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Hello again!
Man schreibt hier den Mittwoch, 21. September und ich habe fast vergessen, wie das mit dem Internet updaten funktioniert.
Mein letzter Eintrag stammt vom 28. August, wo ich in Prince Rupert angekommen bin und bis am 30. August bei Rick bleiben durfte. Hier hänge ich an und erzähle, was in den Tagen - naja, Wochen seither so los war. Dies aber in einem Gutsch und weniger so wie die Berichte der ersten Etappen. Ich bin ja auch kaum Velo gefahren.
Am Abend des 30. August checkte ich auf die Fährenfahrt nach Ketchikan ein. Leider kann man von Prince Rupert aus nicht direkt in die Nähe von Vancouver fahren (entweder mit BC Ferries nach Port Hardy auf Vancouver Island - und von dort mit dem Bus weiter, oder mit der Alaska Marine Highway (AMHS) erst nach Ketchikan und von dort nach Bellingham, WA).
Meine Wahl fiel auf letzteres, weil die Busfahrt über die ganze Vancouver Island nicht machen wollte. Dies barg nur eine kleine Unannehmlichkeit, denn die Ankunftszeit in Ketchikan war 23:30 und irgendwie bin ich nicht auf die Idee gekommen, mich nach einer Unterkunft umzuschauen, die mich so spät auch noch aufnimmt. So hab ich erst mal den guten Billett-Verkäufer gefragt, ob er eine Campsite kenne. Fehlanzeige, aber er hat mir immerhin offeriert, dass ich, wenn ich nichts finde, auf dem Areal der AMHS campen könnte - wo ich meine Alu-Zeltnägel wohl tiptop im Asphalt verankeren kann. Ich bin dann mal in aller Dunkelheit nach Norden aufgebrochen, meine Augen stets den Seitenstrassen zugewandt. Nach 6 km fand ich dann tatsächlich ein Plätzchen 5 m neben der Strasse, auf dem ich ungestört meine Nachruhe halten konnte.
Tags darauf hatte ich bis etwa 14:00 Zeit, bis die Nächste Fähre in Richtung Bellingham lostuckerte. Diese Zeit nützte ich für einen Besuch des Städtchens Ketchikan, das sich gross "den ersten Hafen in Alaska" nennt. Tatsächlich legen die meisten Kreuzfahrtschiffe in Ketchikan an, nachdem sie zuvor in Vancouver, Seattle, San Francisco oder wo auch immer gestartet sind. Dementsprechend touristisch ist die ganze Gegend um die Cruise Ship Terminals, und ich habe mir abermals geschworen, dass ich nie und nimmer werde Ferien machen, wie dies die meisten Touris dort gemacht haben.
Einige dieser Touristen haben sich dann sofort für mein Gefährt und meine Tour interessiert, worauf ich mich auch wahnsinnig nach deren Pläne erkundigt habe. Eine ältere Frau habe ich gefragt, ob sie denn mit diesem kleinen Schiff hier (gemeint war die 260 m lange 'Sea Princess') angekommen seien. Darauf hat sie sichtlich enttäuscht geantwortet, dass dies tatsächlich ein kleines Schiff sei, sie hätte ein grösseres erwartet... Nun, ich fand es doch ziemllich gross und die Frau etwas doof. Egal. Ich hab meinen Göppel und der ist von vorne bis hinten doch auch etwa 2 m lang.
Die Fähre 'Columbia' hat nicht ganz die Ausmasse wie die Sea Princess, war für die nächsten 37 Stunden aber mein Zuhause. So lange dauert die Überfahrt durch die Inside Passage nach Bellingham. Leider war das Wetter erst nicht so auf unserer Seite, und anstatt wie verrückt Fotos zu schiessen habe ich mich dem Buch lesen und Leute beobachten gewidmet. Das Wetter wurde allmählich besser, und bei Ankunft am Morgen des 2. Septembers in Bellingham war der Himmel stahlblau!
