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Frankreich
Frankreich – Philosophie in Flaschen
Gemäss der französischen Philosophie hat Wein Ausdruck des Bodens und des Klimas zu sein. Hierfür steht das Schlagwort „Terroir“. Dieses Terroir macht jeden Wein anders, viele besonders gut. Französischer Wein wird weltweit als Ausdruck kultureller Vollkommenheit angesehen. Der Franzose glaubt, dass der Mensch für die Qualität zuständig ist, die Rebsorte für den Charakter und die Natur für die Menge der Beeren. Die Philosophie lässt sich so auf den Punkt bringen: „Die Wahrheit ist der Weinberg, nicht der Mensch.“
Frankreich ist zweifelsohne eine der bekanntesten Weinnationen der Welt. Auf einer Gesamtfläche von etwa 900’000 Hektar werden jährlich rund 60 Millionen Hektoliter Wein hergestellt. Dabei entfallen 70% der Gesamtproduktion auf Rotweine und Rosé, lediglich 30% auf Weissweine.
Wein schreibt Geschichte
Die Geschichte des Weins ist eng mit der Geschichte Frankreichs verknüpft. Die Verfasser des kommunistischen Manifests schlürften den französischen Rebensaft ebenso wie die Vertreter des Kapitals. Als 1871 der preussisch-bayerische Vertrag unterzeichnet wurde und die Einheit Deutschlands besiegelte, wurde nicht etwa ein Sekt von der Mosel kredenzt, sondern man stiess mit Champagner an; dies trotz der Tatsache, dass Frankreich Deutschland wenige Monate zuvor den Krieg erklärt hatte.
Die ersten Reben kamen 600 Jahre vor Christus mit den Griechen nach Frankreich. Die Griechen legten den Grundstein für die Kultivierung von Reben, doch waren es die Römer, welche für die systematische Verbreitung in der gallischen Provinz sorgten. Mitte des 3. Jahrhunderts befahl der Kaiser Marcus Aurelius die Anpflanzung von Reben in ganz Gallien, was seine Untertanen mit grossem Eifer befolgten. Zwar wurde der Kaiser etwas später von seinen eigenen Soldaten erschlagen, doch der Weinbau florierte und drang im 4. Jahrhundert bis in die Champagne vor.
Wer hat’s erfunden? Die Mönche, natürlich.
Im Burgund wurde im Jahre 1098 der katholische Orden der Zisterzienser gegründet. Diese Mönche sahen es als fromme Tat an, in ihren Klöstern Weingärten anzulegen. Dabei erlagen nicht nur sie dem Reiz des berauschenden Getränks, auch der weltliche Bürger liess sich gerne vom Rebensaft verführen. Die Mönche perfektionierten den Weinbau. Dies wirkte sich nicht nur auf Frankreich, sondern auf ganz Europa aus. Auch der Orden der Benediktiner Mönche, dessen berühmtestes Mitglied Dom Pérignon war, leisteten dem französischen Weinbau einen grossen Dienst, gelten diese doch als die Erfinder der Assemblage, also der Kunst des Verschneidens von Weinen.
Kleiner Mann, grosses Gesetz
Das französische Weingesetz ist wohl eines der kompliziertesten und verwirrendsten weltweit. 1855 beauftragte Kaiser Napoleon die Wein-Handelskammer von Bordeaux, eine Klassifikation der Châteaus durchzuführen. Diese hat bis heute ihre Gültigkeit behalten.
Die französischen Winzer erkannten sehr früh, dass gewisse Rebsorten auf bestimmten Böden und unter Einfluss des dort herrschenden Klimas Weine mit unverwechselbarem Charakter entstehen lassen. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde dafür der Begriff Terroir geschaffen, die Geschichte des dafür verwendete Gütesiegels „Appellation d’Origine Contrôlée“ (Kontrollierte Herkunftsbezeichnung) reicht jedoch bis ins 15. Jahrhundert zurück.