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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

IX. Rede
3.
Solche Erwägungen erfüllten mich mit Angst, Bitterkeit und Niedergeschlagenheit, und ich empfand das gleiche wie Knaben, welche beim Beobachten des Blitzens sich freuen und zugleich fürchten. Ich liebte den Geist und fürchtete mich zugleich vor ihm. Einige Zeit brauchte ich, um mich zu sammeln, wieder ruhiger zu werden, einen sichereren, besseren Weg einzuschlagen, die Angst auszumerzen, wie das Unkraut aus der Saat ausgemerzt wird, und die schlimmen Gedanken den besseren Platz einräumen zu lassen, auf daß der Geist völlig die Herrschaft erlange und mich in seinen Dienst und in sein Amt nehme zur Aufrichtung dieses Volkes, zur Seelenleitung, zur Belehrung in Wort, wie durch Taten und Beispiel „mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten und in der Linken1”, [S. 252] zu jener gesunden Hirtentätigkeit, welche von der Welt ablenkt und zu Gott führt, den Körper überwindet und dem Geiste dient, die Finsternis verscheucht und sich am Lichte freut, die wilden Tiere verjagt und die Herde zusammenhält, Schluchten und Wüsten meidet und auf Bergen und Höhen geleitet. Darüber scheint mir der bewundernswerte Michäas zu sprechen, wenn er uns von der Erde zu unseren Höhen emporzieht mit den Worten: „Tretet zu den ewigen Höhen! Stehe auf und wandle, denn nicht hier ist deine Ruhe,” nicht, wie manche meinen, in dem, was auf dem Boden liegt und niederzieht!
1: 2 Kor 6,7