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Eine absteigende Tonlinie. Unisono das ganze Orchester. Dann diese Linie mit Trompeten fanfarenartig variiert. Dann der Choreinsatz: leise blühend. Das alles innerhalb von nicht einmal einer Minute. Die 5. Sinfonie von Philipp Glass beginnt mit einer Vielzahl von musikalischen Einfällen. Und widerlegt damit das Vorurteil grauer Gleichförmigkeit: Klingende Tapetenmuster sei die Minimal Music. Leicht hergestelltes Material, mit dem sich schnell ganze Opern oder Filmmusikpartituren füllen lassen.
Meditativ oder nervig?
Gewiss: Die Urväter der Minimal Music in den USA sind damals mit radikal verringertem Material angetreten. Das war in den 1960er-Jahren, als in Europa noch der Serialismus blühte. Also eine Musikrichtung, die mit raffinierten Konzepten über Tonhöhe, Register, Klangfarbe, Tonlängen und so weiter eine komplexe Musik hervorbrachte, die viele Hörer überforderte.
Ein Stück aus nur zwei Noten hat einer der Pioniere der Minimal Music, La Monte Young, 1960 geschrieben. Die beiden gleichzeitig erklingenden Töne sollen «sehr lange gehalten werden». So die Spielanweisung. Der Effekt: meditativ. Oder nervig.
Festival zur Minimal Music in Basel
Minimal Music hat sich weiterentwickelt. Das zeigt nicht nur die geradezu üppige 5. Sinfonie von Philip Glass, einem der prominentesten Vertreter dieser Richtung. Das zeigt auch das Festival «More than Minimal», das vom Sinfonieorchester Basel auf die Beine gestellt worden ist.
Dessen Chefdirigent Dennis Russell Davies hat zahlreiche Kompositionen seines Freundes Philip Glass uraufgeführt. Die 5. Sinfonie ist ihm sogar gewidmet. Im Programm des Festivals kommen Glass' 2. Cellokonzert und seine 6. Sinfonie «Plutonian Ode» zur Aufführung.
Andere Formen der Vereinfachung
Minimal, oder eben «mehr» als Minimal Music, bedeutet im Falle dieses Schwerpunkts auch der Blick auf verwandte Strömungen aus Europa. Die Musik des estnischen Komponisten Arvo Pärt etwa. Pärt hat sich, auch aus Ablehnung einer sowjetischen Musikdoktrin, in den 1970er-Jahren einem radikal vereinfachten Stil zugewandt. Er nennt ihn den «Tintinnabuli»-Stil. Das lateinische Wort für Glöckchen verweist auf die Dreiklänge, die ein solcher Glockenklang hervorrufen kann. Einfache Dreiklänge sind denn auch bestimmend für Pärts Musik.
Arvo Pärts am Festival aufgeführte Komposition «These Word ...» für Streichorchester und Schlagzeug basiert auf einem alten, kirchenslawischen Gebet, worin ein Schutzengel angerufen wird. Damit ist auch die religiöse Komponente angesprochen, die Pärts Musik hat. Im Gegensatz zu den meisten minimalistischen Kompositionen seiner amerikanischen Kollegen.
Minimal Music auch im Kino
Das Basler Festival ist alles andere als minimalistisch. So sind in einem «Entdeckerkonzert» am Mittwochnachmittag Solisten wie der Cellist Matt Haimovitz oder der Posaunist Mike Svoboda zu hören.
In einem «Round Table»-Gespräch gibt Chefdirigent Davies Einblicke in die Geschichte der amerikanischen Minimal Music. Und im begleitenden Kinoprogramm ist am Freitag Peter Greenaways Film «The Draughtman’s Contract» zu sehen. Die Filmmusik dazu stammt – wie könnte es anders sein – vom Minimal-Komponisten Michael Nyman.