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1865 wurde die Schützengesellschaft offiziell gegründet. Für eine umfassende Beschreibung der Geschichte ist aber ein Rückblick ins Jahr 1861 unumgänglich.
Am 16. Juni 1861 wurde die Feldschützengesellschaft Ringgenberg gegründet. Dem ersten Mitgliederverzeichnis kann man entnehmen, dass bereits acht Niederrieder Schützen zu den Gründungsmitgliedern gehörten und ein Jakob Glaus, wie es heisst "Präsident zu Niederried", sogleich in den ersten Vorstand gewählt wurde.
An der Versammlung vom 30. November 1862 wurde beschlossen:... "gemeinschaftlich mit den Schützenmeistern das Kirchhörenschiessen durchzuführen, die Schützenlaube eintäfern und verschliessbar machen zu lassen und gemeinschaftlich mit diesen die daherigen Kosten zu bestreiten". Es ist anzunehmen, dass das Holz für den Ausbau des Schützenhauses von den Gemeinden den Schützen gratis zur Verfügung gestellt wurde. Wenn im erwähnten Protokollauszug von einem "Kirchhörenschiessen" die Rede ist, so wollte man für das Eintäfern des Schützenhauses wohl auch die Niederrieder Schützen zur Abgabe von Holz anhalten. Offenbar fand aber das Holz aus Niederried den Weg nach Ringgenberg nie. Im Versammlungsprotokoll vom 29. Oktober 1864 ist zu lesen: "Da vorgebracht wird, die Schützen von Niederried hätten die ihnen zum Ausbau des Schützenhauses angezeichnete Tanne nicht zu diesem Zweck abgeliefert, so wird beschlossen, die Betreffenden um Beschaffung der nötigen Beweismittel zu ersuchen und dem Vorstand wird Auftrag gegeben, dann je nach den Umständen das nachher geeignet scheinende vorzukehren". Der "Holzhändel" muss sich über viele Jahre hingezogen haben. Nachdem in Niederried 1865 eine selbständige Gesellschaft gegründet wurde, beanspruchten sie auch noch einen Anteil des Schützengutes der Ringgenberger. In einem späteren Versammlungsprotokoll vom März 1879 ist zu lesen: "Als Antwort auf das Gesuch der Schützengesellschaft von Niederried um Herausgabe eines Anteils vom Schützengut wurde derselben keine bestimmte Antwort, resp. Auszahlung einer gewissen Summe beschlossen, sondern weitere Verhandlung mit genannter Gesellschaft dem Herrn Math. Zurbuchen, Fürsprecher, übertragen". Wie Fürsprecher Zurbuchen mit den Niederrieder Schützen den Handel ausfocht, geht aus späteren Aufzeichnungen nicht hervor. Auf jeden Fall ist von einer Auszahlung nirgends die Rede.
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REGLEMENT
für die Schützengesellschaft Niederried
Die Unterabteilungsschützengesellschaft der Gemeinde Niederried, nachdem sich diejenigen Mitglieder von hier aus der Schützengesellschaft von Ringgenberg getreten sind, hat sich nun zu einer besondern Gesellschaft gebildet, unter dem Namen
Schützengesellschaft von Niederried.
Die Schützengesellschaft von Niederried beschliesst in ihrer gesetzlich bekant gemachten Versammlung folgendes.
Reglement
§ 1.
Die Schützen der Einwohnergemeinde Niederried, die ihren Beitritt in die Gesellschaft erklärt haben, und die Reglementarischen Eigenschaften besitzen, bilden zusammen eine Gesellschaft; Die Zahl der auf heute eingeschriebenen Mitglieder beträgt 25 Schützen.
§ 2.
Die Schützengesellschaft steht unter der Oberaufsicht des Staates, und hat den Zweck, die Fertigkeit im Schiessen zu fördern und gute Schützen heranzubilden.
§ 3.
Anmeldung zur Aufnahme in die Schützengesellschaft haben beim Präsident statt zu finden, und der Eintritt steht jedem im Kanton Bern wohnenden Schweizerbürger frei.
§ 4.
