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Sieht man sich den
Empfängermarkt an, dann lassen sich die angebotenen Geräte
grob in zwei Kategorien einteilen: Reise-/ Kofferempfänger
und Stations-/ Kommunikationsempfänger.
Koffergeräte sind in der Regel kleiner, leichter und
preiswerter als Kommunikationsempfänger. Sie sind in
erster Linie zum Empfang von AM-Sendungen gedacht. Der
Empfang von Sendungen in anderen Betriebsarten (SSB, CW,
RTTY...) ist, wenn überhaupt, nur behelfsmäßig möglich.
Für DX sind sie weniger gut geeignet. Dafür haben sie
meistens einen besseren NF-Verstärker und Lautsprecher
eingebaut und können auch unterwegs mit Batterien
betrieben werden.
Die meisten Kommunikationsempfänger sind von Amateurfunk-Transceivern
abgeleitete Geräte. Der Schwerpunkt liegt dabei auf SSB
und Sonderbetriebsarten. Oft stehen bei AM-Empfang nicht
alle Funktionen des Empfängers (ZF-Filter, Passband-Tuning...)
zur Verfügung. Sie sind als Stationsgerät konzipiert,
der NF-Frequenzgang ist oft nur für Sprachwiedergabe
geeignet und sie sind schon recht teuer. Dafür sind sie
aber bei den für DX-Tauglichkeit eines Gerätes
entscheidenden HF-Eigenschaften (Empfindlichkeit,
Trennschärfe und Großsignalverhalten) den Koffergeräten
überlegen.
Gerätebeschreibung
Der englische Hersteller Lowe Electronics LTD. ist in
Deutschland bisher wenig bekannt. Schon seit mehreren
Jahren produziert diese Firma Kurzwellenempfänger. Der
HF-225 und sein Vorgänger HF-125 sind vor allem in
England und den skandinavischen Ländern bereits weit
verbreitet.
Zwischen diesen beiden Gerätekategorien versucht Lowe
nun mit dem HF-150 eine neue Geräteklasse der portablen Kommunikations-
Empfänger zu etablieren. Das Gerät sieht
wie ein kleiner Stationsempfänger aus. Es kann mit
internen Akkus und Teleskopantenne betrieben werden, ist
relativ klein ( 185 x 80 x 175 - B x H x T) und leicht (ca.
1,5 kg mit Akkus), und kann daher auch den Portabelgeräten
zugeordnet werden.
In Deutschland ist der HF-150 nach der HAM-Radio 92
lieferbar. Er ist als preiswertes Einsteigergerät
konzipiert und kostet ohne Zubehör etwas mehr als DM
1000.- Damit liegt der Preis nur wenig über dem der
besseren Koffergeräte. Ein 12-Volt-Netzteil gehört zum
Lieferumfang. Als Zubehör gibt es zur Zeit eine
Frequenztastatur (ca. DM 140.-) und ein Portabel-Kit (nicht
getestet), das aus einem Schultergurt, einem Tragegriff,
Akkus und einer Teleskopantenne besteht und ebenfalls
etwa DM 140.- kostet. Ein externer Lautsprecher und eine
Mobilhalterung sollen in Kürze lieferbar sein.
Um den relativ günstigen Preis zu ermöglichen, wurden
Ausstattung, Bedienungselemente und Schaltungsaufwand auf
das wesentliche beschränkt. Die Optik profitiert auf
jeden Fall von dieser Massnahme: Die Frontplatte sieht übersichtlich
und aufgeräumt aus. Reiseempfänger der neuesten
Generation erinnern dagegen schon fast an einen "Gameboy".
Der HF-150 ist zu einem großen Teil mit ICs aufgebaut.
Das ist aber kein Nachteil, denn die Serienstreuung dürfte
dadurch sehr gering sein. Die äußere Beschaltung der
ICs wurde sehr einfach gehalten. So ist z.B. keine
Vorselektion (Bandpässe) im Eingangsteil vorgesehen.
Ausstattung &
Bedienung
Der HF-150 ist ein Doppelsuper mit den
Zwischenfrequenzen 45 MHz und 455 kHz. Er empfängt lückenlos
den Frequenzbereich 30 kHz bis 30 MHz. In der ZZF-Version
ist der Frequenzbereich nach unten auf 150 kHz begrenzt.
Es können AM- und SSB-Sendungen demoduliert werden. Für
AM steht ein Synchrondetektor mit schaltbarem Seitenband
zur Verfügung. Es sind zwei ZF-Bandbreiten vorhanden: 7
kHz und 2,5 kHz. Die 60 Speicher merken sich nicht nur
die Frequenz, sondern auch die eingestellte Betriebsart.
Auf der Frontplatte sind nur wenige Bedienungselemente zu
finden: ein kombinierter Lautstärkeregler und Ein-/Aus-Schalter,
eine Kopfhörerbuchse, drei Taster, ein Handrad und die
Frequenzanzeige. Die Anzeige ist nicht beleuchtbar. Die
Frequenz wird fünfstellig ohne Nachkommastellen
angezeigt. Alle Einstellungen werden mit den drei Tasten,
die jeweils mehrere Funktionen haben, vorgenommen. AM/SSB,
Bandbreite, Synchrondetektor und Seitenband können nicht
unabhängig voneinander geschaltet werden, sondern sind
in "Betriebsarten" (Mode) zusammengefasst. Mit
der mittleren Taste schaltet man das Display von Frequenz-
auf Betriebsartenanzeige um. Dann wird eine der folgenden
Abkürzungen angezeigt.
A - AM (7 kHz);
An - AM schmal (2,5 kHz);
USb - SSB oberes Seitenband (2,5 kHz);
LSb - SSB unteres Seitenband (2,5 kHz);
ASu - AM mit Synchrondetektor, oberes Seitenband (2,5 kHz);
ASl - AM mit Synchrondetektor, unteres Seitenband (2,5
kHz);
ASf - AM mit Synchrondetektor, beide Seitenbänder (7 kHz)
mit erweitertem NF-Frequenzgang bis 5,5 kHz ("Hifi"Mode);
ASd - AM mit Synchrondetektor, beide Seitenbänder (7 kHz).
Die Betriebsarten können mit den beiden äußeren Tasten
in der angegebenen Reihenfolge durchgeschaltet werden.
Das Abstimmraster ist ebenfalls mit der Betriebsart
gekoppelt Dreht man den Abstimmknopf schnell, dann erhöht
sich in den Synchrondetektorbetriebsarten das
Abstimmraster (elektronisches Schwungrad).
A, An - 60 Hz;
Usb, Lsb - 8 Hz;
Asu, Asi, Asf, Asd - 8 Hz.
Durch Drücken der linken
Taste wird von Frequenzanzeige auf Speicherbetrieb
umgeschaltet. In der Anzeige erscheint eine
Speicherplatznummer. Es ist aber weiterhin der vorher
eingestellte Sender zu hören. Mit dem Handrad läßt
sich jetzt eine beliebige Speichernummer auswählen. Nach
etwa zwei Sekunden verschwindet die Speichernummer und
die unter dieser Nummer abgespeicherte Frequenz erscheint
in der Anzeige. Will man den Speicher aufrufen, dann muß
die mittlere Taste (RCL) gedrückt werden. Soll die
vorher eingestellte Frequenz unter dieser Nummer
abgespeichert werden, dann ist die rechte Taste (STO) zu
drücken.
Wird, während die Frequenz angezeigt wird, die rechte
Taste (FAST? gedrückt, dann verschwinden die rechten
beiden Stellen der Frequenzanzeige und es wird auf 100-kHzRaster
umgeschaltet. Auf diese Weise ist auch ohne
Frequenztastatur in wenigen Sekunden ein Bandwechsel möglich.
Über die als Zubehör erhältliche Tastatur lassen sich
Speichernummern sowie Frequenzen auf ein Kilohertz genau
eingeben. Frequenzen unter 3 MHz müssen mit der Enter-Taste
bestätigt werden. Frequenzen unter 61 kHz können nicht
eingetippt werden. Eine entsprechende Eingabe wird als
Speichernummer interpretiert.
