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Der Waadtländer Jacques Dubochet, Gewinner des Nobelpreises für Chemie, ist am Montag von der Universität Lausanne für seine Auszeichnung gefeiert worden. Er zeigte sich sehr erfreut über die Ehre, bestand aber darauf, dass Wissenschaft «Gemeingut» sei.
An der Feier nahmen rund tausend Personen teil, darunter Bundesrat Guy Parmelin. Der Biophysiker und emeritierte Professor der Universität Lausanne hatte den Nobelpreis im vergangenen Oktober zusammen mit dem Amerikaner Joachim Frank und dem Briten Richard Henderson erhalten. Sie wurden damit für eine neuartige Mikroskop-Technologie geehrt, die so genannte Kryo-Mikroskopie.
Der Dekan der Fakultät für Biologie und Medizin hielt Dubochet in seiner Festrede zugute, mehr als nur Wissenschaftler zu sein. Er sei ein Gelehrter im Sinne des französischen Schriftstellers François Rabelais («savant rabelaisien»), sagte Jean-Daniel Tissot.
Er spielte damit auf ein Zitat aus Rabelais« berühmtem Werk Gargantua und Pantagruel an, wonach Wissenschaft ohne Gewissen die Seele zerstöre („science sans conscience n»est que ruine de l’âme“). Dubochet habe stets Wissen mit Humanismus verknüpft, zusammen mit einer Prise Schalk.
Die Waadtländer Regierungsrätin Cesla Amarelle lobte den Preisträger für seinen unstillbaren Wissensdurst und seinen Horizont, der weit über die Wissenschaft hinaus reiche. Sie hob auch Dubochets politisches und ziviles Engagement hervor.
Gemeingut
Der Nobelpreisträger selbst hielt ein flammendes Plädoyer zugunsten der Wissenschaft als Gut, das allen Menschen zugänglich gemacht werden müsse. Dies sei heute noch nicht der Fall, kritisierte er.
Er hoffe, seine Forschungsresultate würden eines Tages zur Entwicklung von Medikamenten gegen Parkinson oder Alzheimer beitragen. Und er hoffe zudem, diese Medikamente würden dann nicht für 100’000 Franken verkauft, wenn sie im Grunde nur 100 Franken kosteten, fügte er in Anspielung auf die neuen Hepatitis-C-Medikamente an.
Proben werden schockgefroren
Dubochet und sein Team hatten die Kryo-Mikroskopie in den 1980er Jahren entwickelt. Sie erlaubt es, biologische Proben von Viren, Proteinen und Enzymen zu untersuchen, ohne sie dabei zu verändern. Dazu wird eine Probe bei einer Temperatur von minus 170 Grad schockgefroren, um ihren Originalzustand zu konservieren. Oder anders gesagt wird das Wasser des Moleküls so rasch wie möglich versiegelt, bevor es kristallisiert.
So können beispielsweise Bakterien wie Salmonellen, die resistent sind gegen Antibiotika, untersucht werden, ohne dabei ihren Zustand zu verändern. In der konventionellen elektronischen Mikroskopie werden oft Farbstoffe oder Salze beigefügt, um ein besseres Bild zu erhalten. Dadurch wird aber die Beobachtung der Moleküle gestört.
Die neuartige Mikroskop-Technologie der drei Chemie-Nobelpreisträger könnte nach Einschätzung der Nobelpreis-Jury die Entwicklung von Medikamenten revolutionieren.