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Wissenschaftliches Schreiben gehört zum Studium dazu. Beim Korrigieren bzw. Lektorieren von Bachelorarbeiten und Masterarbeiten fallen uns immer wieder dieselben Fehler auf, die unter Umständen zu einer schlechteren Benotung führen können. Aber das muss nicht sein. Mit diesen Tipps und Hinweisen lassen sie sich ganz einfach vermeiden. Sie sind unabhängig von Ihrem Thema und Fachbereich anwendbar.
1. Komplizierte Ausdrucksweise
Grundsätzlich ist es gut, wenn Sie sich so einfach und präzise wie möglich auszudrücken. Das bringt in der Regel auch bei der Bewertung Pluspunkte. Setzen Sie Fach- und Fremdwörter sparsam dort ein, wo sie notwendig sind. Übersichtliche, kurze Satzkonstruktionen in leicht verständlichen Worten verbessern die Lesefreundlichkeit. Eine Faustregel besagt, dass ein Satz möglichst zwischen 15 und 20, im Höchstfall 30 Wörter haben soll, damit er gerne gelesen und richtig verstanden wird. In wissenschaftlichen Texten sollten Sie stets vollständige Sätze schreiben.
2. Sie schreiben in der falschen Zeitform
Der Grossteil einer wissenschaftlichen Arbeit wird in der Regel im Präsens geschrieben. In einigen Teilen wie Abstract, Einleitung, Methode, Resultate und Diskussion werden manchmal auch die Zeitformen Perfekt oder Präteritum gewählt.
Richtig:
Das gilt für die Krieger vor Troja, die durch Homer zu den Helden der Ilias geworden sind, ebenso wie für Arnold Winkelried in der Schlacht von Sempach.
Falsch:
Das war bei den Kriegern vor Troja so, die durch Homer zu den Helden der Ilias wurden, und galt ebenso für Arnold Winkelried in der Schlacht von Sempach.
3. Die Verwendung der Ich-Form und von Personalpronomen
In wissenschaftlichen Arbeit wird üblicherweise ein unpersönlicher Schreibstil bevorzugt. Auf die Ich-Form oder Pronomen wie du/Sie/wir/man usw. sollte verzichtet werden.
Richtig:
Im Anhang befinden sich die Informationen.
Die Rohdaten können dem Anhang entnommen werden.
Der zweite Versuch wurde dreimal wiederholt.
Das Vorkommen bestimmter Mikroorganismen bestärkt diese Annahme ebenfalls.
Falsch:
Diese Information finden Sie im Anhang.
Ich habe den zweiten Versuch dreimal wiederholt.
Das Vorkommen bestimmter Mikroorganismen bestärkt unsere Annahme ebenfalls.
4. Keine einheitliche Schreibweise und präzise Definition der Begriffe
Die einheitliche Schreibweise und präzise Definition der Begriffe ist in wissenschaftlichen Arbeit von grosser Bedeutung. Das ist unerlässlich, um ein eindeutiges Verständnis Ihrer Aussagen und Argumentation zu gewährleisten. Falls es für einen Begriff verschiedene Schreibweisen gibt, müssen Sie sich für eine entscheiden und diese konsequent überall verwenden. Ausnahmen stellen Zitate und Buchtitel dar.
Beispiele:
Content-Marketing oder Contentmarketing, Prozedere oder Procedere, Desktoppublishing oder Desktop-Publishing, Science-Fiction oder Sciencefiction
5. Formale Fehler bei Quellenangaben oder Fussnoten
Denken Sie daran:
- Quellenangaben in Fussnoten bzw. im Text beginnen üblicherweise mit „vgl.“ oder „siehe“, wenn sie anzeigen, dass Gedanken übernommen und/oder paraphrasiert, aber nicht wörtlich zitiert wurden.
- Dagegen werden Quellenangaben von wörtlichen Zitaten in Fussnoten bzw. im Text ohne „vgl.“ oder „siehe“ angegeben.
- Wenn sich eine Fussnote auf den ganzen Satz bezieht, steht die Ziffer nach dem schliessenden Satzzeichen.
- Bezieht sich die Fussnote nur auf das vorangehende Wort bzw. die vorhergehende Wortgruppe, steht die Ziffer vor dem schliessenden Satzzeichen.
6. Fehlende Unterscheidung zwischen Zitaten und Hervorhebungen
Hier hat sich die folgende Regel etabliert:
- Anführungszeichen werden für wörtliche Zitate aus der Literatur verwendet („…“)
- Um Hervorhebungen zu kennzeichnen, werden Fett- bzw. Kursivschrift oder einfache Anführungszeichen bzw. Hochkommata genutzt (’…‘)
7. Falsche Verwendung von Binde- und Gedankenstrich
Der Unterschied zwischen einem Binde- und Gedankenstrich ist optisch klein, hat aber eine grosse Auswirkung: Der Gedankenstrich (–) ist länger als ein Bindestrich (-). Er wird durch gleichzeitiges Drücken der Minus-Taste und „ctrl“ (Windows) bzw. „Alt“ (Mac) gesetzt.
- Der Gedankenstrich trennt in der Regel Satzteile. Davor und danach ist jeweils ein Leerzeichen.
Beispiel: Das ist eine – mehr oder weniger – gute Idee.
- Oft kündigt er etwas Unerwartetes am Satzende an.
Beispiel: Du kannst das Laptop haben – und zwar geschenkt!
- Zudem wir er als Minuszeichen verwendet.
Beispiel: 350 – 50 = 300
- Und bei Von-bis-Angaben ohne Leerzeichen.
Beispiel: S. 23–24, 2017–2018
- Aufgepasst: In vielen Fällen kann statt des Gedankenstrichs auch ein Komma gesetzt werden. Ungekehrt ersetzt der Gedankenstrich innerhalb eines Satzes aber nicht in jedem Fall das Komma.
Beispiel: Er wollte wissen – es war ihm wichtig –, ob das Haus immer noch so aussieht wie damals.
Der Bindestrich trennt im Gegensatz zum Gedankenstrich Wortteile bzw. -zusammensetzungen. Zudem steht nie zwischen zwei Leerzeichen.
- Er wird für Trennungen am Ende einer Zeile verwendet.
Beispiel: Damals stand dort noch ein Baum, an den sie sich noch sehr gut er-
innern konnte.
- Bei Ergänzungen von Wortteilen wird er wie folgt eingesetzt.
Beispiele: Garten- und Balkonpflanzen, Naturschauplätze und -ereignisse
- Und so verwenden Sie ihn bei zusammengesetzten Wörtern mit Zahlen oder Buchstaben.
Beispiele: z. B. 25-jährig, 1990er-Jahre, CD-ROM-Laufwerk
- Aufgepasst: Für die Verwendung des Bindestrichs gibt es im Duden Kann- und Muss-Regeln.
Beispiel Muss-Regel: Kfz-Versicherung
Beispiel Kann-Regel: Ferien-Erlebnis (statt Ferienerlebnis)
Weitere wertvolle Tipps und Hinweise rund um das Thema wissenschaftliche Arbeiten finden Sie unter 13 typische Fehler in wissenschaftlichen Arbeiten – Teil 2.