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Die mesoamerikanische Gottheit Quetzalcoatl – im Mythos eine gefiederte Schlange – schenkte der Menschheit einst die Bohne. Die meisten bekannten Bohnen – die Borlotti-Bohne, die Feuerbohne, die Kidneybohne, die gelbe Wachsbohne und wie sie alle heißen – sind Abkömmlinge ein- und derselben Pflanze: Phaseolus vulgaris, die Gartenbohne. Sie ist die Ahnin, die anderen sind durch Selektion entstandene Varietäten.
Doch die Triebe der Bohne sind zu schwach, um ohne Hilfe in die Höhe zu wachsen. Sie brauchen eine Stütze, an der sie sich in Spiralen emporranken können – immer gegen den Uhrzeigersinn. Die alten Römer hielten diese Wachstumsrichtung für ein schlechtes Omen, aber sie kannten Phaseolus noch gar nicht, sondern lediglich ähnliche Gewächse wie die Sau- und Ackerbohne.
Überhaupt kamen die Europäer erst nach der Expeditionsreise von Christoph Kolumbus durch das vermeintliche Indien mit der Gartenbohne in Kontakt. Sie kommt aus Amerika, ebenso wie Mais und Kürbis, weitere Gaben der gefiederten Schlange.
Die Legende besagt, dass Quetzalcoatl lange nach einer geeigneten Speise für die Menschen gesucht hatte, bis er schließlich eine Ameise bemerkte, die ein Maiskorn zu einem Berg trug. Dort verschwand sie in einer Spalte, woraufhin sich der Gott flugs in eine Ameise verwandelte und ihr folgte.
Im Innern des Bergs entdeckte er einen riesigen bunten Saatgut-Schatz. Quetzalcoatl gelang es, ihn zu bergen. Seit diesem wundersamen Ereignis essen die Menschen Mais, Bohnen und Kürbis.
Als diese Pflanzen erstmals kultiviert wurden, gab es weder Azteken noch Maya oder ein Land namens Mexiko. Man darf vermuten, dass es auch kein göttliches Wohlwollen war, das den ersten Bäuerinnen bei der mühevollen Domestizierung dieser Pflanzen geholfen hätte. Der Mais etwa wurde von der Natur keineswegs in einem verwertbaren Zustand geliefert: Die Vorfahren der heutigen Mexikaner hatten es noch mit dem Wildgras Teosinte zu tun, dessen kleine, schwächliche Ähren zerfielen, sobald sie reif waren.
Es bedurfte jahrtausendelanger Züchtung und Selektion, um den heute bekannten ergiebigen Maiskolben hervorzubringen. Und ebenso brauchte es sehr viel Geduld, um eine Schlingpflanze mit fasrigen Schoten in essbare Bohnen zu verwandeln und zu erkennen, was diese beiden Pflanzen zusammen mit dem Kürbis zuwege bringen.
Dennoch hatte Quetzalcoatl mit seinem Fund einen Volltreffer gelandet. Mais, Bohne und Kürbis gehen nämlich eine perfekte Verbindung ein: Während die Bohnenpflanze den Stickstoff im Boden bindet1 und dadurch die Erde anreichert, dienen ihr die Stängel des Mais als Rankhilfe; die großen Blätter des Kürbis wiederum bedecken den Boden und schützen ihn vor dem Austrocknen und vor Erosion.
Die drei Pflanzen, auch die „Drei Schwestern“ genannt, bilden miteinander ein kleines Ökosystem, die milpa. Sie eignen sich nicht nur hervorragend
zum gemeinsamen Anbau, sondern bieten auch eine ausgewogene Ernährung; denn die Bohne enthält zwei essenzielle Aminosäuren, die dem Mais fehlen. Milpa bedeutet in der Sprache der Nahua – Mexikos größter indigener Volksgruppe – „was auf den Feldern gesät ist“.
Traditionell werden in der Milpa die Maispflanzen schachbrettartig angepflanzt, bis zu sechs auf einem kleinen Beet. Um sie herum wachsen die Bohnen, in den anderen Feldern des Schachbretts die Kürbisse. Mit der Zeit verbreitete sich diese Mischkultur in ganz Amerika und ermöglichte den Bewohnern des heißen Südens, sich vom Ackerbau zu ernähren. Etwa um 1500 bis 1200 vor unserer Zeitrechnung überfiel ein nomadisches Volk von Jägern und Sammlern aus den Trockengebieten des Nordens diese Ackerbauern, ließ sich auf ihrem Gebiet nieder und errichtete auf ihrer Arbeit seine soziale Pyramide.
Aus der erzwungenen Verbindung dieser beiden Lebensweisen entstand am heutigen Golf von Mexiko die erste Hochkultur Mittelamerikas, die der Olmeken. Mit ihr begann, soweit wir wissen, die Geschichte der großen mesoamerikanischen Zivilisationen. Von den Olmeken sind nur wenige steinerne Monumente erhalten geblieben. Die kolossalen Köpfe mit den weichen Gesichtszügen sind vermutlich Abbilder realer Menschen. In den eindrucksvollen Ruinen, die sie hinterließen, wurden auch kleine Figuren von Menschen, Tieren und Mischwesen gefunden sowie Kunstgegenstände aus Jade und Obsidian.
Die Olmeken bauten die ersten Pyramiden, fertigten die ersten Stelen, beteten unbekannte Götter an, brachten Menschenopfer und legten vielleicht auch die Grundlagen für die Maya-Schrift, bevor ihre Kultur einige Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung aus unklaren Gründen unterging. Aber die Wurzeln der mesoamerikanischen Zivilisation blieben – jedenfalls bis zum Erscheinen der Konquistadoren.
In den Tälern und auf den Hochebenen entstanden Städte, blühten auf, wurden zum Mittelpunkt großer Reiche, führten gegeneinander Kriege und erloschen wieder. Die größten waren ab 100 v. Chr. der riesige Stadtstaat Teotihuacán – unweit der heutigen mexikanischen Hauptstadt –, um 650 n. Chr. Monte Albán, das Zentrum der Zapoteken-Kultur im heutigen Oaxaca, oder das Städtenetz der Maya2, von dem Spuren bis lange vor unserer Zeitrechnung zurückreichen.
Die Blütezeit der Maya-Kultur wird auf 250 bis 950 datiert, doch kleinere Fürstentümer auf der Halbinsel Yucatan und im heutigen Guatemala, Honduras und Belize existierten noch bis zur Ankunft der Spanier. Von ihren Städten blieben aufgelassene Baustellen oder Malereien an Palastwänden zurück, manchmal Spuren von einem Brand, von Aufständen oder dem Massaker an einer Fürstenfamilie. Sonst nichts als Verlassenheit.
Ihre hochentwickelte Zivilisation mit ihrem berühmten Kalender, mit Schrift und Mathematik beruhte auf einem Kastensystem: Abgehobene Regenten, Rivalitäten, zu große Städte, zu hohe Pyramiden – und die ganze Last trugen die Bauern, die zu einer immer intensiveren Landwirtschaft gezwungen waren.
Die durch Brandrodung gewonnenen Ackerflächen für die Milpa brauchen einen langen Regenerationszyklus. Wurde die Mischkultur intensiviert, um Städte mit zehntausenden Einwohnern zu ernähren, verschwand der Wald, erschöpften sich die Böden und am Ende brach das System zusammen. Zweifellos kam es zu Hungersnöten und Revolten. Dürreperioden konnten den Todesstoß für eine Stadt bedeuten. Dann kehrten die Bewohner in die Natur zurück, organisierten sich in kleineren Gemeinschaften und konnten wieder mit Mais und Bohnen ihren Hunger stillen.
Das Ende der Azteken ist weniger komplex als das der Maya. Es trägt einen Namen: Hernán Cortés. Die Aztecas kamen aus den Wüstenebenen des Nordens. Um 1345 ließen sie sich auf den Hochebenen mitten in Mexiko nieder und gründeten auf einer Seeinsel ihre Hauptstadt: Tenochtitlán. Sie schufen ein großes Reich, indem sie ihre Nachbarn gewaltsam unterwarfen und sie zu Tributzahlungen zwangen.
Mit Eifer praktizierten sie Menschenopfer, denn sie fürchteten, ihre Sonne könnte wieder erlöschen, wie es – so die aztekische Mythologie – mit den vier vorangegangenen Sonnen geschehen war. Als die fünfte Sonne geschaffen wurde, war sie erst unbeweglich geblieben, und mehrere Götter hatten ihr Herz und ihr Blut geben müssen, um sie in Bewegung zu setzen. Damit sie nicht wieder stillstand, mussten die Opferrituale ständig fortgesetzt werden.
Die Moderne kam 1519 in Gestalt von Hernán Cortés, einem spanischen Adligen im Dienste Karls V. Es heißt, der Herrscher Moctezuma habe Cortés ehrenvoll mit Geschenken empfangen, weil er ihn – so überlieferten es jedenfalls die Spanier – für einen Abgesandten oder eine Erscheinung von Quetzalcoatl hielt. Cortés bekam eine Schale Xocolatl angeboten, Schokolade, ohne Zucker, kalt aufgegossen, gewürzt mit Kräutern und Vanille. Cortés begeisterte sich sehr für die goldene Schale. Über die Schlacht von Tenochtitlán, bei der die aztekische Oberschicht ausgelöscht wurde, berichtete der Augenzeuge Bernal Díaz del Castillo, „daß die meisten Kriegsleute von Mexiko und den dazu gehörenden Provinzen (…) ihren Tod fanden, daß man überall Leichen sah, und Cortés selbst von dem unerträglichen Gestank übel wurde“.3
Die Azteken, und vor ihnen die Maya, bewahrten ihre Vergangenheit, ihr Wissen und ihre Gesänge in Codices, die in Bildschrift verfasst und zu Leporellos gefaltet waren. Der Nürnberger Maler Albrecht Dürer war fasziniert von den kolorierten Manuskripten, aber Diego de Landa, Bischof von Yucatán, schrieb in seinem „Bericht aus Yucatán“ (1566), „… weil sie nichts enthielten, was von Aberglauben und den Täuschungen des Teufels frei wäre, verbrannten wir sie alle“.4
Die Codices enthielten auch Bilderrätsel. „Wer hat weiße Haare bis zur Spitze und gebiert grüne Federn?“ Antwort: die Zwiebel.
Nachdem die Hauptstadt dem Erdboden gleichgemacht, die Bewohner massakriert und die meisten Bücher vernichtet worden waren, machten sich die Gelehrten daran, die Geheimnisse der untergegangenen Kulturen zu erforschen.
Manche Indigene halfen dabei. So verfasste ein Mann, der vor dem Erscheinen der Spanier als Arzt gearbeitet hatte, einen Codex in der Art eines Herbariums, in dem er die aztekischen Heilpflanzen aufführte und farbig und mit großer Kunstfertigkeit zeichnete. Wir kennen ihn unter seinem Taufnamen Martin de la Cruz. Er soll diese Arbeit im Auftrag des Colegio de la Santa Cruz verrichtet haben, einer Schule für den aztekischen Adelsnachwuchs, die die Christianisierung des Landes vorantreiben sollte. Doch der Großteil der Schüler starb an den Pocken.
Der Codex wurde in Nahuatl verfasst und 1552 ins Lateinische übertragen von einem gewissen Juan Badiano. Er war wie der Autor Martin de la Cruz „indianischer Rasse“, wie das Manuskript festhält, und vermutlich ein aztekischer Schüler des Kollegs. Das Nahuatl-Original ist verschollen, der „Libellus de medicinalibus indorum herbis“ (Kleines Buch der Heilkräuter der Indianer), der unter dem Namen „Codex de La Cruz-Badiano“ bekannt ist, überquerte den Ozean, gelangte in die Hände des spanischen Königs, von dort in die Bibliotheken der Kardinäle und schließlich in die Archive des Vatikans, wo er in Vergessenheit geriet und erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. 1939 erschien der erste von mehreren Nachdrucken, ediert von dem US-amerikanischen Maya-Forscher William E. Gates. Erst 1990 kehrte das lateinische Manuskript nach Mexiko zurück und liegt heute in der Bibliothek des Instituto Nacional de Antropología e Historia.
Das Werk verzeichnet 250 Pflanzen, 185 davon illustriert: Agave, Mimose, Kakao, Vanille, Stechapfel, Prunkwinde und Schafgarbe (siehe Abbildung oben), deren lateinischer Name Achillea millefolium lautet, benannt nach Achilleus, der mit ihren Pflanzensäften – so erzählt es Plinius – einen verletzten Gegner geheilt haben soll. Die Azteken nannten sie Tlalquequetzal, „Erdfeder“, und die Zeichnung der zarten gezackten Blätter und Blütenstände auf Bildtafel 24 zeigt, wie treffend dieser Name ist.
Nicht alle Pflanzen im „Codex de La Cruz-Badiano“ lassen sich so leicht wie die Schafgarbe identifizieren, und so ist man sich beim Mais und der Bohne nicht ganz sicher, ob sie hier abgebildet sind. Doch wie auch immer, die Indigenen hatten ihre Städte, ihre Götter und ihre Bücher verloren, nicht aber die Geschenke von Quetzalcoatl. Mais und Bohnen waren fast das Einzige, was ihnen noch geblieben war.
Die Milpa überlebte trotz des seit der Moctezuma-Herrschaft fortdauernden Völkermords. Weder Kriege noch Revolutionen konnten die Mischkultur, Hüterin ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit, auslöschen. Doch die Hohepriester der modernen Ökonomie schufen neue Regeln. Subsistenzwirtschaft begrenzt die Profite. Die fünfte Sonne ist bedroht. Um die Katastrophe zu verhindern, muss man keine Herzen auf dem Opferstein mehr herausreißen: Es genügt der Freihandel.
1994 öffnete das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) die Handelsgrenzen zwischen Mexiko, den USA und Kanada. Die Märkte wurden mit US-amerikanischem Mais überschwemmt, die Preise stürzten ab. Die mexikanischen Familienhöfe konnten mit den durch Düngemittel, Biozide und Subventionen aufgepumpten nordamerikanischen Riesenbetrieben nicht konkurrieren. Millionen Mexikanerinnen und Mexikaner fanden nur noch in den Maquiladoras Arbeit, in zollfreien Zonen produzierenden ausländischen Montagebetrieben. Die landwirtschaftliche Produktion brach zusammen. Zum ersten Mal in seiner Geschichte musste Mexiko Mais importieren.5
Nach dem Verfall der Preise trieb die Spekulation sie wieder in die Höhe: 2007 war das Jahr der „Tortillakrise“.6 Südlich des Rio Grande kam der Hunger zurück. Auf den großen Demonstrationen wurden Transparente getragen: „Sin maíz no hay país“ (Ohne Mais kein Land).
Und was war mit den Bohnen? In den 1990er Jahren kaufte der amerikanische Landwirt Larry Proctor aus Delta (Colorado) auf einem Markt in Mexiko einen Sack gemischter Bohnen. Er kehrte in die USA zurück, verlas sie und säte nur die gelben Bohnen aus. Die Operation wiederholte er nur einmal. Eine so schnelle Selektion ist für die Pflanzenzucht in etwa das, was Fast Food in der Gastronomie ist. Nach zwei Ernten meldete Proctor die gelben Bohnen zum Patent an.7
„Ein Patent?“
„Ein Dokument, das besagt, dass du etwas erfunden hast und es dir gehört.“
„Der Gringo sagt, dass er die gelben Bohnen erfunden hat? Sie werden doch seit den Olmeken angebaut!“
„Wie willst du das beweisen? Der Gringo hat ein Patent!“
„Pobre Mexico, tan lejos de Dios y tan cerca de los Estados Unidos“ (Armes Mexiko, Gott so fern, den USA so nah, lautet eine mexikanische Redensart. Wieder einmal fiel den Mexikanern der Himmel auf den Kopf. Man konnte das „geistige Eigentum“ an der Bohne beanspruchen, und siehe da, es war nicht das ihre. Sie kannten unter den 10 000 Varianten der Gattung Phaseolus vulgaris mindestens 30 verschiedene Sorten gelber Bohnen, genauestens bestimmt von ihren Botanikern.
Auf seinen Patentantrag hatte der Gringo nur „gelbe Bohnen“ geschrieben, und das Patentamt in Washington hatte „Amen“ gesagt. Proctor verlangte 22 Prozent von jeder in den USA verkauften gelben Bohne. Er stoppte die Importe und führte Prozesse. Die mexikanischen Verkäufe brachen ein, und die Welt lernte ein neues Wort: Biopiraterie.8 Die gelbe Bohne wurde das Symbol dafür. Das war nicht hinnehmbar.
Der Kampf dauerte zehn Jahre, zog fünf Gerichtsurteile nach sich und kostete hunderttausende Dollar. Das Patent wurde wieder aufgehoben. Proctor kassierte nicht mehr. Aber der Krieg ging weiter. Nach wie vor privatisieren Patente auf Pflanzen und Tiere tagtäglich die Natur. Mexiko ist heute einer der größten Importeure von Mais.
Doch wer weiß? Vielleicht weckt die Wut die Götter und Vulkane wieder auf. Im 15. Jahrhundert empfahl ein aztekischer Dichter: „Singen, singen und singen, denn der Gesang bringt Heil. Und der Schönheit huldigen.“ Manche hoffen auf die Wiedergeburt des Revolutionärs Emiliano Zapata, der 1919 heimtückisch ermordet wurde. In Mexiko sind die Toten lebendiger als anderswo. Andere erinnern sich an die Worte des Dichterkönigs Nezahualcoyotl: „O meine Freunde, diese Erde ist uns nur geliehen.“
Das sind die Erben der Milpa. Sie sehen in dieser Mischkultur die Begegnung von Wissenschaft und traditionellem Wissen, ein Instrument der Ernährungssouveränität, mit der sich eine auf Landwirtschaft gegründete Sozialstruktur erhalten lässt.
2022 nahm die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die Milpa in die Liste der „wichtigen Systeme des landwirtschaftlichen Welterbes“ auf.9 Sie wird erforscht, perfektioniert und durch Gewürz- oder Futterpflanzen ergänzt. Letztere erlauben eine kleine Viehzucht und die Erweiterung des Ökosystems. Die Milpa wird auch mit der Agroförsterei kombiniert, was eine Rückkehr zu den Ursprüngen darstellt. Sie ermöglicht eine ausgewogene Bewirtschaftung von Betrieben humaner Größe, Inbegriff der Agroökologie.
„Das ist eine kluge Landwirtschaft. Sie greift altes, durch Generationen von Bauern angehäuftes Wissen auf, baut verschwundene Sorten nach und stützt sich gleichzeitig auf die wissenschaftliche Forschung, die zahlreiche Entdeckungen über die Biologie der Böden gemacht hat und noch machen muss“, meint der französische Agrarwissenschaftlicher Marc Dufumier. Damit könne man 9 Milliarden Menschen ernähren.10
Bislang scheinen die Kräfte ungleich verteilt. Aber wer weiß. Quetzalcoatl hat womöglich sein letztes Wort noch nicht gesprochen. Zapata auch nicht.
1 Der Stickstoff wird durch Bakterien gebunden, die in Symbiose mit den Hülsenfrüchten auf deren Wurzeln leben und im Gegenzug von den durch Photosynthese gebildeten Kohlenhydraten der Pflanze profitieren.
2 Ihr Schöpfungsmythos besagte, dass sie aus Mais geschaffen wurden, weshalb sie sich Maismenschen nannten.
3 „Die Entdeckung und Eroberung von Mexiko nach des Bernal Díaz del Castillo gleichzeitiger Erzählung“, Erster Band, Hamburg und Gotha 1948, S. 442. Ein Faksimile findet sich in der Deutschen Digitalen Bibliothek, siehe deutsche-digitale-bibliothek.de.
4 Diego de Landa, „Bericht aus Yucatán“, Stuttgart (Reclam) 1990, S. 135.
5 Siehe Karen Lehman, „Freier Handel oder gesicherte Welternährung?“, LMd, November 1996. monde-diplomatique.de/artikel/!3206474.
6 Siehe Anne Vigna, „Böses Erwachen in Mexiko“, LMd, März 2008.
7 US-Patent 5894O79 auf die „Enola“-Varietät.
8 Siehe dazu den Dokumentarfilm „Die Zukunft pflanzen“ (2012) von Marie-Monique Robin.
9 Globally Important Agricultural Heritage Systems (GIAHS), FAO.
10 Marc Dufumier, „Cinquante idées reçues sur l’agriculture et l’alimentation“, Paris (Allary) 2014.
Aus dem Französischen von Uta Rüenauver
Alain Amariglio ist Ingenieur, Lehrer und Autor. Zuletzt erschien von ihm: „Des plantes et des hommes“, Paris (Éditions du Canoë) 2023.