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Lisa Eikrann, Susanne Hauser, MARCK und Antonio Wehrli zeigen bis zum 2. Januar 2022 Arbeiten zum Thema «Sternschnuppen» im Antonio Wehrli Art Space. Alle vier haben 2021 bereits Einzelausstellungen bestritten.
Das Wort „Meteor“ heisst „in der Luft schwebend“. Mit Meteoren wird das Aufleuchten von Sternschnuppen bezeichnet. Kleine Gesteins- und Staubteilchen verglühen in der Hochatmosphäre. Meteore beginnen schwach und steigern sich in ihrer Leuchtkraft. Das Ende der Lichterscheinung tritt meist plötzlich ein. Nebst Lichterscheinungen kann auch fernes Donnergrollen dazu gehören. Dieses Phänomen ist früher als Einbildung verstanden worden, hat aber mit der niedrigen Schallgeschwindigkeit zu tun. Auch andere Leucht- und Wettererscheinungen in der Atmosphäre werden als Meteore bezeichnet. Sternschnuppen sind in der Regel in der zweiten Nachthälfte zu sehen.
Die Erforschung der Meteore hat eine lange Tradition. Praktisch alle Kleinkörper stammen aus dem Sonnensystem. Sie sind zum grossen Teil Reste von früheren, aufgelösten Kometen oder durch Kollison anderer Kleinkörper entstanden. Es handelt sich um wichtige Zeugen aus der Frühzeit des Sonnensystems.
Im volkstümlichen Aberglauben hat jemand, der zufällig eine Sternschnuppe am Himmel gesehen hat, einen Wunsch frei, der angeblich in Erfüllung gehen soll. Sobald man die Sternschnuppe gesehen hat, soll man die Augen schliessen und etwas wünschen. Wichtig sei, dass man als einziger diese Sternschnuppe gesehen hat und niemand anderem von diesem Wunsch erzählt, da sonst der Wunsch nicht in Erfüllung geht. Der Glaube geht regional so weit, dass man dort einen Schatz findet, wo eine Sternschnuppe zu Erde fällt. Dieses Motiv ist auch noch im Märchen „die Sterntaler“ anzutreffen. Es handelt sich offenbar um archetypische Bilder aus dem Unbewussten der Menschen.
Wie kann das Thema „Sternschnuppen“ mit der Kunst in Verbindung gebracht werden?
Das Thema „Sternschnuppen“ und Kunst kann ohne weiteres über die Kreativität des künstlerischen Schaffens in Verbindung gebracht werden. Ein Prinzip der Kreativität ist, dass auseinander Liegendes, beispielweise Meteor und kulturelle Werte der Kunst, zusammengeführt werden. Bei den gezeigten, künstlerischen Positionen geschieht dies an der Ausstellung auf sehr unterschiedliche Art und Weise.
Lisa Eikrann
Ihre Arbeit wird, wegen ihrer Herkunft aus Norwegen, von der Sehnsucht nach dem Meer und den Lichtspielen am Himmel getragen. Die grosse Veränderung in Lisa Eikranns Kunstschaffen hat sich beim Wechsel von Norwegen ins Glarnerland zugetragen. Das Meer war in Norwegen ein grosser Teil des Lebens. Nun sind es im Glarnerland die Schönheit der Berge. Der scheinbare Gegensatz verbindet sich und führt zur Identität der Menschen in ihrem Umfeld. Die Berge erfordern, dass der Blick über den Horizont hinaus geschieht. Das Meer verlangt, dass die Endlichkeit der eigenen Existenz akzeptiert wird. Das neue Leben im Glarnerland ist eine Metapher für die Veränderungen, die das Leben ausmachen. Die Formen und Farben in ihrem Werk erinnern an mythologische Momente und an die Schatten unseres Daseins, die bei jedem Menschen das Unbewusste bilden. Wir können nicht in die Schatten hineinsehen und bleiben uns deshalb für immer ein Rätsel. Eine Verbindung zu den Sternschnuppen kann darin gesehen werden, dass die Schatten unserer Existenz auch nur für kurze Zeitaufblitzen und Spuren des Lichts in unserem Bewusstsein hinterlassen.
