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Benzodiazepine (Schlaf- und Beruhigungsmittel)
Benzodiazepine (Schlaf- und Beruhigungsmittel) wirken angstlösend (anxiolytisch), beruhigend (sedierend), muskelentspannend und schlaffördernd. Entsprechend werden diese Medikamente bei Angstzuständen, Schlafstörungen, starker Anspannung und Nervosität verwendet. Zudem weisen manche Benzodiazepine antikonvulsive (krampflösende) Eigenschaften auf und werden daher auch als Notfallmedikation bei Epilepsie (Krampfanfällen) eingesetzt. Ein weiteres Anwendungsgebiet von Benzodiazepinen ist die Narkoseeinleitung. Handelsnamen von Benzodiazepinen sind unter anderem: Xanax®, Temesta®, Seresta®, Dormicum® etc. Bei den sogenannten Z-Medikamenten handelt es sich um Benzodiazepin-Analoga (Wirkstoffe Zolpidem und Zopiclon). Diese sind chemisch gesehen keine Benzodiazepine, wirken aber sehr ähnlich und bergen weitgehend dieselben Risiken. Die Einnahme von Benzodiazepinen und Z-Medikamenten sollte eine Dauer von zwei bis maximal acht Wochen nicht überschreiten, da sich sonst eine Abhängigkeit entwickeln kann. Die Abhängigkeit von Benzodiazepinen kommt an dritter Stelle nach der Tabak- und Alkoholabhängigkeit.
Besonders für ältere Menschen bergen Benzodiazepine grosse Risiken. Die Wirkdauer verlängert sich, weil der Körper Medikamente langsamer abbaut und dies erhöht die Gefahr, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Zudem reagiert das Gehirn älterer Menschen empfindlicher auf diese Medikamente und Nebenwirkungen werden häufig fälschlicherweise als Altersbeschwerden interpretiert.
Benzodiazepine werden bisweilen auch mit dem Ziel sich zu berauschen eingenommen. Dies betrifft unter anderem Jugendliche. Wenn gleichzeitig Medikamente, Alkohol und unter Umständen noch andere Drogen oder Medikamente konsumiert werden, können sich diese Substanzen gegenseitig verstärken, was schnell zu einer Überdosierung führen kann. Die Wechselwirkungen sind unberechenbar.
Wirkungen von Benzodiazepinen
Alle Medikamente der Art Benzodiazepine haben eine ähnliche Wirkung und unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Wirkstärke und Wirkdauer. Je nach Wirkprofil werden sie als Beruhigungsmittel (Anxiolytika) oder als Schlafmittel (Hypnotika) eingesetzt. Weiter wirken Benzodiazepine leicht stimmungsaufhellend und je nach Dosierung können sie auch euphorisierend wirken. Eine depressive Grunderkrankung kann aber dennoch verstärkt werden.
Als Nebenwirkungen können aufgrund der stark beruhigenden Wirkung von Benzodiazepinen Störungen der Bewegungskoordination, Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheitszustände, Desorientierung sowie Beeinträchtigung der Lernfähigkeit und eingeschränkte Merkfähigkeit auftreten. Weiter kann die Erinnerung für die Zeit der Wirkdauer fehlen. Benzodiazepine wirken atemdepressiv, sie verlangsamen also die Atmung.
Der Mischkonsum von Benzodiazepinen mit anderen psychoaktiven Substanzen birgt grosse Gefahren. Vor allem beim Mischkonsum mit anderen sedierenden Substanzen wie Alkohol oder Opioiden können die Wechselwirkungen zur Bewusstlosigkeit und verlangsamter Atmung bis hin zu einer Atemlähmung führen.
Folgen des Benzodiazepinkonsums
Die Einnahme von Benzodiazepinen, kann kognitive Funktionen wie die Denk- und Merkfähigkeit beeinträchtigten. Es besteht möglicherweise ein Zusammenhang zwischen einer Benzodiazepin-Einnahme und langfristigen kognitiven Einschränkungen sowie einem erhöhten Risiko für Demenz.
Bei längerfristiger Einnahme (mehr als acht Wochen) kann sich eine Abhängigkeit entwickeln, weshalb Benzodiazepine nur in der kleinsten wirksamen Dosis und für die kürzest mögliche Dauer verschrieben werden sollten. In der Regel wird empfohlen, eine Einnahmedauer von vier Wochen nicht zu überschreiten. Bei einem Absetzen von Benzodiazepinen können vorübergehend Ein- und Durchschlafprobleme sowie Angstgefühle auftreten, auch wenn sie gemäss Verschreibung des Arztes/der Ärztin eingenommen wurden. Diese Symptome ähneln oft den anfänglich behandelten Beschwerden, was zu einer Wiedereinnahme des Medikaments führen kann. Weitere mögliche Entzugserscheinungen sind unter anderem Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit, Tinnitus und Schwindel. Ein plötzliches Absetzen kann Krampfanfälle (Epilepsie) zur Folge haben, deshalb dürfen Benzodiazepine nie schlagartig abgesetzt, sondern nur schrittweise ausgeschlichen werden.
