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Auf was Sie beim Erbvertrag achten müssen
Viele Menschen sterben ohne Testament oder Erbvertrag. Dann sagt das Gesetz, welche gesetzlichen Erben wie viel erben, und begünstigt die Familie – meistens dürfte sich die Aufteilung mit dem mutmasslichen Willen des Erblassers decken. Aber nicht immer…
(rh) Wer einen Erben bevorzugen, einen Dritten begünstigen oder ein Vermächtnis aussetzen will, muss ein Testament schreiben. Der letzte Wille regelt, welche eingesetzten Erben wie viel (über ihren Pflichtteil hinaus) erben. Ein Testament muss handschriftlich aufgesetzt (eigenhändiges Testament) oder beurkundet (öffentliches Testament) werden. Der Erblasser kann seinen letzten Willen jederzeit ändern oder widerrufen, ohne jemanden zu informieren. Ganz im Gegensatz zum Erbvertrag.
Testament oder Erbvertrag?
Der Erbvertrag ist ein Vertrag zwischen zwei (oder mehr) Parteien. Wenn eine der Parteien ihn ändern oder auflösen will, müssen alle einverstanden sein (Art. 512 ff ZGB). Grundsätzlich können im Erbvertrag dieselben Verfügungen definiert werden wie in einem Testament, bis auf die Einsetzung eines Willensvollstreckers (Art. 517 ZGB). Beim reinen Erbvertrag müssen alle pflichtteilgeschützten Erben einverstanden sein. Deshalb wissen sie, anders als beim Testament, wie viel sie erben.
Ein Erbvertrag eignet sich für Ehepaare mit oder ohne Kinder genauso wie für Patchwork-Familien oder Konkubinatspaare und kann die Nachfolge in einem Familienbetrieb über Generationen regeln. Es gibt zwei Arten von Erbverträgen:
- Erbzuwendungsvertrag: Der Erblasser bevorzugt einen Erben oder setzt einen Dritten als Erben ein. Diese Alternative wählen Ehepaare, die sich gegenseitig maximal begünstigen wollen, oder Erblasser, die beispielsweise eine Organisation nach ihrem Tod finanziell unterstützen wollen (siehe Muster).
- Erbverzichtsvertrag: Ein gesetzlicher Erbe verzichtet auf sein Erbe und wird (in der Regel) finanziell entschädigt. Diese Alternative wählen Familien, die Schwierigkeiten bei der späteren Erbteilung erwarten, oder Erblasser, die beispielsweise ihrem Sohn oder ihrer Tochter frühzeitig Geld überlassen wollen, um ein Geschäft aufzubauen.
Guter Rat ist wertvoll
Jeder Erbvertrag hat Konsequenzen. Deshalb empfiehlt es sich, sich von einem Fachmann beraten zu lassen. Vor dem Gespräch mit Anwalt oder Notar sollten Sie sich ein paar wichtige Punkte überlegen:
- Wer soll erben, wenn Sie vor Ihrem Ehepartner sterben?
- Wer soll erben, wenn Sie nach Ihrem Ehepartner oder ohne Ehepartner sterben?
- Wer soll erben, wenn Sie und Ihr Ehepartner gleichzeitig sterben?
- Wollen Sie Dritte begünstigen?
- Sollen die Erben bestimmte Auflagen erfüllen müssen?
Der Erbvertrag muss schriftlich aufgesetzt werden. Wer als Erblasser einen Erbvertrag abschliessen will, muss mündig sein. Der Vertrag muss vor zwei unabhängigen Zeugen öffentlich beurkundet und notariell beglaubigt werden (Art 512 ff. ZGB). Alle Vertragsparteien und die Zeugen müssen sich mit ihrem Pass oder ihrer Identitätskarte ausweisen.
MUSTER ERBVERTRAG
Ehefrau und Ehemann mit Nachkommen begünstigen sich gegenseitig maximal
Wir heben alle bisherigen Verfügungen von Todes wegen auf.
Beim Tod des Erstversterbenden soll der überlegende Ehegatte den Pflichtteil und die ganze frei verfügbare Quote zu Eigentum erhalten. Die Nachkommen werden vom erstversterbenden Ehegatten zugunsten des überlebenden Ehegatten auf den Pflichtteil gesetzt.
Als Teilungsvorschrift bestimmen wir, dass der überlebende Ehegatte die Liegenschaft Zinzikerstrasse 25 in Winterthur auf Anrechnung an seine güter- und erbrechtlichen Ansprüche zu Alleineigentum übernimmt, einschliesslich der dann bestehenden Grundpfandschulden.
Der gemeinnützigen Organisation WWF ist vorweg ein Vermächtnis von 50'000 Franken (fünfzigtausend Franken) auszurichten.
Nach dem Tod des Zweitversterbenden ist das noch vorhandene Vermögen je zur Hälfte an die Nachkommen jedes Ehegatten zu verteilen. Dem überlebenden Ehegatten ist es freigestellt, die Bestimmungen über die Erbfolge seiner Seite mit letztwilliger Verfügung zu ändern.
Dieser Vertrag entspricht in allen Teilen dem freien Willen beider Ehegatten.
Winterthur, 3. Juli 2011
Petra Meier Fritz Meier
Achtung: In gewissen Kantonen ist die Formulierung des Erbvertrages durch den Notar vorgeschrieben. In diesen Fällen dient das Muster nur als Vorbereitung auf das Gespräch mit dem Notar.
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