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Der Roman über den Fez-Fabrikanten und Patriarchen der grossen griechisch-katholischen Familie Batrakani, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Damaskus nach Kairo auswanderte, ist eingebettet in die Geschichte Ägyptens unter der britischen Präsenz in den Jahren 1882-1956.
Die epische Familiengeschichte beginnt im Semptember 1945 in der "Maternité" des französischen Spitals in Abassia, einem eher vornehmen Quartier von Kairo. Georges Batrakani besucht seine Tochter Viviane, die ihm den ersten Enkel geboren hat. Dieser auf den französischen Namen getaufte Charles ist der Erzähler der Familiensaga. Er greift bei der Schilderung des ereignisreichen Lebens seiner wohlhabenden Familie auf einige Tagebucheinträge seines Patenonkels zurück.
Vor den Augen des Lesers taucht die schillernde Welt der wohlsituierten städtischen Gesellschaft Kairos auf. Es ist eine "Welt von gestern". Die Metapher dafür ist der Tarbouche – so der Titel des Romans –, die traditionelle Kopfbedeckung ägyptischer Männer der damaligen Zeit. Dieser "Hut", seine Produktionsbedingungen und seine Bedeutung in der damaligen Gesellschaft , durchzieht als roter Faden die Geschichte der Batrakanis. Ihre Welt und jene der vornehmen ägyptischen Stadtbewohner spielt sich in eleganten Strassen, stillen Quartieren, bürgerlichen Villen, königlichen Palästen, edlen Clubs und mondänen Seebädern ab. Wir treffen auf englische Offiziere mit ihren Ehefrauen, auf ägyptische Beamte des königlichen Hofes, auf französische und syrische Industrielle und Kaufmannsfamilien mit ägyptischer Dienerschaft und französischen Gouvernanten. Jesuiten geben in ihren Instituten den Kindern der Reichen eine gute Ausbildung. Wohlhabende Christen, Juden und Muslime geniessen das angenehme Leben der Grossstadt. Die Welt der ärmlichen und ungebildeten Stadt- und Landbevölkerung taucht nur ab und zu in dieser Glitzerwelt des Geldes auf. Es sind dies die Lastenträger in den Strassen, die Chauffeure und das Dienstpersonal der reichen Familien.
Neben der Familiengeschichte streift der Autor Solé auch die Geschichte Ägyptens zwischen 1916 und 1962. Als Leserin erhalte ich Einblick in die Machenschaften der englischen Generalkonsuln, in die angespannte Situation während des 2. Weltkrieges. Ich erfahre Interessantes über den Aufstieg der Nationalisten, der Wafdpartei, den Sieg Nassers und den Abzug der Briten. Der Einfluss der verschiedenen Religionen – Christen, Juden, Muslime – auf die ägyptische Gesellschaft in Kairo ist ebenfalls Thema dieses Romans.
Am Anfang des Buches steht die Flucht der Urgrosseltern Batrakani aus Damaskus nach Kairo im Jahre 1860, am Ende der Geschichte im Jahre 1962 die Emigration fast aller Familienmitglieder nach Kanada, in die Schweiz, in den Libanon, nach Frankreich. Nach 400 Seiten schliesse ich das Buch. Über die Welt der Armen dieser Zeit habe ich wenig erfahren. Dies soll dem Roman von Solé aber nicht vorgeworfen werden. Dafür bin ich eingetaucht in das dynamische Generationen-Geflecht einer Grossfamilie dieser Stadt und in die untergegangene Welt eines multikulturellen Kairos, wie es Briten, Franzosen, Italiener, Griechen, Syrer und andere Nationalitäten gestaltet hatten. Angela WillimannKlappentext:
Reconstituant l'histoire d'une famille chrétienne dans l'Égypte du protectorat britannique, ressuscitant des personnages qui campent avec une liberté superbe à la jointure de l'Orient et de l'Occident, Le Tarbouche nous restitue le charme troublant d'une époque disparue. Une douceur des choses, un raffinement exquis s'y mêlent au tragique d'une Histoire pleine de bruit et de fureur.Über die Autorin / über den Autor:
Robert Solé, né au Caire en 1946, est arrivé en France à l'âge de 18 ans. Il est l'un des meilleurs spécialistes français de l'Égypte. Longtemps journaliste au Monde, il dirige actuellement Le Monde des Livres. Auteur de plusieurs romans à succès (Le Sémaphore d'Alexandrie, La Mamelouka, Mazag), Robert Solé a également publié des essais remarqués, comme L'Égypte, passion française et le Dictionnaire amoureux de l'Égypte.Preis: CHF 14.90