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Die beste Gaskohle ist die Kannelkohle, meist aus Newcastle,
[* 10] welche auch in Norddeutschland viel verarbeitet
wird; der schottische Bogheadschiefer gibt Leuchtgas, welches oft die doppelte Leuchtkraft desjenigen aus bester schlesischer
Kohle besitzt. In Deutschland
[* 11] verarbeitet man westfälische, Saarbrücker, schlesische und sächsische Kohlen, von welchen erstere
das beste, letztere das geringwertigste Gas liefern. Die besten deutschen Gaskohlen gleichen etwa den geringern englischen
an Güte.
Zum Erhitzen der Kohlen bei Luftabschluß dienen liegende Schamotteretorten, gerade, am hintern, im Ofen liegenden Ende verschlossene
Röhren
[* 12] von 2-3 m Länge, 43-45 und 54 cmDurchmesser und von elliptischem oder ^ -förmigem Querschnitt. Bisweilen benutzt man
auch aus feuerfesten Dinassteinen gemauerte Retorten. Jede Retorte besitzt einen gußeisernen, mit eisernem
Deckel verschließbaren Retortenhals, welcher aus dem Ofen hervorragt, und von diesem Hals geht die Aufsteigröhre ab, welche
30-60 cm tief in den Teer der über der Ofenbrust angebrachten liegenden Vorlage oder Hydraulik eintaucht.
so daß sie etwa zur Hälfte gefüllt sind, und dann schnell mit dem mit Lehmkitt bestrichenen Deckel geschlossen. Die sofort
sich entwickelnden Dämpfe und Gase entweichen durch die Ableitungsröhre, und nach 4-6 Stunden ist die Destillation
[* 19] beendigt.
Als Rückstand finden sich dann in der Retorte die Gaskoks, nach deren Entfernung die Retorte von neuem beschickt
wird. Die Koks löscht man gewöhnlich mit Wasser ab, und etwa ein Drittel derselben verbraucht die Gasanstalt selbst zum Heizen
der Retortenöfen.
Die in die Vorlage tretenden Gase und Dämpfe werden hier abgekühlt und zum Teil schon verdichtet; eine
vollständigere Verdichtung der Dämpfe erfolgt durch den Kondensator (Fig. 3), welcher aus einem System auf- und absteigender
eiserner Röhren besteht, die auf einem mit Scheidewänden versehenen Untersatz angebracht sind und durch die freie Luft oder
durch Wasser gekühlt werden. Das Gas tritt durch den einen Seitenstutzen ein und durchströmt eine Röhre
nach der andern, während sich Teer und Wasser in dem Untersatz sammeln und von da in die Teerzisterne fließen.
Man läßt das Gas drei oder vier derartige Kasten durchströmen, wobei es zuerst auf fast schon gesättigtes, zuletzt aber
auf ganz frisches Reinigungsmaterial trifft. Zur Ausschaltung erschöpfter Reiniger sind, wie für alle übrigen Apparate
der Gasanstalten, hydraulische Wechsler oder Schieberventile vorhanden, und mit
deren Hilfe kann man mit
jedem Apparat beliebig manipulieren. Der Weg, den das Gas durch den Apparat macht, ist in
[* 18]
Fig. 6 durch Pfeile angezeigt. Es durchdringt
hierbei das Reinigungsmaterial und gibt an dasselbe die genannten Verunreinigungen ab. Die Kalkreiniger enthalten frisch
zu Pulver gelöschten Kalk, welcher zur Erzielung größerer Lockerheit mit Sägemehl, Häcksel, Gerberlohe
etc. gemischt wird. Er absorbiert Kohlensäure und Schwefelwasserstoff, aber nicht das der Kondensation und Waschung entgangene
Ammoniak.
Aus dem Exhaustor gelangt das Leuchtgas in die Fabrikationsgasuhr (Stationsgasmesser), welche ermöglicht, das fabrizierte
Gasquantum auf mit Zeigern versehenen Zifferblättern abzulesen, und im wesentlichen dieselbe Einrichtung besitzt wie die
kleinen, in den Häusern der Gaskonsumenten aufgestellten Gasuhren. Das gemessene Gas sammelt sich in dem Gasometer, einem glockenförmigen,
sehr umfangreichen, aus Eisenblech zusammengenieteten und in den Fugen durch Teer gedichteten Gefäß,
[* 24] welches in einem gemauerten,
mit Wasser gefüllten Bassin steht und beim niedrigsten Stand mit der Decke
[* 25] dem Wasser sehr nahe kommt.
