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Anime
Japan 2004
Alternative Titel Kumo no muko, yakusoku no basho; 雲のむこう、約束の場所
Regie Makoto
Shinkai
Drehbuch Makoto Shinkai
Länge 90 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 12
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||..|
© Text Marco,
molodezhnaja 2.6.07
© Bilder ADV, Screenshots molodezhnaja
STORY
Japan wurde in einer alternativen Zeitlinie nach dem Krieg getrennt: Die nördliche Insel Hokkaido untersteht unter dem Namen Ezo dem Kommando der Union. Die Hauptinsel im Süden wird von der amerikanisch geführten Allianz beherrscht. Gegen Ende des Jahrhunderts entsteht in Ezo ein in den Himmel reichender Turm, dessen Zweck dem Süden verborgen bleibt. Doch man kann das riesige Gebäude bis nach Tokyo sehen. Die beiden Schüler Hiroki Fujisawa und Takuya Sawatari sind besonders fasziniert von dem Turm. Als sie in einem alten Tunnel das Wrack des Flugzeugs "Bella Ciela" entdecken, beschliessen sie, es in Eigenregie wieder herzurichten und damit zum Turm zu fliegen. Als beide sich in ihre Schulkollegin Sayuri Sawatari verlieben, versprechen sie ihr, sie hinzufliegen. Doch schon bald darauf verschwindet das Mädchen ohne einen Hinweis. Jahre später arbeitet Takuya in einem nationalen Labor, das versucht, den Turm im Norden zu analysieren und herauszufinden, warum er Parallelwelten erzeugt. Derweil lebt Hiroki in Tokyo und wird von Träumen der geliebten Sayuri geplagt, während sich das Land auf einen Krieg mit dem Norden vorbereitet.
REVIEW
Im Jahr 2002 verblüffte Makoto Shinkai die Filmwelt mit seinem Kurzfilm Voices of a Distant Star, den er über Jahre hinweg im Alleingang an seinem Macintosh inszenierte. Das 25-minütige Werk deutete bereits an, dass sich hier ein Mann mit grosser Vision und künstlerischem Flair ins Lampenlicht drängte - und mit seinem Spielfilmdebüt "The Place Promised in Our Early Days" unterstreicht er dies noch. Er drehte den Anime nicht mehr im Alleingang, sondern holte sich unter anderem die Hilfe von Mind Game-Animator Ushio Tazawa, doch von Regie über Skript bis Storyboard und Sound-Design kommt immer noch alles von Shinkai, dem Prototypen eines Auteurs der digitalen Ära, und trägt dementsprechend zu 100% seine Handschrift.
Wohl auch deshalb weist der Film ein paar derselben Probleme auf wie der Vorgänger. Dazu gehören etwas gar viel Kitsch, im Vergleich zu den Visuals unterentwickelte Story und, das überrascht angesichts der dreifachen Lauflänge schon, wiederum ein zu hastiges Abhaken einiger Handlungsstränge. Bei einem Kurzfilm war das verzeihbar, diesmal tut es weh, denn es wäre Zeit da gewesen, um ein paar der Hintergründe besser auszuarbeiten. Der Plot wirkt daher etwas vage, manches ist nur angedeutet, manches eine Ansammlung von Genre-Stereotypen. Die "Entschuldig" dafür ist die, dass "The Place Promised in Our Early Days" eigentlich einen romantisch-nostalgischen Dreiecksplot abhandelt und der ganze Sci-Fi-Background lediglich das ist: ein Hintergrund.
Als verklärte Liebesgeschichte voller Sehnsucht nach unbeschwerter Jugend, nach romantischer Liebe und nach Frieden ist "Place" denn auch überaus gelungen und im Kontext japanischer Trickfilme zu verstehen, in dem derartige Emotionen gerne mit etwas Pathos übersteigert werden. Funktioniert aber bestens. Und mir als altem Sci-Fi-Fan hat auch die, stellenweise nicht zu Ende gedachte, futuristische Komponente gefallen. Die Thematik mit den Träumen und den Paralleluniversen, die via Turm miteinander verknüpft sind, hätte dringend einer tieferen Betrachtung bedürft und deshalb wirkt das Ende auch etwas überhastet - doch die Korea-inspirierte Trennung Japans, dieser gigantische Turm, der für die Menschen Sehnsüchte wie Ängste darstellt, die Miyazaki-eske Liebe für kuriose Fluggeräte: all das zieht einen in diese Welt hinein.
Eine Welt, die Shinkai mit viel Liebe für Licht in Szene setzt. Fast jeder Reviewer lobt überschwänglich die Bilder von "Place", dem kann ich mich zu einem Teil anschliessen. So ist die Blick fürs Detail beachtlich, die Kombination aus Techno-Futurue-Look, Ghibli-esker Melancholie und Shinkais ganz eigenem, etwas esoterisch geprägten Stil, eine Augenweide und die manchmal Foto-basierenden Hintergründe verschmelzen mühelos mit dem frei gezeichneten Vordergrund. Fast jeder Shot beinhaltet Wasser oder sonstige Reflektionen und beinahe jede Einstellung ist getüncht mit einem speziellen Licht, je nach Ort und Jahreszeit. Gerade dieses Licht wirkt auf Dauer aber etwas forciert, wenn man bedenkt, dass ein Computer Lichtstrahlen per Knopfdruck in jedes Bild einfügt. Shinkai kam mir da vor wie jemand, der seine Fotos am Heimcomputer bearbeitet und bei irgendeinen Licht-Firlefanz einbaut, um die Familie zu beeindrucken. Die "Familie", ergo die Zuschauer, waren beeindruckt. Also hat er das Ziel erreicht. Nur manchmal wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen, um den wichtigen Szenen mit der Lichtflut Gewicht zu verleihen.
Als Bewertung gebe ich knapp einen halben Stern mehr als bei Voices of a Distant Star, der an einigen Stellen so überhastet war, dass das Interesse absank. Hier bleibt man trotz einiger Wünsche nach Vertiefung der Story stets involviert. Ein Flair für sentimentale, wehmütige und nostalgische Liebesgeschichten muss man mitbringen, sonst wirkt der optisch beeindruckende und inhaltlich interessante Film lediglich wie ein Gefäss für Kitsch und Schmalz. Das täte ihm unrecht, denn Makoto Shinkai lässt viel Herzblut und ebenso viel technisches Talent in den Film fliessen. Gerade diese Fusion aus beidem macht den Film so reizvoll.
MEINE
DVD
USA, Code 1, NTSC
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Englisch 5.1 und Japanisch 5.1 mit englischen Untertiteln.
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