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Verbrennung erhaltene Sohlensäure zum Sticftoffe stand, die Formel CH (NO*): 06. Berüdsichtigt man die Angaben Gladstone's („Erdmann's Journal", 72, 380, 1867), welcher je nach dem Verfahren bei der Darstellung zwei in ihren Eigenschaften verschiedene Producte erhielt, so könnte man annehmen, daß de Vrij und Railton verschiedene Körper untersucht haben, und die Formein Beider richtig sind. Hiernach würden mehrere Nitroverbindungen des Glycerin's existiren, welche dadurch von einander verschieden wären, daß in ihnen 3, 2 oder auch vielleicht nur 1 Atom NO* enthalten ist, und die entstehen würden, je nachdem die Salpetersäure mehr oder weniger fräftig auf Glycerin einwirkte – eine Ansicht, die fich in einem neueren Auffage von liede ausgesprochen findet („Polytechn. Journal"; 1866, Heft 2). *)
3. Obgleich keine anderen Analysen veröffentlicht sind, wird allgemein angenommen, daß das zur Benußung als Sprengmittel dargestellte Nitroglycerin im möglichst reinen Zustande der Formel CH (NO“) O entspricht, weshalb es auch zus weilen genauer als Trinitroglycerin bezeichnet wird.
Wir haben diese Frage nach der Zusammenseßung hier besprochen, weil sie nicht nur von theoretischem Interesse ist. Abgesehen davon, daß wir nach der Formel den theoretischen Effect des Nitroglycerin's als Sprengmittel berechnen können, so würde der Umstand, daß das Glycerin verschiedene Nitroverbindungen liefert, einige Widersprüche in den Angaben seiner Eigenschaften erklären (stehe unten III. 13). 4. Wir müssen hier noch erwähnen, daß fich das Nitro
ve glycerin gegen Reductionsmittel anders, als die meisten übrigen Nitroverbindungen, verhält. Während nämlich aus diesen befanntlich, z. B. bei der Einwirkung von Wasserstoff, in statu nascendi der Stickstoff des NO4 Molecul's nicht wieder aus: geschieden, fondern nur deffen 4 Sauerstoffatome austreten, um sich mit Wasserstoff zu verbinden, während an ihre Stelle 2 Atome Wasserstoff treten, z. B.: Nitrobenzol:
Anilin: C12H (NO) + 6HC12NH2 + 4HO, so wird unter denselben Verhältnissen aus dem Nitroglycerin NO4, zu NO2 reducirt, wieder ausgeschieden und wieder durch Wasserstoff erseßt, so daß das Glycerin regenerirt wird:
C®Ho (NO) 06 +91=C6H806 + 3 NO' + 6 HO.
Aehnlich verhält sich auch der Nitromannit (Knallmaunit), und beide Körper werden daber von Edmund S. Miles als Nitrosogene bezeichnet, um sie von den gewöhnlichen Nitros verbindungen, welche er Amidogene nennt, zu sondern („Chem. Centralblatt"; 1866, Nr. 16, S. 229).
5. Die Darstellung des Nitroglycerin’s geschieht, wie im Allgemeinen die der Nitroverbindungen, durch Vermischen von Glycerin mit einem Gemenge von concentrirter Salpetersäure und Schwefelsäure. Legtere dient hierbei nur dazu, das bei der successive fortschreitenden Zerfeßung der Salpeterfäurefrei werdende øydratwasser derselben zu binden und also eine Schwächung des später zur Einwirkung auf das
Glycerin gelangenden Theiles der Salpetersäure zu verhindern. Das Verhältniß für das Säuregemisd), 2 Volumen Schwefelsäure von 66° B. auf 1 Volumen Salpetersäure von 50° B., welches von Sobrero schon 1860 angegeben ist, hat sich auch für die Darstellung im Großen bewährt. Vor Kurzem sind von E. Kopp Versuche ausgeführt, um die Brauchbarkeit verschiedener Vorschriften zu prüfen („Comptes rendus“; 1866, Tom. 63, 189); als das zwedmäßigste hat sich das folgende Verfahren erwiesen.
Man mischt in einem durch Wasser abgekühlten Gefäße rauchende Salpetersäure von 46 bis 50° B. mit dem doppelten Gewichte concentrirtester Schwefelsäure; zugleich wird Glycerin des Handels, welches jedoch frei von Kalt und Blei sein muß, eingedampft, bis es 30° B. zeigt, wo es nach völligem Erfalten syrupartig ist. Von dem gut abgekühlten Säuregemisch werden 3300 Grm. in einen in einem Rühlgefäße befindlichen Glasballon gegeben, und langsam unter stetem Umschütteln 500 Grm. Glycerin hinzufließen gelassen. Hierbei muß jede fühlbare Erwärmung verhindert werden, weil sonst eine stürmische Drydation des Glycerin's zu Dyalsäure stattfindet. Wenn die Mischung vollständig ist, läßt man sie 5 bis 10 Minuten stehen und gießt sie dann in das 6- bis 8fache Volumen falten Wassers, welches man vorher in freisende Bewegung versekt hat. Das Nitroglycerin scheidet sich sehr schnell als schweres Del aus, welches man in einem mehr hohen, als weiten Gefäße durch Decantiren sammelt und einmal mit etwas Wasser wäscht. Nach dem Abgießen des Waschwassers ist das Nitroglycerin zum Gebraudje fertig; es ist zwar noch etwas fäures und wasserbaltig; hierdurch wird aber seine Brauchbarkeit, wenn es bald nach der Bereitung angewendet wird, nicht beeinträchtigt.