Susanne Hauser
Gräser als wesentlicher Teil der Biodiversität. Sie sind ein wesentlicher Teil der Fauna und machen rund 20% am Gesamtvolumen aus. „Das Gras wachsen hören“ und andere Volksweisheiten unterstreichen die Bedeutung der Gräser. Sie weisen darauf hin, dass der Natur Sorge getragen werden muss. Insofern sind es Sternschnuppen, die uns vor Katastrophen warnen und uns bewusst machen, wie unbedeutend wir sind.
Die Linien bei Susanne Hausers Arbeiten bauen nicht Flächen und Strukturen auf, sondern konzentrieren sich in Anhäufungen und greifen wild in den Raum. Dabei bleibt ein grosser Teil des Blattes weiss, während die Linien wie Antennen ins Leere ragen. Teilweise an Haare erinnernd, stehen sie für Spürsinn und Sensibilität gegenüber Veränderungen in der Welt.
MARCK
Er zeigt in seinen Videoskulpturen schöne Frauen in verschiedenen Funktionen und Rollen. Die Bilder der Frauen können als Sternschnuppen gelesen werden, weil sie uns mit ihrer Schönheit in Bann ziehen und vergänglich sind. Die Videos von MARCK haben aber auch eine andere Dimension; es geht um die soziale Rolle der Frau in unserer Gegenwart.
Der biografische Hintergrund ist für das Verständnis von MARCKs Arbeiten zentral. Es geht ihm um die intensive Auseinandersetzung mit Filmen und Videos, multimediale Projekte, Performances, Musik und skulpturale Objekte. Er war immer unzufrieden mit den langweiligen Präsentationen von Filmen auf Monitoren. Er hat diese umgebaut und Leben eingehaucht. Die Arbeiten stehen für die Urängste der Menschen. Die Angst zu scheitern, eingesperrt zu sein oder gar sterben zu müssen, sind Fragestellungen, denen sich MARCK in künstlerischer Art stellt. Die Arbeiten von MARCK setzen sich mit den Gefühlswelten auseinander, haben eine eigene Handschrift, sind unverwechselbar, getragen von hoher Qualität und handwerklichem Können. Den Arbeiten wird das Irreale, Traumhafte und Magische verliehen.
Antonio Wehrli
Galaxien und die Erforschung des Weltalls sind Momente des Eintauchens in die Unendlichkeit des Weltalls. Am Firmament gibt es Milliarden Sterne und Sternschnuppen regen uns an für unsere persönliche Zukunft etwas zu wünschen, was in Erfüllung gehen soll. Bei Antonio Wehrli gibt es zum Thema „Sternschnuppen“ eine direkte Verbindung.
Die Schwerkraft ist seit 2014 ein wichtiges Thema bei seinen Arbeiten. Er stellt abstrakte Interpretationen von sichtbar gemachter Energie dar. Die Galaxien sind mit Interferenzfarben auf schwarzem Hintergrund gemalt. Je nach Blickwinkel leuchten die Galaxien in vielen Farben oder scheinen von schlichter Dunkelheit zu sein. Es gibt Arbeiten mit klaren Sternbahnen oder Sonnenaufgängen auf fernen Planeten. Farbexplosionen sind ein wesentliches Merkmal seiner Arbeiten. Die Ideen zu den Arbeiten entstehen intuitiv und zeigen eine direkte Relevanz zu unserer Zeit, in der neue Sonden aus verschiedenen Ländern auf dem Mars landen und Milliardäre das Zeitalter des Weltalltourismus einläuten.
Eine weihnächtliche Ausstellung im Art Space von Antonio Wehrli, die aus unterschiedlichsten Perspektiven das Thema der Sternschnuppen aufgreifen. Alle drei haben alle 2021 eine Einzelausstellung bestritten.
Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag und Samstag von 14 bis 17 Uhr, vom 1.bis 5. Dezember geschlossen