Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03094.jsonl.gz/1552

An der Stelle, wo die Albula die enge Schlucht der Schin verlässt, um sich mit dem vorderen Rhein zu verbinden, sieht man sich auf einer felsigen Steilspore hoch über dem Fluss die Ruinen von Campell oder Campi. Sie befinden sich am Rand einer Verwerfung, auf dem früher das Schloss stand. Die Hausgruppe in der Nähe der Ruinen liegt vermutlich an dem Ort, wo sich früher die Diensthäuser befanden. Dieses Werk schuldet sein derzeitiges Erscheinungsbild den Renovationen des 16. und 17. Jahrhunderts, Arbeiten, die die viel von seinem anfänglichen Verteidigungscharakter weggenommen haben. Insbesondere fällt der Westteil auf, wo die grossen Fensteröffnungen eher an ein Patrizierwohnhaus als an eine feudale Burg erinnern. Der Turm und der Ostflügel haben am meisten vom mittelalterlichen Charakter beibehalten. Der Westflügel, der vor dem Turm in Richtung Graben steht, besteht aus einem Gebäudekomplex, der in mehreren Konstruktionsphasen auf eine alte niedrige Grundmauer errichtet wurde. Verschiedene noch sichtbare Fugen in der Maurerarbeit zeigen die Stockwerke deutlich an. Zum Fuss des Turmes gibt eine mit Rundbogen verzierte innere Tür Zugang zum Ostflügel des Schlosses, das aus einem Hof und ein schräg geteiltes Wohnungsgebäude besteht. Der wichtigste Teil des Schlosses, ist es der Wachtturm, der in dessen Zentrum aufgestellt wurde. Mehr als einmal wurde dieser renoviert, doch behielt er in seiner Gesamtheit sein mittelalterliches Aussehen.
Adrian Michael
Eine Angabe über das Alter des Schlosses von Campell existiert nicht. Seine ältesten Elemente datieren vermutlich aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Die ersten direkten Erwähnungen erschienen in Dokumenten aus dem 15. Jahrhundert. Seine Konstrukteure waren wahrscheinlich die Barone von Campell, die in den Dokumenten des 13. Jahrhunderts erwähnt wurden. Sie scheinen, Ländereien im oberen Teil des Domleschg besessen zu haben. Doch ist man über deren Schicksal nicht schlüssig.
Campell unterlag vermutlich der Bischofssuzeränität zu Beginn des 15. Jahrhunderts, denn selbst wenn es nicht im Verzeichnis der Bischofsgüter von 1410 enthalten ist, bestätigen Dokumente, dass der Bischof zu dieser Zeit die Festung an den Baronen von SchauensteinEhrenfels als Lehen gab. Ungefähr in der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde dieses Gebiet der Familie Ringg übertragen, das bereits Ländereien in dieser Region besass. Später gelangte es an Schauenstein gegen 1500 zurück. In Folge bewohnten mehrere andere Familien des Graubündner Patriarchats Schloss Campell, und dann scheint das mittelalterliche Schloss in einen eleganten Landsitz umgewandelt worden zu sein. Gegen 1700 wurde es nicht mehr bewohnt, doch befand es sich in ziemlich gutem Zustand. Im Laufe des 18. Jahrhunderts begann der Zerfall.
Bibliographie