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Wiederbelebung eines Handelswegs
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Dieter Haas
Unter der Federführung Chinas wurde die Initiative «One Belt, One Road», auch bekannt als Chinas Neue Seidenstrasse, ins Leben gerufen. Hauptprofiteur dieses ehrgeizigen Projektes dürften hauptsächlich chinesische Firmen sein.
Bei der Seidenstrasse handelt es sich um einen schon im Altertum benutzten Handelsweg. Sein Ursprung reicht in das Jahr 206 v. Chr. in die Zeit der Han-Dynastie zurück und verband China mit den Ländern am Mittelmeer. Im Jahr 2013 initiierte die chinesische Regierung eine Entwicklungsstrategie, die von den Medien Neue Seidenstrasse getauft wurde. Damit einhergehend soll durch den Ausbau eines Infrastruktur-Netzwerkes der Handel auf dieser klassischen Route wiederbelebt werden und Chinas Wachstum, langfristig betrachtet, unterstützen. Die Umsetzung der Planvorgaben wird zu einer Verbreiterung der chinesischen Exportmärkte führen. Des Weiteren können damit vorhandene Überschusskapazitäten reduziert und die Wertigkeit der Industrie erhöht werden. In den vergangenen Jahren hat sich China im Vergleich zu anderen Schwellenländern dank der Entwicklung seiner Infrastruktur Vorteile verschafft. Seine Expertisen und Managementqualitäten in solchen Vorhaben prädestinieren das Land für eine Führungsrolle bei diesem ambitiösen Projekt. Einige Analysten vergleichen die Initiative «One Belt, One Road» hinsichtlich seiner Bedeutung mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelegten Marshall Plan. Das grösste Infrastruktur-Projekt des Jahrhunderts soll China, Europa, Afrika und Asien wirtschaftlich näher zusammenbringen. Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping propagierte die Initiative wie folgt: «We want to unite the world with common values and ideas.» Mattia Romani, Managing Direktor bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, äusserte sich im Rahmen des vom 25. bis 27. April 2019 in Peking abgehaltenen zweiten Belt and Road Forum wie folgt: «The Belt and Road Forum and the Belt and Road Initiative (BRI) is globalization 2.0. It’s a new try at globalization. Because the values and the principles of the B&R Initiative are really values and principles integrating economies, integrating people, and integrating countries. It’s really the basis of globalization.»
«Die Neue Seidenstrasse soll durch den Ausbau eines Infrastruktur-Netzwerkes den Handel auf dieser klassischen Route wiederbeleben.»
Die Bedeutung des Seidenstrassenprojektes ist immens. Es umfasst derzeit 134 Länder, die insgesamt 58% der globalen Landfläche abdecken. Das Bruttoinlandprodukt aller teilnehmenden Staaten entspricht rund 41% der globalen Wirtschaftsleistung und 37% der privaten Konsumausgaben. Finanziert wird das Ganze vorwiegend über die China Development Bank und den Silk Road Fund. Auf diesem Wege flossen bereits nahezu USD 1 Billion in verschiedene Projekte. Das Research der Credit Suisse prognostiziert für das BIP der involvierten Länder einen Wachstumseffekt in den nächsten fünf Jahren um zusätzliche 4%. Das Economic-Research-Team der Commerzbank geht davon aus, dass ausländische Direktinvestitionen aus China in BRI-Projekte bis 2025 bei über USD 80 Milliarden liegen werden, doppelt so hoch wie 2018. Es wird ausserdem davon ausgegangen, dass neue Fertigungsaufträge für BRI-Projekte bis 2025 jährlich über USD 150 Milliarden betragen werden.
Risiken
Gegenwind erhält die Belt Road Initiative (BRI) in Form von geopolitischen Bedenken. So haben sich bislang Indien, die USA oder die meisten westlichen europäischen Länder der Initiative Chinas nicht angeschlossen. Im Weiteren wird von den teilnehmenden Staaten die Dominanz Chinas in der Vergabepolitik kritisiert. Bemängelt wird vom Internationalen Währungsfonds ferner die in vielen Staaten wegen BRI-Projekten gestiegenen Staatsschulden. In einigen der teilnehmenden Länder (u.a. Pakistan) droht wegen der getätigten Infrastrukturprojekte und der damit verbundenen Kreditaufnahme die Zahlungsunfähigkeit. Andere wie Malaysia haben aus Angst vor zu grosser Verschuldung BRI-Projekte suspendiert. Trotz der nicht unbeträchtlichen Risiken übt die Initiative weiterhin eine beträchtliche Anziehungskraft aus, was sich in der stetig steigenden Teilnehmerzahl ablesen lässt. Ende April unterzeichnete Bundespräsident Ueli Maurer bei seinem Staatsbesuch in Peking eine Absichtserklärung zur Neuen Seidenstrasse. Die Schweiz und China bekräftigen in dem Papier, ihre Zusammenarbeit in den Ländern entlang der Route bei Handel, Investitionen und Projektfinanzierungen auszubauen.
Langfristige Impulse für den chinesischen Aktienmarkt
Für China liegen die Vorteile der Initiative auf der Hand. Eine effektive und moderne Infrastruktur in Anrainerstaaten fördert die wirtschaftliche und soziale Entwicklung im eigenen Land. Gemäss Lars Kalbreier, CIO bei Vontobel Wealth Management, wird das «One Belt One Road»-Vorhaben die Transportkosten von Gütern zwischen den beteiligten Ländern um rund 20% reduzieren, was den Welthandel nachhaltig begünstigen wird. Nebst der Stärkung des Wohlstandes im Lande hat China grösstes Interesse an einer florierenden Nachbarschaft. Nur so kann die Erfolgsgeschichte dieses Jahrtausends fortgeschrieben werden. Der chinesische Aktienmarkt erzielte seit Januar 2002 eine deutlich höhere Gesamtrendite als der Weltaktienmarkt. Allerdings brauchten Investoren gute Nerven, da der Kursverlauf an der Börse erheblichen Schwankungen unterlag.
