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Es ist einfach, jemandem Unwissen nachzuweisen. In Strassenumfragen – zum Beispiel – kann jeder drittklassige Journalist billig vorführen, dass viele Passanten nicht wissen, wer im Bundesrat ist oder wie der letzte Nobelpreisträger für Literatur heisst. Und natürlich ist es auch für uns Lehrpersonen einfach, Nichtwissen von Schülerinnen und Schülern zu beweisen. Solche Übungen mag ich aber gar nicht.
Trotzdem schaute ich mir die Stilblüten aus Schülerarbeiten an, welche auf einer Online-Plattform aufgelistet sind.
Ich zitiere hier sogar ganz gerne drei Beispiele für offenbar authentische Fragen und Antworten aus Prüfungen.
„Wie hiess das Motto der Französischen Revolution?“ – „Liberté, égalité, brutalité“.
„Welche Stände gab es im Mittelalter?“ – „Brotstände, Blumenstände, Gemüsestände“.
„Wie heissen die Nachkommen des Rehs?“ – „Reh-Kids“.
Ja, da mag man lachen, aber man könnte sich auch über pfiffige Schülerinnen und Schüler freuen, welche die Fragen ihrer Lehrer bewusst unterlaufen haben. Vielleicht sind die Antworten ja gar nicht so dumm, wie die Leser auf den ersten Blick meinen. Immerhin gehört „la Terreur“ und ihre Brutalität zur Französischen Revolution. Auch die zweite Antwort ist in einem bestimmten Sinn nicht einfach falsch, während die dritte schon fast an Wortspiele bei einem Autor wie James Joyce erinnert (Rehkitz – Reh-Kids).
Die Schülerinnen und Schüler sträubten sich vielleicht gegen die Anforderungen und Ansprüche, indem sie spielerisch mit den Vorgaben umgingen, gerade so wie der brave Soldat Schwejk, der sich zum Dienstantritt bei Oberleutnant Lukasch zu melden hat. Der Offizier verlangt streng, dass man ihm immer die Wahrheit zu sagen habe. Er hasse die Lüge und strafe unbarmherzig. Schwejk erzählt darauf langfädig eine haarsträubende Geschichte, mit der er angeblich bestätigt, dass sich Lügen nicht lohnen.
Oberleutnant Lukasch hört zu und muss sich setzen vor lauter Verblüffung. Immerhin begreift er dann etwas ganz Zentrales: „Mein Gott, ich rede ja auch manchmal solche Blödheiten, und der Unterschied liegt nur in der Form, in der ich sie vorbringe.“
Diesen Oberleutnant lob ich mir.
Martin Zimmermann
Wochenbrief_2348
PS: Wer die Geschichte von Schwejk und Lukasch nachlesen will, findet sie in Abschnitt III des Kapitels 14.
Ich zitiere aus Jaroslav Hasek, Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk, Aufbau Taschenbuch Verlag, 2. Auflage, Berlin 1999, S. 183.