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Sie kennen Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran? In Romain Garys Kultbuch gab er schon als Monsieur Hamil erfolgreich sein Debüt.
Der Araberjunge Momo wächst im Pariser Stadtviertel Belleville gemeinsam mit anderen Ziehkindern bei Madame Rosa auf, einer alten Prostituierten, die als Jüdin in Auschwitz war. Unwissend, wie alt er ist, wer seine Eltern sind, macht er sich auf ihre Äußerungen und die anderen Härten des Lebens seinen Reim. Mit großen Augen streunt er durch die Straßen, lässt sich von reichen Frauen ansprechen. Mit Monsieur Hamil, dem Teppichhändler, der alles gesehen hat, tauscht er sich über die Liebe aus, und die angeschlagene Madame Rosa, die einen Aufzug verdient hätte, schiebt er die Stufen des sechsstöckigen Hauses hinauf, in dem Huren, Transvestiten, Weiße, Schwarze und Araber zusammenleben. Als ihr Tod naht, erfüllt er ihr einen letzten Wunsch. Du hast das Leben vor dir löste 1975 in der französischen Literaturwelt einen nie da gewesenen Skandal aus. Romain Gary hatte seinen Roman über die Beziehung zwischen dem Araberjungen und der jüdischen Ex-Prostituierten unter dem Pseudonym Émile Ajar veröffentlicht und erhielt dafür – regelwidrig – zum zweiten Mal den Prix Goncourt. In über 30 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt, wurde es Garys erfolgreichstes Buch. Die Neuübersetzung von Christoph Roeber holt die Erzählstimme des heranwachsenden Momo ins Heute.
Romain Gary war Weltkriegspilot, Filmregisseur, Diplomat und Literat. 1914 als Roman Kacew in eine jüdische Familie in Wilna geboren, kam er 1928 nach Frankreich, 1938 zur französischen Luftwaffe, 1946 in den diplomatischen Dienst, wo er den Namen Romain Gary annahm. Er schrieb rund 30 Romane und hat fünf Pseudonyme benutzt. Als einziger Autor erhielt er zweimal den Prix Goncourt, 1956 für seinen Roman Die Wurzeln des Himmels, 1975 unter dem Pseudonym Émile Ajar für Du hast das Leben vor dir. Romain Gary war mit der Nouvelle-Vague-Legende Jean Seberg verheiratet. Ein Jahr nach deren mysteriösem Tod nahm er sich 1980 das Leben.
»Der Grund, die unendlich zärtliche Geschichte von Momo und Madame Rosa wiederzulesen, ist die Utopie des Romans, die ihn im Jetzt zwingend macht.«
»Momos unverwechselbarer Ton ist in der Neuübersetzung mit Erfindungsreichtum auch im Kniffligen wiedergegeben. Eine lohnende Wiederentdeckung.«
»Du hast das Leben vor dir ist ein überbordendes Buch der Masken; überbordend an Reichtum, Details, Armut, Elend, Härte, aber auch an Humoristischem, an Toleranz [...] Überbordend ist es auch an zwei weiteren Eigenschaften: an Zärtlichkeit und Liebe des so ungleichen herzergreifenden Paares.«
»Gary war um die 60, als er Mitte der 1970er Jahre Du hast das Leben vor dir schrieb, doch ihm gelingt das Erstaunliche: Wir, die Leser, geben uns dem Sog der Erzählung des neugierigen wie unschuldigen, des frechen wie selbstbewussten Jungen hin.«
»Übersetzer Christoph Roeber hat sich des Buchs angenommen, hat dem Ich-Erzähler Momo eine freche Schnauze gegeben, dass es eine Freude ist, die Geschichte neu zu lesen.«
»Persönliche Schicksalsschläge, multikulturelle Konflikte und die harte soziale Realität stehen im Kontrast zur humorvollen, gewitzten Schilderung durch Momo. Überall sehr empfohlen.«