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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1998 von Peter Ziegler
1848
Zehn Jünglinge aus Wädenswil gründen den heutigen Turnverein Wädenswil. Geturnt wird anfänglich hinter den Mauern des «Kronen» Gartens, dann in einer Werkstatt im Haus des Bierlokals «Zur Hamburg» im Buck.
1853
Am 11. Juni werden erste Statuten genehmigt, und es wird ein Vorstand gewählt, dem J. J. Egg als Präsident, Jean Pfister als Aktuar und Sattler J. Brupbacher als Turnwart und Quästor angehören.
1855
Gerber Walter Hauser, der nachmalige Bundesrat, wird in den Verein aufgenommen, den er prägen hilft.
1856
Der Verein nimmt mit seiner ersten Fahne am Eidgenössischen Turnfest in Winterthur teil.
1859
Der Turnverein organisiert erstmals einen Turner-Ball. – Am Eidgenössischen Turnfest in Zürich werden zwei der zwanzig Wädenswiler Turner mit Preisen bedacht.
1860
Beitritt zum Zürcher Kantonalturnverein.
1861
Der Turnverein organisiert in Wädenswil das Zürcher Kantonalturnfest. – Nach dem Brand von Glarus helfen 20 Turner vier Tage auf der Brandstätte Trümmer wegschaffen.
1862
Vom Turnverein spaltet sich der Männerturnverein ab, der in seiner Gründungszeit politischen Charakter hat, sich vorab den Tagesfragen widmet und mitunter auch Wahlgeschäfte der Gemeinde vorbereitet.
1863
Der Verein zählt nur noch sieben Mitglieder, und es herrscht kein Turnergeist mehr. J. J. Egg übernimmt die provisorische Leitung. Er und sein 1870 gewählter Nachfolger E. Hauser führen den Verein allmählich aus der Krise heraus.
1871
Turnfahrt nach Feusisberg, verbunden mit der Einweihung einer neuen Fahne. Eingeladen sind auch die Damen, die sich um das gestickte Bandelier verdient gemacht haben.
1875
Die «Eintracht» am Plätzli wird Vereinslokal und bleibt es bis 1964.
1878
Im neu gebauten «Engel»-Saal geben die Wädenswiler Turner ihre erste öffentliche Turnvorstellung.
1879
Sektions- und Preisturnen zum 30jährigen Bestehen des Vereins.
1881
Wädenswiler Damen stiften dem Turnverein eine neue Fahne; Frau Ständerat Hauser schenkt die kostbare Fahnenstange samt Spitze.
1882
Da Turner auch singen können müssen, führt der Turnverein Wädenswil auf Initiative der Lehrer Aeppli und Meier eine Gesangsstunde ein.
1896
Mitglieder des Turnvereins beteiligen sich an der Fasnachtsaufführung «Zum Licht» der «X-Gesellschaft Wädenswil» bei der
Gruppe «Winzerfest».
1897
Der Turnverein unter dem Präsidium von Jakob Baumann-Isler organisiert in Wädenswil das 5. Nordostschweizerische Schwingfest. Als Festplatz dient die Wiese bei der Seidenstoffweberei Gessner. Durch die Dorfstrassen bewegt sich ein Festumzug, angeführt von einem imposanten Alpaufzug.
1898
Am 50-Jahr-Jubiläum, verbunden mit einer Fahnenweihe, hält Gemeinderat Dr. Robert Haab, der spätere Bundesrat, die Festansprache. Die Fahnenstange stiftete ein Ehrenmitglied, die übrige Ausstattung schenkten Wädenswiler Damen.
1900
Es wird eine Reisekasse gegründet, in die jeder Turner monatlich 50 Rappen einzuzahlen hat.
1902
Hinschied des Ehrenmitglieds Bundesrat Walter Hauser. Eine starke Fahnendelegation nimmt an der Trauerfeier in Zürich teil.
8. Seeverbands-Turnfest in Wädenswil, 10. Juli 1904. Freiübungen auf dem Schulhausplatz Eidmatt.
1904
Der Turnverein organisiert in Wädenswil das 8. Seeverbandsturnfest In dessen Rahmen wird am 10. Juli in der Anlage zwischen Gerbestrasse und Zugerstrasse ein Denkmal für Bundesrat Walter Hauser eingeweiht (seit 1969 im Rosenmattpark aufgestellt).
1905
Fusionsbestrebungen seitens des Fussballclubs werden trotz Zustimmung einer ausserordentlichen Generalversammlung des Turnvereins nicht verwirklicht.
1908
Der Turnverein wirkt am historischen Umzug mit, den die X-Gesellschaft Wädenswil veranstaltet. Für die Turner wird die Beteiligung an der Gruppe Bockenkrieg obligatorisch erklärt.
