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Die Zeit nagt an den Spuren
Die Häusertafeln «Spuren der Zeit» erstellte der Verkehrsverein Wila im Jahr 2001.
Aus der Geschichte Wilas
Woher der Name Wila kommt, ist umstritten. Einige leiten den Namen von den lateinischen Wörtern «Villa» (Landhaus) oder «Villara» (Weiler) ab. Andere vermuten die keltischen «Velia» oder «Veleia» dahinter, was «die Seherei» bedeutet.
Eines ist sicher: Bereits um das Jahr 700, in der Frühzeit des Christentums, stand auf dem heutigen Kirchenhügel eine Kapelle aus Holz. Das haben Ausgrabungen bewiesen. Schriftlich wird der Dorfname erstmals 1275 erwähnt, in einer Urkunde des Bistums Konstanz. 1288 wurde erstmals in einem Dokument die Wallfahrtskapelle Wila erwähnt. Später entbrannte zwischen den Bewohnern der Dörfer Turbenthal und Wila ein Streit darüber, welche der beiden Kirchen Mutter- und welche Filialkirche sei. 1383 wurde der Streit zugunsten von Turbenthal entschieden. Schon 1466 wurde Wila allerdings selbstständige Pfarrei.
Die Geschichte Wilas ist eng mit jener des Adelgeschlechts der Landenberger verknüpft. Das Dorf war im Besitz verschiedener Familienzweige. Am längsten gehörte es den Herren von Breitenlandenberg, deren Schloss sich ob Turbenthal befand. 1444 kauften die Breitenlandenberger das Dorf und übten hier während mehr als 300 Jahren die Gerichtsherrschaft aus.
Wila war schon früh nicht nur ein Bauerndorf. Bereits im 16. Jahrhundert begann die Heimarbeit aufzukommen. Laut einem Chronisten wurde schon damals im Dorf Baumwolle gesponnen. Ihren Höhepunkt erreichte die Heimarbeit um 1800: Damals fand mehr als die Hälfte der Dorfbevölkerung mit Spinnen und Weben ein Auskommen - auch Kinder mussten in den dunklen und feuchten Webkellern arbeiten. Ihre Produkte brachten die Heimarbeiter in die Städte. Das war mühsam, denn bis in die dreissiger Jahre des 19. Jahrhunderts gab es im Tösstal keine durchgehende Strasse; Fuhrwerke benutzten das holprige Flussbett der Töss. Mit der Strasse veränderte sich das Dorfbild: Entlang der Strasse entstanden neue Häuser. Die Eisenbahnlinie von Winterthur nach Rapperswil wurde 1876 gebaut. Die Elektrizität kam um das Jahr 1910 nach Wila.
Im 19. Jahrhundert siedelten sich im Dorf auch einige Industriebetriebe an. 1830 nahm die erste mechanische Spinnerei den Betrieb auf. Später gab es in Wila gar eine Teigwarenfabrik. Die zahlreichen Gewerbebetriebe blieben bis heute wichtige Arbeitgeber.
Von der Idee zur Realisierung
Rund ein halbes Dutzend Frauen und Männer aus Wila wollten um die Jahrtausendwende mehr über ihre Gemeinde wissen. Sie stiegen in Archive, lasen in alten Chroniken und befragten andere Dorfbewohner. Das Resultat der Arbeit sind 25 Häusertafeln, die Geschichte und Geschichten erzählen.
Auf den Tafeln kommen wichtige Eckpunkte der Ortsgeschichte zur Sprache - aber auch Alltägliches aus vergangener Zeit. Beispiele dafür sind schon beinahe vergessene Handwerke oder die Kinderarbeit in den dunklen Webkellern. Gelegentlich stiessen die Forscher ausserdem auf spannende Berichte. So ist auf einer Tafel von einem grossen Kriminalfall aus dem 18. Jahrhundert die Rede.
Die Tafeln sollen den Lesern ein buntes Bild des früheren Dorflebens vermitteln. Am Ende des Rundgangs im Dorf wird mit einer Tafel allerdings auch eine Brücke in die heutige Zeit geschlagen. Übrigens: Die Forscher mussten für die Tafeln eine Auswahl treffen. Längst nicht alle interessanten Gebäude konnten berücksichtigt werden .
Ermöglicht hat das Projekt der Verkehrsverein Wila. Finanziell unterstützt wurde das Vorhaben ausserdem von der Gemeinnützigen Gesellschaft, Sektion Wila.
Häusertafeln im Dorf
- Kirche - Den Standort sollen Geister bestimmt haben
- Alte Post - Das schöne Riegelbaus beherbergte das erste Postbüro
- Nudli - Die Teigwaren waren auch im Dorf Wila sehr beliebt
- Talacker - Ein innovativer Handwerker produzierte eigenen Strom
- Korbwarenfabrik - Eine Fabrik mit literarischem Hintergrund
- Altes Schulhaus - Erste repräsentative Schule Wilas (eingeweiht 1895)
- Sehmitte - Die Bauern bezahlten den Schmied oft mit Naturalien
- Gasthof Ochsen - Der Wirt beging einen Frevel - er wurde enthauptet
- Krämerladen - Die Handlung Schoch bestand mehr als I00 Jahre
- Peterhaus - Seile verschiedenster Art stellte Otto Peter bis 1962 her
- Gerbi - Die Lederproduktion hatte in Wila eine lange Tradition
- Pfarrhaus - Wie der Pfarrer während der Bauarbeiten leiden musste
- Heimindustrie - Einst Zusatzerwerb der halben Bevölkerung
- Rosenberg - Das Badewasser hatte heilende Wirkung
- Mühle / Sägerei - Was ein Wasserrad mit Eis zu tun hat
- Windenmacherei - Lastenheben leicht gemacht
- Katzenbach - Die Flarzbauten, typischer Baustil im Zürcher Oberland
- Hirschen - Die vermutlich älteste Gaststätte des Orts
- Chäppeli - Ein Gefängnis vor allem für Trunkenbolde
- Siedlung am Lochbach - Ein Brückenschlag in die heutige Zeit
Häusertafeln ausserhalb des Dorfes
- Aegetswil - Religiöser Fabrikant gegen Industrialisierung
- Talgarten - Ein Zentrum für das ganze Steinenbachtal
- Ottenhub - Ein Schreiner produzierte Geräte für die Heimindustrie
- Hinzberg - Landwirtschaft und schutzwürdiger Speicher
- Hochlandenberg - Die mittelalterliche Burg stand nicht lange
Quellen
Weitere Informationen finden Sie in den folgenden Pdf-Dateien.
Hinweis, dieses Projekt ist aktuell in Revision durch die Mitglieder der Ortsmuseumskommission Wila, in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein Wila.