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Windisch
(Kt. Aargau, Bez. Brugg). 366 m. Gem. und Pfarrdorf auf einer Terrasse über der Einmündung der Reuss und der Limmat in die Aare gelegen, zwischen letzterer und der Reuss und 1,5 km ö. von Brugg. Station der Linien Aarau-Zürich, Zürich-Brugg-Basel (Bötzberg) und Brugg-Wohlen-Bremgarten. Postbureau, Telegraph, Telephon. Zusammen mit Bachthalen, Königsfelden, Kreuzweg, Lindhof, Oberburg, Rütenen und Schachen 147 Häuser, 2389 Ew., von welchen 1835 Reform.; Dorf: ¶
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83 Häuser, 841 Ew. Viehzucht, Milchwirtschaft, Obstbau, Baumwollspinnerei, Giesserei und mechanische Werkstätten.
Vindonissa. Lange vor dem römischen Zeitalter hatte der Ort, auf dem sich später Vindonissa erhob, andere Wohnsitze getragen; schon in dieser frühen Epoche waren die Bewohner dieser Gegend sich der strategischen Wichtigkeit dieses Ortes bewusst. Flechtwerkabdrücke von Hüttenwänden (aus Weidenruten) und andere Funde zeugen von der Anwesenheit von Wohnstätten, welche vielleicht dem Steinzeitalter angehören. Dieses Alter ist vertreten durch Steinbeile, Messer, Lanzenspitzen, wie auch durch Schleif- und Schleudersteine; man trifft auch Hängeschmuck aus Stein und Zähne von Tieren. Die Ueberreste aus dem Bronzezeitalter bestehen aus Messern, Beilen, Meiseln aus Bronze, Nadeln, Agraffen, Sicheln, Schwertern etc. Die Eisenzeit ist vertreten durch einen Grabfund, eine Statuette des gallischen Merkur und mehrere gallische Münzen. Diese Fund stützen die von mehreren Autoren bestrittene Ansicht, das Vindonissa eine der 12 Stadte (oppida) war, welche die Helvetier (58 v. Chr.) vor ihrer Abreise nach Gallien verbrannen.
Nach d'Arbois de Jubainville ist der Name Vindonissa von dem gallo-römischen Eigennamen Vindonius abzuleiten. Zur Zeit der Römer war Vindonissa das Standlager einer Legion, zuerst der XXI., später der XI. Legion. Die XIII. Legion hat vielleicht vorübergehend ebenfalls dort stationiert. Sicher sind nachgewiesen die III. spanische, die VI. und VII. rätische und die XXVI. italische Kohorte. Das römische Kastell befand sich auf der «Breite», wo man die Reste der Nordmauer am steil zur Aare abfallenden Ufer entdeckte.
Diese Mauer war in der Mitte durchbrochen von einem von zwei Türmen beschützten Tor. Beim westlichen Turm kamen grosse Stützmauern zum Vorschein und dahinter lagen zahlreiche kasernenartige Gebäude. Dem gemauerten Kastell ging ein solches von Holz und Erde voran, wie durch die aufgefundenen Palissaden wahrscheinlich gemacht wurde. Rechts von dem östl. Schutzturm fand man zwei Reihen im Bogen angeordneter Palissaden, welche 4 bis 5 m von einander entfernt waren.
Die Balken, welche diese Palissaden bildeten, waren viereckig und je 0,5 m von einander entfernt. Die Löcher, in welchen sie steckten, bestehen alle heute noch in bestem Zustande, aber mit der Zeit ist das Holz in Staub zerfallen und hat die Löcher ausgefüllt. Man hat vor kurzem diese Palissaden wieder errichtet, und das beistehende Bild gibt eine genaue Ansicht der früher bestehenden Verhältnisse. Das alte Lager von Vindonissa war zur römischen Zeit vollständig von solchen Palissaden umgeben. Man ist nicht mehr der Meinung, dass früher ein durch ein Steintor ersetztes Holztor bestand; wahrscheinlich bestanden für das Tor ¶
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steinerne Fundamente, in welche Pfähle eingekeilt waren, welche den oberen Teil des Holztores trugen.
Auf der Breite fand man auch die Reste einer Therme, ferner eines Tempels, der dem Mars geweiht war, eines frühchristlichen Heiligtums, Wasserleitungen, Inschriftsteine, Strassenzüge etc. Man weiss aus Vindonissenser Inschriften, dass dem Mars, Apoll und der Minerva ein Ehrenbogen errichtet war. Ein Altar war der Göttin Nertus geweiht, ein anderer den Genien des «Quadruvii», ein dritter dem Merkur. Zwei Inschriften erinnern an Pomponius Secundus. Etwas westl. vom Dorf befand sich das Amphitheater mit 3 Eingängen. Es war das sechstgrösste im Römerreich und mag rund 12000 Zuschauer gefasst haben.
Die zum Teil erhaltenen Ruinen sind heute vollständig ausgegraben und gehören der Eidgenossenschaft. Von den 66 ausgemessenen
römischen Amphitheatern gehört dieses denjenigen mittlerer Grösse an (Friedländer, Sittengeschichte Roms). Das Kolosseum,
das grösste von allen, hat einen grössten Breitendurchmesser von 187 m, ein anderes in
Rom 52. m, derjenige
von Vindonissa 112 m. Im Innern desselben fand man jüngst die Spuren eines älteren, aus Holz gebauten Amphitheaters. In
der Nähe fand man die Reste einer Kaserne, vielleicht von Gladiatoren, und südl. von diesen Bauwerken trifft man die noch
heute benützte Wasserleitung, welche von Hausen nach
Windisch zieht. An mehreren anderen Orten der Gemeinde
finden sich Ruinen öffentlicher und privater, aus römischer Zeit stammender Gebäude.
