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Fabian Cancellara fährt sein zweites olympisches Gold heraus. Nun ist er einer der Grössten aller Zeiten.
Die Popularität des Radrennsportes in unserem Land geht auf eine Zeit vor mehr als 50 Jahren zurück. Ferdy Kübler und Hugo Koblet waren die ersten grossen Sport-Popstars der Schweiz. 1950 gewann Hugo Koblet als erster Ausländer den Giro und Ferdy Kübler als erster Schweizer die Tour de France. 1951 triumphierte Hugo Koblet bei der Tour und Ferdy Kübler wurde Weltmeister. Die beiden haben eine Radsport-Euphorie ausgelöst, die bis heute anhält.
Ferdy Kübler ist zum Schweizer Sportler des 20. Jahrhunderts gewählt worden. Hugo Koblet ist durch seinen frühen Unfalltod im Alter von 39 Jahren zum «James Dean» des Schweizer Sportes geworden. Sein Schicksal wurde sogar verfilmt.
Kein Schweizer Radfahrer ist Nachfolger von Kübler und Koblet geworden und fast schien es, als werde es nie einen Nachfolger geben. Die Tour hat nie mehr ein Schweizer gewonnen. Carlo Clerici (1954) und Tony Rominger (1995) feierten zwar den Gesamtsieg beim Giro. Hans Knecht (1949) und Oscar Camenzind (1998) wurden Strassen-Weltmeister und Pascal Richard (1996) triumphierte beim olympischen Strassenrennen. Sie hatten jedoch weder das Charisma noch die Popularität von Kübler und Koblet.
Nun hat Fabian Cancellara als erster Schweizer Radstar die Höhen von Ferdy Kübler und Hugo Koblet erklommen, obwohl er weder den Giro noch die Tour oder die Strassen-WM zu gewinnen vermochte.
Aber seine Karriere ist so lang und die Erfolge sind so markant, dass er trotzdem zu den Grössten aller Zeiten gehört. Zu den «Titanen der Landstrasse».
Er ist acht Jahre nach Peking, als er das Zeitfahren gewann, erneut Olympiasieger. Er war viermal Weltmeister im Zeitfahren. In seiner Karriere gibt es dramatische Tiefpunkte wie der Sturz beim Strassenrennen 2012 in London, der ihn wohl um Gold gebracht hat.
Der Berner ist nie in einer Dopingkontrolle hängen geblieben und die immer wieder kolportierten Gerüchte um «Velodoping» (ein Motörchen im Velo?) haben seiner Popularität eher genützt als geschadet. Wie Roger Federer gibt es in seiner Karriere und in seinem Lebenslauf keine Skandale. Diese Karriere ist durch und durch aus dem Stoff geworben, aus dem Sportstars gemacht sind.
Er ist beides. Ein anständiger, freundlicher, bescheidener Berner und ein internationaler Sportstar und Sport-Millionär. Nicht viele schaffen diesen Spagat. Ende Saison wird er zurücktreten. Nun reitet er als goldener Held in den Sonnenuntergang seiner Karriere. Er ist einer der wenigen internationalen Sportstars, die den richtigen Zeitpunkt für den Rücktritt erwischt haben.
Sein Erfolg überstrahlt nun in Rio die Bronze-Medaille von Heidi Diethelm-Gerber aus der Randsportart Schiessen. Sie muss ihren Platz auf der Bühne der sportlichen Eitelkeiten schon nach ein paar Stunden wieder räumen. Sie macht einem der grössten aller Zeiten Platz.
Auf dieser Bühne sind eben nicht alle gleich. Das ist sehr schade. Im Sport ist es halt nicht anders als im richtigen Leben. Es gibt kleine Ungerechtigkeiten.