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Eine Analyse der Lieder “Psycho Killer”, “Once In a Lifetime” und “Girlfriend Is Better” des Talking Heads Konzertfilmes „Stop Making Sense“
“Obwohl ein Grossteil meiner Musik ursprünglich in Isolation komponiert wurde, erhielt sie erst ihre finale Form als sie live gespielt wurde.“ 1
Diese Aussage über das Musikschaffen stammt vom Musiker David Byrne. Er startete seine Musikkarriere als Frontmann der Band Talking Heads in den 70er Jahren und nahm bis heute unzählige Alben mit den Talking Heads sowie als Solokünstler auf. Für seine Liveauftritte ist er bekannt, vor allem durch seine Bühnenrolle als nervöser, hyperaktiver Musiker.
Einen guten Einblick in Byrnes Musikschaffen erhält man durch dessen Buch „How Music Works“. 2
Dieses erschien 2012 zum ersten Mal in den USA und ist heute ein internationaler Bestseller. Es wird als „essentielle Anleitung zum Auftreten und Aufnehmen, ehrlich und aktuell, und gefüllt mit beidem: praktischen Tipps und überlegten Kommentaren“ 3
angesehen. Zudem findet man darin auch viel über Byrnes Geschichte und seine Einstellung zur Musik. Über seinen Werdegang meint er: „Viele meiner Ideen davon, was es zum Beispiel bedeutet auf die Bühne zu gehen, haben sich über die Jahre total verändert, und meine eigene Auftrittsgeschichte ist ein Weg, die Geschichte einer sich immer noch entwickelnden Philosophie zu erzählen.“ 4
Ein wichtiger Aspekt in Byrnes Buch ist die Geschichte der Livemusik und wie diese von den neuen technischen Aufnahmemöglichkeiten geprägt wurde. Für die Beschreibung der Entstehung der Musik geht er weit in der Geschichte zurück und schildert Zeiten, in denen Musik noch nicht aufgenommen wurde, sondern im Moment gehört wurde. Hierzu zitiert Byrne Walter Murch, einen Regisseur und Tonmeister der dazu sagte: „Musik war die wichtigste poetische Metapher für das, was nicht erhalten werden konnte.“ 5 und fügt an, dass Musik vor der Zeit, in der wir sie aufnehmen konnten, etwas war, was wir taten. 6
Es kam damals also auf den Liveauftritt an und auf nichts Anderes. Mit der fortschreitenden Technik wurde es dann aber bald möglich, Musik aufzunehmen und für sich alleine zu hören. In der heutigen Zeit hören wir Musik gar selten auf Konzerten, sondern kennen sie meist nur durch Aufnahmen. Durch die neuen Technologien bekamen Liveauftritte also eine neue Bedeutung. Sie wurden verändert, ja zum Teil sogar ersetzt. Auch die Zuhörer haben sich an dieses Phänomen gewöhnt: „wir haben uns so an den Klang von Aufnahmen gewöhnt, dass wir erwarten, dass ein Livekonzert fast genauso klingt wie die Aufnahme.“ 7
Dennoch hält Byrne an der Wichtigkeit und Einzigartigkeit der Livemusik fest. Für ihn werden seine Lieder erst beim Liveauftritt zu einem Gesamtwerk. Einen guten Einblick in die Liveauftritte von Byrne gibt der 1984 aufgenommene Film „Stop Making Sense“. Der Konzertfilm zeigt Byrne und seine Bandkollegen der Talking Heads mit weiteren Musikern bei einem Konzert. Der Film war ein grosser Erfolg und viele Lieder der Talking Heads wurden dadurch erst richtig bekannt. Dies zeigt, dass David Byrne und die Talking Heads ihren Liedern durch die Liveauftritte etwas gegeben haben, was sie davor noch nicht besassen. Doch was war es genau? Was macht dieser Aspekt der Liveauftritte aus?
Im Folgenden möchte ich dies nun genauer untersuchen. Es soll herausgefunden werden, welche Aspekte desjenigen Liveauftritts, der in „Stop Making Sense“ zu sehen ist, die Lieder von Byrne (und im Falle dieses Filmes der Talking Heads) zu einem Gesamtwerk machen. Weshalb hat diese Aufnahme den Songs zu so einer grossen Bekanntheit verholfen? Hierzu werde ich drei Lieder des Konzertfilmes unter dem Gesichtspunkt des Liveauftritts analysieren.
Die Auftritte von David Byrne und den Talking Heads
David Byrne hat einen sehr grossen Teil seines Buches der Entstehungsgeschichte der Talking Heads gewidmet. Ich möchte im Folgenden auf die Auftrittsgeschichte der Talking Heads und ihres Frontmannes Byrne eingehen. Ich werde mich dabei auf die Anfänge und Entwicklungen, die die Band bis zu ihrem Konzertfilm „Stop Making Sense“ durchlebt hat, konzentrieren. In einem zweiten Abschnitt werde ich dann die Rahmenbedingungen des Filmes „Stop Making Sense“ beleuchten.
