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Es lohnt sich, im Herbst einen Moment innezuhalten und sich Zeit für das Beobachten der Böden mittels einer Spatenprobe zu nehmen. Die Spatenprobe ist einfach und kostet nichts. Es braucht keine spezielle Ausbildung dazu.
Im Herbst 2012 und Frühjahr 2013 konnte die Bodenbeabeitung meist nur in zu nassen Böden durchgeführt werden. In einigen Fällen wird es mehrere Jahre dauern, bis sich die Böden regeneriert haben werden. Die Tiefenlockerung wird normalerweise nach der Getreideernte vorgenommen und nur, wenn der Boden auch in der Tiefe trocken ist. (Jetzt sind die Böden wieder zu feucht, eine Tiefenlockerung ist somit nicht mehr möglich.) Nach der Tiefenlockerung sät man üblicherweise eine Gründüngungsmischung und lässt den Boden während mehrerer Monate ruhen. Dann beobachtet man die Arbeit der Gründüngung im Boden.
Mit einem Spaten (idealerwiese 45 Zentimeter lang) wird eine kleine Grube von 70 cm Länge, 40 cm Breite und 40 cm Tiefe augehoben. Man gräbt von zwei Seiten her und zwar so, dass auf der einen Seite der Boden durch den Spaten nicht gepresst wird. Dort sticht man am Schluss eine zirka 10 cm dicke Erdscheibe heraus. Idealerweise macht man pro Parzelle zwei Spatenproben, die eine an einer Stelle mit gutem, die andere an einer Stelle mit schlechtem Pflanzenwuchs.
Die Sinne einsetzen: Sehen, Riechen, Fühlen!
- Bodenoberfläche
Ein gutes Zeichen sind kleine, feine Erdkrümel und Regenwurmgänge. Eine Kruste und grosse kompakte Schollen sind schlechte Zeichen.
- Bodenstruktur in der Tiefe
In 20 bis 30 cm Tiefe sind die Krümel nicht so fein wie an der Bodenoberfläche, aber sie sollten abgerundet sein und sollten zwischen den Fingern zerbröseln. In schweren Böden sind die Krümel von Natur aus grösser als in leichten.
- Sohlen
Gibt es abrupte Übergänge zwischen der bearbeiteten und unbearbeiteten Bodenschicht? Es kann sich dabei um eine Pflugsohle oder eine durch Gänsefussscharen oder Kreiselegge verursachte Streichschicht handeln. Beobachten Sie, ob die Wurzeln der Gründüngung und die Regenwurmgänge die Streichschicht durchdringen. Wenn ja, ist eine natürliche Regeneration des Bodens im Gange.
- Geruch und Farbe
Riecht der Boden schlecht und hat er grau-blaue Flecken? Das wäre ein Erstickungszeichen. Grund dafür können durch Maschinen verursachte Bodenverdichtungen sein. Ein biologisch aktiver Boden in gutem Zustand hat hingegen einen angenehmen Pilzgeruch.
- Wurzeln
Deformierte (gekrümmt, verkrüppelt) Wurzeln weisen ebenfalls auf Verdichtungen und Sohlen hin.
- Pflanzenrückstände
Sichtbare Überreste von nicht abgebautem Stroh oder Mist in tieferen Schichten ein Jahr oder mehr nach dem Einarbeiten sollten nicht vorkommen. In Zukunft sollte dieses Material oberflächlicher und sorgfältiger eingearbeitet werden (Bildung einer „Matratze“ vermeiden).
- Regenwürmer
Anzahl und Grösse der Regenwurmgänge, Vorhandensein von Regenwurmkothäufchen an der Oberfläche im Herbst und Frühjahr. Je mehr, desto besser.
Es handelt sich hier nur um einen Überblick. Spezielle Publikationen liefern eine Menge weitergehender Informationen über das, was mit einer Spatenprobe herausgefunden werden kann. Generell sollten vermehrt Spatenproben gemacht werden. Man macht das allein oder noch besser zusammen mit einem Nachbarn anlässlich eines Feldrundgangs. Jeder Landwirt kann entscheidenden Einfluss nehmen auf die Entwicklung seiner Böden und deren Fruchtbarkeit. Dies gilt unabhängig von der Art der Bodenbearbeitung: Pflug, reduzierte Bodenbearbeitung, Direktsaat. Auf sehr fruchtbaren Böden brauchen die Pflanzen weniger Dünger und überstehen eine Trockenperiode besser. Solche Böden absorbieren zudem das Regenwasser gut und sind tragfähiger.
Die Spatenproben mit was vergleichen?
Man vergleicht die Spatenproben im Feld mit einer Spatenprobe am Feldrand, zum Beispiel im angrenzenden Grasstreifen. Dies gibt Ihnen einen guten Eindruck, in welche Richtung sich der Boden in der Ackerparzelle entwickeln sollte.
Maurice Clerc, FiBL
Weiterführende Informationen
Film: Mit der Spatenprobe die Bodenstruktur im Feld beurteilen (gleiche Rubrik)
Film «Die Spatenprobe» (Fachstelle Bodenschutz des Kantons Bern, YouTube, 15 Minuten)
Den Boden unter den Füssen kennen – Spatenprobe sei Dank! (Bioaktuell 10|2016)
Dossier «Grundlagen zur Bodenfruchtbarkeit», Seite 12 ff (FiBL-Shop)
Natur und Bewirtschaftung prägen die Bodenstruktur (Artikel im bioaktuell 1/14)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 23.10.2017