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Tennisschläger mit Bibel getauscht
Andrea Jaeger (58) war in den Achtzigern ein Youngster. Tennis-Profi wurde die US-Amerikanerin ihrer Familie zuliebe als 14-Jährige. Bei ihrer ersten Turnierteilnahme spielte sie sich mit 13 Siegen von der ersten Runde bis zum Titelgewinn, um im selben Jahr die jüngste Spielerin zu werden, die in Wimbledon je gesetzt war.
Beim prestigeträchtigen Wimbledon-Finale 1983 gegen die damalige Seriensiegerin Martina Navratilova war der Höhepunkt erreicht und der Sieg in realistischer Griffnähe. Allerdings verlor sie das Spiel und landete auf Platz 2. Nur zwei Jahre später beendete sie ihre aussergewöhnliche Karriere wegen einer Schulterverletzung. Später wurde sie Nonne.
Von jeher tiefe Freundschaft mit Gott
Dass Andrea Jaeger als junge Erwachsene sogar den Weg in einen Orden wählte, überraschte nur bedingt. Obwohl sie praktisch nichts von ihrem Umfeld mit auf den Weg bekam, war ihr Glaube stets tief in ihr verankert: «Meine Eltern gingen nicht in die Kirche. Wir hatten keine Bibel im Haus, aber ich habe das Gefühl, dass Gott mir, aus welchem Grund auch immer, den Glauben geschenkt hat. Als ich klein war, habe ich immer gebetet. Niemand hat es mir gesagt. Ich habe es nicht in der Schule oder im Fernsehen gelernt. Ich wusste einfach, dass Gott existiert und dass wir Freunde sind und eine persönliche Beziehung haben. Niemand in meiner Familie wusste, dass ich jeden Tag meines Lebens gebetet habe.»
Gewalt, Flucht und Verzicht auf Sieg
Während Jaegers steilen Aufstiegs, bemerkte sie bald einige Schattenseiten. Mehrmals wurden ihr Steroide oder Alkohol angeboten, die sie ablehnte. Gleichzeit wurde sie von ihrem Vater mit äusserster Härte trainiert, auch mit Schlägen. Nachdem sie sich vor dem Wimbledon-Final stritten, flüchtete Jaeger vor ihm und dies ausgerechnet ins Zimmer ihrer Gegnerin Navratilova. Der aufstrebende Star hatte solch ein schlechtes Gewissen, ihre Gegnerin in den Vorbereitungen gestört zu haben, dass sie den Finalsieg sausen liess und mutwillig verlor – mit 0:6 und 3:6. Damals konnte sie sich auf Platz 2 der Weltrangliste hochspielen.
13 Jahre nach ihrem Rücktritt, machte Andrea Jaeger weitere Missstände publik. In einem Interview erzählte sie unter anderem von Mobbing, Sabotage und sexueller Belästigung: «Die Saiten meines Schlägers wurden durchgeschnitten, ich habe Rasierklingen in meinen Schuhen gefunden...» Und sie ergänzte: «Ich habe mich in mobilen Toiletten oder in einer Kabine umgezogen, weil ich mich nicht mit den Kommentaren, dem Interesse oder den Handlungen der Leute auseinandersetzen wollte.»
Theologie statt Tennis – und Gottes Team
Ihr Theologiestudium abgeschlossen, trat sie 2006 für drei Jahre in den Dominikaner-Orden ein. Am 16. September legte sie ihr Gelübde als Nonne ab, sie erklärte: «Gott hat mich in sein Team gerufen. Meine Tour-Direktorin ist jetzt Katharina von Siena.» Verbunden mit der heiligen Katharina, die sich im 14. Jahrhundert um kranke und arme Menschen kümmerte, steckte die Amerikanerin all ihre Tennis-Ersparnisse in eine Stiftung, die Krebspatienten hilft. «Seit ich ein Kind bin, fühle ich mich dazu berufen, Menschen in Not zu helfen. Ich glaube, deshalb hatte ich im Tennis so viel zu kämpfen, weil man egoistisch sein muss, um erfolgreich zu sein», erzählte sie im Jahr 2008.
Testlauf mit Spielwaren
Die 15-Jährige kaufte schon damals ein Spielwarengeschäft leer, um die Sachen einem Kinderkrankenhaus zu schenken; ihre emotionale Beschreibung: «Die Kinder haben vor Freude geweint, und ich habe ihre von der Chemotherapie kahlen Köpfe gestreichelt und mitgeweint. Auf einmal wurde ich gemocht, für mich selbst, nicht für mein Tennisspiel.»
Bereits nach dem Studium gründete der ehemalige US-Tennisstar eine eigene Stiftung für Krebshilfe.
Geld und Nonnengewand: Alles weg
Die Preisgelder aus den Tennisspielen benutzte sie, um Missbrauchsopfern zu helfen. Und sie verkaufte alles: Auto, Schmuck oder Uhren, was in ein Leben als Nonne mündete. Das Ordensleben bei den Dominikanerinnen forderte ebenfalls viel: «…Ich wachte um vier Uhr morgens auf, verrichtete meine Gebete und mein spirituelles Studium, und dann begann ich um fünf oder sechs Uhr mit der Arbeit wie Spenden zu sammeln, Programme zu planen und sie durchzuführen», beschrieb Jaeger die drei Jahre.
Das neue Leben nach dem Austritt passt wunderbar zu ihr, auch wenn ihr das Ordensgewand manchmal einen Streich spielt. «Wie oft ich den Nonnenhabit trage, hängt davon ab, was ich gerade tue», meinte Jaeger. «Ich habe drei davon. Sie werden ziemlich schnell schmutzig. Ich bleibe immer wieder mit den Gewändern in Bussen und Rolltreppen stecken. Einmal bin ich in ein Taxi gesprungen und habe die Hälfte davon vor der Tür liegen lassen.»
Ihr Resümee: «Ich glaube, ich werde immer eine Schwester sein. Ich habe Freude und Liebe am Leben, und es ist einfacher, das in diesem Umfeld auszudrücken.» Die sportliche Andrea Jaeger ist bekannt als «Sister Andrea».
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