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Hier ein Auszug aus ENSI Dokument betreffend Flugzeugabsturz: “Beim Aufprall auf ein Kernkraftwerk wird ein Flugzeug – anders als bei den Anschlägen auf das World Trade Center – bereits ausserhalb des Gebäudes fast völlig zerstört”
Warum wird ein Flugzeug beim direkten Aufprall auf einen Reaktor fast völlig zerstört?
Was genau zerstört so ein Flugzeug mit bis zu 600 Tonnen Gewicht?
Sind Sie sicher, dass das Containment bei Mühleberg bei einer Betriebsrevision den Reaktor schützt bei einem Aufprall auf den Reaktor?
Was genau schützt das Abklingbecken in Mühleberg?
Aus welchem Grund denken Sie nach 9/11 soll noch ein “Verrückter” auf eine solche Idee kommen und unse-re Land in Angriff nehmen?
Das ENSI hat sich im Nachgang zu den Anschlägen vom 11. September 2001 intensiv mit der Frage eines vorsätzlich herbeigeführten Flugzeugabsturzes befasst und dazu im April 2003 einen Bericht veröffentlicht (https://www.ensi.ch/de/wp-content/uploads/sites/2/2011/08/fla-bericht_maerz03.pdf). Entsprechend den Vorgaben in den rechtlichen Grundlagen verfolgt das ENSI laufend die nationalen und internationalen Entwicklungen von Forschung und Technik im Bereich der Sicherheit von Kernanlagen. Sicherheitsanalysen werden periodisch aktualisiert, um neue Methoden und Gegebenheiten zu berücksichtigen. Dies gilt – in diesem Kontext – auch beim Thema Flugzeugabsturz. Wir weisen darauf hin, dass in den vergangenen zehn Jahren die Massnahmen zum Schutz vor Flugzeugentführungen im internationalen kommerziellen Flugverkehr – sogenannte RENEGADE-Massnahmen – und die Massnahmen im Bereich Accident Management bei den Kernkraftwerken ausgebaut wurden. Aus verständlichen Gründen, nämlich im Sinne der Sicherheit und Sicherung der Kernanlagen und damit der Sicherheit der Bevölkerung, sind detaillierte Angaben zu sensiblen Daten, Methoden und Resultaten geheim, im speziellen auch zur Sicherheit gegen vorsätzlichen Flugzeugabsturz. International ist dies unter den OECD-Ländern auch so vereinbart.
1.-2. Die Reaktorgebäude der schweizerischen Kernkraftwerke sind schwere, gedrungene und in Stahlbeton-Massivbauweise erstellte Bauten mit mehreren Metern dicken Fundamentplatten. Das Gewicht und die Steifigkeit der Gebäude liegen um Zehnerpotenzen über jenen eines grossen Verkehrsflugzeugs. Die Kollision eines Flugzeugs mit einem Reaktorgebäude kann man sich deshalb als Anprall eines weichen Geschosses auf einen schweren starren Körper vorstellen. Die Bewegungsenergie eines abstürzenden Flugzeuges wird bei der Kollision mit dem Gebäude daher vor allem in eine Deformation der weichen Flugzeugstruktur und in Hitze umgewandelt. Dabei wird das Flugzeug in weniger als einer Sekunde völlig zerstört. Das Reaktorgebäude dagegen verhält sich vorwiegend wie eine sehr starre Feder, die nur wenig nachgibt und danach praktisch wieder in ihre Ausgangsstellung zurückkehrt. 1988 wurde an den Sandia National Laboratories in Albuquerque USA ein eins zu eins Versuch durchgeführt, um die Stosskraft zu überprüfen, die bei einem Flugzeuganprall auf eine Betonwand wirkt. Bei diesem Test wurde eine Militärmaschine vom Typ Phantom F-4 mit rund 775 km/h auf einen knapp 3.70 m starken Betonblock geschossen. Die nachfolgende Fotoreihe (Bild 1) verdeutlicht, dass sich während des Anpralls das Flugzeug in heissen rotglühenden Staub auflöst, während die Betonwand den Anprall mit nur geringen Schäden übersteht. Das Video ist öffentlich verfügbar z.B. unter (http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=–_RGM4Abv8). Bei diesem Versuch ging es nicht darum, den Widerstand von einer Betonwand gegen extreme Stosslasten zu prüfen sondern nur darum, den von Dr. Jorge Daniel Riera entwickelten rechnerischen Ansatz zur Bestimmung von Stosslasten infolge Flugzeugabsturz zu verifizieren.
