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Der Prozess gegen den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ist am Mittwoch bis Ende Mai vertagt worden. In den wenigen Minuten bis zur Verschiebung wurden nur Formalitäten erledigt.
Berlusconi ist wegen bezahltem Sex mit der damals minderjährigen Nachtclubtänzerin Ruby angeklagt. Zudem wird ihm Amtsmissbrauch vorgeworfen, weil er später versucht haben soll, die Affäre zu vertuschen.
Wie erwartet erschienen weder der Regierungschef noch die bekannte Tänzerin, die mit bürgerlichem Namen Karima Al Mahroug heisst, vor Gericht. Der Richter in Mailand verkündete nach rund zehn Minuten, den Prozess bis 31. Mai zu vertagen.
Berlusconi wird vorgeworfen, die 17-jährige gebürtige Marokkanerin vergangenes Jahr mit Bargeld und Schmuck für Sex bezahlt zu haben. Nach italienischem Recht ist Prostitution von Minderjährigen verboten.
Zudem soll Berlusconi sich für die Freilassung der jungen Frau eingesetzt haben, als diese wegen Diebstahls festgenommen worden war - offenbar aus Angst, die Affäre würde nun ans Tageslicht kommen.
Berlusconi verspricht Präsenz
Sowohl Berlusconi als auch die inzwischen volljährige "Ruby" bestreiten, miteinander Sex gehabt zu haben. Berlusconi nannte die Vorwürfe politisch motiviert. Seine Anwälte erklärten, der Premier wolle ab dem 31. Mai an allen Gerichtsverhandlungen teilnehmen: "Er will dabei sein, auch wenn es Tage geben wird, an denen er wegen seiner Amtsverpflichtungen nicht anwesend sein kann."
Die Rechtsanwälte von Ruby teilten mit, ihre Mandantin werde sich nicht als Nebenklägerin am Prozess beteiligen. Damit werde sie auch keine Schadenersatzforderung vom Premier beantragen können. In dem Prozess soll neben mehreren jungen Frauen auch US-Schauspieler George Clooney aussagen.
Grosses Medieninteresse
Etwa 100 Kamerateams drängelten sich am Morgen in Mailand vor dem Gerichtsgebäude, um dann vom Richter bestätigt zu bekommen, dass sie nicht innerhalb der Räume filmen dürften. Etwa 100 Journalisten hatten Zutritt zum Gerichtssaal.
Der Prozess genoss bereits im Vorfeld immenses Medieninteresse und die Sex-Affäre - auch als "Ruby-Gate" bezeichnet - überlagert seit Monaten die italienische Politik. Der politischen Karriere Berlusconis hat die Angelegenheit aber offenbar kaum geschadet.
Am Dienstag verabschiedete das Parlament, in dem die Mehrheit hinter Berlusconi steht, eine Resolution, die einen Prozess vor dem Mailänder Gericht für den Parlamentarier Berlusconi für nicht angemessen erklärt.