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Es geschah 1969. Der Student sass vor einem 400 Kilo schweren Koloss der University of California und tippte ein «L». Es erschien auch auf dem Bildschirm, allerdings auf dem eines anderen Computers – 500 km entfernt. Es folgte ein zweiter, ein dritter Buchstabe – und dann das Blackout. Es sollte bestimmt nicht der letzte Absturz eines Computersystems sein, war aber auch nicht der erste. Immerhin, es war ein historischer Moment. Das Arpanet lag in seinen Geburtswehen, der Vorgänger des Internet, das heute in aller Munde ist und im ausgehenden Millennium als Durchlauferhitzer die globalen Kommunikationsvorgänge in exponentiellem Ausmass beschleunigt.
Computer gab es lange vor dem legendären Halbtonnen-Crash. Die Erfindung des epochalen Gerätes wird einem Autodidakten zugeschrieben, dem 1910 geborenen Konrad Zuse. 1936 hatte der Deutsche die «Z1» konstruiert, einen mechanisch arbeitenden Rechner, der mehr schlecht als recht seine Dienste versah. Also vollendete Zuse fünf Jahre später die «Z3», ein elektromagnetisch arbeitendes Gerät, das programmierbar war und das Binärsystem nutzte. Zuse blieb in Nazideutschland ein Aussenseiter ohne grosse Forschungsmöglichkeiten. Anders seine amerikanischen Kollegen. Die bauten von 1943 an immer leistungsfähigere Rechner. Die ersten waren garagengrosse, permanent vom Hitzekollaps bedrohte Röhrenapparate, die es ihrerseits verstanden, bei ihren Vätern die Hitze in die Köpfe zu treiben. Zumal dann, wenn sich im Innenleben der Anlagen auch mal Kleingetier verfing. Seitdem waren die Bugs (engl.: Defekt oder auch Wanze) geboren...
Während im Laufe der Jahre die Rechner immer kleiner wurden, explodierte deren Leistung, indem zuerst Transistoren, danach Chips die Arbeit übernahmen. Der legendäre «Eniac» von 1946 konnte 5000 Additionen in der Sekunde erledigen; zehn Jahre später waren es 15000 pro Sekunde, weitere zehn Jahre darauf 150000. Als Zuse 1995 starb, war schon der Chip einer Waschmaschine um ein vielfaches leistungsfähiger als eine «Z3».
Gates: Visionär im Geldscheffeln
Zu Beginn der Achtzigerjahre ergoss sich eine wahre Flut von PCs über die Weit – in ihrer räumlichen Ausdehnung umgekehrt proportional zur Leistungsfähigkeit. Dies nicht zuletzt dank IBM, die auch auf Kleinrechner setzte, und der «Wintel»-Allianz. Die liess ihre Betreiber zu Milliardären werden und funktionierte so: Windows lieferte die Software, Intel die Hardware – nie als Ganzes und schon gar nicht ausgegoren, sondern in homöopathischen Dosen. Denn schliesslich wollte man ein paar Wochen später den Anwendern, die unmerklich zu Beta-Testern auf Lebzeiten degradiert wurden, für gutes Geld das Update bzw. Upgrade nachliefern. In der Tat erwies sich Bill Gates bei dieser künstlich angelegten Anspruchs-Erwartungs-Spirale als Visionär, als den er sich gerne anpreisen lässt. Vor allem als Visionär des Geldscheffelns, weniger in Sachen moderne Kommunikationstechnologie. Denn während Gates mit seinem Imperium noch Mitte der Neunzigerjahre damit beschäftigt war, «sein» Betriebssystem und seine Office-Suite weltweit als Nummer 1 zu etablieren, hat er die Bedeutung des Internets zu jenem Zeitpunkt völlig «verpennt». Es waren Pioniere wie Tim Barners Lee oder Marc Andreessen, die durch die Lancierung von komfortableren Werkzeugen (WWW, Mosaic. Netscape) dem Netz Mitte der Neunzigerjahre zu unerhoffter Popularität verhalfen. Indes war es ein Klacks für die Microsofties, unter Mobilisierung ihrer infrastrukturellen Vormacht und finanziellen Allmacht die Pioniere von einst zu überrunden.
Die zunehmende Digitalisierung des Alltags konfrontiert die Menschen auch mit bislang unbekannten Dilemmas. Zum einem: Über was auch immer sich jemand im Internet informieren möchte, allein die Zahl an – zum grossen Teil unbrauchbaren – Antworten wird ihn fast stets erdrücken. Zum anderen garantiert niemand die Netz-Aktualität und schon gar nicht deren Glaubwürdigkeit.
Leben mit Fehlern
Leben mit der Computerei heisst auch immer Leben mit Fehlern. Was für Kümmerlinge sind doch der 400-Kilo-Crash anno '69 oder der zum Superstar avancierte Millennium-Bug – mit dem sich vorzüglich verdienen lässt – gegen einen «Y5G-Bug», der vorsorglich schon mal als Persiflage auf die ganze «Y2K»-Hysterie ins Leben gerufen wird. Man kann sich fragen, welch gigantischer Billenniums-Bug eigentlich in fünf Milliarden Jahren (Year5Giga) droht, wenn die Sonne ihr Fusionsmaterial aufgebraucht haben, kurz aufglühen und dann erlöschen wird. Dass die Webseiten-Betreiber ihren Y5B- bzw. Y5G-Bug als Markenzeichen schützen lassen, verleiht dem Ganzen eine neckische Note mit Blick auf das Geschehen nach Massgabe Gates in der Gegenwart.