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Quelle: Gewerbezeitung Dienstag, 1. September 2020 von Peter Ziegler
In mehreren Folgen sollen einige alteingesessene Familien von Wädenswil, Schönenberg und Hütten gewürdigt werden. Es interessieren vor allem die erste Erwähnung, die Verbreitung und die Stellung der Familie in der Gesellschaft sowie die Deutung des Namens und, falls vorhanden, die Beschreibung des Wappens.
Theiler
Eine Familie Theiler lebte 1468 im Richterswiler Berg. Ihren Namen trug sie eventuell als Teilhaber von Alp- oder Gemeinderechten. Auch bei Säumergenossenschaften gab es den Teiler, den Mann, der die Lasten auf die Saumtiere zuteilte. Hans «Teylers» Hof lag 1528 in der Nähe der Laubegg, jener von Uli Theiler 1568 auf «Luoggenbuel». In Hütten ist die Familie Theiler 1663 in der Vorder Schönau nachgewiesen. 1634 wohnten in Wädenswil vier Familien Theiler: Rudolf Theiler-Tanner mit acht Kindern im Gwad, Hans Heinrich Theiler-Suter in der Seferen, Hans Rudolf Theiler auf der Hinteren Fuhr und Hans Heinrich Theiler-Brägenzer hinter der Schmiede. 1651 wird Hans Heinrich Theiler im «Wysshut» erwähnt. Johannes Theiler betätigte sich 1656 als Bruchschneider, sein Bruder Heinrich als Schmied. Das Schmiedehandwerk war während Generationen der Hauptberuf der Familie. Schmiedemeister Heinrich Theiler erwarb 1684 die Alte Farb (Gerbestrasse 7), dessen Nachkommen die Liegenschaft bis 1947 besassen. Hans Theiler, der Schmied bei der Kirche, zierte 1690 als Eigentümer des Hauses Schönenbergstrasse 3 den Sturz eines Kellerfensters mit dem Allianzwappen Theiler/Huber. In den Türsturz seines neuen Hauses Türgass 10/12 liess Rudolf Theiler 1688 das Allianzwappen Theiler-Steffan hauen und Hans Georg Theiler zierte sein Haus Türgass 14 von 1711 mit dem Wappen Theiler/Rellstab. Schmied Hans Georg Theiler-Streuli bezog 1787 das neue Haus Gerbestrasse 3 und kennzeichnete es mit der Inschrift «17 GT 87». Die Theiler übten auch noch andere Handwerke aus. Rudolf Theiler an der Türgass war 1688 Krämer, Joseph Theiler 1690 Weber, Heinrich Theiler im Buck 1690 Kappenmacher, Hans Jörg Theiler 1729 Gerber, Felix Theiler 1739 Schlosser und Georg Theiler 1759 Baumwollverleger. Das Familienwappen zeigt in Blau einen schräggestellten, goldenen Schlüssel, gekreuzt mit einem grünen Kleeblatt.
Theiler.
