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Herr Shaw, Sie haben vier Jahre als Senior Executive Assistant für den CEO der Bill & Melinda Gates Stiftung gearbeitet. Was war Ihre Rolle und was hat Ihnen am meisten Spass gemacht?
Meine Aufgabe war allumfassend: die täglichen Besprechungen organisieren, die entsprechenden Unterlagen zusammenstellen, Terminanfragen prüfen und beantworten bis hin nationalen und internationalen Reiseplanung. Was mir am meisten gefiel, war die Möglichkeit, nicht nur einen Bereich der Stiftung zu sehen, sondern einen Überblick über die gesamte Organisation zu bekommen und den vollen Umfang ihrer Arbeit zu sehen. Wenn ich auf meine Karriere zurückblicke, ist es diese Rolle, die mich am meisten geprägt hat. Die Arbeit, die die Stiftung weltweit leistet, ist phänomenal und ich konnte aus erster Hand miterleben, was passiert, wenn eine Gruppe engagierter Personen zusammenkommt, um die Welt zu verändern.
Erzählen Sie uns mehr über die Stiftung und welchen Einfluss diese Rolle auf Sie hatte.
Eine Sache, die ich persönlich von Dr. Sue Desmond-Hellmann, CEO der Stiftung gelernt habe, ist, dass wir uns immer fragen sollen «Was wäre wenn?» Diese einfachen Worte können zu sehr tiefgründigen Antworten führen. Ich kann Ihren Lesern nur empfehlen diese Frage auf alles anzuwenden, was ihr Leben positiv oder negativ beeinflusst. Ich persönlich habe festgestellt, dass ich offenere und ehrlichere Gespräche führte, nachdem ich mir diese Frage stellte. Durch solche Unterhaltungen, die Sie in Ihrem persönlichen und beruflichen Netzwerk führen, lernen Sie sich wirklich kennen und können weiter wachsen.
Welche Erinnerungen können Sie hinsichtlich Ihrer Tätigkeit für die inspirierenden Vorbilder Bill und Melinda Gates teilen?
Bill und Melina sind zwei der freundlichsten und grosszügigsten Menschen, die mir je begegnet sind. Ich habe beide und Sue Desmond-Hellmann immer als Botschafter der Welt betrachtet; sie inspirieren ihre Mitarbeiter wirklich dazu, in allen Aspekten des Lebens das Beste zu geben.
Am Gebäude der Gates Stiftung ist folgendes Zitat angebracht «Alle Leben haben den gleichen Wert». Einer der Arbeitsbereiche der Stiftung ist es, dazu beizutragen, dass alle Menschen ein gesundes, produktives Leben führen können. Die Arbeit, die sie in den Entwicklungsländern leisten inspiriert mit im Besonderen. Sie konzentriert sich darauf, die Gesundheit der Menschen zu verbessern und ihnen eine Gelegenheit zu geben, sich aus Hunger und extremer Armut zu befreien. William Gates Sr., Bills Vater fasste es einfach so zusammen: «Globale Armut ist eine humanitäre Frage. Menschen sterben, und wir können sie retten; das sollte ausreichen.»
Sie haben zuvor mit anderen Prominenten gearbeitet. Wie unterscheidet sich eine solche Arbeit von der Arbeit für einen beliebigen CEO?
Alle Rollen glichen sich in einigen Aspekten, waren in anderen Aspekten jedoch ganz unterschiedlich, zum Beispiel: Wenn man für einen hochkarätigen CEO arbeiten, dann ist das ein kompletter Balance-Akt und man muss zehnmal so wachsam sein wie in einem anderen Geschäftsleitungsbüro bei einem anderen Unternehmen (besonders, wenn es darum geht, deren Büro effizient zu managen). Es ist eine Arbeit unter Hochdruck und nichts für ängstliche Naturen. Ich hab immer mein Bestes getan und versucht, den Menschen, die etwas von meinem Vorgesetzten wollten, die besten Absichten zu unterstellen; gleichzeitig musste ich auf der Hut und ein Wachhund sein, dabei jedoch stets entgegenkommend sein und die richtigen Fragen stellen.
Was würden Sie anderen Männern raten, die mit dem Gedanken spielen, Assistent zu werden?
Männer, die diese Rolle anstreben, sollten allen Frauen danke sagen, die den Weg in dieses faszinierende Feld geebnet haben. Meine erste Chance in der Unterhaltungsbranche und der erste Job nach der Schule wurde mir von einer Frau gegeben, die an mich glaubte. Dieser entscheidende Moment war für mich der Beginn einer Karriere, auf die ich nach 25 Jahren zurückblicke und sage: «Wow, ich habe so viel erreicht und gesehen.»
Mit welchen Herausforderungen wurden Sie in der Branche konfrontiert?
