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Der Keynesianismus zielt – wie der Monetarismus – darauf ab, Konjunkturzyklen zu glätten. Allerdings unterscheiden sich die Mittel, mit denen dies erreicht werden soll grundlegend.
Das Ziel: ein geglätteter Konjunkturverlauf
Konjunkturelle Zyklen können drastische Auswirkungen haben. Diese waren in der Geschichte immer wieder zu beobachten. Der dramatischste Fall im 20. Jahrhundert war sicherlich die Grosse Depression zu Beginn der 1930er Jahre. Aber auch vom Konjunktureinbruch 2008/2009 ausgelöst durch die Subprime- und Bankenkrise (und später fortgesetzt durch die Staatsschuldenkrise) hat sich die Weltwirtschaft nur sehr schleppend erholt. Da solche Phasen stets mit (teils dramatisch) erhöhter Arbeitslosigkeit einhergehen, besteht das Bedürfnis, diese konjunkturellen Zyklen zu dämpfen oder am liebsten komplett auszugleichen. Dasselbe gilt im Übrigen auch für eine Überhitzung der Wirtschaft, da dies längerfristig zu Problemen durch den Aufbau von Überkapazitäten und Fehlallokation von Kapital führt.
Der keynesianische Ansatz
Der keynesianische Ansatz, dieses Problem anzugehen geht auf John Maynard Keynes zurück. Die Grundlegende Idee hinter dem Keynesianismus ist, dass die Nachfrage die Wirtschaft respektive den Konjunkturverlauf bestimmt. Unter dieser Annahme ist es natürlich sinnvoll, den Konjunkturverlauf über die Steuerung der Nachfrage beeinflussen zu wollen. Ein Staat kann dies prinzipiell über zwei Mechanismen tun:
- Er kann die Staatsausgaben steigern. Damit steigert er die Gesamtnachfrage in einer Volkswirtschaft direkt. Oft geschieht dies über Infrastruktur-Investitionen, es sind aber auch andere Wege vorstellbar.
- Er kann die Steuern senken. Damit hofft er, die Gesamtnachfrage indirekt zu steigern, da den Menschen und Unternehmen im Land mehr frei verfügbares Einkommen verbleibt. Während Individuen dadurch zu mehr Konsum angeregt werden sollen, stehen bei Unternehmen die Investitionen im Vordergrund. Beides erhöht die Gesamtnachfrage – allerdings ist der Staat bei dieser Variante darauf angewiesen, dass Bürger und Unternehmen auch mitspielen, und das zusätzlich zur Verfügung stehende Geld nicht etwa einfach sparen oder im Ausland investieren.
Der Keynesianismus war nach dem zweiten Weltkrieg eine weit verbreitet verfolge wirtschaftspolitische Ideologie, als es darum ging die Wirtschaft (vor allem in Europa) nach dem Krieg wieder aufzubauen. Hier funktionierte er auch sehr gut, allerdings gelang es danach nicht, die in den 1970er Jahren aufkommende Inflation wirkungsvoll zu bekämpfen, worauf der Keynesianismus mehrheitlich durch den Monetarismus abgelöst wurde.
Vorteile des Keynesianismus
Der grösste Vorteil des Keynesianismus ist sicherlich, dass die Steuergrössen bekannt und relativ einfach zu beeinflussen sind. Gerade Infrastrukturinvestitionen können einem Land auch langfristig Vorteile bringen, wenn sie gut geplant sind. Die Konjunkturbeeinflussung über Steuersätze hat den (theoretischen) Vorteil, dass sie schnell umsetzbar und auch leicht wieder rückgängig zu machen ist.
Nachteile des Keynesianismus
Dem keynesianischen Ansatz der Konjunktursteuerung haftet der Nimbus an, dass die Massnahmen immer zu spät kommen. Das kann dazu führen, dass Massnahmen, welche eigentlich antizyklisch geplant waren, schliesslich prozyklisch wirken. So verstärkt der Staat den Konjunkturzyklus, statt ihn zu dämpfen. Ausserdem stellt sich bei Infrastrukturprojekten natürlich immer die Frage, wieso der Staat Projekte realisieren soll, welche die Privatwirtschaft offensichtlich nicht selbst realisieren möchte. Wenn man nun diese Frage dahingehend beantwortet, dass für den Staat Projekte auch “indirekt” – via höheres Steueraufkommen – rentabel sein können, stellt sich als nächstes die Frage, wieso das Projekt nicht schon länger realisiert wurde. Schliesslich ist auch der theoretische Vorteil der Änderung der Steuersätze, dass sie schnell umsetzbar und auch wieder rückgängig zu machen sind, in der Praxis kaum zu realisieren. Während sich für Steuersenkungen oft politische Mehrheiten finden lassen, wird dies bei Steuererhöhungen ungleich schwieriger.