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Im Jahr 2014 wurde in der Schweiz alle 70 Minuten ein Einfamilienhaus fertiggestellt. Die Fläche, die in den letzten 30 Jahren in der Schweiz verbaut wurde, ist grösser als jene des Genfersees.
Die Überbauung der Schweiz in den vergangenen 70 Jahren wird auch deutlich, wenn man ältere mit neueren Luftaufnahmen der Gemeinde Cham am Zugersee vergleicht. Die Einwohnerzahl der Gemeinde hat sich bis heute mehr als verdreifacht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg brach in der Schweiz ein regelrechter Bauboom aus. Innert wenigen Jahren entstanden grosse Siedlungen. Immer mehr Mittelstandsfamilien konnten sich nun ein Einfamilienhäuschen am Stadtrand leisten.
Auf dem Land setzte diese Entwicklung etwas später ein. Der Mutschellen im Kanton Aargau war beispielsweise im Jahr 1954 noch klar bäuerlich geprägt. Fast 60 Jahre später ist er gewissermassen in die Agglomeration der Stadt Zürich eingegliedert.
Exemplarisch für diese Entwicklung hin zur Agglomeration stehe die Gemeinde Illnau-Effretikon zwischen Zürich und Winterthur, sagt Regula Iseli. Sie leitet das Institut für Stadtlandschaften an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften.
Der Glaube an das Wachstum
«Der Wirtschaftsboom in den 1960er Jahren hat eigentlich die ganze Schweiz erfasst. Man begann damals auch mit dem Bau und der Planung des Schweizerischen Nationalstrassennetzes», sagt Iseli. Gleichzeitig habe man zu dieser Zeit begonnen, Dörfer und kleinere Städte mit Wohnungs- und Gewerbebauten in der Fläche zu erweitern.
So entstand in Effretikon Ende der 1960er Jahre unmittelbar neben den Bauernhäuschen des alten Dorfkerns ein neues Mehrfamilienhaus-Quartier auf der grünen Wiese, inklusive eines neuen Schulhauses.
Für Iseli ist dies eine typische Entwicklung, wie sie viele Schweizer Ortschaften durchgemacht haben. Man habe viel investiert. In Effretikon wurde sogar in den frühen 1960er Jahren eine Kirche gebaut: «Man hat an ein grosses Wachstum geglaubt und dafür gebaut», so Iseli.
Dementsprechend ist die Bevölkerungszahl von Illnau-Effretikon in dieser Zeit von 8000 Einwohnern Anfang der 1960er Jahre auf über 14'000 in den 1970ern angestiegen. Das ist exemplarisch für die Entwicklung im ganzen Land ab 1960. Sie geht weiter bis heute zu den 8,5 Millionen Einwohnern.
Mitverantwortlich für die Zersiedelung ist auch das Auto. In den Sechzigern wird es für viele erschwinglich. Die Folge: Immer mehr Leute wohnen in den wachsenden Agglomerationen und pendeln in die Stadt.
Autobahn als Baumotor
Die Nationalstrasse N1 (heute A1) wurde 1974 auch zwischen Zürich und Winterthur für den Verkehr freigegeben, womit Illnau-Effretikon an das Strassennetz angeschlossen wurde. Die gestiegene Mobilität förderte das Siedlungswachstum weiter.
Zu diesem Wachstum trug auch der öffentliche Verkehr bei. Heute halten in Illnau-Effretikon fünf S-Bahn-Linien, was das Pendeln attraktiv macht. Der Bau des S-Bahn-Netzes habe den Effekt der Urbanisierung im Kanton Zürich noch weiter vorangetrieben, sagt Städteplanerin Iseli. «Über Effretikon hinaus ins Zürcher Oberland oder durchgehend Richtung Schaffhausen.»
Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in der Schweiz scheint sich hingegen auf dem Niveau vom Jahr 2000 eingepegelt zu haben. Waren es damals 44 Quadratmeter, werden heute 46 Quadratmeter beansprucht. Ob dies ein Zeichen dafür ist, dass die Zersiedelung an ihre Grenzen gekommen ist, bleibt allerdings offen.
So wird die Schweiz zersiedelt
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