Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03232.jsonl.gz/1219

Systemischer Umgang mit psychiatrischen Störungen
Während die klassische Psychiatrie auf biologische und psychische Defizite fokussiert, können psychiatrische Störungen aus systemischer Sicht als Lösungsversuch der Betroffenen für problematische Konstellationen in ihrem Lebensumfeld gesehen werden, auch wenn sie mit Leiden verbunden sind. Psychiatrische Symptome und die damit verbundene Krankenrolle können zu vermehrter Zuwendung durch Angehörige verhelfen, von familiären Konflikten ablenken und durch Vermeidung anstehender Autonomieschritte Lebensrisiken verringern, allerdings zum Preis eingeschränkter persönlicher Entfaltungsmöglichkeiten. Problematische Denkmuster (z.B.: „Wenn ich morgens schlecht gelaunt aufwache, ist das der Beginn einer schweren Depression“) oder Verhaltensmuster (z.B.: Je passiver der Sohn, desto aktiver wird die Mutter.) können das Problem in zirkulären Prozessen aufrechterhalten und chronifizieren.