Die Anfänge
Talking Heads wurde 1974 von David Byrne, Chris Frantz und Tina Weymouth gegründet. Byrne betont in seinem Buch mehrmals, dass die Talking Heads als Liveband starteten. Das war laut Byrne bemerkenswert, da es zu dieser Zeit schon viele Bands gab, die ihre Aufnahmen machten, bevor sie wussten, wie sie ihre Lieder aufführen und die Menge damit begeistern konnten. 8 Lange Zeit fungierte Talking Heads als Vorgruppe für berühmtere Bands und versuchte ihren eigenen Stil zu finden. Über ihre Anfangszeit sagt Byrne: „Wenn ich frühe Videoaufnahmen anschaue (…) empfinde ich uns weniger als Band, sondern eher als einen Entwurf einer Band. Es war eine Skizze (…).“ 9 Einige Jahre später komplettierte Jerry Harrison die Talking Heads als Vierergespann. Laut Byrne sei dies der Moment gewesen, in dem sie wirklich zu einer Band wurden: „Als eine Vierergruppe, klangen wir plötzlich wie eine richtige Band.“ 10
Byrne beschreibt die Anfangszeit der Talking Heads als einen Prozess der Selbstfindung. Die Band machte sich vor allem zu ihren Anfangszeiten viele Gedanken darüber, wer sie sein und wie sie wirken wolle. So überlegten sie sich zum Beispiel (allen voran David Byrne), was sie auf der Bühne anziehen sollten. Byrne wechselte in der Anfangszeit von Polohemden über Anzug zu engen schwarzen Jeans 11. Jede Kleidungswahl war genau überlegt. Byrne hatte vor allem den Anspruch wie eine normale Person auszusehen. Schlussendlich kam er aber zur Einsicht, dass „wenn es um Kleidung geht, es fast unmöglich ist etwas komplett Neutrales zu finden. Jedes Kostüm hat einen kulturellen Hintergrund, auf irgendeine Art. Es brauchte eine Weile diesen Aspekt einer Aufführung handzuhaben.“ 12
So wie Byrne heute bekannt ist für sein Auftreten auf der Bühne, werden auch die Talking Heads darüber definiert. Über die Band wird beispielweise gesagt: „Der new-wave Style von Talking Heads kombiniert Elemente von Punk, Art Rock, Funk, Avant Garde, Dance, Pop und Weltmusik mit der unruhigen, neurotischen Bühnenrolle von Frontmann und Liederschreiber David Byrne.“ 13 Auf der Bühne spielt Byrne eine Person, die sehr verkrampft, nervös und manchmal auch hyperaktiv wirkt. Auch dazu hat Byrne sich seine Gedanken gemacht: „Ich denke ich realisierte damals, dass es möglich war bei Auftritten ironischen Humor mit Ernsthaftigkeit zu mischen. Diese zwei Dinge in Balance zu halten war eine Gratwanderung, aber es konnte geschafft werden.“ 14
Als grosse Veränderung in der Auftrittsgeschichte der Talking Heads nimmt Byrne die Produktion des Albums „Remain In Light“ wahr, welches sie 1980 aufgenommen hatten. Bei diesem Album nahm die Band ihre Lieder das erste Mal auf, bevor sie sie auf die Bühne gebracht hatten. Dies stellte für sie ein Problem dar, so hatten sie ein Album aufgenommen von dem sie nicht wussten, wie sie es auf der Bühne wiedergeben konnten: „Das war keine Aufnahme, die eine vierköpfige Band im entferntesten live nachbilden konnte.“ 15 Dieses Album auf die Bühne zu bringen war eine grosse Herausforderung für die Band. Sie traten dann bei ihrer Tour nicht mehr in einer Viererkombination auf, sondern holten sich noch viele weitere Musiker und Tänzer auf die Bühne. Das Album wurde zu einem grossen Erfolg und wurde im Jahr 2003 vom Magazin Rolling Stone auf Platz 123 der Liste der „500 besten Alben aller Zeiten“ gewählt. 16 Byrne sieht die Tournee bei der sie das Album bekannt gemacht haben, als einen Schlüsselpunkt in seiner Bühnenerfahrung: „[…] das war nicht nur eine musikalische Transformation, sondern auch eine psychische. Die Natur der Musik half, aber teilweise war es auch die Grösse der Band die mir erlaubte, sogar als Frontsänger, mich selbst zu verlieren und eine Art ekstatische Befreiung zu erleben.“ 17
In ähnlicher Grösse traten die Talking Heads dann auch bei ihrer Tour für das Album „Speaking in Tongues“ auf, woraus der Film „Stop Making Sense“ entstand.
Stop Making Sense
Der Konzertfilm „Stop Making Sense“ wurde an drei Abenden im Dezember 1983 im Hollywood’s Pantages Theater in Los Angeles gedreht. Gezeigt wird ein Livekonzert der Talking Heads. Da der Film während drei unterschiedlichen Konzerten gefilmt wurde, sind darin zwar Ausschnitte von drei verschiedenen Abenden zu sehen, allerdings wirkt es so, als ob es sich nur um ein Konzert handeln würde. Die aufgenommenen Konzerte wurden im Rahmen einer Promotionstour für das neue Album „Speaking in Tongues“ der Talking Heads gegeben. Jedoch wurden auch Lieder von allen bisherigen Alben gespielt. Zudem wurde ein Lied von Weymouths und Frantzs neu gegründeter Band Tom Tom Club gespielt. 18
„Stop Making Sense“ war ein grosser Erfolg und erntete viele gute Kritiken. Gelobt wurden unter anderem David Byrnes Auftritt und seine Bühnenpräsenz: „Die Höhepunkte des Films kamen einfach nur durch Byrnes physische Präsenz. Er rennt auf der Stelle zusammen mit seinem Nebenmann, er rennt um die Bühne, er scheint so glücklich darüber zu sein, dass er am Leben ist und Musik machen kann.“ 19
Betrachtet man nun die Anfänge von Byrne bei den Talking Heads wird schnell ersichtlich, dass er ein Künstler ist, der selten etwas dem Zufall überlässt. Zu Beginn überlegte er sich alle seine Schritte und reflektierte, wie seine Taten auf andere Personen wirken und auch bei „Stop Making Sense“ kann beobachtet werden, wie viele Überlegungen hinter den Auftritten stecken.
