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Die Zahl der Opfer dürfte nach dem Erdbeben der Stärke 6,1 weiter steigen.
Ein schweres Erdbeben hat die Menschen in Mittelitalien mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen. Es gab zahlreiche Verletzte und Verschüttete. Italienische Medien berichteten unter Berufung auf den Zivilschutz von mindestens 38 Toten.
"Viele sind noch unter den Trümmern. Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor", zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den Bürgermeister des Ortes Amatrice, Sergio Pirozzi. Unter den Opfern sollen mehrere Kinder sein.
Helfer suchten in den Trümmern völlig zerstörter Häuser weiter nach Überlebenden und Toten. Die Rettungsdienste konnten einige Orte in der bergigen Gegend nur schwer erreichen.
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat derzeit keine Kenntnis von toten oder verletzten Schweizer Staatsangehörigen, wie es am Mittwochmorgen mitteilte. EDA-Vorsteher Didier Burkhalter stehe in Kontakt mit seinem italienischen Amtskollegen Paolo Gentiloni und habe ihm die Unterstützung der Schweiz angeboten.
Das Erdbeben mit rund 60 Nachbeben hatte in der Nacht auf Mittwoch die gesamte Region zwischen Umbrien, Latium und den Marken erschüttert. Das Beben war auch in Rom und an der Adriaküste zu spüren. Es hatte sein Zentrum in der Provinz Rieti (Latium)."Alles ist kaputt"
Um 3.30 Uhr in der Nacht fing die Erde an zu beben. Vor allem die kleineren Ortschaften Amatrice und Accumoli wurden getroffen. "Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr. Die Menschen sind unter den Trümmern", sagte der Bürgermeister von Amatrice dem Nachrichtensender RaiNews24.
Strassen waren blockiert, der Strom war ausgefallen. Ein Einwohner sagte dem Sender: "Alles ist kaputt." Auch das Militär wurde zum Hilfseinsatz mobilisiert.
Das Erdbeben hat nach ersten Schätzungen mehrere Tausend Menschen obdachlos gemacht. Allein der Bürgermeister des Ortes Accumoli, Stefano Petrucci, sprach von 2500 Menschen ohne Dach über dem Kopf. Es sei kein einziges Haus mehr bewohnbar.
"Wir müssen eine Zeltstadt für die gesamte Bevölkerung organisieren", sagte Petrucci der Nachrichtenagentur Ansa zufolge. "Obwohl August ist, herrschen hier nachts zehn Grad."
Das Beben hatte nach jüngsten Angaben des Geophysischen Instituts Potsdam eine Stärke von 6,2 und lag in zehn Kilometern Tiefe. Städte wie Perugia und Assisi sind nicht weit entfernt. Auch Touristen an der Adriaküste meldeten sich besorgt bei den Feuerwehren.Bürgermeister bittet um Hilfe
Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert, oft auch von schwerwiegenden. 2009 war bei einem Beben die mittelitalienische Stadt L'Aquila verwüstet worden. Damals starben mehr als 300 Menschen. L'Aquila liegt Luftlinie nur gut 30 Kilometer von Amatrice entfernt.
"Das, was wir in L'Aquila vor Jahren gesehen haben, ist nun hier geschehen", sagte der Bürgermeister von Accumoli. "Wir brauchen Hilfen", ergänzte er in einem Telefongespräch mit dem Sender RaiNews24er.
Italiens Regierungschef Matteo Renzi und Präsident Sergio Mattarella haben den Opfern des Erdbebens bereits Hilfe zugesagt. Aus vielen Ländern, unter anderem der Schweiz, gingen Zusagen für Unterstützung ein. Italiens Infrastrukturminister Graziano Delrio war auf dem Weg in die Katastrophenregion.Chancen auf Überlebende
Das deutsche Technische Hilfswerk (THW) sieht Chancen auf Überlebende in den Trümmern. "In Altbauten gibt es immer die Chance, in irgendwelchen Hohlräumen zu überleben", sagte THW-Präsident Albrecht Broemme dem Nachrichtensender N24. "Es ist allerdings schwierig, denn diese Gebäude sind nicht nach modernen Aspekten erdbebensicher gebaut."
Im Zentrum des stark betroffenen Ortes Amatrice gebe es dreigeschossige Altbaugebäude, die recht stark zerstört seien. Die Strassen seien eng und oft durch Erdrutsche beschädigt. Es werde erfahrungsgemäss einige Tage dauern, bis die Trinkwasserversorgung wieder hergestellt sei, sagte Broemme.
Auch Papst Franziskus zeigte sich tief betroffen. Er finde kaum Worte, seinen grossen Schmerz auszudrücken, sagte der Papst zu Beginn der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom.
(sda)
Bildquelle: rai Südtirol