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In den Fünfzigerjahren reiste der Genfer Journalist Nicolas Bouvier mit einem befreundeten Maler in einem Topolino von Genf nach Sri Lanka und beschrieb diese Reise später in seinem vielfach übersetzten Buch «Die Entdeckung der Welt». Gut fünfzig Jahre danach machte sich der Walliser Gaël Métroz auf dieselbe Reise – mit der Handkamera und der«Entdeckung der Welt» im Rucksack und mit dem Segen von Bouviers Witwe Eliane, die den jungen Filmemacher von ihrem Genfer Haus aus auf seine grosse Reise schickt.
In drei Tagen ist Métroz in Istanbul, von wo ihn die ungeduldige Erwartung auf Täbris, wo Bouvier ein halbes Jahr lebte und arbeitete, bald weiter treibt. Die Enttäuschung folgt auf dem Fuss. Die iranische «Stadt der tausendundein Nächte» ist nicht mehr, was sie in den Fünfzigerjahren war: «keine Magie mehr», stattdessen Industrie, verschleierte Frauen und die allgegenwärtigen Porträts von Kriegshelden. Métroz kehrt den grossen Routen, auf denen Bouvier reiste, den Rücken, entledigt sich seiner Uhr und mit der Zeit auch überflüssigen Gepäcks, beides Zeichen «westlicher» Zivilisation. Fortan ist er mit Kaschkai-Nomaden unterwegs, lebt mehrere Monate mit den wenigen überlebenden Kalasch, einem animistischen Volksstamm in Pakistan, wo er im naturverbundenen Sein die glücklichste Zeit seines Lebens verbringt und endlich Bouviers «Philosophie der Langsamkeit» entdeckt. Alleine macht er sich zu Fuss in den Hindukusch auf und durchquert auf dem Dromedar die nordindische Wüste, wo er – beide Mal am Ende seiner Kräfte – von kirgisischen Nomaden beziehungsweise indischen Zigeunern sprichwörtlich aufgelesen wird. Seine Reise endet in Galle, im tropischen Südzipfel Sri Lankas, wo Bouvier ein halbes Jahr in Krankheit und Krise verbracht hatte.
Nomad’s Land feierte seine Premiere am Filmfestival Locarno und rangierte nach seinem Start in der Westschweiz auf dem achten Platz der Schweizer Hitparade. Seinen Charme verdankt der Film eindrücklichen Bildern von Menschen und Landschaften, dem Reiz zufälliger Begegnungen mit zeitweiligen Weggefährten und dem Mut des Regisseurs. Seine Mängel offenbaren sich insbesondere im offenherzigen Bericht aus dem Off. Métroz setzt betont auf Poesie, Intimität und Subjektivität – sympathisch und streckenweise frisch, aber nicht frei von Klischees jugendlich-romantischer Selbstfindung und der Sehnsucht nach einer unverdorben exotischen Welt jenseits urbaner Moderne.