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Bis zum Jahr 2050 will die EU klimaneutral werden zudem muss der CO2-Ausstoss bis zum Jahr 2030 um «mindestens 55%» gesenkt werden. Vor diesem Hintergrund entwickelte RTE verschiedene Szenarien, die aufzeigen, wie Wirtschaft und Lebensweise verändert und das System umstrukturiert werden können, damit Strom fossile Brennstoffe als Hauptenergie des Landes ersetzen kann.
Das Referenzszenario geht von einem Stromverbrauch von 645 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2050 aus, was einem Anstieg von etwa 35% gegenüber dem heutigen Stand entspricht. Dieser Verbrauchsanstieg setze eine «schrittweise» Elektrifizierung und ein starkes Engagement für Energieeffizienz voraus. Ein Szenario rechnet mit einem Verbrauch von nur 555 TWh und setzt auf Genügsamkeit und einen sparsamen Lebensstil: mehr Homeoffice, niedriger Güterkonsum und «Wirtschaft des Teilens» sowie weniger Individualverkehr zugunsten von sanfter Mobilität und öffentlichen Verkehrsmitteln. Dagegen könnten eine starke Reindustrialisierung Frankreichs und eine beschleunigte Entwicklung der Wasserstoffproduktion zu einem noch höheren Stromverbrauch von 752 TWh führen, so RTE. Neben diesen beiden Szenarien hat die RTE auch noch vier Varianten entwickelt mit einem Verbrauch zwischen 578 und 754 TWh.
Zwei Herausforderungen
Um im Jahr 2050 kohlenstoffneutral zu sein, ist laut Studie in jedem Fall eine massive Elektrifizierung der Bereiche Verkehr, Heizung und Industrie auf Kosten von Erdöl und Erdgas erforderlich. Selbst wenn der Gesamtenergieverbrauch sinkt, wird Frankreich im Jahr 2050 immer noch mehr Strom verbrauchen als heute, selbst im Szenario mit dem tiefsten Verbrauch.
«Frankreich muss sich gleichzeitig zwei Herausforderungen stellen: einerseits mehr Strom produzieren, um Erdöl und fossiles Gas zu ersetzen, und andererseits die Kernkraftwerke ersetzen, die bis 2060 allmählich ihr Betriebsende erreichen haben werden», fasst RTE-Präsident Xavier Piechaczyk zusammen.
Sechs Produktionsszenarien
Um «zur öffentlichen Debatte beizutragen», stellt RTE sechs mögliche Produktionsszenarien vor, die von 100% erneuerbaren Energien im Jahr 2050 bis zu einer gezielten Entwicklung der Kernenergie mit dem Bau von EPR2 und kleinen, modularen Reaktoren reichen. «Alle Wege sind möglich, auch wenn einige schwieriger oder unsicherer sind», meint Piechaczyk.
In diesen Szenarien werden die wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Dimensionen der zu treffenden Entscheidungen berücksichtigt. Die Studie verzichtet auf eine Empfehlung, sondern stellt «Vor- und Nachteile, Auswirkungen und Folgen» der Möglichkeiten dar, stellt Piechaczyk klar. «Es ist Aufgabe der demokratisch gewählten Politiker, den Kurs des Landes zu bestimmen», und es besteht die «dringende Notwendigkeit», Entscheide zu treffen, betonte er.
«Das Erreichen der Kohlenstoffneutralität ist ohne einen signifikanten Ausbau der erneuerbaren Energien unmöglich», so die Autoren des Berichts. Dies gelte auch für die Szenarien, die den Bau von Kernkraftwerken beinhalten. So ist selbst bei einem massiven Ausbau der Kernenergie eine siebenfache Solarproduktion notwendig und die Winderzeugung müsse um das Zweieinhalbfache steigen.
Kernenergie ist wirtschaftlich sinnvoll
Aus wirtschaftlicher Sicht sei der Bau neuer Kernkraftwerken jedoch sinnvoll, kommt die Studie zum Schluss. Denn auch wenn die Kosten für erneuerbare Energien stark gesunken sind, erfordern Solar- und Windenergie höhere Investitionen in die Stromnetze und in die Flexibilität, was wiederum mehr Speicher und Reserve-Wärmekraftwerke, z. B. mit Wasserstoff oder Biomethan, erforderlich macht. Daher seien die Szenarien mit neuen Kernkraftwerken wettbewerbsfähiger.
Der Unterschied zwischen einem Szenario mit neuen Kernreaktoren – 14 Einheiten vom Typ EPR2 und mehrere SMR – und einem Szenario ohne Kernenergie, das auf der Entwicklung grosser Anlagen für erneuerbare Energien basiert, beträgt jährlich rund EUR 10 Mrd. In einigen Szenarien vergrössert sich die Lücke sogar auf rund EUR 20 Mrd. pro Jahr.
RTE auch zum Schluss, dass «das Stromsystem Klimaneutralität zu akzeptablen Kosten erreichen kann». Der Anstieg der Stromkosten würde sich in der Grössenordnung von 15% bewegen, aber im Gegenzug würden die Ausgaben für Treibstoffe oder Ölheizungen entfallen.
Quelle
M.A. nach RTE, Medienmitteilung, 25. Oktober 2021, und «Futurs énergétiques 2050», Zusammenfassung, Oktober 2021