Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03536.jsonl.gz/414

Die Junioren Europameisterschaft (EYUC – European Youth Ultimate Championships) 2015 fanden vom 03.-08. August in Frankfurt statt. Das Schweizer Open Team reiste mit dem ambitionierten Ziel an das Turnier, erstmals den Vorstoss in die Halbfinale zu erreichen. Ein sehr hohes Ziel, was die Bestleistung jedes einzelnen Spielers und Wettkampfglück erforderte.
Gruppenspiele:
Der Start ins Turnier glückte mit einem dominanten Sieg gegen die Slowakei. Das Team konnte das Spiel nutzen um sich nach einer langen Nationalteam Pause wieder einzuspielen.
Das zweite Spiel gegen Deutschland wurde zum ersten Härtetest. Mit dem Wissen, dass der Europäische U20 Open Serienmeister nicht mehr ganz so dominant war wie in den Vorjahren, spielte das Team auf Sieg. Bis zur Halbzeit konnte das Spiel ausgeglichen gestaltet werden, Deutschland lag zur Pause ein Break (9:7) vorne. Bis zum 12:14 blieben die Schweizer Jungs dran, danach zeigte sich der Unterschied in der Breite des Kaders, wo Deutschland die Nase weiterhin vorne hat. Am Ende stand es 17:12 für Deutschland.
Das letzte Gruppenspiel gegen die Tschechische Republik wurde bereits zum ersten wegweisenden Spiel. Ein Sieg bedeutete den Einzug in die Power-Gruppen und somit den potentiell einfacheren Achtelfinal Gegner. Beide Teams starteten fokussiert und erfolgreich in das Spiel. Zwei ähnliche, offensive Spielkulturen trafen aufeinander. Die erste Halbzeit brachte ein einziges Break (1:0) zu Schweizer Gunsten. Jedoch war auffällig, dass die Tschechen für ihre Punkte im Schnitt über 4 Minuten brauchten, während die Schweizer ihre Punkte im Schnitt in weniger als einer Minute schrieben. Somit ging ihre Offense Linie die zweite Hälfte mit einem Kräftenachteil an. Dieser machte sich nach der Pause (Pausenstand 9:8 für die Schweiz) sogleich bemerkbar. Eine schnelle 12:8 Führung lenkte das Spiel in vorteilhafte Bahnen für die Schweiz. Am Ende stand es 17:11. Die Qualifikation für die Power-Gruppen war Tatsache.
Power-Gruppenspiele
In der Power-Gruppe traf die Schweiz auf Frankreich und Irland (das Resultat aus dem Spiel gegen Deutschland wurde mit in die Gruppe genommen).
Das französische Team zählte dieses Jahr zu einem der Top Favoriten, was sich im Spiel auch zeigte. Die Schweizer Spieler boten nach Kräften Paroli, mussten zur Pause aber schon mehrere Breaks hinnehmen (9:6 für Frankreich). Nach einigen Punkten in der zweiten Halbzeit beschloss das Schweizer Team den Rest des Spiels zu nutzen um Taktiken zu üben und Spieler einzusetzen, die noch nicht viele Punkte absolviert hatten. Am Ende stand es 8:17 aus Schweizer Sicht.
Ins Spiel gegen Irland starteten die Schweizer gut, mussten aber die beiden erarbeiteten Breaks gleich wieder abgeben. Das Spiel blieb ausgeglichen bis zur Halbzeit. Zu Beginn der zweiten Hälfte wiederholte sich die Geschichte: Ein Break für die Schweiz, das sogleich wieder verloren ging. Dann gleich noch ein Break, das war dann die Entscheidung. Das Spiel ging 15:13 verloren. Die Niederlage war aus mehreren Gründen ärgerlich. Einerseits war der Gegner schlagbar. Andererseits bedeutete die Niederlage das Achtelfinal gegen Belgien, das stärker einzuschätzen war als Polen, sowie das Viertelfinale gegen Italien anstatt England.
Achtelfinal
Das Achtelfinale wurde gegen Belgien ausgetragen. Vom Zuschauen wusste das Schweizer Team um ihrer Stärken und konnte sich taktisch gut einstellen. Die Einstellungen beinhalteten zwei Überlegungen:
1. Ein Spieler war in ihrem Team sehr dominant und schrieb mit Abstand die meisten Punkte. Er wurde konsequent von schnellen und erfahrenen Verteidigern gedeckt und er wurde so gedeckt, dass er keine Pässe in die Tiefe bekommen konnte. Das führte dazu dass er deutlich weniger Punkte schrieb und mit vielen kurzen, energieaufwändigen Läufen arbeiten musste. In der zweiten Halbzeit brach er ein und konnte sein Team kaum mehr unterstützen.
