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|Abt Beda Angehrn (1767-1796)

Abt Beda Angehrn
Beda Angehrn, 1767-1796. *7.12.1725 (Johann Konrad) in Hagenwil TG als Sohn des Johann Konrad Angehrn, Chirurg und Gerichtsammann, und der Maria Katharina Willi. Zunächst studierte er am Jesuitengymnasium zu Konstanz. Profeß in St. Gallen am 16.10.1744. Die vier niederen Weihen erhielt er am 10.8.1745; Subdiakon wurde er am 21.9.1748, Diakon am 24.5.1749, Priester am 20.12.1749; die Primiz konnte er am 27.12.1749 feiern. Während 12 Jahren wirkte er als Lektor der Philosophie und Theologie. Abt Cölestin Gugger ernannte ihn am 8.6.1753 zum Professor der spekulativen und praktischen Theologie an der St. Galler Hausschule. Am 1. Dezember des selben Jahres wurde er "Schattenpfarrer" in St. Gallen. Am 30.9.1759 verreiste er nach Neresheim, wo sein Vetter Benedikt Maria Angehrn Abt war (1755-1787). Brüdermoderator wurde er am 29.11.1761, Prior und Statthalter in St. Johann am 21.2.1763. Am 11.3.1767 wurde er unter Vorsitz des Nuntius Luigi Valenti-Gonzaga und in Beisein der Äbte von Muri und Rheinau zum Abt erwählt. Konfirmation am 27.4.1767 durch Papst Clemens XIII. Die Benediktion erteilte dem Neugewählten der Nuntius am 8.9.1767. Am 19.12.1767 verlieh ihm Kaiser Joseph 11. die Regalien. Noch im gleichen Jahr erhielt er auch vom Herzog von Savoyen den Annuntiatenorden. Von Leodegar Tschudi auf Gräpplang (Flums) kaufte er am 14.2.1768 den schriftlichen Nachlaß und die Bibliothek des Geschichtsschreibers Ägidius Tschudi um 264o fl., worunter sich u. a. Handschriften mit der Nibelungen Lied und Klage, des Parzival, des Lebens Karls des Großen und Willehalms befanden. In den Jahren 1767-1769 ließ er als neuen Flügel des Klosters die sog. Neue Pfalz, das heutige kantonale Regierungsgebäude, mit Abtsgemächern und Thronsaal errichten. Anläßlich der katastrophalen Hungersnot des Winters 1770-1771 bewahrte er durch Einfuhr und Abgabe von oberitalienischem Getreide große Teile der Untertanenschaft vor dem Schlimmsten. Bleibende Verdienste erwarb er sich beim Straßenbau: Eine gute, chaussierte Straße ließ er nach und nach von Rorschach nach Wil erbauen (1773-1778), womit St. Gallen sich zu den führenden Gebieten der Eidgenossenschaft zählen konnte und eine wichtige Teilstrecke der Ost - West-Verbindung hergestellt war. Dazu kamen 1786-90 als Seitenverbindungen die Strecke Wil-Ricken sowie kleinere Stücke, wie St. Gallen-Speicher, Gossau-Herisau, Kräzernbrücke-Herisau. Das Defensivbündnis der Eidgenossen mit Frankreich erneuerte er im Jahre 1777. In den Jahren 1758-59 weilte P. Iso Walser als Reformprior in der Schottenabtei Würzburg, von wo er 1759 krankheitshalber wieder nach St. Gallen zurückkehren mußte. Als Offizial war P. Iso während 25 Jahren (1759-1785) für die Seelsorge zuständig. In dieser Zeit entstanden sieben neue Pfarreien und 6 Kaplaneien, 19 Kirchen und Kapellen wurden erbaut. Seit 1783 wurde auch im St. Gallischen, indessen gegen zeitweise starken Widerstand der Bevölkerung und des Offizials, die sog. Normalschule eingeführt, welche die Realien betonte und von Neresheim her unser Gebiet erreichte (P. Beda Pracher). Für den Gottesdienst schaffte Abt Beda für ca. 50 000 fl. vier kostbare Pontifikalornate an. Die zunehmende Verschuldung der Abtei und die z. T. ungenügende Berücksichtigung des Mitspracherechts des Kapitels ließ dem gütigen und im persönlichen Lebenswandel untadeligen Abt innerhalb des Konvents eine Opposition erwachsen, die seinen Rücktritt forderte, ein Ansinnen, dem der Papst sein Nein entgegensetzte. Die von Abt Beda freiwillig angebotene Resignation lehnte Rom in einem Breve ab; am 17.9.1788 ließ der Abt hierauf die oppositionellen Mönche, darunter Pankraz Vorster und Ildefons von Arx, von St. Gallen wegversetzen. Die allgemeine revolutionäre Bewegung machte dem Abt in der Mitte der neunziger Jahre schwer zu schaffen. Um 1795 liefen von allen Seiten Beschwerden und Forderungen ein. Die sog. Ausschüsse, Vertreter der Gemeinden der Alten Landschaft, reichten am 3.6.1795 der Abtei die "Ehrerbietigen Vorstellungen" ein, auf die als Antwort Abt Bedas das "Ultimatum" folgte. Am 23. Oktober einigten sich die beiden Parteien im sog. "Gütlichen Vertrag", in dem der Abt den Forderungen weit entgegenkam, die Leibeigenschaft abschaffte und weitere feudale Rechte preisgab oder schmälerte. Auch der Konvent billigte schließlich den Kontrakt am 18.1.1796. Zwei Tage später wurde das Dokument besiegelt und den Ausschüssen übergeben. Abt Beda starb bereits am 19.5.1796.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)