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1998/1999 – Erste Schritte
Alles begann mit der Idee von Daniel Frey im Frühling 1998. Er hatte es satt, zweimal pro Woche fürs Training von Thun nach Bern zu fahren und beschloss deshalb, in Thun einen American Football Club zu gründen. Er hielt Ausschau nach Gleichgesinnten und wurde fündig; noch im Juli desselben Jahres fand die erste Sitzung statt. Die wichtigsten Punkte: die Suche nach Sponsoren, Erstellen der Vereinsstatuten und das Anwerben von Spielern und Vereinsmitgliedern. Das Initiantenteam: Daniel Frey, Lionell „Bubba“ Brown, Rosmarie Schneider, Benjamin Kallen und Thomas Schmid.
Anlässlich des Thunfestes anfangs August 1998 verteilten die Initianten Flyer, mit dem Ziel, die Thuner Bevölkerung auf die für die Schweiz doch eher ungewöhnliche Sportart neugierig zu machen. Beim ersten „Training“, welches auf diese Werbekampagne folgte, erschienen zwei Spieler. Drei Wochen später, am ersten Informationsabend, fanden sich dann immerhin 16 Interessierte ein, und die Geschichte nahm ihren Lauf.
2000 – Vereinsgründung und erstes Spiel
Während Daniel Frey beruflich längere Zeit im Ausland tätig war, hatte Martin Zurbrügg einem ansprechenden Kader die ersten Schritte im Football beigebracht. Im Frühjahr 2000 konnte man dann mit Ueli Sutter und Daniel Wildi zwei erfahrene Coaches für die Tigers gewinnen und es erfolgten die ersten öffentlichen Werbeauftritte in Thun unter Miteinbezug der Medien. Am 5. Mai 2000 war es schliesslich soweit: An der Gründungsversammlung wurde der AFC Thun Tigers offiziell ins Leben gerufen. 35 Aktive stimmten der Vereinsgründung zu. Als erster Präsident wurde Daniel Frey gewählt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die Meisterschaft allerdings schon begonnen, und ein Beitritt zum Schweizerischen American Football Verband (SAFV) wurde erst auf 2001 möglich. Das bedeutete auch, dass die Thun Tigers an der Meisterschaft 2000 noch nicht teilnehmen durften. Man begann deshalb mit dem Training und der Planung für die Saison 2001. Als zusätzlicher Coach konnte teilweise Rex Stapleton in die Schweiz gebracht werden. Dank seiner langjährigen College-Football-Erfahrung in Nordamerika und nicht zuletzt der Spielpraxis, welche er in der Schweiz gesammelt hatte, trug er viel zum Aufbau und Gelingen des AFC Thun Tigers bei, während hinter den Kulissen gleichzeitig der Aufbau der Juniorenmannschaft und der Cheerleader Squad begann.
Der 1. Oktober 2000 wird als historisches Datum in die Geschichte des AFC Thun Tigers eingehen. Zum ersten Mal standen die Tigers einer anderen Mannschaft gegenüber – in einem Freundschaftsspiel, versteht sich. In Steffisburg fand ein erster Härtetest gegen die Bern Grizzlies statt. Die noch junge und unerfahrene Truppe aus Thun unterlag den Stadtbernern klar mit 66:00. Nichts desto Trotz, die Thun Tigers waren für die erste Meisterschaft gerüstet.
2001 – Erste Meisterschaftssaison
In den ersten Meisterschaftsspielen setzte es für die Berner Oberländer deutliche Niederlagen ab und es wurde schnell einmal klar, dass die Mannschaft im 2001 sehr viel Lehrgeld bezahlen würde. Immerhin steigerten sich die Tigers aber von Spiel zu Spiel und im Kantonalderby gegen die Bienna Jets konnte endlich der erste Touchdown verbucht werden. Bis zur Sommerpause reichte es jedoch in keinem der acht Spiele zu einem Sieg und Punkte blieben weiterhin Mangelware. Noch stand aber das neunte und letzte Meisterschaftsspiel der Saison 2001 in Winterthur an. Die Warriors lagen zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch punktelos am Tabellenende; war das etwa die Chance zum ersten Sieg? – Ja! – Die Thun Tigers spielten stark auf und gestanden dem Gegner keine oder nur unbedeutende Raumgewinne zu und gewannen schliesslich verdient mit 51:00.
