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Dieses Kapitel basiert auf Aussagen und Aufzeichnungen anderer, die in den 1950er Jahren zusammengetragen wurden.
Es ist eine Zeitreise von den Anfängen bis hin zur Prohibition und in einigen Abschnitten noch etwas darüber hinaus.
Obwohl das Napa Valley heutzutage nur gerade um die 4 % der kalifornischen Weine produziert, hat es eine Reputation wie keine andere Region im Golden State. Das Napa Valley ist berühmt, geachtet, respektiert, wunderschön, gepflegt und lebenswert. Das Napa County wurde am 18. Februar 1850 gegründet und umfasst ein Gebiet von Total: 2042 km2 (89 km2 davon Seen).
Der Bezirk ist nach dem Indianerstamm benannt, der die Region bewohnte, aber der Ursprung der Bedeutung des Wortes bleibt unklar. Auf Patwin bedeutet Napa "Grizzlybär". Die Ureinwohner südlich des Clear Lake benutzten das Wort Napo (Haus), um benachbarte Stämme zu bezeichnen - also Boh-napo-batin (westlich vieler Häuser) für die Stämme des Russian River. Laut General Vallejos Sohn Pluton bedeutete das Wort Napa "Mutterland" in der Suisun-Sprache.
Um dieses wohl berühmteste Wein Tal der Welt geht es auf den nächsten paar Seiten. Zuerst aber noch ein kurzer Überblick, was bis zum Zeitpunkt unserer Zeitreise durch das Napa Valley in Kalifornien bereits in Sachen Wein geschehen ist.
Die Geschichte des kalifornischen Weinbaus lässt sich über die Reise der Franziskaner Patres von San Diego nach Norden und die Gründung ihrer jeweiligen Missionen zurückverfolgen.
Der Weinbaudistrikt Napa, der keine Missionssiedlung in seinen Grenzen hatte, blieb weit hinter den Distrikten Los Angeles, El Dorado, Sonoma und San Francisco zurück, als es darum ging, eine Weinbauregion zu werden. Doch ab 1870 nahm die Zuwanderung von ambitionierten Winzern stetig zu. Es wurden passende Reben gepflanzt und funktionierende Produktionsstätten mit Kellern errichtet.
Machen wir uns auf die Reise von Süden herkommend und beginnen wir unsere Zickzack-Reise in Richtung Norden.
Hoffen wir doch, dass wir dem einen oder anderen Winzer begegnen und so mehr über ihn erfahren können. Um ein Durcheinander zu vermeiden, werden wir die jeweilige Geschichte des Winzers ungeachtet der Jahreszahl jeweils abschliessen.
Der erste Siedler, der sich in Napa County niederliess, war George C. Yount, er war auch der erste, der etwas Weintrauben anbaute. Yount kam 1831 aus seiner Heimat North Carolina nach Kalifornien und lebte zeitweise in der Sonoma Mission. Im Jahr 1836 erhielt er von der mexikanischen Regierung eine grosse Landzuweisung für ein Gebiet im Napa County, das heute die Stadt Yountville umfasst. Im Herbst 1836 baute er sich dort eine Blockhütte und pflanzte verschiedene Feldfrüchte an. Im Jahr 1838 pflanzte er dann die ersten Reben, die Stecklinge erhielt er von der Sonoma Mission. Wahrscheinlich hatte er Anfang der 1840er Jahre seine erste kleine Weinlese, sein Ertrag war mehr als ein Jahrzehnt lang sehr gering. Einem Bericht aus dem Jahr 1855 zufolge erzeugte er jährlich etwa zweihundert Gallonen. In den späten 1850er Jahren vergrösserte er seinen Weinberg erheblich und hatte 1860 eine Ernte die 17’000 Liter Wein ergab. Georg C. Yount starb im Jahr 1865 im Alter von 71 Jahren.
Es ist wahrscheinlich, dass Dr. Edward Bale der zweite Weinbauer im Nebenerwerb oder für den Privatkonsum für Familie und Freunde im Napa County war. Er war der Inhaber einer weiteren grossen Landzuteilung der Regierung, der Rancho Carne Humana, die 5 km südlich der heutigen Stadt St. Helena begann und sich nach Norden bis zum heutigen Calistoga erstreckte. Bale war ein englischer Arzt, der nach seiner Heirat mit Marie Ingnacia Soberanes die mexikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte. Nachdem er 1841 das Land erhalten hatte, baute er für sich und seine Familie ein Lehmziegelhaus an der heutigen Whitehall Lane, südlich von St. Helena und etwa eine Meile südwestlich von Calistoga erbaute er eine Getreidemühle. Dort pflanzte er auch Birnbäume und Missionsweinreben an. Dr. Bale hatte vor der Zeit des Goldrausches nur kleine Weinerträge.
Um 1846 verkaufte Bale Teile seines riesigen Besitzes. So auch an Florentine E. Kellogg, der in jenem Jahr mit seiner Familie aus Illinois herzog und sich auf seinem erworbenen Grundstück nördlich von St. Helena und in der Nähe von Bales Mühle niederliess.
Die gesamte Produktion dieser ersten Winzer wurde wahrscheinlich lokal konsumiert. Denn Charles Krug berichtete, dass er 1859 bei einem Besuch auf den Ranchos von Yount und Bale einen Zinnbecher mit "elegantem" Claret vorfand, der in grossen Kuhhäuten vergoren worden war, die mit Lassos zwischen vier Bäumen festgebunden und mit zerkleinerten Trauben gefüllt waren; in der untersten Stelle der Haut steckte ein kleiner Pfropfen, und wenn man ihn herauszog, füllte sich der Becher mit dem "herrlichen" Getränk.
Krug hatte wohl reichlich Gelegenheit, Bales Wein zu geniessen, denn er heiratete 1860 Bales Tochter Catherine. Krug stammte aus dem rheinischen Preussen und war Absolvent der Universität Marburg. Er besuchte die Vereinigten Staaten erstmals 1847 und lehrte an
der Freidenkerschule von August Glaser in Philadelphia. Er kehrte 1848 nach Deutschland zurück, um sich an revolutionären Aktivitäten zu beteiligen daraufhin sass er neun Monate im Gefängnis, bevor er während eines erneuten Ausbruchs des revolutionären Fiebers freigelassen wurde. 1851 kehrte er nach Philadelphia zurück und zog ein Jahr später nach San Francisco, um Redakteur der ersten deutschen Zeitung an der Pazifikküste, der «Staats Zeitung», zu werden. Als er 1853 Agoston Haraszthy kennenlernte, kaufte er von ihm 8 Hektaren Land, etwa eine Meile östlich von Agostons Buena Vista Winery in Sonoma County. Dort pflanzte er einige Rebstöcke, angeblich Zinfandel und Chasselas, verkaufte das Grundstück aber bald an Moses Heller. Heller errichtete eine kleine Weinkellerei und stellte bis zu seinem Tod in den 1880er Jahren Wein her.
Im Jahr 1858 lernte Krug John M. Patchett kennen, einen Engländer, der während des Goldrausches nach Kalifornien gekommen war. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Mother Lode Minen erwarb Patchett ein Grundstück im heutigen Napa City und pflanzte 1852 einen kleinen Weinberg an. Er errichtete auch ein kleines Weingut, ein kleines Lehmgebäude, nördlich der heutigen First und Monroe Street am Südufer des Napa Creek. Doch Patchett fehlte ein Winzer und Krug versuchte, diesen Bedarf zu decken. Nachdem er sich eine alte Apfelweinpresse gesichert hatte, fuhr Krug nach Napa City und stellte aus Patchetts Trauben 4000 Liter Wein her. Krug war erst dreiunddreissig Jahre alt und hatte zwar einen Gaumen für Wein, aber keine Erfahrung in der Weinherstellung - obwohl er vielleicht von Haraszthy unterrichtet worden war. Auf jeden Fall war dieser Jahrgang insofern von Bedeutung, als er das Ende des primitiven Weinstils von Yount und Bale einläutete.
