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Zürich wurde am 1. Januar 1893 die erste Grossstadt der Schweiz. Vorher hatte es nur 28 000 Einwohner gezählt; einige Vororte waren grösser. In Aussersihl etwa waren im 19. Jahrhundert Hunderte von Wohnblocks für Arbeiterfamilien hochgezogen worden; das Dorf mit ein paar Hundert Einwohnern wuchs in weniger als einem Jahrhundert zur Stadt mit 30 000 Einwohnern an. Mit der Eingemeindung von elf Vororten lebten nun in Zürich auf einen Schlag 128 000 Menschen.
Die Dynamik dieser Entwicklung machten sich der deutsche Verleger Wilhelm Girardet und der ehemalige NZZ- Journalist Fritz Walz zunutze, als sie, nur zwei Monate nach der Eingemeindung, im Werdquartier in Aussersihl den ersten «Tages-Anzeiger» (TA) druckten. Der TA war eine moderne Zeitung und verstand sich als unparteiisches Informationsorgan für jedermann. Weniger als drei Jahre nach der Gründung war der TA die grösste abonnierte Tageszeitung der Schweiz. 1913 betrug die Auflage 72 500 Exemplare, 1917 84 000, 1942 wurde die 100 000er-Grenze überschritten, und 1992 wurde eine Auflage von 273 000 beglaubigt. 2017 betrug die verkaufte Auflage 140 823 Exemplare, die von rund 461 000 Leuten gelesen wurden (Wemf 2017-1).
Zürich wurde am 1. Januar 1893 die erste Grossstadt der Schweiz. Vorher hatte es nur 28 000 Einwohner gezählt; einige Vororte waren grösser. In Aussersihl etwa waren im 19. Jahrhundert Hunderte von Wohnblocks für Arbeiterfamilien hochgezogen worden; das Dorf mit ein paar Hundert Einwohnern wuchs in weniger als einem Jahrhundert zur Stadt mit 30 000 Einwohnern an. Mit der Eingemeindung von elf Vororten lebten nun in Zürich auf einen Schlag 128 000 Menschen.
Es war eine Zeit des radikalen Umbruchs und der rasanten Industrialisierung, als der «Tages- Anzeiger» am 2. März 1893 zum ersten Mal erschien.
Text: Artur K. Vogel
Radikaler Umbruch
Girardets Schwiegersohn und sein Enkel, die beide Otto Coninx hiessen, führten die Firma von 1906 bis 1956 bzw. von 1956 bis 1978. Später folgten Hans Heinrich Coninx und, seit 2007, dessen Neffe Pietro Supino. Nach der rasanten Entwicklung in den ersten Jahrzehnten kam für den TA in den 1960er-Jahren eine umfassende Neuorientierung. Unter Chefredaktor Walter Stutzer wurde die Zeitung nach dem Vorbild englischer Blätter neu strukturiert: Eine Frontseite als Aushängeschild für den gebotenen Inhalt sowie die Gliederung in Ressorts (Ausland, Inland, Wirtscha , Kultur, Sport, Stadt, Region und Kanton Zürich usw.) erleichterten dem Leser die Orientierung. Zudem wurde die Zeitung vom neutralen zu einem politischen Blatt. Und 1964 wurde der Druck vom Vormittag auf den späten Abend verlegt, sodass die Leser künftig am Frühstückstisch mit den neuesten Informationen versorgt waren.
1966 führte der TA einen separaten «Stellen-Anzeiger» ein, 1970 das «Magazin» als Samstagbeilage mit hohem journalistischem Anspruch und 1982 das Ausgehmagazin «Züritipp». Seit 1997 erscheint auch die auf Kaderstellen ausgelegte Stellenbeilage «Alpha – Der Kadermarkt». Seit 2008 ist der TA zusammen mit anderen Zeitungen der Onlineplattform Newsnet angeschlossen. Im August 2013 wurden die Print- und die Onlineredaktion fusioniert; die Inhalte für alle Kanäle werden seither gemeinsam geplant und erstellt.
Seit Anfang 2018 erstellen je eine deutsch- und eine französischsprachige Tamedia-Redaktion den Mantelteil (Inland, Ausland, Wirtschaft und Sport) für zwölf bezahlte Tages- und zwei Sonntagszeitungen. Chef der deutschsprachigen Redaktion ist der vorherige Chefredaktor von «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung», Arthur Rutishauser, der zugleich Chef der «SonntagsZeitung» bleibt. Neue Chefredaktorin des «Tages-Anzeigers» ist Judith Wittwer.
