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Dreifachkindergarten, St. Gallen
- Verfahren: offener Wettbewerb, Top 15 von 185
- Landschaftsarchitektur: Alsina Fernández
- Zusammenarbeit: mit Atelier Jordan
- Auftraggeber: Stadt St. Gallen
- Datum: Oktober 2020
Situation und Ausgangslage
Von der Pausenterrasse des Schulhauses «Gerhalde» sieht man dank der Hanglage nach Südwesten über die Stadt hinaus. Der Schubertweg führt von da aus ziemlich steil auf die Iddastrasse hinunter. Die Iddastrasse folgt den Höhenlinien und ist relativ flach. Weiter nach Norden befindet sich über dem eingedolten Tanneichenbach ein grosser, flacher, Spielplatz unter mächtigen Bäumen, welche entlang des Bachbettes die Dichte eines Waldes haben und einen markanten Grünraum bilden.
Aufgrund der schmetterlingartigen Form des Perimeters und den gesetzlichen Abständen zu Wald, Bach und Nachbarn teilt sich das Grundstück faktisch in zwei bebaubare Bereiche auf. Ein Bereich befindet sich neben Spielplatz und Iddastrasse, der anderer Bereich liegt zwischen Schubertweg und Wald.
Baukörper und Aussenraum
Aufgrund der besseren Zugänglichkeit wird das Gebäude «Tagesbetreuung» mit Küchen und den allgemeinen Büroräumen neben den Spielplatz bei der Iddastrasse gesetzt. Insgesamt verfügt der kompakte Baukörper über drei Geschosse, wobei sich aufgrund des Niveauversprungs und des asymmetrischen Satteldaches jeweils nur zwei Geschosse auf den Längsfassaden abzeichnen. Der Baukörper ist mit seinen Hauptfassaden zum östlichen Spielplatz sowie zum Eingangsgeschoss der Tagesbetreuung im Westen ausgerichtet.
Die Aussenräume der Tagesbetreuung befinden sich direkt beim Eingang. Ergänzend können die neue Spielterrasse über der Trafostation, die Tischtennistische, der Spielplatz «Iddastrasse» und die Spielwiese beim Schulhaus «Gerhalde» benützt werden.
Der Bereich zwischen Schubertweg und Wald ist prädestiniert für den Dreifachkindergarten. Die drei Kindergarteneinheiten reihen sich entlang des Schubertwegs aneinander und stufen sich, dem abfallenden Terrain folgend, zueinander ab. Zusammen bilden sie einen flachen, länglichen und abgestuften Baukörper. Dieser ist genug weit vom Schubertweg entfernt, um die bestehenden Bäume am Weg zu belassen. Zum Wald hin befinden sich die Aussenräume der Kindergärten; gut von der Strasse geschützt, naturnah und grosszügig.
Beide Baukörper verstehen sich als einfache «Waldhäuser», welche sich in den erweiterten Grünraum des Tanneichenbachs einnisten. Ein neuer, abwechslungsreicher und öffentlicher Weg verbindet Spielplatz und Schubertweg, Tagesbetreuung und Kindergarten.
Landschaftsarchitektur
Die Ausrichtung der Gebäude an Schubertweg und Spielplatz sowie ihre längliche Form ermöglichen es, dass sich der markante Grünraum des Bachbettes zwischen den Gebäuden hindurch erweitern kann. Die neue, öffentliche Wegverbindung von Spielplatz zu Schubertweg erweitert sich zweimal, einmal bei der Tagesbetreuung und einmal beim Kindergarten, zu einem kleinen Platz mit Sitzgelegenheit. Von hier aus führen überdachte Wege, eine Art Laubengänge, zu den Eingängen. Die Laubengänge sind gegenüber dem Terrain erhöht und schützen beide Gebäude bei Hochwasser. An die neue Wegverbindung angegliedert sind zwei Spielplätze mit sickerfähigem Kiesbelag, gleich neben den Sitzbänken. Die Aussenbereiche von Kindergärten und Tagesbetreuung werden von Gebäuden, Bäumen, Hecken und Böschungen natürlich zoniert und bieten vielfältige Spielmöglichkeiten.
Gebäudetypologie und Organisation
Beide Gebäude sind in Richtung West-Ost ausgerichtet (resp. Südwest- Nordost). Die Haupteingänge für die Kinder befinden sich auf der Westseite, die Haupträume auf der Ostseite.
Die drei Kindergarteneinheiten sind ganz einfach und eingeschossig organisiert. Über einen zentralen Eingangsraum mit Garderoben gelangt man direkt in sämtliche Räume: Hauptraum gerade aus, Gruppenraum rechts und Toiletten links. Die Haupträume im Osten erstrecken sich über die gesamte Fassadenlänge und sind in der Gebädemitte erhöht. Ein nach Südwesten ausgerichtetes Oblicht bringt auch am Nachmittag viel Licht in den Raum. Das ausladende Dach bildet sowohl einen geschützten Eingangs- als auch Spielraum aus und schafft einen sanften Übergang von innen nach aussen, zur Natur. Das Gebäude aus Holz wirkt leicht und fein, pavillonartig. Die Höhenstaffelung gliedert die Fassade in der Länge.
Das Gebäude «Tagesbetreuung» ist etwas komplexer und über drei Geschosse organisiert. Zwei Eingänge im Westen führen in eine grosszügige Halle mit den Garderoben. Jedem Eingang sind zwei Ess-/ Gruppenräume zugeordnet. Im Geschoss darüber betritt man über eine kleine Halle mit Oblichtern die Bewegungs- und Themenräume, welche auf den Aussenraum nach Westen orientiert sind. Aus der Halle sieht man durch je ein Fenster in sämtliche Gruppenräume, welche überhöht sind und vom Oblicht der Halle profitieren. Im untersten Geschoss, auf dem Niveau des bestehenden Spielplatzes «Iddastrasse», befinden sich die Küche, die Büroräume und die übrigen Nebenräume. Aus Küche und Büroräumen sieht man direkt auf den Spielplatz. Durch das ausladende Satteldach, die Holzbauweise, die Ausrichtung und lediglich zweigeschossige Erscheinung nimmt das Gebäude Bezug zum Wald und weniger zu den Wohnbauten.
Konstruktion und Materialisierung, Energie und Nachhaltigkeit
Die Gebäude sind in konventioneller Holzbauweise konzipiert, nur die erdberührenden Bauteile sowie die Überzüge der Decken (Schallabsorption) sind aus Beton. Die Decken- sowie das Dach spannen in ökonomischen Weiten von den Längsfassaden zu einer tragenden Mittelwand, die von der Bodenplatte bis zum Dachgiebel reicht und einen geradlinigen Lastabtrag gewährleistet. Das Holz schafft im Innenraum eine behagliche, warme Raumatmosphäre. Der konstruktive Holzbau wird auf der Aussenseite von einer zusätzlichen, hinterlüfteten und imprägnierten Holzverkleidung geschützt. Die Holzfassade ist durch den Rhythmus von Tragstruktur und Fenstern fein gegliedert. Die kompakten Baukörper mit ihrer hochisolierten Gebäudehülle ermög- lichen einen niedrigen Energieverbrauch. Holz minimiert die graue Energie.