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Biologie
Der Ackerfuchsschwanz (Alopecrus myosuroides) gehört zur Familie der Süssgräser (Poaceae). Er ist ein einjähriges, horstbildendes Ährengras das in vielen Kulturen im Ackerbau vorkommt, am häufigsten in Wintergetreide. Der Ackerfuchsschwanz keimt vorwiegend im Herbst bei Temperaturen höher als 3°C. Das Keimblatt ist korkenzieherartig gewunden und weist eine unbehaarte, schmale Blattspreite auf; am Grunde ist sie häufig rötlich. Die aufrechten Halme können 20 - 60 cm hoch werden, darauf sitzt eine zylindrische, bis 11 cm lange Ähre.
Die Blüte erfolgt meistens im Frühsommer. Es werden pro Pflanze bis 2000 Samen gebildet die leicht durch den Wind verbreitet werden. Die Samen können im Boden bis zu 11 Jahre lang überdauern (mehr über Versamung). Der Ackerfuchsschwanz bevorzugt mittlere bis schwere, kalkhaltige Böden.
Schaden
Der Schaden entsteht bei massenhaftem Auftreten wegen der starken Konkurrenz. Es sind Ertragsschäden im Bereich von 20-30 % möglich.
Regulierung
Da der Ackerfuchsschwanz in Winterkulturen bevorzugt vorkommt, wird er auch durch Fruchtfolgen mit einem hohen Anteil an Winterkulturen begünstigt. Der vermehrte Anbau von Sommerkulturen in die Fruchtfolge kann den Bestand an Ackerfuchsschwanz schwächen.
Bei hohen Besatzdichten kann auf den Pflug nicht verzichtet werden. Der Ackerfuchsschwanz ist eines der Problemunkräuter das bei reduzierter Bodenbearbeitung stärker gefördert wird. Eine Unkrautkur vor der Saat ist eine weitere Massnahmen die getroffen werden kann (mehr über die Saatbettbereitung).
Frühe Saaten begünstigen das Auflaufen und die Jugendentwicklung des Ackerfuchsschwanzes. Eine Spätsaat im Herbst ermöglicht eine wirksame Stoppelbearbeitung und begrenzt den Ackerfuchsschwanz stark (mehr über den Saatzeitpunkt). Versuche in Frankreich haben gezeigt, dass mit der Verschiebung des Saattermins von Ende September auf Ende Oktober der Ackerfuchsschwanz um 50 Prozent reduziert werden kann.
Hacken statt striegeln reduziert den Ackerfuchsschwanz ebenfalls. Hacken bedingt aber grössere Investitionen und Mehrarbeit bei nicht unbedingt höherem Ertrag. HD
Verschiedene Biolandwirte sind konfrontiert mit dem Überhandnehmen des Ackerfuchsschwanzes auf ihren Feldern. Das Phänomen tritt vor allem in Fruchtfolgen auf, die bereits viele Jahre einen erheblichen Anteil Wintergetreide enthalten. Zudem scheint die reduzierte Bodenbearbeitung den Ackerfuchsschwanz zu begünstigen. Eine Möglichkeit das Problem einzudämmen könnte somit das Auffangen der Spreu sein. Leider genügt diese Massnahem allein nicht, die Ausbreitung des Ackerfuchsschwanzes zu verhindern.
Die Spreu setzt sich zusammen aus Spelzen, Stielen, Bruchstroh, kleinen Körnern und Unkrautsamen. Sie verlässt den Mähdrescher nach der Körnerreinigung im Schüttler und gelangt aufs Stoppelfeld. Man kann sich somit fragen, ob es effizient wäre, die Spreu mit den Unkrautsamen aufzufangen um den Zyklus des Ackerfuchsschwanzes zu unterbrechen oder ihn in den Kulturen zumindest einzudämmen. Diese Frage dürfte auch die konventionellen Bauern interessieren, denn der Ackerfuchsschwanz kann Resistenzen gegen die Herbizide entwickeln.
