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Organisatorisches
Organisatoren:
Organisiert wird diese Tagung vom Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich und dem Schweizerischen Bundesarchiv. Die Organisatoren sind Prof. Dr. Thomas Hengartner, Dr. Gianenrico Bernasconi und Dr. Stefan Nellen.
Daten:
Die Tagung wird vom 17. - 18. Oktober 2013 in Bern durchgeführt.
Kontakt:
Dr. Gianenrico Bernasconi
SNF Projekt Raumkulturen des Büros 1880-1930
Universität Zürich
Institut für Populäre Kulturen
Affolternstrasse 56
CH-8050 Zürich
<email-pii>
+41-44-634 24 32
Dr. Stefan Nellen
Eidgenössisches Departement des Innern EDI
Schweizerisches Bundesarchiv BAR
Dienst Historische Analysen
Archivstrasse 24
CH-3003 Bern
<email-pii>
+41-31-322 47 85
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Die sog. «zweite industrielle Revolution» steht für ein signifikantes Wachstum des tertiären Sektors (Banken, Versicherungen etc.) ebenso entstehen sowohl in der Industrie wie in den Ämtern und Behörden neue Verwaltungseinrichtungen. Damit einher geht eine massive Erhöhung der Angestelltenzahlen. Der Angestellte wird zu der sozioprofessionellen Figur der urbanen Moderne, wobei der berufstätigen Frau zunehmende Bedeutung zukommt.
Diese Intensivierung der Verwaltungsarbeit haben Studien zur sozioprofessionellen Figur des Angestellten, aber auch Abhandlungen über die Standardisierung und Mechanisierung von Verwaltungsprozessen herausgearbeitet. Ebenfalls untersucht worden ist die Herausbildung einer neuen Architektur der Verwaltung im städtischen Raum. Die Tagung möchte die Intensivierung der Verwaltungsarbeit zwischen 1880 und 1960 nun analysieren, indem sie die Formierung eines neuen Raumes, des Büros, fokussiert. Die Einrichtung von Büros konfiguriert und realisiert neue Formen sozialen Verhaltens und der Arbeitsorganisation.
Zwischen den letzten Jahrzehnten des 19. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert ist der Raum der Verwaltungsarbeit grundlegend transformiert worden. Im Laufe des 19. Jahrhunderts «tritt erstmals der Lebensraum in Gegensatz zu der Arbeitsstätte». Der Lebensraum «konstituiert sich im Interieur», von dem der Privatmann verlangt, «in seinen Illusionen unterhalten zu werden» (Benjamin 1982/1935). Während in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts noch oft der häusliche Raum für Verwaltungsarbeit genutzt worden ist, bildet sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein spezialisierter Raum heraus. Das Büro wird zum Universum der öffentlichen wie privatwirtschaftlichen Verwaltung. Gleichzeitig «verlagert der wirkliche Schwerpunkt des Lebensraums sich ins Büro.» (Benjamin 1982/1935)
Zu dieser Zeit erfasst der Taylorismus (Taylor 1911) die Verwaltungsarbeit. Die Ideologie des scientific management (Schulze 1913, Leffingwell 1918 und 1925, Galloway 1918 etc.) expandiert nach Europa mit dem Anspruch, den Raum nach den Funktionsprinzipien der Rationalisierung neu zu gestalten. Allerdings stehen die Alltagspraktiken der Verwaltungsarbeit im Widerstreit mit den Diskursen der Rationalisierung, so dass es zu einer eigentlichen Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen kommt: Herkömmliche Kontore existieren neben modern eingerichteten Büros und noch 1960 setzen sich kleinere und mittlere Unternehmen und Verwaltungen mit den Postulaten rationaler Büroeinrichtung auseinander.
Das Büro figuriert als ein Dispositiv, als «heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebenso wohl wie Ungesagtes umfasst». (Foucault 1978) Dieser strategischen Funktion des Büros sind Angestellte und Sekretärinnen unterworfen, jedoch nicht ausgeliefert. Das Büro ist ein Verhandlungsraum. Es definiert sich innerhalb eines ideologischen und politischen Spannungsfeldes. Es reflektiert den ökonomischen Willen zur Rationalisierung der Arbeit ebenso wie die Forderungen der Angestelltenverbände. In ihm kreuzen sich die Versuche staatlicher Regulierung und die technologischen Erfordernisse der Verwaltungsarbeit. Es zeugt von einer Standardisierung produktiver Aufgaben, aber auch von dem Bedürfnis nach individueller Gestaltung der alltäglichen Arbeitsumgebung. Es steht als ein Ort, der technischen Erfordernissen der Konstruktion Rechnung trägt und architektonische Entscheidungen verwirklicht, die neue Lebensweisen der Moderne sondieren.
Die Tagung beschäftigt sich mit der Entstehung des Büros, um die Wechselbeziehungen zwischen physischem und sozialem Raum, Materialität und Praktiken, Strategien und Taktiken, Strukturen und Individuen zu analysieren. Ebenso soll das Büro in eine historische Perspektive gerückt werden, soll das Augenmerk auf die Bedeutung des Büros für die Strukturierung und Transformation der soziokulturellen Gegebenheiten von der vorletzten Jahrhundertwende bis Ende der 1950er Jahre gerichtet werden.
Ziel des Workshops ist es, sich mit jenen Figuren, Objekten, Praktiken, Organisationsformen und Wissensformaten zu beschäftigen, die das Büro als Raum hervorgebracht haben und auszeichnen, sowie das Zusammenspiel der vielschichtigen Faktoren zu analysieren, welche die Einrichtung von Büros gestalten: die materiellen Anordnungen (Lichtgestaltung, Wärmeregulierung, Luftqualität, Anordnung von Möbeln und Maschinen, Waren- und Menschenverkehr etc.) ebenso wie die immateriellen Dispositive (Arbeitsorganisation, Etablierung von Hierarchien, Herstellung von Intimität, Vorschriften etc.).
Die Tagung richtet sich an Forscher•innen verschiedener Disziplinen, von der Kunstgeschichte über die Geschichte der (Innen-)Architektur, Literaturwissenschaft zur Geschichte der Arbeit und der Technikgeschichte.
Deadline:
Einreichung eines Lebenslaufs und eines Abstracts (bis 2500 Zeichen) bis zum 31. Mai 2013.
Sprachen im Workshop:
Englisch, Deutsch, Französisch.