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Post vom Christkind, Himmelspforte 1, 9405 Wienacht
Jetzt füllt sich der Briefkasten von Robert Zellweger an der «Himmelspforte 1 in 9405 Wienacht» wieder mit Briefen mit der Anschrift «Christkind, Wienacht». Die Briefe stammen aus Tschechien, Belgien, England, Frankreich, Deutschland, dem asiatischen Raum, der Schweiz und Amerika. Erst kürzlich traf erstmals ein Brief aus Thailand ein. Aus der Schweiz schreiben vor allem Kinder. Meist mit beigelegtem Wunschzettel. Der erste Brief traf im März bei Robert Zellweger ein. Ein Kind schrieb, dass es während des ganzen Jahres sehr artig gewesen sei. Das «Christkind» schrieb zurück, dass es bis Oktober verreist sei und danach antworten werde. Jetzt ist es zurück und hat eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte in Englisch und Deutsch mitgebracht. In der von Angelika Pfeifer illustrierten Erzählung kommen immer die Namen von Robert Zellwegers Familie vor. Die diesjährige Weihnachtsgeschichte handelt von einem Knaben, dessen grösstes Weihnachtsgeschenk es ist, dass seine Mutter gesund aus dem Spital nach Hause zurückkehren kann.
Unterstützung von Ehefrau Maria
Robert Zellweger versucht, in seiner Botschaft die Magie des Festes in den Vordergrund zu stellen, ohne dabei belehrend zu wirken, und jeden Brief individuell zu beantworten. Nicht immer ist dies einfach. Zum Beispiel, wenn der Absender fehlt. Bei Briefen in asiatischen oder kyrillischen Schriften schneidet er den Absender aus und klebt ihn ins Adressfeld.
So hofft er, dass sein Brief sein Ziel findet. Erhält er nachdenkliche oder traurige Briefe, unterhält sich Robert Zellweger gerne mit seiner Ehefrau Maria darüber, um die Botschaft verarbeiten zu können. Viele Briefe, die ihn nachdenklich stimmen, erreichen ihn aus dem asiatischen Raum. «Junge Menschen schreiben oft, dass sie sich von ihrem Vater unter Druck gesetzt fühlen, erfolgreich zu sein», erzählt er. Einmal habe ihm eine Frau genau beschrieben, wie ihr zukünftiger Mann aussehen und sein müsse. «Offensichtlich hat sie den richtigen Mann noch nicht gefunden und musste dies einfach mal loswerden», vermutet Robert Zellweger. Bei diesem Brief sei er froh gewesen, dass er keinen Absender enthielt: «Eine Antwort wäre mir schwergefallen.»
Schwierig seien Antworten auch in der Coronazeit gewesen, als sich die Menschen ein Pandemieende wünschten, und auch jetzt, wo viele in der Schweiz lebende ukrainische Kinder schreiben, dass sie ein Kriegsende herbeisehnen. Vielfach spüre man in den Briefen auch die Sehnsucht nach einem Wunder oder einer magischen Weihnachtszeit.
Dankesbriefe freuen ihn besonders
Der Pensionär, der das Amt vor vier Jahren von seinem Vorgänger übernommen hat, verbringt in den Wochen vor Weihnachten zwei bis drei Stunden am Tag mit dem Beantworten der Weihnachtsbriefe: «Diese Arbeit gefällt mir.» Schön findet er, wenn er bei Kindern den Glauben an das Christkind aufrechterhalten kann. Eine besinnliche Weihnachtsgeschichte, von Hand geschriebene Briefe, schöne Briefmarken und ein schöner Stempel: «Das ist auch das, was mir persönlich an der Weihnachtszeit gefällt.» Gerne erinnert sich Robert Zellweger auch an Weihnachten in seiner Jugendzeit: «Die Vorfreude, am Nachmittag nicht mehr ins Wohnzimmer zu dürfen, zu staunen beim Anblick des Christbaums, die Geschenke anzusehen.» Als junger Erwachsener sei es ihm dann eine Freude gewesen, dabei zu sein, wenn der Christbaum geschmückt wurde. Heute geniesst er es, Weihnachten im Kreise der Familie zu feiern. «Besonders schön ist es, wenn ich nach Weihnachten einen Dankesbrief für einen in Erfüllung gegangen Wunsch erhalte», freut sich das «Christkind» an Weihnachten bereits auf die nächsten Briefe.