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Am Mittag des 13. August 2014 entgleiste der RegioExpress St. Moritz–Chur kurz nach dem Bahnhof Tiefencastel auf der Albulalinie im Kanton Graubünden aufgrund einer Rüfe. Drei Waggons sprangen aus den Schienen, einer davon rutschte den Abhang hinunter. Beim Unfall verletzten sich elf Personen, fünf davon schwer. Die Strecke Thusis–Tiefencastel war bis am Freitag, 15. August 2014, Betriebsschluss, unterbrochen. Am 22. August 2014 verstarb eines der schwerverletzten Opfer an den Unfallfolgen im Spital. Nur einen Monat später kam es auf der Albulalinie erneut zu einem Steinschlag.
Die REGA war mit vier Helikoptern im EinsatzAm Mittwochmittag, 13. August 2014, kam es bei Tiefencastel/GR zu einem folgenschweren Zugsunglück: Aufgrund eines Erdrutsches auf der Höhe Kirche Mistail auf Gemeindegebiet von Vaz/Obervaz zwischen Tiefencastel und Alvaschein entgleisten drei Waggons und die Lokomotive des RE 1136 St. Moritz–Chur. Von der Zuglok Ge 4/4 III 651 Fideris, welche die Glacier-Express-Werbung trägt, entgleiste das hintere Drehgestell, während der dahinter folgende Erstklasswagen (Meterspur-Einheitswagen IV A 1281) den Abhang hinunterstürzte und ein zweiter (Meterspur-EW II A 1269) zur Seite kippte. Zudem sprang ein Zweitklasswagen aus den Schienen. Die REGA war mit vier Helikoptern im Einsatz und flog mehrere Verletzte aus, unverletzte Reisende gelangten zu Fuss zum Bahnhof Tiefencastel. Im Zug befanden sich 200 Reisende, gemäss ersten Informationen wurden elf Personen verletzt geborgen, fünf davon schwer. Da sich unterhalb der Unfallstelle der Stausee Solis befindet, wurden Polizeitaucher aufgeboten, um allfällige Opfer auch im Wasser zu orten.
Am Morgen des 22. August 2014 erlag ein Opfer, ein 85-jähriger Schweizer, seinen Verletzungen im Spital. Vier weitere beim Unfall Schwerverletzten befinden sich mit diesem Stichdatum weiterhin in Spitalpflege.
Streckenunterbruch Thusis–TiefencastelDie Albulalinie bleibt mindestens bis Samstag zwischen Thusis und Samedan unterbrochen. Reisende in Richtung Engadin fahren via Landquart–Vereina nach St. Moritz, wo seit dem 15. Juni 2014 zweistündliche Direktverbindungen bestehen. Einerseits stehen Bergungsarbeiten des verunglückten Zuges an, andererseits muss der durch den Erdrutsch und die Entgleisung in Mitleidenschaft gezogene Streckenabschnitt wieder instand gestellt werden. Als Vorbereitung für die Bergungsarbeiten wurde der ohnehin zur Zeit für die RhB im Einsatz befindliche meterspurfähige Schienenkran Sersa Kirow KRC458 2S in Chur bereitgestellt, zudem wurde die von der Zugsentgleisung betroffene Ge 4/4 III 651 bereits aufgegleist und nach Landquart überführt. Die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle (SUST) hat eine Untersuchung des Unfalls eingeleitet. Im Verlaufe des 14. Augusts nahm dann der Kirow KRC458 2S von der Soliser Seite her die Bergung des entgleisten EW II A 1269 und des Zweitklasswagens EW II B, einen Tag später wurde auch der in Tobel hinuntergerutschte EW IV A 1281 geborgen und auf die Schienen gesetzt. Die Ge 4/4 III 651 wird zur Zeit in der RhB-Hauptwerkstätte in Landquart der Reparatur unterzogen, sie wird für voraussichtlich sechs Wochen ausser Betrieb sein. Als Ersatz wird in einem Umlauf der Albula-RE eine Ge 6/6 II eingesetzt. Diese Lokomotiven werden von der RhB normalerweise nur noch im Güterzugsdienst eingesetzt und sollen im Verlaufe der nächsten Jahre ausrangiert werden, da durch die Inbetriebnahme der Allegra-Triebzüge vermehrt Ge 4/4 II für den Güterzugsdienst frei werden.
