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Eine erfolgreiche Iniative in Aleppo
Vor zwei Jahren lancierten wir zusammen mit unserem italienischen Partner „Pro Terra Sancta“ das Projekt „Ein Name – eine Zukunft“. Das Projekt setzt sich für Kinder und ihre Mütter im immer noch stark zerstörten Ostteil von Aleppo ein. Annalisa Greco berichtet, wie die Hilfe des Schweizerischen Heiligland-Vereins eingesetzt werden konnte.
Im Osten Aleppos, in den Gebieten Al Shaar und Karm Al Duddou, wurden zwei Betreuungszentren für Kinder eingerichtet, die zu Waisen wurden oder von Frauen geboren wurden, die während der Kontrolle des Gebiets durch dschihadistische Milizen vergewaltigt und missbraucht wurden. Nach der Befreiung von Aleppo wurden viele dieser Frauen von ihren Familien verstossen und ihre Kinder, um einen Skandal zu vermeiden, nicht beim Standesamt angemeldet. Trotz ihrer Armut, ihres prekären psychischen Zustands und ihrer sozialen Isolation erhalten diese Frauen und ihre Kinder, die als Kinder der Sünde angesehen werden, keinerlei Unterstützung vom Staat. Sie sind ausgegrenzt und benötigen nebst Nahrungsmitteln auch psychologische und soziale Unterstützung. An sie richten sich die Angebote in den neu eingerichteten Betreuungszentren.
Hier erhalten sie Hilfe zur rechtlichen Rehabilitierung sowie Unterstützung, damit ihre Kinder in das öffentliche Schulsystem integriert werden können. 2021 besuchten mehr als 3 000 Kinder die Zentren und rund 350 Frauen wurden beraten. Die Zahl der Hilfeersuchenden nimmt jedoch weiter zu. Das Ziel für 2022 ist daher die Eröffnung eines dritten Zentrums in Ost-Aleppo, um eine noch grössere Anzahl von Kindern und Müttern erreichen zu können.
Angebote in den Betreuungszentren
Auch dank der Unterstützung des Schweizerischen Heiligland-Vereins konnten in den beiden Zentren Kinder und Mütter psychologisch und pädagogisch betreut werden. Ausserdem konnten eine Alphabetisierungskampagne, Schulwiedereingliederungskurse und Arabischunterricht für Kinder durchgeführt werden.
Annalisa Greco, Mailand
Zum Beispiel
Amira – 10 Jahre alt
Nach einer langen Krankheit ihres Bruders, der ein Jahr älter ist als sie, begann Amira unter chronischen Angstzuständen zu leiden, die von häufigen Panikattacken und anhaltenden Weinkrämpfen begleitet waren. Als das Mädchen in unser Zentrum eintrat, litt es unter Schwindel, war unfähig seine Gefühle auszudrücken und sprach mit niemandem ausserhalb ihrer Familie. Nach sechs Monaten Sitzungen mit Psychologen und der Teilnahme an unseren Aktivitäten wird Amira nicht mehr von negativen Gedanken gequält und ist in der Lage, ihre Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken.
Manal – 45 Jahre alt. Mutter von neun Kindern
Als Manal in unser Zentrum aufgenommen wurde, konnte sie nicht einmal einen Stift halten und behauptete: «Ich bin zu alt, um etwas zu lernen.» Trotzdem beschloss Manal, einen Alphabetisierungskurs zu besuchen. Sie übte täglich zusammen mit anderen Frauen und nach einem Jahr konnte sie lesen und schreiben. Jetzt beginnt für sie ein neues Leben, da sie nun ihre Kinder beim Hausaufgaben machen unterstützen kann. Unter Tränen berichtet sie uns, dass sie zum ersten Mal einen Bus nehmen konnte, ohne Passanten um Hilfe bitten zu müssen.
Shahd – 20 Jahre alt
Aufgrund des Krieges musste Shahd in der vierten Klasse die Schule abbrechen und hatte dadurch nicht einmal die Mindestkompetenzen im Rechnen, Schreiben und Lesen erreicht. Durch den Besuch unseres Zentrums schaffte sie den Alphabetisierungsnachweis und konnte wieder den regulären Schulunterricht besuchen. Heute geht sie in die High School und wird in einem Jahr ihren Abschluss machen.