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Es ist schwer, einen Konsens zu finden
Klar ist es unklug, fanatisch alles zu verbieten: «Es wird nur noch vegetarisch gegessen!« Dann läuft man nämlich Gefahr, dass die Kinder später tatsächlich nur noch Fleisch und Cola zu sich nehmen. Aber es muss eine Balance gefunden werden: «Okay, du trinkst gerne Cola, aber in unserer Familie wird eben nur einmal die Woche Cola getrunken und nicht jeden Tag!» Es ist eine grosse Herausforderung für postmoderne Eltern, ihre eigenen Werte zu finden. In grossen Metropolen treffen auch viele Kulturen zusammen, sodass es heute wirklich schwierig ist, einen Konsens zu finden.
Dänische Eltern meinen zum Beispiel, Kinder dürften nicht allzu gewürzte Speisen essen. Aber wenn sich das Kind in einer vietnamesischen Familie befindet, dann stellt es fest, dass die Kinder dort jeden Tag gewürztes Essen zu sich nehmen. In den skandinavischen Ländern sagt man, das Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit, in Italien gibt es gar kein richtiges Frühstück. Was wir an diesen banalen Beispielen ablesen können, ist, dass es keine allgemeingültige Wahrheit gibt – jeder muss sie für sich selbst entdecken und sie dem anderen mitteilen.
Eltern müssen nicht immer sofort Bescheid wissen
Du musst klar sein in dem, was du willst. Es gibt jedoch Phasen im Leben, in denen alles unklar ist und du weder ein noch aus weisst. Aber auch das kannst du dann deinem Partner oder deinen Kindern klar sagen: «Ich weiss nicht, was ich momentan will!» Zum Beispiel: Deine Tochter kommt aus der Schule und fragt dich: «Kann ich heute Nacht bei Christina schlafen?» Deine automatische Antwort wäre: «Nein, das hast du schon letzte Woche getan, und das ist vielleicht für Christinas Mutter zu viel!»
Sobald du Argumente von aussen importierst, gibst du unpersönliche, kalte Antworten.
Aber mit dieser Antwort verrätst du, dass nicht du sprichst, sondern der mütterliche Kassettenrekorder leiert sein Lied herunter. Das hat auch schon deine Mutter so formuliert und so weiter. Wenn du dich nun selbst als Mutter fragst: «Will ich, dass meine Tochter anderswo übernachtet?», dann kann es sein, dass die Antwort zunächst lautet: «Keine Ahnung, ich weiss es nicht!» Und genau das kannst du deiner Tochter mitteilen: «Ich weiss es nicht. Ich muss darüber eine Weile nachdenken, und dann sag ichs dir!»
Das ist für deine Tochter eine klare Auskunft! Was ich damit sagen will, ist, dass du als Mutter nicht immer eine Antwort parat haben musst, aber du musst deinem Kind klar mitteilen, wie du zu dir selbst stehst. Solange du dies tust, ist eure Beziehung eine warme, weil sie persönlich ist. In dem Augenblick, da du Argumente von aussen importierst, Argumente allgemeiner Natur, gibst du unpersönliche, kalte Antworten. Dies ist also die grosse Aufgabe: uns selbst zu definieren – das heisst, Ja zu sagen, wenn wir Ja meinen, und umgekehrt.