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Change-Management auf Italienisch
Ich mag fast alles an Italien; vor allem aber die Kunst und den Espresso.
In diesem Artikel geht es um Michelangelo und um die Kunst der Veränderung. Nur einen Moment bitte, ich erkläre gleich alles der Reihe nach.
Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni hat sich selbst Zeit seines Lebens immer als Bildhauer und nicht als Maler betrachtet. Wie wir wissen, er ist für beides berühmt und bekannt dafür, dass er persönlich in die Steinbrüche von Carrara fuhr, um nur den besten des ohnehin berühmten Marmors auszuwählen.
Eines der berühmtesten Werke des Meisters ist wohl der Marmorriese David, der seit 1873 in der „Accademia di Belle Arti“ in Florenz steht.
Der Riese
Die David-Statue hat eine lange Geschichte. Bereits im 14. Jahrhundert wurde ein solches Kunstwerk für den Florentiner Dom (Santa Marie del Fiore) geplant.
Der erste Künstler, der für diesen Auftrag angeheuert wurde, nahm seine Arbeit 1464 auf, quittierte seinen Dienst aber 1466. Der Auftrag war einfach zu gross und zu schwierig.
Erst zehn Jahre später nahm ein anderer Bildhauer die Herausforderung, weiterzumachen, an, scheiterte aber ebenfalls an der Grösse des Unterfangens. Der „angefangene Riese“ stand 25 Jahre lang in den Künstlerateliers der Basilika herum. Alles, was für den Dom geschaffen wurde, musste in der dazugehörigen Werkstatt hergestellt werden, die allein aus diesem Grund zu einer wichtigen Institution wurde.
Der Change-Request
Am 16. August 1501 wurde der Vertrag zwischen Michelangelo, der Wollzunft und dem Rat geschlossen. Den beiden genannten Organisationen oblag die Verwaltung aller kirchlichen Gebäude von Florenz.
Der Change-Request war äusserst anspruchsvoll. Er lautet wie folgt:
- Lieferumfang: Den Marmorblock in eine Statue von 525 Zentimetern Höhe verwandeln
- Arbeitsplatz: Atelier der Basilika
- Lieferfrist: 2 Jahre nach Vertragsabschluss (also bis September 1503)
- Entlohnung: Total 144 Golddukaten, zu bezahlen in 6 Golddukaten monatlich. Wenn die Statue fertig ist, wird der Auftraggeber darüber urteilen, ob das Werk einen höheren Kaufpreis verdient
- Unterstützung: Der Künstler wird mit sämtlichen Materialien und Werkzeugen durch den Klienten versorgt
David
Michelangelo begann mit der Arbeit am 13. September 1501. Gemäss seinen Notizen musste er grosse Teile dessen, was seine Vorgänger geschaffen hatten, entfernen. Wie üblich arbeitete der Meister hart. Die Biografen des Künstlers berichten, dass spätestens am 25. Januar 1504 jeder verstanden haben müsse, dass es sich hier nicht um einen durchschnittlichen Marmorriesen handelte. Die Florentiner waren von dem kostbaren Meisterwerk hingerissen und bestanden darauf, dieses an einen prominenten Platz zu stellen und nicht im Dom verschwinden zu lassen, wie es eigentlich geplant war.
Nun war die Kommission (der Auftraggeber), die unter anderem aus Berühmtheiten wie Leonardo Da Vinci und Sandro Botticelli bestand, gefordert und musste einen geeigneten Platz finden.
Wie wir wissen, hat David einen sehr ehrenwerten Platz vor der Signoria, dem Regierungssitz von Florenz, erhalten, wo ihn alle bewundern konnten.
Ausserdem müssen alle Beteiligten wirklich begeistert von David gewesen sein, denn Michelangelo erhielt eine ansehnliche Lohnerhöhung. Statt der vereinbarten 144 bekam er 400 Golddukaten.
Mit Köpfchen und Schneid
Zugegeben, Michelangelo war bereits ein erfahrener und berühmter Künstler, als er diesen Auftrag annahm. Vielleicht trieb ihn das Heimweh in seine Vaterstadt zurück, denn es hatte ihm auch in Rom nicht an lukrativen Aufträgen gefehlt.
Dennoch: es braucht schon eine Menge Mut, eine so ehrgeizige Lieferfrist anzunehmen, wenn man weiss, dass beide Vorgänger an diesem Auftrag gescheitert sind. Ausserdem muss man sehr viel Hingabe für seine Kunst mitbringen, um mit so schwierigen Bedingungen und einer miserablen Bezahlung, wie sie erwiesenermassen zuerst vereinbart wurde, Vorlieb zu nehmen.
Ich kenne wirklich niemanden, der auf eigene Gefahr einen solchen Deal eingegangen wäre (das schliesst mich selbst ein).
Betrachten wir das einmal aus Business-Sicht:
- Risiko für den Kunden: sehr gering
- Risiko für den Lieferanten: extrem hoch, wenn man die Aufträge, die ihm dadurch entgangen sein dürften, betrachtet
- Lieferfrist: leicht überschritten
- Budget: Nicht messbar, da kein Kostendach gesetzt wurde
- Resultat: Jenseits aller Erwartungen
Gewisse Leute haben echt Glück mit ihren Lieferanten. Normalerweise bekommt man das, wofür man bezahlt und es ist ratsam, es mit dem Budget etwas genauer zu nehmen, als es Michelangelos Auftraggeber taten.
Mein Rat ist: Erwarten Sie keinen David, wenn Ihr Budget nur für einen Gartenzwerg reicht.
Oberstes Bild: Santa Maria del Fiore – © gillmar – shutterstock.com