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Netzhautablösung (Amotio Retinae)
Was sind die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten einer Netzhautablösung?
Eine Netzhautablösung kommt zwar relativ selten vor, ist dann jedoch ein augenärztlicher Notfall, der unbehandelt zur Erblindung führen kann. Bemerkt ein Patient entsprechende Symptome, sollte er umgehend einen Augenarzt konsultieren.
Was geschieht bei einer Netzhautablösung?
Die Netzhautablösung (Amotio retinae) ist eine bis heute zu Recht gefürchtete Augenerkrankung, die unbedingt behandelt werden muss, damit eine Erblindung vermieden werden kann. Um das Krankheitsbild zu verstehen, ist es sinnvoll, sich den Aufbau des Auges genauer anzusehen, welches grob betrachtet aus drei Schichten besteht. Die erste Schicht ist der eigentliche Augapfel, die zweite Schicht besteht aus der weissen Lederhaut, der sogenannten Sklera, die wiederum im hinteren Bereich durch eine Gewebeschicht ausgekleidet wird, die sich durch viele Blutgefässe auszeichnet und als Aderhaut bezeichnet wird (hellblau in der Abbildung). Im Inneren des Augapfels befindet sich die Netzhaut (gelb in der Abbildung). Diese ist für das Sehen extrem wichtig, denn sie enthält einerseits die Sehzellen (Photorezeptoren) und andererseits Nervenzellen und -fasern, die für die Übermittlung der Sehinformationen ins Gehirn zuständig sind. Eine Million Nervenzellen verbinden über den Sehnerv das Auge mit dem Gehirn, wo die Informationen zu den von uns wahrgenommenen Bildern zusammengesetzt werden. Zur Veranschaulichung ist der Sehnerv als Zapfen dargestellt, der durch die Lederhaut aus dem Auge führt.
Ursachen der Netzhautablösung
Die Netzhautablösung kommt sehr selten vor und betrifft jährlich einen von 10.000 bis 20.000 Menschen. Am häufigsten sind ältere Personen betroffen, wohingegen junge Menschen nur selten wegen einer Netzhautablösung behandelt werden müssen. Die Hauptursache besteht darin, dass der Glaskörper des Auges schrumpft, was zum grossen Teil eine Folge des normalen Alterungsprozesses ist. Der Glaskörper füllt das Auge aus und besteht aus einer gallertartigen Masse. Im Laufe des Lebens verliert diese Masse an Wasser, wodurch sie degeneriert und schliesslich schrumpft. Da der Glaskörper an einigen Stellen an der Netzhaut haftet, kann er beim Schrumpfungsprozess an der Netzhaut ziehen und diese sogar einreissen. Man spricht von einer Glaskörperabhebung. Die Schrumpfung des Glaskörpers nehmen Menschen auch wahr, denn es entstehen dabei optische Verdichtungen, die der Betroffene als Punkte oder Schlieren sieht, die wie herumschwirrende Teilchen wirken und auch Mouches volantes genannt werden. Allerdings werden diese Glaskörpertrübungen nur bei ausreichender Beleuchtung bemerkt, denn die Trübung selbst kann man nicht wahrnehmen, sondern nur die Schatten, die diese auf die Netzhaut wirft. Die Glaskörperabhebung (detachement of vitreous body) ist also Teil der normalen Alterung und somit nicht selten, sondern betrifft mehr als 60% der Bevölkerung. In den allermeisten Fällen ist sie nicht gefährlich und muss lediglich beobachtet werden, um ein Voranschreiten rechtzeitig zu bemerken.
Eine gefährliche Situation entsteht immer dann, wenn diese Glaskörperabhebung relativ plötzlich und ausserdem noch heftig geschieht, was jedoch nur 10% der Fälle ausmacht. Man spricht dann von einer akuten Glaskörperabhebung, wobei die Fasern des Glaskörpers kräftig an der empfindlichen Netzhaut ziehen. Entweder löst sich diese dabei oder sie reisst sogar ein, was wiederum bei 10% aller akuten Glaskörperabhebungen passiert. Folge ist dann ein Netzhautloch. Dieses Netzhautloch ist gefährlich, denn daraus entsteht in 10-25% aller Fälle eine echte Netzhautablösung, bei der die Flüssigkeit, die sich im Auge befindet, hinter die Netzhaut gelangt und diese von der Unterlage löst. Die Netzhaut ist nun von der lebenswichtigen Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen abgeschnitten und infolgedessen sterben die Sehzellen ab. Es handelt sich bei dieser Art der Netzhautablösung um einen akuten Notfall, der leider in jedem Lebensalter vorkommen und somit auch jüngere Patienten betreffen kann.