Jeder nun in die Gesellschaft aufgenommene Schütze hat ein Eintrittsgeld von Fr. 5.-- an den Kassier zu bezahlen von der Einkaufsgebühr sind jedoch enthoben die früheren Mitglieder der Schützengesellschaft von Ringgenberg. Neben dem wird jährlich von jedem Mitglied der Gesellschaft per Monat Rp25 eingelegt als beischuss zum Staatsbeitrag für den Hauptschiesset. Ferner wird von jedem Schütze ein Unterhaltungsgeld bezogen für Scheiben Zeiger cd. das aber Fr. 2.-- nicht übersteigen soll; Wer die daherigen Ausgaben aber von Zwei Jahren im Ausstand hat wird von der Gesellschaft ausgetreten betrachtet. Die ausgeträtenen Mitglieder haben durchaus keinen Anspruch mehr an den Guthaben der Gesellschaft.
§ 5.
Wenn sich Mitglieder wiederholt Übertretungen des Reglements zu Schulden kommen lassen, oder wenn andere gravierende Verstösse gegen die Allgemeine Ordnung und Beschlüsse der Gesellschaft begangen wurden, so sind die Fehlbaren dem Regierungsstatthalteramt zur Bestrafung anzuzeigen.
§ 6.
Die hiesige Schützengesellschaft wird jährlich wenigstens 5. Vorübungsschiesstage abhalten wovon zwei im Frühling und drei im Herbst überdies im Oktober ein Hauptschiesset.
§ 7.
Jeder Schütze der am Hauptschiessen auf die ausgesetzten Gaben reflektieren will, muss vorher an den festgesetzten Vorübungen wenigstens die Reglementarischen 80 Schüsse per Jahr geschossen haben.
§8.
Die Staatsbeiträge, so wie die Monatlichen Einschussgelder sind am Hauptschiessen von den Schützen in den Stand, und sobald sie eingeführt sind, auf in Feldscheiben nach Anzahl der geschossenen Punkten zu verteilen.
§9.
Das Gesellschafts Kapital wird gebildet
1 Zum Theil aus dem seiner Zeit aufzutheilenden Schützenfond von der Schützengesellschaft der Kirchgemeinde Ringgenberg.
2 Aus den jeweiligen Eintrittsgeldern der Schützenmitglieder, welche jnsofort zu kapitalisieren sind. Dieses Kapital soll nicht verändert darf auch niemals zu einem andern Zweke verwendet werden.
§ 10.
Ein von der Hauptversammlung gewähltes Comite, bestehend aus Präsident, Kassier, Sekretär, und Weibel, welches die Geschäfte der Gesellschaft leitet, wird auf die Dauer von 2 Jahren gewählt und ist nach Ablauf dieser Zeit wieder wählbar.
Pflichten des Comite
1 Die jährlichen abzuhaltenden Schiesstage zu bestimmen und durch den Weibel jedem Mitglied bekant zu machen.
2 Alles vorzukehren und anzuordnen, was zur Sicherheit der Schützen, und des Publikums nötig erscheint.
3 Die Hauptversammlung so oft zusamen zu berufen als es die nicht in seiner Compedenz liegenden Geschäfte erfordern.
Pflichten des Präsidenten
Dem Präsident ligt im besondern ob, die Verhandlungen an den Hauptversammlungen und des Comite zu leiten, sowie auch die Befolgung dieses Reglements zu überwachen, und soll überhaupt an den Schiessübungen für Ruhe und Ordnung besorgt sein.
Pflichten des Cassier
1 Derselbe hat auf Verlangen der Gesellschaft Bürgschaft zu leisten.
2 Es verwaltet das Gesellschafts-Vermögen, Capitalisiert die jeweiligen Einkaufsgelder und allfällige andere Beischüsse.
3 Bei Capitalauskundungen, Geldanleihen, raportiert er zuvor dem Comite, dessen Weisung er zu befolgen hat.
4 Er besorgt alle Ausgaben und Einnahmen, legt alljährlich genaue Rechnung über seine Verhandlungen, die vom Comite zu Prüfen und der Hauptversammlung zur Genehmigung vorzulegen ist.
Pflichten des Sekretärs
Dieser führt das Protokoll der Verhandlungen der Hauptversammlungen und des Comite und einen Schiessrodel bei den Schiessübungen und Hauptschiessen er fertigt die erforderlichen Schiesstabellen, Berichte an die Militär-Direktion und Verwaltungsrechnungen.
Besoldungen
Diese werden alljährlich von der Hauptversammlung am Hauptschiessen festgesetzt. Dieses Reglement ist unter ends gemachtem Datum von der Hauptversammlung berathen und einhellig gut geheissen, und trit nach erfolgter Sanktion in Kraft.
Niederried den 10. November 1865 Ns. der Schützengesellschaft.
