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Einige jüdische Feiertage – von denen manche in Israel offizielle gesetzliche Feiertage sind – finden dieses Jahr zwischen dem 2. und dem 24. Oktober statt. Wir möchten Ihnen dazu folgenden kurzen Überblick liefern.
In der Zeit vor dem jüdischen Neujahrsfest werden traditionell vor den regulären Morgengebeten besondere Bussgebete gesprochen und nach der Morgenandacht wird das Widderhorn (auf hebräisch: Shofar) geblasen. Die Juden in Nordafrika und dem Nahen Osten begannen bereits am 17. August mit dem Sprechen dieser speziellen Gebete, während die Juden europäischer Herkunft erst am 4. September damit anfingen. Diese besonderen Gebete werden täglich bis zum Vortag des Yom Kippur (am 11. Oktober) gesprochen (ausser am Sabbat und dem Neujahrstag selbst).
Rosh Hashana
Rosh Hashana (das zweitägige jüdische Neujahrsfest) geht zurück auf ein Gebot in Levitikus 23, 23-25. Es beginnt am Sonntag, dem 2. Oktober bei Sonnenuntergang und endet am Dienstag, dem 4. Oktober bei Einbruch der Dunkelheit. An beiden Tagen werden besondere Gebete gesprochen und spezielle Schrifttexte vorgetragen.
Zentraler Bestandteil des Gottesdiensts an Rosh Hashana ist das Blasen des Shofars während der Morgenandachten. (Sollte einer der beiden Festtage auf einen Sabbat fallen, wird das Shofar nicht geblasen.) Beide Festtage sind offizielle gesetzliche Feiertage und, ebenso wie am Sabbat, verkehren keine öffentlichen Verkehrsmittel in Israel und es erscheinen keine Zeitungen. Ausserdem sind zahlreiche Geschäfte, Museen und andere Institutionen, die normalerweise am Sabbat geöffnet haben, über die Feiertage geschlossen.
An Rosh Hashana gibt es übrigens noch zwei weitere besondere Bräuche. Der erste ist das Verzehren von in Honig getauchten Apfelscheiben, was die Hoffnung auf ein „süsses“ neues Jahr symbolisieren soll. Beim zweiten Brauch ist es üblich, eine natürliche, fliessende Wasserquelle aufzusuchen (wie z. B. das Meer, einen Fluss oder eine Quelle), einige Verse aus der Heiligen Schrift zu lesen und Brotkrümel ins Wasser zu streuen – auf diese Weise werden die Sünden des vergangenen Jahres „abgeworfen“. Diese Tradition beruht auf der Schriftstelle Micha 7, 19 („Ja, du wirfst all unsere Sünden in die Tiefe des Meeres hinab.“). Diese Zeremonie findet am ersten Tag des Rosh Hashana statt (oder am zweiten, wenn der erste Tag auf den Sabbat fällt).
Die Zeit zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur
Die zehn Tage zwischen dem Neujahrsfest und Yom Kippur (einschliesslich) sind bekannt als „Die zehn Tage der Umkehr“ (oder „Die zehn ehrfurchtsvollen Tage“). In der jüdischen Überlieferung ist dies die Zeit des Gerichts, in der alle Menschen und Nationen Rechenschaft für ihre Taten im zurückliegenden Jahr ablegen müssen und in der über ihr jeweiliges Schicksal im kommenden Jahr entschieden wird.
Der Tag nach dem Neujahrstag ist ein Tag des Fastens, auch als das Gedaliah-Fasten bekannt. Es erinnert an die Ermordung von Gedaliah, dem von den Babyloniern nach ihrer Eroberung Jerusalems im Jahr 586 v. d. Z. eingesetzten jüdischen Stadthalter von Judäa; im 2. Buch der Könige, 25, 22-25 wird darüber berichtet. Wenn der Tag nach Rosh Hashana auf einen Samstag fällt, wird das Fasten um einen Tag verschoben. Das Fasten dauert vom Sonnenaufgang am Mittwoch, dem 5. Oktober bis zum Einbruch der Dunkelheit am selben Tag. Während dieser Zeit werden auch besondere Lesungen aus der Schrift rezitiert, der Tag ist jedoch kein gesetzlicher Feiertag.
In der Zeit zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur liegt auch immer ein Sabbat, der „Sabbat der Busse“. Dieser Sabbat (in diesem Jahr der 8. Oktober) wird mit einem besonderen Schrifttext aus Hosea 14, 2-10 begangen, der mit den Worten beginnt: „Kehre um, o Israel, zu dem Herrn, deinem Gott!“
Yom Kippur
Yom Kippur (hebräisch „Der Tag der Sühne“) beginnt bei Sonnenuntergang am Dienstag, dem 11. Oktober und endet mit Einbruch der Dunkelheit am Mittwoch, dem 12. Oktober. Die Einhaltung des Feiertags wird in Levitikus 16, 29-31 und 23, 27-32 vorgeschrieben. Der heiligste Tag das Jahres, Yom Kippur, ist der Tag, an dem der jüdischen Überlieferung zufolge unser Schicksal für das kommende Jahr besiegelt wird. Die Gottesdienste in den Synagogen – die sich auf das Sprechen von Bussgebeten konzentrieren – ziehen sich nahezu über den gesamten Tag hin und beinhalten besondere Schriftlesungen (einschliesslich des Buches Jona am Nachmittag). Auch die viermal im Jahr gesprochenen Gedenkgebete für die Verstorbenen werden an Yom Kippur rezitiert. Bei Einbruch der Dunkelheit markiert der einmalige Ruf des Shofar das Ende von Yom Kippur.
