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Aston Martin verklagt Schweizer Händler in Millionenhöhe
Schweizer Kunden zahlten Millionen für den Hypercar «Valkyrie», der erst gebaut wird. Nun klagt Aston Martin, weil der hiesige Händler das Geld schuldig blieb, wie die Handelszeitung unter Berufung auf die «Financial Times» berichtet.
Der Hypercar «Valkyrie» von Aston Martin
Einem Bericht der Handelszeitung zufolge hat Aston Martin in der Schweiz einen Antrag auf strafrechtliche Verfolgung sowie eine parallele Zivilklage gegen zwei Aston-Martin-Händler eingereicht. Es handelt sich dabei um die Vorstandsmitglieder der Nebula Project AG in Teufen.
Gegenstand des Rechtsfalls sind Anzahlungen für das Prestigeprojekt von Aston Martin, den Hypercar «Valkyrie». So soll die Schweizer Firma Gelder von Schweizer Kunden in der Höhe von insgesamt 13 Millionen Schweizer Franken entgegengenommen, aber nicht an den Luxus-Automobilhersteller weitergeleitet. Während die von Käufern des Hypercars an Nebula gezahlten Anzahlungen teilweise an Aston Martin weitergegeben wurden, kassierten die beiden Direktoren von Nebula aber eben auch weitere Zahlungen von einigen Kunden, die sie nicht an den Autohersteller weiterleiteten, heisst es in den Gerichtsakten. Eine Reihe von Aston-Martin-Kunden haben sich dem Rechtsfall bereits angeschlossen. Der Autohersteller erklärte, er werde die Verkaufsverträge einhalten. Die Auslieferung des Hypercars «Valkyrie» soll im September beginnen und bis ins nächste Jahr laufen. «Valkyrie» ist ein Flaggschiff-Produkt für Aston Martin, mit einer limitierten Auflage von 150 Modellen und 30 weiteren für eine Rennstreckenversion.
Die Klagen laufen parallel zur gemeldeten Auflösung des Autohauses Aston Martin St. Gallen, das von denselben beiden Geschäftsführern, Andreas Bänziger und Florian Kamelger, geführt wird, die auch die Inhaber der Nebula Project AG und Miteigentümer des R-Motorsport-Teams sind, das GT3- und GT4-Aston Martins in einer Reihe von internationalen Rennen einsetzte, sowie den einzigen Aston Martin-Einsatz in der DTM in 2019.
Laut der Handelszeitung rechnet Aston Martin in diesem Jahr mit Einbussen von 19 Millionen Franken. 13 Millionen davon seien die fehlenden Kundengelder. Die verbleibenden 6 Millionen Franken stammen aus einer buchhalterischen Rückstellung aufgrund geänderter geschäftlicher Vereinbarungen, nachdem die Gruppe den von den beklagten Direktoren geführten Aston-Martin-Handel in Teufen beendet hatte. «Aston Martin ist fest entschlossen, die betroffenen Kunden zu unterstützen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass sie ihre Fahrzeuge aus dem Valkyrie-Programm wie geplant erhalten», zitiert die Handelszeitung den Automobilhersteller.
Die beiden Geschäftsführer der Nebula Project AG halfen Aston Martin 2016 bei der Finanzierung der Valkyrie, indem sie dem Automobilhersteller anboten, das Projekt mit Hilfe von Schweizer Kundeneinlagen zu finanzieren. Im Gegenzug sollte Nebula Provisionen aus dem Verkauf des Valkyrie-Modells sowie weiterer Modelle, dem Valhalla und dem Vanquish erhalten.
Da das Geschäft nun nicht mehr stattfindet und der Vertrag gekündigt wurde, glaubt Aston Martin, dass sie keinen Anteil aus den Verkäufen an die Nebula Project AG zahlen muss. Dadurch stünde der Autohersteller trotz finanziellen Einbussen in den nächsten zwei Jahren langfristig finanziell besser da. «Es wird erwartet, dass die finanziellen Auswirkungen, die dadurch entstehen, dass wir nicht alle eingezahlten Gelder erhalten haben, durch die Vorteile aus der Beendigung der Nebula-Vereinbarung und den damit verbundenen potenziellen Lizenzzahlungen aufgewogen werden», so Aston.
Das ungewöhnliche Finanzierungsmodell wurde zu einer Zeit eingeführt, als Aston Martin mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfte und nicht in der Lage war, in das Fahrzeug zu investieren, dass laut Aston Martin das schnellste und teuerste Strassenauto aller Zeiten sein wird. Der Verkauf des «Valkyrie» sollte eigentlich 2020 beginnen, wurde aber auf Ende des Jahres verschoben, nachdem die Pandemie die Produkttests beeinträchtigt hatte. Der Valhalla-Supersportwagen, der auf der Valkyrie basiert, wird auch im kommenden James-Bond-Film «No Time To Die» auftreten. Es gilt die Unschuldsvermutung. (pd/ir)
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