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Hinter dem Häuserbauboom und dem Platzen der Spekulationsblase steckt ein ebenso verführerischer wie nichtssagender Begriff, der sich in der Politik grosser Beliebtheit erfreut: „Bezahlbares Wohnen“. Es ist schwierig für mich, mir etwas vorstellen zu können, wenn Politiker diese Phrase gebrauchen. Offensichtlich ist es der Politik wichtiger, Emotionen zu wecken, anstatt eine präzise Wortwahl zu pflegen. (Übersetzung von Claudio Zanetti, Originaltext unten)
Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, so fällt es mir schwer, eine Periode zu finden, in der ich nicht in einer zahlbaren Wohnung lebte. Als ich 1948 von zu Hause auszog mietete ich eine 3-4 Quadratmeter grosse Bude. Diese kostete $ 5,75 pro Woche. Da mein Nettolohn $ 22.50 betrug, war das „tragbar“. […]
Nach drei Jahren in gemieteten Zimmern, lebte ich in Baracken des US Marine Korps, was mich gar nichts kostetet. Das war garantiert tragbar.
Zurück im Zivilleben mietete ich 1954 meine erste Wohnung, ein Studio – klein, aber tragbar.
Ein Jahr später ging ich aufs College und lebte während sechs Jahren in den Schlafsälen verschiedener Campus. Das war nicht schick, aber tragbar.
Nach Abschluss meiner akademischen Studien mietete ich erneut eine Studio-Wohnung.
1969 mietete ich mein erstes Haus, was ich mir nun, nach mehreren Jahren Arbeit an verschiedenen Colleges und Universitäten, leisten konnte. Zwölf Jahre später kaufte ich mein erstes Haus.
Mögen auch spezifische Details von Person zu Person verschieden sein, mein Vorgehen war keineswegs aussergewöhnlich. Die meisten Leute bezahlen nur für eine Sache, die sie sich leisten können.
Worin besteht also das Problem, das Politiker zu lösen vorgeben, wenn sie von „tragbarem Wohnen“ reden? Ihr Sprechen und Handeln läuft darauf hinaus, dass sie den Menschen die Möglichkeit geben wollen, als erstes zu wählen, wie sie wohnen möchten. In einem zweiten Schritt werden Gesetze erlassen, wonach andere Menschen, die an einem anderen Ort leben, auf die eine oder andere Weise für sie das Wohnen tragbar machen sollen.
Wenn man das durchdenkt, wird rasch klar: Diese Politik muss ins Desaster führen. Man kann ganz einfach nicht durch die Gegend spazieren und alles kaufen, was einem gefällt, unabhängig von der Frage, ob man das dafür nötige Geld auch besitzt. Und wir können auch nicht jemand anderen für unsere eigenen Bedürfnisse aufkommen lassen. Für die Gesellschaft als Ganzes gibt es zudem gar keinen „anderen“.
Doch politische Schlagworte sind grundsätzlich nicht Zeugnis dafür, dass etwas zu Ende gedacht worden ist. Häufig sind Slogans sogar emotionaler Ersatz für das Denken schlechthin.
Teilweise wird versucht, der Phrase vom „tragbaren Wohnen“ einen rationalen Anstrich zu verpassen, indem die Wohnkosten mit dem Einkommen der Bewohner verglichen werden. Das ist genau das, was ich tat, als ich mein erstes Zimmer mietete. Der Unterschied besteht darin, dass heutzutage ein willkürlicher Prozentsatz als Richtlinie betrachtet wird, was aus sicht der Regierung als „tragbares Wohnen“ zu betrachten ist. Die Rede ist von 25 bis 30 Prozent des Einkommens.
Doch egal, welchen Prozentsatz man nimmt, das Individuum wird so seiner Verantwortung enthoben, selber zu bestimmen, was in seinem Fall „tragbar“ ist. Plötzlich ist es Sache des Steuerzahlers, für die Differenz aufzukommen, wenn sich jemand für ein Wohnen entscheidet, dessen Kosten die magische Grenze überschreiten.
Mit einem Mal wird es nicht mehr als in der Eigenverantwortung liegend betracht, dafür zu sorgen, durch bessere Ausbildung den eigenen Lebensstandard zu heben und mehr zu verdienen, um sich über die Jahre hinweg besseres Wohnen leisten zu können. Wozu auch, wenn es die Regierung doch in der Hand hat, Vermögen umzuverteilen, um eine weitere politische Phrase zu gebrauchen?
