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100 Jahre ABZ - Open House
Mi 26.10.2016 19:30
100 Jahre ABZ - Open House
Mi 26.10.2016 19:30
|20:15||Shoes (USA 1916, 57'), Lois Weber|
|Taimashoe (Stimme, Gitarre), Thomas Schärer aka Staubfänger (Keyboard, Piano)|
|21:30||Verdens Undergang (Dänemark 1916, 77'), August Blom|
|Massicot (Stimme, Violine, Gitarre, Bass, Schlagzeug)|
ABZ meets IOIC meets Uto-Kult
Die ABZ, das IOIC und Uto-Kult spannen zusammen und präsentieren zwei sozial engagierte 100-jährige Filme, die das Prekariat thematisieren und die Spekulation an den Pranger stellen. Der Eintritt ist frei, die Platzzahl allerdings beschränkt.
Die Unterwelt im Stummfilm
Do 27.10.2016 20:45
|20:45||The Musketeers of Pig Alley (USA 1912, 17'), D. W. Griffith|
|Regeneration (USA 1915, 73'), Raoul Walsh|
|schnellertollermeier (Gitarre, Bass, Schlagzeug)|
Der Gangster und die Grossstadt
Wenn noch die frühesten Gangsterfilme wie The Great Train Robbery (USA 1903) im Wilden Westen stattfanden, fokussierte sich das Geschehen schon bald auf die moderne, industrialisierte Grossstadt. Ein Ort also, dessen Anonymität die beste Voraussetzung für das Treiben verbrecherischer Banden bot. Diese Gangsterfilme waren ein Abbild der Zeit, zu der sie gedreht wurden, meist eng verwoben mit der Alkoholprohibition und der Weltwirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten. Beliebte Schauplätze waren neben der offenen Strasse vor allem hinterhofartige Spelunken, in denen illegal Getränke abgefüllt und Pläne geschmiedet wurden, ähnlich den damaligen Speakeasies.
Ein zentraler Aspekt aller Gangsterfilme ist das jeweils beschriebene soziale Gefüge, von dem sich weitergehende Deutungen ableiten lassen. Die Bande, in die sich der Gangster einfügt, ist dabei oft Spiegel oder Modell der Gesellschaft. So können Gangsterbanden bestimmte ethnische Gruppen, Jugendcliquen oder Familien darstellen, doch auch Liebespaare und Einzelgänger treten als Verbrecher in Erscheinung. Die Filme werden zum Zeitbild, zu einer Reflexion über Gesetzlosigkeit, Nachtlokale, Spielhöllen, Orgien, Anarchie und die Prostitution dieser Zeit.
Fast immer gehen Gangsterfilme der Frage nach, warum ein Mensch zum Verbrecher wird. Neben wirtschaftlichem Abstieg zählen zu den wichtigsten Ansätzen etwa falsche Moral, Einflüsse in der Kindheitsentwicklung, ausländische Herkunft der Gangster oder einfach unglücklicher Zufall. Allen gemeinsam ist eine Abweichung von sozialer Norm, und somit fordert der Gangsterfilm indirekt eine Einhaltung dieser Norm, damit man selber nicht zum Verbrecher werde. Urtypisch ist die Aussage des klassischen Hollywood-Gangsterfilms: Verbrechen zahlt sich nicht aus.
Ein neues Genre ensteht
Einen ersten Meilenstein in der Geschichte des Gangsterfilms setzt der Pionier D. W. Griffith mit seinem Biograph Short The Musketeers of Pig Alley (USA 1912). Als erster Film der Geschichte nimmt er die Verbrecherbanden der Grossstädte ins Visier, die ein essenzieller Bestandteil aller folgenden Filme sind. Und er etabliert auch gleich formal und inhaltlich mehrere Grundelemente des Genres, von der naturalistischen New Yorker Milieustudie bis hin zur die Erzeugung einer dramatischen Spannung dienenden Parallelmontage.
Raoul Walshs Debutfilm Regeneration (USA 1915) wiederum ist der erste abendfüllende Gangsterfilm überhaupt. Der Einfluss seines Mentors D. W. Griffith, bei dem er noch ein Jahr zuvor als Assistent arbeitete, ist nicht zu übersehen. Anstoss erregte allerdings die überraschend sympathische Charakterisierung des Bandenchefs. Mit dem Werdegang des Helden, der von der falschen auch die richtige Seite wechselt und sich somit „regeneriert“, erzählt der Film eine romantische und authentische Geschichte von Gewalt und Erlösung, die nahezu alle Elemente der grossen New Yorker Verbrechergeschichten vorwegnimmt.
Vertont werden die beiden Stummfilme von Schnellertollermeier, einem aufstrebenden Trio aus Luzern und Zürich, dessen Musik wenig bis gar keine Kompromisse kennt. Mit nur scheinbar unbändiger Wucht sind sie mühelos in der Lage, allfällige Genregrenzen zwischen freier Improvisation, Jazz und Rock zu sprengen, und im nächsten Moment unmittelbar feinere, verspieltere, ja geradezu liebliche Töne anzustimmen.
