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Geistliche Begleitung will helfen, den eigenen Lebensweg noch deutlicher als Glaubensweg zu sehen und zu gehen. Insofern befasst sie sich mit allen Aspekten des Lebens, ist aber klar unterschieden von reiner Lebensberatung oder gar einer therapeutischen Gesprächsbegleitung.
Kennzeichnend für das Gespräch in der geistlichen Begleitung ist, dass der Schwerpunkt beim Aussprechen liegt und für den Begleiter beim Zuhören und dass die Mitte des Gesprächs das "Leben aus dem Glauben" ist, d.h. die Beziehung zu Gott, zu sich selber und zu den Nächsten.
Und wohin will die geistliche Begleitung führen? Zu dieser Frage eine Weisheitsgeschichte:
Rabbi Sussja von Anipoli pflegte auf seinen Wanderungen von Ort zu Ort den Menschen zu sagen: "Ich fürchte mich nicht davor, keine Antwort zu finden, wenn ich nach meinem Tod vom höchsten Richter gefragt werde: Sussja, warum warst Du Deinem Volk nicht ein so grosser Führer wie Mose oder ein so feuriger Profet wie Elija oder ein so berühmter Schriftgelehrter wie Rabbi Akiba? - Aber ich fürchte, dass meine Worte verstummen, wenn ich gefragt werde: Sussja, warum bist Du nicht Sussja geworden? Warum hast Du Dich entfernt von dem Bild, nach dem ich Dich geschaffen? Warum bist du mit Deinen Anlagen und mit meinen Gaben Dir so fremd, so unähnlich geworden?"