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Zweckbasierte Organisationen - Definition
In Ländern mit der Civil-Law-Rechtsphilosophie haben die öffentlichen Verwaltungen nicht nur die Aufgabe, das Funktionieren der Gesellschaft zu gewährleisten, sie sollen die Gesellschaft darüber hinaus auch aktiv gestalten. Die Gesetze bilden für diesen Auftrag die Basis und den Rahmen.
Auch Vereine und Stiftungen müssen gemäss gesetzlicher Definition einen Zweck erfüllen, der ihren Mitgliedern und der Gesellschaft nützt. Dieser Zweck ist in der jeweiligen Satzung beschrieben und kann kaum oder gar nicht verändert werden. Nonprofit Organisationen im deutschsprachigen Raum sind meistens entweder als Vereine oder als Stiftungen konstituiert.
Alle Mitglieder einer Gesellschaft haben Bedürfnisse. Diese können durchaus unterschiedlich oder gar gegensätzlich sein (z.B. hinsichtlich Freiheit und Sicherheit). Viele dieser Bedürfnisse sind marktfähig, d.h. es gibt viele Anbietende und Nachfragende und diese beiden Gruppierungen können den Preis für die Deckung eines Bedürfnisses als gleichstarke Partner direkt aushandeln.
Modell der Deckung gesellschaftlicher Bedürfnisse
Es gibt aber auch Bedürfnisse, die nicht marktfähig sind: Z.B. weil die Nachfragenden die Dienstleistung nicht bezahlen könnten (z.B. im Sozial- oder Bildungsbereich), weil die Betroffenen keine Nachfrage entwickeln würden (z.B. Straftäter) oder weil die Nachfragenden nur als Gruppe und nicht als Einzelpersonen betroffen sind (z.B. Naturschutz) und somit keine individuelle «Kaufsentscheidung» möglich ist. In unserem Rechtssystem ist es nun Aufgabe der Politik, die Art, den Umfang und die Ausgestaltung derjenigen Dienstleistungen zu definieren, die solche Bedürfnisse decken. Nach diesem politischen Prozess bleibt eine Vielzahl von gesellschaftlichen Bedürfnissen ungedeckt. Wenn sich nun für ein solches eine genügend grosse Anzahl Menschen findet, die mit ihrem privaten Engagement (und ggf. privaten finanziellen Mitteln) für ein Angebot zur Deckung dieses Bedürfnisses einstehen, kann es auch gedeckt werden. Typische Beispiele sind Sport- und Kulturvereine, aber auch Nachbarschaftsorganisationen oder Selbsthilfegruppen. Diese Gruppierungen geben sich als Rechtsform meistens eine Vereins- oder eher seltener eine Stiftungsstruktur.
Natürlich gibt es zwischen diesen drei Formen zur Deckung gesellschaftlicher Bedürfnisse jeweils einen Bereich, in welchem sich die Basis der Dienstleistungserbringung vermischt: Wenn z.B. der Staat eine Dienstleistung bei einer Forprofit Organisation unter Einhaltung der Marktgesetze einkauft (z.B. Expertisen, Betreuung Asylsuchender, Sicherheitsdienste usw.) oder Nonprofit-Organisationen mit Forprofit-Organisationen um die gleichen Kunden für ähnliche Angebote konkurrenzieren (Spitäler, Spitex usw.). Die Abgrenzung zwischen solchen Überschneidungen kann getroffen werden, indem analysiert wird, ob die Dienstleistung nach Marktgesetzen angeboten werden kann oder ob die Erfüllung des gesellschaftlichen Zwecks (z.B. Versorgungsauftrag in abgelegenen Gebieten) eine höhere Gewichtung hat. Liegt letzteres vor, muss das Handeln der jeweiligen Organisation von der Zweckerzielung gesteuert werden.
Somit haben zweckbasierte Organisationen einen gesetzlich oder statuarisch verankerten gesellschaftlichen Zweck zu erfüllen, der nicht marktfähig ist.