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Die Prostata ist eine walnussgrosse Drüse, die bei Männern unter der Harnblase sitzt und zu den inneren Sexualorganen gehört. Unter dem Einfluss von Hormonen bildet die Prostata ein milchiges Sekret, das sich beim Samenerguss mit den Spermien vermischt. Wenn die Prostata über mehrere Wochen entzündet ist, spricht man von einer chronischen Prostatitis.
Rund fünf Prozent aller Männer leiden mindestens einmal in ihrem Leben unter den Symptomen einer chronischen Prostatitis. Einige Männer entwickeln aber auch eine chronische Infektion der Prostata ohne von den Symptomen betroffen zu sein.
Die drei Haupttypen von chronischer Prostatitis
a) Chronische bakterielle Prostatitis
Echte chronische bakterielle Infektionen machen nur einen kleinen Prozentsatz der Fälle von chronischer Prostatitis aus. Bei diesem Typ führt eine bakterielle Infektion zu Schwellungen und Entzündungen in der Prostata. Diese Diagnose können Ärzte definitiv stellen, wenn sich Bakterien und weisse Blutkörperchen im Urin befinden.
b) Chronische nicht-bakterielle Prostatitis
Die chronische nicht-bakterielle Prostatitis wird auch chronisches Beckenschmerzsyndrom genannt. In den meisten Fällen ist deren Ursache unklar beziehungsweise unbekannt. Ärzte machen diese Diagnose, wenn die Patienten typische Symptome einer chronischen Prostatitis haben, ohne dass Bakterien in einer Urinprobe nachgewiesen werden konnten.
c) Prostadynia
Prostadynia ist auch unter der Bezeichnung nicht-entzündliches chronisches Beckenschmerzsyndrom bekannt. Diese Bezeichnung wird verwendet, wenn Symptome einer Prostatitis vorliegen, ohne dass es Hinweise auf eine Infektion der Prostata gibt. Zur Erklärung der Prostadynie werden folgende Theorien in Betracht gezogen:
- ein abnormaler Druckaufbau in den Harnwegen
- Irritationen durch Autoimmun- oder chemische Prozesse
- Schmerzen in den Nerven und Muskeln im Becken
Symptome von chronischer Prostatitis
Prostatitis verursacht in der Regel eine Schwellung der Prostata, was zu einem schmerzhaften Druck auf die Harnröhre führt. Zu den typischen Symptomen einer chronischen Prostatitis gehören:
- Ein unangenehmes Brenn-Gefühl während oder nach dem Wasserlassen
- Schwierigkeiten beim Starten des Urinstroms
- Harntröpfeln nach dem Wasserlassen
- Häufiges oder dringendes Wasserlassen
- Ein Gefühl, dass die Blase nicht vollständig entleert werden kann
- Schmerzen über dem Penis, im oder unter dem Hodensack, im Rücken oder dem Rektum
- Schmerzen, die während oder nach dem Orgasmus auftreten
Bei manchen Männern treten diese Symptome nur vereinzelt auf, ohne dass die Lebensqualität gravierend beeinflusst wird. Andere Männer wiederum fühlen sich bei der Arbeit, bei Freizeitaktivitäten oder während sexuellen Aktivitäten beeinträchtigt.
Diagnose von chronischer Prostatitis
Wenn eine Fachperson eine Prostatitis vermutet, wird sie sich zunächst ausführlich nach den Symptomen erkundigen. Darüber hinaus sind weitere Informationen wichtig, wie:
- Allgemeine Krankengeschichte
- Liste aller Medikamente
- Täglicher Konsum von Kaffee und Alkohol
- Sexuelle Kontakte, die zu einem erhöhten Risiko für sexuell übertragbare Infektionen führen könnten, weil solche Krankheiten zum Teil ähnliche Symptome haben wie eine Prostatitis
Nach dem Vorgespräch ertastet der Arzt mit dem Finger durch den Enddarm die Prostata. Liegt eine Entzündung vor, kann es durch den Druck zu Schmerzen in der Prostata oder zu dringendem Harndrang kommen.