3. – 4. Die sicherheitsrelevanten Gebäude sind niedrig und in ihren Abmessungen relativ klein. Auch die in Frage kommende Trefferfläche ist gering. Das Reaktorgebäude Mühleberg ist grösstenteils durch andere zum Teil sehr massive Hilfsgebäude bis knapp zur halben Höhe umbaut. Dadurch besteht einerseits eine vorgelagerte Schutzbarriere, zum anderen verringert sich die wirksame Trefferfläche und damit die Trefferwahrscheinlichkeit. Sollte ein Treffer erfolgen, bietet das Reaktorgebäude selbst einen hohen Schutzgrad. Allein die Geometrie der zylindrischen Betonwand des Reaktorgebäudes ist viel günstiger zur Abtragung von Stosslasten als eine vergleichbare gerade Betonwand, wie das Beispiel in Bild 2 verdeutlicht. Bei gleicher Belastung auf gleicher Fläche hat die gerade Wand ein Biegemoment von 181 kNm abzutragen, während die zylindrische Wand nur ein solches von 109 kNm erfährt. Das Biegemoment (innere Beanspruchung einer Baustruktur, die ein Verbiegen der Baustruktur bewirkt) ist in den meisten Fällen der massgebende Versagensmodus für stossbelastete Betonwände.
Entscheidend ist auch, auf welcher Gebäudhöhe der Treffer erfolgt. Die zylindrische Aussenwand des Reaktorgebäudes Mühleberg ist verbunden mit massiven innernen Betondecken. Erfolgt der Treffer auf der Höhe einer Betondecke oder in geringer Abweichung davon, kann die Gebäudehülle praktisch nicht zerstört werden. Zusätzlich spielt der Anprallwinkel des Flugzeugs eine grosse Rolle. Erfolgt der Anprall senkrecht zur Wand, ist die Stossbelasung am grössten. Weicht der Anprallwinkel nur wenige Grad von der Senkrechten ab, ist die Stosskraft bereits deutlich reduziert. Bild 3 stellt dünnwandige Röhren stellvertretend für den Flugzeugrumpf dar. Das linke Rohr ist mit einer Kraft belastet, die parallel zur Röhrenachse wirkt. Bei der Röhre rechts weicht die Richtung der Kraft um 15° von der Röhrenachse ab. Der Widerstand der Röhre, gleichbedeutend mit der Kraft, die von der Röhre auf ein Gebäude ausgeübt werden kann, verringert sich in diesem Fall auf rund einen Fünftel.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass lokale Schäden nur möglich sind, wenn der Anprall mit hoher Geschwindigkeit und hoher Präzision erfolgt. Wird die Gebäudehülle dennoch durchschlagen, werden harte Flugzeugteile stark abgebremst und der Beton zerbricht in kleine Trümmerteile, wie die neusten Versuche mit ENSI-Beteiligung zeigen.
Es ist folglich davon auszugehen, dass herabfallende Trümmerteile weder das massive Brennelementlagerbecken noch die robuste, während der Revision offene Reaktorgrube entscheidend schädigen können und diese Strukturen ausreichend dicht bleiben. Das heisst, die Brennelemente sowohl im Reaktor als auch im Brennelementlagerbecken bleiben rund 7 m hoch mit strahlungsabschirmendem Wasser überdeckt.
Das Wasser selbst bietet gegen einfallende Trümmer einen hohen Schutz. Beispielsweise wird eine Patronenkugel, die mit gut 1‘000 km/h aus einem Pistolenlauf gefeuert wird, innerhalb einer Strecke von knapp 2 m vollständig abgebremst (http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=502KryEguA0). Die Lagergestelle und die Kerneinbauten des Reaktors sind ausreichend robust, um das Gewicht von allfälligen Trümmerteilen zu tragen. In Fukushima konnte beobachtet werden, dass die Brennelemente in den gefüllten Lagerbecken nicht beschädigt wurden, obwohl deren Lagergestelle mit schweren Trümmern belegt waren. Auch dank den seit Fukushima ausgebauten Accident-Management-Massnahmen kann die Kühlung des Kerns weiter aufrecht erhalten und die Freisetzung grosser Mengen an radioaktivem Material vermieden werden, selbst unter Annahme eines infolge Flugzeugabsturz beschädigten Reaktorgebäudes.
Die sicherheitsrelevanten Gebäude können aufgrund der topographischen Gegebenheiten in der Umgebung der Kernkraftwerke nur von bestimmten Richtungen angeflogen werden. Insbesondere das Kernkraftwerk Mühleberg liegt in einem relativ engen Tal, was bestimmte Anflugrichtungen nicht zulässt. 5. Die Beurteilung der Risikolage erfolgt durch den Nachrichtendienst des Bundes NDB. Er verfolgt die strategischen Entwicklungen und die Bedrohungslage, erstellt Lagebeurteilungen und alarmiert und warnt bei sich abzeichnenden Krisen bzw. aussergewöhnlichen Entwicklungen.