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Mit "Der Leopard" wurde Giuseppe Tomasi Lampedusa posthum berühmt. Der Roman, den er in den letzten drei Jahren vor seinem Tod schrieb, wurde ein Weltbestseller und in mehr als 20 Sprachen übersetzt und von Luchino Visconti mit Alain Delon, Claudia Cardinale und Burt Lancaster in der Titelrolle verfilmt. Steven Price hat einen Roman zur Entstehungsgeschichte des Romans geschrieben. Ein Buch über einen Schriftsteller, der seinen Ruhm nicht mehr erlebte.
Lampedusa hatte englische Literatur studiert, Europa bereist, beherrschte mehrere Fremdsprachen und diente im Ersten Weltkrieg. Aber er war auch der letzte Spross eines sizilianischen Adelsgeschlechts und kinderlos mit der Baronesse Alexandra von Wolff-Stomersee, Tochter der italienischen Opernsängerin Alice Barbi, verheiratet. Sie war Linguistin, Leserin von Literatur, die einzige Psychoanalytikerin Italiens und arbeitete bis spätabends mit den Patienten in ihrer Bibliothek, und er liebte sie "wegen ihres Verstandes und ihrer geteilten Einsamkeit", schreibt Price einfühlsam. Schon auf den ersten Seiten, in denen Lampedusa schon 59 Jahre alt ist, wird seine Krankheit angesprochen, ein Lungenemphysem. "Sie müssen ihre Lebensweise ändern", empfiehlt ihm sein Arzt, Dr. Coniglio. "Regelmäßig Sport treiben. Spazieren gehen. Weniger essen. Sorgen und Stress vermeiden, wo Sie können." Alt werden war noch nie schön, besonders wenn man sich an solche Empfehlungen halten müsste. "Er, Giuseppe, dachte mit plötzlicher Bitterkeit, dass er nicht nur er selbst war, sondern alles, woran er sich erinnerte, alles, was er getan und gelernt hatte. All das würde mit ihm ausgelöscht werden." Nunc et in hora mortis nostrae.
Was hier wie Melancholie anklingt, ist ein großer Roman über den Abschied. Den Abschied von seiner Mutter, den Abschied von Ruhm, den Abschied von Anerkennung. Den Abschied von seinen Liebsten. Dennoch gelingt es Lampedusa einen großen Roman zu schreiben und ihn noch vor seinem Tod fertigzustellen. Zweimal wird sein Roman noch zu Lebzeiten abgelehnt. Seine Frau hatte Freud gekannt und ihn auch mit der Psychoanalyse vertraut gemacht, doch "weil er es letztlich nicht ertragen konnte, fern von seiner Mutter zu leben, lebten sie bis zu den finsteren Jahren des Zweiten Weltkrieges getrennt". Giuseppe lebte mit seiner Mutter in dem Palast in Palermo und schrieb an seinem Roman. Die Gewissheit, "dass in den kühlen grünen Wäldern des Nordens wie einem Märchen entsprungen ein empfindsames und verständiges schönes Wesen lebte, mit dem sein Schicksal verknüpft war" war tröstend, so poetisch beschreibt Steven Price die Beziehung der beiden. "Er war nicht allein auf der Welt."
Aber er tröstet sich auch mit der Adoption eines Sohnes, der später mit Luchino Visconti für die Verfilmung des Romans zusammenarbeiten wird. So kann er wenigstens den Namen seiner Familie retten, denn er wäre der letzte Lampedusa gewesen. Mit ihm starb auch eine Epoche, die man gemeinhin die Belle Époque nannte. Aber am Ende muss auch er einsehen: "Die Literatur war von Kindheit an seine treue und trostreiche Wegweiserin gewesen und er hatte zeitlebens auf sie gehört, ohne allerdings, jetzt wusste er es, ihre letzte Wahrheit umzusetzen: zu leben."