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| Athanasius (295-373) - Leben des heiligen Antonius (Vita Antonii)

81. Kapitel. Kaiser Konstantinus und seine Söhne schreiben an Antonius.
Der Ruf des Antonius kam sogar bis zu den Kaisern. Denn als sie dies vernommen hatten, schrieben sie, Konstantinus Augustus1 und seine Söhne, Konstantius und Konstans die Augusti, an ihn2 wie an einen Vater und wünschten, ein Antwortschreiben von ihm zu erhalten. Er aber legte dem kaiserlichen Schreiben keinerlei besonderen Wert bei, er freute sich auch nicht über die Briefe, sondern er war ganz der nämliche wie vor der Zeit, wo ihm die Kaiser schrieben. Als ihm die Schriftstücke gebracht wurden, rief er die Mönche zusammen und sagte: "Wundert euch nicht, daß der Kaiser uns schreibt; denn auch er ist ein Mensch. Wundert euch vielmehr darüber, daß Gott den Menschen das Gesetz aufzeichnete und uns durch seinen eigenen Sohn verkündigte"3 . Er wollte die Briefe nicht [S. 765] annehmen, weil er, wie er sagte, nicht wisse, wie man darauf antworte. Die Mönche aber bestimmten ihn dazu mit dem Hinweis darauf, daß die Kaiser Christen seien und daß sie vielleicht Ärgernis nähmen, als ob sie geringschätzig behandelt würden, und so erlaubte er, sie vorzulesen. Und er schrieb zurück und lobte sie, weil sie Christus verehrten; auch gab er ihnen nützlichen Rat: die gegenwärtigen Güter nicht für etwas Großes zu halten, sondern vielmehr des zukünftigen Gerichtes zu gedenken und zu beherzigen, daß Christus allein der wahre und ewige Kaiser ist. Er bat sie, menschlich zu sein und für das Recht und die Armen zu sorgen. Die Kaiser freuten sich beim Empfang des Schreibens. So war er bei allen beliebt, und alle wünschten ihn zum Vater zu haben.
1: Konstantinus I. der Große, Alleinherrscher 324-337. Seine Nachfolger Konsta(n)s und Konstantius I., Alleinherrscher 353-361.
2: Atan.: ἔγραφον. Euagr.: crebro, häufig schrieben sie an ihn.
3: Vgl. Hebr 1,2.