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Gesellschaften von Olten und Solothurn haben, erstere schon im Jahr 1900/01 und letztere 1904/05, mit Vorträgen in grösseren Ortschaften auf dem Lande an Sonntagnachmittagen viel zur Volksbildung und -aufklärung beigetragen.
Besondere Erwähnung verdienen die Wohlfahrtseinrichtungen für Angestellte und Arbeiter in den Fabriken. In den drei auf Solothurner Gebiet liegenden Etablissementen Gerlafingen, Klus und Olten der von Roll'schen Eisenwerke, wie auch in den Niederlassungen der Firma im Kanton Bern sind vornehmlich folgende Wohlfahrtseinrichtungen getroffen:
1) Arbeiterkranken-, Unterstützungs-, Alters- und Sterbekassen ein Vermögen von fast 70000 Fr.);
2) Arbeiterwohnungen, 3) Speiseanstalten und Kantinen, 4) Samariterstuben und Badeeinrichtungen, 5) Vergütungen für versäumte Arbeitszeit an Fortbildungsschüler und Militärdienst leistende Arbeiter, sowie Unterstützung bei Todesfällen. Es hatten 1902: Gerlafingen 175 Arbeiterwohnungen mit 516 Zimmern, Klus 117 Arbeiterwohnungen mit 446 Zimmern und Olten 23 Arbeiterwohnungen mit 71 Zimmern und 17 Estrichkammern. - Die Krankenkasse der Kammgarnspinnerei Derendingen besass auf ein Vermögen von etwa 24000 Fr. und zahlte 1898 für ärztliche Behandlung, Medikamente und Spitalbehandlung 7420 Fr., sowie ferner 3100 Fr. für Lohnentschädigungen aus. Der nämlichen Fabrik sind angegliedert: Speiseanstalt, Bäder, Kleinkinder-, Koch- und Haushaltungsschule, Konsumverein. - Die Papierfabrik Biberist leistete an den Arbeiterkrankenverein bis 1902 50000 Fr. Wohnungen stehen den Arbeitern bedeutend unter den ortsüblichen Mietpreisen oder auch unentgeltlich zur Verfügung. Badanstalt. Lohnvergütung während Militärdienst, Beschaffung billiger Milch, billiger Feldfrüchte u. s. w. Dienstprämien und Pensionierungen. - Zementfabrik Luterbach: Arbeiter-Kranken-Unterstützungskasse;
Unfallversicherung ganz zu Lasten der Fabrik;
Invalidenfonds. - Die Langendorfer Uhrenfabrik besitzt eine Kranken- und Invalidenkasse mit einem durch Schenkungen von seiten der Fabrik und der Familie Kottmann geäufneten Kapital von 35000 Fr. Das Vermögen wird vom Etablissement zu 5% verzinst. In der Fabrik existieren Arbeiter-Schützen-, Turn-, Musik- und Gesangvereine.
Ein von der Fabrik erstelltes Gebäude mit Bühneneinrichtung steht den Vereinen zur freien Verfügung. Bibliothek. Konsumgesellschaft. 52 Arbeiterwohnungen bedeutend unter den sonst üblichen Mietpreisen. Kindergarten.
Die Schuhfabriken Bally führen durch, dass sämtliche unverheirateten Arbeiter an jedem Zahltag 5% des Lohnes in die Kantonalersparniskasse einlegen müssen. 1881-1901 wurde so eine Summe von 1763056 Fr. und 1901 allein 101833 Fr. erspart. Die Zahl der Einleger beträgt rund 1000. 1901 zählte die Krankenkasse 2234 Mitglieder, welche 24436 Fr. zusammenlegten; Auslagen an Taggeldern, Arzt-, Apotheker- und Kurkosten 23257 Fr., Vermögen 32835 Franken. Kosthaus.
Zwei eigens gebaute Esswagen holen von Lostorf und Nieder Erlinsbach her den Arbeitern das Mittagessen ab. Badanstalten. Ausgedehnte Parkanlagen stehen in der Nähe der Fabriken jedermann offen. Eine Einrichtung, die einem ganzen Landesteil zu grossem Nutzen geworden, sind die von der Station Ober Buchsiten weg in der Richtung nach Olten (Linie Solothurn-Olten) zirkulierenden Arbeiterzüge. An den Stationen Ober Buchsiten, Egerkingen, Hägendorf und Wangen werden für diese Züge alltäglich an Arbeiter der Reparaturwerkstätten der S. B. B., Schuhfabriken und anderer industrieller Etablissemente von Olten und Umgebung gegen 1000 Fahrkarten ausgegeben. Auch Esswagen fahren aus Hägendorf und Dulliken nach Olten. Die von Roll'schen Eisenwerke in der Klus haben solche Esswagen ebenfalls eingeführt.
