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Wettbewerb Neubau Forensikstation Will
«Eine Nation sollte nicht danach beurteilt werden, wie sie ihre höchsten Bürger behandelt, sondern ihre niedrigsten.» (Nelson Mandela). Dieser Entwurf für den Neubau einer Forensikstation in Wil wird hauptsächlich von den gesellschaftlichen Faktoren bestimmt. Auf die besonderen Anforderungen der Aufgabenstellung und auf die ausserordentliche Lebenssituation der Patienten, antwortet das Projekt mit einer differenzierten Raumabfolge für die Bewohner. Den, zu einer Zwangsgemeinschaft verbundenen Patienten, wird unter den Bedingungen des eingeschränkten Lebensraumes eine möglichst weitreichende Erlebnisvielfalt geboten. Das Gebäude wurde als Dorf im Haus konzipiert. Wie Häuser an einer Strasse sind die Patientenzimmer entlang dem Korridor aufgereiht. Sie bilden Aufweitungen in Analogie zu dörflichen Plätzen. In diesen Aufweitungen befinden sich die öffentlichsten Bereiche der Forensikstation: die beiden Aufenthaltsräume und der Essbereich. Das eine Ende des langen Korridors bildet den Übergang zur Arbeitswelt, aus dem Essraum erfolgt der Zugang zum Spazierhof. Die Gestaltung des Spazierhofes folgt ebenfalls der Idee einer differenzierten Erlebniswelt. Die Abfolge von gedecktem Aussenbereich, Sportzone sowie Kräuter- und Gemüsegarten mündet in eine Pergola. Ganz bewusst als untergeordnetes Bauvolumen artikuliert, verzahnt sich der Baukörper mit der Umgebung. Als geducktes, die Horizontale betonendes Volumen tritt der Neubau nicht in Konkurrenz zur axial komponierten Anlage der Psychiatrie Nord, sondern stärkt den Bezug zum Boden. Die kompositorische Artikulation der drei unterschiedlichen Gebäudeflügel vermeidet die Erscheinung als Grossform und erlaubt eine feingliedrige Volumetrie. Diese Strategie ermöglicht eine sorgfältige Einbettung in die Landschaft und spezifische Beziehungen zur unmittelbaren Nachbarschaft. Zudem wird durch die differenzierte Artikulation des Baukörpers im Inneren die Idee einer Vielfalt für die Bewohner in Gefangenschaft unterstützt. Als gemässigte Architektur steht das Gebäude im Dialog mit den beiläufig wirkenden, direkt benachbarten Gewächshäusern und Kleinbauten. In seiner äusseren Erscheinung erinnert das Gebäude weniger an eine moderne Klinik, sondern eher an einen grossen, landwirtschaftlichen Hof. Die Fassadengestaltung bezieht sich auf die traditionellen Bauernhöfe der Region und strebt nach einem Stück Gewöhnlichkeit. Als Holzbau steht das Gebäude in einer langen Tradition der Baukultur in der Ostschweiz. Als zeitgenössische Interpretation der lokal typischen Täferfassade ist das Gebäude umlaufend in einen sorgfältig geschnittenen, hölzernen Mantel gekleidet.
Verfahrensart: Offener Projektwettbewerb
Jahr: 2019
Bauherrschaft: Kanton St. Gallen
Architektur: Forrer Zimmermann Architekten GmbH