A. Nobel läßt (nach den Angaben seines Patentes) zu dem Gemische von Salpetersäure von 1,3 specifischem Gewichte und starker Schwefelsäure das Glycerin vermittelst eines Rohres fließen, ohne eine Abkühlung vorzunehmen; bei stärkerer Salpetersäure (von 1,5 specifischem Gewichte) muß der Zusaß des Glycerin's langsamer und unter guter Abfühlung geschehen.
Als sehr geeignet hat Nobel auch die Flüssigkeit bezeichnet, welche man erhält, wenn man in 31 Th. Schwefelsäure von 1,83 specifischem Gewichte 1 Th. Kalijalpeter auflöst. Beim Abfühlen auf 0° frystallifirt fast alles entstandene, faure schwefels saure Kali heraus; in die davon abgegossene Flüssigkeit läßt man das Glycerin eintropfen. Bei dieser Bereitungsweise berechnet Liede die Kosten für 1 Pfd. Nitroglycerin, die Arbeit abgerechnet, auf 18 Groschen.
6. Die Eigenschaften des Nitroglycerin's sind fast alle von Bedeutung für seine praftische Anwendung. Es ist eine gelbliche ölartige Flüssigkeit, fchwerer als Wasser, von 1,6 specis fischem Gewichte, von süßlichem Geschmade, äußerst giftig, in Wasser unlöslich, löslich in Weingeist, Holzgeist und Aether. Bei mäßiger Kälte gefriert es zu einem þaufwerf nadelförmiger Krystalle. Es läßt sich nicht ohne Zerseßung verflüchtigen*); erhißt man einen Tropfen auf einem Platinbleche
*) Nach einer dem Ref. von ørn. liede gemachten gefälligen Mits theilung hat derselbe teine eigenen Untersuchungen über das Nitroglycerin angestellt; sein in den ,,Mittheilungen des Hannoverschen Gewerbevereines zuerst veröffentlichter Aufsatz war nur zur Belehrung der Mitglieder dieses Vereine bestimmt.
*) E. Stopp sagt im Widerspruche zu allen übrigen Angaben, „daß es sich bei mäßigem Erwärmen unzersegt verflüchtigen lasse; wenn das Sieden lebhaft wird, tritt eine eminente Explosion ein." Sollte die anfänglich beobachtete Gasentwicelung nicht dem Wassergehalte des Deles zuzuschreiben sein?
allmålig, so zerseßt es sich ruhig unter Entwickelung salpetriger Dämpfe. Bei raschem Erhißen findet die Zersebung unter heftiger Explosion statt (Sobrero); nach de Vrij tritt diese ein, wenn die Temperatur 180° überschreitet. E. Kopp beobachtete, daß ein auf ein mittelmäßig heißes Eisenblech fallender Tropfen sich ruhig verflüchtigte; war das Blech roths glühend, so brannte der Tropfen geräuschlos wie Pulverförner; wenn aber das Blech ,ohne rothglühend zu sein, heiß genug war, um das Nitroglycerin sofort in's Sieden zu verseßen, so zersegte sich der Tropfen schnell mit heftigem Knalle." Ueber die Entzündlichkeit des Sprengöles werden wir weiter unten Ausführliches mittheilen (stehe III. 8.).
7. Die wichtigste Eigenschaft des Nitroglycerin's, unter plößlickem starfen Drude zu erplodiren, ist schon seit 1855 durch die Angabe von de Vrij befannt; erst in neuerer Zeit, wo ste praktische Wichtigkeit erlangt hat, ist erfannt worden, daß die Explosion der durch den Stoß selbst getroffenen Theile sich nicht auf die übrige Masse fortpflanzt, so daß man also mit einigen über eine Fläche ausgegossenen Tropfen durch auf verschiedene Stellen geführte Şammerschläge mehrere Explo: stonen erzeugen fann. Anders verhält sich das Nitroglycerin im festen Zustande. Der bekannte Unglücksfall auf der schlesischen Gebirgsbahn im Herbste vorigen Jahres (wo durch den Schlag mit einer Hade, welchen ein Arbeiter auf ein Stück gefrorenes Sprengöl führte, um es zu zertheilen, das Ganze zur Erplofion fam, bei welcher der Unglückliche sogleich ges tödtet und 40 Fuß (12,5) weit weggeschleudert wurde) hat zuerst gelehrt, daß im gefrorenen Nitroglycerin die an einem Punkte durch einen Schlag hervorgerufene Explosion sich durch die ganze Masse fortseßt. Daß endlich nur durch momentan wirkenden Stoß, nicht aber durch einen almälig wachsenden, wenn auch zu einem hohen Grade gesteigerten Drud die Erplosion hervorgerufen wird, ist vom Ref. durch Mittheilung eines Vorfalles gezeigt worden, über welchen weiter unten ausführlicher beridytet werden soll (III. 11. und 14.).
