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„Warum hat die Frau so rote Haare?“ Das Kind im Zug ist fasziniert vom roten Schopf ihres Gegenüber, aber die Mutter findet die Frage irgendwie unpassend und sagt: „Schau die Kühe da draussen auf der Wiese.“
Die Frage bleibt unbeantwortet, aber das Kind hat etwas Heiterkeit in den verregneten Vormittag gebracht mit seiner Frage. Warum, ja warum fragen wir uns oft. Warum musste die junge Mutter sterben, warum geht eine Partnerschaft in die Brüche, warum gibt es so viel Unrecht in dieser Welt?
Unser Leben besteht aus Lücken, Rissen und Leerstellen. Nicht selten begegnen wir Abgründen, stehen vor dem Nichts.
Wenn ich um jeden Preis immer und überall eine Antwort finden will, greife ich ins Leere. Das Leben ist nicht fassbar, es braucht das Unfassbare, ich muss das aushalten können.
Das Kind im Zug fragt sich, weshalb die Frau rote Haare hat. Wir können spekulieren: Sie hat rote Haare seit Geburt, die Farbe ist dann genetisch bedingt, vielleicht hat sie die Haare gefärbt weil es ihr gefällt, vielleicht ist es eine Maske, weil sie einfach eine Zeitlang ein anderer Mensch sein will. Fragen über Fragen auf welche das Kind keine Antwort bekommen hat.
Auf existentielle Fragen meines Lebens möchte ich aber Antworten bekommen, sonst bin ich verunsichert. Und doch muss ich täglich lernen, mit dieser Verunsicherung zu leben. Dabei hilft mir ein Satz des Komponisten John Cage: „Das ist eine wunderbare Frage, die ich nicht mit einer Antwort verderben möchte.“