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Mit einer Ausstellung im Palais Besenval (27.05.-30.07.) und zahlreichen Rahmenveranstaltungen ehrt Solothurn zwei Monate lang Hermann Hesse. Der Nobelpreisträger und Wahlschweizer gilt als der weltweit meistgelesene deutschsprachige Autor.Dieser Inhalt wurde am 27. Mai 2000 - 12:26 publiziert
Er war ein hochbegabter Schulflüchtling, schon als Jugendlicher ein depressiver Grübler und unentwegt auf der Suche nach der eigenen Identität. Die ihn umwabernde Aussenseiter-Romantik machte seine Bücher "Siddharta" und "Der Steppenwolf" zur klassischen Selbstfindungs-Lektüre pubertierender Gymnasiasten.
Outsider oder Global Player
Der "solipsistische Outsider" - so will die Solothurner Veranstaltungsreihe nachweisen - ist freilich nur der halbe Hesse. Ebensogut könnte man ihn als das Gegenteil bezeichnen: einen "Global Player". Denn er nahm Wissen und Weisheit verschiedenster Kulturen und Philosophien in sich auf und verarbeitete sie in seinen Werken.
Dem Ideal einer umfassend vernetzten Gesamtweltsicht kam Hesse in seinem Alterswerk "Das Glasperlenspiel" (1943) am nächsten. Es schildert, wie alle Wissenschaften und Künste durch eine gemeinsame Zeichensprache miteinander in Bezug gebracht werden können, ohne dass rationale Analyse und kreative Magie sich gegenseitig vernichten.
Mit diesem Werk hatte sich der Dichter endlich "einen geistigen Raum aufgebaut, in dem ich leben und atmen konnte". Die Ausstellungsmacherinnen Eva Zimmermann und Regina Bucher haben deshalb das Glasperlenspiel als Gerüst genommen, um Hermann Hesses Biografie und Gedankenwelt zu visualisieren.
Die Ausstellung folgt den verschiedenen Lebensphasen, Orten und Bezugspersonen Hesses und zitiert aus dem Alterswerk, in dem sich "endgültige Sätze" für vieles finden, das Hesses Leben zuvor bestimmt hatte.
Hermann Hesse - der Netzwerkpionier
Der Kernausstellung sind drei Räume vorgelagert. Im ersten wird der Begriff "Global Player" thematisiert, im zweiten die historische Realität rund um die Entstehungszeit von Hesses Hauptwerken. In einem dritten Bereich werden erstmals Auszüge aus dem Rosa Muggli-Nachlass der Zentralbibliothek Solothurn gezeigt: Originaltyposkripte, signierte Erstausgaben und Briefe.
Eröffnung und Abschluss der Ausstellung werden je mit einem Vortragswochenende begangen: Renommierte Hesse-Kenner aus aller Welt referieren beispielsweise über "Hermann Hesse und die Frauen", "Stört Hermann Hesse beim Geld verdienen?", "Hermann Hesse und die Meditation" oder "Das Glasperlenspiel, das Weltwissen und das Internet".
Dazu gibt es Podiumsdiskussionen, Konzerte und Filmbiografien, letztere während der ganzen Ausstellungsdauer.
Das Leben von Hermann Hesse
Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw im Schwarzwald geboren. Sein Vater und sein Grossvater mütterlicherseits waren Missionare, letzterer ausserdem Indologe.
Hesse begann mit 14 Jahren ein Theologiestudium an der Klosterschule Maulbronn, brach es aber mit Selbstmordabsichten ab. Dasselbe wiederholte sich an einer anderen Schule und in einer Mechanikerlehre.
Nach einer Buchhändlerlehre in Tübingen zog er 1899 nach Basel. 1904 heiratete er Maria Bernoulli, Tochter aus vornehmem Basler Wissenschaftler-Geschlecht und konnte dank den Tantiemen für seine immer erfolgreicher werdenden Bücher die Arbeit als Buchhändler aufgeben.
Mit Frau und drei Kindern wohnte Hesse zunächst in Gaienhofen am Untersee, ab 1912 in Bern. 1916 trennte sich der Autor von seiner gemütskranken Frau, 1919 zog er nach Montagnola im Tessin, wo er bis zu seinem Tod 1961 wohnte. Seit 1923 hatte Hesse die Schweizer Staatsbürgerschaft, 1946 erhielt er den Literatur-Nobelpreis.
swissinfo und Agenturen
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