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Placenta praevia: Wenn der Mutterkuchen den Geburtskanal versperrt
Placenta praevia ist eine Fehllage des Mutterkuchens. Eine normale Geburt ist in der Regel nicht möglich. Diese Schwangerschaftskomplikation bringt ein erhöhtes Blutungsrisiko im dritten Trimester sowie während und nach der Entbindung mit sich.
Bei einer Placenta Praevia muss in der Regel ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Foto: AngelIce, iStock, Thinkstock
Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, befindet sich normalerweise eher im oberen Teil der Gebärmutter. Doch bei der Placenta praevia (vorliegende Plazenta) liegt der Mutterkuchen ungewöhnlich tief in der Gebärmutter - in der Nähe des Gebärmutterhalses, teilweise oder sogar ganz darüber. Dort versperrt er dem Baby den Geburtskanal.
Erst in der zweiten Schwangerschaftshälfte ist die Diagnose möglich. Denn der Uterus wächst im dritten Trimester noch erheblich, was in etwa 80 Prozent aller Fälle, in denen die Placenta tief liegt, noch zu einer Verschiebung des Mutterkuchens in eine unkritische Lage führt. Zum Geburtstermin tritt Placenta praevia noch bei etwa einer von 250 Schwangerschaften auf. Als Faustregel gilt, dass eine vaginale Entbindung nicht mehr möglich ist, wenn die Plazenta näher als zwei Zentimeter am Gebärmutterhals liegt. In diesen Fällen wird das Baby per Kaiserschnitt entbunden.
Placenta praevia Ursachen
Häufige Ursachen einer tief liegenden Plazenta sind Vernarbungen der Gebärmutterwand, die die Einnistung der befruchteten Eizelle im oberen Teil der Gebärmutter verhindern. Solche Narben können das Ergebnis vorangegangener Kaiserschnitt-Entbindungen, Ausschabungen, Myom-Entfernungen oder anderer chirurgischer Eingriffe sein. Ehemalige Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) erhöhen das Risiko von Fehllagen der Plazenta ebenso wie mehrere vorangegangene Schwangerschaften. Auch nach In-vitro-Fertilisation kommt es häufiger zu Placenta praevia.
Placenta praevia: Risiken für Mutter und Kind
In der ersten Schwangerschaftshälfte bedeutet die niedrige Lage der Plazenta kein Risiko für Mutter und Ungeborenes. Etwa ab dem fünften Monat aber wird die Schwangerschaft zur Risikoschwangerschaft. Körperliche Schonung und der Verzicht auf Geschlechtsverkehr sind dringend notwendig. Vaginale Untersuchungen werden nicht mehr durchgeführt, um die Plazenta nicht zu verletzen. In den letzten Schwangerschaftsmonaten einsetzende Vorwehen und die Dehnung von Gebärmutterwand und Gebärmutterhals belasten die Plazenta. Das kann zu ihrem teilweise Abreissen und zu mehr oder weniger starken Blutungen führen, die die Versorgung des Ungeborenen und den Allgemeinzustand der Mutter gefährden. Bei jeder Blutung muss die Mutter ins Spital.
Kaiserschnitt bei Placenta praevia
Starke Blutungen machen eine rasche Kaiserschnitt-Entbindung nötig. Ist das Ungeborene jünger als 35 Wochen, wird, wenn noch Zeit ist, zuvor eine medikamentöse Behandlung mit Injektionen zur Beschleunigung der Lungenreifung durchgeführt. Auch wenn keine Komplikationen auftreten, wird bei durch die Plazenta versperrtem Geburtskanal der Kaiserschnitt bereits in der 36. oder 37. Schwangerschaftswoche angesetzt, um den Wehen zuvorzukommen. Mögliche Komplikationen für das Baby ergeben sich aus der eventuell zu frühen Geburt: Ein niedriges Geburtsgewicht und unausgereifte Organe machen die Betreuung auf einer Frühgeborenen-Station nötig.
Starke Blutungen bei Placenta praevia
Während und nach der Entbindung ist das Blutungsrisiko ebenfalls erhöht. Der untere Teil der Gebärmutter zieht sich erst langsam wieder zusammen, die von der tief liegenden Plazenta zurückgelassene grosse Wunde kann daher lange und stark bluten. Im Fall einer Placenta accreta, eine besonders tief eingewachsene Plazenta, kann nur die Entfernung der Gebärmutter die Blutung stoppen. Bei vorliegender Plazenta praevia sollte die Entbindung in Schwerpunktkliniken stattfinden, wo rund um die Uhr ausreichend Blut und Blutersatzmittel zur Verfügung stehen und intensive medizinische Betreuung für Mutter und Kind möglich ist.
In Ländern mit erhöhter Kaiserschnitt-Rate treten Fehllagen der Plazenta häufiger auf. Das in Folgeschwangerschaften erhöhte Risiko für diese Schwangerschaftskomplikation gehört zu den stärksten Argumenten gegen den Wunsch-Kaiserschnitt.