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Die helvetische Republik kommt aus Aarau
Im April 2023 vor 225 Jahren entstand hier in Aarau die erste moderne Demokratie der Schweiz. Das kleine Städtchen mit ihren damals 2400 Bewohnenden setzte sich an der Abstimmung zur Wahl der Hauptstadt gegen Zürich, Luzern, Freiburg, Solothurn und vor allem gegen Bern durch. Was uns heute wohl im Vergleich mit der Grösse und des Einflusses von Bern oder Zürich unwahrscheinlich scheinen mag, hatte damals triftige Gründe:
Im früheren Verkehrsnetz lag Aarau äusserst zentral, man konnte es von der ganzen Schweiz her gut erreichen. Das Städtchen galt als sicherer und revolutionärer Ort, der protestantisch war und bekanntlich keine Oligarchen beherbergte. Das Gefühl von Sicherheit und Sympathie, das Aarau damals schon vertrat, lag an den Bürgerinnen und Bürgern. Diese Revolutionären waren nämlich keine Rebellierenden, die für Krawalle und Aufstände sorgten, sondern Liberale, die die Ideale der Aufklärung als Patrioten vertraten. Der damalige Senatspräsident Peter Ochs meinte: «Die neue Regierung braucht Zentralität und einige Wahrscheinlichkeit von innerer Sicherheit» und genau damit punktete Aarau. So gewann das Städtchen die Abstimmung und wurde 1798 als vorläufige Hauptstadt der Helvetik erklärt. Bern verlor das knappe Kopf-an-Kopf-Rennen, denn es galt als die konservative und Aarau als liberale Komponente der Schweiz.
In Aarau zentrierte sich folglich die Helvetik als erster gesamtschweizerischer Einheitsstaat und dauerte von 1798 bis 1803 an. Im Aarauer Rathaus tagte am 12. April vor 225 Jahren das schweizerische Parlament zum allerersten Mal in der Geschichte. Als erstes Bundeshaus wurde das Haus zum Schlossgarten umfunktioniert. Dieses entstand aus einem ehemaligen Gartenhaus und musste erstmal umgebaut werden. Im Jahr 1780 wurde es also zum Geschäftshaus, indem seitliche Räume angebaut worden sind und das Mauerwerk aufwändig mit Muschelkalkverkleidung aufgewertet worden ist. Die Räume wurden mit grossen Spiegeln, prunkvollen Kronleuchtern, farbigen Tapeten und schweren Samtvorhängen geschmückt, damit diese den Abgeordneten der Schweiz würdig sind. Die Zeit, die Aarau als Hauptstadt der helvetischen Republik genoss, währte allerdings nur bis im September 1798. Aarau konnte noch so symphytisch sein, wurde aber deshalb räumlich auch nicht grösser. Als politisches Zentrum der Schweiz mit vielen neuen Angestellten der Regierung müssten auch die Familien der helvetischen Beamten und Räte nach Aarau nachziehen können. Weil aber der Bau der noblen Unterkünfte wegen Geldknappheit länger als eingeplant dauern würde, begann man zu zweifeln, ob sich Aarau längerfristig als Hauptstadt eignete. An der Nordseite der Laurenzenvorstadt wurde der Bau der Unterkünfte angesetzt. Dies wurde aber nie fertiggestellt und blieb somit als einziges verwirklichtes Stück der Unterkünfte übrig. Dazu kam, dass man die Mietzinsen der bestehenden Aarauer Wohnungen kontrollieren musste, damit Vermietende keinen Profit aus dem Zuzug der noblen Bevölkerung schlagen konnten und somit die missliche Situation der Raumknappheit ausnutzten. Zudem gab es in Aarau kein Nachtleben. Dies gab den Anstoss zum Bau des Kasinos an der damaligen Antönistrasse. Heute steht dort anstelle des Kasinos das Bezirksgericht (oder vielleicht schon bald ein Hotel) und die Strasse wurde in Kasinostrasse umbenannt.
Erst seit 2019 gilt der 12. April als Feiertag im Kanton Aargau. An diesem Tag im Jahr 1798 wurde aus dem schönen Städtchen Aarau die Hauptstadt der neu gegründeten Helvetischen Republik. Dies soll von nun an jährlich in grün-rot-gelb und mit viel Sympathie gefeiert werden.