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In der kurzen Zeit seit dem Beginn ihrer Karriere ist Chanel Iman eines der erfolgreichsten afroamerikanischen Models überhaupt geworden. Sie erschien auf Dutzenden von Zeitschriftencovern, darunter L'OFFICIEL, Elle und vielen Ausgaben von Vogue und Harper's Bazaar. Ihr Lebenslauf ist in jedem Fall beeindruckend - ihre Flügel als Victoria's-Secret-Model erhielt sie 2010 und sie ist auch regelmässig in der Sports Illustrated zu sehen. Chanel Iman begann ihre Karriere bereits als 12-jähriges Kindermodel und zog danach nach New York. Dort meldete sie ihre Tante für die Teilnahme an dem Wettbewerb «Ford Supermodel of the World 2006» an. Sie landete auf dem dritten Platz und so kam ihre Karriere ins Rollen. Im ersten Jahr lief sie bei einer beispiellosen Anzahl von Modenschauen. 2007 wählte sie Anna Wintour persönlich aus für eine Gruppe mit neun anderen Mädchen, die als die «nächsten Topmodels der Welt» bezeichnet wurden. Ihr erstes Cover wurde von Steven Meisel fotografiert. Dabei stand sie neben Agyness Deyn, Coco Rocha, Doutzen Kroes und Lily Donaldson.
Neben Engagements auf Shootings, Laufstegen und einer gelegentlichen Gala, achtet Chanel Iman darauf, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und arbeitet in ihrer Freizeit mit verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen zusammen. Als wäre das noch nicht genug, übernimmt das in Atlanta geborene Model auch Schauspielrollen – sie trat gemeinsam mit Jourdan Dunn und Joan Smalls in Beyoncés Musikvideo Yoncé auf und spielte in dem Film Dope mit, der vergangenes Jahr herauskam. Chanel hat in kurzer Zeit viel erreicht. Nachdem sie für unsere zweite jährlich erscheinende Power-Ausgabe Modell gestanden ist, spricht die 26-Jährige exklusiv mit uns über ihren Weg an die Spitze.
L’OFFICIEL Schweiz: Sie gehören heute zu den bekanntesten Models der Welt. Was war Ihrer Meinung nach der echte Wendepunkt Ihrer Karriere, wann wurde Ihnen klar, dass Sie es geschafft haben?
CHANEL IMAN: Der Wendepunkt? Ich schätze, als ich nach New York zog, überall in der Stadt an Castings teilnahm und von Vogue gebucht wurde, ihnen verdanke ich einen grossen Teil meiner Karriere. Als Vogue-Model, bei der Zusammenarbeit mit ihren Stylisten und wichtigen Fotografen, habe ich viel über die Modebranche gelernt. Und dann natürlich die vielen Einladungen zu Events und Galas. Diese Entwicklung war umfassender, als ich es mir je hätte vorstellen können.
Was hatten Sie sich denn vorgestellt, wie es werden würde – bevor das alles anfing?
Ich dachte immer, es würde glamourös. Das ist es auch, aber auch noch viel besser. Ganz besonders, weil ich mir nie vorgestellt hätte, so viel zu reisen und so viele Orte zu sehen wie ich es jetzt tue. Ich habe immer davon geträumt, die Welt zu bereisen. Ich hatte das Glück, Fotoshootings an einigen der schönsten Orte machen zu dürfen. Orte, die ich niemals gegoogelt und noch weniger jemals bereist hätte – ich habe schon wirklich sehr viel Glück gehabt.
Auf was in Ihrer Modelkarriere sind sie am meisten stolz?
Die Zeitspanne. Es fühlt sich an, als würde ich das schon ewig machen und es ist schwer, immer ganz vorne mit dabei zu sein und in der Branche aufzuwachsen. Viele Mädchen versinken nach ein paar Saisons in der Bedeutungslosigkeit und ich bin sehr stolz darauf, dass sich meine Karriere auch nach all den Jahren weiterhin so gut entwickelt.
Hat sich die Modeindustrie verändert, seitdem Sie angefangen haben?
