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Die hohen Kosten sind der Hauptgrund, warum die Schweiz immer noch weit davon entfernt ist, wirkungsvolle Schutzsysteme gegen Naturkatastrophen einzuführen.
Doch habe die Regierung einen Paradigmenwechsel vom Katastrophenschutz zu einer Kultur der Risiko-Verminderung vollzogen, wie Schweizer Experten an einer internationalen Konferenz in Davos sagten.
In den letzen 15 Jahren hat die Schweiz mehrere schwere Flutkatastrophen erlebt. Allein das Hochwasser vom letzten Jahr hat den Bund rund 2,5 Mrd. Franken gekostet.
Den Kanton Wallis traf es 1993 und 2000, als die Rhone über die Ufer stieg und enorme Schäden verursachte.
Die kantonalen Behörden nahmen darauf ein Projekt in Angriff, mit dem das Flussbett vergrössert werden sollte. "Das ist die beste Massnahme gegen weitere Überflutungen", sagte der Kantonsvertreter Dominique Bérod.
Doch koste die Rhone-Korrektur 1,24 Mrd. Franken und werde erst in 30 Jahren fertiggestellt sein, sagte Bérod an der Internationalen Katastrophenschutz-Konferenz.
Inzwischen konzentriere sich die Regierung darauf, die Rettungsdienste zu verbessern und so genannte mobile Schutzsysteme einzuführen, wie etwa Brücken, die man innerhalb von Stunden hochziehen könnte.
Das Wasser in Stauseen zurückhalten
Der Kanton Wallis hat einen Plan ausgearbeitet, wie die Kapazität der vielen Stauseen in Bergregionen genutzt werden könnte, um nach schweren Regenfällen die Wassermassen zurückzuhalten.
"In der Hochwasserzeit im Herbst stehen fünf bis zehn Prozent des Fassungsvermögens von Stauseen ungenutzt", sagt Bérod gegenüber swissinfo. "Das entspricht rund 200 Millionen Kubikmeter Wasser, also etwa der Menge, die die Rhone zum überlaufen bringen würde."
Der Kanton Wallis arbeitet mit den Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) und dem nationalen Wetterdienst an der Entwicklung eines Modells zur Vorhersage von Hochwasser. Laut Bérod sollen erste Tests nächstes Jahr stattfinden, und ab 2008 könnte die Flut-Vorhersage funktionstüchtig sein.
Allerdings seien sich der Kanton und die Elektrizitätswerke noch nicht einig über die Höhe der Kompensations-Zahlungen für den Einkommensverlust wegen reduzierter Stromproduktion.
Schwierige Finanzierung
Auch die Fertigstellung von Karten, auf denen die Gefahrenzonen der ganzen Schweiz verzeichnet werden sollen, dauere wegen der schwierigen Finanzierung länger als geplant, wie Laurent Vulliet von der ETH Lausanne gegenüber swissinfo sagt.
"Diese Karten hätten schon vor fünf Jahren fertig sein sollen, aber bis jetzt ist nur die Hälfte der Schweiz verzeichnet."
Der Wissenschafter, der auch Mitglied von Planat ist – Nationale Plattform Naturgefahren – meint, dass die Häufigkeit von Naturkatastrophen die Frage der Risiko-Reduktion auf der politischen Agenda ganz nach vorne gebracht habe.
Konkrete Massnahmen sind gefragt
Laut Vulliet sollte sich die Wissenschaft vermehrt auf die praktische Seite der Risiko-Reduktion konzentrieren. Denn die Forschung habe sich in den letzten Jahren zu stark damit beschäftigt, Bedrohungen abzuschätzen, während für die konkreten Massnahmen zur Katastrophenverhinderung wenig getan worden sei.
Ausserdem sei ein stärkeres öffentliches Bewusstsein für die verschiedenen, schweren Risiken vonnöten, um Druck auf die Regierung zu machen, wirkungsvolle Schritte zu unternehmen.
"Es sind nicht etwa Lawinen, sondern Erdbeben, die das höchste Risiko bilden. Aber die Bevölkerung weiss davon nichts."
swissinfo, Dale Bechtel, Davos
(Übertragung aus dem Englischen: Susanne Schanda)
Fakten
Die Internationale Katastrophenschutz-Konferenz in Davos dauert vom 27. August bis 1. September 2006.
Sie wird organisiert vom UNO-Programm Internationale Strategie zur Katastrophen-Eindämmung, der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der UNO, der Globalen Allianz zur Katastrophen-Eindämmung und dem Informationsnetzwerk Globale Katastrophen.
Hauptsponsor ist die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza).
In Kürze
Planat (Nationale Plattform Naturgefahren) ist ein beratendes Gremium des Bundesrats.
Es ist ein interdisziplinäres Experten-Team, das sich aus Vertretern der Forschung, des privaten Sektors mit Versicherungs-Gesellschaften, Bundes- und kantonalen Behörden zusammensetzt.
Planat fördert umfassende Schutzvorkehrungen wie Prävention, Intervention und Wiederherstellung unter Berücksichtigung zahlreicher technischer, ökologischer, ökonomischer und sozialer Risiken.