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Warum Riedpflege?
Zu einer Antwort auf diese Frage führt uns ein geschichtlicher Rückblick. Riedflächen mit ihrer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt sind nicht einfach "ursprüngliche Natur". Sie gehören vielmehr selbst zu der von Menschen im Laufe von Jahrhunderten geschaffenen Kulturlandschaft. Dieser Eingriff bestand zunächst in einer Rodung des ursprünglichen Waldes, gefolgt von einer Nutzung in Form eines Streuschnitts, meistens im Winterhalbjahr. Die Streue wurde von den Landwirten vor allem als Einstreumaterial im Stall verwendet. Diese ungedüngten, in der Regel feuchten Wiesen entwickelten sich allmählich zu Lebensräumen für kaum mehr vorkommende Pflanzen- und Tierarten. Unterbleibt das Mähen, so erobert sich der Wald die offenen Riedflächen zurück. Die bedrohten Pflanzen- und Tierarten verschwinden. Der Abtransport des Schnittguts ist nötig, um eine Anreicherung des Biotops mit Nährstoffen zu verhindern.
Unsere Riedgebiete
Hungerseeli (und Seewadel)
Das Hungerseeli, das wichtigste Naturschutzobjekt in Fehraltorf, ist aus hydrologischer Sicht eine durch Grund- und Hangwasser gespiesene Flutmulde. Kennzeichnend sind die unterschiedlichen Wasserstände: Es füllt sich mithin im Frühling und kann im Sommer und Herbst austrocknen. Die Verhältnisse sind von Jahr zu Jahr verschieden.
Die Ergebnisse der über einen längeren Zeitraum erstellten Amphibieninventare sind ausserordentlich erfreulich: Alle Bestände haben sich gut erhalten. Neben der Erdkröte, dem Teich-, Berg-, Faden- und Kammmolch konnten grössere Vorkommen an Laubfröschen und andere Froscharten nachgewiesen werden.
Der Laubfrosch: Er ist an der leuchtend grünen Farbe und dem schwarzen Seitenstreifen erkennbar. Das Kennzeichnend für das Männchen ist die Schallblase. Die Laubfrösche - mit ca. 4 cm die kleinste einheimische Froschart - können hervorragend klettern und leben meist auf Sträuchern und Bäumen. Nachts jagen sie Insekten oder Schnecken. In der Schweiz sind sie stark gefährdet.
Der Teichmolch: In der Paarungszeit trägt das Männchen einen leicht gewellten, bis zum Schwanz verlaufenden Saum. Der Teichmolch hat auf der Oberseite eine weiss-orange bis bräunliche Färbung, seine Unterseite ist orange. Das bis 9 cm grosse Männchen trägt dunkle Punkte. Das Weibchen legt bis 300 Eier und heftet diese einzeln an Pflanzen. Für den Teichmolch besteht in der Schweiz eine starke Gefährdung.
Das Hungerseeli ist als "Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung" eingestuft.
Seit mehr als zwanzig Jahren wird dieses Naturschutzgebiet durch den Verein Natur & Umwelt betreut. Das Augenmerk richtet sich dabei vor allem auf den aufwändigen Arbeitseinsatz im September (Riedpflege). So gelingt es uns, den ökologischen Wert des Hungerseelis zu wahren.
Das Reitenbachholz
Das Reitenbachholz ist ein Naturschutzobjekt von überregionaler Bedeutung mit einer grossen botanischen Vielfalt. So lassen sich Sumpf-Stendelwurz, Gemeines Fettkraut, Lungen- und Schwalbenwurzenzian nachweisen.
In dieser Riedwiese finden der Grosse Schillerfalter, der Violette Silberfalter und der Silberscheckenfalter - die beiden letzteren sind sehr gefährdet - einen Lebensraum.
Der Grosse Schillerfalter: Seine Flügeloberseite ist schwarzbraun, weist eine weisse Binde und zahlreiche weisse Flecken auf. Bei einem bestimmten Lichteinfall zeigt sich das Männchen in einem ausgeprägten blauen Schiller. Dieser grosse prächtige Falter ist selten und kommt in Flachmooren, Auen und Laubwäldern mit Salweidenbeständen vor. Hier eine spannende Lektüre dazu.
Der Violette Silberfalter: Das Männchen ist auf der Oberseite der Flügel lebhaft rotbraun gefärbt und mit deutlich erkennbaren, eher locker angeordneten schwarzen Flecken übersät. Der standorttreue Falter ist ein klassischer Streuwiesenspezialist und bevorzugt als Saugpflanzen Wiesenflockenblumen und Sumpfkratzdisteln. Hier eine spannende Lektüre dazu.