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Schlagfluß
oder
Schlag, früher Bezeichnung für jede plötzlich (wie durch einen
Schlag) eintretende
Lähmung eines
Körperteils oder Organs; man sprach in diesem
Sinne von Rückenmarks-,
Herz-,
Lungen- und Blasenschlag
u. dgl. Im engern
Sinne
bezeichnet S. die plötzliche (mehr oder weniger vollständige)
Unterbrechung der Gehirnfunktionen, also insbesondere der
Sinneswahrnehmungen, des
Bewußtseins und der willkürlichen Körperbewegung
(Gehirnschlag, Hirn
schlagfluß,
Apoplexia cerebri), wobei jedoch
Atmung und
Herzschlag ihren Fortgang haben.
Der so vom Schlage Getroffene (Schlagflüssige) fällt gewöhnlich plötzlich bewußtlos um und vermag auch nach der Wiederkehr des Bewußtseins die Gliedmaßen der einen oder beiden Körperhälften nicht mehr willkürlich zu bewegen, wogegen sie auf galvanische Reizungen meist sehr gut reagieren. Er sieht, hört und fühlt auf der gelähmten Seite nicht mehr; die betreffende Gesichtshälfte ist glatt, schlaff und beim Sprechen unbeweglich. Das Gesicht [* 3] ist meist auffallend gerötet, der Puls voll und gespannt, die Arterien des Halses und Kopfes klopfen heftig.
Oft sind erweiterte Pupille, Schiefvorstrecken der Zunge, schnarchendes Atmen, lallende Sprache, [* 4] unwillkürlicher Stuhl- und Harnabgang damit verbunden. Ein derartiger Schlaganfall (Insultus apoplecticus) erfolgt entweder blitzschnell und unerwartet, inmitten des vollsten Wohlbefindens, oder nachdem längere Zeit schon gewisse Vorboten (häufiger Blutandrang nach dem Kopfe, Schwindel, Ohrensausen, heftige Kopfschmerzen, Gedächtnisschwäche) vorausgegangen sind.
Bei halbseitigen apoplektischen Lähmungen (Hemiplegien) ist der Sitz der Krankheit fast immer in der den gelähmten Gliedmaßen gegenüber liegenden Hälfte des Gehirns. Die Grundursache des Schlags, d. h. die demselben zu Grunde liegende Veränderung der Hirnsubstanz, ist in den allermeisten Fällen ein Bluterguß in dem Gehirn, [* 5] veranlaßt durch Platzen einer durch Verknöcherung oder Verfettung brüchig gewordenen Arterie, [* 6] seltener infolge anderer Umstände (z. B. äußerer Gewaltthätigkeiten).
Diese Ursache des S., die Hirnblutung, ist so häufig, daß manche Ärzte den S. mit ihr identifizieren, ja sogar andere Blutergießungen, wenn sie plötzlich ins Gewebe [* 7] der Organe stattfinden, gleichfalls mit dem Namen Apoplexien (z. B. der Lunge) [* 8] bezeichnen. Doch giebt es auch andere Ursachen einer solchen plötzlichen Hirnlähmung, z. B. rasche Verstopfung einer Hirnarterie durch ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel (s. Embolie), rasche Blutüberfüllung der feinsten Hirngefäße (die sog. vaskulären Apoplexien), periodischer oder plötzlicher Druck einer Hirngeschwulst, vielleicht sogar plötzliche Wasserergüsse innerhalb der Schädelhöhle (der sog. Wasserschlag, Apoplexia serosa älterer Ärzte).
Die
Blutungen, die in der Gchirnsubstanz erfolgen, stellen entweder zahlreiche kleine punktförmige Ergüsse
(kapillare Hämorrhagien) oder eine mehr oder minder große Blutlache (hämorrhagischer oder apoplektischer Herd) dar. Im
letztern Falle wird die Hirnsubstanz durch das ausgetretene
Blut in größerm oder geringerm
Umfange zerquetscht und zertrümmert,
während kleinere
Blutergüsse die Hirnfasern zuweilen nur auseinander drängen, ohne sie ganz zu zerstören.
Stellen häufiger Hirnblutung sind die Streifenkörper, die
Sehhügel und die großen
Marklager der Hemisphären des Großhirns.
