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Etwas Geschichte
DIE ROMANISCHEN KIRCHEN
In Romainmôtier, dem historischen Ort am Fusse des Juras, befindet sich ein Brunnen mit dem Merkmal der Ortschaft, dem Wappen mit dem Schlüssel des heiligen Petrus und dem Schwert des heiligen Paulus. Der mittelalterliche Ort wird von zahlreichen Touristen besucht. Er gehört zu einem der seltenen, clunysischen Ortschaften der Westschweiz.
Eingebettet in eine herrlich grüne Landschaft ist Romainmôtier bekannt durch ihre romanische Abteikirche, welche nach den Plänen der Kirche von Cluny errichtet wurde. In dieser zu den ältesten romanischen Kirchen der Schweiz zählenden Abtei werden heute regelmässig Gottesdienste abgehalten und Konzerte veranstaltet. Die Geschichte geht weit, bis zur schmucken, französischen Gemeinde Tournus im Burgund, in welcher die historische Kirche Saint Philibert steht und zur Benediktinerabtei gehörte, zurück. Vom Oratorium des heiligen Roman (welcher der Gemeinde den Namen gegeben hat) wurde die Kirche vom heiligen Odilon vor dem Jahr 1000 erbaut und beeinflusste die Mönche und die Region entsprechend. Im Jahr 753 unterstellte der Papst Stephan II die Kirche direkt Rom. Dies auch als Differenzierung zum Bistum Lausanne und anderen Abteien, welche dem Burgunder Kloster von Cîteaux in Saint-Nicolas-lès-Cîteaux – dem damaligen Mutterkloster – folgten. Zur Zeit seiner grössten Herrlichkeit kontrollierte Romainmôtier ein grosses Gebiet zwischen dem Genfersee (Bursins und Apples) und dem französischen Jura (Lons-le-Saunier).
Als die Eidgenossen ab dem Jahr 1475 einen Teil des Juras besetzten, verboten die reformierten Berner am 24. Dezember 1536 den abteikirchlichen Gottesdienst. Dabei verwüsteten Sie Kirche und Klostergebäude, verwandelten die kirchliche Vorhalle in einen Keller und setzten ihren Landvogt in das Haus des Priors. Im Verlaufe der Zeit, respektive bis zu ihrem Wegzug im Jahr 1803, behandelten die Berner die Gemeinde wie eine Stadt und bauten mehrere solide Häuser. Romainmôtier hat von den historischen Bauten drei Türme behalten: die Turmuhr, von welcher man in die Kirche gelangt, den Foltertum und den Gefängnisturm. Ausserdem gibt es verschiedene schöne Gebäude, wie zum Beispiel das Haus des Industriellen Lerber, in welchem unter anderem Pierre-Maurice Glayre wohnte – Glayre seines Zeichens Waadtländer Patriot und von 1798 – 1800 Mitglied des Eidgenössischen Rates. Als dann die Waadtländer im Rahmen ihrer Unabhängigkeit die Gemeinde übernahmen, jedoch die Ortschaft Orbe bevorzugten, kehrte Romainmôtier wieder in seine ländliche Stille zurück.
Neben der Kirche von Romainmôtier existieren am Fusse des Juras noch weitere romanische Kirchen. Die Kirche von Orny etwa mit ihrem speziellen Glockenturm aus Tuffstein oder die von Baulmes mit dem Apollon gewidmeten romanischen Altar. Die kirchlichen Meisterwerke von Valeyres-sous-Rances, Saint-Jacques und Bavois, wo der Glockenturm den romanischen und den gotischen Teil separiert. Zwei Stile, welche sich auch in der Kirche von Bretonnières wiederfinden oder schlussendlich die romanische Kirche von Montcherand oberhalb von Orbe mit Malereien aus dem 12. Jahrhundert, welche etwas verschmiert, Christus und sieben Apostel darstellen. All diese altehrwürdigen und historischen Bauten, lohnt es sich, in jedem Fall, zu besuchen.
