Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03209.jsonl.gz/1250

Das Ordenshaus der Lehrschwestern vom heiligen
Kreuz
[* 10] in Menzingen (von 170
Schwestern bewohnt) hält eine Töchterpension,
die auch
Lehrerinnen ausbildet.
Der
Boden der
Ebene ist überall kulturfähig und ergiebig. Auf das Ackerland
entfallen 68,4 qkm, auf die Waldungen 44,6 qkm.
Der
Ackerbau liefert besonders
Weizen, doch nicht ausreichend für den
Bedarf, kaum hinreichend
Flachs und
Hanf, viele
Kartoffeln.
Weit bedeutender ist die Obstkultur, von deren Jahresertrag ein namhafter Teil
(»Zuger Schnitze«) zur
Ausfuhr kommt.
Der
»BaarerBoden« ist ein wahrer Fruchtbaumwald; die stattlichen
Nußbäume und die schönen Edelkastanien von Walchwyl sind
eine Zierde des
Landes. Die Rebenkultur (auf 70
Hektar) scheint eher ab- als zuzunehmen. Die Waldungen bestehen größtenteils
aus Nadelholz und würden (im
Verein mit Obstbaumholz und andern
Brennstoffen) den
Bedarf decken, wenn nicht
noch massenhaft
Holz
[* 11] ausgeführt würde. Auf den
Alpen
[* 12] übersommern die schönen
Rinder
[* 13] (insgesamt 10,432
Stück) der reinen
SchwyzerRasse.
Die öffentlichen
Bibliotheken zählen gegen 20,000
Bände. Zufolge der
Verfassung vom welche und revidiert
wurde, ist Zug aus der
Reihe der Repräsentativkantone ausgeschieden und hat sich der reinen
Demokratie
angeschlossen. Über
Gesetze,
Staatsverträge und wichtigere Finanzdekrete findet eine Volksabstimmung statt, wenn unmittelbar
nach der definitiven Schlußabstimmung im Kantonsrat ein Drittel sämtlicher Kantonsräte eine solche verlangt oder binnen 30
Tagen
wenigstens 500 Votanten eine solche
Abstimmung begehren.
Wenn 1000 Stimmberechtigte den
Erlaß, die Aufhebung oder die Abänderung eines
Gesetzes oder einer in
die
Kompetenz der gesetzgebenden
Gewalt fallenden Schlußnahme verlangen, so ist der Kantonsrat verpflichtet, den Volksentscheid
hierüber herbeizuführen, sofern er dem Gesuch nicht von selbst entsprechen will.
Abberufung der verfassungsmäßigen Behörden
besteht nicht. Die
Legislative übt der Kantonsrat, welcher auf 3 Jahre vom
Volke gewählt wird, je 1 Mitglied
auf 400
Seelen, wozu noch 15 direkt durch die Gesamtheit des
Volkes gewählte Mitglieder kommen.
Die
Exekutive handhabt der
Regierungsrat, eine Behörde von 7 Mitgliedern, jeweilig gleichzeitig mit der Integralerneuerung
des Kantonsrats durch das
Volk gewählt. Ein
Obergericht von 7 Mitgliedern wird durch den Kantonsrat auf 6 Jahre ernannt.
Eine Bezirkseinteilung besteht nicht. Jede
Gemeinde hat ihren
Gemeinderat und ihren Friedensrichter. Ein Kantonsgericht entscheidet
über gewisse Zivilstreitigkeiten sowie als Strafgericht. Die Staatsrechnung
¶
Die gleichnamige Hauptstadt, am Fuß des fruchtbaren ZugerBergs und an der Bahnlinie Zürich-Luzern gelegen, von Wein- und
Obstpflanzungen und Wiesen umgeben, hat 6 Kirchen (darunter die außerhalb der Stadt gelegene Kirche St. Michael, die Kirche St.
Oswald mit phantastisch dekoriertem Portal), ein Kapuziner- und ein Franziskanerkloster, ein schönes Kantonsspital, ein Zeughaus
mit geschichtlich merkwürdigen Waffenstücken, Baumwollweberei, Metallwaren- und Tabaksfabrikation und (1888) 5160 Einw.
Die Stadt, auf dem Delta
[* 18] der Lorze und kleinerer Bäche gelegen, hat durch wiederholte Ufereinstürze einen
traurigen Ruf erlangt. Am versank die »niedere Gasse« der Altstadt, mit 26 Häusern; etwa 60 Personen verloren dabei
das Leben. In wiederholten Versenkungen stürzte eine Fläche von mehr als 9000 qm ein mit über 20 Gebäuden
der »Vorstadt«, und 11 Personen verunglückten dabei.