In den ersten zehn10 Jahren meiner Karriere erfuhr ich sehr viele negative Reaktionen von den Menschen besonders von anderen Männern in der Country-Music- und Unterhaltungsbranche. Sie hatten sehr engstirnige Ansichten. Während dieser Phase wurde ich offen diskriminiert, weil ich ein Mann und schwul war. Ich sass einmal in einem Vorstellungsgespräch bei einer bekannten Talentagentur mit einem Manager und einem Mitarbeiter der Personalabteilung und mir wurde gesagt: «Wir würden Sie ja gerne als Assistent einstellen, aber Sie sind ein Mann und Sie sind schwul. Sie sollten Ihre sexuelle Orientierung für sich behalten.»
Wie haben Sie darauf reagiert?
Ich stand auf, dankte ihnen höflich für ihre Zeit und sagte: «Es gibt wohl beim Unternehmen kein Problem, sondern Sie sind diejenigen mit dem Problem. Es ist besorgniserregend, dass Sie Ihr Unternehmen so vertreten.» Dann drehte ich mich um und ging. Ich teile diese Geschichte, um den Lesern zu zeigen, dass wir als Männer diesen Hürden begegnen. Wie wir uns in solchen Momenten verhalten, sagt viel darüber aus, wer wir sind. Ich denke, dass Unternehmen sich insbesondere in den USA sich in den vergangenen Jahren in dieser Frage weiterentwickelt haben und dass das Stigma, das einst einer männlichen Assistenz anhaftete, dramatisch abnimmt. Wir kommen voran. In Grossbritannien leistet Victoria Darragh, CEO und Gründerin der EPAA, mit der von ihr angeführten Kampagne «Not Just a Girls Job» tolle Arbeit. Ich hoffe, dass ich bald eingeladen werde, dabei mitzuwirken.
Sie sind kürzlich mit Ihrem Mann und Ihren Hunden aus dem Westen der USA nach Atlanta gezogen…
Ja! Es ist gerade eine sehr aufregende Phase in meinem Leben. Der Umzug nach Atlanta fühlt sich an wie eine Heimkehr. Unsere beiden erwachsenen Kinder (Jacob und Joshua) leben beide in Atlanta; in dieser Stadt habe ich meinen Mann Greg vor 15 Jahren kennengelernt. Hier haben wir unser erstes Haus gekauft – das uns immer noch gehört. Vor einer Woche hat mein Mann etwas gesagt, das dies perfekt zusammenfasst: «Wir haben in Eigentumswohnungen in der Stadt und in Reihenhäusern in der Vorstadt gewohnt, aber nichts ist unserem ersten Haus nahe gekommen. Wir sind in diesem Haus zusammengewachsen, haben unsere Kinder grossgezogen und unvergängliche Erinnerungen mit den besten Nachbarn geschaffen!! Egal, wohin uns das Leben verschlägt – dies wird immer unser Zuhause sein.»
Ausserdem haben Sie gerade ein eigenes Unternehmen gegründet.
Ich hatte immer mit Gedanken gespielt, mein eigenes virtuelles Assistenz-Unternehmen zu gründen und bin dabei immer durch Familie und Freunde ermutigt worden. Dabei waren Mann und die Kinder die grösste persönliche Inspiration. Mein Mann ging mit 36 Jahren zurück an die Universität, um zu promovieren – das war vor zehn Jahren. Und unsere Kinder sind beide sehr erfolgreich: Unser Ältester hat einen Abschluss in Theologie und ist tief in seinem Glauben an das Leben und an andere Menschen verwurzelt, während unser jüngster Sohn noch im College ist, aber einer der feurigsten Verfechter der Menschenrechte ist, den man je treffen kann. Als ich mit früheren Kollegen darüber sprach, mich selbstständig zu machen, liess ich mich fast von der Angst vor dem Unbekannten aufhalten. Dann musste ich meinen eigenen Rat befolgen und wagemutig sein. Die überwältigende Hilfsbereitschaft meiner Freunde haben mir geholfen, einige Vollzeit-Kunden zu gewinnen und ich gehe davon aus, dass die Liste länger wird, während das Unternehmen wächst.
Stellen Sie sich vor, Sie sind in Rente und sitzen in Ihrem Schaukelstuhl. Worauf möchten Sie zurückblicken und was möchten Sie sagen können?
Dass ich freundlich und grosszügig war; dass ich mein Bestes gab, um die Welt zu einem besseren Platz zu machen und dass ich die Träume anderer Menschen unterstützte.
John Shaw
John Shaw spricht auf Konferenzen für Assistenzen. Er kann unter <email-pii> gebucht werden.
Ausser Dienst
Heisse Schokolade oder Kaffee?
Schwarzer Kaffee bis zum Anschlag!
Lieblingsessen?
Spaghetti und Fleischbällchen aus meinem Lieblingsrestaurant in Seattle namens Tavolata.
Frühaufsteher oder ausschlafen?
Frühaufsteher (und das bringt meinen Mann zur Weissglut)
Alexa oder Siri?
Beide! Alexa zu Hause und Siri im Auto
Netflix oder Kino?
Kino
Das letzte Buch, das Sie gelesen haben?
«Lets take the long way home» von Gail Caldwell. Es ist ein Buch, das die Dinge, die wichtig sind, ins rechte Licht rückt.