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Familie
Ihr Grossvater ist Johann Gaudenz II. von Rost (1602–1670) zu Aufhofen und Kehlburg, kaiserlicher Obrist und seit 1637 Kommandant der Festung Ehrenberg bei Reutte im Tirol.[1] Dieses Amt bleibt rund 100 Jahre in der Familie. Nach 1662 ist es in den Händen seines älteren Sohnes Franz Karl (1637–1700). In der Kirche von Breitenwang, wohin Ehrenberg und Reutte pfarrgenössig sind, erinnert ein Denkstein an dessen 1679 verstorbene Gattin.[2] Gleichzeitig mit der Ernennung zum Kommandanten auf Ehrenberg wird der Grossvater der Äbtissin auch Stadtkommandant von Konstanz und Radolfzell, erhält die Herrschaft Tengen sowie den Flecken Singen als Pfand und erwirbt und die Herrschaft Mägedeberg mit dem Dorf Mühlhausen. Er verlegt seinen Lebensschwerpunkt im Dreissigjährigen Krieg nach Konstanz und Mühlhausen. In der Kirche von Mühlhausen ist er begraben. Der zweite Sohn, Dionys III. von Rost (um 1644–1730), bereits im Hegau aufgewachsen und hier sesshaft, tritt nach dem Tod des Vaters 1670 die Vogteiverwaltung der Landgrafschaft Nellenburg (Stockach) an und verlegt später den Wohnsitz nach Vollmaringen bei Nagold.[3] Der dritte Sohn Johann Engelhard kann als Mönch das Erbe nicht antreten.[4] Die Familie wird 1680 in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Das Freiherrengeschlecht stellt im 18. Jahrhundert zwei Fürstbischöfe von Chur.[5]
Reutte oder Stockach?
Die Münsterlinger Äbtissin Dorothea ist Tochter einer der zwei verheirateten Söhne von Johann Gaudenz II. von Rost. Nach der Inschrift auf dem Epitaphbild ist sie in Reutte im Tirol geboren.[6] Damit wäre sie Tochter von Franz Karl von Rost und Felicitas Kurz, Freiin zu Thurn.[7] Als Vater wird aber in der neueren Literatur der jüngere Bruder Dionys III. von Rost genannt.[8] Der Geburtsort der Äbtissin läge dann nicht in Reutte, denn die Kinder diese zweiten Bruders werden in der Bodenseeregion geboren.[9]
Die Äbtissin Maria Dorothea Felicitas von Rost
Die am 27. Dezember 1672 entweder auf Ehrenberg, wenn man dem zeitgenössischen Epitaphbild glauben soll, oder vielleicht doch in der Bodenseeregion geborene Felicitas von Rost leistet 1688, mit 16 Jahren, unter dem Namen Maria Dorothea Profess in der Benediktinerabtei Münsterlingen. Um diese Zeit liegt das Kloster noch an der alten Stelle am See. 1711 zieht der Konvent ins neue Kloster ein. Maria Dorothea Felicitas wird am 1. Juli 1728 im Alter von 56 Jahren zur Äbtissin gewählt. Am 30. Dezember 1749 stirbt sie im hohen Alter von 77 Jahren.
Die Ausstattung der 1711–1716 gebauten Klosterkirche ist ihr Werk. 1733 gibt sie den Auftrag für fünf neue Altäre an Hans Georg Greising aus Überlingen. 1736 erteilt sie dem Konstanzer Schmied Johann Jakob Hoffner den Auftrag für das Chorgitter. Eine Augsburger Monstranz in der Sakristei, eine hervorragende Arbeit des Silberschmiedes Franz Rupert Lang, zeigt ihr Wappen.[10] Ein Porträt der Äbtissin befindet sich im Kollegium Sarnen, ein weiteres im ehemaligen Kloster Kreuzlingen.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Lechner, Karl: Die Grabdenkmäler in der Pfarrkirche zu Breitenwang (Tyrol), in: Mittheilungen der K. K. Central-Commisssion, Wien 1898.
Kindler von Knobloch, Julius: Oberbadisches Geschlechterbuch, Band 3, Heidelberg 1919.
Meyer-Marthaler, Elisabeth: Die Meisterinnen des Kanonissenstiftes und die Äbtissinnen der Benediktinerinnenabtei zu Münsterlingen. In: Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Heft 108, Frauenfeld 1970.
Berner, Herbert: Die Herren von Buchenstein-Rost, in: Singen, Dorf und Herrschaft, Band 2, Konstanz 1990.
