Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03235.jsonl.gz/993

Gemeinsam allen Märchen sind die Überreste eines in die älteste Zeit hinaufreichenden Glaubens, der sich in bildlicher Auffassung übersinnlicher Dinge ausspricht.
Dies Mythische gleicht kleinen Stückchen eines zersprungenen Edelsteins, die auf dem von Gras und Blumen überwachsenen Boden zerstreut liegen und nur von dem schärfer blickenden Auge entdeckt werden.
Wilhelm Grimm 1856, Anmerkungen zu den KHM, S. 409
Macht ist noch nicht Wissen. Das ist geradezu eine Standardsituation in vielen Märchen:
- Die Könige, die nicht wissen, wie’s weitergehen soll (Der goldene Vogel),
- welchem Sohn sie ihr Reich übergeben sollen (Die drei Federn).
- Die Königspaare, die keine Kinder bekommen (Das Eselein).
- Die Könige, die krank sind und nicht geheilt werden können (Das Wasser des Lebens).
- Die armen Eltern, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder ernähren sollen (Hänsel und Gretel, Marienkind).
Weiterlesen
Am Ostersonntag, 24. April 2011, im Grundsteinsaal des Goetheanums in Dornach.
Noch selten habe ich während eines Schauspiels mit tiefem religiösem Sinn so viel gelacht.
Das wohl als Volkstheater konzipierte Redentiner Osterspiel umgibt die Botschaft von der Erlösung Aller in der sogenannten Höllenfahrt Christi mit einer Rahmenhandlung in welcher römische Soldaten im Auftrag von Pilatus und den Hohepriestern die Auferstehung Christi verhindern sollten. Niedergeschrieben wurde das Stück im 15. Jhdt in der Gegend von Wismar (Ostsee) durch Mönche des Zisterzienser-Klosters Bad Doberan. Die Handlung nimmt stark Bezug auf das sogenannte Nikodemus-Evangelium (Übersetzung).
Ausschnitt aus einem Relief am Taufbecken in der St. Marien-Kirche in Wismar
Weiterlesen
— aber nicht im Märchen.
Märchenheldinnen und -helden sind zwar nicht immer zielstrebig unterwegs, aber der Weg ist nicht ihr Ziel. Das Ziel bleibt die Vervollkommnung, zumindest in den Märchen, die auf alte Motive zurückgehen.
Gemälde von Ferdinand Hodler, 1893,
“Tessiner Landschaft”
Der Jüngling in “Die Kristallkugel” (Brüder Grimm 1857, KHM 197) hat zwar keine Ahnung wo es lang geht. Er will einfach zum Schloss der goldenen Sonne, die verwunschene Königstochter erlösen. Die Riesen am Weg sind unübersehbar, aber die Qualität des Wünschhuts, den er “mitlaufen” lässt, wird ihm sowenig bewusst wie der Weg den er geht. So “überspringt” er einfach den Weg zum Schloss. Im zweiten Teil muss er allerdings schon mit vollem Bewusstsein das Richtige auf dem Weg tun und alle seine inneren Kräfte mobilisieren, um sein Ziel zu erreichen. Weiterlesen
Hedwig von Beit schreibt in der Einleitung zu ihrem 1956 erschienen Buch über Märchen und ihre Deutung:
Erlösung bedeutet hierbei Wandlung zum freien, über sich selbst bewußt bestimmenden und von knechtischer Bindung an die dämonischen Kräfte der Materie unabhängigeren Menschen, …
Dieses besondere Problem der Erlösung ist im Märchen in so reichen Variationen und in so tiefreichenden Symbolen zusammenhängend dargestellt, daß sich wohl sagen läßt, in ihm sei das Wesentlichste der im Märchen Bild gewordenen seelischen Wahrheiten zusammengefaßt.
Weiterlesen
Märchen und Sagen sind wie ein guter Engel,
der von Geburt an, von Heimat wegen
dem Menschen mitgegeben wird auf seiner Lebenswanderung.
Karl Julius Schröer (1825-1900) zugeschrieben
Das Zitat stammt aus einem Vortrag Rudolf Steiners am 6. Februar 1913 mit dem Titel “Märchendichtung im Lichte der Geistesforschung”. Schröer war ein von Steiner zu Studienzeiten sehr verehrter Dozent an der Universität Wien. Deshalb vermutet Almut Bockemühl, dass dieses Zitat von Schröer stammt (in: Bockemühl Almut (2006), Die Welt der Märchen, Rudolf Steiner Verlag Dornach).
Märchen sind Quellen der Weisheit und Zuversicht.
Märchen sind für mich unerschöpfliche Quellen der Weisheit und der Zuversicht.
Sie erzählen von den Beziehungen in unserem Leben, von den Aspekten unseres seelischen Lebens, von unserem persönlichen und geistigen Entwicklungsweg. Auch wenn es oft anders kommt, als man denkt, auch wenn ich mich in der Einöde wähne, und kein Weg sichtbar ist, ich kann darauf vertrauen, dass es am Ende so herauskommt, wie es am besten ist.
Wasserfall Wattens (Bild: Michael Slonecker)
Lasst Märchen hervorquellen !
Die Quellen der Märchen mögen nie versiegen.
Die Märchen sollen zu allen Menschen fliessen und sie erquicken.
Dazu möchte ich mit meiner Erzähl- und Märchenarbeit beitragen.
Ich bin nicht die Quelle der Märchen, sondern vielmehr der Brunnen, welche das Wasser dieser Quelle fasst und zur Verfügung stellt.
Wasserfall der Ergolz
unterhalb von Oltingen
Märchen sind Quellen
der Weisheit und Zuversicht
Ein Märchen aus Griechenland.
Märchentyp ATU 725.
Beitrag zum Thema Träume in Märchen >>.
Märchen gefunden in: von Hahn, J.G., 1918, “Griechische und Albanesische Märchen”, Verlag Georg Müller
Es war einmal ein König, der hatte drei Kinder, und eines Abends sprach er zu ihnen: „Hört, heute nacht wollen wir aufmerken auf das, was wir im Traume sehen.“
Am anderen Morgen fragte er zuerst den Ältesten: „Was hast du geträumt?“ und dieser erwiderte: „Mir träumte, dass ich die Tochter des und des Königs zur Frau nehmen würde.“ Und der zweite Sohn gab dieselbe Antwort. Darauf fragte der König den Jüngsten, was denn er geträumt habe. Der aber antwortete: „Ich sage es nicht, denn ich fürchte, dass du mich hinrichten lässt, wenn du es erfährst.
Weiterlesen