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Die Anfrage kam kurzfristig rein und die Antwort
musste ebenso zackig sein! Und diese konnte nur "ja"
lauten! So machte ich mich also kurzerhand hinter meine
Fragen, denn schliesslich würde mir mit Kerry King ja
nicht einfach irgend ein Shredder gegenüber sitzen. Dies
alles machte eine weitere Tour der amerikanischen
Kult-Combo möglich, und dass das Ganze anstatt in Basel
nun in Zürich statt fand, war eh besser.
Ein Interview mit Slayer hielt ich an gleicher Stelle
vor rund zehn Jahren schon mal, damals mit Tom Araya.
Der Erinnerung daran ist immer noch präsent und war
damals geprägt von einiger Nervosität. Diese hat sich
bei mir im Verlauf der Jahre ziemlich gelegt, was
angesichts der Menge auch kein Wunder ist. Dass ich nun
als 46-Jähriger trotzdem eine gewisse "Unruhe" vor dem
anstehenden Talk mit Kerry verspürte, beruhigte mich
gewissermassen, denn wenn alles nur noch zur Routine
verkommt, muss ich mir was anderes suchen. Auch wenn die
Antworten von Herrn King generell eher kurz ausfielen,
kamen dennoch ein paar Zeilen zu Stande, die wir nicht
vorenthalten wollen! (KK = Kerry King)
MF: Zu allererst sieht es so aus, dass Jeff (Hanneman
- MF) auf dem Weg der Besserung ist! Wird er demnach am
23. April 2011 für das «Indio» in Kalifornien (The Big
4) wieder zur Band zurück kehren?
KK: Ich denke, dass es ihm gut geht, aber ich weiss
nicht..., ich denke, er wird keine Zeit finden, sich
entsprechend dafür vorzubereiten. Gut, er will natürlich
und ich habe mit Tom darüber gesprochen. Es wird jedoch
keine gute Idee sein, weil er etwas aus der Übung ist.
Ich würde es natürlich begrüssen, ihn mindestens bei den
Zugaben, also den letzten drei Songs spielen zu sehen,
sodass er wieder auf den Geschmack kommt, doch er selber
denkt, dass er gleich die ganze Show spielen kann und es
gut geht! (lacht)
MF: Du hast nun ein paar Shows mit Gary Holt (von
Exodus - MF) gespielt. Wie fühlte sich das an für dich?
KK: Ich mag Gary sehr und ich habe jede Chance wahr
genommen, sie zu sehen, wenn sie in unserer Stadt
(welche auch immer - MF) auftraten. Ich schaue ihm gerne
zu und er ist die perfekte Wahl für uns. Wir sind froh,
dass er bis auf die letzten paar Gigs Zeit dafür fand.
Er machte einen tollen Job und ich hörte ihn drüben
jeweils töfte Leads spielen, während ich riffte. Es
bereitete mir echt Spass.
MF: Und da gab es keinerlei Probleme? Er kam einfach und
spielte...
KK: ...wir bereiteten uns zwei Wochen vor der Tour vor
und er war dann schon ein wenig nervös zu Beginn. Ich
meine, mir ging es ja nicht anders bei Rob Zombie oder
Marilyn Manson, und es sind ja einfache Songs soweit, an
die er sich halt zuerst gewöhnen musste.
MF: Für den zweiten Teil der Tour habt ihr Pat O'Brien
verpflichten können. Gibt es Unterschiede zwischen den
beiden (ihm und Gary - MF) und warum ist Jeff letzlich
das einzig Wahre auf der rechten Seite von Dir?
KK: Nun, er ist das ursprüngliche Mitglied von Slayer
weisste und Gary..., nun..., wir kennen uns nun schon 25
Jahre und er ist aus dem selben Holz geschnitzt wie ich
und Pat ist mehr der Death Metal Bursche. Doch er hat es
defintiv drauf. Ich wusste nicht dass er so gut ist, in
seiner Art des Spiels. Ich war beeindruckt und dachte,
das klingt klasse, echt stark.
MF: Tom (Araya - MF) muss sich unglücklicherweise auch
mit Gesundheitsproblemen herum schlagen, was für ihn
bedeutet: Kein Headbangen mehr! Wie geht er mit dieser
Situation um?
