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Die Erwartungen an Ottmar Hitzfeld waren gross bei dessen Amtsantritt im Sommer 2008. Die Nati hatte an der Heim-EM einen nicht eben positiven Eindruck hinterlassen. Der Star-Trainer sollte für einen Aufbruch stehen. Hitzfeld startete schlecht: Die 1:2-Pleite gegen Luxemburg in seinem ersten Pflichtheimspiel als Nati-Coach bezeichnet Hitzfeld auch jetzt noch als Tiefpunkt.
Trotz des Ausrutschers qualifizierte sich Hitzfeld mit der Nati als Gruppenerster für die WM in Südafrika. Dort wurde Spanien bezwungen, trotzdem folgte das Out in den Gruppenspielen. Danach folgte, während der Quali zur EM 2012, eine Rücktrittswelle. Frei, Streller, Huggel, Grichting oder Magnin - alle zogen sie sich freiwillig aus der Nati zurück.
Forcierter Umbau vor 3 Jahren
Hitzfeld blieb nur eine Möglichkeit: Das Team komplett neu aufzubauen. Er machte Inler zum Captain, holte U17-Weltmeister wie Rodriguez, Xhaka und Seferovic an Bord, traute Shaqiri eine Schlüsselrolle zu. Hitzfeld «bastelte» sich eine neue Mannschaft, ein junges Team, das die Qualifikation zur EM 2012 hinter England und Montenegro zwar verpasste, aber viel Potenzial für die Zukunft aufwies.
In der Quali zur WM 2014 bewies die «neue» Nati erstmals ihre Möglichkeiten. Ohne Niederlage qualifizierte sich Hitzfelds Team für die WM in Brasilien und weil sie auch in Testspielen gegen grosse Teams wie Brasilien oder Deutschland erfolgreich blieb, fand sich die Schweiz plötzlich auf Position 6 der FIFA-Weltrangliste wieder.
WM in Brasilien als Höhepunkt
Die WM-Endrunde sollte zum Höhepunkt werden der neuen, der «goldenen» Generation, dieser Mannschaft, die Hitzfeld in den vergangenen 3 Jahren aufgebaut hatte. Das Turnier wurde zur Achterbahnfahrt mit Höhen (Honduras) und Tiefen (Frankreich), unter dem Strich wurde mit der Achtelfinal-Quali das Ziel erreicht.
Hitzfeld hat die Schweiz an 2 Endrunden geführt, das Team komplett erneuert und übergibt Nachfolger Vladimir Petkovic eine gefestigte Mannschaft mit schönen Perspektiven für die Zukunft. Eine makellose Bilanz also? Nein. Obwohl Hitzfeld mit der Nati die meisten Ziele erreichte, blieb der ganz grosse Wurf aus, diesen Eintrag in die Geschichtsbücher, den sich Hitzfeld so sehr gewünscht hat - auch wenn zum Schluss gegen Argentinien nur ungemein wenig dafür gefehlt hat.
Grösste Erfolge als Klubtrainer
Seine grössten Erfolge feierte Hitzfeld als Klubtrainer. Schon der Einstieg in der Schweiz war fulminant. 1983 übernahm der damals 35-Jährige den SC Zug und führte den NLB-Klub gleich in die höchste Liga. Mit Aarau wurde er Cupsieger, mit GC zweimal Meister und zweimal Cupsieger.
In der Bundesliga beschleunigte sich Hitzfelds Karriere rasant. Innerhalb von wenigen Jahren reanimierte er mit Borussia Dortmund einen Traditionsklub, der vorab von vergangenen Erfolgen gezehrt hatte. Hitzfeld führte die Borussen an die nationale, und schliesslich europäische Spitze - 1997 wurde der BVB sensationell Champions-League-Sieger.
Neunfacher deutscher Meister
Bei Bayern München wiederholte Hitzfeld das Kunststück, gewann 2001 als vierter Trainer überhaupt mit zwei verschiedenen Vereinen die «Königsklasse». 2008 beendete Hitzfeld seine zweite Amtszeit bei den Bayern mit dem Double - es war sein 9. Meistertitel in der Bundesliga, sein 4. DFB-Pokal.
Von Hitzfelds grosser Karriere werden mit Sicherheit eher die grossen Erfolge im Klubfussball in Erinnerung bleiben als seine 6-jährige Ära als Coach der Schweizer Nationalmannschaft. Seine Spuren hat der Star-Trainer aber auch in der Nati hinterlassen - und für die Nachfolger ein Team mit Potenzial geformt.
Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM 2014 live, 01.07.14 18:00 Uhr