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"Alles, was man gespielt hat, essen. So könnte man auch das Schreiben definieren. Wer weiss: Was ich schreib, muss ich essen, was ich nicht schreib - frisst mich."
"Ich traue der Sprache nicht. Am besten weiss ich von mir selbst, dass sie sich, um genau zu werden, immer etwas nehmen muss, was ihr nicht gehört. Ich weiss nicht, warum Sprachbilder so diebisch sind, weshalb raubt sich der gültigste Vergleich Eigenschaften, die ihm nicht zustehen?"
"So ein Wort wie Schneeverrat lässt viel Vergleiche zu, weil keine gemacht worden sind. So ein Wort springt dann aus dem Satz, als wäre es aus einem anderen Material. Es ist der Trick mit der Sprache, vor dem ich immer so eine Angst habe und der mich süchtig macht. Eine Angst, weil ich beim Tricksen spüre, dass durch den Trick etwas jenseits des Wortes wahr wird."
Herta Müllers Poetikvorlesungen begannen mit der Erzählung ihrer Ausreise nach Deutschland, die sich, für die Hörenden kaum merklich, in subtile sprachtheoreitsche Überlegungen verwandelte. So fragte sie, weshalb sie zu einzelnen Wörtern eine ganz bestimmte Affinität entwickle, und analysierte die Wirkmächtigkeit von Vergleichen, die, gerade weil sie das Wirkliche verfehlten, eine "wortgültige Realität" gewännen.
Herta Müller (*1957) wuchs im deutschsprachigen Banat in Rumänien auf. Aufgrund eines Arbeits- und Publikationsverbotes reiste sie 1987 nach Deutschland aus und lebt seither in Berlin. Ihre Romane, Erzählungen und Essays schildern u. a. aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Leben unter diktatorischer Herrschaft, die immer auch die Sprache zu beherrschen versucht (u. a. Niederungen 1982; Herztier 1994; Der König verneigt sich und tötet 2003). Neben den Prosatexten entwirft sie lyrische Text-Bild-Collagen (darunter Der Wächter nimmt seinen Kamm 1993; Im Haarknoten wohnt eine Dame 2000). Nachdem sie jahrelang nur auf Deutsch schrieb, veröffentliche Herta Müller auch eine rumänische Text-Bild-Collage (Este sau nu este Ion 2005). 2009 wurde Herta Müller mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.