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Geschichte
Die meisten Pendler und Reisenden, die Hornussen heute durchfahren, sehen vom Dorf kaum mehr viel. Sie benützen die stadtverbindende Autobahn und nehmen auf der einen Seite einige Häuser und auf der anderen Seite eine Schallschutzwand wahr. Schon ist das Dorf durchfahren! Die Hauptverkehrsverbindung Basel-Zürich, welche Hornussen als Einheit durchtrennt, wird heute von rund 25’000 Fahrzeuge täglich frequentiert. Sie brachte dem Dorf denn auch die grösste Veränderung der letzten Jahre. Hornussen war aber schon immer ein Strassen- und Durchgangsort. Bereits unter dem römischen Reich wurde die Bözbergstrasse zu einer strategisch wichtigen Verbindung. Im Jahre 1281 wird Hornussen erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname, ein typisch alemannischer Siedlungsname, dürfte aber schon zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert entstanden sein. 1415 besetzten die Eidgenossen einen grossen Teil des heutigen Kantons Aargau. Als 1460 die Herrschaft Schenkenberg von Bern übernommen wurde, blieb einzig das Fricktal in österreichischem Besitz. Dies belegen die vor kurzem restaurierten und unter Denkmalschutz stehenden "Bernersteine", entlang der Grenze zu Bözen, Elfingen und Sulz. 1799/1801 trennte Kaiser Napoleon das Fricktal von Österreich ab. Es folgten längere Friedenszeiten, welche vorteilhaft für die Entwicklung des Dorfes waren. 1850 wurde ein neues Schulhaus gebaut. 1907 errichteten die Hornusser die erste Turnhalle im Fricktal. Neben der Landwirtschaft blühte bis zum Aufkommen der Eisenbahn vor allem das Gastgewerbe. Hornussen galt als Auswechselstation für die Vorspannpferde der Fuhrwerke, die auf der Gotthardroute verkehrten. Als 1875 die Bahnlinie eröffnet wurde, brachte dies dem Dorf jedoch eine nachhaltige und drastische Veränderung. Durch das Ausbleiben der Pferdefuhrwerke verlor mancher Wirt und Pferdehalter mit seinen Angestellten das Auskommen. In der Folge nahmen die Bevölkerung und auch die Bedeutung des Ortes selber stark ab.
Im Jahre 1759 beschuldigte der "säckingische Secretarius Heudorff" den Hornusser "Stiftskeller Engelhardt Keller", er habe in seiner Gegenwart den Hut auf dem Kopf behalten. Das war zu dieser Zeit keine blosse Formsache, sondern ein symbolischer Akt, durch den der Untertan Keller dem Vertreter des fürstlichen Stifts Säckingen den geziemenden Respekt verweigerte. Die Sache, welche später vor Gericht verhandelt wurde, zeigt, dass Hornussen zu dieser Zeit unter der Herrschaft des Stift Säckingen stand. Das Stift Säckingen wurde der Legende nach im 6. Jahrhundert vom heiligen Fridolin gegründet. Hornussen erlebte als Dinghof (Gerichtsbezirk) des Klosters Säckingen seine grösste kulturelle und wirtschaftliche Blüte. Es diente als Appellationsgericht für sämtliche Gerichtsbezirke des Stifts. Die bauliche Substanz des Dorfes, mit seinen hohen alten Häusern, zeugt heute noch von seiner ehemals wichtigen Stellung.
Eine Dorfgemeinschaft wird belebt und gefördert durch die Vereine. Hornussen verfügt über eine bunte Palette von kulturellen, musischen, gemeinnützigen und sportlichen Vereinen. Schon früh entstanden im Dorf der Männerchor, die Musikgesellschaft, die Feldschützen, der Kirchenchor und der Katholische Frauenbund. Später gesellten sich der Turnverein, der Samariterverein und der Rad- und Motorfahrerverein dazu. Die meisten dieser Vereine und einige neue mehr bestehen heute noch. Daneben haben sich in den letzten Jahren auch etliche lose Gruppierungen gebildet. Sie reflektieren den heutigen Trend nach Aktivität, ohne sich den Pflichten und bindenden Strukturen eines Vereins unterordnen zu wollen.
Die Dorfgemeinschaft wird aber auch nachhaltig durch das einheimische Brauchtum geprägt. Dabei spielt das religiöse Brauchtum eine wichtige Rolle, wenn auch viele solche Anlässe in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren haben. Als ältester und auch wichtigster Brauch, der weit über Hornussen hinaus bekannt ist, hat sich die Wallfahrt nach Todtmoos im Schwarzwald behauptet. Die zweimal 40 km werden zu Fuss, betend und meditierend zurückgelegt. Die Wallfahrt geht auf ein Gelübde der Hornusser zur Verschonung vor einer schlimmen Viehseuche zurück und wurde auf ewige Zeiten versprochen. Die Beteiligung, die zeitweise nachgelassen hatte, ist in jüngster Zeit wieder auf über 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen angestiegen.
