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Welche Hunde betrifft diese Erkrankung und wie äussert sie sich? Um mehr darüber zu erfahren, lies weiter in diesem Blog:
Was genau ist eine Osteochondrosis dissecans?
Hierbei handelt es sich um eine häufig auftretende Skelettentwicklungsstörung bei rasch wachsenden mittelgrossen und grossen Hunden im Alter von ca. 5 – 8 Monaten. Im Gegensatz zu der Legg-Calvé-Perthes Krankheit (hier sind vorwiegend kleine Hunderassen betroffen) ist nicht nur der Femurkopf sondern vorwiegend die konvexen Gelenkflächen der Schulter-, Ellbogen-, Sprung-, Kniegelenke und das Kreuzbein betroffen, am weitaus häufigsten gibt es eine OCD am Schultergelenk.
Durch eine verzögerte Ossifikation (Verknöcherung) kommt es zu einer herdenförmigen Dickenzunahme des Gelenkknorpels, was zu einer Unterversorgung, Degeneration und Nekrose der tieferen Schichten führt. Wenn der degenerierte Knorpel und der subchondrale Knochen geschädigt sind, können durch die Belastung feine Risse entstehen und es können sich eine oder mehrere Knorpelschuppe/n (Dissekat) teilweise oder auch ganz ablösen. Wenn sie sich vollständig vom Knorpel ablösen, redet man auch von einer Gelenkmaus oder freien Gelenkkörpern. Diese können sich unter anderem an der Gelenkkapsel festsetzen. Werden sie dort von der Synovia (Gelenkflüssigkeit) mit Nährstoffen versorgt, können sie weiterwachsen und verknöchern.
Knorpelschuppe wie auch Gelenkmaus oder freie Gelenkkörper können zu Entzündungen und Schmerzen führen sowie zu einer sekundären Arthrose.
Was sind die Ursachen für die Osteochondrosis dissecans?
Es ist eine multifaktorielle Erkrankung bei der die Vererbung und Ernährung eine wichtige Rolle spielen: Ein zu hoher Energiegehalt, übermäßige Kalziumzufuhr, hormonelle Imbalancen sowie Traumata und Durchblutungsstörungen können sich schlecht auf die Entwicklung auswirken und einen Einfluss auf die Entstehung der OCD haben.
Es sind vorwiegend mittel- und große Hunderassen im Wachstum (meist zwischen dem 5. – 8. Lebensmonat) betroffen wie z. B.:
Bernhardiner
Irischer Wolfshund
Dogge
Kuvasz
Retriever
Rhodesian Ridgeback
Border Collie
Berner Sennenhund
Rüden sind häufiger betroffen als Hündinnen.
Wie erkenne ich eine Osteochondrosis dissecans Erkrankung bei meinem Hund?
In den meisten Fällen tritt diese Erkrankung bilateral, also auf beiden Seiten auf. Dennoch sind Lahmheitsanzeichen meist nur auf einer Seite zu erkennen. Achte auf folgende Verhaltensweisen bei deinem Hund:
· Lahmheit, diese kann unterschiedlich stark sein und äussert sich oft in einer Anlauflahmheit, einer Schrittverkürzung oder einem seltsamen Gang
· Abnahme der Bewegungslust: dein junger Hund hat auf einmal wenig bis keine Lust zum Spielen
· Er hat Schwierigkeiten und Schmerzen beim Aufstehen, nach der Ruhe oder auch nach längerer Belastungszeit
· Sein/e Gelenk/e ist/sind angeschwollen und ev. warm
· Er äussert Schmerzen beim Strecken und Beugen der betroffenen Gelenke
Wenn ein oder mehrere Symptome auftreten und nach 1-2 Tagen Ruhepause nicht verschwinden, solltest du möglichst rasch einen Tierarzt*ärztin aufsuchen.
Wie wird die OCD diagnostiziert?
Zuerst wird eine Lahmheitsuntersuchung durchgeführt. Für die Diagnosesicherung erfolgt dann eine Bilddiagnostik, meist durch ein Röntgenbild des entsprechenden Gelenks oder einem MRT.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Je früher die Osteochondrosis dissecans diagnostiziert wird desto besser sind die Aussichten.
