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Homeschooling- Selbstportraits von Künstlerinnen Teil 3
Selbstportrait von Louise Bourgeois
Volkmar Frank (*1962), Dichter und Aphoristiker
Louise Josèphine Burgeois 1911-2010
Olga Rosanova 1886-1918
Prinzessin Elisabeth Vilma Lwoff-Parlaghy 1863-1923
Lotte Laserstein 1898-1993
Anita Rèe 1885-1933
Die Kunstgeschichte lehrt uns, dass es den Frauen schwer gemacht wurde, in der Kunst Fuss zu fassen. Ihr Bemühen, Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erlangen, ihren Platz in der Kunst einzufordern, motivierte sie zu Praktiken wie Selbstdarstellungen im öffentlichen Raum, was häufig belächelt wurde. Ja, man bezichtigte sie sogar des Wahnsinns. Dabei zeigten sie in ihren Werken Mut, Themen anzusprechen, die moralische und psychologische Züge offenbarten.
Gibt es eine weibliche Bildersprache?
Dies zu beurteilen ist nicht einfach. Mit dieser Frage haben sich schon Kunstexperten auseinandergesetzt. Im Sinne der Gleichberechtigung heutzutage erscheint eine Diskussion darüber schnell einmal fragwürdig. Es besteht die Gefahr, die Kunst der Frauen an denen der Männer zu messen, was problematisch ist.
Macht euch darum selbst ein Bild!
Louise Joséphine Bourgeois 1911-2010
Diese selbstbewusste Frau gilt als eine der grössten Künstlerinnen der Gegenwart. Bekannt ist die französisch-US-amerikanische Malerin, Bildhauerin, Lyrikerin und Kunsttheoretikerin vor allem durch Installationen, die das Thema Geschlechtlichkeit, das Unbewusste und den Tod behandelten. Sie schuf immer wieder Objekte mit phallischem Charakter, was zurückzuführen ist auf ihr angespanntes Verhältnis zu ihrem Vater. In Paris, in der Galerie ihres Vaters aufgewachsen, musste sie mit ansehen, wie er ihre Mutter jahrelang mit dem Dienstmädchen betrog. Da sie ein Mädchen war schenkte man ihr keine Beachtung.
"Wenn ein Junge geboren wird, dann ist die Familie glücklich. Wenn ein Mädchen geboren wird, dann findet man sich damit ab, man toleriert die Tatsache.“
„Mein Vater redete pausenlos. Ich hatte nie Gelegenheit, etwas zu sagen. Da habe ich angefangen, aus Brot kleine Sachen zu formen. Wenn jemand immer redet und es sehr weh tut, was die Person sagt, dann kann man sich so ablenken. Man konzentriert sich darauf, etwas mit seinen Fingern zu machen. Diese Figuren waren meine ersten Skulpturen, und sie repräsentieren eine Flucht vor etwas, was ich nicht hören wollte. […] Es war eine Flucht vor meinem Vater. Ich habe zahlreiche Arbeiten zu dem Thema 'The Destruction of the Father' gemacht. Ich vergebe nicht und ich vergesse nicht. Das ist das Motto, das meine Arbeit nährt.“ (Wikipedia)
Objekt Spinne von Louise Joséphine Bourgeois
Objekt Phallus von Louise Joséphine Bourgeois
Zuflucht fand Louise bei ihrer Mutter, einer Weberin, die ihre beste Freundin wurde und die sie sehr verehrte. In der bekannten Installation "Spinne" setzte sie ihr ein symbolisches Denkmal. Nach dem Tod der Mutter unternahm Louise einen Suizidversuch. In dem Werk „The Destruction of the Father“ (deutsch: die Vernichtung des Vaters) verarbeitete sie die traumatischen Erinnerungen ihrer Kindheit. Sie lebte mit ihrem Mann, Robert Goldwater und dem Stiefsohn Michel in New York, wo sie wenig später ihre eigenen Söhne Jean Louis und Alain gebar.
Selbstportait von Louise Burgeois
Louise Burgeois arbeitete installative, experimentierte mit unterschiedlichen Materialien. Sie arrangierte ihre Skulpturen in einen räumlichen Kontext, verwendete Fragmente alter Gebäude (z.B. eines abgerissenen New Yorker Justizgebäudes) platzierte Gegenstände mit autobiographischer Bedeutung.
