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Wie in vielen anderen europäischen Ländern ist das Filmschaffen auch in der Schweiz auf staatliche Unterstützung angewiesen: Eine Filmindustrie im Stil von Hollywood gibt es nicht.
Die Filmpolitik des Bundes hat in erster Linie zum Ziel, Vielfalt und Qualität des Filmschaffens zu fördern und die Filmkultur als Teil der nationalen Identität zu stärken.
Weitergehende Informationen zur Schweizer Filmförderungexterner Link finden Sie beim Bundesamt für Kultur, ebenso eine Liste mit Links zu verschiedenen Aspekten rund um das Thema Filmexterner Link.
Nicht viele Schweizer Filme werden über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Wie bei der Literatur kann man zudem nicht einfach vom "Schweizer" Film sprechen: Die Filmschaffenden bewegen sich in den Kulturräumen ihrer Sprachregion, stehen mit ihren jeweiligen Nachbarländern in enger Wechselwirkung und haben dorthin oft mehr Kontakte als im Land selber untereinander.
Daher spielen auch Koproduktionen eine grosse Rolle. Um bessere Vertriebs- und Vermarktungsmöglichkeiten zu eröffnen, nimmt die Schweiz zudem an der EU-Filmförderung, dem EU-Media-Programm, teil.
Grosse Namen
Es gibt aber durchaus Schweizer, die sich in der Filmindustrie international einen Namen gemacht haben und mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt wurden. Dazu zählt der Basler Produzent und mehrfache Oscar-Preisträger Arthur Cohn. Cohn ist der bisher einzige nicht amerikanische Produzent, der auf dem "Walk of Fame" in Hollywood einen Stern erhalten hat.
Zu seinen mit einem Oscar ausgezeichneten Werken gehören "Il Giardino dei Finzi Contini" (Der Garten der Finzi Contini) mit dem Regisseur Vittorio de Sica von 1970 und "One Day in September" (Ein Tag im September) von 1999.
Schweizer Wurzeln hat auch der in Frankreich geborene Regisseur Jean-Luc Godard, einer der herausragendsten, wenn auch nicht unumstrittenen Regisseure des europäischen Kinos,. Godarh hat im Verlauf seiner langen Karriere zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten, darunter 2010 einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk.
Ebenfalls einen Oscar – für den besten fremdsprachigen Film – erhielt 1991 der Schweizer Regisseur Xavier Koller für "Reise der Hoffnung". In dem Film wird die Flucht einer kurdischen Familie in die Schweiz geschildert, die mit dem Tod des jungen Sohns in den Alpen ein tragisches Ende nimmt.
In den vergangenen Jahren tauchte in Hollywood ein neuer Name aus der Schweiz auf, Marc Forster: Zum ersten Mal aufmerksam auf Forster wurde eine breitere Öffentlichkeit 2001, als Halle Berry, die in dem von Forster gedrehten Film "Monster's Ball" spielte, als erste Afro-Amerikanerin einen Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt.
Forster drehte seither etliche weitere Filme, darunter den James-Bond-Streifen "Quantum of Solace" (Ein Quantum Trost), in dem auch der in Zürich geborene Anatole Taubman eine Rolle spielte.
Als Schauspieler über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht haben sich unter anderem Bruno Ganz und Maximilian Schell.
Aber auch Ursula Andress als Honey Ryder im James-Bond-Streifen "Dr. No": Ihr Auftritt im weissen Bikini von 1962 hat eine Art Kultstatus, sie war das erste "Bond-Girl" überhaupt.
Einen guten Namen hat die Schweiz zudem seit Jahrzehnten im Bereich Dokumentarfilme; immer wieder werden Schweizer Werke international ausgezeichnet.
Detaillierte Angaben rund um das Thema Schweizer Film bietet die Website von Swiss Filmsexterner Link. Die Stiftung Swiss Films ist die Promotionsagentur des Schweizer Filmschaffens.
Zeitgenössisches Filmschaffen
In den vergangenen Jahren gab es nicht viele Schweizer Filme, die auf dem internationalen Parkett für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Eine der eher seltenen Ausnahmen ist zum Beispiel "Home" der Regisseurin Ursula Meier. Der Film von 2008 mit der Französin Isabelle Huppert in der Hauptrolle ist eine skurrile Familiengeschichte rund um das Leben neben einer Autobahn.
Zu den bekannteren Schweizer Filmen der letzten Jahre gehören "Sennentuntschi" des Regisseurs Michael Steiner, der wegen Streits und drohendem Bankrott Schlagzeilen gemacht hatte, bevor er 2010 in die Kinos kam, oder der vom Deutschen Wolfgang Panzer inszenierte "Der grosse Kater" nach einem Roman von Thomas Hürlimann mit Bruno Ganz in der Hauptrolle (eine schweizerisch-deutsche Koproduktion).
