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Als am 20. April 2010 die Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko explodierte und zwei Tage später unterging, war das Ausmass der Umweltkatastrophe noch nicht in vollem Umfang ersichtlich. Die zunächst bekanntgegebene Entwarnung des Bohrunternehmens, dass kein Öl ins Wasser fliesse, erwies sich schnell als falsch. Nach wenigen Tagen war klar, dass an mehreren Stellen grosse Mengen an Rohöl sowie auch Erdgas austraten. Ganze 88 Tage hat es gedauert, bis das Hauptleck in rund 1‘500 Meter Tiefe erstmals versiegelt werden konnte. Laut Medienmitteilungen gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch weiterhin undichte Stellen um das Leck herum. So ist es den Technikern erst gut zwei Wochen später, 104 Tage nach dem Untergang der Plattform, gelungen, mit Hilfe von Schlamm und Beton die undichten Stellen zu versiegeln.
Die immense Menge an Rohöl, die während knapp vier Monaten aus dem Bohrloch strömte, beläuft sich auf geschätzte 800 Millionen Liter. Zahlreiche schwerwiegende Schäden für die Tier- und Pflanzenwelt im Meer und an den Küstenregionen, sowie auch Beeinträchtigungen für den Menschen und die unbelebte Umwelt waren die unvermeidbare Folge. Unzählige Fische, Wale, Meeresschildkröten und Vögel, aber auch Würmer, Insekten sowie weiterer Tierarten fanden den sicheren Tod oder wurden durch den schmierig giftigen Rohstoff stark beeinträchtigt. Nur ein Bruchteil betroffener Individuen konnte durch die verschiedenen Hilfsaktionen gerettet werden. Zudem gelangten giftige Substanzen über Plankton, Krustentiere und Fische in die Nahrungskette und bedrohten nicht nur andere Meerestiere, sondern schränkten auch die Fischerei stark ein.
Zum Ausmass der Katastrophe beigetragen hat nicht nur die Menge des ausgetretenen Öls, sondern auch der Standort der Bohrinsel. Die Plattform im Golf von Mexiko befand sich in der Nähe des Mississippi Deltas, einer ökologisch höchst bedeutsamen Umgebung, die durch die grossen Mengen an Flusssedimenten durch zahlreiche Binnenseen, Meeresengen, Inseln und Sumpflandschaften geprägt ist. Die Feuchtgebiete, Salzsümpfe und Mangrovenwälder im Delta beherbergen eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Weiter im Osten liegen die berühmten Everglades von Florida, ebenfalls ein hoch sensibles Ökosystem, in dem einer der berühmtesten Naturparks in den USA liegt.
Der Ölteppich breitete sich nach dem Unglück in nur wenigen Tagen auf einer Fläche von mehr als 10´000 Quadratkilometern auf der Meeresoberfläche aus und erreichte an verschiedenen Orten die Küste; zunächst in Louisiana, später auch in Texas und Alabama. Insgesamt „waren“ mehr als 240 Kilometer Küste von der Verschmutzung betroffen. Verschiedene Massnahmen zur Eindämmung der Katastrophe wurden ergriffen. So wurde versucht, den Ölteppich durch schwimmende Barrieren kontrolliert abzutrennen und durch spezielle Schiffe einzusaugen, was sich aufgrund des hohen Wellengangs als schwierig, respektive ineffizient erwies. Eine weitere Massnahme bestand im Versuch, das Öl kontrolliert abzubrennen, was zu einer erheblichen Luftverschmutzung führte. Ausserdem wurden riesige Mengen an Chemikalien versprüht, die das Öl auflösen sollten, jedoch selbst umweltbelastend sind. Deren Einsatz führte mitunter dazu, dass das Öl von der Wasseroberfläche und somit auch von der Bildfläche verschwand.
Seit der Katastrophe im April 2010 haben ökologische (Spät-)Folgen des Unglücks immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Im Frühjahr 2011 sind zahlreiche tote Delphine gestrandet, woran die Ölpest nach Aussagen von Forschern zumindest mitschuldig ist. Kürzlich wurden in Alabama und Louisiana 21 Kilometer verunreinigter Strand gesperrt, weil Öl angespült wurde, das von der Katastrophe im Jahr 2010 stammt. Grund dafür sind hohe Wellen, die von Hurrikan Isaac verursacht wurden und das Öl vom Meeresboden nach oben befördert haben. Der Vorfall zeigt, dass das Öl gut zwei Jahre nach der Katastrophe noch nicht verschwunden ist, und die Natur sich noch nicht von dem durch Menschen verursachten Desaster erholt hat, welchem man aufgrund der Profitgier und Leichtgläubigkeit vieler Beteiligter nicht zuvorgekommen ist.