Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03143.jsonl.gz/327

Es ist bereits mehr als 100 Jahre her, seit das längste Autorennen der Welt gestartet wurde. Dazu machten sich sechs verwegene Mannschaften auf den Weg, um die Strecke von New York nach Paris zurückzulegen. Ganz vorne war ein deutscher Oberleutnant mit dabei.
Die Vorgeschichte des längsten Autorennens der Welt
Hans Koeppen, Offizier der Preußischen Armee, hat sich auf harte Gegner eingestellt und war dementsprechend vorbereitet. Im Februar 1908 nahm er jedoch an einem Kampf teil, welcher etwas mehr als soldatische Tugenden für den Sieg voraussetzte. Der Leutnant war zwar der erste im Ziel, konnte sich jedoch letztendlich nicht als Sieger feiern lassen.
Um 11.15 Uhr sammelte sich eine kaum überschaubare Menschenmenge am Times Square in Manhattan, um gespannt auf das Signal zum Losfahren zu warten. Es wehte ein eisiger Wind, welcher über den Platz fegte, als der Präsident des amerikanischen Automobilklubs die Fahrer fragte, ob sie bereit wären, um direkt danach den Startschuss abzufeuern
Zu diesem Zeitpunkt lag die Erfindung des Automobils gerade einmal 20 Jahre zurück, weshalb die Zuschauer nur eine vage Vorstellung davon hatten, worauf sich die Fahrer dabei einliessen. Die neuartigen „Benzinkutschen“ waren den Menschen fremd und das Strassenbild war geprägt von Pferdekutschen, welche die am häufigsten anzutreffende Fahrzeuggattung definierten.
Die Route des „Great Race“
In New York gestartet, sollte es von dort aus über den nordamerikanischen Kontinent gehen. Um genau zu sein über Chicago, San Francisco, Seattle und Alaska.
Als Landweg sollte die zugefrorene Beringstrasse genutzt werden, welche den Wechsel auf den asiatischen Kontinent ermöglichte. Später wurde dieser Abschnitt jedoch aus der Rute genommen: Zugunsten der Schiffspassage Richtung Westen. Die weiteren Etappenziele lauteten: Wladiwostok und Omsk. Weiter ging es bis nach Europa, in Moskau und St. Petersburg.
Ausserdem definierte Deutschlands Landeshauptstadt ein Etappenziel dieses Autorennens. Auch heute noch gilt die Rute als die weiteste Strecke, welche je in einer Rallye zurückgelegt wurde. Unterwegs mangelte es an Tankstellen, weshalb Depots genutzt werden sollten, welche von der Rennleitung angelegt wurden. Zeitweilig hatte das deutsche Team bis zu 600 Liter Kraftstoff gebunkert. Dafür dienten mitgenommene Tanks.
Die Teilnehmer
Nicht nur Deutsche und Amerikaner waren am Start. Das längste Autorennen der Welt beherbergte parallel noch vier weitere Teams. Diese besetzten folgende Fahrzeuge:
- Zust
- De Dion
- Sizaire-Naudin
Für letzteren Teilnehmer war das Rennen bereits am zweiten Tag vorbei.
Finden Sie günstige Markenreifen!
Grund dafür war das dichte Schneetreiben, weshalb sich die Insassen verirrt haben. Auch die Besatzung des Motobloc musste aufgeben. Grund dafür war dichter Schlamm in Iowa.
Das längste Autorennen der Welt: Wie die Amerikaner den Sieg holten
Dieses Wettrennen definiert ein gutes Beispiel für Wagemut und zeigt gleichzeitig auf, dass der Streit um das Reglement ebenso alt ist, wie der Motorsport selbst. Nach einem reparaturbedingten Stop hatten Koeppen, Knape und Maas den Wagen nach Seattle transportieren lassen. Und zwar mit der Eisenbahn. In seinem Reisetagebuch schrieb Koeppen, dass dies zuvor von der Rennleitung genehmigt wurde. Nur so war es für die Teilnehmer möglich, die Schiffspassage nach Wladiwostok zu erreichen. Letztendlich kam es jedoch dazu, dass den Deutschen im Nachhinein Straftage aufgebrummt wurden, weshalb die Amerikaner den Sieg einfuhren.
Der Protos
Das deutsche Trio nutzte ein 30 PS starkes Fabrikat, welches der Motorenfabrik Protos entsprungen war. Das Unternehmen stammte aus Berlin-Reinickendorf. Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten konnten die Deutschen von sich jedoch behaupten, eine Weltumrundung absolviert zu haben. Schliesslich mussten die Deutschen erst einmal zum Startpunkt kommen und somit nach New York reisen
Die Anreise wurde jedoch nicht mit einem Auto, sondern mit einem Schnelldampfer namens „Kaiserin Auguste Viktoria“ realisiert. Die ersten Etappen gestalteten einen Kampf mit dem Schnee, welcher im Nordosten der USA in Massen aufkam. Später liess der Schnee zwar nach, dafür machten ihnen technische Probleme zu schaffen. Aus dem Reisetagebuch von Koeppen geht dazu hervor, dass er am grossen Salzsee ein verdächtiges Krachen wahrgenommen habe, welches in der Nähe des Kardan zu verzeichnen war. Kurz darauf sei der Wagen auch schon zum Erliegen gekommen, so Koeppen in seinen Aufzeichnungen.
Reparaturen ohne Ende
Die unverzagten Insassen schraubten 48 Stunden am Wagen, um das längste Autorennen der Welt nicht aufgeben zu müssen. Es folgte ein Motorschaden, welcher nicht einmal vom deutschen Ingenieur Hans Knape behoben werden konnte. Das Trio entschied sich für den folgenschweren Transport mit der Eisenbahn.
Seinerzeit wurde der Protos für seine Zuverlässigkeit wertgeschätzt. Das dahintersteckende Unternehmen wurde im Jahr 1898 gegründet. Doch schon 10 Jahre später trat Gründer Alfred Sternberg die Firma an die Siemens-Schuckertwerke ab. Siemens-Schuckert liess es sich nicht nehmen, das Rallye-Auto zu übernehmen, stiftete es jedoch dem Deutschen Museum, welches sich in München befindet. Dort ist der Protos auch heute noch zu bestaunen.
Welche Probleme das längste Autorennen der Welt bereithielt
Damit Koeppen und sein Team nicht dasselbe Schicksal wie die Motobloc-Besatzung in Kauf nehmen mussten, beschlossen sie, die aufgeweichte Tundra in den Weiten von Sibirien zu meiden. Sie distanzierten sich von den versumpften Wegen und fuhren stattdessen über die Trasse der Transsibirischen Eisenbahn. Zwar hat sich die Mannschaft mit dem Fahren auf den Schienen vor Schlamm schützen können, musste damit aber andere Risiken eingehen.
Der Protos hatte keine besondere Bodenfreiheit, wodurch das Fahrzeug stark belastet wurde. Zwar ist das Team sehr langsam und vorsichtig über die Schienen gefahren, jedoch wurde dabei ein Schwungrad beschädigt, welches nach unten herausragte. Die gesamte Wagenstruktur wurde durch das Holpern über Schienenschwellen in Mitleidenschaft gezogen.
Die Tagesetappen mussten dem Fahrplan der Züge angepasst werden. Das Eintakten war nötig, um die Schienen zu räumen, wenn ein Zug anrollte. Dabei kam es auf präzise Zeitplanung an, da die Mannschaften auch Brücken und Tunnels nutzten. Mit gebrochenen Vorfedern und geplatzter Pneumatik erreichten sie schliesslich Moskau.
Später wurde „The Great Race“ sogar von Hollywood verfilmt.