In einem nächsten Schritt wird der Urin auf weisse Blutkörperchen sowie Bakterien hin untersucht.
- Bei bakterieller Prostatitis enthält der Urin weisse Blutkörperchen und Bakterien. Dies zeigt sich besonders nachdem der Arzt die Prostata fest angedrückt hat.
- Bei nicht-bakterieller Prostatitis ist die Urinkultur bzw. Bakterienkultur trotz vorangehendem Ertasten der Prostata normal. Weisse Blutkörperchen können aber auch hier vorkommen.
Patienten mit vagen oder ungewöhnlichen Symptomen werden in der Regel auch noch auf andere Krankheiten abgeklärt wie etwa interstitielle Blasenentzündung, Urethritis, gutartige Vergrößerung der Prostata oder sogar Prostatakrebs.
Erwartete Dauer von chronischer Prostatitis
Chronische Prostatitis besteht meist mehrere Monate bevor sie diagnostiziert wird. Einige Patienten mit chronischer Prostatitis reagieren sofort auf die Behandlung, so dass die Symptome nach wenigen Tagen verschwinden. In anderen Fällen können die Symptome wochen- oder monatelang anhalten oder über einen Zeitraum von Jahren wiederkehren. Der Entwicklung einer chronischen Prostatitis kann nicht vorgebeugt werden.
Behandlung von chronischer Prostatitis
Zur Behandlung chronische-bakterieller Prostatitis werden am meist Antibiotika eingesetzt. Da es für Antibiotika schwierig ist, in die Prostata zu gelangen, müssen sie über einen längeren Zeitraum von vier oder mehr Wochen sowie in hohen Dosen verabreicht beziehungsweise eingenommen werden.
Falls Antibiotika nicht hilft, gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten:
- Alpha-Blocker-Medikamente unterstützen die Entspannung der Kontroll-Muskeln der Blase. Auf diese Weise können Symptome wie dringendes Wasserlassen, Harntröpfeln oder andere Probleme beim Wasserlassen gemindert werden.
- Ähnliche Effekte wie Alpha-Blocker erzielen auch Medikamente, welche die Grösse der Prostata verkleinern.
- Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und Muskelrelaxantien helfen bei Schmerzen und Muskelkrämpfen.
- Warme Bäder oder mit Biofeedback-Programme, welche die Spannung in der Beckenmuskulatur abbauen, können die Symptome mindern.
- Verzicht auf Koffein und Alkohol kann die Reizung von Blase und Prostata reduzieren.
- Massage der Prostata und häufiges ejakulieren soll eine Anstauung von Flüssigkeit in der Prostata vermeiden.
- Osteopathie?
Wichtig: Bisher haben sich nur wenige dieser Behandlungen als wirksam erwiesen. Oft ist nämlich der genaue Grund für die Symptome chronischer Prostatitis unklar und/oder es gibt mehrere Ursachen dafür. Was bei einem Patienten funktioniert, ist nicht zwingend die Lösung für einen anderen.
Prognose bei chronischer Prostatitis
Chronische Prostatitis ist sehr schwierig zu heilen, da viele Männer auf Antibiotika-Kuren nicht oder nur bedingt reagieren. Aufgrund dem mangelndem Wissen über nicht-entzündliche chronische Beckenschmerzsyndrom, kann es für den Arzt schwierig sein, die richtige Behandlung zu finden.
Dennoch sollte sich niemand entmutigen lassen, wenn die Symptome nach der ersten oder zweiten Behandlung nicht abklingen, da es mittlerweile verschiedene, potenziell wirksame Behandlungen gibt. Weil chronische Prostatitis das Risiko für die Entstehung von Prostatakrebs erhöht, ist es wichtig, dass sich Patienten auch nach einer erfolglosen Behandlung weiterhin regelmässig untersuchen lassen.