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vergletscherte Glied dieser Gruppe. Der Surettagletscher senkt sich durch das gleichnamige Thal nach N. und ist der einzige, der eine grössere Eiszunge bildet. Bemerkenswert ist der nach NO. über das Hirli streichende Kamm durch seine Eisenerze, die früher in einer grössern Eisenschmelze zwischen Ausser und Inner Ferrera verhüttet wurden. Jenseits des Passo di Madesimo folgt der Piz Timun, mit 3201 m der höchste Gipfel der Gruppe, dann der Piz Groppera (2934 m) und weiter der Piz Stella (3129 m, oder nach der italienischen Karte 3162 m), der Eck- und Zentralpunkt der Gruppe, eine schöne weitschauende, aber selten besuchte Pyramide, die sich hoch über dem Thalwinkel von Chiavenna erhebt (früher gaben ihr die Karten irrtümlicherweise die für diese Lage ganz ungewöhnliche Höhe von 3406 m). In dem von hier nach O. streichenden Kamm sind die Cima di Lago (3015 und 3082 m), der Piz Gallegione (3135 und 3110 m), der Piz della Duana (3133 m), das Gletscherhorn (3106 m), der Piz Piott (3040 m) und Piz della Forcellina oder Piz di Val Turba (3023 m) die Hauptgipfel.
Davon sind der Piz Gallegione und der Piz della Duana herrliche Aussichtspunkte, die in neuerer Zeit öfteren Besuch erhalten. Die Vergletscherung ist hier überall gering und beschränkt sich auf einige nach N. geneigte Hängegletscher. Auch die vier nach N. ziehenden Seitenketten überschreiten in ihren s. Teilen noch öfter 3000 m und sind dort mit kleinern Gletschern geschmückt, so an der Cima di Sovrana (3060 m) und am Blesehorn (3048 m) in der Kette zwischen Val di Lei und Madriserthal.
Mehrere, zum Teil ziemlich stark begangene Pässe führen aus diesen Thälern nach dem
Bergell und nach Italien. Die niedrigsten
sind der schon erwähnte
Passo di Madesimo (2280 m) und der Stellapass (2276 m), ersterer von
Inner Ferrera oder
Canicül durch
das
Val d'Emet nach dem Kurort
Madesimo in einem Seitenthal des italienischen
Val S. Giacomo s.
vom
Splügen,
letzterer aus dem
Val di
Lei nach Chiavenna führend. Touristisch von besonderem Interesse sind auch die
Forcella di Prassignola
(2720 m) und der Duanapass (ca. 2800 m) als die kürzesten Uebergänge von
Avers-Cresta nach
Soglio und
damit ins untere
Bergell, ersterer durch das
Madriserthal, letzterer durch das Bregalgathal. Alle diese Pässe steigen relativ
sanft von N. an und fallen mit grosser Steilheit nach S. In wenigen Stunden führen sie hier aus der Fels- und Schneeregion
nach den warmen Gefilden der Kastanienwälder und Weinberge. - In der Hauptsache besteht dieser ganze
Gebirgsabschnitt aus Gneis und krystallinen Schiefern.
Nur in den südöstlichsten Partien, etwa von Cresta an gegen den Septimer, setzen sich an deren Stelle Sedimentgesteine, die dem vielgestaltigen und wohl auch verschiedenalterigen Komplex der Bündner Schiefer zugeteilt werden. Graue und grüne Schiefer, Kalke und Marmore, Serpentine und andere Gesteine zeigen sich da in mannigfaltigem Wechsel. Schöne Marmorlager finden sich z. B. im untern Teil des Madriserthals und von da abwärts. Das Bett des Averserrhein und die nach Cresta führende Strasse sind auf längern Strecken in diese Marmore eingeschnitten und erhalten dadurch einen besondern Reiz.
