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Die Erdbeben in der Schweiz und somit auch in unserer Region stehen im Zusammenhang mit den Bewegungen der Kontinentalplatten Afrika und Europa (Plattentektonik). Es sind die gleichen Bewegungen, welche auch für die Bildung der Alpen verantwortlich waren und noch heute sind.
Dabei drückt die afrikanische Platte gegen die europäische Platte – gegenwärtig mit einer Geschwindigkeit von acht Millimeter pro Jahr. Die mit dieser Kollision verbundenen Kräfte bauen Spannungen in der Erdkruste auf, die sich in der Form von Erdbeben wieder abbauen. In unserer Region ist auch das heute noch andauernde Einsinken des Rheingrabens für Erdbeben verantwortlich.
Das Erdbeben vom 18. Oktober 1356 ist das vermutlich stärkste Erdbeben nördlich der Alpen in historischer Zeit. Das Epizentrum lag wahrscheinlich in etwa 20 Kilometer Tiefe bei der Reinach-Verwerfung. Durch die erwähnte Bewegung der Kontinentalplatten wurden hier offenbar sehr alte Brüche reaktiviert.
Die Magnitude des Bebens lag etwa zwischen 6 und 7 auf der Richterskala. Nach einem Vorbeben am Nachmittag des 18. Oktobers um ungefähr 17 Uhr ereignete sich ein erster starker Stoss, dem weitere folgten. Um 22 Uhr erfolgte der Hauptstoss, der zahlreiche Gebäude in der Stadt Basel und in der Region zum Einsturz brachte. In der Folge brach in Basel ein heftiges Feuer aus, das lange nicht zu löschen war und grössere Schäden verursachte als das Erdbeben selbst. Die Nachbeben dauerten bis in den Mai 1357 an.
In der ganzen Region traten teilweise sehr starke Schäden auf. Das Schadensfeld bildete ungefähr ein Oval mit einer West-Ost-Achse von 85 Kilometer, welches etwa das Gebiet Säckingen– südlich Mulhouse–St. Ursanne–Delémont–Waldenburg umfasste. Stärkere Schäden traten in einem inneren Schadensfeld im Gebiet Leimental-Liestal mit dem Schwerpunkt Birseck auf. In diesem inneren Oval von etwa 15 Kilometer Durchmesser sind sämtliche Burgen, die noch existierten, zerstört oder stark beschädigt worden. Ebenso wurde die Stadt Liestal stark betroffen.
Genauere Angaben über die Schäden an Kirchen, Klöstern und bäuerlichen Siedlungen fehlen. Deshalb ist es schwierig, den vom Erdbeben angerichteten Schaden in seinem vollen Ausmass abzuschätzen. Man muss sich auch bewusst sein, dass das Landschaftsbild, welches bis etwa Mitte des 19. Jh. erhalten blieb, geprägt war von Wäldern, Gewässern und landwirtschaftlich genutztem Gebiet. Die Dörfer waren klein und es gab wenige Gebäude in diesen Dörfern. Somit sind praktisch keine nachweisbaren Schäden zu
Man stelle sich vor, heute würde ein solches Erdbeben wie dasjenige von 1356 stattfinden – unvorstellbar! In den Jahren 1428, 1572, 1610, 1650, 1721 und 1736 gab es in der Region weitere Erdbeben mit kleineren Schäden.
«Ein repräsentatives Beispiel für ein regionales Schadenszenario ist das Erdbeben in L'Aquila, Italien, mit Magnitude 6,3 vom 6. April 2009. Die Stadt L'Aquila sowie ca. 40 kleinere Ortschaften wurden stark getroffen. Direkt vom Schadensausmass betroffen waren 150 000 Menschen. Mehr als 300 Personen starben infolge des Bebens und mehr als 1000 verletzt, 67 000 Personen wurden kurzfristig und 30 000 langfristig obdachlos. 17 000 Gebäude wurden beschädigt. Auch die Schweiz muss sich auf solche Schadenbeben einstellen und davor schützen.» (BAFU)
Heute weist die Mehrzahl der bestehenden Bauten und Anlagen in der Schweiz eine unbekannte und zum grössten Teil wahrscheinlich zu geringe Erdbebensicherheit auf. Die relativ hohe Verletzbarkeit der bestehenden Bauten führt dazu, dass im Ereignisfall erhebliche Schäden zu erwarten sind. Aufgrund der hohen Bebauungsdichte konzentriert sich das Erdbebenrisiko vor allem auf die Ballungszentren. In Basel müssen seit 2004 Neubauten erdbebensicher erstellt werden, bei Umbauten müssen die Gebäude erdbebensicherer gemacht werden.
Im Jahr 2005 fanden erste Probebohrungen zur Gewinnung von geothermischer Energie im Rheinhafengelände beim Hafenbecken 2 statt. Bei einer Bohrung auf 5000 Meter Tiefe kam es nach dem probeweisen Einpumpen von Wasser zu einigen recht starken Erdbeben der Stärke 3,4 mit zahlreichen kleineren Schäden. In der Zwischenzeit ist das Projekt wegen der Erdbebengefahr endgültig eingestellt worden.
HPM