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litra. Am 29. April 1882 fuhr in Berlin erstmals ein von Werner von Siemens gebauter Omnibus, der den Strom für den Elektromotor von einer Oberleitung bezog. In der Schweiz ging das erste heute noch bestehende Trolleybusnetz 1932 in Lausanne in Betrieb. 1912 verkehrte erstmals ein Trolleybus in der Schweiz. Heute hat der Trolleybus in 15 Städten der Schweiz mit 527 Fahrzeugen und einem Netz von 337 Kilometern einen festen Platz im öV-Angebot.
Der erste Omnibus mit Oberleitung in Berlin glich äusserlich noch einer Pferdekutsche und besass zwei Motoren zu je 2 Kilowattstunden Leistung. Der Fahrstrom wurde von einer zweipoligen Fahrleitung bezogen, auf der ein Kontaktwägelchen (englisch «Trolley») hinter dem Bus nachgeschleppt wurde. Dieses System sollte den Nachteil der beschränkten Reichweite von Fahrzeugen mit Batterien und des erheblichen Gewichts der mitzuführenden Akkumulatoren eliminieren. Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden mehrere Strecken mit diesem Antriebssystem; das sich jedoch nicht durchsetzen konnte.
Später wurden andere Systeme für die Stromentnahme entwickelt. Die bis heute übliche Zufuhr des Stroms mit zwei angepressten Stangen wurde 20 Jahre nach dem ersten elektrischen Omnibus eingeführt. Bei der Namensgebung für den Elektrobus mit Oberleitung haben sich mehrere Begriffe eingebürgert: O-Bus in Deutschland und Österreich, Trolleybus in der Schweiz, in Russland, Frankreich und England, electric bus in Nordamerika (mit «trolley» ist dort ein Tram gemeint) sowie filobus in Italien.
1932: Lausanne als Pionier
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Autobusse mit Verbrennungsmotor wenig leistungsfähig. Die elektrische Traktion war zuverlässiger, energie-effizienter, schneller auf steigungsreichen Strecken. Zudem können die Trolleybusse rascher beschleunigen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Der Elektrobus fand weltweit bis zu Beginn der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts seine grösste Verbreitung. Er ersetzte vielerorts das Tram, weil die Schienen nicht erneuert werden mussten, Linienerweiterungen günstiger realisiert werden konnten und er schneller und leiser fuhr als die damals in die Jahre gekommenen Tramwagen. Das erste heute noch bestehende Trolleybusnetz in der Schweiz ging am 1. November 1932 in Lausanne in Betrieb.
Schweiz: 15 Städte mit Trolleybus
Doch die in grossen Stückzahlen hergestellten und deshalb vergleichsweise billigeren Dieselbusse führten vor rund 50 Jahren in Ländern wie England, Deutschland, Frankreich und Italien zu einem eigentlichen Trolleybus-Sterben. In der Schweiz blieb der Bus, der mit Energie aus einheimischer Wasserkraft fährt, weiterhin populär. Er verkehrt heute in den folgenden 15 Städten: Basel, Bern, Biel/Bienne, Fribourg (mit Duobussen für den Betrieb auf Aussenstrecken ohne Oberleitung), Genève, La Chaux-de-Fonds, Lausanne, Luzern, Montreux, Neuchâtel, Schaffhausen, St. Gallen, Vevey, Winterthur und Zürich.
Eingestellt wurden hingegen die Betriebe in der Stadt Lugano sowie die Überlandstrecken am rechten Thunerseeufer, im Val-de-Ruz sowie im St. Galler Rheintal.
Biel/Bienne, Genève, La Chaux-de-Fonds, Luzern, Winterthur und Zürich erneuern ihre Trolleybusflotte mit modernsten Fahrzeugen. Ende April 2007 hat Lausanne grünes Licht gegeben zum Kauf von 35 neuen Gelenk-Trolleybussen. Bis Ende 2014 soll die erneuerte Trolleybusflotte sogar auf 100 Fahrzeuge aufgestockt werden. In St. Gallen hat der Stadtrat dem Parlament die Neubeschaffung von sieben grossräumigen Doppelgelenk-Trolleybussen (LighTrams) und 17 dreiachsigen Gelenk-Trolleybussen beantragt.
