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Nach einigen
Jahren hat sich in der
Erde so viel S. gebildet, daß es lohnt, sie auszulaugen. Die
Lauge aller dieser Rohmaterialien
enthält aber auch salpetersauren
Kalk, salpetersaure
Magnesia etc. und wird deshalb mit
Pottasche (kohlensaurem
Kali) versetzt (gebrochen), um
Kalk und
Magnesia als
Kohlensäuresalze zu fällen und salpetersaures
Kali zu bilden. Die geklärte
Lauge wird stark verdampft, wobei sich ein großer Teil der fremden
Salze ausscheidet, und dann zur
Kristallisation gebracht.
S. bildet farblose, wasserfreie, luftbeständige
Kristalle
[* 13] vom spez. Gew. 2,1, schmeckt kühlend,
wenig bitter, löst sich in
Wasser unter starker Temperaturerniedrigung, und zwar lösen 100 Teile
Wasser
bei
Unter Sal petrae, Stein- oder Felsensalz, verstand man in frühern Zeiten die salzigen Ausblühungen auf
Gemäuer, Felsen, Erdreich und spricht in diesem Sinne noch jetzt von Mauersalpeter, der aber eben in
der Regel kein wirklicher S., d. h. kein salpetersaures Salz ist. Die salpetersauren Salze dagegen können sämtlich S. genannt
werden; im Warenverkehr versteht man darunter aber nur die zwei wichtigsten, das salpetersaure Kali oder den Kalisalpeter
(Kaliumnitrat, salpetersaures Kalium, Kali nitricum) und das salpetersaure Natron, Natronsalpeter (Natriumnitrat,
salpetersaures Natrium, Natrium nitricum), seiner Herkunft nach meistens Chilisalpeter und nach seiner Kristallform kubischer
oder Würfelsalpeter genannt, obschon er keine eigentlichen, sondern geschobene Würfel (Rhomboëder) bildet.
Andre
zu dieser Klasse gehörige Salze sind: Ammoniaksalpeter (flammender S.), ein leicht zerfließliches Salz,
gewöhnlich nur in chemischen Laboratorien gebraucht und sehr dienlich zu Kältemischungen;
Silbersalpeter, das salpetersaure
Silberoxyd oder der Höllenstein, und der Bleisalpeter.
Die salpetersauren Salze der übrigen Metalle und der Erden sind meist
sehr zerfliesslich. Kalk- und Magnesiasalpeter gehören dazu; sie spielen bei der Salpetergewinnung eine gewisse Rolle (s.
unten). -
Salpetersaure Salze entstehen immerfort in jedem Boden, wo organische stickstoffhaltige Stoffe sich zersetzen, wenn die dazu
nötigen übrigen Bedingungen vorhanden sind, nämlich: Gegenwart von Alkalien oder alkalischen Erden;
Porosität, damit genügender
Luftzutritt stattfinden kann;
anhaltende Feuchtigkeit und genügende Luftwärme, letztere je höher je besser. Es sind dies
Bedingungen, die sich auch im guten, an Pflanzennahrung reichem Ackerland zusammenfinden, in welchem
Falle sich dann auch S., als wesentlich fruchtbar machendes Prinzip, in ihm erzeugt.
Das Ammoniak, welches aus den stickstoffhaltigen
faulenden Substanzen sich immerfort bildet, wird von dem Sauerstoff der Luft oxydiert, also sein Stickstoff in Salpetersäure,
sein Wasserstoff in Wasser verwandelt, mithin wäßrige Salpetersäure gebildet, welche mit den vorhandenen
Basen sogleich zu Salzen zusammentritt. Ist Kali zugegen, so entsteht direkt Kalisalpeter; im andern Falle, wenn nur Kalk und
Magnesia vorhanden sind, entstehen die betreffenden Salze, welche dann bei Bearbeitung der aus der Salpetererde extrahierten
Laugen durch Zusatz von Kali erst in das Kalisalz umgebildet werden müssen. Da das Ammoniak auch eine
starke Basis ist, so enthalten solche Laugen häufig auch Ammoniaksalpeter; ist aber nur kohlensaurer Kalk und kohlensaure Magnesia
in einem Erdreiche vorhanden, so zerlegt sich dieses Salz mit ihnen leicht wieder in salpetersaure Erden und kohlensaures Ammoniak,
das dann immer aufs neue als Basis fungieren kann.
