Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03268.jsonl.gz/2914

Eine wertvolle Ergänzung in der Differentialdiagnose der Anämie
Die Anämie wird gemäss der WHO-Definition anhand eines einzigen Parameters, der Hämoglobinkonzentration, definiert. Um eine Anämie jedoch erfolgreich und zielgerichtet behandeln zu können, stellen sich eine Vielzahl differentialdiagnostischer Fragen.
Damit die Ursache einer Anämie aufgeklärt werden kann, bedarf es eines ganzen Bündels von Tests. Hepcidin-25, ein entscheidender Regulator der Eisenhomöostase, ist ein wertvoller Parameter, um insbesondere die Eisenmangelanämie (iron deficiency anemia, IDA) von der Anämie bei chronischer Erkrankung (anemia of chronic disease, ACD) zu unterscheiden.
Wirkung von Hepcidin-25
Hepcidin-25 ist ein von der Leber produziertes Peptidhormon, welches für die Resorption und Verfügbarkeit von Eisen eine zentrale Rolle spielt. Steigt der Hepcidin-25-Spiegel, werden die Eisenflüsse ins Plasma an drei Stellen zusehends blockiert: 1) Abnahme der Eisenabsorption aus dem Duodenum, 2) reduzierte Eisenfreisetzung aus dem retikuloendothelialen System (RES), 3) reduzierte Mobilisierung von gespeichertem Eisen aus den Zellen, v.a. den Hepatozyten. Diese Effekte sind auf die Hepcidin-Ferroportin-Interaktion zurückzuführen: Ferroportin ist ein in Makrophagen, Darm, Leber, Milz, Nieren, Herz und Plazenta vorkommendes Mem- brantransportprotein, welches den Transport von intrazellulärem Eisen in das Blut bewirkt. Bindet Hepcidin-25 an das Ferroportin, wird dieses in das Zellinnere transportiert und degradiert, womit die Zelle das Eisen nicht mehr abgeben kann.
Neben dem Effekt auf die Eisenhomöostase zeigt Hepcidin-25 eine antibakterielle Wirkung, worauf die Namensgebung dieses Peptids zurückzuführen ist (hepatic bactericidal protein). Bei Entzündungen und Infektionen ist Hepcidin-25 als Akutphaseprotein durch das hinaufregulierte Hepcidin-Gen Hamp erhöht. Die damit verbundene Sequestration des Eisens in die Makrophagen scheint die Abwehr gegenüber pathogenen Mikroben zu verstärken, da bestimmte Mikroorganismen auf Eisen angewiesen sind.
Regulation
Die Hepcidin-Produktion wird durch den Eisenstatus, die Erythropoese und Entzündungen sowie Infektionen reguliert: Hohe Eisenkonzentrationen in Plasma und Leber führen zu einer erhöhten Hepcidin-Produktion. Bei gesteigerter Erythropoese-Aktivität sinkt der Hepcidin-Spiegel, damit die Eisenversorgung für die Erythropoese sichergestellt werden kann. Bei Entzündungen und Infektionen ist Hepcidin als Akutphaseprotein erhöht und limitiert die Verfügbarkeit von extrazellulärem Eisen für die Mikroben.
Hepcidin in der Anämie-Diagnostik
Obwohl Hepcidin schon im Jahr 2001 entdeckt wurde und dieses eine entscheidende Rolle in der Eisenhomöostase spielt, wird die Hepcidin-Bestimmung nur vereinzelt angeboten. Die Messung von Hepcidin mittels klassischer immunologischer Methoden (z.B. ELISA) ist bei verschiedenen Isoformen mit unterschiedlichen biologischen Wirkungen und divergierenden antigenetischen Eigenschaften nicht sinnvoll. Die Versuche, kostengünstige Immunoassays zu produzieren, sind weitgehend gescheitert, da mit dieser Methode das Hepcidin-25 bisher nicht isoliert bestimmt werden konnte. Andere Isoformen, wie z.B. das Hepcidin-20, scheinen den Eisenstoffwechsel nicht signifikant zu beeinflussen. Die auf Massenspektrometrie basierende Methode (LC-MS) kann Hepcidin-25 jedoch verlässlich nachweisen. Weil das dafür benötigte Equipment und Knowhow nur in wenigen Laboren vorhanden ist, hat sich Hepcidin-25 als weit verbreiteter Parameter in der Anämiediagnostik bisher noch nicht durchgesetzt. Die bei uns implementierte Hepcidin-Bestimmung, welche an unserem Standort in Goldach in der täglichen Routine durchgeführt wird, basiert auf dieser Methode.