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Bei der Abfahrt in Frankreich streitet der Achtjährige noch mit seinen älteren Geschwistern, die ihn Cocó nennen.
Das Kinopublikum kommt erst da auf die Idee, das hübsche Mädchen mit den grossen Augen und den langen Haaren sei gar keines.
Die Mutter (Patricia López Arnaiz) verteidigt später die Frisur des Kleinen auch gegenüber der Tante und der Grossmutter und ist überhaupt sehr verständnisvoll mit ihrem sensiblen jüngsten Kind und dessen Verträumtheit.
Dass sich der Junge gegenüber den anderen Kindern in dem baskischen Heimatort seiner Mutter klar als Mädchen ausgibt und sich plötzlich selber Cocó nennt, führt zu Verdachtsmomenten bei anderen Kindern, aber auch zu einem sehr schönen Moment mit einem Mädchen am Flüsschen im Wald, wo diese Cocó um einen Badehosentausch bittet, weil ihr Badkleidunterteil immer runterrutscht. Nach einem kurzen Blick auf den nackten Jungen erklärt sie ohne Überraschung und ganz selbstverständlich, einer ihrer Klassenkameraden habe eine Mumu.
Die Selbstverständlichkeit, mit der dieses Mädchen das Selbstbild von Cocó übernimmt, teilt sie nur noch mit der Grosstante, welche Bienen züchtet. Die erkennt Cocós Dilemma sehr bald, und auch dass er/sie unter den Bienen ruhiger und zufriedener wird als unter Menschen.
Der Film der im Baskenland geborenen Spanierin Estibaliz Urresola Solaguren packt allenfalls ein wenig viel in seine 125 Minuten.
Neben der wirklich grossartig und fein erzählten Transition von Cocó in Lucia kommen da die künstlerischen Nöte der Mutter, ihr Problem mit ihrem verstorbenen Bildhauer-Vater, der eigenen Mutter und der wahrscheinlichen Trennung vom Vater ihrer Kinder dazu, plus all die Verwandten, denen dieser zum grossen Tauffest für den jüngsten Cousin Cocós doch angereiste Vater den Jungen nicht in Mädchenkleidern zumuten möchte:
«Zuhause kann er tragen, was er will. Aber nicht hier»
Das führt zu der hinreissendsten Szene des Films, die zu erzählen sich verbietet. Nur so viel: Einleuchtender kann niemand vermitteln, wie wenig das Selbstverständnis eines Menschen von aussen diktiert werden kann.
Für diese Sequenz allein könnte Estibaliz Urresola Solaguren den goldenen Bären der diesjährigen Berlinale gewinnen.