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Das erste elektrische Tram fuhr am 6. Mai 1895 durch Basels Strassen. Die Schienenstrecke verband den Bahnhof SBB mit dem damaligen Badischen Bahnhof, der damals dort stand, wo man heute die Messe Basel findet, die Linie führte über die Mittlere Brücke. In den Jahrzehnten, die folgten, wurde das Netz stetig erweitert. Für die Kutscher der Stadt am Rheinknie läutete die Eröffnung der ersten elektrischen Tramlinie den Anfang vom Ende ein.
Pferdemuskelkraft
Es war das Ende einer Periode, in der Personen- und Gütertransporte auf Pferdemuskelkraft beruhte. Natürlich war dies auch vor dem 19. Jahrhundert seit Menschengedenken so. Doch zu Beginn des bürgerlichen Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung der Stadt enorm. 1815 wohnten hier an die 17'000 Menschen, 1888 waren es schon 70'000, im Jahr 1900 waren es gegen 110'000, 1920 war die Bevölkerungszahl dann auf 130'000 gestiegen.
Eigener Menschenschlag
Mit der Bevölkerung wuchs die Stadt – und mit ihr wuchs der öffentliche Verkehr. Hunderte von Droschken und Kutschen waren jede Woche unterwegs, um Waren und Menschen zu befördern. Die Kutscher, die diese Fuhrwerke chauffierten und sich um die Pferde kümmerten, waren ein ganz eigener Menschenschlag.
Lieblingsgetränk Rotwein
Sie versorgten ihre Pferde, beschlugen sie regelmässig und wohnten meist über dem Stall. Ihr Wochenlohn betrug im 19. Jahrhundert in der Regel fünf Franken. Ihr Lieblingsgetränk war regionaler Rotwein. Kutscher und ihre Fuhrwerke unterlagen strengen Bestimmungen. Sie mussten einen guten Leumund haben, Droschken und Kutschen mussten tadellos gepflegt werden. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt wurden, erhielten sie einen amtlichen Fahrschein. Auch gab es spezielle Verordnungen, so durfte etwa nachts und in Wohnquartieren nicht mit der Peitsche geklöpft werden – auch durfte die Peitsche nicht geschwungen werden, wenn Menschen in der Nähe waren.
Die meisten waren ledig
Die Droschkenfahrer, in Basel nannte man sie Droschkiers, waren ein besonderer Schlag unter den Kutschern. Sie konnten Tag und Nacht für Personentransporte bestellt werden. Gleichzeitig gab es an städtischen Knotenpunkten Kutschenstandorte – so wie es heute Taxi-Standorte gibt. Wegen ihrer unregelmässigen Arbeitszeiten, sie mussten Tag und Nacht für Kunden zur Verfügung stehen, dies sauber und adrett gekleidet, waren die meisten Kutscher ledig. Sie hatten in der Stadt ihre eigenen Beizen, die als währschaft galten, weil es dort guten Wein und grosse, sättigende Menus gab.
Da donnerten die Hufe
Wer sich heutzutage über den Lärm des motorisierten Strassenverkehrs aufregt, muss sich einmal vorstellen, was für einen Krach die mehrspännigen Fuhrwerke machten, die Tag und Nacht unterwegs waren, die Waren anlieferten, Menschen beförderten, Abfall aus der Stadt brachten. Da donnerten die Hufe auf den Strassen, quietschten die Räder, rumpelten die Fahrgestelle und die geladenen Waren lautstark.
Aber der Mist
Das grösste Problem der rasant wachsenden Städte des 19. Jahrhunderts war allerdings der allgegenwärtige Pferdemist. Er zog Fliegen und andere Insekten an, dadurch verbreiteten sich allerlei Krankheiten und Infektionen, beispielsweise Typhus. Unzählige Menschen starben an den Folgen der Verschmutzung mit Pferdemist.
20'000 Todesfälle
In New York wurde im Jahr 1900 eine Studie über die Gefährlichkeit dieser Verunreinigung gemacht, das Resultat: Jahr für Jahr wurden 20'000 Todesfälle von Pferdemist verursacht. Die London Times rechnete 1894 aus, dass die Strassen im Jahr 1950 mit einer drei Meter hohen Pferdemistschicht belegt sein würden, wenn es mit den Fuhrwerken in diesem Stil weitergehe.
Ministerkonferenz; Thema: Pferdeäpfel
In New York fand im Jahr 1889 sogar eine internationale Ministerkonferenz statt, an der das Pferdemistproblem Hauptthema war. Es konnte allerdings keine Lösung gefunden werden, deshalb wurde die Konferenz nach drei Tagen abgebrochen. Auch Basel war in jenen Jahren von Pferdemist übersäht, derart, dass man Angst um die Qualität des Grundwassers haben musste und sich Infektionen verbreiteten.
Eine Erlösung
Jede Nacht schafften Dutzende von Fuhrwerken den Mist aus der Stadt, ganze Felder am Stadtrand wurden als Entsorgungsgruben gebraucht, sie wurden dabei zu schlammigen, stinkenden Unorten. Wäre es so weitergegangen, wäre die Stadt bald im Pferdekot erstickt. Vor diesem Hintergrund bedeuteten das Aufkommen der elektrischen Strassenbahn und des Benzinmotors eine Erlösung. Eine Erlösung allerdings, die wiederum ganz neue Probleme und Fragestellungen aufwarf.
Unsere Menschheit wird auch dieses Problem meistern, die Regierungen dabei dessen Lösung wie immer für sich reklamieren.