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Die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung beginnt im Kindes- oder Jugendalter. Daher wird sie häufig mit Kindern und ihrer Konzentrationsleistung in der Schule in Verbindung gebracht. Doch was wird aus den Kindern im Erwachsenenalter? In vielen Fällen nimmt die Intensität der Symptome mit zunehmendem Alter ab. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Störung erst im Erwachsenenalter festgestellt wird. Ein wichtiges Diagnosekriterium ist dabei, dass die störungsspezifischen Symptome bereits vor dem 7. Lebensjahr erstmals auftreten.
Die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung setzt sich aus bestimmten Kriterien zusammen, die für die Stellung einer Diagnose erfüllt sein müssen. Die Hauptsymptome sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Gemäss Schätzungen erfüllen 15% der Betroffenen im Kindes- und Jugendalter auch im Erwachsenenalter die vollständigen Diagnosekriterien, ungefähr 60% leiden auch im Erwachsenenalter zumindest an einigen Symptomen. Da sich die Ausprägung der Symptome jedoch verändert, steht im Erwachsenenalter weniger die Hyperaktivität im Vordergrund, während die Unaufmerksamkeit, innere Unruhe und erschwerte Gefühlsregulation das Erscheinungsbild dominieren.
Symptome
Die drei Hauptsymptome der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Die Unaufmerksamkeit zeigt sich bei Erwachsenen, wenn sie sich für längere Zeit auf eine Aufgabe konzentrieren müssen. Häufig erleben die Betroffenen dabei Langeweile sowie Müdigkeit und brechen die Aufgabe verfrüht ab. Zudem zeigen Betroffene eine Beeinträchtigung bei der Filterung und Priorisierung von Sinneseindrücken. Dies führt dazu, dass jeder Sinneseindruck gleich wichtig erscheint und daraus eine erhöhte Ablenkbarkeit erfolgt. Die Betroffenen vergessen häufig Termine oder verlegen Dinge, was im Arbeitsalltag wie auch in persönlichen Beziehungen zu Schwierigkeiten führen kann. Im Gegensatz dazu steht das Phänomen der Hyperfokussierung, welches die Eigenschaft von Betroffenen beschreibt, sich in ein bestimmtes, für sie interessantes Thema vertiefen zu können und dabei alles um sie herum zu vergessen.
Bei Erwachsenen richtet sich die Hyperaktivität im Vergleich zu Kindern und Jugendlichen vermehrt nach innen und zeigt sich als innere Unruhe. Betroffene berichten von innerer Anspannung, Getriebenheit und Gedankenrasen. Manche versuchen dies mit exzessivem Sport auszugleichen.
Die Impulsivität zeigt sich bei Erwachsenen, indem sie unüberlegte Entscheidungen treffen, ohne die Konsequenzen vorgängig abzuwägen. Dies führt häufig dazu, dass sie sich oder anderen ungewollt schaden. Betroffene sind besonders anfällig für Situationen, in denen eine sofortige Belohnung erlangt werden kann, die jedoch langfristig negative Konsequenzen nach sich zieht. Des Weiteren sind Erwachsene mit ADHS häufig ungeduldig und schnell gereizt. Sie unterbrechen ihr Gegenüber im Gespräch und können den eigenen Redefluss nur schlecht bremsen. Betroffene zeigen Stimmungsschwankungen, die von Wutausbrüchen über Kleinigkeiten zu Begeisterung und Euphorie wechseln können.
Diese drei Hauptsymptome treten nicht bei allen Betroffenen in der gleichen Intensität auf. Es kann zwischen drei Typen unterschieden werden. Der kombinierte Typ zeigt alle drei Symptome in ungefähr gleich starker Ausprägung. Der vorwiegend unaufmerksame Typ ist von Unaufmerksamkeit und Desorganisation geprägt, während die Impulsivität und Hyperaktivität im Hintergrund stehen. Der vorwiegend hyperaktiv-impulsive Typ ist hingegen von Impulsivität und Hyperaktivität geprägt, während die Unaufmerksamkeit im Hintergrund steht.
Neben den drei Hauptsymptomen treten weitere Begleitstörungen gehäuft auf. Betroffene erleben im Vergleich zu Menschen ohne ADHS häufiger familiäre, partnerschaftliche wie auch schulische und berufliche Probleme. Sie wiederholen häufiger Klassen, brechen Ausbildungen ab, wechseln die Arbeitsstelle oder sind arbeitslos. Das bestehende kognitive Potential kann häufig nicht ausgeschöpft werden und Betroffene bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Dies beeinflusst wiederum den Selbstwert und die Selbstwirksamkeitsüberzeugung, was zu Selbstwertstörungen führen kann. Menschen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung missbrauchen häufiger Alkohol und Drogen oder werden straffällig. Zudem weisen sie ein erhöhtes Risiko für weitere psychische Erkrankungen wie Schlafstörungen, Essstörungen, Burnout-Syndrom, Zwangsstörungen sowie Persönlichkeitsstörungen auf.