Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03349.jsonl.gz/1908

Die Krisenzeit der Dreissiger Jahre brachte auch in Horgen die Bautätigkeit fast zum Erliegen. Erst 1939/40 konnte ein grösseres Unternehmen der Wohnraumbeschaffung durchgeführt werden. Die Baugenossenschaft Katzeren zum Beispiel baute 17 Einfamilienhäuser und 2 Zweifamilienhäuser auf Gemeindeland. Landabtretung und die Subventionierung durch die Gemeinde wurde zwar vom Haus- und Grundeigentümerverband energisch bekämpft. Da das Projekt aber nicht nur erstrebenswerte preiswerte Wohnungen bereitstellte, sondern überdies auch der gewünschten Arbeitsbeschaffung diente, gab die Gemeindeversammlung schliesslich ihre Zustimmung.
Durch Subventionierung von Wohnhäusern wurde die Wohnungsnot, die im Verlauf des Zweiten Weltkrieges auftrat, gemildert. Die Form der Baugenossenschaft erwies sich auch jetzt als geeignet zur Bereitstellung einer grösseren Zahl von Einfamilienhäusern und Wohnungen. Es entstanden neue Quartiere im Rotbühl, Hühnerbühl, in der Füchsenwies, an der Platenstrasse, im Bergli, Heubach, Gehren und Tannenbach sowie an der Bergwerkstrasse (Durisolbauten). Die Gemeinde Horgen wendete in den Jahren 1942 bis 1952 für Wohnbaubeiträge über eine Million Franken auf.
Entstehung und Anfangsjahre
Der spätere Gründer der Baugenossenschaft Heubach, der Horgner Architekt J. E. Bonaldi, beobachtete die Entwicklung der Nachkriegszeit mit scharfen Augen. Viele Projekte wollte er aufs Mal verwirklichen: Preisgünstige Wohnungen für die Bevölkerung erstellen, einen Beitrag leisten zur Linderung der Wohnungsnot und nicht zuletzt das lokale Baugewerbe ankurbeln. Deshalb entschloss er sich 1946, zusammen mit dem Zürcher Architekturbüro Hauser & Roth, im Rahmen des genossenschaftlichen Wohnungsbaus eine Überbauung vorzubereiten. Im «Anzeiger des Bezirks Horgen» erschien daraufhin folgendes Inserat:
Um in den Genuss der öffentlichen Subventionen zu gelangen, musste nun eine Baugenossenschaft gegründet werden. Als Bauland war damals eine Wiese an der Heubachstrasse vorgesehen, und aus dieser Zeit stammt auch der Name der Genossenschaft – Heubach. Doch es sollte anders kommen als ursprünglich vorgesehen. Zwischen beiden Parteien entbrannte ein Streit – J. E. Bonaldi stand wieder alleine da und musste auf das Projekt an der Heubachstrasse verzichten. Der Name Heubach behielt indes Gültigkeit.
Die Gemeinde Horgen unterstützte die Erstellung von verbilligten Wohnungen und stellte unter anderem an der Einsiedlerstrasse im unteren Hühnerbühl eine grössere Parzelle Land zur Verfügung. Kostenpunk: 8 Franken pro Quadratmeter. Architekt Bonaldi gründete eiligst einen provisorischen Vorstand und suchte sich aus den angemeldeten Wohnungsbewerbern geeignete Vorstandsmitglieder aus. Die eigentliche Gründungsversammlung fand am 3. Mai 1946 im Restaurant Schützenhaus statt. 32 Personen waren anwesend. Als Eintrittsgebühr in die Genossenschaft wurden 20 Franken festgesetzt mit der Verpflichtung, gleichzeitig einen Anteilschein von 100 Franken einzuzahlen.
Die Ausgabe der Anteilsscheine und das Verzeichnis ersten Genossenschafter und wurden bis noch vor wenigen Jahren feinsäuberlich in einem Buch handschriftlich festgehalten.
Die Bauarbeiten für die erste Etappe (Häuser Einsiedlerstrasse 58, 58a und 60) wurden von der Subventionsbehörde im November 1946 freigegeben. 1948 waren alle Wohngebäude im Unteren Hühnerbühl bezugsbereit, doch die Nachfrage nach gemeinnützigen Wohnbauten blieb weiterhin hoch.
Landkauf Burghalden
1949 erfolgte der Landkauf an der Steinbruchstrasse (Burghalden). Der damals ausgehandelte Kaufpreis von nur 4 Franken pro Quadratmeter für ein 2'238 m² grosses Grundstück in Zentrumsnähe darf heute als ausserordentlich geglückte Investition bezeichnet werden. Hätten sich die Preise für Bauland im Gleichschritt mit der allgemeinen Teuerung entwickelt, würde ein Quadratmeter Bauland in der Burghalden heute nur 18 Franken kosten (Quelle: Landesindex der Konsumentenpreise 2017).
Zusammensetzung der ersten Verwaltung
- Präsident: J. E. Bonaldi, Architekt
- Vizepräsident: Walter Stünzi, Gerbermeister
- Aktuar: Ernst Heussi, Werkmeister
- Quästor: Hermann Meili, Privatier
- Beisitzer: Heinrich Büchi, Werkmeister und Hans Horlacher, Buchbinder
Die politische Gemeinde Horgen sollte unmittelbar nach der Gründung als Partner gewonnen werden. Wie zur damaligen Zeit der Gemeinderat über die Gründung der Baugenossenschaft in Kenntnis gesetzt wurde, und wie formell man gleichzeitig die Gemeinde um die Entsendung eines Behördenvertreters in die Verwaltung ersuchte, zeigt ein Dokument aus dem Archiv unserer Genossenschaft.
