Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03260.jsonl.gz/1068

Stiftung Schweizerisches Gastronomie-Museum
„Die Stiftung bezweckt die Planung, den Aufbau, den Betrieb und die Verwaltung des Schweizerischen Gatronomie-Museums in Thun.“
Ein Museum für die Gastronomie
Der Traum Joseph Favres
Der Schweizer Kochkünstler Joseph Favre (1849–1903), Autor des berühmten Dictionnaire universel de cuisine hatte bereits vor über 100 Jahren die Idee, ein Museum in der Schweiz zu etablieren. Sein Wunsch erfüllte sich nicht.
Im Jahre 1909 konnte dagegen der Verband der Köche Deutschlands in Frankfurt am Main das erste Kochkunstmuseum eröffnen. Die Sammlung des Museums war einzigartig. Leider verbrannte dieses Kulturgut im Jahre 1942 nach einem Fliegerangriff und das Museum wurde geschlossen.
Harry Schraemli
Es sollte weitere 31 Jahre dauern, bis Harry Schraemli sen. am 11. November 1975 im Zunfthaus zur Schmiden in Zürich das Schweizerische Kochkunstarchiv aus der Taufe hob. 315 Persönlichkeiten aus der ganzen Schweiz bekundeten ihr Interesse am Aufbau einer solchen Institution.
Literatur rund ums Essen und Trinken, Menü- Speise- und Weinkarten, Biographien, Bibliographien, Dissertationen, Fotos, Filme, Gerätschaften etc. sollten gesammelt werden. Das Sammelgut konnte damals im Schweizerischen Verkehrshaus in Luzern untergebracht werden. Das Schweizerische Kochkunst-Archiv verfügte damals über einige tausend Bücher und weitere Sammlungen.
1985: Eine Schweizerische Stiftung
Am 10. September 1985 wurde die Stiftung Schweizerisches Gastronomie-Museum gegründet. Zu den Stiftern zählten unter anderem das Schweizerische Kochkunstarchiv, der Schweizer Hotelier-Verein, die Union Helvetia, der Schweizerische Kochverband, der Schweizer Wirteverband, die Gilde etablierter Köche, die Städte Bern und Thun, die Spar- und Leihkasse Steffisburg und weitere namhafte Schweizer Firmen. Das Stiftungskapital betrug bei der Gründung CHF 307’500.–
Am 21. Juni 1988 wurde das Kochkunst-Archiv in „Förderverein Schweizerisches Gastronomiemuseum“ umbenannt.
1988: Museumseröffnung
Das Museum öffnete 1988 seine Türen im Schloss Schadau in Thun und ist bis heute hier zuhause. Die Räumlichkeiten werden der Stiftung von der Stadt Thun kostenlos zur Verfügung gestellt.
Die ersten Museumsjahre waren sehr erfolgreich und wurden durch verschiedene Ausstellungen bereichert. Fast 20’000 Eintritte konnte man jährlich zählen. Leider waren diese Jahre auch durch hohe finanzielle Belastungen gezeichnet. Teure Ausstellungen, grosse Salärzahlungen und Differenzen vor allem mit dem Förderverein führten dazu, dass das Museum am 25. Januar 1996 vorübergehend geschlossen wurde. Dieser Umstand war Grund, dass viele Sponsoren, darunter auch die Verbände, das Vertrauen teilweise verloren und ihre Zahlungen einstellten. Der Hotelier-Verein machte bereits im Oktober 1995 den Vorschlag, die Stiftung aufzulösen und die Bibliothek einer Hotelfachschule zu übergeben.
Nach einigen Bemühungen konnte das Museum aber im September 1999 in kleinerem Rahmen wieder eröffnet werden. Eine Vereinbarung zwischen der Stiftung und dem Förderverein kam nicht zustande und führte schliesslich im Juni 2000 zu einer Namensänderung und somit zur völligen Loslösung des Fördervereins von der Stiftung, die seither das Museum in eigener Verantwortung betreibt.
Eine erfolgreiche Renaissance
Es folgten für die Stiftung und das Museum Jahre des langsamen aber kontinuierlichen Aufbaus. Das Stiftungskapital war halbiert und man war darauf bedacht, dieses zu halten. Dank dem tatkräftigen und ehrenamtlichen Engagement einiger Stiftungsräte konnte das Museum in den letzten Jahren wieder attraktiv für die vielen Besucherinnen und Besucher aus der Schweiz und aus dem Ausland gemacht werden.
Inzwischen konnten auch fast alle Bücher in unserer Bibliotheksdatenbank erfasst werden. Der heutige Bestand der Bibliothek umfasst rund 12’000 Bücher und zählt weltweit zu einer der grössten Sammlungen gastronomischer Literatur. Das Museum soll in Zukunft das geschichtliche Zentrum für Ess- & Trinkkultur, für Tourismus, Gastronomie und Hotellerie sein.
Hansjörg Werdenberg
Präsident der Stiftung Schweizerisches Gastronomiemuseum
Juli 2013