Oh ja. Sie verändert sich ständig. Sie ist jetzt ein bisschen vielfältiger als zu der Zeit, als ich anfing. Im Moment steht eine neue Generation von Mädchen in den Startlöchern. Sie sehen anders aus als diejenigen, die ich in meiner Anfangszeit kannte. Ja, die Branche verändert sich auf jeden Fall – und das ist gut so. Die Leute werden etwas offener und geben allen möglichen Newcomerinnen eine Chance – Plus-Size-Model oder farbigen Frauen – und das sind Chancen, die sie vorher nicht hatten.
Sie werden immer nach den Problemen gefragt, denen farbige Frauen in der Modeindustrie gegenüberstehen. Haben Sie diese Schwierigkeiten aus erster Hand erfahren?
Jede farbige Frau erlebt viel Ablehnung. Es war für mich als heranwachsendes junges Mädchen sehr schwer, die Politik dahinter zu verstehen. Es ist nicht leicht. Wenn du lernst, dass das nur aufgrund deiner Hautfarbe passiert, ist das nicht richtig und es ist nicht fair. Aber so läuft es nun einmal.
Wer war Ihr Vorbild, als Sie aufwuchsen?
Kate Moss und Tyra Banks.
Und jetzt?
Meine Mutter, würde ich sagen.
Warum die Veränderung?
Einfach, weil mir mit dem Älterwerden klar wurde, wie viel meine Mutter für mich geopfert und getan hat. Ich bewundere sie. Sie ist eine so starke Frau. Ich respektiere meine Mutter in allem, was sie tut. Ich bin stolz darauf, dass sie meine Mutter ist und fühle mich gesegnet, dass sie Teil meines Lebens ist. Ich bewundere jetzt viele Leute, die ich kenne. Wenn du erwachsen wirst und einen besseren Überblick hast, wird dir klar, dass die Menschen, die du wirklich kennst, viel inspirierender sind. Es ist kein oberflächlicher Respekt, wie der, den man spürt, wenn man Menschen auf Fotos bewundert.
Wie würden Sie Ihren privaten Stil einordnen?
«Normalerweise trage ich von Kopf bis Fuss Schwarz, aber auf Reisen kommen ein paar Farben hinzu. Ich mag es schlicht – mir gefallen Boyfriend-Jeans und kurze Tops, dazu Springerstiefel und Lederjacken.»
Was ist das Beste an Ihrem Job?
Ich kann der Gesellschaft etwas zurückgeben und ich kann meiner Familie etwas zurückgeben. Ich bin in einer sicheren Position und muss nicht mehr kämpfen – weil ich hart gearbeitet habe. Ausserdem freue ich mich sehr darüber, dass sich immer so viele spannende Möglichkeiten für mich eröffnen. Ich habe es sehr gut, denn ich liebe meine Arbeit, ich liebe Fotoshootings, ich liebe es, am Set zu sein und ich liebe das Reisen. Ich liebe einfach alles an meinem Job.
Und was ist das Schlimmste?
Ich schätze, dass Ablehnung das einzige ist, das wirklich schwierig ist. Am Anfang meiner Karriere war es hart für mich – wenn man jung ist und sich niedergeschlagen fühlt. Man wird heftig kritisiert und das fühlt sich so persönlich an – also muss man stark bleiben und sich ein gutes Netzwerk aus Unterstützern aufbauen, damit man nicht das Selbstvertrauen verliert.
Vor kurzem habe ich gelesen, dass Sie viel humanitäre Arbeit leisten. Was motiviert Sie dazu?
Nun ja. Also, ich finde es sehr wichtig, etwas zurückzugeben – und man fühlt sich dann einfach gut. Und ich mache das nur, wenn ich genug Freizeit habe, um Freiwilligenarbeit zu leisten. Wenn ich Liebe verbreiten und verschiedenen Foundations helfen kann, so tue ich das. Ich arbeite eng mit der Stiftung eines Freundes, der Fondation Kalou an der Elfenbeinküste zusammen, wobei ich momentan viel unterwegs bin, sodass es fast unmöglich ist, das irgendwie einzubinden. Aber ich weiss, dass ich die Mädels beim Fresh Air Fund sehe und ich besuche sie auch in ihrem Camp. Wann immer ich Zeit habe, versuche ich, so vielen Organisationen zu helfen wie möglich.
Fotografie by Marie Schuller
Styling by Christopher Maul