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[* 2] (tschech. Praha, hierzu der Stadtplan), Hauptstadt des KönigreichsBöhmen,
[* 4] nach Größe und Bevölkerung
[* 5] die dritte
Stadt der österreichisch-ungar. Monarchie, liegt unter 50° 5' nördl. Br. und 14° 25' östl. L. v. Gr. fast in der Mitte
des Landes an beiden Ufern der Moldau, 194 m ü. M., hat einen Umfang von 21,6 km und bietet mit den die
Stadt umkränzenden Höhenzügen, dem breiten Strom mit seinen Inseln und Brücken,
[* 6] den zahlreichen Kirchen und Türmen, den vielen
mittelalterlichen Bauwerken ein eigentümlich malerisches Bild. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt +9,3° C.
[Stadtteile.]
Die Stadt besteht aus sieben Stadtteilen. Diese sind: die Altstadt am rechten Moldauufer, ganz in der
Thalsohle gelegen, das Zentrum des Verkehrs;
die von der erstern eingeschlossen Josephstadt, auf welche (nebst einigen angrenzenden
Straßen) die Juden noch bis 1860 beschränkt waren, mit engen und winkeligen Straßen;
die Kleinseite am linken Moldauufer, an der Abdachung des Laurentiusbergs und des Hradschins
erbaut, und der Hradschin selbst, letztere die ruhigsten Stadtteile mit den Palästen des Adels und Amtsgebäuden, großenteils
von Beamten und kleinen Gewerbsleuten bewohnt.
Als neue Stadtteile sind seit 1884 der Wyschehrad im S.
der Neustadt mit Citadelle über der Moldau und der Fabrikort Holleschowitz-Bubna, im NO. auf weiter, von der Moldau im Bogen umflossener
Fläche gelegen, einverleibt worden. Die eigentliche Stadt nebst Wyschehrad ist zum Teil noch mit Festungsmauern umgeben, welche
aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. stammen, seit 1875 aber, nachdem
Prag den Charakter eines festen Platzes längst verloren hat,
dann die am linken Moldauufer liegende, südlich an die Kleinseite sich anschließende Fabrikstadt Smichow.
Als Vororte endlich
sind anzusehen: Lieben, Wrschowitz, Nußle, Pankraz, Michle, Podol und Dworetz am rechten, Koschirz, Brzewnow, Trzeschowitz, Dejwitz
mit Scharka und Bubentsch am linken Moldauufer. Im Bereich der Stadt bildet die Moldau die Sophieninsel und Schützeninsel,
welche beide mit schönen Anpflanzungen, erstere auch mit einem schönen Saalgebäude und Bädern versehen und als
Vergnügungsorte sehr beliebt sind, dann die Judeninsel im obern, die Hetzinsel, die Jerusalem-, Rohansche und Holleschowitzer
Insel im untern Lauf.
Der gleichzeitig mit dieser Brücke erbaute schöne Franzenskai an der Moldau erstreckt sich, 622 m lang,
von der Kettenbrücke bis gegen die Karlsbrücke und aufwärts bis zum Brückensteg, der die Sophieninsel mit der Neustadt
verbindet. Er ist mit dem Franzensmonument geziert, einem 23,7 m hohen gotischen Bau in Form einer Spitzsäule, in der Mitte
mit der Reiterstatue des Kaisers von JosephMax. Unterhalb der Karlsbrücke ist am rechten Ufer in neuester
Zeit ebenfalls ein Kai (Rudolfskai) hergestellt worden, welcher sich bis zur dritten Brücke, der 1865-68 erbauten Franz Josephsbrücke,
hinzieht.
endlich der mit Anpflanzungen versehene Hradschiner Platz.
Die Straßen sind
namentlich in der Alt- und Josephstadt winkelig, eng und düster, in den neuern Stadtteilen dagegen breit
und gerade angelegt worden. Die schönsten Straßen sind außer den schon erwähnten Kais: die Karls-, Zeltner- und Eisengasse
in der Altstadt;
der schöne Straßenzug, welcher in weitem Bogen von der Kettenbrücke bis zur Franz Josephsbrücke die Grenze
zwischen der Alt- und Neustadt ausmacht und die Ferdinandsstraße, die Obstgasse, den Graben (auch Kolowratstraße,
der eigentliche Korso Prags) und die Elisabethstraße umfaßt;
Die alten Befestigungen Prags sind seit 1866 aufgelassen worden.
