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Noch-Nationalrat Christoph Blocher findet, seine Ratskollegen würden zu fürstlich für ihren Dienst am Volk entlöhnt. Durchschnittlich 140'000 Franken pro Jahr betrugen die Entschädigungen der National- und Ständeräte zuletzt – deutlich mehr als viele Bürger verdienen.
Einige Parlamentarier werden monieren, die 140'000 seien ein Durchschnittswert, den sie persönlich unterschreiten. Allerdings lässt sich nicht bestreiten, dass ihre Bezüge im Verlauf der vergangenen 40 Jahre deutlich stärker gestiegen sind als die Nominallöhne des Normalbürgers.
Doch nicht nur bezüglich Lohn klafft eine grosse Lücke zwischen den Volksvertretern und dem guten Schweizer Durchschnitt.
Zwei Drittel aller Parlamentarier sind zwischen 50 und 70 Jahre alt, also eher in der oberen Hälfte der Schweizer Alterspyramide angesiedelt. In den Jahrgängen unter 40 beruhigt sich der Geschlechterkampf, was uns zum nächsten Punkt bringt.
70 National- und Ständeratssitze (29%) werden von Frauen besetzt, 174 von Männern (71%). In der Bevölkerung sind die Frauen hingegen leicht in der Mehrheit. Dass die Schweiz in diesem Punkt anderen europäischen Ländern hinterherhinkt, hat mit der späten Einführung des Frauenstimmrechts zu tun. Bis 1971 konnten Frauen weder wählen noch gewählt werden.
Verfechter des Milizparlaments betonen gerne, wie wertvoll es sei, wenn Abgeordnete gleichzeitig in der Privatwirtschaft verankert seien. Neben den Berufspolitikern scheinen in Bern aber vor allem Unternehmer, Juristen, Berater und Landwirte zu legiferieren. Dafür sind unzählige andere Berufe überhaupt nicht vertreten.
Gemäss Recherchen von watson sitzen im National- und Ständerat 13 Personen mit Migrationshintergrund, was laut der international gebräuchlichen Definition heisst, dass sie eingebürgert wurden oder beide Eltern im Ausland geboren wurden. Das entspricht einem Anteil von etwas über fünf Prozent.
35 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung im Alter von 15 und mehr Jahren in der Schweiz haben einen Migrationshintergrund. 13 Prozent haben den Schweizer Pass und einen Migrationshintergrund. Ohne Zuwanderung würde die Schweiz langsam aber sicher wegsterben. Was uns zum nächsten Punkt bringt.
Durchschnittlich 2,3 Kinder müssten Paare haben, um ein Schrumpfen der Gesamtbevölkerung zu verhindern. Das ist hierzulande nicht der Fall, die Quote liegt bei 1,5 Kindern. Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ist in der Schweiz nur über Einwanderung zu erreichen. Es gibt allerdings eine Gruppe, welche die «Reproduktionsvorgabe» erfüllt: National- und Ständerätinnen haben im Schnitt 2,3 Kinder. Nimmt man ihre männlichen Ratskollegen dazu, sind es sogar 2,7.
Fazit: Die 246 Parlamentarier in Bern repräsentieren die Bevölkerung politisch, aber statistisch nicht annährend. Immerhin stellt die Verfassung sicher, dass die Bundesversammlung geografisch ein getreues Abbild der Bevölkerung ist (siehe Grafik unten): Der Nationalrat bildet die Bevölkerung proportional zu den Kantonen ab, im Ständerat sind alle gleich stark vertreten.
Eine repräsentative Vertretung etwa für Frauen und Junge ist hingegen nicht gewährleistet. Ist das ein Problem für die Demokratie? Lesen Sie dazu das Interview mit Politologin Sarah Bütikofer.