Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03179.jsonl.gz/1902

Burma 2007 – Reisebericht 3
Mandalay ist die heimliche Hauptstadt Burmas
Mandalay ist die zweitgrösste Stadt Burmas und zählt rund 1 Mio. Einwohner. 25 Jahre lang war das im Jahre 1857 gegründete Mandalay die Hauptstadt Burmas und Residenz des letzten Königs. Am 29. November 1885 fiel Mandalay in die Hände der Briten und wurde im zweiten Weltkrieg bei Kämpfen gegen die Japaner in Schutt und Asche gelegt. Erst durch die Friedensschliessung mit mehreren Rebellengruppen, die Liberalisierung des Handels und die Wiedereröffnung der Handelswege nach China erwachte Mandalay aus seinem Dornröschenschlaf. Das Geld fliesst vor allem aus drei Quellen: Den Rubinen, der Jade und des Heroins. Kontrolliert wird der Handel grösstenteils von Chinesen.
Unser Guesthouse liegt etwas ausserhalb des Zentrums in einem sehr ruhigen Quartier und inmitten einer herrlichen, grünen Gartenanlage. Da die Distanzen in Mandalay recht gross sind, sind wir auf ein Transportmittel angewiesen. Das am meisten verbreitete Nahverkehrsmittel Mandalays sind Mazda Pickups. Diese kleinen flinken Gefährte sehen aus wie geschrumpfte normale Pickups und werden von einem kleinen 600m3 Zweitaktmotor angetrieben. Als Sitz für den Fahrer dient meist ein alter Gartenstuhl und auf der Ladefläche haben bis zu vier Leute Platz, wenn man sich klein macht. Für wenige Dollar haben wir uns jeweils einen solchen Flitzer mit Fahrer für den ganzen Tag gechartert. Unser Fahrer konnte zwar fast kein Englisch, aber mit Händen und Füssen konnten wir uns trotzdem verständigen und er hat uns auf unseren Fahrten immer wieder zu interessanten Sehenswürdigkeiten geführt.
Das Palastgelände erscheint einem wie eine kleine Stadt in der Stadt. Das quadratische Gelände mit einer Seitenlänge von 2 km wird durch eine 8 m hohe Mauer und einen 52 m breiten Wassergraben abgegrenzt und ist mit vielen grossen Bäumen bewachsen. Im Zentrum des Geländes befand sich einst der Königspalast der im Jahre 1857 im Auftrag von König Midon erbaut wurde. Der Palastbezirk bestanden aus 130 Gebäuden, die jedoch bei heftigen Gefechten im Jahre 1945 allesamt zerstört wurden. Die bestehenden Gebäude sind somit Rekonstruktionen und lassen einem nur erahnen, wie es einst ausgesehen haben mag. Vom 55 m hohen im Jahre 1990 aus Holz erbauten Wachturm haben wir einen herrlichen Ausblick über das gesamte Palastgelände und Mandalay.
Bei den Gebäuden in der Bildmitte handelt es sich um die Pavillons der Frauen und Kinder des Königs. König Midon, der Erbauer des Palastes, hatte 49 Frauen, 53 Söhne und 60 Töchter. Ein Minister arbeitete jeweils einen Besuchsplan aus nach dem der König jeden Tag zwei seiner Frauen besuchte.
Das einzige Gebäude, dass die Kämpfe und Kriege überstanden hat ist das Holzkloster Shwenandaw. Dieses imposante Holzgebäude wurde bereits zwei mal komplett abgebaut und an neuer stelle wieder aufgebaut. Das Gebäude wurde erstmals im Jahre 1782 errichtet. Im Jahre 1857 wurde es abgebaut und im Palastbereich von König Midon wieder aufgebaut. König Midon nutzte das Gebäude als Privatgemach und verstarb auch darin. 1880 wurde das Gebäude abermals abgebaut und am jetzigen Platz ausserhalb des Palastes neu aufgebaut. Nur so konnte dieses prächtige Gebäude der Zerstörung entgehen.
Das Holzkloster wird noch heute aktiv genutzt und von Mönchen bewohnt.
Es gibt kaum eine Fläche die nicht mit Schnitzereien und Figuren ausgeschmückt ist. Im Innern ist noch die prachtvolle Wirkung des Goldes zu erkennen, mit welchem früher das gesamte Gebäude überzogen war.
