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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

XX. Rede
10.
So behaupten die Frevler, die, welche gierig alle Lehren angreifen. Wir aber denken nicht so und lehren nicht so. Zugleich mit dem unerzeugten Sein [S. 412] des Vaters ― er war immer, und dem Verstand fällt es nicht ein, anzunehmen, daß er einmal nicht war ― ist das erzeugte Sein des Sohnes. Also ist das Sein des Vaters gleichzeitig mit dem Erzeugtsein des Eingeborenen, welcher aus ihm, nicht aber nach ihm ist oder welcher existiert nur durch den Gedanken des Anfangs, d. i. der Ursache. Da ich wegen deiner geistigen Schwerfälligkeit in Sorge bin, wiederhole ich öfter den gleichen Gedanken. Wenn du dich nicht unnötig um das Erzeugtsein des Sohnes, bzw. um seine Hypostase oder um das, was anderen als noch wichtiger erscheint, kümmerst ― denn, was ich denke und meine, läßt sich nicht in Worte fassen ―, dann mache dir auch nicht zu viel zu schaffen mit dem Ausgange des Geistes! Mir genügt es, zu hören, daß der Sohn ist, und daß er aus dem Vater ist, daß der Vater und der Sohn ist. Weiter grüble ich nicht. Nicht möchte ich nämlich das Schicksal jener Stimmen, welche, weil sie sich überschreien, völlig zusammenbrechen, oder das Schicksal jener Augen, welche in die Sonne schauen, erfahren. Denn je mehr und je genauer einer sehen will, um so mehr schädigt er seine Sinne. Er beraubt sich der Möglichkeit, überhaupt noch zu sehen; denn das Augenlicht wird vernichtet, wenn das Geschaute zu groß ist, wenn man alles sehen will und nicht bloß das, was man mit Sicherheit sehen kann.