Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03410.jsonl.gz/893

Zur Gesetzgebung über die Schweizer Landwirtschaft wird hier nicht Stellung bezogen. Anscheinend kann unser Boden schon heute nur 55 % unseres Bedarfs decken. Dagegen sollen mittel- und längerfristige Entwicklungen der Welt skizziert werden, die von der Schweizer Landwirtschaftspolitik berücksichtigt werden müssten. Die Daten der verschiedenen internationalen Quellen weichen leicht voneinander ab. Hier werden gerundete Grössenordnungen verwendet. Zu den grossen Themen können nur einzelne punktuelle Beispiele gegeben werden. Es wird mit den Schlussfolgerungen angefangen.
Die unten skizzierte globale Entwicklung wird zu Engpässen, Abhängigkeiten, Spannungen und Konflikten führen und müsste beim Entscheid über die längerfristige Landwirtschaftspolitik der Schweiz berücksichtigt werden.
Die Menschheit wächst noch jahrelang massiv weiter, überwiegend in Ländern auf unteren Stufen der Entwicklung. Der Konkurrenzkampf um die lebenswichtigen Ressourcen, darunter die landwirtschaftlich nutzbaren Böden, nimmt zu. Gleichzeitig nimmt die für die Lebensmittelproduktion verfügbare Fläche in grossem Umfang ab. Zusätzlich kaufen nicht nur grosse Konzerne gewaltige Flächen nutzbaren Bodens auf, sondern seit einigen Jahren sind zahlreiche Staaten (unter anderem China, Indien, Saudi-Arabien) als Landkäufer in anderen Ländern dazu gestossen, die fürchten, bald ihre Bevölkerung nicht mehr ernähren zu können. Die Länder, die Lebensmittel für ihre Bevölkerung importieren müssen, werden damit vermehrt von diesen Konzernen abhängig. Zudem werden die Lebensmittel und Rohstoffe, die weltweit auf Böden produziert werden, die im Besitz weit entfernter Drittländer sind, wahrscheinlich nur den Völkern dieser Drittstaaten zur Verfügung stehen. Die Preise werden steigen. Grosse Menschenmassen ziehen vom Land, wo sie als Bauern ihre Familien auf bescheidenem Niveau versorgen konnten, in Mega-Städte, wo sie vollständig von einer genügenden Belieferung mit Lebensmitteln abhängig werden. Regierungen werden vermehrt dafür sorgen, dass dort keine Mangellagen entstehen, und falls nötig, Lebensmittel grossmassstäblich importieren bzw. deren Exporte reduzieren. Süsswasser, Vorbedingung der Lebensmittelproduktion, wird knapp. Müll an Land und in den Flüssen, Seen und Meeren wird zum Problem und beginnt die dortigen Fische und anderen Lebewesen zu bedrohen – zusätzlich zur Überfischung in vielen Meeren.
Heute bevölkern 7,5 Milliarden Menschen die Welt. In 6 Jahren werden 500 Millionen mehr dazu gekommen sein – und zwar Kinder, vom Neugeborenen bis zum Fünfjährigen. Zusätzlich kommen 320 Millionen Kinder in der gleichen Altersstufe dazu, die die in diesem Zeitraum gestorbenen Menschen ersetzen. Das Bevölkerungswachstum geht zwar zurück, aber nicht so schnell, wie vorausgesagt. So werden in der übernächsten Sechsjahres-Periode wahrscheinlich rund 750 Millionen Kinder geboren. Davon werden wieder mehr als 300 Millionen die während dieser Periode gestorbenen Menschen ersetzen und etwa 450 Millionen zusätzliche, die das Bevölkerungswachstum antreiben. Die zusätzlich zur «Weltgemeinschaft» stossenden Menschen brauchen auch zusätzliche Nahrung, Wasser, unterschiedlichste Produkte, Wohnraum, Infrastruktur, Bildung, Berufe und Energie.
