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Chile 2012 - Tage 12 und 13: Calama - Copiapó - El Salvador
Von David Gubler1.5.2012: Calama - Copiapó
Der heutige Tag ist schnell erklärt. Der Morgen begann mit Ausschlafen und einem reichhaltigen Frühstücksbuffet. Da unser Flug erst um 13:50 abfliegen sollte, hatte ich genügend Zeit, etwas an den Reiseberichten zu schreiben. Es folgte die wiederum mit Privatautos improvisierte Fahrt zum Flughafen. Der Check-In klappte problemlos (wenn auch das Prozedere erneut langwierig war).
Der Flieger war eher schwach belegt, wir waren uns nicht so ganz sicher, ob das überhaupt eine Regelleistung war oder ob dieser Flug extra für die gestrandeten Passagiere organisiert wurde. Nach etwa einer Stunde landeten wir bereits in Copiapó, wobei das "in" hier relativ ist, befindet sich der Flughafen "Atacama" doch ca. 60 km ausserhalb der Stadt. Der Flughafen ist ziemlich klein, mehr als 3-4 Standplätze für Flugzeuge gibt es nicht, und auch die sonstige Infrastruktur ist ziemlich einfach - z.B. das Gepäck wird draussen aufs Förderband gelegt, von welchem es die Fluggäste dann drinnen wieder herunter nehmen können. Dafür war der Flughafen brandneu. Wir waren neben 4-5 weiteren Fluggästen die Einzigen, die überhaupt ausstiegen, alle Anderen flogen weiter in Richtung Santiago.
Nun hätten wir eigentlich noch etwas Zeit gehabt, um uns um die Eisenbahn zu kümmern, aber das Empfangen der Mietwagen (ein SUV und vier brandneue Mitsubishi Pick-Ups) dauerte derart lange, dass wir diesen Teil fallen liessen und direkt das Hotel aufsuchten. Die Autobahn nach Copiapó führte entlang einer ehemaligen Eisenbahnlinine, von der noch recht viel erkennbar war, unter Anderem auch noch Formsignale - Die Strecke selber war aber in weiten Teilen von einer zur Verlegung vorbereiteten Pipeline belegt, und daher wohl schon länger nicht mehr benutzt.
Das Hotel, wieder eines der Kette "Diego de Almagro", war erneut ziemlich chic. Da es kein Buffet gab zogen wir es jedoch vor, für das Abendessen ein nettes Lokal in der Stadt zu suchen. Da am 1. Mai jedoch quasi alles geschlossen hatte, endete die Suche dann doch wieder im Hotel-Restaurant, wo es für mich ein eher zähes (Überraschung) Stück Poulet mit Reis gab.
2.5.2012: Copiapó - El Salvador
Damit der folgende Teil nun etwas mehr Sinn gibt, muss ich erst etwas Kontext geben.
Das Problem war ursprünglich, dass gestern, am 1. Mai (Tag der Arbeit...), nichts los war, und unsere Reiseleitung deshalb bereits zu Beginn der Reise nach einem Ersatzprogramm suchte. Über irgendwelche Umwege, welche ich nicht mehr korrekt rekonstruieren kann, wurde uns in Copiapó eine Fahrt mit einem kleinen Triebwagen (zu klein für unsere ganze Gruppe - Das war die einzige Info, welche wir über den Triebwagen hatten) angeboten; irgendwie hatte da angeblich sogar der Bürgermeister Freude daran, dass da eine Gruppe Eisenbahnfans seine Stadt besuchen. Das Problem dabei war, dass dieser Triebwagen zwar vor Ort war, aber kein Lokführer, der diesen hätte bedienen können. Es fand sich zwar ein Lokführer, der bereit gewesen wäre, die Fahrt durchzuführen, allerdings musste dieser erst mittels halbtägiger Busfahrt nach Copiapó gekarrt werden. Der ganze Aufwand zusammen kostete natürlich was, und so gab es vorgängig ein "Spendenkässeli" für diese Aktion, zu dem wir alle einen Beitrag leisteten. Nun, dummerweise kam uns halt gestern der ausgefallene Flug in die Quere, und so fiel die ganze Aktion erst mal aus. Das wäre eigentlich ja nicht so tragisch gewesen; dumm war aber, dass wir keinen Kontakt zu den Organisatoren dieser Fahrt hatten, und diese gestern deshalb ungewollt total versetzt hatten.
Unsere Reiseleitung und unser Guide hatten es aber gestern Abend noch geschafft, einen Ersatztermin zu arrangieren, und zwar um 9:00 beim Museum im ehemaligen Personenbahnhof. Ich war darüber gar nicht glücklich, denn ich erwartete, dass wir so (entgegen der ursprünglichen Planung) erst irgendwann am Nachmittag bei der Ferronor wären, und, nachdem der gestrige Tag schon ziemlich nutzlos war, es heute, wenn wir nicht gerade viel Glück mit den Ferronor-Zügen hatten, schon wieder keine Streckenaufnahmen geben würde.
