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Wie die Bahn in die Ostschweiz kam
Wettlauf um die Ostschweiz
Romanshorn oder St. Gallen?
In der Ostschweiz wurde die Frage des Bahnbaues aktuell, als die Umstände einen Entscheid über die Trasseführung von Zürich zum Bodensee erforderten.
Die beiden englischen Experten R. Stephenson, der Sohn des Erfinders der Dampflokomotive und H. Swinburne schlugen mit Rücksicht auf die günstigeren topographischen Verhältnisse in einem Gutachten vom 12. Oktober 1850 vor, die Bahn über Winterthur — Frauenfeld nach Romanshorn und allenfalls weiter nach Rorschach zu führen.
Ein am 14. März 1852 gegründetes thurgauisches Eisenbahnkomitee unter Führung von Regierungsrat Egloff nahm diesen Vorschlag mit Begeisterung auf, rief damit aber umgehend die St. Galler und Appenzeller auf den Plan. Deren St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahngesellschaft unter Leitung von Nationalrat Hungerbühler, St. Gallen, nahm ihre Tätigkeit im gleichen Frühjahr auf.
Die grosse Bevölkerungsdichte des appenzellischen Mittel- und Hinterlandes, der starke Touristenverkehr und die beachtliche Industrialisierung liessen damals auch den Gedanken aufkommen, die Bahn statt über Gossau durch das Tal der Glatt über Herisau zu führen. Dieser Plan scheiterte jedoch sowohl an den Meinungsverschiedenheiten als auch an den Kosten.
Beide Gesellschaften, die thurgauische wie die st. gallische, trieben nun den Bahnbau nach ihren je eigenen Ideen mit hohem Tempo voran und jede bemühte sich, zuerst am Ziel zu sein.
|16. Mai 1855||Einweihung der Thurtallinie von Winterthur über Frauenfeld nach Romanshorn, als erste.|
|14. Oktober 1855||Erster Zug von Winterthur bis nach Wil.|
|Weihnachten 1855||Erster Zug bis nach Flawil.|
|Mitte Februar 1856||Erster Zug bis nach Winkeln.|
|25. März 1856||Feierliche Eröffnung der Bahnstrecke Winterthur - St. Gallen.|
Das Appenzellerland
Herisau - Appenzell
Um 1850 war Herisau neben St. Gallen die zweitgrösste Ortschaft der gesamten Ostschweiz und bereits ein wichtiger Standort der Textil-Industrie. Ein erheblicher Teil dieser Diskussionen befasste sich deshalb mit der Frage der Erschliessung von Herisau.
Die topografischen Schwierigkeiten – Herisau liegt über 100 m höher als Gossau und St. Gallen – führten schliesslich dazu, dass die Streckenführung schliesslich über Gossau – Winkeln nach St. Gallen gewählt wurde. Als Bahnhof für Herisau diente derjenige des damals unbedeutenden Ortes Winkeln, der den Namen „Winkeln (Herisau)“ erhielt und Schnellzugshalt war.
1868 wurde auf Vorschlag der Vereinigten Schweizer Bahne (VSB), welche die Strecke von Zürich in die Ostschweiz betrieb, in Herisau eine Kommission zur Projektierung einer Bahnerschliessung gebildet.
Die gemeinsamen Anstrengungen der Initianten und des Bankvereins zusammen mit Bundesrat Dubs führten dann 1872 zum Abschluss eines Vertrages, der von der Direktion der Scjweizerischen Gesellschaft für Localbahnen (SLB) und Privaten aus Herisau, Waldstatt, Urnäsch, Appenzell und Gonten unterzeichnet wurde. Die geplante Linie Winkeln — Appenzell sollte den Grundstein legen für ein das ganze Land durchziehendes Nnetz von Kolakbahnen.
