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Die Immobilienkrise hat nun selbst John Paulson erwischt. Der New Yorker Hedge-Fonds-Manager versuchte im August 2008, sein Anwesen mit sieben Zimmern und einem überdachten Swimmingpool in Southampton, dem eleganten Strandvorort von New York, an den Mann zu bringen. Zunächst verlangte er 19,5 Mio Dollar, dann senkte er den Preis auf 13,9 Mio. Schliesslich fand er im Juli 2009 einen Käufer. Der war jedoch nur bereit, 9,9 Mio Dollar zu zahlen - 3 Mio weniger als der Geldprofi 2006 hingeblättert hatte.
Mitleid braucht man mit dem Mann aber nicht zu haben: Dies ist wohl eine der ganz wenigen Transaktionen der vergangenen Jahre, mit der er Geld verloren hat. Paulson profitierte wie kaum ein anderer von der Finanzkrise. Das persönliche Vermögen des 54-Jährigen wird von der Zeitschrift «Forbes» auf 5 Mrd Dollar geschätzt. Damit steht er an 76. Stelle der reichsten Männer der Welt. 2007 hatte er das Geld seiner Anleger mehr als verdreifacht und selbst 3,7 Mrd Dollar kassiert - so viel wie noch nie ein Wall-Street-Jongleur in einem Jahr. Rechtzeitig hatte er die weltweite Kreditblase erkannt und auf einen Zusammenbruch spekuliert. Im Katastrophenjahr 2008 fuhr er eine Rendite von 30% ein und im laufenden Jahr von 20%.
Mit Bonbons in den Kapitalismus
Paulson ist ein Aufsteiger par excellence. Er wuchs in Beechhurst im New Yorker Stadtteil Queens auf - einem Mittelklasseviertel, in das Wall Streeter heute kaum einen Fuss setzen würden. Sein Vater Alfred war ein Buchhalter. Schon immer hatte Paulson vor, reich zu werden. Sein Opa mütterlicherseits, Arthur Boklan, ist Johns Vorbild: Er war während der Grossen Depression als Börsenmakler wohlhabend geworden. Er brachte seinem Enkel das Einmaleins des Kapitalismus bei und gab ihm den Rat, Süssigkeiten in grossen Packungen einzukaufen und dann Stück für Stück auf dem Schulhof zu vertreiben - mit Aufpreis, versteht sich. Der Dreh, aus Cents Dollars zu machen, prägte ihn. Mit seinem Harvard-MBA in der Tasche begann er sein Berufsleben als Wirtschaftsberater bei der Boston Consulting Group. 1994 eröffnete er mit 2 Mio Dollar seines eigenen Geldes und einem einzigen Assistenten den Hedge-Fonds Paulson & Co. In den Jahren seit 1994 generierte Paulson überragende Gewinne. Jedes Jahr seit der Auflegung legte der Fonds im Durchschnitt um 17% zu. Nur in einem einzigen Jahr, 1998, verlor Paulson knapp 5%, als der Hedge-Fonds Long Term Capital pleiteging. «Früh lernte ich meinen wichtigsten Leitspruch: Pass auf das Verlustrisiko auf - nach oben geht es von allein», sagt Paulson. «Das Wichtigste ist für mich und für meine Kunden, kein Geld zu verlieren.»
2003 verwaltete er 600 Mio Dollar, zwei Jahre später stieg die Summe auf 4 Mrd Dollar. Der grosse Sprung kam mit der Finanzkrise: Heute sind es rund 30 Mrd Dollar.
Schon 2005 roch Paulson Lunte: «Die Hauspreise waren zu schnell gestiegen und mussten einfach herunterkommen», erinnert sich Paulson. «Weil ich bei ihnen nicht auf Kursverluste setzen konnte, konzentrierte ich mich auf Hypotheken.» Er spekulierte gegen Kreditinstrumente, die mit dem Häusermarkt kollabieren würden. Die unsichersten Kredite waren ihm dabei die liebsten: Subprime - damals kannte kaum jemand das Wort, heute weiss man zu gut, was dahintersteckt: Hypotheken an einkommensschwache Hauskäufer. «Niemals zuvor war ich in einem Trade mit einem derart unlimitierten Gewinnpotenzial», sagt Paulson. Er war nicht der Einzige, der gegen Subprime wettete, aber er verstand auch, wie sehr sich die grossen Investmentbanken auf Risiken eingelassen hatten, die sie selbst nicht überrissen: «Wir fanden, dass viele Banken und Broker sich massiv verhoben hatten.» Also wettete Paulson auch gegen grosse Banken, an die sich viele nicht herantrauten.
Paulson erwartet, dass die Rezession noch bis 2010 dauern wird. Nachdem er noch im September 2008 gegen fünf britische Banken, darunter die Bank of Scotland, gewettet hatte, reduzierte er im Januar 2009 seine Short-Positionen. Genau zum richtigen Zeitpunkt gab er seine zögerliche Haltung am Aktienmarkt endgültig auf und kaufte im 2. Quartal zu Niedrigpreisen 2 Mio Aktien von der Investmentbank Goldman Sachs, an der auch Warren Buffett sich während der Krise beteiligt hatte. Zudem erwarb er 35 Mio Aktien an Regions Financial, einer Regionalbank. Er weitete ausserdem seinen Anteil an Bank of America weiter aus, sodass er jetzt der viertgrösste Anleger dort ist.
Absicherung mit Gold
Parallel sichert sich Paulson gegen die Inflation ab: Zwar fuhr er seine Position in einem Goldminen-Indexfonds zurück, kaufte dafür aber südafrikanische Minenwerte. Von Anglo Gold Ashanti holte er sich mit 40 Mio Aktien einen Anteil von 12%, bei GoldFields wurde er zum drittgrössten Eigner. Die grösste Position in Paulsons Portfolio überhaupt ist der Spider Gold Trust, ein Indexfonds, der direkt in Goldbarren investiert.
Jetzt sieht sich Paulson oft mit dem Vorwurf konfrontiert, dass er vom Leid der vielen Amerikaner, die aus ihren Häusern ausziehen mussten, profitiert habe. So stiftete er im vergangenen Jahr 15 Mio Dollar an das Center for Responsible Lending, eine Organisation, die Hausbesitzern hilft, Zwangsversteigerungen abzuwenden.