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| Leo I., Papa 440-461 (Leo der Grosse) - Die (echten) Briefe v. J. 440–450

I. Echte Schreiben
3. (A) Fragment eines Schreibens des Bischofs Cyrillus von Alexandrien an den Papst Leo.
3. (A) Fragment eines Schreibens des Bischofs Cyrillus von Alexandrien an den Papst Leo. 1
Einleitung und Inhalt.
Schon in der Einleitung zum 15. Briefe des P. Innocentins I. an Bischof Aurelius von Cartago2 lernten wir zum Teil den Unterschied der Principien kennen, welche die römische und alexandrinische Kirche bei der Festsetzung des Osterfestes leiteten und häufig ein bedeutend abstehendes Datum des Osterfestes in beiden Kirchen verursachten; wir sahen ferner, wie P. Innocentius im Gegensatze zur alexandrinischen Berechnung an der römischen festhielt, werden aber nun erfahren, wie P. Leo sich der alexandrinischen Rechnung, allerdings nicht so leicht, accommodirte, die von da an immer mehr in Geltung kam, obwohl bis zu ihrer völligen Annahme noch mehr als ein Jahrhundert verging. Das Jahr 444 brachte wieder eine bedeutende Divergenz in der Osterfeier, indem Ostern nach der Berechnung der Römer am 26. März, nach den Alexandrinern dagegen erst am 23. April gefeiert werden sollte. Aus dem unter 3 (B) folgenden Briefe des Bischofs Paschasinus erfahren wir, dass P. Leo bezüglich der Osterfeier des genannten Jahres den Bischof Cyrillus von Alexandrien befragte3 und von diesem auch ein Schreiben mit dem gewünschten Aufschluß erhielt. Dieses Schreiben des Cyrillus [S. 22] , dem Quesnell bei seiner Ausgabe der Werke des P.Leo noch unbekannt, publizierte zuerst Petavius4 und hernach Bucherius5in Verbindung mit einem anderen Briefe des Cyrillus, welchen dieser im J. 419 an die karthagische Generalsynode v. J. 419 zugleich mit den Akten des nicänischen Concils über die Osterfeier des J. 420 geschickt hatte; dieser letztere6 wurde dem P. Bonifacius I. mitgeteilt, und so geschah es höchst wahrscheinlich, dass derselbe später mit dem von Cyrillus nachher unmittelbar an den P. Leo gesandten Schreiben in dem päpstlichen Archive beisammen gefunden und wegen der Ähnlichkeit des Inhaltes auf eine unschickliche Weise verbunden wurde.7 Daraus ist es auch erklärlich, dass unser Brief, als ein Appendix zu dem ersten des Cyrillus betrachtet, am Anfange um ein vermutlich bedeutendes Stück beschnitten und nur in vorliegender fragmentarischer Form erhalten wurde. In dem verlorenen Teile nun scheint Cyrillus vorerst verschiedene, das Osterfest im Allgemeinen betreffende Regeln aufgestellt zu haben, zu Anfang des erhaltenen Fragmentes wird dann insbesondere von dem Feste des J. 444 gehandelt und bemerkt, dass es die Alexandriner auf den 23. April setzten, die Lateiner aber ihren irrigen Prinzipien zufolge einen Monat früher feiern wollten; die alexandrinische Rechnungsweise [S. 23] wird durch die Beziehung auf einen von Pachomius geschriebenen, ihm von Engeln diktierten Brief, auf die vom nicänischen Concil erlassenen und von den folgenden Synoden bestätigten Anordnungen und durch verschiedene allegorische Erklärungen bekräftigt.
1: Baller.I. p. 601 (ohne Num. Als Einleitung zu dem unter N. 3., hier 3 (B) folgenden Briefe des Paschasinus an Leo), Mansi V. p. 1217, Cacciari unbekannt.
2: s. Papstbriefe III. Bd. S. 84.
3: Bekanntlich beauftragte die Synode von Nicäa den Bischof von Alexandrien, jährlich der römischen Kirche anzuzeigen, an welchem Tage Pascha gefeiert werden müsse, damit die ganze Kirche durch apostolische Autorität (des römischen Bischofs) den bestimmten und unbestrittenen Paschatag erfahre; s. Hefele I. S. 330.
4: Doctrina tempor. t. II. App. P. 503.
5: Commentar. Ad Canon. PASCH: Victorii c. 1, p. 72.
6: Die wegen der Appellationsstreitigkeiten versammelte Generalsynode zu Karthago v. J. 419 hatte die orientalischen Bischöfe um Übersendung der echten nicänischen Canones ersucht; wir haben noch die hierauf erfolgten Antworten des Bisch. Atticus von Konstantinopel und des Cyrillus, welche beide nach Rom geschickt wurden; s. Papstbriefe III. Bd. S. 315 u. 368.
7: Dies geschah so, dass einerseits im 1. kleineren Briefe des Cyrillus and die Synode von Karthago v. J. 419 der Ostertag des J. 420 am 18. April irrig auf den 23. April (den Tag des J. 444) gesetzt wurde, andererseits der Schlußsatz des 1. Briefes, wo Cyrillus sagt, er übersende ihnen die nicänischen Akten, am Ende des 2. längeren Briefes versetzt wurde.