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Das reine Bewusstsein ist klar und offen. Und wie das farblose Licht verschiedene Frequenzen respektive Farben beinhaltet, so sind dem neutralen Bewusstsein verschiedene Bewusstseinsqualitäten innewohnend, wie etwa Klarheit, Offenheit, Stille, Frieden, Widerstandslosigkeit, Unerschütterlichkeit, bedingungslose Liebe, Freiheit etc.
Einige dieser Bewusstseinsqualitäten hängen thematisch miteinander näher zusammen als mit anderen. So hängen Widerstandslosigkeit und Unerschütterlichkeit eng miteinander zusammen, weil Widerstandslosigkeit und Durchlässigkeit bedingen, dass da etwas ist, das durch nichts erschüttert werden kann, oder anders gesagt: das Unerschütterliche ist derart unerschütterlich, dass es absolut widerstandslos sein kann. Dann kann es im Wahrnehmen und Erleben alles so zulassen und belassen, wie es eben ist – das ist Objektivität. Und Gelassenheit. Bei gleichzeitiger Wachheit.
Die Bewusstseinsqualität „Unerschütterliche Widerstandslosigkeit“ geht mit Unkorrumpierbarkeit und dem Willen zur Wahrhaftigkeit einher, ebenso mit der Fähigkeit, sowohl einen stabilen als auch einen flexiblen Fokus aufrecht erhalten, also resilient sein zu können. Die Farbe, die einem dazu assoziativ in den Sinn kommt, ist Weiß: die Reinheit, auf der alles gut als das sichtbar ist, was es ist. Diese und die weiteren mit ihnen verbundenen Bewusstseinsqualitäten fasst man unter dem Begriff „Weisse Essenz“ zusammen. Im Unterschied etwa zur Roten Essenz, in der Kraft und Lebendigkeit dominant sind.
All die verschiedenen essenziellen Bewusstseinsqualitäten sind dem Menschen potentiell innewohnend, aber aufgrund seiner Konditionierungen und unverarbeiteten Erfahrungen meist nicht zugänglich. So sehnt er sich nach seinem eigenen Urgrund und leidet, weil er davon getrennt ist – und versucht, das Ersehnte und Vermisste künstlich herzustellen. So plustert er sich auf, weil es ihm an Selbstvertrauen mangelt (counterphobischer Enneatyp 6). Oder er gibt sich ungefährlich und liebevoll, um ja nicht als Bedrohung für andere eingeschätzt und daher in Ruhe gelassen zu werden (phobischer Enneatyp 6). Oder er bemüht sich um Ansehen und Prestige, um so wertgeschätzt und als Jemand anerkannt zu werden (Enneatyp 3). – Und so bilden sich je nach Verletzungen und Schwere des Verlustes essenzieller Bewusstseinsqualitäten verschiedene Kompensations-, Vermeidungs- und Abwehrtypen resp. Enneatypen aus.
Bei Verlust der Weißen Essenz – was den Enneatyp 6 charakterisiert – kommen die Erfahrung und das Wissen um die eigene Unzerstörbarkeit und Unerschütterlichkeit abhanden, man fühlt sich unsicher und verletzlich. Es mangelt an Standhaftigkeit und Sicherheit. Man fühlt sich den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen, sondern befindet sich in einem Zustand steten Bedrohtseins.
Enneatyp 6 weist zwei Varianten auf, den phobischen und den counterphobischen. Während die phobische 6 vor Entsetzen erstarrt oder vor Angst zittert, weiche Knie kriegt und einbricht, Ordnung, Struktur, Orientierung und Sicherheit im Intellektuellen sucht (wodurch sie leicht mit einer 1 verwechselt wird), oder freundlich und hilfsbereit ist (und manchmal für eine 2 gehalten wird), um ja von anderen als ungefährlich eingeschätzt und in Ruhe gelassen zu werden, steht die counterphobische 6 wie ein Fels in der Brandung, den hereinbrechenden Wellen des herausfordernden Lebens trotzend und ihnen die Stirn bietend, Sicherheit und Stabilität vermittelnd. Und das durchaus auch auf aggressive und dominante Art. Wodurch sie oft mit einer 8 verwechselt wird.
Mangelt es der phobischen 6 an Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein, so kompensiert die counterphobische 6 dies mit kraftvoller, provozierender Selbstsicherheit und wird zur heroischen Heldengestalt, die sich Herausforderungen stellt und sie auch meistert.
Klopft das Schicksal an die Tür der counterphobischen 6, klopft diese kraftvoll zurück, bereit, „dem Schicksal in den Rachen (zu) greifen“, wie es Beethoven ausdrückt. Das Anklopfen des Schicksals und das selbstbewusste Zurückklopfen des Herausgeforderten können wir zu Beginn von Beethovens fünfter Symphonie hören. Das triumphale Obsiegen wird musikalisch am Ende der fünften Symphonie thematisiert.*
Die Strategien beider Varianten von Enneatyp 6 sind die Versuche, den fehlenden Zugang zur essenziellen Bewusstseinsqualität der Weißen Essenz – Gewissheit der eigenen Unzerstörbarkeit, Substanzhaftigkeit, Sicherheit, Wille zur Wahrhaftigkeit, was Widerstandslosigkeit dem eigenen Erleben gegenüber miteinschließt – so zu kompensieren, dass das Leben und das Überleben möglich sind.
Das psychologisch-spirituelle Enneagramm ermöglicht einem zu erkennen, aufgrund welcher Verletzungen sich welche Überlebensstrategien in Form welcher Ennea-Fixierung hauptsächlich ergeben haben, sodass man sich aus ihnen lösen kann, und es erlaubt in einem weiteren Schritt – im bewusstem Prozessieren und Erforschen der Verletzungen und Kompensationsstrategien – Zugang zu den damit zusammenhängenden Essenziellen Seinsqualitäten zu erlangen, sodass man sein Leben authentisch und erfüllend gestalten kann!
Das nächste Seminar zum Enneagramm und den essenziellen Seinsqualitäten beginnt im August 2018.
Interessiert am Hauptseminar Essenzielle Seinsqualitäten und Selbstverwirklichung?