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Die Besitzerin des knapp einjährigen Rüden berichtet anlässlich der Tollwutimpfung, dass der Hund schon seit einer Weile insbesondere nach Liegephasen vorne rechts lahm gehe. Mit etwa vier Monaten Alter sei Inox schon einmal vorne links lahm gegangen, was aber wieder abgeklungen sei.
Der sehr temperamentvolle Rüde ist schwierig zu untersuchen und der Gang nicht wirklich beurteilbar. Ein allfälliger Schmerz lässt sich nicht reproduzierbar feststellen. Ein mitgebrachtes Video zeigt aber eindeutig, dass der Hund vorne rechts lahmt.
Da in diesem Alter insbesondere Entwicklungsstörungen der Gelenke (in den Vordergliedmassen v.A. Ellbögen und Schultern) ein Problem darstellen können, wird der Hund in Sedation geröntgt.
Die Ellbögen erscheinen verhältnismässig unauffällig, allerdings sind fragliche Veränderungen an einem kleinen Gelenksfortsatz (Processus Coronoideus) nicht ganz ausgeschlossen. In den Schultergelenken werden wir jedoch eindeutig fündig: Beide Gelenke zeigen im Bereich des Oberarmkopfes eine Schädigung des Gelenkknorpels an der typischen Stelle im hinteren Teil des Gelenkes: Inox leidet an einer sogenannten Schulter-OCD (Osteochondrosis Dissecans).
Bei diesem wachsenden Sporthund ist es wichtig, dass das Problem baldestmöglich aggressiv angegangen wird. Inox wird an die Orthopädieabteilung des Tierspitals Bern überwiesen, wo mittels Gelenksspiegelung die Diagnose bestätigt und das Problem operativ angegangen wird: Mit den ins Gelenk vorgeführten Instrumenten werden die losen Knorpelteile entfernt und der unterliegende, freiliegende Knochen debridiert (d.h. von losem Gewebe befreit). In der Folge wird der Knorpeldefekt im Zuge der Heilung durch Faserknorpel ersetzt.
Zur Abklärung der fraglichen Ellbogenproblematik wird ausserdem ein CT der Ellbögen durchgeführt - die Veränderungen erweisen sich (verglichen mit der Schulterproblematik) aber als diskret, und so wird beschlossen, vorerst keine Gelenksspiegelung der Ellbögen durchzuführen.
Inox erholt sich sehr schnell vom Eingriff und läuft in der Folge lahmheitsfrei.
Arthroskopische Aufnahme mit freundlicher Genehmigung der Tierklinik Sattledt/Österreich. Die Aufnahme stammt nicht von der Untersuchung bei "Inox".
Arthroskopische Aufnahme mit freundlicher Genehmigung der Tierklinik Sattledt/Österreich. Die Aufnahme stammt nicht von der Untersuchung bei "Inox".
Störungen der Gelenksentwicklung sind insbesondere bei schnellwachsenden, grossen Hunderassen ein recht häufiges Problem. Hüft- und Ellbogendysplasie sowie Osteochondrose der Schulter, des Knies, des Fersengelenkes oder des Ellbogens können beim heranwachsenden Hund eine starke Lahmheit bewirken. Viele dieser Probleme benötigen eine chirurgische Therapie, um die Schmerzen zu lindern - je nach Problemstellung ergibt sich eine gute bis verhaltene langfristige Prognose.
OCD steht für Osteochondrosis Dissecans - eine Entwicklungsstörung des Knochen-Knorpelverbundes, bei welchem sich die schützende Knorpelschicht vom unterliegenden Knorpel löst, was starke Schmerzen bewirkt. Wird der abgelöste Knorpel chirurgisch entfernt, kann sich auf dem Defekt ein Ersatz- (oder Faser-)knorpel bilden. Das Gelenk wird auf Dauer trotzdem eine gewisse Arthrose (Abnützungserscheinung) entwickeln, gerade bei der Schulter-OCD ist die Schmerzlinderung durch den Eingriff aber häufig frappant.
Da die Schulter-OCD einen vererblichen Hintergrund haben kann, ist bei gewissen Hunderassen (z.B. Berner und Grosser Schweizer Sennenhund, Landseer, Rhodesian Ridgeback) zur Zuchtzulassung eine entsprechende Röntgenabklärung vorgeschrieben.
Ein Video einer Schultergelenks-Arthroskopie bei OCD mit Entfernung des Knorpelfragmentes finden Sie hier .