Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03404.jsonl.gz/778

Nehmen wir an, Du willst Deine Idee (Canvas) oder Dein Unternehmen verkaufen. Was musst Du unternehmen, um die Braut hübsch zu machen. Oder anders gesagt, was erwartet ein Käufer von Dir?
In der Due-Dilligence werden sämtliche Unterlagen, von Verträgen und Jahresrechnungen, geprüft und ein Risikoprofil erstellt sowie die Bewertungen der Einrichtungen, Kundenstamm und ähnliches aus Sicht des Käufers vorgenommen.
Nun, was wird den Preis für den Käufer positiv beeinflussen? Kurz laufende Verträge (damit er neu verhandeln kann), klar dokummentierte Abläufe und Prozesse (damit er das Wissen übernehmen kann), ein gepflegtes CRM mit Aufzeichnung zu den Kunden mit Besuchsprotokollen und Notizen (damit er die Kundensituation einschätzen kann), eine fundierte Umfeldanalyse (damit er weiss, welche möglichen Einflüsse von aussen erwartet werden können), sowie eine geordnete, saubere, einheitliche Ablage (damit er sich sicher ist, alle relevanten Informationen zu finden). Zudem auch keine laufenden Garantiefälle oder Rechtsfälle (welche das Unternehmen negativ beeinflussen können).
Es gibt eine vielzahl von Unterlagen und Dokumenten, die in einem Datenraum zur Verfügung gestellt werden können und die dann der Käufer für sich bewerten kann.
Um einen guten Preis zu erzielen, sollte das Unternehmen fit sein. Die Debitoren minimiert, die Lager abgebaut, nicht betriebsnotwendige Maschinen und Einrichtungen verkauft, Überkapazitäten in Räumen vermietet und in Maschinen allenfalls extern vergeben. Eine Idee sollte konzentriert aber skalirbar sein. Keine offenen Fragen, kein Ballast, die reine Essenz.
Mach eine Liste, was Du erwartest, dass Dein Unternehmen oder Deine Idee erfüllen müsste, damit Du als Dritter Geld investieren würdest. Dann nimmst Du die Liste und stellst Dich der aktuellen Situation:
Und, wie fit ist Dein Unternehmen? Würdest Du in Dich, in Deine Idee, Geld investieren? Machst Du es? Wieso sollten es andere tun?
Vielleicht ist es Zeit, Frühjahresputz zu machen, Altlasten zu entsorgen und Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Mach Dein Unternehmen fit für den Verkauf, wenn Du es dann ansiehst und Du hast alles unternommen, um einen super Preis zu erzielen, wird Dir Dein Unternehmen vielleicht so gut gefallen, dass Du es niemals verkaufen möchtest. Aber vielleicht möchte jemand in Deine Idee oder Dein Wachstum investieren oder es fehlt Dir noch ein Trainer oder jemand der die Idee mit Dir vorantreibt? Wenn Du Dich auf so einen Einstieg vorbereitest, bist Du Fit und dein Hobby wird zu Deiner Profession!
Professionell darum, weil Dein Ziel ist, Geld zu verdienen. Mit dem Unternehmen. Es geht nicht mehr um Deine Befindlichkeiten und die Verwirklichung Deiner Idee, es geht um die Kommerzialisierung. Das ist der Schritt, den einige «Gründer» verpassen. Irgendwann is genug versucht, getüftelt und korrigiert, irgendwann muss man Geld verdienen.
Was ist Dein Unternehmen den heute Wert? Und wie hoch soll der Wert in 5 Jahren sein?
Der Preis, der für ein Unternehmen angemessen ist, ist ein ganz anderes Thema. Hier hat jeder Mensch eine eigene Meinung. Meine teile ich gerne mit Euch anhand eines konkreten Beispiels:
Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einem Bekannten. Es ging darum, was der angemessene Preis beim Kauf eines Treuhandbüros ist. Er meinte, ein Jahresumsatz wäre ungefähr in Ordung.
Wie immer, es liegt im Auge des Betrachters. Ich bin da, nach all den Businessplänen die ich erstellt habe, Unternehmensbewertungen welche ich aufbereitet habe und all den Investitionsanträgen mit einer anderen Perspektive unterwegs. Ich habe ich für mich die absolut einfache Formel gefunden:
Ein Unternehmen ist der kumulierte EBITDA der nächsten 5 Jahre wert. Wenn also das Treuhandbüro eine 20% EBITDA-Umsatzmarge ausweist, dann sind wir mit dem Jahresumsatz in der Bewertung einig. Aber wieso komme ich auf die 5 Jahre?
Wir haben Produktlebenszyklen, wir haben Kundenlebenszyklen, wir haben Technologielebenszyklen. Grob gehe ich vereinfacht davon aus, dass ein Geschäftsmodell sich innert 7 Jahren amortisiert und das nächste Geschäftsmodell finanziert haben sollte. Im Produktlebenszyklus fahren wir die höchsten Deckunbsbeiträge vor Ablauf des Lebenszyklus ein. Darum zähle ich hier 2 Jahre ab, das dürfte dann die Hälfte der Deckunbsbeiträge ausmachen. Also erwarte ich eine Amortisation meiner Investition (ohne Gewinn) nach 5 Jahren.
Technische Rechnungen über Eigenkapital, Rendite, WACC und Diskontierung streiche ich einmal, da auch hier Elemente hineinspielen, welche im Detail diskutiert werden können. Ich will es einfach und verständlich.
5 Jahre ist auch eine normale Abschreibungsdauer für Investitionen, es sei denn, diese sind unabhängig von einem Kunden oder Produkt (wie zum Beispiel im Kunststoffspritzguss eine Spritzgiessmaschine, die kann ich auf 10 oder gar 12 Jahre abschreiben, das Werkzeug sollte innert 5 Jahren amortisiert sein), dann halte ich auch längere Abschreibungsdauern für angebracht.
Nachdem ich nun den Wert des Unternehmens ermittelt habe, geht es dann in die anderen Themen: Bewertung der Assets, Finanzierung, Transaktion und Gewährleistung. Ich wäre dann auch so frech, dass er den steuerfreien Erfolg aus Kapitalgewinn rechnerisch zu 50% versteuern sollte, denn wenn er die Gesellschaft liquidieren müsste, dann hat er diesen Vorteil nicht.
Es gibt viele Methoden für eine Unternehmensbewertung. DCF, Barwert, Ertragswert, gemischte Bewertung. Am Ende musst Du für Dich entscheiden, was ein fairer Wert ist und mit den richtigen Argumenten versuchen, einen angemessenen Preis beim Kauf oder Verkauf zu verhandeln. Es ist schliesslich Deine Vergangenheit oder Deine Zukunft. Und vergiss die Steuern nicht, stille Reserven sind nur zu 2/3 dem Unternehmen, 1/3 gehört dem Staat!