Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03346.jsonl.gz/464

Podcasting
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Podcast?
Podcast ist eine Verschmelzung der beiden Begriffe „iPod“ (Apple-Handelsname für einen MP3-Player) und „Broadcast“ (engl. „Rundfunk“). Im Unterschied zu herkömmlichen Rundfunksendungen, welche zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgestrahlt werden und danach wieder im Aether verschwinden, werden Podcasts gespeichert und erst dann abgespielt, wenn der Hörer es selber möchte. Podcasts sind demnach Radiosendungen zum Downloaden oder On-Demand-Radiosendungen und lassen sich auf einem Computer oder MP3-Player beliebig oft und frei von fixen Sendezeiten abhören. Das Spezielle an Podcasts ist die Kombination einer Mediendatei mit sogenannten Feeds (engl. feed "Einspeisung", "Zufuhr"), die für die Verbreitung von Podcasts wichtig sind. Das Dateiformat „Real Simple Syndication“ (RSS) war denn auch die bahnbrechende Komponente, welche Podcasts erst zum Durchbruch verhalf. Der Nutzer kann beliebige Podcast-Kanäle (Feeds) in seine Empfangssoftware (Podcatcher) eingeben. Per Knopfdruck können die Feeds nun abgefragt und aktualisiert werden. Neu erschienene Episoden werden dabei automatisch auf den Rechner oder einen mobiles Endgerät übertragen.
Wer hat Podcasting erfunden?
Als Erfinder dieser Art der Internet-Kommunikation gelten die Softwareentwickler Dave Winer (RSS-Pionier) und der ehemalige MTV-Moderator Adam Curry (Podcasting-Erfinder). Beide waren der Überzeugung, dass die Suche nach audiovisuellen Medieninhalten und deren Download aus dem Internet auf den Computer nicht länger dauern dürfte, als der eigentliche Konsum. Der erste online gestellte Podcast (August 2004) von Adam Curry besteht immer noch.
Podcasting, Vodcasting, Mediacasting? - Begriffsvarianten
Podcasting meint heute nicht mehr nur das Vertreiben von digitalen Tonaufzeichnungen sondern auch die Distribution von Video- und anderen Mediendateien im Internet und deren Nutzung mit tragbaren Abspielgeräten. Dementsprechend werden in unterschiedlichen Anwendungsbereichen diverse weitere Betriffe verwendet. Bei der Aufzählung lege ich bewusst Wert auf eine Auswahl von Begriffen wie sie im Umfeld von Bibliotheken und Bildungsinstitutionen verwendet werden.
- Vodcasts(auch Video-Podcasting, Vidcast, Videocast oder Vlogs) bieten die Möglichkeit, Videodateien zu abonnieren und mobil auf jedem MP3-Player zu nutzen.
- Screencasts sind Aufzeichnungen von Bildschirmabläufen zur besseren Veranschaulichung von Zusammenhängen.
- Enhanced Podcasts sind vor allem für den Bildungsbereich interessante Varianten, da sie die Möglichkeit bieten, zusätzliche Bilder- oder Textinformationen zu einem vordefinierten Zeitpunkt synchron zu einer Audiospur einzublenden. Das Setzen von Lesezeichen oder Markern macht es ausserdem möglich, eine Inhaltsübersicht zu geben oder an eine bestimmte Stelle innerhalb des Podcasts zu springen
- Educasts sind Podcasts mit dem Ziel der Wissensvermittlung
- Mediacasting ist eine allgemeinere Bezeichnung für Podcasting, Vodcasting etc., „... um den weiteren, nicht auf mobile Endgeräte wie beispielsweise Apple iPods beschränkten Horizont von Nutzungsszenairen angemessen zu berücksichtigen“ (Seufert/Brahm, S. 92)
==Wie können Podcasts angehört werden?==
Jeder MP3-Player oder iPod kann zum Anhören genutzt werden, ebenso kann jeder DVD-/CD-Player mit MP3-Wiedergabe für MP3-Dateien verwendet werden. MP3s können aber auch als Audio-CD gebrannt und so abgespielt werden. Sogar über jedes Telefonfestnetz können über phonecaster Podcasts abgehört werden.
Am einfachsten auffindbar sind Podcasts in sogenannten Podcatchern. Dabei handelt es sich um eine spezielle Software. Podcatcher bieten verschiedene Themenrubriken, in denen Tausende von Podcast gefunden werden. Diese können dann sehr einfach abonniert und auf den MP3-Player kopiert werden. Die bekanntesten Podcatcher sind iTunes und Juice
Wie werden Podcasts produziert?
Für das Produzieren von Podcast sind im Wesentlichen 3 Punkte zu beachten:
- Inhalt - Was will ich erzählen.
