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Ein Neuseeländer namens Mark hatte den von der KI ChatGPT geschriebenen Song auf die Website «The Red Hand Files» gestellt. Dort können Fans direkt mit Nick Cave in Kontakt treten. Seit dem Start von ChatGPT im vergangenen November habe er dutzende Songs aus der Feder der KI erhalten, antwortete der australische Musiker.
Neben grundsätzlicher Kritik an künstlicher Intelligenz, die sich zwar immer schneller und weiter in Richtung einer dystopischen, düsteren Zukunft bewege, dabei aber immer in Kindesbeinen feststecke, äusserte Cave auch seine musikalische Meinung über den Text.
Seelenlose Imitation
ChatGPT sei letztlich eine seelenlose Vervielfältigungsmaschine. «Sie könnte vielleicht mit der Zeit ein Lied schaffen, das oberflächlich betrachtet nicht von einem Original zu unterscheiden ist, aber es wird immer eine Replikation sein, eine Art Burleske», antwortete Nick Cave.
Imitation reiche aber nicht aus, um Kunst zu erzeugen, fährt Cave fort. «Lieder entstehen aus Leid, das heisst, sie beruhen auf einem komplexen, inneren menschlichen Schöpfungskampf; und soweit ich weiss, haben Algorithmen keine Gefühle. Daten leiden nicht.» ChatGPT habe kein inneres Wesen, das Programm sei nirgendwo gewesen, es habe nichts ertragen, es habe weder die Kühnheit noch die Fähigkeit, über seine Grenzen hinauszugehen.
«Ein guter Song katapultiert dich über dich selbst hinaus»
Was macht einen Song grossartig? Geht es nach Nick Cave, dann ist es zumindest nicht die Ähnlichkeit mit einem anderen Werk. Einen guten Song zu schreiben, sei keine Nachahmung. Es sei «ein Akt des Selbstmordes, der alles zerstört, was man in der Vergangenheit zu produzieren versucht hat. Es sind diese gefährlichen, herzzerreissenden Abweichungen, die den Künstler über die Grenzen dessen hinaus katapultieren, was er oder sie als sein bekanntes Selbst anerkennt.»
Was denkst du über den Song aus der Feder der künstlichen Intelligenz? Schreib es uns in die Kommentare!
Zwar räumt der Barde schliesslich ein, dass er den Versuch der KI, ihn zu imitieren, vielleicht zu persönlich nehme. Er gibt aber auch einen Grund für seine heftige Reaktion an: Er befinde sich nämlich gerade selbst im aufreibenden Prozess des Komponierens. «Das ist eine Herzensangelegenheit, hier an meinem Schreibtisch, die mir etwas abverlangt, um die neue und frische Idee zu beflügeln. Es erfordert meine Menschlichkeit. Was diese neue Idee ist, weiss ich nicht, aber sie ist irgendwo da draussen und sucht nach mir.»
«Mark, danke für den Song, aber bei aller Liebe und allem Respekt, dieser Song ist Bullshit, eine groteske Verhöhnung dessen, was es heisst, ein Mensch zu sein», schliesst Nick Cave seine Antwort ab. Immerhin gebe es eine Zeile im KI-Werk, die ihn anspreche: «I’ve got the fire of hell, in my eyes». Er habe tatsächlich das Feuer der Hölle in den Augen, so der Musiker, und sein Name ist ChatGPT.
Du hast noch nicht genug von KI-Songs? Hier findest du eine Auswahl zum Reinhören:
(osc)