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und die Länge des eingeschobenen Stückes an. Sind aber theilweise Verwachsungen oder eine gänzliche Ausfüllung des Nasenganges durch geronnene Lymphe vorhanden, so könmmt man mit der Sonde auf ein elastisches Hinderniss. Wenn man die Sonde vorwärts zu stossen bemüht ist, so dringt sie einige Linien tief ein, wird aber, nach aufgehobenem Druck, von der elastischen Unterlage etwas in die Höhe gehoben. In diesem Falle gelingt die Gangbarmachung mit der stumpfen Sonde gewöhnlich nicht. Es wird desshalb eine zugespitzte Sonde bis an die verschlossene Stelle geführt, und mittelst dieser das Hinderniss durchgestossen, wobei man die die Sonde füh– rende Hand auf die Stirne legt, mit der andern freien Hand aber das Kinn des Patienten unterstützt, und die Sondenspitze in der Richtung des Nasenganges fortbewegt. Müssen theilweise Verwachsungen durchbrochen werden, so könmmt man, wenn die erste verschliessende Stelle überwunden ist, auf eine zweite, zuweilen auf eine dritte etc. Bei diesem Verfahren fliessen immer einige Tro– pfen Blut aus dem Nasenloche hervor, sobald die Sonde in die Nase gelangt ist. Man steht nun für diesen Tag vom ferneren Operiren ab, indem man das freie Ende der Sonde an die Stirne be– festiget, und die Thränensackwunde durch ein eingeschobenes Bourdonnet offen hält. Im Falle man mit der spitzigen Sonde handelte, so muss man, ehe die Sonde an die Stirne befestiget wird, dieselbe um einige Linien zürückziehen. Den fol– genden Tag zieht man die Sonde, nachdem man dem Patienten etwas Milch in die Nase hat hinaufziehen lassen, um die am untern Ende der Sonde ansitzenden Krusten zu entfernen, nach oben aus, um eine ESaite einzuführen. Durch die Saite sucht man die Erweiterung des eröffneten Nasenganges zu erhalten. Die Saite wird, wie die Sonde, zuerst horizontal, dann senkrecht in den Thrä–
nensack und Nasengang eingeführt, und allmählig so tief eingeschoben, dass sie der Kranke am hintern Theile des Schlundes fühlt. Nach einer viertel oder halben Stunde, wenn man glaubt, dass der in der Nasenhöhle liegende Theil der Darmsaite durch den daselbst befindlichen Schleim, oder durch eingezogene Milch erweicht ist, muss der Kranke zum Vorschnauben derselben angehalten werden. Man lässt den Patienten den Mund und das Nasenloch der gesunden Seite schliessen, und die Luft in die hinteren Nasenlöcher stossen. Nach mehreren Versuchen dieser Art kommt die Saite gewöhnlich zum Vorscheine ). Wird durch dieses Verfahren die Saite nicht aus der Nase herausgetrieben, so bringt man in das Nasenloch der kranken Seite die Bellog'sche oder eine einfache elastische Röhre ein, nachdem die Saite bis in den Schlund vorgeschoben, dort gefasst und aus dem Munde hervorgezogen wurde. Bei Anwendung der Belloq’schen Röhre lässt man die * Feder in den Mund hervortreten; wird die elastische Röhre angewandt, so wird diese, sobald sie im Schlunde sichtbar ist, mittelst der Kornzange gefasst und hervorgezogen. Das Saitenende wird nun an die Feder oder die elastische Röhre angeschlungen, das Werkzeug, welchem die Saite folgt, zurück und aus der Nase herausgezogen *). Die Saitenrolle wird auf der Stirne befestigt, das aus der Nase hervorhängende Ende mittelst des englischen Pflasters auf die Wange geheftet, und die Thränensackwunde mit Charpie locker angefüllt. Täglich muss der Verband erneuert werden. Aus der auf der Stirne befestigten Saitenrolle wird
1) Richter, Anf. d. W. 2. B. § 524. Beer, im a. W. 2. B. S. 171.
2) In mehreren Fällen war ich genöthiget, dieses leicht zu verübende, schmerzlose Verfahren anzuwenden, da durch das Schnauben die Saite nicht hervorgebracht werden konnte.
