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Die Besitzerin dieser Brille war meine weitsichtige Ururgrossmutter Ember Mária. Sie ist 1946 mit 80 Jahren aus Karancs altershalber ganz zu meinen Grosseltern ins Pfarrhaus nach Laskó gezogen, wo sie, nach dem Tod ihres Mannes Tóth Sándor, die Winter verbracht hatte. Er war 1934 mit 72 Jahren an der damals grassierenden Spanischen Grippe gestorben. Sie waren die Eltern von Tóth Mária, der Mutter meiner Grossmutter Nagy Gisela, genannt Szülike. Ember Mária hat sich mit der Mutter des langjährigen Glöckners Márton János* angefreundet. Juci néni wurde ihre Gesellschafterin. Sie war jünger als Ember Mária, aber genauso weitsichtig. Die beiden schwarz gekleideten Frauen mit schwarzen Kopftüchern verbrachten viel Zeit bei gemeinsamer Lektüre. Weil Juci néni keine Brille besass, lieh ihr meine Ururgrossmutter jeweils ihre eigene Lesebrille und verfügte in ihrem Testament, dass Juci néni die Brille nach ihrem Ableben erben sollte. So geschah es, dass diese Brille 1949 auf Juci néni hinüberging. Jahre später, als auch Juci néni schon gestorben war, erinnerte sich meine Tante Varga Mária an die Geschichte und erkundigte sich bei Mári néni, der Frau des Glöckners, nach dem Verbleib der Brille. Diese sagte, dass die Brille, die ihre Schwiegermutter von Ember Mária geerbt hatte, nicht mehr vorhanden sei. Das liess meine Tante nicht in Ruhe. Sie setzte einen Finderlohn von 100 Dinar aus. Am nächsten Tag brachte Mári néni die Brille wieder zurück.
Anna Vollenweider
*) János báci war übrigens nicht nur der Glöckner, sondern ging meinem Grossvater Varga Sándor auch im Weinberg und im Keller zur Hand. Stets gut gelaunt trieb er seine Spässe auch mit der Enkelin des lelkész, die den Winter 1962 bei ihren Grosseltern in Laskó verbrachte. „János, lehet!“ rief mein Grossvater jeweils sonntags kurz vor Beginn des Gottesdienste Richtung Kirchturm. Das bedeutete, er konnte mit dem dritten Geläute beginnen, da der Pfarrer und seine Familie (endlich) für den Kirchgang bereit waren.