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Urs Vetsch
Staccato - Partitur einer Jugend
Nimrod Literaturveralg und rauhreif Verlag, 1993
Aus: Urs Vetsch. Staccato - Partitur einer Jugend. Nimrod Literaturveralg und rauhreif Verlag, 1993
Auch der Geburtstagsfeier von Floriana hat er fernbleiben müssen. Er erinnert sich: Schon eine Woche davor begann er die Stunden zu zählen. Die Mutter warnte ihn, er solle sich nicht zu sehr reuen und denken, es sei ein Tag wie jeder andere, Mit Leichtigkeit begann er den Morgen. Jede Bewegung war ein kleines Tanzen. Er setzte sich ans Klavier, spielte den Schubertmarsch, den sie am Nachmittag gemeinsam vortragen wollten. Er hatte ein Geschenk gekauft. Mehr als eine Stunde hatte er im Musikhaus verbracht, um ein wenig bekanntes Werk auszusuchen. Er wollte sie raten lassen. Ein Klavierkonzert mit fünf Sätzen? Am Ende ein Männerchor. Auf Feruccio Busoni käme sie nicht. Dann machte er sich auf den Weg. Unversehens Bangigkeit. Enge in der Brust. Stechender Schmerz. Die Schritte verzögerten sich. Die Bäckerin kehrte mit dem Besen den Platz vor ihrem Laden. Sie wollte mit ihm sprechen. Er konnte kaum einen Gruss keuchen. Bei der Bushaltestelle entschloss er sich zur Umkehr. Er verkroch sich ins Badezimmer, wo die Medikamente standen. Die Mutter schlug die Hände über dem Kopf zusammen, und der Vater sagte am Abend, sein Zustand wechsle schlagartig, fast, wie das Wetter im Hochgebirge.