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Patenschaft und Spenden für Kinder in Ägypten
Seit der Januar-Revolution 2011 herrscht in Ägypten eine Wirtschaftskrise. Die hohe Arbeitslosigkeit trägt überdies zur Perspektivlosigkeit bei. Wir von Plan International eröffnen unter anderem Jugendlichen neue Möglichkeiten, fördern ihre Interessen und wirken dadurch der Armut im Land entgegen. Helfen Sie mit Ihrer Spende, die Lebenssituation für die Kinder und Familien vor Ort zu verbessern.
Ein Überblick
Ägypten liegt in Nordafrika und grenzt im Westen an Libyen, im Süden an den Sudan und im Osten an Israel. Der Nil durchzieht das Land und mündet im Mittelmeer. Entlang des Stroms sowie an wenigen Küstenorten und den Oasen ist das Land fruchtbar und dicht besiedelt. Ein Großteil der Landesfläche ist aber von Wüsten- und Savannenlandschaften geprägt. Die Hauptstadt Kairo ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes und eine der bevölkerungsreichsten Metropolen der Erde. Im Land leben über 80 Millionen Menschen, von denen 38 Prozent jünger als 18 Jahre sind.
In Ägypten entstand bereits 3000 Jahre vor Christus eine der frühen Hochkulturen der Menschheit. Um 640 begann die Islamisierung des Landes. Im späten 18. Jahrhundert besetzte Großbritannien das Land und erklärte es später zum Protektorat. 1936 erlangte Ägypten wieder vollständige Souveränität. Nach dem 2. Weltkrieg etablierte sich unter Gamal Abdel Nasser ein sozialistisches Regime, das mit der Verstaatlichung des Suez-Kanals eine internationale Krise heraufbeschwor.
Zur Situation heute
Seit der Januar-Revolution im Jahre 2011, im Zuge derer der langjährige Präsident Husni Mubarak abgesetzt wurde, befindet sich das Land in einer Phase des gesellschaftlichen und politischen Umbruchs, dessen Ausgang offen ist. Mit dem 2012 gewählten Präsidenten Mohammed Mursi gewann der politische Islam an Einfluss. Nach massiven Protesten wurde Mursi vom Militär abgesetzt. Im Mai 2014 wurde Abdelfattah Al-Sisi zum Präsidenten gewählt. Er wurde im März 2018 in seinem Amt bestätigt. Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren zu gewaltsamen Ausschreitungen mit viele Toten und Verletzten.
Obwohl Ägypten nach Südafrika das am stärksten industrialisierte Land des Kontinents ist, spielt die Landwirtschaft immer noch eine erhebliche Rolle. Neben einer allgemeinen Wirtschaftskrise stellen vor allem die hohe Arbeitslosigkeit sowie die ungleiche Verteilung des Wohlstands innerhalb der Gesellschaft große politische Herausforderungen dar.
Plan International in Ägypten
Plan International arbeitet seit 1981 in Ägypten und erreichte mit seinen Programmen 2017 das Umfeld von mehr als 33.000 Patenkindern und ihren Familien. Wir arbeiten sowohl in ländlichen als auch in urbanen Gebieten, die von besonderer Armut geprägt sind.
Arbeitsansatz von Plan International
Unser Arbeitsansatz, die kindorientierte Gemeindeentwicklung, beruht auf den Grundrechten von Kindern: das Recht auf Leben, Entwicklung, Mitwirkung und Schutz. Kindorientierte Gemeindeentwicklung bedeutet mit und für Kinder zu arbeiten. Mädchen und Jungen, Jugendliche, ihre Familien und Gemeinden sind an der Planung und Durchführung von Programmen und Projekten beteiligt, um ihre eigene Entwicklung voranzubringen. Die Gemeinde trägt Verantwortung für die Programme, damit deren Nachhaltigkeit gesichert wird, auch nachdem wir die Arbeit in diesem Gebiet beendet haben. Von zentraler Bedeutung ist es, Kompetenzen von Gemeindemitgliedern zu stärken, damit sie sich mit den Herausforderungen ihrer Gemeinden aktiv auseinandersetzen können. Dies trägt dazu bei, strukturelle Kinderarmut zu beseitigen.
Da der Staat eine wichtige Rolle bei der Umsetzung und Einhaltung der Kinderrechte spielt, arbeitet Plan International mit Regierungsstellen zusammen und unterstützt sie darin, ihre Verpflichtung gegenüber den Gemeindemitgliedern wahrzunehmen und vorhandene Gesetze und Vorgaben umzusetzen. Gleichzeitig informieren wir die Menschen in den Gemeinden über ihre Rechte und bestärken sie darin, diese einzufordern. Wir setzen uns besonders für ausgegrenzte und benachteiligte Kinder ein, damit sie ihre Rechte wahrnehmen und den Kreislauf von Diskriminierung, gesellschaftlicher Nichtteilhabe und Kinderarmut durchbrechen können.
