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Der Sardonabrunnen
Zu ihrem 150-jährigen Bestehen schenkt die Wasserversorgung der Stadt Zürich sich und der Bevölkerung einen Brunnen. Der Sardonabrunnen wird bald schon zu sprudeln beginnen.
Sardonabrunnen heisst er, weil das zum Bau verwendete Gestein aus dem Sardona-Gebiet stammt und in Erinnerung an die Kräfte der Gletscher, nach deren Rückzug sich der Zürichsee bildete, als wichtiger Lieferant des Trinkwassers der Stadt Zürich. Die im Grenzgebiert der Kantone Glarus, Graubünden und St. Gallen liegende Tektonikarena Sardona wurde 2008 in die Liste der Unesco-Welterben aufgenommen. Wasser aus den Glarner Alpen gelangt über Lindt und Zürichsee in die Limmat, in deren unmittelbarer Nähe der Brunnen gebaut wird: Auf dem «Hungerinsel» genannten Spickel zwischen Limmatquai und Utoquai, wo das «Terrasse» im Freien seine Gäste bewirtet. Hier, auf dieser «Insel», hatten sich vor Jahrzehnten die mittellosen Pensionäre der nahe gelegenen Herberge zur Heimat getroffen, als Schifflände- und Hechtplatz noch Parkplätze und wenig einladend waren.
Beeindruckende Grösse
Der hier entstehende Brunnen des Architekten Timon Reichle ist das Siegerprojekt des 2018 ausgeschriebenen Wettbewerbs zum 150-jährigen Bestehen der Wasserversorgung der Stadt Zürich.
Nachdem im Untergrund Fundament und Zuleitungen erstellt waren, konnte mit dem Bau der weit ausladenden Brunnenschale begonnen werden, deren ovale Form zehn Meter Länge und sechs Meter Breite erreicht. Diese flache Schale, die am Rand durchaus zum Sitzen einladen soll, weist ein Wasserbecken von fünf Meter Durchmesser auf, das von einem Ausguss gespeist wird, der das Wasser hochspeit und aus fünf Meter Höhe herabplätschern lässt. Daneben gibt es einen weniger ungestümen Trinkhahn. Diese Zuleitungen stehen am Richtung Quaibrücke liegenden Rand, während das Wasser Richtung Bellevue über den Brunnenrand abläuft, wobei das Oval sich limmatabwärts erstreckt. «Der ganze Brunnen», so erklärt der Steinbildhauer Christian Aubry bei einem Baustellenbesuch mit einem stolzen Lächeln, «wiegt siebzig Tonnen.» Die ziemlich dicht eingepackte Baustelle birgt übrigens kein Geheimnis und neugierige Besucherinnen und Besucher sind durchaus willkommen. Vielmehr geht es darum, eine gewisse Feuchtigkeit zu erhalten, die für mehrere Arbeitsgänge wichtig ist.
Aufwendiges Verfahren
Normalerweise sind in dieser Phase vier Personen an der Arbeit. Am Dienstag, 18. August jedoch waren es etwa zehn Leute. Das hat seine Bewandtnis. Die ganze Brunnenschale, aus Beton gegossen, wird nämlich im sogenannten Terrazzo-Verfahren bearbeitet. So wurden Steine aus dem Sardona-Gebiet zu golfball- bis tennisballgrossen Stücken gebrochen und in einigem Abstand zueinander einzeln in die Schale eingesetzt. An besagtem Tag nun wurde Mörtel mit Kies aus dem Sardona-Gebiet auf die Schale aufgetragen und glatt gestrichen, was in einem Arbeitsgang zu erfolgen hat. Dazu waren viele Hände nötig.
In den darauf folgenden Wochen galt und gilt es die oberste Schicht abzuschleifen, sodass die Steine zum Vorschein kommen und eine glatte Oberfläche entsteht, sowohl in der Brunnenschale als auch am bis zum Boden abfallenden Brunnenrand. Eine anstrengende Arbeit, denn beim Material handelt es sich mitunter um Quarzit, das härteste Gestein. «Den Brunnenrand zu bearbeiten wird eine besondere Herausforderung», sagt der Steinbildhauer, «weil der Brunnenrand teils überhängend ist, was das Terrazzo-Verfahren erschwert.»
Im Oktober 2020 soll das Werk vollendet sein und Wasser aus dem Sardona-Gebiet wird in die mit Sardona-Gestein bestückte Schale fliessen. Das Spiel des Wassers im Brunnenbecken wird dabei einen reizvollen Blickfang ergeben.
Elmar Melliger