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Die Verhaltensökonomie geniesst viel Aufmerksamkeit. Im jährlich erscheinenden Bericht «The Behavioral Economics Guide» (2019) werden verschiedene Anwendungsbeispiele von verhaltensökonomischen Ansätzen aufgezeigt. Reinschauen lohnt sich.
Neujahresvorsätze adieu
Uri Gneezy beschreibt in der Einleitung des Berichts ein fiktives Beispiel, dass vielen von uns in Ansätzen bekannt vorkommen dürfte. Der 55-jährige John geht zum Arzt und erhält schlechte Neuigkeiten. Er habe 15 Kilogramm Übergewicht, habe Prädiabetes und weise ein hohes Risiko für einen Schlaganfall auf. Die verschriebene «Lösung»: Medikamente, gesünder essen, und vor allem mindestens 30 Minuten täglich spazieren. Wo finden wir John zwei Tage später? Auf dem Sofa, seine Lieblingsserie am schauen. Unser Verhalten zu ändern ist schwer – selbst wenn es um unsere Gesundheit und unser eigenes Interesse geht. Neujahresvorsätze münden auch darum oft im Nichts. Was kann die Verhaltensökonomie dazu beitragen, dass es John leichter fällt, 30 Minuten täglich zu spazieren?
Anreize und Verhaltensänderung
Anreize können ein wirksames Mittel sein, um ein bestimmtes Verhalten anzustossen. Gneezy beschreibt in der Einleitung des Berichts vier Ansätze im Detail:
- Gewohnheiten kreieren: Aller Anfang ist schwer. Dies geht auch John nicht anders. Würde er während den ersten Wochen/Monaten für jeden Besuch im Fitnesscenter eine Entschädigung erhalten, kann ihm dies helfen, regelmässiger ins Fitness zu gehen – auch dann, wenn die Anreize wegfallen. Je öfters er trainieren geht, desto fitter wird er, und desto eher wird ihm der Besuch im Fitnesscenter auch gefallen.
- Gewohnheiten brechen: Das tägliche Feierabendbier sollte John laut dem Arzt ebenfalls stark einschränken. Auch hier können Anreize helfen, indem man z. B. bezahlt wird, um ein bestimmtes Verhalten nicht zu tun. Jedes Mal, wenn John einen Tag nur nicht-alkoholische Getränke konsumiert, könnte er Anreize erhalten. Mit der Zeit gewöhnt er sich ev. an, zuerst zum Wasser statt zur Bierflasche zu greifen und damit seinen Alkoholkonsum einzuschränken.
- Bereitstellung von Anreizen im Vorfeld: Beim Abnehmen sieht man Effekte oft erst über einen längeren Zeitraum hinweg, während die Kosten (z. B. das Trainieren) sehr aktuell sind. Daher fallen uns längerfristige Ziele oft schwer. Für John könnte man die unliebsame Tätigkeit (Sport machen) mit etwas kombinieren, das er mag. Er könnte sich z. B. vornehmen, seine Lieblingssendung nur dann zu schauen, wenn er zur gleichen Zeit auf dem Laufband trainiert.
- Entfernen von Barrieren. Fitnesscenter können teuer sein, oder nicht praktisch gelegen. Bekommt John z. B. einen vergünstigten Preis für die ersten drei Monate, oder Unterstützung bei der Suche eines besser gelegenen Gyms, können seine Barrieren entfernt oder zumindest verkleinert werden.
Der über 260 Seiten schwere Bericht enthält zahlreiche Beispiele aus verschiedenen Branchen und Problemfeldern, z. B.:
- Behavioral Investment Banking. Using Psychology to Improve Advisory Business
- Nudges in Practice
- Behavioral Economics Assessments for Employees
Der Behavioral Economics Guide 2019 bietet einen fundierten Einblick, aktuelle Beispiele und einen Überblick über Anlässe im Bereich Verhaltensökonomie. Viel Spass beim Reinschnuppern!
Weiterführendende Informationen und Quellen:
Samson, A. (Ed.)(2019). The Behavioral Economics Guide 2019 (with an Introduction by Uri Gneezy). Retrieved from https://www.behavioraleconomics.com
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