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Léonard, deutsch
Sankt Leonhard (Kt. Wallis,
Bez.
Siders). 510 m. Gem. und Pfarrdorf am linken Ufer der
Liène (oder
Rière)
da gelegen, wo dieser ungestüme
Wildbach aus seiner Mündungsschlucht in das
Rhonethal eintritt; 10 km
wsw.
Siders und 5 km onö.
Sitten. Station der Simplonbahn. Postbureau, Telegraph. Die einst oft Verheerungen anrichtende
Liène
ist verbaut worden und fliesst heute in einem tiefen Kanal in gerader Linie der
Rhone zu. Die Gemeinde umfasst nur eine geringe
Fläche und das Dorf kann seine sonst so günstige Lage nicht vollständig ausnützen, da sein am linken
Ufer der
Liène stehender Teil zur Gemeinde Saint Léonard und damit zum Bezirk
Siders gehört, während der beträchtliche
Abschnitt am rechten Ufer den Bezirken
Sitten und
Hérens zugeteilt ist.
Zusammen zählt das Dorf über 1000 Ew., während die Gemeinde in 83
Häusern blos 678 Ew. hat (1888: 64
Häuser, 593 Ew.).
Am sonnenreichen Thalgehänge zu beiden
Seiten von der Ausmündung der
Liène liegen prachtvolle
Rebberge, die bis beinahe 1000 m
hoch hinaufreichen und von kühnen und weither kommenden Wasserleitungen
(Bisse de Clavoz,
Bisse duSaint Léonin
etc.) befruchtet werden. Das Dorf trägt äusserlich ganz den Charakter, der allen vorwiegend Weinbau treibenden Siedelungen
im
Rhonethal eigen ist. Es hat eine schöne neue Kirche und steinerne Wohnhäuser und wird von Gärten und Baumgärten umrahmt,
wo alle Produkte der Gegend prachtvoll zur Reife kommen.
Brüche auf triadischen Gips und Bausteine,
Kalkofen. Elektrizitätswerk. Eine Kunstdüngerfabrik. Das
Dorf wird von der grossen
WalliserThalstrasse durchzogen und steht mit
Brämis
(Bramois) und dem Eringerthal durch eine die
Ebene querende und die
Rhone überschreitende Strasse, sowie mit
Ayent,
Lens und dem
Rawilpass durch Bergwege in Verbindung. Oestl.
vom Dorf befindet sich am Weg nach
Lens eine
Höhle mit Stalaktiten. Bei Saint Léonard besiegten die
Walliser
Patrioten 1375 den Anton de
la Tour, der den
SittenerBischof Witschard Tavelli ermordet hatte. Im April 1840 schlug hier nach
mehrtägigen Scharmützeln auf den umliegenden Höhen die Kolonne der Niederwalliser unter Alexis Joris die vomGrafen
Ludwig von
Courten befehligten
Oberwalliser in die Flucht.
Dieses Ereignis machte dem ersten
Walliser Bürgerkrieg ein Ende, der aus Anlass der Verfassungsrevision von 1839 ausgebrochen
war. 1218: Sancturn Leonardum. Benannt nach dem h. Leonhard, Abt des
Klosters Noblac in der französischen Landschaft Limousin.
Im
Rebberg von Arsal hat man ein prähistorisches Steindenkmal aufgedeckt; Fund eines Bronzeringes (bei
der Kirche) und eines Bronzemessers; Gräber aus der ersten und zweiten Eisenzeit, verschiedene Römergräber (z. B. bei
Plempraz).
zweigt am Fuss der
Forêt du
Train
(Gemeinde
Lens) 10 km nö.
Sitten von der
Liène ab, folgt auf eine Länge von 5 km den Schluchtwänden
dieses
Wildbaches und erreicht über dem Dorf
Saint Léonard in 750 m das
Rhonethal, um dann noch auf eine Strecke von 1 km
das Thalgehänge zu durchziehen.
Loup(Kt. Waadt,
Bez. Cossonay,
Gem.
Pompaples). 530 m. Gruppe von 9
Häusern auf einer Terrasse rechts über dem
Nozon und nahe der
Ausmündung dieses Flussthales in die
Ebene der
Orbe, 500 m w.
Pompaples und 1,5 km nw. der Station
La Sarraz
der Linie
Lausanne-Pontarlier. 72 reform. Ew. Kirchgemeinde
La Sarraz. Sitz der Diakonissenanstalt der welschen
Schweiz, die
von L. Germond, Pfarrer in
Échallens, Ende 1842 als kleiner
Spital (dem damals einzigen Krankenhaus der Waadt
neben dem Kantonsspital)
gegründet worden ist. Zehn Jahre später verlegte man die Anstalt in die grösseren Raume des von Dr.
Butini de la
Rive aus Genf
angekauften ehemaligen Heilbades von Saint Loup. Von dieser Zeit an begann man auch mit der Einrichtung
von andern Krankenhäusern im Kanton Waadt.
1886 hatte sich der Grundbesitz der Anstalt von Saint Loup verdoppelt.
Bei Anlass der 50jährigen Stiftungsfeier errichtete man einen sog. Jubiläumsfond, dem neben einer Hauptschenkung
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mehr
von 100000 Fr. noch andere Gaben zuflossen und der zum Bau eines neuen Spitales verwendet wurde. Dieser aus mehreren einzelnen
Gebäuden bestehende neue Spital konnte dann am eingeweiht werden. 1904 zählte die Anstalt von Saint Loup 208 Diakonissen,
die ihre Tätigkeit in rund 50 Krankenhäusern der welschen Schweiz ausübten. 1903 hat der Spital zu Saint Loup 482 Kranke,
das sog. Chalet (für chronische Krankheiten) deren 123 und die sog. Retraite (Kinderasyl) 60 kranke Kinder verpflegt. 1905 umfasste
die ganze Anstalt zusammen 8 Gebäude.
Das hier ziemlich enge Thälchen des Nozon ist in oberes und mittleres Neocom eingeschnitten. Die kompakten
Bänke des ersteren (Urgon) bilden die Steilwände der malerischen Schlucht, während an ihrer Sohle der gelbe sog. Neuenburgerstein
(Hauterivien) ansteht, der oft mit Moräne oder Alluvionen überdeckt ist. Saint Loup, das früher auch Saint Didier (Sanctus
Desiderius) hiess und im 6. Jahrhundert neben einigen Wohnhäusern eine Pfarrkirche besass, muss als
eine der ältesten Ansiedelungen am Jurafuss gelten und ist vielleicht nach dem h. Lupicinus, einem Bruder des h. Romanus
und Stifter von Klöstern in dieser Gegend (im 5. Jahrhundert) benannt.
Die Kirche von Saint Didier oder Saint Loup war Pfarrkirche des benachbarten Dorfes Ferreyres und wurde von Ludwig
dem Frommen 814 oder 815 dem Stift zu Lausanne geschenkt. Später kam sie an die Herren von Grandson-LaSarraz, die sie der von
ihnen gestifteten Abtei am Jouxsee vergabten. Nach der Reformation erhielt der Inhaber der Baronie La Sarraz die kirchlichen
Güter unter der Bedingung zugesprochen, dass er daraus die Kosten des reformierten Gottesdienstes
zu bestreiten habe.
Später trug man dann die alte Pfarrkirche ab, von der um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch einzelne Reste aufgefunden
wurden. In Saint Loup bestand früher auch ein Heilbad mit Schwefelquelle, das viele Kranke anzog und im Lauf des 18. Jahrhunderts
von der Familie Juvet erworben wurde, der es bis 1852, d. h. bis zum Ankauf durch Dr. Butini de la Rive,
gehörte. Vergl. die Rapports annuels de l'Institution des diaconesses de Saint Loup und das im Auftrag des Anstaltskomités
verfasste Büchlein Saint Loup von Pfarrer J. Laufer (Lausanne 1901).