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Kürzlich liess sich ein Professor (60) aus dem russischen Wyborg, der in eine 24-jährige Studentin verliebt war, mit dieser zusammen entführen in der Hoffnung, sie verliebe sich dann auch in ihn, weil er als Auftraggeber sie ja problemlos aus den Klauen der Kidnapper befreien konnte. Kosten der Dienstleistung: über 100 000 Euro. Leider klappte es nicht: Die traumatisierte Studentin ist jetzt in psychotherapeutischer Behandlung.
Aus vagen Erinnerungen an mein Studium schliesse ich, dass des Professors Fachgebiet die Sozialpsychologie sein muss, in der die Theorie der kognitiven Dissonanz beheimatet ist; gemäss dieser kann es vorkommen, dass Gefühle unter widersprüchlichen Umständen nicht ihrer wahren Ursache zugeschrieben werden.
In unserm Lehrbuch fand sich folgendes Beispiel: Wenn jemand über eine sehr hohe und schwankende Hängebrücke geht, spürt er oder sie ängstliches Herzklopfen. Kommt der verängstigten Person nun dort oben ein mögliches Objekt der Begierde entgegen, schreibt sie oder er das Herzklopfen einer aufbrechenden Verliebtheit zu und findet Entgegenkommende attraktiv. Meine Freundinnen und ich hätten damals gern geeignete Objekte auf Hängebrücken gelockt, doch daran fehlt es in Köln und wohl auch in Wyborg.
Ich hätte dem verliebten Professor jedenfalls eine preiswerte Fahrt ins Wallis empfohlen.