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|Quelle||Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz¸ 1929|
|Inhalt||Philipp Albert Stapfer. Nach einer Lithographie.|
|Quelle||Sammlung Rolf Ramseier|
|Art||Brief mit eigenhändiger Unterschrift¸ 21x33cm|
|Ort/Datum||Paris¸ 23.02.1802|
|Inhalt||Brief mit eigenhändiger Unterschrift "Stapfer". Paris¸ 4. ventose an 10 (d. i. 1802)¸ mit schöner Vignette „Repubique Helvetique Legation Helvetique à Paris“. Signiert als Gesandter an den französischen Kriegsminister betreffend zwei entlassenen Schweizer Söldnern aus dem Bataillon von Reding.|
Schweizer Politiker, Diplomat und Theologe, Bildungsminister der Helvetischen Republik
14.9.1766 Bern, 27.3.1840 Paris, ref., von Brugg. Sohn des Daniel, zweiten Pfarrers am Berner Münster, und der Sophie Louise Burnand. Neffe von Johann Friedrich, Johann und Albrecht. 1798 Marie-Madeleine Pierrette Vincens, aus einer begüterten Hugenottenfamilie in Paris. S. erhielt eine theol.-philolog. Ausbildung an der Hohen Schule Bern, wobei ihn der Kantianer Johann Samuel Ith nachhaltig prägte. 1789-90 studierte S. in Göttingen, reiste dann durch die Niederlande und hielt sich bis 1791 in London auf. Nach der Rückreise über Paris unterrichtete er in Bern Sprache und Philosophie am Polit. Institut, an dem junge Patriziersöhne auf ihre Laufbahn vorbereitet wurden, und übernahm 1797 dessen Leitung. Zur selben Zeit vertrat er seinen Onkel Johann an der Hohen Schule und wurde 1796 dessen Nachfolger. Unter S.s theol.-philosoph. Arbeiten vor 1798 ragt die Schrift "Die fruchtbarste Entwicklungsmethode der Anlagen des Menschen" hervor, der Versuch einer Geschichtsdeutung aus dem Geist des Kantianismus und der christl. Offenbarung.
S. zählte zu jenem Kreis der helvet. Elite, in dem gemässigte Unitarier die Schweiz politisch-institutionell zu demokratisieren und erneuern suchten. Als Anhänger der Helvet. Republik wurde S. 1798 vom Direktorium zum Minister der Wissenschaft und Künste ernannt. Er setzte sich für die helvet. Nationalidee ein und betonte die Mission der Schweiz als Vermittlerin zwischen den Sprachkulturen. So schlug er ein Bureau für Nationalkultur, eine Nationalbibliothek, ein Nationalarchiv sowie diverse Museen vor. Bis zu seinem Rücktritt 1800 schuf er auch die Grundlagen für ein neues Bildungswesen. Bei seinem Entwurf eines gesamtschweiz. Schulgesetzes von der Volksschule bis zur Nationaluniversität stützte er sich auf Enqueten ab und liess sich von namhaften Pädagogen wie Gregor Girard, Heinrich Zschokke und Johann Heinrich Pestalozzi beraten. Seine wegweisenden Ideen und Projekte liessen sich jedoch nicht umsetzen. Als Kultusminister vertrat er ein aufklärer. Staatskirchentum, das die Spannungen zwischen Kirche und Staat unter Wahrung der religiösen Substanz überbrücken wollte. Aber auch hier geriet er zwischen die Fronten. Von 1800 bis zum Ende der Helvetik 1803 versah S. den Gesandtenposten in Paris. Für die Consulta in Paris übte er Berater- und Koordinationsfunktionen aus. Napoleon Bonaparte bestellte ihn zum Präs. der Liquidationskommission der Helvet. Republik. S. beteiligte sich massgeblich an der Schaffung des neuen Kt. Aargau und setzte sich 1814 vehement gegen bern. Wiedereingliederungsversuche und für dessen Selbstständigkeit ein. Trotz ehrenvoller Berufungen aus der Schweiz verbrachte S. aus Rücksicht auf seine Gattin die zweite Lebenshälfte in Frankreich, u.a. in Paris und auf Schloss Talcy (Loir-et-Cher), blieb aber dank einer umfangreichen Korrespondenz mit ehem. Weggefährten seiner Heimat verbunden. 1835 erhielt er den Ehrendoktor der jurist. Fakultät der Univ. Bern.
S.s Schriften belegen vielschichtige philosoph., theol. und literar. Interessen sowie dessen Bemühen, dt. und franz. Literatur und Wissenschaft einander näherzubringen. In Paris zählten wichtige Persönlichkeiten aus dem intellektuellen Milieu wie Benjamin Constant, Alexander von Humboldt oder Germaine de Staël zu seinen Gesprächspartnern. Darüber hinaus pflegte S. einen intensiven Austausch mit der Erweckungsbewegung und stand für religiöse und karitative Organisationen im Einsatz, etwa an der Spitze der Pariser Bibelgesellschaft. Nach 1815 stellte er sich als einer der Wortführer des franz. Protestantismus gegen die klerikalen Tendenzen des restaurativen Königtums in Frankreich.
Quelle Biografie:

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Philipp Albert Stapfer aus dem Historischen Lexikon der Schweiz (HLS) - Onlineversion des Historischen Lexikon der Schweiz. Autorin/Autor: Adolf Rohr. Version : 28.02.2012.