Auftrittsanalyse
Psycho Killer
„Psycho Killer“ ist eines der ersten selbst verfassten Lieder von David Byrne. Seit den Anfängen der Talking Heads gehört es in ihr Repertoire. Es erschien 1977 auf dem ersten Album der Band, „Talking Heads: 77“. 20Zu grosser Bekanntheit gelangte das Lied aber erst 1984, als es den Auftakt für den Film „Stop Making Sense“ machte. 21
Talking Heads: «Psycho Killer». Text und Musik: David Byrne, Chris Frantz und Tina Weymouth. Nachweis (Film): Jonathan Demme: Stop Making Sense, 1984. Youtube Video: http://www.youtube.com/watch?v=bM9SHDNAbPw (Abgerufen: 5. August 2015)
Der Text des Liedes handelt von einem psychopatischen Mörder. Byrne hatte eine sehr genaue Vorstellung dieser Figur, als er das Lied schrieb: Er stellte sich vor, dass der Killer sich selbst als einen Mann von Welt in einer Rolle wie Napoleon sehe. 22 Deshalb sind auch einige Strophen des Liedes auf Französisch.
Wie erwähnt, beginnt der Film „Stop Making Sense“ mit diesem Lied: Man sieht zwei Paar Füsse eine Bühne betreten. Sie gehen über die Bühne bis zum Mikrophon, dann stellt Byrne, zu dem die Füsse gehören, einen Kassettenrekorder auf den Boden und sagt ins Mikrophon, dass er eine Kassette habe, die er gerne abspielen würde. Er schaltet den Kassettenrekorder ein und es ertönt der Rhythmus einer Drum-Maschine. Byrne wippt mit einem Fuss dazu und langsam schwenkt die Kamera von seinen Füssen über die Beine hoch an seinem Körper auf das Gesicht und er beginnt mit dem Lied „Psycho Killer“. Er begleitet das Lied auf einer akustischen Gitarre. Byrne schaut mit aufgerissenen Augen ins Publikum und singt: “I can’t seem to face up to the facts. I’m tense and nervous and I can’t relax“ („Ich kann den Tatsachen nicht ins Auge schauen. Ich bin angespannt und nervös und ich kann mich nicht entspannen“) 23. Sein Auftritt passt genau zum Text. Byrne wirkt nervös und angespannt, wie er es im Lied singt. Er verkörpert den Psychopaten, von dem der Text handelt. Ganz alleine steht er in einem grauen Anzug auf der dunklen Bühne und wirkt durch seine angespannte Körperhaltung und die weit aufgerissenen Augen fast schon bedrohlich. Byrne bewegt sich beim Vortragen des Liedes kaum. Er wippt nur mit einem Fuss. Doch auch dies wirkt befremdlich, da er seinen Fuss nicht wirklich zum Rhythmus bewegt, sondern ihn wahllos hochreisst und wieder fallen lässt.
Auch der Refrain passt zu dem angespannten Psychopaten. Byrne singt: ”Psycho Killer, Qu’est-ce que c’est? Far better, to run away“ („Psycho Killer, was ist das? Es ist besser, davonzurennen”). Speziell am Refrains ist, dass das Wort „far“ zuerst als “fa fa fa fa fa fa fa fa fa“, gesungen wird, bis Byrne beim letzten fa das Wort far daraus formt. Dieses Gepresste und Stotternde passt auch wieder zum Bild des nervösen Psychopathen.
Jedoch kann dieser Teil des Refrains auch als eine Anspielung auf Otto Reddings “Fa-Fa-Fa-Fa-Fa (Sad Song)“ gesehen werden. In seinem Buch „How Music Works“ geht Byrne darauf ein, dass Stax Sound einen Einfluss auf das erste Album der Talking Heads gehabt habe. 24 Unter Stax-Sound werden die Gemeinsamkeiten, die in Stax-Studios aufgenommene Titel aufweisen, verstanden. Die Stax Studios wurden in einem alten Kinosaal errichtet. Daher ist eine der Eigenschaften von Stax-Sound der Nachhall-Effekt, der durch die Grösse des Kinosaals entstand 25. Ottis Reddings, der im Stax-Studio einige Alben aufgenommen hatte, spielte in seinem Lied “Fa-Fa-Fa-Fa-Fa (Sad Song)“ auf diesen Effekt an.
In der nächsten Strophe wechselt Byrne die Perspektive und spricht den Killer nun in der zweiten Person an, als ob er schizophren zu seinem zweiten Ich sprechen würde 26: “You start a conversation you can’t even finish it. You’re talking a lot but you’re not saying anything. If I have nothing to say, my lips are sealed. Say something once, why say it again?” („Du startest ein Gespräch, du kannst es nicht einmal beenden. Du sprichst viel, aber du sagst nichts. Wenn ich nichts zu sagen habe, dann sind meine Lippen versiegelt. Sag etwas einmal, warum sollte man es nochmal sagen?“). Die Art wie Byrne diese Strophe im Video singt, unterscheidet sich von der bisherig gesungenen. Er wechselt zwischen einer hohen und tiefen Stimme und sein Gesang klingt eher spöttisch. 27 Dieses schizophrene Zwiegespräch komplettiert das Bild des Psychopathen.
Nach einer weiteren Strophe und einem weiteren Refrain, während denen Byrne genau gleich angespannt und nervös auf der Bühne steht, läuft er Gitarre spielend vom Bühnenrand weg über die leere Bühne. Dann verändert sich plötzlich der Rhythmus der Drum-Maschine und Byrne fällt aus dem Gleichgewicht, hört auf Gitarre zu spielen und bewegt sich schwankend und haltlos über die Bühne. Dann wird der Rhythmus wieder normal und er geht Gitarre spielend weiter über die Bühne. Dies wiederholt sich einige Male. Es sieht so aus, als ob der von Byrne verkörperte Psychopath mit seinem schizophrenen Selbst ringen und immer wieder die Kontrolle verlieren würde. Im Hintergrund sieht man nun auch Menschen, die Bühne ist nicht mehr ganz leer, sondern die Bandkollegen von Byrne beginnen die Bühne aufzubauen. Jedoch stört das Byrne in seiner Rolle nicht im Geringsten. Er macht mit seiner Show weiter ohne jemanden zu bemerken.