80 Jahre «annabelle»
Fünf Jahre zuvor hatten sie die «Weltwoche» gegründet; 1938 wollten Karl von Schumacher und Manuel Gasser mit einer Frauenzeitschrift ihre verlegerische Basis verbreitern und kreierten die «annabelle». Erste Chefredaktorin während mehr als 20 Jahren war die Österreicherin Mabel Zuppinger, ursprünglich Redaktionssekretärin der «Weltwoche».
Zuerst erschien die «annabelle» einmal pro Monat. In den späten 1950er-Jahren wurde auf eine zweiwöchentliche Erscheinungsweise umgestellt, weil immer mehr Inserate gebucht wurden. Seit 2016 wird die Zeitschrift 18-mal pro Jahr publiziert. Mit einer verbreiteten Auflage von 42 526 Exemplaren (Wemf 2017) erreicht die «annabelle» im Schnitt 252 000 Leserinnen und Leser (Mach Basic 2017-1), wobei Letztere 18 Prozent der Leserschaft ausmachen, wie Silvia Binggeli bemerkt, die seit 2013 Chefredaktorin ist.
Die «annabelle» wurde 1938 als erste Frauenzeitschri der Schweiz gegründet, und zwar von zwei Männern.
Text:AKV
Lifestyle – und Politik
Neben Lifestylethemen widmet sich die «annabelle» auch gesellschafts- und frauenpolitischen Fragen. So lancierte sie beispielsweise 2006 eine Petition gegen Schusswaffen zu Hause. 2012 postulierte sie eine Frauenquote von 30 Prozent im Management von Unternehmen mit mindestens 200 Angestellten.
1978 fusionierte die deutschsprachige Ausgabe der «Elle» mit der «annabelle» zur «annabelle/Elle». Chefredaktorin wurde «Elle»-Chefin Charlotte Peter. 1979 kauften «annabelle/Elle» und die «femina» von Conzett & Huber je zur Hälfte die 1947 gegründete «Frau», und 1981 ging zuerst die «femina», dann die «annabelle» an Tamedia, welche sie zur «annabelle-femina» verschmolz. Es folgten in kürzeren und längeren Abständen eine Reihe von Führungswechseln, bis Gina Gysin ab 1988 für zehn Jahre die Redaktion leitete. Nach weiteren Rochaden übernahm Lisa Feldmann 2004 die Redaktionsleitung, welche sie neun Jahre lang innehatte.
«Mit älteren Männern kann ich nicht reden, weil sie mich für verrückt halten.»
Juliette Gréco, 1983
125 Jahre «Le Matin»
Der «Tages-Anzeiger» verstand sich bei seiner Gründung am 2. März 1893 als unparteiisches Informationsorgan für alle und hob sich damit von den damals üblichen Parteiblättern ab. Ähnlich positionierte sich am 2. Oktober desselben Jahres die neue «Tribune de Lausanne». Sie werde «nicht das Organ einer politischen Partei sein», hiess es in der ersten Nummer: «Sie wird sorgfältig jene irritierende Polemik vermeiden, die sich aus enttäuschten Ambitionen und persönlichem Groll nährt und schliesslich alle ermüdet. Das Ziel besteht darin, zu informieren, nicht zu bekehren; sie wird jede ernst gemeinte und gemässigte Meinung begrüssen.»
1912 übernahmen die Gründer der Imprimeries Réunies die «Tribune» und lancierten auch eine Sonntagsausgabe. Da sich schon das viel ältere «Feuille d'Avis de Lausanne» (später in «24 heures» umbenannt) im Besitz der Gruppe befand, kontrollierte diese nun zwei wichtige Waadtländer Presseerzeugnisse. 1925 ging die Firma in den Besitz der Lousonna S.A. über, an der Jacques Lamunière beteiligt war. Die Familie Lamunière übernahm 1982 unter dem Dach der Edipresse S.A. einen Teil der Medienaktivitäten der Lousonna. 2010/2011 trennte sie sich von ihrem Schweizer Geschäft, welches schrittweise von Tamedia übernommen wurde.