1909
Am 26. April wird das Glärnischschulhaus eingeweiht. Fortan steht den Turnern die neue Turn- und Konzerthalle Glärnisch zur Verfügung.
1910
Am Turnerabend ist folgendes Programm angesagt, umrahmt von Vorträgen der Harmoniemusik: 1. Stabwinden, 2. Pferdbreitsprünge, 3. Barren, Pferdpauschen, Kürturnen, 4. Fahnenschwingen, 5. Reck, kopfhoch, 6. Freiübungen der Damenriege, 7. Pferdpauschen, 8. Lanzenreigen, 9. Schlussbild.
1911
Mit der Gruppe Fallschirmkompanie beteiligt sich der Verein am Fasnachtsumzug, veranstaltet von der «Ballon A.-G. Klein-Paris» .
1912
Die Wädenswiler Turner kehren vom Eidgenössischen Turnfest in Basel mit Doppel-Lorbeer heim.
Mit Lorbeer, Fahne, Hanteln und Steinen vor der Glärnischhalle, während des Ersten Weltkriegs.
1913
Wädenswil ist mit seinem 8. Rang am Seeverbands-Turnfest Zollikon nicht zufrieden und beschliesst, bis auf weiteres an keinen Veranstaltungen des Verbandes mehr teilzunehmen.
1914 bis 1918
Während des Ersten Weltkrieges ist der Turnbetrieb eingeschränkt; Oberturner und Vorturner haben einrücken müssen. 1915 übernimmt der Verein den Verkauf der Bundesfeier-Karten und setzt innert zwei Tagen 1500 Stück ab. Aus dem Legat des verstorbenen Ehrenmitglieds Major Paul Schnyder wird 1916 ein Fahnenkasten angeschafft. 1917 unterstützen die Turner das Hilfskomitee der Gemeinde und bebauen in der Chalchtaren einen Kartoffelacker. Im selben Jahr erhält der Verein neue Statuten.
1919
Da gernäss einem Beschluss des Regierungsrates die Turnhallen nicht mehr geheizt werden dürfen, muss die diesjährige Turnvorstellung ausfallen.
1920
Mit der Gruppe „Frauenstimmrecht“ erzielt der Turnverein am Wädenswiler Fasnachtsumzug den zweiten Preis.
1921
Die Turner kehren mit «Kantonalzürcherischem Laub» vom Kunstturnertag in Stäfa zurück.
1922
Im Turnverein mehren sich die Skifahrer. Eine Skiturnfahrt führt auf die Rossweid, und auch die kantonalen Skikurse in den Flumserbergen finden ihre Interessenten.
1923
Der Verein beteiligt sich am Umzug und Festspiel «Blühendes Leben oder 100 Jahre Verkehr in Wädenswii», organisiert zum
50jährigen Bestehen der X-Gesellschaft Wädenswil. – Am Kantonalturnfest in Örlikon wird der Turnverein für die Marsch- und Freiübungen sowie die Pferdpauschen-Übungen mit dem 1. Lorbeer in der 4. Kategorie ausgezeichnet. Aus Anlass der 75-Jahr-Feier veranstaltet der Turnverein auf dem Turnplatz beim Glärnischschulhaus ein Preisschauturnen. Der Jubiläumsakt findet am 17. November im «Engel» statt, mit Festansprache von Emil Hauser-Hottinger. Zur Feier erscheint eine von Emil Hürlimann verfasste Festschrift.
1924
Die Jugendriege wächst erfreulich. Zur Betreuung der 35 Knaben wird dem Leiter ein Vorturner beigegeben. Den Wintersportkursen im Eislaufen und Skifahren kommt immer grössere Bedeutung zu.
1925
Der Verein beteiligt sich am Eidgenössischen Turnfest in Genf. Mitglieder und Gönner spenden nahezu 4000 Franken, sodass jedem aktiven Besucher die Festkarte und die Fahrt vergütet werden kann. Aus dem verbleibenden Überschuss von 750 Franken wird eine neue Fahne angeschafft, entworfen vom Wädenswiler Grafiker Jakob Wälli und hergestellt in der Firma Fräfel in St. Gallen.
1929
Schon seit längerer Zeit hegen Wädenswiler Damen den Wunsch, eine Damenriege zu gründen. Der Vorstand des Turnvereins lädt die Damenriege Richterswil zu einem Propaganda-Abend ein. 35 Damen erklären sich bereit, einer Damenriege, als Zweigsektion des Turnvereins Wädenswil, beizutreten. Als erste Präsidentin amtet Fräulein Erna Gubelmann, als Turnleiterin Frau Lili Hofer-Meier.
Kantonalturnfest 1938 in Wädenswil. Turner stehen Spalier entlang der Seestrasse vor der Post.
