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Schon in frühchristlicher Zeit bestand auf dem Blattenhügel eine Kirche und ein Friedhof. Die folgende Chronik ergibt einen Überblick über die Geschichte der Ref. Kirche Männedorf.
Archäologische Grabungen anlässlich der Kirchenrenovation 1961/62 ergaben, dass schon in frühchristlicher Zeit auf dem Blattenhügel eine Kirche und ein Friedhof bestanden.
Wann die erste Kirche gebaut wurde, lässt sich nicht feststellen. Eine Urkunde von 998 erwähnt sie bereits als Eigentum des Klosters Pfäfers und nennt sie St. Stephanskirche.
Mauerfunde lassen darauf schliessen, dass ums Jahr 1200 ein romanischer Kirchenbau erstellt wurde. Nach rund 300 Jahren erfolgte ein Um- oder Neubau im spätgotischen Stil, dem ein neuer Turm angegliedert wurde. Von dieser Bausubstanz ist der Turm bis heute erhalten geblieben.
In die Zeit der dritten Bauphase fällt auch ein „Umbau“ der Herrschaftsverhältnisse. Schulden und politische Spannungen mit der Zürcher Vogtei Männedorf bewogen Abt und Konvent zu Pfäfers, alle kirchlichen Rechte und Güter 1494 dem Kloster Einsiedeln zu verkaufen. Das Stift "Im finstern Wald" erwarb sich damit das Recht, den Zehnten einzuziehen, den Pfarrer zu wählen, Lehensgüter zu verleihen. Es übernahm die Pflicht zur Besoldung von Pfarrer, Sigrist und Schulmeister, zum Bau und Unterhalt des Pfarrhauses, der Nebengebäude sowie des Chors der Kirche. Der Kaufpreis betrug 4000 Goldgulden.
Glocken gehören zur Männedörfler Kirche seit Jahrhunderten. Anno 1509 waren es bereits deren zwei, eine dritte kam nach der Reformation dazu. 1787 wurde ein vierstimmiges Geläut eingeweiht. Seit 1903 erschallen 5 Glocken vom Kirchturm. Bis 1919 mussten sie von Hand geläutet werden.
Einsiedeln war nicht nur für die Pfarrwahl zuständig, sondern auch für die Entlöhnung. Diese bestand 1517 aus 40 Mütt Kernen (ca. 2100 kg), 12 Eimern Wein, 5 Eimern Mostsuppe (Sauser) und 5 Gulden in bar, was für einen unverheirateten Priester ausreichen mochte. Für eine reformierte Pfarrfamilie mit meist zahlreichen Kindern genügte der Lohn aber nicht. So mussten die Pfarrer immer wieder um Gehaltsaufbesserung ersuchen, was trotz nachhaltiger Unterstützung durch den Zürcher Rat wenig Erfolg brachte.
Die kirchliche Zugehörigkeit zu Einsiedeln konnte nicht verhindern, dass Männedorf sich zur Reformation bekannte. 1524 versprach Männedorf dem Zürcher Rat „die Treue am Wort Gottes und meinen Herren“. Dennoch bleiben die Rechte des Klosters auch nach der Reformation bestehen, so das Recht der Kollatur, d.h. der Wahl des Pfarrers aus einem Zürcher Dreiervorschlag. Das änderte erst im Jahr 1828.
Seit der Reformationszeit gab es in Männedorf eine Kirchenbehörde, die vom Pfarrer präsidiert wurde. Ihr gehörten der Untervogt, die Geschworenen, die Ehegaumer und der Schulmeister an. Sie war gleichzeitig Sittenbehörde, Armenbehörde und Schulbehörde und hiess Stillstand.
