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Nach der NBA und der MLS hat sich auch die NHL gestern dazu entschieden, die Meisterschaft mit sofortiger Wirkung und bis auf weiteres zu unterbrechen. Damit wird derzeit nur noch in Finnland und in der KHL Profi-Eishockey gespielt.
In der schwedischen SHL sind die Playoffs ebenfalls verschoben. Die Schweiz, Tschechien, Deutschland, Österreich, Dänemark und Norwegen haben ihre jeweiligen Meisterschaften schon abgesagt.
Der NHL blieb gar keine andere Wahl mehr, als die Meisterschaft ebenfalls zu unterbrechen. Weil sich die NBA und die MLS aufgrund der rasenden Verbreitung des Coronavirus zu einer Pause entschieden hatten, wuchs auch der Druck auf die Verantwortlichen in der besten Eishockey-Liga der Welt.
Als ein NBA-Spieler positiv auf die Lungenkrankheit COVID-19 getestet worden war, waren die Würfel gefallen. NHL-Teams teilen sich oft Stadien und teilweise sogar Garderoben. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Teile der NHL-Community sich ebenfalls anstecken würden, verkündete Commissioner Gary Bettman gestern Abend: «Es ist nicht mehr zu verantworten, derzeit noch Spiele auszutragen.»
Nein. Neben der NHL haben auch die AHL und die drittklassige ECHL die Saison unterbrochen. Auch die drei grossen kanadischen Juniorenligen (OHL, WHL und QMJHL) und die US-Nachwuchsliga USHL haben den Betrieb zumindest vorerst eingestellt, genauso wie die College-Liga NCAA.
Der kanadische Verband hat sich zu noch drastischeren Massnahmen entschieden: Alle Eishockey-Ligen und sonstige Events unter der Kontrolle von «Hockey Canada» wurden gestrichen. Das betrifft nicht nur Events auf, sondern auch neben dem Eis. Keine Spiele, keine Trainings, keine Teamausflüge.
Noch sind keine COVID-19-Fälle bei NHL-Spielern oder -Trainern offiziell bestätigt. Aaron Ness, Verteidiger bei den Arizona Coyotes, wurde aufgrund von Krankheitssymptomen auf das Virus getestet, noch steht das offizielle Resultat aber aus. Coyotes-GM John Chayka hat betont, dass es in seinem Team noch keinen positiven Test gab.
Gestern verkündeten die San Jose Sharks, dass ein Teilzeit-Arbeiter in ihrem Stadion, dem SAP Center, positiv auf das Virus getestet worden sei. Der Mann sei bei guter Gesundheit und in Selbstisolation.
Das ist momentan der Plan der NHL, auch wenn es schwer vorstellbar ist. In Kanada gibt es zwar bislang nur wenige Fälle, doch die USA stehen am Anfang eines grösseren Ausbruchs. Bis zum Ende der Regular Season, das auf den 4. April geplant war, stünden noch 189 Partien an.
Das Best-Case-Szenario wäre eine dreiwöchige Pause, ein vorzeitiges Ende der Regular Season (und Ranglisten nach Prozentzahl der geholten Punkte) und ein pünktlicher Playoff-Beginn am 8. April. Doch wahrscheinlicher ist es, dass die Pause länger dauert. Die Liga hat den Klubs mitgeteilt, dass ihre Stadien und Trainingshallen bis mindestens Ende Juli verfügbar sein sollen.
Dann sieht sich die NHL mit diversen Fragen konfrontiert: Können noch komplette Playoffs gespielt werden? Wollen die Fans nach so langer Wettkampfpause überhaupt eingerostete Spieler spielen sehen? Und welchen Einfluss hätte eine kürzere Sommerpause auf den Verlauf der nächsten Saison?
Realistischerweise müssen sich NHL-Boss Gary Betmann und die Klubbesitzer früher oder später ebenfalls mit einem möglichen Abbruch der Saison befassen. Es wäre das erste Mal seit dem Ausbruch der Spanischen Grippe 1918, dass kein Stanley-Cup-Champion gekrönt wird.
