Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/1979

Es ist höchste Zeit, die Weltgeschichte zu ergänzen: um all ihre vergessenen Heldinnen. Jenseits der üblichen Klischees - die schöne Kleopatra, die grausame Lucrezia Borgia, die mutige Jeanne dArc - erzählt dieses Buch von Frauen, die Geschichte machten und die trotzdem kaum jemand kennt: von Sitt-al-Mulk, die in den WIrren des Streits zwischen Schiiten und Sunniten das Amt des Kalifen von Kairo übernahm. Von Malintzin, ohne deren Hilfe die Spanier Mexiko nicht erobert hätten. Von Wu-Zetian, die als »chinesischer Kaiser« dazu beitrug, den Buddhismus in China zu verbreiten. Und von Ada Lovelace, die das erste Computerprogramm schrieb und damit nicht nur das digitale Zeitalter einläutete, sondern auch Fragen zur künstlichen Intelligenz stellte.
Illustrator: Linda Hüetlin
Hardcover
Format: 14,5 x 21,5 cm , 528 Seiten
ISBN: 978-3-0369-5760-9
25,00 EUR
Illustrator: Linda Hüetlin
eBook
528 Seiten
ISBN: 978-3-0369-9354-6
20,99 EUR
Eine Weltgeschichte muss mit »vielleicht« beginnen.
Vielleicht begann alles Leben auf der Erde mit einem Knall – dem Urknall. Vielleicht war am Anfang alles wüst und leer. Dann entwickelten sich aus winzigen Einzellern riesige Dinosaurier. Irgendwo erhob sich ein Affe auf zwei Beine und begann, Werkzeug zu benutzen. Irgendwo entstand der erste Mensch. Vielleicht.
Vielleicht spielte sich aber auch alles ganz anders ab. Oder es spielte sich ähnlich ab, aber eben nicht genau so. Man muss häufig »vielleicht« sagen, wenn man über Geschichte spricht, über das, was vergangen ist. Weil es vieles gibt, was wir nicht wissen. Die meisten Tatsachen, von denen wir annehmen, dass sie wahr sind – sogar die, die in den Schulbüchern stehen –, sind eigentlich nur Vermutungen.
Meistens gibt es jedoch gute Gründe für unsere Schlussfolgerungen. Denn die Vergangenheit hat Spuren hinterlassen, und wir finden überall Hinweise. Manche sind unscheinbar und undeutlich. Ein Stein, dessen Kanten scharf sind wie Messer. Hat jemand ihn absichtlich so zurechtgehauen? Oder ist er aus einem Felsen gebrochen?
Andere Zeichen sind nur scheinbar leicht zu verstehen. Ein Buch, in dem jemand Jahr für Jahr notiert hat, was geschehen ist; eine Zeitung oder ein Brief: Stecken bestimmte Interessen und Absichten in der Darstellung der Ereignisse? Wurde der Schreiber oder die Schreiberin von jemandem bezahlt, der besonders heldenhaft in Erinnerung bleiben wollte? Oder war ein Buch gar nicht als Darstellung tatsächlicher Ereignisse gedacht, sondern als lehrreiche Erzählung? Wollte der Verfasser eines Briefes jemanden anschwärzen, weil er ihn nicht mochte? Plötzlich scheint vieles nicht mehr ganz so klar.
Es gibt einen Haufen Indizien, einzelne Beweisstücke, die zusammengetragen und sorgfältig untersucht werden müssen. Erst jetzt werden Schlussfolgerungen gezogen und Theorien aufgestellt. Dann werden diese Theorien überarbeitet, und immer wieder mal passiert es, dass sie sogar ganz verworfen werden, obwohl sie vollkommen schlüssig schienen.
Die Historikerinnen und Historiker, die die Geschichte aufschreiben, müssen sich durch dieses verwirrende Geflecht kämpfen, um die Wahrheit herauszufinden. Sie müssen entscheiden, welchen Zeugen sie vertrauen und welche Beweise sie für glaubwürdig halten. Daraus entsteht ein Urteil. Ihre mühsame Puzzlearbeit macht aus dem »vielleicht« ein »wahrscheinlich«.
