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Autor: Roman Schmid
Anlässlich einer Grundübung im Studium der Archäologie der Römischen Provinzen an der Universität Bern wurde durch die Studierenden eine Kombinationstabelle der häufigsten und datierungssignifikantesten Terra Sigillata Gefässen erstellt. Jene Tabelle zeigt auf, welche Gefässformen zu welcher Zeit in Gebrauch waren. Die Fundkomplexe, welche zur Auswertung herbeigezogen wurden, liegen allesamt in einem militärischen Kontext. Die Begründung dazu liegt in der zumeist eindeutig fassbaren Gründungs- und Auflassungszeit der Legionslager oder Kastelle.
Das SPARQL-Projekt soll an diese Grundübung anknüpfen und die erarbeiteten Daten nachhaltig nutzbar machen. Die Daten der Kombinationstabelle sollen in Wikidata gespeichert werden, damit einfache Abfragen über den Wikidata Query Service originalgetreue Visualisierungen jener Tabelle ermöglichen. Zudem wird durch die Einspeisung der Daten in Wikidata eine Erweiterung durch Hinzunahme von neuen Fundkomplexen ermöglicht. Anhand der nachfolgenden Abfrage soll ersichtlich sein, welche Terra Sigillata Gefässformen in welchen Horizonten (Fundkomplexen) auftreten und wie lange sie genutzt wurden. Zudem sollen Abbildungen der Gefässe die Daten komplettieren, da jene im schriftlichen Original nicht vorgesehen waren.
Die vorliegenden Daten wurden anlässlich einer Grundübung zusammengetragen. Anschliessend wurde eine Excel-Tabelle ausgearbeitet, welche die verschiedenen Gefässformen in den zwölf Fundhorizonten ausgibt. Diese Tabellenkalkulation wurde als Basis für die Aufnahme in Wikidata genutzt.
Es wurde versucht, möglichst stringente Beziehungen zwischen den Subjekten und Objekten in Wikidata zu erschaffen. Damit soll eine zukünftige Erweiterung der Daten durch das Zufügen von neuen Horizonten oder Gefässformen vereinfacht werden.
Nebst der Aufnahme der bereits vorhandenen Daten wurden jedoch zudem Gefässabbildungen in Wikidata erfasst. Aufgrund rechtlicher Bestimmungen mussten Vektorgrafiken von den in der Literatur (Oswald F, Pryce TD. An introduction to the study of Terra Sigillata treated from a chronological standpoint. London: Longmans, Green & Company; 1920) vorgefundenen Abbildungen erstellt und in Wikimedia Commons hochgeladen werden.
Um möglichst zeitnah die gewünschte Darstellung der Daten durch den Wikidata Query Service zu ermöglichen, wurden zuerst lediglich die Daten zu zwei Gefässformen in Wikidata erfasst. Ebenso wurde bei den Horizonten agiert. Anschliessend wurde die Abfrage so konzipiert, dass alle erforderlichen Daten abgerufen werden können. Rasch wurde klar, dass die in Wikidata Query Service betitelte „Scatter Chart“ die optimale Darstellung der Daten generiert.
Nachdem die ersten Pilotversuche mit den wenigen erfassten Daten das gewünschte Resultat ergaben, wurden auch die restlichen Daten aufgenommen. Erst jetzt wurde ersichtlich, dass sich einige Fehler in der Darstellung eingeschlichen haben. Zum einen wurden die vorchristlichen Jahrzahlen aufgrund der unterschiedlichen Standards der Versionen XSD 1.0 und XSD 1.1 falsch ausgegeben (es wurde bspw. -49 statt wie in Wikidata erfasst -50 angezeigt), zum anderen konnte nicht nach der gewünschten Y-Achse sortiert werden. Dabei handelte es sich bei der zuerst aufgerufenen Y-Achse um einen sogenannten String, welcher sich aus zwei Zeitstempeln zusammensetzte. Das Problem lag darin, dass der Query Service Strings, einfache Zahlen und Zeitstempel unterschiedlich sortiert. Bei Zahlen und Buchstaben wird von 0–9 respektive A–Z sortiert, sobald jedoch Zahlen und Buchstaben einen String bilden, funktioniert jene Sortierung anders.
Um dieses Problem zu lösen, wurde fachmännischer Rat zu Hilfe gezogen und eine Alternativlösung erarbeitet. Da sich die Problemstellung jedoch nicht alleine mit der Umstrukturierung der Abfrage im Wikidata Query Service lösen liess, wurde auf eine „Hartkodierung“ zurückgegriffen, welche nun jeweils nach der Abfrage separat in der Konsole des verwendeten Browsers eingegeben werden muss. Diese Massnahme ist jedoch nicht essentiell, die Abfrage ist auch ohne diese zusätzlich Kodierung verständlich und dient lediglich der zusätzlichen Datenentnahme.
