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Dass neue Stechmücken durch den internationalen Handel und Tourismus auch nach Europa gelangen, ist keine Seltenheit. «Es ist aber etwas Besonderes, wenn sich eine solche Mückenart etabliert und weiter ausbreitet, wie dies die Asiatischen Buschmücke (Aedes japonicus) in der Schweiz tut», so Alexander Mathis vom Institut für Parasitologie der Universität Zürich. Die Asiatische Buschmücke, die gefährliche Krankheiten wie das West-Nil-Virus übertragen kann, hat in der Schweiz und im angrenzenden Deutschland bereits eine Fläche von 1400 Quadratkilometern besiedelt.
«In der Gegend von Lenzburg wurden im Sommer 2008 Klagen über lästige und aggressive Stechmücken laut», erklärt Mathis. Zur Identifizierung der Mücken wurde ein unvollständiges weibliches Insekt dem Institut für Parasitologie, dem nationalen BVET-Referenzzentrum für Arachno-Entomologie, eingesandt. «Wir konnten feststellen, dass es sich um keine einheimische europäische Art handelt», so Mathis.
Die Wissenschaftler entdeckten an mehreren Brutplätzen Larven der Mücke. «Als Brutplätze reichen den Stechmücken schon temporäre Pfützen und sogar Blumenvasen auf Friedhöfen.» In den über 3500 untersuchten Brutplätzen wurden Larven von neun einheimischen Stechmückenarten gefunden. «An den Orten, wo Aedes japonicus vorkommt, ist sie häufiger zu finden als die sonst häufigste europäische Mückenart Culex pipiens», führt Mathis aus. Das sei ein Hinweis darauf, dass die Spezies gegenüber heimischen Stechmücken sehr kompetitiv ist.
«Damit ist uns der erste Nachweis der Vermehrung und Ausbreitung einer invasiven Mückenart in Zentraleuropa gelungen», erklärt Mathis. Die bisher östlichste Ausbreitung der Mücke in Europa, die ursprünglich aus Japan, Korea und China kommt, sich seit 1998 aber auch in weiten Teilen Nordamerikas etabliert hat, ist die Region um Zürich. Einige Larven wurden 2000 in Frankreich auf einem Lagerplatz für gebrauchte Reifen entdeckt, konnten jedoch ausgerottet werden. Auch in Belgien existiert seit 2002 eine lokal begrenzte Population dieser Mückenart, bei der jedoch keine weitere Ausbreitung beobachtet wurde. «Da Aedes japonicus Überträger verschiedener Viren ist, sollten die Überwachung dieser Mücke sowie Kontrollmassnahmen geprüft werden», rät Mathis.
Eine Bekämpfung würde aus einer Kombination von Insektiziden mit dem Bacillus thuringensis und einer aktiven Aufklärung der Bevölkerung bestehen. «Viele Menschen wissen nicht, dass sich Stechmücken auch in kleinen Pfützen oder Blumenvasen bei 25 Grad Celsius innerhalb einer Woche massenhaft vermehren können», so Mathis.
Der Umstand, dass Aedes japonicus auch in den gemässigten Zonen Asiens lebt, zeigt, dass der Winterfrost kein Ausbreitungshindernis darstellt. Das habe auch der vergangene Winter deutlich gezeigt. Darum gelte es möglichst rasch gegen die neue invasive Mückenart vorzugehen, meint der Wissenschaftler. (pte)