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Dieser Erfahrungsbericht des NZZ-Redaktors und Obersten im Generalstab Bruno Lezzi versetzt jemanden wie mich mit dem selben Jahrgang (1945) in Szenerien, die längst in die Vergangenheit abgesunken sind, zumal ich mit dem Militär in meinem Leben so rasch wie möglich abgeschlossen habe - als gewöhnlicher Soldat. Dennoch gibt es Berührungspunkte. Mit einigen wenigen der von Lezzi in diesem Bericht in doch erstaunlich grosser Zahl benannten Persönlichkeiten haben sich meine Wege auch schon gekreuzt, zudem teile ich Lezzis grundsätzliche Infragestellung der schweizerischen Igelmentalität. Ich glaube überdies, ihm im Rahmen meiner Tätigkeit für die MS AG in St. Gallen in der ersten Hälfte der 90er Jahre einmal begegnet zu sein.
„Von Feld zu Feld“ ist gewiss kein literarischer Text, auch kein journalistischer Bericht, eher eine Art persönlicher, von Anekdoten und gelegentlich etwas saloppen Charakterisierungen durchsetzter Rückschau zuhanden einer interessierten Öffentlichkeit, und als solche sehr lesenswert. Die wenigen mir gut bekannten Personen werden dabei bestenfalls in einem Aperçu gestreift: Oberst Pierre Wenger etwa, der - man erlaube auch mir eine anekdotische Anmerkung - beinahe mein Stiefvater geworden wäre, Georg Kohler, ein langjähriger Kollege als Assistent und schliesslich Philosophieprofessor an der Universität Zürich, der, wie schon im „Blick“ geschehen, von Lezzi interessanterweise als „Philosoph“ bezeichnet wird, Thomas Held, der, noch in Diskussion als Mitglied des Verwaltungsrats meiner Kommunikationsfirma, Direktor von Avenir Suisse wurde und den Lezzi in dieser Eigenschaft gegen Gerhard Schwarz ausspielt, der wiederum mit mir bei der Redaktion des Weissbuchs „Mut zum Aufbruch“ eng zusammengearbeitet hat. Eingehender kommt Walter Anderau zur Sprache, der mit mir ein Jahr lang die Schülerorganisation der Kantonalen Handelsschule Freudenberg leitete. Major Gustav Däniker schliesslich offerierte mir als Rekrut im Winter 1966 auf der Furka zehn Tage Scharfen, weil ich als Mitrailleur-Schütze im supponierten Gefecht nicht auf den Auslöser drückte. Nur: Meine Brille war beschlagen, es reichte nicht für einen Scharfen.
Der Grundtenor des Buches freilich ist goldrichtig, gerade auch aus Sicht der heutigen multiplen Krisenlage. Immer wieder zeigt Lezzi das Ungenügen der in der Schweiz geltenden Neutralitätsdoktrin auf, wenn es um die Landesverteidigung geht. Mir ist das wirtschaftliche und militärische Abseitsstehen der Schweiz innerhalb der westeuropäischen Interessengemeinschaft schon seit eh und je unerträglich. Mein frühverstorbener Vater Roman Köppel war ein enger, militärbegeisterter Freund des ebenso militärbegeisterten Pierre Wenger, ich selbst ging angesichts der vorherrschenden Igelmentalität und der oft überbordenden pseudomilitärischen Theatralik noch in der Rekrutenschule sozusagen in die innere Emigration und blieb einfacher Soldat, auch wenn ich die Gefahr, die vom Warschauer Pakt ausging, sehr ernst nahm. Mir schien, dass es einer ganz anderen Haltung gegenüber den europäischen Nachbarn bedurft hätte, um dieser Gefahr wirksam entgegenzutreten. Bei Lezzi kann ich Züge einer solchen Haltung erkennen.
Ein ganz anderer Zusammenhang freilich hat mich bei der Lektüre von Lezzis Buch beschäftigt. Sind das nicht alles Probleme und Fragestellungen von gestern, die hier in Erinnerung gerufen werden in einer Situation, in der der Klimawandel innert weniger Jahre eine Bedrohungslage schaffen könnte, die alles, was wir bisher erlebt haben, inklusive den Überfall der Ukraine durch Russland, in den Schatten stellt? Je mehr sich Lezzi in seinem Bericht der Gegenwart nähert, desto deutlicher werden umfassende strategische Planungen angesichts der Unwägbarkeiten der Entwicklung in Frage gestellt. Die Gedankenwelt des Buches von Lezzi lässt sich nicht linear in die Zukunft fortsetzen. Da warten Schübe, Brüche und Kipppunkte. (12. Januar 2023.)
En passant - im Vorübergehen.
Ich beginne dieses Journal am 31. August 2022. Mit kleineren photographischen Aperçus in lockerer Folge.
aux confins de la commune allemande de Jestetten, à quelques centaines de mètres de la frontière suisse.