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Flysch des
Klönthals eintaucht und deren den Bergrücken bildende Schichten nur wenig geneigt sind, was die Entstehung von
Karrenfeldern, Erosionstrichtern, Schächten und Hohlräumen aller Art besonders begünstigt. Mit Ausnahme einiger kleiner
Wasserbecken und sehr seltener schwacher Quellen entbehrt das ganze Gebiet auch der Oberflächenwasser, so dass man für
die Bedürfnisse von Menschen und Vieh oft auf Regenwasser angewiesen ist. In den Höhlungen der Silbern
sammelt sich das
Wasser, das im sog. Schleichenden
Brunnen bei
Muotathal zutage tritt und die grosse Hölllochhöhle ausgewaschen
hat. Die geologische Struktur der Silbern erscheint durch eine bedeutende Faltenverwerfung und viele die Kalkdecke durchsetzende
kleinere Verwerfungen noch verwickelter. Das Auftreten von Neokomkalken auf der obern Kreide der Silbern
zeigt uns das einstige Vorhandensein einer noch höhern Ueberfaltungsdecke, d. h. derjenigen der Zone
Säntis-Churfirsten-Ochsenstock.
Vergl. den Abschnitt «Geologie» im Art. Schwyz
(Kanton).
1942 m. Kleiner
See auf der
Silbernalp, 13 km sw. Glarus
in deren s. Abschnitt am N.-Fuss
des Kratzerengrates gelegen und rings von Sturzschutt aus hellgrauem Valangienkalk umrahmt, der vom Kratzerengrat
niedergebrochen ist.
Besteht aus Schrattenkalk.
A.
Escher von der
Linth sagt, dass die weissen, scheinbar unerklimmbaren Seitenwände
der Silberplatte eines der grossartigsten
Bilder im ganzen Gebirge bieten. In der Tat kann man den Berg
mit den aus der Ferne dem Firnschnee ähnlichen
Wänden bei günstiger Beleuchtung bis über den
Bodensee hinaus von seinen
an Grösse ebenbürtigen Nachbarn unterscheiden. In neuerer Zeit bildet er einen Anziehungspunkt für Liebhaber des Alpensports.
Besteht aus violett-rotem Verrucanoschiefer, der auf rotem Verrucanokonglomerat ruht.
Dieser Verrucano enthält ein
Lager
von silberhaltigen Kupfererzen, die einst am
N.-Hang des Silberspitz, namentlich unterhalb der Terrasse der kleinen Alp Tschermannen,
abgebaut worden sind. (Vergl. den Art.
Mürtschenalp).
Der Gipfel kann von der
Mürtschenalp aus in 1½
Stunden ohne Schwierigkeit bestiegen werden, wird jedoch selten besucht.
(Kt. St. Gallen,
Bez. Ober
Toggenburg und Sargans).
2268 m. So nennt die Siegfriedkarte einen Gipfel untergeordneteren Banges in
der Kette der
Churfirsten, s. vom
Frümsel. Wahrscheinlich von einem Gemsjäger aufgebrachte Bezeichnung, die den Bewohnern
der umliegenden Thalschaften nicht bekannt ist.
(Kt. Uri).
548 m. Gem. und Pfarrdorf, am sanft ansteigenden rechten Ufer der
Reuss und am W.-Fuss
der Kleinen
Windgälle; 10,5 km s.
Altorf und 1,2 km n. der Station Silenen der Gotthardbahn. Postablage, Telegraph, Telephon.
Gemeinde, mit Amstäg (Station der Gotthardbahn),
Buchholz,
Dägerlohn,
Evibach, Frentscherberg, dem
Maderanerthal (mit
Bristen
und
Golzeren),
Ried,
Rüssli und
Schützen: 300
Häuser, 1892 kathol. Ew.; Dorf: 11
Häuser, 73 Ew. Die Gemeinde
umfasst eine Reihe von ungleich bedeutenden Weilern, wie diejenigen an der Gotthardstrasse, die Gruppe um die Pfarrkirche
und um die Bahnstation etc. Land- und Alpwirtschaft, Viehzucht.
