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Luigi Taveri (1929) von Horgen, begann nach der Schule eine Maurer-Lehre. Diese brach er aber ab und arbeitete dann in der Autowerkstätte seines Bruders. Dort wuchs auch seine Liebe zum Motorsport und im Seitenwagen seines um 17 Jahre älteren Bruders Hans, der ihn zusammen mit dem zweiten Bruder Franz für das Motorradfahren begeisterte, begann seine sportliche Karriere.
1947 absolvierten die beiden Brüder Hans und Luigi beim Grossen Preis von Europa in Bern ihre Feuertaufe. Luigi brauchte damals wegen seines Alters sogar noch eine polizeiliche Sonderbewilligung. Bereits ein Jahr später bestritt Luigi Taveri auf der 500er Husqvarna von Bruder Hans sein erstes Solorennen und wurde gleich Dritter.
1949 fuhr er in Erlen sein erstes Strassenrennen; weil Erfolge ausblieben, versuchte er sich wenig später als Sandbahnfahrer. Auf der offenen Rennbahn in Oerlikon bestritt er 1951 vier Rennen und gewann auch eines. Im gleichen Jahr war er bei seinem ersten Auslandstart in Lörrach auf Anhieb erfolgreich.
Anfang der fünfziger Jahre agierte er nach wie vor erfolgreich als “Schmiermaxe» seines Bruders, mit dem er dreimal Schweizer Meister wurde. Aber auch auf Solomaschinen – 1953 erwarb er mit einer 350-ccm-Velocette sein erstes eigenes Motorrad – holte er sich in dieser Zeit mehrere nationale Titel.
Aufgrund seines extrem wilden Fahrstils, der ganz von der Speedway-Kurventechnik beherrscht war, gab man dem Schweizer sogar daheim kaum realistische Chancen, international zu bestehen.
Doch Luigi Taveri brachte diese Kritiker zum Verstummen, als ihm 1954 der Durchbruch gelang.
Für Furore sorgte der inzwischen 25jährige bei einem Rennen zur Schweizer Meisterschaft der 125-ccm-Klasse, als er in Pruntrut Ex-Weltmeister Nello Pagani voll forderte und ihn wenig später bei einem 500er-Rennen in Locarno sogar besiegen konnte. Der MVAgusta-Fahrer informierte seinen Chef von diesem “völlig verrückten Burschen“, und Graf Agusta stellte Luigi Taveri für den Grossen Preis der Nationen in Monza eine Maschine zur Verfügung. Der Schweizer nutzte diese Chance, wurde Achter und erhielt für 1955 einen Vertrag bei MV Agusta.
Taveri machte durch seine Persönlichkeit den Motorradsport in seiner Heimat salonfähig und erlangte eine Popularität, die – zumindest ausserhalb des angelsächsischen Raumes – lange Zeit ihres gleichen suchte. Dabei hatte er sich stets als fairer Sportsmann erwiesen, der auf unsaubere Tricks verzichtete und auch immer bereit war, seine grosse Erfahrung an junge Fahrer weiterzugeben.
Luigi Taveri ist der einzige Fahrer in der Geschichte des Motorradsports, dem es gelang, in allen Kategorien WM-Punkte zu holen. Überstrahlt wird die lange und erfolgreiche Karriere des Schweizers dabei natürlich von den drei Titelgewinnen in der 125-ccm- Klasse.
Nach Beendigung seiner Laufbahn kehrte Luigi Taveri wieder ins Auto-Metier zurück. Er eröffnete in Wädenswil ein Carrosserie- und Spritzwerk und war auch als Unternehmer erfolgreich. Das Interesse am Sport hat er nie verloren, und auch noch mit bald 80 Jahren besucht er hin und wieder Grand-Prix-Veranstaltungen oder setzt sich selbst auf seine Honda RC 30, um – wenn auch nicht mehr wettkampfmässig – an Schaurennen teilzunehmen. Aufgrund seiner bescheidenen Art blieb der Schweizer nicht nur in seiner Heimat weiterhin sehr populär.
Nach dem Eintritt in den Ruhestand verkaufte Luigi Taveri seine Werkstätte und zog sich ganz nach Samstagern bei Richterswil zurück. Dort wohnt er mit seiner Frau Matilde, die ihm in Sport und Beruf stets eine grosse Stütze war und mit der er zwei Kinder (Tochter Bianca und Sohn Luigi Alessandro) hat. In seiner Freizeit bastelt und tüftelt er des öfteren an alten Maschinen oder spielt mit seiner Frau Golf. Auch ein Besuch in seiner ehemaligen Firma liegt immer wieder mal drin.
Am 1. März 2018 ist Luigi Taveri nach kurzer, schwerer Krankheit im 89. Altersjahr verstorben.
Wir werden ihn immer in bester Erinnerung behalten und danken ihm für seine langjährige Freundschaft.