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CSI: Ewelina U. Ochab, am 22. August 2019 werden wir zum ersten Mal den internationalen Tag zum Gedenken an die Opfer von religiöser Gewalt feiern. Sie haben diesen Tag initiiert. Herzliche Gratulation. Was hat Sie dazu motiviert?
Ewelina U. Ochab: Die Glaubens- und Religionsfreiheit liegt mir sehr am Herzen. Mir war es daher ein grosses Anliegen, dass der religiös motivierten Gewalt international mehr Beachtung geschenkt wird. Dies vor allem dort, wo die Gewalt in einen Genozid, Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausartet. Inspiriert haben mich dazu die öffentliche Wahrnehmung, die der «Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen» erlangte sowie der Veränderungsprozess, den dieser Tag in Gang gesetzt hat.
Wann hatten Sie zum ersten Mal die Idee eines solchen UNO-Gedenktags?
Das war 2017. Damals wurde auch der erste Entwurf ausgearbeitet.
Welches waren die wichtigsten Schritte, die Sie bewältigen mussten, bis der Gedenktag schliesslich an der UNO-Generalversammlung präsentiert werden konnte?
Nachdem ich den Vorschlag und die Resolution entworfen hatte, wandte ich mich an diverse Hilfsorganisationen, um Unterstützung zu erhalten. Desgleichen kontaktierte ich Vertreter verschiedener Staaten, um herauszufinden, ob sich diese bei der UNO für den Gedenktag stark machen würden. Dieser Prozess dauerte zwar mehrere Monate. Doch die Unterstützung für die Initiative wuchs von Tag zu Tag. Marcela Szymanski von «Kirche in Not» war eine der ersten Personen, die mir ein ermutigendes Feedback gaben, um die nächsten Schritte in Angriff zu nehmen.
Waren Sie an der UNO-Generalversammlung vom 28. Mai anwesend, als Ihre Resolution präsentiert und angenommen wurde?
Ich habe all die Entwicklungen von London aus beobachtet. Als schliesslich der definitive Resolutionstext vorlag, war mir klar, dass man sie im Konsens verabschieden wird. Genau das geschah dann auch, als Polen, das hierfür die Leitung übernommen hatte, die Resolution am 28. Mai vorlegte.
In einem Bericht, den Sie fürs amerikanische Wirtschaftsmagazin «Forbes» verfasst haben, drücken Sie auch Ihr Bedauern aus, dass «Chancen verpasst wurden, die dem Gedenktag noch mehr Impulse verleiht hätten». An welche «verpassten Chancen» denken Sie dabei?
Eine der verpassten Chancen ist das Datum, also der 22. August, der als Gedenktag bestimmt wurde. Die zuständige Kerngruppe, bestehend aus verschiedenen Staaten, hat absichtlich ein neutrales Datum gewählt, das mit keinem Ereignis in Verbindung gebracht werden kann. Ich selbst hatte als Gedenktag den 3. August vorgeschlagen, der Tag, an dem der Genozid der Terrormiliz IS gegen die Jesiden im Nordirak begann. Dies wäre ein Extrembeispiel für religiös- oder glaubensbedingte Gewalt gewesen. Mit einem solch geschichtsträchtigen Ereignis als Ausgangspunkt hätte der Gedenktag noch eine grössere Ausstrahlung.
Sie haben sich dafür eingesetzt, dass Polen beim Projekt des Gedenktags die Führungsrolle übernahm. Warum war Ihnen dies so wichtig?
Bei den verschiedensten Gelegenheiten hat Polen immer wieder den Wunsch geäussert, mehr für die Glaubens- und Religionsfreiheit zu tun und auch die Glaubensverfolgten besser zu schützen. Polen hat sich auch intensiv in der humanitären Hilfe für religiöse Minderheiten im Irak engagiert. Es war mir klar, dass Polen das richtige Land ist, um bei dieser Initiative die Hauptverantwortung zu tragen.
Was sind Ihre Erwartungen an den ersten Gedenktag für Opfer religiöser Gewalt am 22. August 2019?
Da dieser UNO-Tag erst seit einigen Wochen existiert, müssen wir möglichst viele Interessensvertreter mit ins Boot nehmen und sicherstellen, dass sie sich für den Gedenktag engagieren und ihn zum öffentlichen Thema machen, indem sie beispielsweise auch Parlamentarier ansprechen. Dafür setze ich mich ein.
Vor einigen Wochen organisierte ich zusammen mit der britischen Parlamentarierin Fiona Bruce und Lord Alton im britischen Parlament einen Anlass, um den Gedenktag bekannt zu machen und eine Diskussion über die religiös motivierte Gewalt zu führen.
In Genf gab es in Zusammenarbeit mit der «ständigen Beobachtermission von Polen bei der UNO» an der 41. Session des UNO-Menschenrechtsrats eine Gedenkfeier.
Der Gedenktag war zudem Thema einer Konferenz in Oxford, die vom internationalen Zentrum für Rechts- und Religionswissenschaften (International Center for Law and Religion Studies of Brigham Young University) organisiert wurde. Zusammen mit Akademikern aus der ganzen Welt und einigen Politikern produzierten wir ein Video, in welchem wir die Öffentlichkeit dazu aufrufen, den neuen Gedenktag zu begehen und für die betroffenen Gewaltopfer einzustehen.
Vor einigen Tagen schliesslich präsentierte Marcela Szymanski von Kirche in Not Papst Franziskus meinen Brief zum neuen UNO-Gedenktag und bat ihn um entsprechende Unterstützung.
Sie sehen: Meine Initiative für diesen neuen UNO-Tag ist nicht das Ziel, sondern lediglich der Anfang einer gross angelegten Kampagne, um dem Problem der religiös motivierten Gewalt zu begegnen. Auf diesen Tag können wir aufbauen, wenn wir an neuen Projekten arbeiten.
Interview: Reto Baliarda
Weitere Berichte und Informationen
UNO-Resolution vom 28. Mai 2019 zum «Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer von Gewalthandlungen aufgrund der Religion oder der Weltanschauung» (verfügbar in den UNO-Sprachen englisch, französisch, spanisch, russisch, chinesisch und arabisch)