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Tiere und Wissen sammeln
Nach ersten Studien an Tieren im Altertum kann in Europa ab der Renaissance die Entstehung einer Zoologie dokumentiert werden. Die Formenvielfalt und die Entdeckung bisher noch nicht bekannter Tiere war der Anstoss zu einer Reihe von Werken mit Beschreibungen der Tierwelt. Eine erste Enzyklopädie war die 4500 Seiten starke «Historia animalium» von Conrad Gesner; sie wurde 1551–1587 veröffentlicht. Vielfach waren darin aber auch Tiere enthalten, die gar nicht zur Wildfauna gehörten, sondern in Menagerien oder Volieren von Fürstenhöfen gehalten wurden oder gar aus dem Fabelreich stammten. In Naturalienkabinetten wurden bevorzugt Tiere gesammelt, die gut konserviert werden konnten: zum Beispiel Schnecken und Muscheln mit ihren Gehäusen oder Insekten, deren Körper sich leicht trocknen liessen. Bekannt war in Basel das Naturalienkabinett des Arztes Felix Platter.
Lokales Wissen und vergleichende Studien
Eine erste Lokalfauna von 1666 stammte vom Strassburger Fischer und Jäger Leonhard Baldner und beinhaltete die von ihm selbst beobachteten und gefangenen, respektive gejagten Fische, Vögel und Säugetiere. Mit der Erfindung des Mikroskops wurden bisher verborgene Kleinorganismen wie Rädertierchen, Wasserflöhe oder Hüpferlinge entdeckt. Die Klassifikation war analog zu den Pflanzen eine Aufgabe, die nach den Verwandtschaften im Tierreich suchte. Vergleiche zwischen Tier und Mensch waren zum Beispiel erste Schritte zur Kenntnis der Baupläne der Wirbeltiere. In den artenreichen Gruppen der Insekten und weiterer wirbelloser Tiere wurde erst im 19. Jh. ein grosser Teil der Arten beschrieben.
Organstudien und evolutionäre Entwicklung
Erst später konnte den einzelnen Organen auch eine Funktion zugeordnet werden und lange gab die Aufgabe des Blutes im Körper Anlass zu vielerlei Spekulationen. Die breite Vergleichsbasis zwischen Tieren und Menschen, aber auch das vertiefte Verständnis der Embryologie und Entwicklungsmechanik war die Grundlage für die Evolutionstheorie von Darwin. Diese Tradition hat auch der Basler Friedrich Miescher fortgeführt, der neben seiner Tätigkeit als Physiologe auch eine Fangstatistik der Lachse in der Region Basel erarbeitet hat.
Herausbildung zoologischer Disziplinen
Neben der Tierphysiologie, deren Forschungsfelder sich im 20. Jh. mehr und mehr auf die Fragestellungen aus der Humanmedizin konzentrierten, waren die Gestaltforschung, die Verhaltenslehre und die Faunistik weitere Forschungszweige, die an Universitäten gepflegt wurden. In der auch von Laien betriebenen Faunistik werden die Verbreitung einzelner Tierarten in der Landschaft und die Ursache für ihre Verbreitungsmuster untersucht. Als Reaktion auf die starken Umweltveränderungen und das regionale Verschwinden vieler Tierarten haben sich aus der Faunistik die Ökologie und die Naturschutzbiologie entwickelt.
Archive des Lebens
Die naturhistorischen Museen beherbergen einerseits Sammlungen, die meist aus den Naturalienkabinetten Privater hervorgegangen sind. Andererseits sind sie auch Arbeitsstätten zoologischer Forscher. Bis in die neuste Zeit beschreiben die Kuratoren der Sammlungen neue Arten oder überarbeiten die Systematik einzelner Tiergruppen. Die Museen erhalten als Kompetenzzentren für die Archivierung von Belegen des schweizerischen Biodiversitätsmonitorings zunehmende Bedeutung.
Interdisziplinär zum Erfolg
In der nach dem Zweiten Weltkrieg von Rudolf Geigy initiierten Tropenforschung wurde seit jeher auch eine interdisziplinäre Arbeitsweise gepflegt. Ärzte, welche die medizinischen Aspekte der Tropenkrankheiten erforschen, arbeiten bis heute erfolgreich mit Biologen zusammen, die sich beispielsweise mit den Lebenszyklen und der Biologie der tierischen Überträger befassen. Dieses interdisziplinäre Herangehen an Forschungsfragen hat sich auch in anderen Bereichen der Ökologie, des Naturschutzes und seit wenigen Jahrzehnten auch der Systembiologie bewährt. Mit dem Ansatz der Systembiologie wird versucht, die Funktionsweise und Regulationsmechanismen der gesamten Organismen und deren Gemeinschaften zu erforschen.
DK