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Petrov’s Flu
Regie: Kirill Serebrennikov
Darst.: Semyon Serzin, Chulpan Khamatova, Vladislav Semiletkov, Yuliya Peresild, Yuri Kolokolnikov, Yuriy Borisov, Ivan Dorn, Olga Voronina, Semyon Shteynberg u.a.
Der Automechaniker Petrov lebt mit seiner Familie in der Fabrikstadt Jekaterinburg. An einem Silvesterabend erkrankt er an Grippe, beginnt zu halluzinieren und hat daraufhin während mehrerer Tage die verrücktesten Begegnungen. Dreieinhalb Jahre nach seinem letzten Film «Leto», einer Hommage an Leningrads Rockszene der 1980er-Jahre, der im Kinok zu sehen war, hat Kirill Serebrennikov mit «Petrov’s Flu» ein barock ausuferndes Werk realisiert, das wie ein Drogentrip wirkt. Basierend auf dem Roman The Petrovs In and Around the Flu von Serebrennikovs Landsmann Alexey Salnikov, bewegt sich der Film über Zeiträume, Teile der Stadt Jekaterinburg und den Erinnerungen seiner Charaktere hin und her. Das sorgt bisweilen zwar für Verwirrung, besonders wenn dies innerhalb einer einzigen Einstellung geschieht. Dennoch schafft es «Petrov’s Flu», dessen Weltpremiere 2021 im Wettbewerb von Cannes stattfand, mit unbändiger Fabulierlust und mit Leichtigkeit das zu vermitteln, was der Regisseur als «eine Geschichte unserer täglichen Kämpfe und wie wir uns darin verlieren» beschreibt. Serebrennikow, der nicht nur Filme, sondern auch Opern und Bühnenstücke inszeniert, ist in Russland eine der mutigsten künstlerischen Stimmen gegen Putin. Unter fadenscheinigem Vorwand wurde er 2017 verhaftet und unter Hausarrest gesetzt. Dennoch gelang es ihm in den folgenden zwei Jahren, im Westen Theaterstücke und Opern mittels Videobotschaften zu inszenieren, darunter 2018 im Opernhaus Zürich Mozarts «Così fan tutte». Der von der Staatsanwaltschaft geforderten Verurteilung zu drei Jahren Straflager wegen angeblicher Veruntreuung entging er. Im Frühjahr 2019 wurde er aus dem Hausarrest entlassen und die angedrohte Lagerhaft wurde 2020 in eine dreijährige Bewährungsstrafe mit Ausreiseverbot umgewandelt. Anfang Januar 2022 konnte der 52-Jährige überraschend nach Hamburg ausreisen, um am dortigen Thalia-Theater Anton Tschechows Der schwarze Mönch zu inszenieren. Anschliessend kehrte er zwar zunächst nach Russland zurück, doch Anfang April flog er erneut nach Deutschland. Nach seiner Ankunft in Berlin erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, er empfinde «nur Grauen, Trauer, Scham und Schmerz» angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine.