Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03438.jsonl.gz/1471

Hochgeachteter Herr!
Empfangen Sie meinen besten Dank für Ihre verehrl. Schreiben v. 27 Aug & 2 Septr sammt Beilagen. Ich übermache Ihnen die letztern beigeschlossen wieder. Sie gaben mir zu keinen besondern Bemerkungen Veranlassung.
In Betreff der Ihnen von Herrn Pfyffer gemachten Mittheilungen über die Ideen Jacini's in Betreff der Übernahme des Tunnels durch Italien & bezüglich des Zeitpunctes der Einzalung der Subventionen halte ich mich vor der Hand an das, was mir Jacini hierüber vor Stehlin & Pioda gesagt hat. Ich wünsche natürlich auch zu vernehmen, was Deutschland über diese Puncte denkt. Ich glaube annehmen | zu dürfen, daß die Anschauungsweise der deutschen Staatsmänner, die wir nun sprechen werden, mit den ursprünglichen Äußerungen Jacini's & den in unser Subventionsprogramm niedergelegten Grundlagen übereinstimmen dürfte.
Der telegraphische Bericht Rieter's aus England lautet nicht erfreulich. Es kömmt mir fast vor, die Herren seien etwas schnell zu dem Resultate gekommen, daß nul espoir in Betreff der Englischen Financiers zu hegen sei. Ich beabsichtige, die Frage der Bildung einer Gesellschaft in Baden-Baden mit in den Kreis der Besprechung zu ziehen. Vielleicht daß die Herren, mit denen wir conferiren sollen, es übernehmen, ihrerseits sachbezügliche Anregungen ge| rade auch in England zu machen. Wenn Sie sich nicht auf telegraphischem Wege in entegengesetztem Sinne gegen mich aussprechen, so würde ich dann Hrn. Rieter von Baden-Baden aus nach genommener Rücksprache mit Stehlin & Stoll einen Rath in Betreff der Frage ertheilen, ob Brassey von unserer Abordnung sondirt werden solle oder nicht.
Stehlin, Stoll & ich werden nun also, von Herrn. v. R. berufen, morgen in der Mittagsstunde in Baden-Baden eintreffen. Telegramme wären in den Badischen Hof zu adressiren. Ich glaube, wir werden bald nach der Schweiz zurückkehren können. Der Ausschuß dürfte etwa auf Donnerstag in Aussicht zu nehmen sein. Ich werde Ihnen bald möglichst von Baden aus telegraphiren, wann wir einer | Sitzung des Auschusses beiwohnen könnten.
Wir haben in den letzten Tagen die Frage der Repartition der 7 Mill. Frkn. auf die Central- & Nordostbahn mit Delegirten der Centralbahn (Sulger & Schmiedlin) in Zürich erörtert. Wir haben uns so viel als geeinigt. Nach heute Abend eingetroffenem Berichte mache nun aber – Trog Schwierigkeiten!!
Ich muß schließen. Es ist schon spät & ich muß morgen in aller Frühe den Wanderstab ergreifen. Mögen wir erfreuliche Nachrichten von unserer Reise zurückbringen zu können.
In ausgezeichneter Hochachtung
Ihr freundschaftlich ergebene
Dr A Escher
Zürich 2 Septr 1865