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Der Pro-Kopf-Verbrauch von Wasser liegt in der Schweiz knapp über dem Weltdurchschnitt. Das Problem ist, dass die Schweiz einen grossen Teil ihres Wasser-Fussabdrucks im Ausland hinterlässt, vor allem in Ländern mit Wasserknappheit.
Rund vier Milliarden Menschen, fast zwei Drittel der Weltbevölkerung, leiden mindestens einen Monat pro Jahr unter Wasserknappheit. Und 2015 hatten drei von zehn Menschen auf der Welt keinen Zugang zu Trinkwasser.
Die Zahlen gehen aus einem Bericht der Vereinten Nationenexterner Link (UNO) zum heutigen Weltwassertagexterner Link (22. März) hervor. Dieses Jahr stehen die Symptome der Ausgrenzung und Möglichkeiten zur Überwindung von Ungleichheiten im Fokus.
160 Liter Wasser für eine Tasse Kaffee
Die Schweiz, wegen ihrer Berge und Gletscher als das "Wasserschloss Europas"externer Link bekannt, verfügt über reichlich Wasserressourcen. Trotzdem ist sie nicht immun gegen globale Probleme des Wasserhaushalts.
Die Zahlen der UNO zeigen, dass eine Person in der Schweiz pro Tag im Schnitt 4200 Liter Wasser verbraucht. Der Wasser-Fussabdruck berücksichtigt sowohl die direkte Nutzung von Wasser – z.B. zum Kochen, Waschen und Putzen – sowie die indirekte Nutzung, das heisst, das "virtuelle" Wasser, das für die Produktion von landwirtschaftlichen und industriellen Gütern benötigt wird.
Im Fall des Kaffees beispielsweise brauche es 160 Liter Wasser, um eine einzige Tasse voll zu produzieren, erklärt Emmanuel Reynardexterner Link, Professor für Geographie und Nachhaltigkeit an der Universität Lausanne.
Schweizer Wohlstand dank ausländischen Wasserressourcen
Auch wenn der Wasserverbrauch der Schweiz pro Kopf im weltweiten Durchschnitt liegt, zeigt die Analyse ihres Wasser-Fussabdrucks eine Besonderheit: Ein Grossteil des von den Schweizerinnen und Schweizern verbrauchten Wassers ist "importiert":
82% des Schweizer Wasserverbrauchs fällt durch Waren und Dienstleistungen an, die aus dem Ausland eingeführt werden. Zum Vergleich: Dieser Wert liegt in den USA bei 20% und in Italien bei 60%, wie die Stiftung Barilla Center for Food & Nutritionexterner Link erklärt.
Dieser hohe Prozentsatz für die Schweiz sei "problematisch", sagt Sophie Nguyen Khoa Manexterner Link, Expertin für den Bereich Wassersicherheit beim Hilfswerk Helvetas, gegenüber swissinfo.ch. "Die Mehrheit dieser importierten Waren und Dienstleistungen stammt aus Entwicklungsländern, in denen die Wasserressourcen nicht immer in ausreichender Menge und/oder Qualität zugänglich sind, um den Bedürfnissen des Erzeugerlandes gerecht zu werden."
Laut einem Bericht der Umweltschutz-Organisation WWF, der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und einiger Universitätenexterner Link von 2012 "verdankt die Schweiz ihren Wohlstand den Wasserressourcen anderer Länder (....), oft in Gebieten der Erde, in denen das Wasser sehr knapp ist". Darunter Äthiopien, Sudan, Kenia, Indien, Afghanistan und Pakistan.
"Unsichtbares" Wasser auf dem Tisch
Ein vegetarisches Menü halbiert den individuellen Wasser-Fussabdruck, meint die Barilla Center Foundation for Food & Nutrition, die anlässlich des Weltwassertages auf das "unsichtbare" Wasser in der Lebensmittelproduktion hinweist.
So braucht es beispielsweise 19'525 Liter Wasser, um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren, 7485 Liter für ein Kilo Schweinefleisch und 4805 Liter für ein Kilo Pouletfleisch. Für ein Kilo Pasta braucht es hingegen nur 1710 Liter und für ein Kilo Saisongemüse 335 Liter.Infobox Ende
Reduzierung des Wasserverbrauchs
Laut der Helvetas-Spezialistin Sophie Nguyen Khoa Man kann die Schweiz eine "entscheidende" Rolle bei der Reduktion des Wasser-Fussabdrucks spielen, indem sie diese Herstellerländer unterstützt, insbesondere durch Programme zur nachhaltigen Wasserwirtschaft.
Dazu gehören die Einführung von Methoden zur Senkung des Wasserverbrauchs bei der Herstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die Verringerung der Wasserverschmutzung während industrieller Prozesse und die Förderung von Plattformen für Dialog und Austausch zwischen allen Beteiligten, damit die Wasserwirtschaft effektiver und gerechter wird.
Emmanuel Reynard hingegen findet, dass man die Konsumenten stärker sensibilisieren müsste. Zum Beispiel mit Marken, die Produkte mit einem geringeren Wasserverbrauch kennzeichnen.
(Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub und Sibilla Bondolfi)