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Vor zirka 225 Jahren formulierte Kant seinen „kategorischen Imperativ“, wonach jeder nur nach derjenigen Maxime handeln soll, die auch zu einem allgemeinen Gesetz werden könnte. Die volkstümliche Variante dieses Imperativs ist als „Goldene Regel“ bekannt: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest“.
Daneben gibt es auch den „technischen Imperativ“, der einem vorgibt, was überhaupt möglich und machbar ist und es gibt einen „ethischen Imperativ“, der einem aufzeigt, was aufgrund des geltenden Wertsystems getan werden soll und darf.
In diesem Dschungel von Befehls- und Aufforderungsformen ist mir in jüngster Zeit eine neue Art des Imperativs aufgefallen: der „soziale Imperativ“. Damit meine ich aber nicht etwa der sanfte, aber bestimmte gesellschaftliche Druck zur Mitwirkung im Quartier oder im Elternrat, denn das eine tue ich schon und für das andere ist es noch zu früh.
Nein, mit sozialem Imperativ meine ich den Auswuchs an Befehls- und Aufforderungsformen in der Social Media Welt. Von simplen, aber allgegenwärtigen „Klicke da! Downloade hier! Folge mir! Teile dies mit deinen Freunden! Empfehle jenes weiter!“ bis zu komplizierteren und mit breiter Öffentlichkeitswirkung versehenen „Lade dein Foto hoch und zeig allen deine out-of-bed Frisur! Filme deinen Schatz und zeig allen, wie er um deine Hand anhält! Zieh deine Hosen aus und fahre mit Gleichgesinnten mit dem Tram durch die Stadt!“
Steigt man in die Social Media Welt ein, wird man mit einer Flut an Imperativen konfrontiert, die man einerseits sich so von dritter Seite aus der „normalen“ Welt nie und nimmer gefallen lassen würde und andererseits in der Erziehung – würde man die eigenen Kinder so rumkommandieren – als absolut diktatorisch und drum als verpönt betrachtet würden.
Abgesehen davon, dass man überhaupt keine Zeit mehr für echtes soziales Engagement, geschweige denn für die Kindererziehung hätte, wenn man all diesen sozialen Imperativen folgen würde.
mittwochs immer im Tagblatt der Stadt Zürich