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Liegt die erkrankte Stelle hinter dem Eintritt des Sehnervs in die Netzhaut, so läßt sich die Ursache des
schwarzen Stars durch den Augenspiegel
[* 4] nicht erkennen. In den meisten Fällen hat der schwarze S. einen langsamen Verlauf, entsteht
unmerklich, nimmt ganz allmählich zu und geht schließlich in vollständige Erblindung über; doch kommt es
auch vor, daß er auf einer gewissen Stufe der Entwickelung stehen bleibt oder selbst rückgängig wird. Selten bildet er sich
in sehr kurzer Zeit aus oder tritt selbst plötzlich nach Art eines Schlaganfalls auf, namentlich dann, wenn sich die Netzhaut
durch einen Bluterguß oder durch ein Entzündungsprodukt von der Gefäßhaut des Auges abgelöst hat,
oder wenn Blutergüsse, schnell wachsende Geschwülste u. dgl. den Ursprung des Sehnervs im Gehirn
[* 5] zerstört haben.
Der schwarze S. kommt bei beiden Geschlechtern und in jedem Alter, selbst angeboren vor; doch ist er bei Männern häufiger
als bei Weibern und in dem Alter von 20-40 Jahren häufiger als im Greisenalter, hier aber häufiger als
im Kindesalter. Vielfach ist erbliche Disposition vorhanden. Die Pupille pflegt erweitert oder wenig beweglich oder auch ganz
starr zu sein, selbst wenn starkes Licht
[* 6] in das Auge
[* 7] fällt. Der Kranke hat einen stieren, nichtssagenden Blick; er büßt überhaupt
mehr oder weniger die Herrschaft des Willens über die Bewegungen des Auges ein.
Die Augenlider sind in der Regel weit geöffnet, der Augenlidschlag ist träge. Die Bewegungen eines an schwarzem S. Leidenden
sind unsicher, seine Haltung ist ängstlich. Das wichtigste Symptom ist Schwachsichtigkeit. Jeder Versuch, kleinere Objekte deutlich
zu sehen und anhaltend zu fixieren, kostet Anstrengung; das Auge ermüdet sehr schnell. Später geht auch
der letzte Lichtschein, das Vermögen, Hell und Dunkel zu unterscheiden, verloren. Die meisten Fälle von schwarzem S. sind unheilbar
oder sehr schwer zu heilen.
Ein frisch entstandener Fall gibt eine bessere Prognose als ein solcher, der schon lange Zeit bestanden
hat. Der schwarze S., welcher infolge von Sehnervenschwund, Netzhautablösung und von Zerstörungen des Gehirns auftritt, gibt
die geringste Aussicht auf Heilung. Am ehesten lassen diejenigen Fälle eine Heilung zu, welche durch konstitutionelle und dyskrasische
Leiden,
[* 8] durch Gicht, Syphilis, Nierenerkrankungen, Hysterie etc., sowie diejenigen, welche durch übermäßigen Gebrauch narkotischer
Mittel (z. B. übermäßigen Genuß starker Zigarren, von Alkohol) entstanden sind. Oft wird nur das eine
Auge geheilt, das andre nicht, oder der schwarze S. heilt nur auf einer Stelle der Netzhaut; völlige Heilung beider Augen ist
selten. Die Behandlung ist je nach der Form des schwarzen Stars sehr verschieden. Die
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Funktionen des Körpers müssen durch eine angemessene Lebensordnung geregelt, die Verrichtungen des Auges sorgfältig überwacht,
Anstrengungen desselben durchaus vermieden werden. Oft wird ein längerer Aufenthalt im Dunkeln, das Tragen dunkler Brillen
etc. notwendig. Die spezielle Behandlung ist von einem Augenarzt zu leiten.
Der graue S. (Cataracta, s. Tafel »Augenkrankheiten«,
[* 10] Fig. 10 u. 11)
besteht in einer Trübung im Bereich des Linsensystems, d. h. der Linse
[* 11] selbst oder ihrer Kapsel, bez. beider, wodurch den
Lichtstrahlen der Durchgang zu der lichtempfindenden Netzhaut verwehrt wird. Zuerst zeigt sich hinter der Pupille eine unbedeutende
Trübung, welche allmählich zunimmt; der Kranke sieht wie durch ein trübes Glas,
[* 12] durch Nebel oder Rauch.
