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Frühlingskonzert 2018Sonntag, 29. April 2018, 17 Uhr, Kirche Blumenstein
Programm
- Allegro
- Andante cantabile
- Tempo di menuetto
- Allegro con brio
- Andante cantabile con variazioni
- Menuetto. Quasi allegro
- Finale. Prestissimo
- Bewegt
- doch nicht zu rasch
- Ziemlich langsam
- Rasch
- Kräftig
- mit Humor
Drei Klaviertrios waren es, mit dem der junge Beethoven 1795 an die musikalische Öffentlichkeit trat; die ersten seiner veröffentlichten Werke, die er einer Opuszahl würdig empfand. Sie entstanden während seiner Studienzeit bei Haydn und knüpfen gleichsam provozierend an die Werke des Lehrers an. Obwohl sie durchaus Elemente im Ausdruck von Haydn übernehmen, stellen sie formal ein Gegenkonzept zu dessen Werken auf. Dass der junge Beethoven dem Genre neue Dimensionen hinzufügen wollte, zeigt sich unter anderem am zusätzlichen Satz, der das Klaviertrio formal näher zum Streichquartett bringt. Auch die Länge der Sätze und die ausgedehnte Durchführungs- und Codaabschnitten tragen dazu bei.
Das c-Moll Trio Op. 1 Nr. 3 ist wohl das bekannteste der drei und seinem damaligen Gönner Karl Fürst von Lichnowsky gewidmet, der als Gastherr der privaten Testaufführung fungierte. Bei diesem Hauskonzert war auch Beethovens ehemaliger Lehrer Joseph Haydn anwesend, deren Verhältnis von Meinungsverschiedenheiten und Konflikten geprägt war. So auch bei der Aufführung des c-Moll Trios, wie F. Ries über den Verlauf des Abends berichtete: „Die meisten Künstler und Liebhaber waren eingeladen, besonders Haydn, auf dessen Urteil Alles gespannt war. Die Trio's wurden gespielt und machten gleich außerordentliches Aufsehen. Auch Haydn sagte viel Schönes darüber, rieht aber Beethoven, das dritte in c-Moll nicht herauszugeben. [...] Diese Äusserung Haydn's machte auf Beethoven einen bösen Eindruck und ließ bei ihm die Idee zurück: Haydn sei neidisch, eifersüchtig und meine es mit ihm nicht gut.“ Trotz Haydns Vorbehalte, errang das Trio raschen Erfolg.
Im gleichen Jahr wie Beethoven komponierte auch Haydn die Klaviertrioserie Nr. 24-26, während seines zweiten Londoner Aufenthalts. Obwohl das Trio in fis-Moll weniger berühmt wurde, als das Schwesterwerk, das „Zigeunertrio“ in G-Dur, ist es diesem keinesfalls unterlegen: Der erste Satz gehört mitunter zu Haydns grossartigsten Kammermusiksätzen und das Adagio cantabile gefiel nicht nur dem Komponisten, sondern auch seinem Publikum so gut, dass er es später in seiner Sinfonie Nr. 102 zitierte.
Die Widmung der Klaviertrioserie ging an Madame Schroeter: Die englische Witwe eines berühmten Pianisten, die sich im Unterricht bei Haydn in den Maestro verliebte, wie sie in einem der 21 Briefe an ihn schrieb: „Mein liebster Haydn, ich fühle für Sie die tiefste und zärtlichste Zuneigung, deren das menschliche Herz fähig ist“. Haydn wäre einer dauerhaften Liaison nicht ganz abgeneigt gewesen, wenn auf ihn nicht bereits eine Ehefrau und Geliebte gewartet hätten. Jetzt musste Madame Schroeter allerdings genüge nehmen mit einer Widmung dreier Trios, deren Klavierpart genau auf ihre pianistischen Fähigkeiten zugeschnitten war.
