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Shoot to Kill (ausserhalb der USA als Deadly Pursuit vermarktet) ist von den unzähligen Copaction- und Copthrillerfilmen, die in jener Phase entstanden sind, einer der besten. Das liegt einerseits an der Glaubwürdigkeit der Story, am gelungenen Tempospiel, aber auch daran, dass man erst nach einer guten Stunde und geschickten Drehbuchwendungen weiss, wer der Killer ist. Andererseits profitiert der Film deutlich von der Chemie seiner beiden Hauptdarsteller Tom Berenger und Sidney Poitier, der hier nach langer Pause, die er zu Regiearbeiten nutzte, wieder auf der Leinwand zu sehen war. Poitier spielt den FBI-Agenten Stantin, der nach einer misslungenen Geiselbefreiung, bei der die Geisel vom Täter erschossen wurde, dem Killer auf der Spur bleibt, die ihn in die Unwirtlichkeit der Rocky Mountains verschlägt. Dort trifft er auf Knox (Berenger), der erfahren hat, dass seine Frau, eine erfahrene Gebirgsführerin, wahrscheinlich mit einer Gruppe unterwegs ist, in die sich der Killer eingeschlichen hat.
Eröffnet wird der Score sogleich mit einer düsteren Version des Titelthemas (in Moll), zu hören von einer Saxophonsektion, meist unisono, ein Instrument, das Scott selber spielt (u.a. auch bei einem der Connery-Bond-Filme zu hören). Simmonsdrums und perkussive Elemente verbinden das Thema zu einem zweiten Motiv für Keyboards, das Scott für den Killer (und die gestohlenen Diamanten) verwendet. Das ungewöhnlich lange Titelthema zeigt Scott von seiner besten Seite. Es ist eingängig, bietet die Möglichkeit in aufgesplitteten Versionen eingesetzt zu werden und macht sich bestens über den teils wunderschönen Landschaftsaufnahmen der Rocky Mountains. Portionen des Hauptthemas verwendet Scott desöfteren mit einem mit Echoeffekt angereicherten Sax, über das die Simmonsdrums recht auffällig fahren (Blazing Saddle), oder freier in der Anwendung in It’s a Long Way Down No. 1.
Ein Beispiel in Sachen Variation und multipler Benutzung des Hauptthemas ist in Boat Chase zu hören, während das erste volle Statement des Themas erst wieder in Track 4, The Road Block, zu vernehmen ist, wiederum von den Sax’es intoniert sowie folgend in Track 5, Bishop Fall’s, von der Querflöte gespielt über mystischen Streichertremoli.
Ein weiteres Motiv, abgeleitet vom Hauptthema, ist in Kill My Wife Nextzu hören, wenn Scott ca. ab Minute 4 die geschickte Flucht des Entführers mit Snares, brodelnden, tiefen Streichern, tremoli und klar gesetzten Blechbläserpunkten begleitet. Nur einer der vielen famosen Actiontracks von Shoot to Kill.
Mehr vom Killer-Motiv ist in Happy Campers zu hören, zunächst wieder vom Synthesizer, danach als Spannungsträger vom Orchester übernommen. Feines Spannungsmaterial mit polternden, tiefen Klaviernoten gepaart mit den Simmonsdrums zeigt sich zu Beginn von It’s a Long Way Down No. 2, der sich sogleich zu einem knackig-dramatischen Actioncue für volles Orchester mit fein gehändelter Instrumentierung entwickelt. Das anschliessende Climbing Trek ist „Scott at his best“. Grandioser Aufbau von Suspense und Dramatik bis hin zum triumphierenden Finale. Ein grosses Wow für diesen Track! Goldsmith-esque wird es mit The Chimney mit auffälliger Elektronik und 7/8 Takt. Ein kurzer aber deftiger Track.
Nicht weniger deftig ist der 10:51 Min. Track Let Her Go or Dieausgefallen. Ein fantastischer Actiontrack mit allem was Shoot to Killzu bieten hat, von stampfender Actionmusik, über spannungsgeladene Passagen, Variationen und vollen Rezitationen der beiden Hauptmotive bis hin zu einer hippen Passage mit E-Gitarre, Drums, E-Bass, Synthies gepaart mit Orchester.
Abgerundet wird der Score mit End Titles, in dem nach kurzem Intro, das während der Schlussszene im Film läuft, zunächst jazzig-angehaucht das Hauptthema portiert und schliesslich von den Streichern übernommen wird.
Einiges von Scotts Musik hat es nicht in den fertigen Film geschafft, so etwa die beiden It’s a Long Way Down (plus einer weiteren Version, in den Bonustracks zu finden), die schweren, dramatischen The Storm Part 1 und Part 2 sowie Teile des bewegenden Say Your Name. Umso schöner, dass wir hier den gesamten Score, so wie er von Scott an sich geplant war, plus einige Bonustracks zu hören bekommen (ausgenommen die beiden Source music Stücke Roller Rink No.1 und 2., ohne die man bestens leben könnte).
Wenn man an der Musik etwas herummäkeln will, dann vielleicht bei die Verwendung der Simmonsdrums im ein oder anderen Track, wo sie künstlicher aufgepflanzt erscheinen als in anderen.
Shoot to Kill ist ohne Umschweife einer der Top-Actionscores der Achtziger Jahre und hätte Scott durchaus zu weiteren Genrefilmen und wieder an die Boxofficeerfolge seiner frühen 80er Arbeiten bringen sollen. Dem war leider nur bedingt so und es folgten zumeist kleinere Produktionen wie The Deceivers oder Flops wie Winter People und Black Rainbow. Man muss dabei auch bedenken, dass die Filmmusiklandschaft zu jener Zeit sich stark in eine Richtunge bewegte, wie sie heute in Hollywood dominierend ist und wo ein Mann wie John Scott (und andere) nur noch selten Platz fanden, leider.
SHOOT TO KILL John Scott Intrada Special Collection Volume 173 77:41 Min. / 32 Tracks Limitiert auf 2000 Stk.