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Zu Tisch mit Tschanz "Chinesische Dominanz"
In den 1950er- und 60er-Jahren hatten die USA und China versucht, mit normalen diplomatischen Mitteln die Beziehungen zu verbessern. Diese Gespräche brachten aber nicht die erhofften Ergebnisse. Tischtennis half. Während der Weltmeisterschaft 1971 freundeten sich die Spieler Glen Cowan und Zhuang Zedong an. Daraufhin wurde die amerikanische Mann- schaft nach Peking eingeladen. Diesem Besuch folgten weitere Treffen von hochrangigen Politikern, beispielsweise des Präsidenten Richard Nixon, wodurch Spannungen abgebaut und die Beziehung verbessert wurde. Heute bekannt unter dem Namen Pingpong-Diplomatie.
Die chinesischen Tischtennisspieler haben seit Ende der 80er Jahre den Tischtennissport dominiert. Von 32 möglichen Goldmedaillen an Olympischen Spielen hat China 28 gewonnen. Doch warum sind sie so gut?
Zum einen ist Tischtennis Chinas Volkssport Nummer 1. Es hat in China eine riesige Anerkennung in der Gesellschaft. Durch die hohe Population in China können Talente jeweils aus einem enormen Pool spezifisch ausgewählt und gefördert werden. Diese Talente werden ab einem jungen Alter (3–4 Jahre) gedrillt. Die besten Talente werden, dank des Sportsystems, schon im Alter von 12 Jahren Profispieler und vom Staat bezahlt. Die Spieler werden in den Provinzteams ausgebildet und können so später den Sprung in das Nationalteam schaffen. Dieses trainiert mit rund 30 Mitgliedern unter Topstrukturen in Peking.
Während der Corona-Pause haben die besten 24 Spieler unter der Betreuung von 12 Tischtennistrainern trainiert. Unter diesen 12 Trainern befinden sich mehrere Olympiasieger und Weltmeister. So wird das Wissen von Generation zu Generation weitergegeben. Von diesen 30 Topleuten vertritt aber nur eine Handvoll China auf internationalem Niveau. Die restlichen dienen den Besten als Sparrings. Diese Sparrings könnten jedoch selbst in den Top 20 der Welt mitmischen. Für wichtige Wettkämpfe imitieren diese Sparrings sogar einige der härtesten Konkurrenten. Daneben gibt es Teams von Ernährungsspezialisten, Athletiktrainern und Videoanalytikern, die dafür sorgen, dass die Dominanz weiterhin anhält.
Tischtennis in China ist nicht nur eine Sportart, sondern in der Politik und der Gesellschaft verankert. Es ist eine politische Methode und ein Symbol. Durch diese riesige Geschichte und Tradition wird China im Tischtennis immer so weitermachen und gewinnen. Die Frage bleibt, ob es Europa gelingt, eine Gegenwelt zu schaffen, in der man unter gleichen Strukturen trainieren kann und in der dasselbe Know-how vorhanden ist.
Die Kolumne ist am 08.07 2021 in der Volksstimme - Die Zeitung für das Oberbaselbiet erschienen.