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Die Stiftung Kunsthalle Bern kaufte mit Geburt und Familie eine grossformatige PVC-Fahne von Lena Henke an, die als Teil der Ausstellung Revelry an der äusseren Rückwand der Kunsthalle Bern und dem angrenzenden Garten zugewandt installiert wurde. Die Fahne zeigt ein leeres Bassin, das die Künstlerin benutzte, um eine Auswahl an Tischskulpturen von ausschliesslich männlichen modernen Meistern – von Matisse bis Man Ray – zu arrangieren.
Lena Henke bediente sich der Methodik der Familienaufstellung, einer alternativen Therapieform, die auf Elementen der systemischen Familientherapie beruht. Bei einer Familienaufstellung wird in einer einzelnen Sitzung versucht, die bisher verborgene systemische Dynamik, welche mehrere Generationen einer Familie verbindet, aufzudecken und dabei Probleme zu lösen, die aus dieser Dynamik hervorgehen; in diesem Prozess ist es wichtig die faktische Realität der Vergangenheit zu akzeptieren. Die künstlerische Absicht von Lena Henke ist gleichzeitig aufrichtig und humoristisch, wenn sie bei diesem Projekt bestehende Machstrukturen gleichzeitig heraufbeschwört und herausfordert und dabei soziale Tatsachen enthüllt: Das leere Bassin befindet sich vor dem Skulpturenmuseum Glaskasten Marl in der Nähe von Düsseldorf, welches die Sammlung, zu der die genannten Tischskulpturen gehören, beheimatet. Seit dem Exodus der lokalen Industrie fehlen der ehemals reichen Provinzregion die Mittel, um ihre Institutionen angemessen zu führen. Als eine Konsequenz fehlt der Stadt das Geld, um das Bassin vor dem Museum mit Wasser zu füllen. Die Darstellung des kulturellen Erbes – eines wohlgemerkt ausschliesslich männlichen Kanons – unter diesem desolaten Aspekt der zeitgenössischen Bemühungen einer Kunstinstitution, ist eine Hommage einer Künstlerin, die selbst ihre individuelle skulpturale Praxis entwickelt. Es ist eine Hommage, weil diese historischen Formen respektiert werden, doch der Umgang mit ihnen stellt die angebliche Autorität, welche diese kanonisierten Objekte repräsentieren, infrage: Sie scheinen fast beiläufig unterhalb des Strassenniveaus in diesem leeren Bassin arrangiert. Die dritte Ebene dieses Werkes evoziert die Idee der originären Machtstruktur, nämlich jener der Familie (der Künstlerin).