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Kitsch ist ein Wort, das man vorschnell in Verbindung bringt mit Friedrich Kunaths farbstarken Landschaftsgemälden. Doch genauso, wie der Künstler in seinen Skulpturen Vertrautes massstäblich verfremdet, stört er das Pathos seiner Malerei durch Elemente wie Comicfiguren oder Textzeilen. Seine eigenwilligen Bildszenerien werden so bald zu ironischen, humorvollen oder nostalgischen Darstellungen zeitgenössischer Befindlichkeit.Weiterlesen
"The end is my beginning. It’s been ten years since I moved to Los Angeles, and only now am I becoming Californian. But my California is populated by shadows of Europe—even if Novalis and Caspar David Friedrich are now sharing a bungalow in the hills with their contemporary popular culture counterparts. If Arte and Merv Griffin co-produced a reality TV show, it might go something like this.
A European interior, then, whose windows look out on the landscape of the Pacific coast. Over that landscape floats a romantic moon, but rather than illuminating Gothic ruins, it is embedded within the primary colors of Venice beachwear. The domestic life of romanticism in exile, the perfume of an approaching midlife crisis, a whiff of the sublime. The familiar intertwined with the unfamiliar, until one loses track of which is which. A sadness that lurks in the depths of any formulation laying claim to finality. An invitation to be enclosed within my mind, but without any expectation that you will find yourself, or me, there.
The German Romantics strove for an unmediated relationship with the infinite. But they provided me, at best, with a further medium through which mediation could occur. California, too, holds itself up as a land of unmediated relationships—to oneself, to other persons, to nature, and indeed, to the infinite. This is the promise of meditation retreats and self-help gurus—of natural men and millionaires—a life unhindered by fear, a love that knows no panic of rejection. And yet, what is California but an engine of intervention—a film or a Snapchat that leaves us as connected as a severed phone cord. No surprise, perhaps. As the Romantics themselves recognized, it may be that the closest we can come to immediate contact with the infinite is an indefinitely prolonged series of ironic reflections.
I’ve never identified with the autonomy essential to the classical myth of genius. My work has always been mediated by my relationships—with other people and with their images. I compose and create through interaction with others—with the actors, materials, and characters that populate my world. But at the same time, I cannot escape the cliché of the artist becoming one with the artwork—a sense that only then does one truly deserve the title. Es gibt kein richtiges Leben im falschen/There is no right life in the false.
So the dumb wish remains—to become one with the painting. A wish common to the cliffs of Rügen and Big Sur alike. Germany and California are both, in their own ways, lands of dumb wishes. Another reflection, then—of both human finiteness and the wish for something more."
(«Das Ende ist mein Anfang. Es sind zehn Jahre her, dass ich nach Los Angeles gezogen bin, und erst jetzt werde ich Kalifornier. Mein Kalifornien ist jedoch von Europas Schatten bevölkert, auch wenn sich Novalis und Caspar David Friedrich jetzt einen Bungalow in den Hügeln mit ihren Pendants der heutigen Popkultur teilen. Ein bisschen so, wie wenn Arte und Merv Griffin zusammen eine Reality-TV-Sendung produzieren würden.
Ein europäisches Interieur also, dessen Fenster auf die Landschaft der Pazifikküste hinausgehen. Über dieser Landschaft schwebt ein romantischer Mond, aber statt gotische Ruinen zu beleuchten, ist er in die Grundfarben der Strandkleidung von Venice eingebettet. Das häusliche Leben der Romantik im Exil, das Parfüm einer nahenden Midlife-Crisis, ein Hauch des Erhabenen. Das Vertraute mit dem Unvertrauten verflochten, bis man sie nicht mehr unterscheiden kann. Eine Traurigkeit, die in den Tiefen einer jeden Formulierung mit Anspruch auf Endgültigkeit lauert. Eine Einladung, von meinem Geist umschlossen zu werden, aber ohne jegliche Aussicht, sich selbst, oder mich, dort zu finden.
Die deutschen Romantiker strebten nach einer unmittelbaren Beziehung mit dem Unendlichen. Aber sie gaben mir bestenfalls ein weiteres Medium zur Vermittlung. Auch Kalifornien hält sich selbst für ein Land der unmittelbaren Beziehungen – zu sich selbst, zu anderen Personen, zur Natur und in der Tat zum Unendlichen. Das versprechen sich Naturmenschen und Millionäre von den Meditations-Retreats und Selbsthilfe-Gurus: ein Leben ungehindert von Angst, eine Liebe, die keine Zurückweisungspanik kennt. Doch was ist Kalifornien anderes als eine Interventionsmaschine – ein Film oder ein Snapchat, der uns so verbunden lässt wie ein durchtrenntes Telefonkabel. Keine Überraschung, vielleicht. Wie es die Romantiker selbst erkannt hatten, ist vielleicht das Näheste, was wir an direktem Kontakt mit dem Unendlichen erreichen können, eine unendlich verlängerte Folge ironischer Reflexionen.
Ich habe mich nie mit der im klassischen Mythos des Genies wesentlichen Autonomie identifiziert. Meine Arbeit wurde immer vermittelt durch meine Beziehungen – mit anderen Menschen und mit ihren Bildern. Ich gestalte und schaffe durch die Interaktion mit anderen: mit den Akteuren, Materialien und Figuren, die meine Welt bevölkern. Aber gleichzeitig kann ich mich dem Klischee des Künstlers, der mit dem Kunstwerk eins wird, nicht entziehen – ein Gefühl, dass man nur dann den Titel wahrlich verdient. Es gibt kein richtiges Leben im falschen/There is no right life in the false.
So bleibt der dumme Wunsch, mit der Malerei eins zu werden, bestehen. Ein Wunsch, der den Felsen von Rügen und Big Sur gemeinsam ist. Deutschland und Kalifornien sind beide, auf ihre Weise, Länder der dummen Wünsche. Noch eine Reflexion also sowohl der menschlichen Endlichkeit als auch des Wunsches nach etwas Weiterem.»)