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Hotel Ruhl
Anders als Henri Negresco mit seinem Unikat geht Henry Ruhl (1882-1955) als Gründer mehrerer Grandhotels in die Geschichte ein. Allerdings den weltweit bekannten Namen eines César Ritz erreicht er nicht. Wie Ritz wird auch Ruhl in der deutschsprachigen Schweiz geboren. Schon früh zieht er nach England, bereits mit 18 Jahren lässt er sich in Frankreich in Nizza nieder, wo er in Cimiez ein kleines Hotel betreibt.
Der gute Geschäftsgang und die finanzielle Unterstützung durch Grossfürst Michael von Russland, dem Bruder des letzten Zaren Nikolaus II., gestatten ihm schon bald, das Hotel des Anglais in Nizza und ein attraktives Grundstück an der Croisette in Cannes zu erwerben. In Cannes lässt er durch den Architekten Charles Delmas das Carlton Hôtel errichten, das 1912 eröffnen kann. Und in Nizza wird das Hotel des Anglais abgebrochen, um Platz für sein Hotel Ruhl zu machen. In der Folge erwirbt er noch mehrere Hotels in Frankreich, wobei er 1913 in Vichy ebenfalls ein Hotel Ruhl durch den Architekten Antoine Chanet erbauen lässt und seinen Bruder Frédéric als Direktor einsetzt.
Charles Dalmas
Architekt Charles Dalmas (1863-1938) stammt aus Nizza und seine Bautätigkeit findet vorwiegend an der Côte d’Azur statt. Bewundern kann man immer noch seinen Winter Palace in Cimiez, der allerdings in Appartements umgewandelt wurde und natürlich das dank des Filmfestivals weltbekannte Carlton in Cannes. In Nizza nun entwirft er für Henry Ruhl ein fünfstöckiges Gebäude mit Dachgeschoss und zwei Ecktürmen im neoklassizistischen Stil mit vielen barocken Elementen. Die Ähnlichkeit mit dem Carlton ist nicht zu übersehen.
Ausgestattet mit allen luxuriösen Annehmlichkeiten der Zeit verfügt der Palast über 350 Zimmer im Stil Louis XIV und Louis XVI sowie im schottischen Adamstil. Restaurant, American Bar, Galerie, Lobby und die Treppe für den grossen Auftritt sind selbstverständlich.
Bis zum Ersten Weltkrieg ist das Hotel Ruhl nur im Winter geöffnet. Im Krieg dient es ebenfalls als Lazarett. Ab 1924 wird der Tanztee eingeführt. In den 1960er Jahren fällt das Hotel Ruhl einer Zeit zum Opfer, als die Grandhotels aus der Belle Époque noch als wertlose alte Kästen galten. Es wird 1969 abgerissen, um Platz für ein Meridien zu machen, dessen Abscheulichkeit täglich an der Promenade des Anglais besichtigt werden kann.
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