Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03141.jsonl.gz/2266

Sie haben auf dem Handy einen Anruf in Abwesenheit von einer Ihnen unbekannten Nummer erhalten. Beim Rückruf teilt Ihnen ein Anrufbeantworter mit, dass Sie einen Preis gewonnen haben und Ihre persönlichen Daten angeben sollen. Wir geben Ihnen einige Tipps, damit Sie nicht in die Falle tappen, und klären Sie über den Hintergrund dieser Anrufe auf.
Beschreibung der Vorfälle
Seit September 2005 sehen viele auf ihrem Mobiltelefon die Meldung "Anruf in Abwesenheit" von einer Telefonnummer, die mit 044 718 5… oder 044 727 … beginnt. Gelegentlich werden auch weitere Nummern dafür genutzt und angezeigt.
Bei einem Rückruf wird man mit einem Sprechautomat verbunden. Der Wortlaut variiert von Fall zu Fall, der Verlauf ist aber immer ähnlich: Dem Anrufer wird zu einem Gewinn gratuliert und er wird aufgefordert, sein Alter und sein Geschlecht mittels Tastendruck anzugeben. Anschliessend wird ihm mitgeteilt, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelten und er nun auflegen soll, wenn er auf den Gewinn verzichten möchte. Legt er nicht auf, so dankt ihm die automatische Ansage für das Akzeptieren der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Der Anrufer wird danach aufgefordert, die Taste 0 zu drücken, um die AGB zu hören, oder die Taste 5, "wenn Sie wissen wollen, was Sie gewonnen haben".
Drücken der Taste 5:
"Sie haben 20 Gratisminuten im Wert von Fr. 42.- für unseren Telefonchat gewonnen. Um Ihren Preis anzufordern, senden Sie ein frankiertes und an Sie adressiertes Couvert an: …"
Drücken der Taste 0:
Die AGB werden vorgelesen. Dem Anrufer wird suggeriert, dass er einen Vertrag abgeschlossen habe. Sämtliche Rechte und Rechtsmittel des Anrufers werden ausgeschlossen oder für nichtig erklärt. Insbesondere sei der Anrufer damit einverstanden, dass ihm Werbung, Angebote und weitere Informationen unaufgefordert mit einer uneingeschränkten Anzahl SMS/MMS, E-Mail und Post zugesandt werden können. Wenn man von diesem Vertrag zurücktreten wolle, solle man die Taste 4 drücken. Das Drücken dieser Taste funktioniert in der Regel nicht, und man wird erneut an den Anfang der Ansage geschaltet. In einigen Fällen wird eine Mehrwertdienstnummer (des Typs 090x…) genannt, die man anrufen soll, um den Vertrag aufzuheben. Ein Anruf auf eine solche Nummer kann Sie teuer zu stehen kommen: Die Grundgebühr kann z. B. Fr. 10.- und jede weitere Gesprächsminute Fr. 5.- kosten. Wird hingegen Ihr Anruf automatisch auf eine solche Mehrwertdienstnummer weitergeleitet, nachdem Sie eine 044-Nummer gewählt haben, ist es ausgeschlossen, dass die hohen Telefongebühren Ihnen in Rechnung gestellt werden.
Beurteilung des BAKOM
Das primäre Ziel solcher Kurzanrufe scheint darin zu bestehen, Rückrufe zu provozieren. Damit kann der Anrufer z. B. eine Liste von gültigen Mobiltelefonnummern erstellen, die später für das gezielte Versenden von Werbung (Spam) genutzt werden kann. Dieser Verdacht wird dadurch erhärtet, dass der versprochene "Gewinn" mit frankiertem und an sich selber adressiertem Couvert angefordert werden muss.
Empfehlungen des BAKOM
Das BAKOM empfiehlt, im Zusammenhang mit Spamming folgende Punkte zu beachten:
- Werden Sie z. B. mittels eines automatisierten Anrufs oder einer SMS zum Rückruf aufgefordert, so tun Sie dies nur, wenn Sie den Absender und/oder die angegebene Telefonnummer als vertrauenswürdig erachten.
- Antworten Sie nie auf Spam-Anrufe oder Spam-SMS, um Ihren Unwillen zu äussern. Notieren Sie sich die wichtigen Informationen und melden Sie den Vorfall ihrer Mobilfunkanbieterin.
- Bei missbräuchlichen Anrufen haben Sie die Möglichkeit, bei Ihrer Fernmeldedienstanbieterin den Namen und die Adresse des Inhabers der fraglichen Nummer in Erfahrung zu bringen. Dazu müssen Sie jedoch glaubhaft machen, dass diese Angaben nötig sind, um die Belästigungen zu beweisen. Es genügt, Uhrzeit und Dauer der Anrufe anzugeben, damit die Anbieterin diese überprüfen kann. Diese Auskunft erlaubt es Ihnen dann, gegen den Anrufer Strafanzeige wegen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage zu erstatten (Art. 179septies des schweizerischen Strafgesetzbuches), wenn Sie der Meinung sind, dieser Tatbestand sei erfüllt.
Angebliche Warnung des BAKOM
Seit Ende September 2005 zirkuliert per E-Mail eine Falschwarnung des BAKOM.
Möglicherweise haben Sie folgende Meldung erhalten:
Diese E-Mail wurde nicht vom BAKOM verbreitet. Es handelt sich um eine Falschmeldung.
Die Behauptung, bei einem Rückruf auf eine 044-Nummer werde man automatisch mit einer teuren 0900-Nummer verbunden, ist falsch. Ausserdem ist es heute technisch nicht möglich, bei einer Anrufweiterleitung (z. B. an eine Mobiltelefonnummer oder eine Nummer im Ausland) die zusätzlichen Kosten dem Anrufer zu verrechnen. Diese Kosten werden in jedem Fall demjenigen in Rechnung gestellt, der die Anrufweiterleitung eingerichtet hat.
Letzte Änderung 06.12.2005