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… kommt irgendwo ein Lichtlein her», sagte Roswitha Rudzinski. Da steigst du ins Auto und fährst los. Nach Sekunden macht das Auto massiv störende Geräusche, biep, biep, biep.
Jetzt könntest du sagen, dein Auto ist gestört, braucht vielleicht Medikamente, eine Therapie oder hatte eine schwere Kindheit. Oder du denkst, mein Auto weist, zwar in sehr störender Weise, auf einen sehr wertvollen Aspekt hin, dass ich gefälligst den Sicherheitsgurt anlegen soll. Wenn du das dann tust, dann ist Ruhe. Das Biepen war ein Symptom.
Gefühle und Emotionen
Was ist der Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen? Da gibt es recht verschiedene Auffassungen. Das Wort Emotion ist aus dem Lateinischen «emovere» abgeleitet (dt. herausbewegen, emporwühlen), das auch im Wort Lokomotive (locus: «Platz, Stelle» und spätlateinisch motivus: «bewegend», wörtlich: «sich von der Stelle bewegend») enthalten ist.
Mir erscheint Antonio Damasios Betrachtung bisher am stimmigsten: Er unterscheidet deutlich zwischen «Emotion» und «Gefühl». Er hat die beiden Schlüsselbegriffe vor dem Hintergrund der modernen Neurobiologie wie folgt definiert:
«Emotionen sind komplexe, größtenteils automatisch ablaufende, von der Evolution gestaltete Programme für Handlungen. Ergänzt werden diese Handlungen durch ein kognitives Programm, zu dem bestimmte Gedanken und Kognitionsformen gehören; die Welt der Emotionen besteht aber vorwiegend aus Vorgängen, die in unserem Körper ablaufen, von Gesichtsausdruck und Körperhaltung bis zu Veränderungen in inneren Organen und innerem Milieu.
Gefühle von Emotionen dagegen sind zusammengesetzte Wahrnehmung dessen, was in unserem Körper und unserem Geist abläuft, wenn wir Emotionen haben. Was den Körper betrifft, so sind Gefühle nicht die Abläufe selbst, sondern Bilder von Abläufen; die Welt der Gefühle ist eine Welt der Wahrnehmungen, die in den Gehirnkarten ausgedrückt werden.»
Man könnte auch sagen, Gefühle sind die Botschafter der Emotionen. Und bei den Emotionen kommt man schon mit nur 7 verschiedenen sehr weit. Es sind diese, die Freude, die Trauer, die Wut oder der Ärger, der Ekel, die Überraschung und die Verachtung.
Umgang mit (negativen) Emotionen
Was könnten wir damit anfangen? Wir leben in einer Zeit, in der die Menge der zu verarbeitenden und auszutauschenden Informationen uns teilweise überflutet. Neben dem Wissen sollen wir auch noch die Fähigkeit weiterentwickeln, Emotionen zu spüren, zu erleben und auszutauschen? Oh ja, denn das führt zu mehr emotionaler Kompetenz, haben wir doch die Emotionale Intelligenz (EI) schon in petto.
Wenn Antonio oben Recht hat, dann habe ich auf meine Emotionen genauso viel Einfluss wie auf meinen Harndrang. Letzthin bei einem Abendessen mit guten Freunden hatten wir darüber diskutiert. Nicht über den Harndrang, sondern über den Umgang mit Emotionen und festgestellt, dass es doch schlechte Tage geben darf, dass man unglücklich sein dürfe (temporär) und dass das gut sein könnte. Also: Wenn die Emotion mein Gefühl auslöst, Gefühl demnach etwas Gedachtes ist, dann bleibt die Frage, kann ich Kontrolle über meine Gedanken haben, und wenn ja, wie gehe ich damit um?
Nun: Man könnte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass es eigentlich gar keine negativen Emotionen gibt. Eine Emotion mag als negativ «gefühlt» werden, aber wenn ich die Emotion, wie das «Biep» im Auto, als Symptom sehe, als Ausdrucksform, dass mein Unbewusstes mir in kompetenter Weise versucht mitzuteilen, dass mir etwas fehlt, dann habe ich die Wahl, wie ich damit umgehe.
Damit sind wir beim Thema Achtsamkeit, und zwar mit sich selbst. Man kann in sich eine beobachtende, steuernde Metaposition aufbauen. So kann man nachvollziehen, wie man in bestimmte Situation hineingeraten ist, beispielsweise aus anerkennenswerten Loyalitätsgründen, und wie der kluge Organismus das bemerkt und mit Symptomen als Feedback antwortet, um mich zu schützen.
Wofür war oder ist es anerkennenswert, kompetent und klug, es mir nicht gut gehen zu lassen?
Es gibt immer Variationen im Erleben, es gibt immer Situationen, in denen es ein bisschen besser oder ein bisschen schlechter war. Die besseren Momente dürfen in den Fokus gerückt werden. Damit erschafft man sich eine stärkere, selbstverantwortliche und selbstgestalterische Position.
Spontane, unwillkürliche Prozesse, die können wir nicht verhindern. Die sind schnell, stark und kommen aus dem Nichts, von einer Sekunde zur nächsten, aus den mannigfaltigen Erlebnis-Episoden, die wir zu hunderttausenden haben.
Da gab es negative und positive Erfahrungen. Das nennt man leben. Zum Problem wird es dann, wenn man sich von ihnen überfluten lässt oder sich mit ihnen identifiziert. «Anhaften» nennt das der Buddhismus. Gefragt ist die Position des Nicht-Anhaftens.
Das funktioniert mit einer steuernden Metaposition, die unsere so fantastische Vielfältigkeit koordinieren kann.
Um Lösungserleben zu unterstützen, könnte man sich fragen: «Wofür tue ich gerade was genau?». Denn in unserem Gehirn gibt es immer nur Bilder in der Gegenwart. Man könnte fortfahren mit: «Was wäre mein gewünschte Ergebnis?», «Was ist das (sinnstiftende) Ziel?», und «Kann ich das eigenständig umsetzen?».
Fazit
Die meisten Menschen wollen ihre negativen Gedanken und Gefühle loswerden. Sie wollen sich nicht gestresst, einsam, ängstlich, ärgerlich, eifersüchtig oder nervös fühlen. Das macht Sinn.
Aber das Auftauchen der Gedanken haben wir nicht im Griff. Gedanken kommen aus dem Nichts, auf jeden Fall meistens. Manche Gedanken und Emotionen werden auch durch Impulse, von innen und/oder von aussen, ins Leben gerufen. Das war schon immer so und bleibt bis auf weiteres auch so.
Was wir im Griff haben, ist unser Umgang mit Gefühlen und Gedanken. Wir können entscheiden, zumindest wenn wir wollen, dass wir die Wahl haben, unsere Gedanken und Emotionen mit dem Beobachter zu erkennen und damit zu vermeiden, dass wir uns mit dem schlechten Gefühl vollständig identifizieren.
Anstatt zu sagen (zu denken): «ich bin ärgerlich», vielleicht besser: «ich fühle mich ärgerlich». Anstatt: «ich bin nervös», lieber: «ich fühle mich nervös». Anstatt: «ich bin gestresst», lieber: «ich fühle mich gestresst».
Das scheint auf den ersten Blick keinen Unterschied zu machen. Tatsache ist, dass Emotionen in unserem Reptilien-Hirn entstehen und unsere Gefühle im präfrontalen Kortex verarbeitet werden. Wenn «ich bin gestresst» umgewandelt wird in «ich fühle mich gestresst», dann ist dies der erste Schritt, sich mit der Emotion auf eine andere Art auseinanderzusetzen, nämlich sich zu dissoziieren.
Anstatt den Stress omnipotent als «Ich bin» zu empfinden, wird er zu einer Sachlage, die man beobachten kann und den Umgang damit dadurch einfacher «bearbeiten» kann. Die Emotion ist dann nur ein momentaner Teil des Ichs. Wie der Meditationslehrer sagt: «Die Gedanken und Gefühle sind wie Wolken am Himmel, sie ziehen vorbei». Ganz nach dem Motto: «Der Nächste, bitte!»
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