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Datierung
1964
Objektmasse
35.5 x 21.3 x 25.4 cm
Technik/Material
Bemalte Vogelfeder, Schaumstoff, pulverbeschichtetes Blech, Elektromotor, Kabel
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Sammlung Rolf und Friedel Gutmann
Inv.-Nr.
SK08103
Constante
Edition MAT
Jean Tinguely (1925, Fribourg, CH – 1991, Bern, CH) war ein Pionier der kinetischen Kunst. Seine amüsant-hintersinnigen Maschinenplastiken haben sich tief in die europäische und amerikanische Kunstgeschichte eingeschrieben.
Tinguely hatte in den 1940er Jahren eine Lehre als Dekorateur absolviert und Kurse an der Allgemeinen Gewerbeschule in Basel besucht, bevor er seine Laufbahn als freischaffender Künstler begann. 1952 übersiedelte er nach Paris. Bereits drei Jahre darauf wurde er von der Galeristin Denise René zur Teilnahme an der Themenausstellung «Le Mouvement» (Die Bewegung) eingeladen. Diese legendäre Schau, in der neben Tinguely u. a. auch Alexander Calder, Marcel Duchamp, Pol Bury, Jesús Rafael Soto und Yaacov Agam mit Werken vertreten waren, gilt als historischer Auftakt der kinetischen Kunst, deren folgende Blütezeit bis in die späten 1960er Jahre fortdauern sollte. In ihrem Zentrum stehen Objekte und Installationen, die entweder (mithilfe optischer Effekte) einen Bewegungseindruck hervorrufen oder aber tatsächlich beweglich sind. Kunstwerke zum Thema Bewegung hatte es freilich schon vorher gegeben, insbesondere die Futuristen hatten sich ihm euphorisch verschrieben. Nun aber wurde Bewegung nicht mehr mit malerischen oder skulpturalen Mitteln repräsentiert, sondern im Kunstwerk selbst unmittelbar erlebbar.
Tinguely nahm innerhalb der neuen Strömung eine unverwechselbare Position ein: Seine motorenbetriebenen Plastiken ähneln Maschinen, produzieren aber nichts. Eine Ausnahme hierin bilden die ab 1955 konzipierten Zeichenautomaten, die in raschen, ruckartigen Bewegungen Strich- und Punktformationen aufs Papier bringen und damit den glorifizierten künstlerischen Schaffensakt ironisieren.
Den performativen Aspekt seiner Arbeiten betonte Tinguely auch im Rahmen spektakulärer Happenings. 1960 z. B. installierte er im Garten des New Yorker Museum of Modern Art eine Maschine, die dazu konstruiert war, sich selbst zu zerstören. Im selben Jahr gründete er mit einigen Künstlerkollegen – Arman, Yves Klein, Daniel Spoerri u. a. – den Nouveau Réalisme, der für eine anti-elitäre Integration der Kunst in die alltägliche Lebenswelt eintrat. Für die von seinem Freund Spoerri 1959 gegründete Edition MAT (Multiplication d'Art Transformable) produzierte er das Multiple «Constante». Schaltet man den Motor ein, beginnt die Feder so schnell zu rotieren, dass ihre Form sich aufzulösen scheint; auch dies ist ein für die kinetische Kunst typisches Spiel mit unserer Wahrnehmung.
Britta Schröder