1859 ersetzte Patchett sein kleines Lehmhaus durch das erste steinerne
Weingut in Napa County, ein Gebäude von 10 mal 17 Meter Grösse. Da Krug bereits mit der Weinherstellung für Louis Bruck auf der Bale Mill Ranch in St. Helena beschäftigt war, stellte Patchett Henry Alphonse Pellet ein, um seinen Jahrgang 1859 herzustellen. Pellet war ein Schweizer aus Neuchâtel und wie Krug in den vierziger Jahren ein begeisterter Revolutionär, der sich für die Befreiung seines Heimatkantons Neuenburg von der Herrschaft des Königs von Preussen einsetzte. 1860 pachtete Henry Alphonse Pellet den Weinberg von Patchett und betrieb drei Saisons lang das Weingeschäft in Napa und wurde so zum ersten kommerziellen Weinmacher des Bezirks. Heute erinnert die Patchett Street in Napa City an den Standort seines Weinbergs. John M. Patchett betrieb das erste kommerzielle Weingut im Napa County!
Da Krugs Frau Catherine Bale die Bale's Mill und einen Teil der umliegenden Ländereien als Mitgift erhalten hatte, begann Krug kurz nach ihrer Heirat, auf dem Grundstück Reben zu pflanzen, darunter auch einige neue, importierte Sorten. Er baute 1862 eine kleine Weinkellerei und hatte bald darauf einen guten Ruf für hervorragende Weine. Als diese Kellerei 1874 durch ein Feuer zerstört wurde, errichtete er eine weitere, ein quadratisches Steingebäude mit Holzgiebeln und einem achteckigen Holzturm. Diese Weinkellerei war mit einer Lagerkapazität von über einer Million Liter einige Jahre lang die grösste im Napa Tal.
Krugs Weinbereitungsmethoden waren ein Vorbild für benachbarte Winzer.
Einer der anderen frühen Landbesitzer in der Gegend war William N. Thompson, der von General Vallejo im Jahr 1852 die reiche, 130 Hektaren grosse Suscol Ranch, vier Meilen südlich von Napa City, zugeteilt bekam. Thompson war ein Holzhändler, der 1849 von Pennsylvania aus um das Kape Horn gesegelt war, um nach Kalifornien zu gelangen. Er erhielt den Besitz als Bezahlung für Holz, das Vallejo 1852 für den Bau eines Gebäudes in der Stadt Vallejo verwendete, das kurzzeitig als Hauptstadt des Bundesstaates California diente. Thompsons Bruder Simpson übernahm die Ranch und pflanzte neben Pfirsichen, Äpfeln und Kirschen auch einen Weinberg an. Vier Jahre später verfügte die Ranch über zehn Hektaren Weinberge, darunter angeblich viele ausländische Sorten. Die Thompsons vergrösserten ihren Weinberg schliesslich auf fünfunddreissig Hektaren. Der Weinberg wurde 1880 aber aufgegeben, obwohl der Obstgarten und der Garten, die das grosse Ranchhaus umgaben, lange Zeit ein «Sehen und Gesehenwerden» Schauplatz war.
Ein weiterer Thompson, William W. Thompson, kam 1869 aus Amherst, Massachusetts, wo er aufgewachsen war, nach Napa City. Er schloss sich mit Peter Van Bever zusammen, einem Belgier, der 1850 nach Kalifornien gekommen und ein wohlhabender Kaufmann geworden war. Bever begann 1861 als Gastwirt. Im Jahre 1869 eröffneten er und Thompson das Bee Hive, ein Geschäft für allgemeine Waren.
1870 begannen die beiden, noch während sie das Bee Hive betrieben, in einem Gebäude auf der Nordseite der Third Street, etwas östlich der Brücke, Wein herzustellen. Dort stellten sie bis 1872 Weine her. Danach erbauten sie die erste grosse Weinkellerei und Brennerei in Napa City. Die Winery lag an der nordöstlichen Ecke von Main und Fourth Street und endete beim Napa River. Es war ein Backsteinbau mit einem Fassungsvermögen von 2 Millionen Liter. Sie nannten ihre Winery "Uncle Sam Wine Cellars".
Thompson verkaufte seine halbe Beteiligung an dem Unternehmen bald an Charles Anduran, einen Franzosen, der in der Sacramento Street 517 in San Francisco einen Weinkeller und Weinhandel betrieb.
Für Anduran arbeitete in seinen Kellern in San Francisco ein junger Franzose namens Charles Carpy und als Van Bever 1881 Thompson folgte und seine Anteile verkaufte, nahm Anduran Carpy als Partner auf.
Das Geschäft florierte weiter; die Jahresproduktion stieg in den frühen 1880er Jahren auf über 400 tausend Liter Wein und Brandy. Die Firma entwickelte einen regen Handel mit New Orleans: Da die Weinkellerei am Ufer des Napa River lag, war es billig und bequem, die Ladungen auf Lastkähne zu verladen und von Port Costa oder San Francisco aus zu verschiffen. Bis 1885 hatte Carpy die vollständige Kontrolle über das Unternehmen von Anduran übernommen und führte die Geschäfte unter dem Namen Charles Carpy & Company bis 1894 weiter.
1895 verkaufte Charles das Unternehmen an die California Wine Association (CWA).
Gegenüber der Uncle Sam Kellerei am Ostufer des Napa River lag die 1,8 Millionen Liter fassende Kellerei, die 1880 aus Holz erbaut wurde und die Napa Valley Wine Company (NVWC) beheimatete. Diese Company wurde von verschiedenen Interessenten 1984 gegründet, darunter auch die Firma Charles Carpy & Co. Im Rahmen der Mitgliedschaft wurde eine Pipeline unter dem Napa River verlegt, um den Transport des Weins von einer Anlage zur anderen zu vereinfachen. Die NVWC war jedoch nur bis ins Jahr 1900 in Betrieb,
Danach beherbergte das Gebäude die Cameron Shirt Factory.
In ihrer Blütezeit unterhielt die NVWC auch ein Büro in San Francisco, in der 1st Street, und verfügte über Keller an der King Street in der Stadt. 1887 war der Präsident des NVWC-Vorstands A. L. Tubbs; weitere Vorstandsmitglieder waren J. D. Fry, W. W. Lyman, E. C. Priber, M. Estee, C. R. Gritman und J. B. Atkinson. Alle Vorstandsmitglieder besassen einen mindestens 100 Hektar grossen Weinberg im Napa Valley.
Gritman war der Kassierer der Bank of Napa und wohnte in der Stadt Napa; er war kein Winzer und sass zweifellos als Vertreter der Bank im Vorstand.
Das nächste Weingut, das in Napa City gebaut wurde, war das Projekt von Joseph A. Mathews, einem gebürtigen Portugiesen, der als Junge ins Napa Valley gekommen war. Er hatte unter "Onkel" Billy Woodward auf dessen Cedar Knoll Winery Erfahrungen im Weingeschäft gesammelt, wo er eine Zeit lang als Kellermeister tätig war. Nachdem Woodward 1877 an Henry Hagen verkauft hatte, zog Mathos (der inzwischen seinen Namen in Mathews geändert hatte) nach Napa City. 1881 errichtete er an der Ecke von Brown und Yount Street eine kleine attraktive Winery aus gelbem Sandstein mit kunstvoll geschnitzten Schlusssteinen; zu Ehren seiner Geburtsstadt nannte er es Lisbon Winery. Im folgenden Jahr baute er einen Sherry-Ofen ein.
