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SEMAH
Im Alevitentum nennt man den Gottesdienst „Cem“. Während des Cem werden zwölf verschiedene Dienste abgehalten. Der wichtigste Bestandteil des Rituals ist der „Semah“. Die Bedeutung von Semah ist ``in den Himmel aufsteigen``. Semah wird von Frauen und Männer zusammen getanzt. Der Tanz ist eine religiöse Zeremonie. Es ist ein Ausdrucksmittel des Lebens, des Todes, der Freude, Dankbarkeit und des Gemeinschaftssinns. Begleitet wird der Tanz mit traditionellen Instrumenten, Gesängen und Dichtungen. Der Zweck des Cems ist Frieden mit der Gemeinde, der Umgebung und der Natur zu finden. Derjenige, der den Gottesdienst leitet, „Dede“ genannt, teilt sein Wissen und Erfahrungen mit der Gemeinschaft. Die Semah-Teilnehmer versuchen den Zustand der Vereinigung von Gott, Mensch und Universum zu erreichen.
Die zwölf Dienste des Cems werden auf zwei Abschnitte aufgeteilt:
Der erste Abschnitt widmet sich lediglich dem Volk. Ein Fell zum Platznehmen für den geistlichen Führer, Dede genannt, wird ausgelegt. Kerzen werden angezündet um Wissen vorzuzeigen. Die Gemeinde gibt sich untereinander das Einverständnis um den Cem auszuführen, denn ohne Frieden darf der Cem nicht abgehalten werden. Die Opfergaben werden aufgetragen, Wasser wird gereicht, symbolisch dafür, dass man sich wäscht und bereinigt. Auch im übertragenen Sinn fegt man den Raum des Cems.
Der zweite Abschnitt widmet sich zu Gott. Der Cem wir besiegelt, da im Nachhinein keine neue Teilnehmer des Cems zugelassen werden. Nun folgen Gesänge und Erzählungen mit Begleitung von der Langhalslaute, „Saz“ genannt, gespielt vom „Zakir“, dem Barden. Hierbei tanzen diejenigen, die sich dem Semah hingeben wollen. Gott und Mensch vereinigen sich. Nach der Zusammenkunft reicht man die Opfergaben herum und isst in der Gemeinschaft.
Mit Semah erreicht man mit Musik und Gesang eine Hochstimmung. Diese Art von Glaubenspraxis ist einzigartig für das Alevitentum. Nebst dem wird Semah als Weg angesehen um Gottes Liebe zu erlangen. Der älteste abgehaltene, überlieferte Cem nennt sich „Vierziger Versammlung“. Das „vierzig“ stammt daher, dass dort 40 Menschen, zu 17 Frauen und 23 Männer, teilgenommen haben.
Dieser moralische, innerliche Glaubensstil offenbart sich in Worten. Bloss dann zeigen sich die Worte in Symbolen.
Der Orden der Mevleviten kennt auch den Semah, jedoch hat es grundsätzliche Unterschiede zum Semah der Aleviten. Infolge des Islamischen Glauben ist bei den Mevleviten die Praxis nur den Männern erlaubt.
Im Alevitentum haben die Zahlen drei, fünf, sieben, neun, zwölf, siebzehn und vierzig eine symbolische Bedeutung. Die Zahl der Semah-Tanzenden leiten sich von diesen Zahlen ab. Die Teilnahme am Semah bedarf keiner expliziten Kleidung. Allerdings muss man barfuss sein. Beim Semah tanzt man sowohl um einen Kreis als auch um die eigene Achse. Dies symbolisiert die Umlaufbahn der Planeten und der Sonne. Bei gewissen alevitischen Gemeinschaft spielt man beim Semah zwölf Instrumenten. Die Zahl Zwölf steht für die Zwölf Imamen und ist auch eine heilige Zahl.
Obwohl es viele verschiedene Arten des Semah gibt, wird in keinem Hände gehalten. Beim gesamten Cem wird nicht nur symbolisch sondern auch praktisch dem geistlichen Führer nie der Rücken zugekehrt, denn er verkörpert den Imam Ali, der Neffe vom Prophet Mohammed. Dazu schaut man dem Dede immer ins Gesicht.
