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Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura
Die Macher der Uhren und ihre SpurenBerner Jura - Baustile - Dörfer - Städte - Technik und Technologien - Uhrenindustrie
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hat vor allem der wirtschaftliche Wandel im Jura sehr viel verändert. Zuerst zogen die Heimarbeiter des Uhrmachergewerbes in die Dörfer und Städte, wo zuhauf spezialisierte Ateliers entstanden. Es war insbesondere die direkte Wasserkraftnutzung für Metall bearbeitende Maschinen, welche Werkstätten an fliessenden Gewässern entstehen liess. Dies führte im letzten Jahrhundert zur Konzentration der Arbeit in industrialisierten Dörfern und in Städten. Mancherorts hat sich die Bevölkerung in dieser Zeit mehr als verdoppelt.
Die vor allem zu Beginn dieses Jahrhunderts mächtig einsetzende Elektrifizierung des Landes erlaubte es den Fabriken, auf die Nähe zu Wasserkraft zu verzichten. Industrielle Strukturen waren aber etabliert und die Orte der Arbeit gewählt. Flecken wie Saint-Imier, Sonceboz, Tramelan und Tavannes wurden zum Sitz von Firmen, die weltweit Schweizer Präzision exportierten.
Die Neuerungen in der Technologie bewirkten indirekt Veränderungen der Formen des Wohnens. Mehr noch: ein neuer Lebensstil entstand. Die Patrons bauten für ihre Mitarbeiter Mehrfamilienhäuser, zusammengebaute Häuser, und sie schufen neue Infrastrukturen. Allein in Tavannes wuchs in der Hochblüte der Uhrenindustrie zu Beginn dieses Jahrhunderts die Zahl der Arbeitsplätze auf 4000 an. Industrielle bauten auch Kinos, richteten eigene Schlachthäuser ein und versorgten die Belegschaften selbst mit Fleisch. An den Hängen über den Arbeitersiedlungen entstanden die Villen der Chefs und jeweils im Zentrum der Dörfer Hotels für Geschäftsleute.
Die Städte dieser Zeit wuchsen nicht organisch, sondern sie entstanden auf dem Reissbrett, wie in La Chaux-de-Fonds und Saint-Imier zu sehen ist. In diesen Siedlungen war der berühmte Architekt Le Corbusier erstmals als Bauführer im Einsatz. Die «Fondation Mémoire d’Erguel» in Saint-Imier zeigt die Entwicklung dieser Zeit im Einzelnen, während sich in Tavannes die «Fondation Mémoire d’Orval» der Aufgabe historischer Dokumentation angenommen hat. An einer beträchtlichen historischen Sammlung arbeitet auch die Aussenstelle der kantonalen Denkmalpflege, unter der Leitung von Jean-Pierre Fuhrer. Nicht zu vergessen der Niederschlag der Geschichte im gedruckten Kunstführer, den Andres Moser und Ingrid Ehrensperger verfassten.
Autor: Jaroslaw Trachsel / Quelle: -1848