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Rückblick Spanienreise: Toledo, Valle de los Caídos, El Escorial und Madrid
Nach der Ausstellung "Picasso – El Greco" im Kunstmuseum Basel, wollten wir auf unserer Herbstreise El Greco auch an den Orten seines Schaffens begegnen. Wir begannen unsere Reise in Toledo und konnten gleich bei der Anreise den grossartigen Blick auf die Stadt am Tajo geniessen. Eine künstlerische Interpretation dieser Ansicht gab es am nächsten Tag im El Greco-Museum zu sehen.
Die imposante Alcázar-Festung und die Kathedrale Santa María de la Asunción thronen über der Stadt.
El Greco, 1608: "Ansicht und Plan von Toledo", El Greco-Museum
El Greco kam 1567 mit dem Ziel nach Spanien, Hofmaler von Philip II. zu werden. Das ist ihm schlussendlich nicht gelungen. Zu innovativ war die Bildsprache des Künstlers, zu fromm der Geschmack des Königs, um jenem grosse Aufträge für den königlichen Klosterpalast in San Lorenzo de el Escorial zu erteilen. Dafür wurde El Greco in Toledo erfolgreich. Der erste grosse Auftrag war ein Bild für die Kirche San Tomé.
Das Bild zeigt das Begräbnis des Grafen von Orgaz. Es ist in zwei Ebenen aufteilt, welche die irdische und die himmlische Welt verkörpern. Im unteren Teil des Bildes sehen wir das Begräbnis, bei dem die berühmtesten Bürger der Stadt teilnehmen.
In oberem Teil des Bildes teilen sich die Wolken, um die Seele des Grafen Zugang zum Paradies zu ermöglichen. Die Seele selbst wird in der Form eines Kindes von einem Engel in den Himmel getragen.
Draussen in der Sonne Toledos bummeln schon die Schulkinder dem Mittagessen entgegen. Wir nehmen die gleiche enge Gasse. Sie führt uns zum jüdischen Viertel, wo wir das El Greco-Museum und später auch die Kirche Santa Maria la Blanca besichtigen.
Im 12. Jahrhundert lebten mehrere Tausend Juden in Toledo. Ihre Synagogen waren von maurischen Stilelementen beeinflusst. Nach den Übergriffen auf das jüdische Viertel in den Jahren 1355 und 1391 und der Abwanderung vieler Juden in andere Länder Europas und Nordafrikas wurden die Synagogen zu Kirchen umgenutzt. Auch die Kirche Santa Maria la Blanca spiegelt diese Geschichte. Nach einer Inschrift wurde sie 1180 als Synagoge erbaut und im Jahr 1405 einem Ritterorden, dem Calatrava-Orden, übergeben und in eine katholische Kirche umgewandelt. Zu diesem Zeitpunkt erhielt sie den heutigen Namen.
Nach einer erholsamen Pause in unserem Hotel laufen wir durch das Stadttor Puerta Nueva de Bisagra zum Nachtessen. Mitte des 16. Jahrhunderts beschloss der Rat der Stadt, einen repräsentativen Neubau des Stadttores zu erstellen. Mit dem Bau wurde der Renaissancearchitekt Alonso de Covarrubias beauftragt. Der doppeltorige Komplex wurde mit dem Doppeladler der spanischen Habsburger autoritär geschmückt.
Nach Madrid via Valle de los Caídos und El Escorial
Unser Weg nach Madrid führt zuerst durch die schattigere Seite der jüngeren Geschichte Spaniens. Im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) sind 200‘000 bis 250‘000 Menschen gefallen. Mit dem Sieg der Nationalisten unter Francisco Franco begann die Diktatur, die bis zu seinem Tod dauerte. 1940 begann er mit dem Bau des monumentalen Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen), einer faschistischen Gedenkstätte in der Sierra de Guadarrama, etwa 45 km nordwestlich von Madrid. Von Zwangsarbeitern wurde eine Basilika, die eigentlich eine riesige künstliche Höhle ist, in den Berg geschlagen. Verkleidet mit polierten Granitsteinen, dekoriert mit Wandteppichen und neonazistischen Statuen, wirkt die Basilika wie eine teure, repräsentative Moskauer Metrostation. Oben auf dem Berg ragt ein riesiges, 150 m hohes Kreuz gen Himmel.
Es sei für Vanessa, unserer Fremdenführerin, immer wieder schwierig, hierher zu kommen, berichtet sie. Ihr Grossvater war ein politischer Gefangener, einer von 20‘000 Zwangsarbeitern, welche die Basilika bauen mussten. Es hinterlässt ein schweres Gefühl im Magen, wenn man die Basilika besichtigt.
Wir freuen uns auf den Blick auf San Lorenzo de el Escorial vom "Stuhl des Philipp II.", von wo aus der König den Bau seines riesigen Klosterpalastes angeblich überwachte. Auf einer Grundfläche von 33‘000 m², die nur vom Vatikanpalast übertroffen wird, gibt es 2000 Gemächer mit 3000 Türen und 2673 Fenstern, dazu 16 Höfe, 12 Kreuzgänge, 88 Brunnen und 86 Treppenaufgänge. Auch eine grossartige Bibliothek liess er hier einrichten.
Madrid
Wir wohnen im eleganten Hotel Catalunya Puerta del Sol nahe des Plaza Mayor in Huertas, einem historischen Viertel von Madrid, das auch “Barrio de las Musas” (“Stadtviertel der Musen”) genannt wird. Geschäfte, Bars und Restaurants reihen sich hier aneinander.
In Madrid thematisieren wir im Museo Reina Sofia nochmals den spanischen Bürgerkrieg und die Zeit der Franco-Diktatur. Wir betrachten das Bild "Guernica" von Pablo Picasso, sowie die Werke einer ganzen Generation spanischer Künstler, die gegen das Regime agierten. Darunter Eduardo Arroyo, der 1963 "Los Quatro Dictatores" malte (Francisco Franco, Benito Mussolini, Antonio di Oliveira Salazar und Adolf Hitler).
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Der Abschluss
Natürlich gehört zu jedem Madridbesuch ein Besuch im Museo del Prado. In der Morgensonne laufen wir zügig die Calle Huerta hinunter und starten unseren zweiten Pradobesuch pünktlich um 10 Uhr. Für eine kurze Zeit wollen wir von den noch leeren Sälen profitieren und fühlen uns darin ein wenig wie die mit preislosen Kunstwerken beschenkten Könige.
Wir bewundern nochmals die Welt El Grecos. Über Venedig und Rom kam er 1546 von Kreta nach Spanien. Erst im 19. Jahrhundert wurde er wieder entdeckt und bejubelt und wurde schliesslich zum grossen spanischen Künstler.