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Anstelle einer klassischen Retrospektive der LV-Geschichte der letzten 200 Jahre wird die Entwicklung ausgehend vom aktuellen Stand (LV95) aus heutiger Sicht im Rückblick dargestellt. Die Technologie hat sich in der Vergangenheit keineswegs linear und stetig fortentwickelt. Vielmehr verlief die Entwicklung in Episoden mit prägnanten Quantensprüngen. Diese Meilensteine der technologischen Evolution werden hervorgehoben. Dabei werden die «kausalen» Zusammenhänge mit dem geschichtlichen und kulturellen Umfeld, der Technikgeschichte allgemein, der Entwicklung der geodätischen Wissenschaft und der LV im Speziellen im Zeitstrahl sichtbar gemacht.
Als Indikator für die progressive Qualitätssteigerung der LV eignet sich das Kriterium der relativen Genauigkeit der jeweils verfügbaren lokalen Bezugsrahmen. Ausgehend von der aktuellen LV95, deren Koordinatensätze als quasi fehlerfrei angenommen werden, lassen sich die Felder identischer Punkte von älteren Bezugsrahmen mit Hilfe von "Transformationen" nach der Methode der kleinsten Quadrate untersuchen. Die relativen mittleren Koordinatenfehler können so abgeschätzt und zur Beurteilung der Qualität der Bezugsrahmen ausgewiesen werden. Die Transformationsmethode wurde bei der Genauigkeitsanalyse von LV1800 eingesetzt.
Eine weitere Methode zur Genauigkeitsanalyse der Bezugsrahmen, welche bei der vorliegenden Studie Anwendung fand, besteht darin, ältere geodätische Netze mit moderner Ausgleichungssoftware streng auszugleichen («Diagnoseausgleichung»). Dabei können sowohl die mittleren Fehler (empirischen Standardabweichungen) der Beobachtungen wie auch jene der ausgeglichenen Koordinaten geschätzt werden. Die Methode ist sehr aufwändig, da die umfangreichen Originalbeobachtungsdaten erfasst werden müssen. Sie erlaubt aber zusätzlich interessante Schlüsse zur Qualität der damals verwendeten Berechnungsmethoden. Mit der Methode der Diagnoseausgleichung wurde die Genauigkeit der Bezugsrahmen LV1840, LV1890 und LV03 untersucht.