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Die P. gewährleisten als sogenannte berufl. Vorsorge zusammen mit der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) und der privaten Vorsorge Schutz gegen die wirtschaftl. Folgen von Alter, Invalidität und Tod (Sozialversicherungen). Die P. sind Einrichtungen privaten und öffentl. Rechts; sie basieren auf der Zugehörigkeit zu einem Unternehmen oder zur Verwaltung. Das mit der Neufassung von Art. 34quater aBV festgelegte Dreisäulenprinzip (1972) wies den rund 15'500 bestehenden P. einen festen Platz im System der Altersvorsorge zu; die Selbsthilfeorganisationen von Arbeitnehmern gelten demnach nicht mehr als P. Während die AHV (1. Säule) das existenzsichernde Grundeinkommen garantiert, sollen P. (2. Säule) Arbeitnehmern mit mittleren Einkommen die Weiterführung ihres bisherigen Lebensstandards im Alter ermöglichen (zusammen ca. 60% des letzten Einkommens). Das individuelle Sparen (3. Säule) soll dieses Alterseinkommen ergänzen. Seit 1985 regelt das Bundesgesetz über die berufl. Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (BVG) die obligator. berufliche Vorsorge für Arbeitnehmer. Die BVG-Revision von 2003 brachte u.a. neben einer besseren Koordination mit den Bestimmungen der AHV auch einen besseren Schutz von Teilzeitbeschäftigten.
Obwohl im 19. Jh. die Armut im Alter als Folge der Industrialisierung und der Auflösung grossfamiliärer Erwerbs- und Sozialstrukturen erheblich zunahm, blieb die Altersvorsorge bis zum Abschluss des Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes 1912 fast ganz aus der polit. Diskussion um die Sozialversicherungen ausgeklammert und damit Aufgabe der Fürsorge bzw. gemeinnütziger Organisationen. Die P. entstanden als unpolit. Lösung und wurden als Kontrapunkt zur staatl. Vorsorge (Staatswirtschaft) dargestellt. Neue Gemein schaften, sog. Fabrikfam., sollten die Altersversorgung übernehmen.
Anders als bei Krankheit, Unfall oder Tod (Krankenversicherung, Invalidenversicherung) gab es kaum freiwillige gegenseitige Hilfsgesellschaften zur Verhinderung von Altersarmut. Um die Personalerneuerung zu erleichtern und sich die Loyalität bestimmter Angestellten zu sichern, richteten versch. Kantone einzelnen Berufsgruppen Renten ein: 1803 Bern den Landjägern, 1811 die Waadt den Lehrkräften und 1831 Basel-Stadt den Lehrern und Polizisten. Witwen- und Waisen- bzw. Sterbekassen übernahmen zwar einzelne, heute auch von den P. abgedeckte Risiken, doch nur 40 von 1'085 im Jahre 1880 existierenden Hilfsgesellschaften (Hilfsvereine) gewährten ein Ruhegehalt oder eine einmalige Altersabfindung. 1888 verabschiedete Basel-Stadt das erste Pensionsgesetz für alle Beamten. 1893 realisierte Genf die erste Pensionskasse, die auch eine Hinterbliebenenunterstützung vorsah.
Vorstösse, eine Pensionskasse für Bundesbeamte einzurichten, scheiterten 1866 und 1867 im Parlament bzw. 1891 am Referendum aus bäuerl. Kreisen. 1907 erhielten die Angestellten der SBB eine Pensionskasse, 1921 die Bundesbeamten. Die meisten Beschäftigten in der Privatwirtschaft kamen erst spät zu einer berufl. Altersvorsorge. Versuche, eine solche in eigenen Organisationen zu realisieren, scheiterten meist an den kaum zahlbaren Prämien. Zudem fehlte diesen Kassen aufgrund einer zu homogenen Altersstruktur der Mitglieder oft das nötige Deckungskapital, so dass sie bereits nach kurzer Zeit wieder aufgelöst werden mussten. Unter denselben Problemen litten auch betriebl. Vorsorgeeinrichtungen. Eine Ausnahme bildete die 1861 gegr. Invaliden- und Alterskasse für Fabrikarbeiter der Zürcher Spinnereien und Webereien, die dank dem Zusammenschluss mehrerer Unternehmen eine günstigere Mitgliederstruktur erreichte.
