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Dakar, Küche des «Keur Souadou»
Maille machte sich daran, ein paar Senfkörner in einem Mörser zu zerstossen. Was nur hatte es mit den Bildern auf sich, die er im Sumpf von Hann gefunden hatte? Dass der Präsident des Senegals dort als papierene Kugel durchs Schilf trieb, war weiter nicht erstaunlich. Auch ein Plakat der Biennale von Dakar konnte sich aus den banalsten Gründen in die Sümpfe hinaus verirrt haben – warum auch nicht. Wie aber gelangte sein Porträt, das Bild eines lemusischen Geheimagenten dahin – und vor allem: was hatte es in dieser Kombination zu bedeuten? «Iya odo on ommo re ko ni ijy», begann Souadou und fuhr auf Französisch fort: «Bei uns heisst es: Der Mörser und der Stössel hatten nichts gegeneinander – es war der Koch, der ihren Streit in Gang brachte.» Sie lachte, befeuchtete die Spitze ihres kleinen Fingers, nahm damit ein Senfkorn vom Tisch auf und schnippte es Maille ins Gesicht. Der grinste erleichtert: Natürlich, das war die Erklärung – es brauchte einen Dritten, der die Dinge in Gang brachte. Die wenigen Gäste, die an jenem denkwürdigen Abend im «Keur Souadou» zu Tische sassen, bekamen nicht nur ein ganz ungewöhnliches Rindfleisch (Rezept) serviert, sie wurden auch – vielleicht das einzige Mal in ihrem Leben – von einem Geheimagenten in bester Stimmung bedient. Und als Maille das «Keur Souadou» schliesslich gegen Mitternacht verliess, war die Wirtin aufrichtig traurig darüber, dass er am nächsten Abend wohl nicht wieder in ihrer Küche stehen würde. Ja ein aufmerksamer Beobachter hätte wohl gar ein feuchtes Glitzern in ihren Tamarindenaugen bemerkt.