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Als Intel 1995 die erste Version des universellen seriellen Bus (USB) einführte, hatte die neue Technologie vor allem eine Aufgabe: Sie sollte die diversen Anschlüsse für Tastatur, Maus, Drucker und andere Peripherie-Geräte am PC vereinheitlichen. Ganz nebenbei sollten auch die zahlreichen Nachteile dieser Ports durch USB-Fähigkeiten wie Hot-Plugging und Auto-Konfiguration verbessert werden.
Keiner ahnte damals, dass es über drei Jahre dauern würde, bis sich der neue Standard durchsetzen konnte. Erst Windows 98 brachte native Unterstützung für USB, und erst mit der Einführung dieses Betriebssystems kamen auch die ersten PCs mit USB-Ports auf den Markt. Passende Geräte folgten daraufhin relativ schnell, allen voran Mäuse und Tastaturen. Erst allmählich wurden auch Drucker, Low-End-Scanner, Webcams und andere Geräte mit USB-Anschlüssen versehen.
Für all diese "langsamen" Geräte mit ihrem meist eher geringem Datenaufkommen vermochte die Übertragungsrate von maximal 12 MBit pro Sekunde, die USB 1.1 bietet, locker zu genügen.
Problematisch wurde die Performance erst in jüngster Zeit, als auch hochauflösende Digicams mit entsprechend grossen Bilddateien oder externe CD-Brenner und Festplatten mit USB-Anschluss auf den Markt kamen. Diese Geräte wurden und werden durch den langsamen Bus regelrecht ausgebremst.
Geht es nach dem Willen von Intel, ist der Engpass allerdings bald behoben. Bereits im letzten Jahr wurde die neue USB-Version 2.0 als Standard verabschiedet, hohe Übertragungsraten von bis zu 480 MBit/s sind damit zumindest theoretisch kein Problem mehr.
Firewire: Alteingesessen
Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Hohe Übertragungsraten sind nämlich bereits seit 1995 kein Problem mehr: Zeitgleich zum USB-Standard von Intel hat Apple in aller Stille die 1394-Bus-Technologie entwickelt, die mittlerweile unter ihrem Marketingnamen Firewire und i.Link besser bekannt ist. Der derzeit verbreitete Standard mit dem genauen Namen 1394-1995 bietet Übertragungsraten von bis zu 400 MBit/s und ist damit schnell genug für den Datentransfer auf Festplatten, CD- und DVD-Brenner oder Bandlaufwerke.
Allerdings hat es auch bei Firewire einige Zeit gedauert, bis der Standard von den Herstellern adaptiert wurde. Selbst der Initiator Apple hat die Schnittstelle erst ab 1999 konsequent in alle Rechner eingebaut. Vorreiter im übrigen PC-Markt war der Konzern Sony, der seine Notebooks seit Anbeginn mit Firewire ausrüstete. Erst heute finden sich entsprechende Schnittstellen auch in den High-End-Notebooks unter anderem von Dell, HP, IBM und Toshiba.
Sonys Vorreiter-Rolle hängt direkt mit einem der nach wie vor wichtigsten Einsatzgebiete für Firewire zusammen, der digitalen Videoverarbeitung. In diesem Bereich ist IEEE 1394 seit der Festlegung des DV-Standards die Schnittstelle erster Wahl - heute gibt es kaum einen Camcorder, der nicht über einen entsprechenden Port verfügt.
Aus Sicht der Architektur bietet IEEE 1394 gegenüber der USB-Technologie einige Vorteile. Firewire arbeitet nämlich nach dem Peer-to-Peer-Prinzip, was bedeutet, dass für eine Kommunikation zwischen den einzelnen Geräten prinzipiell kein zentraler Controller notwendig ist. Dafür benötigt der Port zwar eigene "Intelligenz", wird dadurch aufwendiger und teurer, macht das aber mit deutlich höherer Flexibilität im Einsatz locker wett. Auf diese Weise ist es zumindest theoretisch möglich, Firewire-Geräte direkt miteinander zu verbinden, also beispielsweise Bilder einer Digicam direkt auf einen Drucker auszugeben, ohne dass dazwischen ein PC benötigt wird.
USB 2.0: Herausforderer
Es ist klar, dass der USB-Erfinder Intel das Feld der High-Speed-Anwendungen nicht einfach so einer anderen Entwicklung überlassen wollte, und schon gar nicht einer, für deren Verwendung prinzipiell kein PC und damit kein Intel-Prozessor benötigt wurde. Bereits 1997 wurde denn auch die Absicht erklärt, dass man eine USB-Erweiterung mit höherer Performance entwickeln wolle.
Drei Jahre später, im Frühling 2000, wurde der neue Standard USB 2.0 verabschiedet - allerdings ohne grosses Echo. Bis heute sind an USB-2.0-Peripherie bloss einige wenige Host-Controller, ein paar Hubs sowie eine Handvoll optischer Laufwerke erhältlich. Vor Mitte 2002 wird kein Chip-Set mit integriertem USB-2.0-Controller erwartet, und auch die meisten Hersteller von PCs und Peripheriegeräten halten sich vorläufig zurück. Nur Gateway will bereits im ersten Quartal des nächsten Jahres einen USB-2.0-PC auf den Markt bringen - dazu wird der Hersteller voraussichtlich einfach einen USB-2.0-to-PCI-Adapter in die Serie einbauen.
