Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03614.jsonl.gz/1471

Wie findet man heraus, ob der Nachlass überschuldet ist?
Beim Erben denkt man zuerst einmal daran, dass Vermögenswerte vorhanden sind und die Erben Geld, Wertschriften, Schmuck oder Liegenschaften des Erblassers übernehmen werden. Verdrängt wird dabei, dass der Verstorbene nicht nur Vermögenswerte, sondern auch Schulden hinterlassen kann. Benötigt jemand am Lebensende Pflege, ist es gut möglich, dass bis zum Tod das gesamte Vermögen aufgebraucht ist oder sogar Schulden angehäuft wurden.
Im Erbfall gibt es zwei Optionen: Die Erben können die Erbschaft annehmen oder ausschlagen. Bei der Annahme übernehmen sie das ganze Vermögen, inklusive aller Schulden des Erblassers. Bei der Ausschlagung verlieren die Erben jegliche Ansprüche auf das Vermögen, haften aber auch nicht für Schulden des Erblassers.
Was ist zu tun, wenn nicht klar ist, was alles in den Nachlass fallen wird oder welchen Wert bestimmte Nachlassgegenstände haben? Gibt es vielleicht Gläubiger, welche ihre Forderung noch nicht geltend machten? Wie gut steht das Unternehmen des Erblassers da? In welchem Zustand sind die Liegenschaften und was sind diese wert? Welche Schulden liegen vor?
Einen genauen Überblick über das Vermögen inklusive der Schulden verschaffen sich die Erben mit dem öffentlichen Inventar, welches die zuständige Behörde erstellt und bei ihr angefordert werden kann. Im Zug der Inventarisierung wird ein sogenannter Rechnungsruf publiziert. Mit dem Rechnungsruf werden alle Gläubiger aufgefordert, Ihre Forderungen anzumelden. Nach Vorliegen des öffentlichen Inventars kann jeder Erbe entscheiden, ob er die Erbschaft ausschlagen, annehmen oder "unter öffentlichem Inventar" annehmen will. Nimmt ein Erbe die Erbschaft unter öffentlichem Inventar an, können Forderungen, welche im Inventar nicht eingetragen sind, im Prinzip nicht mehr geltend gemacht werden.
Das öffentliche Inventar kostet mehrere tausend Franken. Diese Kosten werden der Erbschaft belastet. Reicht die Erbschaft zur Begleichung dieser Kosten nicht aus, haftet der beantragende Erbe (oder die beantragenden Erben) mit seinem Privatvermögen. Aus diesem Grund sollte man sich gut überlegen, ob das öffentliche Inventar wirklich nötig ist. In gewissen Fällen ist es besser, für bestimmte Fragen einen Sachverständigen beizuziehen. Zu denken ist dabei beispielsweise an Liegenschaftsbewertungen, Unternehmens- und Beteiligungsbewertungen oder die Durchsetzbarkeit von offenen Forderungen.
Das öffentliche Inventar muss innerhalb eines Monats seit Kenntnis des Todes verlangt werden. Zur Ausschlagung einer Erbschaft haben Erben drei Monate seit Kenntnis des Todes Zeit. Verstreicht diese Frist, gilt die Erbschaft als angenommen. Die Ausschlagungsfrist kann verlängert werden.
Mit einem öffentlichen Inventar erhält man Kenntnis über den Nachlass und darüber, ob es sich lohnt, die Erbschaft anzunehmen. Ein vorsichtiges Vorgehen tut Not.
SPEED READ: A public inventory can help deciding whether or not to accept an estate. But it is not necessarily the only option.
SUPErLiRE: Un inventaire avec sommation publique peut aider à décider d'accepter ou non un héritage. Mais ce n'est pas nécessairement la seule option.
Contact: Martin Boos, Roman Kälin-Burgy
AMATIN AG Rechtsanwälte │ Attorneys at Law │ Conseiller Juridiques/Avocats
Für Firmen/KMU und Privatpersonen. │ For companies and individuals. │ Pour particuliers et PME/entreprises. +41 61 202 9191 <email-pii>
Quellenhinweis zur Abbildung & Copyright: Ausschnitt aus:
Génot, François (2014): "Commonplace 7", peinture aérosol sur papier, 180x130cm, aus der Werksarbeit "Les commensales", Sammlung MJWBR. www.francoisgenot.com
AMATIN. RECHT BERATEN. LEGAL MATTERS. NOUS CONSEILLONS LE DROIT.® Basel, Switzerland - in the heArt of the Swiss Economic Backbone Zurich-Basel-Geneva
English version
When it comes to inheritance, the first thing you think about is that assets are available and that the heirs will take over money, securities, jewellery or real estate from the testator. The fact that the deceased can leave not only assets but also debts is suppressed. If someone needs care at the end of their life, it is quite possible that by the time of death all assets will have been used up or even debts accumulated.
Version française