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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Siebtes Buch
XI. Kapitel
62.
1. Der Gnostiker genießt also das Erschaffene, wenn die Vernunft es gebietet und soweit sie es gebietet, mit Dankbarkeit gegen den Schöpfer und wird so auch Herr über die Freude an dem Genuß.
2. Böses trägt er nie nach und grollt nie jemand, auch wenn er wegen seiner Taten Haß verdiente.
3. Denn er ehrt den Schöpfer und liebt den Mitmenschen, wobei er wegen seiner Unwissenheit Mitleid mit ihm hat und für ihn betet.1
4. Und da er an den Körper gefesselt2 ist, der von Natur dem Leiden ausgesetzt ist, leidet er in der Tat mit ihm, aber das Leid ist nicht das, was er in erster Linie empfindet.
5. Jedenfalls erhebt er sich, wenn er in eine unerwünschte Lage gerät, aus der Not zu dem ihm eigenen Bereich und läßt sich von dem, was ihm innerlich fremd ist, nicht mitfortreißen, sondern gibt dem, was die Notwendigkeit für ihn mit sich bringt, nur so weit nach, als seine Seele unversehrt erhalten bleibt.
6. Denn er will nicht nur der allgemeinen Annahme, aber auch nicht nur dem Scheine [S. 67] nach treu sein, sondern der Erkenntnis und der Wahrheit nach, das heißt in zuverlässigem Handeln und in wirksamem Reden.
7. Daher lobt er nicht nur das Gute, sondern strengt sich auch selbst mit aller Macht an, gut zu sein, und schreitet aus der Stellung "eines guten und getreuen Knechtes",3 durch die Liebe weiter zu der Stellung "eines Freundes"4 infolge der Vollkommenheit seiner sittlichen Haltung, zu deren vollständigem Besitz er durch wahres Lernen und viele Selbstzucht gelangt ist.
1: Sacra Par. 270 Holl.
2: Vgl. Strom. VII 40,1 mit Anm.
3: Vgl. Mt 25,23.
4: Vgl. Joh 15,15.