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|Datum:||05. September 2023|
|Referent:||Inayat Olmedo|
|Bericht:||Rita Hofmann|
Inayat Olmedo arbeitet im Botanischen Garten Basel. Er betreut das neue Bergnebelwaldhaus, welches der Verein unter seiner Führung im Juli besucht hat. Er ist verantwortlich für die Zusammenarbeit mit dem Dracula Forest in Ecuador, für das Pflanzeninventar in situ und Gruppenexkursionen im Wald. Das Dracula Forest Schutzgebiet feiert dieses Jahr im Oktober sein 10-jähriges Bestehen. Dracula Reserve, Prov. Carchi, Ecuador (reservadracula.org). Gegründet wurde es mit den Einnahmen des botanischen Gartens in den Nächten der Blüte der Titanwurz, für deren Pflege der Autor ebenfalls verantwortlich ist.
Der Vortrag behandelte Masdevallien und nicht Dracula, denn wie viele von uns bestätigen können, ist die Pflege von Dracula Orchideen äussert schwierig. Die konstant feuchten bis nassen und kühlen Kulturbedingungen für Dracula können wohl nur in gekühlten Gewächshäusern erreicht werden. Masdevallien dagegen sind ausgesprochen anpassungsfähig und kommen an den unterschiedlichsten Standorten vom Tiefland bis ins Hochland vor. Sie lassen sich daher häufig viel einfacher kultivieren.
Die Entdeckung der Masdevallien ist eine lange und wechselvolle Geschichte. Ursprünglicher Entdecker und Namensgeber war der Arzt und Botaniker Jose Masdevall, der 1779 Chile, Peru und Bolivien bereiste und nach dem die Gattung benannt ist. Seine Zeichnungen und Herbar-Belege wurden allerdings von den Franzosen, mit denen Spanien im Krieg war, beschlagnahmt und verkauft. Er sammelte neues Material, das mit dem Schiff San Pedro auf dem Atlantik verloren ging. Eine dritte Sammlung wurde durch Feuer zerstört. Die Botaniker Ruiz und Pavon verliessen Peru 1788. Die Publikation im Jahr 1794 enthält daher nicht genug Angaben für eine gültige botanische Beschreibung. 1798 wird die Gattung erneut beschrieben mit Pflanzen von Dombey. Darauf folgen 70 – 80 Jahre ohne nennenswerte Forschung bis Alexander von Humboldt mit dem Botaniker Aimé Bonpland erneut Pflanzen sammelte, z. B. die Masdevallia bonplandii. Im 19. Jahrhundert arbeiteten Reichenbach und das Ehepaar Lehmann an der Beschreibung von Masdevallien. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gab es wenige sorgfältige Arbeiten über Masdevallien bis der Amerikaner C. Luer 1970 die Gattung neu ordnete und Dracula, Porroglossum und Trisetella ausgliederte. 1997 publizierten C.Luer, S. Dalström und R. Jenny ‘ Treasure of Masdevallia’, bebildert von Anne-Marie Trechslin, die nach Blatt und Blütenmaterial zeichnete, ohne die Pflanze als Ganzes gesehen zu haben. Hier schliesst sich der Kreis zu Basel, denn sowohl Rudolf Jenny als auch Anne-Marie Trechslin haben dort gearbeitet.
Es gibt epiphytische, terrestrische und lithophytische Masdevallien, die man gut an ihren Wurzeln unterscheiden kann. Epiphytische Orchideen haben lange, dünne Wurzeln, mit denen sie sich an Ästen befestigen können. Die terrestrischen und die lithophytischen Masdevallien haben recht dicke, behaarte Wurzeln, mit denen sie sich im Substrat verankern. Dieses Substrat ist meistens ein poröser, leichter Tuffstein vulkanischen Ursprungs. Lavastein aus Ecuador ist besonders porös, leicht und aussen rau. Für das Nebelwaldhaus wurde ein möglichst gleichwertiger Stein genommen, wie man in z. B. in Ephesus in der Türkei findet. Das Substrat im botanischen Garten besteht daher aus Lavastein, Bims, Zeolith und einigen Humus Pellets. Schwieriger war die Suche nach dem richtigen Moos. Moose aus den Alpen zersetzen sich bei den relativ hohen Temperaturen zu rasch, Moose aus Sumatra vergilben und nur das Moos aus Ecuador ist stabil im Bergnebelwaldhaus.
Das Klima im Bergnebelwald ist ganzjährig kühl ausgeglichen mit Temperaturen zwischen 10 – 25°. Masdevallien wachsen auf dem Boden oder in den Bäumen des Waldes auf halber Höhe bei hellem Licht aber nicht direkter Sonne. Der Nebel deckt die Sonne vormittags ab. Schon das Abholzen hoher Bäume verändert Klima und Lichtverhältnisse, so dass sie an ihrem Naturstandort dann oft absterben. Die meisten Masdevallien vertragen keine Temperaturen über 30°. Es schneit nie im Bergnebelwald. Sie vertragen daher auch keinen Frost. Dagegen regnet es regelmässig, praktisch jeden Nachmittag und das Substrat trocknet nicht ganz aus.
Der Vortrag vermittelt den Teilnehmern ein sehr gutes Verständnis über die sehr speziellen klimatischen Verhältnisse des Bergnebelwalds und seiner wunderschönen Orchideen.