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Mundartrock-Pionierin Natacha (54) ist zurück. Bald feiert ihr Album «Alls drby» Plattentaufe. Im Interview spricht die Bernerin über die Abbey Road Studios und ihre Freude an straffer, fast weisser Haut.
Weshalb ist Ihr 14. Album das wohl beste Ihrer Karriere geworden?
Das hat sehr stark mit Heinz Winzenried zu tun. Wir sind drei Velominuten voneinander entfernt im Burgdorf aufgewachsen. Er wollte Pilot und ich Sängerin werden. 2010 habe ich Heinz das Lied «Rockstar» gewidmet, in dem ich mich frage, was aus ihm geworden ist. Wir sind uns jedoch nicht mehr begegnet. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer und sehr viel international unterwegs.
Was hat Sie wieder zusammengeführt?
Vor zweieinhalb Jahren hat er mich für einen Auftritt an einem grossen Gartenfest auf seinem Anwesen gebucht. Da mein Produzent verhindert war, fuhr ich mit der Tourmanagerin selbst hin, um die Location zu rekognoszieren. Als Heinz und nicht einer seiner Mitarbeiter uns in Empfang nahm, waren wir beide überrascht, uns bereits jetzt wiederzusehen. Wir verstanden uns sofort. Er macht auch Musik und spielte beim Konzert sogar bei einem Lied Schlagzeug. Er war beeindruckt von den vielen guten Songs, die in den 30 Jahren meiner Karriere zusammengekommen sind, und wollte mir ermöglichen, einmal ein Album ohne Kompromisse zu machen.
Wie nahm es Form an?
Als er mich fragte, wo ich es aufnehmen würde, falls ich frei wählen könnte, dachte ich spontan an die Abbey Road Studios, wo die Beatles Geschichte geschrieben haben, und an Mark Knopflers British Grove Studios, die als die Besten der Welt gelten. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine Plattenfirma sowas finanzieren würde. Heinz meinte darauf: «Okay, dann machen wir es halt wie Madonna oder Lady Gaga und gründen unsere eigene Plattenfrma.» Ich bezweifelte jedoch, dass er es ernst meint und mit letzter Konsequenz umsetzen würde. Er ist jedoch ein Macher, der es gewohnt ist, Hindernisse zu überwinden. So entstand «tätsch-päng» das Label HENA Music. Wir nahmen das Projekt «Alls drby» in Angriff, das so heisst, weil es alles enthält, was mir wichtig ist.
Wie konnten Sie den Top-Produzenten Andy Wright gewinnen?
Ich habe meinen Ex-Drummer angerufen, der nun in London lebt und bei Simply Red spielt, welche Wright – neben vielen anderen Stars – schon oft produziert hat. Dieser hatte dann die Beziehungen zu den Abbey Road Studios, und so führte eins zum anderen.
Was haben Sie in diesen legendären Studios erlebt?
Die Simple Minds haben nebenan aufgenommen und waren ganz unkompliziert. Wir sind zusammen essen gegangen und sie haben uns zu ihrem Konzert im Hallenstadion eingeladen. Als ich mal in die Cafeteria ging, hat mich ein netter älterer Herr angesprochen. Zuerst wollte er wissen, ob ich Schwedin sei. Dann fragte er, ob er während unserer Studioarbeit ein paar Fotos machen dürfte. Ich sagte zu, unter der Bedingung, dass ich sie vor einer Verwendung vorher begutachten und nachher auch ein paar Bilder posten kann. Darauf habe ich dann Feedbacks bekommen wie: «Wow, dass euch Danny Clifford, der Fotograf von Grössen wie Amy Winehouse und den Stones, fotografiert hat!» Wir hatten nicht gecheckt, wer er ist, sind nun aber doppelt glücklich, dass wir ein Bild sogar fürs CD-Booklet verwenden durften.
Hat auch Mark Knopfler mal vorbeigeschaut?
Ja, er hat Hallo gesagt, doch nur Heinz hat sich länger mit ihm unterhalten können. Ich war zu sehr mit Singen beschäftigt. Als wir später bei Knopflers Konzert in der O2 -Arena Backstage auf einer Treppe sassen, hat mir dafür jemand die Hände geschüttelt, den ich erst auf den zweiten Blick als Steven Spielberg erkannte, da er viel kleiner ist als ich ihn mir vorgestellt hatte.
Was hat es mit Ihrem Ohrwurm «Der Ischbärg schmilzt» auf sich?
Das Lied handelt von einer modernen Frau, die total happy ist, mit ihrem Leben im Reinen und noch ohne Kinder – oder die sind schon erwachsen. Und es gibt einen schönen Mann, der voll im Business ist und sich etwas entspannen will. Beide sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und da ist dieser winzige Moment, aus dem etwas entstehen kann… Sie wissen aber, dass sich ein Songtext nicht immer eins zu eins aufs Leben übertragen lässt – auch, wenn er manchmal von der Realität handelt? (schmunzelt)
Zu Ihren Markenzeichen zählt schon seit über 25 Jahren, dass Sie sich auffällig schminken, sehr hell und mit dunkelroten Lippen. Was gefällt Ihnen daran?
Ich schminke mich eigentlich nicht auffällig, finde ich … (lacht) ich verwende einfach Chanel No. 109 und Chanel Base Make-up. Und ich liebe es, wenn man schöne, helle, fast weisse Haut hat.
Könnten Sie sich vorstellen, sich einmal wie andere Stars als Statement gegen den Schönheits- und Jugendwahn ungeschminkt zu zeigen?
Nein, das überlasse ich anderen. Mir gefällt es zwar, wenn die das tun, aber es müssen nicht alle das Gleiche machen. (schmunzelt) Ausserdem kann man sich mit Make-up auch nicht jünger machen. Wenn man das Alter mit Schminke verdecken will, fallen manche Fältchen sogar noch mehr auf. Aber natürlich ist alles Geschmackssache. Am Ende ist es die Musik, die den Leuten gefallen muss!
Verspüren Sie als Frau im Showbusiness keinen erhöhten Druck, sich mit Botox spritzen oder gar liften zu lassen?
Bis jetzt nicht. Ich kann Sie beruhigen, ich habe noch nie etwas operieren lassen. Aber ich würde es nicht ausschliessen, wenn mich etwas stören würde. Ich werde Sie auf jeden Fall informieren, falls es so weit kommen sollte! (lacht) Meine straffe Haut verdanke ich vor allem meinen Genen und dem Umstand, dass ich ihr schon seit meiner Jugend Sorge trage. Der Hautarzt in unserer Verwandtschaft sagte damals, das Schlimmste für die Haut wären Alkohol, Nikotin und Sonne. Und die habe ich weitgehend gemieden.
Wie schwer fällt Ihnen das Älterwerden?
Mir geht es wohl wie den meisten anderen. Ich habe Angst, Menschen zu verlieren, die ich gern habe, oder selbst schwer krank zu werden, aber ich habe keine Panik.
Weshalb haben Sie für Ihre Plattentaufe die Mühle Hunziken gewählt?
Die Ambiance ist einzigartig und die Stimmung sensationell. Ich freue mich wahnsinnig und hoffe, dass das Konzert stattfnden kann…
Haben Sie einen Plan B, falls das Coronavirus es verhindern sollte?
Dann würden wir die Plattentaufe verschieben.
Reinhold Hönle