In dieser Art werden alljährlich in der Natur enorme Mengen S. erzeugt; es ist aber leicht zu denken, daß diese natürliche
Fabrikation mit der größten Energie in heißen Klimaten vor sich gehen muß. In dem feuchtheißen Ostindien, namentlich
in Bengalen und auf Ceylon, ist der Erdboden ganzer Gegenden förmlich mit S., und zwar wirklichem Kalisalz,
imprägniert. Wenn nach Aufhören der Regenzeit die heiße Sonne die Oberfläche abtrocknet und dadurch immer neue Mengen
salpeterhaltigen Wassers aus der Tiefe heraufgezogen werden, bedeckt sich die Oberfläche und füllt sich die oberste Bodenschicht
mit trocknen salzigen Ausblühungen. Salz und Erde werden zusammengescharrt, mit Wasser ausgelaugt und
die Laugen zur Kristallisation eingedampft. Man erhält dadurch reichliche Mengen von rohem Kalisalpeter. Die kleinen Mengen
von Kalksalpeter, welche dabei vorkommen können, werden durch Zusatz von Holzasche zur Lauge zugute gemacht. Das kohlensaure
Kali der Asche setzt sich mit dem
¶
mehr
salpetersaurem Kalk zu salpetersaurem Kali und unlöslichem kohlensauren Kalk um. In Ägypten wird S. aus dem fruchtbarem Nilschlamme
den man zu künstlichen Hügeln aufschichtet, gewonnen; es kommt aber keine solche Ware im Handel vor. Die weiten Marschebenen
Ungarns, besonders in der Nähe von Debreczin und um den Neusiedler See, haben ebenfalls stark salpeterhaltigen
Boden, der daher auch in großer Ausdehnung zum Tabakbau benutzt wird. Man gewinnt dort den S. in ähnlicher Weise wie
in Indien und nennt ihn deshalb Kehrsalpeter. Die Gewinnung bildet ein Staatsmonopol und das Produkt ist hinreichend, den
inländischen Bedarf zu decken. -
Früherhin wurde die Gewinnung von S. in mehrern Ländern des Kontinents zum Teil als Regierungssache
betrieben, da man sich für Kriegsfälle in Hinsicht der Versorgung mit Schießpulver nicht vom ostindischen S. abhängig
machen wollte. Man hatte sog. Salpeterplantagen, in weichen Erde aus Viehställen, Schlächtereien und von Miststätten, stickstoffreiche
Pflanzenstoffe und tierische Abgänge aller Art zu Haufen aufgeschichtet und mit Jauche u.
dgl. feucht gehalten wurden.
Zugleich setzte man alkalische Stoffe (Kalk, Mergel, Mauerschutt, ausgelaugter Asche u. dgl.)
zu und schützte die Haufen durch Bedachung vor Regen. Erst im dritten Jahre hatte sich gewöhnlich so viel S. in den Haufen
gebildet, daß sie ausgelaugt und die Laugen versotten werden konnten. Da diese aber in der Hauptsache
nur Kalk- und Magnesiasalpeter enthielten, so mußte dieselbe durch Zusatz von Pottasche oder Holzaschenlauge erst in salpetersaures
Kali umgewandelt werden, wobei Kalk und Magnesia als unlösliche kohlensaure Salze herausfielen.
Gegenwärtig ist diese Industrie überall eingestellt, etwa mit Ausnahme von Schweden und Polen, und
es ist kein Schade darum, denn es wurden Stoffe verbraucht, die als Dünger in den Ackerboden gehören. Die Hauptbezugsquelle
für Rohsalpeter war Ostindien (Hauptmarkt Kalkutta) und es brachten und bringen die Engländer diese Ware ziemlich wohlfeil
nach Europa, da sie darin zugleich eine passende Rückfracht für beladen dahin gehende Schiffe haben.
Der Bezug hat aber nicht mehr den frühern Umfang und ist zur Zeit schon etwas unter 200000 Ztr.
zurückgegangen aus Anlaß des Chilisalpeters, einer Ware, für die es noch 1830 keine Verwendung und keine Käufer gab, die
aber nachgehends um so mehr in Zug
kam und deren Zufuhr noch immer im Steigen begriffen ist.
