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Die Geschichte der Gartenkunst
Maurische Gärten, Renaissance bis Neuzeit
Manuskript von Hans Graf, Krauchthalstrasse 6 CH-3065 Bolligen
Die maurischen G ä r t e n auf der iberischen Halbinsel
Im VIII. Jh. drangen die Mauren in Spanien ein. Sie blieben dort beinahe 8 Jh. Dies war lang genug, um unverlöschliche Spuren zu hinterlassen. während das übrige Europa sich mit dem Problem der nationalen Konsolidierung, das der Verfall des Römischen Reiches als Erbe hinterlassen hatte, abmühte, war das maurische Kalifat von Cordoba bereits ein festgefügter Staat, der sich grossen Reichtums erfreute und eine zentralistische Macht besass. Einzig in Granada hat ein wunderbarer Rest der maurischen Gärten die Zeiten überlebt. Dieser Umstand ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die islamischen Gärten oft innerhalb des Hauses lagen und daher in irgend einer Form erhalten bleiben mussten, solange die Gebäude, die sie wie ein Schein umschlossen, noch erhalten waren. Es gibt nur sechs bedeutende frühe Gärten in Spanien, deshalb ist es schwierig, von einem konstanten Charakterzug der spanischen Gartenkunst zu sprechen. Die frühesten sind jene der Alhambra und des Generalife in Granada, die, obgleich heute getrennt, dem Wesen nach eine Einheit bilden. Sie sind zum grössten Teil maurisch und datieren aus der letzten Phase der Herrschaft der Maurer in Spanien. Der zweite Garten ist jener des Alkazar in Sevilla. Er ist früheren Ursprungs als die Gärten der Alhambra, aber während die Gartenhöfe in Granada weitgehend unverändert sind, hat man jene von Sevilla mehrere Male umgestaltet. Den dritten Garten hat Philipp II. (1527 - 1598) um den Escorial entstehen lassen. Der vierte in Aranjuez ist ein alter, stark veränderter Garten, der seinen heutigen Charakter hauptsächlich Philipp II. verdankt. Vom fünften, dem Buen Retiro in Madrid, ist ein kleiner Rest noch vorhanden, der heute ein öffentlicher Park der Hauptstadt ist. Er war die Schöpfung des Herzog’s Olivarez, des berühmten Günstling Philipps IV. (1605 - 1665), und war einer der Gärten, die den grössten Einfluss in Europa ausübten. Und schliesslich der sechste, La Graja, war ein Versuch des ersten Bourbonenkönigs in Spanien Philipp V. (1683 - 1746), mit den Gärten seines Grossvaters in Versailles zu wetteifern. Alhambra Die Erbauung datiert aus der zweiten Hälfte des XIII. Jh. Auf einem Hügel wurde ein grosses maurisches Schloss mit einer Anzahl von Gärten und Lusthäusern errichtet. Diese Gärten machen den Eindruck von einer Anzahl miteinander verbundener Räume in Korridore im Freien. Der Hof gibt genau den römischen Peristylgarten von Pompeij wieder. Dies vor allem deshalb, weil Spanien eine der reichsten römischen Provinzen war und als die Araber einmarschierten, trafen sie noch viele römische Überreste an. Es sind vier Haupthöfe in der Alhambra. Der Löwenhof ist heute bis auf das Herz der Anlage, den Löwenbrunnen, seines ganzen Schmuckes beraubt. Er unterscheidet sich kaum von einem gotischen Klosterkreuzgang, obgleich seine Architektur sich eher aus den Vorhängen von Zelten als vom Gerüstwerk von Balken herleitet. Vermutlich ist er immer arm an Pflanzen gewesen. Der zweite Hof, eindrucksvoller als der vorhergehende, ist der Myrtenhof. Er unterscheidet sich von allem, was wir an römischer, mittelalterlicher oder byzantinischer Gartenkunst kennen. Die Bepflanzung besteht fast ausschliesslich aus einer Myrthenhecke, und fast die ganze restliche Fläche wird von einem langrechteckigen Bassin eingenommen, das wie ein Spiegel das umgekehrte Bild der Arkade und des mit Zinnen bekrönten Turms am Ende wiedergibt. Der dritte Hof, der Hof von Linderaja zeigt, dass diese kleinen Aussenräume auf ganz verschiedene weise entworfen werden können. Er ist ein unregelmässiges Rechteck, von Gebäuden eingeschlossen, aber nicht von ihnen beherrscht, dazu vollkommen bepflanzt, um Schatten zu spenden und Abwechslung zu gewähren, die beide sonst fehlen würden. Der Hof der Frauen, der letzte der vier Höfe der Alhambra, stellt einen weiteren Schritt in der Entwicklung des Gartens zum Aussenraum dar. Denn hier verbindet sich die relative Offenheit des Hofes von Linderaja mit dem reflektierenden Wasserspiegel des Myrtenhofes; er besitzt überdies eine abwechslungsreichere Bepflanzung.
Generalive
Obwohl er im Charakter ganz anders ist, steht er in erkennbarer Beziehung zum Alhambra. Der besteht nicht aus einer Folge von in Gebäuden eingeschlossenen, sondern eher aus einer Reihe kleiner Gärten, die, in engen Terrassen gebaut, zum Palast hinansteigen. Der rechteckige und eingeengte Plan der Anlage lässt den Einfluss unsichtbarer Mauerfundamente vermuten. Von keinem dieser Gärten ist die Aussenwelt völlig abgeschlossen. Überall sind schmale Durchsichten sowohl den Hügel hinauf als auch hinunter nach der grossen Ebene möglich. Zahllose Aussichtspunkte, ‘clair-voyées’, rahmen kleine Ausschnitte einer ausgedörrten weite, die ausschliesslich dazu dienen, den Geist dankbar in die kühlen Säulengänge mit ihren Fontänen zurückzurufen. Architektonische Schmuckformen dominieren in vielen dieser Hofgärten. Die Fassaden der maurischen Gebäude wurden gewöhnlich mit farbigen Kacheln verkleidet und mit Arabesken oder poesievollen Inschriften verziert. Das hervorstechendste Charakteristikum der arabischen Gärten war die besondere Verwendung des Wassers. Der arabische Garten verlangte - wie der ägyptische - Wasser, jedoch auf ganz andere weise. Der ägyptische Teich war nicht viel mehr als eine Zisterne, in die der Gärtner seinen Eimer tauchte, es war eine Notwendigkeit. Für den Nomaden aber war das Wasser der grösste Luxus seines Daseins: es war Kühle, in die er seine Hand tauchte, er spielte damit etc. Wasser als Stoff der Poesie war der grösste Beitrag der Wüstenbewohner zur Kultur der Gartenkunst. Die Wirkung der ruhigen, spiegelgleichen Flächen bestand darin, den Himmel bis zu den wurzeln der Bäume und bis zu den Fundamenten der Gebäude herabzusetzen, um Helle und Heiterkeit zu verbreiten, weil eine so eingeschlossene Fläche sonst dunkel und düster, schwer und tot geworden wäre. Bei der Verwendung von Wasser hat man sich weder auf seine spiegelnde Eigenschaft noch auf die Vorstellung der Kühle beschränkt. Das Gebot des Propheten, dass das Wasser in Bewegung gehalten werden soll, war die Ursache für sinnreiche und dekorative Wasserkünste. Die Behandlung des Wassers durch die Araber war eine angemessene, denn sie konzentrierten sich mehr auf sein Wesen als auf das Wasser als Quelle. Die Wasserknappheit in Spanien und die Notwendigkeit es bestmöglich zu verwenden, zwang die Araber zur vollendeten Meisterung des Wasserstrahls - eine Technik, die sie dem christlichen Spanien und so auch mittelbar Italien und ganz Europa lehrten. Die Auswahl der Bepflanzung richtete sich stark nach der Eigenart, ihres Aussehens oder des Duftes. Damit wurde versucht, Erinnerungen und Empfindungen zu erwecken. Die Zypresse, die Libanonzeder, die englische Eibe, die Araukarie werden oft mit der Absicht gepflanzt, ein Echo zu erwecken.
Die Mudéjar - Periode
Die christlichen Spanier führten anfänglich keine neuen Elemente ein, sondern übernahmen die maurischen Gärten, welche sie weiterhin pflegten, einige verfielen aber auch. Das wichtigste Beispiel dieser Periode (1450 - 1600) ist der Alkazar in Sevilla. Dieser Palast war eine Zeitlang Palast eines der maurischen Kleinkönige, die auf das Kalifat von Cordoba folgten. Der Entwurf bestand lediglich aus einer Folge von rechteckigen Gärten, die sich durch Teiche, vertieft angelegte Gärten, Terrassen und Gartenhäuser voneinander unterschieden. Im Endergebnis waren die Gärten von Sevilla allerdings trotz der Theatralik der Palmen und der Mudéjar-Architektur im Plan identisch mit den spätmittelalterlichen Gärten in ganz Europa; selbst die für den Islam bezeichnende Verwendung des Wassers fehlt. Die Ideen der Italiener, wo die Renaissance am aufblühen war, konnten in Spanien auf Grund der Bevölkerungsstruktur nicht Fuss fassen Die italienische Art wurde zwar eingeführt, es gab jedoch keine soziale Schicht, die davon hätte Gebrauch machen können. Buen Retiro, im Osten von Madrid, war eine Schöpfung dieser Zeit. Die Anlagen wurden von Cosimo Lotti, dem Mitgestalter der Boboli-Gärten, gebaut. Es wurden jedoch eher frühe Elemente der Renaissance angewendet mit starker Anlehnung an die maurische Tradition. Die offenen Höfe wurden nicht wie in Italien nach aussen hin orientiert, sondern wurden von Mauern umgeben, wie dies bei den vielen Kirchen und Klöster in Madrid der Fall war. Der ganze Pomp der Gegenreformation wurde hier effektvoll angebracht, um die Menschen vom Denkvorgang abzulenken. Der Plan von Buen Retiro ist sehr zusammenhangslos. Kein einziger Teil zeigt irgendwie einen deutlichen Bezug zum Benachbarten, die Wasserwege und Seen sind reglos angelegt, die Alleen gewähren keine Durchblicke, die ganze Fläche war mittels Mauern in unregelmässige eckige Formen unterteilt. Fast alle modischen ‘Gartenmerkmale’ der damaligen Zeit waren vorhanden, jedoch ohne irgend welchen Zusammenhang.
D e r R e n a i s s a n c e - G a r t e n
Die italienische Gartenkunst ist leichter zu verstehen, wenn man sie in drei Hauptperioden gliedert.
1. 1450 - 1503 = Schriften von Leon Battista Alberti bis Bramantes Plan für Belvedere
2, 1503 - 1573 = Schöpfung Belvedere bis zum Tode Vignolas
3. 1573 - 1775 = Zerfall der Renaissance bis zur Schöpfung des Schlosses Caserta
1.Periode
Es ist gewiss, dass die Initiative von Florenz ausging. Sie begann mit der Rückkehr Brunelleschi’s (1377 - 1446) von Rom. Mit zunehmender Macht und zunehmendem Reichtum breiteten sich an den Hängen der Hügel Villen aus, welche die Merkmale, die auf ihre Herkunft der Burg hinwiesen, abzustreifen begannen. Sie entwickelten sich aus den Landhäusern, den Landwirtschaftshöfen, wo sich die Grundbesitzer ursprünglich bloss zur Inventarisierung aufhielten. Nach und nach gefiel ihnen das Leben dort immer besser, es wurden Ziergärten angelegt, die sich sukzessive entwickelten. Ein anderer Ursprung ist im halb- städtischen Garten (Stadtrandgarten) zu suchen. Hier entwickelten sich um Florenz erstmalig Ansätze zu grosszügigeren Anlagen.
Von grosser Bedeutung sind aber die ausgegrabenen Ruinen der Römer, so beispielsweise die Hadrian-Villa bei Tivoli. Das Forum Romanum wurde ernsthaft erforscht, die Pläne der Bäder studiert. Der Geist der Antike wurde umfassend Vorbild für das Italien der Renaissance. Das aufblühen Italiens im 15. Jh. muss vor dem Hintergrund des zerfallenden Mittelalters gesehen werden. In unzähligen Fürstentümern herrschten Tyrannen, die in ihrem Volk eine "willenlose, unbewaffnete, im höchsten Grade steuerfähige Masse" sahen. Die Macht des Papstes reichte gerade aus, einen Einheitsstaat zu verhindern, ohne selbst die Möglichkeit zu haben, einen solchen zu injizieren.
Jacob Burckhardt schrieb zu einem oder wahrscheinlich zu dem wesentlichen Punkt, welcher für die Renaissance von Bedeutung war: ‘Der Schleier (des Mittelalters) war gewoben aus Glauben, Kindesbefangenheit und Wahn ... Der Mensch erkannte sich nur als Rasse, Volk, Partei, Kooperation, Familie oder sonst in irgend einer Form des Allgemeinen. In Italien ... erwachte zuerst eine objektive Betrachtung und Behandlung des Staates und der sämtlichen Dinge dieser Welt überhaupt; daneben erhebt sich aber mit voller Macht das Subjektive, der Mensch wird geistigen Individuum und erkennt sich als solches.’
Zunächst entwickelte die Gewaltherrschaft im höchsten Grade die Individualität des Tyrannen, dann die des von ihm protegierten, aber auch die des von ihm rücksichtslos ausgenutzten Talentes... Ihr Lebensgenuss wird ein durch geistige Mittel erhöhter und konzentrierter, um einer vielleicht nur kurzen Zeit der Macht und des Einflusses einen grösstmöglichen Wert zu verleihen. Aber auch die Beherrschten gingen nicht völlig ohne einen derartigen Antrieb aus. Wir wollen diejenigen ganz ausser Berechnung lassen, welche ihr Leben in geheimem Widerstreben, in Verschwörungen verzerrten, und bloss derer gedenken, die sich darein fügten, reine Privatleute zu bleiben, etwa wie die meisten Stadtbewohner des byzantinischen Reiches und der mohammedanischen Staaten. Gewiss wurde es z.B. den Untertanen der Visconti oft schwer genug gemacht, die würde des Hauses und der Person zu behaupten und Unzählige mögen durch die Knechtschaft am sittlichen Charakter Einbusse erlitten haben. Nicht so an dem was man individuellem Charakter nennt; denn gerade innerhalb der allgemeinen politischen Machtlosigkeit gediehen wohl die verschiedenen Richtungen und Bestrebungen des Privatlebens um so stärker und vielseitiger. Reichtum und Bildung, soweit sie sich zeigen und wetteifern durften, in Verbindung mit einer noch immer grossen munizipalen Freiheit und mit dem dasein einer Kirche, die nicht, wie in Byzanz und der islamischen Welt, mit dem Staat identisch war - alle diese Elemente zusammen, begünstigten ohne Zweifel das Aufkommen individueller Denkweisen, und gerade die Abwesenheit des Parteikampfes fügte hier die nötige Musse hinzu. Der politisch indifferente Privatmensch mit seinen teils ernsten, teils dilettantischen Beschäftigungen möchte wohl in diesen Gewaltstaaten des 14. Jh. zuerst vollkommen ausgebildet aufgetreten sein.’
