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Die Stickerei ist wohl eine der ältesten Formen der Textilveredelung. Schon ca. 5000 v. Chr. wurden im alten China, Indien und auch in Ägypten Kleider bestickt. Dies belegen archäologische Funde. Wo die Stickerei ihren wirklichen Ursprung hat, ist heute wissenschaftlich nicht geklärt. Meist wurden geometrische Muster gestickt. Eine Ausnahme bildeten die Tier- und Menschengestalten, die bei den Assyrern beliebt waren. Von ihnen lernten vermutlich die Griechen und anschliessend die Römer die Kunst der Stickerei, welche sie „phrygische Arbeit“ nannten. Dies lässt erahnen, dass auch schon König Midas, ein durch die Griechen bekannter phrygischer Herrscher, bereits bestickte Kleidung trug.
Im 11. Jahrhundert verfeinerten arabische Kunstanstalten das Handwerk der Stickerei und brachten sie zu einer ersten Blüte. In der westlichen Welt wurden im Mittelalter vor allem in den Klöstern geistliche Gewänder und Sakralbekleidung bestickt. Etwa im 14. Jahrhundert erreichte die Stickerei als edle Form der Verzierung von Kleidern, erst in England und später vor allem im Burgund, ihren Höhepunkt. Danach verliert sie wieder an Wichtigkeit.
1829 erfand der Elsässer Josua Heilmann die erste Handstickmaschine. Bei dieser ersten Form der maschinellen Stickerei wurde der Stickrahmen bereits beweglich aber noch vertikal geführt. Gestickt wurde dabei horizontal, wobei die Vorlagen mittels eines Pantographen auf die handbetriebene Maschine übertragen wurden. Anfangs war die Qualität der Stickerei noch nicht überzeugend. Dann wurden die Maschinen in St. Gallen von Bartholome Rittmeyer, seinem Sohn Franz Elysäus Rittmeyer und dem Mechaniker Franz Anton Vogler so verbessert, dass diese um 1850 zur Marktreife weiter entwickelt werden konnten. Dies führte dazu, dass die Stickerei ab dieser Zeit in St. Gallen zu einem wichtigen Wirtschaftszweig wurde. Um 1910 machten Stickereien fast 20% der exportierten Güter der Schweiz aus. Noch heute kann eine solche Handstickmaschine im Appenzeller Volkskunde Museum im Einsatz besichtigt werden.
Um 1863 liess sich Isaak Gröbli durch die Mechanik von Nähmaschinen zu einer bedeutsamen Weiterentwicklung der Stickmaschine inspirieren. Er entwickelte für die Firma Benninger AG in Uzwil die Schifflistickmaschine. Im Jahre 1898 wurde dann die noch heute verwendete Technologie der Stickautomaten erfunden, bei denen die Motive nicht mehr über Pantographen, sondern durch Lochkarten übertragen wurden. Der einzige grundlegende Unterschied zu heute ist, dass heute Computer zur Steuerung der Maschinen zum Einsatz kommen. Im Jahre 1873 erhielt die „Mechanische Stickerei Wülflingen“ die Fortschrittsmedaille bei der Wiener Weltausstellung. Im Jahre 1885 stieg dann auch die Firma von Adolph Saurer in Arbon in die Produktion von Stickmaschinen ein.
Stickmaschinen sind heute kompakt und in ihren kleineren Ausführungen auch in KMU Betrieben im Einsatz. Auf Mehrkopfmaschinen kann das gleiche Motiv mehrfach, parallel auf mehreren Stickrahmen, gleichzeitig gestickt werden. Auf Einkopfmaschinen kommt lediglich ein Stickrahmen zum Einsatz. Stickereien sind nach wie vor sehr beliebt, da sie schon in kleinen Auflagen eine edle Umsetzung eines Motivs oder eines Logos erlauben. Sie sind, vorausgesetzt sie wurden fachmännisch ausgeführt, sehr robust und verfügen über eine hohe Waschbeständigkeit. Ist ein Stickprogramm erst einmal erstellt, kann es immer wieder verwendet werden.
Beim Erstellen des Stickprogramms, dem sogenannten Punchen, wird die Stickerei Stich für Stich am Computer entworfen. Heutige Software ermöglicht eine relativ automatisierte Erstellung dieser Programme. Um aber eine wirklich hervorragende Qualität zu erreichen, wird jedes Stickprogramm manuell nachbearbeitet. Je nach zu bestickendem Textil sind andere Fadenspannungen, Stichlängen und -formen nötig. Bei Schriften wird oft Zeit eingespart, in dem ein endloser Übergang ohne Schnitt zwischen den Buchstaben programmiert wird. Bei einer qualitativ hochwertigen Stickerei sollte das nicht der Fall sein. Zwar ist ein Schnitt nach jedem Buchstaben zeitlich etwas aufwendiger, aber das Resultat dafür umso schöner.
Nicht jedes Textil ist für eine Stickerei wirklich gut geeignet. Sehr dünne und leichte Stoffe sind schwieriger zu besticken, vor allem bei grösseren Motiven. Gerade bei sehr leichten Stoffen kann das Gewicht der Stickerei den Stoff beschweren, so dass er nicht mehr schön fällt. Ebenfalls kann die Spannung des Fadens zu unschöner Faltenbildung führen. Bei Textilien, die direkt auf der Haut getragen werden, können die Kanten und verarbeiteten Vliese auf der Innenseite des Textils unangenehm scheuern. Nehmen Sie hierzu unbedingt vorgängig die Beratung ihrer Stickerei in Anspruch.
Fachmännisch gut angefertigt, werden Sie lange Freude an ihrem bestickten Textil haben!
Zum Autor:
Stefan Meyer ist Co-Geschäftsführer und gemeinsam mit Cécile Alarcon Inhaber der Permatrend AG. Er ist verantwortlich für die Produktionsleitung, IT & EDV sowie für das digitale Marketing. Nach einer Ausbildung zum Detailhandelsfachmann im Bereich Herrenkonfektion und einigen Jahren Berufserfahrung stiess er 1994 zum Team der Permatrend. Nach diversen Weiterbildungen und Stationen innerhalb der Firma übernahm er gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin die Firma im Januar 2018.