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Das Bergbauerndorf Habkern, urkundlich erstmals im Jahr 1275 erwähnt, liegt windgeschützt und nebelarm in einer weiten Talmulde hoch über dem Thunersee auf 1000 bis 2000 m ü.M. Das dichter besiedelte, ganzjährig bewohnte Gemeindegebiet steigt kaum über 1200 m (Kirche auf 1065 m.ü.M). Der höchste Gipfel aber, der Hohgant, erreicht eine Höhe von 2197 m. Die Bergketten geben dem Tal zwar den Charakter eines geschlossenen Siedlungsgebietes, aber die tiefen Gräben, die es zerschneiden, lassen den Eindruck einer eigentlichen Taleinheit nicht recht aufkommen. Dieser Eindruck verstärkt sich noch durch die Aufteilung der vier geografisch und organisatorisch selbstständigen Bäuerten: Bort, Mittelbäuert, Bohlseiten und Schwendi.
Die Wasserscheide, die sich vom Augstmatthorn über Winterösch zum Hohgant hinzieht, teilt das Gemeindegebiet in zwei ungefähr gleich grosse Teile. Die südlichere, dichter besiedelte Hälfte Habkerns mit den vier Bäuerten speist mit ihren Bächen den Lombach. Im unwirtlicheren, von Hochmooren durchzogenen und nur während der Alpzeit bewohnten nordöstlichen Teil entspringt die Emme. Die ganze Gemeinde erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 51km² (4 km² mehr als die Fläche des Thunersees). Davon sind je 2300 ha Wald und Weideland, weitere 500 ha sind unproduktiv.
Habkern grenzt nicht nur an die Brienzerseegemeinden Oberried, Niederried, Ringgenberg-Goldswil, an Unterseen und Beatenberg, sondern auch an Eriz und Schangnau sowie das luzernische Flühli.
Die Wohnbevölkerung ist heute stabil und beträgt etwa 640 Personen. Der Ausbau der Zufahrtsstrasse von Unterseen (auf 6km sind 500 Höhenmeter zu bewältigen) und gewichtige Anstrengungen von Bevölkerung und Gemeinde, auch den Jungen und deren Familien in Habkern eine Zukunft zu geben, haben die Abwanderung gestoppt und die Altersstruktur gesunden lassen.
Landwirtschaft und Tourismus sind die tragenden Säulen der Habkern-Wirtschaft. Die prozentualen Anteile der Erwerbstätigen betragen in der Landwirtschaft 28 Prozent (CH: 4%), in Handwerk und Gewerbe 42 Prozent (CH: 25%) und im Dienstleistungssektor 30 Prozent (CH: 71%). In ungefähr 55 Bauernbetrieben werden über 1400 Stück Vieh gehalten. Die umliegenden Alpgebiete (6 Alpen und 4 Burgerallmenden - insgesamt 20 Senntümer) sind fast alle durch Fahrwege erschlossen. Über 1000 Stück Vieh werden auf diesen Alpen gesömmert, und die Milch wird an Ort und Stelle zu Alpkäse verarbeitet. Auf verschiedenen Alpen kann man den Alpkäsern bei dieser Arbeit zusehen. Der Wald wird ebenfalls vorwiegend durch die Landwirte bewirtschaftet. Handwerksbetriebe, vor allem in der Landwirtschaft und in der Baubranche, verarbeiten heimisches Holz und unterhalten Maschinen und Fahrzeuge.
Der aufkommende Tourismus führte 1949 zur Gründung des Verkehrsvereins Habkern. Dieser setzte sich zum Ziel, mit der Förderung eines sanften Tourismus den Ferienort für in- und ausländische Gäste attraktiv zu gestalten, ohne den ursprünglichen Charakter des Bergdorfes zu zerstören. 1950 konnten 3780 Logiernächte registriert werden. Heute werden in zwei Hotels, in zirka 40 Ferienwohnungen und vier Massenlagern ca. 16'000 Übernachtungen gezählt. Im Sommer laden ein geheiztes Schwimmbad und ein Tennisplatz nebst Wandern zur sportlichen Betätigung ein. Eine Wanderung zur Steinbockkolonie, welche sich rund ums Augstmatthorn angesiedelt hat, kann zum unvergesslichen Erlebnis werden.
Das Habkerntal ist aus geologischer Sicht eines der interessantesten Gebiete der Schweiz. Bekannt ist vor allem der Habkergranit. Geologen und Höhlenforscher versuchen den Steinen, Schichten und Höhlen jahrmillionenalte Geheimnisse zu entlocken. Romantische Karstlandschaften und prächtige Hochmoorgebiete locken den Wanderer.