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Spiel der Kantonspolizei Bern - Geschichte
Die Gründung
Die Idee, ein Musikkorps von Polizeiangehörigen im Kanton Bern zu gründen, wurde während der Polizeischule 1957/58 geboren, als der Militärtrompeter Paul Gfeller einige Musikanten zu einer Bläsergruppe zusammenführte, die zu ihrem Plausch und zur Freude der Mitschüler aufspielte. Durch die unvermeidlichen Stationierungen nach der Polizeischule auseinandergerissen, war die Idee, einem Holzstück unter dem Wasserfall gleich, nur noch sporadisch sichtbar, immer dann nämlich, wenn die „Kapellenmitglieder“ irgendwo zufällig zusammentrafen.
Zu einem solchen Zufall kam es dann an der Diensthundeprüfung im Oktober 1963 im Raum Kirchberg/Ersigen, wo Paul Gfeller sich mit ehemaligen Polizeischulkameraden traf und das Thema erneut aufgriff. Sofort war klar, dass "man" jetzt konkret etwas unternehmen wolle, um im Kanton Bern eine Polizeimusik ins Leben zu rufen. Schon bald stellte sich aber heraus, dass das Vorhaben beim Polizeikommandanten nicht auf grosse Gegenliebe stiess. Paul Gfeller liess sich dadurch jedoch nicht entmutigen, sagte aber, dass die Planung professionell vorangetrieben werden müsse und dass für eine allfällige Vereinsführung anerkannte Persönlichkeiten zu suchen seien. Walter Imhof brachte darauf Gerichtspräsident Kurt Hunziker ins Gespräch, der einerseits als ehemaliger Polizeioffizier beim Kommando kaum bestritten war und zudem in der Politik eine freundschaftliche Beziehung zum damaligen Regierungsrat und Polizeidirektor Robert Bauder pflegte. Paul Gfeller seinerseits gelang es mit Militärmusikinstruktor Fritz Siegfried eine allseits anerkannte Persönlichkeit als möglichen Dirigenten zu gewinnen.
Am 1. September 1964 war es dann soweit: 25 unentwegte Blasmusiker und zwei Tambouren fanden sich zur Gründungsversammlung des Spiels der Kantonspolizei Bern im alten Theoriesaal der Berner Hauptwache zusammen und hoben den neuen Verein aus der Taufe.
Als ein Glücksfall erwies sich schon damals die Wahl von Militärmusikinstruktor Fritz Siegfried zum ersten musikalischen Leiter, der seine Aufgabe mit grosser Sachkenntnis und professionell anpackte. Das Spiel machte sich zur Aufgabe, gute Marsch- und Unterhaltungsmusik zu spielen, den Korpsgeist zu pflegen und durch öffentliche Auftritte eine Brücke zwischen Polizei und Bevölkerung zu schlagen.
|Erstes Bild des Spiels der Kapo Bern im Dezember 1964|
Die Gründungsmitglieder
Gfeller Paul (Gründungspräsident) Aebersold Paul, Baumann Hans, Bieri Fritz, Bill Fritz, Blum Arthur, Blum Kurt, Bühler Max, Büchler Rudolf, Degiacomi Paul, Gafner Christian, Glauser Ernst, Imhof Walter, Käser Peter, Meier Franz, Mori Otto, Müller Walter, Reinmann Karl, Rohrbach Fritz, Stämpfli Ernst, Stettler Walter, von Wartburg Fritz, Wälti Oskar, Zimmermann Fritz, Günter Hans, Konzerttambour und Kurt Max Marschtambour.
Beschaffung der Instrumente
Also stand der Verein, die Mitglieder wollten musizieren, hatten aber keine Instrumente und natürlich auch kein Geld! War jetzt guter Rat tatsächlich teuer?
Und wieder lachte dem jungen Verein das Glück. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt rüstete das Militär seine Spiele von "gelb" auf "silber" um und so konnte das Kapo Spiel von der Armee zwar "ausgemusterte" aber noch neue "gelbe" Instrumente zu einem Sonderpreis erwerben. Jeder Musikant bezahlte hundert Franken und das Spiel war ausgerüstet.
