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Premiere im „Roten Saal“ des Frauen im Zentrum: WILPF Schweiz, die Frauen*für den Frieden Schweiz und der Schweizerische Friedensrat haben am 12. Dezember 2019 den Film „Versailles 1919 – Return of the Dangerous Women“ gezeigt – als Schweizer Abschlussveranstaltung des europaweiten Projekts WomenVotePeace, das in verschiedenen europäischen Ländern die wechselvolle hundertjährige Geschichte des Frauenstimm- und wahlrechts nachzeichnete.
Monika Wicki vom Schweizerischen Friedenrat und Helena Nyberg von WILPF Schweiz erklärten in der Einleitung den Hintergrund des Projekts und nahmen Bezug auf die Geschichte: Der erste Internationale Frauenfriedenskongress fand vom 28. bis 30. April 1915 in den Haag statt – noch unter dem Namen Frauenkomitee für einen dauerhaften Frieden – und sollte den ersten Weltkrieg verhindern; der zweite Internationale Frauenfriedenskongress wurde dann von Clara Ragaz und Frauen aus europäischen Sieger- und Verliererländern vom 12. bis 15 Mai 1919 in Zürich organisiert – um nach Ende des Ersten Weltkriegs Einfluss auf die Versailler Nachkriegsverhandlungen zu nehmen. Im Mai 1919 erhielt die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit in Zürich auch ihren Namen, den sie bis heute als wohl weltweit grösste Frauenorganisation für den Frieden trägt: zur Women‘s International League for Peace and Freedom (WILPF) gehören zurzeit 32 Sektionen in allen fünf Kontinenten, und sie hat den NGO-Beobachterstatus an der UNO.
Die drei obenerwähnten Organisationen nahmen den 100jährigen Gedenktag zum Anlass, am 11. Mai 2019 am Originalschauplatz des Hotels Glockenhof in Zürich eine historische Nachinszenierung des Zürcher Kongresses von 1919 mit Live-Filmdreh aufzuführen. Über 150 Frauen aus 23 Ländern erlebten die Nachinszenierung; am Nachmittag diskutierten sie in Workshops Friedensforderungen für das 21. Jahrhundert und arbeiteten an den wichtigsten Herausforderungen für (Frauen-)Friedensorganisationen.
Drei Filme über die mutigen Frauen des 20. Jahrhunderts wurden gezeigt. Der Film „The Return of the Dangerous Women“ ist der der 2. Teil eines Dokumentarfilms über die internationale Gruppe von Antikriegsfrauen, die 1919 gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrags protestierten: Die Konferenz in Zürich erinnerte an die politische und gesellschaftliche Situation nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, wo mutige Frauen sich für die gleichberechtigte politische Teilhabe von Frauen an der Überwindung der Ursachen künftiger Kriege eingesetzt haben. Der Film wurde mit der Hilfe der Aktivistinnen der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit recherchiert und nachgestellt.
Ein weiterer Kurzfilm legt den Schwerpunkt auf die Nachinszenierung der historischen Konferenz in Zürich und beleuchtet die Arbeit in den Workshops.
Schliesslich wurde der Film der spanischen Sektion von WILPF über den Beginn der feministischen Friedensorganisationen in Spanien und den Kampf um das Frauenstimmrecht gezeigt.
Der Bericht auf der Webseite
Die Regisseurin Laura Huonker las eindrucksvoll kraftvolle Texte und Gedichte von Clara Ragaz, die vor 100 Jahren die Frauen nach Zürich eingeladen hat. In der Nachinszenierung spielte sie deren Rolle – umso passender, als sie mit der Ragaz Familie verwandt ist.
Im Anschluss an die drei Filme und die Lesung stellten die Veranstalterinnen die Forderungen aus den Workshops der Frauenfriedenskonferenz vom 11. Mai 2019 vor – viele davon sind so topaktuell wie vor hundert Jahren:
- Aufhebung der permanenten Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates und Aufnahme anderer Länder in den Sicherheitsrat
- Gender Gerechtigkeit
- Friedenserziehung: Verbindung der Relevanz des Klimas mit der Umweltgerechtigkeit – als Gegensatz zum Militarismus
- Änderung des Stils, eine Geschichte zu erzählen, indem Humor, gewaltlose Kommunikation, Kunst, Empathie und Mitgefühl und Solidarität eine Rolle spielen
- Anerkennung des Ökozid-Gesetzes als dem 5. Verbrechen gegen den Frieden, dagegen können Gewissensschützer der Erde rekrutiert und der Atomsperrvertrag unterstützt werden
- Förderungen von gewaltlosen Lösungen und Medien für den Frieden
Ein kleiner Apéro rundete den stimmungsvollen Abend ab.
Mehr über das Projekt WomenVotePeace:
Ausblick: Die Friedensarbeit soll weiter vernetzt werden. Am 13. März 2020 findet in Olten eine weitere Friedenstagung statt, zu der Schweizer Frauen- und Friedensorganisationen eingeladen werden.
Der Bericht von Diana Hrytsyshyna