Der Präsident
Jos: Blatter
Der Sekretär
Joseph Studer
Genehmigung
Der Direktor des Militärs ertheilt dem vorstehenden Reglement der Schützengesellschaft der Einwohnergemeinde Niederried, gestützt auf das Reglement des Regierungs-Rathes über die Schützengesellschaften vom 27 März 1862 um dasselbe in Zweifelsfällen vorbehaltend seine Genehmigung, unter nachstehenden Vorbehälten:
1 ltd. § 3. Soll der Eintritt in die Gesellschaft jedem ehrenfähigen im Kanton wohnenden, Schweizerbürger geöffnet sein.
2 ltd. § 4. Scharfschützen sollen nicht aus der Gesellschaft ausgesthossen werden können. Geben sie zu Klagen Anlass, so sind sie der Militär-Direktion zu verzeigen.
3 ltd. § 9. Die Aufrechterhaltung der Bestimmungen des Ausscheidungs-Vertrages vom 27 Mai 1857. Sanktioniert am 21 Jänner 1858 bezüglich des Kirchgemeinde-Schützengutes von Ringgenberg wird vorbehalten.
4 Wird angenommen der Weibel (§ 10) Zähle nicht zum Comite.
Bern den 2. Dezember 1865
Der Direktor des Militärs
Sg. J. J. Karlen Rts.
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VERZEICHNIS
DER MITGLIEDER DER SCHÜTZENGESELLSCHAFT
A. Solche die als Mitglieder der Schützengesellschaft von Ringgenberg nach § 4. des Reglementes der Bezahlung des vorgeschriebenen Eintrits enthoben sind.
No. Eintritt Namen und Wohnort Austrit
1. 1865 Blatter Jakob Lehrer Nieder.
2. 1865 Blatter Johannes Schnitzler Nieder.
3. 1865 Glaus Peter Brienz
4. 1865 Glaus Niklaus Nieder. 1866
5. 1865 Glaus Jakob Wirt " 1866
6. 1865 Mäder Johannes Schreiner "
7. 1865 Studer Joseph Zenstadel "
8. 1865 Studer Peter Scharfschütz "
B. Neu eingeträtene Mitglieder
9. 1865 Blatter Peter Hostat Nieder.
10. 1865 Blatter Ulrich Hostat " "
11. 1865 Blatter Jakob auf der Mur "
12. 1865 Blatter Jakob Schnitzler "
13. 1865 Brunner Christian "
14. 1865 Glaus Peter Schnitzler "
15. 1865 Glaus Christen Wegmeister "
16. 1865 Glaus Jakob Reindli "
17. 1865 Glaus Friedrich Schneider "
18. 1865 Mäder Jakob Schnitzler "
19. 1865 Studer Joseph Schnitzler "
20. 1865 Studer Jakob Reindli " 1866
21. 1865 Studer Christen Reindli "
22. 1865 Studer Ulrich "
23. 1865 Studer Johannes Sen "
24. 1865 Studer Peter "
25. 1865 Heinrich Zenstadel "
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PROTOKOLL
über
DIE VERHANDLUNGEN DER SCHÜTZENGESELLSCHAFT
Schützenversammlung Sontags den 19. November 1865 des Nachmitags bei Johannes Blatter.
Verhandlungen.
Wahlvornamen der Comission welche laut Reglement für die Dauer von zwei Jahren Gewählt werden soll.
Es wurden gewählt.
a. Zum Präsident Johannes Blatter Schnitzler
b. Zum Cassier Jakob Blatter auf der Maur
c. Zum Sekretär Joseph Studer Zenstadel
c. Zu einen Mitglied Heinrich Studer Zenstadel
e. Zum Weibel Jakob Glaus Reindli
Niederried den 19. November 1865. Der Präsident
Johann Blatter
Der Sekretär
Joseph Studer
Schützenversammlung Freitags den 8. Dezember 1865 Abends 8 Uhr bei Johannes Blatter.
Verhandlungen
At. 1. Beschlussnahme zur Bestimmung der 5 Obligatorischen Übungsschiesstage für das Jahr 1865.
Im falle dass sich die Schützengesellschaft dieses Jahres im Novemb. Gegründet hat, und das Reglement den 2 Dezem. Genehmigt worden ist, wurde für dieses Jahr, für die erste Übung der 9. für die zweite der 10. für die dritte 15. für die vierte der 16. und für die fünfte der 17 Dezember fest gesetzt.
At. 2. Das Unterhaltungsgeld wurde für dieses Jahr von jedem Mitglied auf Rp. 50. fest gesetzt.
