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Du schreibst regelmässig Texte in Word und vertraust dabei auf die Korrekturhilfe des Programms, um potenzielle Fehler zu entdecken und auszumisten? Dann spreche ich hiermit eine Warnung aus: In diesem Beitrag zeige ich dir anhand von 6 Beispielen, warum du dich nicht auf die Korrekturhilfe von Word verlassen kannst.
Ich musste schmunzeln, als ich letztens einer Bekannte erzählte, was ich als Texterin so mache. Als ich sagte, dass ich unter anderem viele Texte korrigiere und überarbeite, meinte sie: „Echt? Dafür beauftragen dich Leute? Das macht doch alles Word, ganz automatisch“.
Das stimmt – aber eben nur teilweise. Word markiert fehlerhafte Stellen, indem es Rechtschreibfehler mit einer roten Linie und Grammatikfehler mit einer blauen Linie unterstreicht.
Aber eine Garantie, dass du danach einen fehlerfreien Text veröffentlichen kannst, ist das nicht.
Wie schnell die Korrekturhilfe an ihre Grenzen stösst, können wir bei diesem Satz sehen:
- Er will sie nicht
- Er will, sie nicht.
Ein einziges Komma ändert hierbei die Bedeutung komplett: Wenn er will, aber sie nicht, braucht es ein Komma. Wenn er sie nicht will, braucht es kein Komma. Woher weiss aber Word, ob er sie will oder nicht will? Die Korrekturhilfe kann hier also in der korrekten Kommasetzung nicht für uns entscheiden, da das Programm unsere Gedanken und Absichten nicht kennt.
Die Korrekturhilfe tut sich aber nicht nur dort schwer, wo es verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten gibt, sondern auch bei Rechtschreibregeln, die für ein Programm eigentlich einfach umsetzbar gewesen wären (behaupte ich jetzt einfach, obwohl ich keine Programmiererin bin). Wie sich das äussert und welche häufigen Fehler dadurch unentdeckt bleiben, zeige ich dir gleich an 6 Beispielen.
Na dann: Auf das uns die deutsche Rechtschreibung trotz modernster Technik weiterhin Kopfschmerzen bereiten wird!
Inhalt:
- Beispiel 1: Word merkt nichts zu uneinheitlichen Schreibweisen an
- Beispiel 2: Word weist nicht auf fehlende Leerschläge hin
- Beispiel 3: Word erkennt keine falschen Zahlen
- Beispiel 4: Word kennt sich mit Anglizismen nicht aus
- Beispiel 5: Word erkennt keine (Eigen-)Namen
- Beispiel 6: Word ist mit der Zeichensetzung überfordert
- Fazit: Korrekturhilfe von Word – ja oder nein?
- Kennst du weitere Beispiele?
Beispiel 1: Word merkt nichts zu uneinheitlichen Schreibweisen an
Mein erstes Beispiel widme ich keinem eigentlichen Schreibfehler, sondern eher einem Schönheitsfehler: die Verwendung unterschiedlicher Schreibweisen für dasselbe Wort oder denselben Begriff innerhalb eines Textes.
In der deutschen Sprache haben wir die Möglichkeit, gleiche Dinge unterschiedlich zu schreiben. So gibt es beispielsweise allein für eine Fläche, die mit Quadratmetern angegeben wird, drei mögliche Schreibweisen:
- „Lassen Sie sich in unserem Wellness-Hotel auf über 1050 Quadratmetern verwöhnen.“
- „Lassen Sie sich in unserem Wellness-Hotel auf über 1’050 qm verwöhnen.“
- „Lassen Sie sich in unserem Wellness-Hotel auf über 1 050 m2 verwöhnen.“
Die Flächenangabe ist nur ein Beispiel von vielen: Zahlen, Abkürzungen, Währungen, Wort-Kombinationen oder eben Einheiten lassen sich jeweils unterschiedlich darstellen – je nachdem, welche Variante der Autor bevorzugt oder von der Redaktionsleitung vorgegeben wird.
Diese stilistische Wahlfreiheit schätze ich an unserer Sprache sehr – aber es ist eben auch problematisch, wenn in einem Text durchgehend eine andere Variante gewählt wird.
Ein Text wirkt unordentlich, wenn an einer Stelle die Abkürzung „z. B.“ und an einer anderen wieder die ausgeschriebene Form „zum Beispiel“ steht. Es wirkt unsauber, wenn irgendwo in einem Text von „CHF 250.-“ und anderswo von „250.00 Franken“ die Rede ist. Oder wenn der Autor einmal von „Work-Life-Balance“ und dann wieder von „work-life balance“ spricht.