8. Auch durch einen starfen elektrischen Funfen, welcher durch die Masse des Nitroglycerin's hindurch geht, fann seine Explosion bewirft werden („Polytechnisches Journal“; 1867, Bd. 183, 223).
angewendet. Ihre außerordentlichen Wirkungen erregten allgemeines Aufsehen, und da Sprengversuche an den meisten Orten, wo sie ein allgemeineres Interesse hatten, namentlich durch den Patentträger veranlaßt und ihre Erfolge durch die Zeitschriften veröffentlicht wurden, so ist die Literatur über das Nobel'sche Sprengöl schon zu bedeutendem Umfange angewachsen, und es wird auch bald möglich sein, daraus ein bestimmtes Urtheil über den Werth des Nitroglycerin’s als Sprengmittel zu entnehmen. Um dieses unseren Lesern zu erleichtern, wollen wir aus dem reichen vor uns liegenden Materiale das Wichtigste hervorheben.
3. Der größeren Uebersichtlichkeit wegen ordnen wir die Berichte nach den Gesteingarten, in welchen die Sprengungeni vorgenommen sind, und beginnen mit der Grauwađe, nicht nur weil ihr des geognostischen Alters wegen der Vortritt gebührt, sondern weil uns besonders schäßenswerthe Mittheilungen vom Oberharze über die Anwendung des Nobel's schen Sprengöles in der dortigen Grauwade vorliegen (in der „Berg- und hüttenmännischen Zeitung“; Jahrgang 1865, Nr. 34 und 35; 1866, Nr. 15), von denen wir hier das Wesentlichste wiedergeben. Nachdem schon früher einige Ders suche mit ungünstigem Erfolge angestellt waren (,, Berggeist"; 1865, Nr. 41. - , Polytechn. Journal"; 177, 168), - auf welche indeß fein großes Gewicht gelegt wurde, da für das neue Sprengmittel erst die richtige Zündungs- und Beseßungos weise aufgefunden werden mußte -, wurde unter der Leitung des Bergrath soch im Trogthaler Steinbruche bei Lautenthal eine Reihe von Versuchen ausgeführt (, Berg- und hüttens männische Zeitung"; 1865, Nr. 34 und 35 und 1866, Nr. 15. - , Polytechn. Journal"; 177, 478).
Man wählte für die ersten 5 Löcher eine unten im Bruche anstehende, circa 70 big 80 Zoll (1",8 bis 2") mächtige Grauwackenbank, die in Abftänden von 80 bis 100 Zou (2* his 2",6) von verticalen, aber feft geschlossenen Querschlächten durchfegt war, und regte dieselben absichtlich nicht zu stark an, um für das Anweisen der Löcher nicht nur leichter und sicherer Erfahrung erkaufen zu können, sondern auch dem Wegthun mehrerer folgenden Löcher im ungünstigsten Falle nicht hindernd entgegen zu treten. Jedes dieser 5 Löcher erhielt 50 Zoll (1”,3) Tiefe und es wurden dieselben der Reihe nach bei 60, 70, 80, 90, resp. 80 Zoll (1",6, 1",8, 2", 2",3 resp. 2") Entfernung von der Stirne des Stoßes so angeseßt, daß fte etwa in der Mitte zwischen zweien der er wähnten Querschlachten zu stehen kamen und im Tiefften noch 1+ bis 1 Zou (34 bis 26mm) weit blieben.
Das erste Loch am nördlichen Ende der hier allmålig gegen ein dahinterliegendes Längenschlächtes auslaufenden Banf erhielt als schwachstes Geschick 1 Pfo. Del; dieses nahm 9 Zoll (235) Höhe ein, und es blieben demnach noch 41 Zoll (1",07) für den Besaß übrig. Dieser wurde nach Nobel's Vorschrift durch Waffer hergestellt. Nachdem man nämlich die mit einem über das untere Ende geschobenen Zündhütchen versehene Bidford'sche Zündschnur bis etwa auf die Mitte der Delladung eingelassen hatte, wurde der Raunt über dem Dele mit Wasser gefüllt, die Schnur auf die zum Anzünden erforderliche Länge überstehend gelassen und mit cinein ausgespurten Holzpfropfen oben im Loche befestigt.
Nach dem ersten Anzünden brannte der Zünder erfolglos unterhalb des Holzpfropfens ab; man beseitigte diesen und befestigte den neu eingeführten Zünder mittelft Letten. Etwa zwei Minuten nach dein zweiten Anzünden erfolgte die Erplofion in der erwünschtesten Weise. Das borgegebene Geftein war nicht hins
II. Die Wirkung des Nitroglycerin's als Sprengmittel.
1. Zehn Jahre nachdem die Wissenschaft das Nitroglycerin in seinen wesentlichsten Eigenschaften fennen gelehrt hatte, hat die Industrie von dem ihr Dargebotenen Besik genommen. Vielleicht sind schon früher Versuche gemacht worden, es zu Sprengungen zu verwenden, aber unbekannt geblieben, weil sie erfolglos blieben, indem es nicht gelungen war, auf das Nitroglycerin in einem Bohrloche den zur Erplofton erforderlichen Schlag zu führen. Diese Schwierigkeit überwand A. Nobel durch den glüdlichen Gedanfen, inner: halb des mit Sprengöl gefüllten Bohrloches eine geringe Menge Schießpulver zu entzünden, welches nun durch seine Explosion den plöglichen Drud erzeugt, der das Sprengöl selbst erplodiren macht.
