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Eine anhaltende Bisenströmung brachte eisige Temperaturen aber nur punktuell Niederschlag. Verfrachteter Altschnee, aber auch langlebige Schwachschichten im oberen Teil der Schneedecke führten zu einer heimtückischen Lawinensituation mit diversen Personenauslösungen (vgl. Bildgalerie) und leider auch zwei Todesopfern.
Mit einer anhaltenden und oft starken Bisenströmung war es am Alpennordhang, teils aber auch in den inneren Alpentälern unterhalb von 2000 bis 2500 m meist hochnebelartig bewölkt (Abb. 1). Während aus dem Hochnebel verbreitet ein paar Zentimeter Schnee fielen, war es darüber oft sonnig. Im Süden, und besonders im Sottoceneri, war es oft bewölkt, doch auch hier waren die Niederschlagsmengen gering. Einzig vom Simplon Gebiet bis in die oberen Vispertäler fiel von Freitag bis Samstagvormittag mit 10 bis 20 cm etwas mehr Schnee.
Nach einem milden Samstag führte die Bise kontinentale Luftmassen aus Sibirien heran. Diese brachte eine kurze, aber markante Kältewelle, bei der die Temperaturen auf 2000 m am Montag und am Dienstag verbreitet um -20 °C lagen (Abb. 2).
Am Mittwoch blies im Mittelland weiterhin Bise, während der Wind in den Bergen auf Südwest drehte und in den Alpentälern des Nordens allmählich Föhn einsetzte. Dieser hielt am Donnerstag an und blies stark. Bis zum Redaktionsschluss am Donnerstagnachmittag fielen im Jura, in den Waadtländer und Freiburger Alpen, im westlichen Berner Oberaland, im nördlichen Wallis, im westlichen Unterwallis sowie im Bernina Gebiet 10 bis 20 cm Schnee bis in tiefe Lagen, im Wallis lokal bis zu 30 cm.
In dieser Berichtsperiode waren bei meist „mässiger“ Lawinengefahr (Stufe 2) die beiden Lawinenproblemen „Altschnee“ und „Triebschnee“ zu beachten. Meist waren beide gleichzeitig vorhanden, wobei je nach Region und Tag das eine oder andere die Hauptgefahr darstellte.
Die unteren Schichten der Schneedecke waren gut verfestigt und stabil. In einer längeren Schönwetterphase Anfangs Februar wurde die damalige Schneeoberfläche kantig aufgebaut und locker, und zudem verbreitet von Oberflächenreif bedeckt. Diese ungünstigen Schichten wurden ab dem 11. Februar eingeschneit. Sowohl bei Oberflächenreif als auch bei kantig aufgebauten Schneekristallen handelt es sich um langlebige Schwachschichten, und tatsächlich waren diese auch in der aktuellen Berichtswoche teilweise noch auslösbar (vgl. Abb. 1 und 1. Foto der Bildgalerie). Wiesen in der letzten Wochenberichtsperiode noch recht verbreitet Wummgeräusche auf die Gefahr hin, gab es in dieser Berichtsperiode nur noch sehr vereinzelt solche Alarmzeichen. Die Gefahr war zwar weniger verbreitet als in der Vorwoche, aber heimtückisch, weil kaum erkennbar. Diese Nicht-Erkennbarkeit ist ebenso typisch für Altschneeprobleme, wie die im Vergleich zu anderen Gefahrenmustern grössere Unfallhäufigkeit.
Während den Voralpen entlang und im Jura lange Zeit die Bise blies, wechselten die Winde in der Höhe zwischen Nordost und Südost. Im Verlaufe des Mittwochs, 28.02. setzte dann Südwestwind und in den Tälern des Nordens Föhn ein. Mit den Drehungen des Windes wurde in den verschiedenen Regionen immer wieder lockerer Altschnee verfrachtet. Die verfügbaren Schneemengen waren meist bescheiden, aber die Triebschneeansammlungen kamen auf teils ungünstige Altschneeoberflächen zu liegen und waren anfangs störanfällig (Abb. 4). In drei Ereignissen entstanden auch grössere Triebschneeansammlungen:
Auch nach 10 Tagen ohne nennenswerten Niederschlag waren die Schneehöhen nach wie vor verbreitet überdurchschnittlich, am Alpennordhang unterhalb von rund 1500 m sowie ganz im Süden durchschnittlich. Die Schneedecke enthielt immer noch die oben beschriebenen Schwachschichten, doch waren diese nur noch vereinzelt auslösbar. Neu- und Triebschnee vom Donnerstag wurden verbreitet auf grossen Oberflächenreif (Abb. 5) und an windgeschützten Schattenhängen auf stark kantig aufgebaute und lockere Schichten (vgl. Bildgalerie) abgelagert. Damit waren, wie bereits Mitte Februar, wiederum langlebige Schwachschichten eingeschneit worden. Wie es weiter ging, lesen Sie im nächsten Wochenbericht am Donnerstagabend, 08.03.
Dem SLF wurden in dieser Berichtsperiode insgesamt 14 Lawinen mit erfassten Personen gemeldet, die meisten aus der Westschweiz (Abb. 6). Leider sind bei drei Lawinenunfällen insgesamt 4 Person gestorben. Damit forderten Lawinen in diesem Winter bereits 15 Todesopfer, was über dem langjährigen Durchschnitt von Anfang März liegt. Die Mehrheit der Opfer waren Tourenfahrer (12), die anderen Freerider.
Zusätzlich wurden noch einige weitere Personenauslösungen bekannt, bei denen aber bis zum Redaktionsschluss am Donnerstag nicht klar war, ob Personen erfasst wurden oder nicht.
Besonders unfallträchtig war der Samstag, 24.02. Möglicherweise hat die Wärme die Auslösebereitschaft etwas erhöht, sicher aber waren sehr viele Tourengeher unterwegs. Statistisch gesehen sind an einem Wochenendtag 3 Mal mehr Tourengeher unterwegs als unter der Woche, und bei schönem Wetter 3 Mal mehr als bei Schlechtwetter. Ein Teil der Lawinen wurde im extremen Steilgelände ausgelöst, einige aber auch in Hängen unter 40° Neigung. Dazu kam erschwerend dazu, dass die Schwachschichten im Altschnee kaum zu erkennen waren.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.