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Ein Lied für Argyris
Regie: Stefan Haupt
Mitw.: Argyris Sfountouris, Chryssoula Tzatha Sfountouri, Astero Liaskou Sfountouri, Kondylia Sfountouri, Mikis Theodorakis, Hanspeter Müller-Drossaart u.a.
Am 10. Juni 1944 massakrierte eine SS-Einheit der deutschen Besatzungsmacht in dem mittelgriechischen Dorf Distomo 218 Zivilpersonen – alte Menschen, Frauen, Kinder und vier Babys. In der Nazi-Sprachregelung war das Blutbad eine sogenannte «Sühnemassnahme» für einen kurz zuvor in einem Nachbardorf von Distomo erfolgten Angriff griechischer Partisanen auf eine deutsche Patrouille. Drei Besatzungssoldaten waren dabei in einen Hinterhalt geraten und wurden erschossen. Einer, der das Massaker von Distomo überlebte, ist der damals vier Jahre alte Argyris Sfountouris. Zusammen mit seinen Schwestern musste der kleine Junge mit ansehen, wie die Nazis seine Eltern und zahlreiche seiner Verwandten niedermetzelten. Sechzig Jahre nach diesem Kriegsverbrechen, das zu den schlimmsten der Nazis auf dem Balkan zählt, trifft Stefan Haupt auf Argyris Sfountouris und zeichnet – zusammen mit dem charmanten älteren Herrn und zahlreichen Zeitzeuginnen und Experten – dessen verschlungenen Lebensweg nach: von Argyris’ Jahren in Athener Waisenhäusern, von wo er 1949 durch Vermittlung des Roten Kreuzes ins Kinderdorf Pestalozzi in Trogen übersiedeln und die Schulzeit absolvieren konnte bis zu seinem Studium an der ETH Zürich, wo er in Mathematik und Astrophysik doktorierte. Danach unterrichtete er an Zürcher Gymnasien, begann griechische Dichter ins Deutsche zu übersetzen und arbeitete später mehrere Jahre mit dem Schweizerischen Katastrophenhilfekorps als Entwicklungshelfer in Somalia, Nepal und Indonesien. Seit Argyris Sfountouris pensioniert und wieder nach Europa zurückgekehrt ist, reist er häufig zwischen der Schweiz und Griechenland hin und her und ist unermüdlich als Mittler zwischen griechischer und deutschsprachiger Kultur tätig. Er hat jahrelange Anstrengungen unternommen, die deutsche Bundesregierung zu Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen des Massakers zu verpflichten – vergeblich. Am 6. September feiert Argyris Sfountouris seinen 80. Geburtstag. Wir freuen uns, den Jubilar an seinem Ehrentag bei uns begrüssen zu dürfen.
Die Vorstellung findet in Anwesenheit des Protagonisten Argyris Sfountouris und des Regisseurs Stefan Haupt statt. Das Gespräch führt der Historiker und postkoloniale Aktivist Hans Fässler. Anschliessend sind alle zum Apéro eingeladen.