Jährlich sterben etwas mehr als 50 Millionen Menschen. Setzt man das in bezug zur Weltbevölkerung von 7,5 Milliarden, so ergäbe das eine durchschnittliche Lebensdauer von 150 Jahren. Aber wir werden ja gar nicht so alt. Wie erklärt sich das? Weil ein grosser Teil der Menschheit jung ist. Dazu kommt, dass die Menschen in entwickelten Staaten heute so viel länger leben, das heisst später sterben als die Vorgängergenerationen, und auch die anderen Länder diesbezüglich aufholen. Einige Beispiele zeigen das:
In der Schweiz sind von 7,5 Millionen Einwohnern 15,6 % in der Gruppe der jungen Menschen bis zu den 14jährigen, und 16,3 % sind älter als 64, gehören zu den «Alten». Die Europäische Union hat unter ihren 509,3 Millionen Einwohnern 15,4 % junge und 17,3 % alte Menschen in den oben definierten Altersgruppen.
Dagegen sind von 85,3 Millionen Ägyptern 31,4 % in der Gruppe der Jungen und nur 4,8 % bei den über 64jährigen, in Äthiopien sind von 93,9 Millionen Menschen 46,1 % in der jungen Gruppe und nur 2,7 % in der der Alten. In Bangladesch gehören von 163,6 Millionen Einwohnern 34,6 % zu den Jungen und 4 % zu den Alten. Bei den 1,22 Milliarden Indern ist das Verhältnis 31,1 % zu 5,3 %. Niger ist der Extremfall. Von seinen 17 Millionen Einwohnern sind 49,6 % in der Gruppe der bis zu 14jährigen und nur 2,3 % über 64jährig.
Auch die Fruchtbarkeitsrate, das heisst die Anzahl lebendgeborener Kinder pro Frau, ist aufschlussreich. Einige Beispiele:
Schweiz 1,5; Russland 1,6; China 1,6 (Einkindpolitik); Afghanistan 5,5; Bangladesch 2,5; Burundi 6,0; Eritrea 4,2; Guinea 5,0; Kongo Kinshasa 5,0; Mali 6,2; Mosambik 5,3; Nigeria 5,3; Pakistan 2,6; Philippinen 2,6; Sambia 5,8; Südsudan 5,5; Uganda 6,0; V.A. Emirate 2.4; Niger, eines der ärmsten Länder, ist auch hier an erster Stelle, mit etwa 7 Kindern pro Frau (Quelle: www.welt-auf-einen-blick.de/…).
Der grosse Anteil der 1–14jährigen und der kleine Anteil der über 64jährigen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern zeigt, dass das Bevölkerungswachstum noch lange weitergehen wird. Die Jungen werden mehrere Kinder haben und die Alten länger leben. Zudem hat Präsident Erdogan die Türkinnen soeben aufgefordert, 5 Kinder zu haben, um den Vormarsch des Islams in Europa zu fördern.
Die Städte werden immer grösser. China hat fast 200 Städte mit mehr als einer Million bis zu mehreren Millionen Einwohnern, so hat Chongqing 33 Millionen. Tokyo ist mit 36 Millionen die bevölkerungsreichste Stadt der Welt. In vielen Mega-Städten weltweit sind ganze Quartiere in der Hand von kriminellen Banden und Drogenkartellen. In den grossen Slums der Mega-Städte leben die bitterarmen Menschen. Da in wenigen Jahrzehnten die dannzumal mehr als 10 Milliarden Menschen in Mega-Städten wohnen werden, wird deren Versorgung eine Hauptaufgabe. China fördert aktiv den Umzug der Bauern in die Städte und importiert schon heute grosse Mengen von Nahrungsmitteln. So soll es zum Beispiel 2012 mit 2,3 Millionen Tonnen Reis aus Pakistan, Thailand, Vietnam viermal mehr Reis importiert haben als 2011.
Auf der anderen Seite gehen jährlich 100 000 Quadratkilometer landwirtschaftlicher Böden durch Überbauung, Vergiftung, Erschöpfung, Erosion und Vordringen der Wüsten verloren. So hat China in den ersten 30 Jahren seit der Reform von 1978 und der Umwandlung zu einer Wirtschaftsmacht 200 000 Quadratkilometer seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche verloren. Es braucht 1,12 Millionen Quadratkilometer, um seine gegenwärtige Bevölkerung zu ernähren – aber die wächst auch – und hat nur noch 1,2 Millionen Quadratkilometer. Von 2005 bis 2013 wurden dort auf 6,3 Millionen Quadratkilometern 100 000 Bodenproben untersucht. 20 % der landwirtschaftlichen Böden erwiesen sich als verseucht, grossenteils durch Schwermetalle, teilweise weit über einem noch tolerierbaren Grenzwert. So liest man in der chinesischen Presse immer wieder, dass riesige Mengen von vergiftetem Getreide vernichtet werden mussten (2012 zum Beispiel 12 Millionen Tonnen).
Laut NZZ Folio 11 von 2012 befanden sich schon damals landwirtschaftliche Böden, der Fläche Westeuropas entsprechend, in den Händen grosser Konzerne. Vermehrt sind Konzerne aus nichtwestlichen Staaten zu den Käufern oder langfristigen Pächtern dazu gestossen. Seit einigen Jahren kaufen oder pachten aber auch Staaten, zum Beispiel China, die Golf-Staaten, Indien, Japan, die Niederlande, Saudi Arabien, Südkorea und andere teilweise sehr aggressiv weltweit grosse, gute landwirtschaftliche Böden, da sie befürchten, bald ihre Bevölkerung nicht mehr ernähren zu können. Schon vor dem Umsturz von 2014 in der Ukraine haben sich drei grosse US-Konzerne 20 000 Quadratkilometer der dort verfügbaren weltweit fruchtbarsten Schwarzerdeböden von den insgesamt 320 000 verfügbaren gesichert und zusätzlich noch Saatgutfirmen, Getreidelagerhäuser und Teile des Getreideverladehafens übernommen. Seither sind dort auch China und andere Länder als Käufer aufgetreten. Laut Swissaid produziert ein brasilianisch-japanischer Konzern in Mosambik auf 90 000 Quadratkilometern Reis und Mais für den Export und ein libanesischer Konzern in Rumänien auf 65 000 ha Lebensmittel und Fleisch für den Export, unter anderem in den Mittleren Osten. Mehr als die Hälfte des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens der Philippinen soll sich bereits in fremden Händen befinden und in Deutschland 70 % des Bodens nicht mehr den Bauern gehören, die ihn bewirtschaften. Laut der britischen OXFAM sollen allein seit Beginn unseres Jahrhunderts bis 2015 zusätzlich zu den bereits in fremden Händen befindlichen landwirtschaftlichen Böden weitere 200 Millionen Hektaren aufgekauft oder gepachtet worden sein. (Zum Vergleich: Die EU verfügt über 185 Millionen ha landwirtschaftlich nutzbaren Bodens.) Waren früher vor allem Afrika, Südamerika und Asien Ziele der globalen Landkäufer, so findet heute auch in Europa ein grossmassstäblicher Aufkauf statt.
In Madagaskar gab es eine Regierungskrise, nachdem bekannt geworden ist, dass eine Fläche in der Grösse Belgiens verkauft werden sollte. Um durch die schiere Grösse der Flächen nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen, soll China angefangen haben, zum Beispiel in Zimbabwe, einzelne Farmen aufzukaufen, nachdem es bisher, wie die anderen Käufer, riesige Flächen erwarb.
Die Konzerne bauen sehr grosse, effizient bewirtschaftete Plantagen auf, auf denen Nahrungsmittel vorwiegend für die reichen Länder, oft aber Pflanzen für die Treibstoffherstellung oder Tiernahrung für unseren luxuriösen Fleischkonsum oder Gummi oder andere Rohstoffe für die Industrie produ-ziert werden. Dagegen werden die Staaten, die weltweit grossmassstäblich Land aufkaufen, mit den dort produzierten Produkten in Zukunft vordringlich ihre Mega-Städte versorgen, anstatt sie in Drittländer zu exportieren. Millionen von Bauernfamilien verlieren ihre Lebensgrundlagen und bevölkern die Mega-Städte mit ihren Slums.
Jährlich werden rund 90 000 Quadratkilometer Wald abgeholzt. Zudem sah der Verfasser auf einer Reise nach Kanada riesige Flächen toter Wälder. Laut dortigen Förstern waren wegen der warmen Winter die Schädlinge nicht mehr abgestorben und haben viele Millionen von Kiefern und Tannen befallen. Selbst noch grün aussehende grosse Wälder seien bereits zum Absterben verurteilt. Die abgestorbene Fläche soll derjenigen Schwedens entsprechen. Dazu kommen noch Zehntausende von Quadratkilometern abgestorbener Wälder in den USA.
Weltweit wird Trink- und Süsswasser knapp. Ohne Wasser gibt es keine Nahrungsmittelproduktion. Fachleute glauben, Wasser werde zum häufigsten Kriegsgrund in diesem Jahrhundert. Heute gibt es deswegen da und dort schon ernste Spannungen.