Von ganz anderer Beschaffenheit ist die Kette des Piz Platta, die als mächtiger Wall zwischen dem Oberhalbstein einerseits und den Thälern von Avers und Schams andererseits sich erhebt. In der s. Hälfte, von der Forcellina bis zum Piz Grisch, überschreiten noch zahlreiche Gipfel 3000 m, unter ihnen der gewaltige Piz Platta mit 3386 m, eine der schönsten und stolzesten Berggestalten Graubündens. Ihn begleiten als ebenfalls mächtige Trabanten das Jupperhorn (3151 m), der Mazzerspitz (3161 m), der Piz Scalotta (3003 m), der breite, mehrgipfelige Averser Weissberg (3041 und 3044 m), der Piz Grisch (3048 m) und die wildzerrissenen Gestalten des Piz Forbisch (3258 m) und Piz d'Arblatsch (3204 m), zum Teil in der Hauptkette selber, zum Teil in kurzen Auszweigungen derselben stehend.
Weiter n. nimmt die Gipfelhöhe ab, und die Bergformen nehmen im Ganzen einen sanfteren Charakter an, besonders auf der Oberhalbsteinerseite, wo sie in breiten Terrassen und Wald- und Rasenhängen aufsteigen. Nach W. freilich, gegen Schams, brechen sie immer noch in mächtigen Felsabstürzen ab. Der Hauptgipfel ist hier der Piz Curvèr (2975 m); nach W. springt der Piz la Tschera, nach O. der eigentümlich kraterartig gestaltete Piz Toissa vor, und den n. Abschluss bildet die Muttnerhöhe, von der man das ganze Domleschg überschaut. Im hintern Teil der Kette sind eine Reihe von Pässen zu nennen, die das Averserthal mit dem Oberhalbstein verbinden.
Von Touristen am meisten benutzt wird die Forcellina (2673 m), die von Avers-Cresta über Juf, das höchste ständig bewohnte Dörfchen der Schweiz (2133 m, d. h. Pilatushöhe), direkt nach dem Septimer führt, von wo man dann über den Lunghinopass (2635 m) nach dem Maloja und ins Engadin gelangt. Es ist dies die kürzeste Verbindung dieses Thales mit Avers. Fast von der Höhe der Forcellina führt die Fuorcla di Valetta nach Stalla im Oberhalbstein. Der Hauptpass dorthin ist aber der Stallerberg (2584 m), der ebenfalls von Juf ausgeht und vor der Erstellung der neuen, aus dem Schams heraufkommenden Strasse einen Hauptzugang zum Averserthal bildete. Die übrigen Bergübergänge, wie das Fallerjoch von Avers nach Mühlen, das Starlerajoch und das Schmorrasjoch von Inner- und Ausser Ferrera nach dem vordern Oberhalbstein haben nur geringe Bedeutung. - Sehr eigentümlich und mannigfaltig sind die geologischen Verhältnisse dieses Gebirgsabschnittes. Graue und grüne Schiefer, Serpentin, Diorit, Gabbro, verschiedene Kalke, Dolomit, Marmor, Gips, Rauchwacke und andere Gesteine sind bunt durcheinander gewürfelt. Der Piz Platta z. B. besteht in der Hauptsache aus Grünschiefer, ¶
Gruppe der Engadiner Berge
Lf. 44
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Verlag von Gebr. Attinger Neuenburg.
^[Karte: 7° 30’ O;
46° 30’ N;
1:450000]
GRUPPE DER ENGADINER BERGE ¶
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der Averser Weissberg hart daneben aus Triaskalken, die stellenweise in Marmor umgewandelt sind, Piz Forbisch und Piz d'Arblatsch aus grauem Bündnerschiefer, der Piz Grisch wieder aus Kalk; weiter n. im Gebiet des Piz Curvèr dominiert der Bündnerschiefer, aber hart daneben baut sich der Piz Toissa aus Kalk und Dolomit auf. Diorit, Gabbro, Serpentin finden sich an verschiedenen Stellen, so im Val Nandro und Val Bercla, meist mit Grünschiefer verbunden und oft in diesen übergehend, Serpentin in so grosser Ausdehnung, dass er mancherorts förmlich als Grundgebirge erscheint.
