Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03382.jsonl.gz/406

Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2003 von Peter Ziegler
VORAUSSETZUNGEN ZUR VEREINSGRÜNDUNG
Um 1900 bewirkten die schnelleren Transportmöglichkeiten der Eisenbahn, dass das private Transportgewerbe mit Pferdezug in eine Krise geriet und den Pferdebestand stark reduzierte. Dennoch sank der GesamtPferdebestand nicht, weil die Landwirtschaft im Zuge der Rationalisierung vom langsamen Vieh- auf Pferdezug umstellte. Pferde, die so genannten «Eidgenossen», wurden auch in der Armee gebraucht: besonders in den Dragoner- und Guiden-Schwadronen sowie beim Train. In der 1850 gegründeten Pferderegieanstalt Thun und im 1890 entstandenen Kavallerie-Remontendepot Bern pflegte und förderte man den Military-, Renn- und Springsport. Seit den 1870er-Jahren gab es Pferderennen, so in Frauenfeld, Basel, Zürich, Bern ...
Die Voraussetzungen zur Gründung von Kavallerievereinen waren gut: Die Landwirte ermöglichten die Pferdehaltung; erhöhter Kavalleriebestand bedingte mehr Dragoner-Rekruten, die ihr ausserdienstliches Reittraining absolvieren wollten.
VEREINSGRÜNDUNG 1903
Für die Gründung des Kavallerievereins Wädenswil und Umgebung konnte man sich an Vorbildern in der Nähe orientieren: Bereits bestanden solche Vereine in Affoltern am Albis, in Zürich, im Sihltal und in der March. Zehn Reiter folgten einem öffentlichen Aufruf und fanden sich am 23. März 1903 zur Gründungsversammlung im Wädenswiler Restaurant Neubüel ein. Es wurde ein Vorstand gewählt, dem folgende Herren angehörten:
Lt Otto Rusterholz, Präsident
Hptm Paul Schnyder, Vizepräsident Fritz Sträuli, Aktuar
Walter Müller, Quästor
Jakob Huber, Beisitzer
Rudolf Treichler, Beisitzer
Die restlichen Gründer traten dem Verein als Aktivmitglieder bei: Gottlieb Bär, Heinrich Haab, Jakob Huber und Ferdinand Streuli. Die Versammlung beschloss, als Aktivmitglieder nur Kavalleristen, Guiden und reitende Mitrailleure aufzunehmen. Das zentral gelegene Neubüel wurde als Vereinslokal bestimmt, die finanzielle Kompetenz des Vorstandes auf zwanzig Franken begrenzt. Die nächste Versammlung hatte die Statuten zu genehmigen.
AKTIVITÄTEN BIS 1913
Zum Jahr 1905 konnte der Chronist der Lesegesellschaft Wädenswil festhalten, der Kavallerieverein Wädenswil und Umgebung erfreue sich eines regen Zuwachses und zähle nun bereits 32 Mitglieder. Zusammen mit dem Schützenverein wurde am 12. November eine taktische Übung durchgeführt: mit Ritt über schneebedeckte Felder und beschwerliche Wege zum Katzenstrick, wo ein gefechtsmässiges Scharfschiessen stattfand.
Nach den Wahlen von 1905 setzte sich der Vorstand wie folgt zusammen:
Präsident: Hptm Paul Schnyder zum Morgenstern
Vizepräsident: Lt Otto Rusterholz zur Weinrebe
Aktuar: Fritz Sträuli zur Treu
Quästor: Ernst Bickel, Langrüti
Beisitzer: H. Höhn, Kleinweid; Walter Müller im Zopf; Albert Höhn im Chüefer.
1906 veranstaltete der Verein zehn Reitübungen, zwei Schiessübungen und im Winter erstmals einen Reiterball.
