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Drama. USA 1929
Alternative Titel Die erste Frau im Leben; Backwash
Regie Frank Borzage
Drehbuch Dwight Cummings, Philip Klein nach einem Roman von Tristam Tupper
Produktion William Fox
Musik Maurice Baron
Kamera Ernest Palmer
Darsteller Charles Farrell, Mary Duncan, Margaret Mann, Ivan Linow
Länge 53 Min. (fragmentarische Fassung)
US-Kinostart 6.10.1929
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
© Text Marco,
molodezhnaja 4.10.08
© Bilder Edition Filmmuseum, Screenshots molodezhnaja
STORY
Sommer in den Rocky Mountains. Allen John Pender (Charles Farrell) träumt vom Meer und baut darum sein eigenes Hausboot. Seine Fahrt den Fluss hinunter verzögert sich jedoch, weil ein Damm gebaut wird. Im Baucamp herrscht gerade eine angespannte Stimmung, weil der Vorarbeiter Marsdon (Alfredo Sabato) einen Ingenieur ermordet hat, der in seine Geliebte Rosalee (Mary Duncan) verliebt war. Marsdon wird verhaftet, Rosalee schwört, ihm treu zu bleiben bis zu seiner Rückkehr. Doch dazu kommt es beinahe nicht: Der Taubstumme Sam (Ivan Linow), ein Freund des Getöteten, will Rache üben, kann aber von Allen John aufgehalten werden. Die nunmehr einsame Rosalee verliebt sich schon bald in Allen John, de sich auch von ihr angezogen fühlt.
REVIEW
Zweimal gewann Frank Borzage (1893-1962) den Oscar: für "Seventh Heaven" (1927) und "Bad Girl" (1931). Er war nicht nur der erste Regisseur überhaupt, der die Goldstatue einheimsen konnte, er drehte auch einige der grössten Hits für die Fox-Studios in den 20er- und 30er-Jahren. Über hundert Filme hat er als Regisseur inszeniert, bei über hundert war er als Schauspieler beteiligt. Und doch ist dieser Filmemacher mit italienisch-schweizerischen Wurzeln ein ebenso unbekannter wie wenig geschätzter Exponent seiner Kunst. Dies liegt zum einen daran, dass sein Stern in der Tonfilmzeit rapide absank. Zum anderen auch daran, dass seine Werke oft sentimental und romantisch waren. Etwas, was spätere Kritiker nicht mehr gross faszinierte.
Sein 1929er-Film "The River" ist aber alles andere als blosser Gefühlskitsch. Mit einigen ebenso kessen wie sinnlichen Szenen gehört das Drama zu den erotischsten Stummfilmen überhaupt. Leider blieb es nicht komplett erhalten: Nach einer verhaltenen Spielzeit in Amerika, wo zusätzlich eine Version mit gesprochenen Szenen und abgeändertem Schluss in Umlauf kam, verschwand er in der Versenkung. In einigen der puritanischeren Staaten wurde er verboten oder einfach verschmäht, in Europa kam er viel besser an. Doch kein Print blieb erhalten, der Film wurde zur Legende - ebenso wie der gleichzeitig gedrehte Fox-Film "4 Devils" von F.W. Murnau.
Das, was die Zeit überdauerte, beeindruckt jedoch. Primär wegen der Sinnlichkeit mancher Szenen, die ein starkes Verlangen der Protagonisten greifbar machen. Auch visuell glänzt das Drama: Borzage hatte damals nach dem Erfolg von "Seventh Heaven" bei Fox Narrenfreiheit und konnte auf imposante Sets unter freiem Himmel ebenso zurückgreifen wie auf Kulissen und Techniker von Murnau, der gleich nebenan drehte. Stilistisch lassen sich Einflüsse des Expressionismus ausmachen, aber "The River" ist meist bodenständig und frei von Firlefanz. Trotzdem tauchen immer wieder Bildkompositionen von hohem poetischem Gehalt auf.
Vor dem stattlichen Aufbau ist jedoch das Intime noch wichtiger. Hauptdarsteller Charles Farrell taucht fast komplett nackt aus den Fluten auf, später steigt Mary Duncan vor ihm auf den Tisch und spricht ihn lüstern an. Als die beiden ihre Körpergrösse vergleichen, schmiegt sie sich mit ihrem Rücken derart eng an seine Vorderseite, dass man fast schon von einer Sexszene reden kann. Zu einer solchen kommt es auch beinahe, als er ihren Herzschlag erfühlt, erst mit der Hand, später mit dem Kopf. In Zeiten des Hays-Codes, der 1930 eingeführt wurde, wäre so etwas nicht mehr möglich gewesen.
Kein Wunder also, reagierten manche konservativen Zuschauer perplex. Umso bedauerlicher, dass nur knapp eine Stunde Material übrig blieb von dem 84 Minuten langen Film. Es fehlen der Anfang und das Ende ebenso wie einige Zwischenszenen. Die Cinématheque Suisse und das Filmmuseum München haben das Vorhandene restauriert und das nicht mehr vorhandene teilweise mit Text und Standbildern rekonstruiert, damit auch die heutige Generation von Filmfans dieses faszinierende Werk noch miterleben darf. Wie gut ist es? Das ist schwer zu sagen, wenn die Dramaturgie nicht vorhanden ist, sondern man sich lediglich auf Einzelszenen stützen kann. Die zeugen aber von einem beachtlichen Film und lassen hoffen, dass Frank Borzage wieder etwas mehr Anerkennung findet.
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