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Agrigent - Der Prozess um das Flüchtlingsschiff "Cap Anamur" ist mit lauter Freisprüchen zu Ende gegangen. Die Verantwortlichen hätten sich nicht der Beihilfe zur illegalen Einwanderung schuldig gemacht, befand das Gericht im sizilianischen Agrigent.
Die Urteilsbegründung werde erst in drei Monaten veröffentlicht, teilte das Gericht mit. Der frühere Vorsitzende der Hilfsorganisation Cap Anamur, Elias Bierdel, wurde ebenso freigesprochen wie den Kapitän des Schiffes "Cap Anamur II", Stefan Schmidt, und der Erste Offizier, der Russe Wladimir Dschkewitsch.
Die drei hatten im Juni 2004 vor der italienischen Küste 37 Flüchtlinge aus Seenot gerettet und nach Sizilien gebracht. Die italienischen Behörden vertraten damals den Standpunkt, die Flüchtlinge hätten in Malta an Land gehen müssen, da sie in maltesischen Gewässern aufgegriffen worden seien.
Die italienische Staatsanwaltschaft hatte je vier Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 400'000 Euro für Bierdel und den Kapitän gefordert sowie Freispruch für den Ersten Offizier.
Der Gründer der Hilfsorganisation, Rupert Neudeck, begrüsste das Urteil. Er habe mit einem Freispruch gerechnet, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Alles andere wäre eine "Katastrophe für dass europäische Justizsystem" gewesen.
Mit dem jetzt ergangenen Urteil seien gute Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das "uralte Menschenrecht" auf Rettung in Seenot Geratener in Europa beachtet werden müsse.
Die Internationale Liga für Menschenrechte will dem Kapitän am 13.Dezember in Berlin die Carl-von-Ossietzky-Medaille verleihen. Zur Begründung hiess es, die Rettungsaktion sei ein herausragender Beitrag zur Verwirklichung der Menschenrechte an den Grenzen der Europäischen Union gewesen.
Die Kölner Organisation Cap Anamur wurde 1979 von dem Journalisten Rupert Neudeck gegründet. Zu internationaler Bekanntheit kam sie in den 80er Jahren durch die Rettung tausender Vietnam-Flüchtlinge im Südchinesischen Meer.
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