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Sarah Myhill et al. 2009
Sarah Myhill ist eine britische Ärztin, die eine eigene ME-Klinik führt und eine der weitest geachteten Expertinnen für ME
In dieser Studie wurden Blutproben von 71 ME-Patient*innen für einen „ATP-Profil“-Test genommen. ATP (Adenosintriphosphat) ist ein organisches Molekül, das alle lebenden Zellen mit Energie versorgt und in den Mitochondrien hergestellt. Nur einer der ME-Patient*innen war im Normbereich der ATP-Verfügbarkeit. Ausserdem zeigten die Resultate eine bemerkenswerte Korrelation zwischen der mitochondrialen Dysfunktion und der Schwere der Krankheit. Dies deutet darauf hin, dass ME-Patient*innen ihr Zellen nicht genug mit Energie versorgen können.
Alan R. Light et al. 2012
Alan Light ist Forschungsprofessor für Anästhesiologie, Neurobiologie und Anatomie an der University of Utah und langjähriger Experte für ME.
In dieser Studie wurden Blutproben von Patient*innen mit ME, Fibromyalgie und von gesunden Kontrollen vor dem Training sowie 0,5, 8, 24 und 48 Stunden danach entnommen. Die Blutproben wurden auf Genexpression analysiert und mit Messungen von Erschöpfung und Schmerzen verglichen. Die Studien zeigen, dass es eine Zunahme der Transkription vieler Gene nach dem Training gibt. Diese Erhöhungen korrelieren mit den Messungen von Müdigkeit und Schmerzen. Keine derartigen Veränderungen wurden bei der gesunden Kontrolle beobachtet. Die Ergebnisse zeigen einen Mechanismus der physischen Belastungsintoleranz, unter welcher die beiden Patientengruppen leiden.
Christopher R. Snell et al. 2013
Christopher Snell ist wissenschaftlicher Direktor der WorkWell Foundation und leitet das Pacific Fatigue Lab am Department of Health, Exercise, and Sports Sciences an der University of the Pacific, Stockton, Kalifornien.
In dieser Studie führten ME-Patient*innen und Teilnehmer, die dekonditioniert, aber ansonsten gesund waren, zwei Herz-Kreislauf-Belastungstets 24 h getrennt durch. Während es am ersten Tag keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen gab, zeigten die zweiten Tests eine signifikant geringere Leistung bei ME-Patient*innen (für Sauerstoffverbrauch, Spitzenbelastung sowie Belastung an der Atem- und anaeroben Schwelle), wodurch postexertionale Malaise objektiviert und die Dekonditionierungsthese von ME falsifiziert wurde.
Yasuyoshi Watanabe et al. 2014
Yasuyoshi Watanabe ist Direktor des RIKEN Center for Life Sciences Technologies (SLST) und Professor am Center for Health Science Innovation an der Osaka City University.
In dieser Studie wurden Positronen-Emissions-Tomographie-Aufnahmen (PET) von an ME erkrankten Personen mit denen gesunder Probanden verglichen. Die PET-Bildgebung ist eine Technik, mit der Stoffwechselvorgänge im Körper beobachtet werden können, welche die Präsenz von Entzündungen anzeigen. Die WissenschaftlerInnen stellten großflächige Neuroinflammation in den Gehirnen der ME-Patient*innen fest. Die Entzündungswerte der Patientengruppe waren 45% – 199% höher als die der Kontrollgruppe. Entzündungen in verschiedenen Bereichen des Gehirns korrelierten mit der Schwere verschiedener Symptome.
Institute of Medicine 2015
Das Institute of Medicine (heute: National Academy of Medicine) ist eines der weltweit renommiertesten medizinischen Forschungsinstitute. Sein Ziel ist es, unvoreingenommene, evidenzbasierte und kompetente Beratung bezüglich Gesundheits- und Wissenschaftspolitik anzubieten.
