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Zum ältesten Bestand der Basler Stadtbefestigung gehörte als ehrwürdiges Überbleibsel der Salzturm, der gemeinsam mit dem Rheintor auf römischen Fundamenten gestanden haben soll. Bis ins 19. Jahrhundert hinein erscheinen die beiden mächtigen Bauten denn auch als der eigentliche Mittelpunkt der bürgerlichen Stadt am linken Ufer. Doch sind sie beide keineswegs gleich alt. Während das Rheintor erst im Anschluss an den Bau der Rheinbrücke 1225 entstanden sein kann, reicht der Ursprung des Salzturms wohl ins 11. Jahrhundert zurück. Der Landeplatz an der Birsigmündung bedufte offenbar eines solchen festen Turms. Wuchtig überragte er die benachbarten Häuser; Einzelheiten wie das Pförtchen gegen den Rhein und die sparsamen Mauerschlitze in den mächtigen Quadern lassen die Zeichnungen von Matthäus Merian (1615) und Emanuel Büchel (um 1740) erkennen. Ein Aquarell von Achilles Bentz von 1810 gibt auch eine merkwürdige Verengung des obersten Geschosses deutlich wieder.
Von diesem Turm am Rheinufer aus besorgte wohl ein bischöflicher Ministerialer im Auftrag des Stadtherrn die Überwachung der Schifflände; möglicherweise ging aus diesem Amt jenes Geschlecht hervor, das im 12. Jahrhundert in Basel unter dem Namen "de Reno", "ad Renum", "ze Rin", "zu Rhein" auftaucht und im Basler Bistum zu den höchsten Würden emporstieg.
Woher der Name Salzturm kommt, ist leicht zu erklären. Schon im 13. Jahrhundert werden in Basel eine Salzgasse und ein Salzberg erwähnt; die erstere hiess später Schwanengasse nach dem dortigen Gasthof. An der Schifflände kam das für das tägliche Leben notwendige Salz mit Schiffen vom Niederrhein und von Schwaben an und wurde im Lagerhaus am Turm und bei den benachbarten Händlern verwahrt und verkauft.
Der Salzturm verlor an Bedeutung, als im Jahre 1225 die Rheinbrücke erbaut und der Fährbetrieb über den Strom eingestellt wurde. Zur Sicherung des neuen Stadtausgangs musste das Rheintor erbaut werden, das fortan die Wacht rechts der Birsigmündung übernahm. Bei einer Erneuerung des Tores 1363/64 entstand wohl der wuchtige Turm, der in seinem Umfang, nicht in der Höhe, den Salzturm übertraf. Obwohl nun fortan dieses bedeutsame Tor die Aufmerksamkeit der Bürger und der Reisenden immer mehr auf sich lenkte, weswegen es der Rat mit einigem Schmuck bedachte, vergass man daneben den Salzturm noch lange nicht. Im Jahre 1478, als man die Kapelle auf der Brücke erbaute, wurde auch der alte Turm an der Schifflände mit einem neuen Spitzhelm ausgestattet, und dessen Dach mit farbigen und gar vergoldeten Ziegeln versehen, so dass seine Spitze weit über den Strom funkelte. Schon im 14. Jahrhundert dienten einige seiner Räume zur Aufbewahrung wichtiger Archivalien, die hier wohl auch das Erdbeben überstanden. Im Jahre 1530 erhielt der Turm einen verzinnten Knopf, in den, wie das bis ins 20. Jahrhundert hinein üblich war, einige Schriftstücke gelegt wurden.
Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert wendeten Bürgerschaft und Rat dem Rheintor ihre ganz besondere Schmuckfreudigkeit zu. War die Aussenseite gegen die Brücke hin schon nach dem Erdbeben von 1356 mit einem Gemälde versehen worden, so bekam der Maler Hans Tieffental von Schlettstadt 1420 den Auftrag, ebenfalls an dieser Turmwand ein Reiterbild anzubringen. Diese Darstellung machte noch im 16. Jahrhundert grossen Eindruck, und mehrfach musste sie erneuert werden; der Stich von Matthäus Merian (1617) zeigt sie bereits nicht mehr am Torturm selber, sondern über dem nördlich davon sich öffnenden Bogen. Als erster der Tortürme Basels erhielt auch das Rheintor eine Uhr, deren Werk wohl von Sebastian Münster, dem grossen Astronomen und Kosmographen (1489-1552), angeregt wurde, und deren Zifferblätter kein Geringerer als Hans Holbein 1531 zu malen in Auftrag bekam. Nicht nur von der Rheinseite, sondern auch von der Eisengasse her konnten die Basler und Durchreisenden nun die Zeit ablesen. Am meisten schätzte das Volk ein drittes Kunstwerk, das zu Ende des 17. Jahrunderts am Rheintor angebracht wurde; es war dies der "Lällekönig", ein Kopf, der hoch oben am Äusseren des Torturms neben dem Ziffernblatt der Uhr, seit 1697 mit Hilfe eines von Meister Jakob Enderlin verfertigten Werks während vielen Jahrzehnten seine Zunge in rhythmischen Bewegungen nach Kleinbasel hinüber ausstreckte. Die Kleinbasler rächten sich dafür, indem sie auf ihrer Seite einen kräftigen, gebeugten Mann abbildeten, der, mit der Rückseite zum linken Ufer gewendet, seine Notdurft verrichtete (Mehr zum Rheintor finden Sie hier).
Die kurze Uferstrecke zwischen Salzturm und Rheintor war für Basel höchst bedeutsam; die Schifflände stellte das Zentrum des kaufmännischen Lebens im Mittelalter dar. Deshalb schlossen sich an beide Türme gegen die übermauerte Birsigmündung hin wichtige Bauten an, so an den Salzturm das schon genannte Salzhaus und neben dem Rheintor erhob sich ein weniger hoher Turm, der mit vier Eck-Erkern geschmückt und durch einen Torbogen mit dem Haupttorturm verbunden war. An diesen zweiten Turm schloss sich nordwärts das Gebäude der Schiffleutenzunft mit seinem als Warenlagen dienenden offenen Untergeschoss an. Daneben führte ein Törlein durch die Zinnenmauer nach dem Stadtinnern, ähnlich wie an der Nordostecke des Salzturms ein Torbogen den Zugang von der Gasse zu einem Stück freien Ufers vermittelte.
Dieser von Merian eingehend geschilderte Zustand wurde im 18. und 19. Jahrhundert mehrfach verändert. Im Jahre 1702 erhielt der Dreikönigswirt die Erlaubnis, seinen gut gehenden Gasthof bis zum Salzturm hin zu erweitern und die "Trämen" (d.h. die Balken) in die dicke Mauer des Turms einzulassen. Als nach 1825 die Dampfschiffe den Mittel- und Niederrhein zu befahren begannen, wirkte sich das rasch auch auf Basel aus. Schon 1827 wurde das Salhaus, in Erwartung des vermehrten Verkehrs, zu einem grossen Lagerhaus und die alte Schifflände zu einem sicheren Anlegeplatz ausgebaut. 1829 musste der Salzturm fallen, damit die Lagerräume nach dieser Seite hin erweitert werden konnten. Mit ihm verschwand der älteste und deutlichste Zeuge jener ersten Talstadtbefestigung, von der wir sonst nur wenige Spuren inmitten der Häusergevierte erkennen können.Quellen:
- Müller, C.A. 1956: 49ff.