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Die Haltung von Degus – naturbraun sind sie am robustesten
Degus werden seit über 20 Jahren in Menschenobhut gehalten. Gute und aktuelle Informationen zu diesen aufgeweckten Nagern sind auch heute eher rar trotz einer mittlerweile guten Bekanntheit. Ein besonders ernstes Problem sind jedoch die zunehmenden Farbmutationen.
Erste Degus gelangten in den 1970er Jahren als Versuchstiere nach Europa und verbreiteten sich in den 1980er Jahren über Ost- und Westdeutschland im deutschsprachigen Raum. Noch im Jahre 1997, als ich mich das erste Mal mit Degus befasste, waren sie in der Öffentlichkeit kaum bekannt, doch seit da hat ihre Bekanntheit und Beliebtheit als Heimtier stark zugenommen, wobei in den letzten Jahren eine gewisse Sättigung eingesetzt hat: Heute sind eher wieder kleinere Nagetiere gefragt, welche den Ruf haben, anspruchsloser zu sein.
Biologie
Von vier Deguarten wird nur der Gewöhnliche Degu (Octodon degus) in Menschenobhut gehalten. Er ist der Kleinste der vier Arten mit einer Körperrumpflänge von 17 bis 21 cm und einer Schwanzlänge von 8 bis 14 cm. Degus wiegen 200 – 280 g und werden im Schnitt vier bis sechs Jahre alt, in seltenen Fällen aber auch zehn Jahre und mehr. Von der Grösse und ihrem Aussehen ähneln sie Ratten, sind jedoch kleiner, Nase und Ohren sind deutlich abgerundet und das Schwanzende ist pinselartig behaart (Quaste). Bei Degus wachsen sowohl die Schneide- als auch die Backenzähne nach. Die Schneidezähne haben an der Vorderseite eine harte, orange Schutzschicht. Degus werden als Nestflüchter geboren und haben mit 90 Tagen eine lange Tragzeit.
Leben in der Wildnis
Degus sind tagaktiv und bewohnen offene Steppen und mediterranes Buschland in Mittelchile und kommen dort bis in 1200 m Höhe vor. Sie sind also genauso Tieflandbewohner wie die Chinchillas (Chinchilla lanigera) und beide Arten kommen auch in denselben Lebensräumen vor und haben eine ähnliche Ernährung. Degus sind sehr sozial und leben in Familiengruppen, welche wiederum grössere Kolonien bilden können. Sie legen Erdbaue an und bilden auf der Erdoberfläche umfangreiche Wegnetze, auf welchen sie auch zu ihren Kräuterwiesen und Futtersträucher gelangen, welche sie als Nahrungsquellen nutzen. Zu den Feinden der Degus gehören hauptsächlich Greifvögel und Füchse, vermutlich aber auch Katzen und Hunde.
Haltungsvorschriften
Anforderungen gemäss TschV
- Min. 0,5 m2 und 0,35 m3 für bis zu 5 Tiere.
- Je 0,05 m2 zusätzlich für jedes weitere Tier
- Min. 30 cm geeignete Einstreu zum Graben anbieten
- Rückzugsmöglichkeiten anbieten, in denen alle Degus Platz haben
- Nageobjekte wie Weichholz oder frische Äste anbieten
- Sandbad anbieten
- In Gruppen von mindestens 2 Degus halten
Haltung
Degus werden mindestens zu zweit gehalten. Sie brauchen vor allem eine grosse Grundfläche, hindernisfreie Wege und genügend Versteck- und Grabemöglichkeiten. Für eine kleine Degugruppe empfiehlt sich ein selbstgebauter Käfig von 120 x 60 cm Grundfläche oder grösser und 1 m Höhe. Käfige aus dem Handel sind zu klein und nicht geeignet. Hohe Käfige sollten zudem mit genügend Volletagen ausgestattet werden, damit die Degus die Höhe nutzen können. Aussenhaltung ist möglich. Dicke waagrechte oder leicht schräge Kletteräste werden von den Degus gerne zum Klettern angenommen, Ton- oder Kartonröhren und grosse Strohhaufen oder tiefe Einstreu dienen zum Graben und als Versteck. Grosse, flache Steine sind wichtig für den Abrieb der Krallen und werden gerne genutzt als Ruhe- oder Fressplatz.
