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Nachdem Agadir (Marokko) 1960 durch ein verheerendes Erdbeben zerstört worden war, entwarf die Stadt einen modernen und innovativen Plan für ihren Wiederaufbau, der sich auf neuartige urbane Typologien und Morphologien stützte. Die vorliegende Forschung dokumentiert und analysiert den städtischen Wiederaufbau von Agadir und postuliert, dass aus diesem beispielhaften Projekt viel gelernt werden kann.
Der Leitfaden für den Wiederaufbau der Stadt waren die sogenannten «Normes d’Agadir» – für alle geltende Richtlinien und Normen, die eine gemeinsame Materialwahl und Gestaltungsrichtlinien für die öffentlichen Räume der Stadt spezifizierten. Diese Normes d’Agadir erlaubte es, dass mehrere Architekten gleichzeitig an verschiedenen Wiederaufbauprojekten arbeiten und gemeinsam ein neues und modernes «Afropolis» bauen konnten. Das vorliegende Forschungsprojekt analysiert wie die Normes d’Agadir in verschiedene Wiederaufbauprojekte übersetzt wurden, die zusammen die Architektur der Stadt bildeten. Es zeigt eine andere Auffassung eines städtischen Projekts; eines, in dem Design nicht als Definition einer Blaupause verstanden wird, sondern vielmehr als eine Frage der Definition gemeinsamer Richtlinien und Normen, die von verschiedenen Architekten und Stadtplanern verwendet werden können.
Darüber hinaus stellt dieses Forschungsprojekt auch in den Vordergrund, wie die expliziten Richtlinien und Normen, die die Vorgaben zum Wiederaufbau der Stadt boten, mit den impliziten sozialen und kulturellen Prozessen interagierten. Es veranschaulicht, wie sich dieser Austausch zwischen expliziten Richtlinien und impliziten Prozessen, zwischen Designern und Bürgern, auf den Wiederaufbau und den Neuentwurf von Agadir auswirkte. Das Projekt geht davon aus, dass diese historische Erfahrung zeitgenössische Architekten und Stadtplaner dazu inspirieren kann, sich auf neue Wege zur Annäherung an die Stadtgestaltung einzulassen.