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Es gibt kaum einen dürftigeren Satz, als den Ausspruch,
dass etwas wohl in der Theorie gut sein möge,
für die Praxis aber nicht tauge.
Rudolf Stammler
T h e o r i e
Das unwiderrufliche Zahlungsversprechen ist die von der Bank an den Verkäufer gerichtete Annahme des von ihm ihr käuferseitig übermittelten Angebots, wonach sie ihm Geld in der Menge des Preises für das Grundstück bezahlt unter der alleinigen Bedingung, dass gestützt auf einen Kauf zwischen dem Käufer und dem Verkäufer der Besitz am Grundstück durch Eintragung des Käufers als dessen Eigentümer im Hauptbuch des Grundbuchs von diesem auf jenen übergegangen ist, und danach das Geld sich verrechnet mit dem Preis oder, sollte dieser als nicht geschuldet sich erweisen, gegen Rückgabe des Grundstücks vom Verkäufer dem Käufer zurück bezahlt wird.
Der Tag, an dem der Vater beerdigt wurde, war der 32. Geburtstag van Goghs und der 33. Todestag seines genau ein Jahr vor ihm geborenen ältern Bruders, der ebenfalls Vincent geheissen hatte. Zu dieser Zeit lebte van Gogh in Nuenen, einem Dorf im Nordtrabant des südlichen Hollands. Allein in den letzten zwei Jahren hatte er dort hunderte von Zeichnungen gezeichnet und Bilder zu Dutzenden gemalt. Zu verkaufen war ihm aber noch nichts gelungen. Von den paar Schülern, die er unterrichtete, wollte er kein Geld. Er liess sich mit Farbtuben zahlen, mit Tinte und Kreide, Eiern, Speck und Tabak. Er lebte von seinem vier Jahre jüngern Bruder, der Kunsthändler war und ihn mit Geld unterstützte. Er war der Einzige, der an ihn glaubte und dass aus ihm noch etwas werden könnte.
Van Gogh war stets knapp bei Kasse. Er brauchte daher kein Bankkonto. Keine Bank hätte ihm denn Geld gegeben, auch nicht gegen ein Bild als Pfand, nicht mit einem Kornfeld darauf oder einem Sämann. Trotzdem hatte er etliche Konten. Eines beim Gemüsehändler auf dem Markt, beim Metzger im Dorf, beim Bäcker und Krämer, im Wirtshaus, und überall wo sonst er noch anschreiben liess. Manchmal zahlten Schüler beim Farbenhändler eine offene Rechnung von ihm für Farben, Pinsel und Spachtel, um dem armseligen Lehrer etwas zukommen zu lassen oder damit ihm Maluntensilien geliefert würden. Hie und da zahlten sie, um den Saldo auszugleichen oder dem Meister ein kleines Guthaben zu verschaffen, gleich dem Marktfahrer oder die Zeche beim Gastwirt.
Früher hatte van Gogh eine zeitlang als Buchhalter in einer Kunsthandlung gearbeitet. Er wusste daher genau, was ein Konto ist. Ein Konto ist wenn Guthaben auf einem Blatt stehen oder Schulden, geschrieben in ein Journal, als Zahlen im Gedächtnis gespeichert oder in einer Datenbank und ist immer dasselbe, ob untereinander mit Plus und Minus oder nebeneinander als Soll und Haben. Gegeneinander verrechnet weist der Saldo, ob doppelt gebucht oder einfach, stets aus, was heute, in einem zurück liegenden Zeitpunkt oder budgetiert in die Zukunft als Guthaben oder Schuld vorhanden ist. Ob ein Konto geführt wird oder nicht, was vom einen dem andern geschuldet und dieser von jenem fordern kann. Seinem Konto beim Händler entspricht spiegelbildlich dessen Konto bei van Gogh. Was hier im Plus, steht dort im Minus. Als Aufzeichnung von Guthaben und Schulden ist ein Konto bei einer Bank nichts anderes als die Konten, welche van Gogh in Dorfläden hatte. Auch wenn das Obligationenrecht in einer Vorschrift von jemandes Konto spricht. Indem die Anweisung im bargeldlosen Zahlungsverkehr, sofern die Regeln eines Zahlungssystems nichts anderes bestimmen, sobald der Überweisungsbetrag dem Konto des Anweisenden belastet worden ist, unwiderruflich wird. Wenn van Gogh ein Bankkonto gehabt und ein Haushaltungsbuch geführt hätte, so wäre umgekehrt das Konto der Bank neben denjenigen des Dorfladens und des Farbenhändlers darin gestanden. Trotzdem ist ein Konto keine Beziehung, sondern nur, soweit es um Geld geht, deren Aufzeichnung, und ausser Beschäftigung für Buchhalter auch sonst nichts.
