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Er füllte ganze Stadien, gehörte zu Frankreichs Musikikonen und lebte als Steuerflüchtling vorübergehend in der Schweiz: Nun ist der Rocksänger Johnny Hallyday, den seine Fans nur bei seinem Vornamen nannten, im Alter von 74 Jahren in der Nacht auf Mittwoch gestorben.
Johnny Hallydayexterner Link war der grösste Popstar Frankreichs. Fünf Abende in Folge spielte er 1998 im ausverkauften Stade de France in Paris. Hallyday absolvierte in seiner langen Karriere endlose Tourneen und verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger.
Viele Franzosen identifizierten sich mit diesem Mann, der in schwierige Verhältnisse hineingeboren wurde und es mit viel Herz und harter Arbeit ganz nach oben schaffte.
Hallyday hat in seiner über 50-jährigen Karriere so viele goldene und silberne Schallplatten bekommen wie kaum einer seiner Landsleute. Der Nachwelt hinterlässt er Ohrwürmer wie "Ma gueule", und "Oh, ma jolie Sarah".
Der 74-Jährige starb an den Folgen einer Krebserkrankung, wie die Agentur AFP unter Berufung auf eine Mitteilung seiner Frau Laeticia berichtete. "Johnny Hallyday ist gegangen. Ich schreibe diese Worte, ohne sie zu glauben", hiess es darin.
Kriegsflüchtling in London
Der Sänger, mit bürgerlichem Namen Jean-Philippe Smet, wurde 1943 als Sohn eines belgischen Schauspielers, Sängers und Tänzers in Paris geboren, der die Familie verliess, als Johnny noch ein Kleinkind war. Weil die Mutter arbeitete, wuchs er bei seiner Tante auf, zunächst als Kriegsflüchtling in London, später in Paris. Diese ging mit ihren Töchtern und dem knapp einjährigen Johnny ab 1944 als "The Hallydays" auf Tanztournee.
Zu Beginn seiner Karriere wurde er noch als Elvis-Kopie wahrgenommen, dies änderte sich aber rasch. "Johnny", wie ihn ganz Frankreich nannte, war einer der wenigen, der es glaubwürdig schaffte, das amerikanische Lebensgefühl ins Französische zu übertragen.
Steuerflüchtling in Gstaad
Sein Privatleben verlief turbulent. Doch Skandale und Affären, zertrümmerte Gitarren, gescheiterte Ehen, Drogen, Alkohol und selbst seine Steuerflucht 2006 in den Schweizer Wintersportort Gstaad haben seiner Popularität nicht geschadet.
Hallyday hatte 2006 versucht, die belgische Staatsbürgerschaft zu bekommen, um Steuern zu sparen. Als das nicht klappte, verlegte er seinen Wohnsitz nach Gstaad – vorübergehend. 2013 verlegte er seinen Wohnsitz in die USA, kehrte aber für die Festtage mit seiner Familie ins Berner Oberland zurück. 2015 schrieb er sein Chalet für knapp zehn Millionen Franken zum Verkauf aus.
Hallyday beteuerte, er käme wieder nach Frankreich zurück, sobald sich die Steuergesetzgebung bessern würde. Zu jener Zeit war Jacques Chirac Staatspräsident, ein Fan von Johnny, mit dem er regelmässig dinierte. Auch Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist ein Freund des Sängers.
Soldat in Deutschland
Als Vorbilder dienten Hallyday der US-amerikanische Rock'n'Roll und Elvis Presley, der stets sein Idol blieb. So wie Elvis leistete auch er seinen Wehrdienst in Deutschland ab und nahm dort einige seiner erfolgreichsten Rock'n'Roll-Platten auf, darunter "Ja, der Elefant" und "Mein Leben fängt erst richtig an".
Parallel zu seiner Karriere als Musiker baute Hallyday an seiner Schauspielerlaufbahn. Er drehte unter anderem mit Jean-Luc Godard, Costa-Gavras, Patrice Leconte und Claude Lelouch. Im deutschen Fernsehen war der Franzose auch im Krimi "David Lansky" zu sehen.
swissinfo.ch, SRF und Agenturen