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Horrorfilm
Japan 2005
Alternative Titel Rampo jigoku; 乱歩地獄
Regie
Akio Jissoji,
Hisayasu Sato, Atsushi Kaneko, Suguru Takeuchi
Darsteller Tadanobu Asano, Hiroki Narimiya, Ryuhei Matsuda, Tamaki Ogawa,
Yukiko Okamoto, Nao Omori, Mikako Ichikawa, Hanae Kan, Hiromasa Taguchi
Länge 134 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 18
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.|
© Text Marco,
molodezhnaja 15.8.06
© Bilder Universe Laser, Screenshots molodezhnaja
STORY
1. Mars's Canal (Kasei No Unga): Ein Mann (Tadanobu Asano) schreitet nackt durch eine Einöde und erinnert sich an eine brutale Tat. 2. Mirror Hell (Kagami Jigoku): Der Polizist Akechi (Tadanobu Asano) untersucht myseriöse Todesfälle, die von den Spiegeln des schönen Toru (Hiroki Narimiya) auszugehen scheinen. 3. Caterpillar (Imomushi): Tokiko (Yukiko Okamoto) pflegt und misshandelt ihren Gatten, den Kriegsveteranen Sunaga (Nao Omori), der keine Arme und Beine mehr hat und von Tokiko darum Raupe genannt wird. Der Künstler Taro (Ryuhei Matsuda) beobachtet die beiden. 4. Crawling Bugs (Mushi): Der Limousinen-Fahrer Aizo (Tadanobu Asano) liebt die Bühnenschauspielerin Fuyou Kinoshita (Tamaki Ogawa). Dieses Verlangen und seine Paranoia vor Bakterien treiben ihn in eine Obsession.
REVIEW
"Rampo Noir" basiert auf vier Kurzgeschichten des Grusel- und Mysteryautors Rampo Edogawa (1894-1965), der als Taro Hirai geboren wurde und sich aus Hochachtung vor Edgar Allan Poe dessen japanische Schreibweise als Künstlernamen zulegte. Jede der Episoden inszenierte ein anderer Regisseur mit seinem eigenen Stil, den Auftakt macht der Werbe- und Pop-Regisseur Suguru Takeuchi mit "Mars's Canal". Schlechter hätte die Einleitung kaum gewählt sein können, denn dieses rund siebenminütige, non-narrative Exposé ist Stilwichserei in Reinkultur. Ein nackter Mann, Einöde und Stille dominieren die ersten Minuten, es folgen Einstellungen einer Misshandlung, gefolgt von Lärm und dem Ende. Auf diese Art von nach Aufmerksamkeit haschendem Schock-meets-Kunst-Leerlauf habe ich mich bereits für die nächsten zwei Stunden eingestellt. Doch welch schöne Überraschung: Die Episoden werden besser. Viel besser.
Mit "Mirror Hell" schuf "Ultraman"-Altmeister Akio Jissoji eine Welt voller Spiegel, in der sich Figuren reflektieren, brechen, verzerren. Alleine schon das kunstvolle Arrangement dieser Spiegelflächen macht die Episode sehenswert, doch das ist erst der Anfang. Jissoji füllt sie mit einer latenten Erotik, ausgehend vom schönen Hiroki Narimiya (Nana), die in zwei Szenen ausbricht. Die erste birgt einen der heissesten Zungenküsse seit langem, doch eine düstere Weiterführung wird bereits angedeutet, wenn er die Zunge der Partnerin herauszuziehen scheint und neckisch hinein beisst. Tatsächlich kommt die krassere Fortführung wenig später in Form eines sadomasochistischen Spiels, das Schmerz und Sinnlichkeit vereint. Dieses Konzept schwappt in die dritte Folge über - wenngleich in nochmals gesteigerter Form. "Mirror Hell" ist die vielleicht am konventionellsten erotische Folge, doch bei diesem düster-albtraumhaften Werk heisst das alles andere als Blümchensex, sondern doppelbödiges, verstörend-verlockendes Material. Tadanobu Asano hat in dieser Episode eher wenig zu tun, dafür kommt Narimiya voll zum Zug, sein Zusammenspiel mit seiner Filmschwägerin sprüht vor Erotik.
Das Spiegelmotiv zieht sich auf unaufdringliche Weise in die dritte Story weiter, indem Jungstar Ryuhei Matsuda (Taboo, Nana) der schönen Yukiko Okamoto einen Spiegel vorhält. Ansonsten wechselt hier das Motiv der Story ebenso wie der Stil. Hinter der Kamera stand mit Hisayasu Sato ein Mann, der bewiesen hat, dass er zu allem fähig ist - mit seinem Schocker Naked Blood. Auch in dieser Anthologie ist sein "Caterpillar" die verstörendste Folge, eine groteske Horror-Lovestory, die ganz vom Wechselspiel aus Faszination und Abscheu lebt. Tokiko ist angezogen von ihrem Mann, oder was von ihm übrig ist, und lässt sich einmal von der Lust übermannen. Doch als diese groteske Figur, die einmal ihr Gatte war, ihren Körper abschleckt, stösst sie ihn angewidert weg. Dem Zuschauer dürfte es ähnlich gehen, doch das macht den Reiz dieser Folge aus. Sato inszeniert sie visuell ausgeklügelt und konnte dank dem grossen Budget von "Rampo Noir" auf bekannte Namen zurückgreifen. Dieser Mut aller Beteiligten zahlt sich aus, in Form von Bildern, die man so schnell sicher nicht nochmal sieht.
Die Insekten-Faszination wandert auch in die letzte Episode "Crawling Bugs", dem Regiedebüt des Mangazeichners Atsushi Kaneko. Er schafft eine ebenso künstliche wie sinnliche Welt aus Retro-Kitsch und fast Wong-Kar-Wai'scher Frauenbetrachtung, in der vor allem Tadanobu Asano aufblüht. Begleitet von hässlichem Krabbelgeräusch macht er die Angst vor Ungeziefer, Keimen und Bakterien überdeutlich. Da beginnt es einen glatt selbst überall zu jucken und beissen. Wenn Horror so etwas schafft, weiss man, er funktioniert. Und wenn er dazu so raffiniert gefilmt ist wie "Crawling Bugs", kann man eh nur frohlocken.
"Rampo Noir", als Ganzes betrachtet, ist entstehungsbedingt etwas uneinheitlich. Ich hasste den Auftakt, die Zwischentitel in "Mirror Hell" sind etwas mühsam und die Verbindungsszenen zwischen den Episoden wirken zu gekünstelt. Doch die drei Hauptepisoden selbst sind auf fast unspürbare Weise verbunden und trotzdem künstlerisch völlig eigenständig. Drei furchtlose Filmemacher bannen Visionen voller Suggestion, Düsternis und Perversion auf Zelluloid. Wie spielend sie, für ein offenes Publikum, die Grenze aus Sex und Gewalt, aus Lust und Abscheu sowie aus Poesie und Zerfall wandern, ist erstaunlich - und Grund genug, sich dieses lohnende Werk anzuschauen.
MEINE
DVD
HK, Code 3, NTSC [Universe Laser]
Anamorphic Widescreen
Japanisch 2.0 mit englischen und chinesischen Untertiteln.
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