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Remedius,der Stifter der neuen Innenausstattung der Friedhoskirche St.Benedikt in Mals,die er nach 784 als Memorie für den 784 bei Bozen im Kampf gegen die Baiern getöteten alemannisch-fränkischen Edlen, Dux Hrodpert von Trient, herrichten liess.Er war damals seit kurzem Bischof und Rector von Churrätien, das auch den Vinschgau umfasste.
Vom Bischof Remedius von Chur sind nur wenige Fakten bekannt: Remedius, um 800 Bischof und Landesherr von Chur . So steht es in der Homepage des Bistums, obwohl in manchen historischen und kunsthistorischen Büchern und Zeitschriftenartikeln nebenbei von ihm die Rede war. Ich habe in den rund fünfzig Jahren meiner weiterführenden Studien über die karolingischen Fresken in der Klosterkirche von Müstair viel über ihn nachgedacht, habe Fakten zusammengetragen und Vermutungen angestellt. Da mir wenig Zeit mehr bleibt um auch die Seitenwege meiner Forschungen zu den Bilderzyklen in St.Johann zu publizieren, möchte ich die Ergebnisse meiner Suche nach der Persönlichkeit des unbekannten Bischofs wenigstens in meinem Blog zur Diskussion stellen. Hier zunächst die sicheren Fakten:
Als amtierender Bischof ist Remedius mindestens 5 mal schriftlich genannt.
-In den zwischen 794 und 800 geschriebenen Briefen von Karls des Grossen Ratgeber Alkuin, Abt von Tours.
-Im Memento der Lebenden im Messkanon des frühkarolingischen Sakramentars Sang. 348
das er anfangs der 780er Jahre in einem der Hofschulskriptorien vor seiner Versetzung nach Chur herstellen liess (evtl selber gschrieben?)
-In einer Liste von lebenden Bischöfen, die zirka 813/14 im ältesten Teil des Memorialbuches von St.Gallen eingetragen ist.
-Im ältesten erhaltenen Eintrag im sogenannten Liber Viventium von Pfäfers, das vor seiner Umnutzung als Traditionscodex der Abtei Pfäfers wohl der persönliche Liber Vitae des Remedius war. Dieser Eintrag mit einem Herrscherdiptychon der Karolinger ist 819/20 zu datieren und ist auf der Reichenau oder in Aachen getätigt worden.
-Und schliesslich mit dem Todestag des Bischofs Remedius im Nekrolog des Bischofssitzes Chur, lautend auf den 27. Juni 820.
Alles weitere bleibt vorläufig nur Vermutung, wenn ich auch triftige Gründe angeben und auf neueste Literatur verweisen könnte:
Remedius stammte möglicherweise aus einer Nebenlinie der Karolinger und war ein (illegitimer) Nachkomme Karl Martells. Er war also ein Vetter Karls des Grossen und des Abtes Adalhard von Corbie. Remedius von Rouen war wohl sein Pate, vielleicht sogar sein Vater. Er hatte Besitz im Burgund und in der Provence und wohl auch im Elsass.
Seine Jugendjahre könnte er in Langres oder in Dijon, vielleicht auch im Elsass verbracht haben, möglicherweise als Mönch in der königlichen Abtei Münster im Gregoriental (monasterium confluentes an der Fecht). Von dort aus kam er sehr wahrscheinlich in die Hofkapelle Karls des Grossen, die damals an wechselnden Orten residierte. Dort traf er mit den von Karl aus Oberitalien berufenen Gelehrten und auch mit Alkuin zusammen. Leiter war damals Angilram von Metz.
Nun folgt eine neue Vermutung von mir: sollte er sich vor 806 von den politischen Geschäften belastet zeitweilig in eine Einsiedelei bei Sanzeno am Nonsberg zurückgezogen haben? Er hätte dann mit Billigung Karls des Grossen einen Chorepiscopus bestellt, den späteren Victor III. Wenn das stimmt, so ist er mit dem bis heute im Südtirol verehrten St. Romedi identisch.
Nach dem versuchten Aufstand und dem tragischen Tod des jungen Bernhard, des Königs von Italien, im Jahr 818, hätte der schon bejahrte Remedius/Romedi sein bischöfliches Memorialbuch, den noch wenig benutzten sogenannten “Liber Viventium von Pfäfers” eilig umgestaltet und hätte sich nach Aachen zu Kaiser Ludwig und seiner neuen Gemahlin Judith begeben. Dort kamen 819/20 einige hohe Geistliche zusammen um Ludwig zu einem Bussakt wegen dem Tod seines Neffen zu bewegen. Vielleicht ist Remedius auf der Rückreise am 27.Juni 820 gestorben und in seiner einstigen Stiftung im Frauenkloster Eschau bestattet worden? Von dort wären dann später seine sterblichen Überreste nach Churrätien und ins Südtirol zurückgebracht und im 12. Jh. als Reliquien verteilt geworden. Soviel ich weiss, existiert nämlich kein Remediusgrab in der Bischofsgruft von Chur.
Meine Frühdatierung der Fresken in Müstair und in St.Benedikt von Mals beruht auf meiner Annahme, dass die Ausstattung der Malser Kirche als Memorie für Hrodbert, den Dux von Trient gedacht war, und dass sie vom damaligen Landesherrn von Churrätien, Remedius veranlasst wurde. Das habe ich vor vier Jahren schon (siehe hier), allerdings noch nicht so klar gesehen: Die Bilder dazu sind hier Mann mit dem Schwert zu finden. Es handelt sich wohl um einen von Karl dem Grossen als Schützer der Alpenpässe berufenen Udalrichinger aus dem Bodenseegebiet: Hrodbert, einen Onkel der Königin Hildegard und Grossonkel von Ludwig dem Frommen (Tellenbach und -zögerlich – auch Michael Borgolte)
Es würde mich freuen, wenn meine Ausführungen zu einer Diskussion unter den zünftigen Historikern führen würde.