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Autor A.B. - Auswanderungswünsche
Mein Grossvater emigrierte im 19. Jahrhundert aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland und arbeitete in Preussen als sogenannter „Schweizer“. Alle Personen, die etwas verstanden haben von der Viehzucht und der Molkerei nach Schweizerart (Hirten, Stallknechte, Melker, Sennen), nannte man „Schweizer“, auch wenn sie nicht aus der Schweiz stammten. Dort lernte er auf einem Landwirtschaftsgut meine Grossmutter kennen, die als Köchin für das leibliche Wohl der gesamten Belegschaft zuständig war. Sie heirateten und bekamen zwei Kinder. Leider verstarb mein Grossvater früh an einer Blutvergiftung. Seine Frau und die beiden Kinder wurden an die Heimatgemeinde Oberägeri abgeschoben. Die Frau nahm eine Arbeit in einer Fabrik in Oberägeri an und die Kinder wurden in ein Waisenhaus gebracht. Eines der beiden Kinder war mein Vater. Im Jahr 1914 wurde er mit 16 Jahren aus dem Waisenhaus geworfen, weil er die Respektspersonen beleidigt und tätlich angegriffen hatte. „Ich bin froh“, sagte er mir einmal, „dass ich da raus bin. Sonst wäre ich nach Einsiedeln versetzt worden.“ Da mein Vater handwerklich sehr begabt war, konnte er fortan selbständig tätig sein. Während der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 wütete, musste er im Auftrag des Zivilschutzes bei den Aufräumarbeiten in Zürich mithelfen. Einige seiner Kollegen arbeiteten als Schreiner und waren nur noch damit beschäftigt Särge herzustellen. Wir wohnten damals in Knonau und mein Vater radelte mit dem Velo jeden Tag nach Zürich. Im Jahr 1922 heiratete er vierundzwanzigjährig. Ein Jahr vor Kriegsausbruch wollte mein Vater es unserem Nachbarn gleichtun und aus wirtschaftlichen Gründen mit seiner Familie nach Brasilien auswandern. Zu dieser Zeit wollten sehr viele Leute auswandern in der Hoffnung, auf der anderen Seite des Ozeans ein besseres Leben anzutreffen. Auch die katholischen Pfarrämter versuchten die Leute zu diesem Schritt zu ermutigen. Wir bekamen letztlich keine Ausreisedokumente und mussten bei Ausbruch des 2. Weltkrieges unseren Traum gänzlich begraben. Unser Haus in Knonau war bereits per Handschlag verkauft, aber glücklicherweise noch nicht überschrieben.
Episode 5 - A.B. Auswanderungswünsche