Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03121.jsonl.gz/1651

Nachdem das Wärmeverbund-Projekt St.Moritz-Bad des Zürcher Elektrizitätswerks ewz an den zu teuren Preisen für die Endkunden gescheitert ist, hat St. Moritz Energie ein eigenes Projekt entwickelt. Dieses ist umweltschonend und bietet St. Moritz Energie die Möglichkeit, sich ein neues Standbein aufzubauen. Beliefert werden sollen das Hallenbad Ova Verva, das Hotel Laudinella und das Hotel Reine Victoria. «Uns ist sehr wichtig, dass das Hallenbad nicht mit fossiler Energie betrieben wird», sagt Gemeindevorstand Cristiano Luminati. So soll dem Hallenbad ab 2013 Energie garantiert werden. Weitere Kunden wie zum Beispiel die Bäder AG könnten sich anschliessen.
Wasser von Eisarena und aus dem See
Die Energie soll durch eine Wärmepumpe gewonnen werden. Es ist geplant, die 300–400m2 grosse Wärmepumpe südlich der Eisarena Ludains in Richtung See auf der Wiese, wo sich im Winter der Natureisplatz befindet, unterirdisch zu erstellen. Ein Teil der Anlage würde sich in der Garage unterhalb der Eisarena befinden.
In den letzten Jahren hat die Eisarena kaltes Wasser aus dem St. Moritzersee entzogen, um die Eisbahn zu kühlen. Da beim Entzug von Energie Wärme entsteht, hat die Eisarena warmes Wasser in den See zurückgegeben. St. Moritz Energie möchte diesen Zustand nun ändern: Ein Reservoir soll das Warmwasser, welches von der Eisbahn zurückfliesst, auffangen und dieses in einen Tank leiten. Dabei wird die Wärme des Wassers entzogen. «Wir entziehen dem Seewasser effektiv zwei Grad Celsius», so Luminati. Studien hätten gezeigt, dass es keine ökologischen Auswirkungen habe, wenn das kältere Wasser in den See zurückgeführt werde.
Das Wasser im Tank beträgt nach dieser Prozedur etwa 13 Grad Celsius. Nun kommt die Wärmepumpe ins Spiel: Sie komprimiert und verdichtet das Wasser, dadurch entsteht Wärme und die Temperatur des Wassers steigt auf 68 Grad Celsius. Dieses Warmwasser wird dann dem Hallenbad, dem Hotel Laudinella und dem Hotel Reine Victoria zugestellt und zurück fliesst kaltes Wasser, das dann dem See zugeführt wird.
Grosse Einsparungen an Erdöl
Die 68 Grad Celsius des Wassers entsprechen 100 Prozent Nutzungsenergie. 70 Prozent der Energie wird aus der Umgebung gewonnen, 30 Prozent müssen durch Strom zugeführt werden. Zusammen ergibt dies die Bandenergie. Um Spitzenzeiten abzudecken, braucht es etwa 20 Prozent fossile Energie in Form von Erdöl. Dies ist jedoch ein relativer Wert, da das Erdöl nur notwendig wird, wenn sehr viel mehr Personen als üblich den Warmwasserhahn aufdrehen, wie das zum Beispiel an Weihnachten/Neujahr der Fall sein kann.
Die Ölheizung dient nicht nur der Abdeckung der Spitzenenergie, sondern ebenso der Sicherheit. «Wir müssen garantieren können, dass wir immer Wärme liefern können», erklärt Luminati. Gebaut wird die Heizung nicht am Standort der Wärmepumpe bei der Eisarena Ludains, sondern in einem der beiden Hotels Laudinella oder Reine Victoria. Die Hotels haben bereits eine Heizung, die wahrscheinlich nur noch erneuert werden müsste. «Wir sind im Gespräch mit den Verantwortlichen», sagt Luminati.
Die Wärmepumpe führt laut Luminati dazu, dass 80 Prozent weniger Erdöl gebraucht werde. Die Kosten für ein Kilowatt Erdöl liegen derzeit zwischen 14 und 15 Rappen. Damit St.Moritz Energie mit der geplanten Wärmepumpe konkurrenzfähig ist, wird sie etwa den gleichen Preis anbieten. «Die Kunden machen nur mit im Verbund, wenn die Energie durch die Wärmepumpe nicht teurer ist als das Erdöl», sagt Luminati.
Sieben-Millionen-Projekt
Kosten wird das Projekt «Wärmeverbund Bad» 7 Millionen Franken. St. Moritz Energie hat 5,5 Millionen Franken in ihr Budget aufgenommen, die Gemeinde St. Moritz soll 1,5 Millionen Franken zahlen. Der Gemeindevorstand St. Moritz wird darüber nächsten Montag befinden, der Gemeinderat im November. Schliesslich werden die St. Moritzer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Gemeindeversammlung im Dezember über das Budget von 1,5 und 5,5 Millionen Franken abstimmen. «Wir planen unterdessen weiter, weil wir überzeugt sind, dass das Projekt realisiert wird», zeigt sich Luminati zuversichtlich und führt an, «wenn die Budgets genehmigt werden, kann im Frühjahr mit dem Graben angefangen werden.» Die Energie-?lieferung soll ab Herbst 2013 möglich sein.
Unter dieser Wiese soll die Wärmepumpe zu stehen kommen.
Autorin: Sarah Walker
Foto: Marie-Claire Jur