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Als Sohn des Beat Jakob I. Zurlauben und der Maria Barbara Reding von Biberegg wird Franz Dominik am 13. März 1646 in Bremgarten geboren. Die Zurlauben, Freiherren von Thurn und Gestellenburg, sind eine führende Zuger Aristokratenfamilie mit politischer und militärischer Dominanz in der katholischen Schweiz, die Macht und Reichtum den französischen Pensionen und dem Monopol auf dem Salzhandel verdanken. Vater Beat Jakob I. hat als Leutnant in französischen Diensten und als Oberstwachtmeister in der Toskana militärische Karriere gemacht, wird eidgenössischer Oberstfeldwachtmeister, Landeshauptmann und Landschreiber der Freien Ämter, bekleidet viele einträgliche Ämter und ist Ritter vom Goldenen Sporn. Die Mutter stammt aus einem der ältesten und mächtigsten Schwyzer Geschlechter. Fünf ihrer Geschwister wählen den geistlichen Stand, ihr ältester Bruder wird 1670 Fürstabt in Einsiedeln. Sie stirbt 1652 nach der Geburt ihres zehnten Kindes. Sechs der Kinder aus dieser ersten Ehe und sechs aus der zweiten Ehe seines Vaters erreichen das Erwachsenenalter. Sie werden später Militärführer, Politiker oder sind Äbte und Äbtissinnen. So wird der um drei Jahre jüngere Bruder Konrad Leonz als Gerold II. Abt in Rheinau und die fünf Jahre jüngere Schwester Maria Ursula Äbtissin in Wurmsbach. Franz Dominik kommt an die Klosterschule in Muri, tritt dort als Novize ein und legt 1663 mit dem Klosternamen Placidus Profess ab. 1670 wird er zum Priester geweiht. Er ist 1680−1684 Sekretär der Schweizerischen Benediktinerkongregation. Am 14. März 1684 wählt in das Kapitel zum Abt der reichsten Abtei in der Eidgenossenschaft. Abt Placidus benützt die günstige Finanzlage zum Erwerb von Herrschaften. 1689 und 1693 sind es Eppishausen und Sandegg im Thurgau, wo Muri bereits Klingenzell besitzt, 1702 folgt Riedeschingen bei Blumberg und 1706 die süddeutsche Herrschaft Glatt im Neckartal.[1] Für all diese Herrschaftskäufe legt Fürstabt Placidus 363 450 Gulden aus, eine Summe die man im Vergleich zum Jahreseinkommen eines Handwerkermeisters von 150 Gulden setzen muss und vielleicht heutigen 100 Millionen Euro entspricht. Gleichzeitig kann er es sich leisten, das unter steter Finanznot leidende habsburgische Kaiserhaus finanziell zu unterstützen. Zum Dank erhebt Kaiser Leopold 1702 Abt Placidus und alle Nachfolger in den Fürstenstand. Es bleibt allerdings ein Titel, mit dem keine weiteren Hoheitsrechte oder der Einsitz im Reichstag verbunden sind.
Bekannt ist Fürstabt Placidus nicht nur für seine kluge Vermehrung des Klosterbesitzes, sondern vor allem als Bauabt. Bei seinem Amtsantritt hat die Klosterlandschaft von Muri ihr mittelalterliches Kleid bereits abgestreift, Abt Johann Jodok Singeisen hat Anfang des 17. Jahrhunderts die Konventbauten erneuert und neue Flügel angefügt. Die Ausstattung der romanischen Basilika zeigt frühbarocken Charakter. Abt Placidus beginnt trotzdem sofort nach seiner Ernennung mit dem Umbau des mittelalterlichen Klosters zu einer repräsentativen Abtei, ihn stören «die alten Klostergebäw, so ohne alle Regularitet von alter Zeit hero aufgeführt». Als Planer des hochbarocken Klosterbaus gilt Br. Caspar Moosbrugger aus Einsiedeln. Die neuen Konventbauten werden 1685 mit dem Bau der Hofkapelle begonnen. Hier ist Giovanni Battista Bettini als Stuckateur und Baumeister tätig. 1694 wird der Klosterneubau zugunsten des Kirchenumbaus unterbrochen. Anstelle des romanischen Langhauses lässt Abt Placidus durch Moosbrugger und Bettini ein grosses Oktogon einfügen. Für die Fresken beauftragt er Francesco Antonio Giorgioli, der mit Bettini zusammen kurz vorher die Klosterkirche Pfäfers ausgestattet hat. 1697 kann die Kirche geweiht werden. Die Kosten des Kirchenumbaus betragen 27 565 Gulden, diejenigen der Klosterneubauten von 1685–1695 rund 100 000 Gulden. Die Ausgaben können mit den laufenden Einnahmen gedeckt werden. Die Vogelschau-Ansicht des Matthäus Wickart von 1720 zeigt die Abtei Muri, wie sie Br. Caspar Moosbrugger geplant und Fürstabt Placidus bis 1712 verwirklicht hat. In diesem Jahr wird Muri in den Toggenburger- oder 2. Villmergerkrieg hineingezogen, der die Vormachtstellung der katholischen Orte in der Eidgenossenschaft beendet. Zwar flüchtet der Konvent nach Luzern und Fürstabt Placidus gar nach Mailand, das Kloster erleidet einen Schaden von 100 000 Gulden, aber der Friedensschluss verläuft nicht zum Nachteil der Klosterherrschaften und begründet im Gegenteil den Religionsfrieden bis zum Ende der alten Eidgenossenschaft.
Der nun 74-jährige Fürstabt feiert 1720 sein goldenes Priesterjubiläum. Zu diesem Anlass lässt er Golddukaten mit seinem Bildnis und Wappen[2] prägen. Die Goldmünze zeigt ihn im Profil, mit charakteristischer Hakennase. Er trägt die Mozetta mit Brustkreuz und den Pileolus. Die gleiche realistische Darstellung finden wir auf der Vedute des Klosters von 1720. Ein Bildnis im Kollegium Sarnen und vor allem der Stich in der «Idea»[3] zeigen ihn jünger, mit etwa 50 Jahren. Hier trägt er anstelle des Pileolus das Biret. Auf allen Bildnissen stellt er sich als einfacher Prälat ohne Herrschaftsattribute dar.
Der grosse Barockprälat stirbt am 14. September 1723 auf Schloss Sandegg im Thurgau. Er wird in der neuen Klosterkirche von Rheinau bestattet, wo im der dortige Abt Gerold II, sein drei Jahre jüngerer Bruder, durch die Wessobrunner Pontian Gigl und Michael Schnell ein prunkvolles Epitaph erstellt.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Amschwand, Rupert: Muri, in: Helvetia Sacra, Abteilung II, Band 1, Zweiter Teil, Bern 1986.
Germann, Georg: KDM, Kanton Aargau, Band V, Basel 1967.
Link:
Golddukaten 1720 in Auktonskatalog Stacks New York.
Anmerkungen:
[2] Nach der Fürstung ändert sein geviertetes Wappen. Es zeigt -1- in Gold einen nach links schreitenden roten Habsburger-Löwen, -2- in Gold den Zurlauben-Turm, -3- in Blau den silbernen Zurlauben-Löwen und -4- das Haus Österreich, in Rot ein silberner Balken. Das Herzschild ist das Wappen von Muri, in Rot eine silberne Mauer. Das neue Wappen finden wir auf dem Golddukaten und auf allen Darstellungen nach 1702, auch auf dem Epitaph von Rheinau. In der «Idea» von 1702 ist noch das alte Wappen enthalten, das auch im Oktogon über dem Chorbogen zu finden ist. Dieses ist allerdings 1930 völlig falsch restauriert worden, wie ein Vergleich mit den Stichen zeigt. Das alte Wappen zeigt 1 das Abteiwappen, 2 eine dreiblättrige Linde, 3 den Zurlauben-Turm und 4 den Zurlauben-Löwen. Im Herzschild ist in Blau die Bourbonen-Lilie. Siehe auch «Das Wappen Zurlauben von Zug».
[3] «Idea Sacrae Congregationis Helveto-Benedictinae», Jubiläumsschrift von 1702 der Schweizerischen Benediktinerkongregation.
|Fürstabt Placidus Zurlauben (1646–1723) in Muri|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|13. März 1646||Bremgarten Aargau CH||Freie Ämter (Eidgenossenschaft)|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der seit 1702 gefürsteten Benediktinerabtei Muri||1684–1723|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|14. September 1723||Sandegg Salenstein Thurgau CH||Herrschaft Abtei Muri|
|Kurzbiografie|

Der 1702 gefürstete Abt von Muri, Placidus Zurlauben von Thurn und Gestellenburg, stammt aus einer der führenden Familien in der katholischen Eidgenossenschaft. Er steht fast 40 Jahre der reichsten Abtei der Eidgenossenschaft vor. Obwohl er sehr ökonomisch denkt und grosse Ausgaben vor allem für Herrschaftszukäufe, aber auch zur Unterstützung des habsburgischen Kaiserhauses tätigt, ist mit seinem Namen der Neubau der Klosteranlage verbunden. Er beginnt mit dem Neubau 1685 und kann ihn noch vor der Beendigung der katholischen Vorherrschaft im Villmergerkrieg 1712 beenden. Dass viele Vorgängerbauten, solange das Bedürfnis der geometrischen «Regularität» erfüllt ist, in den Neubau einbezogen werden, ist sein Verdienst.
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