2. Ihr Angriff war sehr offensiv eingestellt, in der Regel warfen sie spätestens den dritten Pass lang. Die Schweiz spielte jeweils für 4-6 Pässe eine Zonenverteidigung die die langen Pässe erschwerte und wechselte dann auf eine Mann Verteidigung. Ihre Spielzüge wurden so durchbrochen und ihre Abläufe für die langen Pässe stimmten nicht mehr.
Ähnlich wie im Spiel gegen die Tschechen konnte die belgische Offense Linie in der ersten Halbzeit zu sehr viel kräfteraubender Spielzeit gezwungen werden. Und wiederum konnte der Unterschied nach der Halbzeitpause gemacht werden: Von 9:7 erhöhte die Schweiz auf 12:7. Nach Ablauf der Zeit musste noch ein Break zum 12:9 hingenommen werden, was aber die grossartige Teamleistung keinesfalls schmälerte. Dieser Sieg war einer der vom gesamten Team erarbeitet wurde. Jeder hat sein Potential abgerufen, ist über sich hinaus gewachsen und hat mit viel Herz und Mut auf und neben dem Spielfeld dem Team zu diesem wichtigen Sieg verholfen.
Viertelfinal
Das Viertelfinal gegen Italien (welches live übertragen wurde und weiterhin unter diesem Link zu sehen ist) war das erwartet schwierige Spiel. Italien, Turniermitfavorit, stellte ein sehr athletisches und spielerisch erfahrenes Team. Ein einziges Break konnten die Schweizer realisieren. Sieben mussten den stark spielenden Italienern zugestanden werden. Ein gutes Spiel gegen einen deutlich stärkeren Gegner ging 16:9 verloren.
Halbfinal Rang 5-8
In diesem Spiel kam es zum Wiedersehen mit Israel. In den vergangenen Jahren gab es keine U20 Meisterschaft ohne dieses Duell. Es galt für den fünften Platz zu siegen und eine Bilanz von 4 Niederlagen zu einem Sieg gegen Israel aufzupolieren. Die Spiele gegen Israel sind immer aufs Neue eine Herausforderung. Sie spielen mit ungewohnter Härte und legen teilweise die Regeln anders aus als Europäische Teams dies tun. So kommt es regelmässig zu Diskussionen auf dem Spielfeld. Mit der Erfahrung vergangener Jahre war das Schweizer Team darauf vorbereitet und konnte abgeklärt auf einige Unstimmigkeiten reagieren. Beide Teams taten einen sehr guten Job, die Gemüter ruhig zu halten und eine kämpferische und faire Atmosphäre zu erschaffen.
Das Schweizer Team liess sich von einem frühen Break nicht beirren und konterte sogleich mit einem Callahan und weiteren Breaks. Bis zur Pause wurde ein Polster von drei Breaks herausgespielt (9:6). Nach der Pause konnten die Israelis ein Break zurückholen, bevor es in eine turbulente Schlussphase ging. Beim Stand von 15:12 wurde beschlossen, dass die Lichtverhältnisse nicht mehr gut genug sind um zu spielen. Der Rest vom Spiel wurde auf den nächsten Morgen vertagt. Etwas zum Ärger von den Schweizern, weil die Israelis zu diesem Zeitpunkt offensichtlich stehend K.O. waren und sie nun Zeit für ein wenig Regeneration hatten.
Dieser Ärger sollte sich als unbegründet herausstellen, als sich die Israelis bei Wiederaufnahme des Spiels als noch unkonzentrierter entpuppten und in weniger als 4 Minuten Spielzeit zwei Breaks zum 17:12 Endstand für die Schweiz kassierten.
Spiel um Platz 5
In diesem Spiel kam es zum Wiedersehen mit Irland. Gewillt die offene Rechnung zu begleichen erwies sich diese Mission als denkbar schwierig. Mehr als die hälfte des Teams hatte sich etwas eingefangen und war mehr damit beschäftigt auf die Toilette zu laufen als zu spielen. Zu jedem Zeitpunkt des Spiels waren Minimum zwei Spieler auf der Toilette und zwei weitere lagen gekrümmt und mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden neben dem Spielfeld! Jeder der noch ansatzweise spielen konnte tat dies. Jeder einzelne gab noch ein Mal alles, kämpfte gegen die Umstände, für das Team. Die Kräfte reichten am Ende leider nicht aus, ein turbulentes Spiel ging mit dem selben Resultat wie zwei Tage davor (15:13) verloren. Der sechste Platz ist ein sehr gutes Resultat und seit 2007 die beste Platzierung eines Schweizer U20 Open Nationalteams.
Alle Resultate sind hier zu finden.