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2050 wird es in Deutschland nur noch ein zweigliedriges Schulsystem geben: Öffentliche und private Schulen. Die Qualität der öffentlichen Schulen richtet sich nach sozialen Indikatoren wie dem Standort, dem Einzugsbereich, dem Elternverein oder dem Geschick des Schulleiters, Drittmittel einzuwerben. Bedeutsam ist nicht mehr der erworbene Abschluss, sondern der Ruf der Schule, die man besucht hat. Die Lehrerschaft hat ein maximal 3jähriges Lehramtsstudium (Bachelor an Fachhochschulen oder Bildungswissenschaftlichen Zentren der Unis (ohne Promotionsrecht); mit drei Praxissemestern) und ein auf 6 Monate intensiviertes Referendariat durchlaufen, unterrichtet 32 Stunden pro Woche; das Gehalt hat man aus Gründen der Gerechtigkeit und Solidarität und um die gleiche Wertschätzung aller pädagogischen Berufe zu dokumentieren, dem der Erzieher und Erzieherinnen in KiTas angeglichen (ein Trend, der seit 1990 erfolgreich eingeleitet wurde, wenn man Aufstockung von Stunden, Ferienreglungen, Veränderungen bei der Beihilfe und ausgefallenen Gehaltsrunden sowie die Inflation mit einbezieht). Der schwerfällige Beamtenstatus wurde durch freie 5-Jahresverträge ersetzt.
An den Schulen arbeiten 50 % Lehrer und 50% Sozialarbeiter; Lehrer-Schüler-Verhältnis: 1:35. Das Fächerprinzip ist weitgehend aufgelöst und durch das sozial stärker betreuende Klassenlehrerprinzip ersetzt. Da Tests und Klausuren hauptsächlich nach den Vorschlägen des PISA-Konsortiums lebensweltliche Kompetenzen (Bedienung von Fahrscheinautomaten, Wegstrecken auf Stadtplänen, Berechnungen von Fahrzeiten, Lektüre von Gebrauchsanweisungen; Schätzwerte in der Mathematik) überprüfen und zentral entwickelt werden, verändert sich der Lehrer zum Moderator: Man muss nur wissen, wo es steht. Wichtiger werden Schulungen in soft skills wie Präsentation, Kooperation, Kommunikation und Teamverhalten. Veranstaltungen zum Gruppentraining, zur Streitschlichtung, zu Diätprogrammen und zur Drogenprävention werden von außerschulischen Fachleuten aus dem Quatier durchgeführt. Die Teilnahme an diesen Kursen können Leistungsvakanzen in Fächern wie Mathematik, Physik oder Chemie ausgleichen. In den Fremdsprachen wird vor allem auf Kommunikationsfähigkeit geachtet: Kommunikativer Erfolg geht vor sprachlicher Richtigkeit (und wird auch so bewertet).
Alle Schulen ermöglichen für alle das gleiche Ziel: Das „Abitur plus“ – die Studierberechtigung. An allen staatlichen Schulen gibt es einen Abschluss, der allen zugesprochen wird und sich an vorgegebenen Standards der EU misst.
Traditionell haben die Schulen unterschiedliche Namen (am beliebtesten ist „Gymnasium“), und werden von allen Jungen und Mädchen eines Jahrgangs nach Wunsch der Eltern ab Klasse 1 besucht. Alle Schulen ermöglichen für alle das gleiche Ziel: Das „Abitur plus“ – die Studierberechtigung. An allen staatlichen Schulen gibt es einen Abschluss, der allen zugesprochen wird und sich an vorgegebenen Standards der EU misst. Er entspricht vom Niveau in etwa dem, was 2000 als Hauptschulabschluss galt. Die Abschlussprüfungen sind zentral und daher auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Bundesländer. Die Themen werden im Fünfjahresrhythmus ausgegeben, so dass sich weitere private Nachmittagsschulen geründet haben, die speziell auf die Abgangsprüfungen vorbereiten. Der Trend, dass seit 2000 Abiturnoten alle 5 Jahre um etwa 0,2 Notenpunkte steigen, hat sich weiter fortgesetzt. Es gibt auf Abgangszeugnissen de facto erfreulicherweise fast nur noch die Noten gut und sehr gut. Damit ist es der Bildungspolitik seit 2000 gelungen, den Zusammenhang von Herkunft und Schulabschluss völlig zu entkoppeln. Deutschland ist in dieser Hinsicht international an der Spitze: Nirgendwo machen so viele Kinder aus sozial benachteiligten Schichten mit so guten Noten in so kurzer Zeit Schulabschlüsse mit Hochschulzugangsberechtigung.