ein hinlänglich langes Stück, im Anfange beölt, später mit einem angezeigten Arzneistoffe bestrichen, abgerollt, und durch Anziehen des untern Endes in den Thränensack, Nasenschlauch und die Nase so eingezogen, dass ein zwei Zoll langes Stück der trocknen Saite aus der Nase vorsteht, welches , nachdem der gebrauchte Theil der Saite abgeschnitten worden ist, auf die Wange geklebt wird. Wenn man vier Wochen hindurch von der E Saite Gebrauch gemacht hat, so geht man zur ASaite über. Bei solchen Individuen, bei welchen die Ausführungskanäle weit sind, kann man von der ASaite zur D Saite übergehen. Ist eine Saitenrolle verbraucht, so wird eine neue, entweder mit freier Hand oder mit– telst des letzten Stückes der gebrauchten Saite, eingelegt. Um letzteres zu bewerkstelligen, wird das aus dem Thränensacke vorstehende Ende der gebrauchten Rolle mittelst einer feinen, mit einem Seidenfaden versehenen Nähnadel durchstochen, der Faden nachgezogen, und nun das freie Ende der zu brauchenden Rolle auf dieselbe Weise behan-delt. Die zwei Fadenenden werden zusammen– ebunden, wodurch alsdann eine Schlinge entsteht, welche beide Saitenenden verbindet. Ist durch das Einlegen der Darmsaiten die zweckmässige Weite des Nasenganges hergestellt, was gewöhnlich nach acht Wochen der Fall ist, so sucht man diese durch das Einlegen der Bleisonden oder der Fadenschlingen fortdauernd zu erhalten. Erstere haben den Vorzug bei robusten Individuen, bei welchen die Ausführungsgänge weit sind, letztere bei schwächlichen, reizbaren Subjecten. Sie müssen so lange im Gebrauche bleiben, als die krankhafte Stimmung und Veränderung der Schleimhaut, welche der Verengerung oder Verschliessung zu Grunde liegt, nicht gehoben ist. Der krankhafte Zustand der Schleimhaut wird durch Einspritzungen zweckdienlicher Mittel,
z. B. im Anfange einer Sublimatauflösung, später des Lapis divinus, oder durch das Ueberziehen der einzuziehenden Saiten mit den anzuwendenden Mitteln entfernt. Besteht ein Leiden der Constitution, so müssen innerliche Mittel zur Bekämpfung desselben angewandt werden ). Die Merkmale, aus welchen der Arzt entneh– men kann, dass die ausdehnenden Werkzeuge ohne Gefahr eines Rückfalles entfernt werden können, sind folgende: Der Nasenkanal ist so frei und offen, dass die Sonde gleichsam von sich selbst herab in die Nase fällt, der Faden, im Falle ein solcher eingelegt ist, mit Leichtigkeit hin und her gezogen werden kann. Weder an der Sonde, noch in der Nase oder der Wunde bemerkt man Eiter oder vermehrte Schleimabsonderung, höchstens geht, wenn man den innern Augenwinkel drückt, ein Tropfen eines milchähnlicl-en Eiters aus der Wunde hervor. Wenn der Patient Mund und Nase zuhält, so kann er beim Ausschnauben die Luft aus der Oeffnung des Thränensackes her– austreiben. Die eingespritzte Flüssigkeit muss in vollem Strome und ungetrübt aus der Nase fliessen. Die Aufwulstung der Schleimhaut ist ganz verschwunden. Sind diese Zeichen vorhanden, so werden die ausdehnenden Geräthe entfernt, und die Wundränder des Thränensackes durch ein Streifchen des englischen Pflasters in Verbindung
*) Die häufigen Rückfälle des Uebels sind vorzüglich darin begründet, dass die Erweiterung des Nasenganges nicht lange genug fortgesetzt, und das organisch vitale Leiden der Schleimhaut nicht berücksichtiget wird. Richter (Anf. d. W. 2. B. § 527) glaubt, dass gewöhnlich die ganze Cur in acht Wochen vollendet sey. Schmidt (im a. W. S. 297) versichert, die Faden niemals vor dem Ablauf von 3 oder 4 Monaten entfernt, allein auch nie einen Rückfall beobachtet zu haben. Walther (de fistula et Polypo sacci lacrymalis, auct. Meß. Bonnae, 1822. S. 33) wendet zuweilen die erweiternden Geräthe sechs Monate hindurch an.
gesetzt. Sind die Wundränder callös und trocken,
so schliesst sich die Oeffnung durch dieses Ver
fahren nicht, sondern es ist nothwendig, die Wunde
zu scarificiren oder mit Höllenstein zu bedupfen ). Schmidt *) giebt der Fadenschlinge vor den
Darmsaiten und der Bleisonde den Vorzug, ob
gleich er letztere auch für einzelne Fälle indicirt
findet. Dessen Verfahren, um die Fadenschlinge einzuziehen, ist folgendes: Sobald das Knöpfchen der geöhrten Sonde in der Nase angekommen ist,
so fädle man zwei neben einander gelegte durch
Wachs gezogene und hiedurch aneinander ge
klebte Fäden ein, schlage das durchgezogene kurze
Ende über das Oehr der Sonde hinauf, und drücke es fest an, so dass es die Dicke des Fadens nicht merklich vergrössere. Die Cabanis'sche Platte wird nun so in die Nase geführt, dass der gerade Rand nach ein – und abv:ärts, und der geschweifte nach aus – und aufwärts sieht. Ist man der untern Muschel näher gekommen, so wird die Richtung der Flächen so geändert, dass die eine nach oben, die andere nach unten gekehrt ist. Die Sonde lässt man frei in den Nasenschlauche stecken; so
1) Das Verfahren von La Forest (Mem. de l'Acad. de Chirurg. T. 2. p. 175) wählt die untere Mündung des Nasenkanals zur Verrichtung der Einspritzungen mittelst einer Sförmig gekrümmten Röhre. Cabanis Mem de l'Acad de Chirurg. T. 2. p. 197) verbindet die Mejansche und La Forest'sche Methode, indem er nach Mejan die Sonde durch den Thränenpunkt einführt, das Ende derselben mittelst seiner eigenen Platte fasst, dieselbe 1iebst den Faden aus der Nase hervorzieht. An das aus der Nase heraushängende Ende des Fadens wird eine Röhre angehängt, in die untere Mündung des Nasenganges eingespritzt. La Faye (Cours d'operation par Dyonis, Paris, 1777. pag. 452) bemerkt, dass es am
zweckmässigsten seyn möchte, die Verstopfungen des
Nasenkanals durch von der untern Mündung ausgehende Einspritzungen zu heben. Dies Verfahren ist an Leben“ den unausführbar.