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Die Merkmale des Minimalismus im Webdesign
Unsere Analyse von 112 Websites hat die wichtigsten Features des Minimalismus aufgezeigt: Flat Design, limitierte Farbpaletten, wenige UI-Elemente, Verwendung von negativem Raum und eine dramatische Typografie.
by Kate Meyer (deutsche Übersetzung) - 12.07.2015
Dieser Artikel ist der zweite Teil einer Serie, die sich dem Minimalismus im Webdesign widmet. Falls Sie an den Ursprüngen der Bewegung interessiert sind, lesen Sie Die Wurzeln des Minimalismus im Webdesign.
Eine minimalistische Webdesign-Strategie versucht, Nutzeroberflächen zu vereinfachen, indem unnötige Elemente oder Inhalte entfernt werden, welche die Nutzeraufgabe nicht unterstützen.
Um eine Website nur auf ihre notwendigen Elemente zu reduzieren, müssen Designer zahlreiche Konsequenzen akzeptieren, die sowohl das UI als auch den Inhalt der Website beeinflussen. Viele der visuellen Design-Merkmale, die häufig mit dem Minimalismus in Verbindung gebracht werden, dienen der Kernstrategie des Minimalismus und werden daher in den meisten Fällen gemeinsam mit dem Prinzip des Minimalismus übernommen.
Webdesign wird - genau wie die Sprache - von den Menschen, die es verwenden, definiert. Das Wort „Minimalismus“ wird häufig verwendet, dennoch ist es schwierig, genau festzustellen, welche Funktionen ein minimalistisches Webdesign definieren. Um genauer zu bestimmen, was ein minimalistisches Design in der Praxis auszeichnet, analysierten wir die Design-Merkmale einer Stichprobe von 112 minimalistischen Websites. Die Websites wurden nur dann für diese Studie ausgewählt, wenn sie entweder von einem aussenstehenden Experten für Webdesign als minimalistisch eingestuft wurden, oder wenn sie in einer Online-Galerie für inspirierende minimalistische Websites, wie siiimple beispielsweise aufgeführt wurden.
Denken Sie daran, dass die Beliebtheit einer Designtechnik nicht notwendigerweise ein Indikator dafür ist, dass sie die Nutzerbedürfnisse erfüllt oder die Rentabilität bzw. andere geschäftliche Ziele optimiert. In dieser Studie analysierten wir Websites, die für ihr minimalistisches Design bekannt sind - keine Websites, die bekannt dafür sind, höchst rentabel zu sein. Wie weiter unten beschrieben, zeigt unsere Forschung, dass zwar einige dieser Designideen geschäftliche Ziele unterstützen, andere die Rentabilität allerdings beeinträchtigen können.
Die Merkmale des Minimalismus definieren
Welche Features waren in den meisten Designs vorhanden? Wir zählten ein Feature zu den bestimmenden Eigenschaften des Minimalismus, wenn sie in mindestens drei Viertel (75%) der analysierten Websites vorhanden war.
Flache Muster und Strukturen
Wird auf 96% der untersuchten Nutzeroberflächen verwendet (aber häufig ineffektiv)
In den letzten Jahren war in der Design-Community ein überwältigender Trend weg vom Skeuomorphismus hin zur rein digitalen Repräsentation ohne physische Metaphern. Nutzeroberflächen im Flat Design enthalten keine offensichtlichen Hervorhebungen, Schatten, Farbverläufe oder andere Strukturen, die Elemente der Nutzeroberflächen glänzend oder dreidimensional aussehen lassen.
Einige Designer glauben, dass der Trend zum Flat Design aus der Beliebtheit des minimalistischen Nutzeroberflächendesigns entstand (Müller, 2014). Die beiden Trends sind extrem kompatibel. Die Entfernung von überflüssigen Schatten, Farbverläufen und Strukturen entspricht dem Hauptziel des Minimalismus: der Reduktion unnötiger Elemente. In unserer Stichprobe waren 96% der minimalistischen Websites im Flat Design gestaltet.
Die beiden treten so häufig gemeinsam auf, dass die Bezeichnung „Flat Design“ häufig synonym mit „minimalistischem Design“ verwendet wird (was irreführend sein kann). Die Trends sind ähnlich, aber nicht gleich. Flat Design bezieht sich normalerweise auf die Strukturen, Symbole oder Grafiken einer Nutzeroberfläche. Minimalistisches Design gilt für übergeordnete oder übergreifende Inhalte, Funktionen und Layout-Strategien. Eine Nutzeroberfläche kann im Flat Design gestaltet werden, ohne minimalistisch zu sein.
