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Mämä Sykora, ist es normal, dass Spieler in der zweiten Liga Löhne erhalten?
Ja, leider ist das mittlerweile normal. Das kommt hauptsächlich davon, dass das Niveau in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Regionale Clubs können gute Spieler nur dann bei der Stange halten, wenn sie diesen etwas bezahlen. Wenn man das nicht macht, dann muss man sich damit abfinden, in einer tieferen Liga zu spielen.
Woher kommt dieser «Lohndruck»?
Immer mehr Fussballer werden bei den grossen Schweizer Clubs sehr gut ausgebildet. Doch die Plätze bei Super League und Challenge League Vereinen sind begrenzt und nicht alle Junioren schaffen es in ein Kader. Diese suchen sich dann einen Job und einen Amateurclub, wo sie weiterhin für ein kleineres Gehalt kicken können. Deshalb sind die guten Schweizer Amateurspieler zu teuer für regionale Clubs. Diese wollen aber ihren Platz in den oberen Ligen behalten und kommen so unter einen enormen finanziellen Druck.
Wie schätzen Sie diese Entwicklung im schweizerischen Fussball ein?
Diese Entwicklung ist sehr schade. Die regionalen Clubs können die Auslagen für Spielerlöhne mit Zuschauereinnahmen und Mitgliederbeiträgen nicht decken. Daher braucht es Sponsoren, die einen Teil der Auslagen übernehmen. Damit geht der Sinn des Amateurfussballs völlig verloren.
Bis zu welcher Liga steht man unter diesem Druck, Löhne zu bezahlen?
Von Region zu Region und auch von Verein zu Verein sind diese Zahlungen sehr unterschiedlich. Ab der zweiten Liga interregional ist es normal, dass man einen Lohn bekommt, wobei die Beträge von einem kleinen Sackgeld und einem Paar Fussballschuhen bis zu einem richtigen Lohn (circa 1000 Franken monatlich) reichen. Auch in der zweiten und sogar dritten Liga regional gibt es Clubs, die ihren Spielern eine kleine Entschädigung auszahlen. Zusätzlich gibt es Vereine, die eine gute Beziehung zu Arbeitgebern haben und so einem Spieler eine Arbeitsstelle vermitteln können, die sich mit dem Training gut vereinbaren lässt. Das ist sicherlich interessant für Schweizer Spieler, noch mehr zieht das aber ausländische Spieler an.
Daher kommt auch diese Zunahme an ausländischen Spielern in der Amateurliga?
Genau. Es gibt immer mehr Vereine, die ausländischen Spielern einen Vertrag in Kombination mit einer Arbeitsstelle anbieten. Die Vereine begründen diese Entwicklung eben damit, dass die Schweizer Spieler zu teuer sind. Einige Fussballclubs können sich mittlerweile nur noch durch die ausländischen Spieler in den interregionalen Ligen halten.
Führt diese Entwicklung im Amateurfussball auch dazu, dass nun einige Fussballclubs Probleme mit dem Migrationsamt bekommen?
Das ist definitiv anzunehmen. Die Fussballclubs werden nebenbei und ehrenamtlich geführt. Es gibt aber genaue Reglements, welche Spieler kommen dürfen und welche nicht. Eine Spiellizenz bekommt ein Fussballer mit Touristenvisum, eine Aufenthaltsbewilligung aber nur, wenn er eine Arbeitsstelle hat. Wenn das nun einige Fusballclubs nicht so genau nehmen, dann wird es wohl so sein, dass in naher Zukunft vermehrt Amateurfussballer ausgeschafft werden. Jetzt, da der «Fall St.Margrethen» publik wurde, werden die Behörden eventuell auch etwas genauer hinschauen und es werden mehr und mehr solche Fälle ans Licht kommen.
Werden trotzdem weiterhin Ausländer in die Schweiz geholt, um in einer Amateurliga zu kicken?
Die ausländischen Spieler, die bereits hier sind, werden sicherlich auch weiterhin Kollegen aus Osteuropa kontaktieren. Für die Halb-Profis aus Polen oder Tschechien ist es sehr lukrativ, für einen Schweizer Lohn zu spielen. Diese Fussballer bieten sich auch aktiv den Schweizer Clubs an. Der ganze Amateurfussball befindet sich in einem Teufelskreis. Die Schweizer Fussballer sind zu teuer, die regionalen Fussballclubs wollen aber weiterhin in den höheren Ligen spielen. Deshalb holen sie gute Spieler aus dem Ausland. Für diese benötigen sie jedoch Arbeitsstellen. Auch wenn die Behörden jetzt genauer hinschauen, haben die Vereine fast keine andere Wahl als Fussballer aus dem Ausland zu sich zu holen, wollen sie weiterhin in den hohen Ligas mitkicken.
Interview: Fabienne Engbers