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Disney hat sich mit der Schliessung der Kinos arrangiert. Nach Mulan, der im September 2020 als erster grosser Film direkt auf Disney+ veröffentlicht wurde, kommt nun mit «Raya und der letzte Drache» auch der erste grosse Animationsfilm nicht auf der Kinoleinwand, sondern auf der hauseigenen Streamingplattform. Das hat aber durchaus eine gewisse Logik, wenn wir beim Beispiel Mulan bleiben: Die Realverfilmung des Animationsfilms von 1998 spielte mit dem Direkt-Release mit VIP-Zugang auf der Streaming-Plattform 66,8 Millionen US-Dollar ein.
40 der total 66,8 Millionen Dollar spielte Mulan allein in China ein.
Wie gut dieses Ergebnis ist, ist schwierig einzuschätzen, da vergleichbare Einspielzahlen fehlen. Fakt ist aber, dass 40 (!) dieser 66,8 Millionen allein in China erzielt wurden. Und damit sind wir schon beim aktuellen Film. Auch «Raya und der letzte Drache» spielt in einer fiktiven, aber klar an Südostasien orientierten Welt. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu vermuten, dass dahinter marketingstrategische Überlegungen stecken.
Dieses fiktive Asien heisst im neusten Animationsfilm Kumandra und wird von magischen Drachen bewacht. Seit 500 Jahren eine mysteriöse Wesenheit namens Druun die Drachen versteinerte, ist Kumandra in fünf Länder aufgeteilt. Der Drache Sisu zauberte vor seinem Verschwinden den letzten Rest Magie in einen Edelstein, der von Benja, dem Gütigsten aller Chiefs, bewacht wird. Doch die anderen Länder sind neidisch und wollen jedes den Stein für sich haben. Als der Streit eskaliert, zerbricht der Stein in fünf Teile. Druun kehrt zurück und verwandelt die meisten Menschen in Stein.
Kurz vor seiner eigenen Versteinerung betraut Benja seine Tochter Raya, die er zur Wächterin ausgebildet hat, mit der nicht ganz leichten Mission, den letzten Drachen zu finden. Raya macht sich mit ihrem Gefährten, dem knuddligen Gürteltier Tuk Tuk, auf die gefährliche Suche, um ihren Vater wieder zum Leben zu erwecken. Als wäre der Auftrag selbst nicht schon schwierig genug, wird sie auch noch von der rivalisierenden Herrschertochter Namaari gejagt, die sie damals verraten hat und damit erst die Katastrophe ausgelöst hat. Seither traut sie niemandem. Doch die abenteuerliche Reise zur Rettung von Kumandra wird auch eine Reise zum eigenen Ich: Raya muss lernen, ans Gute im Menschen zu glauben.
Man merkt, dass die Produzenten Erfahrung mit starken Frauenfiguren haben, zeichnete das Team um Peter Del Vecho doch schon für «Vaiana» und «Die Eiskönigin» verantwortlich. In «Raya und der letzte Drache» ist augenfällig, dass zwar viele Männer vorkommen, aber die starken, entscheidenden Figuren durchwegs weiblich sind – inklusive Sisu, dem Drachen. Traditionell bleiben aber die Werte, die Disney in diesem rasanten und gelungenen Familien-Abenteuer vermittelt: Toleranz, Selbstlosigkeit, Liebe zur Umwelt. Wie gut der Film auf Disney+ läuft, bleibt abzuwarten. Angesichts der opulenten Bilder mit beeindruckenden Landschaften ist es schade, bleibt ihm die grosse Leinwand verwehrt – ursprünglich war der Kinostart auf den 25. November 2020 geplant. Aber zumindest in China darf man wieder mit starken Zahlen rechnen. Und dann werden wir das Einspielergebnis von Mulan auch endlich einordnen können.