Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03147.jsonl.gz/1406

Bild: Clemens Ottawa
Vor 66 Millionen Jahren war Schluss: Die Dinosaurier, welche die Erde zuvor während Millionen von Jahren dominiert hatten, starben plötzlich aus. Mit ihnen verschwanden drei Viertel aller Tier- und Pflanzenarten. Es waren eine oder sogar mehrere grosse Katastrophen, die zum Verschwinden der Dinosaurier führten. Nachweislich gab es in dieser Zeit eine Phase verstärkter Vulkantätigkeit, die möglicherweise die Atmosphäre verdunkelte und den Planeten vereiste. Vor 66 Millionen Jahren schlug zudem ein Meteorit mit 14 Kilometern Durchmesser auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan ein, womit sich die Lebensbedingungen auf der Erde schlagartig verschlechterten.
Die Ereignisse, die das Ende der Dinosaurier einläuteten, waren aber nicht die einzigen Superkatastrophen in der Geschichte der Erde. Immer wieder ist der Planet mit riesigen Meteoriteneinschlägen, Phasen heftiger Vulkantätigkeit und grossen Sonnenstürmen konfrontiert gewesen. Ein Sonnensturm wird durch eine Eruption der Sonne erzeugt und beeinträchtigt das schützende Magnetfeld der Erde. Grosse Katastrophen führen oft zu abrupten Klimaveränderungen und Sauerstoffkrisen im Meer, die den Tod vieler Tiere und Pflanzen zur Folge haben.
Rückblick auf 260 Millionen Jahre
Eine Gruppe von Forschern um Michael Rampino von der New York University konnte nun nachweisen, dass sich solche Superkatastrophen alle 27,5 Millionen Jahre häufen. Die Wissenschaftler haben 89 Ereignisse der letzten 260 Millionen Jahre ausgewertet, die geologische Spuren hinterlassen haben.
Rampino und seine Kollegen sprechen vom «Puls der Erde», den sie entdeckt haben. Ihre Resultate publizierten sie im Fachblatt «Geoscience Frontiers». Die deutsche «Welt am Sonntag» hat über die Publikation berichtet.
Bereits in einer früheren Studie konnte das gleiche Forscherteam belegen, dass es in den letzten 300 Millionen Jahre zehnmal zu einem Massenaussterben von Tieren gekommen ist. Auch hier zeigte sich ein Rhythmus von 27,5 Millionen Jahren, der mutmasslich mit dem Puls der Superkatastrophen übereinstimmt.
Bewegung von Kontinentalplatten
Über die Ursachen des mysteriösen Zyklus gibt es nur wissenschaftliche Mutmassungen. In Frage kommen zum Beispiel periodische Umwälzungen im Erdinnern und regelmässige Veränderungen beim Weg der Erde durch das Weltall.
Eine Studie australischer Forscher von 2018 legt nahe, dass die Bewegung der Kontinentalplatten einem periodischen Muster folgt, das jeweils 26 Millionen Jahre dauert. In diesem Rhythmus öffnen sich grosse Spalten in der Erdoberfläche, was zur Eruption gewaltiger Mengen an Lava führt. Massenhaft gelangen so Treibhausgase in die Atmosphäre und verändern die klimatischen Bedingungen.
Auch der Einschlag grosser Meteoriten erfolgt offenbar regelmässig. 2015 publizierte Michael Rampino zusammen mit einem Kollegen eine Studie, wonach sich solche Einschläge in der Vergangenheit alle 25,8 Millionen Jahre häuften. Oft waren diese Ereignisse verbunden mit einem Massensterben von Tieren und Pflanzen. Schon 1984 war eine im renommierten Fachblatt «Nature» veröffentlichte Studie zum Schluss gekommen, dass Einschläge von Himmelskörpern alle 28,4 Millionen Jahre wahrscheinlicher werden.
Gesteinsbrocken aus der Oortschen Wolke
Doch was ist die Ursache, dass Meteoriteneinschläge einem geheimnisvollen Rhythmus folgen? Unter Astronomen gibt es die Theorie, das Gesteinsbrocken aus der sogenannten Oortschen Wolke, die das Sonnensystem umgibt, in periodischen Abständen in Richtung Erde gelenkt werden. Die Oortsche Wolke besteht aus Millionen von Himmelskörpern.
2014 spekulierten zwei Astronomen in einer Publikation, dass dunkle Materie die Oortsche Wolke regelmässig durchschütteln und so zu den Meteoriteneinschlägen auf der Erde führen könnte. Dunkle Materie ist ein noch unbelegtes Konzept der modernen Physik, mit der rätselhafte Kräfte im Weltall erklärt werden können.
In einer anderen Veröffentlichung von 1998 mutmassten indische Forscher gar, dass das Sonnensystem in periodischen Abständen direkt in den Einfluss dunkler Materie gerät. Diese Materie könnte die Hitze im Erdinnern massiv vergrössern und so zu gigantischen Vulkanausbrüchen führen.
Nächste Katastrophen erst in 20 Millionen Jahren
In der Astronomie ist ein weiteres Muster bekannt, das der Antrieb des «Pulses der Erde» sein könnte: Etwa alle 30 Millionen Jahre durchquert das Sonnensystem samt der Erde denjenigen Teil der Milchstrasse, in dem es am meisten Himmelskörper gibt. Das könnte die Wahrscheinlichkeit von Meteoriteneinschlägen jeweils deutlich erhöhen.
Was auch immer die Ursache des rätselhaften Rhythmus ist: Fürchten müssen wir uns nicht vor ihm – zumindest vorläufig nicht. Die nächste Phase mit Superkatastrophen ist gemäss den Berechnungen von Rampino und Kollegen erst in 20 Millionen Jahren fällig.