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Laut Atomgesetz wird Deutschland seine Kernkraftwerke bis Ende 2022 vom Netz nehmen. Allerdings ist dies nur das letztmögliche Datum, denn ein alternatives Abschaltdatum errechnet sich aus der Reststrommenge, die von den Reaktoren noch produziert werden darf. Hier ergibt sich ein teilweise signifikanter Unterschied, der sich in den Strompreisen widerspiegelt.
Bis Ende 2022 müssen laut deutschem Atomgesetz alle Kernkraftwerke vom Netz genommen werden. Allerdings gibt es neben diesem «letzten Datum» auch noch die Betriebsdauer nach Reststrommengen, welche ein ziemlich anderes Bild auf den deutschen Ausstieg aus der Kernkraft gibt. Die Reststrommengen, welche jeder Reaktor noch produzieren darf, wurden Anfang des Jahrtausends aus dem Alter der einzelnen Meiler anhand einer Regellaufzeit von 32 Jahren kalkuliert. Diese Reststrommengen dürfen in dem Sinne flexibel gehandhabt werden, als dass Strommengen einer älteren Anlage auf jene einer jüngeren übertragen werden können.
Die Formel für die Restlaufzeit lautet: T = R / (P * ŋ *24)
Mit T = Restlaufzeit in Tagen; R = Reststrommenge in MWh; P = Nettoleistung in MW; ŋ = durchschnittliche Kraftwerksverfügbarkeit
Hieraus ergibt sich folgende Tabelle, welche die Ausserbetriebnahme der deutschen Kernkraftwerke nach Reststrommenge per 1. Januar 2016 und die Ausserbetriebnahme nach Gesetz einander gegenüberstellt.
Sicher ist nur die Unsicherheit
Es gibt einige Unsicherheiten. Es gilt beispielsweise abzuschätzen, wie die Reststrommengen zwischen den einzelnen Reaktoren verschoben werden. Laut Informationen des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz summieren sich die restlichen Produktionsmengen auf 216.6TWh, vor allem aus Mülheim-Kärlich (89.2TWh) und Krümmel (88.2TWh). Mit solch grossen Produktionsmengen lässt sich die endgültige Abschaltung der Anlagen wohl am meisten beeinflussen, denn über den Daumen gepeilt produziert ein Kernkraftwerk 10-11TWh/Jahr. Ausserdem laufen die Reaktoren wegen der vermehrten Einspeisung aus erneuerbaren Energien immer flexibler, was unterm Strich bedeutet, dass die durchschnittliche Kraftwerksverfügbarkeit bzw. -auslastung sinkt. Dies wiederum heisst, dass weniger produziert wird, im Umkehrschluss also, dass die Reststrommenge sich erhöht. Und damit geht solch ein Reaktor später vom Netz. Letztlich ist auch das Thema Versorgungssicherheit nicht ausser Acht zu lassen, denn der deutsche Regulator könnte die Abschaltung von süddeutschen Reaktoren unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit verbieten.
Strompreisprognose zeigt Preiseffekt
Bis Ende 2019 gehen nach Reststrommenge von den acht KKWs, welche derzeit in Betrieb sind, fünf vom Netz. Zusammen sind das 6.7GW Nettoleistung.
Die Strompreisprognose von Handel Analyse lässt uns mit verschiedenen Variablen spielen und verschiedene Strompreisszenarien berechnen. Die Tabelle veranschaulicht das Preisdelta zwischen zwei Szenarien, also zwischen den Strompreisen basierend auf der Ausserbetriebnahme per Reststrommenge und den Strompreisen basierend auf der Ausserbetriebnahme per Atomgesetz.
Das bedeutet, dass die frühere Ausserbetriebnahme per Reststrommenge einen Strompreisunterschied von 0.94€/MWh auf das Cal17 ausmacht. Laut unserem Strompreismodell steigert sich das Delta für das Cal18 auf 1.45€/MWh und liegt für das Cal19 bei 2.07€/MWh. Ein deutlicher Unterschied also.
Womit soll man rechnen?
Sicher ist nur eines: die deutschen Kernkraftwerke werden allesamt per 2023 vom Netz sein. Einige der Unsicherheiten, die es bis dahin zu berücksichtigen gilt, haben wir erläutert. Für die BKW und wohl insbesondere für den Handel gilt wie immer: wachsam sein, Änderungen frühzeitig aufnehmen, den Strompreiseffekt antizipieren und agieren.