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Einst holte Alexis Jones mit den Minnesota Lynx den WNBA-Titel, dann musste die amerikanische Basketballerin oft Rückschläge hinnehmen. Titel mit Elfic sollen ihre Karriere neu lancieren.
2017 war Alexis Jones auf dem Olymp des Frauen-Basketballs. Mit den Minnesota Lynx gewann die Amerikanerin die Meisterschaft der WNBA (Women’s National Basketball Association), dem weiblichen Pendant zur NBA. Knapp 15’000 Zuschauer waren in der bis auf den letzten Platz besetzten Williams Arena der Universität von Minnesota zugegen, als die Luchse in der Belle des Playoff-Finals zu Hause die Los Angeles Sparks mit 85:76 bezwingen und damit den vierten Meistertitel der Organisation holen konnten. Das Stadion wurde zu einem Tollhaus, die Feier war ausgelassen. Jones, in der ersten Draft-Runde als Nummer 12 gewählt, gehörte zwar nicht zu den Stammspielerinnen, trug aber insbesondere in Spiel 3 der Finalserie gegen die Kalifornierinnen, zu welchen sie später wechseln sollte, mit neun Punkten und vier Assists Entscheidendes bei.
Als Luxus-Ersatz gekommen
Gut vier Jahre später könnte der Kontrast grösser nicht sein. Statt sich auf die WNBA-Saison vorzubereiten und in den grossen Arenen zu spielen, trägt Jones das Trikot von Elfic Freiburg und läuft in der Basketball-Provinz Schweiz auf. «Ob WNBA oder die Schweiz, für mich macht das keinen grossen Unterschied. Ich schaue auf niemanden herab», will die 1,73 Meter grosse Spielmacherin nicht werten. «Ich kam nach Freiburg, um mein Bestes für das Team zu geben. Natürlich ist die WNBA ein ganz anderes Level. Ich möchte aber keinen Vergleich anstellen. Ich geniesse ganz einfach den Moment, egal wo ich gerade bin.»
Jones stiess Ende März zu den Freiburgerinnen, als Ersatz für Aislinn König, die zum Trainingscamp der Washington Mystics eingeladen wurde. Die Austro-Kanadierin gab übrigens am Mittwoch ihr Debüt in der WNBA und kam bei der 80:87-Niederlage gegen die Atlanta Dreams auf immerhin fünf Punkte. Königs Nachfolgerin hatte keine Mühe, um sich in der Schweizer NLA zurechtzufinden. In den Playoffs kam die Amerikanerin im Schnitt auf 17 Punkte und war damit massgeblich daran beteiligt, dass Elfic am vorletzten Mittwoch mit einem souveränen 3:0 in der Finalserie gegen Winterthur den dritten Meistertitel en suite feiern konnte. Dass Covid-bedingt nur gerade 50 Zuschauer bei diesem Triumph dabei sein konnten, tat der Freude Jones’ keinen Abbruch. «Die Aufregung wäre sicher eine andere gewesen mit mehr Fans, aber am Ende des Tages willst du als Sportler einfach nur siegen. Es war mein erster Titel in Übersee, und wir hatten als Team dennoch ein tolles Fest.»
Zu sich selbst finden
Für Jones geht es aber um mehr als nur den sportlichen Erfolg. Zuletzt lief es in ihrer Karriere nicht mehr wunschgemäss. Statt in Los Angeles mit den Sparks durchzustarten, wurde sie 2019 von einer Knieverletzung gestoppt. Und letztes Jahr machte ihr die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Statt einer Neulancierung ihrer Laufbahn mit Atlanta wurde die Saison abgesagt. So landete die Amerikanerin in Spanien bei Al Qazeres. Dort verpasste ihr Team nicht nur die Playoffs – weshalb sie vorzeitig zu Elfic wechseln konnte –, sondern Jones fühlte sich auch falsch eingesetzt. Mehrheitlich auf der Position 2 statt als Spielgestalterin aufgestellt, kam sie im Schnitt «nur» auf 11,5 Punkte und 1,9 Assists. «Ich bin auch hier in Freiburg, um Ende Saison mit einem Lächeln in meine Heimat zurückkehren zu können. Ich will mich selber wiederfinden und mir beweisen, dass ich ein Team führen kann und ein Leader bin.»
