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Während des Zweiten Weltkriegs lassen die britischen Flugzeuge Tausende Bomben über Berlin fallen. In der stark zerstörten Stadt überleben keine Grandhotels. Quasi als Widergutmachung eröffnet Sir Rocco Forte sein Hotel de Rome in einem historischen Gebäude am Bebelplatz in Berlin Mitte. Es wurde zwar als Bankgebäude erstellt, aber von einem Architekten, der sich auf auf grosse Hotelbauten spezialisiert hatte. Et voilà: In der neuen Hauptstadt steht mit dem Rocco Forte Hotel de Rome wieder ein historisches Grandhotel.
Wegen eines Grossanlasses kann das Taxi nicht bis zum Hoteleingang fahren. So ziehen wir unsere Koffer die letzten Meter zur Behrenstrasse selber. Von weitem kommt der Wagenmeister entgegen, um die Koffer abzunehmen. Im Moment wird die benachbarte Deutsche Staatsoper renoviert. Dies hat zur Folge, dass das Hotel de Rome in einer Sackgasse liegt, da der Bebelplatz davor autofrei ist. Mit einer gewissen Spannung betreten wir das Gebäude. Ist es der Rocco-Forte-Collection gelungen, ein altes Bankgebäude in ein historisches Grandhotel umzuwandeln. Der Eingang präsentiert sich so, wie das für die Hotels im alten Berlin üblich war: schlicht und unscheinbar. Ein paar Stufen führen in die Empfangshalle im Hochparterre, wo sofort die alten Marmorsäulen auffallen.
Hier stehen wir an einer kleinen Kreuzung: Geradeaus führt der Weg in den Wintergarten und den dahinter liegenden Ballsaal, nach rechts erreicht man das Restaurant und die Bar, nach links die Reception und den Concierge. Am Empfang werden wir sehr freundlich willkommen geheissen. Das für uns vorgesehene Zimmer ist um 16 Uhr noch nicht frei. Die Empfangsdame zeigt uns kurz Restaurant und Bar und führt uns in den 5. Stock zu einem freien Zimmer. Hier haben wir eine interessante Aussicht auf den Berliner Dom und die Opernbaustelle. Die Zimmer im historischen Teil befinden sich im 1. Und 2. Stock. So wollen wir lieber auf unser Zimmer im 2. Stock warten. Die Empfangsdame offeriert uns deshalb einen Drink in der Bar. Wir trinken einen Gin Tonic, der mit dem Tonic Water „Thomas Henry“, das aus Berlin stammt, serviert wird.
Wie schon geschrieben, bieten die Zimmer in den oberen Stockwerken eine schöne Aussicht. Aber dieser Gebäudeteil ist neu, die Decken tief und die Flure einfach. Ganz anders im zweiten Stock: Hier sind hohe und breite Flure im alten Stil mit einem herrlichen Mosaikboden zu bewundern. Ein Blick in den Innenhof zeigt deutlich den Neubau ab dem dritten Stock. Das Glasdach unten gehört zum Ballsaal.
Die hohe Decke bestimmt auch das grosse Zimmer. Am Boden liegt ein dicker Hotelteppich, der dem Zimmer eine warme Note verleiht. Zwei hohe Fenster lassen zum einen genügend Tageslicht herein, bieten zum anderen Aussicht auf die imposante Kuppel der katholischen St. Hedwigs-Kathedrale. Der grosse Raum ist alles andere als übermöbliert.
Auf der einen Seite steht das grosse Bett mit Nachttisch und Schreibtisch, auf der anderen Seite ein bequemes Sofa mit Ottomane. Der eher kleine Fernseher steht auf einem dunklen Holzmöbel, in dem sich die Minibar befindet. Dahinter an der Wand steht ein dunkler Paravent mit grossen Karomustern. Links und rechts davon stehen zwei neue Bodenlampen im Art-Deco-Stil.
Zwar ist diese Inszenierung aufeinander abgestimmt, doch wirkt sie ein bisschen wie ein Altar für den Fernseher. Man darf es natürlich auch als Anlehnung an die benachbarte St. Hedwig Kathedrale interpretieren. Abends kann ein warmes Licht produziert werden. Dazu sind einfache Lichtschalter zu bedienen. Man weiss auch ohne einen Monat hier zu wohnen, welcher Schalter für welches Licht gilt. Was fehlt, ist eine Deckenlampe.
Der Eingang zum Bad befindet sich im Flur, wo auch der grosszügige Wandschrank steht. Eine grosse Badewanne, eine separate Dusche und ein Bidet, das keine Selbstverständlichkeit in Berlins Luxushotels ist, bieten viel Platz für Wasserspiele. Die Wände sind mit einem Mosaik verziert. Eigentlich hätte es Platz für zwei Lavabos. Dafür kommt das moderne rechteckige solo gut zur Geltung.
Auf dem Weg in die Bar benutzen wir das historische Treppenhaus. Das Geländer aus Stahl, die Marmorverkleidung an den Wänden und das Parkett sind original und wurden aufgefrischt. Dazu passen die neuen, durch das ganze Treppenhaus hängenden Kugellampen.
Die Bar La Banca teilt sich in mehrere Bereiche. Die Theke verläuft parallel zu der Fensterfläche, die den Blick auf den Bebelplatz freigibt. Die Flaschen sind in einem hängenden Gestell über der Theke abgestellt. Hohe Decken, Steinböden und diffuses Tageslicht verströmen keine warme Atmosphäre. Bei Dunkelheit entfaltet die Lichtregie dann doch ihre Wärme.