Es gibt viele Gründe für die zunehmende Wasserknappheit: Ausfallende Regenfälle im Rahmen des Klimawechsels, Übernutzung, Erschöpfung, Verschmutzung und Vergiftung, Umleitungen und für Unterlieger störende Nutzung von Flüssen und Strömen durch Oberlieger.
Der Tschadsee, vor wenigen Jahrzehnten noch 25 000 Quadratkilometer gross, ist inzwischen, je nach dem Ausmass des Regens, auf noch etwa 1500 Quadratkilometer geschrumpft. Er ist überlebenswichtig für die Bevölkerung der vier Anrainerstaaten Tschad, Niger, Nigeria und Kamerun.
Wegen des Vordringens des Ufers haben Niger und Nigeria schon keinen direkten Zugang mehr zum Wasser des Sees. Ausgelöst wurde der Rückgang durch die Abholzung der dortigen Wälder und das darauffolgende Ausbleiben des Regens sowie wegen der Übernutzung für Bewässerungen. Wegen des Rückgangs der Lebensmittelproduktion herrscht dort eine latente Hungersnot. 2,7 Millionen Menschen wurden schon in Flüchtlingslager getrieben. Sie hoffen, bald nach Europa umziehen zu können. Ein chinesischer Konzern prüft gegenwärtig, ob der See durch die Umleitung des Ubangi, eines grossen Nebenflusses des Kongo, gerettet werden könnte. Aber selbst wenn das schon einmal abgelehnte gigantische Projekt zustande käme, würden Jahre vergehen, bis das Wasser in den See flösse. Was die Umleitung eines Flusses, der 5mal grösser ist als der Rhein bei Basel, für das betroffene Einzugsgebiet (19mal die Fläche der Schweiz) bedeutet, steht auf einem anderen Blatt.
An gewissen Orten gibt es in Trockengebieten fossiles Grundwasser. Es wurde im Boden gespeichert, als vor vielen tausend Jahren dort ein anderes Klima herrschte. Es erneuert sich nicht. Es wird vielerorts für die Wasserversorgung verwendet. Saudi-Arabien fing schon vor einigen Jahrzehnten an, mitten in der Wüste mit Grundwasser bewässerte riesige Farmen aufzubauen und dort zum Beispiel mit bis zu 50 000 holländischen Hochleistungsmilchkühen Milch zu produzieren. Aber durch diese intensive Nutzung ist der Grundwasserspiegel um viele hundert Meter abgesunken. Die Regierung hat nun angeordnet, diese Farmen aufzugeben, damit das Grundwasser noch etwas länger den Menschen zur Verfügung stehe.
Auch Libyen ist ein extrem trockenes Wüstenland. Aber 3800 Kilometer im Süden, in der Sahara, befinden sich fast 40 000 Kubikkilometer reinen Grundwassers. Gaddafi wollte damit für die nächsten 100 Jahre das Wasserproblem lösen und begann unter dem Slogan «Wasser statt Waffen» ein gigantisches Projekt. Mit 5 Rohrleitungen von 4 Metern Durchmesser sollte das Wasser an die Küste gebracht werden. Dazu wurde eine Röhrenfabrik gebaut. Libyen wurde weltweit führend in diesem Fachgebiet. 3 der 5 geplanten Leitungen waren bereits in Betrieb, und die bewohnte Mittelmeerküste konnte mit genügend Trink- und Gebrauchswasser versorgt werden. Aber der Westen befand, wie so oft in Ländern, die sich seinen Vorstellungen nicht unterwerfen wollen, Gaddafi müsse weggebombt werden. Durch die grossen westlichen Luftangriffe wurden 2 der 3 Leitungen und die Röhrenfabrik zerstört und die Wasserversorgung der Hälfte der Bevölkerung schlagartig ausgeschaltet. Uno und Weltbank sollen in Betracht ziehen, das Projekt zu privatisieren. Die Wasserreserven in der Wüste sind ja noch da und könnten die Gewinne von Konzernen verbessern.
Vor Jahrzehnten waren viele Fliessgewässer und Seen der Schweiz derart verseucht, dass die Menschen dort nicht mehr baden konnten. Durch den landesweiten Bau von Kläranlagen wurde das Problem behoben. Viele Länder befinden sich in einer noch schlechteren Lage, weil ihre Gewässer wesentlich stärker verschmutzt sind, als es unsere Gewässer waren. In China riechen viele Flüsse, auch solche, die durch grosse Städte fliessen, aber auch Seen wie Jauche. In vielen Ländern tragen die verschmutzten Flüsse dazu bei, dass landwirtschaftliche Böden verseucht werden.
