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| Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)

Sechstes Buch
44. Kap. Bericht des Dionysius über Serapion.
44. An denselben Fabius, der etwas zum Schisma neigte, schrieb auch Dionysius von Alexandrien. Nachdem er in seinem Briefe an ihn vieles über die Buße vorgetragen und über die Kämpfe derer, die damals erst [S. 317] jüngst in Alexandrien gemartert worden waren, berichtet hat, erzählt er nebst anderen Geschichten eine wunderbare Begebenheit, welche ich in meiner Schrift nicht übergehen darf und welche sich also verhält: „Ich will nur dies eine Begebnis, das sich bei uns ereignet hat, als Beispiel anführen. Es lebte bei uns ein gläubiger alter Mann, namens Serapion. Lange Zeit hatte er ein tadelloses Leben geführt, doch in der Versuchung fiel er. Trotzdem er oft (um Verzeihung) flehte, achtete niemand auf ihn, weil er geopfert hatte. Da fiel er in eine Krankheit und war drei volle Tage sprachlos und bewußtlos, erholte sich aber am vierten Tage ein wenig, so daß er den Sohn seiner Tochter kommen ließ und an ihn die Worte richtete: ‚Wie lange, mein Kind, haltet ihr mich noch hin? Ich bitte: beeilet euch, gewähret mir rasch Lossprechung! Rufe mir einen der Priester!’ Nach diesen Worten verlor er von neuem die Sprache. Der Knabe eilte zum Priester. Doch es war Nacht, und der Priester war krank und konnte so nicht kommen. Da ich aber verordnet hatte, man solle die Sterbenden, wenn sie darum bäten und vor allem wenn sie schon früher darum gefleht hätten, absolvieren, damit sie hoffnungsfreudig sterben könnten, so übergab er dem Knaben ein Stückchen von der Eucharistie mit der Weisung, es anzufeuchten und so dem Greise in den Mund zu träufeln. Der Knabe kehrte damit zurück. Als er nahe gekommen und bevor er noch eintrat, hatte Serapion sich wieder erholt. Er sagte zu ihm: ‚Du bist da, mein Kind? Der Priester konnte nicht kommen. Tue schnell, was dir befohlen wurde, und laß mich sterben!’ Der Knabe feuchtete (die Eucharistie) an und goß sie ihm in den Mund. Kaum hatte dieser sie hinuntergeschluckt, gab er seinen Geist auf. Ist er also nicht deutlich so lange am Leben erhalten worden, bis er absolviert wurde und nach Tilgung der Sünde um seiner vielen Verdienste willen ‚bekannt’ werden konnte?“1 So berichtet Dionysius. [S. 318]
1: Vgl. Matth. 10, 32; Lk. 12, 8; Offenb, 3, 5.