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Ja gibt es, sogar viele. Le Corbusier war auch einer. Und wie dieser ist derjenige, dem dieser Artikel gewidmet ist, ein Schweizer. Da er vor 100 Jahren geboren wurde und vor 20 Jahren starb, werde ich mich – zugegeben später als andere Medien – ihm zuwenden, auch wenn mein Verhältnis zu ihm leicht gespalten ist. Die Rede ist von Max Frisch.
Frisch wurde 1911 in Zürich geboren, wo er 1991 auch wieder starb. Zunächst studierte der Filius eines Architekten Germanistik und war nach Abschluss des Studiums Journalist. Unter anderem war er für die NZZ tätig und verfasste für sie nebst diversen Feuilleton-Beiträgen auch Spielberichte über die Eishockey-WM in Prag 1933. Während des Zweiten Weltkriegs diente er als Kanonier im Militär und begann während dieser Zeit wieder mit dem Schreiben.
Das Zeitalter der Architektur
Nach dem Krieg lehrte er allerdings zunächst Architektur an der ETH. 1942 eröffnete er sein eigenes Büro und beschäftigte zwei Zeichner. Sein berühmtestes Werk ist das Letzigraben-Schwimmbaden, heute seinem Planer zu Ehren Max-Frisch-Bad genannt, in Zürich. Es wurde 1947 bis 1949 errichtet und umfasst unter anderem einen Zehn-Meter-Tum. Frisch kam beim Bau zum Zug, nachdem er 1943 den ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatte, 2006 bis 2007 wurde die Anlage saniert und steht heute unter Denkmalschutz. Sie ist ein typischer Bau des Landi-Stils, der im Zuge der Landesausstellung 1939 hochkam und sich durch eine leichte und reduzierte Bauweise auszeichnet. Er soll ein Gegenpol zu den Monumentalbauten des Faschismus darstellen. Die Arbeiten konnten wegen des Krieges erst verspätet in Angriff genommen werden.
Als Frisch 1943 zum ersten Mal den vorgesehenen Standort in Albisrieden besuchte, fand er dort das leerstehende städtische Pulvermagazin vor, zudem wurde der Standort im 14. Jahrhundert als Galgenhügel verwendet, was dazu führte, dass während den Bauarbeiten ein Skelett gefunden wurde. Der Standort hatte für Frisch eine grosse Bedeutung, war doch der Letzigraben oft Standort von Scharmützeln verschiedener Jahrhunderte. Franzosen, Österreicher, Russen, Eidgenossen – sie alle bekämpften sich in Albisrieden. Für Frisch hatte der Freibadbau dieselbe Bedeutung wie der Wiederaufbau in den Kriegsgebieten, genauer gesagt, von ihm besichtigte Brückenbaustellen in Polen: Mit verbindenden, sozialen Bauten wird das vergangene Kriegsgeschehen beseitigt.
In Gymnasien gern gesehenes Lehrmittel
Nach und nach wandte sich Frisch immer mehr der Schriftstellerei zu, 1955 gab er sein Architekturbüro auf. 1946 verfasste er mit der Chinesischen Mauer ein Werk, in dem sich die Menschheit mit einer Atombombe selbst ausrottete. Weitere bekannte Werke Frischs ist das Drama Biedermann und die Brandstifter und die Romane Stiller und Homo faber. Insbesondere letzteres ist vor allem wegen der Bildnisproblematik ein gern gesehenes Werk in Schweizer Gymnasien. Seine Hauptfigur, der Schweizer ETH-Ingenieur Walter Faber, reist um die ganze Welt, verliebt sich dabei in seine Tochter und ist indirekt auch für ihren Tod verantwortlich. Mit technischen Mitteln, zum Beispiel einem Rasierapparat, versucht Faber die Natur zu kontrollieren.
Letzte Lebensjahre
Seine letzten Lebensjahre waren turbulent. Im März 1989 erkrankte er an unheilbarem Darmkrebs. Wenig später wurde im Rahmen der Fichenaffäre publik, dass Frisch nach seiner Teilnahme am Internationalen Friedenskongress vom Nachrichtendienst bespitzelt wurde. Frisch beschäftigte sich auch mit der Diskussion über die Abschaffung der Armee – die von der heutigen GSoA ins Spiel gebracht wurde – und verfasste auch literarische Werke darüber. Mitten in den Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag verstarb Frisch am 4. April 1991.
Lustige Anekdote
Nebst dem Freibad konnte Frisch unter anderem noch ein Einfamilienhaus für einen Haarwasserfabrikaten planen. Der verklagte Frisch jedoch, weil der ohne Rücksprache das Treppenhaus verändert hatte. Frisch rächte sich an ihm, indem er den Fabrikanten als Vorbild für den Protagonisten in Biedermann und die Brandstifter nahm.
Mein Verhältnis zu Frisch
Als ich noch nichts von Frisch gelesen habe, war ich ziemlich gespannt auf die Lektüre des Schweizer Autors. Doch als ich dann in der Schule Homo faber in die Hände bekam, fiel ich aus allen Wolken. Die ersten paar Seiten tönen ja noch cool, und ich als technikbegeisterter hatte das Gefühl, dass ich das Buch lieben würde. Aber: weit gefehlt. Beim ersten Durchlesen empfand ich Homo faber als langweilig, fast langweiliger als meine seltenen Kirchenbesuche. Ich musste mich durchringen, die Buchstaben aufzufressen. Da hat mir Frischs Freund beziehungsweise Rivale Friedrich Dürrenmatt bedeutend besser gefallen. In Dürrenmatts Büchern ist wenigstens noch was los, zudem gibt es noch Lokalkolorit von den Schauplätzen. Als ich mich dann für die Matura abermals mit Homo faber auseinandersetzen musste – und dies noch in Form eines Vortrags – gefiel mir das Buch plötzlich besser. Von alleine wäre ich nie auf alle Aspekte und Hintergründe draufgekommen, auch wenn ich bezweifle, dass Frisch beim Niederschreiben genau diese Gedanken hatte, die wir über 50 Jahre später in der Schule diskutiert haben. Typisch Gymnasium: Hochstehendes Werk = 1000 Seiten Sekundärliteratur mit Gedanken, die kaum im Hirn des Schrifstellers herumgegeistert waren. Aber ja, egal.
Trotz der arrangierten Liebe zwischen mir und dem Roman Homo faber werde ich mir vermutlich in den nächsten Jahren kein weiteres Frisch-Werk zu Gemüte führen, es sei denn, ich will Kopfschmerzen haben. Und die kann ich auch anders erreichen: Ein paar Bierchen zu zischen ist sicherlich witziger als über die Launen und Methoden des „Frauenhassers“ Walter Fabers nachzudenken.
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