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Kastor Egloff, ein Pionier der Metallindustrie, wurde 1820 in Niederrohrdorf als sechstes von zehn Kindern in einer armen Kleinbauernfamilie geboren. Bereits im Alter von sechs Jahren waren die Eltern erleichtert, den Knaben in fremde Obhut geben zu können!
Kastor hatte Glück – er wurde im Pestalozzi Kinderheim Neuhof in Birr aufgenommen. Johann Heinrich Pestalozzi (geb. 1746) war damals schwer krank und lebte beim Eintritt von Kastor in Brugg wo er auch 1827 verstarb. Seine Gattin Anna war bereits 1815 verstorben.
Der Enkel von J.H. Pestalozzi - Gottlieb Pestalozzi und seine Gattin - leiteten ab ca. 1825 das Kinderheim und bemerkten, dass Kastor über grosses handwerkliches Geschick verfügte und förderten den Knaben. Nebst allerhand Arbeiten vermittelten sie ihm Schulbildung. Im Alter von 16 Jahren besorgten sie für Kastor in Zürich eine Lehrstelle als Spengler, welche er mit Erfolg abschloss und noch sechs Jahre dort verblieb. Danach zog er weiter nach Küsnacht um seine Kenntnisse zu erweitern. Dort lernte er seine zukünftige Gattin Barbara Steiger kennen.
Im Alter von 29 Jahren kehrte Kastor Egloff nach Niederrohrdorf zurück ins damals noch strohbedeckte Elternhaus und gründete einen Betrieb für die Anfertigung von Blechwaren, die spätere Egloff & Co. Ein Jahr danach heiratete er seine Barbara.
Nach ersten mühevollen Jahren konnten Kastor und Barbara den Betrieb entwickeln und vielen Einwohnern der Region einen Verdienst ermöglichen. 1877 investierte Kastor in eine Tiefziehpresse für die Herstellung von Gamellen und Bettflaschen. Bei Inbetriebnahme drückte er sich infolge einer Fehlmanipulation eine Hand ab und stürzte dadurch in eine schwere Krise. Bald danach übergab er den bereits auf 50 Mitarbeitende angewachsenen Betrieb an seine Söhne Julius (geb. 1854) und August (geb. 1857) welche den Betrieb erfolgreich weiterführten. Kastor verschied 1905 nach vielen Tiefschlägen und grossen Erfolgen.
Der Ehe von Kastor und Barbara wurden neun Kinder geschenkt, wovon drei Kinder bereits vor dem zweiten Lebensjahr verstarben. Wie damals üblich, arbeiteten alle Kinder mit und unterstützten die Eltern in Haushalt und Betrieb. „Learning on the job“ war damals wichtiger als der Schulbesuch. Für Kastor war es aber ein grosses Anliegen, seine Kinder in Praxis und Theorie auszubilden. Für alle eigenen Kinder hatte es im Familienbetrieb zu wenig Beschäftigung, sodass sich der älteste Sohn Wilhelm (geb. 1851) bereits mit 20 Jahren ausserhalb des väterlichen Betriebs selbständig machte. Mit 23 heiratete er 1874 Lina Trost, die Tochter von Joh. Baptist Trost von Oberrohrdorf. Ein Jahr danach wurde dem Paar die Tochter Wilhelmina geschenkt. Nur ein Jahr später verstarb 1876 die junge Mutter. Ein schwerer Schlag für die Familie Egloff.
Mit Hilfe der Familien fasste Wilhelm neuen Mut und gründete 1876 mit seinem Schwiegervater zusammen in Künten am Belliker Mühlenbach die Firma Egloff & Trost, die nachmalige Firma Birchmeier. Nach einigen Jahren trennte sich Wilhelm vom Betrieb und übernahm in Zürich eine Firma. Zudem gündete er in Turgi eine weitere Metallwarenfabrik und Giesserei – die spätere BAG Turgi. 1935 starb Wilhelm Egloff, ein bedeutender Unternehmer, in seinem Wohnort Baden.
Nun zurück zur EGRO – der Name ist 1977 entstanden aus Egloff & Co. Rohrdorf. In Kurzform einige weitere Fakten und Zahlen. 1895 begann eine lose Zusammenarbeit mit der Firma Merker in Baden. 1918 übernahm die Firma Merker die Aktienmehrheit der Firma Egloff & Co. Das Geschäft wurde unter dem Namen Egloff & Co. fortgeführt und mehrheitlich von Angehörigen der Familie Merker geleitet. 1926 wurde mit Dr. Bircher die „Bircherraffel“, entwickelt, welche heute noch produziert werden. 1934 beginnt EGRO mit der Herstellung von Kaffeemaschinen. 1954 waren 354 Mitarbeitende beschäftigt (wovon 250 in der Werkstatt, 65 im Büro und 39 Lernende). 1986 erfolgte die Integration der Armaturen der Ennetbadener Firma Oederlin in das eigene Armaturensortiment. Dies hätte zu einer langfristigen Sicherung der Unternehmung führen sollen. Walter Merker führte die Geschicke der EGRO von 1952 – 1989 als hochgeachteter VR-Präsident. Nach seiner Pensionierung erfolgten viele Wechsel in der Geschäftsführung und im Verwaltungsrat. Weitere Umstrukturierungen wurden umgesetzt; bspw. wurde 2002 die Armaturenfabrikation an die Firma KWC verkauft und die Produktion der Kaffeemaschinen nach Italien verlagert. Diese Umstrukturierungen führten zu einem markanten Umsatzeinbruch.
Unter der Regie der Visionova Holding AG als neuer Investor, wurden 2004 mehrere Tochtergesellschaften gegründet. So hat sich die Egro Coffee Systems AG weltweit einen hervorragenden Ruf als Hersteller von vollautomatischen Kaffeesystemen für den professionellen Einsatz gesichert und die ehemalige Egro AG bietet heute insbesondere Dienstleistungen im Finanz-, Administrations-, IT- und Immobilien-Bereich an.
Sehr erfreulich ist, dass der ursprüngliche Geschäftsbereich der Metallverarbeitung in der neuen Gesellschaft EGRO Industrial Systems AG mit grossen Investitionen modernisiert und gestärkt wurde. Blech ist und bleibt für die derzeit 70 Mitarbeitenden dieses Unternehmens das Kerngeschäft. Qualität zu konkurrenzfähigen Preisen ist die Devise!