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Man diente zu Fuß oder zu Roß und stand im Kampfe nach Geschlechtern und Stämmen zusammen. Hauptwaffe
war die Frame (s. d.); zur Zeit der Völkerwanderung kamen daneben Lanzen mit langer, breiter Spitze, sowie Schwerter
[* 4] aus Eisen
[* 5] oder Bronze
[* 6] in Gebrauch, im Norden
[* 7] bediente man sich schon vorher kurzer, messerartiger Schwerter, auch sind in den Gräbern
Streithämmer und Keulen gefunden worden. Als Schutzwaffe dienten buntbemalte, den ganzen Mann deckende
Schilde aus Holz
[* 8] oder Flechtwerk, mit Leder überzogen und später mit Metallstreifen besetzt; die nördl.
Stämme führten kleine, runde Schilde, bei den östlichen kommen Panzer vor. Helme
[* 9] aus Erz oder Leder besaßen nur einzelne.
Einzelne Stämme, wie die Tenkterer, Chauken, Alamannen und Vandalen, hatten eine starke Reiterei, doch lag
die Hauptkraft im Fußvolke. Bezeichnend ist die Zusammenstellung von Reiterei und Fußvolk zu besondern Korps, die in der
Schlacht das Vortreffen bildeten und aus der jüngsten Mannschaft bestanden (im HeereAriovists je 6000 Mann Reiterei und Fußvolk).
Das Hauptheer stand in keilförmiger Ordnung, die dem Angriffe große Kraft
[* 10] verlieh, doch war der Heerbann
auch geübt, in
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mehr
zerstreuter Ordnung zu kämpfen, namentlich in bewaldetem oder sumpfigem Gelände. Der Angriff erfolgte mit lautem Kriegsruf,
das Vorrücken unter Schildgesang; hinter der Schlachtlinie stand die von den Frauen verteidigte Wagenburg. Der König oder
ein auf die Dauer des Feldzugs gewählter Herzog führten den Oberbefehl über dasHeer; bei größern, aus
mehrern Völkerschaften zusammengesetzten Heeren sind zuweilen zwei oberste Führer bestellt worden. An Könige und Fürsten
schloß sich eine Gefolgschaft junger Männer freien, oft edeln Standes an, die im Frieden mit ihnen lebten und sie im Kampfe
umgaben; den im Kampfe gefallenen Gefolgsherrn zu überleben, galt als Schimpf für das ganze Leben.
B. Mittelalter. Da der aus der allgemeinen Dienstpflicht hervorgegangene Heerbann den gesteigerten Anforderungen nicht mehr
genügte, so bildete die Durchführung des Lehnswesens im Rittertum einen berufsmäßigen Kriegerstand heraus. Zwar wurde
niemals die allgemeine Dienstpflicht ausdrücklich aufgehoben, doch bediente man sich des Aufgebotes nur noch ausnahmsweise
für die Landesverteidigung, niemals zu Angriffskriegen. Die von König Heinrich I. zur Abwehr gegen die
Slawen geschaffenen Einrichtungen erhielten sich jedoch in Sachsen
[* 12] bis in das 11. Jahrh., wo das Aufgebot zu Roß dienender Bauern
noch mehrfach vorkam, und in Holstein kämpften noch im 12. Jahrh. Bauern mit Ritterwaffen zu Roß.
Seitdem sind wieder berufsmäßige Krieger, die nicht dem Ritterstande angehörten (Servientes, Sarjanten,
Brabançons, s. d.), aufgetreten. Zur Reichsheerfahrt waren nunmehr nur die
vom Reiche unmittelbar Lehen Empfangenden verpflichtet, also die Fürsten, freien Herren und Reichsdienstleute. Später beanspruchten
die Verpflichteten stipendium, i. Sold und Naturalverpflegung; das Stipendium war jedoch so knapp bemessen, daß die
Leistung des Kriegsdienstes für die Fürsten eine schwere Last blieb.
In der Zeit der Merowinger bestanden die Heere, noch zum größten Teil aus Fußvolk, teils aus Schwerbewaffneten mit Schwertern,
zweischneidigen Streitäxten, Schilden, Helmen und Harnischen, teils aus Leichtbewaffneten mit Bogen
[* 13] und leichten Wurfspießen.
In der Zeit der Karolinger trat das Fußvolk immer mehr zurück, die schwere Reiterei immer mehr in den
Vordergrund. Franken und Langobarden kämpften seit dem 8. Jahrh. vorzugsweise zu Roß, bei den Sachsen überwog dagegen das
Fußvolk. Feste Plätze waren zahlreich.
