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Vor rund 100 Jahren wurden die Marderkaninchen in Deutschland aus Russen- und Chinchilla-Kaninchen herausgezüchtet. Das erwünschte Zuchtziel war damals die Schaffung eines günstigen Imitates des echten Possumfells (Fuchskusu), welches Anfang des 20. Jahrhunderts sehr begehrt war. Doch der erwartete Erfolg blieb aus und man gab dieses Vorhaben auf. Stattdessen entstand die Rasse der Marderkaninchen, welche durch ihre interessante Erscheinung bald grossen Anklang erlangte. In Anlehnung an die Farbe der Edelmarder und Steinmarder wurde diese Benennung für die neue Kaninchenrasse gewählt. In der Schweiz ist diese Kleinrasse mit einem Idealgewicht von 2,8 bis 3,2 Kilogramm seit 1924 im Standard anerkannt.
Ausgeprägte Kopfformen
«Die Faszination für die Marder ist sicher die wunderschöne Färbung, aber auch die Eleganz dieser Rasse», sagt Peter Bigler aus Recherswil SO. Er ist Präsident von Marderkaninchen Schweiz. Zudem habe die Rasse für ihn eine gute Grösse und da sie spalterbig sei, fielen auch immer genügend Tiere zur Fleischverwertung an. Das Fell vom Marderkaninchen ist dicht, voll griffig mit viel Unterwolle und reichlich Deck- und Grannenhaaren. Die Deckhaarlänge ist 26 bis 30 Millimeter und wird von den Grannenhaaren um 5 bis 8 Millimeter überragt.
Die Fellhaut ist geschmeidig, satt anliegend und abhebbar. Die Deckfarbe verlangt ein glänzendes, leuchtendes Braun mit intensivem Glanz. Die Hinterschenkel und die Schulterpartie sind etwas dunkler angedeutet. Die Backen, die Brust und der Bauch sind hellbraun. Über den ganzen Rücken zieht sich ein dunkler Streifen, der seitlich in ein helleres, leicht ocker gefärbtes Braun übergeht. Die Maske ist dunkel, endet etwa auf Augenhöhe und geht fliessend ins Braun über. Die Ohren, Läufe und Blume sind dunkel. Die Augeneinfassung tritt in dunkler Schattierung in Erscheinung. Die helle Unterfarbe wird bläulich und geht mit einer leicht orangen Farbtönung fliessend in die Deckfarbe über, die sichtbar abschliesst.
Abweichungen in der Unterfarbe, Deckfarbe sowie Nuancierung von den Abzeichen gelten als Schönheitsfehler. Schwarzer Kopf, schwarze Ohren oder starker Rostanflug gelten als Ausschlussfehler. Der Kopf der Marderkaninchen ist markant, länglich und dicht an den Schultern anliegend. Die Stirn und die Maulpartie sind breit und gut entwickelt und zeigen eine leichte Ramsbildung. Die Iris ist braun, die Pupille rötlich durchleuchtend. Die ausgeprägten Kopfformen sind bei dieser Rasse sehr gut durchgezüchtet. Die v-förmig getragenen Ohren sind kräftig, aufrecht stehend und haben idealerweise eine Länge von 10,5 bis 11,2 Zentimetern.
Vereine sind der Lebensnerv
Der Hals ist nicht sichtbar. Die Brust ist voll ausgeformt, die Schultern sind gut bemuskelt und geschlossen. Die Vorderläufe sind mittelkräftig, gerade und mittellang. Dies ergibt auch die verlangte mittelhohe Haltung mit gut sichtbarer und aufgezogener Bauchlinie. Der Rücken ist gut abgerundet, das Becken ist geschlossen, gut aufgesetzt, mittelhoch und gerundet. Die mittelkräftigen Hinterläufe müssen eine parallele Stellung aufweisen, die Krallen sind hornfarbig.
Bigler züchtete als Jungzüchter Sachsengold. «Als ich nach der Lehre wieder Kaninchen züchten wollte, lernte ich Werner Aebi, den Onkel meiner Frau, kennen. Er züchtete Marder und hat mir die ersten Tiere vermittelt. Heute züchte ich mit sechs bis acht Zibben und zwei bis drei Rammlern.» In einem Schopf neben dem Einfamilienhaus stehen dazu 45 grosszügige Boxen. Die Tiere erhalten nebst Körnern, Heu und Wasser täglich Grünzeug. Wenn er mal abwesend ist, schaut seine Familie zu den Tieren. Als zweite Rasse züchtet er noch Zwergwidder in den Farben Havanna und Schwarz. «Tiere, die sich nicht zur Zucht eignen, schlachte ich selber. Da das Fleisch sehr vielseitig verwendet werden kann und in allen Varianten eine Gaumenfreude ist, essen wir das meiste selber.» Die Felle verwertet er nicht. Wenn aber eine Fellnähgruppe Bedarf hat, darf sie sich gerne bei ihm melden.
Für ihn ist die Kaninchenzucht ein schönes, aber auch verantwortungsvolles Hobby für die ganze Familie. «Es bringt das ganze Jahr Freude. Bereits die Kinder lernen den pflichtbewussten Umgang mit Tieren und man weckt bei ihnen damit auch das Interesse an der Natur», schwärmt Bigler.Vereine bildeten den Grundstein und seien der Lebensnerv für eine erfolgreiche Zukunft der Kaninchenzucht. Und Bigler weiter: «Wenn in einer Region kein Verein anzutreffen ist, hat es meist keine Züchter, welche für eventuelle Neuzüchter Ansprechpartner sein könnten.» Zudem seien der Meinungsaustausch und die Mithilfe ausserordentlich wichtig und verbindend.