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«Nichts ist schön genug für die Armen Christi. Sie erhalten hohe Betten, wie sie sonst nur die Reichen haben.»
Stiftungsurkunde Hôtel Dieu Beaune
Angesichts des grossen Elends, das im Burgund nach dem Hundertjährigen Krieg Mitte des 15. Jahrhunderts herrschte, stifteten der vermögende Kanzler Nicolas Rolin und seine Ehefrau Guigone de Salins das Hôtel Dieu von Beaune. Hier sollten fortan Arme und Kranke fürsorgliche Betreuung finden.
Ein Palast für die Armen
Das 1443 errichtete Hôtel Dieu unterschied sich von anderen Einrichtungen insofern, als in Beaune ein Herrschaftshaus für Arme entstand. «Nichts ist schön genug für die Armen Christi», war Nicolas Rolin überzeugt. Die Gebäude wurden um einen herrlichen Innenhof angeordnet mit einem Ziehbrunnen im Mittelpunkt. Das Herz des Hospitals bildete der Ehrensaal, der Lebensraum und Kirche in einem war.
Die ersten Schwestern wurden aus dem belgischen Flandern ans neue Hospital berufen. Sie gehörten der Armutsbewegung an, die im Norden Europas als Gegengewicht zur verweltlichten Kirche entstanden war. Ihr Anliegen war die Rückbesinnung auf das Evangelium und das Leben der Urkirche. Für die neu entstehende Schwestern-Gemeinschaft verfasste das Ehepaar Rolin eine eigene Satzung, die von Papst Pius II. am 12. Januar 1460 approbiert wurde. Grosszügigkeit und Herzenswärme stehen an erster Stelle. Zudem legte die Satzung Wert auf die Eigenständigkeit der einzelnen Person.
Die Reise von Beaune, über Besançon bis nach Luzern
1667 wurden die ersten Beauner-Schwestern von der Stadtverwaltung ans Hôpital St. Jacques in Besançon gerufen. Von hier aus entstanden in späteren Jahren Zweigniederlassungen in Frankreich und der Schweiz. Als der Stadtrat von Luzern die Generalleitung von Besançon um Schwestern für die Pflege im Bürgerspital Luzern ersuchte, liessen sich die ersten fünf Schwestern in Luzern nieder.
Die lange Ära der Spitalschwestern am Kantonsspital Luzern
1902 übernahm die inzwischen grösser gewordene Gemeinschaft die Pflege und Betreuung im neuen Kantonsspital. Damals nahmen die Schwestern verschiedene Dienste wahr. Sie waren Krankenschwestern, Röntgenassistentinnen, arbeiteten im Labor, waren für die Haupt- und Diätküche verantwortlich und für den Einkauf. In den Anfängen wohnten die Schwestern noch auf der Station und waren Tag und Nacht erreichbar. Erst 1930 zogen sie in das vom Kanton errichtete Schwesternhaus ein. In weiser Voraussicht der Fortschritte in der Medizin, gründeten die Schwestern 1937 eine Krankenpflegeschule zur Ausbildung der eigenen Schwestern. Von Anfang an wurden weitere junge Frauen aufgenommen. Die Schule wuchs rasch und diplomierte jährlich rund 50 Frauen und Männer. 1998 wurde sie vom Kanton übernommen. 2010 ging die 180-jährige Ära mit der Pensionierung der letzten Spitalschwester am Kantonsspital Luzern zu Ende.
Rückbesinnung auf die Quellen von Beaune
Mit dem zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965), das alle religiösen Gemeinschaften aufforderte, sich auf die Wurzeln und die Absichten ihrer Gründer zurückzubesinnen, begannen auch wir nach unserem Ursprung zu fragen. Die Erkenntnis, mit welcher Ehrfurcht das Gründerehepaar von Beaune den Menschen und insbesondere den Armen begegnete, hat uns tief bewegt. Dem Ehepaar Rolin ging es um die Menschwerdung jeder einzelnen Person. Nicht Uniformität und klösterliche Bräuche sind gefordert, sondern das gelebte Zeugnis der barmherzigen und befreienden Botschaft Jesu.
1977 haben wir uns entschieden, uns vom Mutterhaus in Besançon abzulösen und uns wieder von unserem Ursprung in Beaune inspirieren zu lassen. Die Rückkehr zu den Quellen, zur evangelischen Gastfreundschaft und einer eucharistischen Lebenspraxis erleben wir in unserer Zeit als sehr aktuell. Der weltweite Globalisierungsprozess drängt viele Menschen an den Rand, in die Armut. Immer mehr werden der Technik, dem Geld und der Macht geopfert. Kranke und Betagte erfahren, dass sie eine Belastung sind.
Selber alt geworden, gehen wir mit engagierten Menschen und gemeinsam mit Benachteiligten ein Stück Weg: mit Betagten im Elisabethenheim, in Betreuung und Pflege, in der Begleitung von Sinn suchenden Menschen, in der Pfarrei, im Begegnungsort Stutzegg, in der Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen. Unsere betagten Mitschwestern betrachten es als ihr besonderes Apostolat, für die Menschen und die grossen Anliegen unserer Welt zu beten.
Spitalschwestern-Gemeinschaft von Luzern I Brambergstrasse 4a I 6004 Luzern I T 041 560 74 74 I <email-pii>