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Zwischen dem 22. April und dem 24. April 2022 verwandelte Abdulsamed «Abdul» Brahovic, ein Jung-Schauspieler aus Altstätten, das Städtli und seine Gassen und Gebäude zur Studentenstadt Montpellier.
Montpellier, eine Stadt in Südfrankreich nahe am Mittelmeer, wird mit seinem mediterranen Flair mitten ins Rheintal nach Altstätten befördert. Dort drehte der 19-Jährige FMS-Schüler «Abdul» seinen Kurzfilm mit dem Titel Un Séjour à Montpellier. Die Hauptrolle sowie die Regie und die Produktion wurden von Abdul selber übernommen.
Wer ist Abdulsamed Brahovic?
Abdulsamed Brahovic, von seinen Freunden als «Abdul» genannt, wurde am 03.07.2002 geboren und ist mit seiner älteren Schwester in Altstätten aufgewachsen. Sein langer Name ist für ihn sein Markenzeichen. Ursprünglich stammt er aus Bosnien und Herzegowina. Nach der obligatorischen Schulzeit entschied er sich die Fachmittelschule (kurz FMS) in der Fachrichtung Pädagogik zu absolvieren, um später Lehrer zu werden.
Neben der Schule ist Abdul als Schauspieler tätig. Im Laufe seiner Schauspielkarriere hat er bereits einige Rollen besetzen können und hatte die Möglichkeit in verschiedenen Werbungen mitzuspielen. Seine wohl bekanntesten Auftraggeber sind Coop, Swisslife, Migros und SRF. Nebst den Werbungen konnte er aber auch schon in der Filmbranche mitwirken, wie beispielsweise Smuggler’s Blue und als Statist.
Die Schauspielerei hatte er in den ersten 16 Jahren seines Lebens wenig wahrgenommen, entdeckte sie jedoch später in der Schule durch eine Theateraufführung. Seitdem nimmt er Schauspiel- und Kommunikationsunterricht. Seit letztem Jahr lässt sich Abdulsamed online von der Schauspielschule Prvi Koraci in Belgrad unterrichten.
Ein Sprachaufenthalt als Inspiration zum Kurzfilm
Auf der ersten Seite des Skripts des Kurzfilms Un Séjour à Montpellier sind die zwei Worte «Wahre Begebenheiten» leserlich. Auch einige französische Wörter im Skript, welches mir vorliegt, stechen einem direkt ins Auge. «Der gesprochene Text ist hauptsächlich auf Deutsch, einige französische Textausschnitte gibt es jedoch, damit der französische Flair nicht verloren geht». Abduls Sprachaufenthalt in der südfranzösischen Stadt im Sommer 2021 ist die Grundlage seines Kurzfilms. «80% von dem, was im Kurzfilm vorkommt, habe ich in Montpellier erlebt. Die anderen 20% habe ich dazu erfunden, damit die Story interessant bleibt. Die Stadt hat mich einfach zu einem anderen Menschen gemacht», sagt er über seinen 15- bis 20-minütigen Streifen.
Über seine Erlebnisse in Montpellier hatte Abdulsamed ein Drehbuch darüber geschrieben, woraus Un Séjour à Montpellier entstand. Seine Freunde ermunterten ihn, schliesslich seinen Traum zum eigenen Film zu realisieren. «Mein Budget von 3000 Franken hat nicht gereicht. Meine Produktionskosten liegen weit über 5000 Franken, was aber noch klar geht. Ich habe das Glück, dass ich beispielsweise eine leere Wohnung zu Verfügung gestellt bekommen habe für die Dreharbeiten. Ausserdem unterstützt mich auch noch die Stadt Altstätten mit einem Förderbeitrag.»
Obwohl Abdul hauptsächlich Erfahrungen vor der Kamera und auf der Bühne gesammelt hat, ist er auch hinter der Kamera gefordert. Dass er ausgerechnet Altstätten als Kulisse für seinen Kurzfilm wählte, hat mit den Produktionskosten zu tun. «Das Budget reicht natürlich nicht, die ganze Filmcrew und das Material nach Montpellier zu verfrachten. Deshalb drehen wir in Altstätten. Und ausserdem lässt sich Altstätten mit seinen engen Gässchen und Gebäude gut als Montpellier ausgeben.»
