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«Ich wollte es trotzdem versuchen, da ich alle anderen Kriterien erfüllt habe»
14.3.2019 - 14:15, Valerie Zaslawski
Arif Aslaner ist Ausländer der Dritten Generation. Der Türke wollte sich erleichtert einbürgern lassen. Doch er scheiterte, weil seine Mutter damals, als sie in die Schweiz gekommen ist, nicht fünf Jahre lang die obligatorische Schule besucht hat.
Arif Aslaner, Sie sind 21 Jahre alt und wollten sich als Ausländer der Dritten Generation erleichtert einbürgern lassen. Woran sind Sie gescheitert?
Meine Grosseltern kamen in den 1980er Jahren von der Türkei in die Schweiz, um hier zu arbeiten. Meine Mutter war damals bereits 14 Jahre alt, weshalb sie die obligatorische Grundschule nicht mehr genau fünf Jahre lang besucht hatte. Gemäss dem Gesetz, das 2017 mit über 60 Prozent Ja-Stimmen angenommen wurde, ist dies aber ein Kriterium für die erleichterte Einbürgerung der Dritten Generation. Dieses konnte ich demnach nicht erfüllen und habe vom Staatssekretariat für Migration, dem SEM, einen negativen Bescheid erhalten.
Waren Sie sich bewusst, dass Sie dieses Kriterium nicht erfüllen? Oder war der negative Bescheid eine böse Überraschung?
Ich wusste, dass ich dieses Kriterium nicht erfüllte, wollte es aber trotzdem versuchen, da ich alle anderen Kriterien erfüllt habe: Meine Grosseltern hatten das Aufenthaltsrecht erworben, meine Eltern eine Niederlassungsbewilligung, ich bin in der Schweiz geboren und besitze die Niederlassungsbewilligung.
Wie haben Sie erfahren, dass Sie sich nicht erleichtert einbürgern lassen können?
Ich wurde vom SEM zu einem Gespräch eingeladen, bei welchem mir dann erklärt wurde, dass es noch den Weg der regulären Einbürgerung geben würde. Danach hatte ich mich entschieden, diesen einzuschlagen.
Hat Sie der negative Bescheid gekränkt?
Ja, aber ich hatte dennoch keinen Frustmoment. Mit der Absage war für mich erst recht klar: Ich möchte mich nun einbürgern lassen. Wenn es nicht über den Weg der erleichterten Einbürgerung geht, dann eben über den regulären.
Warum wollen Sie sich einbürgern lassen?
Ich bin in Solothurn aufgewachsen, habe beim Bundesamt für Polizei meine KV-Lehre absolviert. Während meiner Arbeit in der Verwaltung habe ich mich mit Wahlen und Abstimmungen befasst. Da fühlt es sich komisch an, selber nicht mitbestimmen zu dürfen. Ich bin mit der Schweizer Kultur vertraut, habe hier meine Freunde und ich fühle mich wie ein Schweizer. Ausserdem habe ich Mühe mit der türkischen Politik, der strengen Religion. Mit dem Land verbindet mich nicht mehr als ein paar Verwandtenbesuche oder Badeferien.
Warum haben Sie sich nicht schon früher einbürgern lassen?
Einerseits wollte ich als Teenager nicht ins Militär. Aber auch der hohe Preis, den man für das reguläre Einbürgerungsverfahren bezahlt, hat mich davon abgehalten. Zudem hatte ich Angst, vor der Gemeinde vorzusprechen zu müssen. Dann habe ich durch die Medien und einen Freund, der beim SEM arbeitet, erfahren, dass sich die Dritte Generation leichter einbürgern lassen kann. - Was dann leider nicht geklappt hat. Nun bleibt nur noch der reguläre Weg.