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Humanitäre Hilfe nach der Flutkatastrophe in Pakistan
In Pakistan leben 60 Prozent der Bevölkerung von weniger als zwei Dollar pro Tag. Vor allem in ländlichen Gebieten lebt ein grosser Teil der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Viele von ihnen können nicht lesen und schreiben und arbeiten als unqualifizierte TagelöhnerInnen ohne gesichertes Einkommen. Kinder werden häufig nicht zur Schule geschickt, da sie zum Familieneinkommen beitragen müssen. Ein eigentliches Leibeigenensystem ist in Pakistan weit verbreitet: Die Familien sind von einem reichen Landbesitzer abhängig, der „ihrem Besitz“ verbietet, zur Schule zu gehen, stattdessen müssen auch Kinder auf dem Feld arbeiten. Ohne Bildung hat die wachsende Zahl Jugendlicher jedoch keine Perspektiven.
Frauen sind vor allem in ländlichen Gebieten in ihrer Mobilität eingeschränkt und dürfen nur mit Erlaubnis ihrer männlichen Verwandten das Haus verlassen. Sie haben häufig keinen Zugang zu Bildung und Zwangsheiraten sind an der Tagesordnung.
Jahrhundertflut 2010
In dieser generell schwierigen Situation wurde die Bevölkerung 2010 von schweren Überschwemmungen getroffen: Im Norden zerstörten springflutartige Wellen die ganze Infrastruktur, Häuser und Anbauflächen. Im Süden standen während Monaten Dörfer und Felder unter Wasser - und verunmöglichten so den Betroffenen die Rückkehr und den Anbau der Ernte bis Anfang 2011.
Mehr als 2000 Menschen starben, über 1.8 Mio. Häuser und 74 Prozent der Anbaufläche wurden zerstört. Insgesamt waren über 20 Millionen Menschen von den schlimmsten Überschwemmungen seit 1929 betroffen.
Notunterkünfte für Familien
Solidar Suisse engagierte sich direkt im August im Norden von Pakistan mit der Verteilung von über 2'000 dringend notwendigen Nothilfepaketen, die hauptsächlich aus Räumungswerkzeug und Materialien zum Bau von Notunterkünften bestanden. Somit konnte über 2'000 schwerst betroffenen Familien eine Möglichkeit gegeben werden, die Schlammmassen aus ihren Häusern zu entfernen, das übriggebliebene Material, Möbel und Wertsachen zu retten und sich eine Notunterkunft einzurichten. Im Anschluss erbaute Solidar 800 Übergangsunterkünfte für die am meisten Betroffenen, darunter hauptsächlich Familien mit vielen Kindern, kranken und alten Leuten.
Langfristiges Engagement
Seit März 2011 engagiert sich Solidar Suisse gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation 'Labour Education Foundation' (LEF) dafür, dass sich die betroffenen Menschen wieder eine Existenz aufbauen können. Solidar wird sich in diesem Bereich längerfristig engagieren, denn zweieinhalb Jahre später sind die Auswirkungen der Katastrophe immer noch spürbar.
Der Aufbau der Agrar-Infrastruktur, (zB. Bewässerungssysteme) stellt sicher, dass wieder geerntet werden kann. Mit Wiederaufbau- und Trainingsprojekten werden die lokalen Handwerker in flutresistenten Baumethoden ausgebildet und setzen diese am Beispiel von 700 Häusern für Witwen, Kranke und Behinderte die Methoden praktisch um. Ebenso werden die Sanitärenanlagen wieder hergestellt und ihr sachgemässer Gebrauch vermittelt.
Die längerfristige Unterstützung der betroffenen Bevölkerung in Pakistan ermöglicht den Wiederaufbau ihrer Lebensgrundlage und die Entwicklung von Methoden, die sie eine nächste Flut besser vorbereitet überstehen lässt. Damit will Solidar Suisse einen nachhaltigen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten.
Solidar Suisse arbeitet in Pakistan zusammen mit seinen Partnern des Solidar-Netzwerks.
Helmut Rählmann ist verantwortlich für das Pakistan-Programm von Solidar Suisse