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Identifikation
Signatur:
Ar 468
Entstehungszeitraum / Laufzeit:
1874-2004
Umfang:
13 m
Kontext
Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Die Anfänge des Schweizerischen Arbeiter-Turn- und Sportverbandes SATUS sind im Schweizerischen Grütliverein (1838 in Genf gegründet) zu finden. Im sich rasch in der ganzen Schweiz ausdehnenden Bildungsverein führten um 1865 bereits eine grössere Zahl lokaler Sektionen sogenannte Turnklassen, in denen die Mitglieder verschiedene Leibesübungen durchführten. 1866 erfolgte die Gründung des ersten Grütliturnvereins in Lausanne und am 8. Juni 1874 wurde im Rahmen des Zentralfestes in Winterthur der Schweizerische Grütli-Turnverein mit sechs Sektionen gegründet. In den ersten Satzungen hielt der Verein seine Ziele fest: „Einigung und Einklang in die Sache des Grütliturnvereins zu bringen und für Pflege und Verbreitung der edlen Turnkunst unter der arbeitenden Klasse zu sorgen, um dadurch dem Grütliverein eine neue Stütze und dem Vaterland immer mehr tüchtige Kräfte zuzuführen.“ Bereits ein Jahr nach der Gründung bestanden 10 Turnsektionen mit 200 Mitgliedern.
Der Schweizerischen Arbeitersportbewegung kam in jenen Jahren grosse Bedeutung zu – national und international. Der Satus öffnete die aktive sportliche Betätigung weiteren Gesellschaftsschichten und erwies sich schon bald als Sportpionier. Wesentlich beeinflusst vom deutschen Arbeitersport kam es zu einer Ablösung des steifen Kraftsports mit seinen militärischen Kommandos durch rhythmisches Bewegungsturnen, das als Förderung der körperlichen und geistigen Gesundheit verstanden wurde. Diese Ausrichtung förderte die aktive Teilnahme der Frauen, welche von Beginn weg gleichberechtigt in den Satus-Vereinen willkommen waren, zusätzlich. Die Satus-Turnerinnen wurden ab 1930 zu sportlichen Vorreiterinnen, da sie früh gemeinsam mit Männern an Turnfesten auftreten durften. Weil ihnen von den Männern hartnäckig das Wettkampf- und Hochleistungsprinzip untersagt wurde, kamen aus dem Frauensport bis heute die entscheidenden Impulse für die Weiterentwicklung des Satus im Breitensport.
Mit der Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und gesellschaftlichen Unruhen kamen schwere Zeiten auf den Satus zu. Das Bekenntnis zur sozialistischen Bewegung bedrohte die finanzielle Eigenständigkeit des Verbandes (Entzug von Bundessubventionen, Ausschluss aus privaten Versicherungen). Erst die Zustimmung zur militärischen Landesverteidigung 1937 beendete diesen Ausschluss. Der Zweite Weltkrieg und die Mobilisierung gefährdeten den Satus dennoch in seinem Weiterbestehen. Der Turnbetrieb wurde eingestellt und das Vereinsleben konnte nur mit Mühe und Anstrengung weitergeführt werden.
1946 konnte in Basel das erste Nachkriegsturnfest des SATUS durchgeführt werden und der SATUS beteiligte sich am neu formierten Internationalen Arbeitersport-Komitee IASK. Weiterhin getragen vom Grundsatz, die Ideen des Arbeitersports zu fördern, verloren die ideologischen Ziele durch den sozialen und gesellschaftlichen Wandel allmählich an Bedeutung. Der Satus wurde zu einem anerkannten, gleichberechtigten Partner im schweizerischen Sportwesen. So wurde ab 1959 die Teilnahme an leistungsorientierten Wettkämpfen wie Welt- und Europameisterschaften sowie olympischen Spielen möglich. Mit verschiedenen nationalen Sportverbänden (Handball, Leichtathletik) wurden Vereinbarungen getroffen.
Der Satus Schweiz ist heute ein politisch, wirtschaftlich und konfessionell unabhängiger Sportverband, der allen Mitgliedern, unabhängig von ihrer sozialen Lage und politischen Einstellung ein aktives Freizeitangebot im Breitensport zur Verfügung stellt. Der Verband besteht aus 250 Vereinen mit rund 25'000 Mitgliedern. Nebst dem traditionellen Turnen wurden in den letzten Jahren insbesondere für Jugendliche (Unihockey, Rope Skipping) neue Angebote geschaffen. Aus der engeren Zusammenarbeit mit dem SKTV Frauensportverband entstand 2005 Swissfit, eine neue Sportorganisation für Lifetimesport, Wellness und Gesundheit sowie 2006 das erste gemeinsame nationale Sportfest.
Bestandesgeschichte
Die Überlieferung weist teilweise grosse Lücken auf, auch bei den Protokollen. Diese Lücken können nicht zweifelsfrei erklärt werden. Die ältesten Dokumente haben zu einem unbekannten Zeitpunkt einen Wasserschaden erlitten. Das Zentralsekretariat war bis 1996 im Volkshaus Zürich untergebracht. Mit dem Rücktritt des Zentralpräsidenten Ernst Deck (1928-2007) wurde der Sitz nach Bern verlegt; die Geschäftsstelle wurde neu an der Schlösslistrasse 15 eingerichtet.
Übernahmemodalitäten
Der Bestand des Satus gelangte am 8. Dezember 2007 aus dem Zentralsekretariat des SATUS in Bern ins Schweizerische Sozialarchiv. Die Übernahme wurde von Silvia Wägli, Geschäftsführerin, betreut.
Inhalt und innere Ordnung
Form und Inhalt
Der Archivbestand enthält Akten seit der Gründung des Schweizerischen Grütliturnverbandes 1874. Es sind vorhanden: Protokolle und Akten der Verbandsorgane (Verbandstage, Zentralvorstand, Geschäftsleitung, etc.), Korrespondenz, Protokolle und Unterlagen zu einzelne Kantonalverbänden und Sektionen (u.a.; Kantonalverband Aargau, Kantonalverband Bern, Sektion Zurzach, Sektion Baden, Sektion Lenzburg, Frauenriege Brugg), Unterlagen zur Verbandsgeschichte und Jubiläen, Unterlagen zu Verbandsfesten, Wettkämpfen und Kurswesen, Mitgliederverzeichnisse, Akten zur Verbandszeitung, Unfallversicherung, Unterlagen zu Personal, Finanzen und Werbung, Unterlagen zu Beziehungen zu schweizerischen und internationalen (Arbeiter)sportorganisationen, Drucksachen, Filmmaterial, Fotografien, Verschiedenes.
Bewertung und Kassation
Kassiert wurden Mehrfachexemplare, Buchhaltungsunterlagen sowie Akten, die zu rein organisatorischen Zwecken produziert wurden. ¶
Neuzugänge
Es werden keine Neuzugänge erwartet.
Zugangs- und Benutzungsbedingungen
Zugangsbestimmungen
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.
Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher französischer und italienischer Sprache
Sachverwandte Unterlagen
Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen
Verzeichnungskontrolle
Informationen der Bearbeiter*in
Das Archiv des SATUS wurde im Auftrag des Schweizerischen Sozialarchivs im Herbst 2007 von Rita Lanz, Historikerin, in den Räumlichkeiten des Zentralsekretariates in Bern bearbeitet.