Die Getting Started Seite für die Programmierschnittstelle der Jeet.gs Gridsysteme verfügt über eine komplett flache Nutzeroberfläche, inklusive „Ghost-Buttons“, um Code-Ausschnitte zu kopieren. (Ghost-Buttons sind leere Buttons mit einem dünnen, rechteckigen Rand und Text.) Flache Ghost-Buttons können Probleme mit der Lesbarkeit zur Folge haben und brechen mit dem etablierten Verständnis dafür, wie ein klickbarer Button aussehen sollte. (In diesem Fall werden die Buttons dunkler, sobald Sie den Mauszeiger darauf halten, was einen dynamischen Hinweis auf Klickbarkeit liefert. Außerdem weisen die Buttons beim Anklicken eine winzigen 3D-Effekt auf, der sie plastisch wirken lässt. Das interaktive Nutzererlebnis sorgt auf diese Weise dafür, dass die flachen Elemente der Nutzeroberfläche dreidimensionaler erscheinen.)
Wie wir bereits in anderen Artikeln diskutiert haben, kommunizieren Flat Designs Nutzern häufig nicht, welche Elemente ausgewählt oder angeklickt werden können. Wir glauben, dass ein Kompromiss zwischen einem Flat Design und einem skeuomorphen Design die bessere Lösung ist - ein hauptsächlich flaches Design mit klickbaren Elementen, die Nutzer ganz einfach erkennen können.
Wenn man bedenkt, dass das Flat Design jene Designidee ist, die in sehr vielen Fällen falsch verwendet wird und das Nutzererlebnis beeinträchtigt, ist es bedauernswert, dass es sich um das am häufigsten vorkommende Merkmal des minimalistischen Webdesigns handelt.
Limitierte oder einfarbige Farbpalette
Wird auf 95% der untersuchten Nutzeroberflächen verwendet
Auf den meisten minimalistischen Nutzeroberflächen wird Farbe strategisch eingesetzt, um visuelles Interesse zu wecken oder direkte Aufmerksamkeit zu erlangen, ohne zusätzliche Designelemente oder tatsächliche Grafiken hinzuzufügen. Aufgrund der geringeren Anzahl von visuellen Informationen, die um die Aufmerksamkeit der Nutzer buhlen, sind Farbpaletten auffälliger und beeinflussen den Eindruck der Website stärker.
Minimalistische Farbpaletten sind eine Trend, der sich von den kollidierenden, lauten Farben, die in den Webdesigns der 2000er Jahre beliebt waren, entfernt. Gedämpfte Farbpaletten sollen verhindern, dass dem Inhalt die Show gestohlen wird - im Falle von Bildern können Sie dennoch kräftige Farben beinhalten.
Viele minimalistische Designs sind entweder einfarbig oder verwenden eine kräftige Farbe als Akzent, welche - sparsam - eingesetzt wird, um die wichtigsten Elemente der Seite hervorzuheben. Diese betonten Elemente sind normalerweise anklickbar.
Zur Beurteilung der Verwendung von Farben auf den Beispiel-Websites untersuchten wir Hintergrundfarben, Logos, Navigationselemente, Symbole und Typografie. Bilder, die zum Inhalt gehören (wie Fotos) wurden nicht als Teil der Farbpalette berücksichtigt.
Fast die Hälfte der untersuchten Websites (49%, 55 Websites) verwendeten eine einfarbige Farbpalette. Fast genauso viele Websites verwendeten eine oder zwei Akzentfarben in Kombination mit einer einfarbigen Farbpalette (46%, 52 Websites). Von den 55 einfarbigen Websites waren 51 in Schwarz-Weiß gehalten - sie verwendeten ausschließlich Weiß, Schwarz und Grautöne.
Die einfarbige Startseite von Frêres d'Encre, einem französischen Tattoostudio, schafft eine dramatische Ästhetik.
Solo, die Projektmanagement-Software, verwendet eine einfarbige, aber nicht schwarz-weiße Farbpalette.
Die Reise-Metasuchmaschine Kayak verwendet Orange, um sein Logo und den klickbaren Suchbutton hervorzuheben.
