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Zwei Neandertaler unterhalten sich. «Wir leben schon sehr gesund», sagt der eine, «wir haben sauberes Wasser und saubere Luft, wir ernähren uns rein biologisch, und wir haben täglich viel Bewegung in der frischen Natur.» – «Und trotzdem werden wir nur 30 Jahre alt», sagt der andere Neandertaler, «irgendetwas machen wir falsch.»
Ja, die machten etwas falsch. Die Lebenserwartung in der Frühsteinzeit lag bei 30 Jahren. Allerdings waren es schöne, sonnige Jahre. Die Temperaturen in Europa waren im Schnitt einige Grad höher als heute, der Meeresspiegel lag fünf Meter über dem heutigen Niveau. Zwischen Zürich und Genf gab es Steppen mit Elefanten und Nilpferden.
Es folgten Eiszeiten, Dürreperioden, erneute Eiszeiten und Hitzephasen. Die letzte kleine Eiszeit der bisherigen Geschichte dauerte von 1150 bis 1850 n. Chr. Seitdem wird es wieder wärmer. Die aktuelle sogenannte Klimaerwärmung ist aus historischer Sicht darum ein Witz.
Ja, was machten die Neandertaler falsch?
Zur Erklärung wechseln wir kurz in ein Unternehmen, für das ich kürzlich tätig war. Drei Frauen in der Werbeabteilung, alle übergewichtig, beschlossen dort, wieder zu einer sportlichen Figur zurückzukehren. Sie wählten für ihr Abspeckprogramm die Paläo-Diät.
Paläo-Diät, auch Paleo-Diät genannt, ist eine Abmagerungsmethode, die sich an die Urzeit anlehnt. Man isst so, wie die Höhlenbewohner einst gegessen haben. Man nimmt schnell ab dabei.
Unsere Vorfahren in der Steinzeit ernährten sich ziemlich einseitig. Bis zu achtzig Prozent ihrer Nahrung deckten sie mit Fleisch ab. Ein grosser Teil davon war Wild, dann auch viel Fisch, denn Barsche und Forellen waren leichter zu fangen als Hasen und Rehe.
Wer mit der Paläo-Diät abnehmen will, ernährt sich wie die Neandertaler. Es gibt jede Menge Fleisch, dazu etwas Beeren, Obst, Pilze und Gemüse. Verboten sind Milchprodukte und Kohlenhydrate wie Weizen, Mais, Kartoffeln und Zucker, die es in der Höhle damals nicht gab.
Zu viel Fleischkonsum verkürzt das Leben
Besonders gesund ist das aber nicht. Zu viel Fleischkonsum, so sagt die grösste weltumspannende Gesundheitsstudie «The Global Burden of Disease», verkürzt das Leben. Sie erklärt im Nachhinein, warum die Höhlenbewohner nicht über 30 Jahre hinauskamen, mal abgesehen von ihrer sehr mässigen Medizinalversorgung.
Der Mensch startete seine kulinarische Karriere als Fleischfresser. Diese Spezies aber ist eher kurzlebig. Reine Fleischfresser wie Löwen und Wölfe werden maximal 15 Jahre alt.
Dann entwickelte sich der Mensch zum Allesfresser, der einen Mix aus Fleisch und Grünzeug zu sich nahm. Das verbesserte seine Überlebenschancen. Allesfresser wie beispielsweise Braunbären kommen auf eine Lebenserwartung von etwas über 30 Jahren.
Am ältesten unter den drei Kategorien Fleischfresser, Allesfresser und Pflanzenfresser werden hingegen die Vegetarier. Reine Pflanzenfresser sind Orang-Utans und Elefanten. Sie schaffen es auf 40 bis 70 Jahre.
Die Lebenserwartung des Menschen liegt in der Schweiz derzeit bei 83,2 Jahren. In den letzten Jahren ist die Kurve abgeflacht. Aus Sicht der Entwicklungsbiologie liegt eine Steigerung noch drin. Sie wäre möglich, wenn der Mensch, der frühere Fleischfresser, nun vom Alles- zum Pflanzenfresser würde. Vom Steak zum Salat. Wir hätten dann seit den Höhlenbewohnern eine bemerkenswerte kulinarische Karriere hingelegt.
KURT W. ZIMMERMANN ist Verlagsunternehmer, Kolumnist und Buchautor zu den Themen Medien, Biologie und Outdoor-Sport.