Anmerkungen
[2] Die Inschrift auf dem Grabstein lautet:
ALLHIE LIGT BEGRABEN WEILAND DIE / WOLGEBORNE FRAV MARIA ELICICITAS / GEBORNE KURZIN FREIIN ZUM THVRN / DES AVCH WOLGEBORNEN HERRN HERRN / FRANZ CARLS FREIHERRN VON ROST / RÖM : KAY : MAY : etc. RATH OBRIST LEITEN/ AMPTS COMMANDANT VND PFLEGERS / ZU ERNBERG etc. GEWESTE FRAV EHE / GEMALIN WELCHE DEN 7 IULI / ANNO 1679 TODTS · VERBLICHEN. / GOT VERLEICHE IHRER SEELEN DIE EWIG RVHE AMEN.
Mit Maria Felicitas Kurz, Freiin zu Thurn (1642–1679), deren Vornamen auf dem Grabstein vom Steinmetz falsch überarbeitet wird, hat Franz Karl von Rost neun überlebende Kinder. Auf dem Grabstein werden unten auch die vorher früh verstorbenen Kinder erwähnt: Franz Sigmund 1663. Antoni Leopold 1665. Johann Dionys 1668. Barbara Maximiliana 1670. Maria Anna 1675. Maria Anna 1676. Maria Susanna 1678.
[3] Heirat 1667 mit Maria Johanna Streit von Immendingen (1636–1712).
[4] Lebensdaten und geistlicher Stand dieses dritten Sohnes von Johann Gaudenz II. und Onkels der Äbtissin sind nicht erforscht.
[5] Das Geschlecht vom Stamm des Dionys I. von Rost zu Aufhofen und Kehlburg (1527–1586) ist heute erloschen. Die Churer Fürstbischöfe dieser Familie sind: Joseph Benedikt (1696–1754, reg. 1729–1754), geboren in Vils, und Johann Franz Dionys (1716–1793, reg. 1777–1793), geboren auf Ehrenberg in Reutte.
[6] Als «Maria Dorothea Freÿin von Rosst geboren Zue Reithen im Türoll» wird sie auf dem Epitaphbild bezeichnet. Das Geburtsort Reutte wird für die auf der Festung Ehrenberg geborene Kinder vermerkt.
[7] Kindler von Knobloch (Oberbadisches Geschlechterbuch 1919) erwähnt von neun überlebenden Kindern des Franz Karl von Rost nur eine «Anna Maria Elisabeth im Kloster zu Münsterlingen 1731» und eine «Felicitas Elisabeth † ledig». Lebt 1731 in Münsterlingen ein weiteres Mitglied der Familie? Oder ist Anna Maria Elisabeth und Felicitas Elisabeth vielleicht die gleiche Person, die den Klosternamen Dorothea annimmt? Johann Gaudenz (1664–1748), Sohn von Franz Karl und dessen Nachfolger auf Ehrenberg, wäre dann Bruder der Äbtissin von Münsterlingen und Vater von Franziska Leopoldine, die als Maria Gaudentia (1713–1756) 1756 zur Äbtissin von Paradies im Thurgau gewählt wird.
[8] In: Herbert Berner «Die Herren von Buchenstein-Rost» (Singen, Dorf und Herrschaft, Konstanz 1990).
[9] Kindler von Knobloch bezeichnet Stockach als Geburtsort für Maria Ursula, geboren 1669. Er nennt er keine Verbindungen von Kindern des Dionys III. zu Münsterlingen.
[10] Freiherren von Rost: Schild geviertet, im ersten und vierten Feld in Rot ein golden behalsbandeter, silberner Rüdenkopf, das zweite und dritte Feld Schwarz und Silber schräg-rechts geteilt, aus dem schwarzen unteren Teil wächst ein schwarze Spitze.
|Äbtissin Maria Dorothea Felicitas Freifrau von Rost (1672−1749)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|22. Dezember 1672||Reutte Tirol A ?||Grafschaft Tirol Österreich|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Äbtissin der Benediktinerinnenabtei Münsterlingen||1728–1749|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|30. Dezember 1749||Münsterlingen Thurgau CH||Herrschaft Münsterlingen|
|Kurzbiografie|

Äbtissin Dorothea Felicitas Freifrau von Rost entstammt einem Adelsgeschlecht des Südtirols, das nach dem Dreissigjährigen Krieg alle Kommandanten der Festung Ehrenberg in Reutte stellt. Hier wird sie, soll man ihrem Epitaphbild glauben, geboren und tritt mit 16 Jahren ins Benediktinerinnenkloster Münsterlingen ein, das bei ihrem Eintritt noch direkt am Bodensee liegt. Sie kann bis 1716 den Neubau an höher gelegener Stelle beziehen. Als Äbtissin stattet sie das Gotteshaus mit neuen Altären und Kunstschlosserarbeiten aus.
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