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Schon im Epos „Dede Gorgud“ wurde den Bräuchen und Traditionen viel Platz eingeräumt; die meisten von ihnen haben sich bis heute erhalten. Nicht wenige Regeln auch die Hochzeitszeremonien. Die Traditionen der Brautwerbung, der Verlobung und der Hochzeit haben tiefe Wurzeln. Daher kommen sie nicht nur in Epen, sondern auch in aserbaidschanischen Märchen vor (1, s. 276).
Um den Unterschied zu den Hochzeitsfeiern in anderen Regionen Aserbaidschans hervorzuheben, beschreibt die Ethnographin R. Babajewa detailliert die Abfolge der Zeremonien in den Dörfern um Baku: die Brautwahl, die Brautwerbung, das Einholen der Zustimmung der Eltern, die Verlobung, das zurückbringen der Hochzeitsbeutel mit den Geschenken, das Gevatter-Fest (Fest mit den neu gewonnenen verwandten), Frühjahrsfeste (in Verbindung mit dem alten Neujahrfest „Nowruz“) – und die Einbringung der ersten ernte (der ersten Früchte und Gemüse), die Zurschaustellung der für die Braut vorgesehenen Kleider, der Badetag der Braut, der Abend mit den süssen Getränken, der Henna-Abend, die Registrierung der ehe, die Hochzeitsnacht und der Morgen danach, der zweite und dritte Tag der Braut im Haus ihres Mannes, die Beziehung zum Schwiegervater und zur Schwiegermutter, der Badetag nach einer Woche der Ehe, die Schwangerschaftszeit der Braut, die Geburt des Kindes, die Mutter und das Kind, der Badetag für die Mutter, die Namensgebung für das Kind und dessen Erziehung und Ausbildung (2).
Nach der Tradition kommen beim ersten Besuch zur Brautwerbung zwei bis drei Frauen. Sie erzählen dort von ihrer Familie und den Kindern. Beim ersten Besuch der Heiratsvermittler geben Vater und Mutter des Mädchens keine konkrete Antwort. Sie sagen, dass es notwendig sei, alle „für“ und „wider“ über den jungen Mann, den möglichen Bräutigam, erst abzuwägen. Hat man irgendwelche Zweifel (an dem jungen Mann, an seinen Familienangehörigen oder Verwandten), wird dann eine negative Entscheidung getroffen. In diesem Fall sagen sie: „Wir haben kein Mädchen für euch“, „Komme nicht an unsere Tür mit dem gleichen Anliegen“, „Was ihr wollt, ist bei uns nicht vorhanden“. Beim zweiten Besuch, nach Erhalt einer positiven Antwort, bringen die Heiratsvermittler auch den Vater, die Onkel und die anderen Verwandten des künftigen Bräutigams mit.
Wenn die Eltern des Mädchens ihr Jawort geben, bringen sie in den meisten Fällen als dessen Bestätigung süssen Tee oder „Tee mit zwei Farben“ auf den Tisch. Dazu wird zum Beispiel ein Glas mit duftendem Getränk (oder mit gesüsstem heissem Wasser) gefüllt, danach ein Löffel vom frisch aufgebrühten Tee zugefügt. Das ist ein Symbol der Entstehung der Verwandtschaft unter den beiden Familien.
Beim ersten Besuch der Heiratsvermittler teilen die Frauen von der Seite des Bräutigams (Grossmutter, Mutter, Tante und Schwester) ihre Absicht mit. Beim zweiten Kommen der Brautwerber wird der Tag des Jawortes bestimmt. An diesem Tag kommen die ältesten der Sippe: Grossvater, Grossmutter, Mutter und andere Verwandte ins Haus der Braut. Während der Zeremonie reicht der älteste von Seiten des Bräutigams dem ältesten auf Seiten der Braut die Hand und fragt ihn während dieses Handschlags drei Mal: „Gibst du dein Kind (er nennt den Namen) meinem Sohn (er nennt den Namen) zur Frau?“ die Antwort ist: „Ja, ich gebe“, auch dies wird drei Mal wiederholt. Dieser kurze Dialog drückt die Vereinbarung aus, die zwischen den beiden Familien erreicht ist.
Ein paar Tage nach dieser Abmachung findet die Zeremonie der Verlobung statt. Ins Haus der Braut kommen sechs bis zehn Personen, sie bringen für das Mädchen einen Ring, einen Schal und ein paar Kleider mit. Es wird ein Fest angesetzt, bei dem der Bruder des Bräutigams (wenn der Bräutigam keinen Bruder hat, tut das dann ein junger Mann aus dem Kreis seiner nahen Verwandten) einen Ring an den Finger der Braut steckt, in den die Namen des Brautpaars graviert sind, und sagt: „Ich schenke dir einen Ring des Schicksals, liebt einander, bekommt Junge und Mädchen“.
