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Ich konnte mir vor der Show nicht wirklich etwas darunter vorstellen: Ich dachte an ein Zelt, in dem es dunkel ist, an Akteure mit weisser Kleidung, die in der Luft auf einem Seil balancieren. Falsch gedacht!
Die Bühne besteht aus einer grossen weissen Kugel mit vier Gerüsten. Die Show findet draussen, also bei Tageslicht, statt. Weil es windet, bäumt sich das weisse Tuch auf. Die Zuschauer auf den hölzernen Tribünen warten gespannt auf die Mitwirkenden, die Stimmung ist gut.
Die vier jungen Zürcher Tänzer und Tänzerinnen beginnen mit ihrer Show. Sie balancieren auf den Gerüsten, als ob sie nie etwas anderes gemacht haben. Leise Musik ertönt, es wird kein Wort gesprochen. Die Akteure drücken ihre Gefühle durch Körpersprache und Mimik aus und wirken auf den Gerüsten wie erprobte Akrobaten. Einer der Tänzer spielt Gitarre und auf einmal spaltet sich die weisse Kugel und der Boden wird sichtbar. Die beiden Tänzerinnen seilen sich ab, gesellen sich zu ihrem Kollegen, der in ein rotes Tuch gehüllt ist und beginnen auf dem Boden zu tanzen. Der Tanzstil ist sehr zeitgenössisch und harmoniert mit der Musik. Immer wieder kommt es zu musikalischen Unterbrüchen, die darauf hinweisen, dass etwas Neues geschehen wird.
Ich habe mich mehrmals gefragt, was für Gefühle die Akteure mit ihrem Tanz ausdrücken möchten. Es war nicht immer einfach herauszufinden. Gegen Ende war mir jedoch klar, dass es sich um ein Liebespärchen handeln muss. Auf der Bühne sah man zwei, die sich jagten und zwei, die eng umschlungen waren. Daraufhin hat die Musik gewechselt und aus der Liebesszene wurde Eifersucht, weil sich die zweite Tänzerin zwischen die Liebenden gedrängt hat. Die vierte Person springt daraufhin mit der Gitarre vom Gerüst und die anderen drei verschwinden im Bühnenboden. Rauch steigt auf und auch die vierte Person wird in den Abgrund gezogen.
Alles in allem war die Show sehr beeindruckend. Es gab Momente, in denen man sich nicht sicher war, um was es sich handelt. Ich denke jedoch, dass dies den Reiz ausmacht. Man hat die Freiheit sich selbst etwas vorzustellen, man erhält keine fixfertige Geschichte. Es bleibt Raum für die eigene Vorstellungskraft.