Nach der Reformation wurde der Wunsch nach einer Kirchenerweiterung immer dringender. Eine Renovation von 1563 musste von der Gemeinde selbst berappt werden, da sie ohne Einwilligung des Abts vorgenommen worden war. Im 17. Jahrhundert erforderte der Platzmangel den mutigen Entscheid zum Neubau der Kirche. 1657 wurde das alte Kirchenschiff abgebrochen und das neue in seiner heutigen Grösse gebaut. Die Baukosten trug die Gemeinde. Einsiedeln kaufte sich mit 500 Gulden und dem Erlass einiger Zehnten von der Verpflichtung des Chorunterhalts auf ewige Zeiten los. Um den Bau zu finanzieren, brachte man die Kirchenplätze auf die Gant. Man konnte seinen Sitzplatz mieten oder auf Lebzeiten kaufen. Dies führte oft zu Streitereien, und die Behörde musste Vorschriften über Erb- und Verkaufsrechte erlassen. Die privaten Plätze hiessen Kirchenörter.
Bis 1863 wurden die Kirchenlieder vom Vorsinger begleitet. Dann erhielt die Kirche ihre erste Orgel, gebaut von einer deutschen Firma. Die beiden Angestellten Nepomuk Kuhn und Heinrich Speich, die sie montierten, gründeten daraufhin die Orgelbaufirma Kuhn + Speich in Männedorf. Diese Orgel galt als eine der besten weit und breit und diente der Gemeinde bis 1961.
Das Kirchgemeindehaus wurde 1938 durch eine Schenkung ermöglicht und im Jahr 1939 eingeweiht. Die damalige Überbauung bestand aus zwei Liegenschaften. Neben dem eigentlichen Kirchgemeindehaus lag das kleinere Krippengebäude, in dem die Kinderkrippe und später das Sekretariat der Kirchgemeinde untergebracht waren. Das Kirchgemeindehaus diente der Kirchgemeinde, der politischen Gemeinde und den Vereinen als Versammlungsort, Festsaal und als Heimat kultureller Veranstaltungen. Im Rahmen der Überbauung „zentrum leue“ verkaufte die Kirchgemeinde die beiden Gebäude und einen grossen Teil des Grundstücks. Auf dem Areal des Krippengebäudes entstand 2009/10 ein Geschäftshaus (u. a. für die Migros), am Standort des Kirchgemeindehauses baute die politische Gemeinde einen zeitgemässen Gemeindesaal mit Vereinsräumen. Mit dem Verkaufserlös finanzierte die Kirchgemeinde den Bau des neuen Kirchgemeindehauses.
In den Jahren 1961-1962 wurde die Kirche total renoviert, bzw. umgebaut. Die Bauzeit betrug 18 Monate. Ein Zitat aus der „Festschrift zum Umbau“ macht deutlich, unter welchen Gesichtspunkten dieser Umbau vollzogen wurde: „In erster Linie sollte versucht werden, einen einheitlichen, stützenfreien Raum mit guter Beziehung zwischen Kanzel, Abendmahltisch, und Gemeinde zu schaffen und der Orgel ihren beherrschenden Charakter zu nehmen.“ Sowohl von aussen als auch von innen bekam die Kirche ein neues Gesicht, das uns bis heute erhalten ist. Der Innenraum zeugt dabei als ein eigentliches Zeitdokument von der Bauweise, bzw. von den verwendeten Baumaterialien der damaligen Zeit.
Ein Höhepunkt des Umbaus war sicher auch der Einbau der neuen Orgel, die exakt 100 Jahre nach der ersten Orgel in unserer Kirche installiert wurde.
An zentraler Lage eröffnete die Kirchgemeinde 2010 ein modernes Kirchgemeindehaus, das ihren Bedürfnissen optimal entspricht. Auf vier Geschossen beherbergt der Neubau Büro- und Gruppenräume, einen Saal von mittlerer Grösse, Unterrichtsräume, einen Jugendraum und verschiedene Nebenräume. Der Raum der Stille (gestaltet von der Künstlerin Carmen Perrin) und der Aussenhof geben dem Gebäude ein besonderes Gepräge. Der Haupteingang öffnet sich zum Dorfplatz, an dem auch der Gemeindesaal und das Geschäftshaus (Migros) liegen. Die Tiefgarage wird von allen drei Partnern des „zentrum leue“ genutzt. Das neue Kirchgemeindehaus ist behindertengerecht gebaut, in der Nähe liegt eine Bushaltestelle.