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Am Tag, als die US-Raumfähre Apollo 12 auf dem Mond landete, schickte sich ein gewisser Edson Arantes do Nascimento an, eine irdische Mission zu erfüllen. Während die Welt gebannt die zweite Mondlandung in der Geschichte der Raumfahrt beobachtete, beschäftigte sich ganz Brasilien an diesem 19. November 1969 einzig und allein mit der Frage, ob es Pelé wohl gelänge, sein 1000. Tor zu erzielen.
Und die «schwarze Perle» gab sich beim Spiel seines F.C. Santos gegen Vasco da Gama alle Mühe, den Erwartungen seiner Landsleute gerecht zu werden. Doch vor über 100 000 Zuschauern im legendären Maracana-Stadion von Rio de Janeiro standen ihm entweder der überragende argentinische Nationaltorhüter Edgardo Andrada oder die Torlatte im Weg.
Was Brasiliens Nationalheld auch versuchte, der Jubiläumstreffer schien einfach nicht fallen zu wollen. Gleichwohl liess Pelé nicht locker: Zwölf Minuten vor dem Ende der Partie drang er beim Spielstand von 1:1 in den gegnerischen Strafraum ein und konnte nur noch durch ein Foul am Torschuss gehindert werden. Der Schiedsrichter zeigte sofort auf den ominösen Punkt.
«Zum ersten Mal zitterten mir die Beine»
Allerdings machte der 29-jährige Stürmerstar zunächst keine Anstalten, den Strafstoss selbst zu schiessen. Aber als 100 000 Kehlen im Chor «Pelé! Pelé! Pelé!» skandierten, schnappte er sich den Ball und schritt zum Elfmeterpunkt. «Zum ersten Mal zitterten mir die Beine, und fast hätte ich vorbeigeschossen», gab Pelé später zu Protokoll.
Doch der Ball ging nicht vorbei, sondern schlug flach in der vom Schützen aus gesehen rechten Torecke ein. Obwohl Andrada die Ecke geahnt hatte, blieb er gegen den platzierten Schuss chancenlos. Pelé holte den Ball aus dem Netz, küsste ihn und begann zu weinen.
Lange Unterbrechung wegen Euphorie-Welle
Eine unbeschreibliche Woge der Euphorie schwappte durch das Maracana-Stadion, und die begeisterte Menschenmenge huldigte dem Torschützen mit stehenden Ovationen. Auf den Schultern wurde «o rei» (der König) um den Platz getragen.
Selbst die Fans des Gegners gerieten völlig aus dem Häuschen: Einige Vasco-Anhänger rannten aufs Spielfeld und reichten Pelé ein Vasco-Trikot, das die Nummer 1000 trug. Er schlüpfte hinein und lief eine Ehrenrunde. «In diesem Moment waren wir alle Brasilianer wie nie zuvor, tausendprozentige Brasilianer», kommentierte der Sportjournalist Nelson Rodrigues diese denkwürdige Szene. Erst nach einer etwa 30-minütigen Unterbrechung konnte die Begegnung fortgesetzt werden.
Doch schon das 1001. Tor?
Im Anschluss an das Spiel fanden im ganzen Land karnevalsartige Jubelfeiern statt. Sämtliche Radio- und Fernsehsender unterbrachen ihr Programm und berichteten von dem sporthistorischen Ereignis. Überall läuteten die Kirchenglocken, die brasilianische Post gab eine Sonderbriefmarke heraus, Staatspräsident Médici ordnete einen Feiertag an und die Kinder bekamen schulfrei. Die Fernsehanstalten stifteten dem Schützen des 1000. Tors einen goldenen, mit Brillanten verzierten Fussball.
Und das Bundesparlament in der Hauptstadt Brasilia berief tags darauf eine Ehrensitzung ein, zu welcher der in einem Elendsviertel aufgewachsene Pelé mit der Sondermaschine des Präsidenten eingeflogen wurde. Als Störenfried erwies sich lediglich die Zeitung «Folha de Sao Paulo», die herausgefunden haben wollte, dass dieser Treffer bereits das 1001. Tor gewesen sei – ein Treffer für die Militärauswahl sei vergessen worden.
Denkwürdiger Abschluss einer grossen Karriere
Nur knapp zwei Jahre später läuteten in ganz Brasilien erneut die Kirchenglocken. Am 18. Juli 1971 bestritt der «König des Fussballs» gegen Jugoslawien sein letztes Spiel im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft. Als er nach dem Schlusspfiff eine Ehrenrunde lief, schrien 180 000 Zuschauer im Maracana-Stadion: «Fica! Fica!» («Bleib! Bleib!»).
Für den F.C. Santos spielte Pelé noch bis 1974, ehe er im Jahr darauf zu Cosmos New York in die North American Soccer League wechselte. Hier erzielte der vielleicht beste Spieler aller Zeiten am 1. Oktober 1977 in seinem 1363. und letzten Spiel mit einem Freistoss aus 30 Metern sein 1281. Tor. Das würdige Karriereende eines Mannes, über den der italienische Verteidiger Tarcisio Burgnich nach dem WM-Finale 1970 voller Ehrfurcht bemerkt hatte: «Ich sagte mir vor dem Spiel: ‹Er besteht aus Fleisch und Blut, wie du.› Ich hatte mich geirrt.»