Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03597.jsonl.gz/750

Nachts habe ich manchmal fürchterliche Wadenkrämpfe. Man sagt, dies habe mit einem Magnesiummangel zu tun. Wie komme ich zu mehr Magnesium, ohne entsprechende Pillen schlucken zu müssen?
F. W., CH-8098 Zürich
Antwort: Im menschlichen Körper befinden sich etwa 25 g Magnesium, je nach Volumen, wovon etwa 60% im Skelett gebunden sind, und etwa 30% befinden sich in der Muskulatur. Dieses Magnesium entfaltet seine besten Eigenschaften als Aktivator bei vielen Enzymen innerhalb des Energiestoffwechsels und bei der Synthese von Nucleinsäuren[1]. Ausserdem spielt es eine bedeutende Rolle bei der neuromuskulären (motorischen) Reizübertragung an die Synapsen[2] sowie bei der Muskelkontraktion (Zusammenziehung); für die Änderung der Muskelanpassung ist Magnesium nötig. Daraus erklären sich auch die Muskelkrämpfe (Wadenkrämpfe), die auf einen Magnesiummangel hinweisen. Ein solcher kann auch depressive Stimmungslagen herbeiführen. Magnesium hat auch Auswirkungen auf Herz, Blutgefässe, Darm und Gebärmutter.
In der Literatur wird ein Magnesium-Durchschnittsbedarf von etwa 330 Milligramm (mg) pro Tag erwähnt, je nach Alter, Grösse und Geschlecht. Eine überhöhte Magnesiumzufuhr löst osmotisch bedingte Durchfälle (weiche Stühle) und Funktionsbeeinträchtigungen im Zentralnervensystem aus.
Die wichtigsten Magnesiumquellen sind (beziehungsweise: wären) Vollkornprodukte. Aber in der Regel werden die wertvollsten Bestandteile der Getreidekörner radikal entfernt, und zurück bleibt mehr oder weniger die Stärke, ein Auszugsmehl. Zudem sind die auf Schnellwüchsigkeit getrimmten Getreidepflanzen nicht mehr in der Lage, in den übernutzten Böden genügend Magnesium zu finden, zumal sie bei dem grossen Wachstumstempo auch die Wurzeln nicht mehr genügend ausbilden und ausstrecken können.
Weitere Magnesiumvorkommen finden Sie u.a. in Naturreis, Hülsenfrüchten, Gemüse, Kartoffeln, Früchten, Haferflocken, Milch, Bananen, Nüssen, Sonnenblumenkernen; etwas Magnesium befindet sich auch in Fleisch und in Fischen. Besonders viel Magnesium enthält Sesam (345 mg pro 100 g, plus 745 mg Kalzium). Mit 100 g davon könnte man einen ganzen Tagesbedarf decken; doch wird kaum jemand so viel von den Samen verzehren, die zwar ein bezauberndes Aroma haben, aber nicht eben zu unseren Grundnahrungsmitteln zu zählen sind. Aber man könnte ja gelegentlich etwas Sesamöl verwenden. Laut dem kleinen "Souci, Fachmann, Kraut" wird Sesam aber von Weizenkleie in den Schatten gestellt. Diese enthält 590 mg je 100 g (plus 45 mg Kalzium); aber essen Sie einmal 40 bis 50 g Kleie ohne zu ersticken! Immerhin: Man könnte jeweils etwas davon unters Müesli (Müsli) oder ins Gebäck schmuggeln.
Auf jeden Fall sind Mineralstoffe (Mengenelemente) und Spurenelemente aus Produkten natürlicher Herkunft weit besser verwertbar als industriell Produziertes wie Tabletten. Das alles ist wieder ein Grund mehr, sich aus langsam gewachsenen, biologischen Vollwertprodukten zu ernähren.
Als ob es dieses Grundes noch bedurft hätte!
Hans Kurt Berner
__________
[1] Nukleinsäuren (Nucleinsäuren) sind wichtige Bestandteile aller lebenden Zellen: Speicher und Überträger der genetischen Information auf die nachfolgenden Generationen durch die Steuerung der Synthese von Proteinen und damit letztlich sämtlicher Zellbestandteile. Entsprechend der jeweiligen Kohlenhydratkomponente unterscheidet man in Ribonukleinsäure RNA (Ribose als Kohlenhydrat) und Desoxyribonukleinsäure DNS, DNA (2-Desoxyribose als Kohlenhydrat).
[2] Eine Synapse (Synapsis) ist eine Verbindungsstelle zur Erregungsübertragung zwischen 2 und mehr Neutronen (motorischer Nervenendapparat) oder zwischen dem Neuron und dem Erfolgsorgan und afferenten (so viel wie: erregbaren) Nervenendigungen.
*
* *