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Hundegesetze variieren von Kanton zu Kanton. Schweizweit einheitlich sind Fragen der Hundehaftpflicht. Fragen und Antworten stammen zum Teil vom Schweizerischen
Versicherungsverband.
1. Ich führe etwa den Hund des Nachbarn spazieren. Wer zahlt, wenn der Hund einen Unfall verursacht?
Nach Art. 56 des Schweizerischen Obligationenrechts (OR) haftet grundsätzlich der Halter eines Tieres für den vom Tier verursachten Schaden. Besteht eine gewisse Vertrautheit mit den Eigenheiten des Tieres, kann auch derjenige, der den Hund ausführt, haftpflichtig werden und auf Schadenersatz belangt werden. Als Halter gilt nicht unbedingt der Besitzer, sondern derjenige, der die tatsächliche Gewalt über das Tier ausübt. Nicht als Halter eines Hundes gilt hingegen, wer nur kurz die Leine eines Hundes hält, während sich der eigentliche Halter für einen Moment entfernt.
2. Ich führe gegen Entgelt die beiden Hunde eines Kollegen spazieren. Wie steht es mit meiner Haftpflicht, wenn die Hunde einen Unfall verursachen?
Zählt das entgeltliche «Hundesitting» als Nebenerwerb, ist die persönliche Haftpflicht bei den meisten Versicherern über die Privathaftpflichtversicherung mitabgedeckt; sonst müsste eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Man sollte also sicherstellen, dass der Nebenerwerb auch wirklich versichert ist.
3. Ich bin pensioniert und führe gegen Entgelt sechs bis zehn Hunde aus der Nachbarschaft spazieren. Gilt es etwas Besonders zu beachten?
Im Kanton Bern sehr wohl. Das Hundegesetz des Kantons Bern verbietet es, mehr als drei Hunde gleichzeitig auszuführen; ausgenommen von diesem Verbot sind nur bestimmte Berufsgruppen und Ausbilder in der Hundehaltung.
4. Mein Hund rannte mir während eines Spaziergangs davon, sprang auf die Strasse und wurde von einem Auto angefahren. Wer kommt für die erheblichen Kosten des Tierarztes auf?
Der Motorfahrzeughalter ist grundsätzlich haftpflichtig, wenn er mit dem Fahrzeug einen Schaden verursacht. Seine Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung deckt Schäden infolge Verletzung oder Tötung von Personen und Tieren. Aber auch Hundebesitzer haften für einen Schaden, wenn man nicht nachzuweisen vermag, die erforderlichen Sorgfaltspflichten erfüllt zu haben. Beim Zusammentreffen einer Motorfahrzeughalter-Haftung mit einer Tierhalterhaftung wird die Haftung in der Regel zu zwei Dritteln auf den Autohalter und zu einem Drittel auf den Tierhalter aufgeteilt.
Die Quoten der Haftungsaufteilung verschieben sich, wenn ein zusätzliches Verschulden hinzukommt. Bei grobem Selbstverschulden des Tierhalters und einem Nichtverschulden des Autofahrers kann die Versicherung des Fahrzeughalters eine Schadenzahlung sogar ablehnen.
5. Eine Studie spricht von jährlich 9500 Unfällen, die von Hunden verursacht werden. Wer zahlt, wenn mein Hund erschrickt und einen Jogger beisst?
Falls ein Hund eine Person verletzt, so übernimmt entweder dessen berufliche Unfallversicherung gemäss Unfallversicherungsgesetz (UVG) oder eine Krankenkasse die Heilungskosten. Versicherer und Kasse nehmen jedoch für die übernommenen Kosten beim Bestehen einer Haftpflicht Regress auf den Tierhalter. Der haftpflichtige Tierhalter muss zudem für weitere nicht von einer Versicherung oder Kasse bezahlte Folgekosten aufkommen.
6. Was geschieht, wenn der Hund ausrastet und man im Gesetzeswirrwarr der Kantone eine Leinen- oder Maulkorbpflicht missachtet hat?
Die Privathaftpflichtversicherung des Tierhalters wird in der Regel die Forderungen von Verunfallten oder Geschädigten aus einem Tierangriff übernehmen. Falls aber der Tierhalter elementare Vorsichtsmassnahmen missachtet und grob fahrlässig handelt, so kann die Versicherungsgesellschaft ihre Leistungen kürzen. Ob die Missachtung eines kantonalen Leinen- oder Maulkorbzwangs als Grobfahrlässigkeit einzustufen ist, hängt dabei vom Einzelfall ab. In vereinzelten Kantonen wie auch im Kanton Bern besteht ein Versicherungsobligatorium für die Abdeckung von Haftpflichtrisiken aus der Hundehaltung.
7. Ein 11-jähriges Mädchen aus der Nachbarschaft geht gelegentlich mit meinem Schäferhund alleine spazieren. Bin ich haftbar, wenn das Mädchen meinen Hund nicht mehr zurückhalten kann und dieser jemanden beisst?
Tierhalter haften laut Obligationenrecht für den Schaden, den der Hund verursacht. Ausser man kann nachweisen, dass alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt in der Verwahrung und Beaufsichtigung des Tieres angewandt haben. Vertraut man jedoch einen Schäfer einem 11-jährigen Mädchen an, kann man wohl kaum geltend machen, der gebotenen Sorgfaltspflicht nachgekommen zu sein. Eine Entlastung wäre in einem solchen Fall kaum nachvollziehbar. Mehr noch: Das Anvertrauen eines kräftigen Hundes an ein 11-jähriges Mädchen könnte als grob fahrlässig eingestuft werden. So müsste der Tierhalter zumindest einen Teil des Schadens aus dem eigenen Sack berappen.
Erschienen in der BZ am 21. Juli 2015