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Am 25. April 2015 hat ein schweres Erdbeben in Nepal fast 9’000 Tote und 23’000 Verletzte gefordert. 600’000 Menschen sind obdachlos. Die Glückskette hat bisher die Nothilfeaktivitäten von zehn Partnerhilfswerken finanziert. Innerhalb von sechs Monaten verteilten die Hilfswerke Güter wie Wellblech, Planen, Zelte, Trinkwasser, Lebensmittel und Decken an 206’000 Personen. 11’000 Verletzte wurden medizinisch versorgt und Gesundheitszentren mit Material und Ausrüstung ausgestattet. Tausende Kinder können in temporären Schulen den Unterricht besuchen und erhalten psychologische Unterstützung. Zudem bilden die Hilfswerke lokale Maurer für den kommenden Wiederaufbau nach erdbebensicheren Standards aus. Wir haben einige der Menschen getroffen, die von den Spendengeldern der Glückskette profitieren konnten.
Tamar Dong, 75, wohnt in einem kleinen Dorf mit 150 Einwohnern am Fusse des Himalayas. Kurz vor dem Erdbeben hatte er mit Hilfe von seinem Sohn gerade sein Haus fertig gebaut. Als sich die Katastrophe ereignete, war er bei seinen zwei Enkelkindern zu Besuch. Sein Haus ist fast komplett eingestürzt – nur die Fassade, die durch Holzbalken verstärkt wurde, steht noch. «Innert 55 Sekunden stürzte die seitliche Hauswand ein und das Innere des Hauses war voller Ziegelsteine. Seither traue ich mich nicht mehr ins Haus.» Tamar wohnt und schläft in einer kleinen Notunterkunft mit Wellblechdach, das er von Helvetas, einem Partnerhilfswerk der Glückskette, erhalten hat. Neben seinem notdürftigen Bett kocht er Wasser in einem Topf über dem Feuer und wärmt sich gleichzeitig für die Nacht, während der die Temperaturen jeweils gegen die null Grad fallen. Heute zählt Tamar beim Wiederaufbau auf die Unterstützung der Hilfswerke. Er fürchtet, dass alles wieder einstürzen könnte, wenn er sein Haus selber aufbauen würde. In seinem Dorf Laavagaon im Distrikt Sindhupalchowk wurden 40 Menschen, darunter 20 Kinder, von den Trümmern getötet.
Auch Sansa Tamang und ihre zwei Enkelkinder leben in Laavagaon in einer temporären Unterkunft, die sie mit Hilfe der Dorfgemeinschaft und mit Material von Solidar Suisse, ebenfalls einem Partnerhilfswerk der Glückskette, errichtet haben. Sie erhielten Kleider, Decken, Wassereimer, Planen und Teller und wie jeder nepalesischen Familie schenkte auch ihnen die Regierung nach dem Erdbeben 15 Dollar.
Das Haus von Deti Kumari, 75, in Gairibisauna (Distrikt Kavre) wurde vom Erdbeben komplett zerstört. Sie lebt ebenfalls in einer temporären Unterkunft, die sie mit Material von Terre des hommes - Kinderhilfe, einer weiteren Partnerorganisation der Glückskette, aufbauen konnte. Löffel, Tassen und Teller liegen auf dem Teppich am Boden verstreut. Plastik- und Metallbehälter füllen den restlichen Platz in ihrem Schlafraum aus. «Diese Küchenartikel habe ich drei Wochen nach dem Erdbeben bekommen», erklärt sie. «Das war eine grosse Erleichterung für mich. Vorher konnte ich keine Lebensmittel mehr kochen und dieses Geschirr hält sogar dem Holzfeuer stand.» Deti hat auch Artikel für die Körperhygiene und Unterstützung für die Sanierung der Latrinen in ihrem Hinterhof erhalten.
In den Erdbebengebieten konnten Betroffene mit dem verteilten Wellblech und den Planen verschiedenartige Unterkünfte errichten, sei es als Wohnraum oder um Vieh unterzubringen. Dabei wird die rechteckige Form mit Schrägdach bevorzugt. Einige Bewohner haben sich jedoch für das igluförmige Modell entschieden, bei dem das Blech nicht zugeschnitten werden muss. Der Platz in diesen Unterkünften ist zwar beschränkt, doch lassen sich die Materialien zu 100 Prozent wiederverwenden.
