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Erdnussallergien sind keine Peanuts
Mittlerweile scheint zwar klar, dass das frühe Einführen von Erdnussprodukten in die Säuglingsernährung eine Allergie gegen die Hülsenfrucht verhindern kann. Allergikern jenseits des Säuglingsalters hilft das aber wenig: Sie müssen tunlichst sämtliche Produkte, in denen auch nur kleine Mengen an Erdnüssen sein könnten, strikt meiden.
Der Internist Dr. Derek K. Chu von der McMaster University in Hamilton und seine Kollegen wollten nun wissen, ob bei diesen Personen eine zusätzliche orale Immuntherapie womöglich besser vor den schweren Reaktionen bei versehentlicher Exposition schützt als das Bemühen um eine absolute Allergenkarenz allein. Sie suchten in den einschlägigen Datenbanken nach randomisierten Studien, die bei Allergiepatienten eine orale Immuntherapie mit Placebo oder der strikten Allergenvermeidung verglichen hatten.
Die Forscher fanden zwölf Arbeiten mit insgesamt 1041 Patienten, vor allem jüngeren Schulkindern (Altersmedian knapp 9 Jahre). Die Teilnehmer in den aktiven Armen erhielten Erdnüsse in steigender Menge, angefangen bei etwa 0,5 mg täglich, bis durchschnittlich 2000 mg pro Tag erreicht waren. Diese Dosis, die etwa vier Erdnüssen entspricht, wurde dann über einen längeren Zeitraum beibehalten (im Median 31 Wochen). Ausserhalb der Behandlung sollten die Teilnehmer beider Gruppen Erdnüsse weiterhin strikt meiden.
Die Ergebnisse aus der Metaanalyse dieser zwölf Studien sind ernüchternd:
- Die Teilnehmer in den Immuntherapie-Armen hatten ein mehr als dreimal so hohes Risiko für eine anaphylaktische Reaktion und
- ein mehr als doppelt so hohes Risiko, Adrenalin injizieren zu müssen.
Die Resultate der Provokationstests, bei denen die Teilnehmer unter Beobachtung Erdnüsse assen, scheinen dem zu widersprechen: Bei Allergikern, die sich der oralen Immuntherapie unterzogen hatten, traten schwere Reaktionen zwölfmal seltener auf als bei denen ohne Behandlung.
Bei der Entscheidung für oder gegen die Immuntherapie müsse individuell entschieden werden, erläutern der Pädiater Professor Dr. Graham Roberts und Elizabeth Angier von der Academic Unit of Primary Care and Population Science der Universität Southampton in einem Kommentar. Was dem einen helfe, wirke beim anderen nicht oder sei sogar von Nachteil. Denn ganz offensichtlich schlage sich die Desensibilisierung, wie sie im Provokationstest klinisch nachweisbar ist, nicht generell in einer geringeren Zahl allergischer Reaktionen im «wirklichen Leben» nieder. Von einem Versagen der «Erdnusstherapie» könne man aber nicht sprechen.
Referenzen:
- Chu DK et al. Lancet 2019; online first
- Roberts G, Angier E. A.a.O.