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Bild links: Alexander Humbold beobachtet in Venezuela die Leoniden von 1799; Bilder rechts: Hoba- Meteorit (Namibia) bei seinem Auffinden und heute. Der Hoba-Meteorit ist eine Ataxit und gehört somit zu einer der seltensten Meteoritenklassen. Zudem ist er mit 2,7 x 2,7 x 09 m der bisher grösste gefundene Einzelmeteorit. Er besteht aus 82 % Eisen, 16 % aus Nickel, 1 % Cobalt (+ Spurenelemente) und wiegt 60 t.
Von Meteoren zu Meteoriten
Die Meterschauer sind nach den Sternbildern benannt in denen ihr Radiant liegt, etwas profaner ausgedrückt, "aus denen sie zu kommen scheinen".
Die ZHR (Zenithal Hourly Rate) ist die durchschnittlich pro Stunde zu erwartende Zahl an Meteoren.
Kleinere Meteoriten werden in der Atmosphäre praktisch ganz abgebremst. Bleibt etwas von ihnen übrig, fällt das Stück im freien Fall zur Erde. Ein faustgrosser Brocken saust zwar immer noch ganz anständig in der Luft und erzeugt unterschiedliche Geräusche, die von Zischen bis zu Knallen gehen können. Krater schlagen aber solche Gebilde auf der Erde keine mehr, bestenfalls mehr oder weniger tiefe Löcher (abhängig vom Untergrund). Um einen Krater bilden zu können, braucht der fallende Körper einen grossen Teil seiner ursprünglichen Energie. Er muss also so gross sein, dass ihn die Atmosphäre nicht zu stark abbremsen kann. Forscher gehen davon aus, dass die kritische Masse für einen praktisch ungebremsten Impakt (Einschlag) bei ca. 100 Tonnen liegt. Der "Dinosaurierkiller" auf der Halbinsel Yukatan in Mexiko hatte eine geschätzte Masse von 1'000 Milliarden Tonnen. Er hat einen Krater von 200 km Durchmesser geschlagen, was aber alleine kaum gereicht haben dürfte, um die Dinosaurier auszulöschen. Der Meteorit, der wohl einen Durchmesser von 10 - 15 km gehabt hat, ist mit einer Geschwindigkeit von 150'000 km/h auf die Erde getroffen. Dabei hat er eine Energie freigesetzt, die gut 200'000mal grösser war, als die Energie des gesamten Kernwaffenarsenals der Menschheit. Die grösste heute noch erhaltene Meteoritenmasse, der Hoba-Meteorit in Namibia, wiegt ca. 60 Tonnen. Dieser Meteorit hat bei seinem Impakt keinen Krater geschlagen (!).
Ein Eisemmetorit muss ca. 50 m Durchmesser haben, um die Atmosphäre ungebremst passieren zu können, ein Steinmeteorit muss mindestens doppelt so gross sein. Die Erdatmosphäre bildet also gegen viele Meteoroide eine wirksame Schutzschicht, indem sie kleine Himmelskörper schon vor einem Aufschlag verglühen lässt. Trotzdem - oder besser - gerade deswegen rieselt ständig ein Regen kosmischen Staubes auf die Erde, ohne dass wir es merken und schlagen täglich gut 100 Meteoriten im Kilogrammbereich auf die Erde. Da aber weite Teile der Erde nicht besiedelt sind (Weltmeere, Eiswüsten, Wüsten, Berge, Steppen…), bleiben die meisten unbemerkt. In der Schweiz können wir statistisch mit ca. 2 Meteoriten im Kilogrammbereich pro Jahr rechnen. Kleinere sind etwas häufiger, bei grossen dehnt sich die Zeitskala (glücklicherweise) in den Bereich von Jahrhunderten, Jahrtausenden oder gar Jahrmillionen.
Nach statistischen Schätzungen fallen also mehrere Meteoriten mit 50 m Durchmesser im Jahr auf die Erde. Auf Meteoriten mit 75 m Durchmesser müssen wir gut 1'000 Jahre warten. Mit einem 100 m-Meteoriten dürfen wir alle 2'000 Jahre rechnen. 200 m-Meteoriten fallen statistisch alle 7'000 Jahre, 300 m-Meteoriten alle 12'500 Jahre. Ein 400 m-Brocken lässt gut 17'000 Jahre auf sich warten, ein 1'000 m-Monstermeteorit ist alle 125'000 Jahre fällig. Beim Chicxulub-Meteoriten mit wahrscheinlich 10'000 m Durchmesser ist die Zeitskala schon auf gut 70 Millionen Jahre gedehnt, erdgeschichtlich aber immer noch eine relativ kurze Zeit!
Diese Schätzungen zeigen, dass wir uns vor Meteoriteneinschlägen nicht sonderlich zu fürchten brauchen, dass sie aber für die Menschen (neben dem Menschen) eine ernsthafte Bedrohung der Gattung Homo sapiens darstellen. So wie der Mensch wahrscheinlich sein Erscheinen auf diesem Planeten Meteoriten oder Kometen zu verdanken hat, kann ein Meteorit oder ein Komet auch das Ende allen Lebens zeitigen. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Mensch bis dahin schon selber für seinen Untergang gesorgt hat.
Für mich als Geschichtslehrer interessanter ist die Tatsache, dass der Mensch in seiner Kulturgeschichte wahrscheinlich schon mehr als einen erheblichen Meteoriten- oder Kometeneinschlag erlebt hat, der auch im kollektiven Bewusstsein und in der Kultur (in Mythen und Sagen) der betroffenen Völker Spuren hinterlassen hat. Vor diesem Hintergrund habe ich den Artikel "Der Sturz des Phaéton" von Günter Bischoff im Internet mit grossem Interesse gelesen (Link unten). Hier wird auch klar, warum das Einzige, was die Kelten fürchteten, war, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Offenbar waren sie in vor- oder frühgeschichtlicher Zeit Zeugen eines grösseren Meteoritenfalls geworden.
Übrigens sind 95% der gefallenen Meteoriten Steinmeteoriten. Eisenmeteoriten machen 4%, Steineisenmeteoriten 1% der Fälle aus. Dass die Prozentzahl der Eisenmeteoriten bei den Funden mit 18,6% doch einiges höher ist, liegt in der Natur des Materials, das der Erosion länger widersteht und mit Metalldetektoren leichter auffindbar ist.