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Wladimir Putin plante seine Rückkehr an die Macht im Jahr 2012 zielstrebig, und bereits 2011 zeichnete sich ab, dass er in den Kreml zurückkehren würde. In dieser Zeit änderte sich auch die Geschäftstätigkeit der Roldugin-Firmen, die man in den Panama-Daten verfolgen kann. Macht und Kontrolle traten in den Hintergrund. Dafür erhielt Putins Freund nun plötzlich die Rechte an riesigen Vermögenswerten – anscheinend ohne Gegenleistung.
Im Februar 2011 erhielt die Firma IMO des Musikers
über einen Vertrag die Rechte an einem Darlehen in Höhe von 200 Millionen Dollar. Eine andere Briefkastenfirma namens Sandalwood hatte den neunstelligen Betrag ursprünglich verliehen. Doch schon einen Tag später gingen die Rechte an diesem Darlehen und an den Zinsen über Umwege auf Roldugins Briefkastenfirma über.
Wladimir Putin plante seine Rückkehr an die Macht im Jahr 2012 zielstrebig, und bereits 2011 zeichnete sich ab, dass er in den Kreml zurückkehren würde. In dieser Zeit änderte sich auch die Geschäftstätigkeit der Roldugin-Firmen, die man in den Panama-Daten verfolgen kann. Macht und Kontrolle traten in den Hintergrund. Dafür erhielt Putins Freund nun plötzlich die Rechte an riesigen Vermögenswerten – anscheinend ohne Gegenleistung.
David P. Weber, Geldwäschereiexperte, früher Ermittler für die US-Börsenaufsicht SEC und heute Professor für Wirtschaftskriminalität an der Universität Maryland, hat sich den Transfer angesehen. «Mit diesem Vertrag erhält IMO offenbar das Recht, 200 Millionen Dollar einzuziehen, und dazu noch 21 917 Dollar pro Tag an Zinsen, das sind 8 Millionen Dollar pro Jahr», sagt Weber.
Der Vertrag sichert Roldugin offenbar allein durch Zinsen ein Jahreseinkommen von 8 Millionen Dollar. Unter Abschnitt 2.1 ist aufgeführt, wie viel der Musiker für dieses Recht bezahlen muss: «Einen Dollar.»
«Das scheint keine ökonomisch sinnvolle Transaktion zu sein», sagt Weber. «Es sieht vielmehr so aus, als stünde Steuerflucht, Betrug oder eine andere kriminelle Vortat hinter dieser Transaktion – dass sie also der Geldwäscherei diente.»
Auch Strafrechtsprofessor Pieth hat den Vertrag studiert, und er kam ihm bekannt vor: «Eine Gruppe um den ehemaligen russischen Telekommunikationsminister steht bis heute unter dringendem Verdacht, Hunderte Millionen Dollar gewaschen zu haben, und zwar exakt mit solchen Darlehensverträgen. Auch dieser Minister war ein Freund Putins», sagt Pieth. «Für mich sieht es nach demselben Schema aus.»
Ob Geld aus diesem Deal jemals in der Schweiz landete, ist ungewiss. Für Pieth ist jedenfalls klar: «Bei jeder Bank müssten hier die Alarmsirenen losgehen. Insbesondere, wenn russische Geschäftspartner beteiligt sind – und noch mehr, wenn eine Person im Umfeld Putins profitiert.»
David P. Weber, Geldwäschereiexperte war früher Ermittler für die US-Börsenaufsicht SEC.
Warum also verschenkt die Firma Sandalwood scheinbar die Rechte an 200 Millionen Dollar plus Zinsen an Roldugin?
Ein Blick in die Panama-Papiere zeigt, dass auch Sandalwood einer Einzelperson gehört: einem Mann namens Oleg G., der Direktor war in einem Telecombetrieb und besitzt Anteile an Firmen , die zum Beispiel Hochzeitsschifffahrten in St. Petersburg anbieten.
Oleg G.s Firma wurde ebenfalls von Wlad K. gegründet. Auch für Sandalwood richtete Wlad Konten bei der Gazprombank in der Schweiz ein. Auch dieses Offshore – so sieht es aus – ist ein Vehikel der Bank Rossija.
Doch wenn Roldugins Firmen tatsächlich der Kontrolle der Wirtschaft dienten, dann hatte der Briefkasten von Oleg G. wohl einen anderen Zweck: Geld zu verschieben, und zwar in ungewöhnlich hohen Mengen. In den Panama-Daten finden sich Darlehens- und andere Verträge, gemäss denen ein Vermögen von rund 2 Milliarden Dollar durch Oleg G.s Offshore-Firma geschleust wurde – das meiste über Darlehensverträge.
Allein im Jahr 2009 gingen gemäss einer internen Aufstellung aus den Panama-Daten knapp 600 Millionen Dollar durch Sandalwood.
Woher kommt dieses Geld?
Gemäss den Panama-Daten hat die Russian Commercial Bank (RCB) in Zypern der Firma Sandalwood von 2010 bis 2012 Kreditlimiten gewährt mit einer Obergrenze von 650 Millionen Dollar. Wie viel genau Oleg G.s Firma davon bezog, ist nicht klar. Die RCB wurde damals vom russischen Staat kontrolliert. Warum diese RCB der Offshore-Firma derartige Riesensummen zur Verfügung stellt, ist unklar. Oleg G. scheint jedenfalls kein Geschäftsmodell zu haben, um dies alles jemals zurückzahlen zu können.
Das Ganze erscheint wie ein goldenes Karussell, das Vermögen über Hunderte Millionen Dollar aus einer staatlich kontrollierten Bank zugänglich macht für eine Reihe von Offshore-Firmen.
Oleg. G.hat auf Anfragen zu diesen Vermögenstransfers und den Hintergründen nicht reagiert. Auch die Bank Rossija hat keine einzige Frage beantwortet.
Die Panama-Daten verraten jedoch einiges über Sandalwood und dessen Besitzer. Oleg G. taucht auch in Roldugins Kontoeröffnungsdokumenten der Gazprombank Schweiz auf. Es stellt sich heraus: Er ist der Bevollmächtigte für das Konto von Roldugin, er hatte sogar eine Unterschriftskarte.
«Warum derartige Riesensummen zur Verfügung gestellt werden, ist unklar.»