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Welche Einstellungen hat die Bevölkerung der Schweiz gegenüber Menschen mit fahrender Lebensweise? Zum Beispiel gegenüber gewissen Jenischen und Sinti? Auf welche potenziellen Hindernisse könnten diese Menschen in der Schweiz stossen?
Fahrende Lebensweise
Vergleich verschiedener Lebensweisen. Wie werden unterschiedliche Lebensweisen von der Bevölkerung akzeptiert, wenn es darum geht:
- Kinder mehrere Monate im Jahr von der Schule zu nehmen? Mit einem Fernbleiben aufgrund der fahrenden Lebensweise der Eltern sind 53% einverstanden. Sind berufsbedingte Gründe dafür massgebend, liegt der Anteil der Akzeptanz bei 42%. Der am meisten akzeptierte Grund ist die Arbeit auf einer Alp (60%).
- Ein Feld zu vermieten? Mit dem Abstellen von Wohnwagen durch Personen mit fahrender Lebensweise sind 58% einverstanden. Dient die Feldvermietung einem Musikfestival, liegt die Zustimmung bei 61%. Der am meisten akzeptierte Grund ist das Durchführen eines Pfadfinderlagers (84%).
Zwei Drittel der Bevölkerung finden, dass Menschen mit fahrender Lebensweise Teil der Schweizer Vielfalt sind. Wenn es um die Unter-stützung dieser Menschen geht, sind 56% der Meinung, dass die Schweiz mehr tun sollte.
61% der Bevölkerung betrachten die Diskriminierung von Menschen mit fahrender Lebensweise in der Schweiz als ein sekundäres gesellschaftliches Problem. Betreffend Diskriminierungserfahrungen sind 60% der Ansicht, dass Beschwerden dieser Personen zu häufig sind.
Anhand von Alltagssituationen zeigen die nachfolgenden Zahlen auf, wie die Bevölkerung bestimmte Verhaltensweisen, die von Menschen mit fahrender Lebensweise als diskriminierend empfunden werden, wahrnimmt. Die meisten Situationen werden von 70% bis 90% der Bevölkerung als diskriminierend gegenüber Menschen mit fahrender Lebensweise eingestuft.
Stand- und Durchgangsplätze
Die Bevölkerung befürwortet die Bereitstellung von Plätzen eher, wenn diese für Schweizerinnen und Schweizer (54%) als für ausländische Staatsangehörige (38%) bestimmt sind.
Sind die Plätze für Schweizerinnen und Schweizer mit fahrender Lebensweise bestimmt, sind rund 70% der Bevölkerung für die Einrichtung im eigenen oder in einem anderen Kanton. Soll der mögliche Platz hingegen in der eigenen Gemeinde liegen, sind es noch 60%. Bei Plätzen für ausländische Staatsangehörige sprechen sich zwischen 46% und 48% der Bevölkerung für die Einrichtung im eigenen oder in einem anderen Kanton aus. Soll der Platz in der eigenen Gemeinde zu liegen kommen, sinkt der Anteil der Zustimmung auf 42%.
Jenische und Sinti
Nahezu zwei Drittel (63%) der Bevölkerung finden, dass die Kultur und die Musik von Jenischen und Sinti eine Bereicherung für die Schweiz sind. Nur 18% vertreten die Ansicht, dass Jenische und Sinti ihre Kultur aufgeben müssen, um sich zu integrieren. Die Kultur der Jenischen und Sinti soll nach Ansicht von 43% der Bevölkerung gefördert werden, 55% lehnen dies ab. Drei Viertel der Bevölkerung (75%) sind der Meinung, dass es mehr Aufklärung zur Geschichte und Kultur der Jenischen und Sinti in der Schweiz braucht.
Weiterführende Informationen
Publikationen
Tabellen
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Definitionen
Fahrende Lebensweise: Die fahrende bzw. nomadische Lebensweise wird von verschiedenen Gruppen gepflegt und steht in Verbindung mit einer Erwerbstätigkeit. Bis ins 19. Jahrhundert war sie eng mit der Landwirtschaft verbunden und daher auch stark verbreitet. Die Menschen wurden erst im Zuge der Industrialisierung und der Entstehung des Nationalstaats mehrheitlich sesshaft.
Jenische und Sinti: Jenische sind eine autochtone Minderheit, die seit jeher in der Schweiz ansässig sind. Zusammen mit den ebenfalls seit langem ansässigen Sinti sind sie in der Schweiz im Rahmen des Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten als Minderheit anerkannt. Für beide Minderheiten ist die fahrende Lebensweise ein zentraler Aspekt ihres kulturellen Selbstverständnisses, dies obwohl heute eine Mehrheit von ihnen, zum Teil unter Zwang, sesshaft lebt.
Quellen
Modul Diversität, Erhebung zum Zusammenleben in der Schweiz (ZidS)