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Primäre und sekundäre Immundefekte
Ein Immundefekt, auch Immuninkompetenz, Immuninsuffizienz, Immunschwäche oder Immundefizienz genannt, bezeichnet unterschiedliche Erkrankungen des Immunsystems, bei denen die Abwehrfunktion geschwächt ist. Bei einer Störung kann unser Immunsystem seine Aufgaben nicht oder nur unzureichend erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel die Abwehr von Infektionserregern wie Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten, der Aufbau eines langfristigen Schutzes gegen Wiederinfektionen (= Immunität), die Verhinderung von rheumatischen und Autoimmunerkrankungen und Allergien oder die Abwehr von Tumorzellen.
In der Folge der erhöhten Infektanfälligkeit treten gehäuft Infektionskrankheiten auf, die zudem erschwert verlaufen können. Man unterscheidet zwischen primären (angeborenen) und sekundären (erworbenen) Immundefekten. Die Ursache für einen primären Immundefekt ist ein genetischer Fehler in einem der verschiedenen Bereiche des Immunsystems.
Wie erkenne ich, ob ich an einer Immunschwäche leide?
Führendes Symptom bei einer Immunschwäche ist meist eine Anfälligkeit für Infekte. Menschen mit einer Immundefektkrankheit neigen dazu, eine Infektion nach der anderen zu bekommen. Gewöhnlich entwickelt sich zum Beispiel zuerst eine harmlose Infektion wie eine Nasennebenhöhlenentzündung, die häufig wiederkehrt. Die meisten Betroffenen entwickeln daraus letztendlich schwere bakterielle Infektionen, die hartnäckig bestehen bleiben, immer wiederkehren oder zu Komplikationen führen. So kann sich zum Beispiel aus einer Halsentzündung oder einfachen Erkältung eine Lungenentzündung entwickeln.
Was kann es sonst noch für Anzeichen geben? Säuglinge und junge Kinder mit einer Immunschwäche können zum Beispiel chronischen Durchfall haben und nicht wie erwartet wachsen und sich entwickeln. Weitere Warnsignale bei Kindern sind mehr als zwei Lungenentzündungen, schwere Nasennebenhöhlenentzündungen, schwere Infektionserkrankungen (z.B. Hirnhautentzündung, Knochenhautentzündung etc.) oder mehr als acht eitrige Mittelohrentzündungen im Jahr. Weitere Anzeichen sind ein Pilzbefall der Mundschleimhäute oder anderer Hautpartien nach dem 1. Lebensjahr oder wiederkehrende tiefe Haut- oder Organabszesse.
Erwachsene sollten sich durchchecken lassen, wenn es bekannte Immundefekte in der Familie gibt oder vier oder mehr Infektionen in einem Jahr, die mit Antibiotika behandelt wurden oder zwei oder mehr schwere bakterielle Infektionen wie Knochenmarkentzündung, Hirnhautentzündung, Blutvergiftung oder Entzündung des Unterhautgewebes auftreten.
Diagnose und Therapie
Das Erkennen von Immundefizieten mit den recht unspezifischen Symptomen kann differenzialdiagnostisch herausfordernd sein. Zunächst müssen Ärzt:innen eine entsprechende Immunschwäche vermuten und dann Tests zur Identifizierung der speziellen abnormen Veränderung im Immunsystem durchführen. Das kann durch Bluttests, Hauttests, einer Biopsie oder genetischen Tests erfolgen.
Bei der Behandlung von Immundefekten gibt es unterschiedliche Wege. Um schlimme Krankheitsverläufe zu verhindern, werden bei Betroffenen bereits beim ersten Anzeichen von Fieber oder eines anderen Infektionsanzeichens Antibiotika eingesetzt. Bei Menschen mit einer Immundefizienz kann ausserdem eine Immunglobulin-Therapie eingesetzt werden, um die fehlenden Antikörper (Immunglobuline) zu ersetzen.
Eine weitere Möglichkeit ist die Stammzelltransplantation, die einige der Immundefektkrankheiten beheben. Unter manchen Umständen kann auch eine Transplantation von Thymusgewebe hilfreich sein. Viel Potential hat die Gentherapie zusammen mit einer Transplantation, besonders wenn die Immunschwäche genetischer Natur ist. Obwohl es bei dem Verfahren aktuell noch viele Einschränkungen und Hindernisse gibt, stellt die Gentherapie ein vielversprechendes Potenzial auf eine Heilung in der Zukunft dar.
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