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Wie es zur Schuldenkrise kam
Durch die Bewältigung der Wirtschaftskrise waren fast überall in Europa die Staatsfinanzen aus dem Ruder gelaufen.
Im gesamten Währungsgebiet lag 2009 die Neuverschuldung bei 6,3 Prozent - mehr als doppelt so hoch wie die erlaubte Obergrenze nach dem Stabilitäts- und Wachstumspakt. Im Vorjahr waren es noch 2 Prozent.
Hiobsbotschaft aus Griechenland
Griechenland hatte aber schon vor der Wirtschaftskrise jahrelang über seine Verhältnisse gelebt und einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Die Regierung meldete zudem falsche Defizitzahlen an die EU-Kommission in Brüssel.
Im Oktober 2009 kam eine neue Regierung in Griechenland an die Macht. Der neue Ministerpräsident Jiorgos Papandreou legte das ganze Ausmass der Schuldenmisere seines Landes offen: Das Haushaltsdefizit lag bei 12,5 Prozent - doppelt so hoch wie zuvor geglaubt. Später musste die Zahl auf 12,9 und am Schluss sogar auf sagenhafte 13,6 Prozent korrigiert werden.
Gefahr für Euroraum
Griechenland hatte sich an den Rand der Staatspleite manövriert. 2009 beliefen sich die Schulden des Euro-Landes auf 273 Milliarden Euro und damit auf 115 Prozent des Bruttoinlandprodukts.
Die Währungsunion umfasst 16 Länder und 330 Millionen Einwohner. Griechenland macht nur 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone aus. Doch die wirtschaftliche Vernetzung im Euroraum führt dazu, dass die Pleite eines Landes massive Zahlungsausfälle für Regierungen, Banken und Versicherungen in vielen anderen Ländern bedeuten würde.
Rettungsbemühungen für Griechenland
Papandreou legte Sparpakete vor, um das Haushaltsdefizit zu drücken. Als er andeutete, dass er sich möglicherweise an den Internationalen Währungsfonds (IWF) wenden werde, da Griechenland an den Finanzmärkten nicht mehr genügend Geld beschaffen könne, reagierten die Euro-Länder.
Sie einigten sich mit dem IWF auf ein Rettungspaket im Umfang von maximal 110 Milliarden Euro. Am 23. April 2010 bat Griechenland offiziell um Finanzhilfen, womit das Rettungspaket ausgelöst wurde.
Bedingung für die Hilfen war allerdings ein drastisches Sparprogramm. Unter anderem kürzte Griechenland die Gehälter im öffentlichen Dienst, fror die Renten ein und erhöhte die Steuern. Die Griechen protestierten mehrmals auf der Strasse gegen das Sparprogramm, dabei kam es auch zu Gewalt, mehrere Menschen starben.
Griechenland drohte Zahlungsunfähigkeit
In den folgenden Monaten setzte die griechische Wirtschaft ihre Talfahrt fort. Die Verschuldung stieg weiter, die Regierung beschloss immer neue Sparprogramme, das Land wurde von mehreren Streiks lahmgelegt. Griechenland drohte die Pleite.
Ministerpräsident Papandreou musste sein Amt abgeben und wurde von einer Übergangsregierung unter dem ehemaligen Vizepräsidenten Europäischen Zentralbank, Lucas Papadimos, abgelöst.
Gläubiger mussten verzichten
Erst im Frühling 2012 konnte sich das Land etwas Luft verschaffen. Mit einem historischen Schuldenschnitt senkte Griechenland seinen Schuldenberg um rund 100 Milliarden Euro. Die Eurostaaten einigen sich nach langem Tauziehen auf ein zweites Hilfspaket von 130 Milliarden Euro. Ob diese Hilfsmassnahmen reichen, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen ist allerdings nicht klar.
Euro auf Talfahrt
Der Euro reagierte empfindlich auf die Krise in Griechenland. Bereits 2009, als die Ratingagenturen Griechenlands Bonität herabstuften, ging die Einheitswährung auf Talfahrt. Der Kurssturz beschleunigte sich, als auch Portugal und Spanien als gefährdet eingestuft wurden.
Spekulanten begannen zudem, auf die Pleite der bedrohten Euro-Länder zu wetten und den Euro anzugreifen. Auf das erste Rettungspaket für Griechenland reagierten die Finanzmärkte nur verhalten. Die anfängliche Erleichterung verpuffte binnen Stunden.
Rettungspakte gegen Spekulanten
Um den Euro zu stützen und vor Spekulationen zu schützen, schnürten die Euro-Länder im Mai 2010 einen provisorischen Rettungsschirm (EFSF) für Euro-Länder auf. Er hatte vorerst einen Umfang von 750 Milliarden Euro. Daran beteiligt ist auch der IWF.
Mit dem Rettungspaket bekräftigten die Euro-Länder die Solidarität zueinander. Kein Euro-Land soll Pleite gehen können. Doch die Hoffnungen, damit die Schuldenkrise zu beenden erfüllten sich nicht.
2012 wird die «Brandmauer» erhöht. Mit einem definitiven Rettungsfonds (ESM) der über 800 Milliarden Euro verfügen soll, will die Eurozone versuchen Staatspleiten abzuwenden und die Gemeinschaftswährung zu stützen.
Irland schlüpfte unter den Rettungsschirm
Als erstes Land musste im November 2010 Irland die Hilfe des Rettungsschirms in Anspruch nehmen. Dublin erhielt 85 Milliarden Euro Hilfe aus dem Topf, musste im Gegenzug aber schmerzhafte Einschnitte im Staatsbudget hinnehmen.
Grund für die prekäre Lage auf der grünen Insel war weniger staatliche Misswirtschaft wie in Griechenland, als vielmehr eine massive Bankenkrise, deren Milliardenlöcher der Staat stopfen musste.
Portugal als dritter Bittsteller
Anfang April 2011 war es dann auch in Portugal soweit: Die geschäftsführende Regierung reichte bei der EU-Kommission den Antrag auf Finanzhilfe ein. Das Land erhielt Kredite in der Höhe von 78 Milliarden. (luek, dpa/sda/reuters)
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