Nach dem 1. Weltkrieg nahm die Zahl von Wohlfahrtsfonds und P. dank der Steuerbefreiung der Versicherungsbeiträge (v.a. von der Kriegsgewinnsteuer) sprunghaft zu. Verbreiteter als P. waren bis zum 2. Weltkrieg Gruppenversicherungen und Wohlfahrtsfonds, die keinen Leistungsanspruch der Betagten vorsahen. Meist standen die Fondsgelder dem Unternehmen zur freien Verfügung. Die Kassen unterschieden sich voneinander sowohl hinsichtlich der Finanzierung (durch Arbeitgeber allein oder durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer) als auch der Leistungen. Zudem entwickelten sich die P. zu einem Instrument der Personalpolitik, wodurch leistungsschwach gewordene ältere Mitarbeiter ersetzt und über sog. Goldene Ketten Stammbelegschaften gebildet werden konnten. Bis zur Revision des OR 1935 hatten Arbeitnehmer bei Stellenwechsel nämlich kein Recht auf die eigenen P.-Beiträge.
Die zahlreichen Vorsorgeeinrichtungen, die in den 1920er und 30er Jahren gegründet wurden, standen einer raschen Realisierung der AHV entgegen. Weil viele Versicherte bei einem Ausbau der staatl. Altersvorsorge mit dem Verlust ihrer zwangsersparten Gelder rechnen mussten, äusserten auch Arbeitnehmerorganisationen (u.a. der Schweiz. Metall- und Uhrenarbeiterverband Smuv) Vorbehalte gegen die AHV. Von der Einführung des doppelten Vorsorgesystems der AHV profitierte ca. die Hälfte der Berufstätigen, v.a. Männer. Das Zwangssparen in den P. sollte die AHV als Basisversicherung ergänzen. In den 1960er Jahren zeigte sich, dass dieses System die Altersarmut nicht verhindern konnte.
Autorin/Autor: Niklaus Stettler
Als Reaktion auf mehrere, z.T. zurückgezogene Volksinitiativen zur umfassenden Regelung der Altersvorsorge brachte der 1972 von den Stimmbürgern als Gegenvorschlag zur PdA-Initiative gutgeheissene Verfassungsartikel Art. 34quater der BV von 1874 (in Art. 41bis BV von 1999 überführt) das Obligatorium der berufl. Vorsorge. Personalfürsorgestiftungen, die einzig vom Arbeitgeber finanziert wurden, befürchteten im Vorfeld des Inkrafttretens des BVG, sie müssten weiterhin alleine für die Finanzierung aufkommen, was einzelne Kassen nicht verkraftet hätten. Arbeitgeber aus Gewerbekreisen zeigten sich skeptisch gegenüber dem Leistungsprimat, da v.a. der Arbeitgeber das notwendige Deckungskapital bei Lohnerhöhungen einschiessen musste. Der Leistungsprimat war bei den grossen P. (v.a. bei denjenigen der öffentl. Verwaltung) weit verbreitet; seit Ende des 20. Jh. ist u.a. aufgrund des BVG, der Freizügigkeit sowie flexibleren Arbeitsmodellen eine Tendenz hin zum Beitragsprimat feststellbar. Für die Finanzierung wurde das bei der AHV übl. System der Lohnprozente gewählt; im Unterschied zur AHV kommt bei den P. das Kapitaldeckungsverfahren zur Anwendung. Umstritten blieben die Auswirkungen des verordneten Sparens auf den Kapital-, Liegenschafts- und Arbeitsmarkt. Die grossen Vermögen der P. (1970 ca. 32,5 Mrd. Fr.; 1978 74 Mrd.; 1987 ca. 167 Mrd.; 1996 348 Mrd.) vermindern das zur Verfügung stehende Risikokapital, da die P. Anlagevorschriften unterliegen. Mit der Einführung des Freizügigkeitgesetzes 1995 wurde das Problem der Goldenen Ketten gelöst: Es gilt seither die volle Freizügigkeit.
Das Problem der Altersarmut wurde mit der Einrichtung der berufl. Vorsorge nur teilweise gelöst. Das ursprüngl. Konzept der P. war auf den Normlebenslauf berufstätiger Männer ausgerichtet, vernachlässigte insbesondere weibl. Lebensentwürfe und ging vom Arbeitsmodell der lebenslangen Anstellung aus. Wer in prekären Anstellungsverhältnissen oder Teilzeit arbeitet oder nur zeitweise einer Lohnarbeit nachgeht, fällt trotz Verbesserungen im Zug der BVG-Revision aus dem Netz der berufl. Vorsorge.
|Anzahl Kassen||Anzahl Versicherte|
|1865||38||nicht bekannt|
|1880||40||nicht bekannt|
|1903||150||61'000|
|1925||1'200||262'000|
|1942||2'152||309'000|
|1954||5'222||537'000|
|1966||13'304||1'173'000|
|1970||15'581||1'278'000|
|1978||17'060||1'581'000|
|1987||15'179||3'266'000|
|1992||13'689||3'431'000|
|1996||11'572||3'148'000|
|2000||9'096||3'226'000|
Autorin/Autor: Niklaus Stettler
Autorin/Autor: Niklaus Stettler