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NZZ am Sonntag: Österreichs Regierung will verhindern, dass das Geburtshaus Adolf Hitlers zur Nazi-Kultstätte wird. Darum soll es verstaatlicht werden.
Das Geburtshaus Adolf Hitlers im österreichischen Braunau am Inn soll zwangsweise verstaatlicht werden. Das Innenministerium in Wien bestätigte gestern Samstag entsprechende Presseberichte. Um allerdings gegen die bisherige Eigentümerin Gerlinde Pommer vorzugehen, plant die Regierung ein neues Gesetz. Denn bis jetzt kann in Österreich nur enteignet werden, wenn etwa eine Autobahn oder ein Bahntrassee gebaut wird. Die Enteignung aus historischen Gründen ist Neuland.
Das umstrittene Haus in Oberösterreich sieht unscheinbar aus. Der gelbe Anstrich ist schmutzig und blättrig. Zwei Stockwerke, ein braunes Holztor, davor eine Bushaltestelle. In diesem ehemaligen Gasthof wurde Adolf Hitler geboren. Auch wenn seine Eltern kurz nachher umzogen, wird bis heute diskutiert, was mit dem Haus zu tun sei. Abreissen? Ignorieren? Eine Gedenkstätte? 1972 mietete das Innenministerium die gesamte Immobilie an, um zu verhindern, dass Nazi-Nostalgiker und Rechtsextreme eine Pilgerstätte errichten können. Um das Haus trotzdem zu nutzen, quartierten die Beamten eine Behindertenwerkstatt ein. Der Vertrag zwischen Ministerium, Behindertenverein und den Besitzern lief vor viereinhalb Jahren aus. Seitdem steht das Haus leer. Das liegt vor allem an der Eigentümerin, die weder verkaufen will noch einem der anderen Nutzungspläne zustimmt, die über die Jahre entworfen wurden.
Dass Adolf Hitlers Geburtshaus wieder in Privatbesitz kam, geht auf ein Gerichtsurteil aus den fünfziger Jahren zurück. Damals klagte Kreszentia Pommer, die Nazis hätten ihren Vater Josef gezwungen, das für die Propaganda so nützliche Haus im Jahr 1938 zu verkaufen. Ob es Zwang war oder eher ein gutes Geschäft, ist umstritten. Die Nazis jedenfalls bauten ihre Jubelstätte und zahlten dem Gastwirt Pommer das Vierfache des Wertes. Der wiederum kaufte mit dem Geldsegen ein anderes Haus in Braunau, in dem heute seine Enkelin Gerlinde wohnt. Sie soll für die Enteignung entschädigt werden – zu marktüblichen Preisen.