Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03113.jsonl.gz/2100

Olényi Von Husen, Britta
Der aus Wien stammende und seit 1906 bei Franz von Stuck in München ausgebildete Künstler Hanns Pellar (1886-Wien-1971) gehörte um 1910 zu den in München auffälligen Künstlern, die mit einer handwerklich soliden und in den Darstellungen sehr gefälligen Kunst, prägend für die Prinzregentenzeit waren. Herausfordernd blickende Damen in Rokokokleidern und Frisuren wie beispielsweise „Ninon de Lenclos“, aber auch Tänzerinnen und Parkgesellschaften mit Faunsfiguren sind sein festes Repertoire. Sein erster öffentlicher Erfolg ist eine phantasievolle Folge von Märchenfiguren in Rokokokostümen, die 1909 bei Heinrich Thannhauser in München ausgestellt, nachträglich mit einem Text von Fritz von Ostini versehen wurde und mitsamt zu einem sehr erfolgreichen Kinderbuch avancierte. So wurde durch dieses Kinderbuch auch der Großherzog von Hessen auf den sogenannten „Maler der Eleganz“ aufmerksam und berief den Künstler kurz darauf an die Mathildenhöhe in Darmstadt, dessen Mitglied er bis 1917 war.
An seinen frühen Erfolg anschließend, schien Pellar eine elitäre Sammlerschaft und mithin Nische gefunden zu haben, deren Geschmack sich eher im Privaten entfaltete, bis heute öffentlich kaum gesammelt wird, aber durchaus viele Bereiche der Kultur durchdrang wie Literatur, Theater und eben Malerei, Illustration, Plastik, Architektur, Kunstgewerbe.
Bisher fehlt es nicht nur dem Werk des Künstlers an einer Würdigung, sondern der Stilrichtung des Neorokoko im Allgemeinen, die um die Jahrhundertwende eine besondere Ausprägung erfuhr und eine Vielzahl namhafter Künstlerkollegen zumindest zeitweise inspirierte. Die Zeitschrift „Die Jugend“ beispielsweise liefert zahlreiche illustrative Beiträge, die dem Rokoko gewidmet sind und der Mitherausgeber dieser Zeitschrift, Franz Blei gilt als einer der Persönlichkeiten, die sich am umfassendsten mit dem Thema Rokoko auseinandersetzen. Im Zentrum der Arbeit stehen aus diesem Grunde der Versuch einer Annäherung an das Phänomen des Neorokoko anhand des dieser Stilrichtung verschriebenen Werkes von Hanns Pellar.
Abbildung: Hanns Pellar, Ninon de Lenclos, Öl/Lwd., signiert und 1911 datiert, 97 x 93 cm., Privatsammlung Darmstadt