|12. April 1875
||Einweihung der Strecke Winkeln - Herisau

|21. September 1875
||Erster Zug bis Urnäsch.|
|16. Aufust 1886
||Eröffnung der Strecke bis Appenzell|
St. Gallen - Gais (- Appenzell)
Bereits im November 1872 versammelten sich in Teufen auf Veranlassung von Dr. Otto Roth, Teufen, Vertreter der fünf mittelländischen Gemeinden Teufen, Bühler, Gais, Speicher und Trogen zur Abklärung der Möglichkeiten einer Eisenbahnverbindung mit St.Gallen. Dabei scheint allerdings die eigentliche Initiative von den Vereinigten Schweizerbahnen ausgegangen zu sein, wenn auch mit deutlicher Unterstützung durch die Textilfabrikanten. Aus der genannten Versammlung bildete sich eine Kommission, welche Ingenieur Dardier mit der Ausarbeitung von Studien über eine mögliche Streckenführung beauftragte. Dardier erarbeitete eine Vielzahl von möglichen Wegen, aus dem Tal von St. Gallen auf die Höhen des Appenzeller Mittellandes zu kommen.
Das Projekt versandete indessen, weil es nicht finanzierbar schien.
Nachdem die durch Minister Dr. Roth veranlasste Studie Dardier seit zehn Jahre lang liegen geblieben war, griffen die V.S.B. 1882 die Idee wieder auf, anscheinend aus eigener Initiative. Dabei setzten sie bis zum 'Riethäusle' auf eine völlig andere Streckenführung. Dass man von Grund auf neu plante, hing neben der Unlust der St. Galler, eine Bahn durch die Stadt fahren zu sehen, wohl auch mit den hohen Kosten der Vorschläge von Dardier zusammen.
Der Baubeginn verzögerte sich danach als folge verschiedener Querelen und von Schwierigkeiten mit der Stadt St. Gallen um weitere Jahre bis 1887.
|1. Oktober 1889
||Eröffnung der Strecke St. Gallen - Gais

|1. juni 1904
||Eröffnung der Strecke Gais - Appenzell|
Alstätten - Stoss - Gais
Als die Bahnlinie St. Gallen - Gais 1904 bis Appenzell verlängert wurde, Regten sich die Geister im Rheintal.
Am 23. Juni 1905 erteilten die eigenössischen Räte einem Initiativkomitee die Konzession für eine Bahn Altstätten - Gais. In der Folge wurdenn von insgesamt 6 Varianten im Wesentlichen zwei Streckenführungen in Betracht gezogen. Die heute bestehende Streckenführung wurde nicht zuletzt aus touristischen Gründen gewählt. Man hoffte, mit der Bahn die Touristenströme aus dem ganzen Süddeutschen Raum in Richtung Alpstein abfangen zu können.
71. November 1911: Eröffnung der Strecke Alstätten - Gais
Säntisbahn (Appenzell - Wasserauen)
Das Appenzellerland, vor allem das Alpsteingebiet, ist bereits im 19. Jahrhundert weitherum ein bevorzugtes Ausflugsziel und Naherholungsgebiet. 1904 betrug die grösste Tagesfrequenz auf dem Säntis l'300 Touristen. Es drängte sich geradezu auf, die willkommenen Touristen bequem dort hin zu befördern.
Für kaum eine andere Bergbahn wurde so viel geplant und projektiert wie für die Säntisbahn. Rund drei Dutzend Projekte wurden vorgelegt und auf ihre finanzielle und technische Verwirklichung geprüft. Favorisiert wurde schliesslich eine schienengebundene Adhäsions-, Zahnrad- und Standseilbahn von Appenzell über Wasserauen, Seealp und Meglisalp bis zum heutigen Gasthaus „Alter Säntis".
Nach den üblichen Finanzierungsschwierigkeiten und Querelen mit Grundeigentümern konnte die Bahn am 1. Mai 1911 ihren Betrieb auf der Teilstrecke von Appenzell nach Wasserauen ihren Betrieb aufnehmen.
Bald tauchten aber vor allem im Kanton Appenzell Ausserrhoden zahlreiche Konkurrenz-Projekte auf, die den Säntis von Norden her erreichen wollen. Diese und der erste Weltkrieg bedeuten letztlich den Tod der Bahnerschliessung über Wasserauen - Seealp - Meglisalp.