Louise Bourgeois starb im Alter von 98 Jahren in Chelsea.
Olga Rosanova 1886-1918
Olga Rosanovas Werke werden dem Stil des Suprematismus, Neoprimitivismus und Kubofuturismus zugerechnet. Die russische Malerin, Buchillustratorin, Lyrikerin und Kunsttheoretikerin war ein Gründungsmitglied des Künstlerverbandes „Union der Jugend“.
Einige ihrer Werke durfte sie auf der "Internationalen Futurismus Ausstellung" in Rom 1914 zeigen, darunter auch die Illustrationen zum Thema "Entennest" aus dem Buch ihres Mannes Alexey Krutschonych, Dichter des Futurismus, den sie 1916 heiratete. Im Jahre 1915 wandte sie sich der gegenstandslosen Kunstform zu und arbeitete 1916 an der ersten (unveröffentlichten) Nummer der suprematistischen Zeitschrift „Supremus“ mit.
Selbstdarstellung
Selbstdarstellung
Prinzessin Elisabeth Vilma Lwoff-Parlaghy 1863-1923
Prinzessin Elisabeth Vilma Lwoff-Parlaghy, geborene Parlaghy war eine ungarisch-amerikanische Portraitmalerin. Um 1900 galt sie als „Malerfürstin“.
Selbstdarstellungen
Elizabeth Vilma liess sich in Budapest und später in München zur Malerin ausbilden. Sie wurde Mitglied des Ateliers von Franz von Lenbach und lernte unter ihm die Portraitmalerei.1885 erhielt sie auf der internationalen Kunstausstellung in München die Goldmedaille. Nach einer Italienreise zog sie nach Berlin und heiratete dort 1890 den Juristen Karl Krüger, von dem sie fünf Jahre später wieder geschieden wurde.
1891 erregte sie in einer Ausstellung in Berlin Aufsehen mit dem Portrait von Generalfeldmarschall Moltke. Der deutsche Kaiser Wilhelm erwarb dieses Bild und vergab ihr mehrere Aufträge für ein Portrait von ihm selbst. 1894 erhielt sie erneut eine Goldmedaille. Weitere Auszeichnungen folgten.
Helmuth von Moltke (Generalfeldmarschall) (1891) Kaiser Wilhelm
Sie verbrachte 1896 ein Jahr in New York, kehrte dann nach Prag zurück und heiratete den russischen Fürsten Lwoff. Mit ihm lebte sie eine kurze Zeit auf dessen Besitz am Tegernsee, bevor sie erneut geschieden wurde. Sie nannte sich nun "Prinzessin Lwoff-Paraghy".
Zurück in New York fand sie Zugang zu wohlhabenden US-amerikanischen Auftraggebern. Elisabeth Wilma pendelte zwischen Europa und den USA. Sie wurde Mitglied der Jury für die Grosse Berliner Kunstausstellung 1902 und heiratete erneut. Mit Peter Nors hatte sie eine Tochter, die in London aufwuchs, während die Mutter sich in Berlin und Nizza aufhielt.
1908 ging Lwoff-Parlaghy endgültig in die USA, lebte dort im Hotel Plaza in Manhattan, in einer Luxussuite mit vierzehn Zimmern. Sie hielt sich einen eigenen Chirurg, einen Kammerherr, sowie einen echten Löwen namens "Goldfleck", den sie nach dessen Tod auf dem Hartsdale Pet Cemetery bestatten liess. Woher sie ihren Reichtum hatte, wusste Niemand. Mit dem ersten Weltkrieg1914 nahm ihr Erfolg ab und damit auch ihr Vermögen. Sie floh vor der Verfolgung der Anwälte und Bankiers, hinterliess dem Plaza Hotel eine unbezahlte Rechnung über 12.000 US-Dollar. 1923 starb sie, umgeben von ihren Kunstwerken, in einem kleinen Zimmer, vor dem die Gläubiger warteten. Nach ihrem Tod geriet sie in Vergessenheit.