KK: Ich denke..., also nicht auf dieser Tour, sondern
vier Monate zuvor..., es ist schon eine harte Sache,
weil er das schon immer so gemacht hat all die Zeit, und
es war nicht lustig, es nicht mehr tun zu können. Doch
mittlerweile hat er sich definitiv damit abgefunden, wie
es nun auf der Bühne laufen muss und stolziert
entsprechend umher. Er besitzt Ausstrahlung und trägt
diese Rolle auch nach aussen.
MF: Seit Dave (Lombardo - MF) wieder zurück gekehrt ist,
habt ihr auf der ganzen Welt sehr viele Konzerte
gespielt. Macht das immer noch Spass?
KK: Sieh dir die Show heute Abend an, dann wirst du das
schon merken! (lacht) - Ich würde lieber zwei Konzerte
spielen, als etwelche Interviews zu geben... (lacht
immer noch...)
MF: Hast du/ihr letztes Jahr realisiert, wie schlecht
die Wetterverhältnisse beim Schweizer Sonisphere
Festival waren?
KK: Das war der Horror..., ein Schlammfest! Davor
fürchtet man sich schon, aber Sommer-Festivals sind fest
geplant und da kann man die Konzerte nicht einfach so
absagen.
MF: Da war teilweise fast ein halber Meter Schlamm...
KK: ..., ich weiss..., ich war da! (lacht)
MF: Erzähle mir doch etwas über die Bedeutung deiner
Tattoos, also welche Geschichte geht einher mit dem
ersten (wenn du dich noch daran erinnern kannst) und dem
bislang letzten Tattoo?
KK: Also das Erste war das Slayer-Logo (Kerry deutet
dabei an seinen Kopf auf der linken Seite) und ich weiss
jetzt nicht mehr recht, wie es dazu kam, also von wegen
dass man sich jetzt halt Tattoos zulegt. Meine Haare
wachsen mittlerweile ja auch nicht mehr nach und dann
lässt man es halt so wie es ist. Mein letztes..., ist
eine Nonne..., (Kerry zeigt mir seine linke Wade) mit
einem ungedrehten Kreuz vor dem Gesicht, gehalten von
einer Hand eines Dämons. Der Typ, der meine Beine
bearbeitet hat, gestaltet auch sehr gute Portraits. Er
hat auch meiner Frau schon was gemacht und wird mich
wieder am Tag nach «The Big 4» (müsste demnach also dann
der 24.04.11 sein - MF) unter seine Fittiche nehmen. Er
wird dort auch rumhängen und will in der freien Zeit was
tun.
MF: Wenn du für eine längere Zeit (aus welchen Gründen
auch immer) deine Gitarre nicht in den Händen hältst,
was machst du da den lieben langen Tag..., bis du wieder
spielst?
KK: Wenn ich zu Hause bin, interessiert mich American
Football, und sonst widme ich mich der Zucht von
Reptilien, damit verbringe ich die meiste Zeit.
MF: Wie lange dauert es, bis man so einen Bart hat, wie
du ihn trägst?
KK: Ich habe ihn seit 1997...
MF: ...ohne zu stutzen?
KK: Nun..., in den früheren Tagen, bevor ihn für auf die
Bühne zusammen gebunden hatte, verfing er sich im Riemen
meiner Gitarre..., und nahm Schaden. Eine Zeit lang trug
ich ihn eben offen, aber dann band ich ihn zusammen und
so wuchs er auch besser. Das passierte mir aber nur
zweimal (das Einhängen - MF) und überhaupt geht es so
besser zum Biertrinken!
MF: «World Painted Blood» kam 2009 heraus. Wie steht es
mit neuen Songs?
KK: Wir haben keine neuen Songs zur Zeit. Es gab auf das
Album hin ein paar Sachen mehr, weshalb man also
definitiv mal von einem Startpunkt sprechen kann und,
was ja alle tun, eine "Deluxe Edition" bringen sollte.
Nach der nächsten grossen US-Tour kann ich mir
vorstellen, dass auf so einer "Deluxe Edition" dann zwei
neue Songs landen. Sonst haben wir erst ein paar
Ideen..., ein paar Riffs hier und ein paar da, aber
aktuell keine Songs.
MF: Normalerweise werden Slayer ja von tausenden anderen
Bands gecovert, aber vor ein paar Jahren habt ihr den
Iron Butterfly Klassiker «In-A-Gadda-Da-Vida» gecovert
und aufgenommen. Warum habt ihr das damals gemacht?
