi durch den Vorgarten des Earl of March and Kinrara, mit bürgerlichem Namen Charles Gordon-Lennox, Initiant und Organisator des Festivals of Speed.
Ruhe vor dem Sturm
Es war fast befremdend ruhig, drüben auf dem Circuit. Eine uralte Römerstrasse trennt die Rennstrecke vom Festgelände des Festival of Speed und dem Anwesen ihrer Lordschaft .
Dann fuhr er ein, gesteuert von keinem Geringeren als dem ehemaligen Formel-1-Rennfahrer Mark Webber, der neue GT2 RS.
Brav steuerte der Australier den Wagen aufs Podest und stellte den Motor ab. Wars das? Nicht ganz. Denn wie bereits erwähnt, konzentriert sich das Festival of Speed auf die andere Hälfte des Goodwood-Anwesens. Und guter Gott, wie anders sollte sich am folgenden Morgen die Szenerie dort drüben, «ennet der Strasse», präsentieren …
Porsche up the Hill
Ein Hill, ein Hügel, ist auf dem relativ flachen Anwesen in Goodwood kaum auszumachen. Dennoch, die erste Kurve der Strecke nennt sich genau so: «Hill» – ein perfekter Platz, um die gesamte Automobilgeschichte, welche in Goodwood teilweise sehr flott bewegt wird, die an einem vorüberzieht, zu betrachten. Umso besser, dass Porsche genau hier seine eigene Lounge mit Besucherveranda platzieren durfte. Für Porsche eine alleweil lohnende Sache, starteten doch Zuffenhausener Boliden in vielerlei Starterfeldern. Ein Porsche 911 Turbo S setzte gar mit einer Zeit von 53.31 Sekunden die drittbeste Marke bei den Supercars. Der Wagen leistet 607 PS und erreichte diese Zeit gegen die Kontrahenten mit mehr als der doppelten Leistung, darum Respekt. Nun, der 911 GT2 RS hätte nicht nur mehr Leistung (700 PS), er wäre auch leichter. In punkto Leistungsgewicht steht es 2.1 kg/PS für den RS2 gegen 2.6 kg/PS für den Turbo S. Man durfte also gespannt sein. Trotzdem, der GT2 RS taucht nicht in der Liste der Schnellsten von Goodwood auf. Wir interpretieren dies als vornehme Zurückhaltung, während des Laufes drehte man nämlich lieber eine Extraschlaufe direkt vor Lord Marchs Haus, schlechte Voraussetzung für eine Spitzenzeit. Somit bleibt die Kernfrage offen, was der «Neue» tatsächlich geschafft hätte. Schade eigentlich, bei fast vollständig versammelter Gegnerschaft, die es im allgemeinen Betrieb teilweise gehörig fliegen liess.
Aber wer weiss, vielleicht kehrt der Kraft-911er 2018 nach Goodwood zurück und wird es dann den anderen Supersportwagen zeigen, denen der Briten, Japaner, Italiener und – den anderen Deutschen, diesen ehemaligen Verlierern, damals in ihren Messerschmitt-, Heinkel- und Focke-Wulf-Kampfflugzeugen, damals, bei der Luftschlacht um England.
Schnellster Supersportwagen am «FOS 2017» war übrigens der Audi R8 Coupé – mit genau 51 Sekunden.