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Zu den Kriterien für eine artgerechte und damit tierfreundliche Tierhaltung gehören viele Faktoren. Z.B. eine den Sozialbeziehungen der Tiere angepasste Gruppengrösse, ein ausreichendes Platzangebot pro Tier, die Gelegenheit zum Auslauf, getrennte Lebensbereiche zum Fressen, Liegen und Koten, ein optimales Stallklima und eine artgerechte Fütterung. Artgerecht gehaltene Tiere sind vitaler und weniger stressanfällig, was zugleich die Voraussetzung dafür ist, dass sie eine artgemässe Leistung erbringen. Wer die Schweizer Tierschutzgesetzgebung erfüllt, bietet seinen Tieren ein einigermassen artgerechtes Leben - das ist nicht ein Maximum an Tierwohl, sondern in erster Linie das Vermeiden von Tierquälerei. Was nach wenig tönt, ist international gesehen eine beachtliche Leistung: Zum Beispiel ist in der Schweiz als einzigem Land der Welt das Kastrieren von Nutztieren ohne Schmerzausschaltung (Betäubung) verboten.
Wenn man versucht, die Standards der Tierschutzgesetzgebung verschiedener Länder zu vergleichen, steht man vor einem nahezu unüberschaubaren Wirrwarr unterschiedlicher Vorschriften. Ein schematischer Vergleich über alle Länder und Regionen hinweg ist schwierig bis unmöglich.
Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass die Schweizer Tierschutzvorschriften in vielen Bereichen strenger und detaillierter sind als z.B. die Mindeststandards in den EU-Richtlinien, und die EU-Richtlinien sind wiederum strenger als Richtlinien in Südamerika oder Asien.
Dazu kommt, dass in der Schweiz deutlich mehr Bereiche geregelt werden als in vielen umliegenden Ländern. Das Spektrum reicht in der Schweiz von Ausbildungsanforderungen für Tierhalter, über Anforderungen an die Tierunterkunft (Platzbedarf, Einstreu, Lärm, Beleuchtung), die Haltung und Fütterung bis zur Schmerzausschaltung bei zootechnischen Eingriffen, dem Zutrittsrecht für Vollzug und Kontrolle und den Abmessungen von Unterständen bei der dauernden Haltung im Freien. In anderen Ländern werden teilweise nur die Tiertransporte geregelt - was in erster Linie historisch begründet und seuchenpolitisch motiviert ist.
Tierschutzprobleme in der EU
Ein Überblick über das Tierschutzniveau in Europa auf der Basis standardisiert erhobener tierbezogener Messgrössen fehlt. Anhand verfügbarer Daten aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen lassen sich aber exemplarisch einige Defizite aufzeigen.
- Im Schnitt geht jede dritte Milchkuh lahm: In Deutschland und Österreich betrug die Lahmheit pro Herde zwishcen 0 und 81%.
- Eine repräsentative Untersuchung hessischer Milchviehherden ergab, dass 38 %aller Euterviertel Anzeichen einer Euterentzündung aufwiesen.
- Die Todesraten von Milchviehkälbern lagen in einer Studie teilweise über 14%, rund 95 % davon gingen auf unzureichende Management-Massnahmen zurück.
- Einer Befragung von 226 Milchviehhaltern ist zu entnehmen, dass in weniger als einem Prozent der Fälle beim Enthornen der Kälber eine effektive Schmerzausschaltung mit lokaler Betäubung und Schmerzmittelgabe erfolgt.
- In der Mastbullenhaltung wurden bei 50 bis 90 % der Tiere veränderte Schwanzspitzen (Nekrosen, Entzündungen) bei Haltung mit Vollspaltenboden entdeckt. Wie viele Betriebe die Schwanzspitzen prophylaktisch amputieren, ist nicht bekannt. Nur dass es gemacht wird.
- Haut- und Gelenkschäden traten bei Untersuchungen an Mastbullen in Abhängigkeit vom Untergrund in bis zu 100 % des Tierbestandes auf.
- Eine Auswertung von ferkelerzeugenden Bio-Betrieben in Baden-Württemberg ergab eine Remontierungsrate von 40 %. Das bedeutet, dass die Sauen im Schnitt kaum mehr als zwei Jahre alt werden und weniger als vier Würfe pro Sau erreichen.
- Bei Mastschweinen und Zuchtremonten treten vermehrt unspezifische Lahmheiten bis hin zu spontanen Knochenbrüchen auf.
- Trotz des grundsätzlichen Verbots durch EU-Recht und Tierschutzgesetz wird das Kürzen des Schweineschwanzes laut Studien nach wie vor bei 90 bis 95 % der Schweine in Europa routinemässig durchgeführt.
- In Deutschland weisen etwa 20 % aller zur Schlachtung angelieferten Masthühner erhebliche Fussballenveränderungen auf. Nur bei etwa einem Drittel der Tiere sind die Fussballen zum Zeitpunkt der Schlachtung intakt.
- Die Mortalitätsraten von Legehennen schwanken zwischen 1,1 bis 35,3 %, abhängig von den Haltungsformen, -systemen bzw. -verfahren, der Qualität des Managements und der Rasse. Bei sehr hohen Mortalitätsraten besteht die Hauptabgangsursache meistens aus verschiedenen Formen des Kannibalismus.
