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Grazie Maestro!
Zum Tod von Ennio Morricone
(Erinnerungen von Felice Zenoni, Filmemacher)
«Es war im Jahr 2002, ich sass beim Schweizer Fernsehen im Schneideraum für den Film «Charles Chaplin – Die Schweizer Jahre». Ein paar Tage zuvor hatte ich auf Italienisch Ennio Morricone einen Brief nach Rom geschrieben. Im Brief bat ich ihn um Erlaubnis, im entstehenden Dokumentarfilm seine Musik verwenden zu dürfen. Zu meinem grossen Erstaunen dauerte es keine Woche und der weltberühmte Filmkomponist meldete sich persönlich, telefonisch bei mir. «Ennio Morricone. Lei mi ha scritto una lettera..», hörte ich und traute meinen Ohren kaum. Er fuhr fort, dass ich nicht viele Italienischfehler gemacht hätte. Im Brief hatte ich mich dafür entschuldigt. Er erlaubte mir, seine Musik im Film über Chaplin zu verwenden. «Vada, vada – machen Sie nur und nehmen Sie, was Sie brauchen», sagte er hilfsbereit. Bei zwei späteren Filmen wiederholte sich das Prozedere. Schriftliche Anfrage, ein paar Tage später telefoniert der Maestro. Einmal schickte ich ihm eine Liste mit Musik aus diversen Filmen, die ich verwenden wollte. Bei einem fragte er erstaunt: «Ist das von mir?» Es war «Milano odia» aus dem Jahr 1974. Bei den etwa 500 Filmmusiken, die er in seiner über 70jährigen Karriere komponiert hat, kann selbst ein Musikgenie kurz den Überblick verlieren. Bei einem Konzert im Auditorium im «Goethe-Institut» in Rom wollte es der Zufall, dass ich gleich hinter ihm und seiner Frau Maria Travia sass. Ein Stück seiner kaum bekannten, aus eigenem Antrieb komponierten «Musica assoluta» wurde aufgeführt. Am Ende wartete ich geduldig bis alle Gratulanten und Bittsteller mit ihm gesprochen hatten. Glücklicherweise hatte ich eine kleine Schachtel Sprüngli-Pralinen dabei, die ich Frau Morricone überreichen konnte. «Cioccolato svizzero», freute sie sich sichtlich. Morricones Musik wird in seinen Filmen weiterleben. Auch in einigen bei denen nur Eingeweihte wissen, dass auch darin Melodien des römischen Komponisten dem Werk zu Tiefe und zusätzlichem Glanz verholfen haben. So sagt denn auch ein Urner mit einer tiefen Verneigung: Grazie Maestro!»
Felice Zenoni
Filmemacher Zürich, Altdorf