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Töne aus dem Nichts ins Nichts
Miniaturen für Stimme und Cello von Andrea Lorenzo Scartazzini
In Bern kennt man vom Komponisten Scartazzini, 1971 in Basel geboren, vor allem die Oper Wut (2010 im Spielplan des Stadttheaters). Dass ihn auch kleinste Besetzungen mit Singstimme faszinieren, beweisen die ca. vier Minuten beanspruchenden Miniaturen Nachttief und Mond.
Die Anforderungen an den Sänger oder die Sängerin liegen nicht vorwiegend im Treffen der Töne, die auch im Zusammenklang mit dem Violoncello nicht abstrakt wirken; die dynamischen Bezeichnungen – zwischen pppp und mp liegend – sind anspruchsvoll, Töne kommen aus dem Nichts oder verschwinden ins Nichts. Ausserdem hat der Counter oder die Frauenstimme (am besten ein Mezzo) Crotales (kleine Becken) zu spielen, im ersten Satz mit Kontrabassbogen, im zweiten mit Metallbesen.
Die Texte werden als «Boutaden» bezeichnet. (Ich musste diesen Ausdruck nachschlagen: Einfall, Idee, Laune.) Die luftigen Wortschöpfungen wie «Blattanbeter» oder «Windverehrer» sind zusammenhängend komponiert, einzig im dritten Satz verzichtet der Komponist gänzlich auf Text und weist der Stimme eine Sotto-voce-Vokalise zu, entsprechend der vertonten Textzeile: «Ich lausch dem Winde, schweigend und versonnen.» Dafür fällt dem Cello, das bis anhin umspielt, umtrillert und mit Glissandi untermalt hat, die Aufgabe zu, den Wind mit allen Geräuschmöglichkeiten von Bogen und Instrument zu verkörpern.
Die Anweisungen sind im Notentext klar notiert, das erspart das Blättern in einem Index.
Andrea Lorenzo Scartazzini, Nachttief und Mond, Drei Miniaturen für Counter (oder Frauenstimme) und Violoncello auf Texte von Arno Schmidt, BA 9366, € 9.75, Bärenreiter, Kassel 2012