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Feuerthalen – ein Ort mit einer ganz besonderen Geschichte
Feuerthalen ist die nördlichste Gemeinde des Kantons Zürich und gleichzeitig der Schaffhauser Vorort am Südufer des Rheins. Das führt zu einer ganz speziellen Ortsgeschichte, geprägt durch die Randlage und die Nähe zur Munotstadt.
In der drei Bände umfassenden «Geschichte des Kantons Zürich» wird die Gemeinde Feuerthalen ganze zwei Mal erwähnt. In der etwa gleich grossen «Kantonsgeschichte Schaffhausen des 19. und 20. Jahrhunderts» sind im Register allein sieben Zeilen nötig, um alle Erwähnungen Feuerthalens aufzulisten. Es besteht kein Zweifel: Die historischen und aktuellen Verbindungen von Feuerthalen zu Schaffhausen sind deutlich intensiver als diejenigen zum Kanton Zürich. Und doch ist Feuerthalen eine Zürcher Gemeinde.
Feuerthalen – der südliche Schaffhauser Brückenkopf
Bereits die erste urkundliche Erwähnung von 1318 macht die enge Verbindung von Feuerthalen zur Stadt Schaffhausen deutlich. «Furtal am Rine» heisst es in der besagten Urkunde. Der Name erinnert an eine Furt, also an eine seichte Stelle, über die man im Mittelalter den Rhein bei niedrigem Wasserstand durchqueren konnte. Eine solche Furt soll es bei Feuerthalen gegeben haben. Spätestens ab 1259 führte jedoch eine Holzbrücke über den Rhein. Mit der Erwähnung in der Urkunde verweist die Stadt Schaffhausen, die bereits damals alle Rechte am Rhein und an der Brücke besass, auf ihren südlichen Brückenkopf.
Gewerbliche und handwerkliche Orientierung
Ein eigentliches Dorf war Feuerthalen damals noch nicht. Drei Höfe haben sich in jener Zeit um den Brückenkopf gruppiert. Es waren vermutlich kleine Höfe, denn Feuerthalen war im Vergleich mit umliegenden Dörfern für die Landwirtschaft nicht optimal geeignet. Die recht steilen topographischen Verhältnisse machten das Leben der Bauern beschwerlich. Tatsächlich verschwanden die Bauernhöfe auch verhältnismässig rasch aus Feuerthalen.
Langwiesen – eine alamannische Siedlung
Langwiesen ist deutlich älter als Feuerthalen. Die Siedlung tauchte 876 das erste Mal in einer Urkunde auf. Gegründet wurde sie durch alamannische Bauern, die nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches den Rhein überquerten. Viele Jahrhunderte war Langwiesen grösser als Feuerthalen, denn hier trafen die mittelalterlichen Bauern auf bessere Verhältnisse. Erst ab dem späteren 17. Jahrhundert überstieg die Bevölkerungszahl von Feuerthalen diejenige von Langwiesen.
Die Kirche formt die Gemeinde
Ab 1675 bildeten Feuerthalen und Langwiesen eine eigenständige Kirchgemeinde. Damit waren die Grenzen der späteren politischen Gemeinde Feuerthalen vorgespurt. Die politische Gemeinde Feuerthalen entstand 1798 im Rahmen der Helvetischen Republik. Für die Gemeindebildung wurden die Grenzen der Kirchgemeinde übernommen.
Feuerthaler Aufschwung
Feuerthalen musste mit anspruchsvollen Rahmenbedingungen fertig werden. Die Natur verhinderte eine blühende Landwirtschaft. Die Stadt Schaffhausen achtete peinlich auf ihr städtisches Monopol auf Markt und Handwerk, obwohl Feuerthalen 1538 und 1690 das Marktrecht zugesprochen erhielt. Selbst den Rhein konnten die Feuerthaler nicht wirtschaftlich nutzen, da auch hier alle Rechte bei der Stadt Schaffhausen waren. Also mussten die Feuerthaler geschickt gewerbliche und handwerkliche Nischen besetzen. Das taten sie erfolgreich und ab dem 17. Jahrhundert siedelten sich sogar erste Industriebetriebe in Feuerthalen an.
Ein Teil des Schaffhauser Wirtschaftsraumes
Als sich nach 1798 die Gewerbefreiheit durchzusetzen begann und sich Schaffhausen zu einem industriellen Zentrum entwickelte, erblühte auch Feuerthalen. Feuerthalen wuchs rasch mit dem Schaffhauser Wirtschaftsraum zusammen. Die Gemeinde wurde zum Wohnort vieler Schaffhauser Industriearbeiter. Gleichzeitig etablierte sich eine vielfältige Gewerbestruktur. Die Entwicklung Feuerthalens verlief auch im 20. Jahrhundert weitgehend kongruent mit derjenigen Schaffhausens: In wirtschaftlich Blüteperioden wuchs auch Feuerthalen kräftig, während es in Krisenzeiten stagnierte. Bis heute ist die Gemeinde stark mit der Stadt Schaffhausen verbunden, profitiert jedoch auch kräftig von seiner Zugehörigkeit zum wirtschaftlich starken Kanton Zürich.