Trinkler/Treichler
Die Familie Treichler, bis um 1700 Trinkler genannt, trägt ihren Namen von einem Handwerk: dem Verfertigen von Treichlen, Kuhschellen. 1455 ist Welty Trinckler im Wädenswiler Berg bezeugt. 1549 ist von Wälti Trinklers Hofstatt im Dorf die Rede; 1555 werden Heini Trinkler im Gisihegi und Wolfgang Trinkler auf dem Hof «ze Nussbaumen» erwähnt. Rudolf Trinkler wohnte 1561 im Haslaub, Kleinhans Trinkler 1592 auf der Aahalden. Bis 1634 breitete sich die Familie weiter aus und lebte nun zudem auf den Bauernhöfen Grindel, Ober Gwad, Rain, Rechberg, Schwarzenbach und Wald, im 18. Jahrhundert auch in der Bubenwis (1708) und auf Stollen (1715). Das Gwad blieb über Generationen der wichtigste Wohnort der Trinkler. Nebst Landwirtschaft übten Angehörige der Familie weitere Berufe aus. Uli Trinkler an der Türgass war 1693 Käsehändler, Jakob Trinkler 1706 Schiffsmann und Andreas Trinkler Schneider. Vom Schneidermeister Jakob Trinkler-Theiler, der im Haus Friedau am See lebte, stammen die im Textilgewerbe tätigen Angehörigen der Familie ab. 1818 gründeten Hans Kaspar und Heinrich Treichler die Firma Gebrüder Treichler, stellten Nastücher und Baumwollwaren her und legten damit den Grundstein für die Wolltuchfabrik Caspar Treichler am Sagenbach, die 1859 den maschinellen Betrieb aufnahm und 1895 abbrannte. Im Jahre 1900 übernahm Jakob Treichler-Gredig (1864–1922) die Tuchfabrik Fleckenstein-Schulthess am Reidbach und gründete die Tuchfabrik Wädenswil AG, die Wollstoffe produzierte, 1978 liquidiert und 1981 in die Tuwag Immobilien AG überführt wurde. Das Familienwappen, das 1767 an Kirchenstühlen in der reformierten Kirche Wädenswil angebracht wurde, zeigt in Blau auf grünem Boden ein liegendes Fass und darauf einen silbernen Becher, beseitet von je einem sechsstrahligen, goldenen Stern.
Trinkler.
Welti
Der Familienname Welti oder Wälti leitet sich vom Vornamen Walter ab. 1449 wird Cueni Welti als Zeuge erwähnt. 1599 liess sich Hans Welti in Wädenswil mit Elisabeth Staub von Männedorf trauen. Gemäss Bevölkerungsverzeichnis von 1634 wohnten damals Familien Welti auf den Höfen Löchli und Mugeren. Noch 1692 war Hans Jakob Welti-Huber auf Mugeren ansässig und 1696 Ulrich Welti-Widmer. 1848 zog die Familie Welti durch Einheirat auf den Hof Ober Oedischwänd. Im 17. Jahrhundert wurden in Wädenswil 19 Welti-Ehen geschlossen. Alle Ehepartnerinnen stammten aus der Gegend: aus den Geschlechtern Bachmann, Brägenzer, Brupbacher, Huber, Landis, Pfister, Rellstab, Schärer, Schneider, Staub, Stocker, Treichler und Widmer. An Kirchenstühlen in der reformierten Kirche Wädenswil finden sich die unterschiedlichen Wappen von Hans und von Rudolf Welti. Jenes von Hans Welti zeigt in Rot auf grünem Dreiberg einen silbernen Schwan, jenes von Rudolf zwei goldene Blumen auf blauem Grund.
Welti.
Wild
Die Familie Wild ist in Wädenswil erstmals 1431 mit Ueli Wild bezeugt, der auf dem Unteren Meierhof lebte. Dort wohnte noch 1739 ein Niklaus Wild, der damals die Meierhofgüter an Schützenmeister Hans Heinrich Höhn veräusserte. Im Steuerrodel von 1470 erscheint Heini Wild. 1555 zinste Uoli Wild von seinem Gut «zu der Drotten», der Zehnten-Trotte. Johannes Wild ist 1587 als Untervogt belegt, Hans Wild 1590 als Richter und Hans Wild-Brändli 1622 als Weibel. Im Jahre 1611 war Hans Wild Trottmeister in der zum Landvogteischloss gehörenden Zehnten-Trotte. Das Bevölkerungsverzeichnis von 1634 nennt neu Hans Jagli Wild-Trümpler und Christen Wild-Baumann. 1825 kaufte Hauptmann Jakob Wild aus der Eidmatt von Gemeinderat Rudolf Steffan das Haus Wellingtonia an der Luftstrasse, das bis 1889 in Familienbesitz blieb. Der Sohn Heinrich Wild (1808–1885) wurde 1840 Pfarrer in Hirzel. Felix Wild (1809–1889) war Verwalter des Klosters Rheinau und der Statthalterei Mammern. Von 1839 bis 1845 gehörte er dem Zürcher Grossen Rat an, von 1849 bis 1869 betreute er als Regierungsrat die Finanzen und von 1874 bis 1880 amtete Felix Wild als Gemeindepräsident von Wädenswil. Der Familienname leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort «wilde» ab, mit dem ein wilder, ungezügelter Mensch mit fremdartigen Sitten bezeichnet wurde. Das Familienwappen zeigt in Blau auf grünem Grund einen roten Wilden Mann, der in der rechten Hand einen grünen Baum hält.
