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Folsäure und Verhaltensauffälligkeiten
Bei Kindern besteht eine nach der Geburt altersabhängige leichte Ausdünnung der Hirnrinden-Dicke im Frontal- und Temperorallappen bis zur frühen Adoleszenz. Eine Verzögerung dieses Vorgangs ist mit höherer Intelligenz, eine Beschleunigung mit Schizophrenie und Autismus verbunden (15). Amerikanische Autoren haben nun in einer retrospektiven Studie anhand von MRI-Befunden die Hirnrinden-Dicke bei 8-18-Jährigen in drei Kohorten untersucht und zwar eine vor der Anreicherung des Mehls mit Folsäure (<1. Juli 1996), eine in der Übergangsphase (bis 30 Juni 1998) und eine nach der Einführung (ab 1.Juli 1998). Unter Ausschluss von verschiedenen die Resultate beeinflussenden möglichen Störfaktoren fanden sie bei insgesamt 292 MRI mit vergleichbaren Bedingungen in den drei Gruppen (97/96/99) eine signifikante Assoziation einer höheren Hirnrindendicke bei pränataler Folsäure-Exposition und damit auch ein vermindertes Risiko für Symptome des Psychosen-Spektrums. Ihre Befunde decken sich damit auch mit europäischen Studien, die bei ungenügender perikonzeptioneller Folsäurezufuhr ein niedrigeres Hirnvolumen bei jungen Kindern und spätere Verhaltensauffälligkeiten feststellten. Sie erklärten dies durch mögliche epigenetische Modifikation von Genen, die die corticale Entwicklung regulieren oder den Einfluss toxischer Einflüsse mitigieren.
Literatur
Eryilmaz H, Dowling KF, Huntigton FC et al. (2018) Association of Prenatal Exposure to Population-Wide Folic Acid Fortification With Altered Cerebral Cortex Maturation in Youth. JAMA Psychiatry 75(9) :918-928.