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Silvio Berlusconi will die Geschicke Italiens wieder in die Hand nehmen – notfalls auch zusammen mit seinem Gegner. Der frühere Ministerpräsident ist offen für eine Koalition mit dem Mitte-Links-Lager. Alle Seiten müssten nun Opfer bringen, sagte Berlusconi. Neuwahlen halte er nicht für sinnvoll.
Eine Koalition mit dem Zentrumsbündnis des scheidenden Ministerpräsidenten Mario Monti schloss der Milliardär allerdings aus. Das schlechte Abschneiden von Monti zeige, dass die Bevölkerung mit dem Sparkurs nicht einverstanden sei, sagte Berlusconi.
Grillo gegen grosse Koalition
Protest-Politiker Beppe Grillo will eine mögliche grosse Koalition von Linken und Rechten im Parlament verhindern. «Gegen uns geht es nicht mehr», kündigte er an. Er hatte mit seiner Partei «Fünf Sterne» einen spektakulären Wahlerfolg erzielt. Die Partei wurde auf Anhieb die stärkste Partei im Abgeordnetenhaus in Rom. Mit einer grossen Koalition würden sie vielleicht noch sieben, acht Monate fortfahren können, und nur Unglück anzurichten, meinte er.
Knappes Resultat im Abgeordnetenhaus
Bersanis Mitte-Links-Bündnis gewann die Wahl zum Abgeordnetenhaus mit 29,54 Prozent der Stimmen. Dies teilte das Innenministerium in Rom mit. Damit liegt Bersani mit nur 124'000 Stimmen vor Berlusconis rechtem Bündnis, das 29,18 Prozent erhielt.
Das Mitte-Links-Bündnis bekommt als stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus durch einen Bonus die Mehrheit von 340 der insgesamt 630 Sitze. Berlusconis Lager stellt 124 Abgeordnete.
Stärkste Einzelpartei im Abgeordnetenhaus ist jedoch die Anti-Establishment-Bewegung des Komikers Beppe Grillo mit 25,6 Prozent. Sie entsendet 108 Parlamentarier. Montis Bündnis der Mitte erreichte nur 10 Prozent und verfügt über 45 Mandate.
Keine Mehrheit im Senat
Im Senat hat Bersanis Zusammenschluss zwar die meisten Stimmen bekommen, aber nicht die Mehrheit der Sitze. Er erhielt 31,6 Prozent der Stimmen und 120 Sitze. Das Mitte-Rechts-Bündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi kam auf 30,7 Prozent und 117 Sitze. Im Senat, der jedem Gesetz zustimmen muss, ist Bersanis Lager damit auf Partner angewiesen.
Die Protestbewegung von Grillo erhielt 23,8 Prozent und 54 Sitze. Abgeschlagen auf dem vierten Platz folgt der scheidende Regierungschef Mario Monti, der mit seinem Bündnis der Mitte 9,1 Prozent der Stimmen und 18 Sitze bekommen hat.
Mit diesem Resultat stehen die Parteien vor schwierigen Verhandlungen über eine Regierungsbildung, an deren Ende auch Neuwahlen stehen könnten.
EU-Kommission will Bewegung
Die EU-Kommission setzt darauf, dass in Italien eine Mehrheitsregierung gebildet wird. «Das Ziel der italienischen Volkswirtschaft bleibt, Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen», sagte ein Sprecher der Behörde. «Wir haben volles Vertrauen in die italienische Demokratie.»