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Projekt
Gegenwärtig stelle ich eine intellektuelle und literarische Geschichte der Komplexität zusammen. Die jüngsten Entwicklungen, insbesondere in den Wissenschaften, haben uns gelehrt, die irreduziblen Komplexitäten von Systemen wie Finanzmärkten, neurologischen Funktionen oder urbanen sozialen Interaktionen zu respektieren. Anstatt sich gesetzmässig zu verhalten, entstehen Muster in solchen Systemen aus dem Zusammenspiel vieler Einzelkomponenten. Sie sind das, was wir „komplex“ nennen. Und weil sie aus vielen, untergeordneten Beziehungen entstehen, können sie nicht einfach gedacht werden; sie müssen durch Materie, Metapher, Bild oder mathematische Formeln modelliert werden. Dieses Konzept und dieser Ansatz interessieren mich.
In der heutigen Zeit begegnen wir komplexen Systemen vor allem mit computergestützter Analyse. Doch Komplexität hat im frühmodernen Europa, wo die Grundbegriffe der komplexen Systeme sich als Teil eines starken und lebendigen Diskurses bereits herauskristallisiert hatten, eine wichtige Rolle gespielt. Konzepte wie „Information“ oder „Emergenz“ wurden bereits mit überraschendem Selbstvertrauen eingesetzt. Wie sähe also eine längere Geschichte des Komplexitäts-Konzeptes aus? Wo können wir in der frühen Neuzeit Experimente finden, die versuchen, die Irreduzibilität natürlicher Systeme zu fassen? Wie sah Komplexität vor dem modernen Mikrocomputer aus?
Modeling Complexity versucht diese Fragen zu beantworten, indem es die Künste und empirischen Wissenschaften der Aufklärung als verschiedene Formen der Modellierung behandelt. Natürlich sind die Techniken in der Aufklärung weit entfernt von denen computergestützter Analyse! Doch Experimente in einer Handwerkswerkstatt oder in langen Prosaformen wie dem Roman bekunden bereits ein grundlegendes Interesse, die Konturen komplexer Netzwerke zu beherrschen. Dies ist also die Aufgabe von Modeling Complexity: in den Künsten der Neuzeit eine zunehmende Wertschätzung für die Irreduzibilität natürlicher Systeme zu entdecken. Meine Arbeit möchte deshalb eine revisionistische Geschichte des 18. Jahrhunderts anbieten, die in einzigartiger Weise den modernen Moment anspricht; sie möchte die erste ernsthafte, selbstbewusste Begegnung mit der Komplexität in die britische und europäische Aufklärung verlagern.