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General Bonaparte trifft in Murten auf Louis d’Affry
OS-Zentrum Prehl zeigt die Ausstellung «Als Freiburg die Hauptstadt der Schweiz war»
Die Ausstellung «Als Freiburg die Hauptstadt der Schweiz war» macht im OS-Zentrum Prehl in Murten Station. Die Schautafeln lüften ein Geheimnis bezüglich der historischen Begegnung zwischen dem ersten Schweizer Landammann d’Affry und Napoleon.
Von ELISABETH SCHWAB-SALZMANN
Am 23. November 1797 trafen sich beim Murtner Beinhaus der Landedelmann Louis d’Affry und General Bonaparte, der spätere selbsternannte Kaiser Napoleon. «Vielleicht bahnte sich bei dieser Begegnung etwas an, das später für die Schweiz von entscheidender Bedeutung wurde», sagten Georges Andrey und Alain-Jacques Tornare, die beiden Ko-Autoren des Werkes «Louis d’Affry, la confédération suisse à l’heure napoléonienne», an der Vernissage der Ausstellung.
General Bonaparte pflegte vor dem Beinhaus, wo die Gebeine der 1476 in der Schlacht von Murten gefallenen Burgunder lagen, einen Gedankenaustausch mit Louis d’Affry. Das Hauptthema sei gemäss den Historikern die damalige Vormachtstellung von Bern gewesen, die es zurückzudrängen galt.
Das Schulhaus Prehl steht in Sichtweite zum Landhaus der Familie d’Affry, die im 18. Jahrhundert immer wieder für längere Zeit dort wohnte.
Neue Kantonszugehörigkeit
Die Wanderausstellung «Als Freiburg die Hauptstadt der Schweiz war» wurde für den Standort Seeland um einen Schwerpunkt zur Region erweitert. «Das Murtenbiet wird definitiv freiburgisch» interessiert hier besonders. Mit dem Untergang des Ancien Régime hatte auch das System der Untertanengebiete ausgedient und damit auch die «Gemeinen Herrschaften», wo zwei oder mehrere Kantone zusammen die Verwaltung über ein Gebiet innehatten.
Vom 15. Jahrhundert bis 1798 verwalteten – für jeweils fünf Jahre – abwechselnd Bern und Freiburg das Murtenbiet und das Schwarzenburgerland. Dann gehörte das Murtenbiet definitiv zu Freiburg und das Schwarzenburgerland zu Bern. Freiburg stritt 1803 erfolglos um die Zuteilung von Avenches und Payerne. Seit 1807 gehören Münchenwiler und Clavaleyres definitiv zum Kanton Bern.
Die Schautafeln zeigen Abbildungen von Urkunden, wo sich Zehntenpflichtige aus der Gemeinde Lurtigen von ihren Verpflichtungen loskauften.
Murtner Persönlichkeiten
Nicht nur der erste Schweizer Landammann machte in Paris von sich reden. In der «Consulta», der für die Beratung der Mediationsverfassung in Paris einberufenen Versammung, waren auch der Greyerzer Nicolas-Constantin Blanc und der Murtner Karl Chatoney als Vertreter des Gedankens einer zentralistischen Staatsform nach dem Modell der Helvetik vertreten. Chatoney war Notar in Murten und gehörte dem Grossen Rat in Freiburg bis zu seinem Tod 1808 an.
Eine Abbildung der Vermittlungs-akte (Acte de Médiation) ergänzt die Ausstellung. Sie belegt, dass die erste Verfassung in Französisch gehalten war. In nur drei Monaten liess d’Affry eine deutsche Übersetzung erstellen, Originalfassung blieb aber die französische.
Die umfangreiche Ausstellung wurde unter der Leitung von Alain Grandjean, Mitglied der Murtner Kulturkommission, mit dem Sonderteil zum Seeland ergänzt. Sie ist im Schulhaus Prehl in Murten für Schüler, aber auch für das breite Publikum frei zugänglich.
Zum 200-Jahr-Jubiläum der Mediationsakte hat der Verlag Cartografica Helvetica, Murten, die Karte «Carte générale de la Suisse» faksimiliert. Sie ist zum Preis von 55 Franken erhältlich.
Das Buch zum Thema, «Georges Andrey et Alain-Jacques Czouz-Tornare, Louis d’Affry, premier Landamman de la Suisse, la Confédération Suisse à l’heure napoléonienne», Verlag Slatkine, ist im Moment nur in Französisch erhältlich. Eine deutsche Version ist in Vorbereitung.