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Rindfleisch und T-Shirts
Der britische Wissenschaftler John Anthony Allan entwickelte das Konzept des «virtuellen Wassers» in den 1990er-Jahren.
Ein Beispiel: Um ein Kilogramm Rindfleisch herzustellen, werden etwa 16 000 Liter Wasser verbraucht. Berechnet wird neben dem Wasser zum Tränken der Tiere auch das Wasser, welches für den Anbau von Futtermitteln für die Rinder verbraucht wird. Neben der Produktion von Nahrungsmitteln – insbesondere von Fleisch – ist vor allem der Baumwollanbau für Textilien äusserst wasserintensiv. Allein der Anbau der Menge Baumwolle, die für ein T-Shirt benötigt wird, verbraucht durchschnittlich 2700 Liter Wasser. Und für die Weiterverarbeitung (Reinigung der Baumwolle, Färbung, usw.) braucht es ebenfalls viel Wasser, so dass für ein einzelnes T-Shirt eine Wassermenge von über 12 000 Liter eingesetzt werden muss.
Bilanzierung des virtuellen Wassers
Die Berechnung des virtuellen Wassers ermöglicht, den Transfer von Wasser, welches in verschiedenen Handelsprodukten gebunden ist, auf internationaler Ebene zu untersuchen und zu vergleichen. Westliche Nationen wie Deutschland und die Schweiz exportieren zwar mit ihren Exportprodukten virtuelles Wasser, importieren es aber vor allem in Agrar- und Textilprodukten wieder. Im internationalen Vergleich gehören die beiden Länder zu den grössten Importeuren von virtuellem Wasser, ihre virtuelle Wasserbilanz – also Import abzüglich Export – ist positiv.
Konkret: Die Schweiz führt ca. die Hälfte der im Land gefertigten landwirtschaftlichen und industriellen Produkte aus. Sie führt aber Waren mit einem viel höheren virtuellen Wasservolumen ein. Dieses beläuft sich auf ca. 6,5 Kubikkilometer, was etwa dem Volumen des Thunersees entspricht. Diese Menge an Wasser wird also im Ausland aufgewendet, um Konsumgüter herzustellen, die in der Schweiz verbraucht werden. Somit liegt der tägliche Pro-Kopfverbrauch von Wasser in der Schweiz nicht bei den statistisch ausgewiesenen einigen hundert Litern, sondern bei ca. 4000 Litern. Falls alle in der Schweiz konsumierten Produkte auch in der Schweiz produziert würden, wäre dafür insgesamt rund ein Drittel unserer erneuerbaren Wasserressourcen (Fliessgewässer und Seen) zu beanspruchen.
Der Wasser-Fussabdruck
Untersuchungen zum virtuellen Wasser führen zum ökologischen Wasser-Fussabdruck. Mit diesem Konzept soll eine sparsamere Verwendung von Wasser in Regionen mit Wassermangel angestrebt und umgesetzt werden. Mit mehr Transparenz beim effektiven Wasserverbrauch kann aufgezeigt werden, dass wasserintensive und exportorientierte Produktion in ariden und semi-ariden Gebieten der Erde ökologisch schädlich und wirtschaftlich oft nicht rentabel ist. Wasserarme Länder können durch gezielten Import von wasserintensiven Gütern ihre eigenen Wasserressourcen schonen. Demgegenüber können wasserreiche Länder den wasserarmen Ländern helfen, indem sie aus diesen keine Produkte importieren, die besonders viel Wasser benötigen.