1930
An der Zürichsee-Ausstellung «Arbeit und Fortschritt» übernehmen Jugendriege, Damenriege und Aktivsektion an vier Abenden die Unterhaltung in der Festhütte. Der Chinesenreigen findet derart Anklang, dass er jedesmal wiederholt werden muss.
1931
Ehren- und Freimitglieder schenken dem Verein eine Stammtisch-Figur, die im Vereinslokal „Eintracht“ ihren Platz erhält.
1932
Unter der Leitung von Jean Gutweniger entsteht eine Mädchenriege, die bis Jahresende 54 Mitglieder zählt.
1933
Gründung einer Leichtathleten-Riege.
1934
Der Turnverein organisiert auf der Spielwiese Eidmatt das 41. Nordostschweizerische Schwingfest. - Gründung einer Skiriege, der bald hundert Mitglieder angehören.
1935
In der Konzerthalle wird zwischen den Turnvereinen Arbon und Wädenswil ein Gerätematch ausgetragen.
1936
Die Damenriege teilt sich in eine Damen- und eine Frauenriege. Beide gehören als Untersektionen dem Stammverein an. – Der Verein zeichnet 2000 Franken für die Wehranleihe.
1938
Auf Ödischwänd findet vom 16. bis 18. Juli das Zürcher Kantonalturnfest statt. Den Auftakt bildet ein Jugendfest mit kostmiertem Umzug, den die X-Gesellschaft arrangiert. In der Festhütte wird mehrmals das von Emil Bader verfasste Festspiel „Bin öis am See“ aufgeführt, an dem über 600 Personen mitwirken. Am Veteranentreffen nehmen mehr als 2000 Turner teil.
1939 bis 1945
Nach der Generalmobilmachung wird aus ehemaligen Vorstandsmitgliedern und älteren Turnern ein Kriegsvorstand gebildet. In den Wintermonaten muss der Turnbetrieb unterbleiben, da die Hallen nicht geheizt werden dürfen. Nach Einführung des Schweizerischen Sportabzeichens bringt 1941 eine in Wädenswil durchgeführte Leistungsprüfung gegen 200 Kandidaten an den Start. 1942 ernennt die Generalversammlung Emil Hauser-Hottinger (1878-1954) nach 50jähriger Ehrenmitgliedschaft zum Turnvater. 1944 gestatten die häufigen Aufgebote keinen geordneten Turnbetrieb mehr. Nach Kriegsende organisieren die Leichtathleten 1945 erstmals einen Wädenswiler Orientierungslauf über eine Strecke von 8 Kilometern.
1948
Der Turnverein begeht mit Freilichtaufführungen vor dem Neuen Eidmattschulhaus und der Weihe einer neuen Fahne die Hundertjahrfeier. Die Frauenriege stiftet das erste Jugendriege-Fähnchen. Zum Jubiläum erscheint eine von Jakob Theiler-Treichler verfasste Festschrift.
1950
Das Vereinsmitglied Walter Lehmann krönt in Basel seine Kunstturner-Karriere mit dem Weltmeistertitel im Mehrkampf und wird überdies mit der Goldmedaille im Ringturnen ausgezeichnet.
1951
Am Eidgenössischen Turnfest marschieren die Wädenswiler mit acht Tambouren durch den Festort Lausanne.
Eidgenössisches Turnfest Lausanne 1951. Richard Aerne im Aufmarsch mit den Tambouren.
1955
Am Eidgenössischen Turnfest in Zürich sichert sich Godi Fässler erstmals das eidgenössische Kunstturnerlaub.
1961
Der Männerturnverein feiert sein hundertjähriges Bestehen.
1964
Der Turnverein führt die letzte Ausscheidung der Kunstturner für die Olympischen Spiele in Tokio durch. Godi Fässler kann sich dafür qualifizieren. Nach der Schliessung der «Eintracht» wird der «Engel» neues Stammlokal.
1973
Mit dem Jubiläum «125 Jahre Turnverein Wädenswil» sind der 56. Kantonale Kunstturnertag und die 5. Kunstturnerinnentage verbunden. Am Unterhaltungsabend tritt mit «Max Greger» ein Orchester von internationalem Ruf auf.
1975
Im Grecoringen wird der Wädenswiler Urs Neyer Schweizermeister bei den Junioren. Er verteidigt diesen Titel bis 1980 sowie bei den Aktiven 1982 und 1984.
1976
13 der 28 gestarteten Wädenswiler Turnerinnen und Turner kehren vom Zürcher Kantonalen Kunstturnertag in Thalwil mit der Auszeichnung heim.
1978
Der TVW führt auf der Sportanlage Eidmatt die Zürcher Kunstturner-Nachwuchswettkämpfe durch. Die einheimische Mannschaft belegt dabei den 2. Rang. - Am Eidgenössischen Turnfest in Genf wird Ruedi Schneider im Nationalturnen Turnfestsieger bei den Junioren.
