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Casper Ruud krönte sich so zum König von Gstaad. Am Finalwochenende, an dem die letzten drei (und vier der letzten sechs) Turniersieger im Saanenland im Einsatz standen, besiegte er sowohl Albert Ramos, den Turniersieger von 2019, als auch Matteo Berrettini, den Sieger im Berner Oberland vor vier Jahren.
Im Final lief Ruud lange einem Rückstand hinterher. Er verlor den ersten Satz und lag im Tiebreak des zweiten Durchgangs mit einem Mini-Break zurück. Dann aber liess Matteo Berrettini mit seinem Paradeschlag, der Vorhand, markant nach. Dem Italiener unterliefen plötzlich Fehler, und Ruud nützte das zum Gewinn des Tiebreaks (mit 7:4) und zum vorentscheidenden frühen Break im Entscheidungssatz (zum 2:1). Zuvor war Casper Ruud zwei Stunden lang erfolglos einem Break gegen den formstarken Italiener hinterher gelaufen. Mit einem weiteren Break zum 4:1 - nach einem 0:40-Rückstand - gelang Ruud mehr als eine Vorentscheidung.
Ruud feierte in Gstaad seinen neunten Turniersieg, den achten auf Sand und den vierten in der Schweiz. Erst zum zweiten Mal verteidigte der Weltranglisten-Fünfte aus Norwegen einen Titel mit Erfolg. Erstmals war ihm dies vor drei Monaten in Genf gelungen.
"Natürlich bin ich sehr zufrieden, wie es mir in der Schweiz läuft", so Casper Ruud. "Mir war vor dem Wochenende klar, dass ich mein A-Spiel finden muss, um das Turnier gewinnen zu können. Genau das gelang mir. Gegen Albert Ramos am Samstag gelang mir womöglich die beste Leistung bislang in der Schweiz. Gegen Matteo (Berrettini) spielte ich auch sehr gut. Aber diesmal verhalfen mir Kämpferqualitäten zum Sieg."
Und (und das wird die Fans und die Organisatoren besonders freuen): Casper Ruud wird nach Gstaad zurückkehren. Der Finalist vor zwei Monaten in Roland-Garros (Niederlage gegen Rafael Nadal) ist in Gstaad weiter unbesiegt (8:0 Siege). In Genf und Gstaad reihte er in den letzten anderthalb Jahren 16 Siege aneinander. Überhaupt hat Ruud in der Schweiz mit Ausnahme einer Partie in der Qualifikation der Swiss Indoors noch gar nie verloren.
Ähnliches galt bis zum Final aber auch für Berrettini. Der 26-jährige Römer, schon Finalist in Wimbledon und Gewinner seiner letzten zwei Turniere (auf Rasen in Stuttgart und London Queen's), triumphierte 2018 in Gstaad und verlor in der Schweiz vor dem Sonntag auch erst einmal: 2017 in der Qualifikation des Geneva Open.
Positive Bilanz
Eine zufriedene Bilanz zogen die Organisatoren: Das Wetter spielte die ganze Woche über mit, an den letzten beiden Turniertagen war die Roy-Emerson-Arena (4500 Plätze) ausverkauft, drei Akteure mit Top-10-Glamour in den Halbfinals plus ein Traumfinal - besser hätte das Turnier für die Macher um Turnierdirektor Jeff Collet nicht laufen können. Abstriche gab es höchstens bei den Schweizern: Dominic Stricker und Alexander Ritschard erreichten zwar die Achtelfinals, Henri Laaksonen und Johan Niklès spielten aber lieber in Hamburg die Qualifikation als im Berner Oberland, und Antoine Bellier trat an einem Challenger-Event in Spanien an. Turnierdirektor Collet monierte nicht ganz zu Unrecht eine gewisse Undankbarkeit dieser Schweizer Garde. Wer nicht eine Wildcard erhält, der kommt gar nicht.