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Samantha Power, als US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen eine der engsten Vertrauten von Barack Obama, hatte in der Wahlnacht eine Party zu Ehren von Hillary Clinton organisiert. Alle anderen 37 Uno-Botschafterinnen hatte sie eingeladen, um die Wahl der ersten Präsidentin der USA zu feiern.
Auch das Team, das das letzte Jahr der Obama-Administration für einen Dokumentarfilm festhielt, war dabei. Es kam bekanntlich anders. Hillary Clinton wurde nicht gewählt. Die Party-Szene im Film «The Final Year», der nächste Woche in den USA in die Kinos kommt, gehört zum Erschütterndsten, was der brillante Film zu bieten hat.
Mit dieser Frau, die acht Jahre im Herzen der Supermacht verbracht hatte, wollte ich unsere Interview-Serie «Zur Lage der Welt» unbedingt eröffnen. Und die Antwort, ob ich sie zur Lage der Welt und zu ihrer Zeit in der Obama-Regierung interviewen dürfe, kam blitzschnell.
«Ja. Aber es könnte schwierig werden, einen Termin zu finden», schrieb Power Anfang September vergangenen Jahres. Sie sollte recht behalten. Ein ausgedehnter E-Mail-Wechsel mit ihrer Assistentin in Harvard war nötig, um schliesslich und endlich, am Abend des 27. Novembers, einen Satz zu bekommen: «Hätten Sie am 6. Dezember um 15 Uhr Zeit?» Natürlich. Vereinbart war eine Stunde, was nicht viel, aber besser als nichts ist.
Der 6. Dezember war ein kalter, aber sonniger Tag in Harvard. Die Nüchternheit des Sitzungszimmers im Radcliffe Institute versetzte den Fotografen, der aus New York angereist war, nicht gerade in Euphorie.
Rucksack und Daunenjacke
Und dann stand sie da, natürlich zu spät, aber ganz ohne Leibwächter und Wagenkolonne, sondern mit Rucksack und Daunenjacke. Und sie war konzentriert. Aber nach 40 Minuten kam schon ihre Assistentin rein, «the Ambassador» müsse zum nächsten Termin.
Power schüttelte den Kopf und sagte: «Noch nicht.» Als die Assistentin dann aber ultimativ zum Aufbruch drängte, liefen wir redend durch halb Harvard. Zu ihrem nächsten Termin kam Samantha Power jedenfalls eine halbe Stunde zu spät.
Das grosse Interview mit Samantha Power lesen Sie ab Samstagabend auf NZZaS.ch und am Sonntag in der «NZZ am Sonntag».