In Bellingham kannte ich einen Bikeshop, der Rohloff-Parts hat. Dem habe ich einen besuch abgestattet. Doch das crucial Teil, das 16zahnige Ritzel hinten hatte der nicht am Lager. Habe ihm dann immerhin eine neue Kette abgekauft, die ich aber erst in Vancouver mit den anderen Ritzeln ersetzen werde.
In zwei Tagesetappen ging es darauf nach Vancouver, wo ich mitte des Nachmittags des 3. September eintraf. Auf dem Weg dorthin passiert man einige Flüsse, welche von ziemlich ansehnlichen Brücken überspannt werden. Ich habe mir extra Mühe gegeben dort hinzugelangen, wo nicht eine Autobahnbrücke drüber hinwegführt, sonder eine Hauptstrasse. Doch da durfte ich gemäss Beschilderung nicht darüber fahren - und auch wenn ich es doch gewollt hätte, ich hätte für einige rote Köpfe gesorgt.
So hab ich mich erst mal erkundigt, welche Brücken denn für Velos geeignet wären, doch der alte, zahnlose Fischer den ich als erste angehauen habe meinte, dass er also noch gar nie auf die Idee gekommen sei, dass jemand mit dem Velo über diese Brücke (Patullo Bridge) fahren könnte. Er hat mir kurzerhand die Port Mann Bridge empfohlen... eine Autobahnbrücke.
Ich habe dann meine Lösung für das Prolem gewählt und bin mit Göppel und dem gesamten Gepäck in den Skytrain eingestiegen, der von dort die südlichen Vororte von Vancouver mit Downtown verbindet. Eine halbe Stunde später stand ich an der Waterfront Station und diese war gerade mal 400 Meter vom Hostel entfernt, das ich mir für die ersten Nächte ausgesucht habe.
In den Tagen bis zum 6. September bin ich etwas in der Stadt herumgehuntert, bin durch den Stanleypark gezogen, habe einige Läden in Ausfindung gebracht und bin nicht zuletzt mit Kette-und-Ritzel-Patient Göppel zu einem weiteren Bikeshop gegangen. Dieser hatte das Ritzel auch nicht, aber hier haben wir genügend Zeit, ein solches zu bestellen. Eines vorneweg: es sollte auch hier nich klappen...
Und dann war Dienstag der 6. September. Und für einmal war ein Flughafen ein Ort eines schönen Erlebnisses!
Simi ist angekommen - noch etwas 'verchrüglet' von der langen Reise - aber überglücklich. Wir lagen uns eine ganze Weile in den Armen.
Am Tag darauf sind wir ein wenig durch die Strassen spaziert - Canada Place mit der olympischen Fackel und dem Cruiseship Terminal, Stanley Park (von dem Lord Stanley gegründet, der auch den Stanley Cup nach sich benannt hat), Granville Island und die vielen Strassen und Strässchen in Downtown Vancouver, die für us beide einen sehr angenehmen Charme ausgestrahlt haben.
Für den nächsten Tag haben wir uns entschlossen, für Simi ein Velo zu mieten um damit eine grössere Reichweite zu haben. Damit sind wir zum Queen Elisabeth Park gefahren, dann unten rum an die Küste und vie UBC-Campus, Jericho und Katsilani Beach zurück nach Downtown. Hab ich's schon erwähnt? Seit meiner Ankunft in Bellingham alles bei schönstem Wetter ohne eine Wolke.
Dass wir an diesem Abend zur Second Beach gefahren sind um den Sonnenuntergang zu betrachten hat nur noch mehr zum Karibik-Feeling @Vancouver beigetragen.
Am 9. September haben wir dann unser Mietauto (ich vermisse die Bremsen am Lenker!!!) in Empfang genommen und sind sofort abgedüst nach Süden und der Fähre nach Victoria.
