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Die Jodensavanne, auch bezeichnet als ‚Jerusalem am Fluss‘, war eine Gemeinde von aus Portugal vor der Inquisition geflüchteter Juden, welche sich in Suriname niederliessen und um 1650 Plantagen gründeten. Die Jodensavanne ist die einzige jüdische Siedlung aus dem 17. Jahrhundert, welche weltweit erhalten ist. Suriname stellte daher bei der UNESCO das Begehren zur Aufnahme der Stätte in die Liste der Weltkulturerben. Genügend Gründe also, dass wir uns dafür heute ins Moskitoverseuchte Hinterland Surinames schlugen.
Die Jodensavanne liegt ungefähr 50 Kilometer südlich von Paramaribo „as the crow flies“. Zum Gehen also zu weit. Vor allem bei dieser feuchten Hitze. Also war für uns ein Guide bestellt. Und erneut stand Gilbert auf der Matte, heute mit Wagen. Also fuhren wir.
Parallel zum Suriname River folgten wir der Hauptstrasse Richtung Süden. Auf halbem Weg tauchten die mächtigen Industriebauten einer Aluminiumfabrik auf. Es handelte sich um die vor kurzem geschlossene Produktionsstätte von Suralco, einem Ableger der amerikanischen Alcoa Gruppe. Grund für die Schliessung war ein Rückgang an Rohstoff Bauxit, Energieprobleme und tiefe Preise auf dem Weltmarkt.
Zur Herstellung von Aluminium wird das Mineral Bauxit (Al(OH)3 vermischt mit Eisenoxid, Kaolinit und weiteren Bestandteilen) benötigt. Für die Umwandlung werden elektrochemische Verfahren angewendet, die viel Energie benötigen. Im ersten Schritt, dem Bayer-Verfahren, werden die Aluminiumhydroxide mit Natronlauge aus dem Gestein gelöst und anschliessend bei sehr hohen Temperaturen zu Aluminiumoxid gebrannt. Das gewonnene Aluminiumoxid wird im Hall-Héroult-Prozess mit dem Mineral Kryolith verschmolzen und mit durch eine Elektrolyse zu elementarem Aluminium reduziert.
Surinam eignet sich grundsätzlich gut zur Aluminiumproduktion, da es Bauxitvorkommen und Wasserkraft besitzt.
Nach rund eineinhalb Stunden Fahrt, erreichten wir tief im Dschungel die Jodensavanne. Bevor wir uns aber über die Kulturstätte hermachten, übergossen wir uns mit Moskitoschutzmittel, damit die Moskitos sich eben nicht über uns hermachen. Zumal hier Dengue ist. Und Gelbfieber. Und Malaria. Und das brauchen wir nicht.
Der Cordonpad ist eine Schneise durch den Urwald, welche wir nicht weiter zur Kenntnis genommen hätten, wären wir nicht auf dieses Verteidigungswerk aufmerksam gemacht worden. Um Überfälle der geflohenen Sklaven, der Tribe der Maroon, zu verhindern, schlug die Regierung eine 94 Kilometer lange und zehn Meter breite Schneise in den Wald und besetzte diese mit insgesamt 1100 Mann zur Bewachung. Nützte allerdings nichts.
Rund hundert Meter im Wald, fanden wir uns mitten auf einem alten, mit Holzstelen versehenen Friedhof der freien Afrikanern, welche oft aus Ehen mit Weissen hervorgingen. Die Sklaven bekamen nämlich traurigerweise nicht einmal ein ordentliches Grab, sondern wurden an Ort und Stelle verscharrt.
Es folgte der jüdische Friedhof mit steinernen Grabplatten, von welchen noch einige lesbar sind, teilweise Holländisch beschriftet, teilweise Hebräisch.
Selbst auf dem Weg mussten wir aufpassen, wohin wir traten, weil mehrere ‚Autobahnen‘ geschäftiger Feuerameisen diese kreuzten. Selbst eine grosse Spinne hüpfte mit mehreren Sprüngen über diese und war offenbar besorgt, gebührenden Abstand zu halten. Gilbert meinte lediglich: „If you stand on those, oh my God, that would be really bad.“
Da die meisten Häuser damals aus Holz waren, einer Brandstiftung im 19. Jahrhundert zum Opfer fielen und in dem Klima die Jahrhunderte ohnehin nicht überdauert hätten, finden sich in der Jodensavanne lediglich noch die Grundmauern von ganz wenigen Bauten aus Stein. Am beeindruckendsten ist die Synagoge Beraha VeShalom. Sie befindet sich mitten im üppigen Grün des Urwaldes. Heute kann man kaum glauben, dass in dieser Gegend einst über 500 Juden und deren 9000 Sklaven lebten.
Zurück im Hotel hiess es dann Rucksack packen, da morgen unsere Urwald-Expedition bevorstand. Doch dazu mehr, sobald wir wieder zurück in die Zivilisation gefunden haben.