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Das Sultanat Oman ist ein Gründungsmitglied des Golf-Kooperationsrats (Gulf Cooperation Council – GCC), dessen Mitglieder generell strategische Entscheidungen mit dem Rat abstimmen….
Market Insight – April 2017 – Von Kinan Khadam-al-Jame Head of Investments & Portfolio management Reyl Finance (mea) ltd.
Was allerdings die Aussenpolitik angeht, versucht Oman die allgemein geltende Solidarität der GCC-Mitglieder mit seinem eigenen Willen, gute Beziehungen zu all seinen Nachbarländern inklusive dem Iran beizubehalten, in Übereinkunft zu bringen. Dies resultiert in umfassendem politischem Kapital für Oman, was von Vorteil sein könnte, wenn das Sultanat finanzielle Unterstützung bräuchte.
Oman wird seit 1970 vom Sultan Qabus ibn Sa’id Al Sa’id regiert. Der Sultan ist beliebt und das Land verzeichnet unter seiner Herrschaft stetige Verbesserungen der humanitären Entwicklung. Oman ist eine absolute Monarchie, weshalb der Sultan die Exekutivgewalt hat. Die Regierungsinstitutionen haben bei der Entscheidungsfindung lediglich beratende Funktion. In den vergangenen Jahren wurde berichtet, dass der Sultan gesundheitliche Probleme habe. Es wurde jedoch offiziell kein Nachfolger ernannt. Dadurch entstehen Risiken in Bezug auf die Vorhersehbarkeit und die Kontinuität der politischen Entscheidungsfindung.
Defizit führt zu Reformen
Seit Juni 2014 litten sowohl die Konjunktur als auch der Staatshaushalt Omans unter den niedrigen Ölpreisen. Denn das Land verfügt nicht über die umfassenden Öl- und Steuerreserven seiner reichen Nachbarn und sein Haushalt wurde seit dem Überangebot an Öl hart getroffen. Da das Wirtschaftswachstum nun nachlässt, ist Oman mit zwei Defiziten konfrontiert. Dies ist keinesfalls eine Überraschung, da die Leistungsbilanz und der gesamtstaatliche Haushaltssaldo stark miteinander zusammenhängen.
Die Regierung ist sich der Notwendigkeit von strukturellen Reformen bewusst. Deshalb ergriff sie Massnahmen, um die Einnahmen ausserhalb des Ölsektors in den kommenden Jahren zu stützen. Dafür wurde ein Privatisierungsprogramm eingeführt, das die Körperschaftssteuer von 12,5% auf 15% anhob und gewisse Steuerbefreiungen abschaffte. Es soll 2018 auch eine Mehrwertsteuer von 5% einführen, im Einklang mit anderen GCC-Ländern. Die Regierung ergreift auch bei den Ausgaben Massnahmen: Es werden die Löhne und Sozialleistungen sowie die Neueinstellungen im öffentlichen Sektor gesenkt, schrittweise Subventionen abgeschafft, Strompreise erhöht und die Lancierung neuer Infrastrukturprojekte eingeschränkt.
Hinzu kommt die Einfrierung der Neueinstellungen im öffentlichen Sektor. Damit soll das Haushaltsdefizit verringert werden. Dies könnte soziale Unzufriedenheit hervorrufen, da die omanische Bevölkerung sowohl jung ist als auch ein rasches Wachstum ausweist. 2011 antwortete Oman auf lokale Proteste durch die Erhöhung der Löhne und die Schaffung mehrerer zehntausend neuer Stellen. Das Ergebnis war ein Anstieg der Staatsausgaben im gleichen Jahr um beinahe 35%. Sollte die Regierung im aktuellen Konjunkturumfeld erneut vor sozialer Unzufriedenheit stehen, hat sie sehr wahrscheinlich nicht dieselben Mittel zur Hand, um die Ordnung wiederherzustellen.
Wirtschaftliche Diversifikation angestrebt
Das Wachstum ohne Kohlenwasserstoff in Oman wurde bis vor kurzem noch weitgehend durch staatliche Projekte angetrieben. Und diese werden generell aufgeschoben oder sogar zurückgestellt, wenn Sparmassnahmen zur Entgegen
wirkung niedrigerer Steuereinnahmen benötigt werden. Die Auswirkungen der Einfrierung der Neueinstellungen im öffentlichen Sektor und die in gewissem Masse steigenden Lebenshaltungskosten, die durch die Aufhebung von Subventionen und höhere Steuern ausgelöst wurden, werden zwangsläufig eine zusätzliche Belastung für das Wachstum sein.
