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Indianer Kanadas erhalten neuen Oberhäuptling
- Freitag, 12. Dezember 2014, 10:16 Uhr
In Kanada haben die rund 900'000 anerkannten Indianer einen neuen Oberhäuptling: Perry Bellegarde vom Stamm der Cree steht der Versammlung der einzelnen Indianerstämme, der Assembly of First Nations, vor. Doch dieses Gremium braucht mehr als einen neuen Chef.
Perry Bellegarde heisst der neue Chef der Assembly of First Nations in Kanada. Er ist vom Stamm der Cree und nun Oberhäuptling der rund 900'000 anerkannten Indianer des Landes. Auf ihn wartet eine Herkulesaufgabe: Sein Gremium braucht dringend Reformen.
Auf Bellegarde warten mehrere grosse Brocken, wie Thomas Accola, Spezialist für Ureinwohner bei SRF, sagt. Die Lebensumstände in den Reservaten erinnerten vielerorts an Entwicklungsländer, die Häuser seien überfüllt, die Schulen in einem schlechten Zustand und es fehle an wirtschaftlichen Perspektiven. «Die Jungen wissen nicht was mit ihrem Leben anfangen», so Accola. Folgeprobleme sind Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie häusliche Gewalt.
« Die jungen Leute wissen nicht, was mit ihrem Leben anfangen. »
Ein weiteres ungelöstes Problem betrifft die Frage der Ausbeutung der Bodenschätze. Dabei geht es um Landfragen und um den Bau von Infrastrukturanlagen wie Pipelines, um das Öl an die Küste zu transportieren. Die Indianer seien nicht grundsätzlich gegen solche Projekte, erklärt Accola. Doch verlangten sie eine faire Beteiligung.
Schlechte Verankerung in der Basis
«Will Bellegarde sich effizient um diese Probleme kümmern, muss er seine Organisation, die Assembly of First Nations, strukturellen Reformen unterziehen», sagt Accola. Die Versammlung der rund 630 Häuptlinge der First Nations sei nämlich äusserst schlecht in der indianischen Bevölkerung verankert. Frauen und Junge hätten praktisch nichts zu sagen. Das müsse sich ändern.
Auch die Finanzierung der Organisation gibt zu reden: Bisher ist es die kanadische Regierung, welche die Organisation weitgehend mit Geld versorgt. Das bereite Probleme, weil die Versammlung deshalb auch als Arm der Regierung wahrgenommen und entsprechend kritisiert werde, so Accola.
Schliesslich fehlt es der Assembly of First Nations auf nationaler Ebene an einem klaren Mandat. Fragen wie beispielsweise die Reform des Schulwesens müssten unbedingt auf nationaler Ebene angepackt werden, sagt Accola. Es sei aber sehr schwierig, die Interessen der verschiedenen Stämme unter einen Hut zu bringen.
Schnelle Resultate wenig wahrscheinlich
Der Wille zu einem Reformprozess sei da, so der Spezialist für Ureinwohner. «Man ist sich bewusst, dass die Stimmung an der Basis schlecht ist.» Der Reformprozess steht aber erst am Anfang und Entscheide brauchen Zeit. Zeit, die angesichts der Probleme eigentlich fehlt.