Über das Heerwesen des spätern Mittelalters sind wir mangelhaft unterrichtet, weil die Berichterstatter meist geistliche
Herren waren, deren Angaben über Taktik, Stärke
[* 14] und Aufstellung der Heere sehr unzuverlässig sind. Bis
um die Mitte des 11. Jahrh. war der König unbeschränkt im Aufgebote der Heerfahrt; Ungehorsam gegen das Aufgebot konnte den
Verlust des Reichslehns herbeiführen. Seit Heinrich IV. durfte die Heerfahrt nur mit Zustimmung der auf einem
Reichstage versammelten Fürsten angesagt werden; lehnten diese den Antrag ab, so standen dem Könige nur die unmittelbar belehnten
Vasallen und Ministerialen zu Gebote, deren Streitmacht für größere Unternehmungen unzulänglich war.
Wurde die Heerfahrt angenommen, so verpflichteten sich die Fürsten (bis 1240 durch einen besondern Eid), zu bestimmter Zeit
an dem bestimmten Sammelplatze zu erscheinen, auch wurde über die Höhe der von ihnen ins Feld zu
stellenden
Kontingente Bestimmung getroffen. Zuweilen verstattete der Kaiser einzelnen Fürsten ein Abkaufen der Heerfahrt, auch folgten
eine Anzahl deutscher Fürsten der Heerfahrt erst als zweites Aufgebot. Zwischen der Ansage und dem Antritte der Heerfahrt blieb
eine angemessene Frist, für Romfahrten 1 Jahr 6 Wochen und 3 Tage, für andere Heerfahrten gewöhnlich 40 Tage, häufig jedoch
weniger.
Die Ebene bei Augsburg
[* 15] war der gewöhnliche Sammelplatz für Romfahrten, und vor dem Beginne des Feldzugs fand eine Musterung
des Heers statt, bei Romfahrten unter besonders feierlichen Formen in der Regel auf der Ebene von Roncaglia.
Bei Romfahrten waren die Fürsten verpflichtet, mit ihren Truppen bis zur Kaiserkrönung im Felde zu bleiben, bei Heerfahrten
«binnen deutscherZunge» 6 Wochen auf eigene Kosten; unter mächtigen Königen dauerte die Heerfahrt jedoch bis zur Entlassung
des Heers.
Bis in das 14. Jahrh. bestanden die deutschenHeere vorzugsweise aus schwerer Reiterei, die mit Schwert,
Lanze, Wurfspeer und Schild
[* 16] bewaffnet war. Daneben trug man vom 10. Jahrh. ab Arm- und Beinschienen, Handschuhe und Dolche,
vom 11. Jahrh. an Helm und Harnisch; von Beginn des 13. Jahrh. ab waren auch die Streitrosse gepanzert. Neben den
geharnischten Rittern und deren Mannen gab es leichte, mit Pfeil und Bogen bewaffnete Reiter. Die Ritter führten mehrere Schlachtrosse
mit und ritten auf dem Marsche Klepper; Saumtiere und Wagen, zuweilen Schiffe,
[* 17] schafften die Verpflegung nach, ein zahlreicher
Troß folgte dem Heere, nebst Handwerkern und Kaufleuten.
Man lagerte unter Zelten oder Baracken, im Lager
[* 18] sorgte der Marschall für die nötige Ordnung. Das Heer
stellte sich in mehrern Treffen zur Schlacht, seit dem 11. Jahrh. standen die Schwaben im «Vorstritt» (1. Treffen), weshalb Württemberg
[* 19] später die Reichssturmfahne führte. Die Fürsten führten ihre Banner und befehligten persönlich oder durch Stellvertreter
ihre Mannschaft, das Banner des Königs wurde von einem Fürsten getragen. Diese Reiterheere vermochten
festen Plätzen wenig anzuhaben, und selbst kleine Burgen
[* 20] konnten oft erst nach monatelanger Einschließung durch Aushungern
bezwungen werden. Das Scheitern der Romfahrt Ruprechts von der Pfalz 1401, die Einführung von Feuerwaffen, der Verfall des
Rittertums und die Not der Hussiten- und Türkenkriege zwangen im Laufe des 15. Jahrh. zu Änderungen,
die aber erst unter KaiserKarl V. auf dem Reichstage von 1521 zum Abschluß gelangt und dann drei Jahrhunderte hindurch maßgebend
für das Heerwesen des DeutschenReichs geblieben sind.
