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Vereinsgeschichte(n)
Vom Kanarien Züchter Verein über den Trachtenverband bis zur Musikgesellschaft: Aktuell gibt es hierzulande rund 100 000 Vereine, in welchen unzählige Stunden Freiwilligenarbeit geleistet werden. Die Vereinstätigkeit blickt in der Schweiz auf eine lange Tradition zurück, die ihren Ursprung in den Sozietäten des 17. Jahrhunderts hat
Nach dem Vorbild der europäischen Akademiebewegung entstanden in der Schweiz zwischen 1600 und 1798 diverse Reformgesellschaften, so etwa auch die 1759 gegründete Ökonomische Gesellschaft Bern, die unter dem Präsidium Albrecht von Hallers internationale Bekanntheit erlangte. Von der sich entwickelnden bürgerlichen Gesellschaft als Form der Geselligkeit entdeckt, wurde das 19. Jahrhundert zum Jahrhundert der Vereine: Insbesondere Schützen-, Turn und Gesangsvereine erfreuten sich grosser Beliebtheit. Die neue Geselligkeitsform bot den Bürgern – Frauen waren zunächst meist ausgeschlossen – eine Möglichkeit der Emanzipation und Selbstdarstellung und half bei der Vermittlung von bürgerlichen Werten gegen aussen.
Auf bundesstaatlicher Ebene wurde der Verein erst 1881 rechtlich erfasst. Das Zivilgesetzbuch von 1912 schliesslich verlangte für die Anerkennung von Vereinen als rechtliche Körperschaften die formelle Annahme von Statuten, welche die Verein stätigkeit regelten.
Auch die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert. Sie geht zurück auf eine 1899 gegründete Schweizer Landessektion der im selben Jahr entstandenen Internationalen Musikgesellschaft. Nach Auflösung der IMG während des Ersten Weltkrieges machte sich die Schweizer Sektion 1915 als Neue Schweizerische Musikgesellschaft selbständig. Den Namen Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG) gab sich die Landesorganisation 1934 unter dem Präsidium Karl Nefs, des ersten Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität Basel. Seit ihren Anfängen versteht sich die Gesellschaft als eine «Vereinigung von Musikern, Musikforschern und Freunden der Tonkunst» gleichermassen (aus den Statuten der Ortsgruppe Basel von 1899).
Vergessene Gönnerin
Um die SMG verdient gemacht hat sich neben vielen anderen insbesondere auch Marta Walter, eine der ersten Musikhistorikerinnen der Schweiz. In ihrem Testament hat sie die Gesellschaft, deren langjähriges Mitglied sie war, grosszügig bedacht.
Marta Walter wurde am 26. Mai 1896 in Basel geboren und war nach Gesangsstudien in Basel und Genf über lange Jahre als Mitarbeiterin des Basler Musikwissenschaftlers Wilhelm Merian (1889–1952) tätig. Merian, Musikredaktor der «Basler Nachrichten» und ab 1930 ausserordentlicher Professor an der Universität Basel, war ausserdem von 1935 bis 1946 Zentralpräsident der SMG. Bald übertrug er Marta Walter nicht mehr nur administrative Arbeiten, sondern verpflichtete sie auch als Musikreferentin. Besonders interessierte sich Walter für Fragen im Zusammenhang mit musikalischen Erstund Frühdrucken des 18. und 19. Jahrhunderts sowie für Probleme des musikalischen Verlagswesens. Von diesem Interesse zeugen zahlreiche, ab den 1950er-Jahren erschienene Artikel, die zum Teil im Auftrag der Musikabteilung der Universitätsbibliothek Basel entstanden. Marta Walter verstarb am 16. Dezember 1961 in ihrer Heimatstadt Basel.
Sowohl der Nachlass von Marta Walter als auch die Unterlagen, die die Anfange der SMG dokumentieren, können heute inder Universitätsbibliothek Basel eingesehen werden.