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Als Therapeuten wenden wir auch passive Massnahmen an. Dabei formulieren wir deren Wirkung.
Doch es ist angezeigt, dies mit Bedacht zu erklären.
Unter passive Massnahmen versteht man Massage, Manuelle Therapie, Osteopathie, Craniosacrale Therapie, Manipulation, Dry Needeling, Triggerpunkt Behandlung, KinesioTaping, etc.
Passive Massnahmen basieren grösstenteils auf neuromodulativen Mechanismen. Beim Patienten löst dies ein "hat gut getan" Gefühl aus. Sie lindern Schmerzen nur kurzfristig, basierend auf neurophysiologischen und kognitiven Effekten. Passive Massnahmen haben somit einen positiven Effekt, indem sie beim Patienten "das Tor zur Bewegung" öffnen. Sie ermöglichen den Patienten, dass sie sich leichter, schmerzfrei und mit mehr Freude bewegen können. Es motiviert sie zum Selberüben, verlieren die Angst vor Bewegung und Belastung.
Sag lieber nicht:
1) Ich löse Verklebungen auf.
Verklebungen entstehen bei Zerrungen oder Rissen, Verletzungen, operativen Eingriffen, Hämatomen. Die Verklebungen entstehen, wenn Entzündungsprozesse mit Ausschüttung von Exsudat mit hohem Proteingehalt reagiert haben. Die Proteine verbinden sich mit den kollagenen Fasern und bilden sog. Gap Junctions. Das Auflösen dieser Verklebungen erfolgt mittels Ausschüttung des Enzyms Kollagenase. Fibromyoblasten werden zur Synthese der Kollagenase stimuliert, wenn sie Bewegung und Druck bekommen. Eine Ausnahme bildet die Frozen Shoulder.
2) "Ich renke die Gelenke wieder ein".
Das würde bedeuten, dass das Gelenk vorher luxiert war. Eine sehr ungünstige Position mit viel Schmerz und starken Verspannungen.
3) "Blockierungen werden gelöst".
Dies würde bedeuten, dass ein Gelenk oder eine Gleitschicht z.B. Faszien sich zwischen zwei Muskeln nicht bewegen können. Lässt sich eine Struktur weniger bewegen, äussert sich das eher als Steifigkeit, die der Therapeut als erhöhter Wiederstand wahrnimmt. Deshalb beschreibt der Begriff Steifigkeit besser das wahrgenommene Phänomen.
Bild Dead Zone
Die Ursache der Steifigkeit ist sehr vielfältig und multifaktoriell. (siehe Blogbeitrag Bewegungskontinuum) z. B. hoher muskulärer oder bindegewebiger Tonus, zentrale neuromuskuläre Schutzmechanismen, Ödeme etc..
4) "Wir korrigieren Becken-, Schulter- oder Wirbelstellungen".
Dies erfolgt mit passiven Massnahmen, die unter wenig Schwerkrafteinfluss und Muskelspannung erfolgen. Das bedeutet, dass Gelenkflächen sich sehr leicht verschieben lassen. Gelenkflächen bzw. Knorpelschichten sind sehr glatt (ca. 20x glatter als Eis). Zudem haben alle Gelenke ein mehr oder weniger grosses "Gelenkspiel". Diese Bezeichnung meint die Zone, in der das Gelenk sich frei bewegt ohne passive Strukturen (Gelenkkapsel, Bänder, Faszien) anzuspannen. Somit lassen sich Gelenke leicht in eine andere Position verschieben (richten). Stehen die Patienten auf, kommen durch den Schwerkrafteinfluss, durch Muskelaktivität und Faszienspannung, Kräfte auf das Gelenk, welche die Position wieder in den ursprünglichen Zustand verschieben. Zudem ist die Haltung, bei Skoliose, Lordose, schiefes Becken, abgeflachtes Längsgewölbe, nicht zwingend Schmerzhaft.
5) "Muskelknoten müssen aufgelöst werden".
Nicht jede knotenartige Verhärtung ist ein Triggerpunkt, Myogelose, etc.
Alle fünf dargelegten Aspekte suggerieren pathologische Zustände und können bei den Patienten falsche Vorstellungen, Überzeugungen und Ängste auslösen. Diese Erklärungen fördern zudem die Therapieabhängigkeit. Beispielsweise dann, wenn der Therapeut die Wichtigkeit des Richtens betont, jedoch den Patienten nicht zeigt, wie sie dies selbst machen könnten. So müssten die Patienten immer wieder die Gelenke richten lassen um keine Schmerzen zu haben.
Sag lieber:
Eine günstigere Formulierung wäre:
1) Passive Massnahmen dämpfen das Nervensystem und vermindern nur kurzfristig die Sensibilität bzw. Sensitivität der Nerven.
2) Passive Massnahmen behandeln nicht die Ursache, sondern die Folgen der Ursache und stellen keine notwendige Behandlungstechnik dar.
Wir wenden die passiven Massnahmen dann an, wenn wir damit erreichen wollen, dass das "Tor zur Bewegung" bei den Patienten aufgeht.
Quelle: https://www.robin-nuernberg.de Schmerzcoach und Physiotherapeut