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Die US-Börse wird weiterhin einer zerklüfteten Landschaft gleichen. Das kommt darin zum Ausdruck, dass sich die Hälfte der Aktien positiv, der Rest negativ entwickelt. Diese Mischung besagt, dass das Umfeld für die Anlageklasse Aktie weder grundsätzlich positiv noch negativ eingestuft wird.
Somit liegt die Motivation zum Halten von Aktien nicht in den Umständen. Wäre dem so, würden die Kurse nur verhalten auf nachteilige Nachrichten reagieren. Das liegt daran, dass Umstände, die für oder gegen eine Anlageklasse sprechen, auf der Makroebene angesiedelt sind. Solche verändern sich nur langsam.
Was motiviert die Anleger?
Das Gesamtbild, das der Markt seit Monaten projiziert, lässt darauf schliessen, dass die Handlungsmotivation auf Ebene einzelner Unternehmen oder auf Ebene der Industrien angesiedelt ist. Auf dieser Ebene gibt es mehr unterschiedliche Interpretationen als auf der Makroebene, die Meldeflut ist grösser und die Meldefrequenz schneller. Das führt zu heterogeneren Erwartungen. Der Einsatz von Heuristiken steigt.
Ihre Dominanz erkennt man an starken Kursausschlägen auf Nachrichten hin, die oft nach wenigen Tagen durch heftige Bewegungen in die Gegenrichtung abgelöst werden. Hier sieht man eine Art kollektives Gehirn, das nach Kahnemanns System 1 handelt. System 2 wird nachgeschaltet und führt mit kurzer Verzögerung gewisse Retuschen herbei. Dieses Muster wird weitergehen, bis die starken Präferenzverschiebungen aufhören.
Was damit gemeint ist, sei anhand der Gegenüberstellung von zwei Industrien über eine Verlaufsperiode von zwei Jahren aufgezeigt: Aus dem Sektor Information Technology die Halbleiter, dargestellt am DJ US Semiconductor Index, und aus dem Sektor Consumer Staples die nicht dauerhaften Haushaltsgüter (Household Non Durables, nachstehend HND abgekürzt).
Zwischen dem 14. November 2016 und dem 13. April 2017 legte Semiconductor 10% zu, HND 9,5%. Danach trennten sich die Wege. Bis zum 6. Juni 2018 stieg Semiconductor um 54%, während HND 16% verlor. Seither gab Semiconductor um 17% nach und HND legte 24% zu.
Wären das Einzelfälle, wären sie nicht der Rede wert. Ähnliche Entwicklungen sind aber in einer recht grossen Zahl vorhanden. In einem Bärenmarkt gibt es so etwas nicht. Da gibt es eine starke Partei der Bären, deren Erfolg durch die fallenden Kurse nachgewiesen wird und die dadurch immer mehr aus der Partei der Bullen anzieht. Es kommt zu Verkaufswellen, die fast 100% der Aktien erfassen. Industrien oder gar Sektoren, die während Monaten zulegen, gibt es kaum.
Was bedeutet Marktbreite?
Die Marktbreite ist niedrig. Sie ist jedoch kein Timing-Indikator. So wies beispielsweise die NYSE-Monthly-Advance-Decline-Line von 1955 bis 1974 einen fallenden Trend auf. Der S&P 500 stieg bis 1968, fiel 1969 bis Juni 1970 um 12,4%, bevor der danach trotz stark fallender Marktbreite bis Dezember 1972 um 22% stieg. Die Marktbreite ist ein Strukturelement, das über den zu erwartenden Umgang des Marktes mit Nachrichten informiert.
Niedrige Marktbreite heisst eine Verlegung des Fokus von Makro- auf Mikrodaten, Überflutung mit Nachrichten, Prävalenz von System 1 gegenüber System 2. Entsprechend ausgeprägter ist die Neigung, nach dem Muster zu verfahren: Recht hat, wer das letzte Wort hatte.