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dargestellte Präparat unterscheidet sich von dem aus Petroleumrückständen gewonnenen dadurch, dass es meist etwas körniger und weniger homogen erscheint.
Anwendung. Das Vaselin findet, seitdem es durch die Errichtung einer grossen Menge von Fabriken ungemein billig geworden ist, eine kolossale Verwendung, theils medizinisch, theils in der Technik. Aerztlicherseits wurde es, weil vollständig indifferent und niemals dem Ranzigwerden ausgesetzt, als Salbengrundlage sehr warm empfohlen. Neuerdings hat sein Ruf in dieser Beziehung etwas gelitten, seitdem erwiesen ist, dass es von der Haut weit weniger resorbirt wird als die echten Fette. Ebenso wird es aus gleichem Grunde weniger für Pomaden empfehlbar sein; hierbei hat sich noch ein anderer Uebelstand gezeigt, nämlich der, dass es die Gerüche weniger gut festhält. Desto ausgezeichneter ist es dagegen zum Fetten des Leders und als Schmiermaterial für schwere Maschinen. Auf metallene Gegenstände gerieben, schützt es dieselben vor dem Rosten.
Prüfung. Dieselbe wie beim Ceresin.
Paraffin. Dieser Name wird im Handel gewöhnlich nur dem aus Braunkohlen- oder Torftheer dargestellten Paraffin von niederem Schmelzpunkt (45-60°) beigelegt, während die neueste Pharmakopöe auch das sog. Ceresin, welches erst bei 74-80° schmilzt, mit gleichem Namen belegt. Chemisch sind allerdings die beiden Stoffe nicht von einander unterschieden. Paraffin findet sich gelöst in allen. Produkten der trockenen Destillation von Steinkohlen, Braunkohlen, Torf und dem in ähnlicher Weise entstandenen Petroleum.
Letzteres enthält aber zu wenig davon, um seine Bearbeitung auf Paraffin lohnend zu machen. Man benutzt dazu, wie schon erwähnt, vor Allem Braunkohlentheere, welche mindestens 10% davon enthalten. Die ganze Fabrikation konzentrirt sich auf die Reviere Halle, Merseburg und Erfurt. Die Kohle selbst, welche sich allein zu diesem Zweck eignet, ist erdig pulverig, verbrennt, in eine Lichtflamme gestreut, mit Leichtigkeit und findet sich nur in der Provinz Sachsen, zwischen Weissenfels und Zeitz.
Ausserdem findet sich im Banat ein bituminöser Schiefer, der in seinen Destillationsprodukten so reichlich Paraffin enthält, dass auch dessen Verarbeitung lohnt. Das erste Destillationsprodukt der Braunkohle ist ein braunes, klares Oel, das nun einer fraktionirten Destillation unterworfen wird. Zuerst gewinnt man das Photogen, dann das Solaröl, und erst die über 200° übergehende Flüssigkeit, Paraffinöl genannt, wird zur Darstellung des Paraffins benutzt. Das Oel wird durch abwechselndes Behandeln mit Schwefelsäure und Natronlauge von seinen färbenden Bestandtheilen befreit und dann längere Zeit der Kälte ausgesetzt. Das Paraffin scheidet sich hierbei in Form feiner, perlmutterglänzender Schuppen aus, die nun durch die Centrifuge und durch starke Pressung möglichst von den anhängenden flüssigen Oelen befreit werden. Nach dem Umschmelzen wird es, wenn es nicht sofort ¶
zur Kerzenfabrikation verwandt wird, durch Ausgiessen in Platten geformt. Es stellt eine weisse, durchscheinende, mehr oder weniger geruchlose Masse dar, die eigenthümlich schlüpfrig, fettig anzufühlen und bei mittlerer Temperatur gewöhnlich etwas biegsam ist. Absolut reines Paraffin, wie man es durch Umkrystallisiren aus siedendem Alkohol erhalten kann, ist vollständig geruch- und geschmacklos. Es ist unlöslich in Wasser, schwer löslich in siedendem Alkohol, leicht in Aether, Benzin Schwefelkohlenstoff und fetten Oelen. Von Säuren und Alkalien wird es nicht angegriffen; dieser Eigenschaft verdankt es seinen Namen, entstanden aus parum affinis, d. h. ohne Verwandtschaft. Sein Schmelzpunkt liegt zwischen 45°-66°; sein Siedepunkt bei 300°; jedoch verflüchtigt es sich schon von 150° an. Es besteht nicht aus einem einzelnen, sondern aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen einer homologen Reihe, deren Siedepunkt um so höher ist, jemehr Kohlenstoffatome sie enthalten.
Anwendung. Ausser zur Kerzenfabrikation hier und da als Zusatz zu Salben und Ceraten, dann aber auch zur Darstellung des Paraffinpapieres, welches das früher gebräuchliche Wachspapier ganz verdrängt hat. Für Säuren und Laugenflaschen kann man sich durch Ausgiessen in geeignete Formen gute, haltbare Stopfen aus demselben herstellen, oder man tränkt Korkstopfen durch längeres Eintauchen in geschmolzenes Paraffin, um dieselben haltbar zu machen. Sehr praktisch sind derartig paraffinirte Korken auch für Lack- und Firnissflaschen; die Paraffinirung verhindert das Ankleben derselben.
Ceresin (Ozokerit, Belmontin, Paraffinum solidum) Erdwachs. In verschiedenen Gegenden, in der Nähe von Petroleumquellen, findet sich theils in den Spalten des Gesteins, theils in ganzen, bis zu 1 m dicken Schichten, ein eigenthümlicher Stoff, den man mit Erdwachs oder Ozokerit bezeichnet. Die hauptsächlichsten Fundorte sind Galizien, Ungarn, Baku am kaspischen Meere, die Staaten Utah und Arizona in Nordamerika. Für den deutschen Bedarf sind die galizischen Lager, an den Abhängen der Karpathen, die wichtigsten; hier wird der Ozokerit bergmännisch gewonnen und weiter verarbeitet. Er wird zu diesem Zweck gewöhnlich zuerst durch Umschmelzen von den groben Beimengungen befreit und dann einer Destillation unterworfen.
Hierbei verbleiben in der Retorte 10-15 % eines coaksartigen Rückstandes, und ca. 75 % paraffinhaltiges Oel destillirt über; aus diesem gewinnt man das feste Ceresin durch Auskrystallisiren in der Kälte. Die weitere Behandlung geschieht in derselben Weise wie beim Paraffin, nur wird es gewöhnlich noch mit Blutkohle behandelt, um die letzten Spuren von Geruch und Farbe zu entfernen. Die Ausbeute an reinem Ceresin beträgt ca. 25% des Rohmaterials. Es ist weissgelblich, völlig geruchlos, von fein körnigem Bruch, in seinem Aeussern und sonstigem Verhalten dem weissen Bienenwachs sehr ähnlich. Sein Schmelzpunkt liegt zwischen 74-80°. Das Ceresin des Handels, wie es namentlich zur Kerzenfabrikation verwandt wird, ist fast ¶