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|Rudolf Schmidt 1832 – 1898|
|Rudolf Schmidt wurde am 28. Juni 1832 in Basel geboren. Dort besuchte er Gemeindeschule und Realgymnasium, anschliessend zwei Jahre ein Collège in Rolle, Kt. Waadt, zur Erlernung der französischen Sprache. Mit sechzehn Jahren begann er eine Lehre in einer Kolonialwarenhandlung, die er nach vier Jahren mit einem erstklassigen „Lernzeugnis“ abschloss. Daraufhin trat Schmidt in die Firma seines Stiefgrossvaters ein, der ihm baldige Übergabe des Geschäftes in Aussicht stellte.|
Einundzwanzigjährig begann Schmidt als Infanterierekrut seine militärische Laufbahn und schon zwei Jahre später erhielt er das Offiziersbrevet. Er besass eine gute vormilitärische Ausbildung: Mit neunzehn Jahren war er Mitglied der Basler „Feuerschützengesellschaft“ geworden.
Durch seine häufigen freiwilligen Schiessübungen und seinem Interesse am Infanterieschiess- wesen war Schmidt inzwischen bevorzug zum Hauptmann einer neuaufgestellten Jägerkompanie befördert worden.
Vom Bundesrat erhielt Schmidt im Wettbewerb um ein neues Schweizer Infanteriegewehr für sein „Modell kleinen Kalibers mit sägeförmigen Zügen, einem Kompressions- und Expansionsgeschoss, versehen mit einem Säbelbayonnet“ den zweiten, mit 500 Franken dotierten Preis.
Unter der kundigen Leitung Rudolf Schmidts konnte die 1866 beschlossene Umänderung von 56369 grosskalibrigen und 76676 kleinkalibrigen Gewehren nach dem System Milbank-Amsler bereits anfangs 1869 abgeschlossen werden. Die Familie zog 1870, entsprechend seinem neuen Arbeitsort, nach Bern. Schmidt war in der Zwischenzeit zum Major befördert worden und gehörte seit Juni 1871 dem Generalstab an. In der folgenden Zeit war er heftigen persönlichen Angriffen ausgesetzt seitens seines ehemaligen Vorgesetzten und Erzfeindes, Oberst Wurstemberger, der ihn schon 1868/69 vom Posten des eidgenössischen Oberkontrolleurs absetzen wollte, was Schmidt allerdings mit „standhaftem Ausharren“ verhinderte
Seit 1873 arbeitete Schmidt an einem Repetiergewehr mit Gradzugverschluss und Kastenmagazin, dessen Prototyp er 1885 dem Militärdepartement zur Erprobung vorlegen konnte. Nach vierjährigen vergleichenden Versuchen mit andern Modellen wurde seine Konstruktion von der Gewehrskommission zur Annahme empfohlen und als Modell 1889 eingeführt. 1887 wurde Schmidt zum Oberst der Infanterie ernannt und im nächsten Jahr erfolgte – obgleich er Basler war – seine Aufnahme in den Berner Stadtrat.
1894 trat er, vermutlich der ständigen Anfeindungen müde geworden, von seinem Amt als Direktor der Waffenfabrik zurück. Die letzten Jahre verbrachte er still und zurückgezogen. Sein Tod im Jahre 1898 wurde kaum beachte.
|Oberst Eduard Rubin 1846 – 1920|
|Oberst Rubin wurde bekannt durch seine Versuche mit kleinkalibriger Munition Kal. 5,6 mm – 9mm, vor allem aber durch die Konstruktion der 7,5 mm Gewehrpatrone Modell 1890. Dank dem von Frankreich übernommenen und vom Direktor der Pulverfabrik Wimmis, Herrn Schenker, verbesserten Nitrozellulosepulver wurde es Rubin möglich, eine Gewehrpatrone mit, für die damalige Zeit, hervorragender Präzision zu konstruieren. Unter seiner Leitung wurden unter anderem auch die Revolverpatronen – Modelle 1878, 1882, 1882/86, die Gewehrpatronen – Modelle 1890/1903 und 1911 entwickelt.|
Eduard Rubin wurde am 17. Juli 1846 in Thun geboren. Nach Absolvierung der Mittelschule studierte er an der ETH Zürich und an der Maschinenbauschule in Karlsruhe. 1871 ernannte ihn der Bundesrat zum Adjunkten des Eidgenössischen Laboratoriums in Thun. Nach dem 1879 erfolgten Rücktritt von Oberst Stahel wurde er an dessen Stelle zum Direktor gewählt.
Nach 41järiger rastloser Tätigkeit als Leiter der Munitionsfabrik verschied er im Alter von 74 Jahren am 6. Juli 1920 an einem Herzleiden.
|Versuchspatronen um 1880|
|Anfangs der 80erJahre (1880) wurden Versuche mit kleinkalibrigen Waffen begonnen, die über Jahre hinaus die militärischen und zivilen Behörden und Kommissionen beschäftigten. 1882 wurden zwei Systeme erprobt: 1. System Rubin mit Kaliber 9,1 8,6 8,1 mm.|
Die verwendeten Geschosse waren mit dem Rubinschen Kupfermantel und die Patronenhülsen mit Zentralzündung versehen. 2. System Hebler im Kaliber 8,6 mm.
