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Es gibt Architekturprojekte die weltweite Beachtung finden, obschon dass sie niemals ausgeführt wurden. Basel hat einen solchen Entwurf, der als Ikone in die Architekturgeschichte einging. Die Rede ist vom revolutionären Entwurf der beiden Basler Architekten Hannes Meyer (1889 – 1954) und Hans Wittwer (1894 – 1952) für das Petersschulhaus im Jahre 1926. Wer das gebaute Resultat von Architekt Hans Mähly kennt – in all seinem soliden Konservatismus – wird staunen, welch kühnes Konkurrenzprojekt damals vorgeschlagen wurde.
Der federführende Architekt Hannes Meyer hatte seine Architektenkarriere 1905 mit einer Ausbildung zum Maurer und Bauzeichner in Basel begonnen, wo er auch Baukurse an der Gewerbeschule besuchte. Es folgten Stationen in Berlin bei den Architekten Albert Fröhlich und Johann Emil Schaudt. Im englischen Bath studierte er Wohnungsbau. Im Jahr 1916 wurde er Bürochef des Münchner Architekten Georg Metzendorf, für den er an der Planung der Krupp-Siedlung Margarethenhöhe in Essen arbeitete. Ab 1919 führte Hannes Meyer ein eigenes Architekturbüro in Basel. Nach seinen Plänen entstand 1919-1921 die wegweisende Genossenschaftssiedlung Freidorf bei Muttenz. 1924/25 schloss er sich der Basler Gruppe um die Zeitschrift „ABC Beiträge zum Bauen” an, zu der auch Mart Stam, El Lissitzky und Hans Schmidt gehörten.
Gemeinsam mit Hans Wittwer, mit dem er später die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau bei Berlin baute, experimentierte er 1926/27 mit konstruktivistischen und funktionalistischen Bauformen. Insbesondere der Einfluss der russischen Konstruktivisten mit ihren kühnen Entwürfen, stets am Limit der technischen Machbarkeit, waren beim Entwurf für die Petersschule von Bedeutung. Ob Meyer und Witter auch Kenntnis von den zeitgleichen fantastischen hängenden Architekturideen der beiden Brüder Heinz und Bodo Rasch hatten, lässt sich nur erahnen. Der an vier Stahlseilen aufgehängte Pausenplatz ist an konstruktiver Kühnheit kaum zu überbieten. Der Wettbewerbsentwurf zeigt ein schwebendes Schulgebäude in der Architektursprache der Neuen Sachlichkeit; lichtdurchflutet, transparent und nach dem damaligen neusten Stand der Technik mit viel Stahl und Glas materialisiert. Hannes Meyer beschrieb die Entwurfsabsicht folgendermassen: „größtmögliche entfernung des schulbetriebes von der erdoberfläche in die besonnte, durchlüftete und belichtete höhenlage.“ Der Beitrag ist ein Manifest, ein provokativer Vorschlag für eine neue Art von Schule und eine Forderung nach gut belichteten, besonnten und durchlüfteten Unterrichtsräumen.
Die Jury hatte kein Gehör für die radikalen Ideen der beiden „Modernen“. Der Beitrag zum Architekturwettbewerb zum Bau der Petersschule in der Altstadt von Basel von Hannes Meyer und Hans Wittwer wurde 1926 in der ersten Runde abgelehnt. „gegenwärtig erscheint die verwirklichung solcher forderungen aussichtslos“, schrieb Meyer geknickt. Wenig später verliess er Basel Richtung Bauhaus. Die Radikalität, in der alle Elemente der Neuen Sachlichkeit enthalten waren, machten den Entwurf für die Petersschule zu einer Ikone der Architekturgeschichte, dessen Wirkung bis heute nachhallt.
Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel
Quellen
https://archiv.gta.arch.ethz.ch/nachlaesse-vorlaesse/meyer-hannes
https://www.bauhaus100.de/
http://atlasofplaces.com/Petersschule-Hannes-Meyer
Hürzeler, Ursula: Basel macht Schule, 21. August 2015