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Unser Leben unterliegt gewissen Gesetzmässigkeiten. Solange wir uns mit ihnen in Einklang bewegen, fühlen wir uns wohl und ausgeglichen. Wenn wir uns von dieser Harmonie weg bewegen, fügen wir uns über kurz oder lang Schaden zu. Die Alexander-Technik befasst sich mit der Frage, wie wir dieses vermeiden können.
Das Wort Technik kann als eine Art zu arbeiten definiert werden. Gewöhnlich meint man damit die Arbeitsweise im Bereich einer Kunst. Wir wollen die Alexander-Technik nicht als Kunst im Sinne von Musik oder Malerei verstehen, sondern als eine Kunst, die all diesen Künsten zugrunde liegt: die Kunst, sich selbst zu gebrauchen, zu erleben, wie wir uns bewegen.
Bewegung ist das Mittel, mit dem wir uns selbst als Instrument für jede Art von Aktivität einsetzen. Z.B. beim Lesen dieses Textes bewegen sich Ihre Augen und Ihre Hand und Finger auf der Maus. Bewegung ist Leben.
Jemand, der die Fertigkeit des Violinspiels lernt, erlernt nicht bloss den Gebrauch eines Instrumentes, sondern deren zwei. Natürlich muss er die Violine als Instrument verstehen, ihre Funktionsweise, wie schwer sie ist, wie sie zu halten ist, wie ihr Töne zu entlocken sind; aber es sind die Hände, welche das Instrument halten müssen, der Körper, der ihr Gewicht zu tragen hat, die Arme, welche den Bogen über die Saiten führen. Die Art, wie jemand seinen Körper einsetzt, wird in hohem Masse bestimmen, wie er sein Instrument beherrscht.
Die Alexander-Technik ist ein Wieder-Erziehungsprozess zu einem besseren Gebrauch von uns selbst bei allen Tätigkeiten des täglichen Lebens wie Sitzen, Stehen, Gehen, Liegen, Tragen, Sprechen, Bücken, Spielen eines Instrumentes, Tanzen usw. Da unser Organismus grundsätzlich von Natur aus richtig funktioniert, wenn wir ihn nicht daran hindern, geht es vor allem darum, unsere schädlichen, gegen die Gesetzmässigkeiten gerichteten Gewohnheiten zu erkennen und dann zu unterlassen. So gesehen ist die Alexander-Technik in erster Linie eine Verlern-Technik.
Der Australier F.M. Alexander (1869-1955) entwickelte die Technik aufgrund seines Stimmversagens als Rezitator. Durch jahrelanges Selbstbeobachten und Experimentieren stellte er bei sich selbst und in der Folge bei praktisch allen Menschen unseres Kulturkreises ein Fehlverhalten fest, nämlich die Tendenz, sich beim Bewegen, Denken und Fühlen zu fixieren, sich zusammenzuziehen. Von zentraler Bedeutung ist dabei die natürliche Ausrichtung von Kopf, Hals und Rücken - die Freiheit der Wirbelsäule.
Die Lehrerin führt den Schüler mit ihren Händen durch einfache Bewegungsabläufe und macht ihn gleichzeitig auf seine unbewussten Handlungsmuster und die damit verkoppelten Denkgewohnheiten aufmerksam. Der Schüler lernt im Laufe der Lektionen die Zusammenhänge zwischen Denken und Tun zu erkennen und gelangt so zu einer verbesserten Koordination seiner psychisch-physischen Fähigkeiten.
Im Bewusstwerden des Umgangs mit uns selbst liegt die Möglichkeit zu einer Neuorientierung und Raum für neue Erfahrungen und Veränderungen, die sich auf unser Leben, unser Verhalten und unsere Umgebung positiv auswirken können.