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Vor Allem Detailtreue. Da nicht jede Versuchswaffe aufgelistet ist und kommerzielle Waffen aussen vor gelassen werden, kann sich das Buch mehr in die Tiefe konzentrieren. Das manifestiert sich insofern, dass zu jeder Waffe seitenweise Geschichte, Funktionsbeschriebe und Anekdoten gehören. Nebst einer reichen Bebilderung der Waffen, teils farbig, teils schwarzweiss, gibt es auch Lithografien und Gemälde zu entdecken.
Besonders interessant und der eigentliche Grund, warum ich mir dieses Buch angeeignet habe, ist das letzte Kapitel. Dieses beschäftigt sich eingehend mit der Ablösung des Sturmgewehr 57, da zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine Details bekannt waren. Rückblickend sind die damaligen Blicke in die Kristallkugel recht amüsant.
Hier das Inhaltsverzeichnis, 1:1 wie es im Buche steht.
Die Laufherstellung von Handfeuerwaffen
Die Bewaffnung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Die Bewaffnung der Berner Scharfschützen
Der eidgenössische Stutzer von 1851
Die Jägergewehre von 1853 und 1856
Die Transformation der Gewehre nach dem System von 1859
Das Infanteriegewehr 1863
Die Hinterladung nach dem System Amsler-Milbank 1867
Das Peabody-Gewehr
Das Vetterli-Gewehr
Die Revolver 1872 und 1878
Die Revolver 1882/1929
Das Schmidt-Rubin-Gewehr 1889
Die Zeit zwischen dem Gewehr 1889 und dem Gewehr 1911
Die Armeepistolen 1900, 1906 und 1929
Das System von 1911
Die automatischen Waffen
Der Karabiner 1931
Das Schiessen auf weite Entfernungen
Die Pistole, Modell 1949
Das Sturmgewehr 1957
Die Pistole, Modell 1975
Die Frage nach dem zukünftigen Gewehr der Schweizer Armee
Nachwort
Dank
Man ging hier stets chronologisch vor. So befasst sich das erste Kapitel, so zu sagen als Einstieg, mit der Herstellung von Läufen zu damaliger Zeit. Untermalt mit Zeichnungen von altertümlichen Maschinen und vertieften Grundkenntnissen der Metallurgie.
Alsdann zieht sich der Faden weiter über die ersten Scharfschützengewehre Berns, dessen Scharfschützenkompanien (zusammengesetzt aus “guten, unverheirateten Schützen”) die ersten uniformen Ordonnanzen erhielten, weiter zu der logischen Konsequenz einer vergleichbaren Ausrüstung des restlichen Armeebestandes. Dabei wird stets auf die Besonderheiten und Neuentwicklungen eingegangen. Büchsenmacher und einflussreiche Offiziere werden genau so erwähnt die wie damaligen Ausschreibungen und Kriterienlisten. Technische Details und das ein oder andere Bild runden die mitunter recht ins Detail tauchenden Texte ab.
Dies zieht sich quer durchs ganze Buch; Jede Waffe, beziehungsweise jede wegweisende Epoche wird anhand geschichtlicher Ereignisse dargestellt. Erfreulich ist das auch im Hinblick auf das Sturmgewehr 57, welches ganze 11 Seiten für sich beanspruchen darf.
Das interessanteste Kapitel, wie im Vorwort erwähnt, ist das letzte. Da das Buch 1982 erschienen ist, war die Frage nach dem Nachfolger des Sturmgewehr 57 in aller Munde und noch alles andere als konkret. Besonders der Kaliberfrage wird Beachtung geschenkt. 7.62 oder das “neue” 5.56, bzw. die .223 Remington? Als Vergleich werden die Bemühungen und Neuentwicklungen von Amerika (AR15), Israel (Galil), Belgien und Frankreich (FAMAS), England (SA80), Spanien (CETME), Schweden (MKS) und Österreich (AUG) sowie selbstverständlich die AK47 der UdSSR herbeigezogen. Auch die Intentionen der NATO werden erwähnt und das Kaliber 5.56 auf Nachteile untersucht. Auf diesem wird sowieso im ganzen Kapitel herumgehackt.
Gegen Ende des Kapitels wird orakelt, dass das neue Sturmgewehr ein Kaliber “stärker als 5.56mm, aber leichter als 7.5mm” sein wird und gewisse Verantwortliche ein Kaliber 6.45mm vorsähen.
Im Nachwort wird ebenfalls nochmals darauf eingegangen und dem Kaliber 5.56 mangelnde Präzision auf 300m vorgeworfen. Die arme 5.56 kommt wirklich nicht gut weg – es wäre interessant zu wissen, was die “Verantwortlichen” und Orakel zu der definitiven Einführung des Sturmgewehr 90 gesagt oder gedacht haben.
Zu jedem Kapitel ein Foto, chronologisch.
Anders als ähnliche Waffenbücher über die Schweizer Ordonnanz will der Autor vor Allem die geschichtlichen Hinter- und Beweggründe, die zu den jeweiligen Waffentypen führten, hervorheben. Dies gelingt nicht nur durch die eher in die Tiefe statt Breite gehende Auswahl, sondern auch durch den Schreibstil des Autors, der es vermag, trockenen Stoff lebendig wiederzugeben. Es ist also nicht als “noch ein Waffenbuch” anzusehen, dass sich nahtlos in die Reihen mehr oder minder immergleichen Bücher einreihen kann, sondern als wirklich eigenständiges und herausstechendes Werk. Weniger Nachschlagewerk, sondern erklärendes Sachbuch, welches man gemütlich im Scheine der Nachttischlampe lesen kann.
Wenn man es also findet, zu einem vernünftigen Preis jedenfalls, kann ich es jedem Freund schweizer Waffen ans Herz legen.