Das IOM wurde vom US-Gesundheitsministerium beauftragt, eine Studie über ME durchzuführen. Das Komitee analysierte über 9’000 Studien und befragte Expert*innen und Patient*innen . Die Autor*innen stellen fest, dass „die primäre Botschaft dieses Berichts ist, dass ME/CFS eine schwere, chronische, komplexe und systemische Erkrankung ist, die häufig und dramatisch die Aktivitäten der betroffenen Patient*innen einschränkt. In seiner schwersten Form kann diese Krankheit das Leben derer verschlingen, die sie befällt.“
Michael F. Hvidberg et al. 2015 (Mitlgieder der Dänischen ME/CFS Assotiation)
Michael Hvidberd ist assoziierter Wissenschaftler am Dänischen Zentrum für Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung an der Universität Aalborg.
In dieser Studie wurde die gesundheitbezogene Lebensqualität von ME-Patient*innen mit dem EQ-5D-3L berechnet, einem standardisierten Instrument zur Messung des allgemeinen Gesundheitszustands. Die Ergebnisse wurden mit 20 anderen Erkrankungen wie unter anderem Brust-, Prostata-, Darm- oder Lungenkrebs, Multipler Sklerose, Herzinsuffizienz, Depression, sowie mit gesunden Probanden verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass ME-PatientInnen von allen verglichenen Gruppen die bei weitem niedrigste Lebensqualität haben.
Maureen R. Hanson et al. 2016
Maureen Hanson ist Professorin im Departement für Molekularbiologie und Genetik an der Cornell University und Mutter eines Sohnes mit ME
Das Darmmikrobiom ist von wachsendem Interesse an der Erforschung chronischer Krankheiten und scheint bei vielen Erkrankungen eine Rolle zu spielen. In dieser Studie wurde das Darmmikrobiom von ME-Patient*innen und gesunden Kontrollen analysiert. In der Patientenkohorte wurde weniger bakterielle Vielfalt gefunden. Darüber hinaus gab es eine Erhöhung von spezifischen entzündungsfördernden Arten und eine Verminderung von entzündungshemmenden Arten. Es wurden auch Blutmarker für mikrobielle Translokation gefunden, die darauf hindeuten, dass Mikroben den Darm verlassen und entzündliche Symptome bei ME verursachen können.
Sonya M. Marshall-Gradisnik et al. 2016
Sonya Marshall-Gradisnik ist Co-Direktorin des National Center for Neuroimmunology and Emerging Diseases (NCNED) an der Griffith University in Brisbane, Australien.
In dieser Studie wurden progressive Hirnveränderungen mit longitudinaler MRT (Hirnscans) bei ME-Patient*innen und gesunden Kontrollen untersucht. Die Scans wurden zweimal sechs Jahre auseinander gemacht. Während die Gehirne der Kontrollen keine signifikanten Veränderungen aufwiesen, zeigten die Gehirne von ME-Patient*innen signifikante regionale Abnahmen von weißer sowie grauer Substanz und verringertes Blutvolumen. Darüber hinaus korrelierten die regionalen Volumina der Grauen und Weißen Substanz signifikant mit den Symptomwerten der Patient*innen.
Leonard A. Jason et al. 2016
Leonard Jason ist Professor für Psychologie an der DePaul University in Chicago, Illinois, USA, und Di-rektor des Center for Community Research an der DePaul University.
In dieser Studie wurde die Krankheitslast von ME unter Verwendung der DALY-Maßeinheit (Disability Adjusted Life Years) der Weltgesundheitsorganisation geschätzt. Das Verhältnis der Krankheitslast zur offiziellen Finanzierung der Forschung auf dem Gebiet von ME wurde mit anderen Krankheiten verglichen, um eine Höhe der Finanzierung zu schätzen, die der Krankheitslast angemessen wäre. Die Analyse zeigt, dass die staatliche Forschungsfinanzierung für ME um das 25-fache oder mehr erhöht werden müsste, um angemessen zu sein.
