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Die Singschüler sollen sich schon vor 425 Jahren (!) öfters recht undiszipliniert verhalten haben und fielen deshalb entsprechend auf. Ã?ltester Hinweis ist ein Satz in der Einweihungsschrift für das Schulhaus Buhnrain, wo Ferdinand Keller auf Seite 7 berichtet: Die Nachtschule wurde von den Jugendlichen vom 15.-20. Altersjahr besucht. Sie wurde nur im Winter, 2-4 mal pro Woche nach eingebrochener Dunkelheit gehalten und diente hauptsächlich dem Einüben von Kirchenliedern. Es war also noch nicht die öffentliche Schule, sondern die kirchliche Schule. Erstere begann ja erst 1818. Die Handhabung der Disziplin war meist eine schwierige Sache, weshalb häufig «Stillständer» beigezogen wurden, die während des Unterrichts auf Ordnung und Zucht zu achten hatten. Das war um 1650 und später(!).
Die Gewohnheit war aber nicht nur auf das Jahr 1580 beschränkt. Auch für 1856 sind ähnliche Klagen bekannt. Dann betraf es aber die öffentliche Schule. Sie zogen sich wie ein roter Faden durch die Seebacher Schulsinggeschichte. Dazu gehörten allerlei Streiche und Dummheiten, wie falsches Singen, welches besonders häufig gepflegt wurde. Hierzu mussten sich einzelne Schüler nicht einmal besonders anstrengen. Sie besassen von Natur aus die Begabung, den richtigen Ton nicht zu treffen.
Aber auch das sanfte Verändern der Texte der oft kirchlichen Lieder war üblich. Ein Beispiel ist überliefert: Statt zu singen «Nun ist Gott' Fried' ohn' Unterlass, all' Fehd' ist nun zu Ende» sangen die Buben gerne «Nun isst Gottfried ohn' Unterlass, Alfred ist schon zu Ende». Erfunden haben das die Schüler nicht selber, sondern aus einem lustigen Buch aufgeschnappt. Oder statt «Es ist ein Ros' entsprungen» sang man «Es ist ein Ross entsprungen». Auch unauffälliges Brummen gehörte zu den Spässen oder Kneifen des Vordermanns. Besonders beliebt war auch das diskrete Anheben eines Vibrato, so in der Art wie Heintje, sofern man eine solche Stimme hatte.
Ebenfalls beliebt war das zu laute Singen mit ganz leichtem Plärrton. Dies veranlasste die Lehrer immer wieder zur Bemerkung: "Du singsch wüescht!" Oder wenn gerade die Mädchen mit ihren hellen Glockenstimmen in reinstem Tone erklangen, als ob der Himmel sich öffnete, baute einer ein helles, gedehntes «Miau» ein. Die Streiche nahmen kein Ende, sodass manchmal die Schulpflege eingreifen musste und während der Singschule die Aufsicht ausübte. Das Eingreifen der Schulpflege ist allerdings nur für die Mitte des vorletzten Jahrhunderts verbürgt, als es unter den Buben besonders viele unernste Wesen gab.
Für die Einlage mit dem Miau zeichnete der spätere Herausgeber der OGS selber im Jahre 1955 verantwortlich und brachte Lehrer Emil Krönert fast zur Verzweiflung. 1954-56 war er aber in der Lage, auch ohne Hilfe der Schulpflege für Remedur zu sorgen. Die verschiedenen Einlagen meiner Wenigkeit wurden durch den Lehrer mit einer einfachen und sehr eleganten Massnahme beseitigt: Er hat mich vom Singen dispensiert, wegen Stimmbruchs. Das war seinerzeit verständlich, immerhin war er ja Leiter des Cäcilienchors und als solcher nahm er das Singen etwas ernster als ich. Der Dispens wegen Stimmbruchs galt damals als Methode, welche etliche schlaue Lehrer anwandten, um ohne Ärger Störenfriede los zu werden. Den Stimmbruch bekam ich erst zwei Jahre später.
Quellen: - Ferdinand Kern, Festschrift Buhnrain 1934, 26 - OGS-eigene - 50 Jahre Pfarrei Maria Lourdes Zürich-Seebach