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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Erste Rede
23.
Man sollte nun eigentlich auf ein so unsinniges und törichtes Zeug gar keine Antwort geben. Damit es aber nicht scheine, als wäre ihre Häresie irgendwie begründet, so muß man sie wenigstens im Vorbeigehen auch hierin widerlegen, besonders mit Rücksicht auf die von ihnen leicht hintergangenen Weiblein. Sie hätten aber bei diesen ihren Behauptungen auch einen Baumeister fragen sollen: "Kannst du ohne verfügbares Material ein Haus bauen? Wie du aber es nicht kannst, so konnte auch Gott ohne Baumaterial das Weltganze nicht erschaffen". Sie müßten dann auch jeden Menschen fragen: "Kannst du sein ohne Raum? Wie es aber du nicht sein kannst, so ist auch Gott im Raume". Denn dann könnten sie wenigstens von ihren Zuhörern beschämt werden. Oder warum leugnen sie, wenn sie hören, daß Gott einen Sohn habe, diesen im Hinblick auf sich selbst, spielen aber, wenn sie hören, daß er erschafft und hervorbringt, nicht mehr die menschlichen Verhältnisse dagegen aus? Sie sollten doch auch beim Schaffen an das Menschliche denken und Gott einen Stoff zur Verfügung stellen, um Gott auch als Schöpfer leugnen und fürderhin mit den Manichäern sich im Staube wälzen zu können. Wenn aber die Vorstellung von Gott darüber hinausgeht und jemand bloß auf das Hören hin glaubt und weiß, daß er nicht ist, wie wir sind, sondern wie ein Gott ist, und daß er schafft, nicht wie Menschen schaffen, sondern wie Gott schafft, so ist klar, daß er nicht zeugt, wie Menschen zeugen, sondern wie Gott zeugt. Denn nicht ahmt Gott den Menschen nach, vielmehr wurden die Menschen wegen Gott, der im eigentlichen Sinne und allein wahrhaft Vater seines Sohnes ist, selbst Väter ihrer eigenen Kinder genannt; "denn nach ihm wird jede Vaterschaft im Himmel und auf Erden genannt"1. Ja, wenn ihre Worte ungeprüft bleiben, so glaubt man, sie hätten etwas Vernünftiges [S. 52] gesagt. Wenn man sie aber logisch untersucht, so wird es sich herausstellen, daß sie bittern Spott und Hohn verdienen.
1: Ephes. 3,15.