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Humboldtpinguin
Spheniscus humboldti
© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)
Pinguine gelten im allgemeinen als besonders «frosttaugliche» Vögel, deren Heimat die Antarktis ist. Viele Besucher Perus sind darum erstaunt, wenn sie an der Pazifikküste des Landes - unter tropischer Sonne - dem Humboldtpinguin (Spheniscus humboldti) begegnen. Verantwortlich fur dieses Phänomen zeichnet der kalte Humboldtstrom, der Perus Küste von Süden kommend umspült. Er sorgt dafür, dass das peruanische Küstenklima überraschend kühl ist. Und er macht es möglich, dass hier ein Pinguin in den Tropen brütet.
Mit einer Standhöhe von etwa 50 Zentimetern ist der Humboldtpinguin ein mittelgrosses Mitglied der Pinguinfamilie. Wie alle seine Vettern ist er ein hochspezialisierter Meeresvogel, der unter Wasser Jagd auf kleine Fische macht und dabei kurzfristig Geschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometern je Stunde erreicht.
Seine Nahrung findet der Humboldtpinguin gewöhnlich in Tiefen zwischen 10 und 20 Metern unter der Wasseroberfläche und bleibt dabei bis zu 2,5 Minuten untergetaucht. Sind die Fischbestände reich, so jagt er in Gruppen von bis zu fünfzig Individuen. Ist das Nahrungsangebot hingegen - lokal oder saisonal - spärlich, so fischt er in kleineren Trupps oder sogar einzeln.
Wie im Wasser ist der Humboldtpinguin auch an Land ziemlich gesellig: Gruppenweise brüten die fluglosen Vögel in unmittelbarer Küstennähe in kühlen Felsgrotten oder unter schattiger Vegetation und verteidigen nur winzige Reviere im direkten Umfeld ihrer Nester.
Die Humboldtpinguinpaare halten gewöhnlich mehrere Jahre, mitunter sogar lebenslänglich zusammen. (Die jährliche «Scheidungsrate» liegt neueren Studien zufolge bei ungefähr zwanzig Prozent.) Beim Bebrüten des Geleges wie auch bei der Aufzucht der zumeist zwei Jungen wechseln sich die beiden Altvögel partnerschaftlich ab.
Die jungen Pinguine schlüpfen nach einer Brutdauer von 39 Tagen aus den Eiern und tragen anfänglich ein dichtes, beinahe wolliges Dunenkleid, das später gegen ein wasserfestes Jugendgefieder ausgetauscht wird. Im Alter von drei Monaten sind die Jungvögel so weit herangewachsen, dass sie für sich selbst sorgen können. Sie tauchen dann ohne Begleitung und Hilfe ihrer Eltern ins Meer ein und ziehen auf eigene Faust los. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung beträgt etwa zehn Jahre; das Höchstalter liegt bei ungefähr zwanzig Jahren.
Der Bestand der Humboldtpinguine wlrd auf rund 10 000 Tiere geschätzt. Die Zahl ist grösseren Schwankungen unterworfen, da von Zeit zu Zeit eine warme Meeresströmung aus dem Golf von Panama, «El Nino» genannt, den kalten Humboldtstrom für längere Zeit abdrängt. Die Wassertemperaturen steigen dann stark an, und der Fischreichtum an Südamerikas Westküste nimmt drastisch ab. Der Bruterfolg der Humboldtpinguine ist in solchen Zeiten minimal, und viele der schwarzweissen Meeresvögel erleiden sogar den Hungertod.
Das war aber schon immer so, und die Humboldtpinguine haben im Laufe ihrer Stammesgeschichte damit zu leben gelernt - ebenso wie mit den Schwertwalen und den Haifischen, die ihnen hin und wieder im Wasser nachstellen, und mit den Raubmöwen, die es auf ihre Eier und Küken abgesehen haben. Sie gleichen diese natürlichen Verluste über ihre Nachzuchtrate schnell wieder aus.
Dass die Bestände der Humboldtpinguine in unserem Jahrhundert dennoch alarmierend zurückgegangen sind und die Art heute als gefährdet eingestuft werden muss, ist allein die Schuld des Menschen: Durch den Abbau von Guano werden die Pinguine von ihren wichtigsten Brutplätzen verdrängt. Durch die Bejagung seitens der Küstenfischer, welche die Pinguine als ungeliebte Konkurrenten betrachten, schrumpft ihre Zahl. Und durch die Übernutzung der Fischbestände wird ihnen die Nahrungsgrundlage entzogen. Soll der Humboldtpinguin eine Zukunft haben, muss zwischen Fischindustrie und Naturschutz möglichst bald ein Kompromiss gefunden werden.
Humboldtpinguin
Spheniscus humboldti
Systematik
Klasse: Vögel
Ordnung: Pinguine
Familie: Pinguine
Körpermasse
Gesamtlänge: ca. 65 cm
Standhöhe: ca. 50 cm
Gewicht: 4-4,5 kg
Fortpflanzung
Gelegegrösse: 1-3 Eier
Brutdauer: 39 Tage
Höchstalter: ca. 20 Jahre
Bestandssituation
Bestand: ca. 10 000
Rote Liste: «gefährdet»
CITES: Anhang I
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