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«Von Weiden überhangen/ und rankem Schilf umsäumt,/ hat ihn des Himmels Prangen/ mit Zauber überschäumt.» So lautet eine Strophe aus dem Gedicht «Abend am Weiher» von Hermann Koch. Der gebürtige Bayer (Jahrgang 1871) und gelernte Holzbildhauer arbeite ab 1893 in Wil in der Werkstatt von Karl Glauner senior. Später wechselte er in die Firma Marmon und Blank. Seine kreative Begabung schlug sich auch in zahlreichen Gedichten und Novellen nieder, die heute im Stadtarchiv Wil lagern. Koch verstarb im Jahr 1935.
«Nichts scheint in der Welt mir prächtig,/ Nirgends find 'ich meine Ruh';/ Immer wieder zieht es mächtig/ Mich der lieben Heimat zu.
Nach den Hügeln und den Hängen,/ Wo beim Abendsonnenstrahl/ Jubelnd und mit Glockenklängen/ Hirt und Herde zieh'n ins Tal.»
Mit diesen und nachfolgenden Versen drückte Pankraz Weber seine Sehnsucht nach dem Toggenburg aus. Er war in Hemberg heimatberechtigt. Weber kam im Jahr 1872 in Wil zur Welt. Seine Schulzeit absolvierte er in Wilen, wohin die Familie gezogen war. Im Anschluss arbeitete er in der Stickereiindustrie, liess sich schliesslich in Niederglatt ZH nieder, wo er einen Bauernbetrieb mit Imkerei bewirtschaftete. Nach einigen Jahren zog er wieder in die Region. Er fand eine Arbeitsstelle als Bezirksamtsweibel in Münchwilen. Weber verstarb im Jahr 1956.
Lehrer und Lyriker
Ein weiterer Poet, Adolf Kessler, wurde im Jahr 1856 in Wil geboren, wo er auch auswuchs. Nach dem Besuch des Lehrerseminars hatte er Stellen an Toggenburger Schulen inne. Ab dem Jahr 1880 unterrichte er in seiner Heimatstadt. Er war ein produktiver Schriftsteller und Poet. Verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Jahreskalender publizierten seine literarischen Werke. Kessler verstarb im Jahr 1922.
«Freundlich sticken die Scheiben/ abends Lichter ins Land./ Langsam erstirbt das Treiben./ Sehnsucht nimmt überhand./ Hinter felsigen Kanten steigt Orion empor,/ fügend die Sterndiamanten/ zum kristallenen Tor.»
Diese Zeilen dichtete Paul Lengg, in Wil besser als «Chindlipfarrer» bekannt. Diesen Übernahmen bekam er, weil er Generationen von Kindern auf die Heilige Kommunion und die Firmung vorbereitete. Der im Jahr 1914 in Oberbüren geborene Geistliche wirkte von 1951 bis 1986 in Wil. Zeitgenossen beschreiben ihn als angenehmen und humorvollen Menschen. Im Jahr 1998 erschien ein Büchlein mit Gedichten von ihm, die die Zuneigung zu seiner Heimatregion ausdrücken. Im Jahr 2006 ist er gestorben.
Sehbehinderter Lyriker
«So will es die Sonne!/ Auch nach uns wird Leben sein,/ nach tiefstem Winter des Atoms./ Bevölkert wird unser Planet,/ wiedergeboren Liebe und Kampf./ Sie wird in anderen Sprachen singen,/ die tausendste Menschheit,/ und wieder untergehen am selben Übermut/ doch dies will die Sonne nicht.»
Peter-Christoph Hässig hat die obigen Zeilen verfasst. Der im Jahr 1947 Geborene war der Sohn des Musikdirektors Josef Hässig, Komponist des Wiler Liedes. Hässig junior arbeitete in seinem Brotberuf als Physiotherapeut. In seiner Freizeit war der Sehbehinderte vielfältig aktiv, er nahm eigene Hörspiele auf, übte Behinderten-Leistungssport aus, interessierte sich für Musikgeschichte, Psychologie und für Philosophie. Zudem war Lyrik seine grosse Leidenschaft. Er gehörte zu den Mitbegründern der Gruppe der «Wiler Poeten». Ab dem Jahr 1978 wohnte er in Uzwil wo er eine eigene Physiotherapiepraxis führte. Er starb im Jahr 2013.
Poesie als Performence
«Der Himmel hängt/ Voller Gedichte/ Ich habe sie/ Für dich aufgehängt/Du wartest nur/Auf den nächsten Regen»
Der Autor dieser Zeilen ist der 1963 geborene René Oberholzer, der in Wil als Sekundarlehrer tätig ist. Er hat die «Autorengruppe Ohrenhöhe» mitbegründet. René Oberholzer versteht sich nicht nur als Autor und Lyriker, er ist auch Performer. Die Stadt Wil zeichnete ihn 2001 mit dem Kulturanerkennungspreis für sein umfangreiches literarisches Schaffen aus.
Wiler Lyrikergemeinschaft
Zu einer Übersicht über das historische und aktuelle lyrische Schaffen in Wil gehört auch der Hinweis auf die Autorengruppe «Wiler Poeten», deren Mitglieder in Wil, zum Teil in der Region leben: Cornelia Kliesch, Danielle Baumgartner Knechtli, Christoph Siegerist, Brigitta Bommer, Katharina Frei, Christoph Sutter, Beda Victor Camenzind, Therese Solèr, Irène Häne-Ebneter.