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Lokale Nebenwirkungen
InjektionsortAn der Injektionsstelle sind lokale Schwellungen möglich. Sie bedürfen normalerweise keiner Therapie, da sie innerhalb von 21 Tagen wieder vollständig zurückgehen (Demuth 2008; Holmes 2012).
Die i.m. Injektion kann bei Kleintieren schmerzhaft sein (Plumb 2002)
Bei Mastkälbern wurden nach der i.m. Injektion von 10 ml Florfenicol (FFC) in den rechten Oberschenkel Läsionen am Injektionsort in Form von holzartigem Kallus und deutlicher Narbenbildung beobachtet, welche zu wirtschaftlichen Verlusten führen können (Van Donkersgoed 1999). Bei Rindern sind Reaktionen am Injektionsort nach der i.m. oder s.c. Injektion möglich (Papich 2001); diese können ausgeprägter sein, wenn der Wirkstoff an einer anderen Stelle als am Hals injiziert wird (Plumb 2002). Bei der FFC-Injektion in die Zervikalmuskulatur sind geringe Reaktionen zu erwarten. Die auftretenden Reaktionen bestehen v.a. aus einer Fibrose und Infiltration von Fettgewebe; hingegen bleiben die Scherkraftwerte, welche ein Mass für die Zartheit des Fleisches sind, unbeeinflusst (Hawkins 2002).
Schafe, welche in einer Studie s.c. 40 mg/kg/Tag FFC für 3 Tage erhielten, zeigten bei den Untersuchungen am 5., 10. und 20. Tag nach der Injektion Reizungen des subkutanen Gewebes und der darunterliegenden Muskeloberfläche. Diese Symptome waren um den 40. Tag nach der Injektion verschwunden (Lane 2008).
In einer Studie bei Makaken traten nach der i.m. Injektion von 50 mg/kg FFC keine Schwellungen oder Schmerzen auf. Hingegen waren bei der histopathologischen Untersuchung sichtbare Veränderungen, wie z.B. unregelmässige Nekrosestellen und histiozytäre Entzündungen sichtbar; diese wurden als Injektionsreaktion erklärt. FFC verursachte bei einem Tier eine geringe bis milde Myositis; es wurde keine Muskelregeneration beobachtet (Cook 2004a).
Systemische Nebenwirkungen
Blut und hämatopoetisches SystemFlorfenicol (FFC), wie Thiamphenicol, verursacht beim Menschen keine idiosynkratische aplastische Anämie (Dowling 2006a; Keyes 2000), da die para-Nitro-Gruppe, welche mit der Induktion dieser Anämieform assoziiert wird, fehlt (Papich 2001; Sams 1995b). Für weitere Informationen siehe auch unter Chloramphenicol. Bei langer FFC-Verabreichung (Dowling 2006a) oder Gabe von hohen Dosen des Wirkstoffes, besteht die Möglichkeit einer dosisabhängigen Knochenmarksuppression (Papich 2001). Diese Suppression könnte durch die Hemmung der mitochondrialen Proteinsynthese verursacht sein, welche hauptsächlich die erythroiden Zellreihen beeinträchtigt (Yunis 1973a). Über derartige Symptome wurde beim üblichen Gebrauch von FFC bei Haustieren jedoch nicht berichtet (Papich 2001).
Erfahrungen mit FFC bei Kleintieren sind begrenzt, allerdings könnte der Wirkstoff mit einer dosisabhängigen Knochenmarksuppression assoziiert sein (Allen 2005).
