Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03132.jsonl.gz/386

Zu den Formen des kulturellen Rassismus gehört der antimuslimische Rassismus. Parallel zur kolonialen Expansion Europas entwickelte sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem «Nahen Osten», für die der Literaturwissenschaftler Edward Said 1978 den Begriff «Orientalismus» geprägt hat. Dabei handelt es sich um eine ideologische Vereinnahmung von Regionen und Staaten insbesondere auf dem asiatischen und nordafrikanischen Kontinent durch die kolonialen Mächte im Bereich der Kunst, Literatur und Wissenschaft, wobei spezifische Bilder über «die Anderen» (Othering) gesammelt, in einem Prozess der Naturalisierung und Kollektivierung homogenisiert und als objektiv gültiges Wissen hervorgebracht werden. Der antimuslimische Rassismus hat seit 9/11 stark zugenommen. Heute werden Muslim:innen oder als muslimisch markierten Menschen generalisierte Zuschreibungen gemacht wie Homophobie, Sexismus, Gewalttätigkeit oder Antisemitismus. Durch diesen Prozess der Rassifizierung soll die Diskriminierung von Muslim:innen und als muslimisch Markierten legitimiert werden.
Die Geschichte des Saisonnierstatuts begann in den 1930er-Jahren. 1931 verabschiedete die Schweiz das «Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer». Darauf gestützt schuf der Bundesrat 1934 das Saisonnierstatut.
Dieses sah vor, dass ausländische Arbeitskräfte jeweils für neun Monate in die Schweiz geholt werden konnten, während sie die drei restlichen Monate des Jahres im Ausland zu verbringen hatten.
Dahinter stand die Idee, ausländische Arbeitskräfte für die schweizerische Wirtschaft zu gewinnen, ohne dass sich diese langfristig in der Schweiz niederliessen. Dadurch sollten billige, ungelernte Arbeitskräfte für die Industrie, die Bauwirtschaft und die «Fremdenverkehrsindustrie» gewonnen werden. Dies war besonders für Wirtschaftszweige attraktiv, die von starken jahreszeitlichen Schwankungen betroffen waren, zum Beispiel die Hotellerie in den Wintersportorten.
In den Folgen von «We Talk. Schweiz ungefiltert» werden immer wieder Ausdrücke verwendet, die vielleicht schwammig, nicht eindeutig oder nicht für jede*n verständlich sind. Deshalb wollen wir etwas Klarheit schaffen. Weiter unten könnt ihr die Erläuterungen zu den Begriffen «Secondo, Seconda, Second*a» und «struktureller Rassismus» nachlesen. Hier gehen wir auf das Begriffspaar «Privilegien und Intersektionalität» ein.
Privilegien
Menschen mit Privilegien geniessen Vorteile, Vorzüge und Zugänge, ohne dass sie dafür eine besondere Leistung erbringen müssen. Sie haben bestimmte Freiheiten und Möglichkeiten zu handeln, die anderen verwehrt bleiben. Beispiele für Privilegien können ein besonderes Talent oder eine gute Ausbildung sein, die es Menschen erleichtern, sich ein gutes Leben einzurichten. Privilegiert ist auch wer sich mit bestimmten Schwierigkeiten oder Problemen nicht auseinandersetzen muss. Beispielsweise hat der grösste Teil der Menschen, die in der Schweiz leben, das Privileg, sicher leben zu können, ohne die Gefahr um das eigene Leben oder einer schweren Verletzung der psychischen oder physischen Integrität.