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Während die USA im Handelskonflikt mit China Sanktionen gegen den Techgiganten Huawei erlassen haben, nimmt Japan die für Südkoreaebenso wichtige Firma Samsung ins Visier. Doch anders als im Streit der Supermächte geht es zwischen Japan und Südkorea nicht in erster Linie um wirtschaftliche Interessen. Worum dann?
1. Was sind die Gründe?
Japan stört sich an Gerichtsurteilen gegen japanische Firmen, die wegen der Ausbeutung von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg zu Schadensersatzzahlungen verurteilt wurden. Denn für Japan wurde das Kapitel der Kolonisierung Koreas von 1910 bis 1945 durch einen Vertrag im Jahr 1965 endgültig abgeschlossen. Die ehemalige Kolonialmacht bezahlte damals für die Normalisierung der Beziehungen insgesamt 800 Millionen Dollar in Reparationen und billigen Krediten.
Doch die koreanischen Opfer von Sklaverei und Zwangsprostitution, die in Japaneuphemistisch als «Trostfrauen» bezeichnet werden, geben sich damit bis heute nicht zufrieden. Von den japanischen Reparationen haben sie nichts gesehen, weil die damals in Korea herrschende Diktatur das Geld für den Aufbau der Infrastruktur nutzte, statt es an die Opfer weiterzugeben.
Im vergangenen Jahr entschied der oberste Gerichtshof in Südkorea gegen die japanischen Firmen Mitsubishi und Nippon Steel. Diese müssen mehreren überlebenden Zwangsarbeitern jeweils rund 100'000 Dollar bezahlen.
Diese für die Konzerne eigentlich unbedeutenden Summen hätten die Beziehungen zwischen den zwei Ländern nachhaltig vergiftet, sagte der Handelsexperte Dukgeun Ahn von der Universität Seoul dem österreichischen «Standard». Die Japaner hätten Vertrauen in Südkorea verloren.
Dazu trägt auch das Importverbot für Meeresfrüchte aus der Umgebung des Unglücksreaktors Fukushima Daiichi bei. Dieses setzte Südkorea bei der WTO durch, was von Japan als tiefe Beleidigung empfunden wurde.
Laut einer Umfrage der Zeitungen «Yomiuri Shimbun» aus Japan und «Hankook Ilbo» aus Korea misstrauten im Juni 74 Prozent der Japaner Korea und 75 Prozent der Koreaner Japan. Das Misstrauen in Japan sei seit der ersten Studie im Jahr 1996 noch nie so gross gewesen, berichtete die «South China Morning Post».
2. Welche Massnahmen wurden ergriffen?
In einem ersten Schritt hat Japan am 1. Juli die Exportregeln für drei Materialien verschärft, die für die Smartphone- und Halbleiter-Herstellung benötigt werden. Koreanische Firmen können unter anderem Fluorwasserstoff nur noch mit einer Sonderbewilligung importieren. Die Begründung aus Tokio: Seoul pflege einen «unangemessenen Umgang» mit den Chemikalien und diese könnten in die Hände Nordkoreas gelangen.
Dabei geht es bisher nur um Importe im Wert von einigen Hundertmillionen Euro im Jahr. Doch beim hochgiftigen Gas Fluorwasserstoff in 99,999 prozentiger Reinheit beherrschen japanische Firmen 80 bis 90 Prozent des Weltmarktes, schreibt die Wirtschaftszeitung «Nikkei». Ein Ersatz ist damit schwer zu finden. Japan könnte so mit einem Nadelstich die gesamte Techindustrie des Nachbarlandes vor grosse Probleme stellen.
Weil es in den Gesprächen bisher keine Fortschritte gibt, denkt JapansHandelsministerium zudem laut über eine Streichung Südkoreas von der «weissen Liste» der vertrauenswürdigen Handelspartner nach. Dabei geht es um 40 Produktkategorien und über 1100 Einzelprodukte für die eine spezielle Exportbewilligung nötig würde. Ein Entscheid der japanischen Regierung wird am 24. Juli erwartet und würde 21 Tage später in Kraft treten.
3. Was sind die Folgen?
Durch die Exportrestriktionen ist die weltweite Lieferkette für Smartphones in Gefahr. Wenn Südkoreas Hersteller von entscheidenden Materialien zur Halbleiter- und Bildschirmherstellung abgeschnitten werden, wird sich dies auch auf die Preise der Endprodukte auswirken. Smartphones sind längst globale Produkte geworden, deren Komponenten aus unterschiedlichen Ländern stammen. So werden Chips und Bildschirme aus Korea unter anderem auch in den Smartphones von Huawei und Apple verbaut.
Obwohl sich Firmen wie Samsung wegen dem Handelsstreit auf die Suche nach Lieferanten aus anderen Ländern gemacht haben, wird ein Ersatz der japanischen Produkte schwierig. Die technologische Barriere bei hochspezialisierten IT-Produkten sei hoch, so Jun Hong Park, ein Analyst von S&P Global Ratings gegenüber «Nikkei». «Selbst mit Unterstützung der Regierung wäre es für koreanische Firmen schwierig den Vorsprung kurzfristig aufzuholen.»
Bisher hat die Aktie von Samsung indes noch nicht gross unter der japanischen Massnahme gelitten. Zum einen hat die Firma offenbar noch genügend Vorräte der Materialien auf Halde und zum anderen äusserten Analysten die Hoffnung, dass der Streit die Überproduktion von Chips reduzieren könnte, welche die Preise auch für Samsung nach unten drückt.
Längerfristig drohen jedoch sowohl den südkoreanischen Techkonzernen als auch den japanischen Zulieferern empfindliche Einbussen. Der Riese Samsung repräsentiert alleine etwa einen Fünftel der gesamten südkoreanischen Börse.
Eine Lösung des Streits scheint zur Zeit in weiter Ferne. So wird die Annäherung von Nord- und Südkorea in Japan mit Argusaugen beobachtet. Und auf der koreanischen Halbinsel ist die Erinnerung an die japanische Kolonialzeit eine der wenigen Gemeinsamkeiten der beiden verfeindeten Koreas. So wird in Südkorea der Ruf nach einem Boykott japanischer Produkte lauter. Möglich scheint sogar die Beschlagnahmung von Firmeneigentum japanischer Konzerne zur Deckung von Reparationszahlungen.
Gleichzeitig kann die nationalkonservative Regierung von Shinzo Abe in Japan mit einem harten Kurs gegen Südkorea bei der eigenen Basis punkten – das bewies auch der Erfolg seiner Partei bei der Oberhauswahl am 21. Juli.
Auch die USA, der wichtigste Verbündete von Südkorea und Japan, zeigen bisher wenig Engagement zur Lösung der Krise. Für den Welthandel sind das keine guten Aussichten.