Leitet man nun das Gas unter die Glocke, so hebt sich diese und wird dabei von Leitrollen geführt, welche
zwischen der Gasometerwand und den neben der letztern stehenden Pfeilern laufen. Um mit einem weniger tiefen Bassin auszureichen,
benutzt man Teleskopgasometer, die oft bis über 30,000 cbm Leuchtgas fassen und aus zwei oder drei ineinander geschachtelten und
ineinander verschiebbaren Blechcylindern ohne Boden bestehen. Die innere Trommel hat jedesmal einen nach
außen
¶
mehr
umgebogenen Rand, welcher eine Rinne bildet, die mit Wasser gefüllt ist und beim Aufsteigen den in gleicher Weise nach innen
umgebogenen Rand der äußern Trommel unter hydraulischem Verschluß aufnimmt
[* 26]
(Fig. 7). Man rechnet, daß der kubische Inhalt
der Glocke dem 2-2,5fachen Betrag des täglichen Mittels aus dem Jahreskonsum entsprechen muß. Ist das
Gasometer gefüllt, d. h. steht die Glocke so hoch, daß ihr unterer Rand nur noch etwa 20 cm tief in das Wasser taucht, und schließt
man dann die Zuleitungsröhre, so strömt das Leuchtgas durch die geöffnete Ableitungsröhre unter einem Druck aus, welcher dem
Gewicht der Glocke entspricht.
Da aber dieser Druck in der Regel stärker ist als erforderlich, so leitet man das Gas zuletzt noch durch
einen Druckregulator,
[* 27] welcher den durch ein Manometer
[* 28] angezeigten Druck entsprechend herabmindern soll. Ein häufig benutzter
Apparat dieser Art besteht aus einem teilweise mit Wasser gefüllten Gefäß aa
[* 26]
(Fig. 8), in welchem die Blechglocke
b, an Rollen
[* 29] beweglich, hängt; sie ist unten mit einem hohlen Schwimmer c versehen und senkt sich durch Auflegen von Gewichten
d. Im Innern der Glocke hängt der Kegel e, welcher, wenn die Glocke nicht beschwert ist, so hoch steht, daß er die Öffnung
ii in der Röhre ff vollständig schließt und damit den Austritt des Gases in die Röhren g und h völlig
hindert. Je nach der Belastung der Glocke entfernt er sich mehr oder weniger aus der Öffnung l und läßt einen breitern oder
schmälern Ring offen. Nach Maßgabe lokaler Verhältnisse gibt man in den Gasanstalten einen Druck von
2,5-5 cm Wassersäule und reguliert denselben nach dem im Lauf desTags schwankenden Konsum. Abhängig ist der zu gebende Druck
aber auch von der Beschaffenheit der Röhrenleitung. Jede Steigung derselben um 3 m entspricht einer Druckzunahme von 2,5
mm Wassersäule und umgekehrt, und weitere Hauptröhren machen einen geringern Druck erforderlich als engere.
Zur Leitung benutzt man gußeiserne Röhren, seltener solche aus geteerter Pappe, Zement-, Thon-, Glas-, Asphaltröhren. Zur Dichtung
der Röhrenverbindungen dienen geschmolzenes Blei
[* 30] oder Gummiringe. Im allgemeinen gibt man den Röhren eine Steigung von 0,5-1:100;
wo man aber des Terrains halber von dieser Regel abweichen muß, bringt man an der tiefsten Stelle jedes
abfallenden Röhrenstranges zur Ansammlung der sich durch nachträgliche Kondensation im Innern der Röhren noch bildenden
Flüssigkeiten (meist Wasser) einen Syphon oder Wassertopf an, aus welchem man die Flüssigkeit von Zeit zu Zeit auspumpt.
Der Gesamtdruckverlust, welchen das Gas von der Anstalt bis zu den Brennern der Konsumenten erleidet, beträgt
im günstigsten Fall 5-8 mm Wassersäule. Da das Gas leichter ist als atmosphärische Luft, so hat es das Bestreben, aufzusteigen;
man legt deshalb die Gasanstalten gern am niedrigsten Punkte des Terrains an und beobachtet, daß die Flammen in den höher
gelegenen Stadtteilen besser brennen als in den niedrigern Lagen. Der Gasverlust durch Leckage beträgt
auch bei gut ausgeführter Leitung etwa 5-7 Proz. der Jahresproduktion und erreicht bisweilen 15 Proz.
und mehr.
Holz liefert bei der Verkohlungstemperatur wesentlich nur Kohlenoxyd, Kohlensäure und Methan; um nun ein mit leuchtender Flamme
verbrennendes Gas zu erhalten, muß man die aus dem Holz sich entwickelnden Teerdämpfe stärker erhitzen,
damit sie in Gase zerlegt werden, welche mit leuchtender Flamme brennen. Man destilliert deshalb Holz aus sehr weiten Retorten
mit kleiner
Beschickung, so daß die heißen Retortenwände in der angedeuteten Weise wirken können.
Die Ölgasfabrikation eignet sich trefflich für kleine Anlagen, wird aber ihrer Kostspieligkeit halber nur für bestimmte
Zwecke ausgeführt. Dagegen verarbeitet man häufiger Fettabfälle aus Schlachthäusern und die seifehaltigen Waschwässer
der Streich- und Kammgarnfabriken und der Seidenentschälung auf Leuchtgas, indem man sie mit Kalkmilch mischt, den
Bodensatz (suinter) sammelt, in Ziegel streicht, trocknet und in Retorten vergast. 1 kg Suinter gibt 210 Lit. Gas.