Die Komödie "Giulias Verschwinden" (2009) von Christoph Schaub stiess nicht nur beim Publikum in der Schweiz auf Resonanz, sondern war 2010 auch in Deutschland und Österreich recht erfolgreich.
Von sich zu reden machten in den vergangenen Jahren unter anderem auch "Die Herbstzeitlosen" von Bettina Oberli (2006), "Vitus" von Fredi Murer (2007) oder "Das Fräulein" von Andrea Staka (2006), der am Filmfestival Locarno den Goldenen Leoparden erhielt. "Die Herbstzeitlosen" war mit über 550'000 Eintritten in der Schweiz eine der erfolgreichsten einheimischen Produktionen.
Detaillierte Angaben rund um das Thema Schweizer Film bietet die Website Swiss Filmsexterner Link. Die Stiftung Swiss Films ist die Promotionsagentur des Schweizer Filmschaffens.
Detaillierte Informationen zur Geschichte des Schweizer Films von der Stummfilmproduktion bis heuteexterner Link finden Sie im Historischen Lexikon der Schweiz. Ein weiterer Artikel im Historischen Lexikon befasst sich mit der Produktionsindustrieexterner Link.
Rückblick – 1950 bis 2000
Zu den Anfängen der Schweizer Spielfilmproduktion gehört "Gilberte de Courgenay" mit der legendären Anne-Marie Blanc in der Hauptrolle. Der Film – ein eigentlicher Propagandafilm – entstand 1941 während des Zweiten Weltkrieges im Rahmen der so genannten geistigen Landesverteidigung. Regisseur war Franz Schnyder (1910-1993), der bis heute wohl erfolgreichste Schweizer Filmemacher.
In den 1950er-Jahren folgte eine erfolgreiche Phase für den Schweizer Film. Neben Schnyder wurde in dieser Zeit auch Kurt Früh (1915-1975) aktiv. Schnyder machte sich vor allem einen Namen mit Gotthelf-Verfilmungen wie "Ueli der Knecht" oder "Käserei in der Vehfreud", Früh mit Kleinbürgerdramen aus dem städtischen Umfeld wie "Bäckerei Zürrer" oder "Oberstadtgass".
In den späteren 1960er- und den 1970er-Jahren machte der "Neue Schweizer Film" mit Regisseuren wie Alain Tanner über die Landesgrenzen hinaus Schlagzeilen. Dieser realisierte im Lauf seiner Karriere fast 20 Spielfilme.
Mit den Filmemachern der "Groupe de 5" – neben Tanner sind das Claude Goretta, Michel Soutter, Jean-Claude Roy und Jean-Jacques Lagrange – gehörte der Schweizer Film zu der Zeit zur internationalen Avantgarde. Die Spielfilme kamen vor allem aus der französischsprachigen Schweiz.
In der deutschsprachigen Schweiz entwickelte sich in derselben Zeit in erster Linie eine Dokumentarfilmszene mit Werken wie "Siamo Italiani" von Alexander J. Seiler oder "Bananera Libertad" von Peter von Gunten.
Als führende Deutschschweizer Spielfilm-Regisseure einen Namen machten sich in den letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts vor allem: Kurt Gloor ("Die plötzliche Einsamkeit des Konrad Steiner", "Der Erfinder"), Markus Imhoof ("Das Boot ist voll", "Die Reise"), Xavier Koller ("Reise der Hoffnung"), Rolf Lyssy ("Die Schweizermacher", "Leo Sonnyboy"), Fredi M. Murer ("Grauzone", "Höhenfeuer") und der 2006 verstorbene Daniel Schmid ("Il bacio di Tosca", "Beresina oder die letzten Tage der Schweiz").
Detaillierte Informationen zur Geschichte des Schweizer Films von der Stummfilmproduktion bis heuteexterner Link finden Sie im Historischen Lexikon der Schweiz. Ein weiterer Artikel im Historischen Lexikon befasst sich mit der Produktionsindustrieexterner Link.
Dokumentarfilme
Einiges internationales Potential hatten in den vergangenen Jahren Dokumentarfilme aus der Schweiz, die oft an internationalen Festivals gezeigt und ausgezeichnet werden. Der erfolgreichste Schweizer Dokumentarfilm ist bisher "More Than Honey" (2012) von Markus Imhoof, der sich sehr genau und mit viel Sensibilität dem Thema Bienen widmete. Der Film wurde in über 30 Länder verkauft.
Ein Beispiel für das erfolgreiche aktuelle Dokumentarfilmschaffen ist Christian Frei, der für seinen jüngsten Film "Space Tourist" zahlreiche Preise erhalten hat. Auch sein Film "War Photographer" über den Kriegsfotografen James Nachtwey hatte zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten.
