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Um 1160 gehörten ausgedehnte Ländereien in Muri-Kräyigen zu den Lehensgütern des Rudolf von Montenach, die seine Schwiegertochter Gepa und ihr Sohn Aymo von Montenach in den Jahren 1239 und 1240 dem reichen Kloster Interlaken verkauften, das sie im Laufe der Zeit verschiedenen Bauersleuten als Lehen verlieh.
1609 besass Niklaus Kirchberger einige Güter mit Gebäuden und Hofstätten östlich der Mettlen, die durch seine Tochter Apollonia an deren Gemahl Anton von Graffenried gelangten, den kommenden Berner Schultheissen. Mattland in der Mettlen gehörte 1648 Ulrich Krieg «dem Alten» sowie Beat Büelmann und dessen Schwiegersohn Hans Zeender.
Grossen Grundbesitz in Muri hatte im Jahre 1650 Hans Rudolf von Diesbach erworben. Diese Güter erstreckten sich über Kräyigen bis zum Eichholzwäldli und im Norden bis zum Melchenbühl, andere lagen westlich der Wehrlimatte (südlich der Mettlen) und angrenzend an das Wiesland des Anton von Graffenried und des Kaspar Joss. Sein Sohn Niklaus von Diesbach verkaufte Teile der geerbten väterlichen Ländereien, so um 1695 die Schlossgüter an Albrecht von Mülinen. Andere Muri-Güter hatten möglicherweise zum Besitz Märchligen-Kräyigen des Kaspar von Graffenried gehört, die er 1627 seinen Söhnen Hans Jakob und Johann Ulrich hinterliess und deren Nichte Jacqueline Péronne im Jahre 1661 offensichtlich einen Teil davon ihrem Gatten Johann Rudolf von Graffenried zubrachte. Durch Jacqueline, eine seiner Töchter, kam das Mettlen-Gut jedenfalls an ihren Gatten Samuel Ougsburger, der wegen Veruntreuung von Geldern als Salzkassaverwalter des Landes verwiesen wurde. Die Tuchweber Ougsburger stammten aus Augsburg und gehörten seit 1380 zu den regimentsfähigen Geschlechtern Berns. Der ultimus familiae starb im Jahre 1907.
Samuels junge Witwe behielt das Mettlen-Gut, das im Westen an Christian Schaufelbergers Multen-Gut und Rütteli, im Osten an die Grossmatte des Schlossherrn von Muri, und im Norden an Peter Biglers und Frantz Jossens Anteile der Mettlen grenzte. Auf ihrem Gut standen neben einer Behausung Scheuern, ein Stall und ein Ofenhaus, dazu gehörten Kraut- und Blumengärten. Doch Jacqueline Ougsburger geriet immer mehr in finanzielle Nöte und musste verschiedentlich Darlehen aufnehmen. Sie überliess die Mettlen schliesslich vor 1740 ihrem Sohne, dem Welschweinschenk Johann Ludwig Ougsburger, der als Kind von seinem Onkel schon das Wehrli-Gut geerbt hatte. Auch er musste erneut Schuldbriefe zeichnen und das Mettlen-Gut als Unterpfand einsetzen. So erhielt er am 16. Dezember 1740 12'000 Pfund von Gabriel May, dem Herrn zu Hünigen, trotzdem schon Gültbriefe auf 17'500 Pfund vorlagen, und am 6. Mai 1748 liehen ihm seine Schwäger Alexander von Wattenwyl und Achilles Jenner weitere 20'000 Pfund.
