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Phytotherapie
Der Begriff Phytotherapie wurde vom französischen Arzt Henri Leclerc (1870 - 1955) eingeführt.
Phytotherapie ist definiert als Heilung, Linderung und Vorbeugung von Krankheiten bis hin zu Befindlichkeitsstörungen durch Arzneipflanzen, Pflanzenteile oder pflanzliche Bestandteile und deren Zubereitung. Die Phytotherapie ist nicht Alternative, sondern Teil der heutigen naturwissenschaftlich orientierten Medizin. Sie schliesst therapeutische Lücken und bietet ergänzende oder adjuvante Möglichkeiten bei der Behandlung und Vorbeugung akuter und chronischer Krankheiten. Beispielsweise bei Reizblase, Verdauungsbeschwerden, Allergien und Intoleranzen, Stärkung des Immunsystems, Erkältungskrankheiten, Hormonstörungen wie PMS usw.
Eine Abgrenzung besteht zur homöopathischen und anthroposophischen Therapierichtung. Der anthroposophischen Medizin liegt ein eigener erkenntnistheoretischer Ansatz zugrunde, der auf der Lehre Rudolf Steiners basiert. Die Homöopathie ist ein eigenständiges Therapieverfahren. Pflanzliche Arzneimittel geniessen heutzutage ein hohes Ansehen, mehr als 60% der Bevölkerung greifen zu Phytotherapeutika/Naturheilmitteln.
In der Pflanze findet sowohl ein Primär- als auch ein Sekundärstoffwechsel statt. Im Primärstoffwechsel entstehen Kohlenhydrate, Eiweiss und Fett, die der Pflanze als Energielieferanten, Strukturbausteine oder Speicherstoffe dienen. Produkte des sekundären Stoffwechsels sind die heute in aller Munde sekundären Pflanzeninhaltsstoffe, z. B. Flavonoide, Gerbstoffe, Saponine, Alkaloide, Glykoside, Bitterstoffe usw. (und auch das uns allen bekannte Salicin, der Wirkstoff des Aspirins). Diese dienen der Pflanze beispielsweise als Abwehrstoffe gegen Schädlinge und Krankheiten, Wachstumsregulatoren und Farbstoffe. Sie werden als biogene Arzneistoffe in Form isolierter Reinsubstanzen oder als Pflanzen- bzw. Drogenextrakte in Medizin und Pharmazie eingesetzt.
Auch die Pflanze synthetisiert eine Vielzahl von verschiedenen Stoffen, muss Substanz aufbauen, aber auch Stoffwechselprodukte ausscheiden und entgiften. Sie besitzt zwar keine derart speziellen «Organe» wie Menschen und Tiere, gleichwohl laufen viele chemisch-physikalischen Prozesse sehr ähnlich denen von Mensch und Tier ab. Daraus erklärt sich, dass viele Pflanzeninhaltsstoffe eine erstaunliche Affinität und Ähnlichkeit zu den in unserem Körper gebildeten Substanzen haben. Hierin liegt der Schlüssel zum Verständnis der grossen pharmakologischen Wirksamkeit vieler Pflanzendrogen.
In der Phytotherapie wird immer die Pflanze als Ganzes verwendet, es werden keine einzelnen Wirkstoffe herausgelöst wie in der Pharmaindustrie. Auch wenn wir die Pflanzen isoliert betrachten und nach Inhaltsstoffen verordnen, sei doch in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, dass es die Gesamtheit der Wirkstoffe einer Pflanze ist, die in optimaler Weise zusammenwirken und meist dem isolierten Einzelwirkstoff weit überlegen sind! Ein Beispiel ist das Capsaicin, einer der Wirkstoffe aus dem Cayennepfeffer, das entzündungshemmend auf die Magenschleimhaut wirkt. Es wurde extrahiert und siehe da, der isolierte Wirkstoff hatte keine Wirkung mehr. Es wirkt nur, wenn der Cayennepfeffer als Ganzes gegessen wird.