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Mit seinem ersten Album, das erst 2011 veröffentlicht wurde, setzte Reverend John Wilkins (*1943, Memphis, TN) die Zuhörer in eine Zeitmaschine und katapultierte sie 75 Jahre in die Vergangenheit. Mit Hut und Brille des Vaters, des bekannten Blues- und Gospel-Sängers Robert Wilkins, zelebrierte der Sohn dessen bekannteste Songs, darunter auch «Prodigal Son» aus den 1930-er Jahren - ein Titel, der dank den Rolling Stones erst viel später richtig bekannt wurde.
Obwohl er in Memphis geboren wurde, ist der Reverend musikalisch immer ein Kind des North Mississippi Hill Country geblieben. Schon mit 5 Jahren spielte er in der Kirche Gitarre an der Seite seines Vaters, der bis heute sein grösster Einfluss geblieben ist. Schliesslich führte der auf frühem Country-Blues basierende Gospel, den sein Vater Robert Wilkins spielte, letztlich zum typischen Memphis-Rock’n’Roll.
Der junge John Wilkins nahm den Gospel- und Country-Blues-Stil seines Vaters auf und integrierte dazu die souligen Memphis-Sounds, die von den legendären Labels wie Sun oder Stax aufgenommen wurden. In den 1960-er Jahren spielte John Wilkins in der Kirche, auf Partys und in Clubs. Wie sein Vater vor ihm bediente auch er sich kirchlicher und säkularer Stilmittel. In den 1980-er Jahren übernahm John eine Stelle als Pfarrer in der Hunter Chappel Church in Como, MS, der auch der legendäre Hill Country-Blueser Fred McDowell und Frau Annie Mae angehörten.
Und dort zieht er auch ab und zu seine schwarze Lederjacke an und wirkt als Kaplan des King Riders Motorcycle Club. In Como ist er deshalb auch als "Bikerprediger" bekannt. Im Grunde genommen ist Reverend John Wilkins ein Blueser in der North Mississippi Hill Country Tradition, der mit seiner reichen, ausdrucksstarken Stimme heilige Texte und einen spirituellen Country Blues singt. Und er ist ein Gospel-Gitarrist, der im ländlichen Fingerpicking-Blues-Stil spielt. Sein Sound ist ebenso lokal wie universal: Hier kommt ein ganzes bewegtes Leben in Musikform daher.
In Luzern stehen übrigens auch noch die drei Töchter des Reverends mit auf die Bühne. Wer RL Burnside, Sister Rosetta Tharpe oder die Holmes Brothers schätzt, wird diesen ungeschliffenen Diamanten lieben. Und wie schrieb eine amerikanische Musikzeitschrift? «Wenn Sie einer der vielen internationalen Blues-Fans sind, die nur wenig Englisch sprechen, dann klingt es wie guter alter einfacher Blues.»