2. Die neue Sprengmethode wurde zuerst im Herbste 1864 in Schweden, in Deutschland zuerst am 11. und 12. April 1865 bei Eisleben in einem Steinbruche und einem Einschnitte der Halle-Casseler Eisenbahn versuchsweise
weggeschleudert, aber bis in die Sohle und die benachbarten Quera schlächten hinein so volftändig zerrissen, daß es mittelft der Brechstange leicht beseitigt werden konnte.
Das Befeßen des nächstfolgenden Loches geschah ganz in ders felben Weise. Dasselbe erhielt aber auf 16 Zoll (4181) Höhe * Pfd. Sprengöl. Die Zündung ging unbehindert von Statten, und die Wirkung war eine noch vollständigere, ale beim ersten Loche. Das vorgegebene Gestein wurde nicht nur volftändig zers riffen, sondern auch gehoben und in Blöcken an Drt und Stelle übereinander gethürmt; außerdem aber war das benachbarte dem dritten Loche vorgegebene Gestein schon durch einen starken, auf 1 Lachter (2") Länge bis zum nächsten Querschlachten sich erftreckenden Riß aus feinem Zusammenhange gebracht und in Form eines 70 Zoll (1",8) ftarken, eben so hohen und 80 Zoll (2") langen Blodes um einige Zolle vorgeschoben. Hierdurch wurde Das Wegthun des dritten Loches überflüsfig.
Das vierte Loch, 50 Zoll (1",3) tief, 90 Zoll (2",3) vom Stoße entfernt angesept, erhielt 1 Pfo. Del; diese nahnien 19 Zoll (500m) Lodihöhe ein. Beseßung und Zündung diefelbe; Lestere erfolgte in erwünschter Weise.
Die Wirkung war eine enormne; nicht nur das vorgegebene Gestein war vollständig aufgerissen, sondern auch das Wegthun des nächsten Loches entbehrlich gemacht, da das demselben vorgegebene Gestein bis auf 10 Fuß (3",14) Länge auf die ganze Mächtigkeit der Bank durchrissen und um etwas auf der unterliegenden Schichtungskluft vorgeschoben war.
Auf diese Weise erreichte man mit 3 Löchern eine Wirkung, auf die man 5 Löcher verwenden zu müssen glaubte. Man löfte damit eine Masse von ca. 50 Fuß (15",8) Lange, 8 Fuß (2“,55) Stärke und 64 Fuß (2",0) Höhe = 2600 Obfff. (80,5 Cbfmtr.) Gestein aus ihrem natürlichen Zusammenhange, so daß kein Stück unnöthiger Weise fortgeschleudert wurde. Freilich bedürfen die größeren Stücke noch fernerer Sprengungen zur weiteren Zers kleinerung.
4. Bei den übrigen Versuchen hatte man an den zweckmäßigsten Ansekpunkten Löcher bis zu 90 Zoll (2,3) Liefe niedergebracht und denselben auch bis zu 90 Zoll (2",3) stark Gestein vorgegeben. Die Wirkungen des Sprengöleg zeigten fich beim Wegthun dieser Löcher geradezu überraschend.
Die anfangs angewendete Belegung mit Wasser und die Zündung mittelft an die Schnur gesteckten Zündhütchens wollten nicht gelingen trok aller vorsichtigen Behandlung. Die Zünder brannten bei einigen Löchern zu wiederholten Malen erfolglos ab und zeigten sich bei dem Herausziehen theile ftückweise am oberen Ende, theils ganz bis in'& Del hinein berkohlt. G8 wurde nun zur Anwendung von Sandbefag geschritten. Die Zünder wurden mit ihrem unteren Ende in eine mit Pulver gefüllte Holzhülse von etwa 3 Zoll (784m) Länge eingesdoben, befestigt und vor: fichtig so in die Delladung eingesenkt, daß kaum die Hälfte der Hülfe in's Del tauchte; alsdann ward Quarzsand in Körnern von 1 mm Stärke bis oben aufgegeben.
Diese Art des Beseßend hinderte die Zündung fein einziges Mal; es wurden ohne die geringste Schwierigkeit 6 Löcher hintereinander weggethan.
Das zuerst weggeschossene Loch war 64 Zoll (1“,67) tief; erhielt auf 26 Zoll (0",68) 13 Pfo. Del und warf ca. 640 Cubiffuß (20 Cbkmtr.) Gestein in größeren Blöcken, wovon 1 Block 75 Cbkfl. (2,3 Cbkmtr.) haltend und ca. 100 Ctr. schwer auf 3 bis 4 Lachter (6 bis 85) hinweggeschleudert, das übrige Gea stein aber in Blöden übereinander geworfen war.
Noch größere Wirkung zeigte das hiernach mit 2 Pfb. Del auf 35 Zoll (0",914) abgeschossene Loch von 90 Zoll (21,3) Liefe und 90 Zoll (20,3) ftarkem Borgeben; es warf circa
1000 CbEff. (31 Chkmtr.) 1250 Or. Gestein in mehreren großen – über 100 Cbff6. (3 Cbkmtr.) – und kleinen Blöden, welche vollständigst gelöst unregelmäßig über- und nebeneinander ges lagert waren.
