Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/3634

Angesichts der Schweizer Wirren mit der Europäischen Union, wo 50% des Volkes auf der Bremse stehen und 30% die Zukunft des Landes unter dem Mantel Brüssels sehen, geht in Vergessenheit, dass jenseits der panisch wirkenden Betriebsamkeit die Schweiz immer auch Persönlichkeiten hatten, die sich als Aufklärer vom Rest abgehoben haben.
Drei Schweizer Aufklärer der Neuzeit werden uns immer wieder in Erinnerung gerufen, obwohl es niemand im Land einfällt, Sie auf eine Linie zu setzen, die ihre Leistungen im Zusammenhang zeigt.
Einmal wäre da Jean Ziegler, der mit einer Besessenheit ohnegleichen die Schandtaten des Finanzplatzes und des Kapitals in den Ländern der Dritten Welt aufgedeckt hat. Der Niedergang des Finanzplatzes Schweiz ist nicht seine Leistung, sondern die der IT-Industrie, welche den leichten Zugang zu den Daten ermöglichte, und der USA wie der EU- und OECD-Staaten, die dringend das Geld der Ihrigen suchen. Jean Ziegler ist es aber gelungen, die innere Unruhe über die Geschehnisse weit draussen in der Welt in uns wach zu halten. Angesichts der Betonwände des Vergessens ist dies eine grosse Leistung.
Al Imfeld, ein unermüdlicher Aufklärer und Vermittler zwischen Afrika und Europa, sah sich beauftragt von Martin Luther King („Can you do it?), ganz wie Jean Ziegler vom argentinisch-kubanischen Arzt und Revolutionär Ernesto „Che“ Guevara. Imfeld, einst Innerschweizer Mönch, heute noch tief religiös, aber an keine Religion gebunden, war für Afrika ein „guter Schweizer“, der den vom Kolonialismus geprägten Elsässer Arzt Albert Schweitzer noch kannte, aber, im Gegensatz zu diesem, den Afrikanern ihr volles Menschenrecht zusprach.
Wer Bruno Kammerer kennt, der fast einmal Zürcher Stadtpräsident geworden wäre, sieht in dessen Augen das gleiche Leuchten wie in denjenigen Al Imfelds. Kammerer, Grafiker und Künstler, war von seinem Vater geprägt, einem klassischen Zürcher Handwerker aus dem Aussersihl, der Standesstolz und Engagement auf seinen Sohn übertragen hat. In einem Zimmer dieser Familie wohnte Lenin in seinen Zürcher Jahren. Bruno Kammerer, der heute auch als Nordspanier gelten darf, weil er Wein, spanische Politik und Stierkampf als Autor und Künstler besser kennt als viele Spanier, ist einer jener bedeutenden Schweizer, deren glaubwürdiges Leben und grosszügig-liberaler Geist weltweit geachtet wird.