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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

5. Vortrag.
9.
[Forts. v. [S. 75] ] Bereits also kannte Johannes das und kannte den Herrn. Was also lehrte die Taube? Was wollte durch die Taube d. i.durch den in dieser Weise kommenden Heiligen Geist derjenige lehren, der den gesandt hatte, zu dem er sprach: „Über welchen du den Geist herabsteigen siehst, wie eine Taube, und auf ihm bleiben, der ist es“? Wer ist er? Der Herr. Ich weiß es. Aber hast du etwa das schon gewußt, daß jener Herr, der die Macht zu taufen hat, diese Macht keinem Diener geben, sondern sie für sich behalten werde, damit jeder, der durch den Dienst des Dieners getauft wird, die Taufe nicht dem Diener, sondern dem Herrn zuschreibe? Hast du dies etwa schon gewußt? Das wußte ich nicht, bis er zu mir sagte: „Auf welchen du den Geist herabsteigen siehst, wie eine Taube, und auf ihm bleiben, der ist es, welcher tauft im Heiligen Geiste“. Er sagt nicht: der ist der Herr; er sagt nicht: der ist Gott; er sagt nicht: der ist Jesus; er sagt nicht: der ist der aus der Jungfrau Maria Geborene, der nach dir kommt, aber vor dir war; dies sagt er nicht; denn das wußte Johannes bereits. Aber was wußte er nicht? Daß der Herr selbst die so große Macht der Taufe haben und für sich behalten werde, mag er auf Erden gegenwärtig sein oder dem Leibe nach im Himmel abwesend und der Majestät nach (auf Erden) gegenwärtig; daß er die Macht der Taufe für sich behalten werde, damit nicht Paulus sage: Meine Taufe, noch Petrus sage: Meine Taufe. Darum sehet zu, gebet acht auf das, was die Apostel sagen. Keiner der Apostel hat gesagt: Meine Taufe. Obwohl alle das eine Evangelium hatten, so findest du doch, daß einer sagte: Mein Evangelium, du findest aber nicht, daß einer gesagt hätte: Meine Taufe.