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Historisches zu Fluntern
Wann Fluntern zum ersten Mal bebaut oder besiedelt wurde, ist nicht bekannt. Am Hinterberg fand man eine rund 4000 Jahre alte Steinbeilklinge und aus römischen Zeiten gibt es ein paar Münzen und Ziegel, die aber noch nicht auf eine Besiedlung schliessen lassen. Wahrscheinlich waren es Alemannen, die etwa von 500 n.Chr. an in die Gegend einwanderten.
Die erste schriftliche Spur findet sich im Zürcher Rotulus, einer Urkundensammlung des Grossmünsters aus dem Jahr 876. Darin ist vermerkt, dass der „Priester Comolt all sein Besitztum in Flobotisreine und in der Mark an die Kirche“ gibt. Flobotisreine wird als Rain des Flobot erklärt und als Ursprung des Namens Fluntern. Die Flobotstrasse erinnert heute noch daran.
Fromme Mönche und ein Restaurant
Vom Geschlecht der Freien von Fluntern stammt das Wappen: in Blau zwei gekreuzte silberne Lilienstäbe. Rudolf von Fluntern – wohl ein aus Fluntern in die Stadt gezogener, begüterter Bürger - stiftete 1127 das Augustinerkloster St. Martin auf dem Zürichberg. Zum Kloster gehörten einige Äcker, Wiesen und Wasserläufe. Mit dem „Alten Klösterli“ beginnt die durch Urkunden belegte Geschichte von Fluntern. Das Kloster erfreute sich bei der Zürcher Bevölkerung grosser Wertschätzung. Sein Ende kam 1525 mit der Reformation. Güter und Einkünfte gingen zunächst an die Verwaltung eines eigens geschaffenen Zürichbergamtes, später in Privatbesitz über. 1778 standen nur noch der östliche und der südliche Flügel des einst schönen gotischen Kreuzganges. Die letzten Reste verschwanden, als 1810 anstelle des Südflügels ein Bauernhaus – das heutige Restaurant „Altes Klösterli“- gebaut wurde.
Vom Galgen und fremdem Kriegsdienst
Das Grossmünsterstift war im Mittelalter der wichtigste Grundbesitzer am Zürichberg. Nach 1300 erwarb es den Kelnhof, der ungefähr bei der heutigen Kreuzung Zürichberg-/Freiestrasse stand. Dort wurde zweimal jährlich, im Mai und im Herbst, das grundherrliche Gericht gehalten. Zur Verhandlung kamen nicht nur Straffälle, sondern auch zivile, landwirtschaftliche Probleme. Zum Tode verurteilte Straftäter wurden unterhalb des Susenbergs (bei den heutigen Spillmannhäusern, Freudenbergstrasse 92/94) gehängt.
Zur Zeit der Reformation befragte der Rat der Stadt Zürich auch die Bewohner der Landschaft über wichtige Geschäfte. So stand etwa 1521 der Abschluss eines Soldbündnisses mit Frankreich zur Debatte. Die Leute am Zürichberg wehrten sich vehement dagegen. Sie wollten „nicht Kinder erziehen, um sie nach Frankreich zu schicken.“ Drei Jahre später stimmten sie für die Aufhebung der Klöster und bekannten sich, trotz der Niederlage der Zürcher bei Kappel, zur Reformation, zum neuen Glauben.
Ehret einheimisches Schaffen
Die Zünfter – also die Gewerbetreibenden – von Zürich wussten sich im 14. Jahrhundert bestens gegen unliebsame Konkurrenz aus der Landschaft zu wehren: Neun steinerne Kreuzmarken, aufgestellt rings um die Stadt, steckten das Gebiet ab, in dem besondere Vorschriften für die Ausübung von Gewerbe, Handel und Niederlassung galten. Innerhalb dieser Zone durften nur Waren von städtischen Handwerkern verkauft werden, alle handwerkliche Arbeit mussten Mitgliedern der Zürcher Zünfte ausführen. Wer sich innerhalb der Kreuze niederlassen wollte, musste entweder Stadtbürger sein oder auf die Ausübung eines zunftpflichtigen Gewerbes verzichten.
Eines der neun Kreuze stand bei der Einmündung der heutigen Schneckenmannstrasse in die Zürichbergstrasse, eins auf dem Kreuzplatz in Hottingen und eins am Rigiplatz in Oberstrass. Die Strasse über den Zürichberg, die heutige Zürichbergstrasse, hiess wegen dieses Kreuzes „Kreuzgasse“. Sie war ein wichtiger Verbindungsweg nach Stettbach, Dübendorf und Greifensee. Berühmt wurde die Sanierung der Strasse im Hungerjahr 1587. Um für arbeitslose Familienväter, mittellose Hausfrauen und Mägde der Stadt einen Erwerb zu sichern, beschloss die Obrigkeit, den Übergang auszubauen. Bis zu 1800 Männer und Frauen arbeiteten an der Strasse. Für die Fluntermer Bauern bedeutete dies einen willkommenen, gut bezahlten Nebenverdienst: Sie karrten mit Pferd und Wagen Baumaterial herbei.
