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Da ich im Januar seit einigen Jahren immer besonders viel zu tun habe, erscheint der Jahresrückblick oft mit Verspätung. Doch nun ist er hier, der Wetter-Jahresrückblick 2022!
Gut zu wissen
Bevor ich zur Sache komme sei noch erwähnt, was mit Vergleichen wie “der Monat war zu warm” gemeint ist. “Zu warm” bedeutet nämlich nicht, dass mich das Wetter in diesem Monat oft ins Schwitzen brachte, sondern dass der Monat in Mörschwil wärmer als im Durchschnitt von 2012 bis 2021 war. Meteorologen vergleichen üblicherweise nicht mit den vergangenen zehn Jahren, sondern mit dem Klima, also dem Mittel über 30 Jahre. Für Vergleiche mit dem Klima verweise ich auf das Klimabulletin von Meteoschweiz. In diesem Bericht angegebene Messwerte stammen wenn nichts anderes gesagt wird aus Mörschwil.
2022 kurz und knapp
Während der Januar noch einen halbwegs winterlichen Eindruck zu hinterlassen vermochte, war der Winter im Februar kein ernsthaftes Thema mehr. Im Frühling begann eine Trockenheit, die sich über das ganze Jahr weiterzog und verschärfte. Zudem brachte er den wärmsten Mai seit mindestens zehn Jahren. Das Regendefizit wurde im Sommer noch grösser, dies besonders im Juli, während Juni und August fast das Monatssoll erreichten. Der Juni war deutlich wärmer als üblich und führte damit auch zu starker Verdunstung. Trotz einem eher nassen September fiel in Summe auch von September bis Dezember weniger Niederschlag als üblich, sodass am Ende des Jahres mehr als zwei Monatsniederschläge fehlten. Damit war das Jahr 2022 war zusammen mit 2018 das trockenste seit Messbeginn 2012. Die ungleichen Kräfteverhältnisse von fünf deutlich zu warmen Monaten gegenüber einem einzigen deutlich zu kalten führte im Mittel zu einem klar überdurchschnittlich temperierten Jahr 2022, auch wenn es nicht ganz so warm wie 2018 war.
Die folgenden Diagramme zeigen die monatlichen Abweichungen von Temperatur und Niederschlag an der Wetterstation Mörschwil vom Mittel der Jahre 2012 bis 2021. Für Interessierte befindet sich eine Tabelle mit detaillierteren Informationen am Ende des Beitrags.
2022 im Detail
Januar und Februar
Auch wenn der Januar verglichen mit den Vorjahren normal temperiert war, lag nur an wenigen Tagen Schnee, da der Monat recht trocken war. Bemerkenswert ist eine sehr milde Phase in den ersten Tagen, bei der am 4. mit 16.7 Grad ein neuer Temperaturrekord aufgestellt wurde. Zuvor war der 9. Januar 2014 Rekordhalter mit 2 Grad weniger. Auch am 10. Januar 2015 war es vermutlich ähnlich warm oder gar noch eine Spur wärmer, aber von diesem Tag sind keine vergleichbaren Messdaten vorhanden. Ein Jahr später, an Neujahr 2023, wurde der aufgestellte Rekord bereits wieder überboten!
Der Februar zeigte sich mild und leicht wechselhaft. Für Winterfans war es ein Monat zum vergessen. Daran änderte auch ein leichter, schneeloser Kälterückfall zum Monatsende nichts mehr. Knackige Winterkälte fehlte im ganzen Winter, die tiefste Temperatur wurde im Januar mit -7 Grad gemessen.
Frühling
Wie das obige Diagramm eindrücklich zeigt, prägte Trockenheit den März: Nur an zwei Tagen fiel etwas Regen, sodass sich der Niederschlag gerade einmal auf einen Viertel des Monatssolls summierte. So trocken war der erste Frühlingsmonat in den vergangenen zehn Jahren noch nie. Im ersten Monatsdrittel kamen kaum Frühlingsgefühle auf, denn besonders die Nächte waren kalt mit bis zu -6.9 Grad. Kälter war es im März bisher nur im Jahr 2018. Anschliessend wurde es aber wärmer und der Frühling schien endgültig Einzug zu halten.