Nach und nach wird der vor dem Auge schwebende Nebel dichter, und die Gegenstände erscheinen wie dunkle Schatten.
[* 13]
Die Pupille bewegt sich meist frei, nur bei sehr großem S. verliert die Iris an Beweglichkeit und wird nach vorn gedrängt.
Nur nach Verletzungen des Auges entwickelt sich der graue S. in wenig Tagen (Cataracta traumatica, s. Tafel
»Augenkrankheiten«, Fig. 12), meist bedarf er zu seiner AusbildungMonate und Jahre. Nur Stare nach äußerer Verwundung beschränken
sich auf Ein Auge. Selten bleibt der S. auf einer niedern Entwickelungsstufe stehen. Nach dem Sitz der Trübung unterscheidet
man den Kapselstar und den Linsenstar.
Der Kapselstar kommt viel seltener vor und erscheint als eine unsymmetrische, grauweiße, undurchscheinende Trübung nahe
hinter der Iris. Der Linsenstar befällt am häufigsten alte Leute (Altersstar, Cataracta senilis) infolge des Sinkens der
Ernährungsthätigkeit. Der Linsenstar ist bald ein Kernstar, bald ein Rindenstar; bald ist sowohl Kern
als Rinde getrübt (totaler S.). Nach der Konsistenz der getrübten Linsenmasse teilt man die Linsenstare ein in harte und
weiche Stare.
Der harte S. ist von dunkler, bräunlicher Farbe, betrifft meist den Kern der Linse; dieselbe ist oft knorpelartig fest oder
selbst in eine kalkartige oder steinige Masse (Cataracta gypsea) umgewandelt. Beim weichen S., welcher unter
allen Starformen am häufigsten vorkommt, zeigt die Linse eine verminderte Konsistenz. Hinsichtlich der Entwickelungsstufe
nennt man den S. reif, wenn die Trübung die ganze Linse einnimmt, dagegen unreif, wenn die Entartung noch im Fortschreiten
begriffen ist und besonders die Linsenperipherie noch durchsichtige Stellen besitzt, überreif, wenn die
schon lange getrübten Linsenmassen stellenweise oder ganz verhärtet und geschrumpft sind.
Die Disposition zum grauen S. ist bei dem männlichen Geschlecht größer als bei dem weiblichen; Leute mit blauer oder grauer
Iris werden viel häufiger davon betroffen als solche mit brauner Iris. Mitunter ist der graue S. angeboren
(Cataracta congenita), sehr selten entwickelt er sich vor dem 7. Lebensjahr; von dieser Zeit an bis zum 60.-70. Lebensjahr
wird er allmählich immer häufiger. Der graue S. tritt oft nach entzündlichen Augenkrankheiten auf und ist mit solchen kompliziert.
Bei einfachen, nicht komplizierten Staren bleibt stets, auch wenn das Erkennen von Gegenständen längst
unmöglich geworden ist, die Fähigkeit, Hell und Dunkel zu unterscheiden, z. B. eine vor dem Auge hin und her bewegte Lampenflamme
zu erkennen, erhalten. Das einzige Mittel, das Sehvermögen wiederherzustellen, ist die Staroperation, deren Zweck darin besteht,
durch Beseitigung der kranken Linse den Lichtstrahlen den Eintritt in das Innere des Auges wieder
zu eröffnen.
Dies kann auf dreifachem Weg erreicht werden: entweder indem man die getrübte Linse gänzlich und mit einemmal aus dem Auge
entfernt (Extraktion des Stars);
oder durch Lagenveränderung der Linse, indem man sie aus der Sehachse entfernt und an einen
solchen Ort schiebt, wo sie dem Einfallen der Lichtstrahlen kein Hindernis in den Weg legt, ohne sie aus
dem Auge zu schaffen (Depression
[* 14] oder Reklination des Stars);
oder durch Zerstückeln und Zerschneiden, wodurch man den S. in
einen solchen Zustand versetzt, daß er aufgesaugt werden und also von selbst verschwinden kann (Discision des Stars).
