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Die Alte Schollbergstrasse ...... in der Vergangenheit und heute.

Die über 500 Jahre alte Schollbergstrasse (Bau 1490 - 1492) ist auf ihrer ganzen Länge von Sargans nach Trübbach wieder als Wanderweg begehbar. Es handelt sich um die erste 'Schweizer Nationalstrasse' (erster Strassenbau, der von der Eidgenössischen Tagsatzung beschlossen wurde). Soweit möglich wurde bei der Restauration vom Original-Strassenverlauf nicht abgewichen. Damit wurde ein wertvolles Stück Verkehrsgeschichte und Kulturerbe der Öffentlichkeit bekannt und zugänglich gemacht. Im Inventar Historischer Verkehrswege der Schweiz ist die Strasse als von nationaler Bedeutung eingestuft. Es handelt sich um eine interessante Linienführung, mit der man dem seinerzeit noch 'wilden' Rhein ausweichen musste.|
Zur Geschichte der Alten Schollbergstrasse:
Markante Stellen
Der Bereich der Howand (früher auch: Hohwand, Hochwand)
Das historische Problem: Um dem Rhein, der einst bis an den Fuss des Schollberges reichte, auszuweichen, musste die (grosse) Howand traversiert werden. Folgende Bilder zeigen die 1492 als Ersatz für den über 200 m höher gelegenen Saumpfad über Matug eröffnete Schollbergstrasse. Sie bewährte sich fortan über 300 Jahre lang als wichtige Handels- aber auch Militärstrasse.
Der Topograph Jan Hackaert hat diese Passage 1655 im Bild festgehalten. Man beachte den kleinen "Viaduktbogen", der auf die Anfangszeit zurückgehen dürfte und heute noch völlig erhalten ist, sowie rechts unten den noch wilden Rhein:
Bild: Jan Hackaert, holländischer Topograph und Landschaftsmaler, 1655 (Zentralbibliothek Zürich)
Die Siegfriedkarte zeigt die intakte Schollbergstrasse bis 1904 im Datensatz. Im Datensatz von 1905 ist die Strasse unterbrochen und zurückgestuft. Sie dürfte also wenige Jahre vor 1904 unterbrochen worden sein:
Die fast rechtwinklige Kurve links vom Viadukt. Im Februar sind Gebüsch und Laubwald infolge fehlender Blätter "durchsichtig" und daher für das "Pfad-Finden" günstig. Heute lädt an dieser Stelle auch ein schmuckes Wegkreuz zur Besinnung ein:
© swisstopo
Siegfriedkarte Datensatz 1904:

Siegfriedkarte Datensatz 1905:
Der Zustand unmittelbar vor der Wiederherstellung (um 2009):
rechts ist noch die alte Staatsstrasse (eröffnet 1823) auf einem Damm zu sehen:
Im folgenden Bild ist vor der Abschrankung im Hintergrund die völlig abgebrochene Stelle zu sehen, wo heute der Steg "in der Luft" ist:
... und die Wiederherstellung:
Am historischen Vorbild orientierte kunstvolle Maurerarbeit mit
zementfreiem Spezial-Mörtel und Kalkstein aus der Region:
(c) Ralph Gantenbein, LG Bau AG
Die restaurierte Passage durch die grosse Howand:
Die sehr schön rekonstruierte Brüstungsmauer:
Im Hohwand-Bereich wurden auch alte Wagenspuren in einem "archäologischen Fenster" freigelegt:
Das archäologische Fenster zwischen Felswand und Brüstungsmauer:
Foto (Ausschnitt): (c) Maja Widmer, Sargans
Die beiden folgenden Bilder zeigen den Anschluss der Howandpassage an den Strassen-Verlauf Richtung Sargans gestern und heute.
Man beachte auch den schön wiedergegebenen Rheinverlauf:
Johann Jakob Biedermann um 1827,
im Landesmuseum Vaduz/Liechtenstein
Der Felsvorsprung links in obigem Bild und die Mauerüberreste 2015 . . . :
. . . und im Jahr 2016:
Von der Howand weiter Richtung Trübbach:
Der Stahl/Holzsteg beim älteren Steinbruch (über dem Parkplatz)
So hat es hier vor der Restaurierung ausgesehen, wobei der gefährlichste Teil - nur 'Humusterrasse,
keine Felsterrasse darunter - des schmalen Wegleins im Hintergrund unsichtbar verdeckt ist:
Nach der Geländereinigung:
(c) Cornel Doswald, ViaStoria
(c) Cornel Doswald, ViaStoria
Bau des Steges an dieser durch einen alten Steinbruch zerstörten Wegstelle:
Das Lehrgerüst 2:
(c) Cornel Doswald, ViaStoria
Die definitiv eingemauerten Steg-Träger:
(Darüber ist noch das Sicherungsseil zu sehen, an dem sich die Arbeiter mit ihrem Seil/Karabiner einklinken können):
Der Neubau:
Nach dem Steg weiter in Richtung Trübbach bis zum grossen neuen Steinbruch:
Das Gebiet des Neuen Steinbruches
Für diesen durch den neuen Steinbruch zerstörten Wegabschnitt wurde 2014 eine Umgehung via Tunnel gebaut.
Der Anfang der vorher erwähnten 'kritischen Stelle' am 'künstlichen' Ende des Zuganges von Trübbach her:
Diesem Steinbruch ist leider eine schöne Passage zum Opfer gefallen, die in folgendem Bild gezeigt wird:
Quelle: 2012 Liechtensteinisches Landesmuseum, Foto S. Beham
Militärischer Strassenposten vor der kleinen Hohwand. Radierung von Ludwig Hess
, kurz vor 1800.
(Auch in der Zentralbibliothek Zürich vorhanden)
Der rote Pfeil (rechts oben) in folgender Siegfried-Karte zeigt ungefähr auf die von Ludwig Hess dargestellte Passage, wo der Weg eine Felsrippe durchquerte, ähnlich wie an der Howand (es hiess dort auch 'Kleine Howand').
Links im folgenden Bild:
Abzweigung des heutigen (und vorgängigen) Umgehungsweges für die eben erwähnte Stelle, aber auf Sarganser Seite:
Zwischen Steg und neuem Steinbruch
Bei dieser "Hobby-Erkundung" im einstigen "Dschungel" entstand der Eindruck, dass bis hierher zum Bunker (aus Richtung Trübbach) die Schollbergstrasse (Richtung Sargans) noch einigermassen erahnbar sei. Dabei zweigte sie etwa 15 Meter vorher nach links ab, war aber nicht mehr zu sehen, da sie einerseits verschüttet, anderseits einer Schuss-Schneise des Bunkers für den 2. Weltkrieg zum Opfer fiel. Dies konnte erst durch die professionellen Sondiergrabungen erkannt werden. Die Spuren der Schollberstrasse schienen vorher ein Ende beim Bunker zu haben. Wahrscheinlich wurde durch Nutzung im 2. Weltkrieg diese Wegvariante dem Gelände eingeprägt.
Bild: Gezeigt wird in Richtung Sargans (März 2009):
Das selbe Motiv im Mai 2012 (links unten jetzt die am richtigen Ort rekonstruierte Schollbergstrasse Richtung Steg):
Weiter Richtung Trübbach. Im Hintergrund der Bunker von vorher (verdeckt).
Hier sind wir wieder auf der "echten" Strasse:
Und vom selben Standort Blickrichtung Trübbach:
Das selbe Motiv im Mai 2012 mit restaurierter Schollbergstrasse:
Und das jähe Trübbacher-Ende beim neueren grossen Steinbruch.
Etwa 20 Meter vorher ist aber die weiter oben gezeigte Abzweigung des Umgehungsweges:
Fortsetzung

