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Annemarie Schwarzenbach l Eine Frau zu sehen
Die Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstags von Annemarie Schwarzenbach (23. Mai) verdankt ihren Titel einer bislang unveröffentlichten Novelle. Sie zeigt Leben, Werk und Mythos der 1987 wiederentdeckten Autorin anhand einer Vielzahl bisher unbekannter, oft aus Privatbesitz stammenden Archivalien, darunter Briefe, Filme, Fotos, Tagebücher und Manuskripte. Zu sehen ist auch das Rosenkavalier-Kostüm, das Annemarie Schwarzenbach oft trug und das alle Aspekte ihres faszinierenden androgynen Wesens in sich vereint.
Annemarie Schwarzenbach, am 23. Mai 1908 in Zürich geboren, will zuerst General, Pianistin oder Tänzerin werden und entscheidet sich dann für das Schreiben. Sie studiert Geschichte in Zürich und Paris und publiziert mit 23 ihren ersten Roman.
Jeder, der sie sieht, verliebt sich in die schöne Frau, die freilich schon immer weiss, „dass ich nur Frauen mit wirklicher Leidenschaft lieben kann.“ Mit den Kindern von Thomas Mann, Erika und Klaus, ist sie eng befreundet und teilt ihre antifaschistische Haltung. Mit der eigenen Familie, einer der reichsten des Landes, die Hitlers wahre Natur lange Zeit verkennt, gerät sie in schwere Konflikte. Bis 1933 lebt sie als freie Schriftstellerin in Berlin, danach wird sie eine „unheilbar Reisende“. In weniger als zehn Jahren fährt sie vier Mal nach Persien, vier Mal in die Vereinigten Staaten, mehrmals durch ganz Europa und 1939 in Begleitung von Ella Maillart in einem Ford von Genf bis nach Kabul. Zwei Jahre später bricht sie auf ins „Herz der Dunkelheit“ (Joseph Conrad), den Kongo. Über 300 Reisefeuilletons und mehrere tausend Fotos dokumentieren das ruhelose Leben dieser modernen Nomadin. In die Heimat kehrt sie immer wieder zurück, sei es in ihr geliebtes Sils im Engadin oder in eine der zahlreichen Schweizer Privatkliniken, wo sie sich vom Morphium zu befreien sucht. 1942 stirbt sie mit 34 Jahren in Sils.
Strauhof Zürich