Einige Familien feiern die Verlobung gross. In diesem Fall wird der Tag vorher bestimmt, und vom Haus des Bräutigams werden Fleisch, Süssigkeiten und andere Lebensmittel zum Haus der Braut geschickt. Am Tag der Verlobung werden der Braut ein Ring, ein Schal und andere Kleider gebracht.
Nach der Tradition, steht das Recht der Übergabe der Geschenke einer Frau zu, deren Familienleben glücklich ist (sie hat Kinder, ein eigenes Haus usw.), damit auch die Braut in ihrem Familienleben glücklich werde. Beider Verlobungszeremonie sind 40 bis 60 Personen anwesend. Die Verwandten des Bräutigams übergeben der Braut eine Vielzahl von Geschenken (Ring, Stoffe) und die eingeladenen Gäste Süssigkeiten und Blumen. Nach der Verlobung lädt man den Bräutigam ins Haus der Braut ein und schenkt ihm einen Ring. Diese Phase wird „Bestand des freien Zugangs des Bräutigams ins Haus der Braut“ genannt.
An Feiertagen bringen die verwandten des Bräutigams dem Mädchen nicht nur eine Vielzahl von Geschenken, sondern loben auch die Braut. Zur gleichen Zeit gehen die Familienangehörigen der Braut zusammen mit nahen Verwandten mit Geschenken und Leckereien für sich und die Familie des Bräutigams in dessen Haus. Die beiden Familien arrangieren eine gemeinsame Feier. Beim Volk wird dieses Ritual „Feststellung der Beziehungen vor der Verlobung“ genannt. In der Phase der Vorbereitung auf die Hochzeit laufen im Haus des Bräutigams die Vorarbeiten für die künftigen Feiern und im Haus der Braut ist man mit der Anschaffung der Mitgift beschäftigt. Gleichzeitig besuchen die Verwandten des Bräutigams das Haus der Braut. Bei diesem Treffen wird die Menge der notwendigen Lebensmittel festgelegt, die sich nach der Zahl der zur Hochzeit geladenen Gäste richtet, daneben wird auch der Tag des „Kleidernähens“ für die Braut bestimmt, die ihr geschenkten Kleider gezeigt und der Hochzeitstag genannt. Danach gehen die Gäste des Bräutigams ins Haus der Braut.
An diesem Tag veranstalten die Frauen (50-100 Personen) im Haus der Braut die Zeremonie „Nähen und Zurschaustellung der Kleidung“. Es wird eine Art Ausstellung von Dingen vorgenommen, die der Braut und auch ihrer Grossmutter, Mutter, ihren Brüdern und Schwestern mitgebracht wurden. Auf der Zeremonie treten die älteren Frauen als die „Vertrauenswürdigen“ der Braut und des Bräutigams auf. Eine Frau, die ausgewählt ist, die Braut zum Haus des Bräutigams zu begleiten, schneidet ein Stück vom Stoff ab (daher der name – „Paltar Käsdi“ – „Kleid schneidern“); dieses Stück wird anschliessend im Haus aufbewahrt. Die „vertraute Frau“ auf Seiten des Bräutigams gibt ein „Entschädigungsgeld“ ihrer „Kollegin“ – der Vertrauenswürdigen der Braut. Die nahen Verwandten des Bräutigams geben ebenfalls Geld als Geschenk, sowohl im eigenen Haus als auch im Haus der Braut. Von einigen, die vom Haus des Bräutigams kommen, nimmt man kein Geld.
Bei der Zeremonie „Nähen und Zurschaustellung der Kleidung“ werden auch Süssigkeiten, Obst und verschiedene nationale Gerichte – Dolma (mit Hackfleisch gefüllte Weinblätter), Frikadellen, Bosbasch (ein Eintopf mit Fleischstücken und Kartoffeln), Dowga (Joghurtsuppe mit Kräutern) – zum Mittagessen angeboten.
Für die Männer wird ein getrenntes Festmahl ab Mittag organisiert, zu dem gesondert geladen wird. Wenn die Zeremonie „Nähen und Zurschaustellung der Kleidung“ zu Ende geht, wird eine Liste mit der Mitgift der Braut verfasst, die ins Haus des Bräutigams gebracht wird. Gleichzeitig werden zwei Frauen ins Haus des Bräutigams geschickt, die zusammen mit der „Vertrauenswürdigen“ Seitens der Braut ihr Zimmer schmücken.