Plan-Programm: „Schutz und gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen“
Gewalt, die sich gegen Kinder richtet, ist in Ägypten weit verbreitet. Benachteiligte Kinder, wie Straßenkinder oder Kinder mit Behinderung, sind besonderen Risiken ausgesetzt. Körperliche Züchtigung wird von vielen Familien als Erziehungsmethode akzeptiert. Geschlechtsbezogene Gewalt wird vielerorts gesellschaftlich gebilligt. Kinderarbeit in Ägypten nimmt zu. Untersuchungen belegen, dass über 20 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren einer Form der Arbeit nachgehen, wobei der Großteil in der Landwirtschaft tätig ist.
Obwohl sich die gesundheitliche Situation der Kinder in der Vergangenheit verbessert hat, gibt es noch Defizite. Beispielsweise sind noch viele Kinder mangelernährt. Vielen Familien ist nicht bewusst, wie wichtig es ist, Kinder frühzeitig zu fördern.
Wir tragen dazu bei ein Umfeld zu schaffen, welches Kinder in ihrer Entwicklung stärkt und ihnen Schutz bietet. Um dies zu erreichen, bauen wir ein Netzwerk von verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren auf, die sich für den Kindesschutz einsetzen. Gemeinsam wollen wir darauf hinwirken, dass die Regierung ihren Verpflichtungen zur Umsetzung von Kinderschutzrichtlinien auch nachkommt. In den Gemeinden klären wir die Familien über die verschiedenen Formen von Gewalt und Missbrauch auf und installieren Kindesschutzmechanismen, sodass Fälle von Gewalt oder Missbrauch gemeldet und zur Anzeige gebracht werden können.
Wir unterstützen Kinder- und Jugendgruppen, die Mädchen und Jungen über verschiedene Aktivitäten die Möglichkeit bieten, ihre Meinung auszudrücken und sich für ihre Rechte und Interessen einzusetzen, um so an gesellschaftlichen Entwicklungen teilzuhaben. Gleichzeitig möchten wir das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen stärken und ihnen wichtige Kompetenzen vermitteln, um sie auf ihr späteres Leben vorzubereiten. In Kooperation mit staatlichen Stellen setzen wir uns mit einer nationalen Kampagne gegen Drogenmissbrauch ein und machen dabei besonders auf die telefonische Suchtberatung aufmerksam.
Ein weiteres Ziel ist es, schädliche Kinderarbeit zu unterbinden und die Bedingungen für Kinder zu verbessern, die arbeiten. Kindern, die auf der Straße leben, bieten wir in unseren Anlaufstellen verschiedene Angebote, die von psycho-sozialer Betreuung über Gesundheitsversorgung bis hin zu rechtlicher Beratung reichen. Wir klären Mütter in Gruppen darüber auf, wie wichtig es ist, kleine Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern, und vermitteln, wie sie kindgerechte Ernährung oder Pflege gewährleisten können. Zudem erstellen wir verschiedene Informationsmaterialien über kindgerechte Erziehung und Umgangsformen, die wir in den Gemeinden zur Verfügung stellen. Um das pädagogische Angebot von Einrichtungen zur frühkindlichen Förderung zu erweitern, erstellen wir Lehrmaterial und setzen uns dafür ein, dass pädagogisches Personal besser qualifiziert wird.
Plan-Programm: „Mädchen und Frauen stärken“
Obwohl es in der Vergangenheit verschiedene Initiativen gegeben hat, die gesellschaftliche und rechtliche Situation von Mädchen und Frauen im Land zu stärken, sehen sie sich noch mit vielen Problemen konfrontiert. Die Gesellschaft ist patriarchalisch ausgerichtet und traditionelle Werte und Auffassungen prägen die Geschlechterrollen. Frauen sind wirtschaftlich benachteiligt und ihr Bildungsstand ist im Vergleich zu den Männern geringer. Von den etwa 16 Millionen Analphabeten in Ägypten sind 70 Prozent Frauen. Weniger als ein Viertel der Frauen arbeiten und erwirtschaften so ein eigenes Einkommen. In Ägypten sind verschiedene schädliche Praktiken weit verbreitet. Frühe Verheiratung ist zwar verboten, wird aber immer noch praktiziert. Häusliche Gewalt oder Missbrauch sind weitere Missstände, unter denen Frauen und Mädchen leiden.
Mit unserem Programm verfolgen wir zwei zentrale Ziele: Wir wollen die gesellschaftliche Benachteiligung von Mädchen und Frauen auflösen und uns gegen die verschiedenen Formen von Gewalt gegen Mädchen und Frauen einsetzen. Um Frauen wirtschaftlich zu stärken, gründen wir in den Gemeinden Spar- und Kreditgruppen. Die Frauen sparen regelmäßig kleinere Beträge an und können über die gemeinsamen Einlagen Kredite aufnehmen. So können Investitionen für kleinere Gewerbe oder andere einkommensschaffende Aktivitäten getätigt werden. Außerdem wird ein Notfall-Fonds unterhalten, über den besonders Bedürftige unterstützt werden. Ein weiterer Ansatz sind Lerngruppen, in denen arme und besonders benachteiligte Frauen Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Dabei werden Themen aus der Lebenswelt der Frauen, wie etwa Kochrezepte oder Kindeserziehung, aufgegriffen und zum Ausgangspunkt des Lernprozesses gemacht. Zudem unterbreiten wir berufliche Qualifizierungsangebote.
