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Die Festungswerke erhielten während des zweiten Weltkrieges eine grosse Bedeutung. Ab 1948 oblagen dann die Belange des Festungswesens der Abteilung für Genie und waren direkt dem Generalstabschef unterstellt. Das Festungswachtkorps, welches für den Unterhalt, Überwachung und Verwaltung der befestigten Werke verantwortlich zeichnet, waren in denselben Verband eingegliedert.
Bei erhöhter Spannung wegen Konflikten im Ausland, z.B. Ungarnaufstand 1956, bewachte das Festungswachtkorps die Werke und erstellte die Betriebsbereitschaft bis zum Eintreffen der zugeteilten Truppen bei einer Mobilmachung.
Landesverteidigung ab 1966
Das Konzept der militärischen Landesverteidigung 1966 hiess «Abwehr als Hauptkampfform». Geländeverstärkungen und Panzerung boten beim Einsatz von Atomwaffen Schutz vor Druck, Hitze und atomarer Verstrahlung. Flüchtige Ziele konnten sich aber dem Atombeschuss besser entziehen. Der eigentliche Kampf soll nun von der beweglichen Infanterie aus Stützpunkten heraus geführt werden mit dem Ziel, den Vormarsch des Gegners zu verzögern, zu kanalisieren und abzunützen.
Folgen der Devise «überleben, um kämpfen zu können», waren z.B. im Tagbau erstellte Unterfluranlagen, Schutzbauten ohne Infanteriebewaffnung, kompakte, schockgesicherte Monoblockanlagen für Geschütze und höhere Kommandoposten. So baute man in der Umgebung der Artilleriewerke für die Truppen der Aussenverteidigung Atomschutzunterstände (ASU) und Kugelbunker aus vorfabrizierten Elementen. Bestehende Artilleriewerke wurden nachgerüstet mit Filteranlagen gegen Bedrohung von Atom- und Chemiewaffen. Gleichzeitig erstellte man für die Zivilbevölkerung Schutzräume in Eigenheimen und öffentlichen Gebäuden.
Optimierung der Sperranlagen
Im Verlaufe der 70iger Jahre wurde die Zerstörungsbereitschaft von Sperrstellen durch die permanente Einlagerung des Sprengstoffes in den Objekten verbessert. Unterirdische Gebirgsunterkünfte schützten die Truppen vor Witterungseinflüssen und Feuereinwirkungen. Sperrstellungen wie Geländepanzerhindernisse wurden ausgebaut. 12 cm Festungsminenwerfer lieferten den Kampftruppen in den Einfallsachsen die artilleristische Feuerunterstützung.
Ausbaustand der permanenten Geländeverstärkungen Ende der 80iger Jahre:
– 1700 Sprengobjekte
– 2000 Hindernisse gegen Panzer
– 900 Festungswerke mit über 3000 Waffen
– 6000 Schutzanlagen für Mannschaft und Führung mit Schutzplätzen für einen Fünftel des Armeebestandes
Atomwaffen kontra grosse Artillerie – Festungswerke
Die unterirdischen Festungsanlagen und die Aussenverteidigung benötigten bis anhin grosse Mannschaftsbestände. Der Aufwand und die Verwundbarkeit waren zu gross geworden, dies u.a. durch die Entwicklung von intelligenter Munition, welche ihr Ziel selber suchte. Wohl profitierten die eingebauten Festungsgeschütze vom hohen Schutzumfang, zum Beispiel der Tarnung, der raschen Bereitschaft und der beachtlichen Feuerwirkung. Unumgänglich wurde Mitte der 80iger Jahre die Liquidierung der 7,5 cm Kanonen, der Panzertürme 10,5 cm, in vielen Festungen eingebaut, und der 15 cm Haubitzen aus dem Jahre 1916. An deren Stelle trat das neu entwickelte Kasemattgeschütz «Bison» Kaliber 15,5 cm mit einer Reichweite von rund 40 km. Zwei Geschütze werden je in einem Monoblock eingebaut. Zudem wurde für die verbleibenden Geschütze neue, panzerbrechende Munition entwickelt für den Panzerabwehrkampf. Mit den Minenwerfern 12 cm konnten nun auch Kanistergeschosse mit je 32 Tochtergeschossen verschossen werden.
Die Festung in der Armee 95
Die Armee 95 zählt noch 400’000 Mann. Einen Kampf wie bisher in einem flächendeckenden Grundpositiv zu führen ist nicht mehr möglich. Es müssen durch Konzentration der verbleibenden Mittel Schwergewichte bei den Bedrohungsschwerpunkten gebildet werden. Damit kann eine zeitliche und örtliche Überlegenheit erreicht werden, um Teilkräfte des Gegners zu bekämpfen. In die gleiche Zeitspanne fällt der Verzicht der Grossmächte auf den Einsatz von atomaren Gefechtswaffen. Die verbleibenden Festungstruppen unterstützen dabei die Kampfverbände mit ihren weitreichenden und wirkungsvollen Artilleriewaffen. Da aber die Festungstruppen durch die Armee 95 um rund 50 Prozent verringert werden, werden die überholten Festungsanlagen aus den 30iger und 40iger Jahren aufgegeben, da Nutzen und Aufwand nicht mehr im richtigen Verhältnis stehen.
Die Armee 95 umfasst noch:
– 1200 Sperrstellen
– 100 Anlagen der Festungsartillerie
– 100 Führungsanlagen für Regiments- und Heereseinheitsstäbe
– 50 Übermittlungsknoten mit rund 2000 km Telefonkabel
Die neuen 15,5 cm Festungsbatterien werden dank ihrer Reichweite und Feuerkraft zur ersten schweizerischen Allgemeinunterstützungsartillerie der in ihren Wirkungsräumen eingesetzten Kampftruppen. In der Armee XXI wird die gesamte Festungsartillerie der Schweizer Armee in einer einzigen Festungsartillerieabteilung zusammengefasst für die Bedienung der 12 cm Festungsminenwerfer und der Bisonbatterien. Im Alpenraum ist ab 2000 die mobile Artillerie zusätzlich präsent durch drei mechanisierte Panzerhaubitzabteilungen Kaliber 15,5 cm.
Das Aus für die Festung Heldsberg
Das Rüstungsprogramm 1983 beinhaltete u.a. die Beschaffung von zusätzlichen 12 cm Zwillingsminenwerfern. Dies bedeutete das Aus für zahlreiche leichte Artilleriewerke entlang der Grenze, so unter anderem im St. Galler Rheintal und im Reduitraum. Trotzdem wurden im Heldsberg noch Ergänzungskurse durchgeführt, und die Festung diente auch als Unterkunft für WK Truppen, letztmals im Frühsommer 1992. Im Februar des gleichen Jahres wurde der Heldsberg aus der Geheimhaltung entlassen. Am 22. Dezember 1992 erwarb die Gemeinde St. Margrethen das Grundstück mit allen ober- und unterirdischen Anlagen mit der Auflage, diese dem Verein «Festungsmuseum Heldsberg» zur Führung eines wehrtechnischen Museums zu überlassen. Das Museum wurde im September 1993 eröffnet. Die weiteren Festungswerke im unteren Rheintal wie die Festung Steiniger Tisch bei Thal und die Festung Halden zum Schutz des Flugplatzes Altenrhein wurden ebenso aus der Geheimhaltung der Schweizer Armee entlassen und ausgeräumt.