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SAURER - Geschichte einer Nutzfahrzeugfabrik
Auszug zu der Geschichte vom 6 und 10DM vom Buch "Geschichte eine Nutzfahrzeugfabrik" von Kurt Sahli, erschienen im Stämpfli Verlag
Geländegängige Militarfahrzeuge der neuen Generation
In jedem Land, das caber eine eigenstandige Nutzfahrzeugindustrie verfügt, können nicht nur die vielseitigen Interessen des zivilen Transportgewerbes, sondern auch diejenigen der Armee bestens berücksichtigt werden. Dabei ist nicht die Produktionsleistung in Kriegszeiten von ausschlaggebender Bedeutung, sondern vielmehr das Bereitstellen des militarischen Fahrzeugparks in Friedenszeiten und in Perioden erhöhter Bereitschaft.
Für ein kleines Land wie die Schweiz war eine Motorisierung mit nur armeeeigenen Mitteln aus militarischer Sicht bestimmt wünschenswer, wirtschaftlich aber nicht tragbar. Wohl verfügt unsere Arrnee über
eigene Fahrzeuge, die wegen ihrer spezifischen Bauart als Kampfgerät in der Wirtschaft nicht verwendbar sind. Der grösste Teil der für militärische Transporte dienenden Fahrzeuge müsste jedoch der Wirtschaft entnommen werden. Es ist daher naheliegend, dass unsere Nutzfahrzeugindustrie stets darauf achtete, dass die für das private Transportgewerbe bestimmten
Fahrzeuge auch verschiedene militarische Bediirfnisse erfülllten.
Saurer hat sich stets bemüht, für unsere Armee leistungsfähige und dem Einsatz entsprechende Fahrzeuge herzustellen. Schon früh erwarb sich das Unternehmen in Arbon mit der Entwicklung von gelandegängigen Nutzfahrzeugen, die die Kampfkraft unserer Armee wesentlich steigerten, grosse Verdienste.
Obschon seitens der Armee eine Beschaffung neuerMilitarfahrzeuge noch nicht aktuell war, entwickelte man in Arbon eine neue Generation von Militarfahrzeugen. Bereits 1978 lieferte Saurer der Armee vier Prototypen zur eingehenden Truppenerprobung ab. Bei diesen Fahrzeugen handelte es sich um gelandegangige Frontlenker-Lastwagen mit den Typenbezeichnungen 6 DM und 10DM.
Diese beiden Fahrzeugtypen basierten auf den im zivilen Fahrzeugsorliment verwendeten Baukomponenten. Durch Detailanpassungen konnten die für die Gelandegängigkeit notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, unter kompromissloser Verwendung der wichtigen Bauteile. Die ohne spezielle Formwerkzeuge hergestellte Kabine aus verzinktem Stahlblech wurde vorwiegend durch militarische Bedürfnisse geprägt.
1980 präsentierte Saurer am Autosalon in Genf der Offentlichkeit erstmals die schweren Militarfahrzeuge der neuen Generation.
Im Kampf gegen Militarfahrzeuge ausländischer Provenienz bestanden die vier Prototypen von Saurer die harte Erprobungszeit bestens. In den zuständigen Fachkreisen der Armee war man sich einig, dass die getesteten Saurer-Fahrzeuge den gestellten Anforderungen am besten entsprachen, und stellte dem Parlament einen entsprechenden Benefit zu.
Im Rüstungsprogramm von 1982 schlug der Bundesrat den Kauf von 400 Saurer-Lastwagen zum Preis von 160 Millionen Franken vor [Anm. 400'000 Franken pro Stück], obwohl zum Beispiel die Offerte des Öerreichischen Lastwagen-Herstellers Steyr ungefahr 20 Millionen Franken günstiger gewesen wäre.
Das Eidgeniissische Militardepartement (EMD) war mit diesem Vorschlag jedoch nicht einverstanden und empfahl in einem Ergänzungsbericht die Anschaffung von 1200 statt nur 400 Lastwagen. Kosten: 440 Millionen Franken [Anm. 360'000 Franken pro Stück]. Als Begründung dieses Vorschlages stellte das EMD klar, dass es besser wäre, die gesamte Flotte vorzeitig zu beschaffen, da der Bedarf mit nur 400 Fahrzeugen längerfristig nicht gedeckt sei. Auch brauche man so den Restbedarf von 800 Exemplaren später nicht im Ausland zu kaufen, da der Entscheid von Saurer, die Eigenproduktion von Nutzfahrzeugen aufzugeben, bereits gefallen war. Zusätzlich konnte so die wirtschaftliche Krise bei Saurer etwas entschärft und Arbeitsplatze erhalten werden.
Nach langen und harten Verhandlungen stimmte das Parlament dem 440-Millionen-Auftrag zu, mit der Bedingung, dass er bis 1988 abgeschlossen sein sollte. Ruhe kehrte in diesem recht turbulenten Geschäft jedoch noch nicht ein, denn nur wenige Wochen nach dem Parlaments-Ja bat Saurer die Gruppe für Rüstungsdienste (GRD) um eine Vertragsänderung.
Da inzwischen die Nutzfahrzeuggesellschaft Arbon+Wetzikon AG (NAW) unter der Leitung von Daimler-Benz ihre Tätigkeit in Arbon aufgenommen hatte, ging es darum, dass sämtliche brauchbaren Kapazitäten raschmöglichst der NAW zur Verfügung stehen werden.
Saurer gelangte deshalb an die GRD, den Auftrag bis 1986, also rund zwei Jahre früher als geplant, erledigen zu dürfen. Der damalige EMD-Chef Chevallaz stimmte dieser Vertragsänderung zu, eine Zustimmung, die anschliessend im Parlament, Militar und in Gewerkschaften viel zu reden gab, aber an der Tatsache nichts mehr änderte.
Ein Trost bleibt fiir alle Saurer-Freunde, dass wohl die letzten an die Armee gelieferten Saurer-Lastwagen im Betrieb nie mehr soviel Staub aufwirbeln werden wie am Anfang auf der politischen Bühne...
Am 28. Juli 1983 erfolgte in Hallau die Auslieferung der ersten Exemplare der neuen gelandegängigen Saurer-Militarfahrzeuge. Ab Juli 1983 wurden alle zwei Wochen 25 Fahrzeuge an die Armee abgegeben.
Links
[1] Botschaft über die Beschaffung von Rüstungsmaterial 2010
[2] Bundesbeschluss über die Beschaffung von Kriegsmaterial 1982
[3] Botschaft über die Beschaffung von Kriegsmaterial 1982
[4] Reglement 52.036 Armeefahrzeuge, technische Daten und Bahntransport (ADB)
[5] Wikipedia-Artikel zur Adolph Saurer AG