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Pfirsich: Spieglein, welche Frucht ist die schönste?
Ein praller, samthäutiger Pfirsich gilt als Sinnbild des Weiblichen. Kein Wunder, widmete der grosse Koch Auguste Escoffier sein «Pêche Melba» der Opernsängerin Nellie Melba.
Nellie Melba sang auf den ganz grossen Bühnen dieser Welt: Mailänder Scala, Metropolitan Opera in New York und immer wieder im Londoner Covent Garden. Zu ihrer Zeit, also um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, galt sie als erste Primadonna überhaupt. Das haben nicht nur ihre männlichen Fans so gesehen, sondern auch das britische Königshaus. 1918 wurde Nellie Melba, die eigentlich Helen Porter Armstrong hiess, in den britischen Adelsstand gehoben.
Ein Herr allerdings hat besonders grosse Stücke auf sie gehalten: der gros-se Koch Auguste Escoffier (1846–1935). Er war Küchenchef im Savoy Hotel in London, wo Nellie Melba wohnte, als sie in der Oper Lohengrin sang. Für sie kreierte Escoffier das berühmte Dessert, das ziemlich sicher nichts gemeinsam hatte mit all den 0815-Dosenpfirsich-Variationen, die man heute allenthalben antrifft: den «Pfirsich Melba».
Das Original bestand aus einem frischen, enthäuteten Pfirsich auf zwei Kugeln Vanilleglace, überzogen mit einem Himbeerschleier. Das Dessert sollte den mythischen Schwan im 1. Akt der Oper zeigen, es soll in einem aus Eis geschnitzten Schwan serviert worden sein. So wenigstens die romantischste Überlieferung.* Und, besonders sympathisch, die Diva war sich nicht zu schade, für diese Dessertkreation ihren Namen herzugeben. Wir können uns zwar gar keine grös-sere Auszeichnung vorstellen, als die Namensgebung und Kreation für ein weltberühmtes Dessert, aber wer weiss, nach welcher Logik der Kopf eines Opernstars funktioniert? Und als Frau ein Pfirsichdessert gewidmet zu bekommen, scheint uns ein ganz aussergewöhnlicher Ausdruck von tiefster Verehrung.
Gibt es denn eine weiblichere Frucht als den Pfirsich? Auf ihrer Sonnenseite haben sie diese wunderschönen, orange-rötlich gefärbten, rundlichen Backen, die oft von einer feinen Naht in zwei Hälften getrennt werden und an den wohlgeformten, festen Po eines jungen Mädchens erinnern. Prall scheinen sie ihren Betrachter anzulachen. Die weiche Pfirsichschale gilt seit jeher als Massstab für schöne Haut, ihr Duft ist so verführerisch, dass schon die allerersten Parfumkreationen bemüht waren, ihn künstlich nachzuahmen. Und es ist ihnen sogar gelungen! Besonders berühmt wurde Guerlains «Mitsouko», das 1919 dem fruchtigen Pfirsichduft zur Ewigkeit verhalf.
• Es gab in der französischen Küche bereits ein bekanntes Pfirsichdessert, das sogenannte «pêche cardinal». Seine Zutaten waren dem Pfirsich Melba verdächtig ähnlich, aber die Verbindung Küche-Kunst-Diva konnte der «pêche cardinal» noch nicht bieten.
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Eine zarte Chinesin
- Pfirsiche kommen aus China, wo sie schon lange vor Christi Geburt bekannt waren. Dort galten sie als Symbol für junge Mädchen, die reifen Früchte als Verkörperung alles Weiblichen schlechthin.
- Leonardo da Vinci schuf neben seinen unvergleichlichen Bildern auch Fabeln. In diesen Geschichten erschien der Pfirsichbaum ehrgeizig und immer wieder unzufrieden mit sich selbst. Unablässig bemühte er sich, so viele Früchte wie der Nussbaum zu produzieren. Der Pfirsichbaum wuchs und wuchs, nach einigen Jahren trug er so schwer, dass er in zwei Teile zerbrach.
- Die Ausbreitung des Pfirsichbaumes in Europa haben wir den Römern zu verdanken, wobei er noch im 17. Jahrhundert für eine besondere Apfelsorte gehalten wurde.
- Heute liegt er an vierter Stelle der am meisten verzehrten Früchte in der Schweiz. Das macht für jeden Schweizer Einwohner rund 5 Kilogramm im Jahr.
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