Es gibt Hinweise auf Risiken für das ungeborene Kind in Verbindung mit der Benzodiazepin-Einnahme während der Schwangerschaft sowie beim Stillen, weshalb während der Schwangerschaft und Stillzeit auf die Einnahme von Benzodiazepin verzichtet werden sollte.
Die Fahrtauglichkeit sowie die Fähigkeit Maschinen zu bedienen kann bei der Einnahme von Benzodiazepinen stark eingeschränkt oder nicht mehr vorhanden sein.
Hilfe, Beratung und Therapie bei Fragen rund um Benzodiazepine
Für Betroffene, Angehörige und andere an der Suchtthematik Interessierte gibt es verschiedene Informations- und Beratungsmöglichkeiten in allen Regionen der Schweiz sowie Onlineangebote. Bei Suchtberatungsstellen können Termine vereinbart werden. Viele Angebote sind kostenlos, und die Berater:innen unterliegen der Schweigepflicht.
Hilfe vor Ort
In der Datenbank Suchtindex.ch von Infodrog sind Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen zu finden.
Onlineberatung
Kostenlose und anonyme Onlineberatung zu Suchtfragen für Betroffene, Angehörige und Nahestehende, für Fachpersonen und Interessierte.
Prävention im Bereich Benzodiazepine
Prävention im Bereich Medikamentengebrauch und -missbrauch sollte Informationen für Patientinnen und Patienten und Empfehlungen für Fachpersonen zur Früherkennung eines problematischen Gebrauchs umfassen.
Publikationen zu Benzodiazepinen
Sucht Schweiz stellt verschiedene Materialien und Publikationen im Bereich Benzodiazepine zum Download zur Verfügung.
Auf der Website von Migesplus.ch werden Broschüren, Ratgeber, Filme und Bildungsunterlagen in 56 Sprachen zur Verfügung gestellt.
Medikamente im Alter
Wissensplattform für ältere Menschen, für Angehörige und für Fachleute, die ältere Menschen betreuen, begleiten oder beraten.
Schadensminderung bei Benzodiazepinkonsum
Die Schadensminderung hat zum Ziel, die negativen Folgen des Konsums psychoaktiver Substanzen für Betroffene und die Gesellschaft zu minimieren.
Die Schadensminderung kommt vor allem zum Zug, wenn Benzodiazepine mit dem Ziel sich zu berauschen eingenommen werden. Eine besondere Gefahr geht dabei vom Mischkonsum mit anderen Substanzen hervor.
Hilfe vor Ort
In der Datenbank Suchtindex.ch von Infodrog sind Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen zu finden.
Praxis Suchtmedizin
Informationen zu den Benzodiazepinen für Fachpersonen.
Regulierung und Gesetzesvollzug im Bereich Benzodiazepine
Das Betäubungsmittelgesetz (BetmG) und die entsprechenden Verordnungen regeln den Umgang mit Betäubungsmitteln und psychotropen Stoffen sowie die Aufgabenteilung der zuständigen nationalen und kantonalen Behörden. Benzodiazepine gelten gemäss BetmG als psychotrope Stoffe und sind verschreibungspflichtig.
Fahren unter dem Einfluss von Benzodiazepinen gilt als schwere Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz, wenn aufgrund der Einnahme eine Fahrunfähigkeit besteht. Es wird mit einer Busse oder Freiheitsstrafe bestraft und der Führerausweis wird für mindestens drei Monate entzogen.
Zahlen zum Benzodiazepinkonsum
Zahlen zum Benzodiazepinkonsum in der Schweiz, zu den Folgen und dem Markt finden sich auf folgenden Seiten.
Weiterführende Informationen zu Benzodiazepinen für Fachpersonen
Praxis Suchtmedizin
Medizinische Informationen für Hausärzt:innen sowie weitere Berufsgruppen der medizinischen Grundversorgung.
Informationsplattform für Prävention im Praxisalltag
PEPra ist ein Projekt der FMH und weiterer Trägerorganisationen zur Förderung der Prävention und Früherkennung von nicht übertragbaren Krankheiten, Sucht und psychischer Gesundheit in der ambulanten medizinischen Grundversorgung.
Publikationen im Suchtbereich
Sucht Schweiz stellt verschiedene Materialien und Publikationen zum Download zur Verfügung.
News zum Thema Benzodiazepine (Schlaf- und Beruhigungsmittel)
Der Schweizer Atlas der Gesundheitsversorgung dokumentiert regionale Unterschiede in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Darunter findet sich auch die Abgabe von Medikamente wie Benzodiazepine, Schmerzmedikamente, Antidpressiva und Opioide.
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