Soll die Theorie des unwiderruflichen Zahlungsversprechens entwickelt werden, so hilft es nicht, die herrschende Rechtslehre oder die geltende Rechtsprechung zu Rate zu ziehen. Denn diese gehen von einem sogenannten Dreiecksverhältnis aus, welches der Anweisung zuzuordnen sei. Die vorstehend erarbeiteten Grundlagen aber lehnen die Möglichkeit der einheitlichen Verbindung von Dreien durch Recht und Pflicht ab. Und mit der Anweisung aufgrund der massgeblichen Lehrbücher begäbe man sich in Teufelsküche. Denn die Anweisung gilt gemeinhin als eines der schwierigsten Gebiete des Zivilrechts. Mit dem unwiderruflichen Zahlungsversprechen selber haben sich die Rechtsgelehrten kaum befasst und die Gerichte ausnahmsweise nur dann und soweit als unbedingt nötig, wenn es in einem Streit darauf ankam und sie sich daher nicht mehr davor drücken konnten, dazu Stellung zu beziehen. Diese Materialien, welche der Anweisung mit Unterteilung in Valutaverhältnis, Deckungsverhältnis und Vollzugsverhältnis beizukommen versuchen und indem sie das unwiderrufliche Zahlungsversprechen als Nebenrecht qualifizieren, schaffen mehr Verwirrung als dass sie klären könnten, was das unwiderrufliche Zahlungsversprechen sei.
Eine Sache ist, was sie sein soll! Dies gilt nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern auch im Recht. Hier das Problem aus anderm Prinzip lösen zu wollen, hiesse, die Grundlagen zu verleugnen, welche zum unwiderruflichen Zahlungsversprechen erarbeitet wurden. Doch was soll das unwiderrufliche Zahlungsversprechen sollen und macht dieses so geheissene Ding zu einer Sache? Im Grundstückkauf die Preiszahlung sichern, möchte man vielleicht meinen. Doch hat sich bereits deutlich heraus geschält, dass es nicht darum geht, jedenfalls nicht genau und nicht allein. Das unwiderrufliche Zahlungsversprechen soll nämlich den Grundstückkauf, welcher nur in der Ungleichzeitigkeit möglich ist, dem Handkauf als Kauf in der Gleichzeitigkeit annähern. Damit soll es den Übergang des dem Preis entsprechenden Gelds auf den Verkäufer sichern, sobald das Grundstück auf den Käufer durch dessen Eintragung als Eigentümer im Grundbuch übergegangen ist. Also abhängig allein vom Besitz und unabhängig davon, ob er auch das Eigentum erhalten habe und der Preis geschuldet sei oder nicht.