Byrne spielt den Talking Heads Hit in der Rolle des Psychopaten und als Zuschauer wird einem schon fast etwas mulmig zumute. Er steht auf dieser riesengrossen leeren Bühne in seinem grauen Anzug, zuckt, ist angespannt, springt umher, steht wieder still und singt jede Strophe des Liedes anders. Er nutzt seine extrem veränderbare und dynamische Stimme. 28 Er kreischt einmal, wechselt zu Sprechgesang und singt dann wieder fast lieblich. Byrne macht dadurch sein Lied zu einem Gesamtwerk. Er denkt seine Musik szenisch: er beschränkt sich nicht nur auf den Klang der Lieder, sondern er lässt durch seinen Auftritt die Figuren hervortreten, die in seinen Texten vorkommen und zeigt somit den Zuschauern bildlich, wovon seine Lieder handeln.
Once in a Lifetime
„Once in a Lifetime“ erschien 1980 auf dem Album „Remain in Light“. Zu Beginn hatte das Lied mässigen Erfolg und schaffte es nicht in die Charts. Dennoch gilt es heute als eines der bekanntesten Lieder der Talking Heads. Das Lied wurde, wie auch schon „Psycho Killer“ nach dem Film „Stop Making Sense“ bekannter. Die „Stop Making Sense“-Version des Liedes wurde danach zur Titelmusik des Filmes „Down and out in Beverly Hills“. 29
Laut Byrne kam ihm die Idee für diesen Liedtext, als er im Radio einem Priester zuhörte. Ihn faszinierte daran vor allem die Art wie der Priester seine Rede hielt. Der Priester begann alle Sätze mit dem gleichen Anfang, wodurch aus seiner Rede eher etwas Poetisches, Musikähnliches wurde. 30 Byrne übernahm für sein Lied sogar ganze Satzteile der Rede: „Eine oder zwei Teile die ich nutzte – die Repetition des Satzes „Du wirst dich wiederfinden“ (You may find yourself), zum Beispiel – waren genau übernommen von dem Radio-Priester, aber von da aus improvisierte ich und änderte den Fokus von einer christlichen Botschaft zu, ja, ich war zuerst gar nicht sicher was mein Ziel war.“ 31
http://www.youtube.com/watch?v=o7pVjl4Rrtc
Talking Heads: «Once In A Lifetime». Text und Musik: David Byrne, Brian Eno, Chris Frantz, Jerry Harrison und Tina Weymouth. Nachweis (Film): Jonathan Demme: Stop Making Sense, 1984. Youtube Video: http://www.youtube.com/watch?v=o7pVjl4Rrtc (Abgerufen: 5. August 2015)
Den Einfluss des Priesters sieht man auch in „Stop Making Sense“. 32 Zu Beginn der Aufnahme sieht man einen Mann am Mischpult stehen. Er scheint etwas erhöht zu stehen, die Bühne ist ganz dunkel bis auf einen Scheinwerfer, der ihn von oben herab beleuchtet. Durch diese Beleuchtung wirkt der Mann wie eine übernatürliche Person mit einem Heiligenschein. Es ist leise Musik zu hören, die immer lauter wird. Der Mann bewegt sich ganz langsam, wirkt ausser Atem und sieht ein bisschen so aus, als ob er in Trance wäre. Dann schaut er von seinem etwas erhöht stehenden Mischpult runter auf die linke Seite, die Kamera folgt seinem Blick und landet auf David Byrne. Darauf beginnt das Lied mit einem Schlagzeugauftackt. Byrne steht mit ausdrucksloser Mine, zuckend und sich wiegend vor dem Mikrophon. Es scheint, als ob eine unsichtbare Kraft ihn immer wieder auf eine Seite reisst. Sein Körper wirkt leblos und gibt diesen Impulsen nach. Dann fängt er sich, streicht sich durch die Haare, legt seine rechte Hand ans Mikrophon und streckt die linke Hand in die Höhe. Er beginnt zu sprechen: “You may find yourself, in another part oft he world“ („Du wirst dich an einem anderen Ort der Welt wiederfinden“ 33). Die Strophe geht weiter bis er mit seinen Schultern zuckt und sagt: “You may ask yourself well…“ („Du wirst dich fragen: nun…“) und mit einer hohen panischen Stimme fortfährt: “How did I get here?“ („Wie bin ich hierhin gekommen?“).
Zur Bedeutung des Liedtextes wurden viele Vermutungen angestellt. Byrne sagte in einem Interview dazu, dass der Liedtext genau das aussagen soll, was er sagt: „Wir sind oft unbewusst. Weisst du, wir handeln halb-wach oder auf Autopilot und enden dann mit einem Haus und einer Familie und einem Beruf und allem anderen, und wir haben nie innegehalten, um uns zu fragen: wie bin ich hierhin gekommen?“ 34 Und genau diese Person auf Autopilot spielt Byrne auf der Bühne. Er spielt jemanden, der wie in Trance durchs Leben geht, beeinflusst von unterschiedlichen Faktoren, hin und her gerissen wird, und sich nicht überlegt, was er eigentlich tut. Aber das ist nicht die einzige Rolle, die er spielt. Er spielt auch diejenige Person, die auf das Problem aufmerksam macht, einem Priester ähnelnd. spricht er die ferngesteuerte Person mit fester Stimme direkt und beschwörend an.
