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1944
C.A Loosli an Peter Surava,
Redaktor der „Nation“, 14. 9.
den 14. September 1944
Herrn Peter Surava
Redaktor der Nation
14. Effingerstrasse,
Bern
Verehrter Herr Surava, soeben wird mir vermeldet, das Kinderheim für jüdische Flüchtlingskinder in Speicher (Kt. Appenzell) weise ähnliche Zustände auf wie unser geliebter Sonnenberg ob Kriens.
Die Kinder würden, bei der geringsten Verfehlung oder Unachtsamkeit, voll bekleidet, Kopf voran, an den Beinen gehalten, in kaltes Wasser getaucht, – so ein Knabe, der bloss nicht schnurgerade ausgerichtet gewesen sei.
Während des ganzen letzten Winters seien bloss die vom Vorsteher bewohnten Räume geheizt gewesen. Die ärztliche Betreuung
sei so gut wie unvorhanden, so dass die geringste Verletzung schwere
Folgen zeitige. Viele müssten in Spitalbehandlung überführt werden.
Am 9. d.M. habe ein Knabe eines Abszesses wegen operiert werden müssen und der Arzt habe festgestellt, dass der Abszess von erlittenen Misshandlungen herrühre.
Mein Gewährsmann glaubt zu wissen, das Heim sei eine Gründung des Roten Kreuzes.
Haben Sie die Möglichkeit, hier eine Enquête einzuleiten?
Wenn nicht, darf ich Sie höflich bitten, mich unverzüglich davon zu verständigen, damit ich mich anderweitig umschauen kann ?
Inzwischen empfangen Sie die besten Grüsse
Ihres