Bei Podcasts handelt es sich oft um private Sendungen, die sich einem bestimmten Thema widmen oder um Zusatzangebote von öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten. Zunehmend werden auch professionell produzierte Podcasts für Special-Interest-Nachrichten und –Themen angeboten. Grundsätzlich sind die Podcastproduzenten aber bei der Wahl der Inhalt aber völlig frei.
Die zwei wichtigsten formalen Kriterien für einen Podcast sollten allerdings stets beachtet werden.
- Erstens, dass es sich nicht um eine einmalige Sendung handelt, sondern aus regelmässig erscheinenden Folgen und
- zweitens, dass die einzelne Folge eine Sendezeit von 20 Minuten nicht überschreiten sollte.
- Aufnahme - Produktion einer MP3-Datei
Ein PC, oft mit bereits integriertem Mikrofon, eine Software zum Aufnehmen und Schneiden von Podcasts, allenfalls ein Minidisc-Recorder oder ein digitales Diktiergerät mit USB-Schnittstelle zum direkten Anschluss an den Computer sind die wichtigsten Werkzeuge zum Erstellen eines Podcasts. Die bekanntesten zwei Podcast-Softwarepakete heute sind GarageBand(für Mac-Computer, in neueren Geräten meist bereits installiert) und für PCs die kostenlose Software Audacity
- Veröffentlichung - Bereitstellung im Web
Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Podcast ins Web zu stellen. Zum Beispiel mit dem Bloggingsystem Loudblog oder PodPress, einem Word Press Plugin. Wer sich nicht um die Technik kümmern möchte, hat die Möglichkeit einen Hosting Dienst zu nutzen (zum Beispiel podhost). Ausser dem Hochladen der Podcastdatei erledigt ein automatisches System das Anlegen einer Webseite und des Feeds.
==Welche rechtlichen Aspekte gilt es zu beachten?==
Podcasts unterstehen meist dem Schutz einer CC-Lizenz (Creative Commons Lizenz). Mehr Informationen zu Creative Commons Switzerland, welche sich für eine künstlerfreundliche Anwendung des Urheberrechts in der Schweiz einsetzt ist unter http://www.creativecommons.ch/ zu finden.
In der Regel müssen Podcaster jedoch genauso wie Betreiber von Rundfunksendern die Rechte Dritter an den Medieninhalten beachten und eventuell Gebühren an sie oder deren Lizenzgeber abführen. Unter dem Begriff Podsafe werden mittlerweile Werke (meist Musikstücke) angeboten, die so lizenziert wurden, dass sie für die eigenen Podcast gratis genutzt werden können:
Podcasts in Bibliotheken
Die Einsatzmöglichkeiten von Podcasts in Bibliotheken sind tatsächlich grösser als vermutet. Wie viele Web 2.0-Anwendungen bieten auch Podcasts kreative Möglichkeiten, den Nutzer aktiver miteinzubeziehen. Dienstleistungen können mit attraktiveren, den Bedürfnissen der Ne(x)t Generation (vgl. Seufert/Brahm) entsprechenden Angeboten bekannt gemacht und Informationen mit Hilfe von Podcasts lebendiger vermittelt werden. Einiges lernen können Bibliotheken, wenn sie einen Blick in den Bildungsbereich riskieren. Eine Google-Suche mit den Begriffen „podcast“ und „education“ liefert ungefähr 28 Mio.Einträge. Viele spannende Anwendungsbeispiele finden sich auch in Schweizer Universitäten. Glaubt man Medienpädagogen (vgl. Seufert/Brahm) so bestehen gerade im Bildungsbereich enorme Entwicklungsmöglichkeiten das Lernen zeitgemäss mit audiovisuell ausgerichteten Angeboten zu unterstützen. Dass das Potential der Podcasting-Technologie sich auch auf die Bibliothek übertragen lässt, davon bin ich überzeugt.
In deutschsprachigen Ländern ist dies durchaus erkannt worden, doch findet man auf der Seite Bibliothekspodcasts von NetBib erst eine Handvoll von Angeboten. Weit besser sieht es dafür in amerikanischen Bibliotheken aus, wie ein Blick auf die Seite von Library Success zeigt.
21 Ideen für Bibliothekspodcasts
In Anlehnung an "10 Ideen für Bibliothekspodcasts" von Anne Christensen der Versuch die Liste weiterzuführen und zu ergänzen:
- 1. Regelmässige Buchbesprechungen.
- 2. Vorstellung von Rara und Handschriften und anderen besonderen Büchern. Vielleicht sogar untermalt mit Musik aus der jeweils passenden Epoche.
- 3. Die Bibliotheken bieten regelmässig eine gezielte Auswahl von Buchbesprechungen aus dem unendlich grossen Angebot im Netz an.
