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Geschichte
Das Buch "Oberlunkhofen im Wandel der Zeit" von Pfr. Walter Bürgisser wurde 1993 aufgelegt und kann zum Preis von Fr. 30.00 bei der Gemeindekanzlei bestellt werden (siehe auch Onlineschalter)
Eisenzeit
Die Gegend von Oberlunkhofen war schon in der ersten Eisenzeit (Hallstattzeit, etwa 850 v. Chr.) besiedelt. Das bewiesen die Ausgrabungen im Bärhau östlich von Unterlunkhofen. Dort befindet sich eine eigentliche Totenstadt. Gemäss einem Plan des Schweizerischen Landesmuseums gab es 63 Grabhügel. Von 1865 bis 1900 wurden die meisten untersucht. Man fand Ringe, Scherben, Schüsseln, Schalen, Töpfe, Knochenreste - jedoch fast keine Waffen.
Römerzeit
Auch die Römer schätzten die Westabhänge des Hasenberges und seiner Ausläufer Sie errichteten mehrere Landhäuser Ein wertvoller Fund aus der Römerzeit ist zum Beispiel ein prächtiger Mosaikboden von Unterlunkhofen, der heute im Landvogteischloss in Baden ausgestellt ist. Eine römische Villa stand im Schalchmatthau in Oberlunkhofen. Bei der ersten Ausgrabung im Jahr 1898 fand man eine Anlage von 40 m Länge und 26 m Breite mit 26 Räumen. Sie war vom 1. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr bewohnt. Plan und Grabungsbericht liegen im Landesmuseum in Zürich.
Restaurierung der Römervilla
In den folgenden Jahrzehnten wuchs Wald über die Anlage. 1953 führte A. Schaffner von Urdorf auf eigene Kosten eine grössere Ausgrabung durch. Der östliche Risalit (Eckbau) wurde freigelegt, wobei mehr als eine Bauperiode festgestellt werden konnte. Da nichts konserviert wurde, blieb die Anlage in den folgenden Jahren der Verwitterung ausgesetzt. Einzelne Teile des Hypokaustums wurden sogar von Privaten weggenommen.
Erfreulicherweise beschloss der Gemeinderat im Jahre 1978 eine beschränkte Freilegung der Ruine. An der Finanzierung beteiligten sich neben der Gemeinde die Genossenschaft für kulturelle Bauten und die Kantonsarchäologie. Unter deren Leitung arbeiteten mehrmals Kantonsschüler im Schalchmatthau. Grosse Funde konnten nicht gemacht werden. Doch wurden die Mauerreste diesmal konserviert. Am 4. Juli 1981 wurde die Villa in einer schlichten Feier der Gemeinde übergeben.
Im Herbst 2010 wurde die Anlage durch die Kantonsarchäologie im Rahmen eines Betriebsanlasses von einem 25-köpfigen Team restauriert. Die Ortsbürgergemeinde finanzierte die neue Einzäunung und die Informationstafel.
Kelnhof unter Murbach-Luzern
Kelnhof Nach der Besitznahme unserer Gegend durch die Alemannen begegnen wir dem Namen «Lunchunft» erstmals ums Jahr 840. Doch muss der Hof zu Lunkhofen schon viel früher bestanden haben. Eine Traditionsurkunde im Staatsarchiv in Luzern erzählt von einem Priester Wikard, der in Luzern ein Kloster gründete und ihm seinen Grundbesitz westlich des Albis, das spätere Knonaueramt mit dem Hof Lunkhofen, schenkte. Der berühmte Historiker von Segesser ist der Ansicht, dass diese Schenkung zusammen mit der Gründung Luzerns am Ende des 7. Jahrhunderts erfolgte. Luzern kam dann aber durch König Pipin, den Vater Karls des Grossen, an die Abtei Murbach im Elsass (zirka 758) und war von da an eine von Murbach abhängige Probstei.
