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Magenkatarrh giebt sich in der Regel durch Appetitlosigkeit, selbst Ekel vor allen Speisen, durch Übelkeit, Aufstoßen und Brechneigung, durch Druck und unangenehme Empfindungen in der Magengegend, ferner durch pappigen, übeln Geschmack und schleimigen Zungenbeleg, häufig auch durch Sodbrennen, Erbrechen und Verstopfung, zuweilen aber auch durch Durchfall zu erkennen. Daneben bestehen gewöhnlich große Mattigkeit und Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Schwindel, mitunter selbst mehr oder minder heftiges Fieber (sog. gastrisches Fieber); dabei ist der Urin meist dunkel gefärbt und scheidet ein ziegelmehlartiges Sediment aus harnsauren Salzen aus.
Wenn sich der Katarrh nicht bloß auf den Magen, [* 2] sondern auch auf einen größern Teil des benachbarten Dünndarms erstreckt, so gesellen sich zu dem beschriebenen Symptomenkomplex noch Leibschmerzen, öfters auch infolge der katarrhalischen Verschwellung des Gallenausführungsgangs Gelbsucht (s. d.) hinzu. Der akute Magenkatarrh endet nach Tagen oder Wochen mit Genesung oder er geht allmählich in den chronischen Magenkatarrh über. Die hauptsächlichsten Symptome des letztern sind Auftreibung der Magengegend, Gefühl von Druck und Vollsein in derselben, Appetitlosigkeit abwechselnd mit Heißhunger, pappiger fader Geschmack und übler Geruch aus dem Munde, häufiges Aufstoßen und Sodbrennen, hartnäckige Verstopfung und Blähsucht, wozu sich oft Erbrechen von zähem Schleim sowie leichte Gelbsucht gesellen; besteht die Krankheit längere Zeit, so entsteht in der Regel Abmagerung, eine fahle graugelbe Gesichtsfarbe und eine düstere hypochondrische Gemütsstimmung, auch zeigen sich vielfach Herzklopfen, Mattigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und andere nervöse Symptome.
Die Behandlung erfordert vor allem eine sorgfältige und konsequente Regulierung der Diät, ohne welche eine schnelle Heilung überhaupt nicht zu erwarten ist. Für den akuten Magenkatarrh ist die beste Therapie, nichts zu thun als zu fasten; je weniger man eingreift und je weniger mediziniert wird, um so schneller verläuft die Krankheit. Nur wenn der Magen mit gärenden oder in Zersetzung begriffenen Nahrungsmitteln überfüllt ist, sind die Brechmittel oder milde Abführmittel am Platze; im übrigen beschränke man sich auf eine ganz milde Diät, am besten auf einfache Wassersuppen, und nehme allenfalls bei übermäßigem Erbrechen einige Eispillen, bei lästiger Säurebildung etwas gebrannte Magnesia oder doppeltkohlensaures Natrium.
Auch der chronische Magenkatarrh verlangt in erster Linie eine diätetische Behandlung. Der Kranke soll immer nur wenig auf einmal genießen, alle Speisen auf das sorgfältigste kauen und seinen ohnedies spärlichen Magensaft nicht durch übermäßige Flüssigkeitszufuhr unnötig verdünnen. Erlaubt sind mageres mürbes Fleisch (am besten junges Geflügel, Wild, Rindfleisch, Kalbfleisch, nicht fetter Fisch), Milch, weichgekochte Eier, [* 3] Weißbrot, Biskuit, [* 4] junge zarte Gemüse, wogegen alle blähenden Speisen sowie Fette (auch fette Saucen) streng zu vermeiden sind, kalter Braten wird oft besser vertragen als warmer; beide werden oft leichter nach dem Darreichen von Pepsin und Salzsäure (5-8 Tropfen in einem halben Glas [* 5] Wasser) verdaut.
Von Getränken sind Kaffee und alle stärkern alkoholischen Getränke zu verbieten; Wasser mit Rotwein, schwacher chines. Thee, entölter Kakao sind den meisten Kranken erlaubt; der mäßige Genuß von Sodawasser sowie der natürlichen Säuerlinge von Selters, Bilin, Ems, [* 6] Salzbrunn u. a. ist zu empfehlen. Manchen Magenkranken bekommt eine längere Milch- oder Buttermilchkur vortrefflich, andern dagegen nicht. Gegen hartnäckige Gärungsvorgänge im Magen erweisen sich kleine Gaben von Kreosot oder Salicylsäure sowie das öftere Ausspülen des Magens vermittelst der Magendouche nützlich; gegen die oft hartnäckige Verstopfung sind Klystiere oder leichte Abführmittel zu brauchen. Unter den Brunnenkuren erfreuen sich gegen den chronischen Magenkatarrh die von Karlsbad, Marienbad, Kissingen, [* 7] Ems, Tarasp und Vichy eines besondern Rufs. Wenn der chronische Magenkatarrh auf Blutarmut, Schwäche oder Nervosität beruht, muß die Konstitution durch roborierende Mittel, durch Seebäder oder längern Aufenthalt im Hochgebirge gekräftigt werden. -
Vgl. Wiel, Tisch für Magenkranke (7. Aufl., Karlsbad 1892).