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Michael wurde am 23. Oktober 1959 in Nordschweden, in Omol geboren, wo die Temperaturen im Winter bei acht Monaten Schnee und Eis bis auf Minus 20 Grad Celsius fallen. Die Mütter im Norden, auch die Mutter von Michael, haben ihre Kinder im Winter dick eingepackt auf dem Balkon schlafen gelegt, was ihrer Gesundheit gut bekommen und die Kleinen abhärten sollte. Dieses Geheimnis hat wohl gewirkt, denn wir haben Michael eigentlich nie krank gesehen.
In Lappland herrschten klirrende Kälte und lange dunkle Winternächte, es gab viele Renntiere und Schlittenfahrten. Zu Weihnachten duftete das Haus nach Safrangebäck, sogenannte Lüssekater, Pepperkokker (Pfefferkuchen) und Kannelbüllar (Zimtschnecken). Zartes Frühlingsgrün spross im Frühsommer, die Nächte waren hell bis zum Morgen. Es war schwierig, die Kinder zum Schlafen zu bringen.
Als Michael ein zweijähriger Blondschopf war, zog die Familie nach Stockholm. Er lernte Schlittschuhlaufen, bewunderte die grossen Schiffe auf dem Meer und hörte auf dem Schoss seiner Mutter unzählige Geschichten vom kleinen Tomte (Waldzwerg), von Nils Holgersons Abenteuer und der kecken Pipi Langstrumpf.
Anlässlich der beruflichen Veränderung seiner Vaters Hans-Ulrich, beschloss die Familie in die Schweiz zu ziehen. Im selben Jahr wurde sein Bruder Torbjörn geboren. Dort in Zollikofen, im kinderreichen Quartier, verbrachten die beiden Brüder ihre abenteuerlichen Bubenjahre mit ihren Nachbarsfreunden. Michael und Torbjörn wuchsen dreisprachig auf (schwedisch Mutter, hochdeutsch Vater, schweizerdeutsch Schule), was sein Widerstand für den Französischunterricht, also eine vierte Sprache, erklärte.
Jedes Jahr reiste die Familie zu den Grosseltern und Verwandten in Schweden und Deutschland. Dies ermöglichte unvergessliche Sommertage in Schwedens wilder Natur. Der Umzug nach Hünibach mit elf Jahren, kostete Michael eine längere Zeit sich an die neue Umgebung anzupassen. Am neuen Ort vermisste er seine früheren Freunde schmerzlich. Nach der Sekundarschule radelte er täglich, meist knapp bei Zeit, nach Thun ins
Gymnasium. Der Thunersee bot Gelegenheit, das Segeln zu lernen. Michael verbrachte einen grossen Teil seiner Freizeit im Thuner Schwimmklub. Die Lust am Schwimmen blieb ihm bis kurz vor seinem Sterben, wo er noch in Korsika mit Freude im Meer geschwommen ist.
Im dreiwöchigen Konfirmationslager 1973 an der Westküste Mittelschwedens, wurde in ihm durch engagierte Leiter und Pfarrer, erstmals das Interesse am christlichen Glauben
geweckt. Mit fast siebzehn Jahren, ermöglichten ihm die Eltern ein Austauschjahr in Florida. Welch ein Abenteuer! Die Gastfamilie erwies sich als wenig engagiert, was Michael früh selbständig werden liess. Dieses Jahr in Florida war eine neue Welt und erweiterte seinen Horizont und zeit seines Lebens, profitierte er von seinen guten Englischkenntnissen.
Sein Freund Steve Walker aus Coco Beach beeindruckte Michael durch sein tiefes und reifes Wesen und löste in ihm ein Verlangen nach einer persönlichen Beziehung zu Gott aus. Zurück in der Schweiz als junger Theologiestudent fand er gute Freunde in der VBG (Vereinigte Bibel Gruppen) und entschied sich da, Gott sein Leben ganz anzuvertrauen.
