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| Chrysostomus († 407) - Homilien über die Buße (De paenitentia homiliae)

Dritte Homilie. Von dem Almosen und über die zehn Jungfrauen.
4.
Jedoch wir sprechen gar eifrig sowohl von dem Wege der Buße als auch über das Almosen. Wir sagten, daß die Mildthätigkeit ein erhabenes Gut sei; dann nahm uns das Meer der Jungfräulichkeit aus. Du hast also an dem Almosen eine vortreffliche und mächtige Buße, die im Stande ist, die Fesseln der Sünden zu losen. Es gibt aber auch einen andern und zwar sehr bequemen Weg, auf dem du dich von den Sünden losmachen kannst. Bete zu jeder Zeit und laß nicht ab zu beten. Flehe die göttliche Barmherzigkeit nicht nachlässig an; sie wird dich, wenn du anhältst, nicht von sich stoßen, sondern dir deine Sünden verzeihen und deine Bitten gewähren. Wird dein Gebet erhört, so verharre dankbar in deinem Gebete; wirst du nicht erhört, so fahre fort zu beten, auf daß du erhört werdest, und sage nicht: Ich habe viel gebetet und bin nicht erhört worden; denn Das geschieht oft zu deinem Vortheil. Denn Gott weiß, daß du träge bist, und dein Eifer bald erkaltet, und daß du, falls dein Wunsch erfüllt wird, nachläßst zu beten. Gott hält dich also hin, um dich zu nöthigen, öfter mit ihm zu reden und dich dem Gebete zu widmen. Denn wenn du selbst bei deiner Noth und bei deiner Bedürfniß nachlässig bist und im Gebete nicht anhältst; was würdest du dann thun, wenn du keinerlei Bedürfnisse hättest? Er thut Dieß also zu deinem Besten, indem er will, daß du im Gebete nicht nachlassest. Bete also beharrlich und laß deinen Eifer [S. 390] nicht sinken; denn viel vermag das Gebet zu erzielen, mein Geliebter, und du thust durchaus nichts Geringes, wenn du dem Gebete dich widmest. Daß aber das Gebet Sünden hinwegnehme, das lerne aus der heiligen Schrift. Denn was sagt sie?1 Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der seine Thüre verschlossen und mit seinen Kindern sich schlafen gelegt hat. Es kömmt des Abends Einer zu ihm, will von ihm Brod, klopft an und sagt: Mache mir auf, ich brauche Brod. Dieser aber sagte zu ihm: Ich kann dir jetzt keines geben; denn wir und unsere Kinder haben uns schon zur Ruhe begeben. Jener aber klopft fort an der Thür. Und dieser sprach wieder zu ihm: Ich kann dir keines geben; denn wir und unsere Kinder haben uns schon zur Ruhe begeben. Obwohl Jener das hört, klopft er doch fort und geht nicht von dannen, bis der Hausvater ruft: Steht auf und gebt ihm und heißt ihn gehen. Der Herr lehret, dich also immer zu beten und nie zu ermüden, und wenn du auch Nichts erhältst, so lange anzuhalten, bis deine Bitte gewährt ist.
1: Luk. 11, 5 ff.