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«Du sollst mit deinem Tode zufrieden sein», sagte schon Goethe. Diese sechs Beispiele von Beerdigungen egozentrischer Leute müssen diesem Gedanken entsprungen sein.
Chadil Deffy war zehn Jahre lang mit seiner Freundin Sarinya zusammen, als der Unfall passierte. Ihr Motorradtaxi prallte mit einem anderen Fahrzeug zusammen. Und weil im Spital in Bangkok Chaos herrschte, wurde sie nicht sofort behandelt. Sarinya fiel ins Koma und starb zwei Wochen später im Alter von 29 Jahren.
Vier Tage später wurde die buddhistische Beerdigungshochzeit gefeiert. Denn Chadil hatte versprochen, Sarinya zur Frau zu nehmen. Ihre Liebe sei etwas Grosses gewesen, sagte er an der Zeremonie und küsste die leblose Hand seiner Braut.
Bevor Kevin Elliot zu seinem Einsatz als Infanterist des schottischen Regiments «Black Watch» nach Afgahnistan fliegt, trifft er sich noch einmal mit seinem besten Freund Barry Delaney. Die beiden Männer schliessen einen Pakt: Würde einer von ihnen sterben, müsse der andere mit dem hässlichsten Kleid der Welt an dessen Beerdigung aufkreuzen.
Kevin fällt. Er ist 24 Jahre alt. Und Barry sitzt im leuchtgelben, fünf Pfund billigen «Primark»-Fummel und seinen rosa Kniestrümpfen auf dem Sofa in seiner Wohnung in Dundee. Vor acht Wochen hockte sein Freund noch neben ihm. Jetzt trinkt er seinen Vodka allein. Dann hört er seinen Fahrer draussen hupen. Es ist Zeit, an die Beerdigung zu gehen. Niemand unter den tausend Trauernden schaute Barry blöd an.
Billy Standley liebte seine 1967er Harley-Davidson. Und als er mit 82 Jahren an Krebs starb, war es sein sehnlichster Wunsch, mit ihr in den Himmel zu fahren. Dafür setzte er bereits 18 Jahre davor alles Erdenkliche in Kraft: Er kaufte drei Parzellen neben dem Grab seiner verstorbenen Frau Lorna. Seine Söhne entwarfen derweil den Sarg: Ein Kasten aus Plexiglas, dessen Boden mit Holz und Stahl verstärkt ist.
Als es dann so weit war, balsamierten Mitarbeiter des Bestattungsinstituts die Leiche Standleys ein und legten ihm ein metallenes Stützkorsett an, damit er auf der Fahrt zu seiner letzten Ruhestätte nicht aus dem Sattel fiel.
Gleich geht's weiter mit den skurrilen Beerdigungen, doch vorher ein kurzer Hinweis:
Und nun weiter im Thema.
99 Jahre hat Jim Gernhart aus der Kleinstadt Burlington, Colorado, schon hinter sich gebracht an diesem 9. September 1976. Und am folgenden Sonntag wird er zum 21. Mal an seiner eigenen Beerdigung teilnehmen. Der eigensinnige Bauer fürchtet nämlich nichts mehr, als dass seine Abschiedszeremonie in einem Desaster enden könnte. Deshalb hat er die letzten 25 Jahre hauptsächlich damit verbracht, seine Beerdigung zu üben.
Wirklich gestorben ist Gernhart erst mit 103. Vier Jahre lang musste seine Beerdigung noch geübt werden bis sich alle, die wollten, endgültig vom berühmtesten Bürger Burlingtons verabschieden konnten.
Die vermögende Hannah Beswick lebte von 1688 bis 1758 im nordwestlichen England, in Manchester. Sie hatte grosse Angst davor, lebendig begraben zu werden. Denn in diesen düsteren Zeiten konnten sich die Menschen nicht auf klare Zeichen des Todes verlassen. Ärzte schlugen eine Reihe von Tests vor, um die Leblosigkeit eines Körpers eindeutig feststellen zu können. Die sanfte Methode bestand darin, Essig oder Pfeffer in den Mund der Leiche zu geben. Und manch einer bekam einen glühenden Schürhaken ins Rektum gerammt.
Mrs. Beswicks verfügte in ihrem Testament: Man möge sie nach ihrem Tode einbalsamieren und ihren Körper keinesfalls unter die Erde bringen. Damit man ihn auch regelmässig auf allfällige Lebenszeichen untersuchen könne.
Mrs. Beswicks Mumie wurde aufrecht in einer alten Standuhr im Hause ihres Schöpfers verstaut, dem Familienarzt Dr. White. Da war aber kein Zifferblatt mehr, nur ihr totes Gesicht, das aus der Uhr starrte.
Erst am 22. Juli 1868 – 101 Jahre nach ihrem eigentlichen Ableben –wurde Hanna Beswick auf dem Harpurhey Friedhof in Manchester beigesetzt.
Der normannische Herzog Wilhelm, der als «The Conqueror» und König von England in die Geschichte einging, war von mächtiger Leibesfülle. Eines schönen Tages im Jahre 1087 scheute sein Pferd und der eiserne Knauf seines Sattels bohrte sich tief in seine Eingeweide. Sein ohnehin schon mächtiger Wanst begann sich zu entzünden und in der sommerlichen Hitze in solch grotesker Weise aufzublähen, dass Wilhelm nach seinem Tod nicht mehr in seinen steinernen Sarkophag passte.
Man versuchte ihn also während der Beisetzung in der Klosterkirche Saint-Étienne in Caen in seine letzte Ruhestätte hineinzupressen:
Und während der königliche Eiter aus Wilhelms Wunden spritze, flüchtete die Trauergemeinde eiligst aus der Kirche.