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Positionspapier '99 - BildungI. Einleitung
II. Situationsbeschreibung
1. Zugang zur Bildung
2. Bildungsausgaben
3. Qualität der Bildung
III. Vorschläge
I. Einleitung
Die Bildung entwickelt sich im Kontext einer sich verändernden Welt. Eine ihrer Grundfunktionen besteht darin, Erzeugerin und Richtungsgeberin dieser Veränderungen in einer Welt, die sich immer mehr weltweit vernetzt und öffnet, zu sein. In der gegenwärtigen Situation, die durch eine wachsende Spezialisierung, Instrumentierung und Entmenschlichung gekennzeichnet ist, scheint es uns nötig, die Grundkonzepte der Bildung neu zu formulieren.
Das gegenwärtige Bildungssystem gründet sich auf dem Konzept eines passiven Menschen, einem reinen Informationsempfänger oder einer einfachen Spiegelung der "Bedingungen", die ihn mechanisch festlegen. So müssen sich "Lehrer" und "Schüler" darauf beschränken, Pläne einzuhalten, die von Spezialisten entworfen werden, welche im Dienste der bestehenden politischen und wirtschaftlichen Ordnung stehen. In der Praxis führt das zur Anwendung cartesischer, mechanizistischer, konservativer und sektiererischer Grundlagen im Bildungswesen, welche die traditionellen Strukturen verteidigen. Überdies wird alles nach einem Wertestem des "Marktes" ausgerichtet, was zur Situation führt, dass ein paar Wenige für die zukünftige Machtausübung vorbereitet werden, während die grosse Mehrheit für ein zukünftiges Arbeiter – oder Angestelltendasein geformt wird.
Der Blick, der heute auf die Bildung gerichtet ist, besteht in der "Ausbildung von Produktivkräften", das heisst die Auszubildenden sollen auf eine Umgebung der wirtschaftlichen Konkurrenz vorbereitet werden, wobei die Entwicklung ihres menschlichen Potentials vernachlässigt wird.
Die Konsequenzen dieser Sicht und dieses Vorgehens sind offensichtlich: Einsparungen bei der Lehrerschaft, Zunehmende Versuche zur Privatisierung von Schulen und Universitäten, Diskriminierung und Gewalt an den Schulen, Sinnverlust im Leben vieler jugendlicher Schüler und Schülerinnen, Depression, psychische Krankheiten, Drogenkonsum, Konkurrenzdruck unter den Studenten – was wiederum zu einer Passivität der Schüler- und Studentenschaft im gesellschaftlichen und politischen Leben führt.
Es wird Zeit, ein neues Bildungssystem zu entwerfen, das sich auf dem Konzept eines aktiven, geschichtlichen und gesellschaftlichen Menschen gründet, dessen grundlegender Sinn in der Verwandlung der Welt und seiner selbst gründet, im Aufbau einer gerechteren, menschlicheren, solidarischeren und gewaltfreien Welt.
Wir verstehen unter "Integraler Humanistischer Bildung" ein Bildungsmodell, welches die umfassende Entwicklung des Menschen (auf gesellschaftlicher und persönlicher Ebene) fördert. Die Kommunikation mit sich selbst und mit den Anderen, die Entwicklung des körperlichen Ausdrucks und der körperlichen Harmonie, das kohärente Denken, die gefühlsmässige Entfaltung und die Kreativität sind unverzichtbare Säulen dieser neuen Werteskala.
Lehrer, Schüler, Professoren, Dozenten, Eltern, Institutionen und die Gesellschaft als ganzes müssen Teilnehmer und Ausführende dieser Veränderung sein. Der Staat (Eidgenossenschaft, Kantone und Gemeinden) müssen diesem Veränderungsprojekt Priorität beimessen und ohne Aufschub die dazu nötigen Mittel bereitstellen. Es ist Zeit, die Bildung menschlich zu machen.
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II. Situationsbeschreibung
1. Zugang zur Bildung
Die obligatorische kostenlose Grundausbildung ist für alle SchweizerInnen und in der Schweiz wohnhaften AusländerInnen zugänglich. Nach der 9-jährigen obligatorischen Grundschule führt der grösste Teil der BürgerInnen die Schule fort (80% der 25-64-Jährigen). 94% der Schüler besuchen diese kostenlosen Staatsschulen, die der Aufsicht der Kantone unterliegen. Der Zugang zur Grundausbildung ist somit für alle Menschen in der Schweiz gewährleistet.
