Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03111.jsonl.gz/535

Die sehr gut besuchte erste WGL-Mitgliederversammlung vom 4. Juni 2019 genehmigte alle Anträge des Vorstands ohne Gegenstimmen. Anschliessend ging es ins Brasilien des 19. Jahrhunderts.
Zu behandeln hatte die Mitgliederversammlung 2019 unter der speditiven Leitung von Co-Präsidentin Sigrid Hodel-Hoenes die üblichen statutarischen Geschäfte und eine geringfügige, vom kantonalen Steueramt angeregte Ergänzung der Statuten. Keines dieser Geschäfte gab zu Diskussionen Anlass, alle wurden sie ohne Gegenstimmen gutgeheissen. Nach lediglich 12 Minuten konnte die Vorsitzende die Versammlung schliessen und zum Referat von Redaktor Hansjakob Gabathuler über Werdenberger Auswanderer nach Brasilien im 19. Jahrhundert überleiten.
Die folgende kurze Zusammenfassung muss hier für einen wenigstens rudimentären Einblick in die tragische Thematik genügen:
Nach der Emanzipation der Sklaven in Brasilien wurde Kaiser Dom Pedro II. 1889 durch die Grossgrundbesitzer ins Exil geschickt. Die Auswanderungsgelüste nach Südamerika erwachten hierzulande darauf zum dritten Mal, nachdem schon nach den Hungerjahren 1816/17 eine erste Welle (Nova Friburgo), eine zweite – animiert durch die in Lichtensteig erscheinende Zeitung «Der Kolonist» in den 1850er Jahren (Ibicaba u.a.) – an den nicht gehaltenen Versprechungen gescheitert waren.
Durch die Bundesversammlung erhielt der Liestaler Kaufmann Eugen Meyer 1891 die Bewilligung, «eine Anzahl ärmerer Familien, […] vorzugsweise durch die Ueberschwemmungen im st.gallischen Rheinthal zu Schaden gekommene Landleute […] zu engagiren, sich auf seinen etwa 6000 Hektaren […] in der brasilianischen Provinz Rio de Janeiro […] gelegenen Ländern anzusiedeln». Dem Ruf auf diese «Colônia Alpina» folgten die Familie des Buchser Zimmermanns Heinrich Küng und weitere aus dem Werdenberg. Die in der Lokalpresse veröffentlichten Briefe eines Anonymus und jene von Heinrich Küng lassen uns die Beschwerlichkeiten der Reise, des ungewohnten Klimas und die sehr unterschiedlich beurteilten Lebensbedingungen auf der Kolonie hautnah nacherleben.
Auch Meyers Unternehmen war kein Erfolg beschieden, obwohl sein Schwiegersohn, der in Sennwald heimatberechtigte Dr. Emil August Göldi (1857–1917), der sich als Naturforscher im Amazonasgebiet und Gründer des Museu Paraense Emílio Goeldi in Parà in der Gelehrtenwelt einen grossen Namen geschaffen hat, mit der Verwaltung betraut war. Von den Auswanderern als «Kolonistentyrann» und «Mondwanderer» erlebt, ruht seine einzigartige Sammlung an Tierpräparaten heute im Naturhistorischen Museum in Bern. Die Unzufriedenheit auf der Kolonie muss indessen zugenommen haben; es drohte ein Aufstand, so dass ein Teil der Kolonisten aus Alpina fortgewiesen wurde. Nachdem ihr Gatte Heinrich am Gelbfieber verstorben war, verliess die Witwe Magdalena Küng mit ihren acht Kindern 1892 Brasilien wieder und kehrte in die Heimat zurück.
HJR/HG