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1892 gründete der Apothekengrosshändler Asa Griggs Candler The Coca-Cola Company nachdem er John Stith Pemberton die Rechte für 2300 US-Dollar abgekauft hatte. 1917 zog er sich aus der Firma zurück und wurde Bürgermeister von Atlanta. Um sein Lebenswerk zu sichern, vermachte Candler die Firma seinem Sohn. Doch dieser veräusserte das Vorerbe heimlich für 25 Millionen an ein Konsortium.
Heute verkauft Coca-Cola täglich 1,76 Milliarden Getränke in 206 Ländern, weist eine Marktkapitalisierung von rund 170 Milliarden aus und einen Zuckergehalt von 106 Gramm pro Liter Standardcola. Offiziell nicht erhältlich ist Coca-Cola in Ländern, die immer noch mit der «Überwindung des Kapitalismus» beschäftigt sind: Auf Kuba trinkt Fidel Castro das von Nestlé vermarktete «Tukola», doch dank Obama ist das Original in Griffnähe.
Während in Hamburg die letzte grosse Cholera-Epidemie ausbrach, liess der amerikanische Ingenieur Jesse Wilford Reno den Vorläufer der heutigen Rolltreppen patentieren. In einer späteren Open-Air-Ausstellung benützten Tausende von Neugierigen erstmals eine rollende Treppe.
Steil abwärts ging es hingegen mit dem Ingenieur Gustave Eiffel. Nachdem er mit dem Eiffelturm (1889) einen weltweiten Triumph gefeiert hatte, krachte seine Eisenbrücke in Münchenstein (1891) zusammen und riss 80 Menschen in den Tod. Bereits ein Jahr später zerstörte der Panamaskandal (1892) seine Reputation endgültig. Für Ferdinand de Lesseps, dem gefeierten Erbauer des Suezkanals, hatte Eiffel in Panama gigantische Schleusen für die bereits bankrotte Compagnie universelle du canal interocéanique de Panama entwickelt. Nachdem 510 französische Parlamentarier und die meisten Zeitungsredaktionen bestochen worden waren, ermunterten Regierung und Medien die Öffentlichkeit zu Aktienkäufen. Fast eine Million Franzosen verloren ihre Ersparnisse. Gustave Eiffel war durch sein Insiderwissen zu einem der reichsten Männer Europas geworden. Während Lesseps zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, erhielt Gustave Eiffel zwei Jahre. Strassen und Plätze, die bereits seinen Namen trugen, wurden wieder umbenannt. Eiffel zog sich in die Anonymität zurück.
Zurückgezogen hat sich auch Paul Gauguin, nachdem er als Arbeiter auf der Panamabaustelle geschuftet hatte. Auf Tahiti lebte er mit der 13-jährigen Teha’amana zusammen, die ihm auch als Modell diente. Im Jahre 1892 malte er zwei Frauen in einer Südseelandschaft, «Nafea faa ipoipo» (Wann heiratest du?). Das auf 300 Millionen Dollar geschätzte Gemälde wurde angeblich 2015 von der Herrscherfamilie von Katar erworben, einer arabischen Monarchie, die vor allem für Scharia, Fifa-Korruption, Menschenrechtsverletzungen und den permanenten sexuellen Missbrauch ausländischer Haushaltangestellten bekannt ist.
Einen eher unfreiwilligen Rückzug aus dem Tagesgeschäft erlebten die fünf Dalton-Brüder. In Coffeyville, im US-Bundesstaat Kansas, wurden vier von ihnen nach mehreren Banküberfällen von einem Bürgeraufgebot gestellt und in einer Schiesserei erschossen. Emmett Dalton überlebte als Einziger und wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, aber 1907 begnadigt. Er arbeitete fortan als Berater für Westernfilme in Hollywood. Ein paar Jahre vor seinem Tod veröffentlichte er die Autobiografie «When the Datlons Rode» (deutsche Ausgabe: «Ich ritt mit den Daltons»). Die Memoiren waren Inspiration für den französisch-belgischen Zeichner Maurice de Bévère, der unter dem Künstlernamen Morris, die «Lucky Luke»-Abenteuer erfand.
Claude Cueni ist Schriftsteller und lebt in Basel.
www.cueni.ch
© Basler Zeitung; 05.06.2015