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Seit seiner Gründung war Longo maï ein Ort des Empfangs. Auf den 300 Hektar Land wurde eine kleine Welt mit anderen Werten geschaffen. Auf der Grundlage von gegenseitiger Hilfe, dem Teilen, gemeinsamer Arbeit und gemeinsamem Besitz wollte die Gründergruppe ihre Utopie aufbauen. Der ruhige Traum einer anderen Welt wurde jedoch schnell durchkreuzt. Zahlreiche Jugendliche kamen und wollten bei diesem Abenteuer mitmachen. Von Anfang an galt das Prinzip der offenen Tür, denn die Idee von Longo maï bestand nie darin weitab von den Problemen der Gesellschaft, eine «Insel des Glücks» aufzubauen.
Jede neue Person, die nach Longo maï kommt, bringt in ihrem Rucksack nicht nur viele Ideen und Lösungsvorschläge mit, sondern auch zahlreiche Probleme, die mit ihr persönlich oder der Umgebung, aus der sie stammt, zu tun haben. In den ersten Jahren sorgten das raue Klima und der mangelnde Komfort jedoch schnell für eine Auswahl zwischen jenen, die nur eine theoretische Alternative suchten und denjenigen, die bereit dazu waren, Steine aus dem Acker zu lesen, nach Wasser zu graben und die Ruinen aus ihrer Überwucherung zu befreien. Als Reaktion auf den grossen Andrang von jungen Menschen, entstand eine «Empfangs-Gruppe». Die Art und Weise, wie das Problem bisher angegangen wurde, musste überdacht werden. Dass die Härte des täglichen Lebens in den Kooperativen ein Grund für die einen war, zu gehen und für andere zu bleiben, war manchmal doch etwas zu willkürlich. Es wurde eine Reihe von Kriterien ausgearbeitet, am Prinzip der offenen Tür und des kostenlosen Aufenthaltes jedoch festgehalten. Jeder einzelnen Person wird in einem ausführlichen Gespräch die Geschichte, der Ort, die Utopien und Erwartungen von Longo maï erklärt. Prioritär sind für Longo maï alle, die eine gemeinschaftliche Alternative suchen, genügend Zeit haben und sich für die landwirtschaftliche und handwerkliche Ausrichtung der Projekte interessieren. Nach einer bestimmten Zeit, manchmal schneller, manchmal etwas später, findet ein zweites Gespräch statt, in dem definitiv entschieden wird. Longo maï ist inzwischen eine Gesamtschule geworden. Diese bezweckt jedoch nicht, grossartige Spezialisten und professionelle Techniker_innen hervorzubringen, sondern es ist ein Ort, wo die Jugendlichen in erster Linie lernen, sich gemeinsam zu organisieren, in einer Gruppe ohne grosse Hierarchie zu arbeiten, nach dem Prinzip, dass die freie Entwicklung jedes Einzelnen die Bedingung für die freie Entwicklung aller sein kann. In den letzten über vierzig Jahren hat sich Longo maï in vielen landwirtschaftlichen und handwerklichen Bereichen ein solides Wissen erarbeitet, oft auf der Grundlage von Erfahrung, die zu verschwinden drohte. Häufig waren es alte Berufsleute aus Landwirtschaft und Handwerk, welche die Longo maï-Mitglieder ausbildeten.