Die Gegend ist reich an prächtigen
Nussbäumen. Vor dem Bau der Gotthardbahn befand sich in Silenen eine
dem beträchtlichen Warenverkehr dienende weitläufige
Sust, die jetzt in Trümmern liegt. 857 verlieh König Ludwig der Deutsche
die dem h.
Albin geweihte
Kapelle von Silana dem von ihm eben gegründeten Stift zum Fraumünster in Zürich.
Die jetzige Kirche datiert
aus 1754. An der Gotthardstrasse steht nahe der Station die in neuerer Zeit restaurierte Ruine des
Turmes
der einstigen Edlen von Silenen, an welche eine Gedenktafel erinnert.
Die von Silenen waren Ritter und Dienstleute (Meyer) der Aebtissin vom Fraumünster zu Zürich
und bildeten ein mächtiges und angesehenes
Geschlecht, das sich in Seitenzweigen auch in Luzern
und im Wallis
niedergelassen hatte. Stephan,
Herr zu Silenen, blutete
in der Schlacht von
Sempach für die
Freiheit; Jost von Silenen stieg zum
Bischof von Grenoble und
Sitten und zum Präsidenten
des Dauphiné empor;
Albin von Silenen, einer der Anführer in der Schlacht bei
Murten, war als Krieger und Staatsmann sehr
geachtet. Ihnen folgten im Besitze der Burg die
Troger; die sich
Troger von Silenen nannten
¶
mehr
und dem Staat und der Kirche manchen trefflichen Mann lieferten. Die aus dem Jahr 857 datierende Pfarrei Silenen ist mit
derjenigen von Bürglen die älteste im Urnerland. 1904 lösten sich von ihr die bisherigen Filialen Amstäg, Bristen und Gurtnellen
als eigene Kirchgemeinden ab. Eine der Glocken trägt die Jahreszahl 1394. Die Deutung des Namens bleibt
unsicher, dürfte sich aber vielleicht auf das romanische Siglia, Zilla, Silla, deutsch Zeige, zurückführen lassen. 857 und
952: Silana; 1275: Silennon; 1360: Silinon.
368 Ew. deutscher, 220 italienischer und 32 romanischer Zunge.
Reformierte Pfarrei;
die Katholiken gehören zur Pfarrei Thusis. Wiesenbau und Viehzucht. Eine an der Albula stehende Baumwollweberei steht seit
etwa 10 Jahren nicht mehr in Betrieb. 500 m nw. des reichen und in fruchtbarer Gegend liegenden Dorfes Sils
erhebt sich das Schloss Baldenstein; s. vom Dorf auf einem steilen Hang die Burgruine Ehrenfels und 1 km ö. vom Dorf die malerische
Burgruine Campi, die angebliche Wiege der Campell, von Salis und von Donat. Oberhalb des Dorfes schöne Aussicht auf das Domleschg
und seine Berge.
Die unweit Sils von links in den Hinterrhein mündende Nolla hat schon zu wiederholten Malen durch Abreissen
und Ueberschüttung von fruchtbarem Erdreich viel Schaden angerichtet und auch das Dorf selbst bedroht. Solche Ausbrüche
des ehemals so bösen Wildbaches erfolgten z. B. 1585, 1705, 1706, 1711, 1719, 1807, 1834, 1868, 1869 und 1870. Man hofft,
dass die umfangreichen Korrektionsarbeiten dauernd Abhilfe schaffen werden. Das Dorf ist auch mehrfach,
so noch 1887, ein Raub der Flammen geworden. Bei und unter der Burgruine von Hohen Rätien hat man zahlreiche Bronzegegenstände,
römische Münzen und einen Mühlstein, sowie an der Schynstrasse vergoldete Kupfertafeln mit Heiligenbildern in getriebener
Arbeit gefunden, welch letztere wohl aus der Karolingerzeit stammen dürften. Prof. Muoth leitet den
Namen Sils vom romanischen Siglia, deutsch Zeige her.
(Kt. Graubünden,
Bez. Maloja).
