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Grundbedürfnissen der Menschen, ähnlich wichtig wie Essen und Trinken. Leider ist es so, dass Sexualität häufig ein Tabu-Thema ist oder gar in die Schmuddelecke gestellt wird: «Darüber spricht man nicht.» Doch sehr wohl soll man darüber sprechen: Viele Menschen leiden unter sexuellen Problemen. Bei Morbus Parkinson besagt die Forschung, dass rund die Hälfte aller Betroffenen sexuelle Probleme haben. Bei Männern treten Erektionsprobleme mit der Diagnose Morbus Parkinson etwa 4-mal häufiger auf (ca. 49% sind betroffen, vor der Diagnose nur ca. 10%). Probleme mit der Lust bestehen bei rund 40% der betroffenen Männer und rund 80% der betroffenen Frauen. Auch Medikamente können die Sexualität beeinflussen (z. B. blutdrucksenkende Mittel oder Antidepressiva). Es gibt aber auch Parkinsonmedikamente, die zu einer Steigerung der sexuellen Bedürfnisse führen können. Dies kann für die Partnerin oder den Partner belastend sein. Speziell bei Problemen der Sexualität ist die Partnerin bzw. der Partner mitbetroffen.
Die Zufriedenheit mit der Sexualität sinkt bei Partnern von Parkinsonbetroffenen von 90% auf rund 60%, wobei vor allem Frauen unter den sexuellen Problemen ihres erkrankten Partners leiden. Die Unzufriedenheit mit der Sexualität wiederum kann zu einer Beeinträchtigung der Beziehungsqualität führen. Dies alles sind Gründe, das Schweigen zu brechen und Rat zu suchen. Wenn Sie nun fragen, «was können wir tun, was kann ich tun, wenn Parkinson die Sexualität beeinflusst, die Sexualität nicht mehr funktioniert, eine sexuelle Unzufriedenheit sich breitmacht und gar die Beziehung beeinflusst », ist meine erste Antwort: Machen Sie die Sexualität zum Thema – in Ihrer Paarbeziehung ebenso wie bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Der Arzt muss wissen, was Sie in Ihrem Alltag mit der Parkinsonkrankheit beschäftigt und zu Schwierigkeiten führt. Nur so kann er Sie unterstützen und allenfalls an therapeutische Fachpersonen weiterverweisen.
Meine zweite Antwort auf die Frage, was sie tun können, lautet: Vergessen Sie nicht, dass es nicht nur darum geht, die Anweisungen der Ärzte zu befolgen, Therapien wahrzunehmen oder gar «sexuell zu funktionieren». Sondern es geht auch darum, sich weiterhin Nähe und Zärtlichkeit zu schenken, sich als Paar nahe zu bleiben, auch wenn der geliebte Mensch an der Seite sich verändert, die Beziehung sich verändert und Sexualität schwierig oder vielleicht sogar unmöglich wird. Schauen Sie, dass Sie sich genussvolle Auszeiten als Paar reservieren, um bewusst Zeit füreinander und für die Zweisamkeit zu haben. Und fangen Sie an, auf Ihre Wünsche und Sehnsüchte zu hören und darüber zu reden.
Dr. Ines Schweizer
Dr. Ines Schweizer ist Sexual- und Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Luzern. Zudem ist sie die Autorin des Sachbuches «Guter Sex».
«Die Unzufriedenheit mit der Sexualität kann zu einer Beeinträchtigung der Beziehungsqualität führen.»