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Die Volksrepublik China hat ein demografisches Problem: Die Bevorzugung von männlichem Nachwuchs und die offizielle Einkindpolitik führen zu einem Ungleichgewicht der Geschlechter. Zwischen 2015 und 2045 wird China einen jährlichen Überschuss von 1 Mio. Männern aufweisen.
Bei der Bevölkerung zwischen 20 und 49 Jahren beträgt der männliche Überschuss 2015 gemäss offiziellen Berechnungen bereits 20 Millionen. Diese Entwicklung führt zu einem Engpass auf dem chinesischen Heiratsmarkt.
Die Ehe ist in China traditionell von hoher Bedeutung - nicht nur für den sozialen Status, sondern auch für die wirtschaftliche Absicherung. Männer aus tieferen sozio-ökonomischen Schichten sind die am stärksten Benachteiligten, da für Frauen der materielle Status bei der Partnerwahl mitentscheidend ist. Hinzu kommt, dass sich die Ansprüche und Wünsche der Heiratswilligen stark verändert haben. Es entstand eine umfangreiche Industrie, welche die Hochzeit nach westlichem Vorbild bewirbt.
So sind viele Hochzeiten der neuen Mittelschicht geprägt vom Nebeneinander traditioneller Zeremonien und westlicher Einflüsse.
Das Missverhältnis auf dem Heiratsmarkt hat nicht nur auf der individuellen Ebene negative Auswirkungen, sondern birgt auch gesellschaftliche Sprengkraft. Während in den Städten die Partnersuche zu einem Existenzkampf wird, wächst die Gruppe der unfreiwillig unverheirateten Männer vor allem in den ländlichen Provinzen stark. Bereits werden in chinesischen Medien sogenannte Bachelor villages mit der Zunahme von Prostitution, Geschlechtskrankheiten und Kriminalität in Zusammenhang gebracht. Gleichzeitig wird landesweit die urbane Jugend mit Dating-Shows überhäuft und so das gesellschaftliche Ideal und der individuelle Wunsch nach dem Partnerglück noch verstärkt.
"Guan Gun" ist die chinesische Bezeichnung für unverheiratete Männer und bedeutet wörtlich übersetzt "nackte Stange".
Bilder und Text : Simon Tanner