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„Deutsch ist doch eine Sprache Europas“
Der ehemalige Chefkorrespondent des Fernsehens beim Bayerischen Rundfunk, Dr.
Franz Stark, hat darauf hingewiesen, daß zwar „die Kritik an der Überschwemmung
der deutschen Alltagssprache mit unnötigen Anglizismen wächst“, aber „ihr stetiger Bedeutungsverlust als Fremdsprache in Europa und die daraus resultierenden politischen und wirtschaftlichsozialen Nachteile immer noch zu wenig wahrgenommen werden.“
Die „Deutsche Welle“ bringt im Wechsel deutsch- und fremdsprachige Programme. Das macht weltweit kein anderes Auslandsfernsehen. Andere Länder nutzen konsequent ihre Sprache als Instrument politisch-ökonomischer Ziele. Stark zitiert den britischen Linguisten Ronald Wardhaugh: „Sprache ist ein Instrument der Politik, Sprachen werden als Waffe von erheblichem Gewicht im weltweiten Konkurrenzkampf um das Denken und um Macht benützt.“
Als eine deutsche Wirtschaftsdelegation in den frühen 90er Jahren in Kiew auf Deutsch begrüßt wurde, antworteten ihre Sprecher zur Verwunderung der Ukrainer auf Englisch. Damals lieferten die meisten Politiker im früheren kommunistischen Machtbereich Europas ihre Diskussionsbeiträge auf Deutsch. Als 1992 der damalige polnische Ministerpräsident Masowiecki in Brüssel bei einer Pressekonferenz mit dem EG-Präsidenten Delors seine Ausführungen wie selbstverständlich auf Deutsch begann, wurde er von Delors sofort unterbrochen und aufgefordert, Polnisch zu sprechen. Der Pole zeigte sich verblüfft und sagte: „Aber Deutsch ist doch eine Sprache Europas?“
Es wird höchste Zeit für eine bewußte deutsche Sprachenpolitik. Die eigene Sprache ermög-licht präzise Ausdrucksformen und schafft psycho-logische Überlegenheiten für den, der seine Mut–ter-sprache benutzen kann. Darauf ohne Not zu verzichten, ist nicht Weltoffenheit und Großzügigkeit, sondern Dummheit, zumindest in den Augen derjenigen, die daraus knallhart ihre Vorteile ziehen.
Wilfried Böhm, ehem. Abgeordneter zum deutschen Bundestag und zum Europarat
Preussische Allgemeine Zeitung, Hamburg, 46-2005 (gekürzt skd)