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Niedrigeres Geburtsgewicht wegen Luftverschmutzung
Schwangere, die hohen, meist verkehrsbedingten Schadstoffbelastungen in der Luft ausgesetzt sind, bekommen häufiger Kinder mit einem zu niedrigen Geburtsgewicht. Feinstaub (Russpartikel) und Stickstoffdioxid (NO2) sind nach einer Studie im Journal of Epidemiology and Community Health die möglichen Auslöser.
David Rich von der University of Medicine and Dentistry in Piscataway/New Jersey wertete die Angaben der Geburtskliniken zu fast 336.000 Kindern aus, die zwischen 1999 und 2003 in New Jersey auf die Welt gekommen waren, und setzte sie mit den Messwerten der US-Umweltbehörde (Environmental Protection Agency) in Beziehung. Dabei achtete der Forscher darauf, dass die Mütter nicht weiter als 10 Kilometer von der nächsten Messstation entfernt wohnten. Ergebnis: Je höher die Schadstoffbelastung während der Schwangerschaft war, desto grösser war die Wahrscheinlichkeit, dass die Ärzte eine Mangelgeburt diagnostizierten. Insgesamt stellten die Ärzte bei 8 Prozent der Kinder ein niedriges Geburtsgewicht (intrauterine Wachstumsretardierung oder small for gestational age = SGA) und bei 2 Prozent ein sehr niedriges Geburtsgewicht (very small for gestational age, VSGA) fest.
Jeder Anstieg des Feinstaubgehalts (PM2,5) um 4µg/m3 im ersten und dritten Trimenon verdoppelte das Risiko auf eine SGA-Geburt. Für VSGA wurde ein ähnlicher, aber nicht signifikanter Trend gefunden. Die winzigen Staubpartikel können tief ins Gewebe eindringen und wurden bereits mit Todesfällen durch Herzerkrankungen und Atemwegserkrankungen in Zusammenhang gebracht.
Eine erhöhte NO2-Konzentration durch Abgase erhöhte sogar in allen drei Abschnitten der Schwangerschaft das Risiko auf eine Mangelgeburt: Mit jedem Anstieg der NO2-Konzentration um 10 ppb versiebenfachte sich das Risiko auf eine VSGA, während für SGA keine signifikante Assoziation gefunden wurde.
Derzeit ist es laut den Wissenschaftlern nicht klar, wie die Luftverschmutzung das Wachstum des Fötus genau beeinträchtigt. Frühere Forschungen legten jedoch nahe, dass die Aktivität der Zellen verändert wird oder die Menge des Sauerstoffs und der Nährstoffe, die ein Kind im Mutterleib erhält, abnimmt.
Das Ausmass des Risikos ist enorm, wenn auch nicht unbedingt beweisend. Um die Bedeutung der Luftverschmutzung für die vorgeburtliche Entwicklung genau beurteilen zu können, müssen Zusatzfaktoren bei der Schwangeren ausgeschlossen werden, wie Zigarettenkonsum, junges Alter, geringer Bildungsstand und niedriges Einkommen, afroamerikanische Ethnie und unverheiratet als Zivilstand, die ebenfalls das Risiko einer Mangelgeburt erhöhen. Rich hat alle diese Faktoren in seine Berechnungen einfliessen lassen, was aber nicht ausschliesst, das es andere Faktoren, etwa die Ernährung gibt, die mit einem Wohnort in der Nähe von abgasbelasteten Strassen assoziiert sind und die Mangelgeburt anstand der Luftbelastung erklären.
Quelle: DQ Rich et al.: J Epidemiol Community Health. Published Online First: 8 April 2009
(2009; doi:10.1136/jech.2008.082792)
Stand: 04/09, BH