Die Tambourengruppe
Im Jahr 1966 bildete sich eine Tambourengruppe, die unter der Leitung von Tambouren-Instruktor Alfred Flach rasch Fortschritte verzeichnete und zu einem wichtigen Bestandteil des Spiels wurde. Seit 1978 steht die Gruppe mit einem 3 jährigen Unterbruch (1999-2001) unter der Leitung von Hans Luterbacher und erfreut sich grosser Popularität. Der Leiter versteht es, sie mit grossem Können und Disziplin zu Höchstleistungen anzuspornen.
Die Uniform
Von Anbeginn trat das Spiel der Kantonspolizei in der Ordonnanz-Uniform der Kantonspolizei auf. Sie wurde mit besonderen Schulterstücken und Musikschnur ergänzt. Später kamen auch ein spezieller Gurt und die erste Tellermütze dazu.
Dem allgemeinen Trend folgend erwarb das Spiel 1992 eine eigene, in den Kantonsfarben gehaltene Konzertuniform. Diese zeichnet sich gegenüber der Dienstuniform durch einen grossen Tragkomfort aus und trägt zu einem modernen Erscheinungsbild bei. Noch heute besticht sie durch ihren einfachen und gefälligen Schnitt.
Obschon ein erster Versuch von 1995, das Spiel mit einer neuen "Dienstuniform" auszustatten gescheitert war, legte man dieses Thema nie zur Seite. Nach langwieriger Planungs- und Umsetzungszeit wurde die alte, schwarze Ordonnanzuniform durch eine neue, zeitgemässe Uniform ersetzt. Sie entspricht der heutigen Galauniform des höheren Kaders. Im Jubiläumsjahr 200 Jahre Kapo Bern wurden die Aktivmitglieder des Spiels mit der schmucken neuen Spieluniform ausgerüstet. Am 22. April 2004 konnte sie an der Vereidigung der Polizeischule zum ersten Mal öffentlich präsentiert werden.
|Ständli vor der Kantonalen Finanzverwaltung auf dem Münsterplatz in Bern im Winter 1965|
Die Fahne
Man schrieb den 29. Oktober 1982, als im Berner "Bierhübeli“ mit einer schlichten Feier die Vereinsfahne des Spiels der Kantonspolizei Bern eingeweiht werden konnte. Weshalb, fragen Sie sich, bekam das Spiel erst 18 Jahre nach seiner Gründung eine eigene Fahne?
Hier die kurze Geschichte dazu:
"Berner Zweitagemarsch" 1982, wunderschönes Frühsommerwetter, tausende von Marsch-Wanderfreudigen unterwegs rund um Bern. Unter ihnen eine beachtliche Anzahl Angehörige der Kantonspolizei Bern. Sonntagnachmittag, die verschiedenen Formationen der Marschteilnehmer aus mehreren Polizeikorps der ganzen Schweiz und dem Ausland versammeln sich zum gemeinsamen Einmarsch vor grossem Publikum an der Guisanstrasse. Angeführt werden sie durch das Spiel der Kapo Bern, an dessen Spitze, eingerahmt durch Trachtenfrauen, die "Korpsfahne" der Kantonspolizei Bern. - Sie haben richtig gelesen, seit der Gründung des Spiels der Kapo Bern wurde dieses auf Anordnung von Polizeikommandant Hans Arnet bei öffentlichen Auftritten stets durch die Korpsfahne begleitet. - Zurück zum Sammelplatz. Einige Marschteilnehmer des bernischen Polizeikorps beharrten darauf, dass die Korpsfahne zu der Marschgruppe und nicht zum Spiel gehöre. Kurze Diskussion und der etwas genervte Spiel-Präsident sagte: "Ig wott kes Gschtürm, Fähnrich, ab zur Marschgruppe". Er sagte aber auch: "Das passiert mir nid no einisch".
