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Die Schlosskirche
Vielleicht geht es Ihnen so wie vielen anderen - Sie wundern sich über das Äussere der Kirche und verbinden damit Erinnerungen an eine mittelalterliche Burg. Dieses äussere Erscheinungsbild der Kirche hängt eng mit der Geschichte des "Bauplatzes" zusammen. Gerne informieren wir Sie nachfolgend kurz über die Geschichte des Ortes und den Bau sowie die kunsthistorische Bedeutung der Schlosskirche.
Die Ritterburg der Göskoner
Um 1230 verlegte Freiherr Gerhard von Göskon seinen Stammsitz von Ober- nach Niedergösgen, welches zu dieser Zeit noch Bözach hiess. Als Bauplatz wählte er einen Felssporn gegenüber dem Stift Werd (Schönenwerd) aus. Darauf liess er eine Burg mit einem mächtigen Bergfried bauen. Seine Nachfahren waren jedoch alles andere als edle Rittersleute. So unternahmen sie mehrere Überfälle auf das Stift Werd, obwohl sie darüber eigentlich die Schirmherrschaft hatten. Der Probst zu Werd musste deshalb immer wieder beim Bischof von Strassburg, unter dessen Kastvogtei das Stift stand, vorstellig werden. Als die Linie der Göskoner ausstarb, gelangte die Burg Göskon durch Erbfolge an das verwandte Haus Falkenstein.
Göskon geht an Solothurn
Im alten Zürichkrieg (1444) wurde die Burg durch die Solothurner und Berner in Brand gesteckt. Sie bestraften damit den damaligen Besitzer, Thomas von Falkenstein, welcher kurz zuvor das Städtchen Brugg überfallen und eingeäschert hatte. Lediglich der Bergfried überstand die Zerstörung mehr oder weniger. Für 8'200 Gulden kauften die Solothurner dem Thomas die Herrschaft Göskon ab. 54 Jahre nach der Zerstörung baute Solothurn die Burg als Vogteisitz neu auf. Im Jahre 1659 folgte der Bau einer neuen Schlosskapelle, welche später als erste Pfarrkirche diente (heute christkatholische Kirche, oberhalb der Schlosskirche). Die wohl bekanntesten Landvögte von Gösgen waren Adrian von Bubenberg und Niklaus Wängi. Als im Jahre 1798 die Französische Revolution über die Schweiz hereinbrach, blieb auch das Niederamt nicht verschont. Die anrückenden Franzosen verjagten den residierenden Vogt und steckten das Schloss in Brand. Übrig blieben einige Mauerreste der Burg, die Unterburg (Schlosshof) und der Bergfried. Über 100 Jahre thronte auf dem Gösger Felssporn nun eine wildromantische Burgruine.
Von der Ritterburg zur Schlosskirche
Als sich Ende des 19. Jahrhunderts, als Folge des "Kulturkampfes", vielerorts ein Teil der Gläubigen von der römisch-Katholischen Kirche abspalteten, wurde diese Trennung auch in Niedergösgen vollzogen. Die ehemalige Schlosskapelle, die bereits seit 1838 Pfarrkirche von Niedergösgen war, diente nun der christkatholischen wie auch der römisch-katholischen Kirchgemeinde als Gotteshaus. Dies musste jedoch zwangsläufig zu Auseinandersetzungen führen. Als Folge begann die römisch-katholische Kirchgemeinde mit der Planung einer eigenen Kirche und bereits 1901 beschloss die Kirchgemeindeversammlung die alte Ruine Falkenstein zum Preis von 5'000 Franken zu erwerben und an dieser Stelle eine eigene Kirche zu bauen. Als Architekt engagierte die Kirchgemeinde den St. Galler August Hardegger. Er war damals der wohl bekannteste, katholische Kirchenbauer der Schweiz. Von ihm stammen bedeutende historistische Bauten wie die Pfarrkirche Kestenholz, St. Martin Olten oder St. Otmar in St. Gallen. Begonnen wurde mit dem Bau der Schlosskirche im Frühjahr 1903. Bereits nach 2 Monaten konnte mit der Aufrichte des Dachstuhles begonnen werden und nach einem Jahr, am 4. April 1904, konnte die Gemeinde in die Kirche einziehen. Am 10. April 1904 folgte die Glockenweihe und am 26. Juni 1904 die Orgelweihe. Abschluss des Kirchenneubaues bildete aber die feierliche Einweihung der Schlosskirche durch Diözesanbischof Leonard Haas am 28. August 1904.
Die Renovationen
Bereits 1915 wurde die Schlosskirche einer ersten Innenrenovation unterzogen. Diese wurde nötig, weil das bis dahin im Kirchenraum existierende Petroleum die Wände und das Gewölbe sehr schnell verrussen liess. Auf Initiative des damaligen Dorfpfarrers Cäsar Haefeli wurde nicht nur die Petroleumbeleuchtung durch eine elektrische ersetzt, sondern das Kircheninnere wurde auch gleich neu gestrichen. Die gravierendsten Änderungen brachte jedoch die Innenrenovation von 1954. So wurde das Gewölbe und die Wände in einheitliches Weiss getaucht, die Seitenaltäre eingekürzt, die Kreuzwegstationen und viele der Statuen elfenbeinfarbig gestrichen und die Stufen zum Chor begradigt. Die Kirche erhielt im Zuge dieser Renovation zudem eine neue, elektropneumatische Orgel.