Schliesslich verkaufte er das grosse Gut um 1750. Doch auch Alexander von Wattenwyl, der neue Besitzer der Mettlen, war von Geldsorgen gequält. Trotz den zahlreichen Pfandverschreibungen hinterlegte er das Gut am. September 1751 erneut für ein Darlehen von 10'000 Bernpfunden, das ihm Aramanda Zehender, die jüngste Tochter des verstorbenen Landvogts zu Kastelen, gewährte. Ihre reizende Schwester, genannt «Bibi», vermählte sich wenige Jahre später mit dem zukünftigen Herrn in der Mettlen, Johann Albrecht von Steiger. Bei Alexanders Geltstag kam das Mettlen-Gut im Jahre 1755 an den Landmajor und Pulverherrn Beat Jakob Fischer, einen Sohn des gleichnamigen Alt-Landvogts zu Trachselwald. Von ihm nun scheint die Mettlen an die Jungfer Anna Katharina von Wattenwyl gelangt zu sein, die einzige, seit Jahren verwaiste Tochter des vormaligen Landvogts zu Buchsee. Neben dem Gültbrief zugunsten der Aramanda Zehender lasteten Hypotheken von 12'000 und 6000 Pfund auf dem Landsitz. Sie verkaufte die Mettlen mit Gebäuden im Jahre 1772 ihrem Vetter Johann Albrecht von Steiger, einem Bruder des letzten Schultheissen des alten Bern, dessen Geschlecht aus dem Thurgau stammt und einen schwarzen Steinbock im Wappen führt. Der Schneidermeister Johannes wurde 1540 Burger zu Bern, besass ein Haus am Kornhausplatz und erlag 1577 der Pest.
Die Mettlen umfasste damals das Matt- und Ackerland südlich des Schaufelbergerschen Multen-Gutes bis zum Mannenried und hinab zur Aare. Der neue Besitzer erwarb 1775 und 1779 die Neuhausmatte (Aarwyl) westlich des Wehrli-Gutes sowie einen Teil des Kilchackers zu Kräyigen. Weiterhin hatte er die Füllerichmatte für 1000 Kronen gekauft, die an den Schlossbesitz des Metzgers Heggi und ans Turbenmoos (Gümligenfeld) grenzte. Um 1780 liess er durch Carolus Ahasverus von Sinner das dreigeschossige Herrenhaus in der Mettlen mit seiner klassizistischen Fassade und auf der Parkseite einem Peristyl mit Säulen bauen. Durch den Verkauf der ererbten väterlichen Herrschaft Monnaz oberhalb Morges standen ihm ja reichliche Mittel zur Verfügung. Zusammen mit seiner charmanten Gattin «Bibi» Zehender und seinen drei Kindern (die älteste Tochter Veronika Henriette war schon 1772 durch ihre Heirat als Schlossherrin nach Toffen gezogen) verlebte Johann Albrecht glückliche Tage in der Mettlen. Sein Stadthaus an der Kramgasse 61 verkaufte er im Jahre 1787 seinem Bruder, der vor Ostern in der Schultheissenwahl gegen Albrecht von Mülinen ein grosses Mehr an Stimmen erlangt hatte als Nachfolger des über 90jährigen Albrecht Friedrich von Erlach von Hindelbank. 1796/97 kauften Johann Albrechts Kinder Friedrich Christoph, Karl, Veronika Henriette von Werdt und Armanda Sophie ihm die Campagne Mettlen ab, zusammen mit seinem 1779 erworbenen Brückfeld-Gut. Als die Bürger nach dem Umsturz von 1798 mit Stimmzwang und Eidesleistung gezwungen wurden, die neue Verfassung anzunehmen, verliess ihr Vater enttäuscht das Land und starb sieben Jahre später in Braunschweig. Im Jahre 1804 übernahm Veronika Henriette von Werdt vom Schloss Toffen die Mettlen allein.
Das Leben der neuen Mettlenherrin war trotz ihrem Wohlstand nicht vom Glück begünstigt. Wegen der Liebesaffäre ihres Gatten mit Margarethe Elisabeth von Jenner brachen deren Ehe mit Rudolf Ludwig Willading wie auch ihre eigene entzwei. Ihr jüngster Sohn Sigmund Rudolf fiel 1802 im Alter von erst 21 Jahren im Stecklikrieg gegen die Helvetische Regierung bei der Untertorbrücke einer Kugel zum Opfer, ihr erster Sohn wurde 1811 von der Präfektur Bern für 27 Monate ins Exil geschickt. Im Jahre 1818 verkaufte sie das Mettlen-Gut, das nur noch mit einem Gültbrief von 1796 auf 20'000 Pfund belastet war, dem Grafen Anton Magnis, Gerichtsherr im preussischen Schlesien, der das Herrschaftsgebäude umbauen liess. Von ihm erwarb es sechs Jahre später Frau Pauline Anna Margarethe Matthes, Gemahlin des Johann Nutges aus Holland. Sie führten hier ein prunkvolles Leben, das jedoch mit dem Bankrott ihres Gatten endete. Sie musste die herrschaftliche Campagne mit den beiden eindrucksvollen Scheunen und über 100 Jucharten Land 1834 an Karl Friedrich de Pourtalès verkaufen, der einem in Neuenburg niedergelassenen, 1750 von Friedrich dem Grossen in den Grafenstand erhobenen Hugenottengeschlecht entstammte. Am Hofe Friedrich Wilhelms III. von Preussen war der hochgewachsene Offizier Oberzeremonienmeister gewesen und diente 1819 in der neuenburgischen Miliz.