Dieser, viel wohlfeilere Natronsalpeter kann das Kalisalz nicht in allen Stücken ersetzen, namentlich nicht zur Pulverfabrikation,
sehr wohl aber zur Gewinnung von Salpetersäure, an welcher er sogar reicher ist, daher er auch hierfür jetzt das auschließliche
^[richtig: ausschließliche] Material bildet. Ferner läßt sich aber der Natronsalpeter direkt in Kalisalpeter
umwandeln und der ostindische dadurch ganz entbehrlich machen, ein Fortschritt, zu welchem man, wenigstens in Deutschland,
durch einen besonders günstigen Umstand gelangt ist.
Wenn man nämlich Lösungen von Pottasche (kohlensaurem Kali) und Chilisalpeter zusammenbringt, so verwandeln sich die
beiden
Salze durch gegenseitige Umsetzung in salpetersaures Kali und kohlensaures Natron, welche beiden durch
zweckmäßig geleitete Abdampfungs- und Kristallisationsarbeiten zu trennen sind. Da aber die Pottasche auch ein teures Salz
und das dafür eingetauschte kohlensaure Natron weniger wert ist, so hat diese Industrie hinsichtlich der Rentabilität ihre
engen Grenzen und hängt sehr von den jeweiligen Marktpreisen ab. Die Auffindung ungeheurer Mengen von
Chlorkalium in den Staßfurter Salzbergwerken hat nun für Deutschland die Möglichkeit ergeben, den Chilisalpeter in weit
vorteilhafterer Weise in das Kalisalz zu verwandeln, und es bestehen dort für diesen Zweck mehrere große Fabriken; auch
nach England und andern Ländern werden große Mengen von Chlorkalium für den Zweck der Salpeterbereitung
ausgeführt.
Chlorkalium und Natronsalpeter in Lösung zersetzen sich ebenso wie vorstehend gesagt, nur ist das Abfallsalz hierbei
Chlornatrium, d. h. Kochsalz. Die Trennung ist ebenfalls eine Scheidung auf dem Wege der Kristallisation; es kommt dabei zu
statten, daß der S. in heißem Wasser sich in 18mal größerer Menge löst als in kaltem, während Chlorkalium
in beiden Fällen sich ziemlich gleich verhält. Beim Erkalten einer gesättigten heißen Lösung beider Salze wird sich also
vom ersten viel, vom andern sehr wenig ausscheiden; durch wiederholtes Umkristallisieren wird sich die Reinigung beliebig
weiter treiben lassen. Man nennt den so gewonnenen Kalisalpeter Konversionssalpeter. -
Der rohe S., wie er durch Auslaugen von Erdreich und Eindampfen der Lauge gewonnen wird, ist zwar kristallisiert, aber natürlich
sehr unrein, gefärbt und mit fremden Salzen, namentlich Kochsalz und Chlorkalium, behaftet und enthält etwa 60-70% reinen
S. Man raffiniert ihn mehr oder weniger nach verschiednen Methoden. Das Raffinieren des indischen S.
geschieht erst in England, wohin er in Säcken von etwa 82 kg Inhalt gebracht wird.
Die Arbeiten des Raffinierens gehen im allgemeinen darauf, daß der rohe S. in möglichst wenig heißem Wasser bis zur Sättigung
gelöst und die Lösung, durch Zusatz von etwas Pottasche schwach alkalisch gemacht, eingesotten wird,
wobei Kochsalz und Chlorkalium sich kristallinisch ausscheiden. Man stellt dann durch Wasserzusatz das ursprüngliche Quantum
wieder her, weil die noch restierenden fremden Salze nunmehr in der Lauge gelöst bleiben sollen, versetzt diese mit etwas
Leim und kocht weiter.
Der Leim nimmt die färbenden Stoffe auf und bildet einen reichlichen Schaum, der abgeschöpft wird.
