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Serbien hat am Sonntag einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament gewählt. Dabei zeichnete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem pro-europäischen Amtsinhaber Boris Tadic und seinem nationalistischen Herausforderer Tomislav Nikolic ab.
Beide zeigten sich nach Abgabe ihrer Stimme siegesgewiss. Die Beteiligung war nach Angaben von Wahlbeobachtern in den ersten Stunden so hoch wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr, als demokratische Kräfte den inzwischen verstorbenen Staatschef Slobodan Milosevic entmachteten.
Bei der Parlamentswahl liegt Tadics Demokratische Partei (DS) Umfragen zufolge fast gleichauf mit der nationalistischen Serbischen Fortschrittspartei (SNS) von Nikolic. Beide Parteien werden sich aber wahrscheinlich mit anderen Parteien zusammenschliessen müssen, um eine Regierung zu bilden.
Europa als Wahlkampfthema
Erstmals seit Jahrzehnten wurde der Wahlkampf nicht vom Balkan-Konflikt bestimmt, sondern von Wirtschaftsthemen. Bei den Wahlen geht es insbesondere auch um den Europakurs des Landes.
Tadic, der seit 2004 Staatschef ist, hat sich für eine rasche Aufnahme Serbiens in die Europäische Union ausgesprochen. Nikolic sagte, er wolle das Land "im Westen und im Osten" verankert sehen. Allerdings solle Serbien kein EU-Mitglied werden, wenn die Union verlange, dass das Land seinen Anspruch auf das Kosovo aufgebe.
Nikolic versprach im Wahlkampf neue Arbeitsplätze, finanzielle Sicherheit und Auslandsinvestitionen in Milliardenhöhe, sollte seine Partei gewinnen. Es wäre eine Rückkehr an die Macht für die früheren Verbündeten von Milosevic.
Nicht das erste Duell
Es wurde erwartet, dass es wegen eines knappen Ergebnisses zu einer Stichwahl zwischen Tadic und Nikolic am 20. Mai kommen wird. Die beiden Politiker standen sich bereits bei den Präsidentschaftwahlen 2004 und 2008 in einer Stichwahl gegenüber.
Die ersten Ergebnisse werden am späten Abend erwartet. Gleichzeitig mit der Parlaments- und Präsidentenwahl fanden Regional- und Kommunalwahlen statt.
SDA-ATS