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Die Nerven leiten – ähnlich wie Stromkabel – die Impulse vom Gehirn in die Peripherie und umgekehrt. Sie übermitteln motorische Signale an die Muskulatur und sensible Signale von der Haut an das Gehirn.
Ein Nerv besteht aus vielen Nervenfasern die ein Bündel bilden. Sie sind anfällig auf mechanische Belastungen wie Druck oder Dehnung und können dadurch vorübergehend oder auch dauernd geschädigt werden, so dass sie ihre Funktion nicht mehr oder nur noch teilweise erfüllen können. Selbstverständlich können Nerven auch durch direkte Einwirkung von aussen, wie zum Beispiel bei einer Schnittverletzung, verletzt werden. Werden Nervenfasern durchtrennt, versuchen sie sich durch Aussprossen zu regenerieren, quasi wieder Anschluss an das andere Nervenende zu finden. Da sich die beiden Enden bei einer Nervendurchtrennung aber zurückziehen, gelingt dies in der Regel nicht und es bildet sich ein knotiges Gebilde aus Nervenfasern und Narbengewebe (Neurom). Abgesehen davon, dass diese Fasern keine Funktion mehr ausüben können, verursachen sie unter Umständen Beschwerden.
Vor allem Druck, Dehnung oder direkte Gewalteinwirkung verursachen Nervenverletzungen. Die oberflächliche Lage gewisser Nerven (wie zum Beispiel des Ellennervs) macht sie anfällig für Druckschäden von aussen. Bei übermässigen Bewegungen der Extremitäten, zum Beispiel im Rahmen eines Sturzes, können Nerven überdehnt oder gar zerrissen werden (beispielsweise Achselnerv bei Ausrenkung der Schulter). Dasselbe kann bei stark verschobenen Frakturen auftreten. Bei offenen Verletzungen wie Schnitten oder Rissquetschwunden können Nerven direkt geschädigt werden. Neurome entstehen bei Durchtrennung einzelner Nervenfasern.
Die Symptome hängen vom Ausmass der Schädigung ab. Typisch für Druck- und Dehnungsschäden ohne Zerreissung von Nervenfasern sind Einschlafen, Kribbeln und Taubheitsgefühl im Versorgungsbereich des betroffenen Nervs. Die Ausprägung dieser Symptome kann von kaum spürbar bis zum vollständigen Ausfall von Sensibilität und Bewegung/Kraft reichen. Bei Zerreissung von Nervenfasern, fallen diese für die Funktion sofort vollständig aus. Je nachdem wie gross der Anteil an geschädigten Nervenfasern ist, fallen die Symptome mehr oder weniger ausgeprägt aus. Nach dem Akutstadium einer Verletzung kommt es neben den oben genannten Ausfällen häufig zu chronischen ziehenden, brennenden Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen). Im Bereich von Neuromen, die naturgemäss erst nach einiger Zeit auftreten, kann es zu einer Überempfindlichkeit im betroffenen Versorgungsgebiet kommen. Beim Beklopfen von Neuromen durch die Haut entstehen unangenehme elektrisierende Gefühle. Dies kann für die betroffenen Personen sehr schmerzhaft und einschränkend sein.
Basierend auf der Krankengeschichte und klinischen Befunde wird eine Verdachtsdiagnose gestellt. Aufgrund des Ausfallmusters von Sensibilität und Motorik kann häufig eingegrenzt werden, um welchen Nerv es sich handelt, der verletzt wurde. Um die Diagnose zu sichern, kann durch die Neurologin oder den Neurologen eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt werden, bei der getestet wird, ob und wenn ja, wie gut der Nerv die elektrischen Impulse noch leitet. Diese Untersuchung ist jedoch häufig erst nach einigen Wochen aussagekräftig. Bei offenen Verletzungen ist die Nervenschädigung häufig offensichtlich. Selten können Röntgenbilder, Ultraschall oder MRI nützlich sein, um Ursachen für Nervenschädigungen oder die Lokalisation von Neuromen zu eruieren.
Die Prognose von Nervenverletzungen hängt von der Schädigung des Nervs ab. Solange keine bleibenden Schäden bestehen, kann sich die Sensibilität und Kraft wieder vollständig erholen. Dies kann jedoch mehrere Wochen bis Monate dauern. Wird ein Nerv genäht oder rekonstruiert, wachsen die Nervenfasern im Idealfall ungefähr 1 mm pro Tag nach. Entsprechend der Strecke von der Schädigungsstelle bis zum Endorgan (Muskel, Hautareal) kann die zu erwartende Erholungszeit abgeschätzt werden. Da es beim Operieren zwangsläufig zu Narbenbildung kommt, geschieht dies auch bei Operationen an und um Nerven. Solche Narben können die Regeneration verlangsamen, einschränken oder sogar wieder zu neuen Beschwerden führen. Der Erfolg einer operativen Nervenrekonstruktion hängt vor allem vom Alter der Betroffenen und der Verzögerung von der Schädigung bis zur Operation ab. Alles in allem handelt es sich um Verletzungen mit im Allgemeinen langwierigen Heilungsverläufen.
Ist ein Nerv bleibend geschädigt, kann unter Umständen mittels Umlagerung der Sehnen von noch funktionierenden Muskeln der Ausfall teilweise kompensiert werden (Sehnentransfer). Solche Operationen sind aber stets „Rettungsoperationen“, die nie zu einer normalen Funktion führen.
Führt Druck oder Dehnung nicht zu einer bleibenden Schädigung der Nervenfasern, erholt sich der Nerv von selber wieder. Werden Nervenfasern aber bleibend geschädigt, bleibt auch der entsprechende Ausfall bestehen. In diesen Fällen kann versucht werden, das zerstörte Stück zu ersetzen.
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