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Rasseportrait Tamaskan - nordische Sturheit im Wolfspelz
Pawshake: Der Tamaskan ist eine sehr interessante und junge Hunderasse. Ein Laie würde wahrscheinlich eher einen Wolf hinter dem Hund vermuten? Kannst Du uns ein bisschen erzählen woher der Tamaskan kommt und wo man ihn als Hund einordnen muss?
Kerstin Denkena: Der Tamaskan ist eine seltene, nicht von der FCI anerkannte Hunderasse aus Finnland, die mit dem Ziel gezüchtet wird, dem Stammvater der Tierart Hund – also dem Wolf – so ähnlich wie möglich zu sehen, ohne dabei die positiven Eigenschaften eines Begleit- und Familienhundes zu verlieren.
Pawshake: Woher stammt eigentlich der Rassename?
Kerstin Denkena: Das Wort Tamaskan stammt aus der Sprache der nordamerikanischen Ureinwohner und bedeutet „mächtiger Wolf“, obwohl der Grundstein dieser Rasse eigentlich mit verschiedenen Schlittenhunden gelegt worden ist. Später stellte sich dann aber heraus, dass die Urzüchterin Abstammungen verschwiegen hat und Wolf/ Wolfhund/ Husky-Mixe eingekreuzt hat.
Pawshake: Wolfhunde oder Hunde, die wie Wölfe aussehen, werden gerade sehr modern. Man hat beinahe das Gefühl viele Leute wünschen sich einen Sofa-Wolf. Wie siehst Du diesen „Trend“ als Züchterin?
Kerstin Denkena: Große Aufmerksamkeit erlangte der Tamaskan seit der Ausstrahlung der Serie Games of Thrones. In der ersten Staffel wurden hier Schattenwolfe (direwolfs) von – dem Tamaskan verwandten Hunden – den Northern Inuit gespielt. Diese beiden Rassen werden gern verwechselt, sie sehen sich ähnlich und haben auch denselben Ursprung. Jeder, der Interesse an einem Tamaskan hat, sollte diese Hunde persönlich kennen lernen. Das optische Gefallen sollte nicht alleiniger Grund für einen Tamaskan sein. Es wäre wirklich sehr schade für beide Parteien, wenn man erst nach einer gewissen Zeit merkt, dass der Tamaskan überhaupt nicht in die eigenen Lebensumstände passt. Bei einem Besuch beim Züchter oder Tamaskan Besitzer erfährt man, worauf man sich einstellen kann, man wird gründlich beraten und der Züchter kann sich auch ein Bild machen, ob der Interessent auch wirklich zu einem Tamaskan passt. Möchte man viele Tamaskane mit ihren Besitzern auf einmal kennen lernen, lohnt es sich am 21. und 22.Oktober zum internationalen Tamaskan-Treffen in die Eifel zu reisen!
Pawshake: Ist ein Tamaskan denn ein Sofa-Wolf?
Kerstin Denkena: Ganz klar: Nein. Der Tamaskan lässt sich wunderbar mit einem Wort beschreiben: Überraschungspaket! Da er eine junge Rasse ist, die sich durch Erweiterung Ihres Genpools weiterhin an Outcross-Verpaarungen hält, kann der Charakter einzelner Tiere stark voneinander abweichen und variieren. Ziel der Zucht ist es einen gesunden, loyalen, lebensfrohen und freundlich gestimmten Hund zu erhalten, der weiterhin seine nordische, sture Art behält.
Pawshake: Was würdest Du Interessenten, bei denen Du das Gefühl hast, sie sind sich nicht bewusst welches Tier sie sich hier ins Haus holen, zum Tamaskan sagen?
Kerstin Denkena: Wie bei den meisten Wolfhunderassen heißt es auch beim Tami: Erwarte das Schlimmste und freue dich wenn es besser läuft :D
Pawshake: Worauf wird bei der Zucht großen Wert gelegt? Wie kann man das allgemeine Erscheinungsbild des Tamaskans einordnen?
Kerstin Denkena: Einen sehr großen Wert wird auf die Gesundheit bei der Zucht gelegt. Deshalb wird jeder Tamaskan auf viele Krankheiten untersucht, bevor er zur Zucht zugelassen wird. Der Tamaskan gilt als groß und athletisch und ist in Höhe und Gewicht einem Schäferhund ähnlich. Rüden sollen sich in Größe und Gewicht von einer Hündin gut unterscheiden lassen, auch wenn der Größenunterschied nicht gravierend groß ist. Eine Hündin darf eine Schulterhöhe von 61-71 cm aufweisen während ein Rüde von 63-73 cm in der Norm liegt. Abweichungen von +\- 2 cm werden toleriert. Der Tamaskan sollte ein wolfsähnliches Aussehen haben, mit rauem und dicken Fell (Winter- und Sommerfell unterschiedlich dick), mittelgroßen Ohren, einer geraden, buschigen Rute und charakteristischer Wolfsmaske. Generell gilt es bei dieser Rasse, je ähnlicher dem Wolf im Aussehen und Bewegung, desto besser. Allerdings sind wolfsgraue und rotgraue Tiere deutlich bevorzugt, ebenso wie kurzes Fell. Es gibt auch vereinzelt einfarbige oder langhaarige Tiere. Ein Scherengebiss ist Pflicht, ebenso wie eine schwarze Nase und gelbliche, bernsteinfarbene oder braune Augen. Blaue Husky-Augen sind ein Ausschlusskriterium für die Zucht.
Pawshake: Was braucht ein Tamaskan? Muss man ihn speziell auslasten?
Kerstin Denkena: Er ist ein intelligenter, lern- und arbeitsfreudiger Hund – Tamaskane benötigen daher auch entsprechende Beschäftigung. Sie können wunderbare Gefährten sein bei konsequenter Erziehung und Auslastung. Je nach Charakter und körperlicher Verfassung kann sich der Tamaskan für diverse Hundesportarten wie Agility, Tunierhundesport, Mantrailing oder Zughundesport eignen. Allerdings möchten Tamaskane durchaus den Sinn hinter einer Übung sehen und haben nicht den „will to please“ eines Schäferhundes.
Pawshake: Gibt es Verhaltensweisen die eher schwierig sind oder auf die man als Züchter aufmerksam machen möchte?
Kerstin Denkena: Tamis sind ungern allein und sollten daher mit einem oder mehreren Hunden gehalten werden, wenn der Besitzer seinem Tier nicht immer genügend Aufmerksamkeit schenken kann. Werden sie allein gelassen, neigen einige Tamaskane dazu die Wohnung umzudekorieren. Außerdem können sie sich zu Ausbruchkünstlern entwickeln. Ich rate auch von einer Außenhaltung ab, da sie grundsätzlich bei ihrem Menschen sein möchten.
Pawshake: Haben Tamis einen ausgeprägten Jagdtrieb?
Kerstin Denkena: Der Jagdtrieb ist unterschiedlich ausgeprägt, dennoch muss ein Laufen ohne Leine nicht ausgeschlossen werden.
Pawshake: Nun zur Frage der Fragen, was raten Sie ihren Welpeninteressenten: Rüde oder Hündin?
Kerstin Denkena: Jeder Hundefreund kennt die Frage der Fragen bei der Auswahl des neuen Mitbewohners, denn die Entscheidung nach dem richtigen Geschlecht spaltet die Meinungen vieler Hundebesitzer. Dabei gibt es kein richtiges Geschlecht, sondern die Lebensumstände jedes einzelnen Welpenkäufers müssen berücksichtigt werden. Menschen, die bereits einen Hund besitzen bevorzugen zumeist das jeweils andere Geschlecht als Spiel- und Sozialpartner, da z.B. besonders unter Hündinnen Unverträglichkeiten untereinander keine Seltenheit sind, aber auch Rüden können sich untereinander nicht vertragen.
Pawshake: Was würden Sie Ersthundebesitzern raten?
Kerstin Denkena: Bei Ersthundebesitzern ist es völlig egal welches Geschlecht sie sich ins Haus holen, da es beim Tamaskan rassebedingt keine großen Unterschiede zwischen Rüde und Hündin gibt. Beide Geschlechter haben ihre naturbedingten Eigenheiten und ihren individuellen Charakter, an den man sich sehr schnell gewöhnt und sich entsprechend darauf einstellt. Während es bei einer Hündin passieren kann, dass sie sich ihre Freunde bewusst wählt und ihre Feinde bis aufs Blut bzw. bis zum Tod bekämpft, pöbelt der Rüde gern mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen und demonstriert Machogehabe. Eine Tamaskanhündin wird 1 bis 2 Mal im Jahr läufig während der Rüde das ganze Jahr potent ist, besonders – bei höherem Wolfsblutgehalt – zur Winterzeit (Winterwolfsyndrom). Da ein Ersthundebesitzer diese Unterschiede nicht kennt, ist es für ihn auch nicht so relevant, welche Unterschiede es zwischen den Geschlechtern der Rasse seines neuen Hundes gibt. Auf jenes, welches er gewählt hat, kann er sich dann auch nach und nach einstellen. Lediglich der Charakter ist entscheidend für eine gemeinsame Zukunft.
Pawshake: Was kannst Du uns zur Gesundheit der Tamaskane sagen?
Kerstin Denkena: Der Tamaskan gilt als robust und trotzt allen Wetterbedingungen, jedoch wäre von einer Draußenhaltung abzuraten aufgrund der Rudelbezogenheit dieser Tiere. Die Lebenserwartung liegt bei 14 bis 16 Jahren. Wie bei den meisten großen Rassen werden Tamaskane auch auf HD und ED untersucht, sowie auf Zwergenwuchs und andere Krankheiten. In der Vergangenheit sind z.B. einige wenige Fälle von Epilepsie bekannt geworden, jedoch wird beim Tamaskan Germany e.V. darauf geachtete diese Linien nicht wieder einzubringen. Gesundheitsprobleme werden sehr ernst genommen und unser Wunsch ist es, vor allen Dingen, gesunde Hunde zu züchten.
Pawshake: Für wen ist der Tami geeignet?
Kerstin Denkena: Für alle Menschen unterschiedlichsten Alters, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen und keinen großen Wert auf Perfektion legen :D Die es verkraften, wenn der Hund das Auto durch Sabberattacken in ein Feuchtgebiet verwandelt, die keinen Wert auf einen gepflegten Garten ohne Löcher legen, die auch damit leben können, dass der Hund sich seine Hundekumpels selber wählt und immer einen Plan B, C oder D in der Tasche hat ;-)
Pawshake: Gibt es DEN Muster-Tami?
Kerstin Denkena: Wie bereits bei der Charakterbeschreibung gesagt, ist jeder der 141 in Deutschland lebenden Tamaskane ein Unikat und daher gibt es den Muster-Tami, der keine der oben genannten Attribute erfüllt, bis hin zum Freigeist.
Pawshake: Was möchtest Du als Züchterin unseren Tami-Interessierten und unseren Leserinnen und Lesern mitgeben?
Kerstin Denkena: Liebe Pawshaker, interessiert ihr euch für einen Tamaskan, schaut darauf woher ihr den Hund bekommt. Informiert euch, lernt unsere Tamis persönlich kennen und denkt immer an das Motto beim Halten von Wolfhunden: Erwarte das Schlimmste und freue dich wenn es anders läuft! Dann hast du einen Freund fürs Leben.
Pawshake: Liebe Kerstin, herzlichen Dank für das sehr interessante Interview und die ehrlichen Antworten! Wir freuen uns Dich dabei zu haben und auf die ersten Tamis bei Pawshake! Alles Liebe und Gute, wir hoffen bald wieder etwas von Dir zu hören!