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Geschätztes Publikum! Es ist mir eine grosse Freude, die Zusammenarbeit mit dem Orchester Musikfreunde St.Gallen beginnen zu dürfen. Das Programm «Die slawische Seele» ist eine Art Hommage an meine musikalischen Wurzeln.
Ich freue mich, den Abend mit dem «Slawischen Marsch» b-Moll Op. 31 des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowsky zu eröffnen. Das Werk entstand 1876, in den letzten Jahren des Unabhängigkeitskrieges der Serben gegen die osmanisch-türkische Besatzung, deren Bestreben von Russland unterstützt wurde. Tschaikowsky bezeichnete das Werk als seinen «serbisch-russischen Marsch». Er schildert in musikalischer Form den Kriegsverlauf. Im ersten Abschnitt werden Melodien zweier serbischer Volkslieder vertont, im zweiten wird mit einem militärisch anmutigen Thema die russische Befreiungsarmee angekündigt. Die Zarenhymne «Gott schütze den Zaren!» erklingt bereits siegessicher in der Tuba. Im dritten Abschnitt, welcher das Ersuchen der serbischen Bevölkerung um Hilfe darstellt, bricht unerwartet nochmals das Anfangsthema im Fortissimo herein. Im Finale leiten jedoch die Pauken und Klarinetten den endgültigen Sieg der Russen gegenüber den Osmanen herbei, das Zarenthema erklingt mit voller Wucht im tiefen Blech und die zaristische Pracht wird nochmals durch das Tamtam und freudentaumelnde Schlusstakte gefeiert.
Als nächstes Werk wird in unserem Programm das witzige und sarkastische Konzert für Klavier, Streicher und Trompete von Dmitri Schostakowitsch zu hören sein, welcher selber gesagt hatte: «Wenn das Publikum bei der Aufführung meiner Werke lächelt oder direkt lacht, so bereitet mir das grosse Befriedigung.» Das viersätzige Konzert erschien 1933 und als Solist trat der Komponist oft selber auf. Es ist eine Art Parodie und voll von versteckten Zitaten aus sowohl Werken anderer Komponisten als auch Volksliedern.
Es ist mir ein Vergnügen, unsere zwei jungen Solisten vorzustellen: den virtuosen Pianisten Simon Bürki, dessen Karriere ich bereits seit acht Jahren verfolge, und den Trompeter Cedric Peier, auf dessen Talent ich noch zu seiner Zeit an der Kantonsschule am Burggraben aufmerksam wurde.
Über Antonín Dvořáks Symphonie Nr. 9 in e-Moll Op. 95 «Aus der neuen Welt» braucht man nicht viel zu sagen. 1893 entstanden, eroberte sie sehr schnell alle Konzertsäle der Welt und die Herzen des Publikums und blieb bis heute eines der meistgespielten Werke schlechthin. Für mich persönlich ist es eine Hommage an meinen aus Znojmo (Süd-Tschechien) stammenden Dirigenten-Urgrossvater.
Am allermeisten freue ich mich jedoch auf Sie, geschätztes Publikum, auf viele neue musikalische Freundschaften und gemeinsame Konzerterlebnisse.
Ihr Robert Bokor