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Die Barttasse ist meist eine Porzellantasse, die im späten 19. Jahrhundert speziell für Männer mit Schnurrbart entworfen und gefertigt wurde. Barttassen können auch aus Steingut oder Silber bestehen. Von einer herkömmlichen Tasse unterscheidet sie sich durch einen kleinen Einsatz, Schnurrbartschutz genannt. Dieser besitzt eine halbkreisförmige Öffnung zwischen Schutz und Tassenwandung. Durch diese Öffnung wird der heisse Kaffee, der Tee oder die Schokolade getrunken. Den Schnurbart schützt der Einsatz vor Feuchtigkeit und Beschmutzung. Ausserdem wird verhindert, dass schmelzendes Bartwachs oder Pomade in das Getränk gelangt.
Die Erfindung der Barttasse im Jahr 1860 geht angeblich auf einen 25 Jahre alten methodistischen Töpfer namens Harvey Adams (geb. 1835) aus Longton, Staffordshire, Großbritannien zurück (Peterkin 2001, 155–157), der zwischen etwa 1860 und 1895 in den Sutherland Road works produzieren liess und von 1869-1885 als Harvey Adams & Co in Partnerschaft mit Shelley und Titus Hammersley firmierte (www.thepotteries.org/allpotters/5.htm). Für die Zuschreibung der Erfindung an ihn fehlt es in der verfügbaren Literatur bislang an eindeutigen Quellennachweisen. Es lassen sich jedoch ab den späten 1860er- und frühen 1870er-Jahren in den USA verschiedene Patentanmeldungen für mobile «Moustache guards», «Moustache shields», «Moustache protector» oder «Drinking cup attachment» für Tassen, Gläser oder Bierhumpen nachweisen (No. 84242, 17. Nov. 1868; No. 144614, 18. Nov. 1873; No. 183673, 24. Oct. 1876; No. 204125, 28 May 1878; No. 213455, 18. März 1879; No. 214063, 8. April 1879; No. 220155, 30. Sept. 1879), sodass das Einführungsdatum wohl in etwa stimmen dürfte.
Die «bahnbrechende» Innovation sprach sich angeblich schnell herum und so stellten bald zahlreiche Keramikfirmen in England und Amerika, aber auch auf dem Kontinent Barttassen her, bis sich die Mode der grossen Schnurrbärte im 1. Weltkrieg allmählich verlor, da sie das Anlegen der Gasmasken behinderten.
Sprüche auf Barttassen, gesammelt von Thomas Schröder, Hamburg (herzlichen Dank für die Übermittlung):
Beim Trinken soll die Tasse nützen,
Den flotten Schnurrbart Dir zu schützen
Dem deutschen Mann mit starkem Bart,
ziemt eine Tasse dieser Art.
Deinen schönen Bart zu schützen,
soll dir diese Tasse nützen.
Mag (Möge) diese Tasse eig(e)ner Art,
noch lange schützen deinen Bart.
Des Mannes Zierde ist der Bart ,
D´rum (Drum) schone (schütze) ihn auf jede (diese) Art
Was der Mensch braucht
Das muß er haben
Zu schonen Deinen schönen Bart
Nimm diese Tasse eig(e)ner Art.
Ein starker Bart (ist ein Verdruss) schafft oft Verdruß
mehr noch beim Trinken als beim Kuss
Wer mich erfunden, ei so wißt,
ein Mägdlein, das gern reinlich küßt.
Diese Tasse mög´ Dir nützen
Deinen schönen Bart zu schützen
Bis dein Sohn, der Jüngste dann
Den seinen damit schützen kann.
Deinen schönen Bart zu schützen
Soll Dir diese Tasse nützen
Bis dein Sohn, der jüngste dann
Den seinen damit schützen kann.
Es ziert der Bart gar sehr den Mann
Darum schont man ihn so gut man kann.
Dem Bart des Mannes schönste Zier
Zum Schutz nimm diese Tasse hier.
Dem deutschen Mann mit starken Bart
Dient diese Tasse eigner Art
Damit zu Hausfrau’s Wohlgefallen
Nicht Tropfen auf das Vorhemd fallen.
(Nicht Tropfen auf’s Vorhemd fallen)
(Auf einer Riesen- Barttasse)
Die Tasse war dir stets zu klein
Wird diese wohl genügend sein
Weil deine Tasse stets Dir war zu klein
kannst du mit dieser wohl zufrieden sein
Mag auch die Tasse seltsam sein
Sie hält den Bart doch nett und rein.
Schöne Bärte sind jetzt rar
Drum nimm diese Tasse wahr.
Der Schnurrbart ist
Der Stolz des Mannes,
Drum schone ihn
Du siehst man kann es.
Frz.: Tasse à moustache, tasse-moustache
Engl.: Moustache Cup, mustache cup
Bibliographie:
Peterkin 2001
Allan Peterkin, One Thousand Beards. A cultural history of facial hair, Vancouver 2001.