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Der heute erschienene „Employment outlook“ der OECD kommt u.a. zum Schluss, dass eine bessere Ausbildung von möglichst vielen Erwerbspersonen zu einer ausgeglicheneren Einkommens- und Lohnverteilung führt. Das ist nachvollziehbar. Doch eine gleichmässige Einkommensverteilung ist auch eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die grosse Mehrheit der Bevölkerung in einem Land überhaupt aus- und weiterbilden kann. Ohne Geld fehlt die Zeit.
Hierbei spielen die Gewerkschaften eine Schlüsselrolle. Der OECD-Outlook zeigt, dass namentlich der gewerkschaftliche Organisationsgrad eine ausgleichende Wirkung auf die Verteilung hat (S. 93). Im Detail untersucht wurde das von einer aktuellen Studie des Internationalen Währungsfonds. Je mehr Erwerbstätige gewerkschaftlich organisiert sind, desto geringer ist die Lohn- und Einkommensschere. Bemerkenswerterweise betrifft das auch die Entwicklung der obersten Löhne. Die Lohnunterschiede zwischen den mittleren und den hohen Löhnen ist umgekehrt proportional zum Gewerkschafts-Organisationsgrad. Die Erklärung ist: Wenn sich die tiefen und mittleren Einkommen einen grösseren Anteil am Geld sichern können, das es in einer Firma zu verteilen gibt, desto weniger bleibt für die Kader und die Aktionäre.
Ähnlich wie die OECD kommt nun auch der IWF zum Schluss, dass eine ausgeglichene Einkommensverteilung die Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten einer Wirtschaft begünstigen. Eine wichtige Rolle spielt der Einkommensanteil der obersten 20 Prozent. Je grösser dieser ist, desto geringer sind die Entwicklungsmöglichkeiten.