Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03629.jsonl.gz/215

Gohl, Theodor, Architekt, Stadtbaumeister, 1844-1910
Architekt, Stadtbaumeister 1875-1880
Gohl studierte 1861-65 am Eidg. Polytechnikum in Zürich bei Gottfried Semper und schloss sein Studium 1865 mit dem Diplom ab. Nach praktischer Tätigkeit in Zürich bei Baumeister Locher, in Baden bei Architekt Robert Moser und in Genf beim Unternehmer Charles Elles folgte 1870/71 eine Studienreise nach Italien.
Danach war er bis 1875 Adjunkt des Bremer Kantonsbaumeisters Friedrich Salvisberg. Hier entstand das Projekt für das 1876 erbaute Pfarrhaus in Rüeggisberg. 1875 wurde er als Nachfolger von Wilhelm Bareiss Stadtbaumeister von Winterthur und entwarf dort das Hauptgebäude des Technikums (1877/78).
Als Kantonsbaumeister von St. Gallen (1880-91) baute Gohl u. a. die Psychiatrische Klinik Wil, 1884-86 die Kantonalbank an der Leonhardstrasse in St. Gallen nach Plänen von Bruno Schmitz und die Entbindungsanstalt in St. Gallen (1894/95).
1891 begann er seine Tätigkeit als Architekt in der Direktion der Eidg. Bauten (D+B), die 1888 geschaffen worden war und unter der Leitung des Bauingenieurs Arnold Flükiger (1845-1920, Direktor 1888-1919) stand.
Gohl wurde 1892 Adjunkt der D+B und damit oberster Architekt dieses Amtes. Während Flükiger sehr häufig in Preisgerichten von Wettbewerben mitwirkte. entwarf Gohl in seiner neuen Funktion mehrere Bauten für den Bund, die die D+B unter seiner Aufsicht mit eigenem Bauleiter ausführte. 1904 nahm er anstelle des erkrankten Flükiger am Preisgericht für das Postgebäude an der Avenue Leopold-Robert in La Chaux-de-Fonds teil.
Es ist anzunehmen, dass die Architekten, die während Gohl's Amtszeit für den Bund bauten, engen Kontakt mit ihm pflegten: Paul Reber baute damals die Kaserne Brugg, Hans Wilhelm Auer das das Bundeshaus und zwei Postgebäude. Emil Schmid-Kerez leitete den Bau der Zürcher Fraumünster-Post und Gottlieb Hirsbrunner und Ernst Baumgart realisierten die Bollwerk-Post in Bern. Neben den Preisarbeiten mancher grosser Wettbewerbe begründeten gerade Gohl's Werke den in den 1930er Jahren so verhassten "Bundesstil".
Es sind - mit wenigen Ausnahmen - keine grossen "Würfe", sondern vielmehr aufs Praktische ausgerichtete Zweckbauten, die ihren Zweck auf ästhetisch heitere Art darstellten. Wenn wir heute den Abbruch z. Bsp. der Basler Bahnhofpost und fast aller Telegraphentürme anderer Postbauten jener Zeit bedauern, so nicht in erster Linie aus städtebaulichen Gründen, sondern weil wir die damalige elegante Art der Befriedigung praktischer Bedürfnisse heute so vermissen. Um so erfreulicher wirkt die Restaurierung der für die Telegraphenzentrale errichteten Kuppellaterne des Postgebäudes in Frauenfeld vor ein paar Jahren.