Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03353.jsonl.gz/308

Photo22
Der Hintergrund in einer Fotografie hat einen vielseitigen Einfluss darauf, wie wir das davor abgebildete Objekt sehen können und wie wir das Bild interpretieren.
Klicken Sie auf das jeweilige Foto für mehr Informationen zum Hintergrund.
Der Hintergrund und seine Bedeutung für die (Objekt-) Fotografie
Das Setting kann als die sichtbar räumliche Umgebung identifiziert werden, in welchem das Hauptobjekt platziert und im gewählten Bildausschnitt sichtbar wird.
Ähnlich wie dazugelegte Hilfsmittel (wie z. B. Lineale, Farbkarten, Halterungsvorrichtungen) bietet das Setting zusätzliche Informationen zum Kontext, Größe und den Umständen, unter denen das Objekt fotografiert wurde.
Jeweils im Verhältnis zur Platzierung des Haupt-Objekts kann die räumliche Beschreibung des Settings in Vorder-, Mittel- und Hintergrund eingeteilt werden. (Was als Haupt-Objekt definiert werden kann, ist je nach Bildaufbau unterschiedlich komplex.) Wie viele visuelle Informationen das Setting bietet, hängt von der Anzahl an Ebenen und Elemente ab, aus denen das Setting besteht.
Die räumliche Beschreibung des Settings kann in Vorder-, Mittel- und Hintergrund eingeteilt werden. Die Übergänge der einzelnen Ebenen sind eine Definitionssache und werden oft im Verhältnis zur Platzierung des Haupt-Objekts definiert. Ausnahmen bieten extrem nahe oder entfernt platzierte Objekte, die beschreibend im Vordergrund oder Hintergrund des Bildes liegen.
Das Aussehen des Settings wird durch die Entscheidungen des Fotografen bezüglich der Perspektive auf die Szene, der Wahl des Hintergrunds und der Beleuchtung beeinflusst. Sofern die Umstände es zulassen, ermöglicht das eine bewusste Kontrolle über die Menge der in der Umgebung des Objektes angebotenen Informationen.
Ein homogener Hintergrund, der den gesamten Rahmen des Fotos ausfüllt, verwehrt dem Betrachter jegliche visuellen Hinweise über den Ort der Aufnahme. Je weniger visuelle Elemente in der Umgebung des Objektes zu sehen sind, desto mehr Aufmerksamkeit wird den sichtbaren Elementen zuteil gebracht.
Besteht der Hintergrund aus einer einzigen, neutralen Fläche, wird die ungeteilte Aufmerksamkeit des Betrachters auf das zentrale Objekt gerichtet. Insbesondere einfarbige Hintergründe mit einem deutlichen Farb- und Helligkeitskontrast zum Objekt, helfen dem Betrachter das Objekt klar vom Hintergrund zu trennen. Diese klare Trennung vom Objekt zum Hintergrund, ermöglicht dem Betrachter das Objekt einfacher zu erkennen.
Die Beschaffenheit und Farbe des Hintergrunds können nicht nur die Sichtbarkeit der Form des Objekts verringern oder verbessern, sondern bieten auch das Potenzial, Informationen zum Aufnahmekontext zu geben. Diese Zusatzinformationen können die Fotografie in einen inhaltlichen Kontext stellen, vorausgesetzt der Betrachter kann diese lesen und verstehen.
In der Veterinärmedizin werden Frisch-Präparate überwiegend im OP, im Präparatoum der Anatomie oder in der Pathologie fotografiert. An diesen Orten wird vielfach ein in nächster Nähe vorhandener neutraler Hintergrund gewählt, um das Objekt zu fotografieren. Beliebt sind hier blaue oder grüne OP-Tücher, weisse Schneidunterlagen oder Chromstahl-Tische. Kreative Lösungen wie Zeitungspapier, Putztücher oder Kunstrasen sind ebenfalls keine Seltenheit. Bei unsauberer Arbeitsweise sind Falten, Flecken oder Teile der Umgebung im Bildausschnitt sichtbar.
Proben, die an andere Orte wie ein Fotostudio, Büro, Museum oder Archiv transportiert werden können, um fotografiert zu werden, sind einer anderen Umgebung und das Fotografieren unterliegt somit auch anderen Voraussetzungen. Durch den Ortswechsel werden auch die visuellen Hinweise auf das “originale” Setting geändert. Der Betrachter setzt die in der Fotografie sichtbaren Gegenständen und Accessoires in Beziehung mit den visuellen Informationen im Setting. Vorwissen und kognitive Fähigkeit vorausgesetzt, kann der Betrachter so Rückschlüsse auf den Ort und die Umstände der Aufnahme des Objektes schliessen.
Insbesondere wenn Elemente der Umgebung gut erkennbar sind, wird der Interpret versuchen, die Verbindung zwischen dem Objekt und dem Setting zu verstehen und für sich beurteilen, ob die Szene kontextuell kohärent ist, d. h. ob sie Elemente enthält, die dazu neigen, in der Umgebung gleichzeitig vorzukommen, und dem Betrachter in diesem Zusammenhang bekannt sind. (Bar, 2004)
Ob eine Objekt-Setting-Kombination als Naturereignis erkannt wird oder als eines mit symbolischer Bedeutung, das entschlüsselt werden muss, hängt davon ab, ob Fotograf und Betrachter derselben (Sozio-)Kultur angehören. (Worth & Gross, 1974)
Bei Fotografien, bei denen sowohl die Umgebung als auch ein neutraler Hintergrund sichtbar sind, wird der Versuch des Fotografen deutlich, das Objekt von seiner Umgebung mittels eines eingefügten, neutralen Hintergrundes abzuheben, was jedoch möglicherweise aufgrund einem zu kleinen Hintergrund oder Unachtsamkeit des Fotografen fehlgeschlagen ist.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Art eines Hintergrundes einen entscheidenden Einfluss auf die Sichtbarkeit und Farben der vor dem Hintergrund platzierten Objekte hat. Der Hintergrund ist ebenfalls einen entscheidenden Faktor, um visuelle Bildinformationen lesen zu können und so eine Fotografie im Bezug auf Inhalt, Umstand und Kontext zu interpretieren. Der Betrachter wird zusätzlich anhand der Hintergrund-Wahl und Bildkomposition Rückschlüsse auf das Können und die Sorgfalt des Fotografen ziehen können. – Sofern der Betrachter die dafür notwendige Sensibilität und das Vorwissen besitzt.