Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03174.jsonl.gz/2449

Marktsystem (Erläuterungen)
Für sozialen Ausgleich sorgen
Blind gegenüber Gerechtigkeit
Wie bereits in der Einleitung zum Marktsystem dargelegt wird, müssen in jeder Volkswirtschaft folgende drei Fragen beantwortet werden: Was? Wie? Für wen soll produziert werden? Bei der Antwort auf die letzte Frage geht es um die Verteilung der Güter auf die Individuen. Weil in einer Marktwirtschaft das Einkommen den Anspruch der einzelnen Individuen auf die Güter bestimmt, beeinflusst die Einkommensverteilung weitgehend deren Lebensstandard. Der Markt ist jedoch blind gegenüber Gerechtig-keit. Damit wird ausgedrückt, dass das Marktsystem beim Bereitstellen und Verteilen der Güter und Dienstleistungen keine Rücksicht auf gesell-schaftlich schwächere Individuen nimmt.
Gerechter Ausgleich
Die Gemeinschaft entscheidet darüber, was sie als gerechten Ausgleich derartiger Benachteiligungen ansieht. Grundsätzlich werden dabei zwei Ziele angestrebt: Erstens sollen sich Individuen gegen Risiken (z.B. Invalidität, Arbeitslosigkeit) absichern können, weil sie sonst, bei Eintritt eines Risikos, in ihrer Lebenslage direkt bedroht wären. Zweitens soll die Lebenslage gesellschaftlich schwächeren Individuen verbessert werden, d.h., wenn die sozialen Unterschiede als unbefriedigend empfunden werden, soll im Rahmen der Sozialpolitik eine Umverteilung von Realein-kommen erfolgen.
Beispiele für die Umverteilung von Realeinkommen in der Schweiz:
Die Einkommens- und Vermögenssteuersysteme werden progressiv ausgestaltet. Leute mit tiefem Einkommen und geringem Vermögen bezahlen prozentual weniger Steuern, als Leute mit hohem Einkommen und grossen Vermögen. Bei der AHV, der ersten Säule des Schweizer Vorsorgesystems, müssen alle Erwerbstätigen i.d.R. auf dem gesamten Erwerbseinkommen ihre Beiträge bezahlen. Ausbezahlt wird jedoch eine Höchstrente, auch für sehr hohe Einkommen, und eine Mindestrente, auch für sehr tiefe Einkommen. Daraus resultiert eine Einkommensum-verteilung von oben nach unten. Zum sozialen Ausgleich tragen beispiels-weise auch für alle zugängliche, kostengünstige Schulen bis zur Hoch-schule bei (indirekte Umverteilung). Wichtig ist, dass derartige Ausgleichs-massnahmen für alle transparent dargestellt werden. Zudem sind den Stimmbürgern deren finanziellen Auswirkungen und deren Einfluss auf die Märkte aufzuzeigen.