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Nasenaus-569
fluß, später auch ausgesprochene Ernährungsstörung auf. Behandlung aussichtslos, deshalb ist zeitiges Schlachten [* 3] der erkrankten Tiere angezeigt. Schnüffeln, s. Geruch. Schnupfen ((^oi-^ii), die Entzündung, der Katarrh (s. d.) der Nasenschleimhaut. Diese ist dabei entweder trocken, aber verschwollen (Stock- schnupfen), oder sondert sogleich einen dünnen, scharfen Schleim ab (Fließschnupfen), der nach längerer oder kürzerer Zeit, meist nach zwei bis drei Tagen, dicker und milder wird.
Damit ver- binden sich öfters: Niesen, Gefühle von Spannung oder Prickeln in der Nase, [* 4] Nasenbluten, ^opfsckmer- zcn, Thränen der Augen, Störung des Geruchs- und Geschmackssinns, veränderte Sprache, [* 5] mitunter auch Ohrensausen und vorübergehende Schwerhörig- keit, bei schwächlichen Personen auch mehr oder minder heftige Fiebererscheinungen (Schnupfen- fieber, Katarrhalfieb er). Der S. entsteht meist durch plötzlichen Temperaturwechsel, bei schnellem Übergang von kalt zu warm oder umgekebrt, und herrscht deshalb im Winter und Frühjahr; aber auch durch scharfe, in die Nase gelangte Einatmung oder Flüssigkeiten u. s. w. Er tritt auch als Teilerschei- nung gewisser Infektionskrankheiten (Masern, Grippe) sowie der chronischen Iodvergiftuna auf.
Der gewöhnliche S. ist eine leicht heilbare Krank- beit. Man muß dabei den schnellen Wechsel der Temperatur, besonders Zualuft vermeiden, die Füße warm halten und eine regelmäßige Diät beobachten. Mitunter gelingt es, einen aufbrechenden S. durch ein russ. Dampfbad oder durch wiederholte Ein- atmung des Hager-Vrandschen Schnupfenmittels (bestehend aus Carbolfäure, Spiritus [* 6] und Salmiak- geist) zu coupieren; neuerdings werden zu diesem Zwecke auch Echnupfpulver aus Menthol oder Co- ca'in empfohlen.
Bei Säuglingen gehört ein S. schon zu den bedeutendern
Krankheiten,
weil er, bei der Enge der kindlichen Nase, das Säugen
und da- mit die
Ernährung erschweren kann; man reicbe da- her die
Milch mit einem Löffel und reinige
die Nasen- höhlen öfters mit einem Pinsel oder durch lauwarme Eiufpritzungen.
Stockschnupfen kann auch durch Verstopfen
der Nafengänge durch Echleimhautwuche- rungen (Polypen) entstehen und erfordert dann eine zweckmäßige chirurg.
Behandlung. (S. Nase.)
Schnupftabaks ein aus Tabakblättern (s.
Tabak)
[* 7] gewonnenes Schnupfmittel, wird
meist aus schweren Habaksorten, dicken, fleischigen
Blättern von kräftig säuerlichem
Geruch und nicht zu heller
Farbe dar-
gestellt.
Lange, dürre oder nicht aromatische Blätter taugen zur Fabrikation nicht. In erster Reihe kommen Virginia- und Amersfoorter Blätter, dann inländ. Landtabak (Mutterstadt-Eppstein und schwere poln. VläNer), ungarischer, aber auch Habana, [* 8] Kentucky, Domingo, Orinoco, Maryland, und die unter dem Namen Diessn bekannten Holland. Blätter. Eine große Rolle spielt das Lagern des Tabaks und das Sortieren, bei welchem alle unreifen, kraftlofen, ver- stockten, verschimmelten und vermoderten Blätter ausgeschieden werden müssen.
Die sortierten Blätter werden sodann nach dem für Rauchtabak gebräuch- lichen Verfahren entrippt, oder man begnügt sich damit, den die stärksten Rippen enthaltenden untern Blattteil abzuschneiden, der alsdann zur Herstellung von Rauchtabak benutzt wird. Hierauf beginnt das Beizen mit der Sauce. Soll der Tabak eine fchwarze Farbe erhalten, so wird die Beizflüssigkeit heiß an- gewandt. Die gebeizten Blätter treten bald in Gä- rung. Die Dauer der letztern und die Menge des Bades zum Beizen hängen von der Beschaffenheit der Tabakblätter ab, wechseln auch im Sommer und Winter und schwanken zwischen vier Tagen und sechs Wochen. Je feiner die Blätter, desto we- niger stark dürfen sie gären.