Man läßt dann die Lauge bei 90° Hitze zur Klärung stehen und gibt sie schließlich auf die Kristallisationsgefäße,
wo der S. herausfällt und zwar in Form von kristallinischem Mehl, da man die Lauge häufig umrührt, damit keine großen
Kristalle entstehen, welche wieder Unreinigkeiten einschließen würden. Das Mehl wird in Waschkästen
mit Siebboden gefüllt und mit Wasser übergossen, das bald zu Salpeterlösung wird, die nur noch die fremden Salze nach unten
heraustreibt, oder man nimmt
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mehr
zum Waschen gleich gesättigte reine Salpeterlösung. Man trocknet dann entweder die gewaschene Masse in der Wärme und packt
sie in Form sandigen Pulvers als einfach gereinigten S. in Fässer, oder man löst sie nochmals auf, läßt sie ungestört
kristallisieren, wäscht die Kristalle und erhält so doppelt gereinigtes Salz.
Man hat demnach im Handel großkristallisierten S. und kleinkristallisierten oder sog.
Salpetermehl. Die Kristalle sind lange säulenförmige Prismen des rhombischen Systems, gewöhnlich längsgestreift. Seltner
wird das pulverige Salz in gelinder Hitze geschmolzen und zu Broten ausgegossen. Geschmolzner oder tropfenweise auf ein kaltes
Blech fallen gelassener S. wird unter dem Namen Salpeterzeltchen (Nitrum tabulatum) in Apotheken
geführt.
Der Kalisalpeter besteht in 100 Tln. aus 46⅗ Kali und 53⅖ Salpetersäure, ohne alles Kristallwasser, denn die ihm anhaftende
Feuchtigkeit ist nur mechanisch zwischen den Kristallen eingesperrtes Wasser. Seine Hauptbenutzung ist zur Fabrikation von
Schießpulver, zu Feuerwerk u. dgl.
Der Natronsalpeter ist zur Pulverfabrikation ganz ungeeignet, weil er in feuchter Luft Wasser anzieht,
auch das damit bereitete Pulver wenig Explosivkraft hat. Zu andern Zwecken, wie zum Einpökeln von Fleisch, zu Flußmitteln,
zum Eisenfrischen und Stahlhärten werden sich beide Arten des S. wohl immer vertreten können.
Beide haben in sehr gereinigtem Zustande auch medizinische Anwendung in kleinen innern Gaben; der Natronsalpeter
hat eine mildere Wirkung. In größern Gaben wirken die Salze entschieden giftig; schon gepökeltes Fleisch ist im stande,
üble Wirkungen hervorzubringen, wenn man sich mit dem Salpeterzusatz, um es recht rot zu machen, übernommen hat. -
Der Chilisalpeter ist nicht nur eine neuere, sondern wegen seines Vorkommens auch eine sehr merkwürdige
Erscheinung. Auf einem 1000 m über der See liegenden Hochplateau an der Westküste Südamerikas, der die Grenze zwischen
Chili und Peru bildenden dürren Wüste Atacama, wo niemals ein Tropfen Regen fällt, findet sich in verschiednen Örtlichkeiten
kristallisierter trockner S. aufgehäuft, der natürlich, wo er weggenommen wird, sich nie wieder ersetzen
kann.
Allem Anschein nach hat dieses Hochland einst den Boden eines Natronsees gebildet, dessen Ränder sich noch nachweisen lassen.
Das Salz findet sich bald in Form von Ausblühungen an der Oberfläche, die wie schmutziger Schnee aussehen, bald liegt es
in Vertiefungen und bildet 4½-7 cm starke Krusten oder es steckt in Höhlen und Klüften in festen Massen;
meistens aber liegen die Kristalle einzeln bei einander wenige Fuß unter der Oberfläche, und bilden unter einer Bedeckung
von Sand und Thon weithin streichende Schichten in einer Mächtigkeit von 6-24 dm, die wie Kies ausgegraben werden.
Die salzreichste und besonders ausgebeutete Gegend ist die Ebene von Tamarugal, zu Peru gehörig, zwar
nur 10-15 englische Meilen von der See entfernt, aber das zwischenliegende Terrain ist eine steile, sandige und zerklüftete,
noch überdies mit einem Höhenzug gekrönte
Küste und hat noch keine andern Wege als gewundne Saumpfade, auf welchen das
Salz durch Maultiere in Säcken herabtransportiert wird. Die Transportzüge gehen teils nach dem Hafenorte Iquique in
Peru, teils nach Concepcion in Chile; unterwegs liegen auf beiden Routen Raffinerien, in denen das Rohsalz mit siedendem
Wasser ausgezogen und durch Abdampfen umkristallisiert wird.
