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schöne Aussicht ins untere Tessinthal und auf den
Langensee.
Die sehr alte
Kapelle war früher wahrscheinlich Pfarrkirche von
Sementina, barg Fresken aus dem Mittelalter und hat heute
noch eine kleine Glocke, die die Jahreszahl 1333 trägt. Um die Kirche gruppieren sich einige verlassene Häuschen.
Gaudenzio(Kt. Graubünden,
Bez. Maloja,
Kreis
Bergell, Gem.
Casaccia). 1520 m. Ruine einer alten gotischen Kirche,
auf einer Terrasse über dem rechten Ufer der
Orlegna und 700 m nö.
Casaccia. An die Kirche war einst ein Hospital im romanischen
Stil angebaut. Benannt nach dem h. Gaudentius, dem
Apostel des
Bergells, der
Bischof von Novara und Vercelli war (4. Jahrhundert),
dann durch die Arianer vertrieben wurde und zufällig hierher kam. «Weil
er da die
Laster der Vornehmen freimütig tadelte, sollen diese ihn beim römischen
Statthalter als Rebellen verdächtigt und
seine Verurteilung bewirkt haben. Die katholische Legende erzählt, Gaudentius sei oberhalb
Vicosoprano unter einem hohen
Baume enthauptet worden; da habe aber der Rumpf sich erhoben, das abgeschnittene
Haupt mit den Händen
gefasst und es noch ein Stadium (125 Schritte) weit getragen, und an dieser Stelle sei eine kleine
Kapelle errichtet worden ... Später
wurde ob
Casaccia ein grosser gotischer Bau dem Märtyrer geweiht.» Schon vor dem Jahr 1000 war dieses Gotteshaus die Mutterkirche
des
Bergell; sie wurde von Papst Gregor V. 998 dem Kloster
Pfäfers gegeben, welche Schenkung Paschalis II. 1116 bestätigte.
Die Kirche blieb bis zur Reformation (1552) ein berühmter Wallfahrtsort und diente bis ins 18. Jahrhundert, d. h. bis zum
Bau einer neuen Pfarrkirche in
Casaccia, zu Leichenfunktionen. Seither blieb sie verlassen und zerfiel
allmählig in Trümmer. 1556 verteilte man das Kirchengut an die einzelnen
Dörfer des Thalabschnittes
SopraPorta. 998: ecclesia
S. Gaudentii ad pedem Septimi. Vergl. Lechner, Ernst. Das Thal derMaira.
Samaden 1903; Andrea, Silvia. DasBergell.
Frauenfeld 1901.
Giacomo(Passodi) (Kt. Tessin,
Bez. Leventina).
2308 m (auf der italienischen Karte 2318 m). Passübergang auf
der Landesgrenze gegen Italien, zwischen dem
Helgenhorn (2835 m) und dem
Markhorn (2945 m); verbindet das italienische Formazzathal
mit dem Bedrettothal. Aufstieg von
den Tosafällen her in 2½ Stunden und Abstieg nach
All' Acqua im Bedrettothal in 2 Stunden.
Auf der Passhöhe eine kleine Schutzhütte und wenig davon entfernt eine
San Giacomokapelle, zu der die
Bewohner des Bedrettothales jeden 25. Juli wallfahrten. 1410 fand auf diesem rauhen Passplateau um den Besitz der
AlpeFormazzora
ein Kampf statt zwischen den von den
Eidgenossen unterstützten Leuten der
Leventina und denen des Formazzathales.
Peter Rysig von Schwyz
überschritt 1425 an der
Spitze einer Schar von 500 jungen Männern aus Schwyz,
Uri,
Unterwalden, Luzern,
Entlebuch
und
Ruswil den
Gotthard und den
San Giacomopass und bemächtigte sich der Stadt Domo d'Ossola. Als er dann hier von Filippo
Visconti aus
Mailand belagert wurde, eilten ihm über die
Grimsel und den Albrunpass 15000
Eidgenossen zu Hilfe. Im
Bedrettothal stehen jurassische Glanzschiefer an, der
Pass selbst folgt eine Strecke weit dem Kontakt zwischen diesen Schiefern
und dolomitischen Triasgesteinen, am Hang gegen das Formazzathal zeigen sich zunächst wieder metamorphe Schiefer von wahrscheinlich
ebenfalls jurassischem
Alter, und bei
Frutt im obersten Formazzathal erreicht man den Tessinergneis, der hier zuerst die
felsige
Schwelle bildet, über die der prachtvolle
Frutt- oder Frodafall hinunterschiesst.
1729 m. Begräbniskirche, auf einer Anhöhe rechts über dem
Inn
und 500 m ö.
Celerina.
Romanischer Bau aus dem späten Mittelalter.
Das W.-Portal, ein Werk des Meisters Wilhelm
von Plurs, zeigt noch den Rundbogen mit romanischen Profilierungen und Gesimsen.
Das einschiffige Langhaus ist flach gedeckt
und hat eine buntfarbig bemalte und einfach gegliederte Holzdecke, der viereckige Chor dagegen noch ein rippenloses rundbogiges
Kreuzgewölbe, das von plumpen und schmucklosen Konsolen getragen wird.
Dieser Chor ist wahrscheinlich der Rest einer
älteren Kirche.
Darauf deutet der nördl. anstossende
Turm, der ebenfalls romanische Formen zeigt und mit dem Chor, nicht
aber mit dem Langhaus, in regelmässigem Verbande steht.
Ein zweiter, kleinerer
Turm an der NW.-Ecke des Schiffes muss ebenfalls
früher erbaut worden sein, indem auch hier eine Verbindung zwischen den beiderseitigen Mauern fehlt.
Die Hänge sind mit
Wald, Buschwerk und Gestrüpp bewachsen (Kastanienselven,
Buchen, Haselnussträucher,
Eichen,
Heide und Besenheide).
Sehr interessante Flora mit verschiedenen Pflanzenarten, die sich in der
Schweiz sonst nirgends
wieder finden: Daphne alpina, D. laureola und D. mezereum,Rosaandegavensis, R.¶
mehr
Giorgii und R. transitoria, Dorycnium herbaceum, Adenophora suaveolens und A. liliifolia, Iris germanica, Asparagus tenuifolius,Veratrum nigrum, Danthonia calycina.
Kann von Meride (7 km nw. Mendrisio) in 1½ Stunden und von Riva San Vitale (1 km w. Capolago)
auf einem rauheren und steileren Weg in 2½ Stunden bestiegen werden. Im Mittelalter erbaute man auf dem Berg
ein dem h. Georg geweihtes Bethaus, neben dem zu Beginn des 18. Jahrhunderts der nachher selig gesprochene Manfredo de Conti
Sellata aus Mailand als Einsiedler gelebt haben soll.