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Dr. Dedes, was ist ein Genexpressionstest?
Das ist ein Test, bei dem bestimmte Proteine von Krebszellen auf ihre Aktivierung hin untersucht werden. Ziel ist es, durch den Genexpressionstest herauszufinden, ob diese Proteine im Vergleich zum gesunden Gewebe über- oder unterdurchschnittlich aktiviert sind.
Welches Ziel verfolgt dieser Test?
Er erlaubt eine Abschätzung der Aggressivität des Tumors. Im Ergebnis kann ermittelt werden, ob und wie eine Therapie anspricht. Darüber hinaus lässt sich auch eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls treffen.
Wie unterscheidet sich ein Genexpressionstest vom ‹herkömmlichen› Brustkrebs-Gentest?
Der Brustkrebs-Gentest wird entweder bei gesunden Frauen mit starker familiärer Belastung für Brust- oder Eierstockkrebs oder bei an Brustkrebs erkrankten Patientinnen mit speziellem Risiko durchgeführt. Dabei wird nicht der Tumor selber, sondern gesunde Zellen, welche mittels einer Blutentnahme gewonnen werden, auf das Vorliegen von Mutation – Fehler im Erbgut – in den Brustkrebs-Hochrisikogenen untersucht. Findet sich eine Mutation, die auf ein vererbbares Brustkrebsrisiko hinweist, können prophylaktische oder präventive Massnahmen zur Risikoreduktion angeboten werden.
Der Genexpressionstest wird am Tumorgewebe von bereits erkrankten Frauen durchgeführt, um die Notwendigkeit einer Therapie und die Prognose genauer zu definieren. Dabei werden nicht eventuelle Fehler im Erbgut untersucht, sondern jene Gene, die an der Brustkrebszellteilung im Tumor beteiligt sind.
Welchen Nutzen hat ein Genexpressionstest für die Therapie?
Konkret gibt er eine Antwort auf die Frage, ob eine Chemotherapie im Einzelfall sinnvoll ist oder nicht. Diese Entscheidung ist essenziell, weil sie entweder lebensrettend oder eine unnütze Belastung sein kann. Der Test schafft hier Klarheit – und zeigt, dass bei etwa 22 Prozent aller Patientinnen eine Chemotherapie keinen Benefit bringt. Das heisst: Jede fünfte Chemotherapie, die ohne den Test durchgeführt wird, ist eigentlich unnötig. Umgekehrt zeigt eine grössere Studie, dass sechs Prozent der erkrankten Frauen durch den Test eine Chemotherapie empfohlen bekommen haben, denen anhand anderer Untersuchungen nicht dazu angeraten worden wäre.
Für welche Patientinnen ist der Test geeignet?
Anwendung findet er bei Frauen, die an einem hormonabhängigen Brustkrebs erkrankt sind. Diese Form ist mit 60 bis 70 Prozent die häufigste Brustkrebsart. Wichtig ist, dass der Test durchgeführt wird, wenn sich der Tumor noch im Frühstadium befindet, also keine Metastasen gebildet hat.
Was genau wird bei dem Test untersucht?
Es wird ein kleines Panel von etwa 20 bis 70 Genen auf seine Expression – also die Verwirklichung seiner genetischen Informationen in der Produktion von Proteinen – untersucht. Die Art und Zahl der Gene sind immer gleich.
Wie wird der Genexpressionstest durchgeführt?
Die Zellen werden dem Tumorgewebe entnommen, das während der Operation entfernt wurde. Ein Pathologe bestimmt, welcher Teil des Tumors die grösste Dichte an Krebszellen aufweist. Von der Zellentnahme bis zur Genanalyse merkt die Patientin nichts; das alles geschieht im Hintergrund.
Eine erneute Entnahme von Gewebe ist also nicht notwendig?
Nein. Der Test wird an bereits entferntem Gewebe vorgenommen.
Ein Blick in die Zukunft: Wie wird weiter zum Genexpressionstest geforscht?
Der bislang grösste Durchbruch wurde beim Einsatz für den Hormon-abhängigen Brustkrebs erzielt: zum einen, weil diese Krebsart sehr häufig auftritt. Zum anderen wurde hier viel «übertherapiert». Aktuell steht die Früherkennung von Krebsvorstufen im Fokus der Forschung. Daneben wird auch untersucht, wie Genexpressionstests für die Triple-negativen und die HER2-positiven Formen des Brustkrebses eingesetzt werden können. Hier wird es allerdings noch etwas Zeit benötigen, bis diese in die klinische Anwendung gelangen werden.