Von wesentlicher Bedeutung für den kulturellen Aufschwung war die wirtschaftliche Entwicklung. Diese ist im übrigen eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung der Gartenkunst. Venedig etablierte sich als Handels- und Seefahrermacht, wo die Herrscher bald einmal einsahen, dass Kriege grosse finanzielle Mittel absorbierten und so Absatzmärkte verschlossen. In Florenz entwickelte sich eine Oll und Seidenindustrie, Gewerbe wie Holzschnitzereien, Arabeskenkunst, Goldschmiede und anderes mehr.
Die Plätze wurden vor allem wegen der Aussicht ausgewählt und wegen den kleinklimatischen Bedingungen. Durch die Erhitzung der Luft im Talkessel entstanden an den Hängen kühlende Aufwinde, welche so ausgenützt werden konnten. Diese Gärten waren zur Aussenwelt hin geöffnet, man findet darin nur noch kleine eingefriedete Teile, wo Haine gepflanzt, Lauben und Grotten angelegt wurden. Der Renaissancegarten löste sich vom introvertierten Blick und öffnet sich nach aussen hin. Die Grundform des Rechtecks wird zunächst beibehalten, mit der Entwicklung werden diese Formen aufgerissen.
Villa Medici Fiesole Villa Gamberaia, Settignano Villa Serbello Bellagio
In seinem Werk ‘De re aedificatoria’ beschreibt Alberti, wie ein Garten beschaffen sein sollte und nimmt die Gärten des jüngeren Plinius zum Vorbild, was Alberti über den Bau der Villa schrieb, aalt ebenso für den Garten und die Gesamtanlage: ‘Der Architekt muss genau den Sinn für gute Proportionen und Regelhaftigkeit wahren, damit nicht die erfreuliche Ausgewogenheit des Ganzen über dem Reiz von einzelnen Teilen verlorengeht.’
Der Erbauer eines Hauses sollte versuchen, für das Gebäude ein Ambiente zu schaffen: Spiegel der Persönlichkeit eines idealen Gastgebers und Ausstrahlung der Atmosphäre eines wohlgelaunten Willkomms. Das Haus sollte auf einer Anhöhe liegen der Aussicht wegen, der Zugang sollte jedoch trotzdem leicht und bequem sein.
Der Dominikanermönch Francesco Colonna schildert in seinem Roman "Hypnerotomachia Poliphili" Gartendetails aus dem 15 Jh. Von vielfältig geformten Pflanzenskulpturen (Baumverschnitte) ist die Rede. Es wird aber auch die Bepflanzung des Parterres beschrieben, wo Majoran, Raute, Eberraute, Strauchcamander, Zypressenkraut und Thymian für die Ausbildung der Broderien verwendet wurde. Mit ihren unterschiedlichen Grüntönen machten sie das Parterre sogar noch im Winter ansehnlich. In den eingeschlossenen Feldern wurden blaue und weisse Veilchen, Alpenveilchen, Primeln, gelbe Stiefmütterchen, Jungfer im Grünen und Akelei verwendet, in den Randzonen höherwachsende Blumen wie Malven und Ysop.
Die Details haben sich dem Ganzen je nach Geschmack des Gartengestalters einzufügen. Folgende Elemente sollen oder können vorkommen: Portikus, Pergolen, Grotten aus Tuff, Ziertöpfe zum Bepflanzen, Buchstaben in Buchs geschnitten; fliessendes Wasser ist erwünscht, Lorbeer, Eibe und Zypresse - durch Efeu miteinander verbunden, sind zu empfehlen. Lustige Statuen kann man gestatten. Kreise und Halbkreise sind ein ausgezeichnetes architektonisches Element, man sollte es in den Gärten wieder aufnehmen. Noch immer hält sich die Architektur in den Gärten um 1500 sehr zurück. Das Planvolle der Anlage beschränkt sich auf den einfachsten Grundriss, der nur durch Hecken, Laubengänge und Baumschnitt eine reichere Gestaltung erfährt. Obst- und Gemüsegärten sind noch sehr ausgedehnt. Auch grosse Wildgehege sind anzutreffen, die jedoch meist nicht architektonisch durchgestaltet sind. Bei, zwar noch unsystematischen, Ausgrabungen wurden verschiedene altertümliche Statuen gefunden, die bald einmal Eingang in die Gärten fanden.
2. Periode 1503 - 1573
Der italienische Garten der 2. Periode stellt einen architektonischen Garten dar. Die Periode wird eingeleitet mit dem Bau von Bramantes Belvedere. Bramante untergliederte den relativ steilen Hang zwischen dem mächtigen Vatikan und dem kleineren Belvedere in Terrassen, die an sich nichts neues darstellten. Die Schwierigkeit bestand darin, den Höhenunterschied zu überwinden und dies unter Berücksichtigung der Forderung nach ‘bequemem und unmerklichem Ansteigen’.
Bramante ermöglichte dies durch eine wunderbare Komposition von Treppen und Balustraden, welche nicht nur den Zugang von einem Niveau zum andern schafften, sondern er errichtete damit auch eine grossartige Architektur zugunsten von Belvedere, wodurch der Villa das notwendige Gewicht für die Harmonie des Ganzen verliehen wurde. Bramante hatte das Geheimnis der Betonung der Horizontalen entdeckt und die Technik entwickelt, die notwendig ist, um steile Hänge in den Griff zu bekommen: Von nun an wurden grosse Ungleichheiten des Bodens eher gesucht als vermieden, und da die technische Lösung des Bebauungsproblems an solchen Plätzen architektonische Erfahrung verlangte, ging der Garten endgültig in die Hände der Architekten über und wurde mehr und mehr ein Bauwerk. Immer mehr Sammler traten auf, welche die bei Ausgrabungen gefundenen Statuen der Römer nach und nach in den Gärten aufstellten. Die gemeisselten Figuren waren erwünschte Bindeglieder zwischen der Villa, den Bäumen und Hecken, weil sie den zu harten Übergang von der Architektur zum Laubwerk milderten. Die Rolle des Wassers im Garten wandelte sich und erhielt eine neue Bedeutung. Es war der Islam, von dem die Italiener mittelbar die Wasserspiegel kennenlernten. Islamischer Geschmack und Gelehrsamkeit erreichten Italien über Spanien. Das Königshaus von Neapel übte im 15. Jh. einen beträchtlichen Einfluss auf die Staaten im Norden Italiens aus. Auch hatten zu dieser die Spanier einen recht grossen Einfluss. Poggio Reale war der damals bedeutende Garten in Neapel, von welchem grössere Wasserspiegel und auch -scherze überliefert sind. Es ist nicht ganz klar, ob diese Wasseranlagen von Frankreich kamen, das von 1266 - 1283 die beiden Sizilien beherrschte, die Anjou behielten die Kontrolle einiger Landstriche sogar bis 1443, oder ob sie direkt von den Spaniern eingeführt wurden. Neben diesen Wasserscherzen brachten die Spanier auch die Wassertreppe, die Kaskade und andere Wasserspiele mit. Ganz allgemein befinden wir uns hier im Höhepunkt des Renaissanceschaffens. Der Wunsch, aus dem Garten ein vollendetes Kunstwerk zu machen, wurde verwirklicht. Die Gärten wurden zum Teil auch für die Öffentlichkeit, für die Bürger, zugänglich gemacht. Zu den bedeutenden Anlagen dieser Zeit gehören die Anlagen der Villa Madama, Villa d’Este, Villa Lante, Villa Giulia etc. ( siehe Uebersicht). Grundsätzlich sind alle Gärten sehr symmetrisch angelegt, soweit die Topographie dies zulässt. Die einzelnen Gartenteile sind sehr oft quadratisch angelegt, wiederum unterteilt in symmetrische Flächen. Diese Gartenteile sind durchgestaltet, im Gegensatz zum Bosco, (Wäldchen), welches in vielen R.-gärten anzutreffen ist und nicht gestaltet ist. Der Schmuck der Gärten kann in Blumen bestehen die z.T. in Kübel angepflanzt werden. Charakteristisch ist in jedem Fall die terrassenförmige Anlage, wobei das Haus zuoberst steht. Die Terrassen werden oft durch einen Porticus (Portal) eingeleitet. Das Wasser wird spärlich verwendet, zumeist in Form von Wasserspielen, Fontänen, Wasserläufen etc. Die Brunnen sind meist aus zwei übereinanderliegenden Schalen bestehend. Die Mittelachse ist nicht besonders betont, die Querachsen sind ebenso ausgebildet. Die Villen dienten in erster Linie als Sommerresidenz. wichtig ist die Fernsicht aus den Gärten, die durch die Hanglage gegeben war.
3. Periode 1775
Ein auch heute noch vielbeachtetes Werk entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jh. (in der Zeit als in Frankreich Le Nôtre wirkte) im Lago Maggiore, auf der Isola Bella. Die Grafen von Borromeo liessen einen pyramidenförmigen, durch 10 Terrassen gegliederten Garten anlegen. Die Anlage lässt sich in kein gängiges Muster einpassen, wenn auch der Grundriss frühbarocke Merkmale aufweist. Der obere Aufbau mit den 5 sich verjüngenden Terrassen mag eine Anspielung sein auf die babylonischen hängenden Gärten, von denen man damals Kenntnis hatte. Nach dem Hause zu sind phantastische Grotten und Muschelwerke angebracht. D§ie einzelnen Terrassen sind als Schmuckterrassen, sind mit Pavillons, mit Lorbeer-Bosketts oder Orangen- Gärten versehen.
Ein anderer Garten aus dieser Zeit, die Villa Borghese in Rom, er- weckte grosses Aufsehen. M.L. Gothein schrieb darüber: ‘Etwas ganz neues hat der Kardinal hier für seine Zeit geschaffen, es entsprach völlig der feudalen Geistesart dieses Kirchenfürsten, das er sich dicht vor den Toren der Stadt einen grossen Tierpark anlegte, einen Garten, der ganz den noblen Passionen geweiht war. Er griff damit auf die mittelalterlichen Anlagen zurück, wo die Fürsten sich vor den Toren der Stadt grosse Tierparks umhegten; im 16 Jh. war diese Neigung zurückgetreten. Scipio Borghese aber wusste diese feudalen Anlagen mit einem Casino und Ziergärten zu verbinden, die mit raffiniertem Luxus eingerichtet und auserlesenen Kunstwerken geziert waren. Die Ziergärten selbst sollten sich nach dem strengen Charakter des ganzen Parkes durch ihre Bepflanzung anpassen. Nichts mehr von der Heiterkeit der Renaissancegärten ist hier zu finden, es herrscht die Massenwirkung der Eichen-, Lorbeer- und Zypressen-Bosketts, die dicht an das Casino herantreten sie sind für gravitätischen Ernst in Kleidung und Zeremoniell bei den grossen Festen jener Tage der passende Hintergrund. Archaistisch müssen die Einzäunungen der einzelnen Abteilungen des Parkes gewirkt haben, wenn sie auch meist durch praktische Zwecke bedingt waren; monumentale Eingangstore gaben dem ganzen eine reiche architektonische Gliederung. Mittelalterlich mutete auch die schwere, mit Türmen und Pavillons verzierte Doppelmauer, die das ganze umgab, an, nur alles ins kolossalische übertragen.’
Die grosse barocke Parkanlage des Schlosses von Caserta (ab 1752) kann nicht mehr dem Stile der Renaissance zugeordnet werden. Hier wird die Nachahmungssucht der französischen Vorbilder deutlich spürbar aber nicht erreicht.
D i e f r a n z ö s i s c h e R e n a i s s a n c e
Im Jahre 1495 unternimmt der jugendlich-romantische König Karl VIII. aus dem Geschlecht der Valois, seines Zeichens König von Frankreich, seinen Triumphzug nach Italien. Dieses zunächst als Eroberungszug gedachte Unternehmen glich in Wahrheit eher einem kulturellen Kreuzzug eines noch im Mittelalter verwurzelten Franzosen ins übersprudelnde kunstdurchwirkte Renaissance-Italien. Seine Beute bestand aus 87’000 Pfund Kulturgut in Form von Teppichen, Bibliotheken, Gemälden und Skulpturen und einer Anzahl angesehener Künstler wie den Gärtnern Fra Ciconda, Guido Massoni, Domenico da Cortona, dem All- rounder Leonardo da Vinci, dem Plastiker Cellini u.a.m. Diese Beute war weniger Eroberungsgut als vielmehr eine Beschwichtigungsgabe.
Die italienische Pracht verfehlte ihre Wirkung nicht. Es zogen nicht nur italienische Künstler nach Frankreich, sondern auch die Franzosen gingen bei den Italiener in die Schule. Karl VIII, begann unverzüglich sein Schloss Amboise (Loire) umzubauen.
Diese Loire-Schlösser gründen noch tief im Mittelalter. Kennzeichnend dafür sind die kräftigen Umfassungsmauern, die den mittelalterlichen Geschützen noch standhielten, der Wassergraben, der nur über die Zugbrücke überschritten werden konnte, und den vielen Türmchen und Zinnen, welche der mittelalterlichen Verteidigung dienten. Ebenso verhielt es sich mit den Gärten. Im Innern der Schlossmauern blieb für diese kaum Platz, und das änderte mit den italienischen Erkenntnissen zunächst nicht viel. was von Italien übernommen wurde, waren hauptsächlich die Äußerlichkeiten, man begnügte sich meist mit der Nachahmung der dekorativen Teile. Gärten, sofern sie sich innerhalb des Schlosses befanden, wurden und konnten nicht vergrössert werden. So wurde das Schlossgärtchen Amboise vom italienischen Gärtner Pasello da Mergogliano mit zierlichem Lattenwerk und Pavillons umschlossen, bis dann Ludwig XII. (1498-1515), der Nachfolger Karl VIII., ihn rings mit einer Galerie umgab. Der Garten war noch zum Teil mit Obstbäumen bepflanzt, neben und -um die geometrischen Blumenbeete.
Ludwig XII. verlegte die Residenz nach Blois. Auch hier war bisher von Gärten nicht viel vorhanden. Zudem befand er sich ausserhalb des eigentlichen Schlosses, ausserhalb des Wassergrabens. Diese Situation ist symptomatisch für viele Gärten an der Loire. Überall treffen wir auf mittelalterliche Verhältnisse. Das typische Loire- Schlössschen mit seinen vielen Zinnen, Türmchen, Pechnasen, Gitterchen, vielartigen Dachverschneidungen, Erker usw., das mit seiner Umfassungsmauer und seinem Wassergraben oft einen sehr trutzigen Eindruck hinterlässt, ist in vielfältiger Ausführung anzutreffen. Allerdings kann sich diese Trutzigkeit leicht verlieren, wenn man von den grossen Schlössern wie Blois, Chambord, Villandry usw. absieht und sich eher den kleineren wie Azay-le-Rideau, Chenonceau, Talcy oder Monceaux zuwendet. Doch zurück zu Blois. Der alte, unterste Garten wurde nun als unterstes Parterre eines in drei mächtigen Terrassen mit gewaltigen Stützmauern ansteigenden Gartens umgestaltet. was aber auf den ein- zelnen Terrassen angelegt wurde, war doch wieder jedes Mal ein ab- geschlossener Garten, der für sich als Ganzes wirkte und mit der höheren und tieferen Terrasse nicht in geringster Beziehung stand. Die römische Erfindung der Verbindungstreppe von Terrasse zu Terrasse (Bramante im Belvedere) setzte sich noch nicht durch. Auch die einzelnen Beete waren von zierlichen Lattenzäunen umgeben. Das Prachtstück des Gartens war die kleine Kapelle, ein Lieblingsbau Anne de Bretagne. Er ist das einzige, was sich aus den Gärten bis heute erhalten hat. Das wirken Ludwig XII., dem letzten mittelalterlichen König, beschränkte sich auf die Umbauten von Blois und Chaumont.
