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Der Lago Maggiore Express ist wohl die schönste Art, die borromäischen Inseln zu entdecken. Es gibt so viel zu sehen, dass man gleich nochmal damit fahren will
EINE UNVERGESSLICHE RUNDREISE UM UND AUF DEM LAGO MAGGIOREvon Martina Kobiela
Der Besitzer des kleinen Ladens in der Altstadt von Stresa ist sichtlich stolz auf seine Heimat. Der grauhaarige, energische Mann trägt eine dunkelblaue Baseballmütze mit dem weissen Schriftzug “Stresa” darauf. Er deutet während dem Kassieren auf den Sonnenschutz auf seinem Kopf, lacht verschmitzt und meint: “Wissen Sie, auch Silvio Berlusconi, der “Cavaliere“, hat so eine.“ Er lacht wieder, als er die ungläubigen Gesichter sieht und versichert: “Doch, doch, es ist wahr, Berlusconis Tochter, Barbara, hat eine Villa am See, die Villa Campari. Die liegt keine zehn Kilometer südlich von hier. Eines Tages kam Silvio Berlusconi in meinen Laden. Er hat kurz mit mir gesprochen und ich habe ihm so eine Baseballmütze geschenkt. Aber sie hätten sehen müssen, wie viele Bodyguards er hatte!“ Sich vorzustellen wie der wohl skandalöseste Politiker Italiens umringt von einem Tross Angestellter in Anzügen die Seepromenade von Stresa entlangspaziert, die schöne Aussicht auf die weissen, bereits in der Schweiz liegenden Bergspitzen und die davorliegenden borromäischen Inseln geniesst, ist nicht schwer. Schliesslich sind hier bereits historische Grössen wie Napoleon Bonaparte und Benito Mussolini entlangspaziert, wie einige im Schloss auf der Isola Bella ausgestellte Dokumente belegen. 1935 zum Beispiel trafen sich die Staatschefs Italiens, Frankreichs und Englands im 1671 erbauten Sommerpalast der Familie Borromeo, um den drohenden Krieg zu verhindern.
Bei einem Ein- oder Zweitagesausflug mit dem Lago Maggiore Express lassen sich die historischen Inseln in der Bucht zwischen Verbania und Stresa am besten erkunden. Bei der Rundfahrt, die vom Tessin aus am besten in Locarno startet und endet, wird bewusst, dass bei einer Reise der Weg ebenso wichtig ist, wie das Ziel. Das Pauschalticket zu 48 Franken erlaubt es auf allen Schiffen der Navigazione Lago Maggiore (NLM) zwischen Locarno und Arona, mit der romantischen Centovalli-Bahn zwischen Locarno und Domodossola zu fahren, sowie von Domodossola bis Arona Zug zu fahren. Für ortsunkundige ist jedoch die empfohlene Tagesrundreise am besten: morgens von Locarno mit dem blau-beigen Züglein der Fart Sa durch das Tal der hundert Täler (Centovalli), vorbei an atemberaubenden Wasserfällen, schwindelerregenden Abgründen und malerischen Dörfchen nach Domodossola. Dort kann man auf einen Zug von TrenItalia umsteigen und nach Stresa fahren. Die kleine Stadt am Ufer des Lago Maggiore lädt zu einem Spaziergang an der gepflegten breiten Seepromenade ein. Bei einer Abfahrt in Locarno um 7.49 und ohne Aufenthalt in Domodossola erreicht man Stresa bereits um 10.24 Uhr. Die Zeit reicht locker, um den See entlang, vorbei an beeindruckenden Stadthäusern mit Seesicht, zu spazieren, gemütlich durch die romantischen Gässchen der Altstadt zu bummeln und in einem der Restaurants Mittag zu essen. Von Stresa aus fahren halbstündig Schiffe der Navigazione Lago Maggiore (NLM) zu den mehr als nur sehenswerten borromäischen Inseln – auch diese Kurse sind im Lago Maggiore Express-Tikket inbegriffen. So klein die bebauten Binneninseln vom Festland auch aussehen mögen, auf ihnen verbirgt sich ein unsäglicher Reichtum. Allein für die Isola Bella sollten mindestens zwei Stunden eingeplant werden. Wobei die anderen Inseln, Isola dei Pescatori und Isola Madre, auch sehenswert sind. Zurück geht es zum Beispiel um 15.30 Uhr mit dem “normalen” Schiff, oder um 17.15 Uhr mit dem Tragflügelboot (siehe Box). Das Rundfahrtticket kann vom 13. April bis zum 12. Oktober 2014 täglich – ausser mittwochs – verwendet werden. Wer sich etwas mehr Zeit und vielleicht auch einige Zwischenhalte mehr gönnen will, sollte die Zweitageskarte für 58 anstatt 48 Franken in Erwägung ziehen. Übernachten kann man zum Beispiel auf der Isola dei Pescatori, und die romantische Insel abends geniessen, wenn die anderen Touristen bereits abgereist sind. Und wer weiss, vielleicht trifft man sogar den “Cavaliere” mit seinem Tross an Bodyguards beim Abendessen im Hotel-Restaurant Verbano auf der Isola dei Pescatori...
Mehr Infos: www.lagomaggioreexpress.com