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Die Jarawara gehören zu den wenig bekannten indigenen Völkern aus einer Region zwischen dem Rio Juruá und dem Rio Purus. Sie kommunizieren in einer Sprache aus der linguistischen Arawá-Familie und bewohnen ein einziges Indio-Reservat. Diese Beschreibung ist aus den wenigen Informationen entnommen, die von ihnen existieren.
Jarawara

Andere Namen: Jarauara

Sprachfamilie: Arawá
Population: 218 (2010)
Region:Bundesstaat Amazonas
|INHALTSVERZEICHNIS|
Name
Lebensraum
Sprache
Wirtschaftliche Aktivitäten
Politische und gesellschaftliche Organisation
Man kennt sie auch unter der der Schreibweise “Jarauara“, und es ist nicht bekannt, ob es eine weitere Selbstbezeichnung gibt. Günter Krömer vom “Indigenist Missionar Council (Cimi)“, aus Lábrea, klassifiziert sie als eine Untergruppe der “Jamamadi“, aber sie sprechen eine andere Sprache als diese, was den SIL (International Linguistics Society – ehemals Summer Institute of Linguistics) veranlasst hat, einen Missionar auszusenden, um dieses Volk zu studieren, und der hat berichtet, dass die Jarawara auf keinen Fall mit den Jamamadi zu identifizieren seien.
Das gegenwärtige Territorium der Jarawara befindet sich im Gebiet des mittleren Rio Purus und stellt zirka 30% des Indio-Territoriums (IT) “Jarawara/Jamamadi/Kanamanti“ dar. Das mit einer Fläche von 390.233 Hektar demarkierte Gebiet liegt innerhalb der Munizipien von Lábrea und Tapauá, im Bundesstaat Amazonas. Das Territorium umfasst Gebiete der “Terra firme“ (nicht überschwemmbares Festland) und Ausläufer von Ebenen, die eine Verbindung mit der “Várzea“ (sporadisch überschwemmte Tiefebenen) herstellen. Die vorherrschende Vegetation besteht aus dichtem, ombrophylem Wald der niederen Plateaus und dichtem ombrphylen Wald der periodisch überschwemmten Ebenen.
Die Jarawara-Sprache gehört zu der kleinen Arawá-Familie Westamazoniens. Die Jarawara selbst geben an, dass sie die Sprache der Jamamadi und Banawa Yafi gut verstehen können.
Der jährliche Zyklus ist geprägt von Regenfällen, die in den Monaten November bis Februar zunehmen, und von den Wasserständen der Flüsse, die in der Regel zwischen März und April besonders hoch und von Juli bis Oktober entsprechend niedrig sind.
Die Jarawara sind Ackerbauern, die ihre Felder auf der “Terra firme“ anlegen und ihre Nahrung durch die Jagd und den Fischfang ergänzen. Sie pflanzen hauptsächlich wilde und zahme Maniok, Süsskartoffeln, Inhame-Wurzeln, Kará-Wurzeln, Mais, Bananen, Ananas, Kürbis, Wassermelonen, Cashew und Pupunha-Palmen, ausserdem Zuckerrohr, Tabak und eine Schlingpflanze, die sie “Kona“ nennen – aus ihr gewinnen sie das Gift zum Betäuben der Fische, was unter der Mehrheit der indigenen Bevölkerung Brasiliens als “Timbó“ bekannt ist. Sie pflanzen 17 Spezies der wilden Maniok (die entgiftet werden muss) und 5 Spezies der zahmen (oder süssen) Maniok. In ihren Hinterhöfen – sie nennen sie “Yamabarikani“ (nahe beim Haus) kultivieren sie mehr als 30 Spezies von Obstbäumen, Palmen, Gemüse, Gewürzen und Heilkräutern.
Sie jagen nicht nur im Festlandswald, sondern auch auf kleinen Inseln, die man in dem überschwemmten Gebiet der Várzea findet – sie werden vom Hochwasser verschont, und auf ihnen konzentrieren sich deshalb bestimmte Tierarten während der Hochwasser-Periode.
Zum Fischen nutzen sie die verschiedenen Gewässer ihrer Umgebung während des ganzen Jahres. Es ist deutlich, dass der Fisch in ihrem Speiseplan eine wichtige Rolle spielt. Unter den diversen Fangtechniken, deren sie sich bedienen, ist besonders das Fischen mittels jenes Pflanzengiftes (Kona) erwähnenswert, das in Buchten mit ruhigem Wasser mit Steinen ausgequetscht wird – ins Wasser tropft und die Fische betäubt, die an der Wasseroberfläche treiben und eingesammelt werden. Auch die Jamamadi und die Zuruahá benutzen Kona zum Fischen.
Die Jarawara kommerzialisieren hauptsächlich Sammelprodukte, wie Latex, Brasilnüsse, Copaíba-Öl (aus dem Copaíba-Baum für medizinische Zwecke) und Eberesche, während Agrarprodukte und Kunsthandwerk im kommerziellen Handel zweitrangig sind. Die Jarawara sind von verschiedenen Industriegütern abhängig geworden, befinden sich jedoch in einer sehr unvorteilhaften Position, um sie zu bekommen – sie sind an den Umgang und den Wert des Geldes nicht gewöhnt. Aus diesem Grund kann die regionale Bevölkerung sich immer wieder Vorteile beim Handeln mit ihnen verschaffen.
Die lokalen Gruppen sind sehr klein. In der Vergangenheit bestanden sie aus den Bewohnern einer einzigen “Maloca“ (Gemeinschaftshaus). Die vorhandenen Informationen weisen darauf hin, dass sie aus einer einzigen Grossfamilie bestanden.
Ehen wurden vorzugsweise zwischen “gekreuzten Cousins“ (Kinder der väterlichen Schwester oder des mütterlichen Bruders) geschlossen, obwohl diese Praxis inzwischen kaum noch beachtet wird. Das junge Paar wohnt nach der Heirat zuerst einmal bei der Familie der Braut (matrilokal), kann sich aber auch für die Familie des Bräutigams entscheiden (patrilokal). Nach ein paar Jahren können sich die Eheleute zwischen einer matrilokalen oder patrilokalen Gemeinschaft entscheiden – oder ein neues Haus für sich selbst bauen (neolokal).
Die Führung einer lokalen Gruppe übernimmt das Oberhaupt der grössten Familie innerhalb der Kommune. Es gibt einen Terminus für diesen Führer (Botehefo), was dem unter Indigenen allgemein verständlichen “Tuxaua“ entspricht. In der Vergangenheit gehörte zu den Führungsqualitäten auch, dass der “Botehefo“ ein hervorragender Krieger war.
Noch haben wir keine Informationen über andere Aspekte der Jarawara-Kultur, wie Religion, Schamanismus, Mythologie und Kunsthandwerk. Und es gibt noch keine ethnografischen Aufzeichnungen von den Jarawara. Ihre Sprache wurde von dem Missionar Alan Vogel, von der SIL studiert.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung Klaus D. Günther