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«Die Glocke der Kirche schlug sechsmal. Nina nahm ihre Tasche, ging zur Tür der kleinen Kapelle und öffnete sie. Es regnete. Der Regen fiel in langen grauen Stäben auf die Retzfelder hinab, prasselte auf die asphaltierte Strasse, schwärzte sie. Der Himmel war sehr nah, beinahe schien es ihr, als ob er durch den starken Regenfall auf der Erde schleifte. Ihr Schirm lag im Wagen. Die Grube, in der ihre Mutter bald gesenkt würde, füllte sich mit Wasser.
Grau lagen die Umrisse des Retzwaldes vor ihr, er schien ihr jetzt weiter weg zu sein, der Regen veränderte die Proportionen zu den Dingen, alles wirkte näher und weiter zu gleich, beständiger und unbeständiger auf eine merkwürdige Weise, die Nina nicht fassen konnte.»
aus: „Siehst Du mich?“ Europa-Verlag 2019