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adeliges Geschlecht, zählt zu den ältesten in
Pommern,
[* 2]
Mecklenburg
[* 3] und Holstein.
Hermann von Blücher, um 1290 genannt,
ist vielleicht der Stammvater des Hauses, wenigstens des pommerschen Zweigs, der mit Vincenz und dessen
Vetter
Ludwig von Blücher um 1760 ausstarb. Dem mecklenb.
Aste, zunächst dem
Hause Groß-Rensow, entstammte Fürst Leberecht Blücher (s. d.)
von
Wahlstatt, der in den Fürstenstand erhoben wurde, während seine Nachkommen die gräfl.
Würde erhielten.
1)
GrafFranzBlücher von
Wahlstatt, geb. der an den Feldzügen von 1813‒14 teilnahm und als preuß.
Generalmajor zu
Köpenick geisteskrank infolge der im
Kriege erhaltenen Kopfwunden starb. Dessen Sohn, Gebhard,
geb. erhielt als Haupt der Linie Blücher von
Wahlstatt den preuß. Fürstentitel nach dem
Rechte
der Erstgeburt und wurde erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses; er starb Seine
Kinder hatte er durch deren kathol.
Mutter zu dieser Konfession überführen lassen; ihm folgte sein ältester Sohn Gebhard,
FürstBlücher von
Wahlstatt (geb. als Haupt dieser Linie.
Konferenzrat und Oberpräsident der Stadt. Er war in den erblichen dän.
Grafenstand erhoben worden. Der jetzige
Vertreter dieses Zweigs ist Gustav, Lehnsgraf von
Blücher-Altona, geb. –
Eine dritte Linie des Geschlechts, die Linie
Blücher-Finken, begründete der Domherr und Johanniterritter
Ludwig Gerhard Hartwig
Friedrich von Blücher, geb. gest. in
den preuß. Grafenstand erhoben. Die Linie, deren jetziger
VertreterGrafAdolf, geb. ist, hat Besitzungen in
Mecklenburg-Schwerin.
–
Vgl. Wigger, Geschichte der Familie von Blücher (2 Bde.,
Schwer. 1870‒79) ^[]
Gebhard Leberecht von, Fürst von
Wahlstatt, preuß.
Generalfeldmarschall, wurde zu Rostock
[* 6] geboren.
Bis zu seinem 10. Jahre wuchs er auf dem Gute seines
Vaters, frühern kurhess. Rittmeisters, heran. Dann brachte ihn derselbe
mit einem
Bruder zu seinem Schwiegersohne, dem schwed. Kammerherrn von Krackwitz nach
Rügen. Hier erlangte Blücher große Geschicklichkeit
in allen körperlichen
Übungen, besonders im Reiten; aber seine wissenschaftliche
Bildung wurde ganz vernachlässigt.
Die
Brüder wußten 1756 gegen den Willen ihres Schwagers und ihrer Eltern, ihre
Annahme bei dem schwed. Husarenregiment
Sparre
(später Mörner) durchzusetzen. Blücher trat als
Junker ein, wurde aber auf dem Rückzuge nach dem
Gefecht bei Suckow
von einem preuß. Husaren desRegimentsBelling am Kavelpaß gefangen, als er mit dem
Pferde
[* 7] gestürzt war.
Oberst von
Belling bewog ihn, in preuß. Dienste überzutreten, und wirkte ihm dazu gegen
Auswechselung eines gefangenen schwed.
Offiziers den
Abschied aus. Blücher trat (1760) als
Kornett beim Regiment
Belling ein und wohnte dessen weitern Feldzügen bei, wurde
bald
BellingsAdjutant und schon 1761 Premierlieutenant. 1770 glaubte sich Blücher zurückgesetzt und erhielt
von
Friedrich Ⅱ. den geforderten
Abschied mit den Worten: «Der Rittmeister Blücher mag sich zum
Teufel scheren», und heiratete
die Tochter
¶
mehr
des sächs. Generalpächters Mehling in Polen. Er verwaltete zuerst eins von dessen Gütern und kaufte dann Groß-Raddow in
Pommern an, wo er eine wahre Musterwirtschaft führte und Land- und Ritterschaftsrat wurde. Erst 1787 von Friedrich Wilhelm Ⅱ.
als Major in seinem alten Regiment wieder angestellt, wohnte er dem Feldzuge nach Holland bei, wo er den
Orden
[* 9] pour le mérite erwarb, und wurde 1790 Oberst. In dem folgenden Kriege gegen Frankreich bewährte er großes Talent als
Reiterführer, namentlich bei Kaiserslautern
[* 10] 1793 und Kirrweiler 1794, führte auch viele glückliche Handstreiche aus, worüber
sein «Campagne-Tagebuch» Rechenschaft giebt.
