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Peter Stotz hatte von 1993 bis zu seiner Emeritierung 2007 den Lehrstuhl für Lateinische Philologie des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften mit besonderer Berücksichtigung von Paläographie und Diplomatik inne, zunächst als Extraordinarius, ab 2000 als Ordinarius. Der Universität Zürich war er bereits vorher lange verbunden. Hier studierte er Geschichte, Mittellateinische Philologie und Historische Hilfswissenschaften, wurde 1971 promoviert und habilitierte sich 1977. Von 1972 bis 1978 arbeitete er als Assistent am Mittellateinischen Seminar, von 1980 bis 1983 als Oberassistent am Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte. Dort beteiligte er sich an der kritischen Edition der Werke Zwinglis und edierte die bildungstheoretische Schrift Ratio studiorum von Heinrich Bullinger. Von 1981 bis 1988 lehrte er als Gastprofessor an der Universität Fribourg, 1986 wurde er zum Titularprofessor an der Universität Zürich ernannt.
Von 1983 bis 1993 arbeitete Peter Stotz an einem Projekt, das in sein Opus magnum münden sollte: das fünfbändige Handbuch zur Geschichte der lateinischen Sprache des Mittelalters, das zwischen 1996 und 2002 erschien.
Das Handbuch stellt die erste umfassende Untersuchung zur Geschichte einer Sprache dar, die ab der Karolingerzeit zwar keine spontan gesprochene Sprache mehr war, aber als Kommunikations-, Gelehrten- und Verwaltungssprache höchst produktiv blieb. Es gelang Peter Stotz, diese Vielgestaltigkeit systematisch zu beschreiben und in ihrer Lebendigkeit einzufangen. Das Werk ist zu einem unverzichtbaren Arbeitsinstrument für alle geworden, die mit lateinischen Quellen aus dem Mittelalter arbeiten.
Peter Stotz forschte ebenfalls auf dem Gebiet der Literaturgeschichte. Der Dichtung waren seine Dissertation Ardua spes mundi, Studien zu lateinischen Gedichten aus St. Gallen und seine Habilitation Sonderformen der sapphischen Dichtung. Ein Beitrag zur Erforschung der sapphischen Dichtung des lateinischen Mittelalters gewidmet. Insbesondere hat er sich mit der Hymnendichtung beschäftigt, dies noch in seiner letzten Buchpublikation, der Anthologie Hora est, psallite! Proben liturgischer Dichtung von Ambrosius bis Melanchthon, die im April dieses Jahres erschienen ist.
Peter Stotz engagierte sich in verschiedenen Institutionen, vor allem im Bereich der lateinischen Lexikographie, mit der er als Stipendiat beim Mittellateinischen Wörterbuch 1970-1972 in engen Kontakt gekommen war. Er war langjähriges Mitglied der Kommission des Mittellateinischen Wörterbuchs und seit 2011 deren Präsident sowie Mitglied im Comité de rédaction des Novum Glossarium Mediae Latinitatis. Ausserdem gehörte er der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica und dem Comitato Scientifico der Società Internazionale per lo Studio del Medioevo Latino an, und war korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Seine Tätigkeit als Lehrer bestimmte das Anliegen, sein Fach allen zugänglich zu machen und das Verständnis für die mittelalterliche Gedankenwelt zu wecken. Sein unermüdlicher und vorbildlicher Einsatz galt ganz besonders der interdisziplinären Verankerung der Mittellateinischen Philologie.
Die Liebe zu seinem Fach, die tiefe Verbundenheit mit der Universität, seine Humanität und Grosszügigkeit, die einherging mit einer unprätentiösen Bescheidenheit, werden seinen Kolleginnen und Kollegen sowie Schülerinnen und Schülern in dauerhafter Erinnerung bleiben.
Die Abdankungsfeier findet am Montag, den 13. Juli, um 14:30 Uhr in der Reformierten Kirche Bülach statt.Carmen Cardelle de Hartmann, Ulrich Eigler