- Gleislose Bahnen in der Schweiz
litra. Lange bevor in Lausanne das erste heute noch bestehende Trolleybusnetz eröffnet wurde, tauchten Ideen für «gleislose Tramverbindungen» – so die damalige Bezeichnung für Trolleybusse – in der Schweiz auf. So beauftragte ein lokales Konsortium in Gersau anno 1900 die soeben in Aarau gegründete Schweizerische Automobil-Gesellschaft, eine Strecke von Weggis über Vitznau–Gersau zum Bahnhof Brunnen der damaligen Gotthardbahn zu projektieren. Allerdings wurde dieses erste Projekt einer öffentlichen Trolleybuslinie in der Schweiz nie verwirklicht, da es am Widerstand der Bevölkerung scheiterte. Diese wehrte sich dagegen, dass «solch ein elektrisches Ungetüm» die enge Strasse entlang des Vierwaldstättersees unsicher machen würde.
Bemühungen von Hoteliers im Berner Oberland für Trolleybuslinien von Spiez über Faulensee–Krattigen nach Aeschi und von Interlaken über Matten nach Wilderswil blieben ebenso erfolglos wie Konzessionsgesuche für eine Verbindung vom Bahnhof zur Stadt Sitten sowie für Linien von Le Locle nach La Brévine und von St-Blaise nach Thielle.
Mehr Erfolg war dann dem Trolleybus-Einsatz zwischen Fribourg und Farvagny beschieden, der ab 4. Januar 1912 vorerst zwischen Fribourg und Posieux den Betrieb aufnahm. Von 1. November 1916 bis am 21. Mai 1932 war dann die gesamte 12,5 km lange Strecke in Betrieb. Seither verkehren dort Autobusse.
Lediglich dem Gütertransport der Bernischen Kraftwerke diente die 6,5 Kilometer lange Linie von der Bahnstation Gümmenen zum Werkplatz Aumatt bei Mühleberg, die vom 1. Dezember 1918 bis am 1. Oktober 1922 in Betrieb stand.
Ein weiteres Kuriosum konnte am 1. Oktober 1953 in Yverdon eröffnet werden: Als Weltneuheit wurde auf der 4,5 km langen Strecke Condémines–Bel-Air–Tuileries-de-Grandson der Betrieb mit zwei Gyrobussen aufgenommen. Diese Fahrzeuge sollten die Vorteile des elektrischen Betriebs mit der Unabhängigkeit von einer Fahrleitung kombinieren. Die Energie wurde beim Halt von einer Fahrleitung aufgenommen und im Fahrzeug mit einem grossen Schwungrad gespeichert. Da die anfängliche Begeisterung der Bevölkerung rasch verflog, ersetzte am 1. November 1960 ein Autobusbetrieb diesen bisherigen Pionierbetrieb.
- Trolleybus-Renaissance im Ausland
Eine eigentliche Renaissance erlebt der Trolleybus zurzeit im Ausland – dies bezeugt die umfangreiche Liste jener Städte, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs neue Trolleybussysteme aufgebaut haben. Gemäss «Trolleymotion», der internationalen Vereinigung zur Förderung moderner Elektrobussysteme, gibt es weltweit zurzeit in 348 Städten aktive Trolleybusbetriebe, wobei die Ukraine mit fast 50 Städten obenausschwingt.
- Leise und abgasfrei
Trolleybusse sind leise und produzieren keine Abgase.In Stadtgebieten, wo die Grenzwerte für Lärm- und Luftbelastung oft überschritten werden, sind diese Vorzüge ein bedeutender Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit und Lebensqualität der Bewohner. Hier kann der Trolleybus seine Vorteile wegen der dichten Haltestellenfolge voll entfalten, weil die Abgas- und Lärmbelastungen bei Diesel- und Gasbussen beim Anfahren am grössten sind. Im weitern eignet sich der Bus mit Elektromotor auf steigungsreichen Strecken besser als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. In hügeligen Städten erreichen Trolleybusse höhere Betriebsgeschwindigkeiten und senken so die Betriebskosten.
- Ruckfreie und vibrationsfreie Fahrweise
Trolleybusse geniessen bei den Passagieren ein hohes Ansehen. Untersuchungen der Verkehrsbetriebe Lyon haben gezeigt, dass Fahrgäste beim Trolleybus Unannehmlichkeiten eher in Kauf nehmen als beim Autobus. So wurde festgestellt, dass bei freier Auswahl des Fahrzeugs bei gleichen Voraussetzungen (Linienführung, Fahrplan) 60 Prozent der Fahrgäste den Trolleybus wählen und den Autobus vorbeifahren lassen. Der elektrische Antrieb ermöglicht eine sanfte, ruckfreie und vibrationsarme Fahrweise, die vor allem von älteren Passagieren geschätzt wird. Zudem benötigen die elektrischen Antriebsaggregate weniger Platz als ein Dieselmotor mit Partikelfilter oder ein Gasmotor mit Katalysator. Dies erlaubt einen tiefen Wagenboden auf der gesamten Fahrzeuglänge und einen niedrigen Einstieg auch bei der hintersten Türe. Auch beim Stadtbus Salzburg, der 2006 vollständig zum Oberleitungs-Busbetrieb übergegangen ist, stellt man eine höhere Akzeptanz durch die Kunden fest. Die um 15 Prozent gesteigerten Einnahmen aus dem Billetverkauf werden vor allem der Umstellung von Diesel- auf Trolleybus zugeschrieben. In Grossbritannien, wo eine Buslinie vom privaten Betreiber innert 56 Tagen eingestellt werden kann, ist laut einer Notiz in der «Times» vom 16. Juni 2007 das Vertrauen in das Weiterbestehen einer Trolleybuslinie grösser, da hier Investitionen in eine Oberleitung getätigt wurden.
