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STEINZEITLICHE PARALLELGESELLSCHAFTEN
Die Blätterhöhle in Hagen, Nordrhein-Westfalen
Jörg Orschiedt, Landesamt Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Die 2004 entdeckte Blätterhöhle wird seit 15 Jahren systematisch archäologisch untersucht. Die Fundstelle befindet sich am nördlichen Rand der Mittelgebirge am unmittelbaren Übergang in die Norddeutsche Tiefebene. Neben einer spätglazialen bis frühholozänen Stratigraphie auf dem Höhlenvorplatz, ist die Fundstelle vor allem durch die in der Höhle geborgenen menschlichen Skelettreste von Bedeutung. Die bislang vorliegenden 14C- Datierungen, die zwischen 9200 und 8600 und 3900 – 2900 cal BC liegen, belegen ein mittel- und jungsteinzeitliches Alter der Skelettreste.
Die Menschenreste wurden in zwei getrennten aber durch Tieraktivitäten jeweils gestörten Schichten entdeckt. Die mikromorphologische Analyse der Sedimente belegt unterschiedliche Bioturbation Ereignisse. Die Ergebnisse der aDNA Analyse zeigen, dass die mittelsteinzeitlichen Menschenreste der Blätterhöhle eine typische Jäger-Sammler Bevölkerung mit Haplogruppe U4/U5 repräsentiert, während die spätneolithische Bevölkerung eine Mischung aus den Haplogruppen U5 und H sowie anderen Gruppen darstellt. Zusätzlich wurden noch die stabilen Isotope zur Rekonstruktion der Ernährung (13C/15N/34S) untersucht. Hier zeigten sich drei verschiedene Gruppen. Eine auf landlebende Säugetiere gestützte Ernährung lag sowohl der der mittelsteinzeitlichen, als auch bei einer spätneolithischen Gruppe vor. Die zweite spätneolithische Gruppe unterschied sich jedoch deutlich von den übrigen beiden Gruppen und von allen bislang untersuchten Menschenresten dieser Zeitstellung. Diese Bevölkerung, die nur aus Personen mit der Haplogruppe U5 bestand, ernährte sich beinahe ausschließlich von Süßwasserfisch. Dieses Ergebnis belegt eine Jäger-Sammler-Fischer Lebensweise im 4. Jahrtausend cal BC, ca. 2000 Jahre nach der Einführung der Landwirtschaft in der Region.
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