Die Strophen, die der Rede eines Priesters so ähneln, werden nicht gesungen. Bis zum Refrain gibt es keine Melodie in Byrnes Stimme. Der Refrain hingegen bildet einen grossen Kontrast. Er klingt fröhlich, fast schon überschäumend täuscht er „über die Spannung und Klaustrophobie von Byrnes abstrakten und impressionistischen Liedtext hinweg(…).“ 35
Während dem Refrain steht Byrne in der immer gleichen Pose auf der Bühne. Er hält beide Arme in die Luft wie ein Prediger. Je nachdem wie er seinen Arm hält, fällt ein grosser dunkler Schatten über seine Augen. Er singt zusammen mit den Hintergrundsängerinnen und anderen Musikern: “Letting the days go by. Let the water hold me down“ („Die Tage vorüberziehen lassen, das Wasser hält mich unten“). Und spielt damit wieder auf das unbewusste Sich-treiben-lassen an.
Während den weiteren Strophen macht Byrne immer wieder andere abstrakte Bewegungen. Bei einem Teil des Liedes, bei dem Byrne “same as it ever was“ („gleich wie es immer war“) mehrmals wiederholt, schlägt er sich zum Beispiel nach jedem Satz mit seiner rechten Hand gegen den Kopf, taumelt zurück, fängt sich wieder und schlägt sich wieder gegen den Kopf. Es wirkt, als ob in Byrnes Kopf immer wieder dasselbe vorgehen würde und er sich dagegen schlägt, um einen klaren Gedanken fassen zu können. Auch hier spielt er den Getriebenen, der ferngesteuert durch die Welt geht.
Schaut man sich das offizielle Musikvideo 36 von „Once In a Lifetime“ an, welches viel Aufmerksamkeit erregte und sogar im New Yorker „Museum of Modern Art“ gezeigt wird, sieht man, dass Byrne auf der Bühne zum Teil dieselben Bewegungen macht, wie im Musikvideo. Die Choreografie dieses Musikvideos entstand aussergewöhnlich: Byrne schaute viele Dokumentarfilme über Personen, die sich in Trance befinden, da er die Bewegungen in seine Choreografie aufnehmen wollte. 37 Und dies hat er nicht nur im Musikvideo, sondern auch auf der Bühne bei „Stop Making Sense“ geschafft. Byrnes Auftritt gleicht einer Person in Trance.
Die Aufnahme des Stücks endet eher unspektakulär. Byrne geht verschwitzt und nach Luft ringend rückwärts aus dem Bild, dann ist die Aufnahme zu Ende. Doch auch dieser Abgang passt. Er beendet eine grosse Darbietung Byrnes, ohne dass er die Rolle des Stars einnimmt und sich bei heftigem Applaus verbeugt. Die Aufnahme erzählt eine Geschichte von Anfang bis zum Ende. Es ist fast schon mehr eine Theaterdarbietung als ein Konzertstück. Als Zuschauer wird man mitgerissen, bekommt ein beklemmendes Gefühl, wenn man den gejagten Byrne sieht und beginnt zu überlegen: ist es an der Zeit mich selbst zu fragen: “how did I get here?“
Girlfriend Is Better
Das Lied „Girlfriend Is Better“ erschien auf dem fünften Album der Talking Heads „Speaking in Tongues“. Es unterscheidet sich von den Liedern „Psycho Killer“ und „Once in a Lifetime“ insofern, dass es weniger bekannt ist und schlechtere Kritiken erntete. Als Stärken des Liedes wurden seine ansteckende Melodie, sein Refrain und der Fakt, dass man gut dazu tanzen kann, angesehen. 38
Zu Bekanntheit gelang das Lied, wie die beiden anderen auch, durch den Film „Stop Making Sense“ 39. Jedoch war es weniger das Lied, das Aufmerksamkeit erregte, sondern die Tatsache, dass Byrne bei diesem Lied einen überdimensionalen grauen Anzug trägt. Der Anzug wird teilweise sogar als Kultsymbol der 1980er angesehen. 40 Die Idee zu diesem Anzug kam Byrne bei einem Gespräch mit dem Modedesigner Jurgen Lehl: „Jurgen Lehl bot das alte Sprichwort „auf der Bühne muss alles grösser sein“. Davon inspiriert, skizzierte ich die Idee für ein Bühnenkostüm. Ein Anzug (wieder!), aber grösser, und im Stil eines Noh Kostüms. Das war nicht genau was er meinte, er meinte die Gesten, den Ausdruck, die Stimme. Aber ich wandte es auch auf die Kleidung an.“ 41
Talking Heads: «Girlfriend Is Better». Text und Musik: David Byrne, Chris Frantz, Jerry Harrison und Tina Weymouth. Nachweis (Film): Jonathan Demme: Stop Making Sense, 1984. Youtube Video: http://www.youtube.com/watch?v=9r7X3f2gFz4 (Abgerufen: 5. August 2015)
Der graue Anzug steht im Mittelpunkt der Aufnahme von „Girlfriend Is Better”. Zu Beginn, steht Byrne weit hinten auf der Bühne. Die Bühne ist ganz dunkel und nur er wird durch einen Scheinwerfer von unten beleuchtet. Dies erzeugt einen riesigen Schatten an die Bühnenrückwand. Dann fährt die Kamera hoch wodurch nur noch der Schatten zu sehen ist. Er zuckt mit einer Schulter zum Rhythmus. Es ist ein beeindruckendes Bild. Bisher konnte man den grossen Anzug noch gar nicht sehen, doch sobald der Schatten zu sehen ist, merkt man, dass irgendetwas mit den Proportionen des Bildes nicht stimmen kann. Byrnes Kopf wirkt viel zu klein für seine breiten Schultern. Dann geht mehr Licht an, das Bild wechselt zu Byrne und man kann den überdimensionalen grauen Anzug zum ersten Mal richtig sehen. Die Kamera dreht sich einmal 180 Grad um