Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03467.jsonl.gz/2186

Da meine Gastfamilie für drei Tage an einem Seminar in Amsterdam weilte, blieb die Tierarztpraxis geschlossen. Verwundert hörte ich draussen auf dem grossen Kiesplatz ein Fahrzeug ankommen. Neugierig schaute ich nach einer Weile aus dem Fenster, doch ausser dem Wiehern aus dem dort von Unbekannten abgestellten Pferdeanhänger blieb alles still.
Ängstlich öffnete ich die Türe des Gefährts. Das herrliche, schwarze Rassepferd, dessen Stammbaum ich nur erahnen konnte, erwartete mich mit scharrenden Hufen. Vorsorglich schloss ich das eiserne Hoftor, dass der Neuankömmling nicht ausreissen konnte.
Auf hohen Stöckelschuhen - denn heute war mein freier Tag - zwängte ich mich an dem Araberhengst vorbei nach vorne um das stolze Tier loszubinden. Alles stossen und gut zureden half nichts, das Tier wollte den Anhänger partout nicht verlassen. Meine geringe Erfahrung mit Pferden trieb mich in die Küche, um eine Karotte zu holen, um es damit heraus zu locken.
Da hörte ich Sally, das einzige Pferd, das momentan auf der Koppel stand, laut wiehern. Auch dieser Lockruf zeigte keine Wirkung. Als Nächstes führte ich mutig Sally, die riesige Irländerstute mit knallroter Mähne, auf den Vorplatz. Kaum näherten wir uns den Anhänger, sah ich erleichtert, wie der Hengst bereits die Laderampe heruntertänzelte. Eilig band ich Sally an den Zaun, packte unseren neuen Patienten am Halfter und führte ihn in eine freie Box im Stall, wo ich ihn mit reichlich Wasser und Heu versorgte.
Abends betrat Malcolm, der aus Holland zurückgekehrte Tierarzt, die Küche: „Kennst Du den Unterschied zwischen einem Pferd und einem Esel?“ fragte er mich laut lachend. „Die ganze Gegend spricht davon, dass Du den Olympiasieger des letzten Jahres mit einer Karotte aus dem Anhänger locken wolltest!“
Noch Wochen später hänselten mich Pferdebesitzer aus Limerick und Umgebung mit dieser Episode, was mir sehr peinlich war.