Nach der Gärung werden die Blätter entweder gleich zerschnitten, ge- stampft und gemahlen, oder vorher in sog. Karot- ten (s. d.) oder auch in irgend eine andere Form gepreßt. Die Zusammensetzung der einzelnen Saucen ist verschieden und wird von den Fabriken als Ge- heimnis betrachtet. Verschiedene aromatische Kräuter und Wurzeln, Wacholderbeeren, Kalmus, Pome- ranzenschalen, Angelikawurzel, Korinthen, Rosinen, SüVholzsaft, Tamarinden, Arrak, Rum, Rheinwein, Salmiak, Pottasche sind häufige Ingredienzien.
Die gebeizten Tabakblätter werden zerkleinert und dann gemahlen oder rapiert (auf Tabakmüh- len oder Rapiermaschinen). Der gemahlene S. heißt auch Raps (Rappen). Näheres über diese maschinellen Einrichtungen s. Tabak. Der gemahlene Tabak wird gesiebt und hierauf nochmals angefeuchtet, was teils mit der Hand, [* 9] teils mit Hilfe besonderer Maschinen geschieht. Nun- mehr ist der S. zum Verpacken fertig und wird möglichst fest entweder in Fässer gestampft oder in Büchsen gepreßt, für welch letztere Arbeit ganz ähn- liche Maschinen wie zum Verpacken des Rauchtabaks in Gebrauch sind.
Die für den Verfand bestimmten Büchfen fertigte man früher allgemein aus Blei- folie. Da jedoch der Tabak in solcher Verpackung leicht stark bleihaltig wird und dann zu chronischen Bleivergiftungen Anlaß giebt, verpackt man ihn entweder in Zinnfolie oder in Wachs- oder Pa- raffinpapier. Tabakmehle, welche durch direktes Vermablen von getrockneten, noch nicht gegorenen Blättern hergestellt wurden, müssen vor dem Ver- packen der Gärung unterworfen werden. Zu diefem Zweck fchlägt man sie mit hölzernen Stempeln in große Kisten mit durchlöcherten Deckeln ein und stellt dieselben in warm gehaltenen Kammem auf.
Die wichtigsten
Schnupftabakfortm sind:
aroma- tischer Augentabak, Vahia,
Bärenburger, Verga- mottetabak,
Bisamtabak,
Bolongaro,
Bon-Bon, Vrasilientabak,
Spaniol (für
Damen),
Grand Kar- dinal, Kuskotabak, Duchesse, Espaniol oder Ieville-
tabak,
Frankfurter, Hannoverischer
Tabak, Musino- tabak,
Holländer
Tabak, Limburger
Tabak,
Cötes d.' Mansques, Mississippi,
Tabak
d'Oranges,Tabac de Turcs ä la Robeillard, Iasmintabak, Maküba, Malteser, Marino,
Marokko,
[* 10] Millefleurs, Natchi- toches,
Naturell-Amsterdamer,
Naturell-Pariser,
Naturell-Straßburger, Neapolitaner, Neroli,
Nes- sing, Neuroder
Tabak, St. Omer,
Pariser,
Preßtabak, Raps (Raps Clairac,
Veilchen-Rappee),
Straßburger Weizen,
Termonde, Tonka, unaar. gebeizter
Tabak, St.Vincent.
Außer
diesen den erforderlichen Feuchtig- keitsgrad enthaltenden und daher direkt zum Gebrauch geeigneten Sorten kommt im Handeldersog.
St aub- tabak (ungar. oder Debröer Staub) vor, ein trocknes Mehl, [* 11] das erst durch Anfeuchten mit Wasser als S. verwendbar wird. Derselbe hat den besonders für den Versand nach entfernten Gegenden wichtigen Vorzug, eine minder sorgfältige Verpackung zu er- fordern. Fertige Tabake lassen sich nämlich schwer in arohen Partien versenden, weil der Tabak auf dem Transport an heißen Sommertagen leicht umschlägt und an Güte verliert. Bemerkenswert ist noch, daß man zuweilen dem S. Stoffe, die eine starke, zum ¶
T.
Buchstabe
Elemente
Tabak
[* 7] (Nicotiana Tourn.), Gattung aus der Familie der Solanaceen, ein-, seltener mehrjährige, häufig drüsenhaarige, klebrige Kräuter, bisweilen halbstrauchig, selten strauch- oder baumartig, mit einfachen, ganzrandigen, selten buchtigen Blättern, endständigen Blütentrauben oder Rispen und trockner, zweifächeriger, vom bleibenden Kelch umgebener Kapsel mit zahlreichen sehr kleinen Samen. [* 14] Etwa 50, bis auf wenige australische und polynesische, in Amerika [* 15] heimische Arten. Bauerntabak (N. rustica L.), einjährig, 60-120 cm hoch, drüsig kurz behaart, klebrig, mit mehr oder weniger verästeltem Stengel, [* 16] ¶
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eiförmigen, oben sitzenden, unten gestielten, gerippten Blättern, grünlichgelben Blüten in endständigen, gedrängten Rispen und fast kugeligen Kapseln, [* 18] in Mexiko [* 19] und Südamerika, [* 20] wird bei uns seltener gebaut, im Orient aber ausschließlich und liefert den türkischen Tabak und Latakia. Gemeiner, virginischer Tabak (N. Tabacum L., s. Tafel »Genußmittelpflanzen«), [* 21]
einjährig, 1-2 m hoch, drüsig kurz behaart, klebrig, mit sitzenden (die untern halbstengelumfassend, herablaufend), länglich lanzettförmigen, lang zugespitzten Blättern, in endständiger, ausgebreiteter Rispe stehenden, langröhrigen, hellroten Blüten und eiförmigen Kapseln, in Südamerika, wird in den gemäßigten und subtropischen Klimaten aller Erdteile kultiviert. Der großblätterige Marylandtabak (N. macrophylla Metzg.) unterscheidet sich von letzterer Art durch breitere, stumpfe, am Grund geöhrte, sitzende oder geflügelt gestielte Blätter und durch den gedrungenern Blütenstand, [* 22] ist aber vielleicht nur eine Varietät derselben.
Der Tabak gedeiht im allgemeinen noch, wo der Winterweizen im ersten Dritteil des Monats August reif wird; guter Tabak fordert aber ein Weinklima, und die feinsten Sorten werden zwischen 15 und 35° gebaut. Der Normalboden für den Tabak ist ein kalkhaltiger oder gemergelter Lehm der Sandkonstitution, welcher leicht erwärmbar und humushaltig ist. Auch milder Kalkmergelboden paßt noch für den Tabak, muß aber recht warm liegen. Dem Tabak geht Klee, Luzerne, eine beliebige grün untergebrachte Frucht oder eine Hackfrucht voran; er folgt zwei und mehrere Jahre auf sich selbst und gibt sogar im zweiten oder dritten Jahr ein feineres Produkt als im ersten.
Der Tabak entnimmt seinem Standort bedeutende Mengen Kali, leidet aber durch Chlorverbindungen. Für Pfeifengut und Deckblätter wirkt Gründüngung oder untergebrachter Klee mit Rindermistdüngung im Herbst am günstigsten, und im Spätherbst gibt man eine tiefe Furche. Auf sandreichem Boden wirkt eine Auffuhr von Moder vortrefflich. Kurz vor der Bestellung erhält das Land gartenartige Bearbeitung. Die jungen Pflanzen erzieht man in Mistbeeten oder in Kasten mit eingeschlagenen Pfählen (Kutschen); man säet im März, begießt fleißig, schützt die Pflanzen durch Strohdecken vor Frost, lichtet die Saat zur Zeit der Baumblüte, verpflanzt die kräftigsten Pflänzchen 2,5-5 cm weit mit Erdballen in Gartenbeete, schützt sie auch hier durch Strohdecken vor Nachtfrösten und bringt sie Ende Mai oder mit der ersten Junihälfte mit 6-7 Blättern auf den Acker.
Man stellt sie 60 cm weit voneinander in 60 cm weit entfernten Reihen und läßt nach je zwei Reihen einen Weg. Sobald die Pflanzen angegangen sind, werden sie behackt, beim zweiten Behacken auch behäufelt und, wenn sich die Blütenrispe entwickeln will, geköpft, so daß je nach der Varietät 8-12 Blätter stehen bleiben. Später entfernt man auch die aus den Blattwinkeln entspringenden Seitentriebe (Geizen). Bei der ersten Behackung gräbt man zwischen je vier Pflanzen Löcher und gießt mit Wasser verdünnte und mit Guano gemengte Jauche hinein.
