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Galicien – Spaniens grüner Nordwesten
Wer an Spanien denkt, hat häufig sommerliche Badestrände und das Mittelmeer oder das trocken-heisse Landesinnere, wie es für Kastilien typisch ist, im Kopf. Doch es gibt auch ein grünes und dem Atlantik zugewandtes Spanien, das im Norden des Landes zu finden ist. Hier liegt Galicien.
Galicien besteht aus den vier Provinzen A Coruna, Lugo, Ourense und Pontevedra. Es bildet die Nordwestspitze der iberischen Halbinsel. Im Süden liegt Portugal, nach Osten grenzt die Region an Kastilien-Leon und Asturien. Hohe Bergketten schotten das Land vom übrigen Spanien ab. Die Ausläufer der Kantabrischen Berge und andere Gebirgssysteme bestimmen die Landschaft. Der höchste Gipfel Pena Trevinca erreicht immerhin 2127 Meter. Die besondere Position Galiciens wird u. a. darin deutlich, dass neben dem Spanischen auch Galicisch offizielle Sprache ist, das bereits starke Anklänge an Portugiesisch besitzt.
Irische und bretonische Anklänge
Der Atlantik bestimmt das Klima, das im Gegensatz zum Rest der Landes wesentlich ausgeglichener und niederschlagsreicher ausfällt. Diesem Umstand hat Galicien sein grünes Antlitz zu verdanken. Hier ist eine der wenigen Regionen Spaniens mit ausgedehnten Wäldern. Fast ein Drittel des spanischen Waldbestandes liegt in Galicien. Auch die Küste unterscheidet sich deutlich von den Mittelmeerstränden. Sie ist tief zerklüftet und wird grossteils von steilen Felsen und Kliffs geprägt. Immerhin existieren auch rund 300 Kilometer Strandabschnitte.
Typisch für die Küste Galiciens sind die Rías, fjordähnliche Flussmündungen. Es gibt flachere Rías an der Westseite zur portugiesischen Grenze hin und steilere an der Nordküste. In mancher Hinsicht erinnert die Landschaft Galiciens mehr an Irland oder die Bretagne als an das übrige Spanien. Eine weitere Parallele ist die Verwendung des Dudelsacks in der traditionellen galicischen Musik.
Am Ziel des Jakobswegs
Die bekannteste Stadt Galiciens ist zweifelsohne Santiago de Compostela. Hier findet der berühmte Jakobsweg oder besser gesagt, das System von Jakobswegen, das Mittel- und Westeuropa – u. a. auch die Schweiz – durchzieht, sein Ziel. Santiago war im Mittelalter neben Rom und Jerusalem der Pilgerort schlechthin. Hier soll der Heilige Apostel Jakobus begraben sein. Nachdem die Wallfahrt in der Neuzeit an Bedeutung verloren hatte, erlebt sie in den letzten Jahren wieder eine Renaissance. Den Alltag hinter sich zu lassen, sich auf den Weg zu machen und Gott zu suchen, ist auch in unserer Zeit nicht aus der Mode gekommen. Ja es ist ein geradezu zeitloses Thema.
Die Ausmasse der Kathedrale von Santiago de Compostela entsprechen der Bedeutung des Ortes. Beeindruckend ist die prächtige barocke Westfassade mit ihren Doppeltürmen. Zum Bild der Kathedrale gehört auch der Botafumeiro, ein riesiges Weihrauchfass, das zu besonderen Anlässen durch das Kirchenschiff geschwungen wird. Der Reliquienschrein des Heiligen Jakobus wirkt dagegen fast bescheiden. Santiago hat neben der Kathedrale auch eine sehr sehenswerte Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Nicht am Ende der Welt – A Coruna
Santiago gehört zur Provinz A Coruna. Die gleichnamige Hafen- und Provinzhauptstadt ist vor allem bei Kreuzfahrttouristen als Anlaufziel bekannt und verfügt mit den Stränden Riazor und Orzán über zwei besonders schöne Badeplätze an der Küste. Der Herkules-Turm der Stadt gilt als ältester noch betriebener Leuchtturm der Welt. Er entstand in der Römerzeit. Gut 80 Kilometer südwestlich von A Coruna liegt das Kap Finisterre, das – anders, als der Name vermuten lässt – zwar nicht das Ende der Welt ist, aber zumindest das westliche Ende Galiciens.
Römische Mauern und heilige Flüsse – Lugo
In der Nachbarprovinz Lugo befindet sich mit der Playa de las Catedrales ein eindrucksvoller Strand, der feinen Sand und durch Meer und Wind geprägte Felsformationen miteinander verbindet. Die Provinzhauptstadt Lugo verfügt über einen sehenswerten historischen Stadtkern mit einer schönen Kathedrale, die Attraktion ist aber die mächtige römische Stadtmauer, die immer noch die Altstadt umschliesst. Die Berglandschaft der Provinz, insbesondere die Region der Ribeira Sacra, lädt zu Ausflügen und Wandertouren ein. Das von Flüssen durchzogene Gebiet bietet zahlreiche Klöster, Kirchen und Burgen als Sehenswürdigkeiten.
Am Übergang nach Portugal – Pontevedra
Die Provinz Pontevedra bildet den südlichen Küstenabschnitt Galiciens zu Portugal hin. Besonders sehenswert ist die Hafenstadt Vigo nahe der Grenze mit ihrer Altstadt, dem Fischerviertel Berbés und dem Hafen. Die Illas Cíes im Atlantik vor der Stadt sind ein bekanntes Naturschutzgebiet und ein reizvolles Ausflugsziel mit traumhaften Strandabschnitten.
Im Binnenland – Ourense
Ourense ist die einzige Provinz Galiciens ohne Küstenanteile. Die Provinzhauptstadt Ourense lohnt wegen ihrer romanischen Kathedrale, zahlreicher bedeutender Kirchen und ihrer malerischen Altstadt einen Besuch. Bekannt ist die Stadt wegen ihrer heissen Thermalquellen. Das Tal des Mino, der durch die Provinz und die Stadt fliesst, bietet Gelegenheit zu Wanderungen mit schönen Aussichten.
Typische Meeresküche
Fischliebhaber und Kenner von Meeresfrüchten kommen in Galicien auf ihre Kosten. Die Nähe zum Atlantik macht sich auch in der galicischen Küche bemerkbar. Seehecht, Stockfisch, Tintenfische, Muscheln – darunter die bekannte Jakobsmuschel – und Langusten sind typische Bestandteile galicischer Kochkunst. Dazu bietet die Region ausgezeichnete Weine. Neben geistlicher Erbauung ist Galicien daher auch ein Ort für weltliche Genüsse.
Oberstes Bild: Die Illas Cíes im Atlantik vor der galicischen Stadt Pontevedra sind ein bekanntes Naturschutzgebiet. (© Kilezz/QuiRóH, Wikimedia, CC)