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Der grösste Wunsch des Pirate Captain (Hugh Grant) ist der Gewinn des "Pirate of the Year"-Awards. Dafür würde er alles tun. Doch seine Konkurrenten Black Bellamy und Cutlass Liz sind ihm mit der Menge an erbeutetem Gold schon weit voraus. Aufgemuntert von seinem zweiten Offizier, startet der Pirate Captain zusammen mit seiner Crew noch ein paar letzte Versuche. Doch das Glück ist ihnen zurzeit nicht hold. Sie entern Schiffe mit Schulklassen, Geistern und mit Wissenschaftlern, die alle kein Gold bei sich tragen. Doch ausgerechnet auf dem geenterten Schiff eines gewissen Charles Darwin offenbart sich eine Möglichkeit, zu Ruhm und Ehre zu kommen.
Das Maskottchen der Piratenmannschaft, ein anscheinend etwas zu dicker Papagei, stellt sich als Dodo heraus. Darwin erklärt, dass der Vogel der letzte seiner Art sei und deshalb einen unbeschreiblichen Wert habe. Mit der Präsentation des Tieres in London will Darwin zusammen mit den Piraten nun den Preis eines Wissenschaftswettbewerbs gewinnen. Dumm nur, dass in London auch Queen Victoria beheimatet ist, die Piraten über alles hasst. Doch für den "Pirate of the Year"-Award nimmt die Crew dieses Risiko in Kauf. Wenn das mal gut geht...
Vor ein paar Jahren wagte die Plastilinschmiede von Aardman mit Flushed Away den Versuch, ihre Bastelkunst mit CGI aufzumotzen. Das Ergebnis davon fiel eher mässig aus, was einen Absturz am Box Office zur Folge hatte. Das Experiment musste als gescheitert betrachtet werden, und Aardman konzentrierte sich danach wieder auf seine beliebten Serien wie Wallace and Gromit und Creature Comforts. Mit der Verfilmung von Gideon Dafoes The Pirates! In an Adventure with Scientists: A Novel versuchen sie nun ein Plastilin-Kinocomeback, und verlassen sich dabei wieder auf ihre Stärke: von Hand gemachte Animationen, die mit einem riesigen Ideenreichtum zum Leben erweckt werden. Das Ergebnis ist ein sensationell witziges Werk, welches Pixar und Co., was die Gagdichte betrifft, locker hinter sich lässt.
Der Spruch "Gut Ding will Weile haben" trifft dabei perfekt auf diesen Knetspass zu. Während Disney Pirates 4 drehte, in die Kinos brachte und auf DVD auswertete, kneteten in vier Studios 525 Leute ihre Version eines Piratenfilmes. Es hat sich gelohnt!
Wie immer bei Aarman ist die Liebe zum Detail unübersehbar - seien es die vielen zum Schreien komischen Verkleidungen der Figuren oder auch kleinere Dinge wie die Mundbewegungen der Figuren. Der grösste Aufwand wurde aber für das Schiff des Pirate Captain betrieben, welches aus 44'569 Teilen bestand und für dessen Transport die Macher Studiotüren mit Sägen vergrössern mussten. Bei so viel Detailverliebtheit ist es unmöglich, alles schon beim ersten Mal zu entdecken. Ein zweites Mal ins Kino zu gehen lohnt sich aber auch sonst.
Humor wird nicht nur in Slapstickform oder mit Wortwitz geboten, sondern auch immer mal wieder im Hintergrund - zum Beispiel als Beschriftungen auf Holztafeln. Gags hagelt es so im Sekundentakt, und die Parodien auf Piraten- und Abenteuerfilme (Indiana Jones) sind herrlich. Das Erzähltempo ist rasant und tröstet so über die etwas vorhersehbare Story hinweg.
Obwohl die Besetzung von Hugh Grant als Pirate Captain zuerst von vielen belächelt wurde, hat sich der Mut letzten Endes bezahlt gemacht. Mit einer kindlichen Freude spricht der Brite seinen Part, weiss aber auch genau, wann er ernst sein muss und seiner Figur etwas Tiefe verleihen muss. Diese Männchen und Frauchen aus Plastilin sind eben nicht nur reine Knalltüten, sondern auch mehr als liebenswürdig und wachsen dem Zuschauer ans Herz.
Fazit: Auch wenn Aardman in einigen Szenen mit CGI nachhelfen musste (zum Beispiel beim Wasser), ist The Pirates! In Adventure With Scientists ein starkes Comeback. Dank tollen Ideen, überzeugendem 3D und sympathischen Figuren vergehen die 88 Minuten wie im Fluge. Zwar wird am Ende die Standardbotschaft von Kinderfilmen, dass man selbst erkennen muss, wer man ist, nochmals durchgekaut, doch dies schmälert das Gesamtbild nur minim. Von dieser Truppe möchten wir gerne eine Fortsetzung sehen. Für diese würden wir auch wieder einen mässigen Jack-Sparrow-Streifen über uns ergehen lassen.
Chris Schelb [crs]
Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.
Der Piratenknetspass ist detailverliebt und sehr schön anzusehen. Die Damen und Herren hinter dem Film haben tolle Arbeit geleistet. Da ich kein grosser Fan solcher Filme bin, bin ich auch mit etwas wenig Erwartungen rangegangen. The Pirates ist gut, sehr schön gemacht und bietet solide Unterhaltung. Gerade die Geschichte hätte ein wenig packender sein dürfen. Gegen Ende wird das Ganze noch unnötig in die Länge gezogen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Nichtsdestotrotz ist Pirates Band of Misfits ein etwas anderer Familienspass, der die ausgelutschte Jack Sparrow Nummer locker in den Sack packt.
Wieder mal ein Film, bei dem wir Erwachsenen in der hintersten Reihe viel lauter und häufiger gelacht haben als die Kids (und ihre Eltern). Ähem... Der Film ist echt witzig und wie zu erwarten war absolut toll umgesetzt; die Figuren sind liebenswert und man fiebert richtig mit den Piraten und der armen Polly mit. Zudem gabs (zumindest bei uns) wiederholt ein lustiges Wem-gehört-diese-Stimme-schon-wieder?-Raten. Überhaupt war es recht schön, dass der Film doch in mehreren Kinos im Original gezeigt wurde. Definitiv ein Film, den man mehrfach sehen muss (und will), um alle Details mitzubekommen.