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Vorgeschichte
Der eigentlichen Gründung der SGOA am 4. Februar 1977 gingen verschiedene Initiativen voraus, die die altorientalistische Forschung in der Schweiz zu koordinieren und intensivieren versuchten.
Altorientalistische Tagungen in Zürich
Ein erster Versuch, ein Forum für Alttestamentler und Altorientalisten zu schaffen, ging von Hans Heinrich Schmid aus, der damals Assistent in Zürich bei Prof. Victor Maag war. Er lud für den 22. Mai 1965 nach Zürich zu einer Tagung ein, die hauptsächlich dem informellen Austausch dienen sollte, an der aber doch Prof. Walter Baumgartner (Basel) über „Die römisch-katholische Forschung seit 1900“ sprach. Ähnliche Anlässe fanden in der Folge in Zürich noch mehrere statt.
Gründung der Reihe ORBIS BIBLICUS ET ORIENTALIS
Als Initiative im eingangs genannten Sinne kann auch die Gründung der Reihe ORBIS BIBLICUS ET ORIENTALIS im Jahre 1973 angeführt werden, die im Auftrag des Biblischen Instituts der Universität Fribourg herausgegeben wurde und deren alttestamentlich-altorientalistischen Teil Othmar Keel betreute. Die Reihe umfasste bis Band 50 auch neutestamentliche Arbeiten. Ab 1986 wurden diese von einer neu geschaffenen Reihe, NOVUM TESTAMENTUM ET ORBIS ANTIQUUS, übernommen, deren Herausgeber Max Küchler wurde. Die Reihe OBO wurde ab Band 51 (1986) auch im Auftrag der SGOA herausgegeben und so zum wissenschaftlichen Organ dieser Institution. Zahlreiche ihrer Mitglieder haben in der Folge in dieser Reihe publiziert. Auch die Vorträge zahlreicher SGOA-Tagungen haben seither Aufnahme in die Reihe gefunden.
Die Tagung vom 6. Februar 1975 in Fribourg
Auf den 6. Februar 1975 lud Othmar Keel, damals Assistenzprofessor, im Auftrag der alttestamentlichen Abteilung des Biblischen Instituts der Universität Fribourg zu einer Tagung ein, die sich zusätzlich zu den Alttestamentlern und Altorientalisten auch an Ägyptologen richtete. Folgende Referate wurden gehalten: Françoise Bruschweiler (Genève), „Le thème de Dumuzi dans les textes mésopotamiens“; Erik Hornung (Basel), „Die Arbeit des Basler Ägyptologischen Seminars an den thebanischen Königsgräbern“; Georg Walser (Bern), „Achämeniden-Forschungen. Forschunsgbericht und Forschungsvorhaben“; Hans Heinrich Schmid (damals Bethel bei Bielefeld), „Das alttestamentliche Verständnis von Geschichte in seinem Verhältnis zum gemeinorientalischen Denken“. Zum Abschluss der Tagung wurde folgende Möglichkeit angeboten: „Kurzinformationen; Diskussion über die wissenschafts-politische Situation unseres Fachbereichs; Situation der Museen und Sammlungen; Bibliotheksverhältnisse; Ausbauwünsche und Möglichkeiten; ähnliche Tagungen“. Die rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschlossen als Konsequenzen dieser Aussprache, dass Fribourg dank seiner Lage zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz weitere solche Tagungen durchführen möge. Es wurde weiter ein Gremium bestimmt, das diese organisieren und generell die Interessen der betroffenen Fachgebiete gegen aussen vertreten soll. Diesem Gremium gehörten folgende Professoren an: Peter Frei (Zürich), Erik Hornung (Basel), Othmar Keel (Fribourg), Philippe Reymond (Lausanne / Genf) und Johann Jakob Stamm (Bern). Das Gremium hatte den Auftrag, die Gründung einer Schweizerischen Gesellschaft für Orientalische Altertumswissenschaft vorzubereiten. Es hielt vier Monate später, am 21. Juni 1975, in Fribourg eine Sitzung ab, in der Peter Frei zum Vorsitzenden gewählt wurde. Man beschloss, einen Statutenentwurf zu erarbeiten, in dessen Zweckparagraphen die Ziele der Gesellschaft formuliert werden sollten. Sie sollte Möglichkeiten zu gegenseitigem Austausch, wie ihn die Tagung von 1975 in Fribourg geboten hatte, institutionalisieren und deren Kontinuität gewährleisten. Sie sollte eine Institution werden, die die Interessen der Orientalistik in der Schweizer Hochschul- und Museums-Landschaft vertreten kann. Um diese Vertretung optimal wahrnehmen zu können. sollte sie sich bemühen, sobald wie möglich Mitglied der „Schweizerischen Akademie der Geisteswissenschaften“ zu werden, was auch aus finanziellen Gründen wichtig war. Endlich sollte sie eine Institution werden, die die Anliegen der Schweizer Orientalistik gegenüber ähnlichen ausländischen wissenschaftlichen Organisationen und unter Umständen auch ausländischen archäologischen Diensten gegenüber vertritt.
