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Phil Burbank (Benedict Cumberbatch) ist ein Mann, der Angst und Respekt einfordert. Ungewaschen, doch keinesfalls ungebildet, lebt er abseits der feinen Gesellschaft der Zwanzigerjahre. Die endlosen Stunden im Sattel haben die Beine dieses Mannes geformt, den John Savage in seiner Romanvorlage aus zwei gänzlich unterschiedlichen Männlichkeitsentwürfen zusammensetzt. Als habe das Pferd einen permanenten Abdruck auf ihm hinterlassen, stiefelt er mit breiten Schritten, den Oberkörper kerzengerade über die Ranch. Der einzige Mann, in dessen Schatten er sich stellt, ist der Mann, der ihn das Reiten lehrte. Bronco Henry, ein legendärer Cowboy, der den Film durch Phils Erzählungen als Phantom aus der guten alten Zeit heimsucht.
Heute fährt die Welt um den älteren der beiden Burbank-Brüder längst mit dem Auto. Auch der jüngere, George (Jesse Plemons) – Phil nennt ihn «Fatso» – scheint das Auto, obwohl er ebenfalls Rancher ist, vorzuziehen. Phil teilt sein Bett mit ihm, wartet bis in die Nacht auf den Bruder und schaut dennoch auf ihn, seine Defizite und seine Hinwendung zum modernen, industrialisierten Lebensstil herab. Auf dem Trail, vor dem pittoresken Bergland Montanas ist Phil das Zentrum des Universums; in der Rückansicht, die die Strasse zeigt, die sich längst über besagte Berge gelegt und den Weg in die industrialisierte Welt der Zwanziger freigegeben hat, ist er aber ein Mann mit überschrittenem Haltbarkeitsdatum.
George wird über diese Strasse fahren, um mit der Witwe Rose (Kirsten Dunst) anzubandeln. Nach der Heirat, die im Off stattfindet, strahlt die dämonische Autorität des älteren Burbank Rose und ihrem Sohn Peter (Kodi Smit-McPhee) entgegen. Der Klang der Stiefel, sein durchdringendes Pfeifen und das Banjo tragen Phils Drohverhalten in jeden Winkel des Hauses. Überall ist Gewalt zu spüren, nie ist Gewalt zu sehen. Als Rose sich auf Drängen ihres Mannes wieder am Piano versucht, ist der neue Schwager als feindseliger Zuhörer immer anwesend, pfeift dazwischen und begleitet ungefragt mit dem Saiteninstrument. Das Glück des jüngeren Bruders – das auch ohne Phils Anwesenheit nie das Glück seiner Ehefrau ist – fordert nicht nur das Wesen des älteren heraus, es offenbart auch die Einsamkeit hinter dessen brutaler Maskulinität.
Jane Campion begleitet ihn fasziniert in diese Einsamkeit – in das leere Bett und in sein Refugium an der Badestelle. Wir blicken mit ihm auf die nackten Körper der anderen Cowboys, sehen ihn träumen – das Tuch eines Mannes über dem Gesicht, die Hand im Schritt. Je weiter sich die Persönlichkeit des Protagonisten auffaltet, desto ungewisser erscheinen die Machtverhältnisse im Haus. Wo Phils Feindseligkeit durch die Luft hallt, wo Komponist Jonny Greenwood das Klavier helle Töne des Deliriums anschlagen und die Geigen vor Zorn im Kreis drehen lässt, inmitten dieser Klangkulisse macht Campion mit fantastischem Gespür einen sanften, therapeutischen Ton zum dominanten Klang der Erzählung: Peters Finger, die über einen Kamm streichen. Als seine Mutter zunehmend in Alkohol und Depressionen versinkt, nähert sich Phil auch ihm, lehrt ihn das Reiten, das Flechten von Rohleder, die Männlichkeit nach Bronco Henry. Bald darauf fliesst das erste Blut. Es tropft auf das weisse Präriegras. Ein sinnliches, pathetisches Schauspiel, in dem Gewalt keine Rolle mehr spielt. Phil ist verwundbar geworden, seine Erzählungen von Bronco Henry intimer. Eine gefährliche wie zärtliche Beziehung bahnt sich in der Schwebe von Gewalt und Sinnlichkeit an, bis Campion mit sanfter Gnadenlosigkeit den Finger wieder auf die Waagschale legt.
START 18.11.2021 REGIE, BUCH Jane Campion VORLAGE John Savage KAMERA Ari Wegner SCHNITT Peter Sciberras MUSIK Jonny Greenwood DARSTELLER*IN (ROLLE) Benedict Cumberbatch (Phil Burbank), Jesse Plemons (George Burbank), Kodi Smit-McPhee (Peter Gordon), Kirsten Dunst (Rose Gordon) PRODUKTION See-Saw Films, Brightstar, BBC Films u.a., UK, AU, USA 2021 DAUER 125 Min. VERLEIH Ascot Elite STREAMING Netflix
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