Niederried den 8. Dezember 1865.
Präsident
Joh. Blatter
Sekretär
Joseph Studer
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1865 - 1869
Dieser Streit mit der Schützengesellschaft Ringgenberg hat im Herbst 1865 zur Gründung der Schützengesellschaft Niederried geführt. Die Forderung der Niederrieder um Herausgabe eines Teils des Schützengutes muss die Ringgenberger noch mehr erbost haben als die nicht abgelieferte Tanne, denn in den Protokollen ist nur noch die Rede vom Schützengut. Diese Forderung wurde mit einer beispiellosen Hartnäckigkeit über Jahrzehnte aufrechterhalten. Im Jahre 1880 wurden Ausschüsse gewählt, um das begehrte Schützengut einzutreiben. Es scheint aber, dass es nie zu einer Auszahlung kam. In den Protokollen ist jedenfalls nichts erwähnt.
Nach der Gründung begann man sofort mit dem Schiessbetrieb. Die Schützenversammlung bestimmte die 5 obligatorischen Schiesstage. Es waren der 9., 10., 15., 16. und 17. Dezember 1865. Ein Ausschiesset, oder wie man damals sagte Hauptschiessen, fand im Gründungsjahr nicht mehr statt. 1866 wurde erstmals ein Hauptschiessen durchgeführt. Die noch erhaltene Stichliste sagt uns, dass 19 Schützen daran teilgenommen haben. Geschossen wurde auf eine Fünferscheibe. Jeder Schütze hatte 5 Patronen zur Verfügung. Wir sehen, dass ein Hauptschiessen in ganz einfacher Weise durchgeführt wurde.
Geschossen wurde im Freien. Einen Schiessstand gab es nicht. An folgenden Orten wurde geschossen: Im Berg, Auf der Fluh, Brüchli und Zielen.
Es scheint, dass um 1865 der Schiessbetrieb neuen Aufschwung nahm. Die Vorderlader wurden durch die Hinterladergewehre ersetzt. Es kam damals das weltweit beste Gewehr zur Einführung, das Vetterligewehr.
Das Eintrittsgeld in die junge Gesellschaft wurde auf Fr. 5.-- festgesetzt. Im Hinblick auf die damaligen Taglöhne von Fr. 1.20 - 1.60 ein schöner Betrag! Weiter wurde ein Unterhaltsgeld von max. Fr. 2.-- eingezogen. Dazu kam noch ein Monatsbeitrag von 25 Rappen. Das Monatsgeld wurde am Hauptschiessen wieder verteilt. Zeiger und Schreiber erhielten damals pro Übung Fr. 1.-- ausbezahlt.
Das Gesellschaftsvermögen (ca. Fr. 100.--) wurde nicht zur Bank getragen. Man stellte es gegen Bürgschaft einem Gesellschaftsmitglied zur Verfügung. Es war ein Jakob Mäder, welcher das Geld unter der Bürgschaft eines Hans Mäder und eines Johannes Studer bekam. Einmal wurde an einer Schützenversammlung auch der Antrag gestellt, dass jeder Schütze vom erhaltenen Stichgeld 5 % der Gesellschaft abzuliefern habe. Der Antrag wurde angenommen, später aber wieder aufgehoben.
1870 - 1879
Es ist sehr schade, dass über eine längere Zeitspanne die Protokolle fehlen. Es gilt aber als sicher, dass sich die Schützengesellschaft anfangs der 70-er Jahre in einer tiefen Krise befand, die praktisch zur Auflösung des Vereins führte. Ein offizieller Aufhebungsbeschluss wurde nie gefällt. Im Juni 1877 wurde aus den Beständen der alten Gesellschaft die neue Feldschützengesellschaft gegründet. Es wurden folgende Vorstandsmitglieder gewählt:
Präsident Jakob Haari
Vizepräsident Ulrich Brunner
Kassier Jakob Blatter auf der Mauer
Sekretär Jakob Studer
Erstmals wurden auch die Schützenbettler bestimmt:
Peter Haari
Ulrich Blatter-Schuster
Unverzüglich wurden Verhandlungen mit Peter Haari, Untere Gasse, aufgenommen, um im Schorren einen Schiessstand zu bauen. Die Verhandlungen verliefen erfolgreich. Peter Haari bewilligte den Schützen einen Schiessstand unter der Bedingung, dass die Kinder vom Schiessstand fernzuhalten seien, damit sie keinen Landschaden anrichteten. Noch im Jahre 1877 wurde mit dem Neubau begonnen, welcher die Masse von 16 Fuss Breite und 14 Fuss Länge aufweisen sollte (1 Fuss = 29,3m).
