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Japans industrielle Ruinen
Ab 1868 verwandelte sich Japan von einem isolierten Feudalstaat zu einer aufstrebenden Industrienationen, die sich mit den westlichen Staaten zu messen begann. Fabriken für die Schwerindustrie wurden hochgezogen, ein Eisenbahnschienennetz gelegt, Schulen gebaut, eine Verfassung mit dem Tenno an der Spitze ausgearbeitet und eine schlagkräftige Armee auf die Beine gestellt.
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«Die Bereicherung des Landes und die Stärkung der Armee» war die Losung jener industriellen Revolution. Am Ende des 19. Jahrhunderts war Japan zu einer Vormacht in Asien aufgestiegen, die ihre territoriale Expansion begann und die Auseinandersetzung mit den westlichen Grossmächten nicht mehr scheute. Es war auch der Anfang einer verheerenden militärisch-politischen Entwicklung, die erst mit dem Zweiten Weltkrieg endete.
Auf die Meiji-Zeit, die von 1868 bis 1912 dauerte, schaut man in Japan mit viel Nostalgie zurück. Diese Zeit der Modernisierung hat bis heute im ganzen Land ihre Spuren hinterlassen, in Form von Fabriken, alten Kanälen, Spinnereien, stillgelegten Docks, Wasserpumpwerken oder verlassenen Kohlebergwerken.
Gewisse historische Orte wie das 1901 in Betrieb genommene Yahata-Stahlwerk in der Stadt Kitakyushu oder die Schiffswert in Nagasaki sind noch bis heute in Betrieb. Die Südinsel Kyushu bietet besonders viel Relikte dieser Ära.
Die Schlachtschiff-Insel
23 Einrichtungen in 8 Präfekturen hat die japanische Regierung als «Historische Stätten der industriellen Revolution der Meiji-Zeit» gelistet. Dazu gehört auch die Insel Hashima vor Nagasaki, die spätestens seit dem James-Bond-Film Skyfall weltweite Bekanntheit erlangt hat (Asienspiegel berichtete).
Zwischen 1887 und 1974 wurde auf der Insel, die wegen ihres Aussehens den Übernamen Gunkanjima (Schlachtschiff-Insel) hat, im Auftrag von Mitsubishi unter dem Meer Kohle abgebaut. Auf ihrem Höhepunkt beherbergte Hashima auf seinen 6,3 Hektaren 5300 Menschen, was rund 1600 Haushalten entsprach. Es war damals die höchste Bevölkerungsdichte der Welt.
Mit dem Aufstieg des Erdöls wurde schliesslich der Untergang der Insel besiegelt. 1974 verliessen die letzten Einwohner die Insel. Die Kleinstadt wurde sich selbst überlassen und ist heute zu einem touristischen Anziehungspunkt geworden, der selbst mit Google Street View erkundet werden kann.
Entscheid ab 2015
Nun möchte Japan diese Hinterlassenschaften der Modernisierungszeit zum UNESCO-Weltkulturerbe erklären lassen. Bis Ende Monat wird die Regierung in Tokio der UNO-Organisation ein offizielles Gesuch stellen, wie die Nishi Nippon Shimbun berichtet .
Die Internationale Denkmalpflege ICOMOS, eine Unterorganisation der UNESCO, wird sich voraussichtlich noch dieses Jahr einen Überblick über die historischen Stätten verschaffen. Frühestens 2015 wird die UNESCO entscheiden, ob diese Orte der Modernisierungsära Japans zum Weltkulturerbe erklärt werden.
Kritik aus Südkorea
Das Gesuch Japans stösst aber nicht überall auf Wohlwollen. Südkorea hat Tokio laut NBC Nagasaki aufgefordert, nochmals über die Bücher zu gehen.
Denn in einigen dieser historischen Industriestätten mussten Tausende von Südkoreanern während der Kolonialzeit Zwangsarbeit verrichten. Auch auf Hashima liessen während des Zweiten Weltkrieges zahlreiche chinesische und südkoreanische Arbeiter ihr Leben.
Japan betont derweil, dass es sich bei diesem Vorstoss um das bauliche Vermächtnis einer bestimmten Zeit handelt. Es gehe dabei nicht um eine historische Einordnung dieser Ära.
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