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Gotthardbahn.
Zürich den 9ten Juni 1876.
Herrn Präsidenten Dr. A. Escher
Zürich.
Hochgeehrter Herr!
Aus Anlaß des Artikels im gestrigen «Schwäb. Merkur» über die Krisis der Gotthardbahn erlaube mir Ihnen über diesen Punkt auch meine Ansicht zu äussern.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Gotthardbahn von Deutschland nicht im Stich gelassen wird, und daß es zu weiteren Opfern bereit ist und Italien ebenfalls hiezu veranlassen wird, aber zuerst sollen von der Schweiz Opfer geboten werden. Diese könnten jedoch nur durch den Bund gebracht werden und bei der Einrichtung des Volksreferendums1 ist das Resultat ein sehr zweifelhaftes.
Da nun bekanntlich die Gotthardbahnpapiere zum weit aus größten Theil in der Schweiz placirt sind, so ergiebt sich ein viel zuverläßigeres und unabhängigeres Mittel Opfer durch die Schweiz nämlich durch die Inhaber von Werthpapieren der Gotthardbahn zu bringen.2 | Es darf nun als sicher angenommen werden, daß die Actieninhaber sich während der Bauzeit mit 3% und die Obligationeninhaber der ausgegebenen 48 Millionen mit 4% für immer recht gerne begnügen würden. Dadurch würde ein Opfer von circa 14 Millionen gebracht und wenn auch die Subventionen an einige Kantone zurück vergütet werden müßten, so verblieben doch mindestens 10 Millionen, welche verhältnißmäßigen Opfern von Seiten Deutschlands und Italiens rufen würden.
Ich bin der Meinung, daß ein derartiger Antrag an die Actionärversammlung schon am 30ten Juni zeitgemäß seyn dürfte.3
Die Krisis ist ja nur in Folge einer Mißrechnung entstanden und da die vertragschließenden Staaten den Bau der Gotthardbahn nach meiner Meinung unter keinen Umständen sistiren werden, auch wenn derselbe noch sehr bedeutende Mehrbeiträge erforderte, so müssen die beiden Staaten Deutschland und Italien mit Decretirung der nöthigen Beiträge folgen, sobald von den Inhabern der Gotthardbahnpapiere in obigem Sinne vorangegangen seyn wird.
Es ist alsdann nur noch Sache der technischen Prüfung wie am rationellsten die Gotthardbahn zu bauen ist, | wobei immer als Hauptziel im Auge zu behalten ist, den Verkehr leicht bewältigen und mit andern Alpen-bahnen concurriren zu können.
Indem ich um Entschuldigung bitte, Ihre Zeit mit Vorstehendem in Anspruch genommen zu haben, zeichne
hochachtungsvoll
J. Kauffmann.