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Mario Corti hat im Swissair-Prozess die Verantwortung für das Grounding am 2. Oktober 2001 von sich gewiesen und die Banken für das Debakel verantwortlich gemacht.
Die ehemalige Swissair-Finanzchefin Jacqualyn Fouse wehrte sich vor Gericht gegen den Vorwurf, die Nachlassstundung des Flugkonzerns zu spät eingeleitet zu haben.
Corti gab sich am Dienstag vor dem Bezirksgericht Bülach überzeugt, dass die Swissair-Gruppe bei Befolgung seines Sanierungskonzepts überlebt hätte.
Das von den Grossbanken entwickelte "Phoenix"-Konzept zur Weiterführung einer nationalen Fluggesellschaft auf Basis der Crossair sei auf eine "Strangulierung" der Swissair hinausgelaufen.
Corti, der die Führung der angeschlagenen Swissair-Gruppe im März 2001 übernommen hatte, gab sich auch bei seinem dritten Erscheinen vor dem Bezirksgericht, in dem es um die letzten Wochen vor dem Swissair-Ende ging, angriffig und auskunftsfreudig. Die Stadthalle Bülach war bei seinem Auftritt erneut gut gefüllt.
Mutwillig vernichtet
Mit dem "Phoenix"-Konzept, den er als "krassen Insider-Deal" bezeichnete, sei ihm Ende September das Heft aus der Hand genommen worden, sagte Corti. Mit seinem Rettungsplan, der einen Überbrückungskredit des Bundes über eine Mrd. Franken bedingt hätte, wäre die Swissair Ende 2001 gestärkt dagestanden, gab er sich überzeugt.
Das Grounding der Swissair-Flotte - das dann am 2. Oktober 2001 Realität wurde - und die Swissair-Nachlassstundung seien im Phoenix- Konzept vorgesehen gewesen, sagte Corti. Damit sei auch mutwillig eine Vermögensvernichtung von 17 Mrd. Franken vom Zaun gebrochen worden: "Ich verstehe das bis heute nicht."
An Sanierung geglaubt
Auch Cortis Finanzchefin Jacqualyn Fouse sagte, dass bis zuletzt auf eine Sanierung der Gruppe hin gearbeitet worden sei. Sie selbst habe bis zum 1. Oktober, als die Öffentlichkeit vom Verwaltungsrat entsprechend orientiert wurde, nicht an eine Nachlassstundung geglaubt.
Corti und Fouse bezeichneten sich als nicht schuldig zur Anklage, die Nachlassstundung zu spät eingereicht und unsorgfältig vorbereitet zu haben. Die Anklage geht davon aus, dass die Swissair-Gruppe bereits am 17. September zahlungsunfähig war.
Die US-Amerikanerin Fouse, die heute als Finanzchefin des Pharmaunternehmens Alcon arbeitet, gab ihre Auskünft vor Gericht auf Englisch.
Grounding vermeidbar
Corti kam auch auf das Grounding der Swissair-Flotte am 2. Oktober 2001 zu sprechen, das nach seiner Überzeugung vermeidbar gewesen wäre. Wegen der Bekanntgabe der Nachlassstundung am Vortag sei der Mittelbedarf der Swissair-Gruppe stark angestiegen: Er habe sich auf rund 750 Mio. Franken belaufen.
Dieses Geld hätte durch den Verkauf der Crossair-Aktien, einen Überbrückungskredit und einen Notkredit beschafft werden sollen. Die Auszahlung der Mittel sei aber verzögert worden: "Und der Notkredit kam nicht zustande, weil gewisse Exponenten in der Luft waren", sagte Corti in Anspielung auf UBS-Chef Marcel Ospel, der damals im Flugzeug unerreichbar war.
Harsche Vorwürfe machte Corti der UBS zudem im Zusammenhang mit der im September 2001 erfolgten Kündigung des "Cash Pools" bei der Bank, in dem die Ein- und Auszahlungen der Swissair-Gesellschaften zusammengefasst wurden: Diese "Strangulierungsmassnahme" habe den Liquiditätsbedarf um rund 250 Mio. Franken erhöht.
UBS weist Vorwürfe zurück
Die UBS hat sich am Dienstag gegen die Vorwürfe von Ex-Swissair-Konzernchef Mario Corti zur Wehr gesetzt und sie zurückgewiesen.
Das schliesslich gewählte Konzept "Phoenix" sei nicht im Vorfeld von der UBS entwickelt worden, sagte UBS-Sprecher Christoph Meier.
Die Credit Suisse (CS) wollte zu den jüngsten Vorwürfen Cortis keine Stellung nehmen.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Der Swissair-Prozess begann am 16. Januar und dauert noch bis am 9. März, im Bezirksgericht Bülach.
Die Verhandlungen in der 1500 Personen fassenden Stadthalle sind öffentlich.
Die Einvernahme der 19 Angeschuldigten ist bis am 5. Februar vorgesehen.
Ab 15. Februar folgen die Anklage der Staatsanwaltschaft und die Plädoyers der Verteidigung.
Projekt "Phoenix"
Kurz vor dem "Grounding" der Swissair wurde am Wochenende vom 29. und 30. September 2001 dem Verwaltungsrat das Projekt "Phoenix" unterbreitet.
Dieser unter Federführung der Banken entstandene Plan sah vor, dass die Crossair aus der SAirGroup herausgelöst wird und Teile des Swissair-Fluggeschäfts übernimmt.
UBS und Credit Suisse sollten ihr SAir-Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent der Crossair verkaufen.