Die Beliebtheit dieser Eigenschaft ist eine Verbesserung, dass sie die Anzahl der Nutzeroberflächen mit lauten, beißenden Farbpaletten, die das Internet früher dominierten, reduziert. Es gibt allerdings einige Überlegungen, die Sie berücksichtigen sollten, wenn Sie sich für eine beschränkte Farbpalette entscheiden:
- Stellen Sie sicher, dass Ihre Farbpaletten genügend Kontraste aufweisen, um lesbar für Menschen mit Sehbehinderungen oder Farbenblindheit zu sein.
- Setzen Sie Akzentfarben bewusst und konsistent ein, um wichtige Informationen oder Haupthandlungen hervorzuheben.
Eingeschränkte Funktionen und Elemente
Wird auf 87% der untersuchten Nutzeroberflächen verwendet
Designer, die sich für eine minimalistische Designstrategie entscheiden, müssen jedes Element der Nutzeroberfläche beurteilen und alle Dinge entfernen, die nicht für Kernfunktionen oder die zentrale Nachricht der Website benötigt werden. Ein „Element“ ist in diesem Zusammenhang jede individuelle Einheit der Nutzeroberfläche, inklusive, aber nicht limitiert auf:
- Menüpunkte
- Links
- Bilder
- Grafiken
- Linien
- Untertitel
- Strukturen (wie Farbverläufe)
- Farben
- Schriftarten
- Symbole
Es ist schwierig, zu beurteilen, ob eine Nutzeroberfläche „unnötige“ Elemente enthält, ohne die Designer der Website direkt zu fragen, welche Elemente sie nicht inkludiert haben, und ohne die Zielgruppe und Aufgaben zu kennen. Um diese Charakteristik messbar zu machen, konzentrierten wir uns darauf, zu beurteilen, ob die Nutzeroberfläche grafische Elemente enthält, die keinen offensichtlichen Zweck haben. In unserem Beispiel vermieden 87% der minimalistischen Websites überflüssige grafische Elemente.
Das Portfolio des Romanschriftstellers Alan Trotter ist extrem minimalistisch. Die Website enthält nicht einmal seinen ganzen Namen: Besucher müssen auf den unterstrichenen Text klicken, um weitere Informationen zu erhalten. Diese Strategie sorgt für eine „trendige“ Ästhetik, es ist allerdings sehr risikoreich, die wichtigsten Inhalte zu verbergen.
Je mehr Dinge sich auf einer Nutzeroberfläche befinden, desto mehr Dinge müssen Nutzer verarbeiten. Ein bevorzugtes Mantra des minimalistischen Designs ist „entfernen, bis es schmerzt“, was bedeutet: „wenn das Fehlen eines Elements kein ernsthaftes Problem darstellt, entfernen Sie es“.
An dieser Stelle schlagen Designer mit dem Ziel einer sauberen, modernen, minimalistischen Nutzeroberfläche häufig über die Stränge - und entfernen nützliche Inhalte. Eine starre, zweckmäßige Herangehensweise kann stromlinienförmige Designs zur Folge haben, aus denen störende Funktionen und Inhalte entfernt wurden. Stellen Sie aber sicher, dass Sie nicht die Hauptaufgaben der Nutzer verkomplizieren, indem Sie Inhalte, die diese benötigen, entfernen oder verbergen.
Es ist schwer, ein überladenes Design oder ein System voller irrelevanter Funktionen zu verstehen. Doch es ist noch schwieriger, ein Design zu verstehen, das kein ausreichendes Gerüst bietet, um seine Funktionen und Strukturen zu erklären.
Maximierter negativer Raum
Wird auf 84% der untersuchten Nutzeroberflächen verwendet
Elemente von einer Website zu entfernen, hat leeren Raum zur Folge. Negativer Raum (auch Leerraum genannt) ist der Name, der leeren Bereichen einer Nutzeroberfläche gegeben wird.
Negativer Raum wurde bereits als „praktisch synonym mit“ und „das Rückgrat von“ minimalistischen Nutzeroberflächen bezeichnet. Viele minimalistische Designer verwenden ihn als Instrument, um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu steuern und es ihnen zu ermöglichen, Inhalte einfacher zu verdauen.
Wenn man diese starke Verwendung von negativem Raum als die definierende Charakteristik des Minimalismus einstuft, ist es überraschend, dass nur 84% der untersuchten Websites große Mengen an negativem Raum in ihre Designs inkludierten.
Der oben stehende Screenshot zeigt die Startseite des französischen Designers Thomas Buffet im Vollbildmodus auf einem 15-Zoll MacBook Pro. Über dem Fold besteht die Website fast ausschließlich aus negativem Raum. In diesem Fall kann die Website dennoch die zwei wichtigsten Fragen beantworten, die sich Nutzer stellen, nachdem sie die Seite erreicht haben: „Wer sind Sie“ und „Was machen Sie“. Dieser Zugang funktioniert allerdings nicht in jedem Kontext.
