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Klimadaten November 2014
Im November 2014 verzeichnete die Schweiz Temperaturen im Rekordbereich und im Tessin Jahrhundert
Niederschläge verbunden mit Hochwasser am Lago Maggiore und am Lago di Lugano. Die anhaltende
Wärme liess Frühlingsblumen nochmals blühen und Walderdbeeren reifen.
Rekordwärme vor allem in mittleren Lagen
Im November 2014 lag die Schweiz überwiegend im Einflussbereich sehr milder Südwest- und Südströmungen.
Die herangeführte Wärme liess die Monatstemperatur vor allem in den nebelfreien höheren Regionen auf ungewöhnlich
hohe Werte ansteigen, zum Teil mehr als 4 Grad über die Norm 1981–2010. In Elm war es mit einem
Überschuss von 4.5 Grad der wärmste November seit Messbeginn 1878. Auf Rang zwei und drei liegen hier die
Novembermonate 1984 und 1994 mit Überschüssen von 4.1 Grad und 3.8 Grad. Rekord-Novemberüberschüsse
verzeichneten auch Davos mit 4.2 Grad (Rang 2 1994, 3.8 Grad) und Engelberg mit 4.1 Grad (Rang 2 1994, 4.0
Grad). Rekordmild war schliesslich der November auch in La Chaux-de-Fonds im Jura mit 3.8 Grad über der
Norm 1981–2010. Der bisherige Rekordnovember brachte hier 3.6 Grad.
In Samedan im Engadin war der November 3.9 Grad milder als die Norm 1981–2010, womit er hier mit dem
Rekordnovember 1994 gleichzieht. Auch in Lugano erreichte der Novemberüberschuss von 2.1 Grad denselben
Wert wie im Rekordnovember 1994.
In Sion stieg die Novembertemperatur 3.8 Grad über die Norm und damit weit über den 1994er-Rekordwert von
3.1 Grad. Diese grosse Diskrepanz zu den übrigen Messstandorten liegt möglicherweise darin begründet, dass
sich jüngst das nähere Umfeld des Standortes auf dem Flugplatz Sion mit dem Bau eines Hangars geändert hat,
und damit im Vergleich zur Situation vor dem Hangarbau andere Messbedingungen herrschen.
In der übrigen Schweiz erreichte die Novembertemperatur 2014 vielerorts die Ränge zwei bis sechs. Gemittelt
über die ganze Schweiz ergibt sich mit einem Überschuss von 3.1 Grad der zweitwärmste November seit
Messbeginn 1864. Der Rekord-November 1994 zeigte sich mit schweizweit 3.3 Grad über der Norm nur wenig
milder. Bereits deutlich weniger milde Verhältnisse brachte der drittplatzierte November 2006 mit 2.4 Grad über
der Norm 1981–2010.
Jahrhundert-Regen im Tessin
Nach einem hochdruckbestimmten sonnigen und sehr milden Herbstwochenende vom 1. und 2. November,
stellte sich vom 2. auf den 3. eine anhaltende Süd-/Südwestströmung ein. Während zwei Wochen floss fast ununterbrochen
feuchtmilde Mittelmeerluft zur Schweiz, auf Alpensüdseite verbunden mit massiven Niederschlägen.
Im Tessin fielen vom 02. bis 17. November 2014 Niederschlagsmengen von ganz seltener Grössenordnung. Am
Messstandort Lugano summieren sie sich auf 538 mm. Im 20. Jahrhundert registrierte Lugano nur einmal eine
grössere 16-Tages Menge. Vom 20. Oktober bis 04. November 1928 fielen hier 547 mm. In der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts war dies auch nur einmal der Fall. Vom 16. bis 31. Oktober 1896 kamen in Lugano 554 mm
zusammen. Für den Messstandort Lugano sind seit Messbeginn 1864 homogene Tagessummen verfügbar.
In der 151jährigen Messreihe von Lugano wurden erst fünf 16-tägige Niederschlagsperioden mit über 500 mm
aufgezeichnet. Neben dem aktuellen Ereignis und denjenigen von 1896 und 1928 lieferte auch die Periode vom
14. bis 29. November 2002 eine Summe von 524 mm, und vom 23. September bis 08. Oktober 1993 fielen hier 514 mm.
Massiv mehr Regen fiel vom 02. bis 17. November 2014 am Messstandort Càmedo im Centovalli. 1080 mm
gingen hier nieder, also doppelt so viel wie in Lugano. Mehr Niederschlag innerhalb von 16 Tagen wurden hier
erst zweimal gemessen. Vom 22. September bis 07. Oktober 1993 waren es 1202 mm, und vom 14. bis 29.
