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Wenn die Tour de France heute in die Schweizer Hauptstadt einfährt, dann will ein Fahrer den Sieg noch mehr als alle anderen: Fabian Cancellara. In seiner Abschiedssaison wäre ein Erfolg zuhause das i-Tüpfli einer einzigartigen Karriere.
«Dass diese Etappe mein Ziel ist, ist klar. Da muss man gar nicht darüber diskutieren.» Fabian Cancellara ist ein Mann der klaren Worte. Wem will er auch etwas vormachen? Dass er heute die 16. Etappe der Tour de France gewinnen will, war schon in dem Moment klar, als die Strecke vorgestellt wurde.
Die Etappe mit dem tückischen Finale in der Berner Innenstadt, teilweise auf Kopfsteinpflaster, könnte tatsächlich ein Fall für den Lokalmatador werden. Auf dem zweitletzten Kilometer stehen zwei kurze Rampen im Programm, zuerst jene vom Mattequartier in die Nydegggasse, danach der Aargauerstalden. Ab da haben die Fahrer noch einen Kilometer bis ins Ziel vor dem Stade de Suisse zu absolvieren.
2009 triumphiert Cancellara vor dem Deutschen Tony Martin. Seither hat kein Schweizer mehr die Landesrundfahrt gewonnen.
In Peking gewinnt Cancellara 2008 die Goldmedaille im Zeitfahren. Im olympischen Strassenrennen gibt es für den Berner Silber hinter dem Spanier Samuel Sanchez, nachdem der zunächst zweitklassierte Italiener Davide Rebellin später wegen Dopings disqualifiziert wurde.
Cancellara fährt 2010, 2013 und 2014 in Oudenaarde als Erster über die Ziellinie. Er ist damit Rekordsieger dieses Eintagesklassikers in Flandern, zusammen mit den Belgiern Tom Boonen, Johan Museeuw, Eric Leman und Achiel Buysse sowie dem Italiener Fiorenzo Magni. Den alleinigen Rekord verpasst der Berner 2016 als Zweiter hinter Peter Sagan nur knapp.
Während vielen Jahren ist Cancellara in den Prüfungen gegen die Uhr kaum zu bezwingen. An Weltmeisterschaften siegt er erstmals 2006 in Salzburg, zudem auch 2007 (Stuttgart), 2009 (Mendrisio, Bild) und 2010 (Geelong). Dazu gewinnt er dreimal WM-Bronze (2005, 2011, 2013).
Bei «La Primavera» sichert sich Cancellara 2008 den Sieg (Bild), in den Jahren 2011 bis 2014 reicht es ihm vier weitere Male in Serie auf das Podest.
Der Solo-Triumph 2006 ist Cancellaras erster Sieg bei einem der fünf sogenannten Radsport-Monumente. Zwei weitere Male – 2010 (Bild) und 2013 – entscheidet er den Pavé-Klassiker zu seinen Gunsten. 2008 und 2011 wird er in der «Hölle des Nordens» Zweiter, 2014 Dritter.
Cancellara legt den Fokus im Frühling ausschliesslich auf Mailand – Sanremo, Flandern-Rundfahrt und Paris – Roubaix. Bei Lüttich – Bastogne – Lüttich hat er nie teilgenommen, ebenso im Herbst an der Lombardei-Rundfahrt.
Erstmals triumphiert Cancellara Anfang Juli 2004 (Bild) bei seinem Debüt in Frankreich, als er das Auftakt-Zeitfahren in Lüttich gewinnt. Der Kreis schliesst sich 2012, als der Berner wiederum in Lüttich im Auftakt-Zeitfahren der Schnellste ist. Mit acht Tour-Tagessiegen – 2008 erbt er den Zeitfahren-Sieg vom nachträglich des Dopings überführten Deutschen Stefan Schumacher – ist Cancellara zweitbester Schweizer hinter Ferdy Kübler.
2002 sichert sich Cancellara in Orbe vor Titelverteidiger Jean Nuttli erstmals Gold bei der Elite, 2016 in Martigny (Bild) letztmals.
Heuer zieht Cancellara mit dem knappen Triumph beim Auftakt-Zeitfahren in Baar mit Kübler und Hugo Koblet gleich. Rekordsieger der Landesrundfahrt ist allerdings seit diesem Jahr (2 Tagessiege) der Slowake Peter Sagan mit 13 Etappensiegen.
Wenn er das Rennen zu Ende fahren kann, dann klassiert sich Cancellara ab seinem Triumph an der Flandern-Rundfahrt 2010 elf weitere Male in den ersten drei. Die eindrucksvolle Podestserie geht erst im März 2015 zu Ende, als er bei Mailand – Sanremo den 7. Rang belegt.
Dreimal nimmt Cancellara als Junior oder U23-Fahrer teil, danach ein Dutzend Mal als Profi. 2001 in Lissabon debütiert er als 15. im Einzelzeitfahren bei der Elite. 2002 in Zolder (Belgien) bestreitet er erstmals das WM-Strassenrennen (148. Rang). Seine besten Klassierungen schafft Cancellara 2011 in Kopenhagen (4., Fotofinish unten) und 2009 als grosser Favorit in Mendrisio (5.). In diesem Herbst in Katar will er nicht antreten.
Nur die Belgier Eddy Merckx (29 Mal, Bild: rechts) und Roger de Vlaeminck (21) sind bei diesen Eintagesklassikern öfters auf das Podest gefahren als der Berner.
Elfmal (inklusive 2016) nimmt Cancellara die Tour de France in Angriff, die ersten sieben Rundfahrten beendet er. Nach 2011 hingegen kommt er nie mehr bis Paris. Auch die Vuelta (sieben Starts) und den Giro d'Italia (drei) fährt er nie zu Ende.
Nur elf Fahrer, alle zumindest einmal auch Gesamtsieger, haben das Leadertrikot der Tour de France häufiger als Cancellara getragen. Nächstbester Schweizer in diesem Ranking ist Kübler (Sieger 1950) mit zwölf Tagen im Maillot jaune. Koblet (1951) hat Gelb an elf Tagen getragen.
Cancellara wird 2001 Radprofi. Damals fährt er für die italienische Mannschaft Mapei-Quick Step. Seine letzten drei Saisons bestreitet der Berner für Trek. Bald hat er mehr Zeit für seine Frau Stefanie und die gemeinsamen Kinder.
Je nach Zählweise und je nach Quelle variiert Cancellaras Bilanz an Siegen von nur 74 bis sogar 115. (ram/sda)