Viel zu wenig Leute nehmen Herausforderungen an, sondern laufen blind nur gerade aus
Abdul ist der Meinung, dass die Menschen in der Schweiz die Welt viel zu schwarz-weiss sehen; und das will er mit seinem Kurzfilm ändern. «Zu wenige Leute sind offen für Neues und nehmen Herausforderungen nicht an», erklärt Abdul in einer Sprachnachricht, «im Film waren die Charaktere alles fremde Leute und heute sind sie Freunde fürs Leben.» Die Kernbotschaft seines Films ist, dass wir Menschen unsere Augen öffnen sollen und nicht nur den Weg nach gerade aus gehen sollen, sondern auf Leute zugehen und neue Dinge ausprobieren sollen.
Als ich in fragte, ob er zufrieden ist mit den Aufnahmen und dem Ablauf der Dreharbeiten, lacht Abdul, «Man kann immer etwas besser machen.» Beim Drehen des Films gab es einige Komplikationen, einige davon sehr verheerende was beispielsweise den Ton anging. «Am zweiten Tag konnten wir die Probleme dann lösen. Die Komplikationen vom vorherigen Tag haben natürlich dann die Dreharbeiten verzögert.»
Das Schauspielern macht Abdulsamed aber auf jeden Fall mehr Spass als der Regisseur hinter der Kamera zu sein, das haben ihm die drei Drehtage deutlich gezeigt. Das ganze Projekt für ihn war zwar spassig, jedoch auch anstrengend und stressig. «Das Ganze war mehr oder weniger, trotz viel Unterstützung, eine One-Man Arbeit. Die Vorarbeiten, wie Sponsorings, Locations buchen, Rollen besetzen, etc. habe ich grösstenteils selber meistern müssen. Bei den Dreharbeiten hatte ich aber zum Glück sehr viel Unterstützung durch meinen Kameramann und Co-Director, der mir viel Arbeit abgenommen hat.»
Auf die Frage, was Abdul denjenigen rät, die ebenfalls einen Kurzfilm drehen möchten, hat er viel zu sagen. «Eine gute Organisation ist alles.» Um einen Kurzfilm so gut wie möglich produzieren zu können, braucht es viel; ein Story-Board, ein Drehplan, das Besetzen der Rollen, das Set-up, das optimale Equipment und natürlich kompetente Leute. «Wer Schauspieler werden will, dem rate ich einfach anzufangen», sagt Abdul, der seit August 2019 in der Schauspiel-Branche tätig ist. «Als Anfänger hat man einen harten Weg vor sich, aber mit Durchhaltevermögen kommt man da durch. Jeder fängt einmal bei null an mit einigen Statistenrollen, bis man es dann einmal zu einer Hauptrolle schafft.»
Un Séjour à Montpellier auf der Kinoleinwand und im Fernsehen
Ein anderer Grund, weshalb er Altstätten als Kulisse gewählt hat ist, dass er das herzige Städtli auf die Film-Landkarte bringen will. Das könnte der Fall sein, wenn der Kurzfilm einschlägt. «Momentan bin ich in Kontakt mit verschiedenen Kinos. Mit etwas Glück läuft mein Film als Kinovorprogramm bald auf der Leinwand», erklärt mir Abdul.
«Da TVO am Freitag ebenfalls auf dem Set war und einige Aufnahmen gemacht haben, kann es auch sein, dass der Film auch im Fernsehen laufen wird», erzählte mir der 19-jährige Altstätter, als wir durch die Gässchen in Altstätten liefen und die Set-Kulisse wechselten. Was genau noch mit dem Film geschieht, steht für Brahovic noch in den Sternen. «Ich möchte den Kurzfilm sicher bei möglichst vielen Kurzfilmfestivals und Wettbewerbe einreichen, auch international. Ich will auch versuchen, diesen überall fürs Streaming zur Verfügung zu stellen.» Das Problem bei einem Youtube Upload sei jedoch, dass der Film bei anderen kostenpflichtigen Streaming-Unternehmen nicht mehr angenommen werden kann. «Wo und wie man den Film schlussendlich streamen kann, weiss ich noch nicht. Es wird jedoch einige kleinere Premieren in geschlossenen Gesellschaften geben.»