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Ist es besser, den Energieverbrauch der Gebäude zu senken oder deren Produktion von erneuerbaren Energien zu erhöhen?
Die zwei Ansätze ergänzen sich, sie sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir beide.
Unser Gebäudepark ist ein Energiefresser. Die Sanierung der Gebäude ermöglicht Einsparungen von fast 36 TWh Endenergie, 12 TWh davon in Form von Strom [→ F29]. Ein durchschnittliches Wohn- oder Bürogebäude verbraucht heute 250 kWh Primärenergie pro m2 Wohnfläche, davon ca. 150 kWh/m2 für die Heizung und den Rest für andere Verbraucher (Beleuchtung, Geräte, technische Anlagen). Wenn ein solches Gebäude auf Minergie®-Standard saniert wäre, würde es weniger als 100 kWh/m2 verbrauchen, das entspricht einem Rückgang des Primärenergieverbrauchs von 60% (150 kWh/m2).
Es ist wichtig zu verstehen, dass jede kWh erneuerbarer Energie, die für die Beheizung schlecht isolierter Gebäude verwendet wird, nicht für andere Anwendungen zur Verfügung steht. Wenn das Potenzial der erneuerbaren Energien unbegrenzt wäre, wäre das kein Problem. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Der mögliche Beitrag der erneuerbaren Energien zur Energieversorgung der Schweiz ist begrenzt, insbesondere im Winter, genau dann, wenn unser Heizbedarf am höchsten ist. Diese Energieträger müssen also mit Vorbehalt genutzt werden. Anders gesagt: Wir müssen die Energieeffizienz der Gebäude verbessern (Isolierung zur Verringerung des Heizbedarfs im Winter, Schutz vor Wärme zur Vermeidung der Klimatisierung im Sommer, Verbesserung der natürlichen und künstlichen Beleuchtung, Verbesserung des Wirkungsgrads der technischen Anlagen, usw.), bevor wir sie mit erneuerbaren Energieträgern versorgen. Sonst wird die Abhängigkeit der Schweiz von Energieimporten unweigerlich steigen.
Darüber hinaus sind Investitionen in die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden oft rentabler als jene, die für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen notwendig sind. So sind z. B. Lösungen, mit denen ein Gebäude gut isoliert werden kann (um so den Heizbedarf zu senken) oder mit denen der Wirkungsgrad der Heizung erhöht wird, im Allgemeinen rentabler als Investitionen in das Heizen mit erneuerbarer Energie (eine Ausnahme sind Solarthermieanlagen, die, wenn richtig dimensioniert und genutzt, Warmwasser zu Kosten liefern, mit denen andere Optionen oft nicht konkurrieren können).
Das gilt natürlich nicht für Gebäude, die dank einer guten Isolierung bereits über einen geringen Heizbedarf verfügen. Je besser isoliert ein Gebäude ist, desto teurer ist es in der Tat, den Heizbedarf weiter zu verringern, weil man sehr aufwändige und damit sehr teure Bautechniken und Isolationsmaterialien verwenden müsste. Ab einem bestimmten Qualitätsniveau lohnen sich solche Investitionen immer weniger und es macht mehr Sinn, den verbleibenden Bedarf durch die Verwendung erneuerbarer Energien zu decken.
Schlussfolgerung: Für alle Gebäude, die keine hohen Isolierungsstandards erfüllen, ermöglichen Sanierungsanstrengungen (Isolation), wertvolle erneuerbare Energien einzusparen, und machen oft ökonomisch Sinn. Sie müssen also Massnahmen vorgezogen werden, die auf eine Steigerung der Nutzung erneuerbarer Energie abzielen, umso mehr als sie oft den Komfort erhöhen.
Quellen
- MINERGIE (2019)
- MINERGIE (2019). Minergie - home. [Online]. Available at: www.minergie.ch/home_fr.html.
- Office fédéral de l'énergie (OFEN) (2013)
- Office fédéral de l'énergie (OFEN) (2013). Perspectives énergétiques 2050.
- Roulet (2012)
- Roulet, C. (2012). Éco-confort: pour une maison saine et à basse consommation d’énergie. PPUR Presses polytechniques et universitaires romandes.