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Der Volksmund nennt die Pflanze auch: Pequiá–bravo
Wissenschaftlicher Name: Caryocar brasiliense Camb
Deutscher Name: Pequi oder Souari-Nuss
Aus der botanischen Familie der: Caryocaceae
Herkunft: Brasilien – Cerrado–Gebiete
Charakteristische Eigenschaften der Pflanze
Baum von bis zu 10 Metern Höhe mit gewundenem Stamm und grober, gekerbter Rinde. Die behaarten Blätter bestehen aus drei Segmenten, deren Ränder gezackt sind. Die grossen gelben Blüten erscheinen zwischen September bis Dezember.
Frucht
Das Fruchtfleisch von intensiv gelber Färbung umhüllt einen harten Kern, der sich aus einer grossen Zahl kleiner Stacheln zusammensetzt. Reife von Januar bis April.
Anbau
Geschieht mittels der Samen während der Regenzeit. Die Pflanze bevorzugt heisses Klima – ideal sind der Norden, der Nordosten und der Mittelwesten Brasiliens. Die Entwicklung der Jungpflanzen ist recht langsam. Jede ausgewachsene Pflanze liefert im Durchschnitt 6.000 Früchte pro Jahr.
Immer im Januar ist die Luft der Region erfüllt vom Duft der Pequi, der aus den Küchen des Cerrado ins Freie dringt. Zuallererst tun sich die wilden Tiere gütlich an dem Überfluss: die Bienen und anderen Insekten an den Blüten – Vögel aller Arten und Grössen an den reifenden Früchten – und die vielen kleinen Nager und Säugetiere des Cerrado, wie Gürteltiere, Meerschweinchen, Pacas, Hirsche und Wildschweine machen sich über die herunter gefallenen Früchte unter dem Baum her.
Und natürlich die Menschen: ganze Familien brechen auf, um die „Apanha do Pequi“ – das jährliche Sammeln der Frucht gemeinsam durchzuführen. Die reifen Früchte fallen relativ leicht von den Zweigen, also versucht man, sie kurz vor diesem Endstadium herunter zu schütteln. Und dann findet man die Pequi–Früchte überall in diesen Regionen: sowohl in den kleineren Orten wie auch in den grösseren Städten – in Goiania, Brasília und sogar Belo Horizonte, wo ambulante Händler die frischen Früchte anbieten. Sie haben etwa die Grösse einer kleinen Orange, und sie sind reif, wenn ihre Schale, die stets ihre grünlich–gelbe Färbung beibehält, weich wird.
Öffnet man die Schale, so findet man in jeder Frucht ein, zwei, drei oder vier weiche, mandelartige Kerne, umgeben von gelbem, weissem oder auch rosafarbenem Fruchtfleisch – dem interessantesten Teil der Pflanze. Aber Vorsicht: im Innern jedes Kerns lauern kleine, feine Stacheln auf den unvorsichtigen Geniesser – man braucht also etwas Knowhow, um sich die Früchte ohne empfindliche Störung einzuverleiben.
Die Bewohner in den vom Pequi–Baum gesegneten Regionen haben eine Vielfalt von Verwendungszwecken für die proteinreichen Früchte entwickelt – besonders in der regionalen Küche werden Reis, Huhn und Bohnen zusammen mit Pequi zubereitet – wohlschmeckende und sehr kräftige Mahlzeiten – und der Likör aus der Pequi–Frucht ist sogar eine nationale Berühmtheit. Sogar Süssigkeiten werden mit dem typischen Aroma der Pequi verfeinert. Trotzdem kann man nicht von allgemeiner Verehrung dieser interessanten Frucht sprechen: es gibt nämlich Leute, die können den penetranten Geruch der reifenden Frucht nicht einmal von Ferne ertragen! Die anderen, welche diese Frucht lieben, lassen keine Ernte aus, ohne sich damit geradezu zu überfressen – und stillen so den übers Jahr angestauten Appetit auf dieses nahrhafte Geschenk der Natur.
