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Bekannt wurde Zwigoff mit dem vielfach preisgekrönten Dokumentarfilm «Crumb» (1994) über den Underground-Comic-Zeichner Robert Crumb, der unter anderem Fritz the Cat erfunden hat. Von Zwigoff stammt aber auch die Comic-Verfilmung «Ghost World» (2001), mit der damals noch unbekannten Scarlett Johannson und der heute beinahe vergessenen Thora Birch in den Hauptrollen. Und gar König von Hollywood war Zwigoff für ein paar Wochen, als seine von den Coen-Brüdern produzierte schwarze Komödie «Bad Santa» zum Kassenschlager und Komödien-Trendsetter wurde.
Terry Zwigoffs Filmkarriere begann in den 70er-Jahren mit einem Umzug von Wisconsin nach San Francisco. Seine Freundin habe reisen wollen, darum seien sie Richtung Westen gefahren, bis es am Pazifik nicht mehr weiterging.
Er fand in San Francisco einen Job beim «Last Gasps»-Untergrund-Verlag, der damals unter anderem die Comics von Robert Crumb publizierte. Crumb und Zwigoff wurden Freunde. Was die beiden verband, war ihre Liebe zur amerikanischen Folk-Musik der 20er- und 30er-Jahre. Zwigoff spielte in Crumbs Amateur-Band und beide sammelten Platten und seltene Aufnahmen.
Die Eintrittskarte ins harte Filmbusiness
Dass er im zarten Alter von 36 Jahren dann überraschend zum Filmemacher wurde, war reiner Zufall, sagt Zwigoff. Auf Spurensuche nach dem vergessenen Blues-Musiker Howard Armstrong stellte Zwigoff zu seiner Überraschung fest, dass Armstrong noch lebte und viel über die schwarze Musikszene seiner Zeit zu erzählen wusste.
Der Mann hatte jahrelang nicht mehr öffentlich gespielt, aber Zwigoff fand ihn so faszinierend, dass ihm der geplante Zeitschriften-Artikel nicht mehr genügte: Ein Dokumentarfilm über Armstrong musste her. Bloss konnte Zwigoff keinen der ihm bekannten Dokfilmer für das Projekt begeistern. Also stürzte er sich selber in das Abenteuer. Zunächst habe er noch Teilzeit im Sozialbüro von San Francisco gearbeitet, aber die Geldsuche und die Reisen in den mittleren Westen zu seinem Protagonisten erstreckten sich über Jahre. Schliesslich habe er seinen Mut zusammengenommen und den Brotberuf aufgegeben.
Der heute noch faszinierende eigensinnige einstündige Film «Louie Bluie» war Zwigoffs Eintrittskarte ins harte Filmbusiness. Weil er seinen Brotjob kündigte, sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als Filmemacher zu sein, erinnert sich Zwigoff noch heute.
Kassenschlager mit versoffenem Nikolaus
Zwigoffs nächstes Sujet war naheliegend: Freund Robert Crumb konnte mittlerweile auf eine fast weltweite Fangemeinde zählen und kaum jemand kannte ihn besser als Zwigoff. «Crumb» wurde 1995 mit über 15 nationalen und internationalen Preisen zur Dokumentarfilm-Sensation, Terry Zwigoff zum gefragten Mann für Gegenkultur und subversiven Humor.
Sein erster Spielfilm war die Comic-Verfilmung «Ghost World». Sie trug ihm so viel Lob ein, dass die Coen-Brüder seinen nächsten Film produzierten: «Bad Santa» mit Billy Bob Thornton, jene schwarze Komödie über einen versoffenen Warenhaus-Nikolaus, welche zum Box-Office-Schlager des Jahres 2003 wurde und eine ganze Welle von «Bad irgendwas» auslöste.
Nach dem Erfolg sei er mit Angeboten überschwemmt worden, sagt Zwigoff. Zuerst dachte er, das würde jetzt so bleiben. Aber nach rund zwei Monaten verschwanden die Angebote wieder. Danach müsse man fast wieder von vorne anfangen, wenn man so wählerisch sei wie er, sagt der Mann, der in dreissig Jahren ganze fünf Filme realisiert hat. Aber die sind allesamt zu Klassikern geworden – und Terry Zwigoff zur lebenden Legende für Jungfilmer.
Sendung: Kultur kompakt, SRF 2 Kultur, 26.8., 17:45 Uhr