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Im Jahre 1999 war es Zeit, die alte Fassade und Schaufensterfront der Löwen Apotheke einer Auffrischung zu unterziehen. Der letzte Umbau ging auf den Anfang der 1970er Jahre zurück. Damals war es Mode, Ladenlokale eher “gemütlich” mit dunklen Farben auszustatten, und auch der Aussenbereich wurde so gestaltet, dass die Apotheke eher uneinsehbar war.
Die zuvor bestehenden vertikalen Säulen aus Aluminium verhinderten bei Passanten den Einblick in das Geschäft. Dieser Umstand muss so ausgeprägt gewesen sein, dass nach dem Umbau eine Kundin vorbei kam und fragte, ob die Apotheke neu sei. Auf die Antwort, sie würde schon seit Jahrzehnten an diesem Ort bestehen, meinte sie, sie wohne in der Nähe am Claraplatz, hätte sie aber noch nie wahrgenommen.
Die Umbaupläne sahen jetzt ein grossflächiges Schaufenster vor, welches dreieckig in den Ladenbereich hereinragte. Diese Anordnung brachte allerdings mit sich, dass über die ganze Fassadenbreite eine erhöhte Bodenfläche entstand, weil der Innenboden einen Tritt über dem Niveau der Strasse liegt. Eine Absenkung dieses Bereiches oder das Anlegen einer Art Rampe nach Innen war aus bautechnischen Gründen nicht möglich.
In diesem architektonischen Umstand erkannte der damalige Bauherr, Beat Giezendanner, ein Problem: Wenn v.a. ältere oder gebrechliche Leute quer über diese Stufe ein- oder austreten, bestand ein Risiko der Sturzgefahr, weil sie sich nicht abstützen könnten. Deshalb sollte dafür gesorgt werden, dass die Kunden geradlinig über diese Stufe eintreten, bei Bedarf den an der Seitenwand angebrachten Handlauf benützend. Und daraus entstand die Idee, dem Namen der Apotheke entsprechend, eine Löwenfigur auf das Plateau vor dem Schaufenster zu positionieren.
Der federführende Architekt, Udo Prokasky, war von dieser Idee zuerst ziemlich geschockt, weil er sich eine solche Statue als sehr kitschig und mit dem klaren, sauberen Stil seines Projektes zuwiderlaufend vorstellte. Dennoch hat er sich aber auf die Suche nach entsprechenden Objekten gemacht. Seine ersten Resultate waren sehr ernüchternd. Er fand zwar Steinhauer, welche auch Tierfiguren anfertigten, aber die Herstellungspreise überragten bei weitem das vorgesehene Budget, und die Transportkosten waren darin nicht einmal miteinberechnet.
Als der Bauherr seine Idee als nicht realisierbar seit langem aufgegeben hatte, fand der Architekt aber immer mehr Gefallen daran und gab die Suche nicht auf. Per Zufall erhielt er über einen Bühnenbildner des Theater Basel die Adresse von dessen Freundin, welche als Steinhauerin in Hamburg tätig ist. Zwar befanden sich Ihre Preise für ein Auftragswerk im Rahmen der bereits gefundenen Objekte, aber sie bot an, sich im Lager eines befreundeten Filmausstatters nach einem passenden Löwen für unsere Bedürfnisse umzusehen.
Hamburg ist Film- und Medienstadt und für Dreharbeiten werden die unterschiedlichsten Objekte und Geräte für die verschiedenen Szenenbilder benötigt. In jenem Fundus waren dann tatsächlich für die Löwen Apotheke interessante Statuen zu finden. Und eine war geradezu perfekt: Ein liegender Löwe, scheinbar schlafend mit dem Kopf auf seinen Pfoten ruhend, aus Bronze gegossen. Seine entspannte Haltung war nicht furchteinflössend, seine horizontale Ausrichtung liess den Blick auf das Schaufenster frei und die metallene Ausführung war zudem resistenter bei Beanspruchung als eine Figur aus Stein.
Der Erwerb war also beschlossene Sache, und so reisten Bauherr und Architekt an einem Winterwochenende mit einem Kombifahrzeug nach Hamburg, um diesen Löwen nach Basel zu holen. Und seit 1999 bewacht nun also dieser „Leu“ in friedlicher Weise den Eingang zur Löwen Apotheke. Zur Freude vieler Kinder, die es lieben, auf ihm herum zu turnen, aber auch Erwachsenen, die sein Podest als Wartebank der Tramhaltestelle vor dem Haus benützen.
Und angeblich soll er sich auch bereits als Treffpunkt für Nachtschwärmer etabliert haben: „Wir sehen uns beim Leu!“