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von Oliver Kaftan
Musikliebhaber, die Konzerte besuchen, wissen, dass sich das Anhören von Musik in der Gruppe ganz anders anfühlen kann als wenn man alleine Zuhause dieselbe Musik hört. So zeigen Studien, dass es zu einer «Gefühlsansteckung» kommen kann, man sich beim Hören von Musik in der Gruppe ähnlich zu fühlen beginnt wie die anderen Zuhörer. Ausserdem kann die Anwesenheit anderer Menschen erlebte Gefühle, wie z.B. Freude, verstärken und dazu beitragen, dass Menschen ein gewisses Gemeinschaftsgefühl erleben und eher bereit sind einander zu helfen.
Wie ist es aber, wenn man sich schlecht fühlt oder gar an Depressionen leidet? Werden dann negative Gefühle in der Gruppe auch verstärkt oder fühlt man sich dank der Musik besser?
Aus vorhergehender Forschung weiss man bereits, dass Depressive sich nach dem Hören von trauriger Musik oft noch schlechter fühlen als zuvor und Mühe haben, diese negativen Gefühle zu regulieren (z.B. indem sie an etwas Positives denken, das ihre Gefühlslage wieder verbessert). Wenn es so wäre, dass das gemeinsame Hören von Musik in der Gruppe diese negativen Gefühle zusätzlich verstärkt, dann könnte dies gefährliche Folgen haben. Je tiefer man nämlich in eine Depression fällt, umso höher ist beispielsweise das Suizidrisiko. Folglich ist es sehr wichtig, dass Studien untersuchen, was unser Wohlbefinden begünstigt oder beeinträchtigt und ob spezifische Faktoren, wie das Hören von Musik, bei Kranken den gleichen Einfluss haben wie bei Gesunden.
Vor diesem Hintergrund erfragten Sandra Garrido und ihre Kollegen in ihrer Studie bei 697 vorwiegend jüngeren Erwachsenen, was es mit der Wirkung von Musik auf sich hat. Dabei machten sie einige interessante Entdeckungen: Zunächst einmal zeigte sich, dass Personen mit zunehmenden Depressionswerten eher alleine Musik hören (was zu ihrem allgemeinen Rückzugsverhalten passt) und beim Musikhören eher grübeln (z.B. stimmen sie stärker Aussagen zu wie: „Musik zu hören erinnert mich an die negativen Dinge in meinem Leben“). Ferner zeigte sich vor allem, dass sie in Gemeinschaft anderer im Vergleich zu gesunden bzw. weniger depressiven Personen traurigere Musik hören und sie dies noch depressiver stimmt.
Demgegenüber war der soziale Austausch bei gesünderen Personen positiver: Weniger depressive Personen grübeln nicht nur weniger beim Musikhören, sondern je niedriger die Depressionswerte, desto fröhlicher sind die Lieder, die Menschen gemeinsam mit anderen hören; sie reden über positivere Dinge und fühlen sich auch besser. Die positive Wirkung von Musik ist auch bei negativer Stimmung zu beobachten: Jenen Personen, die grundsätzlich einen eher positiven Umgang mit ihren Gedanken und Gefühlen pflegen, kann das Musikhören helfen, sich wieder besser zu fühlen.
In diesem Sinne ist Musik etwas Wunderbares bzw. kann sie ohne Zweifel positive Auswirkungen auf unser Wohlbefinden haben. Wie die Studie von Garrido und Kollegen allerdings nahelegt, sollten Personen, die unter einer Depression leiden, Vorsicht walten lassen. Führt das Musikhören zu stärkerem Grübeln, das sich in der Gruppe noch verstärkt, kann dies dem eigenen Wohlbefinden abträglich sein und den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen. Wenn das gemeinsame Hören von Musik hingegen dazu beiträgt, Hilfe von anderen zu erhalten und – idealerweise mit therapeutischer Unterstützung – negative Gedankenmuster zu durchbrechen, dann kann sich Musikhören auch bei depressiven Menschen positiv auf das Wohlbefinden auswirken.
Literaturangaben:
Garrido, S., Eerola, T., & McFerran, K. (2017). Group rumination: Social interactions around music in people with depression. Frontiers in Psychology, 8, 490. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2017.00490
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