Die Sonntagsausgabe der «Tribune» wurde 1972 in «Le Matin Dimanche» umgetauft; seit 1984 heisst auch die Tages- zeitung «Le Matin», wobei alteingesessene Lausanner noch immer von der «Tribune» sprechen. Seit 2001 erscheint «Le Matin» im Tabloidformat. «LeMatin» hat eine Auflage von 37634 verbreiteten Exemplaren und eine Reichweite von 235 000 Leserinnen und Lesern. Von «Le Matin Dimanche» werden gut 100 000 Exemplare verkauft; die Zeitung erreicht 405 000 Leserinnen und Leser (alle Angaben nach Wemf Mach Basic 2017-1). Die Redaktion von «Le Matin» ist Anfang 2018 mit jener der Tamedia-Pendlerzeitung «20 minutes» zusammengelegt worden.
Unter der Leitung von Ariane Dayer, Chefredaktorin von «Le Matin Dimanche», erstellt eine gemeinsame Tamedia-Redaktion seit Januar 2018 zudem den Mantel (Inland, Ausland, Wirtschaft und Sport) für «24 heures», «Le Matin Dimanche» und die, ebenfalls zur Tamedia-Gruppe gehörende, «Tribune de Genève».
Sieben Monate nach dem «Tages-Anzeiger» in Zürich wurde 1893 die «Tribune de Lausanne» gegründet, die seit 1984 «Le Matin» heisst.
Text:AKV
10 Jahre Newsnet
Newsnet legte einen sportlichen Einstand hin. Das 2008 neu geschaffene Nachrichtenportal, damals gemeinsam von tagesanzeiger.ch, bernerzeitung.ch und bazonline.ch, ging am 8. August des Jahres erstmals online, zeitgleich mit dem Start der 24. Olympischen Sommerspiele in Peking; aus Peking berichtete damals exklusiv für das neue Webportal der China-Kenner Peter Achten.
Die Werbekampagne, die den Launch begleitete, stand unter dem Motto «Nichts verpassen», und tatsächlich beeindruckte das neue Webportal von Beginn an Konkurrenz und Fachpresse – aber auch Kolleginnen und Kollegen im eigenen Haus – mit dem Tempo, in dem sich News um News auf der Internetseite folgten. Und auch damit, wie rasch die Redaktion erste Meilensteine erreichte. So durfte Newsnet sich bereits nach drei Monaten als Leader unter den Schweizer Medienwebsites rühmen; es erreichte 1,6 Millionen Clients pro Monat, damals mehr als «Blick online», mehr als nzz.ch, mehr als «20 Minuten online».
Obwohl die rund 35-köpfige Redaktion in der Anfangsphase mit technischen Problemen zu kämpfen hatte und obwohl viele der Journalisten und Journalistinnen zum ersten Mal digital arbeiteten, war es der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Ende 2009 konnte der damalige Newsnet-Chefredaktor Peter Wälty einen Ausbau um rund zehn Stellen verkünden. Ziel war es, mit mehr Inhalten das Wachstum zu beschleunigen. 2011 wurden die beiden Newsnet-Autorinnen Michèle Binswanger und Nicole Althaus für ihren Mamablog als erste Onlinejournalisten in der Schweiz überhaupt zu «Journalistinnen des Jahres» gekürt.
Im Oktober 2011 wandelte sich Newsnetz zu Newsnet. Grund: Zum Verbund stiessen unter einer eigenen Chefredaktion auch die Westschweizer Plattformen 24heures.ch, lematin.ch und tdg.ch.
2013 dann ein markanter Wendepunkt in der jungen Geschichte von Newsnet: Zum einen ging das Newsnet-Team in einer konvergenten Gesamtredaktion auf, und zum anderen markiert das Jahr die Einführung der digitalen Abon- nemente.
Eine konvergente Redaktion statt eines Print- und eines Onlineteams, bezahlte Inhalte statt Gratisangebot: Das sind auch 2018 die Grundpfeiler der Newsnet-Strategie.
Seit 2008 steht Newsnet für Qualitätsjournalismus im Internet.
Text: Michael Marti
10 Jahre «Friday»
«Wir wollen immer nah bei unseren Lesern sein, nicht arrogant und nicht anbiedernd wirken, sondern ein Wir-Gefühl auslösen», lautete die Vision der Redaktion, als wir «20 Minuten Friday» lancierten. Es hatte zuvor in der Schweiz keinen Lifestyle-Titel gegeben, der sich gezielt an die junge Generation richtete. Die etablierten Magazine sprachen Frauen an, die sich mehr leisten können und an einem anderen Punkt in ihrem Leben stehen.