Das Ziel von Jones ist klar: Sie will zurück in die WNBA. «Mein Agent hält Ausschau nach Möglichkeiten. Manchmal kann alles ganz schnell gehen.» Wieder ein Teil der besten Frauen-Liga der Welt zu sein, ist ihr Ansporn. «Die WNBA ist superprofessionell, der NBA ganz ähnlich. Einzig die Gehälter sind nicht ganz die gleichen», schmunzelt Jones. 47’798 Dollar – die Löhne sind im US-Sport transparent und öffentlich – betrug das Grundgehalt der Amerikanerin 2019 bei den Los Angeles Sparks, was ein Klacks gegenüber den Millionen-Salären der männlichen Kollegen ist. Das Geld war allerdings noch nie der Antrieb Jones’, die bereits in jungen Jahren einen Schicksalsschlag zu verkraften hatte. Nach einem schweren Autounfall war ihr Vater querschnittsgelähmt, während ihr Bruder und sie aus dem Fahrzeug geschleudert wurden. Jones hatte Glück im Unglück und zog sich dabei nur einen Handgelenkbruch zu.
Zweiter Pokal vor Augen
Den Weg zurück in die amerikanische Profi-Liga erleichtern gewiss Titel – wie renommiert die Meisterschaft ist, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Am Samstag, wenn sie ihren 27. Geburtstag feiert, winkt Jones mit Elfic ein zweiter Titel. Im St. Leonhard treffen die Freiburgerinnen im Cup-Final auf Genf. Das Team von Trainer Romain Gaspoz kann seinen zweiten Cup-Pokal nach 2018 holen, nachdem es seit 2010 nicht weniger als sechsmal den Final verloren hatte. Gegen die Genferinnen ist Freiburg der haushohe Favorit. «Wir sind total fokussiert und lassen es nicht schleifen», versichert Jones. «Wir wollen diesen Pokal unbedingt holen.» Für Elfic wäre es das zweite Triple (Meisterschaft, Cup und Liga-Cup) nach 2018 – und Jones könnte definitiv mit einem Lächeln auf den Lippen zurück in ihre texanische Heimat nach Dallas fliegen.
Sport
Das Duell der ewigen Rivalen
Während die Rollen im Cup-Final der Frauen klar verteilt sind – alles andere als ein Sieg von Elfic gegen Genf wäre eine grosse Überraschung –, ist das Endspiel der Männer völlig offen. Auch hier lautet das Duell am Samstag Freiburg gegen Genf, und es verspricht Hochspannung. Die beiden ewigen Rivalen trafen in dieser Saison bereits viermal aufeinander. Dreimal gewann der Qualifikationssieger (zweimal in der Meisterschaft, einmal im Halbfinal des Liga-Cups), die letzte Begegnung vor gut einem Monat im Championat ging allerdings an die Freiburger, die damit einen psychologisch wichtigen Sieg feiern konnten.
Die Affiche Olympic gegen Genf ist immer auch das Duell der «Überläufer», zahlreiche Spieler trugen in der Vergangenheit bereits das Trikot des Gegenübers. So spielten die Freiburger Arnaud Cotture, Paul Gravet, Alexander Hart und Robert Zinn einst für Genf, derweil Tim Derksen, Thomas Jurkovitz, Jérémy Jaunin, Roberto Kovac, Brandon Kuba und Natan Jurkovitz zuvor für Olympic auf Korbjagd gingen.
Nach 2014, 2016 und 2019 treffen Olympic und Genf zum dritten Mal im Cup-Final aufeinander. Die letzten zwei Finalspiele gingen an die Freiburger, die am Samstag den Schweizer Cup zum zehnten Mal in der Club-Geschichte gewinnen können. fs