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Vor rund einem Jahr wurde der Verein für Medienvielfalt gegründet. Dies als Reaktion auf den Aufbau eines Lokalzeitungsimperium durch Christoph Blocher. Wenn ein wesentlicher Teil der Medien durch einen einzigen Besitzer geprät wird, bedeutet das ein Abbau der Medienvielfalt. Bei der Übernahme der Zeitungen im August 2017 wurde durch die neuen Herausgeber bestritten, dass die Zeitungen nun klar durch die politische Haltung der rechtskonservativen SVP geprägt würden.
Daher haben wir eine der wichtigsten dieser Zeitungen, die Winterthurer Zeitung, über einen längeren Zeitraum vor und nach der Übernahme sorgfältig analysiert. Das Fazit ist eindeutig: Die früher zwar bürgerliche orientierte Zeitung, die aber trotzdem weitgehend unpolitische oder politisch neutrale Beiträge veröffentlichte, ist inzwischen stark durch die SVP geprägt.
Zur Medienmitteilung vom 22. Januar 2019
Die Ergebnisse
Die «Winterthurer Zeitung» wurde deutlich politischer ausgerichtet: von März bis August 2017 waren rund 92 Prozent der redaktionellen Artikel unpolitisch oder politisch neutral. Zwischen dem 1. September 2017 und dem 31. Dezember 2018 waren nur noch 47 Prozent der Beiträge unpolitisch oder politisch neutral.
Die SVP konnte in der «Winterthurer Zeitung» eine starke Präsenz aufbauen: wurde sie im halben Jahr vor der Übernahme der Zeitung lediglich in 4 Prozent der Artikel erwähnt, liegt dieser Anteil zwischen September 2017 und Dezember 2018 bei 30 Prozent, wobei die SVP kurz vor den Stadt- und Gemeinderatswahlen in Winterthur vom 8. März 2018 mit 62 Prozent Anteil den Spitzenwert erreichte. Im Dezember 2018 lag der Anteil der SVP bei 56 Prozent.
Zusätzlich verstärkt wird dieses Bild, wenn man die Anteile der bürgerlichen «Allianz für Winterthur» gesamthaft betrachtet und auch die durch den Hauseigentümer-Verband (HEV) und die KMU-Vereinigung dominierten politischen Beiträge mit einbezieht: seit der Übernahme sind SVP, FDP, CVP und HEV/KMU in 50 Prozent der Beiträge präsent, während die Parteien von Mitte bis Links (EVP, Grüne, SP und AL) lediglich auf 11 Prozent kommen. Die glp ist in rund 3 Prozent der Beiträge präsent.
Klarere Ausrichtung vor den Wahlen
Bereits im August 2017 schrieb der Landbote: «Die Berichterstattung vor den kommenden Gesamterneuerungswahlen im März 2018 wird zeigen, wie sich Bollmann und Blocher den neuen Journalismus in Winterthur vorstellen». Die vorliegende Auswertung zeigt eine besonders deutliche politische Ausrichtung im Februar 2018, also genau vor diesen Wahlen: im genannten Monat erzielte nicht nur die SVP einen absoluten Spitzenwert von 62 Prozent, sondern auch die FDP und die CVP erreichten mit je 23 Prozent ihre Spitzenwerte, während SP, GP und EVP auf keine einzige Erwähnung kamen.
Dass während des Sommerlochs 2018 auch die SVP in keinem der relevanten redaktionellen Artikel erwähnt wurde, wird die Partei kaum weiter stören. Wichtiger für sie ist die Tatsache, dass gegen Ende 2018 parallel zum beginnenden Wahlkampf im Hinblick auf die kantonalen Wahlen im Frühjahr 2019 ihr Anteil wieder angestiegen ist und im letzten Dezember mit 56 Prozent den zweithöchsten Wert überhaupt erreicht hat.
Wir haben den Verein für Medienvielfalt gegründet, um gegen diese Entwicklung anzukämpfen. Mit verschiedenen Aktionen, Veranstaltungen und Kampagnen. Unsere erste Kampagnen richtete sich an Winterthurerinnen und Winterthurer: für Sie haben wir diesen Kleber her.gestellt.
Diese Aktion werden wir nun nochmals ausbauen. Beteiligen auch Sie sich an dieser Aktion: Gerne stellen wir Ihnen Kleber und Flyer in der gewünschten Anzahl zum verteilen zu.
Falls Sie unser Anliegen unterstützen, freuen wir uns, wenn Sie uns mit einem Testimonial unterstützen, oder auch einfach mit Ihrem Namen für Medienvielfalt einstehen. Vielleicht möchten Sie sogar Mitglied werden? Wir freuen uns über jede Unterstützung. Melden Sie sich doch einfach unter Kontakt oder per E-Mail bei <email-pii>
Verein für Medienvielfalt
Heinz Bonfadelli
Hermann Dammann
Matthias Erzinger
Jode Vogel