1800 m. Oberster und grösster See des Ober Engadin. 444 km2 Fläche; 5 km lang,
bis 900 m breit und bis 71 m tief. Am obern Ende stösst der Silsersee unmittelbar an die nur wenig ansteigende, erst noch
ebene, dann aber wellige Hochfläche des Maloja, wo der grossartige Bau des Kursaales Maloja mit seinen
Garten- und Parkanlagen, sowie einige kleine Hüttengruppen und der bewaldete Rücken einen prächtigen Abschluss bilden. Am
untern Ende breitet sich zwischen dem Silser- und dem Silvaplanersee die Alluvialebene von Sils aus. Doch ragt von dieser her
eine etwa 700 m lange und 100-300 m breite, hügelige und bewaldete Halbinsel in den See hinein, die nicht
alluvialen Ursprungs ist, sondern eine bis 38 m über den Seespiegel aufragende Felsklippe bildet. Sie ist mit hübschen Spazierwegen
versehen und zu oberst mit einer Burgruine gekrönt. Rechts und links wird der See von hohen Bergwänden eingeschlossen, rechts
von Ausläufern der w. Berninagruppe, links von der Gruppe des Piz Lagrev. Die schönste Berggestalt,
die sich mit vielen andern im See spiegelt, ist der stolze Piz della Margna, der sich hoch und mächtig über dem S.-Ufer erhebt.
Die rechte Bergseite trägt längs dem See einen Waldgürtel und wird von einem hübschen Fussweg von Maloja nach
Sils Maria begleitet. In der Mitte dieser Strecke öffnet sich bei Isola durch eine enge Kluft das Val Fedoz, dessen Bach ein
breites und stetsfort anwachsendes Delta in den See hinaus gebaut hat. Gegenwärtig fliesst der Fedozbach vielarmig zerteilt
längs dem rechtsseitigen Rand dieses Deltas. Ganz anders ist das linke Seeufer beschaffen. Es zieht
sich parallel der anliegenden Bergkette hin und bildet eine Längsküste, während die rechte Seite als Querküste bezeichnet
werden kann, da sie die dort herantretenden Bergzüge quer abschneidet. Und statt des flachen Deltas der rechten Seite finden
wir links einen spitz in den See vorspringenden Felssporn, den Crap da Chüern. Delta und Felssporn schnüren
den See in der Mitte bis auf etwa ⅓ km ein. Bei weiterm Fortschreiten des Deltas muss der See mit der Zeit
in zwei getrennte
Becken zerfallen, ähnlich wie dies beim Silvaplaner-Campfèrersee jetzt schon der Fall ist. Gegenwärtig freilich geht die
Deltabildung nicht in der Richtung gegen den Crap da Chüern weiter, sondern mehr nach NO., wo auch schon
zwei kleine Flachinselchen aus Schwemmland sich gebildet haben. Es wird also zunächst die nö. Bucht des Sees, wenigstens
teilweise, zugeschüttet werden und erst später einmal das Delta wieder gegen den Crap da Chüern vordringen
und die Teilung des Sees vollenden. Im Gegensatz zu dem steilen S.-Ufer steigt das N.-Ufer in sanfteren Terrassen an, die
bis unter die wieder steilere Gipfelregion in Alpweiden gekleidet sind und an ihren gerundeten Flächen die Spuren einstiger
Gletscherbedeckung erkennen lassen. Unten längs dem See zieht sich die Poststrasse dahin. Ueber die Entstehung
dieses Sees und der Engadinerseen überhaupt vergl. die Art. Graubünden,
Inn und St. Moritzersee.
(Kt. Graubünden,
Bez. Inn).
1794 m. Zweitoberster und zweitgrösster der Engadinerseen (2,65 km2 Fläche und 77 m tief),
am obern und untern Ende von Alluvialebenen, sowie rechts und links von Bergwänden eingeschlossen, die einerseits zum Piz Corvatsch
und zur Fuorcla Surlej, andrerseits zum PizPolaschin ansteigen. Einst bildeten der Silser-, Silvaplaner-
und Campfèrersee ein einziges zusammenhängendes Seebecken, das von Maloja bis Campfèr reichte, dann aber durch Deltabildungen
der Zuflüsse zerteilt und auf die heutigen Reste eingeschränkt wurde.
