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Die Ressourcen entlang der russischen Nordmeerküste sind für Präsident Putin das A und O seiner Wirtschaftspolitik. Mittlerweile gebetsmühlenartig preist er die Möglichkeiten und die Mengen von Rohstoffen in den Böden des Arktischen Ozeans an. Und gehört wird er von den nach Rohstoffen verlangenden asiatischen Ländern wie China, Indien, Singapur, Südkorea und Japan. Nun hat der Präsident eine weitere Vision vorgestellt, wie ein Teil der Rohstoffe vom hohen Norden schnell und günstig in den tiefen Süden transportiert werden soll: via Eisenbahnverbindung.
Das Herzstück in Putins Plänen, die er im Rahmen einer jährlich stattfindenden Konferenz präsentierte, ist eine Eisenbahnlinie nach Sabetta, dem neuen Arktishafen an der Nordküste der Yamal-Halbinsel. Von hier aus sollen die verschiedenen Rohstoffe, die im und um den Arktischen Ozean abgebaut werden, so schnell wie möglich die grossen Häfen am Pazifik und Indischen Ozean erreichen. «Wir müssen zusammen darüber nachdenken, wie man die Bildung eines eurasischen Transportnetzwerkes beschleunigen kann, ein echtes Netz aus quer- und längsverlaufenden Wegen», sagte Präsident Putin in seiner Rede. Dabei unterstrich er auch die Wichtigkeit der Arktis und seine Idee einer Verbindung ab Sabetta. «Die Idee ist, die Häfen entlang der Nordostpassage mit den Häfen des Pazifiks und des Indischen Ozeans mithilfe von Verkehrsadern durch das östliche Sibirien, dem Kernland Eurasiens, zu verbinden. Um diese Idee auch umzusetzen, beabsichtigen wir den Bau von Eisenbahnlinien nach Sabetta zu beschleunigen», erklärte Präsident Putin weiter.
Putins Vision von einer Eisenbahnlinie nach Sabetta ist Teil des Northern Latitudinal Passage-Projekts mit dem Ziel, den Warentransport durch russische Gewässer weiter auszubauen und eine Verbindung mit den lukrativen Märkten Asiens und des Mittleren Ostens aufzubauen. Die geplante Linie soll Sabetta mit dem 170 Kilometer entfernten Bovanenkovo verbinden, weiter nach Labytnangi führen und dort über ein 17 Kilometer lange Brücke über den Fluss Ob nach Salekhard gehen. Von dort aus wird dann die Linie nach Novy Urengoy und an das internationale Schienennetz angeschlossen werden. Insgesamt 700 Kilometer neues Gleis muss gebaut werden, auf Permafrostboden und unter arktischen Bedingungen. Die Kosten dafür sollen knapp € 3 Milliarden betragen, wovon der Löwenanteil von privaten Firmen wie Gazprom getragen wird. Die involvierten Ministerien haben bereits signalisiert, dass bis 2024 das Projekt beendet sein soll und ab 2025 rund 8 Millionen Tonnen Waren zusätzlich auf die Schiffe der Nordmeerroute zukommen wird. Putins Ziel bleibt, den Warenverkehr auf der Nordmeerroute bis 2024 auf 80 Millionen Tonnen zu erhöhen. Dieses Jahr erreichten die Mengen die 29 Millionen Tonnen Grenze.
Quelle: Atle Staalesen, The Independent Barents Observer / Arctic Today