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Weil er beim EM-Spiel Schweiz-England in Portugal einen britischen Gegner bespuckt hat, wird der Schweizer Nationalspieler Alex Frei von der UEFA für drei Spiele gesperrt.
Trotz der Lügen-Geschichte, die der Spuck-Affäre folgte, gibt es gegen den Schweizerischen Fussball-Verband keine Sanktionen.
Auf Grund von Videoaufzeichnungen und verschiedenen Zeugenaussagen kam der Berufungssenat des Europäischen Fussballverbandes (UEFA) zum Schluss, dass Frei den englischen Spieler Steven Gerrard in den Nacken gespuckt hatte. Das schreibt die UEFA am Donnerstag nach Verkündigung des Urteils. Eine Sperre für drei Spiele sei als "tat- und schuldangemessen" erachtet worden.
Am Vortag waren Nationalspieler Frei und die Spitze des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) in Nyon während fünf Stunden befragt worden.
Anklage forderte fünf Sperren
Gerhard Kapl, Chefankläger UEFA, hatte für Frei eine Sperre von fünf Spielen verlangt. Er begründete seine Forderung damit, dass der Schweizer das Vergehen abgestritten habe, bis die entlarvenden Fernsehbilder aufgetaucht seien.
Alex Frei und sein Anwalt hatten eine einzige Spielsperre gefordert.
Mit dem Strafmass von drei Spielsperren wurde der Schweizer Nationalspieler mit dem gleichen Strafmass belegt wie der italienische Superstar Francesco Totti. Dieser hatte im EM-Spiel gegen Dänemark ebenfalls einen Gegner angespuckt.
Keine Konsequenzen für SFV
Für die UEFA ist der Fall Frei damit erledigt. Gegen die Verbandsspitze des SFV unter Präsident Ralph Zloczower ergreift die UEFA keinerlei Sanktionen.
In einem Communiqué bedauert der Verband das Ausmass, das die Affäre in Medien und Öffentlichkeit angenommen habe. Mit Befriedigung nahm der SFV hingegen zur Kenntnis, dass die UEFA keinerlei Regel-Verstoss durch den Verband festgestellt habe.
Ob Verantwortliche des SFV von der Spuck-Attacke gewusst und den Spieler negativ beeinflusst haben, werde in einer internen Untersuchung geklärt.
Peinliche Affäre
Alex Frei hatte am 17. Juni dem Engländer Steven Gerrard während eines Spiels im portugiesischen Coimbra in den Nacken gespuckt. Die Schweizer verloren das Spiel 3:0.
Die Attacke begann sich am 18. Juni auszuweiten, wenige Tage nachdem der Italiener Totti gesperrt worden war. Erstmals gezeigt wurde das Spucken des Schweizers vom deutschen Fernsehsender ZDF. Freis Gesicht war jedoch in den Aufnahmen nicht deutlich zu sehen, die Bilder lieferten keinen Beweis.
Frei dementierte in der Öffentlichkeit: "Ich habe Gerrard nicht angespuckt. Ich habe ihm nur ein Schimpfwort von hinten zugerufen." Die UEFA eröffnete eine Untersuchung gegen den Schweizer, stellte sie aber am 20. Juni aus Beweismangel wieder ein.
Fernsehbilder lieferten den Beweis
Damit hätte die Sache ein Ende haben können. Aber nur wenige Stunden nach dem Einstellungs-Entscheid sendete das Deutschschweizer Fernsehen SF DRS neue Bilder, welche ohne Zweifel belegten, dass Frei gespuckt hatte.
In der Schweiz lösten die Bilder augenblicklich eine Polemik aus: Der Entscheid des Fernsehens, die Bilder zu zeigen, sorgte bei einigen SFV-Verantwortlichen gar für harsche Kritik. Sie erklärten weiterhin, vom Spucken nichts gewusst zu haben.
Interview-Boykott der Nati
Am 21. Juni, wenige Stunden vor dem Entscheidungsspiel der Schweiz gegen Frankreich, geriet Frei erneut ins Fadenkreuz der UEFA: Er wurde provisorisch suspendiert.
Die ganze Schweizer National-Mannschaft geriet in Aufregung. Trainer Köbi Kuhn und seine Spieler gaben SF DRS ab sofort keine Interviews mehr vor dem Match.
Nach dem verlorenen Spiel gegen Frankreich und dem Aus an der EM reiste die National-Elf am 23. Juni zurück in die Schweiz. Der SFV erklärte weiterhin, von Alex Frei nicht über die Wahrheit informiert worden zu sein. Nur Kommunikations-Chef Pierre Benoit gab indirekt zu, auf dem Laufenden gewesen zu sein.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Für die Schweiz war die Euro 2004 in Portugal nach drei Spielen zu Ende.
Das Spiel gegen Kroatien endete 0:0, gegen England verlor die Schweiz 3:0, gegen Frankreich 3:1.
In Kürze
An der EM spuckte Nati-Fussballer Alex Frei den Engländer Steven Gerrard an.
Danach erklärte er, nicht gespuckt zu haben. Fernseh-Bilder überführten ihn schliesslich.
Die Schweizer Fussball-Chefs behaupten, nichts gewusst zu haben, die interne Untersuchung läuft.
Frei wurde von der UEFA für drei Spiele gesperrt. Der Verband hat keine Konsequenzen zu tragen.