Fast überall trifft man Mauern, Ziegel, Scherben, Münzen etc. Vindonissa war nicht nur bewohnt von Soldaten und Beamten sondern auch von zahlreichen Kaufleuten, Salz-, Fisch- und Getreidehändlern. Zahlreich sind die römischen Gräber, die meist in Friedhöfen beisammen liegen; so in den Reutenen, beim Bahnhof Brugg, nicht weit von der Einmündung der Reuss in die Aare. Die Toten sind meist verbrannt; die Asche wurde in Urnen aufbewahrt, welche man dann in die Erde versenkte oder in einer Art Sarkophag einschloss. In diesen Gräbern fand man zahlreiche Gegenstände aus Bronze, Eisen, Horn und Knochen, Schmuckobjekte und Waffen, Münzen etc. Häufig schliessen sie auch Statuetten von Merkur, Herkules, Eros, Luna, Nehalenia ein; Statuetten, welche Tiere darstellen, sind in Vindonissa gar nicht selten.
Die Schmuckgegenstände der Einwohner von Vindonissa bestanden aus Nadeln, Agraffen, Fibeln, Ringen aus Gold und Bronze, zum Teil mit Gemmen geschmückt; ferner aus Gürteln, Gehängen in Form von Ketten aus Glasperlen etc., auch Ohrlöffel, Zahnstocher, Bürsten, Pinzetten fehlen ebensowenig wie Sonden, Schreibgriffel und andere Dinge. Die Geräte bestehen in Gefässen aus Ton, Bronze und Glas, häufig den Namen ihrer Verfertiger tragend. Auch Spielzeug aller Art, Theatermasken, Lampen aus Ton und Bronze, Schlüssel, Schlösser, Türbeschläge, Sicheln, Schaufeln, Hacken und andere Ackerbaugeräte, ausserdem Beile, Messer, Meissel, Ahlen, Bohrer, Scheeren, Maurerkellen, 3 Längenmasse, Zirkel, Brenneisen, Nägel, Webgewichte, Mühlsteine und andere Werkzeuge. Die Waffen sind nicht so zahlreich, wie man erwarten könnte; doch besitzt das Vindonissa-Museum Lanzen- und Pfeilspitzen, Schwertscheidenbeschläge, Helmzierden und Panzerreste. Die römischen Münzen sind zu Tausenden gefunden worden. Die Gentilmünzen der patrizischer Familien aus der Zeit der Republik sind selten, aber die Kaisermünzen der ersten vier Jahrhunderte sind sehr zahlreich.
Im 3. und 4. Jahrhundert hat man mehrere Töpfe von Münzen vergraben, wohl aus Furcht vor den germanischen Feinden, welche seit der Mitte des 3. Jahrhunderts immer häufiger Einfälle ins Römerreich unternahmen. So lange der Rheinstrom die Nordgrenze des römischen Weltreiches bildete, war Vindonissa ein wichtiger strategischer Punkt und wurde deshalb von den Legionen besetzt gehalten. Später, als infolge des Baues des Limes (Wälle mit Gräben, welche die Grenzen des Kaiserreiches von der Umgegend von Köln am Rhein bis nach Regensburg an der Donau verteidigten) die Grenzen weiter nordwärts verlegt wurden, verliessen die Legion und die Kohorten, welche in Vindonissa lagen, Helvetien, um sich weiter im Norden, an der neuen Grenze, festzusetzen.
Das militärische Leben in Vindonissa erlosch; das Kastell zerfiel und im Innern der einstigen Feste siedelten
sich Privatleute an. Als infolge des Andranges der Germanen der Limes aufgegeben und der Rhein zum zweiten Mal Grenzstrom
wurde, erhob sich Vindonissa wieder zum Waffenplatz. Aber das Kastell wurde nicht mehr restauriert und das neue Castrum
Vindonissense lag nicht auf dem Boden des heutigen
Windisch, sondern im nahen Altenburg, wo noch alte Mauerreste von 6 m Höhe
und 4,5 m Dicke, sich erheben. In der Völkerwanderungsperiode scheint Vindonissa seine einstige Rolle nicht ausgespielt zu
haben, trotz der mehrfachen Plünderungen, unter welchen es zu leiden hatte. 511 war es bereits Bischofssitz. 517 erscheint
Bischof Bubulcus von Vindonissa auf dem Konzil von Epao bei Vienne und in den Jahren 535, 541 und 549 stossen wir in den
Urkunden auf den vindonissensischen Bischof Grammaticus. Eine Inschrift an der Mauer der Kirche spricht von einem Bischof Martinus.
Als im 6. Jahrhundert der Bischofssitz nach Konstanz verlegt wurde, sank bis zum Jahre 1310 Vindonissa
zum stillen Dorf hinab. Zu dieser Zeit wurde das Kloster Königsfelden erbaut, und zwar an der Stelle, an welcher König Albrecht
von Oesterreich getötet wurde. (Während des Baues fand man einen
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