- Durchschnittlich 53 % der Legehennen erleiden während der Legeperiode mindestens einen Knochenbruch. Den holen sich die Hennen entweder beim Ausstallen (was auf unsachgemässes Ausstallen hindeutet) oder weil sie von schlechten Sitzstangen abrutschen.
Diese Liste ist nicht abschliessend - und sie würden wohl noch länger werden, wenn es mehr Studien gäbe.
Quelle: Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung
Tierschutzgesetz in der EU
In der EU gibt es zwar Mindestvorschriften, die für alle Mitgliedsländer gelten, doch deren Anforderungen sind gering. Bei den Tierschutzbestimmungen der einzelnen Länder bestehen grosse Unterschiede. Das EU-Parlament hat im Jahr 2012 eine Zusammenführung aller Vorschriften in einer einheitlichen EU-Tierschutz-Gesetzgebung gefordert, deren Einhaltung zudem streng überwacht werden sollte. Damit sollten gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Nutztierhalter in der EU geschaffen werden. Ausserdem sollten die neuen Gesetze endlich auch Milchkühe, streunende Hunde, Katzen und Haustiere einbeziehen. Diese Tierarten fallen nämlich bislang noch nicht unter die EU-Gesetzgebung. Dass streunende Hunde in diesem Zusammenhang genannt werden, hängt mit ihrer Rolle bei der Verbreitung der Tollwut zusammen. Weltweit sterben mehr als 50'000 Menschen jedes Jahr an Tollwut. Die meisten davon sind Kinder und in vielen Fällen ist ein streunender Hund die Ursache.
Doch dieser Vorstoss stiess auf grossen Widerstand und zwar aus zwei Gründen: Erstens ist es bis heute noch nicht einmal gelungen, die bisherigen Vorschriften in allen Ländern durchzusetzen. Und zweitens ist die Mentalität in den EU-Staaten offenbar zu verschieden, um sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen zu können.
Was lange fährt, ist selten gut
Die Natur kennt keine Lastwagen. Sie ist deshalb auch nicht darauf ausgerichtet, dass Tiere eng zusammengepfercht viele Stunden, oder sogar tagelang im Lastwagen durch die Gegend gekarrt werden. In der Schweiz dürfen Tiere maximal 6 Stunden transportiert werden. In der EU dürfen Schweine bis zu 24 Stunden am Stück transportiert werden, solange sie Zugang zu Trinkwasser haben. Pferde müssen in derselben Zeit wenigstens alle 8 Stunden getränkt werden. Rinder, Schafe und Ziegen dürfen in der EU 14 Stunden am Stück transportiert werden, und dann - mit Unterbruch von einer Stunde Ruhezeit plus Tränke - weitere 14 Stunden Fahrt anhängen. Diese Transportabschnitte können beliebig oft wiederholt werden, wenn die Tiere dazwischen für 24 Stunden an einer zugelassenen Kontrollstelle entladen, gefüttert und getränkt werden.
Lange Fahrten sind ungesund, sie schwächen das Immunsystem. Das kann laut Schweizer Tierschutz STS dazu führen, dass sich bei Hühnern Salmonellen stärker ausbreiten. Während in der Schweizer Hühnerhaltung Salmonellen dank eines ausgeklügelten Systems und tierfreundlicher Haltungsformen kaum vorkommen, werden in 20 bis 40% der EU-Geflügelhaltungen Salmonellen nachgewiesen. Ausserdem kommt nicht jedes Tier, das zum Schlachthof transportiert wird, dort lebend an. Fachleute gehen laut STS davon aus, dass in der EU bis zu 2 Mio. Schweine jährlich beim Transport verenden - das sind fast so viele wie in derselben Zeit in der Schweiz geschlachtet werden. Beim Geflügel wird geschätzt, dass gegen 10 Millionen Tiere in der EU jährlich dem Transport zum Opfer fallen. Das entspricht praktisch dem ganzen Geflügelbestand der Schweiz.
Die transportbedingten Todesfälle sind nur die Spitze des Eisberges. In vielen Ländern werden Tiere mit Elektroschock ins Fahrzeug oder in den Schlachthof getrieben. Sie sind dann entsprechend gestresst, wenn sie am Schlachthof eintreffen und vielfach verletzt. Das wirkt sich auch auf die Fleisch-Qualität aus: In der EU kann bei rund jedem vierten Schlachtschwein PSE nachgewiesen werden. PSE steht für "pale, soft, exudative" und bedeutet nichts anderes, als dass das Fleisch wegen der Ausschüttung von Stresshormonen bleich, weich und wässrig geworden ist. Um die Praktiken beizubehalten, ohne die Auswirkungen dafür in Kauf zu nehmen, werden den Tieren in vielen Ländern Beruhigungsmittel verabreicht.
