Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03425.jsonl.gz/510

Roger Federer holte als erster Schweizer die begehrteste Tennistrophäe. Es ist der erste Sieg des 21-Jährigen in einem Grand-Slam-Turnier.
Federer schlug im Final den Australier Mark Philippoussis 7:6, 6:2, 7:6.
Roger Federer schreibt Schweizer Tennisgeschichte: Er gewinnt als erster Schweizer ein Grand-Slam-Turnier, und gleich das renommierte Wimbledon-Turnier.
In weniger als zwei Stunden machte Federer alles klar, er dominierte den Match die ganze Zeit. Philippoussis gilt als einer der Spieler mit dem besten Service, doch Federer brachte gar mehr erste Aufschläge durch als der Australier.
Federer packte im Final wie schon im Halbfinal gegen Andy Roddick noch einmal sein ganz grosses Repertoire aus.
Er begeisterte die Zuschauer immer wieder mit schier unglaublichen Schlägen und siegte auch in dieser Höhe verdient, denn er retournierte besser und musste seinem Gegner keinen einzigen Breakball zugestehen.
Neu in den Top 3
Mit dem Sieg auf dem noblen Wimbeldon-Grün rückt Federer im ATP-Ranking auf Platz 3 vor, bisher war er als Nummer 5 klassiert.
Im Champions Race, der Punkterangliste der Tennis-Profis, machte der Baselbieter gar einen Sprung von Platz 4 an die Spitze. Mit 545 Punkten übertraf er den Spanier Juan Carlos Ferrero um 7 Zähler, während André Agassi als Dritter 472 Punkte totalisiert.
Starker zweiter Satz
Allerdings hatte Federer im ersten Satz wie schon gegen Roddick etwas Glück: Im ersten Satz führte Philippoussis im Tiebreak 4:3 und vergab dann hintereinander zwei relativ leichte Vorhandbälle, die ihm ein Minibreak gebracht hätten.
Ab dem zweiten Satz regierte dann nur noch Federer, und er hätte die Entscheidung schon früher herbeiführen können: Bei 1:1 in dritten Satz wurde bei einem Breakball unglücklich gegen ihn entschieden, bei 5:5 konnte er dann zwei Breakbälle nicht nutzen.
Zählt nun zu den Grossen im Schweizer Sport
Federer hat nicht nur erstmals die immensen internationalen Vorschuss-Lorbeeren gerechtfertigt, er zählt mit einem Schlag auch zu den grössten Figuren im Schweizer Sport.
Fortan wird der Tennisspieler in einem Atemzug mit den Tour-de-France-Siegern Ferdy Kübler und Hugo Koblet, den Ski-Olympiasiegern Bernhard Russi, Marie-Theres Nadig, Pirmin Zurbriggen, Vreni Schneider und Simon Ammann, der Alinghi-Crew oder Martina Hingis genannt, die ebenfalls die Massen begeisterten.
Angenehme Nebenprodukte seines Erfolges in London sind ein Preisgeld von 1,3 Mio. Franken, die direkte Qualifikation für das Masters in Houston, ein Vorrücken im Entry Ranking von Position 5 auf 3 und Platz 1 im Champions Race.
Samuel Schmid in Wimbledon
Er hoffe, dass Federer viele Nachahmer bei jungen Sportlern finde und sein Sieg dem Schweizer Sport zusätzliche Impulse verleihe, sagte Sportminister Samuel Schmid am Sonntag in einem Interview des Westschweizer Radios.
Nach dem Spiel gratulierte er dem ersten Schweizer Wimbledon-Sieger im Namen der Landesregierung und der Bevölkerung.
Der Magistrat war am Sonntag nach London gereist und verfolgte das Endspiel aus der Ehrenloge auf dem Centre-Court.
Mit seinem stets vorbildlichen und fairen Verhalten beeindrucke der in Bottmingen aufgewachsene Federer als Sportler und Persönlichkeit auf und neben dem Tennisplatz, teilte die Regierung des Kantons Baselland in ihrem Gratulationsschreiben mit.
Mit der Schaffung von Sportklassen, speziellen Lehrstellen und zahlreichen Individuallösungen habe der Kanton Baselland die Förderung des Leistungssports in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben. Von Federers Sieg verspreche man sich einen zusätzlichen Antrieb.
Schwede ist Privatcoach
Roger Federer wird vom Schweden Peter Lundgren, einem ehemaligen Profi- Tennisspieler, trainiert. Ein Mann, der im Tennis schon alles erlebt hat.
Aufs erste Halbjahr 2003 zurückblickend kam Lundgren - trotz dem Ausrutscher in Paris - bereits vor dem Wimbledon-Sieg ins Schwärmen: "Roger hat einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht, er hat so viele Matches wie kein anderer Profi gewonnen, er ist ein überragender Daviscup-Spieler, und er hält sich konstant in der engsten Weltspitze, hat sogar Chancen, die Nummer eins zu werden."
Haus bei Basel
Trotz Ruhm und Geld ist der Schweizer Spitzenspieler mit beiden Füssen auf dem Boden geblieben. Das habe er von Mutter und Vater so mitgekriegt, sagte Federer kürzlich.
Vater Robert (56) und Mutter Lynette – sie ist gebürtige Südafrikanerin – waren sets darauf bedacht, dass ihr Sohn den Respekt vor dem Leben nicht verliert.
Immer wieder betont Federer, dass er seinen Eltern dankbar sei, dass er die Möglichkeit hatte, früh selbstständig zu werden.
Vor kurzer Zeit hat Federer mit seinen Eltern und seiner Schwester Diana in Bottmingen, im Kanton Baselland, ein neues Haus bezogen.
Aber er sei keiner, der in Saus und Braus lebe und den Reichtum zur Schau stelle. Seine Freunde von früher seien ihm wichtiger als die Auftritte in der Schickimickiwelt, so Federer.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Geboren: 8.8.1981
Wohnort: Bottmingen BL
Grösse: 185 cm, Gewicht: 80kg
Die grössten Erfolge vor diesem Sieg: Masters-Halbfinal 2002, Grand-Slam-Viertelfinals in Paris und Wimbledon 2001, insgesamt 9 Turniersiege.
In Kürze
Roger Federer, vor Wimbledon der 5. beste Tennisspieler der Welt, hat sein erstes Grand-Slam-Turnier gewonnen.
Er holt sich damit ein Preisgeld von 575'000 Pfund und ist neuer Spitzenreiter in der Jahresweltrangliste.
Wimbledon hatte für den Baselbieter bereits vor diesem Sieg eine besondere Bedeutung: 1998 gewann er bei den Junioren und machte die Tenniswelt erstmals auf sich aufmerksam.
Ein wichtiger Meilenstein in Federers Karriere war auch das Viertelfinal-Spiel 2001: Damals schlug er den vierfachen Wimbledon-Sieger Pete Sampras.