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Srila Prabhupada sagte einmal: "Wir müssen nicht darüber spekulieren wie Gott aussieht. Er kommt er auf die Erde herab und
offenbahrt uns seine wunderschöne Form."
Wie in den meisten religiösen Traditionen kennt man auch im Vishnuis-
mus sowohl transzendente als auch immanente Aspekte Gottes. Der Herr wohnt in Seinem spirituellen Reich (Transzendenz) und ist gleichzeitig in den Herzen aller Lebewesen anwesend (Immanenz). Ein anderer Aspekt der Immanenz Gottes, den man nur im Vishnuismus findet, ist der der sakralen Bildgestalt (murti). Gott offenbart sich nicht nur in Seinen Inkarnationen, sondern auch in Bildnissen. Die murti gilt im Vishnuismus also als „ikonische Inkarnation“ des Herrn.
Während der Kolonialisierung Indiens, erschien den Briten, die stark unter dem Einfluss der jüdisch-christlichen Traditionen standen, die Bildgestaltenverehrung seltsam oder gar abstossend. Dies ging so weit, dass sie Jagannath „den indischen Moloch“ nannten und Ihn als „geschnitzten Götzen betrachteten, womit sie Ihn aus biblischer Sicht eindeutig in das Reich der Tabus verbannten.
Die vedische Literatur selbst unterscheidet deutlich zwischen einem Götzen und einer murti. Dazu schreibt Harvard-Professorin Diana Eck in ihrem Buch Darshan: Seeing the Divine Image in India:
„So wie der Begriff Ikone die Bedeutung 'Ähnlichkeit' in sich trägt, deuten auch die Sanskritwörter prakriti und pratima auf eine 'Ähnlichkeit' des Bildnisses mit der Gottheit, die sie darstellen, hin. Das gebräuchlichste Sanskritwort für diese Bildnisse jedoch ist murti, was bedeutet 'etwas, was eine bestimmte Form und Begrenzung hat', 'Gestalt, Figur, Verkörperung, Inkarnation'. Die murti ist also mehr als ein ähnliches Abbild; sie ist die Gottheit selbst, die 'Gestalt' angenommen hat. ... Der Gebrauch des Wortes murti in den Upanishaden und der Bhagavad-Gita zeigt, dass das Wort 'Form' die Bedeutung von murti am besten trifft. So ist etwa die Flamme die murti des Feuers, usw.
In den Shilpa-shastras findet man genaue Anweisungen für die Modellierung von murtis. Es gibt Angaben für die richtige Körperhaltung der murtis, für ihre Handstellungen, ihre körperlichen Proportionen usw., denn das Aussehen der Bildgestalt soll nicht einfach der Vorstellung des Künstlers entsprechen. Die shilpins (die Künstler, die die murtis herstellen) müssen die oben genannten Anweisungen der Schriften genau kennen. Bevor sie sich ans Werk machen, versenken sie sich in tiefe Meditation und sind darauf in der Lage, die Bildgestalt mit göttlicher Inspiration zu modellieren – aber nicht nach ihrer Phantasie, sondern nach den Vorschriften der shastras. Danach findet eine umfangreiche Weihezeremonie statt, in der der Herr gebeten wird, die Bildgestalt mit Seiner göttlichen Gegenwart zu durchdringen. Nun wird die murti in den Tempel gebracht und kann auf dem Altar verehrt werden. Die Gläubigen können nun ihren darshan („Anblick“) bekommen – sie sehen die Gottheit, und die Gottheit sieht sie.