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«L’acceptation de soi, l’amour de soi, le respect de soi sont autant de choses qui viennent plus tard chez les gays, du fait de la possibilité d’être accepté comme tel ou non à un âge plus tardif que l’adolescence contrairement à l’hétérosexuel qui est comme la masse.»
Jean
Die mit den Zeichnungen wiedergegebenen Zitate sind Antworten von Teilnehmern auf die offenen Fragen aus den Befragungen 2007 und 2011 zur Depression. Die Teilnahme am Projekt schwule Gesundheit war anonym, die angegebenen Vornamen sind frei erfunden!
Die Befragung zur schwulen Gesundheit von 2002 war eine der ersten Untersuchungen weltweit, die ein Schlaglicht auf den schlechten psychischen Gesundheitszustand schwuler und bisexueller Männer warf. Alle seither durchgeführten Forschungsprojekte zur Gesundheit schwuler Männer bestätigen, dass diese von psychischen Gesundheitsproblemen wie Angststörungen, Depression und Substanzmissbrauch besonders stark betroffen, und dass sie auch einem höheren Suizidrisiko ausgesetzt sind als die Männer der Gesamtbevölkerung.
Dies ist keine schicksalhafte, unveränderliche Situation, und die Inanspruchnahme professioneller medizinischer Hilfe bzw. die Veränderung bestimmter Verhaltensweisen können Besserung und sogar Abhilfe bringen. Die Arbeit zur Verbesserung der psychischen Gesundheit in der Gesamtbevölkerung steckt noch in den Anfängen, und psychische Störungen werden oft stigmatisiert oder mit einem Schulterzucken abgetan. Bei den Gays gestaltet sich diese Arbeit noch schwieriger, weil Homosexualität selbst bei der WHO bis 1992 als Geisteskrankheit geführt wurde.
Die Symptome solcher Störungen machen sich bei Homosexuellen häufig in der Kindheit und Jugend erstmals bemerkbar und werden von vielen Männern ihr Leben lang immer wieder oder als chronifizierter Zustand erlebt. Angesichts des hohen Leidensdrucks und der vielen betroffenen Personen sind diese Probleme nicht mehr nur eine Frage der individuellen Gesundheit, sondern betreffen die gesamte schwule Community.
Angesichts der Schwere und der Häufigkeit dieses Problembildes wurden 2007 bzw. 2011 im Rahmen der Befragungen zur schwulen Gesundheit zwei weiterführende Untersuchungen zu psychischer Gesundheit bzw. Suizid durchgeführt.
Es ist zwischen psychischen Symptomen und psychischer Erkrankung bzw. Störung zu unterscheiden. Symptome sind nicht Erkrankungen, können aber Anzeichen für eine Störung sein. Jeder kann früher oder später im Leben darunter leiden. Wenn jemand während mehr als zwei Wochen ohne Unterbrechung Symptome aufweist und dadurch in seinem Alltag behindert ist, sollte er den Hausarzt oder Checkpoint aufsuchen, um eine psychische Erkrankung auszuschliessen.
Weltweit kommen alle Untersuchungen zur Gesundheit von LGBT-Menschen zum Schluss, dass es die psychische Gesundheit ist, bei der sich die negativen Folgen der Stigmatisierung der Homosexualität, der gesellschaftlichen Diskriminierung und der sozialen Ausgrenzung am stärksten niederschlagen. Diese sozialen Determinanten von Gesundheit wirken sich negativ auf psychosoziale Ressourcen wie das Akzeptieren der eigenen Homosexualität, Selbstachtung und Selbstbewusstsein aus und erhöhen in erheblichem Masse das Suizidrisiko.
Alkohol und Drogen, die oft zur Linderung psychischer Leiden eingenommen werden, sind auf Dauer keine gute Therapie und können die Störungen verschlimmern und in die Abhängigkeit führen.
Das mit der Basisbefragung verknüpfte Diagnosetool (CIDI) hat aufgezeigt, dass 34% der schwulen und bisexuellen Männer im Jahr vor der Befragung unter klinischer Depression oder Angststörung gelitten hatten. Weitere 25% litten unter schwerwiegenden Symptomen, die ihre Lebensqualität beeinträchtigten. Nun ist in Genf der Anteil der Männer der Gesamtbevölkerung, die über mässige oder schwere psychische Probleme berichten (15% im Jahr 2012), schon höher als der Schweizer Durchschnitt, doch die Zahlen für die schwulen Männer liegen noch weit darüber.
Wenn eine depressive Episode über mehrere Jahre andauert, spricht man von chronischer Depression. Eine nicht behandelte Depression kann sich mit den Jahren verschärfen und wird sehr viel schwerer zu behandeln. Die Grafik zeigt den Anteil der schwulen Männer, die in den drei Befragungen des Projekts schwule Gesundheit über sich selbst sagten, dass sie in den letzten zwölf Monaten oder vorher an einer Depression gelitten haben.