Die Feuerung dazu bilden Steinkohlen, die aus England herbeigeschafft werden müssen. Nach dieser Behandlung
ist die Ware noch immer eine rohe mit etwa 90-93% S., indes das übrige aus Kochsalz, schwefelsaurem und salpetersaurem Kali,
Magnesiasalzen, Gips etc. besteht und für die meisten Zwecke, außer für die Landwirtschaft, in Europa
noch weiter zu reinigen ist. Diese Ware wird ebenfalls in Säcken von durchschnittlich 100 kg Inhalt
verschifft. Infolge der Eigenschaft des Salzes, leicht Feuchtigkeit anzuziehen, enthält das käufliche Salz gewöhnlich 2%
davon; kann es in feuchten Lokalitäten noch 1% oder mehr aufnehmen, so beginnt die Auflösung und die Säcke tropfen von
konzentrierter Salpeterlauge.
Die Einfuhr der Ware ist nicht nur nach Europa, sondern auch nach Nordamerika sehr beträchtlich.
Der Begehr ist fortwährend lebhaft, denn es sind, abgesehen von kleinen Verwendungen, drei große, viel verbrauchende zu
decken, nämlich die Bereitung von Salpetersäure, welche sich jetzt nur an diese Art S. hält, die Umwandlung in Kalisalpeter
und die Bedürfnisse der Landwirtschaft, welche dieses Salz als ein ausgezeichnetes Düngemittel mehr
und mehr schätzen lernt und in Anspruch nimmt. Daß die Säurefabrikation sich ausschließlich dieses Rohstoffs bedient,
hat seine guten Gründe; er ist nicht nur wesentlich wohlfeiler als der Kalisalpeter, sondern obendrein ertragreicher, denn
das Salz besteht aus 36⅗ Natron und 63⅖ Säure, besitzt also an letztrer 10% mehr als der gewöhnliche
S.
Die Preise des Salzes richten sich allerdings nach den Zufuhren, aber auch nach dem jeweiligen Preisstande des Kalisalzes,
welcher jetzt immer eine Tendenz zum Steigen hat. Wenn aber die Preisschwankungen des S. unter friedlichen Verhältnissen
immer noch mäßig bleiben, so wird dies sofort anders, wenn irgendwo ein Krieg ausbricht; dann steigen
die Preise rapid, weil Niemand das Ende und die mögliche Größe des außerordentlichen Konsums absehen kann. -
In Deutschland ist bei den jetzigen Verhältnissen der Bedarf an S. so gut gedeckt, daß die englisch-ostindische Ware, welche
früher den Markt beherrschte, ganz verdrängt ist; die deutschen Raffinerien von Kali- und Natronsalpeter
stehen jetzt auf einem solchen Standpunkte der Ausbildung, daß sie auch vom Auslande beschäftigt werden. Im Jahre 1881 betrug
die Einfuhr und Ausfuhr von S. in das Deutsche Reich:
Einfuhr
Ausfuhr
Kalisalpeter
8170800 kg
6763800 kg
Natronsalpeter
89949700 kg
917300 kg
:
98120500 kg
7681100 kg.
Gereinigter wie roher S. sind im Zollverein frei
¶
Mit der Ausdehnung des Rübenbaues in Deutschland (zur Zuckerfabrikation) nimmt der
Verbrauch des S.s zu, da man S. mit Vorliebe als Düngstoff für Rüben verwendet. Hamburg ist der Hauptimport- und
Stapelplatz
für Chilesalpeter, und es wurden dort
1880
zugeführt
349931 Säcke
1881
"
746757 "
1882
"
1040473 "
Außerdem kommt für die deutsche Einfuhr noch Rotterdam in Betracht, wo jährlich etwa 200000
Säcke für den deutschen Handel importiert werden. Hamburg importiert mehr S. als alle englischen Häfen zusammen und der
dortige Import wird auf 30 Mill. Mk. jährlich geschätzt. - Zollfrei.