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Amaretti Pietro

Amaretti Pietro

Biographie
Geboren in Luzern. Immer dageblieben.
Schon früh Versuche mit fiktiven Biografien.
Beunruhigend lange bei den Pfadfindern.
Zwecks weiterer Befriedigung eines offenbar noch nicht gestillten Anlehnungsbedürfnisses ein Jahrzehnt lang politisch mit den Lämmern geblökt, die zu ihrer Zeit immerhin mit jugendlicher Unbefangenheit und wolligen Utopien glänzen konnten. Dem selbstzufrieden-spiessigen Binsenwahrheitengekaue der erwachsen gewordenen Schafsköpfe hat er sich mehr und mehr gelangweilt entfremdet, nicht ohne Ekel und Verachtung gegenüber geistlos und brutal auftrumpfender Wolfsart bewahrt zu haben.
Studium an der Uni ZH (Musikwissenschaft bei Ernst Lichtenhahn und nolens auch bei Max "Mastermind" Lütolf; Deutsche Literatur bei Peter von Matt und Alois Haas). Lizentiatsarbeit über Arnold Schönberg. Nur Bestnoten im Abschlusszeugnis. Als Resultat des Studiums geschärfte Einsicht in die unterwürfigkeitsritualisierte Treibhausatmosphäre des universitären Betriebes.
Als er sich daran machte, die Frühgeschichte der Internationalen Musikfestwochen Luzern aufzuarbeiten, lernte er, wie gut die Ratten der Arroganz gesellschaftlich vernetzt sind, und wie rücksichtslos sie zubeissen.
Verbrachte sein bisheriges Berufsleben als Journalist, Lehrer und Kulturbürokrat in den traditionellen Latifundien des intellektuellen Mittelmasses.
Tätigkeit bei Zeitungen, Zeitschriften, Agenturen und Radios, als Schreiberling und Referent da und dort, als Aufstarter des Computers in verschiedener Funktion.
Exekutierte als Mitglied des Lehrkörpers einer sogenannten "Hochschule" durch Bereitstellen von "Modulen" das "Bologna"-Modell.
Nach Gewinn eines Atelier-Aufenthaltes in Chicago verzweifelter Versuch, in allerlei örtlichen Tankstellen mit "interessanten Leuten" in künstlerischen Austausch zu treten.
Als Frucht des Aufenthaltes im Kairo-Atelier der Pro Helvetia Komposition einer grossen Sinfonie für Ud, Derwisch, Tuba und Alphorn. Probleme beim Nachzug der Familie des flötenden Cousins des ägyptischen Ud-Spielers an die Hochschule für Gender-Studies in Dübendorf mittels des Cécile-Bühlmann-Stipendiums zur Auffrischung des zentralschweizerischen Gen-Pools.
Mit dem "Pfeifer-Mobil" unterwegs in Vorarlberg; unterwegs Skizzierung eines Konzeptes zur Entlöhnung subventionsreitender Künstler in alpinen Naturalien.
Nachdiplomstudien und Bachelors bis zum Abwinken in allem und Jedem, woran "Human Resource"-Beauftragte zu glauben vorgeben, solange sie an den Tagen mit dresscode ihren Hosenanzug tragen.
Breite und teilweise auch tiefe humanistische und weniger humanistische Bildung. Hartnäckige Intelligenz. Bei Bedarf und vor allem auch bei Nichtbedarf originell.
Vier serielle Monogamien, seither Versuche mit parallelen Schnittstellen.
Liest noch jeden Tag die Zeitung, was ihm dadurch erleichtert wird, dass die Medien mit seinen schwindenden Geisteskräften Schritt zu halten suchen, ebenso wie die Geschehnisse, Taten und Protagonisten, die es bis in diese schaffen.
Von wachsendem Mitgefühl für die paar armen Menschen beseelt, die immer noch guten Willens sind.
Entgangene Preise und unerreichbare Posten:
- Jungjournalistenpreis der "Neuen Luzerner Zeitung" für schlackenloses Verdampfen jeglicher Substanz aus einem Stück Prosa unter Berücksichtigung sämtlicher an Journalistenschulen saisonal angesagten Phrasen und ideologischen Allgemeinplätze
- Ulrich-Habegger-Werkjahr für eine Ländlermusik-Tournee mit MusikerInnen aus Israel und Palästina
- Werkbeitrag ("Didgeridoo-Preis") der Stadt Luzern für die Publikation von Kochrezepten für alleinerziehende albanische Lesben
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