2002 – Erste Erfolge
Zu Beginn der Meisterschaft 2002 präsentierte sich die Mannschaft des AFC Thun Tigers in beinahe unveränderter Form. Abgänge konnten mit Neuzugängen wettgemacht werden. Das Ziel für die 1. Mannschaft war, am Ende der Meisterschaft den 7. Tabellenplatz zu belegen.
Mit grosser Spannung erwartete man jedoch das Debut der Juniorenmannschaft. Für den Nachwuchs war dies die erste Meisterschaft. Ähnlich wie die 1. Mannschaft im Jahr zuvor, mussten auch die „jungen“ Thun Tigers sehr viel Lehrgeld bezahlen. Zudem waren sie von grossem Verletzungspech geplagt. Doch auch sie gingen in ihrer ersten Saison nicht leer aus: vor heimischem Publikum besiegten sie die Nachwuchsmannschaft der Bienna Jets 33:07.
Für die 1. Mannschaft hätte die Meisterschaft 2002 kaum besser beginnen können. Nach 2 Spielen und Siegen über Landquart und Winterthur grüssten die Thun Tigers von der Tabellenspitze. Dank weiteren Siegen im Derby gegen die Grizzlies und die Lausanne Sharks schafften die Thun Tigers den 6. Rang, was gleichbedeutend mit einem Wildcardgame (Qualifikationsspiel um den Einzug in die Play-Off Halbfinals) war.
In St. Gallen unterlagen die Berner Oberländer den Seaside Vipers. Aber dies war kein Grund, die Köpfe hängen zu lassen. Das Saisonziel wurde klar übertroffen und es gibt wahrscheinlich nicht viele Teams, welche in ihrer 2. Meisterschaft schon Play-Off Luft schnuppern durften.
2003 bis 2005 – Jahre der Bewährung
Nachdem sich die Tigers in den ersten Meisterschaftssaisons überraschend gut etabliert hatten, war man guten Mutes, die erfreuliche Entwicklung auch in den nächsten Jahren weiterzuführen. Wie bei vielen in den 90er Jahren gegründeten Football Teams verflog aber auch bei den Tigers die Euphorie aus der Gründerzeit relativ rasch und so stand für den Verein jetzt der harte Alltag im Vereinsleben erst noch bevor. Die nächsten Jahre sollten sowohl auf Spieler- als auch auf Vorstandsebene einige Wechsel bringen. So trat u.a. auch der Gründungspräsident Daniel Frey aus persönlichen und beruflichen Gründen von seinem Amt zurück und übergab die umfangreichen Aufgaben an Bojan Bockorec, einen langjährigen Footballsüchtigen und Tigers-Aktiven.
Während sich die Juniorenmannschaft unter der aufopfernden Leitung von Martin Zurbrügg im Jahr 2003 weiter steigern konnte und 2004 mit 4 Siegen den respektablen 6. Meisterschaftsrang erreichte, hatten die Aktiven nicht mehr dieselbe Durchschlagskraft wie noch 2002. Während man die Saison 2003 mit immerhin 4 Siegen, darunter dem legendären 3-0 zum Saisonabschluss gegen den Meisterschaftsdritten Bern Grizzlies, im ausgeglichenen Mittelfeld der Meisterschaft beenden konnte, standen 2004 nur einige Ehrenmeldungen von knappen Niederlagen und 3 Siegen (wovon 2x Forfait) zu Buche, was Ende Jahr den 7. Platz und den Abstieg in die neu geschaffene Liga B bedeutete.
