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Basler Rathaus mit Speicherfahne
Rathaus Basel: Eroberung oder „Staatsempfang“ oder ...?[Bearbeiten]
Am 23. September 2011 wehte am ehrwürdigen und weltweit bekannten Rathaus von Basel die Fahne der Gemeinde Speicher. War Basel von Speicher eingenommen worden? War es ein Zeichen vom Stadtkanton Basel für den Besuch eines Staatsoberhaupts eines bisher unbekannten Staates mit dem gleichen Wappen wie Speicher?
Wie es zu dieser amüsanten Anekdote kam, erzählte Gemeindepräsident Peter Langenauer anlässlich des Neujahrsaperos der Gemeinde Speicher vom 7. Januar 2017, als das wikispeicher einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
… ein verspäteter Dank für einen guten Rat?[Bearbeiten]
In der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Sonnengesellschaft Speicher schreibt Arnold Eugster: Als eine Art historischer Merkwürdigkeit mag hier noch angeführt werden, dass die Sonnengesellschaft im Jahre 1831 auf eine etwas eigentümliche Weise mit der Stadt Basel in Berührung kam. Ein dort wohnender Gymnasiallehrer besuchte eine Sitzung der Erstgenannten, um im Auftrag der Basler Stadtbürger die Stimmung der Appenzeller im Konflikt zwischen Stadt und Landschaft Basel in Erfahrung zu bringen. Die nach dem Weggang des Gastes einsetzende lebhafte Diskussion zeigte, dass man südlich des Höhenzuges von Vögelinsegg nicht mit den gnädigen Herren der Stadt, wohl aber mit der Landschaft fühlte. Da der Wunsch geäussert worden war, die obwaltende Gesinnung möchte den Basler Behörden mitgeteilt werden, riet ein von Landesfähndrich Tobler verfasstes und von Hauptmann Tanner und Dr. G. Rüsch unterzeichnetes Schreiben dem Magistrate von Basel freundschaftlich, aber ernsthaft zum Nachgeben.
Hintergrund dieser Episode ist die Abspaltung von Basel-Landschaft als Halbkanton mit eigener Verfassung, von anfangs 1831. Basel Stadt reagierte mit der militärischen Besetzung von Binningen, Allschwil und Liestal. Obwohl darauf eine etwas liberalere Verfassung von Stadt und Landschaft angenommen wurde, entband die provisorische Regierung von Basel Landschaft die Landschäftler vom Gehorsam gegenüber der Stadtregierung, welche erneut Truppen aufmarschieren liess. Die Tagsatzung reagierte auf diesen zweiten Aufstand der Landschaft mit der Besetzung der Basler Landschaft durch eidgenössisches Militär und der Aufforderung an die Stadt, der Landschaft entgegenzukommen. Bei der von der städtischen Obrigkeit angeordneten Abstimmung über den Verbleib der Landschaft bei der Stadt sprach sich 1831 eine Mehrheit der Landschaft bei starker Enthaltung gegen eine Trennung von der Stadt aus. Trotz diesem demokratischen Entscheid beschloss der Grosse Rat gegen die oppositionellen Gemeinden vorzugehen und ihnen die öffentliche Verwaltung zu entziehen, wenn sie sich nicht nachträglich durch Mehrheitsbeschluss zum Kanton Basel bekennen würden. In der Folge erklärte am 17. März 1832 eine Volksversammlung in Liestal die 46 «bestraften» Gemeinden für souverän und legte damit den Grundstein für den neuen Kanton Basel-Landschaft. (Auszüge aus: „Wikipedia: Direkte Demokratie im Kanton Basel-Landschaft“)
Vielleicht hat ja der Brief der Sonnengesellschaft mit dem freundschaftlichen Rat an den Magistrat der Stadt Basel, in der strittigen Angelegenheit zugunsten der Landschaft nachzugeben, dem Kanton Baselland den Weg zu seiner ersten Verfassung geebnet und damit den Grundstein für den neuen Kanton Basel-Landschaft gelegt.
Text: Peter Abegglen
Video: Leo Graf