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Rand Paul hat sich seinen Vater Ron Paul offensichtlich zum Vorbild genommen: Beide sind Mediziner, beide gingen in die Politik und beide würden den Staat in den USA am liebsten auf ein Mindestmass zusammenstreichen.
Nun tritt Rand Paul auch beim Streben nach dem Weissen Haus in die väterlichen Fussstapfen. Der Senator aus Kentucky verkündete seine Bewerbung für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Um Erfolg zu haben, wird er sich aber von den radikal liberalen Ansichten seines Vaters distanzieren müssen.
Vater Ron Paul war in den vergangenen Jahrzehnten der Querdenker der republikanischen Partei. Vertreter des konservativen Establishments rollten mit den Augen, wenn der Gynäkologe zum Beispiel die Abschaffung der Notenbank Federal Reserve forderte oder die Stützpunkte des US-Militärs rund um die Welt dichtmachen wollte.
Mehrheitsfähig waren seine Positionen nie: Drei Mal nahm er vergeblich Anlauf auf die Präsidentschaft, es reichte nur für einen Sitz im Repräsentantenhaus.
Treue Anhängerschaft
Doch Ron Paul konnte eine treue Anhängerschaft hinter sich versammeln. Er wurde zur Galionsfigur des Libertarismus, einer Strömung, die sich mit ihrem Primat der individuellen Freiheit nur schwer in das Zwei-Parteien-System der Vereinigten Staaten pressen lässt.
Beim Eintreten für bürgerliche Freiheiten und der isolationistischen Aussenpolitik ergeben sich Schnittmengen mit dem linken Flügel der Demokraten, in der Wirtschafts- und Sozialpolitik verdammen Libertäre dagegen Staatsausgaben und Steuern.
Der Vater spielte eine prägende Rolle für Rand – mit vollem Namen Randal Howard Paul, der 1963 als drittes von fünf Kindern in Pittsburgh geboren wurde. Die Familie zog später nach Texas, wo Rand Paul als Teenager die Lehren von marktliberalen Ökonomen wie Ludwig von Mises aufsog. Zur Pflichtlektüre im Hause Paul gehörte auch die US-Philosophin Ayn Rand und ihr Plädoyer für einen schrankenlosen Kapitalismus.
Wahlkampf für den Vater
Während seines Biologiestudiums in Texas engagierte Rand Paul sich in einer konservativen Jugendorganisation. Später studierte er Medizin und machte eine Ausbildung zum Augenarzt. Während eines Praktikums lernte Rand Paul 1989 seine Frau Kelley kennen, bei der Hochzeit im folgenden Jahr war sein Vater Trauzeuge, wie das Magazin «New Yorker» berichtete.
Auch Politik blieb bei Rand und Ron Paul eine Familienangelegenheit. Der junge Arzt nahm sich Auszeiten, um die Wahlkämpfe seines Vaters zu managen. Selbst bewarb sich Rand Paul vorerst nicht um ein Amt. Als Zeitungskolumnist und Fernsehkommentator in seiner Wahlheimat Kentucky griff er aber regelmässig in die politische Debatte ein.
Rand Pauls Stunde schlug mit dem Aufstieg der Tea-Party-Bewegung, die zwei Jahre nach dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama eine Reihe rebellischer Republikaner in den Kongress spülte. Paul gewann im November 2010 einen Senatssitz für Kentucky, nachdem er sich parteiintern gegen einen Kandidaten des republikanischen Establishments durchgesetzt hatte.
Aus Fehlern des Vaters lernen
Im Senat gehört Paul zu den Republikanern, die besonders vehement für eine Kürzung der Staatsausgaben eintreten. Zugleich zeigte er liberale Ansätze in der Drogenpolitik, warnte vor der Überwachung durch die NSA und brachte eine Strafrechtsreform ein, von der vor allem Afroamerikaner profitieren würden.
Mit einer Dauerrede stemmte er sich im März 2013 gegen die Bestätigung des neuen CIA-Direktors John Brennan: Dieser hatte als Obamas Anti-Terror-Berater die umstrittenen Drohnenangriffe ausgeweitet.
Rand Paul spielt die Aussenseiter-Karte, sein Wahlkampfslogan lautet «Besiegt die Washingtoner Maschine. Entfesselt den amerikanischen Traum».
Nummer 2 auf der Kandidatenliste
In der Aussen- und Sicherheitspolitik näherte sich Paul bereits der Parteilinie an. Statt wie früher noch Budgetkürzungen beim Pentagon zu fordern, schlug er kürzlich vor, dem Militär 190 Milliarden Dollar zusätzlich zur Verfügung zu stellen.
Paul steigt als zweiter Politiker offiziell ins Rennen um die Nachfolge von Präsident Barack Obama ein. Ende März hatte bereits der republikanische Senator Ted Cruz als erster seinen Anspruch auf die Präsidentschaft angemeldet.
Auf demokratischer Seite im Gespräch als mögliche Präsidentschaftskandidaten sind Vizepräsident Joe Biden und Ex-Aussenministerin Hillary Clinton. Beide haben ihre Kandidatur aber noch nicht offiziell bekannt gegeben.