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Wer Schenken für eine leichte Sache hält, der irrt. Schenken birgt ein Höchstmass an Schwierigkeiten in sich, wenn es sich wirklich um wohlüberlegtes Zuteilen handeln soll, nicht um Verschleudern aus Zufall und Laune. Den einen verpflichte ich mir, einem anderen entgelte ich, dem helfe ich aus, mit einem anderen habe ich Mitleid, einen, der nicht verdient, von der Armut gepackt und von ihr festgehalten zu werden, unterstützte ich. Einigen freilich werde ich, auch wenn sie Mangel leiden, nichts geben; denn ihr Mangel ist durch Spenden nicht zu beheben. Einigen werden ich Unterstützung anbieten, einigen sogar geradezu aufdrängen.
Aus: Seneca. Vom glücklichen Leben. Insel Verlag: Frankfurt am Main/Leipzig 1992.