Schliesslich ist als Gipfel der Ironie festzustellen, dass mit der Zunahme der staatlichen Einflussnahme auf den Wohnungsmarkt das Wohnen in jeder Hinsicht weniger tragbar gemacht hat.
Vor 100 Jahren gaben die Amerikaner einen kleineren Anteil ihres Einkommens für Wohnen aus als heute. 1901 mussten 23 % des durchschnittlichen Einkommens für das wohnen verwendet werden. 2003 waren es 33 Prozent – eines wesentlich höheren Durchschnittseinkommens.
Die meisten unserer Probleme sind nicht annähernd so schwerwiegend wie die Folgen “politischer Lösungen”. Im Wohnungswesen hat die Politik der Regierung die Menschen in eine Situation hineingeködert, die nicht nur für die Individuen sondern für das ganze Land unhaltbar geworden ist.
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* Thomas Sowell ist leitendes Mitglied des Hoover Instituts der Universität in Stanford (USA). Er ist einer der bekanntesten konservativen Kolumnisten der Vereinigten Staaten und publiziert unter anderem auf www.townhall.com. In seinem jüngsten Buch „The Housing Boom and Bust“ zeigt er auf, wie die Subprime-Kriese, die zu einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise führte, ihre Wurzeln in einem überregulierten staatlichen Wohnbauförderungswesen hat.
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Originalversion (January 22, 2009)
‚Affordable housing‘ – a costly slogan
By Thomas Sowell
Behind the housing boom and bust was one of those alluring but undefined phrases that are so popular in politics — „affordable housing.“
It is hard for me to know specifically what politicians are talking about when they use this phrase. But then politics is about evoking emotions, not examining specifics.
In looking back over my own life, I find it hard to think of a time when I didn’t live in affordable housing.
When I first left home, back in 1948, I rented a room about 4 by 8 feet, costing $5.75 a week. Since my take-home pay was $22.50, that was affordable housing. (Multiply these numbers by about 10 to get the equivalent in today’s prices).
After three years of living in rented rooms, I began living in Marine Corps barracks, which didn’t cost me anything. That was certainly affordable.
As a civilian again, in 1954 I rented my first apartment, a studio apartment — small but affordable. But a year later, I went off to college and lived in dormitories on various campuses for the next six years. None was fancy but all of them were affordable.
After completing my academic studies, I rented another studio apartment.
In 1969, I rented my first house, which I could now afford, after several years as a faculty member at various colleges and universities. A dozen years later, I began to buy my first house.
While the specifics will differ from person to person, my general pattern was not unusual. Most people pay for what they can afford at the time.
What, then, is the „problem“ that politicians claim to be solving when they talk about creating „affordable housing“?
What they are saying and doing usually boils down to trying to enable people to choose what housing they want first — and then have some law or policy where somebody else, somewhere else, somehow or other, makes that housing „affordable“ for them.
If you think it through, that is a policy for disaster. We cannot all go around buying whatever we want, whether or not we have enough money to afford it, and have somebody else make up the difference. For society as a whole, there is no somebody else.
But of course political slogans are not meant to be thought through, are they? They are often an emotional substitute for thinking at all.
Sometimes some semblance of rationality is given to the phrase „affordable housing“ by comparing the cost of housing to the income of those who live in it. That was certainly what I did when I rented my first room.
The difference is that today there is some arbitrary percentage of one’s income that sets the limit to what the government will consider to be affordable housing. It used to be 25 percent but it might be 30 percent or some other proportion.
But, whatever the percentage, it is no longer the individual’s responsibility to choose housing that fits within that limit. It is somehow the taxpayers‘ job to make up the difference, when someone chooses housing whose cost exceeds that magic number.
It is certainly no longer considered to be the individual’s own responsibility to acquire the work skills to be able to earn enough to afford better housing as the years passed. Why do that when the government can simply „spread the wealth around,“ to use another political phrase?
The ultimate irony is that increasing government intervention in the housing market has generally made housing less affordable than before, by any standard.
A hundred years ago, Americans spent a smaller percentage of their incomes on housing than they do today. In 1901, housing costs took 23 percent of the average American’s income. By 2003, it took 33 percent of a far larger income.
Most of our problems are not nearly as severe as political „solutions.“ In housing, government policies have lured people into situations that were untenable to them and to the country.