Man kann statt dessen auch im Frühjahr Mist einbringen, doch gibt die Jauche stets ein feineres Produkt. Wenn der Tabak etwa 90 Tage auf dem Acker gestanden hat, sind die Blätter reif; sie werden matt, gelbfleckig, klebrig und bekommen einen starken Geruch. In diesem Zustand erntet man den für Deckblätter bestimmten Tabak, Pfeifengut aber erst, wenn die Blätter anfangen, ihre Ränder einzurollen. Man verliert dadurch an Gewicht, aber das Produkt wird feiner. Bei der Ernte [* 23] bricht man zuerst die untersten Blätter (Sandblätter), dann die folgenden (Erdblätter) und zuletzt als Haupternte die übrigen, welche die besten sind.
Bei gutem Wetter [* 24] knickt man die Blätter nur ein und löst sie am folgenden Tage ganz ab. Man trocknet sie in einem luftigen Raum auf Stangengerüsten, indem man sie auf Ruten anspillt oder an Bindfaden auffädelt, und läßt sie wochen- und monatelang hängen. Das Ernteverfahren variiert übrigens mehrfach, und in Amerika nimmt man die ganzen Pflanzen vom Feld ab, nachdem man sie einige Tage vorher so weit angehauen hat, daß sie sich umlegen, und hängt sie mit den Blättern zum Trocknen auf. Der Ertrag schwankt zwischen 900-2000 kg pro Hektar. Behandelt man den Geiz wie die Haupternte, so gibt auch jener noch einen Ertrag, freilich von geringer Qualität.
Die geernteten Blätter bindet man in kleine Bündel, trocknet sie an der Luft und unterwirft sie dann einem Gärungsprozeß, indem man sie in lange, frei stehende Haufen von 1,25-1,5 m Breite [* 25] und Höhe aufschichtet (Brühhaufensetzen, Aufstocken, Lagern) und nach eingetretener hinreichender Erwärmung der Haufen umschlägt, so daß die äußern Schichten nach innen zu liegen kommen. Diese Arbeit wird so oft wiederholt, bis die Blätter vollständig eingeschrumpft sind und eine mehr oder weniger dunkelbraune Farbe angenommen haben.
Dann setzt man die Bündel zu sogen. Trockenbänken auf und lagert sie in größern Haufen. In der Pfalz, welche viele Blätter als Zigarrendeckblatt versendet, streicht man diese bei gehörigem Feuchtigkeitsgrad sorgfältig glatt, schichtet sie zu kleinen Stößen auf und preßt diese. Die feinern Sorten werden auch entrippt, indem man die beiden Blatthälften von der dicken Mittelrippe abzieht. Die Rippen selbst dienen zu Schnupftabak oder, zwischen Stahlwalzen flach gepreßt, zu Zigarreneinlagen oder billigem Rauchtabak.
Handelssorten. Wirkung des Tabaksgenusses.
Die Handelssorten sind meist nach ihren Produktionsländern benannt; die wichtigsten sind etwa folgende:
1) Südamerikanischer a) Varinas (Kanaster) aus den Provinzen Varinas, Merida, Margarita etc. der Republik Venezuela, [* 26] kommt in 7-8 kg schweren, 4-5 cm dicken, gesponnenen Rollen [* 27] in Körben aus gespaltenem Rohr (canastra, daher der Name) in den Handel; er ist äußerst mild, mit feinem, weichem, kastanienbraunem Blatt [* 28] und bildet den feinsten Rauchtabak. Die besten Rollen bilden den Muffkanaster; b) Orinokokanaster, sehr stark; c) Orinokokanasterblätter; d) Cumanátabak, dem Varinas gleichstehend; e) Cumaná-Andouillen oder Karotten; f) brasilischer Tabak in Rollen, Zigarren und Zigarretten, gegenwärtig ziemlich beliebt und stark eingeführt; g) Paraguaytabak, zum Teil sehr stark; h) Columbiatabak aus Neugranada und den angrenzenden Ländern: Carmen, Giron-Palmyra, Ambalema, meist Zigarrentabak, dem Varinas nahestehend; i) mexikanischer Tabak, erst in neuester Zeit in den großen Markt eingetreten.
2) Westindischer a) Cuba oder Havana, [* 29] die vorzüglichste aller Sorten, deren ausgesuchteste und teuerste Blätter Cabanos heißen. Der Havanatabak wird größtenteils an Ort und Stelle auf Zigarren verarbeitet; es kommen aber auch Blätter in Bündeln und Seronen nach Europa, [* 30] um namentlich als Deckblatt benutzt zu werden, und fette, schwere Sorten, aus denen man in Spanien [* 31] den Spaniol darstellt. Der als Cuba in den Handel kommende Tabak ist in verschiedenen Gegenden der Insel gewachsen, kommt zum Teil dem Havana sehr nahe und dient meist zu Zigarren. Von den verschiedenen Spezialsorten kommt am häufigsten Yara vor; b) ¶
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Domingo, von der gleichnamigen Insel, Tortuga und Samane, dient zu Zigarren und Rauchtabak; c) Portorico, von der gleichnamigen Insel, nächst Varinas der beste Rauchtabak, wird an Ort und Stelle auch viel auf Zigarren verarbeitet.
