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Prof. Dr. Reinhold Reith *
Prof. em. Dr. Reinhold Reith, geb. 1955 in Konstanz, war von 1999 bis zu seiner Emeritierung 2020 Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte (seit 2011 auch Umweltgeschichte) an der Universität Salzburg. Er ist seit 2011 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Eisenbibliothek für die Programmplanung der Technikgeschichtlichen Tagungen.
Studium und Promotion an der Universität Konstanz, Mitarbeit in Forschungsprojekten, dann wissenschaftliche Assistenz an der TU Berlin, dort 1997 Habilitation. 2006–2008 Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Technikgeschichte. Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Mitherausgeber der «Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte» sowie von «Jahrbuch für Regionalgeschichte», «Annales mercaturae» und «Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte». Fachherausgeber («Umwelt und technischer Wandel») der «Enzyklopädie der Neuzeit, 1450–1850».
*) Stand zum Zeitpunkt des Referat-Zyklus
Vom Umgang mit Rohstoffen in der Geschichte: Strategien der Ressourcennutzung
Der Begriff Recycling ist erst seit Beginn der 1970er Jahre in Verbindung mit exponentiellem Ressourcenverbrauch, anfallenden Müllbergen und Umweltproblemen beim Zugriff auf die Natur aufgekommen. Recycling war fortan so etwas wie der Signalbegriff bzw. die strategische Option zur Schaffung einer Kreislaufwirtschaft, die die Ressourcenprobleme lösen sollte. In der Folge zeigten sich durchaus Erfolge, doch auch technische und organisatorische Probleme, und erst in den 1990er Jahren wurde das Paradigma im Zuge der Diskussion um "Nachhaltigkeit" ergänzt bzw. weiterentwickelt. Themen waren (und sind) Einsparung und Substitution von Material, Verlängerung der Nutzungs- und Lebensdauer von Gütern und das Reparieren, Um- und Weiternutzen bis hin zu den "Reparaturkulturen" und den "Repair Cafes" (seit 2009), die als Kritik an der Konsumgesellschaft gelesen werden.
Umwelthistoriker gehen allerdings davon aus, dass wir es früher und bis in die 1950er Jahre mit einer Recycling-Gesellschaft zu tun gehabt haben und erst im Zuge des "1950er Syndroms" durch den Preisverfall der Ressourcen eine Wegwerfgesellschaft entstanden sei.
Nehmen wir daher die Stoffströme vorindustrieller Gesellschaften in den Blick und fragen nach dem Umgang mit natürlichen Rohstoffen, so stossen wir auf verschiedene Strategien der Ressourcennutzung: Ressourcen waren in der Regel knapp und teuer, daher stossen wir auf sparsamen Umgang bis hin zur Verlängerung der Lebensdauer, Recycling und nicht zuletzt auf einen intensiven Gebrauchtwarenhandel. Nun sind aus dieser Perspektive keine Patente und Analogien zu erwarten. Wenngleich sich die Geschichtswissenschaft nicht in erster Linie als Überlebenswissenschaft versteht, so hilft eine historische Perspektive, die gegenwärtige Position klarer zu sehen und –– Strategien zu diskutieren und entwickeln.