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Verena Loewensberg zählte mit Max Bill, Richard Paul Lohse und Camille Graeser zum Kern der Zürcher Konkreten, deren Kunst laut Bill «der reine Ausdruck von harmonischem Mass und Gesetz»* sei. Die einzige Frau im Quartett stand für eine eher undogmatische Auslegung des konkret-konstruktiven Regelwerks.
Loewensberg besuchte die Kunstgewerbeschule Basel und machte ab 1929 eine Lehre als Weberin sowie eine Tanzausbildung. 1932 heiratete sie den Designer Hans Coray. Im Umfeld der jungen Kunstszene Zürichs lernte sie Max Bill kennen, der sie gezielt förderte und während ihres Kunststudiums ab 1935 an der Académie Moderne in Paris mit konkreten Malern wie Georges Vantongerloo bekannt machte. Kurz darauf wandte sich Loewensberg der geometrischen Abstraktion zu und wurde Mitglied der Zürcher Konkreten. Nach ihrer Scheidung 1948 arbeitete die zweifache Mutter als Grafikerin und Textildesignerin, betrieb später einen Jazz-Schallplattenladen und entfaltete ab Ende der 1960er-Jahre als Künstlerin ein konstruktives Vokabular in beispielloser Vielseitigkeit. Insbesondere interessierte sich Loewensberg für die Dynamisierung geometrischer Ordnungen. In der Sammlung der Mobiliar finden sich dafür Beispiele wie das Gemälde Ohne Titel (1974) mit horizontal gefaltetem Zick-Zack-Band aus Regenbogenfarbsegmenten, das den Bildraum teilt, oder die Siebdrucke Variation 1–4 (1980), auf denen sich kleine Farbquadrate in wechselnden Konstellationen um ein aus grauen Feldern zusammenwachsendes Quadrat scharen. Auf Serigrafien wie o.T., verlaufende Linien (1976) oder o.T., 1973 (1973) erzeugt Loewensberg durch spiralförmig um eine vertikale Achse bzw. eine weisse Kreisfläche aufgefächerte Farbkeile die Illusion einer in den Raum geschraubten Bewegung. Von der Schwerkraft stimuliert scheint dagegen die Komposition o.T., grün-gelb (1969), während die undatierte Komposition im Rund mit ihren abgestuften Blau, Gelb-, Rosa- und Rottönen an Wetterstimmungen erinnert.
Mit ihrem Hang zur experimentellen Auslegung der Regeln konstruktiver Malerei und einem feinen Gespür für die Balance von Kalkül und Intuition bildet Verena Loewensbergs Werk so etwas wie das poetische Zentrum der Zürcher Konkreten.
Verena Loewensberg wurde 1912 in Zürich (CHE) geboren und starb 1984 ebendort.
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Zeichnung, Siebdruck, Druckgrafik
* Max Bill, «konkrete kunst», in: zürcher konkrete kunst, Ausst.kat. 1949