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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

9. Vortrag.
6.
Beachtet aber, was er selbst sagt: "Was geschrieben steht im Gesetze, in den Propheten und den Psalmen". Wir wissen aber, von welchen Zeiten an das Gesetz erzählt, nämlich vom Anfang der Welt an: "Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde"1 . Von da an bis zu der Zeit, in der wir jetzt leben, ist das sechste Zeitalter, wie ihr oft gehört habt und wißt. Denn das erste Zeitalter wird gerechnet von Adam bis Noe, das zweite von Noe bis Abraham, und wie der Evangelist Matthäus der Reihe nach fortfährt und unterscheidet, das dritte von Abraham bis David, das vierte von David bis zur Auswanderung nach Babylon, das fünfte von der Auswanderung nach Babylon bis auf Johannes den Täufer2 , das sechste von da an bis zum Ende der Welt. Deshalb hat Gott am sechsten Tage den Menschen nach seinem Bild gemacht3 , weil in diesem sechsten Zeitalter die Wiederherstellung unseres Geistes nach dem Bilde dessen, der uns erschaffen hat4 , durch das Evangelium geoffenbart und das Wasser in Wein verwandelt wird, damit wir nunmehr den offenbar gewordenen Christus im Gesetze und in den Propheten schmecken. Deshalb "waren dort sechs Wasserkrüge", die er mit Wasser füllen ließ. Jene sechs Krüge also bedeuten die sechs Zeitalter, denen die Prophetie nicht mangelte. Jene sechs, gleichsam in Abschnitte zerlegten und unterschiedenen Zeiten wären gewissermaßen leere Gefäße, wenn sie nicht von Christus erfüllt würden. Warum habe ich von Zeiten gesprochen, die gehaltlos verlaufen würden, wenn in ihnen nicht der Herr Jesus gepredigt würde? Erfüllt sind die Prophetien, voll sind die Krüge; aber damit das Wasser in Wein verwandelt werde, muß man in jener ganzen Prophetie Christus verstehen.
1: Gen 1,1
2: Mt 1,17
3: Gen 1,27
4: Kol 3,10