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TRUK: Techniker und Künstler
Das BirsMagazin war zu Gast beim Karikaturisten Kurt Aeberli. Sein Archiv soll einige tausend Zeichnungen umfassen. Wir haben viele Ordner durchgeblättert und in der Küche die Vitrine mit den Flugzeugmodellen gesehen.
Kurt Aeberli erinnert sich, dass er als Bub jeden Samstag auf dem Flugplatz Sternenfeld in Birsfelden stand und zusah, wie die Flugzeuge starteten und landeten. Sternenfeld, das sei nebenbei erwähnt, war der erste Basler Flugplatz. Er wurde 1920 eröffnet und 1950 geschlossen. Ganz besonders beeindruckt war Kurt, als plötzlich ein Flugzeug ohne Propeller auftauchte, das Düsenflugzeug mit dem grusligen Namen Vampire. – Und der kleine Kurt tat noch etwas anderes, nicht Alltägliches: Er sammelte Fotos von Chruschtschow, Mao, De Gaulle, Furgler und Ritschard. Und er zeichnete die Konterfeis der markanten Politiker auf Zeitungsränder und auf «Zuckergugge».
Das erste Hobby, das Interesse an Fliegerei und Technik, führte dazu, dass Aeberli Polymechaniker lernte, sich zum Konstrukteur weiterbildete und ein Leben lang als Projektleiter bei den Industriellen Werken Basel (IWB) arbeitete. Fast wurde er auch Militärflieger. Leider bestand er den letzten psychologischen Test nicht und wurde dem Bodenpersonal zugeteilt. Das zweite Hobby, das Zeichnen und Malen, führte dazu, dass Aeberli Künstler und Karikaturist wurde.
TRUK regional
Um den Karikaturisten Kurt Aeberli soll es in diesem Artikel gehen. Er orientierte sich an grossen französischen Vorbildern: BOSC, ChavaL, Sempé. Er zeichnete Karikaturen mit internationalen und nationalen Politikern (Politikerinnen gab es damals kaum), keine Lokalpolitiker, immer «ohne Worte». Und er gab sich einen Künstlernamen: TRUK, sein Vorname von rechts nach links gelesen.
Aeberli erinnert sich noch genau, wie er einst als junger Mann in den Sommerferien auf einem Felsen in Spanien sass und beschloss, dass seine Karikaturen nun gut genug seien, um publiziert zu werden. Er hatte keine Ahnung, wie er das anstellen sollte. Zuerst schickte er Muster an eine Werbeagentur und erhielt nie eine Antwort. Dann meldete er sich beim damaligen Chefredaktor der Basler Nachrichten, bei Oskar Reck. Der forderte ihn auf, mit Beispielen in der dienstäglichen Redaktionssitzung zu erscheinen. TRUK erschien und Reck befand: «Wir können Sie brauchen. Bringen Sie jede Woche eine Karikatur zu einem aussenpolitischen Thema!» TRUK tat, wie ihm geheissen, und bald musste er sechs Zeichnungen pro Woche bringen, zur Innenpolitik, zur Wirtschaft und zur Kultur.
TRUK national
Als die «Basler Nachrichten» 1977 mit der «National-Zeitung» zur «Basler Zeitung» fusioniert wurde, wurde es kurzfristig eng in der Basler Karikaturistenszene. Aber die Redaktoren der «Basler Nachrichten» begannen bei anderen Blättern zu arbeiten, einer ging zu den Zürich-Versicherungen, einer zur RUAG, und alle wollten Zeichnungen von TRUK.
Er war an Gemeinschaftsausstellungen beteiligt mit den Karikaturisten Hans Geisen, Jürg Spahr (Jüsp), Jürgen von Thomeï und Christoph Gloor. Als Jüsp angefragt wurde, ob er für die «Coopzeitung» zeichnen wolle, musste er absagen, weil er schon den «Brückenbauer» der Migros bediente. Er schlug Aeberli vor und so wurde TRUK Hauszeichner der Coopzeitung. Er zeichnete zwanzig Jahre lang für die «Coopzeitung», für «Coopération» und «Cooperazione». Da alle seine Zeichnungen «ohne Worte» auskamen, gab es auch kein Sprachproblem. Damit wurde er endgültig in der ganzen Schweiz bekannt.
Ein anderer Bekannter von TRUK, ein Grafiker, wanderte nach New York aus und teilte Aeberli mit, dass die New York Times (NYT) einen Karikaturisten suche. Aeberli reiste nach New York und besuchte die NYT. Die Redaktion war sehr interessiert. Leider wurde aber nichts aus der Zusammenarbeit, weil TRUKs Zeichnungen zu jener Zeit, jenseits des Atlantik angekommen, schon Schnee von gestern gewesen wären. Aber in der Schweiz wirkte er weiter: Er wurde im Bundeshaus empfangen und erhielt Dankesschreiben von den Bundesräten Otto Stich und Flavio Cotti.
Heute bestellen viele Leute Zeichnungen für Geburtstage bei TRUK, und würde bei den IWB jemand ohne TRUK-Karrikatur pensioniert, wäre er sehr enttäuscht.
Nun zeichnet Kurt Aeberli auch für das BirsMagazin. Die erste Zeichnung finden Sie auf Seite 66.
Text: Jürg Seiberth, Bilder: zVg