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Von der Abgeordneten Valérie Petit (Partei La République En Marche LaREM) aus unserem Nachbarland Frankreich stammt der Antrag auf eine Gesetzesänderung, wonach künftig Väter und Mütter als Elternteil 1 und Elternteil 2 angesprochen werden sollen. Mit dieser Massnahme resp. Änderung sollen im Rahmen einer «Schule des Vertrauens» die vielfältigen Familienformen auf den Schulformularen abgebildet werden. Frau Petit meint, das sei besonders für Kinder aus Regenbogenfamilien wichtig. Es geht jedoch nicht «nur» um Menschen und ihre sexuelle Orientierung. Das Thema ist breiter zu betrachten.
Deshalb stellen sich mir bei der Lektüre dieser Neuigkeit einige Fragen. Wer ist denn Elternteil 1 und wer Elternteil 2? Die Bezeichnung mit einer Zahl hat ja hoffentlich nichts zu tun mit Hierarchie, Bedeutung und Wichtigkeit. Die Begriffe sollen auf Formularen verwendet werden – wie lauten denn die Bezeichnungen in der gesprochenen Sprache? Muss man individuell herausfinden, ob von Vater, Mutter, Elternteil, Erziehungsberechtigte/r ... die Rede ist?
Das Thema ist ja nicht neu und in letzter Zeit berechtigterweise zunehmend in der öffentlichen Diskussion wahrnehmbar. Die Tatsache, dass die grosse Mehrheit der Menschen entweder weiblich (=Frau) oder männlich (=Mann) ist, wird von den meisten Menschen nicht bezweifelt. Die Tatsache, dass es auch Menschen gibt, die eine andere sexuelle Orientierung als die Mehrheit bevorzugen oder die nicht einem eindeutigen Geschlecht zuzuordnen sind, wird jedoch leider oft noch von etlichen Mitmenschen verdrängt. Das finde ich unmenschlich. Es kann ja niemand etwas dafür, wie und als was er oder sie oder * oder I oder m,w,d oder ... zur Welt gekommen ist.
In der deutschen Sprache existieren nur Bezeichnungen für männliche und weibliche Wesen. Der Begriff Neutrum ist zwar für grammatikalische Zuordnungen, jedoch sicher nicht als Bezeichnung von menschlichen Wesen geeignet. Weil eben diese zusätzlichen Nomen und die entsprechenden Pronomen nicht existieren, behelfen wir uns zunehmend mit Sternchen, Binnen-I und anderen Zeichen, die zwar lesbar und verständlich, aber nicht vorlesbar sind. Elternteil 1 oder 2 ist zugegebenermassen vorlesbar, aber meines Erachtens auch nicht sehr kreativ und fantasiereich.
Mir stellt sich jedoch noch eine andere sehr bedeutsame Frage: Wo bleibt bei all den gut gemeinten sprachlichen Versuchen die Menschenwürde? Ich möchte jedenfalls nicht als Mensch mit einem * oder einem I oder einer 1 oder ... bezeichnet werden.