Mathews war ein pflichtbewusster Winzer und produzierte einen guten Wein. Obwohl sein Zinfandel und Riesling auf der State Fair 1889 ausgezeichnet wurden, war er vor allem für seinen feinen Sherry bekannt. Die Aktivitäten rund um seinen Sherry-Ofen wurden oft in der Pacific Wine and Spirit Review erwähnt; zum Beispiel: "Joseph Mathews, der vor kurzem seinen Sherry-Ofen mit fünfunddreißighundert Gallonen (ca.10'000 Liter) Sherry-Wein geleert hatte, der fünf Monate lang gebacken worden war. Als Brennstoff dienten fünfzig Klafter feinster Eiche. Eine solche Produktionsmetode ist mir fremd – wir werden dieser Sache nachgehen und informieren. Ein Klafter ist übrigens ein altes Raummass mit 1.8 Meter Länge und 1.8 Meter Höhe. Die Tiefe kann variieren.
Nach Mathews' Tod im Jahr 1893 pachtete die A. Repsold Wine Company die Weinkellerei und betrieb sie bis 1915, als sie dann das Alexander Warehouse übernahm, dem Standort des ursprünglichen Uncle Sam Cellar; dort blieb sie bis zur Prohibition. Nach der Aufhebung der Prohibition blieb die Lisbon Winery bis 1946 geschlossen.
John und Lee Carbone, die Söhne von Antonio Carbone, einem ehemaligen Weinbauern und Winzer, kauften das Lisbon Anwesen, reparierten die alte Kellerei und führten das Mathews-Label wieder ein.
Carbone Sr. hatte sich 1879 an der Coombsville Road zwei Meilen östlich von Napa niedergelassen, wo er in den späten 1880er Jahren 18 Hektaren mit Zinfandel-, Mataro und Burger-Trauben bewirtschaftete und Wein herstellte. Obwohl sein Weinberg stark von der Reblaus befallen wurde, setzte er den Weinbau bis zu seinem Tod im Jahr 1906 fort. Das Anwesen mit einem neu bepflanzten Weinberg ist im Besitz der Familie geblieben, aber seit der Prohibition wird kein Gutswein mehr hergestellt. 2012 kauften Annie Favia und Andy Erikson das wunderschöne Carbone Estate und bauten es liebevoll um.
Ein weiteres Weingut in der Innenstadt wurde von Giuseppe Migliavacca, dem Sohn eines Winzers und Brenners und selbst Absolvent der Universität von Pavia, errichtet.
Im Jahr 1868 eröffnete er ein Lebensmittelgeschäft am Ende der Brown Street. Schon bald begann er mit dem Kauf von Trauben und der Herstellung von Wein. 1874 baute er in der Nähe des Flussufers eine grosse zweistöckige Weinkellerei aus Backstein mit einem Fassungsvermögen von über einer Million Liter. Ein Pier, der in den Fluss hineinreichte, erleichterte das Beladen von Lastkähnen für die Fahrt nach San Francisco. Migliavacca florierte, baute eine Brennerei, vergrösserte die Weinkellerei und gewann 1889 auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille für seinen Rotwein. Er hatte einen grossen Handel in New Orleans. Es spricht für sein Können, dass er erfolgreich mit der nahe gelegenen Winery, der CWA, konkurrierte. Im Jahr 1907 übergab er das Geschäft an seine vier Söhne, die das Unternehmen bis zur Prohibition weiterführten.
Ein viel kleineres Geschäft war das des gebürtigen Schweizers Louis Cristin an der nordöstlichen Ecke von Pearl und West Street. Er hatte in den frühen 1890er Jahren an dieser Stelle ein Gebäude als Napa Valley Cream of Tartar Works errichtet. Um Himmelswillen was ist denn «Cream of Tartar»? Zunächst einmal, ist er nicht cremig. Es handelt sich um ein trockenes, pulverförmiges, saures Nebenprodukt der Gärung von Trauben zu Wein. Sein wissenschaftlicher Name ist Kaliumbitartrat, auch bekannt als Kaliumhydrogentartrat oder Weinsäure (daher der Handelsname). Man findet es aber auch im Gewürzregal, wo es als einfacher alter Weinstein bezeichnet wird.
Um 1895 wurde daraus die Alta Napa Winery and Distillery, ihr bekanntestes Produkt war ein feiner Pflaumenschnaps. Cristin starb 1907, aber seine Familie stellte bis 1913 Wein und Branntwein her und verkaufte dann an Paul Delsol, den Präsidenten der Delsol Brothers Company.
Die Gebrüder Delsol waren Spirituosenhändler in der York Street in San Francisco; sie bauten das Werk in Napa ab und errichteten ein Weindepot in San Francisco.
Heute ist nur noch die Lisbon Winery in Napa City aktiv, und auch die ist nur noch eine Abfüllanlage.
Das grosse Backsteinhaus der Uncle Sam Cellars an der Ecke Fourth und Main beherbergt heute ein Autoteilegeschäft und wäre von seinen früheren Besitzern kaum wiederzuerkennen.
Am Ende der Fourth Street deuten einige verrottende Pfähle auf den einst stark frequentierten Pier hin, an dem der Dampfer «Zinfandel» anlegte und Wein für die Lieferung nach San Francisco verlud. Auch die Anlegestelle der Migliavacca-Kellerei ist verschwunden, doch das robuste alte Gebäude dient jetzt noch als Lagerhaus.
Obwohl Napa City und seine Umgebung ein ebenso gutes Klima für Weintrauben hätten wie der zentrale und nördliche Teil des Tals, ging die Rebfläche schon früh stark zurück. Das Land wurde einfach zu wertvoll für den Weinanbau. Man bedenke, dass ein Liter Wein damals für vielleicht 3 Cents gehandelt wurde. Das Land wurde für die vielen Bauvorhaben der erblühenden Stadt Napa umgenutzt. Der Patchett-Weinberg und die Weinkellerei waren bereits 1875 verschwunden und von da an wurden in der näheren Umgebung der Stadt keine neuen Weinberge mehr angelegt.
Nördlich der Stadt Napa, auf der Ostseite des Napa River und östlich des heutigen Silverado Trail, begannen in den 1870er Jahren einige schöne Weinberge zu entstehen. Zwei Meilen nördlich der Stadt verläuft die Hagen Road östlich des Silverado Trail in hügeligem Gelände. Die Strasse wurde nach Henry Hagen benannt, einem Deutschen aus Mannheim, der 1852 in Kalifornien ankam. Hagen liess sich in San Francisco nieder und wurde Besitzer eines Zigarren- und Tabakladens an der Ecke von Pine und Montgomery Street. Nachdem er das Geschäft verkauft hatte, arbeitete er in den Weinkellern seines Schwagers Charles Kohler. Nachdem er so mit Wein in Berührung gekommen war, wurde er vom Wunsch ergriffen, einmal ein Weingut zu besitzen. Im Jahre 1877 kauften Henry Hagen und sein Bruder Peter von William Woodward den 28 Hektaren grossen Weinberg und das Weingut Cedar Knoll am Fusse eines steilen Berghangs. Im Jahr 1879 produzierten die «Hagen Bros.» bereits 55’000 Liter Wein. Bis 1881 hatten die Brüder den Weinberg auf 50 Hektaren erweitert. Im selben Jahr verstarb Peter Hagen und Henry wurde zum alleinigen Eigentümer, da er Peters Anteil von dessen Witwe erworben hat.
Hagan liess sich von Charles Kohler in der Weinherstellung unterweisen und stellte mit den Trauben der besten Sorten, die er auf dem hügeligen Gelände angepflanzt hatte, einige bemerkenswerte Weine her. Sein Gärhaus und die beiden in den Hang gegrabenen Lagerkeller hatten ein Fassungsvermögen von 400’000 Liter Wein, dazu besass das Weingut auch ein Sherryhaus und eine Brennerei.
Er verkaufte seine Produkte hauptsächlich über seinen alten Arbeitgeber, dessen Neffe Hans Kohler nach Henry Hagans Tod im Jahr 1895 zum Verwalter des Gutes ernannt wurde. Hagan war Junggeselle, aber er wurde von einer Reihe enger Verwandter überlebt, die versuchten, den Betrieb weiterzuführen. Sie gerieten jedoch bald in finanzielle Schwierigkeiten und verkauften das Weingut an Ferdinand E. Hestal, einen wohlhabenden Immobilienmakler aus San Francisco. Hestal schloss später das Weingut, riss das alte Haus ab und baute ein riesiges dreistöckiges Landhaus als Feriendomizil.
