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Die Tradition der aussenpolitischen Neutralität der Eidgenossenschaft geht zurück auf die Italienischen Kriege, und namentlich auf die Schlacht bei Marignano (1515), de facto die letzte militärische Auseinandersetzung, in der die Eidgenossenschaft eine Partei war. Ein Aufruf zu aussenpolitischer Neutralität (der allerdings erst nach Marignano befolgt wurde) wird bereits Niklaus von Flüe (1417–1487) zugeschrieben, im Wortlaut «mischt euch nicht in fremde Händel».
Die moderne Rückbesinnung auf Marignano als Anfangspunkt der Neutralitätspolitik hat ihre Wurzeln in der 1895 erschienenen Geschichte der schweizerischen Neutralität des Zürcher Staatsarchivars und Geschichtsprofessors Paul Schweizer. Schweizers These wurde weiterentwickelt von Edgar Bonjour, dessen gleich betitelte neunbändige, von 1946 bis 1975 erschienene Geschichte der schweizerischen Neutralität für lange Zeit prägend wirkte. Die so konstruierte Kontinuität zwischen Marignano und damaliger Gegenwart wurde von späteren Historikern als «erfundene Tradition» dargestellt.
Die praktische Umsetzung der militärischen Neutralität erfolgte im 19. und 20. Jahrhundert durch die sogenannte «Grenzbesetzung» bei militärischen Konflikten nahe dem schweizerischen Staatsgebiet, so z. B. 1866, 1871, siehe auch Savoyerhandel (1859/1860). Die letzte Grenzbesetzung erfolgte zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Im späteren Verlauf des Krieges wurde die Grenzbesetzung in Form der Réduit-Strategie ergänzt. Die Rückbesinnung darauf wurde inzwischen bereits ihrerseits als «Mythos» verortet, der von der Kollaboration mit Nazi-Deutschland ablenken solle.
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