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«Meine Zwillingsschwester und ich sind gleich gross, haben dasselbe Lachen, dieselbe Mimik und Gestik. In manchen Details aber unterscheiden wir uns: Sie hat eine herzige Stupsnase, ich fand meine Nase im Vergleich immer riesig. Sie stichelte ‹Hexennase!›, ich nervte sie mit Quak-Geräuschen, weil sie breitere Füsse hat.
Nachdem wir zusammen im Kindergarten und in der gleichen Klasse gewesen waren, musste meine Schwester ein Jahr wiederholen. Wir mussten uns daran gewöhnen, keinen Tagesablauf mehr zu teilen. Gleichzeitig tat es gut, sich voneinander zu emanzipieren.
Ich musste keine Rücksicht mehr nehmen, kein schlechtes Gewissen mehr haben. Oft hatte ich mich zurückgenommen, weil mir vieles leicht und ihr schwerer fiel: die Schule, Freund:innen finden. Sie rebellierte gegen mich. ‹Wollt ihr miteinander oder gegeneinander?›, fragte unser Papa mal nach einem Streit. Gegeneinander, antwortete sie. Dabei wollte ich mich diesem ständigen Vergleich ebenso entziehen.
«Meine Bewältigungsstrategie? Ich grenzte mich ab, konzentrierte mich auf mich selbst»
Meine Bewältigungsstrategie? Ich grenzte mich ab, konzentrierte mich auf mich selbst. Dadurch habe ich gelernt, mich auch von anderen zu emanzipieren. Meinen Körper habe ich später nie mehr mit anderen verglichen. Ich fühle mich wohl darin. Besonders, wenn ich gesund esse, mich bewege.
Dann stört es mich auch nicht, wenn sich irgendwo mal ein Röllchen wölbt. Meiner Zwillingsschwester stehe ich heute umso näher. Eines aber hat sich nicht geändert: Ich bin immer noch sehr gern allein.» – Marietheres (33), Name geändert