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«Reformation» – die Chance auf eine persönliche Beziehung mit Gott
Die Region Siebenbürgen ist bekannt für ihren reformatorischen Fortschritt. Schon Anfang der 1520er Jahre war die deutsche Reformationsbewegung in Siebenbürgen bekannt. Wie diese nach Siebenbürgen kam und welche Auswirkungen sie heute auf das Leben evangelikaler Christen hat, beschreiben unsere Partner Cornelia und Sami.
«Ohne die Reformation würden wir heute keine Demokratie, keine Freiheit, keine religiöse Toleranz, keine Muttersprache, keine Ausbildung, keine soziale und politische Verantwortung, keine Presse und Kritik haben.»
Die Worte von Reinhart Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B.* in Rumänien, verdeutlichen das Erbe der Reformation in Siebenbürgen. Sie kam mit den Kaufleuten und den sächsischen Studenten aus Siebenbürgen, welche in Wittenberg studiert hatten. Die Lehre Martin Luthers wurde so mündlich und schriftlich weitergegeben.
1568 wurde auf dem Thorenburger Landtag rechtlich erstmals die (eingeschränkte) Religionsfreiheit in Europa festgelegt. Alle Glaubensrichtungen – die katholische, die protestantische und die orthodoxe – gelten als gleichwertig und dürfen nebeneinander bestehen. Diese Reformation war der Anfang einer neuen Zeitepoche in Siebenbürgen und hat den Sachsen, Ungaren und Rumänen ein besseres Leben verschafft. Mit der neuen Verordnung hatte nicht nur der Priester etwas zu sagen, sondern auch die Gemeindemitglieder. Die Institutionen, allem voran die Schule, wurden reformiert. Die Schulbildung wurde als eine Notwendigkeit für jeden Menschen angesehen. So konnten die Menschen die Bibel und die Schriften besser verstehen.
Grundlage für die Schul- und Kirchenreform in Siebenbürgen war das berühmte Reformationsbuch von Johannes Honterus (1498-1549) aus Kronstadt (rumänisch Brașov). Er ist die Schlüsselfigur der Reformation in Rumänien. 1543 druckte er in der eigenen Druckerei in Kronstadt sein Reformationsbüchlein über die Durchführung der Reformation in Siebenbürgen, für das er später von Martin Luther persönlich gelobt wurde. Es war das letzte Mal, dass er seine Heimatstadt verlassen hatte, um Luther in Wittenberg zu treffen. Unsere beiden Kinder, Rafael und Seraina, gehen in die deutsche Schule in Brașov, welche von Johannes Honterus gegründet wurde und seinen Namen bis zum heutigen Tag trägt.
Erster Schultag der Kinder vor der Schwarzen Kirche in Brașov, wo das Standbild von Johannes Honterus steht.
Grosse Feierlichkeiten im September und Oktober 2017
Gefeiert wird das Reformationsjahr 2017 im Rahmen der «Tage der Evangelischen Kirche» in Brasov. Im schönen Zentrum der Stadt wird ein grosses Zelt vor der berühmten evangelisch-lutherischen Schwarzen Kirche aufgestellt, wo auch das Denkmal vom Johannes Honterus steht. Lobpreisbands, Workshops, Ausstellung alter Reformationsschriften in den Museen von Brasov sowie Kinder- und Jugendevents stehen auf dem Programm. Gesprochen wird deutsch und ungarisch, ins Rumänische wird übersetzt. Eingeladen sind Christen aus allen evangelischen und protestantischen Kirchen und Gemeinden des Landes sowie Gäste aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland. Denn in diesem festlichen Rahmen unterschreibt die Stadtregierung Brasovs eine Partnerschaft mit der Region Oberlausitz.
Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht die Frage: «Die evangelische Identität heute. Wie können wir das evangelische Erbe im Zusammenleben mit anderen Konfessionen nutzen?» Die Antwort ist vielen schon bekannt. Die Festlichkeiten begleitet der Leitsatz: «Obwohl uns die Sprache trennt, haben wir denselben Glauben und dieselben Werte. Wir wollen uns die Hand als Brüder geben.» Noch heute sagen viele orthodoxe Priester ihren Kirchenmitgliedern, dass das Lesen der Bibel verboten ist. Sie sprechen sogar von Sünde. Sie sind überzeugt, dass nur Priester die Bibel verstehen können. Trotzdem lesen immer mehr Orthodoxe selber die Bibel, weil die evangelischen Christen in den letzten 26 Jahren sehr viele Bibeln im Land verteilt haben.
Die Schwarze Kirche in Brașov ist der bedeutendste gotische Kirchenbau Siebenbürgens und Südosteuropas.
«Mein Grossvater ist mein grosses Vorbild»
«Im Zuge der Reformation kamen Anfangs des 20. Jahrhundert die Missionare Francis Berny und Fritz Stückemann aus der Schweiz nach Brasov, durch welche mein Grossvater zum Glauben kam. Sie gründeten die Brüdergemeinde in Brasov und sandten meinen Grossvater nach Wiedenest (Deutschland) in die Bibelschule. Nach seiner Rückkehr war er Wanderprediger im ganzen Land. Viele Orthodoxe kannten damals Jesus als persönlichen Heiland nicht. In diesem dunklen Umfeld geschah die grösste Erweckung in Rumänien. Viele neue Gemeinden wurden gegründet, gleichzeitig erlebten evangelikale Christen Verfolgung seitens der orthodoxen Kirche und des Staates. Durch meinen Grossvater bin ich zum Glauben gekommen. Er war mein grosses Vorbild. Heute möchten mein Mann Sami und ich die Werte der Reformation unseren Kindern und natürlich auch unseren Landesleuten weitergeben. Das ist unsere Berufung von Gott.»
Sami zusammen mit einem Missionar im Museum.
* Augsburgisches Bekenntnis