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Alles hätte so romantisch sein können: Márta (Natasa Stork) lernt auf einem Medizinerkongress in New Jersey János (Viktor Bodó) kennen, in den sie sich sofort verliebt. Die beiden machen aus, sich zwei Monate später in Budapest erneut zu treffen. Dort lebt János, und auch Márta ist gebürtige Ungarin. Nach über 20 Jahren kehrt sie dann tatsächlich in ihre Heimat zurück, bereit, für die Aussicht auf das gemeinsame Leben mit dem «Richtigen» auch Opfer zu bringen. Umso ernüchternder ist die Tatsache, dass János sie versetzt und, als sie ihn im Medizininstitut aufsucht und damit konfrontiert, behauptet, sie nicht zu kennen. Nachdem sie den ersten Schock überwunden hat, entscheidet sich Márta, scheinbar entgegen jeglich Vernunft, nicht zurückzufliegen, sondern in Budapest zu bleiben. Sie muss János halt einfach ein zweites Mal für sich gewinnen.
Im Zentrum von Lili Horváts naturalistischem Melodrama steht eine Frau, deren ungewöhnliche Zuversicht und innere Überzeugung sowohl befremdlich als auch ansteckend wirken. Genauso wie der Titel des Films, «Vorbereitungen, um für eine bestimmte Zeit zusammen zu sein», nach der Überschrift eines Handbuchs klingt, so geht die Protagonistin auch, ohne besondere Hast, aber dennoch systematisch vor, um die Verbindung zwischen sich und János aufzubauen. Es ist nicht das Werk einer Verrückten, dem man hier beiwohnt. Vielmehr beweist die Hauptfigur eine ausgesprochene Selbstreflektiertheit, die sich auch in den Gesprächen mit ihrem Psychiater (Péter Tóth) zeigt. Ihn weiht sie ein in diese Besessenheit, die sie im Grunde bereits selbst mit rationalem Verstand analysiert.
Gezeichnet ist Márta als intellektueller, abgeklärter Menschen, der sich nicht ausschweifenden Emotionen hingibt. Die Entschlossenheit, die sie im Aufbau ihrer Beziehung mit János zeigt, zeichnet sie auch in der Ausübung ihres Berufs aus. Als Neurochirurgin bewegt sie sich in einem von Männern dominierten Umfeld, das in einem patriarchalisch geprägten Land wie Ungarn nicht weniger deutlich ist. Die Herausforderungen, die dies mit sich bringt, beschreibt der Film eindrucksvoll. Erst spät schenken ihr die Kolleg*innen und schliesslich die Patient*innen ihr Vertrauen. Nicht nur ist sie eine Frau, sondern kommt zusätzlich aus dem Ausland und ist vertraut mit der neuesten Forschung und gewöhnt an die aktuellste Technik, was am Stolz der Kolleg*innen kratzt und weswegen ihre Tendenz, zu widersprechen, ihr als Arroganz ausgelegt wird. Unbeirrbar und trocken hält Márta aber ihren Kurs.
Formal experimentiert Horvát mit den Mitteln unterschiedlicher Genres. Zum einen geht sie fast dokumentarisch vor, nutzt eine Handkameraästhetik, die den Protagonist*innen sehr nahe ist und immer wieder intime Blickwinkel einnimmt. Zum anderen evoziert sie geschickt Spannung und teilweise eine beinahe bedrohliche Stimmung, indem sie eine suggestive Bildästhetik, geprägt von meist fahlen Farben, verwendet. So richtig einordnen lässt sich der Film nicht. Er bleibt an gewissen Stellen enigmatisch, was man Lücken im Drehbuch zuschreiben könnte, aber durchaus auch als Mut zur Lakonik auffassen kann, die nun mal dem Thema gegenüber angemessen ist. Denn man kann noch so viele Vorbereitungen im Leben treffen, ob es sich um die Liebe handelt oder um einen anderen Bereich, sei dahingestellt: Die Gewissheit für ein sicheres Gelingen gibt es nicht.
Schade ist, dass der Film es nicht ganz schafft, auf Pathos zu verzichten, das sich in einigen konventionelleren, geradezu kitschigen Szenen zeigt, und in der Verwendung symbolgeladener klassischer Musik.
START 02.09.2021 REGIE Lili Horvát BUCH Lili Horvát KAMERA Róbert Maly SCHNITT Károly Szalai MUSIK Gábor Keresztes DARSTELLER*IN (ROLLE) Natasa Stork (Márta Vizy), Viktor Bodó (János Drexler), Benett Vilmányi (Alex), Zsolt Nagy (Barna Kriván), Péter Tóth (Psychiater), Andor Lukáts (Dr. Fried), Attila Mokos (Dr. Elkán), Linda Moshier (Helen) PRODUKTION Ungarn, Poste Restante 2020, DAUER 95 Min. VERLEIH trigon
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