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Was ist vom Länderspiel-Jahr 2021 zu erwarten?
Nach dem kurzen und nur mit Nations-League- und Testspielen belegten (Corona-)Jahr 2020 ist in diesem Jahr wieder alles möglich: von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Also zum Beispiel von einem EM-Viertelfinal und der Qualifikation für die WM 2022 bis zu einem frühen Ausscheiden an der EM und dem Verpassen der WM-Endrunde. Was sicher ist: Es wird ein langes Länderspieljahr. Schon jetzt stehen 14 Partien auf dem Programm. Die Zahl könnte sich im Verlaufe der EM-Endrunde erhöhen, ausserdem könnten im Herbst noch ein bis zwei Testspiele organisiert werden. Der Rekord stammt aus dem Jahr 1994, als die SFV-Auswahl 15 Länderspiele absolvierte.
Wer qualifiziert sich für die WM-Endrunde?
Der Weg an die WM mit nur 13 Teilnehmern aus Europa ist deutlich schwieriger als an die EM mit ihren 24 Mannschaften. In den zehn Gruppen qualifiziert sich nur der Sieger direkt. Die Schweiz ist in ihrer Gruppe nicht Favorit; diese Rolle gehört Italien, das in der EM-Qualifikation alle zehn Spiele gewann, sich in der Nations League für das Finalturnier qualifizierte und seit über zweieinhalb Jahren in 22 Spielen ungeschlagen geblieben ist. Der Zweite bestreitet im März 2022 die Playoffs und muss dort zwei K.o.-Spiele überstehen («Halbfinal» und «Final», ohne Hin- und Rückspiel). Neben den zehn Gruppenzweiten nehmen an den Playoffs auch zwei Gruppensieger aus der letztjährigen Nations League teil, die in der WM-Qualifikation nicht auf die Plätze 1 oder 2 kommen. Die Schweiz wurde in der Nations League Gruppendritter; diese Hintertür öffnet sich für sie also nicht.
Was ist mit dem Vertrag von Vladimir Petkovic?
Vor 13 Monaten, kurz bevor die EM um ein Jahr verschoben wurde, unterzeichnete Vladimir Petkovic einen Vertrag bis und mit Ende WM-Qualifikation. Er verlängert sich bei einer WM-Teilnahme automatisch bis und mit Endrunde im Spätherbst 2022.
Wie steht es um den Umbruch?
Der Umbruch scheint abgeschlossen. Petkovic hat die Gruppe gefunden, mit der er das Jahr bestreiten wird. Ein Indiz dafür: Von den jetzt 23 aufgebotenen Spielern waren 20 schon im vergangenen November dabei. Wer jetzt nicht im Aufgebot steht, dürfte es im Normalfall schwer haben, in den nächsten Monaten ins Team zu kommen. Dies gilt nicht für die verletzten Fabian Schär und Renato Steffen, die ein Aufgebot erhalten, wenn sie fit sind. Ausserdem scheint auch die Stammformation auf acht Positionen gegeben: Yann Sommer, Nico Elvedi, Fabian Schär, Manuel Akanji, Ricardo Rodriguez, Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Haris Seferovic sind Fixstarter in Petkovics 3-4-1-2 oder 3-5-2. Silvan Widmer oder Kevin Mbabu sowie zwei aus dem Trio Breel Embolo, Remo Freuler oder Denis Zakaria komplettieren die Mannschaft.
Wer sind die Leader im Team?
Die unbestrittenen Leader sind die Spieler, die schon vor dem Umbruch viel Gewicht hatten: Captain Xhaka und Torhüter Sommer. Ein Führungsspieler ist auch Fabian Schär, doch ist mehr als ungewiss, ob sich der Ostschweizer bis zur EM von seiner Knieverletzung erholt haben wird. In der zweiten Reihe stehen Spieler wie Manuel Akanji, Nico Elvedi, Remo Freuler oder Xherdan Shaqiri. Die ersten drei sind eher Leader auf dem Platz und (noch) weniger in der Kabine. Über Elvedi etwa sagte Petkovic: «Er ist eine leise Führungsperson, er muss lauter werden». Bei Shaqiri ist das Problem, dass er zuletzt zu oft nicht dabei war. In den letzten anderthalb Jahren hat er von 14 Länderspielen nur vier bestritten. In der EM-Qualifikation 2019 war er gar nie dabei.
Wie steht es um den Formstand von Xherdan Shaqiri?
Das weiss womöglich nicht einmal er selber. Immerhin hat Shaqiri vor zwei Wochen erstmals seit 15 Monaten in der Premier League ein Spiel über 90 Minuten bestritten. Und Fakt ist auch, dass er seit Anfang Jahr nicht mehr verletzt war. Ob das schon reicht, um in der WM-Qualifikation innerhalb von drei Tagen zweimal über 90 Minuten dominant zu sein, bleibt abzuwarten.
Wie betreffen die Reisebeschränkungen das Team?
Petkovic muss auf keinen Spieler verzichten, obwohl die Klubs von der Abstellungspflicht befreit sind, wenn bei der Rückkehr eine Quarantäne-Pflicht besteht. Diese gilt für Rückkehrer aus der Schweiz nach Deutschland, Italien oder England nicht. Allerdings gilt die Quarantäne-Pflicht, wenn man aus Bulgarien in die Schweiz einreist. Die Schweizer Behörden sehen davon aber ab, wenn es sich um eine «nicht aufschiebbare Geschäftsreise» handelt. Im Falle der Schweizer Fussballer mit ihrem Termin in der WM-Qualifikation greift dieser Passus.
Wie und wo wird die EM-Endrunde durchgeführt?
«Wir leben von Tag zu Tag und hoffen jeden Tag, dass es besser wird», sagte Petkovic. In der Woche vom 19. April will die UEFA den Entscheid fällen, ob das Turnier wie geplant in zwölf Städten in zwölf verschiedenen Ländern durchgeführt wird, oder ob sie sich auf weniger Städte beschränken will, um Spiele mit Zuschauern zu ermöglichen. Die Schweiz spielt - Stand jetzt - in der Vorrunde in Baku und Rom, «aber wir haben keine Bestätigung», so Petkovic. Der SFV ist auf einige Szenarien vorbereitet. Petkovic: «Wir haben einen Plan A, B und C.»