Der Hirn
schlagfluß kann plötzlich,
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mehr
binnen wenig Minuten töten, aber auch nach Wochen oder Monaten eine, wenigstens teilweise Herstellung gestatten. In letzterm Falle unterliegt das Gehirnmark und das darin ausgetretene Blut verschiedenen Umwandlungen, indem im günstigsten Fall das letztere allmählich resorbiert wird und an Stelle der zertrümmerten Hirnsubstanz eine glattwandige wasserhaltige Cyste oder eine kleine gelblich gefärbte Narbe zurückbleibt. Freilich bleibt in den meisten Fällen ein Teil der von dort auslaufenden Nervenfädchen für zeitlebens dem Willen oder der Empfindung entzogen, so das; z. B. der einst von S. Getroffene den einen Arm oder das eine Bein nicht mehr willkürlich oder nur unvollkommen bewegen kann, an gewissen Hautstellen nicht mehr fühlt, einen schiefen Mund behält u. s. w. Oft folgt auch ein allmählich um sich greifender Zerstörungsprozeß im Hirnmark, die sog. Gehirnerweichung (s. d.) und der sog. Gehirnabsecß (s. Gehirnentzündung), und reibt den Kranken allmählich unter allerlei Schmerzen, Krämpfen, Fieberzufällen und Bewußtseinsstörungen auf.
Der S. kann sich, oft binnen wenig Stunden oder Tagen, oft in langjährigen Pausen, bei einem und demselben
Individuum öfters wiederholen, namentlich je nachdem eine Hirnarterie nach der andern wegen Brüchigkeit birst. Der S. kommt
zu allen Jahres- und Tageszeiten vor; mitunter häufen sich die Fälle binnen eines kurzen Zeitraums, besonders im Frühjahr,
in auffälliger Weise, ohne daß sich hierfür eine bekannte Veranlassung nachweisen läßt. Die Hirnblutung
tritt in der großen Mehrzahl der Fälle erst im vorgerückten Lebensalter, nach dem 50. Lebensjahre, auf, befällt durchschnittlich
mehr Männer als Frauen und trifft mit einer gewissen Vorliebe solche Personen, die auch sonst sehr rot im Gesicht aussehen
(oft infolge von Herzkrankheiten oder Störungen des kleinen Kreislaufs), ferner Fettleibige, Schwelger
und Gichtische, oder tritt nach heftigen Gemütsaffekten, äußern Erhitzungen und Anstrengungen, nach üppigen Mahlzeiten,
übermäßigem Alkoholgenuß, nach heftigem Pressen beim Stuhlgang, starken Erkältungen, Nachtwachen u. s. w. plötzlich auf.
Auch die direkte Einwirkung der Sonnenstrahlen auf den Kopf kann durch plötzliche Blutüberfüllung des
Hirns schwere
schlagflußähnliche Symptome hervorrufen, die als sog. Hitzschlag den Soldaten auf anstrengenden Märschen gefährlich
werden.
Der Hirnschlag wird verhütet durch Vermeiden der eben genannten Schädlichkeiten, besonders des zum Verfetten und Verkalken der Arterien führenden, schwelgerischen Lebenswandels, und dadurch, daß man besonders gealterte Personen (deren Adern stets starrwandig und brüchig sind) und Herzkranke zu großer Ruhe des Geistes und Körpers anhält. Bei der Behandlung der S. spielten sonst Aderlässe eine zu ausgedehnte Rolle, während sie jetzt, fast mehr als gut ist, gering geschätzt werden.
Vor allem bringe man den vom Schlag Getroffenen, nach Entfernung aller beengenden Kleider, an einen kühlen, ruhigen Ort, lege den Kopf und Oberkörper hoch, bedecke erstern mit kühlen Umschlägen oder einem Eisbeutel, sorge durch Fußbäder, Senfteige, scharfe Klystiere u. dgl. für gehörige Ableitung nach unten und dadurch für rechtzeitige Minderung der unausbleiblichen Reaktion (Entzündung) im Gehirn. Während deren Verlauf wird das kühlende und ableitende Verfahren fortgesetzt und durch äußere Ruhe, Verfinsterung des Zimmers, Vermeidung von Geräusch, Gespräch u. s. w. noch längere Zeit (bis zur Ausheilung der kranken Stelle) jede Hirnreizung vermieden. Späterhin ist die Bekämpfung der zurückbleibenden Lähmungen durch Massage, vorsichtige gymnastische Übungen, mäßig warme Bader und Anwendung des galvanischen Stroms wichtig.