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Studie zur Repräsentation in parlamentarischen Demokratien
In diesem Jahr legten die Bundesbehörden in der Schweiz und in den USA fest, wie viele Volksvertreterinnen und Volksvertreter die Kantone beziehungsweise die Bundesstaaten in die jeweilige grosse Kammer ihres nationalen Parlaments entsenden dürfen. In beiden Staaten, wie auch in den meisten anderen parlamentarischen Demokratien, beruht diese Sitzverteilung auf der Bevölkerungsgrösse der jeweiligen Gebietskörperschaften. Als Folge davon sind Gebietskörperschaften mit einer grossen Bevölkerungszahl im nationalen Parlament zahlenmässig typischerweise besser repräsentiert als solche mit einer geringen Bevölkerungszahl. Die Anzahl Volksvertreterinnen und Volksvertreter, die eine Gebietskörperschaft ins nationale Parlament schickt, dürfte für deren politischen Einfluss bedeutsam sein. So bangte beispielsweise der Basler Regierungspräsident öffentlich um die politische Schlagkraft seines Kantons, als vor Kurzem der Verlust eines Basler Nationalratssitzes für die Eidgenössischen Wahlen 2023 bekannt gegeben wurde.
Möglichst nahe an der Bevölkerungsschwelle
In ihrem Forschungsprojekt planen Prof. Dr. Simon Lüchinger, Professor für Ökonomie, und Prof. Dr. Lukas D. Schmid, Professor für Empirische Methoden, die Auswirkungen der parlamentarischen Repräsentation von Gebietskörperschaften systematisch zu untersuchen. Ziel der Studie ist es herauszufinden, wie sich die Anzahl der Sitze einer Gebietskörperschaft auf das Verhalten der Parlamentsmitglieder, das Verhalten und die Einstellungen der Wahlbevölkerung und die Zuteilung fiskalischer Ressourcen auf die Gebietskörperschaften auswirkt. Zu diesen fiskalischen Ressourcen zählt beispielsweise die Finanzierung von Bahn- und Strasseninfrastruktur in den Kantonen durch den Bund.
Um die Auswirkungen der parlamentarischen Repräsentation von Gebietskörperschaften empirisch erfassen zu können, müssen mögliche Störgrössen ausgeschlossen werden können. Darunter fallen auch die direkten Auswirkungen der Bevölkerungszahl, denn grosse Gebietskörperschaften können auch ohne bessere parlamentarische Repräsentation alleine aufgrund ihrer Grösse mehr Einfluss haben. Die beiden Forscher adressieren diese methodische Schwierigkeit, indem sie sich auf Gebietskörperschaften nahe von Bevölkerungsschwellen konzentrieren, die zu einer Veränderung der Sitzzahl führen: In der unmittelbaren Nähe dieser Schwellen geben schon kleine Bevölkerungsbewegungen den Ausschlag darüber, ob die Gebietskörperschaft einen Sitz mehr oder weniger erhält. Somit ist sichergestellt, dass sich die Gebietskörperschaften ober- und unterhalb der Schwellen nur hinsichtlich der Zahl der Parlamentssitze, jedoch nicht hinsichtlich anderer Störgrössen unterscheiden. Für die Studie werden die Daten von rund 20 Ländern über 30 Jahre ausgewertet.
- Originaltitel des Projekts und Übertragung ins Deutsche: «The Effects of Geographical Representation on Legislators, Voters, and Economic Policy» («Die Effekte der geografischen Repräsentation auf Parlamentsmitglieder, Wahlbevölkerung und Wirtschaftspolitik»)
- Leitung: Prof. Dr. Simon Lüchinger, Professor für Ökonomie; Prof. Dr. Lukas D. Schmid, Professor für Empirische Methoden
- Projektbeteiligte und Mitarbeitende: zwei Doktorierende (noch zu bestimmen)
- Projektdauer: 48 Monate
- Bewilligte Fördersumme des Schweizerischen Nationalfonds (SNF): CHF 660'000 (gerundet)