Du darfst nicht vergessen: Mit jedem Text schwingt deine Persönlichkeit mit. Texte, in denen Schreibvarianten immer anders statt einheitlich umgesetzt sind, erwecken den Eindruck, als hätten viele verschiedenen Personen an diesem Text gearbeitet. Als würde dieses Unternehmen „mal so, dann mal wieder so“ arbeiten. Damit büsst der Text an Glaubwürdigkeit ein – und ist zudem auch schwieriger zu lesen.
Ich empfehle meinen Kunden deshalb immer, einheitliche Schreibweisen bei Wörtern, Zahlen oder Einheiten festzulegen. Diesen Schritt braucht es, denn Word wird dir dazu nichts anmerken: Das Programm erkennt nur, ob ein Wort korrekt geschrieben ist – und die Beispiele oben sind alle korrekt geschrieben, da es nun mal verschiedene Varianten gibt, die alle richtig sind.
Du siehst: Wenn du glaubwürdige Texte veröffentlichen willst, dann kommt es auf einheitliche Schreibweisen an. Damit alle Wörter, Zeichen oder Einheiten am Schluss übereinstimmen, empfiehlt sich deshalb immer eine Prüfung durch ein professionelles Lektorat oder Korrektorat .
Beispiel 2: Word weist nicht auf fehlende Leerschläge hin
Kommen wir zu einem Fehler, den Word eigentlich erkennen und bereinigen müsste – es aber aus unerklärlichen Gründen nicht tut: die fehlenden Leerschläge bei Abkürzungen, Einheitsangaben und Gedankenstrichen.
Dieser Fehler begegnet mir tatsächlich sehr häufig. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich diesen Fehler in 90 % meiner Korrekturaufträge berichtige – und das heisst wiederum, dass die grosse Mehrheit der deutschsprachigen Bevölkerung über die richtige Verwendung von Leerschlägen nicht aufgeklärt zu sein scheint. Ich zähle mich hier dazu: Diese Regel habe ich erst kennengelernt, als ich angefangen habe, mich berufsmässig beinahe täglich mit dem Duden und korrekten Schreibweisen zu beschäftigen.
Aber: Nicht nur im Deutschunterricht ist diese Rechtschreibregeln untergangen, sondern auch in der Korrekturhilfe von Word – denn auch das Programm erkennt und bereinigt diesen Fehler nicht. Nun hast du aber die Möglichkeit, es ab sofort besser bzw. richtig zu machen:
Bei Abkürzungen braucht es einen Leerschlag zwischen den Buchstaben. So schreiben wir ja auch „von links nach rechts“ und nicht „vonlinksnachrechts“. Deshalb:
- das heisst: d. h. (und nicht d.h.)
- zum Beispiel: z. B. (und nicht z.B.)
- in der Regel: i. d. R. (und nicht i.d.R.)
Vor Einheitsangaben braucht es ebenfalls einen Leerschlag:
- 80 kg (und nicht 80kg)
- 1.75 dl (und nicht 1.75dl)
- 25 % (und nicht 25%)
Und: Vor und nach einem Gedankenstrich braucht es ebenfalls jeweils einen Leerschlag:
- Er hat mich heute – übrigens schon zum 5. Mal – wegen diesem Vorfall angerufen.
Warum Word diese logische und simple Regel nicht anwendet, ist mir ein Rätsel – denn schliesslich erkennt Word ja auch, wenn wir einen Leerschlag zwischen zwei Wörtern oder zwischen zwei Sätzen vergessen.
Auch damit sind wir also bei einem sehr häufigen Schreibfehler, der dir die Korrekturhilfe von Word nicht anzeigen wird und sich am praktischsten in einer Korrekturschlaufe entdecken und bereinigen lässt.
Beispiel 3: Word erkennt keine falschen Zahlen
Mein 3. Beispiel ist nicht Word, sondern der Unaufmerksamkeit des Verfassers geschuldet – denn hier geht es darum, dass du keinerlei Hinweise von Word zu unabsichtlich falsch geschriebenen Angaben im Text erhältst. Das ist so logisch wie ärgerlich – und zeigt einmal mehr, dass Word kein menschliches Korrektorat ersetzen kann.
Stell dir vor, du veröffentlichst einen Flyer für einen Workshop oder Kurs – und dann stellst du mit Erschrecken fest, dass darauf sowohl die Termine als auch deine Telefonnummer falsch sind.