Nur, aber immerhin, den Zweck des unwiderruflichen Zahlungsversprechens zu wissen, wie der Zweck des Kaufs zu dieser Sache bestimmte, was sie sein soll, weist aber noch nicht vollständig den Weg zur Theorie des unwiderruflichen Zahlungsversprechens. Greift man auch dafür auf die erarbeiteten Grundlagen zurück, so ist von den drei Beziehungen auszugehen, welche zwar nicht das unwiderrufliche Zahlungsversprechen sind, aber es ausmachen und zu dessen Verständnis gehören. Ist nämlich die Beziehung der Ausgangspunkt für jedes Geschehen, so gilt dies auch für das unwiderrufliche Zahlungsversprechen und sein Umfeld. Das unwiderrufliche Zahlungsversprechen ist ja nur ein Puzzlestein im Zusammenspiel verschiedener mit dem Grundstückkauf verbundener Vorgänge. Denn da sind drei Beziehungen, welche dazu gehören, nämlich die Beziehung zwischen dem Verkäufer und dem Käufer des Grundstücks, welche dieses gegen Geld tauschen wollen, die Beziehung zwischen dem Käufer und der Bank, welche das unwiderrufliche Zahlungsversprechen abgibt, sowie die Beziehung zwischen der Bank und dem Verkäufer, der es von ihr erhält. Damit steht mal das Paar zu jeder dieser drei Beziehungen fest. Weiter gehören dazu die Sache sowie das Vertrauen und die Zeit, nämlich die Sache als Nutzen oder Lasten oder Gefahren, das Vertrauen als Recht und Pflicht sowie die Zeit, sei es die Zeit zwischen Anfang und Ende der Beziehung, die zusammen oder auseinander fallen können, sei es die Zeit im Lauf von Erjährung oder Verjährung. Indem diese drei Beziehungen untersucht werden, geht es darum festzustellen, um welche Art von Beziehung es sich unter allen diesen Aspekten jeweils handelt. Ist dies alles geklärt, so steht fest das Gesetz, welches das unwiderrufliche Zahlungsversprechen regelt. Denn was eine Sache ist, bestimmt nicht nur in der Naturwissenschaft, sondern ebenso den Geisteswissenschaften, das Gesetz.
Aber da ist in methodischer Hinsicht zuvor noch die Frage, in welcher Reihenfolge die drei Beziehungen abgehandelt werden sollen. In einem Dreieck stehen, wie die Grundlagen ergeben haben, drei Beziehung gleichberechtigt und auf gleicher Stufe nebeneinander sowie, wenn auch zusammen spielend, eigenständig. Insofern lässt sich nicht sagen, was zuerst komme, was in der Mitte und was zum Schluss. Es ist daher gleichgültig, wo angefangen wird. Jeder Anfang müsste gleichermassen zu einem Ende hin führen. Um nicht stecken zu bleiben wie im Gleichnis von Buridan, dem vor tausend Jahr gelebt habenden persischen Philosophen, der Esel, welcher, da zwischen zwei gleich grossen und gleich weit entfernten Heuhaufen stehend, und, weil sich nicht entscheiden könnend, welchen er zuerst fressen soll, schliesslich verhungert.
Immerhin eines lässt sich feststellen. Wenn sich ein Grundstückkauf anbahnt, so ist es nicht die Bank, welche den Anstoss dazu gibt. Dieser kommt von demjenigen, der das Grundstück kaufen will, oder vom spätern Verkäufer. Die einzige Beziehung im Dreieck, an welcher die Bank sich nicht beteiligt, ist diejenige zwischen Verkäufer und Käufer des Grundstücks, während bei beiden andern von den drei zu untersuchenden Beziehungen auf der einen Seite des Paars, welches der Beziehung angehört, die Bank steht.
Angefangen werden soll daher mit der Beziehung zwischen Käufer und Verkäufer.
Ist zu jeder dieser drei Beziehungen deren Art festzustellen, so sind sie unter den verschiedenen Gesichtswinkeln einzuordnen, unter denen sich Beziehungen je gegensätzlich unterscheiden lassen. Dies sind, um die Grundlagen zur Erarbeitung des Gesetzes des unwiderruflichen Zahlungsversprechens nochmals zusammen zu fassen, folgende.
