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1923
Lorenz Wagner gründet 1923 seine eigene Schuhmacherwerkstatt.
Er schafft erste Maschinen an und baut den Betrieb aus. Immer mehr Mitarbeitende arbeiten an Haferlschuhen sowie Berg- und Skischuhen.
1930
Der Platz wird eng und so entsteht das erste kleine Fabrikgebäude.
Im Februar dieses Jahres fängt der spätere Schwiegersohn und Nachfolger Josef Lederer als Lehrling in der Schuhfabrik an.
1933
Im Januar 1933 kommen die Nationalsozialisten an die Macht. Damit beginnt die Verfolgung der politischen Gegner und die Gleichschaltung der gesamten „Volksgemeinschaft“.
Lorenz Wagner tritt in die NSDAP ein. Im April 1933 wird er zum Bürgermeister von Jetzendorf gewählt. In seiner „Ilmtaler Sportschuhfabrik“ beschäftigt er 17 Männer und Frauen.
1934
Die Schuh- und Lederindustrie in ganz Deutschland wird ab 1934 zentral kontrolliert und kontingentiert.
In der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik, die auf Autarkie und Aufrüstung setzt, werden Schuhproduzenten wie Lorenz Wagner (und seine Brüder) bevorzugt behandelt, weil sie die benötigten Arbeitsschuhe und Stiefel produzieren.
1936
Die Fabrik wächst, die Maschinen werden mit einem 13 PS-Elektromotor betrieben.
Im Februar 1936 finden in Garmisch-Partenkirchen die vierten Olympischen Winterspiele statt. LOWA entwickelt dafür lederne Skischuhe, die nach dem Berg Kreuzeck bei Garmisch benannt sind. Die Winterspiele sind – ebenso wie die Berliner Sommerspiele im selben Jahr – ein großer Propagandaerfolg für das NS-Regime.
1937
Lorenz Wagner tritt als Bürgermeister zurück. In einem offiziellen Schreiben an das Bezirksamt Pfaffenhofen gibt er als Grund für sein Rücktrittsgesuch seine wirtschaftliche Lage an.
Nach 1945 erklärt Lorenz Wagner in seinem Entnazifizierungsverfahren, ein weiterer Grund sei eine „Auseinandersetzung mit dem damaligen Kreisleiter Limmer“ gewesen.
1939
Im September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg.
Von nun an produziert die Schuhfabrik Berg- und Skischuhe für die Gebirgstruppen der Wehrmacht.
1942
Lorenz Wagner wird noch einmal zum Bürgermeister von Jetzendorf ernannt.
Er bleibt bis 1945 im Amt.
1944
Die NS-Führung setzt in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein. Auch die Schuhfabrik fordert in den letzten Kriegsjahren ausländische Arbeiter an und bekommt so bis zu 30 französische Kriegsgefangene aus dem Stammlager Moosburg zugeteilt.
Sie wohnen im Jetzendorfer Postsaal. Über die Arbeitsbedingungen in der Schuhfabrik ist kaum etwas bekannt. Die einzige ausführlicher überlieferte Geschichte legt eine positive Beziehung zwischen Arbeitgeber und Kriegsgefangenen nahe: Nach der Kapitulation 1945 legen die Franzosen bei den einrückenden Amerikanern Fürsprache für die Jetzendorfer ein.
1946
Im Entnazifizierungsverfahren der US-amerikanischen Militärregierung gibt er an, er sei der NSDAP beigetreten, „um [s]einen Betrieb […] zu erhalten.“ Zum Bürgermeister habe er sich „auf vieles Drängen“ aufstellen lassen.
Diese nachträglichen Entschuldigungen sind unter Vorbehalt zu lesen, da sie Lorenz Wagner von Verantwortung und Schuld freisprechen sollen. Allerdings geben die Protokollbücher der Gemeinde aus dieser Zeit keinen Hinweis auf nationalsozialistische Aktivitäten des Bürgermeisters. Lorenz Wagner wird in Gruppe 4 der „Mitläufer“ eingeteilt (1. Hauptschuldige, 2. Belastete, 3. Minderbelastete, 4. Mitläufer, 5. Entlastete) und zu 1.000 RM Geldsühne verurteilt.
1948
In der Zeit nach dem Krieg werden Betrieb und Angebot vergrößert.
In dieser Zeit entsteht auch der neue Name der Schuhfabrik: LO(renz) WA(gner).