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Sie sollen Heimatstolz entfachen, Identität stiften, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken: die Ansprachen zum Nationalfeiertag, gehalten vom amtierenden Bundespräsidenten. Probleme werden in den 1. August-Reden kaum angesprochen – deren Zweck ist es, zum Geburtstag der Eidgenossenschaft Halt und Sicherheit zu vermitteln und ein positives, vielleicht sogar schönfärberisches, Zukunftsbild zu zeichnen (was wohl auch alle bis auf Eveline Widmer-Schlumpf im Jahr 2012 gemacht haben).
Obwohl sich die Reden Jahr für Jahr zu gleichen scheinen, fördert das Nebeneinanderstellen der Wortwolken einige Unterschiede zutage. Das Schlagwort «Schweiz» beispielsweise wurde in den Jahren 2010 bis 2014 und um die Jahrtausendwende besonders oft genannt, hingegen fehlt die Nennung in früheren Reden (und in Simonetta Sommarugas im Jahr 2015) gänzlich. Auch auffällig: SP-Bundesrätin Ruth Dreifuss ist 1999 die einzige, die Europa betont und SP-Bundesrat Leuenberger spricht zwei Jahre zuvor viel von der Welt – sonst ein Wort, das kaum genannt wird.
Nicht nur die Wortwahl, auch die Tonalität ändert sich von Jahr zu Jahr stark: Während Otto Stich Ende der 80er-Jahre Probleme und die Wichtigkeit der Demokratie betonte, sprach Flavio Cotti Anfang der 90er-Jahre vor allem von Dankbarkeit, Zuversicht und Zukunft.
Hier die Wortwolken von 16 Bundesratsreden, von der jüngsten bis zu Willy Ritschards Rede 1978.
(dwi)