Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03539.jsonl.gz/2253

The Heartless Bastards (USA)
Aber dass kann sich ja ändern, denn was dieser Kerl zu sagen hat ist mindestens der Aufruf zur Zivilcourage. Und die kann man ja bekanntlich nicht nur in den USA gebrauchen. Verschlossene Wege gibt es überall. Wenn Musik die Tore öffnen kann - um so besser. James McMurtry hat den richtigen Schlüssel.
Seit James McMurtry 1989 mit seinem von John Mellencamp produzierten Album "Too Long In The Wasteland" debütierte und ist er aus der höchsten Songwriterliga nicht mehr wegzudenken. Seine Musik, gespickt mit urgewaltigen, mächtigen Liedern, beeindrucken nun schon 20 Jahre lang. Tief. Schlicht herausragend.
Als einer der schärfsten Gegner der Bush/Cheney-Administration innerhalb der Americana-Gemeinde prangert McMurtry nicht nur in seinen Texten Themen wie den Irak-Einmarsch, Kriegsprofiteure, soziale Ungerechtigkeit, die Verlogenheit und Gier der Politiker und den damit verbundenen Verfall gesellschaftlicher Zusammenhalte an, sondern ist auch in einschlägigen US-Internet-Blogs aktiv und wird nicht müde, bei seinen Konzerten zu agitieren und für ein Umdenken im großen Stil zu kämpfen.
Was anlässlich der Präsidentschaftswahl 2004 zum mittlerweile bekanntesten McMurtry-Song führte: "We Can't Make It Here" vom Album "Childish Things", ein geradezu vernichtender Abgesang auf "President Cheney", wurde als Free Download ins Internet gestellt und allein auf YouTube - angereichert mit Fan-Videos -über 150.000 Mal angehört.
Derzeit kursieren im Netz gleich mehrere YouTube-Videos zum aktuellen Song "Cheney's Toy" - gemeint ist damit George W. Bush und die in Irak geopferten US-Soldaten, die dort sterben oder völlig entwurzelt als Wracks zurückkehren. "Cheney's Toy" ist neben weiteren zeitkritischen Songs wie "God Bless America", "The Governor", "Ruins Of The Realm", "Fire Line Road" und "Ruby And Carlos" das zentrale Stück auf dem brandneuen Album "Just Us Kids" des Rockers aus Austin, Texas.
Der texanische Singer/Songwriter und Gitarrist Jon Dee Graham gehörte zu den zentralen Figuren der Musik-Szene in und um Austin, der Hauptstadt von Texas. Seine von der Gitarre geprägten und zwischen Folk, Rock und Country pendelnden Americana-Songs trug Graham stets mit einer knorrigen Raspelstimme vor, die mal an Tom Waits, mal an J.J. Cale erinnerte. Graham war Mitglied von The Skunks, The Lift, den True Believers und The Resentments und als gefragter Session-Gitarrist u.a. auf Produktionen von Ry Cooder, Jon Doe, The Silos, Michael Hall, Calvin Russell, The Gourds, Kelly Willis, Toni Price, Ray Wylie Hubbard und Alejandro Escovedo zu hören.
Ein Musiker durch und durch, mit einer Bühnenpräsenz wie kaum ein Zweiter, ein Gitarrist, der alles mit Galle oder Herzblut spielt (je nach Gefühlslage) und mittlerweile auch ein Songwriter und Sänger, der sich in seinem Roots-Genre vor keinem verstecken muß. Umso unverständlicher war es, dass sein Label New West ihn in den USA gedroppt hat. So ist es nun vorbei mit den teuren Produzenten und Jon Dee musste leider wieder zu seinem kleinen Freedom Label zurückkehren. Dort reichte es nur für 3 Tage Studio im Januar des Jahres, was eigentlich zu kurz ist, aber bei der traumwandlerischen Art, wie diese texanischen Musiker (Andrew Duplantis, John Chipman, Mike Hardwick, Bruce Hughes, Scrappy) miteinander musizieren, gerade lange genug. Hymnen mit Gänsehaut-Garantie. Und mal wieder wünscht man sich, das Leben wäre ein wenig gerechter!