Unkrautsamenmenge in der Spreu
Als erstes stellt sich die Frage, ob sich wirklich Samen des Ackerfuchsschwanzes in der Spreu befinden. Das ist nicht so ganz klar, denn sie können schon vor der Ernte durch starken Wind oder während der Ernte durch die Wirkung des Haspels ausfallen; oder sie können am Stroh kleben.
Die Antwort hängt ab von der Dichte des Getreides und des Fuchsschwanzes, den Wetterbedingungen, der Feuchtigkeit, der Mähdreschereinstellung und weiteren Faktoren. Raphaël Charles vom FiBL sagt: «Die Rückgewinnung der Unkrautsamen in der Spreu funktioniert vor allem in sehr trockenen Gebieten. Einige Versuche bei uns zeigen, dass die Wirkung überschätzt wird und dass die Samen am Stroh kleben.» Demnach besteht die Wirkung des Auffangen der Fuchsschwanzsamen einzig darin, dass der Samenvorrat im Boden reduziert wird.
Im Moment fehlen gesicherte Resultate zur Wirksamkeit der Spreuernte als langfristige Massnahme gegen den Ackerfuchsschwanz und andere Unkräuter. Die Massnahme verdient es vielleicht im Detail untersucht zu werden, aber sie stellt sicher nicht das Allerweltsmittel im Kampf gegen den Ackerfuchsschwanz dar.
Im Getreide kann auch das Raygras Probleme bieten. Zu diesem Thema wurden am Institut Arvalis in Frankreich unter konventionellen Bedingungen Versuche mit der Spreuernte, der Stoppelbearbeitung und dem Einsatz systemischer Herbizide im Herbst durchgeführt. Nach einigen Jahren konnte dank des Auffangens der Spreu eine Reduktion des Raygrases festgestellt werden. Aber Achtung: die Raygrassamen sind ganz anders als die des Ackerfuchsschwanzes und die beiden Ungräser reifen nicht zur gleichen Zeit. Deshalb dürfen die Versuchsresultate nicht einfach auf den Ackerfuchsschwanz übertragen werden.
Immerhin: das Auffangen der Spreu und damit auch der kleinen Samen der geernteten Kultur wie Getreide oder Raps reduziert das Durchwachsen in der nächsten Kultur. Ist beim Auffangen der Spreu das einzige Ziel die Bekämpfung des Ackerfuchsschwanzes, dann lohnt sich der Aufwand nicht. Das Auffangen der Spreu ist zudem technisch nicht sehr einfach und hat seinen Preis. Zumindest müsste die Spreu gut verwertet werden.
Wie kann die Spreu aufgefangen und gelagert werden?
Seit einigen Jahren hat die Spreu wieder einen gewissen Wert. In der Schweiz und im Ausland wurden Versuche zur Verwertung von Spreu durchgeführt. Zu erwähnen ist insbesondere das Projekt «Gewinnung und Verwertung von Spreu und Kurzstroh» von Bernhard Streit (HAFL - Hochschule für Agrar, Forst- und Lebensmittelwissenschaften) von 2009-2012. Das Hauptziel des Projekts war die Untersuchung der Erntemöglichkeiten und Verwendung der Spreu, also nicht die Unkrautbekämpfung.
Pro Hektare können 1-2 Tonnen Spreu geerntet werden und sie steht beinahe kostenlos zur Verfügung. Für die Ernte wird ein Bunker hinten an den Mähdrescher angebracht. Der Bunker wird am Feldrand entleert. Ein grosses Problem ist die geringe Dichte der Spreu von nur 25 bis 50 kg pro Kubikmeter. Es ist schwierig, sie mit einer Rundballenpresse zu komprimieren. Am besten haben sich in den Versuchen die Quaderpressen geeignet. Allerdings können laut Bernhard Streit beim Einzug noch einige technische Verbesserungen vorgenommen werden. Für die Lagerung werden die Ballen am besten in Folien eingewickelt.
Verwendung der Spreu
Früher wurde das Getreide während des Winters in der Tenne gedroschen und die Spreu in einem separaten Raum gelagert. Sie wurde mit andern Futtermitteln gemischt und verfüttert oder als Einstreu verwendet. Seit dem Aufkommen der Mähdrescher wird die Spreu auf dem Feld verteilt und dient als organische Düngung.