Unter dem neu gewählten Präsidenten, dem Metzgermeister Ernst Isler, fand am Sonntag, 28. August 1910, der erste Distanzritt statt, in Uniform mit Karabiner und Sacochen. Die 50 Kilometer messende Route führte um sechs Uhr morgens ab Hotel Engel in Wädenswil über Neubüel – Klausen – Zimmerberg – Kirche Kilchberg zur Allmend Wollishofen, wo drei Hindernisse zu springen waren: eine Mauer 75 cm, eine Barriere 75 cm und eine meterhohe Hürde. Dann setzte sich der Ritt fort über Triemli – Waldegg – Mösli – Buchenegg zum Weiler Näfenhüser. Hier war eine halbstündige Rast mit Veterinärkontrolle vorgeschrieben. Zurück gings dann über Langnau – Gattikon – Hub Horgen zum Ziel beim Bahnhof Au. Als Maximalzeit waren sechs Stunden eingeräumt. Von den 15 Mann erfüllten 12 diese Pflicht. Der Sieger, Rudolf Treichler in der Unteren Chalchtaren, hatte 4 Stunden 19 Minuten gebraucht. Die ersten sechs Kavalleristen erhielten silberne Becher, die übrigen Teilnehmer silberne Gobelets als Auszeichnung.
1911 zählte der Verein bereits über 60 Mitglieder, wovon 47 Aktive. Zu den üblichen Reitübungen kamen neu eine Bluestfahrt und eine Schlittenpartie, im folgenden Jahr ein Nachtritt zwischen Abend- und Morgenstall auf der Route Wädenswil – Rapperswil – Rüti – Wald – Eschenbach – Rapperswil – Wädenswil, und 1913 ein 2½-Tageritt, der von Wädenswil über Mollis – Ragaz – Vättis – den Kunkelspass – Reichenau – Chur – Walenstadt – Mollis zurück nach Wädenswil führte.
REITEN IM GEREN
Am 13. Oktober 1913 überliess der Gemeinderat Wädenswil dem Kavallerieverein auf dessen Gesuch hin vom gemeindeeigenen Grundstück im Geren – dem ehemaligen Musterungsplatz – einen acht Meter breiten Landstreifen längs der bergseitigen March zur Anlage eines Setzgartens. Hier konnten in Fronarbeit drei Hindernisse aufgebaut werden. Die restliche Parzelle benötigte die Gemeinde noch als Lager- und Abdeckerplatz.
ZUR ZEIT DES ERSTEN WELTKRIEGS
Im Jahre 1914 nahm der Verein, der nun 54 Aktivmitglieder zählte, eine Einladung des Kavallerievereins Zürich zu einem Reiter-Rendez-vous in Sihlbrugg an. Hier traf man sich mit Gleichgesinnten aus Zürich, Affoltern am Albis, dem Freiamt, aus Zug und Schwyz, und mit dabei waren auch Mitglieder eines erstmals erwähnten Reitvereins Hütten-Schönenberg-Hirzel.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs schränkte die Vereinsaktivitäten stark ein. Diskutiert und dann abgelehnt wurde an der Generalversammlung 1916 ein Zusammenschluss mit den hiesigen Artilleristen zur gemeinsamen Förderung der Reittüchtigkeit. Im Dezember musste sich der Vorstand mit der Haferversorgung befassen. Das Oberkriegskommissariat verwies an den Ostschweizer Kavallerieverein (OKV). Bereits zweimal hatten aber die Wädenswiler einen Beitritt zu dieser Organisation abgelehnt. Der Vorstand wollte nicht auf solche Art zur Mitgliedschaft gezwungen werden und suchte einen Ausweg. Hptm Rusterholz wandte sich direkt an den Waffenchef, worauf ein Eisenbahnwagen mit Hafer eintraf.
Im November 1916 fand in der Sternenschanze Samstagern die erste Springkonkurrenz statt, organisiert von Oblt Stünzi in Horgen. Geritten wurde in Uniform, im Ordonnanzsattel mit Packtaschen. Zu den ordentlichen Reitübungen kam 1917 ein Nachtritt ins Wägital; 1918 konnten wegen akutem Futtermangel lediglich zwei Übungen durchgeführt werden.