Ernährung und Gesundheit
In der Wildnis ernähren sich Degus vorwiegend von Strauchblättern, Kräutern und Gräsern. Ein Viertel machen jedoch Samen und Nüsse (der Honigpalme, Jubaea chilensis) aus. In Menschenobhut stellt daher die beste Alternative eine Fütterung mit frischer Wiese, Wildpflanzen, Blüten, Laub und Zweigen dar, welche mit Trockenkräutern, Heu, Saaten (Vogelfutter, Wildsaaten) und Hasel- und Walnüssen (mit Schale) angereichert wird. Oft wird jedoch aus Bequemlichkeit oder im Winter mangels Alternativen das Frischfutter mit Gemüse und Trockenkräutern ersetzt. Diese Fütterung kann jedoch leicht zu Fehlernährungen führen, wie dies ebenso mit den herkömmlichen Futtermischungen wie Pellets oder Getreidefutter der Fall ist. Gerade Wurzelgemüse sind aufgrund ihrer leicht verdaulichen Kohlenhydrate (Stärke, Zucker) in grösseren Mengen problematisch. Besser geeignet sind Blattgemüse und das Laub von Karotte, Kohl, Radieschen oder Fenchel. Auch zahlreiche frische Küchenkräuter wie Petersilie, Basilikum, Dill oder Salbei eignen sich.
Um Zahn- und Skeletterkrankungen vorzubeugen, ist ein Calcium-Phosphor-Verhältnis von etwa 2:1 wichtig. Dazu eignen sich am besten frische Pflanzen, welche zudem reich an verdaulichen Fasern sind. Letztere sollten zudem den Hauptbestandteil der Degunahrung ausmachen. Weitere häufige Gesundheitsprobleme sind Hautprobleme und Haarausfall, Atemweg- und Magen-Darm-Erkrankungen und Linsentrübungen.
Degus und Tierschutz
In Schweizer Tierheimen sind Degus keine Seltenheit mehr. Man trifft sie abwechslungsweise in den Tierheimen verschiedener Regionen der Schweiz an, einige von ihnen haben auch nahezu regelmässig welche zur Abgabe. Mit etwas Suche und Geduld sind die Tierheime eine gute Anschaffungsquelle, aber auch Privatpersonen haben oft Degus abzugeben. In Zoohandlungen sind sie eher selten, da andere Nagetierarten bevorzugt angeboten werden.
Ein ernsthaftes Problem sind die in letzter Zeit bei Degus häufiger auftretenden Farbmutationen. Es ist eine ähnlich verheerende Entwicklung bei den Degus zu erwarten wie bei den Rennmäusen: Ihre Lebenserwartung nahm im Laufe der letzten Jahrzehnte deutlich ab, während sich genetisch bedingte Krankheiten und Verhaltensauffälligkeiten mehrten.
Es ist daher von grösster Wichtigkeit, bei der Vermittlung von Degus und der Beratung der Halter auch über die Problematik der Farbzuchten zu informieren und darauf hinzuweisen, dass wildfarbene Degus, auch Agouti genannt, unbedingt vorzuziehen sind. Nur wenn die wildfarbenen Tiere langfristig den Hauptanteil der in Menschenobhut gehaltenen Degus ausmachen, kann den grössten Problemen der Farbzucht wirkungsvoll entgegengewirkt werden. Das erfordert das Engagement sowohl von Privatleuten als auch dem Tierschutz und das schulden wir letztlich auch dem Wohl und der Gesundheit der Degus.