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Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?
Ich nenne ihn den «Neymar», nach dem brasilianischen Nationalspieler: an den Seiten rasiert, oben etwas länger.
Warum sind Sie Coiffeur geworden?
Ich bin oft mit meinem Vater zum Barbier gegangen. Mir hat das gefallen, nur unter Männern. Man unterhielt sich über Fussball, Politik, Frauen. Der Beruf ist mehr als nur Handwerk. In Volterra ist der Barbier ein Treffpunkt.
Wie haben Sie Ihr Handwerk erlernt?
Ich bin nicht lange zur Schule gegangen, ich sass bei besagtem Barbier die Tage ab. Irgendwann liess er mich die Haare der Kunden waschen, später den Bart rasieren. Am Ende zeigte er mir, wie man Haare schneidet. Ich wurde also ausgebildet, aber nicht staatlich anerkannt. Ich weiss nicht, ob das heute noch so durchgehen würde.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Eigentlich bin ich seit zehn Jahren in Rente, aber ich glaube, wenn ich aufhöre, werde ich über Nacht alt. Ausserdem macht mir die Arbeit noch immer Spass und bringt Extrageld. Aber ich habe meiner Frau versprochen: höchstens noch fünf Jahre.
Wer schneidet Ihre Haare?
Ein Barbier in Cecina, der nächstgrösseren Stadt hier, er ist ein alter Herr und Freund. Zu diesen neumodischen Zehn-Euro-Friseuren gehe ich nicht.
Haben Sie viele Stammkunden?
Ja, die meisten, es sind Männer ab 35 Jahren aufwärts. Viele kommen ein Mal im Monat und wollen immer das Gleiche. Nur selten verirrt sich ein Tourist in meinen Laden, ich habe ja nicht einmal ein Schild.
Welche Art Kunde ist die grösste Herausforderung für Sie?
Der, der zu viel will. Manche, vor allem die unter 40, glauben, ich könnte aus ihnen eine andere Person machen. Und dann sind sie enttäuscht, wenn das nicht funktioniert.
Wem würden Sie gerne die Haare schneiden?
Meiner Frau. Aber sie lässt mich nicht.
Wann ist eine Frisur aus Ihrer Sicht gelungen?
Wenn der Kunde zufrieden ist, klar. Das merkt man schon daran, dass er lächelt. Manchmal ist es so, dass ich nicht ganz zufrieden bin, aber der Kunde lächelt. Dann sage ich nichts und mache es beim nächsten Mal besser.
Welche Reaktionen haben Sie schon erlebt?
Touristen, die wortlos zahlen und den Salon verlassen. Aber ich denke, das hat mit den Sprachbarrieren zu tun. Sonst bedanken sich alle. Geweint hat noch keiner.
Haben Sie sich schon einmal geweigert, einen Wunsch auszuführen?
Ich würde es so gern! Aber dazu bin ich zu höflich. Was mich zunehmend nervt, sind junge Männer, die nicht nur Neymar-Frisuren wollen, sondern auch Muster rasiert bekommen möchten. Kreise, Kringel. Die würde ich gern aus dem Salon schicken.
Was gefällt Ihnen an Volterra?
Das Alte vor allem, die Stadt wurde ja von den Etruskern erbaut, im 4. Jahrhundert vor Christus. Wir sind sehr stolz auf die alten Mauern, auf die Festung der Medici, den Palazzo dei Priori und auf unseren Alabaster, den wir hier gewinnen und verarbeiten.
Wie verbringen Sie Ihren Abend?
Meistens gehe ich nach der Arbeit auf einen Aperitivo in eine Bar, mit meiner Frau, meinen Freunden. Manchmal essen wir danach noch zu Abend und bleiben, bis wir satt sind. Und etwas betrunken.
Spüren Sie hier die Krise?
Um ehrlich zu sein, hat man die Krise hier nie richtig gespürt. Die Toscana ist eben eine reiche Region, in der nicht so viele Häuser und Firmen auf Kredit gekauft wurden. Und die Touristen kommen nach wie vor zahlreich.