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Was hat dich zu dieser Arbeit veranlasst?
Daniela de Maddalena:
Ich wurde im letzten Jahr vom Künstler Bruno Schlatter zur 1. Internationalen Bienenvölkerausstellung in Noseland, einem virtuellen anarchistischen Mikrostaat in Schöftland AG, eingeladen. Und dies für Dezember 2014! Irgendwie absurd. Aber genau das hat mich besonders gereizt. Ich hatte schon im Sommer anlässlich eines Festes im Centre PasquArt in Biel eine Arbeit zum Thema Bienen realisiert. Das augenfällige Verschwinden der Bienen beschäftigt mich sehr, insbesondere seit ich in meinem Garten feststellen musste, dass es im Frühling in unseren Apfelbäumen kaum mehr Bienen hat. Auch im Sommer sind sie im Lavendel spärlich vorhanden. Die Problematik der Varroamilben, welche einen Grossteil der Bienenstaaten zerstört haben und immer noch zerstören, hat mich zu meine Arbeit «S-umland» angeregt.
Was hat es mit dem Titel «S-umland» auf sich?
Ich habe mich von der Tatsache, dass die Ausstellung in Noseland, einem Mikrostaat, stattfindet, inspirieren lassen. Der Bienenstaat S-umland ist Nanostaat im Mikrostaat. Der Staatsname S-umland setzt sich zusammen aus «summen» und «Umland». Der Staat ist gegenwärtig noch im Aufbau. Seine Staatsgrenzen sind durchlässig, je nach Bedarf des Volkes. S-umland errichtet seine Residenz in Noseland, einem kleinen Staat mitten auf der Welt. Die Fläche von S-umland beschränkt sich momentan auf 4 x 4 Meter. Das kompakte Staatsgebäude, welches auf S-umland steht, kann in Zukunft Tausenden von EinwohnerInnen Platz bieten. Die Grösse der Räumlichkeiten des Gebäudes ist deshalb beschränkt. Diese vermitteln aber schon heute einen angenehmen, gemütlichen Eindruck. Die ersten Einzelzimmer sind für die BewohnerInnen bereit und können mit Hilfe von geeigneten optischen Geräten besichtigt werden. Bei Bedarf kann die Residenz von S-umland jederzeit beliebig erweitert werden.
Ein bilaterales Abkommen mit Noseland soll die Nahrungsbeschaffung sicherstellen. Die BewohnerInnen von Noseland erhalten als Gegenleistung für den Freiflug der BewohnerInnen von S-umland auf Noseländischem Gebiet zum Dank 1/20 der Überproduktion an gesammelter Nahrung.
S-umlands Staatsgrenzen werden durch S-umländische Wimpel gekennzeichnet. Die S-umländer Fahne wurde zudem anlässlich der Festivitäten vom 7. Dezember 2014 aufgezogen. Diese wurde aber in Gedenken an die von den Varroanern stark gebeutelten befreundeten Staaten als Denkmal auf Halbmast gesetzt.
Welchen Raum brauchst Du für deine Kunst?
Sicher ist mein Atelier in Biel sehr zentral. Hier male und zeichne ich regelmässig, setze meine Ideen um. Hier bereite ich auch Arbeiten vor, welche ich dann im Aussenraum zeigen kann. Zudem lade ich im Winterhalbjahr regelmässig zu art+eat ein. Da mein Atelier früher eine Bäckerei mit Tearoom beherbergte und der alte Pizza-Holzofen immer noch bereit ist eingefeuert zu werden, gibt es nach einem Apéro mit Kunsthäppchen eine Pizza nach Wahl. Ich öffne meinen Arbeitsraum damit einem erweiterten Publikum. Diese Vermischung von Restaurant und Werkstatt hat für mich einen besonderen Reiz. Ich schlüpfe dabei auch gerne temporär in eine andere Rolle, die der Kunstvermittlerin und Gastgeberin.
Dann brauche ich aber auch immer wieder den Ausbruch aus meinem Schweizer Alltag in andere Gegenden unserer Welt. Da ich von Nine Dragon Heads aus Korea (Kurator Park Beyoung UK) seit einigen Jahren immer wieder an internationale Reisesymposien mit Präsentationen und Ausstellungen eingeladen werde (Südkorea, China, Tibet, Usbekistan, Georgien, Mongolei), konnte ich meinen Horizont wesentlich erweitern. Auf den Reisen habe ich jeweils im öffentlichen Raum für mich sehr wichtige Arbeiten realisiert.
Sind gesellschaftliche Fragen Thema deiner Kunst?
Meine Installationen sollen in Interaktion mit den Menschen treten, welche ich gezielt erreichen will. Arbeiten im Aussenraum haben eigentlich immer eine für mich gesellschaftlich und ökologisch relevante Aussage. Meine Malerei hat oft auch gesellschaftliche Themen im Fokus.
Suchst du die Öffentlichkeit?
Dadurch dass ich mit meinen Arbeiten gezielt eine Aussage mache, ist mir die Öffentlichkeit wichtig. Oft sind meine installativen Arbeiten auch interaktiv und leben damit vom Publikum.
Wo siehst Du Potential zur Nutzung des öffentlichen Raums?
Kunst sollte im öffentlichen Raum präsenter sein. Vor allem die Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten Themen muss überall passieren. Solange gesellschaftskritische Kunst nur in Elfenbeintürmen stattfindet, wird sie zu wenig wahrgenommen. Ich erachte es als die Aufgabe der Kunstschaffenden, die Rolle des Hofnarren öffentlich auszuüben und mit ihren Arbeiten auf Missstände aufmerksam zu machen. Dies kann überall sein. Kurzinterventionen sollten zu unserem Alltag gehören.
Welches ist dein persönlicher Hotspot in Bern?
Der Bahnhof Bern mit den Ankommenden und Abreisenden, mit seiner ungeheuren Vielfalt an Menschen, mit seiner Hektik, aber auch mit seinen ruhigen Ecken, welche von denjenigen Menschen besetzt sind, welche mit ihrer persönlichen Geschichte in unserer Gesellschaft kaum einen Platz finden.