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Skandinavien war in der griechisch-römischen Antike als Scandza bekannt. Der Begriff Skandinavien ist etymologisch verwandt mit Schonen (Scandia) und dem Ort Skanör. Scadinauia ist der älteste lateinische Name für Schonen. Damit bezeichneten die Römer alles, was nördlich von Germanien lag. Heute deckt der Begriff die Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland ab. Die Börse dieser Region, abgedeckt durch den MSCI Nordic Countries (www.msci.com/documents/10199/6bd9ad54-61be-4bdf-afcd-7465994bcb95) entwickelte sich im neuen Jahrtausend weit spektakulärer als der Weltaktienindex (siehe Grafik 1). Den Vogel abgeschossen hat dabei der dänische Aktienmarkt, gefolgt von Norwegen. Unterdurchschnittlich verlief einzig Finnland. Dessen schwache Performance lag vor allem an der Aktie des Telekommunikationsunternehmens Nokia. Der einstige Highflyer und, gemessen an der Börsenkapitalisierung immer noch drittgewichtigste Wert im OBX-25, verpasste die technische Entwicklung und wurde von den Anlegern ab November 2007 gnadenlos abgestraft.
Gute Perspektiven
Die Danske Bank hat vor kurzem ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum in den nordischen Ländern für das kommende Jahr gesenkt, da Engpässe in der Lieferkette und Arbeitskräftemangel den Aufschwung in der Region behindern könnten. Die Bank geht davon aus, dass diese Einschränkungen nachlassen werden, wenn sich die weltweite Nachfrage wieder auf Dienstleistungen verlagert, aber dieser Prozess habe sich durch die Omikron-Variante von Covid-19 weiter verzögert. Des Weiteren stellt die Danske Bank fest, dass die starke Nachfrage im In- und Ausland das Wachstum der nordischen Volkswirtschaften ankurbelt, und glaubt, dass die Expansion nur geringfügig gebremst wird, wenn die Regierungen neue Beschränkungen auferlegen, um den durch Omikron ausgelösten Anstieg der Covid-Fälle einzudämmen. Für Dänemark sieht Danske für 2021 ein BIP-Wachstum von 3.8%. 2023 wird ein Wachstum von 1.7% erwartet. Der angespannte Arbeitsmarkt wird in den kommenden Jahren ein beherrschendes Thema sein, da ein ausgeprägter Aufschwung die verfügbaren Ressourcen nahezu erschöpft hat und die Löhne voraussichtlich steigen werden. Ähnliches Potential sieht das Finanzinstitut für Schweden. Hier wird für 2022 ein BIP-Wachstum von 3.0% erwartet und im Jahr 2023 ein solches von 2.2%. Neue Covid-Beschränkungen, anhaltende Probleme in der Lieferkette und rekordhohe Strompreise könnten kurzfristig für Gegenwind sorgen. Für Norwegen lauten die Prognosen für das BIP-Wachstum auf 3.8% im laufenden Jahr und 2.0% für 2023. Für Finnland prognostiziert Danske ein Wachstum von 2.8% im laufenden Jahr.
Schweden
Das flächenmässig grösste Land Skandinaviens vor Norwegen, Finnland und Dänemark weist auch die höchste Marktkapitalisierung auf vor Dänemark und den beiden fast gleich grossen Ländern Finnland und Norwegen. Im Blue Chip Börsenbarometer OMX-30 dominierte am 21. Januar die Aktie des Pharmaunternehmens Astra Zeneca mit einem Gewicht von 22.8% vor derjenigen des Industrieunternehmens Atlas Copco mit 6.6% und der Nordea Bank mit 5.7%. Die Performance-Rangliste wurde über die letzten drei Monate gerechnet, da ab Ende Oktober ein globaler Bruch in der Struktur eingetreten ist im Vergleich zur Phase zwischen März 2020 und Oktober 2021. In der genannten Zeitspanne führte bis zum Stichtag die nach wie vor günstig bewertete Aktie von Boliden, ein Bergbauunternehmen, das Feld an, gefolgt von ABB, die uns Schweizern ja wohlbekannt ist.
Dänemark
Auch in Dänemark gibt es, ähnlich wie in Schweden, ein Indexschwergewicht. Es handelt sich um den weltweit führenden Diabetes Spezialisten Novo Nordisk. Der Titel deckte am 21. Januar gut ein Drittel des OMX-20 ab, gefolgt von der Aktie des Transport- und Logistikunternehmens DSV mit 9.6% und Orsted, dem Weltmarktführer im Bereich Offshore-Windenergie mit 9.2%. Performance-mässig ging die Krone über drei Monate allerdings an die Aktie von Moller Maersk, einer in den Bereichen Logistik und Transport tätigen Unternehmensgruppe.
