Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/1569

Freiheit und Gleichheit
Im Zuge der grossen Staatsumwälzungen, welche aus der französischen Revolution hervorgingen, wurden in Steckborn von 1798 bis 1801 französische, österreichische und helvetische Truppen einquartiert und brachten der Gemeinde grosse finanzielle Lasten. Trotzdem herrschte in Steckborn Freude über die Staatsumwandlung von 1798, denn sie brachte die Unabhängigkeit von der Abtei Reichenau und Steckborn wurde Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Dem neu gegründeten Kanton Thurgau und der Eidgenossenschaft leisteten Steckborner Bürger treffliche Dienste. So etwa Johann Ulrich Hanhart, von 1808 bis 1812 Mitglied des thurgauischen kleinen Rates und Dr. Adolf Deucher (1831-1912) als Bundesrat oder Oberstkorpskommandant Jakob Labhart (1881-1949).
Gewerbe, Industrie
1848 wurde mit den andern thurgauischen Klöster das Zisterzienserinnenkloster Feldbach aufgehoben. Das Gelände auf der Halbinsel Feldbach gelangte in den Besitz der Bürgergemeinde. Die Klosterräume wurden vermietet und die Gärten und Felder verpachtet. Ab 1863 liessen sich verschiedene Gewerbe und Industrien in den Gebäuden nieder. Fabrikant Samuel Bächtold erwarb die Gebäulichkeiten samt dem Land und stellte im Betrieb Petrolmotoren her.
Bächtold & Cie. Maschinenfabrik
Das stark exportorientierte Unternehmen blühte und beschäftigte 1911 rund 250 Arbeitskräfte. Nach dem Tod des Industriellen wurde der Besitz an Arthur Rieter aus Winterthur verkauft. Schliesslich wurde das Klosterareal im Jahre 1923 zur Kunstseidefabrik. Dieser Textilchemie Betrieb schloss seine Pforten im Jahre 1974, in der Folge konnte das gesamte ehemalige Klosterareal am See mit Hilfe von Bund und Kanton durch die Gemeinde erworben werden. In den früheren Klosterräumen begann 1886 der Erfinder und Begründer des grossen Industrieunternehmens, Friedrich Gegauf (1860-1926) mit dem Bau von Monogramm- Strickapparaten und der Produktion der ersten Hohlsaumnähmaschine der Welt.
Unternehmensgründer Karl Friedrich Gegauf und seine Söhne
Heute ist die daraus entstandene Firma Fritz Gegauf AG, Bernina Nähmaschinenfabrik, der grösste Arbeitgeber am Ort und zugleich weltweit für qualitativ hochstehende und innovative Produkte bekannt.
Wagner & Stein, Giessereiartikel
Neuzeit
In den letzten Jahrzehnten ist ein Abbau der Industriearbeitsplätze erfolgt. Die Zahl der Arbeitsplätze bei den Handwerksbetrieben und im Handel wurde dagegen in etwa gehalten. Auf der Halbinsel Feldbach ist in den Grenzen des ehemaligen Fabrikareals und früheren Klosters ein Hotel mit Seminarbetrieb entstanden. Die Politische Gemeinde konnte dort einen grossen Bootshafen erstellen und das Gelände wurde zum öffentlich zugänglichen Park am See. Zunehmend arbeiten die Bewohner von Steckborn auswärts. Der Bereich Tourismus mit einem entsprechenden Dienstleistungsangebot mit Hotels und Restaurants trägt ebenso wie die Freizeiteinrichtungen, ein Strandbad und Campingplätze, zu einer Neuausrichtung der Gemeinde bei.