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Die mehrjährige Studie, während derer jeweils über das ganze Jahr hinweg die Laute von Meeressäugern in der nördlichen Beringsee aufgenommen wurden, liefert Wissenschaftlern eine wertvolle Momentaufnahme einer arktischen Welt, die bereits unter dem drastischen Druck des Klimawandels steht, so die Wildlife Conservation Society (WCS), die Columbia University, die Southall Environmental Associates und die University of Washington.
Die Autoren der neuen Studie, die in der Zeitschrift Marine Mammal Science veröffentlicht wurde, führten ein vierjähriges akustisches Überwachungsprojekt durch. Sie wollten ermitteln, wie die Jahreszeiten, die Wassertemperatur an der Meeresoberfläche und das Meereis die Anwesenheit, die Verteilung und die Wanderungen von fünf Arten endemischer arktischer Meeressäuger beeinflussen. Es ist die erste Studie, die das ganze Jahr über ein akustisches Monitoring für Meeressäuger vor St. Lawrence Island in der Beringsee durchgeführt hat.
„Die während der Studie gesammelten Daten werden als wichtige Grundlage dienen für die künftige Überwachung der Auswirkungen des Klimawandels, der nachfolgenden Veränderungen des Meereises und der erwarteten Zunahme des Schiffsverkehrs auf die Verbreitung der Meeressäuger der Region“, erklärt Emily Chou, Wissenschaftlerin der WCS und Hauptautorin der Studie.
Die Wissenschaftler führten die Studie zwischen 2012 und 2016 durch und konzentrierten sich dabei auf fünf Arten arktischer Meeressäuger: Buckelwale (Balaena mysticetus), Beluga-Wale (Delphinapterus leucas), Walrosse (Odobenus rosmarus), Bartrobben (Erignathus barbatus) und Sattelrobben (Histriophoca fasciata).
Mit der Unterstützung einheimischer Jäger und Fischer setzten die Wissenschaftler an drei Orten in der nördlichen Beringsee akustische Aufnahmegeräte ein. „Die Zusammenarbeit mit den Anwohnern vor Ort bei der Bereitstellung und Rückholung der Ausrüstung war ein wichtiger Teil unserer Bemühungen, die Arbeit so lokal wie möglich zu halten“, so Mitautor Martin Robards.
Zwei der Aufnahmegeräte – an Schwimmern befestigt und mit Gewichten am Meeresboden verankert – wurden vor der Nordküste von St. Lawrence Island eingesetzt, insbesondere in der Nähe der indigenen Dörfer Savoonga und Gambell. Der dritte Rekorder wurde in der Beringstraße platziert, einer 36 Meilen breiten Meerenge zwischen dem äußersten Osten Russlands und Alaska. Tausende von Meeressäugern passieren diese auf ihren Wanderungen zwischen der Beringsee und dem Arktischen Ozean.
„Die akustische Überwachung ist das wirksamste Mittel, um die jahreszeitliche Präsenz dieser Arten in diesen herausfordernden arktischen Gebieten zu bestimmen, angesichts der unvorhersehbaren Wetterbedingungen und der wechselnden Tageslicht- und Eisverhältnisse“, sagt Brandon Southall, ein Mitverfasser der Studie. „Sie kann auch dazu verwendet werden, die Variabilität des Lärms im Ozean aus natürlichen und menschlichen Quellen, wie z.B. der Schifffahrt, zu messen und wie Lärmverschmutzung das Verhalten und das Wohlbefinden der Meeressäuger beeinflussen kann.
Die Rekorder zeichneten über 33.000 einzelne Laute von Walen, Walrossen und Robben während des Untersuchungszeitraums auf. Insgesamt ergänzte die Studie bisherige wissenschaftliche und traditionelle Kenntnisse über die Verbreitung von Meeressäugern in der nördlichen Beringsee mit einer feineren Auflösung als bisher verfügbar. Die Daten zeigten eine konsistente saisonale Verteilung und Bewegungsmuster für die meisten Arten.
Die Ergebnisse der Studie werden dazu beitragen, das zukünftige Monitoring der Wal- und Robbenarten in der Region zu steuern. Zudem werden sie in die Entscheidungen des Naturschutzmanagements für akustisch empfindliche Meeressäuger im Zusammenhang mit dem Verschwinden des Meereises und der prognostizierten Zunahme des Seeverkehrs einfließen. Insbesondere werden diese Art von Arbeiten und die kontinuierliche Überwachung an strategischen Orten in diesem arktischen Gebiet schließlich dazu beitragen, Trends zu erkennen, die durch langfristige Veränderungen der Umweltbedingungen und der menschlichen Aktivitäten verursacht werden.
„Es besteht kein Zweifel, dass die Arktis derzeit rasche und bedeutende Veränderungen erfährt, die alarmierend sind“, sagt Dr. Howard Rosenbaum, Direktor des Ocean Giants Program der WCS. „Unsere Arbeit mit den Populationen der arktischen Meeressäuger in dieser Region ist von wesentlicher Bedeutung, um die bevorstehenden Verschiebungen oder Veränderungen, die sich aus der Erwärmung der Arktis ergeben, zu bewerten und schließlich Partner und Behörden zu finden, um eine Lösung zum Schutz dieser ikonischen Arten und ihrer Lebensräume zu finden“.
Quelle: Wildlife Conservation Society