Danach folgt der „Hochzeitsrat“ – so nennt man die Sitzung im Haus des Bräutigams, auf der die Person ernannt wird, die die Hochzeit führt: der „Hochzeits- Grossvater“ (vor der Oktoberrevolution wurde er „Bergen-Khan“ genannt). Er leitet die Hochzeit, überwacht den Fortgang der Feier und ihre Ordnung. Mit dem Abschluss der Vorbereitungsarbeiten im Haus des Bräutigams beginnt die Hochzeit selbst.
Am Ehrenplatz des Raums, in dem die Feier stattfindet, sitzen Sänger und der „Tischmeister“, der durch die Feier führt, am Eingang werden auf einem Tisch Blumen und Pralinen serviert. Die Gäste äussern ihre Wünsche gegenüber den beiden verlobten, nehmen Süssigkeiten und geben Geld als Geschenk. Häufig zeigen Sänger auf der Hochzeit ihre Kunst, aber manchmal auch Aschugs (Volkssänger mit dem Saiteninstrument Saz).
Am Abend des ersten Tages der Hochzeit findet im Haus der Braut die Henna-Zeremonie statt. Zu dieser werden die engen Freunde und Verwandten des Mädchens eingeladen. Aus dem Haus des Bräutigams kommt eine Gruppe von Jungen und Mädchen mit Musikern, die spielen, tanzen und gemeinsam mit der Braut feiern. Die nächsten Verwandten des Bräutigams tragen auf die Hände der Braut Henna auf und schenken ihr wieder Geld. Die Familie der Braut serviert den Teilnehmern der Zeremonie ein Abendessen. In verschiedenen Regionen Aserbaidschans wird das Hennaritual unterschiedlich bezeichnet: in Schäki das „Fest der Braut“, in Towus „die Vorstellung des Mädchens“, in Masally und Länkäran die „Versammlung beim Mädchen“, in Guba „die Anwendung von Henna“, in Abscheron das „Henna-Blümchen“ und in anderen Orten „Henna-Anwendung“, das „Festmahl beim Mädchen“ oder die „Mädchenversammlung“.
Am zweiten Tag nehmen auch die restlichen Verwandten und Gäste an der Hochzeit teil. Gegen Mittag gehen die Leute aus dem Haus des Bräutigams und ein Teil der Musiker (oft die Flötenspieler, die am ersten Tag der Feier gespielt hatten), um die Braut abzuholen. Die Sänger und der Rest der Musiker vergnügen weiterhin die Gäste. Die neu angekommenen Gäste werden im Elternhaus des Bräutigams von dessen ältestem Bruder, den Onkeln und anderen nahen Verwandten getroffen. Die geschmückten Autos (früher die Kutschen) fahren zum Haus der Braut. Die nahen Verwandten und die Nachbarn der Braut treffen die Gäste. Die Vertreter der Familie des Bräutigams tanzen Nacheinender. Die „Vertrauenswürdige“ des Bräutigams betritt zusammen mit einer Gruppe von Frauen den Raum der Braut. Da die Tür oft absichtlich geschlossen wird, gibt die „Vertrauenswürdige“, Witze erzählend und scherzend, ein „Lösegeld“, damit diese wieder geöffnet wird. Diese Zeremonie wird „Tür öffnen“ genannt. Die „Vertrauenswürdige“ der Braut, der Brautführer und die Brautjungfer Schmücken die Braut. Die „Vertrauenswürdige“ des Bräutigams übergibt das Geld für das „Schmücken des Gesichts“ (für Make-up) der Braut. Die Eltern der Braut kommen zu ihr, um ihrer Tochter „Gute Wünsche“ zu überbringen. Der Bruder des Bräutigams bindet einen Gürtel um die Taille der Braut, dann legt er ihr das Geld in die rechte Hand, der Bruder der Braut in ihre linke Hand. Mit Bändern werden die Geldscheine an den Händen der Braut festgebunden. Wenn der Bräutigam keinen Bruder hat, führt dann ein naher Verwandter das Ritual aus. In der Tat ist das Rritual „Gürtelbindung um die Taille“ ein Symbol der ewigen Verbundenheit der Frau mit einem verlässlichen Ehemann, der für sie eine standhafte Stütze, ein aufrechter Lebensgefährte sein soll.