Die Sanierung von Wasserversorgungssystemen und Latrinen ist ein weiterer Fokus der Arbeit der Partnerhilfswerke der Glückskette. Die Wasserstelle in Gairibisauna (unten links) ist eine der vielen tausenden, die wiederaufgebaut wurden. Sie versorgt 72 Haushalte. Unterschiedliche Latrinen (in der Mitte im Distrikt Sindhupalchowk, rechts im Distrikt Kavre) wurden in den Wochen nach dem Erdbeben saniert, womit die Hilfswerke einen Beitrag zur Wasseraufbereitung, Hygiene und Vorbeugung von Epidemien leisten konnten.
Die Partner der Glückskette sind in der Folge des Erdbebens rund 11’000 Verletzten zur Hilfe gekommen. Sie haben Ärzteteams zur Verstärkung ins Katastrophengebiet entsandt und Material zur Versorgung der Verwundeten verteilt. An verschiedenen Standorten wurden Pflegezentren errichtet, um den Bedarf zu decken und traumatisierten Opfern, insbesondere Kindern, psychologische Unterstützung anzubieten.
Das Gesundheitszentrum in der Gemeinde Panchkhal (Kavre) ist eines der vielen Zentren, die schwere Schäden erlitten haben. Der Dienstarzt empfängt deshalb seine Patienten in einem Zelt vor dem Schulgebäude. In der Nähe wurde ein Fertigbau-Gesundheitsposten nach einem staatlich genehmigten Modell errichtet und wird bald eröffnet. Er beinhaltet einen Gebärsaal, einen Ruheraum und ein Sprechzimmer. Nach diesem Vorbild finanziert die Glückskette 17 Gesundheitszentren, die von Terre des hommes - Kinderhilfe im Distrikt Kavre aufgebaut werden.
Temporäre Schulen für 6’500 Kinder wurden errichtet, um den Schulunterricht während der Monsunzeit gewährleisten zu können. Die Lehrpersonen bestätigen, dass gleich viele Kinder den Unterricht besuchen wie vor dem Erdbeben. Sie seien aber nervöser als sonst und könnten sich schlecht konzentrieren. Aus diesem Grund haben die Hilfswerke auch Bereiche zum Spielen eingerichtet und psychologische Unterstützung organisiert. Bald sind 34 Schulen nach erdbebensicheren Standards wieder aufgebaut, sodass die Kinder in einer sicheren Atmosphäre ungestört lernen können.
Der elfjährige Vivek aus dem Distrikt Kavre (unten links) konnte weniger als einen Monat nach dem Erdbeben wieder in die Schule in Gairibisauna zurückkehren. Terre des hommes – Kinderhilfe hat für diese und 59 weitere Schulen Material und die technische Expertise bereitgestellt, dank derer das Gebäude mit Bambus und Planen provisorisch wieder aufgebaut werden konnte. «Ich hatte Angst davor, wieder in die Schule zu gehen und dass dann alles wieder einstürzen würde», erklärt Vivek. «Jetzt finde ich es gut, dass das Gebäude erstmal aus Bambus gemacht wurde. So kann ich mich daran gewöhnen und sichergehen, dass die Erde nicht wieder bebt.»
Im Dorf Gyalthum (Sindhupalchowk) ist das 50-jährige Schulgebäude komplett eingestürzt. Wie bei 33 weiteren Schulen hat Caritas auch hier technische Unterstützung geleistet und Baumaterial verteilt. So konnte das Hilfswerk temporäre Schulgebäude errichten und die schulische Reintegration trotz der bevorstehenden Monsunzeit ermöglichen. In jedem Fall wurde zusammen mit der Schulleitung ein Quartierbebauungsplan erarbeitet. «Einen Monat nach dem Erdbeben konnten wir wieder zur Schule gehen», erzählt Sandnai, 14 (rechts). Caritas beginnt demnächst mit dem definitiven Wiederaufbau von fünf Schulen nach einem von der Regierung genehmigten Modell. Es handelt sich dabei um eine Pilotphase vor dem Bau von 30 weiteren Gebäuden.
Der definitive Wiederaufbau von einzelnen Häusern hat sich wegen der gravierenden Benzinknappheit und dem wichtigen nationalpolitischen Wandel verzögert. Trotzdem haben Partnerhilfswerke der Glückskette wie das Rote Kreuz (unten) damit begonnen, nepalesische Maurer und Zimmerleute für den Wiederaufbau von Privathäusern und öffentlichen Strukturen nach erdbebensicheren Standards auszubilden. Letztlich sollen 2’000 Wohnhäuser wieder errichtet werden. Diese erhalten neben sanitären Infrastrukturen auch eine Küche und – dank der Restauration des Wassersystems – Zugang zu Trinkwasser.