Eine Meile östlich von Cedar Knoll lagen der Weinberg, Apfelgarten und die Weinkellerei von Michale Opici, der 1875 aus Italien ins Napa Valley kam. Nach fünfzehn Jahren Arbeit und Sparen war er in der Lage, diese achtzig Hektar grosse Parzelle zu kaufen; auf fünfundzwanzig Hektar pflanzte er Weinreben an und errichtete 1890 ein kleines Weingut. Obwohl sein Weinberg weinbaulich ideal gelegen war, pflanzte er nur normale Rotweintrauben an. Er stellte bis zur Prohibition Wein her.
Eine halbe Meile nördlich der Hagan Road, kreuzt der Silverado Trail mit der Monticello Road. An der Kreuzung von Atlas Peak und Monticello lag der schöne Hedgeside-Weinberg von Morris M. Estee. Estee stammte aus dem Farmland von Pennsylvania (alte Schreibweise) und verbrachte die Sommer seiner Kindheit mit der Arbeit auf der Farm seines Vaters. Als Jugendlicher besuchte er im Sommer die Waterford Academy in Erie County, New York, und unterrichtete im Winter die Schule. Im Jahr 1853, im Alter von zwanzig Jahren, lieh er sich von einem Nachbarn Geld, um die Überfahrt nach Kalifornien zu bezahlen. Nach seiner Ankunft arbeitete er in den Minen von Mother Lode und hatte innerhalb von sechs Monaten das Doppelte des geliehenen Geldes erarbeitet. Im Jahr 1855 unterrichtete er eine Schule in Volcano im Amador County und studierte Jura bei einem ehemaligen Kollegen aus Pennsylvania, Richter T. M. Pauling. Zwei Jahre später zog er nach Sacramento, um für die Anwaltskanzlei Clark & Gass zu arbeiten. 1859 wurde er als Anwalt zugelassen. Acht Jahre später zog er nach San Francisco, wo er eine angesehene Anwaltspraxis aufbaute und ein Buch mit dem Titel Pleadings, Practice, and Form (Plädoyers, Praxis und Form) veröffentlichte.
1876 erwarb Estee das Land, aus dem das Weingut Hedgeside Vineyard hervorging, und bepflanzte ganze 160 Hektaren mit Reben, darunter eine beträchtliche Anzahl von Cabernet Sauvignon. Im Jahr 1885 baute er schliesslich eine stattliche, 800’000 Liter fassende Steinkellerei und eine Brennerei. Bereits im Jahr 1890 erzielte er eine Weinernte von 400’000 Liter Wein. Estee war einer der ersten Zeichner von Aktien der Napa Valley Wine Company. Der Hedgeside Claret (wahrscheinlich ein Cabernet Sauvignon) war einer der Spitzenweine des Unternehmens. Obwohl Hedgeside schon früh der Reblaus zum Opfer fiel, bemühte sich Estee um das Überleben, im Jahr 1890 liess er 60 Hektaren seines damals zweihundert Hektaren grossen Weinbergs mit resistenten Unterlagen neu bepflanzen. Offensichtlich beschränkten sich Estees Probleme jedoch nicht nur auf die Weinberge, denn ab 1900 war die Weinkellerei nicht mehr in Betrieb.
Estees politische Bemühungen waren ebenso wie seine Unternehmungen im Weinbau nicht sehr erfolgreich. Obwohl er eine Reihe von Ehrenämtern in der republikanischen Partei bekleidete, kandidierte er nicht für den Senat der Vereinigten Staaten und scheiterte zweimal bei der Bewerbung um das Gouverneursamt von Kalifornien (einmal verlor er gegen einen anderen Winzer, General George C. Stoneman aus San Gabriel). Schliesslich ernannte ihn Präsident William McKinley zum Richter am United States District Court in Hawaii, wo er 1903 starb. Obwohl Estee im Weinbau keinen finanziellen Erfolg hatte, errichtete er in Hedgeside zwei schöne Gebäude, die noch heute von seinem Willen zeugen, es gut zu machen. Ein Zeitgenosse von Estee bemerkte etwa fünfzig Jahre nach dessen Tod "er war hoch angesehen bei den Farmern, die ihn für einen ausgezeichneten Anwalt hielten, und bei den Anwälten, die ihn für einen ausgezeichneten Farmer hielten".
Der Weinbau wurde in Hedgeside 1980 unter dem Namen Quail Ridge wieder aufgenommen.
Nördlich von Hedgeside pflanzte der aus Genua stammende Giaroma Mangini in den frühen 1880er Jahren zwanzig Hektar mit Reben an, darunter auch einige Rieslinge. Im Jahr 1889 errichtete er ein kleines steinernes Weingut und kelterte in diesem Jahr seinen ersten Gutswein. Bis zur Jahrhundertwende stellte er weiterhin Wein her, danach verliert sich jede Spur von Giaroma Mangini.
Zweieinhalb Meilen nördlich der Kreuzung von Monticello und Silverado Trail führt die Strasse in die kleine Schlucht den Soda Creek hinauf. Nach gut einem Kilometer und auf halber Höhe dieser bewaldeten Schlucht öffnet sich der Loma Vista Drive nach links und führt bis auf eine halbe Meile an ein wunderschönes kleines Tal heran, wo 1870 Dr. John A. Pettingill, der in Massachusetts geboren wurde einen kleinen Weinberg erwarb.
Pettingill war ein temperamentvoller Reisender und Abenteurer.
Er verliess seine Heimat in Neuengland im Jahr 1850, um in den Minen von Mother Lode sein Glück zu suchen. Er blieb dort nur ein Jahr, bevor er nach Mexiko reiste, wo er fünf Jahre lang als Zahnarzt praktizierte. In den darauffolgenden zehn Jahren praktizierte er auf den Westindischen Inseln, in Mittelamerika, Java, Hongkong und auf den Philippinen. Diese aussergewöhnliche Karriere scheint jedoch seine Gesundheit geschwächt zu haben. Er kehrte nach Kalifornien zurück, kaufte den Weinberg und errichtete 1871 ein kleines, aber hübsch gestaltetes Weingut aus einem grau-weissen einheimischen Stein, das er passenderweise "White Rock" nannte. Er machte einen ausgezeichneten Wein, der für einen Dollar pro Gallone (3,7 Liter) verkauft wurde. Er war stolz darauf, alle seine Weine vier Jahre lang reifen zu lassen, und sein Weingut erlangte den Ruf, der "Johannisberg Amerikas" zu sein. Nach Pettingills Tod wurde das Weingut geschlossen und nie wieder in Betrieb genommen.
Eine Meile oberhalb der Kreuzung mit dem Loma Vista Drive führt die Soda Canyon Road an einem grossen Steinpfosten vorbei, der die ehemalige Zufahrt zum Napa Soda Springs Resort markiert, das lange Zeit ein mondäner Ferienort war, aber durch ein Feuer zerstört und nie mehr aufgebaut wurde.
Eine Meile weiter oben im Canyon gibt es beträchtliche Anbauflächen für Weintrauben. Dies war früher der Besitz von Felix Borreo, der 1852 von seinem Geburtsort Oreglia, einer Stadt in der Nähe von Genua, nach Kalifornien ausgewandert war. Nachdem er als Fischer auf dem Sacramento River und als Bergarbeiter im Shasta County und in Virginia City, Nevada, gearbeitet hatte, zog Borreo 1866 nach Napa. Dort eröffnete er einen Gemischtwarenladen und eine Weinhandlung an der Ecke der Second und Main Street. Im Jahr 1880 pflanzte er auf seinem Grundstück im Soda Canyon Tal einen 25 Hektaren grossen Weinberg, auf dem er hauptsächlich Zinfandel anbaute. Neben dem Weinberg errichtete er die Bay View Weinkellerei mit einer Kapazität von 700’000 Liter und baute dazu auch eine Brennerei. In der Nähe hat er zudem noch einen Olivenhain angepflanzt, aus dem er Olivenöl für den Verkauf in Napa Stadt herstellte. Nachdem die Brennerei 1896 niedergebrannt war, schloss er die Weinkellerei.
