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Haie verschwinden aus Korallenriffen
PHOTOCREO Michal Bednarek/Shutterstock
Können die Haie gerettet werden? Global FinPrint, eine Initiative der Paul G. Allen FamilyFoundation, kommt zu dem Ergebnis, dass es Hoffnung gibt, wenn entscheidende Schutzmassnahmen durchgeführt werden.
Die Studie zeigt an, dass Haie mittlerweile zu selten wurden, um ihre gewöhnliche Rolle im Ökosystem einzunehmen. Damit sind sie funktional ausgestorben. Es wurden 371 Riffen in 58 Ländern untersuchtund in nahezu 20 Prozent davon konnten keine Haie beobachtet werden. Dies ist das Anzeichen eines umfassenden Rückgangs, dessen Grössenordnung bislang nicht dokumentiert wurde. Die Studie benennt zudem Massnahmen für die Arterhaltung, welche zu einer Erholung der Bestände dieser berühmten Raubfische beitragen könnten.
In den Riffen dieser sechs Länder wurden praktisch keine Haie festgestellt: Dominikanische Republik, Französische Antillen, Kenia, Vietnam, Kleine Antillen und Katar. Insgesamt wurden hier in mehr als 800 Stunden Beobachtung nur drei Haie verzeichnet.
Es gibt dennoch Hoffnung
«Die Ergebnisse von Global FinPrint zeigen zwar einen tragischen Rückgang der Haie in zahlreichen Riffen der Welt, es gibt aber auchZeichen der Hoffnung», sagte Jody Allen, Mitbegründerin und Vorsitzende der Paul G. Allen Family Foundation. «Die in dieser weltweit ersten Studie von Haien in Korallenriffen gesammelten Daten können Pläne für den sinnvollen und langfristigen Schutz der verbleibenden Riffhaie leiten.»
Dieser Parameter für den Status der Riffhaie weltweit enthüllteinen alarmierenden globalen Rückgang dieser zentralen Art, die wichtige Nahrungsquelle, Touristenattraktion und Spitzenräuber in Korallenriffen ist. Ursache des Verlustes ist hauptsächlich eine Überfischung von Haien. Den grössten Beitrag leisten destruktive Verfahren der Fischerei, beispielsweise die Nutzung von Schleppleinen und Treibnetzen.
Der Einfluss des Menschen
«Unsere Studie zeigt zwar einen wesentlichen negativen Einfluss des Menschen auf die Populationen von Riffhaien, es ist aber klar, dass das Hauptproblem die Verknüpfung hoher Bevölkerungsdichte des Menschen mit destruktiven Fischereimethoden und schlechter Verwaltung ist», sagte Demian Chapman, einer der Leiter von Global FinPrint und Associate Professor in der Abteilung für Biologie und dem Umweltinstitut der Florida International University. «Wir haben festgestellt, dass robuste Hai-Populationen mit Menschen koexistieren können, wenn diese Menschen den Willen, die Mittel und einen Plan haben, Schutzmassnahmen umzusetzen.»
Die Studie fand eine Reihe von Ländern, in denen der Schutz der Haie funktioniert, und dazu spezielle Massnahmen, die wirksam sein können. Zu den Nationen, die im Vergleich mit dem Durchschnitt ihrer Region am besten abschnitten, gehören Australien, die Bahamas, die Föderierten Staaten von Mikronesien, Französisch-Polynesien, die Malediven und die USA.
Diese Nationen zeigen wichtige Eigenschaften, von denen festgestellt wurde, dass sie mit höheren Hai-Populationen verknüpft sind: eine funktionierende Verwaltung und entweder einen Bann der Befischung von Haien oder ein ausgeprägtes, wissenschaftlich fundiertes Management, das beschränkt, wie viele Haie gefangen werden dürfen.
«Diese Nationen verzeichnen mehr Haie in ihren Gewässern, da sie bei dieser Frage eine gute Verwaltung bewiesen haben», sagte Aaron MacNeil, der leitende Autor der Studie Global FinPrint und Associate Professor an der Dalhousie University. «Wir verfügen jetzt über ein klares Bild, was getan werden kann, um den Fang von Riffhaien in den gesamten Tropen zu begrenzen. Die Massnahmen reichen von Einschränkungen bei der Ausrüstung über Fangquoten bis zu nationalem Bann von Fang und Handel.»
Das Team von FinPrint ist sich der Tatsache bewusst, dass Schutzmassnahmen für Haie nur begrenzte Wirkung haben. Die Forscher widmen sich jetzt der Frage, ob eine Erholung der Hai-Bestände ein Management des umfassenderen Ökosystems notwendig macht, damit es in den Riffen ausreichend Futterfische für den Hai gibt.
Schwerwiegende Konsequenzen für ganze Riffsysteme vermutet
«Die Studie ist jetzt abgeschlossen und wir behandeln den Aspekt, wie der Verlust der Haie das Ökosystem der Riffe destabilisieren kann», sagte Mike Heithaus, einer der Leiter von Global FinPrint und Dekan des Instituts für Kunst, Wissenschaft und Bildung an der Florida International University. «Zu einem Zeitpunkt, zu dem Korallen im sich verändernden Klima ums Überleben kämpfen, könnte der Verlust der Riffhaie schwerwiegende langfristige Konsequenzen für ganze Riffsysteme haben.»
Global FinPrint wurde im Sommer 2015 aus der Taufe gehoben. Die Daten wurden mittels ferngesteuerter, beköderter Unterwasser-Videostationen (Baited Remote Underwater Video Stations - BRUVS) erhoben. Eine Videokamera wird vor einer Standardmenge Köder platziert – eine «Köderkamera». Die Ökosysteme der Korallenriffe wurden mittels BRUVS in vier wichtigen Regionen beobachtet: Indopazifik, Pazifik, westlicher Atlantik und westlicher Indischer Ozean.
Das Team von Global FinPrint produzierte im Verlauf von vier Jahren mehr als 15'000 Stunden Videoaufzeichnungen in Studien von 371 Riffen in 58 Ländern, Staaten und Territorien der Welt und analysierte diese. An dieser Arbeit waren hunderte Wissenschaftler, Forscher und Schützer eines Netzwerkes unter Koordinierung von Florida International University, Australian Institute of Marine Science, Curtin University, Dalhousie University und James Cook University
beteiligt.
Global FinPrint ist eine Initiative der Paul G. Allen Family Foundation unter Leitung der Florida International University. Sie wird von einer weltweiten Koalition von Partnerorganisationen unterstützt, in der sich Forscher, Spender und Naturschutzgruppen finden. Das Projekt ist das grösste einzelne und umfassendste
Programm zur Erfassung und Analyse von Daten über die weltweiten Bestände von Haien und Rochen in Riffen aller Zeiten.
Informationen zur Paul G. Allen Family Foundation
Die Paul G. Allen Family Foundation engagiert sich seit mehr als vier Jahrzehnten dafür, Einfluss auf die schwierigsten Probleme der Welt zu nehmen. Die Stiftung wurde von den Philanthropen Jody Allen und dem verstorbenen Paul G. Allen (Mitbegründer von Microsoft) ins Leben gerufen. Sie unterstützt weltweit Partner an der Front zum Schutz des Zustands der Ozeane, des Wildlebens, des Kampfes gegen den Klimawandel und zur Stärkung sozialer Gemeinschaften. Die Stiftung vergibt Förderungen zur Nutzung von Technologie, zum Füllen von Lücken bei Daten und Wissenschaft und für positive öffentliche Massnahmen zur Förderung des Wissens und nachhaltigen Wandel.