Immerhin: Was die Performance anbelangt, vermag USB 2.0 den Konkurrenten Firewire zu übertrumpfen. Der neue Standard mit dem Namenszusatz "HiSpeed" schiebt bis zu 480 MBit pro Sekunde über die Leitung.
Der wesentliche Unterschied zwischen USB und Firewire liegt in der Architektur der beiden Technologien. Während Firewire wie erwähnt nach dem Peer-to-Peer-Konzept funktioniert, arbeitet USB auch in der Version 2.0 Host-zentriert (vgl. Grafik). Das heisst insbesondere, dass der gesamte Datentransfer vom USB-Host (nämlich dem Computer) kontrolliert wird. USB 2.0 ist kompatibel zur alten Version - damit lässt sich auch problemlos ein Mischbetrieb zwischen alten und neuen Geräten realisieren. Insgesamt lassen sich USB-Geräte über Hubs auf bis zu sieben Ebenen kaskadieren, und wie schon in der Version 1.1 kann ein einziger USB-2.0-Controller bis zu 127 Devices verwalten.
1394b: Mehr Tempo
Die Freude über den schnellen Peripherie-Anschluss USB 2.0 war bei Intel allerdings nicht von langer Dauer. Nur ein Jahr nach der Verabschiedung der USB-2.0-Spezifikation informierte das IEEE-1394-Konsortium diesen Frühling über die Fertigstellung des 1394b-Standards. Die Firewire-Erweiterung wird zunächst Übertragungsraten von 800 MBit/s bieten, später soll dieser Wert auf 1600 verdoppelt und eventuell sogar auf 3200 MBit/s vervierfacht werden.
Ansonsten wird sich auch bei Firewire die neue Version nur wenig von der alten unterscheiden. Einzig einige neue Stecker werden mit IEEE 1394b eingeführt, die mit den alten Schnittstellen nicht mehr kompatibel sein werden. Alte Geräte sollen sich aber auch an neue Schnittstellen anschliessen lassen.
Damit hinkt USB 2.0 Firewire bereits wieder deutlich nach, und das, bevor überhaupt eine grössere Auswahl von Geräten nach dem neuen USB-Standard auf dem Markt ist. Erste Controller-Chips für IEEE 1394b werden pikanterweise ebenfalls Anfang 2002 erwartet.
Wer macht das Rennen?
Welche der beiden Technologien ist nun besser? Die Antwort ist einfach: keine respektive beide. Das hat auch das von Intel angeführte USB Implementers Forum gemerkt und schreibt in seinen FAQs: "USB und 1394 sind komplementäre Technologien. 1394 ist geeignet für Geräte, bei denen hohe Performance prioritär ist und der Preis eine untergeordnete Rolle spielt, während USB für jene Devices entwickelt wurde, bei denen der Preis wichtig ist und dafür auf hohe Performance wenig Wert gelegt wird." Einen Wettstreit zwischen den beiden Technologien, wie ihn die Presse herbeistilisiert, will das Forum offenbar vermeiden.
Zugegeben, das obige Zitat bezieht sich eigentlich auf USB 1.1. Tendenziell dürfte sich an der Aussage aber wenig ändern, auch wenn USB 2.0 endlich verbreitet auf den Markt kommt. Nach wie vor wird die Implementation von Firewire mehr kosten und höhere Übertragungstempi garantieren, während USB auch weiterhin eher als Low-End-Schnittstelle dastehen wird.
Kommt dazu, dass es für USB 2.0 eigentlich keinen Markt mehr gibt: Ein grosser Teil der PC- und der Peripherie-Industrie hat sich mittlerweile für High-Speed-Anwendungen auf IEEE 1394 eingestellt, und es ist nicht anzunehmen, dass diese Hersteller ihre ausgereiften und erfolgreichen Produkte zugunsten einer unerprobten Technologie wieder aufgeben. Auch besitzen viele Anwender bereits Geräte mit Firewire- respektive i.Link-Interface, und auch diese werden ihre Geräte kaum entsorgen, nur weil ein neuer PC mit USB-2.0-Anschluss geliefert wird.
Ausserdem sind heute kaum USB-2.0-Peripherie-Geräte und schon gar keine entsprechend ausgerüsteten Rechner verfügbar. Zur Zeit bietet auch kein Betriebssystem native Treiber für die Anschlusstechnologie. Sogar bei Windows XP wurde zugunsten von Firewire auf USB-2.0-Treiber verzichtet.
Auch wenn sich aus technischer Sicht die Vor- und Nachteile von USB 2.0 und Firewire gesamthaft annähernd die Waage halten, so verfügt letzteres doch über einen Trumpf: Die IEEE-1394-Technologie ist einfacher und neigt deshalb weniger zu Fehlern.
Nicht zuletzt ist der initiale Preisvorteil vom Universellen seriellen Bus eigentlich keiner: Pro Anschluss kann nämlich nur ein einziges Gerät angeschlossen werden. Benötigt man weitere Ports, kommt ein Hub zum Einsatz, und dieser kostet Geld. Auf der Firewire-Seite dagegen besitzen die meisten Geräte zwei oder sogar drei Ports, über die man bis zu 63 Geräte fast beliebig miteinander verbinden kann.
Ginge es schliesslich nach dem Namen, hätte Firewire den "Kampf" längst gewonnen: "Feuerkabel" klingt eben schon wesentlich griffiger als "Universeller serieller Bus".