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Am 15. August 1971 sang Johnny Cash «Man in Black». Viele Menschen sassen vor ihrem neuen Farbfernseher, obwohl Darryl F. Zanuck, Chef von 20th Century Fox, 1946 behauptet hatte, dass «sich der Fernseher auf dem Markt nicht durchsetzen würde, weil die Menschen sehr bald müde würden, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren». Die Menschen wollten aber die nächste Folge von «Bonanza» sehen, der Strassenfeger der 70er-Jahre. Gleich würden die vier Cartwrights in die Wohnstube reiten und sich einzeln vorstellen: Lorne Green, Dan Blocker, Pernell Roberts, Michael Landon.
Doch stattdessen glotzte Richard Nixon in unser Wohnzimmer. Was zum Teufel hatte Richard Nixon auf der Ranch zu suchen? Er war sichtlich nervös. Die Menschen dachten, oh my god, der teilt uns bestimmt mit, dass Lorne Green erschossen worden ist. Oder noch schlimmer, Dan Blocker hat sich zu Tode gefressen, wie damals Michel Piccoli in «La Grande Bouffe». Aber Nixon erklärte der Nation, dass es einen geheimen Krieg gegen den amerikanischen Dollar gebe. Er habe seinem Finanzminister John Connally den Auftrag gegeben, die Konvertierbarkeit des Dollars in Gold vorübergehend aufzuheben. Aber vorübergehend bedeutet in der Politik immer for ever.
Der 15. August 1971 war somit das Ende des altbewährten Währungssystems, das seit 1944 funktioniert hatte. Man hatte Vertrauen in den Dollar, weil für jeden gedruckten Dollar ein paar Gramm Gold gebunkert waren. Ohne Gold basierte der Dollar nur noch auf der Wirtschaftsleistung. Oder genauer: auf dem Blabla von Politikern, deren einziges Ziel die eigene Wiederwahl war. Von da an warfen rechte und linke Regierungen abwechselnd die Notenpresse an, um die nicht finanzierbaren Wünsche einer verwöhnten Wählerschaft zu befriedigen. Der Geldsegen flutete die Märkte und verursachte eine Spekulationsblase nach der andern, denn jede Blase nährt die nächste. Brown Sugar, how come you taste so good, Brown Sugar, just like a young girl should. Die Rolling Stones gingen meilenweit für eine Camel, Little Big Man überlebte den Little Big Horn, der deutsche Innenminister Genscher ordnete an, dass ein Fräulein nun Frau genannt werden müsse, doch die Menschen interessierten sich eher für den Jahrhundertfight, der am 8. März in New York stattfand. Joe Frazier besiegte Muhammad Ali. Und George Harrison fragte: «What is life?»
© Basler Zeitung; 31.10.2014