Symptome der Netzhautablösung
Eine akute Glaskörperabhebung hat ähnliche Symptome wie eine beginnende Netzhautablösung, und genau darin liegt die Gefahr dieser Erkrankung. Es ist sehr wichtig, bei folgenden Symptomen umgehend einen Augenarzt zu konsultieren. Dieser wird für die gründliche Untersuchung der Augen die Pupillen zunächst medikamentös erweitern und dann die Netzhaut ganz genau betrachten. Da der Effekt der Pupillenerweiterung einige Stunden andauern wird und zu unscharfem Sehen führt, darf man nicht selbst mit dem Auto zum Augenarzt fahren.
Bei folgenden Symptomen sollte man umgehend handeln:
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Blitzen oder bogenartiges Leuchten seitlich im Auge, besonders in der Dämmerung oder im Dunkeln und durch Kopfbewegungen verstärkt
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Jede Art von Schatten im Auge, die manchmal wie eine Wand oder grösser werdende Blase wirken, wobei es unerheblich ist, ob diese unten, oben oder seitlich auftreten
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Die leichten Flocken werden viel zahlreicher, was manche Patienten als Spinngewebe beschreiben, während andere meinen, wilde Figuren oder Rauchwolken zu sehen
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Wenn auf einmal schwarze, sich schnell vermehrende Punkte oder Nebel wahrgenommen werden
An diesem Krankheitsbild ist besonders tückisch, dass in den meisten Fällen keine Schmerzen als Warnsignal wahrgenommen werden, denn die Netzhaut besitzt selbst keine Schmerzfasern.
Von der akuten Netzhautablösung sind andere Krankheiten abzugrenzen. Wird beispielsweise ein totales Schwarzwerden vor einem oder sogar vor beiden Augen bemerkt, ist dies meist ein Hinweis auf eine Durchblutungsstörung. Wird ein Flimmern wahrgenommen, das nicht mit dem oben beschriebenen Blitzen verwechselt werden sollte, ist dies oft ein Hinweis auf eine Migräne. Bei trockenen Augen wird ausserdem besonders morgens beim Öffnen der Augen ein Blitzen wahrgenommen. Wichtig ist jedoch, dass man einen Augenarzt aufsucht, wenn man unsicher ist, denn falls das akute Krankheitsbild auftritt, ist schnelle Hilfe nötig, um die Netzhautablösung zu behandeln.
Risikofaktoren für eine Netzhautablösung
Wenn bestimmte Indikationen vorliegen, ist das Risiko erhöht, an einer akuten Netzhautablösung zu erkranken, sodass man Symptome noch wachsamer beobachten sollten. Zu den Risikofaktoren gehören:
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eine familiäre Häufung von Netzhautablösungen
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erblich bedingte Erkrankungen der Netzhaut
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starke Kurzsichtigkeit, wobei erst ab -5 Dioptrien ein erhöhtes Risiko besteht
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vorhergehende starke Erschütterungen der Augen durch Schläge oder Unfälle
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Augenoperationen
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vorangegangene Netzhautablösung oder Degenerationen am anderen Auge
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Es gibt leider keinerlei medikamentöse Therapie, um eine Glaskörperabhebung und die daraus folgende Netzhautablösung zu behandeln. Es ist jedoch möglich, die Netzhautlöcher mit einem Argon-Laser zu verschliessen.
