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Wir erklären Ihnen nachfolgend die Hintergründe von Zeichensätzen, Probleme, die in diesem Zusammenhang auftreten können, und deren Lösungen.
Die Zeit, als Computer noch teure, raumfüllende Apparaturen waren, ist schon lange vorbei. Was ursprünglich einer kleinen Elite und nur in Englisch zur Verfügung stand, kann heute beinahe jeder in jeder Sprache haben. Doch die unüberschaubare Anzahl an Sprachen, Schriften und damit die vom ursprünglich englischen Standard abweichenden Schriftzeichen bereiten immer wieder Probleme. Dieser Artikel erklärt, wie die Datenbank MySQL das Problem angeht und wie man leidige Probleme mit Umlauten und Sonderzeichen vermeiden und lösen kann.
Am Anfang war alles US-ASCII. Beinahe. Seit den 1960er Jahren verwenden Computer als kleinste Speichereinheit 8 Bit (8 Bit = 1 Byte). 8 Bit entsprechen den Zahlen von 0 bis 255. Damit Computer Text darstellen konnte, wurden diesen Zahlen Text-Zeichen zugeordnet. Um Kompatibilität zwischen den verschiedenen damals verwendeten Systemen zu schaffen standardisierte man 1969 das ASCII-Format: Den 7 ersten Bit-Kombinationen wurden Zeichen zugeordnet – das erste «Charset» war geboren («Character-Set», engl. Zeichensatz). So entspricht die Zahl 65 zum Beispiel dem Buchstaben «A».
Damit Raum für Entwicklungen und neue Zeichen (z. B. das Euro-Zeichen) blieb, wurde nur die Hälfte der 256 Zeichen als US-ASCII fest definiert. In diesen Zeichen waren sämtliche englischen Schriftzeichen enthalten. Symbole, Umlaute und Sonderzeichen anderer Sprachen mussten damit in der zweiten Hälfte der 256 Zeichen erweitert werden. Da es weltweit jedoch wesentlich mehr als 256 verschiedene Textzeichen gibt (man denke z. B. an die chinesischen Schriftzeichen) gibt es bis heute viele verschiedene solcher Erweiterungen für alle möglichen Sprachen. Die für Europa wichtigsten sind die Zeichensätze der ISO-8859 Familie. Erst zu Beginn der 90er Jahre wurde mit Unicode ein Konzept vorgestellt, dass alle Zeichensätze abbilden konnte. Bis heute wurde jedoch Unicode noch nicht bei allen Betriebssystemen und Anwendungen konsequent eingeführt.
Bild 1: Zeichentabelle mit Beispielen aus den Zeichensätzen ISO-8859-1, ISO-8859-6 und UTF-8
In den folgenden Abschnitten wird kurz auf die für westeuropäische Sprachen gebräuchlichsten Zeichensätze eingegangen.
Dieser Zeichensatz verwendet eine feste Breite von 8 Bit um die Zeichen zu codieren. Die mit den ersten 7 Bit (0-127) codierbaren Zeichen entsprechen dem US-ASCII Zeichensatz. Die zweite Hälfte (128-255) enthält die gebräuchlichen Zeichen für Westeuropa, Amerika, Australien und Teile Afrikas. Das Euro-Zeichen ist darin nicht enthalten.
Dieser Zeichensatz verwendet eine feste Breite von 8 Bit um die Zeichen zu codieren. Die mit den ersten 7 Bit (0-127) codierbaren Zeichen entsprechen dem US-ASCII Zeichensatz. Die zweite Hälfte (128-255) enthält die gebräuchlichen Zeichen für Westeuropa inklusive Euro-Zeichen, Australien und Teile Afrikas mit kompletter Unterstützung von Französisch und Englisch (US), .
Dieser Zeichensatz wurde entwickelt um für alle Sprachen einen einheitlichen Zeichensatz verwenden zu können. Aus diesem Grund ist die Codierung etwas komplizierter.
UTF-8 verwendet eine variable Breite für die Speicherung der Zeichen. US-ASCII ist in den ersten 7 Bits enthalten. US-ASCII Zeichen können damit in einem Byte gespeichert werden. Sämtliche weiteren Zeichen wie Umlaute benötigen 2 oder mehr Bytes (ISO-8859-x benötigt dafür nur 1 Byte).
UTF-8 unterstützt nahezu alle weltweit verwendeten Schriftzeichen.
