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Schweiz
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Fragen und Antworten zur Schweiz
- Weshalb nennt man die Schweiz eine Insel?
- Wie dicht leben die Menschen in der Schweiz zusammen?
- Wofür steht die Abkürzung CH?
- Seit wann ist die Schweiz ein Bundesstaat?
- Woher stammt das Schweizerkreuz?
- Welche Sprachen sprechen die Menschen in der Schweiz?
- Weshalb lernt man in der Deutschschweiz Hochdeutsch?
- Was ist mit dem Röstigraben gemeint?
- Wie vielfältig ist das kulturelle Leben in der Schweiz?
- Welche Religionen gibt es in der Schweiz?
- Was bedeutet das Recht auf Glaubensfreiheit?
- Wie viele Ausländerinnen und Ausländer leben in der Schweiz?
- Weshalb gibt es in der Schweiz viel Wasser?
- Gibt es in der Schweiz gute Hochschulen?
- Was ist typisch schweizerisch?
- Welche Sitten und Gebräuche kennt man in der Schweiz?
- Was bedeutet die Gleichstellung von Mann und Frau?
Die Schweiz liegt im Herzen Westeuropas. Sie ist als Nicht-EU-Mitglied eine Insel inmitten der Europäischen Union (EU). In der Schweiz treffen drei grosse europäische Kulturen aufeinander: die deutsche, die französische und die italienische. Durch ihre zentrale Lage in Westeuropa spielt die Schweiz beim Strassen- und Bahnverkehr eine entscheidende Rolle. Eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Norden und Süden führt über und durch die Schweizer Alpen: den Gotthard.
Mit einer Fläche von rund 41'300 km2 gehört die Schweiz zu den Kleinstaaten Europas. Sie ist vergleichbar mit Dänemark. In der Schweiz leben über 8,4 Millionen Menschen. Das ist etwas mehr als ein Tausendstel der gesamten Weltbevölkerung. Geografisch wird die Schweiz in drei Gebiete unterteilt: die Alpen, das Mittelland und den Jura. Rund 25 Prozent des Bodens ist unproduktiv, man kann ihn nicht bebauen. Die Schweiz ist dicht besiedelt, alles liegt nahe beisammen. Je nach Region sind die Unterschiede jedoch gross. In den Alpen leben rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Zwei Drittel der Bevölkerung leben im Mittelland zwischen Genfersee und Bodensee. Weite Gebiete des Mittellandes wachsen immer mehr zu städtisch besiedelten Agglomerationen zusammen. Die grössten Zentren sind Zürich, Genf, Basel, Bern und Lausanne. Wer quer durch die Schweiz reist, gelangt in kurzer Zeit vom mediterranen Klima im Tessin über die Berglandschaften der Alpen mit Seen und Gletschern ins hügelige grüne Mittelland. Dabei wechselt man erst noch drei- bis viermal die Sprachregion.
CH steht für «Confoederatio Helvetica». Das ist die lateinische Bezeichnung für Schweizerische Eidgenossenschaft. Diese offizielle Bezeichnung führte man nach der Schaffung des Bundesstaates ein. Um keine der vier Amtssprachen zu bevorzugen, lautet das Landeskennzeichen der Schweiz deshalb CH.
Die Gründung der modernen Schweiz geht auf das Jahr 1848 zurück. Zuvor bestand lediglich ein lockeres Bündnis unabhängiger Kantone. Jeder Kanton war frei, das Bündnis jederzeit zu verlassen. 1848 erhielt die Schweiz eine moderne Verfassung, welche aus dem Staatenbund einen föderativen Bundesstaat machte. Eine zentrale Regierung übernahm damals in gewissen Bereichen – insbesondere der Aussen- und Finanzpolitik – die Aufgaben der Kantone. Heute zählt die Schweiz 26 Kantone, wovon sechs Halbkantone sind. Sie sind unterschiedlich gross und bilden weder eine sprachliche noch religiöse Einheit.
Der Nationalfeiertag ist der 1. August, die Nationalhymne ist der Schweizerpsalm. Obschon man die Hymne bereits 1841 zum ersten Mal öffentlich vortrug, wurde sie erst 1981 zur offiziellen Nationalhymne erklärt.