Das folgende Loch, einen schwachen Zoll (26mm) im Pulverfad weit und 60 Zoll (1“,57) tief, warf von sehr fester Grautwade, ohne besonders günstige Zerklüftung, bei 14 Pro. schwerem, 31 Zou (0",81) Lochhöhe einnehmenben Delbesaß ca. 400 Cubikfuß (12,4 Cbkmtr.).
Ein anderes Loch, 75 Zoll (1",96) tief, hatte 1 Lachter (2") stark Gestein vor und wurde auf 30 Zoll (0,78) Höhe init 14 Pfo. Del besegt; es hob nicht nur das vorgegebene Ges stein circa 1100 Cbffß. (34 Cbkmtr.) - hinweg, sondern riß hinter sich und in dem hohen freien Stoße wohl an 10 bis 12 Fuß (3 bis 4") unter fich, so daß man mit Zuhülfenahme noch eines zweiten Loches ein paar Tausend Cubiffuß Gestein gewinnen wird.
Ein anderes mit 2 Pfd. Del auf 311 Zou (0",82) Höhe beseptes Loch warf, bei 90 Zoll (2“,3) Liefe und 90 Zoll (293) Stärke des Vorgebens, an 700 Coff. (21,6 Obfmtr.) Gestein.
Schließlich ist noch eines im riesigen Maße angelegten Vers suchen zu erwähnen.
Im unteren Trogthaler Bruche war auf einem von zwei freien verticalen Seiten und einer nahezu horizontalen (oberen) Fläche begrenzten Gesteinsvorsprunge in je 12 Fuß (3*,77) Ents fernung von den freien Seiten ein Loch 138 Zoll (3",61) tief niedergebracht und im unteren Theile kaum 1 Zoll (26mm) weit. Dasselbe wurde mit 3 Pfd. Del beseßt; diese nahmen 67 Zou (1”,65) Höhe ein, und darauf kamen also noch 71 Zoll (1",75) hoch Sand. Die Erplosion erfolgte etwa 4 bis 6 Minuten nach dem Anzünden der Schnur. Bei derselben hob fich die ganze Masse in der Mitte um 10 bis 15 Zoll (0",260 bis 0“,393) hoch in die Höhe und sank dann wieder zusammen. Auch hat man von tieferen Standpunkten aus eine seitliche Ausdehnung und nachfolgende Zus sammenziehung wahrgenoinmen. Das Gestein blieb nach erfolgter Erploston freilich an Ort und Stelle, war aber nach den Richa tungen seiner geringeren Cohärenz, in den aufeinander lagernden Bänken, so zerriffen, daß ein Abheben von mehreren Laufenden Cubiffußen Steinen ohne große Schwierigkeiten möglich war.
3n einigen anderen Steinbrüchen find die Versuche gleiche falls günftig aufgefallen, und ist in Folge beffen dag Nobel'sche Sprengöl beim Betriebe der herrschaftlichen Steinbrüche am Oberharze mit eingeführt. An besonders geeigneten Punkten werden tiefe Bohrlöcher mit Sprengöl weggeschoffen; dagegen geschieht das Zerkleinern größerer Blöcke und das Lossprengen geringerer Massen mittelst des Pulbers."
5. „Wenngleich nun die Anwendung des Sprengöles in der angegebenen Weise bei einigen Steinbruchbetrieben als unzweifelhaft günstig und vortheilhaft sich herausgestellt hat, so läßt sich dies doch feinesweges von allen Steinbruch betrieben behaupten. Bei einigen Steinbrüchen ist es nach den bisherigen Erfahrungen nody zweifelhaft, ob das Şinwegthun großer und tiefer Bohrlöcher mittelst Sprengöles vortheilhaft ist.
Bei einem Steinbruchbetriebe fommt es darauf an, in einer bestimmten Zeit, mit einem bestimmten Roftenaufwande und mit einem bestimmten Aufwande an Arbeitskraft die größts möglichste Menge guter und brauchbarer Bausteine zu gewinnen. Da nun bei Anwendung des Sprengöles meist größere Gesteingmassen fallen, welche erst durch Zersprengen in brauch bare Mauersteine verwandelt werden müssen, lo hängt es von
den mehr oder weniger günstigen Lagen des Gesteines und von der größeren oder geringeren Leichtigkeit, mit welcher fich die größeren Massen in brauchbare Bausteine verwandeln lassen, ab, ob sich das Sprengöl beim Steinbruchbetriebe mit Vortheil anwenden läßt. Im Einersberger Steinbruche unter: halb Zellerfeld ist einige Wochen lang mit Sprengöl geschossen; sodann ist mit der gleich starken Mannschaft ebenso lange mit Pulver gesprengt, und hat sich das in beiden Fällen gewonnene Quantum brauchbarer Bausteine als ganz gleich herausgestellt. Wenngleich nun auch dieser Versuch noch nicht als hinreißend maßgebend zu betrachten ist, so geht doch mit einiger Sicherheit daraus hervor, daß der Unterschied in der Wirkung der beiden Sprengmittel in diesem Falle nur als gering zu betrachten ist.
