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Erst als in den Schlussminuten des Finals die letzten paar Bälle in die Nähe des spanischen Strafraums flogen, konnte man etwas Emotionen im Gesicht von Vilda erkennen. Etwas Nervosität, die nach dem Schlusspfiff der grossen Freude wich. Er hat geschafft, was im Fussball eher selten vorkommt: Ein ihm noch vor einigen Monaten zu grossen Teilen feindselig eingestelltes Team zum Triumph geführt.
15 Nationalspielerinnen waren im letzten Herbst in den Streik getreten, um gegen den 42-jährigen Coach zu protestieren, der seit 2015 das A-Nationalteam betreut - bis zu dieser WM relativ erfolglos, besonders gemessen an den vielen Trophäen, die die Junioren-Teams in diesem Zeitraum gewonnen haben. Von unmenschlichen Überwachungsmethoden über taktische Inkompetenz bis zu fragwürdigen personellen Entscheiden reichten die Vorwürfe an seine Adresse.
In Frankreich hatte die Drohung eines Streiks im Frühjahr zur Entlassung von Nationaltrainerin Corinne Diacre geführt, in Spanien blieb er für Vilda ohne Konsequenzen. Er durfte mit der Rückendeckung des Verbandes, aber ohne 12 der 15 weiterhin Streikenden die WM vorbereiten. Vilda blieb während des Turniers seinem Konzept treu, die spanischen Spielerinnen hielten sich am vereinbarten Waffenstillstand, auch das Trio, das den Streik abgebrochen hatte, unter ihnen Aitana Bonmati, die zur besten Spielerin der WM gewählt wurde.
Ersatzbank, Captain, Matchwinner
Die Methode Vilda verlangt, dass alle ihr Ego dem Team unterordnen. Die zweifache Weltfussballerin Alexia Putellas war oft Ersatz und auch andere Spielerinnen mussten plötzlich mal ihren vermeintlichen Stammplatz hergeben oder zwischenzeitlich mit einer anderen Rolle vorliebnehmen. Der Coach war auf der steten Suche nach der besten Zusammensetzung, wodurch etwa die als beste junge Spielerin der WM ausgezeichnete Salma Paralluelo eine viel wichtigere Rolle spielen durfte als vor dem Turnier erwartet.
Auch Olga Carmona, die Matchwinnerin der letzten beiden Partien, war eine Wiederentdeckung. Vilda hatte sie nach dem 0:4 zum Abschluss der Vorrunde gegen Japan aus der ersten Elf genommen, um sie ab den Viertelfinals als Captain wieder einzusetzen. Im Halbfinal gegen Schweden schoss die Aussenverteidigerin in der 89. Minute das siegbringende 2:1, im Final gegen England erzielte sie den einzigen Treffer der Partie.
Die Andalusierin Carmona, 23-jährig und noch nicht mal 30-fache Internationale, war der dritte spanische Captain während der WM nach Ivana Andres und Esther Gonzalez. Kontinuität und Zusammenhalt stehen für Vidal nicht an erster Stelle der Prioritätenliste. Auch deshalb wurde er vor dem Final als hässliches Gegenüber von Englands Trainerin Sarina Wiegman dargestellt. Ein deutsches Medium sah in ihm sogar das böse Gesicht des Patriarchats.
Das bessere Tiki-Taka
In Spanien wird Vilda differenzierter betrachtet. Für einige Experten war er genau die richtige Person am richtigen Ort, weil er die nötige Dynamik ins Nationalteam gebracht hat. Sein Leistungsausweis über die letzten Wochen gesehen, ist auf jeden Fall beeindruckend. Anders als die Männer, deren Tiki-Taka in den vergangenen Jahren auch oftmals unentschlossen wirkte, agierten die spanischen Frauen variabel und zielstrebig.
Wie es nun zwischen Vilda und der Landesauswahl weitergeht, ist offen. Als sich das Team nach dem Final auf dem Platz im geschlossenen Kreis wiederfand, reagierten einige Spielerinnen auf seinen Ansprache mit Tränen. Gerade die Jüngeren im Team scheinen dem Coach verbunden zu sein. Aus der Zweckgemeinschaft könnte dank dem Erfolg noch mehr werden. Vorerst wir aber gefeiert, kündigte Vilda an: «Wir fangen hier an, und ich weiss nicht, wann es enden wird.»