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Exekutiert wegen Spionage in Schwyz
Vermutlich endete im Juni 1944 eine Spionagegeschichte in einer Kiesgrube am Zürcher Katzensee
2 der 33 während des Zweiten Weltkriegs zum Tode Verurteilten spionierten in und von Schwyz aus, darunter auch ein Einheimischer.
FRANZ STEINEGGER
Im Frühling 1941 erhielt Max Gisinger unerwarteten Besuch von seinem Cousin Walter Korber aus Feldkirch. Als er seinen Vetter zum Bahnhof in Seewen begleitete, gab ihm Korber 50 Franken, mit der Bemerkung, er könne noch mehr verdienen, wenn er ihm Nachrichten über militärisch interessante Dinge liefere. So begann eine unheilvolle Geschichte, die mit der Hinrichtung von Max Gisinger* und seines Schwyzer Freundes Hugo Merki* im Juni 1944 vermutlich in einer Kiesgrube am Katzensee in Zürich endete.
Einbruch ins Platzkommando in Schwyz
Max Gisinger wurde 1920 in Liechtenstein geboren. Als er in der fünften Klasse war, zogen die Eltern nach Schwyz. Hier fühlte er sich isoliert. In der Pfadi traf er Hugo Merki, geboren 1922. Dieser litt unter schwierigen Familienverhältnissen. Sie wurden unzertrennliche Freunde. Für Merki wurde diese Freundschaft zum Verhängnis, denn die treibende Kraft hinter den Taten war Gisinger, der nicht etwa wegen Sympathie für Hitler-Deutschland handelte. «Einziges Motiv war seine Geldgier», hielt das Gericht in seinem Urteil fest.
Ende August 1941 landete Gisinger seinen ersten Coup. In einem leer stehenden Hotel in Schwyz war das Platzkommando untergebracht, das für die Mobilmachung der Region zuständig war. Gisinger arbeitete in diesem Hotel als Maler, kannte demzufolge die Räumlichkeiten gut. Eines Abends nach Arbeitsschluss entwendete er militärische Akten – unter anderem das Verzeichnis der Korpssammelplätze der schweizerischen Grenztruppen, die er Korber übergab. Sensible Daten an deutschen Agenten geliefert Der deutsche Agent aus Feldkirch lockte ihn mit Geld, sich weiterer Akten zu behändigen. So lieferte er wenig später das Verzeichnis aller Schweizerischen Mobilmachungsplätze und der Mobilmachungsfunktionäre. Als Gisinger im Januar 1942 zum dritten Mal in die Büros eindrang, wurde er von einer Putzfrau entdeckt. Es gelang ihm aber, unerkannt zu fliehen. Darauf wurden die fahrlässig kaum geschützten Büros abends immerhin abgeschlossen.
Ende April drang Gisinger mit Einbruchswerkzeug erneut in die Büros ein, diesmal erstmals zusammen mit Hugo Merki. Sie entwendeten einen ganzen Stoss von verschlossenen Umschlägen – Verzeichnisse von Militärbaracken, Mannschaftsunterkünften, Kompaniebüros, Magazinen, auch Situationspläne und Korrespondenzen über Panzer- und Strassensperren an den Eingängen zum Reduit. Um mehr Geld zu erhalten, verkauften Gisinger und Merki die gestohlenen Akten dem deutschen Agenten nicht auf einmal, sondern in Raten.
Fokus auf die Gotthardfestung gerichtet
Sie begnügten sich nun nicht mehr mit den Funden im Platzkommando Schwyz, sondern waren auf weitere Erkundungen aus. Im Sommer 1942 spionierten sie anhand der gestohlenen Pläne geheime Stollen und Festungen im Gotthardgebiet aus – unter anderem eines der vorgesehenen Kriegshauptquartiere von General Guisan. Sie fertigten Skizzen und Pläne an und verkauften diese an Korber. Es gelang ihnen auch, grundlegende Kenntnisse über den Chiffrierverkehr der Schweizerischen Funktruppen in Erfahrung zu bringen sowie den Standort und die Organisation einiger Funkerstationen.
Merki legte im Untersuchungsverfahren ein Geständnis ab, was ihm aber nichts nützte. Beide wurden wegen subjektiv und objektiv schwerster Schuld vom Territorialgericht im März 1944 zum Tode verurteilt. Bei Merki hatte der Auditor lediglich lebenslängliche Haft beantragt. Weder Gisinger noch Merki reichten eine Kassationsbeschwerde ein. Ihr Gnadengesuch wurde von der Bundesversammlung abgewiesen.
Unklar bleibt, wie die beiden Spione aufgeflogen sind. Vermutlich liegt das daran, dass dies der Geheimhaltung unterworfen ist.
*Hinweise: Die Namen der Verurteilten sind geändert. Alle Zitate sind dem Buch «Landesverräter – 17 Lebensläufe und Todesurteile» von Peter Noll (1979, Verlag Huber Frauenfeld/Stuttgart) entnommen. Noll (1982 gestorben) war ein bedeutender Strafrechtswissenschaftler.
Er entwendete unter anderem das Verzeichnis der Korpssammelplätze der schweizerischen Grenztruppen.