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Wie schafft es der US-Geheimdienst NSA, Internet, Telefonate und Finanztransaktionen nach terroristischen Bedrohungen abzusuchen? Die Kommunikation von Millionen von Menschen mit Suchbegriffen wie «Anschlag» oder «Bombe» zu durchforsten, dürfte nur eine Möglichkeit und im Falle von verschlüsselter Kommunikation auch nicht immer das Mittel der Wahl sein.
Wichtig sind für Geheimdienste zweifellos auch die Methoden der «Sozialen Netzwerkanalyse». In einer Art Rasterfahndung können damit Personen identifiziert werden, die innerhalb von Netzwerken wichtige Positionen einnehmen. Solche «Knotenpunkte» können etwa Verbindungspersonen innerhalb von Terrorismusnetzwerken sein.
Vielfältig anwendbar
Die Soziale Netzwerkanalyse wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Mathematikern entwickelt. Erste Anwendungen dienten Ökonomen etwa dazu, Arbeitsabläufe in Fabriken zu optimieren. Die von Statistikern und Mathematikern seither ständig weiterentwickelte Soziale Netzwerkanalyse wird inzwischen von Forscherinnen und Forschern unterschiedlichster Fachrichtungen angewendet – etwa in der Soziologie, Politikwissenschaft oder Agronomie.
Mit Hilfe der Sozialen Netzwerkanalyse lassen sich Beziehungen mathematisch auswerten und visualisieren – die Beziehungen etwa zwischen Menschen, Organisationen, Ländern oder Wörtern eines Textes. Je nach Fragestellung interessiert die Forscher dabei etwa, wie freundschaftlich oder konfliktiv die Beziehungen sind oder inwiefern dabei Informationen oder Geld ausgetauscht werden.
Weil die Soziale Netzwerkanalyse auch für Militär und Geheimdienste nützlich sein kann, finden unter Netzwerkforschern aktuell hitzige Diskussionen statt: Ist die Methode für die Fahndung geeignet? Muss wie bei Drohneneinsätzen mit «Kollateralschäden», also unschuldigen Opfern, gerechnet werden? Welche ethischen Fragen stellen sich für die Forschung?
Wenn Netzwerke explodieren
Bis in die 1990er Jahre waren die untersuchten Netzwerke von überschaubarer Grösse. Forscher interessierten sich etwa für die an einem politischen Entscheid beteiligten Organisationen oder die an einem Software-Projekt arbeitenden Personen – meist etwa 15 bis 60 Einheiten.
Mit der zunehmenden Digitalisierung und Kommunikation im Internet ist die Anzahl der Knoten im Netzwerk explodiert. Entsprechend spricht man heute in der Netzwerkanalyse von «Big Data». Die Suchfunktion von Google funktioniert beispielsweise auch in der Form einer Netzwerkanalyse.
So werden heutzutage Netzwerke mit bisweilen Millionen von Knotenpunkten untersucht. Die Anzahl möglicher Beziehungen zwischen der Anzahl Knoten steigt dabei exponentiell. Für drei Knoten sind sechs, für 30 bereits 870 und für 300 bereits 89'700 Beziehungen untereinander möglich. Dass für die Auswertungen solch grosser Datenstrukturen immer effizientere Algorithmen und Methoden gefragt sind, ist offensichtlich. Als Forum der Weiterbildung und des Austausches für Anwenderinnen und Anwender der Sozialen Netzwerkanalyse dient seit zehn Jahren die Konferenz «Applications of Social Network Analysis» (ASNA).
Öffentlicher Vortrag von James Fowler am Freitag, 30. August
Mit Professor James Fowler , Professor für medizinische Genetik und Politikwissenschaft an der University of California in San Diego, konnte ein prominenter Hauptrednerfür die ASNA 2013 gewonnen werden. Seine Arbeiten sind ein gutes Beispiel für die innovative Entwicklung der Sozialen Netzwerkanalyse über Disziplinengrenzen hinweg zu einer Network Science. Bekannt wurde James Fowler etwa für seine Studien über die 'sozial ansteckende' Verbreitung sowohl des Rauchens wie auch der Fettleibigkeit. Die Konferenz «Applications of Social Network Analysis» (ASNA)findet jährlich an der UZH statt. Sie wird von Angehörigen des Mittelbaus der Universitäten Zürich, Bern und Genf sowie der ETHZ organisiert.
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