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Geschichte über die Gründung des Turnverein St.Georgen
Am 19. August 1883 wurde aufgrund einer Einladung durch Georg Geschwend und Johann Voit in der „Krone“ in St. Georgen die Gründungsversammlung abgehalten. 13 Jünglinge trugen sich in die Gründerliste ein. Gleichzeitig tauchte aber die Frage auf: Wie finanzieren wir die Anschaffung der Turngeräte?
Mit einem Bettelzirkular gingen ein paar Unentwegte von Haus zu Haus, und bis zum 29. September waren Fr. 212.50 zugunsten der Vereinskasse eingegangen. Am 1. September 1883 wurde die provisorische Kommission wie folgt bestätigt:
•Johann Acker, Präsident
•Georg Geschwend, Aktuar
•Gustav Zuber, Kassier
•August Völke, Vorturner
Am 9. September wurde der eigentliche Grundstein durch Genehmigung der Statuten gelegt. Nach dreiwöchigem Bestande des Vereins waren es 18 turnfreudige Jünglinge, die unsere 100jährige Geschichte aufzubauen begannen. Das Verzeichnis weist folgende Namen auf:
1. Georg Gschwend Initiant
2. Johann Voit Initiant
3. Johann Acker
4. Johann Baumgartner
5. Alois Büchel
6. Albert Beninger
7. Gallus Kirchheim
8. Jean Ruckstuhl
9. Albert Stadler
10. Wilhelm Wenger
11. Joses Wüest
12. Josef Zoller
13. Gustav Zuber
14. August Völke
15. Josef Lüscher
16 Karl Boller
17. Engelbert Lorenz
18. Hermann Pfenninger
Zweck und Ziel
Paragraph 1 der ersten Statuten vom 10. September 1883 lautet folgendermassen: „Der Turnverein St. Georgen ist ein Verein von jungen Männern, welcher die turnerische Ausbildung und Verbrüderung bezweckt.“
Nach den Statuten vom März 1890 „bezweckt der Verein durch gemeinsame Turnübungen körperliche Kraft, Gewandtheit und Ausdauer auszubilden, den Sinn fürs Schöne und Edle zu wecken und so dem Vaterlande Männer heranzubilden, würdig dessen republikanischen Einrichtungen und tüchtig seinem bewaffneten Schutze in den Tagen der Not“. Neue Statuten wurden genehmigt am 19. Juli 1899 (dritte Fassung), am 2. Februar 1907 (vierte Ausgabe) und am 3. Dezember 1932 (fünfte Auflage), worin es in Artikel 1 heisst: „Der Turnverein St. Georgen bezweckt eine möglichst allseitige, körperliche Ausbildung seiner Mitglieder und damit die Förderung des Turnwesens zur Hebung des allgemeinen Volkswohls. Er macht sich auch zur Pflicht, in moralischer Hinsicht vor allem durch die Pflege der Kameradschaft Gutes zu wirken.“
Es war und wird Aufgabe jedes Vorstandes sein, die Mitglieder auf den wirklichen Wert des Turnens zu lenken und zu einem erspriesslichen Schaffen auf die Notwendigkeit aufrichtiger Kameradschaft hinzuweisen.
Obschon das Ziel als edel bezeichnet werden muss, ging die Entwicklung nicht ungehemmt und ohne Kampf vor sich. Zeiten schönster Blüte folgten Jahre der Bedrängnis und beängstigender Rückschläge. Freuen wir uns darüber, dass das Wurzelwerk bis heute allen Stürmen standgehalten hat.
Um den Fortbestand zu sichern, braucht es Mitglieder, die guten Willens sind, die dem Verein die Treue halten, die nicht passiv beiseite stehen, sondern etwas vollbringen wollen und dem Zweck und dem Ziel der Statuten nachleben.
Turnbetrieb
Wenn der Turnverein St. Georgen getreu der Statuten die Pflege von Leibesübungen, durch Turnen körperliche Kraft, Gewandtheit und Ausdauer als Ziel und Zweck erstrebt, ist dies sicher eine vornehme, aber sehr schwierige Aufgabe. Nur durch verantwortungsbewusste Hingabe sämtlicher Mitglieder des Vereins, durch eine von Sachkenntnis getragene, aufopfernde Tätigkeit des Oberturners und eine straffe, verantwortungsbewusste und doch kameradschaftliche Führung durch den Präsidenten kann das Ansehen des Vereins nach aussen gefördert, können Symathien gweckt und Gönner geworben werden.
Erfolge im Turnbetrieb setzten Disziplin, Ausdauer, Training und Kameradschaft voraus. In St. Georgen begann man die Turnerlaufbahn mit Stab- und Freiübungen. Die Anschaffung eines Turnpferdes erfolgte bereits im Gründungsjahr. 1884 folgte der Barren und die Reckstange. Somit war man wenige Monate nach der Gründung bereits in der Lage, Übungen zu pflegen, die heute noch zu den Grundlagen der Turnerei zählen.
Man behielt aber auch die Erweiterung des Turnbetriebes im Auge. Die Anschaffung von Sprungstangen, Steinen und Schwingerhosen bewies, dass man nicht bloss dem Sektions-, sondern auch dem Einzelturnen oblag. Lange Zeit kannte man im Einzelwettkampf nur das Kunst- und Nationalturnen. Einerseits also Geräteturnen und Springen, anderseits Heben, Stossen, Ringen und Schwingen. Nach 1900 erfolgte die Einführung des volkstümlichen Turnens, das später durch die Leichtathletik mit Lauf-, Wurf- und Sprungübungen ersetzt wurde. Als freigewähltes Gerät für den Sektionswettkampf wählten die St. Geörgler mit Vorliebe Pferd und Barren. In neuester Zeit arbeitetet man mit Erfolg an den Ringen.
Die Erfolge, die der Turnverein St. Georgen an den Turnfesten erzielte, dürfen sich sehen lassen. Gekrönte Einzelturner waren zwar eine Seltenheit, die Vereinsfahne hingegen ist seit vielen Jahren lorbeergeschmückt heimgekehrt. Zu diesen Erfolgen hat nebst Oberturnern unser Ehrenmitglied Albert Widler Wesentliches beigetragen, hat er doch 11 turnerische Vorunterrichtskurse durchgeführt und seit der Gründung 1922 bis 1939 als Leiter der Jugendriege viel zur Bildung und zum Fortbestand des Vereins beigetragen. Für diese Tat gebührt ihm Dank und grosse Anerkennung. Sein Interesse am Wohlergehen des Vereins ist bei ihm bis zum heutigen Tag wach geblieben.
geschrieben von unserem verstorbenen Ehrenmitglied Edi Parpan
(Der Text wurde aus der 1. Version der Turnverein Homepage übernommen)