Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03135.jsonl.gz/2595

Ehrenpreis 2021 für Lilo Pulver
Liselotte Schmid-Pulver, bekannt unter ihrem Schauspielernamen Lilo Pulver, wurde 1929 in Bern geboren. In Bern liess sie sich an der Schauspielschule zur Schauspielerin ausbilden. In der Schweiz, aber auch in Deutschland wurde sie bald zu einer populären Schauspielerin. von Douglas Sirk wurde sie 1958 für eine Hauptrolle engagiert. Das war der Durchbruch für eine Karriere im internationalen Filmschaffen. Sie erhielt unzählige Preise und Auszeichnungen. Unter anderem wurde sie 1964 für den «Golden Globe» nominiert. 2012 verabschiedete sie sich von der Schauspielkunst und lebt seither in Bern.
Lilo Pulver hat mit ihrem burschikosen und humorvollen Spiel die klassischen Schweizer Filme der fünfziger Jahre geprägt. Auch wenn sie darin oft konservative Frauenrollen verkörpern musste, waren ihre Interpretationen in der Kombination von Subtilität und Aufbegehren so populär, dass sie innert kurzer Zeit zum Star wurde. So verpflichtete sie 1961 Hollywood-Regisseur Billy Wilder für seine in Berlin spielende Komödie «Eins, Zwei, Drei». Wie sie auf einem Tisch mithilfe des «Säbeltanz» eine sowjetische Delegation um den Finger wickelt, ist in die Filmgeschichte eingegangen. Neben Komödien wurde sie aber auch für viele Dramen engagiert. So brillierte sie in «La Religieuse» von Jaques Rivette, wo sie sich als Äbtissin in eine junge Nonne verliebt, was nach der Premiere in Cannes zum Verbot des Filmes führte. Dies blieb zum Glück folgenlos für ihre weitere, internationale Karriere.
Die nachfolgende Schweizer Filmgeneration hielt es leider nicht für notwendig, Lilo Pulver in ihre Projekte einzubinden. Der Ehrenpreis an Lilo Pulver soll als Brückenschlag der Gegenwart zu den Ursprüngen der schweizerischen Filmgeschichte verstanden werden. In erster Linie aber ist er eine Ehrerbietung an die Schauspielerin Lilo Pulver, die ihre Schweizer Karriere in die internationale Filmwelt tragen konnte um erfolgreich wieder heimzukehren.
Nominierungskommission Schweizer Filmpreis, 25. Januar 2021