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Die drittgrösste US-Bank, Wells Fargo, kündigte an, den Anteil Schwarzer in Führungspositionen auf 12 Prozent zu erhöhen. Die Fluggesellschaft Delta Air Lines will den derzeitigen 7 Prozent-Anteil Schwarzer am Top-Management bis 2025 verdoppeln. Der Modekonzern Ralph Lauren hat vor, den Anteil Farbiger, darunter schwarzer, asiatischer und lateinamerikanischer Mitarbeiter, an der globalen Führungsriege auf 20 Prozent anzuheben.
Weg von schwammigen Zielen
"Unternehmen, die konkrete Pläne für entsprechende Massnahmen festlegen und die Ziele setzen, erreichen in puncto Diversität mehr als Firmen, die dies nicht tun", sagte Frank Dobbin, Professor für Sozialwissenschaften an der Harvard University. In den vergangenen Monaten haben bis zu ein halbes Dutzend US-Unternehmen Arbeitskräftequoten eingeführt.
Beispiel Estee Lauder: Im Juni wandte sich eine Gruppe von 100 Mitarbeitern in einem Brief an Chairman und Mitglied der Gründerfamilie William Lauder und äusserte Bedenken in Bezug auf Spannungen, die aus Ungleichbehandlung resultierten. Nur wenige Tage später wurden Änderungen bekannt gegeben. Dabei bestand das Top-Management darauf, feste Ziele vorzugeben. Binnen fünf Jahren soll der Anteil Schwarzer in allen Unternehmensbereichen das Niveau erreichen, das sie auch an der Gesamtbevölkerung haben.
Viele der grössten Arbeitgeber Amerikas verpflichten sich seit Jahrzehnten öffentlich zum Engagement für Vielfalt. Unternehmen wie Alphabet und JPMorgan haben versprochen, die Einstellung von Schwarzen anzukurbeln. Oft sind diese Ziele aber kaum mehr als Lippenbekenntnisse, bei denen es kaum Konsequenzen gibt, wenn sie nicht erreicht werden.
Gesamtzahlen deprimierend
Das Ergebnis: Obwohl Schwarze 13,4 Prozent der US-Bevölkerung ausmachen, haben sie an Führungspositionen und im höchsten Management nur einen Anteil von 3,2 Prozent. Diese Ergebnisse einer Studie des Center for Talent Innovation aus dem Jahr 2019 zeigen, dass die bisherigen Bemühungen wenig Erfolg hatten. In der Bankenbranche ist die Zahl der schwarzen Führungskräfte sogar zurückgegangen.
Die Einstellung von Frauen in Unternehmensvorständen war ebenfalls festgefahren, bis Unternehmen von grossen institutionellen Anlegern und Gesetzgebern gezwungen wurden, auf Druck zu reagieren. So hat beispielsweise Kalifornien ein Gesetz verabschiedet, das Ziele für den Anteil von Frauen im Vorstand von Unternehmen mit Sitz im Bundesstaat festlegt; gerade beschloss der US-Staat ähnliche Vorgaben für den Anteil von Farbigen. Diejenigen, die sich nicht daran halten, werden mit Geldbussen belegt. Grossaktionäre haben zudem begonnen, gegen die Wahl von Boards zu stimmen, in denen Frauen nicht vertreten sind.
Bereits in den 1960er Jahren wurden von der US-Regierung Einstellungsquoten eingeführt. Damit sollten Auftragnehmer des Bundes aufgefordert werden, "positive Massnahmen" zu ergreifen, um gleiche Beschäftigungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Die Zuwächse waren jedoch bestenfalls bescheiden: Laut einer im American Economic Journal veröffentlichten Studie aus dem Jahr 2017 stieg der Anteil der schwarzen Mitarbeiter innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Annahme um 1 Prozent. Nachdem die offiziellen Einstellungsrichtlinien wieder fallengelassen wurden, setzten sich die Beschäftigungszuwächse in ähnlicher Höhe fort.
Echter Durchbruch steht noch aus
In der Privatwirtschaft sind Anzeichen für einen echten Durchbruch noch schwerer zu finden. Zum Beispiel haben schwarze Männer in der Unternehmensführung laut Harvards Dobbin seit 1985 kaum an Boden gewonnen. Selbst wenn Unternehmen sagen, dass sie auf die Diversifizierung ihrer Belegschaft hinarbeiten, setzen viele vage Ziele und geben dem Management nichts Greifbares, wonach sie sich richten sollen.
"In vielen Unternehmen", sagte Dobbin, "wissen Manager oft nicht, was die Ziele sind."
Jetzt werden es zumindest einige von ihnen wissen.
(Bloomberg)