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Die Schönheit chinesischer Kalligraphie ist...die gleiche, die wir in fließendem Wasser, im Schaum, in der Gischt, in Wirbeln und Wellen erkennen sowie in Wolken, Flammen und Dunstschleiern im Sonnenlicht. Die Chinesen nennen diese Art von Schönheit "dem li folgen", dargestellt mit einem Ideogramm, das sich ursprünglich auf die Maserung von Jade und Holz bezog. Needham übersetzt es mit "organischer Struktur", obwohl seine allgemeinere Bedeutung der "Sinn" oder das "Prinzip" der Dinge ist.
Li ist das Verhaltensmuster, das sich einstellt, wenn man im Einklang mit dem Dao, dem Wasserlauf der Natur, lebt. Die Strömung der fließenden Luft hat denselben Charakter, und daher drückt der Chinesisch seine Vorstellung von Eleganz mit "feng-liu" aus, dem Fließen des Windes...
So wie die chinesische Schrift wenigstens um einen Schritt der Natur näher steht als die unsrige, so besteht die uralte Philosophie des Dao darin, dem Lauf, der Strömung, dem "Strich" der Naturphänomene geschickt und intelligent zu folgen und das menschliche Leben als einen integralen Bestandteile des ganzen Weltprozesses zu sehen, nicht als etwas Fremdes, ihm Entgegengesetztes.
Bisher hat die westliche Wissenschaft die Objektivität betont - eine kalte, berechnende und distanzierte Haltung, die den Anschein erweckt, als seien alle Naturphänomene, der menschliche Organismus inbegriffen, nichts als Mechanismen. Aber wie das Wort selbst besagt ein Universum aus lauter Objekten ist unannehmbar. Wir nehmen uns das Recht, es rücksichtslos auszubeuten, aber jetzt erkennen wir, dass die Misshandlungen der Umwelt und selbst Schaden bringt, aus dem einfachen Grund, weil wir und unsere Umgebung dem Prozess eines geschlossenen Feldes angehören. Das nennen die Chinesen Dao.
Wir haben auf lange Sicht keine andere Wahl, als an diesem Prozess durch eine Einstellung und durch Methoden mitzuwirken... da wir als menschliche Wesen das Risiko des gegenseitigen Vertrauens auf uns nehmen müssen, damit eine Gemeinschaft funktionieren kann, müssen wir auch riskieren, unsere Segel nach den Winden der Natur zu richten. Denn unser "Selbst", ist untrennbar von diesem Universum, und wir haben keinen anderen Ort.
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Das chinesische Denken und Fühlen wurzelt in dem Prinzip der Polarität, das nicht zu verwechseln ist mit dem Begriff des Gegensatzes oder Konflikts...
Daoisten betrachten die Welt als identisch mit oder untrennbar von ihrem "Selbst", so das Laozi sagen konnte: "Ohne aus dem Haus zu treten, er kenne ich die ganze Welt". Das bedeutet, dass Lebenskunst sich mehr mit der Kunst der Schifffahrt als mit der Kriegsführung vergleichen lässt, denn wichtig ist, die Winde, die Gezeiten, die Strömungen, die Jahreszeiten und das Prinzip des Werdens und Vergehens zu begreifen, so dass man sie handelnd nutzen kann und nicht dagegen ankämpft
Im Chinesischen heißen die beiden Pole der kosmischen Energie yang (positiv) und yin (negativ)....
Der Schlüssel zur Beziehung zwischen yang und yin wird hsiang sheng (xiang sheng) genannt, beiderseitiges Entstehen oder Unzertrennlichkeit.
Laozi 2 :
Sein und Nichtsein erzeugen sich gegenseitig.
Schwer und leicht verwirklichen sich gegenseitig.
Lang und kurz unterscheiden sich gegenseitig.
Vorher und Nachher folgen sich gegenseitig.
...Mit unserer Logik lässt sich schwer begreifen, dass Sein und Nichtsein sich gegenseitig erzeugen und fördern, denn es ist der große Schreckens Wahn des westlichen Menschen, dass das Nichts das ewige Ende des Universums sein könne. Wir erfassen nicht so leicht, dass die Leere schöpferisch ist und das Sein aus dem Nichtsein kommt wie der Klang aus der Stille und das Licht aus dem Raum.
Laozi 11
Dreißig Speichen treffen sich in einer Nabe:
Durch ihr Loch in der Mitte (Nichtsein)
wird das Rad brauchbar.
Forme Ton und bilde ein Gefäß:
Es ist die Leere, die es brauchbar macht.
Schneidet Türen und Fenster aus, damit ein Raum entsteht:
Es sind die Löcher, die in brauchbar machen.
Also kommt gewinnen durch das, was da ist,
Brauchbarkeit durch das, was nicht da ist.
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Yang und Yin entsprechen in mancher Hinsicht der späteren buddhistischen Auffassung von Gestalt, se, und Leerheit, k'ung. Darüber steht in dem Hridaya-Sutra: "Das Gestaltete ist auch das Leere, und das Leere ist auch das Gestaltete".
Diese scheinbare Paradox leuchtet sofort ein, wenn wir uns den Begriff von Klarheit ch'ing , vor Augen führen, denn wir verstehen unter Klarheit gleichzeitig den durchsichtigen, unverstellten Raum sowie die in allen Einzelheiten deutliche Gestalt,... und das führt uns wieder zu Laozi zurück und zur Brauchbarkeit von Türen und Fenstern. Durch das vollkommene Nichts sehen wir das vollkommene Etwas.
Das yin-yang Prinzip ist daher nicht ein gewöhnlicher Dualismus, sondern eine explizite Zweiheit, die eine implizite Einheit zum Ausdruck bringt.
Die beiden Prinzipien sind einander nicht entgegengesetzt (wie das Ahura-Mazda und Ahriman des Zoroaster), sondern in Liebe vereint.
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Die fünf Energien wurden symbolisiert, als Holz; dieses erzeugt Feuer; dieses erzeugt Asche und daher die Erde; diese enthält in ihren Minen Metall; dieses zieht den Tau an und erzeugt daher Wasser, das wiederum Nahrung ist für Holz.
Das wird hsiang sheng (xiang-sheng) oder gegenseitig erzeugende Ordnung der Kräfte genannt.
So fantastisch und das anmutet, wird doch ein Zyklus von besonderem Interesse beschrieben, indem Ursache und Wirkung nicht einander folgen, sondern gleichzeitig geschehen. Die Kräfte sind wechselseitig so voneinander abhängig, dass keine ohne alle anderen existiert, sowie es kein yang ohne ein yin geben kann.
Dies hat eine merkwürdige Ähnlichkeit mit dem buddhistischen "Gesetz von Ursache und Wirkung" (pratityasamutpada).
Buddhism
Spencer Brown
Felix Lau
Boe: Gedankengänge II - Über Sinn und Un-Sinn