Ich erinnere mich gern daran, wie von einem Tag auf den anderen ein rund 20-köpfiges Team aufeinandertraf, das sich einspielen, seine Themen finden musste. «20 Minuten Friday» wurde im Oktober 2008 unter der Leitung des «20 Minuten»-Chefredaktors Marco Boselli und der «annabelle»-Chefredaktorin Lisa Feldmann auf den Markt gebracht. Für mich als damals 33-jährige Journalistin war es eine grossartige Chance, bei der Entwicklung eines Magazins dabei zu sein. Wir konzipierten neue Rubriken und Formate, warfen manche wieder über den Haufen, brüteten bis Mitternacht an Ideen, bestellten Pizza, und oft gingen wir danach noch gemeinsam zur nächsten Party.
«20 Minuten Friday»-Chefin Kerstin Netsch erinnert sich an die Gründung und Entwicklung des Magazins.
Text: Kerstin Netsch (Redaktionsleiterin «20 Minuten Friday»)
Wild und bildlastig
Wir definierten uns als Radar für alles, was da draussen passiert – aus unserem intuitiven Wissen heraus, dass eine junge Zielgruppe mehr nach aussen als nach innen orientiert ist. Man will wissen, welche Trends sich abzeichnen, über wen gerade gesprochen wird. Das Layout gestalteten wir unter den Schlagwörtern «wild und bildlastig». Die Leserschaft zwischen 16 und 34 sollte die redaktionelle Geschwindigkeit spüren, sich schnell über Mode, Beauty, oder Celebritys informiert fühlen. Gleichzeitig war es uns wichtig, auch Geschichten aus der realen Welt zu erzählen, etwa über Jugendarbeitslosigkeit oder über eine 17-Jährige, die zu Hause rausgeworfen wurde, weil sie schwanger war.
Auf dieser Basis baute «Friday» rasch eine Fangemeinde auf. In den ersten Jahren schickten uns Leser regelmässig Bilder ihrer «Friday»- Sammlung oder Collagen, die sich mit unseren Geschichten auseinandersetzten, manche hatten ihr Zimmer mit unseren Covers tapeziert. Daraus entstand die Idee für die Rubrik «Das bin ich» auf unserer letzten Seite, wo wir Leserinnen und Leser daheim fotografierten und ihnen so die Möglichkeit gaben, sich selbst zu inszenieren. Social Media waren gerade erst am Aufkommen, und unsere Leser suchten eine Plattform.
Der «Ja-genau-Effekt»
In der Zwischenzeit hat sich der Medienkonsum verändert. Wir schauen laufend auf unsere Feeds, zeigen uns auf Instagram, chatten auf Whatsapp, diskutieren auf Twitter und lesen Artikel online. In diesem Jahr wird sich deshalb vieles im «Friday»-Universum ändern: Das Printmagazin erscheint nicht mehr im Wochenrhythmus, sondern monatlich. Aus unserem Blog, den wir 2015 auch in der Romandie lancierten, wird ein Lifestyleportal in der Deutsch- und der Westschweiz. Auf friday-magazine.ch sollen unsere Leserinnen zukünftig noch sichtbarer werden. Denn sie möchten ein aktiver Teil eines Brands sein. Sie sind es gewohnt, kurzlebige Kommunikationswege zu nutzen, aber durchaus bereit, in die Tiefe zu gehen. Schauten sie in den Anfängen von «Friday» eher als Fans zu uns auf, möchten sie heute selber Themen setzen oder auch mit uns diskutieren.
Die «Friday»-Family, die sowohl unsere Leser als auch unsere Redaktion einschliesst, hat sich schon immer leidenschaftlich für Mode, Beauty und Lifestyle interessiert. Gleichzeitig reden wir über Themen aus Politik und Gesellschaft, über unsere Gesundheit oder unser Leben. Vieles in der Medienbranche ist im Umbruch, unsere Vision aber gilt noch immer: Es ist wichtig, die Leser bei der Konzeption jeder Geschichte im Blick zu haben. Im besten Fall erzeugt man dann diesen «Ja-genau-Effekt», der sie an ihre eigenen Erlebnisse erinnert, über den eine Bindung zu uns aufgebaut wird.
Heute erreicht «Friday» 428 000 Printleserinnen und -leser und online insgesamt 1 067 000 Unique User. Wir freuen uns auf die aufregende Reise, die wir in diesem Jahr mit ihnen antreten werden.