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- Als mir Mika Krüger das erste Mal von ihrer Antholgie Idee erzählte – sieben Autorinnen, sieben verschiedene Tiere, düster – war mein erster Impuls, ein absolut harmloses Tier zu wählen … ein Eichhörnchen oder Maus. Die Ironie dabei gefiel mir (harmloses Tier in gruseliger Geschichte).
- Aber natürlich landete ich am Ende wieder bei “meinem” Tier, der Katze.
- Obwohl mehrere Katzen erwähnt werden, ist die Frage, ob diese wirklich existieren, oder nur eine Einbildung/Manifestation/Variante der “Hauptkatze” darstellen. Passenderweise sind die erwähnten Katzen (egal ob Figur, Plüschtier oder echtes Lebewesen) immer einfarbig – schwarz, weiss oder rot.
- Die “Hauptkatze” ist eine sogenannte Glückskatze. Diese sind dreifarbig (schwarz-weiss-rot), nahezu immer weiblich und gelten in verschiedenen Kulturen als Symbol für Wohlstand und Glück. Auch meine eigene Katze, Mathilda, ist eine solche.
- In meiner Geschichte kommt auch ein Zitat aus Brehms Tierleben vor, auf das ich bei der Recherche stiess … ich finde es irgendwie gruselig.
Eine dreifarbige Katze schützt das Haus vor Feuer und anderem Unglück, die Menschen vor dem Fieber, löscht auch das Feuer, wenn man sie in dasselbe wirft und heißt deshalb ‚Feuerkatze‘. Wer sie ertränkt, hat kein Glück mehr oder ist sieben Jahre lang unglücklich; wer sie totschlägt, hat ebenfalls fernerhin kein Glück; wer sie schlägt, muß es von hinten tun. Die Katze zieht Krankheiten an sich; ihre Leiche dagegen, unter jemandes Türschwelle vergraben, bringt dem Hause Unglück.– Brehms Tierleben, 1893
- Viele Geschichte beginnen in meinem Kopf mit einem ersten Bild. Hier war es eine Szene von zwei Partnern, die einen Keller ausräumen und dabei merkwürdige Sachen finden. Interessanterweise ist diese Szene in der fertigen Greschichte gar nicht mehr enthalten, da sich die Hintergründe (Umstände des Einzuges, Bedeutung des Kellers) geändert haben.
- Das Bild entstand übrigens, als ich selbst meinen Kellerraum aufräumte, frustriert davon, dass ich keine Idee für meine Antho-Geschichte hatte …
- Ich wollte schon immer eine Geschichte über ein “haunted house” (ein Spuk- oder Gruselhaus) schreiben, denn schon an der Uni habe ich mich in Englischer Literatur (Schwerpunkt American Gothic) mit dem speziellen Verhältnis zwischen Schreibenden und Spukhäusern beschäftigt. Stephen Kings Shining, Bret Easton Ellis’ Lunar Park oder Poes House of Usher – um nur einige Beispiele zu nennen.
- Und ja, es geht in der Geschichte auch um einen Schriftsteller. Mit Schreibblockade. Nothing new, I know 😉
- Die Titel von Vals erstem und (geplanten) dritten Roman sind jeweils doppeldeutig: Verschlungen kann sowohl gefressen/verschluckt (“von einem Monster verschlungen”) and auch verknüpft/verbunden (“die zwei Ranken waren ineinander verschlungen”) heissen, Vergeben sowohl verziehen (“seine Sünde wurden vergeben”) als auch fest versprochen/mit jemanden in einer Beziehung (“tut mir leid, ich bin vergeben.”). Diese Doppeldeutigkeiten sind natürlich gewollt und haben auch eine Beziehung zur Geschichte.
- Der Titel der aktuellen zweiten Romans (Verbrannt) dagegen hat zwar einen ähnlichen Klang, ist aber eindeutig – und hat einen sehr starken Bezug zu den vergangenen Ereignissen und der Geschichte des Hauses.
- André Nibichs ist natürlich nicht irgendein Name. Es ist ein (einfaches) Anagramm seiner mehrfachen Aussage “Ich bin anders.”
- Und natürlich noch eine Anmerkung zum Ende: Es gibt hier keine “falsche” Deutung, da das Ende bewusst mehrere Interpretationen zulässt. Ich habe – wie bei vielen meiner Kurzgeschichten – lange geschwankt, ob ich ein “gutes Ende” (Jan wird gerettet) oder ein “böses Ende” (Jan wird ein Opfer des Hauses/seiner Leichtgläubigkeit) möchte bzw. was davon passender wäre.
Der Ausweg war – nicht zum erste Mal – ein offenes Ende, allerdings “offen auf eine eher versteckte Art”:
Wenn man möchte, kann man es als Happy End lesen – die Katze besiegt das “Monster”, Val macht sich nach dem gescheiterten Telefongepräch und auf Grund seiner Erfahrungen in der Vergangenheit Sorgen um Jan, merkt, dass Jan ihm viel bedeutet, kommt zurück und findet ihn. Am Ende haben beide gelernt, dass sie sich wichtig sind, dass sie sich vertrauen sollten (das “Monster” kann ja auch als Symbol für eine Beziehungskrise/das Problem des fehlenden Vetrauens gelesen werden) und können deshalb in eine gemeinsame Zukunft starten. Und sogar die Katze hat ihren Einsatz überlebt und wird Teil dieser Zukunft sein.
Es kann sich aber auch eine gewisse Irritation einstellen. Das Ende kommt doch ziemlich plötzlich, und es wirkt irgendwie “zu gut um wahr zu sein”. Daher könnte man es auch als eine Vision oder eine Wunschvorstellung von Jan deuten, der in Wirklichkeit immer noch auf dem Boden im Keller liegt oder – in der düstersten Variante – vielleicht sogar stirbt (mit diesem Ideal als letztem Bild vor Augen). Das wäre dann eher ein “bad end”; da die Entscheidung aber bei den Lesenden liegt, ist es in dieser Hinsicht offen (und man darf es auch gerne als offen stehen lassen).
- Bei Writers on Writers (eine Aktion vom Nornennetz) plaudere ich mit Anne Zandt unter anderem über unsere Geschichten.
- Es besteht die Chance, dass es irgendwann eine Romanversion dieser Geschichte geben wird … 🙂
Zitatgrafiken von Juliet May