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Die grösste Pleitewelle bei Banken seit fast 20 Jahren hat Jobs gekostet, die Kreditvergaben deutlich eingeschränkt und jene Banken, die überlebt haben, sehr mächtig gemacht. Seit dem 25. September 2008, als Washington Mutual pleiteging - der grösste jemals verzeichnete Kollaps -, mussten 279 Banken aufgeben. Die Ausfälle der letzten beiden Jahre weisen auf eine deutliche Beschleunigung hin: Nach sechs Jahren mit insgesamt nur 36 Bankenpleiten ging es in den vergangenen beiden Jahren richtig zur Sache. Erst vor zwei Wochen erwischte es wieder zwei, und es wird erwartet, dass die Ausfälle «noch einige Zeit anhalten werden», schreibt Standard & Poor’s in einem Bericht
2900 Banken in Gefahr
Im 2. Quartal dieses Jahres erhöhte die Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) die Zahl der Problembanken um 6% auf 829. Im Zuge der Ausfälle und Konsolidierungen könnte die Zahl der US-Banken von derzeit 7932 im Laufe der kommenden zehn Jahre auf 5000 sinken, rechnet ein Vorstandsmitglied der Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods (KBW). Auf der einen Seite wird das Bankensterben zwar als guter und notwendiger Prozess der Konsolidierung einer Branche gesehen, die viel zu schnell gewachsen ist und deren verwaltetes Vermögen bis Ende 2008 auf 13,8 Billionen Dollar gestiegen war.
Unter jenen Finanzhäusern, die gescheitert sind, befanden sich viele opportunistische Newcomer, von denen 75 erst nach 1999 gegründet worden waren, berichtet SNL Financial. Dennoch betrachten Ökonomen den Rückgang als anhaltende Bedrohung für Kapital, Kredite und die Wirtschaft. «Wenn wir das Ganze in zehn Jahren mit Abstand betrachten, werden wir sehen, dass die miterlebte Kapitalvernichtung in unserer Wirtschaft sich am anhaltendsten auf die Erholung und die zukünftige Performance auswirkte», sagt Howard Headlee, Präsident der Utah Bankers Association.
Der Kummer ist weniger schlimm als in der japanischen Bankenkrise, als die Banken trotz 440 Mrd Dollar Unterstützung durch die Regierung eine ganze Dekade lang schwächelten. Doch in den USA wurde in den letzten beiden Jahren das gesamte Bankensystem durcheinander gewirbelt. Grosse Banken wie Countrywide Financial und Wachovia Group wurden übernommen, um eine Pleite zu vermeiden. Andere mächtige Banken wie Citigroup und Bank of America wurden durch die Regierung gestützt.
Wie Gerard Cassidy von RBC Capital Market sagt, seien die Auswirkungen auf das System zwischen Pleite und Regierungsspritze «weit mehr» als eine Spar- und Darlehenskrise. Nicht nur die Regierungsunterstützung sei weit umfassender gewesen als sonst, auch die Immobilienschwäche wirke sich weiterhin nachteilig auf das Wirtschaftswachstum aus. «Wenn man das verwaltete Vermögen einer Bank reduziert, dann gibt diese weniger Kredite aus und das wirkt sich negativ auf die Wirtschaft aus», sagt Analyst Richard Bove von Rochdale Securities in Florida.
Das Bankensterben in Kleinstädten wie Rockford, Illinois, bis zu Grossstädten wie Miami bedeutet nicht nur weniger Kreditvergabe, sondern auch eine geringere Auswahl, niedrigere Sparzinsen und Jobverluste. Durch die Rezession und das Platzen der Immobilienblase seien seit 2007 in den Banken 188000 Jobs (8,5%) verschwunden, meldet die FDIC. Die Ausfälle allein haben 11210 Jobs gekostet, das sind 32% der Angestellten der bankrotten Banken, hat FIG Partners, eine auf Banken spezialisierte Investmentfirma in Atlanta, festgestellt.
Mehr als ein Jahr lang checkten Martin Quantz und seine Kollegen bei der Amcore Bank jeden Freitagnachmittag die Website der FDIC, um zu sehen, ob ihre Bank schon pleite ist. Im April ging sie durch eine Regulierungsmassnahme mit ihren 58 Filialen an Harris National Association über. Im August war Quantz arbeitslos. Er hofft jetzt darauf, dass er über alte Kontakte wieder einen neuen Job bei einer Bank finden kann. «Da steht viel Kummer dahinter und viele werden nicht zurückkommen», weiss der 41-Jährige.