Mit diesem US-ASCII Grundzeichensatz und den vielen unterschiedlichen sprachspezifischen Erweiterungen kann nun der Grossteil der existierenden Zeichen abgebildet werden. Voraussetzung ist jedoch, dass definiert wurde in welchem Zeichensatz ein Text geschrieben wurde. Wenn diese Information nicht vorhanden ist, kann der Computer nicht entscheiden, ob er das Zeichen Nummer 196 nun als ein ISO-8859-1 «Ä» oder ein ISO-8859-6 «?» darstellen soll. MS-DOS-Benutzer kennen das Problem möglicherweise auch noch von den Text-Rahmen von Anwendungen die eben nicht immer als Rahmen sondern mitunter als rechteckiger Buchstabensalat angezeigt wurden. Dasselbe Problem betrifft auch Unicode: Wenn nicht klar ist, dass es sich bei einem Text um Unicode handelt, wird aus einem «Ä» plötzlich eine Hieroglyphe aus zwei seltsamen Zeichen (da Unicode sämtliche Nicht-US-ASCII Zeichen in 2 oder mehr Bytes speichert).
Auch Datenbanken können Texte speichern. Bei datenbankbasierten Webseiten ist das sogar deren vorrangige Aufgabe. Damit das Problem des Zeichensalates gelöst werden kann, bieten Datenbanken an, für jedes Textfeld das dazu gehörige Charset zu definieren. Damit kann beim Schreiben oder späteren Lesen das richtige Zeichen ausgegeben werden. Folgender Dump soll dies zeigen:
/*!40101 SET NAMES utf8 */; CREATE TABLE `user` ( `Id` INT NOT NULL AUTO_INCREMENT, `User` VARCHAR(255) CHARSET=latin1 NOT NULL default , `Occupation` VARCHAR(255) NOT NULL default , PRIMARY KEY (`Id`,`User`) ) ENGINE=MyISAM DEFAULT CHARSET=utf8 COLLATE=utf8_bin COMMENT='Users';
Diese simple Datenbank speichert in einer Tabelle drei Felder:
Feldname Typ Zeichensatz
Id INT (Zahl) Keiner (Zahl)
User VARCHAR (Text) latin-1 (spezifisch nur für dieses Feld)
Occupation VARCHAR (Text) (UTF-8 Standard für diese Tabelle)
Für diesen Dump wurde also das «User»-Feld von der datenbankinternen Repräsentation in latin-1 nach UTF-8 konvertiert. latin-1 lässt sich vollständig in UTF-8 abbilden. Das Feld «User» wird beim Einlesen des Dumps von UTF-8 wieder zurück in den ursprünglichen latin-1-Zeichensatz konvertiert.
Der Text in Datenbanken kann also mit einem fest definierten Zeichensatz gespeichert werden. Zwischen der Datenbank und der Applikation vermittelt eine Programmbibliothek, auch «client library» oder einfach «library» genannt, welche den Austausch der Daten regelt.
Bild 2: Schematischer Ablauf und Zusammenspiel der Komponenten einer Website mit DB.
Diese Programmbibliothek kann Daten entweder 1:1, so wie diese in der Datenbank gespeichert sind weitergeben, oder aber sie konvertiert die Daten von einem Charset in ein anderes (zB. latin-1 nach UTF-8). Wenn das Programm, welches die Bibliothek benutzt, nicht definiert welches Verhalten gewünscht ist müssen Sie davon ausgehen, dass willkürlich ein Verhalten gewählt wird. Wenn nicht definiert ist in welchem Zeichensatz die Daten ausgetauscht werden sollen, ist nicht gewährleistet, dass Texte richtig dargestellt oder abgespeichert werden.
Der für die Verbindung verwendete Zeichensatz wird in MySQL mit folgendem Statement festgelegt:
/*!40101 SET NAMES utf8 */;
In Ihrem PHP Code könnte das so aussehen:
$DB->query("SET NAMES 'utf8'");
oder:
mysql_query("SET NAMES 'utf8'",$connection);
Die Web-Applikation
Wenn bis hier hin der ganze Verlauf von der Datenbank über die «library» mit dem korrekten Zeichensatz stattgefunden hat, ist es an der Web-Applikation die Daten mit dem korrekten Charset an den Browser zu übermitteln. Der Zeichensatz der im generierten HTML verwendet wird muss entweder per META-Tag im HTML-Header oder im HTTP-Header bei der Übermittlung der Daten deklariert werden. Auch hier führt eine falsche Deklaration zu Zeichensalat mit allen Nicht-US-ASCII-Zeichen wie den Umlauten.
Üblicherweise wird das Charset im HTTP-Header bei der Übermittlung der Daten angegeben. Mit folgendem HTTP-Header wird UTF-8 als Charset definiert:
Content-Type: text/html; charset=utf-8
In Ihrer PHP-Applikation könnte der PHP-Code, um dies zu definieren etwa so aussehen:
header('Content-Type: text/html; charset=utf-8');
Das Charset kann auch per «http-eqiv»-Meta-Tag direkt in HTML definiert werden. Der HTML-Code sieht dabei etwa so aus:
<head> <meta http-equiv="content-type" content="text/html; charset=ISO-8859-15"> </head>
Umgekehrt muss beim Übermitteln von Text in Formularen an ihre Applikation das akzeptierte Charset klar definiert werden. Ansonsten kann der Text der vom Browser gesendet wird einen beliebigen Zeichensatz haben. Wenn Ihre Web-Applikation in so einem Fall nicht vorsichtig analysiert, gegebenenfalls konvertiert, ist es reine Glücksache ob die Zeichenfolge in der Datenbank tatsächlich in demjenigen Charset geschrieben werden, welches auch in der Datenbank definiert wurde.
