Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03226.jsonl.gz/1117

Als Ausgangsmaterialien für Kunststoffe dienen Erdöl, Erdgas oder Kohle. Verschiedene Verfahren und unzählige Zusatzstoffe ermöglichen die Herstellung von Kunststoffen mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften: Sie sind fast unbegrenzt formbar, können elastisch und zäh sein, lassen sich in hauchdünne Folien, langlebige Wasserrohre, schnell trocknende Sportbekleidung, schlagfeste Gerätehüllen, farbige Küchenutensilien und vieles mehr verarbeiten.
Kunststoff ist ein noch junges Material. 1907 entdeckte der belgische Wissenschaftler Leo Baekeland in den USA das später nach ihm benannte Bakelit. Kurz danach begann mit der industriellen Produktion in Berlin eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Nach dem 2. Weltkrieg verbreitete sich die Anwendung von Kunststoff explosionsartig. Ab den 70er Jahren trat Kunststoff seinen Siegeszug als Verpackungsmaterial an, Kunststoff-Folien ersetzten Papier und Karton in der Lebensmittelindustrie. Die Industrie entwickelte immer neue Anwendungsformen. Geräte, Autoteile, Möbel, Bodenbeläge, Kosmetik, Medizintechnik und Medizinprodukte: Es gibt keine Lebensbereiche mehr, wo Kunststoffe nicht eingesetzt werden.
Laut amerikanischen Wissenschaftlern wurden zwischen 1950 und 2015 weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. 6,3 Milliarden wurden weggeworfen, davon sind 4,9 Milliarden auf Abfallhalden und in der Natur gelandet. Weltweit gelangen pro Jahr 8 Millionen Tonnen Plastik ins Meer; das entspricht einer Lastwagenladung pro Minute. Tendenz steigend. Nicht nur in den Meeren, auch in den anderen Gewässern und in den Böden befinden sich grosse Mengen Mikroplastik. Man schätzt, dass in dieser Zeit nur gerade 9% recycelt und 12% verbrannt wurden. 40% des jährlich produzierten Plastiks wird für Verpackungen verbraucht.
Die globale Kunststoffproduktion ist gigantisch und die Plastikverschmutzung hat das Ausmass einer Katastrophe erreicht. Die grössten „Lieferanten“ des Plastiks in den Meeren sind der Tourismus, die Landwirtschaft, die Abwässer, die Fischerei und die Abrasion von Autoreifen. Das Meiste (80%) gelangt vom Land über Flüsse ins Meer.
Plastik wird in der Natur nicht abgebaut. Es zerfällt einfach in immer kleinere Stücke, die sich in der ganzen Umwelt verteilen. Die Bilder ganzer Inseln aus schwimmendem Plastik in den Ozeanen gingen um die Welt. Doch es gibt auch das kaum sichtbare Plastik, und dieses Mikroplastik ist mittlerweile in den Meeren und Böden rund um den Globus weit verbreitet – auch bei uns.
Faktenblatt
Makro-, Mikro- und Nanoplastik wird von Tier und Mensch über die Nahrung in den Körper aufgenommen. Wassertiere wie Wale, Fische und Seevögel sind besonders stark mit Plastik belastet. Das kann direkt zum Tod der betroffenen Tiere führen. Bedenklich ist auch, dass die im Kunststoff vorhandenen Gifte so in die Nahrungskette gelangen und sich auch im Menschen ablagern.
Fazit: Plastik ist eine geniale Erfindung, aber unser Umgang damit ist eine Katastrophe.