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John Lennon und Paul McCartney erzählen im selben Wortlaut die Motivation für das Verfassen ihrer Weihnachtslieder: einen Song zu schreiben, der jedes Jahr neben Bing Crosbys «White Christmas» im Radio gespielt würde. Johns «Happy Xmas (War Is Over)» erschien 1971. Es war Lennons erfolgreichstes Jahr nach dem Ende der Beatles, in dem er das Album «Imagine» veröffentlichte. Die Single, die von John & Yoko, The Plastic Ono Band und dem Harlem Community Choir veröffentlicht wurde, war als Protestsong gegen den Vietnamkrieg gedacht. Sie erreichte in England Platz 4 und nach John Lennons Ermordung Platz 2.
Begleitet wurde die Veröffentlichung mit einer Plakatkampagne in über 20 Städten weltweit, worauf «War is over if you want it. Merry Xmas from John & Yoko» gedruckt war. Ein erster Videoclip war 1993 produziert worden und 2003 neu geschnitten und mit Bildern von 9/11 und den amerikanischen Kriegen im Irak und Afghanistan, welche die ursprünglichen Bilder vom Vietnamkrieg ergänzten, wiederveröffentlicht wurde. John Lennon war an kommerziellen Dingen nicht interessiert, deshalb wirken diese so genannten offiziellen Videoclips, welche Yoko Ono – ihr Friedensengagement in Ehren – posthum veröffentlichte, reichlich deplatziert.
Entgegen seinem Image als harter Rocker, ist Lennons «Happy Xmas (War Is Over)» einer der kitschigsten Songs, die er veröffentlicht hat. Wohl deswegen wurde er zu einem Klassiker der Weihnachtslieder. Paul hingegen schrieb einen seiner gewöhnungsbedüftigsten Songs, dem jeglicher Sinn von Kitsch fehlt. Nur den Videoclip, der im Veröffentlichungsjahr 1979 gedreht worden war, enthält etwas leuchtende weihnächtliche Lametta erhält.
Der doppelte Paul. Screenshot aus dem Video von «Wonderful Christmastime». De Song stammt aus den Sessions zum Album «McCartney 2», das ein paar Monate später erschen.
«Wonderful Christmastime» beginnt mit zwei auf dem Synthesizer gespielten Akkorden, bevor er sein Intro mit synthetisiertem Klavierintro erhält und Paul mit seinem Gesang einsetzt. Ergänzt wird er Song durch einen Kinderchor, der so echt ist wie das Synthezsizer Klavier, und endet mit einem echten Gitarrensolo. Aufgenommen hat McCartney den Song im Juli 1979 im Rude Studio in seiner Farm in Schottland. Er experimentierte damals mit einem Synthesizer herum. Eine Auswahl aus den total 20 Songs, die McCartney damals veröffentlicht hatte, erschien im Sommer 1980 auf dem Album «McCartney 2».
Zu «Wonderful Christmastime» drehte McCartney einen Videoclip, in welchem die Wings in ihrer letzten Besetzung mit Laurence Juber an der Gitarre und Steve Holly an den Drums auftraten. Es war das Line-up, welches das 79er-Album «Back To The Egg» eingespielt hatte. Die Handlung des Videos zeigt eine Weihnachtsfeier in einem ländlichen Pub in England.
der (fast) unbekannte Violinist
Auf der B-Seite verwendete McCartney eine Instrumentalversion des Klassikers «Rudolph The Red Noses Reinder». Eingespielt wurde der Song auf Cembalo und einer Violine 1975 in den Abbey Road Studios und als «Rudolph The Red Nosed Reggae» veröffentlicht. Als Paul den Song im Studio aufnehmen wollte, lieferte ein unbekannter Herr eine Violine ab, der Empfänger war aber nicht anwesend. McCartney fragte den Lieferanten, ob er Lust hätte, die Geige auf der Aufnahme zu spielen. Dieser erklärte sich einverstanden, fiedelte den Weihnachtsklassiker und, nachdem er seine ordentliche Bezahlung erhalten hatte, verabschiedete er sich, ohne dass sich jemand den Namen des Musikers notiert hätte. Unvorstellbar an der Geschichte ist, dass sich Paul den Empfang des Geldes nicht quittieren liess. Hatte offensichtlich doch, denn 1992 enthüllte er im Club Sandwich, dem Fan Club Magazin, dass der unbekannte Violinist Bob Loveday hiess. Soweit sogut. Gesehen wurde Mr. Loveday seither aber von niemandem mehr.
Für die Weihnachtsausgabe 1978 seines Fanclub Magazines Club Sandwich posierten die Wings als Samichläuse. Es war die letzte Wingsbesetzung mit Laurence Juber, Denny Laine, Paul, Steve Holley und Linda McCartney.
John Lennon und Paul McCartney folgten mit ihren Weihnachtssingles der Tradition der Beatles, die für ihre Fanclub Mitglieder von 1963–1969 spezielle Weihnachtsgrüsse auf Flexidiscs zukommen liessen. Diese Weihnachtssingles gehören zu den selten Sammlerstücken der Fab Four.
umstrittener Millionenseller
Es gibt kaum einen zweiten Song in Pauls Katalog, der die Meinungen ähnlich zweiteilt wie «Wonderful Christmastime». Der Text wird oft als zu simpel kritisiert und auch die Melodie wird oft als eine der schwächsten von McCartney bezeichnet. 2005 wählte die Toronto City News «Wonderful Christmastime» zum schlechtesten Weihnachtslied aller Zeiten. Nichts desto Trotz führt Wikipedia 20 Coverversionen auf. Schätzungen des Forbes Magazine aus dem Jahre 2010 gehen davon aus, dass McCartney pro Jahr 450 000 Dollar alleine von den Lizenzgebühren sowie den Tantiemen aus Radio und Fernsehen einnimmt. Gemäss dieser Schätzung hatte McCartney 2010 alleine mit «Wonderful Christmastime» 15 Millionen Dollar verdient.
Rezeption
«Wonderfull Christmastime» erreichte in England Platz 6 und erhielt eine silberne Schallplatte. Die Single konnte sich 1979 nicht in den amerikanischen Billboard Charts klassieren. Erst 1984, als das Billboard spezielle Weihnachtscharts führte, erreichte die Single Platz 10. 1996 erreichte der Song in der Rubrik Billboards Hot Adult Contemporary Tracks Nummer 29. In Belgien gab es eine Nummer 7, in Schweden 13, in Holland 16 und Belgien erreichte die Single Platz 28. In der Schweiz konnte sich der Song nicht klassieren. Kriegt aber noch in den Zehnerjahren häufig Airplay.
«Wonderful Christmastime» und «Rudolph The Red Nosed Reggae» wurden 1987 auf der CD-Veröffentlichung von «Back To The Egg» als Bonus Tracks aufgeführt. «Wonderful Christmastime» erschien 2011 historisch korrekt auf der Bonus CD der Wiederveröffentlichung von «McCartney 2» im Rahmen der Archive Collection. Wer sich die Deluxe Edition kaufte, fand auf der 3 CD die ungeschnittene Originalversion und auf der Bonus DVD den digital restaurierten Videoclip. Dieser war bereits 2007 in der Video-Compilation «The McCartney Years» erschienen.
Auf der Englandtour im Herbst 1979 spielten die Wings «Wonderful Christmastime» live. Laurence Juber, Paul und und Denny Laine (vlinr).

Tracklist:
Wonderful Christmastime
Rudolph The Red-Nosed Reggae
Die Vorder- und Rückseite unterscheiden optisch im Austausch der Komplementärfarben rot und grün.