Auf der Rückseite des HF-150
ist folgendes untergebracht:
- Koax-Antennenbuchse (S0-239);
- Klemmanschlüsse für Antenne und Erde;
- Buchse für externe Tastatur (3,5 mm Klinke);
- Buchse für externen Lautsprecher (3,5 mm Klinke);
- Buchse für Cassettenrecorder (LINE OUT, 3,5 mm
Klinke);
- Buchse für Netzteil;
- ein dreistufiger Empfindlichkeitswahlschalter mit
den Positionen WHIP (Verstärker für Teleskopantenne,
wirkt nur auf der Koaxbuchse), NORM (normale Einstellung)
und ATTEN (20 dB Abschwächer);
- sowie zwei Schubladen für je vier Mignon-Akkus.
Ein Akkuladeteil ist
eingebaut. Ist das Gerät an das Lichtnetz angeschlossen
und ausgeschaltet, dann werden die Akkus in etwa 15
Stunden aufgeladen. Eine Ladeautomatik, die das Überladen
der Akkus verhindert, ist nicht vorhanden. Der Hersteller
empfiehlt, das Gerät nicht länger als drei Tage
ausgeschaltet am Stromnetz zu lassen, um eine Beschädigung
der Akkus zu vermeiden. Das Ladeteil läßt sich nicht
abschalten. Wird das Gerät also mit Batterien statt mit
Akkus betrieben, dann müssen diese herausgenommen werden,
bevor das Netzteil wieder angeschlossen wird.
Die Bedienungsanleitung liegt leider nur in englischer
Version vor. Sie ist sehr gut aufgebaut. Sie beschreibt
nicht nur das Gerät, sondern enthält auch eine kurze
Einführung in die Kurzwellen-Ausbreitung, Antennen,
Betriebsarten usw. Ein Schaltplan ist ebenfalls vorhanden.
Praktische
Erfahrungen
Das Abstimmraster wurde gut gewählt. Es ermöglicht noch
eine gute Feinabstimmung, aber man kann auch zügig
kurbeln. Die glatte Oberfläche des Handrades konnte
allerdings nicht gefallen. Sie sollte geriffelt sein,
damit man nicht ständig abrutscht. Zum schnellen "Abkurbeln"
der Bänder ist das Handrad etwas zu schwergängig. Zur
Einstellung der Speicher braucht man eine ruhige Hand,
denn die 60 Speicher werden mit ungefähr zwei
Umdrehungen überstrichen.
Die Reihenfolge der Betriebsarten wurde unglücklich gewählt.
Da in der Praxis häufig zwischen "An" und
"ASI" bzw. "Asu" hin und her
geschaltet wird, sollten diese nebeneinander liegen,
damit man nicht immer über "Usb" und "Lsb"
muß.
Die Frequenztastatur erweist sich als äusserst praktisch.
Neben dem Gerät liegend läßt sie sich besser bedienen,
als die in die Frontplatte integrierten Tastaturen vieler
anderer Empfänger. Leider enthält sie keine UP/DOWN-Tasten,
mit denen sich die Rundfunkbänder schnell im Raster
durchstimmen lassen. Außerdem sollte sie einen
Umschalter ASI/ASu besitzen, da man beim AM Synch-Betrieb
sehr oft das Seitenband wechselt. Die Tastatur
funktioniert nur dann, wenn am Gerät die Frequenz
angezeigt wird. Hat man gerade den Empfangsmodus verändert,
dann muß das Display erst auf Frequenzanzeige
umgeschaltet werden oder man muß warten, bis nach etwa
acht Sekunden die Anzeige automatisch zurückgeschaltet
wird. Leider ist die Anzeige nicht beleuchtbar. Wer
Empfangsberichte schreibt oder Richtantennen (z.B. Rahmen)
ausrichten will, wird ein S-Meter vermissen. Der
Hersteller verspricht, daß ab Herbst alle Geräte
wenigstens mit einer Buchse für ein externes S-Meter
ausgerüstet werden. Bereits ausgelieferte Geräte sollen
nachrüstbar sein.
Der Stromverbrauch des HF-150 ist, im Vergleich zu
Koffergeräten, hoch. Das Gerät braucht, abhängig von
der Lautstärkeeinstellung, zwischen 85 mA und 100 mA. Da
aber wegen des kleinen Gehäuses nur Mignon-Akkus
eingesetzt werden können, ist der Portabeleinsatz
abseits von Steckdose und Autobatterie auf relativ kurze
Zeit beschränkt. Im Test lief das Gerät mit voll
aufgeladenen 500 mAh-Akkus knapp drei Stunden, wovon etwa
zwei Stunden mit Kopfhörer gehört wurde (geringere
Lautstärkeeinstellung).
