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Jetzt wird es etwas komplizierter...
Die Fascia antebrachii ist eine stark ausgebildete und mehrblättrige Faszie (im Bild die gelbe). Sie überzieht die Muskulatur, die das Ellbogengelenk sowie die Zehen des Pferdes beugen und strecken. Befestigt ist sie am Oberarm, am Ellbogen und an den Bändern des Ellbogengelenks. Ihr tiefes Blatt ist am Unterarm fixiert. Von dort geht sie dann weiter in die palmaren Faszien und verbindet sich mit dem Unterstützungsband der oberflächlichen Beugesehne. Damit schützt sie vor allem den Fesselkopf vor zu starker Überstreckung (z. B. bei der Einbeinstütze im Galopp).
Nun, warum ist das denn eine so wichtige fasziale Struktur? Die Fascia antebrachii hat eine wichtige Verbindung zum Erbsenbein (Os carpi accessorium), welches sich am Karpalgelenk befindet. Wenn die Fascia antebrachii zu straff ist, so kann sie das Erbsenbein hin zur Körpermitte des Pferdes (nach medial) fixieren. Das schränkt leider die Beugung/Streckung des gesamten Karpalgelenks ein. Wenn jetzt das Pferd das Karpalgelenk nicht mehr gut durchstrecken kann, wird das gesamte Gelenk instabil und muss über den streckenden Muskels des Unterarms gerade gehalten werden. Dieser ermüdet natürlich irgendwann - das Pferd stolpert häufig. Auch Pferde, sie sich schwertun mit Hinlegen/Aufstehen, sich dabei sogar iiirgendwie seltsam bewegen, können auf eine solche Problematik hinweisen.
Und: Eine zu starke Spannung dieser Faszie presst die grösseren Blutgefässe und Nervenstränge – quasi wie ein zu enger Thrombosestrumpf - ein. Daraus entstehen oft Durchblutungsstörungen im Vorderbein.
Vielleicht denkst du jetzt, das Erbsenbein ist ja so ein kleiner Knochen, warum sollte der denn so wichtig sein für das Pferd?! Nun: Blockaden dieses kleinen Knöchelchens können weitreichende Folgen für die Biomechanik der Vorhand, des Halses und des Kopfes haben. Auch Pferde mit Problemen im Genick weisen manchmal ein blockiertes Erbsenbein auf.
Ausserdem kann das blockierte Erbsenbein dazu führen, dass es Engpässe im sich weiter unten befindenden Karpaltunnel geben kann, der dann die oberflächliche oder tiefe Beugesehne reizt. Erfolgt später die Entzündung der Sehne, kommt es zu Wassereinlagerungen. Die brauchen dann mehr Platz und drücken auf die sich im Karpaltunnel befindenden Nerven. Das tut den Pferden natürlich weh, es kann auch kribbeln. In einer ersten Phase stampfen die betroffenen Pferde häufig auf den Boden, später stolpern sie viel, knicken sogar um, können nicht mehr richtig auftreten und sind lahm.
Was lernen wir daraus? Alles im Körper des Pferdes ist irgendwo und irgendwie miteinander verbunden. Und: Always watch the Erbsenbein and the Fascia antebrachii of your pony. (Und falls du nicht watchen kannst, so frage deine gute Pferdetherapeutin oder Reitlehrerin!