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1983-2004
1983 und später
… wie es weiterging
Nach der Schliessung des Club In gründete Max Krieg noch im selben Jahr 1983 die PRO (Promozione Relazioni Omo-sociali). Die neue Organisation blieb mit der SOH verbunden. 1984 konnte eine erste Telefonberatung (Aids!) für die italienischsprechenden Teile der Schweiz eingerichtet werden. Im gleichen Jahr erschien auch das erste schweizerische Magazin in italienischer Sprache: TI Gay. Beratung und Magazin bestanden bis 1987.
1985 gelang die Gründung der Aids-Hilfe Tessin.
Auch die Verbindungen zu Gruppierungen in Italien blieben intakt: bis 1989 "organisierte" (= schmuggelte) Max Krieg regelmässig Kondome und Gels nach Mailand für die dortige einschlägige Libreria Babele. Denn auf normalem Weg über Post und (italienischen) Zoll war das Risiko der Beschlagnahme zu gross.
1989 verliess Max Krieg das Tessin und die PRO änderte ihren Namen in AGT (Associazione Gay Ticino), geführt von einer kleinen Gruppe von Tessinern und im Tessin wohnenden Schweizern aus anderen Kantonen.
1994 wurde sie umgewandelt in die CGST (Comunità Gay Svizzera di Lingua Italiana), zu der auch die Bündner Südtäler gehörten. Ihr Gründer war Bruno Ferrini. Im selben Jahr öffnete das Spazio Gay, welches bis 2002 existierte. Sitz aller Organisationen blieb stets das Luganese (Lugano und Umgebung).
Am 27. März 2004 hielt Pink Cross seine Generalversammlung bewusst in Lugano ab, um damit den Tessiner Lesben und Schwulen samt ihren Gruppierungen etwas mehr Gewicht und Auftrieb zu geben. Diese GV wurde zur einzigen derartigen Versammlung in der Geschichte von Pink Cross, die ohne offizielle Begrüssung durch Vertreter der städtischen und/oder kantonalen Regierung durchgeführt werden musste. Die vom Volk Gewählten verweigerten sich.
Nach dieser Demonstration von Nichtbeachtung und Gebundensein in tradtitionellen Denkmustern war es kaum verwunderlich, dass der Kanton Tessin (zusammen mit Bündner Südtälern) bei der Volksabstimmung im folgenden Jahr das eidgenössische Partnerschaftsgesetz mehrheitlich ablehnte. Das wirft die Frage auf, ob Rückständigkeit und Intoleranz gegenüber einer anders liebenden Minderheit zur geistigen Haltung einer anderen, einer sprachlich-kulturellen Minderheit gehören muss.
Ernst Ostertag, September 2006