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Rezension zum Buch 'Willensfreiheit?'
Dieses Buch nimmt einerseits die Neurowissenschaften ernst und zeigt doch auch ihre Grenzen auf. Es nimmt die Neurowissenschaften ernst, indem der Autor an vielen Beispielen aus der Gehirnforschung der letzten Jahre zeigt, wie grossen Einschränkungen Willensfreiheit, falls es sie überhaupt geben sollte, unterworfen ist. Dies belegen etwa die erfundenen falschen Erklärungen, die Menschen anführen, wenn sie nach den Gründen für Handlungen gefragt werden, welche durch elektrische Reizung von Neuronen verursacht werden. Dasselbe lässt sich bei Handlungen feststellen, deren Ausführung jemandem in Hypnose aufgetragen worden ist: Die Betroffenen kennen den echten Grund für ihre Handlung nicht und erfinden einen anderen (der oft absurd klingt). Ebenso werden im Buch Libets Experimente und Schicksale wie z.B. das von Phineas Gage und von etlichen Kriminellen diskutiert.
Trotz all dieser Einschränkungen der Willensfreiheit muss es, wie Bloch mit scharfsinnigen Überlegungen überzeugend nachweist, in gewissen Fällen Willensfreiheit geben. Dieser Nachweis umfasst zwei Stufen. Auf der ersten zeigt der Autor, dass, falls die Quantenmechanik richtig ist (was wir heute annehmen sollten, da sich die Theorie seit 1927 bestens bewährt hat und eine sie ersetzende Theorie nicht in Sicht ist; ausserdem wäre eine solche Ersatztheorie höchst wahrscheinlich selbst ebenso indeterministisch wie die Quantenmechanik), wir ohne weiteres gewisse Aktionen durchführen können, die ein quantenmechanischer Zufallsgenerator für uns auswählt. Solche Handlungen sind folglich indeterminiert und daher unmöglich vorausberechenbar - auch durch einen Laplaceschen Dämon nicht. Damit ist freilich noch nicht gezeigt, dass es Willensfreiheit gibt, denn blosser Zufall und Willensfreiheit unterscheiden sich gewiss. Der Nachweis der Willensfreiheit braucht deshalb noch eine zweite Stufe. Mittels eines ausgeklügelten Gedankenexperiments - das doch offensichtlich leicht realisierbar ist - zeigt Bloch, dass man Handlungen ausführen kann, die weder determiniert noch zufällig sein können (Der Nachweis selbst kann hier leider nicht zusammengefasst werden, er würde den Rahmen einer Rezension sprengen). Diese Eigenschaft, weder determiniert noch zufällig zu sein, zeigt aber Willensfreiheit. Unter Willensfreiheit kann man ebensowenig zufällige Aktionen verstehen (wie das manche Neurowissenschaftler und Philosophen behaupten) noch determinierte (der Kompatibilismus wird im Buch genau untersucht und zurückgewiesen). Eine zufällige Handlung darf nicht frei genannt werden, da wir für freie Entscheidungen überzeugende Gründe angeben können. Diese Gründen zwingen uns jedoch die Entscheidung nicht auf: Oft genug schwanken wir sehr lange zwischen zwei oder mehr Möglichkeiten und können, wie auch immer wir uns entscheiden, unseren Entschluss begründen - im vollen Wissen darum, dass wir auch für eine andere Entscheidung ebenso wichtige Gründe gehabt hätten. Gründe und zwingende Ursachen sind zweierlei.
In einem letzten Kapitel erörtert Bloch die Natur des menschlichen Geistes, soweit sie uns heute bekannt ist, und zeigt, wie sehr Willensfreiheit und nicht Determinismus zu etlichen entscheidenden Eigenschaften unseres Geistes, auf die z.B. Penrose hingewiesen hat, passt.
Die Reichhaltigkeit dieses Buches und die Stringenz der Überlegungen des Autors konnten hier leider nur angedeutet werden; eine Zusammenfassung eines so klar argumentierenden Textes bleibt notgedrungen oberflächlich.