Begrüssung/Einleitung
Die Begrüssung beginnt damit, dass die Musik im langsamen Rhythmus zu spielen beginnt. Mit ihr beginnen die Leute den Semah zu tanzen. Sie fangen an, langsam die Bewegungen zu machen. Der Takt der Musik und des Semahs beschleunigt sich langsam aber konstant. Die Musik und der Semah erfolgen im Einklang und sind aufeinander abgestimmt. Die Teilnehmende konzentrieren sich weiterhin auf ihre Bewegungen und versuchen mit der Musik mitzuhalten. Währenddessen gehen sie in sich hinein. Jede ihrer Bewegungen hat eine symbolische Bedeutung. Im Alevitentum wird der Kranich hoch geachtet. Eine Art des Semah lehnt ihre Bewegungen an die des Kranichs an. Die Gemeinde begleitet den Semah mit Worten wie, „Dies ist für Gott, und nicht eine Schau“.
Ausführung
In dieser zweiten Stufe beginnt sich der Rhythmus noch mehr zu beschleunigen. Die Semah-Tanzenden kapseln sich hierbei von der Aussenwelt ab und wenden sich ihrer Innenwelt zu.
Kreis
In der dritten Stufe vereinigen sich die unerschöpflichen Kräfte im Inneren des Menschen mit Gott.
Die Leute haben nicht nur sich von ihrem Umwelt abgeschottet, sondern auch von ihrem Ego.
Nun haben sie sich in die Tiefe ihrer Innenwelt begeben, sie sind in einer Art Trance. In Gefolgschaft schlagen die anderen Teilnehmer des Cems ihre Hände auf die Knie.
Mit dem Semah geben die Aleviten ihrem Glauben und ihrer Philosophie mit Körpersprache einen Ausdruck.
Die ausgeführten Bewegungen stehen für mystische Bedeutungen.
Wenn die Hände nach hinten hängengelassen werden, schaut die Innenhand nach hinten. Das bedeutet, dass man das Schlechte hinter sich lässt. Wenn man die Hände von hinten nach vorne bewegt, ist die Innenhand nach vorne gerichtet. Das wiederum heisst, dass man das Gute mit sich nimmt.
Mit den Füssen stampfen heisst man wirft das Üble, die Sünden von sich ab.
Wenn man die Innenhand zu sich wendet, steht es dafür, dass man sich selbst im Spiegel sieht. Diese Handlung stammt vom Satz von Hadschi Bektasch „Was Du auch suchen magst, suche es in Dir selbst“. Daher glauben Aleviten, dass der Mensch Gott widerspiegelt und Gott im Menschen ist.
Wann immer man eine Hand hochhält und die andere runter, heisst es, man nimmt mit der Hand von Gott und überreicht es den Mitmenschen.
Eine Bewegung stellt dar, wie man mit der Hacke den Boden pflügt und das Korn sät. Dies steht für Arbeit und Schweiss, was als heilig angesehen wird.
Falls man die Hand oben kreisförmig bewegt, steht das für die Bewegungen der Welt und das Universum. Verbeugungen heissen, dass man um Respekt und gegenseitiges Einverständnis bittet. Wenn man die Hand von den Lippen in die Höhe führt, bedeutet das Dankbarkeit sowie Liebe, all denen die am Cem teilnehmen und dass das Alevitentum ein Glauben der Liebe ist. Man schlägt drei Mal hintereinander die Hände gegeneinander. Diese drei Male stehen für Gott, Mohammed und Ali.
Momentan sind 74 verschiedene Arten von Semah bekannt.
Auch wenn es beim Semah regionale und förmliche Unterschiede gibt, die Wesenheit ist dieselbe. Die gleichen Ziele und die Bedeutungen werden angestrebt.
Arten des Semah
- Ali Nur Semah
- Afyon Semah
- Alaçam Semah
- Bengi Semah
- Benim Kabem İnsandır Semah
- Cebrail Semah
- Çapraz Semah
- Çark Semah
- Çoban Baba Semah
- Çorlu Semah
- Dem Geldi Semah
- Erzincan Semah
- Fethiye Semah
- Gönüller Semah
- Hacı Bektaş Semah
- Has Nenni Semah
- Hubyar Semah
- Ladik Semah
- Kırklar Semah
- Kırat Semah
- Kısas Semah
- Muhammed Ali Semah
- Nevruz Semah
- Nurhak Semah
- Ömrüm Semah
- Rodos Semah
- Sarıkız Semah
- Silifke Kırtıl Semah
- Şiran Semah
- Tahtacı Semah
- Turanlar Semah
- Turnalar Semah
- Trakya Semah
- Urfa Semah
- Ya Hızır Semah
- Yatır Semah
- Ali Ali Pir'emın Ali Semah
- Axbabaya Semah
- Waren Came Semah