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Zürich 21. März 1864.
Hochgeachteter Herr Bundesrath!
Ihre verehrl. Zuschrift vom 16. dß.1 beantwortend, spreche ich Ihnen vorerst meinen warmen Dank für das ehrenvolle Zutrauen aus, welches Sie mir in demselben zu beurkunden die Güte haben.
Vorab nehme ich keinerlei Anstand, Ihnen die Erklärung abzugeben, daß ich durchaus nicht etwa in der Stimmung bin, eine Mission, welche mir der H. Bundesrath mit Instructionen, die meiner Überzeugung entsprechen, übertragen wollte, deshalb abzulehnen, weil ich sie in Gemeinschaft mit Stämpfli zu vollziehen hätte.2 Ich befreue mich, Ihrer geschätzten Zuschrift entnehmen zu können, daß Stämpfli sich in der gleichen Stimmung mir gegen| über befindet. Wenn wir auch über manche, theilweise wichtige Fragen verschiedener Ansicht sind & es ohne Zweifel bleiben werden, so lebt doch – ich glaube annehmen zu dürfen – in Stämpfli wie in mir das instinctive Gefühl, daß wir beide, im großen Ganzen genommen, auf dem gleichen politischen Boden stehen. Dazu kommt – & ich erblicke darin nicht eine Nebensache, sondern fast die Hauptsache – daß, was unser persönliches Verhältniß anlangt, nie etwas zwischen uns vorgefallen ist, das uns durch eine unausfüllbare Kluft auf die Dauer zu trennen geeignet wäre, mit andern Worten, daß in unsern beiderseitigen Beziehungen nie der Mensch durch den Menschen in unheilbarer Weise verletzt worden ist.
Wenn ich gleichwohl in dem gegenwärtigen Augenblicke eine Mission wie die mir | angebotene, ablehnen müßte, so werde ich hiezu durch den gleichen Grund bewogen, der mich vor einigen Wochen veranlaßte, eine Mission nach Turin3 nicht anzunehmen, welche mir der Gotthardt-Ausschuß übertragen wollte. Dieser Grund ist der sehr beunruhigende Gesundheitszustand meiner Frau.4 Bei dem Übel, an welchem sie leidet, ist gerade die gegenwärtige Jahreszeit eine besonders bedenkliche. Ich sehe daher nicht vor, wie es mir möglich sein sollte, mich in dem gegenwärtigen oder in dem folgenden Monate für längere Zeit von Zürich zu entfernen.
Übrigens will es mir scheinen, es dürften vorerst noch die Entschließungen des Bundesrathes über die Stellung, welche er überhaupt in der Alpenbahnangelegenheit einzunehmen gedenkt, | zu gewärtigen sein. 5 Dieselben werden, wie mir scheinen will, auch für die Art der Zusammensetzung der Abordnung6, wenn eine solche beschlossen wird, von entscheidendem Einflusse sein.
Gewiß werden Sie endlich nicht unterlassen, die Frage, ob der gegenwärtige Augenblick zur Entsendung einer Abordnung an die Süddeutschen Staaten Behufs Lösung der Alpenbahnfrage der geeignete sei, ernstlich zu prüfen. Die gegenwärtige politische Lage Europa's & Deutschland's im besondern7, sowie die Familientrauer, welche in einer der Süddeutschen Dynastien zur Zeit obwaltet8 & in einer zweiten eintreten zu sollen scheint9, würden eher für Verneinung obiger Frage sprechen, während, wenn Sie zuverlässige Berichte von Turin hätten, daß, was ich zwar kaum annehmen | kann, Italien demnächst die Alpenbahnfrage an Hand nehmen wolle, vor dieser Thatsache alle Verschiebungsrücksichten in den Hintergrund zu treten hätten.
Sollten Sie über irgend eine Seite der Alpenbahnfrage Mittheilungen von mir zu erhalten oder mich zu berathen wünschen, so wollen Sie jeder Zeit über mich verfügen. Ich könnte es leicht möglich machen, für kurze Zeit nach Bern zu kommen, um mündliche Besprechungen mit Ihnen zu halten, falls Sie solche wünschen sollten.
Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von
Ihrem freundschaftlich ergebenen
Dr A Escher