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Die Schwellenländer entwickeln sich rasant. Seit etwa zwanzig Jahren holt China zur Wirtschaftsleistung der Industrienationen auf und hat eine ganze Reihe von asiatischen Ländern im Schlepptau. Treibende Kraft ist die aufstrebende Mittelschicht. Der Wohlstand steigt und damit der Bedarf an Konsumgütern. Menschen bilden sich besser aus, ihnen gelingen Innovationen, und die Zukunft verspricht weitere Ideen und Erfindungen. Die Schwellenländer tun, was Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts getan hat, die USA Anfang des 20. Jahrhunderts und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg.
Dynamik in Indonesien
Mehr als 230 Millionen Menschen in Indonesien (das sind gleich viele wie die Einwohner Deutschlands, Frankreichs, Italiens und der Benelux-Staaten zusammen) zeigen den Trend exemplarisch auf. Immer mehr Menschen kaufen Mobiltelefone, Autos und Motorräder – oft produziert von Firmen im Westen. Zudem forcierte Indonesien in jüngster Zeit Investitionen in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur.
Seit 2001 weiteten die Schwellen- und Entwicklungsländer ihren Anteil am Welthandel von unter 35 auf beinahe 50 Prozent aus. Die Zunahme wirkt angesichts des schwachen Wachstums in Europa, Japan und den USA stabilisierend auf die Weltwirtschaft. Die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern bietet gut positionierten westlichen Unternehmen neue Wachstumsperspektiven. Sie können ihre Abhängigkeit von den gesättigten Heimmärkten verringern. So gibt es viele Firmen, die bereits heute mehr als ein Drittel des Umsatzes in den Schwellenländern erzielen. Zu nennen sind etwa ABB und Schindler, die an vorderster Front am Infrastrukturausbau in den Schwellenländern beteiligt sind, oder BMW und Swatch, deren Produkte im Luxussegment in Asien grossen Anklang finden. Für Anleger bieten solche Aktien interessante Möglichkeiten, am Aufstieg Asiens zu partizipieren.
Alternative Möglichkeiten
Darüber hinaus können Anleger auch direkt in Schwellenländer investieren. Mangelnde Informationen über die einzelnen Unternehmen und Probleme beim Marktzugang erschweren Privatanlegern aber ein Engagement über Einzeltitel. Eine Alternative sind passive Indexfonds, die den gesamten Aktienmarkt des jeweiligen Schwellenlandes abbilden. Solche Indexfonds für Länder wie Taiwan, Indonesien oder Vietnam werden an den gängigen Börsen gehandelt, sind relativ liquide und kosteneffizient.
In diesem Jahr haben sich die Börsen dieser Länder allerdings schlechter entwickelt als diejenigen der westlichen Industrienationen: Die relative Kursschwäche beträgt mittlerweile über 15 Prozent. In einem solchen Umfeld ergeben sich für den Anleger aber stets auch Chancen. Aufgrund der aktuellen Rohstoffschwäche sollte er diese eher selektiv suchen und dabei Rohstoff importierende Länder (Asien) den Rohstoff exportierenden (Südamerika) vorziehen.
Mehr Anleihen verfügbar
Auch Anleger auf der Suche nach Rendite im festverzinslichen Bereich sollten einen Blick nach Asien werfen. Die im Vergleich zu den Industrieländern höhere wirtschaftliche Dynamik sowie die zumeist höheren Zinsniveaus sprechen für ein langfristig vorhandenes Aufwertungspotenzial. Mit der stetigen Liberalisierung der chinesischen Währung entwickelt sich das Angebot an Anleihen immer weiter. Mittlerweile treten vermehrt auch Emittenten aus dem Westen am Markt auf. Interessant sind beispielsweise Anleihen in Renminbi von América Móvil, dem grössten Mobilfunkanbieter in Lateinamerika mit äusserst solider Bilanz und starker Profitabilität. In Singapur-Dollar bietet die Staatsanleihe von Singapur eine interessante Investitionsmöglichkeit. Gleiches gilt für die Anleihe der Deutschen Bahn in Hong-Kong-Dollar.
Der Autor
Michael Zurkinden, wohnhaft in Arconciel, hat in Freiburg Volkswirtschaft studiert und das Studium mit dem Doktortitel abgeschlossen. Er arbeitet in Bern bei der Notenstein Privatbank in der Anlageberatung und Vermögensverwaltung.