DIE 1920ER-JAHRE
Im Jahre 1919 übernahm der Kavallerieverein Wädenswil und Umgebung von der Reitbahngesellschaft Sternen die Pacht der Sternenschanze. Die Generalversammlung 1920 beschloss nach heftiger Diskussion mit zehn gegen acht Stimmen den Beitritt zum Ostschweizer Kavallerieverein, und jene von 1921 entschied, wegen des geplanten Fussballplatzes im Geren einen Protestbrief an den Gemeinderat Wädenswil zu richten.
Ständig gab es mehr und neue Aktivitäten. Nebst elf Reitübungen führte man 1922 unter Übungsleiter Oblt Walter Weber einen Geländeritt durch: von der Allmend Horgen – über den Aabach zum Neubüel – über Ödischwänd – Feld zum Sternen, wo acht Hindernisse zu bewältigen waren.
Im Sommer 1923 schiffte sich der Verein auf einem Ledi ein, zu einem Ritt von Männedorf über Grüningen - Hombrechtikon – Rapperswil nach Wädenswil. Die Generalversammlung 1924 ernannte die Gründer des Vereins zu Freimitgliedern und ehrte sie mit einem Becher. Am 22. März 1925 fand im Hotel Engel die Generalversammlung des Ostschweizer Kavallerievereins statt. Der Waffenchef, Oberst Favre, orientierte über die Reorganisation der Kavallerie: Auflösung der Guiden-Schwadronen, Reduktion der Dragoner-Schwadronen auf dreissig, Einführung des leichten Maschinengewehrs bei den Dragoner-Schwadronen. Im gleichen Frühling wurde der Setzgarten im Geren erneuert. Nun verfügte er über eine Hürde, eine Barriere, einen Oxer, eine Hürde mit Graben, eine Bretterwand, eine Triplebarre und einen Doppelsprung.
Für 1926 waren als Neuerungen zu verzeichnen: ein Skijöring in Einsiedeln, eine Fuchsjagd und eine Springkonkurrenz im Neuguet mit Hindernishöhen von 70 Zentimetern bis einem Meter (Defizit: Fr. 10.10). Für 1927 wurden 15 obligatorische Ritte, ein Kirchturmritt, eine Fuchsjagd und ein Distanzritt ins Wägital (65 km, 1200 m Höhenunterschied) festgelegt.
Ende 1928 lief der mit der Allmendkorporation Richterswil abgeschlossene Pachtvertrag für die Sternenschanze aus und wurde nicht mehr erneuert. Man entschied sich, den Reitplatz Geren besser auszubauen und sich auf diesen Trainingsplatz zu beschränken.
Mit 57 Reitübungen erreichte das Tätigkeitsprogramm 1929 einen neuen Höhepunkt. Die von der Generalversammlung beschlossene Statutenrevision hob die Finanzkompetenzen des Vorstandes auf hundert Franken an.
SPRING KONKURRENZEN SEIT 1930
Im Jahre 1930 stellte der Gemeinderat Wädenswil dem Kavallerieverein auf Zusehen hin den Gerenplatz zur Verfügung. Für den Ausbau des Platzes bewilligte die Generalversammlung einen Kredit von tausend Franken. Eingeweiht wurde der neue Reitplatz mit einer Springkonkurrenz in den Kategorien D (8 Hindernisse, maximal 1,0 m hoch und 2,5 m breit), U (10 H; 1,1 m; 2,5 m), L (12 H; 1,1 m; 3,0 m) und M (14 H; 1,2 m; 3 ,5 m). Ein Todesfall überschattete das Vereinsjahr 1930: Nach der Reitübung vom 31. Juli verunglückte der junge Mitr Ernst Hauser vom Mittelberg/Schönenberg auf dem Heimweg mit seinem durchgehenden Pferd.