Da aber der Operierte auch das Akkommodationsvermögen verloren hat, so muß er Brillen von verschiedener
Brechungskraft gebrauchen, je nachdem er nahe oder ferne Gegenstände sehen will. Nach der Staroperation tritt oft von neuem
wieder eine Trübung in der hintern Augenkammer ein, welche man sekundärer Kapselstar, Nachstar (s. Tafel »Augenkrankheiten«,
Fig. 13), nennt, und wodurch das Sehvermögen wieder beschränkt oder ganz aufgehoben
wird. Der Nachstar entsteht dadurch, daß die bei der Operation zurückgelassene hintere Linsenkapsel sich aufs neue trübt;
dieselbe wird dann entweder durch eine Nachoperation ganz entfernt, oder auf ungefährliche Weise durch Zerreißung (Discision
des Nachstars) beseitigt. Eine abermalige Trübung ist dann nicht mehr möglich.
Vgl. Magnus, Geschichte
des grauen Stars (Leipz. 1876).
(Sturnus L.), Vogelgattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel
[* 16] und der Familie der Stare (Sturnidae), mittelgroße,
gedrungen gebaute Vögel
[* 17] mit kurzem Schwanz, ziemlich langen Flügeln, in welchen die erste Schwinge verkümmert, die zweite
am längsten ist, mittelmäßig langem, geradem, breit kegelförmigem Schnabel, mittelhohen, ziemlich
starken Füßen und langen Zehen. Der gemeine S. (Strahl, Sprehe, Spreu, S. vulgarisL.), 22 cm lang, 37 cm breit, ist im Frühling
schwarz, auf Schwingen und Schwanz wegen der breiten, grauen Federränder lichter, nach der Mauser und im Herbst weiß gepunktet,
mit braunen Augen, schwarzem Schnabel und rotbraunen Füßen, bewohnt den größten Teil Europas, erscheint
aber in den Mittelmeerländern nur im Winter und geht höchstens bis Nordafrika; bei uns weilt er von Februar oder März bis
Oktober und November. Er bevorzugt die Ebenen mit Auenwaldungen, läßt sich aber auch in Gegenden, die er
sonst nur auf dem Zug
berührt, durch Anbringung von Brutkasten etc. fesseln. Dadurch hat ihn z. B.
Lenz seit 1856 in Thüringen heimisch gemacht. Durch sein munteres, heiteres Wesenist er allgemein beliebt; seine Stimme ist
ein angenehmes Geschwätz, er besitzt aber auch ein großes Nachahmungsvermögen und mischt die verschiedensten Töne
ein. Er nistet in Baumhöhlungen, Mauerlöchern, am liebsten in Brutkästchen auf Bäumen, Stangen,
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Hausgiebeln etc., und legt im April 5-6 lichtblaue Eier
[* 19] (s. Tafel »Eier I«,
[* 18]
Fig. 57), welche vom Weibchen allein ausgebrütet
werden. Die ausgeschlüpften Jungen sind bald selbständig und schweifen mit andern Nestlingen umher. Ist auch die zweite Brut
flügge, so vereinigen sich alle Stare und sammeln sich zu großen Scharen in Wäldern sowie später (etwa
Ende August) im Röhricht der Gewässer. Die Alten kehren zuletzt gegen Ende September noch einmal zu den Nistkasten zurück,
singen morgens und abends, ziehen aber nach den ersten starken Frösten mit den Jungen in die Winterherberge.
Der S. nährt sich von Kerbtieren, Würmern und Schnecken
[* 20] und wird durch massenhafte Vertilgung derselben
sehr nützlich; weidenden Rindern liest er Mücken und andre Insekten
[* 21] vom Rücken ab. In Kirschpflanzungen und Gemüsegärten,
namentlich in Weinbergen richtet er zwar oft erheblichen Schaden an, doch überwiegt sein Nutzen bei weitem. In der Gefangenschaft
wird er leicht zahm, lernt Lieder pfeifen und Worte nachsprechen und dauert fast ein Menschenalter aus.