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Helene von Druskowitz
zweite promovierte Philosophin der Universität Zürich, Kämpferin für die Gleichberechtigung der Geschlechter, Literatur- und Musikkritikerin (* 2. Mai 1856 in Hietzing/Wien, † 31. Mai 1918 in Mauer-Öhling/Österreich)
Biografie
Helene von Druskowitz wurde in Hietzing bei Wien geboren. Da für ein Mädchen kein Universitätsstudium möglich war, durchlief Helene von Druskowitz erst den klassischen Bildungsweg einer höheren Tochter und wurde am Konservatorium in Wien zur Pianistin ausgebildet. 1874 zog sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Zürich, wo Frauen bereits seit 1867 zum regulären Studium zugelassen waren. Sie studierte Philosophie, Archäologie, Germanistik, Orientalistik und moderne Sprachen. 1878 schloss sie mit 22 Jahren als erste Österreicherin und als zweite Frau an der Universität Zürich das Studium als Dr. phil. ab, und zwar bei Professor Andreas Ludwig Kym, dem Vater der Dichterin Hedwig Kym, welche ab 1887 mit der ersten Schweizer Historikerin und Schriftstellerin Meta von Salis verbunden war.
Aktivitäten
Helene von Druskowitz verwendete für sich den weiblichen Titel Doktorin und benutzte für „Philosophie“ den deutschen Begriff „Weltweisheit“, mit dem sie den Gegensatz zur Theologie oder kirchlichen Philosophie hervorhob. Helene von Druskowitz arbeitete als Dozentin für Literaturgeschichte an verschiedenen Universitäten und hielt Vorträge in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien. Sie publizierte über Kant, Schopenhauer, Herbert Spencer und Paul Rée. 1881 begegnete sie Marie von Ebner-Eschenbach, von der sie in ihren literarischen Zirkel aufgenommen wurde. Sie fand Anschluss zu Meta von Salis und vermutlich auch Hedwig Kym, lernte Friedrich Nietzsche kennen, Lou Andreas-Salomé und 1884 Rainer Maria Rilke. Sie gab Zeitschriften zur Frauenemanzipation heraus. Das „Lexikon der Frau“ nennt den „Heiligen Kampf“ und „Der Fehderuf“ als Frauenrevuen, die sie gründete, während sie Schriften für die Frauenbewegung verfasste. Sie setzte sich in ihren Schriften für die absolute Gleichberechtigung der Geschlechter ein, vertrat jedoch einen konsequenten Differenzfeminismus. Als Intellektuelle und Lesbierin blieb Druskowitz eine gesellschaftliche Außenseiterin. Als sie 30 Jahre war, starb ihr Bruder und zwei Jahre später ihre Mutter. Druskowitz geriet mehr und mehr in Alkohol- und Drogenprobleme. Ihre langjährige Lebensgefährtin, die Sängerin Therese Malten, trennte sich 1891 von ihr. Helene von Druskowitz war 35 Jahre alt, geriet in eine existenzielle Krise und rutschte endgültig in den Alkoholismus. Elf Jahre später wurde sie 1902 als Paranoikerin in die Nervenklinik von Mauer-Oehling eingewiesen und kurz darauf entmündigt. Trotz allem schrieb sie weiter und veröffentlichte 49-jährig: „Pessimistische Kardinalsätze. Ein Vademecum für die freien Geister“ (1905 - 1988 wieder aufgelegt unter dem Titel „Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt“). Dies war ihre polemische Antwort auf die 1900 erschienene und viel beachtete Schrift „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ des Leipziger Neurologen Paul Julius Möbius. Helene von Druskowitz verbrachte ihre letzten Lebensjahre in der Heilanstalt von Mauer-Oehling und starb Ende Mai 1918 an der Ruhr.
Publikationen
- „Pessimistische Kardinalsätze. Ein Vademecum für die freien Geister“ (1905 als letztes Buch von HvD veröffentlicht). 1988 wieder aufgelegt unter dem Titel „Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt“. Kore Verlag)
- Druskowitz’ frühe Philosophie besteht aus Religionskritik und dem Versuch, die Religion durch eine nicht-religiöse Weltanschauung zu ersetzen.
- Ihr spätes Werk ist geprägt von tiefer Misanthropie. In ihrem Bild von der Zukunft der Menschheit zerstören Männer die Welt und die Frauen dienen ihnen als „Führerinnen in den Tod“. Zur Beschleunigung dieses Vorgangs empfiehlt Druskowitz eine konsequente Geschlechtertrennung und die Homosexualität, um „das Aussterben des menschlichen Geschlechts“ voranzutreiben.
- Auch ihre Theaterstücke gehen mit ihren Mitmenschen scharf ins Gericht. So kritisiert sie in der Komödie „Die Emanzipationsschwärmerin“ die heterosexuellen Geschlechtsverräterinnen, die nur aus „Emancipationsgründen“ an der Universität studierten und dort mit „konfusen Reden über die Frauenfrage“ den Betrieb störten, um „die Aufmerksamkeit der Männer zu erregen“. Ironie und Spott bringen hier so manche förderliche Erkenntnis zutage, zeigen aber auch, wie gefährlich sie – allzu ernst gemeint – sein können.
- Zahlreiche philosophische und literarische Publikationen, siehe dazu den Eintrag in Wikipedia
Einzelnachweise
Lexikon der Frau, 1953