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| Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 47. Zurechtweisung eines prahlerischen Bruders.
Es geschah einmal, als der Große an einem Platze des Klosters in Gesellschaft anderer bedeutender Brüder dasaß, daß ein Bruder des Klosters zwei Matten, die er an demselben Tag hergestellt hatte, vor seiner Zelle gegenüber dem Platze, wo der Selige mit den Brüdern saß, niederlegte. Dies tat er fortgerissen von dem Gedanken der Prahlerei, da er glaubte, von dem Großen gelobt zu werden, da er einen solchen Eifer gezeigt habe; denn die Regel schrieb vor, daß jeder Bruder an einem Tage nur eine Matte flechte.
Der Große sah, daß der Bruder dies nur aus Prahlerei getan habe und erkannte die Absicht, die ihn dazu bewogen. Er seufzte tief und sagte zu den mit ihm dasitzenden Brüdern: "Sehet den Bruder, der vom frühen Morgen bis jetzt gearbeitet hat! Er hat seine ganze [S. 894] Mühe dem Teufel geschenkt und hat nichts von seiner Arbeit zum Troste für seine eigene Seele übriggelassen. Denn er hat mehr das Lob der Menschen als das Gottes geliebt. Durch die Plage hat er seinen Körper ermüdet, seiner Seele aber hat er keinen Teil an den Früchten seiner Arbeit gelassen." Er rief jenen Bruder, tadelte ihn und befahl ihm, daß er, wenn die Brüder beteten, die zwei Matten halten, hinter sie treten und sprechen solle: "Ich bitte euch, meine Brüder, betet für meine arme Seele, damit sich der allbarmherzige Gott um eurer Bitten willen ihrer erbarme, die diese zwei Matten seinem Reiche vorgezogen hat." Auch während die Brüder aßen, befahl er ihm, ebenso in der Mitte mit den Matten dazustehen, bis sie von den Tischen aufstünden, Darauf hieß er ihn allein sich in eine Zelle einschließen und fünf Monate lang jeden Tag zwei Matten flechten und nur Brot mit Salz essen; auch durfte keiner der Brüder mit ihm sprechen.