Die angemessene Verwendung von negative Raum kann dabei helfen, Aufmerksamkeit auf wichtige Hinhalte zu lenken. Während Sie entscheiden, wo Sie in negative Räume in Ihre Designs inkludieren sollten, sollten Sie die folgenden Fragen berücksichtigen.
- Wie beeinflusst das Hinzufügen oder Entfernen von negativem Raum die kommunizierte Hierarchie der Website?
- Wie beeinflusst der negative Raum, welche Inhalte im oberen Bereich der Seite angezeigt werden? Der Fold der Seite ist immer noch wichtig: Nutzer scrollen, wenn sie einen Grund dazu haben, sie achten aber generell mehr auf den Inhalt im oberen Bereich der Seite.
- Wie beeinflusst negativer Raum die Interaktionskosten: müssen Nutzer härter arbeiten, um an die benötigten Informationen zu gelangen?
- Wie muss sich der negative Raum bei verschiedenen Auflösungen verändern?
Dramatische Verwendung von Typografie
Wird auf 75% der untersuchten Nutzeroberflächen verwendet
Wie Farben, sind auffällige oder große Typografien ein Instrument, um Bedeutung zu kommunizieren, wenn sich nur wenige Elemente auf der Seite befinden. Die Verwendung von interessanten Typografien kann kompensieren, dass sich weniger Elemente, wie Fotos und Grafiken, auf der Seite befinden - außerdem kann es ein minimalistisches Design visuell ansprechender aussehen lassen. Variationen der Schriftgröße, der Stärke und des Stils helfen Nutzer auf ausschlaggebende Weise dabei, die Hierarchie und relative Wichtigkeit von Texten zu verstehen. Von den 112 untersuchten minimalistischen Websites verwendeten 75% Typografie, um Bedeutung zu kommunizieren oder visuelles Interesse zu wecken.
Das Portfolio des Art Directors Alexander Engzell verwendet auffällige Typografie für den Slogan, um visuelles Interesse zu wecken, ohne zusätzliche grafische Elemente hinzuzufügen. Der Text ist allerdings eine Bilddatei, was die Ladezeit der Website verlängert. Im Gegensatz zu Buffets Portfolio, erklärt diese Website nicht direkt, um wessen Portfolio es sich handelt oder was diese Person tut. Nutzer müssen auf den Link INFO in oder oberen rechten Ecke klicken, um diese Informationen zu erhalten.
Texte in Bildform zu verwenden, ermöglicht es Ihnen zwar, Nutzerdefinierte Schriftarten zu verwenden, erhöht allerdings die Ladezeit der Website. Außerdem sind weitere Überlegungen zur Größenanpassung bei unterschiedlichen Auflösungen notwendig und es könnten Probleme mit der Barrierefreiheit auftreten. Die bessere Lösung ist es, webfähige Schriftarten zu verwenden - bedenken Sie aber, dass sich auch webfähige Schriftarten negativ auf die Leistung auswirken können. Denken Sie daran, dass es nur dann eine gute Idee ist, die Aufmerksamkeit auf auffällige Schriftzüge zu lenken, wenn der Text wichtige Informationen kommuniziert.
Achten Sie darauf, es mit der trendigen Typografie nicht zu übertreiben: Nutzer könnten überformatierte Texte ignorieren, falls diese zu stark an Werbung erinnern. Es liegt ein schmaler Grat zwischen bedeutungsvoller auffälliger Typografie und ablenkender Typografie. Ein toller Designer wird das richtige Gleichgewicht finden können, doch wenn Ihre Designer über wenig Erfahrung mit fortgeschrittenen Typografien verfügen, ist es besser, auf der sicheren Seite zu bleiben.
Verwandte Trends
Einige Designer bezeichnen auch die folgenden Charakteristika als minimalistisch. Basierend auf unseren Recherchen scheint es sich dabei allerdings um Designtrends zu handeln, die häufig gemeinsam mit Minimalismus eingesetzt werden, aber keine definierenden Charakteristiken sind - sie waren auf weniger als 75% der analysierten Websites zu finden.
Große Hintergrundbilder oder -videos
Werden auf 57% der untersuchten Nutzeroberflächen verwendet
Das Vorhandensein von großen Hintergrundbildern oder Hintergrundvideos (aktiviert durch HTML5) ist eines der meist diskutierten Charakteristika des minimalistischen Webdesigns.
Aus einer theoretischen Perspektive scheint ein großes Hintergrundbild nicht mit dem Kern des minimalistischen Prinzips vereinbar: der Reduktion unwichtiger Elemente. Dennoch sind große Hintergrundbilder und Videos in minimalistischen Designs beliebt - wir ermittelten, dass sie in 57% der Websites unserer Stichprobe enthalten waren.
Die Startseite von Monte Ré, einem italienischen Obstproduzenten, enthält ein bildschirmfüllendes Hintergrundbild-Karussell auf einer ansonsten rein weißen minimalistischen Website, die Ghost-Buttons enthält. Obwohl sich der Text im Prinzip von den Hintergrundbildern abhebt, ist er unangenehm, den Text zu lesen und zu verstehen, während dahinter bunte Bilder zirkulieren.
Abhängig vom Kontext und den Prioritäten des Designers, kann argumentiert werden, dass große Hintergrundbilder/-videos einen Einfluss auf die Wahrnehmung der Marke durch den Nutzer haben. Wenn ein Hintergrundbild aus einem wohlüberlegten, strategischen Grund verwendet wird, kann das Einhalten von minimalistischen Designstrategien verhindern, dass andere Elemente der Website konkurrieren oder sich mit dem Hintergrund beißen. Außerdem hoffen einige Designer, dass auffällige Hintergrundfarben minimalistische Designs weniger langweilig oder nüchtern wirken lassen.
Falls Sie sich für ein Hintergrundfoto oder -video im Rahmen Ihres minimalistischen Designs entscheiden, sollten Sie die folgenden Punkte bedenken:
- Stellen Sie sicher, dass die gewählten Bilder oder Videos einen echten Zweck haben oder Menschen dabei helfen, die Website zu verstehen - ansonsten lenken sie Nutzer nur von Ihren tatsächlichen Inhalten ab.
- Stellen Sie sicher, dass der Text sowohl erkennbar als auch lesbar ist, falls Sie möchten, dass ihn Nutzer verstehen. Denken Sie daran, dass Erkennbarkeit das Ausmaß ist, in dem Nutzer individuelle Buchstaben sehen können. Die Lesbarkeit beschreibt, wie gut Nutzer Wörter und Sätze verarbeiten und den Text überfliegen können. Falls Sie ein Karussell oder Video verwenden, müssen Sie jeden möglichen Hintergrund testen - jedes Bild und alle Standbilder des Videos bei einer Vielzahl von Bildschirmauflösungen.
- Seien Sie sich bewusst, dass große Bilder und Videos die Leistung beeinflussen. Stellen Sie sicher, dass Sie einen adaptiven Zugang verfolgen, damit mobile Nutzer nicht auf Retina-Fotos in Desktop-Größe warten müssen, die über Ihre Netzwerk-Datenverbindung nur langsam laden.
- Spielen Sie Videos nicht automatisch ab. Viele Nutzer sind frustriert von Videos, die ohne ihre Zustimmung automatisch abgespielt werden - vor allem wenn diese Videos mit Audio unterlegt wurden.
- Vermeiden Sie Videos im Harry Potter Portrait-Stil mit Menschen, die sich langsam im Hintergrund bewegen. Sie möchten Ihre Nutzer ja nicht ablenken und verschrecken.
Raster-Layouts
Wird auf 43% der untersuchten Nutzeroberflächen verwendet
In unserer Stichprobe beobachteten wir, dass 43% der Nutzeroberflächen Raster-Layouts verwenden, um Inhalte zu organisieren. Obwohl dieser Prozentsatz auf ein beliebtes Designmuster unter minimalistischen Designern hindeutet, scheinen Raster-Layouts sicherlich nicht allgegenwärtig zu sein.
Wenn Raster-Layouts im minimalistischen Nutzeroberflächendesign verwendet werden, hat das im Allgemeinen zwei Gründe:
- Raster sind eine effektive Methode, um homogene Inhalte linear auf der Website zu organisieren, ohne visuelle Elemente hinzuzufügen, und
- Raster sind besonders während des Designens einer Responsive Website hilfreich - ein weiterer Trend, der sich vom Minimalismus unterscheidet, allerdings häufig gemeinsam mit dem Minimalismus auftritt.
Die Grafikdesignagentur Paprika organisiert ihre Projekte in einem Raster, die Website ist allerdings nicht responsiv.