Spreu eignet sich gut als Einstreu. Das Material hat eine wesentlich bessere Saugfähigkeit als Stroh, es vermischt sich gut mit der Gülle und verstopft die Pumpen und Leitungen nicht. Denkbar ist auch, die gepresste Spreu zum Heizen zu verwenden (in diesem Fall verliert man aber organisches Material). Spreu ist aber auch ein interessantes Zusatzsubstrat für Biogasanlagen. Sie kann zudem als Bodenbedecker zum Beispiel in Erdbeerkulturen eingesetzt werden.
Enthält die Spreu Samen des Ackerfuchsschwanzes oder anderer Unkräuter, dann ist der Einsatz als Einstreu natürlich wenig sinnvoll, wenn man genau gegen sie ankämpft. Bleibt als Verwendungsmöglichkeit die Kompostierung, die Vergärung in einer Biogasanlage oder das Verbrennen in einer Heizung. Damit beim Kompostieren auch die widerstandsfähigsten Samen zerstört werden, muss die Temperatur während dreier Wochen mindesten 55 °C oder während einer Woche mindestens 65 °C betragen. Wichtig ist zudem, dass die Miete regelmässig umgesetzt wird, damit alles Material sich mindestens einmal in der Mitte der Miete befindet, dort, wo die Temperatur am höchsten ist.
Die nachstehende Tabelle zeigt die Vor- und Nachteile verschiedener Verwertungsmöglichkeiten von Spreu.
|Vorteile||Nachteile|
|Einstreu|
|Fütterung|
|Kompos-|
tierung
|Biogas-|
anlage
|Heiz-|
material
|Agro-|
material
Einige Lohnunternehmer haben sich für das Auffangen der Spreu eingerichtet, zum Beispiel Fabrice Nagel in Charmoille JU. Neben seinem eigenen Betrieb mit mehrheitlich Ackerkulturen führt er sein Lohnunternehmen. «Als ich vor vier Jahren die Einrichtung anschaffte, dachte ich, dass das die Biobauern interessieren dürfte», verrät er.
Nagel hat sich den Spreusammler der französischen Marke Bonalan angeschafft. Der Bunker ist hinten am Mähdrescher angebracht. «In der Schweiz wäre eine Lösung mit Bunker auf einem Anhänger nicht zweckmässig, denn man muss bei der Benützung einer Strasse immer den Balken wegnehmen und hinten anhängen. Balken und Anhänger können aber nicht gleichzeitig angehängt werden» erklärt Fabrice Nagel. Wenn der Bunker voll ist, leert man den Inhalt auf dem Feld an eine Schwade. Gemäss Nagels Erfahrung ist die Spreu sehr trocken und sie kann unmittelbar nach dem Dreschen des Getreides gepresst werden.
Fabrice Nagel ist überzeugt vom Auffangen der Spreu, denn sie ist sehr wertvoll als Co-Substrat für die in seiner Nähe gelegene Biogasanlage. Einer seiner Kunden verwendet die Spreu als Einstreu und ist erfreut, dass seine Gülleleitungen nicht verstopft werden, wie das bei langem Stroh der Fall war. Nagel stellt auf seinen Parzellen weniger Durchwuchs fest, das ist vor allem beim Raps wichtig. Zu einer allfälligen Reduktion des Ackerfuchsschwanzes kann er aber keine Aussage machen, weil er von diesem Problem wenig betroffen ist.
Nagel presst die Spreu für den Transport zu Quader- oder Rundballen. «Für Rundballen muss eine Presse mit Riemen eingesetzt werden. Pressen mit fester Kammer und Rollen funktionieren nicht.» erklärt er.
Weiterführende Informationen
Jeder Ackerbaubetrieb braucht eine Fuchsschwanzstrategie (Artikel im Magazin Bioaktuell 4|2019)
Spreu ist mehr wert (Webseite HAFL)
Studie von Arvalis (Französisch, Webseite Arvalis)
Christian Hirschi, FiBL
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.08.2019