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Nach der Kantonstrennung von 1833 wurde Liestal Hauptort des jungen Kantons, was ihm seine Zentrumsfunktion verlieh. Seit jeher an verkehrsgünstiger Lage gelegen, hat sich Liestal von einem Handwerks- über ein Industrie- zu einem Dienstleistungszentrum gewandelt. Liestal besitzt Bahn- und Autobahnanschlüsse, Waffenplatz, diverse Schulen, den Regierungssitz, die meisten kantonalen Ämter und Gerichte, ein Kantonsspital, als grösste Gemeinde im Kanton 1052 Hektaren Wald, aber lediglich 13 800 Einwohner.
Die Stadt im Ergolztal
Neben der alten Bischofsstadt Basel kam es in der Region im 13. Jh. zur Gründung weiterer Städte. Kurz vor 1250 erhielten Liestal und Waldenburg das Stadtrecht, 1295 folgte Laufen. Stadtrechte wurden von der Obrigkeit, wie zum Beispiel vom Bischof, meist auf Druck der Bürger verliehen und gewährten den Städten gewisse Rechte wie Gerichtsbarkeit oder Marktrecht eigenständig wahrzunehmen. In Liestal wurde der offene Markt beim Altmarkt rund einen Kilometer nach Norden verlegt, wo sich seit spätrömischer Zeit Gebäude befanden und seit dem 7./8. Jh. auch die Kirche zu St. Martin bestand. Die Stadt wurde mit einem Mauerring und Türmen befestigt und mit zwei Stadttoren versehen. Das Stadtzentrum lag auf einem Terrassensporn und beherrschte mit seiner Lage den Zugang zu beiden Hauensteinpässen. Die Stadt Liestal besass nun Kornhaus, Markt, Zoll und Gericht.
Liestal am See
Zu Beginn der Neuzeit um 1500 war Liestal eine Kleinstadt mit weniger als 2000 Einwohnern. Das Umland war stark von Landwirtschaft geprägt und Reben, Obstbäume und Matten zierten das Landschaftsbild. Dazu kamen auch einzelne Gebäudegruppen und Gartenanlagen ausserhalb des Mauerringes. 1510 sind bereits zwei grössere Weiheranlagen erwähnt, die unmittelbar westlich der Stadt lagen. Sie wurden künstlich angelegt, dienten der Obrigkeit als Fischweiher und befriedigten daneben das Schutzbedürfnis der Wehranlagen. Man setzte Karpfen und Forellen aus, die dann durch Ablassen der Weiher wieder ausgefischt wurden. Die beiden Gewässer (Weyer und See genannt) hatten eine stattliche Grösse von rund 40 und 60 Aaren und boten sowohl Wasser-
und Sumpfpflanzen wie auch Tieren der Stehgewässer
einen Lebensraum. Im 18. Jh. verschwand diese Weiheranlage wieder, da die flachen Talsohlen für Mattland besser genutzt werden konnten. Jedenfalls sind auf den Zeichnungen von Emanuel Büchel um 1750 keine Weiheranlagen mehr zu sehen.
Vom Handwerk ...
In Liestal entwickelte sich im 16. und 17. Jh. ein reiches Handwerksleben und die Handwerker schlossen sich in Landzünften zusammen. Diese standen des Öfteren in Konkurrenz und Streitigkeiten zu den Handwerkszünften der Stadt Basel, die seit dem Mittelalter eine Zunftstadt war. Zünfte hatten neben der Ausbildung von Junghandwerkern und der Qualitätssicherung mittels Standards immer auch den Zweck der Einkommenssicherung der Zünftigen durch Abwehr unbeliebter Konkurrenz. Im Gstadeck, zwischen dem Städtchen Liestal und der Ergolz, entstand eine Vorstadt, in der sich vorwiegend Gewerbetreibende ansiedelten. Die Bewohner der Stadt und Vorstädte hatten meist noch ein Standbein in der Landwirtschaft und pflanzten Obst, Kräuter und Gemüse in unmittelbarer Nähe ihrer Häuser und hielten dort auch ihr Geflügel.
