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Die Vorbereitungen auf die kommende Bischofssynode zum Thema der Familie haben uns gezeigt, dass in unserer Zeit und in den gegenwärtigen Lebensumständen drei Lebensbereiche gefährdet sind, das heißt die Lehre des Glaubens zu drei Lebensbereichen: Ehe, Familie, Gesellschaft. Gefährdet ist das Heilighalten der Schöpfung bezüglich des Aspekts des Sexualität.
Als besonderen Fürsprecher haben wir den heiligen Thomas Morus (1478-1535) gewählt, dessen Gedenktag wir am 22. Juni – also morgen – feiern. Warum? Thomas Morus ist ein Laie, ein Ehemann, ein Familienvater, ein Staatsmann. Als solcher ist er Märtyrer geworden. Sein Martyrium ist insbesondere ein Martyrium für die Katholische Kirche und für die Heiligkeit der Ehe; weil für die Ehe, deshalb für die Katholische Kirche.
Gerne möchte ich einige Daten zum Martyrium des heiligen Thomas nennen: In England entwickelt sich um 1500 ein starkes Landeskirchentum. Der König nimmt unter anderem Einfluss auf die Nominationen von Bischöfen, ein Vorrecht des Papstes. 1509 wird Heinrich VIII. König. Er stellt sich im Konflikt mit Luther auf die Seite des Papstes und erhält 1521 den Titel Defensor fidei (Verteidiger des Glaubens). Doch ein Jahr darauf, im Jahr 1522, beginnt die Tragödie. Der König verliebt sich in die Hofdame Anna Boleyn. Er will deshalb, dass der Papst die 1503 geschlossene Ehe mit Katharina von Aragon als ungültig erklärt. Um sein Ziel zu erreichen, setzt der König 1529, nach einer ersten Niederlage, Thomas Morus als Lordkanzler ein. Thomas hält sich aber zurück: „Ich bin weder Kirchenrechtler noch Moraltheologe, für diese Dinge bin ich nicht zuständig“, sagt er jeweils. Der König beabsichtigt nun, sich von Rom zu trennen. 1531 nimmt er den Titel „Schützer und Haupt der Kirche von England“ an. Damit kann Thomas nicht einverstanden sein, und er reicht 1532 seinen Rücktritt als Lordkanzler ein. Für ihn bedeutet dies den Weg in die Armut. 1533 erklärt der Erzbischof von Canterbury die Ehe Heinrichs mit Katharina für nichtig. Damit zieht der König die Exkommunikation auf sich. Dies wird vom Papst entsprechend festgestellt. 1534 bestätigt Clemens VII. die Gültigkeit der Ehe Heinrichs mit Katharina. Darauf erfolgt mit der sogenannten Suprematsakte am 3. November 1534 der Bruch mit Rom: Heinrich VIII. läßt sich zum einzigen Haupt der Kirche Englands erklären. Alle Beamten und Geistlichen müssen den Eid auf die Akte leisten.
Die ersten Opfer der Suprematsakte sind drei Kartäusermönche und ein gelehrter Laie. Sie verweigern den Eid und werden als Hochverräter erhängt (4. Mai 1533). Es folgt am 22. Juni 1535 der einzige Bischof des englischen Episkopats, John Fischer von Rochester. Er wird enthauptet. Am 6. Juli folgt ihm der einstige Lordkanzler Thomas Morus. Thomas Morus stand zweimal auf der falschen Seite: Auf dem Boden der Politik und auf dem Boden der Kirche. Thomas Morus stand zweimal nicht nur auf der falschen Seite, sondern beinahe allein auf der falschen Seite: Beinahe allein auf dem Boden der Politik, beinahe allein auf dem Boden der Kirche. Das zeigt auf, und das sollten wir uns zu Herzen nehmen: Mehrheiten sind für die Erkenntnis der Wahrheit und vor allem für den Weg der Gerechtigkeit nicht unbedingt maßgebend, im Gegenteil… Sehr oft ist es gut und richtig, zur Minderheit zu gehören, ja, zu einer verschwindenden Minderheit!
Nehmen wir das Wort des hl. Thomas Morus mit auf unseren Lebensweg, das Wort, das er vor seiner Hinrichtung äußerte, und richten wir uns immer danach aus: „Ich sterbe als treuer Diener des Königs, aber zuvor bin ich Diener Gottes“. Beten wir, dass die Synodenväter von diesem Geist geleitet werden und sich angesichts des Drucks von Seiten gewisser Ideologien und Lobbys bewusst bleiben, dass sie zuvor Diener Gottes sind. Bitten wir den heiligen Thomas Morus und die Heiligen, welche am gleichen Schicksal Anteil hatten, dass sie als Fürbitter über dem Synodalgeschehen stehen. Amen.
(Predigt 21. Juni 2015 – Gebetsinitiative Thomas Morus)