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jian mu
Möller 124: Der Aufgerichtete Baum (jian mu) - Gnomon: In der Mitte der Welt steht der aufgerichtete Baum, ein Gnomon, als Angelpunkt, um den sich der Kreislauf der Natur dreht. Er, der - weil er genau im Zentrum steht - im Mittag schattenlos ist, ist das dao als Nabe des natürlichen Rades, des kosmischen Kreislaufs...
yin und yang
Das Wechselspiel von Licht und Schatten, von Yang und Yin (die ursprünglich die Licht und Schattenseite eines Hügels bezeichnen) in der Natur, entspricht der Struktur nach ganz und gar dem Wechselspiel von Traum und Wachsein, von Leben und Tod. Um die schattenlose ( und echo-lose) Mitte herum wechseln Licht und Schatten einander rhythmisch ab. Der Lauf der Zeit ist auch der Lauf des Raumes, der sich um den unbewegten Angelpunkt herum vollzieht.
tian
天
Möller127
... das Konzept der Natur als eines sich um eine Mitte drehenden Wechsels von Yin- und Yang-Segmenten.
Die Natur ( tian ) ist bei den Daoisten zuerst ein Prozessgeschehen, dass nach dem Bild des Rades funktioniert... der Lauf der Natur ist der Lauf des dao... das eigene Herz zu entleeren bedeutet, es gewissermaßen als Gnomon zu installieren, um das sich dann die ganze Natur drehen kann. Gelingt die Entleerung des Herzens, ist die Inbesitznahme der Mitte geglückt.
Sprache
yǔ dialect; language; speech
yán to speak; to say; talk; word
Möller 144
Während die philosophischen Daoisten zwar einerseits forderten, dass der Heilige sein Herz aller Gedanken entleeren muss und sich dementsprechend auch von der "Sprache" befreien soll, so ist damit trotzdem die Sprache nicht aus der Welt geschafft. Genau wie im Bezug auf das Handeln die Tatenlosigkeit des Herrschers - das Nichthandeln wu wei - mit den Tätigkeiten der Untertanen korrespondiert, so korrespondiert in Bezug auf die Sprache die Sprachlosigkeit des Heiligen mit der Sprachlichkeit der Welt.
ming
名 mìng name, reputation
Das dao hat kein Ich, und deshalb hat es auch keinen Namen. Die leere Mitte ist ohne spezifische Eigenschaft. Ein Name, ein Titel, ein Ruf - all dies kann hiermit "Name" übersetzte chinesische Wort ming bedeuten. - würde das dao vereinnahmen, auf eine bestimmte Qualität eingrenzen. Das dao aber - genau wie der Herrscher, der es walten lässt, und wie der Heilige, der sich mit ihm "identifiziert" - hat keine einseitige, "selbstische" und bestimmte Identität. Ohne Namen, und das heißt ohne "Ruf" und ohne "Berufung", kommt ihm im Geschehenszusammenhang, im Kreislauf des natürlichen Wandels, keine konkrete Aufgabe zu. Das dao besetzt als Nabe im Rad der Welt die Leerstelle im Ganzen
de
德 dé virtue; goodness; morality; ethics; kindness; favor; character; kind
Graham 6: This course, which meanders, shifting direction with varying conditions like water finding its own channel, is the dao, the Way, from which Taoism takes its name; it is what patterns the seeming disorder of change and multiplicity, and all things unerringly follow when he attends except that inveterate analyser and wordmonger man, who misses it by sticking rigidly to the verbally formulated codes which are the philosophical schools present as "the Way of the sage" or "the Way of the former kings". The spontaneous aptitude is the de, the "Power", the inherant capacity of the thing to perform its specific functions successfully.
gong
Zhuangzi 25.10
Die vier Jahreszeiten haben ihr unterschiedliches Klima. Weil der Himmel nichts dazu tut, deshalb bilden sie den Jahresverlauf. Die fünf Ämter haben ihre unterschiedlichen Aufgaben. Weil der Herrscher nichts für sich selbst beansprucht, deshalb bleibt der Staat in Ordnung. Was die zivilen und militärischen Angelegenheiten angeht, so tut der große Mann nichts dazu, deshalb bleibt die Tugendkraft (de) vollständig. Die 10'000 Dinge sind von unterschiedlicher Art. Weil das dao nicht für sich beansprucht, deshalb hat es keinen Namen.