Byrne, danach wird er von Vorne gefilmt, sein grauer Anzug leuchtend auf der sonst schwarzen Bühne. Er steht ganz still da und beginnt mit dem Text: “I…Who took the money? Who took the money away? I…It’s always showtime, Here at the edge of the stage” („Ich… Wer nahm das Geld? Wer nahm das Geld weg? Ich… es ist immer Showtime, hier am Bühnenrand“ 42). Der Text passt zum Bild von Byrne, wie er da in seinem überdimensionalen Anzug steht, fast wie eine Marionette, die auf die Bühne gestellt wurde und jetzt tanzen soll. Auch beim weiteren Text könnte man vermuten, dass Byrne über das Leben im Rampenlicht spricht. Er fährt fort: “I, I, I, wake up and wonder, what was the place, what was the name? We want to wait, but here we go again…“ (Ich, ich, ich, wache auf und wundere mich, was war der Ort und wie war sein Name? Wir wollen warten, aber wir gehen schon wieder…). Der Text lässt viel Raum für Interpretationen offen. Und der Refrain “I got a girlfriend who’s better than this, and you don’t remember at all“ („Ich habe eine Freundin, die besser ist als das, und du erinnerst dich gar nicht daran“) scheint nicht zu den Strophen zu passen. Dies wird auch als eine Schwäche des Stücks angesehen. Es wird darüber gesagt, dass der Refrain mehr Sinn macht als die Strophen. Der Refrain spiele mit seinem Inhalt auf Byrnes immer wieder auftauchende Themen wie Paranoia und Nervosität an, wobei die Strophen „eher einem rhythmischen Zweck dienen, mit wenig Interesse an einer zusammenhängenden Aussage.“ 43
Doch bei dem Bühnenauftritt in „Stop Making Sense“ geht es meiner Meinung nach auch nicht um den Text. Bei der Aufnahme wird Byrne gezeigt, wie er in seinem überdimensionalen Anzug tanzt und es scheint, als ob er richtig Spass hätte. Das Bild ist urkomisch, da der Anzug so gross ist und bei der kleinsten Bewegung wackelt der ganze Anzug. Doch Byrne ist nicht die einzige Person die tanzt. Auch die anderen Bandmitglieder sind auf der Aufnahme immer wieder zu sehen und alle sind ausgelassen und tanzen zur Musik. Einmal tanzt Byrne sogar mit einer der Hintergrundsängerinnen. Seine Tanzbewegungen in diesem Anzug sehen so komisch aus, dass man gleich Lust hat mitzutanzen.
Der neurotische und angespannte Bühnencharakter Byrnes scheint während dem Lied fast gänzlich verschwunden zu sein. Erst bei dem Textabschnitt: “Stop making sense“ („Es macht keinen Sinn mehr“), woher der Film auch seinen Namen hat, kehrt Byrnes angespannte, neurotische Art zurück. Fast panisch steht er da und wiederholt den Satz immer wieder. Er streckt das Mikrophon zuerst einem Bühnenbeleuchter, dann der Kamera zu, als ob er den Zuschauer auffordern wollte, mitzusingen. Jedoch kehrt, kaum ist dieser Part vorbei, seine gute Laune und Tanzfreude zurück und er spielt Luftgitarre. Am Ende der Aufnahme faltet er sich ganz klein zusammen, das Licht wird immer dunkler und er verschwindet im Nichts.
Die Aufnahme von „Girlfriend Is Better“ ähnelt am ehesten einer Konzertaufnahme, wie man sie von anderen Künstlern kennt. Man sieht die ganze Band, alle freuen sich und tanzen. Es hat weniger den Charakter einer gespielten Szene, wie bei den anderen bisher analysierten Szenen. Eine Besonderheit daran ist tatsächlich der graue Anzug. Byrnes Bewegungen in diesem Anzug bringen einen zum Lachen und man spürt auch, dass die ganze Band Freude daran hat, auf der Bühne zu stehen. Eine weitere Besonderheit ist, dass man einmal ein anderes Bild von Byrne zu sehen bekommt: das Bild des glücklichen und entspannten Byrne.
Vergleich
Betrachtet man nun diese drei Auftritte, können viele Ähnlichkeiten aber auch einige Unterschiede gefunden werden.
Zuerst einmal ist es wichtig anzumerken, dass ich meine Analysen nur auf eine Aufnahme eines Livekonzertes stütze. Diese sind wiederum durch die Kameraführung, die Schnitte und die Auswahl der Aufnahmen verfälscht und verändern die Wahrnehmung. Daher werde ich versuchen den Aspekt der Kameraführung auszuklammern.
Schaut man sich die drei Aufnahmen an wird ersichtlich, dass hinter all den Auftritten viele Überlegungen stehen. Von der Aufstellung auf der Bühne, über das Kostüm, das Licht und bis hin zum Tanz, alles ist genau inszeniert.
Dies beginnt bei der Bühnenkomposition: Byrne tritt beim Lied „Psycho Killer“ ganz alleine auf. Dies passt zum Inhalt des Textes, zum vermutlich von der Gesellschaft ausgegrenzten und für sich alleine stehenden Psychopathen. Beim Lied „Once In a Lifetime“ stehen ganz viele Personen auf der Bühne und alle sind nur von spärlichem Licht beleuchtet. Dies erzeugt eine mystische Atmosphäre. Dass zwei Personen an Mischpulten etwas erhöht stehen, gibt dem Ganzen Gewicht. Sie sehen aus, als ob sie von ihren Mischpulten aus die ganze Show steuern. Bei „Girlfriend Is Better“ steht Byrne mit seinem überdimensionalen Anzug im Mittelpunkt, umgeben von der tanzenden Band. So entsteht das Bild einer grossen feiernden Menge.
