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«Du weisst, du bist mit Gott im Ring», sagte Muhammad Ali am 8. März 1971 kurz vor Beginn des WM-Kampfs im New Yorker Madison Square Garden.
«Wenn du Gott bist, bist du heute Abend am falschen Ort», antwortete Joe Frazier. Fünfzehn Runden später war Ali zum ersten Mal in seiner Profikarriere besiegt und hatte nur mit knapper Not den K. o. verhindern können.
Höchstwahrscheinlich wird Muhammad Ali immer als bester Boxer des 20. Jahrhunderts gelten. Joe Frazier aber wird immer derjenige sein, der ihn in drei epischen Kämpfen dazu gezwungen hat, über alle bis dahin für möglich gehaltenen Leistungen hinauszuwachsen.
Joe Frazier wurde am 12. Januar 1944 geboren und verbrachte seine Kindheit unter elf Geschwistern im ländlichen South Carolina. 1959, als er fünfzehn Jahre alt war, zog die Familie zunächst nach New York und wenig später nach Philadelphia. Dieser Umzug kann auch als eine Flucht vor dem alltäglichen Rassismus in den Südstaaten der USA gewertet werden. Erst 1955 hatte Rosa Parks, die «Mutter der Bürgerrechtsbewegung», sich in Montgomery, Alabama, geweigert, von einem für Weisse bestimmten Platz im Bus aufzustehen, und Martin Luther King würde seinen Friedensnobelpreis 1964 bekommen.
Fraziers Talent wurde von den Trainern Yancey «Yank» Durham und Willie Reddish entdeckt, weil er während seiner Arbeit im Schlachthof immer wieder auf Rinderhälften einprügelte – eine Szene, die später Sylvester Stallone für seine Filmfigur Rocky Balboa übernahm.
Erste Niederlage nach acht Jahren
Fraziers Amateurkarriere war kurz, aber überaus erfolgreich. Er erreichte eine für den Amateursport extrem hohe K.o.-Quote. 1964 gewann er die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio gegen den Deutschen Hans Huber, obwohl er sich im Halbfinale die linke Schlaghand gebrochen hatte. Danach fanden seine Trainer genug Sponsoren, um einen Wechsel ins Profigeschäft zu ermöglichen. Sein Profidebüt gab Frazier am 16. August 1965 gegen Woody Goss in Philadelphia. K. o. in Runde eins. Erst sein zwölfter Gegner hörte den Schlussgong des Kampfes, und erst nach acht Jahren steckte Frazier die erste Niederlage ein.
1966 übernahm Eddie Futch Fraziers Training und führte ihn schnell ganz nach oben. Sein Aufstieg geschah in den Jahren, als der Vietnamkrieg die Spitze des weltweit dominierenden US-Schwergewichts in Unordnung brachte. Ali wurde wegen Kriegsdienstverweigerung gesperrt und verlor seinen Titel, der in einem umständlichen Turnier neu ausgekämpft wurde. Jimmy Ellis hiess der Sieger, den Joe Frazier am 16. Februar 1970 schlug. Damit war er Champion in einer Sportart, deren wahrer König im Exil zu sein schien. Unumstritten machte Frazier erst der erste, siegreiche Kampf gegen Ali, dessen Sperre inzwischen abgelaufen war.
Symbol der Konservativen
Joe Frazier äusserte nie auch nur die geringste Kritik am Vietnamkrieg, was den Boxer quasi automatisch zum Symbol für die konservativen KriegsbefürworterInnen machte. In seiner 1996 erschienenen Autobiografie «Smokin’ Joe» betonte Frazier, dass er nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurde, weil er Vater war, aber dem Ruf seines Landes durchaus jederzeit gefolgt wäre.
Im Januar 1973 endete seine Regentschaft über das Schwergewicht, als der mächtige Puncher George Foreman den als Spätstarter bekannten Frazier in der zweiten Runde im Nationalstadion von Kingston, Jamaika, niederschlug.
Danach hatte Frazier noch einen wirklich grossen Kampf in den Fäusten: Den «Thrilla in Manila» am 1. Oktober 1975, seinen dritten Kampf gegen Ali, den er spektakulär verlor. Fraziers Ecke hatte ihren Mann zur fünfzehnten Runde nicht mehr in den Kampf gelassen. «One helluva man» – ein Teufelskerl –, keuchte Muhammad Ali nach seinem Sieg. Frazier und Ali verbrachten die nächsten Tage im Krankenhaus.
Einmal, im Jahr 1981, versuchte Frazier ein Comeback, das mit einem Unentschieden endete. Danach zog er sich ins Privatleben zurück. Am Ring sah man ihn nur noch während der kurzen Profikarriere seiner Tochter Jacqui Frazier-Lyde zwischen 2000 und 2004.
Am 7. November 2011 starb Joe Frazier, nur wenige Wochen nachdem ihm Leberkrebs diagnostiziert worden war. Zur Beisetzung am vergangenen Montag in der Enon Tabernacle Baptist Church in Philadelphia kamen Tausende von Menschen. Unter ihnen befand sich auch der schwer von seiner Krankheit gezeichnete Muhammad Ali.