Kurze Erklärung:
Suprematismus = ist eine Stilrichtung der Moderne der bildenden Kunst, mit Verwandtschaft zum Futurismus und Konstruktivismus. Sie entstand in Russland und wurde von K. Malewitsch (1878–1935) gegründet und bestand bis zu Beginn der 1930 er Jahre.
Neoprimitivismus = Neoprimitivismus bezeichnet eine Bewegung der russischen Avantgarde, der sich eine recht große Zahl russischer Künstler anschlossen. Der Neoprimitivismus entstand aus einer Begeisterung für die naive Kunst der "Primitiven" zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ziel des Neoprimitivismus war es, der Kunst der Folklore einen anderen Sinn zu geben und ihn mit den Formen des Expressionismus zu vereinen.
Eine der wichtigsten Vertreterinnen des Neoprimitivismus ist Natalija Gontscharowa, aber auch Künstler wie Kasimir Malewitsch schlossen sich eine Zeit lang dieser Kunstrichtung an.
Kubofuturismus = Der Kubofuturismus ist eine Stilrichtung der Bildenden Kunst, die sich in Russland in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte. Dabei wurden Erfahrungen und Elemente des Kubismus und des Futurismus miteinander verschmolzen.
Die Formensprache betont dabei häufig zylindrische oder kegelförmige Motive.
Lotte Laserstein 1898-1993
Lotte Laserstein, im damaligen Ostpreussen geboren, war eine deutsch-schwedische Malerin. Als Vertreterin der Gegenständlichen Malerei genoss sie hohes Ansehen in der Weimarer Republik. Die Familie Laserstein war eine wohlhabende und angesehene Familie, sie gehörten zum assimilierten Judentum und zu den „besseren Kreisen“ der Stadt. Nach dem frühen Tod ihres Vaters zog die Familie nach Danzig. Ihre Schwester betrieb dort eine Malschule an der Lotte eine Grundausbildung machte. 1912 übersiedelte die Mutter mit ihren beiden Töchtern nach Berlin. Lotte absolvierte dort von 1921-1927 ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste, welches sie mit Auszeichnung abschloss. Das ist insofern bemerkenswert, da die Frauen erst 1919 die Erlaubnis erhielten, zu studieren.
Lotte Laserstein spezialisierte sich auf die Portraitmalerei. Ihr eigenes Atelier baute sie um zu einer Malschule. Sie lernte die Fotografin Traute Rose kennen, mit der sie eine lebenslange Freundschaft verband. Auf vielen Bildern ist sie zusammen mit der Malerin zu sehen. Rose war Lottes bevorzugtes Modell. Sie war fasziniert von diesem androgynen Frauentyp. Rose war selbstbewusst, couragiert, sportlich und gleichzeitig humorvoll, der Inbegriff der modernen Frau.
Lotte mit Traute
Lotte Laserstein wurde eine der ersten Malerinnen, die Frauen in den Vordergrund ihrer Kunst stellten. Sie blieb ihr Leben lang unverheiratet.
Neben Traute Rose portraitierte sie Kinder und alte Menschen, die ihr auf der Strasse begegneten. Das Gemälde "Abend über Potsdam" hängt heute in der Nationalgalerie.
Abend über Potsdam
1933, zur Zeit des Nationalsozialismus, war ihr das Malen untersagt, da sie mütterlicherseits Halbjüdin war. Ihre Bilder werden als „entartete Kunst“ deklariert. Ihre Malschule wurde als jüdisches Unternehmen eingestuft und geschlossen. Man entliess sie aus allen Ämtern, untersagte ihr das Ausstellen ihrer Werke. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie nur noch durch privaten Kunstunterricht. Im Dezember 1937 emigrierte sie mit ihren Bildern nach Schweden. Um die schwedische Staatsbürgerschaft zu erhalten, ging sie eine Scheinehe mit einem jüdischen Kaufmann ein. Es gelang ihr nicht, ihre Mutter nach Schweden zu holen. Diese wurde 1943 im Frauen KZ Ravensbrück ermordet. Ihrer Schwester Käthe tauchte mit ihrer Lebensgefährtin unter. Ihr gelang die Flucht nach Schweden erst 1946. Lotte und Käthe lebten in Schweden zusammen bis zu ihrer Rückkehr nach Berlin 1954. Käthe starb 1965.
