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1045, 1200, -1.9 und 25.4
Nein, dies sind keine Lottozahlen, sondern meteorologische Messwerte, über welche hier in den folgenden Zeilen berichtet wird. Oder erraten Sie vielleicht schon vor dem Lesen des Textes, was die Werte darstellen könnten?
Ein kräftiges Hochdruckgebiet lag heute mit seinem Kern westlich von Irland. Und dieses hatte es in sich. Mit einem Kerndruck von rund 1045 hPa gehört es für die Jahreszeit zu den stärksten nordatlantischen Hochdruckgebieten für die aktuelle Jahreszeit.
Zur Einordnung kann man beispielsweise die bisherigen Oktober-Luftdruckrekorde (gemessen an Land und reduziert auf Meeresniveau) in Grossbritannien oder in Irland - also in Ländern, welche naturgemäss am nächsten zu einem nordatlantischen Hochdruckgebiet liegen – herbeiziehen: In Grossbritannien liegt dieser bei 1045.6 hPa (Dyce, 31.10.1956) und in Irland bei 1043.0 hPa (Donegal, 31.10.1956). Wie Sie sehen, liegen diese Oktober-Rekordwerte schon über 60 Jahre zurück.
Dass das aktuelle Hochdruckgebiet mit dem Namen "Xerxes" aussergewöhnlich ist, sah man daran, dass heute an der Südwestküste von Irland ein Luftdruck von 1043.9 hPa gemessen wurde! Dies würde einen neuen irischen Luftdruckrekord für den Monat Oktober bedeuten. Weitere irische Wetterrekorde finden Sie übrigens auf der Homepage des irischen Wetterdienstes:
Die absoluten Druckrekorde in den nordwesteuropäischen Ländern liegen bei 1051.9 hPa in Irland, bei 1053.6 hPa in Grossbritannien und sogar bei 1058.0 hPa in Island. Diese Werte wurden aber allesamt in einem Januar gemessen, also in der kältesten Jahreszeit. Dann treten üblicherweise auch die kräftigsten Hochdruckgebiete auf, vor allem über dem Kontinent. Also eben da, wo sich die Luftmasse am stärksten abkühlen kann (kalte und/oder trockene Luft ist schwerer als warme und/oder feuchte Luft).
Dies ist beispielsweise in Sibirien der Fall. Von dort stammt auch der Weltrekord des höchsten Luftdruckes (reduziert auf Meeresniveau), welcher 1083.8 hPa beträgt. Im Vergleich dazu beträgt der höchste gemessene Druck in Europa rund 1067.1 hPa (Pärnu/Estland sowie Riga/Lettland) und in der Schweiz knapp 1048 hPa (Zürich).
In der Schweiz lag heute der Luftdruck mit ca. 1027 hPa nicht ganz so hoch. Dennoch waren dies natürlich immer noch relativ hohe Werte. Mit dem verstärkten Hochdruckeinfluss trocknete die Luft in den Bergen gegenüber gestern noch weiter ab, sodass heute in Gipfellagen nur noch eine relative Luftfeuchtigkeit um 10% gemessen wurde. Das Resultat: tiefblauer Himmel und gute Fernsicht, wie die Bilder oben und unten beweisen:
In den Bergen war es heute also diskussionslos sonnig. Ähnliches galt für grosse Teile des Flachlandes, wo es in den Morgenstunden praktisch nirgends Nebel- oder Hochnebel hatte. Wie war dies möglich, wo es doch in den letzten Tagen zum Teil längere Zeit hochneblig war? Warum nicht auch heute?
Der Grund ist relativ einfach zu finden. Mit der bereits gestern aktiven Bisenströmung gelangte deutlich trockenere Luft aus Nordosten ins Flachland. Dieser Luftmassenwechsel war anhand der Taupunkttemperatur – also derjenigen Temperatur, auf welche die Luft sich abkühlen müsste, um eine relative Feuchtigkeit von 100% zu erreichen – deutlich zu erkennen:
Die Luft war heute also sichtbar trockener (und daneben auch etwas sauberer, die gestern hier dargestellten Feinstaubwerte sind wieder gesunken). Es bildeten sich keine Nebel- oder Hochnebelfelder über dem Flachland, und zudem war der Dunst merklich schwächer vorhanden.
Zeitraffer vom Sonnenaufgang am nebel- und dunstfreiem Flughafen Zürich-Kloten. Video: D. Buck
An den Voralpen hingegen war auf heute dieser Luftmassenwechsel noch nicht komplett vollzogen. Hier lag also zum Teil noch die alte Luftmasse (siehe auch den zeitlich verzögerten Taupunktrückgang an der Wetterstation Luzern in der obigen Grafik), weshalb sich in der Nacht nochmals einige Hochnebelfelder mit einer Obergrenze um 1200 m ü.M. bilden konnten. Bis am früheren Nachmittag sind dann aber auch diese verschwunden.
Bei einer Hochnebelobergrenze um 1200 m ü.M. und einer Bisenströmung, welche den Hochnebel an die Voralpen drückt, ereignet sich beim Brünigpass oft ein schönes Schauspiel, welches besonders in einem Zeitraffer zur Geltung kommt. Mit der Bise wird die Hochnebelluft über den Brünigpass (ca. 1000 m ü.M.) gedrückt und fällt auf der windabgewandten Seite wie ein Wasserfall ins Aaretal hinunter. Dabei löst sich der Hochnebel auf:
Zeitraffer von der "Brünigschlange", aufgenommen aus Meiringen. Video: D. Gerstgrasser
Die nebel- und hochnebelfreie Nacht im Flachland hat auch temperaturmässig ihre Spuren hinterlassen. Die Temperatur ist nämlich auf 1 bis 3 Grad gesunken, punktuell gab es sogar Luftfrost, so z.B. am Flughafen Zürich-Kloten mit -1.9 Grad, was die tiefste Flachlandtemperatur darstellte. Sie werden es heute Morgen gespürt haben, dass es empfindlich kalt war. Aber für das letzte Oktoberdrittel sind solche Werte eigentlich überhaupt nichts Aussergewöhnliches. Wir sind es uns halt einfach noch nicht gewohnt :-).
Richtig kalt war es im sogenannten Sibirien der Schweiz, also in La Brévine im Jura. Das Thermometer zeigte heute Morgen -11.1 Grad an! Am Nachmittag wurden dort 14.3 Grad gemessen, was einen Tagesgang der Temperatur von beachtlichen 25.4 Grad ergab!
Und nun, haben Sie alle Zahlen richtig zugeordnet/erraten?