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Gemeinbesitz, kollektive Ressourcen und die politische Kultur in der alten Eidgenossenschaft (17. und 18. Jahrhundert)
Corporate Property, Collective Resources and the Political Culture of the Old Eidgenossenschaft (17th and 18th Century)
Das vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Projekt untersucht, wie Gemeinbesitz und kollektive Ressourcen die politische Kultur der alten Eidgenossenschaft prägten. Politik und Gesellschaft waren von einer ökonomischen Logik durchdrungen. In unterschiedlichen Kontexten wurde permanent um die Nutzung und Verteilung kollektiver Ressourcen gerungen.
Die im 17. und 18. Jahrhundert zunehmenden sozialen Unruhen drehten sich um die Verteilung der Erträge aus korporativem Besitz und die Missachtung angestammter Nutzungsrechte. Kritik am Regierungsstil der aristokratischen Eliten denunzierte, dass sich eine Minderheit am Gemeinwesen bereicherte, als dessen Teilhaber sich die vollberechtigten Bevölkerungsgruppen (Bürgerschaften, Landleutekorporationen, Dorfgenossen) verstanden.
Kollektive Ressourcen implizierten einen charakteristischen Modus der Staatsbildung. Die Bewirtschaftung gemeiner Herrschaften und rentabler Aussenbeziehungen (Pensionen) klammerte die eidgenössischen Orte zusammen. Öffentliche Aufgaben wurden von Gemeinden auf eigene Kosten übernommen. Im Gegenzug blieben die korporativen Einheiten gegenüber obrigkeitlichen Vereinheitlichungsbestrebungen relativ autonom. Gemeineigentum wirkte kohäsiv auf Gemeinden, Staaten und den Staatenbund. Fragen der Allmend- und Waldnutzung sowie des Armenwesens dominierten die kommunale Politik, die bestrebt war, den nutzungsberechtigten Angehörigen materiellen Rückhalt bei minimalen Kosten zu garantieren.
Die schweizergeschichtliche Forschung zum Ancien Régime fokussiert bislang auf Theoreme wie Herrschaft, Aristokratisierung oder im Gegenzug Freiheit. Die geplante Studie schlägt ein alternatives Interpretament vor. Über die Logik kollektiver Ressourcen eröffnen sich neue Perspektiven auf grundlegende Fragen der älteren Schweizer Geschichte (Modus der Staatsbildung, Persistenz des politischen Systems ohne Machtmittel etc.). Die Untersuchung stellt ab auf vernetzte Analyse unterschiedlicher Quellengattungen.
Das Projekt schliesst an aktuelle Diskurse zu Staatsbildung, politischer Kultur und Allmendewesen an und leistet einen Beitrag zur «Kulturgeschichte der Politik» und den «Studies of the Commons». Operationalisiert wird der Ansatz anhand der Konzepte der «common-pool resources» sowie des «reziproken Altruismus». Diese Modelle liefern ein der alteidgenössischen Gesellschaft adäquates methodisches Instrumentarium. Die Ergebnisse sollten sich auf korporative Strukturen in anderen europäischen (und aussereuropäischen) Regionen extrapolieren lassen. Schliesslich bestehen mehrere Gegenwartsbezüge: Frühneuzeitliche Positionen manifestieren sich in heutigen Debatten über Staatsbürgerrecht und Sozialversicherungen. Genossenschaftliche Modelle funktionieren bis in die Gegenwart.