Als eigentliche Fortifikationswerke sind nur noch die hoch am Südende der Stadt liegende Citadelle von Wyschehrad, dann das
am linken Ufer der Moldau nördlich von der Kleinseite sich erhebende, 1848 umgestaltete Bastion anzusehen.
Der Dom ist ein schöner Bau in französischer Gotik mit einem Chorumgang und einem Kranz von fünf Kapellen, mit doppelten Strebebogen
und leichtem, mit breiten Fenstern ausgestattetem Oberbau. Nur das fünfschiffige Chor war vollendet, das
Schiff
[* 18] der Kirche bloß bis zum Querschiff fortgeführt worden; auch der 1400 begonnene Turm
[* 19] wurde nicht vollendet und mit einem
Haubendach abgeschlossen. Der Ausbau des Doms wird seit 1867 durch den zu diesem Zwecke gegründeten Dombauverein energisch
betrieben. Zu den Seitenkapellen des Doms gehört die aus der Zeit Karls IV. stammende Wenzelskapelle,
deren Wände in origineller Weise mit kostbaren, durch ein Gefüge stark vergoldeten Gipses aneinander gereihten böhmischen
Halbedelsteinen verkleidet sind. Unter den zahlreichen Denkmälern im
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Dem Alter nach geht dem Dom die gleichfalls auf dem Hradschin befindliche Georgskirche voran, eins der wenigen romanischen Baudenkmäler
Prags (1150 erbaut, nach einem Brand 1541 großenteils neu hergestellt), mit der Ludmillakapelle, welche das Grabdenkmal der
heil. Ludmilla, aus dem 15. Jahrh., enthält. Nächst dem Dom ist der wichtigste gotische Kirchenbau aus Karls IV. Zeit die 1377 vollendete
achteckige Kirche des Karlshofs in der Neustadt, mit kühn gewölbter Kuppel, das Innere jedoch in geschmackloser
Weise bemalt und mit Goldbronze bedeckt.
Ein stattlicher gotischer Bau ist die gleichfalls in der obern Neustadt gelegene Kirche des Stifts Emaus (1372 unter Karl IV.
vollendet). Aus derselben Zeit stammt die Kirche Mariä Verkündigung in Slup, ein kleines Kabinettsstück der Gotik, mit zierlichem
Turm, gegenwärtig zur Irrenanstalt gehörend. Einschiffige Kirchenbauten derselben Zeit sind die hohe
Franziskanerkirche Maria-Schnee, von Karl IV. 1347 gegründet, und St. Apollinar auf dem Windberg. In den Anfang des 15. Jahrh.
fällt der Bau der Teynkirche, welche die PragerKaufmannschaft aufführen ließ.
Sie ist zwar durch Anbauten verstellt, blickt aber über dieselben malerisch auf den AltstädterRing herab,
hat zwei stattliche Türme, ein schönes nördliches Seitenportal, im Innern die Marmorstatuen der Slawenapostel Cyrill und
Method (von EmanuelMax), das GrabmalTychoBrahes und mehrere Kunstwerke. Am Frontgiebel prangten ehemals der utraquistische Kelch
und darunter die StatueGeorgs vonPodiebrad, doch wurde beides unter Ferdinand II. durch ein kolossales
Marienbild ersetzt.
InteressanteKirchen sind außerdem: die Stephanskirche in der Neustadt, historisch als Ausgangsstätte des Hussitenkriegs denkwürdig,
von einfacher Basilikenanlage;
die im Barockstil vom Jesuitenorden erbaute Nikolaikirche auf der Kleinseite, mit mächtiger
Kuppel, im Innern mit Marmor, Gold,
[* 22] bunten Fresken und Statuen prunkhaft überladen;
die Altstädter Nikolaikirche (jetzt dem russischen Kultus eingeräumt) mit polygoner Hochkuppel;
die langschiffige Jakobskirche;
dann die Kuppelkirche der Kreuzherren auf dem Altstädter Brückenplatz und die Prämonstratenserstiftskirche
von Strahow am Hradschin mit reichem Barockornament und den Grabmälern des heil. Norbert, des Ordensstifters, und
Pappenheims, letztere vier zu den bessern Rokokobauten gehörend.
