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Hast du dich auch schon mal über einen Freundschaftsvorschlag auf Facebook gewundert? Woher weiss das System, dass ich mit dieser oder jener Person vor 15 Jahren zur Schule gegangen bin? Oder im gleichen Quartier aufgewachsen bin?
Normalerweise läuft das ja so ab: Du bist vielleicht im Ausgang und unterhältst dich mit jemandem. Dabei sagst du, dass du aus Bad Ragaz kommst. Dein Gegenüber meint: «Ah, Bad Ragaz. Kennst du zufällig Martin? Der kommt auch von dort!»
So könnte es auch auf Facebook gehen. Du sagst, wer du bist, woher du kommst, wo du zur Schule gegangen bist und wo du derzeit arbeitest. Ja, Facebook nutzt diese Informationen für die PYMK-Vorschläge («People You Might Know», so nennt Facebook selbst den Algorithmus). Aber Facebook geht noch viel weiter.
Samenspender lernt sein Kind kennen
Der Technik-Blog «Gizmodo» hat sich den Hintergründen dieser Vorschläge angenommen. Die Leser haben einige ganz kuriose Geschichten dazu erzählt. Ein Beispiel: Ein Mann hat vor Jahren einem befreundeten Paar Sperma gespendet, damit diese ein Kind bekommen können. Nun schlägt Facebook dem Mann dieses Kind als Freund vor. Der Mann und das Paar haben zwar noch Kontakt, sind jedoch keine Freunde auf Facebook.
Oder: Eine Frau, deren Vater die Familie verliess, als sie gerade einmal sechs Jahre alt war. Ihr wurde 40 Jahre später die damalige Geliebte des Vaters als Freundin vorgeschlagen.
Wie kann das sein? Laut «Gizmodo» existiert von jedem Facebook-User ein sogenanntes «Schattenprofil». Im Gegensatz zu deinem normalen Profil kannst du dieses weder sehen noch bearbeiten.
Hilfsbereit zur Datensammlung
Dein «Schattenprofil» erstellt Facebook aus den Mails, Kontakten und Smartphones anderer User. Wenn du dich zum ersten Mal auf Facebook registrierst, will die Firma in einem der ersten Schritte dein Adressbuch. Ganz lieb weist Facebook darauf hin, dass sie dir so helfen wollen, «Freunde zu finden».
Viel wird hier noch nicht verraten. Man soll einfach die Kontakte aus dem E-Mail-Konto importieren. Hinterlegt man noch eine Telefonnummer, kommt zusätzlich die Aufforderung, auch diese Kontakte hochzuladen. Damit solltest du «mehr Personen erreichen und dich leichter mit deinen Freunden verbinden» können.
Spannender wird es, wenn man auf «Erfahre mehr» klickt:
Plötzlich steht hier auch, dass diese Kontakte dafür verwendet werden, um «anderen bei der Suche [...] nach Personen zu helfen». Die Daten, die du hochlädst, werden auch für andere Personen verwendet.
Facebook weist immerhin darauf hin, dass man nur Leute als Freunde hinzufügen sollte, die man auch wirklich kenne. Doch genau das Gegenteil macht Facebook danach im Hintergrund: Es verknüpft alle Daten und Informationen aus deinem Adressbuch, egal ob die Person dahinter nur eine flüchtige Bekanntschaft ist oder nicht.
Auch wenn du dich nun weigern solltest, diese Daten mit Facebook zu teilen, der Konzern wird sie womöglich eh schon haben. Wenn nur schon eine Tinder-Bekanntschaft, ein ehemaliger Vermieter oder dein früherer Klassenlehrer deine Nummer und weitere Informationen zu dir einmal gespeichert hat und diese Facebook zur Verfügung stellt, werden diese Daten mit deinem Profil verknüpft.
Facebook weiss, wer dir «Mausi» sagt
So kommt Facebook zu ganz vielen Informationen: Der Konzern weiss ziemlich sicher, wo du schon überall gelebt und gewohnt hast, kennt all deine früheren Schulen und Arbeitgeber, all deine alten Telefonnummern und Email-Adressen, ja sogar mögliche Spitznamen, die vielleicht nicht mal du kennst. Und das alles, ohne dass du Facebook diese Informationen jemals gegeben hast.
Haben nun deine Frau und deine Geliebte deine Handynummer oder deine Email-Adresse gespeichert, nutzt Facebook diese Daten, um die beiden Frauen einander als Freunde vorzuschlagen.
Falls du einen Einblick in dein «Schattenprofil» willst, wirst du enttäuscht. Aus «Datenschutzgründen» will Facebook nicht von anderen bereitgestellte Informationen weitergeben - auch wenn sie dich betreffen.
Wie schützt man sich dagegen?
Richtig absurd wird es, wenn du deine eigenen Daten unter Kontrolle bringen will. Du müsstest jeden deiner Freunde einzeln darum bitten, die hochgeladenen Kontakte zu dir zu löschen und anschliessend den automatischen Upload abzustellen. Denn die Daten über dich gehören laut Facebook nicht dir, schliesslich hat sie jemand anders hochgeladen.
Kurioserweise hast du den besten Schutz gegen unwillkommene Freunde-Vorschläge, wenn du Facebook möglichst viele persönliche Informationen gibst. Hat der Konzern deine Telefonnummer oder deine Email-Adresse, kannst du in den Einstellungen ändern, wer dich über diese Daten finden kann. Wenn du hier «Freunde» wählst, nutzt auch der Freunde-Vorschlag-Algorithmus diese Daten nicht mehr.
WhatsApp und Instagram noch nicht genutzt
Zum Facebook-Konzern gehören auch WhatsApp oder Instagram. Laut dem Konzern werden die Daten aus diesen Accounts, auch wenn sie mit einem Facebook-Konto verknüpft sind, «derzeit» nicht für die «Schattenprofile» verwendet.
Facebook sagt auch, dass keine «Schattenprofile» zu Personen erstellt werden, die selbst nicht auf dem Social Network sind. Die Daten zu diesen Personen hat der Konzern trotzdem.