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Der Schweizer Roger Federer verlor das Masters-Series-Turnier in Key Biscayne gegen den Amerikaner André Agassi in vier Sätzen mit 6:3, 6:3, 3:6, 6:4.
Dass sich Federer in seinem ersten Masters-Series-Endspiel und im dritten Duell mit Agassi mit dem ersten Satzgewinn begnügen musste, war nicht zwingend; im vierten Satz wäre mehr möglich gewesen.
Federer führte 3:1 30:0 bei Aufschlag Agassi und hatte später einen Gameball zum 5:3, bei dem er um Zentimeter einen Doppelfehler beging. Anschliessend zeigte Agassi noch einmal seine Klasse, gewann elf der letzten dreizehn Punkte und verwertete den zweiten Matchball.
"Ich schlug plötzlich nicht mehr so gut auf. Er steigerte sich und bei jenem zweiten Aufschlag hatte ich das Gefühl, dass der Wind den Ball etwas verblies. Und dann ging es ganz schnell", so der seit zwei Tagen erkältete Federer, der dies aber ausdrücklich nicht als Ausrede gelten lassen wollte.
Federer: "Musste viel laufen"
Am Anfang war es auch ganz schnell gegangen, aber umgekehrt: Federer, als erster Spieler seit Ivan Lendl 1989 ohne Satzverlust ins Endspiel vorgestossen, führte mit einem Traumstart von 11:3 Punkten 2:0, 40:15, verlor dann aber das Game nach einer Serie vermeidbarer Fehler und gab damit im 42. Aufschlagsspiel seinen Service zum ersten Mal ab.
Agassi, der beste Returnspieler nahm ihm dann den Aufschlag im ersten Satz zwei weitere Male ab, diktierte das Geschehen in unnachahmlicher Weise von der Grundlinie und kam nach einem weiteren Servicedurchbruch zum 4:2 zur 2:0-Satzführung.
"Ich musste sehr viel laufen und hatte immer das Gefühl, mein Puls sei extrem hoch. Erst ab dem dritten Satz wurden dann die Ballwechsel kürzer. So hatte ich mir das schon zu Beginn vorgestellt. Aber so ist es eben gegen Agassi; man muss viel mehr reagieren als gegen andere Spieler", so Federer, dessen Enttäuschung nicht übertrieben gross war.
"Mister Hardcourt"
All zu stark enttäuscht musste Federer auch nicht sein, denn Agassi ist auf Hartplätzen, noch dazu im Land des Sternenbanners und wenn sie eher langsam sind, immer noch das Mass aller Dinge.
Der einstige Paradiesvogel, der heute "nur" noch durch Leistungen und Charisma besticht, gewann am Sonntag seinen 30. Titel auf nordamerikanischen Outdoor-Hartplätzen.
Zum Vergleich: Agassis ewiger Rivale Pete Sampras kommt in dieser Statistik nur gerade auf 17 Erfolge.
Grosser Schritt nach vorne
Federers Bilanz fällt trotz dem fehlenden i-Tüpfchen, sprich dem wichtigsten Turniersieg in der Geschichte des Schweizer Männertennis, hervorragend aus. Der 20-jährige, bis zu Beginn des Vorjahres primär ein Indoor-Spezialist, kam erstmals bei einem ganz grossen Anlass über die Viertelfinals hinaus, promenierte mit Zweisatz-Siegen sowie dem Abbruch-Erfolg gegen Tim Henman ins Endspiel, dominierte mit Lleyton Hewitt einen seiner grössten Zukunfts-Konkurrenten und rückte seinem nächsten Zwischenziel, den Top ten, einen grossen Schritt näher.
Federer marschierte in der Weltrangliste vom Montag von Platz 14 auf 11 vor und ist dadurch so gut klassiert wie noch nie. Im Champions Race, der reinen Jahreswertung, die für die Teilnahme am Masters in Schanghai massgeblich ist, macht er einen Sprung von Platz 6 auf 3.
Einige Tage Pause
Am Ostermontag kehrte Federer aus Florida zurück, danach stehen zuerst "mindestens fünf Tage, vielleicht aber auch eine Woche" Pause an, ehe die Vorbereitung auf die Sandpremiere in Monte Carlo beginnt.
Nach dem Turnier im Fürstentum gibt es zwei weitere Wochen Aufbauphase vor Rom und Hamburg, ehe in Paris der Sandhöhepunkt folgt. Federer, 2001 Viertelfinalist in Monte Carlo und Roland Garros, hat auch für die Zeit, in der auf der Tour in den Schlussrunden vornehmlich spanisch gesprochen wird, hohe Ziele: "Ich will mich gegenüber der Vorsaison auf Sand noch einmal steigern und weiss, dass ich das Spiel dazu habe."
swissinfo und Marco Keller (Si)