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Der Tollund-Mann
Als man diese Moorleiche 1950 im Hochmoor nahe der dänischen Ortschaft Tollund fand, dachte man zunächst, es handle sich um ein zeitgenössisches Mordopfer ─ so gut war der Körper erhalten. Tatsächlich lebte der Tollund-Mann in der Eisenzeit, um etwa 300 vor Christus. Die Schlinge um seinen Hals deutet an, dass er erhängt wurde. Danach bettete man ihn sorgfältig ins Grab – was laut Wissenschaftlern darauf hinweist, dass er den Göttern geopfert wurde. Das saure Milieu im Moor und der Ausschluss von Sauerstoff haben die Leiche dann über Jahrhunderte konserviert.
Die Schöne von Xiaohe
Die «Schöne von Xiaohe» gehört zu einer ganzen Gruppe von fast 4'000 Jahre alten Mumien. Als man sie in der Taklamakan-Wüste im Nordwesten Chinas fand, war man fasziniert von ihrem europäischen Aussehen. Genetische Untersuchungen zeigten, dass die mumifizierten Körper sowohl westliche als auch östliche Gene in sich trugen. Um Hals und Brust der «Schönen von Xiaohe» fand man Käsebrocken – vermutlich eine Grabbeigabe. Das trockene, salzige Wüstenklima hat Käse und Körper seit der Bronzezeit erhalten.
Der Salzmann von Zanjan
Diese etwa 1'700 Jahre alte Mumie wurde 1993 in einer Salzmine in der iranischen Provinz Zanjan gefunden. Wie der Mann im Alter von etwa 40 Jahren ums Leben kam, ist unklar. Vermutlich wurde er bei einem Grubenunglück verschüttet. Da Mikroorganismen im salzigen Klima der Mine nur schlecht gedeihen, zersetzte sich der Körper kaum. Besonders gut erhalten blieben der Kopf und ein Lederstiefel.
Der Ritter von Kahlbutz
Der Edelmann Christian Friedrich von Kahlbutz starb 1702 in Brandenburg. Gut 90 Jahre später stellte man fest, dass sein Körper nicht verwest war. Eine Erklärung dafür liefert folgende Legende: So wurde der Edelmann zu Lebzeiten des Mordes angeklagt. Vor Gericht soll er gesagt haben, er sei unschuldig – und wenn dies nicht so sei, so möge er nach dem Tod nicht verwesen. Aus wissenschaftlicher Sicht handelt es sich beim «Ritter von Kahlbutz» um eine Trockenmumie: Man vermutet, dass der Edelmann an einer Krankheit litt, die ihn stark auszehrte. Nach seinem Tod trocknete sein Körper in gut belüfteter Umgebung schnell aus und mumifizierte so auf natürliche Weise.
Rosalia Lombardo - die schönste Mumie
Die knapp 2-jährige Rosalia Lombardo starb 1920 auf Sizilien an der Spanischen Grippe. Ihr Vater, betrübt über den Tod seiner kleinen Tochter, liess sie im Kapuzinerkloster von Palermo beisetzen. Dessen Gruft ist bekannt dafür, dass Leichen dank dem speziellen Mikroklima gut erhalten bleiben. Rosalias Vater liess den Körper des Kindes zudem von einem Einbalsamierer behandeln. Der ersetzte das Blut durch ein Gemisch aus Glyzerin, Formalin, Alkohol und Salicylsäure. Das Verfahren war so erfolgreich, dass Rosalia auch heute noch so aussieht, als würde sie nur schlafen.
Die Mumie in der Statue
1997 entdecke man per Zufall, dass sich in dieser lebensgrossen Buddha-Statue aus China eine Mumie befindet. Beim Toten soll es sich um einen buddhistischen Mönch handeln, der vor fast 1‘000 Jahren durch Selbst-Mumifizierung starb. Diese Tradition war damals in Ostasien verbreitet. Dabei hungerten Mönche ihre Körper systematisch aus, entwässerten und vergifteten ihn. 200 bis 300 Jahre nach dem Tod des Mönchs wurde die Statue erschaffen, indem man den mumifizierten Körper mit Ton und Email überzog.
Rosa von Viterbo
Ein unverwester Leichnam gilt in der katholischen Kirche als Zeichen Gottes. Rosa von Viterbo ist eine von vielen katholischen Heiligen, deren Körper erhalten blieb. Die Mystikerin lebte im 13. Jahrhundert im mittelitalienischen Viterbo. Sie ersuchte mehrmals um Aufnahme ins örtliche Klarissenkloster, wurde wegen ihrer Armut aber abgewiesen. Rosa soll daraufhin vorausgesagt haben, dass man sie nach ihrem Tod aufnehmen werde. Und so geschah es: Sie starb im Alter von 18 Jahren. Einige Jahre später wurde ihr unverwester Körper in die Klosterkirche überführt, wo er bis heute in einem Reliquienschrein ruht.