Mit dem Abstieg verliessen leider auch einige bewährte Gesichter die Mannschaft der Aktiven. Diese bestand nun zu grossen Teilen aus Eigengewächsen aus dem Nachwuchs, startete mit relativ wenig Erfahrung in die Saison 2005 und musste erstmals ohne Amerikaner auskommen. Sowohl auf Ebene der Junioren wie auch bei den Aktiven war die Saison sehr unbefriedigend und sportlich gesehen ein weiterer Rückschritt. Die geschwächten Juniors konnten mit den starken Gruppengegnern aus Biel und Genf nie mithalten und obwohl die Seniors gegen schwache Konkurrenz den Liga Final gegen Biel mit 6 Siegen problemlos erreichten, musste die Saison mit den drei deutlichen Niederlagen (im Finale mit 34-13) gegen den B-Meister als enttäuschend beurteilt werden.
2006/2007 – Höhenflug und Flügelbruch
Mit weiteren Verstärkungen aus den eigenen Reihen, wertvollen Erfahrungen aus der vorhergehenden Saison und einigen Rückkehrern starteten die Tigers deutlich verbessert in die zweite Saison in der Liga B.
Bereits beim harterkämpften 12-6 Sieg im Vorbereitungsspiel gegen die Milano Rhinos zeigte sich die gute Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und soliden Leistungsträgern bei den Tigers. Und diese Mischung sollte zu vielen deutlichen Siegen in der Meisterschaft und zur erneuten Qualifikation fürs Ligafinale beitragen. Trotz eines Ausrutschers gegen die Landquart Broncos im letzten Saisonspiel, stiegen die Tigers gegen den gleichen Gegner als Favoriten ins Finalspiel, welches auch souverän mit 41-20 gewonnen werden konnte und für die Zukunft einiges versprach.
Der ansgestrebte Wiederaufstieg für die Saison 2007 erfuhr aber bereits in der Offseason einen herben Dämpfer als gleich mehrere Teamstützen die Mannschaft aus verschiedenen Gründen verliessen. Nachdem als ausländische Verstärkung der mexikanische QB Diego Correa gefunden wurde, entschied man sich trotzdem dafür, die Saison in der Nationalliga A in Angriff zu nehmen. Mit zu viel Respekt startete man gegen den angeschlagenen Meister Winterthur Warriors in die Saison und verlor auch gegen die starken Zürich Renegades überaus deutlich. Da bereits nach zwei Spielen 8 Stammspieler verletzungsbedingt ausgefallen waren, standen die Berner Oberländer mit der traditionell dünnen Spielerdecke auch für die restlichen Spiele auf verlorenem Posten und mussten den sofortigen Wiederabstieg in Kauf nehmen. Leider ereilte auch die Juniors trotz meist grossem Kämpferherz, aber kleinem Spielerkader das Schicksal einer „winless“-Season.
2008 – Turbulenzen und Wiederaufbau
Die Saison 2008 brachte vor allem in den Wintermonaten grössere Veränderungen mit sich. Nach einigen Turbulenzen bei der Hauptversammlung musste im Frühjahr ein neues Vorstandsteam gewählt werden und auch im Coaching der Junioren und Flaggies gab es grössere Veränderungen. In sportlicher Hinsicht gab es jedoch durchaus positive Signale. So bestritten nicht weniger als 10 Rookies gegen die Geneva Seahawks ihr erstes Meisterschaftsspiel und die Mannschaft verpasste schliesslich nur knapp ein weiteres Ligafinale. Obwohl auch der Nachwuchs resultatmässig schlecht belohnt wurde, liessen die vielen Neueintritte und der sehr junge Altersdurchschnitt doch einige Perspektiven für die Zukunft erhoffen.
