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«Man bekommt nie eine zweite Chance für den ersten Eindruck», sagt eine bekannte Weisheit, die man fast in jedem Kundenbindungsseminar mindestens einmal zu Ohren bekommt. Auch souveräne Staaten haben dies erkannt und intensivieren die Bemühungen, Gäste, Fussballhooligans und sonstige Würdenträger stilvoll in die Arme zu schliessen.
Deutschland tat dies am Treffen der Schwalbenfreunde (Fussball Weltmeisterschaft) im Jahre 2006 vorbildlich und die Schweiz versucht es der grossen Schwester dieses Jahr nachzumachen.
Eine andere grosse Frauenfussballnation hat dies noch nicht erkannt oder hält es nicht für notwendig, auch nur im Ansatz so etwas wie Respekt oder Freude gegenüber dem eintreffenden Gast zu zeigen.
Genau im Brennpunkt zwischen der Villa von Spieler Beckham und dem Häuschen von Trainer Klinsmann, stehe ich in der Warteschlange vor dem Zoll in Los Angeles.
«CREW» steht in grossen Lettern auf den Anzeigetafeln 41 bis 45. Alle vier Schalter sind überraschenderweise auch besetzt. Nummer 41 ist mit seinem Stuhl beschäftigt, versucht die Höhe zu justieren und bleibt dabei im Zehnsekundentakt mit seiner geladenen Dienstwaffe am Tresen hängen. Nummer 42 gönnt sich eine Zwischenmahlzeit. Mit der linken Hand hält er den tropfenden Hamburger und mit den Fingern der rechten Hand tippt er auf der Tastatur herum. Nummer 43 arbeitet -langsam zwar, aber er verrichtet immerhin die Arbeit, für die er schlecht bezahlt wird. Nummer 44 hat seinen Kopf auf der rechten Hand aufgestützt und begutachtet lüstern die wartenden Flugbegleiterinnen.
Und von denen hat es viele in der Schlange vor dem Schalter 43. Im Moment in «Pole Position» die Damen der Aeroflot. Gezeichnet vom langen Flug versuchen sie Haltung zu bewahren und sich den Ärger nicht anmerken zu lassen. Nichts von Haltung hält der Kapitän der russischen Airline. Grimmig fixiert er den Mann in Uniform hinter dem Schalter 43 und verflucht ihn auf Russisch. Seine Einreise dauert heute etwas länger.
Nach den Russen, die wie ein wilder Haufen aussehen, wartet die Crew der Air Malaysia diszipliniert. Was sage ich da Crew, es ist eher eine Delegation. Dass bei so vielen Angestellten auch noch Passagiere im Flugzeug Platz finden, scheinen sich auch die Crewmitglieder der Mexicana zu fragen, die hinter den Asiaten in der Kolonne stehen. Nach den feurigen Mexikanern lehnen sich zwei Piloten der Martinair an die Abschrankung. Die sympathischen Holländer haben den Humor nicht verloren und beobachten mit einem Lächeln auf der Lippe, wie der russische Bär den ersehnten Einreisestempel auf dem Zollformular erhalten hat. «Next!»
Während ich im Rücken den ersten Fluch in Schweizerdeutsch höre, erzählt mir der Kapitän der Martinair, dass sie eigentlich gar nicht gedenken in Los Angeles auszusteigen, sondern das Flugzeug so schnell wie möglich wieder an den mexikanischen Ausgangsflughafen zurückbringen möchten. Dies geht in Amerika nicht ohne volles Zollprogramm. Personalien und Gepäck werden so gründlich gecheckt, als wollten sich die Beiden in Amerika niederlassen.
Hinter mir wartet die langsam ungeduldige Crew der Swiss, dahinter eine Weitere der Mexicana und einer Airline, die ich nicht identifizieren kann.
Schalter 41 hat sein Stuhlproblem gelöst, tippt eine Kombination in den Computer und verlässt die Szenerie. Von Rechts drängt sich eine Gruppe Rollstuhlfahrer vor. Unnötig zu erwähnen, dass die Wheelies Sonderbehandlung erhalten. Air Malaysia wartet, Mexicana wartet, Martinair wartet, Swiss wartet und all die anderen Crews hinter uns warten auch.
Schalter 42 hat sein Pausenbrot beendet. Er ist ein Langsamesser, was ja sehr gesund sein soll. «Next!»
Schalter 44 läuft das Wasser im Mund zusammen, als sich die Flugbegleiterinnen der Air Malaysia nähern. Endlich öffnet auch er seine Pforten. «Next!»
Die fliegenden Holländer sind an der Reihe. Als der Beamte sie fragt, wie lange sie gedenken in den USA zu bleiben, antwortet der Kapitän wahrheitsgemäss mit 10 Minuten. Schalter 43 ruft nach dem Supervisor. Die neu gewonnene Dynamik wird etwas gebremst.
Nach genau 53 Minuten in der Supermarktschlange bin ich an der Reihe. Linker Zeigefinger, rechter Zeigefinger, in die Kamera lächeln und dann knallt der Stempel wuchtig auf das Einreiseformular.
Ich hab es geschafft, bin im Land der grossen Freiheiten angekommen und frage mich ernsthaft, was die vielen Leute hier eigentlich wollen. Am Gepäckband angekommen treffe ich auf die Rollstuhtruppe. Die älteren Insassen stehen allesamt neben den Rollstühlen, bedanken sich bei den Schiebern und verlassen den Koffer ziehend die Halle.
Willkommen in Amerika!