Du denkst jetzt, dass solche Fehler bei einem so wichtigen Dokument nicht passieren?
Dann irrst du dich. Nur ein kurzer Moment der Ablenkung reicht aus, damit sich ein „blöder“ Tippfehler, Zahlendreher oder eine Verwechslung mit dem Monat oder Jahr einschleicht.
Ich habe das schon selbst erlebt: Immer wieder riefen mich französischsprechende Personen an, um bei mir ein Fotoshooting zu buchen. Die ersten Anrufer beendeten das Telefonat jeweils wortlos und abrupt, wenn ich mit „Bei mir? Hä?“ antwortete. Erst beim fünften Anrufer hatte ich endlich die Gelegenheit, mehr über den Grund des Anrufs zu erfahren. Wie sich herausstellte, verwechselte ein Fotograf aus dem Kanton Jura auf seiner Website die letzten beiden Ziffern seiner Telefonnummern – und wie es der Zufall (oder das Pech) wollte, wurde daraus dann meine Nummer. Ich wies ihn selbstverständlich auf den Zahlendreher hin. Trotzdem aber hat ihn dieser kleine Tippfehler bis dahin mindestens vier Aufträge gekostet.
Vor solchen unabsichtlichen Fehlern ist niemand, aber wirklich niemand, sicher. Denn sonst wären wir ja perfekte Perfektionisten – was wir aber alle offensichtlich nicht sind.
Also: Diese Fehler sind menschlich. Das eigentliche Problem ist auch vielmehr, dass einmal passiert, diese Fehler lange oder möglicherweise für immer unentdeckt bleiben. Denn wenn wir einen Text nochmals durchlesen, dann legen wir den Fokus auf die Buchstaben und Wörter – und gehen eben davon aus, dass gerade die wirklich wichtigen Dinge schon richtig sein werden.
In diesem Fall kannst du dich auch nicht auf Word verlassen, da solche Informationen schlicht und einfach das Wissen des Verfassers voraussetzen.
So wird Word nicht erkennen können, wenn du statt „am 5. Mai 2026“ eigentlich „am 5. Juni 2026“ schreiben wolltest. Oder ob deine Telefonnummer auf 47 statt auf 74 endet.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass diese Fehler häufig bei Ziffern und Zahlen dieser Art passieren:
- Jahreszahlen
- Daten von Veranstaltungen
- Summen / Geldbeträge
- Telefonnummern
- Geburtstage
Da dich die Korrekturhilfe bei solchen Fällen nicht unterstützen kann, lohnt es sich also, deinen Text am Ende speziell auf Nummern, Zahlen und Daten überprüfen zu lassen. Ich rate dir, dass du dafür sogar einen eigenen Korrekturlauf ansetzt – also dass du dein Dokument von jemandem gegenlesen lässt, der sich während einer Durchsicht nur auf Zahlen und Ziffern konzentriert.
Beispiel 4: Word kennt sich mit Anglizismen nicht aus
Kommen wir zu einem weiteren Beispiel: Die Unfähigkeit von Word, die Korrekturhilfe auf eine Fremdsprache anzuwenden – so etwa bei Anglizismen.
Bei Anglizismen handelt es sich um englische Wörter, die wir in die deutsche Sprache übernommen haben – wie zum Beispiel „online“, „Manager“, „Social Media“ oder „Workshop“.
Nun ist es so, dass für Anglizismen die deutschen Rechtschreibregeln gelten – und das macht es noch komplizierter, als es ohnehin schon ist.
Ich starte mit einem einfachen Beispiel, wie Word hier auf ganzer Linie versagt: die Mehrzahlbildung von englischen Wörtern, die auf „y“ enden.
Im Englischen wird der Plural von diesen Wörtern mit „ies“ gebildet – so wird aus „Story“ im Plural „Stories„, aus „Baby“ werden „Babies“ oder aus „Lady“ werden „Ladies„.
Und in deutschen Texten?
Da machen wir das nicht – hat der Duden so entschieden. In deutschen Texten darfst du deshalb ganz normal ein „s“ dranhängen – in etwa so: „Hallo Ladys, wie geht es euch?“. Oder: „Ich habe mehrere Storys über dich gelesen und fand alle interessant. Vor allem die, in denen du über deine Babys sprichst“.
