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|Der Kameramann|
Wenn man vom Film spricht, fallen meist nur die Namen der Schauspieler
und bestenfalls jene der Regisseure. Doch der Film ist von vielen anderen
Filmschaffenden abhängig, deren Anteil an der Entstehung genau so
wichtig ist wie jener der Schauspieler und Regisseure.
Eine dieser „übergangenen“ Berufsgattungen ist die des Kameramannes. Er hat die schwierige Aufgabe, die gewünschte Atmosphäre in Bildern auf die Leinwand zu bannen.
Der Gradmesser eines Filmschaffenden ist ohne Zweifel der Oscar, vorwiegend für die englischen und amerikanischen Künstler. Dies gilt auch für den Kameramann. Der Oscar wird seit der Gründung der Academy 1928 auch in der Sparte Kamera verliehen. Einer der erfolgreichsten Kameramänner ist - wenn man die Nominationen als Massstab nimmt - Charles Bryant Lang jr. (1902-1998) mit 18 Nominationen (er gewann jedoch nur einen 1933); der mit den meisten verliehenen Statuen ist Joseph Ruttenberg (1898-1983) mit vier Oscars in den Jahren 1938, 1942, 1956 und 1958.
Ein Film wird selten nur von einem Kameramann gedreht, meist existiert ein ganzes Team rund um den Chef-Kameramann (der auch für die Oscar-Verleihung berücksichtigt wird) und die Aufgabe hat, die Ideen des Regisseurs auf Zelluloid umzusetzen. Dann gibt es den ersten Assistenten, der für den Bildausschnitt verantwortlich ist und den zweiten Assistenten, der die Bildschärfe überwacht. Desweiteren gibt es noch einige Mitarbeiter, die für die Klappe, den Kamerawagen usw. zuständig sind.
Bedeutende fotografische Neuerungen waren oft das Ergebnis ertragsreicher
Zusammenarbeiten zwischen Regisseur und Kameramann. Beispiele dafür
sind Eugen Schüfftan (1893-1977) mit Fritz Lang (1890-1976), für
dessen Film „Metropolis“ (26) er das Schüfftan-Verfahren zur Perfektion
entwickelte, dann Geoffrey Unsworth (1914-1978) mit Stanley Kubrick (1928-1999)
oder John Alcott (1931-1986), ebenfalls mit Stanley Kubrick.
Die bekannteste Pionierleistung schuf Gregg Toland (1904-1948) in Filmen wie „Citizen Kane“ (41) und „Die besten Jahre unseres Lebens" (46), wo er mit selbstkonstruierten Weitwinkelobjektiven der Spezialist für extreme Schärfentiefe wurde.
Meistens erringt der Kameramann nur selten Anerkennung beim breiten Publikum. Eine Filmweisheit besagt, dass die besten Kameraleute auch die anpassungsfähigsten sind und die verschiedenen Wünsche der Regisseure optimal ins Bild umsetzen können.
Es gibt wohl kein anderer Bereich im Film, bei dem so wenige Frauen
sich einen Namen machen konnten wie bei der Kameraführung. Woran das
liegt, ist schwer zu sagen. Es bleibt zu hoffen, dass in den nächsten
Jahren auch Frauen bei grossen Filmen zum Zuge kommen und durch ihre weibliche
Sicht ganz neue Perspektiven eröffnen und vielleicht auch neue Impulse
für den Film setzen.