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| Augustinus (354-430) - Vom Glauben und von den Werken (De fide et operibus)

9. Kapitel: Das Beispiel des von Philippus getauften Kämmerers beweist nicht, daß zur Taufe das bloße Bekenntnis der Gottheit Christi hinreichend sei
14. Meine Gegner werfen mir ein: "Jener Eunuch, den Philippus taufte, sagte doch auch nur: 'Ich glaube, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist1 ', und wurde auf dieses Bekenntnis hin sogleich getauft." Soll also jemand nur dies zu antworten brauchen, um sofort getauft zu werden? Soll der Katechet nichts lehren und der Glaubende nichts bekennen vom Heiligen Geist, nichts von der heiligen Kirche, nichts von der Sündenvergebung, nichts von der Auferstehung der Toten, ja schließlich sogar von unserm Herrn Jesus Christus nur, daß er Gottes Sohn sei, aber nichts von seiner Menschwerdung aus der Jungfrau, von seinem Leiden, seinem Kreuzestod, seiner Grablegung, seiner Auferstehung am dritten Tag, von seiner Himmelfahrt und von seinem Sitzen zur Rechten des Vaters2 ?
Wenn nun beim Eunuchen die Antwort: "Ich glaube, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist" wirklich hinreichend erschien, auf daß er sofort getauft wurde und seine Reise fortsetzen durfte, warum folgen wir dann diesem Beispiel nicht? Warum ahmen wir es nicht nach und lassen all das andere weg, was wir [jetzt] für notwendig halten, selbst wenn die Kürze der Zeit die Taufe dringend erscheinen läßt? Denn sogar in diesem Notfall stellen wir unsere Fragen und lassen den Täufling auf alles antworten, auch wenn er es nicht im Gedächtnis behalten kann. Wenn aber die Heilige Schrift von all dem schwieg, was Philippus sonst noch mit seinem Täufling, dem Eunuchen, tat, und weiter keine Erklärung gab, sondern in den Worten: "Es taufte ihn aber Philippus3 " alles eingeschlossen wissen wollte, was in der Heiligen Schrift der Kürze halber wohl wegbleiben durfte, obwohl es, wie wir wissen, nach der überlieferten Ordnung geschehen mußte4 , so ist geradeso unzweifelhaft mit den Worten, es habe Philippus dem Eunuchen das Evangelium vom Herrn Jesus gepredigt, auch gemeint, er habe ihn auch darüber unterrichtet, was zum sittlichen Leben eines solchen Menschen gehört, der an den Herrn Jesus glaubt. Denn das heißt eben Christus predigen, daß man nicht bloß das sagt, was man von Christus glauben muß, sondern auch, was der zu beobachten hat, der in die Verbindung mit dem Leibe Christi eintreten will: alles muß da gesagt werden, was von Christus zu glauben ist, nicht nur, wessen Sohn er ist, von wem er nach seiner Gottheit und von wem er dem Fleische nach gezeugt ist, was und warum er gelitten hat, worauf die Kraft seiner Auferstehung beruht, was für eine Gabe des Heiligen Geistes er seinen Gläubigen versprochen und wirklich verliehen hat, sondern auch, welche Art von Glieder er als das Haupt sucht, belehrt, liebt, befreit und zum ewigen Leben der Herrlichkeit führt. Wenn solches gesagt wird, dann wird Christus zwar bald kürzer und knapper, bald wieder in breiterer und reicherer Form gepredigt, aber es wird doch nicht bloß von dem gesprochen, was zum Glauben, sondern auch von dem, was zum sittlichen Leben eines Gläubigen gehört.
1: Apg. 8, 37.
2: Diese Grundlehren unseres Glaubens waren der Gegenstand der Fragen, die unmittelbar vor der Taufe an die Kompetenten gerichtet wurden.
3: Apg. 8, 38.
4: Zu denken ißt dabei an die bei der Taufe vorgeschriebenen Zeremonien, wie Untertauchen und Aussprechen der Taufformel.