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Die Lehren bezüglich Infanteriebewaffnung aus den starren Grabenkämpfen des Ersten Weltkrieges, zeigten auf, dass lange Infanteriegewehre wie das Mauser 98 oder das Drei-Linien-Gewehr Mosin-Nagant M91 nicht für Einsätze auf engem Raum geeignet waren.
Auf deutscher Seite wurde diese Erkenntnis mit der Einführung der Taktik der Sturm-Batallione ab 1916 in Verdun und massiv 1917 in den Schlachten am Isonzo umgesetzt. (Rommel, 1937)
Zusammen mit der von Theodor Bergmann und Hugo Schmeisser entwickelten Maschinenpistole MP18 wurde die Sturmtrupp-Taktik in der deutschen Frühjahrsoffensive 1918 an der Westfront massiv angewandt. Die Kampfkraft der, von den Soldaten „Grabenfeger“ genannten MP18, war einer der Hauptgründe warum dem Deutschen Reich in den Versailler Verträgen die Produktion von Maschinenpistolen verboten wurde. Die Taktik der deutschen Sturm-Batallione wurde im ganz grossen Massstab – unterstützt durch Panzer und Luftwaffe – 21 Jahre später als Blitzkrieg wieder umgesetzt.
In der Sowjetunion begann die Entwicklung von Maschinenpistolen erst nach dem Zarensturz, dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Militärreform von 1925. Tokarev entwickelte das erste Modell für die Revolverpatrone des Nagant-Revolvers. Andere Konstrukteure – wie Degtjarew – verwendeten für Ihre Entwürfe die deutsche Patrone 7.65x25mm Mauser. Degtjarews Konstruktion PPD-34 wurde dann als erste Maschinenpistole der Roten Armee in Kaliber 7.62x25mm Tokarev eingeführt. Diese Patrone war durch Tokarevs Pistole TT33 bereits in Verwendung. (Shaydurov, 2010)
Während bei anderen Armeen bereits eine Sättigung mit Maschinenpistolen eintrat, gab es zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in der Roten Armee kaum solche Waffen. Die Rote Armee musste dieses Fehlen im Winterkrieg gegen Finnland schmerzlich erfahren. So entstanden während des Krieges zwei neue Maschinenpistolen in der Sowjetunion, die nach dem deutschen Überfall dringend gebraucht wurden. 1941 wurde die Maschinenpistole PPSh-41, eine Konstruktion von Schpagin, und später 1943 die Maschinenpistole PPS-43 von Sudajew eingeführt.
Die sowjetische Industrie lieferte diese Waffen in grosser Zahl. Von 1941 bis 1945 wurden sechs Millionen PPSh und PPS gefertigt und an die Rote Armee für den „Grossen Vaterländischen Krieg“ ausgeliefert. Neben der britischen STEN und der deutschen MP40 gehören die PPSh und PPS zu den meist verwendeten Maschinenpistolen des Zweiten Weltkrieges.
Hinsichtlich der Kampfeigenschaften standen die sowjetischen Maschinenpistolen den gegnerischen Produkten nicht nach und waren ihnen an Einfachheit und Zuverlässigkeit sogar überlegen.
Die PPSh-41, Kaliber 7.65x25mm
GAU-Index 56-A-172
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Rote Armee mit Maschinenpistolen von Vasily Degtjarew ausgerüstet. Die Modelle PPD-34, PPD-38 und PPD-40 wurden von den sowjetischen Truppen im Winterkrieg gegen Finnland 1939-1940 erfolgreich, jedoch in geringer Anzahl eingesetzt.
1940 begann Georgi Schpagin an der Entwicklung einer neuen Maschinenpistole. Die neue Maschinenpistole sollte trotz einfachster Konstruktion und minimalem Fertigungsaufwand über die gleiche Kampfkraft wie das Degtjarew-System PPD verfügen. Ähnlich wie bei der Entwicklung der britischen STEN wurde Wert darauf gelegt, dass die Konstruktion unter widrigsten Umständen gefertigt werden konnten. Am 21. Dezember 1940 wurde die Maschinenpistole dann mittels Verordnung in die Bewaffnung der Roten Armee eingeführt. Die Waffe bekam die Bezeichnung PPSh-41 (Pistolet pulemjet Schpagina-41). Die Serien-Produktion begann 1941, wobei 1941 infolge der Evakuation der Fertigungsstätten in den Ural und nach Sibirien, nur eine geringe Anzahl gefertigt. Erst ein Jahr später kam die PPSh-41 zum Masseneinsatz und gelangte im Kessel von Stalingrad zu Symbol-Charakter. Bei Kriegsende verfügte die Rote Armee über ca. 5 Millionen Stück PPSh-41.
