Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03466.jsonl.gz/1703

Fehl- und Frühgeburten durch Schilddrüsen-Antikörper
Selbst wenn Schilddrüsen-Autoantikörper keine erkennbare Hormonstörung auslösen, erhöhen sie bei Schwangeren das Risiko einer Fehlgeburt oder Frühgeburt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Britischen Ärzteblatt. Die logische Konsequenz wäre eine Therapie mit dem Schilddrüsenhormon Thyroxin, deren Wirksamkeit jedoch erst noch untersucht werden muss.
Schilddrüsen-Autoantikörper sind keine Seltenheit. In den 31 Studien, die die Gruppe um Arri Coomarasamy von der Universität London ihrer Meta-Analyse zugrunde legte, lag die Häufigkeit zwischen 5,4 und 31 Prozent. Die Antikörper hatten meistens keine erkennbare Funktionsstörung der Schilddrüse zur Folge, doch bereits ein leichter Abfall der Hormonkonzentration könne sich negativ auf den Erhalt der Schwangerschaft auswirken, vermuten die Autoren. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht bekannt, warum in den meisten Studien der Nachweis von Schilddrüsen-Autoantikörpern mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt verbunden war.
Coomarasamy errechnet eine Odds Ratio von 3,90 (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,48-6,12). Für eine Frühgeburt wurde eine Odds Ratio von 2,07 (1,17-3,68) errechnet. Damit könnten Schilddrüsen-Autoantikörper eine wichtige Ursache für das frühzeitige ungewollte Ende einer Schwangerschaft sein.
Den Beweis würden kontrollierte klinische Studien liefern, in denen Schwangere mit positivem Antikörpernachweis auf eine Therapie mit Schilddrüsenhormon oder Placebo randomisiert würden. Coomarasamy hat zwei derartige Studien ausfindig gemacht, und beide zeigen tatsächlich einen Rückgang der Fehlgeburtenrate um 52 Prozent (relatives Risiko RR 0,48; 0,25-0,92). In einer der beiden Studien kam es auch zu einer deutlichen Reduktion der Frühgeburtenrate um 69 Prozent (RR 0,31; 0,11-0,90). Eine der beiden Studien war jedoch aufgrund der Durchführung nicht besonders aussagekräftig. Ausserdem hatten beide Studien nur eine geringe Teilnehmerzahl von gerade einmal 187 Schwangeren, was nach Ansicht der Autoren keine ausreichende Grundlage für eine Behandlung mit Schilddrüsenhormon darstellt.
Gegen den Einsatz zum jetzigen Zeitpunkt spricht zudem die nicht ausreichend untersuchte Sicherheit. In den beiden Therapiestudien wurden die Kinder nach der Geburt nicht weiter beobachtet. Vieles spricht aber dafür, die Hypothese in weiteren Studien zu untersuchen.
Quelle: Shakila Thangaratinam et al.: BMJ 2011; 342: d2616
Stand: 5/11,