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An der Zulg in Steffisburg entsteht eine einmalige Wasserschöpfanlage
Da die Müllerschwelle zu Gunsten der Hochwassersicherheit um rund zwei Meter abgesenkt werden muss, kann das Wasser der Zulg nicht mehr im natürlichen Gefälle in den Mühlebach eingeleitete werden. Ursprünglich war geplant, das Wasser aus dem tiefer gelegten Rückhaltebecken mittels einer Schneckenpumpe in den Mühlebach zu fördern. Verschiedene andere Möglichkeiten, wie die flussaufwärts verlegte Fassung oder eine Dükerlösung wurden im Rahmen der Projektierung aus verschiedenen Gründen verworfen. In einem Postulat verlangte das Parlament vom Gemeinderat noch einmal alle möglichen Varianten zur fremdenergiefreien Beschickung des Mühlebachs mit Wasser zu prüfen.
Aufgrund eines Artikels zu einem Wasserschöpfrad bei den Wässerwiesen an der Glatt, hat der Projektingenieur im November 2022 eine Wasserschöpfanlage als mögliche Alternative zur Schneckenpumpe vorgeschlagen. Was aufgrund der kleinen Trockenwassermenge in der Zulg zunächst als unrealistisch erschien, nahm im Rahmen der Detailbearbeitung plötzlich konkrete Formen an. Im Gegensatz zur Wasserschöpfanlage in der Glatt, besteht die geplante Anlage in der Zulg aus zwei separaten Anlageteilen, dem Antriebs- und dem Schöpfrad. Die beiden Räder werden mittels einer Zahnradstufe verbunden. Um einen optimalen Betrieb zu erreichen, ergeben sich für die Räder unterschiedliche Drehzahlen. Die grundsätzliche Konstruktion der Anlageteile basiert mehrheitlich auf Grundlagen aus dem 19. Jahrhundert. Kurz bevor die Wasserräder durch Turbinen und letztlich die elektrische Energie abgelöst wurden, waren insbesondere in Deutschland sehr viele Wasserschöpfräder in Betrieb. Der Aussendurchmesser des Antriebsrades beträgt ca. 5.5 Meter, jener des Schöpfrads rund 3.6 Meter. Während das Antriebsrad mit 24 Schaufeln bestückt ist, verfügt das Schöpfrad über 12 zylindrische Eimer.
Die Anlage führt indessen aber auch zu namhaften Mehrkosten. Der Gemeinderat hat im September 2023 dem entsprechenden Nachkredit von CHF 720’000.00, welcher für die Realisierung des wasserbetriebenen Schöpfrads erforderlich ist, zugestimmt. „Es freut mich ausserordentlich, dass der Gemeinderat dem nötigen Nachkredit zugestimmt hat. Die geplante Wasserschöpfanlage wird ein Novum in der Schweiz und dementsprechend eine Attraktion für Steffisburg sein“, sagt Marcel Schenk, Vorsteher der Abteilung Tiefbau/Umwelt der Gemeinde Steffisburg.
Mit dem Bau einer Wasserschöpfanlage zur Beschickung des kultur-historisch wertvollen Mühlebachs in ergreift die Gemeinde Steffisburg die einmalige Gelegenheit, eine technisch anspruchsvolle und ökologisch nachhaltige Konstruktion mit Bezug zur Steffisburger Geschichte zu realisieren, die über die Region hinaus Beachtung finden wird. Die Investitionskosten relativieren sich in Anbetracht der Folgekosten, welche insbesondere im Strombezug und dem Pumpenunterhalt eingespart werden können. Im Rahmen der gesamten Planung des Hochwasserschutzes und der Längsvernetzung hat sich immer wieder gezeigt, wie viele Emotionen der Mühlebach und dessen Beschickung auslöst. Wie der Bau des Mühlebachs vor einigen hundert Jahren wohl eine Innovation darstellte, ist die Realisierung der Wasserschöpfanlage wiederum als solche zu bezeichnen.
2015 wurde entlang dem Mühlebach ein Themenweg realisiert. Dieser führt von der Müller-Schwelle bis zur Aare. An verschiedenen Standorten am Mühlebach erzählen Informationstafeln aus der Geschichte des Mühlebachs und zeigen, welche Gewerbe- und Industriebetriebe dank des Mühlebachs in Steffisburg betrieben werden konnten.
(text&bild:pd)