Das Schützenhaus und die Zeigeranlage wurden ausschliesslich in Fronarbeit erbaut. Wem es nicht möglich war, Hand anzulegen, musste eine Entschädigung von Fr. 3.-- pro Tagwerk entrichten.
1880 - 1889
1880 wurde wieder einmal ein Ausschuss zur Regulierung des gemeinsamen Schützengutes mit Ringgenberg gewählt. 1885 wurde den Ringgenberger Schützen ein sehr scharfer Brief geschrieben, welcher beinhaltete, dass das begehrte Schützengut innert 10 Tagen zu zahlen sei, ansonsten richterlich vorgegangen würde.
1888 Anschaffung der ersten Vereinsfahne. Bestellt wurde diese bei der Fahnenfabrik Wiedmer und Bader, Kostenpunkt Fr. 136.--. Anscheinend war man von der Fahne begeistert, denn an einer Schützenversammlung wurde beschlossen, dem Fahnenlieferanten ein Trinkgeld von Fr. 5.-- zu schicken.
1890 - 1899
Bestand der Feldschützen im Jahre 1890
Militärschützen 16 Mann
Freiwillige 5 Mann
Total 21 Mann
1892 ist bei einem Föhnsturm ein grosser Teil von Meiringen abgebrannt. Die Feldschützen haben den Brandgeschädigten Fr. 20.-- gespendet.
Am 4. Mai 1895 beschloss die Schützenversammlung, der Musikgesellschaft Niederried Fr. 50.-- zu spenden. An diese Spende wurden jedoch sehr strenge Bedingungen geknüpft. Die Musikgesellschaft muss an den Ausschiesset oder Übungen kostenlos spielen. Falls die Gesellschaft innert 5 Jahren aufgelöst wird, müssen die Fr. 50.-- zurückerstattet werden. Bei Nichtbezahlung haben die Schützen Anrecht auf die Instrumente.
Die jährlichen Ausschiesset im Herbst wurden immer bereits am Samstag geschossen. Besammlung mit Waffen um 11.00 Uhr vor der Post. Nichterscheinen wurde mit 50 Rp. bestraft. Bereits am Abend gleichentags wurden bei Nachtessen und Tanz in der Schützenwirtschaft die Gaben und Stichgelder verteilt.
In der Regel wurde 2 Wochen nach dem Ausschiesset ein Schafschiesset organisiert. Gabensatz Fr. 200.--.
Den alten Unterlagen von 1898 kann folgende Abrechnung entnommen werden:
Schiessen im Berg: 4 l Wein
½ kg Kaffee
2 l Cognac
2 ½ kg Zucker
1990 - 1909
Finanziell ging es den Feldschützen im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gut. Sie spendeten für den Neubau des Spitals Fr. 20.--. Der Musikgesellschaft Niederried gaben sie ein Darlehen von Fr. 150.--, welches mit 4 % verzinst werden musste.
1902 war auch genug Geld vorhanden um ein Trinkhorn anzuschaffen. Der Trinkhornträger wurde jeweils an der Frühjahrsversammlung bestimmt. Im Frühjahr 1903 appellierte der Vorstand an die Mitglieder, vermehrt zu üben, damit die Gesellschaft an auswärtigen Schiessen konkurrenzfähig bleibe. Im Jahre 1905 installierte die Firma Hasler-Götz Interlaken das erste Leutwerk und Telefon. Diese Installation wurde aber über Jahrzehnte zum Sorgenkind der Gesellschaft. Technische Störungen und auch mutwillige Beschädigungen gaben immer wieder Anlass zu Kontroversen. Erstmals besuchten dann die Feldschützen 1906 ein Kantonales Schützenfest in Langnau. Mit dem Schiessen wurde eine Rundreise verbunden, von welcher die Schützen über den Brünig heimkehrten.
Am 28. April 1907 wurde das "30-jährige Jubiläum (1877 - 1907)" mit einem Umzug durch das Dorf gefeiert. Zuerst kamen Ehrenjungfrauen und Kinder mit Blumenkränzen, danach Fahnen- und Trinkhornträger, die alte Schützengarde, die Musikgesellschaft, die übrigen Schützen und zum Schluss wieder Ehrenjungfrauen. Total 7 Ehrenjungfrauen wurden für den Umzug eingesetzt. Heutzutage wäre es sicher schwierig, 7 Jungfrauen zu finden...
