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Edler Putz macht Damen
Mode zwischen Vorschrift und Praxis in Zürich, Basel und Luzern 1650–1790
Dissertationsprojekt von Janine Jakob
In der hierarchisch strukturierten Gesellschaften Europas des 17. und 18. Jahrhunderts waren Mode und Dress-Codes entscheidend um sozialen Status, ökonomische Macht, Reichtum, Prestige, Geschlecht, Zivilstand und religiöse Zugehörigkeit auszudrücken. Die Dissertation untersucht materielle Kultur der Frühen Neuzeit anhand der Frauenmode der städtischen Elite von Zürich, Basel und Luzern im Kontext der Mode- bzw. «Hoffarts-Regulierung» der Sittenmandate der Städtischen Obrigkeit im Zeitraum von 1650 bis 1790. Was durften die Damen der Elite an edlem «Putz» bzw. an aufwändiger Kleidung und Accessoires tragen und was war ihnen verboten? Im Vergleich dazu – wie haben sie sich im Alltag und zu besonderen Anlässen gekleidet und in Porträts repräsentiert? Was unterschied sie von der einfachen Bürgersfrau? Mit Hilfe der Quellen werden Fragen zur sozialen Abgrenzung und Integration, Konfession, Identität aber auch Repräsentation der Familie analysiert. Ebenso werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Kleidung und Accessoires der drei Städte analysiert sowie «lokaltypische Mode», die Bedeutung von „Putzsucht“ und Bescheidenheit in der Mode untersucht.
Kleidung und Accessoires stellten ein wichtiges und beliebtes Instrument zur sozialen Einordnung gerade auch der Damen dar. Vielfarbiger Seidenbrokat, Hauben mit Goldlahn, auffällige kugelige Pelz-Kappen genannt «Hinterfür», kostbare Spitzen und Gürtel, bestickte Beutel, Halsketten aus Gold, aber auch Sackuhren und goldene Armbänder – Selbstdarstellung, Repräsentation und soziale Hierarchisierung suchten nach immer neuen Gestaltungsformen. Als kulturelle Praxis folgten diese ästhetischen und soziokulturell bedingten Ansprüchen und waren dem Wandel unterworfen. Entsprechend regulierten städtische Obrigkeiten nach strenger Moral «Alamodereien» und die «Hoffart» bzw. den Luxus in der Mode. Dabei wurde ein modisches Idealbild gemäss der Vorstellung eines bescheidenen, tugendhaften und gottesfürchtigen Lebens propagiert, wo Pracht und «übertriebene Kostbarkeit in Kleidern» als Synonym für Laster und Sünde standen.
Mit der Dissertation werden mit Blick auf die europäische und vom französischen Hof Ton angebende frühneuzeitliche Mode sowie die Luxuskonsum-Kultur erstmals Moderegulierungen (u.a. UB Basel und StABS) Alt-Eidgenössischer Städte mit protestantischem oder katholischem Glaubenshintergrund im Detail vergleichend im Wandel der Zeit mit der «Mode-Praxis» anhand von Porträts und Grafiken sowie original Kleidung und Accessoires aus öffentlichen und privaten Sammlungen sozialhistorisch untersucht. Ebenfalls analysiert werden Testamente von Damen und Heiratsverträge. Zu den gefundenen Unikaten zählen u.a. ein Gemmen-Collier, Gürtel und eine Tabatière aus Schildpatt mit Miniaturporträt (Privatbesitze), Seidenkleider und Basler Hauben (Historisches Museum Basel & Museum der Kulturen Basel) sowie Textilfragmente bzw. Teile der Bekleidung aus je einem Frauengrab von Basel (Anna Gernler-Bischoff, Naturhistorisches Museum Basel) und von Zürich (SNM). Die Dissertation ist in der Abschlussphase; für die Unterstützung der FAG bedanke ich mich herzlich.
Janine Jakob