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Juden
«Ja, sie sind klüger»
Gregory Cochran erforschte die Juden. Resultat: Ihr IQ ist viel höher als der Durchschnitt. Warum?
Herr Cochran, sind Juden klüger als andere Menschen?
Ja, das kann man so sagen. Ein durchschnittlicher Jude erreicht bei einem standardisierten IQ-Test etwa 112 Punkte, ein Europäer 100, ein Amerikaner afroamerikanischer Abstammung liegt klar darunter. Das trifft allerdings nicht auf alle Juden zu, in unserer Studie beschränkten wir uns auf die Aschkenasim, die ost- und mitteleuropäischen Juden.
IQ-Tests messen allerdings nur eine spezielle Form von Intelligenz.
Genau. Und sogar innerhalb eines IQ-Tests gibt es verschiedene Disziplinen. Juden sind sehr gut im Kreuzworträtsel-Lösen, haben aber kein besonders ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen, oder kennen Sie berühmte jüdische Architekten? Hingegen sind 40 Prozent aller amerikanischen Nobelpreisträger in Wissenschaft und Wirtschaft Juden.
Warum haben sie einen höheren IQ?
Das war vermutlich nicht immer so. Im Mittelalter wurde ihnen verboten, Landwirtschaft zu betreiben, sie kamen daher in Berufe, wo höhere Intelligenz von grossem Vorteil war, sie arbeiteten als Händler, Beamte, Bankiers. Innerhalb der jüdischen Bevölkerung fand eine natürliche Selektion statt: Die Klugen verdienten mehr und konnten mehr Kinder zeugen. Und es gab keine Durchmischung mit der nichtjüdischen Bevölkerung, so wurde der spezielle Genpool konserviert.
Was ist der Preis für den hohen IQ?
Aschkenasim haben eigene Erbkrankheiten, es gibt Studien, die zeigen, dass diese mit ihrer hohen Intelligenz gekoppelt sind: Dieselben Gene machen sie sowohl klug als auch krank. Salopp gesagt: Für das Überleben war es wichtiger, intelligent zu sein, als alt zu werden.
Sie sagen, der IQ kann sich verändern. Könnten die amerikanischen Schwarzen in 1000 Jahren klüger sein als die Aschkenasim?
Das ist eher unwahrscheinlich, ihre Lebensumstände scheinen sie nicht in diese Richtung zu drängen. Grundsätzlich ist die Annahme, «etwas ist in der DNA und kann sich nicht verändern», aber falsch: Erwachsene Menschen konnten lange Zeit keine Milch trinken, bis vor 8000 Jahren irgendein Bauernbaby mit einer Mutation zur Welt kam, die es ihm erlaubte, über das Kinderalter hinaus Laktose abzubauen. Oder: Wegen einer Variation des Gens SLC24A5 ist die Hautfarbe der Europäer heller geworden über die Jahrtausende. In Südafrika kommt SLC24A5 nicht vor. Warum auch? Dort muss die dunkle Haut vor der Sonne schützen. Und blaue Augen? Auch die gibt es erst seit ein paar tausend Jahren.
Was nützen die Veränderungen?
Die Aschkenasim haben sich an eine Nische adaptiert, die hohe Intelligenz erfordert. So machen es alle Tiere und Menschen. Für Jäger und Sammler war eine Laktose-Verträglichkeit von geringem Vorteil, es gab schlicht keine Milch – wer hätte schon einen wilden Auerochsen gemolken? Für die Bauern hingegen war es ein grosser Vorteil, dass sie Milch trinken konnten.
Der Economist nennt Sie einen «wissenschaftlichen Bilderstürmer», ein Harvard-Professor klagt: «Man kann nicht überbetonen, wie politisch unkorrekt Cochrans Arbeit ist – doch sie ist nicht einfach zu widerlegen.»
Ich betrachte die Wissenschaft als Hobby und bin von niemandem abhängig. Das gibt mir die Möglichkeit, Fragen zu erforschen, die ich wirklich interessant finde, egal, ob sie politisch korrekt sind oder nicht. Ausserdem sind diese Gebiete wissenschaftliche Wüsten, ich forsche praktisch ohne Konkurrenz.
Was ist Ihr nächster Kracher?
Die Intelligenz der Aschkenasim ist nur ein kleiner Teil eines riesigen Puzzles, da gibt es noch viel zu tun. Die Gene der Menschen haben sich über Jahrtausende verändert, bereits von einem römischen Gladiator trennt uns heute so einiges.
Zum Glück!
Nicht alles ist zu unserem Vorteil. Es gibt Buschvölker, die keine Autorität akzeptieren. Wenn jemand vor sie hinsteht und sagt: «Ich bin der Boss», lachen sie und ziehen von dannen. Bei uns ist das nicht mehr möglich, wir haben eine starke Hierarchiegläubigkeit entwickelt. Studien legen nahe, dass wir über Jahrtausende besser darin geworden sind, Befehle anzunehmen und auszuführen. Ist das nun gut oder schlecht?
Was nützt Ihre Forschung, ausser dass Sie viel Staub aufwirbeln?
Man weiss noch immer relativ wenig über das Hirn und vor allem über seine Krankheiten. Wir sollten uns die Chance nicht nehmen, da voranzukommen. Oder man kann dank diesem Wissen die menschliche Intelligenz steigern. Das könnte möglich sein. Eines Tages wäre es normal, das Hirn eines Nobelpreisträgers zu haben. Ich finde, menschliche Intelligenz ist etwas Wunderbares.
Gregory Cochran ist der Autor von «Natural History of Ashkenazi Intelligence», erschienen im Journal of Biosocial Science, downloadbar von: homepage.mac.com/harpend. Cochran ist schottischer, nicht jüdischer Abstammung.