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Zur Kunstgeschichte der Kartause Ittingen
Der Kapitelsaal und die Sakristei
Der Kapitelsaal
Im Kapitelsaal trafen sich die Mönche zu den Regel-Lesungen, hier hielten sie Rat über Angelegenheiten des Klosters, vollzogen offene oder geheime Wahlen und übten im Schuldkapitel die klosterinterne Gerichtsbarkeit. Hier wurde die Poenitat (55) abgehalten. Im Kapitelsaal war die Schweigepflicht aufgehoben. Im Süden ist der Raum mit der ehemaligen Bibliothek verbunden.
Der Altar, ursprünglich wohl ein Marienaltar, ist der einzige Tannenholzaltar in der Kartause, reich appliziert mit Eichenlaub, Blumenranken, und mit gewundenen korinthischen Kapitellen. Die zentrale Muschelnische - die Muschel ist Symbol für Maria (56) - und die Krönung des Altars verraten die Arbeit von Chrysotimus Fröhli und seinen Söhnen aus Bichelsee, denen wir in der Kirche wieder begegnen werden. Die Mensa (57) fehlt. Dem Altar angepasst sind zwei Seitennischen, eine Handwasche rechts und ein Nische links, die wohl einmal eine Urne fasste. Das Gestühl ist relativ einfach geschnitzt, aus Nussbaum mit Buchsbaum-Maserkassetten, ebenfalls ein Werk der Familie Fröhli. Die Bekrönung, die an spätgotisches Federwerk erinnert, ist durchsetzt mit Blütenmotiven.
Die Sakristei
In der Sakristei zogen sich die Mönche zum Gottesdienst um. Es gab im obern Stock und unten eine. Die untere Sakristei war wohl im gleichen Stil ausgestattet wie der Kapitelsaal. Die Gegenstände sind aber alle verschwunden. Ein grosses Sakristeibuffet befindet sich heute in der ehemaligen Kapuzinerkirche in Frauenfeld. Der Raum ist leer! Das einfache barocke Chorgestühl, das hier steht, gehört in den Brüderchor der Kirche und wurde hierher ausgelagert. Es stammt aus dem Jahr 1703 und ist auch ein Werk von Meister Fröhli und seinen Söhnen. Bemerkenswert ist das dichtgeflochtene Krönungs- und Rahmenwerk (durchbrochenes Federwerk), die Sitzwangen und die Schweifwerkkassetten der Pultfront. Die dorsalen Flachnischen sind mit Intarsienfiguren ausgelegt, die Binnenzeichungen sind aufgemalt. Zu den dorsalen Applikationen gehören korinthische Pilaster und Rocaille- (58)Kartuschen. Das Gestühl wurde im 18. Jahrhundert vom Schreinermeister Bruder Hugo auseinandergenommen und neu zusammengesetzt. Die Intarsien und Rokokoelemente sind wohl seine Arbeit.
Fussnoten:
55 Generalbeichte
56 "Sie barg die edelste Perle." (Klemens von Alexandria ?)
57 steinerne Deckplatte des Altars
58 Muschelwerk, wichtigstes Dekorationselement des Rokoko