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Akute Schmerzen sind ein häufiges Phänomen und treten sowohl im Rahmen von akuten und chronischen Erkrankungen als auch aufgrund von Unfällen oder Verletzungen auf. Zu akuten Schmerzen als – häufiges – Begleitsymptom gibt es keine Daten für die Schweiz. Sie werden sowohl ohne als auch mit ärztlicher Verschreibung behandelt. Eine Grosszahl an Schmerzmitteln ist ohne ärztliches Rezept erhältlich.
Internationale Daten weisen auf hohe Prävalenz chronischer Schmerzen im Kindes- und Jugendalter. Für die Schweiz liegen relativ wenig Daten vor.
Für die Schweiz liegen insgesamt wenig Daten zur Häufigkeit von Schmerzen oder Proxy-Information zum Schmerzmittelkonsum von Kindern und Jugendlichen vor. Die SWIFS-Studie hat Mütter von Säuglingen nach Medikamenteneinnahme gefragt. Ein Fünftel aller Mütter (22%) gab an, dass ihr Kind in den letzten 24 Stunden ein Medikament eingenommen hatte (Gross et al., 2014). 6% hatten Schmerz- oder Fieberzäpfchen erhalten. Die Befragung der Kinder und Jugendlichen in der deutschen KiGGS-Kohorte ergab, dass 5,6% der Kinder und Jugendlichen in den letzten sieben Tagen vor der Befragung Schmerzmittel angewendet hatten. Mädchen und Kinder von Migrationsfamilien nahmen deutlich häufiger Schmerzmittel ein (Knopf et al., 2010).
In Abgrenzung zum akuten wird der chronische Schmerz definiert als eine andauernde oder wiederkehrende Manifestation von mindestens drei Monaten Dauer. Ursächlich können verschiedene Erkrankungen sein, häufig kann aber auch keine Ursache diagnostiziert werden. Gemäss internationaler Literatur sind im Kindes- und Jugendalter Bauchweh, Kopfschmerzen oder Schmerzen der Gliedmassen am häufigsten (King et al., 2011). Chronische Schmerzen sind mit psychologischen, physischen und sozialen Sorgen der betroffenen Kinder und ihrer Familien verbunden (Eccleston,Jordan & Crombez, 2006; Palermo,Valrie & Karlson, 2014) und belasten zudem das Gesundheitssystem massiv (Groenewald et al., 2014). Sie können mit einem signifikanten Verlust an Lebensqualität einhergehen und zu einer eingeschränkten Teilhabe am sozialen Leben und am Schulbesuch führen (Huguet & Miro, 2008; King et al., 2011). Auswirkungen auf die Familie sind daher nicht selten und reichen von finanziellen bis zu gesundheitlichen Konsequenzen. Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen werden in der Regel vom Kinder- oder Hausarzt, von Fachärztinnen und -ärzten und in spezialisierten Schmerz-Polikliniken betreut. Die Behandlung erfolgt bestmöglich multidisziplinär und interprofessionell, um den verschiedenen Facetten und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen mit chronischer Schmerzerkrankung und ihren Familien gerecht zu werden.
Die unterschiedlichen Ursachen, Ausprägungen und Erhebungsmethoden von akuten und chronischen Schmerzen führen zu sehr unterschiedlichen Prävalenzschätzungen von 6–30% in der internationalen Literatur (King et al., 2011; Perquin et al., 2000; Stanford et al., 2008). Für die Schweiz liegen nur wenige epidemiologische Daten vor. In der SGB 2017 wurde die Altersgruppe der 15–25-Jährigen nach verschiedenen Schmerzen in den letzten vier Wochen gefragt. Am häufigsten berichteten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen über Kopfschmerzen; 6–8% hatten starke Schmerzen. Starke Rücken-, Bauch-, Schulter- oder Nackenschmerzen hatten jeweils 3–5% der Jugendlichen, mit einer grösseren Häufigkeit bei Frauen als Männern. Die aktuellen HBSC-Daten aus 2018 bestätigen für die 11–15-jährigen Jugendlichen, dass sie häufig an unspezifischen Schmerzen leiden (siehe Grafik G4.5). Wie auch in der internationalen Literatur beschrieben, liegt eine Genderdifferenz vor: Mädchen berichten doppelt so häufig von täglichen oder mehrmals wöchentlichen Kopfschmerzen (KS), nämlich 18,2% gegenüber 8,9% der Jungen; auch Bauchschmerzen geben die Mädchen häufiger an mit 13,7% gegenüber 10,8%, Rückenschmerzen sogar dreimal häufiger mit 15,1% gegenüber 5,4%. Jugendliche, deren Mutter und/oder Vater im Ausland geboren sind, berichten häufiger Schmerzen zu haben (HBSC 2018). Welche Faktoren ursächlich für diese Unterschiede sind, lässt sich anhand dieser Gruppenvergleiche nicht sagen.
Eine kürzlich durchgeführte Befragung der Pädiaterinnen und Pädiater in der Schweiz ergab, dass circa 3,5% der im Verlauf der vorangegangen sieben Tage behandelten Kinder und Jugendlichen chronische Schmerzen hatten (Carlander et al., 2019). Eine Extrapolation auf alle Praxen oder Kinder in der Schweiz ist aber nicht zulässig.