Offensichtlich beruht ein ganzes, eine "Gemeinschaft" (gong) auf den Zusammenhalt eines positiven Geschehenskörpers und eines negativen Zentrums darin..
shi
fei
fen
Seite 150
Zhuangzi 2
Jedes Dafürhalten und jede Abneigung, jedes Bejahen (shi) und jedes Verneinen (fei) ist einer bestimmten Position verpflichtet, die Vorlieben hängen davon ab, wer man ist. Menschen und Tiere haben unterschiedliche Geschmäcker.
Aller Streit der Worte ergibt sich aus dieser Struktur des prozessualen Geschehens und der Unterscheidungen (fen) darin. Die Namen sind nichts anderes als die Manifestationen der Unterschiedenheit in der Welt der Dinge, und die Sprache, die mit den Namen operiert, ist nichts anderes als das Wechselspiel derselben Unterscheidungen.
Bejahen und Verneinen sind die Grundoperationen der Sprache und verdanken sich, daoistisch gesehen allein den unterschiedlichen Positionen, den unterschiedlichen Namen im Ganzen.
Genauso verhält es sich mit dem Denken. Denn zu jeder spezifischen Positionen mit dem ihr entsprechenden Namen gehört nicht nur die spezifische Bejahung ihrer selbst und Verneinung ihres Gegenteils, sondern auch die gedankliche "Identifikation" mit sich und die gedankliche "Differenz" vom Gegenteil.
Möller 175
Semiotik der Präsenz - oder: Der Unterschied zwischen Dao und Gott
Wie radikal die Präsenzvorstellung im altchinesischen Daoismus gewesen ist, von wie durchschlagender und weitreichender Wirkung sie war, zeigt sich vielleicht am deutlichsten im Bereich der zeitlichen Theorie bzw. der Semiotik. Die altchinesische Semiotik der Präsenz lässt sich deutlich von einer Semiotik der Repräsentation unterscheiden, die in der alteuropäischen Tradition zu bedeutsam gewesen ist.
gleich-gültig
Ein präsentes Ding lässt sich, aus dieser "zeichentheoretischen Perspektive" betrachtet, gleich-gültig zweiteilen. Jedes Ding hat seinen Namen und seine "Sache". Der Name ist nicht eine zur Sache nachträglich hinzu kommen der menschliche Erfindung, sondern er gehört genauso zum Dinge wie die "Sache" selbst... Signifikat und Signifikant, Bezeichnendes und Bezeichnetes, Name und Sache sind auf dieselbe Weise präsent und begründen die Präsenz des Dings, dass durch sie gebildet wird der Name ist nicht nur eine beliebige Repräsentation des Dings, sondern gehört gleichberechtigt mit zur Sache oder der Form des Dinges zur Präsenz des Dinges hinzu...
Semiotik der Präsenz: das Zeichen als eine gleich-gültige Zweiheit von Signifikat und Signifikant,
Semiotik der Repräsentation Zeichen als nicht gleich-gültige Zweiheit.
xiang
xiang ran
xiang ying
xiang wang
Wohlfart Kunst des Lebens184
Das Miteinander-So und die gegenseitige Entsprechung
Wie kann ich von selbst mit den Anderen ganz selbstverständlich im Einklang sein?...Im Huainanzi finden sich zwei treffende Ausdrücke für dieses Miteinander: xiang ran, miteinander so, gegenseitig so und xiang ying, miteinander resonieren, reziproke Resonanz, gegenseitige Entsprechung. Beide Begriffe, xiang ran und xiang ying, können durch gegenseitige Entsprechung übersetzt werden.
Das Gesetz des Umgangs der Menschen miteinander ist das xiang ran, das mit-einander-so bzw. das xiang ying, das mit-ein-ander-resonieren.
Dieses Miteinander, diese résonance mutuelle, diese connaturalité, diese convivialité ist die daoistische Form des Gemeinsinns (die sich von der konfuzianischen Mitmenschlichkeit ( ren ) unterscheidet).
xiang ran
xiang ying ying - antworten vgl 121
Xiang wang Mit-einander-Vergessen Zhuangzi 6.6
zuo wang - sitzen und vergessen - zazen
fa
Das Gesetz ( fa ) des dao, d.h. des Gangs der Dinge ist das ziran, das von-all-eine-so. (Laozi 25: dao fa ziran).
ying
應 yīng ought Wohlfart-leben 121: 1.Ton, müssen, passen
應 yìng to answer; to respond, 4.Ton, entsprechend, sich anpassen,
antworten, Erwiderung, Echo, Resonanz
Daoism concepts 1
Daoism Keywords 1
Daoism Keywords 2