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Der Soziologe Pablo Ospina von der Universidad Andina Simón Bolívar in der ecuadorianischen Haupstadt Quito forscht über Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaft und Tourismus in seinem Land. Das Inselparadies Galapagos, mehr als 1000 Kilometer vom Festland entfernt, erlebt Jahr um Jahr mehr Wirtschaftswachstum. Weshalb und mit welchen Auswirkungen? Darauf gibt Ospina in diesem ersten Teil des Interviews Antworten.
Im Gegensatz zum ecuadorianischen Festland gab es auf den Galapagos-Inseln nie eine indigene Bevölkerung. Unter welchen Umständen kam es zur Besiedlung?
Die ersten Siedler liessen sich vom ecuadorischen Festland aus 1832 auf Galapagos nieder, verliessen es aber ein paar Jahre später wieder. Galapagos blieb Jahrzehnte ohne staatliche ecuadorische Präsenz. Gleichwohl gab es in der Zeit eine ganze Reihe von temporären Niederlassungen, die sich der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen widmeten. Erst ab Ende des 19. Jahrhunderts etablierten sich kleine Gemeinden, und zwar dort, wo es die besten Wasserquellen gab. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Santa Cruz besiedelt, hauptsächlich von Deutschen und Skandinaviern, aber auch von verfolgten Juden. Erst Anfang der 1970er Jahre entstanden auf Galapagos stabile kommunale Einrichtungen und staatliche Institutionen.
Das ist noch keine 50 Jahre her…
Erst seit den 1970er Jahren kann man in Galapagos von einem Boom in den Bereichen Besiedlung und Wirtschaftsentwicklung sprechen. Ein Grund für den Boom war die Zunahme des Tourismus auf der Insel Santa Cruz. Denn die dort ansässigen Umweltschutzorganisationen förderten ihn mit der Hoffnung, die Einnahmen aus dem Tourismus könnten die Forschung finanzieren und so zum Schutz der Inseln beitragen. Der zweite Grund war die Politik der ecuadorischen Regierung, die mithilfe der Einnahmen aus dem Erdölsektor genug Mittel zur Verfügung hatte, sich fest auf Galapagos niederzulassen. Davor hatte es dort staatlicherseits nur Armee- und Marineeinrichtungen gegeben.
Kann man den heutigen Tourismus auf Galapagos als Massentourismus bezeichnen?
Ja, man muss von einer Galapagos-Tourismusindustrie sprechen. So war das in 1970er Jahren nicht gedacht. Anfangs war nur geplant, ausgesuchte Inseln an bestimmten Plätzen mit Schiffen und Booten anzufahren. Die Touristen sollten kurzzeitig für ein paar Stunden unter Führung das Land betreten, aber den Grossteil der Zeit auf dem Wasser verbringen. Das ging eine Zeit lang ganz gut. Es war ein sehr teurer Individual- und Gruppentourismus im kleinen Rahmen. Nur wenige Flugzeuge steuerten Galapagos an, alles war sehr zeitaufwändig. Aber mit der zunehmenden Berühmtheit der Inseln und ihrer wissenschaftlichen Bedeutung stieg die Nachfrage, parallel zum Wachstum des globalen Tourismus. Heute kann man für viel weniger Geld als damals mit der Familie einen Badeurlaub auf Galapagos buchen und braucht dafür nicht einmal ein Boot zu besteigen. Kamen Touristen früher als Naturfreunde, die Flora und Fauna bestaunen wollten, so haben wir heute zahlreiche Pfade, Routen, Besichtigungstouren, Tauchtourismus, Sportfischen, Hotels, Autoverkehr und so weiter. In den letzten drei Jahrzehnten erfolgte ein massives Bevölkerungswachstum, jährlich um die fünf Prozent. So etwas hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht von Galapagos.
Unterstützt vom Medienfonds arbeitet Max Böhnel zurzeit am einem Feature mit dem Arbeitstitel „Galapagos – das verlorene Paradies?“ für den Schweizer Rundfunk SRF2.