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Johannes Betzel
Johannes Betzel (* 26. Januar 1903 in Emlichheim; † 9. November 1981) war ein deutscher Kinounternehmer und vielfacher Kinobesitzer. Er besaß mehrere Filmtheater in Berlin und Hamburg.
Geschichte
Betzels Eltern und Geschwister waren frühzeitig im Kinogeschäft. Die Namen wie Gustav, Hans und Fenna Betzel sind schon in den Kinoadressbüchern der 30er Jahre im Großraum Berlin zu finden. Familie Betzel arbeitete vielfach auch gemeinsam mit Familie Natkin und Familie Bunar.
Bereits in den 30er Jahren war Johannes Betzel Inhaber mehrerer Kinos in Berlin und Dessau. Ende des Zweiten Weltkrieges hatte Betzel jedoch die meisten seiner Kinos wieder verloren, sei es durch Zerstörung bei Bombenangriffen oder durch Zwangsenteignung der Kinos im russischen Sektor. 1949 dehnte er sein Geschäftsfeld auch auf Hamburg aus, im November 1949 eröffnete er dort das Bali am Hauptbahnhof.
Im Juni 1950 berichtete "Der Spiegel", dass der „vielfache Kinodirektor Johannes Betzel“ für sein Berliner „Studio“-Kino inzwischen einen unrechtmäßigen Verkauf von Kinokarten eingerichtet hätte, um den Schwarzhändlern ihre privaten Profite wegzunehmen: „Vor seinem Kino stellte Betzel fünf bis sechs hübsche Rote-Kreuz-Schwestern auf, denen er eine gewisse Anzahl von Karten zur Verfügung stellt. Wer nach Ausverkauf noch schwarz ein Billett erflüstern will, muss den Aufschlag in die Sammelbüchse tun.“
Ende 1950 hatte ein Komitee zur Vorbereitung Internationaler Filmfestspiele in Berlin die Arbeit aufgenommen, der ersten Spielfilm-Jury für die im Sommer 1951 erstmals stattfindenden Festspiele gehörte damit auch Johannes Betzel als einziger Vertreter der Filmtheaterbetreiber an.
Ende 1951 übernahm Johannes Betzel das "Holi" in Hamburg. 1953 baute er mit August Battmer die "Flora" zu einem Kino um und übernahm den dortigen Spielbetrieb. Ab 1955 führte Betzel auch die "Ottensener Lichtspiele" sowie die unter dem Namen "Rex" wieder aufgebaute "Schauburg Wandsbek". Danach folgte das "Rio" im Stadtteil Hamburg-Horn.
Der erste Cinerama-Film in Deutschland hatte am 29. April 1959 im eigens für das neue Filmverfahren umgebaute Berliner "Capitol"-Filmtheater am Kurfürstendamm seine Uraufführung. Die Deutsche Cinerama-Gesellschaft pachtete dann Betzels Kino zusammen mit der UFA-Theater AG und der Robin International Cinerama Corporation für zunächst zwei Jahre.
1962 wurde das Rio in Hamburg geschlossen, weil sich Johannes Betzel Anfang der 1960er Jahre zunehmend auf Häuser in Innenstadtlage konzentrieren wollte. Das "Rio", die "Flora" und das "aki" waren 1962-64 die ersten Kinos, von denen er sich trennte. Das "Rex" in Wandsbek führte er noch bis 1973, eröffnete dann mit Hans-Joachim Bunar das "Piccadilly"-Kino am Steindamm und das neue "Bali"-Kino am Hauptbahnhof im Klockmann-Haus.
Über die Jahre pendelte Betzel häufig zwischen Berlin und seiner Zweitwohnung in Hamburg. Am 19. November 1981 verstarb der seit den 1930er Jahren mit der in Budapest geborenen Künstlerin Gisella Dorati verheiratete Johannes Betzel im Alter von 78 Jahren – bis zuletzt hatte er seine Beteiligung an den Filmtheatern "Bali", "Holi", "Piccadilly" in Hamburg behalten. Nach seinem Tod übernahm Hans-Joachim Flebbe das "Holi", während das "Bali" sowie das zum reinen Erotik-Kino gewordene "Piccadilly" kurze Zeit später aufgegeben wurden.
- Volker Reißmann, Hamburger Flimmern 18, Betzels Vorhänge (mit Biografie, die hier als Quelle genutzt wurde)
- Der Spiegel 23/1950
- Die Zeit 46/1988, Leinwand-Glamour