In der EU müsste das Wohl der Tiere bis zum letzten Zielort immerhin sichergestellt werden. Doch niemand kontrolliert die Transporte, wenn sie die EU verlassen. Im Jahr 2017 wurden allein bis Ende November 650'000 Rinder in Drittländer ausserhalb der EU exportiert. Das sind mehr als doppelt so viele wiedrei Jahre zuvor. Millionen Tiere werden inzwischen in Nordafrika geschlachtet - weil es billiger ist und der Tierschutz dort noch weniger Bedeutung hat. Dafür sind die Rinder und Schafe oft tage- oder wochenlang eingepfercht auf Lastwagen und Schiffen unterwegs.
Gegenüberstellung Schweiz / EU
Die vier wichtigsten Unterschiede zur Tierschutzgesetzgebung zur EU lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Während die CH-Tierschutzgesetzgebung zu allen Nutztieren detaillierte Vorschriften und Mindestmasse vorgibt, fehlen EU-Richtlinien u.a. zur Haltung von Kühen, Mastvieh, Truten, Straussen und anderen Geflügelarten (ausser Hühnern), Schafen, Ziegen und Pferden. Damit sind Millionen von Nutztieren in der EU ohne gesetzlichen Schutz.
- Die EU schreibt keinen TÜV für serienmÄssig hergestellte und verkaufte Haltungssysteme und Stalleinrichtungen vor. In der Schweiz mÜssen diese auf TierschutzkonformitÄt und Praxistauglichkeit geprÜft und bewilligt werden, was den Tieren (aber auch den Tierhaltern) zugutekommt.
- In der Schweiz sind die allermeisten schmerzhaften Eingriffe verboten, in der EU hingegen dürfen beispielsweise junge männliche Kälber, Zicklein, Ferkel etc. ohne Schmerzausschaltung kastriert werden. Das in der Schweiz verbotene Schnabel- und Schwanz-Coupieren oder das Herausbrechen von Zähnen bei Ferkeln ist in der EU zulässig.
- Während in der EU Tiertransporte nicht beschränkt sind (40- bis 60-stündige Fahrten sind keine Seltenheit) dürfen in der Schweiz Tiere maximal 6 Stunden transportiert werden.
Dazu kommt, dass die EU keine Bestandes-Obergrenzen kennt, während in der Schweiz die Anzahl Tiere pro Betrieb limitiert ist. Hier ein paar Beispiele im Detail:
Kälber
In der Schweiz dürfen Kälber nur in den ersten zwei Lebenswochen in Einzelboxen (mind. 85 x130 cm) gehalten werden, danach ist Gruppenhaltung vorgeschrieben. In der EU müssen Kälber erst ab der achten Woche in Gruppenhaltung. Zudem gilt die Gruppenhaltung in der EU nur für grössere Betriebe, Kleinbetriebe mit sechs und weniger Kälbern dürfen diese weiterhin einzeln halten. In der Schweiz sind Einzel-Iglus nur mit Auslauf zulässig.
Hierzulande sind eingestreute Liegeflächen vorgeschrieben, in der EU dürfen Kälber auch in Vollspaltenbodenbuchten ohne Einstreu eingestallt werden. Einzelbuchten für Kälber müssen in Deutschland mindestens 80 x 120 cm sein, in der EU gibt die Widerristhöhe des Kalbes die minimale Boxenbreite vor und die Körperlänge des Kalbes multipliziert mit 1,1 ergibt die minimale Länge der Box.
In der EU - auch in Deutschland - werden Kälber vor allem mit Milch bzw. Milchaustauscher gemästet. Sie erhalten kein Heu oder anderes Raufutter damit das Fleisch schön hell bleibt. Doch die helle Farbe ist ein Zeichen von Eisenmangel. In der Schweiz ist Raufutter wie Gras, Heu, Mais oder ein gleichwertiges Raufutter vorgeschrieben. Die Fleischfarbe wird dadurch rosa - denn es stammt von gesunden Tieren.
Seit dem Jahr 2005 dürfen in der Schweiz Kälber nur noch unter Schmerzausschaltung enthornt und männliche Tiere kastriert werden. Der Tierhalter muss einen Sachkundeausweis dafür haben. Die Hornansätze müssen ausgebrannt werden, ätzende Substanzen sind nicht erlaubt. Bei der Kastration dürfen die männlichen Kälber maximal zwei Wochen alt sein. In der EU-Tierschutzverordnung sind Eingriffe an den Tieren nicht geregelt, deshalb gelten höchstens einzelstaatliche Vorschriften. In Deutschland sind z.B. folgende Eingriffe ohne Schmerzausschaltung erlaubt: Enthornen (bis zur 6. Lebenswoche), Kastrieren (bis zur 4. Lebenswoche) und Coupieren des bindegewebeartigen Endstückes des Schwanzes von männlichen Kälbern unter drei Monaten (mit elastischen Ringen). In der Schweiz ist der letztgenannte Eingriff verboten.
Rinder
Die EU kennt nur Vorschriften zur Haltung von Kälbern. Für Rindvieh, das älter als ein halbes Jahr ist, gibt es keine spezifischen Regelungen, auch nicht in Deutschland.
