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#74 Ist Heirat eine Steuerstrafe?
Fakten
Heute gilt in der Schweiz die Individualbesteuerung nur für alleinstehende Personen und unverheiratete Paare. Verheiratete Paare und gleichgeschlechtliche Paare in einer eingetragenen Partnerschaft werden gemeinsam besteuert. Je nach Höhe des gemeinsamen Einkommens bewegt sich das Paar in einer höheren Steuerklasse, was erhebliche Auswirkungen haben kann.
Zum Beispiel kann es sein, dass sich im Falle einer Berufstätigkeit der Frau weniger Einkommen generiert, als die externen Kinderbetreuungskosten und die steuerlichen Nachteile finanziell belasten. Das ist Kontraproduktiv und nicht liberal. Arbeit muss sich lohnen – auch für Frauen!
Einfach ausgedrückt: Verheiratete Paare müssen auf Bundesebene mehr Steuern zahlen als unverheiratete Paare, was nicht fair ist. Dieses Phänomen ist als die «Heiratsstrafe» bekannt.
Die Mängel des geltenden Systems
Dass verheiratete Paare mehr Bundessteuern zahlen müssen als unverheiratete Paare, führt vor allem in Familien mit Kindern oft dazu, dass (immer noch überwiegend) Frauen ihre Arbeit reduzieren oder aufgeben.
Wenn Kinderbetreuung auch während der Arbeitszeit erforderlich ist, wirkt sich das doppelt negativ aus: in Form von hohen Kinderbetreuungskosten und hohen Steuerrechnungen. Im schlimmsten Fall haben Familie so weniger Geld, obwohl sie mehr arbeiten. Ein Zweiteinkommen lohnt sich folglich nicht in allen Fällen.
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es aber inakzeptabel, dass das Schweizer Potenzial von qualifizierten Frauen aufgrund von negativen finanziellen Anreizen nicht genutzt werden kann.
#74 Ist Heirat eine Steuerstrafe?
Unsere Haltung
Individualbesteuerung: ein seit 1984 fälliger Antrag der FDP
Die Einführung der Individualbesteuerung ist eine lange fällige Forderung der FDP. Trotz mehrerer parlamentarischer Vorstösse seit 1984 wurden bisher keine eidgenössische Volksinitiative «für eine zivilstandesunabhängige Individualbesteuerung» lanciert.
Für ein zeitgemässes Steuersystem
Was die persönliche Besteuerung betrifft, ist das derzeitige Steuersystem veraltet und berücksichtigt nicht die sozialen Entwicklungen in der Bevölkerung. Die Bundessteuer ist für verheiratete Paare höher als für unverheiratete Paare. Es ist nicht angebracht, und nicht liberal, dass der Staat eine Lebensform gegenüber der anderen steuerlich bevorzugt.
Für die Gleichberechtigung
Arbeitstätigkeit muss sich sowohl für Männer als auch für Frauen lohnen und soll gefördert werden. Je nach Höhe des Gehaltes der Ehepartner und damit der Steuerklasse kann die gemeinsame Besteuerung deutlich höher ausfallen, als wenn einer der beiden Ehegatten nicht arbeitet. Vorwiegend Frauen bleiben darum dem Arbeitsmarkt nach der Familiengründung fern. Das muss sich ändern: mit einer höheren Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt wird auch erreicht, dass mehr Frauen Führungspositionen einnehmen, da weniger ihre Karriere wegen der Familiengründung unterbrechen müssen. Das ist ein liberaler Ansatz – Quoten werden unnötig.
Für einen dynamischen Arbeitsmarkt
Mehrere Studien haben gezeigt, dass der Übergang zur Individualbesteuerung vor allem positive Auswirkungen auf die Beschäftigung, den Arbeitsmarkt und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften hätte. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtig, dass Schweizer Potenzial an qualifizierten Frauen nutzen zu können.
Fazit
Die FDP unterstützt diese Initiative für ein gerechtes Steuersystem, das niemanden und keinen Lebensstil diskriminiert und die Heiratsstrafe abschafft. Die Einführung einer vom Familienstand unabhängigen Individualbesteuerung würde diese Ungerechtigkeit beseitigen und damit die steuerliche Bevorzugung einzelner Lebensstile beenden. Darüber hinaus ist die Förderung der Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt ein wichtiger und liberaler Schritt zur faktischen Gleichstellung.