Erst unter Franz 1. (1515-1547) und seiner Frau Claude de France erblühte an der Loire eine Renaissance-Architektur von wahrhaft königlichem Anspruch. Blois und Chambord wurden auf seine Anweisungen umgestaltet und erweitert. Sein wesentliches Werk war jedoch Fontainebleau. Chambord wurde inmitten eines grossen Waldes, auf sumpfigem Gebiet, erbaut. Es wurde umgeben von Bastionen und Gräben. Die Gärten haben zwar nie der Pracht des Baues entsprochen, dafür war der Park, der König mit einer Mauer umfassen liess, von unerhörter Grösse (5’500 ha).
Chenonceau, von einem Feldherrn Franz I., Thomas Bihier geplant, ist kennzeichnend für die Vorliebe der Franzosen für Wasserschlösser. Dieses Schloss gibt das Stichwort zu Frauengeschichten dieser Zeit, denn Chenonceau und seine Gärten wurden erst in der Zeit Heinrich II. (1547-1559) fertiggestellt. Dieser König also heiratete die Florentinerin Katharina von Medici, die, wie Zeitgenossen berichten, nicht gerade hübsch gewesen sein soll, jedoch um so wertvollere Beziehungen zu Italien vermittelte. Jedenfalls legte sich Heinrich II eine Maitresse, Diane de Poitiers, zu, die das Schloss Chenonceau bekommt, es allerdings nicht weiter ausbaut. Umso mehr hat es ihr Anet angetan, welches de l’Orme für die Hofdame bauen musste, wobei er noch die Fundamente eines mittelalterlichen Schlosses benutzte. Hier wurde erstmals ausserhalb Italiens mit dem Zusammenwirken von Haus und Garten ein architektonisches Bild geschaffen, das sich neben die italienischen Meisterwerke stellen darf. Ein breites Wasserband umgibt das Schloss und Garten und auch wenn es von Mauern und Zinnen umgeben ist, dienen diese doch nur der Zierde. Über eine Brücke schreitet man durch das Torhaus, ein heiterer Pfeilerbau. Zu beiden Seiten des Eingangs liegen zwei kleine Bosketts. Neben dem Haupthof mit seiner leichten Säulenhalle lagen rechts und links andere Höfe mit je einer Fontäne.
Der Garten auf der anderen Seite des Schlosses nahm die ganze Breite der Anlage ein. Auf breiter Terrasse genoss man einen schönen Überblick über den Garten, der dreiseitig von einer Rusticagalerie umgeben war. Zwei Springbrunnen schmückten die reich angelegten Beete und gaben dem Garten das nötige Gleichgewicht zweier Zentren. weiter hinten im Garten sollen sich in zwei Parks ein Falkengehege, eine Grotte, Vogelhäuser und eine kleine Orangerie befunden haben. Doch zurück zu Chenonceau. Nach dem Tod Heinrich II, warf Katharina ihre Nebenbuhlerin dort hinaus und gestaltete die Anlage. Garten und Schloss sind voneinander getrennt. Die Parterres, die am Fluss liegen, sind überall von Kanälen umflossen, die sie von Schloss und vom Park trennen. Das heutige Parterre ist von einer erhöhten Terrasse umschlossen, die vielleicht von Pergolen oder Galerien umgeben war. Hier befand sich in der Mitte eine Wasserkunst, die durch Überraschung wirkte: ein kleiner Kiesel mit einem Loch in der Mitte, das durch einen Holzpfropfen verschlossen war, bildete die unsichtbare Verkleidung eines Wasserstrahls, der zu 6 m Höhe empor sprang, wenn man den Pfropfen entfernte. Auf der anderen Seite, wo auch heute noch ein hübsches, vertieftes Parterre liegt, mit seinen buchsumsäumten Blumenbeeten, schildert Du Cerceau einen Brunnen, der aus dem Felsen kommt (künstlich), der in mehreren Strahlen in ein grosses Bassin fliesst. Ein Blumenparterre liegt davor, von einer Terrasse umgeben, die ein zierliches Lattenwerk abschliesst, während die Futtermauern mit Nischen, Statuen und Säulen verziert sind.
Villandry, heute eines der bekanntesten Schlösser, ist sehr originell restauriert worden. Das Schloss ist mittelalterlich. Ein Staatssekretär von Franz I. kaufte es und gestaltete es um, eines der letzten im Renaissance Stil. Der spanische Arzt Dr. Joachim Carvallo kaufte es 1906 und entfernte die Barockverzierungen, und stellte den ursprünglichen Zustand wieder her. Du Cerceau lieferte die Vorlage, Carvallo liess jedoch auch Neuschöpfungen und Anregungen aus Spanien einfliessen. Es gibt auf drei Ebenen drei verschiedene Gartenparterres. Treppen und Rampen verbinden sie. Die beiden Parterres des Ziergartens mit ihren exakt geschnittenen Ornamenten aus Buchsbaum und Eibe liegen auf der mittleren Ebene. Zugrunde liegen spanisch-maurische Vorbilder. Die vier gemusterten Beete nächst dem Schloss bedeuten die vier Charakter der Liebe. Die zärtliche Liebe veranschaulichen Herzen, Masken und Flammen; die tragische Liebe Schwerter und Dolch klingen; die verrückte Liebe ist durch ein Labyrinth formierter Herzen dargestellt; die flüchtige Liebe ist symbolisiert durch Fächer, Schmetterlingsflügel und Liebesbriefe. Auch die Farben der Blumen sind nicht ohne symbolischen Sinn gewählt. So gehört Rosa zur zärtlichen Liebe, Rot zur tragischen, gemischte Farben zur verrückten und Gelb zur flüchtigen Liebe. Maltheserkreuz, Kreuz des Langedoc und Kreuz des Baskenlandes schliessen das Parterre ab. Auf der untersten Terrasse befindet sich der Gemüsegarten. Auch dieser ist schön geometrisch angelegt, die Gemüse assortiert passend zu den Blumen, welche die Umrandung bilden.
Die Art, den Garten zu betrachten, wie sie den Franzosen eigen war, nämlich von erhöhten Spazierwegen aus, verlangte eine ganz besondere Gestaltungsweise des Parterres. Dézallier d’Argenville leitet das Wort vom lateinischen Verb ‘partiri’ her, was teilen bedeutet: Eine Ordnung von Unterteilungen. Zwei Hauptquellen sind bekannt, die zusammen in die Bildung des ‘Knoten’ führen. Einerseits die mittelalterliche Art, den Garten in eine grosse Zahl von Rechtecken aufzuteilen und jedes Rechteck auf verschiedene Art zu unterteilen. Allmählich wurde die Einfassung wichtiger als der Raum dazwischen und es fand eine merkwürdige Verflechtung solcher kleiner Hecken statt, die um 1500 als ‘Knoten’ bekannt wurden. Die Zwischenräume wurden immer vermehrter mit farbiger Erde und Steinen bedeckt und nicht mehr angepflanzt. Andererseits ist die Gewohnheit, verschlungene Muster auf den Boden zu zeichnen, schon uralt. Sie sind bekannt aus den Gärten des Minotaurus, aus Troja, aus Ägypten. Das Labyrinth hat sehr früh schon als Verteidigungs- Werkzeug gedient, aber auch, und das von China bis nach Peru, war man der Meinung, dass böse Geister solcherart verschlungene Gänge nicht begehen konnten. Im christlichen Mittelalter war das Labyrinth Symbol für eine Büsserreise nach Jerusalem. Du Pérac soll als erster ein ‘Compartiment de Brodérie ’ im Schloss Anet angelegt haben.
Claude Mollet, Gärtner von Heinrich von Navarra, schrieb 1618 ein Gartenbuch, wo die Idee des Parterres klar dargelegt wurde. Die vollendete Symmetrie ist das wesentliche Prinzip. Der Stolz dieses Mannes war es, den Buchs volkstümlich gemacht zu haben. Lavendel, Thymian, Pfefferminze und Majoran waren lediglich geduldet als Umfassung.
Der grösste französische Exponent dieser Kunst war Boyceau, der im frühen 17. Jahrhundert arbeitete und erste Grundregeln über die Gartenkunst aufstellte. Er unterstreicht besonders die Wichtigkeit der Proportionen; die Höhe der Bäume und der Hecken ist sorgfältig der Länge und der Breite der Wege anzupassen. was Proportionen und Symmetrie anbetrifft, verlangte er jedoch Abwechslungen. wegweisend neben anderen steht zum sog. französischen Garten die Anlage von Fontainebleau. Heinrich IV. (Heinrich von Navarra) (1589-1610) hat das kleine Parterre zu einem reizvollen Binnengarten umgestaltet. Auf der anderen Seite befand sich bereits ein grosser See, auf dessen oberen Seite legte er das grosse Parterre an. Eine Neuerung von allergrösster Bedeutung aber machte Heinrich IV. durch die Anlage des grossen Kanals, der von diesem Parterre ausgeht und diesen Hauptgarten mit dem eigentlichen Park verbindet. Gerade an dieses Motiv wird die Gartengestaltung unter Ludwig XIV. anknüpfen.
Zur Theorie des frühen französischen Gartens
Insichgekehrtheit, ein Format weiterentwickeln, das eigentlich schon ausgereizt war, Gärten inmitten einer politischen Unstabilität bauen, die Wassergraben-Doktrin.
Das mögen die äusseren Merkmale der frühen Entwicklung des Gartens des 16. Und ersten Teils des 17. Jh. sein.
Stellen wir uns jene Katharina von Medici vor, von Heinrich II. geheiratet, der sie mehr oder weniger aus Florenz geraubt hat, der nur wenige Jahre später in einem Turnier gefallen ist, ihr aber doch noch etliche Söhne und Töchter geschenkt hat - Claude de France, Henry III, Maria von Medici und andere, mit der Familie und dem ganzen Hofstaat ziemlich ruhelos durch Frankreich gezogen ist, von einem Schloss zum andern, keines war der eigentliche Hauptsitz, überall wurde grosser Prunk zelebriert - man war ja schliesslich jemand - hinterliess überall seine architektonischen Spuren; die Loire wurde zum Nabel der Welt. Gut, bereits Franz I. und Charles VIII. beginnen die Entwicklung an der Loire, wie wir gesehen haben und es waren die Italiener, die planten und bauten.
Lassen wir auch nicht zwei wichtige Publikationen ausser acht: der ‚Roman de la Rose‘ und die ‚Hypnerotomachia Poliphili‘ von Francesco Colonna. Dieser 1499 in Vendig erschiene Band hatte ziemlichen Einfluss auf die Gestaltung des italienischen Gartens. Einerseits waren es durchaus die darin enthaltenen Zeichnungen, die zur Nachgestaltung anregten, andererseits auch die Metapher ‚Garten, Paradies‘ welche dem Roman als Handlungsbühne dient und die man beinahe als dessen zentralen Inhalt bezeichnen könnte. Das Buch wurde bald ins französische übersetzt und dürfte wohl auch hier seinen Einfluss geltend gemacht haben.
Der Amerikaner George Hersey hat die Militäringenieurkunst der Renaissance studiert. Er postuliert, dass die Rechtwinkligkeit und Axialität, die ihren Ausdruck in der Parterre- und Gartengestaltung findet, auf die Feuerkraft und Schussachsen der Kanonen zurückzuführen sei. Da Kanonen nicht um Kurven schiessen, war es verteidigungstechnisch erforderlich sei, Städte entsprechend anzulegen, dass sie mit den modernen Geschützen zu verteidigen seien. Dazu eignete sich das rechtwinklige System am besten und da es wiederum die Militäringenieure waren, welche zum Städtebau, Burgenbau und auch zum Gartenbau herangezogen wurden, verbreiteten sich die entsprechenden formalen Muster.
Wasser im Garten.
Ein Element verdient besonderer Beachtung, das Wasser. Es ist in der Geschichte von zentraler Bedeutung und wird es ebenso in den französischen Gärten. ‚Quell des Lebens und der Liebe, zur Heilung und zur Reinigung geeignet, die Vorstellung eines Brunnens konnte nun mit einbeziehen.....Etliche der frühen Renaissancegärten an der Loire verzichten noch auf dieses Element - wenn man vom Wassergraben oder vom umströmenden Fluss absieht. Woran mag das gelegen haben? Vielleicht am Mangel an entsprechenden Spezialisten? Zwar beherrschten die Italiener die Hydraulik, aber noch nicht das Pumpen von Wasser. Sie installierten ihre Wasserreservoirs einfach oberhalb der Gärten, in die sie die vorhandenen Quellen leiteten und spiesen so ihre Wasserspiele. Ungleich schwieriger war die Situation in Frankreich, in der Ebene, wo das Wasser zumeist in der Tiefe floss und nicht einfach so zur Verfügung stand. Man musste zunächst Pumpen entwickeln und diese standen vermutlich nicht von Anfang an zur Verfügung. Wer hat das Wasserpumpen erfunden? Natürlich, bereits die Aegypter hoben das Wasser aus dem Nil in höher gelegene Kanalsyteme, aber dies war wirklich nur ein Heben mit galgenartigen Schöpfgeräten. Von Tieren oder gelegentlich gar von Menschen betrieben. Die französischen Gärten verlangten ganz andere Quantitäten. Die Flüsse, wo überhaupt Wasser vorhanden war, lagen meist wesentlich tiefer als die Gärten. Nach wie vor bediente man sich der Reservoir-Technik, wobei die Wassermassen in höher gelegene Becken floss, von denen es dann in die Wasseranlagen geleitet wurde. Eine Technik, die man auch heute noch anwendet, um Druck zu erzeugen. Die grossen Wasserkraftwerke sind ab etwa 1650 nachgewiesen. Wer sie erfunden hat, wäre der Mühe wert, nachzuprüfen.
Fra Gioconda, ein Humanist und Hydraulikingenieur wurde um 1500 von Karl VIII. von Neapel nach Blois gebracht und Alfonso’s neues Hydrauliksystem und sein fortgeschrittenes militärisch-bautechnisches Verteigungssystem in Neapel imponierten den Militäringenieuren des franz. Königs. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass praktisch alle garten- und bautechnischen Erkenntnisse aus der Küche der Militäringenieure stammte, die in friedlicheren Zeiten eben zum Gartenbau abdetachiert wurden. Dies mag mit eine Erklärung sein, dass die Gärten und Schlösser in dieser Zeit immer diesen Verteidigungs- und introvertierten Charakter behielten.
