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Gastgeber Seth MacFarlane machte in Gucci gute Figur. © Getty Images
Die Oscars sind verteilt, grosse Überraschungen, positive wie negative, bei Show und Siegern, Reden und Roben, blieben dieses Jahr aus. Host Seth MacFarlane servierte bissige bis böse Sätze mit solch charmantem Dauerlächeln, dass niemand über die Scherze, auch die unter der Gürtellinie, wirklich empört sein konnte. Nicht die beste Oscar-Präsentation, aber bei weitem nicht die schlechteste. Die Sieger: Ben Afflecks «Argo» ist der beste Film des Jahres, als Produzenten holten nebst dem Regisseur/Hauptdarsteller auch George Clooney und Grant Heslow ein Goldmännchen. MacFarlane witzelte über Afflecks dunkle Vergangenheit, seine Jugendsünde auf Celloloid: «Gigli», einer der schlechtesten Filme der Kinogeschichte... Die einzige humorvolle Dankesrede (alle anderen bedankten sich wie gewohnt von der Crew bis zur Mutti allen) hielt Daniel Day-Lewis (bester männliche Schauspieler in einer Hauptrolle: «Lincoln»): Er sei eigentlich als Maggi Thatcher vorgesehen gewesen und Meryl Streep als Lincoln... Mit ihrem Stolperer auf der Treppe holte sich Oscar-Gewinnerin Jennifer Lawrence (beste weibliche Hauptrolle, «Silver Linings Playbook») alle Sympathien; sie trug auch schrecklich viel Kleid, die reinste Stolperfalle mit dem voluminösen Fischschwanz. Die meisten Ladies erschienen in Silberglanz, das Gross der Männer mit Bart.

Channing Tatum (in Gucci) wirbelte mit Charlize Theron über die Bühne wie ein Fred Astaire und Ginger Rodgers.
Es wurde an dem ersten Motto-Oscar - Music! - viel gesungen und getanzt, mal besser (Channing Tatum und Charliez Theron), mal schlechter (Joseph Gordon-Levitt und Daniel Radcliffe), mal zum Fremdschämen miserabel (Catherine Zeta-Jones quälte sich und uns im Publikum durch eine alte Nummer aus «Chicago».) Die grösste Überraschung war die Live-Zuschaltung von First Lady Michelle Obama aus dem Weissen Haus. Die tränenrührendste Rede hielt Adele, deren Song «Skyfall» aus dem Bond-FIlm zu Oscar-Ehren kam. Der Oscar für die beste männliche Nebenrolle ging wenig überraschend, aber überaus verdient an Cristoph Walzt («Django Unchained»), Quentin Tarantino wurde fürs beste Originaldrehbuch («ebenfalls «Django Unchained») geehrt und holte sein Goldmännchen mit Krawatte auf Halbmast ab. Und wenn Stars zwölf Kilos und ihre Haarpracht für eine Rolle opfern wie Anne Hathaway in «Les Misérables», ist der Oscar so gut wie sicher. Ihr hochgeschlossenes Prada-Kleid mit tiefen Rückenauschnitt kommentierte die Gewinnerin in der Sparte beste Hauptdarstellerin selbstironisch mit «Business in the front, party at the back». Michael Haneke holte mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film («Amour») ein zweites Goldmännchen für Österreich, nach Christophe Walzt. Und der als bester Regisseur geehrte Ang Lee («Life of Pi») verneigte sich als erstes und dankte seinem Heimatland Taiwan, welch noble Geste. Das 3-D-Meisterwerk überzeugte die Academy auch in den Sparten Visual effects und Original score am meisten, das beste Make up und Hairstyling wurde «Les Misérables» attestiert, «Anna Karenina» die besten Kostümen. Wer sich von der Richtigkeit der Academy-Urteile überzeugen will - viele der frischgebackenen Oscar-Gewinner-Filme laufen zurzeit in unseren Kinos.