Der Zugang zu den Universitäten ist hingegen nicht kostenlos und in den letzten Jahren stiegen die Studiengelder. So wurde z.B. an der Universität Zürich die Studiengebühr von 150 Fr. pro Semester (1988) auf 600 Fr. (1998) angehoben. Fast 50% der Studenten nehmen heute neben ihren Aktivitäten an der Universität einen Job an, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.
Im Allgemeinen gibt es (noch) keine Studienbeschränkungen (Numerus Clausus), ausser in der Fakultät Medizin.
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2. Bildungsausgaben
Die öffentlichen Ausgaben für die Bildung betrugen 1996 21,381 Millionen Fr., was 18% der totalen Staatsausgaben entspricht. Die Tendenz geht immer mehr in die Richtung bei der Bildung zu sparen, Kosten und Nutzen werden berechnet. In diesem Zusammenhang stehen die Diskussionen über die Einführung von Schulgeldern für die (obligatorischen) Mittelschulen, über die Erhöhung der Studiengelder an Universitäten, über die Einrichtung grösserer Schulklassen, ja sogar über einen Leistungslohn für Lehrer.
Die Sparmassnahmen im Bildungsbereich (Streichung von "ineffizienten" Fächern, Klassengrössen) führen zu zunehmenden Konflikten mit der Lehrerschaft.
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3. Qualität der Bildung
Aus der humanistischen Sicht stellen wir fest, dass die Qualität der Bildung - im Gegensatz zum freien Zugang- sehr niedrig ist. Die Schüler werden hauptsächlich als Informationsempfänger behandelt, die mit der Zeit zu "Produzenten" und "Konsumenten" gemacht werden müssen. Das aktuelle Schulsystem prägt einen Menschen, der sich frei und unabhängig wähnt, gleichzeitig aber die Erwartungen des Systems erfüllt und einfach manipuliert und gesteuert werden kann. Die Werte, welche die Schule prägen, sind klar den makro-ökonomischen Richtlinien des kapitalistischen Systems untergeordnet. So werden die Menschen in keiner Weise darauf vorbereitet, neue Antworten auf eine sich verändernde Welt, die klare Anzeichen einer Krise zeigt, zu geben. Anstatt die Leute auf die kommende neue Welt vorzubereiten, überlässt man sie sich selbst, mit Werten und Vorgehensweisen, welche in der Praxis bereits ihr Scheitern gezeigt haben. Anstatt ein kreatives menschliches Wesen zu fördern, das fähig ist, sich selbst und die Gesellschaft zu verändern, formt das heutige Schulsystem einen egozentrischen und individualistischen Menschen, anfällig für alle Arten von neo-irrationalen und rassistischen Strömungen, für Drogensucht, Alkoholismus, Selbstmord, verschiedene Arten von psychischen Krankheiten (Magersucht, Depression) und Gewalt.
Die persönliche Entwicklung der Schüler und Lehrer, die gefühlsmässige Entfaltung, die persönliche und kulturelle Vielfalt, körperlicher Ausdruck, kohärentes Denken, Fragestellungen zum Sinn des Lebens, ein Verständnis des Menschen und ein Studium der menschlichen Intentionalität sowie andere fundamentale Aspekte der menschlichen Existenz werden vom heutigen Bildungssystem ausser Acht gelassen.
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III. Vorschläge
Das schweizerische Bildungssystem braucht neue Werte als Grundlage. Es geht also nicht nur darum, Bildungsmethoden und Lehrpläne zu verändern, sondern es handelt sich um ein neues Bildungsmodell, um ein neues Konzept der Bildung, um eine neue menschliche Absicht, die es jedem Schüler und Lehrer tatsächlich ermöglichen, die beste seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entwickeln. Wir brauchen ein Bildungssystem, das es ermöglicht, eine gerechtere, solidarischere und gewaltfreie Welt aufzubauen. Es handelt sich also darum, gemeinsam die Grundlagen für eine Bildung und Pädagogik auszuarbeiten, die einen klaren und deutlichen humanistischen Inhalt hat.
Es ist grundlegend, ein Bildungssystem zu entwickeln, das klar für eine Veränderung und Weiterentwicklung in Richtung einer besseren Gesellschaft befähigt anstelle einfach die bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen zu reproduzieren und die neuen Generationen an diese Bedingungen anzupassen.
Unmittelbare Vorschläge für eine Reform des Bildungswesens sind:
Auf der Vorschulstufe schlagen wir vor:
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