Etwa eine halbe Meile weiter, an der Soda Canyon Road, pflanzte Louis Banchero Mitte der 1880er Jahre einen fünfundzwanzig Hektar grossen Weinberg mit Zinfandel und Malvoisie-Trauben. Bald nach dem Bau des Bay View errichtete er sein eigenes Weingut. Louis Banchero stellte bis zur Prohibition Wein her und eröffnete nach der Aufhebung der Prohibition für ein paar weitere Jahre, bevor er 1942 den Betrieb einstellte.
Fünf Meilen nördlich von Napa City am Silverado Trail befand sich eine grosse Ranch, die um 1858 von Frank (Franco) Salmina gegründet wurde, der aus einem Schweizer Weinbaukanton, dem Tesssin stammte. Salmina war sowohl ein Milchviehhalter als auch ein Weinbauer. Er und sein Landsmann Peter Gambetta besassen 300 Hektaren, die sich bis in die Berge erstreckten; während sie hauptsächlich Milchwirtschaft betrieben, hatten sie auch 12 Hektaren mit Weinreben bepflanzt. Ihre steinerne Weinkellerei war in den Berghang gebaut und bot eine Lagerkapazität von 100’000 Liter Wein. Die Reblaus zerstörte die Rebstöcke noch vor 1900, woraufhin die Kellerei geschlossen wurde.
Eine Meile nördlich von Salmina und Gambetta befand sich das Weingut Occidental Vineyard & Winery von Terril Lindsey Grigsby, der 1850 im Rahmen einer Erkundungsmission aus Missouri nach Kalifornien kam. 1852 kehrte er nach Missouri zurück, um seine Familie zu holen und seine Rinder nach Kalifornien zu treiben. Mit diesem Stamm von Rindern gründete er verschieden Viehzuchtbetriebe in den Bezirken Mendocino und Lake, entschied sich jedoch, sich mit seiner Familie im Napa Valley niederzulassen. Er pflanzte einen Weinberg von 120 Hektaren und baute 1878 eine grosse dreistöckige Weinkellerei und Brennerei am Fusse der östlichen Ausläufer der Berge. Die Occidental Winery, wie er sie nannte, wurde aus gelblichem Vulkangestein gebaut, den er im nahegelegenen Steinbruch gewonnen hatte.
Leider beschränkte Grigsby seine Aktivitäten nicht auf nur auf den Weinbau und die Viehzucht, sondern war entschlossen, eine Eisenbahnlinie ins Lake County zu bauen. Mit diesem Vorhaben scheiterte er und verlor infolgedessen seine Ranches, Weinberge und Weinkellereien. Terril Lindsey Grigsby starb 1892. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bank of Napa aber sowohl den Weinberg als auch die Weinkellerei bereits übernommen; sie setzte den Betrieb fort, veredelte einige Weissweinsorten, darunter Burger, Chasselas und Semillon, und stellte bis etwa 1900 Wein her. Danach starben die Rebstöcke ab und das Anwesen wurde Teil einer Rinderfarm. Die Gebäude sind immer noch gut erhalten, was zweifellos darauf zurückzuführen ist, dass Grigsbys fähige Zimmerleute und Steinmetze mit dem Bau beauftragt hat. Die 60 cm dicken Mauern und das robuste Gebälk dürften noch jahrhundertelang Bestand haben. Die hübschen Bogenfenster mit den Metallgittern deuten auf den früheren Lebensstandard des Besitzers hin.
Gaetano Regusci, deren Vorfahren aus dem Südtessin im 19. Jahrhundert in den Westen ausgewandert waren, löste 1932 seine Lebensversicherung ein und kaufte das 110 Hektaren grosse Grigsby-Anwesen von den Erben von T.L. Grigsby für 22.000 Dollar. Die Familie Regusci betrieb Viehzucht mit einer familieneigenen Molkerei und angegliederten Metzgerei, die bis 1969 ununterbrochen in Betrieb war.
1970 verpachtete Angelo zum ersten Mal, seit seine Familie das Land erworben hatte, 50 Hektaren am südlichen Ende der Ranch an ihren neuen Nachbarn, John Goelete (Clos du Val), zum Zwecke der Anlegung eines Weinberges. Weitere 50 Hektar der alten Milchviehfarm auf der Westseite des Trails verpachtete er zu ähnlichen Zwecken an Robert Mondavi. Rund 70 Hektaren, von denen etwa 20 Hektaren mit den Bordeaux-Reben bepflanzt wurden, behielt die Regusci Familie für den Aufbau ihrer eigenen Winery. Dies waren die ersten neuen Rebstöcke, die nach der Reblausplage und der Prohibition auf dem Regusci-Land gepflanzt wurden
Das Browns Valley liegt westlich von Napa City. Hier liessen sich in den 1870er und 80er Jahren mehrere Weinbauern nieder. Einer der ersten war Charles Robinson, ein gebürtiger Schwede, der 1850 nach San Francisco gekommen war. Nachdem er einige Jahre lang in der Mother Lode Bergbau betrieben hatte, erwarb er Mitte der 1850er Jahre fünfhundert Hektar Land in Hanglage südlich der Browns Valley School. Bis zum Jahr 1870 hatte er einen sechzig Hektar grossen Weinberg mit Zinfandel und Riesling bepflanzt und dazu um 1880 ein kleines Weingut errichtet. Später pflanzte er einige seiner besseren Rebstöcke auf resistente Unterlagen um. Er stellte bis zu seinem Tod in den späten 1890er Jahren Wein her.
Robinsons Erben pachteten das Anwesen für einige Saisons und verkauften es 1900 an die vier Buhman Brüder: Chris, John, Jacob und Edward Buhman. Sie waren die Söhne von Frederick W. Buhman, der aus Deutschland stammte und auf dem nahen gelegenen Hof der Familie geboren und aufgewachsen war. Chris zog sich 1902 aus der Partnerschaft zurück. Die drei anderen Brüder produzierten bis zur Prohibition weiterhin gute rote und weisse Tafelweine und verkauften den grössten Teil ihrer Produktion in grossen Mengen an die CWA. Während der Prohibition wurden die Buhmans Viehzüchter, behielten aber den Weinberg bei und eröffneten nach der Aufhebung der Prohibition das Weingut wieder.
Nach drei Weinjahrgängen stellten sie den Betrieb jedoch wieder ein. Am Hang oberhalb der Buhman Avenue steht noch immer das alte, halb aus Holz, halb aus Stein gebaute Weingut neben dem ehemaligen Wohnhaus der Familie.
An der Browns Valley Road, eine Meile östlich von Buhman und in der Nähe
dem heutigen Browns Valley Farm Center, liess sich in den 1860er Jahren ein junger New Yorker namens Charles Dell nieder. Dell pflanzte um 1875 Zinfandel- und Black-Burgundy-Trauben an und baute Anfang der 1880er Jahre eine Kellerei, die 70'000 Liter Wein fassen konnte. In den frühen 1890er Jahren pflanzte er zudem achtzehn Hektar mit widerstandsfähigen Reben an.
Dells Nachbar auf der Nordseite der Straße war John F. Kneif, ein Deutscher aus Bremen, der als Handelsseemann gearbeitet hatte, bevor er 1854 nach Kalifornien kam. Er erwarb 1868 15 Hektaren, pflanzte 7 Hektaren mit Reben an und begann um 1878 mit der Produktion von roten und weissen Tafelweinen. In den 1890er Jahren pflanzte er einige resistente Rebstöcke an und unterhielt sowohl den Weinberg als auch die Kellerei bis zur Prohibition.
