Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03607.jsonl.gz/978

Bei einer visuellen Prüfung war 2014 bekanntlich festgestellt worden, dass es nicht nur Anrisse mit Längsverlauf zu einer Schweissnaht gibt, sondern auch solche mit Querverlauf. Diese wurden nun mit Ultraschall geprüft.
"Die Resultate ergaben, dass der längste Riss, der eine Länge von 99 mm aufweist, teilweise wanddurchdringend ist", teilte die Mühleberg-Betreiberin BKW am Donnerstag mit.
Der Satz liess Atomkraft-Gegner aufhorchen. "Für uns ist es erschreckend zu sehen, dass ausgerechnet ein Anriss mit Querverlauf wanddurchdringend ist", sagte Jürg Joss von Fokus Anti Atom der Nachrichtenagentur sda.
Während die Längsrisse seit langem bekannt seien, sei der Mechanismus der Querrisse noch nicht erforscht. "Wir wissen also nicht, wie sich dieser Mechanismus entwickelt." Somit sei auch unklar, ob das eine Gefährdung des nächsten Betriebszyklus zur Folge habe.
Anders sieht es die BKW. "Internationale Experten gehen davon aus, dass die Anrisse mit Querverlauf wie diejenigen mit Längsverlauf aufgrund von Spannungsriss-Korrosion entstehen", schreibt das Unternehmen. "Die Betriebsbedingungen, die einen Einfluss auf die Anrissbildung haben könnten, haben sich in den letzten Jahren nicht verändert."
Bereits seit dem Jahr 2000 würden Edelmetalle und Wasserstoff beigemischt, um die Chemie des Reaktorwassers zu ändern und die Spannungsriss-Korrosion zu reduzieren. Der Erfolg dieser Methode lasse sich am stagnierenden Wachstum der Anrisse mit Längsverlauf nachweisen.
In der bruchmechanischen Bewertung gehe die BKW zudem pauschal von wanddurchdringenden Querrissen aus. "Die BKW kann den Nachweis erbringen, dass die Stabilität des Kernmantels selbst bei schwersten Störfällen gegeben ist."
Das AKW Mühleberg war am 3. August für die Jahresrevision abgestellt worden. Inzwischen produziert die Anlage wieder Strom.
Beim Wiederanfahren war es am Mittwochabend zu einer Reaktorschnellabschaltung gekommen, wie das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) mitteilte. Eine Störung im Verhalten des Regelölsystems einer Turbogruppe habe die Schnellabschaltung ausgelöst.
Nachdem die Störung behoben worden war, wurde das AKW am Donnerstag wieder angefahren. Laut ENSI zeigten die Messsonden in der Umgebung des Atomkraftwerks keinen Anstieg der Radioaktivität.