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Die Temperaturen an der Antarktischen Halbinsel steigen rasant — fünfmal schneller als der globale Durchschnitt. Für die dort brütenden Adéliepinguine stellt die Erwärmung eine enorme Bedrohung dar. Um die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die Pinguinkolonien zu erforschen, unternahmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Stony Brook University, New York, Anfang diesen Jahres an Bord des Greenpeace-Schiffes «Arctic Sunrise» eine Expedition zur Halbinsel.
Adéliepinguine, die an der Antarktischen Halbinsel leben, sind wählerischer als ihre Artgenossen anderswo in der Antarktis. Während sich die Adélies an der Halbinsel nur von Krill ernähren, fressen sie in anderen Regionen der Antarktis auch Fisch. Krill lebt aber nur dort, wo es genügend Meereis gibt. Im Westen der Halbinsel ist dies wegen der starken Erwärmung nicht mehr der Fall, weshalb die Populationen der Adéliepinguine in einigen Gebieten entlang der Westküste um 90 Prozent zurückgegangen sind.
Auf der Ostseite der Antarktischen Halbinsel, im Weddellmeer, ist die Lage jedoch erfreulicher. Die Meereisausdehnung ist dort noch immer groß — dank eines ozeanischen Wirbels, der dafür sorgt, dass das Packeis jahrelang im Weddellmeer rotiert. Deshalb sind die Kolonien an der Ostküste in den letzten zehn Jahren stabil geblieben. Laut den Forschern haben die Kolonien auf Seymour Island, Devil Island, Vortex Island und Cockburn Island im Norden der Halbinsel in etwa die gleiche Bestandsgröße wie bei der letzten Untersuchung. Ihre Ergebnisse deuten daraufhin, dass das Weddellmeer ein wichtiger Zufluchtsort für die Tierwelt vor den schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise sein könnte.
Diese Erkenntnisse unterstreichen auch die dringende Notwendigkeit, das Weddellmeer zu schützen und zu erhalten, solange es noch ein intaktes und funktionierendes Ökosystem hat. Die Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) hat bereits vor knapp zehn Jahren ein riesiges Schutzgebiet vorgeschlagen, was bisher noch nicht umgesetzt wurde.
«Das Weddellmeer ist kaum immun gegen den Klimawandel, aber es scheint, dass die in diesem Gebiet brütenden Adéliepinguine von den schlimmsten Bedrohungen für die Populationen, die auf der sich erwärmenden Westseite der Antarktischen Halbinsel so schnell abnehmen, verschont bleiben», sagt Dr. Heather Lynch, Professorin für Ökologie und Evolution am College of Arts and Sciences der Stony Brook University und Leiterin der Expedition. «Unser Wissen über die Biologie dieser unwirtlichen Landschaft wächst von Jahr zu Jahr, aber alles, was wir lernen, deutet auf ihren Wert für den Schutz hin.»
Erstmals entdeckten Wissenschaftler der Stony Brook University auch eine Kolonie von Eselspinguinen an der Ostseite der Antarktischen Halbinsel auf Andersson Island. So soweit südlich war es Eselspinguinen bis vor einiger Zeit zu kalt. «Die Kartierung dieser abgelegenen Inselgruppen wird uns ein besseres Verständnis dafür vermitteln, wie die Pinguine in dieser Region auf den raschen Klimawandel reagieren», so Lynch. «Wie erwartet finden wir Eselspinguine fast überall, wo wir hinschauen – ein weiterer Beweis dafür, dass der Klimawandel die Artenvielfalt hier auf der Antarktischen Halbinsel drastisch verändert.»
An der Westküste haben Eselspinguine, angezogen von den wärmeren Bedingungen, mittlerweile die früheren Brutplätze der Adélies für sich eingenommen. «Sie fressen alles, sie brüten überall», so Lynch gegenüber der New York Times. «Ich betrachte sie als die Schädlinge der Halbinsel.»
Dr. Lynch, die das Lynch Lab for Quantitative Ecology an der Stony Brook University leitet und den ersten Stiftungslehrstuhl für Ökologie und Evolution am Institute for Advanced Computational Science (IACS) innehat, arbeitet bei der Erforschung der Pinguine vor allem mit Satellitenbildern, führt aber auch Expeditionen zu den Kolonien durch. Bei der Expedition Anfang des Jahres zählten sie und ihre Kollegen per Hand und mithilfe von Drohnen die Küken der Adéliepinguine. Allein bei Penguin Point auf Seymour Island leben demnach 21.500 Küken.
Laut Lynch bedeuten die stabilen Populationen jedoch nicht, dass der Klimawandel im Weddellmeer nicht stattfindet. «Es bedeutet nur, dass das Weddellmeer aufgrund seiner Ozeanographie weiterhin kalt und eisig ist und genau die Art von Ort, an dem diese Adélies leben müssen», sagt sie.
Julia Hager, PolarJournal