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Overview
«Musicking» (Small 1998) steht im Zentrum des sozialen Lebens und der kulturellen Erfahrung von Menschen (DeNora 2008; Turino 2008). Soll ein Verständnis darüber gewonnen werden, wie Geflüchtete ihre Identitäten konstruieren, ausdrücken und dadurch soziale Beziehungen schaffen, ist es auch notwendig, deren musikalische und tänzerische Praktiken als performative Handlungen zu untersuchen. Da diese Praktiken (einschliesslich Hören, Tanzen, Teilen digitaler Links etc.) soziale Aktivitäten sind, haben sie das Potenzial, Geflüchtete bei der Überwindung ihrer Umsiedlungsfolgen, Entfremdung, Einsamkeit, Heimwehgefühle, Leere und Verzweiflung zu unterstützen und dem Individuum die (Wieder-) Herstellung sozialer Beziehungen zu ermöglichen. Zahlreiche Studien zu Gruppen von Migranten/-innen, Geflüchteten und Minderheiten haben gezeigt, dass kulturelle Kontinuität für das soziale Wohlbefinden eines Individuums entscheidend ist (Berry 2005). Dieses Projekt geht deshalb den Selbstwahrnehmungen von Identitäten nach, die einerseits aus den musikalischen Praktiken entstehen und andererseits die für das Wohlbefinden notwendigen sozio-musikalischen Netzwerke erhalten, beeinflussen oder neu schaffen.
«Mobile Identitäten» untersucht die Rolle der populären Musik bei der individuellen Sinnproduktion und bei der Entstehung neuer Gemeinschaften und sozio-musikalischer Praktiken sowie die Wirkung von Medien und Migration auf die Prozesse der sozialen Imagination als konstitutives Merkmal der modernen Subjektivität. Basierend auf qualitativen, halbstrukturierten Befragungen mit etwa zehn jungen Erwachsenen – vor allem aus Afghanistan und Syrien – wird das Projekt Aufschluss darüber geben, wie Geflüchtete musikalisch aktiv sind und welche Identitäten zum Ausdruck kommen. Aus der konzeptionellen Sicht des «Musicking» soll die Bedeutung von Migration für die entstehenden mobilen Identitäten erfasst werden.
Das Projekt basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Luzerner Non-Profit-Organisation «Education for Integration».