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Hochverehrter Herr u. Freund!
Daß der Artikel im Landboten auf eine Intrigue hinausläuft, ist offenbar:
wahrscheinlich ist das Centrum derselben in Aarau u. in der Person des Hrn. Zschokke zu suchen, der eine Berechnung aufgestellt u. Hrn. Welti vertraulich mitgetheilt hat, worin die Zinsen auf 33½ Mill. – also eben auf 13½ Mill. mehr als in Luzern vorgesehen wurde – veranschlagt sind. Daß das übertrieben ist, halte ich für sicher; hinwieder ist eben so gewiß, daß die Luzerner Supposition (20 Mill.) erheblich zu niedrig gegriffen ist & daß wahrscheinlich die wahre Ziffer etwa 28 Mill. sein wird, wenn man – was ja ziemlich sicher ist – das ganze Jahr 1878 als Baujahr ausfallen lassen muß. Ihre Bitte um Rectification setzte mich (& ebenso Hrn. Welti, den ich consultirte) daher in große Verlegenheit: gab man die 8 Mill. Mehrbedarf zu, so war das fast so schlimm, als die behaupteten 13½, u. wollte man sagen, die Lükke werde durch Ersparnisse ausgefüllt, so durfte man ziemlich sicher darauf rechnen, einem sehr ungläubigen Lächeln zu begegnen. Wir entschlossen uns daher zu einer etwas farblosen Fassung, die wesentlich nur betonte, es sei unwahr, daß der BR. bereits ein so gro| ßes Deficit constatirt habe. Wie vorauszusehen, telegraphirt mir nun Hr. Forrer, daß mit einer solchen Erklärung nichts auszurichten sei, u. ich bin nun, in der Noth der drängenden Lage, weiter gegangen, als ich eigentlich beabsichtigte, indem ich ihm so eben zurükktelegraphirte:
«Feste Zahlen unmöglich, weil Rechnungen nicht abgeschlossen. Höchste Wahrscheinlichkeit, daß Luzerner Grundlage im Gesammt-Effect solid erfunden u. ein etwelcher Mehrbedarf an Zinsen, der aber genannte Ziffer nicht von ferne erreichen dürfte, durch anderweitige, völlig zulässige Minder-Ausgaben aufgewogen wird.»
Mehr zu sagen, vermag ich beim besten Willen nicht, u. ob dies genügen wird, den Effect des Artikels zu paralysiren, weiß ich nicht. Es ist eine abscheuliche Situation, aus der, bei der Unfertigkeit unserer Arbeiten, schwer herauszukommen ist. – Die Botschaft ist bereits gedrukkt; aber es findet sich darin eine breite Lükke, welche eben das Ergebniß der noch im Zuge befindlichen Devis-Prüfung enthalten sollte.
Der nächste Sonntag kann höchst verhängnißvoll werden, aber noch hoffe ich das Bessere.
Mit freundschaftlicher Hochschätzung
Ihr
Dr J. Heer
Bern, 17. May 10 Uhr Abds.