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Während die Evergrande-Aktie seit Anfang Jahr 82% verloren hat, erlitten die USD-Obligationäre bisher Verluste von ca. 70%. Voraussichtlich werden die nächste Woche fälligen Zinsen auf zwei USD-Anleihen nicht bezahlt, womit ein "Default" ausgelöst würde. Weil dadurch eine der größten Schulden-Restrukturierungen in Chinas Geschichte anstünde, ist mit einer Intervention des chinesischen Staates zu rechnen. Diese könnte in Form von Krediten, Garantien und/oder einer (diktierten) Übernahme durch ein Staatsunternehmen stattfinden. In einem ersten Schritt hat die chinesische Notenbank bereits Liquidität im Umfang von USD 13.9 Mrd. ins Bankensystem gepumpt, um den lokalen Finanzmarkt zu beruhigen.
Für die chinesische Regierung steht viel auf dem Spiel: neben dem Vertrauensverlust der Anleger und der internationalen Finanzmärkte ist auch der soziale Frieden im Land gefährdet, da viele Eigenheimkäufe bei Evergrande bereits vorausbezahlt wurden. Ein unkontrollierter Default hätte zudem grössere Verwerfungen in den übrigen asiatischen Schwellenländern zur Folge, da akute "Ansteckungsgefahr" bestünde. Hohe Kapitalabzüge der internationalen Investoren und eine folgende Schwellenländerkrise wäre ein mögliches Negativ-Szenario.
In den USA signalisieren die aktuellsten Konjunkturdaten trotz Ausweitung der Corona-Delta-Variante für die nächsten Monate ein weitgehend robustes und dynamisches Wirtschaftswachstum. Zum einen sind die regionalen Einkaufsmanagerindizes in New York und Philadelphia über Erwarten stark angestiegen, zum anderen haben sich die Detailhandelsumsätze im August nach einer temporären Schwäche wieder erholt. Hingegen verbessert sich der Arbeitsmarkt nur zögerlich von der Corona-Krise, da die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe entgegen den Erwartungen zuletzt nicht mehr weiter rückläufig waren.
Auch Europa scheint die zwischenzeitliche Konjunkturschwäche hinter sich gelassen zu haben. Die Industrieproduktion im Euroraum ist im Juli mit 1.5% stärker als erwartet angestiegen. Während die grossen vier Länder Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien unterdurchschnittliche Zunahmen verzeichneten, lagen die kleineren Länder mit Zuwachsraten von 5-8% überraschend deutlich vorne. In der Summe könnte das Wirtschaftswachstum im 3. Quartal in der Eurozone um etwa 2% zunehmen.
Auf den Rohstoffmärkten liefert der enorme Anstieg der Gaspreise - in Europa über 250% seit Jahresbeginn - für Gesprächsstoff. Bei beständig hoher Nachfrage und gleichzeitig tiefen Lagerbeständen kommen angebotsseitige Engpässe in Form von "Hurrikans" im Golf von Mexiko und verringerter Exporte aus Russland hinzu. Wenn in einem solchen ohnehin bereits angespannten Markt Gas wegen fehlendem Wind auch zur Stromproduktion benötigt wird, sind hohe Preissprünge die logische Konsequenz.