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Lesbarkeiten können nicht nur wie von Hofer in Noto exemplifiziert in der Fläche, als Verhältnisse zwischen Pilastern und mit überschnittenen Teilflächen gelesen werden, sondern wie bei Sangallo z.B. senkrecht zur Fläche: Bossen und dahinter die Hauptsache, Pilaster. Eine andere Möglichkeit zeigt Sangallo, indem er Türen mit Gewänden zwischen Halbsäulen/Pilaster zeichnet: die Türen verlangen eine Wand, er gibt aber nur Säulen, die Pilastersäulen verlangen ebenfalls Wand, er zeichnet aber Öffnungen! Dadurch entsteht neben der Lesbarkeit als Pilasterwand oder Türöffnungen zwischen den Leibungen und den Stützen ein Druck, Auren die sich in die Quere kommen, unterdrückter, dadurch „sehr untiefer Raum“, der stark spürbar ist. Anders bildet van der Weyden untiefer Raum, indem sich seine Figuren oben und bis zu den Armen direkt vor der goldenen Wand befinden (und Schatten werfen), unten aber, am Boden, viel weiter von der Wand entfernt stehen. Zudem stehen die Figuren dicht(gedrängt) in einer zur Bildebene parallelen „dünnen“ Raumschicht. Die Figuren halten die Wage zwischen flächig und körperhaft! Teppich: blaues Muster vor roten Streifen.
Seit Einstein (1905) wird der newtonsche kontinuierliche Raum als Fiktion erkannt. Es ist unzutreffend, aus Malereien von Cezanne und Braque auf den kontinuierlichen Raum zu schliessen – dort ist der Raum gar kein Thema, wie noch bei den Impressionisten. Der Transparenz-Begriff negiert den «untiefen» Zwischenraum: dieser wird nie als «Etwas» gesehen, der Begriff beschreibt das Wirken uneindeutig zuweisbarer Formteile. Das ist objektfixiert gedacht; fixiert nicht auf ein Objekt, aber auf in Schichten aufgelöste Objektteile.Ebenso sind die «Schichtungen» von Hofer, etwa in Noto, Ding-Schichten, aufgetragen auf einem soliden Körper.
Die Transparenz wie von Hoesli hier demonstriert als Schichtenaufbau ist kaum mehrdeutig: alles wird von vorne oben gesehen, ausser die vorderste Gitarre, die von unten gezeigt wird – die Objekte sind nicht in Schichten aufgelöst, wie es die Analysezeichnung suggerieren will. Es sind Objekte, nahe bei einander. In Garches kann man eine Zone zwischen den Stützen und der Fassade lesen; der Wohnraum geht aber eindeutig bis zur Fassade: es handelt sich kaum um eine „Raumschicht“.
Bei der Transparenz oder den Noto-Lesearten geht es eher um 2-D, Ordnungen (und Visuelles); beim Bild von van der Weyden wird aber der eigene Körper, das Körpergefühl, angesprochen, obwohl es (auch) nur mit den Augen zu sehen ist.
Aktivierung
„Schwarze“ und „weisse“ Skulptur auf der Piazza delle signoria in Florenz. „Skulpturen-Reihe“ führt aus Vasaris Korridor auf die Piazza.