Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03113.jsonl.gz/350

Die Geschichte der Stiftung
Augusta Raurica, das grösste archäologische Freilichtmuseum der Schweiz, gehört mit seinen jährlich ca. 140'000 Besuchern zu den grossen Publikumsmagneten unserer Region. Ihr heutiges Renommé hätte die Römerstadt kaum erlangt, wäre nicht im letzten Jahrhundert von weitsichtigen Bürgern Basels und seiner Umgebung die Stiftung «Pro Augusta Raurica» gegründet worden.
Wie kam es dazu?
Zum besseren Verständnis muss der Blick um einige Jahrhunderte zurückschweifen. Nach dem Untergang der antiken Stadt ging die Kunde über sie weitgehend verloren. Nur wenige Zeugnisse waren im Mittelalter noch sichtbar, wurden aber als solche nicht erkannt. Das begann sich erst in der Epoche der Renaissance und des Humanismus zu ändern. Mit dem wieder erwachten Interesse für die griechisch-römische Antike wuchs auch in unserer Gegend das Bedürfnis, allfällige Zeugnisse römischer Besiedlung aufzuspüren. Von 1588 - 90 wurden unter der Leitung des Basler Ratsherrn und Kaufmanns Andreas Ryff erstmals auf dem Territorium der alten Römerstadt archäologische Grabungen durchgeführt. Sie bewirkten, dass die markantesten, noch sichtbaren Überreste, die von den Einheimischen während Generationen als «Neun Thürme» bezeichnet und lange für die Reste eines Schlosses gehalten wurden, vom berühmten Gelehrten Basilius Amerbach als das identifiziert wurden, was sie wirklich waren: als die Überreste eines römischen Theaters.
Nach gelegentlichen weiteren Grabungen kam es im 19. Jahrhundert zu den ersten, modernen Ansprüchen genügenden, seit 1878 systematisch durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen dieses Geländes: Die Forschungsergebnisse des Basler Gymnasiallehrers Theophil Burckhardt-Biedermann und seiner Mitarbeiter hatten zur Folge, dass man sich in Basel neu und stärker für die Theaterruine zu interessieren begann. Im Jahre 1884 erwarb die Historische und Antiquarische Gesellschaft mit Hilfe einer Schenkung von Johann Jakob Merian das ganze Gelände mitsamt dem gegenüberliegenden Schönbühl. In den folgenden Jahrzehnten setzte der Jurist, Historiker und Archäologe Karl Stehlin die Arbeit seiner Vorgänger zielstrebig fort. Ihm ist ein wesentlicher Teil unserer heutigen Kenntnisse der Römerstadt zu verdanken.
Da es sich bald nach Stehlins Tod (1934), trotz dessen grosszügiger Zuwendungen, rasch zeigte, dass die archäologischen Aktivitäten auf Dauer nicht sichergestellt waren, entschloss man sich in der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zur Schaffung einer selbständigen Stiftung mit einem zur Hauptsache unantastbaren Kapital und einem Kreis von Gönnern, damals Kontribuenten genannt, die regelmässige Einkünfte garantieren sollten. Am 29. Juni 1935 wurde die Urkunde der Stiftung «Pro Augusta Raurica» unterzeichnet.
Dank der finanziellen Unterstützung der zunächst 370 Gönner konnten die Forschungen in Augusta Raurica fortgesetzt und intensiviert werden. Sie fanden bis 1969 unter der Leitung von Rudolf Laur-Belart statt.
1955 erhielt die Stiftung von dem in der Villa auf Castelen wohnenden Grossindustriellen René Clavel das von ihm inspirierte und mitgestaltete Römerhaus geschenkt. 1957 wurde das vom Kanton Basel-Landschaft gestiftete Museum eröffnet. Damit war die noch heute bestehende geschlossene archäologische Zone mit Theater, Schönbühltempel, Römerhaus und Museum entstanden. Im Jahre 1959 wurde das Areal des wieder entdeckten Amphitheaters dank einer Sammlung und einer weiteren Schenkung René Clavels von der Stiftung erworben.
In der Folge zeigte sich immer deutlicher, dass die Stiftung mit der alleinigen Verantwortung für die Forschungen in Augusta Raurica überfordert war. In den 1960er und 1970er Jahren hatten die Ausgrabungen infolge der hektischen Bautätigkeit Dimensionen erreicht, die nur noch mit staatlichen Mitteln zu finanzieren waren. Am 1. Januar 1975 trat der „Vertrag über die Römerforschung" in Kraft, der den Kanton Basel-Landschaft die Hauptlast der wissenschaftlichen Tätigkeit tragen lässt, aber auch die Nachbarkantone zur Unterstützung verpflichtet.
Die Stiftung verlor damit keinesfalls ihre Bedeutung. Sie konzentriert sich seither, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, auf die finanzielle Unterstützung einzelner archäologischer Aktivitäten, insbesondere aber auf Beiträge an wissenschaftliche Publikationen und auf die Öffentlichkeitsarbeit. Heute bietet sie ihren gegen 650 Gönnerinnen und Gönnern, in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Römerstadt Augusta Raurica unter der Leitung von Dani Suter, ein reichhaltiges Jahresprogramm mit Führungen, Vorträgen und Exkursionen an. Sie beteiligt sich an den in den 1990er Jahren initiierten, seit 1999 jährlich durchgeführten Römerfesten mit einem eigenen Informationsstand. Überdies ist sie massgeblich an einer seit 1992 existierenden Attraktion beteiligt: sie führt und finanziert, vor allem dank der Unterstützung der Hans und Hanna Bischof-Stiftung, in Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro Specie Rara den Tierpark Augusta Raurica, in dem zahlreiche alte Haustierrassen präsentiert werden.
Die Stiftungc blickt mit Stolz und Genugtuung auf eine erfolgreiche Geschichte zurück. Sie wird auch weiterhin mit allen Kräften die Archäologen des Augster Teams bei ihren Bemühungen, die Römerstadt Augusta Raurica zu erforschen, deren Denkmäler zu erhalten und die wissenschaftlichen Erkenntnisse an ein breiteres Publikum zu vermitteln, finanziell und ideell unterstützen. Sie setzt sich in diesem Zusammenhang insbesondere für die Schaffung eines neuen und grösseren Museums ein und wünscht sich für die Verwirklichung dieser Vision möglichst viele Gönnerinnen und Gönner!
Hansjörg Reinau
Präsident der Stiftung «Pro Augusta Raurica»