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Norden vor; die Molasseablagerungen wurden zu Falten aufgestaut und erscheinen trotz ihrer Beschaffenheit als mächtige und sehr widerstandsfähige Konglomeratanhäufungen am Fusse der Alpen am stärksten aufgerichtet. Weiterhin pflanzte sich der Schub über das Mittelland weg bis an den Jura hin fort, dessen schon vorher angedeutete Faltungen nun verschärft, überhöht, mit ihren Flanken vielerorts überkippt und sogar überschoben wurden. Zuletzt griffen die alpinen Falten auch auf die dislozierten Molasseschichten über, so dass die schon vorher überschobenen Klippendecken durch förmliches Abrutschen über die nördlichen Falten hinweg bis auf die Molasse zu liegen kamen.
Stärker reduzierte Teile der vorher durch Erosion äusserst zernagten und abgetragenen Decke blieben in Synklinalen der nachträglich noch selber gefalteten Decken der helvetischen Fazies zurück, wo sie wie Schollen auf dem Flysch schwimmen (Deckschollen oder Klippen). Dass während dieser ganzen Zeit die Erosion sowohl in den Alpen als auch im Jura unablässig tätig war, braucht kaum besonders betont zu werden, da auf Festland überall Erosion vorhanden und tätig ist.
Die letzten Stösse der dislozierenden Kräfte haben sogar die äussersten Alpenfalten auf schon tief erodierte Molasse geworfen. Die Pliozänzeit war also auf der Nordseite der Alpen nicht nur eine Zeit der Erosion und Thalbildung, sondern auch die Zeit der letzten und energischsten Dislokation. Durch die gewaltigen Umwälzungen der Erdkruste wurden die alten miozänen Thäler des Alpengebietes vollständig verwischt. Zu Anfang der Pliozänzeit gruben sich neue Thäler ein, die aber auch ihrerseits wieder durch die letzten überschiebenden Stösse der Alpen überdeckt wurden, bis sich dann nach dem Stillstand der tektonischen Bewegungen die Bildung der heutigen Thalrinnen anbahnte. Ungefähr zu dieser Zeit hatten die Alpen ihre grösste Höhe erreicht, indem ihre südlichen Teile die nördlichen Abschnitte bedeutend überragten. Die ganze Kette war damals im Mittel, die Wirkung der Erosionen ganz abgerechnet, wohl um 1000 m höher als heutzutage.
Pleistozän (Diluvium). Jetzt oder auch vielleicht schon etwas früher stellte sich infolge der Ueberhöhung einerseits und von Klimaschwankungen andererseits die Vergletscherung des Alpengebietes und des Jura, die sog. Gletscherperiode, ein.
Seitdem die Hypothese von einer ehemaligen Ueberflutung fast des gesamten Mittellandes durch die alpinen Gletscher von Perraudin, einem einfachen Gemsjäger aus der Vallée de Bagnes, zuerst angedeutet und darauf von Venetz und de Charpentier wissenschaftlich begründet und festgelegt worden ist, hat sich unsere Kenntnis von den einstigen Eiszeiten und den von ihnen hinterlassenen Zeugen - dem sog. Erratikum - ganz wesentlich erweitert und vertieft, so dass wir heute vor einer von allen Seiten her anerkannten Lehre stehen.
Diese zeigt uns, dass sich zur Diluvialzeit die Hochgebirge und selbst noch manche Mittelgebirge (wie z. B. Schwarzwald, Jura etc.) mit sog. ewigem Schnee bedeckten, der seinerseits wieder die Bildung von Gletschern zur Folge hatte. Diese Eiszeit war von sehr langer Dauer und fiel zusammen mit einer Periode starken Vorrückens der polaren Eismassen. Man nimmt heute an, dass sie nicht eine einheitliche Zeit allgemeiner Vergletscherung gewesen ist, sondern eine aufeinanderfolgende Reihe von Schwankungen dargestellt hat, von denen vier besonders gut ausgeprägt waren und genügend lange gedauert haben, um deutliche Beweise ihrer einstigen Existenz in Form von erratischen Blöcken, Moränen, fluvioglazialen Schottern etc. zu hinterlassen.
