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2004 feierte Adam McKay mit der Blödelkomödie «Anchorman» sein Regiedebüt. In einer Nebenrolle – seinem damals erst zweiten nennenswerten Filmauftritt – war der Komiker Steve Carell als Wetteransager mit IQ 48 zu sehen. Jetzt, gut elf Jahre später, ist Carell einer von vielen legitimen Drama-Schauspielern, die in McKays Wall-Street-Satire «The Big Short» zu sehen sind. Jetzt auf Netflix Schweiz.
Wie schon Martin Scorsese in «The Wolf of Wall Street» hat McKay erkannt, dass man dem schieren Wahnsinn des amerikanischen Finanzsektors nur mit einer zünftigen Dosis Zynismus beikommen kann. Folgerichtig ist «The Big Short», basierend auf dem gleichnamigen Non-Fiction-Buch von Michael Lewis, eine Komödie. Ja, er muss sogar eine Komödie sein – denn wie ernst kann man jemanden nehmen, der ohne Ironie mit nebulösen Begriffen wie „Credit Default Swap“ oder „Collateralized Debt Obligation“ um sich wirft?
Gar nicht, meint der Film, und hebt an zu einem rasanten zweistündigen Kaleidoskop der irren Mechanismen, die schliesslich zum globalen Finanzkollaps von 2007/08 geführt haben. Im Zentrum stehen jene Leute, welche die Katastrophe schon 2005 haben kommen sehen – in Gestalt maroder Immobilien-Hypotheken – und versuchen, sich daran zu bereichern: der exzentrische Investor Michael Burry (grossartig: Christian Bale), der desillusionierte Hedgefonds-Manager Mark Baum (Carell), der opportunistische Banker Jared Vennett (Ryan Gosling), die Jung-Broker Jamie Shipley (Finn Wittrock) und Charlie Geller (John Magaro) sowie der systemkritische Ex-Finanzhai Ben Rickert (Brad Pitt).
Die Absurdität, die Gier, die elitäre Abgehobenheit und – nicht zuletzt – die haarsträubende Inkompetenz des gemeinen Wall-Street-Spekulanten werden von McKay gnadenlos ausgeschlachtet. Seine Figuren bewegen sich von Meeting zu Meeting mit ahnungslosen Turbo-Kapitalisten; die Terminologie wird mit Hilfe von Cameo-Auftritten von Margot Robbie und Selena Gomez, die in „Family Guy“-artigen Einspielern Konzepte veranschaulichen, der Lächerlichkeit preisgegeben.
«They will blame immigrants and poor people.»
Und auch wir Zuschauer bleiben nicht verschont von der Wut, welche alle Komik in «The Big Short» antreibt. Zum Einen beklagt ein Epilog, dass, was auch immer Wall Street verbricht, der öffentliche Diskurs die Schuld an Abschwüngen und Rezessionen nur zu gerne den sozial Schwachen in die Schuhe schiebt: „They will blame immigrants and poor people.“ Zum anderen greift der Film implizit auf das gallig-brillante Schlussbild in «The Wolf of Wall Street» zurück, das ein gebanntes Kinopublikum zeigte: McKay erzählt von den Anfängen der Krise, die Millionen von Menschen ihre Häuser, Ersparnisse und Renten kostete – und wir fiebern mit den Akteuren mit, die wissentlich davon profitierten.
„The Big Short“ wurde bei den Oscars vom 28. Februar fünfmal nominiert und einmal ausgezeichnet: Bester Film, Beste Regie (Adam McKay), Bester Nebendarsteller (Christian Bale), Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Schnitt.
Kinostart: 31. Dezember 2015 in den Deutschschweizer Kinos. Jetzt auf Netflix Schweiz.
Bild- und Trailerquelle: Universal Pictures Switzerland