Gemeinsamkeiten dieser vorgängigen Initiativen
Den verschiedenen Inititiativen, die der Gründung der SGOA vorangingen, war gemeinsam, dass sie, soweit Bibelwissenschaftler daran beteiligt waren, selbstverständlich ökumenisch waren und keinen Unterschied zwischen Protestanten und Katholiken machten; und dass sie die alttestamentliche Wissenschaft, die Altorientalistik im weitesten Sinne und die Ägyptologie um einen Tisch versammelten. Nebst der interdisziplinären Ausrichtung der Initianten machte dieses Vorgehen aus der Not eine Tugend: Die Schweiz war einfach zu klein, um wie in Frankreich oder Deutschland solche Initiativen auf Fächer wie Ägyptologie oder Assyriologie zu beschränken.
Gründung der SGOA
Gründungsversammlung
Im Auftrag dieses Gremiums lud Othmar Keel auf den 4. Februar 1977 die Altorientalisten, Ägyptologen und Alttestamentler der Schweiz zur Gründungsversammlung der SGOA ein. Das Programm umfasste drei wissenschaftliche Vorträge und die eigentliche Gründungsversammlung. Damit sollte signalisiert werden, dass das Organisatorische auf das unverzichtbare Minimum zu beschränken sei. Die Auswahl der Referenten war ebenfalls programmatisch: zwei Schweizer und ein Ausländer. Prof. Charles Maystre (Genève) sprach über seine Grabungen im Sudan unter dem Titel „Quelques données nouvelles sur les royaumes soudanais de Kerma et de Méroë“, Dr. Michel Sguaitamatti (Zürich) referierte über „Die altorientalischen und altägyptischen Bestände der Sammlung des archäologischen Instituts der Universität Zürich“ und der schon damals weltbekannte Prof. Giovanni Pettinato (Rom) sprach über „Die Textfunde vom Tell Mardich (Ebla) und das Eblaitische“.
Prof. Peter Frei (Zürich) präsidierte die eigentliche Gründungsversammlung. Die über 70 Anwesenden beschlossen einstimmig die Gründung des Vereins. Sie nahmen nach einigen kleineren Modifikationen auch den Statutenentwurf an. Anschliessend wurde der Vorstand bestimmt. Als Gründungspräsident wurde Othmar Keel, Fribourg, gewählt, im Übrigen sollte sich der Vorstand in seiner ersten Sitzung selber konstituieren. Gewählt wurden als weitere Mitglieder Françoise Brüschweiler (Genève); Erik Hornung (Basel); Albert de Pury (Neuchâtel); Philippe Reymond (Lausanne); Hans Heinrich Schmid (Zürich) und Rolf Stucky (Bern). Alle Universitäten, an denen mindestens eines der beteiligten Fächer gelehrt wurde, sollten im Vorstand vertreten sein. Hauptaufgabe des Vorstands war es, jährlich mindestens drei Veranstaltungen zu organisieren, die reihum ein alttestamentliches, ein altorientalistisches und ein ägyptologisches Thema behandeln sollten, wenn möglich interdisziplinär.