Wegen eines grösseren Polizei-Einsatzes mit Durchsuchung des ganzen Schiffs waren wir aber recht spät in Victoria, weshalb wir den Besuch der Stadt auf den kommenden Tag gelegt haben. Wir haben uns heute noch einen Besuch im Indischen Restaurant (mit Bauchtänzerin... [Simi weiss warum das hier steht]) gegönnt. Für sie beginnt das Outdoor-Feeling erst mit Zelten, das Kochen kommt morgen hinzu.
Am darauffolgenden Tag spazierten wir erst ein wenig durch Victoria, bevor wir aufbrachen und gen Norden führen. Wir hielten in Parksville, wo wir uns ein Bad im Meer gönnten. Das Wasser war aber so untief, dass wir einen Kilometer hätten rausspazieren können und immer noch Boden unter den Füsse gehabt hätten.
Spätestens hier müssen wir uns bei Lea Stocker und Philip Gentsch bedanken, die uns mit einer Fülle von guten Tips eingedeckt haben. Übereinstimmend haben beide gesagt, dass der Pacific Rim National Park förmlich nach einen Besuch schreie. Dies haben wir für die nächsten beiden Nächte vor. Zuvor wollte mir aber ein Holländer dies noch ausreden: Port Alberni biete das selbe und sei viel näher, man verlöre nicht einen Tag durchs Fahren'. Wir fragen uns, wie zum Henker eine Pazifikküste in der Mitte einer Insel stattfinden könne... Holländer... :-)
Diesen Trip in den Nationalpark können wir auf jeden Fall nur empfehlen! An der Long Beach (gibt's auch dort) war die Tide gerade ziemlich tief und welche Szenerien sich deshalb an den Felsen unseren Augen geboten haben haben wir beide noch nie erlebt. Seesterne, Seeanemonen und tausende von Muscheln an den Felsen - dass ich hier nicht noch X weitere Sachen aufliste liegt nur an meiner Unkenntnis über die Seeflora.
Tags darauf wollen wir zwei, je rund einen Kilometer lange Wanderung auf befestigten Wegen durch den dortigen Regenwald unternehmen. Der eine ist aber geschlossen. Doch für den anderen brauchen wir glatt 2 Stunden. Wir haben mit unseren Kameras sicher je 100 bis 200 Bilder geschossen. Dazu Motive gesucht die üppiger gar nicht hätten sein können, verschiedenste Einstellungen ausprobiert (wir haben dann auch die Farben gefunden!!! [das ist eine Story für sich] :-) und einfach gestaunt über Bäume, die knapp 3 Meter Durchmesser haben und offensichtlich seit dem 13. Jahrhundert dort stehen.
Die nächste Übernachtung machen wir im Suferparadies Tofino. Doch in zwischen hat der Himmel wieder anderes zu bieten als nur blaue Farbe - Wolken und Nebel und Regentropfen nämlich - und deshalb war Tofino vielleicht nicht ganz das Paradies. Jedenfalls haben wir im bisher teuersten Campingplatz meiner ganzen Reise Halt gemacht und haben gehofft, auf dessen Strand einige Sufer zu sehen - doch (noch) vergebens.
Die Surfer haben wir Tags darauf am Incinerator Rock gefunden (Incinerator heisst Müllverbrennungsofen... hö?), alle im Wasser und nicht irgendwie am Felsen zerschellt. Nach weiteren Ausflügen an bemerkenswerte Orte des Pacific Rim NP gings dann wieder zurück auf die Ostseite der Insel, wo die Hauptverkehrsachse liegt.
am 14. September haben wir in Comox nach einer Bekannten meiner Mutter gesucht. Die Wohnung haben wir gefunden, aber die Frau war leider nicht da. Darum nichts wie ab auf die Fähre, es wartet eine weitere Überfahrt, diesmal zurück ans Festland an die Sunshine Coast. Von dort müssen wir noch zwei weitere Male eine Fähre nehmen bis wir wieder in Vancouver sind, und um uns Möglichkeiten offen zu halten versuchten wir, die erste davon gleich noch anschliessend zu erwischen. Dies klappte hauchdünn, und so konnten wir einen guten Teil der Sunshine Coast immer noch bei Tageslicht, wenn auch schwächer werdend aber eine schöne Stimmung verbreitend, absolvieren.
