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Sintflutartige Regenfälle haben im Südwesten Japans massive Überflutungen und Erdrutsche verursacht. Vermutlich wurden mehrere Menschen in den Tod gerissen.
Der japanische Fernsehsender NHK meldete am Samstagabend (Ortszeit) aus den schwer betroffenen Provinzen Kumamoto und Kagoshima zunächst einen Toten sowie 17 weitere Opfer mit «Herz- und Atemstillstand» – eine in Japan oft benutzte Formulierung, bevor der Tod von Menschen amtlich bestätigt wird. Mehrere Menschen wurden am Abend noch vermisst, hiess es.
Die örtlichen Behörden auf Japans südwestlicher Hauptinsel Kyushu forderten mehr als 200'000 Menschen auf, ihre Häuser zu verlassen und Schutzräume aufzusuchen. In den Notlagern mussten zugleich Vorkehrungen gegen die Gefahr durch das Coronavirus getroffen werden.
«In der Luft hängt der Geruch von leckenden Gasleitungen und Abwässern», schilderte eine 32-jährige Bewohnerin der schwer betroffenen Stadt Ashikita in Kumamoto gegenüber Reportern. Als sie gegen 4.00 Uhr morgens (Ortszeit) aufwachte, hätten einige Nachbarhäuser bereits unter Wasser gestanden. Grosse Bäume und Teile von Häusern seien von den Wassermassen fortgerissen worden. In einem Altenpflegeheim in dem von den Überflutungen ebenfalls stark betroffenen Dorf Kuma in der Provinz Kumamoto wurde bei 14 Menschen Herz- und Atemstillstand diagnostiziert, meldete der TV-Sender NHK.
«Es war unheimlich», schilderte eine alte Frau in Kumamoto, die von Helfern auf dem Rücken aus ihrem überschwemmten Wohnviertel getragen wurde. Ganze Häuser wurden von den schlammigen Wassermassen fortgerissen, andere standen bis unter das Dach unter Wasser. Aus oberen Stockwerken winkten Menschen mit weissen Tüchern, um die Besatzung von Rettungshubschraubern auf sich aufmerksam zu machen. An Rettungsseilen wurden mehrere Bewohner, die sich aufs Dach gerettet hatten, von den Helikoptern in Sicherheit gebracht. Auch mit Schlauchbooten kämpften sich die Einsatzkräfte zu den Opfern vor.
Auf Luftaufnahmen des staatlichen Fernsehens waren ganze Wohngebiete metertief versunken in schlammigen Wassermassen zu sehen. Als der Wasserspiegel stellenweise langsam sank, wurde das Ausmass der Schäden immer deutlicher: Verwüstete Häuser, in denen dicke Schlammschichten liegen, beschädigte Strassen und Autos, eine grosse Brücke überflutet. Zu mehreren Bewohnern überschwemmter Städte gebe es keinen Kontakt, hiess es. Die Mobiltelefonverbindungen waren zeitweise unterbrochen, Tausende von Haushalten waren von der Stromversorgung abgeschnitten.
Stellenweise gingen Erdrutsche nieder. Das Militär wurde zur Hilfe gerufen, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Der japanische Regierungschef Shinzo Abe kündigte bei einer Notfallsitzung die Entsendung von rund 10'000 Soldaten in die Katastrophenregion an. Zudem sollen die betroffenen Menschen mit Notfallgütern versorgt werden. Die Meteorologische Behörde in Tokio gab für viele Regionen die höchste Warnstufe aus und warnte für das restliche Wochenende mit weiteren heftigen Niederschlägen auch in Teilen des Westens Japans. (sda/dpa)