Als primäre Ursache des Unglücks ergab die Untersuchung das Vorhandensein einer ausgedehnten, mächtigen Lage weichen Schlammsandes
unter jüngerm, festerm aufgelagerten Boden von bloß wenigen MeternMächtigkeit. Der Schade wurde amtlich auf ca. 718,000 Fr.
geschätzt; die Liebesgaben betrugen 690,752 Fr., wovon 616,000 zur Verteilung gelangten, der Rest als
Beitrag zu den kostspieligen Sanierungsarbeiten diente (vgl. den amtlichen Bericht: »Die Katastrophe von Zug«, Zürich
[* 19] 1888). Nordöstlich,
am Menzinger Berg, liegt die besuchte Kaltwasserheilanstalt Schönbrunn (698 m).
Zwar mußte Zug wie Glarus
infolge des RegensburgerFriedens 1355 der Herrschaft wieder huldigen, aber 1364 besetzten es die Schwyzer
aufs neue, und durch den SempacherKrieg wurde seine Unabhängigkeit festgestellt. Da der Bund nicht bloß
mit der Stadt, sondern auch mit den drei Dorfgemeinden geschlossen worden war, die ihre Gleichberechtigung eifersüchtig
wahrten, so zählte der eidgenössische Ort Zug nicht zu den »Städten«, sondern zu den »Ländern« und besaß auch eine völlig
demokratische Verfassung mit Landsgemeinde.
Das übrige Gebiet des jetzigen Kantons (Walchwyl, Cham etc.) war dagegen ein erworbenes Unterthanenland
der Stadt. Zug schloß sich stets aufs engste den Waldstätten an, nahm teil an ihren Kämpfen gegen die Reformierten sowie an
ihrem Söldnergewerbe und wurde 1798 mit ihnen zu dem helvetischen KantonWaldstätten verschmolzen. Die Mediationsakte gab
ihm 1803 seine Selbständigkeit wieder; 1846-1847 nahm es teil am Sonderbund, kapitulierte aber schon 21. Nov. vor den entscheidenden
Kämpfen, worauf es 1848 seine Landsgemeinde mit einer Repräsentativverfassung vertauschte. Durch die Verfassungsrevision
vom wurde das Veto und die Initiative eingeführt.
Seit 1870 wieder von den Ultramontanen regiert,
verhielt es sich fast ausnahmslos ablehnend gegen die Bundesgesetzgebung.
Gnippen (1563 m), bekannt durch den Bergsturz vom 2. IX. 1806, vorbei zum Wildspitz
(1583 m), Triangulationspunkt und zugleich höchster Punkt des Kantons;
von da läuft die Grenzlinie, dem Kamme des Rossberges
folgend, zum Kaiserstock (1429 m), fällt dann ab zum südlichen Teil des Aegerithales, welches sie -
kaum 500 m vom See entfernt - durchquert, um dann über die Höhen des
¶
Morgarten (1057 m) das sumpfige Aegeriried zu erreichen, von wo an sie dem kleinen Flüsschen Biber bis zur Gutschsäge folgt;
dann wendet sich die Grenzlinie nördlich, erreicht den Dreiländerstein (1191 m) auf der Hohen Rone, wo die Marchen von Zug,
Schwyz
und
Zürich
zusammentreffen. Die Marchlinie, zuerst westlich, dann nördlich bis zur Sihl hinab, wendet sich dann,
dem Flusslaufe folgend, westlich bis zur Sihlbrugg bei Hirzel, dann in ziemlich gerader Richtung westlich verlaufend bis in
die Nähe von Frauenthal, von wo ab die Lorze den Grenzfluss zwischen den Kantonen Zug
und Zürich
bildet. Von ihrer Einmündung in die Reuss an
scheidet diese bis in die Nähe des luz. Honau die Kantone Zug
und Aargau.
Von Honau an führt die Grenzmarche zuerst südlich, dann östlich,
wieder südlich und abermal östlich, zwischen Zug
und Luzern
bei Böschenrot an den Zugersee.
Die Reussebene, die sich von Hünenberg bis zum Einfluss der Lorze in die Reuss erstreckt, ist über 6 km lang und durchschnittlich,
1-2 km breit, grossenteils fruchtbares Wies- und Acker- teilweise auch ertragreiches Streueland. Grössere Ebenen (etwa 4 km
lang und 1,5-3 km breit) sind die Zuger-Allmend und der Baarerboden; beide sehr fruchtbar und besonders
im nördlichen und mittlern Teil mit zahllosen Obstbäumen besetzt. Neben diesen grossen finden sich noch mehrere kleinere
Ebenen in der Thalgegend; im Berglande ist besonders zu erwähnen die ausgedehnte Ebene auf dem Zugerberge (Geissboden und Walchwilerallmend).
