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Bald kommt der Sommer, und wir freuen uns auf unsere Sommerferien. Aber seit wann gibt es eigentlich Ferien? Wie wurden sie eingeführt und wie haben sie sich im Laufe der Zeit entwickelt? Schauen wir, wie es in der Schweiz aussieht.
Ferien, wie wir sie heute kennen, gibt es in der Schweiz seit Ende des 19. Jahrhunderts. Zunächst waren sie auf einige Tage beschränkt und standen nur den Beamten und später den Angestellten zu, bevor sie nach und nach auch für die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Industrie eingeführt wurden, die in dieser Beziehung allzu lange benachteiligt waren, worüber sich die Solidarité Horlogère im August 1901 empörte. Die Bieler Zeitung fragte: «Wann wird diese hygienische und leider noch ausnahmsweise stattfindende Massregel [der Urlaub] allgemeines Gewohnheitsrecht für alle Arbeiter?» Die Gewerkschaftszeitung unterstrich aber auch «mit Genugthuung», dass «einige vernünftige Meister» ihren Angestellten ein paar Tage «wahre Ferien», also bezahlten Urlaub, gönnten.
Von der löblichen Ausnahme zum Mindestanspruch
Der Urlaub hing also zuerst vom guten Willen der Arbeitgeber ab und wurde in den verschiedenen Branchen erst später durch Gesamtarbeitsverträge und kantonale Gesetzgebungen der Nachkriegszeit zur Vorschrift. Das Recht auf bezahlten Urlaub wurde auf Bundesebene 1966 im Rahmen des Arbeitsgesetzes eingeführt, das zwei Wochen Urlaub vorsah. Die Anzahl Wochen nahm laufend zu und wurde 1984 auf vier (fünf bis zum Alter von 20 Jahren) festgelegt (Obligationenrecht Art. 329a). In der Praxis sehen Anstellungs- und Gesamtarbeitsverträge oft mehr als diesen Mindestanspruch vor.
Freizeit und Tourismus
Gleichzeitig zur Verbesserung der Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter entwickelte sich im Europa des Nachkriegsbooms auch der Tourismus stark weiter. Dank einem höheren Lebensstandard und der Reduktion der Arbeitszeit wurden Ferienreisen für die breite Bevölkerung erschwinglich, nachdem sie zuvor den wohlhabenden Schichten vorbehalten waren. Das Aufkommen des Privatautos und die Verbesserung der Verkehrswege (Autobahnen, Zugstrecken und Fluglinien) trugen ihren Teil zu dieser Entwicklung bei und erweiterten den Radius der Destinationen, namentlich im Ausland.
Trotz oftmals billigerer internationaler Konkurrenz konnte die Schweiz mithalten. Sie ist heute nicht nur eine beliebte Destination für ausländische Touristinnen und Touristen, sondern auch ein beliebter Ferienort der einheimischen Bevölkerung, wie die Beherbergungszahlen zeigen: Schweizerinnen und Schweizer machten 2019 45,3 Prozent der Übernachtungen aus, 1999 waren es 52,9 Prozent.
Verhinderte Entwicklungen
Linke und Gewerkschaften versuchten zweimal, den Mindestanspruch auf Ferien zu erhöhen. 1985 wurde die Initiative für fünf Wochen Ferien ab 40 Jahren in der Volksabstimmung abgelehnt. Das jurassische Komitee gegen die Ferieninitiative hielt in der Zeitung Le Franc-Montagnard fest, dass eine Annahme der Gesetzesänderung den Gesamtarbeitsverträgen und ihren Bestimmungen schaden würde. Das Komitee sprach sich für den Status quo mit vier Wochen Ferien aus, «mit dem alle zufrieden zu sein schienen».
2012 wurde die Initiative für sechs Wochen Ferien vom Stimmvolk ebenfalls mit 66,5 Prozent Nein-Stimmen verworfen. Die Argumente des Initiativkomitees für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und für eine bessere Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vermochten nicht zu überzeugen. Die kleinen und mittleren Unternehmen, die in der Schweiz die Mehrheit ausmachen, befürchteten bei solchen Verbesserungen unzumutbare Kosten und entschieden die Abstimmung für sich.
Immer noch zu kurz!
Trotz einer ständigen Weiterentwicklung des Arbeitsmarktes mit mehr Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit und vielseitigeren Arbeitsformen (Jahresarbeitszeit, Homeoffice ...) gilt die Feststellung noch immer: Die Ferien sind immer viel zu schnell vorbei. Wird dieses Gefühl genügen, um bei einer nächsten Abstimmung den Ausschlag zur Annahme zu geben? Die Zukunft wird es zeigen.
Literatur und Quellen
Letzte Änderung 13.06.2022