Betrachtet man eine Beziehung unter dem Gesichtswinkel der Anzahl von Sachen, welche dazu gehören, so ist da, wenn es nur um eine einzige Sache geht, sie entweder ein Verbrechen oder ein Vertreuen. Ein Verbrechen ist etwa der Diebstahl einer Sache als unerlaubte Handlung und damit ein Verbrechen unverhältnismässiger Natur. Hat eine solche Beziehung nicht angefangen, soll die Sache verbleiben, wo sie ist. Hat sie aber begonnen, und der Anfang einer solchen Beziehung erfolgt durch den Übergang der Sache, so muss diese zurück gegeben werden. Denn wie in jeder unverhältnismässigen Beziehung ist das, wie man sagt, Eigentum bei demjenigen verblieben, der sie verloren hat. Er kann die Sache auf unbeschränkte Zeit hinaus zurück verlangen und dies auch durchsetzen lassen. Denn Eigentum ist unverjährlich. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn es sich bei der Sache um Geld handelt. Geld ist immer verjährlich. Hat der Dieb die Sache nicht mehr, so schuldet er Geld in der Menge ihres Werts als Nutzenersatz, oder aber, wenn es Geld ist, das er gestohlen hat, gleich viel Geld. Von da an und sobald das Opfer von seinem Anspruch weiss und gegen wen er sich richtet, verjährt dieser binnen eines Jahres, spätestens aber innert zehn Jahren seit dem Anfang dieser unverhältnismässigen Beziehung, also seit dem Übergang der Sache.
Ein verhältnismässiges Verbrechen ist beispielsweise, vorausgesetzt sie sei gültig, die Schenkung. Als Verbrechen bezeichnet werden beide Arten von Beziehungen, nämlich nicht nur die unerlaubte Handlung, sondern auch die erlaubte Handlung, weil es, ausgehend von der oft im gewöhnlichen Wortsinn ein Verbrechen darstellenden unerlaubten Handlung, welche im Gesetz anders als die erlaubte Handlung ausdrücklich vorgesehen ist, definitionsgemäss eine Beziehung ist, zu welcher nur eine einzige Sache gehört, und die erlaubte Handlung eben wie die unerlaubte Handlung auch eine Beziehung, welche lediglich eine einzige Sache umfasst. Wer es nicht mag, eine Schenkung, ob verhältnismässig oder unverhältnismässig, als Verbrechen zu bezeichnen, kann die Beziehung anders nennen, welche dadurch begriffen wird, dass sie eine einzige Sache umfasst und nicht deren zwei. Denn klar zu unterscheiden sind Begriff und Bezeichnung dafür. Während der Begriff unabänderlich da steht, kann die Bezeichnung für ihn frei gewählt werden.
Wie bei jeder verhältnismässigen Beziehung soll auch in der erlaubten Handlung, wenn die Beziehung angefangen hat, beispielsweise mit einem Schenkungsversprechen, die Sache vom einen auf den andern übergehen. Dieser kann es von jenem verlangen und den Anspruch auch durchsetzen lassen, solange dieser nicht verjährt ist. Denn jeder Anspruch aus einer verhältnismässigen Beziehung unterliegt der Verjährung, gleichwohl ob es sich bei der Sache, auf welche sich der Anspruch richtet, um Geld handelt oder um eine andere Sache, also um eine Sache, welche nicht Geld ist, beispielsweise ein Grundstück. Ist eine Sache in einer verhältnismässigen Beziehung übergegangen, und verhältnismässig ist eine Beziehung, wenn sowohl deren Anfang als auch ihr Ende rechtmässig sind, so hat der eine vom andern, ob es um Geld oder eine andere Sache gehe und bei Geld erst recht, das Eigentum an der Sache erworben. Freilich muss derjenige, welcher die Sache so erworben hat, sie auch noch erjähren und alle Zeiten abwarten, binnen deren das Geschäft noch angefochten werden kann und damit, wenn erfolgreich geschehen, als Unverhältnis erscheint wie beispielsweise bei berechtigter Anfechtung wegen Irrtums oder anderer Willensmängel. Allein wenn die Beziehung nicht nur auf Übergang einer Sache gerichtet ist, sondern auch deren Rückgabe beinhaltet wie beispielsweise in der Leihe, welche nach dem Gesetz begriffsnotwendig unentgeltlich ist und es daher anders als bei der Miete, welche mit Mietsache und Mietzins zwei Sachen umfasst, ist der Anspruch auf Rückgabe der Sache, und zwar allein der Anspruch auf Rückgabe und nicht der vorherige Anspruch auf Hingabe, unverjährlich. Denn das Eigentum ist bei demjenigen geblieben, der die Sache verloren, hier also ausgeliehen hat. Doch auch dazu gilt die Ausnahme, dass nicht nur die Hingabe, sondern auch die Rückgabe der Sache verjährlich ist, wenn es sich bei der Sache um Geld handelt, worauf der Anspruch eben stets stets und ausnahmslos verjährlich ist. Verjährlich ist daher beispielsweise die Rückzahlung eines Darlehens oder, soweit nicht verbraucht, die Rückgabe des als sogenanntes irreguläres Pfand übergebenen Gelds, beide auf Geld als eine einzige Sache gerichtete Beziehungen, und das Darlehen, wenn unverzinslich, und das Pfand, wenn ohne Gegenleistung hingegeben, einsachige Beziehungen.
