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EINLEITUNG.
Die Alten nehmen fünf unabhängige Gattungen der Poesie an: ἔπος, ἔλεγος, ἰαμβός, μελική, δρᾶμα.
Die Wurzel aller Poesie ist das Epos; aus ihm ist unter dem Einflusse der weichen und klagenden lydischen Tonart die Dichtungsart der Elegie hervorgegangen. So wird denn auch mit der fremden Sache der Name1) zu den Griechen gekommen sein. Die Gattung heisst o leyos (Ovid personificiert sie als Elegeïa, No. 21 v. 3), ein einzelnes Gedicht heyɛía oder và ἐλεγεῖα; τὸ ἐλεγεῖον ist meist nur ein einzelnes Verspaar.
Der Vers des Epos ist der Hexameter.
Durch Einsetzung von Pausen in den Hexameter entsteht etwas Weiches. So beruht auf dem Pentameter der sanfte Character der elegischen Strophe, welche zweizeilig (díótɩzos) durch den Hexameter und Pentameter gebildet wird. Das Distichon wird und bleibt die characteristische Strophenform der Elegie. Dass leyos ursprünglich etwas Trauriges bezeichnet, ist ausser Zweifel. Allein die Elegie erweitert allmählich ihre Grenzen über alles, was Gegenstand einer gemüthvollen Betrachtung werden kann d. h. über alles, worin sich os zeigt. Dadurch gewinnt sie eine grosse Mannichfaltigkeit an Stoffen, ohne ihres Characters sich zu entäussern.
Das os ist das materielle Princip der Elegie, wie das Distichon ihr formales.
Innerhalb dieser Grenzen lassen sich verschiedene Unterarten der Elegie unterscheiden: die politische, die gnomische, die threnetische, die erotische und die heroische oder epischet welche oft ins Lehrhafte streift. Doch fliessen diese Arten leich, in einander über, sodass eine Fülle von Mischarten sich bildet.
Wer der früheste Elegiker gewesen, wusste schon Horaz (de arte poet. 77. 78) nicht anzugeben; viele halten den Kallin os von Ephesus dafür, der um den Anfang der gezählten Olympiaden
1) Die Alten selbst freilich leiteten ihn von è leyɛ ab, einer in den ersten Liedern dieser Art wahrscheinlich wiederkehrenden Formel; (Neuere von ἐλελεῦ, oder von ἄλγος u. a.).
VOLZ, römische Elegie.
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Erhalten ist von ihm noch ein Fragment kriegerischen
Die wichtigsten Dichter der politischen Richtung sind Tyrtaeos von Athen, bekannt besonders durch seine un пolεμioτýiα. Dass jedoch auch seine Elegien, in denen er den Spartanern Gesetzlichkeit und Ordnung empfahl, von Wirkung gewesen, bezeugt Pausanias IIII c. 16 § 6 (p. 319): Дaxedαιuovíav δὲ ἐχόντων ἀθύμως μετὰ τὴν πληγὴν καὶ ὡρμηνένων καταθέσθαι τὸν πόλεμον, Τυρταῖος ἐλεγεῖα ᾄδων μετέπειθεν avtoús. Für Solon's Elegien ist der Mittelpunct seine eigne Staatsverfassung.
lebte. Inhalts.
Theognis von Megara in Sicilien repräsentiert die gnomische Elegie. Ihn bewegt der Gegensatz gegen die Demokraten seiner Heimat, die ihn vertrieben hatten, und den Verfall aristokratischer Sitte.
Simonides von Keos, auch als Epigrammatiker berühmt (das Epigramm ist eine Elegie en miniature), betrauert die Hinfälligkeit des Lebens.
Mimnermos von Kolophon vertritt die erotische Elegie. Er liebte ohne Glück; und zum Ausdruck solcher unglücklichen Liebe passt die Elegie vorzüglich. So gehört denn auch Philetas von Kos hierber.
Kallimachos von Kyrene endlich galt als Muster der fünften Art. Seine Altia wollten die Naturerscheinungen mythisch erklären.
In der alexandrinischen Zeit, welcher die beiden letzten Dichter schon angehören, wurde ein Kanon der Elegie entworfen, in welchen nur Kallinos, Mimnermos, Philetas und Kallimachos aufgenommen sind.
