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Im «Zofinger Tagblatt» vom 20. August 1901 ist ein Bericht über die Einweihung des neuen Kirchengeläuts in Reitnau abgedruckt. In den Zeilen des Berichterstatters ist die Bedeutung des Anlasses deutlich erkennbar:
«Die Einweihung des neuen Kirchengeläutes verlief letzten Sonntag aufs schönste. Die Kirche war prächtig decoriert worden. Der Morgengottesdienst wurde mit Liedervorträgen des hiesigen Männerchors verschönert. Mittags war die Kirche von ca. 500 Personen stark gefüllt. Der hiesiger Hr. Pfarrer Fischer erklärte in wohlberedten Worten den Zweck und die Bedeutung der Glocken. Er führte die lauschenden Zuhörer zurück bis in die Zeit von 500 Jahren nach Christi Geburt, wo ein Bischof auf eine Kirche die erste Glocke hatte erstellen lassen, wie sie dann in Städten und nachher in Dörfern, in Kirchen Eingang gefunden.
Er warf auch einen Blick auf die Geschichte der hiesigen Kirchgemeinde. Die älteste Chronik berichte vom Jahre 900 nach Christi Geburt, dass aber vorher schon eine Kirchgemeinde bestanden habe und auch eine der grössten und ältesten im Suhrenthal sein musste. Im Jahre 1528 seien die Glieder derselben auf oberherrschaftlichen Befehl gezwungen worden, dem reformierten Glauben beizutreten. Erst nachher seien in den angrenzenden katholischen Gemeinden Kirchen erbaut worden.
Dass aber das Verhältnis zwischen den Konfessionen nicht immer ein gutes war, beweise der Umstand, dass eine Ottilie Lüthy geb. in Waser, die sich in der hiesigen reformierten Kirche im Jahre 1577 hatte trauen lassen, auf luzernischem Boden aufgegriffen worden sei und nach kurzem Verhör auf den Scheiterhaufen steigen musste.
Jeder Glocke wurde ein besonders ernstes Wort geredet, nachher wurde sie geläutet und so von der grössten bis zur kleinsten.
Zwischenhinein sang der Gemischte Chor von Reitnau wie auch die Schüler der hiesigen Oberschule. So wurde dem Tag ein besonders festliches Gepräge verliehen und die Erinnerung an denselben wird kaum in uns erlöschen.»