Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03242.jsonl.gz/2864

Am Ende des vierten Laufs zur FIA European Truck Racing Championship im südfranzösischen Nogaro vor insgesamt 26.000 Zuschauern bei hochsommerlichen Temperaturen war Markus Bösiger nicht ganz zufrieden. Insbesondere von den Entscheidungen am Samstag zeigte sich der Schweizer enttäuscht. Dabei war es weniger das Ergebnis als die Sache an sich, dass die Rennleitung ihn mit einer seiner Meinung nach unberechtigten 1-Sekundenstrafe belegt hatte. Dabei begann es ausgesprochen gut. Hinter seinem tschechischen Buggyra-Teamkollegen David Vrsecky fuhr Bösiger im Zeittraining seinen Freightliner auf den zweiten Startplatz vor den ärgsten Widersachern im Titelkampf, den beiden MAN-Piloten Antonio Albacete (ESP) und Jochen Hahn (GER).
Im ersten Tagesrennen übernahmen die beiden Buggyra-Piloten gleich die Führung, unangefochten fuhren Vrsecky und Bösiger einem vom Team viel bejubelten Doppelsieg entgegen. Die Plätze drei und vier gingen an Albacete und Hahn. Im zweiten Rennen des Tages starten die ersten Acht in umgekehrter Reihenfolge. Und so sicherte sich der Engländer Stuart Oliver die Pole vor seinem Landsmann Chris Levett (beide MAN) und den beiden Österreichern Markus Altenstrasser (Renault) und Egon Allgäuer (MAN).
Schon in der ersten Kurve gab es ein fürchterliches Gerangel, dessen hauptsächlicher Nutznießer Albacete war. Schon nach wenigen Runden hatte der Spanier die Führung vor Allgäuer übernommen, während sich Bösiger, Hahn und Vrsecky immer noch mit dem Überholen eindeutig langsamerer Piloten abmühten. Schließlich hatte das Verfolgertrio zum Österreicher aufgeschlossen, mit Bösiger vornweg. Immer wieder setzte der Schweizer zum Überholen an, während Hahn und Vrsecky sich etwas im Hintergrund hielten. In der viertletzten Kurve des Rennens kam es dann zum Generalangriff. Bösiger, Allgäuer und Hahn lagen nahezu nebeneinander, dann gab es einige Berührungen. Der Schweizer und der Österreicher gerieten so heftig aneinander, dass beide abflogen. Hahn kam relativ unbeschadet davon und fuhr auf Platz 2 ein, Vrsecky konnte dem ganzen Gerangel ausweichen und holte sich den dritten Podiumsplatz. Auch Levett zog noch an den beiden Havaristen vorbei. Schwer gezeichnet überquerten Allgäuer und Bösiger beinahe Seite an Seite die Ziellinie, wobei der Schweizer etwas die Nase vorn hatte. Im Nachhinein wurde er mit einer 1-Sekunden-Strafe belegt, wodurch Allgäuer mit 2 Zehnteln Vorsprung auf den 5. Platz kam.
Aber auch der Sonntag war nicht gerade nach dem Geschmack Bösigers. Im Zeittraining nur der vierte Platz, Hahn, Vrsecky und Albacete lagen vor ihm. Wenn da niemand von den Vorderleuten im folgenden Championship Race einen Fehler machen würde, würde es schwer für Bösiger. Und das Führungstrio fuhr ein nahezu perfektes Rennen, sodass sich der Schweizer am Ende mit dem vierten Platz zufrieden geben musste.
Im zweiten Rennen des Tages hatte erstmals der Russe Alexander Lvov (MAN) – als Achtplatzierter des ersten Rennens – die Pole inne. Schon in der ersten Kurve gab es eine heftige Kollision mit seinem Nebenmann Frankie Vojtisek (CZE). Ein großes Durcheinander und weiterer Kollisionen waren die Folge. Albacete und Allgäuer lagen plötzlich in Front, Bösiger war dagegen zurückgefallen, Hahn und Vrsecky direkt vor ihm. Dann schloss das Trio zu Lvov auf. Während der Deutsche und der Tscheche schnell vorbeikamen, blieb Bösiger rundenlang hinter dem Russen hängen. Währenddessen fuhr Albacete einem ungefährdeten Sieg entgegen. Hahn und Vrsecky starteten ständige Attacken auf Allgäuer. Endlich war auch der Schweizer an Lvov vorbei, die beiden anderen aber zu weit enteilt, als dass sich Bösiger den Angriffsversuchen auf Allgäuer hätte anschließen können. Doch auch Hahn und Vrsecky bissen sich – wie schon am Vortag Bösiger – an Allgäuer beinahe die Zähne aus. Etwa zu Mitte des Rennens war Vrsecky es dann offensichtlich leid. Hahn ließ ihn widerstandslos passieren, und der Tscheche klopfte gleich mehrfach heftig am Heck Allgäuers an. Der Österreicher geriet dadurch etwas aus der Bahn, Vrsecky und Hahn zogen im Nu vorbei. Nun war Bösiger an der Reihe. Doch im Gegensatz zum Vortag verlief das Überholmanöver mit Allgäuer reibungslos. Dennoch reichte es am Ende für den Schweizer hinter Albacete, Vrsecky und Hahn wieder nur zum undankbaren vierten Platz.
In der Meisterschaft liegt Albacete mit 203 Punkten weiter in Front vor Vrsecky (177), Bösiger (165) und Hahn (119).
Die Teamwertung war in allen rennen des Wochenendes eine klare Sache für Buggyra-Team mit Bösiger und Vrsecky.
Der 5. Lauf zur FIA European Truck Racing Championship findet am 4. und 5. Juli auf dem Circuit de Catalunya in Barcelona statt.
Copyright: A. & W. Bartscher / Bösiger