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Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Nach dem die Kirchen Englands im Laufe des 16. Jahrhunderts einenBildersturm erfuhren, sehen die späten 1620er und die 1630er Jahre eineWiederkehr von biblischen Figuren und Szenen. Diese Wiedereinführungdes Kirchenschmucks mündete allerdings in einer erneuten Welle desIkonoklasmus kurz vor Ausbruch des Englischen Bürgerkrieges.
Die visuelle Kraft von Miltons Paradise Lost, einem biblischen Epos verfasst von einem blinden Poeten, ist in der Literaturkritik ein Gemeinplatz geworden. Aber die Implikationen der Caroline image debate für Miltons späte Dichtung (Paradise Lost, Paradise Regained, und Samson Agonistes) sind im Grossen und Ganzen unerforscht geblieben. Dieses Projekt setzt sich zum Ziel diese Lücke in den Miltonstudien anzugehen und dabei neues Licht auf Miltons Poetik und heterodoxe Theologie zu werfen. Gleichzeitig soll auch ein Beitrag zur Geschichte der visuellen Kultur in der Reformation geleistet werden, welcher in direktem Bezug auch zur protestantischen Schweiz steht. Falls Gott sich uns ausschliesslich durch die heilige Schrift zeigt, wie kann der Puritaner Milton seine hochvisuelle, theatralische und epische Behandlung der ersten drei Kapitel von Genesis rechtfertigen? Wie konzeptualisiert er die Beziehung zwischen dem Dichter, seinen Bilderwelten und ihren spirituellen Modellen? Welches Licht wirft dies auf Miltons Verständniss des menschlichen Schöpfers zu Gott und über die menschliche Neigung zur Idolatrie? Was sagt uns dies über Miltons Sicht der Dreifaltichkeit, über seinen Blick auf die Erbsünde, den freien Willen und den Begriff der Gnade?
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Es erscheint durchaus zeitgemäss Milton im Zusammenhang der Caroline image debate und des begleitenden Ikonoklasmus zu untersuchen. Wie zwei vor kurzem veranstaltete Ausstellungen (Bern 2000, Karlsruhe 2002) und eine Vielfalt von Publikationen belegen, ist Ikonoklasmus (bzw. was Bruno Latour ‘Iconoclash’ nennt), ein höchst relevantes Thema. Nach der Zerstörung von 9/11, nach der Verwüstung von religiösen Bauten beispielsweise in Timbuktu in 2012, ist die Untersuchung der wiederkehrenden menschlichen Neigung, Bilder zu zerstören und wieder zu errichten, ein dringendes wissenschaftliches Anliegen.