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Der Titel des Buches scheint eine proletarische Filmgeschichte zu suggerieren: «Stellen wir diese Waffe in unseren Dienst – Film und Arbeiterbewegung in der Schweiz». Das vom Schweizer Sozialarchiv herausgegebene und von Stefan Länzlinger und Thomas Schärer verfasste Sachbuch erzählt jedoch mitnichten von hiesigen Meisterwerken sozialkritischer Propaganda. Vielmehr bieten die Autoren mit ihrer umfangreichen Analyse filmischer Quellen einen neuen Einblick in die Geschichte der Schweizer Arbeiterbewegung. Das Buch zeigt auf, welche Rolle der Film in der Schweizer Arbeiterbewegung spielte – oder eben nicht.
Verständlich und leichtfüssig erzählen die Historiker Länzlinger und Schärer, wie die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SPS) und die Gewerkschaften des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB) in der Zwischenkriegszeit den Film als Medium entdeckten. Die Autoren unterscheiden dabei zwischen sogenannten Kampagnenfilmen, die von der SPS anlässlich wichtiger Abstimmungen oder Wahlen in Auftrag gegeben wurden, und Selbstdarstellungsfilmen, die von den Gewerkschaften und Genossenschaften genutzt wurden, um neue Mitglieder anzuwerben.
Eine wichtige Rolle beim Vertrieb dieser Filme kam der Schweizerischen Arbeiterbildungszentrale (SABZ) zu, die ab 1929 den Einkauf und den Verleih helvetischer und ausländischer Filme koordinierte und den Schweizer Produktionen den Stempel «sozialer Film» aufdrückte. Sozialkritisch waren allerdings die wenigsten Werke, was die Autoren vor allem auf die Schwierigkeit der Finanzierung zurückführen. Gleichwohl entstanden im Umfeld der Schweizer Arbeiterbewegung zwischen 1928 und 1953 mehr als fünfzig Filme, von denen die Autoren sechs genauer untersuchen. Das Buch enthält zudem eine DVD, die einen direkten Zugang zum teilweise neu vertonten Quellenmaterial ermöglicht. Das Fazit der Autoren zur «Waffe Film» ist ernüchternd: Die Arbeiterbewegung nutzte den Film nur «ein kurzes Vierteljahrhundert lang» und wendete sich danach verstärkt anderen Medien zu.
Als der Wagen das Kaff Ackerman’s Field erreicht hat, versammelt sich augenblicklich eine Menge Schaulustiger: Die Pritsche des Wagens stellt mehr schlecht als recht von Stroh bedeckte Leichen zur Schau, allesamt Opfer grausamer Morde. Darunter der Kadaver eines karamellfarbenen Terriers – mit Ohrringen. «Kannst du dir denken, warum der Killer auch den Hund getötet hat?», fragt jemand. «Ich glaube, es war einfach nichts anderes zum Töten mehr übrig.»
Stephen King, Grossmeister des Horrors, nennt William Gays im Tennessee der fünfziger Jahre angesiedelten Schauerroman «Nächtliche Vorkommnisse» sein «Buch des Jahres». Das ist vielleicht ein bisschen viel des Lobs. Die Geschichte dreht sich um das Geschwisterpaar Corry und Kenneth Tyler, das mit detektivischem Enthusiasmus Leichen ausbuddelt, und den nekrophilen Leichenbestatter Fenton Breece. Mit seinen knappen wie harten Sätzen sucht Gay dem Schriftsteller Cormac McCarthy alle Ehre zu machen. Auch in punkto Gnadenlosigkeit eifert er seinem Vorbild nach. Nachdem Corry und Kenneth dem Leichenschänder auf die Schliche gekommen sind, beschliessen sie, ihn zu erpressen. Keine gute Idee, denn der Killer, den Breece daraufhin anheuert, versteht keinen Spass, dafür aber sein Handwerk. Bleibt nur die Flucht. Ob das nützt?
Etwas zu eindeutig ist in «Nächtliche Vorkommnisse» das Gute vom Bösen geschieden. Und ein Quäntchen weniger blutgetränkte Fabulierlust zugunsten mehr erzählerischer Logik hätte dem Buch sicher auch gut getan. Aber knallhart und spannend schreiben kann er durchaus, dieser William Gay. Ein Vietnamveteran, faltiger Zottel und Autodidakt. 1943 geboren, kam er erst spät zum Schreiben. Bis zur Veröffentlichung seines ersten Romans im Jahr 1999 arbeitete er als Dachdecker, Schreiner und Maler. Gay lebt in den dunklen Wäldern von Tennessee. Und dort, im tiefsten Hinterland, wo bis heute lediglich ein paar Holzhütten auf eine menschliche Zivilisation verweisen, spielt auch «Nächtliche Vorkommnisse». Wo sonst.