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An der diesjährigen Winterschule war eine Delegation der Roten Falken Zürich, bestehend aus drei Personen, vertreten. Das übergreifende Thema, dem sich die Teilnehmenden während einer Woche in Berlin widmeten, war Rassismus. Dabei teilten sich alle Teilnehmenden nach Interesse in verschiedene thematische Gruppen ein. Wir waren in den Gruppen „Rassismus und Angst“ und „Rassismus und Klasse“ vertreten.
Sehr lehrreich war die Auseinandersetzung mit den Geschehnissen um den „Grenfell-Tower“ in London. Dort hatte es im vergangenen Jahr einen Brand gegeben, es starben dutzende Menschen. Im Turm waren Sozialwohnungen, die Bewohnenden waren proletarisch und migrantisch. Sofort nach der Tragödie entbrannte die Wut der Überlebenden, Angehörigen und solidarischen Personen, weil der „Grenfell-Tower“ schlecht gegen Feuer gesichert war, eine bereits in der Vergangenheit bekannte und diskutierte Tatsache. Es stellte sich bald heraus, dass der Verwaltung durchaus bewusst war, dass die feuerpolizeiliche Situation sehr gefährlich war. Doch hatte die Verwaltung, wie auch die Lokalpolitiker*innen (sowohl Konservative wie Sozialdemokrat*innen), keine Notwendigkeit darin gesehen, das Gebäude sicherer zu gestalten. Stattdessen wurde dem Gebäude wenige Jahre vor der Tragödie einen neuen Anstrich verpasst, um das Gebäude optisch schöner zu machen. Grund dafür war, dass der „Grenfell-Tower“ als Block voller Sozialwohnungen in einer reichen Gegend steht und die Nachbarn sich am Anblick des Turmes gestört hatten. Zu allem Überfluss stellte eine Untersuchung nach dem Brand fest, dass das Material, welches zur Renovierung benutzt wurde, die Brandgefahr massiv erhöht hatte.
Anhand dieses Falles konnten wir nicht nur einen Einblick in die aktuellen politischen Kämpfe Grossbritanniens gewinnen. Wir konnten uns den Zusammenhang zwischen rassistischen Diskriminierung und kapitalistischer Ausbeutung konkret vergegenwärtigen, welcher sich in diesem Fall sogar als tödlich erwies. Die Bewohnenden des Turmes waren als migrantische Personen und als proletarisierte Personen zweifach benachteiligt. Die Entscheidung der Verantwortlichen, die Klagen über den optischen Effekt des Turmes der reichen Anwohnenden ernster zu nehmen als die Angst der Bewohnenden, der Turm könnte abbrennen, bringt die Ungleichheit ans Tageslicht.
Es gab jedoch auch weniger düstere Akzente in der Winterschule. So konnten erneut wertvolle internationale Kontakte mit Falkengruppen im Ausland geknüpft werden und die internationale Solidarität gelebt werden. Durch die mittlerweile gute internationale Vernetzung der Roten Falken Zürich wurden auch viele bekannte Gesichter getroffen und Freundschaften ausgebaut. Es ist ein schönes Erlebnis, gute Freunde an solchen Anlässen wiederholt zu treffen.