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Globalisierung umkehren
dab. Kuba macht seit 1959 vor, wie ein soziales Gesundheitssystem funktioniert, seit den 1990er-Jahren mit der Unterstützung von MediCuba: Die schweizerische Organisation feiert 25 Jahre Solidaritätsarbeit. Das informative Jubiläumsbuch enthält Berichte, Geschichte und Hintergrund.
Vor der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Revolution von 1959 gab es eine Gesundheitsversorgung in Havanna und den grossen Städten vor allem für die Eliten. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung litt an Tuberkulose, 90 Prozent der Kinder litten an parasitären Erkrankungen. Die Kindersterblichkeit war sehr hoch und die Lebenserwartung sehr gering. 1956 und 1957 unter Diktator Battista standen dem Gesundheitswesen 22 Millionen Peso zur Verfügung, 1969 zehnmal mehr.
Priorität: Gesundheit und Bildung
Die Wirtschaftsblockade der USA und die Auflösung der UdSSR und der sozialistischen Länder Osteuropas Anfang der 1990er-Jahre katapultierte Kuba für ein Jahrzehnt in eine wirtschaftlich prekäre Situation, in die schwierigste Lage seit der Revolution. Wichtige Errungenschaften wie das ausgezeichnete Bildungswesen und das für alle frei zugängliche Gesundheitssystem waren nach dreissig Jahren gefährdet. Um einen Rückfall des Gesundheitswesens in vorrevolutionäre Zeiten zu verhindern, machte die Regierung grösste Anstrengungen, MediCuba Schweiz unterstützte sie mit medizinischem Material, Apparaten und Know-How. Trotz drastischen Einsparungen war man erfolgreich dafür engagiert, die sozialen Errungenschaften zu halten, Gesundheit und Bildung für alle blieb Priorität. Vieles wurde verbessert in vielen Bereichen, trotz Blockade und Abwerbung von kubanischen ÄrztInnen in aller Welt. Kuba ist eines der vier Schwerpunktländer des eidgenössischen Departements für Entwicklungszusammenarbeit Deza. Hoffen wir, dass es so bleibt, denn die neoliberale Rechte würde die Mittel für diese Zusammenarbeit zu gerne streichen, wenn sie eine Mehrheit dafür fände.
Das Jubiläumsbuch von MediCuba Suisse erinnert sich differenziert und mit Zahlenmaterial belegt und erzählt von der aktuellen Arbeit in Kuba, da ausführlich über die Krebsforschung des Centro de Inmunologia Molecular in Havanna. Ferner befasst sich der Beitrag von Volker Hermsdorf mit Geschichte und Entwicklung von Politik, Wirtschaft und Sozialsystem in Kuba, dasselbe tut MediCuba-Pionier Martin Herrmann mit der Geschichte von MediCuba. Hier wird auch das weitergehende internationalistische Ziel von MediCuba sichtbar: Die Organisation will mithelfen, die kapitalistische Globalisierung zugunsten der Bevölkerung umzukehren.
Projekt der Solidarität
Für seine ausserordentlichen Beiträge für das kubanische Gesundheitswesen wird der vor zwei Jahren verstorbene Christian Jordi geehrt. Er war Arzt, Gründungsmitglied und erster Präsident von MediCuba Suisse und kam nach politischer Arbeit während des Studiums und einem einjährigen Solidaritätseinsatz für die Centrale Sanitaire Suisse in Nicaragua zur medizinischen Solidaritätsarbeit mit Kuba. Gianni Zarotti erinnert sich an die «geradezu übermenschlichen Belastungen, denen er (Jordi) sich immer wieder aussetzte» und an «seine Hartnäckigkeit, welche die Voraussetzung dafür war, dass er seine beruflichen Ziele erreichen und ein erfolgreiches Projekt der Solidarität mit dem kubanischen Volk aufbauen konnte».
Botschafterin Mirta Hormilla Castro schreibt über Franco Cavalli, Onkologe, Professor, Ex-Nationalrat und Gründungsmitglied: «Er besitzt die Fähigkeit und Weisheit, gegenseitige Ergänzungen und Synergien zwischen MediCuba Suisse und den anderen Kräften der Solidarität mit Kuba in seinem Land herbeizuführen.» Cavalli selbst gibt eine Zusammenfassung und Übersicht über die im Buch behandelten Beiträge.
MediCuba Suisse (Hrsg.):
Kuba macht es vor,
Solidarität für das Recht auf Gesundheit weltweit.
Edition 8. 22 Franken.