Milchkühe
Ein direkter Vergleich zwischen Deutschland, der EU und der Schweiz ist nicht möglich, da nur die Schweiz in diesem Bereich spezifische Tierschutzvorschriften hat. Bezüglich Haltungsform fällt vor allem der grosse Anteil RAUS in der Schweiz auf. Bei der Fütterung unterscheiden sich die Länder grösstenteils durch den Einsatz von Kraftfutter. In Deutschland liegt dieser klar höher als in der Schweiz.
Mit der Agrarpolitik 14-17 wurden neu Direktzahlungen für die Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) eingeführt. Dieser Beitrag wird bezahlt, wenn die Jahresration aller auf dem Betrieb gehaltenen raufutterverzehrenden Nutztieren zu mindestens 90 Prozent der Trockensubstanz aus genau definiertem Grundfutter besteht. Laut einer Evaluation der Forschungsanstalt Agroscope nahmen in den Jahren 2014 und 2015 etwa drei von vier Betrieben den GMF-Beitrag in Anspruch. In der Bergregion und bei Biobetrieben war der Anteil noch höher, ebenso bei Mutterkuhbetrieben, Schaf-, Ziegen- und Pferdehaltern. Der SBV schätzte in einem Ländervergleich den Kraftfuttereinsatz je Milchkuh in der Schweiz auf rund ca. 700 kg im Jahr, während er in anderen EU-Ländern bei 2'000 bis 2'500 kg je Kuh und Jahr liegt.
Schweine
Mastschweine müssen in der Schweiz 0,9 qm Platz haben statt 0,65 qm wie in der EU. Auf der anderen Seite sind in der EU Vollspaltenböden ab 2013 offiziell verboten, während die Schweiz diese noch bis 2018 erlaubt hat.
Vorgaben für die Grösse des Stallplatzes bei Mastschweinen
Lebendgewicht
Schweiz
EU
25 - 30 kg
0,60 m2
0,30 m2
30 - 50 kg
0,60 m2
0,40 m2
50 - 60 kg
0,60 m2
0,55 m2
60 - 85 kg
0,75 m2
0,55 m2
85 - 110 kg
0,90 m2
0,65 m2
über 110 kg
1,65 m2
1.00 m
Quelle: EU-Richtlinie über die Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen
In der EU dürfen säugende Sauen dauernd und tragende Sauen bis vier Wochen nach dem Decken in Kastenstände gesperrt werden. In der Schweiz geht es ihnen deutlich besser: Schweizer Sauen ferkeln bereits seit mehr als zehn Jahren frei ab. Für Letzteres wird ein Sachkundeausweis benötigt, damit der Betriebsleiter die Arbeit selbst durchführen darf. Tragende Sauen dürfen hierzulande nach dem Decken maximal zehn Tage eingesperrt werden und müssen danach in Gruppen gehalten werden. In der EU ist die Gruppenhaltung ebenfalls vorgeschrieben, die Sauen können aber noch vier Wochen nach der Belegung in Kastenständen einzeln gehalten werden.
Schwanz coupieren und Zähne abklemmen sind in der Schweiz verboten, in der EU dürfen sie fallweise noch durchgeführt werden. Die EU schreibt nicht einmal eine Einstreu während der Geburt bei Sauen vor - in der Schweiz ist das undenkbar. In der EU sind mehrstöckige Ferkelkäfige zulässig, in der Schweiz ist das verboten.
Der Gesundheitsstatus der Schweizer Nutztiere befindet sich auf einem hohen Niveau. Die Schweiz ist beispielsweise frei vom "Porcine reproduktives und respiratorisches Syndrom (PRRS)", von der Aujeszkyschen Krankheit und von Enzootischer Pneumonie (EP). In Deutschland sind PRRS und EP weit verbreitet, die meisten Betriebe impfen ihre Tiere gegen die Krankheiten. In der Schweiz sind keine Impfstoffe für diese Erreger zugelassen. Durch aufwändige Sanierungsprogramme und ständige Überwachung kommen hochansteckende und weitere, wirtschaftlich bedeutende Tierseuchen kaum oder gar nicht mehr vor. Auch züchterisch wird in der Schweiz auf die Tiergesundheit geachtet: Die Schweizer Mutterlinien sind beinahe ausnahmslos resistent gegen den E. Coli-Stamm F18, der die Ödemkrankheit auslöst bei Ferkeln. Dadurch konnten die Tierverluste und der Antibiotikaeinsatz in der Schweinehaltung weiter gesenkt werden.
Seit 2010 werden die männlichen Ferkel in der Schweiz nur noch unter Narkose und Schmerzausschaltung kastriert. In Deutschland werden Ferkel bis zum achten Lebenstag noch bis 2019 ohne Betäubung und Schmerzausschaltung kastriert werden. In anderen EU-Ländern ist die Kastration unter Betäubung (Norwegen, Schweden) oder mit Schmerzmitteln (Österreich, Frankreich, Dänemark) erlaubt. Grossbritannien, Spanien, Niederlande setzen dagegen auf Ebermast, während Tschechien, Slowakei, Estland, Litauen, Slowenien, Ungarn und Polen ohne Schmerzausschaltung kastrieren.
