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|Abt Konrad von Bussnang (1226-1239)

Abt Konrad von Bussnang
Konrad von Bussnang, 1226-1239. Konrad entstammte der mächtigen thurgauischen Adelsfamilie von Bussnang. In den Jahren 1221 und 1222 ist er als Propst urkundlich belegt. Um eine Einmischung des Dienstadels zu vermeiden, schritt der Konvent sofort, nachdem in St. Gallen die Nachricht vom Tode Abt Rudolfs eintraf, am 10.10.1226 zur Wahl und erkor Konrad, einen noch jungen Mann, zum Abt. Er ließ seine Wahl durch König Heinrich VII. in Überlingen bestätigen und erwarb um 600 Mark das Pfandrecht über die Vogtei des Klosters, um deren teilweisen Verkauf an Graf Hartmann von Kyburg zu verhindern. Zur Tilgung der hinterlassenen Schulden Rudolfs von Güttingen bewilligte eine Versammlung aller Klosterangehörigen eine Extrasteuer, die genügend einbrachte, daß mit den Gläubigern, einem Konsortium von italienischen Kaufleuten, am 25.5.1230 in Bologna eine Regelung ihrer Forderungen ausgehandelt werden konnte. Konrad profilierte sich als Anhänger der staufischen Herrscher und wurde nach 1228 einer der wichtigsten Ratgeber König Heinrichs VII., der ihm als Dank am 18.8.1229 einen Hof bei Krießern schenkte. Doch als sich der König 1235 gegen Friedrich II. erhob, stellte sich Konrad auf die Seite des Kaisers, der ihm diese Parteinahme in der Toggenburger Frage lohnte. Der Abt hatte nämlich 1226 Friedrich von Toggenburg, der von seinem Bruder Graf Diethelm II. getötet worden war, in St. Gallen begraben lassen und hatte darauf von dessen Eltern die Toggenburg und die Stadt Wil testamentarisch vergabt erhalten. Er gelangte aber nicht kampflos in diesen Besitz. 1227, 1232 und 1235 setzte sich Graf Diethelm II. mit Waffengewalt gegen diese Schmälerung seines Erbes zur Wehr, doch auf dem Hofgericht in Hagenau im Februar 1236 wurde der jahrelange Streit mit Billigung Friedrichs II. zugunsten des Abtes entschieden und beendet. Sein Hofdienst und seine zahlreichen kriegerischen Unternehmungen, wofür er ein kleines stehendes Heer unterhielt, erforderten große Geldsummen, die er seinen Untertanen abverlangte. Als sich unzufriedene Bürger St. Gallens mit den Appenzellern in einer Einung verbinden wollten, ließ er die Häuser von fünfzehn Bürgern niederreißen und zerschlug so diese Opposition. Obwohl er viel Geld brauchte, hinterließ er keine Schulden, sondern hatte es verstanden, den Klosterbesitz zu erweitern. Für geistliche Wirksamkeit hatte er wenig Sinn, so hat er Visitationen seines Klosters mit einem Geschenk von 200 Mark an die Kurie in Rom zu verhindern gewußt. Am 5.5.1234 bestätigte ihm Gregor IX. alle Rechte und Besitzungen. Am 20.12.1239 ist Konrad gestorben, seinem Wunsch entsprechend wurde er im Kloster Salem begraben.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)