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Ortsbezeichnung: Väschpertola (In der Väschpertola)
Zeit frommer Schritte
Neben der Ebene nördlich von Blatten, die mit den letzten, locker hingestreuten Ökonomiebauten den Siedlungsrand von Blatten bildet, geht der Weg westlich sanft hinunter in ein lichtes Wäldchen. Spielmöglichkeiten und Vita Parcours bieten beliebte Freizeitangebote für Jung und Alt. Einige rasten an diesem stimmungsvollen Ort und lassen die Atmosphäre des Ortes auf sich einwirken – ds Väschperwaldje, das Vesperwäldchen, und weil es eine Vertiefung im Gelände ist, benennt man den engeren Ort auch mit der Dialektbezeichnung Tola (Senke, Mulde) beziehungsweise Väschpertola.
Der Name rührt daher, dass hier einmal jährlich anlässlich einer religiösen Feier eine Vesper gesungen wurde. In und um Zermatt gab es, wie in allen katholischen Orten, auch eine Anzahl Prozessionen. Das sind gemeinsame Gänge zum Beispiel zu einer Kapelle oder durch eine Ortschaft, um dabei für Segen zu bitten oder Dank zu erstatten – fast wie (kleine) Wallfahrten, die heute in ihrer Kombination von körperlicher Aktivität und spiritueller Einkehr wieder beliebt geworden sind. Die gesungene Vesper hier im Wäldchen bei Blatten gehört in so einen Zusammenhang, den uns ein Kenner Zermatts, Klaus Julen, so erklärt: Pfarrer Joseph Ruden führte 1865 in seinem handschriftlichen „Verzeichnis der Ortsbräuche“ unter den vielen Prozessionen auch zwei auf, die nach Blatten führten. An den sogenannten „Langen Umgang“ kann ich mich noch gut erinnern, man machte ihn jährlich, es war immer im Frühling, in den Tagen von Auffahrt. Er führte von der Kirche den Muttweg (Zmuttweg) hinauf bis zur Abzweigung nach Blatten und über den Waaldschtäg (heute: Waaldjubrigga). Nach der Überquerung des Muttwassers (heute: Muttbächje) ging es zur Waldlichtung hoch. Dort machte die Prozession im Väschperwaldje einen Halt. Es wurde die Vesper gebetet und gesungen. Der Rückweg führte über den „Hangenden Steg“ hinüber ins Moos, wo ein Opfer für die Kapuziner eingesammelt wurde.Dann ging es über Winkelmatten zurück ins Dorf. Anfangs der 1970er Jahre fand dr Leng Umgang wohl letztmals statt. Eine der drei Bittprozessionen führt bis heute nach Blatten.
Weiter führt der Weg nun steiler hinunter in die Schlucht des Zmuttbaches, wo wir nach wenigen Minuten die Brücke überschreiten. Dann ist talauswärts nach bereits 100 Metern der grosse Wanderweg zu erreichen, der von Zmutt direkt nach Zermatt führt. Hinter der ersten Kurve verlassen wir den Wald und sehen eine grosse, schräg abfallende Landwirtschaftsfläche und an ihrem oberen Ende zwei traditionelle Wirtschaftsbauten. Wir sind auf der Flur Ärdbrich angelangt.