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In Genf werden massive Geldbeträge in die Renovierung der Hauptsitze internationaler Organisationen gesteckt. Was alles verändert sich?
Das internationale Quartier der Westschweizer Grossstadt Genf macht gegenwärtig grosse Veränderungen durch. Sie sind Teil des langfristigen kantonalen Entwicklungsprojekts "Jardin des Nations"externer Link.
Insgesamt werden über 2 Milliarden Franken in neue Gebäude und grössere Renovierungen sowie in den öffentlichen Verkehr investiert. Ein Grossteil der Finanzierung besteht aus Darlehen des Bundes und des Kantons.
Hier eine Auswahl einiger neuer Gebäude und Umbau-Projekte:
Der Kanton Genf und die Eidgenossenschaft haben kürzlich grosse Darlehen für die Renovierung und Verbesserung des Palais des Nations der Vereinten Nationen (UNO) bewilligt. Das historische Gebäude wurde in den 1930er-Jahren erbaut und ist seither etwas baufällig geworden. Für 836,5 Millionen Franken soll es nun renoviert werden. Finanziert wird der Umbau durch zinslose Darlehen des Bundes (292 Mio. Fr.) und des Kantons Genf (108 Mio. Fr.).
Ein neues Gebäude, das in die hügelige Landschaft eingefügt wird, soll im Nordosten des Komplexes entstehen und 700 zusätzlichen Angestellten Raum bieten, hauptsächlich aus dem Büro des UNO-Hochkommissars für Menschenrechte in Genf. Gegenwärtig arbeiten im Palais des Nations 2800 Personen. Die Arbeiten für den Erweiterungsbau sollen 2017 aufgenommen werden und 2023 abgeschlossen sein.
Nördlich der UNO wird ebenfalls nächstes Jahr die Renovation des Hauptquartiers der Weltgesundheits-Organisation (WHO) in Angriff genommen. Ein neunstöckiges Bürogebäude wird einen ins Alter gekommenen vorgefertigten Gebäudeflügel ersetzen. Das neue Gebäude spiegelt das ursprüngliche 1960er-Jahre-Design des Schweizer Architekten Jean Tschumi.
Die dreijährigen Renovationsarbeiten kosten 140 Millionen Franken. Diese werden grösstenteils vom Bund (76,4 Mio. Fr.) und vom Kanton Genf (29,6 Mio. Fr.) vorgeschossen.
Auch andere Gesundheits-Organisationen erhalten neue Bauten. So haben die Arbeiten auf dem "Campus Santé" bereits begonnen. Es ist ein neues Gebäude für 1500 Angestellte des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sowie der weltweiten Impf-Allianz Gavi. Man hofft, dass dabei Synergien mit der WHO und dem Programm der Vereinten Nationen zu HIV/Aids (UNAIDS) entstehen, die gleich nebenan angesiedelt sind.
Ein weiteres älteres Gebäude, das ein komplettes Facelifting erhält, ist der imposante 11-stöckige Hauptsitz der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), wo 1400 Personen arbeiten. Dabei wird Asbest entfernt und der Innenausbau erneuert.
Das zwischen 1969 und 1974 erbaute Gebäude wird für 300 Millionen Franken renoviert. Die Eidgenossenschaft leiht dafür 70 Millionen, der Kanton Genf hat Bauland gespendet. Um sich an den Kosten zu beteiligen, hat die ILO unter anderem Bauland verkauft, das sie in der Nähe des Gebäudes besitzt. So ging ein 7000 m2 grosses Grundstück an Saudi-Arabien, das dort Luxuswohnungen bauen will, ein weiteres an das Graduate Institute, das Studentenwohnungen bauen will.
Mobilität verbessern
In Genf sind rund 29'500 internationale Diplomaten und Verwaltungsbeamte angesiedelt, davon werden allein 9500 Personen von UNO-Organisationen beschäftigt. Das Pendeln zur Arbeit ist deshalb nicht immer einfach. Deshalb haben die Behörden vor, bis 2025 rund 500 Millionen Franken in die Mobilität vor Ort zu investieren.
So ist geplant, dass vom Flughafen in die Nähe des WHO-Hauptquartiers ein Strassentunnel gebaut wird (er soll 2021 fertiggestellt sein). Danach soll die Tramlinie 15 nördlich der Place des Nations weiter Richtung Flughafen und schliesslich bis in die französische Grenzgemeinde Ferney geführt werden.
Gleichzeitig wird kreuz und quer durch den internationalen Distrikt ein Netzwerk von Wegen für Fussgänger und Radfahrer gebaut. Und lokale Gebäude und Villen, die dem Kanton gehören, erhalten ebenfalls eine Generalüberholung.
Am 24. August 2016 hat der Bundesrat ein zusätzliches Darlehenexterner Link von 12 Millionen Franken an die Immobilienstiftung für die internationalen Organisationen (FIPOI) bewilligt. Damit sollen die Vorarbeiten im Hinblick auf den Abriss und den Neubau eines Gebäudes am Sitz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) in Genf finanziert werden.Infobox Ende
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub)