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Das musst du wissen
- Die ersten Menschen, die hochalpin siedelten, lebten vor 40 000 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Äthiopien.
- Sie lebten auf 3500 Metern Höhe in Höhlen, ernährten sich von Riesenmaulwurfsratten und bauten Obsidian ab.
- Sie lebten in der Nähe der Gletscher, wodurch sie über viel Schmelzwasser verfügten.
Die Steinzeitmenschen haben Kälte und Eis nicht gescheut, wenn es sich lohnte. Das zeigen archäologische Funde aus dem äthiopischen Hochgebirge, den Bale Mountains. Dort, auf einer Höhe von rund 3500 Metern über Meer, haben Forschende Überreste wie Knochen und Holzkohle entdeckt. Zum Vergleich: Das höchst gelegene Dorf Europas, das ist Juf im Kanton Graubünden, liegt auf 2126 Metern.
Eine internationale Forschungsgruppe hat die Funde nun untersucht und die Resultate im Forschungsmagazin Science veröffentlicht.
Jäger und Sammler wohnten demnach bereits vor 47 000 Jahren in den Höhlen des äthiopischen Hochgebirges. «Basierend auf den radiometrischen Datierungen handelt es sich bei dieser Fundstelle um die früheste längerfristig genutzte Wohnstätte einer Hochgebirgsregion, die uns bisher weltweit bekannt ist», erklärt Götz Ossendorf, Erstautor der Studie und Archäologe der Universität Köln in einer Mitteilung. Lange nahm die Forschung an, dass die Jäger und Sammler der Steinzeit hochalpine Gebiete nicht besiedelten. Seltene Funde in den Anden und in Tibet widerlegten dies. Dieser Fund verschiebt die Erstbesiedelung nun noch weiter nach hinten.
Vor 40 000 Jahren lag die durchschnittliche Jahrestemperatur in den Bale Mountains um null Grad. Da diese aber in den Tropen liegen, gab es keine Jahreszeiten und dafür grosse Unterschiede zwischen Tag und Nacht: Am Tag brannte die Sonne herab, sodass es angenehm warm bis heiss war. In der Nacht aber war es kalt. Richtig kalt.
Die Jäger und Sammler lebten also auf 3500 Metern, in Kälte, dünner Luft und oberhalb der Baumgrenze: Sträucher und Gras waren die einzige Vegetation.
Geografen und Geologen der Universität Bern, die Teil der Forschungsgruppe waren, haben zudem herausgefunden, dass die Bale Mountains zu jener Zeit vergletschert waren. Nur wenige hundert Meter oberhalb der Höhlen begann also Eis und Schnee. Weshalb taten sich das die Steinzeitmenschen, die aus der Savanne kamen und nicht an die Höhe angepasst waren, bloss an?
«Am Anfang der Forschung dachten wir, dass die ersten Siedler im ostafrikanischen Hochgebirge Klimaflüchtlinge waren», sagt Heinz Veit, Professor für Paläo-Geoökologie an der Universität Bern. Diese These hat sich nicht bestätigt: Vor 47 000 Jahren, als die ersten Jäger in die Berge stiegen, liess es sich im Flachland angenehm leben. «Es war wohl reine menschliche Neugier, die die Menschen zu den Gletschern führte», sagt Veit.
Es blieb aber nicht bei Erkundungsreisen. Denn die Menschen fanden auf 3500 Metern reichlich Ressourcen. Zunächst floss das Wasser in Strömen, da tagsüber durch die starke, tropische Sonneneinstrahlung die Gletscher schmolzen. Zweitens stiessen sie auf viel Nahrung: die Funde zeigen, dass die Siedler von Riesenmaulwurfsratten lebten, einer Art, die nur in diesen Bergen vorkommt.
Vor allem aber fanden die Menschen dort oben, beim Gletscher, Obsidian, den steinzeitlichen Rohstoff für Waffen und Werkzeuge. Um das Gesteinsglas abzubauen, kämpften sich die Jäger über den Gletscher auf 4200 Meter hoch.
Die Siedler nutzten die Höhlen über einen Zeitraum von 16 000 Jahren. Ob sie permanent dort wohnten oder saisonal in die Berge zogen, ist noch nicht klar. Sicher ist aber: Vor 31 000 Jahren verschwanden sie schlagartig. Weshalb? «Vielleicht wurden sie doch noch zu Klimaflüchtlingen. Vielleicht wurde es wegen der globalen Eiszeit, die damals herrschte, zu kalt. Das muss jetzt untersucht werden», sagt Professor Veit. Die Funde werden die Forschenden also noch lange beschäftigen.