Historiker arbeiten unaufhörlich an ihrem Puzzle, obwohl sie genau wissen, dass sie nie alle Teile in den Händen halten werden. Man mag das frustrierend finden oder spannend: Ständig treibt sie die Hoffnung, dass sie genügend Teile zusammenbekommen, um sich ein Bild von der Vergangenheit machen zu können. Leider fehlen im Puzzle der Weltgeschichte, so, wie wir es kennen, an vielen Stellen ausgerechnet jene Teile, die etwas über die Frauen verraten. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
Wenn wir Weltgeschichte erzählen, konzentrieren wir uns auf das Außergewöhnliche, auf Ereignisse, die die Welt verändert haben. Wir konzentrieren uns auf Kriege und die Gründung von Staaten, auf neue Religionen und technische Erfindungen. Dafür aber waren überwiegend Männer zuständig, die Frauen dagegen kümmerten sich um den Haushalt, die Küche, die Kinder. Und da dies für lange Zeit und mehr oder weniger überall auf der Welt so war, hatten die Männer weitaus bessere Möglichkeiten, berühmt zu werden und sich in die Geschichtsbücher einzuschreiben.
Doch das ist nicht alles. Denn durch die gesamte Geschichte hindurch haben Frauen die Grenzen des ihnen zugedachten Bereichs immer wieder durchbrochen; sie haben getan, was sie für richtig hielten und wozu sie begabt waren: Sie regierten und kämpften in Kriegen, waren Philosophinnen, Schriftstellerinnen, Komponistinnen oder Ärztinnen und bewiesen ihre Fähigkeiten, wenn sich ihnen die Gelegenheit dazu bot. Es hat mehr bedeutende Frauen gegeben, als man denkt, nur fehlt es oft an Informationen über sie. Und das liegt daran, dass die Menschen es als nicht richtig empfanden, wenn Frauen außergewöhnliche Dinge taten. Es widersprach ihrer Vorstellung von der Ordnung der Welt: Für das Außergewöhnliche waren die Männer zuständig, für den Haushalt die Frauen. Deshalb passierte es immer wieder, dass jene Männer, die die Ereignisse ihrer Zeit dokumentierten, den Beitrag der Frauen einfach leugneten. Das begann schon im alten Ägypten, wo man den Namen der Pharaonin Hatschepsut nach ihrem Tod aus den Steinen in den Pyramiden wieder herausmeißelte. Oder in der Mongolei, dort fand ein Historiker Pergamente aus dem 13. Jahrhundert, die an der Stelle, wo die Geschichte der Frauen dokumentiert ist, einfach abgeschnitten wurden. Oder nehmen wir die Römer: In den fast 1000 Jahren ihrer Geschichte tauchen nur sehr, sehr wenige Frauen auf. Ob das daran liegt, dass sie nachträglich aus der Erinnerung gelöscht wurden, oder aber, was wahrscheinlicher ist, dass diese Gesellschaft von Kriegern den Frauen einfach kaum Möglichkeiten bot, sich hervorzutun – wir wissen jedenfalls viel zu wenig über römische Frauen, und von dem, was wir wissen, ist nur wenig wirklich interessant.
Wagte eine Frau es doch einmal, in die Geschichte einzugreifen, wurde sie oft in einem besonders schlechten Licht dargestellt. Man beschrieb sie als intrigant und grausam, als unehrlich und böse. In der ganzen Welt verfolgten Chronisten damit ein ähnliches Ziel: Sie versuchten mit allen Mitteln, zu belegen, dass eine Frau, die sich einmischte, Unheil brachte.
Leider ging die Strategie der Männer, die Erinnerung an die Frauen auszulöschen, durchaus auf. Von berühmten Schriftstellerinnen wissen wir oft nur noch, dass sie berühmt waren, ihre Texte sind verschwunden; während man die Schriften ihrer männlichen Kollegen wieder und wieder abschrieb und bis heute aufbewahrte. Es gibt Briefwechsel, von denen nur der Teil des männlichen Schreibers noch vorhanden ist, während die Beiträge seiner weiblichen Korrespondentin absichtlich vernichtet wurden oder aus Unachtsamkeit verloren gingen. So legte sich im Laufe der Geschichte das Vergessen wie ein Schleier über das Leben und Wirken der Frauen. Andererseits haben in den letzten Jahrzehnten Historiker auf der ganzen Welt damit begonnen, nach noch vorhandenen Spuren zu suchen, sodass wir heute viel mehr wissen als vor 50 oder 100 Jahren. Durch ihre Arbeit bekommt der Schleier, der unsere Sicht auf die Frauen in der Geschichte verdeckt, allmählich Risse.