Nebst einer Springkonkurrenz wie im Vorjahr organisierte der Kavallerieverein Wädenswil und Umgebung im Jahre 1931 einen Patrouillenritt für den ganzen Ostschweizer Kavallerieverein. Angemeldet hatten sich 160 Teilnehmer, gestartet wurde ab vier Uhr morgens in Fünferpatrouillen. Auf dem Weg nach Menzingen und zurück – natürlich durch die Sihl – waren verschiedene Aufgaben zu lösen. Der anwesende Waffenchef, Oberst Schué, äusserte sich über die Organisation und die gezeigten Leistungen sehr zufrieden.
1932 setzte sich Wädenswil im Klassement des Ostschweizer Kavallerievereins an die dritte Stelle und bei den Sektionen ohne Reitbahn sogar auf den ersten Platz. Verschiedene Diskussionen an der Generalversammlung 1933 veranlassten den Präsidenten Paul Hürlimann zu folgender Erklärung: «Hauptzweck unserer Springkonkurrenz ist nicht die Stärkung der Vereinskasse. Wir wollen ein weiteres Publikum für die Reitersache begeistern, vor allem aber müssen unsere eigenen Leute am Springen und Galoppieren Freude bekommen.» Als Präsident Paul Hürlimann an der Generalversammlung 1935 zurücktrat, konnte er Erfreuliches melden: den Gewinn des OKV-Wanderpreises der Sektionen ohne Reitbahn. Seit 1936 verfügte der Verein auf dem Springplatz Geren über eine hölzerne Geräte- und Klubhütte. Für die Springkonkurrenz 1938 zeichnete Iwan E. Hugentobler ein neues Plakat, mit einem Pferdekopf aus dem Stall Blattmann als Sujet. Die Maul- und Klauenseuche lähmte den Übungsbetrieb im ersten Halbjahr 1939; das zweite Halbjahr wurde von Mobilmachung und anschliessendem Aktivdienst überschattet.
ZUR ZEIT DES ZWEITEN WELTKRIEGS
Trotz der unsicheren Zeit beschlossen die Mitglieder an der Generalversammlung 1940, zwölf obligatorische Reitübungen und eine Springkonkurrenz in einfacherem Rahmen durchzuführen. Vorerst jedoch stellten Wehrmänner der in Wädenswil stationierten Bttr 42 den verwüsteten Gerenplatz in Stand. Der schon lange diskutierte Bau einer Reitbahn musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Wie bereits im Ersten Weltkrieg wurde eine Reduktion der Mitgliederbeiträge beschlossen.
Hatte man 1941 noch dreissig Übungen organisiert, waren es im folgenden Jahr lediglich deren 25. Nicht nur der Aktivdienst, auch die Anbauschlacht zu Hause beanspruchte die Pferde stark. Trotz allen Widerständen ritt man aber weiter und führte Springkonkurrenzen durch, oft wohl zum Ärger einiger Dragoner-Väter, welche die Pferde mit mangelhaftem Ersatzfutter in Form halten mussten. Eine zusätzliche Schwierigkeit brachten neue unberittene Aktivmitglieder, die in den Verein eintraten. Um zwei Reitern mit nur einem Pferd Trainingsmöglichkeiten zu bieten, mussten die Übungen weiter reduziert werden.
VON 1946 ZUM JUBILÄUM VON 1953
Nach Ende des Aktivdienstes konnte sich die Vereinstätigkeit wieder entfalten. Bereits der Jahresbericht 1946 erwähnt steigende Übungszahlen. Die Springkonkurrenz 1946 allerdings wurde zu einer «wässrigen» Angelegenheit. Nur Dank einer Bettelaktion bei Gönnern und Mitgliedern war man im Stande, alle Rechnungen zu bezahlen.
Springkonkurrenz im Geren, um 1970.
Fuchsjagd, um 1978.
