Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03250.jsonl.gz/599

Die Errungenschaften der Entwicklungsbestrebungen dank guter Prävention erhalten
Artikel,
13.10.2016
Die Hälfte der Weltbevölkerung ist Gefahren von Naturkatastrophen ausgesetzt. Für die DEZA ist es ein prioritäres Thema. In gewissen Ländern kann eine Überschwemmung, ein Erdbeben oder ein Wirbelsturm die über Jahrzehnte erreichten sozialen und wirtschaftlichen Fortschritte zunichte machen. In Haiti hat der Hurrikan «Matthew» erst vor kurzem wieder gezeigt, wie verwundbar die Bevölkerung ist.
In den letzten Jahrzehnten forderten Erdbeben, Überschwemmungen, Dürren, Erdrutsche, Wirbelstürme und Vulkanausbrüche Tausende von Todesopfern. Diese Wetterereignisse suchen sowohl Industrie- als auch Entwicklungsländer heim, aber ihre Auswirkungen sind vom Entwicklungsstand des betroffenen Landes abhängig.
Für die DEZA ist die Minderung des Katastrophenrisikos ein Schwerpunktthema. In Risikoländern konzentriert sie ihr Engagement auf Prävention, verbessertes Katastrophenmanagement und Massnahmen zur Verhinderung von ähnlichen Katastrophen in der Zukunft. Vor Ort setzt sie ihre eigenen Projekte um und unterstützt Aktivitäten von Partnerorganisationen.
Sie stellt aber auch Expertinnen und Experten des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe zur Verfügung, wenn Partnerländer sie darum ersuchen. Diese Fachleute des Wiederaufbaus oder der Risikoprävention arbeiten mit den entsprechenden Ministerien zusammen. Christian Ubertini arbeitet in Haiti, wo sich die DEZA im Rahmen einer langjährigen bilateralen Zusammenarbeit für die Verminderung der Auswirkungen von Naturkatastrophen einsetzt. In Marokko unterstützt die DEZA die zuständigen Behörden bei der Umsetzung einer nationalen Strategie für ein integriertes Risikomanagement.
«Die Schulen haben den Wirbelsturm überstanden»
Christian Ubertini, Architekt, arbeitet seit 2009 in Haiti. Bis 2013 leitete er das DEZA-Programm zum Wiederaufbau von Schulen in Port-au-Prince. Danach wurde er der Interamerikanischen Entwicklungsbank (International Development Bank, IDB) zur Verfügung gestellt.
Christian Ubertini, haben die Aktivitäten der DEZA in Haiti im Bereich der Katastrophenvorsorge dazu beigetragen, die Auswirkungen des Hurrikans «Matthew» zu mindern?
Ja, ich denke schon. Wir haben festgestellt, dass die Schulen, die von der DEZA oder ihren Partnern nach den Musterplänen gebaut wurden, den Wirbelsturm ohne grössere Schäden überstanden haben, während die Nachbargebäude stark beschädigt oder sogar ganz zerstört wurden. Berichten zufolge dienten diese Schulen auch als Schutzunterkünfte für die Bevölkerung während des Sturms und auch danach. Dadurch konnten wahrscheinlich Menschenleben gerettet werden. Es freut mich sehr, dass diese Schulen bereits wieder den Schulbetrieb aufgenommen haben und dass die Schülerinnen und Schüler das Schuljahr wie gewohnt und unter guten Bedingungen fortsetzen können. Das ist wahrscheinlich eine der spürbarsten Auswirkungen der seit dem Erdbeben von 2010 geleisteten Arbeit. Eine Arbeit, die langsam Früchte trägt.
Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für nationale Bildung und Berufsbildung bei der Zulassung der von der DEZA ausgearbeiteten Baunormen auf alle Schulen Haitis?
Zunächst muss man wissen, dass die Ausarbeitung von Musterplänen für Schulen nach dem Erdbeben von 2010 in Haiti zwar ein Schwerpunkt der DEZA-Aktivitäten war, dass aber die Anerkennung eines Modells als nationale Norm nie ein Ziel für sich war. Die haitianische Regierung beauftragte eine unabhängige Arbeitsgruppe mit der Aufgabe, sich mit der Normfrage zu befassen. Sie war verunsichert durch die vielen Akteure und ihre unterschiedlichen Vorschläge zu Bauplänen und Kosten. Es gab keine echte Koordination mit dem Bildungsministerium. Ich habe selber die Arbeiten der Arbeitsgruppe koordiniert; ich wurde dem Ministerium von der DEZA als Experte zur Verfügung gestellt. Christian Ubertini hat die von der DEZA ausgearbeiteten Instrumente und Verfahren evaluiert. Seine Empfehlungen führten zu ihrer Validierung durch die haitianische Regierung im April 2014.
Sie arbeiten auch im Dienst der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB). Sie tragen also zwei Hüte?
Ja, das stimmt. Einerseits unterstütze ich die IDB, die wichtigste Geldgeberin im Bereich des Schulhausbaus in Haiti, bei der Umsetzung verschiedener von der Bank finanzierter Programme. Heute ist die Rede von rund 100 Schulen, die nach den Musterplänen der DEZA gebaut werden sollen. Andererseits begleite ich das Bildungsministerium beim Aufbau von Kapazitäten im Bereich der Überwachung und Koordination der Weiterentwicklungen der öffentlichenSchulinfrastruktur.
Was macht die Partnerschaft mit der IDB aus humanitärer Sicht so interessant?
Ganz allgemein hat die Zusammenarbeit mit einem Geldgeber wie der IDB Multiplikatoreffekte für die Aktivitäten der DEZA und ermöglicht es, ihr Fachwissen weitherum bekannt zu machen, namentlich bei der Partnerregierung. Genau das gelingt uns mit der Partnerschaft mit der IDB. Diese Art der Partnerschaft ist besonders bei Aktivitäten nach einer Notsituation sehr interessant, da hier der Wirkungsfokus mittel- oder langfristig ist. Dies ist im Fall des Bausektors und in noch grösserem Mass bei der Minderung der Katastrophenrisiken der Fall.
Auch in Marokko stellt die DEZA den Ministerien Schweizer Expertinnen und Experten zur Verfügung. Gegenwärtig ist ein Experte in Risikomanagement im Generalsekretariat des marokkanischen Innenministeriums tätig. Er berät und unterstützt das Ministerium bei der Umsetzung eines nationalen Programms für ein integriertes Risikomanagement bei Naturkatastrophen. Das Programm umfasst die zuständigen Fachministerien, Universitäten, territoriale Körperschaften (Präfekturen, Provinzen und Gemeinden) und verschiedene Entwicklungsorganisationen.
Neben der Bereitstellung von Fachleuten pflegt das DEZA-Büro in Rabat enge Beziehungen zu verschiedenen Ministerien. Die DEZA orientiert sich an den Bedürfnissen ihrer Partner und bietet gezielte fachliche oder finanzielle Unterstützung an.
Es findet auch ein Wissenstransfer in der Schweiz statt. Im September 2016 besuchte eine rund zehnköpfige Delegation von Kaderleuten verschiedener marokkanischer Ministerien, die im Bereich des Managements von Naturrisiken tätig sind, die Schweiz. Die Studienreise ermöglichte einen intensiven Austausch über Strategien und Präventionsmassnahmen auf Ebene des Bundes, gewisser Kantone und Gemeinden.