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Sagen
Olsberg AG
«s' Dörfli»
Olsberg - 2007
1860 den Kindern Olsberg's gewidmet
Schulhaus / Gemeindehaus
Das einzige Restaurant im Dorf ist das «Rössli» heute ausgebaut zur Weinresidenz.
Postkartenansicht von Olsberg 1910
Erst seit dem 8. oder 9. Jahrhundert ist Olsberg ein ununterbrochen besiedelter Platz. Das rechtsufrige Dorf lag vom 10. Jahrhundert an in der Grafschaft Rheinfelden, und damit später in Vorderösterreich, während der linksufrige Ortsteil seit dem Frühmittelalter Teil des Sisgaus war, der 1461 an die Stadt Basel überging. Die Zweiteilung des Ortes Olsberg wird bereits 1758 als eine historische Merkwürdigkeit der Landschaft Basel beschrieben. Beide Dorfteile gehörten zum Kloster und wurden im Laufe der Zeit zu je eigenständigen Gemeinden. Das Kloster war verpflichtet, beide mit dem nötigen Bau- und Brennholz zu versorgen. Andererseits durfte ohne seine Einwilligung im Dorf kein Neubau erstellt werden.
1764 begannen die jährlichen Zählungen der Bevölkerung aller Gemeinden Österreichs. Aus den Zahlen lässt sich die Bevölkerungsentwicklung Olsbergs verfolgen: Zwischen 1768 und 1788 stieg die Einwohnerzahl von 128 auf 191. Bis 1803 sank sie auf 152. In diesen Zahlen sind die Bewohner des Ländli, das aus acht Familien bestand, nicht berücksichtigt.
Im Verlauf der Revolutionskriege kam auch Olsberg unter französische Besatzung. Die Bevölkerung nahm die Franzosen freundlich auf und bewirtete sie grosszügig. Die Franzosen verlangten lediglich die Herausgabe der Stiftskasse, aus der schliesslich 100 Louidors bezahlt wurden. Nach den Revolutionskriegen kam das Fricktal, und mit ihm Olsberg, 1802 an die Helvetische Republik. Damit war die jahrhundertelange Herrschaft Österreichs beendet.
1803 wurde der Kanton Aargau gebildet, dem das Fricktal zugewiesen wurde. Im Grossen Rat waren gleich zu Beginn zwei Vertreter aus Olsberg dabei: Isidor Bürgi aus dem Dorf und Stiftsverwalter Baptist Jehle.
In einer Übereinkunft von 1814 zwischen den Kantonen Aargau und Basel schied man einen Teil der Staatswaldungen für die beiden Gemeinden aus. Ausserdem erhielten die Bewohner des Dörfli das Recht, nach dem Emd das Vieh auf den Wiesen des ehemaligen Klosters weiden zu lassen.
Es mutet kurios an, wenn in Basel-Olsberg ein Einzelner die Geschicke des Ortes zu leiten hatte, während im aargauischen Dorfteil zeitweise bis zu sieben Gemeindemitglieder die anstehenden Aufgaben bewältigten.
Das aargauische Olsberg - seine Entwicklung bis heute
Die Gemeinde bemühte sich schon früh um die Schulbildung ihrer Kinder, bot ihnen Schulraum und -meister. 1860 erhielten die Schüler ein eigenes Schulhaus. Die Gesamtschule ist mittlerweile aufgehoben. Im Schulhaus wird heute als Tagesschule geführt. Die Schüler der oberen Klassen besuchen die Schulen in Magden oder Rheinfelden. Im Schulhaus ist auch die Gemeindebibliothek untergebracht.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Bekämpfung der Armut ein zentrales Anliegen der Gemeindebehörde. Viele Einwohner fanden nicht Verdienst genug, um ihre Familien durchzubringen. Die Landwirtschaft deckte kaum den Eigenbedarf und die steigenden Lebensmittelkosten lasteten schwer. Das Armenwesen beanspruchte die Gemeindekasse derart, dass die Behörde nur mit Sorge an die Verbesserung der Wasserversorgung ging. Der Bau einer Quellfassung mit Pumpenhaus und Reservoir drängte sich aber auf. Nachdem eine private Trägerschaft (Elektra Olsberg) das Gemeindegebiet um 1914 mit Strom versorgt hatte, konnte die Gemeinde das Vorhaben realisieren. Die damals getroffene Lösung genügte dann bis in die 70-er Jahre. Die grosse private Bautätigkeit, die von da an einsetzte, rief aber nach einer erweiterten Wasserversorgung. Eine Neufassung der Quelle genügte nicht. Erst die Zusammenarbeit mit den Gemeinden Giebenach und Füllinsdorf brachte die Lösung.
