Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03100.jsonl.gz/455

Dank des Erfolgs der Genossenschaft Valplantes sind Kräuter und Heilpflanzen für Walliser Kleinbauernbetriebe mittlerweile ein sicherer Wert.
Valplantes, die Genossenschaft der Walliser Produzenten von Heilpflanzen und Bergkräutern, wurde 1985 gegründet. Der Anbau von Heilpflanzen und Kräutern geht auf eine Initiative des visionären Agraringenieurs Gabriel Perraudin zurück. Dieser war damals Direktor der Walliser Aussenstelle Conthey der Eidgenössischen Forschungsanstalt für landwirtschaftlichen Pflanzenbau in Changins. Die Initiative kam durch Kontakte mit dem Basler Unternehmen Ricola zustande, das mit der mittelmässigen Qualität von im Ausland eingekauften Pflanzen nicht zufrieden war. Gabriel Perraudin kontaktierte einige Bauern im Bezirk Entremont. Diese waren als Viehzüchter und Milchproduzenten tätig und suchten für ihre Betriebe nach einer Diversifikationsmöglichkeit. Gabriel Perraudin konnte die Landwirte überzeugen, auf kleinen verstreuten Weiden mit einer Gesamtfläche von 2,8 Hektaren Kräuter anzubauen. Wegen der Abnahme des Rinderbestands lagen diese Weiden brach: Nun wurden dort Thymian, Pfefferminze, Salbei, Melisse und Eibisch angebaut. Die ersten Ergebnisse waren ermutigend. Noch im gleichen Jahr wurde Valplantes gegründet, die Genossenschaft der Walliser Produzenten von Heilpflanzen und Bergkräutern. Zu Beginn hatte die Genossenschaft 38 Mitglieder.
Es folgten einige Jahre mit guten und teilweise unbefriedigenden Ernteerträgen. Doch 1994 wurden im Wallis auf 18 Hektaren bereits die folgenden Mengen produziert: 55 Tonnen getrocknete Pflanzen und 7 Tonnen Frischpflanzen. Anschliessend begann die Genossenschaft mit der Akquisition neuer Kunden – Ricola übernahm damals über 90% des Produktionsvolumens. Parallel dazu wurden die Anbauflächen und die Investitionen in die Produktionsmittel erweitert. Im Vorfeld der Produktion wurde die Unterstützung der Agrarforschung in Anspruch genommen. Unterstützt wurde Valplantes ausserdem von der Bodenverbesserung im Wallis, der Schweizer Berghilfe und von den Kreditinstituten LIM und Agricole.
Mechanisierung der Arbeiten
Nach der Jahrtausendwende war nur noch die Mechanisierung ein Problem. Die Unkrautbekämpfung beanspruchte 70% der Arbeitszeit, die für die Pflanzungen eingesetzt wurde: Einige kleine Produzenten erwogen, den Anbau von Kräutern und Heilpflanzen aufzugeben, falls keine geeigneten Hilfsmittel zur Verfügung gestellt würden. Valplantes orientierte sich an Maschinen, die im Gemüseanbau verwendet werden, und finanzierte die Entwicklung von speziellen Prototypen für die Unkrautbekämpfung. Diese wurden schon bald mit einem Abflammgerät, pneumatischen Präzisions-Sämaschinen und motorgetriebenen Erntemaschinen ergänzt. Die Genossenschaft ist nach wie vor Eigentümerin dieser Hilfsmittel und vermietet sie an die Produzenten. Mit dem 2003 gewonnenen agroPreis wurden unter anderem diese Arbeitsgeräte finanziert.
Die Hartnäckigkeit, der Mut, die Beharrlichkeit und die feste Überzeugung führten schliesslich zum Erfolg. In diesem Jahr ist im Auftragsbuch von Valplantes eine Nachfrage nach 140 Tonnen getrockneten Pflanzen aufgeführt (dies entspricht der drei- bis fünffachen Menge in Frischpflanzen). In den beiden Hauptgebieten – Bezirk Entremont und Walliser Südhang (von Fully bis Siders) – bauen über 50 Produzenten auf gut 35 Hektaren rund 40 Arten an. Im letzten Jahr erzielte Valplantes einen Umsatz von 2,5 Millionen Franken. Damit geht die Genossenschaft davon aus, dass sie ihre Ziele im Wesentlichen erreicht hat: Sie will einen Beitrag zur Erhaltung einer umweltgerechten Berglandwirtschaft leisten und den Landwirten ein Zusatzeinkommen ermöglichen. Damit ist auch das Ziel verbunden, der Landflucht entgegenzuwirken.
Valplantes vermarktet getrocknete Pflanzen und Frischpflanzen. Diese Erzeugnisse werden hauptsächlich für die Nahrungsmittelindustrie produziert, die daraus Bonbons, Kräutertees, Würzmittel oder Getränke herstellt (Ricola, Kennel, Les Herbes du Grand Saint-Bernard, Reitzel). Die produzierten Pflanzen werden auch von der Kosmetikindustrie verarbeitet (DSM-Alpaflor, Just, Laboratoires Valmont) und für die Phytotherapie verwendet (Weleda, Ceres).
Die Heilpflanzen und Bergkräuter sind für die beteiligten Walliser Landwirte mittlerweile zweifellos ein sicherer Wert. Dank der Pflanzenproduktion können viele Bauernbetriebe nicht mehr benötigte, brachliegende Weideflächen wieder produktiv nutzen und sich etwas dazuverdienen. So sind sie nicht mehr gezwungen, in einer Fabrik oder im saisonalen Massentourismus zu arbeiten, um den dringend benötigten Zusatzverdienst zu gewährleisten.
Doch der Anbau von Gewürz- und Heilkräutern ist äusserst anspruchsvoll, und es müssen dabei sehr strenge Qualitätsstandards erfüllt werden. Dies gilt sowohl für die organische Bodenverbesserung und die Anbautechniken als auch für den Wirkstoffgehalt und die Erträge. Ausserdem kann die Ernte durch ungünstige klimatische Bedingungen beeinträchtigt oder sogar zerstört werden. Die Absatzmöglichkeiten sind nach wie vor bescheiden. Denn in der Nahrungsmittelindustrie und in der Kosmetikindustrie gibt es nur wenige grosse Unternehmen, die in die Marktnische Bioprodukte investieren. Überdies sind die Preise auf dem Weltmarkt für Heilpflanzen und Kräuter vier bis fünf Mal günstiger.
Ein sicherer Wert sind die Gewürz- und Heilkräuter auch in Bezug auf das Image, das sie bei den Konsumentinnen und Konsumenten haben. Diese achten bei ihren Lebensmitteln zunehmend darauf, dass sie aus zertifizierter biologischer Produktion stammen. Ein immer grösseres Interesse besteht auch für die Umgebung, in der Kräuter und Heilpflanzen angebaut werden. Frische Bergluft, optimale Sonneneinstrahlung und eine ursprüngliche Natur, die von einem Grossteil der Umweltverschmutzung im Flachland verschont ist, sind alles Pluspunkte, die für den Anbau der Heilpflanzen und Bergkräuter sprechen.