Mit der Hochzeitsmelodie „Vagzaly“ („Bahnhofsmelodie“ – sie wird während des Brautzugs gespielt) betreten die Musiker das Brautzimmer. Von ihren „Vertrauenswürdigen“ begleitet, verlässt das Mädchen das Haus ihres Vaters. In der Hand trägt eine der „Vertrauenswürdigen“ einen Spiegel, die andere eine brennende Kerze oder eine leuchtende Lampe, die links und rechts von der Braut gehalten werden. Im Volk ist die brennende Kerze oder die Lampe neben der Braut ein Symbol für ihren Schutz vor „unreiner Kraft“, dem „bösen Blick“ und vor „bösen Geistern“. Der Spiegel dient dem gleichen Zweck, er wird vor der Braut gehalten. Es ist auch Glaube, dass sich im Spiegel nicht die Braut selbst, sondern ihre Seele reflektiert, die das Mädchen vor den bösen Geistern schützt.
Junge Menschen blockieren Unterwegs den Weg des Brautwagens und fordern ein „Lösegeld.“ Dies nennt man die „Strassensperre“. Der Vater des Bräutigams gibt ihnen das gewünschte „Lösegeld.“ Die Familienangehörigen des Bräutigams versuchen, aus dem Haus der Braut etwas unbemerkt mitzunehmen, um, wenn die Autos starten, das den anderen zu zeigen. Diese Tradition hat die Bedeutung, dass die Mitgift der Braut nie wieder zu ihrem Elternhaus zurückkehren wird. Mit anderen Worten, heimlich die Dinge im Haus der Braut mitzunehmen, heisst, dass diese für immer in ihrem neuen Zuhause bleiben werden – also im Haus ihres Ehemannes. Wenn sich der Brautzug dem Haus des Bräutigams nähert, erklingt das Lied „In unser Haus kommt eine neue Braut“. Die „Vertrauenswürdigen“ helfen der Braut aus dem Auto auszusteigen. Dann opfert der Schwiegervater zu Füssen der Braut ein Lämmchen und streicht dessen Blut auf Stirn und Füsse der Braut. So scheint es, als ginge sie damit durch den Kopf und den Körper des Lämmchens (das soll bedeuten, die Unschuld des Lämmchens überträgt sich auf die Braut). Dann werden die nationalen Tanzmelodien „Terekeme“, „Uzun Dere“, „Jally“, und „Hejwagülü“ gespielt, danach muss die Braut nach der Tradition einen leeren Teller zertreten und zerschlagen. All dies geschieht vor den Hochzeitsgästen und es erscheint so, als ob die Braut damit sagen würde: „Wenn ich einmal den Verrat gegen diese Feuerstelle, das Haus, meinen Mann begehe, werde ich niedergeschlagen wie dieser Teller“ (3).
Weit verbreitet ist auch ein anderes Ritual: das Überschütten der Braut mit Süssigkeiten, sobald sie den Innenhof des Hauses des Bräutigams betritt. Dies symbolisiert den Wunsch, sie immer zärtlich und liebenswürdig zu sehen. Nach der Tradition ist der Spiegel, den die Braut mitbringt, ein Symbol der Reinheit, ihrer Jungfräulichkeit, Grosszügigkeit, treue und Keuschheit. Wenn das Mädchen über die Schwelle ihres Vatershauses geht, wird sie mit Mehl, Hirse und Reis überschüttet. In ihren Hochzeitsbeutel wird süsses Brot und Gebäck gelegt, so dass sie, wie man im Volk sagt, in ihr neues Zuhause einen Überfluss an Reichtum mitbringt.
Auf das Haupt der Braut wird ein Stück Brot gelegt. Dies bedeutet, dass sie das Brot eines ehrlichen Vaters ass und die wohltuende Milch der Mutter trank. In ihren Hochzeitsbeutel legt man zusammen mit dem Brot auch süssen Honig. Wenn die Braut dann über die Schwelle des Hauses des Bräutigams tritt, gibt man ihr ein Stück Brot mit Honig bestrichen. Dies bedeutet, dass die Braut immer zärtliche Manieren im Umgang mit anderen haben sollte.
Die Musiker, die mit der Braut gekommen sind, überbringen ihr ihre Wünsche und gehen in den Raum, in dem die Feier stattfindet. Wenn die Braut ins Haus des Bräutigams kommt, setzt sie sich nicht. Ihre Eltern bringen ihr die Geschenke mit (den Ring und das Geld für das weitere Wohlleben oder Hammel und Kälber).
