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Von Michael Sennhauser | 18. Mai 2014 - 15:33
Mary Bee Cuddy (Hilary Swank), eine charakterstarke einsame Frau in einer kleinen Frontier-Stadt in Nebraska, entschliesst sich, drei andere Frauen, welche das harte Leben im Westen um den Verstand gebracht hat, in einem Wagen vierhundert Meilen nach Iowa in ein Pflegeheim zu fahren – weil keiner der Männer in der Stadt dafür Manns genug ist.
Es ist The African Queen, als Western erzählt, mit Hilary Swank in der Rolle der Katharine Hepburn und Regisseur Tommy Lee Jones in der Rolle von Humphrey Bogart. Denn der Drifter, der sich George Briggs nennt, hilft Mary Bee bloss, weil sie ihn vor dem Tod am Strang gerettet hat. Und ihm eine grosse Flasche Whisky und dreihundert Dollar verspricht, wenn er sie und die drei Frauen im vergitterten Wagen heil durch Prärie bringt.
Wie schon in seinem Regiedebut The Three Burials of Melquiades Estrada von 2005 ist der Film um Tommy Lee Jones herum konzipiert – auch wenn dieses Mal die zentrale Rolle von Hilary Swank gespielt wird: Der Titel macht klar, um wen es wirklich geht.
Die harte Reise, der Kampf gegen Kälte, Hunger, Indianer und andere Drifter bringt Mary Bee Cuddy und Briggs einander näher. Auch darum, weil Mary Bee bald erkennt, dass die nur die ziemlich amoralische und agoistische Haltung des älteren Mannes tatsächlich ihr Überleben sichern kann.
Und anders als in The African Queen, wo Humphrey Bogarts Figur von Hepburns Missionarin immer wieder in die Moralmangel genommen wird, hält sich Mary Bee zurück. Briggs weiss sehr genau, was Recht und Anstand wäre, bloss sind seine Überlebensinstinkte meistens stärker.
Es gibt eine ganze Reihe von Überraschungen in dem Film. Das Drehbuch, welches Jones zusammen mit Kieran Fitzgerald und Wesley Oliver auf der Basis eines Romans geschrieben hat, spielt gekonnt mit den Publikumserwartungen. Und auch die Inszenierung nutzt die gleichen Erwartungen. Da stürmt Mary Bee wütend vom Lagerfeuer weg in Richtung Fluss und Briggs folgt ihr durchs Gebüsch. Aber statt der erwarteten Szene mit einer sich nackt im Wasser waschenden Hilary Swank sehen wir die vollständig angekleidete Frau auf ihrer ausgerollten Klaviertastatur-Imitation aus Stoff singend eine Hymne üben.
Das ungleiche Paar, das mit drei sprachlosen Verrückten unterwegs ist, von denen eine auch noch zu ziemlich mörderischen Wutanfällen neigt, bietet genügend Gelegenheiten für komische Momente. Etwa wenn sie die drei Frauen vor der Weiterfahr am Morgen dazu bringen müssen, ihre Notdurft zu verrichten.
The Homesman ist ein eindrücklicher Film, ein verdeckt moralisierendes Abenteuerstück und natürlich nicht nur bei The African Queen angelehnt, sondern auch beim wunderbaren True Grit Remake der Coen Brüder und ein wenig auch bei den Siebziger Jahre Western bis hin zu Two Mules for Sister Sarah mit Clint Eastwood.
Den grossen Atem und die surreale Stimmigkeit von The Three Burials … erreicht Tomy Lee Jones dieses Mal aber nicht. Dafür sind die Kontraste im Film zu gross, die Szenen manchmal zu sehr auf Effekt gebaut und die ganze Ausgangslage schon um etliches unwahrscheinlicher konzipiert.
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