Damit sind die hauptsächlichsten Regeln zu der einen Art von einsachigen Beziehungen, nämlich zum Verbrechen, skizziert. Im Rahmen der Grundregeln ist aber, um welche Art von Beziehung es sich auch handelt, weiter zu beachten, ob die Sache, welche zur Beziehung gehört, Nutzen, Lasten oder Gefahren verkörpert. Geht es nämlich um Lasten und nicht um Nutzen, wovon bisher in dieser zusammenfassenden Darstellung ausgegangen wurde, so verläuft alles umgekehrt. Zwar ist die freiwillige Entgegennahme von Lasten ebenso eine Schenkung wie diejenige von Nutzen. Während aber in der Zuwendung von Nutzen durch verhältnismässiges Verbrechen derjenige der Beschenkte ist, welcher die Sache erhält, ist es bei solcher Zuwendung einer Sache, welche Lasten beinhaltet, der die Sache verliert. Man denke etwa daran, dass jemand freiwillig und, um weiterhin bei den einsachigen Beziehungen zu bleiben, ohne etwas dafür zu erhalten, eine Schuld von jemandem übernimmt oder ein Grundstück mit einem Schloss darauf, welches aufgrund denkmalpflegerischer Auflagen an Unterhalt viel mehr kostet als es Ertrag einbringt. Auch ist von Bedeutung, ob eine Sache mit Nutzen sowie Lasten und Gefahren übernommen wird. Dann wird, wie ausgeführt, Eigentum erworben, wenn es verhältnismässig erfolgt, während das Eigentum nicht übergeht, falls dies unverhältnismässig geschieht oder von einer Sache, auch wenn verhältnismässig, nur der Nutzen übergehen soll wie in der Leihe oder nur die Lasten, etwa wenn jemand unentgeltlich Herberge gewährt, und die Sache danach zurück gegeben werden soll. Regelmässige Ausnahme dazu ist auch hier wieder Geld, bei dem das Eigentum unabhängig davon auf denjenigen übergeht, der es erwirbt, ob es verhältnismässig erfolgt wie in der gültigen Schenkung einer solchen Sache oder unverhältnismässig wie ertrogenes Geld, und auch gleichgültig, ob zum Behalten wie in der Schenkung von Geld oder zur Rückgabe wie im Darlehen oder dem Pfand. Und selbst dann, wenn eine Sache nicht Geld und nicht sowohl mit Nutzen als auch Lasten und Gefahren übertragen wird, sondern ohne dies alles, wo doch sonst, wenn nur eines von dem allem übergeht, kein Eigentum erworben wird, das Eigentum trotzdem über geht, also ohne den Nutzen beziehen zu dürfen nur die Sache oder ohne die Lasten tragen zu müssen oder zu Gefahren in den Genuss von Glück zu gelangen oder die Folgen von Pech selber tragen zu müssen, das ist die Treuhand, geht Eigentum über, und der Treugeber hat, anders als sonst in der verhältnismässigen Überlassung einer Sache zur spätern Rückerstattung, gegen den Treuhänder nur einen verjährlichen Anspruch auf deren Rückgabe. Abgesehen von diesen Grundregeln gibt es nach dem Gesetz auch hier Ausnahmen und Ausnahmen von Ausnahmen. So ist etwa die Wegnahme einer lästigen Sache gegen den Willen desjenigen, dem sie gehört, nicht eine Schenkung als verhältnismässiges Verbrechen, sondern eine unerlaubte Handlung und damit ein unverhältnismässiges Verbrechen. Denn ich brauche mir nicht gefallen zu lassen, dass eine mir gehörende Sache, auch wenn sie nur Lasten verkörpert, gegen meinen Willen genommen wird.
