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Vorwort
Meinrad Inglin zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der Schweiz in diesem Jahrhundert. Die Klarsichtigen seiner Zeitgenossen haben ihn erkannt und gewürdigt. Albin Zollinger nennt ihn den «stillen, gewaltigen Mann»; Max Frisch spricht vom «prachtvollen Mann und vortrefflichen Autor»; Werner Zemp preist ihn als von «heiliger Nüchternheit»; Hermann Hesse rühmt das «Unvergeßliche» in den «Güldramont»-Novellen; C.J.Burckhardt schreibt von der «Grauen March» als von einer «großen dichterischen Sache… das ganze Gebilde ist… vollendet»; Adrien Turel liest den «Schweizerspiegel» als ein «ausgezeichnetes Werk». Karl Schmid hat in seiner Rede zu Inglins 70. Geburtstag die Schweiz aufgerufen, fieses Werk endlich in Besitz zu nehmen; denn sie gehe, wenn sie solcher Dichter nicht bedürfe, zuletzt «vor die Hunde der Wohlfahrt». in diesem Prozeß der Aneignung möchte die vorliegende Biographie mithelfen. Sie morde 1969 begonnen, in einer Zeit also, da das Werk abgeschlossen vorlag, in der aber der Autor und viele seiner befreundeten Generationsgenossen noch lebten und Auskünfte geben konnten, die bald einmal nirgends mehr zu erhalten gewesen wären. Inglin selber fand sich zu eingehenden Gesprächen bereit.
Fünfzehn Monate vor seinem Tod rief er mich einmal unvermittelt zu sich; ich solle mir die Standorte der wichtigsten Dokumente merken. Er wies auf die Gestelle hin, wo die verschiedensten Ausgaben seiner Bücher standen, und auf die Schubladen mit den Korrespondenzen und den vollzähligen Kopien der eigenen Briefe. Er unterrichtete mich, daß auch in den oberen Zimmern des dreistöckigen Hauses noch Material versorgt sei, und führte mich hinauf, ohne aber die Truhen und Schränke zu öffnen. Hier fanden sich nach seinem Tod unschätzbare Dokumente, u. a. alle ungedruckten Arbeiten und Entwürfe sowie die ersten handschriftlichen Fassungen der bekannten Werke. Sie liegen jetzt auf der Kantonsbibliothek Schwyz.
Die Biographie stützt sich ganz auf sorgfältig gesichtete und geprüfte Dokumente: Tagebücher, Briefe, Entwürfe, erste Niederschriften, Überarbeitungen, Gespräche mit Freunden, Bekannten und mit dem Autor selbst. Ziel war, alle erreichbaren Tatsachen festzuhalten, die mit dem schriftstellerischen Werk und dessen Entstehungsprozeß in Beziehung sind. Werkkommentar und Interpretation mußten sich dem biographischen Bericht unterordnen. Sie treten in der Gestalt knapper Akzentuierungen und kritischer Exkurse in Erscheinung. Meine Hoffnung ist, daß spätere Deutungen hier ihre gesicherte Grundlage finden. Ein besonderes Problem bildet die Auswertung des Romans «Werner Amberg», der autobiographischen Jugendgeschichte bis zum 18. Altersjahr. Hier ließ sich fast jedes Geschehnis mit Beweisstücken (Tagebücher von Mutter und Tante, Photographien, Schulzeugnisse und Zertifikate, Zeitungsberichte usw.) belegen. Die Versuchung war groß, die oft hinreißende Gestaltung des inneren Lebens zwischen Trotz und Ausgeliefertsein, zwischen «eigenrichtiger» Individualität und harter gesellschaftlicher Bedrängnis als vollgültiges Zeugnis der Jugendzeit Meinrad Inglins zu verwenden. Dies durfte indessen nur dort geschehen, wo zusätzliche Gründe dafür sprachen. Tatsächlich ist der Roman eine auswählende, pointiert deutende Gestaltung des Lebensgangs, unter das Stichwort eines «Freiheitskampfs» gestellt, und diese Deutung stimmt nicht durchwegs mit den historischen Tatsachen überein. So wichtig das Buch daher für mein Unternehmen wurde, so sehr hat es mich doch auch gezwungen, zusätzliche Sondierungen vorzunehmen. Die Differenz zwischen Inglins rückblickender Selbstinterpretation und der nachweisbaren Ereignisfolge erwies sich zuletzt als eines der Schlüsselphänomene für seine intellektuelle und künstlerische Entwicklung.
Allen Gesprächs- und Briefpartnern danke ich sehr herzlich für die Freundlichkeit, mit der sie auf meine Fragen eingegangen sind: Herrn und Frau a. Regierungsrat Dr. Alois ab Yberg, Schwyz; Herrn und Frau Karl Amgwerd, Schwyz; Herrn Willi Dünner (t), Winterthur; Frau Martha Farner-Gemsch, Thalwil; Fräulein Johanna Gemsch, Schwyz, Frau Margrit Gemsch, Schwyz; Herrn a. Ständerat Dr. Dominik Auf der Maur, Schwyz; Frau Marie-Louise Bodmer, Schwyz; Frau Marta Hebeisen-Zelger, Stäfa; Herrn und Frau Emil Holdener-von Reding, Schwyz; Herrn und Frau Dr. Martin und Bettina Hürlimann, Zürich; Frau Claire Inglin-Steinegger, Wolfhalden; Herrn Josef Inglin, dipl. ing. ETH (t), Wolfhalden; Herrn Dr. Paul Kamer, Pro Helvetia, Zürich; Herrn Dr. Willy Keller, Staatsarchivar, Schwyz; Herrn Hans von Matt, Bildhauer, Stans; Herrn Willy Messmer, Schwyz; Herrn Prof. Dr. Georg Schoeck, Zürich-Brunnen; Herrn und Frau Prof. Dr. Emil Staiger, Horgen; Herrn Dr. Gottfried Stiefel, Winterthur; Fräulein Helen Weber, Schwyz; Herrn Prof. Dr. Werner Weber, Zürich; Herrn Prof. Dr. Max Wehrli, Zürich; Herrn Dr. Theophil Wiget, Kantonsbibliothek Schwyz; Herrn Prof. Dr. Egon Wilhelm, Uster; Fräulein lic. phil. Ida Zweifel, Zürich. Ebenso gebührt herzlicher Dank meinem Schwager, Herrn Willi Slongo, dipl. ing. HTL für die MaschinenAbschrift des Manuskripts, sowie meinem Schwiegervater, Herrn Franz von Matt, der das Register erstellte. Danken möchte ich vor allem auch Herrn Dr. Daniel Bodmer, dem Verleger Inglins, der meine Arbeit in Übereinkunft mit dem Dichter förderte und durch stetes Interesse unterstützte. Mein Mann hat die Entstehung des Buches von den ersten Plänen an freundschaftlich mitverfolgt.
Beatrice von Matt