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Mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Roboter stecken noch in den Kinderschuhen. Doch in Davos werden sie schon als Jobkiller der Zukunft gesehen, die eine Bedrohung vor allem für die Mittelklasse, vielleicht sogar für die ganze Menschheit darstellen. Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums (WEF) teilen diese Ansicht aber nicht und glauben an das Potential der intelligenten Maschinen.
Viele Menschen haben Angst davor, dass sich in der Welt intelligente Maschinen verbreiten, die kognitive Fähigkeiten besitzen und sogar nach moralischen Massstäben handeln könnten. Positiver ist hingegen die Vision von Robotern, die sich um kranke Menschen kümmern, Kinder unterrichten, im Haus aufräumen und energiesparende Maschinen bauen.
Es gibt bereits eine Reihe von Geräten, die menschliche Tätigkeiten und Aufgaben eines Gehirns übernehmen. Man denke etwa an Computer-Schachprogramme oder GPS-Systeme, die staufreie Verbindungen für Autofahrer zusammenstellen.
Künstliche Intelligenz oder kurz KI war Thema einer Podiumsdiskussion am WEF in Davos. Es ging unter anderem um Systeme, die in der Lage sind, komplexe Video-Spiele zu entwickeln, und das nur wenige Stunden, nachdem sie selbst das erste Mal in Betrieb genommen wurden.
"Wenn es Neugeborene gäbe, die am Tag ihrer Geburt bereits am Nachmittag ein Video-Game am Computer auf einer übermenschlichen Ebene spielten, wäre man vielleicht doch etwas beunruhigt", sagte Stuart Russel, Professor für Computerwissenschaften an der Universität von Kalifornien. "Es gehört zum gesunden Menschenverstand zu denken, dass Dinge, die intelligenter sind als wir selbst, ein Risiko darstellen."
Doch Manuela Veloso, Professorin für Computerwissenschaften an der US-amerikanischen Carnegie Mellon University, wies diese Argumentation zurück. "Müssen wir intelligenteren Wesen denn misstrauen?", fragte sie. "Ich wäre froh, wenn es Roboter gäbe, die schlauer wären als ich, um mein Geld zu investieren oder den besten Anbieter für die Altersvorsorge zu finden. Ich wäre froh, es gäbe Roboter, die bessere Entscheidungen treffen könnten, als ich es kann. Es gibt so viele Vorteile für uns, Maschinen zu haben, deren Intelligenz unsere beschränkten Fähigkeiten übertreffen."
Kein Verständnis für Angstszenarien
Manuela Veloso kann mit Angstszenarien, wie sie in Davos und nicht nur dort verbreitet werden, nichts anfangen. "Wenn wir unseren Kindern schon Angst einjagen, dass sie sich vor Robotern fürchten sollen, werden sie kaum an der Weiterentwicklung von Technologie teilhaben", sagte sie.
"Wir sollten uns bestimmten Gefahren bewusst sein, um mit der wissenschaftlichen Forschung in die richtige Richtung zu gehen. Aber wir sollten keinesfalls die Forschung aufgeben. Der Weg ist noch lang."
Der Schlüssel zum Erfolg liegt gemäss der Computerwissenschaftlerin darin, Maschinen so zu programmieren, dass sie nur zum Wohl der Menschheit arbeiten können. An der Universität Carnegie Mellon wird eine Technik entwickelt, um Maschinen so zu programmieren, dass klare Grenzen gesetzt sind. Erreicht die Maschine diese Grenze, stoppt sie automatisch, um Hilfe von Menschen zu verlangen.
Es gibt heutzutage Bereiche, in denen intelligente Maschinen bereits grossen Einfluss haben, etwa bei bestimmten Arbeitsplätzen. Das schweizerisch-schwedische Industrieunternehmen ABB präsentierte am WEF den "weltweit ersten wirklich kollaborativen Roboter für die Kleinteilmontage". Er heisst YuMi und hat zwei Arme und Sensoren, die ihm eine sichere Zusammenarbeit mit Menschen ermöglichen. Laut ABB besitzt dieser Roboter viel Potenzial für Anwendungen in der Industrieautomation.
ABB-Chef Ulrich Spiesshofer appellierte an die WEF-Teilnehmer, die intelligenten Roboter aus ihren "orangen Käfigen" zu befreien und sie direkt in die Produktlinien zu integrieren.
Eine solche Vision führt gleich zur Frage, was dies für Personen bedeutet, die Arbeiten ausführen, die von intelligenten Maschinen übernommen werden könnten. Just zum Jahrestreffen von Davos hat das WEF einen Bericht vorgelegt, der davon ausgeht, dass bis 2020 gobal fünf Millionen Jobs durch Roboter und intelligente Software verloren gehen könnten. In der Hauptsache würde es sich gemäss dieser Studie um administrative Tätigkeiten und Management-Aufgaben handeln. Doch auch andere Bereiche wie Buchhaltung und Jobs im Gesundheitswesen könnten betroffen sein, obwohl dies auf den ersten Blick weniger wahrscheinlich erscheint.
Der Schlüssel zum Himmel… und zur Hölle
Genau dieser Aspekt versetzt die Gewerkschaften in Alarmstimmung. "Wir müssen uns einige ernsthafte Fragen stellen, wenn wir in eine Zivilisation übergehen mit Maschinen, welche über die gleichen kognitiven und kreativen Fähigkeiten wie ein Mensch sowie über einen freien Willen verfügen", meint Philip Jennings, Generalsekretär der Gewerkschaft UNI Global Union, im Gespräch mit swissinfo.ch. Und fügt an: "Wir werden wohl eine Grenze überschreiten, welche die Menschen heute für verantwortbar halten. Diese neue Entwicklung braucht neue Regeln."
Es gibt aber auch Kommentatoren, die überzeugt sind, dass diese technologischen Entwicklungen in Zukunft neue Jobs schaffen werden. Doch traditionelle Bildungs- und Ausbildungswege könnten sich fundamental verändern.
Manuela Veloso ist überzeugt, dass die Menschheit in der Lage ist, den richtigen Weg durch all diese Unwägbarkeiten der Zukunft zu finden. "Buddhisten sagen, dass den Menschen der Schlüssel gegeben wurde, um das Tor zum Himmel zu öffnen. Doch der gleiche Schlüssel passt auch für die Hölle. Und wir erhalten den Schlüssel ohne Gebrauchsanweisung, die uns sagt, wie wir welche Tür damit öffnen", sagt Veloso zu swissinfo.ch
"Technologie ist dieser Schlüssel. Wir können sie gut oder schlecht nutzen, das liegt in unserer Hand. Es unterliegt unserer Kontrolle. Aber wir haben diesen Schlüssel und wir können nicht rückwärtsgehen in eine Welt ohne Computer. Wir haben den Schlüssel, wissen aber nicht genau, wie wir damit umgehen können und welche Reichweite er uns verschafft."
(Übertragung aus dem Englischen: Gerhard Lob) , swissinfo.ch