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«Und plötzlich weisst du, dass du zwar all die Stürme und Gefahren überstanden hast und ihnen auch in Zukunft trotzen wirst, aber dass du die Hitze deines brennenden Herzens nicht überleben wirst und du fühlst dich auf einmal frei. Und eines Morgens spürst du dann wieder, wie sie ihre Kreise enger ziehen, aber es beunruhigt dich nicht, denn du weisst, dich bekommen sie nicht mehr. Sie rücken an, um dich auszuräuchern, sie werden das Kuckucksnest jedoch leer vorfinden.»
Mit diesen Sätzen schliesst die swingende Textmontage, die Axel Monte aus Köln und Hadayatullah Hübsch aus Frankfurt am Main im Heinz-Wohlers-Verlag herausgegeben haben. «Asphalt Derwisch» swingt, nicht zuletzt, weil Monte und Hübsch den Text «im Stil einer Jamsession» geschrieben und dabei über viele verschiedene Standards improvisiert haben. Diese können aus der Bibel, dem Koran oder aus Sufischriften stammen, aber genauso gut aus Popsongs oder den grossen Werken der Beat Generation.
Der «Asphalt Derwisch», der mitunter auch «El Gitano» genannt wird, ist «on the road» auf alten und auf neuen Haupt- und Nebenstrassen. Er sucht nach dem Stein der Weisen und ist ständig auf der Flucht vor Kräften, die ihn in ihre Zwangsjacken stecken und zähmen wollen. Er kommt davon. Das leere Kuckucksnest lässt keinen Zweifel daran. Er ist den Paragrafenreitern und den Finsterlingen entwischt, hat den «Grey Room», wie William S. Burroughs sagen könnte, betreten, die alchemistische Meisterschaft erlangt: Freiheit.
Traditionen fliessen in die Improvisation von Monte und Hübsch nur ein, um gesprengt oder transmutiert zu werden. Dabei wird ihr eigentliches Gold freigelegt, ihr Sinn, die Veredlung und Erweiterung der Seele. «El Gitano» ist ein Einzelkämpfer, ein spiritueller Guerillakrieger, der aber den Wert der Freundschaft zu schätzen weiss. Wo zwei sich austauschen, entsteht ein Drittes, ein «Third Mind», um nochmals Burroughs zu zitieren. Diesen Gedanken vertrauen die beiden Offliteraten Axel Monte und Hadayatullah Hübsch.