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Blutverdünnung
BegriffeEinleitend gilt es einige Begriffe zu klären: Ein Thrombus ist ein an einer Gefässwand haftendes Gerinnsel, sei es in den Venen, in den Arterien oder im Vorhof des Herzens. Er führt zu einer teilweisen oder vollständigen Verstopfung des Gefässes mit unterschiedlichen Folgen je nach Lokalisation. Das Krankheitsbild nennt man Thrombose. Ein Embolus ist ein Thrombus, welcher sich von der Gefässwand gelöst hat und vom Blutstrom mitgerissen wurde bis er in einem Gefäss hängen bleibt. In diesem Falle spricht man von einer Embolie. Ein Thrombus in den Arterien bildet sich meistens auf der Basis von Verkalkungen, medizinisch Plaque genannt. Das ist ein relativ langsamer Prozess und kann bei einer Risikoanalyse vermutet werden. Hier besteht die Möglichkeit präventiv einzugreifen. Eine Plaque kann aber auch akut aufbrechen, was zu einem akuten Verschluss führt.
Risikofaktoren und LokalisationBei den Venen sind die Bein-Becken-Venen am häufigsten durch einen Thrombus betroffen. Das Risiko steigt bei Eingriffen oder Verletzungen im Beinbereich stark an. Jeder Gips oder eine Schiene erhöht ebenfalls das Risiko. Nicht alle Leute haben die gleiche Veranlagung für eine Thrombose, es gibt verschiedene genetisch bedingte Veränderungen der Gerinnungsfaktoren, welche das Risiko um ein Mehrfaches erhöhen. Um dieses Risiko erfassen zu können wird nach Thrombosen bei Eltern und Geschwistern gefragt. Die Gabe des weiblichen Hormons östrogen fördert ebenfalls die Thrombusbildung, weswegen dieses entsprechend veranlagten Frauen nur ungern gegeben wird. Ebenfalls wird durch Rauchen, übergewicht und Krampfadern das Thromboserisiko erhöht. Nur selten gibt es Thrombosen im Bereich der Arme, im Bauch (Mesenterialthrombose) oder im Hirn (Sinusvenenthrombose).
Die erwähnten Plaques in den Arterien sind ein Teil des natürlichen Alterungssprozesses, sie bilden sich aber schneller und früher bei Vorhandensein von Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, hohem Blutdruck, hohem Cholesterin, übergewicht und Bewegungsmangel.
KrankheitsbilderEine Venen-Thrombose führt meist, jedoch nicht immer, zu Schmerzen. Im Bein-Beckenbereich führt der Blutstau oft zu einer Verdickung des Beines. Wenn sich ein Thrombus in einer Vene loslöst, gelangt er mit dem Blutfluss in die Lungen (Lungenembolie). Je nach Grösse des Embolus sind die Auswirkungen verschieden. Eine kleine Lungenembolie kann unbemerkt ablaufen, eine sehr grosse zum Tode führen. Beschwerden können sein: Druckgefühl, Schmerz, Atemnot und Husten. Heimtückisch sind wiederholte kleine Lungenembolien, welche auch ohne Symptome einer Thrombose im Bein-/Beckenbereich auftreten können und oft schwierig zu diagnostizieren sind.
Wenn die Vorhöfe des Herzens sich nicht mehr rhythmisch kontrahieren, sondern nur noch unkoordinierte Muskelzuckungen machen, spricht man von Vorhofflimmern. Dadurch entsteht ein beträchtliches Risiko, dass sich im Vorhof ein Thrombus bildet. Gefährlich wird es, wenn sich ein solcher löst und als Embolus in den grossen Kreislauf gelangt. Er kann dann irgendwo ein Gefäss verstopfen. Bei Verstopfung von Hirnarterien ist die Folge ein Hirnschlag.
Thromben und Embolien in Arterien sind immer etwas Gefährliches und oft Akutsituationen. Leider sind Hirn- und Herzarterien am häufigsten betroffen, was dann zu Hirn- oder Herzschlag führt. Verschlüsse der Beinarterien führen zu Schmerzen, diese können meist mit einem Katheter durch Entfernung des Thrombus oder einer Ballondilatation mit oder ohne Stent behandelt werden.
MedikamenteEs gibt verschiedene Medikamente zur Blutverdünnung, welche je nach Indikation eingesetzt werden. Marcoumar (seltener Sintrom) sind altbewährte Medikamente, welche mittels Quickbestimmung dosiert werden müssen. Sie werden unter anderem beim Vorhofflimmern, zur Behandlung und Vorbeugung von Bein- und Beckenvenenthrombosen und nach Einsetzen gewisser Herzklappen verabreicht. Bekannt ist auch das Aspirin in kleiner Dosis, welches fast nur im arteriellen Bereich wirkt und deswegen zum Vorbeugen von Herz- und Hirnschlag sowie Beinarterienverschlüssen eingesetzt wird. Bei Unverträglichkeit oder als Ergänzung nach Einlage eines Stents wird Clopidogrel (Original: Plavix) verwendet. Spritzen (z. B. Fragmin) wirken sowohl im venösen wie arteriellen Bereich. Der Wirkungseintritt ist innert einer Stunde. Sie werden oft gebraucht, um eine Blutverdünnung einzuleiten oder zur überbrückung bei Operationen. Als Langzeittherapie sind sie für den Patienten zu belastend und auch zu teuer.
Mit Xarelto ist ein neues, sehr interessantes Medikament auf dem Markt. Es kann in vielen Fällen anstelle von Marcoumar eingesetzt werden. Sein grosser Vorteil ist, dass es in konstanter Dosis verabreicht werden kann, ohne dass der Quick bestimmt werden muss. Als Nachteil muss erwähnt werden, dass die Erfahrungen damit noch klein sind und vor allem beim Langzeiteinsatz der Preis mit Fr. 100.-/Monat noch zu hoch ist.