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Text Sarah Schoch
Wir haben im Dezember 2020 in der wissenschaftlichen Zeitschrift Sensors einen neuen Artikel veröffentlicht.
In dieser Analyse haben wir erforscht, welches die zentralen Aspekte sind, die den Schlaf von Babys ausmachen. Dafür haben wir 48 Schlafvariablen untersucht, die häufig in bisherigen Studien angewandt wurden (beispielsweise die Anzahl Tagesschläfchen). Mit einer sogenannten Principal Component Analysis (Hauptkomponentenanalyse) haben wir 5 Schlaf-Komponenten gefunden, welche die meisten (33 von 48) Variablen zusammenfassen. Diese Komponenten sind mit folgenden Überbegriffen zusammengefasst:
- Schlaf Aktivität kombiniert 10 Variablen zum Erwachen in der Nacht und der nächtlichen motorischen Aktivität
- Schlaf Timing beinhaltet 5 Variablen zu den Bett-/Aufsteh- und Schlafenszeiten
- Schlaf Nacht summiert 3 Variablen zu der Schlafdauer und Zeit im Bett in der Nacht
- Schlaf Tag umfasst 7 Variablen zur Häufigkeit, Länge und Regularität des Tagesschlafes
- Schlaf Variabilität kombiniert 8 Variablen zur Variabilität der Schlafdauer und den Bettzeiten der gesamten Messtage
Diese Komponenten erfassen die Entwicklung des Babyschlafes erstmals objektiv ausführlich. Ausserdem hilft diese Analyse, zukünftige Studien untereinander vergleichbarer zu machen, was für die Forschungsqualität essentiell ist.
Wir haben auch gezeigt, dass Babys nicht nur voneinander sehr unterschiedlich sind, sondern auch im Verlauf der Entwicklung sehr unterschiedliche Phasen durchmachen. Beispielsweise kann ein Baby im Alter von 3 Monaten im Vergleich zu anderen Babys eher häufig aufwachen, aber dann ab 6 Monaten ohne Unterbruch durchschlafen. Die einzige Schlaf-Komponente, die über das erste Jahr sehr stabil bleibt, ist Schlaf Timing. Babys, die mit 3 Monaten frühe Bettzeiten haben, sind auch mit 12 Monaten tendenziell die Früh-Schläfer. Wir denken, dass dies grösstenteils durch die Präferenz der Eltern erklärt wird; so hängen die Bettzeiten der Babys auch mit den Bettzeiten der Eltern zusammen. Es kann aber auch möglich sein, dass die Babys schon selbst eine gewisse Präferenz zeigen.
Zudem konnten wir zeigen, dass es Unterschiede in der Schlaf Aktivität zwischen Mädchen und Jungen gibt. Jungen zeigen mehr Schlaf Aktivität, also mehr Erwachen und Bewegungen im Schlaf. Dies ist interessant, da ähnliche Befunde bei Jugendlichen und Erwachsenen schon bekannt sind. Bei Babys waren bisher die Befunde zu Geschlechtsunterschieden aber eher widersprüchlich.
Unsere Resultate sind eine wichtige Grundlage für die Praxis, wenn Eltern beispielsweise aufgrund fortbestehenden Schlafproblemen ihres Nachwuchses Hilfe aufsuchen. So kann es beruhigend sein, zu wissen, dass der Babyschlaf auch bei gesunden Kindern sehr variabel ist. Ein Baby welches im Moment viel aufwacht, wird wahrscheinlich bald wieder besser schlafen.
Quellen
Originalartikel: Which are the Central Aspects of Infant Sleep? The Dynamics of Sleep Composites across Infancy. Sarah Schoch, Reto Huber, Malcolm Kohler, Salome Kurth,
Sensors 2020, 20(24), 7188; https://doi.org/10.3390/s20247188
Bild von Marcin Jozwiak auf Unsplash