Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03150.jsonl.gz/2493

Laut Wiederaufbaubehörde leben immer noch rund 321’000 Menschen im ganzen Japan verteilt in einem provisorischen Zustand. Die vier Mitgliederinnen der Gruppe „Aiku“ gehören auch dazu. Sie sind nach dem Atomunfall im AKW Fukushima I von ihrer Heimat Okuma-mach, wo das havarierte Kernkraftwerk steht, nach Aizu-Wakamatsu geflüchtet.
Als ihr Leben in der bekannten Burgstadt in der selben Präfektur mehr oder weniger ins Lot kam, gerieten sie in einen emotionalen Tief, weil sie nicht wussten, wie sie die Zeit totschlagen können. „Wenn ich einfach dasitzt, ohne etwas zu tun zu haben, male ich mir meine Zukunft nur negativ aus“, sagte eine Frau zu Asahi-Zeitung.
Heute produzieren sie „Aiku“ und „Shimakuma“, Bären aus Stoff, in Aizu-Wakamatsu. Die Initiantin, Yauko Shoji, hatte in Okuma-mach 30 Jahre lang Strickwaren für Boutiquen und Bekannten hergestellt. Die Bären werden heute in verschiedenen Orten als Waren aus vom Erdbeben und Tsunami betroffenen Gebiet verkauft. Ihr Ziel ist aber, dass die Konsumenten sie kaufen, weil sie kaufenswert sind.
Die Bären aus dem traditionell hergestellten Baumwollstoff von der Gegend werden heute auch im Netz angeboten.
Der Betreiber der Webseite heisst Yu Oride. Er besuchte letzten Juni Fukushima und Miyagi, um den allgemeinen Zustand der Reisfelder zu sehen, weil er damals Bio-Agrarprodukte aus Tohoku, Nordostjapan, verkaufte. Dort traf er die Mitgliederinnen von „Aiku“ in einer provisorischen Wohnung und sah, wie sie sich wegen der Abnahme der Bewohner Sorgen machten. Sie fürchten, dass ihre Heimat irgendwann vergessen wird. Für Oride war es klar: Jetzt ist die Zeit, Arbeitsplatz zu schaffen, damit Menschen wieder in die Stadt zurückkommen. „Eine Arbeit als Stadtsymbol muss geschaffen werden.“ Ihm kamen die „Aiku“-Mitgliederinnen wie jene Japaner vor, die nach dem verlorenen Krieg wieder aufstanden, obwohl der 25-Jährige Oribe keine Kriegserfahrung hat.
Er verbrachte seine Kindzeit in Fukushima. Das mit der Natur eng verbundene Leben weckte sein Interesse an der Landwirtschaft. In Tohoku war er erleichtert, als er sah, dass der Reis wieder angebaut wurde. „Die japanische Landwirtschaft hat noch eine Zukunft!“ Oride versucht jetzt aber hauptsächlich, einen grösseren Markt für die beiden Teddybären zu erschliessen. „Frau Shoji sagt, sie wird fit und lebendig, wenn sie zu arbeiten hat.“