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Wann und wo schreiben Sie Ihre Texte meistens?
Von 14 Uhr, kurz nach dem Frühstück, bis 21 Uhr an meinem Schreibtisch.
Woher holen Sie die Inspirationen für Ihre Texte?
Von überall her. Und Widersprüche finde ich besonders inspirierend.
Auf welche Ihrer Texte hatten Sie die heftigsten Reaktionen, mit welchem Thema haben Sie die Erregung am stärksten getroffen?
Ich veröffentliche jetzt seit neun Jahren Kolumnen und habe noch keinen Shitstorm abbekommen. Das ist im Grunde sehr traurig. Wahrscheinlich beleidige ich nicht gut genug, obwohl ich es immer wieder versuche. Ausgenommen beim Thema «Mutter», da hat sich tatsächlich mal eine Frau bei mir beschwert, weil ich über sie geschrieben habe.
Als Poetryslammer wiederum trete ich ja leider nicht vor Neonazis auf. Dort würden zum Beispiel Texte, die gegen Rassismus sind und für Feminismus plädieren, auf viel heftigere Reaktionen treffen als vor einem Publikum, das ohnehin davon überzeugt ist. Aber das hat sich aus gesundheitlichen Gründen nicht durchgesetzt.
Setzen Sie Social Media zur Verbreitung Ihrer Texte ein?
Ja. Das haben bisher nur nicht genug Leute mitbekommen.
Trägt Slam Poetry mit ihrer Zuspitzung, ihrer Pointierung und oft auch Provokation zur Polarisierung bei? Mit anderen Worten: verträgt sich Slam Poetry mit differenzierten, abgewogenen mittleren Positionen?
Nun würde ich nicht soweit gehen, der Slam Poetry eine Schuld an der Polarisierung in der Gesellschaft zu geben. Sicherlich, auch auf einem Poetry-Slam kommen politische Themen zur Sprache, und wenn, dann sind es, nach meiner Wahrnehmung, eher linke, progressiv feministische, antikapitalistische Positionen, die natürlich mit Verve vorgetragen werden. Würde man daraufhin im besonnenen Tonfall eines Regierungssprechers beispielsweise das für und wider des Braunkohletagebaues auf der Bühne erörtern, hätte man vermutlich nicht die besten Chancen, ins Finale einzuziehen.
Müssen gute Slam-Texte kurz sein oder können sie auch länger sein?
Gute Slam-Texte können sogar eine halbe Stunde lang sein, sie werden vom Moderator allerdings nach 6 Minuten abgebrochen.
Wie erklären Sie sich den Erfolg von Poetry Slam?
Ich erkläre mir den Erfolg damit, dass Poetry Slam – bei aller linksprogressiven Message der meisten Slammer und Slammerinnen – für die kapitalistisch geprägte Gesellschaft ein ideal angepasstes Bühnenformat ist, um sowas wie Literatur (im weitesten Sinne) zu verkaufen. Der Wettbewerb erzeugt Spannung und das Publikum darf richten. Das hat sich auch bei «Deutschland sucht den Superstar» bewährt. Survival of the best performer. Die Veranstaltung wird als «Event» beworben und in Szene gesetzt. Die wirkmächtigsten ästhetischen Mittel des Humors, des Pathos und der Gefühlsdeklamation werden angewendet. Dabei hoch abwechslungsreich, weil bis zu zehn Personen an einem Abend auftreten. Dazu wird die Aufmerksamkeitsspanne des oft jüngeren Publikums durch die strenge Zeitbegrenzung nicht überstrapaziert.
Und worauf führen Sie den Erfolg Ihrer eigenen Texte zurück? Was schätzen die Teilnehmenden an Ihren Texten besonders und was unterscheidet diese von anderen?
Ist das eine Fangfrage für Narzissten? Spontan würde ich antworten, dass der Erfolg meiner Texte an meinem Genie liegt. Wenn ich aber darüber nachdenke, dann habe ich, falls überhaupt, nur dann Erfolg, wenn ich so viele Pointen wie möglich in einem Text unterbringen kann, was nicht oft gelingt. Und dann fliege ich in der Vorrunde raus. Ich sage das völlig frei von Gekränktheit. Die jungen Menschen haben in ihrer Rolle als Publikum bloß mal wieder völlig versagt.
Pathos und Gefühl kann ich wiederum nicht so authentisch inszenieren, damit das Publikum mir glaubt, wenn ich ihm erzähle, dass mein Teddybär heftig missbraucht worden ist. Insofern unterscheide ich mich überhaupt nicht von denen, die auf der Bühne Humor als Dominante des Textes einsetzen. Ein Unterschied besteht vielleicht darin, dass meine Texte erst für das Kolumnenformat geschrieben werden, bevor ich sie dann auch – wenn sie mir dafür geeignet erscheinen – auf der Slam-Bühne lese.