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12. Februar 2010
Die Leute in meinen Klassen kommen aus der ganzen Welt und haben deshalb immer sehr unterschiedliches Vorwissen. Wortschatz und Grammatikprogressionen verschiedener Lehrwerke unterscheiden sich stark. Zudem haben die Lernenden unterschiedliche Studienrichtungen und Interessengebiete. Deshalb ist es für sie wichtig, dass sie individuell Wortschatz aufschreiben und lernen. Um das zu unterstützen, müssen die Lernenden jeden Tag mindestens 10 Wörter notieren, die sie üben bzw. lernen wollen. Diese Listen werden von Zeit zu Zeit eingesammelt und auf Rechtschreibung und Grammatik korrigiert.
Das Aufschreiben ist aber nur die halbe Miete. Die Wörter müssen wiederholt und geübt werden. Natürlich könnten sie das selber tun, aber Anreize im Unterricht sind eine gute Motivierungshilfe. Für jeden Schüler individuelle Arbeitsblätter zu erstellen, ist aber schlicht unmöglich. Viele Übungsformen können die Lernenden aber für einander erstellen.
Grundsätzlich arbeiten die Lernenden zu zweit und tauschen ihre Listen (oder Hefte oder Karteikarten) aus. Jeder wählt aus der Wortschatzsammlung seines Partners (natürlich geht es auch mit der Liste im Buch) eine bestimmte Anzahl Wörter aus, zu der der andere eine Aufgabe bearbeiten muss. Das hat zudem den schönen Vorteil, dass sie auch Wörter zu Gesicht bekommen, die andere ausgewählt haben.
Ein paar Übungen zur Auswahl:
- Galgenmännchen: Person A zeichnet so viele Striche, wie das Wort (oder der Ausdruck) Buchstaben hat. Ä, ö und ü werden als ae, oe und ue geschrieben. Darunter schreibt sie das Alphabet. Person B nennt Buchstaben. Wenn sie im Wort vorkommen, trägt sie A an allen Positionen ein, wenn nicht beginnt er, den Galgen zu zeichnen. Der Buchstabe wird auf jeden Fall im Alphabet abgestrichen.
- Silbenrätsel: Wörter in Silben zerlegen, bunt durcheinander aufschreiben und dann dem Partner zum Lösen geben. Zum Finden der Silben reicht rhythmisches Sprechen meistens aus, im Zweifelsfall kann ja immer die Lehrperson helfen. Es geht ja auch nicht um die korrekten Trennregeln.
- Komposita: 4-5 Komposita wählen, in Einzelteile zerlegen und dem Partner bunt durcheinander präsentieren. Falls es alternative Lösungen gibt, kann die Lehrperson als Schiedsrichter herangezogen werden. Fugenelemente bleiben am ersten Teil hängen (Bei Fortgeschrittenen könnte man sie evtl. ebenfalls als Einzelelemente aufschreiben).
- Wörter erklären: A wählt ein Wort von der Liste von Partner A aus, dass er nicht versteht. B erklärt. Wenn B nicht mehr sicher ist, hilft der Lehrer oder das Wörterbuch
- Buchstaben vertauschen: jedes der ausgesuchten Wörter wird mit vertauschten Buchstaben aufgeschrieben. Die Aufgabe ist ein bisschen einfacher, wenn der erste Buchstabe gross bleibt (geht natürlich nur bei Nomen) oder er sonst irgendwie markiert wird. Als weitere Hilfe kann der, der die Aufgabe vorbereitet, auch eine Kategorie oder einen Oberbegriff für das Wort angeben.
In der Regel mache ich die Spielform im Plenum vor und lasse dann anschliessend die Partner arbeiten. 5-10 Minuten reichen meistens aus. Wenn sie eine Übung noch nie gemacht haben, dauert es meistens etwas länger.