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Der Psychologe Arthur Aron hat unbekannte Menschen dazu gebracht, sich ineinander zu verlieben, nachdem sie 36 Fragen beantwortet hatten. Eine Amerikanerin wiederholte jetzt das Experiment. Mit Erfolg. In der «New York Times» schreibt sie über ihre Erfahrungen.
Verliebt sich ein fremder Mensch in mich, wenn ich ihm 36 Fragen gestellt und danach vier Minuten lang in seine Augen geschaut habe? 1997 hat Arthur Aron dieses Experiment mit Frauen und Männern, die sich nicht kannten, gewagt. Der Fragenkatalog enthielt 36 immer persönlicher werdende Fragen, die in drei Teile gegliedert waren. Spätestens nach dem vierminütigen Beobachten hätte es funken sollen. Das Ganze in einem wissenschaftlichen Labor, ohne romantische Atmosphäre. Das Experiment verlief erfolgreich. Die Paare haben sich tatsächlich verliebt und eins hat sechs Monate später bereits geheiratet.
Arons Idee, dass am Ende eine Intimität entsteht, basierte auf der Annahme, dass gegenseitige Verwundbarkeit die Nähe fördert: «Ein zentraler Aspekt, der mit der Entwicklung einer engen Beziehung zwischen zwei Personen verbunden wird, ist eine nachhaltige, sich steigende, wechselseitige, persönliche Selbstfindung.»
Jetzt, über 20 Jahre später, wollte die Amerikanerin Mandy Len Catron herausfinden, ob Liebe per Anleitung wirklich funktioniert. Sie traf sich mit einem Mann, den sie flüchtig kannte, in einer Bar und spielte mit ihm den Fragenkatalog durch. Und siehe da, auch bei ihr hats gefunkt! In der «New York Times» schildert sie ihre unglaubliche Geschichte.
Mit jeder Frage, die sie mit ihrem Gegenüber ausdiskutierte, vertieften sie sich mehr und mehr ins Gespräch. Dass sich die zu Beginn fast leere Bar bis auf den letzten Tisch gefüllt hat, bemerkte sie erst, als der Mann aufs WC musste und sie alleine am Tisch sass. Doch die krasseste und zugleich beängstigendste Erfahrung, die sie an diesem Abend gemacht hat, war, als sich die beiden am Schluss vier Minuten lang in die Augen sehen mussten. «Das Besondere ist nicht mal, in dem Moment jemanden wirklich so stark zu sehen, sondern, jemanden zu sehen, der auch dich selbst so stark sieht!»
Ob es mit ihr und ihrem Schatz auch ohne das Experiment geklappt hätte, weiss sie nicht. Aber sie ist überzeugt, dass kein Mensch einwilligen würde, bei einem solchen Versuch mitzumachen, wenn er nicht bereit wäre, sich grundsätzlich zu verlieben.
Diese Fragen sind das Rezept zum Glück:
1. Mit wem würdest du am liebsten zu Abend essen?
2. Wärst du gerne berühmt? Wenn ja, auf welche Art?
3. Bevor du jemanden anrufst, gehst du das, was du sagen willst, vorher im Kopf durch. Warum?
4. Was macht einen perfekten Tag für dich aus?
5. Wann hast du das letzte Mal für dich selbst gesungen? Und für jemand anderen?
6. Wenn du 90 Jahre alt werden würdest und dich entscheiden müsstest, ob im Alter von 30 dein Geist oder dein Körper aufhört zu altern, wofür würdest du dich entscheiden?
7. Hast du eine geheime Ahnung, wie du sterben wirst?
8. Nenne drei Dinge, die du und dein Gegenüber gemeinsam haben.
9. Wofür in deinem Leben bist du am meisten dankbar?
10. Wenn du etwas an deiner Erziehung ändern könntest, was wäre das?
11. Nimm dir vier Minuten Zeit und erzähle deinem Gegenüber deine Lebensgeschichte, so detailliert wie möglich.
12. Wenn du morgen mit einer neuen Fähigkeit aufwachen könntest, was wäre das für eine?
13. Wenn eine Kristallkugel dir die Wahrheit über dich selbst, dein Leben oder die Zukunft sagen könnte, was würdest du wissen wollen?
14. Gibt es etwas, dass du schon immer machen wolltest, es aber nie gemacht hast? Warum?
15. Was ist das Grösste, das du in deinem Leben geleistet hast?
16. Was ist dir in einer Freundschaft am wichtigsten?
17. Was ist deine wertvollste Erinnerung?
18. Was ist deine schrecklichste Erinnerung?
19. Wenn du wüsstest, dass du in einem Jahr plötzlich sterben wirst, würdest du etwas an der Art, wie du jetzt lebst ändern? Warum?
20. Was bedeutet Freundschaft für dich?
21. Welche Rolle spielen Liebe und Zuneigung in deinem Leben?
22. Welche fünf positiven Eigenschaften soll dein Partner haben?
23. Wie eng und warm ist das Verhältnis zu deiner Familie? Denkst du, deine Kindheit war glücklicher als die von den meisten Menschen?
24. Wie ist die Beziehung zu deiner Mutter?
25. Mache drei «Wir»-Sätze über dich und dein Gegenüber. Zum Beispiel: Wir sind beide in diesem Raum, weil wir...
26. Vervollständige den Satz: «Ich wünschte, ich hätte jemanden, mit dem ich gemeinsam...»
27. Wenn ihr enge Freunde werden würdet, was müsste er/sie wissen?
28. Sage deinem Gegenüber, was du an ihm magst. Sei sehr ehrlich und sage Dinge, die du sonst nicht jemandem sagen würdest, den du gerade kennen gelernt hast.
29. Erzähle von einem peinlichen Erlebnis in deinem Leben.
30. Wann hast du das letzte Mal vor jemandem geweint? Und vor dir selbst?
31. Erzähle deinem Gegenüber, was du bereits jetzt an ihm magst.
32. Was ist zu ernst, um darüber Witze zu machen?
33. Wenn du heute Abend sterben würdest, ohne die Möglichkeit zu haben, mit jemandem zu kommunizieren, was würdest du am meisten bereuen, jemandem nicht gesagt zu haben? Warum hast dus bis jetzt nicht gesagt?
34. Dein Haus mit allem drin fängt an zu brennen. Nachdem du die Menschen und Tiere gerettet hast, hast du noch kurz Zeit, um noch was zu retten. Was wäre es und warum?
35. Wessen Tod eines Familienmitglieds wäre für dich am schlimmsten? Warum?
36. Erzähle von einem persönlichen Problem und frage dein Gegenüber nach einem Ratschlag, wie er das angehen würde. Und frag ihn, wie er sich dabei fühlt, dass du ihm davon erzählst.