Bis jetzt gibt es keine Berichte über Knochenmarksuppressionen beim Rind (Dowling 2006a). Die in-vitro Wirkung von Chloramphenicol, Thiamphenicol und FFC auf die Phagozytose und Morphologie von bovinen Neutrophilen wurde untersucht. 14 Stunden nach der intramammären Inokulation von Escherichia coli-Endotoxin an laktierenden Rindern wurden Neutrophile aus der Milch untersucht. Mit FFC und Thiamphenicol war die Funktion der Neutrophilen nicht verändert, jedoch ihre Morphologie. Je höher die Wirkstoffkonzentrationen waren, desto weniger normale Neutrophile waren vorhanden. In den getesteten Konzentrationen hatten beide Wirkstoffe keinen Effekt auf die Phagozytose, aber Zytoplasmavakuolen waren sichtbar. Mit hohen FFC-Mengen kam es zur Bildung von Zytoplasmavesikeln an der Oberfläche der Neutrophilen, Verlust von Pseudopodien und Kondensierung der zytoplasmatischen Granula. FFC und Thiamphenicol schädigen die Neutrophilen im Allgemeinen weniger als Chloramphenicol (Paape 1990).
Nach der i.m., i.v. und p.o. Verabreichung von 22 mg/kg FFC an Pferde wurden keine wirkstoffassoziierten Veränderungen der Erythrozytenzahl, Hämoglobinkonzentration oder des Hämatokrits beobachtet (McKellar 1996a).
Bei Alpakas wurde nach der wiederholten subkutanen Applikation von 40 mg/kg alle 48 Stunden Zeichen einer milden Knochenmarksuppression festgestellt. Es kam zu einer signifikanten Reduktion des Totalplasmaproteins, des Albumins, des Globulins, der Leukozyten und des Hämatokrits (Holmes 2012).
Bei getüpfelten Gabelwelsen, welche FFC für 20 Tagen erhielten, wurde eine dosisabhängige Abnahme des hämatopoetischen/lymphopoetischen Gewebes in den vorderen und hinteren Nieren sowie der Milz beobachtet (Gaikowski 2003).
GastrointestinaltraktBei Kälbern sind transienter Appetitverlust und weichere Konsistenz der Fäzes möglich (Catry 2008). Folgende vorübergehende Reaktionen sind bei Rindern möglich: Anorexie (Demuth 2008; Plumb 2002; Papich 2001), herabgesetzte Wasseraufnahme, Durchfall (Plumb 2002; Papich 2001) und Gewichtsverlust (EMEA 1999q). Diese Symptome verschwinden wieder ein paar Tage nach Therapieende (Dowling 2006a).
Bei mit FFC behandelten Schweinen können Durchfall, ein perianales Erythem und Ödeme auftreten (Demuth 2008). Diese Symptome sollten aber innerhalb von einer Woche nach Behandlungsende abgeklungen sein. Es liegen keine Berichte über Knochenmarksuppressionen beim Schwein vor (Dowling 2006a).
Bei Pferden ist nach der FFC-Gabe eine fäkale Konsistenzveränderung möglich (Dowling 2006a). In einer Studie wurden i.m., i.v. und p.o. 22 mg/kg FFC verabreicht; 2 von 3 Pferden wiesen danach einen übermässigen Speichelfluss auf. Der Kot aller Tiere wies unabhängig von der Applikationsart einen stinkenden Geruch auf und war von weicher Konsistenz. Klinisch schienen die Tiere gesund. Aufgrund ihrer Prädisposition, besteht die Gefahr, dass die Pferde eine antibiotikaassoziierte Enterokolitis entwickeln (McKellar 1996a). Pferde erhielten in einem Versuch die für Rinder empfohlene Dosierung von i.m. 20 mg/kg FFC alle 48 Stunden über einen längeren Zeitraum. Die Tiere blieben klinisch gesund, allerdings wiesen sie eine drastische Veränderung der fäkalen Flora auf (Dowling 2006a).
BlutchemiePferde können nach einer FFC-Gabe eine Erhöhung des Bilirubins aufweisen. Vermutet wird, dass dieser Bilirubinanstieg im Plasma die Wirkungen des Wirkstoffes auf die hepatische Konjugierungsaktivität, bei der das Bilirubin zum wasserlöslichen Bilirubindiglukuronid konjugiert wird, wiederspiegelt (McKellar 1996a).