... zur Industrie
Liestal war ein Zentrum des Handwerks, hingegen erlangte die Posamenterei hier nie die Bedeutung wie in den Seitentälern des Oberbaselbietes. Handwerkszentren waren aber prädestiniert für die frühe Ansiedlung von Industrie. Zwei Kilometer flussabwärts von Liestal waren im Niederschönthal schon im 17. Jh. frühindustrielle Drahtzüge und Hammerschmieden zu finden. Im Schönthal war auch der Kristallisationspunkt für die industrielle Revolution im Ergolztal, als 1822 die Textilbranche mit einer Baumwollspinnerei Fuss fasste. Trotz der Trennungswirren, die anfangs weitere Investitionen in der Textilbranche im Baselbiet verzögerten, wurde Liestal in der Mitte des 19. Jh. zum regionalen Industriezentrum mit mehreren Textilfabriken.
Die Eisenbahn mit der Bahnlinie Basel – Sissach – Olten hatte einen wichtigen Anteil an der industriellen Entwicklung. Obwohl auch andere Produktionsstätten dazu kamen, blieb die Textilbranche für Liestal die unangefochtene Nummer Eins. 1878 waren knapp 90% aller Industriearbeiter in Textilfabriken beschäftigt und Namen wie Hanro und Schild AG sind bis heute ein Begriff. Erst in den 1970er-Jahren machten der starke Franken, hohe Löhne und Exportzölle Produktionsverlagerungen ins Ausland und Schliessungen nötig. Die Produktionshallen der Textilfabriken waren grossflächig und begannen dadurch das Landschaftsbild um Liestal zu prägen. Ein grosser Industriestandort entwickelte sich mit dem Schild-Areal zwischen dem Schönthal und dem eigentlichen Ortskern von Liestal. Weiter entstanden Fabrikareale im Oristal (z.B. Tuchfabrik Spinnler) und im Benzbur an der Frenke (Hanro). Heute ist um Liestal eine Art Patchwork aus Wohnbauten und Industriebauten entstanden, das den Talboden vereinnahmt.
Ein Schutzwald am Schleifenberg
Liestal ist eine waldreiche Gemeinde. Als grösste Gemeinde des Kantons Baselland ist sie zu fast zwei Dritteln mit Wald bedeckt. Die beiden grössten zusammenhängenden Waldgebiete befinden sich einerseits zwischen dem Oristal und dem Röserntal, wobei die Sichteren eine grosse Waldlichtung bildet. Andererseits ist das Gebiet zwischen Elbis und Grammet mehrheitlich bewaldet und schliesst die beiden ehemaligen Abfalldeponien Elbisgraben und Lindenstock mit ein. In diesem Gebiet befindet sich auch das besonders steile Waldstück am Schleifenberg.
Diese südexponierte Hangflanke rechtsufrig der Ergolz war über Jahrhunderten im oberen Bereich mit Wald bestockt und an der Hangbasis mit Reben bewachsen. Im 20. Jh. verschwanden die Reben allmählich und die besonnte Hanglage wurde zur guten Wohnlage. Die Siedlung dehnte sich bis an den Waldrand aus und zog sich im Laufe der Zeit entlang der Arisdörferstrasse in die Höhe. Da sich dieses Gebiet in einer unruhigen Rutschzone befindet, kommt dem Waldstück am Steilhang eine wichtige Schutzfunktion gegen Steinschlag und Erdrutsch zu. Die Pflege des Schutzwaldes wurde durch die Ausdehnung der Siedlung erschwert, was zu einer Überalterung des Waldes führte. In den 1990er-Jahren musste der Schutzwald oberhalb Liestals bester Wohnlage durch Verjüngung kostspielig saniert werden.
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