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Lann Hornscheidt will weder Frau noch Mann sein. Warum stören sich Menschen daran so sehr, dass sie mit Anfeindung reagieren? Eine Begegnung.
(Revision by Jan. October 5, 2017 @ 14:00:40)
Ein Lebensentwurf ent-wirft das ins Dasein geworfene. Er ent-wirft – im Sinne eines ent-, welches den Wurf seines Wurfes entbehrt – ein Zukünftiges, er ist ein ausstrecken nach zukünftigem Seienden. Einem Seienden, in welchem sich ein Subjekt nur als Wurf, im Sinne der dem Sein anhaftenden Kontingenz als Dasein, als verschwindende Markierung konstituiert. Der Lebens-ent-wurf, so könnte man sagen, steht dem entgegen, was das Ge-worfen sein – im Sinne des Seins im Dasein als Unmöglichkeit einer Kontinuität – als Seinsform meint. Ein Lebens-ent-wurf, ent-wirft den Wurf, als er eine performative – und damit Kontingenzeinschränkende – Bezugnahme auf das noch im Kommen stehende darstellt; macht damit den Wurf „fassbar“.
Zugleich steht das ent-werfen eines Wurfes stets dem Ereignen eines Ereignisses im Wege. Der Ent-wurf stellt möglicherweise den Versuch dar, die vom Ereignis ausgehende Gefahr des Unmöglichen zu verbannen, die Angst vor dem zu dämmen, was sich im Wurf ereignen könnte; es zumindest zu zeitigen.
Damit bleibt ein Lebens-ent-wurf eine mögliche Unmöglichkeit, die jeweils eigene, ins Dasein geworfenen Existenz vor dem Wurf zu ent-werfen.
Abschliessende Gedanken zu einer Lektüre
„In diesem Buch wird Empathie als Mit-Erleben (co-experience) definiert […]. Mit-Erleben beinhaltet […] deutlicher als das Teilen von Gefühlen und Affekten auch Aktionen und vor allem zahlreiche kognitive Prozesse wie das Vorausschauen, das Erwägen der Umstände und das Mitüberlegen, was zu tun ist.“ (Breithaupt, 2017, S. 15ff)
Breithaupt weicht mit seiner Empathie-Definition gegenüber herkömmlichen Bestimmungen von Empathie dahingehend ab, dass er diese nicht nur als Ein-fühlungs-vermögen definiert, sondern die reflexiven Denkakte betont, welche dabei eine Rolle spielen. Damit vermeidet er zwar den Fehler, Affekte und das bewusste Denken als zwei strikt getrennte kognitive Areale zu betrachten, aber er büsst die Möglichkeit ein, analytisch zwischen „Einfühlen“ und „Nachvollziehen“ zu unterscheiden. Gemäss Breithaupt ist der emotionale Zustand eines Anderen nie erfahrbar. Wir fühlen also nicht mit dem Anderen mit, sondern mit dem stark vereinfachten Bild, welches wir uns von den Gefühlen des Anderen machen. Wie steht es aber um das Nachvollziehen der Lage eines Anderen, sofern diese Lage durch äussere Bedingungen gekennzeichnet ist. Mir scheint es durchaus möglich, mich anhand von zentralen Indikatoren in die schwierige finanzielle Lage eines Anderen zu versetzen, ohne dass ich die Gefühle wie Frust oder Angst miterlebe, welche der Andere in seiner Lage erlebt. Und anders als das Mit-Erleben, welches Breithaupt als Verstärker von Konflikten beschreibt, scheint mir das Nachvollziehen der Situation eines Anderen als Bedingung jedes Konsenses. Einen weiteren Unterschied sehe ich darin, dass das Mit-Erleben gemäss Breithaupt die Komplexität einer Situation senkt, da es eindeutige Emotionen schafft, während die De-Zentrierung der Situationsanalyse durch den Nachvollzug der Lage des Anderen die Komplexität erhöht, da ich erst dadurch die Handlungen des Anderen in meine Situationsanalyse und Handlungsplanung einbeziehen kann und muss. Ich denke, dass das sich in die Lage eines Anderen versetzen auch helfen könnte, spontane, einseitige Empathie-Bekundungen zu reflektieren, wie sie Breithaupt in seinem Buch kritisiert.
