Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03103.jsonl.gz/2368

Ein heisser Sommer und ein sonniger Oktober prägten das Weinjahr 2019. Die Trauben reiften etwas langsamer als erwartet, weil im September doch öfters kühles und teils nasses Wetter vorherrschte. Die Weinlese war aufgrund der unterschiedlichen Reife etwas aufwändiger. Mitte September begann die Lese der frühen weissen Spezialitäten. Kurz darauf folgte die Ernte der der weissen Hauptsorte Müller-Thurgau (Riesling-Silvaner). Der gemessene Durchschnitt liegt bei dieser Sorte bei guten 75° Oechsle. Die Blauburgunderernte (Pinot Noir) erstreckte sich von Ende September bis gegen Ende Oktober. Die rote Hauptsorte erreichte erfreuliche 90° Oechsle. Neben diesen beiden Hauptsorten wurden auf fünfundzwanzig Prozent der Rebfläche verschiedene Spezialitäten wie Chardonnay, Sauvignon blanc, Merlot oder Diolinoir in einer guten Qualität geerntet. Die Erträge liegen bei den weissen wie auch bei den roten Sorten im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.
Der vergangene Winter brachte viele Niederschläge. In den Bergen bildeten sich teils mächtige Schneedecken. Einzig der Februar wies nur gut 50% der üblichen Niederschläge auf und zeigte sich überaus sonnig. Der Wärmeüberschuss dieses Monats war rund 2.5° höher als im Durchschnitt. Die tiefsten Temperaturen des vergangenen Winters lagen bei minus 7.5° C, so dass keine Winterfrostschäden zu befürchten waren.
Die warmen Temperaturen um Anfang April führten zu einem sehr frühen Austrieb der Reben. Bereits zu Monatsbeginn zeigten sich die ersten rötlich verfärbten Blattspitzen. Ein Vergleich mit den Vorjahren zeigte: Der Austrieb erfolgte rund eine Woche früher als im äusserst warmen 2018 und einige Tage später als im Frostjahr 2017. Stürmische Föhntage gegen Ende April führten zu einem enormen Wachstumsschub. Anfangs und Mitte Mai sanken die Nachttemperaturen gefährlich tief. In dieser Phase sind die jungen Triebe äusserst empfindlich gegen Fröste. In tiefen Muldenlagen gab es da und dort einen leichten Bodenfrost, glücklicherweise ohne grössere Schäden. Die St. Galler Weinberge sind im vergangenen Frühjahr haarscharf an Spätfrostschäden vorbei geschrammt.
Nach den warmen Frühlingstagen anfangs Mai wurde es zusehends nässer und oft kälter. Der viele Regen und die oft kalte Bise haben das Wachstum zusätzlich verzögert. Der grosse Vegetationsvorsprung schmolz dahin. Die ersten blühenden Gescheine waren um den 10. Juni sichtbar. Der Hauptblühet erstreckte sich vom 10. – 15. Juni. Dies entspricht ziemlich genau einem Durchschnittsjahr. Das optimale Blühwetter bei trockener Witterung und angenehm warmen Temperaturen führte zu grossen und schweren Trauben. Die ungewöhnliche Hitzewelle Ende Juni förderte das Wachstum enorm.
Nach der grossen Hitze und einigen heftigen Gewittern war der Wassernachschub vorerst gesichert. Glücklicherweise blieben die Hagelschläge im Grossen und Ganzen gering. Es mussten keine grösseren Ernteausfälle in Kauf genommen werden. Im August blieben die
Temperaturen weiterhin hoch. Die regional stark auftretenden Gewitter brachten teils sintflutartige Niederschläge.
Die Reifephase setzte bei den frühen Sorten um Mitte August ein. Die Triebe verfärben sich erst gelb, dann beginnt die Verholzung. Die ersten frühen Sorten wie Regent oder Cabernet Jura begannen mit dem Farbumschlag. Nach einigen Tagen folgten die Blauburgunder mit den ersten blau verfärbten Beeren.