1910 – 1919
Leider fehlen für diese Jahre die Protokolle. Sicher aber war es auch nicht anders als bei anderen Schützengesellschaften, dass während des ersten Weltkrieges die freiwillige Schiesstätigkeit stark eingeschränkt wurde. Die Militärschützen waren grösstenteils im Militär und der Verbrauch der Munition wurde stark eingeschränkt. Wenn wir auch keine schriftlichen Übermittlungen aus dieser Zeit besitzen, so haben wir doch ein Foto der Grenzbesetzungssoldaten 1914-1918, die alle auch zur Feldschützengesellschaft Niederried gehörten. Dieses Foto wurde vor der damaligen Post aufgenommen, wo heute die Raiffeisenkasse untergebracht ist. Seit der Gründung der Schützengesellschaft war für die Schützen die Postablagestelle der Besammlungsort vor dem Abmarsch auf den Schiessplatz.
Stehend von links:
Studer Johannes 1894 (Jägis Hänsel), Studer Eduard 1893 (Hänsen Edwärel), Studer Robert 1880 (Hanslirobi), Studer Jakob 1888 (Dr gross Kebel), Blatter Hans 1891 (Flieierhänsel), Roth Fritz ... (ds Mederfritzi), Studer Alfred ... (Brienzerli Fritzen Alfredel), Studer Johann 1882 (Brienzerli Hans).
Sitzend von links:
Studer Alfred 1896 (ds Rothen Adolfs Junga), Blatter Abraham 1896 (Blatter Hämmi), Studer Jakob 1888 (Jägli Fritze Kebel), Studer Friedrich 1890 (Jägli Fritz), Blatter Mathäus 1881 (Blatter Teus), Glaus Johann 1896 (ds Lamen Hans), Zehnder Anton 1884 (Zehnder).
1920 -1929
1921 Abschluss der Dienstbarkeits- und Kaufverträge mit Abraham Dauwalder und Johann Blatter für die Erweiterung des Schiess- und Scheibenstandes im Schorren. Obschon das neue Schützenhaus gemäss den Abmachungen im Grundriss dem alten entsprechen musste, ist in einem späteren Protokoll zu lesen, dass es trotzdem etwas grösser gebaut wurde. Jedes Aktivmitglied musste 32 Stunden Frondienst am Neubau leisten. Die Baukosten beliefen sich auf Fr. 1'200.--, welche auf zwei Darlehen verteilt wurden. Je Fr. 600.-- Einwohnergemeinde Niederried und Melchior Amacher.
Im Jahre 1924 wurde ein Gesuch um Schuldenerlass an die Einwohnergmeinde gestellt.
1927 wurde erstmals am Ausschiesset um einen Wanderbecher geschossen. 2 Schüsse auf die gleiche Scheibe. Der Schütze mit der grössten Punktzahl konnte den Becher für ein Jahr nach Hause nehmen. Jener Schütze, der den Becher dreimal hintereinander gewann, konnte ihn als Eigentum behalten. Am 01.10.1927 wurden sämtliche Veteranen und frühere Mitglieder zum "50-jährigen Bestehen der Feldschützen" zu einem Nachtessen in die Schützenwirtschaft eingeladen. Auch dieses Jubiläum wurde auf die zweite Gründung abgestützt.
1930 – 1939
Anlässlich einer gut besuchten Schützenversammlung vom 11. Januar 1930 wurde beschlossen, eine neue Fahne zum Preis von Fr. 590.-- anzuschaffen. Gleichzeitig wurde je ein Beitragsgesuch an die Burger- und Einwohnergemeinde gestellt, welches angenommen wurde. Die Burger spendeten Fr. 50.-, die Einwohnergemeinde Fr. 150.--. Der Rest wurde mit einer Sammlung von Haus zu Haus finanziert. An der Fahnenweihe vom 05. August 1990 wird diese durch eine neue Fahne ersetzt.
Bis in die 30-er Jahre wurde im Herbst jeweils ein Schafstich durchgeführt. 1932 ist erstmals ein Saustich organisiert worden. Es ist interessant, wie die Schützenbettler zum fleissigen Sammeln motiviert wurden. Ein Beschluss von 1937 gab den Bettlern das Recht, für jeden abgeschlossenen Betrag von Fr. 100.-- einen Liter Wein in der Schützenwirtschaft zu trinken.