Sieben Jahre, sechs Monate und 22 Tage sollen 200 Kunsthandwerker am grössten Buch der Welt gearbeitet haben. Fertiggestellt wurde es im Jahre 1868. Das grösste Buch besteht aus 729 beidseitig beschriebenen Marmortafeln, worin die Lehre Buddhas enthalten ist. Wir entscheiden uns gegen das Lesen dieser Tafeln. Erstens sind die Inschriften in Birmanisch und zweitens würden wir wenn wir pro Tag acht Stunden lesen würden etwa 450 Tage für alle Texte benötigen. Falls wir die Texte doch noch lesen wollen gibt es auch eine gedruckte Abschrift der Tafeln, bestehend aus 38 Bänden mit je 400 Seiten.
Zum Schutze gegen Verwitterung wurde um jede Tafel eine kleine Pagode errichtet.
Im Süden von Mandalay besuchen wir als nächstes die
Mahamuni Pagode. Diese Pagode beheimatet die Mahamuni Statue und ist neben der
Shwedagon Pagode in Yangon und dem Goldenen Felsen eines der Hauptpilgerziele
Burmas. Die Statue ist 3.8 m hoch und wurde aus Bronze gefertigt. Von der
Bronzestatue ist allerdings nichts mehr zu sehen, denn unaufhörlich kleben gläubige
Blattgold auf die Statue. Mittlerweile wir die Menge des aufgeklebten Goldes
auf mehrere hundert Kilogramm geschätzt und soll an manchen Stellen bis zu 35
cm dick sein.
Das Aufkleben von Blattgold ist den Männern vorbehalten. Frauen dürfen nicht in den inneren Bereich nahe der Staue. Ich habe auch ein Stück Blattgold aufgeklebt und konnte dabei auch hinter die Buddhastatue gelangen. Es ist sehr eindrücklich vor diesem Heiligtum zu stehen und all die Gläubigen bei ihren Gebeten zu sehen. Das berühren der Statue und das aufkleben eines Blattgoldstückes ist ein sehr spirituelles Erlebnis und gibt mir einen weiteren Einblick in den Buddhismus.
Auf dem Rückweg besuchen wir einen Handwerksbetrieb in dem Blattgold hergestellt wird. 6 1/2 Stunden schlagen junge Männer unermüdlich mit einem 3 kg schweren Hammer auf die feinen Goldstreifen ein bis am Ende hauchdünnes Blattgold entsteht.
In ein Packet aus Hirschleder werden Lagen von Goldbändern, getrennt durch spezielles Bambuspapier, gestapelt. Am Ende der Schläge ist die Dicke des Goldbandes auf weniger als einen tausendstel Millimeter reduziert. Die Arbeit des Goldschlägers ist sehr hart und anstrengend aber auch sehr gut bezahlt. Die halbjährige Ausbildung beginnen die Goldschläger bereits mit 16 Jahren. Nach rund 10 Jahren stellen sich chronische Rückenschmerzen ein und mit spätestens 45 Jahren ist der Körper verschlisssen.
Den nächsten Stopp legen wir bei einer Seidenweberei ein. Hier können wir sehen, wie zuerst die Längsfäden vorbereitet werden und von einer Vielzahl von Spulen auf eine grosse Trommel aufgewickelt werden.
Danach wird die Trommel auf den Webrahmen aufgespannt und das eigentliche Weben kann beginnen. Wie alles ist auch das Weben in Burma Handarbeit und die Webstühle sind aus Holz gefertigt. Beim Stoff der gerade auf dem Webrahmen hergestellt wird, wird in die rote Grundfarbe mit vielen kleinen Fadenspulen ein sehr aufwändiges Muster eingearbeitet. Auf einem Blatt Papier hat die Weberin einen genauen Plan, wann welche Spule benutzt werden muss. Es ist also höchste Konzentration gefordert während der sonst ziemlich eintönigen Arbeit.
Die nächste Strasse ist die Buddha-Statuen-Strasse. Am Strassenrand stehen viele Marmorblöcke in den verschiedenen Stadien der Herstellung. Zuerst wird mit Hammer und Meissel die grobe Form der Buddha-Statue gehauen.
Dann werden mit elektrischen Hilfsmitteln die Konturen verfeinert und dem Buddha wird ein Gesicht verpasst.
Am Schluss werden dann die letzten Feinheiten ausgearbeitet und die Konturen werden weiter verfeinert und poliert.
Den letzten Betrieb, den wir uns anschauen hat sich auf die Herstellung von Schirmen spezialisiert. Hier können wir den gesamten Herstellungsprozess eines Sonnenschirms verfolgen. Als Grundmaterialien dienen Bambus, Papier und Schnur. Das Papier wird selbst hergestellt und aus Bambus wird das gesamte Gerüst der Schirme gefertigt. Es wird kein Metall oder andere Hilfsmittel verwendet. Selbst die Feder des Schliessmechanismus wird aus Bambus hergestellt. Wenn das Papier auf das Bambusgerüst aufgespannt ist, wird der Schirm noch bemalt und imprägniert und somit sind die Schirme auch wasserdicht.
