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Karl Steiger (1870-1943) sowie Karl Georg Jakob Sailer (1817-1870) beschreiben in Publikationen über Geschichtliches von Wil einen aussergewöhnlichen Franziskanerbruder: Berthold von Regensburg begann im Alter von zwanzig Jahren in seiner Heimatstadt zu predigen. Dabei soll er aussergewöhnlich wortgewaltig gewesen. Berthold kam laut Wikipedia um 1210 in Regensburg zur Welt und starb dort 1272. Von 1230 bis 1235 studierte er in Magdeburg.
Grosse Zuhörerschaft
Der Ordensmann war in verschiedenen Ländern Europas unterwegs. Der Wanderprediger zog die Menschen so sehr in seinen Bann, dass sie ihm zu Tausenden folgten. Er redete in einer volkstümlichen Sprache und mit überraschenden Bildvergleichen. Ein Teil seiner Predigten wurden schriftlich festgehalten.
Er hielt seine Ansprachen oft im Freien, weil die Kirchen die Menge an Zuhörenden nicht aufnehmen konnten. In seinen Predigten ermahnte er die Menschen, ihre Sünden zu bereuen. Laut Wikipedia stand für ihn die Ankunft des Antichrist kurz bevor.
Auffallender Blick
«Keine grosse Erscheinung war Berthold dem Körper nach, ein hageres Antlitz vielmehr, aber in diesem Antlitz ein Feuerauge, das die Blicke zu ihm zwang», schreibt Karl Steiger. Er bezieht sich bei den Schilderungen über die Erscheinung und das Wirken von Berthold auf Aufzeichnungen eines Ordensbruders namens Johannes aus Winterthur.
Berthold galt als Freund des Volkes, das damals von tyrannischen und kriegslüsternen Adligen und von verdorbenen Geistlichen geknechtet wurde. Diesen Machthabern redete er in seinen Predigten ins Gewissen.
Dem Mönch wurde nachgesagt, er habe mit seinen Gebeten Kranke geheilt und Tote auferweckt. Er soll zudem prophetische Fähigkeiten gehabt haben.
Predigt in Wil
In der Ostschweiz predigte Berthold im Sarganserland, im Toggenburg sowie in Wil. Im Sommer 1255 versammelten sich gemäss Sailer und Steiger in der Wilmatt Tausende Menschen aus dem Thurgau, dem Toggenburg und aus den St. Galler Landgemeinden um seinen Worten zu lauschen.
Unter den Zuhörenden in Wil war auch eine gut aussehende junge Frau namens Margret, die sich locker kleidete. Sie galt im Volk als Sünderin und hatte keinen guten Ruf. Als sie den Ausführungen von Bruder Berthold lauschte, erwachte in ihr der intensive Wunsch, alles Unreine hinter sich zu lassen.
Erlass der Sünden
Margaret drängte sich durch das Publikum nach vorne und stürzte vor den Prediger. Unter lautem Schluchzen schrie sie ihre ganze Sündhaftigkeit heraus. Da sie aufrichtig bereute, erliess ihr Bertold ihre Sünden.
Dann rief der Priester in die Menge, ob ein Mann bereit sei, die nun entsühnte Frau zu heiraten. Fünfzig Mark in Silber seien diesem Bräutigam sicher. Die Menschen wunderten sich, woher der Gottessmann die beträchtliche Summe nehmen wollte. Er liess einen Beutel durch die Menge gehen, in der jeder so viel Geld einlegen sollte, wie er entbehren konnte.
Unverzügliche Hochzeit
Schliesslich meldete sich ein junger Mann, der angab, Margaret schon als Mädchen gekannt zu haben. Er wisse, dass es Menschen aus ihrem Umfeld waren, die sie auf einen sündhaften Weg gebracht hätten.
Er sei bereit, sie zu heiraten, wenn sie dies auch wolle. Mit freudigen Augen bejahte sie. Berthold traute sie unverzüglich.
Als der Spendenbeutel an den Ausgangpunkt zurückkehrte, wurde sein Inhalt gezählt. Er entsprach genau dem Gegenwert von fünfzig Mark Silber. «Oh Wunder über Wunder», habe da die Menge gerufen, zitiert Steiger Ordensbruder Johannes, der Aufzeichnungen über Bertholds Wirken hinterliess.