Einmal mehr machte die Telefonanlage dem Verein grosse Sorgen, so dass im Jahre 1939 beschlossen wurde, eine neue Anlage zu erstellen.
1940 - 1949
Während des 2. Weltkrieges wurde der Schiessstand auch für die Schiessübungen der Ortswehr gebraucht. Der Schützenmeister der Gesellschaft musste die Übungen überwachen.
Am 14. Oktober 1945 wurde das 80-jährige Bestehen der Schützengesellschaft (1865-1945) mit einem Jubiläumsstich am Ausschiesset gefeiert (1x6 Schuss in 60 Sekunden Scheibe B4, Stichgeld Fr. 2.--). Um das Jubiläumsschiessen festlich zu gestalten, begleitete die Dorfmusik die Schützen mit Marschmusik und Trommeln auf den Schiessplatz. Im Hotel Bahnhof wurde dann ein Nachtessen serviert und die Feierlichkeiten abgehalten. Der Sekretär H. Grossniklaus hielt eine Festansprache.
1949 wieder grosse Sorgen mit dem Telefon, das einfach nicht richtig funktionieren wollte. Der Schreibende, damals in den Flegeljahren, gibt zu, dass diese Telefonanlage uns Buben magnetisch anzog. Unser "unsachgemässes Manipulieren" hat sicher dazu beigetragen, dass diese Anlage nie richtig funktionierte. Zu allem Übel wurde dann der Gesellschaft noch eine Rolle Kupferdraht gestohlen, welcher für die Telefonanlage vorgesehen war. Der Diebstahl wurde dem Richter gemeldet.
1950 - 1959
Die 50-er Jahre sind von Uneinigkeiten und vielen Streitereien geprägt. Viele private Händel wirkten sich auch auf den Verein aus. Der Statthalter musste sogar eine Erhöhung des Stichgeldes bei einem Ausschiesset schlichten. Es gab an der darauffolgenden Hauptversammlung massenweise Rücktritte aus dem Vorstand und Austritte aus der Gesellschaft. Ein in dieser schwierigen Zeit amtierender Vereinspräsident H. Grossniklaus schrieb folgendes ins Protokoll:
"Mit dem heutigen Tag trete ich aus der Feldschützengesellschaft aus. Während annähernd 10 Jahren setzte ich meine Kraft nach bestem Wissen und Gewissen für die Feldschützen ein. Es ist nicht meine Art mit meinen Verdiensten aufzuschneiden. Es war nur schade, dass einige schwarze Raben das gute gegenseitige Einvernehmen störten. Ich hoffe, dass diese früher oder später zur Einsicht kommen, dass eine Gesellschaft nicht mit Sauferei, Aufschneiderei und Schlendrian vorwärts kommen kann. Den Feldschützen Niederried wünsche ich alles Gute.
Niederried den 30. März 1951, H. Grossniklaus"
Die drohenden Gewitterwolken über der Gesellschaft sind jedoch nach und nach wieder abgezogen und am 25. August 1957 wurde auf dem Bahnhof Niederried eine tolle Schützenchilbi abgehalten, welche in jeder Hinsicht ein voller Erfolg wurde.
1960 – 1969
Auch diese Jahre muss man als schwierig bezeichnen. Nicht Uneinigkeiten sondern der Standort der Schiessanlage im Schorren wurde zum Problem. Einerseits wegen der Überbauung des Schorrens, andererseits verursachten die Schiessvorschriften grosse Sorgen. Es wurde zum Beispiel festgestellt, dass die Anlage 30 Meter zu lang ist und der Kugelfang nicht den Vorschriften entspricht. Man kam zum Schluss, dass der Schiessbetrieb im Schorren längerfristig eingestellt werden müsse. Nach langen und zähen Verhandlungen wurde der Stand schliesslich den Grundbesitzern im Schorren für Fr. 28'000.-- verkauft. Mit diesem Geld hoffte man damals, einen neuen Stand an einem anderen Standort erstellen zu können. Die Schiesspflicht wurde von nun an auf dem Schiessplatz in Ringgenberg erfüllt. Man glaubte damals, dass dies nur eine Übergangslösung sei. Mit grossem Eifer suchte man nach möglichen Standorten für die neue Schiessanlage. Es wurden folgende Standorte geprüft: Lücke-Stocki, Furi, Korrenlegi Furi und zusammen mit Oberried die Fahrlaui. Die Standorte erwiesen sich entweder als nicht geeignet, oder aber es konnte mit den Grundeigentümern keine Einigung erzielt werden.