Der Rosenroman mag einen ähnlichen Einfluss gehabt haben, wenngleich dessen Erzählkontext in durchaus anderer Struktur verhaften bleibt. Es wäre am einzelnen Objekt zu untersuchen, ob von den jeweiligen Büchern Spuren nachzuweisen wären. Ein ganz reizvolles Unterfangen, das noch niemand so richtig angegangen hat.
Eigentlich blieb keine Zeit zur Reflexion, die florentinische Gelassenheit fehlte, aber doch war es Vorbild. Die Frage wäre, wie hätte sich der französische Garten ohne jene Frau entwickelt. Ich unterstelle ihr die Sehnsucht nach der Vollkommenheit des italienischen Gesamtkunstwerkes, das sich natürlich längst von Florenz nach Rom verschoben hat, wiewohl die Medicis zwischenzeitlich auch diese Stadt erobert haben. Sie mussten sie zwar teilen mit etlichen anderen, anders als in Florenz, wo nur die Habsburger ihnen die Macht für einige Jahre entrissen. Es scheint, als hätte man den Italienern die Technik entrissen, den Geist aber dort gelassen.
Es sind praktisch keine Gärten aus dieser Zeit erhalten, das meiste ist platt gemacht worden, einige wenige wurden in späteren Epochen gemäss dem jeweiligen Zeitgeist umgestaltet worden und nur ganz wenige haben die Stürme der Zeit überstanden und sind in ihrer ursprünglichen Gestaltung wenigstens ansatzweise restauriert worden.
Unsere Betrachtungen stützen sich deshalb auf diese so zierlichen Darstellungen du Cerceau’x, der in den Jahren 1576 - 79 viele der damaligen Gärten gezeichnet und gestochen hat. (Le premier (Second) Volume des plus excellents bastiments de France, 2.Vol. 1576-79).
Man könnte zunächst der Frage nachgehen, in welchem Auftrag du Cerceau diese Arbeiten verfasst hat und wird wohl zum Schluss kommen, dass er dies auf eigene Rechnung gemacht und die Stiche, resp. die Sammlung dann zum Verkauf angepriesen hat. Den Stichen sind immer Zeichnungen vorausgegangen, die meisten auch von du Cerceau erstellt. Man hat bei vielen den Eindruck, es handle sich hier um Baupläne, was aber eigentlich nie der Fall ist. Der Eigentümer eines Anwesens liess sich aber häufig im Nachhinein ein Plan seiner Besitzung erstellen, nicht zuletzt um seinen Bekannten von seinem Schloss zu erzählen.
Das Beispiel Gaillon
In der Literatur sehr hübsch illustriert sind Schloss und Garten von Gaillon. Leider existiert heute von diesem Komplex praktisch nichts mehr. Die Anlage wurde 1502 begonnen, wobei vermutlich auf eine bereits bestehende Schöpfung zurückgegriffen werden konnte. Vorhanden war ein burgartiges Kastell, das bis anhin vornehmlich der Verteidigung, resp. dem Schutz des Gebietes diente. DieVorgabe ist typisch für diese Schlösser. Praktisch nirgends wurden Anlagen völlig neu auf der grünen Wiese gebaut. Schon das allein deutet auf die Zurückhaltung hin, die man sich aus strategischen, politischen und finanziellen Gründen meinte auferlegen zu müssen. Natürlich wähnte man die Macht Frankreichs noch nicht so stark gefestigt und noch viel mehr misstraute man der inneren Stabilität, um den Festungscharakter des Sitzes abzulegen. So waren die äusseren Bedingungen äusserts ungünstig, um wirklich einer grösseren gestalterischen Entwicklung Raum zu bieten.
Pacello de Mercogliano wird als Architekt des Gartens erwähnt. Georges d’Amboise ist der Bauherr. Wie bei den Vorbildern Blois und Amboise besteht zwischen Schloss und Garten kein direkter Zusammenhang. Beide sind durch den grossen Hof klar getrennt voneinander, ja eine Gallerie zwischen Schloss und Garten verhindert vermutlich selbst den Blick auf bedeutende Teile des Gartens. Er wird verstanden als Conclusus, die Abgrenzung ist gewollt, das Betreten des Gartens kommt dem Eintritt in das Paradies gleich. Es entzieht sich unserer Kenntnisse, auf welche Art der Garten zu betrachten und zu begehen ist. Zwar erlauben die zweiseitig umfassenden Galerien den typischen Blick auf das Spiel der Buchszeichnungen, aber das ist allenthalben so. Es ist darin auch nichts überraschendes zu finden. Die rechteckige Fläche ist massstabsgenau eingeteilt in gleich grosse Quadrate, die gemäss den bekannten Musterbüchern mit hübschen Broderien ausgefüllt sind. Lediglich die zwei Labyrinthe, die je vier Quadrate einnehmen, heben sich etwas ab vom üblichen Schema.
Von grösserem Interesse sind allerdings die Brunnenanlagen im Garten. Im Ehrenhof und nicht etwa im Garten stand das prächtigste Exemplar. Er war ganz in weissem Carara-Marmor geschaffen, reich verziert und über sieben Meter hoch. Gekrönt war er von einer Statue Johannes des Täufers. Zweieinhalb Meter hoch sei das Wasser gespritzt und selbst im Italien der Medicis hätte man solches nicht gesehen, meinte Isabella Gonsaga. Nichts ist darüber gesagt, wie der Brunnen gespiesen wurde. Vermutlich hat man aber im Schloss selbst in genügender Höhe ein Reservoir eingerichtet, aus dem das Wasser mit genügend Druck in den Brunnen floss.
Den grossen Gemüsegarten hat man selbstredend ausserhalb der Schlossanlagen angelegt, wiederum ohne architektonischen Bezug zu irgend welchen anderen Anlagen.
Die Darstellungen auf den Stichen der Zeit zu Beginn des 16. Jh. haben den Garten betreffend keine grosse Ähnlichkeit mit der Zeichnung von du Cerceau aus dem Jahre 1566. Auf der letzteren nimmt der Garten nur noch einen bescheidenen Platz ein, dafür ist nun eine Kirche zu sehen. Dies lässt gewisse Zweifel aufkommen, ob die Anlage um 1502 überhaupt in diesem dargestellten Umfange erstellt wurde, ob die Stiche nicht vielmehr Wunschvorstellungen oder Idealbild waren - ein Umstand, der gelegentlich anzutreffen ist.
In Neapel ist Karl VIII. auf den grossen Humanisten Giovanni Gioviano Pontano getroffen
D e r f r a n z ö s i s c h e G a r t e n
Das Zeitalter Ludwigs XIV. In ihrer Entfaltung stellten die Gärten der Maria von Medici von St. Germain-en-Laye und des Palais Luxembourg ein Ende der Entwicklung dar. Es war der Garten, den Kardinal Richelieu zwischen 1627 und 1637 schuf, der die grosse Tradition aufrechterhielt und die Verbindung zwischen Monceaux und Vaux-le-Vicomte darstellte. Dieser Garten in Ruel durfte sich als einziger mit dem von Luxembourg messen. Er enthielt Bosketts von immergrünen Bäumen und Alleen und als Point de vu dieser waren schöne Fontänen angebracht. Vor dem Haus befand sich ein Parterre mit schönen Brunnen und Broncestatuen. Der Stolz des Gartens war die grosse Kaskade, sie stürzte von einem steilen Abhang über Marmorstufen, durch verschiedene Bassins aufgehalten, "mit erstaunlicher Wut und Lärm" herab. Verschiedene andere Elemente wie Grotten, Basiliken, Bögen etc. verzierten diesen Garten. Erstmals tritt hier die Anlage einer Allee in Form des T-Balkens auf, welcher umgehende Bosketts durchschneidet. Dieses bedeutet eine neue Art der Aufgliederung, welches der Vorliebe des gallischen Geistes für Ordnung und Regelmässigkeit entspricht, die sich auf die Prinzipien der Vernunft und Geometrie stützen. Frankreich nähert sich jetzt der Periode seines nahezu grössten Wohlstandes und seiner grössten politischen Macht. Ca, um 1650 tritt der Finanzmann Fouquet ins wirtschaftliche und politische Rampenlicht, eine Art Erbe der geistigen Grösse und Bedeutung eines Richelieu. Fouquet stand ein unermesslicher Reichtum zur Verfügung. Dadurch gelang es ihm auch, die grössten schöpferischen Geister der Zeit an sich zu ziehen: Corneille, Molière, La Fontaine, Le Vau, Le Brun und weitere. Er beauftragte den Architekten Le Vau, ihm im Gebiet Melun ein Schloss zu bauen, Vaux -le-Vicomte. Für die Anlage des Gartens berief er André le Nôtre. Le Nôtre’s Vater war unter Richelieu Hauptgärtner der Tuilerien, bereits sein Grossvater war dort Hilfsgärtner. Zwei Schwestern von André heirateten Gärtner der Tuilerien. Die Frau eines anderen bedeutenden Gärtners, die Frau von Claude Mollet, war Patin bei der Taufe von André. Es ist wichtig, sich die Art des Gartens zu vergegenwärtigen, den Le Nôtre in Vaux-le-Vicomte anlegen sollte. Es sollte keine Stätte sein, an der ein kultivierter Mann den Umgang mit seinen Freunden geniesst, ein Verlangen, das die Gärten der Medici inspirierte. Noch weniger sollte er Abgeschiedenheit vermitteln, um dort auszuruhen oder um sich der Liebe hinzugeben. Er war vor allen Dingen als prächtiger Schauplatz für Feste gedacht. Um dies zu ermöglichen, konzentrierte sich Le Nôtre auf ein grosses Prinzip - der riesenhafte Garten sollte auf einen Blick in seiner ganzen Ausdehnung erfasst werden. Daher mussten die einzelnen Teile - wie verschieden sie auch immer gestaltet sein mochten - dem Ganzen untergeordnet sein. Um den Garten auf einmal überblicken zu können, musste er verhältnismässig schmal, zugleich aber auch lang sein, weil er durch seine Grösse beeindrucken sollte. Der Blick von der obersten Terrasse sollte zwar in die Ferne schweifen, aber dabei nicht nach den Seiten abgelenkt werden. So wurde der perspektiv-geometrische Garten geboren: der kleine rechteckige, von Gräben umgebene Garten hat sich in einen riesigen Teppich verwandelt, der von der Terrasse des Hauses aus so weit aufgerollt wurde, dass er eher einer Theaterszenerie als einer Realität glich. Vaux-le-Vicomte wurde im Jahre 1650 begonnen. Von der Schlossterrasse gelangt man über den Wassergraben in den Garten. Zu beiden Seiten liegen fontänegeschmückte Parterres, die absichtlich in einfachen Linien gehalten sind, um das Auge nicht vom reichen Parterre de broderie abzulenken, welches vor dem Hause liegt. Die meiste Bewunderung erregt "la Fontaine de la couronne", die eine Strahlenkrone auf dem kristallenen Wasser balanciert; ein runder Springbrunnen am Ende und zwei kleine schmale Wasserkanäle schliessen dieses Parterre. Daran schliesst sich die Hauptachse, welche beidseitig von zierlichen Wasserläufen begleitet ist. Auf beiden Seiten befinden sich von Blumen eingefasste brunnengeschmückte Rasenparterre, der Abschluss wird durch ein grosses, quadratisches Bassin gebildet. Zuunterst in der Anlage ist der breite Kanal angelegt, der den ganzen Garten ohne Brücke abschliesst. Hinter diesem steigt ein Hügel ziemlich steil an. Den Fuss formt ein Waserwert, in dem sich Grotten, Flussgötter, Fonänen und Wassertiere befinden. Zuoberst auf dem Hügel bildet die mächtige Gestalt des Herkules und eine prächtige Wassersäule den Abschluss des Gartens. Seitlich wird der Garten durch Bosketts eingerahmt. Links vom Schloss ist das aufsteigende Terrain zu einer Terrasse ausgebildet, zu der in den Seitenachsen des Gartens eine kleine Kaskadenanlage und ein schöner Rampentreppenaufgang überleitet, auf der andern Seite führen kostbare Gitter in Bosketts, die im Innern teils Blumenparterres, teils Blumengärten, teils Irrgärten, mit Brunnen geschmückt, teils sog. Wassertheater enthalten
Das vue-System, Patte d’oie-
(Führt zurück auf eine Jagdmethode) Es wurden Schneisen in den Wald ‘geschlagen, so dass dann das wild leicht erkannt wurde. Von der Kutsche oder vom Pferd aus konnte es abgeschossen werden. Diese Reitwege trafen an einem Knotenpunkt zusammen, so dass von diesem Punkt aus alle Wege eingesehen werden konnten. Mollet hat dieses System vermutlich erstmals für seine Gartengestaltung übernommen.
In Louis XIV. reifte der Plan, in Versailles ein alles überstrahlendes Königshaus zu erbauen. Er nahm Le Vau zu seinem Architekten, Le Brun zu seinem Maler, Le Nôtre zu seinem Gartenkünstler und La Fontaine und Molière halfen Ruhm und Feste dieses Schlosses zu erhöhen. Ludwig XIII. hatte an dieser Stelle um 1624 ein kleines Jagdschloss gebaut, umgeben von weitem, sumpfigem Jagdgrunde. Das Schlösschen war ein anmutiger Ziegelrohbau, umschloss mit vier Eckpavillons einen Hof und war ringsum mit einem Wassergraben umgeben. Den Garten, ganz des XVII., legte Jacques Boyceau an. Ludwig XIV. scheute sich, dieses von ihm geliebte Schloss zu zerstören, er stellte den Baumeistern die schwierige Aufgabe, um diesen alten Kern immer wachsende und wachsende Schalen anzulegen. So regte ihn in Vaux zuerst nicht die Schönheit des Schlosses, sondern der Garten zum Wetteifer an.
Ludwig plante Feste im Stil und Ausdehnung, die jene am spanischen Hofe übertreffen sollten. Da musste der Garten als Schauplatz leisten was das Schloss nicht vermochte, und Le Nôtre wusste, was er tat, als er von der grossen, obersten Terrasse die hufeisenförmigen Wege herabführte und dort ein zweites grosses Parterre anlegte, dann von hier mitten durch die dichten, waldartigen Bosketts, von denen anfangs nur zwei im Innern geschmückt waren, eine sehr breite, 335 m lange Allee hin bis zu einem mächtigen, ovalen Bassin führte, wo zunächst eine Querallee den Garten abschloss. Begonnen wurde mit dem Garten vermutlich 1662. Um 1664 wurde die Orangerie unter dem Südparterre gebaut.