Wir engagieren uns auch auf nationaler Ebene für die Bildungsbelange von Mädchen und Frauen, kooperieren mit Behörden und arbeiten daran, Netzwerke für Bildungsfragen aufzubauen. Außerdem setzen wir uns dafür ein, die Bildungsstrukturen in den Gemeinden zu verbessern. In Partnerschaft mit Grund- und weiterführenden Schulen wollen wir die Unterrichtsqualität verbessern und auch Kinder erreichen, die bisher nicht eingeschult wurden oder den Schulbesuch abgebrochen haben.
In Gruppendiskussionen klären wir Frauen und Mädchen über ihre Rechte und die negativen Auswirkungen von schädlichen Praktiken und diskriminierenden Traditionen auf. Wir führen Trainings durch, um die Kompetenzen und das Selbstbewusstsein von Mädchen und Frauen zu stärken, beispielsweise indem wir Wissen über reproduktive Gesundheit vermitteln. Besonders wichtig ist es uns auch, Jungen und Männer sowie Gemeindeleiter und religiöse Würdenträger miteinzubeziehen und zu sensibilisieren, da ein gesellschaftlicher Wandel auch von ihnen mitgetragen werden muss.
Plan-Programm: „Der Jugend mehr Möglichkeiten eröffnen“
Trotz der gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre, an denen die Jugend maßgeblich beteiligt war, ist ihre gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor beschränkt. Jugendliche haben wenige Möglichkeiten, an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen mitzuwirken, ihre Rechte sind beschränkt und wichtige Informationen bleiben ihnen vorenthalten. Ein weiteres schwerwiegendes Problem ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Untersuchungen belegen, dass mindestens 90 Prozent der Arbeitslosen im Land Jugendliche und junge Erwachsene sind.
Es ist sehr schwierig, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen – ein Umstand, der viele Jugendliche resignieren lässt und ihre Bereitschaft zu gesellschaftlichem Engagement mindert. Moderne Medien und Kunst bieten sich aus unserer Sicht besonders gut an, um Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre Interessen und Ansichten auszudrücken und sich über die Grenzen ihres direkten Umfeldes hinaus mitzuteilen. So können Jugendliche an gesellschaftlichen Veränderungsprozessen teilhaben und Veränderungen mit anregen. Daher unterstützen wir in Kooperation mit unseren Partnern verschiedene Medienprojekte, die von Jugendlichen aktiv gestaltet werden. Wir vermitteln ihnen die technischen Fertigkeiten, um Dokumentarfilme, Videoclips oder Radiosendungen zu erstellen und soziale Netzwerke im Internet zu nutzen. Dabei werden beispielsweise Themen wie Armut, Gewalt gegen Kinder, Geschlechterrollen oder verschiedene Missstände in den Gemeinden angesprochen. Diese Initiativen stoßen gesellschaftliche Diskussionen an, die wiederum Anliegen oder Forderungen auch an lokale Behörden richten, um entsprechende Veränderungen herbeizuführen.
Wir wenden uns auch an zuständige Regierungsstellen, um darauf hinzuwirken, dass die strukturellen Vorrausetzungen für mehr Jugendpartizipation geschaffen werden, und setzen uns dafür ein, dass beispielsweise mehr Jugendräte gegründet werden. Dabei ist es uns wichtig, dass wir auch Jugendliche erreichen, die besonders benachteiligt und marginalisiert sind. Schließlich arbeiten wir daran, dass sich die verschiedenen Jugendorganisationen im Land auf nationaler Ebene austauschen und ihre Ziele gemeinschaftlich verfolgen.
Um die wirtschaftliche Situation der Jugendlichen zu stärken, führen wir berufliche Qualifizierungsmaßnahmen durch, die auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes zugeschnitten sind. Über Kooperationen mit Firmen und anderen Bildungsträgern unterstützen wir die Jugendlichen dabei, im Anschluss an ihrer Ausbildung auch eine Anstellung zu finden. Außerdem wollen wir Jugendliche alternativ dabei unterstützen, ein kleines Gewerbe oder andere Formen der wirtschaftlichen Selbstständigkeit zu gründen. Dazu vermitteln wir gemeinsam mit verschiedenen Kreditanstalten grundlegende wirtschaftliche Kenntnisse und unternehmerische Schlüsselkompetenzen. Wir helfen den Jugendlichen dabei, Ideen zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit zu entwickeln. Über Spar- und Kreditgruppen erhalten die Jugendlichen Zugang zu finanziellen Mitteln, um ihre Ideen auch realisieren zu können.