1970 - 1979
Auch in den 70-er Jahren blieb die Hoffnung auf einen eigenen Schiessstand wach. Es wurden auch immer wieder Vorstösse in dieser Richtung unternommen, die aber alle im Sande verliefen. Allmählich gewöhnte man sich daran, in Ringgenberg zu schiessen. Die Rufe nach einem eigenen Schiessstand verstummten ganz.
Ansonsten verflossen diese Jahre in ruhigen geordneten Bahnen.
1980 – 1989
Die Kameradschaft mit den Ringgenbergern und Goldswilern vertiefte sich zusehends. So war es möglich, dass die Feldschützen Niederried 1985 ohne grosse Diskussion als 4. Mitglied in die vereinigte Schützengesellschaft Ringgenberg aufgenommen wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt fühlten sich viele Niederrieder Schützen als "5. Rad am Wagen".
In der zweiten Hälfte der 80-er Jahre konnte unsere Schützengesellschaft einen massiven Zuwachs verzeichnen, der sicher im wesentlichen dem initiativen Präsidenten, Peter Jaggi und seinem Vorstand zu verdanken ist, was auch folgende neu aufgenommenen Tätigkeiten beweisen:
1985 Kauf von zwei Match-Luftgewehren und Einführung eines Wintertrainings. 1986 Durchführung der l. Wintermeisterschaft (6x10 Einzelschuss).
1986 Durchführung des 1. Lottomatches.
1987 Um die etwas stillere Jahreszeit (November) zu "überbrücken" wird ein Holzertag organisiert. Der Reingewinn fliesst in die Vereinskasse. Dieser Tag war insbesondere in Bezug auf die Kameradschaft ein voller Erfolg.
1989 Der Arbeitsanfall für den Vorstand ist durch die stetig zunehmende Mitgliederzahl und die sehr rege Vereinstätigkeit stark gestiegen. Deshalb wird der Vorstand von 5 auf 7 Mitglieder erweitert.
Die 80-er Jahre waren auch von den grossen Bemühungen um einen neuen Schiessstand im Rosswald geprägt. Obschon dieser Standort bei neutraler, objektiver Betrachtung als nahezu ideal bezeichnet werden kann, haben die Gegner nun jahrelang erfolgreich gegen den Bau gekämpft. Verfolgt man den Berg von Gerichtsentscheiden, welche immer wieder für einen Standneubau ausfielen, kann man als Laie Recht und Unrecht nicht mehr begreifen.
Das völlig mit Arbeit überlastete Beamtentum kennt keine Grenzen. Ohne Skrupel folgen den zuvor gemachten Aussagen von den gleichen Beamten Entscheide, die genau das Gegenteil beinhalten.
Holzertag (unser Kassier Ernst Studer 63 hatte nur während dem "Fototermin" ein Werkzeug in den Händen...).
1990 – Jubiläumsjahr
125-Jahre Feldschützen Niederried. Dieses Jubiläum wird mit Jubiläumsschiessen und Festakt gebührend gefeiert. Um diese Festlichkeiten zu organisieren setzte die Schützenversammlung ein Organisationskomitee ein. An zahlreichen Sitzungen werden die Festlichkeiten besprochen und organisiert. Ziel ist es, ein würdiges und schönes Jubiläum durchzuführen. Gleichzeitig findet eine Fahnenweihe statt.
Am Feldschiessen 1990 überraschte uns der Präsident Peter Jaggi mit einer Schiffahrt, die er im Geheimen organisiert hatte. Wir Schützen staunten nicht schlecht, als die Tambouren uns vom Schiessplatz zur Seeburg brachten, wo uns das Motorboot "Harderli" mit einem riesigen Plakat "125-Jahre Feldschützen Niederried" abholte.
Auf der feuchtfröhlichen Rundfahrt wurde ausgiebig gesungen und gelacht. Es war wunderbar. Nur kurz vor dem Landesteg in Niederried verstummten die fröhlichen Lieder für einen Moment. Aus lauter Übermut und Freude hat Markus Haari das Schiff früher mit einem "Salto Mortale" ins kalte Nass verlassen und das Ufer schwimmend erreicht.
Mit dieser unvergesslichen Erinnerung an das Feldschiessen 1990 beende ich meine Berichterstattung und wünsche der Feldschützengesellschaft Niederried alles Gute für die nächsten 125 Jahre.
Niederried, im Juni 1990 Ernst Studer 37