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Bild: Wohnhaus des Bankiers Johann Jakob Speiser von 1845 am Marktplatz, gleichzeitig Domizil der von ihm mitgegründeten «Bank in Basel», deren Direktor er war.
Zu den wichtigen Reformen im Zuge der Gründung des schweizerisches Bundesstaats im Jahr 1848 gehörte auch die Vereinheitlichung des Münzwesens und die Schaffung des Schweizer Frankens.
Das Münzwesen der Schweiz vor 1848 wurde schon von den Zeitgenossen selbst als Münzwirrwarr oder Münzchaos bezeichnet. Die Schweiz kannte damals noch 79 prägeberechtigte Münzherren, darunter 23 Kantone und Halbkantone, 16 Städte, 15 weltliche und 21 geistliche Münzherren. Im Umlauf waren aber nicht nur Schweizer, sondern auch zahlreiche ausländische Münzen, vor allem bei den werthaltigen Gold- und Silbermünzen, wogegen Kleingeldmünzen typischerweise inländische Münzen waren. Nicht nur die ausländischen, auch die landeseigenen Münzen waren nicht einheitlich, sondern unterschieden sich nach Region oder Kanton. Auch wo sie gleiche Namen trugen, wichen sie teils im Metallgehalt ab.
In den Kantonen der Westschweiz sowie in Solothurn, Bern und Basel war man zwar schon zu einem Dezimalsystem nach französischem Vorbild übergegangen. In den übrigen Kantonen bestanden jedoch noch alte, nicht-dezimale Münzsysteme, die meisten auf dem Gulden basierend.
Die Gulden wie auch deren Stückelung waren aber nicht einheitlich. So wurde zum Beispiel der Zürchergulden zu 40 Schillingen gerechnet, der Bündnergulden zu 70 Bluzgern oder 60 Kreuzern oder zu 15 Batzen zu 4 Kreuzern.
«Die Geschichte des Schweizer Frankens beginnt in Basel.» Jean-Nicolas Fahrenberg, Geschäftsleitung, Partner
Der Münzwirrwarr hatte schon seit langem zum Ruf nach einer Vereinheitlichung geführt. Mit der Bundesverfassung von 1848 erhielt nun der Bund allein das Recht zur Münzprägung. Für die Durchführung der Reform berief der Bundesrat den Basler Bankier Johann Jakob Speiser als Experten.
Nach welchem System aber sollte die Vereinheitlichung stattfinden? Zur Diskussion standen konkret der Franken nach französischem Vorbild oder der Gulden, die Währung des benachbarten Süddeutschland. In seinem Expertenbericht sprach sich Speiser klar für die Schaffung eines Schweizer Frankens gemäss französischem Vorbild aus.
In der darauf folgenden hitzigen Debatte machte sich vor allem der Zürcher Bankier Leonhard Pestalozzi für den süddeutschen Gulden-Münzfuss stark. Im Parlament siegte jedoch letztlich der Vorschlag Speisers.
Damit war Speisers Arbeit aber noch nicht zu Ende, vielmehr war er weiter direkt in die Umsetzung der Reform involviert. Für Speiser kam angesichts der für den Umtausch erforderlichen riesigen Zahl an Münzen nur eine Auftrags-Herstellung im Ausland in Frage (die Eröffnung einer eigenen eidgenössischen Münzstätte erfolgte erst 1855). Speiser oblag die Ausschreibung, die Evaluation der Offerten und die Verhandlung der definitiven Verträge.
Die Herstellung der neuen Münzen wurde auf drei verschiedene Prägestätten aufgeteilt: Paris, Strassburg und Brüssel.
Geprägt wurden Münzen zu 5, 2, 1 und ½ Franken in Silber, Münzen zu 20, 10 und 5 Rappen in Billon (Legierung mit geringem Silberanteil), Münzen zu 2 und 1 Rappen in Kupfer.
Der Umtausch startete am 1. August 1851 in Genf und vollzog sich über die folgenden etwas mehr als 12 Monate Kanton um Kanton von Südwesten nach Nordosten.
Die Schweiz hatte damit ihre Einheitswährung, die bis heute Bestand hat.
*Paul Huber, Jahrgang 1950, Wirtschaftshistoriker mit langjähriger Berufserfahrung im Finanzbereich (www.paulhuber.ch).
Jean-Nicolas Fahrenberg, 15. April 2024