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Als Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten dampfbetriebenen Schiffe mit britisch-indischem Tee im Hafen von Odessa ankamen, brach der landgestützte Karawanenhandel zwischen dem Russländischen Reich und China binnen weniger Jahre zusammen. Der Seeweg erwies sich als weit günstiger und effektiver als der Landtransport, der Kaufpreis für Tee sank in der Folge dramatisch. Wie an diesem Beispiel deutlich wird, führte die Neuorganisation transkontinentaler Warenströme im Zeitalter der "ersten Globalisierung" zu Aufstieg und Wohlstand bestimmter Gruppen und Regionen des Zarenreiches, während andere ihre Existenzgrundlage verloren. So mussten beispielsweise die traditionellen Umschlagplätze des Karawanenhandels aus China auf dem sogenannten „Sibirischen Trakt“ nun um ihren Platz im ökonomischen Gefüge des "Weltverkehrs" und des Russländischen Reiches kämpfen.
Das Projekt untersucht die Bedeutung von Waren und Warenströmen für die ökonomische, soziale und kulturelle Entwicklung im Russländischen Reich vom späten 17. bis ins ausgehende 19. Jahrhundert. Am Beispiel ausgewählter Handelswaren von hoher ökonomischer oder kultureller Relevanz (wie zum Beispiel Tee und Getreide) werden insbesondere die Auswirkungen neuer und veränderter Infrastrukturen des Handels thematisiert. Der Bau und Umbau von Häfen und Märkten prägte entscheidend, welche Vorstellungen von „gutem“ Wirtschaften zirkulierten, sowie welche Regionen sich in der russischen Wirtschaftsgeografie als ökonomisch und politisch relevante Zentren etablieren konnten. Mit diesem Ansatz sollen Warenkreisläufe und handelsökonomische Diskurse an materielle Strukturen rückgebunden werden.