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Meilener Anzeiger AG
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Auf der Suche nach einem schönen Wohnort hat sich Marlies Givel vor neun Jahren für Meilen entschieden. Seither lebt sie in einem hellen Appartement des «Tertianum», ganz nahe am See, und fühlt sich sehr wohl hier.
Sie geniesst die schöne Umgebung – und auch, dass sie am Morgen länger schlafen kann. In jungen Jahren musste sie beruflich bedingt oft früh aufstehen, teilweise sogar mitten in der Nacht.
Die Jubilarin wurde am 23. Mai 1933 in Weinfelden (TG) geboren und verbrachte dort ihre Kindheit und Schulzeit zusammen mit ihrer genau zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage jüngeren Schwester Yvonne. Gemeinsam verbrachten die beiden Schwestern zuerst ihr Welschlandjahr und danach einen Sprachaufenthalt in England. Anders als Yvonne, die früh heiratete und eine Familie gründete, zog es Marlies Klarer erst einmal in die weite Welt.
Fünf Jahre verbrachte sie in den USA. Ihre erste Stelle hatte sie dort als Nachhilfelehrerin bei einer Familie, deren drei Kinder sie betreute. Einen ganzen Sommer hat sie mit dieser Familie auf einer Ranch im Yellowstone-Park verbracht. Jeden Morgen mussten viele Pferde eingefangen werden, die junge Schweizerin lernte dort reiten. Und auf dem Flug dorthin lernte sie ihren Traumjob kennen. «Das wäre etwas für mich!», dachte sie, und meldete sich bei der Ausbildungsschule für Air-Hostessen in New York an. Neben dieser Schule arbeitete sie für eine Familie im Haushalt.
Nach dem Schulabschluss kamen Vertreter verschiedener Fluggesellschaften, um Interviews zu machen und Personal auszusuchen. Marlies Klarer kam zu Delta Airlines – für eine andere Gesellschaft war sie einen Zentimeter zu klein. Da sie die Dienstjüngste war, wurde sie immer wieder an anderen Orten eingesetzt. Dies war für sie sehr interessant, so hat sie viel Neues kennengelernt. Als sich die Swissair gegen Ende der 1950er-Jahre stark vergrösserte und ihr Streckennetz ausbaute, brauchte man mehr Personal. So wurde die junge Hostess 1959 angeworben, kam in die Schweiz zurück und absolvierte die mehrmonatige Swissair-Schule. Während fünf Jahren ist sie geflogen, vor allem auf Langstreckenlinien.
In der Welt der Hotellerie
1964 heiratete sie in Arosa Marc Givel, genannt Marco, der aus einer welschen Hoteliersfamilie stammte. Kennen gelernt hatten sich die beiden an der Hochzeit einer Freundin, sie waren Brautführerin und Brautführer. Ihre Kinder Nathalie und Yves wurden 1965 und 1967 geboren. Die junge Familie lebte zuerst im Welschland, wo sie in Rolle, am Genfersee, ein herziges kleines Hotel führte. Danach zog sie nach Zürich, wo Marco Givel erst bei Mövenpick und später beim Zürcher Wirteverband arbeitete. Anfangs der 1980er-Jahre übernahm er die Hotelfachschule Belvoirpark Zürich und unterrichtete dort, während seine Frau Marlies im Sekretariat mitwirkte. Während ein paar Jahren führte dann das Ehepaar Givel in Lachen (SZ) ein wunderschönes kleines Hotel am Zürichsee. Hier arbeiteten auch die mittlerweile erwachsenen Kinder mit. Danach zogen sie in seine frühere Heimat, nach Arosa. An der Hotelfachschule Chur-Passugg bildete Marco Givel angehende Hoteliers in den Fachbereichen Weinkunde und Management aus.
Eine Prüfung mit 60 Jahren bestanden
Marlies Givel hatte im FHD (Frauenhilfsdienst) Militärdienst geleistet und weitergemacht bis zum Oberleutnant. Dort lernte sie viel, unter anderem, vor einer Klasse zu stehen und zu unterrichten. Sie war gerne Lehrerin und unterrichtete gegen Ende ihrer Berufstätigkeit an der Hotelfachschule Zürich im Bereich Tourismus künftige Reisebüroleiter im Fach «Flugverkehr». Sie selber hatte zuvor während zwei Jahren immer am Montagabend den Advanced-Kurs besucht, viel auswendig gelernt – zum Beispiel alle Flughafen-Kürzel, von jedem Land Hauptstädte, Flüsse und die wichtigsten Wirtschaftszweige – und mit 60 Jahren die Prüfung bestanden.
In Chur bezogen Marlies und Marco Givel in den 1990er-Jahren eine schöne Eigentumswohnung. Nachdem sie aufgehört hatten, Tennis zu spielen, fuhren sie jede Woche einmal zum Golfspielen nach Arosa. Als dann in Ems ein neuer Golfplatz eröffnet wurde, wechselten sie dorthin, es war näher. Beide liebten dieses Hobby. Auf tragische Weise wurde Marlies Givel 2005 Witwe, als ihr lieber Ehemann auf einer Golfreise nach Frankfurt in der Unterkunft plötzlich verstarb.
Dienstälteste «Swissair Oldie»
Die Jubilarin war auch freiwillig und ehrenamtlich tätig, so zum Beispiel in Frauenvereinen und vor 40 Jahren im Gründungsvorstand der Swissair Oldies. Beim Jubiläum dieser Vereinigung wurde sie letztes Jahr als Dienstälteste geehrt.
Wir gratulieren Marlies Givel-Klarer herzlich zu ihrem 90. Geburtstag, den sie nicht in Meilen feiert, sondern im Tessin, und wünschen ihr gute Gesundheit, viele schöne Begegnungen, dass sie ihren Humor und ihr Interesse für Neues nicht verliert, und dass sie weiterhin mit Freude und Stolz Anteil nehmen kann am Leben ihrer Kinder Nathalie und Yves sowie ihrer 30-jährigen Enkelin Céline.
Im Geschäftsbericht 2022 wurden einzelne Mitarbeitende mit ihren vielfältigen Aufgaben und unterschiedlichsten Lebensentwürfen portraitiert. Dazu passte, dass sich rund 45 Eltern und Mitarbeitende in der Aula Feldmeilen zur Generalversammlung einfanden. So viele wie kaum je seit der Gründung des Vereins FEE!