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Die Veranstaltung steht im Spannungsfeld verschiedener Interessen:
- der seit 1900 praktizierten Lebenseform auf dem Monte Verità,
- dem Tanz und Theater als Neuentdeckung und -inszenierung des Körpers (in einer Zeit des Leidens und Sterbens),
- den Bemühungen der Friedensbewegung angesichts des Ersten Weltkriegs,
- den Aktivitäten des geheimnisvollen Ordo Templi Orientis (O.T.O.),
- dem Dadaismus als nicht nur Infragestellung sondern auch Pflege kultureller Werte, wie es damals in Zürich zelebriert wurde.
Gleichzeitig stellt das Sonnenfest einen Wendepunkt in der Geschichte des Monte Verità dar. Es war der Anlass oder zumindest mit ein Anlass zum Bruch zwischen Ida Hofmann und Henri Oedenkoven, in deren Besitz das Kurhaus und die Kolonie auf dem Monte Verità sich befanden, und dem Tänzer Rudolf von Laban und seiner Schule, die seit 1913 in den Sommermonaten auf dem Monte Verità waren, sowie Theodor Reuss und dem O.T.O.
Obwohl dem Sonnenfest in der Literatur zur Geschichte des Monte Verità grosse Bedeutung beigemessen wird, ist darüber nur sehr wenig bekannt, da es nur wenige Dokumente dazu gibt:
- Von Teilnehmern und Teilnehmerinnen sowie Person, die dem Kongress oder dem Sonnenfest beigewohnt haben, sind kaum Dokumente bekannt. Eine Ausnahme bilden Briefe aus der Zeit der Tänzerin Käthe Wolf. Dagegen nehmen sowohl Rudolf von Laban in seinen Erinnerungen Ein Leben für den Tanz als auch Jakob Flach in seinem Buch Ascona erst Jahrzehnte später darauf Bezug.
- Insbesondere vom Sonnenfest scheint es weder Photographien noch Zeichnungen usw. zu geben.
- In der Presse scheint weder auf den Kongress noch den Anlass hingewiesen worden zu sein. Darüber berichtet wurde nur in der deutschsprachigen Tessiner Zeitung und von Hugo Ball in seinem Beitrag Ueber Okkultismus, Hieratik und andere seltsam schöne Dinge, der erst im November 1917 erschien und nur sehr allgemein den O.T.O. vorstellt und die Labanschule hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt eines Lehrinstituts betrachtet.
Diese Website versucht die beide Anlässe, die vor 100 Jahren stattgefunden haben, Schritt für Schritt zu dokumentieren und zu rekonstruieren. Ob dabei neue Dokumente zum Vorschein kommen, wird sich zeigen. Vor allem soll durch die genaue Betrachtung der wenigen bekannten Einzelheiten ein erweitertes und vielleicht neu zusammengesetztes Gesamtbild entstehen.
Juli 2017