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"Ich wollte nicht, dass 'Campari Soda' zum Flugi Song reduziert wird"Von Stefan Wyss für "persoenlich.com" 12. 12. 2006
Fragen an Dominique Greandjean, Sänger und Komponist „Campari Soda“:
Dominique Grandjean, wann haben Sie zum ersten Mal davon gehört, dass „Campari Soda“ für den SWISS-Spot verwendet werden soll? Wer hat Sie angefragt?
Die Werbeagentur der SWISS – Jung von Matt/Limmat – hat sich im September bei meinem Verleger Cyril Schläpfer von CSR Records gemeldet und gefragt, ob sie „Campari Soda“ für den Werbespot verwenden dürfen.
Wie haben Sie darauf reagiert?
Mit gemischten Gefühlen. Das Lied liegt mir sehr am Herzen. Ich war besorgt, dass „Campari Soda“ durch den Werbespot so vereinnahmt wird, dass das Stück zerstört wird. Ich wollte nicht, dass „Campari Soda“ für alle Ewigkeit zum „Flugi-Song“ reduziert wird.
Haben Sie die Verwendung des Songs an gewisse Bedingungen geknüpft?
Nein, ich habe keine Bedingungen gestellt. Nachdem mir erklärt wurde, wie der Song eingesetzt werden soll, habe ich mir gedacht, das könnte durchaus für beide Seiten aufgehen. Ich hätte es nicht gerne gesehen, wenn beispielsweise der Flugkapitän ins Mikrofon singt und Flight Attendants Campari Soda servieren. So wie das Lied jetzt den Spot untermahlt, lässt man „Campari Soda“ seine Atmosphäre und lässt sie wirken. Ich habe mir einzig bei der Übersetzung des Texts für die französische und englische Version des Spots ein Veto-Recht vorbehalten.
Waren Sie bei der Neuaufnahme des Songs für die Werbung dabei?
Nein, ausser das „Campari Soda“ aus meiner Feder stammt, habe ich nichts beigetragen.
Hat eigentlich die Firma Campari nie Interesse an Ihrem Lied angemeldet?
Als wir das Lied 1977 aufgenommen haben, waren wir es, die sich bei Campari meldeten. Wir fragten an, ob die Firma einen Teil der Aufnahmekosten finanzieren könnte. Es war wohl etwas blauäugig zu glauben, dass da Interesse bestehen könnte. Seit damals habe ich nichts mehr von Campari gehört. Vielleicht hat sich das Unternehmen ja bei der SWISS für die Gratis-Werbung bedankt.
Warum gab es „Taxi“ nur für die Studioaufnahmen?
Ich wollte mir den Traum verwirklichen, meine Lieder wirklich zum Erklingen zu bringen. Sie sollten nicht so tönen, wie auf den Bändern in meinem Kellerloch. Darum habe ich drei Freunde gebeten, mir bei den Studioaufnahmen zu helfen. Es handelte sich also eigentlich um Privataufnahmen.
Hat bei Ihnen die neue Popularität des Liedes Erinnerungen an die Originalaufnahmen mit Ihren Freunden wach gerufen?
Ins Schwelgen bin ich nicht geraten. Im Gegenteil, meine Gedanken sind eher vorwärts gerichtet. Ich bin erstaunt, dass das Lied auch in der Fassung funktioniert, wie sie jetzt für den Spot aufgenommen wurde. Es wird schneller und fröhlicher gesungen als ich es auf meine eher meditative Art getan habe. Darum erinnert es mich weniger an unsere Aufnahmen, sondern zeigt mir Möglichkeiten auf, wie „Campari Soda“ auch interpretiert werden kann.
Sie sind Psychiater. Können Sie erklären, warum Ihr Stück nach über 30 Jahren so ein Echo auslöst?
Das müssten Sie eigentlich die Hörer fragen. Vielleicht liegt es daran, dass der Song etwas „neben den Schuhen steht“. Er drückt eine gewisse Entrücktheit vom elenden Welt-Dasein aus. Der Standort des Sängers im Flugzeug zwischen Himmel und Erde ist ja eher ungewöhnlich und umfasst eine gewisse existentielle Leere. Mag sein, dass dies momentan den Zeitgeist trifft.
Wie gehen Sie mit dem momentanen Rummel um das Lied und Ihre Person um?
Da ich bis jetzt noch nie in einer solchen Situation war, geniesse ich das Interesse schon. Mein Ego ist gefrässig (lacht). Es ist mir aber auch recht, wenn dann wieder Ruhe einkehrt.
Starten Sie für die Single-Auskoppelung nun eine Promo-Tour mit Konzertauftritten?
Es ist schön, dass mein Lied nochmals eine Blütezeit erlebt. CSR Records setzt sich sicher für die Single ein und ich gebe den Medien bei Interesse gerne Auskunft. Eine spezielle Werbetrommel schlage ich aber nicht. Ich nutze jedoch die Gelegenheit, um auf meine Band „Hertz“ aufmerksam zu machen, mit der ich im nächsten Jahr wieder auf Tournée gehe.