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Ivan Illich: Entschulung der Gesellschaft
Mit seinem Buch "deschooling Society" (Entschulung der Gesellschaft) löste Ivan Illich in den frühen 1970erjahren auch in Deutschland und der Schweiz eine breite und kontrovers geführte Diskussion zum Thema "Entschulung" aus. Illichs Kritik an der Schule und dem von ihr vermittelten Weltbild sind Teil einer grundsätzlichen Kritik an den zum Selbstzweck gewordenen Institutionen der modernen Gesellschaft und den diese legitimierenden Mythen. Neben der Schule befasste er sich in der Folge insbesondere auch mit dem modernen Gesundheits- und Verkehrssystem. Auf Grund ihres nie hinterfragten fortgesetzten Ausbaus haben auch diese längst begonnen, das zu blockieren, was sie ursprünglich fördern wollten. Illichs Anliegen und seine konkreten Vorschläge wurden seither vielfach diskutiert und weiterentwickelt, wobei diese theoretische und praktische Arbeit heute weitgehend ausserhalb des Mainstream, auch ausserhalb des pädagogischen Establishments, d.h. ausserhalb der akademischen Pädagogik und der von ihr "betreuten" und überwachten (staatlichen) Schule vor sich geht.
Illich (1926-2002) ist kein Geheimtip. Wer Musse zum Nachdenken und Interesse an Illichs Gedanken über eine Gesellschaft des menschlichen Masses hat findet im Internet und in Bibliotheken viel anregendes Material.
Hier möchte ich lediglich drei Beiträge zum online hören oder zum Download anbieten, die ich an verschiedenen Stellen des Internet, so zB. im Audioarchiv von Altruists International oder auf einer kleinen, sehr übersichtlichen Seite gefunden habe, wo auch einige (englische) Texte von Illich online zur Verfügung stehen.
Die erste Aufnahme, ein rund 45 Minuten dauernder
Vortrag zum Thema Deschooling stammt vermutlich aus dem Jahr 1970. Wo die Aufnahme entstand, scheint nicht bekannt.
Die zweite Aufnahme beginnt mit einer kurzen Definition des Begriffs "Deschooling", ist aber vor allem eine Diskussion mit dem Publikum zum Thema Entschulung, in der Illich einige seiner Thesen noch einmal vertieft. Obschon die Fragen aus dem Publikum kaum verständlich sind, sind die Antworten Illichs meistens so ausführlich, dass sich das Zuhören meines Erachtens lohnt. Auch hier sind Ort und Datum der Aufnahme nicht bekannt. Möglicherweise entstand sie jedoch im Rahmen derselben Veranstaltung, d.h. ebenfalls im Jahr 1970.
In den 1980er und 90erjahren sprach Ivan Illich mit dem Journalisten David Cayley im Verlauf mehrerer längerer Gespräche u.a. über Freundschaft und den Wert naiver Verweigerung gegenüber den Ansprüchen der ideologischen und bürokratischen "Systeme", welche die Menschen nach Illichs Auffassung mehr und mehr vereinnahmen. Einige Passagen aus diesen 2006 unter dem Titel "In den Flüssen nördlich der Zukunft. Letzte Gespräche über Religion und Gesellschaft mit David Cayley" im C. H. Beck Verlag in München erschienenen Interviews verwertete Cayley im Jahr 2000 im Rahmen einer von der Canadian Broadcasting Corporation, CBC ausgestrahlten Sendereihe zum Thema The Corruption of Christianity. In ihr wird ein Teil der philosophisch-religiösen Gedanken sichtbar, die Illichs Kritik an der Moderne und ihren zum Moloch gewordenen Institutionen zu Grunde liegen.
© Martin Näf 2006