Empfangseigenschaften
Zunächst ein wichtiger Hinweis vorweg: Das Gehäuse
des HF-150 muß, auch im Netzbetrieb, geerdet werden.
Fehlt die Erdverbindung, dann erreicht der Empfänger
nicht seine maximale Empfangsleistung. Bei Akkubetrieb
sind ohne Erdung von Langwelle bis hinauf zum 49-m Band
Prozessorstörungen zu hören, die insbesondere auf
Langwelle und Mittelwelle den Empfang fast unmöglich
machen.
Als Antenne standen eine 1,25 m lange Teleskopantenne (5/8
lambda für das 2-Meter- Amateurfunkband) und ein 10
Meter langer Draht, der in der Wohnung aufgehängt wurde,
zur Verfügung. Bei Verwendung der Teleskopantenne war
der Antennenverstärker immer eingeschaltet, der Draht
wurde an die hochohmigen Klemmen (ohne Verstärker)
angeschlossen. Ein Anpaßgerät wurde nicht benutzt. Als
Vergleichsempfänger diente ein Drake R8E.
Die Empfindlichkeit des HF-150 ist auffallend hoch, so daß
selbst mit Teleskopantenne und eingeschalteten: Verstärker
viele schwache Stationen zu hören sind. Der Betrieb mit
Teleskopantenne ist also kein Werbegag, sondern eine
echte Alternative, wenn man auf Reisen keine Drähte
spannen möchte. Bei Anschluß des Drahtes verbessert
sich aber der Signal-/Rauschabstand bei schwächeren
Stationen hörbar, so daß für die weiteren Vergleiche
diese Antenne benutzt wurde. Die hohe Empfindlichkeit
steht über den ganzen Frequenzbereich zur Verfügung.
Deshalb ist der HF-150 auch für Mittelwellen-DXer
interessant.
Die ZF-Filter liegen sehr weit auseinander. Das 7-kHz-Filter
kann nur dann eingesetzt werden, wenn auf den Nachbarkanälen
schwächere Stationen senden. Durch Umschalten auf den
Synchrondetektormodus "Asd" lassen sich die
Nachbarkanalstörungen etwas verringern. Die Betriebsart
"Asf" ("Hifi") ist nur bei
Ortssendern auf Mittelwelle zu gebrauchen. Das schmale
Filter ist mit dem 2,3-kHz-Filter im Drake vergleichbar.
Sendet auf dem Nachbarkanal ein stärkerer Sender, dann
ist bei beiden Geräten ein Übersprechen zu hören. Der
Synchrondetektor des Lowe ist eine ganze Klasse besser
als der des Drake. Der Fangbereich ist sehr klein, was
eine sehr genaue Abstimmung erforderlich macht. Dafür
ist aber auch die Wahrscheinlichkeit geringer, daß sich
im Fangbereich ein zweiter Träger befindet. In den
Betriebsarten "ASi" und "Asu" wird
das ZF-Filter wie bei SSB ganz auf ein Seitenband
geschaltet. Das ergibt trotz schmalem Filter eine gute
Verständlichkeit sowie eine hervorragende Unterdrückung
des unerwünschten Seitenbandes. Beim Seitenbandbetrieb
kommt es in den dicht belegten Bändern zu Störungen vom
Nachbarkanal. Das schmale Filter hätte ruhig noch ein
wenig schmaler sein können. Häufig senden auf einem
Kanal zwei Sender. Da sie fast nie exakt auf der gleichen
Frequenz senden, aber beide Träger im Fangbereich des
Synchrondetektors liegen, treten Schwebungen auf. Das
macht sich dann unangenehm als auf- und abschwellendes
Brummen oder Heulen bemerkbar, je nachdem, wie stark der
zweite Sender ist und wie weit die Frequenzen auseinander
liegen. Dem HF-150 kann man natürlich keinen Vorwurf
machen. Hierbei handelt es sich vielmehr um ein grundsätzliches
Problem.
Eine "Macke" wies das Testgerät aber doch auf.
