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«Als 21. Kind von Johann Sebastian Bach hatte P. D. Q. Bach im Alter von fünf Jahren noch immer keinen Namen erhalten (...) und nach wiederholten Ermahnungen durch den älteren Bruder Wilhelm Friedemann gab ihm der Vater zumindest die Kürzel P. D. Q». Wofür diese Kürzel stehen? Das weiss man bis heute nicht recht. Dafür weiss man sehr viel anderes – und das steht alles im ersten Band der «Bibel der Musikwissenschaft», der «Musik in Geschichte in Gegenwart» (MGG) auf Seite 1551. Unter dem Stichwort «P. D. Q. Bach».
Manisches Plagiieren oder seiner Zeit voraus?
Doch der Name bleibt nicht die einzige Schmach, die der jüngste Bach-Sohn über sich ergehen lassen muss. Der Vater unterrichtet ihn nicht, weil er ihn als völlig unbegabt ansieht. Und er vermacht dem Sohn nach seinem Tod einzig und allein ein Kazoo, eine kleine Flöte, wie wir sie heute nach der Explosion einer Tischbombe finden.
Enttäuscht über die Ablehnung seines Vaters, beschliesst der dreijährige P. D. Q., Musik für den Rest seines Lebens abzuschreiben. Und dies meinte er wortwörtlich: Nach einer Lehre in Dudeldorf beim berühmten Erfinder der singenden Säge, Ludwig Zahnstocher, beginnt er, Musik abzuschreiben.
Eine Melodie von Johann Sebastian Bach hier, eine andere von Mozart da oder ein anderes Mal das heute bekannte Pink Panther-Thema – und fertig ist seine ganz eigene Musik. Manisches Plagiieren würde die Psychologie das wohl nennen. Oder ist P. D. Q. schlicht und einfach seiner Zeit voraus?
Hyper-Erotizismus und schlechte Menschenkenntnis
Mehr über die Person P. D. Q. erzählen auch seine Werktitel. Hyper-Erotizismus wäre vielleicht ein weiteres Fachwort aus der Psychologie – oder wie sonst soll man Titel einordnen wie «Oper in einem Halbnackt» oder die «Erotica-Variationen», in Anlehnung an Beethovens «Eroica-Variationen»?
Apropos Beethoven: P. D. Q. soll einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf dessen Taubheit gehabt haben. Denn der grosse Beethoven grauste sich zeitlebens so sehr vor der Musik des jüngsten Bach-Sohns, dass er sich jeweils Kaffeesatz in die Ohren stopfte. Auch P. D. Q.s Menschenkenntnis hält sich in Grenzen, wenn er Mozart vorschlägt, aus dessen Sohn doch den besten Billard-Spieler aller Zeiten zu machen.
Zurück zu seinen Werktiteln, die vermuten lassen, der Komponist P. D. Q. Bach kenne sich weder besonders gut mit Instrumenten aus, noch behandle er sie musikalisch besonders liebevoll: «Sonate für Bratsche zu vier Händen», «Schleptet in Es-Dur für sieben Instrumente» oder die «Serenackte für abwegige Instrumente». Und er lässt Instrumente sogar auf der Bühne kämpfen, etwa in seinem «Konzert für Fagott gegen Orchester». Der Höhepunkt der Absurdität: eine Kantate für Hund Solo.
Alle diese Werke sind aufgelistet in der Musikenzyklopädie MGG, wo abschliessend noch geschrieben steht: «1778 zog P. D.Q. Bach dann nach Wein-am-Rhein, eine Stadt, der er sich sein ganzes Leben lang verbunden fühlte und die ganz seinem Wesen entsprach».
Ein Scherz – und alle machen mit
Spätestens hier scheint klar zu sein: Dieser Komponist hat oder ist ein wildes Hirngespinst. Aber auf einen Scherz weist die MGG nirgends hin und auch gibt es alle seine Werke schwarz auf weiss und aufgenommen auf 17 CDs.
Alle spielen mit, bei dem Hirngespinst des Komponisten und Komikers Peter Schickele. Er ist nämlich der Schöpfer von P. D. Q. Bach. In den 1970ern hat der US-amerikanische «Professor» den vergessenen Bach-Sohn «entdeckt» und seither immer wieder «verschollene» Werke ans Licht gebracht. Und eine 238 Seiten starke Biografie über den fiktiven Komponisten geschrieben. Über 40 Jahre ist er mit dem «Nachlass» von P. D. Q. Bach durch die Weltgeschichte getourt. Für 2015 ist eine Revival geplant: zum 50-jährigen vom P. D. Q.
Veranstaltungshinweis
Zum 300. Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach zeigt die Freitagsakademie am 28. März am Konservatorium in Bern ein Konzertprogramm mit leichtem Hang zum Kabarett: Gegenübergestellt werden Werke seines jüngsten «Bruders» P. D. Q. Bach.