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Wale, die bei Massenstrandungen gefunden werden, sind nicht zwangsläufig miteinander verwandt. Zu dieser Erkenntnis kommt ein internationales Wissenschaftlerteam in einer Studie.
Die Forscher widersprachen in der Zeitschrift "Journal of Heredity" der Annahme, dass gesunde Wale kranke oder desorientierte Tiere ihrer Familie an die Küste begleiten und dann selbst dort ebenfalls verenden. Vielmehr könnten Konflikte zwischen Walen eine Ursache der Strandungen sein.
Unter Führung der Universität Auckland in Neuseeland hatten die Forscher bei zwölf Massenstrandungen in Australien und Neuseeland die DNA von 490 Grindwalen untersucht. Dabei stellten die Forscher fest, dass die meisten der bis zu sechs Meter langen Meeressäuger nicht miteinander verwandt waren.
"Würde das Sozialverhalten der Wale, das auf Verwandtschaft basiert, eine wichtige Rolle bei den Massenstrandungen spielen, dann hätten wir herausgefunden, dass die gestrandeten Tiere alle miteinander verwandt sind", erklärte der Leiter der Studie, Marc Orémus. Auch Kälber fanden die Wissenschaftler - anders als erwartet - nicht in der Nähe der Mütter auf.
Bisher nahmen viele Forscher an, dass Umwelteinflüsse wie die Wassererwärmung, der Anstieg der Meeresspiegel oder Lärm die Meeressäuger desorientieren und so die Massenstrandungen auslösen. Der Co-Autor der Studie, Scott Baker von der US-Universität Oregon, nannte aber eine neue These: "Es ist möglich, dass das Sozialverhalten der Wale die Strandungen auslöst, dieses aber nicht auf Verwandtschaft basiert."
Auswirkungen auf Rettung gestrandeter Wale
Vielmehr könnte eine Art Bruch in der Gruppe oder Konkurrenzverhalten zwischen verschiedenen Gruppen den Strandungen vorausgehen, erklärte Baker. Konflikte wie Rivalitäten bei der Beutesuche und Fortpflanzung könnten demnach der Strandung der Wale vorangehen.
Den Erkenntnissen der Wissenschaftler zufolge ist es möglich, dass die Schreie der sich in Not befindenden Meeressäuger die anderen Tiere verwirren und dazu führen, dass sich Familienmitglieder voneinander entfernen und schliesslich stranden.
Die Studie der Universität Auckland hat auch direkte Auswirkungen auf die Rettung gestrandeter Wale: "Bisher wurden Walkälber häufig mit den Weibchen, bei denen sie gefunden wurden, wieder ins Meer geleitet, da man annahm, dass es sich um die Mütter handelt", sagte Baker. "Die Ergebnisse unserer Untersuchung zeigen jetzt, dass wir bei der Rettung nicht nur von diesem Grundsatz ausgehen können."
In Neuseeland verirren sich zwei- bis dreimal pro Jahr zahlreiche Grindwale an die Küste.
SDA-ATS