Erdrutsch ging während der Zugdurchfahrt nieder
Entgegen allen ersten Medien- und Polizeiberichten kollidierte der Zug nicht mit der bereits heruntergegangenen Rüfe, was auch erklärt, weswegen die Lokomotive nicht vom Trasse fiel, sondern abgesehen vom entgleisten hinteren Drehgestell noch auf den Schienen stand. Gemäss der SUST prallte die Lokomotive gegen ein Holzstück auf den Gleisen, weswegen der Lokomotivführer eine Schnellbremsung einleitete. Direkt nach diesem Bremsvorgang ging der Erdrutsch nieder und erfasste die beiden Erstklasswagen, welche sich in der Rutschbahn befanden.
Zweites schweres Zugsunglück in der Schweiz in derselben Woche
Der Unfall ist bereits das zweite schwere Zugsunglück in der Schweiz binnen weniger Tagen: Am Montag starben bei einer Kollision eines Kleinbusses mit der dem InterRegio Luzern–Engelberg vorgespannten Zentralbahn-HGe 101 963-7 auf einem unbeschrankten Bahnübergang in Wolfenschiessen/NW drei Personen, fünf weitere erlitten schwere Verletzungen.
Eine Augenzeugin berichtet im Radio Grischa über das Zugunglück in Tiefencastel
Tagesschau von Schweizer Radio und Fernsehen vom 13. August 2014 zum Zugunglück im Kanton Graubünden
Abermals Kollision eines RhB-Zuges mit Steinen im September
Knapp einen Monat nach dem Zugsunglück von Tiefencastel kollidierte ein Mischzug, der auf dem Weg von St. Moritz nach Chur war, im Toua-Tunnel zwischen Bergün/Bravuogn und Preda mit Steinen, welche aus der Tunnelmauer auf die Schienen gefallen sind. Die betroffene Zuglock, die Ge 4/4 III 649 „Lavin“ mit Werbelackierung der Schweizer Pendlerzeitung 20 Minuten, wurde dabei im unteren Bereich stark beschädigt. Je nach Ausfall dieser Lokomotive würde wohl auf den Albula-Schnellzügen ein zweiter Umlauf mit Ge 6/6 II oder auch Ge 4/4 II-Doppeltraktion gefahren werden. Die seit einigen Tagen und eigentlich dem Abbruch geweihte Ge 6/6 II 702 „Curia“ könnte damit unter Umständen noch eine Gnadenfrist erhalten. Die RhB leidet auch abgesehen von den beiden Ausfällen unter Lokmangel, so sind bereits mehrere Male historische Fahrzeuge wie eine Ge 6/6 I oder die Ge 4/6 vor Regelzügen vorgespannt worden.
Vermehrte Gefahr durch Erdrutsche im Schweizer Schienennetz?
Der Unfall wirft Fragen auf, inwiefern das Schweizer Schienennetz anfällig für Erdrutsche und solche Unfälle ist. Durch den Alpenkamm führen zahlreiche Bahnstrecken, immer wieder wurden sie Opfer von Steinschlägen und Murgängen, so beispielsweise die Gotthardbahn gleich drei Mal im Jahr 2012 – im März, Juni und November. Die Rhätische Bahn wiederum führt ebenfalls durch bergiges Gebiet, sie hat jedoch zahlreiche Sicherheitsmassnahmen an neuralgischen Stellen vorgenommen. Die heutige Unglücksstelle bei Tiefencastel ist in der Gefahrenkarte des Kantons Graubünden jedoch nicht mal vermerkt. Erdrutschbedingte Unfälle geschehen bei der RhB des Öfteren, so beispielsweise 2011 in Valendas-Sagogn.
10vor10 von Schweizer Radio und Fernsehen am 13. August 2014 über die allgemeinde Gefährdung Schweizer Bahnstrecken durch Erdrutsche und Steinschläge
Bilderstrecke Bergung
Am 15. August 2014 wurde der ins Tobel hinuntergerutschte EW IV 1281 mithilfe des Sersa Kirow KRC458 2S geborgen. RhB-Gleisbauer Jonas Krummenacher stellte die von ihm geschossenen Fotos für Cabo Ruivo zur Verfügung. Die Fotos befinden sich urheberrechtlich weiterhin in seinem Eigentum, die Nutzung erfolgt in gegenseitigem Einvernehmen und ist nicht kommerzieller Natur.
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Das Foto befindet sich in Eigentum von Daniel Wachter