Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03304.jsonl.gz/975

Ruedi Vonlanthen spricht in seiner polemischen Motion den Primar- und OS-Lehrern das Recht ab, ein Grossratsamt auszuüben. Diese Forderung alleine widerspricht bereits jeglichem Demokratieverständnis. Eine ganze Berufsgruppe von einem politischen Amt auszuschliessen, ist in einer gewachsenen und direkten Demokratie hoffentlich nicht möglich. Eine zweite Grundregel der Demokratie scheint Herr Vonlanthen ebenfalls vergessen zu haben, nämlich das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben: Die Entscheidung, ob ein mündiger Schweizer Bürger ein politisches Amt ausüben darf, können wir in unserem Land glücklicherweise noch alleine treffen beziehungsweise der Bürger durch seine Wahl an der Urne. Die Argumentationskette von Herrn Vonlanthen wird allerdings noch abenteuerlicher: Er begründet seine Motion nämlich mit fehlender Loyalität der Lehrpersonen gegenüber ihrem Arbeitgeber und negativen Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität. Verhält es sich in Wahrheit nicht genau umgekehrt? Hat nicht der zuständige Staatsrat mit dem Amtsverbot für Eliane Aebischer seine Kompetenzen überschritten? Ist es nicht viel mehr Ausdruck eines gesunden Demokratieverständnisses und eines funktionierenden Arbeitsethos, wenn man sich zugunsten einer guten Schule einsetzt und nicht alle Verordnungen von oben abnickt? Genau solche Leute braucht es im Grossen Rat nämlich, unabhängig davon, welchen Beruf sie ausüben! Der Grosse Rat hat wahrlich andere Themen zu diskutieren als diese unsinnige und diskriminierende Motion.
Olivier Stritt, Alterswil