6. Nachdem ich das Sprengöl beim Steinbrudbetriebe als ein ausgezeidynetes Sprengmittel bewährt hatte, schritt man nun zu den äußerst wichtigen Versuchen, ob fich dasselbe mit gleichem Vortheile in den Gruben anwenden ließe. Im Falle des Gelingens mußte sich ein enormer pecuniärer Nußen herausstellen, ein Nußen, der so groß ist, daß die Existenzfrage mancher Grube davon abhängen wird.
Anfänglich versuchte man 50 bis 60 Bou (1”,3 bis 1",) tiefe, zweimännische Bohrlöcher, denen man die vier- bis sechefache Gesteinsmasse eines gewöhnlichen, zweimännischen Bohrloches vorgab, mit Sprengöl wegzuschießen. Man gab diesen Löchern eine Labung von nahezu 1 Pro. Sprengöl. Da wo das Geftein vollkommen fest und unzergänzt war, wurde das Sprengöl in das Bohrloch gegossen; bei schwebenden, trockenen oder unganzen Bohrlöchern bebiente man sich zur Aufnahme des Sprengöles blecherner Patronen. Auf das Del führte man sodann eine mit Pulver und Zündschnur bersehene, gut verschlossene Holzkapfel und besepte die Löcher in der gewöhnlichen Weise mit Befabgrand. Diese Versuche fielen aber jo ungünstig aus, daß man dieselben bald aufgeben mußte. Die Löcher hoben mit geringen Ausnahmen gar nicht, zeichneten hier und da feine Rifle an den Ansebpunkten der Bohrlöcher vor oder ließen das Geftein ganz unverändert. Der Grund davon erklärt sich auch gar leicht aus dem ungemein großen Widerstande der vorgegebenen Gesteinmengen, welcher in einem sehr ungünstigen Verhältnisse zur Masse stand. Während man den Löchern die vier- bis sechémal so große Gesteinsmenge vorgegeben hatte, wie gewöhnlichen zweimännischen Bohrlöchern, war in Folge der engeren Grubenräume und der den Löchern mangelnden Freiheit der Widerstand für dieselben nicht in gleicher Weise, uin das Vier- bis Sechsfache, sondern vielleicht um das Dreißigbie Vierzigfache und mehr gestiegen.
7. Durch die Anwendung starfer und tiefer Bohrlöcher ließ fich also die im Sprengöle vorhandene bedeutende Sprengfraft nicht nußbar machen, und man wählte zu diesem Zwecke nun den anscheinend allein richtigen Weg, daß man mit dem Ansegen der Bohrlöchen sie meist nur zweimännischen Bohrlöchern vorgegeben werden fonnten) blieb, diese Löcher aber mit kleinem, einmännisdem Bohrgezähe abbohren ließ und mit Sprengöl wegschoß. Dies Verfahren hat fich als äußerst günstig und zweckmäßig herausgestellt.
Die Kosten eines zweimännischen Bohrloches ergeben fich annibernd, wie folgt:
Arbeitslohn
1 Pulver
1 Summa 12 Sgr.
Die Roften eines 24 Zoll (628 **) tiefen einmännischen Bohrloches für Sprengöl betragen dagegen: Arbeitslohn
5 Sgr.
Pf.
1
1
6
Summa 7 Sgr. 6 Pf., fo daß sich bei einem solchen Bohrloche ein Gewinn von wenigstens 4 Ggr. oder ein Dritttheil der Gesammtkosten eines gleich starken zweimannischen Bohrloches herausstellt. Ein fernerer Vortheil besteht darin, daß mit den Sprengöllöchern in Folge des reineren Wegheben noch etwas mehr Gebirge gewonnen, und damit ein Gewinn an Arbeitskraft erreicht wird.
Die voraufgestellte Kostenrechnung fann für die Folge noch geringe Abänderungen erleiden durch Aenderungen in den Preisen für Pulver und Sprengöl, sowie auch in den Kosten für das Bohrgezähe *); troßdem wird man mit Sicherheit annehmen können, daß wenigstens ein Dritttheil der Gesammtfosten eines zweimannifchen Bohrloches durch die Anwendung des Sprengöled statt del bisherigen gewöhnlichen Sprengpulvero gespart wird. Diese Erfahrung ist eine so bedeutende und bei jedem Grubenbetriebe so febr in die Wagschale fallende, daß die dem Sprengöle anhaftens den, bis jest bekannten Uebelstände von der Einführung desselben nicht abschrecken können und dürfen."
8. Bedeutendes Gewicht legen A. Nobel & Co. in ihrem Prospecte mit Recht auf die Erfolge, welche Rud. $orche aus Elspe in Westphalen berichtet. Derselbe batte Versuche in dem Kramenzel (Cypridinenschiefer) der Devongruppe gemacht, bei denen sich die Sprengkraft des Nitroglycerin's auf sehr vortheilhafte Weise herausstellte.
Das Kramenzelgebirge ist nämlich bekanntlid, theilweise sehr schöllig und das Schießen mit Pulver im Hangenden wenig förs dernd; ja man könnte fagen, fast aller in den Schichten dieser Gebirgamassen eingebrachten Bohrlöcher sind vergeblich gewesen."
Die mit dem Sprengöle angestellten Versuche haben die Augsagen des Prospectes, der eine 20- bis 30 fache Wirkung dem Pulver gegenüber aufstellt, vollkomnten bestätigt.