Im Laufe der Jahrzehnte hatte das Grundeigentum, namentlich durch Erbschaft, eine immer grössere Zerstückelung erfahren. Eine neue Zuteilung des Grundbesitzes drängte sich auf. Diese Güterregulierung war mit grossen, auch persönlichen Schwierigkeiten verbunden, In der Folge siedelten einige Bauern aus dem Dorf in neue, modern eingerichtete Höfe aus. Noch bevor die Hochkonjunktur des 20. Jahrhunderts sich in Olsberg auszuwirken begann, genehmigte 1964 die Gemeindeversammlung zum ersten Mal eine Bauordnung. Im Dezember 1970 erhielt diese eine bedeutende Rückenstärkung durch den Zonenplan und durch ein Reglement über die Entwässerung von Liegenschaften. Damit konnte spekulativen Projekten der Riegel geschoben werden. Die Gemeinde erstellte unterhalb des Stifts eine mechanisch-biologisch arbeitende Kläranlage. Mit der Verlegung von Abwasserleitungen wurden gleichzeitig veraltete Trinkwasserleitungen ersetzt, die Hydrantenanlage erweitert und die Verkabelung der Elektrizitätsversorgung vorgenommen. Nach diesen aufwendigen Realisierungen wurden die Dorfstrassen schrittweise ausgebaut und mit Asphalt belegt. In jüngerer Zeit verschwanden zunehmend, aus Gründen des Unterhaltes, Naturwege und -strässchen unter einer Teerschicht.
Der Anschluss an den öffentlichen Verkehr erfolgte um 1930 mit täglich zwei Kursen nach Kaiseraugst. In den ersten Jahren waren diese Kurse mit dem Milchtransport kombiniert, ehe der Postautobetrieb mit einem Personenwagen und später mit einem Kleinbus geführt wurde. Seit dem 23. Mai 1979 besteht eine von den PTT betriebene Postautoverbindung nach Magden mit Anschluss an die Bahnstationen in Rheinfelden und Gelterkinden. Heute ist das Angebot mit einer Verbindung nach Giebenach - Kaiseraugst (Liebrüti) erweitert.
Die Gemeinde Olsberg im Vergleich
Olsberg, das 2013 361 Einwohner zählte, verfügt heute über eine solide finanzielle Tragfähigkeit, wie sie sonst nur grosse Gemeinden kennen. Dabei ist der Steuerfuss niedrig. Die Gemeinde hat dieses Ziel durch die eigenwillige Politik erreicht, Infrastrukturaufgaben nur dann auszuführen, wenn sie finanziell tragbar waren und möglichst wenig Fremdmittel erforderten. So konnte eine Verschuldung weitgehend umgangen werden. Die Bevölkerungszahl wächst stetig durch Neuzuzüger, wobei das Dorf unaufhaltsam vom Bauern- zum Landwohnort wechselt.
Bis 1974 war die Gemeindeverwaltung in viele nebenamtlich geführte Funktionen aufgesplittert. Eine Reorganisation brachte Straffung und Zentralisierung. Auf Grund des neuen aargauischen Gemeindegesetzes besteht der Gemeinderat heute aus fünf Mitgliedern.
Die Kirchgemeinden
Olsberg unterstand seit alters dem Bistum Basel und war nach Augst pfarrgenössig. In der Reformationszeit nahm der baslerische Dorfteil den neuen Glauben an und ging nach längeren Streitereien an die Pfarrei Arisdorf über. Das «Dörfli» im vorderösterreichischen Herrschaftsgebiet blieb katholisch. 1781 wurde es von der Pfarrei Augst abgetrennt und fünf Jahre später entstand eine Lokalkaplanei, die die Klosterkirche benützen durfte.
1872 trat die gesamte Gemeinde zum Christkatholizismus über dem heute noch ein knappes Fünftel angehört. Als die Pfarrei mit der Zeit zu klein wurde, um selbständig funktionieren zu können, schloss sie sich derjenigen von Magden an. Das Pfarrhaus (beim Stift Olsberg) wurde erst vermietet, blieb lange unbewohnt. 1981 wurde es umfassend renoviert und dient heute als Begegnungszentrum der christkatholischen Landeskirche.
Die Betreuung der reformierten Bevölkerung übernahm die Pfarrei Rheinfelden ab 1850, die auch für die Protestanten in Möhlin, Magden und Kaiseraugst zuständig war. Zwischen 1958 und 1978 wirkte der Pfarrer von Kaiseraugst in Olsberg, seither ist es der Pfarrer von Magden.
Die römisch-katholische Bevölkerung gehört heute zur Pfarrei Rheinfelden - Magden - Olsberg.
Die Klosterkirche Olsberg ist Eigentum des Kantons Aargau und steht allen drei Landeskirchen mit vertraglich geregeltem Benützungsrecht offen.