Das Verbrechen ist verhältnismässig eine erlaubte Handlung und unverhältnismässig eine unerlaubte Handlung. Dies ist die einsachige Beziehung, in welcher beide von dem Paar, welche ihr angehören, zweckgerichtet handeln, sei es dass, wie in der erlaubten Handlung, sie gleichermassen den Übergang der Sache wollen, oder sei es dass, wie im Diebstahl als unerlaubter Handlung, die eine Seite, indem sie ihr Eigentum behauptet, dies ablehnt. Anders in der einsachigen Beziehung, wo die Sache ohne den übereinstimmenden oder gegensätzlichen Willen der beiden von dem Paar, welches der Beziehung angehört, sich verschiebt, wo dies also nicht menschgesetzlich erfolgt, sondern vom Naturgesetz bestimmt.
Nach Menschgesetz handelt, wer in seinem Verhalten frei ist, nämlich zu dem andern von dem Paar, dem Vertrauen und der Sache sowie das Gesetz kennt. Ist dies auf der einen Seite des Paars, welches der Beziehung angehört, oder auf beiden Seiten nicht alles gegeben, so folgt ein Geschehen dem Naturgesetz. Wenn ein Blatt durch einem Windstoss vom Ast des Baums sich löst und zu Boden fällt, wenn zum Paar ein Mensch gehört, welchem die Urteilsfähigkeit abgeht, oder ein Tier. Was naturgesetzlich geschieht, kann das Menschgesetz nicht verhindern. Aber unter Umständen kann es von ihm rückgängig gemacht werden. Tut es dies, so liegt eine ungerechtfertigte Bereicherung vor, während die Bereicherung gerechtfertigt ist, wenn das Menschgesetz es dabei bewenden lässt. Dies sind die beiden Arten von naturgesetzlich bestimmten einsachigen Beziehungen, welcher (Ober-)Begriff hier Vertreuen genannt wird. Unter dem Gesichtswinkel der Anzahl von Sachen, welche zur Beziehung gehören, ist Vertreuen also der Gegensatz zum Verbrechen.
Die ungerechtfertigte Bereicherung ist das unverhältnismässige Vertreuen und die gerechtfertigte Bereicherung das verhältnismässige Vertreuen. Ein Vertreuen liegt auch dann vor, wenn die Sache von einem Dritten, von einem also, welcher der Beziehung nicht angehört, zwischen dem zur Beziehung gehörenden Paar verschoben wird. Was ein Dritter zwischen zweien bewirkt, erscheint für diese als naturgesetzliches Geschehen. Denn sie selber greifen dabei nicht durch zweckgerichtetes Verhalten ein. Dies gilt jedenfalls für den einen von dem Paar. Soll derartiges Geschehen nach dem Menschgesetz rückgängig gemacht werden, so handelt es sich um eine ungerechtfertigte Bereicherung, andernfalls um eine gerechtfertigte Bereicherung. Als ungerechtfertigte Bereicherung erklärt das Gesetz den Vorgang, dass Geld von einer Bank als Dritte versehentlich zwischen zweien verschoben wird. Der es erhalten hat, muss es dem andern zurück geben. Eine gerechtfertigte Bereicherung liegt nach dem Gesetz etwa vor, wo einer, welchem eine Sache anvertraut worden ist, beispielsweise als gemietete Sache, diese an einen veräussert, welcher den guten Glauben hat, dass der andere dazu berechtigt ist. Dabei geht nach dem Gesetz das Eigentum von demjenigen, welcher die Sache dem Dritten anvertraut hat, über auf den andern, welcher fälschlicherweise an das Gute geglaubt hat, nämlich dass die Sache dem Dritten gehöre. Die weitern Regeln für das Vertreuen entsprechen denjenigen über das Verbrechen. Dies gilt sowohl zum Anfang der Beziehung, welcher in der ungerechtfertigten