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Rechte und Pflichten
Alkohol am Arbeitsplatz – wie man damit umgeht
Noch schnell mit den Arbeitskollegen ein Bierchen zischen oder ein Glas Wein trinken. Kein Problem für die meisten. Dennoch sind gemäss Sucht Schweiz schätzungsweise 5% aller in der Schweiz wohnhaften Personen über 15 Jahre alkoholabhängig – und das dürfte sich auch ins Arbeitsleben übertragen. Doch wie soll man reagieren, wenn man den Eindruck hat, dass ein Arbeitskollege ein Problem mit Alkohol hat? Diese und weiter Fragen zum Thema Alkohol am Arbeitsplatz beantwortet Rodrick Dwight von Sucht Schweiz.
Ben Seiler: Ist Alkohol am Arbeitsplatz gesetzlich erlaubt?
Rodrick Dwight: Das Arbeitsgesetzt verbietet Alkohol am Arbeitsplatz grundsätzlich nicht. Es gibt jedoch einen Artikel im Arbeitsgesetz, der besagt, dass Arbeitgeber ein Firmenreglement erstellen können, in dem sie Alkohol am Arbeitsplatz verbieten. KMU’s haben oft kein solches Reglement, die grossen Firmen jedoch schon. Diesen Punkt klar zu definieren ist auf jeden Fall besser, als ihn ausser Acht zu lassen.
An welchen Signalen erkennt man, dass ein Arbeitskollege ein Problem mit Alkohol hat?
Es ist schwierig zu erkennen, ob ein Arbeitskollege Alkoholprobleme hat. Wenn jemand gerne Alkohol trinkt, bedeutet das nicht gleich, dass er ein Problem mit Alkohol hat. Ein problematischer Alkoholkonsum zeigt sich vor allem durch Änderungen im Verhalten am Arbeitsplatz. Etwa wenn jemand plötzlich häufig zu spät kommt, mit der Arbeit nachhinkt, eine schlechte Arbeitsqualität liefert oder vermehrt launisch und aggressiv wird. Dabei kann es sich um ein Alkoholproblem, aber natürlich auch um andere Dinge handeln.
Man sollte als Arbeitskollege diese Verhaltensveränderungen mit der betreffenden Person thematisieren und im Auge behalten. Man sollte jedoch keine Diagnose stellen und sie als alkoholkrank bezeichnen, sondern das veränderte Verhalten am Arbeitsplatz ansprechen und ausdrücken, dass man sich Sorgen macht.
“Wenn jemand gerne Alkohol trinkt, bedeutet das nicht gleich, dass er ein Problem mit Alkohol hat.”
Rodrick Dwight ist Verantwortlicher für die betriebliche Suchprävention in der Romandie bei der Stiftung Sucht Schweiz. 1902 gegründet, sieht Sucht Schweiz ihren Auftrag darin, durch Suchtmittel oder Suchtverhalten ausgelöste Probleme zu mindern oder verhindern.
Also dass man sich manchmal nicht sicher ist, ob tatsächlich Alkohol das Problem ist?
Genau! Deshalb ist es meist am besten, wenn man von sich spricht – mit Ich-Botschaften. Das können Formulierungen wie „Ich habe das Gefühl, deine Arbeitsweise hat sich in letzter Zeit stark verändert. Ich mach mir Sorgen um dich“, oder „Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit oft zu spät zur Arbeit kommst, was sehr untypisch für dich ist“ sein. Wichtig ist, dass man nicht versucht, eine Diagnose zu stellen, sondern die eigene Sorge über das veränderte Verhalten der betroffenen Person ausdrückt.
Was sollen Arbeitskollegen unternehmen, wenn sie ein Alkoholproblem bemerken?
In diesem Fall ist es wichtig, dass man der betreffenden Person sagt, was einem aufgefallen ist. Oftmals versucht man jedoch, befreundete Arbeitskollegen zu schützen und so das Problem vor dem Chef zu relativieren. „Die Person steckt gerade in einer schwierigen Situation. Ist ja klar, dass sie nicht ganz bei der Sache ist.“ Man versucht noch Rückendeckung zu geben, indem man zusätzlich diejenigen Aufgaben dieser Person übernimmt – damit es nicht auffällt. Hält dieser Zustand länger an, sollte man unbedingt mit dem Kollegen sprechen, weil es auch einen Einfluss auf die eigene Arbeitsleistung hat. Und wenn sich das Verhalten nicht ändert, sollte man mit dem Vorgesetzten reden – nicht um die Personen zu verpfeifen, mehr um sie vor sich selbst zu schützen!
“Wenn sich das Verhalten nicht ändert, sollte man mit dem Vorgesetzten reden”
Soll dieses Gespräch lieber unter vier Augen stattfinden oder im Team?
Es ist besser, wenn das Gespräch zuerst unter vier Augen stattfindet. Wenn jedoch die negative Veränderung anhält, sollte man dem Arbeitskollegen klar sagen, dass man ihn nicht mehr deckt, und den Vorgesetzten informieren.
Was ist, wenn ich während einem Mittagessen mit Kunden Wein trinke?
Die Mittagspause wird als Freizeit angesehen, und daher steht einem die Gestaltung frei. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie Chauffeure, Fluglotsen oder Mitarbeitern, die mit gefährlichen Maschinen arbeiten. Bei den anderen kann ein Glas Wein in der Mittagspause okay sein, sofern es die Arbeitsleistung nicht negativ beeinflusst. Das Gesetz sagt hier, dass man zur Ausführung seiner Arbeit imstande sein muss.
Kann der Arbeitgeber bei Verdacht auf Alkoholkonsum einen Alkoholtest durchführen?
Proben sind in der Schweiz aufgrund des strengen Datenschutzes eine delikate Angelegenheit. Zu allererst muss es im Arbeitsreglement stehen, dass Stichproben durchgeführt werden können. Dann muss ein hohes Gefahren-Risiko-Verhältnis bestehen, welches der Arbeitgeber eingehen würde, wenn der betroffene Arbeitgeber unter Alkoholeinfluss arbeitet. Das heisst, Piloten, Chauffeure, Fluglotsen oder Arbeiter mit gefährlichen Maschinen können Stichproben unterzogen werden. Hingegen ist es nicht erlaubt, einfach so das ganze Unternehmen oder die Leute im Büro zu testen. Ausserdem muss der Test durch eine Person des Vertrauens und mit einem DIN-genormten Gerät gemacht werden. Und die einzige Information, die dann an die Vorgesetzten weitergegeben werden darf, ist, ob der Arbeitnehmer arbeitsfähig ist oder nicht. Wann jemand nicht mehr als arbeitsfähig gilt, muss man vorher natürlich festlegen.
Ausserdem kann sich die Person weigern, eine Stichprobe abzuliefern. Der Arbeitgeber kann bei einer Weigerung der betreffenden Person unter Umständen die Arbeit untersagen, zum Beispiel wenn jemand mit einer gefährlichen Maschine hat und der Chef das Gefühl hat, dass der Mitarbeiter nicht mehr fähig ist, diese sicher zu bedienen.