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Die 22 Mitglieder des vierstimmigen Chores trugen ein umfangreiches
Repertoire vor, das Werke aus der italienischen Renaissance, dem
Frühbarock, der Romantik, aber auch zeitgenössische Stücke
beinhaltete. Bei dem A-capella-Chor steht die Klanglichkeit des
Gesangs im Vordergrund, so dass der Umsetzung stimmbildnerischer
Elemente besondere Bedeutung beigemessen wird. Als roter Faden zog
sich diePolyphonie der vorgetragenen Werke durch das Programm. Mit
ihrer mehrstimmigen Kompositionsweise zeichnen sie sich durch weitgehende
Selbständigkeit der Stimmen mit ihrem linearen Verlauf aus.
Polyphonie in Vollendung
Eröffnet wurde das Konzert mit den mehrstimmigen Sätzen
von Giovanni Gastoldi und Heinrich Schütz, die von «Vocalino»
ausdrucksstark vorgetragen wurden. Johann Sebastian Bachs anschliessende
Motette «Komm, Jesu, komm» ist zweichörig angelegt
und lässt die Polyphonie des Werkes in Vollendung hervortreten.
«Komm, Jesu, komm» ist eine Gräbnismotette mit
einem starken Textbezug. Dem vierstimmigen Chor, der sich dazu zu
einem Doppelchor umformierte, gelang das Wechselspiel zwischen den
einzelnen Stimmen mit seiner starken musikalischen Wirkung ausgezeichnet.
Das Programm führte weiter mit moderner Polyphonie zu zwei
Psalmvertonungen von Willy Burkhard, einem zeitgenössischen
Schweizer Komponisten, dessen Werke im engen Sinne mit denen von
Bach verwandt sind. In Burkhards Psalmliedern treten besonders die
zunächst hart tönendeb Hinterklänge hervor:"
die den Werken aber einen eigenen Reiz verleihen.

Mit dem «Kyrie» von Wolfgang Amadeus Mozart, das dieser
als dreizehnjähriger Knabe komponierte, wurde zur Klanglichkeit
der Romantik übergeleitet.
Klanglichkeit des Gesangs
Zur Zeit der Romantik wurden vierstimmige Chorlieder sehr gepflegt.
Nach zwei Sätzen von Felix Mendelssohn-Bartholdy konzertierte
Vocalino das von Robert Schumann als Doppelchor komponierte Lied
«An die Sterne». Anders als bei Bach standen hier die
Klänge im Raum im Vordergrund, wobei die polyphone Kompositionstechnik
jedoch beibehalten wurde. Die einzelnen Stimmen des Doppelchores
kamen dabei in ihrer Klanglichkeit ausdrucksstark zur Geltung.
Mit Liedern von Johannes Brahms interpretierte der Chor weitere
Werke der Romantik. In der Brahmschen Motette «Schaffe in
mir, Gott, ein rein Herz» findet eine Anlehnung an den Barock
statt. Mit dem klanggewaltigen «Pater noster» von Giuseppe
Verdi, einer Vertonung des «Vater unser» nach einem
Text von Dante und den «Träumereien» als anschliessender
Zugabe, nahm das facettenreiche Konzert seinen Abschluss.
Der A-capella-Chor Vocalino bot mit seinen ausdrucksstarken Stimmen
ein beeindruckendes Chorkonzert, das nicht nur ohne Instrumente
auskam, sondern bei dem die Sänger selber zu Instrumenten wurden.
( abg)