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KOMPLEXE BILDER 10: MONTAGEN UND RE/KONSTRUIERTE GESCHICHTE(N)
60 min, Digital HD, OV, Regie: Lawrence Abu Hamdan, Chloé Galibert-Laîné und Kevin B. Lee, Miranda Pennell und dem Collectif_fact
16.06.2020 – 6pm
Auf dem Programm stehen Arbeiten von Lawrence Abu Hamdan, Chloé Galibert-Laîné und Kevin B. Lee, Miranda Pennell und dem Collectif_fact. Einführung: Maia Gusberti, anschliessend Diskussion mit Rachel Mader (Hochschule Kunst & Design, Luzern). Studierende erhalten reduzierte Tickets für CHF 10.–
Double Take: Officer/Leader of the Chasseurs/Syrian revolution commanding a charge
Lawrence Abu Hamdan, 2014, 12:00 Min., Digital HD, E
Die Installation aus Video, Ton und Gemälden handelt von einer zeitgenössischen Aneignung und Umdeutung des Gemäldes «Officer of the Chasseurs Commanding a Charge» von Théodore Géricault (1812, Louvre). Ein wohlhabender Geschäftsmann aus Syrien liess für sein britisches Landhaus bei einem Künstler eine Version malen, in welcher der französische Offizier von Géricaults Gemälde durch Sultan Basha Al-Atrash (1891–1982) ersetzt wird, den Anführer des syrischen Aufstands gegen die Franzosen 1925– 1927. Die Anglophilie ist der ungewöhnliche Grund für dieses paradoxe antikoloniale Bild, das sich zugleich der Ästhetik des Kolonialherren bedient. Abu Hamdan nutzt die Doppeldeutigkeit der durch die Bilder erzählten Geschichte (Anfang und Ende des französischen Imperialismus), um zu verstehen, wie die Menschen eine widersprüchliche Beziehung zu ihrer kolonialen Vergangenheit aufbauen.
Lawrence Abu Hamdan (*1985 in Amman, Jordanien) studierte an der Middlesex University und am Centre for Research Architecture des Goldsmiths College in London. Lawrence Abu Hamdan ist ein Künstler und Audio-Experte, dessen Arbeit sich mit der «Politik des Zuhörens» und der Rolle von Klang und Stimme im Rahmen der Menschenrechte befasst. Er kreiert audiovisuelle Installationen, Lecture Performances, Audio-Archive, Fotografie und Text, wobei er eingehende Recherchen und Ermittlungen in affektive, räumliche Erfahrungen übersetzt. Lawrence Abu Hamdan wurde 2019 mit dem Turner-Preis ausgezeichnet.
Re-enacting the Future
Chloé Galibert-Laîné und Kevin B. Lee, 2019, 9:45 Min., Digital HD F/e
In ihrem Video-Essay, entstanden im Auftrag des Critics’ Choice Program des Internationalen Filmfestivals Rotterdam, konfrontieren Chloé Galibert-Laîné und Kevin B. Lee Ausschnitte aus Radu Judes Spielfilm I Don’t Care If We Go Down in History as Barbarians über das Massaker von Odessa mit einer kurzen Szene aus Shooting Captured Insurgents (1898). Diese zeigt vier spanische Soldaten, die je einen kubanischen Rebellen an eine Mauer führen, zurücktreten und schiessen – eine der ersten Re-Enactments der Filmgeschichte. «Dies ist nicht nur Filmkritik als ein Akt der Erinnerung, sondern auch als eine Übung, um historische und gegenwärtige Formen des aufkommenden medial vermittelten Nationalismus zu erspüren.» Tara Judah
Chloé Galibert-Laîné ist Forscherin und Filmemacherin. Sie arbeitet derzeit an ihrer Promotion an der Ecole normale supérieure de Paris (PSL) und lehrt Filmwissenschaften an der Université Paris 8. Ihr besonderes Interesse gilt Fragen zur Rolle des Publikums, der Gesten der Aneignung und der vermittelten Erinnerung. Ihre Filme wurden auf Festivals wie dem True/False Festival (USA), dem Kasseler Dokfest oder der Ars Electronica gezeigt.
Kevin B. Lee ist Filmemacher, Medienkünstler, Kritiker und Lehrer mit Sitz in Stuttgart. Er hat zahlreiche Video-Essays für Online-Videokanäle, Festivals und crossmediale Plattformen verfasst. Seine Werke wurden auf Festivals und Ausstellungen gezeigt, darunter an der Viennale, am Internationalen Filmfestival Rotterdam oder im Österreichischen Filmmuseum.
Why Colonel Bunny Was Killed
Miranda Pennell, GB 2010, 28 Min., Digital HD, E
«Ausgelöst durch die Memoiren eines medizinischen Missionars im afghanischen Grenzgebiet, wird der Film aus Standbildern des kolonialen Lebens an der nordwestlichen Grenze Britisch-Indiens um die Wende zum 20. Jahrhundert konstruiert. Auf der Suche nach Hinweisen auf die Wirklichkeit hinter den Bildern, die während der Zeit des Kolonialkonflikts entstanden sind, spielt der Film Ton gegen Bild aus, um zeitgenössische Parallelen in westlichen Darstellungen eines fernen Ortes und fernerer Menschen zu finden.» LUX
Miranda Pennell hat einen MA in visueller Anthropologie des Goldsmiths College und einen Doktortitel in Fachbereich Media, Art & Design der University of Westminster. Why Colonel Bunny Was Killed wurde 2011 am Images Festival, Toronto, und beim Courtisane Festival of Film & Media Art, Gent, als bester internationaler Film ausgezeichnet.
No Picture, No Glory or the Triumph of Apophenia
Collectif_fact, 6:50 Min., Digital HD, OV
Aus Bildern von Besuchern und Gemälden der National Gallery in London wurde eine Datenbank zusammengestellt. Die Bearbeitung der Bilder geschah dann absichtlich mithilfe von Bildanalyse- und Indexierungsprogrammen. Die gefilmten Personen und Bilder finden sich nun plötzlich im Szenario einer Technologie wieder, die unaufhörlich für uns auswählt, interpretiert, arrangiert und retuschiert.
Das Collectif_fact besteht aus Annelore Schneider und Claude Piguet. Sie leben und arbeiten in London und Genf. Ihre videobasierten Projekte sind eine Dekonstruktion dessen, was wir als filmische Codes innerhalb unserer visuellen Kultur sehen. Ihre Videos nutzen häufig die Fähigkeit des Zuschauers, Geschichten aus zerrissenen Erzählfragmenten zu konstruieren. Tatsächlich verweben ihre Videos ein komplexes Geflecht von Referenzen: Fragmente von Dialogen, Zitaten und Musikaufnahmen. collectif_fact spielt mit unserem Wunsch, von Bildern und Geschichten erfasst und sogar getäuscht zu werden.