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In der Schwangerschaft besteht nicht nur ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, auch das Risiko für Früh- und Totgeburten ist erhöht. Ungeimpfte Schwangere werden deutlich häufiger hospitalisiert als geimpfte, so eine aktuelle Studie aus Schottland.
Daten dazu, wieviele Schwangere die COVID-19-Impfung beanspruchen und welche Folgen eine Infektion mit SARS-CoV-2 in dieser Gruppe hat, liegen auf Bevölkerungsebene nicht vor. Die aktuelle Studie von Stock und Kolleg:innen beschreibt diese Situation bei schwangeren Frauen erstmals für Schottland. Die dafür zurate gezogenen Daten stammen aus einer nationalen, prospektiven Kohorte für die gesamte Bevölkerung.
Seit Beginn des COVID-19-Impfprogramms in Schottland am 8. Dezember 2020 wurden bis zum 31. Oktober 2021 insgesamt 25.917 COVID-19-Impfungen an 18.457 schwangeren Frauen durchgeführt. Die Impfrate ist jedoch bei den werdenden Müttern noch deutlich niedriger als in der allgemeinen weiblichen Bevölkerung in einem Alter zwischen 18 und 44 Jahren. Von den Frauen, die im Oktober 2021 ein Kind zur Welt brachten, waren lediglich 32,3 % zweifach geimpft. Im Vergleich dazu waren 77,4 % aller (nicht schwangeren) Frauen in Schottland geimpft.
Die perinatale Sterblichkeitsrate für Frauen, die innerhalb von 28 Tagen nach einer COVID-19-Diagnose entbunden hatten, betrug 22,6 pro 1.000 Geburten (95%-KI: 12,9–38,5). Hinzu kommt, dass insgesamt 77,4 % der SARS-CoV-2-Infektionen, 90,9 % der SARS-CoV-2-Infektionen, die mit einer Krankenhauseinweisung verbunden waren, und ganze 98 % der SARS-CoV-2-Infektionen, die mit einer Verlegung auf die Intensivstation endeten, bei Schwangeren ohne Impfschutz beobachtet wurden. Auf diese Gruppe (ungeimpft zum Zeitpunkt der COVID-19-Diagnose) entfielen auch alle Todesfälle bei Säuglingen.
Die niedrige Durchimpfungsrate bei werdenden Müttern muss nicht nur in Schottland dringend verbessert werden. Demnach gelten die niedrigen Impfraten in dieser Patientinnengruppe auch nicht allein für das Vereinigte Königreich, sondern ebenso für die Mehrzahl der westlichen Industrienationen, einschließlich Deutschland. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie unterstreichen zudem die Notwendigkeit, insbesondere in jüngeren und sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen den Impfschutz zu steigern, so die Autor:innen.
Hinzu kommt, dass gerade in den Sommermonaten des vergangenen Jahres der prozentuale Anteil der monatlich geimpften Schwangeren zurückgegangen ist. Zwar steigen die Impfquoten derzeit pandemiebedingt wieder leicht an, sind jedoch noch immer zu niedrig. So steht zu befürchten, dass weiterhin nur eine Minderheit der Schwangeren zum Zeitpunkt der Entbindung vollständig geimpft ist.
Dem Zögern bei der Impfung von schwangeren Frauen muss daher durch ein intensiveres Aufklärungsverhalten seitens der Ärzt:innen begegnet werden. In diesem Zusammenhang ist ebenso an die Boosterimpfung zu denken, die zumindest einen gewissen Schutz vor schweren Verläufen bei Omikron und möglichen neuen Varianten bieten kann.Quelle: Stock SJ et al., Nature Medicine 2022. https://doi.org/10.1038/s41591-021-01666-2