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14.-16. März 2013 Gessnerallee
Immer wieder stehen literarische und künstlerische Werke vor Gericht, sowohl in demokratischen wie auch in autokratischen Staaten. Auch wenn die Motive für die Anklage von Kunst ganz unterschiedlich und zum Teil kaum vergleichbar sind – mal sind es religiöse, mal ökonomische Interessen, dann wieder politische oder auch persönliche Gründe, die zu Anklagen führen –, werden doch in vielen Fällen vor Gericht zentrale ästhetische Debatten geführt, die oftmals von erheblicher Bedeutung für die künstlerische Produktion nachfolgender Generationen sind. So wurde etwa mit dem Mephisto-Urteil von 1971 in der Bundesrepublik Deutschland ein Grundsatzurteil zur Kunstfreiheit in ihrem Konflikt mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht gefällt, auf das alle weiteren Prozesse Bezug genommen haben. Im Amerika der 1960er Jahre wurde in den Prozessen gegen Henry Millers "Tropic of Cancer", T.H. Lawrence’ "Lady Chatterley’s Lover" und John Clelands "Fanny Hill" die Jahrhunderte alte Obszönitäts-Anklage für künstlerisch wertvolle Literatur entschärft. Und durch den jüngsten Prozess in Russland gegen die Aktionskünstlerinnen der Punk-Band Pussy Riot wurde in Russland endgültig ein Kunstbegriff manifestiert, bei dem die Verwendung christlicher Symbole in der zeitgenössischen russischen Gegenwartskunst unzulässig ist und sogar unter eine hohe Strafe gestellt wird. Die Konferenz stellt deshalb die ästhetischen und juridischen Debatten um Literatur und Kunst vor Gericht in den Mittelpunkt. Gefragt werden soll – systematisch und historisch – nach der Konkurrenz sowie der Vereinbarkeit von juridischen und ästhetischen Diskursen und Urteilen: Wie wird vor Gericht über Literatur und Kunst debattiert? Anhand welcher Dokumente und Gutachten werden Urteile über Kunst gefällt? Welche Rolle spielt die Meinung von Experten bei der Urteilsfindung? Welche (Selbst)Verteidigungsstrategien werden von Künstlern und Anwälten vor Gericht gewählt? Inwiefern korrelieren diese mit gängigen literatur- und kunstwissenschaftlichen Theorien? Wie werden durch Gerichtsurteile Kunst- bzw. Literaturbegriffe geprägt? Die Konferenz findet im Rahmen des vom SNF geförderten Forschungsprojektes "Literatur und Kunst vor Gericht" statt. Eingeladen wurden international renommierte wissenschaftliche ReferentenInnen, die zum Forschungsgebiet publiziert haben. Die wissenschaftlichen ReferentInnen kommen aus dem Bereichen Rechtswissenschaft, Literaturwissenschaft, Kunstwissenschaft und Philosophie. Darüber hinaus wurden KünstlerInnen eingeladen, deren Arbeiten vor Gericht verhandelt wurden bzw. die sich künstlerisch mit Gerichtsprozessen auseinandergesetzt haben. Dazu gehören der Schweizer Theatermacher Milo Rau, der sich in einem künstlerischen Reenactment mit dem Gerichtsprozessen in Moskau gegen Künstler und Kuratoren beschäftigt und der belgische Künstler Kobe Matthys, der seit zwanzig Jahren ein Archiv von Gerichtsakten über Verstösse gegen das Copyright anlegt. Die Vortragenden und Diskutanten kommen aus unterschiedlichen Ländern wie der Schweiz, Deutschland, Russland, Grossbritannien, Belgien und Lettland.