Als die Centennial Bank pleiteging und sich kein Käufer fand, verlor die Stadt Clinton, Utah, 83 000 Dollar, die in einem Fonds zur Erhaltung des Friedhofs steckten, aber nicht versichert waren. In Ogden, Utah, verlor die Weber State University 100 000 Dollar Stipendiumsgelder, die bei der Barnes Banking Co, einer 119 Jahre alten lokalen Institution, hinterlegt waren, die im Januar pleiteging. Die Stipendien, die in 1000-Dollar-Paketen ausgegeben werden sollten, waren ein Viertel der Studiengebühren, sagt ein Sprecher von Weber State. Anfang September hat das College die Barnes Banking Lecture Hall wieder auf ihren ursprünglichen Namen umbenannt: «Raum 110 ».Überall im Banksystem sind Vermögensverluste zu verzeichnen. Die FDIC sitzt auf 38 Mrd Dollar, von wertlosen hypothekarisch besicherten Wertpapieren bis hin zu Dekoartikeln, die keiner mehr kaufen will. Die Härtephase folgt auf eine Phase steten Wachstums, als Banken mit geringen Kreditverlusten die Kunden in den scheinbar so lukrativen Immobilienmarkt drängten. Als die Subprime-Krise da war, konzentrierten sich die Verluste auf Darlehensgeber wie etwa IndyMac Bank, wo 1 Mrd Dollar Einlagegelder bei der Pleite 2008 nicht versichert waren.
Auch bei den anderen gescheiterten Banken weist die Ursachenforschung auf den Immomarkt als Hauptursache hin. SNL Financial fand heraus, dass bei 94% der Bankpleiten seit 2008 entweder Kredite für Wohnungs- oder gewerbliche Immobilien die grössten Ausfälle waren. KBW meldet, die riskanteren Baudarlehen hätten 23% ihres Gesamtportfolios ausgemacht, in der gesamten Branche waren es 7,2%. Die Ausfallrate bei gewerblichen Immobilien war mit 13,5% weit höher als die durchschnittlichen 1,7%, sagt SNL.
Das Beispiel Midwest Bank
Am 14. Mai kommen Bankenregulierer in Melrose Park, Illinois, zusammen, um die Midwest Bank zu schliessen. Midwest mit ihren 3,17 Mrd Dollar Vermögen konnte nicht genügend Kapital aufbringen, um unabhängig bleiben zu können, und wurde von der Firstmerit Bank aus Ohio übernommen. Die Imperial Capital Bancorp in La Jolla, Kalifornien, eine Tochter der Imperial Capital Bank, hat sich auf Immobilien spezialisiert. Wie viele andere Banken auch vergab sie Kredite weit über ihr eigentliches Einzugsgebiet hinaus in den gesamten Vereinigten Staaten. Innerhalb von fünf Jahren verdoppelte die Bank so bis Ende 2008 ihr Vermögen auf 4,1 Mrd, meldet die FDIC in einem Bericht. Dann kaufte die Bank hypothekarisch besicherte Wertpapiere im Gesamtwert von 826 Mio Dollar. Mehr als 95% der ausgegebenen Kredite entfielen auf Immobilien.
Bei anderen Banken waren es 35% oder weniger. 2009 ging die Bank pleite. Einige Ökonomen argumentieren, dass trotz des verursachten Schadens die Auswirkungen der Bankenpleiten gedämpft wurden, da die grössten Banken, die pleite waren oder kurz davor standen, rasch von anderen Instituten geschluckt oder von der Regierung gestützt wurden. «Ich glaube, es sind nicht genügend Banken pleitegegangen oder nicht schnell genug untergegangen, dass dies makroökonomische Auswirkungen haben könnte», sagt Edward Yardeni.
Die überlebenden Banken haben mehr als 500 Mrd Dollar neues Kapital eingesammelt und Ausfällen durch Auflegung von Fonds für schlechte Zeiten vorgebeugt. Eine Pleite kann gelegentlich ein zusätzlicher Anstoss zur Kreditvergabe sein. Um das Kapital zu erhalten, untersagen Regulierer problembeladenen Banken oft, neue Kredite auszugeben. Wenn eine Bank das Vermögen eines pleitegegangenen Instituts aufkauft, beginnt sie oft wieder, Kredite auszugeben.
Grosse werden noch grösser
Seit die Union Bank N.A. im vergangenen April die Bankgeschäfte der pleitegegangenen Frontier Bank in Evetett, Washington, aufgekauft hat, begann sie mit der Vergabe von Krediten im Einzugsbereich der Frontier Bank im westlichen Washington und in Oregon. Union senkte die Zinsen auf Depositenkontos, aber «wir wollen unser Kreditportfolio ausbauen und bemühen uns, Kredite zu vergeben, die auch sinnvoll sind», sagt Tim Wennes, Chef des Privatkundengeschäfts bei der zur UnionBanCal Corp in San Francisco gehörenden Union Bank. Eine derartige Konsolidierung bedeutet auch, dass die Grossen noch grösser werden: Bank of America, JP Morgan Chase & Co und Wells Fargo halten 33% aller US-Einlagen. Im Jahr 2006 waren es nach Angaben von SNL Financial erst 21%. Dadurch erhalten sie mehr Marktmacht und können kleinere Konkurrenten verdrängen.
John Squires, der beim Scheitern der Old Southern Bank im März deren CEO war, beklagt, dass seine grösseren Mitbewerber in Orlando, Florida, dank der Regierungsunterstützung, die es ihnen erlaubte, leicht an Kapital zu kommen, alle überlebten. «Das ist so unfair, die Grossen machen das dicke Geschäft und die kleinen lokalen Banken sind landesweit in Gefahr», so Squires.