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Datierung
ca. 1970
Bildmasse
100 x 100 cm
Technik/Material
Acryl auf Leinwand
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Bruno Bischofberger
Inv.-Nr.
SK02012
Ohne Titel
Olivier Mosset (1944, Bern, CH) ist einer der wichtigsten international anerkannten Schweizer Gegenwartskünstler und unter den Vertretern der sogenannten Neuen Geometrie auch einer der unkonventionellsten. 1962 unterbrach Mosset seine Schulzeit am Gymnasium in Neuchâtel und hielt sich für rund ein Jahr in Paris auf, wo er zeitweise Jean Tinguely assistierte. Nach der Matura in der Schweiz kehrte er 1965 nach Paris zurück, kam rasch in Kontakt mit den politisch agierenden Nouveaux Réalistes und gründete 1966 mit Daniel Buren, Michel Parmentier und Niele Toroni die nach ihren Initialen benannte Künstlergruppe BMPT. Ihre 1967 organisierte gemeinsame Ausstellung im Salon de la Jeune Peinture rief einen Skandal hervor: Anstatt Kunst zu präsentieren, hatte die Gruppe kurzerhand ein Banner mit der Aufschrift «Buren, Mosset, Parmentier, Toroni n’exposent pas» montiert. Die Strategie, die Erwartungshaltung an die Kunst, den Zwang zur Originalität und steten Neuproduktion zu unterwandern, hatte Mosset bereits ab 1966 mit seiner Bildreihe «Ohne Titel» aufgenommen. Im Zeitraum von sechs Jahren wiederholte er «Ohne Titel» rund 200-mal, in exakt derselben Form, derselben Technik und denselben Massen. «Ohne Titel» von 1968 unterscheidet sich, mit dem mittig ins weisse Bildgeviert gesetzten schwarzen Kreisring, in keiner Weise von den übrigen Werken der Reihe: Jedes ist ein vom Künstler handgefertigtes Original, aber keines ist einmalig.
1968 trennte sich Mosset von BMPT, blieb jedoch weiterhin in Paris wohnhaft und wandte sich ab 1972 mit horizontalen und vertikalen Streifenbildern der Interaktion der Farben zu. 1977 verlegte er seinen Wohnsitz nach New York und begann, sich im Kreis der Vertreter des Radical Painting um Marcia Hafif mit der Monochromie auseinanderzusetzen. Im Gegensatz zu Hafif oder zu Joseph Marioni jedoch trat Mosset vollständig hinter seiner Malerei zurück; er verzichtete auf den Nachweis einer malerischen Handlung und behielt den entpersönlichten Farbauftrag der vorherigen Werkphasen konsequent bei. So gibt auch «Ohne Titel» von 1998 keinerlei Hinweis auf eine künstlerische Handschrift. Das Bild zeigt nichts als eine flächig grün bemalte quadratische Leinwand. Ob Mosset das Format oder die Farbe wechselt, etwa zu Silber und Gold greift, seine Monochromie bleibt stets bedeutungsfrei. Weder ideologisch noch metaphorisch aufgeladen, ist sie nichts anderes als die zur Darstellung gebrachte pure Evidenz der Farbe.
Hatte Mosset mit den drei genannten Werkphasen bereits Kunstgeschichte geschrieben, wurde er, 1985 zur Geometrie zurückkehrend, zu einem führenden Protagonisten der Neuen Geometrie. Der Aufbruchsstimmung der 1960/1970er Jahre vergleichbar, ist Neo-Geo Ausdruck eines Lebensgefühls. Mit ihrem Mix aus «High and Low», aus Trash und Rückgriffen auf die klassische Moderne, hat die Bewegung bis heute nichts an Aktualität eingebüsst, sondern entwickelte sich – Manifestation des Zeitgeistes – zu einer der vielen unterschiedlichen Positionen der Postmoderne.
Elisabeth Grossmann