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Neuübersetzung. Laotse ist ein Ehrentitel und bedeutet „alter Meister“. Er soll im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt und das vorliegende Tao Te King verfasst haben. Wer wirklich dahinter steckt, wissen wir nicht. Das Werk gehört heute zum Kanon des Taoismus. Tao bedeutet u. a. Weg, Prinzip, Sinn (so übersetzte es der bekannte Sinologe Richard Wilhelm); Te steht für Kraft, Leben, Tugend; King (gesprochen: Dsching) bezeichnet eine klassische Textsammlung oder einen Leitfaden. Tatsächlich beinhaltet das Werk Gedanken zur persönlichen Lebensweise wie zur Führung eines Staates und entwirft dabei eine originelle Kosmologie. Ein wesentliches Prinzip ist das Nicht[absichtsvolle]-Handeln (wu wei). Im Original ist der Text überwiegend gereimt und war ursprünglich wohl in Siegelschrift verfasst. 1973 wurden in einem Grab in Mawangdui (in der chinesischen Provinz Hunan) zwei Fassungen aus dem 2. Jh. v. Chr. gefunden, die nur wenig von bis dahin bekannten Versionen abweichen – allerdings setzten sie die Kapitel 38–81 (auch Te King genannt) an den Anfang, die Kapitel 1–37 (Tao King) folgten. 1993 fand man bei Ausgrabungen in Guodian (Provinz Hubei) auf Bambustäfelchen eine weitere, auf das 3. Jh. v. Chr. datierte Fassung mit etwa einem Drittel des uns bekannten Textes. Nach der Bibel wurde wahrscheinlich kein Werk so häufig übersetzt wie das Tao Te King. Wir hoffen, dass mit unserer Ausgabe die oft vieldeutigen Verse Laotses einleuchten und Freude bereiten.
Portrait
Laotse (auch Lao-tzu oder Lao Tan), der berühmteste Philosoph des Taoismus, lebte im 6. Jahrhundert v. Chr. Über sein Leben ist wenig bekannt. Der Legende nach kam es einmal zu einem Zusammentreffen mit seinem kongenialen Zeitgenossen Kungtse (Konfuzius). Laotse stammte aus dem Dorf Hu-hsien in Ch'u, der heutigen Provinz Honan und war Archivar am Hof des Königs von Chou, bevor er sich nach Westen zurückzog; hier verlieren sich sein Spuren.