Auch der Rofnagneis und der Talkquarzit des Surettastocks tritt auf der Strecke von Inner Ferrera bis
Andeer auf die rechte Thalseite und damit in die Kette des Piz Platta über, hier mehrfach von Rötidolomit u. Bündnerschiefer
umrandet. Ein anderes grobkörniges Silikatgestein hat nach seiner Hauptfundstelle, der Alp Taspin nw.
vom Piz Curvèr, den
Namen Taspinit erhalten. Darin finden sich Bleiglanz, Fahlerz, auch Kupferkies und Malachit, die in früheren
Zeiten ausgebeutet wurden. Auch sonst ist dieser Gebirgsabschnitt durch Vorkommnisse von Erzen ausgezeichnet. Die Alp Schmorras
im Hintergrund des Val Nandro z. B. und der Piz Starlera, ein Vorgipfel des Piz Grisch, haben nicht unbeträchtliche Eisenlager,
und noch sieht man unten zwischen Ausser und Inner Ferrera die Ruinen der Eisenschmelzen, wo diese und
andere Erze der Gegend einst verarbeitet wurden.
Die Gruppe des Piz d'Err erfüllt den Raum zwischen dem Oberhalbstein und dem Septimer im W., dem Albulathal und Albulapass im N. und NO. und dem Ober Engadin im SO. Von den fünf Abteilungen der Albulagruppe ist sie die zentralste und flächengrösste u. zugleich diejenige, welche die grösste mittlere Höhe und die grösste Vergletscherung aufweist. Ihr höchster Gipfel, der Piz dellas Calderas, erreicht zwar mit 3393 m nicht ganz die Höhe des Piz Kesch (3420 m) u. des Piz Platta (3398 m). Aber von den 101 Gipfeln der Albulagruppe, die 3000 m übersteigen, fallen 36 allein auf die Errgruppe, von 7 Gipfeln mit über 3300 m 5 auf die Errgruppe und nur je einer auf die Gruppen des Piz Kesch und des Piz Platta.
Das Mittel aus den 10 höchsten Gipfeln der Errgruppe ergibt 3303 m, dasjenige aus den 10 höchsten der Keschgruppe dagegen nur 3157 m, also fast 150 m Differenz zu Gunsten der erstern. Auch die Vergletscherung ist in der Errgruppe grösser als in den übrigen Gliedern des Albulagebietes. Doch kommt ihr die Keschgruppe darin allerdings nahe. Dabei zeigt die Errgruppe eine bemerkenswerte Eigentümlichkeit in der Verteilung der Gletscher. Dieselben halten sich nämlich fast ausschliesslich an die O.- und N.-Seite des Gebirges, während die W.- und S.-Seite fast ganz von Gletschern entblösst sind. Da der Hauptkamm der Gruppe sich im Ganzen von S. nach N. erstreckt, so erscheint die O.-Seite als ein eigentliches Schnee- und Eisgebirge, eine Sierra Nevada, während die W.-Seite sich als ein ebenso typisches Felsengebirge darstellt. Es spiegelt sich darin der äussere Bau, das Relief des Gebirges.
Die O.-Seite weist eine Reihe hochgelegener Terrassen und Mulden auf, wo der Firn sich sammeln und allmählig in Gletscher
umwandeln kann, während die W.-Seite in steilen Felswänden abbricht, die den Schnee nicht festzuhalten
vermögen. Erst in der Tiefe, weit unter der Schneegrenze, treffen wir auch hier auf ausgedehnte Terrassen, die aber mit Weiden
bestanden sind, wie z. B. diejenige von Flex über Mühlen im Oberhalbstein. Die
meisten Gletscher senken sich
vom Hauptkamm
konzentrisch in das ö. verlaufende Val Bever. Eine geringe Verlängerung derselben würde genügen, um
sie zu einer einzigen grossen Zunge zusammenlaufen zu lassen, wie dies in früheren Zeiten der Fall war.
