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Von Gregor Loepfe
Das alte, legendäre New Yorker Birdland befand sich seit 1949 an der Ecke Broadway/53rd Street und wurde in den 1950er-Jahren zur Hochburg des modernen Jazz. 1965 musste es aber infolge höherer Mieten und schlechter Auslastung wieder schliessen. Es hat mit dem heutigen kommerziellen und auf Touristen ausgerichteten New Yorker Jazzclub gleichen Namens nichts zu tun. Bei der glanzvollen Eröffnung des ursprünglichen Clubs waren auch Stars wie Dizzy Gillespie, Lester Young und Harry Belafonte zu Gast. Ab Januar 1951 liess Morris Levy, ein Mitbegründer des Clubs, einzelne Abende von einer New Yorker Radiostation übertragen. Zu diesem Zweck sollte eine Erkennungsmelodie für den Club und die Radiosendungen kreiert werden. Morris beauftragte dafür den aus England stammenden blinden Pianisten und Bandleader George Shearing.
Ein beschwingtes Wiegenlied für einen New Yorker Jazzclub
Shearing brachte offenbar zunächst wenig zustande, bis ihm eines Tages zu Hause die Melodie zu «Lullaby Of Birdland» eingefallen sei und er sie innerhalb von 10 Minuten zum Jazzstück ergänzt habe. Zur Melodie verfasste der amerikanische Songwriter und Komponist George David Weiss einen Text, in dem es um die Liebe geht. Das Stück steht in der für Jazzstandards üblichen Liedform AABA mit einer Länge von 32 Takten. George Shearing nahm mit seinem Quintett mit Dick Garcia an der Gitarre, Al McKibbon am Bass, Joe Roland am Vibrafon und Marquis Foster am Schlagzeug das Stück am 17. Juli 1952 im typischen «Shearing-Sound» auf: Die Melodie wird vierstimmig harmonisiert und in der Unteroktave verdoppelt. Die Single erschien im August 1952, hatte jedoch in den Hitparaden keinen besonders einschlagenden Erfolg. «Lullaby Of Birdland» wurde aber in der Folge von unzähligen Jazzstars gecovert und aufgenommen.
Die Jazzwelt wird auf die Birdland-Hymne aufmerksam
Ella Fitzgerald griff den Song als erste auf und sang ihn im August 1952 im Studio ein. Weitere Schwergewichte wie Duke Ellington, Stan Getz und Erroll Garner spielten den Song im selben Jahr in ihren Konzerten weltweit und nahmen ihn später ebenfalls auf. Selbst Amy Winehouse hinterliess der Welt ihre Version.
George Shearing präsentierte seinen Evergreen anlässlich des Jubiläumskonzerts zu seinem 80. Geburtstag in der New Yorker Carnegie Hall mit den Worten: «Ich habe 300 Songs geschrieben. 299 davon genossen eine holprige Fahrt zwischen relativer Unbekanntheit bis Vergessen. Hier ist der andere.»
Aufnahmen im Repertoire von Radio Swiss Jazz
Gesungene Versionen präsentieren die Schweizer Band Jazzquadrat mit der Sängerin Eva Christina Aecherli, die Kanadierin Nikki Yanofsky, die grosse Sarah Vaughan und die Baselbieterin Lisette Spinnler. Solche im Trio in traditioneller Manier gibt es von Daryl Sherman, Erroll Garner, Wim’s Jazz Express und Stewy von Wattenwyl. Eine Version in Gypsyjazz-Manier spielt das Biréli Lagrène Gipsy Trio. Die Fassung mit Akkordeon von Jo Basile ist besonders reizvoll. Bei den Interpretationen von Huub Jacobs, dem Apero Jazz Quintett und vom Willy Bischof Jazztet swingen Bläser mit. Der Gitarrist Earl Klugh spielt das Stück solo, und für eine turbulente Salsa-Einlage sorgen Paquito D’Rivera und Louie Ramirez.