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Expanded Choreography – Expanded Cinema
Choreografische Verfahren der Erweiterung (AT)
Das Dissertationsprojet untersucht choreografische Verfahren der Erweiterung, die sich innerhalb des intermedialen Gefüges von Tanz und Film verorten lassen. In Anlehnung an die Begriffe ‹expanded choreography› und ‹expanded cinema› werden drei choreografische Videoinstallationen in Bezug auf raum-zeitliche Anordnungen, die Formatierung des künstlerischen Materials sowie dessen Relation zu tanzhistoriografischen Praktiken analysiert.
Während im Diskurs zum zeitgenössischen Tanz ‹expanded choreography› als Erweiterung von spezifischen Paradigmen im westlichen Bühnentanz verhandelt wird, nimmt dieser nur selten Bezug auf den Begriff ‹expanded cinema› (Eiermann 2009, Leon 2019, Maar 2019). Allerdings fungiert erstens das intermediale Gefüge des künstlerischen Tanzes als historisches Experimentierfeld für jeweils neue Medien (Büscher 2002) und zweitens verortet sich innerhalb der Experimentarfilmpraxis der 1960er Jahre auch eine Erweiterung des Choreografiebegriffs (Ploebst 2011). Entsprechend stellen sich folgende Fragen: Wie manifestieren sich filmische Verfahren als Erweiterung von choreografischen Verfahren? Inwiefern erweitert das Format eine filmisch-choreografische Arbeit? In welcher Relation stehen Verfahren der Abstraktion und Konkretion zu choreografisch-historiografischen Praktiken?
Grundlegend für die theoretische Rahmung sind die Begriffe: Dispositiv (Wehren 2016), Format (Turquety 2019) und Abstraktion/Konkretion (Büscher 2002). Durch die Analyse der Fallbeispiele innerhalb dieses theoretischen Kontexts, kann in eine transhistorische Perspektive eingenommen werden. Im ersten Kapitel veranschaulicht das Beispiel Perception Unfolds. Looking at Deborah Hay’s Dance (Deborah Hay 2014) das Gefüge von Choreografie, Körper, Projektion und Publikum. Das ‹heterogene Ensemble› einzelner Elemente sowie deren Verhältnisse zueinander wird durch den in der Tanzwissenschaft an Konjunktur gewinnenden Dispositivbegriff beleuchtet (Wehren 2016), welcher dem ‹medialen Dispositiv› aus der Film- und Medienwissenschaft gegenübergestellt wird (Baudry 1975, Büscher 2002). Work/Travail/Arbeid – An installation by Eric de Kuyper (Rosas / Eric de Kuyper 2018) ist eine Installation und Dokumentation einer choreografischen Arbeit im Museum, die wiederum auf einer Bühnenproduktion basiert. Im zweiten Kapitel wird daher der Formatbegriff, welcher institutionalisierte Standardisierungprozesse von künstlerischen Arbeiten hervorhebt (Turquety 2019), in Bezug auf Erweiterungspraktiken produktiv gemacht. Im dritten Kapitel werden diese in Bezug zur historiografischen und choreografischen Praxis der Abstraktion und Konkretion diskutiert (Büscher 2002). Mit Rückgriff auf die Videoinstallation Beware of imitations! (La Ribot 2014) wird gefragt, inwiefern das gefilmte Material ein historisches choreografisches Verfahren sowohl abstrahiert und konkretisiert als auch dokumentiert.
Die Dissertation soll einen historisch fundierten Beitrag zu Erweiterungspraktiken von filmisch-choreografischen Arbeiten leisten, um intermediale Phänomene, die nicht unter einem engen Tanzbegriff subsumiert werden können, in die Tanzgeschichte zu inkludieren. In diesem Sinne versteht sie sich auch als eine Erweiterung der interdisziplinären Forschung zu Tanz und Film.
Hilari, Johanna: Der Tanz ist vor eine doppelte Herausforderung gestellt. Auf: Reso, Themen, https://www.reso.ch/de/uid-42e969f0/uid-7a2b8625, 2019.
Link: https://www.reso.ch/de/uid-42e969f0/uid-7a2b8625
Hilari, Johanna: Das Spiel mit der neoliberalen Marktlogik. Ein Gespräch mit Martin Schick (Schick/Germaud/Pavillon) zu X Minutes. Durational Comedy. In: Hochholdinger-Reiterer, Beate; Boesch, Géraldine (Hg.): Spielwiesen des Globalen. Forschungen zum Gegenwartstheater Bd. 2. Berlin 2016. S. 81–86.
Link: https://bop.unibe.ch/itwid/article/view/2913/4311
Hilari, Johanna: The Politics of Folk Dances. In: Beyer, Theresa; Burkhalter, Thomas; Liechti, Hannes (Hg.): Seismographic Sounds. Visions of a New World. Bern 2015. S. 307–308.
Link: https://norient.com/video/ana-tijoux-3/