Die Trennung von Traute Rose war für Lotte ein schwerer Verlust. Ihre Arbeiten erhielten nie wieder die gleiche Intensität wie vorher, obwohl es an Aufträgen nicht mangelte. Sie malte bis zu ihrem Tod im Alter von 94 Jahren. Ihr Gesamtwerk umfasst ungefähr 10.000 Arbeiten.
Viele ihrer Bilder haben ihre Strahlkraft bis heute nicht verloren.
Wie so manche Künstlerin und mancher Künstler der sog. "Verschollenen Generation" ist Lotte Laserstein fast in Vergessenheit geraten bis 2004 das Museum in Berlin sie wiederentdeckte und mit einer Ausstellung würdigte. Seitdem werden ihre Arbeiten in vielen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt. 2020 brachte die Berliner Kurverwaltung eine Gedenktafel für Lotte Laserstein an ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Jenaer Str. 3 in Berlin-Wilmersdorf an.
Anita Rèe 1885- 1933
Anita Rèe war eine deutsche Malerin der Avantgarde. Sie kam in Kampen auf Sylt zur Welt als zweite Tochter eines jüdischen Kaufmanns, der mit Getreide und ostindischer Ware handelte. Sie wurde evangelisch-lutherisch getauft und konfirmiert. Auch sie hatte unter der Herrschaft der Nationalsozialisten zu leiden.
zwei Selbstportraits
Anita Rèe nahm Unterricht bei einem Hamburger Maler, war jedoch hinsichtlich ihrer Begabung im Malen von Selbstzweifeln geplagt. Sie suchte Rat bei Max Liebermann in Berlin, der ihr Talent erkannte uns sie zur Fortsetzung ermunterte. Damals war es Frauen nur möglich, sich privat weiterzubilden und so schloss sie sich einer Ateliergemeinschaft an.
1912 ging sie nach Paris und erlernte dort im Umkreis von Fernand Leger das Aktzeichnen.
1921 bis 1925 lebte sie in Positano an der Amalfi Küste und wandte sich der Neuen Sachlichkeit zu. Sie kehrte erst 1926 nach Hamburg zurück. Ihre Portraits fanden Anklang, vor allem in den Familien ihres Umfelds.
Blaue Frau von Anita Rèe
Ihren Durchbruch hatte sie in der Zeit der Weimarer Republik. 1920 trat sie der Hamburgischen Künstlerschaft bei. Gegen Ende der Weimarer Zeit begann die jüdische Hetze. Die Ausgrenzung nach der Machtübernahme der Nazis nahm zu. Am 25. April 1933 wurde sie von der Hamburgischen Künstlerschaft als „artfremdes Mitglied“ diffamiert und ausgeschlossen. Die fertige Auftragsarbeit ihres Altar Triptychon wurde von evangelischen Seite zurückgewiesen. Anita wurde als Jüdin denunziert und ausgegrenzt. Ihre Altar Bilder wurden vermutlich eingelagert und verbrannten bei der Zerstörung der Kirche St. Nikolei in Hamburg in den Bombennächten 1943.
weisse Bäume von Anita Rèe
Anita Rèe war vom Leben enttäuscht und vereinsamte. Kurz bevor sie sich das Leben nahm auf
der Insel Sylt schrieb sie an ihre Schwester Emilie:
"Ich kann mich in so einer Welt nicht mehr zurechtfinden und habe keinen einzigen anderen Wunsch, als sie, auf die ich nicht mehr gehöre, zu verlassen. Welchen Sinn hat es – ohne Familie und ohne die einst geliebte Kunst und ohne irgendwelche Menschen – in so einer unbeschreiblichen, dem Wahnsinn verfallenen Welt weiter einsam zu vegetieren … ?“
Warum berühren uns die Schicksale von Künstlerinnen und Künstler, die in Vergessenheit gerieten, ihr Leben wegwarfen oder ermordet wurden? Was empfinden wir bei der Vorstellung, dass ihre Bilder vernichtet wurden? Ich kann nur für mich sprechen und gestehe, dass es mich betroffen macht und unendlich traurig.
Katharina