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Wie das Reduit von General Guisan gehört die Anbauschlacht nach dem Plan von Friedrich Traugott Wahlen zum Schulbuchwissen über die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs. Wie das Reduit war der Wahlen-Plan Teil des Kampfes der Schweiz um ihre Unabhängigkeit mitten in einem vom Krieg geprägten Europa. Und wie beim Reduit halten sich auch beim Wahlen-Plan bis heute verklärte Vorstellungen über den Ablauf und die Bedeutung.
Tatsache ist, dass es über den Wahlen-Plan vergleichsweise wenige historische Untersuchungen gibt. Für den Kanton Freiburg hat diese Lücke jetzt ein junger Historiker gefüllt: Samuel Gendre aus Prez-vers-Noréaz hat dem Thema seine Masterarbeit gewidmet. Vor einem Jahr hat er damit sein Geschichtsstudium an der Universität Freiburg abgeschlossen; jetzt hat die Société d’histoire du canton de Fribourg die Arbeit in Buchform veröffentlicht. Normalerweise gebe der Verein keine Uni-Arbeiten heraus, sagte Vorstandsmitglied Jean Steinauer diese Woche anlässlich einer Präsentation vor den Medien. In diesem Fall habe man aber eine Ausnahme gemacht, weil das Thema von besonderem Interesse sei.
Wichtige Rolle Freiburgs
Samuel Gendre stelle den Wahlen-Plan in einen breiten Zusammenhang, sagte sein Professor, der inzwischen emeritierte Francis Python. Die Arbeit reiche von den wegweisenden Erfahrungen während des Ersten Weltkriegs bis zur Bedeutung der Anbauschlacht für die spätere Entwicklung der Landwirtschaft in der Schweiz und im Kanton Freiburg.
Als ausgesprochen landwirtschaftlich geprägter Kanton spielte Freiburg eine wichtige Rolle im Plan von Friedrich Traugott Wahlen, der nicht weniger als die Selbstversorgung des Landes anstrebte. «Freiburg wurde zum Exportkanton für die restliche Schweiz», so Samuel Gendre. Der Plan wollte den Anbau von Getreide, Kartoffeln und Gemüse massiv erhöhen, indem er die Viehzucht reduzierte und zusätzliche Flächen, von der Wiese bis zum Fussballfeld, für die Landwirtschaft vorsah. Ziel war, die bepflanzte Fläche von 183 000 auf 500 000 Hektaren zu erhöhen (siehe auch Kasten). Freiburg verfügte gemäss den von Gendre zusammengetragenen Zahlen im Jahr 1934 über 17 338 Hektaren Pflanzfläche und erhöhte diese bis 1945 auf 30 599 Hektaren. Dies war die fünftgrösste Fläche der Schweiz nach den Kantonen Bern, Waadt, Zürich und Aargau. Sie machte über acht Prozent der bei Kriegsende im ganzen Land bewirtschafteten Fläche aus.
Staatsrat und Dienstchefs
Interessant an Samuel Gendres Buch sei auch, dass er die Arbeit der vielen Funktionäre beleuchte, die auf Bundes- und Kantonsebene die Umsetzung des Wahlen-Plans vorantrieben, sagte Francis Python. In Freiburg gehörten dazu Staatsrat Maxime Quartenoud, Dienstchef Georges Ducotterd (der später ebenfalls Staatsrat wurde) und der Sensler Johann Piller, der Chef des kantonalen Arbeitsamts.
Piller, eine «schillernde Persönlichkeit», habe dabei auch ein offenes Ohr für die Anliegen der einfachen Landarbeiter gehabt, sagte Samuel Gendre. So habe er 1941 die gewerkschaftliche Organisation der landwirtschaftlichen Lohnarbeiter mitgetragen. Freiburg war damit der erste Kanton, in dem sich diese Angestellten gemeinsam für ihre Interessen einsetzten.
Das Buch «Aux champs–Fribourg face au Plan Wahlen 1941–1945» ist für 45 Franken im Buchhandel oder bei der Société d’histoire du canton de Fribourg erhältlich (<email-pii>).
Landarbeiter bei der Ernte auf einem durch Entwässerung gewonnenen Feld in Ecuvillens, im Jahr 1943. Bild Amt für Landwirtschaft des Kantons Freiburg
Zahlen und Fakten
Wahlen und die Selbstversorgung
Der Landwirtschaftsspezialist und spätere Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen (1899–1985) brachte seinen seit 1937 vorbereiteten Anbauplan am 15. November 1940 an die Öffentlichkeit. Die Erhöhung der Pflanzfläche von 183000 auf 500000 Hektaren sollte die Selbstversorgung des Landes ermöglichen. Bei Kriegsende war die Fläche auf 367000 Hektaren angestiegen; das war mehr als das für 1945 vorgesehenen Soll. Das ursprüngliche Ziel wurde nach der Umstellung auf Friedenswirtschaft aufgegeben.cs