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Schwangerschaft nach Krebsdiagnose
Forschung Viele junge Patientinnen haben ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen, wenn bei ihnen Brustkrebs diagnostiziert wird.
Sie sind entsprechend besorgt darüber, dass die Behandlung ihre Fruchtbarkeit oder die Gesundheit ihres Kindes beeinträchtigen könnte. Eine internationale Studiengruppe hat sich diesem sensiblen Thema angenommen mit dem Ziel, wichtige prospektive und wissenschaftlich zuverlässige Nachweise zu liefern.
Mit welchen Ängsten sehen sich junge Frauen mit Kinderwunsch konfrontiert, bei denen Krebs diagnostiziert wurde?
Dr. Rabaglio: Eine junge Frau mit Kinderwunsch, bei der Krebs diagnostiziert wird, denkt als Erstes an das eigene Überleben. Die Frage, ob sie Kinder haben will, rückt im ersten Moment in den Hintergrund.
Zu den grössten Ängsten gehört die Sorge, kinderlos zu bleiben und dass die Krebstherapie die Gesundheit eines «zukünftigen» Kindes – das heisst eines Kindes, das nach der Diagnose und der Therapie des Brustkrebses gezeugt wurde – beeinträchtigen könnte. Zudem bestehen auch die Angst vor einem Krebsrückfall und die Sorge, das eigene Kind nicht heranwachsen zu sehen.
Kann die Chemotherapie Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit einer Frau haben?
Dr. Rabaglio: Es besteht durchaus eine Korrelation zwischen Chemotherapie und Unfruchtbarkeit. Das Unfruchtbarkeitsrisiko ist abhängig vom Typ der Chemotherapie und vom Alter der betroffenen Frau. Ein Teil der Frauen nimmt jedoch erfahrungsgemäss ein Unfruchtbarkeitsrisiko in Kauf, wenn sie mit ihren Ärzten mögliche Krebsbehandlungsmethoden besprechen.
Welche Daten gibt es aktuell zur Sicherheit einer Schwangerschaft nach einer Brustkrebserkrankung?
M. Ruggeri: Die verfügbaren wissenschaftlichen Daten weisen darauf hin, dass eine Schwangerschaft nach Brustkrebs das Risiko eines erneuten Auftretens des Brustkrebses nicht erhöht. Nach den neusten Daten gilt dies insbesondere auch für Frauen mit hormon-sensitivem Brustkrebs. Es gibt auch keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Geburtskomplikationen oder für das Neugeborene.
Alle vorhandenen Daten stimmen zwar zuversichtlich. Die verfügbaren Informationen wurden jedoch nachträglich gesammelt. Für Frauen mit hormonsensiblen Tumoren, die aus persönlichen Gründen oder Altersgründen vergleichsweise früh nach der Diagnose schwanger werden möchten, gibt es bisher nur retrospektive Daten. Daher ist eine neue Studie notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen.
Was heisst das konkret?
M. Ruggeri: Eine der wichtigsten noch ungeklärten Fragen lautet, wie lange eine Frau nach der Diagnose und Behandlung von Brustkrebs warten sollte, bevor sie versucht, schwanger zu werden. Wir wissen, dass bei Frauen mit Kinderwunsch nach Brustkrebs eine fünf- bis zehnjährige adjuvante Antihormontherapie die Aussicht auf eine erfolgreiche Empfängnis erheblich verringern kann. Eine kürzere Dauer der Antihormontherapie wurde bei diesen Frauen bisher jedoch nicht untersucht.
M. Ruggeri, welche Ziele hat sich das Forschungsprojekt Ihrer Studiengruppe gesetzt?
M. Ruggeri: Die internationale Studiengruppe zu Brustkrebs (IBCSG) untersucht die Sicherheit und den Erfolg einer Schwangerschaft bei jungen Frauen mit hormonempfindlichem Brustkrebs. Unsere klinische Studie liefert einen international einzigartigen Ansatz in der Betreuung von Brustkrebspatientinnen.
Sie soll analysieren, ob ein vorübergehender Unterbruch der Antihormontherapie mit dem Ziel, schwanger zu werden, das Risiko eines erneuten Auftretens von Brustkrebs erhöht.
Zusätzlich sollen mit der Studie der Erfolg der Schwangerschaft, die Gesundheit des Neugeborenen und die Stillfähigkeit beurteilt werden. Wir nehmen zudem verschiedene spezifische Indikatoren im Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit, der Schwangerschaft und der Biologie von Brustkrebs bei jungen Frauen unter die Lupe.
Wie ist Ihre klinische Studie genau angelegt?
M. Ruggeri: Über einen Zeitraum von vier Jahren sollen insgesamt 500 Patientinnen in Prämenopause mit hormonsensiblem Brustkrebs aus etwa 20 Ländern in diese Studie aufgenommen werden. Für die Schweiz ist vorgesehen, dass 80 Patientinnen teilnehmen werden.
Die Studie, die momentan 29 internationale Forschungszentren involviert, ermöglicht nach 18 bis 30 Monaten endokriner Therapie eine Behandlungsunterbrechung von bis zu zwei Jahren, um eine Schwangerschaft zu versuchen. Im Anschluss daran wird die Behandlung wieder aufgenommen, um die vorgeschriebenen fünf bis zehn Jahre abzuschliessen.
Wann sind die ersten aussagekräftigen Resultate zu erwarten?
M. Ruggeri: Die ersten Resultate erwarten wir in fünf bis sechs Jahren. Um abschliessende Ergebnisse zu erhalten, werden im Voraus geplante und kontrollierte Informationen benötigt, die über einen Zeitraum von 14 Jahren gesammelt wurden.