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Jusqu'à la garde
Regie: Xavier Legrand
Darst.: Léa Drucker, Denis Ménochet, Thomas Gioria, Mathilde Auneveux, Mathieu Saikaly, Florence Janas, Saadia Bentaïeb, Coralie Russier, Sophie Pincemaille u.a.
Es beginnt mit einem Sorgerechtsstreit: Miriam lässt sich von ihrem gewalttätigen Ehemann Antoine scheiden, wohnt an einem geheim gehaltenen Ort und beansprucht das alleinige Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder, die fast volljährige Joséphine und den zehnjährigen Julien. Doch die Richterin folgt der Argumentation von Antoine, der unbedingt verhindern will, dass er seine Kinder nicht mehr sehen darf. Julien muss fortan jedes zweite Wochenende bei Antoine verbringen, obwohl er und seine Schwester erklärt hatten, sie wünschten keinen Kontakt mehr zum Vater. Es mag banal klingen, das Geschehen in den nun folgenden achtzig Filmminuten als Chronik einer angekündigten Katastrophe zu bezeichnen, doch Xavier Legrands Spielfilmdebüt ist ein Werk von der Heftigkeit eines Faustschlags. Das Thema häusliche Gewalt hatte Legrand 2013 bereits im Kurzfilm «Avant que de tout perdre» mit untrüglichem Gespür für differenzierte Figurenzeichnung und einem hoch entwickelten Sinn für Spannungsaufbau aufgegriffen und war dafür mit einer Oscar-Nominierung für den besten Kurzfilm bedacht worden. Dass «Jusqu’à la garde» so unter die Haut geht, hat nicht zuletzt mit dem hervorragenden Schauspielensemble zu tun, bei dem an erster Stelle Denis Ménochet als Antoine herausragt, der überzeugend zwischen echter Verzweiflung und machistischen Gewaltausbrüchen wechselt. Aber auch Léa Drucker als das Unheil ahnende Miriam und Thomas Gioria als von der Situation überforderter Julien sind eine Wucht. Völlig zu Recht gewann «Jusqu’à la garde» vor Jahresfrist in Venedig den Silbernen Löwen und begeisterte danach auch an den Festivals in Toronto, San Sebastián und Zürich. Fionnuala Halligan schreibt in Screen International: «Als eine von fast unerträglicher Spannung getriebene, unfassbare Fahrt durch den Albtraum des häuslichen Terrorismus ist ‹Jusqu’à la garde› eine Mischung aus zermürbender Realität und hoch artifiziellem Kino – ein so schmerzhafter wie herzzerreissender Film, der gekonnt Meilensteine der Kinogeschichte wie ‹The Shining› oder ‹Kramer vs. Kramer› zitiert und dabei häusliche Gewalt und Obsession in einer Weise zeigt, die die Angst real macht.»