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Literaturkreis

24.06.11

20. Jun 11: Humor, Satire
Susi protokollierte, was in der Runde zum Thema zu hören war. "Meine Notizen der vorgestellten Bücher siehe unten. Ufff, Protokolle schreiben ist def. weniger lustig als diese Lektüren..."
::: Molière
Molière (eigentlich Jean-Baptiste Poquelin) wurde von Marianne mitgebracht. «Les précieuses ridicules» (Die lächerlichen feinen Damen) hat sie vorgestellt: Zwei Cousinen ziehen von der Provinz wieder zurück nach Paris, wo sie verheiratet werden sollen. Die vorgestellten Freier sind ihnen jedoch zu wenig elegant. Die Verschmähten fühlen sich beleidigt und verkleiden ihre beiden Diener als heiratswillige Edelmänner - der Streich gelingt, die Cousinen verlieben sich in die Nobelmänner mit Niveau... Molière nimmt damit die Mode der damaligen Zeit aufs Korn: gekünstelte Sprechweise und wirklichkeitsfremde Denkweisen. Dies war um 1660 auch im Bürgertum zu finden, als man sich immerzu nobel gab. Das Stück wurde in der Comédie française zwischen 1680 und 1956 1180 Mal gespielt!
Ausserdem «Tartuffe» (Betrüger): Beschreibt das (damals) aktuelle Thema der heuchlerischen Religiosität. Ein armer Schlucker spielt den fanatisch Religiösen und wird von einem reichen Kaufmann in seinem Haus aufgenommen. Der Betrüger macht sich an die Ehefrau und deren Tochter, wobei der Hausherr das goutiert und ihm zum Schluss sogar seine Tochter zur Frau geben möchte. Die Heuchelei wird aufgedeckt und der Betrüger blossgestellt...
Molière verstand es, Themen überspitzt aufzuzeigen und somit eine wichtige Diskussion über "richtig" und "falsches" Verhalten zu lancieren. Wir haben uns nicht erlaubt, Molière zu "besternlen"...
Tom Sharpe
Thomas Ridley Sharpe hat Nathalie begeistert. Vor allem sein Buch The Gropes (2009; Lauter Irre, 2010) konnte sie empfehlen (auch als Kindle eBook erhältlich für $9.73+). Auf Deutsch hatte sie Puppenmord (Wilt, 1976) von ihm dabei. Der englische Humor ist zum Teil gewöhnungsbedürftig, aber extrem lustig auf niedrigem Niveau.
Jaroslav Hašek «Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk»
Reto hat diesen Klassiker vorgestellt. Das Buch war Vorlage für «HD Läppli». Es kann die Lachmuskeln über 700 Seiten strapazieren. Vor dem 1. Weltkrieg lebt ein Mann vom Hundeklau resp. vom Verkauf der gestohlenen Hunde - das macht er so lange, bis er eingezogen wird. Zur Musterung wird er von seiner Hausherrin in der Schubkarre gebracht und gilt sofort als Simulant. Die Simulanten werden adäquat betreut: zwei Mal täglich eine Magenspülung, Chinin wird verabreicht, kalte Wickel, Diäten usw. das hält keiner lange aus. Bald ziehen sie es vor, in den Krieg zu ziehen. Auch Schwejk wird nach erfolgreicher Therapie an die Front geschickt, wo er Gehilfe eines Feldpredigers wird...
Tommy Jaud «Hummeldumm»
Dieses Buch war lange auf der Bestsellerliste und beschreibt die Safari-Alpträume eines jungen Paares im Kleinbus zusammen mit 10 anderen Gruppenreisenden durch Namibia. Der fehlende Adapter beschäftigt Matze Klein ganz gehörig - es will ihm einfach nicht gelingen, das wertvolle Teil in seinen Besitz zu kriegen, um endlich die verlangte Anzahlung für ihre Eigentumswohnung überweisen zu können. Es droht die Katastrophe des Wohnungsverlustes und seine Freundin Sina weiss noch nichts davon... Eine heitere Geschichte. Die Originalschauplätze kennt jeder Namibia-Reisende wie Susi!
Wolfgang Herrndorf «Tschick»
Das Lieblingsbuch von Rita! 2 Jugendliche - Mike reich / Tschick arm - klauen ein Auto und gondeln durch Ostdeutschland. Das Buch müsste doppelt so dick sein; auf den Zeilen steht viel Lustiges, aber zwischen den Zeilen manch Tragisches. Der Text wird von Mike als Ich-Erzähler in einer z.T. derben Jugendsprache erzählt. Die Lektüre zeigt auf, wie schnell gerade Jugendliche als Täter verurteilt werden, obwohl die Gesellschaft und Elternhaus ihnen keinen Rückhalt oder eine reelle Chance geben.
Eugen Roth
Ruth hat uns zum Schluss noch zwei Gedichte von Eugen Roth aus dem Büchlein «Heiteres Darüberstehen» vorgelesen - sehr zur Erheiterung aller!
|= ein Must! ... bis ... = Chasch vergässe!|

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