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Ein Hirnabszess (Gehirnabszess) ist eine seltene, örtlich begrenzte Infektion des Gehirns, bei der sich Eiter in einer Kapsel ansammelt.
Verantwortlich für einen Hirnabszess sind in der Regel Bakterien, die auf verschiedene Wege ins Gehirn gelangen können: Bei den meisten Hirnabszessen stammen die Erreger aus einer in der Umgebung liegenden Infektion (z.B Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung). Die Infektion kann jedoch auch direkt durch eine Verletzung erfolgen (z.B. bei einem Unfall oder einer Operation). Ausserdem können Erreger das Gehirn von jeder Stelle im Körper über den Blutstrom erreichen und so einen Gehirnabszess verursachen.
Ein Hirnabszess führt zu Kopfschmerzen, häufig verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. Ausserdem kann ein Gehirnabszess epileptische Anfälle auslösen. Diese Symptome liefern die ersten Hinweise für die Diagnose.
Weitere Hinweise auf einen möglichen Hirnabszess ergeben sich aus Veränderungen im Blut: Sie deuten auf entzündliche Vorgänge hin. Nachweisbar ist ein Hirnabszess mit bildgebenden Verfahren (Schädel-CT oder MRT). Die Therapie besteht darin, den Gehirnabszess mitsamt der Abszesskapsel operativ zu entfernen und den Betroffenen Antibiotika zu verabreichen. Die Überlebensrate der so behandelten Menschen mit Hirnabszess beträgt 90 bis 95 Prozent.
Ein Hirnabszess (Gehirnabszess) ist eine abgekapselte Eiteransammlung (Abszess) im Gehirn. Zu der Eiterbildung kommt es, wenn Erreger (meist Bakterien) das Hirngewebe infizieren und sich das infizierte Gewebe örtlich begrenzt entzündet.
Im Zentrum des Entzündungsherds kommt es zu einer Einschmelzung von Gewebe. Dadurch entsteht eine sogenannte Abszesshöhle, die von einer Kapsel umgeben ist. Der Hirnabszess übt Druck auf das umliegende Gewebe aus. Durch diesen Druck sowie infolge der Entzündungsreaktion bildet sich in der Umgebung des Abszesses ein Ödem, das heisst, es sammelt sich vermehrt Flüssigkeit an. Dieses Ödem kann wesentlich grösser sein als der Gehirnabszess selbst und ist damit zusätzlich für einen Teil der mit Hirnabszessen verbundenen Beschwerden verantwortlich.
Ein Hirnabszess ist selten: Pro Jahr entsteht bei rund 1 von 100'000 Menschen ein neuer Abszess im Gehirn. Im Kindesalter ist die Häufigkeit von Hirnabszessen zwischen dem 4. und 7. Lebensjahr am höchsten; Erwachsene sind vorwiegend zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr betroffen.
Einem Hirnabszess (Gehirnabszess) können als Ursachen verschiedene Erreger zugrunde liegen. In der Regel ist eine bakterielle Infektion die Ursache für Hirnabszesse: Die Bakterien gelangen ins Gehirn und verursachen dort eine örtlich begrenzte Entzündung, die im weiteren Verlauf zu einer abgekapselten Eiteransammlung führt. Die häufigsten bakteriellen Auslöser für einen Hirnabszess sind:
In seltenen Fällen sind keine Bakterien für den Gehirnabszess verantwortlich: Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können auch Pilze oder eine Infektion mit dem Erreger der Toxoplasmose die Ursachen für einen Hirnabszess sein.
Bei einem Hirnabszess ist die Inkubationszeit (die Zeit zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung) sehr unterschiedlich: Der Abszess kann sich innerhalb von ein bis zwei Wochen nach einer Infektion entwickeln. Es kann aber auch Monate bis Jahre dauern, bis nach einem Unfall ein Gehirnabszess entsteht.
Für einen Hirnabszess (Gehirnabszess) kommen als Ursachen mehrere Wege der Übertragung infrage: Die verantwortlichen Erreger können auf unterschiedliche Art und Weise ins Gehirn gelangen. Bei etwa 10 Prozent der Betroffenen lässt sich die Ursache für den Abszess im Gehirn nicht bestimmen.
Ein Hirnabszess hat seine Ursachen in etwa 30 bis 60 Prozent der Fälle in einer in der Umgebung liegenden Infektion. Durch die Übertragung der Erreger ins Gehirn entsteht dann ein sogenannter fortgeleiteter Hirnabszess, also ein Abszess, der durch eine bakterielle Entzündung benachbarter Strukturen, wie zum Beispiel einer Mittelohrentzündung (Otitis media) oder einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) entsteht: Hierbei breitet sich der entzündliche Prozess auf das Hirngewebe aus (fort vom ursprünglichen Infektionsort). Fortgeleitete Hirnabszesse treten vorwiegend im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns auf.
