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Kali, der
älteste Sohn des Kalifen von Karamesch, hatte als Kind Märchen gehört, in
welchen fliegende Teppiche vorkamen und hatte immer gewünscht, der Held zu
sein, der auf einem solchen Teppich fliegen kann.
Zu seinem zwanzigsten Geburtstag wollte ihm sein reicher Vater einen Sportwagen schenken. Kali bettelte aber um Geld für sein Projekt, einen Teppich zu erfinden, der wirklich fliegt. Der Vater dachte betrübt, sein Sohn sei noch zu kindisch, um einen Sportwagen toll zu finden, liebte ihn aber so sehr, dass er für Kalis Traum ein Konto mit einem Startkapital von 200’000.- Dollar eröffnete.
Kali studierte und zeichnete viele Wochen lang, kam aber dann zum Schluss, dass die Beschleunigung beim Start zu gross wäre für den menschlichen Körper und auch den Teppich zerreissen könnte.
Kali hatte die Idee, einen runden Teppich so zu versteifen, dass er wie ein Frisbee durch die Luft segeln könnte. Das grosse Teppich-Frisbee würde sich viel langsamer drehen als ein kleines, und er könnte immer rundherum die Aussicht geniessen. Um einen Sturz vom Teppich zu vermeiden, würde er sich angurten. Aber wer könnte ein so grosses und schweres Frisbee werfen und wieder auffangen? Das könnte nur eine Wurfmaschine. Diese Maschine müsste geländegängig fahren können sowie das Frisbee mit Sensoren und Kameras verfolgen, um es am richtigen Ort wieder aufzufangen. Kali studierte und zeichnete viele Wochen lang, kam aber dann zum Schluss, dass die Beschleunigung beim Start zu gross wäre für den menschlichen Körper und auch den Teppich zerreissen könnte. Bei einem Abwurf des Frisbees aus einem Flugzeug wäre hingegen die kontrollierte Landung ein kaum lösbares Problem.
Vorbild aus der Schweiz
Eines Tages fand Kali im Internet einen Film über Abenteuer in den Schweizeralpen. Kühne Kerle flogen mit Gleitschirmen steilen Bergen entlang.
Eines Tages fand Kali im Internet einen Film über Abenteuer in den Schweizeralpen. Kühne Kerle flogen mit Gleitschirmen steilen Bergen entlang. Er wollte natürlich nicht unten an einem Teppich hängen, sondern oben drauf sitzen. Also müsste er den Schirm umdrehen können, so dass die Ränder nach oben gebogen wären, damit beim Gleitflug Stabilität entsteht, wenn der Pilot oben sitzt. Die Luftkanäle hingegen müssten unten an den Teppich genäht werden.
Nach einigen Abstürzen und Verbesserungsversuchen flog der Gleitteppich tatsächlich.
Zusammen mit dem Schneider des Hauses nähte Kali ein Modell nach seiner Vorstellung. Zuerst klappte dieses Fluggerät schon zwei Meter nach dem Abwurf zusammen. Daraufhin versteifte er den Teppich mit Bambusstäben. Nun flog der Teppich zwar einige Meter, landete dann aber unsanft. Das Problem war also, wie der fliegenden Teppich zu steuern wäre. Wenn er selbst obendrauf sitzen würde, könnte er durch Herumrutschen den Schwerpunkt verlagern und wie die Gleitschirmpiloten mit Zug an Leinen links und rechts die Flügelform ändern. Gemeinsam mit einem Mann, der Modellflugzeuge baute, konstruierte er eine neue Steuerung, die per Funk bedienbar war und anstelle des Piloten in die Mitte des Teppichs montiert wurde. Nach einigen Abstürzen und Verbesserungsversuchen flog der Gleitteppich tatsächlich. Nun musste noch eine Lösung für den Start und die Landung gefunden werden. Ein Fahrwerk mit Motorenantrieb wäre wohl zu schwer und würde keine Starts in der Ebene ermöglichen.
Startproblem lösen
Eines Nachts sah er im Traum eine dieser modernen Drohnen herumfliegen, die wie Helikopter senkrecht starten und landen können. Als er erwachte, machte er Licht und schrieb sofort auf: Mein Teppich startet und landet wie eine Drohne. Bei genügender Höhe nützt er die Aufwinde und gleitet wie ein Schirm.
Am Morgen schrieb er hinzu: Ich nütze die Sonnenenergie doppelt. Erstens mit Solarzellen für den Antrieb der Drohnenpropeller und zweitens beim Gleiten in der warmen Luft, die in den Himmel steigt.
Nun war Kali nicht mehr zu bremsen. Ein Spezialist baute ihm einen ultraleichten, rechteckigen Rahmen mit Beinen, ähnlich wie bei einem Trampolin. In diesen spannte er den wunderbaren Seidenteppich, den ihm seine Mutter geschenkt hatte. Der Schneider nähte die Luftkammern. Ein Drohnenbauer montierte ihm in alle vier Ecken je einen Motor mit Propeller und verband alles mit einer digitalen Steuerung, die Kali mit einem Joystick bedienen konnte. Die federleichten Solarzellen wurden auf die Stoffbahnen geleimt.
Nach und nach flog er höher, sowie vorwärts, rückwärts, nach links und rechts.
Nun wurde Kali
zum Versuchspiloten mit dem ersten, wirklich fliegenden Teppich. In einem
grossen Hangar, wo kein Wind wehte, hob er nur wenige Zentimeter ab und landete
wieder möglichst sanft. Nach und nach flog er höher, sowie vorwärts, rückwärts,
nach links und rechts. Erst dann riskierte er kleine Flüge im Freien.
Von einem Gleitschirmpiloten lernte er das Fliegen in der Thermik und übertrug dieses Können auf seine Erfindung. Erst nach vielen, geheimen Übungsflügen führte er den fliegenden Teppich seinem Vater vor.
Staunende Zuschauer
„Der den Teppich fliegen lernte“
Dieser war begeistert vom Teppich, und noch mehr davon, dass Kali ein so cleveres Bürschchen war.
Bald organisierte er ein grosses Fest, an welchem den Gästen eine grosse Sensation versprochen wurde. Kali erfüllte das Versprechen voll und ganz, denn noch nie hatte jemand einen echt fliegenden Teppich gesehen. Und er flog nicht nur sanft über die Köpfe der ZuschauerInnen hinweg, sondern schaukelte in der Luft in alle Richtungen und flog auch eine schnelle Spirale aus hundert Metern Höhe bis fast auf den Boden hinunter. Das Publikum und die Medien waren aus dem Häuschen. Alle wollten sich baldmöglichst einen fliegenden Teppich kaufen. Sie mussten sich aber gedulden. Der Kalif liess das Gerät patentieren und eine Werkstätte bauen, die nur wenige Exemplare pro Jahr herstellte. Der märchenhafte Charme des fliegenden Teppichs sollte möglichst lange erhalten bleiben, und natürlich auch der stolze Preis.
Kali erhielt den Zusatznamen: „Der den Teppich fliegen lernte“.