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Beschreibung Punkt/Bindu
Jenen winzigen Punkt, den Jung "das Symbol eines geheimnisvollen schöpferischen Zentrums in der Natur" nennt, kennen wir unter einem Dutzend verschiedener Namen. Er wird als Dot, Punkt, Tupfen, Fleck, Monade, Bindu und als Senfkorn bezeichnet. Rein formal betrachtet handelt es sich um die kleinste noch sichtbare Markierung:
Er ist das kleinste und erste Zeichen. Dieses Zeichen kann als ein Bild der Unendlichkeit betrachtet werden, "des völlig formlosen Prinzips, dem alle Wesen und alle Materie entstammen". In konkreter Form können wir es nur als eine sichtbare Struktur darstellen, als einen Punkt. Doch es kann auch als die allererste materielle Inkarnation solcher Formlosigkeit gelten – den Ausgangspunkt, aus dem alle Dinge entstehen ...
"...Das Universum ist so angelegt, dass es sich von allein aus dem Bindu entfaltet" (khanna, 102). Der Punkt ist reine Potenzialität. "Aus diesem Pünktchen", meinte der Alchemist Gerhard Dorn, "hat die Sapientia Dei mit dem schöpferischen Wort die ungeheure Maschine des Weltalls gemacht".
Als Anfangspunkt wird er Knospe und Samen genannt. Als Quell aller Dinge stellt man ihn sich als die kreative Kraft im Kosmos vor. Im Tantrismus ist er als Bindu im männlichen Samen symbolisiert und konkretisiert: im Ursprung neuen Lebens.
Der Punkt hat noch mehr zu bieten. Als Mittelpunkt und Ursprung aller Dinge lässt er gegensätzliche Tendenzen erstehen: oben und unten, männlich und weiblich, heiss und kalt. Der Punkt ist der Ort, an dem man sich wieder versöhnen kann, der ruhige Ort inmitten der Vielfalt des Lebens. Für tantrische Mystiker ist der Punkt der ideale Mittelpunkt, der Ausgleich aller Polaritäten. Für den Dichter T.S. Eliot ist er "der Ruhepunkt der sich drehenden Welt". Für den Alchemisten gilt er als ..."das einfachste Symbol der Ganzheit, ...daher auch das einfachste Gottesbild". Dorn sagte: "dass der Gottheit nichts ähnlicher sei als das Zentrum; denn dieses fülle keinen Raum, weshalb es nicht erfasst, gesehen und gemessen werden könne". Andere Traditionen sprechen vom Punkt als dem mächtigen Punkt des Göttlichen im Menschen. "Wenn Du den Punkt in Dir genau erforschest, so wirst Du ihn in Dir selber finden, als Einen und Vieles, entsprechend jenem Punkte, indem Du aus Dir selber, den Durch- und Ausgang findest" (Gnostiker, 2. Jahrhundert).
Das Symbol und die Beschreibung vom Punkt/Bindu finde ich in meiner Arbeit mit Musik und Klang in Resonanz zu meinen Klienten gespiegelt. Er hat mich inspiriert in diese Richtung weiter zu forschen und meine Arbeit zu erweitern sowie zu vertiefen.
Ich verstehe meine Arbeit mit der Musik und dem Klang als eine psychodynamische sowie energetische ganzheitliche Therapieform: Der innere und der äussere Punkt des Menschen wird angesprochen und (wieder) in Schwingung gebracht. Gemäss Pythagoras besteht der Mensch aus denselben Schwingungen wie das Universum. Sind diese im Menschen durch Stress und andere Einflüsse aus den Fugen geraten, wird er krank. Die durch Musik und Klang (aussen) zugefügte Schwingung und Vibration (vibroakustische Stimulation) spricht in uns Menschen Emotionen an und fördert die Energie und das Wohlbefinden: es kommt etwas in Bewegung (innen). Dadurch können während einer Krankheit die Selbstheilungskräfte angeregt und die Erholungsphase beschleunigt werden. Sie kann auch für den gesunden Menschen präventiv genutzt werden und dient dem Stressabbau und zur schnellen Regeneration von Körper und Geist.
Bei der intensiven Arbeit in den vergangenen Jahren mit schwer kranken Menschen und Sterbenden haben mir die Patientinnen und Patienten deutlich gelehrt, was im Leben wichtig ist, und welche Themen ich vermehrt in sie integrieren sollte. Die Spiritualität ist nötig und hilfreich, sie ist nicht vom Leben und Glauben abzutrennen. Sie gehört zu uns und zum Universum. Die spirituelle Begleitung verbunden mit der Musik- und Klangtherapie ist ein wundervolles Instrument und wirkt sich positiv aus.
Die Musik- und Klangtherapie ist für alle Menschen, ob gesund oder krank, ob jung oder alt.