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Bisher galt die Evolution von Syntax als einzigartig für die menschliche Sprache: Ein Regelwerk, um eine begrenzte Anzahl von Lauten zu kombinieren, um eine nahezu unbegrenzte Zahl von Bedeutungen zu erzeugen. Nun konnten Forscher der Universität Zürich gemeinsam mit Kollegen aus Japan und Schweden zeigen, dass auch das Gezwitscher japanischer Kohlmeisen syntaktischen Regeln folgt.
Laut einer Mitteilung der Universität Zürich vom Dienstag haben die Forschenden festgestellt, dass diese Singvogelart unterschiedliche Rufe und Rufkombinationen verwenden, um in bestimmten Situationen miteinander zu interagieren. Davon berichten sie im Fachjournal “Nature Communications”.
Singvögel der Familie Paridae haben ein komplexes Rufrepertoire, das aus Kombinationen verschiedener Laute, zum Beispiel A, B, C und D besteht. Japanische Kohlmeisen (Parus minor) besitzen ein Repertoire aus mehr als zehn Tönen, die sie entweder allein oder in Kombination verwenden.
Die Lautabfolge “ABC” dient den Singvögeln beispielsweise als Warnung vor Raubfeinden, “D”-Rufe bedeuten hingegen “Komm her” und weisen zum Beispiel auf eine Futterquelle hin. Ob sie diese Rufe sinnvoll kombinieren können, um Artgenossen vor der Gefahr zu warnen, aber sich zusammenzurotten, um den Feind gemeinsam zu vertreiben, war bisher unbekannt.
Die Wissenschaftler spielten den Kohlmeisen in freier Wildbahn verschiedene Lautkombinationen vor und beobachteten ihr Verhalten. Tatsächlich wurden die Vögel durch die “ABC-D”-Kombination in Alarmbereitschaft versetzt und rückten näher zusammen. Spielten die Forscher den Singvögeln hingegen die Kombination “D-ABC” vor, reagierten sie nicht.
Daraus schlussfolgern die Wissenschaftler, dass Syntax keine Besonderheit der menschlichen Sprache sei, sondern sich auch in der Vogelwelt unabhängig entwickelt habe, schrieb die Universität Zürich. “Indem die Kohlmeisen verschiedene Rufe kombinieren, können sie mit einem limitierten Vokabular neue Bedeutungen generieren”, erklärte Studienautor Michael Griesser in der Mitteilung.
Das erlaube ihnen, spezifische Verhaltensreaktionen auszulösen und damit vielfältige soziale Interaktionen zu koordinieren, so Griesser weiter. Aus den Erkenntnissen erhoffen sich die Forschenden auch Aufschluss darüber, welche Faktoren die Evolution von Syntax fördern und welche bei der Entwicklung der menschlichen Sprache mitgespielt haben könnten.
Aus Studien mit Primaten und Vögeln war bereits bekannt, dass auch manche Tierarten sinnlose Silben zu bedeutungsvollen “Begriffen” kombinieren könne. Die Syntax, also die Kombination von Wörtern und Wortgruppen zu grösseren Einheiten, wurde jedoch bisher als Eigenheit der menschlichen Sprache betrachtet.
(SDA)