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Während der 50er und 60er Jahre war es in den USA allgemein üblich, American Shorthair mit Persern zu kreuzen, um den Typ der American Shorthair zu verbessern. Wegen dieser illegalen Kreuzungen veränderte sich das Aussehen der American Shorthair ganz allmählich. Rundere Köpfe und seidiges Fell zeigte sich. Am auffälligsten waren diese Kreuzungen, als sich bei den American Shorthair auf einmal "Silber" zeigte, denn Silber gab es bei den Kurzhaar bisher noch nicht. Das Gen musste von den Persern übernommen worden sein. Nichtsdestotrotz, diese Katzen waren einfach wunderschön.
Züchter und Liebhaber waren begeistert. Einige Züchter gaben offen zu, mit Persern gekreuzt zu haben. Viele stiessen sich nicht daran, solange das Endergebnis eine schöne Katze war. Und dann gab es diejenigen, die jegliche Kreuzungen ablehnten. Die logische Folge war, dass viele Tiere mit falschen Papieren ausgestattet wurden. Der Stammbaum, bisher als geheiligtes Dokument angesehen, wurde zum wertlosen Stück Papier für die American Shorthair.
1966, dank der Initiative von Mrs. Jane Mortinke, stellte der CFA ein Programm auf, das der Konfusion und möglicher Unehrlichkeit ein Ende machen sollte. Eine eigene Klasse für Perser-American Shorthair wurde geschaffen. Ein Standard, als Grundlage diente der Perser-Standard, beschrieb eine kurzhaarige Perserkatze. Weil kein besserer Name da war, benannte man die neue Rasse die "Exotic Shorthair". Dieser Zug stellte die Redlichkeit im American-Shorthair Zuchtprogramm wieder her und schuf einen legalen Platz für die schöne Neuzüchtung.
Anfang der Ausstellungssaison 1967/68 wurde die Exotic Shorthair voll von "The Cat Fanciers Association" anerkannt. Ursprünglich konnten nur Kreuzungen zwischen Persern und American Shorthair als Exotic Shorthair registriert werden. Diese Regel wurde aber nicht zu streng angewandt. Für viele Jahre konnte jede Kurzhaarkatze dazu benützt werden. Am besten schienen die Burmesen dafür geeignet, weil sie vom Typ her den gewünschten Exotics am nächsten kamen. Aber eben diese Kreuzung brachte nur ein unerwünschtes Fell und ebensolche Farben. Deshalb wurden die ursprünglichen Regeln später wieder eingeführt und auf Burmesen verzichtet.
Während der ersten drei Jahre ihrer Existenz erhielt keine der ausgestellten Exotic Shorthair (falls welche zu sehen waren) den Titel Grand Champion. Die erste Exotic wurde 1971 damit ausgezeichnet. Es war Silver Secret of Gay-o, ein silver-shaded Kater. Silver Secret war eine "umgeschriebene Katze", die den Titel eines Grand Champions nicht nur als Exotic Shorthair, sondern schon als American Shorthair in einer anderen Organisation hatte. Silver Secret war Zuchtbester in diesem Jahr. Obwohl die Exotic Shorthair ab und zu auf Ausstellungen auftauchten, erfolgte eine Anerkennung durch Richter und Perserzüchter nur langsam und zögernd.
Veränderungen begegnet man ja oft mit Vorurteilen, und bei der Vorstellung der Exotic Shorthair gab es keine Ausnahme. Viele Perserzüchter meinten, dass eine Verbindung mit den Exotics ihrem Ruf schaden und die Qualität ihrer wertvollen Katzen mindern würde. Eine überwältigende Anzahl von Leuten war der Meinung, die Exotic Shorthair sei keine "wirkliche" Rasse und gehöre nicht in die Organisation. Wieder andere waren der Ansicht, dass ihre Katzen minderer Qualität gut genug zur Kurzhaar-Zucht seien. Es war eine entnervende Zeit für den Züchter, der die Möglichkeiten in einer neuen Zucht sah und wusste, dass nur die besten Perserkatzen eine gute Exotic Shorthair hervorbringen und so den Standard der Perser erreichen können. Noch wichtiger aber war, die Anerkennung und die Herzen der Perserzüchter zu gewinnen.
Heute sind für die, die Exotic Shorthair züchten und ausstellen wollen, oder auch nur eine solche Katze besitzen, alle Steine aus dem Weg geräumt. Viele davon wissen wahrscheinlich gar nicht, welche Mühe am Anfang aufgewendet werden musste. Einige der Perserzüchter ahnten jedoch, dass die Exotic Shorthair eine prächtige Ausstellungskatze werden könnte und begannen, mit ihren eigenen Persern auf Kurzhaar zu züchten. Sie hatten die Zuversicht, die bewunderten Qualitäten der Perser erhalten zu können, den netten Gesichtsaudruck, den starken, kurzbeinigen Körper und das ruhige Wesen, jetzt aber mit einem kürzeren, pflegeleichten Fell.
Die ersten Exotic Shorthair in der Fife Norbert und Elke Deutschmann (Pahlewi) brachten 1979 die ersten beiden Exotic Shorthair aus den USA mit nach Deutschland. Es waren dies Jondom Cyrus blau und Jondom Phoebe, blaucreme. Diese beiden wurden zum Grundstock der deutschen Exotic Shorthair-Zucht. 1980 erwarben die Deutschmanns dann noch einen silver-shaded Exotic-Kater aus den USA. Auf Kamishas Jade af Pahlewi bauten sie ihre silber und golden Exotic Shorthair-Zucht auf. Ihr grösster Erfolg war Gr. Ch. Int. Pahlewi`s Exotic Mighty, ein silver-shaded Kater, der 1983/84 als beste Kurzhaar und viertbeste Katze vom 1. DEKZV e.V. ausgezeichnet wurde.
In den USA ist die Zucht von silbernen Exotics nicht so erfolgreich. Den amerikanischen Züchtern geht es einfach nicht schnell genug, gute Exotic Shorthairs in Silber zu bekommen. Die Silbernen sollten möglichst nur untereinander verpaart werden (der grünen Augen wegen), deshalb dauert es einfach länger, wirklich typvolle Exotics zu züchten. In Europa, besonders in der FlFe, sind in der Zwischenzeit erstklassige silberne Tiere zu bewundern. Vielleicht haben besonders die deutschen Züchter den längeren Atem und mehr Ausdauer beim Züchten von silbernen Exotic Shorthair gezeigt. 1984 war es dann soweit: die Exotic Shorthair wurde von der FIFe mit dem CAC-Status anerkannt. Von nun an ging es mit der Exotic Shorthair in Europa bergauf. Es wurden immer mehr Tiere aus den USA importiert, vor allem aus den unterschiedlichsten Linien. Waren es bisher hauptsächlich die "Jondom" - und "New-Down"-Linien, so kamen Tiere von "Desmin und Squire" neu dazu. Diese berühmten US-Linien sorgen heute für das Kurzhaar-Gen in der europäischen Exotic Shorthair-Zucht.
Die Exotic Shorhair, seit dem 01. Januar 1992 bei der FlFe nur noch "Exotic " genannt, ist eine relativ junge Rasse. 1981 kamen die ersten Exemplare in die Schweiz und wurden an der Internationalen Rassekatzenausstellung in Frauenfeld erstmals präsentiert. Es handelte sich um das Smoke-Weibchen "New Dawn Smoky Sassys" sowie zwei silver-shaded Jungtiere aus der Zucht "Delarys". Kurz darauf wurden zwei weitere Tiere importiert, das blaue Weibchen "Funny vom Marquardstein" und "Pahlewis Exotic Dusters", ein typvoller Kater, welcher als einer der Stammväter der Exotic in der Schweiz zu betrachten ist. Damals wie heute verpaarte man Perser mit Exotic. Somit hatte ein Züchter Kurzhaar- sowie Langhaar-Kätzchen in einem Wurf. Auch bei anfänglichen Paarungen mit Exotic mal Exotic waren Langhaar, also Perserkätzchen, unter den Babys. Die Exotic Shorthair war in den meisten Fällen heterozygot für Langhaar, also mischerbig. In den USA sind die langhaarigen auf den Ausstellungen nicht zugelassen. Dort werden sie als Langhaar-Exotic bezeichnet, was aber genetisch gesehen ein absoluter Unsinn ist.
Im Stammbuch der FFH werden sie als Perser registriert und können als solche auch ausgestellt werden. In den letzten Jahren wurden die Exotic hauptsächlich nur noch unter sich gepaart. Somit sind einige reinerbige Exotic als Zuchttiere in der Schweiz vorhanden. Auch ich persönlich habe in den letzten Jahren keine Perser mehr eingekreuzt, was aber nicht heisst, ich würde es nie mehr tun. Bei der Einkreuzung eines Persers muss vor allem auf die Fellqualität geachtet werden. Wichtig ist die Dichte des Fells und nicht die Haarlänge. Am schönsten ist die Exotic, wenn sie so wollig wie möglich ist. Selbstverständlich sollten auch nur typvolle Katzen verpaart werden, denn wir wollen doch das kurze, typvolle Persergesicht. Ein typvoller Perser mit etwas kürzerem Fell ist deshalb nicht unbedingt der geeignete Partner für eine Exotic. Perser-Jungtiere aus solchen Verbindungen können durchaus ein herrliches langes Perserkleid haben, trotzdem würde ich diese Tiere nicht mehr zur Perserzucht verwenden.
