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Amöbiasis Indikationen Infektionskrankheiten Protozoen / GastroenteritisAmöbiasis ist eine Infektionskrankheit die durch den Protozoon Entamoeba histolytica verursacht wird und zu blutig-schleimigen Durchfällen oder einem Leberabszess führen kann. Es zeigen jedoch nur 10-20% der Infizierten Symptome. Übertragen wird die Krankheit durch kontaminierte Lebensmittel, Trinkwasser und anal-orale Sexualpraktiken. Die Therapie erfolgt mit Nitroimidazolen und einer Nachbehandlung mit Paromomycin.Symptome
Die nicht-invasive Form ist häufig asymptomatisch. Sie kann zu Durchfällen führen, evt. im Wechsel mit Verstopfung. Bei einer invasiven Erkrankung wird die Darmschleimhaut mit Trophozoiten und Zysten befallen. Bei der so genannten Amöbiasis intestinalis treten starker Durchfall, Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, blutig-schleimiger Stuhl, Fieber und Schüttelfrost auf. Die Amöbiasis hepatica (Leberabszess) äussert sich in hohem Fieber und starken Schmerzen im rechten Oberbauch.
Die Inkubationszeit ist variabel und beträgt meist 2-4 Wochen. Die Dauer der infektiösen Phase liegt bei 1-2 Jahren. Die Erkrankung kann auch noch Monate oder Jahre nach einer Exposition ausbrechen. Von einer extraintestinalen Erkrankung wird gesprochen, wenn die Trophozoiten die Leber, das Hirn oder die Lunge befallen. In diesem Stadium sind keine Amöben mehr im Stuhl nachweisbar.
Amoebiasis ist die dritthäufigste Todesursache unter den parasitären Infektionskrankheiten. Sie tritt in tropischen Gebieten und Regionen mit schlechten sanitären Einrichtungen gehäuft auf. In der Schweiz sind vor allem Reisende und Immigranten betroffen.Ursachen
Ursache der Erkrankung ist eine Infektion mit Entamoeba histolytica, einem anaeroben Protozoon.Übertragung
Mögliche Übertragungswege:
- Fäkal-orale Übertragung
- Kontaminierte Lebensmittel oder Trinkwasser
- Übertragung von Mensch zu Mensch durch Zysten
- Sexuelle Übertragung der Zysten und Trophozoiten bei anal-oralen Sexualpraktiken
1. Fäkale Ausscheidung von Trophozoiten und Zysten. Zysten kommen vor allem in normalem Stuhl vor, während Trophozoiten typischerweise in Durchfällen gefunden werden.
2. Orale Aufnahme von Zysten durch kontaminierte Lebensmittel, Trinkwasser oder Hände
3. Exzystation im Dünndarm, wodurch die Trophozoiten freigesetzt werden
4. Die Trophozoiten wandern in den Dickdarm, vermehren sich durch Zellteilung und produzieren Zysten. Einige Trophozoiten können invasiv werden und die Leber, die Lunge oder das Hirn befallen.
Die Zysten sind in der Umwelt über Wochen überlebensfähig und sind gegenüber Chlor meist resistent. Trophozoiten dagegen sterben ausserhalb des Körpers relativ rasch ab und werden bei oraler Aufnahme durch die Magensäure zerstört. Zysten können durch Fliegen von Fäkalien auf Lebensmittel übertragen werden.Komplikationen
- Ulzerationen, evt. mit Darmperforationen und Entzündung des Bauchfells
- Toxisches Megakolon (Erweiterung des Dickdarms)
- Leberabszess; seltener auch Abszesse in anderen Organen, z.B. Lunge und Hirn
- Bei Hirnbeteiligung: Meningitis
- Entstehung eines durch Amöben hervorgerufenen Tumors (Amöbom)
- Dickdarmentzündung
- Schlechte hygienische Bedingungen; besonders schlechte sanitäre Einrichtungen und schlechte Trinkwasserversorgung
- Homosexualität bei Männern
Die Diagnose erfolgt beim Arzt. Bei Patienten mit blutig-schleimigem Durchfall muss auch an eine Infektion mit Entamoeba histolytica gedacht werden.Differentialdiagnose
Amöben sind die Ursache von 3-5% der vermeintlichen Fälle von Reisediarrhoe
- Infektion mit apathogenen Amöben
- Morbus Crohn
- Colitis ulcerosa
- Diverticulitis
- Entzündung des Wurmfortsatzes
- Infektionen mit Salmonellen, Shigellen oder Campylobacter
Bei Leberbeteiligung:Nicht-medikamentöse Therapie
Bei grossen Leberabszessen (besonders im linken Leberlappen wegen der Gefahr einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) und Perforation: Entlastungspunktion oder Drainage.Medikamentöse Therapie
Asymptomatische Patienten werden mit Paromomycin behandelt, um die Ausbreitung der Krankheit und die Entwicklung einer invasiven Form zu verhindern. Bei symptomatischen Patienten wird zuerst ein Nitroimidazol verabreicht und anschliessend eine Nachbehandlung mit Paromomycin durchgeführt, da dieses gegenüber Zysten besser wirksam ist als die Nitroimidazole, welche gegen Amöben im Darmlumen nur teilweise wirksam sind.
Weitere:
Clioquinol ist amöbizid und wurde zwischen 1950 und 1970 zur Behandlung der Amöbiasis eingesetzt. Da die Einnahme zu einem neuropathischen Syndrom führen kann, wird es heute nicht mehr angewendet.Vorbeugung
- Häufiges, gründliches Händewaschen mit Seife
- Gemüse sorgfältig waschen und schälen
- Vermeiden von anal-oralen Sexualpraktiken
In Risikogebieten:
- Nur aufbereitetes Wasser trinken: Abkochen oder Filtration UND anschliessende Desinfektion mit Iod. Eine Desinfektion mit Chlor ist nicht absolut zuverlässig.
- Keine Getränke mit Eiswürfeln konsumieren.
- Verzicht auf Früchte und Gemüse, das nicht selbstständig geschält wurde (Vorsicht bei rohem Gemüse).
- Verzicht auf Milch und Käse, wenn eine Pasteurisierung nicht gesichert ist
- Verzicht auf Lebensmittel, die auf dem Markt verkauft werden.
- Centers for Disease Control and Prevention: http://www.cdc.gov/index.htm
- Richtlinien zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten. Bundesamt für Gesundheit Abteilung Epidemiologie und Infektionskrankheiten, 1996
- Infektionsnetz Österreich: http://www.infektionsnetz.at
- Markwalder K. Therapie parasitärer Infektionen: Teil 1. Schweiz Med Forum, 2004, 4, 785-791
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG): Diagnostik und Therapie der Amöbenruhr. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 042/002
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG): Diagnostik und Therapie des Amöbenleberabszesses. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 042/003
- Gross U. Kurzlehrbuch medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 2006
- Pritt B.S., Clark C.G. Amebiasis. Mayo Clin Proc, 2008, 83(10), 1154-9 Pubmed
- Van Hal S.J. et al. Amoebiasis: current status in Australia. Med J Aust., 2007, 186(8), 412-6 Pubmed
- Stanley S.L. Jr. Amoebiasis. Lancet, 2003, 361(9362), 1025-34 Pubmed
- Stanley S.L. Pathophysiology of amoebiasis. Trends Parasitol., 2001, 17(6), 280-5 Pubmed
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Die Autorin (MW) hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Review: AV