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Der kalifornische Milliardär Tom Steyer wirbt seit Monaten konzentriert um die Wählergunst der Afro-Amerikaner in South Carolina. Seine Plakate sind überall im Staat zu sehen, wo es demokratische Wähler gibt.
In Orangeburg lädt der Kandidat, der bisher keine Delegiertenstimmen geholt hat, zum Frühstück ein. Rührei, Speck, Pancakes, alles gesponsert von «Tom 2020».
Amos und Rosella haben gerade den letzten Bissen geschluckt. Sie arbeiten beide für die Steyer-Kampagne. Der Lohn sei gering, aber bedeute viel für Arbeitslose und ihre Familien. Rosella erzählt von der «Gesundheits-Wüste» in South Carolina. Regionalspitäler seien geschlossen worden, nun müsse man mehrere Stunden mit dem Auto fahren, um etwa im Fall einer Herzattacke ärztliche Hilfe zu bekommen.
Tom Steyer hat Dutzende von Millionen Dollar in South Carolina investiert, und er kann die afro-amerikanische Wählerschaft ansprechen. Alles habe einen Zusammenhang, sagt der kalifornische Philanthrop: Das schlechte Gesundheitssystem in South Carolina, mangelnde Bildungsmöglichkeiten, Rassismus und selbst der Klimawandel seien auf soziale Ungerechtigkeit zurückzuführen.
Kenneth Glover, der Vorsitzende der demokratischen Partei von Orangeburg, nimmt nicht am Steyer-Frühstück teil. Als ehemaliger politischer Direktor von Barack Obama ist er dessen Vize-Präsidenten Joe Biden treu geblieben. Glover ist zuständig für die Organisation der Wahlen in seinem Bezirk.
Er arbeitet als Logistiker in der brandneuen Volvo-Fabrik in Ridgeville. Volvo schaffte dringend benötigte Arbeitsplätze in der Region. Auf die Frage, ob die Arbeiter bei Volvo gewerkschaftlich organisiert seien, lacht er nur. «Die Wähler und Wählerinnen sind enorm motiviert», sagt Glover. «Sie wollen Donald Trump abwählen.» In South Carolina wählen die Afro-Amerikaner fast geschlossen demokratisch.
Eine Autostunde weiter östlich, in der Kreisstadt Kingstree im Williamsburg County, einem der ärmsten Bezirke in South Carolina, sind die Wahllokale geöffnet. Ein Wähler hat für Bernie Sanders seine Stimme eingelegt, andere für Joe Biden.
Im nahegelegenen McDonalds-Schnellrestaurant trifft sich Jung und Alt; aus den Lautsprechern klingt Soul-Musik. Stormy und Nathaniel gehören zum Inventar.
Stormy, mit Cowboyhut und perfekt getrimmtem Bart, ist der pensionierte Barbier von Kingstree. Er will nicht sagen, wen er gewählt hat. Aber er denkt, dass Jo Biden und Bernie Sanders an der Spitze liegen werden. Nathaniel hat Biden gewählt. «Er ist der richtige Mann für den Job. Er weiss, wie es läuft im Weissen Haus.»
Was halten die beiden von US-Präsident Donald Trump? «Der ist lächerlich», sagt Nathaniel und verschluckt sich fast vor Lachen. «Wahrheit ist Wahrheit. Er blufft nur und lügt.» Nathaniels Nachname ist Salters, ein gängiger Name.
Drei Kilometer ausserhalb von Kingstree liegt die ehemalige Tabakplantage Salters. Die Besitzerfamilie Salters besass 71 Sklaven, als die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde. Sklaven übernahmen nach ihrer Befreiung oft die Nachnamen ihrer ehemaligen Besitzer.
Neben der Plantage befindet sich der «Community-Friedhof», wo die afro-amerikanischen Bewohner der Salters Plantage begraben wurden. Hier finden sich mehrere Gräber mit den eingravierten Namen Salters.
Später bin ich zu Besuch bei Cezar McKnight, Parlamentarier in South Carolina. Auf die Frage nach den Salters antwortet er ausweichend. Neuzuzüger würden Häuser aufkaufen und sie Plantagen nennen. Der Nachname Salters habe nichts mit der Plantage zu tun. Die Witwe des Sklavenhalters Salters erbte die Plantage von ihrem Mann und führte sie zwischen 1833 und 1854. Ihr Name war McKnight.
Worüber Cezar McKnight eher sprechen mag, ist das katastrophale Bildungsniveau in seinem Bezirk. Im sogenannten «Korridor der Schande», wie man die Region nennt, seien die Schulen bis heute nach Hautfarbe getrennt.
McKnight will deshalb einen klaren Politikwandel, auch in Washington. Darum unterstützt er seit mehr als vier Jahren den linken Senator Bernie Sanders aus Vermont. Dessen Beliebtheit ist in Kingstree bemerkbar. Vor allem die jungen Afro-Amerikaner im tiefen Süden sind bereit für einen Wandel in Washington und in South Carolina.
«Echo der Zeit», 29.02.2020; kurn