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Die Vorsorge, die wir praktizieren, und die, die noch wichtiger ist
Im klinischen Alltag gehen wir von der Annahme aus, dass die meisten Krankheiten, mit denen sich unsere Patienten auseinandersetzen, von nicht voraussehbaren oder vermeidbaren Faktoren verursacht werden. Demgegenüber steht das Anliegen von vielen unserer Patienten, die sich mit Gedanken über eine gesunde Lebensführung und der Vermeidung von Krankheiten heute und in der Zukunft an uns wenden. Wir sollten für sie die bestmöglichen Antworten bereit haben.
Prävention kann in kurzfristiger und in längerfristiger Perspektive gesehen werden, bis hin zur Sorge für die kommenden Generationen. Empfehlungen für präventive Beratung findet man etwa in den Richtlinien der einschlägigen Behörde in den USA (United States Preventive Services Task Force), denjenigen des Vereinigten Königreichs (NICE) und der Schweiz (Eviprev) in Gebieten, in denen der Nutzen der Beratung für eine gesunde Lebensführung als erwiesen gilt. NICE erfasst einen weiteren Themenbereich, der Handeln für die Verminderung von Umweltverschmutzung empfiehlt; die Empfehlungen richten sich an das Publikum (durch Verminderung von Fahren oder den Kauf von Fahrzeugen, die die Luft nicht verschmutzen) wie auch an die Behörden (etwa mittels Abgaskontrolle von Fahrzeugen), rufen aber auch Gesundheitsfachpersonen zur Bewusstseinsbildung auf. Die letzteren Empfehlungen berühren ein weitläufiges Thema, das die Schulmedizin weltweit nur sehr begrenzt in ihre Empfehlungen aufgenommen hat. Dies steht in krassem Kontrast dazu, dass Umweltbedingungen (Luft-, Wasser- und Bodenqualität) eine Grundvoraussetzung jedes Lebens sind.
Die Erhaltung der bestehenden Umweltbedingungen ist heute weit weniger selbstverständlich als je zuvor. Deren Gefährdung geht vom CO2-Gehalt der Luft, welcher hauptsächlich für die Erwärmung des Weltklimas verantwortlich ist, über die Verschmutzung der Meere bis zur Gefahr eines allseitig unwiederbringlich zerstörerischen Atomkriegs. Die meisten von uns haben sich daran gewöhnt, sich mit dem Risiko einer mit Leben nicht vereinbaren Gefährdung abzufinden und dessen Bekämpfung nicht mit der ihm angemessenen hohen Priorität zu behandeln, was im Effekt das Weiterbestehen der damit einhergehenden existentiellen Bedrohung möglich macht.
Die Umwelt in diesem weiten Sinne ist allen Menschen gemeinsam, und wir alle haben einen, wenn auch kleinen, Einfluss darauf, mit der Lebensführung jedes Einzelnen wie auch mit dem Einfluss, den der mitbestimmende Staatsbürger auf politische Entscheidungen hat. Auf der individuellen Ebene beeinflusst und bestimmt der Zustand der Umwelt Langlebigkeit und Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität. Mit Blick auf die Zukunft muss gesagt werden, dass unser Verhalten gegenüber der Umwelt unsere heutige Gesundheit, aber mehr noch die zukünftige und noch mehr die unserer Kinder und Enkel bestimmt.
Für die Gesundheit der Umwelt im umfassenden Sinne wurde vor einigen Jahren der Begriff «Planetary Health» geprägt. Diese sollte ein integraler Teil unserer Sorge für unsere Patienten werden und auch ein Teil der Antwort auf ihre präventionsorientierten Fragen sein. Gesundheitsfachpersonen weltweit haben ihre Priorität erkannt und sie zu ihrem Hauptanliegen gemacht. Trotz immer wiederkehrender Appelle, diese Anliegen auch in der Interaktion zwischen Arzt und Patient zu vertreten, wird dies selten praktiziert. Eine Bewusstseinsförderung in diesem Sinne drängt sich auf und könnte im Kleinen und sogar in grösseren Dimensionen Änderungen zum Besseren näherbringen.
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