Den NHL-Teams drohen massive Finanzeinbussen. Sollte die Saison komplett abgesagt werden, ist ligaweit schätzungsweise mit Verlusten von mehr als 300 Millionen US-Dollar zu rechnen. Den Teams würden Einnahmen (Tickets, Gastronomie, Merchandise) aus 189 verbleibenden Regular-Season-Spielen und zwischen 60 und 105 Playoff-Partien fehlen.
Deputy Commissioner Bill Daly sagt gegenüber TSN, dass die NHL gegen solche Fälle versichert ist, gibt aber zu: «Welche Bereiche diese Versicherungen abdecken, weiss ich selbst nicht. Das wird wohl von Team zu Team variieren.» Ein US-Versicherungsexperte betont aber im gleichen Artikel, dass solche Versicherungen erst eingreifen, wenn die WHO oder eine nationale Behörde die Events konkret verbieten. Wenn eine Liga nur als Vorsichtsmassnahme nicht spielt, wird nichts abgedeckt.
Solche Einbussen hätten auch Einfluss auf die finanzielle Situation der einzelnen Spieler. Denn wenn die durchs Eishockey generierten Umsätze der Klubs unerwartet niedrig bleiben, erhöht sich der Prozentsatz des Lohns, den die Athleten über Escrow abgeben müssen. Konkret formuliert heisst das also: Die Coronavirus-Pandemie wird für die NHL-Spieler Lohneinbussen zur Folge haben.
Von Coronavirus-bedingten Einbussen wäre auch der Salary Cap betroffen. Bis vor wenigen Tagen war man davon ausgegangen, dass die Lohnobergrenze in der NHL nächste Saison zwischen 84 und 88,2 Millionen US-Dollar zu liegen kommt. Mit der aktuellen Situation scheint es realistischer, dass der Salary Cap ungefähr auf dem aktuellen Niveau von 81,5 Millionen bleibt. Das würde wiederum bedeuten, dass die Spieler in den Lohnverhandlungen nächsten Sommer keine höheren Forderungen stellen können.
Das Organisationskomitee arbeitet zwar weiterhin mit Hochdruck, aber noch ist nicht sicher, ob die Heim-WM in Zürich und Lausanne am 8. Mai tatsächlich beginnen kann. Alle IIHF-Events im März wurden abgesagt, und auch jene im April stehen stark auf der Kippe. Der Weltverband will spätestens am 15. April definitiv über das Schicksal des Turniers entscheiden.
Falls die WM aber tatsächlich stattfinden sollte, hat die Pause in der NHL sicher eine grosse Auswirkung. Schon in der Anfangsphase der Virusverbreitung in Europa schienen die NHL-Teamverantwortlichen nicht mehr bereit zu sein, ihre Spieler in Europa spielen zu lassen. Nun dürfte erst recht keine Bereitschaft mehr da sein.
Aber selbst wenn die Spieler die Erlaubnis hätten, besteht die Chance, dass sie dann noch in den möglicherweise nach hinten verschobenen NHL-Playoffs engagiert sind. Fazit: Falls die WM tatsächlich stattfindet, werden wohl nur wenige NHL-Verstärkungen dabei sein.
Wird die NHL-Saison in den Juni und den Juli hineinverschoben, hat das natürlich auch Auswirkungen auf den Draft und die Free Agency. Anfang April wäre die Draft-Lottery geplant gewesen, der Entry-Draft sollte eigentlich am 26. und 27. Juni in Montreal über die Bühne gehen.
Nicht nur, dass der Draft bei einer in den Sommer verschobenen NHL-Saison später stattfinden müsste, vermutlich hätten die Scouts für einmal auch etwas weniger genaue Angaben zu den Spielern. In Europa haben viele Ligen den Spielbetrieb eingestellt, genau wie Juniorenligen in Nordamerika momentan auch. Die U18-WM im April ist abgesagt und Scouts werden von ihren Teams angehalten, nicht mehr zu reisen.
Zwar sind bereits genügend Informationen vorhanden, um Draft-Rankings zu erstellen, aber vermutlich sind die jungen Spieler nicht ganz so durchleuchtet wie sich das die Klubs gewohnt sind.
Normalerweise dürfen vertragslose Spieler (Free Agents) ab dem 1. Juli neue Verträge unterschreiben. Sollten dann aber die Playoffs noch laufen, müsste auch diese Deadline nach hinten verschoben werden.