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Die Studie «Plant-based diets, pescatarian diets and COVID-19 severity: a population-based case–control study in six countries» zeigt, dass Personen, die sich pflanzenbasiert ernähren, ein geringeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von COVID-19 haben.
In der Fall-Kontroll-Studie nahmen 2884 ÄrztInnen und Pflegefachkräfte aus sechs Ländern, darunter die USA, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Grossbritannien, teil. Die medizinischen Fachkräfte hatten regelmässigen, intensiven Kontakt mit COVID-19-PatientInnen. Die Datenerhebung erfolgte von Juli bis September 2020. 568 der 2884 Studienteilnehmenden erkrankten während dieser Zeit an COVID-19 bzw. wiesen COVID-19-typische Symptome auf. Die Kontrollgruppe umfasste 2316 Teilnehmende, welche nicht an COVID-19 erkrankten. 430 der 568 COVID-19-Erkrankten berichteten von einem sehr milden bzw. milden Krankheitsverlauf und 138 Teilnehmende stuften ihren Krankheitsverlauf als mittel bis schwer ein.
Neben dem Krankheitsverlauf wurden mittels eines Fragebogens unter anderem die Ernährungsgewohnheiten erfragt. Dies erfolgte in zwei Schritten:
- Mithilfe eines validierten Food Frequency Questionnaires wurde erfragt, welche Lebensmittelgruppen wie häufig konsumiert wurden. Zur Auswahl standen: Früchte, Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Nüsse, verarbeitetes Getreide, Vollkornbrot, Süsses und Desserts, Eier, Milchprodukte, Pouletfleisch, rotes bzw. verarbeitetes Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Fertiggerichte wie z.B. Pizza oder Suppe, Süssgetränke, Fruchtsäfte, Pflanzenöl, Butter, Alkohol, Kaffee und Tee.
- Zudem wurden die Teilnehmenden zu ihrer Ernährungsform befragt. Zur Auswahl standen: Ernährung mit wenig verarbeiteten Lebensmitteln, pflanzenbasierte Ernährung, vegetarische Ernährung, «pescetarische» Ernährung, ketogene Ernährung, mediterrane Ernährung, Paleo-Ernährung, Low-Fat-Ernährung, Low-Carb-Ernährung, High-Protein-Ernährung, andere oder keine der genannten.
Die Resultate der Studie zeigen, dass die Teilnehmenden, welche sich pflanzenbasiert ernährten, zu 73% weniger an einem schweren Verlauf von COVID-19 erkrankten als die restlichen Teilnehmenden. Die sich «pescetarisch» (vegetarisch aber mit Fisch) ernährenden Teilnehmenden hatten ein 59% reduziertes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.
Diejenigen Teilnehmenden, welche sich high-protein und low-carb ernährten, wiesen ein 48% erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf auf. Die sich pflanzenbasiert ernährenden Teilnehmenden wiesen ein viermal geringeres Risiko für einen schweren Verlauf auf im Vergleich mit den sich high-protein und low-carb ernährenden Teilnehmenden.
Hier ist aber wichtig zu erwähnen, dass pflanzenbasiert nicht gleich vegan oder vegetarisch bedeutet. Die sich pflanzenbasiert oder «pescetarisch» ernährenden Teilnehmenden wiesen einen signifikant höheren Konsum von Früchten, Gemüse, sowie Hülsenfrüchten auf. Zudem konsumierten sie signifikant weniger Pouletfleisch und rotes bzw. verarbeitetes Fleisch als die restlichen Teilnehmenden.
In der Diskussion wird auf diese Begriffsproblematik eingegangen:
«[...] the definition of certain dietary patterns (eg, plant-based diets, pescatarian diets, low carbohydrate, high protein diet) may vary by countries.»
In der Gruppe der sich pflanzenbasiert, vegetarisch oder «pescetarisch» ernährenden Teilnehmenden waren Personen enthalten, die auch tierische Produkte konsumieren (von Eiern und Milchprodukten bis hin zu Fleisch und Fisch).
Eine weitere Schwäche der Studie ist, dass medizinische Fachkräfte mit sehr schweren Verläufen nicht an der Studie teilnehmen konnten. Somit könnte das Ergebnis (in beide Richtungen) verfälscht sein, da diejenigen, die einen milden Verlauf erlitten eher an der Studie teilnehmen konnten als diejenigen, die einen schweren Verlauf erlitten.
Dennoch zeigen diese Studienergebnisse, dass eine Ernährung, die reich an Früchten, Gemüse, sowie Hülsenfrüchten und arm an tierischen Produkten, insbesondere Pouletfleisch und rotem bzw. verarbeitetem Fleisch, ist, einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf von COVID-19 hat.
Sind die Ergebnisse überraschend?
Das Resultat der Studie erstaunt nicht, wenn man bedenkt, dass auch das Bundesamt für Gesundheit Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19 aufführt. All diese Erkrankungen werden durch einen hohen Konsum tierischer Produkte gefördert.
Schon im Mai 2020 wurde in der Studie «Coronavirus Disease (COVID-19–SARS-CoV-2) and Nutrition: Is Infection in Italy Suggesting a Connection?» vermutet, dass eine gesunde Ernährung den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung beeinflusst. Wobei als gesund galt: Pflanzenbasiert mit viel frischen Früchten und Gemüse, viel Soja, Nüssen, Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren und wenig gesättigten Fetten und Transfettsäuren, wenig tierischem Eiweiss und wenig weissem Haushaltszucker.
Auch die Übersichtsstudie vom März 2021 «COVID-19: Role of Nutrition and Supplementation» kommt zu diesem Schluss:
In Anbetracht der in dieser Übersichtsarbeit besprochenen Daten sollte daher empfohlen werden, dass die Personen den Verzehr von Lebensmitteln vermeiden, die grosse Mengen an gesättigten Fetten und Zucker enthalten; im Gegensatz dazu ist es wünschenswert, dass sie große Mengen an Ballaststoffen, Vollkornprodukten, ungesättigten Fetten und Antioxidantien zu sich nehmen, um die Immunfunktion zu verbessern.
Auch dieser Empfehlung wird eine gesunde, abwechslungsreiche, vegane Ernährung am ehesten gerecht.