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Unlängst besuchte ich, zuerst in Boston und dann in Washington, die Wallfahrtsorte der amerikanischen Geschichte. Symbolik und Pathos – von der auserwählten «Shining City upon a Hill» bis zum besungenen «Star-Spangled Banner» – sind auf den ersten Blick an beiden Orten die gleichen. Die Kernaussagen dahinter unterscheiden sich aber diametral: Wird in Boston zur Erinnerung an den Unabhängigkeitskrieg Ende des 18. Jahrhunderts das Recht auf Sezession bejubelt, wird genau dieses Recht unter dem Eindruck des Sezessionskriegs hundert Jahre später in Washington verdammt.
Auch die landläufige Unterstützung heutiger Sezessionisten fällt sehr unterschiedlich aus. So geniesst der Kosovo bei uns viel Unterstützung, der Donbass keine, und gegenüber den Katalanen oder den Schotten gibt es verschiedene Meinungen. Auch wenn sich diese Fälle sehr unterschiedlich präsentieren, sollte zumindest im Grundsatz unbestritten sein, dass der Mutter- keinen Teilstaat zurückhalten darf, sollte sich die dortige Bevölkerung mit breiten demokratischen Mehrheiten für die Eigenständigkeit aussprechen. Und doch ist weitherum nur Liechtenstein mit einem expliziten Sezessionsrecht bekannt, während auch die demokratischsten Staaten von den USA bis zur französischen «République indivisible» niemanden einfach so ziehen liessen und lassen.
Selbst die Schweiz verbietet nach herrschender Rechtsmeinung ihren Kantonen zu gehen, ohne dass die anderen zustimmen. Die Ratio dahinter erschliesst sich nur, wenn man den Staat nicht als freiwilligen Verein, sondern als Einheit um seiner selbst willen versteht. In Basel-Stadt verpasste die (eher linke) Splitterpartei «freistaat unteres kleinbasel» (kurz: FUK) den Einzug ins Kantonsparlament nur knapp. Als Bewohner des (etwas bürgerlicheren) oberen Kleinbasels wäre ich jedenfalls nicht beleidigt, wenn sich das Matthäus- oder Klybeckquartier anderweitig organisieren wollte