Der Grundplan des Gartens hat sich bis heute nicht verändert. -Die von ihm beanspruchte Fläche umfasst etwa ein Rechteck, vermittelt jedoch den Eindruck einer enormen Fernsicht. Um den Eindruck der weite zu gewährleisten, wiederholte Le Nôtre den Einfall vom Schloss Richelieus und von Vaux, die Mittelachse mit Baumgruppen zu flankieren. Hier führte er dies jedoch in einem viel grösseren Massstab und mit einem noch triumphaleren Effekt aus. Der Garten war mit Reissschiene, Zirkel und Winkelmass geplant, eine geometrische Planung kann aber sehr eintönig sein. wohl wechseln schon die Hauptbrunnen und andere Elemente in dem grossen axialen Projekt immer wieder, doch suchte Le Nôtre darüber hinaus die Eintönigkeit durch die Schöpfung zahlreicher "giardini secreti" in den seitlichen Gehölzen zu bannen, die sich in einem Zustand dauernder Veränderung befanden. Im Jahre 1678 wurde die berühmte und höchst charakteristische Anlage aus den ersten Jahren von Versailles, die Grotte der Thetis, entfernt und nicht wieder aufgebaut. Sie musste einer Vergrösserung des Schlosses weichen. Zusätzlich zum Schloss wurden vier ‘Zufluchts- orte’ geschaffen: Trianon, das kleine Trianon, Clagny und Marly. Das Trianon de Porcelaine wird Michel Le Bouteux, dem Gärtner des Herzogs von Vendôme, das andere Trianon Hardouin-Mansart, als sich dieser durchzusetzen begann und Le Nôtre schon ein alter Mann war. Das charakteristische von Marly, das immer wieder besonders von deutschen Fürsten nachgeahmt wurde, war eine Reihe von getrennten Pavillons, die für die Gäste des Königs gebaut wurden. Sie entsprachen einer Weiterentwicklung der Trianon. Die Schwierigkeit bestand darin, durch die Aneinanderreihung der diversen Gebäuden, den ungebrochenen Zusammenhang des Gartens nicht zu verlieren, was allerdings nicht ganz gelang. Chantilly stellte ein ganz anderes Problem. Das von Gräben umgebene, mittelalterliche Kastell mit Anbauten aus dem 16. Jh. war ein unsympathisches Gebilde, dem Ausgangspunkt für grosse Achsen und Gartenperspektiven fehlten. Nur im Hauptgarten im Osten, der nicht mit dem Schloss und den übrigen Gärten zusammen hing, spürte man die weiträumige und grosszügige Planung von Le Nôtre. Nach
Le Nôtre konnte dem geometrischen Garten nichts mehr hinzugeführt werden; man versuchte es auch nicht. Der rechtwinklige Garten hatte die Grenzen seiner Entwicklung erreicht: dem menschlichen Geist und dem menschlichen Auge sind Grenzen gesetzt. Als die Perspektive glücklich die Raumtiefe erreicht und sich gewissermassen über die Blickweite des menschlichen Auges hinaus ausgedehnt hatte, war die Grenze des Möglichen erlangt. Niemand in Frankreich kann die grossen Gärten nach dem Sonnenkönig erhalten, niemand weiss etwas mit ihnen anzufangen. Das Zeitalter des theatralischen Barocks war in Frankreich vorüber, und nach einer gewissen Zeit des Übergangs trat das Rokoko an seine Stelle. Als Ludwig XV. älter wurde, siedelte er nach Versailles über. Der Pompadour genügten allerdings die Trianons. Das Zeitalter der Laute trat an die Stelle der Trommel.
B a r o c k e G r o s s a n l a g e n i n D e u t s c h l a n d
Bei der Entstehung der ausgedehnten deutschen barocken Anlagen zwischen 1690 und 1740 im Verband der zahlreichen fürstlichen Residenzen, haben neben den französischen Einflüssen auch holländische und italienische mitgewirkt. Kulturelle, politische und familiäre Beziehungen spielten eine wesentliche Rolle. Die ‘Libertäten’, die im westfälischen Frieden statuiert wurden, wurden streng überwacht, so dass auch in der Hauptstadt Wien keine Vormachtstellung ent- stehen konnten.
Abweichungen der franz. Vorbilder
Die Abweichungen stammten im allgemeinen aus älteren, eigenen Vor- stellungen, auch wurde durch Bildungsreisen manch ein Aspekt mitgebracht. Der ‘grosse Garten’ von Herrenhausen hat seinen geometrischen Stil der Entstehungszeit bis heute verhältnismässig rein zu bewahren vermocht. Der Gründer war der Kurfürst Johann Friedrich von Hannover (1665 - 1679) und die Frau seines Bruders Ernst August (1680 - 1698). Die Kurfürstin Sophie war nach den böhmischen Kriegsabenteuern ihres Vaters in Holland aufgewachsen, wo sie die ersten entscheidenden Eindrücke von den Gärten der Oranier in Nieuwburg, Honslaarsdyk und Het Loo bei Apeldoorn erhalten hat. Dort spielte der natürliche Kanal eine Hauptrolle. Schöpfer der Anlage von Herrenhausen war Martin Charbonnier, der schon für Sophie vor deren Thronbesteigung in Idburg und Osnabrück tätig war. Der um 1710 vollendete Garten folgte den klassischen Regeln Le Nôtres mit einem reich gegliederten Parterreraum mit zentralem Wasserbecken unmittelbar vor der Gartenseite des Schlosses. Es folgen vier fast quadratische Becken und anschliessend ein zweites, einfacheres Parterre, das die Überleitung zu den Bosketts bildet, die von je zwei ganz regelmässigen sternförmigen, von Buchshecken eingesäumten Alleen durchzogen werden und im Zentrum je ein Bassin haben. Bezeichnend ist die Fülle von Einzelfeldern mit Lusthäusern, Fontänen, Grotten, Wasserfällen und Springwerken, die den Garten etwas altertümlich erscheinen lassen und Ähnlichkeiten mit dem Heidelberger Schlossgarten aufweisen, in dem Sophie einige Zeit weilte.
Auf der Wilhelmshöhe bei Kassel haben italienische Terrassengärten Pate gestanden. Francesco Guerniero war hier der Architekt, der allerdings seine Idee nicht voll verwirklichen konnte. Ausgeführt und geblieben ist das auf einer Anhöhe des Habichtswaldes gelegene Wasserschloss in Form eines monumentalen Oktogons mit der überdimensionalen Figur des Herkules Farnese als Bekrönung. - Ausgangspunkt der geplanten Wasserkünste, die in drei weiteren Sprüngen bis vor ein damals nicht ausgeführtes Schloss anstelle der heutigen Wilhelmshöhe Anlage führen sollte - unterbrochen durch zwei querlaufende Terrassen mit Grotten, Wassertheater und anderem Wasserwerk. Doch nur das oberste Drittel wurde fertiggestellt - vom Herkules-Schloss bis zur Neptungrotte. Die Kaskade von zweihundertfünfzig Metern Länge ist allerdings immer noch imponierend.
Nymphenburg (1701) und Schleissheim (1715) wurden unter dem Kurfürst Max Emanuel unter französischem Einfluss erstellt. An beiden Orten entstanden die auf axial-geometrischen Formen beruhenden Anlagen, für die sich der Kurfürst aus Paris die Le Nôtre - Schüler Carbonet und Dominique Girard geholt hat. Joseph Effner schuf die bedeutenden Gartenanlagen der Pagodenburg (1716), Badenburg (1719) und der Magdalenerklause (1725). François de Cuvilliés der ältere baute 1734-39 Amalienburg. Sowohl in Nymphenburg wie in Schleissheim ist die Hauptachse durch einen breiten Kanal bestimmt, er beginnt, bzw. endigt jeweilen am Ende der mit Bassins, Fontänen und Teppichbeeten geschmückten Parterreanlagen vor dem Schloss. In Nymphenburg teilt dieser Kanal den Garten in zwei Hälften, im Zentrum der beiden Hälften und im Verlauf der Querachse und weiterer Diagonalen erheben sich Baden- und Pagodenburg mit ihren Bosketts. In Schleissheim spannt sich der Kanal zwischen dem Parterre und dem Schlösschen Lustheim, die Wasserachse wird durch eine Kaskade abgeschlossen. Die beiden Schlösser, die rund 12 km voneinander entfernt liegen, waren früher mit schiffbaren Kanälen verbunden.
Eine der schönsten und eigenwilligsten Anlagen im Bereich der geistlichen Residenzen war die von Kurfürst Franz Lothar von Schönborn bei Mainz geschaffene Favorita, direkt am Rhein gelegen. Der Eingang von der Stadt an der nördlichen Schmalseite bestimmte die Richtung der Zufahrt, die parallel, aber keineswegs in der Achse des Grundstückes lag, und oberhalb Raum für eine gleichlaufende, vom übrigen Garten isolierte Promenade frei liess. Das Lustschloss selbst lag zwar in der Achse der Zufahrt, aber es bildete keineswegs das Zentrum der beiden dazwischen liegenden Parterrezonen, deren Achsen sich quer zu dem Eingangsraum mit Ausrichtung auf den Strom entwickelten, sondern war in einer Ecke des amphitheatralisch angeordneten Bezirkes der Orangerie erbaut. Die zum Rheinufer niedersteigende Raumfolge . war durch Rampen und Treppen geordnet und durch Wasserbecken, Kaskaden und Pflanzenkübel gegliedert. Für diesen Parallelismus der beiden quer zum Flussufer gelegenen Parterres, wie auch für das ziemlich abrupte Zusammenstossen mit der parallel zum Fluss laufenden Eingangszone hätte man in Frankreich wenig Verständnis gehabt Einen einheitlichen Gartentypus in französischem Sinne, in einer Manier strenger Observanz, hat es in Deutschland nicht gegeben.
Der Zwinger in Dresden nimmt eine Sonderstelle ganz eigener Art ein. In einem Bollwerk des Festungswalles (Zwingergarten) begann man 1709 nach den Plänen von Matthias Daniel Pöppelmann den viereckigen Platzraum zu gestalten, der sowohl für gärtnerische Schaustellungen wie für festliche Anlässe zu dienen hatte. An den beiden Längsseiten buchtet die Anlage hufeisenförmig aus, wobei hier sehr schöne Treppenanlagen angebracht sind. Die Verbindung bilden Bogenreihen, unterbrochen von den Treppenhäusern mit dem Kronentor nach der Stadtseite. Figuren, Blumenvasen, Springwerk und Grotten füllen und bereichern dieses Parterre. In Wien entstehen zu dieser Zeit ebenfalls bedeutende Gärten. Der Belvederegarten erstreckt sich auf einem Hanggelände zwischen zwei Wohnschlössern.
Der (Garten-) Architekt Dominique Girard (Schleissheim und Nymphenburg) tritt hier in die Dienste des Prinzen Eugen. Eine einzige durchgehende Mittelachse bestimmt die Gliederung der rechteckig gestreckten Anlage. Eine Querachse nimmt den Höhenunterschied auf, unterhalb entsteht der Heckengarten, der in vier Compartimente eingeteilt ist. In den oberen Teilen führt über eine Kaskade in der Mitte und zwei weitgespannte Treppen an den Seiten. Er ist baumlos und durch Teppichbeete und Wasserspiegel gegliedert. Entstanden ist der Garten ab 171?. Der heute bekannte Garten Schönbrunn, erstmals 1705 - 06 von Jean Trehet angelegt, wurde 1765 nach Plänen von F. Hetzendorf geändert, nachdem er bereits 1750 nach Entwürfen von Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey erweitert. Erst in der letzten Phase, als der Garten seine heutige Gestalt erhielt, erbaute Hetzendorf von Hohengerb die graziöse Gloriette, die zum Wahrzeichen von Schönbrunn geworden ist. Die grossartigen Pläne von Fischer von Erlach kamen leider nicht zu tragen. Beim Palais Schwarzenberg, ursprünglich die Besitzung des Grafen Fondi-Mansfeld,’ ist das mittlere Parterre wohl vorhanden, die seitlichen Bosketts aber nicht, wodurch wie in den Niederlanden die seitliche Ausdehnung und die seitlichen Ausblicke fehlten. Der fest umrissene Typus dieser Gärten fällt auf. Der Kanal spielt keine Rolle, statt dessen tritt das Wasser in die stark betonte Mittelachse als mehrfache Kaskade, bedingt durch die Terrassen, die überall vorherrschen. Der Schmuck der Bosketts ist einfacher als in Frankreich. wesentliche Einflüsse kommen immer noch aus Frankreich. weitere Bauten sind das Schloss Hof des Prinzen Eugen, bedeutend sind auch die Gärten des Palais Lichtenstein.
Der Übergang zum englischen Landschaftsgarten
David Hume, der englische Empiriker, schreibt 1748: ‘Nichts erscheint wohl auf den ersten Blick unbegrenzter als das Denken des Menschen, das sich nicht nur aller menschlicher Macht und Autorität entzieht, sondern sich nicht einmal an den Grenzen von Natur und Wirklichkeit halten lässt.’ Diese Aussage ist prägend für die Landschaftsauffassung des 17. Jh., denn am Anfang des englischen Gartens steht die Landschaft, die Natur. Beeinflusst durch das Weltbild der italienischen Renaissance erscheint die Natur gezähmt, gerundet. Das Staatsverständnis der damaligen Zeit drängt der Natur eine ganz bestimmte Rolle auf.
Der Staat erscheint nicht mehr als naturwüchsig und selbstverständlich, sondern als durch positives Recht gesetzt. Der Mensch sei ja von Natur aus schlecht, wie Macchiavelli, Calvin, Luther und andere sagen. Und so übernimmt der Staat die Aufgabe der Züchtigung. Die Natur liegt somit als die Gefallene vor, die es zu ordnen und zu unterdrücken gilt. Beherrschung der Natur wird zum absoluten Lebenszweck.
Die Natur soll verfügbar, messbar, geordnet sein. Sie wird genau beobachtet und in das rechte Verhältnis zum Menschen gebracht. Der menschliche Verstand übernimmt die Ordnung der Natur nach Prinzipien, die in ihr selbst angelegt sind, nämlich nach Massverhältnissen. Von diesem Naturverständnis gehen die Maler Claude Lorrain (1600-1682) und auch Nicolas Poussin aus, oder besser, in diesem erleben sie Landschaft. Diese wird nicht mehr als die in sich geschlossene dargestellt, nicht als Landschaft, die wie im Mittelalter Teil der menschlichen Natur ist, sondern ähnlich wie bei Dürer, wo Landschaft mit dem Menschen nicht durch Arbeit, sondern durch Reflexion und ästhetischer Betrachtung verbunden wird. Bei Claude erscheint die Landschaft deshalb nicht in ihrem Selbstverständnis. Eine Landschaft als Subjekt verstanden, als etwas, worin und mit dem der Mensch lebt, lässt sich schlicht nicht objektivieren und somit darstellen.
Die verfügbare Landschaft des Claude ist als eigentliche Landschaft gar nicht interessant. Es geht nicht darum, Landschaft so wie sie ist, darzustellen, sondern die Landschaft, die Natur ist das Objekt der Menschen; sie wird so dargestellt, wie sie verstanden wird. Die Realität der Landschaft spielt keine Rolle mehr. Sie ist Mittel zum Zweck, sie hat zu dienen, ist messbar, hat verfügbar für menschliche Bedürfnisse zu sein. Und so wird nicht mehr die Landschaft dargestellt, sondern ein Idealzustand. Nichts kann den Künstler daran hindern, an sich völlig landschaftsfremde Elemente einzufügen und das Gemalte trotzdem als Landschaft zu betrachten. Nicht das ist wichtig was Landschaft ist, sondern das, was sie sein soll. Vor diesen Bildern steht nun der Earl of Shaftesbury auf seiner Italien-Reise im Jahre 1690. Vor diesen Bildern, die zwar den gleichen geistigen Hintergrund haben, die zu den Gärten von Versailles geführt haben, die aber Landschaft auf eine ganz andere Art und weise interpretieren. Und auch andere Engländer bekommen Kenntnis von diesen Bildern, sicherlich Kent, sicherlich Switzer. Die Möglichkeit, die Idee zum englischen Landschaftsgarten ist eröffnet.