Der Autor beschreibt Empathie als Ursache und nicht als Lösung von Konflikten.
Fritz B.* geht davon aus, dass in Zeiten des Neoliberalismus das Selbst zunimmt und die Empathie dadurch reduziert wird.
Empathie benötigt Narrative als Transporter.
Empathie wird grundsätzlich abgeblockt, es sind bestimmte Bedingungen notwendig, damit Empathie entsteht.
Empathie festigt schnelle Urteile und diese Festigung erlaubt klare Verhaltensformen (S. 109).
Imaginär in der Situation eines anderen zu sein, unterscheidet sich grundsätzlich davon, sich selbst direkt in der Situation zu befinden. Einer der Unterschiede besteht darin, dass (meistens) ein Bewusstsein einer Differenz zwischen ich und anderen bestehen bleibt (S. 16 – 17).
Es gibt einen Drang zu Empathie. Man kann auch zu nicht lebenden Dingen Gefühle entwickeln (S. 81).
Man empfindet hauptsächlich mit den Helden von Geschichten Empathie und nicht mit den Leidenden.
*Name der Redaktion bekannt.
Die Unerreichbarkeit dessen – was allzu lange als reale Möglichkeit einer Existenz gegolten hat – jemals an einen Ort, in einen Zustand zu gelangen, wo sich ein Gefühl der Zufriedenheit, der Ruhe, der Sicherheit einstellen würde, wo sich das Wirrwarr lichten, die Eindeutigkeit des Seins und des Sinns zurückerkämpft werden könnten, birgt die schleichende Gefahr der Rastlosigkeit und Ermüdung.
Und vielleicht sind es seltene Momente des intensiv erlebten Selbstbetruges, welche vor dem Einschlafen bewahren. Jene ungenauen Augenblicke, bei welchen sich der schwere Nebel zu lichten scheint, wo ein Hauch Glückseligkeit die Ungewissheit in Gewissheit umzuwandeln meint, wo das umkreisen ein Ende finden soll. Vielleicht dort, wo das Zukünftige noch im Kommen steht, wo das Vergangene den Augenblick nicht durchbrechen mag. Um sodann unmerklich festzustellen, dass sich jene Momente nicht als Momente halten konnten, sich ebenso schleichend entzogen wie sie aufgetaucht waren, jedoch die Hoffnung hinterliessen, dem Moment auf die Spur gekommen zu sein.
Zurück, kreisend, schwankend, müde, rastlos, hoffend.
Vielleicht, peut-être, maybe. Haltend an das, was Sein vielleicht sein könnte.
Die scheinbare Möglichkeit darauf zu stossen, nach ihr graben zu können, sich seiner selbst als “wahr-sein-können” gewahr zu werden, das jeweilig Echte, einzig möglich Wahre auffinden zu können. Die Hoffnung, dass sich, falls sie sich finden lässt, daraus ein Gefühl der Vollkommenheit, ein Gefühl des Ankommens, gar der Reinheit, des „Eins-seins“, eben ein Gefühl des „Wahrheit-erfahrens“ einstellen würde; wohl daher das Wort „Selbst-ver-wirklich-ung“.
Was dem, so tönt es, im Wege zu stehen scheint, ist die Unumgänglichkeit des Werts, der Einteilung, der Zuweisung, die Einschreibungen der Sprache, welche die Unmöglichkeit des Dings an sich, des Dings ohne Wert und damit (zumindest in Bezug auf diesen Text) unaufhaltsam die Möglichkeit von Wahrheit verschlingt. „Weil er Dinge ohne Wert, die wirklich und einfach da waren, nicht entdecken konnte.“
Zu zweit, in einem illusionären Akt der Liebe schien ein Loch, ein Ort der Sprachlosigkeit, des Wertlosen, des Uneingeteilten sich zu eröffnen. Dort wo die Sprache versagt, das unsagbare unsagbar bleibt, wo sich die Einteilungen zu entziehen scheinen, im Kommen bleiben, wo das Ereignis stattfindet, sich ankündigt ohne Ankündigung. Wo Vor-und Nachzeitigkeit zu einem Moment verschmelzen sollten.
Vielleicht dort, wo ich sie (sei es nun die Liebe, der Andere, die Wahrheit, mich Selbst) immer schon verloren habe!