Einen Kilometer nördlich der Browns Valley School mündet die Strasse in die Redwood Road und folgt dem gewundenen Redwood Creek für 3 km. Hier zweigt die Mt. Veeder Road nach rechts in den Pickle Canyon ab, während die Redwood Road noch 2 km weiter den Redwood Canyon hinaufführt und dort das Weingut Mont La Salle erreicht. An den Hängen, die diese steile und schmale Strasse säumen, gab es früher mehrere bemerkenswerte Weinberge und Weingüter. Es war eine autarke Gruppe von Winzern, die meisten von ihnen Deutsche, die sich hier niederliessen, eine eigene Schule bauten und sogar einen eigenen Friedhof besassen. Der Mont La Salle wurde 1886 von Rudolph Jordan erworben. Jordan wurde 1818 in der alten sächsischen Stadt Halle als Sohn einer hugenottischen Familie geboren.
Ab 1845 liess er sich als Fotograf in Havanna nieder. Als er von der Entdeckung des Goldes in Kalifornien erfuhr, unternahm er eine gefährliche Reise durch Mexiko von Vera Cruz nach Mazatlan und erreichte schliesslich die Minen im Tuolumne County. Später war er in Stockton und San Francisco mit verschiedenen Handelsgeschäften erfolgreich. Nach dem Kauf des Grundstücks in Napa, das er Lotus Farm nannte, rodete er etwa zwanzig Hektar und pflanzte einen Olivenhain und einen Weinberg an. Um 1890 stellte er aus seinen Zinfandel- und Riesling Trauben Wein her. Er vergrösserte den Weinberg auf etwa fünfzig Hektar und pflanzte vor allem resistente Rebsorten. Im Jahr 1898 verkaufte er einen Teil des Besitzes an Theodore Gier, der bereits Weinberge in St. Helena und in Livermore besass.
Gier rodete mehr Land, vergrösserte den Weinberg weiter und errichtete 1903 ein steinernes Weingut. Er nannte das Weingut Sequoia und betrieb es unter der Leitung seines Neffen Henry Gier bis zur Prohibition. Im Jahr 1930 kauften die Religionsgemeinschaft der Christian Brothers das Weingut und änderten den Namen in Mount La Sall und eröffnete die Weinkellerei wieder für die Herstellung ihrer sakralen Weine. Im Jahre 1978 erwarb dann Donald Hess das Weingut und liess es zusammen mit einer legendären Kunstausstellung erblühen.
In den Jahren, in denen Jordan die Lotus Farm betrieb, war sein nächster Nachbar Ferdinand F. Marx, Besitzer des Elk Park Anwesens. Marx wurde in Deutschland geboren und wanderte im Alter von zehn Jahren nach Alabama aus, um sich zwei seiner Brüder anzuschliessen, die dort grosse Plantagen besassen. Während des Goldrausches kam er nach Kalifornien, kämpfte einige Jahre später in Idaho in einem Feldzug gegen Indigene und verbrachte die späten 1860er Jahre in Nevada, wo er mit dem Transport von Material für die sich damals im Bau befindliche transkontinentale Eisenbahn ein Vermögen machte. Als er sich 1876 in Napa County niederliess, baute er ein wunderschönes Haus, gestaltete das Gelände und versorgte den Elk Park mit Wild, insbesondere mit Elchen. Bis 1888 hatte er einen Weinberg angelegt und produzierte mehrere Jahre lang durchschnittlich 7’000 Liter Wein. Er war bis zu seinem Tod im Jahr 1901 als Winzer tätig.
Eine Meile oberhalb von Elk Park an der Redwood Canyon Road befand sich der Weinberg eines anderen Deutschen, Nicholas Streich. Er wurde in einer badischen Weinbauregion geboren und kam 1856 nach Kalifornien, wo er bis 1865 als Bergmann arbeitete. Dann kehrte er nach Deutschland zurück, heiratete und liess sich in der Nähe von Freiburg als Weinbauer nieder. 1880 kehrte er mit zwei seiner Söhne nach Kalifornien zurück, kaufte Land und nannte den Ort Castle Rock zu Ehren eines grossen Felsens, der den Canyon überragte. 1889 kehrte Streich zu seiner Frau nach Deutschland zurück, sein ältester Sohn Ernest übernahm die Leitung des Weinbergs und produzierte einige bemerkenswerte Weine.
In Castle Rock arbeitete Rudolph Jordan Jr. während des Jahrgangs 1911, um Material für sein Buch «Quality in Dry Wines Through Adequate Fermentation» (Qualität bei trockenen Weinen durch angemessene Gärung) zu sammeln, das zu einem Klassiker zu diesem Thema wurde. Zwei Jahre später fusionierte Streich sein Unternehmen mit A. Repsold & Company, Rudolph Jordan wurde zum Präsidenten und Leiter des Unternehmens. Die Firma war bis zur Prohibition aktiv, obwohl nach 1918 kein Wein mehr hergestellt wurde. Ernest Streich lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1952 im Alter von sechsundachtzig Jahren in Castle Rock und verbrachte insgesamt zweiundsiebzig Jahre auf seinem Anwesen.
Noch früher als jeder der vorgenannten Weinbauern in diesem Redwood-Gürtel war John Hein, ein gebürtiger Preusse, der 1866 auf der anderen Strassenseite und nördlich von Castle Rock 160 Hektaren erwarb. Hein rodete einen Teil des Landes und bepflanzte bis 1875 zehn Hektaren mit Obstbäumen und Zinfandel. Später erbaute er eine eigene Weinkellerei, die seine Söhne nach seinem Tod im Jahr 1906 noch eine kurze Zeit lang betrieben.
Ein Stück weiter kreuzt die Redwood Canyon Road die Mt. Veeder Road; Sechs Kilometer die Mt. Veeder Road hinauf befand sich der Weinberg und das Weingut von Milo Bushmell Pond. Pond stammte aus Wisconsin und schloss 1865 sein Studium am Toland Medical College in San Francisco ab. Im Jahr 1866 begann er seine ärztliche Tätigkeit in Napa City und war dort viele Jahre lang ein treuer Allgemeinmediziner und Chirurg. Er kaufte das abgelegene und 100 Hektaren grosse Grundstück am Mt. Veeder mit der Idee, dort ein Tuberkulose-Sanatorium einzurichten, daraus wurde aber leider nichts. Also begann er 1886 mit der Anpflanzung eines Weinbergs, den er «Monte Verde» nannte. Bald darauf folgte eine Weinkellerei mit 75’000 Liter Fassungsvermögen, die bis etwa 1916 in Betrieb blieb.
An einer Nebenstrasse, etwa eine Meile westlich von Dr. Pond, liess sich Joseph
Fisher, ein Deutscher, im Jahr 1874 nieder. Er pflanzte Weinreben und baute 1889 eine steinerne Weinkellerei mit einem Fassungsvermögen von 70’000 Liter, sowie eine Destillerie. Wie Dr. Pond stellte auch er seine Tätigkeit um 1916 aufgrund der Reblaus ein.
Im Jahr 1941 wurde Fishers Anwesen von Jack und Mary Taylor erworben, die einen neuen Weinberg anlegten, hauptsächlich mit Pinot Noir und Chardonnay Reben und die alte Weinkellerei unter dem Namen «Mayacamas» Vineyards wiedereröffneten. Im Jahr 1968 wurde der Betrieb an Bob und Nonie Travers verkauft, die dort oben einige legendäre Weine kelterten. Bob verkaufte 2013, nach ein paar sehr herben Schicksalsschlägen die Winery an eine Investorengruppe.
