Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03642.jsonl.gz/1665

Wie Vereinbarkeit gelingen kann
Für den Staat hat es viele Vorteile, wenn beide Elternteile berufstätig sind. Dennoch stehen Familien, die das selber auch wollen, vor vielen Hindernissen. Philippe Gnaegi von Pro Familia zeigt Auswege aus dem Dilemma.
Haushalt, Kinder, Partnerschaft, die Betreuung von Angehörigen – in der modernen Familie gilt es, viele verschiedene Dinge mit der Erwerbstätigkeit zu vereinbaren. Nach wie vor übernimmt diese Aufgabe in den meisten Fällen die Frau: Das noch immer dominierende Familienmodell sieht die Mutter in einem Teilzeitpensum sowie den Vater in einem Vollzeitpensum vor. Gerade mal 18 Prozent aller Männer arbeiten in einem reduzierten Pensum.
Bis die Kinder zwölf Jahre alt sind, arbeitet die Hälfte der Frauen mit einem Beschäftigungsgrad von weniger als 50 Prozent, rund 20 Prozent arbeiten gar nicht. Zeit also, sich zu fragen: Wie steht es heute um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Schweiz? Dazu erst einmal zehn Feststellungen.
Feststellung 1:
Hierzulande absolvieren ebenso viele Frauen wie Männer ein Hochschulstudium. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Investition in die Ausbildung für die Gesellschaft nicht rentabel. Ein grosser Teil dieser Hochschulabsolventinnen arbeitet nicht oder nur in geringen Pensen.
Feststellung 2:
Ein Beschäftigungsgrad von weniger als 60 bis 70 Prozent beeinträchtigt die Arbeitnehmerin und den Arbeitnehmer:
- Im Hinblick auf die Verbesserung ihrer resp. seiner Fähigkeiten: Die Person schöpft ihr Aus- bzw. Weiterbildungspotenzial nicht aus.
- Im Hinblick auf die Übernahme von Verantwortung im Unternehmen: Die Person übt wahrscheinlich eine weniger verantwortungsvolle Tätigkeit aus, macht keine Karriere.
- Im Hinblick auf die Pensionierung: Aufgrund des niedrigeren Pensums zahlen sie weniger in die Rentenkasse ein und werden eine tiefere Rente beziehen.
- Im Falle einer Scheidung: Betroffene Personen sind oftmals gezwungen, ihr Arbeitspensum zu erhöhen, da ihre Existenz mit einem geringen Teilzeiteinkommen nicht gesichert ist. Nicht selten sind Einelternfamilien von Sozialhilfe abhängig.
Feststellung 3:
Frauen und Männer verbringen gerne Zeit mit ihren Kindern, schätzen es aber gleichzeitig, Zeit in ihrem Arbeitsumfeld zu verbringen.