Von diesen vier verschiedenen Vereisungen oder Eiszeiten griffen die beiden ersten nicht sehr stark auf das Mittelland über, während die dritte oder vorletzte als grösste und ausgedehnteste den ganzen Jura überdeckte, bis gegen Lyon hinunterreichte und im Norden auch den Rhein überschritt, um ihre Moränen bis an den Schwarzwald und an die Schwäbische Hochebene hin vorzuschieben. Es ist leicht verständlich, dass sich die Ablagerungen der vierten oder letzten Eiszeit am deutlichsten erhalten haben.
Das gegenseitige Ineinander- und Uebereinandergreifen der Glazialbildungen der vier verschiedenen Phasen der Vergletscherung stellte für eine klare Klassifikation dieser Erratika lange Zeit ein ernstliches Hindernis dar, so dass es erst allmählich und nach und nach gelang, die Ablagerungen verschiedenen Alters voneinander zu trennen und mit Sicherheit dieser oder jener Eiszeit zuzuschreiben. Man unterscheidet für jede einzelne Phase der Vergletscherung bestimmte Moränenablagerungen und von diesen abgewaschene Schotterdecken.
Folgendes ist die in neuester Zeit aufgestellte Benennung und Klassifikation der Eiszeiten und ihrer Ablagerungen: 1. Eiszeit mit älterem Deckenschotter;
2. Eiszeit mit jüngerem Deckenschotter;
3. Eiszeit mit Hochterrassenschotter;
4. Eiszeit mit Niederterrassenschotter.
Während die Moränen der beiden ersten Eiszeiten unter den nachfolgenden glazialen Ablagerungen begraben liegen und deshalb im allgemeinen wenig sichtbar sind, haben die zwei letzten Vergletscherungen sehr deutliche Spuren hinterlassen, die sich in konzentrischen Bogen um die Zungenenden der einstigen Gletscher schlingen. Die Stirnmoränen der dritten Eiszeit - die man lange Zeit als die vorletzte bezeichnete, da man über die Anzahl der vorausgegangenen Vereisungen noch nicht im klaren war - finden sich zum grössten Teil ausserhalb der Grenzen der Schweiz, die durch die nachfolgende Arbeit der Erosion stark zerstückelten Ablagerungen der Rückzugsphasen, die sog. Hochterrassenschotter, dagegen im Innern unseres Landes. Am offenkundigsten zeigen sich die Beziehungen zwischen den Moränen der vierten Eiszeit und den sog. Niederterrassenschottern.
Man hat sogar vermocht, die äussersten Grenzen dieser letzten Vergletscherung sehr genau zu bestimmen und ihre lokalen Schwankungen zur Zeit des maximalen Gletscherstandes und während der darauffolgenden Rückzugsphasen mit ihren kleineren Stillstandslagen bis zum heutigen Gletscherstand festzulegen. Diese während der Zeit des Rückzuges noch eingetretenen vereinzelten Stillstandsstadien der Gletscher der vierten Eiszeit sind das sog. erste Stadium am Eingang, das zweite Stadium in der Mitte und das dritte Stadium im obern Abschnitt der alpinen Thäler.
Zwischen je zwei Eiszeiten schaltet sich stets eine sog. Interglazialzeit ein, während welcher die Gletscher bis in die obern Abschnitte der Thäler und vielleicht sogar so hoch hinauf wie heute zurückschmolzen und sich das Klima der tiefer gelegenen Gegenden derart milderte, dass hier ausgedehnte Wälder mit zahlreichen sie belebenden Tieren sich entwickeln konnten. Vor der Bedeckung des Gebirgsfusses mit Wald muss aber während dieser Interglazialzeiten die Landschaft den Charakter einer Steppe gehabt haben, über deren eben vom Gletscher verlassene und noch nicht von der Baumvegetation eroberte, weite und ¶
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kahle Flächen heftige Staub- und Sandstürme dahinbrausten. Dieser äolische Staub hat sich dann an den Gehängen der Thäler als sehr leichter und poröser sandiger Lehm, d. h. als sog. Löss, niedergeschlagen. Die Baumvegetation und auch eine Anzahl von Torfmooren der Interglazialzeiten gaben Anlass zur Bildung von interglazialen Schieferkohlenflözen, wie z. B. derjenigen der Kantone Zürich und St. Gallen (Dürnten, Uznach etc.) und der von Grandson, Bougy (Waadt) etc.