Legehennen
Bereits seit über 25 Jahren ist die Batteriehaltung von Legehennen in der Schweiz verboten. Die EU zog erst im Jahr 2012 nach, erlaubt aber weiterhin die sogenannten "ausgestalteten Käfige". Diese bieten den Legehennen zwar etwas mehr Platz und Struktur, sie gelten in der Schweiz jedoch als tierschutzwidrig und sind verboten. In Deutschland werden rund 8 Prozent der Legehennen in solchen Systemen gehalten. EU-weit sind es mehr als die Hälfte, in Spanien, Portugal und Polen sogar 90 Prozent.
In der Schweiz leben die meisten Legehennen in BTS-Ställen, bei denen ihnen zusätzlich ein Aussenklimabereich zur Verfügung steht. In Deutschland werden ihnen teilweise Kaltscharrräume angeboten, diese Fläche wird dann von der Stallfläche abgezogen. 75% der Schweizer Legehennen haben RAUS, in Deutschland sind es 18 Prozent und in der EU liegt der Anteil bei knapp 14 Prozent. Während hierzulande zum Scharren, Picken und Staubbaden Einstreu vorgeschrieben ist, gibt es diese Regel in der EU nicht.
Das Schnabel-Coupieren ist in der Schweiz verboten, in der EU hingegen erlaubt. Hierzulande erlaubt ist das Touchieren der Schnäbel mit dem Ziel, den spitzen Haken des Oberschnabels zu entfernen. Seit Anfang letzten Jahres verzichten die grossen Eierhändler der Schweiz aber freiwillig auf diesen Eingriff. Andere Eingriffe am Tier wie beispielsweise das Coupieren von Kämmen und Flügeln sowie das Stopfen oder Rupfen am lebenden Tier sind in der Schweiz nicht erlaubt - in der EU nicht einmal geregelt.
Pouletmast
Poulet-Fleisch ist bei den Konsumenten sehr beliebt, die Produktion nimmt entsprechend zu. Schweizer Poulets geniessen im Vergleich zur ausländischen Geflügelmast deutlich mehr Platz, bekommen GVO-freies Futter, wobei das Soja mittlerweile zu fast 100 Prozent aus verantwortungsvoller Produktion stammt. Tageslicht und mindestens 8 Stunden Dunkelphase sind in der Schweiz Pflicht, in der EU sind reine Kunstlichtbeleuchtungen und alternierende Lichtprogramme zulässig. Die meisten Schweizer Mastpoulets werden in BTS-Ställen gehalten, wo ihnen ein Aussenklimabereich (Wintergarten) zur Verfügung steht. Die Tiere haben dadurch 20 Prozent mehr eingestreute Fläche zur Verfügung. Die Mastdauer muss mindestens 30 Tage betragen. In der Schweiz sind erhöhte Flächen als Rückzugs- und Ruhebereich festgeschrieben, in der EU nicht. Die maximale Besatzdichte beträgt in der Schweiz 30 kg/qm, in der EU 42 kg/qm. Das bedeutet, dass ein Schweizer Pouletmäster gemäss EU-Vorschriften in jedem Stall 50 Prozent mehr Tiere halten könnte. Das erklärt, warum der Unterschied bei den Tierwohlvorschriften auch finanzielle Auswirkungen hat.
Vollzugsdefizite
Die Schweizer Tierschutzkontrollen sind vielleicht nicht perfekt. Im Vergleich zur EU steht die Schweiz aber sehr gut da. 2006 verfasste die EU-Kommission einen Bericht über die Umsetzung der Richtlinie zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere in den EU-15 Mitgliedstaaten. Die Kontrollergebnisse deuten darauf hin, dass es sowohl mit der Umsetzung der Vorschriften als auch mit der Durchführung der Kontrollen hapert. So nahm es Österreich bei den Kontrollen offensichtlich sehr genau und stellte in 1'543 kontrollierten Legehennenbetrieben total 7'000 Verstösse fest. Relativ hohe Beanstandungs-Raten in Hühnerställen gab es auch in Grossbritannien (52%), Irland (70%), Spanien (50%) und Deutschland (31%). Demgegenüber war in Griechenland kein einziger Verstoss zu verzeichnen und in Italien wiesen nur 2% der Betriebe Mängel auf.
Ein ähnliches Bild ergab sich bei der Kälberhaltung: Hier kam Österreich bei 9'378 Betriebsbesuchen auf 26'700 Verstösse. Frankreich (78%), Grossbritannien (51%), Finnland (57%), Belgien (35%) und Deutschland (28%) hatten ebenfalls relativ viele Verstösse zu verzeichnen, während in Griechenland in 1'100 besuchten Kälberbetrieben nur ein einziger Tierschutz-Sünder gefunden wurde. Auch in Italien war die Beanstandungsrate mit 1% verdächtig tief.
Das Fazit der EU-Kommission lautete deshalb, dass "eine mangelnde Durchsetzung der EU-Rechtsvorschriften seitens der Mitgliedstaaten in mehreren Bereichen nach wie vor gang und gäbe ist." Zweifel an der Aussagekraft der EU-Kontrolldaten sind deshalb nicht nur erlaubt, sondern vielmehr geboten.
Tierschutz weltweit
Die weltweite Fleischerzeugung hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt, die Poulet-Produktion sogar verfünffacht. In Russland und China wird die Milch- und Schweinefleischproduktion forciert, von Brasilien über die arabischen Staaten bis Südostasien boomen Poulets. Über die Tierschutzbestimmungen, die Kontrolle und den Vollzug in vielen Ländern ist hierzulande wenig bis nichts bekannt.
Der Mensch isst, was das Tier frisst
Vieles, was sich auf das Tierwohl auswirkt, hat auch Auswirkungen auf den Menschen, der tierische Produkte konsumiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf entscheidet über Standards in der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung weltweit. Sie erlaubt dabei manches, was in der Schweiz verboten ist. Z.B. den Einsatz von Hormonen in der Tiermast. Der Import dieser Produkte ist hierzulande erlaubt, solange der Hormoneinsatz deklariert wird. In der EU ist der Einsatz natürlicher Hormone bei der Viehzucht weitgehend eingeschränkt, künstlich erzeugte Hormone sind ganz verboten.
Seit mehreren Jahren wird in der WHO darüber diskutiert, ob der Wachstumsbeschleuniger Ractopamin in der Schweinemast aus gesundheitlichen Gründen nicht verboten werden müsste. Dieses Mittel wird eingesetzt um die Gewichtszunahme zu beschleunigen, die Futtermitteleffizienz zu steigern und die Magerkeit der Schlachtkörper zu erhöhen. Bis heute hat sich die WHO nicht zu einem Verbot durchringen können.
Antibiotikazusätze im normalen Tierfutter sind in der Schweiz seit 1999 verboten, in der EU seit 2001. In den USA werden solche Stoffe dagegen routinemässig eingesetzt. In der Lammfleisch-Produktion von Neuseeland und Australien darf das Antibiotikum Monensin prophylaktisch gegen Weidekrankheiten eingesetzt werden. Dieses Mittel kann in Neuseeland ohne tierärztliche Verschreibung bezogen und verabreicht werden - etwas, das in der Schweiz undenkbar wäre. Importiert werden darf dieses Fleisch trotzdem.
Tierschutz als Handelshemmnis?
Seit längerem bemühen sich Vertreter der EU in der Welthandelsorganisation (World Trade Organisation, WTO) dem Tierwohl mehr Bedeutung zu schenken. Die WTO hat zwar ein gewisses Interesse an der Tiergesundheit, weil das eine wichtige Voraussetzung für freien Handel ist. Die WTO akzeptiert auch, dass Tiergesundheit eine Folge vom praktiziertem Tierschutz ist. Das heisst für die WTO aber noch lange nicht, dass ein höheres Tierschutzniveau eine verbesserte Tiergesundheit garantiert. Bislang spielt der Tierschutz im WTO-Übereinkommen über Sanitäre und Phytosanitäre Massnahmen (SPS) noch keine Rolle. Auch bei den Technischen Handelshemmnissen, den TBT-Abkommen, hat das Tierwohl keinen Stellenwert.
Allerdings gab es letzten Herbst einen Fall in der WTO, der zu einer Trendwende führen könnte: Die WTO entschied, dass das EU-Importverbot für Robbenprodukte aus kommerzieller Jagd rechtens ist. Das ist ein Präzedenzfall für den Tierschutz, weil damit erstmals moralische Vorbehalte als Handelsbeschränkungen akzeptiert wurden. Auf der Basis dieses Entscheids könnten jederzeit Tierschutzstandards für importierte Lebensmittel gefordert, oder die Einfuhr von Produkten untersagt werden, die aus grausamer Herstellung stammen. Das können Eier aus Legebatterien sein, Kalbfleisch von Tieren, die in engen Boxen gehalten werden, Stopfleber, Froschschenkel oder Produkte, für die Tierversuche durchgeführt wurden, obwohl es humanere Alternativen gibt, etc.
Präzedenzfall Robben
Wie Eisbären sind auch Robben in ihrem natürlichen Lebensraum bedroht, die alljährliche Abschlachtung tausender Robben fällt dabei ins Gewicht. Um diesem Treiben den wirtschaftlichen Boden zu entziehen, haben verschiedene Staaten Importverbote für Robbenprodukte aus der kommerziellen Jagd erlassen. Darüber haben sich Kanada und Norwegen bei der WTO beschwert, weil es sich ihrer Ansicht nach um ein ungerechtfertigtes Handelshemmnis handelte. Die WTO hat die Beschwerde Kanadas und Norwegens letzten Herbst zurückgewiesen und ist damit der Argumentation der EU gefolgt, dass das Risiko des barbarischen Robbentötens unmöglich ausgeschlossen werden kann. Eine Beschneidung der globalen Nachfrage hielt die WTO in diesem Fall für gerechtfertigt.
