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Die Schweiz hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer Bildungs-, Qualifikations- und Wissensgesellschaft gewandelt, was mit grossen sozialen Umschichtungen einherging: Die "bildungsarme" sozio-professionelle Kategorie der "Ungelernten" ist heute nur noch eine Randschicht mit etwas mehr als 10 Prozent der Erwerbstätigen. Dagegen haben nahezu alle "bildungsreichen" sozio-professionellen Kategorien ihre Anteile an den Erwerbstätigen verdoppelt, und dominieren nun mit nahezu 40 % der Erwerbstätigen die Sozialstruktur. Es zeigt sich ausserdem, dass es zu einem erheblichen Bedeutungsrückgang manueller Arbeit gekommen ist: Während 1980 noch die Hälfte der Erwerbstätigen manuell bestimmter Arbeit nachgingen, ist es im Jahr 2000 nur noch ein Drittel. Diese Umschichtungen legen die Vermutung nahe, dass sich "Klassifizierungskämpfe" zwischen diesen Berufsgruppen intensiviert haben.
In dem Forschungsprojekt werden die wechselseitigen Wahrnehmungen bzw. sozialen Klassifizierungen von unterschiedlichen Berufsgruppen ermittelt, wobei der Schwerpunkt auf einem Extremgruppenvergleich zwischen den "bildungsreichen" und den "bildungsarmen" Gruppen liegt. Um die Herausbildung einer "neuen" Dichotomie überprüfen zu können, werden dabei zu gleichen Anteilen Interviews mit älteren und jüngeren Gruppen durchgeführt. Geplant sind Interviews in der Deutschschweiz sowie in der Romandie, denn es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die wertenden Wahrnehmungen der Gruppen zwischen den einzelnen Sprachkulturen differieren. Gegenstandsspezifik und der unbefriedigende Stand der sozialwissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas legen die Durchführung einer explorativen Studie mit qualitativen Methoden nahe. Bei den Befragungen wird als Einstieg ein bewährtes, in Frankreich und Deutschland erprobtes Sortierspiel mit Karten verwendet, um daran anschliessend über weitere Nachfragen einzelne soziale Klassifizierungen zu erschliessen.