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Der Schanielabach durchfliesst drei deutliche Thalstufen, von denen die von
Partnun bis
Rüti am Eingang ins Gafienthal reichende
oberste eine Furche mit nicht stark geneigtem Boden bildet, die sich nach hinten in ein steileres Sammelgebiet verzweigt.
Die zweite oder mittlere Stufe hat ebenfalls nur geringes Gefälle und bildet die freundliche muldenförmige
Thalebene von St. Antönien
(Platz 1420 m), die bis in die Gegend von Fröscheney (1210 m) unter der
Gadenstätt herabreicht.
Keines der übrigen südlichen Seitenthäler des
Rätikon zeigt diese zweite Thalstufe so gut ausgebildet. Von St. Antönien
Platz auswärts bleibt das rechte Gehänge jedoch bis oberhalb der
Gadenstätt (1466 m) steil, so dass
fast alle Siedelungen
(Ascharina) sich auf der
O.-Seite des
Thales finden. Der Bach fliesst auf dieser Strecke ziemlich ruhig
dahin; seine Ufer sind mit
Erlen,
Ahornen,
Weiden etc., höher zur
Rechten mit
Tannen bekleidet. Die
Buchen des Thalvordergrundes
bleiben bei
Ascharina zurück, charakteristisch bleiben dagegen die vielen kleinen
Ahorne(aschiers), von
denen
Ascharina seinen Namen erhalten hat.
Von der linken Thalseite dehnen sich prächtige saftig-grüne
Wiesen zum Bach herab. Die unterste Thalstufe ist eine Serie
von
Schluchten auf etwa 3 km Länge mit einer grössern Mündungsschlucht oberhalb
Dalvazza-Küblis. Diese letztere ist aber
schon so weit, dass in ihrer
Tiefe ein Strässchen mit nicht zu starker Steigung auf der w. Tobelseite
hinaufleitet und prächtige Einblicke in die Schluchtenreihe gestattet.
Hinter der
Gadenstätt und vor
Ascharina trifft dieser
Weg die über
Luzein und
Pany nach St. Antönien führende neue Poststrasse.
Vom Austritt aus dem Schluchtenlauf an hat der Schanielabach einen bedeutenden Schuttkegel angeschwemmt,
in welcher Gegend er oft verheerend aufgetreten ist. Er liefert die Kraft für die Einrichtung der elektrischen Beleuchtunsanlage
im Kurort St. Antönien. Lauterburg schätzt die produktive Wasserkraft des Schanielabaches auf der Strecke unter der Ruine
Hohsans bis zum Einfluss in die
Landquart bei einer Fallhöhe von 60 m auf 120 PS. Längs des ganzen Flussbettes
und besonders bei
Ascharina liegen viele und grosse erratische Blöcke von grossblätterigem Augengneis, die aus dem Grenzgebirge
des
Hintergrundes des St. Antönierthales stammen. In der vordern Hälfte zeigt das Schanielatobel starke Waldbekleidung.
Hart neben dem «Rüfetobel» steht 1 Stunde hinter
Küblis und 10 Minuten unter dem Schanielaweg das neu erbaute Geilenbad, dessen drei Quellen ein unbedeutendes und nur
wenig
Eisen und Kohlensäure enthaltendes Mineralwasser liefern. Das von Scheuchzer 1717 erwähnte alte Geilenbad blieb seit 1830 verschüttet
und verfallen.
Alpwirtschaft. Der noch im 17. Jahrhundert betriebene Weinbau ist eingegangen, da die
Trauben
nicht jedes Jahr zur
Reife gelangten. In der Kirche von Scharans wurde 1531
Ulrich von
Marmels, einer der Reformatoren
Bündens,
begraben.
Als sein Nachfolger wirkte als Pfarrer in Scharans 1531-1535 Philipp Gallizius (1504-1566), einer der hervorragendsten
ReformatorenBündens. 1617/18 war hier auch Georg Jenatsch Pfarrer, der später in der Geschichte seines
heimatlichen Berglandes eine so glänzende
Rolle gespielt hat.
Die Bewohner der Umgebung pflegten sich früher zur Beratung
ihrer gemeinsamen Angelegenheiten unter der heute mindestens 600 Jahre alten
Linde neben der Kirche von Scharans zu versammeln.
1100: Ciranes;
(Kt. Graubünden,
Bez. Heinzenberg).
2100-660 m.
Wildes und stark durchschluchtetes Bergthälchen der w. Gehängeseite des
Piz Danis
und
Piz Scalottas der Stätzerhornkette; zieht sich in sw. Richtung bis hinter
Scharans ins
Domleschg herab, biegt hier nach
W. und WNW. um und sendet sein
Wasser zwischen der
Zollbrücke und
Fürstenau von rechts in den
Hinterrhein.
Die längsten Quellstränge greifen bis in die
Alpen Parnegl und
Danis am Fuss des
Piz Danis hinauf. Die Tobelrinne ist bis
zum Thalausgang oberhalb
Scharans 3,2 km lang und hat auf dieser Strecke ein Gefälle von etwa 35%, die gesamte Länge
bis zum
Hinterrhein beträgt 4,7 km.
Ueber der ersten grossen Felsterrasse liegen zu beiden
SeitenMaiensässe mit Berghütten.
Das Scharansertobel wird von einem sehr geschiebereichen
Wildbach durchzogen, der im breiten
Bett der
Tiefe seinen
Lauf häufig
ändert, während er oben durch die Anlage von Thalsperren etwas gebändigt worden ist. Das felsige
Bett
besteht überall aus oligozänem Tonschiefer («Bündnerschiefer»).
Nach der Volkssage verursachen Hexen die Ausbrüche der
Rüfen im Scharansertobel, Almensertobel etc.
Durch das Thälchen
Nova
führt zwischen dem Piz Scharboden und
Piz Alpettas (2981 m) der Vaneschapass oder Vernokpass (2880 m) nach
Vanescha und
Vrin
hinüber.
Der Piz Scharboden trägt auf der
NO.-Seite einen etwa 800 m langen
Gletscher und ist aus glimmerreichem Adulagneis
aufgebaut, an den sich im N. ein schmaler Streifen von Rötidolomitmarmor und, in grösserer Entwicklung,
dunkle, tonige und glimmerreiche Liasschiefer anscheinend muldenartig anlehnen.
Das Streichen ist hier NO., das Schichtenfallen
NW. Der Berg wird von
Vrin aus über die Alp Scharboden in 5 Stunden leicht erstiegen.