Schwierige thematische Umsetzung
Das Gigantenprojekt wäre eigentlich prädestiniert für eine thematische Umsetzung. Die Schwierigkeit der Fassbarkeit sowie die offensichtliche Dominanz chinesischer Unternehmen erwies sich bislang jedoch als schwer zu überwindendes Hindernis. Seit August 2017 bietet der Indexanbieter MSCI mit dem MSCI Global China Infrastructure Exposure Index eine Benchmark. Sie umfasst gelistete Aktien von Industrie- und Entwicklungsländern mit einem hohen Umsatzanteil an der Entwicklung der von China gestarteten «One Belt, One Road» Initiative. Anleger haben seit dem 9. Juli 2017 die Möglichkeit, mit dem Kauf des in den USA gehandelten ETFs OBOR von KraneShare an der Entwicklung des MSCI Global China Infrastructure Exposure Index zu partizipieren. Bislang hinkte die Kursentwicklung derjenigen des Weltaktienindex hinterher, nicht zuletzt wegen der starken Performance des US-Aktienmarktes. Relativ zum ETF EMIF auf Schwellenländer Infrastruktur hat OBOR seit Herbst 2017 besser abgeschnitten. Eher auf der hohen Seite liegen die jährlich dem ETF belasteten Gebühren von 0.80%.
«Das Seidenstrassenprojekt umfasst derzeit 134 Länder, die insgesamt 58% der globalen Landfläche abdecken.»
Seit November des vergangenen Jahres bietet Invesco den Anlagefonds Ivesco Belt and Road Debt Fund. Im Unterschied zu OBOR wird hier der Fokus auf Obligationen gelegt. Der Fonds ist in den Ländern übergewichtet, die von Infrastrukturinvestitionen aus China und den mit China konkurrierenden Staaten profitieren. Der Investmentprozess berücksichtigt systematisch ESG-Faktoren, um im Rahmen eines präventiven Risikomanagements die Länder und Unternehmensemittenten mit der schlechtesten ESG-Performance zu meiden.
Mohikaner bei den Strukturierten Produkten erhält Konkurrenz
Die Bank Julius Bär legte bereits im Januar 2014 ein erstes Tracker-Zertifikat zum Thema Neue Seidenstrasse auf. Nach dem Verfall am 26. Januar 2016 wurde in Anbetracht der positiven Rahmenbedingungen mit JFXYX ein Nachfolgeprodukt lanciert, dessen Laufzeit leider lediglich ein knappes Jahr betrug. Umgesetzt wurde das Konzept durch eine Auswahl an neun gleichgewichteten chinesischen Aktien, deren Fokus auf Infrastrukturausgaben entlang der Neuen Seidenstrasse lag, wie z.B. Bauunternehmen, Hersteller von Telekommunikationsausrüstung, Hafenbetreiber und Hersteller von Rollmaterial. Konkret fanden die folgenden Aktien Aufnahme in den Basket: China Communications Construction, China Railway Construction, China Railway Group, China Merchants Holdings, Cosco Pacific, Zhuzhou CSR Times Electric, ZTE Corporation, China State Construction und CRRC Corporation. Das Tracker-Zertifikat wurde an den Swiss Derivative Awards 2017 als bestes Aktienprodukt des Jahres 2016 ausgezeichnet. Inzwischen ist mit dem Anfang Februar 2019 lancierten Tracker-Zertifikat DAHRJB das fünfte Tracker-Zertifikat der Bank Julius Bär auf das Thema Neue Seidenstrasse am Start. Es ist aktuell noch das einzige Partizipationsprodukt an SIX Swiss Exchange, welches sich diesem Thema widmet. Als Minuspunkt muss die kurze Laufzeit genannt werden. Bei Ihrer Titelauswahl fokussierte sich die Bank Julius Bär auch bei DAHRJB ausschliesslich auf chinesische Unternehmen. Die elf selektierten Titel wurden dabei im Zeitpunkt der Fixierung gleich gewichtet in den Basket aufgenommen. Nach einem rasanten Start, bei dem es den Weltaktienindex übertrumpfen konnte, setzten zuletzt Gewinnmitnahmen dem Zertifikat überdurchschnittlich zu.
«Seit August 2017 bietet der Indexanbieter MSCI mit dem MSCI Global China Infrastructure Exposure Index eine Benchmark.»
Mit den, ab dem 12. Juni auf SIX Swiss Exchange kotierten, endlos laufenden Tracker-Zertifikaten PSTC8V (CHF), PSTE8V (EUR) und PSTU8V (USD) auf den Vontobel Belt and Road Index erhält der bisherige Platzhirsch DAHRJB ernsthafte Konkurrenz. Der Basiswert ist ein in USD berechneter diskretionärer, nomineller Index. Die Strategie des Index Sponsors China Construction beabsichtigt, die Gesamtleistung der von der «One Belt – One Road»-Strategie erfassten Aktienmärkte nachzubilden.
Ein Basket zum Eigengebrauch
Investoren, die selbständig einen Seidenstrassen-Schwerpunkt in ihr Depot aufnehmen möchten, sollten sich ausschliesslich an chinesische Unternehmen halten. Der folgende Vorschlag umfasst 20 Titel. Er verbindet die Elemente von OBOR und DAHRJB in optimaler Weise. Eine allfällige Umsetzung sollte auf gleich gewichteter Basis vorgenommen werden. In einem Backtesting hat die Auswahl den OBOR seit Oktober 2017 um rund 12% übertroffen.