Die Nationalflagge der Schweiz hat eine quadratische Form und zeigt ein aufrechtes, freistehendes weisses Kreuz auf rotem Grund. Das Schweizerkreuz hat eine lange Geschichte. Zum ersten Mal ist die Verwendung bei der Schlacht von Laupen im Jahre 1339 dokumentiert. Damals diente ein weisses Kreuz als gemeinsames Erkennungszeichen, welches die Soldaten auf Kleidern und Rüstungen befestigten. Als offizielle Hoheitszeichen galten in jener Zeit allerdings nur die Kantonswappen. Durchsetzen konnte sich das Schweizerkreuz erst im Sonderbundkrieg 1847. Der Konflikt war ein Kampf zwischen den traditionellen Werten und der lokalen Selbstbestimmung gegen das Streben nach einer modernen Gesellschaft und der Zentralisierung des Staates. Mit dem Sieg der zentralistisch eingestellten Kantone setzte sich die Schweizerfahne als nationales Symbol durch. 1889 wurde sie offiziell angenommen.
Die Mehrsprachigkeit ist eines der Kennzeichen der Schweiz. Es gibt vier offizielle Landessprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Wer in der Schweiz aufwächst, lernt in der Schule zwei dieser Sprachen. Zumeist wird hingegen nur die eigene Muttersprache benutzt. Die Sprachgruppen haben ein sehr unterschiedliches Gewicht:
- 63 Prozent der Wohnbevölkerung sprechen Deutsch als Muttersprache,
- 20 Prozent Französisch,
- 6,5 Prozent Italienisch (die in der Schweiz lebenden Migrantinnen und Migranten mitgezählt),
- 0,5 Prozent Rätoromanisch.
Die nicht-schweizerische Wohnbevölkerung trägt zusätzlich zur Sprachenvielfalt bei: neun Prozent sprechen eine andere Sprache als eine der vier Schweizer Landessprachen. Weitere Informationen finden Sie in der Ausländerstatistik des Bundesamtes für Migration. Die Sprachgrenzen verlaufen zumeist entlang der Kantonsgrenzen. So werden in 18 von 26 Kantonen vorwiegend schweizerdeutsche Dialekte gesprochen. Vier Kantone sind französischsprachig und in drei Kantonen spricht man Deutsch und Französisch. Im Tessin sowie in den südlichen Tälern des Kantons Graubünden ist Italienisch die Hauptsprache. Graubünden ist der einzige dreisprachige Kanton: Man spricht Deutsch, Italienisch und fünf Varianten der rätoromanischen Sprache.
In der deutschsprachigen Schweiz sprechen die Menschen Mundart. Das sind teils unterschiedliche Dialekte. Während im Alltag Mundart gesprochen wird, ist Hochdeutsch die offizielle Schrift- und Amtssprache. In der Schule wird Hochdeutsch als erste Fremdsprache gelernt. Zeitungen, Zeitschriften und die meisten Bücher sind in Hochdeutsch geschrieben. Schweizer Literatur im Schweizer Dialekte gibt es selten. Grund ist, dass keine Deutschschweizer Schriftsprache existiert. In Geschäftsbeziehungen oder bei nationalen Konferenzen passen sich oftmals die italienisch oder rätoromanisch Sprechenden an die grössere Sprachgruppe an; sie sprechen dann Deutsch oder Französisch. Immer öfter wird aber auch Englisch als Verständigungssprache eingesetzt.
In der Schweiz kennt man den Ausdruck «Röstigraben». Rösti ist ein beliebtes Kartoffelgericht der Deutschschweizer Küche. Der Begriff bezeichnet die Sprachgrenze zwischen der Deutschschweiz und der französischen Schweiz und weist insbesondere auf die Unterschiede von Mentalität und Kultur in diesen Landesteilen hin. Besonders deutlich kommen diese Unterschiede bei politischen Abstimmungen und Wahlen zum Vorschein.
Das Schweizer Kulturleben ist durch die Mehrsprachigkeit und die geografische Lage zwischen den drei Kulturräumen – Deutschland, Frankreich und Italien – geprägt. Dies führt zu einer kulturellen Vielfalt in Literatur, Kunst, Architektur, Musik und Brauchtum. Die Literaturszene ist ausgesprochen lebendig und macht auch international von sich reden. Die Musikszene ist keineswegs nur von Jodeln und Alphornblasen bestimmt. Die Volksmusik hat besonders in ländlichen Gebieten ihren festen Platz. Es gibt auch zahlreiche Pop-, Klassik- und Jazzfestivals sowie Konzerte mit Schweizer und internationalen Stars. Obwohl der Schweizer Film international kaum bekannt ist, machen diverse Filmproduzenten immer wieder auf sich aufmerksam. Dazu gehört Arthur Cohn, der mehrfach mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Es gibt zudem zahlreiche Theater- und Opernaufführungen, Kunstausstellungen und Museen.