Anlässlich seines Aufenthaltes in der Militärschule Thun hatte er Bekanntschaft gemacht mit der schönen Henriette Sophie Rosalie Emilie von Steiger, einer Tochter des dortigen Oberamtmannes, und die beiden feierten am 9. August 1824 Hochzeit. Als Monarchist war er ein Anhänger des wankelmütigen preussischen Königs, des damaligen Souveräns von Neuenburg, und somit ein Gegner der Republikaner, die 1848 den Sieg davongetragen hatten. Sein schriftlicher Befehl zu dem wenig sachgemäss geplanten Putschversuch einer Gegenrevolution (1856) wurde in der Mettlen ausgearbeitet. Graf von Pourtalès tauschte 1840 die von seinem Vater erhandelte Scheuermatte mit Rudolf Ludwig Karl Zeerleder auf Schloss Muri ab gegen dessen Weyermatte westlich des Mettlen-Gutes, die Zeerleders Schwiegervater Samuel Lehmann von der Familienkiste Heggi erworben hatte. Auch das Gut Mannenried gliederte er seinem Besitz in Muri an.
Als beim Erdbeben vom 27. Januar 1881 die Kirche von Muri grossen Schaden erlitt, wurde der Neubau mit seinem hohen Turm weitgehend vom Grafen von Pourtalès finanziert. Ein Jahr später starb er ohne direkte Nachkommen; dennoch standen 25 Erben an seiner Bahre, welche die Mettlen mit dem Mannenried und weiteren Gütern 1886 Reinhard Hyronimus von Wattenwyl verkauften, der im Elfenau-Gut seines millionenschweren Vaters aufwuchs und dessen Mutter Eliza Magdalena Louise de Portes über hundertjährig starb. Im Jahre 1910 kauften ihm Gottfried Rufener, Hermann Könitzer und Konrad Krebs den ganzen Besitz ab und gründeten die Immobiliengesellschaft Mettlen AG. Das Herrenhaus selbst ging drei Jahre darnach an den Kaufmann Julius Haemmig aus Zürich, 1918 kam es an dessen Erben, nämlich seine Witwe Maria Emma geborene Gebhard und deren Söhne Walter und Alfred Haemmig. Die Mutter übernahm den Besitz allein und verkaufte ihn 1944 an Dr. Cesar Gustav Tauber, der im Herrschaftshaus eine Nervenklinik errichtete.
Am 17. Juli 1970 übernahm die Gemeinde Muri den herrlichen Mettlenbesitz im Halte von über 20'000 m2 für 3 Millionen Franken. Eine Etage des Hauses wurde der Musikschule zur Verfügung gestellt und das unter Denkmalschutz stehende Herrenhaus im vornehmen Park renoviert. Es dient teilweise als Sitz der Verwaltungsbehörden der Gemeinde. In neuester Zeit plant das «Kultur-Forum» in Muri, die Mettlen in ein Kulturzentrum der Gemeinde umzuwandeln, vor allem den «Mettlenchäller». Die beiden grossen Wohnscheunen beidseitig der Zugangsallee, mit ihren charakteristischen Bogenlauben aus Sandstein und schweren Walmdächern, stammen noch aus der Zeit eines frühen Besitzers (um 1750). Im Sommer 1923 wurden sie vom Bankier Johann Friedrich Schmid aus Württemberg bewohnt, der die Stadtwohnung des letzten Berner Schultheissen von Steiger besass, das frühere Kirchbergerhaus (Kramgasse 61). Sein in der Mettlen geborener Sohn Ludwig Ferdinand Schmid, der lange Zeit als Handelsmann in Rio de Janeiro lebte, wurde unter dem Pseudonym «Dranmor» als Schriftsteller bekannt. Unglücklicherweise verhinderte 1951/52 niemand den unsinnigen Abbruch der beiden einmaligen, behäbigen Mettlenscheunen...
Bibliographie