Die Patronenhülsen mit Zentralzündung und das Geschoss mit einer Papierführung. Die Heblerpatrone stand aber bezüglich der Präzision weit unter demjenigen von Rubin. 1884 schloss das Militärdepartement mit der SIG in Neuhausen einen Vertrag über die Transformation von 130 Gewehren Modell 1869/71 in solche mit Kaliber 8 und 7,5 mm.

Gewehrpatrone Kaliber 7,5 mm
|In Zusammenarbeit Mit Rudolf Schmidt, Direktor Waffenfabrik Bern, konstruierte E. Rubin, Direktor der Munitionsfabrik Thun, die neue Gewehrpatrone Modell 1890.|
Diese Patrone hatte einen zylindrisch ogivales Bleigeschoss mit Stahlkappe. Zur Vermeidung der Laufverbleiungen und Verschleimung war das Geschoss bis zur Stahlkappe mit Papier umwickelt. Hülsenlieferant war bis und mit 1892 die Firma Polte in Magdeburg. Die gleiche Firma lieferte 1893 noch 5 Millionen Hülsen. Die übrigen 40 Millionen, für den Bedarf 1893, stellte die Munitionsfabrik Thun her. An der Hülse wurden bis 1903 Änderungen vorgenommen.
|Gewehrpatronen-Modelle zur Ordonanz 1889:|
|7,5 mm GP Modell 90 BRB v. 1.7.1890. Bleigeschoss mit Stahlkappe. Blei mit Papier umwickelt zur Verhinderung der Laufverschmutzung. Geschoss in Hülse gepresst. Geschoss und Hülsenrand gefettet. 2 Zündkanäle. Zündkapsel Tombak bombiert, mit 2 Meisselhieben befestigt. Kein Bodenstempel. Gasdruck 2600 atü, Auszugswiderstand 35-40 kg. 1892|
3teiliger Bodenstempel P und Datum, Patrone geliefert von Polte Magdeburg. 1893
Zündkapsel nur noch teilweise mit 2 Meisselhieben befestigt, sonst eingepresst. Bodenstempel 4teilig. 1901
Zündkapsel flach, Tombak. 7,5 mm GP 90/03
BRB v. 6.3.1903. Gleich wie GP 90, mit folgenden Ausnahmen: Zündkapsel Messing, Ringfuge schwarz, anderer Zündsatz, Auszugswiderstand 40 kg. 7,5 mm GP 90/23
Diese Patrone kann sowohl auf den Waffen, die für die Patrone 90, wie auch auf denjenigen, die für die Patrone 11 eingerichtet sind, verschossen werden. Die Patrone wurde in der Munitionsfabrik Thun konstruiert und in der Patronenfabrik Solothurn fabriziert.
BRB v. 9.1.1923. Geschoss: Stahlmantel und Rille. Geschoss mit einer Ringwürgung im Hülsenhals befestigt. Übergang vom Hülsenhals zu Geschoss zu Geschoss 7 mm breit gefettet. Zündkapsel Messing, Ringfuge schwarz. Gasdruck 2000 atü, Auszugswiderstand 30 kg.
|Blinde Gewehrpatronen-Modelle zur Ordonnanz 1889:|
|7,5 mm bl GP 90|
Rotes Geschoss aus Lindenholz. Geschoss mit einer, ab 1901 mit 2 Rundwürgungen im Patronenhals befestigt. Hülse und Hülsenbodenbezeichnung wie GP 90, Ladeschachtel grün. 7,5 mm bl GP 90/03
Grünes, kurzes Geschoss aus Lindenholz. Ladeschachtel grün mit Holzeinlage.
bl P für das Kadettengewehr
Hülse wie GP 90, Hülsenhals 6fach gefaltet.
|Manipulierpatronen-Modelle zur Ordonnanz 1889:|
|7,5 mm Man P 90|
Geschoss Stahlblech mit Bleikern mit dem Hülsenhals verlötet und mit Holz in der Hülse abgestützt. Hülse wie GP 90, aber durchbohrt oder Zündkapsellager mit einer schwarz gefärbten Rille am Umfang. Zündkapsellager mit einer Zinn-Blei-Legierung ausgegossen. Bodenstempel wie GP 90. Es sind auch Patronen ohne Durchbohrung, ohne Rille und mit unausgegossenem Kapsellager bekannt. 1902, Man P 90 mit Schlagbolzen-Schutzvorrichtung
Das Geschoss besteht aus einer langen Hülse mit Holzeinsatz, deren unterer Teil die Feder zur Abfederung der Zündkapsel aufnimmt. Das Geschoss ist mit einem Stift, der durch den Hülsenrand geht, mit der Patrone fest verbunden. Hülse mit einer schwarz gefärbten Rille am Umfang. Zündkapsel Messing.