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In der Werbung nichts Neues
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Während meines Germanistik-Studiums vor ewigen Zeiten bin ich auf diese für mich damals unerhörte Neuigkeit gestossen: Viele berühmte Dichter und Dichterinnen, Autorinnen und Autoren haben sich als PR- und Werbetexter verdingt. Daraufhin hatte ich die glorreiche Idee, mir die anstrengende und Zeit raubende Romanschreiberei zu (er)sparen und lieber direkt reich und berühmt zu werden – als Werbetexterin. Aber ich schweife ab. Hier soll es schliesslich um wahre Künstler gehen ...
Bertolt Brecht zum Beispiel. Er erschrieb sich seine geliebten Steyr-Autos mit Werbegedichten und PR-Artikeln. Frank Wedekind war fünf Monate lang Werbeleiter bei Maggi. Aus seiner Sicht müsste es vielleicht eher "fünf lange Monate" heissen? Ich weiss es nicht ... Jedenfalls war er drei weitere Monate als Freelancer für Maggi tätig. Robert Kuhn, der Autor des Buchs "Wenn Dichter texten” aus der Stern-Bibliothek, meint, Wedekind sei wohl der erste freie Texter deutscher Sprache gewesen. “Und einer der fleißigsten: 160 Reklamen (redaktionell anmutende Inserate möglichst direkt unter dem Redaktionsstrich) und 20 Annoncen in acht Monaten (…).” Elisabeth Langgässer wurde 1936 als Halbjüdin mit Schreibverbot belegt. In dieser Zeit schrieb sie “für die Schublade” und textete Parfümreklame für Uralt-Lavendel der Firma Lohse. Ich frage mich, was sich der Namensentwickler dabei gedacht hat: Uralt-Lavendel. Der perfekte Name für ein Parfüm?!?
Kurt Schwitters, Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, Eugen Roth, Hans Magnus Enzensberger, Gabriele Wohmann, Carl Zuckmayer, Erich Maria Remarque, Eckhard Henscheid, Robert Gernhardt (um nur einige weitere zu nennen) haben ebenfalls alle auch getextet. Keine so schlechte Gesellschaft, in der wir Textarbeiter und -arbeiterinnen uns da befinden.
Unbestritten ist, dass die oben Genannten alle Verfasser von guten literarischen Texten sind. Grundsätzlich. Im Einzelfall muss das natürlich immer wieder neu entschieden und begründet werden. Ob sie alle auch gute (Gebrauchs-)texte geschrieben haben, ist eine Frage, die (wiederum im Einzelfall) zu klären wäre. Die Diskussion ist eröffnet ;-)