Der Haushalt für 2016 wurde auf der Grundlage eines geschätzten Ölpreises von 45 US-Dollar je Barrel erstellt. Das Haushaltsdefizit lag schliesslich weitaus höher als erwartet bei rund 13,7 Mrd. US-Dollar. Das war teilweise darauf zurückzuführen, dass der Ölpreis einen Durchschnitt von 39 US-Dollar auswies. In den kommenden Jahren plant das Land neben der Restrukturierung der hohen Abhängigkeit von Öl durch eine wirtschaftliche Diversifikation den Verkauf von einigen im Staatsbesitz befindlichen Unternehmen.
Nach einer Korrektur ihrer Prognosen für den Ölpreis stuften Ratingagenturen das Länderrating von Oman stark herab. Dies war auf die jeweiligen Meinungen zur finanziellen Lage des Landes zurückzuführen, was Steuerreserven sowie die Flexibilität und Fähigkeit angeht, sich auf preisbedingte Schockwellen einzustellen. Das langfristige Währungsrating von Oman liegt momentan bei BBB-/negativ (S&P), BBB/stabil (Moody’s).
Die Wirtschaft von Oman ist weiterhin wenig diversifiziert und hängt stark von Kohlenwasserstoff ab. Die Regierung plant trotzdem eine wirtschaftliche Diversifikation durch seine Tanfeedh-Initiative, die jüngst zusammen mit der malaysischen Regierung eingeführt wurde. Ziel dieser Initiative ist die Ankurbelung der Anlagemöglichkeiten für den priva ten Sektor in spezifischen Bereichen wie Tourismus, Verarbeitung, Transport, Logistik, Bergbau und Fischerei, um seinen Beitrag zum Wirtschaftswachstum, der Diversifikation und der Schaffung neuer Stellen zu erhöhen.
Koppelung an US-Dollar getestet
Die Währungen von Oman und den GCC-Ländern waren knapp drei Jahrzehnte an den US-Dollar gekoppelt (jene von Kuwait ist an einen auf den USD-Dollar lautenden Währungskorb gekoppelt). Diese Dollar-Koppelung war ein festes Standbein, hatte niedrigere Transaktionskosten zur Folge und vereinfachte die Führung der Wirtschaftspolitik.
Die Anhäufung der Leistungsbilanzüberschüsse im Laufe der Jahre vor dem Öl-Crash erlaubten es der Central Bank of Oman (CBO), umfassende Währungsreserven aufzubauen, die Ende 2016 30% des BIP betrugen. Diese Reserven können sich bei Marktunruhen als hilfreich für die Unterstützung der Koppelung erweisen. Da die Ölpreise zwischen Juni 2014 und Juni 2015 neue Tiefpunkte erreichten, fielen die Leistungsbilanzen ins Negative. Die Märkte stellten teilweise die Fähigkeit der CBO in Frage, die Koppelung des omanischen Rial mit dem US-Dollar zu verteidigen, indem sie auf eine Abwertung des Rial setzten. Dies hatte eine massgebliche Massnahme der CBO zur Unterstützung der Koppelung zur Folge. Sie versicherte, dass es für ihre Währung eine kräftige und stabile Nachfrage gebe. Vor diesem Hintergrund hatte die Entscheidung im Jahr 2016, primär die Inanspruchnahme von Staatsvermögen durch die Emission von Auslandsschulden zu ersetzen, um das Haushaltsdefizit zu finanzieren, eine Unterstützung der CBO-Reserven zur Folge und lockerte kurzfristig den Druck auf die Koppelung.
Verbesserungen der Effizienz
Die omanische Regierung sprach sich wiederholt gegen eine Änderung der Dollar-Koppelung aus, was auch die Meinung des IWF ist. Sie geben an, dass die Preiselastizität bei Exporten und Importen äusserst niedrig ist und die Auswirkungen auf die Handelsbilanz bestens geringfügig wären. Zudem würde eine Änderung nach langer Stabilität die Märkte verunsichern und die heimischen Auswirkungen könnten für die Gesellschaft schwierig zu meistern sein. Eine Änderung der Devisenabkommen würde ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den anderen GCC-Ländern erfordern, ein Konsens könnte jedoch schwierig sein.
Zugestandenermassen beruht ein Druck auf Liquidität und Wechselkursen in dem umfassenden Haushaltsdefizit und der Steife der Produkt- und Arbeitsmärkte. Infolgedessen sollte der Schwerpunkt der Politik auf der Gewährleistung liegen, dass geplante Haushalts- und Strukturreformen zu Verbesserungen der Effizienz der Ressourcenallokation in der Wirtschaft führen. Vor diesem Hintergrund könnte eine stärkere Flexibilität des Wechselkurses eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Reformen spielen. Um ungewollte Volatilität zu vermeiden, darf die Änderung nicht die Form einer schlagartigen Abwertung annehmen, sondern eher jene einer diskreten Umstellung auf einen Währungskorb. Dieser muss so strukturiert sein, dass die Wettbewerbsfähigkeit zunächst erreicht und dann beibehalten wird. Andere Optionen könnten zu gegebener Zeit erörtert werden.
Quelle: AdvisorWorld.ch