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4. Mai 2011
Bei Kommunikation geht es meistens darum, dass man etwas in Erfahrung bringen möchte, das man noch nicht weiss. Das können sehr unterschiedliche Dinge sein, z.B.:
- Wie geht es dem Gesprächspartner?
- Was weiss oder denkt er über ein bestimmtes Thema?
- Wie komme ich am schnellsten zum Bahnhof?
- Was kostet ein Liter Mineralwasser?
- Wie löse ich ein bestimmtes Problem?
- …
Es gibt also unzählige Gründe, die zu Kommunikation führen können. Vorraussetzung dafür ist, dass die Kommunikationspartner über Wissensbestände verfügen, die sie einander tatsächlich mitteilen wollen und dass sie nicht schon alles voneinander wissen. Daran soll auch schon die Kommunikation einiger Ehepaare gescheitert sein.
Das Problem des Sprachunterrichts ist, dass viele Informationen nicht mehr interessant sind, wenn sie einmal erfragt wurden, die Lernenden in diesen Bereichen aber durchaus noch Übungsbedarf haben können. Ein Beispiel sind Informationen zur Person. Um solche Standardfragen und -antworten zu automatisieren, sollte man sie öfters üben, aber das echte Vorstellen im Kurs lässt sich natürlich nicht beliebig wiederholen. Ein anderes Problem ist, dass die Kursteilneherm einander manchmal wirklich nichts zu sagen haben, sei es, weil ihnen der Wortschatz und die sprachlichen Mittel fehlen, oder weil es ihnen an gemeinsamen Themen mangelt. Lehrpersonen müssen also einen Weg finden, Gesprächsinputs so zu gesstalten, dass die Kommunikation darüber nicht vollkommen absehbar wird.
Kommunikationsanlässe durch Informationslücken
Aufgaben mit gezielt eingesetzten Informationslücken (engl. = “information gaps”) schaffen sinnvolle Anlässe zur Kommunikation. Das Prinzip ist ganz einfach:
- Lerner A hat nicht diesselben Informationen wie Lerner B (und evtl. C, D, …)
- Zum Lösen der Aufgabe braucht man alle Informationen.
- Der Austausch von Informationen ist fester Bestandteil der Aufgabe.
Dieses sehr allgemeine Prinzip kann man sehr unterschiedlich ausgestalten:
- Verschiedene Formen des Jigsaws (auch Puzzlemethode genannt), zum Beispiel ein Hörpuzzle. Man kann auch allen Lernenden den gleichen (Hör-)Text, aber unterschiedliche Hör- bzw. Leseaufträge geben. Anschliessend werden je nach Aufgabe die Ergebnisse ausgetauscht oder gegenseitig korrigiert.
- Bilddiktate oder -vergleiche (z.B. mit sehr ähnlichen Zeichnungen)
- Partnerdiktate (z.B. mit dem selben Text, aber unterschiedlichen Lücken) oder Partner-Wander-Diktate
- Rollenspiele mit Vorgaben, die nicht allen bekannt sind, wie zum Beispiel das Rollenspiel im Reisebüro.
- Wechselspiele (z.T. auch “Tandemblätter”): Auch hier haben die Gesprächspartner unterschiedliche Informationen (meistens auf unterschiedlichen Blättern). Die Redemittel zum Erfragen der jeweils fehlenden Informationen sind meistens stark eingeschränkt. Wechselspiele sind meistens stark gelenkte Übungsformen, die auf die Automatisierung von Redemittel und grammatischen Strukturen abzielen.
Da ich zu den Wechselspielen bisher noch keinen eigenen Beitrag verfasst habe, noch ein paar Details zu dieser Übungsform:
Wechselspiele
Es gibt einige fertige Sammlungen mit Wechselspielkopiervorlagen, allen voran die beiden Bücher “Wechselspiel” und “Wechselspiel Junior” (Angaben siehe unten). Übungen nach diesem Prinzip findet man aber auch in zahlreichen anderen Übungssammlungen und auch in Lehrwerken. Zum Lehrwerk Passwort Deutsch gibt es auch einige Anfänger-Wechselspiele als Pdf.
Man kann das Prinzip aber auch für eigene Übungen nutzen und sogar die Lernenden bei der Erstellung einbeziehen:
- Zum Üben des Erfragens von Personalien könnten die Lernenden z.B. Alter, Wohnorte oder Berufe der Personen selber eintragen und dann in Partnerarbeit austauschen.
- Die Lernenden können anhand eines Rasters Informationen zu ihrer Wohnung, ihrer Stadt/ihrem Land, dem Inhalt ihrer Tasche, ihrem Einkaufszettel … ausfüllen (evtl. als Hausaufgabe recherchieren) und anschliessend unter einander austauschen.
- …
Sicherstellen muss man dabei , dass den Lernenden klar ist, welche Lücken sie ergänzen und welche sie für die anschliessende Partnerübung freilassen sollen. Gut geht das zum Beispiel mit grauen Hinterlegungen (die auf den A- und den B-Blättern natürlich unterschiedlich sein müssen). Je nach dem, wie frei die Lernenden bei ihren Ergänzungen sind, sollte man Herumgehen und helfen. Mit Auswahlboxen oder Listen zum Ankreuzen reduziert sich das Fehlerrisiko, aber auch die Wahlmöglichkeiten der Lernenden werden kleiner. Bei Anfängern mit eingeschränktem Wortschatz macht das aber durchaus Sinn.
Literatur
- Eintrag “information gap” in der Teaching Knowledge Datebase der BBC
- Dreke, Michael; Lind, Wolfgang: Wechselspiel. Sprachanlässe für die Partnerarbeit im kommunikativen Deutschunterricht. Arbeitsblätter für Anfänger und Fortgeschrittene. Langenscheidt
- Dreke, Michael; Salqueiro Sofia: Wechselspiel Junior. Bilder und mehr. Arbeitsbuch mit Kopiervorlagen für die Partnerarbeit. Langenscheidt.