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Groß Geigen, Vyolen, Rybeben
Nordalpine Streichinstrumente und ihre Praxis um 1500
Mit «Musica Lauten und Rybeben» ist eines der bekannten Blätter aus dem Triumphzug Kaiser Maximilians I. überschrieben (Druckstock von 1517). Bei den abgebildeten «Rybeben» handelt es sich um großformatige Streichinstrumente eines besonderen Typs, der in den deutschsprachigen Textquellen auch als «Groß Geigen» (Virdung 1511) oder «vyolen» (Zwingli 1528) bezeichnet wird. Sie scheinen das nördliche Äquivalent zu den ebenfalls noch jungen «Viole da gamba» der italienischen Hofkultur um 1500 darzustellen, zeigen jedoch deutlich unterschiedliche Korpusformen, Konstruktionsmerkmale und auch ein eigenständiges Repertoire. Die gängigen Erklärungsmodelle eines direkten italienischen Einflusses auf den Norden (Woodfield 1984) bereiten daher erhebliche Schwierigkeiten, auch wenn die zugrunde liegende Idee vergleichbar scheint: die Erweiterung des Tonraums in die Tiefe. In einem zweijährigen Forschungsprojekt der Schola Cantorum Basiliensis (2013–2015, unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds) wurde eine erneute und vertiefte Untersuchung der Quellen zu den «Groß Geigen» in Angriff genommen, wobei im Unterschied zu den bisherigen Forschungen die Instrumente ganz aus ihrem eigenen Kontext heraus behandelt werden.
Die Arbeiten hierzu gliedern sich in mehrere thematische Bereiche: Im ersten erfolgt die Beschreibung des lokalen Phänomens der «Groß Geigen» aufgrund der erhaltenen textlichen, musikalischen und vor allem ikonographischen Quellen. In einem weiteren werden die Beziehungen zum europäischen Kontext gesucht, besonders nach Italien und Spanien, und in einem dritten Forschungsfeld werden erste Hypothesen für die mögliche Rekonstruktionen einzelner Instrumententypen in Verbindung mit einem identifizierbaren Repertoire für «Groß Geigen» entwickelt.
Das Basler Forschungsteam wird seine Ergebnisse mit einem internationalen Kreis von Kollegen austauschen, mit dem Ziel, die «Groß Geigen» der nordalpinen Kulturen und ihre Musik in ihrer spezifischen Eigenart besser zu verstehen. Mit der Übertragung dieser Ergebnisse auf die musikalische Praxis erfolgt der Transfer in die Ausbildung an der Schola Cantorum Basiliensis.