3) Nordamerikanischer a) Maryland, allgemein beliebter Rauchtabak, fein, gelb, von angenehmem, süßem Geruch; die beste Sorte ist der Baytabak. Ähnlich ist der Ohiotabak. b) Virginia, lebhaft braun, teils fette, schwere Sorten für feinen Schnupftabak, teils leichtere Blätter für mittlern Rauchtabak; c) Kentucky, zu Zigarren, Rauch- und Schnupftabak benutzt; ihm schließen sich an die Tabake aus Tennessee und Missouri. Seedleaf wird in Pennsylvanien, Connecticut und Ohio aus Samen von Cuba erzogen und dient zu Zigarren. Florida gibt ein vorzügliches, sehr schön geflecktes Deckblatt.
4) Asiatischer a) Manila, sehr gute Ware, meist an Ort und Stelle zu Zigarren verarbeitet; b) Java, von feinem Aroma, meist zu Zigarren verarbeitet; chinesische, japanische und indische Tabake sind bei uns keine Marktartikel.
5) Europäischer Tabak Frankreich produziert in 18 Departements Tabak, welcher zu Schnupf- und ordinären Rauchtabaken benutzt wird. Auch Algerien liefert große Quantitäten; die Produktion wird aber im Land selbst verbraucht. Österreich-Ungarn [* 33] baut Tabak in Tirol, [* 34] Galizien, namentlich aber in Ungarn [* 35] am linken Ufer der Theiß. Der ungarische Tabak hat ein dünnes, weiches, gelbes Blatt und eignet sich besonders zu Rauch- und Schnupftabak, wird aber zum Teil auch zu Zigarren benutzt.
Vom holländischen Tabak ist der Amersfoorter der beste und besonders zur Fabrikation von Schnupftabak gesucht; das belgische Gewächs steht dem holländischen nach. In Deutschland [* 36] ist die hauptsächlichste Kulturgegend die Pfalz, wo man namentlich Zigarrentabak baut, der nicht nur an inländische, Bremer und Hamburger Fabriken abgesetzt, sondern auch nach Amerika exportiert wird. Ebenso beziehen Frankreich, Holland, die Schweiz [* 37] etc. deutschen Tabak Italien, [* 38] Spanien, Portugal haben Tabaksmonopol und kommen für den europäischen Handel nicht in Betracht.
England baut gar keinen Tabak. Der türkische Tabak verdankt den klimatischen und Bodenverhältnissen, der sorgfältigen Kultur und Behandlung die vorzügliche Beschaffenheit, welche ihn mit dem Havana rivalisieren läßt. Alle Provinzen produzieren Tabak, den besten aber Makedonien in den Thälern von Karasu, Wardar und Krunea. Die hier erzogenen feinen Sorten: Druma, Pravista, Demirli, Yenidje, Sarishaban, Ginbeck etc. sind in lange, dünne Fäden geschnitten, schön goldbraun, aromatisch, kräftig, trocken und schmackhaft zugleich. Die Tabake der asiatischen Türkei [* 39] sind schwerer als die rumelischen und stärker; von den syrischen Sorten ist der Latakia und Abou Reha aus der Provinz Saida grob geschnitten, braun bis schwarz, stark fermentiert. Als türkischer Tabak geht übrigens auch viel griechisches und russisches Produkt.
Tabaksblätter riechen narkotisch, schmecken widerlich und scharf bitter; sie enthalten 16-27 Proz. anorganische Stoffe, welche zu ¼-½ aus Kalk, oft bis zu 30 Proz. aus Kali bestehen, auch reich an Phosphorsäure und Magnesia sind. Der Stickstoffgehalt beträgt 4,5 Proz. Die Basen sind großenteils an organische Säuren gebunden, und die leichte Einäscherung der Blätter, also die richtige Brennbarkeit des Rauchtabaks, ist abhängig von der Gegenwart organischer Kalisalze.