Der Erfolg dieser Behandlung hängt ganz entscheidend davon ab, wann sie eingeleitet wird. Ist das Loch in der Netzhaut noch frisch und sind somit die Ränder noch kaum unterspült, ist es relativ gut möglich, die Netzhaut rund um das Loch mit dem Laser wieder zu "verschweissen". Meist ist diese Massnahme erfolgreich, denn die Netzhaut wird sehr fest verklebt und löst sich nicht mehr ab. Leider wird nicht immer ein befriedigendes Ergebnis erzielt, und in diesen Fällen kann nur eine Augenoperation verhindern, dass die Sehfähigkeit vollkommen verlorengeht. Es kann auch, wenngleich sehr selten, vorkommen, dass an einer anderen Stelle auf der Netzhaut ein weiteres Loch entsteht, das selbstverständlich wieder behandelt werden muss.
Mit welchen Komplikationen muss man rechnen?
Eine Laserbehandlung muss man nicht fürchten, denn sie ist einerseits schmerzfrei und führt andererseits auch relativ selten zu Nebenwirkungen. Es gibt jedoch einige mögliche Komplikationen. Eine davon ist die epiretinale Fibroplasie. Dabei bildet sich vor der Netzhaut eine hauchdünne Membran und zwingt diese zur Bildung von Falten. Folgen dieser Faltenbildung sind eine Verminderung der Sehkraft und darüber hinaus Metamorphopsien, also verzerrte Abbildungen.
Netzhautoperationen - letzte Massnahme bei fortgeschrittener Netzhautablösung
Befindet sich die Ablösung der Netzhaut bereits in einem fortgeschrittenen Stadium, kann nur eine Operation das Augenlicht retten. Ziel solcher Eingriffe ist es, die Netzhaut wieder zum Anliegen zu bringen. Es ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig, in welchem Umfang die Sehkraft erhalten werden kann. Wesentlich sind hierbei die Dauer der Ablösung, die Grösse des abgelösten Netzhautteils oder auch bestehende Vorschädigungen des Auges. Wenn der Patient jedoch rechtzeitig - beim Auftreten der Symptome - den Augenarzt aufsucht, ist die Prognose günstig, und er kann durchaus damit rechnen, dass seine Sehkraft in einem Umfang erhalten bleibt, die es ermöglicht, weiterhin Auto zu fahren und zu lesen, also ganz normal am Leben teilzunehmen. Dennoch ist eine Netzhautoperation selbstverständlich ein komplizierter Eingriff, der vom Chirurgen höchste Expertise verlangt. Diese Operation kann ausserdem nicht ambulant erfolgen, sondern erfordert die stationäre Aufnahme im Krankenhaus.
Methoden der Netzhautoperation
Es gibt zwei Methoden, mit denen eine Netzhautablösung behandelt werden kann. Die ältere von beiden geht wie folgt vor: Mit einer Plombe oder einer Cerclage (einem Bändchen), in manchen Fällen auch mit beidem, wird die Netzhaut wieder befestigt. Sowohl die Plombe als auch die Cerclage bestehen in der Regel aus Plastik oder Silikon und werden gut vom Körper angenommen. Dabei muss man die betreffende Stelle des Auges von aussen erreichen. Zu diesem Zweck wird zunächst die Bindehaut entfernt und schliesslich das Auge in die nötige Position gebracht. Mit einem Kältestift wird dann die Netzhaut verschweisst. Bei der neueren Methode wird von innen her gearbeitet. Das Auge wird eröffnet, und über extrem schmale Kanäle mit weniger als einem Millimeter Durchmesser dringt man ins Auge ein. Der Glaskörper, der die Abrisse verursacht hat, kann entfernt werden, und gleichzeitig wird die Flüssigkeit abgesaugt, die hinter die Netzhaut geraten ist. Jetzt wird die Netzhaut wieder angedrückt, wozu man Gas oder ganz spezielle Flüssigkeiten verwendet, meist Perfluorocarbone und Silikonöle. Gas kann bei kurzen Operationen angewendet werden, denn es wird sehr schnell resorbiert. Verwendet der Operateur Flüssigkeiten, muss er diese in einer weiteren Operation wieder aus dem Auge entfernen. Die Verwendung der Flüssigkeiten ist immer dann sinnvoll, wenn der Druck, mit dem die Netzhaut wieder an ihrem Platz befestigt werden soll, länger bestehen bleiben muss. Durch den entfernten Glaskörper ist ein Hohlraum entstanden, der wiederum durch Körperwasser, das einer physiologischen Kochsalzlösung entspricht, substituiert wird. Zusätzlich zu dieser Vorgehensweise wird meist ergänzend intraoperativ eine Laserbehandlung vorgenommen, sodass die Netzhaut auch verschweisst und für die nötige Stabilität des Ergebnisses gesorgt wird.
