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| Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift an Kaiser Constantius (Apologia ad Constantium)

10.
Diese Gesinnung fürchtete ich nun von Jenen, und ich hätte nicht vielmehr Deiner Menschenfreundlichkeit zugethan sein sollen? Ich hätte den lieben sollen, der Jenen tödtete; gegen Dich aber, der Du sein Bruder bist und [S. 185] einen Tod gerächt hast, sollte ich Abneigung im Herzen tragen? Ja ich sollte an die verbrecherische That jenes Mannes mich erinnern und Deine Wohlthat vergessen haben? Du hattest mich ja gewürdigt, mir schriftlich mitzutheilen, daß diese auch nach dem Tode des Seligen für mich gerade so bestehen werde, wie sie zu seinen Lebzeiten bestand? Mit welchen Augen sah ich den Mörder? Oder mußte ich nicht, indem ich Dir alles Heil wünschte, auch jenen Seligen zu sehen glauben? Denn Brüder sind in Folge ihrer Natur Spiegel von einander. Deßhalb konnte ich Dich, da ich Dich in Jenem sah, niemals anschwärzen und, da ich Jenen wieder in Dir sah, niemals an den schreiben, der Jenem als Feind gegenüberstand, sondern ich erflehte für Dich vielmehr alles Wohlergehen. Und Zeugen hiefür sind vor Allem der Herr, der mich erhörte und Dir die Herrschaft Deiner Vorfahren ungeschmälert verlieh; Zeugen sind auch, die damals zugegen waren, Felicissimus, einst Dux in Ägypten, Rufinus und Stephanus, von denen der Erste dort Katholikus, der Andere Magister war, der Comes Asterius und Palladius, der ehemalige Magister Palatii, und die Officialen Antiochus und Euagrius. Denn ich sagte nur: Wollen wir beten für das Wohlergehen des gottesfürchtigen Kaisers Constantius, und das ganze Volk rief sogleich einstimmig: „Christus, sende Hilfe dem Constantius!“ und verharrte in diesem Gebete.