Das minimalistische Portfolio des Fotostudios Sea Chant ordnet Fotos bei der Bildschirmbreite eines Desktop-Computers in einem Raster an.
Bei einer Breite von 400px wird das Portfolio von Sea Chant auf eine einzelne Spalte mit Inhalt reduziert, außerdem werden alle Mouseover-Effekte entfernt.
Runde grafische Elemente
Wird in 16% der untersuchten Nutzeroberflächen verwendet
Einige Designexperten sind der Meinung, dass kreisförmige und abgerundete grafische Elemente eine Komponente des Minimalismus sein könnten - wir haben sie allerdings nur in 16% unserer Stichprobe gefunden. Sie scheinen daher eher eine Modeerscheinung zu sein.
Die Startseite von Gesture Theory verwendet mehrere runde Elemente in ihrem minimalistischen Design.
Verborgene globale Navigation
Wird auf 13% der untersuchten Nutzeroberflächen verwendet
Viele Websites verwenden derzeit stark reduzierte globale Navigationselemente in ihren Desktop-Präsentationen - zum Beispiel das berüchtigte Hamburger-Menü. Das kann manchmal das Resultat einer unvollständigen mobilen Designstrategie sein, die die Bedürfnisse und die zusätzliche Bildschirmfläche, die Desktop-Nutzern zur Verfügung steht, nicht berücksichtigt - es könnte sich aber auch um übertriebenen Minimalismus handeln. Häufig verwendete Objekte zu verbergen, könnte für Ihre Ziele sinnvoll sein - stellen Sie aber sicher, dass Sie keine Instrumente oder Links verbergen, die ausschlaggebend für die Aufgaben sind, die Ihre Nutzer durchführen sollen. Seien Sie besonders vorsichtig, wenn Ihre Website große Mengen an Inhalten oder Kategorien enthält.
Das Desktop-Portfolio der Designagentur Visual Soliders verwendet eine verborgene globale Navigation in einem Hamburger-Menü.
Die wenigen Menüobjekte, die in einem Overlay verborgen sind, hätten global sichtbar gemacht werden können, wurden allerdings wahrscheinlich verborgen, um diesen ultra-minimalistischen Effekt zu erzielen.
Häufig verwendete Merkmale von minimalistischen Nutzeroberflächen
Unsere Analyse von 112 Websites brachte die folgenden bestimmenden Merkmale einer minimalistischen Website zu Tage:
- Flat Design statt skeuomorphen Mustern und Strukturen
- Verwendung einer limitierten oder einfarbigen Farbpalette
- Streng limitierte Funktionen und grafische Elemente
- Maximierter negative Raum
- Dramatische Nutzung von Typografie, um Hierarchie zu kommunizieren oder visuelles Interesse zu schaffen
Einige dieser Merkmale sind im Minimalismus praktisch allgegenwärtig, einige treten auf minimalistischen Nutzeroberflächen weniger häufig auf - alle definierenden Charakteristika waren allerdings auf mindestens 75% der analysierten minimalistischen Websites vorhanden.
Im Rahmen unserer Forschung identifizierten wir auch mehrere verwandte Trends, die in weniger als 75% der untersuchten Websites zu finden waren.
- Große Hintergrundbilder oder -videos
- Raster-Layout
- Runde grafische Elemente
- Verborgene globale Navigation
Schlussfolgerung
Das Nutzeroberflächendesign der 2000er war hauptsächlich chaotisch und überladen. Jahrelang warnten wir vor dieser Art des „Maximalismus“. Aufgeblasene Features und überflüssige Inhalte sind immer schlecht für Nutzer.
Theoretisch sollte uns der Minimalismus vom Maximalismus entfernen und stromlinienförmige Inhalte sowie einen effizienten Aufgabenfluss für den Nutzer zur Folge haben. In der Praxis konnten wir beobachten, dass der Minimalismus zu einem oberflächlichen visuellen Trend mutiert, da Designer beliebte minimalistische Eigenschaften kopieren, ohne darüber nachzudenken, ob sie die Ziele ihrer eigenen Website unterstützen.
Genau wie das Flat Design eine Reaktion auf den Skeuomorphismus ist, ist der Minimalismus eine Reaktion auf den Maximalismus. In beiden Fällen empfehlen wir einen ausgeglichenen Zugang. Eine minimalistische Designstrategie kann ein wirkungsvolles Instrument sein - das gilt allerdings nur, wenn sie mit den Bedürfnissen Ihrer Nutzer in Einklang steht. Minimalismus um des Minimalismus willen hilft Nutzern nicht.
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