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Deutsche Unternehmen, darunter der Verlag Axel Springer, haben in diesem Jahr 18 Milliarden Euro in Schuldscheinen ausgegeben. Das ist mehr als das Volumen von Term-Loans (Darlehen) für Unternehmen, das bei 14,3 Milliarden Euro liegt, und mehr als die 13 Milliarden Euro Unternehmensanleihen ohne Rating, zeigen Daten von Bloomberg.
Die Verschiebung ist teilweise zurückzuführen auf den weltweiten Rückgang bei Firmenkrediten aufgrund weniger fremdfinanzierter Übernahmen. Schuldscheine bieten Kreditnehmern jedoch auch mehr Flexibilität, niedrigere Kosten und weniger Papierkram.
"Der Schuldschein bietet uns niedrigere Transaktionskosten und flexiblere Laufzeiten", sagte Hafid Rifi, Finanzvorstand der Asklepios Kliniken GmbH, die diesen Monat mit dem Produkt 780 Millionen Euro aufgenommen hat und damit mehr als doppelt soviel, wie das ursprünglich angestrebte Volumen.
Flexibler
Seine Flexibilität öffnet den Kapitalmarkt für Kreditnehmer, die sonst Schwierigkeiten hätten, Mittel mit Anleihen oder Krediten aufzunehmen, weil sie über kein Rating verfügen, sagt Stefan Scherff, Leiter Private Debt Origination bei der Commerzbank in Frankfurt. "Über 90 Prozent der Emittenten sind ohne Rating und haben nur begrenzten Zugang zu den lokalen Rentenmärkten", sagte er und fügte hinzu, dass er einen Anstieg des Produkts weit über Deutschland hinaus erwartet.
"Sobald ein Finanzchef den Schuldschein als eine mögliche Option auf dem Radar hat, kann er oder sie es in den Refinanzierungs-Mix einfügen, ob in Deutschland oder anderswo", sagte er. Und fügt an: "Bei den meisten Transaktionen handelt es sich um eine Refinanzierung der bestehenden Schuldtitel und nicht um eine Neuverschuldung".
Als der Gabelstaplerhersteller Kion Group AG in diesem Jahr einen Übernahme-Überbrückungskredit zurückgezahlt hat, entschied er sich für die Schuldscheinstruktur und sammelte im grössten Geschäft 2017 mehr als 1 Milliarde Euro ein. Kion verwendete Schuldscheine anstelle von Anleihen, "basierend auf dem damals attraktiven Markt, der vielfältige Investorenbasis und dem schlanken Prozess ", so Finanzvorstand Thomas Toepfer. "Wir werden sicherlich einen Schuldschein in Betracht ziehen, um neue Finanzierungsbedürfnisse zu unterstützen", sagte er.
Heike Rost, Leiterin Finanzen bei Axel Springer sagt, rund 60 Prozent der aktuellen Bruttoverschuldung des Unternehmens seien Schuldscheine - das sind rund 879 Millionen Euro gegenüber rund 300 Millionen Euro bei Term-Loans. Der jüngste Deal war ein Schuldscheindarlehen mit einem Volumen von 635,5 Millionen Euro im Juni.
Eine Sparte der Volkswagen AG sammelte dieses Jahr bereits 900 Millionen Euro mit einem Schuldscheindarlehen im März ein und könnte erneut an den Markt gehen, sagt der Chief Financial Officer der Division, Frank Fiedler.
Internationalisierung
Rifi von Asklepios Kliniken sagt, dass 40 Prozent seines letzten Schuldscheins an neue Investoren gingen, von denen viele ausserhalb Deutschlands ansässig sind, und man verzeichnete eine Zunahme der Anfragen zur Dokumentation in englischer Sprache.
Asiatische Investoren waren bei Kions letzter Emission gut in den Auftragsbüchern vertreten, sagte Toepfer, während auch Volkswagen grosses Interesse aus der Region anzog.
"Interessanterweise ist die Investorenbasis im Vergleich zu unseren Anleiheinvestoren recht unterschiedlich und unterstützt daher unsere Strategie, die Finanzierung auf andere Instrumente und Investoren auszudehnen", sagte Fiedler.
(Bloomberg)