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Hepatitis C – Verlauf kann sehr unterschiedlich sein
Zur Zeit sind weltweit ca. 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C Virus infiziert. Obwohl es bekannte Risikofaktoren gibt, die mit der Entwicklung einer Leberfibrose assoziiert sind, ist die Bandbreite klinischer Verläufe in der Literatur gross.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Leberfibrose gehören Alkoholkonsum (als wichtigster Punkt), Koinfektionen (Hepatitis B, HIV) und ein Alter >40 Jahre zum Zeitpunkt der Infektion, weitere Risikofaktoren sind: männliches Geschlecht, Steatohepatitis oder Immunsuppression. Zudem scheinen auch Erbfaktoren einen gewissen Einfluss zu haben (Ethnizität, gewisse HLA-Typen).
Zwei kürzlich veröffentlichte Kohortenstudien sind gute Beispiele um das Spektrum der klinischen Verläufe zu demonstrieren.
Wiese et al. untersuchten Frauen (n=1980), die zwischen 1978 und 1979 in Ostdeutschland durch eine Quelle (mit HCV Genotyp 1 kontaminiertes anti-D Immunoglobulin) infiziert wurden. Nach 25 Jahren waren von den nichttherapierten Frauen 48% HCV-RNA positiv, 1,3% hatten einer Leberzirrhose, 4,4% eine Leberfibrose und 0,1% ein hepatozelluläres Karzinom entwickelt. Die leberassoziierte Mortalität lag bei 0,5%.
D`Souza et al. untersuchten in London lebende asiatische Emigranten (n=206), die sich vermutlich in der Kindheit (oder im Alter <20 Jahren) mit dem Hepatitis C Virus infiziert hatten. Aus dieser Gruppe wurden 143 Patienten mit kaukasischen Patienten (n=239) verglichen. Leberbiopsien zeigten in der Gruppe der asiatisch stämmigen Patienten im Alter zwischen 26-40 Jahren bei 11%, zwischen 41-60 bei 33% und >60 Jahren bei 78% eine Leberzirrhose. Bei den kaukasisch-stämmigen Patienten war der Anteil derjenigen mit Leberzirrhose niedriger (25% der 61-80 Jährigen).
Was kann man nun aus diesen Daten schliessen?
Die hohe Zirrhose-Rate in der Studie von D`Souza et al. ist am ehesten auf ein stark selektioniertes Patientengut (selection bias) zurückzuführen. Das Risiko für eine Zirrhose-Entwicklung wird hier sehr wahrscheinlich überschätzt. Dieses Problem haben viele der Kohortenstudien bei Patienten mit Hepatitis C, denn diese Studien werden meist an hepatologischen Zentren durchgeführt. Die "gesunden" HCV-Infizierten bleiben aber häufig entweder unentdeckt oder werden durch den Hausarzt betreut.
Die Daten von Wiese et al. scheinen zuverlässiger zu sein, unterschätzten aber möglicherweise das Risiko für eine progressive Lebererkrankung bei chronischer Hepatitis C, da hier gesunde junge Frauen mit geringem Progressionsrisiko (siehe oben) verfolgt wurden.
Zusammenfassend gesehen der natürlich Verlauf einer Hepatitis C-infektion noch immer nicht ganz klar. Man geht heute aber davon aus, dass vertikal oder in frühem Lebensalter erworbenen HCV Infektionen zumindest in den ersten drei Lebensdekaden eine langsame Progression zeigen