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Der Brief an Philemon
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Text
Philemon 1-25
Ein Empfehlungsschreiben für Onesimus, welches dem Philemon überbracht wurde (vgl. auch Kol 4:9.), und Paulus selbst schrieb.
- Paulus dankt Gott in seinen Gebeten im Hinblick auf Philemon für dessen Liebe und Glauben an Christum Jesum, die er auch gegenüber den Brüdern im Allgemeinen hat.
- Paulus im Gefängnis mit Onesimus schreibt Philemon, der Herr von Onesimus, dass er diesen wieder aufnimmt, nicht nur als Knecht, sondern auch als Bruder im Speziellen. Onesimus soll so aufgenommen werden, wie es Pauls selbst wäre.
- Paulus argumentiert dem Philemon gegenüber mit Onesimus’ Liebe und Nützlichkeit als auch, dass er alle Schulden übernehmen würde, denn Onesimus ist wie ein Sohn für Paulus.
- Paulus hofft, dass auch er selbst mitkommen könne und Herberge bei Philemon fände.
- Paulus schließt den Brief mit Segenswünschen und Grüßen.
Einteilung
Philemon 1-3
- In Verse 1-2 werden die Absender Paulus und Timotheus genannt. Der Hauptempfänger ist Philemon und danach werden noch Appia und Archippus genannt.
- In Vers 3 werden Segenswünsche an die Empfänger gerichtet.
- Die Textkohärenz in den Versen 1-3 ist der Nominalstil.
Inkohärenz (Übergang)
Philemon 3+4
Der Kohärenzbruch zwischen Vers 3 und 4 ist der thematische Sprung, der Verbalstil und die Bezugselemente, welche in der Einleitung mehrere sind und im Hauptteil wird nur eine Person angesprochen, nämlich Philemon (Plural-Singular-Wechsel).
Hauptteil
Philemon 4-22
- Die Einleitung zum Hauptteil ist das Gebet.
- Vers 4-5: Paulus schließt Philemon in die Gebete mit ein. Er dankt Gott für die Liebe Philemons an die Heiligen und den Glauben an den Herrn Jesum. In Vers 5 ist der Grund beschrieben, welcher zum danksagenden Gebet führte (Vers 4). Der Grund in Vers 5 ist als Parenthese zu sehen.
- In Vers 6, welcher durch die Parenthese des Grundes unterbrochen wurde, wird der Inhalt des Gebetes beschrieben, nämlich, dass der Glaube Gemeinschaft erwirkt. Diese Gemeinschaft ist so, dass sie das Gute in uns gegenüber (εἰς) Christum Jesum anerkennt. Dies verdeutlich die Art und Weise der Gemeinschaft der Gläubigen.
- Vers 7 beginnt mit einem Hyperbaton. Die „Freude“ (Χάριν) wird an den Satzanfang gestellt und dabei vom zusammengehörigen Wort „groß“ (πολλὴν) abgetrennt. Damit wird „Freude“ prominent, das heißt, es wird betont. Syndetisch angeschlossen ist der „Trost“. Die große Freude und Trost durch Philemon sind auf Grund seiner Liebe. Sie besteht darin, dass diese Liebe von Philemon die Heiligen erquickte.
- Vers 8 beginnt wie Vers 7 auch mit einem Hyperbaton. In diesem Vers wird aber „groß“ (πολλὴν) in eine prominente Position gebracht und von der „Freimütigkeit“ (παρρησίαν) gegen links abgetrennt.
- Vers 8-9: Paulus könnte auf Grund seiner Freimütigkeit gebieten (nur im Deutschen wird dies mit einer expliziten konzessiven Angabe verdeutlicht). Wegen seines Amtes, Alters und als Gefangener Roms und Christi Jesu bittet er, dass Philemon den Onesimus aufnehmen solle. Er bittet, was sich ziemen würde, um der Liebe wegen, die Philemon gegenüber den Brüdern hat.
- Vers 10 beinhaltet, obwohl der Relativsatz als Parenthese zwischen dem Kopf „mein Kind“ und dem Attribut „Onesimus“ ist, eine weite Apposition. Mit dieser wird klar, dass Paulus von allen, die Paulus zum Glauben führen konnte, der Onesimus gemeint ist. Damit baut Paulus Spannung auf, solange es möglich ist, bis zum Satzende.
Paulus nennt nicht nur den Namen, sondern auch den Ort, wo Onesimus zum Glauben kam. Mit dem „in Banden“ wird klar, dass es sich um das Gefängnis handelte.
Von der Struktur dieses Verses kann gesagt werden, dass sie deduktiv ist, d. h. vom Allgemeinen „alle Gläubigen (Vers 9b)“ zum Speziellen „Onesimus“. Wer alle liebt, liebt auch den einzelnen.
- In Vers 11 ist das Deduktive, das in Vers 9b begann, noch spezieller, denn mit einem Relativsatz wird Onesimus‘ Charakter beschrieben und dessen Veränderungen.
Was in der deutschen Übersetzung untergeht, ist die Stilistik von Paulus, denn es wird ein Wortspiel mit dem Namen Onesimus gemacht. Indem für Onesimus (Ὀνήσιμος) für nützlich ein Synonym „brauchbar“ (εὔχρηστος) bzw. „unbrauchbar“ (ἄχρηστος) benutzt wird.
Ein anderer außerbiblischer Text verwendet beide Begriffe in einem Satz als Hendiadyoin:
τὰ μέν, εἰ χρηστὰ καὶ ὀνήσιμα τοῖς ἀκροωμένοις·
THEMISTIUS Βασανιστὴς ἢ φιλόσοφος {2001.021} (A.D. 4) Harduin page 245 section c line 7
„Diese (gesagten Dinge) zwar, wenn sie brauchbar und nützlich für die Zuhörer (sind).“
Das Wortspiel von Paulus mit dem Eigennamen „Onesimus“ verstärkt die Aussage der Nützlichkeit. Mit im Spiel ist auch die verstärkende Aussage und die negierte Gegenaussage. Damit werden drei Komponenten erreicht.
Nicht nur dem Paulus gegenüber ist der Onesimus nützlich, sondern auch dem Philemon und dies in doppelter Hinsicht, nämlich als Bruder und als Knecht.
- Die Deixis in Vers 12a, also die Ausgangslage im Zeitaspekt, die Referenzzeit, ist hier bemerkenswert, denn der Onesimus, als Paulus den Brief schrieb, war noch nicht bei Philemon. Paulus greift damit in der Zeitreferenz in die Zukunft und schrieb hier so, als ob Onesimus neben Philemon steht, als dieser den Brief las. Das ist eine epistolarische bzw. retrospektive Verwendung.
- Vers 12b -17 leitet zur zentralen Aussage ein. Paulus verwendet einen konkreten Ausdruck für das Abstrakte (concretum pro abstracto). Das Herz, der konkrete Ausdruck, meint das Innere von Paulus. Dies verdeutlicht, wie wichtig Onesimus für Paulus wurde, und wenn er nicht mehr da ist, ihm etwas fehlt. Dennoch ist Paulus bereit, sich von Onesimus zu trennen. Wir beziehen uns jetzt auf Vers 13 und 14: Obwohl Paulus Onesimus gerne bei sich gehabt hätte, damit dieser ihm während seines Gefängnisaufenthalts diene, schickt er ihn zu Philemon zurück, da er dessen Erlaubnis bisher nicht hatte. Ab Vers 15 nennt Paulus einen weiteren Grund für die Aufnahme: Indem Gott es zugelassen hat, dass Onesimus seinen Herrn verlässt, kam er durch die Begegnung zum Glauben, und so konnte Philemon ihn als Gläubigen zurück bekommen. Dies nicht mehr als Knecht allein, sondern auch noch als Bruder, wobei Onesimus nützlicher sein könnte als dem Paulus allein, da er ja auch der Knecht von Philemon war. Das Zentrale bzw. das konzentrische Zentrum und damit die Kernaussage ist die Aufnahme eines Bruders, egal, in welcher Stellung dieser steht. Paulus hält den Philemon für einen Mitgenossen im Glauben und will auch selbst von ihm so gesehen werden, denn auch Paulus hat Onesimus aufgenommen wie einen Bruder.
- Vers 18 ist eine konditionale Angabe, die im Grunde genommen vier Möglichkeiten abdeckt, denn es ist eine „oder-Verknüpfung“. Onesimus tat unrecht und war schuldig, tat nur unrecht und war nicht schuldig, tat nicht unrecht und war schuldig oder zuletzt er tat nichts Unrechtes und war auch nicht schuldig.
- Den rosaroten Elefanten finden wir in Vers 19. Paulus schreibt hier von Dingen, die nur durch die Blumen gesagt werden. Nämlich, dass auch Philemon durch Paulus Dienst zum lebendigen Glauben kam. Das Muster, das Paulus anwendet, ist dasjenige, wie wenn man sagen würde: „Denke nicht an einen rosaroten Elefanten“. Und genau das tut man. Vergleiche dazu, was Paulus schreibt: „dass ich dir nicht sage, ...“. Er sagt A, damit er nicht B sagen muss, aber alle, die es lesen, denken an B. Das durch die „Blume sagen“ heißt hier, dass auch Philemon dem Paulus schuldig ist. Das sagt Paulus jetzt nicht direkt. Damit bewahrt er die Distanz und kann so das Unangenehme indirekt sagen, und das ist hier, dass Philemon die Schulden erlässt.
- Die Interjektion „ja“ (Ναί) in Vers 20 wird als Themenwechsel, als Inkohärenzwort benutzt. Der ganze Vers 20 schließt das vorherige Thema ab, dass auch Philemon ein Nutzen für Paulus sein kann, indem Paulus ein Wortspiel mit dem Namen Onesimus macht (ὀνίνημι).Nachdem Paulus in Vers 13 den Onesimus als sein Herz bezeichnet hat, dieses aber bereit ist, loszulassen, bittet er Philemon, sein betrübtes Herz zu erfrischen, indem er Onesimus bei ihm aufgenommen weiß.
- In Vers 21 appelliert Paulus an den Gehorsam von Philemon, indem er ihm vertraut. Deshalb hat Paulus ihm auch geschrieben, denn er weiß, dass dieser den Onesimus als Bruder und Knecht aufnehmen wird.
- „Zugleich“ in Vers 22 deutet einen Themenwechsel an. Paulus bittet nun Philemon auch für ihn, eine Herberge zu bereiten, und der Grund ist, dass er erwartet, durch die Gebete frei zu kommen. Diese Inkohärenz beendet den Hauptteil.
Schluss
Philemon 23-25
Verse 23-24 sind Grüße und Vers 25 Segenswünsche an die Briefempfänger. Wir erfahren im ersten Teil, dass Epaphras ein Mitgefangener Pauli ist, die anderen aber nicht, sie sind Mitarbeiter. Damit ergeben sich zwei Gruppen der Grüßenden.
Paulus wechselt jetzt, nachdem er lange direkt zu Philemon geschrieben hat, in Segenswünsche auf die Mehrzahl um, und spricht damit alle an, die er in der Einleitung angeschrieben hat.