Die einzelnen Interglazialzeiten sind natürlich auch von wiederholten Wanderungen der Tierwelt begleitet gewesen, die sich bei jedem Vorrücken der Gletscher zur Flucht gegen Norden gezwungen sah. Als Vertreter dieser Tierwelt kennen wir das Rentier, den Steinbock, den Lemming, das Murmeltier, den Alpenhasen, sowie verschiedene Elefanten- und Nashornarten. Den drei einzelnen Interglazialzeiten entsprachen drei verschiedene Vertreter der Elefanten, nämlich Elephas meridionalis, E. antiquus und E. primigenius.
Der letztgenannte, das Mammuth, hat noch zur Zeit des letzten Rückganges der eiszeitlichen Gletscher gelebt und ist zugleich mit den übrigen Säugetieren der Fauna der Eiszeit vom diluvialen Menschen gejagt worden. Einige Vertreter dieser Fauna haben sich nach dem Norden zurückgezogen oder sind (wie das Mammuth) heute ausgestorben, während andere (wie Alpenhase, Gemse, Steinbock, Schneehuhn, Murmeltier) den zurückschmelzenden Gletschern folgten und im Gebirge eine Zuflucht fanden. Der Einfluss der Glazialzeit auf die Verbreitung der Pflanzen wird an anderer Stelle (Abschnitt Flora) näher dargelegt werden.
Der Mensch ist wohl zugleich mit den grossen Proboscidiern und dem Höhlenbären, also noch während der Eiszeit, in unserm Gebiete erschienen. Doch sind seine Spuren recht spärlich. In der stratigraphischen Tabelle haben wir die von den Prähistorikern eingeführte Gliederung der Altersstufen des Menschengeschlechtes nicht verzeichnet, da in dieser Hinsicht überhaupt die Akten noch lange nicht abgeschlossen sind. Nach neueren Zusammenstellungen (Penck) wären die zwei älteren paläolithischen Stufen mit den zwei letzten Interglazialzeiten zu verknüpfen, während man sonst das paläolithische Zeitalter als durchwegs postglazial annahm, wie auch wir es der Einfachheit wegen in den stratigraphischen Tabellen getan haben. Es ist somit hier der Ort, diese neuere Auffassung zu geben. Jeder Rückzugsperiode der alpinen Gletscher entspricht nach Penck eine anthropologische Altersstufe, nämlich:
Erste Vergletscherung (Günzeiszeit).
= Erste Interglazialzeit. - Mesvinien: noch keine sicheren menschlichen Spuren.
Zweite Vergletscherung (Mindeleiszeit).
= Zweite Interglazialzeit. - Acheulien (Chelléen): erste paläolithische Stufe.
Dritte Vergletscherung (Risseiszeit).
= Dritte Interglazialzeit. - Moustérien: zweite paläolithische Stufe.
Vierte Vergletscherung (Würmeiszeit).
= Rückzugsstadien der alpinen Gletscher. - a) Solutréen: dritte paläolithische Stufe; b) Magdalénien: vierte paläolithische Stufe; c) Tourassien.
Postglaziale (prähistorische Zeit). –
= Robenhausien: neolithisches Zeitalter.
= Morgien / Bronzezeitalter.
= Larnaudien / Bronzezeitalter.
Protohistorische Zeit.
= Hallstattien / Etruskisches Zeitalter.
= Marnien / Etruskisches Zeitalter.
Hiermit sind wir an der Grenze des geschichtlichen Zeitalters, nämlich der, geologisch gesprochen, Alluvialzeit angelangt, deren Erscheinungen und Ereignisse bezüglich des Menschengeschlechtes in das Gebiet der Archäologie und der Geschichte gehören. Während dieser Zeit ist unser Land bis heute den verschiedenen Einflüssen der ununterbrochen wirkenden geologischen Kräfte unterworfen geblieben. Die Erosionstätigkeit der Atmosphärilien und des fliessenden Wassers hat gleich wie während der postglazialen (prähistorischen) Zeit die Thäler im oberen Teil vertieft und im untern Teil mehr und mehr ¶