Mit diesem aufsehenerregenden Entscheid gab die WTO den 34 Ländern Recht, die den Handel mit Robbenprodukten verboten haben. Darunter 28 EU-Länder, Russland und die USA. In der Schweiz hat der Nationalrat schon mehrmals ein Importverbot für Robbenprodukte gefordert, was vom Ständerat jedoch stets abgelehnt wurde. Nachdem die WTO den Tierschutz in diesem Fall höher gewichtet als die Handelsinteressen, hat auch die Schweiz im Jahr 2017 endlich ein Handelsverbot von Robbenprodukten erlassen. Das fiel ihr in diesem Fall nicht besonders schwer, weil es kaum noch Importe von Robbenprodukten gab und ein Verbot deshalb nahezu keine Einbussen für den Handel zur Folge hat.
Quelle: International Fund for Animal Welfare, IFAW
USA
Es ist nicht so, dass andere Länder keine Tierschutzgesetze haben, sie haben nur andere. Die USA verabschiedete 1966 ein Tierschutzgesetz, das sich ausschliesslich um Labor- und Versuchstiere drehte. Der Grossteil dieses Animal Welfare Acts ist auch heute noch Hunden, Katzen, Hamstern, Meerschweinchen, Menschenaffen und Meeressäugern gewidmet. Nutztiere werden höchstens unter der Kategorie "Andere Tiere" geführt. Sie finden auf 4 Seiten Platz, während die Vorschriften für die erstgenannten Tiere 135 Seiten füllen.
Die meisten US-Landwirte erfüllen nicht einmal die EU-Mindesttierschutzstandards. Wachstumsförderer, Hormone und GVO-Futter sind in den USA an der Tagesordnung. Pouletfleisch kann nach dem Schlachten in einem Chlorbad behandelt werden, welche Keime (Salmonellen und Campylobacter) auf der Haut abtötet. So müssen sich die Tierhalter nicht um Keimfreiheit in der Produktion bemühen.
Argentinien
Der Schweizer Tierschutz STS hat die Produktionsbedingungen im Agrarsektor der Mercosur-Staaten studiert und kommt zu einem wenig positiven Schluss. Das Bild friedlich in den Weiten der Pampas heranwachsender Rinder gehört mehr und mehr der Vergangenheit an. Was an Rindfleisch in Südamerika produziert wird, ist meist kein Weidefleisch mehr. In Brasilien und in Argentinien stehen immer mehr Tiere in Feedlots, riesigen, graslosen Pferchen, in ihrem eigenen Kot.
"Das ist Intensivmast in Tierfabriken - nur ohne Dach" schreibt der STS. Umfassende Tierschutzvorschriften zur Haltung von Rindern und Schweinen sowie von Geflügel fehlen in der Gesetzgebung der Mercosur-Staaten. Das Gros in der Schweiz verbotener Tierquälereien in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung (z.B. andauernde Anbindehaltung, Kastenstände, Vollspaltenböden, Käfighaltung, Langzeittransporte) ist legal.
In den Schlachthöfen sind teils Betäubungsmethoden zugelassen, die hierzulande verboten sind. Eine Beschränkung der Anzahl Tiere pro Stall bzw. pro Betrieb gibt es nicht. Massentierhaltung in der Geflügel- und Rindermast ist eher Regel als Ausnahme. Grossbetriebe, die tausende Rinder mästen und bis zu 1,4 Mio. Legehennen halten sind keine Seltenheit.
Brasilien
Brasilien ist der zweitgrösste Rindfleisch- und drittgrösste Geflügelfleischproduzent der Welt. Mit einem Rinderbestand von etwa 210 Mio. Tieren hält das Land beim Export von Rindfleisch einen Anteil von 20 % am Weltmarkt. Brasilien hat eine staatliches Tierschutzgesetz, das hauptsächlich Fragen des Transports und der Schlachtung regelt. Darüber hinaus gibt es nur noch private Labels, vor allem bei Biobetrieben. In der Produktion sind Antibiotika als Wachstumsförderer und GVO-Futter erlaubt und werden auch eingesetzt.
China
In China gibt es seit 2006 ein Gesetz welches die Nutztierhaltung regelt, es enthält vor allem Vorschriften zur Tiergesundheit und zur Schlachtung. Ein umfassendes Gesetz zum Tierschutz wurde im Jahr 2009 in Aussicht gestellt, aber bis heute nicht realisiert. Das einzige Gesetz, das den Handel und Missbrauch von Tieren in China regelt, ist ein Gesetz zum Schutz wildlebender Tiere. Es gilt jedoch nicht für Tiere, die sich in Nutztierställen, Zoos oder Heimtierhaltung befinden.
Das ist vor allem deshalb problematisch, weil in China die Massentierhaltung mit Rekordgeschwindigkeit wächst. Die Industrialisierung und Intensivierung der chinesischen Fleischproduktion hat mittlerweile ein höheres Niveau erreicht als in den USA. Mit 700 Mio. Schlachtschweinen im Jahr ist China der weltgrösste Schweinefleischproduzent, beinahe jedes zweite Schwein der Welt wird im Reich der Mitte gemästet.
