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Es war eigentlich alles angerichtet, dass sich elf Jahre nach Fabian Cancellara, dem vierfachen (Rekord-)Weltmeister im Zeitfahren, wieder ein Schweizer das regenbogenfarbige Weltmeistertrikot hätte überstreifen lassen können.
Nach der erfolgreichen Titelverteidigung im EM-Zeitfahren in der vergangenen Woche hatte Stefan Küng die Gewissheit, dass er alle schlagen kann - auch Weltmeister Filippo Ganna. In Abwesenheit von Olympiasieger Primoz Roglic galt der Thurgauer in Belgien als einer der ersten Anwärter auf den WM-Titel. Er machte auch keinen Hehl daraus, dass er diesen Sieg unbedingt wollte.
Obwohl die WM-Strecke genauso flach wie jene an der EM war und damit den starken Rollerfähigkeiten Küngs entgegen kam, konnte der zweifache Europameister auf den Strassen Flanderns nicht reüssieren. Bereits früh zeichnete sich ab, dass der angestrebte Sieg ausser Reichweite liegen würde.
Kontinuierlich Zeit verloren
Der letztjährige WM-Dritte hatte den 43,3 km langen Parcours mit Start an der Strandpromenade von Knokke-Heist als drittletzter Fahrer in Angriff genommen. Bis zur ersten Zwischenzeit nach rund einem Drittel des Pensums lag Küng hinter Wout van Aert und Filippo Ganna an dritter Stelle. Danach versuchte er im Mittelteil Zeit gutzumachen, büsste stattdessen aber weiter an Boden ein und fiel noch hinter Remco Evenepoel und Kasper Asgreen zurück. Diese Hypothek konnte der Schweizer bis ins Ziel in Brügge nicht mehr wettmachen.
«Klar, das ist eine Enttäuschung. Ich bin hierher gekommen, um um den Titel oder zumindest eine Medaille zu fahren. Als Fünfter war ich nicht so weit weg, aber ich war heute nicht der Stärkste. Also Glückwunsch an die anderen», resümierte der 27-jährige Thurgauer, der sich während des Rennens «eigentlich gut gefühlt» hatte.
Nachdem Küng in Tokio als Vierter eine Medaille um lediglich vier Zehntel verpasst hatte, setzte es für ihn nun eine weitere Enttäuschung ab. «Ich habe mich 100 Prozent auf dieses Rennen fokussiert. Ein 5. Platz an einer WM ist keine schlechte Leistung, aber es ist nicht das, was ich mir erhofft habe. Das muss ich zuerst verdauen.» Zu seiner dritten WM-Medaille nach den bronzenen Auszeichnungen 2019 im Strassenrennen und 2020 im Zeitfahren fehlten Küng am Ende 23 Sekunden.
Bissegger mit ansprechender Premiere
Stefan Bissegger, der zweite Schweizer Medaillenanwärter, zeigte bei seiner WM-Premiere bei der Elite eine ansprechende Leistung, konnte aber nicht für seinen geschlagenen Namensvetter und Landsmann in die Bresche springen. 20 Sekunden hinter Küng klassierte sich Bissegger als Siebter.
«Ich bin ganz zufrieden mit meiner Leistung. Ich habe mein Bestes gegeben, leider hat es nicht ganz gereicht. Der Wind hat mir bestimmt keinen Vorteil gegenüber denjenigen verschafft, die später gestartet sind», resümierte der 23-jährige Thurgauer, der zuvor noch nie ein Zeitfahren über eine solch lange Distanz bestritten hat. Der U23-Silbermedaillengewinner von 2019 bleibt aber ein Versprechen für die Zukunft.
Ganna vor zwei Belgiern
Im Kampf um Gold lieferten sich Ganna und der Belgier Van Aert ein heisses Duell, das wie vor einem Jahr mit dem besseren Ende für den Italiener endete. Obwohl er bei den Zwischenzeiten jeweils knapp hinter dem Belgier zurück lag, drehte Ganna den Spiess auf den letzten 10 km noch um.
Van Aert blieb wie wieder nur Silber. Sechs Sekunden trennten den dreifachen Etappensieger der diesjährigen Tour de France im Ziel vom WM-Titel. Mit dem erst 21-jährigen Evenepoel, vor zwei Jahren WM-Zweiter, stieg unter dem Jubel der Belgier noch ein zweiter Einheimischer auf das Podest. Das belgische Duo zählt auch am nächsten Sonntag im abschliessenden Strassenrennen wieder zu den Favoriten. Küng winkt dannzumal die Chance auf Revanche.