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Wort auf den Weg
«Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.» Epheser 4,26
Der Kabarettist Georg Schramm benutzte in einem seiner Bühnenprogramme folgendes Zitat: «Die Vernunft kann sich mit grösserer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.» Dieses Zitat ordnet er wohl fälschlicherweise Papst Gregor dem Grossen zu. Trotzdem steckt ein interessanter Gedanke darin. Nämlich, dass der Zorn auch eine Kraft zum Positiven sein kann und nicht zum Vornherein nur destruktiv ist.
Wahrscheinlich macht diese Unterscheidung auch unser Bibelwort für den Monat Februar. Es sagt, wenn ihr zürnt, und das kann vorkommen und ist nicht von sich aus schlecht, also wenn ihr zürnt, dann passt auf, dass euer Zorn euch nicht verbiegt und verkrümmt, dass er negative Auswirkungen zeitigt. Das wäre Sünde. Über solchem Zorn dürft ihr die Sonne nicht untergehen lassen. Ein Zorn hingegen gegen alle Formen von Diktaturen des Konsums zum Beispiel, ein Zorn aller Apathie dem Klimawandel gegenüber oder ein Zorn gegen die moderne Sklavenhaltung in der Textilproduktion, hilft, sich mit «grösserer Wucht dem Bösen» entgegenzustellen.
Der Theologe Hermann Bezzel (gestorben 1917) meinte: «Es ist nicht Liebe, wenn man alle Unarten (des Lebens) in Schwachheit trägt. Es ist vielmehr Charakterlosigkeit, wenn man nie zürnen kann. Leute, die das Zürnen verlernt haben, können auch nicht wahrhaft lieben. Leute, die nie grollen können, haben die Liebe nur als Schleier ihrer Bequemlichkeit.»
Iwan Schulthess