In dieser Zeit konnten an nicht oder ungenügend behandelten Reben oft Schadsymptome festgestellt werden. Auch an Pergola-Reben waren aufgesprungene Beeren zu beobachten. Teilweise wurde auf den Trieben sind viele schwarze Flecken festgestellt und vorwiegend ältere Blätter zeigten einen gräulichen Belag. Der Echte Mehltau hatte zugeschlagen.
Nach einem vorwiegend heissen Juli und einem überdurchschnittlich warmen August zeigten sich die Rebberge von ihrer schönsten Seite. Die teils kräftigen Niederschläge brachten sattgrüne Reben mit grossen, schweren Trauben hervor. Die Reifeentwicklung verzögerte sich in der ersten Septemberhälfte, so dass die diesjährige Weinlese etwas später begann als ursprünglich erwartet.
Die ersten reifen Trauben der Sorte Müller-Thurgau (Riesling-Silvaner) wurden am 13. September in Altstätten gelesen. Die Hauptlese der weissen Hauptsorte fand zwischen dem 20. und 30. September statt. Die Ernte verlief aufgrund der zeitweiligen Niederschläge etwas gestaffelt. In vielen Rebbergen reiften die Trauben etwas langsamer als erwartet. Zudem war der Leseaufwand um einiges grösser, weil doch etliche Trauben von Botrytis befallen waren und daher ausgesondert werden mussten.
Das Kantonsmittel beträgt beim Müller-Thurgau (Riesling-Silvaner) 75° Oechsle. Die Erntemenge liegt bei 146’000 kg Trauben. Im Durchschnitt sind pro Quadratmeter 660 g Trauben gelesen worden. Der diesjährige Ertrag der Sorte Müller-Thurgau liegt ziemlich genau im langjährigen Mittel.
Die Ernte der Blauburgunder kann dieses Jahr in zwei Phasen eingeteilt werden. In verschiedenen Lagen musste aufgrund des Gesundheitszustandes bereits im September erste Blauburgunder-Trauben gelesen werden. Diese Trauben wiesen rund 85° Oechsle auf und eignen sich vorzüglich für die Herstellung von Sekt, Federweissen oder Rosé. Dank diesen Vorlesen wurden die Rebstöcke entlastet und die restlichen Trauben konnten sich optimal entwickeln. Nach einem eher nassen Oktoberbeginn wurde des Wetter zusehends freundlicher. Die Sonne schien öfter und der bekannte Traubenkocher, der Föhn, liess die Trauben kräftig reifen.
Die Hauptlese der Blauburgunder-Trauben begann um den 7. Oktober und dauerte bis zum 20. Oktober. Die Weinlese war etwas mühsamer und aufwändiger als gewöhnlich. Jede Traube musste auf ihren Gesundheitszustand geprüft und die befallenen Beeren entfernt werden. Für die Weinverarbeitung werden nur gesunde und vollreife Trauben verwendet. Die Traubenqualität, d.h. die Oechslegrade stiegen aufgrund des sonnigen und föhnigen Wetters um Mitte des Monats erfreulich an. Oechslewerte von 95° bis 100° waren keine Seltenheit. Letztendlich erreichte der gemessene Durchschnitt des Blauburgunders über den ganzen Kanton betrachtet 90° Oechsle. Daraus lässt sich ein fruchtbetonter, typischer Pinot Noir keltern. Die geerntete Menge der wichtigsten roten Traubensorte liegt bei 567’000 Kilogramm, bzw. bei 471 Gramm pro Quadratmeter. Aus dieser Traubenmenge resultieren 4’500 Hektoliter Wein. Insgesamt ist das rund 3 % unter dem langjährigen Durchschnitt von 4‘700 Hektoliter.