Bereicherung nicht geschehen soll, der aber, wenn trotzdem erfolgt, im Ende rückgängig gemacht werden soll. Entsprechend soll in der gerechtfertigten Bereicherung, wenn die Beziehung angefangen hat, die Sache übergehen. Auch bezüglich Verjährung verhält sich das Vertreuen gleich wie das Verbrechen. So kann die Rückerstattung der in ungerechtfertigter Bereicherung verschobenen Sache zeitlich unbeschränkt verlangt und durchgesetzt werden, sofern es sich bei der Sache nicht um Geld handelt und bei Geld der Anspruch binnen eines Jahres verjährt, spätestens aber innert zehn Jahren. Ob der Anspruch auf Hingabe der Sache in der gerechtfertigten Bereicherung verjährt, hängt allerdings davon ab, ob es Fälle gibt oder überhaupt solche geben kann, die nicht in der Gleichzeitigkeit geschehen. Wenn das Gesetz den gutgläubigen Erwerb einer Sache zur gerechtfertigten Bereicherung erklärt, geschieht der Übergang des Eigentums nämlich gleichzeitig mit dem Erwerb, den der Gutgläubige vermeintlich mit dem Dritten tätigt. Wenn das Gesetz ein Nugget demjenigen gehören lässt, der es in einem Gold führenden Fluss entdeckt, so geht das Eigentum an dieser Sache, ebenfalls eine gerechtfertigte Bereicherung, gleichzeitig mit dem Moment auf den Finder über, da er sie in Besitz nimmt. In der Gleichzeitigkeit geschehende Beziehungen unterliegen keiner Verjährung, da zwischen Anfang und Ende der Beziehung keine Zeit läuft und eine solche Beziehung daher endgültig abgeschlosssen ist. Beispiele sind die gültige Handschenkung oder, um auf zweisachige Beziehungen vorzugreifen, der gültige Handkauf. Und wie die in der erlaubter Handlung als verhältnismässigem Verbrechen demjenigen, welcher die Sache erlangt hat, ohne weiteres das Eigentum daran zufällt, kann einer, dem sie durch gerechtfertigte Bereicherung als verhältnismässiges Vertreuen zugekommen ist, sie behalten und braucht sie weder dem andern zurück zu geben noch sonst jemandem heraus.
Alle diese Regeln gelten gleichermassen für die zweisachigen Beziehungen. Das sind das Versprechen und das Verspreuen.
Das Versprechen als Gegenstück zum Verbrechen ist diejenige Beziehung, in welcher zwei Sachen zwischen dem Paar sich verschieben. Erfolgt dies in Anfang und Ende der Beziehung, so handelt es sich um einen Vertrag als Pendant zur einsachigen Beziehung der erlaubten Handlung. Andernfalls liegt ein Unvertrag vor als Gegensatz zum Vertrag, und der unter dem Gesichtswinkel der Anzahl von Sachen das Gegenstück zu unerlaubten Handlung bildet. Auch im Vertrag unterliegt der Anspruch auf Übergang der Sachen der Verjährung, während im Unvertrag die Sache, sofern es sich dabei nicht um Geld handelt, auf unbeschränkte Zeit hinaus zurück verlangt werden kann. Besonders ist gegenüber dem Verbrechen das Versprechen nur insofern, als in solcher Beziehung, wenn sie unverhältnismässig ist, die eine Sache nur zurück verlangt werden kann und zurück gegeben werden muss, wenn, falls beide Sachen übergegangen sind, auch die andere zurück erstattet werden kann und zurück gegeben wird. Denn das Versprechen als zweisachige Beziehung ist nichts anderes als ein doppeltes Verbrechen, der Vertrag also eine zweifache verhältnismässige erlaubte Handlung und die unerlaubte Handlung als unverhältnismässiges Verbrechen ein halber Unvertrag.
