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Hier, am Übergang des ehemaligen Handelsquartiers zum Fischer-und Gerberquartier befindet sich die Gottlieber Messstation, wo permanent der Wasserstand des Rheins abgelesen werden kann. Etwa alle 10 - 20 Jahre müssen die Einwohner mit einem Hochwasser rechnen. Das wussten schon die Bischöfe von Konstanz und richteten während ihrer Herrschaftszeit einen Hochwasserweg ein, der parallel zur heutigen Seepromenade hinter der ersten Häuserzeile verlief und der in Teilen noch vorhanden ist.
Prekär wurde die Lage an Pfingsten 1999, als ein Jahrtausendhochwasser die Pegelstände der Hochwasserzeiten von 1965 und 1987 weit überstieg. Die Häuser am Rhein mussten geflutet werden, die Telephonverbindung brach zusammen, die Schifffahrt auf dem Rhein wurde wegen des Wellenschlags untersagt und die Gemeindekanzlei in aller Eile in die obern Stockwerke des Gemeindehauses verlegt. Am 3. Juni wurde die Evakuierung des Dorfes in Erwägung gezogen, als der Pegel erneut zu steigen drohte.
Der Rhein war und bleibt Schicksalsfaktor in Gottlieben. So war es auch in der Zeit der Napoleonkriege, als sich hier die Grenze zwischen französischen und österreichischen Truppen etablierte: Vom 22. Oktober 1798 bis 1. September 1800 mussten fünf Generäle, 1047 Offiziere, 28 464 Gemeine und Unteroffiziere und 1688 Pferde verpflegt werden. Das durch den Handel zu Reichtum gekommene Gottlieben verarmte.
Der unscheinbare Betonpfosten an der Strassenecke wurde 1999 als Mahnmal für die Hochwasserstände errichtet.
Der Rhein brachte auch positive Entwicklungen: Nachdem durch den Bau der Eisenbahn die Wasserwege für die wirtschaftliche Entwicklung an Bedeutung verloren hatten, brachte der Bau des ersten Dampfschiffs den Tourismus an den See. Die Schifflände wurde entsprechend angepasst und die Anlegestelle für Private erstellt. An dieser legte auch das Schiff der Freiwilligen Feuerwehr Konstanz vor der Umstrukturierung der Feuerwehren einmal pro Jahr anlässlich der gemeinsamen Feuerwehrübung an: War sie es doch, die den Gottliebern die schnellste Hilfe im Falle eines Brandes hätte liefern können.
Für kurze Zeit war dies auch eine Anlegestelle für ein Wasserflugzeug.
Die mächtigen Handelshäuser wurden zu Gasthäusern umgebaut. Das Haus neben der Krone war eine Brauerei.
Hier beginnt das Fischer- und Gerberquartier. Das Haus an der Strassenecke war ebenso eine Gerbe wie dasjenige, das als einziges nach dem Häusersturz stehen geblieben war und noch heute die Lage der alten Häuserzeile erahnen lässt. Dazwischen liegt die Fischergasse mit ihren niedrigen Fischerhäusern.
Im Haus „Zur Krone" wuchs Johann Conrad Hippenmeyer auf. 1752 geboren, wissbegierig, entging er dem Schicksal, als Pfarrer sein Leben fristen zu müssen, durch den Einfluss seines Onkels, des Handelsherrn David Meier, Mitinhaber der Grosshandlung Meier und Hay in Wien. Dieser konnte die Eltern überzeugen, den Sohn als Kaufmann ausbilden zu lassen. Nach der Lehre in St. Gallen trat Johann Konrad Hippenmeyer mit 18 Jahren ins Geschäft des Onkels in Wien ein. Nach dem Tod des Onkels wurde das Geschäft an ein Bankhaus aus Basel verkauft. Johann Conrad wurde Kassier, später Teilhaber und 1818 Direktor der neueröffneten „Kaiserlich-königlich privilegierten österreichischen Nationalbank". In Wien und Gottlieben unterstützte er lernwillige Jugendliche, kaufte nach den napoleonischen Wirren das Schloss, den Freisitz Hertler und den Unterhof Castell als Wohnsitz für seine Verwandten und ermöglichte mit grosszügigen Legaten die Aufstockung des Armenfonds der Gemeinde sowie den Bau der Kantonsschule in Frauenfeld.
1965 übernimmt die legendäre Köchin Rosa Tschudi die Krone von Esther Federle. Ihre Nachfolger werden 1980 Georg und Ingeborg Schraner. Aus Altersgründen verkaufen sie das Hotel 2012 an Raymond Kronig, der es neu gestaltete. Ein weiterer Umbau erfolgte als die Krone 2014 an die BFW Invest AG Frauenfeld veräussert wurde. In den beiden obern Stockwerken im grossen Gebäude rechts in der Kronengasse befand sich in der Zwischenkriegszeit die Lorrainestickerei Künzler & Cie. Sie beschäftigte 30 Frauen. Die Maschinen, die sie benutzten, dienten dem späteren Bernina-Gründer Fritz Gegauf als Anschauungsobjekt. Seit 1960 gehört das Haus dem Gottlieber Künstler Werner Eberli, der hier von 1970 - 2010 seine Galerie betrieb und bis zu seinem Tod 2013 in seinem Atelier anzutreffen war.