Das Zusammenleben der verschiedenen Religionen gestaltet sich in der Schweiz weitgehend gut. Das Christentum – am stärksten vertreten durch die römisch-katholische und die protestantische Kirche – ist die verbreiteste Religion. In den einzelnen Kantonen dominiert eine der beiden Konfessionen. Im Jahr 2000 waren rund 42 Prozent der Bevölkerung katholisch und 35 Prozent protestantisch. 4,3 Prozent der Wohnbevölkerung sind Muslime, 2,2 Prozent orthodoxe und andere Christen sowie etwa 1 Prozent Hindus, Buddhisten und Juden. In den letzten Jahren traten viele Menschen aus den Kirchen aus. Entsprechend nahm die Zahl der Konfessionslosen deutlich zu. Im Jahr 2000 lag sie bei 11 Prozent.
In der Schweiz sind Kirche und Staat getrennt. Das Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie das Recht auf die Ausübung religiöser Handlungen ist in der Bundesverfassung verankert. Jeder Mensch kann frei entscheiden, welche Religion er praktizieren will. Man darf seinen Glauben auch wechseln, seine Überzeugungen frei äussern und verbreiten. Das gilt für Einzelne genauso wie für Glaubensgemeinschaften. Jeder hat das Recht, alleine oder in einer Gruppe religiöse Praktiken oder Rituale zu vollziehen. Diese Grundrechte können eingeschränkt werden, wenn ein öffentliches Interesse für eine Einschränkung vorliegt, oder wenn ein Gesetz dies so verlangt.
Der Anteil der Ausländerinnen und Ausländer an der Wohnbevölkerung lag in der Schweiz 2009 bei 22 Prozent: Das sind rund 1,7 Millionen Menschen. Jede dritte Person ist eingewandert oder hat Eltern, die eingewandert sind. Ohne die Ausländer nähme die Wohnbevölkerung der Schweiz wegen der niedrigen Geburtenzahlen schon heute ab. Wirtschaftszweige wie das Gesundheitswesen, das Gastgewerbe, der Bausektor oder die Industrie hätten ohne die Arbeitskräfte aus dem Ausland grosse Mühe, ihre Aufgaben zu erfüllen. Auch die Finanzierung von Sozialleistungen wie der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) wäre in Gefahr. Die ausländischen Arbeitnehmenden zahlen jährlich mehr AHV-Beiträge, als sie beziehen. Migranten – sei es als Arbeitskräfte, Studierende oder als Flüchtlinge – bilden heute einen wichtigen und ernst zu nehmenden Teil der Schweizer Gesellschaft.
Wasser ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Schweiz. Es dient nicht nur als Trinkwasser, sondern spielt auch für die Stromproduktion eine nicht zu unterschätzende Rolle. Etwas mehr als die Hälfte des Stroms wird in der Schweiz mit Wasserkraftwerken erzeugt. Dank ihren rund 1500 Seen, unzähligen Bächen und Flüssen sowie Gletschern verfügt die Schweiz über grosse Wasservorkommen und gilt als Wasserreservoir Europas. Sechs Prozent der Süsswasservorräte des Kontinents lagern in den Schweizer Alpen. Der übermässige Wasserkonsum und die Klimaerwärmung, die zum Schmelzen der Gletscher führt, können die langfristige Versorgung mit sauberem Trinkwasser jedoch gefährden. Zahlreiche Projekte beschäftigen sich daher mit dem Schutz und Erhalt der bestehenden Wasserressourcen. Die grössten Schweizer Flüsse sind der Rhein, die Aare und die Rhone. Während die Aare in den Rhein mündet, trägt dieser zwei Drittel des Schweizer Wassers in die Nordsee. Die Rhone fliesst ins westliche Mittelmeer, der Ticino (Po) ins Adriatische Meer und der Inn (Donau) ins Schwarze Meer.
Die Schweiz gilt als international anerkannter Forschungsplatz. Verschiedene Forschungsinstitute wie die Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH/EPF) in Zürich und Lausanne sowie die Universitäten in zehn Schweizer Städten geniessen einen guten Ruf und werden von vielen internationalen Wissenschaftlern als Arbeitsplatz gewählt. Von globaler Bedeutung sind das Europäische Laboratorium für Teilchenphysik (CERN) bei Genf und das Europalabor des amerikanischen High-Tech-Konzerns IBM bei Zürich. In der Chemie, Physik und Medizin brachte die Schweiz zahlreiche erfolgreiche Wissenschaftler hervor. Seit 1975 erhielten nicht weniger als sieben Schweizer Forscher in diesen Bereichen einen Nobelpreis. Der berühmteste Schweizer Nobelpreisträger ist wohl Albert Einstein, der Begründer der Relativitätstheorie. Im Rahmen der Europäischen Weltraumagentur ESA (European Space Agency) beteiligt sich die Schweiz aktiv an der Erforschung des Weltalls. Weltraumforschung wird an den Universitäten und Eidgenössischen Technischen Hochschulen betrieben. Ebenso befinden sich einige internationale Einrichtungen der Weltraumforschung in der Schweiz.