Vier Meilen südlich von Napa, wo die heutige Napa-Sonoma Road nach Westen abbiegt, verläuft die Stanly Lane in Richtung Süden und durchquert das ehemalige 7000 Hektaren grosse Anwesen von Edward Stanly. Sein Land war ein grosser Teil des riesigen Rancho de los Carneros. Stanly erwarb sein Land 1870. Dieser Teil des Rancho galt lange Zeit als zweitklassig, da es in den nahen gelegenen Sümpfen am Napa River viele Moskitos gab. Trotzdem fühlte sich Stanly von dem Ort angezogen, kaufte das Land und liess es teilweise trockenlegen. Er pflanzte Eukalyptusbäume als Windschutz und zur Mückenabwehr (so glaubte er jedenfalls), säte Getreide aus und legte einen Obstgarten an. Im Jahr 1881 begann er dann mit der Anpflanzung von Reben und verwendete schon damals einige resistente Wurzelstöcke. Um das Jahr 1885 herum baute er dazu eine passende Weinkellerei.
Stanlys Karriere als Rancher zu bezeichnen, wäre falsch. Bevor er von Washington D. C. nach Kalifornien zog, hatte er als Anwalt praktiziert, als Mitglied des Kongresses gedient und war durch Lincolns Ernennung während des Krieges Gouverneur von North Carolina. Nach seiner Ankunft in San Francisco gründete er zusammen mit William Hayes eine Anwaltskanzlei. Im Jahr 1866 schloss sich ihm sein Neffe John A. Stanly an, den er aufgezogen hatte. Die Kanzlei wurde zu Stanly, Hayes & Stanly.
Im Jahr 1872 wurde der jüngere Stanly von Gouverneur Haight ernannt, um eine freie Stelle am Obersten Gerichtshof von San Francisco zu besetzen. Nach dem Tod seines Onkels erbte John die Ranch und vergrösserte den Weinberg auf fast 130 Hektaren, wobei er vor allem die besseren französischen Sorten anpflanzte. Er liebte das Leben eines Gentleman-Winzers und beschäftigte sich intensiv mit der Weinherstellung. Er liess sich die Wetterberichte der Region Bordeaux zuschicken, damit er die Messwerte mit denen seines Weinbergs vergleichen konnte. Nach seinem Tod im Jahr 1899 setzte sein Enkel Edward Stanly Coghill die Produktion einiger ausgezeichneter Weine fort. Das Weingut wurde leider durch ein Feuer zerstört. Einige der ursprünglichen Stanly-Gebäude blieben erhalten. Stanlys Eukalyptusbäume sind zu grosser Grösse herangewachsen und säumen noch immer die lange Allee.
Drei Meilen westlich der Stanly Ranch entlang der Napa-Sonoma Road, aber immer noch innerhalb der Grenzen von der Rancho Rincon de los Carneros, wurden die Reben sogar noch früher gepflanzt, nämlich von William H. Winter.
Winter wurde in Indiana geboren und besuchte Kalifornien bereits im Jahr 1844. Er kehrte kurz in seine Heimat im Mittleren Westen zurück und wagte sich dann in den frühen fünfziger Jahren wieder nach Kalifornien. Im Calaveras County in der Nähe von Mokelumne Hill eröffnete er einen Gemischtwarenladen mit einem Postamt. Später wurde das Gebäude als Winter's Bar bekannt. 1855 zog er nach Napa County und kaufte 250 Hektar Land, das vom Huichica Creek bewässert wurde. Bald darauf erwarb er weitere 250 Hektaren und pflanzte auf diesen sanften Hügeln mit Blick auf die San Pablo Bay Obstbäume und einen Olivenhain an, züchtete Vieh, bepflanzte 30 Hektaren mit Missionstrauben und nannte seinem Rebberg Huichica Vineyard. Dazu errichtete William Winter eine steinerne Weinkellerei und eine Brennerei.
Da Winter weitgehend mit seinem Viehgeschäft beschäftigt war, verpachtete er den Weinberg und die Kellerei 1872 an Adolph H. Grossman. Der aus Ungarn stammende Grossman war ein professioneller Winzer und hatte in der nahen gelegenen Anlage der Buena Vista Vinicultural Society als Brenner gearbeitet. Er betrieb die Huichica Vineyards für die nächsten sechs Jahre - bis Winter gezwungen war, das Anwesen zu verkaufen, weil er sich mit seinen geschäftlichen Unternehmungen übernommen hatte.
Grossman verliess daraufhin Napa County und ging nach Anaheim (Los Angeles), wo er die Weinberge von B. Dreyfus & Company verwaltete. Es war ihm jedoch zuvor gelungen, südöstlich von Napa City eigenes Land zu erwerben und dort 30 Hektaren mit Zinfandel und Riesling Reben zu bepflanzen. Im Jahre 1902 zog er nach Mountain View in der Nähe von San Jose, wo er für C. Schilling & Company einen 80 Hektaren grossen Rebberg, den Pebbleside1, anlegte. Schliesslich kehrte Grossman auf seinen Weinberg in Napa County zurück; seine letzten Jahre verbrachte er damit, sich einen Ruf als Autorität in Sachen Weinherstellung und in Sachen Veredelung von Reben zu schaffen.
Der Käufer von Winters Huichica Vineyards war James W. Simonton aus New York und San Francisco. Simonton war im Zeitungsgeschäft tätig und besass gemeinsam mit
George K. Fitch und Loring Pickering sowohl das San Francisco Bulletin als auch den San Francisco Call; ausserdem war er an der Associated Press beteiligt. Obwohl er gezwungen war, einen Grossteil seiner Zeit in New York und Washington zu verbringen, fühlte sich Simonton von den Möglichkeiten des Weinanbaus am Huichica Hill angezogen. Da er beabsichtigte, in grossem Stil in den Weinbau einzusteigen, bestellte er bei George Husmann von der Universität von Missouri einige resistente Unterlagen. Mit diesen legte er im Frühjahr 1880 einen neuen, über 40 Hektaren grossen Weinberg an, auf den er die besten Sorten veredeln wollte. Husmann hatte einer Reihe von kalifornischen Weinbauern resistente Unterlagen verkauft und besuchte den Staat im folgenden Jahr, um sich aus erster Hand über die von der Reblaus verursachten Schäden zu informieren und den Erfolg seiner gezüchteten resistenten Reben bei der Bekämpfung des Schädlings zu beobachten. Bei seinem Besuch der Talcoa Vineyards, wie Simonton das Weingut nannte (in einigen alten Aufzeichnungen wird es Tulveay genannt), wurde ihm die Stelle eines Ranch Superintendent angeboten. Obwohl dies bedeutete, dass er seine Professur an der Universität von Missouri aufgeben musste, nahm er das Angebot an.
Husmann war ein Deutscher aus Meyenberg bei Bremen; er kam im Alter von neun Jahren zusammen mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten. Sie liessen sich in Missouri nieder und betrieben Landwirtschaft. Während des Goldrausches besuchte Georg kurz Kalifornien, kehrte aber 1851 nach Missouri zurück, wo er das Anwesen einer verwitweten Schwester in Gasconade County übernahm. Er hatte sich schon lange für den Anbau von Obstbäumen und Weinreben interessiert. Mit einem Exemplar von A. J. Downingl «Fruits and Fruit Trees of America» und einem intensiven Wissensdrang errichtete er auf seiner Farm eine Versuchsgärtnerei, die sich zur bedeutendsten im ganzen Bundesstaat entwickelte.
Während des Bürgerkriegs verliess er die Farm, um bei den Unionstruppen zu dienen.
Er kehrte jedoch zurück, um seine Forschungsarbeit auf die Weinreben zu konzentrieren, insbesondere auf die in Missouri heimischen Rebsorten, die gegen die Reblaus resistent waren. 1866 veröffentlichte er sein erstes Buch, «Grapes and Wines», das ihn zu einer nationalen Autorität werden liess.
1868 gründete Husmann zusammen mit den Herren Frings und Wesselhoft die Bluffton Wine Company, die in der Nähe von Bluffton im Montgomery County, Missouri. Sie bewirtschafteten 600 Hektaren Rebfläche. Im folgenden Jahr gründete er den «Grape Culturist», eine monatlich erscheinende Zeitschrift, die sich mit Weinbau und Weinherstellung befasste. 1871 war die Bluffton Wine Company gescheitert und Husmann zog nach Sedalia in Pettis County und gründete eine neue Baumschule. Er spezialisierte sich auf widerstandsfähige Rebstöcke und verschiffte 1876 seine ersten Rebstöcke nach Kalifornien; Millionen seiner Rebstöcke wurden auch nach Frankreich verschifft.
