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"Hast Du vergessen, hier zu säen?", fragen die Kollegen den IP-Suisse-Landwirt Bruno Maurer, wenn sie einen der Patches am Rande seiner Weizenfelder in Opfikon ZH gesehen haben. Wie eine Fehlstelle sieht dieser Mitte April unbewachsene Patch aus. Es ist aber Bauland für Feldlerchen: Diese Bodenbrüter bauen ihre Nester mit Vorliebe an solchen Fehlstellen in den Boden.
Als Maurer letzten Herbst den Weizen aussäte, sparte er 3 mal 6 Meter grosse Patches aus. Auch Dünger und Herbizide durften nicht auf die Patches gelangen. Fungizide, Insektizide und Halmverkürzer darf er als IP-Suisse-Produzent sowieso nicht ausbringen. Maurer findet die etwas unförmigen Äcker, wo man gut einen Spickel gegen die Feldecke hin beim Düngen und Spritzen weglassen kann, am geeignetsten. "Ein Patch mitten im Feld ist von der Bearbeitung her schwieriger zu handhaben. Gut ist, wenn der Patch gerade die Spritzbreite und der Düngerstreuer dieselbe Reichweite hat."
Patches oder weite Saatreihen
Anstatt Patches hätte Maurer auch die Variante "weitreihige Saat" wählen können: Auf 5 Prozent der Parzelle bleiben je zwei Saatreihen ungesät, gefolgt von drei normal gesäten Reihen. Beide Massnahmen sollen Flächen mit lockerem, niedrigem Pflanzenbewuchs als Brutplatz schaffen und mit Ackerwildkräutern Lebensraum für Insekten und Spinnen und somit Nahrung für Jungvögel bieten. Auch weitere Tiere wie der Feldhase, die Grauammer oder die Wachtel sollen mit den beiden Systemvarianten "Patches" oder "weitreihige Saat" gefördert werden. Die von IP Suisse gelieferte Ackerwildkräutermischung aus Klatschmohn, Kornblume und Kornrade hat Maurer vor kurzem auf den Patches ausgesät.
Die Feldlerche wurde einst als Spatz der Feldflur bezeichnet. Durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion haben die Bestände aber seit den Siebzigerjahren so dramatisch abgenommen, dass die Feldlerche auf die Rote Liste der bedrohten Vogelarten gesetzt wurde. Die Feldlerche ist ein Vogel der Lüfte und des Bodens. Sie hält sich bevorzugt in offenem Acker- und Wiesland auf, wo der Boden lückig bewachsen und nicht allzu feucht ist. Für ihre Ernährung und die ihres Nachwuchses braucht sie 0,5 bis 3 Hektaren Revier. Die ersten Nester werden meist in Mähwiesen angelegt, wo die Feldlerche bei häufigen Schnitten keine Chance hat, die Brut erfolgreich ausbrüten zu können. Wenn der Pflanzenbestand im Weizen dicht und hoch ist, legen die Feldlerchen ihre weiteren Bruten – sie brüten bis 3 mal pro Saison – oft in den Fahrgassen an, wo die Aufzucht leicht Opfer von Fuchs, Marder und Hund wird.
Eine Win-Win-Situation
Zusammen mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach konnte IP-Suisse, die Schweizerische Vereinigung integriert produzierender Bauern und Bäuerinnen, knapp ein Fünftel der IP-Suisse Landwirte motivieren, freiwillig beim Feldlerchenprojekt mitzumachen. Wiederum ein Fünftel davon wählte die Variante "weitreihige Saat". "Das Echo bei den Bauern war sehr positiv. Es ist eine Win-Win-Situation für alle, die mitmachen", sagt Niklaus Hofer, stellvertretender Geschäftsführer der IP-Suisse. "Für die Landwirte ist dadurch die IP-Suisse Anbauprämie umso mehr gerechtfertigt. Die IP-Suisse selbst profiliert sich mit diesem Projekt und die Vogelwarte freut die gezielte Förderung der Feldlerche."
In Grossbritannien konnten in einem Versuch mit Patches bessere Bruterfolge bei der Feldlerche erzielt werden als in den Feldern ohne Patches. Die Feldlerchen legten ihre Nester irgendwo im Patch-Umfeld an und brauchten die Patches selbst für die Futterbeschaffung. Das System Weitreihen zeigte in Grossbritannien keine Erfolge, weil beim sehr intensiven britischen Anbausystem auch bei Weitreihen die Pflanzendecke sehr schnell geschlossen wird. Ergebnisse aus Deutschland zeigen, dass sowohl Feldhasen als auch typische Vogelarten wie die Feldlerche von den extensivierten Ackerstreifen profitierten. Für Hofer wäre es ein schöner Erfolg, "wenn die Hälfte der IP-Suisse-Getreidebauern mit Patches arbeitet und so einen 35 Prozent höheren Bruterfolg bei den Feldlerchen erzielen würden."