Schlecht brennender Tabak liefert eine an Kaliumsulfat und Chlorkalium reiche, aber von Kaliumcarbonat freie Asche. Von großem Einfluß auf die Brennbarkeit des Tabaks ist auch der Gehalt an Salpetersäure, welcher in der Hauptrippe 6 Proz., im übrigen Blatt 2 Proz. betragen kann. Der wirksame Bestandteil der Tabaksblätter ist das Nikotin (s. d.), von welchem sie wechselnde Mengen enthalten, ohne daß der Gehalt in erkennbarem Verhältnis zur Güte des Tabaks stände.
Geringere Tabakssorten pflegen reicher an Nikotin zu sein; doch ist dessen Menge auch von der Zubereitung abhängig, welcher der Tabak unterworfen wird. Guter lufttrockner Pfälzer Tabak enthält 1,5-2,6 Proz. Nikotin. Andre Bestandteile des Tabaks sind: Nikotianin (s. d.), Äpfel-, Zitronensäure, Harz, Gummi, Eiweiß etc. Trockne und gegorne Blätter enthalten als Gärungsprodukte Ammoniak, auch Trimethylamin und Fermentöle. Beim Rauchen würden sich aus der Cellulose, dem Gummi, Eiweiß etc. unangenehm riechende Substanzen entwickeln; man entfernt daher die an Cellulose reiche Mittelrippe und sucht durch den Gärungsprozeß und durch Beizen die übrigen unwillkommenen Bestandteile der Blätter zu entfernen.
Die bei diesen Operationen sich bildenden Fermentöle tragen wohl zum Aroma des Tabaks wesentlich bei. Bei dem Verglimmen der Blätter entstehen Ammoniak, flüchtige Basen, empyreumatische Stoffe, Blausäure, Schwefelwasserstoff, flüchtige Säuren, Kohlenoxyd, Kohlensäure etc. Das Nikotin wird vollständig zersetzt; wohl aber geht Nikotianin in den Tabaksrauch über, und diesem sowie den Basen (Pyridin, Picolin, Lutidin, Collidin etc.) und dem Kohlenoxyd sind die Wirkungen desselben zuzuschreiben.
Die je nach Abstammung, Boden- und klimatischen Verhältnissen und nach der Behandlung milden oder stärkern, angenehm aromatischen oder scharfen, rauhen Blätter werden für den Handel sorgfältig sortiert und entsprechend gemischt. Geringere Sorten werden oft durch jahrelanges Lagern, wobei sie einer leichten Gärung unterliegen, verbessert; bisweilen laugt man sie auch mit Wasser, Kalkwasser, Ammoniak, Aschenlauge oder mit Salzsäure angesäuertem Wasser aus oder röstet sie, indem man die ganzen oder zerschnittenen Blätter (oft nach dem Besprengen mit Salzsäure oder Essig) auf mäßig erhitzten eisernen Platten behandelt und dabei auch wohl mit den Händen rollt (Kraustabak). Am häufigsten unterwirft man den Tabak einer Gärung, zu welchem Zweck man ihn mit Siruplösung oder Fruchtsäften besprengt, auch wohl Hefe, [* 40] Weinstein, Salz [* 41] etc. zusetzt und in die Gärungsgefäße einpreßt.
Durch Ausbreiten an der Luft, auch wohl durch Rösten wird der Prozeß unterbrochen, worauf man die Blätter mit gewürzhaften Brühen besprengt, welchen man auch Salpeter zusetzt, um die Brennbarkeit zu erhöhen. Zur Darstellung des Rauchtabaks werden die so weit vorbereiteten Blätter sortiert, entrippt oder zwischen Walzen geglättet, mit Saucen, deren Bestandteile (Sirup, Salze, Gewürze), fast in jeder Fabrik anders gemischt sind, besprengt oder darin eingetaucht, gefärbt und auf der Spinnmühle oder Spinnmaschine [* 42] ähnlich wie ein Seil gesponnen oder geschnitten und dann getrocknet oder geröstet.
Über die Darstellung der Zigarren s. d. -
Schnupftabak bereitet man hauptsächlich aus Virginiatabak, Amersfoorter und andern holländischen Sorten und benutzt auch wohl polnischen, ungarischen und Pfälzer Tabak. Die Blätter werden sortiert, entrippt, mit Saucen gebeizt und der Gärung unterworfen. Überhaupt ist hier die Anwendung von Beizen und Saucen von größter Wichtigkeit, und der Rohstoff wird durch die Anwendung derselben und durch die Gärung viel eindringlicher verändert als beim Rauchtabak. Nach der Gärung ¶