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Gezieltes Screening findet doppelt so häufig kardiovaskuläre Erkrankungen
Eine neue Studie unterstützt die aktive Suche nach kardiovaskulären Erkrankungen bei Risikopatienten. Im Vergleich zu der derzeit üblichen Diagnostik lieferte ein prognostisches Screening mehr als doppelt so viele Erkrankungsfälle bei Personen mit Typ-2-Diabetes und COPD.
Rund sieben Prozent der Bevölkerung in der Schweiz weist einen Typ-2-Diabetes auf, rund fünf Prozent leiden unter COPD. Dabei sind die beiden Erkrankungen zwei Hauptrisikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Koronare Herzkrankheit (KHK), Vorhofflimmern (VHF) und Herzinsuffizienz.
Die Studie RED-CVD (Reviving Early Diagnosis of CardioVascular Disease) untersuchte nun, ob sich kardiovaskuläre Erkrankungen bei Risikopatienten mit einem einfachen Screening in der Hausarztpraxis früher erkennen lassen.
Viele Diabetes- und COPD-Kranke haben eine kardiovaskuläre Begleiterkrankung
Einige frühere Untersuchungen hatten dabei bereits früher gezeigt, dass Patienten mit Diabetes und COPD häufig unerkannte kardiovaskuläre Erkrankungen aufweisen, die eigentlich behandlungsbedürftig wären. So haben bis zu 41 Prozent der Patienten in dem Kollektiv eine unerkannte Koronarstenose von ≥ 50%, und bis zu 28 Prozent eine Herzinsuffizienz.
"Diese Patienten sind nicht asymptomatisch", erklärte Hauptautorin Amy Groeningen anlässlich ihrer Präsentation der Studie am Europäischen Kardiologenkongress ESC (1). "Etwa 85 Prozent der Patienten mit einer unerkannten Herzinsuffizienz weisen beispielsweise eine Kurzatmigkeit auf. Die meisten von ihnen suchen im Zuge ihres Managements regelmässig den Hausarzt auf.
Dreistufiges kardiovaskuläres Screening sucht nach Symptomen
Eingeschlossen wurden rund 1.300 Patienten, die in einer hausärztlichen Praxis an einem Diabetes- oder COPD-Management teilnahmen. Sie mussten sich üblicherweise ein bis vier Mal jährlich in der Praxis vorstellen.
Insgesamt 25 niederländische Hausarztpraxen nahmen teil. Sie wurden aufgefordert, gezielt 1.300 Patienten mit COPD oder Typ-2-Diabetes anzusprechen. Die Hälfte der Praxen führte daraufhin ein gezieltes kardiovaskuläres Screening mit 650 Teilnehmern aus, die andere Hälfte betreute die 650 Teilnehmer entsprechend der Routinegepflogenheiten weiter.
In der Interventionsgruppe verfolgte man einen dreistufigen diagnostischen Plan. Im ersten Schritt füllten alle Teilnehmer Fragebögen zu ihren kardiovaskulären Risikofaktoren aus (z.B. Symptome, Rauchen, gesundheitsbezogener Stress). Erreichten Patienten erhöhte Werte auf den Screeningbögen, erhielten sie eine körperliche Untersuchung, ein 12-Kanal-EKG und eine NT-proBNP-Messung. War etwas auffällig, konnten die betreuenden Hausärzte selbst entscheiden, ob sie die Patienten zu einem Kardiologen bzw. zu einer Echokardiografie weiter überweisen wollten.
Dreimal mehr Herzinsuffizienz-Diagnosen, 2,6-mal mehr Fälle von Vorhofflimmern
Insgesamt 70 Prozent der Studienpopulation gab Symptome im Fragebogen an. Bei denen, die bei Schritt 2 teilnahmen, hatten 44 Prozent neue Abnormalitäten in der weiterführenden Diagnostik. 39 Prozent der Patienten überwiesen die behandelnden Hausärzte weiter für die weiterführende Abklärung.
Insgesamt 87 Prozent der Teilnehmer hatte einen Diabetes, 20 Prozent eine COPD, und sieben Prozent beides. 67,9 Prozent waren Männer, das Durchschnittsalter belief sich auf 68 Jahre. Nach einem Follow-up von einem Jahr wurden bei insgesamt acht Prozent der Patienten im Interventions-Arm eine neue kardiovaskuläre Erkrankung entdeckt. Dagegen waren dies in der Kontrollgruppe weniger als die Hälfte, die Neudiagnosen beliefen sich hier auf drei Prozent.
Der Anstieg war hauptsächlich auf eine vermehrte Anzahl an Patienten mit Herzinsuffizienz zurückzuführen (4,5 -vs. 1,5 Prozent) – die meisten Neudiagnosen entfielen auf eine Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF). Aber auch der Anteil der Neudiagnosen von Vorhofflimmern verdoppelte sich in der Interventionsgruppe (2,1 vs. 0,8 %). Zudem hatten mehr Patienten im Interventionsarm eine neu diagnostizierte (mehrheitlich nicht obstruktive) KHK (2,6 vs. 1,4 %).
Kardiovaskuläres Screening lässt sich in übliche Routinen integrieren
Wie schon einige andere Studien zuvor konnte auch die RED-CVD-Studie zeigen, dass ein einfach anzuwendendes Screening-Programm in der Lage wäre, unentdeckte kardiovaskuläre Erkrankungen zu finden. "Unser Screening funktioniert mit Tools, die man auch in der Hausarztpraxis zur Verfügung hat. Es wäre zudem einfach in das derzeit übliche Erkrankungsmanagement zu implementieren", freut sich Dr. Groenewegen.