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Gottfried Honegger, 1917-2016
Gottfried Honegger wurde 1917 in Zürich geboren. Einen Teil seiner Kindheit erlebte er im Engadiner Dorf Sent – im Haus seiner Grosseltern, worin der Künstler Honegger später die Quelle seiner Lust am Sinnlichen und Schönen sah.
In Zürich studierte Honegger 1932/33 an der Kunstgewerbeschule, es schloss sich bis 1936 eine Lehre als Schaufensterdekorateur an. Bereits zwei Jahre später folgte die Gründung eines Ateliers zusammen mit der Künstlerin und späteren Ehefrau Warja Lavater. Honegger arbeitete im Anschluss hauptsächlich auf dem Gebiet der Grafik und Buchillustration sowie der Ausstellungsgestaltung. Auch als Publizist und Mitherausgeber von Fachzeitschriften war er tätig und prägte so das zeitgenössische Bild der Grafik in der Öffentlichkeit mit.
1958 siedelte Honegger nach New York über und war eng vernetzt mit der dortigen Szene der Avantgardisten. 1960 kehrte er in die Schweiz zurück, von da an lebte er in Zürich und Paris, wobei die französische Metropole sein Hauptwohnsitz wurde. Seinen Fokus setzte er – neben seinen Werken wie Gemälden, Skulpturen und Wandobjekten – hauptsächlich auf Kunst im öffentlichen Raum, beispielsweise erhielt er Aufträge für Platzgestaltungen, Glasfenster und Wandreliefs in Frankreich, Deutschland, den Vereinigten Staaten und in der Schweiz. 1987 war Honegger einer der Mitbegründer der Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst Zürich und setzte sich für die Ausstellungskonzipierung und die Kunstvermittlung ein. Im gleichen Jahr wurde ihm der Kunstpreis der Stadt Zürich verliehen, zwei Jahre zuvor bereits der höchste Orden, der einem Künstler in Frankreich verliehen werden kann, Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres, weil er das Land an der Biennale vertreten hatte. 1998 wechselt er von Paris nach Cannes. Die definitive Rückkehr nach Zürich war 2005. Hier ist Gottfried Honegger im Januar 2016 verstorben.
Honeggers Kunst ist geprägt durch die logische und auf die Mathematik aufbauende Programmatik der konkreten Kunst, gepaart mit den nicht berechenbaren Elementen – dem Gefühl des Künstlers und dem Zufall. Die Zürcher Konkreten – allen voran Max Bill, Camille Graeser, Hans Hinterreiter, Verena Loewensberg, Richard Paul Lohse und Anton Stankowski – sahen in der Miteinbeziehung der Mathematik die Möglichkeit, die Kunst an die technisierte Welt anzuschliessen, in der sie lebten. Diese mathematische Grundlage stellte sicher, dass der Künstler als subjektiv handelnder Mensch in den Hintergrund rückte – und somit Kunst nicht von seinen personenbezogenen Merkmalen abhängig wurde. Im Vordergrund standen beispielsweise Farbflächengleichheit, der zyklische Farbtausch, formale Drehsymmetrie und der Modul. Der mathematische Modul (nicht das Modul) stellt ein zugrunde liegendes Grössenverhältnis dar und gleichzeitig das kleinste Bauelement, das durch Vervielfältigung oder Aneinanderlegung zu einem Werk zusammengesetzt wurde. Das Ziel war eine allgemeingültige und somit -verständliche Kunst zu erhalten.
Der mathematische Modul ist in Honeggers Werken oft anzutreffen: beispielsweise in Gestalt einer Quadratseite, Dreieckskatete und dem Kreisradius als kleinste Einheitsstrecke oder gar einer geometrischen Form als kleinste Einheitsfigur. Daraus lässt sich jeder andere Bildbestandteil ableiten – dabei spielt es keine Rolle, ob die kleinste Einheit und die Massverhältnisse konstruiert oder per Zufall bestimmt wurden. Eingesetzt hat Honegger zur Konstruktion seiner Werke nur Geraden und rechte Winkel und Grundformen wie das Quadrat, den Kreis, das gleichseitig rechtwinklige Dreieck, das Rechteck oder Teile von ihnen. Im Raum sind es analog dazu Würfel, Quader, Kugeln, Zylinder oder deren Teile.
Die „Tableau-Reliefs“ nehmen in seinem malerischen Werk einen grossen Raum ein: es handelt sich dabei um meist monochrome Bildobjekte. Bis ungefähr 1980 brachte er hierzu vielfach durch Collagetechnik Kartonstücke auf den Bildträger auf, die er mit mehreren lasierenden Schichten bemalte oder mittels Grafitstift eine ebensolche lichtreflektierende Wirkung erzeugte. Ab den 1990er Jahren konzentrierte sich Honegger auf grossformatige Werke, die meist aus zweiteiligen Kreis- und Quadratausschnitten zusammengefügt sind.
Seine Wandobjekte hingegen sind zwar durch die gleichen Kriterien entstanden, wenn gleich sie eine ausgeprägtere systematische Ausrichtung aufweisen. Die 1960er Jahre widmet Honegger vornehmlich Wandreliefs aus Beton, später folgten Arbeiten in Metall (Chromstahl, Aluminium und Chrom) sowie Stein (Granit und Marmor). Zwischen 1968 und 1978 folgt eine Auseinandersetzung mit der Kugel und dem Kugelsegment. Seine später entstandenen Wandobjekte aus Aluminium führen uns gleichermassen Leichtigkeit, Eleganz und geometrische Einfachheit vor Augen – und können teilweise auch als dreidimensionale Raumobjekte aufgestellt werden.
Honegger hat es wie kein anderer der Zürcher Konkreten geschafft, die Strenge der Geometrie mittels Schönheit und Zufall derart aufzubrechen, dass eine ausgesprochene Harmonie in seinen Werken entstand.