Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03450.jsonl.gz/1042

Die Frage, die sich aus der obigen Geschichte stellt, ist:
Warum reagieren die schwärmenden Bienen auf das Glockengeläut (Lärm) mit einer sofortigen Landung im Gras?
Drei mögliche Hypothesen sind denkbar:
1. Bienen reagieren von Natur aus auf Schwingungen, welche für sie Gefahr bedeuten.
2. Die Schwarmkommunikation wird durch die Schwingungen gestört.
3. Die Schwingungen der Glocken stören/behindern die Bienen beim Fliegen.
1. Diese Hypothese ist gut möglich. Potenzielle Naturgefahren für Bienen wie zum Beispiel Unwetter, Stürme, Gewitter (Blitz und Donner), Fallwinde, Schnee- und Gerölllawinen oder eine Vulkaneruption erzeugen Infraschall, welcher das menschliche Gehör nicht wahrnehmen kann. Die Frequenz des Infraschalls liegt unter 20 Hertz 41. Bienen selbst nutzen Infraschall, um im Bienenstock zu kommunizieren, zum Beispiel die Entfernung und Qualität einer Trachtquelle 42. Sie können Schall, d.h. die Bewegungen der Luft als Reiz durch das Johnstonsche Organ in den Antennen wahrnehmen 20 und Vibrationen von festen Körpern, wie zum Beispiel den Waben, durch die Krallen der letzten Fussglieder 23,49,50. Das Johnstonsche Organe ist ein Sinnesorgan und befindet sich in den Wendegliedern der Fühler 23. Es verfügt über Sinneszellen, welche mechanische Reize und Kräfte in Nervenregungen umwandelt. Durch dieses Organ kann die Biene zum Beispiel den Luftwiderstand, ihre Fluggeschwindigkeit und ihre Lage im Raum feststellen 51.
Wenn also die Kirchenglocken läuten und die Bienen den Infraschall ausserhalb des Bienenstockes wahrnehmen, ist es möglich, dass sie diesen als Gefahr interpretieren und darum sofort landen.
2. Über die Kommunikation im Schwarm direkt nach dem Verlassen der Beute ist wenig bekannt. Man weiss, dass die Bienen die Schwarmtraube gerne an einer exponierten Stelle bilden 23. Vermutlich war die Störung der Kommunikation, vorausgesetzt es gab diese in Moment des Einsetzens des Geläuts, nicht die Ursache des gezeigten Verhaltens. Denn da alle Bienen gleichzeitig in Richtung Boden geflogen sind, sieht es eher nach einer sofortigen Reaktion auf einen äusseren Reiz aus, der ein bestimmtes, abrufbares Verhalten auslöst. Bei einer Störung der Kommunikation stellt man sich eher ein unkoordiniertes Handeln vor.
3. Kirchenglocken erzeugen enorme Schwingungen, die sogar für uns Menschen spürbar sind. Es ist bekannt, dass Kirchenglocken Schwingungen zwischen 500 und 2100 Hertz auslösen 48. Ein riesiges Frequenzspektrum. Studien zeigen, dass Bienen, die mit Schwingungen zwischen 500-800 Hertz beschallt werden, diese Vibrationen auf einer Unterlage über die Beine wahrnehmen (wie unter 1. schon ausgeführt) und ihre Aktivität verlangsamen oder ganz unterbrechen 49,50. Das deckt sich mit den Erfahrungen, die Fabian in der Geschichte gemacht hat. Dieses Verhalten konnten die Wissenschaftler in den beiden Studien bei Bienen im Flug nicht beobachten 49,50. Das bedeutet, dass die Schwingungen über dem Infraschallbereich die Bienen im Flug nicht stören, was die These 3. Somit widerlegt.
Die Nummern stehen für die verschiedenen Quellen, siehe Literaturverzeichnis bei der Geschichte: Eine kleine Aekdote zum Schluss