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Liechtensteinische Landesbibliothek
LI-Vaduz 2022 Wettbewerb
SITUATION
Das bestehende Post- und Verwaltungsgebäude befindet sich an prominenter Lage im Zentrum von Vaduz. Es liegt zwischen der Fussgängerzone Städtle und der Verkehrsachse Äulestrasse. Aktuell bilden mehrere Gebäudeteile und Zugänge einen Komplex, der stadträumlich keine klare Adresse aufweist und sich nicht auf die drei Strassenräume, sondern auf den durch Mauern und Treppen verstellten Hof orientiert.
Die Äulestrasse ist im Projektbereich dominiert von Verkehr und Anlieferung und baut auf der Funktionstrennung der 70er Jahre auf. Die im östlichen Bereich vorhandenen Adressen enden bei der Postgasse.
Die braune Aluminium-Fassade wirkt abweisend und veraltet. Im Inneren des Gebäudes fällt die Orientierung schwer, vertikale räumliche Bezüge fehlen und die Erschliessung ist unübersichtlich.
STÄDTEBAU
Um die Situation zu klären, werden verschiedene Eingriffe vorgeschlagen: Städtebaulich wird der eingeschossige Postgebäude-Riegel entfernt und ein neuer Sockel mit gut ersichtlichem Zugang von Äulestrasse und Städtle ausgebildet. So wird die Ausrichtung und Adresse gestärkt. Der Hof wird mit dem Abbruch des Postgebäudes geöffnet und mit der Absenkung besser an die Fussgängerzone angebunden, die Fernsicht Richtung Alpen wird freigegeben.
Die Fassade wird bis auf die bestehende Beton Tragstruktur freigelegt und erhält eine neue vorgesetzte Hülle: eine neue Einheit entsteht. Dadurch wird die prägende Gebäudestruktur aus Stützen und auskragenden Platten räumlich inszeniert und erlebbar gemacht. Nach Aussen erscheint die neue Landesbibliothek in einem klar ablesbaren Volumen, das sich in zwei Teile gliedert. Der Sockel ist massiv, mit einzelnen, präzis gesetzten Öffnungen, die Tranzparenz gewährleisten und die Orientierung erleichtern. Das bestehende aussenliegende Treppenhaus für die Tiefgarage wird hier integriert.
Mit der Absenkung des Platz-, Eingangsniveaus kann das Gebäude über eine neue Aussentreppe mit integrierter Rampe direkt vom Städtle erschlossen werden. Der neu gestaltete Platz, seitlich der neuen Bibliothek, ergänzt den Fussgängerbereich, der Blick auf die Alpen und das Schloss wird freigeben. Eine baumbestandene, chaussierte Fläche lädt zum verweilen ein und das Café erhält einen attraktiven Aussenbereich. Die Bushaltestelle der Äulestrasse wird mit einer neuen Aussentreppe direkt angeschlossen.
ARCHITEKTUR
Der Sockel fungiert als Zugangs-, Verbindungs- und Verteilgeschoss mit den übergeordneten öffentlichen Nutzungen wie Ausstellung, Veranstaltung, Café und Lounge. Der aufliegende, rechteckige Gebäudekörper beinhaltet die Bibliotheksnutzungen. Die doppelgeschossige, allseitige Beletage verstärkt den öffentlichen Charakter des Gebäudes. Mit dem Rückbau des Dachgeschosses wird die Volumetrie vereinfacht und reiht sich in die Abfolge der schlichten Kuben der öffentlichen Gebäude am Städtle ein.
Die von den bestehenden Geschossplatten vorgesetzte Fassade der Obergeschosse wird in Holzbauweise mit Fensterbändern ausgebildet. Der Öffnungsgrad der Holzfassade spiegelt die innere Nutzung wieder. Unten sind grössere Öffnungen und mehr Austausch vorgesehen, nach oben hin wird die Fassade geschlossener, was ruhiges und zurückgezogenes Arbeiten ermöglicht.
Das vorhandene Treppenhaus wird mit einem Rollstuhlgerechten Lift ergänzt. Die beiden bestehenden werden durch Nasszellen ersetzt. Der Warenlift wird mit dem Bücherlift und neuen Steigzonen ergänzt. Die Erweiterungen der beiden bestehenden Kerne übernehmen sinnfällig die Aussteifung des Gebäudes.
Für die bessere innere Orientierung wird zentral eine neue, grosszügige Treppe platziert, die südlich durch eine neue aussteifende Wandscheibe abgeschlossen wird. Der darüber liegende Luftraum spendet Tageslicht und ermöglicht vertikaler Bezüge.
Der öffentliche Bereich beginnt auf dem Niveau Äulestrasse mit einem überhohen Veranstaltungsraum und Ausstellungsbereich sowie Garderobe. Durch die direkte Lage an der Äulestrasse können Veranstaltungen auch unabhängig stattfinden. Über eine offene Treppe, gelangt der Besucher ins Erdgeschoss. Hier befindet sich der Empfangsbereich mit Computer Arbeitsplätzen, Lounge und Café. Über eine überbreite Treppe gelangt man auf die neue eingehängte Beletage mit der Kinder- und Jugendbibliothek. Zusätzlich stehen Lese- und Arbeitsbereiche mit direktem Zugang zur Terrasse zur Verfügung. Im 1.OG, von der Fassade abgesetzt stehen ein Teil des Sachbuchbereichs und die Belletristik sowie die Medien, Filme und Hörbücher. Steharbeitsplätze können entlang der alten Brüstung genutzt werden. Der Bibliotheksteil Open Library endet hier. Der Zugang zur Treppe ins 2.OG kann über eine Schiebetüre verschlossen werden. Im 2.OG befindet sich der Freihand- und Sachbuchbereich als auch der Makerspace, sowie die liechtensteinischen Publikationen. Zusätzlich stehen Lern- und Leseplätze für konzentriertes Arbeiten als angehängte einzelne Balkone zwischen bestehender Geschossplatte und neuer Fassade zur Verfügung.
Der nicht öffentlicher Bereich umfasst im Untergeschoss die Anlieferung über die Postgasse mit Zwischenlager und Warenlift. Magazinflächen und Kulturgüterschutzräume werden von dem bestehende Korridor erreicht. Die Kernstruktur wird auch im 2. und 3.UG ergänzt um die Erschliessung und Aussteifung zu gewährleisten und die benötigten Technikflächen anzubieten. Um die Magazinflächen effizient abzubilden wird eine Zwischendecke eingezogen.
Die Personalbüros sind im Erdgeschoss inklusive Sekretariat und Leitungsbüro, sowie ein Viererbüro für Kinder und Jugend Bibliothekare vertreten. Im 3. OG gliedern sich die Personalbüros um den zentral an einem Hof gelegenen Pausenraum mit Küche. Die Viererbüros sind für Sachbuch und Belletristik zu nutzen. Am Waren- bzw. Bücherlift befindet sich der Akzessionsraum mit Werkstatt und Magazin.
Baumanagement: Akeret Baumanagement AG, CH-Bern
Bauingenieur: WMM Ingenieure AG CH-Münchenstein
Holzbau Ingenieur: Makiol Wiederkehr AG, CH-Beinwil am See
Gebäudetechnik: EPRO Engineering AG, CH-Gümligen
Brandschutz: Wälchli Architekten Partner AG, CH-Bern
Bauherr: Land Liechtensein
Fläche: 3’936m2 GF