Zum Abschluss des Tages machen wir uns auf zur Besteigung des Hausberges. Vom Gipfel des 236 m hohen Mandalay Hill haben wir eine herrliche Rundumsicht über die Ebene von Mandalay, den Fluss Ayeyarwady und die entfernten Hügel. Der Aufstieg über die rund 1'000 Stufen haben sich als Ausklang des Tages sehr gelohnt.
Am zweiten Tag in Mandalay machen wir uns auf die zu den alten Königsstädten und anderen Sehenswürdigkeiten. Auf der Hinfahrt fahren wir über die Inwa Brücke die im Jahre 1934 von den Briten errichtet wurde. Bis zur Einweihung der Brücke in Pyay im Jahre 1998 war es die einzige Brücke überhaupt die über den Ayeyarwady führte. Sämtliche Transportmittel werden hier natürlich voll ausgenutzt. Auf einem Kleinlaster werden nicht nur Waren sondern auch Menschen transportiert. Wenn kein Platz mehr auf dem Dach oder der Ladefläche ist hängt man sich einfach irgendwo an die Seite.
Das erste Ziel sind die Hügel von Sagaing. In der Umgebung von Sagaing gibt es hunderte von Klöstern und Meditationszentren und es sollen mehr als 5'000 Mönche und 3'000 Nonnen hier leben. Vom Haupthügel haben wir eine herrliche Aussicht auf die Ebene und die umliegenden Hügel die übersät sind mit Pagoden.
Auf dem heiligen Berg gibt es natürlich auch eine Tempelanlage. Mit den farbenfrohen Bodenplatten wirkt die Anlage sehr fröhlich und schon fast ein bisschen kitschig.
Den nächsten Stopp legen wir bei der alten Königsstadt
Inwa ein. Keine andere Königsstadt Burmas stand so lange im Mittelpunkt wie
Inwa. Nachdem das Bagan-Reich Ende des 13. Jahrhunderts zusammenbrach, verlagerte
sich das Machtzentrum nach Inwa und wurde erst rund 400 Jahre später im Jahre
1841 durch Amarapura abgelöst.
Um zu den Ruinen zu gelangen, müssen wir zuerst mit einer Fähre über den Ayeyarwady. Auf der anderen Flussseite setzen wir uns in eine Pferdekutsche, das einzige Nahverkehrsmittel das es hier gibt. Die Strassen sind durch den Regen in sehr schlechtem Zustand und mit tiefen Schlammlöchern übersät. Somit wird unsere Fahrt recht holprig.
Inmitten der ehemaligen königlichen Reisfelder liegt das Bagaya Kloster. Dieses Kloster wurde 1834 aus dunklem Teakholz erbaut und blieb von Naturkatastrophen und anderen Eingriffen verschont. Da es dadurch einen sehr authentischen Eindruck vermittelt, zählt es zu den schönsten von ganz Burma. Es ist erstaunlich wie gut die Holzschnitzereien erhalten geblieben sind.
Die Aussicht in die ehemaligen königlichen Reisfelder ist zusammen mit den Palmen und Ruinen sehr malerisch.
Ganz in der Nähe entdecken wir noch einen Buddha, der einst in einer Halle stand. Heute sitzt er im Freien und ist den Naturgewalten ausgeliefert.
Im Gebüsch entdecken wir diese Eidechse deren Körper leuchtend Blau ist.
Das einzige Überbleibsel der Palastanlage ist der Wachturm aus dem Jahre 1822. Mittlerweile ist der Turm ganz schön schräg und erinnert uns fast schon an Pisa. Leider beginnt es nun auch noch zu regnen und die schöne Aussicht die wir uns vom Turm erhofft haben fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.
Auf den Feldern wird trotz Regen mit Hochdruck weitergearbeitet. Schliesslich steht die Regenzeit, und somit die fruchtbare Zeit in der die Felder bestellt werden, bevor. Natürlich gibt es hier noch keine Traktoren, aber mit zwei Kühen und einem Pflug geht das auch.
Das Maha Aung Mye Bozan Kloster wurde im Jahre 1818 aus Stein erbaut und mit Stuckatur verziert worden, imitiert jedoch die traditionelle Holzarchitektur.
Im Innern ist lediglich der Boden aus Holz, der Rest ist aus Stein. Vor dem Regen sind die Räume ein willkommener Schutz und wir warten bis die heftigsten Schauer weiter ziehen.
