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Wir bei WfW beschäftigen uns täglich mit dem Thema Wasser, ob in Sambia, in Mosambik oder in der Schweiz. Nun, da das Wasser wieder in Trinkwasserqualität aus den Hähnen aller Luzerner Haushaltungen, Büros und Praxen fliesst, möchten wir auf einige Punkte hinweisen.
Eine funktionierende Trinkwasserversorgung ist keine Selbstverständlichkeit
Das wichtigste vorab: Eine funktionierende Trinkwasserversorgung ist aus einer globalen Perspektive keine Selbstverständlichkeit. Weltweit leben über 780 Millionen Menschen ohne sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser. Diese Menschen müssen lange Distanzen oder Wartezeiten auf sich nehmen, um an Trinkwasser zu kommen. Hinzu kommen Risiken der Wasserqualität oder -quantität. Unter Umständen stammt das Wasser aus einer unsicheren Quelle, ist verschmutzt, nur in geringen Mengen vorhanden oder teuer. Der grösste Teil dieser 780 Millionen Menschen lebt im südlichen Afrika und im südlichen Asien. Das Problem in diesen Regionen muss nicht einmal mit einer grundsätzlichen Knappheit der Ressource Wasser zu tun haben. In Sambia, zum Beispiel, einem der wasserreichsten Länder Afrikas, gäbe es genügend natürliche Ressourcen zur Deckung des Trinkwasserbedarfs. Diese sind jedoch oft nicht erschlossen. Wasserzugang ist aber die Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben.
Mehrgenerationenprojekt Trinkwasserversorgung
Die zentrale Wasserversorgung der Haushalte in Luzern geht auf erste Bauten in den 1870er Jahren zurück. Diese dienten vor allem der Feuerbekämpfung und waren aus hygienischer Perspektive höchst problematisch. Erst als um die Jahrhundertwende der Zusammenhang zwischen schlechter Wasserqualität und Krankheiten wie Cholera und Typhus gefunden wurde, trieben die Themen Gesundheit und Hygiene die Entwicklung der Leitungswasserversorgung voran. In der Nachkriegszeit erreichte die sanitäre Grundversorgung mit sauberem Trinkwasser, dazu gehören Toiletten, Badezimmer und Duschen, auch den ländlichen Raum flächendeckend. Professionelle Wasserversorgung ist in der Schweiz ein Mehrgenerationenprojekt und der Zugang zu Trinkwasser war bis in die Nachkriegszeit auch in der Schweiz keine Selbstverständlichkeit.
Kontrollen funktionieren, Massnahmen werden getroffen
Heute ist das Luzerner Trinkwassernetz rund 350 Kilometer lang und speist sich aus Quell-, See- und Grundwasser. Um die höchste Sauberkeit des Wassers sicherzustellen, beschäftigen sich Wasserversorgerinnen wie die ewl in Luzern vor allem im Bereich der technologischen und nachhaltigen Weiterentwicklungen der Wasseraufbereitung. Dass die modernsten Wasseraufbereitungsanlagen nicht vor einer möglichen Wasserverschmutzung schützen, hat der Fall in Luzern gezeigt. Er hat auch gezeigt, wie schwierig es ist, herauszufinden, wo genau und wie das verschmutzte Wasser ins Trinkwassernetz gelangen konnte. Mitte August 2022 scheint es ein wahrscheinliches Szenario, dass die Ursache der Verschmutzung für immer ungeklärt bleiben wird. Immerhin gelang es dank täglich 500 analysierten Wasserproben den Ursprung der Verschmutzung innerhalb von zehn Tagen auf 25 Häuser einzugrenzen. Irgendwo in dieser Strasse, die vorübergehend mit einem provisorischen Wasseranschluss wieder über sauberes Wasser verfügt, musste die Verschmutzung ins Wassernetz gelangt sein. Das verdeutlicht, wie komplex eine über Jahrzehnte gewachsene, professionelle Wasserversorgung ist, die sich stetig weiterentwickelt. Dabei lässt sich festhalten: Leitungswasser in der Schweiz ist ein sicheres, gut kontrolliertes Gut.
Was bringt die Zukunft?
Also: Ende gut, alles gut? Vielerorts macht der trockene Sommer 2022 augenscheinlich, dass Trinkwasser eine vulnerable Ressource ist. Die globale Erwärmung, längere Trockenperioden, steigende Meeresspiegel, versiegelte Böden, die wachsende Bevölkerungszahl oder die Verschmutzung der Umwelt durch Pestizide oder Mikroplastik: die Liste der Herausforderungen im Bereich des Trinkwassers ist lang und anspruchsvoll. Damit auch kommenden Generationen natürliches Trinkwasser zur Verfügung steht, muss der Ressource Wasser mehr Sorge getragen werden. Dazu müssen wir unseren Wasserverbrauch reflektieren – und zwar nicht nur den offensichtlichen. Wir alle müssen uns in Zukunft solchen und ähnlichen Fragen stellen: Wo kann ich Trinkwasser sparen, wenn es lokal knapp werden sollte? Wie viel virtuelles Wasser steckt in meinen Kleidern oder in meinem Essen? Kommt dieses virtuelle Wasser aus einer wasserarmen Region? Wo landet das Mikroplastik in meinem Duschgel, wenn es den Abfluss hinunterfliesst? Können wir es uns leisten, weiter massenhaft Böden zu versiegeln, durch die kein Wasser mehr absickern kann? Wie können wir die globale Erwärmung minimieren, die den Zugang zu Wasser verschärft? Wie gehen wir mit Nutzungskonflikten zwischen beispielsweise landwirtschaftlicher oder industrieller Wassernutzung und der langfristigen Trinkwassersicherung um? Und wie können wir einen fairen Zugang zu Wasser aus einer globalen Perspektive sicherstellen?
Wir machen weiter!
WfW sieht sich darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg intensiv weiterzuverfolgen. Wir setzen uns mit Verve für einen klimafreundlichen Umgang und den Schutz der Ressource Wasser ein, wir beteiligen uns beherzt am Aufbau, am Erhalt und an der Entwicklung fairer und professionell geführter Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung und wir engagieren uns als Mitlernende im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung, wo wir Werte und Kompetenzen rund um die Ressource Wasser fördern, die dazu befähigen, eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft mitzugestalten. Damit auch kommende Generationen in den Genuss von natürlichem, feinstem und gesundem Trinkwasser kommen können.