Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03420.jsonl.gz/1660

Warum leiden Muscheln unter dem Treibhauseffekt?
Muscheln und andere Meeresbewohner könnten zunehmend Probleme mit der steigenden Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid (CO₂) in der Atmosphäre bekommen: Die Ozeane werden dadurch nämlich immer saurer, was den Aufbau der kalkhaltigen Schale vieler Meereslebewesen erschwert.
Das sogenannte Treibhausgas Kohlendioxid (CO₂) ist ein Gas, welches bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen z. B. in der Industrie sowie von Autos oder Flugzeugen ausgestossen wird (mehr Infos findest du im Artikel „Was ist der Treibhauseffekt?“). Erhöhte Mengen des Treibhausgases CO₂ in der Luft führen einerseits zu einer Klimaerwärmung, andererseits wird durch die steigende Gaskonzentration in der Atmosphäre vermehrt CO₂ vom Meer absorbiert. Dies geschieht, weil sich Luft und Oberflächenwasser in einem ständigen Gasaustausch befinden. Steigt der CO₂-Gehalt der Atmosphäre, steigt automatisch auch der Gasgehalt im Oberflächenwasser des Meeres.
Mehr CO₂ im Wasser führt zu einem Kalkabbau
Ein gewisser Teil des im Meer gelösten CO₂ reagiert mit dem Wasser zu Kohlensäure. Dieser Vorgang setzt Protonen frei, welche zu einer Versauerung des Meerwassers führen: Der pH-Wert sinkt. Der erhöhte Säuregehalt im Wasser führt dazu, dass sich Kalk gar nicht oder nicht mehr gut bilden kann. Dies hat zur Folge, dass Lebewesen wie zum Beispiel Korallen oder Muscheln Schwierigkeiten haben, ihre Schutzhülle aus Kalk aufzubauen. Mit dem Experiment „Muscheln in Essigwasser auflösen“ kannst du selbst nachvollziehen, wie sich Kalk in einer sauren Flüssigkeit auflöst.
Muscheln als Forschungsgegenstand
Klimaforscher, die sich mit der Erwärmung der Atmosphäre beschäftigen, benutzen Muscheln vermehrt als Forschungsgegenstand. Muscheln – sowohl lebende als auch tote – bilden nämlich ein einzigartiges Klimaarchiv: Viele von ihnen sind äusserst langlebig, ihre Schalen überdauern Jahrtausende, und in ihnen können Schwankungen in den Umgebungsbedingungen anhand deutlicher Zuwachsmuster erkannt werden (ähnlich wie bei den Jahrringen von Bäumen). Ausserdem kommen Muscheln überall vor: im Meer, in der Tiefsee, in Flüssen, Bächen usw. Sie eignen sich daher sehr gut als Forschungsobjekt.
Der CO₂-Ausstoss beeinflusst nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Ozeane
Die Forscherinnen und Forscher haben heute keinen Zweifel am Zusammenhang zwischen dem steigenden CO₂-Gehalt der Atmosphäre und der zunehmenden Versauerung des Meerwassers. Dadurch wird nicht nur die Schalen- und Skelettbildung kalkproduzierender Lebewesen beeinträchtigt, sondern auch der Stoffwechsel vieler weiterer Organismen im Ozean. Wenn der zu grossen Teilen menschgemachte CO₂-Ausstoss in den nächsten Jahrzehnten weiterhin ansteigt, ist ungewiss, wie gut sich das Leben im Meer den veränderten Bedingungen wird anpassen können.