Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03125.jsonl.gz/189

Tagsüber steigen die Temperaturen bei uns jetzt bis auf fünf Grad Celsius.
Im nassen Schnee wäre das Schneeschuhlaufen kein Vergügen mehr.
Hinter dem Atelier steht mein von einem Bild des kanadischen „Group of Seven“-Künstlers Lawren Harris inspirierter „Mount Lefroy“.
Die alte Kühlerhaube hatte ich auf dem benachbarten Parkland gefunden und als Vorarbeit für unser „RipOff Artists“-Projekt 2010 bemalt. Langsam aber sicher blättern jetzt die Farben von der Rostschicht ab.
Als ich während der „RipOff“-Woche im „Quail’s Nest Arts Centre“ in Oliver an meinem Bild „Ed Feuz Jr. Guiding a Lady at Mount Lefroy“ malte, sagte eine Besucherin zu mir: „Die Dame muss doch Emily Carr sein“.
So führt jetzt der einst berühmteste Schweizer Bergführer der Rockies die berühmteste Künstlerin von British Columbia auf den Gipfel. Mein Bild fand dann 2013 den Weg auf den Umschlag eines Dokumentarfilms.
Der Nassschnee um Haus und Atelier liess mich an die Fotos denken, die ich um 1970 während einer Wanderung in den Centovalli machte.
Das nächste Foto nahm ich für mein 1972 erschienenes Buch „Die Centovalli“ auf.
Als Kommentar schrieb ich dazu: „Schmelzwasser sickert durch das Dach des Kirchleins.“
Nach der Kältewelle wurden wir zum zweiten Mal so richtig eingeschneit.
Das Vogelbad bekam eine dicke weisse Kappe und der Gartenglasvogel stand im tiefen Schnee.
Wir riefen Andrew im benachbarten Willowbrook an, baten ihn, unsere Zufahrt freizupflügen. Noch bevor er bei uns ankam, tauchte Mariannes Bruder Hans mit seinemTraktor auf, um mit den grossen, breiten Reifen Spuren in den Schnee zu drücken.
Als er hörte, dass Andrew mit einem Schneepflug komme, fand er dies angesichts der grossen Schneemenge eine gute Idee. Kaum hatten wir Hans mit Dank verabschiedet, tauchte ein Ungetüm von Schneepflug auf.
So gross hatten wir uns Andrews Maschine nicht vorgestellt!
Im Hinblick darauf, dass noch mehr Schnee fallen könnte, holten wir unsere Schneeschuhe hervor.
Wir machten eine Trainingsrunde um Haus und Atelier…
… und hatten bald einmal eine Verschnaufpause nötig.
Seither fiel nur noch wenig Neuschnee und unsere Trainingsrunden wurden von Tag zu Tag etwas länger.
Wir vermuteten, dass es sich beim Kobold, der um Mitternacht auf dem Dachboden zu rumoren begann, um eine „Woodrat“ handelte. Die „Waldratten“, die uns an die Siebenschläfer in den Centovalli erinnern, werden häufig auch „Packrats“ genannt, weil sie in ihren Nestern fleissig gesammelte Vorräte lagern. Die Männchen bringen nach Möglickeit auch glänzende Gegenstände mit, zum Beispiel verchromte Schraubenschlüssel, um damit das Weibchen zu beeindrucken. Als vor vielen Jahren in der Nähe des „Banff Springs“-Hotels eine baufällige Hütte abgerissen wurde, fand man in einem alten Packrat-Nest eine eindrückliche Sammlung von Silberbesteck.
Als Köder legten wir ein Stück Apfel und etwas Erdnussbutter auf Brot in die Falle, dazu eine aus Alufolie geformte glänzende Kugel. Hier bin ich daran, die gespannte Falle sorgfältig auf den Dachboden zu schieben (Foto Priska Hutterli). Die Maske schützt mich vor dem Staub.
Wir hatten Erfolg. Die Packrat tauchte um Mitternacht wieder auf und ging in die Falle. Das leergefressene Plättchen zeigte, dass der Köder ganz nach ihrem Geschmack gewesen war.
Gefangene Packrats fahren wir jeweils zu einem am Mahoney Lake gelegenen Wäldchen. (Die folgenden drei Fotos nahm unsere Tochter Priska auf.)
Das Wäldchen soll die Tierchen (sie werden bis zu 510 Gramm schwer) daran erinnern, dass sie eigentlich „Waldratten“ und nicht „Dachbodenratten“ sind.
Kiefern- und Tannennadeln sind, vor allem auch wenn Schnee liegt, für sie eine wichtige Nahrung.
Am Mahoney Lake lässt sich ein Nest mit schöner Seesicht bauen.
Die Stadtregierung stellt die Idee eines Kulturzentrums in Downtown Penticton zur Diskussion: Kunstmuseum, historisches und naturhistorisches Museum und Bibliothek sollen zusammen in einem attraktiven Neubau untergebracht werden. Das grosszügige Projekt soll ohne wesentliche Steuererhöhung verwirklicht werden.
An Standort der einmalig schön am Okanagan Lake gelegenen „Penticton Public Art Gallery“ brächte ein Luxushotel mit prächtiger Seesicht der Stadt viel mehr Geld ein als das kleine, aber feine Kunstmuseum mit seinen aktuellen Ausstellungen und der reichhaltigen Sammlung.
Trotz Covid-19-Massnahmen war die Ausstellung der berühmten indianischen Sängerin und seit einiger Zeit auch Computer-Künstlerin Buffy Sainte-Marie dieses Jahr ein Programm-Höhepunkt.
