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Geschichte von Ribe: Der Niedergang einer florierender Hafenstadt
Als ein Missionar im 9. Jahrhundert einen Ort für die erste Kirche in Skandinavien suchte, entschied er sich für Ribe – der bedeutendste Handelsort des Nordens in dieser Zeit. Die Hafenstadt am schiffbaren Fluss Au war von Handwerk geprägt – Metallgiesser, Lederverarbeitung oder Töpferei – und hatte Handelsverbindungen nach ganz Europa. Insbesondere die Städte Bremen, Köln, Brügge, Groningen oder Utrecht waren damals wichtige Handelspartner.
In der florierenden Stadt lebten Ende des 15. Jahrhundert etwa 5000 Menschen in Ribe und galt zu den grösseren Städten in Nordeuropa.
Doch durch die Verlagerung der Handelswege nach Kopenhagen und anderen Ortschaften, durch mehrere Brandkatastrophen, durch zwei schwere Überschwemmungen oder gar durch die Pest verlor die Handelsstadt Ribe rasant an Bedeutung. Die Einwohnerzahl der Stadt sank stetig: Eine Pestepidemie im Jahr 1659 zum Beispiel, kostete ein Drittel der Stadtbewohner das Leben.
Als unbedeutende Stadt erlebte Ribe später die Besatzung durch napoleonische Truppen (1808) sowie den Dreijährigen Krieg um Schlewswig (1848 – 1851) und Deutsch-Dänischen Krieg (1864). Mit der Gründung der Stadt Esbjerg im Jahr 1870 verlor Ribe vollständig den Seehandel in der Region.
Immerhin überstand die Stadt den Zweiten Weltkrieg ohne nennenswerte Zerstörungen. So ist der Kern der Innenstadt ein wahres Schmuckstück der mittelalterlichen Architektur, mit wunderschönen Fachwerkhäuser und gemütlichen Gassen. Heutzutage wohnen etwa 9’000 Menschen in Ribe.
Die Sehenswürdigkeiten von Ribe
Die ehemalige Handelsstadt Ribe hat den heutigen Besuchern ein paar Sehenswürdigkeiten zu bieten, die man problemlos an einem Tag besichtigen kann.
Der Dom von Ribe
Bereits vom Bahnhof her zu sehen, ist die grösste Sehenswürdigkeit von Ribe der Dom. Die grosse Kirche mit seinem markanten Turm dient als idealen Orientierungspunkt beim Herumschlendern in der Stadt: Egal von welchem Punkt aus, Du wirst schnell wieder den Domplatz finden.
Die einzige 5-schiffige Kirche von Dänemark soll angeblich mindestens zwei Königen als Grabstätte dienen. Das Glockenspiel um 08:00 und 18:00 Uhr ertönt mit der Melodie eines von Brorsons geschriebenen Kirchenlieds – Brorson war ein dänischer Dichter und zugleich Bischof von Ribe. Um 12:00 und 15:00 erklingt ein Volkslied als Melodie des Glockenspiels. Ungewohnt, aber noch cool.
Der Bürgerturm ist rund 52 Meter hoch und bietet eine fantastische Aussicht auf die Stadt bis zum 5km entfernten Wattenmeer. Der Aufstieg lohnt sich sehr, insbesondere bei schönstem Wetter.
Der Eintritt in die Kirche ist kostnlos; das Ticket für den Aufstieg auf den Turm kostet 20 dänische Kronen.
Der alte Hafen von Ribe
Wo einst die Kriegsschiffe der Wikinger anlegten und die Güter der grossen Handelsschiffe umgeladen wurden….von dem allen ist heute nicht mehr viel zu sehen. Der alte Hafen am Fluss Ribe Å ist heuer kaum mehr als eine Anlegestelle für Segelyachten oder Sportboote.
Dennoch ist der Besuch des alten Hafens zu empfehlen: Hier lässt es sich gut flanieren, in den Restaurants fein essen und das dänische Leben geniessen. Zudem findest Du im ehemaligen Hafen eine Sturmflutsäule, mit den Markierungen zu den Überschwemmungen in Ribe. Die höchste Markierung liegt bei über 6 Metern über dem Normalpegel, aus dem Jahr 1634.
