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Das heutige Wissen um Hygiene umfasst zunächst sehr unterschiedliche Richtungen und reicht von der individuellen Körperpflege über das grosse Themengebiet der Krankenhaushygiene bis hin zu Bereichen wie Lebensmittelsicherheit oder Umwelthygiene. Allen gemein ist das Bestreben, Krankheiten zu vermeiden und die Gesundheit zu erhalten und zu fördern.
Die Anfänge der Hygiene
Der Begriff Hygiene (abgeleitet von griech.: hygieinḗ = Gesundheit) geht zurück auf Hygieia, die griechische Göttin der Reinheit und Gesundheit. Erste Belege über diesen Zusammenhang finden sich bereits im vierten Jahrhundert vor Christus beim griechischen Gelehrten und Philosophen Aristoteles.
Der Arzt Galenos von Pergamon, einer der einflussreichsten Mediziner der Antike, befasste sich im zweiten Jahrhundert nach Christus systematischer damit und verfasste ein sechsbändiges Werk zum Thema. Er gilt bis heute als Pionier der Hygiene.
Die Hygiene durch die Jahrhunderte
Während der Zeit des Altertums fand die Versorgung erkrankter Menschen ausschliesslich in den eigenen vier Wänden statt. Es gab keine medizinischen Einrichtungen, sodass die Menschen Hilfe in der Religion suchten und die Tempel aufsuchten. Den grossen Epidemien dieser Zeit, darunter Pocken, Pest oder Lepra, hatten die Menschen nur wenig entgegenzusetzen. Sie nutzten saure Produkte wie Essig oder Wein, um ihre Wunden zu versorgen. Wer erkrankt war, wurde nach Möglichkeit von den Gesunden isoliert.
Das Römische Reich kannte bereits eine Vielzahl an Hygienemassnahmen, um Krankheiten zu vermeiden. So wurden Latrinen verwendet, anstatt sich im Freien zu entleeren. Badehäuser standen für die Körperpflege zur Verfügung und erste Systeme der Abwasserversorgung wurden etabliert. Die Medizin erkannte, dass kleinste Mikroorganismen Krankheiten verursachen und verstand, dass Quarantänemassnahmen dabei helfen, die Übertragung von Erregern zu minimieren.
Die Errungenschaften der Hygiene-Erkenntnisse verblassten während des Mittelalters immer mehr. Müll wurde nicht entsorgt, Tierkadaver verblieben auf den Strassen, Latrinen gab es für das einfache Volk nicht. Die Zeit der Seuchen brach an, und die Betroffenen wurden auf eigenen Seuchenstationen behandelt, sowie in den ersten Krankenhäusern, die damals gebaut wurden. Die wenigen Einrichtungen konnten jedoch das Übermass an Erkrankungen nicht auffangen. Krankheiten wie Typhus und Krätze grassierten in grossem Ausmass.
Während der Renaissance galt vielfach die Ansicht, Körperhygiene durch Waschen sei problematisch, weil verseuchtes Wasser eine Erkrankung erst recht vorantreiben könne. Spezielle Utensilien, die an kleine Löffel erinnern, dienten zum Abschaben grober Verunreinigungen. Der Körper wurde nicht mit Wasser, sondern mit trockenen Tüchern gereinigt und anschliessend gepudert. Die Krankheit Syphilis war auf dem Vormarsch.
Die Hygieneforschung
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden erstmals mithilfe eines sehr schlichten Mikroskops Bakterien sichtbar gemacht. Wenig später kamen weitere Mikroorganismen und Krankheitserreger hinzu. Die Mediziner erkannten, dass es Keime sind, die für die Entstehung vieler Krankheiten verantwortlich sind und sich dabei von Mensch zu Mensch übertragen.
Durch die Entwicklung der sogenannten Pasteurisierung entstand eine Methode zum Abtöten von Keimen durch Erhitzen. Der Begriff geht auf den Chemiker und Mikrobiologen Louis Pasteur zurück, der später für seine Impfstoffentwicklung berühmt wurde.
Der Chirurg und Geburtshelfer Ignaz Semmelweis stellte in Untersuchungen fest, dass mangelnde Krankenhaushygiene zu einer Häufung der Infektionskrankheit Kindbettfieber führte. Er war der erste Arzt, der wissenschaftlich fundiert die Bedeutung von Hygienemassnahmen belegen konnte und wurde wegweisend bei der Einführung der Händedesinfektion.
Seit dem 20. Jahrhundert fassten die zahlreichen Massnahmen der Hygiene immer mehr Fuss, sei es in Form von Desinfektion oder durch umsichtiges Waschen, Reinigen und Putzen. Die Errungenschaften der Hygiene haben sich in sämtlichen Bereichen des Lebens etabliert. Menschen reinigen ihren Wohnraum und ihre Gebrauchsutensilien, ihre Kleidung und natürlich sich selbst. Praxen und Kliniken haben Standards zur Hygiene entwickelt, wie auch sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens, die mit dem Reinigen von Flächen zu tun haben.
Hygienemassnahmen früher und heute
Die Geschichte zeigt auf, dass ein Vernachlässigen der Hygiene stets mit verheerenden Krankheiten einherging. Mit der Entwicklung der Körperpflege und dem zunehmenden Wissen über das Reinigen der öffentlichen und privaten Bereiche hat sich sowohl die Gesundheit der Menschen verbessert als auch ihre Lebenserwartung.
Während die besser betuchte Gesellschaft vergangener Jahrhunderte Baderituale und Salbungen in stundenlanger Zeremonie genoss, gilt dies heute in erster Linie als Wellnessprogramm. Körperpflege heute ist sowohl bequem als auch effizient. Speziell auf jeden Hautyp abgestimmte Substanzen sorgen unter der Dusche für Reinigung und Wohlbefinden gleichermassen. Während noch in den 1950er Jahren das wöchentliche Wannenbad in viele Haushalten üblich war, gilt den meisten heute die tägliche Dusche als Pflicht.
Auch im Wohnbereich haben sich die Bedingungen wesentlich verbessert. Der früher genutzte Teppichklopfer oder die Wurzelbürste zur Reinigung des Bodens sind Saugrobotern und porentief reinigenden Putzmitteln gewichen. Hygiene ist dank moderner Forschung einfach und vor allem bequem geworden.
**Inhaber aller Nutzungsrechte dieses Textes ist der Urheber Top Clean aus Binningen. **