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| Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)

Sechstes Buch: Von dem Geiste der Unreinheit.
11. Ursache der nächtlichen Beunruhigung.
Die Beschaffenheit der Gedanken, welche wegen der [S. 142] Zerstreuungen am Tage nicht sorgfältig genug bewacht werden, zeigt sich in der Nachtruhe. Wenn daher eine derartige Vorspiegelung eintritt, muß man sie nicht dem Schlafe zur Last legen, sondern der Unachtsamkeit in der vorausgegangenen Zeit; man muß sie für das Kennzeichen einer im Inneren verborgenen Krankheit halten, welche die Stunde der Nacht nicht erst geboren, sondern aus der Verborgenheit in den innersten Fasern der Seele durch die Erquickung des Schlafes an die Oberfläche hervorgezogen hat. So bringt sie die verborgene Fieberhitze an den Tag, die wir, den ganzen Tag hindurch mit schädlichen Gedanken uns nährend, in uns gesammelt haben, wie auch der Stoff zu körperlichen Krankheiten gewöhnlich nicht zu der Zeit sich sammelt, in welcher man dieselben auftauchen sieht, sondern durch die Unachtsamkeit früherer Zeiten zugezogen ist, in welchen man durch unvorsichtigen Genuß ungesunder Speisen schädliche und tödtliche Säfte in sich aufgenommen hat.