Orbe und La Sarraz bleiben sich mit etwas später gebauten heiligen Bauten auch nichts schuldig. Orbe mit seiner Kirche und den speziellen Kuppeln aus dem 16. Jahrhundert (wo eine Gestalt den Ungläubigen seine Hosen runterlässt!). Auf dem Schloss von La Sarraz, in der Kapelle des heiligen Antoine, Jacquemart genannt, wo diese Männerfigur mit seinen von Steinkröten verschlungenen Augen intrigiert.
UNTERRICHT IN SCHWEIZER GESCHICHTE
Im Rahmen der Burgunderkriege machten sich die Schweizer im Jahr 1475 daran, am Fusse des Juras zu kratzen und gingen dabei nicht gerade zimperlich um. Sie legten Schlösser von Gutsbesitzern, welche mit den Savoyern verbündet waren, in Asche und Blut. Viele Schlösser gehörten dabei Erben der Familie von Grandson, welche bereits seit drei Jahrhunderten über die Region aus dem transjuranen Burgund her mit Rudolph III regierten. Die grosse Domination vermied jedoch nicht die Familienkonflikte: Hugues de Châlon musste hart kämpfen, um von seinem Bruder Guillaume das Schloss von Grandson wieder zurück zu erobern. Fünf Jahre später, nachdem er die Mauern wiederaufgebaut hatte, wiederstand die Festung den Schweizern ein erstes Mal, musste jedoch trotzdem im Folgejahr kapitulieren. 20’000 Eidgenossen rückten eng gereiht aus, um Karl der Kühne zu vertreiben und drei Monate später, in der Schlacht von Murten endgültig aus dem Juragebiet zu verbannen.
Vorher sicherten sich die Schweizer die Vollmacht auf dem Weg zum « Col de Jougne », einem strategisch wichtigen Gebirgsübergang über den Jura. Croy neben Romainmôtier hatte dabei die Rolle der Wegkreuzung des Juras. Zum einen als Ader zwischen Genf und Basel (Vindonissa), zum anderen mit der Verbindung zwischen Rom und Gallien (Frankreich) und später zwischen Savoyen und dem Burgund. Champvent (auf dem Foto) als Beispiel für die damalige Bauweise « das savoyische Quadrat », mit einem viereckigen Innenhof umgeben von vier Türmen, auf dem Hügel gelegen – eine einmalige Lage in der ganzen Romandie – erlitt dieselbe Kapitulation. Jedoch musste Orbe während der Burgunderkriege am meisten Tribut zahlen.
Von seinem zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert erbauten Schloss verblieb lediglich der runde Turm aus dem Jahr 1255. Im Mai 1475 verlor die Festung gänzlich ihre Pracht. Obwohl sich die Stadt am 2. Mai um die Eidgenossen scharte, verteidigte sich die Garnison bis zum Ende. Am Folgetag richteten die Eidgenossen ihre Kanonen auf die Kirche, nahmen das Schloss in Ansturm und erstochen mit Handwaffen über hundert Mann. Einige wurden von den Türmen und Schlossmauern heruntergestürzt. Das Schloss wurde abgebrannt und zu Grunde gerichtet. Orbe wurde eine gemeinsame Vogtei der Berner und Freiburger, welche aus Echallens verwaltet wurde. Einst so stolz wie San Gimignano liess Orbe mit der Zeit seine Ruinen, Turm für Turm, Stein für Stein verschwinden. 1835 riss man einen Teil der Schlossmauern und einen Turm ganz ab.
Heute erobert die Ortschaft auf seinem steinigen Sporn seine Farben wieder. Entlang der Strasse « Rue de la Tourelle » werden die Häuser wieder rot, gelb oder orange angestrichen. Die « Rue du Moulinet » hat ihren ganzen Charme, neben dem alten Spital welcher in eine Bibliothek und ein Theater für die Jugend umgerüstet wurde, beibehalten. Eine Steinsperre an der Ecke der abfallenden Strasse ermahnt die Piloten von Panzerwagen zum Bremsen bei der Abfahrt. Orbe, unter dem doppelten, gastronomischen Zeichen, der typischen Waadtländer « Saucisse aux choux » (Kohlwurst) und dem Kaffee (zuerst Nescafé, nun Nespresso) gewinnt wieder eine gewisse Prosperität.