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Der Mensch kann mehr als ein Pferd leisten, und das Kamel verdrängte das Rad. Zwei Dinge, die man im Buch «Transportgeschichte» von Rolf Peter Sieferle erfährt. Der Geschichtsprofessor, der an der Universität St. Gallen (HSG) lehrt, errechnet, dass der Mensch - wegen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit und der benötigten Nahrung - etwa zweieinhalb Mal so effizient ist wie ein Pferd. Das hatte zum Beispiel im fruchtbaren Süden Chinas dazu geführt, dass Arbeitstiere, die mit den Menschen um die Nahrung konkurrierten, praktisch vollständig verdrängt worden waren. Das Rad hinwiederum konnte sich in der islamischen Welt jahrhundertelang nicht durchsetzen, weil die Kamele den Gütertransport hocheffizient erledigten und keine Strassen brauchten.
Während Jahrtausenden wurden nur kostbare und relativ leichte Luxusgüter über weite Distanzen verschoben. Keine der agrarischen Gesellschaften schaffte es, ein konstantes Wachstum zu entwickeln, stellt Sieferle fest: «Technische und produktive Innovationsphasen sind in solarenergiebasierten Agrargesellschaften selbstdestruktiv, das heisst, eine Serie von Erfolgen untergräbt die Chancen weiterer Erfolge, da es sich letztlich nur um Wirkungsgradverbesserungen bei der Nutzung gegebener Energie- und Ressourcenströme handelt.»
Den grossen Sprung brachten erst Kohle und Erdöl. Eisenbahnen und Dampfschiffe machten es möglich, schwere Güter günstig zu transportieren. Im Buch ist eine Grafik abgebildet, die zeigt, wie sich zwischen 1890 und 1990 die Welt entwickelt hat: Die Bevölkerung wuchs um knapp den Faktor 5, die industrielle Produktion um den Faktor 40 und die Fracht pro Tonnenkilometer und Jahr um den Faktor 135. Nichts wuchs so gigantisch wie die Menge der verschobenen Güter.
Unpolemisch zeigt Sieferle auf, dass die europäischen Transportsysteme schon vor hundert Jahren die solare Basis verlassen haben: «Transport und Kommunikation bildeten ein Schmiermittel für technisch-ökonomische Differenzierung (...), so dass dieser Prozess nicht, wie in Agrargesellschaften sonst üblich, durch seine eigene Trägheit wieder zum Erliegen kam.»
Sieferle, ein leider wenig bekannter, aber kluger HSG-Professor, legt ein spannendes Buch vor, das Mobilität und Globalisierung in ihrer historischen Dimension betrachtet und nüchtern zeigt, was passiert, sobald keine fossile Energie mehr zur Verfügung steht: Dem System geht wieder die Puste aus.