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|Die Spätzünderin Martina Schild schrieb mit Ihrem ersten Weltcup-Sieg in LakeLouise ein neues Kapitel Schweizer Skigeschichte.

von Valentin Oetterli; "der Bund" 4.12.2007
Die 26-jährige Martina Schild hatte bisher nur sporadisch für grösseres Aufsehen gesorgt. Mit Abstand der grösste Triumph in ihrer Karriere stellt der Gewinn der Abfahrtssilbermedaille an den Olympischen Spielen 2006 in Turin dar. Dazu kann sie die Bronzemedaille im Super-G an der Junioren-WM 2001 in Verbier anführen. Sonst aber befand sich die Bernerin selten im Fokus der Öffentlichkeit. Beim Namen Schild denken die meisten an die gleichaltrige Namensvetterin und Slalomseriensiegerin Marlies Schild aus Österreich. Charakteristisch dafür ist auch die am Sonntg gemachte Aussage von Didier Cuche: "Als ich hörte, die Schild habe den Super-G in Lake Louise gewonnen, dachte ich: Wow, jetzt gewinnt die Marlies Schild auch schon in den schnellen Disziplinen".
Premiere im 70. Rennen
Tatsächlich handelte es sich aber um Martina Schild, die im Alter von 26 Jahren und einem Monat im Super-G in Lake Louise (CDN) ihren ersten Sieg im Weltcup einfuhr. Damit gehört sie, bei den Frauen umso mehr, zu den "Spätzündern". Seit ihrem ersten Auftritt auf Weltcup-Stufe - am 21. September 2001 in St. Moritz belegte sie den 29. Rang - verstrichen annähernd sechs Jahre. Vor dem sonntäglichen Sieg im Super-G hatte Schild erst vier Top-Ten-Platzierungen aufzuweisen, was bei 70 Weltcup-Starts einer recht bescheidenen Bilanz gleichkommt.
Vor der Saison 2005/06 stand Schild's Karriere auf der Kippe. Nach mässigen Leistungen im Winter zuvor ins B-Kader zurückgestuft, musste sich die Grindelwalderin im November einer Meniskusoperation unterziehen. Doch Schild kämpfte sich über den Europa- und den Weltcup zurück. Für die Olympischen Spiele qualifizierte sie sich erst Mitte Januar mit dem 5. Rang in der Abfahrt in St. Moritz. In Sestriere schliesslich blieb sie nach hervorragend Trainingsdarbietungen auch im Rennen unbekümmert und konnte auf dem Weg zu Silber ihre beste Leistung nochmals abrufen.
Im letzten Winter war es allerdings bei Martina Schild mit der Unbekümmertheit schon wieder vorbei. Ausser dem 3. Rang im Super-G auf der Reiteralm, ihrem ersten Podestplatz im Weltcup, gabs keine weiteren Erfolge. Schild verpasste in der Abfahrt sogar die WM-Qualifikation für Are. "Die Silbermedaille in Turin wurde für mich in der letzten Saison zu Belastung. Ich spürte den Erfolgsdruck und konnte gerade in der Abfahrt nicht genug locker fahren. Es fehlte mir die Konstanz", so Martina Schild im Rückblick selbstkritisch.
"Wunderschönes Gefühl"
In Lake Louise nun hat die Enkelin von Hedy Schlunegger, der Abfahrts-Olympiasiegerin von 1948 in St. Moritz, zum zweiten Mal so richtig für Furore gesorgt. Dass sich ein ähnlicher Rückschlag wie nach den Olympischen Spielen einstellt, ist nicht anzunehmen. Viel zu sehr nämlich ist die passionierte Motorradfahrerin (auf einer 600-ccm-Yamaha) auf den Geschmack des Erfolgs gekommen: "Siegen ist ein wunderschönes Gefühl, an das ich mich durchaus gewöhnen könnte. Es gibt einfach nichts Schöneres als die Schnellste zu sein.". Die Gelegenheit, die Schnellste zu sein, erhält Martina Schild schon diese Woche wieder - am Freitag in der Abfahrt und am Samstag im Super-G in Aspen im US-Staat Colorado.