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Begonnen hat die Geschichte der Schule für Diakonie 1919 mit der so genannten Schenkung Dapples. Louis Dapples (1867 – 1937) war ein erfolgreicher Banquier und Verwaltungsrat bei Nestlé. „Er läutete mit seiner Schenkung von damals CHF 250‘000.- die Geburtsstunde des Diakonenhauses ein“, bemerkte der letzte Schulleiter Sergio Jost zur 100-Jahrfeier der Diakonenschule.
1923 wurde die Diakonenausbildung gegründet, zunächst im Rahmen der Anstalt für Epileptische in Zürich, der das Haus angegliedert war. Die Ausbildung des Diakonenhauses Greifensee war eine die zentrale Akteurin zur Wiedereinführung des männlichen Diakonats in den evangelisch-reformierten Kirchen und Kirchgemeinden der Deutschschweiz, so Roland Luzi, Koordinator des Diakonie Forums, in einem Grusswort zur 100-jährigen Versammlung der Diakonenschaft von Greifensse.
Allerdings sei diese Ausrichtung des Diakonenhauses auf das kirchliche Diakonat nicht von allem Anfang an gegeben, so Luzi weiter: „Die ersten, ab 1923 ausgebildeten Diakone wurden ausgebildet als Erziehungs-, Pflege- und Dienstpersonal für diakonische Anstalten, da es damals an ´tüchtigen männlichen Gehilfen in den Anstalten für Anormale, Schwererziehbare, und so weiter´ mangelte.
Ebenso sei die Rede davon gewesen, dass die ausgebildeten Diakone in ihre Berufe zurückkehrten mit dem Ziel, eine Durchdringung der verschiedenen Berufe mit christlichen Grundsätzen und christlicher Lebenseinstellung, wie es im Jahresbericht 1923 geheissen habe, zu erreichen.
Erst mit dem Amtsantritt des Vorstehers Wilhelm Bernoulli sei eine konsequente Ausrichtung der Ausbildung und des Diakonenhauses auf das kirchliche Amt des Diakonats in den Kirchen und Kirchgemeinden erfolgt. 1937 zog das Haus dann nach Greifensee. Als Modell schwebte Bernoulli die damals so genannte männliche Diakonie vor, die in der deutschen evangelischen Kirche praktiziert wurde.
Luzi: «Es ist gewiss seinem grossen Elan und seiner Überzeugungskraft zu verdanken (in den Jahresberichten ist von bis zu 60 Auftritten und Reden pro Jahr in Kirchen und Kirchgemeinden die Rede), dass mehr und mehr Kirchen und Kirchgemeinden die Wichtigkeit der Diakone erkannten und hierfür Stellen schufen.»
Nach der Ausbildung wurden die jungen Diakone ausgesandt und feierlich in die Brüderschaft aufgenommen, so Jost weiter. Als äusseres Zeichen erhielten die jungen Brüder eine Uniform und das berühmte Diakonen-Abzeichen. Jost: „Diese Brüderschaft hatte den ganz praktischen Nebeneffekt, dass damit schweizweit eine berufliche Vorsorge und vor allem Freizügigkeit für die Brüder möglich wurde, die in dieser Form als Bundesgesetz für die berufliche Vorsorge BVG erst sehr viel später vom Gesetzgeber realisiert wurde.”
Gleichermassen habe sich dessen Nachfolger, Walter von Arburg, mit Vehemenz für das kirchliche Amt des Diakonats eingesetzt. «Nicht zuletzt dank seinem kirchendiplomatischen Geschick hat sich eine steigende Zahl von Kantonalkirche überzeugen lassen, Diakone in ihren Reihen einzustellen», so Luzi weiter.
Auf Initiative unter anderem von Walter von Arburg schlossen sich die deutschschweizer reformierten Landeskirchen zur Deutschschweizer Diakoniekonferenz zusammen und schufen 1991 mit der «Übereinkunft Sozial-Diakonische Dienste» die Grundlage für die gegenseitige Anerkennung des sozialdiakonischen Dienstes und die Schaffung gemeinsamer Voraussetzungen für die gegenseitige Zulassung von Sozialdiakonischen Mitarbeitenden in den Kirchendienst, wie es in der Übereinkunft hiess.
1990 wird Christoph Knoll neuer Leiter der Diakonenschule. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich europaweit die Strukturbereinigung im Bildungsbereich ab. Die Verschulung der Ausbildung als neues und dominierendes Paradigma war schon lange vor Bologna absehbar, erklärt Jost. Unter der Leitung von Christoph Knoll wurde die Ausbildung in Greifensee offiziell von der damals neu gegründeten Diakonatskonferenz kirchlich anerkannt, ein erster wichtiger Schritt in Richtung anerkannte Ausbildung. Auch nach dem Wechsel der Schulleitung an Markus Lenzin 1996 wurden die Bemühungen um eine anerkannte Ausbildung fortgesetzt.
Die Deutschschweizer Diakoniekonferenz verabschiedete 1996 Mindestanforderungen an die Ausbildung von Sozialdiakonischen Mitarbeitenden. Diese wurden im Jahr 2007 überarbeitet, weiter wurden Richtlinien für die Weiterbildung und ein Reglement für die ausserordentliche Zulassung von Sozialdiakonischen Mitarbeitenden erlassen. Auch erklärte die Konferenz 2008 Sozialdiakonin und Sozialdiakon zum neuen Berufstitel. Diese löste die Sozial-Diakonischen Mitarbeitenden ab, die wiederum eine Erweiterung der Diakonischen Mitarbeitenden waren. Auch dieser Begriff stellte bereits eine Präzisierung dar: vorher hiessen sie Gemeindehelferinnen und Gemeindehelfer, noch zuvor Pfarrhelferinnen und Pfarrhelfer.
2008 sind für die deutschschweizerischen reformierten Kirchen die neuen Mindestanforderungen zur Ausbildung als Sozialdiakonin und Sozialdiakon in Kraft getreten. Mit dem Antritt von Sergio Jost als neuer Schulleiter habe die Fortführung der Ausbildung als bedrohliche Frage bereits in der Luft gestanden, so Jost.
Abnehmende Studierendendzahlen aufgrund des fehlenden staatlich anerkannten Abschlusses und der Einbruch der Spenden seien Herausforderungen, die in dieser oder ähnlicher Form jede Nonprofitorganisation beschäftigten und sozusagen zum täglichen Geschäft gehörten, so Jost weiter: „Der Strukturwandel im Bildungsbereich Soziales, die ungeklärten Bedürfnisse im Berufsfeld Sozialdiakonie in Fragen des Ausbildungsniveaus sowie die ungeklärten Zuständigkeiten bezüglich Rahmenlehrplanprozess seien die wirklich unberechenbaren Faktoren dieses Prozesses gewesen. Das Ziel einer erweiterten, landeskirchlichen Trägerschaft sei nicht zu erreichen gewesen, folglich stellte die Diakonenschule Greifensee 2010 ihren Betrieb ein.
Die «Diakonenschaft Greifensee» als Versammlung der Ehemaligen lebte weiter und bildete gewissermassen einen Berufsverband in der Deutschschweiz. Nun hat diese Diakonenschaft anlässlich der 100. Jahresversammlung ihre Auflösung beschlossen. Vorgesehen ist, dass sich die Diakonenschaft lose als «Freunde von Greifensee» neu strukturiert.
Bild: (c) Diakonenhaus Greifensee.