November 2002 lag die Summe bei 1139 mm. Die Messreihe Càmedo startete 1961, umfasst also auch bereits
über 50 Jahre. Die Tagessummen liegen für Càmedo allerdings nicht in homogener Form vor.
Von welch extremer Seite sich das Tessiner Niederschlagsregime in diesen Tagen zeigte, macht ein Vergleich
mit der Alpennordseite deutlich. Im Mittelland fallen im langjährigen Durchschnitt pro Jahr etwa 1000 bis 1200 mm
Regen, soviel wie nun im Centovalli innerhalb von nur zwei Wochen nieder ging.
Hochwasser an den Tessiner Seen
Als Folge der enormen Niederschlagsmengen traten der Lago Maggiore und der Lago di Lugano gegen Monatsmitte
über die Ufer. Die Pegel lagen während zehn Tagen oberhalb der Hochwassergrenze. Der Lago Maggiore
erreichte eine Höchstmarke von 196.41 m ü.M., was rund einen Meter unter dem absoluten Maximum von 197.57
m ü.M. vom Oktober 2000 liegt. Am Lago die Lugano wurde ein Höchststand von 271.88 m ü.M. registriert. Der
Pegel lag damit nur geringfügig unter dem absoluten Maximum von 272.08 m ü.M. vom November 2002
(Seepegeldaten: Bundesamt für Umwelt BAFU).
Lugano mit Rekord-Niederschlag
Lugano erhielt mit 587 mm die höchste November-Niederschlagssumme in der 151jährigen Messreihe. Der bisherige
November-Rekord von 536 mm stammt aus dem Jahr 2002. Den absoluten Monatsrekord am Messstandort
Lugano hält der Oktober 1896 mit 743 mm.
In Locarno-Monti fiel mit 733 mm die zweithöchste Novembersumme in der bis 1883 zurückreichenden Messreihe.
Deutlich mehr Niederschlag gab es hier im November 2002 mit 790 mm. Mehr Niederschlag als der
November 2014 lieferten hier auch die Oktobermonate 1889 (885 mm), 1896 (756 mm) und 1993 (745 mm) sowie
der September 1965 (750 mm). So wie am Standort Locarno-Monti fiel im Tessin verbreitet die zweithöchste
November-Niederschlagssumme, und der Novemberrekord stammt überall aus dem Jahr 2002. Die Messreihen
reichen in der Regel bis ca. 1960 zurück.
Föhnrekord am Zürichsee
Gleich zu Beginn der anhaltenden Süd-/Südwestlage mit den enormen Niederschlägen auf der Alpensüdseite
tobte über den Alpen und im Norden ein ausgeprägter Föhnsturm. Bereits am 3. November erreichten die Böenspitzen
in Gipfellagen über 160 km/h und in den Föhntälern über 100 km/h. Am 4. lagen die Werte auf den
Gipfeln zwischen 170 und 190 km/h, und Bad Ragaz registrierte mit 131 km/h die zweithöchste Böenspitze in der
allerdings sehr kurzen Messreihe seit 1997. Rang 1 mit 135 km/h vom 29.4.2012 wurde ebenfalls bei starkem
Föhn registriert. In Wädenswil am Zürichsee lieferte der Föhn mit 107 km/h die höchste Föhn-Böenspitze in der
über 30jährigen Messreihe. Die absolut höchste Böenspitze erreichte in Wädenswil 131 km/h. Sie wurde am
26.1.1995 während eines winterlichen Gewittersturms gemessen.
Schnee im Norden bis in tiefe Lagen
Eingebettet in die anhaltende November-Wärme floss am 5. und 6. Kaltluft zur Alpennordseite. Gleichzeitig
transportierte eine kräftige südliche Höhenströmung feuchte Luft über die Alpen, was vor allem in den östlichen
Alpen heftige Schneefälle auslöste. Entlang des östlichen Alpennordrandes gab es Schnee bis in tiefe Lagen. Am
Messstandort Elm auf 958 m ü.M. fielen innerhalb eines Tages 48 cm Neuschnee. Mehr Neuschnee innert
Tagesfrist zu einem so frühen Zeitpunkt des Winters wurde in der über 100jährigen Elmer Schneemessrehe erst
fünfmal aufgezeichnet. Rekordhalter ist der 28. September 1885 mit 65 cm. In Andermatt auf 1438 m ü.M. fielen
vom 5. auf den 6. November gar 70 cm Neuschnee. Das bedeutet Rekord für einen so frühen Zeitpunkt des
Winters in der bis 1965 zurückreichenden Messreihe.