Noch ist der Zusammenhang des Silvaplaner- und Campfèrersees nicht völlig erloschen. Sie haben gleiche
Spiegelhöhe und hängen durch eine, allerdings fast flussartig schmale Seeenge zusammen, über welche eine Brücke von Silvaplana
nach Surlej führt. Zwei grosse, einander entgegenwachsende Deltas, das eine vom Julierbach, das andere vom Surlejbach gebildet,
haben den See hier so stark eingeengt und in zwei fast völlig getrennte Teile zerlegt. Auf dem sanft
ansteigenden wiesengrünen Delta der linken Seite breitet sich das Dorf Silvaplana aus, dessen Namen andeutet, dass die jetzige
Wiesenfläche einst bewaldet war.
Das gegenüberliegende Surlej ist ein verlassenes, fast ganz in Ruinen zerfallenes Dörfchen, in dem nur noch einzelne Ställe
und Heugaden benutzt werden. Die beiden Bergseiten des Sees sind ähnlich beschaffen wie beim Silsersee,
doch eher etwas steiler und weiter hinauf bewaldet. Auch hier führt längs der linken Seite die Poststrasse, längs der rechten
Seite ein hübscher Waldweg, von dem weitere Wege nach der Alp la Motta und gegen die Fuorcla Surlej abzweigen. Betr.
die Entstehung des Silvaplanersees, die durchaus derjenigen des Silsersees entspricht, vergl. die Art. Graubünden,
Inn und St. Moritzersee.
(Kt. Graubünden,
Bez. Ober Landquart). 3013-2448 m. Unstreitig schönster und besuchtester Gletscher
der Silvrettagruppe. Als mächtiger Eisstrom flutet er, meist mit glänzendem Firnkleid bedeckt, vom Silvrettapass herunter.
Im ganzen von sanftem Charakter, ist er im Vergleich mit vielen andern Gletschern ähnlicher Grösse wenig zerschrundet,
so dass man im Winter schon Schlittenpartien auf ihm unternommen hat, die in sausender Fahrt von der Höhe
des Silvrettapasses bis unter die Rotfurka führten.
Gleichwohl fehlt es ihm stellenweise nicht an weitklaffenden Spalten, und besonders sein sw. Ende weist ein prächtiges Seracsgebiet
auf, wo die Eismassen in wildem Aufruhr vielfach gebrochen und geborsten gegen das tief unten liegende Verstanklathal abstürzen.
Sie bilden damit einen typischen, vielbewunderten Gletschersturz mit mannigfaltig gestalteten Tafeln,
Türmen und Pyramiden von blauschimmerndem Eis und dazwischen eingerissenen Klüften. Grossartig ist die Gebirgsumrandung
des Silvrettagletschers mit den Steilwänden des Gletscherrückens und der Rotfluh im N., den drei Schneedomen des Silvretta-,
Eck- und Signalhorns und dem eisgepanzerten Gletscherkamm im O., der schlanken, kühn aufgetürmten Pyramide des
Verstanklahorns und dessen verkleinertem Abbild, der sog. Thorwache, sowie der hoch aufragenden Zinnenmauer der Verstanklaköpfe
im
S. Das ganze bildet ein Gebirgs- und Gletscherbild von wunderbarer Schönheit und Harmonie.
Kein Wunder, dass ein Spaziergang auf diesen Gletscher, zum nahen Gletschersturz, zum sanft gewölbten Schneerücken der Krämerköpfe
oder bis hinauf zum Firnplateau des Silvrettapasses, auch wenn keine Gipfelbesteigung beabsichtigt wird,
zur «promenade favorite» der Kurgäste von Klosters geworden ist und auch Gipfeltouren, die über diesen Gletscher führen,
mit Vorliebe gemacht werden. Der Piz Buin und das Silvrettahorn verdanken ihren Ruf und ihre Beliebtheit gewiss nicht nur ihrer
leichten Zugänglichkeit und ihren allerdings herrlichen Panoramen, sondern ganz wesentlich auch dem
Umstand, dass ihre Besteigung mit einer Wanderung über den Silvrettagletscher verbunden ist.
