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Ende April 2020 gingen in Uganda die Lichter aus. Der Grund: Eine Grünpflanze, die weltweit für Probleme sorgt, weil sie Wasserflächen in grosser Geschwindigkeit überwächst. Wasserhyazinthen sind eine beliebte Zierpflanzenart, die wegen ihrer hübschen Blüten geschätzt wird. Hierzulande stellt die Pflanze kein grosses Problem dar, weil sie nicht winterhart ist. In wärmeren Ländern wächst sie ungebremst und bildet dichte schwimmende Teppiche.
Einige solcher grüner Teppiche verstopften im Frühjahr die Abflüsse des Viktoriasees. Die Turbinen des Nalubaale-Damms, des Kiira-Damms sowie des Bujagali-Damms standen wegen Überhitzung still. Der nationale Stromausfall in Uganda ist noch immer nicht endgültig behoben. Notstromaggregate konnten den Mangel nicht vollständig abfangen.
Dazu gab es seit Anfang 2019 starke Regenfälle nach jahrelanger Trockenheit. Der Wasserstand des Viktoriasees stieg an, selbst die Villenviertel der Hauptstadt Kampala standen unter Wasser. Auch das Nachbarland Kenia ist betroffen, weil Uganda Strom dorthin exportiert.
Zur «Abflussreinigung» in Uganda musste die Armee ausrücken
Die ugandische Armee versuchte mit Hilfe von Kränen, Schleppern und viel Personal die grüne Plage zu entfernen, um die Abflüsse und Kraftwerke am Viktoriasee wieder funktionstüchtig zu machen. Der zweitgrösste Süsswassersee der Welt ernährt Millionen Menschen und versorgt den Nil mit Wasser, der wiederrum mehrere Länder durchfliesst.
Ähnliche Szenarien könnten sich wiederholen, denn die invasive Pflanze ist längst zu einem der lästigsten globalen Unkräuter geworden. Die Wasserhyazinthe ist ursprünglich in Südamerika heimisch. Wegen ihrer hübschen Blüten wurde sie im Laufe der Zeit als Zierpflanze in viele andere Länder eingeschleppt, wo sie sich ungebremst ausbreitet.
Die Wasserhyazinthe wurde ihrer hübschen Blüten wegen in viele Länder eingeschleppt (Daiju Azuma, Flickr).
In den 1980er-Jahren wurden die ersten Wasserhyazinthen im Viktoriasee entdeckt. Seitdem hat die Pflanze hunderte Quadratkilometer Wasserfläche eingenommen. Der Pflanzenteppich bildet vielerorts einen dichten Oberflächenbelag, der anderen Wasserorganismen Licht und Sauerstoff wegnimmt, Schiffsanlegestellen unzugänglich macht und Schifffahrtsrinnen zuwuchert.
Gemüsebeet, Partyinsel und Rasta-Republik
Die Wasserpflanze abzuschneiden, hilft wenig, abgetrennte Pflanzenteile wachsen autonom weiter. Und aus den Zuflüssen des Viktoriasees, wohin sich die bisher fünf entdeckten Hyazinthenarten ebenfalls ausgebreitet haben, kommen ständig neue Pflanzen nach. Bei guten Bedingungen verdoppelt sich die Fläche eines Pflanzenteppichs innerhalb von zwei Wochen.
Der Pflanzenkörper ist so dicht, dass man darauf stehen kann. Bauern am Inle-See in Myanmar haben daraus ein Geschäftsmodell gemacht und bauen auf den schwimmenden Hyazinthen-Inseln Gemüse an. Am Viktoriasee haben die Invasoren eine Umweltkatastrophe ausgelöst, die weitreichende Folgen hat. Die Sumpf- und Feuchtgebiete entlang der Ufer werden unterspült und brechen irgendwann ab.
Eine grosse, etwas matschige Vegetationsinsel, die 2015 vor der Stadt Kampala im Viktoriasee trieb, wurde als Freizeitpark und Viehweide geschätzt. Zeitweilig siedelte sich sogar eine Gruppe Musiker darauf an und rief eine Rasta-Republik aus, berichtet «n-tv».
Eine Ökokatastrophe nationaler Priorität
Was amüsant klingt, hat jedoch wesentlich mehr Nach- als Vorteile. Nicht nur, weil die Vegetationsinseln irgendwann die Staumauern erreichen. Die Pflanzen behindern auch Fischfang und Transport, auf den die Anwohner angewiesen sind. Sie vermindern die Fliessgeschwindigkeit von Gewässern und sorgen so für die Verlandung von Wasserläufen. Flache Gewässer fallen an ihren Rändern öfter trocken.
Absterbende Pflanzenteile erhöhen den Sauerstoffverbrauch des Ökosystems und lösen Fischsterben aus. Die Biodiversität im Viktoriasee hat bereits abgenommen. Das Wasser versauert. Die Zwischenräume in den Pflanzenmatten sind eine Brutstätte für Krankheiten wie Malaria und Bilharziose.
Fischerboote in einem Wasserhyazinthenteppich am Viktoriasee (sarahemcc, flickr, CC).
Uganda hat den Kampf gegen die schwimmende Invasion zur nationalen Priorität gemacht. Auch in Sambia musste bereits das Militär gegen das Grünzeug ausrücken. Gebiete von den südlichen USA bis Indonesien könnten folgen. «Der Spiegel» berichtet vom Valsequillo-See in Mexiko, der zunehmend zuwächst. Viele Länder fahren kostspielige Kontrollmassnahmen, um die grüne Invasion in Schach zu halten. Selbst in Salzwasser, kommentierte ein Nutzer zu einem «NASA»-Artikel über Wasserhyazinthen, könnten die Pflanzenteile nach seiner Beobachtung einige Tage überleben.
Die Wasserhyazinthe, die in Südamerika heimisch ist, hat sich auf der ganzen Welt ausgebreitet (Bild: Universität Potsdam)
Die Pflanzenflächen, die die Hyazinthen auf den Süssgewässern der Welt bewachsen haben, sind so gross, dass sie auf Satellitenbildern sichtbar sind. Eine Studie von Springer Nature Schweiz, an der auch die ETH Zürich beteiligt ist, hat mit Hilfe solcher Bilder in einer im Juli 2020 veröffentlichten Arbeit 20 Seen und Flüsse untersucht, die unter der invasiven Pflanze leiden.
Weggehen, schliessen die Wissenschaftler, wird die invasive Pflanze nicht mehr. Die einzige Lösung sei, konstruktiv mit ihr umzugehen. Wasserhyazinthen wüchsen dort besonders stark, wo die Besiedelungsdichte zunehme und vermehrt Abwässer in Gewässer eingeleitet würden. So können sie teilweise eine Funktion bei der Wasserreinigung übernehmen. Andere Ideen umfassen die Vergärung der Pflanzen zu Biogas und Bioalkohol oder zur Kompostierung. Bekannt sind auch verschiedene Handwerksprodukte wie Pflanzkübel und Möbel, die aus Wasserhyazinthen gefertigt werden.
Am Viktoriasee versucht man es seit einigen Jahren mit einem natürlichen Feind der Pflanzen: Die Larven des Rüsselkäfers, der in Südamerika vorkommt, ernähren sich von den Stängeln der Wasserhyazinthen und bremsen ihr Wachstum. Ein Experiment wie dieses ging allerdings schon einmal schief. In den 1960er-Jahren wurde der Nilbarsch im Viktoriasee ausgesetzt, um die Fischereierträge zu steigern. Der Raubfisch vermehrte sich schnell und rottete einen Grossteil der mehr als 400 Fischarten im See fast komplett aus.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine