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Nach dem Gesetz muss der schottische Whisky mit einem Alkoholgehalt von mindestens 40% Vol. abgefüllt werden. Andere Spirituosen wie Wodka oder Gin können mit niedrigen 37,5% abgefüllt sein. Wieso das?
Die Antwort ist über 100 Jahre alt. Es hatte auch mit Qualitätsproblemen zu tun, Whisky mit mindestens 40% abzufüllen. Der Hauptgrund aber, warum diese Zahl gewählt und schliesslich gesetzlich verankert wurde, hatte mehr mit Politik zu tun.
Gehen wir ins Jahr 1915 zurück. Der Erste Weltkrieg hatte begonnen und die Whisky-Industrie kam unter Druck der Regierung, ihren Anteil zu leisten. In diesem Jahr schuf David Lloyd George, der abstinente Kanzler des Schatzamtes, das Zentrale Kontrollgremium (Liquor Traffic), dessen Befugnisse die Gerichtsbarkeit für den Verkauf von Alkohol in “Munitionsgebieten” beinhalteten, darunter Militärbasen und die meisten britischen Städte. Sein Aufgabenbereich erstreckte sich auch auf die Beratung der Legislative, mit dem Ziel, den Alkoholkonsum einzudämmen. Wie gesagt, Lloyd George war ein Abstinenzler.
Lloyd George’s erster Versuch, den Alkoholkonsum einzudämmen, war ein Vorschlag in seinem Haushaltsbudget von 1915, die Steuern auf Spirituosen zu verdoppeln. Er nahm seinen Vorschlag zurück, nachdem die Whisky-Industrie sich verpflichtet hatte, ihre Waren erst nach einer mindestens dreijährigen Reifung zu verkaufen. Dieser Akt eines politischen Kuhhandels half auch versehentlich, eine Qualitätskontrolle zu schaffen.
Dann versuchte er es noch einmal. In jenen Tagen wurde die meisten Whiskies mit 15 bis 22 British Proof abgefüllt (heute 48,6 bis 44,6%). Im Jahr 1915 erlaubte die Kontrollstelle, Whisky mit 35 Proof zu verkaufen (37,2%). Im Jahr danach gab die Regierung der Kontrollstelle die Erlaubnis, die Produktion in allen Brennereien zu verbieten, die nicht vom Ministerium für Munition lizenziert wurden, welches dann von Lloyd George geführt wurde.
Im selben Jahr hat sich die Kontrollstelle weiter dafür eingesetzt, dass Brennereien die Stärke der in den Munitionsgebieten verkauften Spirituosen auf 50 Proof (28,6%) reduzieren. Wieder hat die Whisky-Industrie protestiert und noch einmal wurde ein Kompromiss erreicht, der die Stärke des Whiskys überall in Grossbritannien bei 42,9% (25 Proof) standardisierte.
Die Kontrollstelle versuchte es erneut, und am 1. Februar 1917 entschied die Regierung (jetzt unter der Leitung von Lloyd George als Premierminister), dass Whisky mit nicht weniger als 30 Proof (40%) und nicht mehr als 50 Proof in «Munitionsgebieten» verkauft werden durfte. Ein Mindestpreis wurde von der Regierung auch festgelegt.
Die Beschränkungen wurden am Ende des Krieges aufgehoben, aber im Jahre 1920 wurde wieder Steuern erhoben, und es wurde den Whisky-Brennereien verboten, diese Abgaben zu umgehen. Diese erhöhte finanzielle Belastung bedeutete, dass es ihnen unmöglich war, Whisky mit über 40% abzufüllen. Die Mindeststärke war standardisiert.
Die Tatsache, dass Destillerien Whisky vor dem Krieg in einer höheren Stärke abgefüllt hatten, deuten darauf hin, dass sie es verstanden hatten, dass Alkohol Geschmacksträger ist und dass sie mehr Geld machen konnten, wenn sie den Whisky stärker verdünnen, dies aber auf Kosten der Qualität.
Je niedriger die Stärke ist, desto grösser ist das Risiko, dass man die delikaten (flüchtigen) Hauptaromen verliert. Dies sieht man deutlicher bei Gin und Rum, wo Zitronenaromen praktisch verschwinden, wenn die Abfüllstärke unter 40% fällt.
Man kann dies auch beim Whisky sehen, wenn man die aromatische Komplexität eines Whiskys bei 40% und 43% vergleicht. Der Unterschied ist markant.
40% könnte ein Kompromiss gewesen sein, aber es half, die Integrität des Whiskys zu bewahren.