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Seit Jahrzehnten verursacht der Fählensee im Kanton Appenzell Innerrhoden den Behörden und Wissenschaftlern Kopfzerbrechen. Die Fischfangerträge sinken und auch historische Quellen lassen vermuten, dass der See bereits früher schlechte Lebensbedingungen für Fische bot. Aber warum?
Bereits seit den 1990er Jahren ist bekannt, dass der Fählensee einen hohen Nährstoffgehalt aufweist. Verschiedene Gewässeruntersuchungen in den vergangenen acht Jahren haben gezeigt, dass die Nährstoffbelastung zwar abgenommen hat, diese aber noch immer deutlich höher ist, als dies bei einem Bergsee zu erwarten wäre. Zudem wurde festgestellt, dass der See in tieferen Bereichen zeitweise keinen Sauerstoff mehr im Wasser aufweist.
Was lässt die Fischbestände sinken?
Im Sommer 2020 entnahmen Taucher Proben aus dem Seesediment. Deren chemische Analyse habe gezeigt, dass am Seegrund «immense Phosphorkonzentrationen vorhanden sind», teilt das Innerrhoder Bau- und Umweltdepartement mit.
Aufgrund des Sauerstoffmangels in den tieferen Bereichen werde der im Sediment gelagerte Phosphor wieder in die Wassersäule zurück gelöst und der See sozusagen erneut gedüngt. Diese Düngung führe zu einer Verschlammung und Veralgung des Gewässerbettes, was den Lebensraum für Fischnährtiere wie Insektenlarven zerstört. Den Fischen fehlt es im Fählensee also an Nahrung und ab einer gewissen Tiefe zeitweise an Sauerstoff.
Kreislauf der Düngung
Wenn zu viel Phosphor im Wasser ist, wird der See überdüngt und in den oberen Schichten des Sees wachsen Algen. Sterben diese ab, sinken sie auf den Grund des Sees und verrotten dort. Dieser Prozess entzieht dem Wasser Sauerstoff. Das sauerstoffarme Klima führt einerseits dazu, dass in tieferen Bereichen des Sees kaum Leben möglich ist und andererseits, dass Phosphor, welcher mit abgestorbener Biomasse im Sediment abgelagert wurde, wieder gelöst werden kann. Somit steht dem See erneut Phosphor für das Algenwachstum zur Verfügung - der Kreislauf beginnt von vorne.
Woher stammt der Phosphor?
Wesentlich zur erhöhten Phosphorkonzentration hätten sicher die seit Jahrhunderten vorhandene Alpnutzung und die bis ins Jahr 2001 eingeleiteten Abwässer des Berggasthauses Bollenwees beigetragen. Diese Faktoren könnten jedoch nicht allein für derart hohe Mengen an Gesamtphosphor im See verantwortlich gemacht werden, so die Behörden.
Die Frage, weshalb die Phosphorkonzentration im See aussergewöhnlich hoch ist, habe nicht restlos geklärt werden können, schreibt das Amt. Die Analyse eines im Jahr 2009 entnommenen Sedimentkerns habe gezeigt, dass der Fählensee bereits im 13. Jahrhundert einen Nährstoffgehalt aufwies, welcher für einen Bergsee atypisch ist.
Es wird angenommen, dass Gesteine mit phosphorhaltigen Mineralien im Einzugsgebiet des Sees und die karstige Umgebung zur speziellen Nährstoffsituation im See beitragen. Der See habe wohl natürlicherweise einen erhöhten Nährstoffgehalt. Eine Sanierung des Sees zur Senkung des Nährstoffgehaltes sei deshalb nicht vorgesehen.
Wie weiter mit der Fischerei?
Und was war mit den Jahren, in denen es gute Fischerträge im Fählensee gab? Dies sei auf den intensiven Besatz mit dem Kanadischen Seesaibling zurückzuführen, schreiben die Innerrhoder Behörden. Die eingebrachten kleinen Fische dienten als Fischfutter und vermochte die Nahrungspyramide zeitweise aufzubessern.
Wie es nun mit der Fischerei am Fählensee weitergeht, ist noch unklar. Die Fischereiverwaltung hat verschiedene Szenarien ausgearbeitet und wird diese mit der Fischereikommission und den Fischereivereinen besprechen. Am Schluss entscheidet die Innerrhoder Regierung.