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28. Januar 2005
Wege aus der Unterdrückung
Referat von Heinrich Villiger anlässlich des Medienlunches in Zürich
Die Konfrontation zwischen Rauchern und Nichtrauchern lässt sich wie folgt in wenigen Worten zusammenfassen:
Die Lager, die sich gegenüberstehen, sind einerseits die arbeitsintensive Landwirtschaft – vorwiegend in Drittländern – für die Produktion des Rohmaterials, die Hightech Zigarettenindustrie, die sehr lohnintensive Zigarrenbranche, die nur eine untergeordnete Rolle spielt, der Staat und andererseits eine weltweit in mehr als 500 NGO's straff organisierte Anti-Raucherbewegung.
Die Zigarettenbranche ist dank der sehr hohen Wertschöpfung hochprofitabel, der Staat holt sich davon einen beachtlichen Teil an Tabaksteuer. Industrie und Staat waren deshalb in der Vergangenheit stets Partner – in gegenseitigem Einvernehmen "erwirtschafteten" sich Industrie und Staat maximale Erträge. Erwähnenswert ist, dass die Zigarrenindustrie, die Villiger vertritt, lediglich einen Anteil von einem Prozent am weltweiten Rohtabakverbrauch innehat.
Vor rund 25 Jahren setzte mit zunehmender Aggressivität der Krieg gegen den Tabak ein – mit unterschiedlichsten Motiven: Gesundheit, Belästigung des Mitmenschen durch Tabakrauch, politische Aktivitäten, da 2/3 der erwachsenen Bevölkerung auf dieser Seite stehen. Dazu kommen handfeste wirtschaftliche Interessen. Wenn die Milliarden, die weltweit in Rauch aufgehen, umgeleitet werden, so profitieren andere Wirtschaftszweige davon. Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie der Weltbank. Dazu braucht es nicht einmal einen Zählrahmen. Beispiel: die pharmazeutische Industrie, die mit dem Verkauf von Nikotinpflastern ebenfalls an diesem Kuchen knabbert.
Die Position des Staates ist – im Gegensatz zu früher – gespalten: es stehen sich die Verantwortlichen für Finanzen und Gesundheit gegenüber, Finanz- und Gesundheitsministerien haben diametral differierende Interessen. Deshalb spielt der Staat in der Auseinandersetzung zwischen Rauchern und Nichtrauchern eine ambivalente Rolle.
Unbestritten ist die gesundheitliche Gefährdung des Rauchers, insbesondere des Zigarettenrauchers. Strittig ist die Gefährdung der Gesundheit durch Passivrauchen, insbesondere weil die Belastung des Menschen durch Tabakrauch und Luftverschmutzung wie Abgase etc. nicht getrennt messbar ist. Die entsprechenden Studien kommen zu keinen einheitlichen Ergebnissen. Fest steht, dass Menschen in grossen Agglomerationen sehr viel mehr von Erkrankungen der Atmungsorgane betroffen sind als Menschen, die auf dem Lande leben, mit oder ohne Passivrauch-Belastung.
Bisher nicht erforscht sind die Unterschiede der gesundheitlichen Belastungen von Zigarettenrauch einerseits und Zigarrenrauch andererseits. Der PH-Wert von naturfermentierten Zigarrentabaken und Zigarettentabaken unterscheidet sich: Zigarrentabake und der Rauch von Zigarren sind basisch, Zigarettentabake und der Rauch von Zigaretten liegen im sauren Bereich. Daraus ableitend ist naheliegend, dass die gesundheitliche Belastung unterschiedlich sein muss.
Abgesichert ist die Erkenntnis, dass der Zigarettenraucher zur Aufnahme des Nikotins den Rauch inhaliert, d. h. in die Lunge zieht, während der Zigarrenraucher das Nikotin über die Mundschleimhäute aufnimmt und in aller Regel nicht inhaliert.
Fest steht auch, dass der Zigarrenraucher im Vergleich zum Zigarettenraucher volumenmässig sehr viel weniger konsumiert. Dies sei am Rande erwähnt, da gemeinhin Zigarren und Zigaretten in einen Topf geworfen werden, was unserer Ansicht nach falsch ist.
Wie dem auch sei: Die Konfrontation von Rauchern und Nichtrauchern lässt sich auf einen sehr einfachen Nenner bringen. Die Tabakgegner wollen schlicht und einfach keine Belästigung durch Rauch. Die gesundheitlichen Aspekte sind sicherlich nicht unberechtigt, aber eigentlich nicht entscheidend. Eine Rauchbelastung ist weitgehend abhängig von der Umgebung. Geschlossene oder offene Räume, die Raumgrösse, vorhandene Lüftung, Anzahl der Raucher, sind dabei zentrale Faktoren. Wenn Rauchen am Strand oder in Parkanlagen verboten wird, wie dies in USA in einigen Staaten der Fall ist, so können dafür keine gesundheitlichen Gründe angeführt werden, sondern es ist eine Diskriminierung der Raucher.
Zusammenfassend: der Raucher soll für seine Gesundheit selbst verantwortlich sein. Der Schutz des Nichtrauchers vor dem Rauch ist gerechtfertigt. Es braucht aus unserer Sicht hierzu jedoch keinen gesetzlichen Zwang und keine Reglementierungen. Damit erübrigt sich auch eine Diskussion über die Grundrechte des mündigen Bürgers, die nicht laufend mehr eingeschränkt werden dürfen. Man kann und darf dem Bürger nicht alles vorschreiben, was er tun soll und was er nicht tun darf.
Letztlich noch einige Worte zu den Werbeverboten. Seit Jahrhunderten ist Tabak ein legales Produkt, genauso wie Alkohol oder Schokolade, und keine Droge. Tabak als Droge einstufen zu wollen und deshalb die Werbung zu verbieten, ist ein Irrweg und ein Eingriff in die freie Meinungsäusserung. Auch die Tabakindustrie muss das Recht haben, ihre Produkte der Öffentlichkeit vorzustellen. Der erwachsene Konsument muss die Freiheit haben, sich seine eigene Meinung darüber zu bilden.
Ich bin davon überzeugt, dass sich mit gegenseitiger Rücksichtnahme und gutem Willen diese zwischenmenschliche Problematik einvernehmlich lösen lässt.