Ist mit Nebenwirkungen oder Spätschäden zu rechnen?
Der Anfangsbefund bestimmt die Heilungschancen. Je schwerwiegender die Netzhautablösung ist, desto komplizierter wird die Augenoperation sein, mit der sie behoben werden soll. Mit zunehmender Komplexität der Operation steigt auch das Risiko von Komplikationen und später zu erwartenden Problemen. Zu diesen Problemen zählen beispielsweise der grüne und der graue Star, deren Auftreten nach einer solchen Operation wahrscheinlicher ist. Es kann ausserdem geschehen, dass sich die Netzhaut trotz Einsatz aller modernen Behandlungsmethoden wieder löst und somit ein erneuter Eingriff notwendig wird.
Dennoch ist es keine Option, nicht zu handeln. Eine unbehandelte, fortschreitende Netzhautablösung führt in letzter Konsequenz unweigerlich zur Erblindung. Ausserdem schreitet die Schrumpfung weiter fort, was zu chronischen Rötungen führen kann und dann auch Schmerzen verursacht. Im schlimmsten Fall muss das Auge entfernt werden. Das ist auch der Grund, warum ein Augenarzt selbst dann zur Operation rät, wenn das Sehvermögen nicht in befriedigendem Umfang wiederhergestellt werden kann. Dann dient die Operation letztlich dazu, wenigstens das Auge zu retten. Diese Fälle sind jedoch Ausnahmen, denn in der Regel ist eine Operation meist ausreichend, um die Sehkraft zu erhalten und die Gesundheit des Auges herzustellen. Wichtig ist deshalb, umgehend einen Augenarzt aufzusuchen, wenn die oben genannten Symptome auftreten. Abwarten ist niemals die richtige Strategie, wenn es um die Erhaltung der Sehfähigkeit geht.
Verhalten nach einer Augenoperation
Die Netzhautoperation bewirkt, dass das Auge ungefähr drei Wochen lang äusserst empfindlich ist. Man sollte zunächst schweres Heben, Tragen von Lasten und auch längeres Bücken vermeiden. Selbstverständlich ist es auch wichtig, das Auge selbst zu schonen, also ein Reiben und den Kontakt des Auges mit Schmutz und Flüssigkeiten zu vermeiden. Wurde ausschliesslich eine Laserbehandlung vorgenommen, ist eine Schonung in diesem Umfang nicht nötig, denn bei dieser Methode wird das Auge nicht eröffnet. Trotzdem bleibt eine Empfindlichkeit manchmal noch über Jahre hinweg bestehen. Manche Patienten werden schneller geblendet oder klagen über Schmerzen beim Wetterwechsel.
Bei jedem Eingriff ist unbedingt darauf zu achten, die Netzhaut in den ersten Wochen vor Erschütterungen zu bewahren. Der Verzicht auf anstrengende Tätigkeiten ist sinnvoll. In der ersten Zeit sollte man wenig lesen, fernsehen ist aber kein Problem. Ausserdem muss man in Abhängigkeit von der Art der Augenoperation einiges beachten. Wurde Gas verwendet, darf man nicht in die Berge reisen und muss auf bestimmte Kopfhaltungen achten, indem man beispielsweise auf dem Bauch schläft. Der behandelnde Arzt wird den Patienten vor und nach der Operation optimal informieren. Auch nachdem die Folgen des Eingriffs gut verheilt sind, müssen die Patienten mit Einschränkungen rechnen, um den Erfolg der Behandlung nicht zu gefährden. Sportarten wie Bungee-Jumping, Boxen oder Tauchen und Fallschirm-Springen sind nicht empfehlenswert. Auch auf Squash sollte verzichtet werden.
Es bleibt jedoch dabei: meldet sich ein Patient umgehend nach Auftreten der Symptome beim Augenarzt, kann eine Netzhautablösung dank des medizinischen Fortschritts heutzutage mit gutem Erfolg und dauerhaft therapiert werden.