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Thurgauer Unternehmer Peter Spuhler hat sechs ukrainische Flüchtlinge aufgenommen – Selenski hat er schon drei Mal getroffen
Drei Mal hatte er den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski noch vor dem Krieg getroffen – das letzte Mal im November 2021. In diesen Gesprächen von Peter Spuhler ging es um 80 S-Bahnen und 120 Strassenbahnen, die der CEO von Stadler nach Kiew liefern sollte.
Als Russland am 24. Februar den Krieg gegen die Ukraine startete, befand sich bereits ein Prototyp einer Strassenbahn in der Ukraine. Sie wurde in Kiew und Charkiw vorgeführt und befindet sich heute in einem Tramdepot von Charkiw. Sie ist bis heute von russischen Bomben unversehrt geblieben.
Es war diese Vorgeschichte, die Peter Spuhler dazu bewegte, auf seinem Bauernhof in Weiningen (TG) eine sechsköpfige ukrainische Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. «Der Krieg war ein Ansporn für meine Frau und mich», sagt Spuhler. «Wir wollten etwas tun für die Ukraine – weg vom rein Geschäftlichen.»
Die Kinder besuchen die Sprach- und die Dorfschule
Die Familie stammt aus dem hart umkämpften Süden der Ukraine zwischen Cherson und Odessa. Der Vater führte dort ein eigenes Unternehmen im Baunebengewerbe. Seit zwei Monaten hat er den Schutzstatus S und arbeitet bei der Stadler Rail Bussnang AG in der Endmontage.
Die Kinder – ein Mädchen und drei Jungs zwischen 6 und 14 Jahren – gehen am Morgen in eine Sprachschule. Am Nachmittag besuchen sie die normale Dorfschule. Die Situation des Zusammenlebens sei für alle, für die Flüchtlingsfamilie wie für ihn und seine Familie als Gastgeber, «in der Kommunikation anspruchsvoll, da sie nur ukrainisch sprechen», sagt Peter Spuhler.
Spuhler ist beeindruckt von Präsident Selenski und der Ukraine
Der CEO von Stadler zeigt sich beeindruckt darüber, wie Wolodimir Selenski und die Ukraine insgesamt mit der Kriegssituation umgehen. «Der Präsident hat mit dem Krieg massiv an Persönlichkeit gewonnen», urteilt er. «Er hat den Charaktertest wirklich bestanden.»
Der Krieg festige die junge Nation, die ihre Unabhängigkeit von der Ex-Sowjetunion erst am 24. August 1991 erhielt. Beeindruckt zeigt sich Spuhler auch darüber, wie die wichtigsten Führungsfiguren im Krieg ihre politischen Rivalitäten zumindest vorübergehend beiseitelegten. So treten Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko und Präsident Selenski Seite an Seite auf – obwohl Klitschko Selenski als Staatspräsident beerben möchte. Auch der Vorgänger von Selenski, Petro Poroschenko, hat seine Rivalität abgelegt.
Auch Komikerin Hazel Brugger nahm Flüchtlinge auf
Auch andere prominente Schweizerinnen und Schweizer haben ukrainische Flüchtlinge aufgenommen. So funktionierten Komikerin Hazel Brugger und ihr Ehemann Thomas Spitzer ihr Gästezimmer und einen Büroraum zur Unterkunft um. Inzwischen leben Olga Navarova, eine weitere Frau und ein dreijähriges Mädchen aus der Umgebung von Kiew bei Brugger und Spitzer.
«Ich bin, auch wenn ich es gerne wäre, kein besonders guter Mensch», schrieb Brugger dazu auf Twitter. «Obwohl die Erde brennt, fahre ich oft mit dem Auto zu Auftritten, ich esse in Hotels Spiegeleier, deren Herkunft ich nicht kenne und meine Tochter trägt Wegwerfwindeln, die irre viel Müll verursachen.»
Trotzdem glaube sie, dass man auch im ganz Kleinen «noch irgendwie was Gutes» tun könne. Seit die ukrainischen Flüchtlinge bei ihr seien, verstehe sie zum ersten Mal, wo Menschen wie etwa die deutsche Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer oder der russische Oppositionspolitiker Alexei Navalny die Energie herholten, sich immer wieder für etwas einzusetzen, was ihnen selbst nicht direkt etwas bringe. Brugger: «Es tut einfach gut, irgendeinen Beitrag zu leisten.»
Vor kurzem veröffentlichte Brugger ein Video mit Navarova mit Fragen zum Thema Krieg in der Ukraine. Auch das Massaker von Butscha kommt zur Sprache – Navarova stammt von dort. Sie trägt im Video ein T-Shirt, das sie selbst entworfen hat: «Russische Soldaten nahmen alles, ausser dieses T-Shirt.»
Auch drei Parlamentsmitglieder beherbergen Flüchtlinge
Auch Nationalrätinnen und Nationalräte haben ukrainische Flüchtlinge aufgenommen, wie CH Media schon berichtete. So bietet Mitte-Nationalrätin Christine Bulliard der fünfköpfigen Familie Kochubei aus Charkiw eine Unterkunft in ihrem Landgasthof Zum Schlüssel in Ueberstorf.
GLP-Nationalrat Beat Flach hat eine dreiköpfige Familie aus Mariupol bei sich aufgenommen. «Die Familie flüchtete vor den Bomben, ihr Zuhause ist weg», sagt Flach. «Ihre Schilderungen sind dramatisch: Alles ist zerstört, ihre Wohnung ist ausgebrannt, das Restaurant des Vaters am Boden. Sie haben uns Bilder davon gezeigt.»
Und Mitte-Nationalrat Nik Gugger hat Liubov Urska und ihrer Mutter aus Kiew eine Wohnung im Pfarrhaus in Winterthur vermittelt, gleich gegenüber seiner Wohnung. Urska war Guggers Stadtführerin, als er 2021 zur Feier von 30 Jahre Unabhängigkeit der Ukraine in Kiew weilte. Urska macht inzwischen probehalber Stadtführungen in Winterthur.