Bei Punkt 2812 m der Krämerköpfe, etwa 1½ Stunden von der Silvrettahütte entfernt, steht man so ziemlich
im Mittelpunkt des wundervollen, weiten Gletscherzirkus, den man von hier aus in allen Teilen und Einzelheiten überblickt:
s. in der Tiefe den in enger Mulde eingebetteten Verstanklagletscher mit seiner mächtigen S.-Wand, im N. den breitgelagerten
und höher liegenden Silvrettagletscher mit seinen nach O. immer mächtiger ansteigenden Wellen. Andere
günstige und vielbesuchte Uebersichtspunkte der beiden Zwillingsgletscher sind der Birchenzug (2428 m) und der Medjekopf (2481
m) in unmittelbarer Nähe der Silvrettahütte vor dem W.-Ende dieser prachtvollen Gletscherlandschaft.
(Kt. Graubünden,
Bez. Inn
und Ober Landquart). Die Silvrettagruppe umfasst die ganze Gebirgsmasse
zwischen dem Prätigau und Unter Engadin einerseits und der Arlberglinie andrerseits, sowie vom Rhein im W. bis Finstermünz
und Landeck im O. Als Grenze gegen die Albulagruppe nehmen wir hier den Flesspass an, den kürzesten Uebergang von Klosters
nach Süs. Schärfer ist die N.-Grenze, die als fast gerade Linie von Feldkirch über den Arlberg verläuft
und sowohl orographisch als geologisch eine ausgezeichnete Grenzlinie bildet, da sie tief eingeschnitten ist - der Arlberg
hat nur 1802 m Höhe - und die kristallinen Zentralalpen von den n. Kalkalpen trennt. Die
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mehr
Silvrettagruppe ist damit den Zentralalpen zugewiesen. Das ganze so umgrenzte Gebiet teilt man in vier Abschnitte, indem
man die Teilungslinien über das Schlappinerjoch im W., den Fimberpass im O. und das Zeinisjoch im N. zieht, wodurch der Rätikon,
die Samnaungruppe und die Ferwallgruppe vom Zentralstock der Silvrettagruppe im engern Sinn abgeschnitten
werden. Dieser Zentralstock, der also vom Schlappinerjoch und Flesspass bis zum Fimberpass und Zeinisjoch reicht, zeichnet sich
als solcher nicht nur durch seine Lage, sondern auch durch seine bedeutende Höhen- und Gletscherentwicklung, sowie durch
seine Gesteinsbeschaffenheit aus.
Wir zählen hier mehr als 50 Gipfel von je über 3000 m Höhe, darunter 2 mit über 3400 m (Piz Linard 3414 m und
Fluchthorn 3403 m) und 2 weitere mit über 3300 m (Piz Buin 3316 m und Verstanklahorn 3301 m), dann 12-15 Gipfel mit über 3200 m.
Dagegen hat die Samnaungruppe nur 10 Gipfel mit über 3000 m, wovon 2 auf über 3200 m und weitere 2 auf
über 3100 m kommen (Muttler 3298 m, Stammerspitz 3258 m, Piz Mondin 3147 m und Vesilspitz 3115 m). Die Ferwallgruppe hat noch 8 Gipfel
mit über 3000 m, darunter 4 mit über 3100 m, aber keinen mehr mit 3200 m. Der Rätikon endlich erreicht
trotz seiner imposanten Formen die 3000 m nicht mehr, da sein höchster Punkt, die Scesaplana, nur noch 2969 m hat. Nach der
Höhe erhalten wir also folgende Rangordnung der vier Gruppen: a) Zentralstock der Silvrettagruppe; b)
Samnaungruppe; c) Ferwallgruppe; d) Rätikon.
Ebenso stark wie in der Gipfelhöhe tritt der Vorrang der zentralen Silvrettagruppe über die drei Nebengruppen
in der Gletscherentwicklung hervor. Nach Ed. Richter hat die gesamte Silvrettagruppe eine Gletscherfläche von 116 km2,
wovon 92,8 km2 oder 4/5 auf die Zentralgruppe, aber nur 14,5 km2 auf die Ferwallgruppe, nur 4,5 km2 auf die Samnaungruppe
und nur 4,1 km2 auf den Rätikon kommen. Von den Quellen der Landquart bis gegen den Fimberpass finden
wir eine fast ununterbrochene Flucht von Eisfeldern, von denen manche auch einzeln genommen bedeutende Ausdehnung erreichen.
