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zre Brand
Das beobachteten die Kinder genau. Sie tauschten, was sie sahen, untereinander aus. Sie fanden es auch richtig, dass der Vater solches nicht tat, wie dem Richter Wasser ins Gesicht zu spritzen. Denn den Richter hielten sie für einen ehrenwerten Mann.
Der Richter herrschte die Kinder nicht an, wie es damals die Dame getan hatte, sondern antwortete, aus der Sicht der Kinder, brav auf jede ihrer Fragen.
Zudem trug der Richter auf seinem Kopf keine Perücke, wie dies jeweils in Kinderbüchern der Fall war. Der richtige Richter stieg in der Glaubwürdigkeit der Kinder ungeheuer.
Die Kinder wollten von diesem Richter wissen, was das Gericht überhaupt ist. Der Richter erklärte, dass das Gericht ein Ort ist, wo sich zwei Parteien – ein Wort, das die Kinder nicht verstanden und der Richter darum den Kindern erklären musste – trafen, die völlig miteinander zerstritten waren.
Der Richter musste dann jeweils aufgrund des Gesetzes entscheiden, wer richtig gehandelt hatte und wer falsch. Im Fall der Kinder: die Dame oder der Vater. Weil der Richter den Kindern schon erklärte hatte, was das mit den Parteien war, wussten die Kinder, dass mit Parteien der Vater und die Dame gemeint waren.
Jene Partei, die falsch gehandelt hatte, musste bestraft und auf diese Weise die gesellschaftliche Ordnung wieder hergestellt werden. Die Kinder schauten sich beim Wort gesellschaftliche Ordnung stumm an.
Das mit dem Strafen hingegen fanden die Kinder toll und sie waren mit dem Richter völlig einverstanden. Aber da kam von den Kindern prompt die Frage, was das sei, dieses Gesetz.
Auch auf diese Frage hielt der Richter ohne Perücke für die Kinder eine kluge Antwort bereit. Das Gesetz ist eine Sammlung, wie sie die Kinder etwa von Murmelsteinen oder Paninibildern her wohl kennen. Im Gesetz würden aber Vorschriften gesammelt. Vorschriften würden die Kinder von zuhause kennen, meinte der Richter ohne Fehl und Tadel. Diese Vorschriften sagen, wie sich Kinder und Erwachsene verhalten müssen, damit sie keine Probleme mit den Eltern oder der gesellschaftlichen Ordnung haben.
Nun wollten die Kinder natürlich wissen, was es mit dieser gesellschaftlichen Ordnung auf sich hat, von der der Richter schon zum zweiten Mal sprach.
Auch auf diese Frage hatte der Richter mit dem richtigen Haar eine Antwort. Mit der gesellschaftlichen Ordnung sind wir alle gemeint, sagt er. Das Gesetz sorgt dafür, dass alle gleich behandelt werden und dass alle in Frieden miteinander leben können. Dieser Friede sei die gesellschaftliche Ordnung.
Das sahen die Kinder ein und stellten zur gesellschaftlichen Ordnung keine weiteren Fragen.