Etwa 20 bis 30 Prozent der Fälle von Hirnabszess haben Wunden (sog. Traumata) als Ursachen, die eine direkte Übertragung der Erreger ermöglichen. Ein solcher sogenannter traumatischer Hirnabszess entsteht durch eine offene Schädelverletzung, zum Beispiel nach einem Unfall, oder durch eine Operation am Gehirn: Dabei infizieren Bakterien das Hirngewebe auf direktem Weg. Ein traumatischer Hirnabszess liegt meist an der Hirnoberfläche.
Einem Hirnabszess liegen in 10 bis 20 Prozent der Fälle Erreger als Ursachen zugrunde, deren Übertragung ins Gehirn über den Blutstrom erfolgte. Ein solcher hämatogen-metastatischer Hirnabszess kann die unterschiedlichsten Auslöser haben: Der Ausgangspunkt der Streuung über den Blutstrom kann sich überall im Körper befinden. Häufig handelt es sich um eine Lungenentzündung oder um eine entzündete Herzinnenhaut (Endokarditis). Ein hämatogen-metastatischer Hirnabszess bildet sich überwiegend an der Grenze zwischen der Hirnrinde und dem Mark, also zwischen grauer und weisser Substanz. Ein besonders hohes Risiko für solch einen Gehirnabszess haben Kinder mit Herzklappenfehlern, aber auch Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Schwäche des Immunsystems. Durch Übertragung über den Blutweg entstandene Hirnabszesse treten meist mehrfach (multipel) auf. Häufig finden sich dann auch in anderen Organen Abszesse.
Die bei einem Hirnabszess (Gehirnabszess) häufigsten Symptome sind Kopfschmerzen, die als Zeichen für den erhöhten Druck im Schädel gelten. Dieser erhöhte Druck ist durch die raumfordernde Wirkung bedingt, die sowohl der Abszess im Gehirn selbst als auch das umgebende Ödem ausüben. Meist sind die Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen verbunden.
Weitere mögliche Symptome bei einem Hirnabszess sind Bewusstseinsstörungen sowie sogenannte zerebrale Herdsymptome, zum Beispiel Sprachstörungen, Sehstörungen oder Lähmungen – je nachdem, wo der Gehirnabszess sitzt. Gelegentlich treten bei einem Hirnabszess auch epileptische Anfälle und höheres Fieber auf.
Bei einem Hirnabszess (Gehirnabszess) ergeben sich erste Hinweise auf die Diagnose, wenn zusammen mit vorangegangenen Unfällen, Mittelohrentzündungen oder Nasennebenhöhlenentzündungen sowie anderen entzündlichen Erkrankungen die folgenden Symptome vorliegen:
Die einem Hirnabszess zugrunde liegenden entzündlichen Vorgänge im Gehirn lassen sich mithilfe einer labormedizinischen Blutuntersuchung nachweisen: Wer einen Abszess im Gehirn hat, bei dem sind Entzündungszeichen und Antikörper gegen den verantwortlichen Erreger im Blut feststellbar. Typische Anzeichen für eine Entzündung sind eine erhöhte Anzahl weisser Blutkörperchen (Leukozytose) sowie eine gestiegene Konzentration von C-reaktivem Protein. Sichern lässt sich die Diagnose mit bildgebenden Verfahren: Auf diese Weise ist ein Gehirnabszess direkt nachweisbar. Im Frühstadium der Erkrankung, wenn oft noch keine Abszesskapsel vorliegt, ist die Magnetresonanztomographie (MRT) am besten geeignet. Mit der Computertomographie (CT) ist die Abszesskapsel nach Kontrastmittelgabe als ringförmige Struktur sichtbar. Ein Hirnabszess ist auch durch eine nuklearmedizinische Untersuchung mit bestimmten weissen Blutkörperchen – den sogenannten Granulozyten – nachweisbar, die man hierzu radioaktiv markiert.
Um bei der Diagnose den für den Hirnabszess verantwortlichen Erreger zu identifizieren, ist es notwendig, Blutkulturen anzulegen und möglichst rasch Abszessmaterial zu gewinnen. Dies erfolgt durch Punktion, Drainage oder Exzision (Herausschneiden) des betroffenen Gewebes. Eine Untersuchung des Liquors (Hirnflüssigkeit) ist in vielen Fällen diagnostisch nicht von Bedeutung, da die Veränderungen in der Hirnflüssigkeit meist sehr unbestimmt sind. Auch sind bei einem Gehirnabszess im Liquor fast nie Erreger nachweisbar.
Bei einen Hirnabszess (Gehirnabszess) besteht die Therapie in der Regel aus operativen Massnahmen und Antibiotika. Wie die Behandlung im Einzelfall genau aussieht, hängt von mehreren Faktoren ab: wo im Gehirn sich der Abszess befindet, wie gross er ist beziehungsweise ob sich mehrere Abszesse gebildet haben, welche Ausmasse die einen Hirnabszess begleitende vermehrte Flüssigkeitsansammlung (Ödem) zeigt und welche Erreger für den Gehirnabszess verantwortlich sind.
