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Stephan
Thome
Stephan Thome (*1972) wurde in Biedenkopf/Hessen geboren und studierte Philosophie, Religionswissenschaft und Sinologie. In seinem soeben erschienenen dritten Roman Gegenspiel knüpft Thome an seinen letzten an. Folgte man in Fliehkräfte (2012) dem Protagonisten Hartmut, knapp 60jähriger Philosophieprofessor, auf seiner Reise und Sinnsuche quer durch Europa, steht in Gegenspiel dessen Ehefrau Maria im Zentrum des Romans.
Die rund 50jährige gebürtige Portugiesin und Theaterwissenschafterin ist von Bonn weggezogen, um eine Stelle an einem Berliner Theater anzunehmen, muss dafür aber eine Fernbeziehung zu ihrem Mann in Kauf nehmen. Diese Situation bleibt für sie ambivalent, einerseits ist sie stolz auf ihre Unabhängigkeit und froh, dem öden Bonner Hausfrauendasein entflohen zu sein, andererseits hat sie Gewissensbisse und Zweifel, ob ihre Ehe die Fernbeziehung überleben wird und die Arbeit am Theater und das Leben in Berlin tatsächlich die Erfüllung ihres Lebenstraums ist. Nebst diesem in der Mitte des letzten Jahrzehnts angesiedelten Erzählstrang schildert Thome die Jugend Marias im Lissabon der 1970er-Jahre, ihre Emigration nach Deutschland und die Studienzeit im West-Berlin der 1980er-Jahre ebenso wie die ersten Jahre mit Mann und Kind in Dortmund.
Geschickt verwebt Thome verschiedene Zeit- und Erzählebenen und zeichnet so das Portrait einer Frau. In einer poetischen und präzisen Sprache, mit einem herausragenden Blick für Details und gekonnt gesetzten Dialogen, ist Thome ein Roman gelungen, der existentiellen Fragen nachspürt und dabei eine unglaubliche Sogwirkung entfaltet.