Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03153.jsonl.gz/832

Nahezu jeder kennt den Mozart-Effekt: Die Annahme, dass Babys schlauer werden, wenn man ihnen – noch im Mutterleib – Mozart vorspielt.
Die „Mozart-Studie“
Diese Annahme basiert auf einer im Nature-Magazin veröffentlichten Studie aus dem Jahr 1993, bei der 36 College-Studenten (keine Babys!) entweder jeweils 10 Minuten in Stille saßen, sich aufgenommene Aufzeichnungen mit Instruktionen zur Entspannung oder Mozarts‘ Sonata für zwei Pianos in D Major anhörten:
Unmittelbar nach der Hörsitzung machten sie einen Test, bei dem man sich vorstellen muss, wie man ein auf einem Blatt Papier abgebildetes 3-dimensionales Objekt im Geist rotiert. Der Durchschnittswert bei Probanden, die in Stille saßen, lag bei 110 und bei denen, die sich Entspannungs-Instruktionen anhörten, bei 111. Bei den Mozart-Hörer lag dieser jedoch bei 119. Allerdings wiesen die Forscher in der Studie darauf hin, dass der Effekt nur 10 bis 15 Minuten anhielt.
Seitdem haben 20 andere Studien versucht, diese Studie nachzubilden. Das niederschmetternde Ergebnis: Im Durchschnitt konnte man nur eine Zunahme um 1,4 IQ-Punkte nach dem Hören von Mozart verzeichnen. Eine neue Studie fand überhaupt keinen Effekt.
Hören von Musik vs. Musik machen
Im Jahr 2014 wurde eine andere interessante Studie veröffentlicht: Dabei bekamen 144 Kinder im Alter von 6 Jahren ein ganzes Jahr lang entweder zusätzlichen Musikunterricht (Keyboard oder Gesangsunterricht), Theaterunterricht oder keinen zusätzlichen Unterricht.
Nach 9 Monaten verbesserte sich der IQ der Kinder der Musik-Gruppen viel stärker als bei den Kindern der anderen Gruppen. Der Wert der Kinder, die keinen zusätzlichen Unterricht erhielten, stieg um 3,9 Punkte (normaler Effekt bei der Einschulung), der der Theater-Gruppe stieg um 5,1 Punkte, der der Keyboard-Gruppe um 6,1 Punkte und der der Gesangsunterricht-Gruppe um 7,6 Punkte.
Die Studie wurde im Jahr 2011 wiederholt. Dabei nahmen 48 Vorschulkinder an einem von zwei verschiedenen computerisierten Trainings (2 Stunden täglich, 5 Mal die Woche für 4 Wochen) teil: entweder bildender Kunst oder Musik.
Das Ergebnis: Nur bei Kindern der Musik-Gruppe (und zwar bei 90% der Kinder dieser Gruppe) konnte eine Zunahme in verbaler Intelligenz festgestellt werden.
Und es gibt weitere Belege dafür, dass Musik sich positiv auf die kognitiven Leistungen auswirkt: Beim sogenannten Bridge Project bekamen hunderte Schüler aus zwei Schulen in London-Lambeth, einem Arbeiterviertel, Musik-Unterricht. Zuvor und danach wurden die Leistungen der Schüler in Mathematik und Lesen/Schreiben. Das Ergebnis: die Schüler, die am Musik-Programm teilnahmen verbesserten sich im Vergleich zur Kontrollgruppe, die keinen Musikunterricht bekam, 10 bis 18 Prozent stärker.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass das Hören von Mozart einen wohl nicht schlauer werden lässt, das Erlernen eines Instruments dagegen eventuell schon.