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Südkorea hat die Ausbreitung des Coronavirus schnell eingedämmt. Wie hält sich die südkoreanische Wirtschaft in der Krise?
Südkorea war eines der ersten Länder, das von der Corona-Pandemie betroffen war. Dank gross angelegter Tests und des weit verbreiteten Einsatzes digitaler Hilfsmittel zur Kontaktverfolgung hat das Land der Morgenstille die Infektionskurve aber vergleichsweise rasch abgeflacht und die Ausbreitung von Covid-19 verlangsamt. Dabei dürfte die geografische Lage als Halbinsel die schnelle Eindämmung begünstigt haben. Zusammen mit Taiwan gilt Südkoreas Krisenmanagement als Vorzeigebeispiel für gut organisierte Eindämmungsaktionen im Kampf gegen das Coronavirus.
In der südkoreanischen Öffentlichkeit wurden die konsequenten Massnahmen der Regierung mehrheitlich gut aufgenommen. Mitte April hat die Demokratische Partei von Präsident Moon Jae In bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit gewonnen. Dabei stand Präsident Moon wenige Monate zuvor noch unter massiver Kritik, unter anderem wegen des geringen Wirtschaftswachstums, Skandalen und des behutsamen Umgangs mit Nordkorea.
Wie hat sich aber Südkoreas Wirtschaft in der Corona-Krise bislang geschlagen? Die Mobilität im Inland und die Geschäftstätigkeit wurden nie stark eingeschränkt. Da es eine der ersten Volkswirtschaften war, die mit realwirtschaftlichen Schäden konfrontiert war, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Südkorea auch zu den ersten Ländern gehören wird, dessen Wirtschaft den Weg aus der Krise finden könnte. Als wirtschaftlich offenes und exportorientiertes Land ist Südkorea für andere Staaten von einigem Interesse. Der Erholungspfad des asiatischen Landes kann für ähnlich strukturierte Volkswirtschaften ein Indiz für den eigenen Weg aus dem Konjunkturtal sein.
Umfangreiche Rettungspakete
Wie anderswo wird auch in Südkorea die Wirtschaft derzeit mit gewaltigen staatlichen Hilfspaketen unterstützt. Entsprechend wird die Fiskalpolitik des Landes zunehmend expansiv. Das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen arbeitet gegenwärtig bereits am dritten Nachtragshaushalt, damit mehr Arbeitsplätze erhalten bleiben und die Unternehmen die Wirtschaftskrise überleben können. Anfang Juni sollen die Pläne der Nationalversammlung vorgelegt werden.
Die bisherigen Rettungspakete im Umfang von fast 200 Milliarden US-Dollar entsprechen rund 12,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Gesunde Staatsfinanzen ermöglichen den äusserst expansiven Kurs der Regierung. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) verzeichnete der gesamtstaatliche Haushaltssaldo 2019 einen Überschuss von 0,9 Prozent des BIP, während der öffentliche Schuldenstand auf einem Niveau von 40 Prozent des BIP lag.
Darüber hinaus hat die Bank of Korea (BoK) ihren Leitzins auf historisch tiefe 0,75 Prozent gesenkt und ein unbegrenztes Programm zum Erwerb von Vermögenswerten (quantitative Lockerung) eingeführt, um die inländischen Finanzmärkte zu stützen. Weitere geldpolitische Schritte dürften folgen. Angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten erwarten Marktbeobachter, dass die BoK Ende Mai den Leitzins um weitere 25 Basispunkte senken wird. Zudem wies der BoK-Gouverneur darauf hin, dass Spielraum für weitere Stimulusmassnahmen bestehe, falls erforderlich.
Stark getroffen
Dennoch leidet auch Südkoreas Wirtschaft erheblich. Allerdings war sie aufgrund des Handelskonflikts zwischen den USA und China bereits vor der Corona-Krise schwach unterwegs; die Eindämmungsmassnahmen und gestörte Lieferketten haben die Volkswirtschaft nun weiter geschwächt. Nach vorläufigen BoK-Daten sank das BIP im ersten Jahresviertel saisonbereinigt um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte damit so stark wie seit 2008 nicht mehr. Auf Jahresbasis wuchs die Wirtschaftsleistung noch um 1,3 Prozent (+2,3 Prozent im Jahresendviertel 2019).
Bruttoinlandprodukt, real, saisonbereinigt
Die Aussichten für Südkoreas Aussenwirtschaft sind vor allem auf kurze Sicht trübe, da die Exporte deutlich unter dem Vorjahresniveau bleiben und die Stimmung der Unternehmen schwach ist. Der Export von Waren und Dienstleistungen fiel im ersten Jahresviertel um 2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, während der Import um 4,1 Prozent sank. Südkorea produziert eine erhebliche Menge an Vorleistungsgütern (über 60 Prozent der Gesamtexporte), während Elektronikprodukte mehr als einen Drittel der Auslandslieferungen ausmachen. China und die USA sind mit einem Anteil von rund 42 Prozent der Gesamtexporte die beiden wichtigsten Exportziele. Im Inland wiederum ist der Privatkonsum so stark gefallen wie seit der asiatischen Finanzkrise 1997/98 nicht mehr (Q1 -6,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal). Überdies verlangsamten sich der Staatskonsum und das Wachstum der Bruttoanlage-investitionen deutlich.
Blasser Ausblick
Trotz der erfolgreichen Eindämmungsaktionen im Inland wird die exportabhängige Wirtschaft im zweiten Quartal wohl noch stärker schrumpfen, bedingt durch die kraftlose globale Nachfrage und die Wachstumsschwäche in China. In den ersten zehn Tagen des Monats Mai sind die Exporte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 46,3 Prozent eingebrochen. Die Ausfuhren in die USA und nach Europa haben sich mit -54,8 bzw. -50,6 Prozent mehr als halbiert. Die Lieferungen nach China, Südkoreas grösstem Handelspartner, haben um 29,4 Prozent nachgegeben. Im Monat April waren die Gesamtexporte um 24,3 Prozent im Jahresvergleich gefallen. Die Exportdaten für den Monat Mai werden Anfang Juni veröffentlicht.
Exporte stark eingebrochen
Die Zahlen aus Südkorea unterstreichen die verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Lieferketten und Unternehmen. Sie deuten auf ein raues Jahr für den internationalen Handel hin. Südkoreas Wirtschaft wird sich zwar im zweiten Halbjahr voraussichtlich graduell erholen, weil die Handelspartner ihre Wirtschaften nun wieder etappenweise hochfahren. Gleichzeitig hält aber die Besorgnis über einen erneuten Ausbruch von Covid-19 weiter an. Der Exportsektor steht aufgrund des düsteren globalen Konjunkturausblicks vorerst weiter unter Druck, während der Privatkonsum aufgrund der hohen Verschuldung der Haushalte und des Anstiegs der Arbeitslosigkeit wohl eingeschränkt bleibt. Die schwachen Einkaufsmanagerindizes implizieren derweil, dass Bau- und Anlageninvestitionen aufgrund der Bedenken hinsichtlich der Entwicklung der Binnen- und Weltwirtschaft gedämpft bleiben.