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«Wer besitzt den öffentlichen Raum, und wie viel davon gehört mir?» Mit diesen Fragen umreisst Renata Kaminska den Kern ihres Schaffens. In Skulpturen, Installationen und Videos verhandelt sie die Spuren von Individuum, Gesellschaft und Macht in der Öffentlichkeit und die damit verbundene Erinnerungskultur.
Die gebürtige Polin Renata Kaminska erhielt ihre Ausbildung an den Kunsthochschulen von Lublin, Zürich und Leipzig. Schon früh zeigte sie in ihrem Schaffen besondere Aufmerksamkeit für kommunikative und diskursive Manifestationen der globalisierten westlichen Gesellschaft. Öfters spielte dabei Schrift eine Rolle, etwa bei den Arbeiten WTF oder OK von 2010, bei denen sie die titelgebenden Ausdrücke skulptural in den Raum überführte, oder bei der Serie Jewel, ebenfalls von 2010, für die konträre Schlagworte wie «Neutral» und «Not» in silbrig glänzende Fahnen eingeprägt wurden. Das Agieren im öffentlichen Raum gewann zunehmend an Bedeutung, beispielsweise bei den Säulen, die Kaminska 2012 während der Manifesta 9 im belgischen Genk mit Zeitungsseiten und Postern plakatierte und sie dann Wind, Wetter und Vandalismus überliess. Die Alltäglichkeit der Materialien und das Zusammenspiel von künstlerischem Tun und Umwelt sind auch Teil ihres bisher grössten Projekts, des Phantom Monument: Es besteht aus mehreren, einfachen Betonskulpturen – zwei von ihnen befinden sich in der Sammlung der Mobiliar –, die entfernt an leere Fahnenmaste erinnern und die 2019 in Warschau, Berlin, Zürich und Zamość an zentralen Wirkungsstätten der Klassenkämpferin Rosa Luxemburg (1871–1919) aufgestellt wurden. Kaminska setzt damit ein Zeichen gegen die seit 2016 systematisch betriebene Verdrängung der kommunistischen Vergangenheit aus dem öffentlichen Raum ihrer Heimat.
Renata Kaminska beteiligt sich mit ihrem Schaffen aktiv am politischen Diskurs und ist mit ihrer nomadischen Kunstplattform Bel Etage auch kuratorisch im öffentlichen Raum Berlins tätig. 2013 konnte sie auf Einladung der Künstlerin Catherine Lorent den luxemburgischen Auftritt an der Biennale von Venedig mitgestalten.
Renata Kaminska, 1947 geboren in Zamość (POL), lebt und arbeitet in Berlin (DEU).