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Es war einmal ein aus Württemberg stammender amerikanischer Filmproduzent namens Carl Laemmle. Der kam 1924 nach Paris und begegnete einem Schriftsteller, dem er seine Sorgen erzählte. Er, Laemmle, Präsident der Universal Studios, hatte unlängst einen brillanten Schauspieler entdeckt, einen gewissen Lon Chaney, und mit ihm in der Hauptrolle Victor Hugos Notre-Dame de Paris verfilmt. Jetzt musste er Chaney schleunigst eine neue Rolle anbieten, damit dieser nicht zur Konkurrenz überlief. Der Schriftsteller meinte darauf, er habe vor über zehn Jahren mal einen Roman verfasst, der aber inzwischen bereits wieder in Vergessenheit geraten sei. Vielleicht eigne der sich für einen Film mit Lon Chaney… Laemmle nahm das Buch, das der Schriftsteller ihm gab, las es in einer Nacht durch – und hatte seinen Filmstoff gefunden.
Der Schriftsteller hiess Gaston Leroux und das Buch, das er Laemmle empfahl, war Le fantôme de l‘ Opéra. 1925 machte der Stummfilmklassiker The Phantom of the Opera nicht nur Lon Chaney berühmt, sondern auch Leroux‘ Buch. Dieses wurde in den folgenden Jahrzehnten immer wieder verfilmt und diente ausserdem als Vorlage für das wohl erfolgreichste Musical aller Zeiten. Die Geschichte des Musik- und Technikgenies, das im düsteren Keller der Pariser Oper seine Hässlichkeit verbirgt, sein Liebeskummer wegen der schönen jungen Sängerin, der berühmte Kronleuchter, der ins Parkett stürzt – all das scheint das Publikum immer wieder zu faszinieren. Was mich persönlich jedes Mal am meisten interessiert, ist das Schicksal des Phantoms am Ende der Geschichte. Ob es an gebrochenem Herzen stirbt (bei Leroux), ob es von der aufgebrachten Menge erschlagen wird (im Film von 1925) oder ob es mit unbekanntem Ziel flieht (in Andrew Lloyd Webbers Musical).
Als weiterführende Literatur sei übrigens Das Phantom von Manhattan empfohlen. Frederick Forsyth erzählt darin, was später aus dem Phantom geworden ist – ausgehend von Lloyd Webbers Theorie… Ausserdem unterzieht er im Vorwort Leroux‘ Original einer hochinteressanten Analyse.