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Video
Titel:
Mädchenpfadi von Heiden auf dem Weg ins Lager
Thema: Leute
Datum: --.10.1973
Standort: Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden
Urheber/-in: Urs Früh (1928-2000)
Beschreibung:
Filmausschnitte mit zum Teil verwackelten Aufnahmen im Format Super 8, Dauer 1:46 min. Der Amateurfilm stammt von Urs Früh (1928-2000), Tierarzt in Heiden.
Der erste Teil der Filmausschnitte zeigt (bis 1:19 min), wie sich die Mädchenpfadi von Heiden am 6. Oktober 1973 am Bahnhof für das Herbstlager versammelt und dann mit der Rorschach-Heiden-Bergbahn losfährt. Die Mädchen tragen alle blaue Hemden, braune Pfadi-Krawatten und einen Ledergurt, einige zusätzlich einen schwarzen Filzhut und manche haben ein grün-braunes Pfaditäschen umgehängt. Im ersten Teil der Aufnahmen werden hauptsächlich Gruppenszenen gezeigt. Festgehalten sind auch die Rucksäcke der Mädchen mit den zusammengerollten Schlafsäcken und weiteren befestigten nützlichen Gegeständen wie einem gelben Paar Gummistiefel.
Im zweiten Teil der Filmausschnitte (ab 1:20 min) wird die Ankunft der Rorschach-Heiden-Bergbahn gezeigt und die Rückkehr der Mädchenpfadi am 13. Oktober 1973 dokumentiert. Anders als im ersten Teil des Filmes sind hier die Aufnahmen fokussiert und man sieht mehrere Porträtaufnahmen. Neben den Pfadimädchen sind auch einige andere Fahrgäste auf dem Video festgehalten.
Die Mädchenpfadi Heiden verbrachte zwischen dem 6. und 13. Oktober 1973 ihr Herbstlager im Pfadiheim am Trüllplatz in Samstagern SZ. Geleitet wurde das Lager von Ursula Rohner v/o Flöz und Susanne Kradolfer v/o Manitou.
Geschichte:
Als sich anfangs des 20. Jahrhunderts die ersten Pfadfinder zusammenfanden, strebten diese die Liberalisierung der Erziehung an und konzentrierten sich auf die Förderung des invidiuellen Charakters. Während der Weltkriege dann unterstützten die Pfadfinderinnen und Pfadfinder die Armee und bereiteten die Jugendlichen auf den Militärdienst vor, ohne dass nur die körperliche Ertüchtigung oder Soldatenspiele im Zentrum stehen sollten.
Während die Bünde anfänglich eher dazu tendierten, sich voneinander abzugrenzen, begannen der Schweizer Bubenbund und Mädchenbund Ende der 1950er Jahre langsam aufeinander zuzugehen. Ende der 1960er Jahre und beeinflusst von den Umbrüchen in der Jugendkultur, welche insbesondere bei den Pfadfindern zu einem Mitgliederverlust führten, wurden die beiden Bünde vom Wunsch angetrieben, mehr gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen. In den 1970er Jahren hielten Männer und Frauen gemeinsame Leiterkurse ab, 1979 wurde ein gemeinsames Ausbildungsziel formuliert. 1982 wurden vom SPB – dem Schweizer Pfadfinderbund – und dem BSP – dem Bund Schweizer Pfadfinderinnen – Fusionsverhandlungen aufgenommen, die fünf Jahre später erfolgreich über die Bühne gingen.
Während die Schweizer Pfadfinderinnen und Pfadfinder bis 1945 dem Militär eher nahestanden, wurde die Pfadi nach 1945 und nach 1968 zunehmend entmilitarisiert. Dazu gehörte, dass nicht nur die strengen Übungen, sondern auch die Kleiderordnung mit den Uniformen kritisiert wurden. Während die Mädchenpfadi von Heiden im Video noch ziemlich „uniform“ daherkommt – mit Hemd, Krawatte, Gurt und Hut -, wird dies heute nicht mehr so streng gehandhabt.
Die Mädchenpfadi Heiden ist 1925 gegründet worden, nachdem Leni Rohner (19071989) v/o Mops das Generalsekretariat des BSP (Bund Schweizerischer Pfadfinderinnen) in Genf um die Aufnahme der Häädler Pfadfinderinnen gebeten hatte. Das waren damals elf Pfadfinderinnen, eine Führerin und eine Hilfsführerin. Leni Rohner und ihre Schwester Trudi Rohner (1910-2008) engagierten sich danach viele Jahre für die Mädchenpfadi Heiden und knüpften zahlreiche Kontakte innerhalb der Pfadfinderbewegung im In- und Ausland.
Die pfadibegeisterten Buben gingen bis zur Gründung der Pfadi Altenstein jeweils am Samstang nach Rorschach in die Pfadi – Rolf Zürcher, der auch zu dieser Bubengruppe gehörte, meinte, dass dies "nicht immer zur Freude des Schaffners der Rorschach-Heiden-Bahn" gewesen sei, so freudig lärmend und verdreckt seien sie manchmal gewesen....
Autorin: Katharina Merian, Speicher
Chronologie:
1907 Erstes Pfadfinderlager für Knaben in England
1910 Erstes Pfadfinderlager für Mädchen in England
1913 Gründung des Schweizerischen Pfadfinderbunds (SPB)
1919 Gründung des Bundes Schweizerischer Pfadfinderinnen (BSP)
1920 Erstes Jamboree (internationales Treffen von Pfadfindern)
1987 Auflösung des SPB und des BSP – Gründung der Nachfolgeorganisation Pfadibewegung Schweiz (PBS)
Literatur:
Kalcsics, Katharina: Pfadfinder. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 19.10.2011. http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D16512.php (27.8.2012).
Mündliche Informationen von Ursula Locher-Rohner, Heiden.
Mündliche Informationen von Rolf Zürcher, Oberegg.
Pfadibewegung Schweiz. http://www.pbs.ch/ (27.8.2012).
Pfadi Altenstein, Heiden. http://www.pfadiheiden.ch/ (27.8.2012).
Ruhl, Felix: 100 Jahre Pfadi. Basel 2007.
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