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Der Lastwagen- und Personenwagenverkehr durch den Gotthard-Tunnel kann aus Sicherheitsgründen (Tunnelbrände bei Verkehrsunfällen) nicht erhöht werden. Am Gotthard und am San Bernardino sind als Folge des Gotthard-Tunnelbrands von 2001 aus Sicherheitsgründen die Frequenzen für den Transitgüterverkehr begrenzt worden. Der Bund und die beteiligten Kantone bewirtschaften die Strassenkapazität mittels Tropfenzählersystem: Am Gotthard dürfen pro Stunde maximal 1000 PW-Einheiten in einer Richtung den Tunnel befahren; ein LKW entspricht drei PWEinheiten.
An den so genannten Dosierstellen werden die LKW angehalten und dann "dosiert" in den Tunnel hineingelassen. Sind die Abstellplätze bei den Dosierstellen voll, werden die LKW an den vorgelagerten Abstellplätzen angehalten. Bei mangelnder Kapazität am Gotthard wird der Lastwagenverkehr über die San Bernardino-Route umgeleitet. Quelle: Bundesamt für Strassen (ASTRA)
Eine Verlagerung des Rollenden Landstrasse (Lastwagen, welche mit der Eisenbahn befördert werden) vom Gotthard- auf die Lötscheberg-Simplon-Linie ist aus Kapazitätsgründen nur teilweise möglich. Die zur Verfügung stehende Transportkapazität betrug nach der Sperrungnur etwa 30% des Normalvolumens. Im Juni 2012 sollten rund 3'500 Lastwagen mit der Bahn von Basel nach Chiasso und umgekehrt transportiert werden. Nach der Sperrung der Gotthard-Bergstrecke konnten 1'200 Fahrzeuge über die Lötscheberg-Linie umgeleitet werden.
Für die übrigen LKWs mussten die Transport-Logistiker Slots über die Mont-Cénis-Linie oder die Brennerlinie organisieren. Durch Unterhaltsarbeiten am Brenner und im Simplon-Tunnel wird auf diesen Transitachsen die Kapazität ab Mitte Juni 2012 reduziert. Von Juni bis September 2012 führt der Infrastrukturverwalter ÖBB (österreichische Bahngesellschaft) Bauarbeiten auf der Linie Innsbruck - Brenner zur Verstärkung und Sanierung dieses wichtigen transalpinen europäischen Bahnkorridors durch. Die Transporteure suchen deshalb bereits nach Slots für die weiter östlich des Brenners verlaufende Tauernlinie.
8. Juni 2012: ASTRA ermöglicht Erleichterung für den LKW-Verkehr auf der Nord-Süd-Achse
Angesichts der Sperrung der Eisenbahnstrecke über den Gotthard hat das Bundesamt für Strassen (ASTRA) kurzfristig Erleichterungen für den Güterschwerverkehr auf der Strasse beschlossen. Bis am Freitagnachmittag war indes keine namhafte Zunahme des LKW-Verkehrs auf der Strasse feststellbar.
Die Sperrung der Eisenbahnlinie über den Gotthard als Folge des Felssturzes bei Gurtnellen hat bis am Freitagnachmittag zu keiner ausserordentlichen Situation auf den Strassenverbindungen durch die Alpen geführt. Das zusätzliche Schwerverkehrsaufkommen hält sich in Grenzen, so dass bis jetzt keine ausserordentlichen Massnahmen ergriffen werden mussten.
Mit Blick auf die mögliche Zunahme des LKW-Verkehrs in den nächsten Wochen hat das ASTRA folgende Massnahmen angeordnet, um die Rahmenbedingungen für den Schwerverkehr zu optimieren.
Im Gotthard-Strassentunnel werden die bereits angekündigten zwölf Sperrnächte zwischen dem 11. und dem 28. Juni verkürzt. Üblicherweise beginnt die Sperrung jeweils um 20 Uhr. Diesen Sommer wird der Tunnel erst um 22.15 Uhr gesperrt. Die integrale Verschiebung der Sperrnächte ist aus Sicherheitsgründen und mit Rücksicht auf die beginnende Ferienreisezeit nicht möglich.
Auf der Simplon-Passstrasse bestehen im Moment zwei Baustellen mit Spurreduktion und Rotlichtbetrieb. Diese beiden Baustellen (Haselkehre und Kulmtunnel) werden soweit aufgehoben, dass die Strasse über den Simplon durchgehend zweispurig befahrbar ist. Die Aufhebung der Baustellen ist aber erst im Lauf der nächsten Woche realisierbar. Nicht sinnvoll ist die Aufhebung der Baustellen auf der San-Bernardino-Route, weil diese durchgehend im Zweispurbetrieb befahren werden können.
