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News online, Beitrag «Alternative Bildungswege werden immer beliebter», nicht veröffentlichter Kommentar beanstandet
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Mit Ihrem Brief vom 12. Juni 2017 beanstandeten Sie, dass ein Kommentar von Ihnen zum Beitrag „Alternative Bildungswege werden immer beliebter“, der am 25. Mai 2017 online auf SRF News erschien[1], nicht aufgeschaltet wurde. Der Text war eine Art Trailer zur DOK-Sendung über Homeschooling am gleichen Tag. Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
„Mein Kommentar zum unten aufgeführten Artikel wurde zensiert und nicht upgeloadet:
25 May 2017 at (ca.)? 12:25
<Interessant zu erfahren wären die religiösen Hintergründe der «Homeschooler». Bestimmt sind christliche Fundamentalisten, sprich Evangelikale, die Mehrheit. Ebenfalls interessant zu erfahren wäre die Bewilligungpraxis, zb. im Kanton Bern, sollte es sich bei den ‚Homeschooler's‘ um muslimische Fundamentalisten, Salfisten zb., handelte.>
Weil sich unschwer ersehen lässt, dass kein Verstoss gegen die Netiquette vorliegt, ist es äusserst störend, wenn die SRG es im vorliegenden Fall als ihre Aufgabe erachtet, der Wahrheit das Licht zu verweigern. Dass der Sinn von ‚Free speech‘ genau das Gegenteil des Verhaltens des SRG in dieser Sache darstellt, darf, und dies ohne Polemik, als Allgemeingut betrachtet werden.
Wenn ‚Free speech‘ nicht garantiert ist, wird man die als ‚wahr‘ erachteten Ansichten folglich nie einer Überprüfung unterziehen und lässt dadurch, wie es John Stuart Mill beschreibt, ein ‚dead dogma‘ entstehen:
On Liberty
John Stuart Mill
<However unwillingly a person who has a strong opinion may admit the possibility that his opinion may be false, he ought to be moved by the consideration that however true it may be, if it is not fully, frequently, and fearlessly discussed, it will be held as a dead dogma, not a living truth.>
Aus diesem ‚dead dogma‘ ergibt sich zwangsläufig Propaganda, die, gemäss Chomsky, in der Demokratie den Knüppel in der Diktatur darstellt. Fareed Zakaria[2] hat in seiner Rede an der Bucknell University den Kern von «Free spech» stringent dargelegt.[3]
Dass die ‚Redaktion‘ mit der Aussage:
<Wir richten uns nach der Netiquette. Darüber hinaus behält sich die Redaktion absolut das Recht vor, öffentlich sichtbare Kommentare auf unserer Website jederzeit zu löschen. Wir entscheiden darüber abschliessend allein. Ihr Kommentar hat Mutmassungen, Unterstellungen und rhetorischen Fragen aufgeworfen und keinen inhaltlichen Beitrag geleistet. Sie stellen die Frage (Behauptung, Unterstellung), dass beim ‚Homeschooling bestimmt Fundamentalisten‘ in der Mehrheit sind. Und steigern das noch mit ‚muslimischen Fundamentalisten, Salafisten‘. Das ist keine Meinungsäusserung, sondern in einer Frage verpackte Polemik zu Homeschooling von Fundamentalisten. Diese fragende Äusserung haben wir ganz einfach abschliessend gelöscht. Ende der Diskussion. Im Übrigen führen wir üblicherweise keine Korrespondenz über Kommentare."
schlicht und einfach Behauptungen aufstellt ist das Eine – das Andere ist, wenn mich die ‚Redaktion‘ falsch zitiert.
Dass die Erwähnung von Homeschooler'n in Verbindung mit christlichen Fundamentalisten, sprich Evangelikalen nicht erlaubt sein soll, hält keiner seriösen Überprüfung stand. Dies ungeachtet der Tatsache, dass ich lediglich die Ansicht vertrat, dass unter Homeschooler'n mit religiösem Hintergrund die Evangelikalen bestimmt in der Mehrheit sind. Auch die Frage, wie denn der Kanton Bern zb. mögliche Anfragen von muslimischen Fundamentalisten, sprich Salafisten beurteilen würde, kann doch beim besten Willen nicht als Polemik erachtet und folglich mit dem Zensurknüppel begegnet werden.
