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Dass Raffaello Zosso überhaupt 42 Jahre lang in Düdingen gewirtet hat, ist seiner Frau Maria Elisabeth zu verdanken. Die beiden übernahmen 1978 das Hotel Central im Düdinger Dorfkern – er war 23, sie 22 Jahre alt. «Nach einem halben Jahr wollte ich nur noch weg, ich wollte lieber die Welt erkunden», erzählt Raffaello Zosso den FN. Doch seine Frau überzeugte ihn zu bleiben, auch wegen der Tochter, die kurz zuvor auf die Welt gekommen war.
Jetzt aber ist es so weit, und Raffaello und Maria Elisabeth Zosso verlassen das Haus Central definitiv. Beide haben das Pensionsalter erreicht. Bereits letzten Herbst haben sie ihr Ristorante Da Raffaello an die Familie Zito übergeben, es heisst nun Da Antonio. Das Dancing Oktogon führten sie noch bis Ende Juni, Anfang Juli hat Gisèle Sansonnens übernommen. Raffaello Zosso sagt: «Ein paar Tränen in den Augen habe ich schon.»
Viele Erinnerungen
An seinen 42 Jahren als Wirt hängen viele Erinnerungen; er hat viele Freundschaften geschlossen. «Es war eine sehr schöne Zeit, ich möchte sie nicht missen. Ich hatte sehr viele sehr flotte Gäste», sagt er. In all den Jahren hat sich auch einiges getan: Zunächst führte er mit seiner Frau ab 1978 das Hotel Restaurant Central, das seinem Vater gehörte. «Mein Vater hat mir damals drei Tage Zeit gegeben, um zu entscheiden, ob ich das Hotel Restaurant Central übernehmen möchte», erzählt Raffaello Zosso. Er sagte Ja.
«Nach zweijährigem Bewilligungskampf kam dann die Erweiterung mit dem Restaurant Piccionaia im Hotel dazu», fügt er an.
Und zehn Jahre später war er es, der den Vater vor eine Wahl stellte: «Ich habe ihm gesagt: Entweder du investierst in die Liegenschaft, oder du verkaufst sie mir.» Der Vater verkaufte sie, und Raffaello und Maria Elisabeth Zosso investierten viel.
Die beiden führten fortan das 3-Stern-Hotel Central, das Ristorante Da Raffaello, und 1988 erhielten sie nach jahrelangem Hin und Her mit den Behörden die Erlaubnis, das Dancing Oktogon zu eröffnen. Seit dieser Zeit nennt sich Raffaello Zosso auch Raffaello und nicht mehr Raphael. «Das war naheliegend, denn ich mag die italienische Küche sehr, und noch mehr italienischen Wein.»
White Russian mit Eselsmilch
Im Dancing Oktogon sollte er aber mit einem anderen Getränk Berühmtheit erlangen: mit dem Drink White Russian. Es ist der Lieblingsdrink von «The Dude» aus dem Kultfilm «The Big Lebowski», dem Lieblingsfilm von Raffaello Zosso. Er mixt ihn mit Eselsmilch – weil die Düdinger auch Esel genannt werden.
Angelehnt daran heisst die grosse Abschiedssause «1. White Russian Eselsmilch Clochard Fahrt». Heute fahren die Zossos mit Freunden und Gästen im Tschutschu von Düdingen nach Schwarzsee und machen bei Restaurants unterwegs halt. Ziel ist das Restaurant Schwarzseestärn, wo es Mittagessen gibt. «Damit will ich auch die Sensler Wirte unterstützen, die während der Corona-Krise Einbussen hinnehmen mussten», sagt Raffaello Zosso. Neben der Eselsmilch-Fahrt gabs die ganze Woche über Sonderangebote im Dancing Oktogon und im Restaurant Da Antonio bei Familie Zito.
Seit längerem geplant
Raffaello Zosso mag ein bunter Vogel sein – «Meine Marketingstrategie waren immer extravertierte, aufgeschlossene, gesellige, verrückte Ideen, so dass alle sagten: Du spinnst», sagt er. Planen aber kann er. So war auch seit längerem klar, dass er und seine Frau das Central im Düdinger Dorfzentrum verlassen würden. Vor rund sieben Jahren erkrankte er an Krebs. «Damals habe ich über einen Verkauf der Liegenschaften nachgedacht», sagt er. 2017 fand er einen geeigneten Käufer. Für rund drei Jahre mietete er das Restaurant und das Dancing zurück. «Mein Wunsch war es, dass ein asiatisches Restaurant einzieht. Ich bin seit langem ein grosser Fan von japanischem Sushi», sagt er. Das klappte nicht – nun gibts wieder einen Italiener im Haus Central.
Reisen und Weinlese
Raffaello und Maria Elisabeth Zosso haben viele Pläne: Zunächst gehts nach Santiago de Compostela, im Herbst dann werden sie bei der Weinlese in der Bündner Herrschaft helfen. Dort wohnen die beiden seit Herbst; es ist Maria Elisabeths Heimat. «Wir haben aber eine Wohnung in Düdingen gekauft, das wird unser Feriendomizil sein», sagt Raffaello Zosso. Ganz weg gehen die beiden also nicht.
Und noch ein Ziel hat Raffaello Zosso: Mit dem E-Bike durch die Bündner Berge fahren bis nach Ischgl, und dort in die Beiz gehen, in der sich so viele Leute mit dem Coronavirus angesteckt haben. «Solche Orte faszinieren mich.»
«Meine Marketingstrategie waren immer verrückte Ideen, so dass alle sagten: Du spinnst.»
Raffaello Zosso
Wirt