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Louisiana und New Orleans – im Lande des Mississippi
Es gibt keinen US-Bundesstaat, in dem französische Besiedlung und Kolonisation so viele Spuren hinterlassen haben wie in Louisiana. Darauf weist bereits der Name des Staates hin. Er ist nach Louis XIV. benannt, dem berühmten Sonnenkönig. Auch wenn die Zeit, als das Gebiet zu Frankreich gehörte, schon lange vorbei ist, in der Lebensart seiner Bewohner und nicht zuletzt in der Küche ist manches aus dieser Zeit erhalten geblieben. Französische Einflüsse haben sich hier mit spanischen und afrikanischen zu einer einzigartigen kreolischen Tradition verbunden, die sich deutlich von der angelsächsisch geprägten Kultur in anderen Teilen der USA abhebt.
Um die Wende zum 18. Jahrhundert begann die systematische französische Besiedlung. Die Kolonie Louisiana umfasste nicht nur den heutigen Bundesstaat, sondern den gesamten mittleren Teil der heutigen Vereinigen Staaten bis zur kanadischen Grenze, ein riesiges Territorium. In der Folge änderten sich die Besitzverhältnisse mehrfach. 1803 verkaufte Napoleon die noch im französischen Besitz befindlichen Restgebiete an die USA. Der Bundesstaat Louisiana in seiner heutigen Form wurde 1812 gegründet. Viele Städte- und Ortsnamen Louisianas erinnern noch an französische Ursprünge – allen voran New Orleans und Baton Rouge, die Hauptstadt des Staates. Lange war Französisch sogar zweite Amtssprache, wurde aber inzwischen von Englisch und immer mehr auch Spanisch verdrängt.
Der Bayou State
Der Mississippi ist die Lebensader Louisianas. Er bildet über weite Strecken die Grenze zum gleichnamigen Nachbarstaat. Nur das weitläufige Mississippi-Delta gehört ganz zu Louisiana. Hier geht der Strom allmählich ins Meer über. Wie Krakenarme reichen seine Mündungsarme weit in den Golf von Mexiko hinein, eine einzigartige Landschaft, in der es keine fest umrissene Küstenlinie gibt, sondern das Land in Sümpfe und schliesslich in den Ozean hinübergleitet. Sümpfe sind überhaupt ein Markenzeichen Louisianas. Hier werden sie Bayous genannt; Bayou State ist eine beliebte Bezeichnung für Louisiana.
Südstaaten-Erinnerungen
Mit Louisiana verbinden sich auch heute noch Vorstellungen vom alten Süden. Baumwolle ist nach wie vor ein wichtiges landwirtschaftliches Produkt. In der Zeit vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg erfolgte der Export des begehrten nachwachsenden Rohstoffes hauptsächlich über New Orleans, zum Transport dienten Mississippi-Dampfschiffe. Die heute vor allem touristisch genutzten Schaufelraddampfer auf dem Strom wirken wie eine Reminiszenz an diese Zeit, ebenso wie die vielerorts erhaltenen und noch zu besichtigenden Plantagenhäuser im charakteristischen Ante-Bellum-Stil.
Wieder da: New Orleans
Die Metropole Louisianas schlechthin ist und bleibt New Orleans. Die Stadt, die im Jahr 2005 schwer vom Hurrikan Katrina getroffen wurde, hat inzwischen wieder zu alter Grösse und Lebensfreude zurückgefunden. Tropisch feucht-heisses Klima ist ein Charakteristikum von New Orleans; wer hier ist, muss immer mit Unwettern oder einem Schutt rechnen – in der Regel ein kurzes und vorübergehendes Ereignis, nach dem die Hitze sofort zurückkehrt.
Im French Quarter
New Orleans ist anders als andere Grossstädte der USA. Zwar gibt es hier auch die übliche Downtown mit entsprechenden Bürobauten und Wolkenkratzern. Doch unverwechselbar ist sicher das French Quarter, auch Vieux Carré genannt, mit seinen typischen Bauten im französischen und spanischen Kolonialstil. Sein Mittelpunkt ist der weite French Market mit dem Jackson-Denkmal und der schneeweissen St.-Louis-Kathedrale, dem Wahrzeichen der Stadt. Berühmt ist das Café du Monde am Platz – ein Ort, an dem Café au Lait und französisches Gebäck serviert werden, nicht oft zu erleben in den USA.
Jazz und Blues
Das French Quarter, insbesondere die Bourbon Street, gilt als Amüsiermeile der USA. Hier wird bis in die frühen Morgenstunden Party gefeiert. Louisiana und speziell New Orleans wirken liberaler als viele andere Regionen der Vereinigten Staaten. Bei so viel Lebensfreude verwundert es nicht, dass Musik in der Stadt eine zentrale Rolle spielt. New Orleans gilt als Wiege des Jazz und des Blues. Zahllose Jazz-Berühmtheiten hat die Stadt hervorgebracht, Louis Armstrong ist nur ein Beispiel unter vielen. Festivals jeder Art gehören zum Leben in New Orleans. Eine bekannte Veranstaltung ist der Mardi Gras, der Karneval am Faschingsdienstag – eine Tradition, die die französischen Kolonisten mitgebracht haben.
Kreolische Küche
New Orleans ist auch die Heimat der kreolischen Kochkunst, die durch Vermischung verschiedener Einflüsse entstanden ist. Wegen der Nähe zum Meer spielen Meeresfrüchte hier eine besondere Rolle. Exotische Namen wie Jambalaya oder Gumbo versprechen Genüsse, die sich deutlich von der sonst dominierenden Fast-Food-Kultur unterscheiden.
Im Cajun Country
Wenn man von New Orleans aus in Richtung Südwesten fährt, gelangt man nach Houma. Die Stadt liegt mitten in den Sümpfen und ist daher ein beliebter Ausgangspunkt für Bayou-Touren. Hier beginnt das sogenannte Cajun Country, das sich entlang der Küste am Golf von Mexiko erstreckt. Cajuns werden die hier lebenden französischstämmigen Bewohner genannt, die trotz aller englischen Einflüsse ihre eigene Kultur bewahrt haben. Im ländlichen Cajun Country gibt es auch schöne Plätze und Strände, um in den warmen Fluten des Golfes zu baden – ein schöner Kontrast, wenn man zuvor das bunte und quirlige Treiben in New Orleans genossen hat.
Oberstes Bild: New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana verbindet heute noch französische Kultur mit afrikanischen und spanischen Einflüssen. (Adrian Pingstone, Wikimedia)