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Am 15. April 1675 wird Anton als Sohn des Mathias und der Maria Pachinger in Erding geboren. Sein Vater, als Lebzelter[1] aus Österreich eingewandert, ist hier angesehener Bürger, Mitglied des inneren Rates, Verwalter der Rosenkranzbruderschaft und Amtsbürgermeister. Anton besucht das Jesuitengymnasium in München und studiert Philosophie in Salzburg. Mit Diakon Karl Meichelbeck, dem später berühmten Benediktbeurer, unternimmt er als Klosteraspirant 1693 eine Ferienfahrt nach Österreich. 1694 tritt er in Benediktbeuern ein, wo er den Klosternamen Magnus annimmt. Er studiert Theologie in Prüfening und absolviert das «studium commune» in Benediktbeuern. 1700 feiert er Primiz. Beim Tod des Abtes Eliland II. ist er Vikar in Kochel. Am 18. August 1707 wird er, wie inzwischen in Benediktbeuern üblich, «per scrutinium»[2] zum Nachfolger gewählt. Bayern ist zu dieser Zeit wegen der franzosenfreundlichen Hochrisikopolitik des Kurfürsten Max Emanuel durch Österreich besetzt. Der Kurfürst steht unter Reichsacht und hält sich im Ausland auf. Seit die bayrischen Aufstände gegen die Besatzung beendet sind, ist wieder Normalität eingekehrt. Abt Magnus kann mit der kaiserlichen Regierung bereits Steuerermässigungen wegen der vielen Truppendurchzüge erreichen. Er wird als guter Ökonom beschrieben und sieht die Wichtigkeit der klostereigenen Landwirtschaft. Noch im Jahr seiner Wahl beauftragt er den Hausarchitekten der Benediktinerabtei Ottobeuren, Pater Christoph Vogt, mit der Planung des Meierhofes. Das grosse Ökonomiegebäude wird bis 1716 unter der Leitung des von Abt Magnus geförderten Michael Ötschmann gebaut. Ein weiteres Zeichen seiner umfangreichen Baumassnahmen setzt Abt Magnus mit dem Neubau des freistehenden Archiv- und Bibliothekgebäudes. Planer ist jetzt Michael Ötschmann. Es wird nach Vorgaben des Bibliothekars und Archivars Karl Meichelbeck 1722–1725 gebaut. Dann vollendet der rührige Bauabt, wieder mit Michael Ötschmann, auch das «Äussere Kloster» mit dem Bau des Südflügels. Hier zieht er als Stuckateur und Maler Johann Baptist Zimmermann bei und beweist damit sein Gespür für hervorragende Fachkräfte. Für diverse Altar- und Tafelbilder gewinnt er den Hofmaler Jacopo Amigoni und für die neue Silberbüste der hl. Anastasia fertigt 1724 Egid Quirin Asam das Holzmodell, nach dem dann der Goldschmied Joseph Gossauer arbeitet. Als 1715 Max Emanuel[3] nach dem Tod des grossen Drahtziehers Louis XIV durch Aussöhnung mit den Habsburgern wieder bayrischer Herrscher wird, erneuert Abt Magnus die alten guten Beziehungen zum Hof. So erreicht der Abt auch die Genehmigung für den privaten Kirchenneubau der Brüder Egid Quirin und Cosmas Damian Asam an der Sendlingergasse in München. Er kann 1733 den Grundstein für die heute weltberühmte Asamkirche legen und spendet Marmor aus den Steinbrüchen des Klosters. Im Münchner Hof des Klosters, ebenfalls an der Sendlingergasse, stirbt der grosse Bauabt am 9. Juni 1742. Er wird in der Klosterkirche begraben, wo sein Epitaph beim Nordeingang zu finden ist. In der Bayrischen Staatsgemäldesammlung ist ein Porträt des Abtes, gemalt 1720 von Jacopo Amigoni, zu finden. Sein Wappen, ein nach links aufspringender goldener Hirsch in Blau, finden wir in Allianz mit dem Klosterwappen an den Decken des Festsaales und der Bibliothek, auch auf der Vogelschau-Vedute des Augsburger Stechers Johann Ferdinand Ledergerber.
Pius Bieri 2010
Hemmerle, Josef: Die Benediktinerabtei Benediktbeuern, in: Germania Sacra, die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Augsburg. Berlin 1991.
[1] Lebkuchenbäcker
[2] Die Wahl erfolgt nicht, wie bei den schwäbischen und schweizerischen Abteien durch den Konvent, sondern durch Äbte von Nachbarabteien, die sich von den Konventualen das Wahlrecht übertragen lassen. Beim Wahlakt anwesend sind immer zwei kurfürstliche Kommissäre. Die Abhängigkeit der bayrischen Klöster vom Landesherrn zeigt sich hier deutlich.
[3] Maximilian II. Emanuel (1662–1726) hinterlässt bei seinem Tod eine Staatsschuld von mehr als 20 Millionen Gulden, ein vernachlässigtes, schlecht verwaltetes Land, aber entsprechend seinem Vorbild und Helfer Louis XIV barocke repräsentative Pracht in Schleissheim. Sein Sohn und Nachfolger Karl Albrecht ist nicht fähig, diese Hypothek zu tilgen, beginnt 1741 wieder einen von den Franzosen inszenierten Krieg gegen die Österreicher, den er trotz Unterstützung Preussens verliert. Dafür ist er als Karl VII. kurzfristig deutscher Kaiser. Die Staatsschuld beträgt 1745 bei seinem Tod 32 Millionen Gulden.
Quelle: Andreas Kraus: Handbuch der bayerischen Geschichte, Band II, 1988.
|Abt OSB Magnus Pachinger (1675–1742) von Benediktbeuern|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|15. April 1675||Erding Bayern D||Kurfürstentum Bayern|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OSB der Benediktinerabtei Benediktbeuern||1707–1742|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|9. Juni 1742||München Bayern D||Kurfürstentum Bayern|
|Kurzbiografie|

Abt Magnus Pachinger setzt die Aufbauarbeit seiner drei direkten Vorgänger fort. Er ist politisch begabt, fördert die Wissenschaften und ist ein grosses ökonomisches Talent. Neubauten wie der Meierhof oder der Archiv- und Bibliotheksneubau zeigen dies zusätzlich. Zum aus dem Exil zurückgekehrten bayrischen Kurfürsten hat er direkten Kontakt und kann von diesem auch die Genehmigung des Neubaus der Kirche von Egid Asam an der Sendlinger-Strasse in München erreichen. Er ist auch Bauherr mehrerer dem Kloster inkorporierten Pfarrkirchen. 1724 gibt er, nach einem Entwurf von Egid Asam, die berühmte Reliquienbüste der hl. Anastasia in Auftrag.
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