Das Problem: Word wird hier beide Varianten als korrekt durchgehen lassen. Auch wenn du in einem Text schreibst „Hallo Ladies, wie geht es euch?“ wird die Korrekturhilfe das als richtig zählen, obwohl es falsch ist.
Nehmen wir ein anderes, etwas kompliziertes Beispiel: der häufig verwendete Begriff „Social Media“ – also die sozialen Medien:
Englisch (und damit ursprünglich) wird dieser Ausdruck als „social media“ kleingeschrieben. Übernehmen wir diesen Ausdruck nun in einen deutschen Text, müssen wir ihn grossschreiben, da Substantive nach der deutschen Rechtschreibung grossgeschrieben werden – also „Social Media“. Bis hierhin eigentlich klar und relativ einfach.
Jetzt wird es aber kompliziert: Wenn wir jetzt an Social Media noch ein 3. deutsches Substantiv hängen, zum Beispiel „Kanal“ oder „Konto“, dann müssen wir Bindestriche setzen: „Social-Media-Kanal“ oder „Social-Media-Konto“. Das verlangt die deutsche Rechtschreibung halt eben so.
Das Problem: Word kennt diese Regeln nicht und setzt sie auch nicht um – so ist gemäss Korrekturhilfe auch „Social Media Kanal“ oder „Social Media-Kanal“ korrekt, obwohl diese beiden Schreibweisen falsch sind.
Cheibe kompliziert, gäll?
Dann pass auf – es gibt noch viele weitere knifflige Regeln, wenn du in einem Text englische Wörter brauchst:
- Substantiv + Substantiv wird zusammengeschrieben oder mit einem Bindestrich verbunden, zum Beispiel „Teammeeting“ oder „Team-Meeting“, „Home-Office“ oder „Homeoffice“.
- Adjektiv + Substantiv hingegen wird ohne Bindestrich getrennt geschrieben – zum Beispiel: „Happy End“ oder „Best Practice“.
Du siehst: Schon für uns Menschen sind die korrekten Schreibweisen von Anglizismen schwer erfassbar – wie soll dann ein Programm den Überblick behalten? Im Zweifelsfall entscheiden können? Wissen, wie wir welches Wort nun wie in welcher Kombination verwenden? Gar nicht – zumindest nicht zum heutigen Zeitpunkt.
Deshalb empfehle ich dir, die Schreibweise von Anglizismen immer genauestens zu überprüfen. Bei einigen wenigen reicht es sicherlich aus, die korrekte Schreibweise im Duden nachzuschlagen. Bei vielen Anglizismen rate ich dir jedoch, dass du deinen Text von einem Profi prüfen lässt, der sich mit deutschen Regeln auskennt und sie auf eine Fremdsprache übertragen kann.
Beispiel 5: Word erkennt keine (Eigen-)Namen
Kommen wir zum vorletzten Grund, warum du dich nicht auf die Korrekturhilfe von Word verlassen kannst: Word erkennt nicht, ob das Wort, das du schreibst, zu einem Namen gehört oder ob du es als normales Wort verwendest. Das ist problematisch, da du bei Namensbezeichnungen andere Rechtschreibregeln beachten musst (als wäre die deutsche Rechtschreibung nicht schon kompliziert genug, gibt es also nochmal eine Regel, die irgendwie alle anderen Regeln ausser Kraft setzt….). Zum Beispiel:
- Personennamen mit Zusatz
Personennamen inklusive der Zusätze, die mit dem Namen in Verbindung stehen, werden grossgeschrieben – auch wenn es sich dabei um normalerweise kleingeschriebene Adjektive handelt: „Katharina die Grosse“ oder „Benjamin der Fünfte„. Das Problem: Word zählt hierbei auch die Kleinschreib-Variante als richtig, da das Programm nicht einschätzen kann, ob es sich um eine Namensbezeichnung einer Person handelt oder nicht.
- Namensbezeichnungen von Unternehmen, Abteilungen und Organisationen
Wie bei den Personennamen auch, werden bei anderen Namensbezeichnungen die Adjektive grossgeschrieben – also beispielsweise: „Im Sozialwissenschaftlichen Institut Basel erforschen wir die Grundlagen“ oder „Die Schweizerische Gesellschaft für Essensfragen beschäftigt sich gerade mit Käse“.
Sowohl „sozialwissenschaftlich“ als auch „schweizerisch“ wird Word hier als Adjektive erkennen und dir deshalb die Kleinschreibung vorschlagen, obwohl dies nicht korrekt ist.
