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Das für den Weltraumtourismus gebaute Raumflugzeug «SpaceShipTwo» ist am Freitag bei einem Testflug im US-Bundesstaat Kalifornien abgestürzt. Das Unternehmen Virgin Galactic sprach von einer «ernsthaften Unregelmässigkeit», nannte aber keine weiteren Details.
Nach Polizeiangaben kam einer der beiden Piloten ums Leben, der andere konnte sich offenbar per Schleudersitz retten und wurde schwer verletzt ins Spital gebracht. TV-Sender zeigten Bilder von Wrackteilen in der Mojave-Wüste.
Der Unfall war der zweite schwere Rückschlag für die private Raumfahrt innerhalb weniger Tage. Erst am vergangenen Dienstag war der unbemannte Raumtransporter «Cygnus» Sekunden nach dem Start in Virginia explodiert. Er sollte rund 2,3 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS ins All bringen.
Trägerflugzeug sicher gelandet
Das «SpaceShipTwo» hob von einem Flughafen rund 150 Kilometer nördlich von Los Angeles ab. Es wurde zunächst von einem Trägerflugzeug in rund 1,5 Kilometern Höhe gebracht und dann ausgeklinkt. Unmittelbar danach stürzte es ab.
Die US-Flugkontrollbehörde FAA teilte mit, kurz nach der Abkoppelung den Kontakt zu dem Raumflugzeug verloren zu haben. Das Mutterflugzeug «WhiteKnightTwo» hingegen sei sicher gelandet, so Virgin Galactic.
Während des Fluges sei eine «ernste Unregelmässigkeit» aufgetreten, erklärte Virgin Galactic, ein Tochterunternehmen von Bransons Konzern Virgin Group. «Wir werden mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Ursache dieses Unfalls herauszufinden.»
Neue Treibstoffmischung
Es war der erste Test des Raumgleiters mit Raketenzündung seit Januar. Berichten von Experten zufolge wurde diesmal eine andere Treibstoffmischung als zuvor getestet. Insgesamt war es der 55. Testflug.
Rettungskräfte fanden das Raketenflugzeug «in mehreren Teilen» verstreut auf dem trockenen Wüstenboden, wie Sheriff Donny Youngblood auf einer Pressekonferenz sagte.
Er habe nichts Ungewöhnliches vor dem Absturz festgestellt, sagte der Leiter des Flughafens «Mojave Air and Space Port», Stuart Witt. «Falls es eine grosse Explosion gab, dann habe ich sie nicht gesehen.»
Bis 110 Kilometer Höhe
Die rund 18 Meter lange Passagierraumfähre sollte den Planungen zufolge vom kommenden Jahr an Weltraumflüge für Privatpersonen anbieten, die bis in rund 110 Kilometer Höhe über der Erde führen sollten.
Die Maschine bot Platz für zwei Piloten und sechs Passagiere. Diese sollten bei ihren Reisen das Gefühl der Schwerelosigkeit erleben können. Die Bullaugen-Fenster der Maschine waren deutlich grösser als in normalen Passagierflugzeugen.
Prominente Kunden
Hinter dem Projekt steht unter anderem der milliardenschwere britische Unternehmer Richard Branson. Nach seinen Angaben hatten bereits 700 Interessierte Tickets (Preis: 250'000 Dollar) für die Flüge ins All gekauft. Darunter sollen auch Stars wie die Hollywood-Schauspieler Tom Hanks und Angelina Jolie sowie der Sänger Justin Bieber sein, wie Medien berichteten.
Branson kündigte via Twitter an, unverzüglich in die Mojave-Wüste zu fliegen, um dem Team beizustehen. «Raumfahrt ist schwierig und heute war ein schwerer Tag», sagte der Geschäftsführer von Virgin Galactic, George Whitesides. Das Unternehmen werde die Krise aber durchstehen.
Projekt weiterführen
Das private Raumfahrtprojekt «SpaceShipTwo» muss nach Angaben von Mitbegründer Richard Branson weitergehen. Er sei «schockiert» über den Absturz des Raumfahrzeugs, sagte der britische Milliardär am Samstag.
«Das Weltall ist hart - aber es lohnt sich. Wir werden durchhalten und gemeinsam voranschreiten», schrieb Branson auf der Webseite seines Unternehmens. Der 64-Jährige war am Samstag auf dem Weg zum Unglücksort im US-Staat Kalifornien. Es sei für ihn eine der «schwierigsten Reisen» seines Lebens.
(sda/gku)