China soll 1990 noch über 50 000 Flüsse mit einem Einzugsgebiet von mindestens 100 Quadratkilometern verfügt haben. 2011 waren es weniger als 23 000.
Länder, die am Unterlauf von Strömen liegen und für ihre Menschen und die Lebensmittelproduktion auf deren Wasser angewiesen sind, geraten in Not, wenn die Nachbarländer am Oberlauf das Wasser für ihre Zwecke stauen, für ihre Menschen brauchen, ihr Land bewässern und dort auf Wasser angewiesene Fabriken bauen, die ihrerseits mit ihren Abwässern die Flüsse verschmutzen. So ist Ägypten vom Sudan und Äthiopien, der Irak von Syrien und der Türkei, Syrien von der Türkei, Bangladesch von Indien, Brasilien von Peru usw. abhängig. Aber auch die Schweiz als Wasserschloss Europas liegt am Oberlauf der in ihre Nachbarländer fliessenden Flüsse. Sollten die Gletscher abschmelzen, das Wasser nicht mehr so reichlich fliessen, könnten die Unterlieger auch an uns Forderungen stellen.
Auch Trinkwasser wird knapp. Grosse Konzerne kaufen die Quellen auf und füllen das Wasser in Flaschen ab. Gegenwärtig werden jährlich 200 Milliarden Liter in Flaschen abgefüllt, das sind schon rund 27 Liter pro Mensch. Die Bewohner armer Gebiete geraten in Not, weil das Flaschenwasser für sie zu teuer wird und die Quellen von den Konzernen abgesaugt werden.
Was sehen wir, wenn wir in einen unserer glitzernden Supermärkte treten? Wir blicken in eine Müllhalde. Der Müll leuchtet zwar fröhlich in allen Farben und besteht aus den unterschiedlichsten Materialien. Aber das, was wir sehen, wollen wir ja gar nicht kaufen, sondern nur das, was im Müll auf den Gestellen verpackt ist. Seit kurzem werden sogar Einzelstücke von Gemüsen und Früchten in Plastik und Cellophan angeboten.
In der Schweiz wird der Müll zwar noch einigermassen beherrscht und wieder verwertet, so ein Teil der 500 Millionen Milchflaschen pro Jahr. Gefährlicher Müll wird aus Europa, den USA, Australien exportiert. Der von elektronischen Geräten wird unter anderem nach Accra, der Hauptstadt Ghanas, verschifft, wo monatlich 100 Container ankommen. Dort ist inzwischen einer der grössten Elektronikmüllhaufen der Welt entstanden. Aber auch andere Schwellen- und Entwicklungsländer werden mit elektronischem, kontaminiertem oder giftigem Müll beliefert. Die Armen dort, oft auch Kinder, versuchen dann, in diesen Müllbergen die wertvollen Rohstoffe in den Geräten zu gewinnen, Händlern zu verkaufen, die sie wieder in die entwickelten Länder liefern, wo sie im neuesten Smartphone oder Tablet-Computer verwendet werden. Die Menschen, die den elektronischen Müll so durchsuchen, tragen schwere gesundheitliche Schäden davon.
Auf den Inseln mit ihren Luxusresorts, zum Beispiel auf den Malediven, wird der Müll eingesammelt und auf einer dafür reservierten, schon sehr vollen Insel abgeladen. Auch die Strände vor vielen Hotels in den Zielländern der Touristen werden regelmässig gereinigt, damit die Touristen glauben, die Welt sei noch in Ordnung. Überall auf der Welt, wo der Müll eingesammelt wird, zum Beispiel auf griechischen Inseln, entstehen grosse Müllberge. Vor nicht langer Zeit konnten wir lesen, dass im Süden Chinas an einem hohen Hügel aus Müll ein Erdrutsch stattfand, der mehrere Häuser zerstörte und Tote forderte. Die Müllberge, auch wenn sie am Schluss mit Erde bedeckt werden und wie Hügel aussehen, verseuchen das Wasser und den Boden. Auf dem Land der weniger entwickelten Länder wird der Müll weggeworfen, vielleicht immer auf den gleichen Haufen, in Flüsse, Seen und das Meer. Früher, als alles noch aus pflanzlichen, tierischen und anderen natürlichen Materialien bestand, war das kein Problem. Aber heute blasen die Winde den Plastikmüll, Papier, PET-Flaschen, Kartonschachteln, Stoffe und anderes über die Äcker und Felder. Man muss die Felder der Bauern in der Nähe grosser Städte in Afrika gesehen haben, um zu begreifen, was sich hier abspielt.
