Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/800

Griechenland steht vor der Pleite, die Regierung will kein Geld an den IWF zahlen. Damit befindet sich Athen in guter Gesellschaft: Immer wieder bedienten Länder in der Vergangenheit Kredite nicht.
Mit dem Auslaufen des Hilfsprogramms für Griechenland droht Athen die Staatspleite. Bis Dienstag Mitternacht Washingtoner Zeit müsste Griechenland dem Internationalen Währungsfonds (IWF) 1,54 Milliarden Euro überweisen. Sollte das Geld nicht eingehen, wäre Griechenland das erste entwickelte Land, das seine IWF-Schulden nicht pünktlich zahlt.
Viel tun dagegen kann IWF-Chefin Christine Lagarde allerdings nicht. «Der IWF hat keine Sanktionsmöglichkeiten für einen solchen Fall», heisst es. Grundsätzlich ist eine Staatspleite jedoch alles andere als selten: Fast alle Länder waren schon einmal bankrott, viele sogar mehrmals. Meistens waren Kriege schuld. Ein Blick in die Geschichte:
Vier Schuldenschnitte für Deutschland
Griechenland war schon viermal bankrott. Im Prinzip war das Land schon 1827 pleite, also vor der Staatsgründung 1830. Es folgte ein zweiter Bankrott 1843. 1893 hiess es erneut: «Leider sind wir bankrott.» Die Weltmarktpreise für Korinthen waren eingebrochen, die Weintrauben waren Griechenlands wichtigstes Exportgut. Als Folge der Weltwirtschaftskrise 1929 war Griechenland 1932 dann zum vierten Mal pleite.
Deutschland war nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg faktisch pleite. Ähnlich wie bei Griechenland geährten die Gläubiger viermal massive Schuldenschnitte: 1924, 1929, 1932 und 1953. Vor 62 Jahren handelte die Regierung von Kanzler Konrad Adenauer mit 20 Staaten das Londoner Schuldenabkommen aus.
Spektakuläre Staatspleiten von Island und Argentinien
Der Ökonom Albrecht Ritschl, der an der renommierten Londoner LSE Wirtschaftsgeschichte unterrichtet, rechnet vor, Deutschland sei nach dem zweiten Weltkrieg eine Schuldenlast gestrichen worden, die rund das Vierfache des Bruttoinlandprodukts von 1950 betragen habe. Erst diese Erleichterung habe die Basis gelegt für das kräftige Wachstum der Nachkriegsjahre.
Auch in jüngerer Zeit gab es spektakuläre Staatspleiten: Island war 2008 als Folge der Lehman-Krise praktisch bankrott. Argentinien war 2001/2002 pleite. Die Währung wurde drastisch abgewertet, das Bankensystem fiel ins Chaos, das Bruttoinlandprodukt sank um 20 Prozent. In den Folgejahren aber brummte die Wirtschaft wieder.
Die Pleiten der Grossen
Selbst grosse und mächtige Länder blieben von Pleiten nicht verschont. König Edward III. von England konnte 1345 seine im Hundertjährigen Krieg entstandenen Schulden nicht zurückzahlen.
In China kam es 1425 zur ersten Staatspleite, weitere folgten 1921 und 1939. Spanien war im 16. Jahrhundert gleich dreimal pleite. Am Vorabend der Französischen Revolution ist Frankreich unter König Ludwig XVI. faktisch zahlungsunfähig. Österreich war 1811 bankrott, Dänemark zwei Jahre später. Der moderne Bundesstaat Schweiz war hingegen nie pleite.
(sda/ise/moh)