Man muss nur wissen, wo es steht. Wichtiger werden Schulungen in soft skills wie Präsentation, Kooperation, Kommunikation und Teamverhalten. Veranstaltungen zum Gruppentraining, zur Streitschlichtung, zu Diätprogrammen und zur Drogenprävention werden von außerschulischen Fachleuten aus dem Quatier durchgeführt.
Zudem ist die letzte Sonderschule aufgelöst worden: Alle Kinder werden nun an den Regelschulen im Regelunterricht beschult: Die Inklusion ist ein voller Erfolg und wird von der UNO als „Deutsches Modell“ weltweit empfohlen. Die Noten der ehemaligen Sonderschüler sind gemäß den Zielvereinbarungen zwischen Ländern und Bund denen der Schüler ohne Förderbedarf völlig angeglichen. Die älteren, überzählig ausgebildeten Sonderschullehrer konnten mit Abfindungen zur Auflösung ihrer Dienstverhältnisse bewogen werden; durch günstige Kredite wurde ihnen die Gründung von privaten Praxen mit sonderpädagogischen Förderbedarf erleichtert; bis 2060 wird die Finanzierung dieser Betriebsgründungen durch die eingesparten Gehälter der ehemaligen Sonderschullehrer finanziert. Danach ist kein Bedarf mehr. An den Universitäten wurden die ehemaligen Institute und Abteilung für Sonder(schul)pädagogik umbenannt in „Abteilung für integrierte Bildungsforschung“ – da sich inzwischen auch wissenschaftlich die Auffassung durchgesetzt hat, „Behinderung“ sei (ebenso wie „Geschlecht“) eine willkürliche Zuschreibung der Gesellschaft. Bei richtiger, konstruktivistischer und konstruktiver Betrachtung ist jeder etwas anders, ist jeder also irgendwie speziell und damit sind alle gleich. Das Wort „Behinderung“ gehört zudem zu jenen, die in offiziellen Texten der Bildungsadministration nicht mehr verwendet werden dürfen.
Der einheitliche Schulabschluss nach Klasse 11 berechtigt (insofern der Noten-Durchschnitt über 3,0 liegt) zum Studium, das de facto allen Personen über 16 Jahren zusteht. Lehrer fördern, helfen und upgraden so lange, bis der erwartetet Durchschnitt („Programm 2+“) erreicht ist. Wirtschaft wie Universitäten freuen sich über den guten Notenstand. Allerdings hat die Große Industrie eigene Qualifikationsinstitutionen eingerichtet. Kleine Betriebe schließen sich zu Qualifikationsverbünden zusammen. Der Besuch dieser Institutionen (Dauer: 3 Jahre) ist berufsvorbereitend (1 Jahr) und berufsbegleitend (2 Jahre) und kostenpflichtig bzw. wird vom Lohn/Gehalt einbehalten.
Für die dreiwöchigen Sommerferien gibt es Spezial-Angebote von Sprachschulen („relax and reload“) auf Malta (englisch), in Frankreich und Honkong.
Universitäten hatten zuerst Vor- und Brückenkurse angeboten, haben inzwischen aber bundesweit „Pre-Faculties“ eingerichtet, in denen Schulabgänger 2 Jahre lang auf die bundesweiten Aufnahmeprüfungen vorbereitet werden. Die Schulungskurse sind ausschließlich auf die Aufnahmeprüfungen in den angestrebten Fächern ausgerichtet und können einmal wiederholt werden. Es gibt nur elektronische Testverfahren (multiple choice). Eine bundesweite Agentur (privatwirtschaftlich) sichert die Standards sowie die Durchführung der Prüfungen. Der Besuch der Pre-Faculties sowie die Teilnahmen an der Prüfung sind kostenpflichtig; um soziale Härten abzufedern gibt es zurückzuzahlende Stipendien.
