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Zwei Jahre später, 1838, erschien Band II im Verlag C.P. Scheitlin, St.Gallen. Hössli hatte seine ganze Kraft dieser gewaltigen Aufgabe gewidmet - ohne sein renommiertes Putzmachergeschäft zu vernachlässigen.
Als die Glarner Behörden, die sich noch kurz zuvor eine progressive Verfassung gegeben hatten, die Weiterverbreitung beider "dem Schutzgeist der Menschheit" gewidmeten Bände verboten und die Restbestände konfiszierten, fühlte sich Hössli verraten und zutiefst gekränkt. Gerade diesen "progressiven" Behörden hatte er vertraut.
Trotzdem betrieb er sein Geschäft unvermindert und als angesehener, weit herum geschätzter Mann weiter. Allerdings blieb der dritte Eros-Band stecken und kam nicht über einige Entwürfe hinaus. Dann wurde Hössli unstet, verliess Glarus und wohnte ab 1852 an verschiedenen Orten zumeist im Kanton Zürich bis er in Winterthur blieb, aber dort den Wohnsitz häufig wechselte und auch wieder kurz nach Glarus zog. Beim grossen Brand von Glarus in der Föhnnacht vom 10./11. Mai 1861 verbrannte nicht nur fast die ganze Stadt, sondern auch höchstwahrscheinlich alle die dort beschlagnahmten Bände seines "Eros". Wenig später erreichte ihn die Nachricht vom tragischen Tod seines Sohnes. Das traf ihn noch härter. Enttäuscht und vereinsamt starb er in seinem 80. Lebensjahr am 24. Dezember 1864 in Winterthur.
Offensichtlich war in der Schweiz des 19. Jahrhunderts gelebte Homosexualität, ja das Thema überhaupt, so total geächtet und daher ein absolutes Tabu, dass ein Aufbrechen, in welcher Form auch immer, sofort mit schärfsten Sanktionen belegt und öffentlich gebrandmarkt werden musste.
Nach 1817 kaufte der Kleine Rat des Kantons Bern das gesamte auffindbare Schriftmaterial zum Fall Desgouttes zusammen, um es restlos zu vernichten. Dazu gehörte auch der von Desgouttes selbst kurz vor seiner Hinrichtung verfasste Lebensbericht. Die Konfiskation von Hösslis Werk durch die Regierung in Glarus sprach dieselbe Sprache. Was nicht sein durfte, konnte auch nicht sein und hatte schon gar nicht öffentlich zur Diskussion zu stehen.
Genau dieser Hintergrund macht die fundamentale Pioniertat Heinrich Hösslis noch bedeutender. Und sie liefert zugleich die Bestätigung seiner These. Denn Desgouttes' Bericht wie Hösslis Werk blieben bestehen (wenn auch in wenigen Exemplaren), während keiner mehr von jenen spricht, die es vernichteten.
Ernst Ostertag, Januar 2004 und August 2023