Die Kostüme sind beim Film „Stop Making Sense“ relativ einheitlich gehalten. Byrne trägt weisse Turnschuhe und einen grauen Anzug. Liest man Byrnes Buch, wird einem klar, dass auch hinter diesem einfachen Anzug viele Überlegungen stecken. Allem voran der Anspruch, eine neutrale Kleidung zu tragen. Beim Lied „Girlfriend Is Better“ trägt Byrne denselben Anzug, jedoch in einer überdimensionalen Ausgabe. Dafür wurde das Lied auch bekannt. Was der überdimensionale Anzug mit der Aussage des Liedes zu tun hat, wurde mir in meiner Analyse jedoch nicht ersichtlich.
Die Bewegungen auf der Bühne vollenden das Gesamtbild: Byrne spielt bei den Liedern „Psycho Killer“ und „Once in a Lifetime“ selbst die Personen, über die gesungen wird. Bei ersterem spielt er den nervösen, verrückten Psychopathen, bei zweitem sowohl die Person auf Autopilot, die direkt im Liedtext angesprochen wird, als auch den Priester, der diese Person anspricht. Bei beiden Liedern erzählt Byrne auf der Bühne eine Geschichte. Sieht man Byrne in seinen Rollen, wird einem genau bewusst, was im Lied erzählt wird und über wen gesprochen wird. Eine Ausnahme macht hier das Lied „Girlfriend Is Better“. Zwar spielt Byrne auch hier eine Rolle, die Rolle des Unterhalters. Das gelingt ihm sehr gut, jedoch passt sie nicht zwingend zum Text des Liedes. „Girlfriend Is Better“ ist auch das einzige Lied, welches nicht wirklich zu Byrnes bekannten Rolle des Nervösen, Hyperaktiven passt.
Fazit
Welche Aspekte des Liveauftrittes machen nun die analysierten Lieder zu einem Gesamtwerk?
Byrne macht sein Konzert zu einem Theater und erzählt Geschichten. Er schlüpft in unterschiedliche Rollen und bringt dem Publikum die Lieder so näher. Und genau das ist der Aspekt, der die Lieder zu einem Ganzen machen. Byrne führt dem Publikum das vor, was man sich beim einfachen Hören der Lieder höchstens vorstellen kann. Sein Liveauftritt gleicht schon einem Musikvideo, in dem die Geschichte, die im Lied erzählt wird, noch durch Bilder untermalt wird.
Jedoch wird aus meinen Analysen auch ersichtlich, dass ihm das nicht bei allen Liedern gelingt. Bei „Psycho Killer“ und „Once in a Lifetime“ inszeniert Byrne auf der Bühne genau die Geschichte, die im Lied gesungen wird. Bei dem Lied „Girlfriend Is Better“ gelingt ihm das meiner Meinung nach nicht. Der Bühnenauftritt hat dennoch eine grosse Wirkung und zwar durch den überdimensionalen Anzugs von Byrne. Jedoch steht dieser Anzug nicht spezifisch für das Lied und macht daher „Girlfriend Is Better“ nicht zu einem Gesamtwerk. Er wertet das Lied auf mit seinem Auftritt, das steht ausser Frage, jedoch hätte er das bei jedem beliebigen Lied machen können. Es stellt sich meiner Meinung nach hier die Frage, ob sich Byrne dem Mittel dieses Anzugs bediente, da das Lied „Girlfriend Is Better“ nicht von den Standardthemen wie Nervosität und Anspannung handelt. Seine allbekannte Bühnenrolle passt perfekt zu den Liedern „Psycho Killer“ und „Once In a Lifetime“. Doch wie verhält es sich bei weiteren Liedern die andere Themen verhandeln? Werden da beim Liveauftritt auch Mittel wie der überdimensionale Anzug genutzt oder schlüpft Byrne gar in eine neue Bühnenrolle? Dies würde mich bei einer weiterführenden Analyse interessieren.
Bei dieser Analyse kann nun aber gesagt werden, dass alle drei Lieder durch den Liveauftritt aufgewertet wurden. Zu verdanken ist dies vor allem den schauspielerischen Leistungen von David Byrne. Seine Bühnenpersönlichkeit macht seine Musik zu etwas Besonderem. Man muss ihm Recht geben, wenn er behauptet, dass er ein besonderes Talent als Livemusiker hat.