Gegenwärtig kann man sogar das Fruchtfleisch der Pequi oder auch die ganzen Früchte aus der Tiefkühltruhe bekommen, aber ihre Verehrer und Kenner behaupten, dass diese nicht mit den frischen Früchten in den Reifemonaten zu vergleichen seien. Stark kalorienhaltig, von aromatischem Geschmack, ist die Pequi eine der wenigen Früchte, die man sowohl als Ergänzung wie als Würze von Speisen benutzt – das Fruchtfleisch enthält einen starken Anteil essbaren Öls (zirka 60%) und ist reich an Vitamin A und Proteinen, die damit zu einem bedeutenden Element der Nahrungsergänzung für die Bevölkerung werden. Die Kerne der Frucht – einerseits wegen ihrem hohen Ölgehalt und andererseits wegen bestimmter chemischer Charakteristika – findet Anwendung in der kosmetischen Industrie zur Herstellung von Seifen und Cremes.
Leider produziert der Baum auch ein Holz, dessen besondere Qualität als Holzkohle schon seit längerer Zeit erkannt worden ist und entsprechend ausgebeutet wird. In den letzten Jahren waren die häuslichen Herdfeuer und auch die immer wieder vorkommenden Brandrodungen hauptverantwortlich für die empfindliche Dezimierung der nativen Pequi–Bäume im Cerrado. Und so gehört auch diese so nahrhafte und beliebte Frucht bereits zu den gefährdeten Arten.
Zu den Bemühungen der Techniker des „Centro de Pesquisa Agropecuária do Cerrado“ (innerhalb der EMBRAPA), in Brasília, gehört neben der Umwelterziehung auch die Produktion und Verteilung von Stecklingen des Pequi–Baumes an die einheimische Bevölkerung, um die Pflanze zu retten – so wie sie das auch mit anderen gefährdeten Pflanzen tun. Ausserdem ist ihr Ziel, eine Kampagne zur rationalen Nutzung der Pequi einzuleiten, indem man den Baum besonders in zur Wiederaufforstung vorgesehenen Arealen anpflanzt.
Besonders der aromatische Geruch der Frucht hat auch Dichter und Schriftsteller der Nation seit eh und je begeistert, und sie haben ihr viele Verse und ganze Kapitel gewidmet. Patativa do Assaré, zum Beispiel, eine Dichterin aus dem Volk in Ceará, bezeichnete die Pequi als die typische „verbotene Frucht“ aus der Bibel. Manche Leute sagen ihr eine starke Wirkung als Aphrodisiakum nach – und, „dass Frauen während ihrer Ernte leichter schwanger würden“.
Die Pequi – wie man sie fast überall kennt – wird im Bestimmungsbuch von „Pio Correa“ als „Piquiá–bravo“ bezeichnet. Und im selben Buch von Pio Correa kommt eine andere Frucht vor, der ersteren sehr ähnlich, die er als „Piquiá–verdadeiro“ bezeichnet – und dabei handelt es sich um jene, die wir einfach „Piquiá“ (Caryocar villosum) nennen. So wie der Pequi–Baum im Cerrado blüht und Früchte hervorbringt, so ist der Pequiá typisch für die Wälder Amazoniens – und zwar dem Teil der „Terra firme“, dem Festlandswald. Und wie sein Bruder im Cerrado, kommt auch dem Pequiá in Amazonien grosse wirtschaftliche Bedeutung unter der einheimischen Bevölkerung zu – und sie kultivieren ihn in diesen Regionen. Auch in der Grossstadt Manaus findet man etliche Exemplare als Begrenzungen von Strassen und Plätzen. Beide Früchte – die des Pequi und jene des Pequiá – haben dieselben Eigenschaften, und auch die Frucht des Pequiá ist essbar – roh oder gekocht – und ist eine bedeutende Quelle für proteinreiche Kost.
Der einzige merkbare Unterschied zwischen den beiden besteht in der Grösse ihrer Pflanzen als Ganzes: im Gegensatz zum relativ gedrungenen Wuchs des Pequi–Baumes, erreicht der Pequiá eine respektable Höhe von bis zu 40 Metern innerhalb des geschlossenen Regenwaldes und erreicht an seiner gerundeten Basis einen Durchmesser von bis zu 5 Metern. Und dies scheint mir ein weiteres Beispiel für die wunderbare Anpassungsfähigkeit der Spezies innerhalb des Ambientes, in dem sie sich entwickeln.