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Filme verändern Einstellungen zur weiblichen Genitalbeschneidung
Weltweit werden Millionen von Mädchen und Frauen beschnitten. Um die Einstellung gegenüber dieser gesundheitsgefährdenden Praxis zu verändern, produzierten UZH-Forschende Spielfilme. In diesen diskutieren Familien kontrovers über die Beschneidung ihrer Töchter, wodurch sich die Einstellung gegenüber unbeschnittenen Mädchen bei den Zuschauern positiv veränderte. Das Thema wiederholt in Filmen einzubinden, könnte helfen, die Zahl der Beschneidungen zu reduzieren.
Die Beschneidung weiblicher Genitalien kann im Verlauf des gesamten Lebens zu schweren Gesundheitsproblemen führen. Dennoch werden jährlich geschätzte 125 Millionen Mädchen und Frauen beschnitten. Regierungen und internationale Organisationen bekämpfen seit Jahrzehnten die Mädchenbeschneidung. Viele Programme gehen davon aus, dass diese Praxis stark verwurzelt ist und homogen angewandt wird.Jedoch haben jüngste empirische Studien gezeigt, dass sich die Einstellungen innerhalb der Gemeinschaften und sogar innerhalb von Familien erheblich unterscheiden. Die Argumente für und gegen Beschneidung lassen sich in zwei Kategorien aufteilen: Wertvorstellungen in Bezug auf Gesundheit, Reinheit und wahrgenommene religiöse Verpflichtungen versus Fragen bezüglich zukünftiger Heiratsaussichten beschnittener oder nicht beschnittener Töchter.
Heterogenität der Einstellungen berücksichtigen
Sonja Vogt, Charles Efferson und Ernst Fehr von der Universität Zürich stellten gemeinsam mit sudanesischen Forschern die entgegengesetzten Einstellungen innerhalb von Familien ins Zentrum ihrer empirischen Herangehensweise. «Statt von aussen Druck auf die Gemeinschaften auszuüben und ihr kulturelles Erbe zu ignorieren, haben wir die lokal gegensätzlichen Einstellungen zur Beschneidung als Ausgangspunkt genommen», erklärt Sonja Vogt. Die Forscher produzierten vier Versionen eines Spielfilms, dessen Haupthandlung eine aufregende Mischung aus Liebe, Intrige und Betrug rund um eine im Sudan lebende Familie ist.
Drei der vier Filme beinhalten eine 27-minütige Nebenhandlung über Töchter, die sich dem Beschneidungsalter nähern. Dabei diskutieren die Protagonisten der erweiterten Familie für und gegen die Beschneidung. Eine Version konzentriert sich auf die persönlichen Wertvorstellungen, eine auf die Heiratsfähigkeit und die dritte auf beides. Die Diskussionen behandeln gleichermassen Argumente für als auch gegen die Beschneidung und führen schliesslich in allen Versionen zur Entscheidung, auf die Beschneidung zu verzichten. Charles Efferson erklärt: «In dem die gegensätzlichen Seiten des Problems gezeigt werden, stellen die Filme dar, wie schwer es für Eltern ist, eine Entscheidung zu treffen. Ausserdem ermöglichen sie es den Zuschauern, sich ein eigenes Urteil zu bilden.»
Anhaltender, positiver Effekt auf Einstellungen bewirkt
Alle drei Filme mit der Nebenhandlung beeinflussten positiv die Einstellung der Zuschauerinnen und Zuschauer hinsichtlich unbeschnittener Mädchen. Aber nur jener Film, der sowohl persönliche Werte als auch die zukünftigen Heiratsaussichten behandelte, veränderte die Einstellung der Zuschauer mindestens für eine Woche. Laut dem Forscherteam besteht zwischen Filmkonsum und veränderter Einstellung eine kausale Beziehung – nicht nur eine Korrelation. «Dies zeigt, dass die Darstellung der Argumente in einem Unterhaltungsformat die Einstellung gegenüber unbeschnittenen Mädchen positiv beeinflussen kann», sagt Charles Efferson.
Sonja Vogt ist überzeugt, dass ihre Herangehensweise Potential hat und von Organisationen, die sich gegen die weibliche Genitalverstümmelung einsetzen, genutzt werden kann: «Die Einbettung der Diskussion über die Beschneidung in Unterhaltungsformaten könnte eine nachhaltige Einstellungs-veränderung anstossen.» Charles Efferson ergänzt: «Unterhaltung kann häufig ein viel breiteres Publikum erreichen als Bildungsdokumentationen. Diese laufen Gefahr, vor allem jene Personen anzusprechen, die bereits überzeugt sind.»