So ging die Reise halt erst mal zum ehemaligen Personenbahnhof, wo uns (trotz dem unglücklichen Vorfall gestern) ein freundlicher Herr die Türen öffnete. Wir erfuhren, dass der Triebwagen gestern tatsächlich fuhr, und anscheinend ein bisschen volksfestmässig Leute damit über die eigentlich stillgelegte Strecke durch die Stadt gefahren wurden. Der dafür zuständige Lokführer war allerdings, wie geplant, abends wieder nach Hause gegangen. Eine TV-Station war offenbar auch daran interessiert, uns zu interviewen...
Der Personenbahnhof war äusserlich zwar recht nett aufgearbeitet, das war aber dann auch gerade alles. Der Triebwagen stand tatsächlich da, man muss sich da ungefähr einen plattgedrückten VW-Bus mit 7 Sitzplätzen darunter vorstellen (gemäss unseren Experten für komische Eisenbahnfahrzeuge ist das ein Billard-Triebwagen). Äusserlich hatte er eine Werbebeklebung für 160 Jahre Eisenbahn in Chile. Neben den üblichen Fotos konnten wir auch mit dem Triebwagen mitfahren und wurden quer durchs Depotgelände chauffiert; das "Steuer" übernahm unser Museums-Führer, frei nach dem Motto "er darf nicht, aber er weiss wies geht".
Das Museum, welches sich im Bahnhofsgebäude befand, war eigentlich ganz nett (wenn auch von der Präsentation her nicht so ausgefeilt wie wir uns das gewohnt sind).
Als besonderes Feature konnten wir den Glockenturm besteigen und aufs Dach (!) des Bahnhofsgebäudes raus gehen. Was für jeden Sicherheitsbeauftragten der blanke Horror gewesen wäre (ihr wisst schon, Helme, Sicherheitsschuhe, Schutzbrille, Warnweste), war für uns recht abenteuerlich. Es hatte lediglich eine Türe in der Wand, so dass man in der Wand eine Hühnerleiter hoch klettern musste, um auf dem Dachstock zu landen, von wo aus eine zweite Hühnerleiter aufs Dach führte.
Etwa eine Stunde später war das Halligalli beendet, und Schweiz-1B setzte sich ab, um nicht den ganzen Tag Ferronor zu verpassen. Leider war ich von den übrig gebliebenen so ziemlich der Einzige, der das Morgenprogramm so mässig toll fand, und so fuhren wir weiter zur Universität, wo eine alte Dampflok stand (drittälteste in Südamerika oder irgend sowas). Es war so ein richtiges Western-Modell wie aus einem Lucky Luke-Comic; auch ein paar Wagen standen da. Trotz akutem Desinteresse machte ich ein Bild...
...und nach einem anschliessenden Einkauf gings weiter zum Hotel, wo Koffer abholen und Auschecken angesagt war. Das Prozedere zog sich aber in die Länge und so konnten wir uns erst kurz vor 12 auf den Weg machen (meine Prognose schien sich zu bewahrheiten). Ich verpennte die Fahrt im Wesentlichen und bald waren wir in Diego del Almagro (den Namen kennen wir doch irgendwo her), von Zügen war aber weit und breit nichts zu sehen. So ging die Reise weiter nach Llanta, wo sich das Depot der Ferronor befindet.
In Llanta stellten wir erst mal fest, dass ziemlich viele Streckendiesel rum standen, offenbar also nicht gerade viel laufen konnte. Das bewahrheitete sich dann auch, gemäss einem Ferronor-Angestellten lief heute kein Zug (mehr?), wegen Problemen im Werk. Die Ferronor wollte dann aber dennoch etwas bieten und so stellten sie extra für uns einen vierachsigen Rangierhobel (die einzige einigermassen saubere Lok weit und breit) vor eine Reihe bereitstehender Schwefelsäure-Kesselwagen, was dann immerhin noch zwei, drei nette Bahnhofsbilder ergab.
Wir konnten auch kurz ins Depot rein, ausser zwei Personenwagen in recht gutem Zustand gab es da aber nichts zu sehen.
Anschliessend kam eine Lok leer von einem Industriegleis ein paar Kilometer östlich zurück, und eine weitere Lok wurde über das Gleisdreieck im Westen gewendet, was sich einigermassen gut fotografieren liess.
Damit war das Depot-Programm beendet. Wir machten nun noch etwas Streckenkunde sowie einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt, von welchem aus sich das Werk bzw. der Ort Potrerillos fotografieren liess. Erstaunlicherweise befindet sich das Werk auf fast 3000 Metern Höhe!
Anschliessend ging die Reise weiter über zwei Pässe (der höhere davon ebenfalls knapp 3000m) mit spektakulärer Aussicht nach El Salvador, ins Hotel Camino del Inca, welches im Wesentlichen aus einer Reihe mässig moderner Pavillons (Euphemismus für "Barracke") besteht. Dabei trafen wir auch wieder auf Schweiz-1B, wobei zu erfahren war, dass sie immerhin das Glück hatten, die Lok, welche vom Anschlussgleis zurück kam, noch auf der Hinfahrt auf Strecke mit einem Zug zu fotografieren; dafür haben sie das Depotprogramm verpasst. Das Abendessen gabs mal wieder im Hotel, und war eigentlich ganz nett, Schinken und Salat als Vorspeise, Reis mit einem seltsamen (aber guten) Poulet-Brei als Hauptgang und ein etwas ungewohnter (aber ebenfalls guter) Kuchen als Nachspeise.