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L 300m, B 4,5m, H 100m. Ein Hochhaus ohne Grundstück, mitten in der Strasse. Ein dunkles scheibenartiges, fast durchsichtiges, von Kabeln gehaltenes Skelett. Innen wie in der Luft, zu allen Seiten offen, weit über den Bäumen. Aussen etwas Unbekanntes, mächtig im vorbeifahren, filigran aus der Ferne
Ausgangslage
Das Motto des Semesters lautete „Street“. Es sollte ein architektonisches Projekt aus diesem Motto heraus entwickelt werden.
Das Motto kann dem Entwurf als Faszination, Prinzip, Stenographisch, Systematisch oder als Ort pate stehen.
Entwurfsidee
Die Idee des Projekts nimmt das Motto als Bauplatz und versucht, die Frage zu beantworten, wie eine Straße ein Grundstück sein kann oder wie ein Gebäude ohne herkömmliches Grundstück gebaut werden kann. Der Vorschlag besetzt einen 4,5 m breiten und 300 m langen Streifen inmitten einer Straße mit zwei dreispurigen Fahrbahnen im Tiergarten von Berlin. Es ist ein lineares Hochhaus. Die Breite ist vom Grundstück gegeben. Die Länge des Systems wird durch die erforderlichen Abstände zwischen Feuertreppen und Sanitärkernen bestimmt. Die Höhe wird durch die größte Abmessung der Stützen im untersten Stockwerk gegeben, die bis zur kleinsten herstellbaren Größe verringert wird. Der letzte Stock hat keine Stützen und seine Decke wird von einem flossenartigen Balken auf dem Dach getragen. Um die fragile Konstruktion zu stabilisieren, werden die Decken zu Trägern zwischen den Stützen, alles wird zu einem zweidimensionalen Skelett, das dann von Kabeln gehalten wird, die auf die anderen Straßenseiten führen. Das Haus ist ein Bürogebäude mit öffentlichem Foyer im Erdgeschoss, zwei Etagen Hotel für kurze Aufenthalte und einem multifunktionalen öffentlichen Raum mit Restaurant im obersten Stock.
Projektierung
Das Gebäude ist aus dunklem, anthrazitfarbenem Beton gedacht, die Fassade als Gläserne filigrane Hülle darum. Die Profile der Fenster sowie die Kabel sind ebenfalls in Anthrazit matt gestrichen. Dieser dunkle Charakter soll auf der einen Seite den Effekt der Riesigkeit und des Unbekannten der Form noch übersteigern und so die ästhetische Erfahrung noch stärker machen, andererseits soll die dunkle Färbung auch einen urbanen und eleganten Charakter erzeugen, der an Hochhäuser Mies van der Rohes in Chicago erinnern soll. Im Inneren sorgt das Dunkel der Struktur, zusammen mit der sich nach innen senkenden Decke für einen noch stärkeren Bezug zum Aussen und ein Gefühl des Draussen-Seins.
Besonderheiten
Flexibilität:
Das Gebäude gliedert sich Horizontal in 23 Geschosse. Vertikal sind verschiedene Unterteilungsszenarien wegen der Linear angeordneten Aufzugkerne und Fluchttreppen möglich. Die Struktur funktioniert wie ein Setzkasten, in dem Einheiten zwischen min. 150 m² und max. 20’000 m² variieren können. In diesem Raster mit drei vertikalen Kernen und 11 Stockwerken sind 26‘796 verschiedene Konfigurationen möglich. Diese extreme Flexibilität macht das Gebäude besonders langlebig, da es als Struktur auf Veränderungen bei den Mietern reagieren kann.
Struktur:
Die Struktur geht mit dem Material Beton so sparsam um wie möglich und erhält ihre Steifigkeit durch die aussenliegenden Kabel, die das Gebäude vor dem Kollaps bewahren. Das System ist ein gespanntes Äquilibrium, jedes Kabel braucht seinen Gegenspieler um das Gesamtsystem im Gleichgewicht zu halten.
Die Fassade wird komplett von aussen auf die Struktur aufgeschraubt, sodass bei Veränderungen Bauteile einfach getrennt werden können. So werden auch keine Dämmstoffe verbaut, sondern nur die Materialien die auch sichtbar sind, Stein, Metall, Glas. Der Beton wird so direkt und ungehindert zur thermischen Masse, wärmt, kühlt und unterstützt auch die Bauteilaktivierung.
Stadt:
Der Tiergarten ist ein zentraler innerstädtischer Park und Erholungsraum, der durch seine unübersichtliche Ausdehnung und unzureichende öffentliche Durchlässigkeit an Attraktivität verliert. Das Projekt will hier mehr Öffentlichkeit schaffen, um den Park zu beleben und für die Bewohner der Stadt attraktiver zu machen. Gleichzeitig sollen die umliegenden Stadtbezirke durch eine neue „Adresse“ in der Mitte ein bisschen besser zusammengebunden werden.
Um das zu erreichen sind verschiedene, teils auch öffentliche Funktionen angedacht. Die Bürogrössen können so eingeteilt werden, dass auch kleinere Unternehmen wie Kanzleien, Arztpraxen, Gallerien und Ähnliches einziehen und zusätzlichen Publikumsverkehr erzeugen könnten.