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Die Oper Florencia en el Amazonas, vor 25 Jahren uraufgeführt, basiert auf Motiven aus Werken des kolumbianischen Autors Gabriel García Márquez. Der mexikanische Komponist Daniel Catán fängt in seiner Partitur die Atmosphäre der Schiffsreise durch den Dschungel ein. Die Musik ist von opulenten Melodien, farbintensiver Orchestration und lebhaften Rhythmen bestimmt. Während die Sängerinnen und Sänger auf dem verdeckten Orchestergraben agieren und der Chor aus der Tonhalle zugeschaltet wird, ist das Orchester auf der Bühne im Umbau hinter einem Vorhang platziert.
Die musikalische Leitung hat der spanische Dirigent Pedro Halffter (50). Er stammt aus einer Musikerfamilie. Während seiner Schulzeit am Internat Schloss Salem D am Bodensee erhielt er Klavier- und Cello-Unterricht. Halffter studierte Dirigieren unter anderem in Wien sowie Komposition in New York. Halffter gilt als einer der bedeutendsten Dirigenten symphonischer Werke seiner Generation.
Keystone-SDA: Pedro Halffter, die Oper Florencia en el Amazons basiert auf dem Roman Die Liebe in Zeiten der Cholera von Gabriel García Márquez. Die selbstgewählte Quarantäne wird für die beiden Hauptfiguren zur Chance, etwas zu leben, was bisher nicht möglich war. Wie haben Sie persönlich die Corona-Pandemie erlebt?
Halffter: Ich hatte sehr viele Projekte, die wegen der Pandemie nicht zustande kamen, etwa die Oper Die schweigsame Frau von Richard Strauss an der Staatsoper München und Projekte in den USA. Das hat mir natürlich sehr weh getan.
Keystone-SDA: Konnten Sie 2020 normal weiterarbeiten oder wie haben Sie die Zeit genutzt?
Halffter: Die abgesagten Projekte haben es mir zum einen ermöglicht, Kompositionsaufträge voranzutreiben. Zum Beispiel eine Bearbeitung von Beethovens 9. Sinfonie oder mein Klavierquintett, das inzwischen uraufgeführt wurde. Auch auf das Dirigieren musste ich nicht ganz verzichten. Ausserdem habe ich letzten Sommer in Spanien ein Festival mit 16 Konzerten organisiert. Und ich bin wieder vermehrt zum Klavierspielen gekommen, auch als Pianist an Konzerten. Das Interessante: Ich habe kaum Musik gehört, an der ich nicht selber allein oder mit anderen Musikern beteiligt war.
Keystone-SDA: Die Instrumentierung des Stücks ist mit Djembe, Marimba und Steeldrums speziell. Wozu dienen diese Instrumente, welche Stimmung sollen Sie erzeugen?
Halffter: Ich glaube, durch diese Instrumente entstehen die exotischen Klangfarben, die man mit der südamerikanischen Musik assoziiert. Das kommt aber nicht in grossen Kaskaden von sambamässigen Höhepunkten daher. Es ist mehr wie eine Art Kolorit im Hintergrund, manchmal als grosses Tutti, manchmal ganz weich und fern. Das Orchester - wie auch der Chor und die Solisten - hat diese unbekannte Oper sehr positiv aufgenommen.
Keystone-SDA: Was bedeutet es für die Arbeit der musikalischen Leitung, wenn das Orchester während der Vorstellungen hinter einem Vorhang platziert ist?
Halffter. Das war auch für uns die grosse Frage, bevor wir es ausprobiert hatten. Aber wir waren alle positiv überrascht, wie gut das klingt. Es ist eine grosse Herausforderung für den Dirigenten wie auch für das Orchester, das die Sänger nur bedingt hört. Trotzdem ist der ganze Klang wirklich real, weder Sänger noch Orchester sind verstärkt. Einzig der Chor wird aus der Tonhalle übertragen, das war die einzige Lösung, um die Corona-Verordnungen einhalten zu können. Aber der Klang mit seiner ganzen Farbigkeit ist wunderschön.
Keystone-SDA: Bei der Oper dreht sich viel um den Amazonas und Nostalgie. Wie setzen Sie diese Themen klanglich um?
Halffter: Ich glaube, das Stück ist so wichtig und aktuell, weil es nicht um die Nostalgie der Hauptperson oder einer einzelnen Figur geht, sondern weil diese Musik die Nostalgie und Sehnsucht der Menschen ausdrückt, sich zurück in der Natur zu finden. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze. Stürme und Pandemien bringen die Fahrt zum Scheitern. So wie in der Wirklichkeit. Deswegen ist dieses Stück so aktuell. In der Musik hört man sowohl die Sehnsucht der Menschen nach Vereinigung mit der Natur als auch deren immense und unkontrollierbare Gewalt.
Keystone-SDA: Was erwartet die Besucherinnen und Besucher des Stücks?
Halffter. Als erstes die unheimliche Freude, eine Oper live zu hören. Zum zweiten ist das ein Stück mit wunderschöner Musik. Das ist das Moderne an Catán, er sucht nicht das Dissonante. Es gibt einen Satz von Verdi, der sinngemäss heisst: Wenn wir in die Vergangenheit zurückschauen, ist es ein Fortschritt. Catán macht das, er bezieht sich in seinem Werk auf Puccini, Debussy, Strawinsky. Er benutzt deren Mittel, um eine ganz neue Geschichte zu erzählen.
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(sda)