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Von der Medizin zum Bergbau
Agricolas profunde Kenntisse der alten Sprachen eröffneten ihm während seiner medizinischen Ausbildung in Italien den Zugang zu antiken Autoritäten wie Hippokrates und Galen. Die Beschäftigung mit den griechischen und römischen Texten regte ihn dazu an, die dort überlieferten Medikamente und Rezepturen auf der Basis von Mineralen, die zu seiner Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten waren, zu rekonstruieren und sie zur Heilung von Krankheiten einzusetzen. Bei seinem Studium der antiken Autoren stellte Agricola gleichzeitig fest, dass diese zwar die Landwirtschaft umfassend behandelt hatten, dass aber der Bergbau, als Kulturtechnik mindestens ebenso alt und volkswirtschaftlich von gleicher Bedeutung, keine entsprechende Würdigung gefunden hatte. Dies war für ihn ein zusätzlicher Ansporn für eine systematische wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Bergbau.
Nach der Rückkehr aus Italien sucht Agricola zu diesem Zweck eine Stadtarztstelle im Erzgebirge. In St. Joachimsthal findet er die ideale Gelegenheit, seine medizinischen Kenntnisse anzuwenden und daneben direkt "vor Ort" in den Bergwerken seinen Studien des Berg- und Hüttenwesens, der Mineralogie und der Geologie nachzugehen. Obwohl Agricola selber angibt, dass ihn primär das Interesse an der Medizin zum Bergbau geführt habe, erwähnt er medizinische Aspekte in seinen montanwissenschaftlichen Werken nur am Rande.