In Solothurn wurde im Jahr 1846 von 16 Männern ein Männerkrankenverein gegründet, der 1862-1902 212677 Fr. einnahm und 174017 Fr. ausgab. Er hatte 1902 ein Vermögen von 38104 Fr. und zählte 202 Mitglieder. Seit 1856 hat Solothurn auch einen Frauen-Krankenunterstützungsverein, der in den ersten 50 Jahren des Bestehens 77573 Fr. bezog, 87047 Fr. ausgab und dank zahlreicher Zuwendungen Ende 1901 ein Vermögen von 53035 Fr. aufwies.
Die kantonale Krankenkasse «Wengia» Solothurn hat bis Fr. 80000 bezogen und Fr. 72000 an ihre Mitglieder oder deren Hinterlassene ausbezahlt. Der solothurnische Lehrerbund besitzt eine Sterbekasse, die den Hinterlassenen eines verstorbenen Lehrers sofort 500 Fr. ausbezahlt. Sämtliche 322 Mitglieder leisten zu diesem Zweck einen Beitrag von je 2 Fr. An Sterbegeldern wurden bis jetzt etwa 10000 Fr. ausbezahlt. Ferner sind zu nennen die 1889 gegründete Männerkrankenkasse des Mittel Leberbergs, die Krankenkasse der Kirchgemeinde Oberdorf und diejenigen von Günsberg, Kriegstetten, Unter Gäu, Dorneckberg, Thierstein, Hofstetten und Witterswil-Bättwil.
Der Bezirk Bucheggberg hat einen 1870 gegründeten Männer- und einen 1878 entstandenen Frauenkrankenverein, die Stadt Olten eine bis 1825 zurückreichende Krankenkasse. Krankenunterstützungsverein und Sterbekasse Olten. Die von Roll'schen Eisenwerke in der Klus haben für ihre Arbeiter eine Krankenkasse, die dank zahlreicher Zuwendungen von seiten der Direktion ein rasch anwachsendes Vermögen besitzt, das 1903 Fr. 43911 betrug. Die Fabrikkrankenkasse Büsserach hat ein Vermögen von 3000 Fr., diejenige der Metallwerke Dornach ein solches von 2300 Fr.
Bei grössern Unglücksfällen und Landeskalamitäten rings im Schweizerland steuerte der Kanton Solothurn 1800-1900 etwa 250000 Fr. bei. Die Heil- und Pflegeanstalt Rosegg (kantonale Irrenanstalt) wurde 1848-1901 mit 150000 Fr., der Kantonsspital in Olten 1872-1901 mit 400000 Fr. bedacht. Die Bettagskollekten ergaben 18421901 zu wohltätigen Zwecken 225195 Fr. An Stiftungen und Fonds, die vom Staat verwaltet werden, seien erwähnt: Der Bucheggberger-Fonds (zur Unterstützung der bucheggbergischen Bezirksschulen), der Allemandi-Fonds (zur Aussteuer von alljährlich 1 Mädchen), der Blindenfonds, der Hartmann'sche Stipendienfonds, der Krankenpflege-Fonds Dorneck, der Krankenpflege-Fonds Thierstein, der Armenerziehungsverein Balsthal und die kantonale Winkelried-Stiftung mit 35838 Fr. Die Bürgergemeinde Solothurn besitzt Fonds zu wohltätigen Zwecken in der Höhe von etwa 3500000 Fr. Olten hat einen Hilfsverein (1890 gegr.) mit einem Vermögen von 100000 Fr. und einem Stipendienfonds von 20000 Fr.; Schönenwerd einen Hilfsverein, Biberist den Oskar Miller-Fonds zur Bekleidung und Speisung armer Schulkinder und zur Unterstützung gewerblicher Fortbildungsschüler. ¶
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Verschiedenen Zwecken dienende Fonds bestehen endlich noch im Bucheggberg, in Kriegstetten und Thierstein.
19. Geschichtliche Uebersicht. Das Gebiet des Kantons Solothurn hatte schon in den ältesten Zeiten menschliche Ansiedelungen. Dies beweisen in grosser Zahl zu Tage geförderte Fundstücke aus Landstationen und die Pfahlbautenreste im Burgäschi- und Inkwilersee. Zahlreich mögen die Bewohner schon zur Keltenzeit gewesen sein. Während dieser entstand neben vielen andern Niederlassungen in dem heutigen Solothurner Gebiet auch der Ort Saldur, der unter den Römern Salodurum hiess, die heutige Hauptstadt des Kantons.
