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Nach einem mehrjährigen Entwicklungsprozess wird morgen die endgültige Fassung der Neuauflage der verbreiteten Open Source-Lizenz veröffentlicht werden.
Nachdem die Free Software Foundation Ende Mai noch einen letzten Diskussionsentwurf vorlegte, wird morgen die offizielle endgültige Fassung der GNU General Public License Version 3 (GPL v3) veröffentlicht. Der offizielle Launch um 12 Uhr Ortszeit in Boston ist Anlass für eine Feier in den Büros der FSF. Der Open Source-Guru Richard Stallman wird dabei eine Rede halten, die auch Live im Web gezeigt
werden soll.
Die GPL v3 wird nicht auf einen Schlag alles verändern, aber sich langsam immer mehr ausbreiten. Die neue Version kann nicht rückwirkend für bereits veröffentlichte Software verwendet werden. Aber ab morgen können jegliche neuen Patches und Updates unter der GPL v3 lizenziert werden - die FSF wird dies auch ab sofort für die vielen unter ihrer Ägide stehenden Programmpakete tun.
Den meisten Kunden, zumindest, wenn sie nicht zu der kleinen Minderheit gehört, die selbst Code zu Open Source-Projekten beiträgt, dürfte es relativ egal sein, unter welcher Lizenz genau die von ihnen angewendete Software steht. Den Open Source-Entwicklern könnte die neue Version der am meisten verbreiteten Open Source-Lizenz aber einiges Kopfzerbrechen bereiten. Sie müssen sich einerseits entscheiden, ob sie für neu herausgebrachte Software bei der 16 Jahre alten GPL v2 bleiben oder auf die neue Lizenz wechseln wollen, und andererseits herausfinden, welche der von ihnen verwendeten Open Source-Komponenten legal mit Softwarekomponenten unter GPL v3 gemischt werden können.
Während die GPL v3 mit dem letzten Entwurf kompatibel zur ebenfalls weit verbreiteten Version 2.0 der Apache-Lizenz gemacht wurde, gilt dies nicht unbedingt für die eigene Vorgängerversion GPL v2. Wenn Programmteile, die unter der GPL lizenziert wurden, in andere Programme eingebaut werden, verlangt die GPL nämlich, dass auch die letzteren wiederum unter dieselbe Version der GPL gestellt werden müssen. Die FSF selbst umging dieses Problem seit einigen Jahren, indem sie ihre Software unter GPL "Version 2 oder später" lizenzierte. Es gibt aber gewichtige Softwarepakete - insbesondere den Linux-Kernel - die unter der "reinen" GPL v2 stehen.
Zumindest für die Anbieter von Linux-Distributionen gab Richard Stallman aber zuletzt Entwarnung. In Linux-Distributionen wie denen von Red Hat oder Novell befindet sich typischerweise neben dem Linux-Kern auch viel Software der FSF, die in Zukunft unter der GPL v3 lizenziert sein wird. Die Kompatibilität der Lizenzen, so Stallman, spiele nur eine Rolle, wenn Code aus verschiedenen Programmen in einem einzigen Programm zusammengefügt wird. Wenn die Programme einfach zusammen geliefert werden, wie in einem Betriebssystem, sei es kein Problem, GPL v2 und GPL v3-Programme zu bündeln.
Von der letzten Diskussionsfassung
dürfte sich die endgültige Fassung kaum mehr unterscheiden. Ursprünglich wurde die neue Version in Angriff genommen, um neueren Entwicklungen in der IT, insbesondere dem Aufkommen von Internet-basierte Software, Rechnung zu tragen. Gleichzeitig wollte man die Möglichkeiten für Unternehmen, mit Open Source-Produkten Geschäfte zu machen, verbessern. Zusätzlich wurde aber auch weniger industriefreundliche Paragraphen, zum Beispiel verschärfte Bestimmungen gegen die Verwendung von "Digital Rights Management"-Mechanismen eingebaut. Und in letzter Zeit sorgten vor allem die "in letzter Minute" hinzugefügten "Giftparagraphen", die in Zukunft Händel wie den Microsoft/Novell-Pakt verhindern sollen, für Aufsehen. (Hans Jörg Maron)