Von dem Rückzug nach Preußen abgedrängt, hoffte Blücher bei Lübeck
[* 18] noch mit Hilfe engl.
Schiffe
[* 19] zu entkommen, mußte aber, von den Franzosen umstellt, die Kapitulation von Ratkau mit 6000 Mann 7. Nov. abschließen,
allerdings unter dem ihm zugestandenen Zusatz, «daß ihm vom Prinzen von Pontecorvo
(Bernadotte) die Kapitulation angetragen und von ihm nur wegen Mangels an Munition, Proviant und Fourage
eingegangen worden sei». Am ward er gegen den Marschall Victor-Perrin ausgewechselt und nach Schwedisch-Pommern
gesandt, um die Schweden
[* 20] zu unterstützen. Blücher erhielt schon damals den SchwarzenAdlerorden.
Nach dem Tilsiter Frieden arbeitete er in Königsberg
[* 21] und Berlin
[* 22] im Kriegsdepartement und wurde 1809 General der
Kavallerie sowie kommandierender General in Pommern. Er war damals der Mittelpunkt aller auf die Befreiung des Vaterlandes gerichteten
Bestrebungen und hielt in weiten Kreisen die Hoffnung auf Preußens
[* 23] Erhebung durch seinen ungebeugten Mut, seinen offen zur Schau
getragenen Haß gegen alles Französische aufrecht. Scharnhorst erkannte B.s Bedeutung und verteidigte
ihn stets gegen die Angriffe der Ängstlichen am Hofe; doch mußte Blücher 1812 den aktiven Dienst verlassen, worauf er in Kunzendorf
bei Neisse
[* 24] lebte. Diese Zeit der Unthätigkeit hat er selbst die schrecklichste seines Lebens genannt.
Bei Ausbruch des Krieges 1813 erhielt Blücher den Oberbefehl über die in Schlesien
[* 25] gebildete Armee, die durch
das russ. Korps von Winzingerode verstärkt wurde. Bei der Vereinigung der verbündeten Armeen übernahm jedoch der jüngere
Wittgenstein das Oberkommando. Unter ihm befehligte Blücher bei Lützen
[* 26] und Bautzen
[* 27] die Preußen; auf dem Rückzuge gelang ihm der
hauptsächlich mit Kavallerie unternommene Überfall der franz. Division Maison bei Haynau (26. Mai). Nach dem
Waffenstillstande erhielt er den Oberbefehl über das fast 100000 Mann starke schlesische Heer, zu dem zwei russ. Korps gehörten.
Er hatte sich in dem Operationsplane von Trachenberg, der seine Thatkraft hemmte, eine geheime Ermächtigung zu freiem Handeln
verschafft
und errang dadurch den glänzenden Sieg an der Katzbach, wo er Macdonalds Heer vernichtete. Dann
rückte er gegen Dresden
[* 28] vor, wich aber einer Schlacht gegen Napoleons Übermacht aus und erzwang endlich, nach einem geschickten
Flankenmarsch, 3. Okt. den Elbübergang bei Wartenburg, wodurch er auch den bisher fast ganz unthätigen Kronprinzen von Schweden
(Bernadotte) veranlaßte, die Elbe zu überschreiten.
