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Die fünf Nominierten für den Schweizer Buchpreis 2020 stehen fest. Dorothee Elmiger, Tom Kummer, Charles Lewinsky, Karl Rühmann und Anna Stern stehen auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises 2020. Die öffentliche Preisverleihung hätte am kommenden Sonntag, 8. November 2020, im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals BuchBasel im Theater Basel über die Bühne gehen sollen. Aufgrund der vom Bundesrat verfügten Massnahmen sehen sich die Organisatoren nun aber gezwungen, das Internationale Literaturfestival BuchBasel abzusagen. Davon betroffen ist auch der Schweizer Buchpreis 2020. Die Trägerschaft hält aber daran fest, dass der Schweizer Buchpreis am 8. November 2020 vergeben wird. Die öffentliche Preisverleihung im Theater Basel findet allerdings nicht statt. Informationen zur Form der diesjährigen Preisverleihung sollen in den nächsten Tagen folgen.
Auf die Shortlist des Schweizer Buchpreises 2020 haben es dieses Jahr drei Autoren und zwei Autorinnen geschafft. Aus dieser Shortlist wird eine Jury am 8. November die Preisträgerin oder den Preisträger bestimmen. Wer also macht das Rennen?
Dorothee Elmiger, 1985 geboren, Zürcher Autorin, mit ihrem Roman „Aus der Zuckerrohrfabrik“. Es handelt sich dabei um eine gut recherchierte Arbeit. Die Story reicht zurück bis in die Kolonialzeit und schafft überraschende Zusammenhänge. Es geht um einen Schweizer Lotto-Millionär in der Karibik, der zwar in einer Traumwelt lebt, die aber nicht frei ist von Wahnsinn und Raffgier.
Tom Kummer, 1961 geboren, ist ein „enfant terrible“ unter den Schweizer Autoren. Im Jahr 2000 hatte er wegen fiktiver Interviews einen Medienskandal ausgelöst. Jetzt legt er einen Roman vor mit dem Titel „Von schlechten Eltern“. Darin chauffiert der Ich-Erzähler mit lachendem Gesicht seine Gäste, vor allem Geschäftsleute, durch die Schweiz. Hinter seinem lachenden Gesicht verbirgt sich aber eine grosse Trauer um seine verstorbene Frau.
Charles Lewinsky, 1946 geboren, hat sich einen Namen geschaffen aufgrund zahlreicher Romane, Theaterstücke und Drehbücher. Nun legt er einen Roman vor mit dem Titel „Der Halbbart“. Es handelt sich dabei um die Geschichte von Sebi, einem seltsamen Fremden, der nur ein halbes Gesicht hatte, und der im 14. Jahrhundert in einem Tal im Kanton Schwyz gelebt haben soll.
Karl Rühmann, 1959 geboren, erzählt in seinem Roman „Der Held“ von zwei Offizieren, die im jugoslawischen Bürgerkrieg auf verschiedenen Seiten gekämpft hatten, nun aber zu Freunden werden. Der Roman des Ex-Jugoslawen behandelt die Frage nach Schuld und Gerechtigkeit.
Anna Stern, 1990 geboren, sucht in ihrem Roman mit dem Titel „Das alles hier, jetzt.“ eine Antwort auf die Frage: Wie funktioniert Erinnerung? Was verbindet Menschen miteinander?
Eine Prognose anzustellen, ist schwierig. Der Literaturbetrieb kennt eigene Gesetze. An Charles Lewinksy wird die Jury jedoch kaum vorbeikommen. Er ist der erfahrenste, der vielseitigste, der bestens vernetzte. Er ist der mit Abstand produktivste Schweizer Autor. Sein neuster Roman allerdings, „Der Halbbart“, ist ein 700-seitiger Schunken aus dem finsteren Mittelalter, eine Fleissarbeit sicher, er wirkt aber reichlich konstruiert. Meine persönliche Favoritin? Die Autorin Anna Stern mit „Das alles hier, jetzt“. Phantasievoll schreibt sie, experimentell, und trotzdem mit philosophischem Tiefgang. Lesen Sie mehr zu Anna Stern und zu ihrem Buch in meiner Blog-Geschichte „Abschied und Erinnerung“ vom 29. Oktober.
Text, Fotos und Radiosendung: Kurt Schnidrig