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Nach der Primarschule in La Roche besucht Rémi Brodard, jüngstes von 14 Kindern, als Interner das Kollegium St. Michael, in dem er 1949 die lateinisch-griechische Matura ablegt. Seine Rechtsstudien an der Universität Freiburg schliesst er 1953 mit dem Lizentiat ab. Nach dem Praktikum erhält er sein Anwaltspatent. Von 1957 bis 1960 ist der Greyerzer in der Stadt Freiburg als Anwalt tätig. In diesem Jahr, das einen Wendepunkt in seinem Leben bedeutet, entscheidet er sich für das Richteramt : Das Wahlkollegium (Staatsrat und Kantonsgericht) ernennt ihn zum Untersuchungsrichter und zum Präsidenten der Bezirksgerichte Glane und Vivisbach. Eine weitere Neuorientierung findet 1965 statt : Der Staatsrat ernennt ihn zum Oberamtmann des Glanebezirks.
Bei den heftig umkämpften Staatsratswahlen von 1971 kandidiert Rémi Brodard auf der christlichdemokratischen Liste und wird im zweiten Wahlgang gewählt. Während zwei Legislaturen, bis zum 31. Dezember 1981, leitet er die Direktion der Justiz, des Gemeinde- und Pfarreiwesens, ab 1. Januar 1982 die Justiz-, Polizei- und Militärdirektion. 1977 und 1984 ist er Staatsratspräsident und hat in dieser Funktion die Ehre, Papst Johannes Paul II. während seines Schweizer Besuchs (1984) zu empfangen.
1986 kandidiert er zum vierten Mal : Er ist zwar dienstältestes Regierungsmitglied, doch erst 59 Jahre alt und fühlt sich « physisch und psychisch in Form ». Da er jedoch im ersten Wahlgang nur den vierten Platz auf der CVP-Liste erreicht, verzichtet er auf die zweite Runde. Seit 1981 wendet die « grosse alte Partei » das « faktische Proporzsystem » gemäss der Formel 3 CVP, 2 SP und 2 FDP an. Von 1972 bis 1986 erarbeiten die beiden Rémi Brodard unterstellten Direktionen 37 Gesetzesentwürfe von unterschiedlicher Bedeutung. Drei von ihnen werden verworfen.
So wird am 24. Mai 1974 das wichtige Gesetz von 1973 über die obligatorischen Gemeindefusionen vom Volk abgelehnt, das dem Direktor indessen nichts nachträgt : 1976 wird er als Einziger im ersten Wahlgang und 1981 als Erster im zweiten Wahlgang bestätigt. Von 1972 bis 1986 werden im Übrigen elf Dekrete über Gemeindefusionen verabschiedet.
Ist die zweite Amtszeit (1976–1981) ein « Null-Fehler-Ritt », so bringt die dritte und letzte (1981–1986) eine doppelte Niederlage. Am 26. Februar 1984 lehnt das Volk das von der mächtigen Schützenlobby bekämpfte Gesetz über Waffen und Munition von 1983 ab, und am 28. September 1986 verwirft es das Gesetz von 1985 betreffend die Beziehungen zwischen Kirchen und Staat, das von verschiedenen kirchlichen wie weltlichen Kreisen angegriffen wurde.
Zu seinen Erfolgen gehören dagegen ein Gesetz über die Datenbank der freiburgischen Gesetzgebung (1984) und des Weiteren in chronologischer Reihenfolge die Gesetze über die Jugendstrafrechtspflege (1973), den Anwaltsberuf (1977), die Gemeinden (1980), die Enteignung (1984), das Zivilstandswesen (1986), die Einwohnerkontrolle (1986) sowie die Haftung der Gemeinwesen und ihrer Amtsträger (1986) ; hinzu kommt eine Verschlankung der freiburgischen Gesetzgebung : Rund 800 veraltete Gesetze werden 1986 aufgehoben.
In Bellechasse können der Umbau des Gefängnisses und der grosse Bau der Werkstätten abgeschlossen werden. Nach seinen eigenen Worten möchte Rémi Brodard « das Vertrauen zwischen Polizei und Bevölkerung vertiefen ».
Auf administrativer Ebene leitet er – eine anspruchsvolle Aufgabe – die Kommissionen der Sanktionen gegen die kantonale Milchwirtschaftszentrale, der Schlichtung bei Meliorationen und der Schlichtung bei städtischen Landumlegungen.
1987, nach dem Rückzug aus der Politik, eröffnet er im Alter von 60 Jahren erneut eine Anwaltskanzlei, diesmal mit Notariat, in der Stadt Freiburg. Mit seiner Ehefrau Michèle lebt er heute in Villars-sur-Glâne. Gemäss seinen religiösen und sozialen Überzeugungen übt er mehrere Mandate aus, wie das Präsidium der Vereinigung der Freunde der Abtei La Fille-Dieu, der die hohe finanzielle Unterstützung der Restaurierung der Abteikirche zu verdanken ist, und das Präsidium des Stiftungsrats des Altersheims Villa Beausite (2000–2010).