Doch weit gefehlt! Wenn der Winter nicht will, regelt das der April. So könnte zumindest eine in Zeiten des Klimwandels recht oft eintreffende Wetterregel lauten. Der 2. April bescherte Winterfeeling mit 15 Zentimetern Schnee in Mörschwil und einer Temperatur, die nur mit Mühe und Not über den Gefrierpunkt stieg. Dies nachdem uns bereits im April 2021 ein Kälteeinbruch heimsuchte. Immerhin fiel reichlich Niederschlag, der nach dem trockenen März bitter nötig war, das Defizit aber nicht ausglich. Vor der Monatsmitte wurde es zum ersten Mal richtig warm mit bis zu 23 Grad. Da die Wärme nur kurz andauerte vermochte der Rest des Monats die erste Woche nicht auszugleichen und der April ging als zu kalt in die Bilanz ein – eine Seltenheit im Jahr 2022, wie wir noch sehen werden.
Im Mai sticht eine fast zweiwöchige sommerlich anmutende Wärmephase vom 10. bis 23. heraus. In dieser Zeit stieg das Thermometer täglich über 20 Grad und es wurden 8 Sommertage, also Tage mit einem Höchstwert über 25 Grad, registriert. Die Sommerwärme gipfelte am 20. im haarscharfen Verfehlen eines recht seltenen Mai-Hitzetages mit 29.9 Grad. Wenig überraschend war der Monat ungewöhnlich warm, zusammen mit dem Mai 2018 war es der wärmste Mai seit Messbeginn. Ergiebige Regenfälle fehlten und damit fehlte bereits nach 5 Monaten der Niederschlag eines ganzen Monats.
Sommer
Nach einem eher kühlen ersten Junidrittel mit wiederholten Regenfällen legte sich der Sommer für den Rest des Monats ordentlich ins Zeug. Fast jeder Tag war ein Sommertag (>= 25 Grad) und die mittleren Temperaturen lagen deutlich höher als üblich. Vom 18. bis 20. gab es eine Hitzephase mit bis zu 33.9 Grad. Die anhaltende Wärme schlug sich in einem deutlich zu warmen Gesamtmonat nieder. Zwar fiel zum Monatsbeginn wieder einmal einiges an Regen, dieser vermochte die trockene Vorgeschichte aber nicht zu lindern. Hohe Temperaturen führen zudem zu starker Verdunstung, womit das Thema Trockenheit noch lange nicht vom Tisch war.
Im Gegenteil, der Juli verschärfte die Situation weiter. Überdurchschnittlich warme bis heisse und trockene Witterung prägte einen Grossteil des Monats, sodass 24 Sommertage und 7 Hitzetage gezählt wurden. Vom 18. bis 20. gab es eine Hitzewelle und am 25. wurde mit bemerkenswerten 34.5 Grad die Jahreshöchsttemperatur gemessen. In den vergangenen Jahren war es allerdings auch schon heisser. Vom 6. bis 19. fiel zwei Wochen lang kein Niederschlag und im ganzen Monat gab es zumindest gefühlt auch weniger Gewitter als üblich. Für den Juli gibt es zu wenige Vergleichswerte für die Monatsmitteltemperatur aus der Vergangenheit, doch der Monat schien für den Sommer zu warm gewesen zu sein. Klar war die Sache beim Monatsniederschlag, der nur die Hälfte des Solls betrug.
Der August verlief vergleichsweise unauffällig. Zum Monatsbeginn gab es eine letzte Hitzephase, sonst war es oft hochsommerlich warm, aber nicht heiss. Der 5. war einer der wenigen Tage des Sommers mit nennenswerten Gewittern, die ich mitbekam. Die Gewittersaison als Ganzes war aus meiner Gewitterjäger-Sicht nämlich ziemlich schwach. Am 18. und 19. fiel lang ersehnter ergiebiger Regen, der eine Niederschlagsmenge von 74 mm hinterliess. Den Monatswerten nach zu urteilen war es ein typischer August. Er vermochte aber die trockene Vorgeschichte nicht zu kompensieren, sodass zum Sommerende bereits so viel Niederschlag fehlte, wie üblicherweise in zwei Monaten fällt.
Herbst
Das Blitzbild würde eher zum Sommer passen, aber nein, es ist nicht am falschen Ort hineingerutscht! Nicht umsonst wählte ich es auch als Titelbild. Der 14. September schaffte es nämlich, einen der besten Gewittertage des Jahres zu werden, obwohl die Hauptsaison der Gewitter üblicherweise von Juni bis August dauert. Aber einerseits gab es dieses Jahr nur wenig Konkurrenz aus der Hauptsaison, andererseits war die Wetterlage an diesem Tag mit Zufuhr von feucht-warmer subtropischer Atlantikluft für den September ungewöhnlich. Diese energiereiche Luftmasse machte den bereits merklich tieferen Sonnenstand wett und produzierte am Abend ein munter blitzendes Gewitter, das von Winterthur an den Bodensee zog und sich mir wie auf dem Silbertablett präsentierte. Immerhin reichte es für einen guten Saisonabschluss! Danach hielt mit deutlicher Abkühlung der Herbst Einzug. Diese kühlere Phase führte schlussendlich zu einem unterdurchschnittlich temperierten September. Dank wiederholten Regenfällen fiel ein Viertel mehr Niederschlag als üblich.