Die Privatschulen finanzieren sich aus Stiftungen und Spenden, haben eine ausgewählte Schülerschaft, ein Lehrer-Schülerverhältnis von 1:12, jährlich 5 Wochen Ferien (3+1+1), Ganztags- (auch Internats- )Betrieb und ein ausschließlich kognitiv-künstlerisch förderndes Zusatzangebot. Gebäude und Ausstattung werden von namensgebenden Sponsoren in Stand gehalten. Für die dreiwöchigen Sommerferien gibt es Spezial-Angebote von Sprachschulen („relax and reload“) auf Malta (englisch), in Frankreich und Honkong. Frühzeitig ist eine Akzentuierung auf die Neigungsfächer Wirtschaft, IT, Ingenieurwissenschaften, Medizin möglich. Die humanistischen Fächer werden besonders in enger Kooperation mit Museen, Theatern, Musikschulen, Galerien, Schreib- und Ferienakademien unterrichtet. Die Lehrer sind Fachleute mit Exzellenzexamen und in einem zweijährigen persönlichen Traineeprogramm von freiberuflich arbeitenden Beratern auf die künftige Schülerschaft pädagogisch und psychologisch vorbereitet. Die Stundenbelastung der Lehrer liegt bei 20 Unterrichtsstunden pro Woche, plus 10 Stunden Anwesenheit bei Förderprogramm oder Schulveranstaltungen. Das Gehalt gleicht dem von Hochschullehrern. Die Privatschulen sind nicht selten nach reformpädagogischen Ideen eingerichtet und verzichten auf Notenzeugnisse. Stattdessen gibt es ausführliche Gutachten, die auch auf Anfrage (etwa von einstellenden Betrieben) mit thematischem Schwerpunkt ad hoc erstellt werden. Die Privatschulen arbeiten eng mit privaten Hochschulen zusammen und helfen bei der Vorauswahl und Vermittlung geeigneter Studierender, von denen im Fall der erfolgreichen Vermittlung ein geringer Teil des späteren Gehalts einbehalten wird. Er geht als Spende an die ausbildende Privatschule zurück. Bei leistungsstarken und hochbegabten Schülern können frühzeitig (aber nicht vor dem 14. Lebensjahr) Förder- und Ausbildungsverträge zwischen Schule und Hochschule/Betrieb geschlossen werden.
Die Universitäten wurden auf eigenen Wunsch nach amerikanischem Vorbild (MIT) zu „Institutes“ („KIT“: Karlsruhe Institute of Technology) umbenannt und sind inzwischen vollständig drittmittelfinanziert. So entstehen den Steuerzahlern keinerlei Kosten. Die ehemaligen Philosophischen Fakultäten wurden freigesetzt (nach dem Hochschulfreiheitsgesetz) und sind mit den ehemaligen Volkshochschulen unter dem nunmehr gemeinsamen Namen UEEK („Universitas – Exzellenzverbund europäischer Kulturhochschulen“) fusioniert, an denen hauptsächlich Freiberufler und Praktikanten lehren. Zugangsberechtigung: Schulabschluss. Die Universitäts-Kliniken sind privatisiert. Die juristischen Fakultäten sind zentral zu einer (virtuellen) „Hochschule für Rechts- und Verwaltungswissenschaften“ in Speyer zusammengefasst. Es gibt ausschließlich Fernkurse und e-learning in enger Zusammenarbeit mit den Repetitorien an alten Universitätsstandorten. Das Fachhochschulwesen wurde ausgebaut.
Das Bildungsmonitoring in Deutschland gilt europaweit als mustergültig. Alle wesentlichen Parameter sind optimal dokumentiert; sämtliche Zielvereinbarungen wurden erreicht: Alle Schüler werden inkludiert unterrichtet; die Anzahl der Schüler mit diagnostiziertem Förderbedarf hat seit 2015 um 50% abgenommen (in Privatschulen sogar um 100%); die Schulabbrecherquote liegt mit 0,3% weltweit am niedrigsten. Ca. 90% einer Population erwerben eine Hochschulzugangsberechtigung; der Rest holt dies berufsbegleitend nach. Die soziale Herkunft der Abiturienten entspricht der Verteilung ihrer Herkunftsschicht in der Gesellschaft: die empirische Sozialforschung spricht anerkennend von inzwischen vollständig erreichter Bildungsgerechtigkeit. Der Notendurchschnitt liegt bei 1,5. Bestwert in Europa.