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Wer bestimmt darüber, wie und wer tanzen darf? Wer ist befugt vorzutanzen, wer auf den Schweizer Bühnen tanzen darf? Tanzförderung beschränkt sich grösstenteils auf Westschweizer Companies und so gut wie gar nicht auf den Raum Zentralschweiz.
Niemand kann einem sagen mit dem Tanz aufzuhören, wenn er zum Leben gehört, wie essen und trinken. Wer ein Tänzer ist, bleibt ein Leben lang ein Tänzer. Ein Tänzer ist mehr als ein Beruf, eine Berufung, es ist eine physische Philosophie. Die Intellektuellen ernähren sich von Lebensideologien, der Tänzer ernährt sich von seiner bewegten Seele. Wenn sie sich nicht mehr bewegen kann, erstarrt der Tänzer und er fühlt sich an wie tot. Nijinsky wurde in seiner Verbannung im ersten Weltkrieg depressiv. Seinen letzten verzweifelten Tanz, bevor er ganz in sich versank, war ein kraftvoller Sprung in die Luft.
Was mich beschäftigt, ist der Tanz um den Tanz, den ein paar Leute bestimmen, wie er getanzt werden muss, damit er getanzt werden darf. Sie haben das Sagen, wer zu den Auserwählten gehört, die ihre Stücke auf den Schweizer Tanzbühnen aufführen können und welche Projekte förderungswürdig sind.
Einerseits sind es die Companien, die zusammen mit ihrer Stadt, dem Kanton und der Pro Helvetia eine kooperative Fördervereinbarung eingegangen sind, anderseits sind es die kurz aufglühenden Newcomers, die von sich reden lassen. Neben der tanzaktiven Westschweiz wirkt die deutsche und italienische Schweiz in der freien Szene geradezu karg. Von den 13 Companien, die mit einer Dreijahresförderung bestückt sind, sind nur mal drei davon aus der Deutschschweiz, eine aus Zürich/Basel, eine aus Zürich, eine aus Zürich/Berlin, die andern zehn aus der Westschweiz. Das bedeutet, dass diese Companies einer bestimmten Auflage unterstellt sind und im Jahr eine Anzahl Tourneedaten vorweisen müssen, damit ihre Vereinbarung allenfalls verlängert werden kann. Für Eingaben, Wettbewerbe wie zum Beispiel die Schweizer Tanztage, ist der Platz im Vornherein überwiegend mit den Companies besetzt, die schliesslich für die kooperative Fördervereinbarung ausgewählt wurden. Wer A sagt muss auch B sagen. Wer sich ausserhalb davon bewirbt, spielt Lotto.
In der Schweiz gibt es nebst den 7 festen institutionellen Häusern ca. 25 Theaterbühnen für die freie Szene, welche die Grösse, sprich professionelle Infrastruktur sowie die Finanzierung haben, Tanzstücke adäquat zu zeigen. Wir haben jedoch rund 150 Companien und Kollektives in der Schweiz, die aktiv sind. Nur wenige davon haben ein Gastspiel in kleineren Theatern, die Anderen mieten sich in Sälen, Kellern, Stuben oder Galerien ein, um überhaupt ein Mal ihre Stücke dem Publikum zu zeigen. Das sind nicht unbedingt mindere Stücke, die das Publikum weniger interessiert. Im Gegenteil. Das Publikum wählt selber aus, was es sehen will und das ist meistens eine Vielfalt an Kunst und Stil.
Dazu kommt, dass sich die kleineren Orte den Grossen anpassen. Wenn kleinere Bühnen, anfangen das zu programmieren, was die Grossen finanzieren, stecken wir im System Macht und Ohnmacht. Oder wenn Kantone wie Luzern anfangen Gesuchsauflagen zu stellen, die utopisch sind, wie beispielsweise eine Anzahl Spieldaten in der Zentralschweiz, wenn es nur ein einziges professionelles Haus, den Südpol gibt, kann man sich schon wie ein amerikanisches Eichhörnchen im Gütschwald fühlen.
Wer also hat das Sagen? Ist es wirklich richtig, dass die Politik entscheidet, wer produzieren darf und wie? Ist es richtig, dass Institutionen die schon selektive Förderung zur Spitzenförderung machen?
Auch ich bin der Ansicht, die Giesskanne ist nicht das ideale Modell, aber wo steuern wir jetzt hin, in ein kapitalistisches Tunnel, in dem die Reichen bestimmen und den Tanz, um den Tanz tanzen?