Dass Haydns Musik nur den Himmel, nicht aber die Hölle kenne, wie E. T. A. Hoffmann salopp behauptete, trifft bei diesem Klaviertrio nicht zu. Das Werk mit der etwas bizarren, doch sehr dunklen Grundtonart, strotzt geradezu von Melancholie und grüblerischen Momenten. Vielleicht war dieses traurige Trio als Adieu an die Geliebte Madame Schroeder gedacht?
„War Beethoven die Kunsthöhe der klassischen Zeit, so ist Robert Schumann die Inkarnation unseres modernen Zeitbewusstseins geworden... Seine Produktionskraft ist so ungeheuer, er hat uns in den letzten Jahren so überschüttet mit Werken aller Art, dass er an vielen Orten Deutschlands bereits hinreichend bekannt.“ Das Jahr 1849, als Louis Ehlert diesen Satz in der Preussischen Staats-, Kriegs-, und Friedenszeitung schrieb, empfand auch Schumann selbst als sein kompositorisch fruchtbarstes Jahr. In Schumanns Kammermusik überwogen zu dieser Zeit die kleineren Genres wie Romanzen, Fantasiestücke und Idyllen. Wegen ihres durchweg beschaulichen Charakters und ihren schlichten Formen wurden sie als Flucht des Komponisten ins häusliche Glück gedeutet. Tatsächlich entwickelte Schumann zu dieser Zeit einen neuen Typus des klavierkammermusikalischen Fantasiestückes in teilweise ungewöhnlichen Besetzungen: für Horn, Oboe, Viola oder eben für Klarinette, wie die Fantasiestücke Op. 73. Die komprimierte Kompositionsform erwies sich als Erfolgskonzept. Bereits die Erstausgabe wurde aber mit Stimmen für Violine oder Violoncello als Alternativen zur Klarinette ergänzt. Ob Schumann diese selber überarbeitet hat ist ungewiss, von ihm autorisiert wurden sie auf jeden Fall. Obwohl sie inmitten des politisch unruhigen Dresden komponiert wurde, ist in der Musik davon nichts zu spüren; sie entspricht nicht nur dem Zeitgeist, der ein Interesse an allgemein verständlicher Kunst entwickelte, sondern bildet zugleich Schumanns Innerlichkeit ab: “zarte, duftende Blumen, […] die im stillen Kreise das Gemüt erquicken werden.“
Als Spätwerk hat es das letzte der vier Klaviertrios Schumanns schwerer gehabt, als die früheren Trios. Nicht zuletzt wegen dem Vorurteil, die späten Werke Schumanns seien, aufgrund seiner immerzu fortschreitenden psychischen Krankheit, nur ein Abglanz seines früheren Schaffens. Schumann komponierte das Klaviertrio Op. 110 innerhalb kürzester Zeit im Oktober 1851. Bei den Proben waren die Meinungen gespalten. Der Geiger Wilhelm Joseph von Wasielewski stand der Komposition skeptisch gegenüber: "Diesem originellen Werke liegt in den drei ersten Sätzen eine gereizte, düstere Stimmung zu Grunde, welche nicht gerade zum Mitgenuß einladet. Schumann mochte dies selbst empfunden haben, und hatte daher gesucht, dem Finale einen humoristisch schwungvollen Ton zu geben. […] In der Tat hat der Humor dieses Satzes etwas Erzwungenes; wenigstens ist er nicht spontan." Auch bei der ersten öffentlichen Aufführung in Düsseldorf bei einer Matinee im Gewandhaus schien sich das Publikum laut Berthold Litzmann „weder recht für die a-Moll Sonate noch für das g-Moll Trio zu erwärmen“.
Zweifellos ist das g-Moll Trio das düsterste der drei Klaviertrios. Schumann schien mit dem Resultat allerdings recht zufrieden (Eintrag im Haushaltsbuch am 27. Oktober: „Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“). Seine Gattin Clara empfand das Werk als "originell, durch und durch voller Leidenschaft, besonders das Scherzo, das einen bis in die wildesten Tiefen mit fortreißt." Vielleicht sind es genau die Wechsel zwischen emotionaler Schwere und angedeuteter Heiterkeit, die dieses Stück als unweigerlich reizvoll charakterisieren.