Finnland
Das finnische Blue Chip Börsenbarometer OMX-25 wird dominiert von den drei Titeln Nordea Bank (14.0%), dem Mineralölunternehmen Neste (11.2%) und Nokia (9,9%). In der Performance-Rangliste der letzten drei Monate schwang Metso Outotec vor Stora Enso, Outokumpu und Wärtsilä oben aus. Metso Outotec ist durch den Zusammenschluss von Metso Minerals und Outotec am 30. Juni 2020 entstanden. Es handelt sich um einen führenden Anbieter nachhaltiger Technologien, Gesamtlösungen und Dienstleistungen für die weltweite Mineralienaufbereitungs-, Zuschlagstoff- und Metallveredelungsindustrie. Er belegte 2021 in der Global 100-Liste der nachhaltigsten Unternehmen der Welt den 8. Platz. Stora Enso ist das zweitgrösste Forstunternehmen der Welt sowie einer der grössten Papier und Verpackungshersteller, Outokumpu ein bedeutender Hersteller von rostfreiem Stahl. Bei Wärtsilä handelt es sich um einen global führenden Anbieter von intelligenten Technologien und ganzheitlichen Lösungen über die gesamte Produktlebensdauer für die Schifffahrts- und Energiemärkte.
Norwegen
Equinor, ein Öl- und Gaskonzern, war am 21. Januar mit 32.2% das Indexschwergewicht im OBX, gefolgt von den Aktien der Danske Bank (13.1%) und dem Telekommunikationsunternehmen Telenor mit rund 8%. Bei den Anlegern verzeichnete in den letzten drei Monaten TGS die beste Performance. Das Unternehmen ist ein Anbieter von geophysikalischen Daten, Software und Dienstleistungen. Die zweitplatzierte Orkla ist ein führender Anbieter von Markenkonsumgütern für die Bereiche Lebensmittel, Ausser-Haus-Verpflegung, Fachhandel, Apotheken und Bäckereien. Bei der drittplatzierten Norsk Hydro handelt es sich um einen bedeutenden Aluminiumproduzenten.
«Die Auswahl, der hierzulande offerierten Index- lösungen ist alles andere als üppig.»
Anlageempfehlungen
Die Auswahl, der hierzulande offerierten Indexlösungen ist alles andere als üppig. Mit den ETFs CN1 von Amundi und XDN0 der Deutschen Bank befinden sich zwei Angebote im Tableau von SIX Swiss Exchange. Beide basieren auf dem Basiswert MSCI Nordic Countries Index. Er besteht aus Aktien hoher und mittlerer Kapitalisierung, die etwa 85% des Marktes abdecken. Während der ETF XDN0 eine physisch gedeckte Anlage in skandinavische Aktien offeriert, wird bei CN1 auf die weniger beliebte synthetische Replikation zurückgegriffen. Für Anleger, die auf den Aktienmarkt Dänemark setzen möchten, bietet das von BNP Paribas bereits im Jahr 2007 emittierte Tracker-Zertifikat KFXDK eine auf dem OBX 20 basierende Anlage. Eine Alternative ist der in den USA gehandelte ETF EDEN von iShares. Er basiert auf dem MSCI Denmark IMI 25/50 Index. Er umfasst aktuell 49 der wichtigsten kotierten dänischen Unternehmen. Die maximale Positionsgrösse eines Einzeltitels darf 25% nicht überschreiten, wodurch das Indexschwergewicht Novo Nordisk mit knapp 21% deutlich geringer gewichtet ist als im OBX 20. Alle weiteren Titel haben eine Gewichtung von weniger als 10%. Das kommt einer ausgewogeneren Diversifikation zugute. Bei der Branchengewichtung steht der Gesundheitssektor mit 37.5% (stand 21. Januar 2022) an erster Stelle, gefolgt von Industrie mit 27.7% und dem Finanzsektor mit 11%. Für die Bewirtschaftung und Titelselektion werden vom Management jährliche Kosten von fairen 0.53% berechnet. Wer diversifiziert an der Kursentwicklung des grössten Aktienmarktes Schwedens teilhaben möchte, der muss ebenfalls über den grossen Teich schauen. Der ETF EWD von iShares ist an der NYSE Arca gehandelt und folgt dem MSCI Sweden 25/50 Index. Auf die Watchliste nehmen sollten Anleger ferner das Tracker-Zertifikat NORSBZ der ZKB. Es setzt vom 7. Juli 2021 bis 30. Juni auf einen Nordic Rising Stars Basket. Das Timing war rückblickend suboptimal, da die gehäuft vertretenen Wachstumstitel sich seit Ende Oktober etwas schwer tun. Ebenfalls noch keine Bäume ausgerissen hat das im September 2018 lancierte Tracker-Zertifikat FISHTQ auf die Norwegische Fischerei. Es umfasst ein konzentriertes Portfolio von Aktien aus der norwegischen Lachsfischereiindustrie. Wer auf Einzeltitel setzen möchte, der sollte im laufenden Jahr auf Unternehmen mit einem Bezug zu Rohstoffen setzen, wie beispielsweise Boliden oder Norsk Hydro.