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Die sozio-politischen und wirtschaftlichen Unruhen in Venezuela haben sich mit einer Lebensmittel- und Medikamentenversorgungskrise, dem Zusammenbruch des öffentlichen Dienstes, steigender Gewalt und Arbeitslosigkeit zunehmend verschärft. Diese Situation hat die grösste Migrationskrise in der jüngeren Geschichte Lateinamerikas ausgelöst und zu einem deutlichen Anstieg von Asylanträgen und Migration in der Region geführt. Bis Juni 2021 sind schätzungsweise 5,6 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner aus ihrem Land geflohen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie haben sich die Ernährungsunsicherheit und der Einkommensverlust deutlich verschlimmert, und es wird erwartet, dass die Migrationsströme in die Nachbarländer, wie z. B. Brasilien, weiter zunehmen werden.
Seit 2017 sind über 609 000 Venezolanerinnen und Venezolaner nach Brasilien eingereist, hauptsächlich über den Bundesstaat Roraima, der zu den ärmsten Bundesstaaten gehört und durch den Amazonas-Regenwald isoliert ist. Die nordbrasilianische Amazonasregion ist strukturell schwach, öffentliche Dienstleistungen wie Gesundheit, Bildung und Soziales von schlechter Qualität und schwer zugängig. Die Region bietet nur wenige wirtschaftliche Möglichkeiten. Dies führt zu einer erhöhten Anfälligkeit der Bevölkerung für sozioökonomische Schocks.
Viele Migrantinnen und Migranten bleiben von den staatlichen Massnahmen unberücksichtigt. Die Hauptbedürfnisse sind Dokumente, Unterkunft, Unterstützung für Nahrung und Bildung. Viele derjenigen, die in der Grenzstadt keine Perspektive haben, wandern in andere Gemeinden im abgelegenen ländlichen Grenzgebiet ab, um auf Höfen oder in informellen Jobs zu arbeiten, oft unter gefährlichen Arbeitsbedingungen.