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Laut Maturitätsquote und Einschulungsalter sind Mädchen heute in der Schule erfolgreicher. SRF News ging der Frage nach, ob geschlechtergetrennte Klassen den Buben helfen würden. Der Artikel wurde unter den Kommentatoren intensiv diskutiert.
Elisabeth Grünewald-Huber, ehemalige Professorin der PH Bern, hat eine Studie zu geschlechterspezifischen Unterschieden im Schulerfolg veröffentlicht und nimmt Stellung zu ausgewählten Fragen und Thesen der SRF-User.
- «Mädchen arbeiten gewissenhafter als Jungs und erledigen Hausaufgaben eher und besser. Gamen scheint mir hauptsächlich bei Jungs ein Problem zu sein.»
Elisabeth Grünewald-Huber: In einer mit knapp 900 Schülerinnen und Schülern durchgeführten Studie der 8. Klasse zeigte sich, dass Mädchen der Schule gegenüber grundsätzlich etwas positiver eingestellt sind als Buben. Sie haben im Allgemeinen eine bessere Arbeitshaltung, sind etwas leistungsbereiter und motivierter.
Beim Freizeitverhalten haben die Mädchen ein breiteres Spektrum an Interessen und lesen beispielsweise mehr. Die Jungen verfolgen weniger Interessen, dafür intensiver.
Beim Fernsehkonsum unterscheiden sich die Geschlechter nicht stark, beim Gamen schon: Fast die Hälfte der Mädchen gamet gar nicht, während ein Grossteil der Buben wöchentlich viele Stunden damit verbringt.
Der Zeitaufwand für Hausaufgaben ist bei Mädchen leicht höher als bei Knaben, derjenige für Hobbys insgesamt vergleichbar.
- «Der weibliche Lehreranteil ist seit Jahrzehnten höher. Eine Benachteiligung des männlichen Geschlechts.»
Elisabeth Grünewald-Huber: Die Befragung hat gezeigt, dass es für die meisten Schülerinnen und Schüler keinen Unterschied macht, ob die Lehrkräfte Frauen oder Männer sind. Übereinstimmend wichtig ist für sie, dass die Lehrpersonen einen autoritativen Unterricht pflegen. Ein solcher hat klare Strukturen und Regeln, bei gleichzeitiger Unterstützung und Empathie für individuelle Bedürfnisse. Nur ein kleiner Teil der Jugendlichen wünschte sich explizit, von einer Lehrperson eines bestimmten Geschlechts unterrichtet zu werden.
- «Wieso werden Buben und Mädchen nicht selber gefragt? Damit würde nicht nur von den Vorstellungen der Erwachsenen ausgegangen.»
Elisabeth Grünewald-Huber: In einer Sekundarschule begleitete ich wissenschaftlich ein Projekt, bei dem in zwei gemischten Klassen ein Jahr lang Mathematik geschlechtergetrennt unterrichtet wurde.
Nach der Änderung äusserten sich die Klassen mehrheitlich neutral bis positiv, letzteres vor allem Mädchen. Sie hätten sich viel mehr getraut, sich mündlich einzubringen. Die Buben nannten entweder keine Unterschiede zum gemischten Unterricht oder sie vermerkten, neue Freunde gewonnen zu haben.
Pauschalisieren lässt sich dieser Versuch aber nicht, da die soziale Komponente klassenabhängig ist. Ausserdem bestand die Trennung nur in einem Fach.
- «In der Schule sollen auch soziale Kompetenzen gelernt werden. Dazu gehört auch der Kontakt mit dem anderen Geschlecht.»
Elisabeth Grünewald-Huber: Von ganz getrennten Klassen würde ich abraten, da die Kinder im Austausch miteinander viel lernen können. Mit beiden Geschlechtern erhöhen sich diese Möglichkeiten und die Klassendynamik ist interessanter. Buben und Mädchen bringen spezifische Stärken und Schwächen ein. Sie können sich – besonders mit Unterstützung der Lehrperson – gegenseitig fördern.
Schneiden Buben in geschlechtergetrennten Klassen besser ab?
An der katholischen Kantonssekundarschule «Flade» in St. Gallen werden neben gemischten Klassen auch geschlechtergetrennte Klassen unterrichtet. Bezüglich der Maturitätsquote lägen diese tendenziell über dem Durchschnitt, sagt Schulratspräsidentin Margrit Stadler. «Ich möchte aber darauf verzichten, genaue Zahlen zu nennen. Denn es spielen weitere Sonderfaktoren eine Rolle, welche die gute Leistung begünstigen: Im Umfeld unserer Schule haben wir häufig bildungsnahe Eltern, die sich bewusst für unsere Schule und unser Profil entscheiden. Zu uns kommen also Schülerinnen und Schüler, die hierhin möchten, und die Eltern haben, die hinter dem Entscheid stehen.»