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MAHLZEIT!
DAS folgenschwere Ereignis fand am 29.Jull1982 in einem mexikanischen Restaurant auf der West 44th Street in Manhattan, New York, statt: Da trafen sich fünf Journalisten zum Mittagessen! Das an sich ist nichts besonderes, auch nicht die Tatsache, daß es sich bei den Fünfen keineswegs um Gourmets handeln konnte, da sie, eigenem Bekunden nach, am liebsten Ham- und Cheeseburger mit Salat verdrückten. Was diesen historischen Chili-Lunch so interessant macht, ist sein fortan monatliches Stattfinden. Die Hamburger-Gelage wurden 'immer umfangreicher, bis die Namensliste der FastFood-Gourmands mit etlichen namhaften Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen des öffentlichen Leben's aufwarten konnte; Steve Wozniak, Ray Bradbury, Timothy Leary, Herbie Hancock, Cheshire Catalyst und Bob Moog sind nur ein paar der auch hierzulande zu einiger Berühmtheit aufgerückten Mittagesser. Wie konnte es dazu kommen?
DAZU muß nocheinmal auf die fünf UrSchlemmer zurückgegriffen werden. Drei von ihnen hatten nämlich damals erste Erfahrungen mit Computern aus beruflichen Gründen. Und weil ein Mittagessen eine recht kommunikative Einrichtung sein kann, sprach man über diese Computer, über das erste Programm, über die Maschine schlechthin usw. Jeder der fünf fand eine gewisse Verbindung zwischen seiner bisherigen Tätigkeit und Weltanschauung und der dummen Denkmaschine. Steve Ditlea beispielsweise wandelte als ehemaliger Rock n' RollJournalist ein Gedicht von Bertold Brecht ab: Eine Disk ist eine Disk ist eine Disk....
WAS fehlte, war nur ein griffiger Begriff, der begreifbar machen sollte, was die Fünf Freunde in New York zu begreifen versuchten, ohne anfangs eine rechte Vorstellung davon zu haben. Nach mehrmaligem Wechseln der Lokalität entstand der Begriff Computerhumanismus. Das bedeutet ungefähr alles, was den Computer betrifft mit Ausnahme des Computers selbst.
ALS schließlich auch Peter Workman vom US-Verlagsriesen Workman Publishing zum Essen kam, bekam die mittlerweile fast hundertköpfige Computer-Schlemmer-Gang einen dem griffigen Begriff auch einen werbewirksamen Namen: Die LUNCH-GROUP war geboren. Der schon genannte ehemalige Rock n' Roll-Journalist Steve Dillea machte sich nun daran, die Unmassen von Diskussionsbeiträgen in Form von Essays, Historien und Histörchen zum Thema Computer zu sammeln, stiftete die mitmampfenden Autoren zum Story-Schreiben an und legte schließlich einen umfangreichen Wälzer vor, den er (im englischen Original) "DIGITALE WONNE - Das verständliche, benutzerfreundliche Menü von Lehre, Cultur, Lebens art und Mode bei Computern" nannte.
IN der bei DUMONT erschienenen deutschen Ausgabe heißt das Buch "DIE TRAUM-MASCHINE" oder auch "Journalisten und Wissenschaftler auf Entdeckungsreise im Wunderland der Computer... oder auch "Vom Spatzenhirn zur Großrechenanlage" oder auch "Harte Chips und Softe Snacks" oder auch für Neugierige und Liebhaber" oder auch "Ein freches Lesebuch" und das ist es denn auch. Der Lunch-Tradition der Herausgeber und Verfasser folgend gliedert sich das Buch wie ein fiktives Menü in Vor- und Nextspeisen", "Der Wirt empfiehlt", "Bunte Platte", und "Ausländische Spezialitäten",womit auch Europa gemeint ist) und "Süßes" zum Dessert etc.
ZU-lesen gibt es darin so ziemlich alles, was das nach Abwechslung dürstende und terminal-durchstrahlte Userhirn begehrt, solange er zumindest peripher noch etwas von Computern in seiner Freizeit wissen will. Ein wahres Schatzkästchen ist das Buch aber auch für Menschen, die Computer und Kultur bisher für unvereinbare Gegensätze gehalten haben. Daß der Lesestoff teilweise recht absurd gerät, ist kein Nachteil - es macht Spaß, und das ist der Sinn der TRAUM-MASCHINE.
SO ist es exemplarisch hoch interessant zu erfahren, welche Schwierigkeiten sich auftun beim Versuch, mit seinem Computer das Horoskop zu erstellen - auch wenn man wenig auf Horoskope gibt. Das "TAO DES HEIMCOMPUTERS" gibt philosophisch angehauchten Geistern manche Nuß zu knacken, indem es die Dialektik des westlichen Denkens mit der binären Primitivlogik der Computer vergleicht. Man erfährt zudem, wie man Computercamps überleben kann, wie der Computer hilft, beim Black Jack im Casino zu schummeln, warum man Textverarbeitung verwenden oder lieber die Finger davon lassen sollte.
GARNIERT ist das Zwölfgängige Menü mit einem Comic des Underground-Strippers Ted Richards, der seinen 40jährigen Hippie durch die Wirrnisse von Silicon-Valley hetzt und ihn den telepathischen Crunchy-Computer entwerfen läßt.
AUSDRÜCKLICHES Lob sollte den Übersetzern dieses Computer-Lesebuchs gezollt werden, Sascha Mantscheff und einem gewissen Schmalhans Küchenmeister, denen es gelungen ist, den lockeren Slang des Originals adäquat ins Deutsche zu übersetzen, ohne sich mehrfachen Sinnmordes schuldig zu machen, wie es leider nicht unüblich ist.
[HaBi 1]
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