China gehört zu den grössten Erzeugern von Kaninchenfleisch, ist Weltmarktführer bei der Pelztierhaltung und drittgrösster Geflügelproduzent der Welt. Noch bleibt China ein Ort, in dem rechtlich keine Konsequenzen drohen, wenn man Tiere grausam behandelt. Trotzdem wird das Wohl der Tiere in der Volksrepublik gesellschaftlich wichtiger. Ihr Stellenwert ist aber noch nicht so gross, dass ein landesweites Tierschutzgesetz Aussicht auf Erfolg hätte. Und es sind in erster Linie Heimtiere wie Katzen und Hunde, für die ein wachsender Teil der Bevölkerung ein Herz zeigt - nicht die Nutztiere.
Chinas stellvertretender Landwirtschaftsminister Yu Kangzhen sagte 2017 bei einer von der FAO organisierten Tierschutzkonferenz in Hangzhou, dass die chinesische Regierung künftig für mehr Tierwohl in den Ställen sorgen will. Unter Tierwohl dürfte dabei in erster Linie Tiergesundheit im Zusammenhang mit der Sicherheit tierischer Produkte gemeint sein. Dazu will Yu so bald wie möglich technische Normen und rechtliche Vorschriften für den Tierschutz festlegen sowie die Inspektions-, Bewertungs- und Überwachungssysteme schrittweise verbessern. Die Entwicklung zu einer "grünen und nachhaltigen" Tierhaltung solle gefördert werden, erklärte der Vizeminister. Er sprach sich zudem dafür aus, von anderen Ländern mit fortschrittlichen Philosophien und Ideen zum Tierschutz zu lernen und dafür den internationalen Austausch und die Zusammenarbeit zu intensivieren.
Wenn Hennen wählen könnten...
Ein Vergleich verschiedener Haltungsformen in mehreren Ländern und für alle Tierarten würde den Rahmen dieses Dossiers sprengen. Denn beim Tierschutz spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle: Bei den Legehennen ist das z.B. die Herdengrösse, die Verfügbarkeit von Sitzstangen und Staubbädern, die Verwendung von Einstreu, ob das Huhn Auslauf hat, ein Hahn in der Herde ist, wie lange die künstliche Belichtung dauert, ob ihnen der Schnabel kupiert wird und vieles mehr.
Allein die Fläche, die einer Legehenne in ihrem kurzen Leben zur Verfügung steht, fällt von Land zu Land sehr verschieden aus. In der Schweiz steht ihr im Minimum rund 1'000 cm2 Platz zur Verfügung. In der EU dürfen seit 2012 Legehennen nur noch in sogenannten "ausgestalteten" Klein-Käfigen gehalten werden, dabei soll jedes Huhn 750 cm2 für sich haben. In Deutschland wurde inzwischen der Ausstieg aus der Kleingruppenkäfig-Haltung bis Ende 2025 beschlossen, für Ausnahmefälle ist aber noch eine Fristverlängerung bis 2028 vorgesehen. Tierschutzorganisationen gehen davon aus, dass auch heute noch ein Grossteil der EU-Hühner in einem Käfig lebt in dem sie gerade mal 550 cm2 Platz für sich haben. Das ist weniger als die Fläche eines A4-Blattes (627 cm2). Aber auch das ist noch viel mehr als in anderen Ländern, wie eine Untersuchung der Uni Wageningen zeigte:
USA
In den USA konzentriert sich die Eierproduktion auf relativ wenige Unternehmen. Rund zehn Unternehmen, jedes davon hat mehr als 5 Mio. Legehennen, produzieren beinahe die Hälfte aller US-Eier. Tierwohlvorschriften gibt es praktisch keine, aber es gibt freiwillige Tierwohlprogramme in denen den Hennen etwas mehr Platz im Käfig zugestanden wird (rund 450 cm2, das sind zwei Drittel eines A4-Blattes). Diese decken jedoch nur rund 5% des Marktes ab. Etwa 93% der US-Eier werden in klassischer Käfighaltung produziert. Einzig in Kalifornien sind ab 2015 weitergehende Vorschriften zum Wohl der Legehennen in Kraft getreten.
Ukraine
In der Ukraine gibt es keine Vorschriften für die Legehennenhaltung. Experten schätzen, dass die Hennen zwischen 300 und 400 cm2 Platz zur Verfügung haben, wobei neuere Betriebe eher weniger Platz zur Verfügung stellen. Die Besatzdichte in den Käfigen hängt vom Eierpreis ab: Ist der Eierpreis hoch, wird oftmals noch eine zusätzliche Henne in den 50 x 50 cm grossen Käfig gesperrt, um die Einnahmen zu optimieren.
Argentinien
Argentinien hat sich in den letzten Jahren vom Eierimport- zum Eierexportland gewandelt. Auch hier gibt es keine Vorschriften zum Wohl der Legehennen. Es existiert praktisch nur Käfighaltung. Die Tiere haben zwischen 280 cm2 und 500 cm2 Platz zur Verfügung. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle wird den Junghennen zudem im Alter von 12 Tagen der Schnabel um ein Viertel bis ein Drittel gekürzt.
Indien
Indien exportiert nicht nur Schalen-Eier sondern auch Trockenei-Produkte. Es gibt rund 20'000 Betriebe in Indien, die zwischen 5'000 und 500'000 Legehennen halten. Vorschriften zum Wohl der Legehennen gibt es keine, der Platz pro Henne beträgt im Schnitt etwa 375 cm2.