2009 bis 2011 – Im Mittelfeld
Auch in den folgenden Saisons bleibt das organisatorische Umfeld der Tigers eine Dauerbaustelle. Zwar haben sich die Tigers mit ihrem Sportangebot etabliert, trotzdem müssen laufend diverse Vorstandsjobs und weitere Ämter neu geregelt und/oder neu besetzt werden. Auch die Planung der Meisterschaften gestaltet sich aufgrund der Infrastruktur und Veränderungen im Verband immer wieder sehr herausfordernd. Obwohl nun auch die letzten Ur-Tigers dem Karriereende entgegenblicken und mittlerweile die zweite oder sogar schon dritte Generation an Tigers Spielern das Zepter übernehmen, hält sich die 1. Mannschaft im Mittelfeld der Liga B. Trotz teilweisen Verbesserungen gelingt in der nun ausgeglichenen Liga der grosse Sprung nach vorne aber nicht.
Unter der engagierten Leitung von Headcoach Stephan Pulver kommt jedoch der Juniorenbereich langsam wieder auf die Beine. Die erzielten Fortschritte können zwar vorerst nur teilweise in Resultate umgemünzt werden, aber ein gemeinsames Engagement mit den Bienna Jets in der U16 Meisterschaft bestätigt den eingeschlagenen Weg.
2012 bis 2014 – Starke Junioren
Mittlerweilen hat sich rund um Präsident Ruedi Bohren eine gute Vorstands-Crew gebildet. Zudem erhalten die Tigers nun endlich die Möglichkeit auf einem angemessenen Sportplatz ihre Heimspiele austragen zu können. Mit dem Lachenstadion hat man nun die ideale Spielstätte und muss sich im schweizweiten Vergleich mit den Top-Vereinen nicht mehr verstecken. Sportlich konnte die ersten Mannschaft trotz des Engagements der US-Coaches George Contreras (2012) und Skip Albano (2013) weiterhin keine Erfolge feiern.
Ganz anders sieht es diesbezüglich bei den Junioren aus. Aus dem mittlerweilen eigenständigen U16-Programm der Tigers können Jahr für Jahr Spieler in die U19 Mannschaft integriert werden. Unter der Leitung von Headcoach Stephan Pulver scheiterte man im Jahr 2013 erst im Finale der Gruppe B an den Luzern Lions. 2014 standen sich dieselben Kontrahenten im Finale gegenüber. Diesmal hatte es jedoch für die Tigers das glückliche Ende und die Jungs konnten erstmals in der Vereinsgeschichte einen Schweizermeistertitel feiern.
2015 – 2017 Der Weg geht weiter
Die Kader aller Teams wachsen ständig. Die Seniors etablieren sich in der B-Meisterschaft als bestes Schweizer Team ohne US-Amerikanische Unterstützung auf dem Spielfeld. Die Ausbildung der jungen Spieler unterstützt alle Teams. Gut ausgebildete Spieler der U16 wechseln nahtlos in die U19 und ehemalige U19-Spieler erkämpfen sich Stammplätze bei den Seniors.
In den Juniorenfinals der Gruppe B sind die jungen Tigers mittlerweile Stammgäste und liefern sich harte Fights mit den anderen Teams. In der Saison 2017 beenden die U19er erstmals die Meisterschaft auf dem ersten Platz nach der regulären Saison. Nach guten Leistungen im Playoff standen sie wieder den Luzern Lions, welche im 2016 als Sieger vom Platz gehen durften, gegenüber. In einem Herzschlagfinale in Chur konnten die Tigers 9 Sekunden vor Spielende den entscheidenden Touchdown erzielen. Mit 24 : 21 waren die Junioren des American Football Clubs Thun Tigers zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte Meister.
Auch die U16er gelangen auf die Erfolgsstrasse. Nach einer erfolgreichen Saison mit 5 : 1 Siegen in der West-Gruppe ging das Playoffspiel gegen die Winterthur Warriors knapp mir 6 : 12 verloren. Das kleine Finale wurde aber dann mit einem klaren 40 : 14 gegen die Zürich Renegades gewonnen. Die Juniorenabteilung des AFC Thun Tigers gehört damit zu den erfolgreichsten in der Schweiz und der Weg geht weiter.