1979
Die Damenriege feiert im Festzelt auf dem Gasiplatz das 50-Jahr-Jubiläum. Die Aktivsektion erhält eine neue Fahne. René Neyer wird im Freistilringen Schweizermeister bei den Junioren. Er verteidigt den Titel 1980 und 1981 und ist 1982 bis 1984 Schweizermeister im Freistil bei den Aktiven.
1980
Der TVW organisiert den Zürcher Kantonalen Jugendriegentag, an dem 500 Buben die verschiedensten Wettkämpfe bestreiten.
1981
Wie schon 1980 können sich die Wädenswiler auch dieses Jahr zum Schweizer Meister am Pferdpauschen ausrufen lassen.
1982
Das Verbandsturnfest des Turnverbands Zürichsee-Oberland (TVZO) in Wädenswil bildet den Höhepunkt des Vereinsjahrs. Das letzte Turnfest des TVZO fand 1904 in Wädenswil statt.
Turnfest des Turnverbands Zürichsee-Oberland in Wädenswil, 1982.
1985
Zur Eröffnung des Verbandsturnfests überbringt der TV Wädenswil die Verbandsfahne per Schiff an den neuen Festort Männedorf.
1986
Die neunjährige Nicole Schamaun wird an den Kantonalen Nachwuchsmeisterschaften in Hinwil Kantonalmeisterin im 50-Meter-Lauf.
1987
Seit 25 Jahren existiert im Turnverein Wädenswil eine Leichtathletenriege. Die erste Ausgabe des TVW-Jahrbuchs erscheint. Diese Zeitschrift vermittelt Informationen über den Trainingsbetrieb und gibt einen Rückblick auf das vergangene Vereinsjahr.
1988
Am Verbandsturnfest in Borgen erzielt die Damenriege mit ihrem Programm Gym-Keulen und Stufenbarren den ersten Rang. Einzelsiegerin in Gym-Kür und Gym-Ball wird Susanne Riesen. Thomas Brändli und Stefan Fässler erzielen den ersten Rang an den Schweizermeisterschaften im Geräteturnen in Vevey.
1989
Wädenswil ist Austragungsort der zehnten Meisterschaften im Sektionsturnen und der Geräte-Einzelmeisterschaft.
1990
Das Frauenteam der Leichtathletenriege wird am Oberaargauischen Verbandsturnfest in Kirchberg Turnfestsieger.
1991
Einmal mehr organisieren die Wädenswiler die Vereinsmeisterschaften des TVZO. Bei den Sprüngen können sie den ersten Rang notieren. In Zürich wird der TVW Mannschafts-Kantonalmeister im Geräteturnen.
1992
Vom Kunstturnen der Mädchen sind dieses Jahr 5 Medaillenränge und 26 Auszeichnungen zu melden, vom Kunstturnen der Knaben 36 Auszeichnungen. Die Gymnastik und Allroundgruppe der Damenriege hat den ersten Rang beim Mixed-Wettkampf am Zuger Kantonalturnfest in Cham zu verzeichnen. – Seit diesem Jahr gibt es in der Steinacher-Turnhalle ein Kinderturnen.
1993
Die Wädenswiler organisieren den Kantonalen Mädchenriegentag. Drei Kunstturnerinnen qualifizieren sich für die Schweizer Meisterschaft in Bern.
1995
Die Veteranen-Gruppe des TVW feiert ihr 75-Jahr-Jubiläum. Dabei kann die erste Standarte enthüllt werden, ein Geschenk des in diesem Jahr verstorbenen langjährigen Veteranen-Obmanns Jakob Bohli.
1996
Am Eidgenössischen Turnfest in Bern erreichen die Wädenswiler den 4. Gesamtrang; die Damen können in der Gymnastik den ersten Rang buchen. Zusammen mit dem Zürcher Kantonalen Frauenturnverband organisiert die Damenriege in der Sporthalle Untermosen die kantonale Gymnastik- und Gerätemeisterschaft, bei der die Wädenswilerinnen in der Gymnastik siegen.
Der Turnverein Wädenswil am Eidgenössischen Turnfest in Bern. 1996.
1998
Der Turnverein feiert sein 150-jähriges Bestehen. Über das Jahr verteilt finden verschiedene Anlässe statt: Turnermaskenball, Skiweekend, TVZO Vereinsmeisterschaft, Unterhaltungsabend, Jubiläumsakt und Dorfabend, Kantonale Turnveteranentagung, Turnfahrt, Chränzli und Schlussabend. Zum Jubiläum erscheint eine von René Imhof verfasste Festschrift über die Jahre 1973 bis 1998. Zusammen mit der Festschrift von 1948 ist sie Grundlage für diesen historischen Überblick.