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Weitere Luftaufnahmen von Estavayer
Die Stadt Estavayer am Südufer des Neuenburger Sees zeigt eine mittelalterlicher Agglomeration mit ziemlich komplexer Struktur, der drei Schlösser ihre Prägung gaben. Zur Zeit der Hohen Burgunds gegen 1011 spendete König Rudolph III seiner Ehefrau das Schloss, das in Font lag, ganz in der Nähe von Estavayer. Zweifellos ist es der Vorgänger des Schlosses, das im hohen Mittelalter aufgerichtet, und während der Burgund Kriege in 1475 zerstört wurde. Heute noch liegen seine Ruinen auf einem kleinen Hügel.
Man nimmt an, dass es auch in Estavayer ein ursprüngliches Werk gab. Die höchste Stelle des Felsens, der durch zwei kleine parallele kleine Täler geteilt wird, nennt sich in der Tat "Motte-Châtel". Dieses Wort „Motte“ könnte sich auf das erste Schloss beziehen, das diesen Standort besetzte. Vermutlich gehörte es einer edlen Familie von Hoch Burgund, von der man weiss, dass sie gegen 1100 den Namen von Estavayer trug. Von einigen Ausnahmen abgesehen, bewohnte sie das Schloss bis zum 15. Jahrhundert und war am Dienst der Grafen von Savoyen und der Bischöfe von Lausanne.
Infolge Erbteilungen teilte sie sich in mehreren Zweigen, und ihre Güter wurden daher zerstückelt. Selbst wenn das Zentrum der Herrschaft daran litt, war es möglich, bis heute die weite freiburger Enklave, die sich von Broye am Neuenburger See die dreizehn an Estavayer nahe gelegenen Dörfer ausdehnte, die ab 1150 zum Herrschaftsgebiet von Reynaud I von Estavayer und seine Nachfolger bildeten, zu bewahren.
Das Motte-Châtel, das heute von einem Kollegium besetzt wird, war zweifellos der Ausgangspunkt der Gründung der Stadt, und vermutlich auch der Kirche Saint-Laurent. Die ersten Befestigungen umkreisten zweifellos das Schloss, die Kirche und die Kreuzung der Strassen von Murten, Avenches und Yverdon; sie mussten die zwei kleinen schon erwähnten kleinen Täler entlangführen. Eines dieser, jenes im Westsüden, das für die Schaffung handwerklicher Unternehmen günstig war, wurde im 13. Jahrhundert im Bereich eingeschlossen und wurde mit einem zweiten Schloss ausgestattet, das mehr im Süden auf einer kleinen Erhöhung aufgerichtet wurde.
Während sozusagen nichts von diesen zwei Schlössern übrig blieb (es sei denn, dass man den Turm von Savoyen als ein Teil eines von ihnen betrachtet), steht das dritte, das neueste Schloss, immer noch. Als Verteidigungseinheit, das im zu Ende gehenden Mittelalter aufgerichtet wurde, gilt es als eines der wichtigsten seiner Art. Das Schloss Chenaux, entstand auch durch eine Erbteilung gegen das Ende des 13. Jahrhunderts und verrät den Stil von Peter II aus Savoyen: ein Viereck, das aus starken Konstruktionen gebildet wurde, eingekreist von Wassergräben und zum Teil von Umfriedungsmauern, das durch einen eindrucksvollen kreisförmigen Wachtturm im einem seiner Winkeln und durch drei Türmen, die die Gebäude der drei anderen Winkel flankieren. In Bulle hat sich diese Bauart im reinen Zustand bewahrt; in Estavayer wurde sie im Laufe der Jahrhunderte geändert. Der grosse Wachtturm, der sich auf 33,5 Meter erhebt, und dessen Mauern eine Dicke von drei Metern erreichen, steht noch aufrecht, während zwei Türmchen verschwunden sind; nur derjenige im Osten, der „Pigeonnier“ blieb stehen.