Schon in der kommenden Woche wurde eine kleine "Fahnenkommission" auf die Beine gestellt und die Firma Siegrist in Langenthal beauftragt, mit ihren Heraldikern ein Fahnensujet zu entwerfen. Bedingung: Der Berner Bär und mindestens ein Musikinstrument müssen im Entwurf enthalten sein. Ein halbes Jahr später wurde die Fahne eingeweiht.
Das infolge der vielen Auftritte etwas mitgenommene Banner wurde 2009 durch eine neue aber im Design unveränderte Fahne ersetzt. Die "Alte" steht seither im Museum der Kantonspolizei Bern.
Auslandauftritte
Mehrmals durften die Musikantinnen und Musikanten ihr Können auch ausserhalb der Landesgrenzen unter Beweis stellen. Einen ersten Höhepunkt in der Vereinsgeschichte erlebte das Spiel bereits 1980 mit der Abkommandierung an den Viertagemarsch nach Nijmegen (Holland). Im Jahr 1987 folgte ein Auftritt am International Tattoo in Höxter (Deutschland). In bester Erinnerung bleibt auch die Marschmusik durch Prag mit anschliessendem Konzert auf dem Wenzelsplatz anlässlich der internationalen Polizeimusiktage im Jahr 1995. 1997 dann die 2. Teilnahme als offizielles Musikkorps der Schweizer Delegation am Viertagemarsch in Nijmegen. Erneut ein unvergessliches Erlebnis, so beeindruckend, dass das Spiel im Dezember 2000 wieder nach Bemmel reiste, um die Amtsablösungsfeier von Bürgermeister Bergamin musikalisch zu umrahmen.
Im Mai 2005 war das Spiel während drei Tagen zu Gast bei der Berliner Polizei und spielte dort anlässlich "Der Tage der offenen Türen". Und weil sie es nicht lassen konnten war 2010 wieder Holland das Reiseziel, wo die Berner Polizeimusiker zum dritten Mal am Viertagemarsch bzw. an der Schweizerwoche in Bemmel teilnahmen.
Als jüngste Auslandreisen dürfen die Teilnahmen am Winzerfest in Meran/I sowie am Carnevale die Verona/I nicht vergessen werden, einmalig!
|Das Spiel am Carnevale di Verona 2013|
Film- und Fersehaufnahmen
Fernsehpremiere für die Berner Polizisten im Jahre 1972: In München durften sie an der Spitze der Teilnehmer des Olympia-Marsches einmarschieren. Eindrücklich wird natürlich der Auftritt beim Hessischen Rundfunk in Saarbrücken bleiben, wo das Kapo Spiel 1985 bei Hans Joachim Kulenkampfs „Einer wird gewinnen“ vor Millionen Fernsehzuschauern auftreten konnte. Auch der Auftritt bei SF DRS in der Sendung "Hopp de Bäse" im Sommer 2011 – aufgenommen in Interlaken - wird allen in Erinnerung bleiben.
Unvergessen sind natürlich die Aufnahmen zum Kinofilm "Der Richter und sein Henker" anno 1975, bei denen das Spiel fast eine Woche lang unter der Regie von Maximilan Schell in Aktion war.
Marschevolutionen
Grossen Erfolg durfte das Spiel während der Direktionszeit von Urs. Chr. Studer mit den Marschevolutionen verzeichnen. Besonders erwähnenswert die Auftritte an den Internationalen Polizeimusikshows von Basel und Zürich und natürlich am Tattoo in Höxter/D, wo den Bernern frenetischer Beifall gezollt wurde. Auch in guter Erinnerung der Auftritt anlässlich des Fussball-Länderspiels Schweiz/Russland im Berner Wankdorf anno 1985 und die Darbietungen an den Schweizerischen Polizeimusiktreffen.