1879 nahm er eine Professur für Pomologie, Forstwirtschaft und Weinbau an der Universität von Missouri an, gründete eine kommerzielle Baumschule, um den Staat gegen unzuverlässige Baumschulen zu schützen, und schrieb sein zweites Buch, «American Grape Growing and Winemaking».
Husmann schätzte die Gelegenheit, die sich ihm in Talcoa bot, sehr: Mit der Unterstützung des wohlhabenden Simonton konnte er Wein herstellen, Weinberge anlegen und, was noch wichtiger war, seine Forschungen mit resistenten Wurzelstöcken fortsetzen. Er kümmerte sich um den Talcoa-Jahrgang 1881, der aus ursprünglich von Winter gepflanzten Trauben hergestellt wurde. Im Frühjahr des folgenden Jahres pflanzte George Husmann über hundert Hektaren Reblaus resistente Reben an. Leider starb Simonton in diesem Jahr, und seine Erben, die seine Begeisterung für den Weinbau nicht teilten, gaben das ehrgeizige Projekt auf. Simonton gab Husmann in seinem Testament aber das Privileg, den Weinberg und die Kellerei für fünf Jahre zu pachten. Husmann nahm dieses Privileg dankend an. Die folgenden Jahre waren für ihn eine glückliche Zeit, denn in Talcoa hielt er "Kurse" für Hunderte von Winzern ab. Doch so reich die Jahre an Erfahrungen waren, so arm waren sie in finanzieller Hinsicht. Es fehlte ihm an Kapital, um die Veredelung der Rebstöcke mit weinfähigen Sorten abzuschliessen; hätte er diese Veredelung vornehmen können, hätten die Rebstöcke gerade dann zum ersten Mal geerntet werden können, als sein Pachtvertrag endete. Das Simonton-Anwesen wurde parzellenweise verkauft und die Weinkellerei mit einem Fassungsvermögen von 300’000 Liter wurde von verschiedenen Rebberg Besitzer bis weit nach der Jahrhundertwende weiterhin benutzt. Der grösste Teil der von Husmann gepflanzten Reben wurden nie veredelt.
Zwei Franzosen, Michel Debret und Pierre Priet, erwarben eine der Simonton-Parzellen im Jahr 1884. Sie waren bereits Partner in San Francisco, wo sie Restaurants betrieben. Auf ihrem neuen Land kultivierten sie einen 25 Hektaren grossen Weinberg mit Rot- und Weissweintrauben und bauten dazu eine grosse Kellerei aus Stein. Sie produzierten Wein bis in die die frühen 1900er Jahre. Heute ist das Land immer noch mit Reben bepflanzt und das ehemalige Debret Weingut, das jetzt im Stil eines Schlosses umgebaut wurde, ist vom Napa-Sonoma Highway aus zu sehen.
So, endlich das südliche Napa Valley ist geschafft! Es war echt schwierig da nur noch sehr wenige der einstigen Weingüter, die in dieser Region im 19. Jahrhundert aktiv waren, bestehen. Und die, die noch bestehen, haben von ihrem Ursprung oder ihrer Geschichte leider keine oder nur etwas Ahnung.
Etwa drei Meilen nordwestlich von Napa City, direkt westlich der nordwestlichen
Ecke der Kreuzung der Salvador und Solano Avenue pflanzte Jacob Sigrist, ein Deutscher aus dem rheinischen Bayern, (die Pfalz war bis 1918 Bayrisch) in den 1860er Jahren Weinreben an und errichtete kurze Zeit später ein Weingut. Bis 1870 besass er etwa 40 Hektaren Rebfläche und hatte die ursprüngliche Kellerei, die durch einen Brand zerstört worden war, durch zwei ausgezeichnete Steinkeller ersetzt, einen für die Weissweine und einen für die Rotweine.
Sigrist war ein solider und engagierter Winzer, er achtete darauf, die Trauben der verschiedenen Rebsorten getrennt zu keltern und sie nach der Reifung zu einheitlichen Weinen zu assemblieren. Auf diese Weise war er in der Lage, von Jahr zu Jahr weitgehend beinahe oder ähnliche Weine zu präsentieren.
Im Jahr 1878, als Gottlieb Barth das Anwesen erwarb, umfasste es mehr als 60 Hektaren Weinberge und die beiden Weinkeller hatten eine Lagerkapazität von 400’000 Liter.
Der gebürtige Sachse Gottlieb Barth wurde als wohlhabender Mann geboren und verbrachte seine Kindheit auf dem Schloss seiner Familie, wo er von Privatlehrern unterrichtet wurde. Er kam 1859 im Alter von achtunddreissig Jahren nach San Francisco und reiste vier Monate lang mit dem österreichischen Konsul durch den Staat. In den nächsten drei Jahren arbeitete er überraschenderweise als Landarbeiter in den Bezirken San Mateo und Napa. Er heiratete bald und betrieb dann mit seiner Frau bis 1870 eine Pension in Napa City.
Gottlieb wurde von Gouverneur Haight beauftragt, Europa im Namen der landwirtschaftlichen Interessen des Staates Kalifornien zu bereisen. Offensichtlich führte Barth eine erfolgreiche Tournee durch, denn 1875 wurde er Eigentümer der Barth-Brauerei in Napa City. Das zweistöckige Steingebäude an der Main Street zwischen Pearl und Clinton wurde zu seiner Zeit als eine der grössten Brauereien westlich des Sacramento River bezeichnet. Neben der Brauerei, dem Weinberg und dem Weingut besass Barth eine 130 Hektaren grosse Ranch in den Napa Redwoods und eine 580 Hektaren grosse Schafsfarm im Sanel Valley im Mendocino County.
Offensichtlich war Gottlieb Barth zu Wohlstand gekommen, und mit dem Reichtum kam auch der Respekt und das Vertrauen der Bürger von Napa. Als 1878 das neue Bezirksgericht gebaut wurde, nahmen die Bezirksbeamten, die einen sicheren Ort für die Aufbewahrung der Bezirksgelder brauchten, gerne Barths freundliches Angebot an, seinen Tresor in der Brauerei zu nutzen. Im Jahr 1881 brannte die Brauerei aus; glücklicherweise befanden sich die Gelder nicht mehr dort, und auch Barth war zu dieser Zeit nicht in Napa.
Als er jedoch nach mehreren Wochen nicht zurückkehrte, machten sich Freunde, die ihm Anlagesummen von insgesamt etwa 100.000 Dollar anvertraut hatten, Sorgen - nicht nur um ihn, sondern auch um ihr Geld. Bald erfuhr man, dass er nach Arizona gefahren war, um "einen kranken Freund zu besuchen". Doch danach hörte man nichts mehr von ihm, und schliesslich nahmen alle an, dass er nach Deutschland zurückgekehrt war. Auf jeden Fall wurden weder er noch das Geld seiner Freunde jemals wieder in Napa City gesehen.
1882 erwarb Emanuel Goldstein den Barth-Weinberg und die Weinkellerei, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1892 betrieb, woraufhin seine Erben das Geschäft eine Zeit lang weiterführten. Der Verkauf der Weine, der Goldstein und später seine Erben produzierten, wurden von der Firma B. Dreyfus & Company abgewickelt, die eine grosse Weinhandlung in San Francisco hatten, dessen Hauptaktionär wiederum Emanuel Goldstein, respektive seine Erben gewesen waren.
Die beiden zweistöckigen steinernen Kellereigebäude die einst von Jacob Sigrist geplant und erbaut wurden, überlebten die Prohibitionszeit und wurden nach der Aufhebung dieser zwar nicht reaktiviert, blieben aber bis Anfang der 1960er Jahre stehen. Sie wurden abgerissen, um Platz für einen Wohnmobilpark zu schaffen.