Auch das Gebäude, in dem sich heute Museum und Bibliothek befinden, liegt mit seinem grossen Parkplatz so gut, dass hier ein grosses Büro- oder Geschäftshaus gebaut werden könnte. Eine weitere willkommene Einnahme-Quelle für die Stadt.
Nicht abreissen dürfte man das geschützte „Leir House Cultural Centre“, hier vom dazu- gehörigen Park her fotografiert.
Hugh Charles Leir liess das herrschaftliche Haus 1927- 29 bauen. Dabei wurde Holz aus seiner eigenen Sägerei verwendet. Einer der Sägereiarbeiter war auch Steinmetz, so dass für die Fassaden Steine aus dem Fluss verwendet wurden.
Hugh und Joyce Leir bewohnten das Haus dann mit ihren elf Kindern, bis sie es 1951 dem Regionalspital von Penticton verkauften.
Bis 1977 hatten hier Krankenschwestern ihre Zimmer. Die Unterkunft wurde schliesslich nur noch wenig gebraucht, und das Spital schrieb das Haus zum Verkauf aus. Der „Penticton & District Community Arts Council“ überzeugte die Stadt, das „Leir House“ zu erwerben und in ein „Cultural Centre“ zu verwandeln, das Ausstellungen, Kurse, Musik-Unterricht, Ateliers für Künstlerinnen und Künstler und im Untergeschoss einen Raum fürs Töpfern anbietet. Das „Leir House“ wurde auch Sitz der „Academy of Music and Dramatic Arts“ und der „Penticton Potters‘ Guild“.
Was sich wohl in diesem Kellerchen befindet?
Sicher liesse sich für das pittoreske „Heritage House“ ein finanzkräftiger Mieter finden, der Sinn für das Besondere hätte.
Selbstverständlich könnte nicht das ganze vielfältige „Leir House“- Programm in einem neuen Penticton-Kulturpalast Platz finden. Für diesen hochmodernen Bau müssten halt ein paar seit langem gut funktionierende kulturelle Einrichtungen geopfern werden…
Für die Ausschreibung einer Winter-Ausstellung im „Leir House Cultural Centre“ liess sich der „Penticton & District Community Arts Council“ vom berühmten Kinderbuch von Lewis Carroll inspirieren.
Alice folgt neugierig einem sprechenden weissen Hasen in seinen Bau. Dort fällt sie in die Tiefe, landet in einem Raum mit vielen Türen und kommt schliesslich in ein merkwürdiges Wunderland. Die 1865 gedruckte kolorierte Zeichnung von John Tennie zeigt Alice bei der Teegesellschaft.
Ich könnte mir diese seltsame Teegesellschaft auch im „Leir House“ vorstellen, wo bis Ende Januar 2022 die Ausstellung „Down the Rabbit Hole“ zu sehen ist.
Über dem Plakat steht der Hinweis, dass wir uns auch hier auf dem nicht abgetretenen Gebiet der Sylx (Okanagan) First Nations befinden, die schon seit Tausenden von Jahren in diesem Tal leben.
Hier ein Blick in den Ausstellungsraum.
Ich werde in meinem nächsten Beitrag u. a. auch auf die Geschichte dieses als Kulturerbe geschützten Gebäudes zu sprechen kommen. Mein in der Ausstellung gezeigtes Bild trägt den Titel „Which Way is Up or Down?“.
Auf Berndeutsch könnte ich es „Obsi oder Nidsi?“ nennen.
Spaziergang am Skaha Lake: Das Okanagan Valley ist von der Überschwemmungskatastrophe und all den Erdrutschen verschont geblieben.
Der Blick fällt auf eine idyllische November-Landschaft. Dabei wurden in British Columbia 14’000 Menschen evakuiert und im Fraser Valley ertranken Tausende von Kühen.
Weder der Okanagan River noch die Seen im Tal sind über die Ufer getreten. Hier ist es kaum zu glauben, dass die Regierung von British Columbia den Notstand erklären musste und jetzt zusätzlich Armee-Einheiten bei den Rettungsaktionen zum Einsatz kommen. Bei uns merkt man nur an den leeren Gestellen in den Läden, dass Strassen verschüttet, Brücken weggerissen und Eisenbahnlinien überflutet sind.
Einst führte eine Eisenbahnlinie den Seen entlang durchs Okanagan Valley.
Die vermoderte und eingestürzte ursprüngliche Brücke wurde schliesslich wieder aufgebaut und das alte Trassee fürs Wandern, Radfahren und Reiten freigegeben.
Zu jeder Jahreszeit gehen wir gern im Naturreservat beim Mahoney Lake spazieren.
Marianne entdeckt unbekannte Pilze…
… und eine letzte Blume.
Ist es eine Arnika, eine Margerite oder eine Aster? Marianne wird sich später per Email beim Vogel- und Pflanzenspezialisten Dough erkundigen. Nach dem Foto, findet er, handle es sich um eine „Common Gaillardia“, früher „Brown-eyed Susan“ genannt.
Ich fotografiere einen „Oregon Grape“-Busch, der gut geschützt im Wurzelwerk einer vom Wind umgewehten Ponderosa-Kiefer wächst.
Schliesslich entdecken wir zusammen auf dem Waldboden einen weissen Stein, den wir zuerst für einen Bovist halten.
Aus der Nähe verwandelt sich der Pilz in einen Stein der besonderen Art: Er fordert uns auf, nicht gemein, sondern nett zu sein, und er wünscht uns einen guten Tag.