Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/83656

<h2>SubmittedText<h2><p>Es gibt immer mehr Menschen, die aus psychiatrischen oder psychosomatischen Gründen (Depressionen, Angstzustände, Schmerzen) über längere Zeit arbeitsunfähig sind. Die Arbeitsunfähigkeit führt häufig zu einer Invalidität. Die medizinischen Vorgehensweisen und Beurteilungen variieren zwischen Kantonen und Fachleuten und je nach sozioprofessionellem Kontext und kultureller Herkunft der Patientinnen und Patienten. Für die Ärztinnen und Ärzte ist es eine komplexe Herausforderung, zwischen objektiven und subjektiven Kriterien (die manchmal sogar soziale Beweggründe oder Mitgefühl mit einschliessen) zu unterscheiden. Wäre es nicht angebracht, eine Arbeitsgruppe mit Personen aus verschiedenen Berufsfeldern einzusetzen, die den Auftrag hätte, einen Katalog mit einheitlichen und standardisierten Verfahren auszuarbeiten? Befasst sich bereits eine Arbeitsgruppe mit diesem Anliegen? Wann werden die Resultate bekanntgegeben?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Inkraftsetzung der 4. IV-Revision am 1. Januar 2004 ermöglichte die Einrichtung von "regionalen ärztlichen Diensten" (RAD). Seit dem 1. Januar 2005 besteht ein flächendeckendes Netz aus zehn RAD, welches das gesamte Landesgebiet abdeckt. Dank den RAD kann die medizinische Beurteilung der IV-Leistungsgesuche heute bereits kompetenter und schneller erfolgen, und auch das Verfahren wird beschleunigt. Wichtigster Nutzen der RAD ist indes die Vereinheitlichung der Grundlagen für den IV-Leistungsentscheid, insbesondere im psychiatrischen Bereich. Ausserdem fällt die IV ihren Entscheid erst, nachdem der Fall von einem multidisziplinären Team, in der Regel im Beisein der versicherten Person, beurteilt worden ist.</p><p>Um die Standardisierungsbestrebungen in Bezug auf die Kriterien für die medizinische Beurteilung fortzusetzen, hat das Bundesamt für Sozialversicherungen Anfang 2008 gemeinsam mit der schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie eine multidisziplinäre Arbeitsgruppe eingesetzt und damit beauftragt, sachliche Kriterien für die Beurteilung psychischer Behinderungen zu erarbeiten. Die Kriterien werden unter anderem gestützt auf die Ergebnisse aus den laufenden Studien im Rahmen des IV-Forschungsprogramms erarbeitet. Darunter ist auch ein Forschungsprojekt, das darauf abzielt, eine Typologie der Situationen zu erstellen, die zur Zusprache einer IV-Rente gemäss Code 646 (schwer objektivierbare Leiden und am häufigsten auftretende Gruppe von Behinderung aus psychischen Gründen) führten. Die Standards werden nach Vernehmlassung der interessierten Kreise Anfang 2010 veröffentlicht.</p>  Antwort des Bundesrates.