Das Repertoire
Das Repertoire des Spiels ist sehr breit gefächert. Es reicht von traditioneller Blasmusik wie Märschen, Polkas, über Jazz, Schlager, Musical und Film, bis hin zur Pop-Musik. Die Unterhaltungsmusik mit all ihren während Jahrzehnten gewachsenen Stilrichtungen bildet dabei das Schwergewicht der Musikalien des Spiels.
|Jahreskonzert 2013 im Kursaal Bern|
Tonträgeraufnahmen
Neben einer in den Anfangsjahren aufgenommenen Single-Schallplatte wurde zum 25-Jahr-Jubiläum 1989 eine Langspielplatte produziert.
Fünf Jahre später folgte die Studioaufnahme mit dem Namen „Reflections“. Diese CD widerspiegelt die gegenwärtige Stilrichtung. Leider sind davon nur noch wenige Exemplare erhältlich.
Unter dem Titel "Police Sound" kam 2007 ein weiterer Tonträger hinzu, auch dieser mit bekannten Stücken moderner Blasmusik.
Seither wurden nur noch die anlässlich der Jahreskonzerte aufgenommenen Live-Mitschnitte in einer CD zusammengefasst. Leider ist die Nachfrage nach Blasmusik-Tonträgern massiv gesunken.
Schwerpunkte aus dem Jahresprogramm
Aus dem Tätigkeitsprogramm des Spiels kann das alljährliche Galakonzert im Kursaal Bern als traditioneller und viel besuchter Anlass erwähnt werden.
Die Polizistinnen und Polizisten haben sich als Unterhaltungsband einen guten Namen gemacht und werden deshalb immer wieder für Abendunterhaltungen engagiert. Dem Polizeikommando und der kantonalen Polizeidirektion steht das Spiel zudem für dienstliche Auftritte wie Vereidigungen, Trauer-feiern und öffentliche Polizeiveranstaltungen zur Verfügung. Es kann auch für staatlich angeordnete Feierlichkeiten aufgeboten werden.
Zu erwähnen sind selbstverständlich die alle vier Jahre stattfindenden Schweizerischen Polizei-musiktreffen, an denen das Spiel der Kapo Bern lückenlos teilgenommen hat.
Der Probenbetrieb
Die Proben des Spiels der Kantonspolizei finden jeweils am Dienstag, 1930 bis 2130, im Zeughausareal in Bern statt. Einmal im Monat gibt es eine Halbtagsprobe (1400 -1800). Weil das Spiel laut Vertrag zwischen dem Verein und der Polizeidirektion jederzeit spielbereit sein muss, gilt diese Probe als Dienst.
Seit 1984 absolvieren die Polizeimusiker im Herbst - kurz vor dem Jahreskonzert - ein zweitägiges Trainingslager, das bisher, mit wenigen Ausnahmen, immer im Kulturzentrum Appenberg durchgeführt worden ist.
Zukunftsmusik
Obwohl der Verein im gegenwärtigen Zeitpunkt sowohl personell wie musikalisch auf einer Erfolgswelle reitet, ergeben sich bei der Rekrutierung von neuen Aktivmitgliedern immer mehr Probleme. Zu schaffen macht dem Verein, dass junge Korpsangehörige infolge der Belastung durch die vielen Ordnungsdiensteinsätze - insbesondere bei Sportanlässen und Demonstrationen - derart an ihre psychischen und physischen Grenzen stossen, dass sie in ihrer kargen Freizeit nicht mehr die Motivation aufbringen, ihrem musikalischen Hobby in einem Polizeiverein zu frönen, schade!
Dessen ungeachtet darf das Spiel der Kapo Bern getrost in die Zukunft blicken, es wird immer wieder - die jüngste Vergangenheit zeigt es - junge Korpsangehörige geben, die der Musik im Spiel der Kapo Bern trotz oder gerade wegen den Belastungen im Beruf, die Treue halten werden.
Quelle: Jubiläumsschrift "50 Jahre Spiel der Kantonspolizei Bern, 1964 - 2014"
Autor: Ehrenpräsident Fritz von Wartburg