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Die Kornverwaltung war im Alten Bern ein zentrales Geschäft. Mit der Lagerung von brotfähigem Getreide sorgte man vor für allfällige Krisen- und Kriegszeiten, als Grosshändler konnte die Stadt Einfluss nehmen auf die Regulierung des Marktes und die Preispolitik, und schliesslich wurden viele Beamte in Naturalien bezahlt: Getreide, Wein und Holz, die dem Staat als Zinserträge zukamen. 1711–18 entstand nach Plänen von Hans Jakob Dünz das markante Gebäude des Kornlagers, das damals noch am Stadtrand lag und zum Teil über das Gelände eines Friedhofs gebaut wurde. Von Johann Rudolf Huber stammt das grosse Giebelrelief.
Im Untergeschoss des Kornhauses wurde eine Kelleranlage errichtet, deren mächtige Gewölbe in ihren Dimensionen an ein dreiteiliges Kirchenschiff erinnern. Dort wurde in Eichenfässern Wein gelagert. Das Erdgeschoss war offen und diente als Halle für den Kornmarkt. In den drei Obergeschossen waren Kornschütten, die hohen, schmalen Fassadenöffnungen waren nicht als Fenster gedacht, sondern als Öffnungen für die Belüftung.
Nach dem Untergang des Alten Bern wurde das Kornhaus bis zum Ende des 19. Jahrhunderts für verschiedene Zwecke genutzt: als Lagerraum, als Kaserne, als Unterkunft für Flüchtlinge. 1895 liess die Einwohnergemeinde Bern das Kornhaus vom Architekten Adolf Tièche zum Gewerbemuseum umbauen. Ein von Eichenpfosten getragener Holzboden im 2. Obergeschoss wurde entfernt, dadurch entstand ein zweigeschossiger Saal mit umlaufender Galerie. Die Belüftungsschlitze wurden zu hohen Fenstern erweitert, in die offene Halle im Erdgeschoss wurden Ladenlokale, eine Poststelle und ein neuer Zugang zum Keller eingebaut. Nach dem Umbau der Obergeschosse wurde auch der Keller erneuert, es entstand ein Berner Festlokal, die Grande Cave, ausgeschmückt mit Fresken von Rudolf Münger. Neben dem Gewerbemuseum beherbergte das Kornhaus von den 1940er-Jahren an auch die Malschule von Max von Mühlenen, einem der wichtigsten Vertreter der abstrakten Malerei der Nachkriegszeit in Bern.
1975, im europäischen Jahr für Heimatschutz und Denkmalpflege, restaurierten die Architekten Hans Haltmeyer und Ulrich Stucky die Fassade, die sie in ihren ursprünglichen Zustand mit den schmalen Fenstern zurückführten. Das Giebelrelief war so stark verwittert, dass es ersetzt werden musste. Teile des Originals sind heute im Treppenhaus im 4. Obergeschoss des Kornhauses zu sehen. 20 Jahre später folgte dann auch der Innenumbau (sam Architekten und Partner, Zürich). Das Café im Erdgeschoss entstand, der Kornhauskeller wurde restauriert, aus dem langjährigen Bierkeller mit Volksmusik wurde ein modernes Restaurant mit einer eleganten Bar auf dem Galeriegeschoss. Ein in den zentralen Saal ragendes Galeriegeschoss wurde auch im 2. Stock eingebaut. So entstanden im 1. Stock drei Säle, der Stadtsaal mit seinen Stahlträgern und der bemalten Holzdecke, und die beiden Seitensäle – Mediensaal und Vortragssaal – die gegen den Stadtsaal hin geöffnet werden können.
Neu ins Kornhaus zog 1998 die Regionalbibliothek Bern, die nun Kornhausbibliothek hiess und heute der vielbenutzte Hauptsitz eines Verbunds mit 21 Zweigstellen in der Region Bern ist. Teil der Kornhausbibliothek ist die aus dem einstigen Gewerbemuseum hervorgegangene Fachbibliothek für Gestaltung.
Die Basis für den heutigen Betrieb im Kornhaus wurde 1996 gelegt. Damals sagten die Bernerinnen und Bernern in einer Volksabstimmung Ja zum Umbaukredit und stimmten damit auch einem neuen, stark kulturorientierten Nutzungskonzept zu. Mit der Wiedereröffnung des restaurierten Kornhauses im Oktober 1998 konnte auch das Kornhausforum seine Türen öffnen. Es organisiert seither in den drei Sälen im 1. Stock und auf der Galerie im 2. Stock Ausstellungen, Veranstaltungsreihen und Podiumsdiskussionen.