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Abteilung Kommunikation
Die «Gazette de Berne», die wichtigste Berner Nachrichtenzeitung im 18. Jahrhundert, ist digital zugänglich. Die Universitätsbibliothek Bern hat dieses Angebot unter ihrem Onlineangebot DigiBern realisiert. 40ꞌ000 Zeitungsseiten lassen sich durchstöbern und nach Stichworten absuchen.
Seit Mitte des 17. Jahrhunderts erschienen in Bern die ersten Zeitungen, von denen aber nur noch einige wenige Ausgaben erhalten sind. Ende des 18. gab es im deutschsprachigen Raum über 200 Zeitungen, in der Schweiz mehrere Dutzend. Sie hatten jeweils eine Auflage von mehreren hundert Exemplaren. Die wichtigste Zeitung aus Bern war die «Gazette de Berne», die von 1689 bis 1798 erschien.
Als der Patrizier Beat von Fischer 1675 vom Staat Bern die Konzession für den Betrieb eines Postunternehmens erhielt, bekam er auch den Auftrag, die Obrigkeit mit Zeitungen aus dem Ausland zu versorgen. Auf dieser Basis stieg von Fischer auch in das Zeitungsgeschäft ein und liess in Bern selber Zeitungen drucken.
1689 stellte er einen französischen Hugenotten als Redaktor an, der die neue Zeitung produzierte, die von 1689 bis 1798 zweimal pro Woche erschien. Offiziell hiess sie von 1689–1787 «Nouvelles de divers endroits» und von 1788–1798 «Nouvelles politiques», sie war jedoch bei ihren Lesern als «Gazette de Berne» bekannt. Leider sind nur noch etwa zwei Drittel der publizierten Ausgaben in verschiedenen Bibliotheken verstreut vorhanden. Insgesamt existieren heute noch gut 40‘000 Seiten, die nun von der Universitätsbibliothek Bern digitalisiert wurden.
Die «Gazette de Berne» wollte die politischen Kreise Berns mit den wichtigsten Vorgängen des Auslandes bekannt machen. Den Hauptbestandteil bilden Korrespondenzen aus vielen Gegenden der Welt mit einem Schwergewicht auf der Berichterstattung aus Paris und London.
Die Gazette nahm eine kritische Position gegenüber der Politik Frankreichs ein; erst nach der französischen Revolution sympathisierte sie mit dem neuen Regime im Nachbarland. Wiederholt beschwerte sich der französische Gesandte in der Schweiz daher bei der Berner Regierung über Berichte der Gazette.
Nur vereinzelt wurden politisch unverfängliche Nachrichten aus Bern oder der Eidgenossenschaft publiziert. Dies hängt auch damit zusammen, dass die obrigkeitliche Zensur besonders bei unliebsamen Berichten über Ereignisse aus dem eigenen Territorium eingriff.
Durch den Abdruck von Ereignisberichten von Korrespondenten aus weit entfernten Städten lag in der Regel eine grössere Zeitspanne zwischen einem Ereignis und dessen Bekanntwerden. Bei schlechtem Wetter oder schwierigen Strassenverhältnissen blieb die Post manchmal aus; die Neuigkeiten kamen in diesem Fall erst mit Verspätung in Bern an.
Die Redaktion arbeitete auch mit Nachrichten ausländischer Zeitungen, die sie neu zusammenstellte.
Der Umfang der einzelnen Ausgaben betrug vier oder acht Seiten. Die Berichte trugen die Titel der Stadt, aus der sie stammten. Im 18. Jahrhundert enthielt die Zeitung einzelne Inserate, die auf die Oberschicht ausgerichtet waren. So erschienen Verkaufsangebote für Häuser, Empfehlungen von Gasthöfen oder die Ankündigung neuer Bücher. Nach der französischen Revolution berichtete die Gazette ausführlich über die Ereignisse in Paris. Auch über die Aufklärer Rousseau und Voltaire berichtete das Blatt wiederholt.
Die digitale «Gazette de Berne» ist viel leichter zugänglich als das gedruckte Original. Im Internet kann man die Zeitungsseiten als Faksimile anschauen. Eine Zugangsmöglichkeit ist der Einstieg über ein bestimmtes Datum. Ein anderer Zugang ist die Suche im Volltext, welche die Treffer markiert anzeigt.
Zusammen mit dem «Intelligenzblatt für die Stadt Bern», das 1834 bis 1922 erschien, liegt nun eine Serie von digitalisierten Berner Zeitungen vor, die sich über zwei Jahrhunderte erstreckt. Als nächstes Projekt sollen 800‘000 Seiten der Zeitung «Der Bund» digitalisiert werden: Vom ersten Jahrgang 1850 bis zum Jahrgang 1994. Die späteren Jahrgänge der Zeitung sind in der Schweizerischen Mediendatenbank online greifbar. Die Universitätsbibliothek ist zurzeit daran, gemeinsam mit der Schweizerischen Nationalbibliothek und dem Tamedia Verlag die Finanzierung sicherzustellen.
Quelle: Universitätsbibliothek Bern
10.01.2013