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200 Jahre Drahtesel
1817 erfand Karl Freiherr von Dreis das Zweirad. Das Heimatmuseum Reinach widmet dem Fahrrad und seiner Entwicklung unter dem Motto «Velo-Nostalgie» eine aufschlussreiche und sehenswerte Ausstellung.
Thomas Brunnschweiler
Gerne erinnert man sich an die gelungene Motorrad-Ausstellung vor zwei Jahren. Aus den Kontakten mit den Freunden alter Motorräder Schweiz (FAM) hat sich eine Folgeausstellung in Zusammenarbeit der «Gruppe Historische Fahrräder» ergeben. Nun ist also das muskelbetriebene Zweirad an der Reihe: das Fahrrad oder Velo, scherzhaft auch Hobel, Hirsch, Drahtesel oder Stahlross genannt. Im hellen Ausstellungsraum im Parterre stehen sie bereits: Fahrräder in allen Grössen, Farben und Ausführungen, insgesamt 60 Exponate. Die meisten stammen aus den Privatsammlungen von Werner Mundschin aus Bubendorf und Urs Schuler aus Arisdorf, dem derzeitigen Obmann der «Gruppe Historische Fahrräder». Beide Sammler besitzen je zwischen 80 und 90 Fahrräder und sammeln nur Originale. So ist etwa die gezeigte Draisine ein Nachbau eines Fahrzeugs, das heute im Original nur noch selten ist.
Das älteste gezeigte Original ist eine sogenannte Michauline von 1864, ein Velo mit Tretkurbeln am Vorderrad. Im Gegensatz zum Laufrad von Dreis wurde es bereits erfolgreich vermarktet. Nach 1880 kamen die legendären Hochräder in Mode, die wegen ihrem Sattel in halsbrecherischer Höhe mehr Sportgeräte als Verkehrsmittel waren.
Vom Hochrad zum ultraleichten Rennvelo
Mit dem gezeigten Rennhochrad, das um 1890 entstand, konnte man mit Direktantrieb aufs Rad schon 30 Stundenkilometer erzielen. Parallel zum Hochrad entwickelten sich die Sicherheits-Niederräder mit Kettenantrieb. War das Fahrrad bis in die 90er-Jahre des 19. Jahrhunderts einer betuchten Klientel vorbehalten, wurde es ab 1900 in grösseren Mengen hergestellt und für die Masse erschwinglicher. Mit der Erfindung der leichten Diamant-Rohrrahmen und der Pneumatik-Bereifung wurden Fahrräder leichter, schneller und sicherer. Die Ausstellung «Velo-Nostalgie» zeigt auch ein kardanbetriebenes Columbia-Rad aus Chicago aus dem Jahr 1895, eine raffinierte Dreieckkonstruktion von Pederson, die später bei Replika wieder aufgenommen wurde, ein österreichisches Velo mit Bambusrohr und ein Peugeot-Damenvelo von 1910. Frauen, die Velo fuhren, galten als emanzipiert und etwas verwegen. Natürlich dürfen auch Liegeräder und moderne Rennvelos nicht fehlen. Gezeigt wird auch ein Triathlon-Bike der Marke, mit der Natascha Badmann den Ironman gewann. Das gelbe aerodynamische ZIPP-Karbonrad fand sich auch in der Sammlung des Schauspielers Robin Williams. Neben Rädern sind auch Zubehör und Plakate zu sehen.
Aussteller bitten zu den Pedalen
«China war lange das Veloland schlechthin», sagt Werner Mundschin, «heute nicht mehr in dem Masse. Die Niederlande und Dänemark sind noch immer klassische Veloländer.» Mundschin findet die Schweiz bezüglich der Velo-
infrastruktur vorbildlich. Die morgige Vernissage dürfte sicherlich ein Glanzlicht sein, aber ebenso der Sonntag, 26. März, auf dem Ernst-Feigenwinter-Platz. Dann werden als besondere Attraktion mehrere der ausgestellten Velos am Nachmittag im realen Betrieb zu sehen sein und dürfen ausprobiert werden. Während der Öffnungszeiten steht immer ein FAM-Mitglied für Auskünfte zur Verfügung.