Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/366

Erst seit ein paar Jahren wissen die Forscher, dass neben dem modernen Menschen und dem Neandertaler zeitgleich noch eine weitere Menschenform existierte: Der Denisova-Mensch, benannt nach der Höhle, in der seine Knochen 2008 entdeckt wurden.
Mutter Neandertalerin, Vater Denisova-Mensch
Nun haben Forscher vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig an derselben Fundstätte einen weiteren Sensationsfund gemacht: Sie entdeckten dort den Knochen eines Mädchens, dessen Vater ein Denisova-Mensch war, ihre Mutter jedoch Neandertalerin.
«Dieses Mädchen ist also der direkte Beweis, dass diese beiden Menschenformen sich vermischt haben und erfolgreich Kinder miteinander bekamen», sagt Svante Pääbo, Hauptautor der Studie.
Das Knochenfragment, das den Forschern nun Einblick in das Sexualleben der Frühmenschen verschafft hat, ist nur etwa zwei Zentimeter lang. Es gehört zu einem Mädchen, das vor mindestens 50’000 Jahren in der Höhle gelebt hat.
Aus der Dicke des Knochens konnten die Forscher rekonstruieren, dass dieser Mischling aus Neandertaler und Denisova-Mensch 13 Jahre oder älter gewesen ist, als er starb.
Prähistorische Treffen in der Denisova-Höhle
Die Denisova-Höhle, in der der Knochen gefunden wurde, liegt im Altai Gebirge in Sibirien. In der Vergangenheit wurde diese Höhle sowohl von Neandertalern, Denisova-Menschen, als auch von modernen Menschen bewohnt.
Das konnten die Forscher des Max-Planck Instituts aus Knochenfunden rekonstruieren. «Ob sie sich dort auch getroffen haben, wussten wir nicht, aber wir haben es geahnt», so Svante Pääbo. «Ich hätte aber nie gedacht, dass wir so viel Glück haben werden, in der Denisova-Höhle über einen direkten Nachfahren von Denisovanern und Neandertalern zu stolpern.»
Erbsubstanz verrät Verwandtschaft
Die Verwandtschaftsverhältnisse des Mädchens konnten die Forscher vom Max-Planck Institut aus der Erbsubstanz ablesen, die sie aus dem gefundenen Knochen gewinnen konnten.
Diese prähistorische DNA, die nur in sehr aufwändigen Untersuchungen analysiert werden kann, verriet den Forschern noch ein weiteres intimes Detail: Auch die Vorfahren des Denisova-Vaters hatten sich schon vor vielen Generationen mit Neandertalern eingelassen.
Seltene Begegnungen in der Vorzeit
Denn im väterlichen Erbgut entdeckten die Forscher Spuren von Neandertaler DNA. «Das deutet darauf hin, dass sich die verschiedenen Frühmenschenformen häufig vermischt haben, wenn sie sich begegnet sind», erklärt Svante Pääbo. Aber: Zu diesen Treffen kam es nur selten, da es damals vermutlich nur wenige Menschen gab und diese weit verstreut lebten.
Während die Neandertaler vor allem in Europa und im westlichen Asien unterwegs waren, lebten die Denisova-Menschen eher in Südostasien und Ozeanien. Nur dort, wo sich die Verbreitungsgebiete der beiden Menschenformen überschnitten, kam es zu Vermischungen. So wie im Altai Gebirge in Sibirien, in der die Denisova Höhle liegt.
Dominanz des modernen Menschen
Der Homo sapiens hingegen, zu denen alle heute lebenden Menschen gehören, hat alle Kontinente erreicht. Auf seinen Wanderungen hat er sich sowohl mit Neandertalern, als auch mit Denisova-Menschen vermischt. Das konnten die Forscher aus dem Erbmaterial heute lebender Menschen herauslesen.
Etwa zwei Prozent der Erbanlagen, die Forscher im Genom heutiger Menschen in Europa und Vorderasien finden, stammen von Neandertalern. Und auch der Denisovaner hat sich vor mindestens 40‘000 Jahren mit dem modernen Menschen eingelassen: Im Erbgut heute lebender Menschen in Südostasien und Ozeanien finden sich Spuren von Denisovaner-DNA.
Ungelöstes Rätsel der Menschheitsgeschichte
Was später geschah und warum nur der moderne Mensch bis heute überlebt hat, ist zwar noch immer ein grosses Rätsel. Svante Pääbo und sein Forschungsteam arbeiten unter Hochdruck daran, weitere Details aus dem spannenden Beziehungsleben unserer prähistorischen Vorfahren zu erfahren.