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|Abt Otmar Kunz (1564-1577)

Abt Otmar Kunz
Otmar Kunz, 1564-1577. Ca. 1530 in Wil als Bäckerssohn geboren. Profeß am 18.5.1547. Als Statthalter in Rorschach wurde er am 20.12.1564 im Refektorium 34Jährig zum Abt gewählt. Am 29.1.1565 erhielt Melchior Lussi die Vollmacht, in Rom die Konfirmation einzuholen, deren Erteilung sich wegen Fehlens des vom Trienter Konzil vorgängig geforderten Informativprozesses längere Zeit verzögerte. Sie wurde schließlich am 13.7.1565 durch den Papst Pius IV. gewährt. Benediktion in St. Gallen am 16.10.1565 durch Weihbischof Jakob Eliner von Konstanz unter Assistenz der Äbte von Einsiedeln und Ottobeuren. In Mont-de-Marsan erneuerte St.Gallen am 21.7.1565 das Bündnis mit Frankreich. Im Anschluß an die Konstanzer Diözesansynode (1567) stellte Abt Otmar bald danach die "Reformatio Sancti Galli" für das Kloster auf. Durch den Rorschacher Vertrag vom 13. und den Wiler Spruch vom 20.9.1566 wurden Stift und Stadt territorial völlig getrennt und der Bau einer 31 Fuß hohen Scheidmauer mit Tor zwischen den beiden Gebieten beschlossen. Gleichzeitig regelte man die gegenseitigen Schulden. Im Oktober 1567 waren die Bauten vollendet. Um 1570 wurde schließlich noch das südliche Tor gegen die Steinach, seit dem 17. Jahrhundert Karlstor genannt, fertiggestellt, das erlaubte, die Abtei zu verlassen, ohne die Stadt zu betreten. Am 26. und 27. August 1570 weilte Karl Borromeo zu einem Besuch in St. Gallen. Abt Otmar ließ das 1568 durch Brandstiftung zerstörte Kloster St. Johann wieder aufbauen. Ebenso förderte er die Errichtung von Siechenhäusern in Bruggen und Rorschach. Dazwischen hatte er mit den Untertanen verschiedene Händel auszutragen. In einem Mandat schrieb er für alle Bewohner der Alten Landschaft über 14. Jahre vor, sie hätten jährlich in der Fastenzeit die Beichte abzulegen und die Kommunion zu empfangen, andernfalls müßten sie außer Landes ziehen. Eine durchgehende Rekatholisierung des Toggenburgs konnte allerdings im Gegensatz zur Alten Landschaft nicht gelingen. Ernsthaft bemühte sich der Abt so um die Erneuerung im Kloster und in den Untertanengebieten. Besondere Beachtung schenkte er dem Gottesdienst und der Kunst (vgl. etwa die Ausschmückung des Karlstors). In Paris ließ er neben seinem Nachfolger Joachim Opser auch Mauritius Enk, Ulrich Oesch und Adam Giel von Glattburg am Kolleg Claramontanum (Clermont) der Jesuiten studieren. Besondere Förderung erfuhr die Bibliothek: er ließ mehrere hundert Bände um 5000 fl., meist aus Paris, anschaffen und mehrere liturgische Handschriften anfertigen. Tod am 27.1.1577 in Wil. Vierzig Wiler Bürger geleiteten den Leichnam nach St. Gallen.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)