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Sowohl die Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung als auch die Lese- / Rechtschreibstörung gehören zu den am häufigsten diagnostizierten Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter. Aufgrund des gehäuften gemeinsamen Auftretens und der vermuteten multifaktoriellen Entstehungsbedingungen beider Störungen sind gemeinsame ätiologische und kognitive Faktoren anzunehmen. Mögliche solche Faktoren sind Defizite der exekutiven Funktionen, der Arbeitsgedächtnisleistungen, der Aufmerksamkeitsprozesse sowie die genetische Prädisposition.
Da viele Fragen bezüglich Diagnostik, Klassifikation, Pathogenese und Störungsmodell bisher noch nicht abschliessend geklärt sind, lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen treffen. Ergebnisse von Studien und Untersuchungen sind aufgrund der Heterogenität beider Störungsbilder und der damit einhergehenden klassifikatorischen Unterschiede oft nicht direkt miteinander vergleichbar.
Der Einfluss der Heritabilität wird bei beiden Störungsbildern als relativ gross beschrieben. Bei molekulargenetischen Untersuchungen konnten Kandidatengenregionen identifiziert werden, die sich auf die Funktionsweise des Arbeitsgedächtnisses auswirken und an der Entstehung von ADHS und LRS beteiligt sein könnten. Auch auf diesem Gebiet bedarf es jedoch noch weiterer Forschung.
Eine singuläre Verursachung von Lese- / Rechtschreibstörungen durch die Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung wird als nicht wahrscheinlich betrachtet, sie können aber durch die Symptome, vor allem die Aufmerksamkeitsstörung, ungünstig beeinflusst oder verstärkt werden.