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Die Sammlungen des Textilmuseums und der Textilbibliothek St. Gallen gehen in ihren Ursprüngen auf die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück und stehen in der Tradition der Gewerbemuseen und Mustersammlungen, die in jener Zeit europaweit gegründet wurden. Sie sollen der Industrie als Inspiration und Vorbild der eigenen Produktion dienen und den „guten Geschmack“ bilden. 1863 beginnt das Kaufmännische Directorium – die Vereinigung der St. Galler Kaufleute – gezielt weltweit Mustervorlagen für die heimischen Produzenten zu sammeln und baut den bereits existierenden Bestand systematisch aus. 1878 kommt es zur Gründung des Museums. Im Laufe der Zeit wird die Sammlung durch Ankäufe, vor allem auch durch Schenkungen bedeutender Privatsammlungen und Archive der Textilindustrie erweitert. Von grösster Bedeutung ist die Sammeltätigkeit der Fabrikantenfamilie Iklé. Seinem Gründungsgedanke, Quelle der Inspiration für Entwerfer und Designer zu sein, fühlt sich das Haus bis heute verpflichtet.
Ab 1863 kauft das Kaufmännische Directorium St. Gallen regelmässig Stoffmuster aus Frankreich an. Sie werden zu Musterbüchern zusammengestellt und liegen im Musterzimmer des Directorialgebäudes zur Ansicht auf. Damit ist der Grundstein zu Textilbibliothek und Mustersammlung gelegt.
1867 erfolgt die Gründung der Zeichenschule. Den 1. Kurs belegen 24 Schüler.
1877 werden die Sammlungen des Kaufmännischen Directoriums im Kunstmuseum untergebracht.
29.7.1878 erfolgt die Gründung des Industrie- und Gewerbemuseums in St. Gallen durch das Kaufmännische Directorium und den Gewerbeverein nach dem Vorbild des Museums für Kunst und Industrie in Wien (heute: MAK, gegründet 1863). Gleichzeitig wird die Sammeltätigkeit systematisiert. Der erste Direktor des Hauses, Heinrich Bendel (1845-1931), beginnt mit der Planung eines eigenen Museumsgebäudes.
1882 erwirbt das Kaufmännische Directorium das Areal „Zum Seidenhof“ an der Vadianstrasse für 275 000 Franken. Emil Wild wird neuer Direktor.
1884 erfolgt die Ausschreibung eines Architekten-Wettbewerbs für den Museumsbau. Der 2. Preis geht an Gustav Gull, Zürich (Erster Preis wird keiner vergeben). Wild überarbeitet in der Folge den Gull‘schen Entwurf und übernimmt selbst die Bauleitung. Der Neubau kostet 550.000 Franken.
1885 wird im Museum eine Garnkontrollstelle eingerichtet.
2. 11.1886 findet die Eröffnung des Museums statt. Die Bibliothek und die Zeichenschule ziehen ebenfalls in das aufgrund seiner roten Backsteinfassade „Palazzo Rosso“ genannte Gebäude.
1888 wird die Sammlung Friedrich Fischbach (Gewebe, Stickereien) angekauft.
1890 wird im Museumsgebäude eine Stickereischule eingerichtet. Im Mai erscheint der erste Katalog, der den damaligen Bestand der Textilbibliothek von 1260 nummerierten Werken und die unnummerierten Periodika in elf Kapiteln beinhaltet. Nicht erfasst sind in diesem ersten Katalog die Musterbücher.
Ab 1900 finden vermehrt Wechselausstellungen statt. Die Sammlung besteht aus ca. 5.100 Objekten.
1904 schenkt Leopold Iklé dem Museum seine Sammlung von etwa 1.500 textilen Objekten. Es handelt sich um spätantike Gewebe, Stickereien ab dem Mittelalter und Spitzen aus ganz Europa. Diese Textilien zählen heute zu den kostbarsten Stücken der Sammlung.
1908 publiziert Iklé einen Katalog seiner Sammlung.
1924 wird Karl Schneider neuer Direktor.
1929 kommt die Sammlung des Industriellen Otto Alder an das Textilmuseum.
1955 erwirbt das Museum die Sammlung John Jacoby, eines Neffen von Leopold Iklé. Darunter befinden sich zahlreiche Stücke, die ursprünglich zur Sammlung Leopold Iklés gehörten.
1956 erfolgt die Aufstockung des Museumsgebäudes im mittleren Abschnitt, was einen massiven Eingriff in das Erscheinungsbild des Hauses bedeutet.
Um 1960 umfasst der Sammlungsbestand ca. 20.000 Objekte.
1962 wird die Fassade grau verputzt.
1963 übergibt der Bund die Sammlung Carolina Maraini-Somaruga dem Textilmuseum als Dauerleihgabe (260 Spitzenarbeiten des 18. und 19. Jahrhunderts aus Italien, Frankreich und Belgien).
1976 wird die Sammlung Charlotte Bing-Hübner angekauft (u.a. 33 mittelalterliche Gewebe).
1982 erfolgt die Umbenennung in von „Industrie. und Gewerbemuseum“ in „Textilmuseum“ und „Textilbibliothek“.
1983 kommt die Sammlung Isidor Grauer-Frey an das Museum (Musterbücher, Textilien, Bibliothek).
1987/88 erfolgen Umbau und Erweiterung der Textilbibliothek.
1991 werden Museum und Bibliothek in die Stiftung IHK / Industrie- und Handelskammer überführt.
1993 schenkt die Schweizerische Textilfachschule Zürich dem Museum die Mustersammlung der Seidenwebschule. Die Sammlungen Hanni Zahner (Handarbeitsgeräte) und Ernesto Wolf (Spitzen) werden dem Haus übergeben.
1997 umfasst der Sammlungsbestand von Museum und Bibliothek ca. 45.000 Objekte.
1998 wird die Zeichenschule in die Schweizerische Textilfachschule integriert.
2003 erhält die Fassade im Zusammenhang mit der Aussenrenovierung wieder einen terracottafarbenen Anstrich.
2012 übernimmt der Verein Textilmuseum St. Gallen die Trägerschaft des Museums.