Es ist nun der 15. September, und am 16. müssen wir den Chlapf wieder zurückbringen. Dazwischen liegt noch die Horseshoe Bay, eine Nacht und eingentlich ganz viel Zeit. Die nutzen wir für einen ersten Abstecher nach Squamish zu ganz ansehnlich grossen Wasserfällen - und weil wir schon so weit gefahren sind fräsen wir die Strasse hoch bis nach Whistler, dem Skigebiet wo die Skiwettbewerbe der letzten Olympiade ausgetragen wurden. Es war nicht so schön, dass sich ein Ausflug auf einen Berg gelohnt hätte, dafür gingen wir gut essen.
Ja, und dann war unser RoadTrip auch schon fast wieder zu Ende. Am nächsten Tag die verbleibende Strecke nach Vancouver, Gepäck beim Hostel abladen, Chlapf zurückbringen und fertig war's. Doch was wirr in dieser Woche gesehen haben und bestaunen durften wir noch eine lange Weile in uns bleiben. Zu eindrücklich waren die Bäume im Regenwald, das rohe Rauschen des Pazifik, die Seesterne und all die Szenerien, die von der Natur geformt unseren Weg gekreuzt haben. Vancouver Island - wir haben weniger als die Hälfte gesehen und können dich trotzdem nur allen empfehlen!
Als Ende unserer gemeinsamen Zeit haben wir uns einen gemütlichen Abend in der Lounge der Cloud 9 hoch über der Stadt Vancouver gemacht. Dies ist ein Drehrestaurant und zu unserer Überraschung mit recht moderaten Preisen operierend. Auf jeden Fall ein gelungener Abschluss für unsere Ferien.
Ich bleibe hier nun nur noch kurz angebunden. Denn für Simi war der Besuch in Kanada bald vorbei und für mich auch die 'Ferien' innerhalb meiner Reise.
Mein Trip auf dem Velo geht bald weiter. am 20. habe ich mir noch ein Preseason-Spiel zwischen den Vancouver Canucks und den Calgary Flames im Stadion der Vancouver Canucks angeschaut (typisches Preseasonspiel halt, mehr tryout-Charakter denn NHL-Hockey. Aber schön, dass Sven Bärtschi mitgekegelt hat und sich einen Assist gutschreiben lassen durfte. Allerdings war auch zu sehen, dass ernoch etwas gar viel umhergeschubst wurde und die Geschwindigkeit seiner Entscheide im Spiel noch schneller werden muss. Ja, und dann gehts wieder los. Ziel: Yellowstone National Park in Wyoming. Meine Motivation fürs Velofahren habe ich nach den zwei schönen Wochen mit Simi noch nicht gefunden, aber die kommt schon noch. Ich fahre übrigens mit den alten Ritzel weiter. Die im Bikeshop habens gleich zwei Mal vermasselt, das Rohloff-Ritzel zu bestellen. Pech gehabt. Habe einfach mal eine neue Kette montiert und hoffe, dass diese nicht zu sehr über die Ritzel springt.
Eine Sache aber habe ich dann irgendwo noch entdeckt, und die möchte ich noch zum Besten geben. Hintergrund ist der, dass ich zwei, drei Mal zu Simi die Bemerkung gemacht habe, dass wir beide mit unseren Kameras ja so wirklich wie Touristen aussehen - was wir beide nicht sein wollen.
In einer Broschüre für 'Wicked Camper Rentals' habe ich einen Spruch von Daniel J. Boorstin gefunden der sagt: "The traveller is active; he goes strenuously in search of people, of adventure, of experience. The tourist is passive; he expects interesting things to happen to him".
Findi guet!