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Am vergangenen Wochenende fand auf der Livestreaming-Plattform Twitch ein mehrtägiges Onlineturnier statt, bei dem Streamer die Netflix-Serie "Squid Game" im Computerspiel Minecraft nachspielten. Die Teilnehmenden mussten in der Pixelwelt verschiedene Kinderspiele bestreiten, bei denen jeweils der Verlierer "eliminiert" wurde, bis nur noch eine einzige Person übrig blieb. Der Event war der spanisch sprechenden Community aus Europa und Lateinamerika vorbehalten und lockte mit einem Preisgeld von 100'000 US-Dollar für den Gewinner. Das Spiel wurde an manchen Tagen von über 1 Million Menschen gleichzeitig live auf Twitch verfolgt.
Mit unlauteren Mitteln
Im Verlaufe des Wettbewerbs kam es allerdings zu Unstimmigkeiten. Besonders Teilnehmende aus Andorra beklagten sich auf Twitter über Probleme mit ihrer Internetverbindung. Bestätigt wurden diese auch vom einzigen Netzbetreiber im Zwergstaat, Andorra Telecom. Wie die Zeitung 'Ara Andorra'
schreibt, wurden mehrere Denial-of-Service-Attacken auf die Netzwerkinfrastruktur des Landes ausgeführt.
Diese sollen insbesondere darauf abgezielt haben, die Streamer aus Andorra an der Teilnahme am Onlinespiel zu hindern. Laut dem Sprecher von Andorra Telecom, Carles Casadevall, "richtete sich der Angriff gegen YouTuber, die im Land leben. Der Angriff war der heftigste, den das andorranische Netz je erlebt hat." Einer der Zulieferer hätte sogar gesagt, dass er noch nie einen so starken Angriff wie diesen erlebt habe.
Wie 'The Record'
berichtet, haben einige Angriffe die Netzwerkinfrastruktur des Landes zu Spitzenzeiten mit bis zu 100 Gbps belastet. Zudem konnte der Angriff auch mit bekannten Servern eines DDoS-for-hire-Dienstes in Verbindung gebracht werden. Dies könnte darauf hindeuten, dass eine Person, die keinen Zugang zu einem eigenen DDoS-Botnetz hat, sich für einen kurzen Zeitraum Zugang zu einem solchen Produkt gekauft hat, um insbesondere während des Events Angriffe auf die Infrastruktur von Andorra zu starten.
Auswirkungen aufs ganze Land
Die Angriffe geschahen exakt zu den Spielzeiten der Streamerinnen und Streamer und beeinträchtigten auch die Internet- und 4G-Dienste von anderen Kunden des Telcos. Für einen kurzen Zeitraum von 30 Minuten sollen nur noch 25% aller Haushalte Zugriff auf das Internet gehabt haben. Die Auswirkungen konnten jedoch schnell behoben werden, da der Netzbetreiber des Kleinstaates über Schutzschilde für diese Art von Angriffen verfügt.
Insbesondere die Verbesserungen und Investitionen, die in den letzten Jahren zum Schutz des Internetdienstes des Landes getätigt worden seien, hätten es ermöglicht, dass der Internetdienst für einen Grossteil der Bevölkerung auch während der Angriffe weiter funktioniert hätte und nach deren Ende auch wieder vollständig hergestellt werden konnte.
Es scheint, als habe die Missgunst eines einzelnen Teilnehmenden in einem Online-Wettbewerb dazu geführt, dass fast die gesamte Netzwerkinfrastruktur eines Staates für eine halbe Stunde lahm gelegt wurde.