Mit Hochdruck in den Bergen sehr mild
Im letzten Monatsdrittel führte ein Hochdruckgebiet über dem Mittelmeerraum vom 20. bis zum 26. in der Höhe
sehr milde Luftmassen aus Südwesten und Süden zur Schweiz. In höheren Lagen über den Nebelgebieten
stiegen die Tagesmitteltemperaturen verbreitet 6 bis 10 Grad, vereinzelt sogar bis knapp 12 Grad über die Norm
1981-2010. In der über 50jährigen Adelbodner Messreihe (1320 m ü.M.) wurde am 23. November mit 10.9 Grad
die zweithöchste Tagesmitteltemperatur für das letzte Novemberdrittel registriert. Der Rekordwert vom 23.
November 2003 lag mit 11.3 Grad nur unwesentlich höher. Im langjährigen Durchschnitt bewegen sich die Tagesmitteltemperaturen
in Adelboden zu dieser Zeit nur knapp über Null Grad.
Blattfall der Buchen normal bis spät
– vereinzelt blühen Frühlingsblumen
Anfang November wurde an einigen Standorten erst die Blattverfärbung der Buche beobachtet, obwohl diese
Phase normalerweise im Oktober auftritt. Verglichen mit der Normperiode von 1981–2010 ist dies sehr spät mit
einem Rückstand von über zwei Wochen. Besser zum Monat November passen die Meldungen über den Blattfall
der Buchen, die aus allen Landesteilen und Höhenstufen vorliegen, jedoch grosse zeitliche Variationen zeigen.
Die Meldungen zum Blattfall der Buchen konnten im Oktober als normal bis sehr früh eingeordnet werden,
während jene im November zu einem normalen bis sehr späten Zeitpunkt auftraten. Der Nadelfall der Lärche wird
erst seit 1996 beobachtet. Im Mittel der Periode 1996–2013 fallen die Lärchennadeln in der ersten Novemberhälfte.
In diesem Jahr liegen viele Beobachtungen im Bereich dieses Mittels, an gewissen Stationen lagen die
diesjährigen Termine jedoch deutlich zu früh und oder zu spät. Die Lärche ist ein Beispiel dafür, dass viele
Bäume in diesem Herbst sehr schwierig zu beobachten waren: die Nadeln färbten sich erst gelb, nachdem schon
über 50% der Nadeln gefallen waren, wie ein Beobachter mitteilte.
Die milden Herbsttemperaturen führten dazu, dass einige Wiesen- und Gartenpflanzen auch im November weiter
blühten oder nochmals aufblühen konnten, z.B. Löwenzahn oder Gartenrosen. Zudem blühten vereinzelt Frü
hlingsblumen. Uns liegen Beobachtungen vor von blühenden Veilchen, Buschwindröschen, Frühlingsenzian,
Schlüsselblumen und Walderdbeeren, die sogar noch reife Früchte trugen. Ähnliche Beobachtungen wurden
auch im sehr milden Herbst 2006 gemacht.
Monatsbilanz
Die November-Temperatur lag in den Niederungen der Alpennordseite verbreitet 2 bis knapp 3 Grad, in mittleren
und hohen Lagen 3 bis 4.5 Grad über der Norm 1981–2010. Im Flachland des Tessins erreichten die Überschüsse
meist 2 bis 2.5 Grad.
Die Niederschlagsmengen waren insbesondere auf der Alpensüdseite und im Engadin massiv überdurchschnittlich
mit verbreitet 260 bis 460 Prozent der Norm 1981–2010. Im Tessin fielen regional sogar über 500
Prozent der Norm. Von den Walliser Südtälern über das Gotthardgebiet bis ins westliche Graubünden gab es 190
bis 330 Prozent der Norm 1981–2010. In den übrigen Gebieten lagen die Monatssummen meist zwischen 85 und
150 Prozent der Norm.
Als Folge der anhaltenden Niederschlagstätigkeit in der ersten Monatshälfte erreichte die Sonnenscheindauer auf
der Alpensüdseite und im Engadin nur 60 bis 70 Prozent der Norm 1981–2010. Deutlich unterdurchschnittlich war
die Sonnenscheindauer auch in den typischen Nebelgebieten entlang des Jura-Südfusses vom Genfersee über
den Kanton Aargau und Schaffhausen bis zum Bodensee mit nur 50 bis 80 Prozent der Norm. In den übrigen
Gebieten waren es meist 80 bis 130 Prozent der Norm.

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