Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03259.jsonl.gz/2250

Die in Städten lebenden Chinesen sind absolut zufrieden mit der Wirtschaft des Landes und dem politischen Fortschritt. Der Grad der «nationalen Zufriedenheit» ist höher als in anderen Ländern, ergab eine Studie des Pew Research Center.
30 Jahre nachdem die kommunistische Partei die Märkte geöffnet und die politischen Kontrollen gelockert hat, sagen 82% der von Pew befragten Chinesen – wobei die meisten davon in den prosperierenden Städten leben – die wirtschaftliche Situation sei «gut». Und 86% geben an, sie seien zufrieden mit der Richtung, in welche die Regierung das Land führt.
Damit sind die Chinesen glücklicher als die Australier, die auf den zweiten Platz der Befragung kamen. Die USA belegten den 20. Rang von 24 Nationen im Vergleich. Nur 23% der Amerikaner sind mit ihrer wirtschaftlichen und politischen Situation im Land zufrieden.
Der hohe Zufriedenheitsgrad im Reich der Mitte zeigt die grosse Kluft zwischen der Aussensicht auf China und der Selbsteinschätzung der Menschen im Land selbst. Dabei repräsentieren die Pew-Ergebnisse in erster Linie die Einschätzungen von in Städten lebenden Chinesen.
Ein Stadt-Land-Konflikt
Über die Hälfte der Bevölkerung lebt jedoch auf dem Land, wo es den Menschen bei weitem nicht so gut geht. 2007 lag das Jahreseinkommen der Landbevölkerung bei etwa 606 Dollar – weniger als ein Drittel des durchschnittlichen Einkommens der Stadtbevölkerung. In ländlichen Gebieten und kleineren Städten führt die Unzufriedenheit mit der Regierung und den wirtschaftlichen Bedingungen des Öfteren zu Massenprotesten. Laut Regierung kam es 2005 zu 87 000 solcher «Massenvorfälle». Diese Zahl soll in den vergangenen Jahren jedoch zurückgegangen sein, belegen können die Kommunisten das allerdings nicht.
Chinas Optimismus rührt von mehreren aufeinanderfolgenden Jahren mit einer zweistelligen Erhöhung des Bruttoinlandprodukts her. Der aus dem starken Wirtschaftswachstum rührende Wohlstand hat Millionen von Bürgern binnen weniger Jahre aus der Armut in die Mittelklasse gehoben.
Seit 1978, das Jahr, in dem die chinesische Regierung Prinzipien des freien Markts eingeführt hat, ist das jährliche Haushaltseinkommen laut Regierungszahlen fast um 4000% auf 2019 Dollar im vergangenen Jahr gestiegen. Laut der Pew-Ergebnisse findet der Kapitalismus von Gnaden der Partei in China breite Unterstützung: 70% der Befragten sagten, dass es den Menschen in einer Wirtschaft mit freien Märkten besser gehe.
Individualismus ist zweitrangig
Dass die Ergebnisse ausgerechnet bei den Chinesen so deutlich positiv ausfallen, ist laut den Forschern von Pew auch darin begründet, dass Chinesen weniger auf persönliches Glück achten als vielmehr auf das Wohlergehen der gesamten Familie und der näheren Umgebung.