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Honduras: Wiederaufbau und Gesundheitsarbeit
Das SRK engagiert sich seit 1998 in Honduras. In jenem Jahr verwüstete der Hurrikan «Mitch» das Land, einer der schwersten Wirbelstürme, die je in Lateinamerika verzeichnet wurden. Zunächst leistete das SRK Nothilfe für die Opfer des Hurrikans und lancierte ein Wiederaufbauprogramm. Unterdessen ist seine humanitäre Arbeit auf zwei Bereiche ausgerichtet: auf die Katastrophenvorsorge sowie auf den Ausbau der Gesundheitsversorgung und die Gesundheitsförderung. Angesichts der soziopolitischen Lage des Landes haben sich seit 2005 auch die Gewaltprävention und die psychosoziale Unterstützung zu wichtigen Programmkomponenten entwickelt.
Katastrophenmanagement
Ab den 1990er-Jahren hat das Departement Internationale Zusammenarbeit des SRK ein dreiphasiges Interventionsmodell für das Katastrophenmanagement eingeführt: Nothilfe, Wiederaufbau (oder Rehabilitation) und anschliessend Entwicklungszusammenarbeit. Diese dritte Komponente, die auf Dauer angelegt ist, entfaltet ihre Wirkung mittel- und langfristig. Sie soll dazu beitragen, die Auswirkungen einer Naturkatastrophe auf die Bevölkerung zu verringern. Dazu werden die Menschen mit den notwendigen Instrumenten und Kompetenzen ausgestattet, damit sie sich auf eine Krisensituation vorbereiten und sie bewältigen können. Dieser Ansatz ist auch deshalb wichtig, weil der Klimawandel tendenziell zu einem wiederholten und verstärkten Auftreten von Grosskatastrophen führen wird, die besonders die ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder dieser Welt treffen werden. Deshalb soll die Verletzlichkeit der betroffenen Bevölkerungsgruppen verringert und ihre Widerstandsfähigkeit gestärkt werden:
«Widerstandsfähigkeit (Resilienz) ist die Fähigkeit von Personen, Gemeinschaften, Organisationen oder Ländern, die Katastrophen, Konflikten und systemischen Mängeln ausgesetzt sind, diese vorauszusehen, ihre Auswirkungen abzuschwächen, mit ihnen umzugehen und sich ohne Beeinträchtigung der Zukunftsaussichten von ihnen zu erholen.» (Strategie 2020 des Schweizerischen Roten Kreuzes für die Internationale Zusammenarbeit, S. 21. Definition übernommen von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften.)
Die Wiederaufbauphase
Im Oktober 1998 wütete der Hurrikan «Mitch» in Mittelamerika. Am stärksten betroffen war Honduras, ein Land mit acht Millionen Einwohnern, das zu den ärmsten auf dem amerikanischen Kontinent gehört. Der Wirbelsturm forderte fast 6000 Tote und 8000 Vermisste. 35'000 Häuser wurden dem Erdboden gleichgemacht und weitere 50'000 schwer beschädigt. Durch die Schäden, die der Hurrikan verursachte, wurden 500'000 Menschen obdachlos.
In einer ersten Phase führte das SRK in mehreren Regionen Wiederaufbauprojekte durch. Es engagierte sich vor allem im Departement Olancho im Nordwesen des Landes sowie in der Hauptstadt Tegucigalpa, wo die Überschwemmungen ein Armenviertel verwüstet hatten. Mit Unterstützung des SRK konnten 317 Familien aus diesem Quartier ihre Häuser 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernt an einem sichereren Ort wiederaufbauen. Insgesamt reparierte das SRK 437 Gebäude. Ausserdem errichtete es 448 neue Häuser, fünf Gemeindezentren, vier Gesundheitszentren, 1120 Latrinen, fünf Brunnen und zwei Grauwasseranlagen. Die vom SRK und der Glückskette finanzierten Bauarbeiten dauerten vier Jahre, von 1999 bis 2003. Sie wurden von verschiedenen lokalen und staatlichen Organisationen sowie vom Honduranischen Roten Kreuz begleitet.
Die Phase der Entwicklungszusammenarbeit
Die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner wurden von Anfang an aktiv in den Wiederaufbau ihrer Häuser einbezogen – von der Erstellung der Mauern bis zur Fertigstellung des Dachs. Dadurch verringerten sich die Kosten um 4000 Franken pro Haus. Ausserdem bot es den Vorteil, dass sich die Menschen an der Gestaltung und Übernahme ihres Lebensraums beteiligten und zugleich in neuen beruflichen Tätigkeiten geschult wurden. Das förderte ihre soziale und wirtschaftliche Eingliederung.
Zahlreiche vom SRK unterstützte Wiederaufbauprojekte sehen verschiedene Massnahmen zur Katastrophenvorsorge, zur Risikoverminderung und zum Schutz vor den Naturgefahren vor: Frühwarnsysteme, Evakuierungspläne, Karten mit den Gefahrenzonen, Ausbau der sicheren und strategisch wichtigen Infrastruktur usw. In den Dörfern, die den Naturgefahren ausgesetzt sind, werden lokale Notfallkomitees ausgebildet, die im nationalen Katastrophenmanagementsystem anerkannt sind. Sie übernehmen im Rahmen der Katastrophenbereitschaft und -vorsorge und der Risikoverminderung verschiedene Aufgaben für ihre Gemeinschaft. Die ländlichen Gemeinschaften werden zudem dafür sensibilisiert, wie wichtig es ist, der Umwelt Sorge zu tragen: Die Bodenerosion und die Entwaldung stellen grosse Herausforderungen dar. Der Umweltschutz hängt auch eng mit der nachhaltigen Entwicklung zusammen.
Ein weiterer wichtiger Bereich, in dem sich das SRK vermehrt einsetzt und der in einem natürlichen Zusammenhang zur Katastrophenvorsorge steht, ist die Gesundheit. Im Vordergrund stehen dabei der Zugang der Ärmsten zu Gesundheitsleistungen, die Verbesserung der Qualität der Gesundheitsversorgung und die Schulung der Bevölkerung in der Prävention von Krankheiten. Im Anschluss an eine Analyse der Todes- und Krankheitsursachen wurden für Honduras die folgenden Schwerpunkte festgelegt: Prävention von Infektionskrankheiten, sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie Wasser und Hygiene. Mit dem Engagement für die Gesundheit benachteiligter Bevölkerungsgruppen wird letztlich das gleiche Ziel verfolgt wie mit den Massnahmen zur Verminderung von Katastrophenrisiken: Es geht darum, die Verletzlichkeit von Dorfgemeinschaften in entlegenen Regionen zu verringern.