Keith Geraghty et al. 2017
Keith Geraghty ist Honorary Research Fellow am Zentrum für medizinische Grundversorgung der University of Manchester.
In dieser Studie wurden die Erfahrungen von ME–Patient*innen mit dem Gesundheitssystem vor einem ethischen Hinterghrund analysiert. Die Analyse zeigt, dass ME-Patient*innen durch Vorurteile und negative Stereotype ungerechterfertigter Weise eine geringere Glaubwürdigkeit zugesprochen wird und dass die Ressourcen fehlen, um sich bei der Begegnung mit medizinischem Fachpersonal auszudrücken, was zu einer Ausgrenzung aus dem Ge-sundheitssystem führt. Die Marginalisierung von ME-Patient*innen ist ein professionelles Versagen, das negative Folgen für die ethische Betreuung und Durchführung von Be-handlungen bei ME-Patient*innen sowie für die Erforschung von ME hat.
Jose G. Montoya et al. 2017
Jose Montoya ist Arzt für Infektionskrankheiten und Professor der Medizin am Stanford University Medical Centre.
In dieser Studie wurden die Zytokine von ME-PatientInnen und gesunden Probanden gemessen um herauszufinden, ob eine Signatur von Serum-Zytokinen mit ME in Zusammenhang gebracht werden kann, und ob diese mit der Schwere der Krankheit und der Dauer der Erschöpfung korreliert. Es wurden siebzehn Zytokine gefunden, die einen statistisch signifikanten, linearen Aufwärtstrend hatten, der mit der Schwere der Erkrankung korrelierte. Dreizehn dieser Zytokine sind entzündungsfördernd und tragen wahrscheinlich zu vielen der von den PatientInnen erlebten Symptome bei. Die Resultate weisen auf eine starke Beteiligung des Immunsystems an dieser Krankheit hin.
Carmen Scheibenbogen et al. 2018
Carmen Scheibenbogen ist Professorin für Immunologie, stellvertretende Vorsitzende des Instituts für Medizinische Immunologie an der Charité in Berlin. Sie ist die qualifizierteste Expertin für ME im deutschen Sprachraum.
In dieser Studie evaluiert sie Belege für Autoimmunität bei ME Sie kommt zu dem Schluss, dass es, obwohl unvollständig verstanden, überzeugende Evidenz für eine autoimmune Grundlage bei mindestens einer Untergruppe von ME-Patient*innen gibt. Immundysregulationen bei ME wurde häufig beschrieben, einschließlich Veränderungen von Zytokinprofilen und Immunglobulinspiegeln, Veränderungen des T- und B-Zell-Phänotyps und einer Abnahme der natürlichen Killerzellfunktion. Kürzlich wurden Autoantikörper gegen verschiedene Antigene bei ME-Patient*innen identifiziert.
Ronald W. Davis et al. 2018
Ron Davis ist Professor für Biochemie und Genetik an der Stanford University, wo er das Chronic Fatigue Syndrome Research Center (CFSRC) leitet und Vater eines Sohnes mit schwerer ME
Für diese Studie wurde eigens eine mikrofluidische Plattform entwickelt, die in der Lage ist, Veränderungen in der Verformbarkeit der roten Blutkörperchen zu erkennen. Das Gerät wurde verwendet, um das Blut von 16 ME-Patient*innen und 16 altersgerechte gesunde Kontrollen zu testen. Die Tests zeigten, dass die roten Blutkörperchen von ME Patient*innen größer und weniger verformbar sind als die von gesunden Kontrollen. Dies könnte ein Grund für die Schmerzen und schwere Erschöpfung bei ME sein, da die Diffusion von Blut durch Gewebe beeinträchtigt ist. Die mikrofluidische Plattform könnte genutzt werden, um die Diagnose von ME zu vereinfachen.