Von der Behörde wurde schliesslich Gemeinderat Anton Spinatch abgeordnet.
Als Kontrollstelle amteten folgende Herren:
- L. Thomas - Bücherrevisor, Zürich
- W. Notter - Chefmonteur, Horgen
- M. Wild - Verkäufer, Horgen
Die Baugenossenschaft Heubach verfügte ursprünglich über 27 3-Zimmer-, 22 3,5-Zimmer, 27 4-Zimmer- und 22 4,5-Zimmer-Wohnungen. Im Verlaufe der Jahre veränderte sich die Anzahl der Wohnungen – bedingt durch Renovationen – genau auf 100 Stück. Seitens der Verwaltung wurde aber immer wieder bedauert, dass die Genossenschaft nicht noch mehr vergrössert werden konnte, um Wohnungen vor allem für die älteren Genossenschafter zu bauen. Grund: fehlende Landkäufe wegen fehlender finanzieller Mittel. Erfahrungen der zurückliegenden Krisenzeiten steckten noch zu tief in den Knochen und beeinträchtigten den Entscheid zu mutigen Investitionen.
Aufgrund misslicher Umstände war Architekt Bonaldi gezwungen, sein Amt als Präsident der Baugenossenschaft Heubach abzulegen. Als neuer Präsident folgte nun Ernst Rutishauser, der 15 Jahre lang der Genossenschaft vorstehen sollte. Die Differenzen zwischen der Verwaltung und den Architekten Bonaldi sen. und jun. vergrösserten sich zusehends, was schliesslich den Beizug eines Anwalts notwendig machte. Eine grosse Arbeitslast brachte auch das Jahr 1948 mit sich, denn neben der Fertigstellung der Bauten im Hühnerbühl befasste sich die Verwaltung bereits mit der Kolonie Burghalde. Des weiteren spitzte sich das Verhältnis mit den Architekten Bonaldi immer weiter zu, was zur Folge hatte, dass im selbigen Jahr nicht weniger als 41 Verwaltungssitzungen (!) stattfanden. Die Realisierung der Bauetappen im Hühnerbühl und Burghalde folgte nun Schlag auf Schlag. Auch mit der Anzahl der Genossenschafts-Interessenten ging es aufwärts. 1949 zählte die Baugenossenschaft Heubach bereits 73 Mitglieder, die das genossenschaftliche Gedankengut unterstützten und von günstigen Wohnungen profitieren wollten.
Diesem aufstrebenden Zweig standen aber auch Rückschläge personeller wie technischer Art gegenüber. Differenzen zwischen den einzelnen Vorstandsmitgliedern führten in den ersten Jahren der Genossenschaft zu häufigem Wechsel in der Verwaltung. An den Durisol-Zwischenwänden der Kolonie Hühnerbühl 58, 58a und 60 fiel bereits Anfang der Fünziger Jahre der Verputz ab und zwang die beteiligten Handwerker zu kostspieligen Garantiearbeiten.
Alte Mietverträge
Der Nostalgie zuliebe, und weil es einfach ganz interessant zu sehen ist, hier zwei Beispiele von alten Mietverträgen:
Das Quartier Tannenbach erhält einen zentralen Parkplatz
Mit zunehmender Mobilität drängte sich die Frage nach Parkplätzen immer häufiger in den Vordergrund. Dauerparkierer auf den Strassen und Trottoirs des Quartiers Tannenbach entwickelten sich mehr und mehr zu einem lästigen Problem. Im Februar 1967 lud die Quartiervereinigung Tannenbach Vertreter der betroffenen Baugenossenschaften, Landbesitzer und Automobilisten zu einer Aussprache ein. Die Schaffung von Parkplätzen wurde unumgänglich, aber soll man Parkplätze streuen oder zentralisieren? Der damalige Präsident der Baugenossenschaft Heubach, Walter Grond, erkannte in einem grossen und zentralen Parkplatz die einzige Möglichkeit, um im Quartier die notwendige gute Verkehrsregelung zu schaffen. 2,5 Jahre Überzeugungsarbeit hatte es ihn gekostet, bis der Besitzer des Landes, Gärtner Ernst Gattiker, in den Handel einstimmte.
Der Vorstand der Baugenossenschaft Heubach schloss sich daraufhin mit der Baugenossenschaft Tannenbach und der Mietergenossenschaft Alpenblick zum Parkplatz-Konsortium Strohwiesstrasse zusammen. 1968 realisierte sie auf 1630 Quadratmetern das Projekt mit 42 Abstellplätzen sowie 21 demontierbaren Garagenboxen der Firma Peter in Schwarzenbach SG. Wenige Wochen nach der Fertigstellung waren bereits alle Parkplätze und Garagen vermietet. Die Notwendigkeit der Anlage bestätigte sich somit von selbst.
Durch diszipliniertes Verhalten der Fahrzeugbesitzer blieb auch die befürchtete Unruhe namentlich durch Zuschlagen von Autotüren aus. Die Zufriedenheit ging sogar soweit, dass das Projekt zur Nachahmung in der Gemeinde empfohlen wurde.
Die Genossenschaft machte bei der kommunalen Grünabfuhr mit
Was heute als selbstverständlich gilt, nämlich den sachgerechten Umgang mit Grünzeug, war nicht immer so. Eine Mitteilung aus dem Jahre 1983 am Anschlagsbrett der verschiedenen Wohnhäuser zeigt, dass sich der Vorstand der Baugenossenschaft Heubach immer wieder mit ökologischen Themen auseinandersetzen musste und Sympathien für das gemeinschaftliche kompostieren empfand.