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Im Herbst 1928 verlässt Byrd mit der «City of New York» und der «Eleanor Bolling» 3 Flugzeugen und einem Helikopter die USA in Richtung Neuseeland. An Bord waren 82 Expeditionsmitglieder und Material für eine Polarstation. Am 26.12.1928 erreicht der die Walfischbucht, wo die Station «Little America» aufgebaut wurde. Es wurde ein sehr grosses Gebiet mit Flügen und Schlittenreisen erkundet: König-Eduard VII.-Land, Marie-Byrd-Land und das Rockefeller Plateau.
Das Hauptziel dieser Expedition aber war der Flug zum Südpol. Das Flugzeug hatte, in Einzelteile zerlegt, in einem aus Schneeblöcken gefertigten Hangar überwintert und war Anfang November 1929 bei Temperatur bis zu -50 Grad wieder zusammengebaut worden. Alles klappte hervorragend, nun musste nur noch das Wetter mitspielen. Wegen des hohen Gesamtgewichts war ein Direktflug zum Pol nicht möglich, man musste unterwegs Depots für den Rückflug anlegen. So flog Byrd am 19. November in Richtung Pol, um das geeignete Gebiet dafür zu erkunden. Am Axel-Heiberg-Gletscher, im Queen-Maud-Gebirge, wurde das Depot angelegt.
Am 28. November 1929 signalisierte eine geologische Gruppe unter der Leitung von Dr. Laurence Gould, dass das Wetter über den Bergen hervorragend sei und so startete man kurzentschlossen den historischen Flug in Richtung Südpol. Um 15.29 Uhr rollte die schwerbeladene «Ford Trimotor» die raue Eispiste von «Little America» entlang, um zu einem historischen Flug abzuheben. Die kleine Maschine, die den Namen «Floyd Bennett» trug, hatte vier Mann Besatzung, zusätzlichen Treibstoff, Lebensmittel und eine Notfallausrüstung und wog dadurch über 7 Tonnen. Byrd war als Navigator tätig, Bernt Balchen flog die Maschine, Harold June war Co-Pilot und Ashley McKinley war als Fotograf tätig, der die gesamte Flugroute aufzuzeichnen hatte.
Die drei Motore brachten es auf 975 PS. Die Reisegeschwindigkeit betrug über 160 Stundenkilometer. Zur Orientierung in der endlosen Weite hatte man lediglich zwei Driftmesser und einen Sonnenkompass an Bord. Das einzige wissenschaftliche Instrument, neben dem Temperatur-, Druck- und Feuchtemesser, war eine schwere Luftbildkamera.
Während
sie sich dem Axel-Heiberg-Gletscher näherten, sahen sie, dass sich in
unmittelbarer Nähe ein weiterer Gletscher befand, der niedriger lag, so
dass das Flugzeug nicht so hoch fliegen musste. Kurzentschlossen
entschied sich Byrd für den noch unbekannten Gletscher, ohne zu
wissen, wie die Luftströmungen dort sein würden. Das Flugzeug wurde
hin- und her geschüttelt und Balchen versuchte krampfhaft Höhe zu
gewinnen. Der Pass, den es zu überqueren galt, lag vor ihnen,
aber die Maschine wollte nicht höher gehen. Sollte man Treibstoff
ablassen, oder Lebensmittel über Bord werfen? Ihr Leben konnte
dadurch in Gefahr geraten. „Eine Ladung Lebensmittel über
Bord“ befahl Byrd. Die Maschine antwortete sofort und begann zu
steigen. Aber die Anhöhe des Gletschers war noch immer zu hoch. Nochmals
wurde ein Paket mit 150 Pfund Lebensmitteln über Bord geworfen. Jetzt
erreichte die Maschine die notwendige Höhe, um den Pass zu
überqueren. „Das waren die schlimmsten Minuten unseres Fluges, meinte Byrd
später.
Danach bot sich ihnen ein Blick bis zum Horizont, keine Berge mehr – die Strecke zum Pol war frei. Mit ca. 145 Stundenkilometern dirigierte Byrd jetzt die Maschine über das raue und vergletscherte Terrain. Um 01.14 Uhr notierte Byrd: „Der grosse Augenblick war gekommen! Der imaginäre Punkt, der einsame Punkt am Erdboden war unter uns.“ Die Mannschaft warf die amerikanische Flagge ab, die mit einem Stein vom Grabe Floyd Bennet’s auf dem Arlington Friedhof beschwert war. Auf einer Flughöhe von ca. 800 Metern über dem Eis dirigierte Byrd die Maschine mehrere Meilen nach rechts, dann in einem Winkel zurück zum Pol.
Um 01.25 Uhr nahm die Maschine wieder Kurs in Richtung «Little America». Nach einigen Stunden Flug entdeckte man wieder den Axel-Heiberg-Gletscher und überquerte den Pass ohne Probleme. Bei der geplanten Zwischenlandung wurde Treibstoff nachgefüllt, so dass nach 18 Stunden und 37 Minuten Flugzeit die Maschine schliesslich um 10.10 Uhr wieder an ihrem Ausgangspunkt landen konnte.
Richard E. Byrd und seine Mannschaft hatte eine historische Flugreise hinter sich gebracht und der Antarktisforschung neue Wege aufgezeigt. „Wir waren taub vom Motorengeräusch, müde von den Anstrengungen des Fluges, aber wir haben bei der stürmischen Begrüssung durch unsere Kameraden das alles vergessen“ meinte Byrd später.
Mit diesem Flug war Richard E. Byrd zum Helden der Vereinigten Staaten geworden. Glückwünsche von Präsident Herbert Hoover und aus der ganzen Welt trafen in «Little America» ein und rückten für einige Zeit die Antarktis in den Mittelpunkt des Weltgeschehens.
Quelle: www.antarktis.ch