Die zwei grössten sind der Fermunt- oder Ochsenthalgletscher mit 8,8 km2 und der Jamthalferner mit 8 km2 Fläche.
Dann folgen der Silvrettagletscher mit 4,8 km2, der Plan Rai-Tiatschagletscher mit 4,6 km2, der Klosterthalgletscher
mit 4,36 km2 und der Verstanklagletscher mit 2 km2. Trotz der beträchtlichen Ausdehnung der Gletscher liegen doch ihre
untern Grenzen sehr hoch. Am tiefsten, nämlich bis auf 2200 m, gehen der Verstankla- und der Jamthalgletscher.
Die Firngrenze hat Richter für die Silvrettagruppe auf 2700-2750 m berechnet. Von den vier Teilen der
Silvrettagruppe im weitern Sinn schliessen sich drei - Rätikon, Zentralstock und Samnaungruppe - zu einem nach N. geöffneten
mächtigen Bogen zusammen, der das Gebirgsdreieck der Ferwallgruppe von zwei Seiten umfasst. Die Zentral- und die Ferwallgruppe
bestehen aus kristallinen Gesteinen und zwar besonders aus Gneis, Glimmerschiefern und Hornblendeschiefern, untergeordnet
auch aus Granit, die beiden Flügelgruppen des Rätikon und der SamnaunerBerge dagegen weit vorherrschend aus Schichtgesteinen
verschiedenen Alters vom Phyllit und Verrucano aufwärts bis zur Kreide und zum eozänen Schiefer.
Der Zentralstock bildet nach Theobald ein weites Gewölbe, wo die Gesteinsschichten in der n. Hälfte
nach N., in der s. nach S. fallen. Längs einer Mittellinie vom Weisshorn des Vereinathals über die Verstanklaköpfe und an
der S.-Seite des Piz Buin vorbei nach O. stehen sie vielfach auch senkrecht. Doch ist der innere Bau, die Geotektonik, der
Silvrettagruppe noch nicht genügend aufgeklärt. In seiner äussern Erscheinung zeigt der eben erwähnte Gebirgsbogen ein
schönes Beispiel von liederförmiger Gliederung, wie man sie in den innern Teilen der Alpen neben der radialen vielfach antrifft.
Vom Hauptkamm gehen eine Menge kurzer Seitenäste
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mehr
nach N. und S. ab, die die kleinen Seitenthäler des Prätigaus, Montavon, Paznaun und Unter Engadin einschliessen. Besonders
schön ist diese fiederförmige Gliederung in den beiden Flügelgruppen ausgebildet, doch tritt sie auch in der Zentralgruppe
deutlich genug hervor. Sie kombiniert sich aber hier mit der radialen, indem z. B. aus der Gegend des
Piz Buin die Gebirgszweige nach verschiedenen Richtungen ausstrahlen: über das Silvrettahorn und den Litznerstock nach NW.,
über das Verstanklahorn und den Piz Linard nach SW., über den Piz Fliana nach S. und über den Dreiländerspitz nach O. Im
kleinen wiederholt sich diese radiale Gliederung noch mehrfach, so im Litznerstock und am Pillerhorn sw.
vom Verstanklahorn. Gabelförmig ist sodann die Verzweigung am Rauhen Kopf (3093 m) n. vom Dreiländerspitz, ferner beim Fluchthorn,
wo die beiden Zinken einerseits das Bielerthal, andrerseits das Lareinthal einschliessen. Von der weitern Betrachtung schliessen
wir den Rätikon (s. diesen Art.) und die ausserschweizerische Ferwallgruppe aus.
Einzig die kurze Strecke vom Flesspass bis zum Signalhorn und von da bis zum Dreiländerspitz trennt zwei Stromgebiete - diejenigen
des Rheins und der Donau - voneinander und ist also erster Ordnung. Der nw. Arm trennt das Gebiet der
Landquart von demjenigen der Ill, also nur Unterabteilungen des Rheingebietes voneinander, und der nach O. gehende Arm
nur den Inn von einem seiner Zuflüsse, der Trisanna des Paznaun, die sich mit der Rosanna des Stanzerthals
zusammen bei Landeck mit dem Hauptfluss vereinigt.