Die an einer Depression leidenden schwulen Männer, die vom integrierten Diagnosetool (CIDI) im Rahmen der Befragung diagnostiziert wurden, wurden nach dem Alter gefragt, in dem sie die fraglichen Symptome zum ersten Mal gespürt hatten. Das Medianalter für das Auftreten der ersten Symptome liegt bei 16 Jahren.
Von den an einer Depression leidenden schwulen Männer wissen nur etwas mehr als die Hälfte, woran sie erkrankt sind. Jemand, der nicht weiss woran er leidet, wird eher nicht zum Arzt gehen oder Hilfe suchen. Das gilt nicht spezifisch für schwule Männer, sondern für die gesamte Bevölkerung. Der Indikator zeigt, wie wichtig Kampagnen zur Entstigmatisierung und zur Aufklärung über psychische Störungen und über die Mittel zu ihrer Bewältigung sind, und zwar sowohl für die gesamte Bevölkerung als auch für besondere Zielgruppen wie die LGBT. Mit genau diesem Ziel wurde das Projekt Blues-out ins Leben gerufen.
Weniger als die Hälfte der schwulen Männer, die an Depression leiden, und weniger als ein Drittel derer, die unter Angstzuständen leiden, suchen Hilfe bei Gesundheitsfachpersonen, auch wenn es Behandlungsmöglichkeiten gibt. Das medizinische Team von Checkpoint stellt fest, dass manche Gays Mühe haben zu erkennen, ob ihr schlechter Zustand ihrer Lebensweise oder einer Krankheit geschuldet ist. Hilfe zu suchen ist nicht einfach, gerade bei psychischen Leiden, die weiterhin oft mit einem Stigma belegt sind. Über sein psychisches Leiden zu reden heisst, mit dem Therapeuten oder der Therapeutin frei über die eigene sexuelle Orientierung sprechen zu können, über die Beziehungen und Wünsche, und erfordert den Zugang zu Gay friendly Gesundheitsfachpersonen.
Mit seinen Problemen allein zu bleiben ist nie die richtige Lösung und erhöht die Gefahr, dass eine Störung sich chronifiziert und dadurch sehr viel schwerer zu behandeln wird.
Die Tabelle zeigt die wichtigsten Ursachen der Depression auf, wie sie die schwulen Männer bei ihrer ersten bzw. der letzten depressiven Episode wahrgenommen haben. Bei der ersten depressiven Episode im Alter von durchschnittlich 16 Jahren werden Liebes- und Beziehungsprobleme, die Schwierigkeit, die eigene Homosexualität zu akzeptieren und Probleme mit der Familie fast gleich gewichtet. Bei der letzten Episode stehen Liebes- und Beziehungsprobleme und Probleme am Arbeitsplatz klar an erster und zweiter Stelle. Mit Ausnahme der Schwierigkeit, die eigene Homosexualität zu akzeptieren, sind diese Ursachen nicht Gay-spezifisch, doch leiden sie womöglich mehr darunter.
Die Schwierigkeit, die eigene Homosexualität zu akzeptieren, d.h. dazu zu kommen, sich selbst anzunehmen, widerspiegelt den sehr hohen persönlichen und interpersonalen Druck, dem viele schwule Männer ausgesetzt sind. Das gilt vor allem in der Pubertät, wenn sie ihre eigene Homosexualität entdecken, aber auch immer wieder während des ganzen Lebens, weil ihre Lebensform stigmatisiert wird. Dabei hängt das Ausmass der Belastung sehr stark von der Reaktion der Umgebung, insbesondere der Familie und von deren religiösen Überzeugungen ab. Viele Erfahrungsberichte aus Umfragen zeigen, dass nicht die Erfahrung der Homosexualität an sich problematisch ist; es ist vielmehr die Feststellung, dass die eigenen Wünsche, Empfindungen und Gefühle dazu führen, dass man mit herabsetzenden Ausdrücken tituliert wird, die die persönliche Unversehrtheit beschädigen. Deshalb ist der Begriff des Stigmas (E. Goffmann) tatsächlich am besten geeignet, die Herausforderungen zu beschreiben, denen Gays ihr ganzes Leben lang auf der persönlichen, der interpersonalen und der gesellschaftlichen Ebene ausgesetzt sind.
Liebes- und Beziehungsprobleme resultieren hauptsächlich aus der Beendigung von Beziehungen und aus Schwierigkeiten beim Aufbau dauerhafter, stabiler Beziehungen. In den qualitativen Voruntersuchungen zu den Befragungen von 2001 hatten die schwulen Männer in Genf geäussert, Liebe und Beziehung seien für die Lebensqualität der wichtigste, gleichzeitig aber auch der Lebensbereich, wo sie am wenigsten zufrieden seien. Gays und insbesondere junge Schwule, die häufig auf der Suche nach einem Partner oder nach einer Beziehung sind, bewegen sich in einer schwulen Kultur, die die männlichen Werte der Gesellschaft reproduziert und Sex zulasten von Liebe bzw. Leistung zulasten von Qualität in den Vordergrund stellt.