Schlachtgetöse am Zürichberg
Kampfszene beim Central
Im Frühling 1799 rückten auf der einen Seite die Franzosen, auf der andern die Österreicher gegen Zürich vor. Der Zürichberg wurde zur stärksten Stellung ausgebaut, auf der Kuppe entstand ein eigentliches Fort. Die erste Schlacht bei Zürich brachte keine Entscheidung, sie bestand erstlich aus Einzelgefechten. Einmal soll eine Abteilung Grenadiere bis zum Schlössli auf dem Susenberg vorgedrungen sein. Beidseits forderten sie aber an die 6000 Tote: Franzosen, Österreicher und Russen. Schweizer waren an den Kämpfen nicht beteiligt.
Die Schanzen auf dem Zürichberg wurden in der Folge zum Teil wieder eingeebnet, 1799 dann für die 2. Schlacht erneut aufgebaut, aber nie vollendet. Heute erinnert das Schlachtendenkmal am höchsten Punkt des Hanslinwegs an die Kämpfe, etliche Überreste der einstigen Schanzen sind dort noch zu erkennen. Bei der ehemaligen Hochwacht, oberhalb des Rastplatzes an der Batteriestrasse beim Zoo, findet man Spuren der zweiten Befestigung.
Der Fluntermer Bevölkerung brachten die kriegerischen Geschehnisse vor allem Fronarbeit (für die Befestigungen), verwüstete Felder und Plünderungen. Ruhe trat erst nach der Niederwerfung Napoleons und mit dem Wienerkongress von 1815 ein. 1816/17 kam es zur letzten schweren Hungersnot in unserer Gegend.
Kosakenpferdchen an der Platte
Nadeschda Suslova
1842 wurde das Kantonsspital eröffnet, 12 Jahre später die von Gottfried Semper erbaute ETH, in deren Südflügel für 50 Jahre die Universität einquartiert war. 1882 kam das Rotkreuzspital dazu. Die Platte – eben noch dörfliche Provinz - mutierte dank der vielen Studenten und Professoren zum Quartier Latin der Limmatstadt. Viel zu reden gaben die Russen: Zwischen 1872 und 1874 war ein Drittel aller Studierenden russischer Herkunft. 1867 promovierte Nadeschda Suslova als erste Frau an der Universität zum „Doctor der Medicin“. Die temperamentvollen Russinnen, von ihren Kommilitonen oft „Kosakenpferdchen“ genannt, wohnten in den zahlreichen Pensionen an der Platte, unter ihnen auch Rosa Luxemburg. Eine Plakette am Haus Plattenstrasse 47 erinnert an den Zürcher Aufenthalt der streitbaren Sozialistin. Doch auch professorale Prominenz siedelte bald in Fluntern: Zu ihr gehören mehrere Nobelpreisträger, Albert Einstein zum Beispiel oder Leopold Ruzicka, Paul Karrer und Tadeus Reichstein.
Zur Stadt gehörig
Bestände des Stadtarchivs Zürich
Die zunehmende Verstädterung des Zürichbergs hatte Folgen: 1893 wurde das ehemals kleine Bauerndorf eingemeindet – jetzt gehörte es mit allen Rechten und Pflichten zur Grossstadt Zürich. Der obere Teil von Fluntern entwickelte sich immer mehr zum Ausflugsgebiet für die Städter, zahlreiche Gastwirtschaften und Ausflugsrestaurants boten Fluntermer Wein, Most oder Milch an. 1900 nahm das weithin sichtbare „Alkoholfreie Kurhaus Zürichberg“ seinen Betrieb auf (Vollpension pro Tag Fr. 3.—bis 3.50), ein Jahr später kam das Restaurant dazu. Beide wurden schnell zur guten Adresse. Die Eröffnung des Zoos 1929 bedeutete einen weiteren Meilenstein.
Und seither? Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Zürichberg sukzessive überbaut, zumeinst mit Villen, im untern Teil auch mit 3- oder 4-Familienhäusern. Doch Fluntern blieb grün: Alte Bäume und grosse Gärten sorgten dafür. Das änderte sich allerdings schleichend. Seit die Bodenpreise ins Masslose stiegen, werden die Grundstücke immer öfter bis zum letzten erlaubten Quadratzentimeter überbaut. Universität und ETH usurpieren mit ihren Büros zusätzlich wertvollen Wohnraum. Und mit dem Ausbau des Zoos sowie dem erweiterten Freizeitangebot auf dem Zürichberg hat auch der Verkehr erneut zugenommen. Dennoch: Fluntern zählt zu den reizvollsten Wohnlagen von Zürich. Das lässt ein bisschen Stolz auf unser Quartier schon zu.Regine Kretz
Zusammengestellt aus: Fluntern – Vom Weinbauerndorf zum Stadtquartier am Zürichberg. Herausgegeben von der Zunft Fluntern aus Anlass ihres hundertjährigen Bestehens im Jahr 1995. Auslieferung über: Verlag Schippert AG, 8123 Ebmatingen.

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