Hier einige diesbezügliche Links mit Bezug zur Schweiz.“ [4]
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für SRF News äußerte sich der stellvertretende Bereichsleiter, Herr Alexander Sautter, wie folgt:
„Besten Dank, geben Sie uns Gelegenheit, auf die Beanstandung von Herrn X betr. Userkommentar einzugehen. Herr X beanstandet, dass sein Kommentar zumArtikel ‚Alternative Bildungswege werden immer beliebter‘ [5] ‚zensiert und nicht upgeloadet‘ wurde:
Der Artikel basiert auf einem DOK-Film zum Thema ‚Homeschooling‘. Rund 700 bis 1000 Kinder in der Schweiz besuchen keine Schule, sondern werden von den eigenen Eltern unterrichtet. Der Artikel schildert die unterschiedliche Bewilligungspraxis der Kantone, äussert sich zu den Kritikpunkten am Unterricht in den eigenen vier Wänden und zeigt die Motivation der sogenannten Homeschooler auf.
Der Kommentar von Herrn X lautete wie folgt:
Der DOK-Film und der Artikel begleiten Familien, bei denen der Entschluss, ihre Kinder nicht mehr in eine Schule zu schicken, gerade nicht auf religiösen Gründen beruht. Es geht darum zu zeigen, wie alternative Bildungswege funktionieren. Fast alle gezeigten Kinder hatten in der Schule Probleme, weshalb die Eltern sich aufgrund der Motive der Kinder fürs Homeschooling entschieden.
Religiöse Motive spielen im Film und im Artikel keine Rolle. Daher entfernt sich der betreffende Kommentar vom Thema und führt die Diskussion, ob in der öffentlichen Schule Kinder und Jugendliche unter zu viel Druck leiden und auf anderen Wegen Bildungswegen mehr Freude am Lernen haben, nicht weiter.
Laut der Netiquette von SRF[6] besteht grundsätzlich kein Anrecht auf Publikation. Wir sind deshalb der Ansicht, dass wir im Rahmen der transparenten Netiquette korrekt entschieden haben.
Trotzdem müssen wir uns bei Herrn X entschuldigen. Auf seine Mail an die Redaktion hätte eine ausführlichere und erklärende Antwort erfolgen müssen. Zudem lässt die Antwort von SRF (‚...Ende der Diskussion‘) an Höflichkeit mehr als nur zu Wünschen übrigen. Dies entspricht nicht unserer Vorstellung von Anstand und Respekt, mit dem wir unseren Zuschauern und Nutzern gegenübertreten wollen. Wir bitten Herrn X auf diesem Weg für diese unangebrachte Äusserung um Entschuldigung.
Intern haben wir den Fall besprochen und mit den betroffenen Mitarbeitenden das Gespräch gesucht. Wir glauben damit sichergestellt zu haben, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.“
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Der Artikel auf SRF News erschien am 25. Mai 2017 im Laufe des Tages und wies auf die am Abend folgende DOK zum gleichen Thema hin. Sie konnten also, als Sie Ihren Kommentar verfassten, die DOK-Sendung noch gar nicht gesehen haben. Im Unterschied zur DOK selber geht der Artikel kaum auf die Motive der Eltern ein, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten. Es wird im Artikel nicht gesagt, es seien keine religiösen Motive im Spiel – ganz im Unterschied zum Film, wo klar gesagt wird, dass bei keiner der porträtierten Familien der Glaube den Ausschlag für den gewählten Bildungsweg gab. Es war daher absolut logisch und legitim, dass Sie die auf der Hand liegende Frage nach religiösen Motiven der Homeschoolers stellten und vermuteten, Evangelikale könnten dabei in der Mehrheit sein. Es war auch eine berechtigte Frage, nach der Bewilligungspraxis zu fragen, wenn allenfalls religiös Extreme ihre Kinder zu Hause erziehen wollen. Ich finde überhaupt nicht, dass dieser Kommentar vom Thema wegführte, im Gegenteil. Meines Erachtens war daher nicht nur der Umgangston von SRF mit Ihnen unangebracht, meines Erachtens hätte der Kommentar aufgeschaltet werden müssen. Ich kann daher Ihre Beanstandung voll unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
[4] http://www.livenet.ch/news/gesellschaft/familie/195833-ein_potenzial_von_gott.html; https://www.ekf.admin.ch/.../positionspapier_derekfgleichstellungdergeschlechterundkulturelle.pdf; https://www.migrosmagazin.ch/leben/familie/artikel/die-schule-zu-hause?&clist.page=2&comment.commentkey=143ee757-fd08-49b6-81b1-bd8b447b654a; https://www.nzz.ch/wissenschaft/bildung/lernen-ohne-schule-1.17704257 ; https://www.rwi.uzh.ch/dam/jcr:32e7b2a8-bfe2-4d50-a0ce-a1296ff1a4cd/J_Reich_Homeschooling_zwischen_elterlichem_Erziehungsrecht_staatlicher_Schulpflicht_und_Kindeswohl_113_ZBl_2012_567-609.pdf
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