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Familie von Planta
Familiengeschichte
1. Das erste Auftreten des Namens weist in die Römerzeit zurück. Besonderes Interesse kommt dabei, der geographischen Nähe wegen, einem J u l i u s Planta zu, der im Jahr 46 nach Christus im damaligen südlichen Rätien die Grenzen und andere Verhältnisse ordnete; eine im letzten Jahrhundert bei Cles im Südtirol aufgefundene Broncetafel mit einem Edikt des Kaisers Claudius berichtet hierüber; die Tafel befindet sich im Museum zu Trient und eine Nachzeichnung im Rhätischen Museum zu Chur.
2. Die Geschichte des rhätischen Geschlechtes beginnt mit Conrad Planta, der nach den Aussagen der Sprecher'schen Chronik und allgemeiner Annahme 1139 vom Bistum Chur Hoheits- und Besitzrechte im Oberengadin zum Lehen erhielt.
3. Heute noch urkundlich nachweisbar erscheint zuerst Andreas, Inhaber von Ministerialämtern 1244; das Dokument liegt im bischöflichen Archiv zu Chur.
Es folgen Dokumente aus den Jahren 1288, 1289, 1293 n. a. m., durch welche das Bistum den Planta die Engadiner Seen und damit die dortigen Fischrechte, ferner Besitzungen, Einkünfte und Zehnten verschiedener Art zu Samaden, Zernez und an andern Orten teils verkaufte, teils zum ewigen Lehen übergab. Auch von andern Besitzern wurde Eigentum erworben, so 1282 von Friedrich von Ruschenberg eine Liegenschaft am Silsersee.
In der Folge wurden nun auch die amtlichen Verhältnisse zwischen dem Bistum und den Planta in endgültiger Weise geregelt. Es war Andreas II., der im Jahr 1295 von Bischof Bertbold das Ministral- oder Ammannamt im Oberengadin und das Kanzleramt, ferner alle Erze und Bergwerke mit zugehörigen Freiheiten und Rechten zu einem ewigen freien Lehen für sich und seine Nachkommen erhielt; notfalls sollte das Lehen auch durch die weibliche Nachkommenschaft vererbt werden können, "wenn ein ehliche wib ein ehlichen Planten zum Mann hat". Die Planta verzichteten dafür auf ihr altes, offenbar aus dem Jahr 1139 stammendes Guthaben. Das bezügliche Dokument befindet sich im Kreisarchiv zu Zuoz.
4. Der Hauptwohnsitz der Planta war von jeher Zuoz im Oberengadin.
Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit dem vorhin genannten Andreas II. und mit den Enkeln Jakobs, der, wie auch Hartmann, in einem Dokument von 1297 figuriert.
5. Historische Entwicklung.
Da schon die ältesten Nachrichten die Planta im Genusse bedeutender feudaler Rechte und Besitzungen zeigen, so waren ihre Vermögensumstände im XII. und XIII. Jahrhundert offenbar recht günstige, wie das ja auch aus dem Lehnsverhältnis zum Bistum hervorgeht, das ursprünglich ein Pfandlehensverhältnis war. Die Quelle des Reichtums lag damals ohne Zweifel der Hauptsache nach in den Bergwerken, und es mögen wohl die Einkünfte an Zehnten, Zöllen und dergl. erst eine Folge der blühenden Bergbautätigkeit gewesen sein.
Die Gerichtsbarkeit im Oberengadin lag von 1295 an ganz in den Händen der Planta; sie waren ein ritterbürtiges Geschlecht, waren Wappengenossen und hatten das Siegelrecht. Wappen: die schwarze Bärentatze im silbernen Felde
Waren vorerst die Mitglieder des Geschlechtes hauptsächlich nur im Engadin und in den südlichen Tälern begütert, so finden wir im XIV. Jahrhundert einzelne Planta, zwar nur vorübergehend, als Inhaber obrigkeitlicher Rechte und privaten Besitzes im Domleschg, im Oberhalbstein und im Albulatal.
Als nun im XIV. und XV. Jahrhundert die freien Gerichtsgemeinden und in der Folge die Bünde sich zu bilden begannen, beteiligten sich die Planta an dieser Bewegung, die zwar den Verlust mancher politischer Vorrechte, aber auch die Möglichkeit der Mitwirkung am Aufbau und Ausbau des rhätischen Freistaates mit sich brachte. Als 1367 die Grundlage zum ältesten rhätischen Bunde, dem Gotteshausbunde, gelegt wurde, wie auch später zur Zeit des Schwabenkrieges 1499 und bei der Eroberung des Veltlins 1512, waren sie an den Ereignissen in hervorragender Weise beteiligt. Was den Bergbau betrifft, so hatte derselbe inzwischen erheblich an Bedeutung verloren und verschwand allmählich ganz.
Mit dem Jahr 1500 ungefähr begann das Geschlecht sich auch nach einigen Gegenden des Rheingebietes hin bleibend auszubreiten. Von diesem Zeitpunkt an werden die verschiedenen Linien datiert. Ueber die Verbreitung derselben, soweit das Gebiet der Drei Bünde in Betracht kommt, mag folgende kurze Uebersicht Aufschluss geben:
Die Linie Zuoz hielt in der Hauptsache an diesem Stammort als Wohnsitz fest. Im XVIII. und XIX. Jahrhundert liessen sich Zweige im Domleschg und in Chur nieder.
Die Linie Wildenberg, so genannt nach dem Schloss Wildenberg bei Zernez, das schon im Jahre 1302 an die Planta gekommen war und bis ins XIX. Jahrhundert im Besitz der Familie blieb, verzweigte sich nach Steinsberg (Ardez), Rhäzüns, Rietberg, Rodels, Malans, und in neuerer Zeit nach Guarda und Süs,
Die Linie Chur ist jetzt noch in Chur begütert. Ebenso die Linie Süs in Süs.
Die Linie Samaden hat heute noch ihren Sitz an ihrem Stammort Samaden, hat sich aber im XIX, Jahrhundert ausserdem nach Reichenau und Chur verzweigt.
Die Ilanzer Linie welche nach Valorb auswanderte, ist heute in England wohnhaft.
Es würde zu weit führen, ungeachtet der komplizierteren Verhältnisse und der grösseren Ausdehnung des Geschlechtes nun auch für diese spätere Zeit eine eingehende Darstellung geben zu wollen. Soweit nicht die folgenden Abschnitte darüber Aufschluss geben, möge auf die Chronik der Familie verwiesen sein.
(c)by Gaudenz von Planta, Fürstenau 1917