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Westliche Eliten untergraben die kapitalistische Erfolgsgeschichte
Der freie Markt hat uns Wohlstand gebracht. Dennoch wird er ständig durch die Sehnsucht nach einem zentralen Lenker bedroht.
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Wofür steht der Kapitalismus? Jahrelang schien es auf diese Frage eine eindeutige Antwort zu geben. Während des Kalten Krieges und der Systemkonkurrenz zwischen den USA und der Sowjetunion interpretierte man ihn als ein grundlegendes Wirtschaftssystem: Es galt, zwischen einer Wirtschaft auf Basis des Privateigentums und einer Verstaatlichung der Produktionsmittel auszuwählen.
Heute sind die Dinge nicht mehr so klar. Staaten, in denen die Kontrolle über die Produktion erheblich ist, werden von vielen dennoch als kapitalistisch bezeichnet. In den liberalen Demokratien des Westens ist der freie Markt – verstanden als ein wirtschaftliches Umfeld, in dem die Menschen selbst entscheiden können, was sie produzieren und handeln wollen – nur noch als Überbleibsel vorhanden: Der westliche Kapitalismus ist sorgfältig reguliert, und die Regierungen spielen eine immer grössere Rolle bei der Zuteilung der Produktionsfaktoren. Die verschiedenen Krisen, mit denen wir seit 2001 konfrontiert waren, wurden genutzt, um die Rolle des Staates zu erweitern. Während der Pandemie kontrollierten die Regierungen die Wirtschaft in einer noch nie dagewesenen Weise bis ins kleinste Detail, indem sie etwa dirigierten, welche Waren in Lebensmittelgeschäften verkauft werden durften und welche nicht. Auch nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sind Protektionismus und «Industriepolitik» immer mehr im Trend.
Die Magie der langen Ketten der Zusammenarbeit
Anders als dem Sozialismus oder dem Nationalismus fehlt dem Kapitalismus so etwas wie ein Manifest. Das bedeutendste Buch der Geschichte der Marktwirtschaft, Adam Smiths «Wohlstand der Nationen», bezeichnet sich in seinem vollständigen Titel als «Untersuchung» (englischer Originaltitel: «An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations»). Smith erforschte die Realität, leitete daraus allgemeine Beobachtungen über die menschliche Natur ab und legte nahe, dass mehr wirtschaftliche Freiheit zu einer breiteren Arbeitsteilung führe, was die Produktivität erhöhe und damit den Wohlstand aller steigere. Damit entwarf Smith weder ein Modell, das die Gesellschaft nachahmen könnte, noch schlug er eine bestimmte Gruppe vor, die die Verantwortung dafür übernehmen sollte. In vielerlei Hinsicht war Smith ein Egalitarist: Er sah kaum Unterschiede zwischen einem Philosophen und einem Pförtner. Und wenn es doch Unterschiede gibt, sind sie eher das Ergebnis der Arbeitsteilung als deren Ursache: Die freie wirtschaftliche Zusammenarbeit führt nämlich zu einer Spezialisierung und bringt ihre Akteure so dazu, ihre Fähigkeiten zu verfeinern.
Smith hatte für Geschäftsleute kaum wohlwollende Worte übrig. Ihm ging es bei seiner Abhandlung nicht um Partikularinteressen, sondern um das allgemeine Wohlergehen sämtlicher Mitglieder der Gesellschaft. Hierfür ist der Wettbewerb ein geeignetes Mittel: Er bringt mehr Waren und Dienstleistungen hervor, während die Preise im Verhältnis zum Einkommen tendenziell sinken. In einer freien Marktwirtschaft sind wir beim Kauf einer Mahlzeit nicht auf die Gutmütigkeit des Metzgers, des Brauers und des Bäckers angewiesen – sie verrichten diesen Dienst am Gemeinwohl nämlich unter Rücksichtnahme ihrer eigenen Interessen. Auf diesem Weg ermöglicht eine fortgeschrittene Arbeitsteilung eine umfängliche Zusammenarbeit, wie wir sie in einer kleinen Gruppe pflegen würden. Besser noch: Zur Kooperation müssen sich die Marktteilnehmer nicht unbedingt kennen, geschweige denn mögen. Der Zauber des Kapitalismus besteht darin, dass er lange Ketten der Zusammenarbeit entstehen lässt, die oft sogar länderübergreifend sind.
Smith erkannte, dass Geschäftsleute genau diesem Prozess im Wege stehen können: Der Wettbewerb schmälert ihre privaten Gewinne, denn neue Marktteilnehmer machen ihnen die Margen streitig. Wer einmal erfolgreich ist, möchte dies auch weiterhin bleiben – bereitwillig auch unter staatlichem Schutz vor der Konkurrenz. Die Feindseligkeit zum freien Wettbewerb entsteht dann aus eigenen Interessen: Tüchtige Geschäftsleute sind oftmals die glühendsten Verfechter einer staatlichen Wirtschaftspolitik, die ihre Privilegien schützt.
Die grosse Bereicherung
Wenn Eigeninteresse die einzige Triebfeder für die Ablehnung des Kapitalismus wäre, könnte sie in einer vernünftigen Debatte problemlos widerlegt werden, denn…
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Dieser Artikel ist in Ausgabe 1104 - März 2023 erschienen. Er ist nur registrierten, zahlenden Nutzern zugänglich. Vollen Zugang erhalten Sie über unsere attraktiven Online- und Printangebote.Abo lösen