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Remoteness im Südalpenraum – Chance für den Wandertourismus
Der Wandertourismus in den remoten Gebieten des Sopraceneri und Moesano
Diplomarbeit von Florian Boller
Downloads (pdf):
- Artikel im Informationsblatt Landschaft der WSL (70/2008).
Remoteness als Qualität
Remoteness wird in der vorliegenden Arbeit definiert als Eigenschaft von Landschaftsräumen (grösseren Ausschnitten der Erdoberfläche), die nur zu Fuss durchquerbar sind und in räumlich-zeitlicher, wirtschaftlich-gesellschaftlicher und visueller Hinsicht eine grosse Entferntheit zum urbanen Wirtschafts- und Lebensraum aufweisen. Aus verschiedenen Gründen gibt es Menschen, für welche unerschlossene, unbekannte und naturnahe Räume attraktive Reiseziele sind. Remoteness wird in dieser Arbeit als eine Qualität betrachtet, die insbesondere für den Wandertourismus genutzt werden kann. Diese Betrachtungsweise ist in Kanada, Skandinavien oder Neuseeland bereits seit längerer Zeit verbreitet. Remote Gebiete sind in den Alpen aufgrund der zunehmenden touristischen Erschliessung rar geworden. Im Sopraceneri (Nordtessin) und im Misox (südwestlichster Teil Graubündens), können aber immerhin 34% der Gesamtfläche zu den remoten Gebieten gezählt werden.
67 remote Gebiete im Sopraceneri und Moesano lokalisiert und charakterisiert
Im "Inventar der remoten Gebiete" wurden alle 67 remoten Gebiete des Sopraceneri (nördlicher Kanton Tessin) und Moesano (südwestlicher Kanton Graubünden), die grösser als 5 km2 sind, aufgenommen und auf Basis geographischer Informationssysteme (GIS) charakterisiert. Das Inventar zeigt unter anderem, dass es in 38% der remoten Gebiete keine Übernachtungsgelegenheiten und in 30% der Gebiete keine markierten Wanderwege gibt. Aus dem Inventar geht hervor, dass es im Allgemeinen auch in den remoten Gebieten ein recht dichtes und variiertes Netz an Wegen und Hütten gibt. Die remoten Gebiete sind aber oft sehr unbekannt und können nur unter grossem zeitlichen Aufwand durchquert werden. Anhand von 15 quantitativen Faktoren wurden die Gebiete in extrem, mittel und moderat remote Gebiete aufgeteilt.
Befragung von 230 Wanderern in den remoten Gebieten Val Cama (GR) und Val di Lodrino (TI)
Im moderat remoten Val Cama (Kt. Graubünden) und im extrem remoten Val di Lodrino (Kt. Tessin) wurde im Sommer 2006 eine Befragung von Wanderern mit schriftlichen Fragebögen (deutsch/italienisch) durchgeführt. Aus dem Val Cama konnten 160 ausgefüllte Fragebögen ausgewertet werden, aus dem Val di Lodrino 70. Jeder Fragebogen beinhaltete 120 Variablen. Die Analyse der Antworten zeigt, dass 67% der Remoteness-Besucher Männer sind, dass die Hälfte im Tessin/Moesano, ein Drittel in der Deutschschweiz und jeder Zehnte in Italien wohnt, dass die Hälfte Mitglied einer Natur- oder Umweltschutzorganisation ist und dass zwei Drittel einen Abschluss auf Tertiärstufe besitzen.
Heterogene Bedürfnisse: Puristen, Pragmatiker und Strukturisten
Die Befragten unterscheiden sich stark in ihrer Meinung zum erwünschten Ausmass anthropogener Aktivitäten in abgelegenen Tälern. Deshalb wurde auf Basis der in Nordamerika, Skandinavien und Neuseeland entwickelten "Purismus-Skala" eine Typologie der Remoteness-Wanderer erstellt. Je nach Antwort zu 18 verschiedenen Fragen wurden diese in drei Gruppen unterteilt:
Die Analyse ergibt, dass im moderat remoten Val Cama 24% der Wanderer zu den Puristen zählen, 42% zu den Pragmatikern und 34% zu den Stukturisten. Im Vergleich dazu gehören im extrem remoten Val di Lodrino mit 45% der Befragten deutlich
Erhalt der Infrastrukturen und sanfte Promotion befürwortet – Ausbau der Infrastrukturen umstritten
Aus Sicht des Managements remoter Gebiete ist es wichtig, die Akzeptanz von Massnahmen zur Förderung des Wandertourismus zu kennen. Von allen Wanderertypen positiv beurteilt werden der Erhalt der bestehenden Infrastrukturen, die Verbesserung der Signalisation, der Verpflegungsmöglichkeiten, des Informationsmaterials und des öffentlichen Verkehrs, die Realisierung von Weitwanderwegen und die sanfte Vermarktung des Wandertourismus. Von Puristen abgelehnt, von Strukturisten befürwortet werden der Ausbau des Hütten- und Wegnetzes, die Realisierung von geführten Touren, der Bau von
Schlussfolgerung: Nachhaltige Förderung des Wandertourismus sinnvoll
Schlussfolgerung der Arbeit ist, dass eine nachhaltige, sanfte Förderung des Wandertourismus in remoten Gebieten Sinn macht, da die Gefahr der Übernutzung eher gering und lösbar scheint und vieles darauf hindeutet, dass die Nachfrage nach remoten Gebieten in den nächsten Jahren zunehmen wird. Die Förderung muss allerdings ziel- und zielgruppengerecht gestaltet werden. Auf Neuerschliessungen und störende menschliche Eingriffen (Helikopterflüge, Lärm) soll wenn möglich verzichtet werden. Breit angelegte Förderungen, welche die Vermarktung mit einschliessen, sind vor allem in moderat
Beteiligte