Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03354.jsonl.gz/3265

(Thunberg, 1815)
- DE: Gefleckte Keulenschrecke
- EN: Mottled Grasshopper
- FR: Le Gomphocère tacheté
- Syn.: Gomphocerus annulatus Fischer von Waldheim, 1833 | Myrmeleotettix australis Harz, 1975 | Gryllus biguttatus Charpentier, 1825 | Gryllus biguttulus Panzer, 1796 | Gomphocerus calidoniensis Stephens, 1835 | Gomphocerus elegans Stephens, 1835 | Gomphocerus ericetarius Stephens, 1835 | Myrmeleotettix hispanicus Harz, 1975 | Oedipoda pulla Fischer von Waldheim, 1846 | Gryllus rufus Zetterstedt, 1821 | Stenobothrus saussurei Seoane, 1879
Morphologie
Myrmeleotettix maculatus gehört zu den kleinsten Grashüpfern Mitteleuropas. Die Grundfarbe ist grau oder braun bis grün mit unregelmässiger heller und dunkler Fleckenzeichnung. Besonders die Weibchen zeichnen sich durch eine grosse farbliche Variabilität aus. Rote oder intensiv grüne Farben sind nicht selten. Oft befindet sich auf den Halsschild-Seitenlappen im hinteren Bereich ein deutlicher, heller Fleck. Die Halsschild-Seitenkiele sind im ersten Viertel stark nach innen geknickt, oft weiss markiert und dunkel gesäumt. Die Fühlerenden sind beim Männchen deutlich keulenartig erweitert und seitlich abgewinkelt. Beim Weibchen sind sie nur wenig erweitert und leicht abgewinkelt. Die dunkel gefleckten Flügel erreichen beim Weibchen die Hinterknie, beim Männchen überragen sie diese etwas. Die Hinterknie sind dunkel. Die Larven haben eine charakteristische Hinterleibszeichnung. Sie tragen auf jedem Rückensegment beidseits eine schwarze und weisse Linie.
Gesang
Der leise Spontangesang von Myrmeleotettix maculatus besteht aus ca. 10 (8-15) s dauernden Strophen, die 1-3 Mal pro Minute geäussert werden. Eine Strophe besteht aus 10-25 voneinander getrennten Versen. Die einzelnen Verse werden im Verlauf der Strophe stetig lauter, ähnlich wie bei Chorthippus mollis. Die Tiere bewegen dabei ihre Hinterbeine streng gegenläufig. Der Werbegesang kann minutenlang anhalten. Während sich das Männchen in eine gute Position vor dem Weibchen begibt, äussert es kurze, kratzende Laute und beginnt erst mit dem intensiven, aus drei Phasen bestehenden Werbegesang, wenn das Weibchen für längere Zeit am gleichen Ort sitzt. Während dem Werbegesang wird der Körper im Rhythmus der Beinbewegungen seitlich hin und her bewegt. Anschliessend versucht das Männchen, sich mit dem Weibchen zu verpaaren und äussert eine Folge von Anspringlauten.
Drei Strophen aus dem Spontangesang von Myrmeleotettix maculatus - CH, VS, Riederalp, 17 °C, sonnig.
Einzelne Strophe aus dem Spontangesang von Myrmeleotettix maculatus - CH, VS, Riederalp, 17 °C, sonnig.
Einzelner Vers aus dem Spontangesang eines einbeinigen Tieres von Myrmeleotettix maculatus - CH, VS, Riederalp, 17 °C, sonnig.
Werbegesang von Myrmeleotettix maculatus - FR, Hautes-Alpes, Chabottes bei Gap, 20 °C, sonnig.
Verbreitung
Das grosse Verbreitungsgebiet von Myrmeleotettix maculatus reicht vom Norden Spaniens bis nach Grossbritannien und Skandinavien. Im Bereich des Polarkreises in Skandinavien und im Norden Russlands wird die nördliche Verbreitungsgrenze erreicht. Im Osten reicht das Areal bis in die Mongolei. Südlich sind die gesamte Balkanhalbinsel und die Türkei besiedelt. In der Schweiz ist Myrmeleotettix maculatus nur verstreut im südlichen Jura, im Wallis und in der Zentralschweiz anzutreffen. In Deutschland ist sie in allen Landesteilen verbreitet, allerdings im Süden seltener als im Norden.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Individuen von Myrmeleotettix maculatus findet man von Juni bis Oktober.
Die Eiablage erfolgt oberflächlich in den Boden, wobei tendenziell kalkarmer, eher trockener Rohhumus bevorzugt wird. Je nach Ort und Klima ist eine zweijährige Embryonalentwicklung möglich. Beide Geschlechter durchlaufen 4 Larvenstadien, die Weibchen teilweise 5. In Österreich konnten die ersten Imagines schon gegen Ende Mai entdeckt werden.
Lebensraum
Myrmeleotettix maculatus besiedelt in ihrem grossen Verbreitungsgebiet unterschiedliche Lebensräume, die sich offenbar in ihrem Mikroklima ähnlich sind. Generell sind die Lebensräume warme, trockene und spärlich bewachsene Flächen mit viel offenem Bodenanteil. Die Art lebt in den Alpen auf lockeren Rasen, Schotterflächen, trockenen Bereichen von Torfmooren, Zwergstrauchheiden, Alpweiden und an Nadelwaldrändern. Offenbar bevorzugt sie kalkarme Böden. In tieferen Lagen besiedelt Myrmeleotettix maculatus Felsensteppen, offene Sandrasen, kurzrasige Schottersteppen, Magerrasen und Heideflächen. Als Sekundärlebensraum dienen auch Steinbrüche.
Gefährdung & Schutz
Myrmeleotettix maculatus ist in der Schweiz stark gefährdet. Grundsätzlich sind Populationen in tieferen Lagen von der Lebensraumzerstörung stärker betroffen als solche in alpinen Lebensräumen. Im Engadin, wo die Art z.B. entlang des Inns in den Flussauen weit verbreitet war, ist sie aufgrund der Fliessgewässerverbauung und des Kiesabbaus verschwunden und 1988 zuletzt gesichtet worden. Die alpinen Lebensräume können durch Pistenplanierung gefährdet sein. Laut der Roten Liste der Schweiz können die neu entdeckten Standorte im Jura den Rückgang der anderen Populationen nicht kompensieren.
- CH: EN (Stark gefährdet)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: VU (Verletzlich)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Die Weibchen von Myrmeleotettix maculatus, deren Fühlerkeulen oft undeutlich erweitert sind, können mit Omocestus haemorrhoidalis verwechelt werden. Die Weibchen von Myrmeleotettix maculatus haben im Vergleich zum Halsschild einen grossen, runden Kopf. Die Halsschild-Seitenkiele sind genickt und nicht nur stark gebogen und das Medialfeld ist bei Myrmeleotettix maculatus etwas erweitert und regelmässig quer geadert. Das Weibchen von Stenobothrus stigmaticus hat ein längeres, schmaleres Halsschild und die Seitenkiele sind im vorderen Drittel nur leicht nach innen gebogen. Der Spontangesang von Myrmeleotettix maculatus kann mit demjenigen von Chorthippus mollis verwechselt werden. Die Strophen von Chorthippus mollis sind aber deutlich lauter und länger, bei vergleichbaren Temperaturen ist die Verswiederholungsrate etwa doppelt so gross. Ausserdem hört man bei Myrmeleotettix maculatus die Pausen zwischen den einzelnen Versen gut heraus. Im US-Detektor erinnert der Spontangesang von Stenobothrus lineatus ebenfalls an jenen von Myrmeleotettix maculatus.