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Ungewöhnlicher Spaziergang durch das Quartier «sous-gare» («unter dem Bahnhof»)
Start: Ouchy
Ankunft: Bahnhof SBB
Dauer bei gemütlichem Gehtempo: 1 Stunde 15 Minuten
So gelangen Sie zum Ausgangspunkt Ihres Rundganges: Nehmen Sie am Bahnhof den metro m2 Richtung «Ouchy» und steigen Sie an der Haltestelle «Ouchy» aus. Schauen Sie sich zunächst das Château d’Ouchy mit seinem Turm aus dem XII. Jahrhundert an.
Das Hotel «Le Chalet»
Folgen Sie der Avenue d’Ouchy bis zum Hôtel Le Chalet, das mit seinem Aussehen jedem Skiort Ehre machen würde. Es wurde vor über einhundert Jahren in einer Zeit erbaut, als Ouchy noch eine Fischerdörfchen war, das von der Stadt Lausanne durch einen grossen Weinberg getrennt war. Hier wohnte der berühmte schwedische Dramaturg und Schriftsteller August Strindberg von 1884 bis 1887 und schrieb mehrere Essais und Novellen schrieb.
Folgen Sie weiter geradeaus dem Chemin de Roseneck bis zu den Gärten der Campagne de l'Elysée.
Campagne de l’Elysée (Elysée-Anwesen)
Die Campagne de l’Elysée besteht aus einem herrschaftlichen Haus aus dem Jahre 1780 und sich terrassenförmig bis zum See erstreckenden Gärten. In diesem Anwesen, in dem 1807 auch Mme de Staël Gäste empfing, ist heute ein international renommiertes Photographie-Museum untergebracht. Im oberen Teil sind die Gärten «französisch» angelegt, d.h. mit symmetrischen und millimetergenau beschnittenen Pflanzenornamenten, während im unteren Teil des Parks der «englische» Stil mit gewundenen Wegen und eine ganz eigene Poesie ausstrahlenden Bäumen vorherrscht.
Die Gärten des Beau-Rivage Palace
Zwischen dem unteren Teil der Elysée-Gärten und dem Park des Olympischen Museums gehen Sie an den Gewächshäusern des Beau-Rivage Palace vorbei. Dieses seit 1861 bestehende Luxushotel besitzt einen grossen, baumbestandenen Park. In den (privaten) Gärten findet sich eine seltene Kuriosität: ein alter Hundefriedhof mit ca. 50 Jahre alten Stelen. In jener Zeit war dieses Privileg der letzten Ruhe Hunden vorbehalten, deren Herrchen/Frauchen das ganze Jahr über im Hotel wohnten.
Die Quais von Ouchy
Die Quais (Uferpromenaden), über die Sie gehen, wurden 1904 eingeweiht. Durch Aufschüttungen hatte man dem See damals fast 25 Meter abgewonnen. Bei den grossen Bäumen auf der gegenüberliegenden Strassenseite sehen Sie eine grosse, moosbewachsene Mauer – ein sichtbarer Beweis für den Wasserstand des Sees vor dem Bau der Quais.
Der Tour Haldimand (Haldimand-Turm)
Am Ende dieser Quais befindet sich der Tour Haldimand. Es handelt sich dabei um ein ca. 1825 nach einem Ideenwettbewerb dreier Honoratioren erbautes Gebäude, zu denen auch William Haldimand, damaliger Besitzer des Denantou-Gutes, zählte. Ziel dieses Wettbewerbs war der Bau der schönsten mittelalterlichen Turmruine. Dieses Gebäude, dessen Fundament quasi im Wasser stand, gewann den ersten Preis.
Der Fluss Vuachère
In unmittelbarer Nähe dieses Turms mündet der Fluss La Vuachère in den See. Durch Lausanne fliessen drei Flüsse. La Vuachère ist der letzte Fluss, der «offen» in den See mündet, während die Flüsse Flon und Louve grösstenteils kanalisiert wurden. Das grün bewachsene Tal dieses Wasserlaufs bietet vielen kleinen und grossen Tieren ein Refugium mitten in der Stadt. So kommt es in der Dämmerung nicht selten zu Begegnungen mit einem Fuchs oder auch einem Igel.
Folgen Sie dem durch in den Boden geritzte Fuchsspuren gekennzeichneten «Sentier du renard» (Fuchspfad) bis zur Avenue de Montchoisi.
Der Parc Denantou
Im Denantou-Park, der für seine grossen Rasenflächen und seinen herrlichen Baumbestand bekannt ist, finden Sie einen kleinen, traditionellen thailändischen Pavillon aus geschnitztem Holz, ein Geschenk der thailändischen Regierung. Dieses Gebäude wurde 2007 zum 75-jährigen Jubiläum diplomatischer Beziehungen zwischen der Schweiz und Thailand errichtet.
Das Château de Grancy
Direkt oberhalb der anglikanischen Kirche befindet sich das Château de Grancy, ein altes Herrenhaus mit zahlreichen Türmchen. An der grossen Mauer gegenüber diesem Gebäude werden Ihnen mehrere im Laufe der Zeit verrostete Ringe auffallen. Sie dienten zum Anbinden der Pferde, deren Stallungen sich hinter den grünen Toren befanden. Noch vor hundert Jahren zählte man in Lausanne gegen 1000 Pferde.
Der Boulevard de Grancy
Der Boulevard de Grancy ist der einzige Boulevard Lausannes. Heute sehen wir allerdings eine Strasse, die nicht viel breiter als andere Strassen ist... woher stammt also die Bezeichnung «Boulevard»? Vor etwas mehr als hundert Jahren beschlossen Städteplaner den Bau einer grossen Verkehrsarterie mitten durch die Weinberge und die Errichtung von Gebäuden. Um sich eine Vorstellung von den ursprünglichen Ausmassen zu machen, betrachten Sie am besten die ältesten, etwas zurückgesetzt liegenden Häuser. Dieses Projekt wahrhaft pharaonischen Ausmasses wurde allerdings schnell fallen gelassen und der Boulevard entsprechend verkleinert.
Texte von Pierre Corajoud,
Verfasser des Reiseführers "Flâneries lausannoises" (Spaziergänge durch Lausanne) und des Buches mit dem Titel "Lausanne en méandres" (Kreuz und quer durch Lausanne).