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Spiritismus
Interview der idea-Redaktion mit Andreas Resch, erschienen in der Zeitschrift 'Wegbegleiter' Nr. 2/2006, S. 22+23.
Zur Frage des Spiritismus
Von Andreas Resch, ausgewählt von Walter Vogt
Prof. Resch hatte der "idea"-Redaktion im Jahre 1986 ein telefonisches Interview zur aktuellen Spiritismus-Welle gegeben, dessen Wiedergabe ihn zu einer im Blick auf die katholischen Richtlinien aufschlussreichen Ergänzung veranlasste, in der es u.a. heisst:
Man könnte von einer vollständigen Weltanschauung nur dort sprechen, wo jemand einer spiritistischen Lehre, z. B. der von Allan Kardec, vorbehaltlos und ausschliesslich folgen würde. In Wirklichkeit weist der Spiritismus sehr vielschichtige Denkformen auf, die von einer völligen Ablehnung der christlichen Botschaft bis zu einer vollen Bejahung der christlichen Botschaft reichen. Im weitesten Sinne kann man auch den katholischen Glauben als Spiritismus bezeichnen, als im Fürbittgebet für die Verstorbenen, in der Heiligenverehrung, in der Annahme von Wunderheilungen auf die Fürbitte von Verstorbenen eine echte Hinwendung zu den Verstorbenen gegeben ist. Auch die Anrufung der Verstorbenen um Schutz und Hilfe widerspricht nicht der katholischen Lehre, sofern dies nicht einem Zitieren der Verstorbenen gleichkommt, im Sinne eines Verfügbarmachens, denn über die Freiheit der Verstorbenen und die Freiheit Gottes kann der Mensch nicht verfügen. Ich muss hier in korrekter Weise hinzufügen, dass ich noch in keiner spiritistischen Sitzung auf eine Missachtung dieser Freiheit gestossen bin. Zudem muss offen ausgesprochen werden, dass es sich bei den Verurteilungen des Spiritismus durch die katholische Kirche 1856, 1882, 1897, 1898 und 1917 um keine feierlichen Lehrentscheidungen handelt, sondern nur um Richtlinien. Ferner können die Äusserungen der Kirche nur auf jene spiritistischen Verhaltensformen bezogen werden, die den vollen christlichen Glauben verneinen, indem sie z.B. in Anlehnung an östliche Lehrmodelle die Erlösung durch Christus durch die Reinkarnation ersetzen, das Mittlertum Christi, die Lehre vom Dreifaltigen Gott, der Sündenvergebung durch die Gnade, den Wert der Sakramente und die Möglichkeit der ewigen Verdammnis verneinen.
Es darf hier allerdings nicht verschwiegen werden, dass man von kirchlicher Seite bei der Betrachtung des Spiritismus zu wenig differenziert hat und alles Spiritistische, d.h. alle Verbindungsversuche mit den Verstorbenen (die eigenen natürlich ausgenommen) in jenen spiritistischen Topf warf, der dem Christentum am fernsten steht.
Hier ist eine sachlichere Betrachtung notwendig, jenseits von jeder Machtprobe, denn das Streben nach einer Verbindung mit den Verstorbenen ist ein Urbedürfnis des Menschen. Aus diesem Grunde liegt für mich ein Kontakt mit den Verstorbenen im Bereich des Möglichen, und ich gestehe offen, dass ich mit lieben Verstorbenen, wie z.B. mit meinen Eltern, in einer lebendigen Verbindung lebe, wenngleich ich den empirischen Beweis der Echtheit dieser Verbundenheit nicht liefern kann. Hier kommen wir über die innere Überzeugung nicht hinaus, weil uns die Möglichkeit des Identitätsbeweises fehlt, zumal wir keine Kontrollen im Jenseits vornehmen können. Doch trotz dieses Mangels an empirischen Beweisen einer Verbindung mit den Verstorbenen haben die diesbezüglichen "Phänomene", in ihrer Gesamtheit betrachtet, eine solche Aussagekraft, dass man zumindest von Indizien sprechen kann und sagen darf, dass rein empirisch mehr für ein Fortleben als gegen ein Fortleben [nach dem Tode] spricht.
( Quelle: Andreas Resch, "Zur Frage des Spiritismus", in: "Grenzgebiete der Wissenschaft", 35 [4/1986], S. 367f )
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Letzte Änderung am 25. Mai 2006