KK: Das war Rick Rubin's Idee..., und ich hasse diesen
Song! (lacht herzhaft) - Bis zu dem Tag, bevor wir ihn
aufgenommen hatten, war ich unglücklich darüber, wie
alles arrangiert wurde und was wir da taten. Ich weiss
nicht mehr, was ich verändert hatte, aber es wurde was
angepasst, um es heavier zu machen. Und dann nahmen wir
es auf..., ich erinnere mich nicht mehr genau. In der
Umgebung von L.A. (Los Angeles - MF) gab es eine
Radio-Station, die zwar harte Musik spielte, aber uns
nicht! Das Höchste der Gefühle waren Black Sabbath...,
doch der wurde dann gespielt dort! Das war zwar schön,
aber deshalb mocht ihn trotzdem nicht.
MF: Und die Original-Fassung auch nicht...
KK: ...nein! Ich mag diesen nicht, «Born To Be Wild»
nicht und das Meiste davon nicht! (lacht)
MF: Dieses Jahr werdet ihr nach 2002 das "BYH!!!-Festival"
in Balingen (D) headlinen. Spielt ihr da einen Special
Set oder einen Ähnlichen wie bei anderen Festivals, zum
Beispiel dem "Metal Camp» in Slowenien?
KK: Ich weiss gar nicht, wo wir in diesem Sommer
überhaupt spielen und die Pläne noch nicht eingesehen.
Wir spielen jetzt auf jeden Fall nicht das Gleiche wie
vor fünf, sechs Monaten. Offensichtlich ist das Meiste
gleich geblieben, aber wir spielen vier neue Songs,
wobei dann das eine oder andere noch wechseln kann.
MF: Werdet ihr meinen Lieblingssong «Hell Awaits»
spielen?
KK: Nein! Wir hatten keine Zeit, den Gary und Pat
beizubringen...
MF:...zu schwer?
KK: Nein, überhaupt nicht, Gary hätte das schon gekonnt,
aber ich fand keine Zeit, es ihm zu zeigen.
MF: Hattest du je einen Gitarren-lehrer..., oder mehr als
einen?
KK: Ja..., hatte ich. Ich nahm etwa ein Jahr lang
Stunden...
MF: ...und wer waren die Leute? Berühmte Gitarristen??
KK: Nein, der erste richtige Lehrer war ein Gelehrter im
Bereich Musik..., ich verstehe diesen Scheiss bis heute
nicht..., es fühlt sich wie eine andere Sprache an. Er
wollte Ruhm einheimsen und ich glaube er machte den
Support für die Hollies oder so! Der andere Typ war
eigentlich mein zweiter Lehrer in meiner ersten Band,
zusammen mit Tom. Ich wusste das, denn er zeigte mir
während den Proben alle Songs und brachte sie mir bei.
Ich war damals 16 und kam ja noch nicht mal in die Clubs
rein!
MF: Und du selber..., würdest du einen Lehrer abgeben?
KK: Ich könnte die Geduld nicht aufbringen, nein.
MF: Echt?
KK: Wenn man von jemandem wie Gary Holt spricht, dann
lernt er es gleich wie ich, sehr schnell halt. Du zeigst
es ihm einmal und er hat es dann sehr rasch drauf! Also
vor zig Jahren hatte ich es mal verschucht, aber wenn
jemand eine langsame Aufassungsgabe hat, frustriert mich
das und ist nicht deren Fehler, sondern ich bin einfach
nicht der richtige Mann dafür.
MF: Weisst du, was am 21. Dezember 2012 los ist? Was
passiert da?
KK: Hoffentlich spielen wir da eine Show und prüfen, ob
das alle auf der Welt mitkriegen.
MF: Es gibt Leute, die glauben an der Weltunterang...
KK: ...es gibt Leute, die glauben noch an Vieles!
MF: Ok..., wie lauten deine abschliessenden Worte an die
Leser von Metal Factory und alle Slayer Fans?
KK: Danke, dass ihr zu uns kommt und treu mit uns seid.
Wenn wir uns heute Abend bei der Show sehen, ist es
immer gut, das wird geil!
MF: Vielen Dank für das Gespräch...
KK: ...cool!
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