In der ganzen Schweiz gab es 16 luzernisch-murbachische Höfe, wovon vier im Aargau: Elfin gen, Holderbank, LunkhoJen und Rein. Der Hof zu Lunkhofen umfasste die heutigen Gemeinden Ober- und Unterlunkhofen, Jonen, Arni und Islisberg. Das Haus der Familie Franz Frei und der heutige Gasthof Rössli gehörten zum ehemaligen Kelnhof.
Lunkhofen unter den Habsburgern
1259 bekamen die Grafen von Habsburg den Kelnhof als Lehen. 1291 verkaufte der Abt von Murbach, Berchthold von Falkenstein, Luzern und den Kelnhof für 2000 Mark Silber und 5 Dörfer im Elsass an Rudolf von Habsburg Diese Erwerbung durch das Haus Habsburg war eine Mitursache, dass die drei Urkantone unmittelbar darauf den ewigen Bund schlossen. Sie wollten sich der immer näher rückenden Einkreisung durch Osterreich erwehren.
Zur Verwaltung teilten die Habsburger den Kelnhof zuerst dem Freiamt (Knonaueramt) zu. Zwanzig Jahre später bekam er den Charakter eines Amtes: Kelleramt. Zwei Verwaltungsbeamte standen im Vordergrund: Kelner und Meier Die Verwaltungstätigkeit des Meiers beschränkte sich auf den Einzug gewisser Zinsen und Zehnten. Mit dem Kelner zusammen sass er in Oberlunkhofen zu Gericht. Vielleicht hatten die Meier ihren Sitz auf der Burg in der Mühlegg. Diese Burg gilt als Stammsitz eines früh nach Zürich ausgewanderten Rittergeschlechts, der Herren von Lunkhofen. Für die Entwicklung der vier Kelleramtsdörfer war das Recht, über die Wald- und Allmendnutzung selbst zu bestimmen, von besonderer Bedeutung. Durch die Einräumung dieses Rechts war der erste Schritt zur Unabhängigkeit getan.
Die Habsburger brauchten Geld. Im Jahre 1376 verpfändete Herzog Leopold den Kelnhof an seinen Hofmeister Götz Mülner von Zürich. Die Erben Mülners verpfändeten weiter. Bis zum Jahre 1414 konnte die Stadt Bremgarten alle Rechte in Lunkhofen ausser der hohen Gerichtsbarkeit erwerben. Im Sempacherkrieg war das Kloster Muri von den Eidgenossen durch Brand schwer geschädigt worden. Die Habsburger, die Gründer und Schirmherren von Muri, wollten dem Kloster helfen. 1406 wurde Lunkhofen eine Kollatur des Klosters Muri und blieb es bis zu dessen Aufhebung im Jahre 1841. Aus jener Zeit stammen die Marksteine mit den Buchstaben K und M.
Lunkhofen nach der Eroberung des Aargaus
Gerichts-Fertigungsbuch 1415 hörte die Herrschaft Österreichs auf. Die Eidgenossen eroberten den Aargau. Zürich nahm alle Gebiete bis an die Reuss in Besitz, also auch das Kelleramt. Kaiser Sigismund gab der Stadt Zürich das Recht, alles Verpfändete wieder einzulösen. Bremgarten durfte die niedere Gerichtsbarkeit über das Kelleramt behalten. Zwischen den Städten Zürich und Bremgarten gab es in der Folge oft Uneinigkeit, bis die Kompetenzen 1527 in einem Vertrag geregelt wurden.
Neue Auseinandersetzungen zwischen Bremgarten und Zürich gab es dann im 16. Jahrhundert. Bremgarten verteidigte seine Rechte und konnte die niedere Gerichtsbarkeit behalten. Ob man 1797 in Bremgarten wohl ahnte, welche Umwälzungen bevorstanden? In jenem Jahr nämlich verkaufte die Stadt Bremgarten den Kelnhof mit allen Nutzungen den vier Gemeinden, die bald nachher den ganzen Hof zerstückelten. Während der Helvetik kam Lunkhofen zum Kanton Baden und 1803 endgültig zum neugegründeten Kanton Aargau, obwohl die Kellerämter Gemeinden einen Anschluss an Zug oder Zürich vorgezogen hätten.