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Depression gilt als schwere psychische Störung, die weltweit Gesundheitssysteme herausfordert, da die Erfolgsrate aller etablierten Behandlungsmöglichkeiten limitiert ist. Umso wichtiger wird die wissenschaftliche Überprüfung der Wirksamkeit von Methoden. In einer wissenschaftlichen deutsch-holländischen Studie wurde die Effektivität der EMDR-Therapie in der Behandlung überprüft und mit einer Kontrollgruppe verglichen. Mit einem überzeugenden Ergebnis.
Die WHO (2012) hat Depression als eine der häufigsten Diagnosen in der Welt bezeichnet, von der weltweit mindestens 350 Millionen Menschen betroffen sind. Jährlich begehen davon schätzungsweise 1 Million Menschen tragischerweise Suizid[1], die keinen anderen Ausweg sehen.
Weltweit werden zahlreiche Studien durchgeführt, welche die Wirksamkeit der Therapie-Methoden zu belegen versuchen. In der vorliegenden deutsch-holländischen Studie[2] (2015) wurde die Wirksamkeit der EMDR-Therapie in der Behandlung von Depression überprüft. Es folgen zusammengefasst die Ergebnisse der Studie. Die gesamte Studie kann öffentlich eingesehen werden.
Das Ergebnis der EMDR-Studie
Das Ergebnis der Studie zeigt, dass 68 % der Patienten in der EMDR Gruppe eine vollständige Genesung der Depression am Ende der Behandlung aufwiesen. Die Patienten der Gruppe zeigten gleichzeitig eine signifikant höhere Reduktion der depressiven Symptome als mit der Vergleichsgruppe gewöhnlicher Behandlung. Was die Studie auch zeigt, ist, dass interessanterweise die Anzahl der Therapiesitzungen direkt mit einer Reduktion der Symptome in Verbindung steht.
12 bis 16 Monate nach Abschluss der Therapie wurden Patienten aus beiden Gruppen nachgefasst und überprüft. Die Evaluation konnte mit 69 % der Patienten aus der Studiengruppe und 56 % aus der Kontrollgruppe durchgeführt werden. Folgende Zahlen aus der Studie.
Absenzen
81% der Patienten aus der Studiengruppe hatten keine arbeitsrelevanten Absenzen mehr. In der Kontrollgruppe waren dies 11%.
Antidepressiva
In der Kontrollgruppe nahmen doppelt so viele Patient als in der Studiengruppe weiterhin Antidepressiva.
In der Studie konnten keine gegenteiligen Effekte auf die EMDR-Vorgehensweisen beobachtet werden. Das zeigt, dass die EMDR-Therapie von Patienten gut angenommen wird.
Wie funktioniert EMDR
Das von Francine Shapiro entwickelte Modell (AIP-Modell) beruht auf einem Modell der Informationsverarbeitung, das Erkenntnisse der Neurophysiologie miteinbezieht.[3] Es geht davon aus, dass dysfunktional gespeicherte Informationen die Ursache von psychischen Störungen sind. Auch geht es davon aus, dass das Gehirn im Normalfall belastende Erfahrungen gut verarbeiten kann.
Grundlage bietet die Hypothese, dass in nächtlichen REM-Schlaf-Prozessen dramatische Erlebnisse verarbeitet werden. Rund zwei Drittel aller Personen, die ein einzelnes leichtes bis mittelschweres Trauma erleiden, können diese Erinnerungen spontan und ohne therapeutische Hilfe verarbeiten.[4]
Die EMDR-Therapie gilt als ein wissenschaftlich anerkanntes psychotherapeutisches Behandlungsverfahren für PTSD, worin schätzungsweise bereits weltweit an die 80’000 Kliniker ausgebildet sind.
Es ist eine weitgehend anerkannte und empirisch unterstützte Behandlungsform für PTSD[5]. Gemäß dem WHO Regelwerk (2013) sind traumafokussiertes CBT und EMDR die einzigen empfohlenen psychotherapeutischen Behandlungsformen für Menschen mit PTSD.
Schlussfolgerung
EMDR gilt nach wie vor als die defacto Behandlungsmethode bei PTSD. Durch die systematische und stark prozessorientierte Vorgehensweise ist es möglich, traumatische Erinnerungen zu desensibilisieren und zu integrieren.
Die Studie zeigt, dass EMDR auch bei Depressionen erfolgreich eingesetzt werden kann. Voraussetzung ist eine fundierte Ausbildung mit Erfahrungs-Komponenten, damit die Methode erfolgreich mit Patienten eingesetzt werden kann. Es bleibt zu wünschen, dass künftig weitere wissenschaftliche Studien diese und weitere psychotherapeutische Methoden auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen.
Die belegbare Überprüfung von Wirksamkeit und Funktion ermöglicht Therapeuten und Coaches Methoden anzuwenden, die nicht nur auf Hörensagen und persönlichen Einschätzung beruhen.
[1] Murray, Lopez, 1996; Greden 2001
[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4467776/
[3] Hofmann 2004
[4] Stickgold et al. 2001
[5] Bisson, Andew, 2007
Fachartikelbewertung:
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