Wild.
Zollinger
Am 13. September 1599 verkaufte Heinrich Blattmann den vom Vater geerbten Hof Unter Eichen an Hans und Jagli Zollinger, die aus Gstein in der Landvogtei Grüningen nach Wädenswil gezogen waren. Der Hof hiess weiterhin Unter Eichen. Erst 1745 ist vom Zollingerschen Erblehenhof zu Unter Eichen die Rede, 1759 dann vom Zollingerschen Lehenhof. Auf Landkarten des 19. Jahrhunderts setzte sich der Name Zollingerhüüser durch. Die Zollingerhüüser sind der Stammsitz des Wädenswiler Familienzweigs. Von dort aus verbreitete sich das Geschlecht unter anderem auf die Höfe Löchli (1693), Wändel (1750) und Appital. Leutnant Heinrich Zollinger wohnte 1685 an der Türgass, Jost Zollinger 1688 an der Leigass und Drehermeister Hans Zollinger 1688 in einem Haus anstelle des heutigen Florhofs. Jacob Zollinger bezog 1836 sein neu erbautes Bauernhaus Sandhof. Die Familie Zollinger trägt ihren Namen nach der ursprünglichen Herkunft aus Zollikon. Das Wappen zeigt in Rot eine schwarze Hakenleiter auf grünem Dreiberg.
Zollinger.
Zürcher/Zürrer
Die Züricher, Zürcher oder Zürrer sind die ursprünglich aus Zürich Zugezogenen. Die erste Nennung der Familie führt 1430 in den Richterswiler Berg. 1436 erhielt Peter Züricher von Hugo von Montfort, dem Komtur der Johanniterkommende Wädenswil, den Hof «zu den Hütten» zu Erblehen und Rudi Züricher 1475 den Hof Hinter Langmoos. Rudi Züricher kaufte 1522 von Rudolf Bachmann im Chneus den Hof Haslaub. 1599 wurde in Wädenswil Peter Zürcher mit Ita Schärer getraut. 1634 war die Familie auch im Schwarzenbach ansässig und 1693 im Geissferen wohnhaft. Ab den 1640er Jahren erscheint die Familie zudem im Dorf Wädenswil, so 1661 mit dem Weber Hans Zürcher. Im 18. Jahrhundert war die Familie, die sich nun Zürrer nannte, hauptsächlich in Schönenberg wohnhaft. Erwähnt werden in den Eheregistern unter anderem Hans Jakob Zürrer-Treichler in der Langwis (1704), Hans Heinrich Zürrer-Wirz «im rothen Blatt» (1709), Jakob Zürrer-Bardill an der Egg (1732), Jakob Zürrer-Stocker im Zweierhof (1738), Kaspar Zürrer-Syz im Neuhuus (1783), Jakob Zürrer-Höhn im Bubheini (1785), Jakob Zürrer-Kunz im Gisihegi und Jakob Zürrer-Pfister «bey den Nussbäumen» (1795). Da die Zürrer im 18. Jahrhundert zur Kirchgemeinde Schönenberg gehörten, findet sich ihr Familienwappen nicht auf den Kirchenstühlen der 1767 eingeweihten reformierten Kirche Wädenswil.