Der Anteil an roten und weissen Spezialitäten nimmt von Jahr zu Jahr zu. Der Anteil der Spezialitäten beträgt bereits 30% der diesjährigen Traubenernte. Einen wichtigen Stellenwert nehmen die krankheitstoleranten Rebsorten, sogenannte PIWI-Sorten ein. Diese wenig krankheitsanfälligen Sorten benötigen ebenfalls einen Pflanzenschutz, müssen aber weniger oft behandelt werden. Es ist wünschenswert, dass sich diese Sorten auf dem Markt mehr und mehr durchsetzen können. Die Winzer jedenfalls sind bereit neue Sorten anzubauen. Dazu gehören beispielsweise Johanniter, Seyval blanc oder Souvignier gris. Bei den roten Sorten sind es Cabernet Jura, Léon Millot und Maréchal Foch um nur die wichtigsten zu nennen.
Daneben gibt es aber noch eine ganze Reihe von etablierten Spezialitäten-Rebsorten. In den vergangenen Jahren haben sich die internationalen Rebsorten Sauvignon blanc und Chardonnay mit vorzüglichen Qualitäten behaupten können. Bei den roten Sorten hat sich Merlot bereits zur zweithäufigsten Rotweinsorte in den St. Gallen Rebbergen entwickelt. Mit Durchschnitts-Oechslewerten von 93° hat Merlot in diesem Herbst eine hervorragende Qualität gebracht.
Die Weine des Jahrgangs 2019 werden etwas fruchtbetonter und filigraner sein. Aufgrund der Oechslegrade kann mit Alkoholgehalten zwischen 12.5 bis 13.5% gerechnet werden. Die konsequent praktizierte Ertragsbeschränkung wird ihre Wirkung nicht verfehlen. Beim Pinot Noir wurden knapp 500 Gramm Trauben pro Quadratmeter gelesen. Das sind ziemlich tiefe Werte. Dafür dürften die Weine dichter und gehaltvoller werden.
Die Konsumenten können sich auf fruchtbetonte, frische Weissweine und aromatische Rotweine freuen. Erste Degustationsergebnisse zeigen, dass sich die Jungweine sich optimal entwickeln. Die ersten Weisswein des Jahrgangs werden wohl bereits im Spätwinter abgefüllt werden. Die Rotweine werden je nach Qualitätsstufe und Verwendungszweck im Stahltank, im grossen Holzfass oder im kleinen Holzfass, dem Barrique ausgebaut und frühestens im kommenden Sommer auf dem Markt anzutreffen sein.
Es finden jedes Jahr verschiedene Weinwettbewerbe statt. Viele Winzer nutzen diese Gelegenheit als Standortbestimmung für ihr önologisches Schaffen. Es ist für den Winzer wie für den Konsumenten spannend zu erleben wie sich die Weine in einem neutralen Umfeld behaupten können. Selbstverständlich braucht es auch immer das nötige Quäntchen Glück um erfolgreich zu sein.
Es ist erfreulich wie die St. Galler Winzer an den diesjährigen Weinwettbewerben erfolgreich waren. An den diesjährigen Weinprämierungen haben die folgenden St. Galler Kelterungsbetriebe Gold- oder Silbermedaillen für ihre Weinspezialitäten gewonnen:
Sie finden heute in den meisten Restaurants, Hotels und Vinotheken eine grössere oder kleinere Auswahl an St. Galler Weinen. Verschiedene Detailhändler wie Bäckereien, Metzgereien sowie LANDI und VOLG führen oft regionale Weine. Selbst bei einigen Grossverteilern sind St. Galler Weine erhältlich.
Besuchen Sie das Haus des St. Galler Weins in Berneck. Dort finden Sie praktisch alle Weine aus dem Kanton St. Gallen in einer gediegenen Atmosphäre. Mehr Infos unter der Website: hausdesweins-sg.ch
In Zusammenarbeit mit Culinarium werden laufend Veranstaltungen mit Weinen und anderen Produkten aus der Region durchgeführt. Portraits von allen Winzer des Branchenverbands St. Galler Wein finden Sie unter Winzer.