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Als Spross einer Magistratenfamile, die im 17. Jahrhundert in Sursee dreimal den Schultheiss (Bürgermeister) stellt, wird er am 30. Dezember 1628 in Sursee (LU) geboren. Sein Vater Ambrosius Tschupp ist Schultheiss von 1631–1657. Mit 17 Jahren legt Johann Jost unter dem Namen Bonifaz die Profess im Kloster Einsiedeln ab, wo er studiert und 1653, mit 25 Jahren, zum Priester geweiht wird. Er ist 1657 Professor der Philosophie und 1659 Professor der Theologie an der Stiftsschule. 1665–1670 ist er als Statthalter in Pfäffikon (SZ) und 1671 in Ittendorf (D) tätig, kehrt aber 1672 als Subprior ins Kloster zurück. Er wird 1673 Dekan und Betreuer des Bauwesens. In Einsiedeln arbeitet zu dieser Zeit der Vorarlberger Baumeister Johann Georg Kuen, dessen Vater Michael von Abt Augustin II. bereits für den Schlossneubau in Ittendorf engagiert worden ist.[1] Pater Bonifaz kennt Vater und Sohn Kuen demzufolge gut und schätzt die Vorarlberger.
1677 resigniert der Abt von Pfäfers nach verlorenem Prozess gegen die Schweizerische Benediktinerkongregation. Dem unfähigen Abt ist bereits 1665 ein Administrator der Kongregation vorgesetzt worden. Dieser, Pater Antonin von Beroldingen, hat tatkräftig den Wiederaufbau der 1665 abgebrannten Abtei von Pfäfers begonnen. Die von Giovanni Serro und Giulio Barbieri geplanten Konventgebäude sind schon bezugsbereit, als am 8. März 1677 Pater Bonifaz Tschupp aus Einsiedeln zum Abt gewählt wird. Das Pfäferser Kapitel hat die Wahl den anwesenden Äbten von Einsiedeln und Muri überlassen.
Der neue Abt findet in Pfäfers eine sehr schwierige Lage vor. Die sieben im Sarganserland regierenden Orte versichern ihn zwar schon am 13. März ihres Schutzes, aber die innern Zustände machen viel zu schaffen, vor allem nachdem der übergangene Pater Antonin von Beroldingen wieder nach St. Gallen zurückkehrt.
Mit Hilfe von Mitbrüdern aus Einsiedeln gelingt es Abt Bonifaz allmählich, eine Wendung zum Bessern herbeizuführen. Um der Reform mehr Sicherheit zu verschaffen, verfügt Rom 1682 auf Betreiben des Einsiedler Abtes Augustin II. die Einverleibung der Abtei Pfäfers durch Einsiedeln, eine Vereinigung, die man in beiden Konventen natürlich sehr ungern sieht und die auch sogleich nach dem Tode Abt Augustins 1692 aufgehoben wird.
Abt Bonifaz hat schon sofort nach seiner Wahl mit der Kirchenplanung begonnen und zieht aus Einsiedeln den ihm vertrauten Baumeister Johann Georg Kuen bei. Gegen die Mehrheit des Kapitels, das die vermutlich noch von Serro und Barbieri im Norden des neuen Klosters geplante Kirche bevorzugt, setzt der Abt seine vorgefasste Absicht glücklicherweise durch, die Kirche gemäss der Planung Kuens im Osten, am Steilhang, zu errichten. Er begründet dies mit der Zeichenwirkung des Bauwerkes, als weithin sichtbares, imposantes Zeugnis für den wahren Glauben. Die Kirche wird 1688–1693 nach den Plänen Kuens durch Baumeister Lang aus Sargans gebaut und am 10. Oktober 1694 eingeweiht
Ebenso baut Abt Bonifaz mit Baumeister Lang aus Sargans 1695–1697 in Vättis und 1703–1704 in Ragaz neue Pfarrkirchen. In der Badeschlucht lässt er 1704 die beiden grossen Badgebäude beginnen, die erst 1718 vollendet werden. Daneben trägt er eine Schuldenlast von über 40 000 Gulden ab und hinterlässt seinem Nachfolger noch ebenso viel in bar. Nach einer sehr segensreichen Regierung stirbt er am 19. November 1706, gefeiert als der zweite Gründer dieses Stiftes. Sein Grab, er ist im Lehnsessel sitzend begraben, ist in der Gruft unter dem Seitenschiff rechts vom Eingang, wo sich auch sein Epitaph befindet.
Sein Porträt hängt in der Pflegeanstalt St. Pirminsberg im Treppenaufgang zum Frauenhaus; ein anderes in der Bürgerbibliothek Luzern und eine Kopie davon im Stiftsarchiv Einsiedeln.
Sein Wappenschild ist in der Kirche am Hochaltar, am Chorbogen und am Kirchenportal angebracht. Er ist immer geviertet und zeigt Feld 2 und 3 das Klosterwappen, in Rot eine auffliegende silberne Taube, welche im Schnabel einen silbernen rotgefleckten Span hält. In Feld 1 und 4 ist das persönliche Wappen zu sehen, in Gold auf grünem Dreiberg ein schwarzes Lothringerkreuz, rechts begleitet von einem gewendetem, schwarzen Mond.
Pius Bieri 2008
Benutzte Literatur:
Henggeler, Rudolf, P.: Professbuch Einsiedeln, Einsiedeln 1933.
Rothenhäusler, Erwin: Die Kunstdenkmäler des Kantons St. Gallen, Band I, Der Bezirk Sargans (Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 25 der Gesamtreihe), Basel 1951.
Anmerkung:
[1] Die wichtige erste Berufung von Vorarlbergern ausserhalb der Bodenseeregion wird mit Beziehungen der Familie des Abtes zu den Kuens erklärt. Eine Reding von Biberegg, aus der Familie des Abtes, ist Taufpate eines Kindes von Johann Georg Kuen in Bregenz. (O. Sandner). Dies dürfte aber eher eine Folge aus dem Auftragsverhältnis sein. Wahrscheinlicher ist der Beizug von Michael Kuen um 1669 wegen seinen Schlossbauten für das Haus Montfort in Tettnang und Langenargen. Sicher sind diese Bauten der Grund für den Verding von 1671 in Ittendorf.
|Abt Bonifaz I. Tschupp (1628–1706) in Pfäfers|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|30. Dezember 1628||Sursee Luzern CH||Eigenössischer Stand Luzern|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Benediktiner-Fürstabtei Muri||1677–1706|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|19. November 1706||Pfäfers St. Gallen CH||Herrschaft Abtei Pfäfers|
|Kurzbiografie|

Der 1677 erfolgten Wahl von Pater Bonifaz Tschupp aus Einsiedeln zum Abt in Pfäfers geht die Abdankung des schon 12 Jahre vorher von der Benediktinerkongregation entmachteten Vorgängers voraus. Pfäfers ist das grosse Sorgenkind der Kongregation und wird seit 1665 vom St. Galler Administrator Pater Antonin von Beroldingen betreut, dessen Verdienst der Klosterneubau mit Misoxer Baumeistern ist. Der neue Abt ist bauerfahren, er schätzt den Vorarlberger Johann Georg Kuen als Baumeister und zieht ihn sofort nach der Wahl für die Planung der Stiftskirche bei. Sie wird ein eindrückliches frühes Zeugnis der Kirchenarchitektur von Vorarlberger Baumeistern. Die Regierungszeit von Abt Bonifaz bedeutet für Pfäfers den Beginn einer neuen barocken Blüte.
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