Während seines Studiums in Bern, trat ich, Susi Steiner in sein Leben. Michael ist mir schon seit Längerem aufgefallen, rechnete mir aber bei diesem vielbegehrten Mann keine besonderen Chancen aus. Sein ruhiges Wesen, sein nordischer Hintergrund und Aussehen und besonders Michaels ernsthafter Glaube haben mich in Bann gezogen. Im Tram auf dem Weg in den Hauskreis sind wir uns unverhofft begegnet und waren so ins Gespräch vertieft und durcheinander, dass wir unsere Tramhaltestelle verpassten. Fünf Minuten später hat mir Michael seine Liebe gestanden und einen verdeckten Heiratsantrag gemacht. Mein Leben,
31 Jahre an seiner Seite ist ein einziges Geschenk und sein Sterben bedeutet für mich einen unermesslichen Verlust.
Dank der ersten fünf Ehejahre, während denen wir noch Zeit hatten nächtelange Gespräche zu führen, unzählige Ausflüge und Wanderungen zu unternehmen, viel Musse für Freunde hatten und eine junge Gemeinde besuchten, bildeten einen wertvollen und starken Beziehungsboden, der uns nebst Gottes Beistand in vielen stürmischen Zeiten getragen hat. Auch die Kinder kamen, was waren sie für eine Freude für uns! Unvergesslich ist seine Begeisterung für die Kindern beim Füttern, Wickeln, Herumtollen und Geschichten erzählen: Michael war für uns alle wie ein warmer Ofen: Geborgenheit und Schutz bietend, verlässlich da und wärmend.
Die 12 Jahre im gemütlichen Gurzeler Pfarrhaus, waren für uns Eltern als hochmotivierte junge Pfarrleute herausfordernd, manchmal auch enttäuschend und überfordernd, dennoch lehrreich und bereichernd. Für die Kinder jedoch, war Gurzelen ein halbes Paradies. Der grosse Garten, die faszinierende Umgebung der Kirche und des Pfarrhauses, mit seinen alten Mauern, den knorrigen Bäumen, bildeten für sie den Nährboden für fantasievolles Spielen und haarsträubenden Streichen, von denen wir Eltern oft erst später mit Schrecken erfuhren. Das Pfarrhaus war ein Spielplatz wie sich ihn ein Kind nur wünschen kann mit seinem schaurigen Naturkeller und spinnenbewebten Estrich, dem unendlichen Raum und den grossen Lauben.
Die Dorfschule, das Lädeli, die Freunde unserer Kinder, die nahgelegenen Bauernhöfe und Tiere, die unendlich vielen Ausflüge in der schönen Gegend mit Velo, Bobbycars und Traggestellen am Rücken des Vaters, sind Prägungen die unbezahlbar sind.
Der Schritt in die berufliche Unabhängigkeit von Michael vor genau 15 Jahren, forderte unsere Familie als Ganzes heraus. Weg vom Pfarramt, dem gesicherten Lohn hin zur Gründung des Vereins J- Point, ohne geregeltes Einkommen. Fortzuziehen von Gurzelen nach Steffisburg ins neue Haus im Flühli und besonders der Umzug auf den Hartlisberg, ins ehemalige Kinderferienheim der Stadt Bern, waren mutige und ungewöhnliche Schritte, die Michael nur dank seinem tiefen Vertrauen auf Gott wagen konnte.
Während diesen freiberuflichen Jahren baute Michael einen weitreichenden Seelsorgedienst mit engagierter Hilfe von circa 45 Lebensberatern, treuen Vereinsmitgliedern und Freunden auf, mit vielseitigen Seminarangeboten und kompetenter Seelsorge.
Michaels Wesen und ganzes Wirken war immer hochauthentisch, sein Schaffen davon motiviert, den Menschen das Licht Gottes zu bringen, durch tiefgreifende und ermutigende Seelsorge und durch das Predigen des Evangeliums. Seine Kraft, sein Glaube, sein Durchhaltevermögen und seine Bescheidenheit waren Auswirkungen seines treuen und ausdauernden Betens und Vertrauens auf seinen Gott. Wir wissen, dass Michael Gott allein die Ehre gibt, für alles, was sein Leben ausgemacht hat.
Wir verstehen nicht, dass Gott unseren einzigartigen Mann, Vater, Sohn, Freund und vielbeachteter Leiter heimgerufen hat. Der einzige Trost ist zu Wissen, dass er nach einem Jahr schwerster Krankheit nun mit einem erneuerten und gesunden Leib nahe bei seinem himmlischen Vater ist und nun alles erkennen und sehen darf, wonach er sich zeitlebens so gesehnt hat. Sein Leben ist jetzt leicht, darf er doch die Nöte vieler Menschen, die er oft still und ohne zu klagen getragen hat Jesus ablegen, der unser aller Leben trägt.
Susanne Herrmann