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Das Problem mit Bestechungsgeldern bei der Fifa lässt sich nur wirksam bekämpfen, indem man die Prozesse zu Vergabe der Weltmeisterschaften ändert.
Trotz Korruption und Skandal-Boni in Fifa und Uefa ist die Fussball-EM ein grossartiges Freudenfest. Was also ist schlecht an Fussballkorruption, und wie kann sie bekämpft werden?
Das negative Bild von Korruption entstammt Untersuchungen über staatliche Korruption und beruht auf drei Mechanismen: Wenn etwa bei der Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen bestochen wird, werden diese nicht an die effizienteste Baufirma, sondern an den besten Bestecher vergeben, der die Aufträge oft überteuert oder schlecht ausführt. Ein zweites Problem ist, wenn etwa für die Zollabfertigung bestochen werden muss: Die Beamten, die so an der Existenz bürokratischer Vorschriften verdienen, haben einen Anreiz, noch mehr Hindernisse zu entwickeln. Drittens geben die Korruptionserträge den Beschäftigten falsche Anreize. Sie streben dann nicht mehr nach Jobs, in denen sie gesellschaftlich produktiv sind, sondern in denen sie dank Bestechungsgeldern gut verdienen. In Entwicklungsländern arbeiten oft die besten Leute in besonders korruptionsanfälligen Jobs, was riesige gesellschaftliche Kosten mit sich bringt.
Bei Korruption in der Fifa und Uefa wurde bisher nur die erste Kostenart thematisiert, wenn Welt- oder Europameisterschaften an «falsche Orte» vergeben wurden. Dabei dürften auch die anderen Kostenarten virulent sein. Was also kann man gegen Korruption tun?
Die bisherigen Massnahmen bestanden nur in Personalwechseln, moralischen Appellen und in der Stärkung der Ethikkommissionen. Das nützt aber kaum etwas. Denn mit den heutigen Entscheidungsstrukturen sind die Korruptionsanreize riesig. In der Fifa werden die wichtigsten Entscheidungen von dem aus 211 Delegierten der Nationalverbände bestehenden Kongress und dem von ihm eingesetzten, 25-köpfigen Exekutivkomitee getroffen. Bei solchen Strukturen ist es fast immer nützlich und einfach, Delegierte zu bestechen.
Die Entscheidungsprozesse müssen umgestellt werden. Für die Vergabe von Grossanlässen, dem offensichtlichsten Sündenpfuhl, gibt es drei wenig korruptionsanfällige Alternativen:
• Offene Bietverfahren: Die Weltmeisterschaft geht an den Veranstalter, der ganz offen am meisten bietet.
• Direkte Demokratie: Der WM-Veranstalter wird in einer internationalen Volksabstimmung ermittelt. Solche Abstimmungen sind heute technisch einfach und publikumswirksam durchführbar, wie etwa der Eurovision Song Contest zeigt.
• Zufall: Die Weltmeisterschaft wird per Losentscheid vergeben.
Bei allen drei Verfahren würde in einem Vorselektionsverfahren eine bestimmte Zahl von geeigneten Veranstaltern bestimmt. Diese Vorselektion kann durch Experten oder auch die heutigen Entscheidungsgremien getroffen werden. Sobald nämlich die letztendliche Entscheidung in einem wenig korruptionsanfälligen Verfahren getroffen wird, sinken auch auf den Vorstufen die Korruptionsanreize – sogar in der Fifa.