Es ist gut möglich, dass die Position dieses Schlosses, entfernt vom Bach und von den Gräben, die die Stadt umgaben, die Konstruktion zusätzlicher Befestigungen erforderte. Ungefähr gegen 1400 war der Raum, der es vom Dorf trennte, auch von einer Mauer umgeben, und im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde das Schloss ausserdem durch ein bemerkenswertes fortgeschrittenes Werk verstärkt. Nachdem die Savoyarden-Grafen die Festung erwarben, liessen sie in 1432 eine eindrucksvolle Barbakane nahe des grossen Wachtturmes bauen und in 1450 an der Stadtseite einen hohen Turm Tür mit viereckigen Grundriss.
Das savoyische Haus hatte zu dieser Zeit den Gipfel seiner Macht erreicht. In 1416 in den Rang der Herzöge erhoben, lieferten seine Mitglieder in der Person von Amédée VIII der Kirche einen Papst, Félix V. In 1439 gelangte er infolge des Konzils von Basel, zum pontifikalen Thron. Das savoyische Haus machte gemeinsame Sache mit dem Herzog aus Burgund und insbesondere das Waadtland, das ihm unterworfen war. So nahmen sie in 1475/76 am Konflikt teil, an dem Karl der Kühne den Eidgenossen entgegenstand. Diese rückten bis zum Genfer See vor, und alle, die versuchten, sich ihrer Armee zu widersetzen, wurden vernichtet. Der Graf Jacques von Romont weigerte sich aufzugeben. Die Stadt Estavayer wurde im Oktober 1475 in Angriff genommen. Ihre Garnison wurde, auf Befehlt von Claude von Estavayer Opfer eines entsetzlichen Massakers. Die Stadt wurde geplündert und die Schlösser verbrannt. Lange noch litten Bern und Freiburg, die dieses monströsen Verbrechen befohlen hatten - eine wirklich ungeschickte Handlung - moralisch darunter, sogar auch, nachdem sie siegreich aus den Schlachten von Grandson und von Murten herausgekommen waren.
Savoyen kaufte in 1454 die Herrschaft von Estavayer von seinen Ministeriellen, die Baronen von Estavayer wieder auf. in Anbetracht dauernder finanzieller Schwierigkeiten, mussten sie Geld vom Krankenhaus von Freiburg leihen und das Schloss Chenaux in Pfand geben. Deshalb sah sich Freiburg nach den Burgund Kriegen als Eigentümer von wenigstens einen Teil der Herrschaft. Das Schloss Chenaux, das einzige, das wieder aufgebaut wurde, und die Territorien, die dazu gehörten, bildeten weiterhin eine freiburger Enklave im Savoyarden Territorium sogar nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages in 1478. In 1536, bei der Eroberung des Waadtlandes durch die Berner, forderte der Schlossherr von Chenaux die Bürger auf, sich unter dem Schutz von Freiburg zu stellen. Später diente das Schloss den freiburgerischen Vögten als Sitz, dann der Präfektur des Distriktes Broye.
Die Wiederaufbauarbeiten, die nach 1476 unternommen wurden, gaben Chenaux grösstenteils sein derzeitiges Aussehen.
Die fortgeschrittenen Türme und die hervorragenden Werke wurden den neuen Befestigungstechniken angepasst, wurden mit verschiedenen Anhängen ausgestattet. Die Brücke wurde durch eine feste Holz- und Ziegelsteinkonstruktion ersetzt. Der im 15. Jahrhundert für die Erbauung anderer Schlösser der westlichen Hochebene gebrauchte Ziegelstein (Vufflens, Saint Maire von Lausanne), diente ebenfalls Estavayer als Konstruktionsmaterial insbesondere für die zwei getrennte Türme, die auf jeder Seite der nördlichen Seite von Chenaux stehen. Erst in 1503 von Architekten Marmet Bonvespréz aufgerichtet, markieren sie den Abschluss eines Werkes, das in einem neuen Geist erstaunlich das Modell von Peter II widerspiegelt. Im Laufe der Jahre musste man verschiedene Gebäude des Schlosses erneuern: im 15. Jahrhundert der Westflügel, von dem man an der Hofseite die spät gotischen Fenster bemerken wird im 17. Jahrhundert der breite Nordflügel. Die Stadtmauer wurde nicht mehr wieder aufgebaut, was eine bessere Lüftung und Beleuchtung dieser Seite des Hofes ermöglichte.
Unten das Schloss gegen 1920:
Bibliographie