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Revolutionäre Zeiten sind segensreich und Augenöffner zugleich. Sie führen dazu, dass Bürger aus dem Tiefschlaf erwachen und damit beginnen, sich zu engagieren, zu vernetzen und selbstständig zu urteilen.
Umwälzungen. Kämpfe. Proteste: Die Menschheitsgeschichte ist voll davon. Die Französische Revolution ersetzte den Feudalismus durch die repräsentative Demokratie. Die bolschewistische Revolution stürzte das Zarenreich. Später im 20. Jahrhundert folgten kommunistische Machthaber auf kapitalistische und umgekehrt – ein Fidel Castro ersetzte Fulgencio Batista in Kuba. Und auf Salvador Allende folgte Augusto Pinochet in Chile – die Liste ist lang.
Im letzten Jahrhundert wimmelte es nur so von Revolutionen: von Südamerika bis Afrika, von Europa bis nach Asien. Exemplarisch für «die Revolution der Revolutionen» steht Kuba: «Viva la Revolución», rief Fidel Castro den Massen in Havanna zu Beginn der 1960er-Jahre zu. Für eine ganze Generation von Linken bildete Kuba einen Anknüpfungspunkt. Da schaffte es ein kleines Land, sich gegen den übermächtigen Aggressor aus dem Norden zu befreien. Castro, Che Guevara und Konsorten inspirierten. Kuba galt lange als Vorbild für eine echte Revolution. Wenig später folgte die grosse Ernüchterung. Die Revolution, die den US-Vasallen und Diktator Batista stürzte, mutierte selbst zur Diktatur. Aus Unterdrückten werden Unterdrücker. Ein ewiger Kreislauf der Conditio humana?
Pessimismus ist angebracht
Bei der Frage, ob Revolutionen etwas Gutes sind, scheiden sich bis heute die Geister. Das Wort Revolution kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie «Umdrehung». Daher ist es wenig überraschend, dass der Begriff zunächst kein politischer war. In den Studien von Nikolaus Kopernikus war mit «Revolution» der gleichbleibende Lauf der Gestirne und somit auch der Wiederholungscharakter gemeint. Eine zunehmende Politisierung erfährt das Wort «Revolution» seit dem 17. Jahrhundert, schreibt der Philosoph Florian Gasser in seinem Buch «Theorien der Revolution».
Ab dem 17. und 18. Jahrhundert erhält der Begriff neben der politischen auch eine moralische Aufladung. Verantwortlich dafür waren die Revolutionen in England, den USA und Frankreich. Beginnend mit der «Glorious Revolution» von 1688, die die Grundlage des heutigen parlamentarischen Regierungssystems bildet, bis hin zur Französischen Revolution mit ihrer Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Vermehrt positiv konnotiert wird der Begriff ab dem 18. Jahrhundert. …
von Rafael Lutz
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