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Das Ende der Helvetischen Republik war eine Zeit der Neuordnung. Es entstand damals auch ein Schweizer Unikum: Eine Gemeinde ohne Einwohnerinnen und Einwohner – aber mit Eichen aus der Geburtsstunde der Nachhaltigkeit. Gemeint ist der Galmwald in Jeuss.
Die 257 Hektaren Wald südwestlich von Murten sind unbewohnt. Die Besonderheit dieses Waldes: Er ist eine eigene geografische Gemeinde, direkt dem Staat Freiburg zugeteilt. Offizieller Name der Gemeinde: Staatswald Galm. Sie hat auch ein eigenes Wappen: Eine Eiche, unter der drei Eicheln liegen. Hinter dem Baum windet sich ein blaues Band. Es steht für die Quelle, die im Wald entspringt.
Entstanden ist dieses Unikum am Ende der Helvetischen Republik, im Zuge der territorialen Neuordnung der Schweiz. Der Galmwald wurde Freiburg zugeschlagen und dann aufgeteilt. Die Gemeinden Jeuss, Salvenach, Lurtigen, Ulmiz und Liebistorf erhielten ein an ihr Gebiet angrenzendes Waldstück. Das Kernstück ging in direkten Kantonsbesitz über. Daran änderte sich bei allen folgenden Entwicklungen nichts. Der Wald ist bis heute unter direkter Verwaltung des Staates Freiburg.
Der Staatswald Galm ist aber mehr als nur ein administrativer Sonderfall. Auch aus forst- und waldgeschichtlicher Sicht ist er etwas Besonderes. Das liegt an den Eichen, von denen eine im Gemeindewappen steht. Eichen prägen teilweise das Erscheinungsbild des Waldes. Das ist bemerkenswert, weil in solch dichten Wäldern von Natur aus Buchen dominieren. Sie ertragen Schatten nämlich besser als Eichen, die viel Licht brauchen und deshalb oft auf freiem Feld stehen.
Da muss also jemand nachgeholfen haben. Es waren die Obrigkeiten von Bern und Freiburg. Sie erteilten 1713 dem Schultheissen von Murten den Befehl, zwei grosse Waldflächen zu roden und dort Eichen zu pflanzen. In den beiden Bereichen des Galmwalds, die auf der Landkarte als Unter- und Obereichelried bezeichnet sind, entstand so ein ursprünglich rund 100 Hektar grosser Eichenwald. Noch heute stehen dort einzelne Eichen, die aus der Saat von damals hervorgegangen sind.
Über die Gründe und den Zweck des Befehls von 1713 findet man in der überschaubaren Literatur zum Thema nichts Abschliessendes. Unbestritten ist, dass Wald bis in die Frühneuzeit die zentrale Ressource war. Er bot Nahrung, Heiz- und Baumaterial – das ist uns heute noch bewusst, weil es ja immer noch ein bisschen so ist. Weniger bekannt ist, dass Wald lange Zeit auch Weide war. So durften zum Bespiel die Bauern rund um den Galmwald ihre Schweine zur Mast in den Wald treiben und dort weiden lassen. Das entsprechende Recht, das die gnädigen Herren gewährten, hiess «Acherum».
Quelle: blog.nationalmuseum.ch
Originalartikel: Eine Gemeinde ohne EinwohnerInnen – dafür mit Eichen