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Generalkonferenz: Delegierte legen Reihenfolge der Petitionen fest
25. Februar 2019
Am zweiten Sitzungstag legten die Delegierten der Generalkonferenz in St. Louis (USA) fest, in welcher Reihenfolge sie die Petitionen behandeln wollen. Hohe Priorität erhielt der «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung».
Am gestrigen Sonntag, dem zweiten Sitzungstag der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), legten die Delegierten in einer Abstimmung die Reihenfolge fest, in der die Petitionen verhandelt werden sollen. Dazu legten sie in geheimen Abstimmungen fest, welche Anliegen für sie eine hohe Priorität haben – und welche nicht. Petitionen, die sich mit Renten befassen, und der «Entwurf zur Bewahrung der bestehende Ordnung» («Traditional Plan») standen ganz oben auf der Prioritätenliste. Der «Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche» («One Church Plan») kommt auf dieser Liste erst auf Position fünf. Wichtiger als dieser waren den Delegierten noch zwei Anträge, die sich damit befassen, wie einzelne Gemeinden die Gesamtkirche verlassen können und wie in einem solchen Fall Eigentumsfragen geregelt werden können.
Audun Westad, Laiendelegierter der Methodisten in Norwegen, reagierte enttäuscht auf das Abstimmungsergebnis. Es betrübe ihn, sagte er, dass die Petitionen zur Trennung eine so breite Unterstützung erhielten. «Das ist kein gutes Zeichen für die Bereitschaft, mit Menschen anderer Denkweise zusammen zu bleiben», sagte er.
Ist eine Tendenz ablesbar?
Aus dieser Reihenfolge, so sind Kenner/innen der Abläufe überzeugt, lassen sich noch keine Schlüsse für Mehrheiten ableiten. Dass Pensionsfragen und Kircheneigentumsfragen hohe Priorität haben, lasse sich dadurch erklären, dass jede Entscheidung für einen der Lösungsvorschläge Auswirkungen auf Pensionen und Besitzverhältnisse hat. Im direkten Vergleich der beiden am höchsten gehandelten Lösungsvorschläge ist der Stimmenunterschied dieser Abstimmung über die Behandlungsreihenfolge nicht aussagekräftig. Der «Entwurf zur Bewahrung der bestehende Ordnung» («Traditional Plan») liegt mit 459 zu 403 Stimmen nur 56 Stimmen «vor» dem «Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche» («One Church Plan»). Die Fragen, was eine Beibehaltung und damit sogar verbundene Verschärfung der Kirchenordnung beim «Entwurf zur Bewahrung der bestehende Ordnung» und eine Veränderung der Ordnung durch Entfernung restriktiver Passagen und Änderungen in den Sozialen Grundsätzen beim «Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche» bedeuten, sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt des parlamentarischen Ablaufs noch nicht diskutiert. Das steht in den kommenden beiden Sitzungstagen Montag und Dienstag an.
Zuschauen – zuhören – vertrauen
Für diese anstehende inhaltliche Auseinandersetzung setzte der Vormittag ein Zeichen. Dort bildeten die Predigt von Bischof Kenneth H. Carter und der ausführliche Bericht der Kommission «Ein Weg in die Zukunft» den Schwerpunkt. Carter, Vorsitzender des Bischofsrats der EMK und als Bischof für die Florida-Konferenz zuständig, schilderte ausführlich, wie er sich in den zurückliegenden drei Jahren der Aufgabe gestellt habe, «aufmerksam zuzuschauen und zuzuhören». Dies sei der Auftrag gewesen, den die vergangene Generalkonferenztagung im Mai 2016 erteilt habe. Er habe deshalb «bei den Konservativen, den Progressiven und den Personen, die sich in der Mitte sehen» genau hingeschaut und aufmerksam zugehört. Es sei ihm darum gegangen, «ihre Zeugnisse zu hören und das Wirken des Heiligen Geistes in ihnen anzuerkennen und dabei über sie das Beste zu denken». Diese Aufgabe habe sich «von der Arbeit, die ich zuvor während mehr als 28 Jahren als Pastor gemacht habe, nicht unterschieden», schob er schmunzelnd nach. Um die Aufgabe des Zuschauens und Hinhörens zu erfüllen, habe die Kommission «Ein Weg in die Zukunft» einen ganz besonderen Dienst erfüllt. Jetzt liege es in der Hand der Delegierten, diese Aufgabe weiterzuführen. Darum gehe es in den kommenden Tagen. «Dazu versammeln wir uns unter dem Kreuz und der Flamme», womit Carter auf das Logo der internationalen EMK und mehr noch auf die biblische Bedeutung dieser beiden Zeichen hinwies. «Wir sind Menschen, die unseren Glauben an Jesus Christus als unseren Herrn und Erlöser bekannt haben. Und wir werden um die Gabe des Heiligen Geistes beten, der uns eins macht mit Christus, der uns eins miteinander macht und der uns eins macht im Dienst für die ganze Welt.» Dafür sollten sich die Delegierten bei einer Regel aus Taizé bedienen. Diese fordert dazu auf: «Mache die Einheit des Leibes Christi zu deiner Leidenschaft.» Ob das wirklich eine so grosse Leidenschaft für die Delegierten sei, müsse sich jeder selbst fragen. Darum gehe es jedenfalls in den kommenden Tagen. Es sei zwar leichter, die Gründe für eine Spaltung auszumachen. Stattdessen sollten die Delegierten viel mehr auf das schauen und hören, was verbindet. Wenn das gelänge, könne sich viel ereignen. «Gott kann mehr tun, als wir uns vorstellen können!» Gott habe das versprochen, betonte Carter zum Schluss seiner Predigt. «Und weil er das versprochen hat, kann er es auch tun!»
Wie sieht die Lösung aus?
Nach dem geistlichen Auftakt des Tages stellten die Mitglieder der Kommission «Ein Weg in die Zukunft» mit einer umfangreichen Präsentation ihr Arbeitsergebnis vor. Die drei Entwürfe zur Lösung der schwierigen Situation, in der sich die Evangelisch-methodistische Kirche seit Jahren in der Frage im Umgang mit homosexuellen Personen befindet, wurden vorgestellt und von Mitgliedern der Kommission erklärt und kommentiert. Dabei kam die extrem konservative Sicht einzelner Kommissionsmitglieder zum Vorschein. Aber auch der Wunsch nach Öffnung der Kirche für Homosexuelle kam zur Sprache, indem eines der Kommissionsmitglieder sich vor der versammelten Generalkonferenz als homosexuell outete. Wie trotz dieser weit auseinanderliegenden Überzeugungen eine Gemeinschaft während der Arbeit am Auftrag durch die Generalkonferenz wuchs, brachten die Kommissionsmitglieder wahrnehmbar zum Ausdruck. Es blieb allein die Frage, wie nach den meinungsstarken Kommentierungen der drei Entwürfe durch jeweils ein Kommissionsmitglied eine zur Einheit führende und die Einheit bewahrende Lösung aussehen könnte. Diese Frage hat sich Ende des ersten parlamentarischen Arbeitstages verstärkt.