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«Die bolivianische Flagge hat mein Mann aufgehängt, nicht ich!», betont Lisy Patricia Bhend mit einem Blick auf den Wandschmuck in ihrer lichtdurchfluteten Wohnung. Mit ihrer Heimat Bolivien ist die 38-Jährige durchaus verbunden, selbst wenn sie nicht von sich aus die Landesfahne aufgehängt hätte.
In der Schweiz lebt die quirlige junge Frau seit 2006. Ihren Mann Walter hatte sie zwei Jahre zuvor in Bolivien kennengelernt: Er war dort in den Ferien. Lisy Patricia leitete zusammen mit ihrer Mutter eine Schule in Camiri, im Süden des Landes. Ihr damaliger Chef bat sie, dem Gast aus Übersee ein paar Fragen zu beantworten. So entstand der erste Kontakt, der schliesslich dazu führte, dass Lisy Patricia über den Atlantik in die Schweiz zog.
Sie vermisst ihre Eltern und die vier Schwestern. Doch im Schwyzer 3000-Seelen- Dorf Tuggen fand die Bolivianerin, die mittlerweile auch einen Schweizer Pass hat, Anschluss. Sie kenne schon fast mehr Leute als ihr Mann, der selbst ebenfalls ein «Zugezogener» sei, sagt sie lachend. Sie steht in Kontakt mit Schweizern wie auch Ausländerinnen, etwa aus Eritrea und Tibet. Ihnen hilft sie, wenn es ein Formular auszufüllen gilt.
Zur Amnesty-Aktivistin hat Lisy Patricia Bhend ein Inserat in diesem Magazin gemacht. Sie unterstützte die Menschenrechtsorganisation davor schon länger finanziell. Als sie vergangenes Jahr einen Kurs für Menschenrechtsbildung ausgeschrieben sah, meldete sie sich kurzerhand an. «Ich freute mich darauf, mehr für die Menschenrechte tun zu können», erklärt die Tochter eines Arztes.
Der viertägige Kurs sei für sie «genau richtig» gewesen, die Dozierenden hätten spannend unterrichtet. Der Theorieteil am Anfang war anspruchsvoll. Danach folgten praktische Übungen darin, wie die Menschenrechte in Schulen vermittelt werden könnten. Die ersten eigenen Einsätze an Schulen haben ihr gefallen: «Die Jugendlichen waren interessiert und hörten uns zu.» Lisy Patricia Bhend war aber dankbar, dass sie nicht allein an den Schulen auftrat. Die Zweite im Bunde konnte aushelfen, wenn sie einmal die Antwort auf eine Frage der Schüler und Schülerinnen nicht wusste.
Kann sie sich vorstellen, einen weiteren Kurs aus dem Bildungsangebot von Amnesty International zu besuchen? «Derzeit vertiefe ich zuerst einmal, was ich im letzten Kurs gelernt habe. Ich möchte dazu mehr Wissen aufbauen», sagt sie. «Aber künftig werde ich mich bestimmt wieder für einen Kurs anmelden.»
Mit Ausbildung hat sich Patricia schon vor ihrem Umzug in die Schweiz beschäftigt, sie studierte in Bolivien Erziehungswissenschaften. Ihre Wissbegierde ist noch nicht gestillt: Sie absolviert nun ein Studium der Sozialen Arbeit in Luzern. Später möchte sie als Schulsozialarbeiterin oder im Migrationsbereich arbeiten.
In der Zwischenzeit sucht sie einen Ausgleich im Orientierungslauf, einem ihrer Hobbys. Ein Höhepunkt war die Teilnahme am Rahmenevent der letztjährigen Weltmeisterschaft in Lausanne. Lisy Patricia Bhend mag es, ihren Weg durch Wälder und Städte zu finden.
Erschienen in «AMNESTY - Magazin der Menschenrechte» von Februar 2013.
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion