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Geschichte
Das Johanniskraut (Hypericum perforatum), das in den Werken von Plinius und Dioskurides zu finden ist, wurde bereits im Altertum als Arzneimittel für somatische und psychische Leiden genutzt.
Es war ausserdem Bestandteil des Theriaks (Allheilmittel), den Kaiser Nero von seinem Arzt Andromachus als Antidot gegen Vergiftungen erhielt. In den altgermanischen Sonnwendkulturen spielte das Johanniskraut eine wichtige Rolle, denn einerseits weisen Blütenform und -farbe auf die Sonne hin, andererseits galt es als «Lichtbringer».
Bei der Christianisierung wurden die Sonnwendzeit und ihre Pflanzen Johannes dem Täufer geweiht, denn das Johanniskraut beginnt um Johanni (24. Juni) zu blühen und weist dann ihren höchsten Wirkstoffgehalt auf. Nach einer Volkslegende symbolisiert der rote Saft der Pflanze das Blut des Märtyrers Johannes.
Die Kräuterbuchautoren des frühen Mittelalters nannten die Pflanze auch «Corona regia», Königskrone, weil ihre Blüten einem himmlischen Strahlenkranz gleichen. Das Johanniskraut wurde von alters her zur Wund- und Schmerzbehandlung eingesetzt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit diente es zudem als Psychotherapeutikum und Apotropaikum (unheilabwehrendes Mittel). Es wurde bei Exorzismen verwendet, worauf sein Name «Fuga daemonum» hinweist.
Paracelsus schrieb 1525 über das Johanniskraut (Hypericum perforatum): «das soll ietlicher arzt wissen, das got ein gross arcanum (Geheimnis) in das Kraut gelegt hat, allein von wegen der Geister und dollen fantaseien, die den Menschen in verzweiflung bringen.»
Der Ursprung des griechischen Gattungsnamens ist unklar. Eine Version besagt, dass er von hyper eikon «über jede Vorstellung, jedes Bild gehend» abgeleitet wird, was auf die grosse Heilkraft der Pflanze hinweist. Wahrscheinlicher ist jedoch der Bezug zum Titanen Hyperión («der Obere»), der mit Theia den Sonnengott Helios gezeugt hat. Helios (der mancherorts auch Hyperion genannt wird), trägt um das Haupt eine Strahlenkrone und heisst «der Leuchtende».
Der Artname perforatum bedeutet «durchlöchert» und nimmt Bezug auf die wie von Nadeln zerstochen aussehenden Blüten und Blätter.
Botanische Merkmale
Aus einem weitverzweigten Wurzelstock wachsen im Frühjahr mehrere harte, oft rötlich gefärbte, kahle Stängel 50–80 cm hoch.
Im oberen Teil sind sie verästelt und wachsen stark in die Breite. Ein charakteristisches Merkmal zur Unterscheidung von anderen Hypericum-Arten sind die zwei Längskanten der Stängel. Daran stehen die ungestielten, gegenständigen Blätter von länglich-ovaler und ganzrandiger Form, die mit feinen schwarzen Drüsenpunkten besetzt sind.
Die goldgelben Blüten stehen an der Spitze der oberen Zweige und bilden einen ausgebreiteten trugdoldigen Blütenstand. Die fünfzipfligen, asymmetrischen Kronblätter sind ebenfalls mit Exkretdrüsen besetzt. Beim Zerquetschen der Blüten tritt ein blutroter Saft aus, der die Finger blauviolett färbt. Die zahlreichen Staubgefässe stehen in drei Bündeln vereinigt.
Von H. perforatum gibt es vier Unterarten, die sich durch die Breite ihrer Kelchblätter unterscheiden. Verfälschungen und Verwechslungen kommen häufig mit nahe verwandten Hypericum-Arten vor. Sie lassen sich durch Stängelstücke oder mittels Dünnschichtchromatographie erkennen.
Die Blütezeit ist von Ende Juni–September.
Vorkommen
Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist in den gemässigten Klimazonen Europas, dem westlichen Asien und in Nordafrika heimisch und relativ weit verbreitet. In die anderen gemässigten Zonen wurde es eingeschleppt. Es bevorzugt trockene Kalk- oder Urgesteinsböden in sonnigen Lagen und findet sich auf Brachland, an Wiesen- oder Waldrändern, Mauern und Wegen bis auf 1'500 m Höhe.
Verarbeitung
A.Vogel verwendet Alkohol- und Ölauszüge sowie homöopathische Verschüttelungen von Hypericum. Sie werden aus den frischen Triebspitzen des Johanniskrauts, das aus kontrolliert biologischem Anbau sowie aus Wildsammlungen stammt, zubereitet. Die Ernte findet kurz vor dem vollständigen Aufblühen statt. Durch die Verwendung des frischen Johanniskrauts wird ein relativ hoher Gehalt an Hypericin gewährleistet.