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Interleukin-2 (IL-2) ist die erste Immuntherapie, welche bereits in den 1980er Jahren eine Wirksamkeit gegen das metastatische Melanom und gegen den metastatischen Nierenkrebs gezeigt hat. Trotz dieser vielversprechenden Resultate kam die IL-2-Immuntherapie bislang aus den folgenden Gründen an vielen Zentren nicht zur Anwendung: (a) IL-2 muss aufgrund seiner kurzen Lebensdauer den Patienten häufig verabreicht werden; (b) in hohen Doses (wie dies für die Anti-Tumorbehandlung notwendig ist) verursacht IL-2 starke Nebenwirkungen; und (c) IL-2 stimuliert zytotoxische T-Lymphozyten, welche Tumorzellen abtöten können, und IL-2 aktiviert auch andere T-Lymphozyten, sogenannte regulatorische T-Zellen (Treg-Zellen), die die Funktion zytotoxischer T-Lymphozyten hemmen.
Onur Boymans Forschungsgruppe an der Klinik für Immunologie am Universitätsspital Zürich und an der Universität Zürich (Zürich, Schweiz) hat zuvor gezeigt, dass die obengenannten Mängel von IL-2 verbessert werden können, indem IL-2 als sogenannte IL-2/Anti-IL-2-Antikörper-Komplexe gegeben wird. In der nun veröffentlichten Studie hat dieselbe Forschergruppe einen spezifischen Antikörper gegen menschliches IL-2 entwickelt, den sie NARA1 genannt haben und der zusammen mit menschlichem IL-2 die besagten IL-2/Anti-IL-2-Antikörper-Komplexe bildete. Also zeigten Natalia Arenas-Ramirez, die Erstautorin der Studie, und ihre Kollegen, dass der NARA1-Antikörper eine sehr spezifische Stelle von IL-2 bindet, die normalerweise mit der IL-2-Rezeptor-a-Untereinheit (IL-2Ra) auf Treg-Zellen interagiert, wohingegen diese IL-2Ra-Untereinheit für zytotoxische T-Lymphozyten nicht notwendig ist. Folglich stimulieren IL-2/NARA1-Komplexe auf sehr effiziente Weise zytotoxische T-Lymphozyten, aber nicht Treg-Zellen, was zu einer wirksamen Anti-Tumorimmunantwort in drei verschiedenen Melanommodellen führt. Gleichzeitig vermindert die Anwendung von IL-2/NARA1-Komplexen die Nebenwirkungen von IL-2. Diese Resultate deuten darauf hin, dass IL-2/NARA1-Komplexe in der Tumor-Immuntherapie nützlich sein könnten und dass diese neuartige Behandlung in klinischen Studien getestet werden sollte.
Die besagte Studie wurde am 30. November 2016 in Science Translational Medicine unter dem Titel "Improved cancer immunotherapy by a CD25-mimobody conferring selectivity to human interleukin-2" publiziert. Die Autoren der Arbeit sind Natalia Arenas-Ramirez, Janine Woytschak, und Onur Boyman der Klinik für Immunologie am Universitätsspital Zürich und an der Universität Zürich (Zürich, Schweiz), Chao Zou, Simone Popp, Barbara Brannetti, Emmanuelle Wirth, Thomas Calzascia, Jiri Kovarik, Gerhard Zenke, Catherine H. Regnier, und Andreas Katopodis der Novartis Institutes for Biomedical Research, Novartis Pharma AG (Basel, Schweiz), sowie Daniel Zingg und Lukas Sommer des Anatomischen Instituts der Universität Zürich (Zürich, Schweiz).
Referenz: Arenas-Ramirez et al., Science Translational Medicine 8, 367ra166 (2016)