Von den Niederungen der Reuss (tiefst. Punkt 392 m) hebt sich das Gelände ostwärts und erscheint als
Hügelland (höchste Erhebungen in Cham-Hünenberg 493, in Steinhausen 524, in Baar 619 m, Baarburg 687 m). Die Hügelregion
weist auf: fruchtbare Wiesen, zahlreiche Obstbäume,
¶
mehr
grosse, schöne Waldungen und stattliche Bauerngehöfte.
Das Bergland zerfällt in einen östlichen (höchste Erhebung: Hohe Rone 1235 m) und in einen südlichen Teil (mit Rossberg 1583 und
Kaiserstock 1428 m als höchste Punkte). Zwischen diesen beiden Höhenzügen liegt das einzige Thal des Kantons, das
windgeschützte Aegerithal mit dem den Charakter eines Alpsees tragenden Aegerisee. Durch die Einsattelung
an der Schornen (780 m) hängen die beiden Höhenzüge zusammen, während sie sich zwischen Allenwinden und Schönbrunn zur
Thalebene abdachen.
Bei Allenwinden ist der westliche Ausläufer des Höhenzuges, nämlich der Zugerberg in beinahe gerader Richtung von S. nach
N. Grösste Erhebungen: der Grossmattstollen (1169 m), Kleinstollen (1097 m), Hünggi (1043 m) und Hochwacht
(992 m), beide letztern vielbesuchte Aussichtspunkte. Der nö. Teil des Berglandes, zwischen dem Höhenzuge, der von Gubel
(912 m) gegen Hohe Rone sich hinzieht, und der Sihl gelegen, wird von Kuppen und sanft gerundeten Hügeln, zwischen denen kleinere
Ebenen und Thälchen liegen, gebildet.
Die letztgenannten Formationen verleihen der Gegend einen eigenartigen landschaftlichen Schmuck. Aehnlich wie beim Zugerberg,
ist die nördliche Abdachung des Höhenzuges (höchste
Punkte: Gottschalkenberg 1152, Mangeli 1127, Brusthöhe 1183, Knollen 1084 m)
zuerst steil abfallend; sie senkt sich dann langsam über Menzingen-Neuheim gegen die Sihl hinab. Von Steinhausen
(429 m) und mehr noch von Blickensdorf (449 m) an steigt das Gelände, bei letzterm Orte führt die Aberen (560 m), bereits
teilweise auf dem Gebiete des Kts. Zürich,
zur ersten südlichen Thalstufe des Albis.
Das Bergland weist weniger Fruchtbarkeit auf als die Thalgegend; es hat aber schöne Waldungen, Weiden,
besonders in der nördlichen Abdachung und an geschützten Lagen mit zahlreichen Obstbäumen bestandene Wiesengründe.
[A. Weber.]
3. Orographie.
Der Kanton Zug
liegt vollständig in Voralpen und Mittelland. Sein höchster Punkt liegt an seiner Südgrenze, es ist der Gipfel des
Rossberges (1583 m); sein tiefster Punkt ist zugleich sein nördlichster, es ist der Zusammenfluss
von Reuss und Lorze (390 m). Dementsprechend nehmen die Erhebungen successive von Süden nach Norden ab. Sie ordnen sich in
der Hauptsache in zwei den Alpen parallele Züge. Der südliche und kürzere ist der bewaldete, breite Rücken des Rossbergs;
er verläuft vom Thal des Zugersees bis zum Thal des
¶
(Kt. Zug).
Die Stadt Zug hat eine überaus reizende Lage und sehr günstige, klimatische Verhältnisse.
Unter den öffentlichen Gebäuden nimmt das Schulhaus im Neustadtquartier, erbaut von Keiser und Bracher,
¶
mehr
bezogen im Herbst 1909, eine hervorragende Stelle ein. Gilt es doch in baulicher und in schulhygienischer Beziehung als eines
der schönsten und besteingerichtetsten der Schweiz. Die Stadtbibliothek, in der Mitte der Stadt, befindet sich in dem geschmackvoll
restaurierten ehemaligen Zeughaus und zählt etwa 25000 Bände. Im Süden der Stadt erheben sich das Zeughaus,
die Kaserne und die Kantonsschule, deren reichhaltige Sammlungen sehenswert sind. Ferner das höchst gefällige Marienheim,
erbaut von E. Weber, bezogen 1909 und das neue Theater und Kasino, erbaut von Keiser und Bracher, vollendet 1909, ein moderner
Bau, der sich durch ebenso praktische als gefällige Einrichtung auszeichnet.