Die Fussgängerzone von Ribe
Ein weiterer Ort für das Bummeln, Flanieren und möglicherweise Shopping bietet die Fussgängerzone von Ribe. Hier findest Du kleine und grössere Geschäfte, vom Schmuckverkäufer, über Sportgeschäfte bis hin zu billigem Ramsch in der Filiale des weltbekannten Flying Tiger Copenhagen. Auch hier wird das dänische Design und den „hygeliggen“ Lifestyle gross geschrieben. Und wer ein nettes Café oder Restaurant sucht, wird hier ganz sicher fündig.
Das Wikinger Museum
Ich hatte grosses Glück mit dem Wetter in Ribe – Sonnenschein und angenehme sommerliche Temperaturen ermöglichten mir einen wunderbaren Städtetrip an der frischen Luft. Für eher graue und düstere Tage, bietet das Wikinger Museum die Möglichkeit für einen kurzweiligen Aufenthalt in Ribe.
Das Wikinger Museum widmet sich den Anfängen der Stadt um das Jahr 700 und ihre Entwicklung bis in das 18. Jahrhundert. In den Erlebnishallen werden Ausgrabungsgegenstände präsentiert und den Besuchern das mittelalterliche Leben vorgetragen.
Der Eintritt in das Museum kostet 70 dänische Kronen. Weitere Informationen findest Du auf der Webseite des Wikinger Museums.
Schlendern in den Gassen von Ribe
Die kleine Stadt Ribe ist voller wunderschönen Gassen, die geradezu zum Schlendern und Spazieren einladen. Die alten Backsteinhäuser und Fachwerkhäuser sind eine wahre Augenweide, und ein ideales Fotosujet.
Das Tourismuszentrum Ribe bietet übrigens verschiedene Stadtrundgänge an, so zum Beispiel den Nachtwächterrundgang, den Ghost Walk oder einen „normalen“ Stadtrundgang. Auf der Webseite visitribe.dk findest Du weitere Informationen dazu.
Anreise nach Ribe
Die kleine Stadt Ribe liegt an der dänischen Nordseeküste in Jütland, rund 90km von der dänisch-deutschen Grenzstadt Flensburg entfernt. Die nächstgrössere Stadt Esbjerg liegt rund 30km nördlich von Ribe entfernt.
Angereist bin ich mit dem Zug, über Hamburg und Flensburg. Der Bahnhof liegt in Gehdistanz von der Altstadt entfernt. Wer mit dem Auto anreist, kann in der Stadt meist kostenlos parkieren – zum Beispiel auf dem Süd-Parkplatz. Auch von hier aus gelangt man problemlos zu Fuss in die Innenstadt.
Fazit zu Ribe, die älteste Stadt Dänemarks
Die kleine und schmucke Altstadt von Ribe ist definitiv einen Städtetrip in Dänemark Wert: Das schulbuchmässige Beispiel für den Niedergang einer ehemaligen wichtigen Hafenstadt an der Nordsee ist einerseits historisch bedingt sehenswert. Anderseits sind die schönen Häusern und Gassen auch für den an Geschichte mässig interessierten Besucher eine wahre Augenweide.
Dennoch muss man ehrlich sein: Mehr als 24 Stunden muss man in Ribe definitiv nicht verweilen. Die Anzahl an Sehenswürdigkeiten kann man auf einer Hand abzählen und der Stadtrundgang ist auch relativ rasch erledigt.
Wer dennoch etwas länger Zeit in der Region verbringen möchte, dem kann ich das Mieten eines Fahrrads empfehlen. Zudem ist der dänische Nationalpark Wattenmeer nur etwa 8 km vom Stadtzentrum entfernt und bietet einnmalige Landschaften am Wattenmeer (mein Blogpost dazu folgt in den nächsten Tagen oder Wochen…).