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Das Wichtigste in Kürze:
- Sam Shepard verstarb unerwartet am 27. Juli 2017 im Alter von 73 Jahren.
- Filmfans kennen ihn aus zahlreichen Nebenrollen – als Cowboy, Offizier oder Priester.
- Bevor er Schauspieler wurde, machte Sam Shepard sich bereits einen Namen als Theater- und Drehbuchautor.
Die Motive tauchten bereits in seinen Theaterstücken aus den Siebzigern und Achtzigern auf. Sie zogen sich danach durch seine schauspielerische Arbeit, und sie werden wohl auch posthum immer mit ihm in Verbindung gebracht werden:
Bei Sam Shepard ging es fast immer um die Kehrseite des amerikanischen Traums, um eine unausgesprochene Hassliebe gegenüber dem ländlichen Amerika, oft auch um den Sinn und Unsinn von Patriotismus. Sowie um alle denkbaren Formen von Gift in partnerschaftlichen und familiären Beziehungen.
Ein Drehbuch für Antonioni
Shepard wurde im Mittleren Westen der USA geboren – in Fort Sheridan im Bundesstaat Illinois – studierte jedoch in Kalifornien. Seine künstlerische Laufbahn begann in New York, wo er zahlreiche Theaterstücke schrieb.
Einer seiner ersten Aufträge im Filmbereich war die Mitarbeit am Drehbuch zu Michelangelo Antonionis einzigem amerikanischen Film «Zabriskie Point» (1970): Eine vieldeutige Fabel rund um die Grenzen von Protestkultur, freier Liebe und Antikapitalismus.
Mit Dylan und Patti Smith befreundet
Neben seiner Arbeit als Bühnenschriftsteller bewegte sich Shepard auch in Musikerkreisen: Er spielte sporadisch Schlagzeug in einer Band, er war mit Patti Smith liiert, mit der er 1971 das Theaterstück «Cowboy Mouth» schrieb.
Er war ausserdem befreundet mit Bob Dylan, dessen vierstündiges Filmepos «Renaldo an Clara» (1978) er als Drehbuchautor mitverantwortete. Was auch immer das heissen mag: Der Film bestand weitgehend aus Archivmaterial rund um Dylans Leben und seine Liedtexte. Die fiktiven Elemente darin wirkten improvisiert.
Bei Malick erstmals vor der Kamera
Im gleichen Jahr trat Shepard auch zum ersten Mal als Schauspieler in Erscheinung: In «Days of Heaven» (1978) von Terrence Malick spielte er einen texanischen Farmer, welcher an der Liebe zu einer Frau scheitert, die sich als die Schwester ihres Geliebten ausgibt.
Das hier nur angetippte Inzest-Thema taucht in Shepards Werk wiederholt auf. Etwa in «Fool for Love» (1985) von Robert Altman, geschrieben und interpretiert von Shepard, in dem sich zwei Liebende als Halbgeschwister entpuppen.
Und natürlich in Volker Schlöndorffs Max-Frisch-Verfilmung «Homo Faber» (1991), in der Shepard die Hauptrolle eines Mannes übernahm, der sich unwissentlich in seine Tochter verliebt.
Dysfunktionale Familien
Shepards Karriere als Schauspieler verlief steil, für seine Rolle als Astronaut in «The Right Stuff» (1983) wurde er für einen Oscar nominiert.
Als Dramatiker hatte er seinen internationalen Ruf zu diesem Zeitpunkt längst gemacht: Für sein Stück «Buried Child» hatte er 1978 einen Pultizer-Preis gewonnen, und «True West» (1981) wurde zum internationalen Erfolg.
Beide Stücke handeln von dysfunktionalen Familien im ländlichen Amerika und lassen Vergleiche mit Tennessee Williams zu.
Auch in Nebenrollen ein Star
Shepard schrieb weiterhin für die Bühne, und das nicht zu knapp. Aber sein Bekanntheitsgrad war in den späteren Jahrzehnten vor allem seiner Tätigkeit als Schauspieler geschuldet.
Shepards Filmografie ist beeindruckend lang und enthält – bei allen Cowboys, Offizieren, Priestern und Sektenpriestern, die er spielte – gemessen an ihrem Umfang erstaunlich wenig Misslungenes.
Sie lässt den Schluss zu, dass Shepard lieber kleine Nebenrollen in anspruchsvollen Filmen annahm statt Hauptrollen in Projekten, die ihm nicht zusagten.
Empfehlungen zum Schluss
Wer sich nun zu Ehren von Sam Shepard ein paar Filme aus dem Regal ziehen möchte, bekommt abschliessend folgende Tipps mit den auf den Weg: Den bereits erwähnten «Fool for Love» von Robert Altman, aber auch «Paris, Texas» von Wim Wenders (1984) – basierend auf einem Shepard-Stück.
Sowie «Don't Come Knocking» (2005, ebenfalls inszeniert von Wim Wenders, geschrieben von Shepard), in dem der Autor in der Hauptrolle einen abgehalfterten Cowboy-Darsteller mit zweifellos autobiografische Zügen mimt.
Shepard soll einst voller Ironie gesagt haben: «Ist es nicht fürchterlich, diesen Schauspielern zuzusehen, die sich selbst Rollen auf den Leib schreiben?»
Nein, lieber Sam Shepard: Das war es bei dir nie.
Sendung: Radio SRF, Nachrichten, 1.8.17, 12:30 Uhr