Geprägt durch ihre vielfältige und föderalistische Struktur ist es schwierig, eigentümliche Merkmale «des Schweizerischen» zu finden. Ausser dem Rätoromanischen ist keine der vier Landessprachen schweizerisch. Die französisch-, italienisch- und deutschsprachige Schweiz unterscheiden sich nebst der Sprache auch bei den Lebensgewohnheiten, Einstellungen und Mentalitäten der Menschen. Ebenso kennen die Sprachgebiete unterschiedliche Essgewohnheiten und Traditionen. Zu den bekanntesten Traditionen der Schweiz zählen das Jodeln, Alphornblasen oder das Schwingen – eine urchig-moderne Sportart. Schokolade und Käse, typische Gerichte wie Fondue – Berge, Uhren und Sackmesser sowie das Label «Swiss Made» sind wohl die berühmtesten Klischees der Schweiz.
Ebenso wie in anderen Ländern gibt es auch in der Schweiz zahlreiche Sitten und Gebräuche. Sie zu kennen, erleichtert das Zusammenleben mit Schweizern erheblich. Einige Beispiele:
- Pünktlichkeit: Es wird erwartet, dass man pünktlich zu einem Treffen erscheint. Das gilt für die Berufswelt, Behörden und private Anlässe gleichermassen. Wenn man merkt, dass man sich verspätet, ruft man vorher an und teilt dies mit.
- Begrüssung: In der Deutschschweiz reichen sich die Menschen zur Begrüssung die rechte Hand. Unter befreundeten Frauen und Männern gibt man sich auch drei Küsschen auf die Wangen.
- Begegnung: Läuft man in einer kleinen Gemeinde an jemandem vorbei, so grüsst man sich – selbst wenn man die Person nicht kennt. In Städten kommt dies nur selten vor.
- Besuch: Die meisten Schweizer mögen keine spontanen Besuche bei sich zuhause. Am besten ruft man vorher an und fragt, ob ein Besuch erwünscht sei. Vor dem Betreten der Wohnung erkundigt man sich, ob man die Schuhe ausziehen soll.
- Einladung: Wird man zum Essen eingeladen, ist es Brauch, ein kleines Geschenk mitzubringen – etwa eine Flasche Wein, Süssigkeiten oder Blumen. Doch aufgepasst: Nicht alle Blumen sind geeignet: Rote Rosen schenkt man nur der Partnerin.
- Bei Tisch: Bevor man gemeinsam mit dem Essen beginnt, wünscht man sich einen guten Appetit. Wird Wein getrunken, erhebt man das Glas. Man schaut sich in die Augen, stösst die Gläser an und sagt «Prost» oder «Zum Wohl».
- Gespräch am Telefon: Ruft man jemanden an, begrüsst man die Person zunächst und sagt seinen Namen. Erst dann beginnt das eigentliche Gespräch.
Dies sind die wichtigsten Sitten und Gebräuche. Wenn man in einer Situation nicht genau weiss, welches Verhalten angebracht ist, fragt man nach. Das entspannt die Situation, man kommt miteinander ins Gespräch und kann etwas lernen.
Seit 1981 ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der schweizerischen Verfassung verankert. 1988 wurde ein Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann eingerichtet. Seit 1996 ist das Gleichstellungsgesetz in Kraft, welches jegliche Form der Diskriminierung im Bereich der Erwerbsarbeit verbietet. Dazu gehören auch Ungleichbehandlungen aufgrund des Zivilstandes, der familiären Situation oder der Schwangerschaft. Das Gleichstellungsgesetz ermöglicht es Frauen und Männern, sich gegen direkte und indirekte Diskriminierung zu wehren – in der Familie, im Erwerbsleben oder bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Auch das schweizerische Eherecht ist seit 1988 nach dem Grundsatz der Gleichberechtigung von Frau und Mann aufgebaut. Laut Gesetz hat derjenige Ehegatte, welcher den Haushalt besorgt, die Kinder betreut oder dem anderen in Beruf oder Gewerbe hilft, Anspruch auf «einen angemessenen Betrag zur freien Verfügung» aus dem Einkommen oder Vermögen des anderen Ehegatten.