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Gletscherwelt, denn da hängen die Eisströme herab von dem hohen, scharfen
Grat, zwischen den dunkeln Felsenzacken, welche
wie Türme aus der Eismauer hervorragen und schwarze, zackige Riffe durch
Eis und
Schnee herabsenden. Die Gletschermassen füllen
die
Tiefen, reichen wie erstarrte Wasserstürze weit hinab, stürzen abgebrochen über Felsenkanten und bilden auf
den Abhängen Eismauern mit farbigen
Bändern.» Die höchsten Gipfelpartien des
Piz Medel und Piz Valdraus bestehen aus Serizitphyllit
und Hornblendeschiefern diese überbrücken das O.-Ende des Gotthardmassivs, indem sie den
Cristallina- und Granitgneis (Protogingneis)
des
Val Lavaz und obersten
Val Somvix bedecken.
(Ghiacciajodi) (Kt. Tessin,
Bez. Leventina).
2800-2300 m. Kleiner Hängegletscher hinten über der Alpa di Valeggia,
an der S.-Flanke des Bedrettothals s. obRonco. Unter den 2500 m überragenden Gipfeln seiner Umgebung
sind besonders bemerkenswert der
Poncione Cavagnoli im SW. und der
Pizzo Galarescio im NO.
Ein in der Nähe des Dorfes entspringender Eisensäuerling wurde früher von den Leuten der Gegend viel
benutzt.
Auf einer Anhöhe steht die Ruine der einstigen Burg Valendas, wo Freiherr Heinrich von Räzüns vom Volk 1452 zu
Tod verurteilt, dann aber dank der Findigkeit eines seiner Diener begnadigt und freigelassen wurde. In
einer Felsspalte am Weg nach
Versam hat man zwei Bronzebeile aufgefunden.
Urkundliche Namensformen 766: Valendanum;
1208:
Valendaus. Bei Valendas fand in der Nacht vom ein Kampf zwischen den Leuten des Zehngerichten- und des Gotteshausbundes
einerseits und den
Eidgenossen der V alten Orte andrerseits statt, der mit der Niederlage dieser letztern endigte.
oder
Valère(Kt. Wallis,
Bez. und Gem.
Sitten). 621 m. Einer der malerischen Felshügel östl. über
der Stadt
Sitten, südl. des um 33 m höhern Hügels
Tourbillon und 500 m n. der Mündung der
Sionne in die
Rhone. Trägt neben
der
Notre Dame de
Valère, einer der ältesten und zugleich der berühmtesten christlichen Kirche des Landes Wallis,
noch eine Reihe
von jetzt meist zerfallenen andern Bauten, die sich als Teile einer früher starken Befestigungsanlage darstellen.
Valeria trug schon zur Zeit der
Römer einen
Tempel mit Kastell und war Sitz der römischen
Statthalter. Von diesen soll Campanus
unter der Regierung des Kaisers Diocletianus Valerius im 3. Jahrhundert die nach diesem Herrscher benannte
Burg erbaut haben. Als Ueberreste der ältesten Bauten aus der Römerzeit gelten die Fundamente des Chors der Kirche auf
Valeria. Nachdem die
WalliserBischöfe im 6. Jahrhundert ihren Sitz von Octodurum
(Martinach) nach Sedunum verlegt hatten,
erbauten sie hier ihre Kathedrale, die zwar urkundlich erst 1168 erscheint, der Bauart einzelner Teile
nach aber ein viel höheres
Alter haben muss. Am ältesten ist der Chor, dessen Konstruktion auf das 8. oder 9. Jahrhundert
hinweisen soll. An verschiedenen
Stellen der Kirche, besonders am Hauptportal eingemauerte Steine aus weissem Jurakalk sind
ohne Zweifel römischen
Ursprungs. Längs- und Querschiff sollen zum grössten Teil dem 12. oder 13. Jahrhundert
angehören. Das Spitzbogengewölbe wird durch Säulenbündel getragen, deren Kapitäle
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sonderbare Verzierungen (Larven, Engelsköpfchen, Sirenen, Drachen etc.) zeigen. Neben einem den Märtyrertod des h. Sebastian
darstellenden Wandgemälde enthält das Schiff noch eine merkwürdige kleine Orgel, wohl die älteste der Schweiz, die aus
der Abtei Saint Jean d'Aulph in Savoyen stammt und an die militärische Besetzung des Mandamentes Evian durch
die Walliser (1536-1569) erinnert. Im Chor sind in erster Linie die prachtvollen geschnitzten Chorstühle aus 1662 und 1664 bemerkenswert,
sodann drei Reihen von Fresken hinter dem Hochaltar (12 Apostel, die Propheten und verschiedene Bischöfe), der Tronsessel,
zwei Flügelaltäre, ein altdeutsches Gemälde (die drei Weisen aus Morgenland) etc. Die Gründung des
Domherrenstiftes soll aus dem Jahr 1049 datieren.