- 4. Ergänzungen in Form von Pod- oder Vodcasts zu Ausstellungen: dies können zum Beispiel Interviews mit Ausstellungsmachern oder weitere Hintergrundinformationen sein. Gerade auch um Leute zu erreichen, die eine Veranstaltung nicht selber besuchen konnten.
- Beispiel dazu der The Library Channel ein Beispiel der Arizona State University Libraries.
- 5. Individuelle Podcasts, in denen Bibliothekare regelmässig über bibliotheksbezogene Themen aus persönlicher Sicht berichten.
- Ein Hörbeispiel dazu aus „Omnibus“, einem Podcast von Chris Kretz (Dowling College Library).
- 6. Interviews mit Leitungspersonen in der Bibliothek zu längerfristigen Planungen.
- 7. Interaktive Podcasts: zum Beispiel Interviews mit Benutzern über das was sie an der Bibliothek mögen und was nicht. Oder aber Podcasts, die es ermöglichen, dass Nutzer per Telefon Feedbacks und Kommentare abgeben.
- 8. Regelmässige Audio-Kolumnen für Nutzer bereitstellen für deren eigene Buchbesprechungen, Kommentare zu Dienstleistungen und Angeboten der Bibliothek.
- 9. Einführungsveranstaltungen in Bibliotheken: dies können auch virtuelle Touren oder Audio-Führungen durch die eigene Bibliothek sein.
- Beispiel dazu der Podcast Library Audio to Go der George C. Gordon Library am Worcester Polytechnic Institute (WPI) in Worcester, Massachusetts
- 10. Fünf-Minuten-Tipps zur Recherche
- 11. Einsatz von Podcasts bei der Informationsvermittlung. Welches Potential Podcasts gerade für die Informationsvermittlung bieten, zeigen Beispiele aus der Praxis von Bildungsinstitutionen auf.
- 12. Regelmässige Berichte zu neuen Services und Angeboten der Bibliotheken als Ergänzung zu traditionellen Newslettern.
- Beispiel dazu der Podcast Listen Up! der Decatur Campus Library of Georgia Perimeter College.
- 13. Mitschnitte von Life-Veranstaltungen in Bibliotheken, zum Beispiel von Lesungen, Autorenlesungen, Veranstaltungen etc.
- Beispiel dazu der Podcast der Kankakee Public Library
- 14. Podcasts zur lokalen Geschichte.
- 15. Vorstellung von Rara und Handschriften und anderen besonderen Büchern. Vielleicht sogar mit Musik aus der jeweils passenden Epoche?
- 16. Einsatz in der Ausbildung von bibliothekarischen Fachleuten.
- 17. Podcasts von Bibliotheksorganisationen.
- Beispiel dazu der Podcast der New Jersey Library Association (NJLA)
- 18. Fachpodcasts über Weiterbildungsveranstaltungen.
- Beispiel dazu das Angebot des Netzwerkes OPAL (Online Programming for All Libraries) OPALPodcast
- 19. Spezielle Podcasts für jugendliche Leser in öffentlichen Bibliotheken
- Beispiel dazu der OCLS Teen Podcast des Orange County Library System in Florida.
- 21. Interviews mit ProfessorInnen über bestimmte Lehrbücher.
- 22. Mit anderen Podcastern Ihrer Institution kooperieren – Gastbeiträge erlauben und selbst anbieten.
- usw.
Literatur/Quellen
- COCHRANE, T. (2005). Podcasting: the do-it-yourself guide. ExtremeTech. Indianapolis, IN, Wiley. 978-0764597787
- KETZ, C. Podcasting in Libraries, S. 35-48 In: COURTNEY, N. (2007). Library 2.0 and beyond. – ISBN 978-1-59158-537-4
- SPLIESS, C. Blick durchs Bodoscope, S. 220-224. In: Bibliothek, Jg. 31 (2007), Nr. 2 Download PDF
- VAN AAKEN, G. (2005). Ich bin der Sender Download PDF
Literaturtipps zu Podcasting und Bildung:
- CAMPELL, G. (2005). Podcasting in Education In: Educause Review, Nov/Dec 2005, S. 33-46 Download PDF
- SCHIEFNER, M (2007) Podcasting – Educating the Net-Generation. Download PDF
- SEUFERT, S., BRAHM, T. (2007). Ne(x)t Generation Learning. Download PDF
Links
- Podcasting-Tutorial
- Podcasting Tools
- Das deutschsprachige Podcast-Portal
- Das deutschsprachige Podcast-Wiki
- Podseek - die Podcast Suchmaschine
- podster.de
- Bibliothekspodcasts
- Library Success
- 10 Ideen für den Bibliothekspodcast
- Bibliocast Mailingliste
- The Best of Library Videos
Tags
- Informationsmedien
- kostenloser On-Demand-Service
- Feed (RSS)
- MP3
- Audioinformationen
- Alternativmethode
- Radio
- Audio
- Kommunikation