Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03438.jsonl.gz/2743

Unser Wappensymbol
Der Chrattenturm – wenn auch längst abgetragen – steht für Schutz, Treue und Standfestigkeit. Am bergseitigen Ende der „äusseren Letzi“, auf dem bewaldeten steilen Grat zwischen Peterstobel- und Nachtweidbach (Spitalerbach), stand bis 1444 ein Wehr- oder Wartturm als Stützpunkt des hier endenden Letzigrabens.
Er diente gleichzeitig als Signalstation zur Übermittlung von optischen Rauchsignalen als Alarmzeichen, wie wohl auch als Kommandoposten der Grabenbesatzung. In dem aus dem Jahre 1478 stammenden Teil der Zürcher Chronik des Gerold Edlibach findet sich die Zeichnung eines «Wartturms auf dem Zürichberg». Man nimmt an, dass es sich um den Krattenturm handelt, da er von Edlibach als Illustration zu kriegerischen Handlungen am Zürichberg im Alten Zürichkrieg gezeichnet wurde. Daselbst wird auch der Name des Wartturmes genannt:
ein thurn der wz (war) sinwal (rund) genannt der kratt,
und wz (war) gar ein gut warthus.
Krattenturm und Letzigraben wurden aber schon 1353 erwähnt. In jenen Jahren belagerten die Herzöge von Österreich gleich dreimal in kurzen Abständen die Stadt Zürich, aber jedes Mal ohne Erfolg. Zeitgenössische Chroniken (Klingenberger Chronik) berichten darüber, dass die Zürcher jeweils rechtzeitig den Letzigraben besetzen konnten. Letzigraben und Krattenturm scheinen sich damals als Angriffshindernis bewährt zu haben.
Die Edlibach-Chronik beschreibt den Krattenturm als «sinwal» d.h. «rund», die zugehörende Zeichnung aber stellt ihn eindeutig als eckigen Turmbau dar. Es wird vermutet, dass Schreiber und Illustrator dieser Chronik nicht identisch waren.
Nach der Zeichnung befand sich auf halber Höhe des Turms eine Einstiegöffnung, die wohl über eine Leiter erreicht und bei einem Rückzug in den Turm eingezogen werden konnte. Oben am Turmbau befand sich laut Zeichnung ein kranartiger Auslegebalken oder eine Stange, an deren Ende ein korbähnlicher Behälter befestigt war. In diesem Behälter oder Kratten befanden sich Pech oder Harz, das bei Sichtung von anrückenden Gegnern entzündet wurde. Die dadurch aufsteigende dunkle Rauchsäule konnte über eventuelle Zwischenstationen bis hinunter zur Limmat und zur Stadt beobachtet werden. Die bis heute lebendig gebliebene und durch Chroniken überlieferte Bezeichnung Krattenturm ist wahrscheinlich auf den korbähnlichen Behälter oder Kratten zurückzuführen. In ihrer Funktion ähnliche Wacht- oder Warttürme (speculae) errichteten schon die Römer an ihren Grenzlinien gegen Germanien.
Im Alten Zürichkrieg wurde dann der Krattenturm von den wiederum vergeblich die Stadt Zürich belagernden Eidgenossen am 30. April 1444 vollständig zerstört. Übrig gebliebene Steine vom zerstörten Gemäuer werden wohl, wie bei anderen Ruinen üblich, den umliegenden Bauern als billige Bausteine für ihre Ställe und Scheunen gedient haben.