Allein B.s getrennte Korps wurden von Napoleon 9. bis 14. Febr. bei Champeaubert und Etoges geschlagen, und nur mit großem Verlust
erkämpfte er sich den Rückzug nach Chalons. Die Diplomatie verhandelte noch immer mit Napoleon, und
die Hauptarmee mußte sogar den Rückzug antreten, da sich Napoleon gegen sie gewendet hatte. Blücher dagegen rückte
wieder vor, ging bei Soissons über die Aisne und vereinigte sich mit dem aus Belgien
[* 32] kommenden Bülowschen Korps. Am 9. März siegte
er über Napoleon bei Laon und drang, nachdem auch Schwarzenberg gesiegt, gemeinsam mit diesem abermals
gegen Paris vor. Am 29. März trafen beide Heere vor den Thoren von Paris zusammen, und tags darauf krönte die Schlacht von Paris,
in ihr wiederum der Schluß, die Erstürmung des Montmartre, die Großthaten dieses Feldzugs, worauf 31. März die verbündeten
Monarchen in die Hauptstadt Frankreichs einzogen. Blücher konnte eines Augenleidens wegen am Einzug nicht teilnehmen.
Friedrich Wilhelm Ⅲ. ernannte Blücher zur Erinnerung des Sieges an der Katzbach zum Fürsten von Wahlstatt und schenkte
ihm die Güter des StiftsTrebnitz in Schlesien (Krieblowitz u. s. w.). In England, wohin Blücher im Juni desselben
Jahres den verbündeten Monarchen folgte, empfing ihn das Volk mit größter Begeisterung; die Universität zu Oxford
[* 33] ernannte
ihn zum Doktor der Rechte. Ebenso wurde er in Preußen und namentlich in Berlin mit Ehren aller Art ausgezeichnet und als volkstümlichster
Held gefeiert. Nach der Rückkehr Napoleons übernahm Blücher den Oberbefehl über das 150000
Mann starke preuß. Heer in Belgien; auf die Zusagen Wellingtons bauend, nahm Blücher den Angriff Napoleons bei Ligny an,
verlor die Schlacht aber, als die Engländer nicht eintrafen. In eine Kavallerieattacke verwickelt, gerieth Blücher durch
den Sturz seines getöteten Pferdes, unter welches er zu liegen kam, persönlich in große Gefahr, aus
der er nur durch seinen
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mehr
Adjutanten (von Nostitz) gerettet wurde. In B.s Abwesenheit hatte Gneisenau, sein Generalstabschef, den Rückzug anstatt auf
die bisherigen Verbindungen, auf Wavre, d. h. in Richtung auf die Armee Wellingtons angesetzt. Hierdurch war es möglich, daß
Blücher auf dem Schlachtfelde von Waterloo
[* 35] 18. Juni rechtzeitig eintraf und die Schlacht entschied. Blücher rückte
hierauf in Eilmärschen gegen Paris vor und besetzte dasselbe 7. Juli. Auch diesmal verhehlte er keineswegs sein Mißtrauen in
die Diplomatie und trat der noch immer bestehenden Neigung, das franz. Selbstgefühl ungebührlich
zu berücksichtigen, nach Möglichkeit entgegen.
Auf einem Feste, das der Herzog von Wellington gab, brachte er, gegen Castlereagh gewandt, den berühmten
Toast aus: «Was die Schwerter
[* 36] uns erwerben, laßt die Federn nicht verderben!»
Um B.s hohe Verdienste um Preußen und Deutschland
[* 37] zu ehren, stiftete Friedrich Wilhelm Ⅲ. ein Ordenszeichen, das in einem
von goldenen Strahlen umgebenen Eisernen Kreuze bestand und ausschließlich Blücher verliehen wurde. Chef von B.s Generalstab
war anfangs Scharnhorst, nach dessen Tode Gneisenau, dessen Verdiensten er stets unumwunden volle Anerkennung zollte.
Nach dem zweiten Pariser Frieden lebte Blücher meist in Krieblowitz und besuchte jährlich Karlsbad. Noch bei seinem Leben,
dem Jahrestage der Schlacht an der Katzbach, wurde ihm in seinem Geburtsorte Rostock ein von Schadow zu
Berlin ausgeführtes Standbild errichtet, welches folgende charakteristische Inschrift (von Goethe) trägt: «In Harren und Krieg,
in Sturz und Sieg bewußt und groß – so riß er uns vom Feinde los.» Blücher starb nach kurzem Krankenlager
zu Krieblowitz in Schlesien. In Berlin ward ihm eine von Rauch modellierte Bronzestatue in Breslau
[* 38] eine andere ebenfalls von Rauch gearbeitete 1827 errichtet.