Vermutlich haben die Bewohner die Kriegszüge gegen Rom mit den Cimbern, Teutonen und Helvetiern (113-101 v. Chr.) mitgemacht und auch am missglückten Einfall der Helvetier in Gallien (58 v. Chr.) teilgenommen. Mit den übrigen Gebieten Helvetiens geriet hierauf auch Solothurn unter die Herrschaft der Römer. Während derselben, also fast ein halbes Jahrtausend lang, bildete Salodurum eine wichtige Militärstation an der Strasse von Aventicum nach Vindonissa.
Entsprechend der strategischen Bedeutung des Ortes an einem Aareübergang halbwegs zwischen den wichtigsten Römerstädten errichteten die Römer am linken Ufer des Flusses ein ausgedehntes Castrum, dessen fast unzerstörbare Mauerreste heute noch an verschiedenen Punkten der Stadt zu sehen sind. Strassenstrecken östl. und westl. der Stadt, Gebäudereste, Töpferwaren (z. B. wohlerhaltene, mächtige Weinkrüge), Waffen, Münzen, Bildwerke und Inschriften legen Zeugnis ab von der langdauernden Anwesenheit der Römer in unserem Gebiete. Um 300 n. Chr. war Solothurn Zeuge der durch den römischen Statthalter Hirtacus verfügten Hinrichtung eines Restes der thebäischen Legion, worunter sich auch die nachmaligen Schutzpatrone der Stadt, Ursus und Viktor, befanden.
Zur Zeit der Völkerwanderung fiel die grössere, östl. Partie des Solothurner Gebietes an die Alemannen, die kleinere, westl. an die Burgunder. Beide Teile gerieten später mit den genannten Völkern unter die Herrschaft der Franken. Nach dem Zerfall des Frankenreiches entstand 888 das neuburgundische Reich, zu welchem das ganze Gebiet von Solothurn während etwa 140 Jahren gehörte. Solothurn war eine Residenzstadt des burgundischen Reiches, sah öfters Reichstage und wurde mit festen Mauern umgehen. Die Königin Bertha († um 966) erbaute die Peterskirche und erhob das Kloster zu einem Kollegialstift, dem sie vielen Landbesitz und ausgedehnte Rechte schenkte. Während Jahrhunderten stand dem Chorherrenstift grösstenteils auch die weltliche Gewalt über Solothurn zu. Mit Burgund kam Solothurn 1032 an das deutsche Reich, bei dem es bis zum Schwabenkrieg oder bis zum westfälischen Frieden in mehr oder weniger lockerem Verbande verblieb.
Unter deutscher Oberhoheit regierten fast hundert Jahre die Herzoge von Zähringen über die Schweiz. Nach ihrem Aussterben 1218 wurde Solothurn eine freie Reichsstadt, als welche es 1295 mit Bern ein Schutz- und Trutzbündnis schloss. Weil es sich im Thronstreit zwischen Friedrich von Oesterreich und Ludwig von Baiern neutral verhielt, wurde es 1318 von Herzog Leopold von Oesterreich belagert, zwang aber durch grossmütige Hilfe bei einem für das Heer Leopolds verhängnisvollen Brückeneinbruch den Herzog zur Beendigung der Feindseligkeiten.
Das von diesem den Solothurnern geschenkte Banner wird heute noch in hohen Ehren gehalten. Im Guglerkrieg 1375 erlitt das Gebiet von Solothurn durch die fremden Mordbrenner eine solche Verwüstung, dass mehrere Ortschaften, wie z. B. Gurzelen, Oberwerd, Friedau u. a. m., gänzlich vom Erdboden verschwanden. 1382 sollte Solothurn in der Nacht vom 10. November dem raublustigen Grafen Rudolf von Kiburg, welchem Graf Diebold von Neuenburg Hilfe zugesagt hatte, zum Opfer fallen. Der wackere Hans Roth von Rumisberg vereitelte aber den Plan, in welchen schändlicher Weise Chorherren des Stifts der Stadt Solothurn selbst eingewilligt und ihn sogar gefördert hatten.
Seit dem 12. Jahrhundert löste sich der heutige Kanton Solothurn in eine Menge von Herrschaftsgebieten auf, die unter Grafen, Freiherren, Rittern, Edelleuten ¶