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Der Edgar-Wallace-Krimi «Der Hexer» ist weltbekannt und besitzt viele Fans. Doch funktioniert «Der Hexer» auch als Kriminalkomödie? Wenn man sich die Aufführung des Zimmertheaters Anreppen in der Dorfhalle ansieht, muss man die Frage eindeutig mit Ja beantworten.
Atréju Diener verwandelte den Krimi in eine Kriminalkomödie und Vorlage für ein Theaterstück, bei der sich Witz und theatrale Dramatik abwechseln. Natürlich ist der Humor typisch britisch durchaus schwarz.
Beispielsweise hat der Zug aus London nach Brighton Verspätung, weil sich Schafe auf den Gleisen befinden. Kurze Zeit später wird dann Schafgulasch im Bordrestaurant serviert. Ort der Suche nach dem Hexer ist das beschauliche Turners Hill. John Richards (Lars Kramer) und Alan Wembury (Markus Hennemeier) machen sich von London aus auf den Weg , als sie hören, dass die Sekretärin des zwielichtigen Rechtsanwalts Maurice Messer (Ralf Sunder) Meghan Milton erhängt in ihrem Zimmer aufgefunden wird.
Es gibt Zweifel am Selbstmord, denn Meghan ist die Schwester von Henry Arthur Milton, besser bekannt als «Der Hexer». Angeblich sei der Hexer bei einem Erdbeben in Japan ums Leben gekommen, aber daran gibt es Zweifel, konnte doch eine Zeugin ein Phantombild anfertigen. Wir fahren mit der Eisenbahn. Das ist unauffälliger», so John Richards. Unterstützt werden sie von Raymond Bliss (Christian Ludolph), der den Hexer als einziger Polizist gesehen haben soll und vom bekannten Psychologen Dr. Siegfried Lomond (Herbert Brockmann).
«Der Hexer ist vermutlich auf dem Weg nach Turners Hill. Allerdings würde wohl nicht einmal ihn seine Frau bei seinen Verkleidungen erkennen. Es könnte jeder sein, sogar die Theaterbesucher», bindet John Richards auch das Publikum der nahezu ausverkauften Premiere mit ein.
Gleichzeitig hat er einige Fotos von Hexer-Verkleidungen dabei: Boris Becker oder Donald Trump sind ein paar Beispiele. Allerdings ist der Auftritt der Polizei schon aufgefallen: Die wandelnde Dorfnachrichtentratsche Alice Winterbottom (Mechthild Troja) hat die Ermittler schnell entdeckt. Die beiden Polizisten sind sich sicher, dass der Hexer lebt. «Schliesslich hat sich seine Ehefrau hier eingemietet», so Richards. Und tatsächlich befindet sich Cora-Ann Milton (Kerstin Brinkschröder) in Turners Hill. Polizist Sanders (Jens Blank) soll Anwalt Messer schützen.
Immer wieder tauchen neue und durchaus fragwürdige Gestalten auf, beispielsweise das Dienstmädchen Samantha Hackitt (Maike Protte), die sich bislang als Taschendiebin ihren Lebensunterhalt «verdient» hat. Und die neue Sekretärin Mary Lenley (Heidi Schmidt), deren Bruder Johnny (Kai Brinkschröder) im Gefängnis sitzt. Maurice Messer will ihn verteidigen und weil er ein so gutes Herz hat, natürlich ohne Honorar. «Vielleicht hat der Anwalt ja auch nur ein Auge auf die gut aussehende Schwester von Kriminellen geworfen», rätseln auch Scotland Yard. Schliesslich misstraut hier jeder jedem.
Und dann ist da ja noch die rote, gelegentlich leuchtende Lampe über dem Kaminsims. «Da haben wohl wieder nur wieder Ratten den Bewegungsmelder auslösen lassen», versucht Maurice Messer zu beruhigen und das rote Licht zu erklären. Dabei verschweigt er zunächst, dass sich hinter dem Kamin ein Geheimgang befindet von dem zunächst nur er weiss. Seinem kleptomanischen Zimmermädchen verrät er dann unter dem Siegel der Verschwiegenheit aber doch den geheimen Gang. Ob hier durch «Der Hexer» die Bühne betritt das Zimmertheater Anreppen noch bei drei weiteren Aufführungen.
Text: Axel Langer, Westfalen-Blatt
Bild: Axel Langer
Erschienen: 20. November 2023