Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03282.jsonl.gz/188

The intervention Passion5 by Knowbotic Research is an atmospheric installation about different forms of passion: the passion of political activism in street protests, and the passion of scientific research, articulating playful curiosity with sytems of public order.
Passion5 reflects the current state of political agency, and its limits. Slogans and chants from street demonstrations mutate into pure sounds, transmitted by an urban street cleaning vehicle. Simultaneously, an engineer is trying to build a flight robot that will navigate autonomously, tracking the indoor space. The robot is an ambiguous mobile scanner, guarding the space, controlling movements and behaviour, attracting empathy and attention.
Passion 5 - ein Ereignis von Giaco Schiesser
Passion 5 ist ein zeitgenössisches, hochaktuelles Stück Public Art. Eine Public Art allerdings, Galaxien entfernt von Public Art als Behübschung, Gentrifikationsmittel, als Kunst am Bau oder politisch korrekte Intervention in den öffentlichen Raum. Passion 5 setzt nicht bei der Repräsentation von Dingen, Sachverhalten, Ereignissen in einem öffentlichen Raum an. Im Gegenteil, Passion 5 bricht mit dieser Vorstellung. Passion 5 geht von der Einsicht aus, dass der urbane öffentlich Raum, Öffentlichkeit insgesamt, erstens nichts Gegebenes ist, zweitens nicht durch Konsens, sondern durch Konflikt erzeugt wird, drittens dass der öffentliche Raum gar kein Raum (unter Räumen) ist, sondern eher ein Prinzip: Ein Prinzip der permanenten Dislokation. Die Bilder, Zeichen und Aussagen von Passion 5 repräsentieren nicht etwas, sondern stehen unter dem Paradigma des Ereignisses. Sie bilden nicht ab, sie sind nicht die Lösung eines Problems, sondern Problem selbst: die Eröffnung eines Möglichen. Die Industriehalle und die darin verfügte, vielfältig zusammengesetzte Passion 5 schaffen neue Möglichkeitsräume. Die leeren Zeichen für längst vergangenen Passionen (1.Mai-Reden) verweisen dennoch auf eine unabgegoltene Lebenslust hinter den leeren Phrasen. Zweite Möglichkeit: Die Lust auf die Warenwelt, die Einladung zum Herunterladen von Klingeltönen mit 1.Mai-Parolen als Einladung, am möglichen Hype und seiner Community teilzunehmen, als betörende Organisation von Wahrnehmungsweisen, die zu Lebensweisen auffordern. Schliesslich: Die Möglichkeit des leidenschaftlichen Wissenschaftlers als Selbstunternehmer. Er repräsentiert nicht die Situation, in der wir uns alle zunehmend befinden, er ist die Situation: der Selbstunternehmer als Selbstunternehmer, weil er mit dem Publikum (bzw. das Publikum mit ihm) kollaboriert, kollaborieren muss. Kommt es nicht dazu, scheitern beide. Umgekehrt: In der Kollaboration als Reden, Kommunizieren, Fragen, Antworten, mit anderen Worten: In der Kollaboration als Präsentation wird einer möglichen Welt eine gewisse Wirklichkeit verliehen. Sprachen, Zeichen, Bilder, Aussagen sind "das Mögliche, mögliche Welten, die die Seelen (die Gehirne) affizieren und sich in den Körpern verwirklichen müssen" (M. Lazzarato). Bleibt als letztes die leicht verstellte Aufforderung-/ Verbots-/ Achtung!-Tafel in Passion 5. Es heisst dort: "Das Wichtigste an unserem Schicksal (…) ist die Tatsache, daß wir fluktuieren, daß unser Ort nicht klar ist, unsere Überzeugungen nicht klar sind, dass wir keine Plätze, keine Zeiten vorgeschrieben bekommen, an und zu denen wir unsere Überzeugungen, unsere Meinungen, und dann auch unsere Gefühle und Wünsche zur Sprache bringen können. Wird diese unsere Profanität repräsentiert, d.h. verortet, fixiert, in eine bestimmte toplogische Ordnung eingeschrieben, dann sind wir nicht mehr wir." Oder doch?

performance
2005
lateshift, curator: Gianni Jetzer
- knowbotic research 2005
---
Puls 5, Zürich