Es kann, wenn noch keine Knorpel- und Gelenkschäden bestehen, eine konservative Therapie versucht werden. Hierbei braucht es ein striktes Ruhighalten während ca. 3 Monaten, eine Futterumstellung (Energie- und Mineralgehalt entsprechend reduzieren) und die Gabe von Entzündungsmedikamenten und Schmerzmittel (=dabei besteht allerdings das Risiko, dass sich der Hund mehr bewegen möchte, da er keine Schmerzen mehr hat). Der Erfolg ist mäßig und intermittierende Lahmheiten sowie fortschreitender Gelenkverschleiss können eine Folge sein.
In den meisten Fällen wird ein operativer Eingriff empfohlen. Die Knorpelschuppe oder Gelenkmaus wird durch eine Arthroskopie entfernt und, wenn erforderlich, wird eine Kürettage (Ausglättung, Ausschabung) des darunterliegenden Knochens durchgeführt.
Nach dem chirurgischen Eingriff braucht der Hund ebenfalls strikte Bewegungseinschränkung und muss mind. 6 Wochen an der kurzen Leine geführt werden. Die Prognose bei einer OP ist meistens gut und selten bleibt eine Lahmheit bestehen oder tritt erneut auf. Trotzdem sollte auf künftigen Hundesport und eine intensive Bewegung verzichtet werden, da eine fortschreitende Degeneration der betroffenen Gelenke nicht auszuschließen ist.
Eine Garantie gibt es weder bei der konservativen noch bei der operativen Behandlung - leider besteht die Möglichkeit, dass die OCD wieder auftritt oder ein anderes Gelenk davon betroffen wird. Zu empfehlen ist in beiden Fällen eine physiotherapeutische Therapie als Unterstützung.
Was kann ich als HundebesitzerIn vorbeugend tun?
Bewegung ist zwar sehr wichtig für deinen Junghund, aber überfordere ihn nicht mit übermäßiger Bewegung wie joggen, neben dem Fahrrad laufen, hohes springen, abrupte Stopps (Ballspiel), enge Wendungen und Hundesport im Wachstum
achte auf eine altersentsprechende Fütterung und vermeide zu energiereiches Futter und zu viel Kalzium, Phosphor und Vitamin D
das Gewicht spielt eine wichtige Rolle, deshalb: reduziere es zwingend falls nötig
unterstütze ihn mit Knorpelaufbaupräparaten
biete ihm einen warmen, weichen Liegeplatz
informiere dich bei einer Hundephysiotherapeutin wie du deinen Hund optimal unterstützen kannst und welche Übungen für ihn geeignet sind
Wie hilft die Physiotherapie deinem Hund?
Die Physiotherapie ist bei der konservativen wie auch bei der operativen Behandlung wichtig und auf jeden Fall zu empfehlen. Im ersten Fall für die Lockerung der Muskulatur rund um das betroffene Gelenk, eine minimal belastende Bewegung zur Erhaltung und Verbesserung der Gelenksfunktion und später ein gezielter Muskelaufbau. Im zweiten Fall für eine langsame Wiederaufnahme und Steigerung der Belastungsphasen und den Aufbau der Muskulatur. Ebenfalls zur Schmerzlinderung, Muskelentspannung und Verbesserung der Gelenksfunktion.
Folgende Therapie können eingesetzt werden:
Zum Anregen des Heilungsprozesses: Lasertherapie oder die IFR Elektrotherapie
Zur Erhaltung der Gelenksfunktion: Passives Bewegen der Gelenke (ROM-Übungen)
Zum Lösen von Verspannungen: Massagen und Thermotherapie
Ziel ist die gleichmäßige Belastung aller vier Gliedmaßen und eine gute Bemuskelung für den Alltag, damit ein beschwerdefreies Spazieren und Spielen wieder möglich ist.
Gerne zeige ich Dir was du zu Hause als Unterstützung für deinen Hund tun kannst, damit der Genesungsprozess so gut wie möglich verläuft.
Kontaktiere mich, wenn Du Fragen hast oder an einer physiotherapeutischen Behandlung für deinen Hund interessiert bist.