Notes:
- Byrne 2013, 37. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “Though much of my own music may initially have been composed in isolation, it only approached its final shape as a result of being performed live”. ↩
- Byrne, David: How Music Works. Edinburgh: Canongate Books, 2013. ↩
- Byrne 2013, Klappentext. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “An essential guide to performance and recording, honest and up-to-date, and filled with both practical advice and insightful commentary”. ↩
- Byrne 2013, 12. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: „Many of my ideas about what it means to go on stage, for instance, have changed completely over the years, and my own history of performance is a way of telling the story of a still-evolving philosophy.“ ↩
- Byrne 2013, 81. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “Music was the main poetic metaphor for that which could not be preserved“ ↩
- Vgl. Byrne 2013, 81. ↩
- Byrne 2013,81. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “(…) we’ve now grown so accustomed to the sound of recordings that we do in fact expect a live show to sound pretty much like a record” ↩
- Vgl. Byrne 2013, 43. ↩
- Byrne 2013, 45. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “Looking at early video footage (…), I now sense that it was less a band than an outline for a band. It was a sketch (…)” ↩
- Byrne 2013, 49. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “As a four-piece, we suddenly sounded like a real band“. ↩
- Vgl. Byrne 2013, 46 ff. ↩
- Byrne 2013, 48. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “when it comes to clothing it is next to impossible to find something completely neutral. Every outfit carries cultural baggage of some kind. It took me a while to get a handle on this aspect of performance.” ↩
- https://en.m.wikipedia.org/wiki/Talking_Heads (Abgerufen: 25.06.2015). Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “The new wave style of Talking Heads combined elements of punk, art rock, funk, avant-garde, dance, pop, and world music with the anxious, neurotic stage persona of frontman and songwriter David Byrne.” ↩
- Byrne 2013, 39. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “I think I also realized then that it was possible to mix ironic humour with sincerity in performance. Seeming opposites could exist. Keeping these two in balance was a bit of a tightrope act, but it could be done.” ↩
- Byrne 2013, 53. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “This was not a record that a four-piece band would remotely be able to reproduce live.” ↩
- http://www.musikzimmer.ch/collections.php?ID=53 (Abgerufen: 26.06.2015). ↩
- Byrne 2013, 55. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “As I experiences it, this was not just a musical transformation, but also a psychic one. The nature of the music helped, but partly it was the very size of the band that allowed me, even as lead singer, to lose myself and experience a kind of ecstatic release.” ↩
- https://en.wikipedia.org/wiki/Stop_Making_Sense (Abgerufen: 26.6.2015). ↩
- http://www.rogerebert.com/reviews/stop-making-sense-1984 (Abgerufen: 26.06.2015). Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “But the film’s peak moments come through Byrne’s simple physical presence. He jogs in place with his sidemen; he runs around the stage; he seems so happy to be alive and making music.” ↩
- https://en.wikipedia.org/wiki/Psycho_Killer (Abgerufen: 17.06.2015). ↩
- Die Aufnahme ist auf Youtube zu finden und wurde mittlerweile schon mehr als 500’000 Mal aufgerufen. http://m.youtube.com/watch?v=bM9SHDNAbPw (Abgerufen: 16.06.2015). ↩
- Byrne 2013, 42. ↩
- Übersetzung des Liedtextes von der Verfasserin. ↩
- http://www.musikzimmer.ch/factsheets.php?SID=3987 (Abgerufen: 16.06.2015). ↩
- https://de.m.wikipedoa.org/wiki/Stax_Records (Abgerufen: 16.06.2015). ↩
- http://www.allmusic.com/song/psycho-killer-mt0005254892 (Abgerufen: 17.06.2015). ↩
- http://www.allmusic.com/song/psycho-killer-mt0005254892 (Abgerufen: 17.06.2015). ↩
- http://www.allmusic.com/song/psycho-killer-mt0005254892 (Abgerufen: 17.06.2015). ↩
- http://www.allmusic.com/song/once-in-a-lifetime-mt0011967560 (Abgerufen: 25.06.2015). ↩
- Vgl. Byrne 2013, 169. ↩
- Byrne 2013, 169. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “One or two fragments that I used-the repetition of the phrase “You may find yourself,” for example- were straight lifts from the radio preacher, but from there I’d improvise and change the focus from a Christian message to, well, I wasn’t sure at first what I was getting at.” ↩
- Die Aufnahme ist auf Youtube zu finden und wurde mittlerweile schon mehr als 1‘600’000 Mal aufgerufen. http://m.youtube.com/watch?v=o7pVjl4Rrtc (Abgerufen: 25.06.2015). ↩
- Übersetzung des Liedtextes von der Verfasserin. ↩
- http://www.npr.org/2000/03/27/1072131/once-in-a-lifetime (Abgerufen: 26.06.2015). Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: „We’re largely unconscious. You know, we operate half-awake or on autopilot and end up, whatever, with a house and family and job and everything else, and we haven’t really stopped to ask ourselves, ‚How did I get here?'“ ↩
- http://www.allmusic.com/song/once-in-a-lifetime-mt0011967560 (Abgerufen: 25.06.2015). Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “(…) which belies the tension and claustrophobia of Byrne’s abstract, impressionistic lyrics.” ↩
- Das offizielle Musikvideo ist auf Youtube zu finden und wurde mittlerweile schon mehr als 10‘400’000 Mal aufgerufen. http://m.youtube.com/watch?v=l1wg1DNHbNU (Abgerufen: 25.06.2015). ↩
- Vgl. http://www.songfacts.com/detail.php?id=1867 (Abgerufen: 25.06.2015). ↩
- Vgl. http://www.allmusic.com/song/girlfriend-is-better-mt0004991899 (Abgerufen: 27.6.2015). ↩
- Die Aufnahme ist auf Youtube zu finden und wurde mittlerweile schon mehr als 600’000 Mal aufgerufen. http://m.youtube.com/watch?v=9r7X3f2gFz4 (Abgerufen: 27.06.2015). ↩
- Vgl. http://somethingelsereviews.com/2012/09/30/everything-has-to-be-bigger-david-byrne-talks-about-his-giant-talking-heads-era-gray-suit/ (Abgerufen: 27.06.2015). ↩
- Byrne 2013, 57. Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “Jurgen Lehl offered the old adage that “everything on stage needs to be bigger.” Inspired, I doodled an idea for a stage outfit. A business suit (again!), but bigger, and stylized in the manner of a Noh costume. This wasn’t exactly what he meant; he meant gesture, expression, voice. But I applied it to clothing as well.” ↩
- Übersetzung des Liedtextes von der Verfasserin. ↩
- http://www.allmusic.com/song/girlfriend-is-better-mt0004991899 (Abgerufen: 27.6.2015). Übersetzung von der Verfasserin. Zitat auf Englisch: “The lyrics seem to not serve much more than a rhythmic purpose here, with little concern for a cohesive message.” ↩