Wenn wir im vorliegenden Buch erneut das Puzzle der Weltgeschichte legen, werden wir die vielen Männer, die Bedeutendes zur Geschichte beigetragen haben, nicht aussortieren, denn das ergäbe ja wieder nur ein einseitiges Bild. Wir können die Vergangenheit nicht umschreiben. Deshalb werden wir kein neues Puzzle mit völlig anderen Teilen legen, sondern versuchen, das schon bekannte Puzzle um einige fehlende Teile zu ergänzen.
Die Frage, ob es mehr Männer oder mehr Frauen waren, die die Welt wirklich verändert haben, lässt sich nicht so leicht beantworten. Sicher aber ist die Zahl der Frauen, von denen wir wissen, nicht sehr groß. Dieses ungleiche Verhältnis spiegelt sich in unserem Puzzle wider.
Wir wollen nicht nur von Frauen und wir können nicht von allen starken, klugen und mutigen Frauen erzählen, auch wenn sie – oft trotz widriger Umstände – großartige Denkerinnen, Künstlerinnen, Herrscherinnen oder Ähnliches waren. Denn dann würde am Ende eine »Weltgeschichte der Frauen« herauskommen. Das wäre sicherlich auch interessant, aber es wäre wieder eine Spezialgeschichte; die Frauen wären nicht ganz selbstverständlich Teil jener Weltgeschichte, die uns alle gleichermaßen angeht.
Fritz & Fränzi
»Ein umfangreicher Schmöker für alle geschichtsinteressierten Leserinnen – und Leser!«
Radio Wien
»Dieses Buch war längst überfällig und sollte als Kompendium zu den herkömmlichen Schulgeschichtsbüchern geliefert werden.«
Brigitte Mom
»Die ›Weltgeschichte für junge Leserinnen‹ widmet sich den vergessenen Heldinnen. Ein großer Spaß!«
Deutschlandradio Kultur
»Ute Daenschel und Kerstin Lücker rücken die teils Unbekannten in ihrer ›Weltgeschichte für junge Leserinnen‹ ins gebührende Licht.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung
» In der Tat bereichernd, nicht nur für junge Leserinnen, auch für ältere und männliche Leser, die mit dem Band verstaubtes Schulwisen auffrischen können.«
Missy Magazine
»Die Autorinnen haben ein Buch geschrieben, in dem Frauen ein ganz selbstverständlicher Teil jener Weltgeschichte sind, die uns alle angeht. Ein Vorbild für alle weiteren Bücher, in denen Geschichte aufgeschrieben werden wird.«
Die Zeit
»Das Buch eröffnet eine wichtige Perspektive – weil es entlarvt, was rund um die Welt zu allen Zeiten gern vergessen wurde: dass immer und überall auch Mädchen und Frauen gelebt und gehandelt haben.«
watson
»Dieses Buch stellt den grossen Männern Frauen an die Seite – um ihnen endlich den Platz zurückzugeben, der ihnen Jahrhundertelang so hartnäckig verweigert wurde.«
SRF
»Bei Lücker und Daenschel spielen Frauen eine Rolle. Immer, quer durch alle Zeiten. Sie sind mehr als nur Statistinnen: Manchmal besetzen sie die Nebenrolle, manchmal aber sind sie Hauptfigur.«
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
»Eine tolle Kombination.«
Coop Zeitung
»Ein Buch für jedes Alter.«
Linda Hüetlin, Illustratorin
»Nette Frauen kommen in den Himmel, interessante ins Geschichtsbuch.«
Bettina Stiebel, Redaktionsleiterin »Dein SPIEGEL«
»Ein neues Lieblingsbuch zum Vorlesen, Selberlesen und Verschenken.«