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Wie bildet sich der Preis auf einem Markt? Bei welchem Preis für ein Gut kann ein Produzent all seine Produkte verkaufen? Welchen Preis sind die Konsumenten bereit zu bezahlen? Wie verändert sich der Preis, wenn sich die Bedingungen der Produktion, die Einkommen oder die Preise von Inputfaktoren verändern? Um diese Fragen beantworten zu können und die Marktpreisbildung zu verstehen, schauen wir uns das Modell von Angebot und Nachfrage etwas genauer an.
Im volkswirtschaftlichen Sinn ist der Markt der Ort, an dem Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen. Dabei sind die Anbieter die Produzenten und die Nachfrager die Konsumenten. Diese beiden Grössen stellen wir in unserem Modell mit zwei Kurven dar: der Angebots- und der Nachfragekurve. Die Kurven werden in einem Preis-Mengen-Diagramm eingezeichnet (X-Achse: Menge, Y-Achse: Preis). Auf dem Markt bildet sich der Marktpreis.
Die Angebotskurve bildet sich aus den Produktionskosten der Anbieter. Bei einem tiefen Preis sind nur wenige Anbieter bereit, ihre Produkte zu verkaufen, da viele damit ihre Kosten nicht decken können. Sie behalten die Produkte lieber für sich, anstatt sie zu verkaufen. Je höher der Preis steigt, desto mehr Anbieter sind bereit, ihre Produkte zu verkaufen. Die angebotene Menge auf dem Markt wird also grösser. Daraus lässt sich das Gesetz des Angebots ableiten: «Je höher der Preis für ein Gut, desto grösser ist die angebotene Menge.» Im Preis-Mengen-Diagramm ist die Angebotskurve also die aufsteigende Kurve.
Die Nachfragekurve bildet sich aus den Budgets der Konsumenten. Bei einem tiefen Preis können sich viele Käufer das Produkt leisten. Je höher der Preis steigt, desto weniger Konsumenten können es sich leisten, da der Preis ihr Budget für dieses eine Produkt übersteigt (oder sie nicht bereit sind, so viel für dieses Produkt zu bezahlen). Daraus können wir das Gesetz der Nachfrage ableiten: «Je tiefer der Preis für ein Gut, desto grösser ist die nachgefragte Menge.» Im Preis-Mengen-Diagramm ist Nachfragekurve also die abfallende Kurve.
Im Punkt, in dem sich die beiden Kurven schneiden, sind die angebotene und die nachgefragte Menge eines Gutes gleich gross. Das bedeutet also, dass allen Nachfragern, die bereit sind, den entsprechenden Preis zu bezahlen, ein Anbieter steht, der dieses Gut verkauft. Es bleibt nichts übrig. Diese Situation nennen wir «Marktgleichgewicht». Der Preis im Schnittpunkt der Kurven ist der «Markträumungspreis», denn zu diesem Preis ist der Markt eben «leergeräumt».
Wenn nun der Preis auf dem Markt zu hoch angesetzt wird, so gibt es zu viele Anbieter und zu wenige Nachfrager (das finden wir heraus, indem wir auf beiden Kurven den Mengenpunkt zum Preis suchen und vergleichen). Wir reden in diesem Fall von einem Angebotsüberschuss oder von «Ladenhütern». Ein einfaches Beispiel, um sich die Situation zu veranschaulichen: Wegen des hohen Preises bieten Sie in Ihrem Laden 18 Paar Jeans an. Es kommen aber nur 8 Kunden vorbei und kaufen ein Paar Jeans. Es bleiben also 10 Paar Jeans im Laden liegen.
Wenn der Preis auf dem Markt zu tief angesetzt wird, so gibt es zu viele Nachfrager und zu wenige Anbieter für dieses Produkt (das finden wir heraus, indem wir wiederum auf den beiden Kurven den Mengenpunkt zum Preis suchen und vergleichen). In diesem Fall reden wir von einem Nachfrageüberschuss oder von «Fehlverkäufen» (Verkäufe, die wir hätten tätigen können, aber wir haben das Produkt nicht mehr an Lager). Ein einfaches Beispiel, um sich die Situation zu veranschaulichen: Wegen des tiefen Preises bieten Sie in Ihrem Laden nur 8 Paar Jeans an. Es kommen aber 18 Kunden vorbei, um Jeans zu kaufen. Sie können also 10 Kunden keine Jeans verkaufen, obwohl diese gerne bei Ihnen eingekauft hätten.
Nun ist es so, dass diese Nachfrage- und Angebotskurven nicht immer gleich bleiben, denn Angebot und Nachfrage werden von verschiedenen Dingen beeinflusst. Stellen Sie sich vor, Sie verdienen plötzlich doppelt so viel wie jetzt. Das verändert Ihre Bereitschaft, für ein Gut Geld auszugeben – Sie sind je nachdem bereit, einen höheren Preis für ein Gut zu bezahlen, weil Sie mehr Geld zur Verfügung haben. Das verändert also das Verhältnis von Preis und Menge, das wir oben durch die Budgets der Käufer entwickelt haben. Für uns bedeutet das: die Kurve verschiebt sich. Dazu lesen Sie im folgenden Beitrag mehr.