Dank der hohen Feuerrate und grossen Magazinkapazität von 71 Schuss im Trommelmagazin war die Waffe im Nahkampf äusserst effektiv. Die Soldaten nannten Sie darum auch „Fleischwolf“. Die robuste Konstruktion erlaubte es auch die Maschinenpistole als Keule im absoluten Nahkampf einzusetzen, was mit der deutschen MP40 oder der britischen STEN nicht möglich wäre.
Erbeutete PPSh-41 an der Ostfront wurden viel und gerne von deutschen Einheiten verwendet. Dies geschah in einem Umfang, dass die PPSh-41 bei den deutschen Heeres-Waffenämtern als Beutewaffe MP 717(r) katalogisiert wurde. Auf deutscher Seite wurden auch Konvertierungen durchgeführt. Erbeutete PPSh-41 wurden auf Kaliber 9x19mm und Magazine der MP40 umgebaut. Diese Konvertierungen wurden als MP 41(r) katalogisiert.
Während den Zweiten Weltkrieges wurden bereits Fertigungslizenzen der PPSh-41 in den Iran vergeben. Der Iran war während dieser Zeit von britischen und sowjetischen Truppen besetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die PPSh-41 in diversen Ostblock-Staaten kopiert und weiter gebaut: in Ungarn als unverändertes Lizenz-Modell 48M, in Nordkorea als Typ 49, in China unlizenzierter Nachbau Typ 50, in Nordvietnam als K50M mit verkürztem Laufmantel und Teleskop-Schulterstütze aus dickem Stahldraht.
Die PPSh gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg als MPi 41 zur Erstausstattung der Nationalen Volksarmee der DDR und als MP 41 zur Erstausstattung des neugründeten österreichischen Bundesheeres.
Technik
Die Maschinenpistole PPSh-41 ist eine zuschiessende Waffe mit unverriegeltem Masseverschluss, wie für damalige Maschinenpistole üblich. Die PPSh kann Einzelfeuer und Dauerfeuer schiessen. Dabei erreicht sie eine aussergewöhnlich hohe Feuerrate von bis zu 1000 Schuss pro Minute. Dabei werden Patronen der Pistole Tokarev in Kaliber 7.62x25mm Tokarev in kurzen Feuerstössen von 3-6 Schuss oder lange Feuerstösse von 15-20 Schuss verschossen.
Der Zündstift ist fest im Stossboden verbaut. Der Stoss des Verschlusses im Rücklauf wird durch einen primitiven Puffer aus Leder, später Phenolharz, gegen das Verschlussgehäuse gedämpft. Der Feuerwahlschalter befinden sich innerhalb des Abzugbügels und dient der Wahl zwischen Einzel, resp. Seriefeuer. Der Ladegriff ist fest am Masseverschluss angebracht und verfügt über einen kleinen Schieber, der den Verschluss in vorderer, geschlossener Stellung oder hinterer, offener Stellung arretieren kann. Dieser Schieber dient als Sicherung.
Gehäuse und Laufmantel sind aus geprägtem Blech gefertigt. Der Laufmantelragt über die Laufmündung hinaus, was wie eine Art primitiver Kompensator wirkt.
Anfänglich hatte die PPSh ein voreingestelltes Kurvenvisier von 50 bis 500m. Im Verlaufe des Krieges wurde dieses Kurvenvisier für ein Klappvisier zugunsten weiterer Einfachheit aufgegeben. Das Klappvisier verfügt über zwei Stellungen für 100m und 200m.
Zunächst wurden die PPSh mit Trommelmagazinen von 71 Schuss Kapazität ausgerüstet. Später führte man ein 35-schüssiges Stangenmagazin ein. Dieses war leichter, preiswerter und beschleunigte den Ladevorgang. Das ursprüngliche Tommelmagazin war der grösste Schwachpunkt der PPSh. Es ist schwer handhabbar und aufwändig in der Produktion.

Literaturverzeichnis
Rommel, Erwin. 1937. Infanterie greift an. Postdam : Voggenreiter Verlag, 1937.
Shaydurov, Ilya. 2010. Russische Schusswaffen. Stuttgart : Motorbuch Verlag, 2010. ISBN 978-3-613-031187-6.