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Der Lithograph Jakob Laurenz Gsell 1787 - 1973
Neubegin mit der Lithographie
Nach dem Misserfolg als junger Handelsreisender aus Lyon, 1819 zurückgekehrt in seine Vaterstadt zu seiner jungen Frau und den 3 Kindern im Alter von 5, 4 und einem Jahr, erkannte Jakob Laurenz im Lithographiedruck den neuen Berufszweig, in welchem er sein handwerkliches Geschick, die gewonnene kaufmännische Erfahrung und seine künstlerische Begabung einbringen konnte. Eigenschaften, über die seine Mitkonkurrenten in St.Gallen nicht in selben Masse verfügten. Viele, die sich in der Lithographie versuchten, haben das Handwerk nicht in den Griff bekommen und mussten bald einmal klein beigeben..
Das lithographische Druckverfahren war eben erst, 1798 von Alois Senefelder, 1771-1834 in München erfunden und in den folgenden Jahren zu einem neuen Druckverfahren weiter entwickelt worden. Seehofer veröffentlichete sein Buch, " Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerey" im Jahr 1818, ein Jahr bevor Jakob Laurenz, als Kaufmann gescheitert, nach St.Gallen zurückkam
Das neue Verfahren erlaubte Prospekte, Abbildungen und graphische Dokumente bis hin zur Visitenkarte schneller, in vorzüglicher Qualität und Quantität herzustellen und bot zudem auch Möglichkeiten Textilien zu bedrucken.
Vielleicht hat Jakob Laurenz bereits in Lyon oder Paris die Anfänge der Lithographie beobachtet. Mit Sicherheit ist er nach seinem Scheitern als Kaufmann und seiner Begabung als Maler auf die Tätigkeiten von Herr Hartmann und Sohn, die die erste lithographische Presse nach St.Gallen brachten, aufmerksam geworden.
Die Lithographie beschäftigte Jakob Laurenz bis an sein Lebensende, nicht nur als Künstler, sonder auch als Inhaber einer lithographischen Anstallt, welche Drucksachen für vielerlei Bedarf anbot. Sein Schaffen als Lithograph ist eng mit der Geschichte der Lithographie in St.Gallen und in der Schweiz verbunden
Das Wissen um das lithographische Handwerk
war von München über Mühlhausen nach Paris gekommen, wo Engelmann Kurse in dieser neuen Drucktechnik gab. Es war eine grosse Geheimniskrämerei um diese Sache und die erzielten Resultate gaben Anlass zu grossen Erwartungen, wohlfeile Drucksachen jeglicher Art in grossen Auflagen editieren zu können.
Hierzu war neben Geld ein dreifaches Können notwendig. 1. Ein technisches Verständnis für die Druckmaschine und ihre Bestandteile, sowohl zur Wartung wie zu deren Funktion. 2. Ein handwerkliches Geschick im Umgang mit der Presse, den Steinen und dem geeigneten Papier. 3. Chemisches Verständnis für das Verfahren mit welchem der Stein präpariert wurde. 5. Das Geschäft musste kaufmännisch geführt werden. 4. Last but not least eine künstlerische Hand zum Zeichnen und Malen auf dem Stein.
1823 nimmt Jakob Laurenz seine eigene Presse in Betrieb. Seine "Lithographische Anstalt" setzt sich erfolgreich gegen seine 8 Konkurrenten in St.Gallen durch und er wird heute zu einem der Pioniere der LIthographie in der Schweiz gezählt.
