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Nach dem ersten von drei TV-Duellen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump ist der US-Wahlkampf in die heisse Phase getreten und wird damit immer mehr auch für die Finanzmärkte ein wichtiges Thema…..
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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick
Für die Präsidentschaftswahl sehen die Meinungsforscher Hillary Clinton leicht im Vorteil, während bei der Kongresswahl, die ebenfalls am 8. November ansteht, die Republikanische Partei favorisiert wird. Turnusgemäss wird lediglich ein Drittel des Parlaments neu gewählt, weshalb grosse Machtverschiebungen im Kongress wenig wahrscheinlich sind. Den Demokraten werden einzig im Senat Chancen eingeräumt, während die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus ziemlich sicher behalten dürften.
Falls Hillary Clinton Präsidentin wird, bedeutet diese Ausgangslage, dass mit keinen grossen Änderungen des bisherigen Regierungskurses zu rechnen ist. Wie Barack Obama will Clinton eher linke Wirtschaftsanliegen vorantreiben, dabei dürfte sie aber ebenfalls auf heftigen Widerstand im Kongress stossen. Grosse Würfe in der Wirtschaftspolitik werden wohl weiterhin äusserst schwierig bleiben, beispielsweise bei der Frage wie der Anstieg der Staatsschulden bewältigt werden soll. Die Demokraten lehnen Kürzungen bei den Sozialwerken gänzlich ab, während für die Republikaner Steuererhöhungen keinesfalls in Frage kommen.
Donald Trump ist hingegen unberechenbarer. Er wäre der erste US-Präsident seit den 1950er-Jahren ohne vorherige politische Erfahrung. Entsprechend ist er schwieriger einzuschätzen als Hillary Clinton. Er vertritt zudem teilweise Positionen, die für einen Republikaner ungewöhnlich sind, weshalb er selbst in der eigenen Partei hoch umstritten ist. Trump befürwortet u.a. deutlich höhere Infrastrukturausgaben, mehr Protektionismus im Aussenhandel oder eine stärkere Kontrolle der Notenbank. Es ist fraglich, ob ein Präsident Trump für seine Vorhaben genügend Unterstützung im Kongress findet, auch wenn der Senat republikanisch bleibt, was bei einem Wahlsieg von Trump wohl der Fall wäre. Mässigt er sich in Ton und Sache und arbeitet mit den Gesetzgebern zusammen, kann die bisherige Blockade zwischen Oval Office und Kongress womöglich überwunden werden. Denkbar ist aber auch, dass Trump wenig Kooperationsbereitschaft zeigen würde und versucht einige seiner Wahlversprechen per Dekret („Executive Order“) durchzuboxen. Dies hat er bereits angedeutet. Vorstellbar ist beispielsweise eine Verschärfung des Visaregimes oder im Extremfall gar die Kündigung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA). In solchen Fällen kann der Kongress den Präsidenten wieder überstimmen, wenn eine 2/3-Mehrheit zustande kommt. Zudem kann das Oberste Bundesgericht die präsidialen Dekrete für verfassungswidrig erklären. So oder so dürfte ein allfälliger Alleingang Donald Trumps in wichtigen politischen Fragen aber für innenpolitische Spannungen sorgen und wohl auch zu Unsicherheit an den Finanzmärkten führen.
Die Märkte bevorzugen aufgrund der Unberechenbarkeit von Donald Trump eher die demokratische Kandidatin. Das zeigte sich jüngst auch unmittelbar nach der TV-Debatte als die Börse positiv auf Clintons Performance reagierte. Insgesamt ist der Wahlkampf bisher aber praktisch spurlos an den Finanzmärkten vorbeigegangen, da Clinton in den Umfragen nur einmal hinter Trump lag, und das für sehr kurze Zeit. Mehrheitlich wird erwartet, dass Clinton die Wahl am 8. November für sich entscheidet. Sollte sie gewinnen, rechnen wir deshalb nach aktuellem Stand mit keiner grossen Aktienrally. Holt Trump hingegen in den Umfragen auf und wird Präsident, sehen wir zumindest kurzfristig Nervosität am Aktienmarkt.
Aktuell zeigen die Umfragen ein knapperes Rennen als die Quoten der Wettbüros (siehe Grafik). Eine ähnliche Diskrepanz zeigte sich dieses Jahr im Vorfeld der BrexitAbstimmung. Wir legen unser Hauptaugenmerk deshalb auf die Umfragen, bei denen Donald Trump in den letzten Wochen deutlich aufgeholt hat, auch in den entscheidenden Swing States. Auffallend ist z.B. seine Führung in Ohio oder die Aufholjagd in Pennsylvania, das seit den 1990ern eher demokratisch wählt. Während Trump vielerorts auf Ablehnung stösst, scheint er dennoch einen Teil der demokratischen Wähler gewinnen zu können, was Prognosen zur Präsidentschaftswahl schwieriger als sonst macht.
Quelle: BONDWorld.ch