Die Umgehung der fehlenden Teilstrecke beim Steinbruch
mit einem neuen Fussgänger-Tunnel
Blick in die Abzweigung vom vorgängigen (provisorischen) Umgehungsweg auf Sarganser Seite (nach rechts geht's zum neuen Tunnel, nach links weit hinauf und über dem Steinbruch Richtung Trübbach):
Das Tunnelportal auf Seite Sargans:
(c) 2014 Cornel Doswald, Bremgarten
Das Tunnelportal auf Seite Trübbach:
Heute geht es nach rechts in den Tunnel, früher ging es via die kritische Stelle geradeaus-links - natürlich in etwas besserem Zustand:
Am Tunneleingang Sarganser Seite: Liebevoll gestaltete Gedenkstätte für die Heilige Barbara, die Patronin der Bergarbeiter:
Arbeiten am Portal Trübbach (links) und Blick vom Portal Trübbach zum Portal Sargans (rechts):
Beim Tunnelausbruch ergaben sich unvorhersehbare Probleme, die weiter unten beschrieben sind:
(c) 2014 Anton Tschirky, Geo-Log AG, Ingenieurgeologie u. Geotechnische Messungen Städtchenstrasse 56, Sargans
Grosser Ausbruch an der bergseitigen Wand, rechts Stollenbrust mit Spritzbeton gesichert.
(c) 2014 Anton Tschirky, Geo-Log AG, Sargans
Einblick in den bergseitigen Ausbruch im Brustbereich, nachgerutschtes Material aus Kies, Steinen, Blöcken und viel Lehm.
(c) 2014 Anton Tschirky, Geo-Log AG, Sargans
Stollenportal mit Stahlbögen und armierter Ausfachung.
Unerwartete Störungszone als Herausforderung
Wenige Dutzend Meter nach dem Anschiessen des gut 170 Meter langen Stollens stiessen die Mineure im Innern des Berges auf eine Störungszone, wie man sie im Schollberg sonst nicht kennt. Verlehmte, teilweise weit geöffnete Klüfte und stark zerrüttetes, brüchiges Gestein verliefen nahezu parallel zur Vortriebsrichtung in der Längsachse des Stollens. Die Firstausbrüche erreichten fast zehn Meter Höhe, und es entstanden eindrückliche Kavernen. "Wir müssten den Betrieb einstellen, wenn wir solche Verhältnisse im Steinbruch unter Tag antreffen würden", sagt Stefan Vogt, Geschäftsführer der Baustoffe Schollberg AG.
Ein seitliches Abweichen von der gewählten Richtung erwies sich als nicht sinnvoll. Dennoch konnten die unvorhersehbaren geologischen Schwierigkeiten mit Unterstützung des Ingenieurgeologen Anton Tschirky, Sargans, bergmännisch gemeistert werden. Eine Verkleinerung des Ausbruchprofils, aufwändige Sicherungen des Gewölbes mit Bohrankern und die Auskleidung der gesamten Stollenwände mit stahlfaserverstärktem Spritzbeton, stellenweise auch der Vortrieb unter einem Schutzschirm ermöglichten es, die Störungszone ohne Gefahr für die Mineure und zukünftige Benutzerinnen und Benutzer zu durchqueren.
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