Erfolgskontrolle
Diesen Bruterfolg wissenschaftlich belegen soll das Projekt "IP-Suisse-Feldlerchenförderung – Erfolgskontrolle" der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Die Bauerntochter und angehende Biologin Judith Fischer führt das Projekt im bernischen Utzenstorf durch, wo es schon immer Feldlerchen gab. Bereits 2005 führte die Vogelwarte Sempach das Pilot-Projekt "wildtierfreundlicher IP-Getreideanbau" mit zwei Dutzend Landwirten im Raum Utzenstorf durch. Es zeigte sich, dass die klein parzellierte Kulturlandschaft der Schweiz in Bezug auf das Verhalten der Feldlerche schlecht vergleichbar ist mit der Landschaftsstruktur Grossbritanniens mit seinen riesigen Getreidefeldern. Die Erkenntnisse aus dem Projekt 2005 bestimmten die Ausrichtung des Projektes 2006, in dem vor allem zwei Fragen geklärt werden sollen: Legt die Feldlerche ihre Nester bevorzugt in den Feldern mit Patches oder weitreihigen Saaten an? Und ist der Bruterfolg in diesen Revieren höher als in vergleichbaren Revieren ohne Massnahmen?
Erfolg mit dem Emmer-Brot
Maurer sieht vorläufig vor allem einen Werbe-Nutzen für sich. "Wenn ich da mitmache, kann ich die Feldlerchen-Infotafeln an den Feldrand stellen und Werbung machen für IP-Suisse Getreide. Es bringt mir vielleicht PR-mässig etwas, wenn mein Name hier am Feldrand steht."
Für die Migros, die das IP-Getreide kauft, besteht der Nutzen darin, sich gegenüber Billiganbietern wie Aldi abzuheben, mit dem Mehrwert "Feldlerche". Dies funktioniert bereits beim Emmer-Vollkornbrot. Das Brot im grünen Beutel mit der Feldlerche und dem Käfer drauf ist ein Verkaufs-Hit und wird in den grösseren Migros-Filialen in der ganzen Schweiz verkauft. Die 40 Klettgauer Bauern, die das Getreide dafür liefern, beteiligen sich nicht nur am Lerchenprojekt, sondern bauen zusätzlich Einkorn und Emmer an – zwei uralte Getreidearten.
Die Feldlerche als Botschafterin
Laut Markus Jenny, Agrarökologe und Koordinator des Feldlerchenprojektes bei der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, findet zur Zeit bei den Ökologisierungsbestrebungen innerhalb der Schweizer Landwirtschaft ein Umdenken statt. Ökologischer Mehrwert muss heute nachweisbar sein, für eine finanzielle Abgeltung müssen höhere Öko-Leistungen erbracht werden. Buntbrachen beispielsweise bringen sowohl dem Landwirt finanziell viel und tragen auch, wenn richtig angelegt und bewirtschaftet, zur Erhaltung der Vielfalt bei Pflanzen und Tieren bei. Aber viele Landwirte tun sich schwer mit einem wirksamen Ökoausgleich. Sie sehen sich primär als Produzenten von Nahrungsmitteln und wollen nicht als Landschaftspfleger und "Almosenempfänger" gelten. M. Jenny meint, das Feldlerchen-Projekt sei ein erster Schritt in eine Richtung, wo die Ökologisierungsbestrebungen ernst genommen werden und nicht nur Pflichtübung sind.
Vom Korn bis zum Brot
hh. Die BEA-Sonderschau "Erlebnis Brot" im Grünen Zentrum führt vom 28. April bis 7. Mai jeweils von 9 bis 18 Uhr durch die faszinierende Welt des Getreides, von der Züchtung neuer Getreidesorten, der Präsentation aller in der Schweiz angebauten Getreidearten bis zum naturnahen Getreideanbau mit Lebensraum für Mohn, Kornblumen und brütenden Feldlerchen. Das Mahlen der Getreidekörner zu verschiedenen Mehlarten zeigt eine wasserbetriebene Mühle sowie ein Modell der Flühlenmühle aus Mühleberg. In der Schaubäckerei kann man die Produktion von Brot mitverfolgen und als Höhepunkt sind 200 verschiedene Schweizer Brote schwimmend auf einem Fluss zu bewundern.
Weitere Informationen unter www.grueneszentrum.ch .
Bild 1: IP-Suisse-Landwirt Bruno Maurer auf einem der Patches
seines Sommerweizenfeldes. bw
Bild 2: Eine Infotafel am Feldrand macht Passanten auf das
Feldlerche-Projekt aufmerksam. bw
Bild 3: Die Patches: Buntbrache im Getreidefeld. bw
Bild 4: Auf den Patches kann die Feldlerche ungestört brüten
und ihre Jungen aufziehen. Markus Jenni
Die Bilder zum Artikel können bei der LID-Redaktion bestellt werden.
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