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Dezember 2020
DS St. Gotthard – Bodensee
Als Ersatz für das Dampfschiff St. Gallen (I) (1853-1897), liefern im Herbst 1897 die Gebrüder Sulzer aus Winterthur für Fr. 268’000 einen neuen Halbsalondampfer an die Nordostbahn (NOB) in Romanshorn. Das Schiff hat in der Wasserlinie eine Länge von 51,0 Meter und die grösste Breite über den Radkasten beträgt 12,0 Meter. Das Schiff wird durch eine schrägliegende 2-Zylinder-Nassdampf-Verbundmaschine angetrieben, diese leistet 500 PSi. Der Dampfer kann ursprünglich 600 Personen befördern (ab 1914 noch 450 Personen).
Foto: Werkaufnahme der «St. Gotthard» von den Gebr. Sulzer.
Anlässlich der Probefahrten vom 2., 16. und 18. Oktober 1897 zeigen sich starke Vibrationen im Hinterschiff. Die Firma Sulzer versucht, durch das Einnieten von Verstärkungen Abhilfe zu schaffen. Da diese Massnahme erfolgreich ist, kann das Schiff am 29. Oktober 1897 an die NOB übergeben werden, welche es am 10. November 1897 in Dienst stellt. Bereits ein Jahr später werden die, offenbar doch nicht so wirksamen Verstärkungen des Achterschiffs, von Sulzer neu konstruiert und eingebaut.
Foto: Ansichtskarte der «St. Gotthard», abgestempelt am 13. Juni 1904.
Die Schiffsschale wird durch fünf wasserdichte Wände in sechs Räume unterteilt. Unter dem Hauptdeck vorne beim Bug befindet sich der Matrosenraum mit vier Betten, gefolgt von der Kajüte der 2. Klasse mit lackiertem Täfer aus hellem Holz. Zur Schiffsmitte hin sind seitlich zum Treppenaufgang eine Kabine für die Maschinisten und ein Requisitenraum eingebaut. In der Schiffsmitte befinden sich die Dampfmaschine und zwei Kessel, gefolgt vom Salon erster Klasse, der zur Hälfte in die Schale versenkt ist. Der darunter liegende Raum wird nicht genutzt.
Foto: Die «St. Gotthard» verlässt Friedrichhafen. Die Karte wurde 1911 abgestempelt.
In den Radkasten sind neben Räumen für den Kapitän, Steuermann und Kassier die Küche und die Toilettenanlagen eingebaut. Die Ausstattung des Erstklass-Salons ist im Stile von Louis XV gehalten. Die Rahmen des Täfers sind aus rotem Sandelholz, verziert mit Schnitzereien. Die Füllungen der Intarsien sind aus weissem Ahorn. Ringsum verlaufen Sofas mit blauem Plüschüberzug. Die Schreinerarbeiten wurden an die Winterthurer Firma C. Gilg-Steiner vergeben, welche später auch den Vierwaldstättersee-Dampfer Schiller ausgebaut hat.
Foto: Die Dampfschiffe St. Gotthard, Rhein und St. Gallen werden in Rorschach von Reisenden «gestürmt».
Beim Treppenaufgang zum Hauptdeck befindet sich auf der einen Seite eine Rauchkabine, deren Sitze mit Leder überzogen sind. Auf der anderen Seite liegt eine helle, im Empire Stil erbaute Damenkabine, deren Sofas mit rotem Plüschüberzug versehen sind. Alle Räume werden durch 46 Glühlampen erleuchtet. Den nötigen Strom liefert ein im Maschinenraum aufgestellter Dampfdynamo mit Lavalturbine.
Foto: Voll besetzt verlässt der Raddampfer St. Gotthard den Hafen von Friedrichhafen.
Das DS St. Gotthard wurde hauptsächlich auf der Strecke Romanshorn-Friedrichshafen und Romanshorn-Rorschach-Lindau eingesetzt. Der Dampfer hat mehrmals Grundberührung, so zum Beispiel am 26. Dezember 1898 vor der Werft in Romanshorn. Am 31. Mai 1904 verdreht sich vor Arbon die Steuerwelle infolge Grundberührung um 1/8-Drehung. Im gleichen Jahr, am 8. August, bleibt die «St. Gotthard» wegen einer Maschinenhavarie vor Friedrichshafen liegen. Ende 1904 wird ein eiserner Mast mit Rah für die Signalbeleuchtung montiert.
Foto: Schöne Detailaufnahme der «St. Gotthard».
1939 leistet die «St. Gotthard» 27’879 Kilometer und wird mit einer gesamten Kilometerleistung von 1’151’164 Kilometer betriebstüchtig abgestellt. 1943 wird der Dampfer zwischen dem 6. September und dem 21. Oktober in Romanshorn abgebrochen. Ein Teil der Bleche werden in der SBB-Hauptwerkstätte in Olten weiterverwendet.
Foto: Abgetakelt wartet der einst so stolze Dampfer 1943 auf den Abbruch.