C. Neuere Zeit bis 1816. Seit dem Reichstage zu Worms,
[* 21] 1521, bestand die persönliche Dienstpflicht nur
noch für die Reichsritter, doch zahlten dieselben dem Kaiser an Stelle der Leistung, die niemals mehr beansprucht wurde, Geld
(Charitativsubsidien). Dagegen waren die Reichsstände verpflichtet, bestimmte Kontingente im Falle eines Reichskrieges
zu stellen, deren Aufbringung ihrem Ermessen überlassen blieb. Die Erklärung eines Reichskrieges konnte
nur durch Beschluß der Kurfürsten, Fürsten und Stände mit Genehmigung des Kaisers stattfinden; daneben war seit dem Westfälischen
Frieden jeder Reichsstand zu selbständiger Kriegführung berechtigt. Das Simplum des zum Reichsheere zu stellenden Kontingents
betrug seit 1521 für Österreich
[* 22] und Burgund 240 Reiter und
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Im J. 1681 wurde eine neue Reichsmatrikel ausgestellt, die die Lasten etwas gerechter auf die einzelnen
Stände verteilte. Man bestimmte das Simplum der Reichsarmee auf 40000 Mann (12000 Reiter und 28000 Mann Fußvolk) und verteilte
dasselbe auf die 10 Reichskreise, denen die weitere Verteilung auf die einzelnen stände überlassen blieb. Die
Kreise
[* 36] hatten auch die leichte Feldartillerie aufzubringen und gemeinsam das schwere Geschütz nebst Pontontrain, sowie die
erforderlichen Ingenieure und Pioniere zu stellen. Ein stehendes Heer besaß das Reich nicht, wohl aber unterhielten die größern
Reichsstände seit dem Westfälischen Frieden stehende Truppen und seit 1700 auch der südwestl. Reichskreis Kreistruppen.
Ein Reichskriegsrat trat bis 1750 einigemal, später jedoch nicht mehr in Thätigkeit, und jeder Stand
trug die Kosten für das von ihm gestellte Kontingent, das Reich nur die Kosten des Oberbefehls und der Hauptleitung (höhere
Stäbe, Nachrichtenwesen u. s. w.), zu deren Bestreitung eine Anzahl Römermonate bewilligt wurde. Die Gelder wurden kreisweise
in sog. Legestädten gesammelt und an die Reichspfennigmeister abgeführt; später führte die
Kämmerei der Stadt Regensburg
[* 37] die Verwaltung der Reichskriegskasse und zahlte an die Reichsgenerale oder
auf deren Anweisung.
Diese Heeresverfassung bestand gesetzlich, ist jedoch nie vollständig zur Durchführung gekommen. In Österreich und Burgund
blieb die Kreisverfassung unausgeführt, in Niedersachsen ging 1677 der Kreistag ein, und größere Reichsstände stellten
ihre Truppen lieber als selbständige Korps ins Feld als zu den Kreiskontingenten. So kam es, daß man
nur auf 20000 Mann rechnen konnte, wenn ein Triplum, i. 120000 Mann, bewilligt worden war, und daß der Ertrag eines Römermonats
von 128000 Gulden auf 50000 Gulden herabsank.
Die Kontingente der kleinern Stände waren militärisch völlig wertlos; das Fuggersche Reiterregiment
des schwäb. Kreises bestand 1732 aus 58 Kontingenten, deren stärkstes (von
Augsburg) 48 Mann zählte, während 17 Stände
nur je einen Reiter dazu stellten. Die Offiziere hatten keine Aussicht auf Beförderung; denn in einer Compagnie schwäb.
Kreistruppen ernannte z. B. die Stadt Gmünd
[* 38] den Hauptmann, Rotweil den ersten, die Äbtissin von Rotenmünster
den zweiten Lieutenant und der Abt von Gengenbach den Fähnrich.
von Peucker, Das deutsche Kriegswesen
der Urzeiten (Abteil. 1, 2 und 3, 1. Tl., Berl. 1860-64).
Deutsches. Die Zeit des DeutschenBundes (1816-66). Nach Wiedervereinigung der deutschenStaaten zum DeutschenBunde fanden mehrere Jahre
hindurch Vorberatungen der Bundesversammlung statt, deren Ergebnis die Grundsätze für die Kriegsverfassung
des Bundes feststellte. Diese Grundsätze sind niedergelegt in den Plenarbeschlüssen der Bundesversammlung vom und
den Beschlüssen des engern Rats vom und von denen die zuletzt erwähnten die nähern Bestimmungen enthalten.