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Arsenik
frz. u. engl. arsenic;
im Handel und Verkehr gebräuchlicher Name für mehrere sehr giftige Substanzen, die man als weißen,
gelben, roten und grauen
Arsenik unterscheidet. Diese Körper sowohl als auch andre chemische Verbindungen, die
das Metall
Arsen enthalten, werden im Handel auch unter dem Namen
Arsenikalien zusammengefaßt. - Das, was man graues A. nennt, ist
das metallische Arsen, ein Element, das sich im Erzgebirge und
Harze auch schon gediegen findet, aber
auch aus seinen Verbindungen abgeschieden wird.
Man erhält es gewöhnlich in krummschaligen oder stalaktitischen Stücken von schwarzgrauer Farbe ohne Glanz; der sehr stark weiße Metallglanz, den das Arsenmetall besitzt, kommt erst zum Vorschein, wenn man die schwarzgraue Kruste abschabt. Das Arsen ist kristallinisch, hart und spröde; es verflüchtigt sich beim Erhitzen unter Verbreitung eines höchst unangenehmen Geruchs. Schmelzen läßt sich das Arsen nur unter hohem Druck in der Rotglühhitze. Beim Erhitzen unter vollem Luftzutritt verbrennt das Arsen, indem es Sauerstoff aufnimmt, zu arseniger Säure, welche sich als weißer Rauch verbreitet.
Metallisches Arsen wird in geringer Menge dem
Blei zugesetzt, wenn aus diesem
Schrote gefertigt werden
sollen; früher benutzte man das Arsen auch zum Vergiften der Fliegen, daher der zuweilen noch gebräuchliche Name Fliegenstein;
man nannte es auch Scherbenkobalt oder Cobaltum crystallisatum (nicht zu verwechseln mit dem Kobaltmetall). Das weiße
Arsenik
des Handels ist die arsenige Säure oder das Arsentrioxyd der Chemiker. Diese sehr giftige Substanz wird
in großen Mengen gewöhnlich als Nebenprodukt bei der Verhüttung arsenhaltiger Erze gewonnen, die man in besonderen Flammenöfen
bei Zutritt der Luft röstet, wobei das Arsen sich in arsenige Säure verwandelt, die sich verflüchtigt und in langen gemauerten,
in einzelne Kammern abgeteilten Kanälen verdichtet wird. An einigen Orten ist die Darstellung der arsenigen
Säure nicht bloß Nebensache, sondern Hauptsache; man röstet dann
Arsenikkiese und gewinnt zuweilen noch aus den Rückständen
(
Arsenikabbränden) die kleine Menge darin enthaltenen
Goldes.
Die arsenige Säure kommt in zweierlei Formen in den Handel, als weißes Pulver (Giftmehl, weißes
Arsenik,
Arsenmehl, Hüttenrauch, Hüttenmehl, Arsenicum album pulveratum, acidum arsenicosum) und als geschmolzene, farblose, glasartige
Masse, die jedoch bald, undurchsichtig und weiß wird (porzellanartige arsenige Säure); im Handel heißt diese Säure, sowie
auch die frische, noch glasartige Säure
Arsenikweißglas. Die arsenige Säure verwandelt sich beim Erhitzen in einen
geruchlosen Dampf, der sich an kälteren Teilen wieder zu glänzenden oktaedrischen Kristallen verdichtet. In Wasser ist
sie schwer löslich. - Im Kleinhandel darf die arsenige Säure an das Publikum nicht abgegeben werden, von den Apothekern
nur gegen Giftschein. - Verwendung findet die arsenige Säure bei der Bereitung optischer
Gläser und
des
Schweinfurter Grüns und verschiedener Arsenpräparaten. Eine andre, ebenfalls aus Arsen und Sauerstoff bestehende Verbindung
ist die Arsensäure (Arsenpentoxyd, acidum arsenicicum), sie enthält auf 75 Teile Arsen 40 Teile Sauerstoff, während bei
der arsenigen Säure auf 75 Teile Arsen 24 Sauerstoff kommen. Die Arsensäure ist eine weiße, amorphe Masse, die
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forlaufend
bei ihrer Auflösung in Wasser solches bindet und sich in Arsensäuretrihydrat verwandelt. Man gewinnt diese Säure durch
Behandlung von arseniger Säure mit Salpetersäure. Verwendung findet die Arsensäure in der Anilinrotfabrikation und zur
Darstellung von arsensaurem Natron (
arseniksaures Natron Natriumarseniat, Natrum arsenicicum). Dieses äußerst giftige Salz
bildet große, weiße, in Wasser lösliche Kristalle; es wird zuweilen noch als Beize in der Färberei
und Zeugdruckerei verwendet.
Das gelbe und rote A. sind beide Verbindungen des Arsens mit Schwefel in verschiedenen Verhältnissen. Letzteres, das rote A., besteht aus 75 Teilen Arsen und 32 Teilen Schwefel und hat auch die Namen: Arsenrotglas, Realgar, Arsensulfür, Arsenbisulfid, Zweifachschwefelarsen, Arsenicum sulfuratum rubrum. Es findet sich schon in der Natur in schön rubinroten Kristallen, im Handel kommt aber nur das Kunstprodukt vor;
dieses besteht je nach dem Grade seiner Reinheit entweder aus rubinroten und durchsichtigen oder mehr braunroten und undurchsichtigen Stücken von muscheligem Bruche. In Freiberg werden 80000 kg jährlich produziert. - Das gelbe A. des Handels ist kein reines Schwefelarsen, sondern eine arsenige Säure, die mehr oder weniger dreifach Schwefelarsen beigemengt enthält.
Man nennt dieses Produkt Arsengelbglas oder auch bloß Gelbglas; ferner gelbes Schwefelarsen, Operment, Rauschgelb, Auripigment, Arsenicum sulfuratum flavum; es bildet hellgelbe, undurchsichtige Stücken von muscheligem Bruche. Das reine Dreifach-Schwefelarsen (Arsentrisulfid) ist ein sehr schöngelbes Pulver, unlöslich in Wasser, kommt aber fast gar nicht in den Handel. - Die Produktion von Arsengelbglas in Freiberg beträgt circa 6000 k jährlich; bedeutend größer ist dort die Produktion von arseniger Säure, sie beläuft sich auf circa 400000 kg Arsenmehl und 260000 kg Arsenweißglas.
Außerdem werden an andern Orten des Erzgebirges noch ungefähr 100000 kg arsenige Säure produziert. In Schlesien (Reichenstein)
und England wird auch viel von diesem Gifte produziert. Die Ausfuhr von
Arsenikalien überhaupt aus Deutschland belief
sich 1874 auf 854200 kg, 1875 auf 753200 kg. -
Arsenikalien werden nur dann zum Eisenbahntransporte zugelassen, wenn sie in doppelte Fässer oder Kisten
verpackt sind, auf welchen mit schwarzer Ölfarbe das Wort „
Arsenik“ (Gift) in leserlichen Buchstaben angebracht ist.
Die Böden der Fässer müssen mit Einlagereifen, die Deckel der Kisten mit Reifen oder eisernen Bändern gesichert werden.
Die inneren Fässer oder Kisten sind von starkem, trocknem Holze zu fertigen und inwendig mit dichter
Leinwand oder ähnlichen dichten Geweben zu verkleben, damit nichts durch die Fugen stäuben kann. - Zoll: S. Tarif im Anh.
Nr. 19 a; Präparate aus A. Nr. 5 i zollfrei.