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In der schweren Börsenkrise von 1891 erlitt die Zürcher Kantonalbank einen erheblichen Verlust im Faustpfandgeschäft. Die kleine Kreditbank Winterthur hatte im Rahmen einer Aktienemission über 10‘000 Aktien des 1889 gegründeten Zürcher Bankvereins übernommen. Zur Finanzierung dieser Transaktion mittels Faustpfanddarlehen übergab sie grosse Teile der von ihr gezeichneten Bankverein-Aktien als Hinterlage an andere Banken, u.a. an die Filiale Winterthur der Zürcher Kantonalbank. Der Bankverein war stark in Eisenbahn-Aktien investiert, und die geplante Verstaatlichung der Bahnen versprach satte Gewinne aus den Titelverkäufen an den Bund. Dieser hätte nach einem Volks-Ja die Bahnaktien quasi zu jedem Preis kaufen müssen. Als die Verstaatlichung jedoch vom Stimmvolk abgelehnt wurde, verlor die Bankverein-Aktie zwei Drittel ihres Werts. Die insolvent gewordene Kreditbank Winterthur, die spekulativ auf einen stark ansteigenden Bankverein-Börsenkurs gesetzt hatte, war ausserstande, die geforderte Nachdeckung zu leisten oder das geliehene Geld zurückzuzahlen. Der Zürcher Kantonalbank verblieben für das verlorene Geld als Faustpfand die stark entwerteten Bankverein-Aktien. Aus Angst vor weiteren Erschütterungen des Marktes beschlossen die Zürcher Kantonalbank und andere Finanzhäuser, den Bankverein zu retten – unter anderem mit einem Forderungsverzicht, «obwohl es der Bankverein eigentlich verdiente unterzugehen, indem er zum grossen Theil die jetzige Krisis verschuldet habe», wie es der zuständige Direktor in der Bankratssitzung vom Januar 1892 ausdrückte. Immerhin konnte die Zürcher Kantonalbank die Verluste durch eine gute Verwertung, sprich: später wieder ansteigende Kurse der Zürcher Bankverein-Aktie, noch etwas reduzieren.
Auszug aus Darlehensbuch über rückständige Zinsen bei Faustpfandkrediten, um 1930.