Mehrere bogenförmig quer durch das Val Bever verlaufende Moränen deuten noch die einstige grössere Ausdehnung des Gletschers und dessen etappenweisen Rückzug an. Jetzt sind nur noch die obern Arme ohne gemeinsame Zunge vorhanden. Ein grösserer Gletscher, der Errgletscher, fällt in prächtigen Terrassen nach N. in das zum Oberhalbstein ausmündende Val d'Err, und auch hier deuten weit vorgeschobene Moränen auf einst viel grössere Ausdehnung des Gletschers mit grosser Zungenbildung an.
Die Errgruppe ist orographisch und geologisch reich gegliedert. Zunächst ist das Kalk- und Dolomitgebirge der Bergünerstöcke im N. von der granitischen Zentralmasse im S. zu trennen. In jenem erheben sich die stolzen Gestalten des Piz d'Aela (3340 m), des Tinzenhorns (3179 m) und des Piz Michèl (3163 m) nebst einigen unbedeutenderen Gipfeln und Kämmen. Eine Linie von Tinzen im Oberhalbstein durch das Val d'Err und die Fuorcla da Tschitta (ca. 2900 m) nach Naz an der Albulastrasse trennt sie von der Zentralmasse des Piz d'Err. Diese beginnt mit der kleinern Kette des Piz Salteras (3114 m), in der sich der Gesteinswechsel vollzieht. An der Fuorcla da Mulix (2874 m) biegt sie sw. und w. um und steigt dann rasch zu der Firnkuppe des Piz d'Err (3383 m) empor.
Von da zieht sie sich als gewaltige Gebirgsmauer geradlinig nach S. über den Piz dellas Calderas (3393 m) und die Cima da Flex
(3287 m) zum Piz d'Agnelli (3206 m) und schliesslich im Bogen sö. zum Piz Suvretta (3074 m) und Piz Julier
(3385 m). Dies ist das durch Gipfelhöhe und starke Vergletscherung ausgezeichnete Stammstück der Errgruppe, dem sich ihre
übrigen Glieder anschliessen.
Vom Piz d'Err zieht sich die lange schmale Kette der Crasta Mora zwischen
Albulastrasse und Val Bever nach O. Schärfer
vom Stammstück durch tiefe Einschnitte getrennt sind die kleineren Gruppen
des Piz Ot (3249 m) und des Piz Lagrev (3168 m), jene s.
vom Val Bever, diese zwischen Julierpass und Septimer. In letzterer
erhebt sich neben andern Gipfeln der Piz Lunghino (2784 m) über dem Malojapass, der mit dem Piz Julier
und Piz Ot zu den schönsten und besuchtesten Aussichtspunkten des Ober Engadins gehört.
Oft wird die ganze Bergwand auf der linken Seite des Ober Engadin
vom Maloja und
vom Septimer bis zum Albulapass als Juliergebirge
zusammengefasst. Dieser Name bezeichnet also den dem Engadin zugekehrten Teil der Errgruppe. Er präsentiert
sich als ein prächtiges Gebirge mit vielen stolzen Gipfelformen, unter welchen der Piz Julier, auch etwa Piz Munteratsch genannt,
durch zentrale Stellung, Höhe und kühne Gestalt den ersten Rang einnimmt. Er baut sich aus einem schönen grünen Granit
auf, der auch sonst in diesem Gebirge weit verbreitet ist und als Julier- oder Albulagranit bezeichnet
wird.
Dazwischen finden sich noch manche andere Gesteine, besonders auch Sedimente der Verrucano-, Trias- und Liasgruppe. Eine eigentümliche Ausbildung zeigen die Verrucanogesteine im Val Saluver und am Piz Nair über St. Moritz und von da bis zum Piz d'Agnelli. Dieses «Saluvergestein» besteht aus einer grünlichen und roten talkigen Grundmasse mit eingebettetem Quarz, Glimmer, Feldspat etc. Damit wechseln schieferige Lagen von feinerem Korn, dann gröbere Sandsteine und Konglomerate, ¶