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Sepp Blatter, einer der grössten lebenden Schweizer von globaler Bekanntheit mit einem Reich, das mehr Staaten umfasst als das des Papstes oder Napoleons, dessen globaler Einfluss, mindestens auf den Fussball bezogen und dessen Fans, grösser ist als der von George W. Bush, kommt aus dem Oberwalliser Dorf Ulrichen, das nur wenigen Schweizern ein Begriff ist. Sepp Blatter, der das schönste Zürcher Verwaltungsgebäude sein eigen nennen darf, meint, seine Landsleute seien neidisch, sie würden ihm den Erfolg nicht gönnen. Ich kann dies nicht glauben, denn täglich erfahre ich, wie die Menschen in verehren. Es ist eine natürliche Scheu, die sie davon abhält, sich ihm gegenüber zu äussern. Ich habe in vielen Jahren überhaupt sehr wenige neidische Schweizer erlebt. Was von Reichen und Erfolgreichen als Neid erlebt wird, ist meist nur der reflexartige Wunsch, noch mehr Anerkennung zu erhalten, sei es als erfolgreicher Patentanwalt, Forscher oder Bankmanager. Lieber Sepp, es mag einige Neider geben, sicher im Kreis jener Fussball-„Freunde“, die Deinen Aufstieg verhindern wollten. Die Zahl Deiner Bewunderer, welche Dich, dem berühmten Korsen nicht unähnlich, ganz oben auf dem Olymp sehen, ist unendlich grösser. Jene wenigen Neider, die einem das Leben wirklich schwer machen, erbringen die höchste Form an Anerkennung. Man sollte ihnen diese Freude lassen.
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Monatsarchiv für Mai 2008
Natürlich ist der UNO-Bericht auffallend gewesen, welcher unserem Land attestiert, dass es – schlimmer als Brasilien – die grösste Kluft zwischen Arm und Reich in der Welt aufweist. Dies liegt daran, dass die Armen in unserem Land immer noch einen sehr erträglichen Lebensstandard aufweisen gemessen an denjenigen in den Favelas von Sao Paulo, wo sich kein Reicher mehr auf die Strassen wagt. Die Schweiz, d.h. die Regierungen der Kantone und des Bundes, haben sich nun einmal entschlossen, den Reichen dieser Welt die Türen zu öffnen: Französischen Ölhändlern, russischen Magnaten, deutschen Industriellen und italienischen Erben, dazu griechische Tankerkönige, schwedische Möbelhändler und indische Neureiche. Was Fred David als B-Schweiz bezeichnet ist nichts anderes als die alte Binnemarkt-Schweiz, eine Puppe, die nun einen neuen Schmetterling entlässt, die A-Schweiz: international, global, an Corporate Services ausgerichtet. In den Zentren dieser neuen A-Schweiz wird das Leben immer schöner: grössere Häuser, mehr Rasen, bessere Restaurants, sogar attraktivere Menschen. Unser Kapital (Kielholz, Kurrer, Schmidheiny) hat sich längst mit dem der neuen A-Schweiz verbunden. Das Zürcher Opern- und Schauspielhaus, beide für die obersten Manager des Finanzplatzes unerlässlich, geniessen derzeit grosse internationale Anerkennung, Sepp Blatter lässt mit Freund Platini die Spiele seiner EM-Fussballer anrichten. Abt Martin, Leiter des Klosters Einsiedeln, gibt geistige Stütze, sofern diese notwendig wird. Nur die Universität St. Gallen ist etwas zurückgefallen, Platz 33 in Europa. Die Schweiz präsentiert sich ruhig, wo der Zug abgeht, weiterhin überdurchschnittlich wachsend. Das war der Mai, Überraschungen sind abgesagt.
Ferdinand Hodlers Bilder sind zwar in der Schweiz ein Hit, nicht aber auf der grossen Weltebene. Es stellt sich von daher die Frage, ob Hodler wirklich Weltklasse ist, oder nur ein B- oder sogar C-Klasse-Künstler, der nationalen Unternehmern als Projektionsfläche ihrer Träume dient. Thomas Schmidheiny, Opfer seines Vaters, der auch schon Werke Hodlers sammelte, hat seine Sammlung schon einmal in den beiden Amerikas vorgestellt, was aber keine sichtbaren Folgen hatte. Christoph Blocher, zweitgrösser Hodler-Sammler des Landes, will nur aus Lust kaufen und legt auf Wertsteigerungen weniger Wert. Jetzt prüft man im Bundesamt für Kultur, ob man nichts mit Staatsgeldern nachhelfen könne, um das Ansehen des einseitig im eigenen Land prominenten Schweizer Malers zu fördern. Das Moma hat bisher kein Interesse gezeigt.
Schon Tony Blair hat es den englischen Gerichten verboten, in Sachen Flugzeuglieferung der BAE nach Saudi-Arabien den offensichtlich berechtigten Bestechungsvorwürfen auf den Grund zu gehen. Bestechung ist also erlaubt, wenn sie – vorgegebenen –Staatsinteressen dient. Jetzt haben wir den gleichen Fall in der Schweiz: Der Bundesrat, angeführt von Dr. Christoph Blocher, hat während eines Prozesses Geheimaktien vernichten lassen, weil der CIA darauf bestand. Damit ist auch die unabhängige Schweizer Rechtsstaatlichkeit nicht mehr das Gelbe vom Ei. Merke: Staaten haben Interessen, Gesetze sind für das Volk.
Aus den Ferien zurückgekehrt, präsentiert sich die Schweiz wie ein „Golden nugget of the world“, eingebettet in viel Grün. Wer sieht, wie andernorts in Europa die Menschen um ihren Wohlstand kämpfen, kann die Spuren erworbenen Reichtums in unserem Land nicht übersehen. Die Strassen, auch in Zürich, sind eigentlich recht leer. Die IT-Systeme, welche uns mit der Welt verbinden, summen hinter grauen Fassaden, hinter parkähnlichen Anlagen, oder ganz abseits in den industriellen Parks. Die Zeit rutscht zusammen: Swissair und subprime-Finanzplatzkrise haben uns gegen Fr. 100 Mia. gekostet, kein Kleingeld wahrhaftig. Oerlikon ist bei Renova und damit in Dr. Viktor Wekselbergergs urakinisch-russischen Händen, ABB steht unter deutscher Kontrolle, ganz wie von Roll und SGS, die Bank Sarasin ist holländisch kontrolliert. Das tut uns nicht weh, im Gegenteil. Je mehr sich die Wirtschaft dem Ausland öffnet, umso reicher werden die verbleibenden Eidgenossen. Anwälte, Treuhänder, Immobilienbesitzer und –händler kassieren Renten aus dieser Internationalisierung, nicht anders als die Kreativwirtschaft im Land, die allen zu Diensten steht, die bezahlen können. Seit vierzig Jahren betreiben wir diese Politik der Öffnung. Sie macht aus der der Schweiz eine globale Republik, offensichtlich kein schlechtes Schicksal.
Man wundert sich – und kommt nicht weiter – sofern man darüber nachdenkt, wie wohl Uri, Baar und Cham zu ihren Namen gekommen sind. Ob sie jüdischen Ursprungs sind, lässt sich nicht einfach feststellen. Es gibt jedoch identische hebräische Wörter, deren Erläuterung ich dem Bieler Privatgelehrten Dirk Schröder verdanke:
– Uri bedeutet „mein Feuer“ oder „die Lichtgegend“
– Baar heisst modernhebräisch „unwissend“, bibelhebräisch „Vieh, geistloser Mensch“
– Cham bedeutet „Schwiegervater, warm, heiss“. Cham, der Sohn Noahs, war jedoch nicht dessen jüngster Sohn, sondern eher sein kleinster und unbedeutendster, da Japhet und Sem seine Herren sind.
Es wäre „good sports“, dies noch zu vertiefen.
Wer lesen kann, möge sich vor Beginn der unvermeidlichen EURO 08 das Buch „Schweiz am Ball“ vom Lehrmittelverlag des Kantons Zürich beschaffen, dessen französische Version bei LEP in Lausanne erhältlich ist. Mathias Grüter macht auf nur 80 Seiten klar, was der Fussball für die Schweiz bedeutet: viel. Er stellt UEFA und FIFA vor, den möglichen Aufbau der Mannschaften und eine Geschichte all dessen, was den Fussball-Verrückten zu interessieren vermag. Ich, als potentiell unter dem Verkehr Leidender, die nächtlichen Abflüge ersorgender Nichtfussballer, kann allen Fans diese von Mix und Remix gezeichnete Publikation nur empfehlen.
