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Wer hat gesagt, dass die Raben hier verkehrt herumfliegen, um die Misere nicht sehen zu müssen? Egal, wer der Autor war! Das war gestern: Leben in Lozère, wo das Stade de France (81’338 Plätze) die gesamte Bevölkerung (76’309 EinwohnerInnen) aufnehmen könnte, ist eine Wahl: entweder man bleibt oder geht für immer … oder kehrt zurück.
Sylvie Faucher ist eine Rückkehrende. Nach ihrer Ausbildung in der Gastronomie, verbrachte sie einige Jahre in Sternerestaurants in Paris und beim Chocolatier Bernachon in Lyon, bevor sie in das Herz der Langogne, in ihr Elternhaus, zurückkehrte, wo ihre Boutique «Secret de Cacao» sich nie zu leeren scheint. Eine ihrer Pralinés verwirrt, lässt einen sprachlos: es ist eine Ganache «Schokolade/Eisenkraut» dekoriert mit einem Mann und einem Tier. Es handelt sich um Robert Louis Stevenson in Begleitung seiner Eselin Modestine der1878 die Lozère durchquerte. Diese Reise zu Fuss wird von Wanderern noch immer sehr geschätzt und frequentiert, ebenso wie der Abschnitt des Pilgerweges nach Santiago de Compostela, der sich durch das Aubrac, ein von Granitgestein geprägtes, vulkanisches Hochplateau des Zentralmassivs, schlängelt. Nichts, oder nur sehr wenig, hat sich geändert – es sind noch immer Begegnungen mit echter Authentizität und sich selbst.
Wer Lozère sagt, denkt schnell an Schafe, von denen es hier mehr als 160’000 gibt, trotz einiger, von verstreut freilebenden Wölfen, gerissener Tiere. Der geführte Besuch des Wolfsparks Gévaudan in Saint-Léger-de-Peyre ermöglicht es, diesem hundeartigen Tier näher zu kommen und seine wahre Natur zu entdecken, die geprägt ist von Vorsicht und Flucht vor dem Menschen. Es hat nichts zu tun mit der schrecklichen Bestie von Gévaudan, die in der Zeit von 1764 bis 1767 mehr als 88 Personen tötete. Das Mysterium bleibt bestehen: War es ein enorm grosser Hund, eine Hyäne oder ein Serienmörder? Bei Sainte-Eulalie-en-Margeride befindet sich ein Reservat für Wisente, die europäischen Bisons, von denen die grössten Kolosse bis zu 1200kg schwer und 2m Schulterhöhe erreichen können. Dieser Tierpark, den der Besucher per Kutsche befahren kann, wurde im Rahmen eines in Polen seit 1920 geführten Kampfes zur Rettung der Spezie gegründet. Paarung zwischen blutsverwandten Tieren ist problemlos.
Früher war Wolle eine der Einnahmequellen in Lozère. Verpassen Sie nicht, in Langogne die älteste Spinnerei in Frankreich, Calquières, zu besuchen und dort die «mule-jenny» zu entdecken, eine mit hydraulischer Kraft betriebene Garnspinnmaschine, die immer wieder perfektioniert wurde und mit einer einzigen Bewegung 30 bis 1000 Fäden gleichzeitig produzierte. Ihre Einführung provozierte einen langen Streik der Arbeiterinnen. Auf Initiative von Papst Urban V in Avignon, begannen 1369 die Arbeiten an der Kathedrale in Mende (Hauptort des Département Lozère), im gotischen Stil mit zwei Glockentürmen, von denen der eine 65 Meter und der andere 84 Meter hoch ist. Im höheren der beiden befand sich die lauteste und grösste Glocke der gesamten christlichen Welt, mit einem Gewicht von 25 Tonnen, 3m Höhe und 33cm Wanddicke. Sie wurde die «Non Pareille» oder auf Deutsch «die Unvergleichliche» genannt. Opfer der Religionskriege, schlug sie 1579 zum letzten Mal. Einzig ihr 470kg schwere Klöppel existiert noch und wird im Inneren des Turms ausgestellt. Ausserdem befinden sich im Inneren der Kathedrale zwei Wandteppiche von Aubusson mit der Darstellung der Geburt Marias und ihrer Präsentation im Tempel, was in einer heiligen Stätte doch sehr ungewöhnlich ist.
Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierte keine Strasse durch die Schlucht des Tarns, einem Fluss, der im Berg Lozère entspringt. Die Einwohner befuhren den Fluss auf 53km mit ihren Barken. Inzwischen hat sich alles verändert und jedes Jahr empfangen die ansässigen Schiffer mehr als 30’000 Besucher, die zahlreiche aussergewöhnliche Naturschönheiten, die sich wie Perlen auf einer Kette aneinanderreihen, bewundern können, bevor sie in die 500m tiefe Grotte Cirque des Baumes einfahren. Ja, Lozère verschlägt einem wirklich den Atem (www.lozere-tourisme.com).
Sie haben die Grotten des Tarn entdeckt und der Wunsch ist gross, einen Abstecher nach Albi (www.albi-tourisme.fr) zu machen, dem Hauptort des Départements, das den gleichen Namen wie der Fluss trägt. Trotz eines Umweges von 4 Stunden, sollten Sie nicht zögern! Seit 2010 gehört die Bischofsstadt Albi zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ihre befestigte Kathedrale Sainte-Cécile – mit ihren 14 Millionen ockerfarbenen Ziegeln – wurde zwischen 1282 und 1480 errichtet und wird Sie mit Staunen erfüllen. Pascal Sanlefranque, Führer, empfiehlt verschmitzt: «Im Inneren, geben Sie sich einigen esoterischen Überlegungen hin, indem Sie die Engelsskulpturen zählen, sich die Zahl der am Bau dieses Gebäudes beteiligten Personen vorstellen und dann die Zahl derjenigen die das Grabmal von Osiris, dem Gott der Auferstehung in das ewige Leben, errichtet haben. Die Zahl ist die gleiche. Bestaunen Sie auch die mit gemalten Gesichtern überzogenen 18’500 m2 des mit Fresken verzierten Gebäudes, die plötzlich erscheinen und ebenso plötzlich wieder verschwinden – je nachdem, wie das Sonnenlicht einfällt!» Ganz in der Nähe befindet sich der Palais de la Berbie, ein ehemaliger Bischofspalast, der das Museum Toulouse-Lautrec beherbergt, in dem sich mehr als 1000 Werke des Künstlers befinden. Zwischen dem akademischen Stil seiner Jugend und den dunklen Stunden vor seinem Tod, ist es doch die Farbe, die auf seinen Plakaten für Cabarets und Freudenhäuser triumphiert. Die Prostituierten liebten Henri und gaben ihm mit Leidenschaft und auch aus gutem Grund den Spitznamen «le trépied» Raten Sie weshalb!
Die Rückreise Albi-Lausanne in einem Stück ist lang und ermüdend. Profitieren Sie doch auf halber Strecke Le Puy-en-Velay (www.ot-lepuyenvelay.fr) zu besuchen, der europäische Hauptort für Pilger des Jakobsweges nach Santiago de Compostela! Vor allem auch, weil dieses Jahr, zum zweiten aufeinanderfolgenden Mal, bis zum 30. September 2018 allabendlich nach Sonnenuntergang Lichtprojektionen die Schönheiten der Stadt anstrahlen werden (www.puydelumieres.fr), beispielsweise die Kathedrale, den Felsen Saint-Michel d’Aiguilhe, der vulkanischen Ursprungs und 82m hoch ist. 2014 war er das Lieblingsmonument der Franzosen.
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