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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

94. Vortrag
5.
Als aber Christus körperlich schied, da war nicht bloß der Heilige Geist, sondern auch der Vater und der Sohn geistig bei ihnen. Denn wenn Christus so von ihnen schied, daß der Heilige Geist für ihn, nicht mit ihm in ihnen wäre, wo blieben jene Verheißungen von ihm: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“1 und: „Ich und der Vater werden zu ihm [S. 969] kommen und Wohnung bei ihm nehmen“2, da er ja auch den Heiligen Geist so senden zu wollen versprach, daß er in Ewigkeit bei ihnen wäre? Und darum sollten sie, wenn sie aus Fleischlichen oder Animalischen Geistige würden, ganz gewiß für das Einwohnen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes empfänglicher werden. In keinem aber, so müssen wir glauben, ist der Vater ohne den Sohn und den Heiligen Geist, oder der Vater und Sohn ohne den Heiligen Geist, oder der Sohn ohne den Vater und Heiligen Geist, oder ohne den Vater und Sohn der Heilige Geist, oder der Vater und Heilige Geist ohne den Sohn, sondern wo je einer von ihnen ist, da ist die Trinität, der eine Gott. Es mußte aber die Trinität so gelehrt werden, daß, obwohl kein Unterschied in den Substanzen ist, doch im einzelnen der Unterschied der Personen betont würde, wobei für diejenigen, die es recht verstehen, niemals eine Trennung der Naturen sich zeigen kann.
1: Matth. 28, 20.
2: Joh. 14, 23.