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Um 06:15 werden die Maschinen gestartet und pünktlich um 07:00 legen wir ab zu unserer Flussreise nach Süden. Nach einem Frühkaffee serviert man uns schon bald das Frühstück. Es ist davon auszugehen, dass wir auf diesem Schiff nicht verhungern werden. Vorsichtig umkurvt der Bootsführer alle Sandbänke, was beim aktuellen Wasserstand zunächst zu einer ziemlichen Zickzack-Fahrt führt. Nach etwa einer Stunde passieren wir ein Engnis, das zu den sonst flachen Flussufern einen veritablen Kontrast darstellt. Später ankern wir vor einer kleinen Insel und besichtigen einen Tempel, der ursprünglich mal mehr als 7000 Stupas umfasst haben soll. Von diesen sind immerhin noch etwa tausend übrig geblieben. Je nach Eingang der Spenden erfolgt deren Restauration schneller oder langsamer.
Wir unterhalten uns eine Weile mit einem Mönch, der sein Englisch etwas polieren möchte, gehen aber davon aus, dass er bei einer durchschnittlichen Frequenz von 10 Touristen pro Woche noch eine Weile braucht, bis er über mehr als „what’s your name?“ hinauskommt. Eigentlich wünschen wir ihm und den extrem fröhlichen, liebenswürdigen Dorfbewohnern, dass sich die Veränderungen nur langsam ergeben. Danach geht es weiter flussabwärts, während dessen die Fütterung und die anschliessende Siesta stattfindet. Langweilig wird es uns nie, irgend etwas läuft zu Lande oder zu Wasser immer. Beim aktuellen, eher tiefen Wasserstand stehen viele Hütten von Fischern und Erdnuss-Pflanzern an Stellen, die während der Regenzeit wieder unter Wasser stehen werden. Der wesentliche Teil des Lebens ist eindeutig vom Wasser dominiert, insbesondere gibt es für den Transport keine wesentlichen Alternativen.
Am späten Nachmittag kommen wir in Katha an, wo George Orwell in den 30er Jahren als Polizeioffizier stationiert war und während dieser Zeit seinen Roman „Burmese Days“ geschrieben hatte. Per Velo-Rikscha kurven wir in der kleinen Stadt herum und gewinnen Eindrücke aus dem heutigen und dem damaligen Alltag. Der ehemalige Club ist heute teils Büro des Agrarministeriums, teils Schule (im ehemaligen Billiard-Raum). Das Haus Orwells wird heute noch von einem Polizeioffizier bewohnt und auch der Tennisplatz ist weiterhin in Funktion. Der Bahnhof ist ein nostalgischer Traum, aber immerhin fährt hier täglich je ein Zug nach Norden und Süden (früher oder später). Nach einem Bummel über den Abendmarkt gehen wir zurück an Bord, wo wir schon bald wieder gemästet werden. Wir geniessen den Abend in vollen Zügen, direkt vor der Hafenpromenade von Katha.