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Der Eisbär – Teil fünf
Brasilien versenkt ein französisches Kriegsschiff, das die Türkei nicht abwracken wollte. Wegen des Umweltrisikos durfte es in keinen Hafen mehr laufen. Nun liegen tonnenweise Asbest auf dem Meeresgrund – dort wo einst der Eisbär auf ein gesunkenes Boot stiess.
Am Ende von Teil vier machte sich der Eisbär auf die Tatzen zur Eisbären-Klinik auf dem Meeresgrund. Genauer: Zum Schiff, das ihn zur Tauchstelle brachte.
Der Weg zu seinem ehemaligen Zuhause war nicht einmal mehr so weit, wie er gedacht hatte. Bereits nach kurzer Zeit konnte er am Horizont die Kräne des Hafens erkennen. Der Eisbär kaufte sich ein Kurzstrecken-Ticket, das eine Stunde lang gültig war, und suchte sich einen Platz auf dem Schiff, das Richtung rundes Meer auslaufen würde.
Bereits nach einer kurzen Fahrt entdeckte er die glitzernde Wasseroberfläche des runden Meeres. Er stürzte sich in die Fluten und legte sich mächtig ins Zeug, damit er möglichst schnell auf dem Meeresgrund landen würde.
Ziemlich ausser Atem angekommen, entdeckte er auf Anhieb die riesige Eisbären-Klinik. Es war tatsächlich wahr, was ihm der nette Braunbären-Kellner an Land erzählt hatte. Prominent stand da ein Wegweiser zur psychiatrischen Abteilung.
Bei der Anmeldung klingelte der Eisbär stürmisch und verlangte umgehend einen Termin mit dem Psychiater. Die medizinische Fachkraft bat ihn, wegen Überlastung noch ein paar Tage im Wartezimmer zu bleiben. Der Eisbär gehorchte und überflog ungeduldig Boulevard-Blätter wie «The Polarbear» und Nachrichten auf «Zeit Online», wo er über die Geschichte eines versenkten Kriegsschiffs stolperte.
Nach eineinhalb Wochen war die Reihe an ihm. Er betrat das Brüllzimmer des Arztes und setzte sich auf die robuste Eisscholle. Der Arzt fragte den Eisbären nach einem kurzen Einführungs- und Begrüssungsgespräch nach dessen Problem. Der Eisbär begann mit der Gegenfrage: «Was für ein Problem?» Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, warum er einen Psychiater suchte.
Kopfschüttelnd schickte ihn der Arzt nach Hause. Der Eisbär verliess die Klinik und wollte zu seinem einstigen Zuhause zurückkehren. Das gab es allerdings nicht mehr, weil die Eisbären-Klinik genau auf dem Flecken Meeresgrund stand, wo es einst war.
Spontan, wie er sonst eigentlich nicht war, entschloss er sich, ein Grundstück auf dem Meeresgrund zu erwerben, um darauf ein neues Haus zu bauen. Während des Bauens war er so stark beschäftigt, dass er keine Kapazität mehr für Gedanken darüber hatte, warum er eigentlich jahrelang einen Eisbären-Psychiater suchte.
Das ist das Ende des ursprünglichen Märchens von 1995. Was vorher geschah, ist in Teil eins, zwei, drei und vier zu erlesen.