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Aber weiter östlich liegt ein beinahe intaktes nuklear-betriebenes U-Boot, die K-27, auf dem Grund der Kara-See und sein hoch angereicherter Brennstoff, nämlich Uranstäbe, sind eine potentielle Zeitbombe. Im Sommer 2013 möchten die russischen Behörden nun sehen, ob die K-27 sicher geborgen werden kann. Die Uranbrennstäbe liegen noch im «Versiegelten» Inneren des Reaktors. Sie planen auch weitere zahlreiche Nuklearabfalldeponien in der Kara-See zu inspizieren, da dort der russische Energiekonzern Rosneft mit seinem US-Partner Exxon Mobil nach Gas und Öl suchen möchten. Seismische Tests wurden bereits durchgeführt und die ersten Probebohrungen könnten bereits im nächsten Jahr beginnen. Daher möchte Russland keine radioaktive Bedrohung, welche diese Pläne überschatten könnte. Denn es geht um viel: Rosneft schätzt, dass die vor der Küste liegenden fossilen Reserven rund 21.5 Milliarden Tonnen umfassen. In einer Erklärung an BBC sagte Exxon Mobil, dass vor einer Offshore-Bohrung «es in der Branche üblich ist, extensive Untersuchungen auf und unter dem Meeresboden durchzuführen», um nach möglichen Risiken zu suchen. Dabei werden Techniken wie Fernecholotung und ein Magnetometer benutzt. Weiter sagte Exxon, Rosneft habe auch eine Untersuchung, die sich mit dem Nuklearabfall in der Kara-See befasst, durchgeführt. Die beiden Firmen seien «zuversichtlich, dass wir sicher in der Kara-See bohren können und Gefahren durch radioaktives Material auf dem Meeresboden vermeiden können.»
Die Kara-See ist eine abgelegene, wenig besiedelte und eisige Region im Norden Russlands und die meiste Zeit des Jahres zugefroren. Das unwirtliche Klima würde Aufräumarbeiten nach einer möglichen grossen Ölpest zu einer riesigen Herausforderung machen, befürchten Umweltschützer. Diese Befürchtungen wurden vor kurzem durch das Kulluk-Unglück, einer zu Shell gehörenden Ölplattform, die in Alaska auf Grund lief, weiter genährt. Aber Charles Emmerson, ein Arktis-Spezialist der renommierten Chatham House Expertenkommission, sagt, dass Bohrungen in der Arktis von «grösster strategischer Bedeutung» für Russland sei, da es stark von Öl- und Gasexporten abhängig ist. Es habe grössere Priorität in Russland als die Energiegewinnung in Alaska für die USA, meint er, da die USA nun genügend Nachschub durch Schiefergas hätten. Dies und die Umweltschutzbedenken würden die Arktis für die USA weit problematischer machen, meint Emmerson weiter. «In den USA steht die Arktis unter dem prüfenden Blick der Öffentlichkeit und alles ist politisch höchst politisch. Aber in Russland ist dieser Druck viel geringer:» Russland investiert zur Zeit rasend schnell in die Entwicklung der Yamal-Halbinsel am östlichen Ufer der Kara-See. Der Rückzug des arktischen Meereises, was als Beweis für die globale Erwärmung betrachtet wird, erlaubt es nun, Flüssiggas-Tankern, den Fernen Osten in Zukunft wieder via Russlands Nord-Route zu erreichen.
Die westliche Seite der Kara-See, der Nowaja Zemlya-Archipel, ist immer noch militärisches Sperrgebiet. Hier hatte die UdSSR ihr Wasserstoffbomben-Testgelände, zuerst noch oberirdisch, später unterirdisch. Hier liegt auch die K-27. Neben diesem U-Boot belegen offizielle Zahlen auch, dass die militärische Führung hier auch riesige Mengen an Nuklearabfällen entsorgt hatte: 17'000 Container und 19 Schiffe mit radioaktiven Abfällen und 14 Kernreaktoren, von denen 5 noch mit gefährlichen abgebrannten Kernstäben versetzt sind. Daneben wurden schwach radioaktive Flüssigkeiten einfach ins Meer gekippt. Norwegische Experten und die IAEA (Internationale Atomenergiebehörde) sind zurzeit zufrieden, dass es keine Hinweise gibt auf ein oder mehrere Leck - die radioaktiven Isotopenwerte in der Kara-See sind normal. Aber Ingar Amundsen, ein Mitarbeiter der norwegischen Strahlenschutzbehörde (NRPA), sagt, dass weitere Kontrollen nötig seien. Das Risiko eines Lecks aufgrund von Korrosion durch das Salzwasser hänge wie ein Damokles-Schwert über dem Ganzen - und das wäre im Falle der K27 besonders schwerwiegend, sagte er. «Man kann nicht die Möglichkeit ausschliessen, dass da unten noch mehr Abfall liegt, von dem wir gar nichts wissen», meinte er. Igor Kudrik von der norwegischen Umweltgruppe Bellona sagte, dass es sogar das Risiko gebe, dass durch die Korrosion im schlechtesten Fall eine nukleare Kettenreaktion ausgelöst werden könnte.
Mit internationaler Hilfe gelang es Russland, das Wrack des U-Bootes «Kursk» zu bergen, nachdem es in der Barents-See während einer Übungsfahrt im Jahr 2000 gesunken war. Eine Torpedo-Explosion und ein Feuer kostete damals 118 Seeleute das Leben. Die russische Marine geriet wegen ihrer schleppenden Hilfe stark unter Kritik. Aber ein weiteres gesunkenes U-Boot, die K-159, liegt immer noch in internationalen Gewässern auf dem Grund der Barents-See. Und in der Norwegischen See liegt die K-278 Komsomolets seit 1989 inklusive atomare Brennstäbe und Sprengköpfe, zu tief aber für eine Bergung. Ingar Amundsen meint, dass Russland endlich dem Problem der Nuklearabfälle die dringend notwendige Aufmerksamkeit gewähren würde und «wir sind sehr glücklich, dass sie sich jetzt darauf konzentrieren». Die K-27 war ein Versuchs-U-Boot, das erste der sowjetischen Marine, welches von zwei Reaktoren angetrieben wurde. Das Unglück ereignete sich 1968 während Reparaturarbeiten, als radioaktive Gase aus einem der Reaktoren entwichen und Besatzungsmitglieder vergifteten. Neun Seeleute starben durch Strahlenkrankheit. Die Marine versuchte vergeblich die K-27 zu reparieren und versenkte das U-Boot 1982 illegal vor Nowaja Zemlya. Das sowjetische Militär behielt das Unglück für Jahrzehnte unter Verschluss. Das Boot liegt nur rund 30 Meter unter der Oberfläche im Stepovogo-Fjord, obwohl internationale Richtlinien verfügen, dass ausgemusterte Schiffe mindestens in 3'000 Meter Tiefe versenkt werden müssen. Letzten September hat ein gemeinsames Norwegisch-Russisch Expedition mit Hilfe eines ROV (ferngesteuerten Unterwassergefährt) und einer Kamera das Wrack untersucht. Einige weitere Nuklearabfalldeponien wurden auch untersucht und es wurden keine Anzeichen für Lecks gefunden, aber die Untersuchungen dauern noch an.
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