D e r (englische) L a n d s c h a f t s g a r t e n
In den dreissiger Jahren des 18. Jh. begann in England der grosse Umbruch in der Gartenkunst in Erscheinung zu treten. - Ein Umschwung des Geschmacks, der ohne Beispiel in der Geschichte der Gartenkunst ist, und für den es kaum eine Parallele auf einem anderen Gebiet der Kunst gibt. Der geometrische Garten war tatsächlich am Ende seiner Möglichkeiten angelangt, der seinen Ausgang im kleinen mittelalterlichen Burggarten hatte und wo nichts anderes zu tun war, als die Alleen immer weiter und weiter auszudehnen und immer mehr Wasserkünste hinzuzufügen, bis man gewissermassen ganz Europa in Sterne, Ausblicke und lineare ‘Pièce d’eau’ aufgegliedert hatte. Sobald dann die Möglichkeit der horizontalen Gestaltung erschöpft war, verwandelte man den stark gewachsenen Buchs in skulptierte Formen: die Erfindungen wurden immer bizarrer und erstaunlicher und der Garten füllte sich zusehends.
Man muss annehmen, dass die letzten Gründe des Umschwungs wirtschaftlicher Natur waren. Königin Anne war sparsam und erwartete von ihrem Gärtner, Henry Wise, dass er mit wesentlich geringeren Mitteln viel grössere Flächen zu betreuen hatte. Die unmittelbare Auswirkung von Switzers Doktrin ‘Utile Dulci’ - "eine verständige Mischung und Verbindung von Annehmlichkeiten des Landes mit Nützlichkeitserwägungen" - bestand darin, "solche Ver-flechtungen aus Buchs und ähnlichen nichtigen Ornamenten abzuschaffen und an deren Stelle den schlichten, aber edlen Schmuck von Gras, Kies und ähnlichem zu setzen, worin wir die anderen Länder so überragen." Entfernte man aber die Teppichbeete und "ähnliche nichtige Ornamente", so blieben von dem Renaissancegarten nur die Bosketts in einer rechteckigen Umzäunung übrig.
Deshalb wurden die Anpflanzung und Verteilung von Bäumen für die nächsten sechzig Jahren zur Hauptaufgabe eines Gärtners.
Das Streben nach ‘Natur’ hatte mit einer Ablehnung aller erkennbar geometrischen Formen, insbesondere der geraden Linien begonnen. Die Geraden wurden aus den Gärten entfernt, die Geraden des Parks aber blieben. Das ergab jedoch wieder eine Trennung, welche unter Einbeziehung der gewunden Wege überwunden wurde.
Park und Garten wurden miteinander verschmolzen, die Schneisen (die früheren Parterres und Pattes d’oie) bildeten die Sichtachsen in die Landschaft hinaus. Rotwild und Schafe hielt man mit den sog. ‘Ha-Ha’ (od. Aha) von der Nähe des Hauses fern. Diese Trennungslinie bestand aus einem Graben, auf dessen Grund sich ein Zaun befindet. Nähert man sich einem Ha-Ha, wird man den Graben erst auf den letzten Metern gewahr, der Park scheint durch nichts unterbrochen in die Landschaft hinaus zu fliessen. Das anliegende Parkgelände ausserhalb des versenkten Zaunes musste mit den Rasenflächen innerhalb desselben in Einklang gebracht werden; es aalt ferner, den Garten von seiner ursprünglichen Regelmässigkeit zu befreien, damit er mit der nicht kultivierten Landschaft draussen übereinstimmte. Switzer schreibt: ‘Die wahren Künstler hingegen huldigten immer der Natur, und sie waren sich immer bewusst, dass alle Kunst im Studium der Natur besteht."
Kent (1684 - 1748), einer der drei bekannten englischen Gartenkünstler, ist oft als der führende Kopf des Umbruchs zum natürlichen Garten angesehen. Er besass ein gewisses Talent, die Theorien einer Gruppe von Dilettanten, die sich um den Earl of Burlington versammelt hatten, in die Tat umzusetzen und wurde - wahrscheinlich mit vollem Recht - als ein Tausendsassa angesehen. Eine späte und vollständige Schöpfung von ihm ist uns in Rousham erhalten, der Garten ist jedoch geprägt von der mangelhaften Harmonie und der Mittelmässigkeit der Proportionen. Der Garten gilt heute nicht unbedingt als ein Beispiel einer glücklichen Gartenkomposition. Seine Inspiration der Gärten stammt weniger von den Landschaftsbildern von Claude Lorraine, vielmehr von den damals schon 200 Jahre alten und z.T, verwilderten italienischen Anlagen. was Kent jedoch tatsächlich nach Hause brachte, war die Erinnerung an vereinzelte Gartenszenerien - ein wuchernder ‘bosco’ vor einem Tempel., ein Teich, eine Reihe von Statuen etc. Drei wichtige Dinge entstanden immerhin dadurch:
Die Verwendung von unbeschnittenen Bäumen, die Aufteilung des Gartens in eine Folge von Bildern und vor allem die Preisgabe der Beziehung zwischen Gebäude und Gartenanlage und der Gartenteile unter sich. Der bedeutende Garten dieser Zeit ist Stowe. Er wird um 1724 beschrieben. Die Gärten bestanden aus zahlreichen, mit Statuen geschmückten Spazierwegen, die in Sommerhäusern und Tempeln endeten. Es gab einen Apollotempel, einen Triumphbogen, einen Garten der Venus und ein mit Statuen von Göttern und Göttinnen überfülltes Amphitheater-. Alles wurde von einer hohen Säule beherrscht. Am Ende des bekiesten Weges, der vom Haus wegführte, befanden sich zwei Tempel mit einem runden Teich, aus dessen Mitte sich eine mindestens fünfzehn Meter hohe Pyramide erhob. Auf halbem weg befand sich ein weiters Bassin mit einer Pyramide und näher beim Hause ein Springbrunnen. Die quer- laufenden Wege endeten in ‘Kolonnaden, Bögen, Statuen’. Man kann feststellen, dass sich während der Übergangsperiode drei unterschiedliche Gartenformen entwickelt haben. der malerische Garten (war am wenigsten häufig) der poetische Garten der geläuterte Garten Alle waren zwar ‘natürliche’ Gärten, wobei die Natur jeweilen unterschiedlich zu bewerten ist.
William Chambers
Er verfasste im Jahre 1772 ‘A Dissertation on Oriental Gardening’. Über den Umweg der Chinoiserien gelang es ihm, seine recht revolutionären Gartenideen zu verwirklichen. Chinoiserien waren zu der Zeit sehr beliebt. Pagoden, chinesische und japanische Gartenhäuser etc. wurden überall aufgestellt. In dem von Chambers vertretenen Gartentyp durfte nicht vergessen werden, was den Geist erfreute, den Sinnen schmeichelte oder die Einbildungskraft anregt. Um Furcht zu erzeugen stellt Chambers Galgen, Kreuze, Räder und andere Marterapparate auf, für die Gipfel der Berge schlägt er die Errichtung von Kalköfen und Glashütten vor, die grosse Flammen und ständig dicke Rauchwolken ausspeien, um Vulkane vorzutäuschen, ferner, elektrische Schläge, künstlicher Regen, winde und Explosionen, sowie planmässig und sorgfältig vorbereitete Erdbeben. Für die Erfreuung des Gemütes schlägt er junge tatarische Schönheiten in durchsichtigen Gewändern vor. Die Gärten von Kew weisen eine lange Tradition von poetischem Wirrwarr auf, und die Hauptzüge von Chambers Werk waren dort bereits vorweggenommen. Trotz den Bemühungen Chambers verlor der poetische Garten in England um 1760 an Boden, setzt sich jedoch an verschiedenen Orten auf dem Kontinent fort, z.B. im Park Wilhelmshöhe bei Kassel, Pagodenburg München etc.
Der geläuterte Garten --- der Garten - eine Harmonie
Lancelot Brown (1716 - 1783)
Um 1750 tritt einer der bedeutendsten Gartenarchitekten, Lancelot ‘Capability’ Brown, geboren 1716. Zunächst arbeitete er einige Zeit unter Kent in Stowe und gestaltete 1751 den ersten Garten, zwar noch unter Verarbeitung einiger Ideen von Kent, in Warwick Castle. Eine schwierige Aufgabe, war das Gelände doch sehr eingeengt. Von An- fang an betätigte er sich auch mit beachtlichem Erfolg als Architekt, vor allem bei Bauten im Garten. Auf seinen Rat hin wurden viele geometrische Gärten umgestaltet, so auch in Blenheim, einer seiner berühmtesten Umwandlungen. Dort verwandelte er den reichlich kümmerlichen Wasserlauf in zwei grosse Seen, die an ihrem Zusammenfluss von einer Brücke von Vanbrugh überquert wurde, das bescheidene Parterre von der Südfront verschwand gänzlich, und die am äusseren Rand der Festung gepflanzten Boskette wurden entfernt. Brown schuf für die Gesellschaft, der er diente, eine ideale, persönliche Welt. In ihr war das Werk von Menschenhand nicht deutlich sichtbar, sondern sie war mehr als das Werk der Natur, aber eine auf bestimmte Form beschränkte Natur: üppig, gerundet, fruchtbar und weiblich. Den Vorstellungen von Kent hat er Form, Einheit und Ausgewogenheit gegeben.
"Die grossen Grundsätze, nach denen er arbeitete, waren die Perspektive, das Licht und der Schatten. Gruppen von Bäumen unterbrachen die zu grosse Monotonie und weite eines Rasens. Immergrüne Pflanzen und Gehölze wurden dem besonnten Glanze des offenen Feldes gegenüber gestellt. Dort wo der Ausblick weniger günstig war oder offen dalag, um auf einmal erfasst zu werden, fügte er tiefe Schatten ein, um ihn zu belegen". Die Arbeiten würden "mit der Empfindung des Dichters und den Augen des Malers" durchgeführt. Brown konzentrierte sich fast ausschliesslich auf die angenehme Wirkung der kontrastierenden und harmonierenden Wellenlinien.
Seine Landschaften waren lineare Kompositionen in drei Dimensionen, mit fast keinen Gebäuden, Statuen etc. wie Le Nôtre befand sich Brown am Endpunkt einer Entwicklung. Der Zeitgenosse Walpole schreibt dazu: "wir haben die Vollendung erreicht. wir haben der Welt das Vorbild der wahren Gartenkunst gegeben. Andere Länder mögen unseren Geschmack nachahmen und verderben, hier aber soll er auf seinem grünen Thron herrschen - original durch seine elegante Einfachheit. Er ist auf keine andere Kunst so stolz wie auf jene, dioe es versteht, die Strenge der Natur zu mildern und ihr anmutvolles Spiel nachzuahmen.’
Brown war im eigentlichen Sinne der Erfinder der Parklandschaft und des heutigen Erholungsparks.
In dieser Zeit kehrte die Pflanze in den Garten zurück und zwar über Chambers ‘poetischen’ Garten. Es wurde vor allem auch Exoten in vermehrtem Masse angepflanzt und gesammelt. Die Sammlungen der Aristokraten und der Botaniker begannen sich langsam zu vermischen.
Der malerische Garten Frankreichs
Die Prachtentfaltung unter Ludwig XIV. bleibt einmalig. Das Pendel schlägt auch in Frankreich zurück. Die Kunst der Natur überlassen ist die Devise Dézallier d’Argenville, welcher 1709 sein Werk "La théorie et la pratique du jardinage" in Paris erscheinen lässt. Dieses umfassende Werk, welches die Gartenkunst in Frankreich in den nächsten 50 - 60 Jahren bestimmt, lehnt sich zwar zunächst noch an die Grundformen Le Nôtres an. Die fein ausgearbeiteten Details überspielen aber mehr und mehr den grossen Zug der klassischen französischen Gartenanlage. In der Grundrisskonzeption dieser Gärten der Régence, wie man die Zeit zu Beginn des 18. Jh. auch nennt, folgte man den Prinzipien klassischer Gartenkunst, die jedoch strenger und systematischer exerziert wurden und zu einer gewissen Schematisierung und Vereinfachung führten.
Verglichen mit den sehr individuellen Gartenkonzeptionen des 17. Jh. Vaux-le-Vicomte, Versailles, Marly usw., waren die der Régence-Anlagen ziemlich einheitlich. Das Terrain wurde wenn möglich meist längs orientiert und abgesteckt. Die Disposition der Gartenalleen und Gartengevierte erfolgte sehr symmetrisch um die Hauptachse, jeder Teil hatte möglichst ein Pendant. An den meisten Anlagen der Régence war das Bestreben um eine regelmässige Abgrenzung des Gartengeländes gegenüber der Landschaft ablesbar, die für klassische Gärten nicht unbedingt verfolgt wurde.
Das vorherrschende Gliederungssystem für die Gärten war das orthogonal geführter Alleen und Achsen, die auch die Orientierung der grösseren Grünräume bestimmten. Das Parterre glich noch weitgehend dem klassischen Arabesken-Ornament. Aber Basse-Parterre und auch Parterre de pièces coupées waren nicht mehr modern. Die beschränkte Verfügbarkeit von finanziellen Mitteln führten zu einer weiteren Maxime nämlich dem "Noble simplicité", welche zudem eine Reaktion auf die klassischen französischen Gärten war. Das Patte d’oie, der Gänsefuss, findet vermehrt Verwendung auch in der Parterre-Anlage. Im klassischen französischen Garten wurde dieses Gestaltungsprinzip meistens nur in den Auffahrtsalleen, also im rückwärtigen Teil des Schlosses, verwendet, dafür wird die ausgeprägte Mittelachse immer mehr vernachlässigt.
Der eigentliche malerische Garten Frankreichs hat seine Quelle jedoch in Attiret’s Beschreibung des Gartens des Kaisers von China, welche 1749 erschien. Dazu muss erwähnt werden, dass insbesondere französische Jesuiten schon seit längerer Zeit in China Missionsarbeit leisteten. Ihre Eindrücke hinterliessen selbstredend Spuren auch in Europa. Wie bereits erwähnt, fand eine ähnliche Entwicklung auch im englischen Landschaftsgarten statt, beeinflusst durch ’Disertation on orientale gardening" von Chambers. Die jetzt entstehenden Garten- anlagen in Frankreich unterscheiden sich fundamental von den bisherigen immer am geometrischen Muster orientierten Gärten. Auch der Einfluss von England macht sich selbstredend bemerkbar. Die dortigen Anlagen sind ja bereits in der Jahrhundertwende entstanden. Der französische Maler Watelet, wie auch Rousseau lehnen den klassischen französischen Garten aber auch den neuen englischen Landschaftsgarten ab. Beiden Typen werfen sie vor, künstlich zu sein, zudem würden die Engländer ihre Gartenideen den Chinesen abstehlen. Der englische Landschaftsgarten würde in seiner Affektiertheit oft lächerlich wirken. Er lehnt auch die malerischen und romantischen Einflüsse der Engländer ab, von denen er behauptet, sie seien künstlich und würden den gewünschten Effekt nicht erzielen.
