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|Mormonen|

Joshua Dennis -- ein Junge mit großem Glauben
Der zehnjährige Joshua war mit der Lektion zum Familienabend an der Reihe. Es ging um den Glauben, und als Joshua fertig war, erklärte er seiner Familie: „Wenn man Glauben hat, kann man alles schaffen.”
„Fast alles”, erwiderte seine Mutter.
„Nein, Mama”, sagte Joshua, „man kann alles schaffen!"
In dem Augenblick konnte die Familie Dennis noch nicht ahnen, daß ihr Glaube nur wenige Tage später auf die Probe gestellt werden sollte. Am Freitag den 22. September 1989, ging Joshua mit seinem Vater und anderen Führern und Mitgliedern eines Pfadfindertrupps aus Kearns in Utah ein verlassenes Bergwerk erforschen. Nachdem sie sich eine Weile in dem Bergwerk umgeschaut hatten, beschlossen Joshua und ein paar andere Pfadfinder zurückzugehen. Sie stießen auf Joshuas Vater und einige andere Pfadfinder, die auch auf dem Weg aus dem Bergwerk heraus waren, und Joshua gab seinem Vater, der gerade mit einem sehbehinderten Jungen den Tunnel verließ, seine Taschenlampe.
Dann wollte Joshua aber ein paar älteren Pfadfindern in das Bergwerk zurückfolgen, aber sie merkten nicht, daß Joshua hinter ihnen herging. Sie begannen zu rennen, und Joshua, der nicht Schritt halten konnte, war kurz darauf im Finstern allein. Er konnte nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen.
Er kehrte um und versuchte, sich zum Eingang zurückzutasten, aber er bog einmal falsch ab und glitt einen Abhang hinunter. Er kletterte wieder hinauf, aber wohl zu weit, denn er landete in einer Erzkammer – wo früher einmal Eisenerz abgebaut worden war. Sie war etwa zwei Meter breit und sieben Meter hoch. Vom Haupttunnel aus, der weiter unten lag, war diese Erzkammer wegen der Felsen fast nicht zu sehen.
Ich versuchte lange, den Weg heraus zu finden”, erzählt Joshua. Er schrie, aber seine Schreie wurden durch die Felsen gedämpft, und niemand hörte ihn. Inzwischen war ihm kalt, er war müde und hatte nasse Füße. „Ich wußte, daß ich mich verlaufen hatte, und mir wurde klar, daß es am besten war, wenn ich mich hinsetzte und wartete”, sagt er.
Joshua schlief viel. Manchmal stand er auf und streckte sich, dann wieder saß er da und dachte nach. Fünf Tage lang hatte Joshua weder zu essen noch zu trinken. Er hatte nur seine Jacke, um sich warmzuhalten, und in dem Bergwerk war es nur zehn Grad.
Aber er hatte keine Angst. „Ich habe viel gebetet, der himmlische Vater möge mir helfen”, sagt er. Auf sein Beten hin fühlte er sich getröstet und glaubte fest daran, daß man ihn finden würde. „Ich hatte das Gefühl, daß der himmlische Vater mich beschützte.”
Während Joshua betete, fasteten und beteten auch seine Freunde und seine Familie, er möge unversehrt gefunden werden. Seine Eltern warteten ängstlich auf Nachricht von den Suchtrupps.
Viele Freiwillige halfen die umliegenden Berge absuchen, die voller verlassener Bergwerke und Luftschächte sind. Wenigstens siebenmal kamen einige bis auf etwa vierzig Meter an Joshua heran. Je länger die Suche dauerte, desto sicherer waren sich manche, daß Joshua sich nicht in dem Bergwerk befand, sondern woanders hingelaufen war. Suchhunde, Hubschrauber und Leute zu Pferd und zu Fuß wurden ausgeschickt, um die felsigen Hügel des nahegelegenen Dry Cafion abzusuchen. Von dem Jungen war keine Spur zu finden.
Joshua saß still im Bergwerk und wartete darauf, daß man ihn fand. Um sich die Zeit zu vertreiben, sang er „Ich bin ein Kind des Herrn” und andere Lieder, die er in der PV gelernt hatte.
Die Tage vergingen, und die Chance, Joshua lebend zu finden, wurde geringer, aber die Mitglieder der Rettungsmannschaft waren fest entschlossen, nicht aufzugeben.
Als der Suchtrupp am Nachmittag des fünften Tages nach einem weiteren erfolglosen Rettungsversuch aus dem Bergwerk kam, überredete John Skinner, ein Mitglied der Kirche, die Verantwortlichen, ihn mit ein paar anderen Leuten noch einen letzten Versuch wagen zu lassen. „Ich hatte einfach das Gefühl, er sei noch im Bergwerk und am Leben”, erklärt er.
John Skinner war schon 120mal im Bergwerk „Hidden Treasure” gewesen und kannte die vielen Wege, die sich durch die acht Ebenen schlängeln, recht gut. Er konnte sich wenigstens drei Stellen denken, an denen Joshua sein konnte. Eine davon war die Erzkammer.
Während die anderen Mitglieder des Suchtrupps noch einmal das ganze Bergwerk durchsuchen wollten, trennten er sowie Ray Guymon und Gary Christensen sich von der Gruppe. John Skinner führte die beiden anderen in den Abschnitt des Bergwerks, wo der Junge seiner Meinung nach sein konnte. Als sie schließlich zu der Erzkammer gelangten, hörten sie einen schwachen Hilferuf, waren aber nicht sicher, was es war. Sie blieben still stehen, bis sie ihn wieder hörten. Die Spannung wuchs – sie und Joshua riefen sich immer wieder gegenseitig zu, um einander im Finstern zu finden.
„Mein Herz begann wie wild zu klopfen”, erzählt Gary Christensen, der als erster bei Joshua ankam. „Ich nahm ihn in die Arme, und er legte die Arme um mich.”
„Ich hatte das Gefühl, daß wir vom Herrn geleitet wurden”, sagt Ray Guymon.
Alle drei sagen, sie könnten nur schwer beschreiben, was sie empfanden, als sie Joshua gefunden hatten, den sie nie zuvor gesehen hatten.
„Ich hatte ein Gefühl, als sei er mein eigenes Kind”, sagt Gary Christensen. „Ich war unheimlich glücklich.”
„Es war ein überwältigendes Gefühl, als wir ihn fanden”, sagt John Skinner.
Als Joshua aus dem Bergwerk gebracht wurde, weinten viele vor Freude und Erleichterung. Joshua war zwar auch aufgeregt, aber er blieb doch ruhig – er hatte nicht daran gezweifelt, daß man ihn finden würde.
Weil es im Bergwerk immer finster war, hatte Joshua kein Gefühl dafür gehabt, wieviel Zeit verstrichen war. Er staunte, daß er so lange dort gewesen war. Da er so lange nichts getrunken hatte und völlig ausgetrocknet war und an den Füßen leichte Erfrierungen hatte, wurde er in ein Krankenhaus geflogen, wo er sich ausruhen und von Ärzten untersucht werden konnte.
Zuerst dachten die Ärzte, sie müßten ihm die kleinen Zehen amputieren, aber er verlor nur etwas Haut an den Füßen. Etwa eine Woche lang mußte er im Rollstuhl sitzen. Mit Bewegungstherapie wurden seine Bein- und Fußmuskeln gestärkt, und bald ging und rannte er wieder und fuhr sogar wieder Skateboard.
Joshua erhielt über tausend Briefe, darunter viele von anderen Schulkindern, die etwas über ihn und sein Erlebnis hören wollten. Während er im Bergwerk war, hatten die Schüler der Fox Hills Elementary School, wo er in die fünfte Klasse ging, an die Zäune rund um die Schule gelbe Schleifen gebunden, um zu zeigen, daß sie an ihn dachten und daß sie hofften, er werde bald wieder zurück sein. Joshua war sehr froh, als er sah, daß so viele Menschen an ihn gedacht hatten. Er sagt allen: „Der himmlische Vater erhört unser Beten wirklich. Habt Glauben und gebt nicht auf.”
Shannon W. Ostler, Kinderstern August 1991
03:36 - 9 May 2008

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