Digital Brainstorming: Us & Them
Do 17.11.2016 20:00
|20:00||The Automatic Motorist (UK 1911, 6'), Walter R. Booth|
|A Clever Dummy (USA 1917, 20'), Mack Sennett|
|L'uomo meccanico (Italien 1921, 26'), André Deed|
|Mechanical Doll (USA 1922, 6'), Max & Dave Fleischer|
|FELL (toktek / Simon Berz) (Bass, Schlagzeug, Live-Elektronik, DIY-Instrumente)|
Die Figur des Roboters im Stummfilm
Schon lange bevor der Begriff 'Roboter' in den 1920er Jahren auftaucht und Fritz Lang mit dem Maschinenmenschen Maria in Metropolis den bekanntesten Roboter der Stummfilmgeschichte erschafft, wimmelt es im frühen Film nur so von Androiden, animierten Puppen, Automaten, Dummies und mechanischen Menschen. Einer der ersten dieser Filme ist «The Automatic Motorist» des englischen Filmpioniers Walter R. Booth, einer Kombination aus Live-Action und Stop-Motion-Animation, in der ein mechanischer Chauffeur ein frischverheiratetes Paar auf eine Hochzeitsreise zum Saturn entführt.
Auffälligerweise handelt es sich bei fast all diesen frühen Filmen um Komödien, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass in den 1910er Jahren technologische Errungenschaften weniger aus der Perspektive der Angst vor den Folgen ins Auge gefasst werden als vielmehr aus einem spöttischen Blickwinkel, der sich über die Heilsversprechungen der Ingenieure lustig macht.
Nach dem ersten Weltkrieg, in dem erstmals die Maschine den Sieg über den Menschen davonträgt, ändert sich diese Einstellung massiv. Ein erstes Beispiel dafür ist der leider nur fragmentarisch erhalten gebliebene italienische Film «L’uomo meccanico», in dem ein kolossaler mit übermenschlichen Kräften ausgestatteter böser Roboter sein Unwesen treibt. Die einzige Möglichkeit, ihm Einhalt zu gebieten, besteht nun eben darin, einen zweiten zu konstruieren, der den ersten zerstören kann…
Im Rahmen der von der Plattform für digitale Kultur und Medienkunst organisierten Ausstellung «Us & Them» zeigt das IOIC vier Figurationen des Roboters im frühen Stummfilm. Alle Filme werden live vertont vom holländisch-schweizerischen Duo FELL. Die beiden sind europaweit bekannt für ihre virtuose Art, mithilfe elektronischer Erweiterungen aus traditionellen Instrumenten neue Klänge herauszuholen.
Die Unterwelt im Stummfilm
Do 24.11.2016 20:45
|20:45||The Penalty (USA 1920, 87'), Wallace Worsley|
|Lina Allemano's TITANIUM RIOT (Trompete, Synthesizer, Bass, Schlagzeug)|
"When Satan fell from Heaven he looked for power in Hell.”
Ein unerfahrener junger Arzt amputiert beide Beine eines verunfallten Teenagers. Als dieser erfährt, dass es eigentlich eine Fehldiagnose war, fällt er vom Himmel und schwört Rache. Jahre später ist er zum Verbrecherkönig Blizzard aufgestiegen, vor dem ganz San Francisco zittert. Doch alle Machtgelüste haben nur ein Ziel, nämlich seine teuflischen Rachepläne ins Werk zu setzen…
Vertont wird der Film von Lina Allemano’s TITANIUM RIOT. Die kanadische Jazz-Trompeterin bespielt seit Jahren die internationalen Bühnen und macht nun auf ihrer Europatour Halt im Filmpodium. Das Quartett mit der eher unüblichen Instrumentierung Trompete, Synthesizer, Bass und Schlagzeug versteht es, alle Register der Improvisation zu ziehen.
Die Europatour von TITANUM RIOT wird unterstützt von Canada Council of the Arts und Ontario Arts Council.
Die Unterwelt im Stummfilm
Mi 28.12.2016 17:00 – 23:00
|17:00||Dr. Mabuse, der Spieler. 1. Teil: Der große Spieler – Ein Bild der Zeit (Deutschland 1922, 155'), Fritz Lang|
|20:45||Dr. Mabuse, der Spieler. 2. Teil: Inferno, ein Spiel von Menschen unserer Zeit (Deutschland 1922, 115'), Fritz Lang|
|Iokoi (Stimme, Keyboard), Bit-Tuner (Live-Elektronik), Dadaglobal (Piano, Live-Elektronik), Steve Buchanan (Gitarre, Altsaxophon, Live-Elektronik)|
Ein Bild der Zeit
Dr. Mabuse ist ein Meister der Maske und Hypnose. Mit seinen mysteriösen Kräften manipuliert er die Börsen, um die Geschäfte und das Leben derjenigen zu zerstören, die in seinen Augen der deutschen Wirtschaft zusetzen. Der dämonische Doktor und machtgierige Verbrecher kontrolliert das Bewusstsein der reichen Müssiggänger, die ihr Geld in illegalen Spielcasinos verprassen, während draussen auf der Strasse Millionen Deutsche in Armut Hunger leiden.
Nach dem grossen Erfolg der epischen Nibelungen-Vertonung im Dezember 2015 findet das Quartett um Iokoi, Bit-Tuner, Dadaglobal und Steve Buchanan ein zweites Mal zusammen. Mit einer Unzahl von elektronischen Geräten bewaffnet, schafft es das Quartett mühelos wie ein ganzes Orchester zu klingen. Und um der Tradition treu zu bleiben, gibt es auch dieses Jahr in der Zwischenpause ein leckeres Spanferkel und Baked Potatoes vom Grill.