Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03337.jsonl.gz/1524

Infektionen der Nasenschleimhaut können auf die Nasennebenhöhlen übergreifen. Umgekehrt hat die Entzündung einer Nasennebenhöhle ihrerseits Einfluss auf Rachen, Kehlkopf und Bronchien. Die Erkrankung zieht auch diese tiefer gelegenen Strukturen in Mitleidenschaft.
Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte, mit Schleimhaut ausgekleidete Hohlräume (lateinisch Sinus) im Bereich des Gesichtsschädels. Es handelt sich um die Kieferhöhlen, die Siebbeinzellen, die Stirn- und die Keilbeinhöhle (Abbildung), und sie alle stehen mit den Nasengängen in Verbindung.
Wegen ihrer engen anatomischen Nachbarschaft bilden die Atemwege ein funktionell zusammen hängendes Ganzes. So können Infektionen aus der Nase auf die Nebenhöhlen und umgekehrt aus den Nebenhöhlen auf Rachen und Kehlkopf übergreifen oder sogar in die Bronchien absteigen.
Die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen bildet geringe Mengen von Sekret, das zum Nasen-Rachen-Raum abfliesst. Wenn in der Nase enge Verhältnisse bestehen (s. unten, Ursachen und begünstigende Faktoren), ist der Abfluss behindert und gleichzeitig werden die Hohlräume ungenügend belüftet. Krankheitserreger können sich dann in der Schleimhaut festsetzen und akute oder chronische Entzündungen hervorrufen.
Kleine Kinder (bis 2 Jahre) leiden nicht an Nasennebenhöhlenentzündungen, da sich die Hohlräume in den Gesichtsschädelknochen erst allmählich nach der Geburt entwickeln. Ab dem 2. Lebensjahr können sich die Siebbeinzellen entzünden, später die Kieferhöhlen und ab dem 6. Lebensjahr auch die Stirnbeinhöhlen.
Die akute Nasennebenhöhlenentzündung (akute Sinusitis) wird meist durch Bakterien oder Viren verursacht, seltener durch Pilze. Oft geht ein Virusinfekt (Erkältung, Grippe) der oberen Atemwege oder eine allergische Entzündung voraus. Dies führt zum Anschwellen der Schleimhaut, das abgesonderte Sekret kann somit nicht mehr ungehindert abfliessen und bildet einen idealen Nährboden für Bakterien. Begünstigend wirken Formvarianten der inneren Nase (s. unten bei chronische Entzündungen).
Chronische Entzündungen der Kieferhöhlen (chronische Sinusitiden) werden begünstigt durch Faktoren, welche die Luftzirkulation und den Sekretabfluss aus den Nebenhöhlen behindern. Es kann sich dabei handeln um Schleimhautwucherungen (Polypen) oder um anatomische Formvarianten der inneren Nase, wie Verkrümmung der Nasenscheidewand (Septumdeviation) und vergrösserte Nasenmuscheln. Ein kontinuierlicher Entzündungsreiz geht ferner aus von einer chronischen Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut) oder von erkrankten Zahnwurzeln. Amalgamfüllungen in Zähnen sind immer noch Gegenstand kontroverser Diskussionen.
Umweltfaktoren wie Rauch, Staub, Abgase, giftige Dämpfe (Industrie) irritieren die Schleimhaut und fördern das Entstehen der Krankheit.
Bei chronischem Verlauf sind die Symptome generell weniger stark ausgeprägt. Im Vordergrund stehen Behinderung der Nasenatmung, Ausfluss aus der Nase, Niesen, Kopf- oder Gesichtsschmerzen und Riechstörung. Zeichen einer chronischen Entzündung, die in den Kehlkopf und die Bronchien abgestiegen ist, sind Halsschmerzen, Räusperzwang („Chrott im Hals“), Husten, Bronchitis.
Bei Kindern ist eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung schwerer erkennbar als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Häufig wiederkehrende Erkältungen, chronischer Schnupfen oder Husten können darauf hinweisen.
Sie sind überwiegend Folge einer akuten Sinusitis, wenn keine oder eine inadäquate Therapie erfolgte. Bedrohlich werden kann das Übergreifen der Entzündung auf benachbarte Knochen, auf die Augen, die Hirnhäute (Meningitis) oder das Gehirn (Enzephalitis).
Von zentraler Bedeutung ist das ausreichende Feuchthalten der Atemluft und damit der Atemwege.
Alarmsymptome, die auf eine Komplikation hinweisen und eine rasche Arztkonsultation erfordern:
Am Anfang der Untersuchung steht der Blick in Nase und Rachen. Bei länger anhaltender und bei chronischer Sinusitis und insbesondere bei Komplikationen können weitere Abklärungen wie Ultraschall, Magnetresonanz-Tomographie (MRT) oder Computer-Tomographie (CT) notwendig sein.
Die Prognose der Sinusitis ist bei adäquater Behandlung gut, doch treten bei chronisch bestehender Abflussbehinderung des Sekretes wiederholt Rezidive (Rückfälle) auf, weshalb dann eine operative Sanierung zu diskutieren ist.