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Die
Veredelung europäischer Reben
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb man in Europa den uralten Traditionen im
Rebbau treu. Die bestehenden europäischen Sorten wurden Gewissenhaft und mit
viel Pflege angebaut, um guten Wein zu erhalten.
Plötzlich aber häuften sich Schreckensnachrichten, wonach ganze Rebberge durch
eine Plage zugrunde gegangen seien. Als Ursache wurde rasch ein kleines Insekt
aus der Familie der Zwergläuse ausgemacht – später nannte man es Reblaus. Dass
europäische Reben mit dem Absterben reagieren, hängt damit zusammen, dass die
Reblaus eine eingeschleppte Amerikanerin ist.
Bei den amerikanischen Rebsorten wurde beobachtet, dass auch diese im
Wurzelbereich befallen werden, daran aber nicht eingehen. Bei den europäischen
Reben werden aber die Rebeblätter angefallen, was zum Absterben führt.
In dieser Beobachtung lag der Schlüssel zur Lösung des Reblausproblems.
Europäische Rebsorten wurden auf amerikanische Unterlagen aufgepfropft. Der
natürlich Zyklus der Reblaus wurde gestört. Diese Veredelung war auch gleich die
erste biologische Schädlingsbekämpfung in der Geschichte des Rebbaus.
Seither lässt man die europäischen Vinifera-Sorten auf amerikansichen Wurzeln
wachsen. Veredelt wird während der Wintermonate. Die dazu verwendeten Hölzer,
das amerikanische Unterlagsholz und die europäischen Edelreiser, stammen
vorwiegend aus streng kontrollierten „Muttergärten“.
Die
Aufgabe der Rebschulen
In Rebschulen wird auf das amerikanische Holzstück eine Knospe der europäischen
Sorte aufgepfropft und dazu angeregt, auszutreiben. Mit dem Austrieb verwachsen
die Holzstücke miteinander zu einer festen Verbindung.
Anschliessend werden die Stecklinge „eingeschult“, das heisst, sie werden
ausgepflanzt. Im Herbst werden die Reben wieder ausgegraben und der gewachsene
Jahrestrieb wird eingekürzt. So kommen die Jungreben in den Verkauf. Die so
gezüchtete Jungrebe weist die gleichen Eigenschaften auf wie die Mutterpflanze,
von der das Edelreis stammt.