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Der schwedische Daten-Impresario Hans Rosling stellte einigen Briten jüngst eine Schätzfrage: Wie viele Kinder hat eine Frau in Bangladesch im Durchschnitt? Zur Auswahl bot er ihnen vier Zahlen. Nur 12 Prozent wählten die richtige Antwort (es sind 2,5 Geburten). Hätte man Schimpansen die gleiche Frage gestellt und die Zahlen auf vier Bananen geschrieben, so hätten 25 Prozent nach der Banane mit der richtigen Antwort gegriffen. Im Falle der Menschen ist bemerkenswert, dass an Universitäten ausgebildete Briten schlechter abschnitten als jene ohne Hochschulabschluss. Unabhängig vom Bildungsstand – es geht nicht so sehr darum, dass wir vieles nicht wissen, sondern darum, dass wir vieles zu wissen glauben, ohne dass es in Tat und Wahrheit stimmt.
Behalten Sie diesen Gedanken in Erinnerung. Ich stelle Sie derweil Tom Perkins vor, dem Silicon-Valley-Venture-Kapitalisten und Ex-Ehemann der Krimischriftstellerin Danielle Steel. Perkins hat für Empörung gesorgt, als er sich kürzlich im «Wall Street Journal» über den anschwellenden Hass gegenüber Superreichen beschwerte und einen indirekten, aber krassen Vergleich mit der Reichspogromnacht anstellte. Einige Tage später nutzte Präsident Obama seine «State of the Union»-Rede, um die Ungleichheit ins Visier zu nehmen. Und auch in Europa ist die ökonomische Kluft ein Thema, das den meisten Leuten Sorge macht.
Das Rätselhafte an alldem ist, dass die mit allen erdenklichen Mitteln gemessene Armut in den letzten paar Jahrzehnten dramatisch gesunken ist. Warum sollte es also darauf ankommen, dass die Reichen reicher werden? Die Briten geben heute halb so viel für Nahrungsmittel und Kleider aus als noch während den 1950er Jahren, viele arbeiten, in Stunden gemessen, weniger, leben etwa acht Jahre länger und geniessen den Zugang zu Telefonen, Autos, Medizin und Budget-Airlines – das alles hätte sogar die Reichen der 1950er Jahre ins Staunen gebracht.
Es gibt eine weitere Frage – darauf würde ich wetten –, die Schimpansen besser beantworten würden als Menschen: Wenn wir davon ausgehen, dass die Ungleichheit in China, Indien, den USA und vielen Ländern in letzter Zeit angestiegen ist – wächst oder schwindet dann die Kluft zwischen Arm und Reich auf globaler Ebene? Die Antwort: die globale Ungleichheit sinkt und tut dies seit mehreren Jahrzehnten, unabhängig davon, wie man sie misst. Der Grund dafür ist einfach: Menschen in ärmeren Ländern werden schneller reich als Menschen in reichen Ländern.
Dieser Rückgang der globalen Ungleichheit hat sich seit dem Beginn der Finanzkrise beschleunigt. Weil afrikanische Länder ein Rekordwachstum erleben, schwindet die Zahl jener Menschen, die von 1.25 US-Dollar pro Tag leben, rasant. Hans Rosling zeigt in seinen Vorträgen gerne zwei Graphiken: der Graph der globalen Einkommen hatte einst die zweihöckrige Form eines Kamelrückens, jetzt entspricht er dem Profil eines Dromedars. Die grosse Mehrheit der Menschen sitzt auf dem Höcker, in der Mitte der Einkommensskala.
Die am Medianeinkommen gemessene Armut sinkt
Eine weitere Frage, die Schimpansen wahrscheinlich erfolgreicher beantworten würden als wir Menschen: Hat die Rezession in Grossbritannien dazu geführt, dass Armut und Ungleichheit zugenommen oder sich verringert haben? Die Hälfte der Affen würde zum Schluss kommen, dass beide gesunken sind – und sie hätten recht. Die Ungleichheit ist auf ein seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr erreichtes Niveau zurückgegangen. Sie sank – so wie sie dies während Rezessionen oft tut, auch wenn sie immer noch höher ist als während den 1970er Jahren. Armut wird links gerne an der Zahl von Menschen gemessen, die weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens verdienen. Diese Messgrösse ist während der Rezession gesunken, weil das mittlere Einkommen als solches gesunken ist. Der politisch motivierte Versuch, Armut nach diesem relativen (und sehr ungenügenden) Kriterium zu definieren, ist deshalb nach hinten losgegangen.
Wenn man die Ungleichheit nach Abzug von Steuern und gewährten Sozialleistungen misst, so ist sie…