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Der Störmetzger kam mit dem Velo. Im Rucksack hatte er seine Messer und das Bolzenschussgerät.
Sie besitzt die beiden Geissen seit dem letzten Jahr. Sie hat ihnen Namen von Queer-Theoretikerinnen gegeben. Aus der Milch macht sie Frischkäse nach einem Bergeller Rezept, Sauermilch und Jogurt. Ausserdem betreut sie siebzehn Milchkühe, bringt sie auf die Weide und holt sie wieder, melkt, mistet, mäht, emdet, siliert, erntet Kirschen und Zwetschgen und Äpfel, schneidet im Winter die Hochstammbäume. Im Herbst hat sie die Geissen zu einem Bock gebracht. Im Frühling bekamen sie vier Gitzi, die sich drei Monate lang auf der Weide austoben konnten. Eins hat sie behalten, eins verkauft. Für die anderen beiden, zwei Böcke, kam der Störmetzger.
Jahrelang hat sie kein Fleisch gegessen. Sie war in der Stadt, im Ausland, hat studiert. Jetzt ist sie auf dem Hof ihrer Eltern eingestiegen, um später hier ein eigenes Projekt zu gründen. Zum ersten Mal hat sie die ganze Verantwortung für Tiere, von der Geburt bis zum Tod.
Der Störmetzger erschoss die beiden Böcklein vor der Stalltür. Sie wussten von nichts. Er hat ihnen vor Ort den Kopf abgeschnitten, sie gehäutet und ausgenommen. So zu schlachten, findet sie vertretbar, sagt sie. Aber es ist nur noch erlaubt für den Eigenbedarf. Sie darf das Fleisch nicht verkaufen.
Ich habe ein halbes Kilo Voressen mitgenommen, mit Knochen. Ich habe es kurz angebraten mit Zwiebeln, dann zwei Esslöffel Honig dazugegeben, etwas Zimt und Gelbwurz, ein paar Nelken, je einen Zweig Ysop und Rosmarin, das Fleisch mit Bouillon bedeckt und etwa fünfzig Minuten kochen lassen. Während des Kochens warf ich auch noch ein halbes Kilo entsteinte Zwetschgen hinein, sie stammen vom gleichen Hof wie das Gitzi. Am Ende schmeckte es wie Weihnachten.
Die Sauce war gut, aber wirklich beeindruckend war das Fleisch. Ich weiss nicht, ob ich jemals so aromatisches, würziges Fleisch gegessen habe. Obwohl ich, wenn überhaupt, nur Biofleisch esse. An der Weide allein kann es also nicht liegen. Ich glaube, es liegt am Störmetzger.
Abends um neun machen wir einen Kontrollgang durch den Stall. Die Braunkühe liegen an ihren Plätzen, kauen wieder oder dösen, manche scheinen zu träumen. Es ist warm und friedlich, und ich habe dieses Gefühl, das ich meinen veganen FreundInnen nicht erklären kann: dass es gut ist, mit Tieren zu leben. Dass es zumindest gut sein kann; natürlich kommt es auf die Haltung an. Und zum Leben mit den Tieren gehört das Töten, ohne Kalb gibt die Kuh keine Milch, und jedes zweite Kalb ist ein Stier und wird früher oder später geschlachtet.
Aber ich war auch nicht dabei beim Erschiessen der Gitzi.
Bettina Dyttrich ist WOZ-Redaktorin und lebt in Winterthur.