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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Siebtes Buch
XVI. Kapitel
99.
1. Denn wie ein getrübtes Auge,1 so kann auch die Seele, wenn ihr Blick durch naturwidrige Lehren getrübt ist, das Licht der Wahrheit nicht genau unterscheiden, vielmehr übersieht sie sogar das, was unmittelbar vor ihr liegt.2 So sagt man, daß in trübem Wasser auch die Aale nichts sehen und man sie deshalb fangen kann.3
2. Und wie böse Buben ihren Schulmeister hinaussperren, so sperren diese Irrlehrer die Weissagungen von ihrer Kirche aus, weil sie die in ihnen enthaltenen Worte des Tadels und der Ermahnung fürchten.
3. Begreiflicherweise flicken sie gar viele Lügen und Erdichtungen zusammen, um den Anschein zu erwecken, daß sie einen triftigen Grund [S. 103] hätten, die Heilige Schrift nicht anzunehmen.
4. Demnach sind sie nicht gottesfürchtig, da sie keinen Gefallen an den göttlichen Geboten, das heißt an dem Heiligen Geiste finden.
5. Und wie man nicht diejenigen Mandeln leer nennt, in denen überhaupt nichts ist, sondern die, deren Inhalt nichts taugt, so sagen wir, daß Irrlehrer diejenigen sind, bei denen von den göttlichen Ratschlüssen und den Überlieferungen Christi nichts zu finden ist, da sie die Urheber von Lehren sind, die in der Tat ebenso bitter sind wie die wilde Mandel, abgesehen von den Lehren, die sie nicht von sich fernhalten und nicht verbergen konnten, weil ihre Wahrheit allzu unbestreitbar am Tage liegt.
1: Mt 6,23.
2: Vgl. A. Otto, Sprichwörter der Römer S. 274.
3: Sacra Par. 275 Holl; zu den Aalen vgl. Aristoteles, Hist. an. VIII 2 p. 592a 6 f.