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Gallo provincialis - die adriatische Miesmuschel - ist ursprünglich im Mittelmeer sowie im Schwarzen Meer heimisch, wird aber vor allem auch in China als Zuchtmuschel im grossen Stil ‘angebaut‘. Mehr als 800‘000 Tonnen der adriatischen Miesmuschel werden jährlich produziert, 25 % davon in Spanien und über 70 % in China.
Die adriatische Miesmuschel ist getrenntgeschlechtlich. Deshalb wächst sie normalerweise in Muschelbänken. So erhöht sich in der Fortpflanzungszeit die Chance, dass Eier und Spermien zusammenfinden. Die Asiatische Körbchenmuschel hingegen, die sich seit einigen Jahren den Rhein hoch ausbreitet, ist ein Zwitter. Sie kann sich also selber befruchten. Sie wird vorwiegend in Wasserfassungen und Kühlleitung von Atomkraftwerken zum Problem, da sie als Larve alle Siebe überwindet und dann als adulte Muschel die Leitung verstopft. Leider kann die eigentlich essbare Asiatische Körbchenmuschel nicht aus dem Rhein geerntet werden, weil man Medikamentenrückstände und Parasiten fürchtet.
Muscheln sind für die Gewässerökologie von höchster Bedeutung. Ihre Filtrierleistung ist unglaublich hoch; eine einzelne Muschel kann 2-3 Liter Meerwasser pro Stunde filtrieren. Schwebestoffe werden so gebunden. Unzählige Tier- und Pflanzenartenprofitieren vom klareren Wasser. Unverdauliches – wie beispielsweise Sandkörnchen - spucken die Muscheln wieder aus. Allerdings reichern sie Schwermetalle in sich an.
Stankovic et al. haben in einer Studie 2011 die Schwermetallbelastung der adriatischen Miesmuschel untersucht. Laut ihrer Untersuchung ist die Konzentration von Arsen in den analysierten Gewässern am grössten, gefolgt von Blei, Cadmium und Quecksilber. Die Ägais hatte die höchsten Konzentrationen von Arsen, dafür kaum andere Schwermetalle. Die Studie kam - nach einem Vergleich der Konzentration in den Muscheln mit den durch verschiedene Länder gesetzlich festgelegten zulässigen Höchstwerten – zum Schluss, dass das Gesundheitsrisiko durch den Konsum der leicht kontaminierten Muscheln relativ tief ist. Normalerweise überschritten die gemessenen Konzentrationen die zulässigen Limiten nämlich nicht. Hot Spots wie Lagunen, Mündungsgebiete von Flüssen sowie Häfen bildeten die Ausnahmen.
Bei besten Bedingungen kann das Fleisch der adriatischen Miesmuschel bis zu 50 % des Gesamtgewichts ausmachen. Die Muschel ist also sehr effizient darin, aus dem Menschen unzugänglicher Nahrung hochwertiges Tiereiweiss herzustellen. Zusammen mit ihrer Wirkung als ‚Wasserreinigungsfachkraft‘ ist sie wunderbar geeignet ökologisch gezüchtet zu werden. Die Ökobilanz hängt dann wie bei allen Lebensmitteln zusätzlich von den Transportwegen ab. Es ist allerdings wichtig, dass man den Zuchtstandort gut auswählt, sonst könnte die Schwermetallbelastung für den Menschen bedenklich werden. Ausserdem ist zu beachten, dass Muscheln aus dem Mittelmeer vor dem Verzehr gut erhitzt werden sollten, da sie mit Hepatitis-A-Viren verunreinigt sein können.