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Wie schon der April und Mai war auch der Juni warm und trocken. Deshalb ging die rasante Schneeschmelze weiter und auch hohe Lagen aperten weitgehend aus. Lawinenbulletins wurden im Juni keine publiziert. Am 10.06. gab es in der Nordwand der Lenzspitze (VS) einen tödlichen Lawinenunfall.
Der Juni startete mit einer flachen Druckverteilung und dem damit verbundenen typischen Tagesgangwetter. Mit einer südlichen Anströmung gab es vor allem in den südlichen Alpengebieten Schauer und Gewitter im Tagesverlauf. Die Nullgrad- und auch die Schneefallgrenze lagen dabei im Hochgebirge, meistens über 3500 m (vgl. Abbildung 1). Nennenswerte Neuschneemengen wurden keine registriert.
Am Wochenende des 09./10.06. wurde es unter stärkerem Hochdruckeinfluss sonniger und sehr mild. Die Nullgradgrenze stieg dabei deutlich über 4000 m (vgl. Abbildung 1).
Über dem Jura und vom südlichen Oberwallis bis ins westliche Tessin fielen am Montag 30 bis 50 mm Regen mit einer Schneefallgrenze auf rund 3300 m. Nur an den hohen Gipfeln des südlichen Oberwallis‘ wurde etwas Schnee beobachtet.
In der Nacht von Montag auf Dienstag zogen im Westen kräftige Gewitter durch, die Lausanne eine Rekordmessung (41 mm Niederschlag in 10 min) bescherten. Die Gewitter trafen aber die Alpen nur marginal und hatten deshalb keinen nennenswerten Einfluss auf die Schnee- und Lawinensituation.
Tagsüber war es oft trüb und es fiel immer wieder Regen, oberhalb von 3000 m auch wenig Schnee.
In der Nacht auf Mittwoch zog eine Kaltfront über die Alpen. Tagsüber war es, abgesehen von wenig Sonne im südlichen Oberwallis und Tessin, trüb. In drei Tagen vom Montag bis Mittwoch fielen bis zu 60 mm Regen, bzw. 60 cm Schnee oberhalb von 3500 m. Die Kriterien für ein Sommer Lawinenbulletin wurden dabei nicht erreicht.
Die Monatsmitte war vom Einfluss des Azorenhochs geprägt und damit meist sonnig. Nur am Sonntag, 17.06. gab es am Alpennordhang einzelne Schauer. Die Temperaturen stiegen wieder an uns so lag die Nullgradgrenze vom Dienstag, 19.06. bis Donnerstag, 21.06. deutlich über 4000 m (vgl. Abbildung 1).
In der Nacht auf Freitag brachte eine schwache Kaltfront 5 bis 15 mm Niederschlag am zentralen und östlichen Alpennordhang sowie in Nordbünden. Die Schneefallgrenze sank dabei bis 2500 m, allerdings war der Boden in diesen Höhenlagen so warm, dass der Schnee schmolz. Tagsüber wurde es rasch wieder sonnig, blieb aber mit kräftigem Nordwind kühl.
Zum Monatsende gab es nochmals viel Sonne, vor allem im Westen und Süden. In Nordosten gab es teils mehr Bewölkung im Tagesverlauf. Auch war es im Nordosten mit einer Nullgradgrenze bei 3000 bis 3500 m etwas kühler als im Westen, wo die Nullgradgrenze oft über 4000 m lag.
Die rasante Abnahme der Schneehöhen vom Mai (Wochenbericht 1. Maihälfte, Wochenbericht 2. Maihälfte) setzte sich im Juni fort. Durch die milden Temperaturen (Bericht MeteoSchweiz) wurde einerseits die Schneeschmelze forciert, anderseits blieben grosse Niederschläge in Form von Schnee aus.
Auf dem SLF-Messfeld am Weissfluhjoch Davos (2536 m, GR) waren die 118 cm Schnee (Schneehöhe vom 01.06.) in 20 Tagen geschmolzen. Das Messfeld war am 21.06. ausgeapert, 18 Tage vor dem durchschnittlichen Ausaperungsdatum am 09.07. Die Abnahme der Schneehöhe im Frühjahr 2018 war ausserordentlich, so hatte es auf dem Weissfluhjoch noch nie ein Winterhalbjahr gegeben, in dem die maximale Schneehöhe grösser und das Ausaperungsdatum so früh gewesen war.
Gut zu sehen sind die neuen Schneehöhenmaxima im Januar, wo die Schneehöhe auf über 3 m anstieg. Dann ist die Abnahme der Schneehöhe markant: am 01.04. lagen noch 286 cm Schnee, am 21.06. war das Messfeld aper.
Dasselbe Bild dieser starken Schneehöhenreduktion, das am Beispiel vom SLF-Messfeld Weissfluhjoch exemplarisch gut dargestellt werden kann, zeigt sich auch an anderen Stationen und im Verlauf des Schneewasseräquivalents in allen Regionen der Schweiz (vgl. Abbildung 4).
Durch die hohen Temperaturen ging die Hauptgefahr von Nassschneelawinen aus. Insgesamt wurden dem SLF nur noch wenige Lawinen gemeldet, darunter waren aber einige Lawinenunfälle:
03.06., Gross Windgällen (UR): Nach der Durchsteigung der Nordwand wurde im Abstieg auf der Normalroute (Nordostflanke, ca. 3000 m) eine Person von einem Nassschneerutsch erfasst und über Felsbänder mitgerissen. Die Person wurde schwer verletzt, überlebte aber den Unfall.
10.06., Lenzspitze (VS): In der Abfahrt in der Nordostwand wurde ein Skifahrer von einer Schneebrettlawine erfasst und mitgerissen. Er starb durch den Absturz.
12.06., Grosser St. Bernhard (VS): Eine Nassschneelawine (ausgelöst durch starken Regen) verschüttete die Passstrasse, welche daraufhin gesperrt wurde.
20.06., Eiger (BE): Auf einem Wanderweg unterhalb der Eigernordwand wurde ein Wanderer von einer Nassschneelawine getroffen und dabei leicht verletzt.
Alle diese Unfälle ereigneten sich an heissen Tagen, wo die Nullgradgrenze über 4000 m lag oder starker Regen fiel.
Lawinenbulletins wurden im Juni keine publiziert. Im Sommer und im Herbst publiziert das SLF nur bei grossen Schneefällen Lawinenbulletins.
Auch wenn das SLF kein Lawinenbulletin publiziert, sollte die Lawinensituation auch im Sommer beachtet werden. Sie können sich via Push-Alert, SMS oder RSS-Feed über die Herausgabe eines Bulletins informieren lassen.