Kultur im weiteren Sinn beinhaltet auch unsere Lebensumgebung und die über Jahrhunderte hinweg erhaltenen Bauwerke. Hornussen ist bereits in älteren Beschreibungen als "schönstes Juradorf" und als "typisches Fricktaler Strassendorf" erwähnt. Vor einigen Jahren wurde dem Ortsbild von Hornussen vom Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz das Prädikat "von nationaler Bedeutung" zuerkannt. Dies aufgrund der Typizität des langgezogenen Strassendorfes mit einer Vielzahl wertvoller Einzelbauten und einer intakten Dachlandschaft. Leider hat das Ortsbild unter dem Ausbau der Kantonsstrasse anfang der siebziger Jahre stark gelitten. Der Ortskern des Dorfes weiss aber noch heute mit vielen gut erhaltenen stattlichen Bauten wie auch subtil umgebauten Bauernhäusern zu gefallen. Das auf 1595 datierte "Säckinger Amtshaus", welches vermutlich ältere Bauteile einschliesst, ist heute der bedeutendste Zeuge dieser Zeit und steht unter Heimatschutz. Nicht vergessen werden darf die Pfarrkirche St. Mauritius, welche an erhöhter Lage auf dem Vorsprung der Mühlberges liegt und in dieser Form 1710 - 1712 erstellt wurde.
Im 19. Jahrhundert war die Landwirtschaft weitgehend auf Selbstversorgung ausgerichtet. Hornussen besass 1910 zwischen 80 und 90 Wohnhäuser. Es wurden 85 Bauernbetriebe und etwas über 100 Viehbesitzer gezählt. Zu Beginn unseres Jahrhunderts dürfte somit praktisch jede Haushaltung über ihr eigenes Vieh verfügt haben. Heute gibt es im Dorf selber keinen einzigen Landwirtschaftsbetrieb mehr. Im Zuge der Güterregulierung "siedelten" sämtliche Landwirte aus. 12 mittlere bis grosse Vollerwerbsbetriebe sind heute noch zu verzeichnen.
Vermutlich schon im 13. Jahrhundert wurde in der windgeschützten und von der Sonne verwöhnten Südhanglage von Hornussen Wein angebaut. Bis zur Gründung des Kantons Aargau im Jahre 1803 stammte der Kredenzwein für das Säckinger Stift aus den Hornusser Lagen. Um 1870 war die Blütezeit des Weinbaus. Praktisch der ganze Südhang war mit Reben bepflanzt. Ende des 19. Jahrhunderts verschwanden die meisten Rebberge infolge der Rebschädlinge Mehltau und Reblaus. Im Jahre 1964 erwarben Lotti und André Näf-Geu die Stiftshalde und gründeten die erste Rebsiedlung im Aargau, welche heute von der Familie Fürst-Bänziger weitergeführt wird. Insgesamt werden in Hornussen im "alten" und "neuen" Rebberg knapp 10 ha Reben bewirtschaftet. Der wichtigste Gewerbebetrieb und zugleich der grösste Arbeitgeber im Dorf ist die Seifenfabrik Mettler. Der Betrieb kann auf eine langjährige Tradition zurückblicken. Die qualitativ hochstehenden Seifen- und Kosmetikprodukte werden heute weltweit vertrieben.
Hornussen heute! Schon morgen ist "heute" wieder Vergangenheit! Wir leben in einer äusserst schnelllebigen Zeit. Die Veränderungen sind sehr gross und prägen auch unser Gemeinwesen. Hornussen hat sich vom ehemaligen Durchgangs- und Grenzort zu einer ländlichen Wohngemeinde entwickelt. Im Zusammenhang mit der Eröffnung der Autobahn war in den letzten 10 Jahren eine rege Bautätigkeit zu verzeichnen. So hat sich die Bevölkerungszahl seit Anfang der neunziger Jahre um 150 auf heute über 800 Einwohner erhöht. Der ganz grosse "Bauboom", wie er da und dort vorausgesagt wurde, ist jedoch ausgeblieben. Die Autobahn hat zwar zu einem massiven Rückgang des Transitverkehrs durch das Dorf geführt. Die unmittelbare Nähe der Autobahn zum Dorf mit den damit verbundenen verschiedenen Immissionen, haben die Attraktivität von Hornussen aber nachhaltig beeinträchtigt. Die schönsten Wohnlagen unterhalb des Südhanges mussten ausgezont werden. Hornussen bekommt heute die negative Präsenz der Autobahn zu spüren. Bereits sind vom Kanton Teilsanierungen der Lärmschutzmassnahmen vorgesehen. Die Gemeindebehörden werden sich dafür einsetzen, dass sich die heutige Situation noch verbessert. Trotz den Veränderungen in den letzten Jahrzehnten ist Hornussen dank seiner sonnigen und verkehrsgünstigen Lage aber immer noch ein wohnliches Dorf geblieben. Verschiedene Dorfpartien sind gut erhalten und bilden beschauliche und ruhige Ecken. Eingebettet in eine typische Tafeljuralandschaft ist Hornussen von einigen attraktiven Naturgebieten umgeben. Bereits unter Schutz stehen Teile des Südhanggebietes, welches mit Trockenstandorten und einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt aufwartet. Hornussen liegt mitten im Zentrum von Verkehr und Natur, Modernität und Althergebrachtem. Das richtige Abwägen dieser Fixpunkte, welche auch unser tägliches Leben wiederspiegeln, gilt als Grundlage für die erfolgversprechende Zukunft unseres Dorfes.