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Thomas Edison, so erzählt man sich, soll über 9000 Versuche benötigt haben, bis die Glühbirne endlich das tat, was sie sollte: Licht ins Dunkel bringen. Den Einwand eines entnervten Mitarbeiters, das Projekt sei gescheitert, wollte Edison nicht gelten lassen. Immerhin, so gab er zu bedenken, kenne er nun 1000 Wege, wie man keine Glühbirne baue.
Bericht von Manuel Conrad
Heute würde man Edisons Beharrlichkeit wohl als «Productive Failure» bezeichnen. Was sich hinter diesem schicken neudeutschen Begriff verbirgt, darüber sprach Prof. Dr. Manu Kapur von der ETH Zürich im Rahmen der Offenen Kanti.
Unter «Productive Failure», so Kapur, sei eine Lehr- und Lernmethode zu verstehen, bei welcher aus kurzfristigem, gegebenenfalls wiederholtem Scheitern langfristiger Erfolg erwachse. Aus Fehlern lernt man – dieser Zusammenhang dürfte allgemein be- und anerkannt sein. Die Frage, ob und wie produktives Scheitern Platz im alltäglichen Unterricht findet, wurde hingegen intensiv diskutiert. Insbesondere der zeitliche Aspekt trieb die Lehrpersonen um. Kapur sprach von einem zeitlichen Mehraufwand in der Grössenordnung von ungefähr zehn Prozent, welchem jedoch ein deutlich grösserer Lernerfolg gegenüberstehe.
Bleibt die Frage, ob der gemeine Schüler sich durch tausend Fehlversuche ebensowenig frustrieren lässt wie einst Edison. Wünschenswert wäre es, gehört eine hohe Frustrationstoleranz doch zu den Grundvoraussetzungen in nahezu jedem Tätigkeitsbereich. Schliesslich wusste bereits Edison: Genialität besteht zu einem Prozent aus Inspiration und zu 99 Prozent aus Transpiration.