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- Lindsay Hoyle ist zum neuen Präsidenten des britischen Unterhauses gewählt worden. Der 62-Jährige galt als Favorit.
- Der Labour-Abgeordnete und bisherige Vize-Sprecher setzte sich in der vierten Wahlrunde gegen seinen Parteifreund Chris Bryant durch.
- Hoyle folgt auf John Bercow, der vergangene Woche nach zehn Jahren das Amt abgegeben hatte.
Der neue «Speaker of the House of Commons» wurde nach der Wahl von seinen Kollegen zu seinem Stuhl gezerrt – eine Tradition aus früheren Jahrhunderten, als der Unterhauspräsident nicht selten nach einer Auseinandersetzung mit der Krone auf dem Schafott landete.
«Ich werde neutral sein, ich werde transparent sein», kündigte der frisch gewählte Speaker Hoyle an. Das Parlament werde sich zum Besseren verändern. Er werde wieder dafür sorgen, dass Respekt und Toleranz gegenüber jedem gezeigt werde, der im Parlament arbeite.
Zentrale Rolle im Unterhaus
Hoyle hatte in seiner Bewerbungsrede eine Veränderung im Unterhaus versprochen. Es gehe darum, dass die Abgeordneten auf den hinteren Bänken die Regierung zur Rechenschaft ziehen könnten. Ein verantwortungsvoller Speaker müsse das unterstützen.
Der 62-Jährige setzt sich ein für Mitarbeiterrechte, zudem will er mit einer Ausdehnung der Stimmrechtsvertretung Parlamentarier stärken, die Eltern kleiner Kinder sind oder Angehörige pflegen.
Der Parlamentspräsident hat eine zentrale Rolle im Unterhaus inne. Er erteilt und entzieht Abgeordneten das Wort, entscheidet über die Zulässigkeit von Anträgen und vertritt die Kammer unter anderem gegenüber der Königin und dem Oberhaus (House of Lords).
Tierlieber Speaker
Der neue britische Parlamentspräsident Lindsay Hoyle will die «Schlangengrube» im Unterhaus zähmen, hatte er zuvor angekündigt. Erfahrung mit Tieren hat der Labour-Politiker: Bei ihm leben die Hunde Gordon und Betty, die Schildkröte Maggie und Papagei Boris, alle benannt nach aktuellen und früheren britischen Spitzenpolitikern.
Vor allem Vogel Boris, getauft nach Premierminister Boris Johnson, könnte eine grosse Hilfe werden. Er beherrscht bereits den markanten «Order»-Ruf, mit dem der «Speaker of the House of Commons» im Unterhaus für Ruhe sorgt.
Unkonventioneller Vorgänger
Hoyles Vorgänger John Bercow hatte vergangene Woche nach zehn Jahren das Amt abgegeben, bevor das Parlament für die vorgezogene Wahl am 12. Dezember aufgelöst wird. Dadurch wurde die Auswahl des neuen Speakers ungewöhnlicherweise am Ende statt zu Beginn einer Legislaturperiode getroffen.
Bercow war der 157. «Speaker» und seit 2009 im Amt. Im Streit über den geplanten EU-Austritt des Landes kritisierten vor allem Brexit-Hardliner den Politiker, der aus Amtsgründen seine Verbindungen mit den Konservativen trennte, als parteiisch.