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Für die Curler des CC Genf wie für die Aarauerinnen um Skip Silvana Tirinzoni sind die Europameisterschaften ein Höhepunkt der Saison, aber nicht der Höhepunkt schlechthin. Dieser folgt im Februar, wenn die beiden Teams in Südkorea um die Olympia-Medaillen kämpfen werden.
So gesehen, sind die Europameisterschaften für die Schweizer Formationen ein erstklassiger, aufschlussreicher Formtest, denn alle europäischen Spitzennationen entsenden jene Teams, die auch die Olympia-Turniere bestreiten werden.
Die seit Jahren bestens aufeinander eingespielten Valentin Tanner, Peter De Cruz, Claudio Pätz und Benoît Schwarz müssen auf dem Weg zu ihrem ersten internationalen Titelgewinn schwere Brocken aus dem Weg räumen. Der schwerste sind die Schweden um Skip Niklas Edin, die allein seit 2013 zwei WM- und drei EM-Titel gewonnen haben.
Die Olympia-Zweiten und früheren Weltmeister aus Norwegen sind kaum schwächer einzuschätzen. Ihr Skip Thomas Ulsrud führt ein seit über zehn Jahren unverändertes Team an. In Schottland hat sich Kyle Smith mit seiner jungen Crew in den Qualifikationen gegen die hochdekorierten David Murdoch und Tom Brewster durchgesetzt. Wenn sie nach dem Gewinn von je zwei WM- und EM-Medaillen auch in St. Gallen aufs Podest kommen wollen, müssen die Genfer mindestens einen der drei Favoriten hinter sich lassen. In den ersten rund drei Monaten der Saison konnten sie ihre Form kontinuierlich steigern.
Silvana Tirinzoni, die Junioren-Weltmeisterin von 1999, gehört seit vielen Jahren zu den besten Schweizer Skips. In den Schweizer Ausscheidungen für die WM- und EM-Turniere scheiterte sie jedoch meistens – anfänglich an Mirjam Ott, später auch an Binia Feltscher und Alina Pätz. Nach den WM-Teilnahmen 2006, 2007 und 2013 bestreitet sie mit 38 Jahren erstmals überhaupt eine EM. Hier hofft die Zürcherin auf ihren ersten Medaillengewinn an einer grossen Meisterschaft. Anna Hasselborg (Schweden), Anna Sidorowa (Russland) und Eve Muirhead (Schottland) werden wahrscheinlich ihre härtesten Rivalinnen sein. Auch die Aarauerinnen sind ein seit Jahren eingespieltes Team. Tirinzonis Mitspielerinnen auf den Positionen 1 bis 3 sind Marlene Albrecht, Esther Neuenschwander und Manuela Siegrist.
St. Gallen ist der zehnte Schweizer Ort, an dem grosse internationale Titelkämpfe durchgeführt werden. Insgesamt haben in der Schweiz je neun WM und EM stattgefunden. Bern und Basel mit je drei WM-Turnieren sowie Grindelwald mit drei Europameisterschaften waren die häufigsten Veranstalter.
Mit der Organisation des Masters-Turniers der europäischen World Curling Tour haben sich die Veranstalter in den letzten Jahren Know-how angeeignet, sodass ein reibungsloser Ablauf der EM im Eissportzentrum Lerchenfeld zu erwarten ist.
Die Curler von Lausanne Riviera um Skip Jürg Tanner, Weltmeister 1981, haben in der Zeit von 1978 bis 1982 eine bemerkenswerte Rekordmarke im Schweizer Curling gesetzt. Die Waadtländer, zu denen auch Patrik Loertscher aus der späteren Olympiasieger-Crew von Patrick Hürlimann gehörte, kehrten von ihren ersten sechs Einsätzen an grossen Meisterschaften (WM, EM) ohne Ausnahme mit Medaillen zurück. Nebst dem WM-Titel gewannen die Waadtländer zweimal EM-Gold sowie je einmal WM-Silber, WM-Bronze und EM-Bronze.
Die Genfer sind nun auf dem besten Weg, die Serie von Lausanne Riviera zu egalisieren oder sogar zu übertreffen. An ihren fünften Titelkämpfen, den am Samstag beginnenden Europameisterschaften in St. Gallen, könnten sie zum fünften Mal aufs Podest kommen. In ihrer Sammlung sind zweimal Bronze von WM-Turnieren sowie Silber und Bronze von Europameisterschaften.
(SDA)