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In den städtischen Telephonanlagen werden meist auch öffentliche Sprechstellen eingerichtet, in denen jedermann mit den Teilnehmern sprechen kann. Ähnlich werden bei Telephonanlagen zwischen verschiedenen Städten besondere Vorkehrungen in Rücksicht auf Börsenzwecke getroffen, damit die Börsenbesucher aus besondern Sprechzellen oder Telephonzellen, die in den Börsen beider Städte eingerichtet worden sind, gleich in mündlichen Verkehr miteinander treten können.
Von der größten Bedeutung für den Nachrichtenverkehr sind die Verbindungsleitungen, welche die Stadtfernsprechnetze untereinander verbinden. In Deutschland [* 1] ist in den letzten Jahren ein weit verzweigtes Netz solcher Verbindungen entstanden; ein Teilnehmer einer größern Stadtfernsprechanlage kann nun von seiner Wohnung, seinem Bureau aus mit einem Einwohner einer fern gelegenen Stadt, der Teilnehmer der dortigen Anlage ist, sprechen, z. B. von Berlin [* 2] nach Köln [* 3] oder Königsberg [* 4] oder Breslau. [* 5]
II. Bei den Haustelephonanlagen ist die Zahl der untereinander zu verbindenden Sprechstellen und der Leitungen meist nicht sehr groß, auch sind die Leitungen verhältnismäßig kurz, was die Wahl anderer Anordnungen als bei den Stadttelephonanlagen erleichtert; dagegen wird oft Wert auf geschmackvolle Ausführung der Apparate gelegt; ferner soll die Benutzung der Apparate möglichst bequem gemacht werden, z. B. auf einem Schreibtische selbst aufgestellt werden können. So wählten C. & F. Fein in Stuttgart [* 6] die Säulenform, wobei die Säule durch das Mikrophon gekrönt wird, während der Knopf der Ruftaste am Säulenfuße angebracht ist; seine Kontaktteile sowie die des selbstthätigen Umschalters liegen innerhalb der Säule, und es ragen von demselben über die beiden flügelförmigen Arme der Säule nur die beiden Haken des einen ungleicharmig zweiarmigen Hebel [* 7] bildenden Umschalthebels vor, an denen links und rechts die beiden Telephone aufgehängt werden; die Umschaltung der Apparate vermittelt auch hier selbstthätig der Kontakthebel des Umschalters, welcher beim Abnehmen und Wiederanhängen der Telephone abwechselnd mit drei im Innern der Säule angebrachten Reibungskontaktfedern in Berührung kommt.
Mix & Genest in Berlin liefern teils geschmackvolle Tischgehäuse, in denen sämtliche Apparate untergebracht sind, während das Mikrotelephon [* 8] (s. d.) an der Außenseite des Kastens aufgelegt wird und mit dem einen Ende auf dem Haken des selbstthätigen Umschalters ruht, teils Tischtelephongestelle [* 9] (Fig. 10 der Tafel) aus vergoldeter Bronze [* 10] für das mit Umschalter [* 11] ausgerüstete Mikrophon (s. d.), wobei die mittelste Rosette auf dem polierten Nußbaumkästchen der Rufknopf ist, der Rufwecker aber hier, wie bei Fein, an der Wand angebracht wird.
Bezüglich der Verbindung der Sprechstellen untereinander kommt es bei Haustelephonanlagen nicht selten vor, daß nur eine einzige Sprechstelle mit einer beliebigen aus einer Anzahl anderer Stellen soll sprechen können, und in diesem Falle kann man unter anderm den in [* 9] Fig. 12 abgebildeten Kurbelumschalter von Fein in Stuttgart benutzen, bei welchem auf der Achse der Kurbel [* 12] K im Innern der Dose ein federnder Kontaktarm sitzt und bei Stellung der Kurbel K auf eine der Ziffern 1-30 auf denjenigen Kontaktknopf zu stehen kommt, welcher zu der Leitung der dieselbe Ziffer tragenden Sprechstelle gehört;
das Telephon F2 hängt an dem Kontatthebel des selbstthätigen Umschalters F1 an einem fest ans
Gehäuse angeschraubten Haken; von den am Untersatze sichtbaren Druckknöpfen wird der eine beim Anrufen und bei der Beantwortung eines angekommenen Rufes benutzt; der andere dient dazu, um die Klappen oder Fallscheiben des Nummernkästchens wieder zurückzulegen, wenn sie gefallen sind. Sollen dagegen alle Rufstellen miteinander in telephonischen Verkehr treten können, so benutzt man auch hier Umschalterschränke, sofern die Zahl der Sprechstellen groß ist; bei einer kleinen Anzahl von Stellen muß es erwünscht sein, den zur Bedienung des Klappenschrankcs nötigen Beamten, sowie die von ihm zum Umschalten gebrauchte Zeit zu ersparen, und zu diesem Behufe haben unter anderm Mix & Genest in Berlin einen Linienwähler hergestellt, dessen
[* 9] ^[Abb.: Fig. 3]
Grundgedanke einem für dieselben patentierten Vielfachumschalter entnommen ist. Vorstehende [* 9] Fig. 3 zeigt dessen Anwendung in ihrer einfachsten Weise bei einem Netze mit nur vier Stellen. A1, A2, A3 und A4 sind die Apparatsätze der vier Stellen; jeder besitzt einen am Ende einer Leitungsschnur befestigten gewöhnlichen Metallstöpsel s1, s2, s3 und s4, welcher in eins der drei Löcher des in derselben Stelle vorhandenen Linienwählers U1, U2, U3 und U4 hineingesteckt werden kann; jeder Apparatsatz ist übrigens mit seiner Leitung L durch eine Zimmerleitung l verbunden, die drei Löcher seines Linienwählers aber mit den drei andern Leitungen.
Die Verbindungen innerhalb der Kästen A mögen [* 9] Fig. 2 entsprechen. Wird nun der Stöpsel von A4 in das Loch 2 von U4 eingesteckt, so kann A4 rufen und der Rufstrom geht in 14, L2 und 12, durch A2 Zur Erde E2 und zurück nach E4. Nach dem Abnehmen der Telephone können A4 und A2 miteinander in demselben Stromkreise sprechen, nach Beendigung des Gesprächs aber wird der Ruhezustand einfach dadurch wieder hergestellt, daß der Stöpsel s4 aus dem Loche 2 in U4 wieder herausgezogen wird.