Im Frequenzbereich von 11575 kHz bis unter 11200 kHz
herunter wird das Gerät stummgeschaltet, wenn die
Frequenz über Tastatur eingegeben wird. Das gleiche
passiert, wenn man mit der Handabstimmung von oben nach
unten über 11575 kHz dreht. Bei Handabstimmung in die
andere Richtung wird dieser Frequenzbereich einwandfrei
empfangen.
Eine Reihe von Frequenzen wird, wie leider bei vielen
anderen Empfängern auch, durch eigenerzeugte Störungen
beeinträchtigt. Unterhalb von 20 MHz konnten in der
Praxis keine Störungen beobachtet werden. Darüber aber
nehmen sie in Anzahl und Stärke mit aufsteigender
Frequenz zu. Treten im 13-m-Rundfunkband drei
Pfeifstellen auf, so sind es im 10-m-Amateurfunkband
bereits etwa 15.
Die Befürchtung, daß der HF-150 aufgrund der fehlenden
Vorselektion abends schon an kleinen Antennen übersteuert,
ist nicht eingetroffen. Während des Tests konnte der HF-150
an einem Abend an einer 30 Meter langen Außenantenne
betrieben werden. Übersteuerungen oder Mischprodukte
wurden nicht festgestellt.
Der Drake R8E wirkte auf allen Bändern deutlich ruhiger.
Der Signal-/Rauschabstand sowie der Regelumfang der AGC
sind größer. Durch die größere Auswahl an ZF-Filtern
und das Passband-Tuning ist der Drake auch vielseitiger
einzusetzen.
Das NF-Teil des HF-150 ist ganz anders abgestimmt als das
des Drake. Es überträgt weniger Bass, dafür aber in
der Betriebsart "Asf" mehr Höhen. Bei stark
gestörten Stationen war in vielen Fällen die
Sprachverständlichkeit besser als beim Drake.
Funkamateure, die ihren "speech processor" weit
aufdrehen, klangen mit dem Lowe etwas hart und kratzig.
Der Drake konnte das durch seine wärmere und weichere
Wiedergabe weitgehend entschärfen. Gut modulierte SSB-Stationen
werden vom Lowe einwandfrei wiedergegeben.
Bei Musiksendungen auf Kurzwelle gefiel der Drake in den
meisten Fällen besser. Wenn Stationen in
Ortssenderqualität zu empfangen sind, kann beim Lowe die
Betriebsart "Asf" ("Hifi") genutzt
werden. Dem hat der Drake dann nichts entgegenzusetzen.
Der Lautsprecher des Lowe muß als Behelf angesehen
werden. Bei Musiksendungen oder schwachen Sendern
erreicht er sehr schnell seine Grenzen. Wer nicht nur
unter dem Kopfhörer Dxen, sondern auch gemütlich zurückgelehnt
Radio hören möchte, sollte ernsthaft über den Kauf
eines externen Lautsprechers nachdenken.
Zum Schluss noch einige Empfangsbeispiele: Der
Zeitzeichensender auf 50 kHz konnte noch einwandfrei
empfangen werden. Der Drake empfängt erst ab 150 kHz
aufwärts, deshalb konnte hier nicht verglichen werden.
Die Mittelwellenfrequenzen 930, 950, 1210 und 1220 kHz,
auf denen bei guten Bedingungen der Empfang von
amerikanischen Stationen möglich ist, waren auf beiden
Geräten gegen Mitternacht noch etwas durch die
Nachbarkanäle gestört. Amerika-Empfang war wegen der
sommerlich schlechten Bedingungen nicht möglich. Auch
den Vergleich in den Tropenbändern konnte kein Gerät für
sich entscheiden: mal war der Lowe besser, so z.B. beim
Empfang von Radio Mali auf 4835 kHz, dessen oberes
Seitenband durch eine Utility-Station gestört wurde. Dafür
holte der Drake dann aber einige schwache Signale, wie z.B.
SABC Radio Orion auf 3320 kHz besser aus dem
Gewitterprasseln.
