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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

94. Vortrag
1.
Als der Herr seinen Jüngern die Verfolgungen vorhergesagt hatte, welche sie nach seinem Hingang erleiden sollten, fuhr er fort und sprach: „Dies aber habe ich euch nicht von Anfang gesagt, weil ich bei euch war; jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat“. Hier ist nun zunächst zu sehen, ob er ihnen nicht früher zukünftige Leiden vorausgesagt hat. Aber die andern drei Evangelisten zeigen hinreichend, daß er diese Dinge vorausgesagt hat, bevor man zum Mahle gekommen war1, und nach dessen Vollendung sprach er nach Johannes das Folgende: „Dies aber habe ich euch nicht von Anfang gesagt, weil ich bei euch war“. Oder läßt sich diese Frage vielleicht so lösen, daß auch jene erzählen, er sei dem Leiden schon ganz nahe gewesen, als er dies sagte? Nicht von Anfang also, seit er bei ihnen war, sondern erst als er bereits im Begriffe stand, zu scheiden und zum Vater zu gehen, hat er dies gesagt, und darum ist auch nach jenen Evangelisten wahr, was hier gesagt ist: „Dies aber habe ich euch nicht von Anfang gesagt“. Aber was halten wir von der Zuverlässigkeit des Evangeliums nach Matthäus, welcher die Sache so darstellt, daß ihnen dies vom Herrn nicht erst angekündigt wurde, da er mit den Jüngern Ostern halten wollte, unmittelbar vor dem Leiden, sondern schon von Anfang, wo zum ersten Mal die zwölf Apostel mit Namen angeführt und zu den göttlichen Werken gesandt werden?2 Was hat es also zu bedeuten, daß er hier [S. 966] sagt: „Dies aber habe ich euch nicht von Anfang gesagt, weil ich bei euch war“, als eben dies, daß er das, was er hier vom Heiligen Geiste sagt, daß er nämlich zu ihnen komme und Zeugnis geben werde zu der Zeit, da sie jene Übel erleiden würden, ihnen von Anfang nicht gesagt hat, weil er bei ihnen war?
1: Matth. 24, 9; Mark. 13, 9―13; Luk. 21, 12―17.
2: Matth. 10, 17.