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Sobald der Frühling kommt, dringt die Orientalische Mauerwespe in Keller und Dachböden ein, um zwischen Büchern, Vorhängen oder Möbeln kleine Lehmtöpfe zu bauen. Im letzten Jahrhundert aus Asien eingeschleppt, hat diese Wespe nun ihren Weg in unsere Städte und Dörfer gefunden.
Was sind Mauerwespen?
Mauerwespen der Gattung Sceliphron treiben unsere Vorstellung einer "Wespentaille" auf die Spitze, indem der Hinterleib an der Basis lang gestielt ist. Das verleiht ihnen trotz ihrer Grösse von fast zwei Zentimetern ein eher zierliches Aussehen. In Europa sind die Mauerwespen schwarz mit gelben Flecken und manchmal einigen rötlichen Schattierungen an Beinen und der Unterseite. Zwei Arten sind in der Schweiz heimisch, Sceliphron destillatorium und Sceliphron spirifex, aber diese sind selten und heute hauptsächlich auf das Südtessin beschränkt. Demgegenüber ist die Orientalischen Mauerwespe (Sceliphron curvatum) besonders auffällig, weil sie in unsere Häuser kommt.
Von Nepal in die Schweiz
In Europa wurde die Orientalische Mauerwespe erstmals 1979 in Österreich entdeckt. Ursprünglich stammt sie aus Nordindien, Nepal und Kasachstan, wie sie zu uns kam ist jedoch unklar. Es ist möglich, dass es in kommerziellen Sendungen oder in Autos aus dem Osten nach Europa transportiert wurde. In der Schweiz wurde eine 1998 gesammelte Orientalischen Mauerwespe in den 2000er Jahren erstmals als solche erkannt. Dies war der Beginn der Ausbreitung dieser anthropophilen Art.
Spinnen als Nahrung für die Brut
Die Orientalische Mauerwespe ist ein Spinnenfresser. Um ihre Larven zu ernähren, jagt das Weibchen Spinnen, lähmt sie mit ihrem Gift und bringt sie in ein Töpfchen, das sie für die Larven gebaut hat. Nach 8 bis 15 Spinnen legt sie ein Ei dazu und verschliesst den Eingang. Die frisch geschlüpfte Larve ernährt sich dann während der kalten Jahreszeit von ihrer Vorratskammer, bevor sie sich verpuppt, genau wie ein Schmetterling. Im folgenden Frühjahr schlüpft eine neue Wespe aus dem Töpfchen.
Facharbeiter für Mauerwerk
Viele von uns sind gewiss überrascht, wenn sie auf dem Dachboden oder in der Garage eine Reihe von kleinen gräulichen Töpfchen finden, perfekt aneinandergereiht. Tatsächlich braucht die Wespe lange, um die Töpfchen zu bauen. So dauert es bis zu zwei Tage, um einen einziges herzustellen. Ein Weibchen baut 5 bis 22 Stück. Die Gebilde aus Ton sind sehr feuchtigkeitsempfindlich, weshalb die Nester immer an geschützten Orten angelegt werden.
Der Cousin des Feldes
Während die Orientalische Mauerwespe in Städten und Häusern zu finden ist, hat sich eine weitere Mauerwespe, diesmal aus Nordamerika, auf dem Lande angesiedelt. Die Gelb-schwarze Mauerwespe (Sceliphron caementarium) ist ebenso gefrässig wie ihr städtischer Cousin, baut ihr Nest aber bevorzugt an Strukturen in der Nähe von Feuchtgebieten, zum Beispiel an den Ufern von Seen und Flüssen.
Mauerwespen sind zwar gross und machen Spinnen Angst, aber der Mensch hat von ihnen nichts zu befürchten. Diese Wespen sind leicht zu beobachten, in der Regel von März bis August, und zeigen keine Anzeichen von Aggression. Wie bei jeder eingeschleppten Art sind jedoch negative Auswirkungen auf die Populationen einheimischer Spinnen oder anderer Mauerwespen möglich. Inwiefern das bei der Orientalischen Mauerwespe der Fall ist, kann zur Zeit nicht beurteilt werden.
Authors: Sophie Giriens