Valeria wurde stark befestigt und diente den Domherren in den zahlreichen Kriegen und Fehden als Zufluchtsstätte. Ein Domherr
war Kastellan, ohne dessen Erlaubnis keinem Auswärtigen, selbst nicht dem Bischof von Sitten die Falltüre geöffnet werden
durfte. Als die Gerichtsbarkeit zwischen dem Domherrenstift und der am W.-Fuss des Doppelhügels von
Tourbillon und Valeria sich ausbreitenden Stadt Sitten streitig geworden, entschied der nach langjährigem Zwist zum Schiedsrichter
bestellte päpstliche Nuntius im Jahr 1702, dass sie ganz dem Kapitel gehöre, die Stadt aber in Kriegszeiten eine Garnison
auf den Hügel legen dürfe. Zu jener Zeit bestand das Kapitel aus 24 residierenden Domherren, von denen
die Hälfte auf Valeria und die andern in der Stadt wohnten; im Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Zahl auf die Hälfte
vermindert. 1818-1875 dienten dann die Gebäude auf Valeria als Priesterseminar mit Konvikt.
Seitdem dieses in der Stadt ein neues und bequemeres Gebäude (nahe der heutigen Kathedrale) bezogen,
stehen sie entweder ganz leer oder bieten noch einigen armen Familien eine kümmerliche Unterkunft. 1903 stürzte während
einer Nacht ein ganzer Haufen altes Mauerwerk ein. Das im ehemaligen Kalendsaal des Kapitels eingerichtete kantonale Altertumsmuseum
mit wertvollen Seltenheiten aus den Zeiten der Kelten, Römer und der ersten christlichen Kultur ist heute
in ein bequemeres Gebäude der ganzen weitläufigen Anlage verlegt.
Die Kirche hat sich seit etwa einem Dutzend Jahren der Fürsorge der schweizerischen Gesellschaft zur Erhaltung historischer
Kunstdenkmäler zu erfreuen gehabt, die sie mit finanzieller Unterstützung des Bundes und des Staates Wallis
vor dem
völligen Zerfall zu retten sucht. Die Plattform des Hügels von Valeria bildet den ziemlich grossen freien Platz des sog.
Prélet, der der Jugend von Sitten als Spiel- und Tummelplatz dient und eine reizende Aussicht auf Sittens Umgebung, das Rhonethal
bis Martinach und Siders, sowie auf das Mont Blancmassiv einerseits und das Bietschhorn andrerseits gewährt.
Hart am Rand des O.-Absturzes von Valeria liegt ein prachtvoller erratischer Block, das sog. Venetzdenkmal, mit der Inschrift
I. Venetz 1821 zum Andenken an Ingenieur Ignaz Venetz, den eigentlichen Vater der heutigen Gletschertheorie.
Als Mutterkirche der Sittner Diözese sieht Valeria noch von Zeit zu Zeit Prozessionen, die sich namentlich
am geschichtlich denkwürdigen Tag des 1. Mai jeweilen hier herauf bewegen. Das Osterfest gibt Anlass zu einem auf dem Prélet
gefeierten fröhlichen Fest der Schuljugend der Stadt Sitten. Vergl. Wolf, F. O. Sittenund Umgebung. (Europ. Wanderbilder. 138-140).
Zürich
1888.