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Impfungen sind ein Präventionsmittel, das hilft, die Verbreitung von potenziell schwerwiegenden Infektionskrankheiten einzudämmen. Die Technik entwickelt sich stets weiter, um noch wirksamere und besser verträgliche Impfstoffe herzustellen.
Nach den verschiedenen bis dato umgesetzten Impfkampagnen haben Todesfälle und Komplikationen so weit abgenommen, dass das Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Röteln (eine potenziell schwere Erkrankung) fast verschwunden ist. Die Infektionsgefahr hat derart abgenommen, dass viele Leute eine Impfung nicht mehr für wichtig halten. Philippe Duclos, Berater der Impfabteilung der Weltgesundheitsorganisation WHO, erwähnt in einem Interview in der Zeitung «Le Temps»: «Wenn sie krank sind, sind die Leute nicht kritisch gegenüber den verwendeten Medikamenten. Wenn es ihnen hingegen gut geht, sieht es anders aus. Geringstes Fieber oder Schmerzen nach einer Impfung werden dann als schlimm empfunden.»
Die in zahlreichen Ländern durchgeführte systematische Durchimpfung soll einen guten Impfschutz bieten, der die Verbreitung von Infektionen eindämmen kann. Je mehr Leute geimpft sind, desto geringer ist das Risiko einer Ausbreitung der Infektion. Es ist einer der grössten Erfolge des Gesundheitswesens, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate von Infektionskrankheiten zu senken und gleichzeitig Gesundheitskosten zu sparen. Bestimmte Krankheiten wie Pocken sind dadurch verschwunden, andere wie Kinderlähmung sind am Verschwinden.
Zahlreiche Eltern sind beunruhigt über die Nebenwirkungen von Impfungen, da unterschiedliche Informationen im Umlauf sind. Eine 1998 publizierte Studie mit zwölf Personen zeigte einen Zusammenhang von Autismus und Rötelnimpfstoff und hat jahrelang Angst geschürt. Mehr als 20 Jahre später sind die Zweifel noch immer nicht vom Tisch. Und das trotz der Löschung der als gefälscht geltenden Studienresultate. Zudem haben weitere, gross angelegte Studien (650’000 dänische Kinder in der letzten, 2019 erschienenen Studie), die diesen Zusammenhang als nichtig bewiesen. Millionen von Kindern wurden geimpft, ohne dass in Studien spezifische gesundheitliche Risiken erkannt wurden. Auf jeden Fall sind die potenziellen Risiken der Impfstoffe wesentlich geringer als diejenigen der jeweiligen Krankheit.
Nebenwirkungen von Impfungen sind weniger schwerwiegend als die möglichen Komplikationen der Krankheiten.
Sich impfen zu lassen, ist vorteilhaft für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft. Insbesondere für Personen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können wie Schwangere, Personen mit neurologischen Erkrankungen oder einer Immunschwäche. Die Rötelnimpfung (Basisimpfung beim Säugling) beispielsweise verhindert, dass sich Schwangere anstecken. Das ist besonders wichtig, weil bei einer Rötelnerkrankung ein grosses Risiko für Missbildungen des Fötus bestehen.
Andere Impfstoffe, wie derjenige gegen Tetanus, bieten hingegen nur einen persönlichen Schutz. Die Impfung verhindert die Ansteckung nicht geimpfter Personen nicht, sondern schützt nur die geimpfte Person vor der tödlichen Krankheit.
Autor: Sophie Membrez
Interview mit Anne-Magda Ruud Grenacher, Apothekerin in der Apotheke von St-Blaise (NE).
Anne-Magda Ruud Grenacher, welche Erfahrungen haben Sie mit der Impfpraxis in der Apotheke gemacht?
Das Impfangebot in meiner Apotheke ist eine ausgezeichnete Erfahrung und ich habe nur positive Rückmeldungen erhalten. Dies ist eine gute Gelegenheit für die Apotheker, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. Ich halte mich an das Abkommen zwischen Apothekern und Ärzten des Kantons Neuenburg, Personen zu impfen, die nicht bei einem Arzt in Behandlung sind. Die Kunden schätzen es, spontan und ohne Termin vorbeikommen zu können.
Man hört viele falsche Informationen über Impfungen und die Anti-Impf-Lobby richtet insbesondere über die sozialen Netzwerke beträchtlichen Schaden an. Stellen Sie eine Unsicherheit oder sogar Misstrauen bei Ihren Kunden fest?
Die vorangehende Information sowie das persönliche Gespräch beim Ausfüllen des Fragebogens ermöglichen es, Erklärungen anzubringen, Bedenken auszuräumen und allfällige Fragen zu beantworten. Dank unserer Ausbildung haben wir gute Argumente und Antworten im Hinblick auf falsche Informationen zu Impfungen.
Wie genau verläuft die Impfung in der Apotheke?
Nach einer kurzen Information an der Theke gehen wir in den Beratungsraum, wo ein Fragebogen mit dem Kunden ausgefüllt wird. Nach der Unterzeichnung des Dokumentes verabreiche ich den Impfstoff. Während der Kunde noch einige Minuten sitzen bleibt, trage ich die Impfung gemäss den gesetzlichen Vorschriften im Impfausweis ein und auf Wunsch auch im elektronischen Impfbüchlein auf www.meineimpfungen.ch.
Was ist Ihrer Meinung nach die Rolle der Apotheke in Bezug auf die Impfung?
Es ist eine hervorragende Möglichkeit für die Apotheken, als Anbieter in der primären Gesundheitsfürsorge mitzuwirken, indem sie aktiv zur Prävention von ansteckenden Krankheiten beitragen. Die in der Apotheke angebotene Impfung erlaubt auch eine Ausdehnung der Durchimpfungsrate.