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Bereits vor 6000 Jahren waren Männer mit geringer Körpergrösse im Bergbau sehr gefragt. Auch Kinder wurden (und werden leider noch heute) eingesetzt, denn für sie gibt es im Berg auch dort noch ein Durchkommen, wo normalwüchsige Erwachsene stecken bleiben.
Zur Ausrüstung der Bergmänner gehörte nebst Laterne, Schaufel und Spitzhacke auch eine stark gepolsterte Kragenmütze mit Schulterschürze, eine Art Schutzhelm, der vor tropfendem Wasser und herunterfallenden kleinen Steinen schützte. Der Zipfel der Mütze war gekrümmt, weil die Stollen tief waren, und er war rot, damit man seine Kumpels im fahlen Licht erkennen konnte. Da viele Bergwerksleute aus dem sonnigen Süden stammten, machten sie auf die blassen Einheimischen einen exotischen Eindruck und traten bald als Kobolde und Zwerge in Märchen und Sagen in Erscheinung. Meist attestierte man ihnen Fleiss, positive Kraft und Hilfsbereitschaft.
An europäischen Königshöfen waren kleinwüchsige Komödianten sehr beliebt. Auch am Hofe der Medici in Florenz. Der Zeichner und Kupferstecher Jacques Callot (1592–1635) war derart begeistert von den abendlichen Darbietungen, dass er zahlreiche Karikaturen anfertigte. Sie verbreiteten sich rasch in Europa und inspirierten Maler und Bildhauer. Aus Callots Radierungen entwickelte sich der kitschige Gartenzwerg, der heute als Inbegriff des spiessigen Kleinbürgers gilt.
1958 entwarf der belgische Comiczeichner Peyo Pierre Culliford (1928–1992) blaue Zwerge und nannte sie «Les Schtroumpfs». Doch erst 23 Jahre später erreichten die Schlümpfe dank einer US-Filmproduktion Kultstatus und eine Milliarde Umsatz mit Merchandising-Artikeln.
Im deutschsprachigen Raum sorgte in den 1960er-Jahren ein liebenswerter Kobold für Aufsehen, der «Pumuckl» von Schreinermeister Eden. Er prophezeite: «Ich komm’ noch öfter auf die Welt.»
Zum Entsetzen von Frank Ullrich, Gründer der Internationalen Zwergenpartei (IZP), wurde der kleine Bergmann als geiler Lustzwerg wiedergeboren, der sich mit einer vollbusigen Gartenzwergin paart. Ullrich sah deutsches Kulturgut bedroht und verlangte von der Antidiskriminierungsbehörde ein Verbot, denn «ein Gartenzwerg hat keinen Sex. Er hat keine Gelüste. Er braucht keine Frau!».
Claude Cueni (66) ist Schriftsteller und lebt in Basel. Er schreibt jeden zweiten Freitag im Blick. Soeben ist sein Thriller «Dirty Talking» erschienen.