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Das lukrative Geschäft mit dem Land
Fruchtbarer Boden ist ein begehrtes Gut. Bevölkerungswachstum, veränderte Ernährungsgewohnheiten, die Verstädterung und das Aufkommen von Agrotreibstoffen verstärken die weilweite Nachfrage nach landwirtschaftlich nutzbarem Land und darunter liegenden Wasserquellen. In den vergangenen Jahren haben immer mehr staatliche und private Investoren damit begonnen, in anderen Staaten grosse Landflächen zu pachten oder zu kaufen. Solche transnationalen Landgeschäfte werden als „Land Grabbing“ („An-sich-Reissen von Land“) bezeichnet.
Rücksichtslose Deals
Sei es für die Produktion von Nahrungsmitteln, schnellwachsenden Hölzern und Agrotreibstoffen oder als reines Anlageobjekt: Im Rahmen grosser Deals wurden seit dem Jahr 2000 weltweit über 70 Millionen Hektar Ackerland verpachtet oder verkauft – eine Fläche fast 17-mal so gross wie die Schweiz. Rund die Hälfte davon entfällt auf Afrika. Und das sind nur die gesicherten Zahlen. Manche Schätzungen gehen von einer dreimal so grossen Fläche aus.
Die Investoren kommen dabei aus aller Welt. Wichtigste Akteure sind die USA, Malaysia, Grossbritannien, China und die Arabischen Emirate. In Ostafrika finden sich allerdings auch Investoren aus der Schweiz, aus Deutschland und Österreich.
Das grosse Problem dabei: Die Deals zwischen ausländischen Investoren und nationalen Regierungen werden oft über die Köpfe der lokalen Bevölkerung hinweg abgeschlossen, ohne Rücksicht auf bestehende Eigentums- und Nutzungsrechte. Kleinbauern und Nomaden verlieren so den Zugang zu Acker- und Weideland und damit ihre Lebensgrundlage.
Opfer und Täter zugleich
Für Indien etwa sind gegenwärtig Landverkäufe und -verpachtungen an ausländische Investoren von über 200‘000 Hektar dokumentiert. Davon entfallen allein 194‘000 Hektar auf eine australische Jatropha-Plantage für die Produktion von Agrotreibstoffen. Kritiker werfen der indischen Regierung vor, die Rechte der Einheimischen ungenügend zu schützen und sprechen von einem regelrechten Krieg gegen die Bauern. Tatsächlich ermächtigt ein Gesetz aus dem Jahr 1894 den indischen Staat, private Landbesitzer zu enteignen und die Landrechte neu zu vergeben. Dabei fällt den Behörden nicht selten ein satter Gewinn zu.
Bedeutender ist allerdings die eigene aktive Rolle Indiens beim Land Grabbing. Das aufstrebende Schwellenland gehört mit knapp zwei Millionen Hektar in Afrika und Südostasien mittlerweile zu den zehn grössten Landkäufern und -pächtern weltweit.
Weitere Informationen:
>> zu transnationalen Geschäften mit Landwirtschaftsland (in Englisch)