Das letzte Ziel für heute ist die ehemalige Königsstadt Amarapura. Von der ehemaligen Palastanlage ist nur noch sehr wenig erhalten. Die grosse Attraktion in Amarapura ist die längste Teakholzbrücke der Welt. Die Brücke besteht aus über 1'000 Stämmen und überspannt mit 1.2 km Länge den Taungthaman-See. Erbaut wurde die Brücke zwischen 1849 und 1851 unter der Regentschaft von König Pagan.
Die U Bein Brücke wird von Fussgängern und Fahrradfahrern benutzt. Hier fährt gerade eine Gruppe Lehrerinnen (erkennbar an den grünen Röcken) vom einen zum andern Ufer.
Dieser Fischer hat sich wohl auf dem See verfahren und muss nun sein Boot wieder aus dem Grünzeug befreien.
Dieser Baum hat auch schon bessere Zeiten erlebt.
Am dritten Tag unseres Mandalay Aufenthaltes unternehmen wir noch einen Bootsausflug auf dem Ayeyarwady. Im Hafen herrscht reges Treiben und es werden Boote be- und entladen..
$
Inmitten des Getümmels bietet ein Händler seine Luftballone zum Kauf an.
Auf dem Boot können wir relaxen und von unseren bequemen Stühlen aus die vorbeiziehende Landschaft geniessen. Das Ufer des Flusses ist gesäumt mit Dörfern, die aus einfachen Palmblätterhäusern bestehen.
Auch auf dem Fluss herrscht reger Verkehr. Die Fischer nutzen den kräftigen Wind und lassen sich mit der Hilfe des Windes in ihren Segeln flussaufwärts ziehen.
Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Ortschaft Mingun. Schon von weitem können wir die Ruine der riesigen Mingun Pagode sehen. Die Mingun Pagode sollte einst die gewaltigste Pagode aller Zeiten werden. Heute ist diese Pagode mit einer Seitenlänge von 72 m und einer Höhe von 50 m immerhin noch der grösste Ziegelsteinhaufen der Welt. Im Jahre 1790 begann König Bodawpaya mit dem Bau des Stupa. Er sollte 152 m hoch werden, wurde aber nach dem Tode des Königs im Jahre 1819 nie vollendet.
Im Jahre 1838 wurde das Bauwerk zudem durch ein Erdbeben stark beschädigt und riesige Risse durchziehen seither den Stupa. Trotzt der starken Beschädigung scheint das Bauwerk noch stabil genug zu sein und wir machen uns an den Aufstieg.
Durch die riesigen Türstürze kann man in einen kleinen Innenraum der Stupa gelangen.
Von der 50 m hohen Plattform haben wir eine herrliche Aussicht über den vorbeiziehenden Ayeyarwady und die Felder rund um den Ort Mingun.
Auf dem Rückweg zum Boot machen wir noch Halt für eine kurzes Mittagessen und einen Tee. Die Toiletten in Burma sind immer wieder abenteuerlich und diese hier verdient sogar einen Platz in unserem Reisebericht.
Bitte Platz nehmen.
Am Strassenrand stehen Taxis bereit und warten auf Kundschaft. Wir laufen lieber, das geht schneller und rüttelt weniger.
Zurück auf dem Boot hat sich der Wind in einen regelrechten Sturm verwandelt. Uns erscheint der Ayeyarwady fast wie das offene Meer mit dem hohem Wellengang und dem starken Wind. Zum Glück haben wir einen erfahrenen Kapitän und ein stabiles Boot.
Am Pier werden wir bereits von unserem Mazda Fahrer erwartet. Auf dem Rückweg begegnen wir noch diesem alten chinesischen Laster mit frischen Kokosnüssen.
Dieser uralte Bus, dessen Aufbau noch aus Holz gefertigt ist, wird in Burma oft für kürzere Strecken eingesetzt.
Zu guter Letzt beginnt es dann noch zu regnen. Wir sind froh, dass wir bald zurück im Guesthouse sind, denn wasserdicht sind die alten Mazda Pickups nicht. Aber immerhin sind wir noch besser dran als diese Motorradfahrer.
Unter Mit dem Zug und der Pferdekutsche nach Hsipaw findest du den nächsten Reisebericht.
wir auf Reisen seit 2011 Unsere anderen Webseiten
Swiss Nomads Reise-Blog mit Schwerpunkt auf Abenteuer, Outdoor und Tauchen.
Weltreiseinfo Infoseite für Menschen, die sich für das Reisen und Leben im Ausland interessieren.Unsere Reiseversicherung
seit 2013