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Vor einiger Zeit kommentierte ich ein Kinderbuch "Ricki und Henri" anhand von folgenden Fragen:
- Wie wird der Idealzustand geschildert?
- Inwiefern wird dieser Zustand gestört?
- Wie kann das Ideal wiederhergestellt werden?
- Wie sieht die perfekte Zukunft aus?
Ich habe nun das gleich mit zwei christlichen Kinderbüchern von Max Lucado getan. Einige werden denken: Muss er denn alles analysieren? Fakt ist: Durch solche Bücher wird sehr viel transportiert. Ich verbanne diese Bücher nicht, sondern erlaube mir eine kritische Reflektion. Also:
Meine aufmerksamen Kinder (meine Jüngsten sind 7 und 5 Jahre alt) erkannten sofort, dass es sich beim Holzschnitzer Eli um Gott handeln musste. Er hat jede Puppe einmalig geschnitzt. Diese Botschaft kommt sehr klar "rüber". Er steht mit jeder Puppe in einer Beziehung, ohne dass sich diese dessen bewusst wären. Das wird ebenfalls klar. Der Aspekt Gottes Bildträger zu sein und der damit einhergehende Wert unabhängig von Leistung wird herausgearbeitet.
Die zweite Frage, die gestellt werden muss, lautet: Warum ist die Lage nicht mehr so, wie sie eigentlich sein sollte? Hier wird – ebenfalls sehr ansprechend – das Spiel der Holzpuppen untereinander beschrieben: Sie kleben einander entweder Sterne für gute Leistungen und konformes, anderen gefälliges Verhalten oder Punkte für fehlende Leistung und Attraktivität an. Damit arbeitet Lucado sehr nahe an der erlebten Realität: Die einen kriegen ständig Sterne, andere ständig Punkte.
Wie kann das Ideal (teilweise) wiederhergestellt werden? Dem Aussenseiter Puncinello begegnet eine Puppe, die anders ist als die anderen. An ihr prallen Punkte und Sterne ab. Sie ist offensichtlich verändert. Dieses Puppenmädchen weist auf den Holzschnitzer Eli hin. Puncinello geht daraufhin zu Eli und erfährt dort, dass er einmalig und von ihm gemacht ist.
Im zweiten und dritten Schritt sind doch einige Botschaften verpackt, die nachdenklich machen. (Hier weiterlesen.)
Ein König adoptiert fünf verwaiste Kinder und kündigt seinen Besuch an. Die fünf Geschwister bereiten sich auf den Besuch vor. Vier davon geben sich viel Mühe und entwickeln ihre Talente: Handwerklich, künstlerisch, wissenschaftlich. Nur die fünfte – eine Art "fünftes Rad" am Wagen – hat nichts vorzuweisen. Oder doch? Sie hat ein gutes Herz. Diese Tugend stellt sie – nachdem sie bei den beschäftigten Geschwistern abblitzte, um sich deren Fähigkeiten anzueignen – sehr informell unter Beweis, indem sie im Tor der Stadt sich mit den Bettlern unterhält, niedere Dienstarbeiten verrichtet und vor allem ein kommunikatives, um nicht gar seelsorgerliches Flair entwickelt. Natürlich begegnet der Fremde in königlicher Haltung und unscheinbarem Äusseren dieser fünften Person. Er spricht mit ihr und verbringt exklusiv Zeit mit dem Mädchen. Die anderen, so beschäftigt in der Vorbereitung, gehen leer aus. Vielleicht, so meint der König, hätten sie ja ein nächstes Mal Zeit.
Ich liebe es nicht nur Kinderbücher zu lesen, sondern ihre Botschaft zu entschlüsseln und mich mit ihr auseinanderzusetzen. Ich tue das im Kreis meiner fünf Kinder (und hoffentlich einmal Enkeln). Die Zeichnungen wie auch der Text sind sehr ansprechend (was bei einer Übersetzung nicht selbstverständlich ist). Es gefiel uns, dass der König der Aussenseiterin begegnete. Beim Nachdenken fielen uns einige Aspekte auf, die aus biblischer Weltsicht doch irritieren. (Hier weiterlesen)