Die Hauptwasserscheide geht vom Dreiländerspitz über die Bielerhöhe und durch die Ferwallgruppe nach N. zum Arlberg, kommt
aber als ausserhalb der Schweiz liegend hier nicht weiter in Betracht. Die drei vorhin erwähnten, am Signalhorn zusammentreffenden
Kämme stellen die Stammstücke der Silvrettagruppe dar, von welchen zahlreiche grössere und kleinere
Seitenzweige abgehen. Dabei fällt auf, dass mehrere der höchsten Gipfel, unter ihnen insbesondere der Piz Linard und das
Fluchthorn, nicht im Hauptkamm sondern in kleinen Seitenzweigen liegen, indem ersterer südwärts gegen das Engadin, letzteres
nordwärts gegen das Paznaun vorspringt. Es fällt also die Verbindungslinie der höchsten Gipfel nicht
durchweg mit der Wasserscheide zusammen.
Auch die politische Grenze zeigt derartige Unregelmässigkeiten, indem sie vom Piz Fatschalv oder Grenzeggkopf über das Fluchthorn
und den Gemsbleiskopf n. ausbiegt und
dann das Fimberthal nach O. quert, um in der Nähe der Vesilspitze den Kamm wieder zu
erreichen, so dass der obere Drittel des Fimberthals zur Schweiz, die untern zwei Drittel zu Oesterreich
gehören. Eine Folge dieser Eigentümlichkeit ist es, dass die Heidelbergerhütte des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins
im obern Fimberthal auf schweizerischem Gebiet liegt.
Auch im Gebiet von Samnaun findet eine derartige Abweichung der politischen Grenze vom Gebirgskamm statt,
indem jene vom Gribellakopf längs dem Malfragbach sö. zum Samnauner- oder Schergenbach zieht und dann diesem bis zur Mündung
in den Inn folgt, so dass das Samnaunerthal ebenfalls teilweise zur Schweiz, teilweise zu Oesterreich gehört, welch letzterem
allerdings nur die linke Seite der untern Thalstufe zukommt. Da aber das Strässchen sich an dieser linken
Seite befindet, sind die Samnauner vorläufig noch genötigt, über österreichisches Gebiet mit der übrigen Schweiz zu verkehren.
Für die weitere Betrachtung zerlegen wir die Silvrettagruppe in eine Anzahl kleinerer Stücke oder Glieder.
Insbesondere bildet der Piz Linard eine ungemein stolze Pyramide, die von allen Seiten sich als mächtiger Koloss darstellt
und schier unersteigbar erscheint. Sowohl durch seine Höhe (3414 m) als durch seine massige Gestalt ist
der Piz Linard entschieden das Haupt der Silvrettagruppe. Der Schnee haftet nur wenig an seinen steilen Gehängen, weshalb die
Gletscherentwicklung eine geringe ist. Würdige Trabanten hat er in den Plattenhörnern (3221, 3219 und 3205 m), die ihm an
Höhe nur wenig, an schreckhafter Steilheit nicht nachstehen, ja ihn darin noch überbieten und darum
nur selten bestiegen werden. - 2) Die Gruppe des Verstanklahorns zwischen Vernela- und Silvrettapass bildet eine W.-O. streichende
Kette, die im W. mit den schönen Pyramiden des Canard- und Weisshorns beginnt und im O. mit dem Verstanklahorn (3301 m) endigt.
Dieses ist, besonders vom Silvretta- und Verstanklagletscher aus gesehen, wohl die schönste Gestalt der
Silvrettagruppe, eine schlanke, regelmässige Pyramide, eines der schwierigsten, aber auch anziehendsten Objekte für den
Bergsport in der gesamten Gruppe. Daran schliesst sich der ebenfalls schön gestaltete Schwarzkopf (3225 m) im Hintergrund
des Vernelathals, am Gipfel breit abgestutzt und mit einer dicken Firnkappe gekrönt. Nordwärts vorgelagert
sind dem Verstanklahorn der Gletscherkamm und die Krämerköpfe als Grenze zwischen Verstankla- und Silvrettagletscher. -
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