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Die Konfliktparteien in Nordirland haben es nicht geschafft, ihren Streit im alten Jahr beizulegen. Im Konflikt um die britische Flagge und andere Fragen verharrten die Parteien in tagelangen Gesprächen auf ihren Positionen. Die geplante gemeinsame Erklärung entfalle daher, erklärte der US-Diplomat Richard Haass, der die Verhandlungen geleitet hatte.
Haass sprach dennoch von «grossen Fortschritten». Beide Seiten seien sich näher gekommen. Nun müssten weitere Gespräche folgen. Ein Entwurf einer Erklärung wurde im Internet veröffentlicht.
Der britische Premierminister David Cameron forderte alle Parteien dazu auf, weiter an einer Einigung zu arbeiten. Die Gespräche hätten bereits einigen «gemeinsamen Boden» geschaffen. Der irische Ministerpräsident Enda Kenny sagte, die irische Regierung werde weiter mit Downing Street und dem Regionalparlament in Nordirland zusammenarbeiten, um Frieden zu schaffen.
In den Gesprächen ging es auch um die Frage, wie mit der blutigen Vergangenheit umgegangen werden soll; in dem Konflikt starben über die Jahrzehnte mehr als 3500 Menschen. In der britischen Region Nordirland stehen sich seit Jahrzehnten Protestanten, die weiter zu Grossbritannien gehören wollen, und Katholiken, die einen Anschluss an die Republik Irland wollen, gegenüber.
Abgrenzung und Identität
Aber warum sind Symbole wie Flaggen für Protestanten und Katholiken noch immer so wichtig? «Es ist eine Möglichkeit der Abgrenzung und damit auch der Definition der eigenen Identität», erklärt SRF-Korrspondent Martin Alioth. In einer Gesellschaft, wo es nur zwei verfügbare Gruppen gebe, seien diese Abgrenzungen offenbar besonders wertvoll, aber auch besonders schwierig zu überbrücken.
In den vergangenen Monaten war es immer wieder zu Protesten und Zwischenfällen gekommen, nachdem die Stadtverwaltung in Belfast entschieden hatte, die britische Flagge nur noch an bestimmten Tagen im Jahr zu hissen. Zudem gibt es bei Traditionsmärschen protestantischer Gruppen regelmässig Krawalle und Ausschreitungen.
Während die republikanische Partei Sinn Féin eine gemeinsame Erklärung unterstützte, sah vor allem die loyalistische Democratic Unionist Party (DUP) Probleme. Sie forderte weitere Gespräche.
Neue Gespräche geplant
Der erfahrene Diplomat Haass war im Juli von der nordirischen Regionalregierung gebeten worden, zwischen den Parteien zu vermitteln. Die US-Regierung drückte ihr Bedauern über das Ende der Gespräche ohne Einigung aus.
Diese Woche sollen weitere Treffen vornehmlich innerhalb der nordirischen Parteien stattfinden. Der irische Aussenminister will eine neue Gesprächsrunde in Belfast einleiten. SRF-Korrespondent Alioth bleibt aber skeptisch: «Vermittler, die von aussen kommen, werden nichts ausrichten können.» Die Nordiren sträuben sich seiner Meinung nach heftig, selbst die Verantwortung zu übernehmen, die Initiative zu ergreifen und nach Lösungen zu suchen.