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Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine plötzlich auftretende Aktivitätssteigerung von Nervenzellen des Gehirns, die Sekunden bis mehrere Minuten dauert. Bewusstseinsveränderungen sind typisch, daneben Krämpfe, Muskelzuckungen, Missempfindungen oder unbeabsichtigte Bewegungen. Manchmal kündigt sich der Anfall durch eine sog. Aura an, eine kurz dauernde Phase irrealer Wahrnehmungen.
Die Epilepsie zählt zu den häufigsten chronischen Leiden des Nervensystems. Anfälle von Bewusstseinsänderung, Bewusstseinsverlust, Krämpfe oder Muskelzuckungen können aber viele verschiedene Ursachen haben, oft handelt es sich dabei nicht um einen epileptischen Anfall. Bei älteren Menschen ist die Diagnose oft schwer zu stellen, da andere – möglicherweise gleichzeitig bestehende – Krankheiten wie Herzrhythmusstörungen, Zuckerkrankheit oder Demenz teils mit ähnlichen Symptome einhergehen wie die Epilepsie.
Ein epileptischer Anfall kann ein einmal auftretendes Ereignis bleiben (Gelegenheitsanfall). Erst wenn ein Mensch mindestens zwei Anfälle erlitten hat, spricht man von Epilepsie. Manche im Kindesalter auftretende Epilepsien verschwinden später wieder.
Die Aktivitätssteigerung von Nervenzellen erfasst beide Hirnhälften.
Die Störung bleibt auf einen bestimmten Hirnabschnitt (Fokus) beschränkt. Sie kann sich allerdings im Verlauf des Anfalls oder des Lebens auf weitere Gehirnabschnitte ausbreiten.
Auren sind Wahrnehmungsstörungen (Kribbeln, Stimmungsveränderungen, Licht- oder andere Erscheinungen, Hören von Stimmen usw.), die einen Anfall einleiten können.
Klonisch heisst zuckend. Anfälle manifestieren sich als Muskelzuckungen oder Schütteln.
Charakteristisch sind Verkrampfung und Versteifung von Muskeln. Tonus bedeutet Muskelspannung.
Nachlassen oder Verlust des Muskeltonus und – infolgedessen – Sturz, Zusammensinken des Körpers oder lediglich Herabsinken des Kopfes.
Epileptische Anfälle werden ausgelöst durch plötzliche unkontrollierte Entladungen von Gehirnzellen.
In manchen Familien, kommen Epilepsien gehäuft vor, und das Risiko für die Nachkommen ist erhöht. Vererbt wird die Bereitschaft der Nervenzellen im Gehirn, überhaupt mit einer unwillkürlichen Hyperaktivität zu reagieren. Wenn ein Elternteil an Epilepsie leidet, erkranken die Kinder mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 bis 8%. Solche Epilepsieformen treten mehrheitlich zwischen dem 1. und 14. Lebensjahr auf.
Manche Kleinkinder neigen zu Krampfanfällen, wenn sie hohes Fieber haben. Nur ein sehr kleiner Teil dieser Kinder leidet später an einer Epilepsie.
Die Epilepsie geht nicht unbedingt mit Auffälligkeiten im Verhalten, in der Intelligenz oder der Erlebniswelt einher. Weil der Krankheit jedoch etwas Unerklärliches anhaftet, werden Menschen mit Epilepsie oft stigmatisiert. Den Menschen des Altertums kam die Epilepsie so geheimnisvoll vor, dass man der Krankheit den lateinischen Namen „Morbus sacer“ („heilige Krankheit“) gab.
Die einzelnen Areale der Hirnrinde erfüllen verschiedene Funktionen wie Wahrnehmungen, Sprache, Gefühle, Bewegungen. Deshalb äussern sich epileptische Anfälle unterschiedlich, abhängig vom Ursprungsort der elektrischen Entladungen im Gehirn. Dies gilt auch für die so genannte Aura.
Eine Aura kann einen Anfall einleiten und besteht in Wahrnehmungsstörungen wie Kribbeln, Stimmungsveränderungen, Licht- oder andere Erscheinungen, Hören von Stimmen. Mitunter bleibt es bei der Aura, das heisst es folgen keine Krämpfe oder andere Anfälle.
Es gibt zahlreiche Anfallstypen sowie Einteilungen oder Klassifizierungen; die Kenntnis der Epilepsie ist eine komplexe Fachwissenschaft. Die folgende Übersicht fasst häufige Erscheinungsformen zusammen.
Diese generalisierten epileptischen Anfälle bleiben auf die klonische oder tonische Phase beschränkt. Für einen so genannten atonischen Anfall typisch ist ein plötzliches Nachlassen oder ein Verlust des Muskeltonus (Muskelspannung) und – infolge dessen – Sturz, Zusammensinken des Körpers oder lediglich Herabsinken des Kopfes.
Im Gegensatz zu generalisierten Anfällen sind fokale Anfälle auf die selektive Störung eines bestimmten Hirnabschnitts zurückzuführen, können sich allerdings im Verlauf eines Anfalls oder des Lebens auf weitere Abschnitte ausbreiten. Oft bleibt das Bewusstsein erhalten, doch erinnern sich die Patienten meist nicht an das Ereignis.
Ein epileptischer Anfall lässt sich nicht unterbrechen, auch nicht – oder schon gar nicht – durch Anschreien oder Schütteln des Patienten.
Bei Verdachtsmomenten für ein Anfallsleiden oder nach erstmaligem Auftreten eines Anfalls ist eine Arztkonsultation angezeigt.
Neben dem neurologischen Status umfasst die Abklärung die Aufzeichnung der Hirnströme im Langzeit-Elektroenzephalogramm (EEG) und bildgebende Verfahren (Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Positronenemissionstomographie). Eine neue Methode, die Hirnaktivität zu dokumentieren ist die Magnetenzephalographie. Dabei werden magnetische Signale von Nervenzellen aufgezeichnet. Blutuntersuchungen dienen dem Ausschluss von Stoffwechselerkrankungen, Vergiftungen oder Infektionen.
Wenn möglich wird mit einem einzelnen Medikament (Antiepileptikum) behandelt; eine regelmässige ärztliche Überprüfung ist nötig. Ziel ist es, die Anfälle dauerhaft zu verhindern – was in der Mehrzahl auch gelingt – oder zumindest Häufigkeit und Schweregrad zu reduzieren. Die zuverlässige Einnahme der verordneten Medikamente ist für den Erfolg der Behandlung wichtig.
Wenn während mehrerer Jahre keine Anfälle aufgetreten sind, kann man versuchen, die Dosis des Medikaments zu reduzieren oder dieses eventuell ganz wegzulassen.
Bislang beschränkt sich der Einsatz einer operativen Behandlung auf gewisse fokale Epilepsien.
Frauen, bei denen eine Epilepsie diagnostiziert wurde, können eine komplikationslose Schwangerschaft haben, doch muss eine angemessene ärztliche Überwachung gewährleistet sein. Die Einnahme von Antiepileptika erhöht das Risiko von Missbildungen beim Kind ein wenig. Vergleichbares gilt für zunehmendes Alter der schwangeren Frau, weshalb empfohlen wird, dass Epileptikerinnen möglichst früh an die Familienplanung denken. Manche Antiepileptika gelangen in die Muttermilch und der Arzt berät, ob besser auf das Stillen verzichtet wird.