Um die Arten von Beziehungen vollständig zu machen, kommt neben dem Verbrechen mit erlaubter und unerlaubter Handlung und dem Versprechen mit Vertrag und Unvertrag sowie dem Vertreuen mit gerechtfertigter und ungerechtfertigter Bereicherung noch die zweisachige naturgesetzlich bestimmte Beziehung dazu. Versprechen und Vertreuen gemischt ergibt Verspreuen. Mit dem Versprechen hat das Verspreuen gemeinsam, dass beide zweisachige Beziehungen sind, und mit dem Vertreuen ist auch das Verspreuen eine naturgesetlich bestimmte Beziehung. Ein unverhältnismässiges Verspreuen ist die doppelte ungerechtfertigte Bereicherung, beispielsweise wo zwei einen Kauf vereinbaren, von denen der eine oder beide urteilsunfähig sind oder der Handel von mindestens einer der beiden Sachen verboten ist, sie aber trotzdem übergegangen sind. Ob vom Gesetz ein verhältnismässiges Verspreuen, also eine zweifache gerechtfertigte Bereicherung überhaupt vorsieht, wäre noch zu untersuchen.
Diese Einteilung der Beziehung ist logisch klar und eindeutig. Sinnvoll ist sie, weil daraus Schlüsse gezogen werden können. So ist nach dem Gesetz der gutgläubige Erwerb einer Sache nur möglich, wenn die Beziehung zwischen demjenigen, welcher das Eigentum erwirbt, und demjenigen, welchem sie anvertraut worden ist und der sie damit veruntreut, zweisachig und damit ein Versprechen, während Eigentum durch vermeintliche Schenkung trotz guten Glaubens nicht erworben werden kann. Während ich gutgläubig eine Sache durch Kauf zu Eigentum erwerben kann von einem, dem sie nicht gehört, hilft es mir nicht, wenn sie geschenkt werden will, auch wenn ich noch so sehr den guten Glaube habe, sie gehöre demjenigen, von dem ich sie erhalten soll. Wer eine Sache aus einsachiger Beziehung erlangt hat, muss sie der Konkursverwaltung heraus geben, wenn sie ihm während dem Erjährung zu nennenden gesetzlich bestimmtem Zeitraum vor der Konkurseröffnung zugegangen ist, was die vermeintliche erlaubte Handlung, eben weil noch nicht erjährt, zu einer unerlaubten Handlung als unverhältnismssiges Verbrechen macht. Dazu gehören nicht nur die Schenkung, sondern alle Rechtsgeschäfte, bei denen der Schuldner, wie vom Gesetz ausdrücklich erklärt, eine Gegenleistung angenommen hat, die zu seiner eigenen Leistung in einem Missverhältnis steht, und Rechtsgeschäfte, durch die der Schuldner für sich oder für einen Dritten eine Leibrente, eine Pfrund, eine Nutzniessung oder ein Wohnrecht erworben hat. Dies setzt freilich voraus, dass das Rechtsgeschäft binnen gesetzlich vorgeschriebenem Zeitraum gerichtlich angefochten wird. Diesfalls werden auch unverhältnismässig die Bestellung von Sicherheiten für bereits bestehende Verbindlichkeiten, zu deren Sicherstellung der Schuldner nicht schon früher verpflichtet war, die Tilgung einer Geldschuld auf andere Weise als durch Barschaft oder durch anderweitige übliche Zahlungsmittel oder die Zahlung einer nicht verfallenen Schuld. Alle diese Vorgänge sind einsachige Beziehungen, während dort, wo eine Gegenleistung, die nicht in einem Missverhältnis zur andern Leistung steht, erbracht worden ist, es also um angemessene zweisachige Beziehungen geht, eine solche Anfechtung des Rechtsgeschäfts nicht möglich ist. Ob vom Gesetz, das ausdrücklich nur zwischen Vertrag, unerlaubter Handlung und ungerechtfertigter Bereicherung unterscheidet, noch anderweitig Konsequenzen daraus zieht, ob es um eine einsachige Beziehung gehe oder um eine zweisachige, müsste ebenfalls noch näher untersucht werden. Jedenfalls liesse sich der gutgläubige Erwerb einer fremden Sache ohne diese klaren Unterscheidungen nirgends einordnen. Insbesondere liesse sich das Eigentum und dessen Ausübung als sachenrechtliches Rechtsverhältnis niemals unter gleichem Gesichtswinkel sehen wie der Vertrag sowie die unerlaubte Handlung und die ungerechtfertigte Bereicherung als ausdrücklich statuierte obligationenrechtliche Rechtsverhältnisse.