- Niedrigere Unfallhäufigkeit
Zur Energieversorgung benötigt der Trolleybus eine Fahrleitung, welche mit ihren Kosten für den Bau und Unterhalt zwar ins Gewicht fällt, dafür aber andere entscheidende Vorteile mit sich bringt. Dank Fahrleitung und Stromabnehmer sind die Elektrobusse im dichten Stadtverkehr gut erkennbar. Wie beim Tram erkennen die Fahrgäste beim Trolleybus die Linienführung besser als bei einer Autobuslinie. Auch die andern Strassenbenützer und Fahrzeuglenker nehmen die Oberleitungs-Busse besser wahr, was beim Trolleybus zu einer niedrigeren Unfallhäufigkeit verglichen mit Verbrennungsmotor-Bussen führt.
- Generelle und spezifische Vergleiche
Bei der Wahl, ob Trolleybus, Dieselbus, Gasbus oder Tram das vorteilhafteste Verkehrsmittel sind, kommt es sehr auf die örtlichen, technischen, umweltmässigen und unternehmerischen Rahmenbedingungen an. Je nach Stadt oder Gemeinde kann die eine oder andere Antriebsart insgesamt günstiger sein. Aufgrund von generellen Vergleichen kann aber der Trolleybus spezifische Vorteile aufweisen. Trolleybusse sind in der Anschaffung teurer als Diesel- und Gasbusse, dafür beträgt ihre Lebensdauer rund 20 Jahre, gegenüber rund 12 Jahren bei Bussen mit Verbrennungsmotor. Indirekt entlastet der Trolleybus die Steuerzahler, weil er keine teuren Folgekosten bei Gesundheit (Stichwort Feinstaub) und Umwelt (Abgase, Lärm) verursacht. Bei den Treibstoffpreisen besteht heute, bedingt durch die Subventionierung des Diesel- und Gastreibstoffs, eine Wettbewerbsverzerrung. Die auf Dieselkraftstoff erhobenen Zölle werden den Verkehrsbetrieben zurückerstattet und die Gasindustrie richtet Förderbeitrage bei Gasbusbeschaffungen aus. Der elektrische Strom hingegen muss zu marktüblichen Bedingungen eingekauft werden. Trotz dieser Ungleichbehandlung der verschiedenen Antriebsarten schneidet der Trolleybus aufgrund von generellen Vergleichen in bestimmten Kriterien gegenüber Tram und Dieselbus besser ab (siehe Tabelle).
- Aufgrund der Nutzung von erneuerbaren Ressourcen (durch Kehrichtverbrennung oder Wasserkraft erzeugter Strom) wird der Trolleybus global gesehen als umweltfreundlicher wahrgenommen als der Dieselbus. Auf lokaler Ebene sprechen der geringere Lärm und Belastung der Luft für die mit Strom betriebenen Busse. Insbesondere auf Steigungsstrecken kommen die Vorteile des Elektrobetriebes gut zum Tragen. Das Fassungsvermögen von modernen, durchgehend niederflurigen Doppel-Gelenkbussen, wie sie bereits in Genève, Zürich, Luzern und St. Gallen zum Einsatz kommen, erlaubt es, mehr Sitzplätze als in Autobussen üblich anzubieten. Der Trolleybus ist in dicht besiedelten städtischen Räumen ein Zeichen für umweltgerechte Mobilität! Unter dem Titel «Innovative elektrische Stadtbus-Systeme» findet am 18./19. November 2008 in Zürich eine Tagung über neue Horizonte im Stadtverkehr statt.
- Trolleybusnetze in der Schweiz (PDF-File)
- Trolleybus Neueroeffnungen seit 1945 (PDF-File)
Pressedienst LITRA