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Kraut und Unkraut?
Der Begriff 'Unkraut' und der grundsätzliche Umgang damit.
Die Einteilung von Pflanzen in gut und schlecht, d.h. in erwünschtes und unerwünschtes Kraut,
ist eine Erfindung des Menschen. Dem Spontanbewuchs kommt eine wichtige Aufgabe in der
Natur zu: Offene Bodenflächen werden umgehend besiedelt und damit befestigt. Die Erde
kann so vom Regen und Wind nicht mehr weg transportiert werden. Grundsätzlich gilt: alle
Pflanzen haben ihre Lebensberechtigung, denn jede Pflanze erfüllt im Haushalt der Natur
bestimmte Aufgaben.
Was verstehen wir unter 'Unkraut'?
Mit Unkraut bezeichnen wir jeden Pflanzenauswuchs, der sich unerwünscht ausbreitet.
Unerwünscht deshalb, weil
- die Pflanzen eine gewünschte Kultur bedrängen und damit konkurrenzieren,
- die Pflanzen uns nicht gefallen,
- die Pflanzen zu wuchsfreudig sind und sich für unsere Begriffe zu stark ausbreiten,
- die Pflanzen unter Umständen Schäden an Gebäudeteilen verursachen,
- die Pflanzen den Gesamteindruck einer Anlage verunstalten.
Unkrauttoleranz
bedeutet, den Grad festlegen, in dem wir an einem bestimmten Ort von uns nicht
vorgesehenen Pflanzenauswuchs gestatten.
Wer oder was entscheidet über den Grad der Unkrauttoleranz?
- der/die Gärtner/-in
- die Kundschaft als Auftraggeber/-in
- die Unkraut-Verträglichkeit der vorhandenen Kultur
Vorbeugende Massnahmen gegen Unkraut in neuen Anlagen
Grundsätze:
o Vorbeugen ist besser als späteres Jäten !
o Unkrauttoleranz der später bepflanzten Fläche abklären
o Unkrautfrei ist nur abgetötete Erde (sterilisierte Erde).
o Wichtig! Eine Fläche, die später unkrautfrei sein soll, darf vorher nicht über
Jahre verunkrautet gewesen sein. Ansonsten muss sie vor der Neuanpflanzung
einige Zeit (Monate) unkrautfrei gehalten werden.
Eine verunkrautete Fläche wird nicht von heute auf morgen unkrautfrei,
da die Samenvorräte und die Wurzel- oder Rhizomteile der Unkräuter,
welche beim Jäten nicht erfasst oder abgerissen werden, bis 40 Jahre
lang für eine rasche 'Wiederbegrünung' sorgen.
Flächen, welche nach der Anpflanzung unkrautfrei sein müssen, brauchen
also eine dementsprechende Vorbereitung.
Wie vorgehen ?
Grosse Rabattenflächen, die neu zu erstellen sind und gegenwärtig mit Unkraut
überwachsen sind, werden wie folgt präpariert:
Fläche abschaben und mit Rasen einsäen. Rasenfläche 2 Vegetationsperioden (Jahre)
lang mähen. Daraufhin Rasen abschälen und Rabattenbepflanzung erstellen.
Damit ist sichergestellt, dass nicht nur der Samenvorrat der einjährigen Unkräuter im
Boden (weitgehend) erschöpft ist, sondern auch die ausdauernden Unkräuter infolge
des wiederholten Schnittes ausgehungert worden sind und somit fast keine
Regenerationskraft mehr besitzen.
Kompost ist - als Bodenverbesserer eingebracht - oft eine wesentliche Ursache von
später auftretenden Unkrautproblemen! Nur Kompost verwenden, dessen Herkunft
und Beschaffenheit bekannt ist! Nur Kompost, der sich durchgehend während mindestens
einer Woche über 60° durch Zersetzungsprozesse erhitzt hat, ist brauchbar.
Elementare Hinweise:
- Auf standortgerechten Bodengrund die dazupassende Vegetation. Bei Neu- oder Umgestaltung
von Gartenteilen abklären, was für Vegetation standortverträglich ist und danach den einzubauenden
Pflanzgrund wählen. In unserer Eintopf-Gartenkultur können sich alle Pflanzen ohne natürliche
Hindernisse auch von Garten zu Garten ausbreiten.
- Neu zu erstellende Anlagen mit hohen Ansprüchen an die Unkrautfreiheit sind zuerst eine
Vegetationsperiode brach liegen zu lassen, wobei das aufkommende Unkraut jeweils
sofort zu entfernen ist.
- Standortgerechtes Pflanzen, die richtigen Pflanzen am richtigen Ort, d.h. z.B. an sonnenexponierten
Orten wärme- und trockenheitsresistente Arten verwenden usw.
- Bodenvorbereitung muss entsprechend den Bedürfnissen der anzupflanzenden Gewächse erfolgen
(Magerpflanzen auf humusarmem Boden, nährstoffliebende Pflanzen in humusreichen Boden).
Die Pflanzen gedeihen dadurch besser.
Praktische Tipps gegen Unkraut in bestehenden Anlagen
Grundsätze / Fragen:
o Grad der Unkrauttoleranz abklären/ bestimmen?
o Sinnvollste Form der Unkrautbekämpfung (ökologisch, wirtschaftlich) bestimmen
o Wichtig! Unkraut ist immer vor dem Versamen zu entfernen
Erst nach Berücksichtigung dieser 3 Punkte ist eine sinnvolle Unkrautbekämpfung möglich.
Dabei ist zu beachten:
o möglichst keine offene Erdoberfläche lassen, damit sich neu versamende Unkräuter
nicht festsetzen können.
o Kompostanlagen und deren engere Umgebung richtig bewirtschaften und immer
unkrautfrei halten, ansonsten durch Samenflug der Kompost verseucht wird
o Grundsätzliche Überlegung darüber, wie viel Sinn eine 'konventionell-gärtnerische'
Bepflanzung z.B. Cotoneaster oder Hyperikum macht.
o statt dem ewigen 'Jäten ohne Ende' ist es vielleicht sinnvoller, die Anlage unter den
geschilderten Massnahmen neu anzulegen (eine Kostenrechnung kann hier Klarheit schaffen).
Eine Etappierung ist sinnvoll und ratsam. Das Wichtigste jedoch ist die durchdachte und
überlegte Vorbereitung und Planung und ein dem Jahreszyklus der Natur angepasster
Realisierungszeitpunkt.