Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03103.jsonl.gz/945

1. Die Vorstufen des Projekts
Seit den späten 1990iger Jahren hat die Bibliothèque de Genève die Digitalisierung bestimmter Dokumente ausprobiert, sei es als Alternative zu den klassischen Reproduktionsverfahren, sei es, um die Dokumente einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen.
Während des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts nehmen die digitalen Bibliotheken Gestalt an und professionalisieren sich. In der Schweiz entstehen verschiedene Portale, die von den wichtigsten Bibliotheken des Landes verwaltet werden und nach Dokumenttypen spezialisiert sind: Alte Handschriften findet man auf e-codices.ch, alte Drucke auf e-rara.ch, Zeitschriften auf retro.seals.ch, Rerodoc beherbergt allgemeine Dokumentation, schliesslich gibt es noch die Schweizer Plakatsammlung.
Die Bibliothèque de Genève nimmt an diesem Unterfangen teil. Indem sie sich an diesen Programmen beteiligt, erschafft sie allmählich ein hochwertiges digitales Angebot, das seine Inhalte aus den Hauptsammlungen der Bibliothek schöpft. Die Gesamtausgabe der Werke von Jean-Jacques Rousseau (Genf, 1782-89), die anlässlich des 200. Geburtstages des Philosophen ins Internet gestellt wurde, legt von dieser Arbeit Zeugnis ab und gilt nunmehr als Referenzausgabe.
2. Der Projektverlauf
Diese Unternehmungen haben zu fachübergreifenden Überlegungen über die Digitalisierung der Sammlungen der Genfer Bibliotheken geführt. Ziel hierbei war es, der Öffentlichkeit eine Gesamtschau auf das geistige und kulturelle Erbe der Stadt zu ermöglichen. Von 2011 bis 2013 hat eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von sechs Institutionen den Inhalt einer idealen Digitalbibliothek definiert: Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Handschriften und Archivbestände, ikonographische Dokumente, Karten und Pläne. Der Kern dieses weitgespannten Bestands, der 90 kohärente Sammlungen umfasst – 875'000 Dokumente, das entspricht ca. 10 Millionen Seiten –, wird dazu beitragen, die Bekanntheit und das Verständnis des Genfer Kulturerbes beträchtlich zu erhöhen.
Sinnbildlich für diese Zukunft ist die Digitalisierung der Zeitung Tribune de Genève, ein Pilotprojekt, das sich eines lebhaften Interesses erfreut.
Zu dem Vorhaben, für dessen Finanzierung öffentliche und private Partner gesucht werden, gibt es eine Kostenberechnung sowie einen Umsetzungsplan. Beide beruhen auf dem Ausbau vorhandener Strukturen, namentlich des Digitalisierungszentrums im Parc des Bastions.
Des weiteren werden die Genfer Buchverlage unterstützt, indem die örtlichen Verleger die Möglichkeit erhalten, ihre jüngsten Werke auf einer digitalen Plattform zu veröffentlichen.
3. Die längerfristigen Ziele
Das Hauptziel des Vorhabens ist es, den Zugang zum Wissen zu demokratisieren und den Informationsbedarf des Publikums zu befriedigen. Zugleich trägt die Digitalisierung dazu bei, den Auftrag zur Bewahrung der materiellen Dokumente zu erfüllen.
Durch das so geschaffene Kompetenzzentrum, durch eine Politik des freien Datenzugangs und der Informationsverbreitung regt die Digitalisierung des Kulturerbes auch die Forschung und Initiativen durch Privatakteure an. Die Entwicklung von Instrumenten, die auf der Grundlage dieser reichhaltigen und vielfältigen Korpora die Verbreitung und die Zugänglichkeit der Dokumente gewährleisten, bietet den Akteuren der neuen Digitalwirtschaft vielversprechende Möglichkeiten.
Als Abschluss des Vorhabens ist die Schaffung eines globalen Portals vorgesehen, das die Digitalsammlungen der Bibliotheken und Museen der Stadt Genf zusammenführt.