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Das sei ein Hinweis darauf, dass sich die Stadt St.Gallen das Land Appenzell unterwerfen wolle, hiess es. Man zog die Kriegsfahne hoch, und nur dank der Vermittlung des Fürstabts konnte eine weitere Eskalation Konflikt vermieden werden – mit wirtschaftlichen Zugeständnissen der Stadt an die Appenzeller.
Leonhard Straub stand auch in Beziehung zur täuferisch gesinnten Schwenkfelder Sekte und war Pazifist. Deswegen war er im Dauerclinch mit der städtischen Zensur. 1584 wurde er deshalb mit seiner Frau und den fünf Kindern kurzerhand aus der Stadt gewiesen.
In Tübach, wo er seit 1582 bereits das für seine Drucke notwendige Papier selber produziert hatte, setzte er seine Tätigkeit fort und trat zur katholischen Kirche über. Bald gehörte auch die Fürstabtei St.Gallen zu seinen Auftraggebern. 1590 stellte Straub wohl in deren Auftrag in Rorschach zwei katholische Pamphlete zur Frage der Kalenderreform her. Papst Gregor XIII. hatte 1582 den Kalender durch die Streichung von zehn Tagen wieder besser mit dem Sonnenjahr in Einklang gebracht.
Bei der Einführung kam es allerdings zu einem konfessionellen Bruch mit langer Wirkung. Während die katholischen Orte der Eidgenossenschaft 1584 den neuen gregorianischen Kalender einführten, verwendeten die reformierten Orte bis 1700 den julianischen Kalender. In diesen 117 Jahren war die Zeitrechnung der Fürstabtei derjenigen der Stadt um zehn Tage voraus! Neben wichtigen christlichen Festen betraf das auch alle terminlichen Fragen des täglichen Lebens. Briefe aus dieser Zeit tragen deshalb oft zwei Daten. Heute wäre das unvorstellbar, denken wir nur an die Diskussion um die Sommerzeit in Europa, in der es nicht um zehn Tage, sondern nur um eine Stunde geht.
Etwas später erreichte Leonhard Straub international bleibende Bedeutung, weil er 1597 in Rorschach die erste Zeitung Europas druckte. Sie erschien ein Jahr lang monatlich unter dem Namen «Annus Christi», wurde von Augsburg aus redigiert und enthielt Neuigkeiten über wirtschaftliche Entwicklungen, etwa Steuern, Zölle und Teuerungen, sowie über Kriege und Boulevard-Stoff wie Verbrechen und Hinrichtungen. Diese Pionierleistung bahnte den Weg hin zu den Wochen- und Tageszeitungen und zu den Zeitschriften, die sich seit dem 17. und 18. Jahrhundert überall durchsetzten.
Gefangen in fortdauernden konfessionellen Auseinandersetzungen realisierten die St.Galler Fürstäbte, dass es im Streit der Meinungen wichtig war, selbst über eine Druckmaschine zu verfügen. Im März 1633 richtete Fürstabt Pius Reher (1630–1654) deshalb eine eigene Klosterdruckerei ein. Das war mitten im Dreissigjährigen Krieg, der ganz Deutschland verwüstete. Wohl aus Angst vor den damals am Bodensee wütenden schwedischen Truppen wurde der Betrieb bis 1641 im abgelegenen Filialkloster in Neu St.Johann untergebracht, siedelte dann aber nach St.Gallen über.
In dieser fürstäbtischen Druckerei entstanden bis zur Auflösung des Klosters 1805 etwa 600 Bücher, einige davon reich ausgestattet mit Kupferstichen. Dazu kamen einige hundert amtliche Verlautbarungen der Fürstäbte und mehrere tausend Nachdrucke der Urkunden des Klosters, die dadurch inhaltlich gesichert wurden – auch das übrigens eine europäische Pionierarbeit.
Ein Blick auf die Entwicklung des Druckgewerbes in St.Gallen führt farbig vor Augen, wie wichtig die Schwarze Kunst auch hierzulande war – für die Verwaltung, die Politik und die kulturelle Entwicklung ebenso wie für die Unterhaltung, aber auch, wie sie gelegentlich die Menschen erregen kann.