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Ein Neffe von Joseph Blatter, dem Schweizer Präsidenten des Weltfussball-Verbands FIFA, wird Chef der Marketingfirma Infront Sports & Media in Zug.
Infront vermarktete die FIFA-Fussball-WM 2002 und 2006 betreffend Übertragungs- und weltweite Verkaufsrechte. Doch die FIFA verneint, eine Rolle bei der Ernennung von Philippe Blatter gespielt zu haben.
Die Familie Blatter hatte schon zuvor einen grossen Einfluss im weltweiten Sportgeschäft: Joseph, auch bekannt als Sepp, ist seit 1998 Präsident der in Zürich beheimateten FIFA und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).
Sein Bruder Marco ist Direktor von Swiss Olympic, der Dachorganisation der Schweizer Sportverbände mit Sitz in Bern.
Der 42-jährige Philippe Blatter war seit Dezember 2005 als Vizedirektor tätig, nach 11 Jahren bei der Beratungsfirma McKinsey, mit der er 2000 für die FIFA tätig war.
Blatter übernimmt nun diesen Monat die Geschäfte des abtretenden Oscar Frei, in dessen Schatten er bisher gearbeitet hat.
Blatters Ernennung
"Die Ernennung Philippe Blatters hat nichts zu tun mit unserer Arbeitsbeziehung mit der FIFA", sagte Jörg Polzer, Sprecher von Infront, gegenüber swissinfo. "Er hat sehr umfassende Arbeit im Sportgeschäft geleistet und ist eine gute Verstärkung unserer erfolgreichen Organisation."
Auch FIFA-Sprecher Andreas Herren verneinte, dass Sepp Blatter irgend etwas mit der Ernennung seines Neffen Philippe bei Infront zu tun hatte. Er betonte, dass Infront letztes Jahr das Rennen um die weltweiten Übertragungsrechte der FIFA-Fussball-WM 2010 verloren habe.
Doch der britische Journalist Andrew Jennings, der kürzlich ein Buch über die finanziellen Verstrickungen der FIFA veröffentlicht hat, bezeichnete die Ernennung als "merkwürdig".
"Die Vergabe der Übertragungsrechte für frühere Fussball-Weltmeisterschaften durch die FIFA ist etwas suspekt", sagte er gegenüber swissinfo.
"Wir beobachten das neue Management bei Infront, das natürlich peinlich sauber ist. Doch als Philippe Blatter bei McKinsey für die FIFA tätig war, hat das in der Geschäftswelt schon einige Fragen aufgeworfen."
Es sei aber mehr als offensichtlich, dass dies eine merkwürdige Situation sei, so Jennings.
Bankrott
Infront Sports & Media ist nach einem turbulenten Kapitel im Geschäft mit den Sportvermarktungs-Rechten entstanden. Die Probleme hatten angefangen, als die Schweizer Firma ISMM-ISL 2001 Konkurs ging. Sie hatte die Rechte für die FIFA-Fussball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 gewonnen.
Auch die deutsche Kirchmedia, die als Retterin auftrat, geriet Anfang 2002 in finanzielle Schwierigkeiten. Kirchsport, eine Tochter der Kirchmedia, wurde aus der Gruppe herausgelöst und nahm die Rechte mit. Vor drei Jahren wurde diese nach der Übernahme durch das eigene Management umgetauft auf Infront Sports & Media.
Zürcher Untersuchungsrichter hatten den Zusammenbruch der ISMM-ISL und deren Verbindungen zur FIFA während einiger Zeit durchleuchtet. Sepp Blatter wurde vom FIFA-Ausschuss zu seiner Rolle bei Transaktionen mit der gescheiterten Marketing-Firma verhört.
Es gibt jedoch keine Anzeichen, dass Infront irgend etwas mit den früheren Verstrickungen der FIFA mit ISMM-ISL zu tun hat.
swissinfo, Matthew Allen, Zürich
(Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub)
Fakten
Hauptaktionäre von Infront Sports & Media sind der frühere Adidas-Chef Robert Luis-Dreyfus und die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Jacobs Holdings.
Infront vermarktet den internationalen Eishockeyverband, neun Fussballteams, darunter den Deutschen Fussball-Bund, das Formel-1-Team Toyota Motorsport, den europäischen Handballverband und einige Wintersportarten.
In Kürze
Die Fussball-WM 2006 in Deutschland wurde in über 200 Länder übertragen.
Die Infront-Tochter Host Broadcast Services wird 2010 die FIFA-Fussball-WM in Südafrika produzieren und übertragen.
Gegenüber den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 allerdings wird Infront nicht mehr für die Vermarktung der Übertragungsrechte zuständig sein; die FIFA wird dies selber übernehmen.
Andrew Jennings hat dieses Jahr ein Buch herausgegeben (Foul! Die geheime Welt der FIFA: Bestechung, Stimmenbasteleien und Ticketskandale). Im Mai hat die FIFA eine Anfrage für die einstweilige Verfügung gegen den Verkauf des Buches zurückgezogen.