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In meinen Workshops mit Führungskräften höre ich immer wieder die Aussage: „Es ist mir wichtig, hinter meinem Team zu stehen!“ Haben Sie zustimmend genickt? Ist es auch für Sie wichtig, hinter Ihren Mitarbeitenden zu stehen? Dann möchte ich Sie jetzt zu einigen Reflexionen bezüglich des Standpunkts von Führungskräften einladen.
Das Wort „Standpunkt“ wird laut Duden eher selten als tatsächlicher Ort, an dem sich eine Person befindet, verwendet. Viel häufiger bezeichnen wir damit eine bestimmte Einstellung, mit der man etwas sieht, beurteilt. Was bedeutet es also im Zusammenhang mit Mitarbeiterführung, wie man zu seinem Team steht?
Machen wir eine kleine Übung:
Angenommen, Sie wären die durchsichtige Schachfigur und die restlichen Figuren Ihr Team. Wo würden Sie sich am liebsten hinstellen? Warum, wäre das Ihr favorisierter Platz? Beschreiben Sie in Gedanken einige der Vor- und Nachteile, die aus Ihrer Sicht mit Ihrem gewählten Standpunkt verbunden sind.
Ist es Ihnen leichtgefallen, einen Standpunkt zu wählen und zu beschreiben? Oder hatten Sie das Gefühl, dass Sie keinen Favoriten haben, sondern lieber situativ entscheiden möchten, wo gerade Ihr Standpunkt sein soll?
Betrachten wir zunächst vier unterschiedliche Standpunkte:
Zu 1) Wenn Sie vor Ihrem Team stehen, möchten Sie wahrscheinlich vorangehen. Sie haben ein oder mehrere Ziele ins Visier genommen, die Sie mit Ihrem Team erreichen wollen. Auf dem Weg dorthin bestimmen Sie die Richtung und die Geschwindigkeit, dafür räumen Sie jedoch eventuelle Stolpersteine beiseite und nehmen, wenn nötig, Kurskorrekturen vor. Ihr Team kann sich auf Sie verlassen, übernimmt aber auch keine Eigenverantwortung um ans Ziel zu kommen. Sie benötigen verschiedene Motivationsinstrumente, damit Ihr Team auf dem eingeschlagenen Weg bleibt und das Tempo hält. Das Ziel malen Sie in schönen Farben als Ansporn aus. Es könnte auch sein, dass Sie vor Ihrem Team stehen, weil Sie es beschützen möchten. Womöglich bewegen Sie sich auf gefährlichem Terrain und sie loten erst einmal aus, was möglich ist oder Sie wirken wie ein Puffer für das Team, z.B. bei starkem Gegenwind. Sie sind aber auch der erste, der das Ziel erreicht und lassen sich dann gerne dafür feiern!
Zu 2) Wenn Sie lieber hinter Ihrem Team stehen, rücken Sie die Potenziale und Stärken Ihrer Teammitglieder in den Vordergrund. Sie verstehen sich wahrscheinlich als Back-up Ihres Teams, der nur dann eingreift, wenn er seinem Team den Rücken stärken muss. Ihnen liegt viel daran, den Mitarbeiter*innen zuzutrauen, selbstständig Ziele zu erreichen. Da Sie Ihr Team immer im Blick haben, wissen Sie aber auch, wer welche Art von Unterstützung braucht und sind bereit, diese zu geben bzw. zu organisieren. Sie sind auch in der Lage, (sanften) Druck von hinten auszuüben, falls das Team nicht genügend große Schritte in die richtige Richtung machen kann. Das kann zum Beispiel zeitlicher oder wirtschaftlicher Druck sein, den Ihr Team dann zu spüren bekommt. Gibt es Erfolge zu feiern, freuen Sie sich mit Ihrem Team und sorgen dafür, dass jeder / jede am Erfolg teilhaben kann. Bei Misserfolgen wünscht sich Ihr Team womöglich, dass Sie stärker Position beziehen und auch mal Ihren Kopf hinhalten.
Zu 3) „Danebenstehen“ hat umgangssprachlich keinen so guten Ruf. In unserer Übung stehen Sie glücklicherweise nicht neben sich, sondern neben Ihrem Team. Wie lässt sich diese Position interpretieren? Wenn Sie am liebsten an der Seite Ihres Teams stehen, dann heißt das wahrscheinlich, dass Sie bedingungslos zu Ihrem Team halten. Sie stehen alle auf derselben Seite und blicken in dieselbe Richtung. Sie wappnen sich zusammen für alle Aufgaben, die Sie auf dem Weg zum Ziel bewältigen müssen und Sie selbst sind sich für keine dieser Aufgaben zu schade. Das sorgt für einen starken Teamgeist, birgt aber das Risiko, dass sich Einzelne im Team etwas zurücknehmen, wenn Sie merken, dass Sie ja in jedem Falle da sind. Kurskorrekturen fallen schwerer, wenn erst einmal alle im Gleichschritt in Gang gekommen sind, da bleibt in schwierigen Situationen manchmal nur die Notbremse als Option. Neben Ihrem Team können Sie jedoch eine gewisse Distanz wahren und unpopuläre Entscheidungen etwas leichter durchsetzen, als beim letzten, der hier betrachteten, Standpunkte.
Zu 4) Sie haben Ihre Schachfigur zwischen den anderen Figuren platziert? Dann fühlen Sie sich inmitten Ihres Teams am wohlsten und schätzen wahrscheinlich eine informelle Arbeitsatmosphäre. Jenseits von Hierarchien, dafür auf Augenhöhe mit allen, werden Entscheidungen getroffen und Verantwortlichkeiten verteilt. Dabei gilt der Slogan „Einer für alle, alle für einen!“ und die Motivation, das gemeinsame Ziel zu erreichen, ist hoch. Es ist Ihnen wichtig, dass jedes Teammitglied respektiert wird und gegenseitige Wertschätzung spürbar ist. Durch Ihre räumliche Nähe bemerken Sie sofort, wenn im Team etwas unrund läuft und sprechen es an. Gemeinsam wird überlegt, welche Veränderungen nötig sind, damit der Fokus auf das Ziel wieder möglich ist. Dafür müssen Sie auf die Bereitschaft jedes Einzelnen vertrauen können, denn mit Druck können Sie kaum etwas erreichen. Das heißt aber auch, dass der Abstimmungsprozess langwierig sein kann. In solchen Fällen können Teilziele eine Lösung sein, die verhindern, dass Sie und Ihr Team sich verzetteln.
In Bewegung bleiben
Den idealen Standpunkt scheint es nicht zu geben, da jeder mit gewissen Vor- und Nachteilen verbunden ist. Die Wahl Ihres Standpunkts sollten Sie deshalb von einigen Faktoren abhängig machen. Diese sind zum Beispiel:
Sobald sich einige der Faktoren verändern, ist es wichtig, eine Analyse vorzunehmen und zu prüfen, ob der bisherige Standpunkt noch passend ist oder verändert werden sollte. In jedem Fall beeinflusst er das Führungsverhalten und dafür wollte ich mit meiner Übung ein Bewusstsein schafften. Vielen Dank fürs Mitmachen und viel Erfolg bei Ihrer Standpunktwahl!
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