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Am Montag, 13. Februar 2023, ist mit Madeleine Fonjallaz eine prägende Figur des Schweizer Films verstorben.
Während drei Jahrzehnten arbeitete sie auf den Filmsets zahlreicher Schweizer Filmklassiker mit, u.a. «L’invitation» von Claude Goretta (1972), «Le milieu du monde» von Alain Tanner (1974), «Les Indiens sont encore loin» von Patricia Moraz (1976), «Les petites fugues» von Yves Yersin (1978) oder «Précis» von Véronique Goël (1985), um nur einige davon zu nennen.
Madeleine Fonjallaz wurde 1941 in Pompaples (Kanton Waadt) geboren. 1965 schloss sie ihr Studium an der Universität Lausanne ab und arbeitete anschliessend beim Westschweizer Fernsehen TSR als Mitarbeiterin der Regieabteilung im Bereich Continuity. Diese wichtige Funktion in Spielfilmen stellt die Anschlüsse zwischen Regiepersonen und Regieassistenzen sicher. Zwischen 1974 und 1987 übernahm Madeleine Fonjallaz selber Regieassistenzen und Script / Continuity-Funktionen bei freien Filmproduktionen. 1974 war sie Gründungsmitglied des Schweizerischen Filmtechnikerverbands. Später wechselte sie ins Bundesamt für Kultur (BAK) und stellte ihre Erfahrung in den Dienst der Filmförderung. Von 1987 bis 2001 war sie Teil der Sektion Film des BAK. Darüber hinaus war sie als Vorstandsmitglied des Festivals «Visions du Réel» in Nyon tätig.
Als echte Cinephile traf man Madeleine Fonjallaz fast jedes Jahr in Locarno, in Nyon und auch an den Solothurner Filmtagen. Leidenschaftlich gern, mit Herz und scharfem Verstand diskutierte sie über die Filme, die sie gerade gesehen hatte. An den 22. Solothurner Filmtagen 1987 gehörte Madeleine Fonjallaz erstmals zur Auswahlkommission, u.a. zusammen mit Véronique Goël und Fred Zaugg. 20 Jahre später, an den 42. Solothurner Filmtagen 2007 wurde sie erneut als Mitglied in die Kommission berufen.
Ebenso beeindruckend wie Madeleine Fonjallaz’ Sachverstand war ihr filmisches Gedächtnis. Wie schaffte sie es nur, diese tausenden Filme und ihre Originaltitel, ihre Schauspielerinnen und Schauspieler, die Regiepersonen und Produktionskontexte zu erinnern? An den 55. Solothurner Filmtagen 2020 hatten wir ein letztes Mal die Freude, mit Madeleine Fonjallaz für unser Programm «Histoires du cinéma suisse» zusammenzuarbeiten. Im Rahmen dieser Filmreihe über Schweizer Filmpionierinnen, die ziemlich lückenhaft dokumentiert waren, trafen wir Madeleine Fonjallaz in Bern. Sie hatte bereits eine Liste mit Namen vorbereitet, wovon man einige bis heute nur vom Hörensagen kennt. Sie wusste nicht nur Bescheid über die Werke, die diese Filmemacherinnen erschaffen hatten (und wie gut einige Filme tatsächlich waren), sondern auch über die teils verschlungenen Biografien, die damit verbunden waren. Die Liste umfasste über 30 Namen, nur einer fehlte darauf: ihr eigener.
Mit Madeleine Fonjallaz verliert der Schweizer Film eine grosse Persönlichkeit, die selbstbewusst ihre Positionen verteidigte, grosszügig ihr Wissen teilte und gleichzeitig viele Brücken baute: für die Filmpolitik, zwischen den Sprachregionen, zwischen künstlerischen und technischen Berufen.
Hier geht es zum Nachruf der Cinémathèque suisse.