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Die Frage, ob der Mensch von Natur aus faul ist, erweist sich bei näherem Hinsehen als höchst aktuell. Die heutige Entfremdung des Menschen von seinen eigenen motivationalen, kognitiven und emotionalen Antriebskräften führt dazu, dass der Mensch sich zunehmend passiv, leer, antriebslos und langweilig erlebt, sofern er nicht animiert und stimuliert wird. Ist der Mensch also von Natur aus faul? Oder ist diese „Faulheit“ eine gesellschaftlich erzeugte Pathologie, die als „normal“ erlebt wird, weil es heute den meisten Menschen so geht? Erich Fromm sucht in dieser aus dem Jahr 1974 stammenden Abhandlung Hinweise in den verschiedensten Wissenschaftszweigen, vor allem aber in der Neurobiologie, zu finden, dass der Mensch prinzipiell die Fähigkeit zur Selbsttätigkeit hat, aus der ein in ihm selbst wurzelndes aktives Interesse an der Wirklichkeit resultiert – das allerdings durch gesellschaftliche Einflüsse deaktiviert werden kann. Aus dem Inhalt • Das Axiom von der angeborenen Faulheit des Menschen • Neurologische Erkenntnisse • Erkenntnisse auf Grund von Tierversuchen • Ergebnisse sozialpsychologischer Versuche • Die kreative Kraft des Träumens • Ergebnisse der Beobachtung von Säuglingen und Kleinkindern
Portrait
Erich Fromm, Psychoanalytiker, Sozialpsychologe und Autor zahlreicher aufsehenerregender Werke, wurde 1900 in Frankfurt am Main geboren. Der promovierte Soziologe und praktizierende Psychoanalytiker widmete sich zeitlebens der Frage, was Menschen ähnlich denken, fühlen und handeln lässt. Er verband soziologisches und psychologisches Denken. Anfang der Dreissiger Jahre war er mit seinen Theorien zum autoritären Charakter der wichtigste Ideengeber der sogenannten „Frankfurter Schule“ um Max Horkheimer. 1934 emigrierte Fromm in die USA. Dort hatte er verschiedene Professuren inne und wurde 1941 mit seinem Buch „Die Furcht vor der Freiheit“ weltbekannt. Von 1950 bis 1973 lebte und lehrte er in Mexiko, von wo aus er nicht nur das Buch „Die Kunst des Liebens“ schrieb, sondern auch das Buch „Wege aus einer kranken Gesellschaft“. Immer stärker nahm der humanistische Denker Fromm auf die Politik der Vereinigten Staaten Einfluss und engagierte sich in der Friedensbewegung. Die letzten sieben Jahre seines Lebens verbrachte er in Locarno in der Schweiz. Dort entstand das Buch „Haben oder Sein“. In ihm resümierte Fromm seine Erkenntnisse über die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. Am 18. März 1980 ist Fromm in Locarno gestorben.