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Was haben Hobby-Virologinnen in den sozialen Medien und der Bankräuber McArthur Weeler gemeinsam? Was wie der Anfang eines schlechten Witzes klingt, ist die Herleitung für ein verbreitetes psychologisches Phänomen: der Dunning-Kruger-Effekt. Dieser Effekt beschreibt die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und kann dazu führen, dass wir uns nicht weiterbilden. Aber eins nach dem anderen.
Erkannt trotz Zitrone im Gesicht
1995 ereignete sich in Pittsburgh einer der absurdesten Banküberfälle der Geschichte: Ein Mann namens McArthur Weeler raubte mitten am Tag zwei Geldfilialen aus – trug dabei zum Erstaunen der Polizei aber keine Gesichtsmaske.
Als später die Handschellen klickten und ihm die Polizei die Überwachungsaufnahmen der Bankfilialen vorspielte, war seine Irritation gross. Er hatte sich das Gesicht vor dem Banküberfall doch mit Zitronensaft eingerieben?! Weil dieser Saft (in vielen Ganovenstreifen) als unsichtbare Tinte verwendet wurde, war McArthur Weeler der festen Überzeugung, dass es auch ihm helfen würde.
Inspiriert von Ignoranz und Inkompetenz
Sein Fall war für die amerikanischen Psychologen David Dunning und Justin Kruger das Sinnbild für ein Phänomen, das später als Dunning-Kruger-Effekt bekannt wurde. Demnach überschätzen inkompetente Menschen ihre eigenen Fähigkeiten auffällig oft – während sie gleichzeitig die Leistungen kompetenterer Menschen unterschätzen. Das Problem: Es ist ihnen nicht einmal bewusst.
Wie alles begann
Die beiden US-Psychologen beschrieben den Effekt erstmals im Jahr 1999: Für eine Studie hatten sie Studierenden verschiedene Logik- und Grammatiktests vorgesetzt. Nach Abschluss der Tests sollten die Teilnehmenden einschätzen, wie gut sie im Vergleich zu den anderen Probandinnen und Probanden abgeschnitten hatten.
Das Ergebnis: Diejenigen mit den schlechtesten Ergebnissen waren davon überzeugt, die besten Lösungen gefunden zu haben. Aber nicht nur das: Als sie die Tests der besseren Teilnehmer einsehen durften, glaubten sie immer noch fest an ihre vermeintliche Überlegenheit.
Derzeit wird dieser Effekt von einigen Sozialpsychologinnen und -psychologen zur Erklärung des Verhaltens vieler Menschen in den sozialen Medien herangezogen: Wenn in Zeiten einer Pandemie die kurze Google-Recherche ein anspruchsvolles Medizin-Studium ersetzen soll und die Fähigkeiten von Immunologen und Virologinnen gleichzeitig kleingeredet wird.
Aber auch in anderen alltäglichen Situationen begegnet der Effekt uns oft: «Also der Schiri ist doch blind!» oder «Wenn ich dieses Land regieren würde ...» Na, kommt Ihnen das bekannt vor?
Erfolgreicher dank Selbstüberschätzung
Warum überschätzen Menschen ihre eigenen Leistungen und Kompetenzen überhaupt? Sozialpsychologinnen und -psychologen sehen darin grundsätzlich ein völlig normales Verhalten: Wir alle wollen ein positives Selbstbild wahren. Wir geben also ungern zu, dass wir keine Ahnung haben. Und: Wer sich selbst überschätzt, der ist eher erfolgreich, weil er auch Aufgaben angeht, die er nach realistischer Einschätzung vielleicht gar nicht angegangen wäre.
Wenn diese Aufgaben mit der Hilfe anderer oder etwas Glück dann gelingen, hat man das Gefühl, alles richtig zu machen. Auch oberflächliches Wissen und gute Selbstinszenierung kann so zum Erfolg führen. Grundsätzlich eine gute Sache – wäre da nicht der Haken.
Die negativen Seiten des Effekts
Bedingt durch die Selbstüberschätzung und das Ausblenden der eigenen Unfähigkeit tendiert man nämlich dazu, die Kompetenzen nicht auszubauen. Man verharrt in seiner Unwissenheit, hält sich aber weiterhin für kompetent. Dunning und Kruger formulierten diesen Prozess als «Stufen der Selbstwahrnehmung».
Stufen der Selbstwahrnehmung nach Dunning & Kruger
- Inkompetente Menschen überschätzen oft ihre eigenen Fähigkeiten.
- Sie sind unfähig, das Ausmass ihrer Inkompetenz zu erkennen.
- Bedingt durch ihre Ignoranz bauen sie ihre Kompetenz nicht aus.
- Dadurch unterschätzen sie die überlegenen Fähigkeiten anderen Menschen.
Was also lässt sich gegen die eigene Selbstüberschätzung tun? Erster Schritt: Einsehen, dass der gesunde Menschenverstand eben oft nicht ausreicht, um komplexe Probleme zu durchdringen. Zweiter Schritt: Sich in Selbstreflexion üben, also sich bewusst werden, dass wir dazu neigen, uns zu überschätzen.
In welchen Situationen wird Ihr Umfeld zur Fachrunde? Schreiben Sie es uns in die Kommentare!