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Die diesjährigen Open Access Tage fanden vom 27. bis 29. September unter dem Thema «Partizipation» statt. Dabei waren durchaus auch kritische Stimmen zu hören. Besonders die beiden Keynotes von Laura Czerniewicz (Universität Kapstadt) und Margo Bargheer (Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen) strichen heraus, dass Open Access viele Erwartungen nicht erfüllt – obwohl dies eigentlich möglich wäre.
Laura Czerniewicz beleuchtete in ihrem Vortrag die in der Wissenschaft grundsätzlich bestehenden Ungleichheiten zwischen dem globalen Süden und Norden, die auch Open Access nicht gelöst hat. Sie machte diese Ungerechtigkeit an den drei Kernkonzepten von Nancy Fraser (Reframing Justice in a Globalised World: New Left Review 36, 2005) fest: Wirtschaftliche Ungleichheit («maldistribution»), mangelnde kulturelle Anerkennung («misrecognition») und politische Ungerechtigkeit («misframing»). So verunmöglicht es beispielsweise die Bezahlung von Article Processing Charges (APCs) Forschenden aus dem globalen Süden, bei namhaften Open Access Journals zu publizieren: Durchschnittliche APCs machen in zahlreichen Ländern das Einkommen mehrerer Monate bis zu einem Jahr aus – «Paywalls» werden so durch «Publication Walls» ersetzt! Die ohnehin geringe globale Sichtbarkeit der Forschung aus Afrika, Lateinamerika oder dem Nahen Osten verringert sich dadurch zusätzlich. Selbst in Journals über diese Regionen sind Wissenschaftler*innen weder als Autor*innen noch als Editor*innen in nennenswerter Weise vertreten. Und in gemeinsamen Forschungsprojekten zwischen globalem Norden und Süden werden lokale Forschende häufig nicht als wissenschaftliche Partner, sondern als «Reiseführer» oder Übersetzer missbraucht («Helikopter-Wissenschaft»). Es gehe nicht nur darum – so Czerniewicz – , dass Forschende aus dem Süden die Forschung aus dem Süden lesen können, sondern dass auch umgekehrt die Forschung des Südens im Norden anerkannt und berücksichtigt wird. Czerniewicz spricht hier von «wissenschaftlichem Imperialismus», der durch die bestehenden Modelle von Open Access nicht gelöst werde. Was es brauche, seien nicht gutgemeinte Massnahmen, welche die Ungleichheiten aber schlussendlich noch bestärken wie beispielsweise «Waivers» für Forschende aus armen Ländern, sondern strukturelle Änderungen. Open Access bedeutet nicht nur, dass Wissen frei zugänglich ist, sondern dass an der globalen Wissenschaftskommunikation alle gleichberechtigt teilhaben können. Ansätze dazu sieht Czerniewicz beispielsweise in alternativen Modellen, die von den jeweiligen Forschungscommunities – egal wo – selbst getragen und international anerkannt werden (z.B. African Journals Online, redalyc oder Radical Open Access).
Auch Margo Bargheer konzentrierte sich in ihrer Keynote auf das Thema «Partizipation». Diese wurde in den grundlegende Dokumenten zu Open Access zwar gefordert (z.B. Berliner Erklärung), jedoch de facto bis anhin wenig umgesetzt: Es handle sich nicht um Partizipation wenn die Wissenschaftskommunikation durch einige wenige Unternehmen bestimmt werde, stattdessen fordert Bargheer die Schaffung einer «Wissensgemeinschaft» («epistemic community»), eine Art Allianz mit gemeinsamen Zielen, welche kommuniziert, vermittelt und umgesetzt werden. Beispiele dazu sieht Bargheer ähnlich wie Czerniewicz in alternativen Publikationsmodellen sowie in der Bildung von Allianzen (z.B. Fair Open Access Alliance).
Die Hochschule Luzern ermöglicht es ihren Mitarbeitenden – wie die übrigen Schweizer Hochschulen -, bei den grossen Wissenschaftsverlagen durch Read&Publish-Verträge sowie durch die Finanzierung von APCs Open Access zu publizieren. Gleichzeitig unterstützt sie auch alternative Modelle und Initiativen zu Open Access. Sie unterstützt ihre Mitarbeitenden zudem durch die Bereitstellung der Publikationsplattform „Open Journal System (OJS)“, eigene Open Access-Journals zu gründen (siehe dazu das von swissuniversities geförderte Projekt mit HSLU-Beteiligung SOAP2 Sharing Open Publishing Platforms).
Slides der beiden Vorträge:
- Laura Czerniewicz University of Cape Town), Open Access and Social Justice
- Margo Bargheer (SUB), Open Access – ein nur teilweise eingelöstes Versprechen?
Simone Rosenkranz