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| Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe

Erstes Buch. Briefe aus den Jahren 590—591.
VIII. (10.) An die Bischöfe Bacanda und Agnellus.
Inhalt
VIII.
Gesammtausgabe 10.
An die Bischöfe Bacanda und Agnellus.
Inhalt: Gregors Sorgfalt für die Juden, denen es gestattet wird, ihre Religion ungehindert zu üben.
Die in Tarracina1 lebenden Juden haben Uns gebeten, ihren bisherigen Platz für ihre Synagoge auch auf Unsern Befehl behalten zu dürfen. Weil wir aber vernahmen, daß jener Platz so nahe bei der Kirche sei, daß [S. 27] man in derselben sogar das Beten und Lesen der Juden höre, so haben Wir Unserm Bruder and Mitbischof Petrus geschrieben, daß die Zusammenkünfte der Juden an jenem Platze zu unterbleiben hätten, wenn es sich wirklich so verhalte, daß die Stimmen von denselben in die Kirche herüber tönen. Möge darum Eure Brüderlichkeit im Verein mit dem genannten Bruder und Mitbischof jenen Platz sorgfältig in Augenschein nehmen, und wenn es Euch scheint, daß derselbe der Kirche irgendwie Störung verursache, so sorget für einen andern Platz innerhalb der Stadt, wo die erwähnten Juden zusammenkommen und ohne Belästigung ihre Gebräuche ausüben können. Möge aber Eure Brüderlichkeit, falls sie den bisherigen Platz verlieren, für einen solchen sorgen, gegen welchen in Zukunft keine Klage erhoben wer den kann. Auch verbieten Wir, daß die genannten Juden bedrückt oder über Gebühr belastet werden, sondern wie es ihnen nach Gerechtigkeit gestattet ist, den römischen Gesetzen gemäß zu leben, so sollen sie ungehindert und nach bestem Wissen ihre Handlungsweise einrichten. Jedoch sei es ihnen nicht gestattet, christliche Sklaven zu haben.
1: Stadt in Latium. Offenbar waren die beiden Adressaten Bischöfe in der Nachbarschaft.