Von den Alexandrinern ist die Elegie nach Rom gekommen. Daher galten hier vor allen Kallimachos und Philetas als die Meister. Und diese sind es, auf welche sich die Studien der römischen Dichter richten. Schon Catull hat mehrere Gedichte des Kallimachos übersetzt, andre in originaler Weise, aber im Geiste seiner Muster gedichtet. Doch sind das nur Ansätze, welche nicht seinen dichterischen Character bestimmen.
Anders ist es mit Properz und Tibull, die sich beide ausschliesslich dieser neuen Gattung widmeten. Properz hat eine Neigung bei aller Glut der Leidenschaft die Weise der geistreichen Alexandriner, welche in Sprache und Darstellung das Seltene suchten, auf sich einwirken zu lassen; so wird er ein Vermittler zwischen der griechischen und römischen Kunst. Tibull dagegen, durchaus subjectiv in seiner Poesie, zeigt kaum noch Reminiscenzen.
So erreicht in diesen beiden die Elegie der Römer raschen Ganges ihre Höhe, während Ovid schon in seiner ungebundenen Weise vielfach die Linie der Vollendung überschreitet; selbst sein
Bestreben den Gedanken mit dem Distichon abzuschliessen, gibt dem Ausdruck etwas künstlich Zugespitztes, das zum Epigramm hinüberführt.
Von allen Dichtungsgattungen, welche die Römer von den Griechen überkommen haben, ist die Elegie die einzige, in der die hellenischen Meister von ihren römischen Schülern übertroffen sind.
Zeit und Ort freilich waren wie nie günstig, um eine so rasche und so herrliche Blüthe wie der Kunstpoesie überhaupt, so auch der römischen Elegie möglich zu machen.
Inter arma silent Musae. Augustus hatte der Welt den Frieden wiedergegeben, ein Glück, dem die frische Erinnerung an die Unsicherheit des Lebens und Besitzes während der Bürgerkriege bereiteste Anerkennung sicherte. Aber freilich war durch die Gründung des Principats für den Staat der Wille des Einzigen massgebend geworden. Eine politische Laufbahn im Sinne der republikanischen Zeiten gab es nicht mehr. Das Forum vertheilte nicht mehr unter allgemeiner Concurrenz Macht und Ansehn. Die besten Köpfe, welche sich so die alten Bahnen des Ruhmes verschlossen sahen, wandten sich der Literatur zu. Das bewirkte eine geistige Spannung in Rom wie nie zuvor, um so mehr, da schon in den letzten Zeiten der Republik die allgemeine Bildung die bedeutendste Steigerung erfahren hatte. So wurde das Publikum verständnissvoller und urtheilsfähiger.
Noch freilich standen sich gegenüber in der Literatur die Verehrer der alten patriotischen und volksmässigen Poesie eines Ennius und anderer, und die Jünger der Kunstpoesie, welche auf der Einwirkung und dem Studium des hellenischen Geistes beruhte. Allein musste nicht jene bei ihrer nationalen Einseitigkeit und formalen Härte, seitdem die Monarchie dem Römerthum einen universellen Character aufgeprägt hatte, als nur für vergangene Zeiten berechtigt erscheinen? Und dieser Streit war schon factisch entschieden mehr noch durch die völlige Unproductivität der Anhänger des Alten als durch die Bestrebungen eines Vergil und Horaz, welche von dem ewig jungen Geiste der Griechen sich genährt hatten: die Berechtigung der Kunstpoesie war im Urtheil der Einsichtigen erwiesen.
Dazu kam, dass die lateinische Sprache vornehmlich durch die grossen Redner der letzten Zeiten eine formale Vollendung erlangt hatte, welche auch der Poesie zu Gute kommen musste. Endlich bewährte sich auch das „,honos alit arles". Die neue Kunstpoesie erfuhr durch Augustus, der sich gelegentlich selbst an ihren Bestrebungen betheiligte, und dessen Freunde, wie Maecenas und Messala, indem sich dem geistigen auch ein politisches Interesse gesellte, eine Förderung und Auszeichnung, die nothwendig zu allgemeiner Anerkennung führte, und damit auch das starke Selbstgefühl der Dichter uns begreiflich macht.