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Aus der Geschichte von Grabs

Grabs ist eine alte Siedlung, deren Ursprung weit zurück, in der Antike, liegt. Sie steht zur Hauptsache in geschützter Lage auf den beiden Sedimentkegeln des Grabser- und des Staudnerbaches. Schriftliche Zeugnisse sind aus so früher Zeit keine erhalten, aber es ist anzunehmen, dass das Gebiet schon seit Urzeiten bewohnt oder zumindest begangen worden ist. Darauf lassen der Fund eines Steinbeils auf "Grist" am Staudnerberg und eines Bronzemessers im Gebiet der "Niedere" schliessen. Ungefähr zu Beginn unserer Zeitrechnung entrissen die Römer den Rätern das Rheintal. Aus dieser Zeit sind schon eher Zeugen vorhanden, denn die linksrheinische Römerstrasse führte der Berglehne entlang von Sargans nach Gams. Zur Sicherung ihrer Verkehrswege bauten die Römer feste Türme, sogenannte Kastelle. Ein solches Castellum stand wohl in der Gegend am unteren Teil des Grabserbergs, ein zweites am Fusse des Margelchopfs, über dem Obergatter, beides Orte, die heute "Gästelen" heissen. Durch die Romanisierung der Ureinwohner entstand der als Rätoromanen bezeichnete Menschenschlag, der damals auch in Grabs ansässig war. Noch heute weisen viele Flur- und Ortsnamen auf diese Besiedlung hin, wie etwa "Valspus" und Grabs selbst, das aus dem Wort "Quadravedes" "Quaradaves", "Quadrabitis" (9. Jh.) und "Grabdis" (1235) entstanden ist, ein Ortsname, der schon viele Deutungen erfahren hat und dessen jüngste von "Caput rapidae" ausgeht, übersetzt etwa mit "Ende / Anfang eines starken Baches".|
Früh fand auch das Christentum Eingang in den nördlichen Alpentälern und Besitzungen Roms. So soll Gallus auf seiner Flucht vor dem Schwabenherzog Gunzo im Jahre 614 n. Chr. in Grabs eine christliche Kirche vorgefunden haben, der Diakon Johannes vorstand. Derselbe wurde dann, auf Empfehlung von Gallus, unter dem Namen Salomo Bischof von Konstanz. Im Jahre 766 erwähnt Bischof Tello von Chur in seiner testamentarischen Schenkung an das Kloster von Disentis auch die Kirche von Grabs. Von Norden her drängten schon seit Jahrhunderten die Alemannen die Räter rheinaufwärts zurück. Einen Stillstand in dieser Bevölkerungsbewegung erzwang für einige Zeit der Hirschensprung, aber auch er war keine unüberwindliche Barriere. 863 kaufte ein Räter, Alderamnus, wohnhaft in Salez, ein Grundstück mit Gebäuden in Grabs ("in fundo Quaradeues"). Der Vertrag wurde vom Priester Laveso geschrieben und von mehr als zehn Zeugen unterzeichnet. Unter den Zeugen fanden sich nun bereits Alemannen.
Dieser Prozess der Bevölkerungsumschichtung beschleunigte sich, als aus dem schwäbischen Geschlecht der Uodalrichinger (Uhiche) die Grafen von Montfort und aus diesen die Grafen von Werdenberg hervorgingen, unter deren Herrschaft die Nebenlinien eingeschlossen, das Werdenberg ein halbes Jahrtausend stand. In dieser Zeit der Feudalherrschaft mag das Schicksal der kleinen Ortschaften oft wechselvoll gewesen sein, denn die Grafen von Werdenberg waren ein streitbares Geschlecht, das in den Händeln der damaligen Zeit nicht abseits stand, sondern verschiedentlich eine nicht unwesentliche Rolle spielte.
Nach dem Niedergang des Geschlechtes (nach 1484) herrschten in kurzer Folge verschiedene Herren auf dem Schloss, das zum Kirchspiel Grabs gehörte, das heisst, samt der Stadt Werdenberg nach Grabs kirchengenössig war. Ende des 15. Jahrhunderts wurde Grabs auch in die Wirren des Schwabenkrieges hineingezogen und am 27. März 1499 von kaiserlichen Truppen fast völlig niedergebrannt und verwüstet. Die Grabser nahmen darauf auf Seiten der Eidgenossen am Gefecht in Hard teil. Zusammen mit Buchs, Sevelen und Teilen von Wartau kam Grabs am 17. März 1517 als Landvogtei Werdenberg unter glarnerische Oberhoheit. Grabs war schon zu jener Zeit ein wichtiger Ort. Da es auf seinen Schuttkegeln vor den häufigen Rheinüberschwemmungen geschützt war, litt es auch kaum unter den verheerenden Auswirkungen derselben. Kam es trotzdem einmal zu Schaden, so waren die Bergbäche daran schuld, denn oft gebärdeten sie sich als wilde Gesellen.
Liess sich das Verhältnis zu den neuen Landesherren anfänglich noch gut an, so verschlechterte es sich doch sehr bald. Unter anderem führte der reformierte Stand Glarus in seinem Untertanenland die Reformation ein nach dem Grundsatz "cuius regio eius religio" (Wessen Herrschaft, dessen Religion). Von der "christlichen Freiheit" erwarteten sich die Anhänger der neuen Lehre wie die Bauern jenseits des Bodensees und im Vorarlberg auch die Befreiung von den Herrschaftsrechten der Glarner. Sie verweigerten Leistungen und Gehorsam und wollten dem Land Glarus nur die liegenden Güter lassen. So kam es 1521 nicht zur Reformation, sondern 200 Jahre vor dem sogenannten "Werdenberger Handel" zu einer allgemeinen Aufruhr, "gereizt aus der Süsse der Freiheit", aber ohne Erfolg. Die Werdenberger und mit ihnen die Grabser büssten in der Folge einige Freiheiten ein und mussten einen "Verzeih und Gnadenbrief" billigen. Die Burger und Landleute von Werdenberg verloren gar ihr Fähnlein, einen schwarzen Pfau im silbrigweissen Feld, an Glarus und erhielten ihr Wahrzeichen erst 1565 aufgrund jahrelangen Wohlverhaltens wieder zurück (im sog. "Fähnlibrief").
Der Werdenberger Handel
Nach 1700 zogen die Glarner Herren die alten und neuen Briefe und Rodel ein unter dem Vorwand, diese in Glarus einer Kontrolle unterziehen zu müssen. Als diese Urkunden in Glarus verblieben und die Werdenberger deren Rückgabe vergeblich forderten, verweigerten sie 1719 dem neuen Landvogt die übliche Huldigung. Die daraus auf beiden Seiten entstehende Verbitterung führte zu dem unseligen "Werdenberger Handel" von 1721 bis 1725, welcher auch die Eidgenössische Tagsatzung beschäftigte und schliesslich mit einer Art Vergleich, der Remedur, abgeschlossen wurde.
Die Werdenberger hatten ihren Landeshauptmann Hilty durch Tod verloren, und alle Gemeinden mussten hohe Bussen bezahlen. Grabs (mit 4500 Gulden) und die Stadt Werdenberg (mit 4000 Gulden) trugen dabei die Hauptlast des Ungehorsams.
Anbruch einer neuen Zeit
Als die Französische Revolution die über tausendjährigen Herrschaftsstrukturen stürzte, hofften die Werdenberger und mit ihnen die Grabser auf einen Frühling der Freiheit. Sie begrüssten deshalb den Einmarsch der Franzosen, der im Herbst 1798 erfolgte. Schon seit dem Frühjahr 1798 waren in allen Gemeinden Freiheitsbäume errichtet worden, in Grabs eine ganze Reihe. Noch vor der Flucht des Landvogts war bei der Kirche Grabs ein Freiheitsbaum aufgerichtet worden, ein zweiter stand bei der "Chilbibrugg" mitten im Dorf, ein dritter beim Haus des Revolutionärs Markus Vetsch, ein vierter wurde von den Ober- und Unterstaudnern gemeinsam errichtet.
Drei weitere Bäume kündeten am Grabserberg von der neuen Freiheit. Die Gemeinde Grabs soll für die Farbe, die sie brauchte, um die Stämme aller Freiheitsbäume zu bemalen, mehrere hundert Gulden ausgegeben haben. Die Werdenberger richteten mitten im Städtchen, auf dem Platz, einen fast zwanzig Meter hohen Baum auf. An den Wipfeln sämtlicher Freiheitsbäume befestigte man eine sehr grosse rote oder dreifarbige Kappe und einen gewaltigen Kranz mit dreifarbigen Bändern und Sträussen. Getrübt wurde die revolutionäre Freude durch die Einquartierungen, die mit wechselndem Kriegsglück Franzosen und Österreicher ins Land brachten.
Nach 1815 brachen auch für Grabs wieder ruhigere, aber nicht weniger bedrückende Zeiten an. Schwer lastete die Not der Kriegsjahre auf der Gemeinde und zwang viele Grabser, in der Fremde eine neue Existenz aufzubauen. Im Jahre 1803 waren durch Schiedsspruch der St. Galler Regierung Schloss und Städtchen Werdenberg politisch der Gemeinde Grabs zugesprochen worden. Dies mag als Kuriosum erscheinen, bedeutet aber nichts anderes als die Bestätigung einer jahrhundertealten Tradition: Schloss und Stadt hatten schon immer zum Kirchspiel Grabs gehört, waren also nach Grabs kirchengenössig gewesen und gehörten aufgrund der gesetzten Marken und der Legibriefe zur (Orts) Gemeinde Grabs.
Im letzten und im gegenwärtigen Jahrhundert verlief die Geschichte der Gemeinde in ruhigeren Bahnen, und das Augenmerk der Entwicklung war vor allem darauf ausgerichtet, im Rahmen der wirtschaftlichen Sicherheiten eine Konsolidierung zu erreichen. Die Gemeinde Grabs zeigt sich heute als moderne, dynamische Gemeinde, die einerseits ihre kulturellen Werte bewahrt, andererseits sich den ständig neuen Herausforderungen mit ungebrochener Kraft stellt.