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Auf der rechten Talsohle, nahe bei der alten Hauptstrasse, erhob sich die Burg der Herren von Rudenz. Diese stammten ursprünglich aus dem Haslital, wo sie in Meiringen einen Wohnturm besassen. Um 1200 zogen sie als Dienstleute des Hauses Brienz-Ringenberg über den Brünig und fassten Fuss in Giswil. Ob die Rudenz auch zu jenen Berner Oberländer Geschlechtern gehörten, die dem politischen Druck der Zähringer weichen mussten und sich in die Waldstätte zurückzogen, kann der heutige Forschungsstand noch nicht schlüssig beantworten. Von Giswil aus bauten die Rudenz ihre neue Herrschaft in Obwalden systematisch aus, knüpften verwandtschaftliche Bande mit dem Urner Adel an, so beispielsweise mit den einflussreichen Freiherren von Attinghausen. Dabei vernachlässigten sie ihren Besitz im Stammland nicht; Johann I von Rudenz begegnet uns als Landammann des Landes Hasli.
Die Rudenz verstärkten ihre Aktivitäten in Unterwalden und konnten Lehen des Klosters Luzern und des Stifts Beromünster an sich bringen. 1347 erwarben sie das Meieramt in Giswil als österreichisches Lehen, welches vor ihnen die Meier von Giswil innegehabt hatten. Die Wirtschaftskrise, die im 14. Jahrhundert dem Adel schwer zu schaffen machte, verschonte auch die Rudenz nicht. Eine standesgemässe, repräsentative Lebensführung war mit den Einkünften aus dem weitgestreuten Besitz nicht mehr zu gewährleisten. Güter und Rechte im Haslital und in Unterwalden mussten veräussert werden, später sogar Teile aus dem Familiengut der Attinghausen aus Uri.
Erst unter Johann II, dem letzten seines Geschlechts, konnten sich die Rudenz finanzielle und gesellschaftspolitisch erholen. Johann II erwarb das Landrecht in Uri und bekleidete dort mehrere öffentliche Ämter. Sein Tod liess aber einen erneuten Aufschwung der Familie nicht zu.
Der Turm von Giswil kam schliesslich in den Besitz von reichen Unterwaldner Familien, denen er als repräsentative Behausung diente. Obwohl die Burg bis ins 16. Jahrhundert hinein bewohnt blieb, ist heute nur noch ein niedriges Mauergeviert erhalten. Die aufgelassene Burg war vermutlich als Steinbruch verwendet worden. Die Ruine hat die Form eines etwas verschobenen Rechtecks mit etwa 10 auf 11 Meter Seitenlänge. Das Mauerwerk besteht aus regelmässigem, lagerhaftem Verband, teils aus Blöcken von beträchtlicher Grösse. Die Ecksteine sind bearbeitet. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts liess der Beisitzer, Landammann Bürgler, in der Ostecke der Nordfassade eine spitzbogige Tür einbrechen. Der ursprüngliche Zutritt war über den Hocheingang in einem der oberen Stockwerke erfolgt.
Bei Arbeiten in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene Eisenobjekte geborgen, die nun fast alle verschollen sind. Darunter befanden sich verschiedene Pfeileisen und zwei guterhaltene Steigbügel aus dem Mittelalter, die ebenfalls verlorengegangen sind. .
Bibliographie