Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/1219

Die kostümierte Figur: Eine Statue mit Garderobe ist nicht ungewöhnlich. Der Brauch, religiöse Figuren einzukleiden, ist bekannt. Weltliche Statuen bleiben allerdings in der Regeln nackt. Die Tradition, das Manneken Pis einzukleiden, geht mindestens bis 1615 zurück - in diesem Jahr ist er als Schäfer verkleidet auf einem Gemälde von Denis Van Alsloot zu sehen.
Die Garderobe: Das Manneken Pis besitzt fast tausend Kostüme. Bis ins 19. Jahrhundert wächst seine Garderobe kaum. Zwischen 1918 und 1940 erhält er dann an die 30 Kostüme. Seit den 1980ern sind es zwischen 25 und 30 - pro Jahr.
Die Schenkung: Um Manneken Pis ein Kostüm zu schenken, ist ein Antrag beim Bürgermeister- und Schöffenrat der Stadt Brüssel erforderlich. Eine Kommission prüft auf Grundlage eines Regelwerks. Die Stoffe des Kostüms müssen von guter Qualität sein und die Figur darf nicht für politische, religiöse oder kommerzielle Zwecke missbraucht werden.
Der Garderobier: In einem Dokument von 1756 wird erstmals der offizielle Titel eines Garderobiers von Manneken Pis erwähnt. Noch heute kleidet ein Kommunalbeamter die Figur dem Kostümkalender entsprechend an und aus. Das ist gar nicht so einfach, die Figur steht mit ihren Füssen auf einem Sockel, die Arme sind fixiert und hinten klafft ein Loch für den Wasserzufluss.
Der Orden: 1954 wurde der Orden der Freunde von Manneken Pis ins Leben gerufen. Die etwa hundert Mitglieder nehmen an folkloristischen Gebräuchen rund um den kleinen Mann teil - von der Beratung bei neuen Kostümanträgen bis zur Einweihung am Brunnen. Dabei singen sie auch seine Hymne, die vom Franzosen Maurice Chevalier stammt.