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Im Juni 1963 hatte Peter Handke die Gewissheit, »das Schreiben, Aufschreiben, Verknüpfen, Unverknüpftlassen ist mein möglicher Beruf«.
Ich sitze auf meinem Sofa und bin froh, dieses Zitat gefunden zu haben. Es erleichtert mir den Einstieg in einen Text, den ich in einem Zustand verfasse, in dem mich langsam die Möglichkeit des Ausstiegs aus meinem Leben verlässt. Ich schreibe hochverschuldet. Ich schreibe und entziehe dabei. Ich schreibe auf dem Sofa sitzend. Ich schreibe und schaue nebenbei nicht die Serie, die im Hintergrund läuft. Ich schreibe keine Bewerbung der fünf Bewerbungen pro Tag, die folgen noch. Ich schreibe schon lange und ich habe mit dem Schreiben viele Jahre mein Geld verdient. Das Schreiben scheint ein möglicher Beruf zu sein. Ich schreibe nicht zuletzt aus diesem Grund meine Bewerbungen auf Stellen, die die Tätigkeit des Schreibens beinhalten. Aber es ist nie Schreiben, so wie ich es betreibe, auch jetzt. Es ist nicht das zitierte Schreiben, Aufschreiben, Verknüpfen und Unverknüpftlassen. Und ob mein Augenblickliches das zitierte Schreiben, Aufschreiben, Verknüpfen und Unverknüpftlassen ist, wage ich nicht zu beurteilen. Es kann eine Möglichkeit sein. Es kann ein Beruf sein. Kann es mein möglicher Beruf sein?
Dem Schreiben im Sitzen ging ein langes Liegen voraus und dem wiederum ein langes Weinen, das begann Anfang September auf unserem Balkon. Ich war an jenem Tag alleine und ich erinnere mich, dass ich für ein Sonnenzwinkern lang alles um mich herum ebenfalls allein lassen wollte. Unser Balkon ist ein Paradies, das Luisa für uns über Monate hinweg angelegt hatte. Als es anfing, warm zu werden, begann ich mit dem Entschleichen. Wenn man sich dazu entschließt, dann entschleicht man nicht nur von den Substanzen, sondern auch, wenn auch nur für eine gewisse Zeit, von den Freunden, den Freuden, der Friedlichkeit eines Schmetterlings, der sich in dieser einen kleinen suizidalen Sekunde auf eine Blüte neben mich setzte.
Es ist sinnlos, all das mir in diesem Moment durch den Kopf gegangene aufzuschreiben. Möglichkeiten des Verlustes all dessen, was ich mir aufgebaut habe. Möglichkeiten, das alles schon längst verloren zu haben. Die naivsten Möglichkeiten einer Rettung durch – . Nein, ich werde das alles nicht zu Papier bringen, gleichwohl es doch nicht sinnlos ist. Es ist vielmehr zu profan. Es wäre keine Erfindung.
Im Juni 1963 hatte Peter Handke die Gewissheit, »das Schreiben, Aufschreiben, Verknüpfen, Unverknüpftlassen ist mein möglicher Beruf«.