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Die Bergungsteams in China haben das Schiff mit Kränen gedreht und aufgerichtet. Das Touristenschiff «Stern des Orients» soll aus dem Wasser gehoben werden. Das würde die Suche nach den Leichen erleichtern.
Die Bergungstrupps gehen drei Tage nach der Schiffskatastrophe davon aus, dass sie wohl keine Überlebenden mehr finden werden. Es gebe keine Hinweise auf Leben an Bord, sagte der Sprecher des Transportministeriums.
Der «Stern des Orients» war aus noch ungeklärten Gründen gesunken. 77 Tote wurden bisher aus dem Wrack geborgen, wie das Staatsfernsehen berichtet. Von den insgesamt 456 Menschen an Bord haben offenbar nicht mehr als 14 überlebt. Die Passagiere – in der Mehrzahl Touristen im mittleren und höheren Alter – haben das Schiff für eine elftägige Jangtse-Tour bestiegen.
Heikle Bergungsarbeiten
Die Suche nach Überlebenden gestaltet sich sehr schwierig. Die Taucher kommen in dem trüben 15 Meter tiefen Wasser nur schwer voran. Umgefallene Möbelstücke sollen die Gänge innerhalb des Schiffes blockieren. Und Kabinentüren seien, so das Fernsehen, verriegelt.
Die Bergungstrupps hatten zunächst damit begonnen, drei Löcher in den Rumpf zu schneiden, um Tauchern einen besseren Zugang zu ermöglichen. Es bestehe aber die Gefahr, dass Luft aus dem Inneren entweiche, das Schiff davon instabil werde oder weiter sinke, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.
Die Einsatzkräfte befestigten sodann Stahlseile, um das Wrack zu stabilisieren. Fünf Bergungsschiffe standen zeitgleich mit Kränen bereit, um das Schiff, das kieloben im Wasser schwimmt, zu halten und umzudrehen.
Kapitän und Chefingenieur unter Druck
Der Staatsrat hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet. Es stehen Fragen im Raum, die vornehmlich das Verhalten des Kapitäns und des Chefingenieurs betreffen. Beide haben überlebt und werden in Polizeigewahrsam gehalten.
Nach ihren Angaben soll ein Tornado das vierstöckige Schiff plötzlich in Schieflage und «in nur ein bis zwei Minuten» zum Kentern gebracht haben. Unklar ist bis jetzt, warum der erfahrene Kapitän trotz des schlechten Wetters weitergefahren ist, während andere Schiffe anhielten.
Die Behörden haben nun auch ihre Bemühungen um die Angehörigen verstärkt, deren Unmut zusehends lauter wird. Nach Angaben des Fernsehens räumten Regierungsvertreter ein, dass es schwierig sei, sich um die Bedürfnisse eines jeden Familienmitglieds zu kümmern.
Etwa 300 Angehörige trafen am Donnerstag an der Unglücksstelle in Jianli in der Provinz Hubei ein. 200 weitere werden in den kommenden Tagen dort erwartet, wie die Mitarbeiterin einer Sammelstelle für die Angehörigen sagte. Einige Familien waren in ihren eigenen Autos angereist, weil sie nicht auf die von der Regierung bereitgestellten Busse warten wollten.
Beamte seien «sehr nervös»
Unterdessen verliessen mehr als 20 Kleinbusse mit Särgen ein in der Nähe gelegenes Bestattungsunternehmen. Die Angehörigen wurden genau von Polizisten beobachtet. Diese seien «sehr nervös», sagte ein Angehöriger. Auch für ausländische Medien war der Zugang zum Unglücksort eingeschränkt.
Die Familien der Verunglückten haben die restriktive staatliche Informationspolitik kritisiert. Chinesische Medienberichte konzentrierten sich auf Regierungschef Li Keqiang, der die Rettungsarbeiten koordiniert. Und an einer Medienkonferenz unterliessen es die Behördenvertreter, Informationen über die Opfer abzugeben. Fragen waren keine zugelassen.