An der Generalversammlung 1948 machte Paul Hürlimann darauf aufmerksam, dass Jakob Hauser im Feld sein Grundstück oberhalb des Springplatzes zum Preis von 2800 Franken zu verkaufen gedenke. Für die Vereinskasse war eine solche Ausgabe zur Zeit untragbar. So nahm ein Konsortium – gebildet aus Paul Hürlimann, Fredy Blattmann, Emil Hauser, Hans Frey, Heinrich Brändli, Jean Brändli, Eugen Haab und Ruedi Brupbacher – die Verhandlungen auf. Die Herren bestritten auch die Kosten und liessen 1949 die Parzelle auf den Namen des Kavallerievereins Wädenswil ins Grundbuch eintragen.
Im Vereinsprogramm der folgenden Jahre fest verankert waren der 1946 eingeführte interne Reitermehrkampf mit Dressur, Geländeritt, Schiessen und Springen; das Vereinsspringen, die Vielseitigkeitsprüfung, die Springkonkurrenz und der Schwadrons-Tag.
Die Truppenordnung von 1948 reduzierte die Schwadronen von 30 auf 24 und fasste sie in acht den Felddivisionen zugeteilte Dragonerabteilungen zusammen. Gleichzeitig verfügte der Waffenchef eine Gewichtsreduktion der Packung, um den Ankauf von leichteren und höher im Blut stehenden Remonten zu ermöglichen. Die Neuerung hatte indessen zur Folge, dass zur Kavallerie nur noch Leute bis 75 Kilogramm Gewicht ausgehoben wurden.
Springkonkurrenz 1995.
Springkonkurrenz 1998.
An der Springkonkurrenz 1950 qualifizierten sich gleich drei Wädenswiler als Sieger: Walter Heer (Kategorie V), Jakob Bär (D II) und Ruedi Bossert (U II). Im Winter 1951 stellte Frau Renee Schwarzenbach-Wille – Tochter des einstigen Waffenchefs der Kavallerie und lange Zeit eine der erfolgreichsten Schweizer Amazonen – dem Kavallerieverein Wädenswil während des Winters erstmals einmal in der Woche die Reitbahn im Bockengut Horgen zur Verfügung.
An der Generalversammlung 1952 wurden die ersten Dragoner aus der Schwadron 18 in den Verein aufgenommen. Dies führte in den folgenden Jahren zu kleineren Spannungen mit den angestammten Dragonern der Schwadron 24. Beide Schwadronen hatten einen starken Korpsgeist und markante Exponenten. Bei den 24ern gab Paul Hürlimann mit gewaltiger Kommandostimme den Ton an, ein Offizier, von dem man sagte, er sei hundert Jahre zu spät zur Welt gekommen, sonst hätte er im Sonderbundskrieg von 1847 die grösste Kavallerie-Attacke anführen können. Kommandant der 18er war Gottlieb Welti von Küsnacht, ein glühender Verehrer des Reitergenerals Seydlitz; erfolgreich führte er seine Schwadron in gleicher Haudegenmanier.
1953 feierte der Kavallerieverein das 5O-Jahr-Jubiläum: mit Reitermehrkampf, Geländeritt, Schiessen, Springen und abendlichem Festakt im Hotel Engel. Godi Pfister gewann die Vielseitigkeitsprüfung. Sieger im Geländeritt wurde Walter Blattmann, im Schiessen Walter Höhn und im Springen Ernst Stocker.
REITHALLE GEREN UND ANDERE NEUERUNGEN
Dank dem Entgegenkommen von Paul Weber durfte der Kavallerieverein ab 1955 die Reithalle der Brauerei Wädenswil benützen. Wegen Anpassungen an die revidierten Statuten des Ostschweizer Kavallerievereins wurde 1957 eine Statutenänderung nötig. Fortan konnten alle Reiter, nicht nur Kavalleristen, Aktivmitglieder werden. Älteren Mitgliedern bereitete diese Neuerung allerdings Mühe. Auf eidgenössischer Ebene begann um diese Zeit die Diskussion um die Abschaffung der Kavallerie.
Springkonkurrenz 1996.
Springkonkurrenz 1997.
In Wädenswil stand in den 1960er-Jahren der Platzumbau im Geren an. Die Generalversammlung vom 11. Februar 1967 gab dafür grünes Licht und erteilte einer zu gründenden Genossenschaft das Recht zum Bau einer Reithalle mit Nebenräumen, und die Kavalleristen verpflichteten sich zudem zu Fronarbeit, die sich schliesslich auf über 2000 Stunden erhöhte. Der Springplatz – im Besitz der Gemeinde Wädenswil – wurde auf eine Grösse von 56 x 104 Meter erweitert. Durch Aufschüttungen entlang der oberen Platzlängsseite schuf man eine vielseitige Wall-und Rampenkombination. Auf der vereinseigenen Waldwiese, die früher als Anreit- und Trainingsplatz gedient hatte, entstand die 45 x 21 Meter weite Halle, mit Rechnungsbüro, WC-Anlagen und Geräteraum unter einer internen Zuschauertribüne. Die Halle eignet sich auch als Festwirtschaft und Versammlungsraum, finden doch hier mit Bestuhlung rund 1200 Personen Platz.
Oberhalb der nordöstlichen Platzecke, dort wo die 1936 erstellte hölzerne Geräte- und Klubhütte stand, wurde eine gedeckte Tribüne gebaut, mit Sitzplätzen für 330 Personen. Weitere 160 Plätze bietet die vorgelagerte ungedeckte Tribüne. Auf der Grünfläche westlich der Tribünenbauten können 600 Sitzplätze bereitgestellt werden, dazu kommen rund 1000 Stehplätze. Im Rahmen einer Springkonkurrenz weihte der Kavallerieverein den vergrösserten Springplatz und die neue Reithalle am 30. September und 7. Oktober 1967 ein.
Auch im Vereinsleben waren Neuerungen zu verzeichnen. Künftig wurden keine obligatorischen Übungen mehr durchgeführt. Jedes Aktiv-A-Mitglied hatte jährlich mindestens zwölf Übungen zu besuchen. Bei der traditionellen Vielseitigkeitsprüfung entfielen die militärischen Disziplinen nach Military-Reglement.
1968 wurden in der Reithalle Geren 56 Reitübungen durchgeführt; die Hallenarbeit bewirkte Erfolge an auswärtigen Veranstaltungen. Und die vergrösserte Festwirtschaft verbesserte ab diesem Jahr die finanziellen Resultate der einheimischen Springkonkurrenzen. Trotz solcher Erfolge kam es im Verein zu Spannungen zwischen Dragonern und Zivilreitern; der Präsident musste oft vermitteln oder einzelne Leute zur Rede stellen.
1969 schaffte der Kavallerieverein eine Standarte an. 1971 musste sich der Vorstand – erstmals – mit Reitverboten im Hirzel befassen. Im gleichen Jahr schaffte die Armee die Kavallerie ab; 1972 wurden die letzten Kavallerieverbände zu Panzergrenadieren umgeschult.
Auch Parcoursbauer Albert Merel (vorn) schleppt Hindernisteile.
BILANZ NACH 75 JAHREN
Im Jahre 1978 feierte der Kavallerieverein Wädenswil und Umgebung sein 75-jähriges Bestehen. Für die Jubiläumsveranstaltung verfasste Heini Schulthess einen nicht publizierten historischen Rückblick, auf dem auch diese Ausführungen basieren. Der Chronist zog zum Schluss folgende Bilanz: «Der 75 Jahre alte und trotzdem junge Kavallerieverein hat trotz der Abschaffung der Kavallerie nicht ausgedient. Eine Menge Arbeit zur Verbesserung des Reitsports, mindestens im oberen Teil des Bezirks Horgen, wartet auf ihn. Viele junge Reiter mit jungen Pferden erwarten, von gewiegten Übungsleitern und erfahrenen älteren Kameraden in die Geheimnisse eines eleganten und natürlichen Reitens eingeführt zu werden.»
VON DEN 1980ER-JAHREN ZUM JUBILÄUM VON 2003
In den 1980er-Jahren konnte die 1967 eingeweihte Reithalle Geren durch einen seeseitigen gedeckten Anbau erweitert werden, der auch als ideale Festwirtschaft dient. Kurz darauf erfuhr der Springplatz eine Verbesserung: Durch das Eindecken des in der Nordecke gelegenen Wassereinsprungs entstand mehr Spielraum für den Parcoursbau. Grossen Wert legte der Vorstand auf die Motivation junger Reiter. Einerseits steuerte man bewusst der Überalterung des Mitgliederbestandes, und andererseits betonte man, dass das Reiten nicht mehr elitär, sondern Breitensport ist. Der Vereinsbestand erhöhte sich auf 230 Damen und Herren, von denen sich gegen hundert aktiv betätigen.
Einen Höhepunkt des Jahres 2001 bedeutete die Anlage des Abreitplatzes Gerenau in unmittelbarer Nähe der Autobahn. Hatte man für die Platzgestaltung und den Hallenbau von 1967 auf Fronarbeit zählen können, galt es diesmal einen anderen Weg der Finanzierung zu beschreiten. Zur Deckung der Kosten von 180 000 Franken wurde ein Bankkredit von 100 000 Franken aufgenommen. Ein origineller Sponsorenlauf brachte 54 000 Franken ein; Sponsoring deckte den Restbetrag. Der rund 2000 m2 grosse Sandplatz eignet sich wegen seiner Allwetter-Tauglichkeit für alle Sparten des Pferdesports: für Springen, Dressur und Fahren.
Reithalle Geren von 1967 mit seeseitiger Erweiterung aus den 1980-er-Jahren.
Der 2001 angelegte Abreitplatz Gerenau, nahe der Autobahn.
Siegerehrung 1996.
Siegerehrung 1997.
Ende Mai 2003 feierte der Kavallerieverein während drei Tagen und drei Nächten das 100-Jahr-Jubiläum. Das Programm war reichhaltig. Die «Original Oberkrainer» eröffneten den Anlass, durchgeführt wurden nationale und regionale Springprüfungen, es kam zum Zusammenwirken mit dem ebenfalls jubilierenden Fussballclub Wädenswil, die Jungen betrieben in der Reithalle eine Disco, und am eigentlichen Jubiläumsakt versammelten sich die Musikvereine von Hirzel, Hütten, Richterswil/Samstagern, Schönenberg und Wädenswil zum gemeinsamen Konzert. Für gute Stimmung sorgten ausserdem die Ländlerkapelle Carlo Brunner und die Sängerin Maja Brunner.
AUSBLICK
An der Schwelle zum zweiten Jahrhundert darf für den lebendigen Verein eine erfreuliche Bilanz gezogen werden. Er verfügt über einen ideal gelegenen Springplatz mit Infrastruktur und hat in allen Sparten grosse sportliche Erfolge vorzuweisen: in Springen, Dressur, Fahren, Geschicklichkeitsprüfungen und Gymkhana (Gymnastik für Pferd und Reiter). In den eigenen Reihen trug ein Reiter den Schweizer-Meister-Titel, und Wädenswiler Junioren sind international gestartet. Vereinsmitglieder betätigen sich als Juripräsident, Richter, Parcoursbauer, Trainer und Speaker. Die Springkonkurrenz, die traditionell an Auffahrt stattfindet, zieht Jahr für Jahr mehr Wädenswilerinnen und Wädenswiler an. Wie die Chilbi oder die Viehschau auf Ödischwänd ist der Anlass im Geren zum beliebten Treffpunkt geworden. Damit bietet der Kavallerieverein nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, sondern erfüllt gleichzeitig einen gesellschaftlichen Auftrag.