Im Oktober fehlte von herbstlichen Kälteeinbrüchen jede Spur, stattdessen wurde die 20-Grad-Marke ab und zu noch einmal überschritten. Daraus resultierte ein massiv zu warmer Gesamtmonat, der im obigen Diagramm heraussticht.
Im November ging die Temperaturkurve den ganzen Monat über relativ konstant abwärts, aber es war meist etwas milder als üblich und der Winter noch kein Thema. So gab es nur am 27. überhaupt Frost, während im November üblicherweise mehrere Tage mit Frost gezählt werden. Niederschläge gab es nur in geringen Dosen, so dass insgesamt nicht nur ein zu milder, sondern auch ein weiterer zu trockener Monat resultierte.
Dezember
Was fehlte bisher im Jahr 2022? Genau, richtige Winterkälte! Dafür sorgte der Dezember, zwar nur kurz und wenig intensiv, aber in Zeiten des Klimawandels nimmt man, was man bekommen kann. An immerhin vier Tagen verharrte das Thermometer dauernd unter dem Gefrierpunkt. Zudem wurden wieder einmal knapp zweistellige Minusgrade bis -10.3 Grad registriert, was im vergangenen Winter 2021/2022 auch nicht nur annähernd erreicht wurde. Etwas Schnee und Sonne machten den Winterzauber komplett, wie auf dem in Bern aufgenommenen Bild zu sehen ist. Am 14. sorgte eine Warmfront für Action: Während es unten noch frostig kalt war und die Böden gefroren waren, wurde in der Höhe milde Luft herangeführt, was in gefrierendem Regen resultierte. Besonders auf ungesalzenen Nebenstrassen führte dies in den Morgenstunden zu teils prekären Strassenverhältnissen durch Glatteis. Im letzten Monatsdrittel wendete sich das Blatt und es setzte Tauwetter ein. Zweistellige Höchstwerte waren an der Tagesordnung, Frost gab es keinen mehr und weisse Weihnachten höchstens in den Träumen. Das Jahr verabschiedete sich an Sylvester mit frühlingshaft milden 16.8 Grad. Die markante Wärme vermochte die kalte Phase vollständig zu kompensieren, sodass die Temperatur im Mittel durchschnittlich war. Dem Jahresmotto blieb der Dezember niederschlagsmässig treu mit einem Defizit von einem Drittel des Monatssolls. Damit fehlte in der Jahresbilanz schlussendlich der Niederschlag von mehr als zwei Monaten.
Die nackten Zahlen
Die folgende Tabelle zeigt die Monats- und Jahreswerte und die Abweichungen zum Mittel der Jahre 2012 bis 2021.
|Monat||Temperatur [°C]||Mittel [°C]||Abweichung [°C]||Niederschlag [mm]||Mittel [mm]||Abweichung [%]|
|Jan||1.4||1.1||+0.3||54.9||106||-48|
|Feb||4.3||3.0||+1.3||81.9||71||+15|
|Mär||6.1||6.3||-0.2||19.1||71||-73|
|Apr||8.9||10.1||-1.2||120.1||97||+24|
|Mai||16.3||13.8||+2.5||79.5||159||-50|
|Jun||19.9||18.1||+1.8||145.5||161||-10|
|Jul||21.1||20.8*||+0.3*||83.5||141||-41|
|Aug||20.2||19.7||+0.5||158.2||171||-7|
|Sep||14.7||15.5||-0.8||151.1||117||+29|
|Okt||13.5||10.7*||+2.8*||89.9||102||-12|
|Nov||6.7||5.4||+1.3||61.2||78||-22|
|Dez||2.3||2.2||+0.1||56.5||93||-39|
|Jahr||11.3||10.6||+0.7||1101.3||1366||-19|
* Für diese Werte liegen nur wenige Vergleichsjahre vor, sie entsprechen daher möglicherweise nicht dem Mittel der Jahre 2012 bis 2021.