Die Schüsse wirken, sowohl beim Schachtabstnken als auch beim Stollenbau, in dem hiesigen Gebirge durchgehend mehr nach den oberen Seiten zu, als nach innen hinein; gemorfen wird vers hältnismäßig wenig oder nur Daejenige, was unmittelbar das Bohrloch einschließt; dagegen ist das Geschäft des Abtreibens von größerer Wichtigkeit, so daß schließlich ein Vortheil dem Pulver gegenüber von 30 bis 40 pCt. resultirt... Ein Schuß hatte nicht weniger als 16 Schiebkarren Berge Toegebrochen, ein Quan: tum, welches man vordem höchstens in 1 bis 2 Tagen zu trangportiren gewohnt war."
9. Im flößleeren Sandsteine der Steinkohlenformation sind versuche mit Nitroglycerin in den ansehnlichen Steinbrüchen bei Wetter a. d. Ruhr (bei Sagen) gemacht worden. Nad Mittheilungen, welche Ref. den bedeutendsten der dortigen Steinbruchbesißer verdankt, hat auch hier das Sprengöl eine dem Pulver weit überlegene Sprengkraft ges zeigt; dennoch ist es beim regelmäßigen Betriebe nicht einges führt worden, weil sich bei den gemachten Versuchen fein Vortheil in öfonomischer Beziehung herausstellte und von Versuchen, um den Gebrauch des Nitroglycerin's den gegebenen Verhältnissen anzupassen, die Scheu vor der Gefährlichkeit des
10 Sgr.
*) Später hat ør. Neimbte, Verfasser der hier mitgetheilten Nachrichten, diese Berechnung wesentlich modificirt, indem er zeigt, daß bie Gezähloften hier zu niedrig angefeßt sind, indem sie in Wirttichteit nicht unter 3 Sgr. herabgedrückt werden können. S. unten 30.
durch die ungenügende Bekanntschaft noch unheimlicheren Stoffes abgehalten hat.
10. Im eigentlichen Steinfohlengebirge haben die Sprengversuche mit Nitroglycerin gleich anfangs großen Erfolg gehabt. Die ersten darüber in die Deffentlichkeit gelangten Mittheilungen („, Berggeist"; 1865, Nr. 65) stammen aus einem Berichte des Bergrath Meißen zu Königshütte in Oberschlesien und melden im Wesentlichen Folgendes:
,, In einem Querschlage wurde ein in feftem Sandstein stehendes 18 Zoll (470mm) tiefes Bohrloch, welchem eine fehr bedeutende Gebirg&maffe vorgegeben, und welches bis zu seiner Mündung mit Wasser angefüllt war, berartig mit Sprengöl geladen, daß man dasselbe in einer Quantität von 3 Loth mittelft eines in das Wasser eingeführten kupfernen Röhrchen auf die Bohrlochefohle gelangen ließ. Hiernach wurde ein Kupferhütchen an das Ende eines der Bohrlochøtiefe entsprechend langen Bidford'schen Sicherheitszünders gesteckt und zur Verhütung des Erfaufen deffelben zwischen Rupferhütchen und Zünder ein dichter Verschluß mit Letter hergestellt. Der Zünder wurde hierauf so weit in das Bohrloch hinabgeführt, daß das Kupferhütchen auf der Bohrlocfohle aufftieß, fich also im Sprengöle befand. Das Wasser, welches das Bohrloch anfüllte, diente als Befaß. Die Wirkung des Schuffes übertraf alle Erwartungen, indem nicht nur die dem Bohrloche vorgegebenen bedeutenden Gebirgsmassen vollftändig abgerissen, sondern auch das nächst anstehende Gestein erheblid aufgelockert wurde. Die Detonation des Schusses war eine sehr bedeutende. Beim Wiederhinzutreten zeigten sich zwar nur wenig Verbrennungsgafe; ihre Einwirkung auf die Respirations- und Gesichtsorgane war indeß eine so reizbare und empfindliche, daß die, die Versuche leitenben, Personen es darin nicht auszuhalten vermochten und erft ben Abzug derselben abwarten mußten, um die Wirku de8 Schusses in Augenschein nehmen zu können.
Ferner wurde ein 20 Zoll (525) tiefes, im Grundftreckenorte des sehr festen Gerhardflößeß angesegtes Bohrloch, welchem ebenfalls größere Massen vorgegeben worden, als sonst nach den Regeln der Technik zu geschehen pflegt, mit 2 Loth Sprengöl gefüllt, und hierbei Sandbefaß und die Zündung mittelft Per Nobel's schen Holzpatentzünder und Kziba'schen Zündschnur zur Anwendung gebracht. Die Wirkung dieses Schusses war ebenfalls eine ganz außerordentlich bedeutende, indem derselbe mehr als die ihm vorgegebene Kohlenmasse theils abgeworfen, theild gerissen hatte.
Nicht minder groß war die Wirkung des Sprengöles bei mehreren anderen, in festem wasserführendem Kohl angefepten und theils mit Wasser, theils mit Sand besegten Bohrlöchern, unter denen sich auch ein Firstenloch von 24 Zoll (628nm) Tiefe befand, welches mit einer aus gepichtem Papier hergestellten, mit Sprengöl gefüllten und mit einem Sicherheitszünder nebst Kupferhütchen dicht verbundenen Patrone gefüllt und mit Letten belegt wurde.
