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Besetzung und Programm:
Alumni-Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY
Matthias Pintscher Dirigent
Yeree Suh Sopran
Pierre Boulez (1925–2016)
Don aus Pli selon pli. Portrait de Mallarmé für Sopran und Orchester
Gedenkansprache von Wolfgang Rihm
Alban Berg (1885–1935)
Drei Orchesterstücke op. 6
Igor Strawinsky (1882–1971)
Le sacre du printemps
Pierre Boulez (1925–2016)
Mémoriale (… explosante-fixe … Originel) für Flöte und acht Instrumente
Rezension:
Mit einem Gedenkkonzert im Rahmen des Oster-Festivals erinnerte LUCERNE FESTIVAL an Pierre Boulez. Der französische Komponist und Dirigent, der am 5. Januar 2016 verstarb, hatte das Festival geprägt wie kaum ein anderer.
Ein Programmheft ganz in Schwarz, ein Kondolenzbuch im Foyer und viel Französisch waren erste Merkmale des Gedenkkonzerts vom letzten Sonntag. Über Hundert ehemalige Musiker der Lucerne Festival Academy (gegründet 2002 von Pierre Boulez und Michael Häfliger) waren aus aller Welt angereist, um für diesen Auftritt ein Orchester zu bilden, das Alumni-Orchester der Lucerne Festival Academy. Dirigent war Matthias Pintscher, seit Beginn dieses Jahres dessen «principal conductor».
«Alumni» komme von Ernähren, erklärte Wolfang Rihm in seiner Gedenkansprache. Die jungen Musiker seien von Boulez «ernährt» und auf den Weg gebracht worden. Er erinnerte sich in seiner Hommage an einen generösen, einfachen, zugewandten und zugänglichen Menschen, welcher immer im richtigen Moment mit den richtigen Worten zu motivieren gewusst habe, die Möglichkeiten genutzt und gegeben habe, um Dinge zu ermöglichen und Weichen für die Zukunft gestellt habe..
Das Konzert begann mit «Don» aus «Pli selon Pli» von Boulez, einem Stück mit kleiner Streicher-, aber grosser Bläserbesetzung, acht Schlagzeugen und zusätzlichen Instrumenten wie Mandoline, Gitarren, Celeste und Sopran. Nach einem scharfen Anfangs-Akkord kommt das Stück aber leise und fast leichtfüssig daher, das Orchester scheint teilweise die Töne einzeln in den Saal zu setzen, Ansätze von Melodien schälen sich heraus, einzelne Instrumente positionieren sich kurz, um sich wieder mit dem Ganzen zu vereinen. Die Sopranistin Yeree Suh überzeugte in den gesungenen, gesprochenen, gehauchten Passagen mit ihrer glockenklaren Stimme, die sie perfekt zu modulieren wusste.
Alban Berg hatte seine Drei Orchesterstücke op. 6 als Geschenk für Arnold Schönberg gedacht. Mit knappen, präzisen Gesten führte Matthias Pintscher durch dieses Werk mit Passagen brachialer Gewalt, tänzerischen Motiven und aufblitzenden Walzertempis. Auch im nachfolgenden Sacre du printemps von Stravinsky überzeugten Dirigent und Orchester vollends. Die Spannung wurde durchwegs gehalten, auch in den leisen, beinahe elegischen Passagen, denen wiederum rhythmisch gehämmerte Takte folgten, ein riesiger Klangteppich, dämonisch-dynamisch, im zweiten Satz dann mystisch verhalten.
Als letztes Stück und als letzte Hommage an Boulez folgte „Mémoriale (…explosante-fixe…originel) ein elegant-französisch wirkendes Werk für Flöte und acht Instrumente, welches Erinnerungen an Debussy aufkommen liess. Solist Yi Wie Angus Lee überzeugte mit seiner Virtuosität, scheinbar mühelos erzeugte er flirrend zarte Töne auf seinem Instrument, diskret begleitet und getragen vom Ensemble der 8 Musiker.
Mit einem kurzen Moment der Stille zollte Pintscher Pierre Boulez ein letztes Mal Respekt, der ganze Saal folgte ihm in ebenso andächtiger Stille. Ein eindrücklicher Moment, ein unvergessliches Konzerterlebnis
Kleine Fotodiashow von Priska Ketterer Lucerne Festival: