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Im Rahmen der Verleihung des Liberal Award der Jungfreisinnigen Zürich hat Konrad Hummler (Bankier) den Jungfreisinnigen einen 10-Punkte-Plan geschenkt, welcher dem Liberalen bei Unklarheiten stets den Weg leiten soll.
1. Im Zweifel für das Individuum und gegen das Kollektiv.
2. Im Zweifel für den gesunden Menschenverstand und gegen sogenannte Experten.
3. Im Zweifel für das Experimentieren und gegen den Machbarkeitsglauben.
4. Im Zweifel für dezentrale Lösungen und gegen den Glauben an die übergeordnete Organisation.
5. Im Zweifelsfall für weniger Steuern und gegen neue Zwangsabgaben ohne Elimination bestehender.
6. Im Zweifel für generelle Richtlinien und gegen spezifische Einzelanordnungen.
7. Im Zweifel für weniger Regulierungen und gegen neue Gesetze ohne Aufhebung bestehender.
8. Im Zweifel für das Vertrauen in Märkte und gegen brichtkeitliche Eingriffe infolge angeblichen Marktversagens.
9. Im Zweifel für die Familie und gegen staatliche Ersatzmütter und -väter.
10. Im Zweifel für konsequente Verantwortlichkeit und gegen Rettungsschirme aller Art.
Video der Preisverleihung der Jungfreisinnigen Zürich:
2 Kommentare
Du sollst liberal sein!
Als Liberalkonservativer mit zunehmender Sympathie für liberalen Radikalismus im älteren Sinne könnte ich diese acht Punkt durchgehend unterschreiben. Ich verweise noch auf das, was ich zur Liberalismus-Diskussion nebenbei in meinem Beitrag zum Thema Urs Wollenmann ausgeführt habe.
Zu ergänzen bleibt, dass, wie schon Peter Bichsel gesagt hat, fast nichts so unbekannt ist wie die Geschichte des Liberalismus. Ein Liberaler, den ich in meinen erzkonservativen Zeiten eher verabscheute (wegen seines Beitrags zur Aufhebung des Klosters St. Urban), war Jakob Robert Steiger (1805 – 1862), der ehemalige politische Gefangene im Kesselturm und Weggefährte von Ulrich Ochsenbein, den man heute als den wichtigesten Vater des Bundesstaates würdigt, abgesehen vom Philosophen Troxler aus Beromünster, der Steigers Lehrer war. Ich bezeichnete Steiger als den ersten Grünliberalen in der Geschichte des Schweizerischen Freisinns: Er war dies einerseits als Troxlerschüler, sein Lehrer betrachtete sich als „Biosoph“, aber vor allem als Verfasser einer wunderbaren „Flora des Kantons Luzern“, die er kurz vor seinem Tode drucken liess. Dieses Werk enthält gewissermassen einen Ansatz zu einer ökologischen Betrachtungsweise der Heimat. Noch viel wichtiger, jetzt nach den Kantonsratswahlen: Steiger gab, obwohl 1848/49 Präsident des Nationalrates, das Amt in der Vereinigten Bundesversammlung auf und arbeitete als Grossrat weiter, weil er diese Aufgabe als a) wichtiger, im Kanton LU lag vieles im argen, und b) mit seiner Berufstätigkeit als Arzt für das Volk als besser vereinbar ansah.
Als Steiger verhaftet wurde, beim 2. Freischarenzug, und ihm die Hinrichtung drohte, unterschrieben mehr Luzernerinnen und Luzerner, z.B. fast alle Beromünsterer, Gunzwiler und die ganze Gegend um Büron, woher Steiger gebürtig war, eine der eindrucksvollsten Petitionen gegen die Todesstrafe für politische Vergehen, die es in der Geschichte der Schweiz gegeben hat.
Der Luzerner Volksschriftsteller Xaver Herzog (1810 – 1883) prägte den Spruch: „Du sollst nicht liberal sein!“ Heute heisst es eher: Jeder will liberal sein, z.B. auch die Grünliberalen und die CVP. Weil alle liberal sein wollen, kommt das Original derzeit ins Schleudern, wiewohl dies natürlich nicht der Hauptgrund ist für den Niedergang des Freisinns. Der soeben ins Parlament gewählte Gemeindepräsident von Beromünster, Charly Freitag (33), musste sich am letzten Sonntag aus Anlass seiner Wahlfeier folgenden für Freisinnige nur mässig lustigen Scherz anhören:
Wie heissen die beiden letzten freisinnigen Abgeordneten im LU oder ev. im Eidg. Parlament?
Antwort: Robinson und Freitag!
Konrad Hummler ist hoffentlich nicht der Robinson des schweizerischen Liberalismus, aber Pelli könnte es noch werden!