Watelet wie Rousseau empfehlen eine einfache Menschlichkeit im Garten, vergleichbar dem Schafhirten, der an diesem Orte wohnt. Überhaupt solle der neue Garten die Intensionen des Besitzers widerspiegeln also insofern ein eigenständiges Werk sein, dass es sich nicht nach einer allgemeinen Mode zu richten habe; immerhin empfiehlt er Bewegung, Zufälligkeit und Ungleichmässigkeiten in der Landschaft. Eine eigentliche Gartenarchitektur lehnt er ab. Auf der anderen Seite erlaubt er oder empfiehlt sogar Statuen von berühmten Männern, Tempel, die der Kunst der Wissenschaft oder den angenehmen Gefühlen gewidmet sind. Er schlägt auch Einschriften vor in Bäumen, in Säulen und in Obelisken. Der Garten soll eine Synthese von geistiger und physischer Realität sein und nicht so wie die englischen Gärten, welche lediglich den optischen und fühlbaren Eindruck anstreben. Er reflektiert den Wunsch nach Rückzug von Aufklärung und Weltlichkeit und ist auch eine Reaktion gegen alles theatralische und künstliche und bizarre, welches im chinesischen Gartenstil auftritt.
Einer der bedeutendsten Gärten, welcher in diesem Stil angelegt wurde, befindet sich in Ermenonville, ein Ort, welcher vor allem durch Jean-Jacques Rousseau bekannt wurde, der seine letzten Tage in diesem Park verbracht hat. An ein kleineres Schloss grenzen ausgedehnte Flächen.
Im Gegensatz zu vielen französischen Gärten, die weitgehend flach und trocken sind, befinden wir uns hier in einer recht kupierten Landschaft. Sie ist unregelmässig, hügelig aber auch sumpfigere Teile sind darin zu finden; ein Fluss und ein See sind ebenso darin zu finden. Girardin, der Besitzer und Gestalter des Gartens in Ermenonville lässt Kaskaden anlegen, über welche der Fluss fällt, der anschliessend in ein mäandrierendes Bett gelegt wird. Mit der Grotte und bewaldeten Hügeln entsteht eine Art Arkadien wie es bereits von Claude Lorraine vorweggenommen wird. Im grossen See werden zwei Inseln angelegt, welche pappelbestanden sind. Auf der einen befindet sich heute das Grab von Rousseau, auf der andern dasjenige des Malers G.F. Mayer. Der Tempel der modernen Philosophie rundet das natürliche Bild ab. In der Ferne erblickt man die Ruine des Turmes von Mont Epilet. weitere Bauten, wie die Einsiedelei, die Hütte des Philosophen, die Brauerei, die Scheune, welche zu allerlei Festivitäten diente, aber auch der Bauernhof sind weitere Attribute. Letzterer war einerseits gestalterisches Element, andererseits wurde hier auch Landwirtschaft betrieben, welche ganz in das Bild dieser heilen und natürlichen Landschaft passte. wenn man durch diesen Park spaziert, erscheinen einem die einzelnen Bauten und Anlagen fast wie Perlen an einer Kette, aber so gestaltet, dass die Einheit des Gesamtbildes gewahrt bleibt.
Rückblickend muss man sagen, dass die angestrebte Natürlichkeit heute doch recht günstig wirkt und sie war es auch schon damals in der zweiten Hälfte des 18. Jh. Der königliche Geograf Le Rouge hat in einer umfangreichen Mappe, die gegen 2000 Blätter enthält, wohl die meisten dieser Anlagen stechen lassen. Man kann sich heute also ein umfassendes Bild machen von den Gartenanlagen, wie sie damals unter dem Einfluss von Rousseau und andern Romantikern angelegt wurden. Ein weiterer Jardin Anglo-Chinois, wie dieser Gartentyp auch genannt wurde, entstand in Monceau, heute ein Park mitten in Paris. Man betritt den Garten durch das chinesische Tor. In der Nähe befindet sich das gotische Gebäude, welches als Chemie-Laboratorium diente. An farbigen Pavillons und Pflanzenhäusern entlang, gelangt man zu einem Glashaus, dem Wintergarten. Dieses Gebäude war gefüllt mit exotischen Pflanzen, aber es befand sich darin auch ein Wasserfall, welcher nachts von Kerzen beleuchtet wurde. Am Ende dieses Glashauses befand sich eine Felsengrotte, welche zu allerlei Parties diente. Ein wichtiges Gebäude war die sogenannte Ferme ornée, also ein geschmücktes Bauernhaus, welches ein sehr häufig verwendetes Motiv der damaligen Zeit war. Hier wurde nicht Landwirtschaft betrieben, sondern es diente im wesentlichen zu verschiedenen Festivitäten. Dem angegliedert war auch eine Molkerei. Ein Fusspfad führt zum Tempel des Mars, allerdings nur in Ruinenform. Eine holländische Windmühle bewegte das Wasser für einen Wasserfall. In der Nähe befanden sich Blumenbeete mit verschiedenen Statuen. In einem Wald befand sich eine Pyramide, das Grab eines jungen Mädchen. Auch ein italienischer Weingarten befand sich im Park. Den bedeutendsten Komplex bildet die sog. Naumachia ein grosser ellipsenförmiger Teich war mit griechischen Ruinen mit malerischer Anordnung umgeben, überragt von einem hohen Obelisken. Teile dieser Anlage sind heute noch sichtbar. Monceau wurde häufig mit dem englischen Garten in Stowe verglichen. Zweifellos bestehen da Beziehungen, insbesondere was die Gebäude betrifft. Der Schöpfer dieser Anlage, Carmontelle, hatte wohl dem Besitzer, einem England - Liebhaber, einige Konzessionen zu machen. Ferme ornée, die Molkerei und der Weiler sind drei typische Anlagen, welche zu dieser Zeit in praktisch jedem Garten angebaut wurden. Die Ferme ornée diente auch, und vor allem, der Herrschaft, um sich im ländlichen Leben einzuüben. Die Molkerei war meist mit Muscheln, weissem Marmor und Porzellanvasen ausgeschmückt. Davor befand sich ein Garten mit Fruchtbäumen, Rosen und anderen Blumen.
Der Deutsche Landschaftsgarten
Mit der französischen Revolution um 1789 wird der Gartenkultur in Frankreich ein abruptes Ende gesetzt. Sie findet aber eine Weiterentwicklung in Deutschland, wo sich zunächst Fürst Pückler in Muskau einen prachtvollen Park anlegt, der ihn allerdings völlig ruiniert. Mit Sckell und Lenné treten zwei Gartenarchitekten auf den Plan, welche bis heute, insbesondere was Parkanlagen betrifft, wegweisend sind.
Um 1770 entsteht der Wörlitzer Park, der Residenz des Fürsten Leopold von Anhalt. Der Architekt Friedrich-Wilhelm von Erdmannsdorff und der Gärtner Johann-Friedrich Eyserbeck gestalten hier eine Anlage ganz nach englischem Vorbild. Im Zentrum des Gartens liegt ein langgestreckter vielfach gebuchteter See mit Inseln, Halbinseln, prächtigen Einzelbäumen und Baumgruppen mit Ausblicken auf wiesen und Felder. wir treffen hier wieder auf bekannte Gestaltungselemente und Gestaltungsabsichten. So soll beispielsweise der Garten der Fürstin Anmut und Heiterkeit verleihen. Im sog. neumarkischen oder Inselgarten befinden sich grüne Säle mit Gras, Vertiefungen, offene Rasen, Baumgärten, Baumschulen, Küchengärten und Wäldchen und Wildnissen samt einem Labyrinth. Am Ende eines Seearmes befindet sich eine kleine Insel, die nach dem Vorbild Ermenonville ein Denkmal Rousseaus inmitten eines Rondells aus Pyramidenpappeln trägt. Aber auch ein gotisches Haus, ein Nymphäum, ein Venus-Tempel, ein Pantheon und verschiedenes mehr sind im Garten gebaut. Der bedeutende Gartentheoretiker Hirschfeld nennt 1785 den Wörlitzer Park als die edelste Anlage in Deutschland.
Eine weitere englische Anlage befindet sich in Hohenheim, angelegt vom Herzog Eugen von Württemberg in den Jahren 1773 - 1793. Es ist eine Art literarischer Garten. Nach dem Geschmack der Natur, wie man das nun nennt, wurde auch die Wilhelmshöhe bei Kassel nach 1785 angelegt. Die bestehenden Terrassen des klassischen Gartens wurden in Böschungen umgewandelt, jede Fessel der Regelmässigkeit wurde abgeworfen, sanfte Hügel wurden gestaltet. Baumgruppen und Waldkulissen traten an die Stelle der alten Bosketts. Chinoiserien verschwanden, dafür wurden klassizistisch geprägte Denkmäler und Bauten, kleine Seen, Bäche und anderes angelegt. Das Wasser bildete nun einen der Hauptfaktoren im deutschen Garten. In Wilhelmshöhe geschieht der Durchbruch zum reifem Stil des deutschen Landschaftsgartens. Es ist die Befreiung von den Staffagen. An ihre Stelle treten die Elemente des Natürlichen.
Es ist die Zeit der Oberflächengestaltung des Bodens, der Vegetation und des Wassers, das Spiel von Licht und Schatten. Zeitlich lässt sich der deutsche Landschaftsgarten kaum gliedern. Mit den Begriffen naturalistisch, vorromantisch und romantisch gelingt höchstens eine annähernde Klassifizierung. Der Begriff "Klassisch" der damaligen Zeit als Oberbegriff dienend, wird von A. Hofmann wie folgt beschrieben: ‘Der Charakter des Unfertigen und Suchens, des Abschweifens in literarische oder exotische Inhalte, in die Fülle der Details, ist überwunden. In dieser Zeit wird der Eindruck des Totalen dieser Idee des Natürlichen zur eigentlichen Kunstabsicht. In ihr vollzieht sich die Abklärung zu einem klassischen Kanon, der aus der Natur bezogenen Formen.’
Friedrich-Ludwig von Sckell, 1750 - 1823.
Zu seinen wichtigsten Gartenschöpfungen gehört der Nymphenburger-Garten in der Zeit von 1801 bis 1823 entstanden. Das Vorhandene wird hier nicht einfach zerstört, sondern schöpferisch Neues mit Vorhandenem verbunden. Das Parterre bleibt im Hauptteil erhalten, die Bosketts bilden natürliche Partien. Hirschfeld schreibt dazu: ‘Die an das Haus angrenzende Fläche ist nicht dem Gebiet der Gartenkunst zuzurechnen. Die Natur soll nicht an das Gebäude herangeholt werden.’ Die Querachse ist die Zone des Überganges. Man fühlt in der Anlage ein Widerspiel von Natürlichem und Symmetrischem. Die Schneisen sorgen im Inneren der Waldanlage für Orientierung. Sie sind Hauptmittel für die Bildkomposition dieses Landschaftsgartens. Das Badenburgertal erlaubt zwei, das Pagodenburgertal eine Fernsicht. Der englische Garten ebenfalls in München wird ab 1804 von Sckell in Angriff genommen. Kurfürst Karl Theodor beschliesst bereits 1789 hier einen öffentlichen Volkspark bauen zu lassen, das auf Grund einer Propagierung von Hirschfeld. Zunächst ist der Graf Rumford mit der Ausführung beauftragt, der eine reiche Zahl von Staffagen baut. Sckell rafft jedoch das Ganze, und fasst die Flächen zu Grossflächen zusammen; alle für die Bildwirkung wichtigen Blick- punkte befinden sich an Einschnürungsstellen, um nicht nur das Auge, sondern den Besucher selbst in die Tiefe des Gartens zu locken.
Der Einklang von Idee und Wirklichkeit durch das Mittel der Gestaltung, die aus der Vielheit des Natürlichen gerade das zur Nachahmung heranzieht, was dem inneren Wesen der Dinge entspricht.
Fürst Pückler, Muskau, 1785 - 1871,
ist im wesentlichen mit seiner eigenen Gartenanlage beschäftigt. In seinem Werk "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei" postuliert er folgendes: ‘Die landschaftliche Gartenanlage muss auf einer Grundidee beruhen, nämlich auf der: Aus dem Ganzen der landschaftlichen Natur ein konzentriertes Bild, eine solche Natur im Kleinen als poetisches Ideal zu schaffen, derselben Idee, welche auch in anderen Sphären jedem wahren Kunstwerk das Dasein gibt und aus den Menschen selbst einen Mikrokosmos, eine Welt im Kleinen gemacht hat ’
Auf seinem Besitz, einer malerischer Landschaft mit hügeliger Topographie, einem Fluss mit Auen und alten Baumbeständen, beginnt er zu arbeiten. Voraussetzung für den Ausbau ist die Regulierung des Wassers. Er nimmt Geländeaufschüttungen und Neuanpflanzungen vor aber auch architektonisch - natürliche Staffagen. Bei den Gehölzen verwendet er fremdartig wirkende Zusammenstellungen. Aus der einsichtigen Ansicht heraus, dass eine Mischung der Baumarten angestrebt sei, im Gegensatz zu Sckell, der Bestände von einer Art vorzieht. Gegliedert ist der riesige Park in drei Teile, dem westlichen, der Park des Badens, im Zentrum der Park des Schlosses und östlich der äussere Park. Im Park des Schlosses wird der Park vom eigentlichen Garten abgetrennt. Pückler sagt: ‘Wenn der Park eine zusammengezogene idealisierte Natur ist, so ist der Garten eine ausgedehnte Wohnung. ’
Hier liegt auch ein Pleasureground à la Repton und rund um das Schloss sind Blumengärten angelegt. Es finden sich hier Gewächshäuser, Orangerien, ein Wintergarten, Treibhäuser und Gemüsegärten. Fruchtgärten, Weinberge und Baumschule sind entfernt im Park verteilt. Ein weiteres Werk von Pückler ist die Anlage in Branitz, wo auch seine bekannte Grabpyramide steht. Peter Joseph Lenné, 1789 - 1866. Beeinflusst wurde er zunächst vom französischen Gartenkünstler Gabriel Thouin, der wiederum vielfach geometrische Formen anwendet. Lenné wird in Berlin General-Garten-Direktor. In seine erste Schaffensperiode zwischen 1815 -1830 aus reiner Empfindung, wie er sagt, entsteht der Berliner Tiergarten, Sanssouci, Charlottenhof usw.. Die zweite Periode, der sog. verfeinerte Landschaftsstil, findet seine Prägung in einer reichen Grundrissbildung komplizierten Blumengärten, beispielsweise der Prinz Albrecht-Garten, der Garten zum Charlottenburger-Schloss
Und zum Schluss wendet er sich einem landschaftlichen Stil hin, aber auch wieder zu geometrischen regelmässigen Gartenformen im Sinne des englischen Italien-Gardens. Sein Hauptwerk ist die Umgestaltung der Anlagen von Sanssouci.
