Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03427.jsonl.gz/784

Schlachthüüslifäscht als Jahreshighlight
Eigentlich wollte Hans Jürg Wagner, der von allen Hasy genannt wird, Bauer werden. Der 73-jährige pensionierte Metzger liess sich aber von seinem Vater, ebenfalls Metzger in Zollikon und dessen Kollegen davon überzeugen, dass ein guter Bauer seine Tiere selber sollte schlachten können. Darum lernte er dann doch den Beruf des Metzgers.
Als Kind hatte Hasy Wagner eine Kaninchenzucht. Wenn es auf die Festtage zuging, schlachtete der Zehnjährige die Hasen, um sie seinem Vater für die Metzgerei zu verkaufen. Mühe hatte er dabei nie. Er war sich als Sohn eines Metzgers nichts anderes gewöhnt. Wichtig war ihm nur, wie er es auch von seinem Vater mitbekommen hatte, dass die Tiere artgerecht gehalten, gepflegt und geschützt wurden und dass es den Tieren immer gut ging.
Von Argentinien nach Chile mit dem Zug
Hasy wollte nach der Ausbildung nach Amerika um zu arbeiten. Das war aber auch damals nicht so einfach. Auf ein Arbeitsvisum hätte er bis zu einem Jahr warten müssen. Also hörte er auf den Rat seines Reisebüros und reiste erst nach Argentinien. Die Reise mit dem Schiff nach Buenos Aires dauerte gut vier Wochen. Fliegen wäre zu teuer gewesen. Finanzieren konnte sich Hasy sein Abenteuer sowieso nur, weil er von Kindsbeinen an gespart hatte. Sein Vater hat ihm für jedes Kaninchen einen gewissen Betrag bezahlt.
Hasy Wagners Plan war einfach: Sollte er keinen Job finden in Argentinien, würde er seine Reise nach Kalifornien fortsetzen, seine Schwester lebte bereits dort. Nach den Ferien würde er dann zurückkommen und hier in der Schweiz weiterarbeiten. Bereits auf dem Schiff lernte er aber den Präsidenten eines deutschen Turnvereins in Buenos Aires kennen. Diesem folgte der ehemalige Kranz-Kunstturner Hasy in ein Training und ehe er sich‘s versah, wurde er zum Trainer der dortigen Turner ernannt. Nach nur drei Wochen durfte er an die „ABC-Olympiade“ nach Chile fahren, um für den Deutschen Club Buenos Aires anzutreten. An diesem Wettkampf massen sich die Turner der Länder Argentinien, Brasilien und Chile.
Die Zugsreise führte über die Anden. Teilweise sei der Zug so langsam gefahren, dass die Turner neben dem Zug herlaufen und dann wieder einsteigen konnten.
Die Liebe wartete in Brasilien
Bald bekam Hasy Waner einen Job und transportierte Fleisch durch die ganze Grossregion Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien. «Meine Frau habe ich auf einer Geschäftsreise nach Brasilien kennengelernt. Ich musste 400 Tonnen Fleisch exportieren, da dachte ich mir, auf 50 Kilo mehr komme es auch nicht an», meint Hasy Wagner lachend. Nach der Hochzeit in Zollikon lebten die beiden noch einige Jahre weiter in Argentiniern. Dort kamen auch drei ihrer vier gemeinsamen Kinder zur Welt. Auf Druck seiner Eltern kam die Familie zurück in die Schweiz. Seine Kinder hätten sich dann hier so schnell eingelebt, dass eine Rückkehr nach Brasilien nicht mehr in Frage kam. Mittlerweile lebt Wagner wieder am gleichen Ort, wie er aufgewachsen ist. Er hat heute bereits fünf Enkel.
Schlachthüüslifäscht an diesem Samstag
Im Schlachtlokal Wangen im Küsnachterberg findet jedes Jahr das Schlachthüüslifäscht statt. Dort verkauft Hasy Wagner Wurstwaren, welche er in diesem Schlachthüüsli selber herstellt, und Käse aus Degersheim. Dieses Fest erntet neben viel Lob auch jedes Jahr Kritik von Vegetariern. (fh)
Lesen Sie den ausführlichen Bericht im aktuellen «Zolliker Bote» vom 7. Juni 2013.