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Die Rhodeländer gehörten einst zu den weitverbreiteten Hühnerrassen und wurden auch in der Schweiz an grossen Geflügelschauen zu Hunderten gezeigt. Heute sorgt ein kleiner Liebhaberkreis für den Fortbestand dieser ursprünglichen Wirtschaftsrasse.
Zwischen Boston und New York liegt der kleinste Bundesstaat der USA. In Rhode Island leben etwas mehr als eine Million Einwohner. Die an der Küste gelegene Stadt hatte besonders zu Schifffahrtszeiten eine grosse Bedeutung. So sind auch die Vorfahren der Geflügelrasse Rhode Island Reds dorthin gekommen. Noch heute können die Besucher das Denkmal von 1925 bewundern, das auf das leistungsfähige Zwiehuhn aufmerksam macht.
In der Schweiz haben die Hühner stets den Namen Rhode Island getragen. Doch mit der Einführung des Europastandards erfolgte der Namenswechsel hin zu den Rhodeländern, wie sie in Deutschland immer ge-heissen haben. Die ersten Tiere sind 1860 aus Kreuzungen zwischen roten malaiischen Kämpfern und anderen Rassen asiatischen Ursprungs entstanden. Die ersten einfachkämmigen Rhodeländer wurden 1904 im amerikanischen Standard aufgenommen. Kurz darauf folgte die Variante mit dem Rosenkamm.
Die Rasse verbreitete sich schnell um den Erdball. 1901 wurden die roten Hühner in Deutschland eingeführt. Und sie waren schnell auch in der Schweiz zu sehen. Über 600 Tiere wurden bereits 1932 an der Nationalen Geflügelschau gezeigt. Die Liebhaber stiegen noch weiter an, bis die Rasse vor fünfzig Jahren durch das Aufkommen der Hybridhühner aufgrund ihrer geringeren Wirtschaftlichkeit verdrängt wurde. Bereits damals standen auf den Ausstellungen jeweils Zwerg-Rhodeländer, die nicht wie ihre grossen Brüder in den USA, sondern in Deutschland entstanden waren. Von den Rassenmerkmalen her gleicht die Zwergrasse ihrem grossen Verwandten. Sie weicht einzig in der Körpergrösse ab.
Eine robuste Rasse
Die Rhodeländer gelten als klimaresistente Hühner. Die Küken wachsen schnell und sind unempfindlich. Unter den Liebhabern gelten sie als zutrauliche Tiere mit einem lebhaften Gesichtsausdruck. Am besten gönnt man dieser Rasse einen ausgiebigen Auslauf, damit sie möglichst viel Futter selber suchen und verwerten kann. Die Bruteigenschaft wurde weggezüchtet, damit sie möglichst viele Eier legen. Die Legeleistung soll über mehrere Jahre hoch bleiben. Bei einer konstanten Legekontrolle kann die Legetätigkeit stets gesteigert werden. Wie in der Chronik des Schweizerischen Rhode Island Klubs steht, sollen bereits 1932 erste Tiere über 200 Eier pro Jahr gelegt haben. Wie in der staatlich geprüften Legekontrollstation damals ermittelt wurde, gab es Hennen, die im Jahr 247 Eier mit einem Durchschnittsgewicht von 63 Gramm legten.
Grossrasse
Gewicht Hahn: 3 – 4 Kilo
Gewicht Henne: 2,4 – 3 Kilo
Bruteier-Mindestgewicht: 58 Gramm
Schalenfarbe der Eier: braun bis dunkelbraun
Legeleistung: 180 Eier
Zwergrasse
Gewicht Hahn: 1,6 Kilo
Gewicht Henne: 1,2 Kilo
Bruteier-Mindestgewicht: 45 Gramm
Schalenfarbe der Eier: hellbraun
Legeleistung: 180 Eier
Damals wurden die Rassen auch auf ihre Gebirgstauglichkeit getestet und so wurden auf dem höchstgelegenen Nutzrassen-Geflügelstall in Europa, an der Bergstation des Eigergletschers, auf über 2300 Meter über Meer Rhodeländer gehalten. Die Tiere bestanden den Test und legten auch im Winter, wenn es bis zu minus 28 Grad kalt wurde. Betrachtet man die Tiere von der Seite, sollen sie eine Backsteinform zeigen, die aus einer Länge von fünf Teilen und einer Höhe von drei Teilen besteht. Die Brust wird tief getragen und der Rücken ist waagrecht. Diese Körperform sorgt für genügend Platz des Legeapparats. Mit drei bis vier Kilo Körpergewicht erreicht der Hahn eine imposante Körpergrösse, die für ein Zwiehuhn auch die Eigenschaften als Fleischhuhn unterstreicht.
Dunkelrote, glänzende Federn
In der Schweiz wurden die Rhodeländer immer mit dem Stehkamm gezüchtet. Er soll möglichst fünf gleichmässige Zacken zeigen, und die Kammfahne soll dem Nacken folgen. Die rosenkämmige Variante ist in der Schweiz erst mit der Einführung des Europastandards anerkannt worden. Ein fest aufgesetzter Kamm ohne Furche mit einem kurzen Dorn wird bei dieser Kammvariante gewünscht. Die Rhodeländer zeigen orangegelbe Läufe mit einer rotbraunen Schuppung. Passend dazu präsentiert sich die Gefiederfarbe in gleichmässig dunkelroter Tönung. Ein hellrotes oder fleckiges Federkleid wird an Ausstellungen mit Punkteabzug bestraft. Freude hat der Geflügelrichter an einem intensiven Gefiederglanz. Die Innenfahne der Armschwingen sowie auch die Steuer- und Sichelfedern sind schwarz. Die Rhodeländer wurden dagegen immer nur in einem Farbenschlag gezüchtet.
In der Schweiz gibt es seit mehr als hundert Jahren einen Spezialverein, der die Hühnerrasse fördert. In der Vereinsgeschichte gab es einst sogar zwei Klubs, der vielen Mitglieder wegen wurden noch Untergruppen geführt, damit sich die Züchterinnen und Züchter in den verschiedenen Landesteilen individuell organisieren konnten. Heute umfasst der Klub noch rund zwei Dutzend Mitglieder, die Neueinsteigern mit dem Verkauf von Zuchttieren und Ratschlägen über die Haltung der Rhodeländer zur Seite stehen.