Die lithographischen Arbeiten
Die lithographischen Arbeiten von Jakob Laurenz können in die folgenden Rubriken eingeteilt werden:
- Flora, Lexika
- Landschaften
- Gebäude
- Firmenprospekte
- Karthographie
- Formulare
Schwieriges Umfeld
Die Möglichkeit der Lithographie, Gegenstände, Personen, Ereignisse und Landschaften graphisch darzustellen und in grösseren Auflagen zu reproduzieren, hat manche Begehrlichkeiten geweckt. Eine davon war das lexikalische Wissen, das bis dahin auf "Text" angewiesen war, mit graphischen Bildern zu ergänzen. Die Flora bietet sich dazu im Speziellen an, ein Lexikon zu erstellen, in dem das Wissen über die Pflanze mit guten Abbildungen ergänzt wird. Es ist auch die „Geburtsstunde“ des illustrierten Magazins, den diese Lexika wurden nicht als fertiggestelltes Buch zum Verkauf angeboten, sonder in vorauszuzahlenden Lieferungen zum Abbonent ausgeschrieben.
Ein Beispiel hierzu sind die Pläne von Caspar Thobias Zollikofer, 1774 -1843, seine gemalten Pflanzenbilder mit Hilfe des lithographischen Könnens von Jakob Laurenz zu einer illustrierten schweizeriechen Alpenflora einer breiten Öffentlich zugänglich zu machen. Zur Finanzierung des Projektes suchte man Suskribenten, denen man versprach, das Werk in sich folgenden Lieferungen zuzustellen; heute heist das, Abonement für ein Magazin.
In St.Gallen wird bereits 1823 eine erste Lieferung einer „Versuch eine Alpenflora" mit 11 Lithographien von J.L.Gsell nach Zeichnungen von Caspar Thobias Zollikofer fertiggestellt. Der Titel spricht für sich. Es blieb bei dieser ersten Lieferungen. Genügend Suskribenden waren nicht zu finden. Die Konkurrenz ist zu gross, und so wird auch in diesem Beruf J.L. Gsell nicht von Misserfolg und Unglück verschont. Die Alpenflora findet keinen Absatz und weitere Lieferungen erfolgen nicht. 1833 muss sein Auftrag- und Geldgeber Daniel August Zollikofen (nicht zu verwechseln mit Caspar Thobias Zollikofer) bankrot erklären, da die Lithograhie Kollegen, Vater und Sohn Sebastian und Johannes Heim, mit zu grossen Investitionen ins neue Gewerbe, betrügerisch fallieren.
Die 11 von J.L.Gsell lithographierten Bilder von Caspar Thobias Zollikofer sind:
Veronica saxatilis,
Valeriana Tripteris,
Campanula pusilla,
Camp. barbata,
Androsace villosa,
Rhodendron ferrugneum,
Rhod. hirsutum,
Potentilla frigida,
Anemone narcissiflora,
Hieracium Hyoseridifolium
Ein Lithograf ist jemand, der die Steinzeichnung – also die zu druckenden Texte und Bilder – auf einem Lithografiestein manuell und seitenverkehrt anfertigt.Die Lithographie ist das älteste Flachdruckverfahren und gehörte im 19. Jahrhundert zu den am meisten angewendeten Drucktechniken für farbige Drucksachen. Bis um 1930 war der Steindruck eine sehr häufig verwendete Drucktechnik für verschiedene Drucksachen, wurde jedoch danach sukzessive vom Offsetdruck abgelöst.
Der Steindruck ermögichte topographische Karten billiger und in grösseren Auflagen zu erstellen. Laurenz Jakob Gsell hat den Zuberplan der Stadt St.Gallen lithographiert und veröffentlicht: Grundriss der Stadt und des Bezirkes St. Gallen / aufgenommen von J. Zuber und lithographiert von J. L. Gsell : Huber & Cie, 1835, schwarz-weiss ; 25 x 33 cm http://www.e-rara.ch/zut/content/titleinfo/6484963
Die Karte des Kanton Appenzell von Zuber wurde bereits 1827(?) lithographiert herausgegeben, mehrfarbig (!), 24 mal 29 cm, http://www.e-rara.ch/doi/10.3931/e-rara-20942
Wie erwähnt, siehe rechts oben, hat J.L.Gsell 10 Blumenbilder von Caspar Thobias Zollikofer lithographiert: