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Die Projekte von Adrián Villar Rojas sind weithin bekannt für ihre immersiven Umgebungen und Erfahrungsräume, die sich in einem Zustand permanenter Raum-Zeit-Reisen zu bewegen scheinen. Sie beschwören verschiedene Zeitlichkeiten herauf, um über die Gegenwart nachzudenken. Von einem lebensgroßen Wal, der in einem Wald in Patagonien gestrandet ist (My Dead Family, 2009), bis hin zu einem gigantischen Hybrid aus Moche-Keramik und Roboterschrott (A Person Loved Me, 2012), verleibt Villar Rojas diese Materialien seiner künstlerischen Praxis ein und erforscht sie - wie beispielsweise den gebrochenen, rohen Ton, dessen Instabilität und Vergänglichkeit sowohl ein ontisches als auch ontologisches Spiel mit der Zeit auslöst und es auf zwei paradoxe Weisen beschleunigt: als Hypertropie seiner Komponenten (Vergänglichkeit) und als hyperbolisierte Referenz auf die ferne Vergangenheit und Zukunft (Permanenz). Die Wahrnehmung des Betrachters wird konfrontiert mit Dingen, die verschwinden, oder mit Eigenschaften aus weit entfernten, unbestimmten Zeiten, sogar aus parallelen Dimensionen.
“With no fixed address and no studio, Villar Rojas styles himself a nomad—and his creations, which take years of research and preparation to achieve, can be similarly transient, just as likely to crumble into dust as to be preserved for posterity.”
Im ältesten Teil des Museumskomplexes, der aus dem 12. Jahrhundert stammt, befindet sich Villar Rojas ständige Installation für MUZEUM SUSCH. From the Series The Theater of Disappearance XXXI (2018), ist eine faszinierende Konstellation von Elementen. Ein niedriger Felsblock ruht auf einer leuchtend blauen Betonplattform und stützt einen rechteckigen, totemartigen Block. Fast bis zur Decke reichend, sind seine Schichten von unterschiedlicher Textur und Farbe mit einer Mischung aus einheimischen Materialien und Objekten bedeckt, sowohl organischen als auch synthetischen Ursprungs, die nach intensiver und nachhaltiger Forschung in lokalen Kontexten gesammelt wurden, um respektvoll ihre geographische, städtische und kulturelle Einzigartigkeit zu erfassen. Von Meeresschnecken, Fischen, Sand, Erden, Korallen und Tierknochen bis hin zu industriellen und handwerklichen Produkten, Samen, verlassenen Nestern, Pilzen, Mineralien, allerlei Gemüse, Pflanzen und sogar kleinen toten Vögeln oder Insekten. Diese irdischen Dinge werden oft von Villar Rojas manipuliert und rekonfiguriert, so wie es bei den hybriden Anordnungen der Fall ist – diezum Beispiel verdrehte bunte Turnschuhe und Muschelarrangements miteinander kombinieren - filigran in den Säulen verkrustet. Villar Rojas wird Monate damit verbringen, lokale Anwohner, Wissenschaftler, Märkte, Kindergärten, historische Stätten, Fabriken und Handwerksbetriebe aufzususchen - jeden Ort, zu dem er von Einheimischen geführt wird, oder auf den er zufällig trifft.
Die Ursprünge dieser ortspezifischen Arbeit liegen in einer Reihe von vier Ausstellungen, die zwischen 2017 und 2018 unter dem Titel The Theater of Disappearance im Kunsthaus Bregenz, NEON am National Observatory Athens, Hill of the Nymphs, Metropolitan Museum of Art in New York und The Geffen Contemporary im MOCA, Los Angeles, stattfanden. Die letzte, als Palimpsest konzipierte Ausstellung, präsentierte existierende Arbeiten, die in der aufgeladenen, immersiven Umgebung, die im Lagerraum des MOCA entstand, modifiziert und rekontextualisiert wurden. Eine intensive blaue Farbe, die normalerweise für die Erzeugung digitaler visueller Effekte verwendet wird, bedeckte die Wände und Böden des Raumes. Deren Verwendung könnte als ein Versuch gelesen werden, diese zukünftigen Artefakte in unserer Gegenwart zu verankern, was uns wiederum veranlasst, über die Zeit nachzudenken, in der wir leben. Wie der Künstler es beschreibt, würden diese Arbeiten “eine Reise von ‚der Kunst‘ zur ‚Hauptsache‘ und dann wieder zurück zur ‚Kunst‘ vollenden”.
From the Series The Theater of Disappearance XXXI bezieht sich auf diese Arbeitsmethode: die geschichtete Säule wurde zuerst als Teil von Planetarium (2015) auf der Sharjah Biennale errichtet; der Steinboden und der versteinerte Stamm, beide ursprünglich aus der Türkei stammend, wurden ursprünglich in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo als Teil von Rinascimento (2015) ausgestellt und dann für die finale Wiederholung von The Theater of Disappearance (2018) wieder zusammengefügt. Erneut beschwört Villar Rojas eine einzigartige Vision der Zukunft herauf, in der organische und synthetische Materie, städtischer Abfall und geologisches Material als Zeugen unserer Vergangenheit berufen werden.
Zahlreiche Wissenschaftler – insbesondere der Ökologe Eugene Stoermer und der Atmosphärenchemiker Paul J. Crutzen – gehen davon aus, dass wir gegenwärtig im Anthropozän leben: einer neuen geologischen Epoche, in der die Menschen so tief und vor allem zerstörerisch auf die Erde einwirken, dass dies in geologischen Schichten in der Zukunft erkennbar sein wird. In diesem Zusammenhang kann Villar Rojas‘ Arbeit als Aussage interpretiert werden, die die Gegenwart bereits als Teil der Vergangenheit ansieht. So wie die einzigartigen geologischen Bedingungen des Engadin-Tales, in dem sich das MUZEUM SUSCH befindet, den Wissenschaftlern einen Einblick in die geschichtete Zeit, die Vergangenheit der Region ermöglichten, bietet From the Series The Theater of Disappearance XXXI einen Einblick in eine Zukunft, in der die Menschheit entweder ausgestorben oder völlig verwandelt ist. Wenn wir überleben wollen, so Villar Rojas, muss diese Transformation jetzt beginnen, einsetzend damit, wie wir die Welt bewohnen und begreifen: “Genau wie die Dinosaurier sich vermehrten, riesig wurden und sich ernährten, bis sie den Planeten entwaldeten [...] die Menschen haben die Dinge so arrangiert, dass wir auf einer selbst erbauten Pyramide stehen, deren einzige höhere Berechtigung eine allmächtige Einheit ist, die nach dem Bild und der Ähnlichkeit des westlichen weißen Mannes geschaffen wurde. Dieses Modell fällt zweifellos auseinander. Auf der eindimensionalen Karte macht sich die Vielfalt breit und entwickelt mehrere alternative Genealogien zu dieser androzentrischen und eurozentrischen Pyramide.” 1
Muzeum Susch App
Für weiterreichende Informationen zu den Künstlerinnen und Künstlern und Werken in der Ausstellung steht ab dem 29. Dezember 2018 die Applikation Muzeum Susch zu Ihrer Verfügung.
“A meditation on integration and growth, the project is also an enquiry into soil, land, and identity. Following extensive research, including visits to archaeological sites in the Peloponnese, Villar Rojas reflected on how, for the Greeks, the ground below is representative of their cultural identity and is fiercely protected.
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In the artist’s native Argentina, soil is the main source of economic development, a means of production that is nevertheless a potent – albeit very different – symbol of nationhood. I’m reminded of the artist’s exhibition at the Serpentine Gallery in 2013, in which he made an ancient world out of clay – a material that he frequently uses.”
“While so much of Villar Rojas’s art over the past decade has sought to present a world in ruins, devoid of humanity, his primary subject is ultimately a portrait of human presence, a bitter (if also poetic) rumination on the dangerous results of human activity on the planet. This explains the melancholic feeling that hangs over so many of his installations. That said, I think there’s also an often overlooked strain of admiration for our species in the artist’s practice, a wonderment for an animal that can produce all the treasures of the Met, or build an observatory housing telescopes capable of seeing stars far into space. The artist has described man as having ‘extra powers’ that nonhuman animals do not.”
“International standards” demand that cultures be pruned until they become decorative gardens for guided tours, or safe landscapes for consumers of artificial adventures. My practice seems to have been opposing this gentrified, domesticated version of the planet. Against this growing homogeneity ruled by these “international standards” I have been trying to propose a heterogeneous version totally ruled by “local possibilities”, as the specific social, geographical, political, economic and institutional contexts are the actual shaping forces, up to the point that the “pieces” themselves have become instruments for measuring the potential of each context. This is what I call a post-human ontology, through which contexts are understood as active forces working before, during and after the “human moment” represented by an agent named Adrian Villar Rojas. All this means that I am equal to rain, wind, a political crisis, a bird pecking the surface of a piece, friendship with locals, or the conservation policies of an institution, to the traditional actions that define me as an “artist”.”