Der Vergleich in den unteren Rundfunkbändern endete
ebenfalls unentschieden. Im Sendeplan von Radio Australia
wird für den Abend unter anderem die Frequenz 6060 kHz
gelistet. Diese Frequenz wird aber in Europa durch die
hohen Feldstärken auf den Nachbarkanälen regelrecht
"plattgemacht". Auf beiden Empfängern waren
unter starken Nachbarkanalstörungen zwar ab und zu
englische Wortfetzen zu hören, eine Identifizierung des
Senders war aber erst zur vollen Stunde möglich: Nicht
Australien, sondern die Erkennungsmelodie der VoA war zu
hören.
Auf dem 10-m-Band waren gegen Mittag mit dem HF-150
mehrere schwache Amateurfunkstationen noch so gerade eben
zu verstehen, die beim Drake zwar auch noch im Rauschen
auszumachen waren, aber nur noch bruchstückhaft
durchkamen. Die Lautstärke musste beim Lowe dafür
allerdings weit aufgedreht werden. Beim Drake ist der
Lautstärkeunterschied zwischen starken und schwachen
Stationen nicht so stark ausgeprägt. Wenn viele
Funkamateure auf fast der gleichen Frequenz nach einer
seltenen Station rufen ("Pile-up"), dann waren
die einzelnen Stationen mit 1,8-kHz-Filter und Passband
Tuning auf dem Drake besser auseinanderzuhalten.
Zusammenfassung
Auch wenn es der Lowe HF-150 schaffte, beim AM-Empfang
mit dem Drake R8E gleichzuziehen, so bezieht sich diese
Aussage nur auf die bei diesem Test verwendeten
Behelfsantennen. Der Drake konnte z.B. bei einem DX-Camp
in Südost-Finnland beweisen, daß er, bis auf wenige
Mischprodukte um 15 MHz, bis zu 300 Meter lange Drähte
über Wasser wegsteckt. Und das, obwohl das S-Meter bei
einer Reihe von baltischen und russischen Lang- und
Mittelwellensendern Vollausschlag zeigte. Ob der Lowe das
auch mitmacht, muß erst noch bewiesen werden.
Für den Empfang von SSB und Sonderbetriebsarten ist der
Drake natürlich durch seine umfangreichere Ausstattung
besser geeignet. Der Synchrondetektor des Lowe bietet
zwar eine bessere Trägersynchronisation als der des
Drake. Dem Lowe fehlt aber eine mittlere Bandbreite und
ein Passband-Tuning wie beim Drake, dessen 4-kHz-Filter
sich auch in den Tropenbändern zusammen mit Passband-Tuning
häufig einsetzen läßt.
Wenn am Ende eines Erfahrungsbericht wenigstens eine
Empfehlung ausgesprochen werden kann, für wen oder was
sich ein Empfänger eignet, dann ist das schon ein Erfolg.
Der Lowe HF-150 eignet sich zunächst einmal für Dxer
und Programmhörer gleichermaßen. Darüber hinaus ist er
für folgende Zielgruppen ganz besonders interessant:
- Für den Newcomer, der einen guten Empfänger
anschaffen mochte, aber nicht gleich mehrere tausend Mark
ausgeben kann oder will;
- als kleines und DX-taugliches Zweitgerät für den
eingefleischten DXer, der seinem Hobby auch im Urlaub
nachgehen möchte;
- für den Mittelwellen-DXer, der einen Empfänger
mit hoher Empfindlichkeit auf Mittelwelle sucht;
- und für den Funkamateur, der nach dem Kenwood R
600 erstmals wieder einen Zweitempfänger kaufen kann,
der wesentlich billiger als ein Zweittransceiver ist.
Berücksichtigt man bei
der Gesamtbewertung auch noch das Preis-/Leistungsverhältnis,
dann kann das abschliessende Urteil nur lauten: Best Buy - sehr empfehlenswert.
© Joachim Salisch, kurier 15 / 1992
d: Ein neuer Empfänger: LOWE HF 150
, Jürgen Semmler / tth, wwh 6 / 92
d: Der letzte seiner Art ? Lowe HF-150 Europa
, Harald Kuhl, kurier 8/99
d: Modifikation Lowe HF-150, Mehr Komfort für ein DX-Gerät
, Thomas Adam /tte, wwh
e:
Lowe HF-150, Radio Netherlands, Receiver Shopping List
e:
two British Boxes - Lowe's HF-225 & HF-150 receivers, Elton Byington, N2KXT, fine tuning's
proceedings