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Nadal bleibt der König der Sandplätze. Federer tat sein Möglichstes, um dem Mallorquiner die «Coupe des Mousquetaires» ein zweites Mal nach 2009 zu entreissen. In seinem 23. Grand-Slam-Final stimmte die Leistung, doch die ausserordentlichen Kämpfer- und Konterqualitäten von Nadal gaben den Ausschlag.
Verpasste Chance im Startsatz
In den entscheidenden Momenten war der Titelverteidiger eine Spur präziser, schneller und effizienter als Federer. Auch das Glück war öfters auf der Seite von Nadal. Was wäre gewesen, wenn Federers Stopp beim Satzball im ersten Umgang auf der Linie und nicht Millimeter daneben gelandet wäre? Zumindest hätte der Schweizer den ersten Satz gewonnen, den er überaus ärgerlich aus der Hand gab. Er führte 5:2 und spielte überragend. Nadal kam nicht zum Durchschnaufen, weil Federer nie zweimal dasselbe tat.
Er variierte, suchte manchmal den direkten Gewinnschlag und baute dann wieder sorgsam seine Punkte auf. Alles verlief nach Wunsch. Bei 5:2 vergab er den Satzball, doch war er bei eigenem Aufschlag bis dahin so souverän aufgetreten, dass der Satzgewinn nur aufgeschoben schien. Dann zeigte Nadal, weshalb er die Nummer 1 der Welt ist und in Roland-Garros erst eine seiner 46 Partien verloren hat. Er drehte auf, spornte sich an und schaffte es, Federer in längere Ballwechsel zu verwickeln. Nadal gewann insgesamt sieben Games in Folge.
Die Moral stimmte
In den letzten sechs Best-of-5-Duellen zwischen den beiden hatte jeweils derjenige triumphiert, der den ersten Satz für sich entschieden hatte. Doch Federer war noch lange nicht am Ende. Er gestaltete die Begegnungen nach dem Fehlstart in den zweiten Umgang (0:2) ausgeglichen, punktete mit der Vorhand und erstaunlich oft auch mit der Rückhand.
Er zeigte die ganze Palette seines Könnens – auch das kämpferische Element. Beim zehnminütigen Regenunterbruch zum Ende des zweiten Satzes konnte Federer sich mit seinen Coaches Severin Lüthi und Paul Annacone besprechen. Mehr als die taktische Hilfe schätzte er aber die moralische Unterstützung, wie er im Anschluss an die Partie verriet: «Das gab mir einen Schub.» Selbst, wenn es danach nicht zum Satzgewinn reichte, seine Einstellung blieb tadellos. Zu keinem Zeitpunkt liess er den Kopf hängen, obwohl er, wie er selber sagte, viele Chancen vergab: «Aber das ist halt immer so gegen Nadal.»
Nadal zieht mit Borg gleich
5:7, 6:7, 2:4 lag Federer zurück. Die 15000 Zuschauer, die zweieinhalb Stunden lang begeistert «Roger» oder «Rafa» gerufen hatten, waren ruhiger geworden. Da steigerte sich der 16-fache Grand-Slam-Sieger nochmals, holte sich auf brillante Weise, mit vier Gewinnschlägen, das Break zu null zurück und gewann den dritten Satz. «Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, Nadal sei müde», so Federer. Nadal wankte in der 220 Minuten dauernden Partie mehrmals, doch er fiel nicht. Einmal mehr bewies er seine Ausnahmestellung auf der roten Unterlage. Wahrscheinlich hätte kein anderer Spieler Federer an diesem Tag schlagen können. Doch der 25-Jährige schafft es wie kein anderer, aus einem Tennismatch einen Tenniskampf zu machen und den Gegner zu zermürben. Am Ende war auch der Schweizer nicht mehr in der Lage, Nadal Paroli zu bieten. Er vergab gleich zu Beginn des vierten Satzes drei Breakbälle, dann war sein Widerstand gebrochen. Nadal, der dank des Finalerfolgs die Weltranglistenführung verteidigte, ist erst der zweite Spieler nach Björn Borg, der Roland-Garros sechsmal gewinnen konnte.
Für den Spanier sind die French Open was für Federer Wimbledon. Schön für den Schweizer, das ebendieses Wimbledon in zwei Wochen beginnt.
Mit gutem Gefühl in die Rasensaison
«Das ist der Unterlagenwechsel, der mir immer am leichtesten fällt», meinte Federer mit bereits zurückgefundenem Lächeln. «Ich gehe mit einem guten Gefühl in die Rasensaison.» Rettet er seine gute Form über den Ärmelkanal, stehen die Chancen auf einen siebten Titel in London gut.
Bereits diese Woche steht Federer im Einsatz. Am heute Montag beginnenden Rasen-Turnier in Halle trifft der Baselbieter in der ersten Runde auf den Titelverteidiger Lleyton Hewitt (ATP 67). Federer, der das Turnier in Ost-Westfalen bereits fünfmal gewonnen hat, bietet sich damit die Revanche für die Finalniederlage im letzten Jahr, als er gegen die frühere Nummer 1 aus Australien in drei Sätzen verlor.Si
Einmal mehr blieben für Roger Federer (r.) in Paris nur der Pokal des Vize-Champions und tröstende Worte von Rafael Nadal.Bild Keystone
Frauen: Erstmals Siegerin aus Asien
Li Na ist die erste asiatische Grand-Slam-Siegerin. Die 29-jährige Chinesin setzte sich im French-Open-Final gegen die Titelverteidigerin Francesca Schiavone 6:4, 7:6 (7:0) durch. Vor rund 15000 Zuschauern schaffte sie, was ihr vor gut vier Monaten knapp misslungen war. Damals war sie im Endspiel der Australian Open an Kim Clijsters gescheitert. In Paris verlief der Final nach ihrem Geschmack. Sie setzte Schiavone konstant unter Druck und hatte nur Mitte des zweiten Satzes ein wenig Mühe mit der Gegnerin und ihren Nerven. Dank des fünften Turniersieges ihrer Karriere wird Li in der Weltrangliste auf Platz vier vorstossen und damit so gut klassiert sein wie erst eine Asiatin vor ihr (Kimiko Date 1995). Si