Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03587.jsonl.gz/3404

Schlafapnoe: Risikofaktor Nummer eins heisst Übergewicht
Diagnose Wer trotz genügend Schlaf am Morgen unausgeruht aufwacht, leidet möglicherweise an Schlafapnoe.
Herr Prof. Dr. Kurt Tschopp, was ist kurz zusammengefasst unter Schlafapnoe zu verstehen?
Schlafapnoe bedeutet Stillstand der Atmung beim Schlafen. Das ist meistens in der Nacht der Fall, kann aber natürlich auch bei einem Mittagsschläfchen eintreten.
Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt ab. Es kommt zu einer Stresssituation, vergleichbar mit jemandem, der unter Wasser ist und nach Luft ringt. Von Schlafapnoe betroffen sind rund vier bis fünf Prozent der Erwachsenen meist zwischen 40 und 60 Jahren.
Kann man wegen einer Schlafapnoe ersticken?
Für die daneben liegende Partnerin oder den Partner ist es zwar sehr beunruhigend, wenn der andere plötzlich nicht mehr atmet. Aber wegen einer Schlafapnoe kann niemand ersticken. Das Sauerstoffbedürfnis beim Menschen ist so gross, dass jeder Schlaf irgendwann vertrieben wird.
Betroffene beginnen nach einem Atemaussetzer, der allerdings bis zu einer Minute dauern kann, wieder zu atmen. Sie werden aber nicht wach, sondern kommen quasi in ein höheres Schlafstadium und schlafen weniger tief. Bei einem sieben- bis achtstündigen Schlaf sollte rund ein Drittel aus Tiefschlafphasen bestehen. Bei Personen mit Schlafapnoe ist das nicht der Fall.
Gibt es bestimmte Bevölkerungsgruppen, die von Schlafapnoe besonders betroffen sind?
Das grösste Risiko ist Übergewicht, wobei ich darunter einen Body-Mass-Index so ab 30 verstehe. Der Grund: Zu viel Fett zeigt sich nicht nur am Bauch, sondern schlägt sich auch am Hals nieder. Der Atemweg wird eingeengt.
Eher eine untergeordnete Rolle spielt eine falsche Positionierung des Kinns. Wir sprechen von einem sogenannten fliehenden Kinn. Solche Menschen können gertenschlank sein und trotzdem unter einer Schlafapnoe leiden.
Wann sollte jemand einen Arzt konsultieren?
Wer sich nach einer längeren Schlafperiode am Morgen unausgeruht fühlt und darüber hinaus noch von Kopfschmerzen geplagt wird, tut gut daran, diesen Zustand ärztlich (Hausarzt, HNO-Facharzt, Pneumologe) genauer abklären zu lassen; vor allem wenn einen dann auch tagsüber eine grosse Müdigkeit beschleicht, die Konzentrationsfähigkeit stark nachlässt und man erst noch ohne geringste Einschlafphase einschläft.
Das Kopfweh ist übrigens die Folge eines Sauerstoffabfalls in der Nacht.
Welche medizinische Behandlung wird bei Schlafapnoe angewendet?
Bei dieser Krankheit gibt es nicht eine Therapie, sondern verschiedene Ansätze, die geprüft werden. Nicht invasive Eingriffe in den Körper stehen im Vordergrund. Es gibt verschiedenste Hilfsmittel, wozu insbesondere das Tragen einer Maske in der Nacht zählt, was aber nicht jedermanns Sache ist.
Je nach körperlicher Konstitution empfiehlt sich eventuell eine Gaumenspange, eine Zahnschiene, um die Atemwege freier zu machen, oder, als eines der modernsten Therapieverfahren, ein Zungenschrittmacher. Dieser gibt jedes Mal, wenn der Patient einatmet, einen Impuls an die Zunge und der Atemweg wird frei.
Eine weitere Ursache für die Beschwerden liegt nicht selten auch in zu grossen Mandeln. In solchen Fällen drängt sich am ehesten eine operative Entfernung als Lösung auf. Manchmal hilft auch eine Nasenscheidenkorrektur, wenn in diesem Bereich Probleme auftreten.
Was kann oder sollte der Einzelne neben einer Gewichtsreduktion vorbeugend unternehmen?
Am Abend sollte auf Alkohol verzichtet werden. Viel Bewegung hilft ebenfalls, wobei das sicher nicht so einfach ist: Wer die ganze Zeit unter Müdigkeit leidet, verspürt abends verständlicherweise keine grosse Lust mehr auf einen Vitaparcours.
Ohne nennenswerte Bewegung nehmen hingegen Gewichtsprobleme zu, was wiederum der Schlafapnoe nicht dienlich ist.
Wie sieht es mit Nikotin und Stress aus?
Psychische Erkrankungen wie Depressionen, aber auch Stress und übermässiger Alkohol- und Nikotingenuss können zu Schlafproblemen führen, aber nicht eine Schlafapnoe auslösen. In der Fachwelt spricht man von Insomnie, eine letztlich ganz anders zu behandelnde Krankheit.