Vier andere, im Sandsteinbruche der Königdgrube hinweggethane, mit Sprengöl geladene Bohrlöcher ließen in Bezug auf die Wirkung desselben gleichfalls sehr günstige Resultate erzielen.
Soweit fich aus diesen Versuchen ein Urtheil bilden läßt, ist anzunehmen, daß das Sprengöl, trok feines hohen Preises, welcher fich bei directem Bezuge pro Loth auf 1 Sgr. 3,3 Pf. stellte, während 1 Loth Sprengpulver gegenwärtig 1,9 Pf. foftet, und trog der bei seiner Verbrennung sich entwickelnden, auf den menschlichen Organismuß nachtheilig einwirkenden, sehr heftige Kopfschmerzen verursachenden Gafe eine große Zukunft bat und, bao Sprengpulver in vielen Fällen auch beim Bergbau volftändig zu erfeßen, im Stande sein wird."
Diese Voraussicht ist denn auch nicht getäuscht worden; in cinem von A. Nobel veröffentlichten Schreiben des Hrn.
Bergrath Meißen vom 1. März 1866 meldet derselbe, daß die Anwendung des Sprengöles bald eine allgemeine geworden und in kurzer Zeit auf mehrere Centner gestiegen ist.
Ungeachtet fich das Del bei den damit angeftellten Sprengungen in allen Fällen sehr bewährt hat, so ist es beim Schacht= abteufen unter Wasser und beim Forttrieb von Grundftrecken in fehr wasserreichem Rohl in Rüdficht auf die damit verbundenen, außerordentlich großen Vortheile geradezu unentbehrlich geworden und hat die Anwendung von Sprengpulver hierbei volftändig verdrängt. Der beste Beweis für die große Zweckmäßigkeit des Sprengöles dürfte wohl in dem Umftande zu suchen sein, daß die Arbeiter es verlangen und bein Pulver unbedingt vorziehen."
11. Die neuesten Nachrichten aus Oberschlesien finden wir in der „Berg- und hüttenmännischen Zeitung“ vom 8. Februar 1867, in welchen Hr. Wabner von der Königsgrube mittheilt, daß, nachdem man sich dort davon überzeugt habe, daß das Sprengöl sowohl in seiner Anwendungsweise, wie in seiner Wirkung bedeutende Vortheile vor dem Pulver habe, man troß einer Explosion, bei welcher zwei Bergleute im mahren Sinne des Wortes zerstäubt seien, nicht von seiner Anwendung absteben werde. Vor Streckenörtern wendete man es bisher nur versuchsweise an; sehr nüßlich, ja unentbehrlich bat es sich beim Abteufen des großen zur Wasserhaltung be: stimmten Krugsdyachtes bewiefen, in welchem die Schachtsohle fid beständig unter Wasser befindet, so daß ein 21 zölliger (550mm) Saß recht tüchtige Arbeit hat, um die Zuflüsse zu fumpfen - ca. 80 Cbffl. (2,5 Obfmtr.) pro Minute. Gerade bei dieser schwierigen Arbeit bietet das Nitroglycerin außerordentliche Vortheile ...
12. Ieber die Anwendung des Nitroglycerin's im westphälischen Kohlenbergbau können wir unsere Mittheilungen neben den in den Zeitschriften zerstreuten Notizen einem Berichte entnehmen, welcher vom Königl. Oberbergamte zu Dortmund dem andelsministerium gemacht ist. Dem ørn. Berghauptmann, Sr. Durchlaucht dem Prinzen von Schönaich Carolath sprechen wir auch hier unseren Dank dafür aus, daß derselbe uns gütigst in Stand septe, diesen Bericht für die Zeitschrift zu benußen.
Zuerst scheint das Sprengöl auf der Grube „Verein. Constantin der Große" in Anwendung gekommen zu sein. Der ,Berggeist“ (1865, Nr. 66) berichtet darüber nach dem
Glücauf“, nachdem es seit vier Wochen mit ausgezeichnetem Erfolge in Gebrauch genommen war.
In einem Querschlage in schieferigem Gesteine wurden , borzugsweise die irregulären eingeklemmten Bohrlöcher von 3 bis 31 Fuß (0“,34 bis 1",1) Liefe mit 2 bis 3 Zoll (52** bis 78RM) Sprengöl geladen, wo man eine Pulverladung für beinahe vergeb= lich hätte erachten inüssen. Die Wirkung war meistens eine ganz vorzügliche; manche Schüsse warfen 15 bis 20 CbEff. (0,46 bis 0,6 Chemtr.) Steine." In dem Schachte Nr. 2 wurden in feftem derbem Sandsteine gleichfald eingeklemmte Löcher von 3 Fuß (0,94) Tiefe und 3 bis 4 Fuß (0“,94 bis 1",25) Vorgabe mit 3 bis 4 Zoll (78*** bis 104) Nitroglycerin theils in Patronen, theils direct geladen, und aud; hier wurde die Vorgabe mitunter ganz vollflandig gehoben. .
Ueber die in genannter Grube erzielten Erfolge meldet der amtliche Bericht, daß „die Kraftwirkung auf das 2- bis 8 fache des Pulvers geschäßt werde.“ Die Bohrlöcher konnten tiefer geschlagen und stärfer in's feste Sestein gestellt werden.
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