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Zum Semesterstart einmal um die Welt. Ich, Ivana Marty, Studentin im Bachelorstudiengang Kommunikation, hatte den Traum, ein Semester lang in Südkorea zu studieren. Im Schatten der Pandemie und trotz initialer Bedenken entschied ich mich für ein Auslandsemester in Seoul. Frisch zurück berichte ich von Hürden und Online-Veranstaltungen, erzähle von Begegnungen mit Menschen und Café-Besuchen, und erkläre wie sich ein Semester während der Corona-Krise gestaltet und warum sich das Austauschsemester unbedingt lohnt.
Von Ivana Marty, Studentin Bachelor Kommunikation, 6. Semester, am IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW
In Südkorea, dem Land, das jüngst dank K-Pop und dem preisgekrönten Film «Parasite» Aufmerksamkeit gewann, fühlte ich mich bereits seit einiger Zeit wie zu Hause. Im Frühjahr 2020 schien ein Austauschsemester jedoch unmöglich, da gerade die Corona-Pandemie anfing. Trotz einiger Bedenken wollte ich meinen Traum, ein Semester an der Hankuk University of Foreign Studies (HUFS) zu absolvieren, jedoch unbedingt verwirklichen und entschied mich letzten Endes trotz der schwierigen Lage für das Austauschsemester. Im Sommer 2020 war es dann endlich soweit und ich sass tatsächlich zum siebten Mal im Flieger nach Südkorea – jedoch zum ersten Mal, um dort zu studieren.
Eine 14-tägige Quarantäne zum Start
Bei der Ankunft am Incheon Flughafen wurde ich mit den anderen Passagieren direkt zu einer langen Schlange gewiesen. Dort wurde meine Körpertemperatur gemessen und meine Unterlagen mehrmals kontrolliert. Daraufhin konnte ich ausserhalb des Flughafens für kurze Zeit koreanische Luft schnuppern, bevor ich in ein Taxi geschickt wurde, das mich zu einer streng überwachten, 14-tägigen Quarantäne in ein Hotel fuhr. Detailliert zu berichten, wie ich meine Quarantäne verbracht habe, erspare ich euch lieber. Eins kann ich sagen: Menschen vom Fenster aus zu beobachten, wurde zu einem absoluten Highlight.
Mein Austauschsemester in Südkorea
Nach der Quarantäne zog ich nur einige Meter von der Universität entfernt in ein Wohnheim. Am 1. September 2020 startete dann das Semester. Zuerst fanden alle Kurse online statt. Im Oktober sanken die Infektionszahlen in Seoul jedoch stark, so dass die Universität beschloss, Kurse mit weniger als 20 Studierenden auch offline zu bewilligen. Während dieser Zeit konnte ich erstmals die verschiedenen Gebäude der Universität von innen bestaunen. Ausserdem bekam ich zum ersten Mal meine Mitstudierenden sowie Dozenten und Dozentinnen zu Gesicht, was sich mittlerweile ziemlich ungewöhnlich anfühlte. Leider hielt diese Situation nur für rund drei Wochen an.
Verglichen mit der ZHAW war der Aufwand während des Semesters relativ gross. Grund dafür ist, dass koreanische Universitäten viel Wert auf wöchentliche Arbeiten und Präsentationen legen, Anwesenheitspflicht herrscht sowie Partizipation durchgehend bewertet wird. Obwohl die Dozierenden jeweils hohe Erwartungen an die Studierenden hatten, empfand ich die Arbeiten sowie Präsentationen stehts als Möglichkeit, mich in ein konkretes Thema vertiefen und dabei die gelernte Theorie anwenden zu können. Bezüglich der Themenwahl der Arbeiten und Präsentationen gaben die Dozierenden den Studierenden viel Freiraum. Ich schrieb beispielsweise in meinem Lieblingsmodul «International Communication» über auftretende interkulturelle Schwierigkeiten und Herausforderungen in Pop Culture, analysiert anhand eines ausgewählten Films, im Modul «Becoming a Great Orator» hielt ich eine intensiv vorbereitete Rede über die kontroverse und umweltbelastende Fleischproduktion in Ostasien und im Modul «Korean Politics & Diplomacy», schrieb ich darüber, was auf Südkorea zukommen wird nach der Wahl von Joe Biden zum Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Auf einem Fuss durch den Grossstadtdschungel
Wie alle anderen Studierenden wurde ich nach meiner Ankunft in Südkorea damals aufgefordert, mich beim Immigration Office zu melden, um eine offizielle Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. Mitte September 2020 war mein Termin beim Immigration Office angesetzt – also kurz nach Semesterbeginn. Auf dem Weg zum Immigration Office brach ich mir dann aber leider meinen Zeh. Kein schöner Start in mein Auslandssemester. Wie befürchtet, musste ich dann aufgrund meines gebrochenen Zehs vorübergehend geplante Ausflüge absagen. Stattdessen folgten mehrere Arztbesuche sowie regelmässige Physiotherapie. Glücklicherweise fühlte ich mich schnell wieder fit genug, um immerhin die Nachbarschaft hinkend auskundschaften zu können.
Jeden Tag besuchte ich -teilweise mit meiner finnischen Mitbewohnerin und teilweise mit anderen internationalen Studierenden aus dem Wohnheim- neue Cafés und Restaurants rund um die Universität. Ausserdem gab es in der Nachbarschaft eine beträchtliche Anzahl an Bars und Noraebangs (Karaokeräume), in denen wir immer wieder mal koreanische Studierende antrafen. Die Bars und Noraebangs halfen mir jeweils dabei, mich von meinen Schmerzen und meinen Lernverpflichtungen abzulenken.
Als dann endlich wieder beide Füsse schmerzfrei waren, stand meinen ursprünglich geplanten Ausflügen nichts mehr im Weg. Da in Seoul die Corona-Infektionszahlen meist sehr niedrig waren, konnte ich viele unterschiedliche Aktivitäten unternehmen. Ich besuchte atemberaubende Paläste und ruhig gelegene Tempel, ging in Museen, um mehr über die koreanische Geschichte sowie Kultur zu lernen, spazierte am Han River entlang, während die Sonne unterging und ging regelmässig zum Bukchon Hanok Village, um traditionelle koreanische Häuser zu bestaunen.
Mein Semester in Südkorea brachte so einige Hürden mit sich. Nichtsdestotrotz konnte ich viele wundervolle Menschen kennenlernen sowie aussergewöhnliche und unvergessliche Erfahrungen sammeln. Es hat sich also absolut gelohnt.
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