Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03284.jsonl.gz/1087

Das elegante Geschäfts- und Wohnhaus zum Steblin (Freie Strasse 27) liegt an der Einmündung des Schlüsselbergs in die Freie Strasse, gegenüber der Schlüsselzunft. Es ist das einzig erhaltene spätbarocke Bauwerk an der Freien Strasse.
Die schriftliche Überlieferung zur Liegenschaft setzt im Jahr 1308 ein, als nach der Ermordung von König Albrecht I. unter der Basler Bürgerschaft ein Tumult entbrannte. Die von der aufgebrachten Menge verfolgten Königstreuen fanden im Haus zum Roten Löwen am Schlüsselberg nicht den erhofften Unterschlupf und mussten über die Dächer, mit einem Sprung vom Dach des "Steblins Hus" über das Gässlein auf das Dach des Hauses zum Schlüssel flüchten. Der Name "Steblin", der wahrscheinlich auf einen früheren Besitzer zurückgeht, übertrug sich auch auf den gegenüber dem Haus liegenden Brunnen.
Eine erste Handänderung ist der Verkauf der Liegenschaft von Ritter Sigermann von Gundoltzheim an den Notar Symund Schellenberg, datiert aus dem Jahr 1396. Das Haus blieb auch die folgenden Jahrhunderte im Besitz von angesehenen Bürgern, die mehrheitlich den Beruf der Münzmeister, Kaufleute, Tuch- und Weinhändler innehatten. Ein Urteil des Baugerichts lässt vermuten, dass das Haus seine heutige Gestalt 1762 durch den Apotheker Nikolaus Bernoulli (1704-1786) erhielt. Die barocke Liegenschaft, die aus Vorderhaus, Innenhof, Nordflügel und Hinterhaus am Schlüsselberg sowie einem auf Arkaden ruhenden Verbindungsgang entlang der südlichen Parzellenmauer bestand, blieb bis 1879 im Besitz der Familie Bernoulli. Dem Besitzerwechsel folgte noch im selben Jahr ein grösserer Umbau: Das Erdgeschoss des Vorderhauses wurde unter Einbezug der geräumigen Eingangshalle, deren Haupttreppe auch in den Obergeschossen beseitigt wurde, für ein Ladenlokal hergerichtet. An der Fassade trat an Stelle der Bögen ein hölzernes Schaufenster mit mittlerem Ladeneingang. Der Haupteingang wurde in den Flügelbau am Schlüsselberg verlegt, und dieser Flügel wurde um ein viertes Geschoss aufgestockt. 1925 erfolgte mit Abbruch und Umbau der unteren Hoffronten des Vorder- und Hinterhauses sowie der Überdachung des Hofes eine Erweiterung der ebenerdigen Geschäftsräume. Gleichzeitig wurde das Hinterhaus um ein drittes Obergeschoss und, wie das Hauptgebäude und der Nordflügel, um ein Mansardendach erhöht. Diese rigorosen Eingriffe "zerstörten den einst stimmungsvollen Arkadenhof und die Ausgewogenheit des Barockensembles", wie Nagel (2006) schreibt. Mit der Modernisierung des Ladens 1972 wurde an der Fassade die zweibogige Ergeschosspartie in etwas behäbiger Form wiederhergestellt. Im Gegensatz zum barocken Zustand, einem planen Fassadenabschluss, wurde hinter den Bögen eine Arkade angelegt.