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Drei Hauptgebete täglich prägen das jüdische Gebet. Daneben gibt es aber auch eine grosse Zahl von einzelnen Segenssprüchen, die zu bestimmten Anlässen gesprochen werden.
Der jüdische Wochentag umfasst drei Grundgebete, morgens, nachmittags und abends. Sie basieren im Wesentlichen auf dem Achtzehngebet (Schmona Essre), einem Gebet, das ursprünglich 18 Segenssprüche umfasste, die später auf 19 erweitert wurden. Daneben enthalten (nebst anderen Segenssprüchen und Psalmen) das Abend- und das Morgengebet auch das Schma, ein Gebet, das aus drei Abschnitten der Fünf Bücher Mose zusammengestellt ist und der Bekräftigung der Einzigkeit Gottes sowie der Anerkennung Seiner Herrschaft über die Welt gilt.
An besonderen Tagen (Neumondtagen, die den Monatsanfang markieren; Schabbat; Feiertage) kommt ein viertes, unmittelbar an das Morgengebet angehängtes Gebet zu Ehren des besonderen Tages hinzu - einzig am Jom Kippur (Versöhnungstag), der in seiner Gänze dem Gebet gewidmet ist, existiert noch ein fünftes, nach dem Mittagsgebet eingeschobenes Schlussgebet (bevor dann mit Einnachten der Tag zu Ende geht). An diesen besonderen Tagen sowie an jedem Montag und Donnerstag zum Morgengebet wird auch aus der Thorarolle vorgelesen; dies allerdings nur in den öffentlichen Gebeten, die von mindestens zehn jüdischen Männern gemeinsam abgehalten werden müssen (wobei progressive Richtungen des Judentums auch Frauen zur Zehnzahl, dem sogenannten Minjan, hinzurechnen). Die Pflicht zu beten obliegt aber auch dem Einzelnen. Verschiedene Elemente wie die Thoralesung oder das Gebet, mit dem der Verstorbenen gedacht wird (Kaddisch), können jedoch nur in einem Minjan abgehalten werden.
Zum Morgengebet ziehen Männer den Gebetsmantel mit den Schaufäden an den vier Ecken (Tallit) und die schwarzen ledernen Gebetsriemen (Tfillin) an. Das Tragen einer Kopfbedeckung ist für betende Männer ebenfalls Pflicht.
In vielen Synagogen der Schweiz wird am Schabbat und an Feiertagen auch ein Gebet zum Wohle der Schweiz, ihrer Regierung und ihrer Bewohner gesprochen, daneben auch ein Gebet zum Wohle des Staates Israel.
Der Entstehungsprozess der Gebete und ihrer Zusammenstellung zieht sich über mehr als tausend Jahre. Besondere Wichtigkeit erlangten die Gebete vor allem, als im 1. Jahrhundert u.Z. der Tempel in Jerusalem zerstört wurde und es keine zentrale Stätte für die Opferung mehr gab. So wurde das Gebet zu einem Ersatz für die Opferung, mit dem Vorzug, dass es an jeder Stelle der Welt gesprochen werden konnte und an keinen Ort gebunden war. Insgesamt lassen sich die Gebete des Achtzehngebetes in solche, die Gottes Grösse preisen und in Bitt- und Dankgebete einteilen. Manche Gebete sind erst in der frühen Neuzeit verfasst worden, so die berühmte Hymne Lecha Dodi, mit der jeden Freitagabend der Schabbat begrüsst wird.
Neben den zentralen Gebeten gibt es etliche einzelne Segenssprüche, etwa (jeweils unterschiedliche) über den Genuss von Baum- oder Erdfrüchten, von Brot oder anderem Gebäck sowie eine allgemeine Formel für nicht pflanzliche oder gebackene Lebensmittel, und zwar vor wie nach dem Essen. Doch darauf beschränken sich die Segensprüche nicht. Viele religiöse Handlungen wie das Lichterzünden am Schabbat (das in der Regel die Frau des Hauses vornimmt), das Anschlagen einer Mesusa-Kapsel, wie sie an jüdischen Türrahmen befestigt sind, das Beschneiden eines Kindes etc. werden mit einem Segensspruch eingeleitet. Ebenso beim Anziehen neuer Kleider oder anderen Einweihungen wird ein Segensspruch gebetet, wie auch für das Erblicken verschiedener Naturerscheinungen (Blitz und Donner, Regenbogen, blühende Bäume) eigene Segenssprüche existieren. Beim Anblick hoher Gebirge oder des Meeres nach längerer Zeit wird ebenfalls ein Segensspruch gesagt.
Viele Juden achten darauf, an jedem Tag, die Regelgebete eingeschlossen, 100 Segenssprüche zu beten. Sie gelten als eines der wesentlichen Mittel, dass ein Mensch sein Leben als ein ständig von Gott begleitetes empfindet.
Alfred Bodenheimer Enable JavaScript to view protected content.
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