Ganz anders die Stimmung im intimen Velvet Room, der mit violettem Teppich und an den Wänden mit braunem Samtstoff verkleidet ist und wie ein kleines Wohnzimmer wirkt. Hier schweift der Blick direkt durch das Fenster auf den Bebelplatz. Abends wird der Raum in einem warmen Licht erhellt.
An der Wand sehen wir ein „Feu“ des in Paris lebenden Fotografen Sandy Blond-Fleury. Der Martini-Cocktail (EUR 13.-) kommt nicht feurig, sondern kalt und trocken auf den Tisch. Er wird begleitet von steinlosen Oliven, einer Nussmischung und Chips.
Am zweiten Abend essen wir ebenfalls im Velvet Room der Bebel Bar ein Club-Sandwich mit Pommes, das in fingiertes Zeitungspapier eingewickelt ist. Es braucht eine gewisse Überzeugungskraft unsererseits, der freundlichen Serviceangestellten unseren Wunsch nach einer vegetarischen Ausgabe des Sandwiches klarzumachen. Doch dann klappt es bestens und wir sind rundum zufrieden. Dazu trinken wir wieder einen erfrischenden Gin Tonic.
Das Restaurant La Banca ist der Teil des Hotel de Rome mit den wenigsten historischen Noten. Es bietet einen Blick in den Innenhof, der im Sommer den Rahmen zu einer lauschigen Terrasse bildet. Das Interieur wirkt frisch und froh. Sessel und Sofa sind mit hellgrünem Stoff bezogen. Dunkles Holz an den Wänden und ein Steinboden, der mit seinem Spiel von hellen und dunklen Platten den Raum unterteilt, bilden den Rahmen für eine italienisch-mediterrane Küche. Die Tische bilden Nischen, so dass man entre nous ist. Ähnliches haben wir schon im Brown’s Hotel in London kennen und schätzen gelernt. Die italienische Speisekarte bietet immer auch vegetarisches. Wir haben das Paroli Restaurant an einem Sonntagabend besucht und wollen somit nicht ein endgültiges Urteil fällen. Das sehr junge Personal ist freundlich, aber ein bisschen unsicher. Gewisse Dinge darf anscheinend nur der ebenfalls junge Chef dieses Abends erledigen. Die Bestellung aufnehmen gehört dazu. Und anscheinend auch den Wein nachzuschenken.
Um nicht vor leeren Gläsern zu sitzen, schenken wir uns die Flasche Barbera selber ein. Der Wein wirkt sehr verschlossen. Ich finde, für 54 Euro sollte ein lieblicherer und trinkreifer Barbera offeriert werden. Zu den Speisen: Währen der Trüffelsaison gibt es eine Trüffekarte. Daraus wählen wir als Vorspeise ein pochiertes Demeter-Ei auf Blattspinat und zum Hauptgang Tagliatelle mit Steinpilzen statt mit Trüffeln. Wir sind ja Spezialisten und Liebhaber für Weisse Alba Trüffel, aber nicht zum Eingramm-Preis von 14 Euro! Ich habe extra nachgeschaut: Im Herbst 2013 kostet das Gramm Trüffel im deutschen Laden etwa 4 Euro. Der Preis ist das eine, die Tagliatelle das andere. Über diese bleichen und trockenen Teigwaren möchte ich keine Weissen Alba Trüffel gerieben haben. Ich denke, die mediterrane Küche harmoniert nicht mit der Piemont-Küche. Das sind zwei Welten. So möchten wir zum Schluss ein Lob auf die Steinpilze aussprechen, die sehr aromatisch auf den Tisch kommen.
Den Wintergarten nennen sie hier Opera Court. Die Glasdecke wurde neu vergoldet, gehört aber zur historischen Substanz wie die Stuckaturen an der Decke. Nur die Möblierung ist neu. Hier wird der Nachmittagstee serviert. Allerdings scheint dies überall auf der Welt ein Flop zu sein, ausser in London. Im Wintergarten steht auch ein Flügel für den Pianisten und im Winter wird der Weihnachtsbaum in diesem Raum aufgebaut.
Der über acht Meter hohe Ballsaal bildete früher die Schalterhalle der Dresdner Bank. In der DDR wurde dieser Saal kurzfristig als Kino benutzt. Der aufwändig gestaltete Boden ist mit Mosaiken dekoriert. Die Bögen auf der Balustrade wurden geschlossen. Dahinter sind heute Hotelzimmer untergebracht.
Der Eingang in die Schalterhalle erfolgte über die rückseitige Französische Strasse. Dieser repräsentative Eingang wurde ebenfalls restauriert und dient heute bei öffentlichen Veranstaltungen als Eingang in den Ballsaal.
Wir haben uns sehr wohl gefühlt im Hotel de Rome. Man darf sich bei den Hotels der Rocco-Forte-Collection nicht vom Design abschrecken lassen. Auf den Prospekt-Fotos sieht es viel gestylter aus als in Wirklichkeit. Es lässt sich in ihnen sehr bequem und auch stilvoll leben. Das Personal ist freundlich und hilfsbereit. Das Hotel de Rome gehört zu unserer bevorzugten Adresse in Berlin.
Restaurants: La Banca - italienisch-mediterran, Bar La Banca; Zimmer: 109 Zimmer & 37 Suiten; Adresse: Hotel de Rome, Behrenstrasse 37, 10117 Berlin / http://www.hotelderome.de/