Die Tagung vom 4. Februar 1977 kostete übrigens inklusive Spesen und Honorar von Prof. Pettinato Fr. 1332.10.
In ihren Anfängen wurde in der SGOA mehrmals diskutiert, ob sie eine eigene wissenschaftliche Zeitschrift herausgeben sollte. Angesichts der Vielzahl bereits existierender Zeitschriften dieser Art und angesichts des grossen und zeitlich determinierten Arbeitsaufwands, den eine solche Zeitschrift bedeutet hätte, wurde darauf verzichtet. Der Präsident verpflichtete sich aber, zweimal im Jahr für die damals ca. 100 Mitglieder einen Rundbrief zu verfassen bzw. zu redigieren und an diese zu verschicken. Im Rundbrief sollte vor allem über erfolgte Tagungen Bericht erstattet, auf neue Veröffentlichungen hingewiesen und dabei besonders auf die Anzeige neuer OBO-Bände Wert gelegt werden sollte. Die Mitglieder konnten diese (und können sie bis heute) mit Rabatt beziehen. Auch auf thematisch einschlägige Museums-Ausstellungen sollte hingewiesen werden.
Erste Vorstandsitzung der SGOA
Am 8. Juni 1977 wurde ebenfalls in Fribourg die erste Vorstandssitzung abgehalten. In dieser konstituierte sich der Vorstand, indem er Albert de Pury als Vizepräsidenten und Aktuar und Hans Heinrich Schmid als Kassier wählte. Die übrigen Mitglieder amteten als Beisitzer. Weiter wurde beschlossen, dass erstens alles unternommen werden müsse, damit in der Schweiz je ein Lehrstuhl für Vorderasiatische Archäologie und einer für Philologie (Assyriologie) geschaffen würde, und zweitens ein Orient-Museum entstehen müsse. Als eine der Früchte dieser frühen Zielsetzung kann die heutige Abteilung Vorderasiatische Archäologie am Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern gelten, als eine zweite Frucht das BIBEL+ORIENT Museum an der Universität Fribourg. Beide Institutionen sind nicht so grosszügig ausgestattet realisiert worden wie sie geplant waren, aber die SGOA hat in ihren ersten 40 Jahren doch einiges erreicht.
Fortsetzung
Die ersten drei Präsidenten waren Othmar Keel, Fribourg (1977–1985), Albert de Pury, Genève (1985–1993) und Christoph Uehlinger, Fribourg (1993–2003). Keel redigierte die Rundbriefe Nr. 1–19, de Pury die Nr. 20–33, Uehlinger die Nr. 34–50. Unter Uehlinger wurde der Rundbrief so umfangreich und professionell, dass man fast von einer Zeitschrift sprechen könnte. In den folgenden Jahren ist das Engagement der Präsidenten für den Rundbrief stark zurückgegangen. Der wichtigste Grund war der Aufschwung des Internets mit seinen neuen Kommunikationsmöglichkeiten.
Der 10. Jahrestag der Gründung der SGOA wurde im Juni 1987 auf dem Landgut Erlenbach über dem Bieler See begangen, der 20. am 29. November 1997 im Rahmen des Internationalen Symposium “Images as mass media and sources for the cultural and religious history of the eastern Mediterranean and the Near East in the first millennium BCE” an der Universität Fribourg. Den Abschlussvortrag hielt Hans Heinrich Schmid, damals Rektor der Universität Zürich, zur Stellung der orientalischen Altertumswissenschaften in der Schweizer Hochschullandschaft. Wenige Jahre später (2003) wurde ein Präsident der SGOA, Antonio Loprieno, seinerseits Rektor, nun der Universität Basel. Er übergab das Präsidium 2006 an seine Kollegin Susanne Bickel, womit die SGOA erstmals eine Präsidentin bekam und damit endgültig in der Gegenwart angekommen war.
Othmar Keel und Christoph Uehlinger, Fribourg im Februar 2017