Das Tropfenzählerportal vor dem Gotthard-Strassentunnel wird für den LKW-Verkehr bis zu einem Maximum von 150 LKW pro Stunde offen gehalten. Die Ausserbetriebnahme des Tropfenzählersystem kommt nicht in Frage; es handelt sich um eine Einrichtung, welche die Sicherheit im Tunnel gewährleistet.
Weil sich das zusätzliche Schwerverkehrsaufkommen zurzeit noch in Grenzen hält, sind keine weiteren ausserordentlichen Massnahmen nötig. Insbesondere drängt sich die Lockerung des Nachtfahrverbots zurzeit nicht auf. Das gleiche gilt für Sondertransportbewilligungen und die Erhöhung der Gewichtslimite auf der Gotthard-Autobahn.
Das ASTRA beobachtet die Entwicklung des Verkehrs auf den Nationalstrassen durch die Alpen sorgfältig und nimmt periodisch Lagebeurteilungen vor.
Quelle: Bundesamt für Strassen (ASTRA)
Der Ruf nach der zweiten Tunnelröhre am Gotthard
Die Sanierung des mehr als 30 Jahre alten Gotthard-Strassentunnel, welche zwischen 2020 und 2025 geplant ist, stellt für die Verkehrs- und Transportplaner eine grosse Herausforderung dar. Bereits heute werden auf Bundesebene Konzepte entwickelt, wie man die Verkehrsströme in dieser Zeit organisieren und koordinieren soll.Die Befürworter und die Gegner einer zweiten Tunnelröhre durch den Gotthard haben sich deshalb in Position gebracht. Hinter und zunehmend auch vor den Kulissen wird eine intensive Lobbyarbeit verrichtet. Die politischen Entscheidungsträger und später auch die Öffentlichkeit müssen mit Argumenten für oder gegen die Projektidee überzeugt werden.
Der Ruf nach dem Ausbau der zweiten Tunnelröhre am Lötschberg
Wegen der Sperrung der Gotthardstrecke stösst die Lötschbergachse an die Grenzen ihrer Kapazität. Der die Alpen querende Güterverkehr verlagert sich auf die Strasse. Der Kanton Bern fordert deshalb den Vollausbau des Lötschbergbasistunnels und ein drittes Gleis im Aaretal.
Wie die SBB bekannt gegeben haben, bleibt die Gotthardstrecke für rund einen Monat gesperrt. Ein Teil des Güterverkehrs wird in dieser Zeit über die Lötschbergachse umgeleitet, Mit 115 Güterzügen pro Tag ist diese Achse heute schon am Limit. Das Fehlen des dritten Gleises im Aaretal und der zum grössten Teil nur einspurige Lötschberg-Basistunnel haben zur Folge, dass ein Grossteil des Güterverkehrs zurückgehalten oder auf die Strasse verlagert werden muss.
Der Vorfall am Gotthard zeigt erneut die grosse Bedeutung der Lötschbergachse auf. Damit die Lötschbergachse ihre Aufgabe auch künftig und insbesondere bei ausserordentlichen Situationen wie der aktuellen Sperrung der Gotthardstrecke wahrnehmen kann, muss sie zwingend möglichst rasch ausgebaut werden. Der Kanton Bern fordert den Bund deshalb dringend auf, die nötigen Mittel für den Ausbau des Lötschbergbasistunnels und das dritte Gleis im Aaretal freizugeben. Denn ohne den Ausbau riskiert die Schweiz in Zukunft einen Zusammenbruch des gesamten alpenquerenden Verkehrs.
Vorübergehend mehr Nachtlärm im Oberaargau und unteren Emmental
Für die Anwohnerinnen und Anwohner der alten Bahnstrecke zwischen Bern und Olten hatder Ausfall der Gotthardstrecke mehr Nachtlärm zur Folge. Die umgeleiteten Güterzüge vom Gotthard können nicht die Neubaustrecke benützen, weil sie nicht mit dem modernen Zugsicherungssystem ETCS ausgestattet sind. Sie müssen auf der alten Strecke fahren, die dank den Bemühungen des Kantons und der SBB in den letzten Jahren nachts stark vom Güterverkehr entlastet wurde.