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Serbien
Nach dem Krieg von 1991 wurde das ehemalige Jugoslawien (SFRJ) in sechs Republiken aufgeteilt. Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro, Mazedonien und Bosnien und Herzegovina. Bosnien und Herzegovina sind ebenfalls in zwei Teile aufgeteilt (Moslemisch-kroatische Föderation und Serbische Republik).
Serbien ist das Herkunftsland der Serben, hier leben ca. 6,5 Millionen Serben. In der serbischen Republik (umfasst die Hälfte von Bosnien und Herzegovina) leben ca. 1,3 Millionen Serben. Auch in den restlichen Republiken des ehemaligen Jugoslawiens leben Serben. Den Serben aus der Serbischen Republik ist es wichtig zu betonen, dass sie keine Bosnier sind. Wenn sie gefragt werden, woher sie kommen, dann antworten sie, dass sie aus Bosnien sind, ansonsten werden sie sofort als Moslems betrachtet. Viele Schweizer wissen nicht, dass es in Bosnien die Serbische Republik gibt, deshalb betonen viele Serben, dass sie aus der Serbischen Republik kommen oder einfachheitshalber, dass sie aus Serbien sind.
Einwanderung/Migration
Anfang der 60er- bis 80er-Jahre kamen viele Einwanderer aus wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz. Später, während dem Balkankrieg, kamen sie als Kriegsflüchtlinge in die Schweiz.
Ausbildung
Nach der allgemeinen Schulbildung (Dauer 9 Jahre) wird eine Abschlussprüfung abgelegt. Nach erfolgreicher Abschlussprüfung wird das Zeugnis ausgestellt. Dieses Zeugnis ist die Voraussetzung für das Einschreiben an beruflichen Mittelschulen, wo die berufliche Erstausbildung stattfindet, oder fürs Einschreiben am Gymnasium. Während der beruflichen Ausbildung wird ein Teil des Praktikums in Unternehmen absolviert, die mit den Schulen entsprechende Verträge abgeschlossen haben.
Nach dreijähriger Ausbildung und zwei Jahren entsprechender Berufserfahrung kann eine weitere Ausbildung angestrebt werden. Bei erfolgreich absolvierten vierjährigen Ausbildungsgängen erwirbt der Schüler/die Schülerin nach bestandener (Fach-)Abiturprüfung die Hochschulzugangsberechtigung. Wer das Gymnasium abgeschlossen hat, kann sich an verschiedenen Unis bewerben.
Gesundheitssystem
Staatlich krankenversichert sind alle, welche arbeiten oder beim Arbeitsamt sowie Sozialamt gemeldet sind, ebenso ihre minderjährigen Kinder. Die Landwirte werden nach dem 65. Lebensjahr über die Landwirtschaftsversicherung krankenversichert. Vorher sind sie beim Arbeitsamt gemeldet und über dieses versichert.
Die staatliche Krankenversicherung deckt nur die allgemeinen Behandlungen in staatlichen Institutionen wie dem Spital, den ambulanten Stützpunkten (befinden sich in jedem Dorf und sind nur zu bestimmten Zeiten besetzt) und den Notfallaufnahmen ab. Ärztliche Behandlungen bei Spezialisten oder in privaten Arztpraxen müssen komplett selber übernommen werden. Auch die verordneten Medikamente müssen von den Patienten bezahlt werden. In staatlichen Einrichtungen, in welchen die Behandlungen von der Krankenversicherung abgedeckt sind, ist es üblich, monatelang auf einen Termin für die Mammographie, den Ultraschall, ein MRI oder CT zu warten.
Auch ist es keine Seltenheit, beim Arzt von morgens bis abends auf eine Behandlung zu warten. Die meisten Ärzte, die in staatlichen Institutionen arbeiten, haben nebenher eine eigene private Praxis.
Soziales und kulturelles Leben
Familie
Die Familie hat einen grossen Stellenwert bei den Serben, man verlässt sich in der Familie aufeinander. Die ersten Gastarbeiter, welche ins Ausland gingen, um Geld zu verdienen, haben ihre Familien zu Hause finanziell unterstützt. Auch heute noch ist es üblich, dass Familienmitglieder, die finanziell benachteiligt sind, von ihren Angehörigen unterstützt werden. Die Familie kommt bei verschiedenen Feiern wie Hochzeiten, Geburtsfesten, 18. Geburtstagen usw. immer zahlreich zusammen, weil auch weiter entfernte Familienmitglieder eingeladen werden sollten.
Erziehung
Bei den Serben wird bei der Erziehung viel Wert auf die Schulbildung der Kinder gelegt. Für sie ist es eine grosse Schande, wenn ein Kind eine Klasse wiederholen muss. Den Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder gute Schüler sind, damit sie später mit einer guten Bildung ein besseres Leben haben. Je besser ausgebildet die Kinder sind, desto mehr Bestätigung erhalten die Eltern von ihren Landsleuten. Den Kindern werden die allgemeinen Verhaltensregeln früh beigebracht: Danken, Bitten, Grüssen usw. Unter den Landsleuten wird sehr darauf geachtet, ob ein Kind grüsst und ob es einen höflichen Umgang mit seinen Mitmenschen pflegt.
Der Klapps auf den Po ist heute bei den jungen Eltern nicht mehr üblich. Früher war das an der Tagesordnung.
Traditionen
Slava ist ein serbisch orthodoxes Familienfest, das zu Ehren des Familien-Schutzheiligen gefeiert wird. Dieser Brauch wird von allen Serben gefeiert, er gilt als wichtiger Teil der Kultur. Jede Familie hat ihren eigenen Schutzheiligen, dieser wird vom Vater an den Sohn oder die Tochter weitergegeben.
Die religiösen Feste wie Weihnachten und Ostern werden auch gross mit der Familie gefeiert. Das orthodoxe Weihnachtsfest ist am 7. Januar.
Religion
Serben haben den christlich-orthodoxen Glauben.
Rollenbilder Mann/Frau
Der Umgang zwischen den Geschlechtern ist nicht anders als hier in der Schweiz. Es gibt keine besonderen Regeln, die zu beachten sind. Wenn der Mann die Frau unterdrückt oder sich sonst daneben benimmt, liegt es nicht an seiner Kultur, sondern an seinem Charakter.
Im ehemaligen Jugoslawien wurde 1946 die gesetzliche Gleichberechtigung der Geschlechter offiziell eingeführt.
Rückkehr
Viele Serben, die als Gastarbeiter in den 60er- bis 80er-Jahren in die Schweiz gekommen sind, haben immer den Wunsch gehabt, nach Hause zurückzukehren. Viele sind auch zurückgekehrt, als sie pensioniert wurden. Die jungen Serben, welche hier geboren und aufgewachsen sind, fühlen sich in der Schweiz verwurzelt und sind hier zu Hause. Sie können sich ein Leben in ihrem Herkunftsland nicht vorstellen. Für jene Serben, welche als Flüchtlinge gekommen sind, ist die Situation komplizierter. Sie wurden meistens aus ihren Heimatregionen vertrieben und können auch nicht mehr dorthin zurück. Diese Serben bauen sich hier ihr neues Leben auf, ohne an eine Rückkehr zu denken.