Yom Kippur ist ein offizieller gesetzlicher Feiertag in Israel, an dem fast alle Einrichtungen geschlossen sind. Auch finden keine Radio- oder Fernsehübertragungen statt. Da Yom Kippur ein Tag der Selbstbetrachtung und inneren Einkehr abseits des normalen Alltagslebens ist – die körperlichen Aspekte unseres Lebens werden vergeistigt, während wir uns auf unsere spirituellen Belange konzentrieren – findet an diesem Tag ein ganztägiges Fasten statt (Sonnenuntergang bis Einbruch der Dunkelheit). An diesem Tag sind das Tragen von Leder, die Verwendung von Kosmetika, Baden und eheliche Beziehungen untersagt.
Sukkot
Das siebentägige Sukkot oder Laubhüttenfest, dessen Ursprung in Levitikus 23, 34-35 und 23, 39-43 begründet ist, beginnt bei Sonnenuntergang am Sonntag, dem 16. Oktober und es endet am Sonntag, dem 23. Oktober bei Einbruch der Dunkelheit. Der erste Tag von Sonnenuntergang am Sonntag, dem 16. Oktober bis zum Einbruch der Dunkelheit am Montag, dem 17. Oktober ist ein offizieller gesetzlicher Feiertag. An allen sieben Festtagen finden besondere Gebete und Schriftlesungen statt – u. a. aus dem Buch Kohelet, aus dem am Samstag, dem 22. Oktober gelesen wird. Nach dem eher getragenen, beschaulichen und privaten Charakter von Yom Kippur, zu dem es in starkem Kontrast steht, ist Sukkot ist ein fröhliches und familienorientiertes Fest. Viele Geschäfte und Institutionen sind an diesem Tag entweder geschlossen oder haben nur eingeschränkte Öffnungszeiten.
An Sukkot gibt es zwei charakteristische Bräuche. Die Juden sind aufgerufen, an diesem Fest eine improvisierte, mit Stroh oder Palmzweigen gedeckte Hütte zu errichten, in der sie sämtliche Mahlzeiten einnehmen und nach Möglichkeit auch schlafen. Diese Hütten (hebräisch Sukka) sollen an die provisorischen, tragbaren Unterkünfte erinnern, in denen das jüdische Volk nach seiner Befreiung aus der Sklaverei in der Zeit seiner 40-jährigen Wanderung durch die Wüste lebte. Der zweite typische Brauch an Sukkot ist ein besonderer Feststrauss – bestehend aus einem Palmzweig, einem Zitronen-, einem Myrten- und einem Weidenzweig – der an allen sieben Tagen (ausser dem Sabbat) während des Morgengebets getragen wird; sein Ursprung rührt aus Levitikus 23,40 her und sein symbolischer Charakter wurde bereits vielfach gedeutet.
Shemini Atzeret (Simhat Torah)
Das Fest Shemini Atzeret (wörtlich „Der achte Tag der Versammlung“) folgt direkt auf den letzten Tag des Sukkot und beginnt am 23. Oktober bei Sonnenuntergang. Es endet am Montag, dem 24. Oktober bei Einbruch der Dunkelheit. Die Begehung des Feiertags wird in Levitikus 23, 36 geboten. Er ist ein offizieller gesetzlicher Feiertag. (Auch wenn er unmittelbar auf das siebentägige Sukkot folgt und oft als ein Teil desselben angesehen wird, handelt es sich dabei tatsächlich um einen eigenen Feiertag. Der besondere Feststrauss wird an diesem Tag nicht mehr getragen und man hält sich auch nicht mehr in den Laubhütten auf.) Zu den Gebeten in den Gottesdiensten an diesem Feiertag zählen neben Gebeten für die Verstorbenen auch Gebete für reiche Niederschläge während des bevorstehenden Winters.
Im Mittelpunkt von Shemini Atzeret stehen allerdings besondere Schrifttexte. An Shemini Atzeret schliesst sich der Jahreskreis der Lesungen aus der Tora (die ersten fünf Bücher der Bibel, d. h. Genesis bis Deuteronomium, aus denen an jedem Sabbat des Jahres ein Abschnitt gelesen wird) und beginnt gleichzeitig von Neuem seinen Jahreslauf. Dieses Ereignis wird begleitet von Tanz und Gesang, die mitunter mehrere Stunden andauern können; in besonders religiösen Stadtvierteln breiten sich diese Feierlichkeiten oft bis in die Strassen aus. Daher wird der Feiertag auch oft Simhat Torah genannt (auf hebräisch „Freude der Torah“).