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Yoga entwickelte sich in Indien als ein Weg, um Kummer und Leiden zu überwinden und gleichzeitig aus dem unendlichen Kreislauf der Wiedergeburten auszusteigen.
Im Verlauf der Jahrhunderte haben sich der philosophische Hintergrund und die Art Yoga zu praktizieren immer wieder verändert. Deshalb steht uns heute eine reich gefüllter Werkzeugkasten an Methoden und Praktiken zur Verfügung, die sich alle unter dem Namen «Yoga» vereinigen, aber sich häufig sehr unterscheiden.
Es ist also nicht möglich von dem Yoga zu sprechen. Der Begriff «Yoga» umfasst in unterschiedlichen Zusammenhängen - je nach sozialem, kulturellem und philosophischem Hintergrund - andere philosophische Systeme und häufig auch andere Praktiken.
Wann ist Yoga entstanden?
Der am besten gesicherte Beweis für die Entstehung der Yogapraxis liegt im 5. Bis 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, im Norden Indiens. Dort entwickelte sich eine Bewegung, deren Mitglieder als shramanas bekannt sind. Diese Gruppen schlossen sich hauptsächlich aus Buddhisten, Jains und den weniger bekannten Ajivikas zusammen. 1
Shramana bedeutet soviel wie "Strebender" und bezeichnet jemanden, der das normale Alltagleben hinter sich lässt, Anstrengungen und Entsagungen auf sich nimmt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das Ziel der Überwindung des Leidens an Krankheit, Alter und Tod. Yoga zu üben, bedeutete zu meditieren, ethische Qualitäten zu kultivieren und innere Hindernisse zu überwinden.
Yoga heute
Der Yoga, den wir heute kennen, ist eine veränderte Variante dieser alten Praxis, die sich erst innerhalb der letzten 150 bis 200 Jahre entwickelt hat. Die moderne Form des Yoga ist vor allem auf das Üben von Körperhaltungen ausgerichtet und fördert die Gesundheit durch Bewegung, Atmung und Meditation.
Je nachdem, in welchem Umfeld sich die Yogapraxis entwickeln konnte, haben sich auch hier die Perspektiven und die Übungen verändert und wurden den Bedürfnissen der jeweiligen Gruppe angepasst. Heute unterstützen uns die Übungen des Yoga meist dort, wo wir uns selbst und unseren Körper zu wenig spüren, weil wir zu viel «Wind im Kopf» haben, wie die Tibeter gerne sagen.
Die zeitgenössischen Formen des Yoga tragen dem Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit, Empowerment und Selbstfürsorge Rechnung, indem sie unsere Wahrnehmung auf eine solide Basis der Körpererfahrung und -bewegung stellen.
Yoga bringt mich immer wieder zu mir selbst zurück, lehrt mich Gelassenheit, das Kultivieren positiver Eigenschaften und hilft mir, mich selbst besser kennenzulernen.
[1] James Mallinson, Mark Singleton – Roots of Yoga, Penguin Classics, 2017, S. xiii (f.)
Der gute und befreiende Aspekt am Yoga ist, dass Du überall und jederzeit üben kannst. Es ist keine schicke Kleidung nötig, und nicht einmal eine Yogamatte. Ein Teppich genügt und schon kann es losgehen. Auch draussen in der Natur kannst Du üben. Eine eigene Praxis hilft Dir dabei, Dich viel intensiver auf die einzelnen Körperhaltungen einzulassen. Dabei kannst Du Dich selbst besser spüren und lernst Dich vielleicht noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen.
A Yogini in her own right, Deccan, 18th century. Unkown author (commons.wikimedia.org).
Illustration:
Miniatur Malerei aus dem 18. Jahrhundert von zwei weiblichen Asketen - Nath Yoginis mit Japa Malas - im Wald von Bikaner, Rajasthan (wikimedia.org)