Mit Lenné und Sckell beginnt eine neue Epoche in der Gartenarchitektur. Mehr und mehr werden Stadtparks gefördert. Gartenkunst wird eine Angelegenheit der öffentlichen Hand. Überall in Europa entstehen Stadtparks, nicht zuletzt beeinflusst von amerikanischen Vorbildern, wie beispielsweise dem Central-Park in New York. Erst zu Beginn des 20. Jh. treten dann wieder Gartenarchitekten auf, die eigenständige Anlagen kreieren, wie beispielsweise Leberecht Migge, Schultze- Naumburg, Muthesius, Golbrich. In Deutschland entstehen Gartenbauausstellungen, es entstehen die ersten Hausgärten, die Villengärten, aber auch Reihenhausgärten. Mit dem Aufkommen von Fach- und Publikums- Zeitschriften, beide den Gartenbau, die Gartengestaltung und die Gartenarchitektur betreffend, wird Gartenkunst zum allgemeinen Volksgut. Und zum Schluss wendet er sich einem landschaftlichen Stil hin, aber auch wieder zu geometrischen regelmässigen Gartenformen im Sinne des englischen Italien-Gardens. Sein Hauptwerk ist die Umgestaltung der Anlagen von Sanssouci.
PETER JOSEPH LENNé 1789 - 1866
Während Sckell noch in der vorrevolutionären Welt des Rokoko aufgewachsen war, begann Lennés beruflicher Weg erst in der Napoleonischen Ära nach 1800. Für seine gartenkünstlerische Stellung ist es bezeichnend, daß unter den ersten Stationen seines Lebens England fehlt, was nicht weiter wundernimmt, nachdem das natürliche Gartenideal seit 1800 auf dem Kontinent allgemein verbreitet war. Lennés eigentliche Ent-wicklung beginnt 1811 mit einem Aufenthalt in Frankreich, wo der damals bedeutende Gartenkünstler Gabriel Thouin,>le véritable créateur du jardin-paysage<, wirkt, für den - ana-log ähnlichen Strömungen in England - die Pflanze bereits wieder eine entscheidende Rolle in seinen Gartenschöpfungen spielte, der aber auch in anderer Hinsicht die Gartenkunst Frankreichs beeinflußt hat, indem er innerhalb seiner Gartenpartien wie das viktorianische England wieder vielfach geometrische Formen anwandte. seine Ellipsen und ovale, die nicht ohne Einfluss auf Lenné geblichen sind, haben im ganzen 19. Jahrhundert die Gartenarchitekten zur Nachahmung angeregt. Lenné, der während seiner Pariser Zeit ernsthaft botanischen Studien nachgegangen ist, hat sich trotz seiner Vorliebe für dieses Gebiet schließlich für die Gartenkunst entschieden. Seine Studien und Arbeiten sind zwischen I808 und 1816 auf das Rheinland, auf Süddeutschland, die Schweiz und Österreich beschränkt, bis er 1816 als Gartengeselle in Sanssouci eingestellt wurde und in der Folge ein Arbeitsfeld fand, das ihm im Laufe von fünfzehn Jahren in immerwährendem Aufstieg den Titel eines >Generalgartendirektors< eingebracht hat. vorzüglich sind es die Gärten von Potsdam und Berlin, die ihm ihre bis heute bewahrte Prägung verdanken, wozu Ausstrahlungen seiner Wirkung in Brandenburg, Pommern und Mecklenburg hinzukommen, Ausstrahlungen, die bis nach Koblenz und Bayern reichen.
G. Hinz und A. Hoffmann haben die Fülle seines Schaffens in drei Phasen aufgegliedert: zum ersten die Zeit seiner frühen landschaftlichen Gestaltungen von etwa 1815 bis 1830 mit den Plänen für den neuen Garten des Marmorpalais, für Sanssouci, Charlottenhof für den Berliner Tiergarten, für den Charlottenburger Schlosspark, für Klein-Glienicke, den Potsdamer Lustgarten und den Garten am Ansbachischen Palais, die »aus reiner Empfindung « geschafften wurden. Die zweite Phase eines verfeinerten Landschaftsstiles von I830 bis I840, in der unter anderem die Pläne für den Prinz Albrecht-Garten und den Garten der Fürstin Liegnitz am Charlottenburger schloß entstanden sind, zeichnet sich durch reichere Grundrißbildung der Anlagen aus ; in dem Park tauchen jetzt kompliziertere Blumengärten, Pergolen und Wasserbecken in zierlichen Formen auf.
In der Zeit der dritten Phase von 1840 bis zu seinem Tode 1866, der Periode seines späten landschaftlichen Stiles, entstehen so gegensätzliche Anlagen wie der Marlygarten in Sanssouci, in dem Lenné »zu einer äußersten Verfeinerung seiner Gestaltungskunst im landschaftlichen sinne« gelangt ist, weiter die Orangerieterrassen, der >sizilianische Garten< und der >Nordische Garten<, in denen die erneute Wendung zum geometrischen regelmäßigen Gartenschema konsequent vollzogen wird. Dabei gilt diese Wendung bei ihm nur für den begrenzten Raum >Garten<, niemals für den Park oder gar die zu verschönernde Landschaft insgesamt. Es verfolgt dabei ein Rückgriff wie ihn auch die Engländer in ihrem Typus des >Italian Garden< anwenden, als Ausfluß jener Forderung von Hirschfeld, der, wie schon früher angedeutet, Regelmäßigkeit in der Umgebung des Hauses gefordert hatte, wie ja auch Repton Garten und Park wieder voneinander geschieden wissen wollte.
Das Hauptwerk von Lenné stellt die Umgestaltung der An lagen von Sanssouci in landschaftsgärtnerischem Sinne dar, wobei sein frühester Plan von 1816, der eine völlige Umgestaltung und Neuschöpfung in landschaftlichem Sinne à la Brown vorgesehen hatte, nicht zum Tragen gekommen ist ; dadurch ist uns glücklicherweise die kostbare friderizianische Gartenschöpfung in gewissem sinne erhalten geblieben. Denn als in den Jahren 1819 bis 1825 Lenné den zwischen Sanssouci und dem Neuen Palais gelegenen Revieren ein neues Gesicht gegeben hat, wurde von ihm das große durchlaufende Achsen System nicht aufgegeben. Durch die Schaffung großer ungeteilter Rasenflächen, die Bildung von Hainen und die Pflanzung von Baumgruppen und Einzelbäumen sowie durch die Neuordnung des Wegenetzes unter Einbeziehung der Bauten in die Landschaftsszenerie mit der Öffnung von Ausblicken wurde das Ganze von ihm mit meisterlicher Hand gegliedert. Bei einer späteren Erweiterung des Geländes hat er 1825 das Gut Charlottenhof und 1827 das sogenannte Hopfenkruggelände einbeziehen können. Die beiden letztgenannten Partien wurden durch Wiesenflächen landschaftlich gestaltet, die er in nicht zu großen Abständen mit hainartigen Gehölzmassierungen besetzt hat. Dagegen erscheinen im engen Bereich von schloß Charlottenhof eine Art von architektonisch-geometrischen Bildungen, so zum Beispiel ein Hausgarten, ein regelmäßig angelegter Kastanienhain und in dessen axialer Verlängerung ein Hippodrom und schließlich die >Römischen Bäder<. In der Randzone des Charlottenhofreviers verbinden sich die geometrischen Grundrißlinien architektonischer Gartenanlagen in sozusagen natürlicher Weise der malerisch ausgebildeten Landschaft.
Die grüne Revolution: Leberecht Migge und die Gartenreform in Deutschland nach der Jahrhundertwende
(Auszüge nach Marco De Michelis in ‘Die Gartenkunst des Abendlandes)
Hygienische und eugenische Fragen, Ernährung, Sport und Medizin gehörten bereits zu den Themen der deutschen Reformkulturen, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine heftige Debatte um die Stadtparkreform entbrannte. Man kritisierte die Großstadt an sich und die trostlosen Mietskasernen, man suchte nach neuen Siedlungsformen wie Kleinsiedlung, Laubenkolonie oder Gartenstadt -, um dadurch den Konflikt zwischen Stadt und Land zu überwinden, und man war auf der Suche nach einem »dritten Weg«, um die sozialen Gegensätze zwischen Kapitalismus und Sozialismus zu mildern. Ein »neuer Stil« sollte der modernen, produktiven und von der Maschine beherrschten Welt Form und Ausdruck verleihen. Ludwig Lesser, der Gründer des Deutschen Volksparkbunds im Jahre 1913, beschrieb die Eigenschaften der neuen reformierten Parks wie folgt: »Sie dürfen nicht nur wie bisher zum Spazierengehen eingerichtet sein und nur einige kleinere oder größere Spielplätze enthielten, sondern sie müssen ihrem Zweck entsprechend vor allem grolle Spielwiesen haben, die für jedermann zugänglich sind. Dann werden sie ein Junghorn für das deutsche Volk.... Schattige Baumalleen müssen diese Spielwiesen umgeben, große Wasserflächen einladen. Das soll die Stätte werden für alle Schichten der Bevölkerung, dort soll der Ort sein, wo man einen Ausgleich finden kann gegen das sonstige Leben in der Häusermasse der Großstadt, einen Ausgleich gegen das ewige Hasten des alltäglichen Erwerbslebens.«
Der Konflikt zwischen den Erben der »Landschafts«-Tradition und den Reformern, den Anhängern des »Neuen Stils« in der Architektur, erreichte seinen Höhepunkt anläßlich der Ereignisse um Wettbewerb und Realisierung des großen Hamburger Stadtparks, einer stattlichen Einrichtung von rund 180 Hektar, dessen endgültiger Entwurf nach dem Wettbewerbsentscheid von 1908 vom Leiter der städtischen Baubehörde, Fritz Schumacher, stammte.
Die beiden zweiten Preise gingen jeweils an die Entwürfe von H. Foeth und den Gebrüdern Röthe, obwohl diese im Grunde nichts anderes versucht hatten, als jene im vergangenen Jahrhundert üblichen geschwungenen Linien in vereinfachter Weise wieder aufzugreifen. Max Läuger dagegen, er war Architekt und kein Landschaftsgärtner, schlug kompromißlos eine gerade Achse vor, welche die beiden architektonisch dominierenden Elemente, den von O. Menzel entworfenen Wasserturm und die Gastwirtschaft, miteinander verband..
Das Neue an Läugers Vorschlag entging hingegen den Anhängern der Reformbewegung keineswegs, wie dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, oder Hermann Muthesius, Gründungsmitglied des Werkbunds, oder Ferdinand Avenarius, Herausgeber des »Kunstwarts« und gleichzeitig Wortführer des einflußreichen Dürerbundes. Auch auf Lebe- recht Migge, einen jungen Gartenarchitekten, verfehlte der Läugersche Entwurf seine Wirkung nicht, für den Migge auch sogar verbal mit grundsätzlichen Überlegungen zur Garten und Parkreform eintrat. Migges Argumentation war typisch »modern«. Er ging von der Erkenntnis aus, dass die Zukunft des Hausgartens nunmehr unauflöslich mit den Ergebnissen des voranschreitenden Prozesses der Wohnungsreform verbunden sei. Denn in demselben Maße, wie das Einfamilienhaus zur Wohnung für die breiten Massen werde, erfordere auch der Garten selber eine radikale Reform. Das gleiche gelte für den Park, diesen »erweiterten Garten«, dessen Schicksal mit jenem der Großstadtreform identisch sei. Weiter führte Migge aus: »Der praktische Zweck eines Parkes, sein wirtschaftlicher Nutzwert ist Lustwandeln und Tummeln, ist Sonne und Schatten, gute Luft. ... Der schönere Sinn des Parkes, sagen wir, sein idealer Zweck, ist Genuß der Vegetation, ist Freude am Leben, ist Wachsen ist Schönheit. Er ist in seiner glücklichen Erfüllung für uns unendlich wichtiger als jener. Im übrigen ist er identisch mit dem vollkommenen Ausdruck des praktischen Nutzzweckes.«
»Die Großstadt braucht Gärten notwendig, und ich glaube auch, daß sie die Kraft und die Neigung hat, aus reiner Freude an Gärten solche zu schaffen. Schafft Gärten!« Die Kleingärten und die Schrebergartenkolonien, welche die noch unbebauten Ränder der Großstadt besetzten, waren für Migge der entscheidende Beweis dafür, daß »die Großstadt eine Mutter von Gärten« sei, den »Ehrenkränzen« der Stadt. Dimensionen zwischen 200 und 500 m seien das vernünftige Maß für den Hausgarten. Die Anlage dieser Gärten in Quartieren mit bescheidenen Einrichtungen für Kinderspiel und Gemeinschaftsleben führten zu einer Siedlungsstruktur, welche die Form der neuen Wohngebiete wie auch die der künftigen Stadtparks beeinflußte.
Noch im Jahre 1920 gründeten Migge und Martin Wagner die »Stadtland- Kulturgesellschaft Groß-Hamburg und Groß-Berlin« mit dem Ziel einer neuen Siedlungspolitik, die zehn Millionen Städter dazu bringen sollte, die eigene Stadt zu kolonisieren, indem sie sie in Gärten und kleine Einfamiliensiedlungen umwandelten.'?
Der Garten als Experimentierfeld für neue Anbautechniken wurde zum Thema der gesamten Miggeschen Forschung. Dieser Aufgabe hatte er 1920 in der Künstlerkolonie Worpswede, wo gleichzeitig der Maler Heinrich Vogeler das Experiment einer kommunistischen Siedlung ins Leben rief, seine Siedlerschule gewidmet. 1924 gründete Migge in Schlesien, gemeinsam mit Ernst May, dem späteren Baudezernenten der Stadt Frankfurt, eine Gesellschaft mit dem Namen »Niederschlesische Gartenfürsorge.
Daß die Suche nach der Zusammenführung von Wohn und Garten-Architektur nach und nach auch alle großen Meister der Moderne ergriffen hatte Adolf Loos, Bruno Taut, Otto Haesler oder Ernst May -,lässt sich an Migges Entwürfen für die Gärten der bekanntesten damaligen Wohnsiedlungen in Berlin und Frankfurt am Main ablesen. Die Pläne von 1928 zur Umwandlung Frankfurts in einen großen Kolonialpark oder der Entwurf zur Umsiedlung von einer Million Berliner Bürger in Selbstversorger-Siedlungen von 1932 zeugen von den extremsten, aber auch konsequentesten Bemühungen, die sozialhygienischen Ziele der deutschen Grünflächenpolitik zugunsten einer produktiven »Revolution« zu überwinden, die sich leicht, mitten im Herzen der Großstadt von den Tausenden kleiner Gärten aus hätte verbreiten können. Nur wenige Jahre trennten Migge nun noch von dem Ende seines Lehens. Vereinsamt und als Gegner des neuen Nazi-Regimes starb er im Jahre 1935.
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