Wenn sie sich dann hinsetzt, wird ihr ein Kind auf den Schoss gelegt – das ist stets ein Junge, damit auch ihr erstgeborener ein Vertreter des starken Geschlechts werde. Die Braut bringt Süssigkeiten ins Haus des Bräutigams, die von ihrer Mutter gebacken wurden. Die „Vertrauenswürdige“ der Braut verteilt während der Hochzeit Geschenke an die Musiker und die Köche. Im Zimmer der Braut wird ein Nagel in die Tür geschlagen – nach dem Glauben bedeutet dies, dass die Braut immer in diesem Haus bleiben wird und dessen wahre Herrin werden muss.
Nach der Ankunft der Braut geht die Hochzeitfeier im Haus des Bräutigams weiter. Wenn der Sänger, der hier auftritt, wieder an der Reihe ist, singt er „deine Lippen wurden vom Lächeln beleuchtet“, „das geschminkte Mädchen, das mit dem Wasserpokal zurückkommt“, danach erklingen die Tanzmelodien „Hejwagülü“, „Sulejmani“, und „Gasachy“; die jungen Leuten vergnügen sich.
Dann beginnt die Zeremonie des „Lobens des Bräutigams“, der in einem speziellen Raum sitzt. Für den Bräutigam wird ein Tisch aufgestellt, bedeckt mit rotem Tuch, darauf steht ein Hochzeitsbeutel voller Süssigkeiten und Blumen, ein Symbol der Schönheit. Einige Minuten später laden zwei Musiker unter den Klängen einer lustigen Melodie den Bräutigam zur Hochzeitsfeier ein, zusammen mit einem seiner Freunde und dem Brautführer.
Die ältesten sprechen obligatorische Verse aus: „der Bräutigam muss auf seiner eigenen Hochzeit tanzen, damit es Wohlstand gibt.“ Zusammen mit dem Bräutigam beginnen auch seine Freunde und Bekannten zu tanzen.
Am Morgen nach der Hochzeit wird für die Braut ein süsser Brei aus Mehl mit Butter zubereitet; die verwandten und die Nachbarn versammeln sich wieder, auf dem Tisch steht das traditionelle Reisgericht Pilaw, mit gebratenen Fleisch- und Obststücken. So wird die „Reinheit der Braut“ gefeiert. In allen Regionen Aserbaidschans darf die Braut drei Tage nicht in der Öffentlichkeit erscheinen. Am vierten Tag kommen die „Vertrauenswürdige“ der Braut, ihre Schwester und ein Paar nahe Verwandte (ausser ihrer Mutter) mit verschiedenen Gerichten, mit Obst und den Geschenken ins Haus des Bräutigams. Das heisst „Drei-Tage-Zeremonie“.
Sieben Tage nach der Hochzeit kommen die Familienangehörigen der Braut mit Geschenken und Süssigkeiten, um sie zu sehen. „Grosse Besichtigung“ („In-Augenscheinnahme“) nennt man diese Zeremonie, bei der die Mutter, der Vater, sowie die Brüder und verwandten der Braut beteiligt sind. Es wird eine Feier durchgeführt, dabei sitzen die Frauen getrennt oder in der Gesellschaft von Männern. Alle treffen Nacheinender die Braut.
40 Tage nach der Hochzeit wird die Braut zusammen mit dem Bräutigam und dessen Familienangehörigen in ihr Elternhaus eingeladen. Sie erhält dann von ihrem Vater eine Kuh oder ein wertvolles Geschenk. Dieses Ritual ist bekannt als „Beginn der Kommunikation“.
Die Hochzeitszeremonie ist Teil der sittlichen Welt des aserbaidschanischen Volkes. Jedes ihrer Rituale ist mit alten religiösen Überzeugungen, geheimnisvollen Wundertaten und verschiedenen Arten der Magie verbunden, das heisst, sie tragen die Spuren einer reichen und alten Kultur sowie der Spiritualität der Ureinwohner Aserbaidschans.
Die Hochzeitszeremonien in Aserbaidschan blicken auf jahrhundertealte Traditionen zurück. Dies bestätigt sich durch die epische Literatur und Folklore-Elemente, einschliesslich der Epen, der Märchen, der Lieder und der Tänze. Diese Traditionen werden von den Aserbaidschanern weitergepflegt – sowohl von denen, die in ihrer historischen Heimat Aserbaidschan leben, als auch von jenen in den ausländischen Diasporen.
Dr. habil. Nargis Gulijewa
Historikerin
Literatur
1. Мирали Сеидов, Источники азербайджанской мифологии (на азерб. яз.). Баку, 1983, с.276.
2. Бабаева Р., Традиции и обряды в Баку в прошлом. // Научный Архив НАНА, инв.№1376, 1627.
3. Гейбуллаев Г., О некоторых брачных обрядах Азербайджана // Доклады АН Азерб.ССР, 1964, №11.