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Nachdem das Horn von Afrika bereits 2016 eine schlimme Dürre verzeichnete, ist die Region in diesem Jahr bereits wieder von einer katastrophalen Trockenheit betroffen. Es wird befürchtet, dass 2017 die schwerste Dürre seit Jahrzehnten werden könnte. Die Häufigkeit, mit der solche klimabedingten Krisen auftreten, stellt humanitäre Hilfsorganisationen wie die Caritas vor Herausforderungen. Es gilt, neben der akuten Überlebenshilfe auch mittel- und langfristige Perspektiven zu eröffnen.
In den am meisten betroffenen Ländern von Ostafrika und dem Horn von Afrika, nämlich Äthiopien, Somalia, Südsudan, Kenia und Uganda sind zwischen 16 und 20 Millionen Menschen von Hunger bedroht. Es zeichnet sich ab, dass die normalerweise von April bis Juni zu erwartenden Regenfälle auch in diesem Frühjahr unterdurchschnittlich ausfallen, was bedeuten würde, dass sich die Krise über weitere Monate hinzieht, mindestens bis zu den Regenfällen im Oktober. Diese Katastrophen treten infolge des Klimawandels gehäuft auf. Hat man früher etwa alle zehn Jahre eine Dürre verzeichnet, so kommen sie seit 1980 durchschnittlich fünfjährlich vor und in den letzten Jahren in noch kürzeren Abständen.
Erholung von einer Dürre dauert mehrere Jahre
Eigentlich dauert es mehrere Jahre, bis sich Menschen von einer Klimakatastrophe erholen. Nutztierherden müssen wieder ihre ursprüngliche Grösse erreichen. Die hat auch grossen Einfluss auf die Ernährung der Menschen. Unterernährte Tiere erzielen weniger Wert auf dem Markt und die Reproduktion dauert länger. Ackerbauern haben Ernteeinbussen zu verkraften. Gleichzeitig stiegen die Preise für Grundnahrungsmittel auf den lokalen Märkten in solchen Jahren an. Menschen, die alles durch die Dürre verloren haben, spüren deren Auswirkungen am deutlichsten und brauchen viel länger, um sich davon zu erholen.
Trotzdem müssten Dürren nicht bedeuten, dass Menschen sterben, und sie müssten auch nicht implizieren, dass der Ausnahmezustand ausgerufen werden muss. Gegen dieses Wetterphänomen gibt und Antworten, die ohne grossen technologischen Aufwand ergriffen werden können. Caritas Schweiz setzt in dürregefährdeten Regionen auf einen Ansatz, der die humanitäre Hilfe mit nachhaltigen Strategien verbindet. Sie fokussiert dabei in Äthiopien und in weiteren Ländern Ostafrikas seit Jahrzehnten auf eine verbesserte Bildung, auf den Zugang zu Wasser und die Ernährungssicherung und arbeitet hierzu direkt mit lokalen Partnerorganisationen zusammen.
Parallel dazu leistet Caritas Schweiz in Zeiten akuter Dürre auch Nothilfe. Seit 2015 ist dies im Osten und Süden Äthiopiens sowie im Norden Kenias der Fall. Auch wenn die Verteilung von Nahrungsmitteln während der akutesten Dürre nötig ist, verbessert sie die Situation auf längere Frist keineswegs. Es gilt daher, möglichst rasch den Ansatz der Ernährungssicherung zu verfolgen: Im Zentrum der Not- und Überlebenshilfe von Caritas Schweiz stehen darum unter anderem die Abgabe von lokal produziertem, schnellreifendem und dürreresistentem Saatgut. Der Ankauf von lokal produziertem Saatgut ist nützlich, um die Verfügbarkeit von Nahrungsmittel zu stärken und die längerfristigen Ziele der Ernährungssicherung zu untermauern. Zudem wird Tierfutter verteilt, Weideland rehabilitiert und Impfkampagnen zum Erhalt des Kernbestandes der Tiere der Viehhirten durchgeführt. Diese Interventionen sind zentral, da Tierprodukte ein wichtiger Bestandteil der Nahrung der Hirten und Bauern ausmachen. Parallel zur Verbesserung der Ernährungssicherung werden Wasserinfrastrukturen rehabilitiert, um den Zugang zu lebenswichtigem und sauberem Wasser zu verbessern. Dies geht einher mit Hygienekampagnen und, wo nötig, der Verteilung von Wasseraufbereitungschemikalien, um der Verbreitung von Krankheiten wie Cholera entgegenzuwirken. Der Druck auf die Umwelt und auf die Verfügbarkeit von Land ist in diesen ländlichen Regionen hoch: Caritas Schweiz arbeitet daher an der Prävention und Reduktion von Katastrophenrisiken und an der Diversifizierung der Landwirtschaft.
Investitionen in Krisenprävention
In diesen fragilen Regionen gilt es, die Verbindung zwischen humanitären Massnahmen und nachhaltigen Ansätzen flexibel zu gestalten, um im Fall der aktuellen Dürre den entsprechenden Herausforderungen gerecht zu werden. Die Widerstandskraft der Bevölkerung soll dabei gestärkt und die Auswirkungen von Krisen reduziert werden, damit die ländlichen Gemeinden die Extremsituationen besser bewältigen können. Investitionen in Krisenprävention, landwirtschaftlichen Anpassung und in Massnahmen zur Verminderung der schädlichen Auswirkungen solcher Katastrophen sind weit günstiger als die Kosten der direkten Schäden.