Innerhalb des geschriebenen Codes wurden Bemerkungen zu den jeweiligen Zeilen hinzugefügt um eine Erweiterung der Daten zu vereinfachen sowie die Arbeitsschritte der Abfrage besser nachvollziehen zu können. Leider ist die Kürzung der URL innerhalb des Wikidata Query Services nicht möglich, weshalb dem vorliegenden Paper die gesamte Abfrage im Anhang beiliegt.
Nachdem die Abfrage im Wikidata Query Service eingegeben wurde, erscheint die automatisch eingestellte Scatter Chart. Um nun nicht nur den Startzeitpunkt – nach welchem von alt nach jung sortiert wird – sondern die gesamte Zeitspanne des Horizontes auf der Y-Achse angezeigt zu bekommen, kann via der Konsole des Webbrowsers folgender Code eingegeben werden:
var labels = d3.selectAll('.dimple-custom-axis-label')[0];
var liste = [ [180, '180/190 - 260 AD'], [170, 'bis 170/175 AD'],[167, '167 - 174
AD'], [110, '110 - 160 AD'],[83, '83 - 86 AD'], [72, '72 - 120 AD'],[40, '40 - 70/80
AD'], [-10, '10 BC - 9 AD'],[-11, '11 - 8 BC'],[-20, '20/15 - 9/8 BC'], [-30, '30
BC'],[-50, '50/40 - 30 BC'] ];
for (var label of labels) {
var text = label.innerHTML;
var test = liste.find(el => el[0] == text);
if (test) { label.innerHTML = test[1]}
}
Nun wird der Startzeitpunkt mit der Dauer des Horizontes überschrieben. Je nach Grösse und Auflösung des Bildschirmes sollte die Skalierung der Darstellung angepasst und die Eingabe des Codes wiederholt werden. Die Konsole ist je nach Webbrowser per Rechtsklick oder Tastenkombination aufrufbar. Die drei gängigsten werden kurz beschrieben:
Die Visualisierung der in der Grundübung erarbeiteten Daten als Scatter Chart zeigt das kurzweilige Erscheinen oder langzeitige Bestehen von Gefässformen innerhalb der militärischen Fundkomplexe auf. Anhand jener Daten lassen sich andere Fundstellen datieren. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass es sich bei den verwendeten Horizonten um Fundkomplexe mit militärischem Kontext handelt. Es gibt somit eine mögliche zeitliche Verschiebung, da Gefässe meist im städtischen Umfeld produziert und erst dann in Grenzkastelle oder Legionslager transportiert wurden.
Indem man den Cursor auf einem Datenpunkt verharren lässt, werden die dazugehörigen Daten Horizont, Gefässform und Startzeitpunkt des Horizontes angezeigt. Durch das Anklicken der Horizonte in der Legende können die jeweiligen Horizonte aus- respektive wieder eingeblendet werden.
Wechselt man in die Table-Ansicht oder direkt ins Image Grid, erscheinen zudem Verlinkungen zu den Bildern respektive direkt die Abbildungen der Gefässe.
Bei der allgemeinen Betrachtung der Daten sollte jedoch beachtet werden, dass lediglich eine Auswahl an Terra Sigillata Gefässformen sowie Horizonten zur Auswertung hinzugezogen wurde. Durch neuere Untersuchungen und Studien könnten neue Erkenntnisse erlangt worden sein, welche die vorliegenden Daten ergänzen würden. Dies wäre die geeignete Ausgangslage um eine weiterführende Arbeit mit den erarbeiteten Daten anzugehen.
Ein Ziel dieses Projektes liegt in der nachhaltigen Datennutzung. So sollen die eben erwähnten, zukünftigen Studien in das bestehende Projekt einfliessen können und durch weitere Visualisierungen dargestellt werden. Eine Möglichkeit läge in der Aufnahme von Koordinaten der betreffenden Horizonte und der Darstellung als Kartierung. So könnte man möglicherweise „Vorstösse und Rückzüge“ von Gefässformen am Limes anzeigen lassen.
Aber auch die Erweiterung der bestehenden Daten durch neue Horizonte oder Gefässformen können der jetzigen Standard-Ansicht (Scatter Chart) mehr Aussagekraft verleihen. Schön wäre hier sicherlich, wenn eine Lösung gefunden
würde, wie man Gefässformen auf der X-Achse nach Belieben verschieben könnte. So liessen sich Gefässformen verschiedener „Epochen“ gruppieren und eine Trendlinie entstünde. Anhand jener Trendlinie könnte man die Entwicklung einer Gefässform zu einer anderen besser herauslesen und darstellen.
Bei einer Erweiterung der Daten durch einen neuen Horizont muss in der Abfrage die Objektnummer als „Value“ unter „?Horizontlink“ angefügt und aufgerufen werden. Wenn die Abfrage jedoch anhand von zusätzlichen Gefässformen ergänzt wird, so müssen den jeweiligen Datenobjekten in Wikidata jene Formen zugewiesen werden. Dazu sollte lediglich ein neues Datenobjekt (die Gefässform) erstellt und mittels des Prädikats „besteht aus“ (P527) – bestenfalls mitsamt einem Bild (P18) – dem entsprechenden Horizont zugeteilt werden.