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Die ATP bestätigt, dass Schiedsrichter Gianluca Moscarella nach seinem Aussetzer in Florenz bis auf Weiteres nicht mehr eingesetzt wird. Es ist der einzig richtige Entscheid. Ein Kommentar.
Seit 2010 ist Gianluca Moscarella ATP-Schiedsrichter und «Golden-Badge»-Inhaber, was der höchstmöglichen Einstufung für Unparteiische im Tennissport entspricht. Der Italiener beginnt bereits im Alter von 16 Jahren damit, Tennisspiele zu leiten und gehört mittlerweile zu den Besten seines Fachs. Beim vergleichsweise kleinen Challenger-Turnier in Florenz leistet sich Moscarella nun aber gleich mehrere unerklärliche Aussetzer – und gerät ins Kreuzfeuer der Kritik.
Am vergangenen Mittwoch leitet der beste italienische Schiedsrichter die Partie zwischen dem Portugiesen Pedro Sousa und dem Italiener Enrico Dalla Valle und lässt sich gleich zu mehreren skandalösen Aussagen hinreissen. Während sich Dalla Valle nach dem ersten Satz eine Toilettenpause nimmt, wendet sich Moscarella mit einer Motivationsrede an Sousa und bittet ihn, konzentriert zu bleiben: «Du müsstest dieses Match mit 6:1, 6:1 gewinnen. Du bist der bessere Spieler.»
Es sind Worte, die man eher von einem Trainer erwartet als von einem unparteiischen Schiedsrichter. Es ist ein inakzeptables Verhalten – ganz egal, ob er dabei auf den Portugiesen gewettet hat, diesen besonders gut mag oder einfach ein Problem mit Gegner Dalla Valle hat.
Die ATP reagiert sofort
Für noch mehr Aufregung sorgt Moscarella aber mit seinem Verhalten gegenüber einem Ballmädchen. Nach einem Seitenwechsel belästigt er die offensichtlich minderjährige junge Dame, sagt ihr, dass sie «fantastisch» und «sehr sexy» sei. Später fragt er das Mädchen auch noch, ob sie «körperlich oder emotional» heiss sei. Die gewählten Worte sind auf Videoaufnahmen, die ein paar Tage später veröffentlicht wurden, zu hören.
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Aussetzer wird Moscarella von der ATP aus dem Verkehr gezogen und bis auf Weiteres suspendiert. Eine Untersuchung soll Klarheit schaffen. Es ist ein deutliches Zeichen – und das einzig richtige.
Ein Wiederholungstäter?
Denn es ist nicht das erste Mal, dass Moscarella mit fehlbarem Verhalten auffällt. Wie der holländische Journalist Chris de Waard bereits vor drei Jahren enthüllt hat, soll der Schiedsrichter einst beim Turnier in Gstaad eine Frau ständig gefragt haben, ob sie mit ihm Sex haben wolle. Als sie ablehnte, soll er ihr geantwortet haben: «Du hast mich provoziert, indem du grosse Brüste und einen grossen Hintern hast.»
Tennis-Journalist Alex Theodoridis warf dem Umpire zudem vor, Frauen in Vergangenheit ohne Erlaubnis fotografiert zu haben, und schrieb auf Twitter: «Ich bin nicht überrascht. Moscarella fotografierte die Hintern von Frauen, als er in Bastad im Ausgang war.» Eine Vergangenheit, die den Italiener nun einholen könnte.
Dass Moscarella in Florenz wohl davon ausging, unbeobachtet zu sein, macht ihn keineswegs vertrauenswürdiger. Jetzt scheint er selbst auf dem Court die Beherrschung zu verlieren – und lässt dem Tennis-Weltverband so eigentlich keine Wahl. Ein Unparteiischer, der sich alles andere als unparteiisch und korrekt verhält, ist nicht vertretbar.