Ziel der im Sommer 1994 abgeschlossenen Gesamtrenovation der Kirche war denn auch, die Eingriffe der 50-er Jahre rückgängig zu machen. So konnte die alte Farbigkeit wieder zum Vorschein und der Choraufgang in seine ursprüngliche Form gebracht werden. Zudem wurden störende Einbauten entfernt. Andererseits sollten aber auch die Bedürfnisseder heutigen Liturgien besser berücksichtigt werden. So wurden die Bänke unter der Empore entfernt und die übrigen Bankreihen durch neue, oval angeordnete ersetzt. Altar, Ambo, Kredenztisch und Taufstein wurden zudem einheitlich gestaltet.
Eine kleine Führung durch die Schlosskirche Niedergösgen
Kirchenäusseres
August Hardegger reagierte bewusst auf die aussergewöhnliche Situation, indem er der Kirche auf dem markanten Felsvorsprung aussen mit einem massiven Sichtmauerwerk und dem Einbezug des ehemaligen Bergfrieds einen trutzigen Charakter verlieh. Deutlich kommt aber auch der Heimatstil jener Jahre zu Ausdruck, etwa im Turmanbau und im Kirchendach. Der 63 m hohe Turm ist ausgezeichnet in die Gesamtanlage integriert und beherbergt heute 6 Glocken. Mit einem Gesamtgewicht von rund 15,42 Tonnen zählt das Geläut der Schlosskirche zu den grössten der Schweiz. Vom Kirchenvorplatz, mit den Priestergräbern, führt ein grosszügig gestalteter Treppenaufgang zur Plattform vor dem Haupteingang. Zwischen dem Haupteingang und dem linken Seiteneingang ist eine Gedenktafel in die Mauer eingelassen. Sie erinnert an Pfarrer Cäsar Haefeli, welcher als Hauptinitiator des Kirchenbaus gilt. Von der Plattform kann man zudem eine herrliche Aussicht geniessen. Von hier aus sind die Stiftskirche in Schönenwerd und der Schlosshof, unterhalb der Schlosskirche, gut zu sehen. Letzterer wurde im Jahre 1981 von der Einwohnergemeinde umfassend renoviert und beherbergt heute unter anderem die Gemeindeverwaltung.
Innenraum
Beim Betreten des Innenraumes wird der Besucher durch den weiten, lichten Zentralraum mit seinen hellen Pastelltönen überrascht. Grosse Pilaster, markante Gebälke und vor allem vortreffliche, lebendige Stuckaturen der Gebrüder Zotz (Tirol), nach Plänen von Karl Glauener, gliedern die Wände und Decken. Der Innenraum steht völlig im Gegensatz zum äusseren Erscheinungsbild der Kirche. Hardegger folgt hier ganz den grossen spätbarocken und rokokohaften Vorbildern, verleugnet aber den Jugendstil und den Heimatstil der Entstehungszeit, die in Details überall anklingen, keineswegs.
Unter der Empore befinden sich heute keine Kirchenbänke mehr. Der Eingangsbereich wurde dadurch grosszügiger und einladender. Als Weihwasserspender dient seit 1994 der alte Taufstein von 1904. Ein Prunkstück der Kirche ist die barocke Kanzel aus marmoriertem Holz. Sie wurde der Kirchgemeinde 1909 vom damaligen Bischof Haas geschenkt. Die Kanzeltüre ist deshalb mit dem bischöflichen Wappen verziert.
Die prachtvollen Altäre, mit ihren vollplastischen Figuren und Reliefs in barocker Manier, fügen sich makellos in die architektonische Gliederung ein. Der linke Seitenaltar stellt Maria als Himmelskönigin dar. Flankiert wird das Altarrelief von der Hl. Elisabeth v. Thüringen (links) und von der Hl. Katharina (rechts). Der rechte Seitenaltar ist dem Kirchenpatron, dem Hl. Antonius geweiht. Flankiert wird dieses Reliefbild links vom Hl. Niklaus v. Flüe und rechts vom Hl. Franziskus. Die Kreuzigungsgruppe des Hochaltars stellt Jesus mit Maria und Johannes dar. Rechts davon wird der Hl. Pantalus (1. Bischof von Basel) dargestellt, links der Hl. Caesarius (Bischof von Arles). Vermutlich wollte Pfarrer Cäsar Haefeli mit dieser Statue seinem Namenspatron für das gelungene Werk danken. Ausserdem werden in Arles seit 1491 die Reliquien unseres Kirchenpatrons aufbewahrt. Oberhalb der Kreuzigungsgruppe wird Gott Vater und darüber der Hl. Geist als Taube dargestellt.
Der Kreuzweg besteht aus 14 aus Holz geschnitzten Relieftafeln. Sie waren ursprünglich farbig, wurden aber in den 50-er Jahren elfenbeinfarbig übermalt. Bei der letzten Restauration konnten die ursprünglichen Farben wieder rekonstruiert werden. Seit 1997 steht auf der Empore eine neue, mechanische Orgel aus der Werkstatt von Armin Hauser (Kleindöttingen). Das Orgelgehäuse wurde gekonnt in den barocken Raum integriert.
Die Schlosskirche Niedergösgen gilt heute in Fachkreise wohl zu Recht als schönster neubarocker Sakralbau der Schweiz und steht unter eidgenössischem und kantonalem Denkmalschutz.