Die alte, im 18. Jahrh. umgebautePeters- und Paulskirche
in Wyschehrad wird gegenwärtig im gotischen Stil wiederhergestellt. Die bemerkenswertesten Klöster
sind: das 1140 gegründete,
am Hradschin malerisch gelegene Prämonstratenserstift Strahow mit Kirche, prächtigem Bibliotheksaal, Gemäldegalerie, großem
Garten
[* 23] etc.;
Unter den weltlichen Gebäuden nimmt den ersten Rang ein die Hofburg, teilweise aus alter
Zeit, aber mehrmals (zuletzt unter Maria Theresia) umgebaut und aus zahlreichen regellos aneinander gereihten Gebäuden zusammengesetzt.
Den Charakter des alten Burgbaues tragen nur noch der kleine, stark vorspringende Flügel mit der alten Ratsstube, aus deren
Fenstern Slawata, Martinitz und deren Sekretär
[* 24] Fabricius in den Wallgraben hinabgeworfen wurden,
und der Trakt des Wladislawschen Saals, eines hohen Rittersaals, mit reich verschlungenem Netzgewölbe.
Alles andre ist im italienischen Stil umgebaut. Der Portalbau an der Westfronte wurde 1614 von Scamozzi vollendet und enthält
eine schön angelegte Haupttreppe. Die Burg schließt einen äußern, mit einem Gitter eingefaßten Platz,
dann drei große innere Höfe ein, enthält eine Hofkapelle, 440 Zimmer und außer den schon erwähnten historischen Sälen
zwei große, restaurierte Säle, nämlich den deutschen und den spanischen Saal. In dem Burghof, gegenüber der Domkirche, ist
die 1373 gegossene eherne Reiterstatue St. Georgs aufgestellt, ein Kunstwerk der Brüder Clussenberg in
Nürnberg.
[* 25] So wie die Burg datiert auch das am AltstädterRinge gelegene Rathaus aus verschiedenen Bauperioden.
Dasselbe enthält eine 1381 geweihte, neuerdings restaurierte Kapelle, welche nach außen ein stark vorspringendes Chor von
schönen Verhältnissen und rein stilisierter Ornamentik besitzt. Übergangsformen von der Gotik zur Renaissance
zeigt die alte, im J. 1884 restaurierte Ratsstube. Bemerkenswert sind ferner die alte Gerichtsstube, der 1884 vollendete
große Festsaal und der Primatorensaal. Der Altstädter Rathausturm stammt von 1475. Ein dem eben genannten sowie dem Altstädter
Brückenturm sehr verwandter Bau ist der schöne, am Ende der Zeltnergasse stehende sogen. Pulverturm,
eigentlich ein Thorturm zwischen der Alt- und Neustadt (1475 erbaut, 1886 restauriert).
Von den ältern Baudenkmälern ist noch das alte Universitätsgebäude (Carolinum) in der Altstadt mit großer Aula und gotischer
Erkerkapelle, dann die weitläufige, 1360 angelegte krenelierte Mauer (angeblich während einer Hungersnot von Karl IV. gebaut,
um den ArmenErwerb zu schaffen, daher Hungermauer genannt) zu nennen, die, von einigen kastellartigen Türmen unterbrochen,
sich über die Höhe des Laurentiusbergs malerisch hinzieht. Ein Muster edelster Renaissance bildet das zierliche, unter Ferdinand
I. 1538 erbaute Ferdinandeische Lustschloß oder Belvedere in dem Garten der Kaiserburg, im stattlichen Saal 1850-56
mit Fresken aus der böhmischen Landesgeschichte versehen. Drei interessante, auch durch ihre räumliche Ausdehnung
[* 26] bemerkenswerte
Paläste sind: das CzerninschePalais am Hradschin (zweite Hälfte des 17. Jahrh.), ein ungeheurer Bau (gegenwärtig als Kaserne
dienend);
das Waldsteinsche Palais von 1623 auf der Kleinseite, eine ausgedehnte Palastanlage mit Nebengebäuden,
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