Beispiel für ein Formular mit genau definiertem Charset für die Textfelder:
<form action="action.php" accept-charset="ISO-8859-15"> Name: <input type="text" name="name" /> Nachname: <input type="text" name="nachname" /> <input type="submit" value="Senden!" /> </form>
Die Varianten Zeichensatz-Salat zu produzieren sind beinahe unerschöpflich. Es gibt aber folgende drei Hauptkategorien:
Solche Daten gelangen beispielsweise in die Datenbank, wenn ein Browser Daten eines Textfeldes in einem Formular aufgrund einer fehlenden accept-charset="ISO-8859-15"-Anweisung als UTF-8 übermittelt und die Applikation die Daten ungeprüft in ein latin-1 deklariertes Feld der Datenbank schreibt. Das geht so lange gut, wie der Charset der Datenbank-Verbindung gleich bleibt. Falls dies nicht definiert ist, können bei einem Wechsel des Anbieters, der DB-Version oder bei einem Update des Servers plötzlich Probleme auftreten.
Textdaten aus einem Formular werden (wie per HTML definiert) im UTF-8 Zeichensatz übermittelt und sollen in ein UTF-8 deklariertes Feld in die Datenbank geschrieben werden. Allerdings wurde bei der Datenbankverbindung kein oder ein falsches Charset mit SET NAMES definiert. Damit werden die UTF-8 Zeichen von einem anderen Zeichensatz erneut in UTF-8 konvertiert. Im ungünstigsten Fall werden so sämtliche Nicht-US-ASCII-Zeichen zerstört.
Auch beim Ausgeben von Texten aus der Datenbank kann dies geschehen: In einer latin-1 deklarierten Datenbank sind fälschlicherweise UTF-8-Texte gespeichert. Wenn die Datenbankverbindung z. B. so eingestellt ist, dass alle Texte in UTF-8 ausgeliefert werden, versucht die Library den vermeintlichen latin-1-Text erneut in UTF-8 zu konvertieren. Auch hier wird Zeichensalat produziert.
Der Fehler, der am einfachsten zu korrigieren ist. Die Daten werden mit durchgängig definiertem Charset abgelegt und ausgelesen, aber das verwendete Charset wird im HTTP- oder HTML-Header nicht definiert. In so einem Fall versuchen die meisten Browser das Charset zu erraten und sind damit mehr oder weniger erfolgreich. Da die Daten in der Applikation und in der Datenbank konsistent abgelegt sind, lässt sich dieses Problem mit einem einfachen php- oder HTML-statement beheben. (siehe oben)
Zusammengefasst ergeben sich folgende Richtlinien für ein «zeichensatzproblemfreies» Leben mit Datenbanken:
Ausgangslage für einen Rettungsversuch ist die Problemanalyse: Sie müssen wissen, welche Fehler Sie in Ihrer Applikation oder in den Daten in der Datenbank haben. Sofern der Fehler nur an einer der möglichen Stellen vorliegt, befolgen Sie folgende Reihenfolge, um das Problem zu finden und zu lösen.
Überprüfen Sie zuerst, ob Ihr Browser das richtige Charset auswählt. Dazu können Sie in den meisten Browsern das verwendete Charset einsehen und manuell ändern. Entspricht das Charset dem von Ihnen beabsichtigten? Für europäische Webseiten sind die Charsets der ISO-8859-Familie, insbesondere ISO-8859-1, ISO-8859-15 und UTF-8, üblich und sinnvoll.
Bild 3: Hostpoint Webseite mit falschen Charset dargestellt: ISO-8859-1 (latin-1) anstelle von UTF-8.
Bild 4: Hostpoint Webseite mit richtigem Charset dargestellt: UTF-8.
Tipp: UTF-8 verwendet zur Speicherung von Umlauten und Sonderzeichen zwei Bytes. Werden anstelle von Umlauten zwei falsche Zeichen dargestellt (vgl. Bild 3), liegt die Vermutung nahe, dass die Daten oder dieser Teil der Daten in UTF-8 vorliegt, jedoch ein Zeichensatz aus der IS0-8859-Familie zu Darstellung im Browser verwendet wird.
Werden anstelle von Umlauten keine oder komma-ähnliche Zeichen dargestellt, liegt der Fall wahrscheinlich umgekehrt: Zeichen aus den ISO-8859-Zeichensätzen werden vom Browser als UTF-8 dargestellt.
Lösung: Stellen Sie sicher, dass Sie im HTTP Header und im HTML-Code das korrekte Charset angeben.