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Die Schlange wird lang und länger.
Ganz zuvorderst steht eine vielleicht 80jährige Frau mit dünnen, grauen Haaren und einem kleinen Buckel. Während sie leise mit der Kassierin spricht, stockert sie mit ihren runzligen Fingern ununterbrochen in ihrem Portemonnaie herum. Die Kassierin schaut ihr unbeteiligt zu. Nein: genervt. Die Kassierin schaut der Rentnerin, die seit sicher einer halben Minute den ganzen Betrieb hier aufhält, sehr genervt zu.
Alle wissen, was los ist; auch ich. Niemand unternimmt etwas; auch ich nicht.
Alle wären einfach nur froh, wenn die alte Frau möglichst heute noch irgendwo Geld finden würde.
“Wieviel fehlt?”, erkundigt sich auf einmal ein Mann aus der Schlange nebenan. Die alte Frau zuckt zusammen.
“Sechsfünfzig”, sagt die Kassierin. Und, weil sie glaubt, der Mann habe sie nicht verstanden, oder weil sie findet, sie müsse ihre Kundin noch ein bisschen mehr demütigen, wiederholt sie: “SECHSFÜNFZIG!”
Sie könnte es auch über den Ladenlautsprecher durchgeben. Vielleicht denkt sie tatsächlich eine Sekunde lang darüber nach.
Der Mann entnimmt seinem Geldbeutel eine Zehnernote und bittet seine Kassierin, sie unserer Kassierin hinüberzureichen.
Die Seniorin dreht sich zu ihm um. Ihre Augen sagen “Danke”. Und “Hat es in diesem Boden kein Loch, in das ich für eine Stunde verschwinden könnte?” Die Kassierin drückt ihr dreifünfzig in die Hand. Die alte Frau scheint zu überlegen, wie sie dem Mann das Münz geben könnte, ohne den Jahresumsatz dieser Coop-Filiale gleich noch einmal zu gefährden.
Der Mann winkt ab: “Behalten Sies. Gehen sie einen Kaffee trinken. Das beruhigt.”