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Muhammad Qamar wartete auf eine Kreditanpassung durch Wells Fargo. Doch stattdessen hat sein Hypothekarinstitut sein Haus im Kleinstädtchen Katy im Rahmen einer Zwangsversteigerung im August verkauft. Einen Monat später schrieb Wells Fargo, man habe «bedauerlicherweise von seinem Recht an der Immobilie Gebrauch gemacht». Der Verkauf «hätte nicht erfolgen sollen». Dann bot die Bank dem 45-jährigen Qamar eine Vertragsmodifizierung an, wodurch seine monatliche Zinszahlung um 70 auf 1422 Dollar gestiegen wäre. Der Softwareingenieur lebt immer noch in dem Haus, obwohl er einen Räumungsbescheid erhalten hat.
Die amerikanischen Finanzinstitute erklären, nach Überprüfung der Formalitäten rund um die Hypotheken habe man keine Kreditnehmer gefunden, die unter falschen Voraussetzungen zwangsvollstreckt wurden. Doch verschiedene Gerichtsdokumente, Kreditunterlagen und Schuldeingeständnis-Briefe von Hypothekengebern erzählen eine ganz andere Geschichte. Geschichten wie die von Qamar.
Oder die von Vilmar Julme. Er kämpft mit der Bank of America. Das Geldinstitut versucht, die für Dezember angesetzte Zwangsvollstreckung von Julmes Haus in Plantation in Florida durchzuziehen. Die Bank hatte die Hypothek 2006 geerbt, als sie die LaSalle Bank von der ABN Amro kaufte. Das Problem: Die Übernahme wurde erst im Jahr 2007 bekannt gegeben. «Sie legten betrügerische Unterlagen vor und versuchen, mein Haus zu stehlen», ereifert sich der 54-jährige Julme.
Es ist unbekannt, wie viele Kreditnehmer aufgrund von Irrtümern bei der Zwangsvollstreckung Ähnliches durchmachen mussten. Die Banken sagen, ihre Überprüfung der eingesetzten Verfahren habe keine Hinweise auf unrechtmässige Zwangsvollstreckungen geliefert. Überdies seien viele der Kreditnehmer, denen eine Zwangsversteigerung droht, stark in Zahlungsverzug.
Die Behörden untersuchen
In einer Telefonkonferenz mit Analysten sagte die Bank of America, bei 33 Prozent der Zwangsvollstreckungstitel, die im zweiten Quartal verhängt wurden, habe es sich um leerstehende Häuser gehandelt, und in 80 Prozent der Fälle hätten die Kreditnehmer ein Jahr lang nichts mehr bezahlt. Dennoch beobachten Generalstaatsanwälte die Lage weiter genau.
Einige der an der landesweiten Überprüfung der Hypothekengeber beteiligten Staatsbeamten sagen, die Untersuchung solle sich auf die angeblich unrechtmässigen Zwangsvollstreckungen und andere fragwürdige Vorgehensweisen einschliesslich der Vertragsanpassungen konzentrieren. «Unsere Hauptsorge ist, dass Zwangsverkäufe und Modifizierungen gleichzeitig stattfinden», sagt Generalstaatsanwalt Terry Goddard.
Bedenken wegen fragwürdiger Zwangsvollsteckungen sind gewachsen, seit sich in jüngster Zeit die Offenlegungen sogenannter Robo-Unterzeichnungen häuften, an denen Angestellte beteiligt waren, die sagten, sie hätten täglich Hunderte von eidesstattlichen Erklärungen unterschrieben, ohne die dazugehörigen Unterlagen detailliert geprüft zu haben. In dem Versuch, diese Massen einzudämmen, haben die Banken die Probleme mit dem Papierkram häufig beschönigend als technische Probleme, nicht als systemische Mängel beim Umgang mit Zwangsvollstreckungen bezeichnet.
Noch unklares Ausmass
Patrick Madigan, stellvertretender Generalstaatsanwalt in Iowa, der die Untersuchung durch die Staatsanwaltschaften leitet, sagte, bei der Überprüfung gehe es nicht nur um Robo-Unterzeichnungen. «Das genaue Ausmass unserer Überprüfungen ist noch nicht klar. Wir stehen erst am Anfang», sagt er. «Wir müssen unabhängig für uns selbst sicherstellen», dass die Probleme gelöst sind.
Die Bank of America und Ally Financial erklärten kürzlich nach Überprüfung der Kreditaktien, sie würden zunächst einige Zwangsvollstreckungen weiterverfolgen, die aufgrund bedenklicher Dokumentation eingefroren wurden. Kreditnehmer und ihre Anwälte, die wegen unrechtmässiger Vollstreckungen klagen, sprechen von Pfusch bei den Formalitäten, schlechter Kommunikation und Schlimmerem. «Die Bürokratie ist absolut unkontrollierbar, macht keinen Sinn und für normale Menschen ist es unmöglich, damit zu Rande zu kommen», kritisiert Anwältin Gloria Einstein von Jacksonville Area Legal Aid in Green Cove Springs, Florida.