Nach Möglichkeit erfolgt bei einem Hirnabszess zur Therapie eine Operation mit dem Ziel, den Abszess vollständig zu entfernen. Ein nahe an der Oberfläche liegender Gehirnabszess lässt sich meist sofort operativ entfernen. Bei tiefer gelegenen Abszessen ist es dagegen notwendig, sie zunächst über ein Bohrloch zu punktieren, um den Eiter im Gehirn abzulassen und die Abszesshöhle anschliessend mit einem Antibiotikum zu spülen. Bei einem zweiten Eingriff entfernt der Operateur dann die Abszesskapsel. Vor und nach der Operation erhalten Sie Antibiotika. Es ist ratsam, andere entzündliche Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Mittelohrentzündung (Otitis media) oder Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis), ebenfalls zu behandeln, um zu verhindern, dass sich erneut ein Hirnabszess bildet.
In manchen Fällen kommen bei einem Hirnabszess zur Therapie ausschliesslich antibiotisch (d.h. gegen Bakterien) wirkende Medikamente zum Einsatz: So erhalten Sie zum Beispiel dann nur Antibiotika gegen den Abszess, wenn eine Operation bei Ihnen nicht möglich ist. Eine reine Antibiotika-Therapie kann auch gerechtfertigt sein, wenn sich sehr viele tief gelegene und/oder sehr kleine Abszesse im Gehirn gebildet haben. Die in dem Fall eingesetzten Präparate können durch die Abszesskapsel bis in die Abszesshöhle eindringen. Welches Mittel zum Einsatz kommt, hängt vom Erreger ab. Ist der Erreger unbekannt, erhalten Sie eine Kombination aus Cefotaxim oder Ceftriaxon, Metronidazol und einem gegen Staphylokokken wirksamen Antibiotikum. Die Behandlung mit Antibiotika dauert mindestens vier bis sechs Wochen – je nachdem, wie die Erkrankung verläuft, wo der Gehirnabszess liegt und wie gross er ist. Während dieser Zeit sind Kontrolluntersuchungen mithilfe von Computertomographie beziehungsweise Magnetresonanztomographie des Kopfs notwendig.
Wenn sich in der Umgebung des Hirnabszesses ein ausgedehntes Ödem gebildet hat oder der Hirnabszess in einer Gehirnregion liegt, die besonders stark zur Ödembildung neigt (z.B. im Kleinhirn), können Sie zur Therapie zusätzlich weitere Medikamente (Kortikosteroide) verabreicht bekommen.
Bei einem Hirnabszess (Gehirnabszess) hängt der Verlauf von mehreren Faktoren ab – unter anderem von der Grösse und Lage des Abszesses im Gehirn sowie von der eingesetzten Therapie. Wenn sich der Hirnabszess mit der Abszesskapsel vollständig operativ entfernen lässt, ist die Prognose günstig. Etwa die Hälfte der Betroffenen wird wieder gesund, ohne dass bleibende Schäden entstehen.
Nach einem Gehirnabszess können sich am Nervensystem Spätschäden entwickeln. Am häufigsten sind epileptische Anfälle: Sie treten in 30 bis 70 Prozent der Fälle auf. In etwa 5 Prozent der Fälle bildet sich nach erfolgreicher Behandlung des Hirnabszesses im weiteren Verlauf erneut ein Abszess aus (Rezidiv).
Als noch keine Antibiotika zur Behandlung verfügbar waren, nahm ein Hirnabszess fast immer einen tödlichen Verlauf. Durch die heute verfügbaren diagnostischen Verfahren und Behandlungsmethoden ist es gelungen, die Sterblichkeit auf fünf bis zehn Prozent zu senken.
Da ein Hirnabszess (Gehirnabszess) meist infolge einer Infektion mit Bakterien entsteht, ist es zum Vorbeugen von Hirnabszessen notwendig, die Übertragung möglicher Erreger auf das Gehirn zu verhindern. Hierzu ist es ratsam, entzündliche Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für Hirnabszesse einhergehen, konsequent zu behandeln. Wenn Sie zum Beispiel zur Behandlung bakterieller Erkrankungen (wie Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung) Antibiotika verschrieben bekommen, brechen Sie die Einnahme nicht frühzeitig ab, sondern nehmen Sie sie streng nach ärztlicher Anweisung ein – auch wenn Sie sich schon besser fühlen.
Wenn sich ein Gehirnabszess gebildet hat, ist besonders bei Abszessen in der mittleren oder vorderen Schädelgrube eine Prophylaxe epileptischer Anfälle empfehlenswert. Hierzu sind sogenannte antikonvulsive Medikamente (z.B. Phenytoin) geeignet, die Sie vorbeugend zwei bis drei Wochen lang einnehmen.