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Einen einzigen Meistertitel konnte Chelsea London vor der Jahrtausendwende feiern, nämlich 1955. Seither sind es deren drei: 2005, 2006, 2010. Und im vergangenen Frühjahr triumphierten die «Blues» in der Champions League.
Möglich waren die Erfolge dank der Millionen von Roman Abramowitsch. Der Russe entdeckte 2003 sein Interesse am Fussball und entschied sich – je nachdem, welcher «urban legend» man Vertrauen schenken will – mehr oder weniger zufällig für das marode Chelsea.
Das Waisenkind im Machtzentrum
Abramowitsch steckte hunderte von Millionen in den Klub, kaufte Spieler wie Trainer von Weltklasseformat und entliess sie wieder. Um zu verstehen, mit welchem Selbstverständnis der Russe seinen Klub führt, hilft ein Blick auf dessen Werdegang.
Dieser ist ein Paradebeispiel für eine Tellerwäsche-Karriere in der sich auflösenden Sowjetunion. Abramowitsch, der seine Eltern im frühen Kindesalter verloren hatte, nutzte die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Reformen (Perestrojka) unter Michail Gorbatschow Ende der 1980er Jahre, um die Basis zu seinem Imperium zu legen.
Nach 1991 gehörte er dann zu jenen «Biznesmen», welche sich mit unterschiedlichsten Mitteln die Reste der staatlichen Konzerne unter die Nägel rissen. Abramowitsch wurde zu einem der wichtigsten Männer im neuen Staat. Und er war gescheit genug, sich nicht mit Wladimir Putin anzulegen. Das Waisenkind war im Zentrum des Geldes und der Macht angelangt.
Der Kater nach dem Triumph
Dass man mit Geld den sportlichen Erfolg zumindest temporär kaufen kann, hat Abramowitsch mit Chelsea eindrücklich bewiesen. Die Kehrseite der Medaille ist aber eine stete Unruhe, die den Klub umgibt.
Dieses Jahr ist sie besonders gross: Chelsea schied als erster CL-Titelverteidiger überhaupt in der Gruppenphase aus. Roberto Di Matteo, der für Abramowitsch den ersehnten Pokal gewonnen hatte, wurde durch den an der Stamford Bridge alles andere als beliebten Rafael Benitez ersetzt. In der Premier League liegt Chelsea 22 Punkte hinter Manchester United zurück.
Der Klub befindet sich auf einer rasanten Achterbahnfahrt momentan eher auf einer Talfahrt. Wie es weitergeht bestimmt der FC Basel mit – heute Abend im St. Jakob-Park.
Mourinho zurück?
Gemäss einer Meldung der Bild-Zeitung soll José Mourinho in der Sommerpause als Trainer zu Chelsea zurückkehren. Der Portugiese, der die Londoner bereits von 2004 bis 2007 trainiert hatte, soll gleich noch Stürmerstar Falcao von Atletico Madrid mitbringen.
TV-Hinweis
Das Hinspiel im EL-Halbfinal zwischen Basel und Chelsea können Sie ab 20.30 Uhr auf SRF zwei und hier im Livestream mitverfolgen. Auf Radio SRF 3 werden Sie mit regelmässigen Live-Schaltungen in den St.Jakob-Park informiert.