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Wirkt Psychotherapie?
Ergebnisse der Psychotherapieforschung
Die Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlungen ist für fast alle psychischen Erkrankungen wissenschaftlich untersucht und bestätigt worden. Es ist gut belegt, dass Psychotherapie unter anderem bei Angsterkrankungen, Depression, Sucht, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, Posttraumatischen Belastungsstörungen und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wirkt. Die Studien zeigen dabei, dass Patienten mit Psychotherapie sowohl kurzfristig eine deutliche Verringerung ihrer psychischen Beschwerden und eine Verbesserung der Lebensqualität erreichen als auch längerfristig stabile Behandlungserfolge erzielen.
So konnten beispielsweise Studien zur Depression zeigen, dass sich depressive Phasen durch eine Psychotherapie erheblich verkürzen und sich das Risiko, erneut depressiv zu erkranken, auf die Hälfte reduziert. Studien zu Panikstörungen konnten belegen, dass es Psychotherapiepatienten mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 Prozent besser ging als Patienten mit einer Routinebehandlung. Auch für die Generalisierte Angststörung gilt nach einer aktuellen Metaanalyse, dass Psychotherapie bei 45 Prozent der Patienten eine bedeutsame Verbesserung bewirken konnte im Vergleich zu 14 Prozent der Patienten der Routinebehandlung. Vergleichbare Erfolge der Psychotherapie konnten für ein breites Spektrum von psychischen Erkrankungen nachgewiesen werden.
Um die Wirksamkeit von Behandlungen darzustellen, hat sich das Maß der so genannten Effektstärke etabliert. Die durchschnittliche Effektstärke von Psychotherapien beträgt nach Überblicksstudien 0,88. Psychotherapien haben damit eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit als beispielsweise Bypass-Operationen (0,8). Behandlungen mit einer Effektstärke über 0,8 werden von Wissenschaftlern als sehr wirksam eingestuft. Eine Effektstärke von 0 bedeutet dagegen keine Wirkung, eine von 0,2 eine geringe Wirkung und eine 0,5 eine mittlere Wirkung. Übersetzt heißt dies: Ein Patient, der sich in eine Psychotherapie begibt, hat eine vergleichsweise sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass es ihm innerhalb einiger Monate spürbar besser geht.
Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie
Nicht alle psychotherapeutischen Methoden und Verfahren sind wissenschaftlich anerkannt. Ob ein psychotherapeutisches Verfahren es für sich beanspruchen darf, als „wissenschaftlich anerkannt“ zu gelten, prüft in Deutschland der „Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie“.
In diesem Gremium sitzen je sechs Experten der Bundespsychotherapeutenkammer und der Bundesärztekammer. Es prüft nach festgelegten Regeln, ob genügend wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen, die die Wirksamkeit eines Verfahrens nachweisen. Erst dann gilt ein psychotherapeutisches Verfahren als wissenschaftlich anerkannt.
Eine Studie alleine reicht dafür nicht aus. Studien müssen außerdem wissenschaftliche Qualitätsstandards einhalten, das heißt, sie sollten mit einer ausreichend großen Zahl an Patienten durchgeführt worden sein. Sie sollten aber auch die Wirksamkeit des psychotherapeutischen Verfahrens dadurch ermittelt haben, dass sie eine Gruppe von Patienten, die behandelt wurde, mit einer Gruppe, die nicht behandelt wurde, verglichen haben. Wichtig ist auch, dass vor der Behandlung einwandfrei festgestellt wurde, dass die Patienten tatsächlich krank sind. Ein psychotherapeutisches Verfahren darf natürlich auch nicht schaden. Wenn zehn Prozent der Studien zeigen, dass eine Methode „erhebliche schädliche Effekte“ hat, ist sie durchgefallen.
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie hat bisher folgende psychotherapeutische Verfahren wissenschaftlich anerkannt:
- Verhaltenstherapie,
- Psychodynamische Psychotherapie (umfasst die von der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassenen so genannten Richtlinienverfahren: analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie),
- Gesprächspsychotherapie,
- Systemische Psychotherapie.