Auch hier lohnt es sich deshalb, solltest du spezifische Namensbezeichnungen verwenden, die Regeln und richtige Verwendung im Duden nachzuschlagen – denn das „Namensgebiet“ ist in der Rechtschreibung so gross, dass Duden darüber sehr viele verschiedene Regeln vorschreibt. Wenn du dir dennoch unsicher bist, dann hilft es, deinen Text in einem professionellen Korrektorat gegenlesen zu lassen.
Apropos Namen: Hast du gewusst, dass das &-Sonderzeichen nur in Namensbezeichnungen verwendet werden darf? Auch hier weist dich Word nicht darauf hin, wenn du es fälschlicherweise in Fliesstexten als stilistisches Mittel einsetzt. Mehr dazu kannst du hier nachlesen.
Beispiel 6: Word ist mit der Zeichensetzung überfordert
Kommen wir zum letzten und wahrscheinlich wichtigsten Beispiel, warum du der Korrekturhilfe von Word nicht die Deutungshoheit überlassen solltest: Mit Zeichen kann Word ganz ganz ganz schlecht umgehen.
Das fängt damit an, dass falsch gesetzte Zeichen nicht erkannt werden und endet damit, dass die Korrekturhilfe nicht mal dann reagiert, wenn am Ende eines Satzes ein Punkt fehlt.
Wir können und dürfen den Programmierern der Korrekturhilfe hier aber nicht wirklich einen Vorwurf machen, denn Satzzeichen funktionieren sehr komplex und werden je nach Aussage unterschiedlich angewendet. So kommt es eben immer auf den Inhalt an, wie die Satzzeichen letztendlich gesetzt werden.
Ein Beispiel dazu habe ich dir schon in der Einleitung dieses Beitrags aufgeführt – ein anderes wäre das hier:
- Komm, wir essen, Opa!
- Komm, wir essen Opa!
Auch hier gilt: Word erkennt hier beide Kommasetzungen als korrekt an – denn beide Sätze sind an sich auch richtig. Aber: Die Korrekturhilfe kann unsere Gedanken nicht lesen und weiss dementsprechend nicht, ob wir eher an einem gemeinsamen Essen oder an einer kannibalistischen Praktik interessiert sind.
Wenn dir also gerade Kommas, Punkte oder andere Zeichen Mühe bereiten, dann lohnt es sich auf jeden Fall, dein Dokument in einem Korrektorat prüfen zu lassen – denn manche Fälle können so knifflig sein, dass nur ein geschulter Blick über die richtige Zeichensetzung empfinden kann.
Fazit: Korrekturhilfe von Word – ja oder nein?
Die Autokorrektur von Word hilft sicherlich, gröbere Fehler zu finden und zu verbessern – aber sie kann bei Weitem nicht so viele Fehler entdecken, wie das ein geübtes menschliches Auge und Hirn kann. Dafür sind manche Regeln einfach zu komplex und unterscheiden sich dazu auch noch von Fall zu Fall.
Gerade bei Texten, die einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden (zum Beispiel ein E-Book, Website, Flyer oder andere Werbematerialien), lohnt sich ein Blick von aussen immer – denn Rechtschreiber bleiben eher schlecht als recht in Erinnerung. Gleiches gilt auch für Hochschul-, Diplom- oder Masterarbeiten, die auf pingelige Art und Weise korrekt sein müssen, um eine gute Bewertung zu erhalten (auch wenn sie danach für immer im Schrank verstauben).
Wenn du dir unsicher bist, wie umfassend du einen Text prüfen lassen sollst, dann schau dir doch gerne mal diesen Beitrag an. Dort habe ich ausführlich darüber geschrieben, wie sich ein Korrektorat von einem Lektorat unterscheidet und welche „Prüfmethode“ für deinen Text Sinn macht.
Kennst du weitere Beispiele?
Sind dir andere Beispiele bekannt, bei denen du nicht auf die Korrekturhilfe von Word zählen kannst? Wenn ja, würde ich mich sehr freuen, sie zu hören. Schreib mir dafür gerne eine Nachricht via Kontaktformular. Gleiches gilt auch, wenn du eine Frage zu diesem Beitrag hast!
Über die Autorin:
Ich bin Rahel Hänggi, seit 2021 arbeite ich als Texterin für Unternehmen und unterstütze sie in der Umsetzung ihrer Kommunikation – zum Beispiel, indem ich für sie Online- und Printtexte schreibe oder ihre bestehenden Inhalte in einem Korrektorat oder Lektorat überarbeite.