Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03205.jsonl.gz/387

22. Februar 2023
Was nützt Remdesivir bei COVID-19? Basler Analyse im Lancet Respiratory Medicine
Remdesivir war das erste zugelassene Medikament gegen COVID-19 und ist noch heute in Gebrauch. Obwohl mehrere randomisierte Studien durchgeführt wurden, ist der Nutzen umstritten. Die Erstautoren Dr. Alain Amstutz und Dr. Benjamin Speich stellen nun im Fachjournal The Lancet Respiratory Medicine eine Arbeit vor, die alle Daten aus vorhandenen Studien gesamthaft analysiert.
Seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie wurden grosse Anstrengungen unternommen, um effektive Behandlungen für die Krankheit zu finden. Remdesivir wurde als vielversprechendes Medikament in mehreren international durchgeführten randomisierten Studien untersucht. Die Ergebnisse dieser gross angelegten Studien wurden hinsichtlich des Nutzens für bestimmte Patientengruppen jedoch kontrovers diskutiert.
Internationale Zusammenarbeit und neueste Datenanalysemethoden
Unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Briel vom CLEAR Methods Center, Klinische Epidemiologie am DKF, haben die Forschenden dank enger Kontakte zu internationalen Studienteams individuelle Daten von über 10'000 Patientinnen und Patienten aus über 40 Ländern gesammelt. Mit neuesten Datenanalysemethoden wurden der Nutzen, die potenziellen Nebenwirkungen, und Subgruppeneffekte umfassend untersucht, um herauszufinden, welche Patientengruppen gegebenenfalls von Remdesivir profitieren.
Nutzen für Patientinnen und Patienten ohne künstliche Beatmung
Die aufwändige Meta-Analyse konnte zeigen, dass Patientinnen und Patienten, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden und keine oder nur konventionelle Sauerstoffunterstützung erhielten, einen klaren Überlebensvorteil durch Remdesivir hatten. Bei Betroffenen, die intensivere Beatmungsunterstützung erhielten, wurde kein eindeutiger Nutzen von Remdesivir nachgewiesen. Weitere Subgruppenanalysen, wie beispielsweise nach Alter oder Entzündungsmarkern, lieferten keine Hinweise auf unterschiedlichen Nutzen von Remdesivir.
Des Weiteren wurde klar, dass Remdesivir nicht zu mehr schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkungen im Vergleich zur üblichen Behandlung führt. Der Behandlungseffekt von Remdesivir bei Patientinnen und Patienten mit erworbenem Immunschutz und die Kosteneffektivität von Remdesivir müssten in weiteren Analysen eruiert werden.
Die Studie wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Biostatistikteam der Europäischen Plattformstudie EU-SolidAct (https://eu-response.eu/eu-solidact/) realisiert und erhielt finanzielle Unterstützung durch das Europäische Studiennetzwerk EU-RESPONSE (https://eu-response.eu/).