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Die FAA hat mit den Zertifizierungsflügen der Boeing 737 MAX begonnen. Nachdem noch einige Tests und Auswertungen ausstehen, könnte eine Aufhebung des Groundings im September erfolgen.
Am Montag startete eine Boeing 737 MAX vom Boeing Field in Seattle mit einem Piloten der Federal Aviation Administration (FAA) an den Steuerknüppeln. Dies markierte den Beginn der dreitägigen Testflüge zur Neuzertifizierung, die einen wichtigen Schritt zur Rückkehr des Flugzeugs in den Passagierdienst darstellen.
Zwei Stunden in der Luft mit FAA-Piloten
Obwohl nach Abschluss dieser Flüge noch erhebliche zusätzliche Test zur Erlangung der endgültigen FAA-Genehmigung zu leisten sind, könnte die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme der MAX in den USA – unter der Voraussetzung, dass keine weiteren unerwarteten Verzögerungen auftreten – etwa Mitte September erteilt werden. Das Flugzeug flog beim Zertifizierungsflug in Richtung Osten und der gut eine Stunde und 20 Minuten dauerte. Nach einem 15-minütigen Zwischenstopp hob die 737 MAX wieder ab und flog zunächst gen Süden über die Grenze zu Oregon und dann zurück nach Norden und Westen. Um 14:15 Uhr landete der Jet wieder auf dem Boeing Field. Die MAX war dabei insgesamt etwa zwei Stunden in der Luft.
Bei den weiteren Testflügen in den kommenden Tagen werden die von Boeing vorgeschlagenen Änderungen am automatisierten Flugsteuerungssystem der MAX ausgewertet. Dabei handelt es sich um die Software mit der Bezeichnung “Maneuvering Characteristics Augmentation System” (MCAS), die bei zwei den zwei verheerenden Flugzeugabstürzen fälschlicherweise aktiviert wurde, wobei 346 Menschen ums Leben kamen. Seit dem zweiten Unfall im März 2019 ist der Jet weltweit am Boden geblieben.
Unter intensiver Prüfung sowohl durch die FAA als auch durch ausländische Aufsichtsbehörden hat Boeing im vergangenen Jahr zahlreiche Änderungen an den Plänen zur Aktualisierung der Systeme des Flugzeugs vorgenommen. Der Beginn dieser Re-Zertifizierungsflüge deutet darauf hin, dass Boeing diese Änderungen abgeschlossen und bei der FAA eingereicht hat. Die Testflüge dienen der FAA dazu, die Veränderungen am MCAS zu bewerten, indem die von der Behörde eingesetzten Piloten eine Vielzahl von Flugmanövern und Notfallverfahren durchführen, um beurteilen zu können, ob die Änderungen den FAA-Zulassungsstandards entsprechen.
FAA-Chef will MAX persönlich testen
Nach Abschluss der Flugtests, wird die US-amerikanische Flugsicherheitsbehörde wohl jedoch noch Wochen brauchen die gesammelten Daten zu analysieren und auszuwerten, um sicherstellen zu können, dass das Flugzeug die erwartete Leistung erbringt.
“Während die Zulassungsflüge ein wichtiger Meilenstein sind, bleiben eine Reihe von Schlüsselaufgaben bestehen”, hiess es in einer Erklärung der FAA und fügte hinzu, dass die Behörde “einem bewussten Prozess folgt und sich die Zeit nehmen wird, die sie benötigt, um die Arbeit von Boeing gründlich zu überprüfen” und schloss mit den Worten: “Wir werden das Flugverbot erst dann aufheben, wenn wir uns davon überzeugt haben, dass das Flugzeug den Zertifizierungsstandards entspricht”. Nachdem die Flüge alle absolviert und die Daten ausgewertet sind, möchte sogar vorher noch der FAA-Chef Stephen Dickson – ein ehemaliger Delta Air Lines-Pilot – selbst ans Steuer der MAX um sich persönlich zu überzeugen, bevor Dickson eine die mögliche Genehmigung unterschreiben wird.
Internationales Gremium bewertet mit
Parallel zu den Testflügen, muss die FAA ausserdem eine Überprüfung der von Boeing vorgeschlagenen Änderungen am Flughandbuch und der Mindestausbildung abschliessen, die erforderlich sein wird, bevor ein Pilot den Jet überhaupt fliegen darf, beziehungsweise kann. Diese Arbeit soll ausserdem auch von internationalen Luftfahrtbehörden aus Europa, Kanada und Brasilien bewertet werden. So soll ein Gremium Gemeinsam von Linienpiloten aus aller Welt das Flugsimulator-Training absolvieren, um sicherzustellen, dass es effektiv ist.
Die abschliessende Dokumentation von Boeing über die Fehlerbehebung für das MCAS und andere Systemänderungen soll ebenfalls separat von einem unabhängigen Gremium – dem Technical Advisory Board (TAB) – bewertet, dem Experten von neun Zivilluftfahrtbehörden weltweit, sowie der National Aeronautics and Space Administration (NASA) und der FAA angehören.
Mit der FAA-Freigabe erhalten die US-Fluggesellschaften die Genehmigung, den Jet zu fliegen. Ausländische Aufsichtsbehörden müssen das MAX jedoch erst separat genehmigen, damit das Flugzeug im jeweiligen Zuständigkeitsbereich fliegen darf. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) und Transport Canada ihre Genehmigungen kurz nach der FAA erteilen werden.
Fazit zur Entwicklung der MAX
Corona hat den Blick der Welt ein wenig von Boeing und der 737 MAX abgelenkt, wonach der US-amerikanische Flugzeugbauer quasi in Ruhe weiter an den Verbesserungen rund um den “Unglücksflieger” tüfteln konnte. Nun scheint denn auch aktuell alles ausnahmsweise nach Plan zu laufen, sodass ein offizieller Wiederflug der MAX im September als durchaus wahrscheinlich angesehen wird. Natürlich stehen dafür noch einige Test und Zertifizierungen aus, aber dann könnte es sich bei der Boeing 737 MAX vielleicht tatsächlich um das sicherste Flugzeug der Welt handeln.