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01.07.2018 Aix-en-Provence
Da mein permanent hier lebende Zimmerkollege um sechs Uhr früh schon wieder rumrumpelt, werde ich wach und bin viel zu früh bereit, ins rund vier Kilometer Stadtzentrum zu fahren. Dort stelle ich den Scooter beim Parking Mignet ab und laufe etwas kreuz und quer durch die Stadt, da die Museen um diese Zeit noch nicht geöffnet haben. Eigentlich ist die Stadt eine einzige Baustelle, es gibt kaum eine Strasse, einen einzigen Platz, welcher nicht teilweise gesperrt ist. Ich besuche die Place des 4 dauphins mit einem schönen Brunnen, die Fontaine d'eau chaude (wobei diese dermassen verschmutzt ist, dass ich die Wassertemperatur nicht nachprüfen möchte), die Fontaine des Bagniers, den Place Desire Gautier, die Fontaine des Trois Ormeaux, den Place de l'hotel de ville, wo jetzt ein Bücherflohmarkt abgehalten wird, den heute morgen völlig menschenleere Place des Cardeurs, die Fontaine Pascal, den noch geschlossenen Pavillon de Vendome, den letzten verbliebenen Teil der Stadtbefestigung, La Tourreluque, den Place Richelme, auf dem trotz Sonntag ein Gemüsemarkt stattfindet. Sobald zehn Uhr ist, laufe ich zum Musée Granet, das soeben öffnet. Es findet eine Sonderausstellung, La Peinture au Defi, Picasso-Picabia, statt. Sie zeigt hervorragende Werke der beiden politisch so gegensätzlichen Künstler, die trotzdem miteinander befreundet waren und sich gegenseitig inspiriert haben. Während Picasso allerdings konsequent seinen Stil behielt und nur selten hochwertige gegenständliche Bilder malte, hatte Picabia Perioden, in denen er Frauen in allerkitschigster Manier gemalt hat, z.B. Femme au chale bleu (1940er Jahre). Um nur ein paar weitere von Francis Picabia zu nennen: Tauromachie (1912), Le saint des saints (1915), , La femme au monocle. Die Stile sind völlig unterschiedlich. Bei Pablo Picasso ist die Urheberschaft leichter zu erkennen: Bouteille de vin et dé (1914), Bouteille de Bass (1914), Guitare (1926), Femme à la Mantille (1917), Paysage à Juan-les-Pins (1920), Le Baiser (1925), , Portrait de Dora Maar (1937). Weiter hat es Bilder des Museumsgründers François-Marius Granet, z.B. Interieur d'un salle d'asile (1844), erwähnenswert ist auch Emile Loubon, La Levée du camp du midi (1856). Eine wunderbare Sammlung, die Collection Philippe Meyer, wurde dem Museum geschenkt, mit sehr vielen Werken von Alberto Giacometti und Pierre Jacob (Tal Coat), sowie guten Werken von Fernand Leger, Balthus, Paul Klee, Piet Mondrian und Pablo Picasso. Im Untergeschoss sind Werke des berühmtesten Sohns der Stadt, Paul Cézanne zu sehen, z.B. Les Baigneuses (ca. 1890). Bei den alten Meistern erwähnenswert ist La Toilette de Venus sowie Allégorie de la Paix, beide Frankreich 16. Jhdt, sowie Pieter Paul Rubens oder Rembrandt van Rijn, Autoportrait (1659). Schliesslich sind noch die Funde der Ausgrabungen von Entremont ausgestellt, aus vor-römischer und römischer Zeit. Es ist nun fast ein Uhr und ich laufe etwas durch die Stadt, finde aber auf Anhieb kein einziges Restaurant, das einigermassen günstig ist. Auswärts essen in Frankreich ist eben enorm teuer, eher teurer als in der Schweiz. Nachdem aber Monoprix geöffnet hat, esse ich wie sonst jeweils etwas vom Supermarkt. Danach besuche ich den Annex des Musée Granet, genannt Granet XXe, in der Chapelle Granet, in der ehemaligen Chapelle des penitents blancs des carmes (1654). Im Kirchengebäude ist die Sammlung des Schweizers Jean Planque (1910-1998) zu sehen. Dieser war selbst (ein recht begabter) Kunstmaler und Einkäufer der Galerie Beyeler. Durch seine Freundschaft mit vielen zeitgenössischen Künstlern (u.A. auch mit René Auberjonois, den er den Schweizer Cézanne nannte) konnte er sich eine grosse und äusserst wertvolle Kunstsammlung mit durchwegs erstklassigen Exponaten aufbauen. Highlights davon sind Vincent van Gogh, Bouquet de Fleurs (1886); Pablo Picasso, Femme au chapeau dans un fauteuil (1939); Kosta Alex, Jean (Portrait de Jean Planque, 1960); Jean Planque, La Sainte-Victoire de jour (1951) Jean Dubuffet, Continuum de ville (1962). Nun mache ich noch die „In the steps of Cézanne“ tour der Stadt. Dabei besuche ich unter anderem das Haus, in dem er geboren wurde, (und weil es gerade am Weg lag, die Chapelle des Oblates der Eglise de la Mission und die Fontaine du Roi René), das Café Les Deux Garçons, die Place de Precheurs, auch nicht zur Tour gehörend die Fontaine Bellegarde (Mit einer Büste von Granet), die Rue Buscaille, die Rue Constantin, die Place des Martyrs de la Résistance und die Cathédrale Saint-Sauveur. Diese Kirche wurde sichtbar im Laufe der Jahrhunderte ständig erweitert und umgebaut. Der vordere Teil des Hauptschiffes ist romanisch, der hintere gotisch, die Gewölbe durchwegs gotisch. In einer Nebenkapelle steht der Sarkophag des Saint-Mitre. Daneben das Baptisterium St. Johannes aus dem 6. Jahrhundert. Prunkvoll die Chapelle du Saint-Sacrement. Auf der linken Seite des Hauptschiffes fallen ein Tryptichon von Nicolas Froment, Triptyque du Buisson Ardent (1475/6) sowie eine steinerne Skulptur von Etienne Audinet, Autel votif des Aygosi (1470) auf. Eine riesige Orgel in grünem Gehäuse belegt gleich beide Seiten des Chorgestühls. Auf dem Rückweg fällt mir noch das moderne Kriegsdenkmal auf der Place Charles de Gaulle auf. Gleich daneben findet ein Protestmarsch statt, wahrscheinlich geht es um Internetkontrollen. Vor dem Cours Mirabeau wird eine riesige Bühne aufgebaut. Ich hole mir noch einen Döner zum Abendessen, besuche noch rasch den etwas vergammelten Parc Jourdan und fahre dann ins Hostel zurück.