Weitere erfolgreiche Dokumentarfilmer, um nur einige zu nennen, sind: Richard Dindo (u.a. "Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.", "Grüningers Fall", "Arthur Rimbaud - Une biographie"), Peter von Gunten (u.a. "Bananera Libertad", "They teach us how to be happy"), Paul Riniker (u.a. "Traum Frau – Stationen einer Geschlechtsumwandlung", "Beromünster – Im Land der Schweizermacher") oder Nicolas Wadimoff (u.a. "Aisheen Still Live in Gaza", "Alinghi – The Inside Story").
Detaillierte Informationen zur Geschichte des Schweizer Films von der Stummfilmproduktion bis heuteexterner Link finden Sie im Historischen Lexikon der Schweiz. Ein weiterer Artikel im Historischen Lexikon befasst sich mit der Produktionsindustrieexterner Link.
Festivals
In Locarno findet jeweils im August das Internationale Filmfestivalexterner Link statt, das zu den bekanntesten und bedeutendsten Festivals im Filmgeschäft gehört. Der goldene Leopard, der "Pardo", geht an den Gewinner des Wettbewerbs.
Cineastische Höhepunkte und Weltpremieren aus aller Welt finden in Locarno wie in Cannes, Venedig oder Berlin statt. Besonders das Entdecken von neuen Talenten ist Ziel des Festivals. In Locarno werden auch neue Schweizer Talente ausgezeichnet. Produktionen aus den Filmschulen Genf, Zürich oder Lausanne nehmen regelmässig an diesem Wettbewerb teil.
Zu einem Festival mit internationaler Ausstrahlung hat sich in den vergangenen Jahren auch jenes in Zürichexterner Link entwickelt.
2009 geriet es ungewollt in die Schlagzeilen, als der in Frankreich lebende Regisseur Roman Polanski bei der Einreise in die Schweiz aufgrund eines Haftantrags der USA festgenommen wurde. Polanski hätte für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollen.
Polanski stand nach seiner Festnahme in Zürich in Gstaad unter Hausarrest. Im Juli 2010 kam er frei, nachdem die Schweizer Justiz entschieden hatte, dass sie den wegen sexueller Handlungen mit einer Minderjährigen 1977 von den USA gesuchten Filmschaffenden nicht ausliefern würde.
Neben Locarno und Zürich gibt es in der Schweiz etliche weitere Filmfestivals – eine Auswahl:
- Visions du réel, Nyonexterner Link
- Internationales Festival des Fantastischen Films, Neuenburgexterner Link
- Internationales Filmfestival Freiburgexterner Link
- Solothurner Filmtageexterner Link, die Werkschau des Schweizer Filmschaffens
Informationen zu den bedeutendsten Schweizer Filmfestivals, ein Festkalender und eine umfassende Linksammlung zu vielfältigen Aspekten des Schweizer Filmschaffens finden Sie auf dem Portal Film-Festivals-Schweizexterner Link.
Schweiz als Drehort
Die Schweiz ist auch eine beliebte Filmkulisse für Filmschaffende aus aller Welt. So setzen etwa Produzenten aus der indischen Filmszene – "Bollywood" – ihre Darstellerinnen und Darsteller seit vielen Jahren in der Schweizer Landschaft in Szene.
Das Schilthorn, eine weitere berühmte Schweizer Filmkulisse, wurde im James-Bond-Film "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" zu Piz Gloria umbenannt und ist Schauplatz einer spektakulären Verfolgungsjagd.
Die Schweiz taucht zudem auch immer wieder in Szenen auf, egal ob an einem Schweizer Schauplatz gefilmt oder nachgestellt, meist geht es um Genf oder Zürich – oft um den Bankenplatz Schweiz. So spielt das "geheime Konto" bei einer Bank in der Schweiz in Spionage- und anderen Thrillern immer wieder eine Rolle.
Mit der Verfilmung des Bestsellers "Angels and Demons" (deutscher Titel "Illuminati") von Dan Brown kam das Kernforschungszentrum CERN bei Genf zu Filmehren. In dem Film droht ein obskurer Orden, den Vatikan mit Antimaterie aus dem CERN zu vernichten.
Mit der Promotion der Schweiz als Drehort befasst sich Film Location Switzerlandexterner Link, in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Kultur, Swiss Films und Schweiz Tourismus.
Filmarchiv und Ausbildung
Die Cinémathèque Suisseexterner Link (das Schweizerische Filmarchiv) gilt heute neben Washington, Brüssel, Paris, London und Moskau als sechstgrösstes Filmarchiv der Welt. Die Cinémathèque suisse ist auch ein wichtiges Instrument für Recherche und Forschung zum Filmschaffen. Die Forschung findet vor allem im Rahmen des Netzwerks Cinema CH statt.
Das Netzwerk Cinema CHexterner Link ist ein Kooperationsprojekt von Universitäten und Fachhochschulen, das Masterstudiengänge in Filmrealisation und Filmwissenschaft anbietet. Es ermöglicht Studierenden das Studium an verschiedenen Fachhochschulen und Universitäten in allen drei Sprachregionen der Schweiz.
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