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Stefanie Höhl und Trinh Nguyen vom Institut für Psychologie der Entwicklung und Bildung der Universität Wien haben bereits in einer im Vorjahr veröffentlichten Studie gezeigt, dass gemeinsames Spielen von Müttern mit ihren Vorschulkindern deren Gehirnwellen in Einklang bringt. In einer Folgearbeit beobachteten sie diesen Effekt auch, wenn Fünf- bis Sechsjährige und ihre Väter gemeinsam spielten. Auch bei Paaren wurde bereits eine Angleichung von Gehirnaktivitäten und Herzrhythmen bei liebevollen Berührungen beobachtet.
Nun haben sich die Wiener Wissenschaftlerinnen gemeinsam mit Kollegen aus den USA angeschaut, wie sich Körperkontakt zwischen Müttern und ihren vier bis sechs Monate alten Babys auf Gehirnaktivität und Herzschlag auswirken und was passiert, wenn sie gemeinsam spielten oder Videos schauten. Dazu massen sie bei 72 Mutter-Kind-Paaren die Herzrhythmen mittels EKG und beobachteten die Gehirnaktivitäten mit funktioneller Nah-Infrarotspektroskopie (fNIRS).
Berührungen machen klug
Es zeigte sich, dass sich die Gehirnaktivitäten von Müttern und Babys vor allem dann anpassten, wenn sie sich berührten. Dies funktionierte sowohl wenn die Mutter den Säugling eng am Körper hielt und beide ein Video (mit Fischen in einem Aquarium) anschauten als auch wenn sie gemeinsam spielten und die Mutter dabei das Kind liebevoll berührte.
Die Herzrhythmen passten sich beim gemeinsamen Spiel von Mutter und Baby an, dies war aber unabhängig von den Berührungen. Besonders deutlich war die gegenseitige Anpassung des Herzschlags, wenn ein Säugling Unwohlsein signalisierte, was sich vermutlich auf die Mütter übertrug.
Die neue Studie belegt, dass Berührungen eine grundlegende Rolle in der frühen Anpassung der Gehirnaktivität zwischen Müttern und Säuglingen spielt. Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass die Anpassung der Gehirnaktivitäten als biologischer Weg dient, «wie soziale Berührungen in die kindliche Entwicklung einfliessen und wie dieser Weg genutzt werden könnte, um das kindliche Lernen und die soziale Bindung zu unterstützen», schreiben die Wissenschaftler in ihrer Arbeit.
Sie wollen nun in weiteren Studien herausfinden, wie sich die wechselseitige Anpassung der Gehirnaktivität und der Herzrhythmen langfristig auf die Kindesentwicklung auswirkt. Insbesondere die spätere Beziehung zwischen Mutter und Kind sowie die Sprachentwicklung der Kleinen wollen sie untersuchen.
*Fachpublikationslink https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2021.118599