Einst wollten die Bündner Touristiker dem Walliser Matterhorn die Bernina als Gegensymbol vor die Nase setzen. Derlei musste in einer gewaltigen Niederlage enden, denn die Bernina-Gruppe, drei Grate nach links, zwei Grate nach rechts, hat dramatische Aspekte, ist aber als Ganzes eher unauffällig. Eiger, Mönch und Jungfrau sind, von der Terrasse des Bundeshauses aus betrachtet, ein gefälliges Panorama, aber Nichtberner verwechseln die drei Gipfel dennoch regelmässig. Das kann den Wallisern nicht geschehen, ist das Matterhorn doch ein sehr eigenständiger Berg, zudem ein Macho-Symbol, von hohem Wiedererkennungswert. Die Walliser haben deshalb recht daran getan, ihr neues Qualitäts-Logo ganz auf diesen Berg hin auszurichten, der von den Zermattern oder „Mattini“ zwar prächtiger präsentiert wird, aber die Welschen wollten ihn etwas kleiner. Nun habe ich, die Natur liebend, doch ein zweites Matterhorn entdeckt, so unglaublich dies klingen mag. Es handelt sich um den Montagne de Rempart auf der Pazifikinsel Mauritius. Er ragt, unverkennbar, aus Palmen alleinstehend in die Höhe. Die im Wallis als afrikanischer Herkunft anerkannte Spitze des „Horu“ ragt im Pazifik allerdings nicht nach links, sondern nach rechts. Das Walliser Original, etwas höher ohnehin, bleibt „unchallenged“.
Die Tatsache trifft wohl zu, dass wir mit jedem Stück Edelfleisch, das wir in der „Kronenhalle”, bei Jacky Donatz oder im „Orsini“ verzehren, den Armen der Welt die Weizenkörner oder den Reis vom Teller nehmen. Die neuen Treibstoffe tragen selbstverständlich zur Verarmung weiter Kreise der Weltbevölkerung bei. Die sich mir laufend anbietenden Hedge Fund-Spekulanten wollten mich schon seit drei Jahren in Nahrungsmittelfonds drängen, was ich verweigerte, da ich das Geschäft zu wenig verstehe, Neuerdings sind auch unsere Pensionskassen an der Hungersnot vieler Mitbürger schuldig, denn sie suchen genau dort jene hohen Erträge, die bei uns nicht mehr möglich sind. Ist diese Gefrässigkeit eine autonom menschliche Eigenschaft, gewisse Raubtiere und fleischfressenden Pflanzen einmal ausgenommen? Mitnichten, denn auch unsere Milchstrasse hat bereits mehrere kleine Sternsysteme verschlungen und ist derzeit im Begriff, eine weitere Zwerggalaxie, die im Sternbild Sagittarius steht, zu verschlingen – oder ziehen Sie das Wort „merger“ vor? Wie mir Fachleute versichern, wird unsere Milchstrasse in zwei Milliarden Jahren im Andromeda-Nebel aufgehen. Die Nahrungskette, folgere ich daraus, geht weit über unseren irdisch-mernschlichen Horizont hinaus.
Unsere Jungen müssen einen Komplex entwickeln, hören sie dem 32jährigen Aditya Mittal zu, CEFO des Mittal-Konzerns und Sohn von Lakshmi Mittal, mit USD 45 Mia. der zweitreichste Inder nach den Tata. Mittal jr., kein Jahr Investmentbanker der CS-Group, liebt es, in ein Flugzeug zu springen, um irgendwo in der Welt Merger-Verhandlungen aufzunehmen, wenn er die Chance riecht. Der Wharton-Absolvent ist optimistisch für seine Firma. Wir in der Schweiz sehen dies anders: Alleine in diesem Jahr sind die Preise für Stahlblech bereits um über 30 % angestiegen. Mittel, Vöest und Thyssen kontrollieren den Markt. Beliefert werden nur noch „anständige Kunden“, die keine Bedingungen stellen und sofort bezahlen. Diese jungen Genies aus Indien machen mir wirklich Sorgen, denn unser „home made“-Nachwuchs ist viel zu bescheiden.