Wie erkennt der Züchter bei neugeborenen Babies, welche Exotic und welche Perser sind? Sobald die Kätzchen nach der Geburt trocken sind, spürt man bei den einen ein filziges Haarkleid, welches sich relativ rauher anfühlt: das sind die Exotic. Kätzchen mit einem anliegenden, glänzenden Fell entwickeln sich später als Perser. Es hört sich einfach an, aber schon oft hat sich auch ein erfahrener Züchter getäuscht. In der Zwischenzeit ist die Exotic in der Schweiz im Verhältnis zu den anderen europäischen Ländern am meisten vertreten. 30 bis 40 Tiere an Ausstellungen sind zu bewundern. Die Exotic gibt es mittlerweile in allen Varietäten der Perserkatzen. Einige Züchter haben sich auf die Colourpoint-Farben spezialisiert und haben europaweit mit ihren Zuchtergebnissen Ansehen erworben. Auch in den verschiedensten Tabby-Mustern wird diese Katze gerne gezüchtet, kommt doch die Zeichnung bei der Kurzhaarkatze viel schöner zur Geltung als bei ihren langhaarigen Geschwistern. Ich persönlich habe mich auf die Farben Lilac und Chocolat spezialisiert.
Letztes Jahr sind zwei Katerchen in den äusserst seltenen Farben Chocolat- und Lilac-Silber-Tabby in meiner Zucht zurWelt gekommen. Diese Varietäten wurden im Ausland noch an keiner Ausstellung angetroffen. Einer der bekanntesten in der Schweiz gezüchteten Exotic war der Black-smoke- Kater "Nepomuk de la Cataracte" und nicht weniger seine Tochter "Ursolinos Pepita". An vielen Ausstellungen in ganz Europa gewannen diese Tiere viele "Best in Show "-Titel, also die höchste Auszeichnung an einer Katzenausstellung. Zu dieser Zeit wurden die Exotic noch unter der Kategorie Kurzhaar gerichtet, was meiner Meinung vollstens in Ordnung war. Kurzhaar-Richter achteten viel mehr auf Fehler, Vorbiss, tränende Augen, Skelettfehler usw. Auch wenn diese Rasse ebenso für die Richter neu war und viele eingefleischte Kurzhaarkatzenrichter die Exotic nicht als echte Kurzhaar akzeptierten, so hatten diese hervorragenden Tiere bei der Rassenvielfalt in dieser Kategorie dennoch eine grosse Chance, ihre Titel zu gewinnen.
Seit dem 1. Januar 1991 wird die Exotic in der FlFe von Langhaar-Richtern bewertet. Für die Züchter bedeutet dies erneut eine Herausforderung. Denn seither stehen die Exotic und Perser bei der Nominierung für die "Best in Show " einander gegenüber. Die Perserkatze kann unter ihrem langen, fliessenden Fell noch einige Fehler verstecken, nicht so die Exotic. So sind die Exotic-Züchter voll gefordert, wenn sie heute bei der "Best in Show" mit ihren Tieren vertreten sein wollen. Der damalige Entscheid der FIFe-Generalversammlung, die Exotic der Perser-Kategorie zuzuteilen, erachte ich heute noch als nicht sehr glücklich. Dennoch hat es 1992 eine Exotic-Black-Tabby-Kätzin "Valencia de Ia Cataracte" erreicht, mit ihren gesammelten Punkten an die Spitze der in der Schweiz gezüchteten Perser/Exotic zu treten. Auch 1994 war die "Beste Schweizer Katze Kastrat Perser/Exotic" eine Exotic, nämlich IC+GIP " Viktoria de la Cataracte", eine black-silber-tabby. Mit 31 Punkten hatte sie über alle Rassen am meisten Punkte gesammelt.
Zum Schluss möchte ich noch auf ein paar Charaktereigenschaften der Exotic hinweisen. Sie ist eine sehr ruhige, harmonische und ausgeglichene Katze und hat in der Regel eine feine, leise Stimme. Sie verträgt sich gut mit anderen Katzen, ist aber nichtsdestotrotz sehr menschenbezogen. Pflege benötigt eine Exotic bedeutend weniger als eine Perserkatze. Im Fellwechsel soll auch eine Exotic, wie übrigens jede Katze, fleissig gebürstet und gekämmt werden. Für die Ausstellung wird auch eine Exotic gebadet und trockengefönt, um ein möglichst weiches, schön aufstehendes Fell zu erzielen.
A. Wittich
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