Das 1855-57 erbaute Bürgerspital und das neben ihm befindliche städtische Waisenhaus an der Strasse nach Arth, sowie das
oberhalb des Dörfchens Oberwil thronende Sanatorium Franziskusheim, eröffnet 1909 (Privatanstalt), verdienen sowohl wegen
ihrer herrlichen Lage, als wegen ihrer durchaus modernen Einrichtung besonders Erwähnung. Schön gelegen und baulich interessant
sind auch das alte Schützenhaus und das Bürgerasyl, beide
im Westen der Stadt an der Chamerstrasse.
Die interessante Waffensammlung befindet sich jetzt im historischen Museum, im Rathaus. Unweit von diesem sind die vorzüglich
eingerichtete Fischbrutanstalt und der Fasanengarten (am See).
Unter den Gebäuden im Privatbesitz sind vorzüglich nennenswert: im nördlichen Stadtteil: die weitläufigen
Gebäulichkeiten der grossen Metallwarenfabriken, das Schlösschen NeuSt. Andreas, die Bank (vormals Sparkassa) und das Etablissement
der Wasserwerke;
in der Mitte der Stadt der Hirschen («Vereinshaus») in italienischem Stil
(galt in der ersten Hälfte des 19. Jahrh. als einer der schönsten Gasthöfe der Schweiz), ferner die Burg, einst Sitz
des habsburgischen Amtmanns, und der Hof, beide mit krenelierten Ringmauern umgeben;
im Süden: der Zurlaubenhof.
Dieser ehemalige
Sitz der Freiherren v. Zurlauben, Thurm und Gestelenburg enthält u. a. einen grossen Saal mit den Bildnissen der französischen
Könige. Unterhalb des Zurlaubenhofes ist die grosse Fabrik elektrischer Zähler und oberhalb das stattliche Pensionat,
¶
mehr
Lehrerseminar b. St. Michael. Links von diesem, der Berghalde entlang, entsteht ein feines Villenquartier. Im Blumenhof, der
ältesten Villa, hat sich der nachmalige französische König Louis Philipp während der franz. Revolution einige Zeit aufgehalten.
Rechts vom Pensionat erhebt sich die Pfarrkirche St. Michael, von Curjel und Moser (in Karlsruhe) erbaut,
ein imposanter, monumentaler Bau, welcher den romanisch-gotischen Grundgedanken mit modernen Bau-Elementen harmonisch vereinigt
und prächtig in das Landschaftsbild hineinpasst. Eine gewaltige Treppe mit 3 Podesten führt zur Eingangshalle, von welcher
aus man eine wundervolle Aussicht geniesst. Oberhalb der Pfarrkirche befindet sich der Friedhof, welchen viele schöne Denkmäler
und eine Kapelle zieren, die eine interessante mittelalterliche Decke besitzt.
Die nahe Klosterkirche v. Maria Opferung enthält treffliche Altargemälde von Deschwanden. Das Hochaltargemälde zeigt eine
ganz eigenartige Verwertung von Gestalten auf Tizians berühmtem Gemälde «der
Tempelgang Mariä». Die gotische, von Magister Joh. Eberhard 1478 gegründete St. Oswaldskirche enthält nebst den
in Bd. VI, S. 843 erwähnten Kunstwerken einen herrlichen Kirchenschatz und ein prachtvolles mittelalterliches
Sakramentshäuschen. Neben der Kirche befindet sich eine Pietà (nach Steinhäusser ausgeführt von Al. Brandenberg). Die
Liebfrauenkirche in der
Altstadt, 1910 restauriert, enthält (ziemlich nachgedunkelte) Deckengemälde von Joh. Brandenberg.
Altargemälde von K. Speck, eine alte Madonnenstatue auf dem Hochaltar und eine St. Agatha Statue (von
Ludw. Keiser) auf einem Seitenaltar. Die kürzlich renovierte Kapuzinerkirche enthält ausser dem berühmten Hochaltargemälde
von Calvaert, 2 schöne Altargemälde v. P. v. Deschwanden.
Sehenswert sind ferner noch die Anlagen am See, der Hirschpark (an der Chamerstrasse) und das schweizerische Bienenmuseum
auf dem Rosenberg (Aussichtspunkt).
Nebst den im Bd. VI, S. 844 genannten Katastrophen ist noch die grosse Feuersbrunst vom zu erwähnen, welche 22 Wohnhäuser
einäscherte.
Infolge der günstigen Lage und der guten Verkehrswege breitet sich die Stadt immer mehr aus. So ist in der Umgebung des
Bahnhofes ein neues Quartier entstanden, das sich jedes Jahr vergrössert und binnen wenigen Jahren auch
eine katholische Kirche erhalten soll.