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Thalidomid Arzneimittelgruppen Immunmodulatoren Thalidomid-Derivate
synonym: Contergan®Thalidomid als Teratogen
Ende der 50er Jahre kam es in Deutschland zu einer starken Häufung von Phocomelie bei Neugeborenen. Dabei handelt es sich um eine seltene Missbildung, bei der die Länge der Röhrenknochen von Armen und/oder Beinen stark reduziert ist, was zur Ausbildung verkürzter Extremitäten führt (Reviews: Taussig, 1962; McBride, 1977).
Im Herbst 1961 zeigten Lenz in Deutschland (Lenz, 1961) und McBride in Australien (McBride, 1961), dass die Phocomelie durch die Einnahme von Thalidomid während der Schwangerschaft verursacht wurde.
Thalidomid war 1957 in Deutschland als Beruhigungsmittel eingeführt worden (Contergan®) und wurde in zahlreichen Ländern vermarktet, mit Ausnahme der USA, wo es von der FDA glücklicherweise nicht zugelassen wurde, was eine noch grössere Katastrophe verhinderte. In Deutschland war es zunächst ohne ärztliches Rezept erhältlich und erreichte im Jahr 1960 und 1961 grosse Popularität. Es erwies sich auch bei Schwangerschaftserbrechen als sehr gut wirksam.
Lenz führte Befragungen mit Müttern von Kindern mit der Phocomelie durch. Viele der Mütter konnten sich daran erinnern, in der Schwangerschaft Thalidomid eingenommen zu haben. Im November 1961 wurde der Wirkstoff in Deutschland und wenig später in weiteren Ländern vom Markt genommen und die Assoziation mit Phocomelie unterscht.
Es konnte gezeigt werden, dass eine einzige Dosis Thalidomid, verabreicht in einer empfindlichen Zeitspanne zwischen dem 28. und 42. Tag nach der Empfängnis ausreichte, um die Missbildung hervorzurufen; Thalidomid ist ein sehr starkes Teratogen. Allerdings führt die Einnahme nicht zwingend zu einer Schädigung, da auch gesunde Kinder geboren wurden, deren Mütter das Mittel in der empfindlichen Zeitspanne eingenommen hatten.
Nager zeigen eine gewisse Resistenz gegen die Teratogenese: Wären in den Tierversuchen Kaninchen verwendet worden, hätte die Katastrophe verhindert werden können.
Weltweit waren in 48 Ländern Tausende von Kindern betroffen. Die Thalidomid-Embryopathie gilt als die grösste Arzneimittelkatastrophe des 20. Jahrhunderts (Ananas & Elias, 1999).siehe auchLiteratur
- Vögtli A., Ernst B. Moderne Pharmakokinetik. Transport durch Membranen. Weinheim: Wiley-VCH, 2010
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.