Seit es Menschen gibt, beschaffen sie sich Nahrung im Meer. Es ist schon allgemein bekannt, dass das Mittelmeer leer gefischt ist, zum Teil durch modernst ausgerüstete Fischfangflotten aus Asien. Jetzt sind sie vor der Küste Westafrikas am Werk. Dort waren die Dörfer am Meer sehr stark vom Fischfang abhängig. In anderen Teilen des Meeres versuchen die Anlieger, mit Fangquoten, Beschränkungen bei den zugelassenen Geräten und Methoden und mit anderen Massnahmen die Ausrottung der Fische zu verhindern.
Der Müll, darunter Plastik, wird zum zusätzlichen grossen Problem. Vom mehrere hunderttausend Quadratkilometer grossen Plastikwirbel im Pazifik hat schon jeder gehört. Aber alle Meere sind davon betroffen. Immer mehr Fische und Seevögel fressen die zerfallenen Plastikfetzen und sterben daran. Aber das Plastik zersetzt sich weiter. Die winzigen Teilchen werden von den Lebewesen des Planktons – dem Anfang der Nahrungskette – gefressen und gehen daran zugrunde. Die grösseren Arten, die vom Plankton leben, haben keine Nahrung mehr und gehen auch unter; und so setzt sich das Sterben über die Nahrungskette im Meer fort.
In vielen am Meer gelegenen Ländern wird der Müll ins Meer gekippt. Jeder, der mal mit Fähren im Mittelmeer unterwegs war, wurde schon Zeuge dieser «Entsorgung». Die grossen Plastiksäcke in den Abfallcontainern auf den Schiffen wurden eine Stunde vor Ankunft im Zielhafen zusammengeschnürt und dann übers Heck ins Meer gekippt. Wie Perlen einer Kette lagen die Säcke im Kielwasser auf der Wasseroberfläche und fingen dann an, da aufgeplatzt, langsam zu sinken, umschwärmt von Luftflotten kreischender Möwen. Auch viele am Meer gelegene Orte kippen ihren Müll einfach über steile Wände. Auch wenn es da und dort inzwischen umweltfreundlichere Methoden gibt, den Müll zu entsorgen, ist der Boden des Mittelmeers und wohl anderer Meere stellenweise von hohen Müllhaufen bedeckt. Aber so geht es in allen Meeren weiter. Auch die einsamen Strände schöner unbewohnter Inseln sind übersät mit angeschwemmtem Müll. •
* Gotthard Frick hat an der Universität Paris (Sorbonne und «Sciences Po») Civilisation française, Volkswirtschaftslehre und Business Administration studiert. Viele Jahre war er mit grossen Infrastrukturprojekten (Kraftwerke, Hochspannungsleitungen, Strassen, Tunnel, Bewässerungsanlagen) in der Schweiz und in Übersee befasst. 1968–2004 widmete er sich dem Aufbau und der Fürung einer Beratungs-, Management- und Schulungsfirma mit angeschlossener, englischsprachiger Fachhochschule, die weltweit für alle Entwicklungsbanken, Uno-Organisationen (ILO, WTO, UNDP), OECD, die Schweizer und mehrere andere Regierungen und Unternehmen tätig war. Heute weilt er oft in China. Er war Infanterie-Bataillonskommandant in der Schweizer Armee. Dank seiner Besuche bei fremden Armeen (Deutschland, Pakistan), der Nato sowie der US-Airforce-Basen in Deutschland und Panama verfügt er über ein breites militärisches Hintergrundwissen. Gotthard Frick ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz.
Unsere Website verwendet Cookies, damit wir die Page fortlaufend verbessern und Ihnen ein optimiertes Besucher-Erlebnis ermöglichen können. Wenn Sie auf dieser Webseite weiterlesen, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen zu Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Wenn Sie das Setzen von Cookies z.B. durch Google Analytics unterbinden möchten, können Sie dies mithilfe dieses Browser Add-Ons einrichten.