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Jugend+Musik
Schon während meiner Tätigkeit als Sekundarlehrer hegte ich den Wunsch, es müsste für die Musik eine ähnliche Organisation geben wie Jugend+Sport. Erstmals formuliert habe ich diese Idee während der Schlussphase des Projektes „Bessere Bildung mit mehr Musik“, ungefähr im Jahre 1990. Später sah ich mir J+S näher an, die Verfassungsgrundlage und das Gesetz, sprach mit dem Beauftragten im Kanton Bern und besuchte die Zentrale in Magglingen. Dabei versuchte ich auszuloten, ob allenfalls eine Erweiterung von J+S um die Musik eine Option wäre. Ich kam zum Schluss, dass die Sportler darin nicht interessiert waren und dass, um eine ähnliche Organisation aufzubauen, zuerst ein Verfassungsartikel und darauf gegründet entsprechende Gesetze geschaffen werden müssten. Darüber berichtete ich an der Delegiertenversammlung 1995 des Musikrates in St. Gallen. Man machte mich damals darauf aufmerksam, dass bis Ende Februar die Vernehmlassung für die zu revidierende Bundesverfassung laufe, und so brachte ich das Anliegen in die KMS.
Die Arbeitsgruppe Jugend+Musik
Parallel dazu bemühte ich mich auf der Ebene Musikrat weiter um das Thema, und an der DV 1996 in Blonay schlug ich vor, eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel einer Stiftung Jugend+Musik zu gründen. Käthi Pignolo war interessiert, und so kam die Arbeitsgruppe zustande und wir nahmen die Arbeiten auf. Frau Bally war auch dabei, aber ich beanspruchte die Leitung. Als wir eine Präsidentin suchten für die Stiftung und die Violinistin Bettina Boller interessiert war, kam es zu ernsthaften Differenzen mit Frau Bally, weil diese ohne mein Wissen an Frau Boller konträre Signale ausgesandt hatte und diese sich in der Folge zurückzog.
Das Hearing und meine Ausbootung
Die Vorarbeiten zur Gründung eines Vereins oder einer Stiftung „Jugend+Musik“ waren schon weit gediehen, als Frau Bally am 1. November 1997 in Biel im Schoss des Musikrates ein Hearing organisierte über „Jugend und Musik“, wo sie zwei Konzepte einander gegenüber stellen liess, eines initiiert vom Musikhaus Jecklin und der CS unter dem Titel ‚Jugend musiziert‘, das andere getragen von der Arbeitsgruppe des Musikrates unter dem Titel ‚Jugend+Musik‘.
Während das erstgenannte Konzept (vorgestellt von einem Herrn Henning) mittels Durchführung von Wettbewerben, Treffen und ähnlichen Veranstaltungen junge Menschen motivieren und fördern wollte, ging unser Konzept (das ich vorstellte) wesentlich weiter: Es betraf alle Kinder und Jugendlichen, und zwar vom Vorschulalter an (hier unter aktivem Einbezug der Eltern), es sah auch Stipendien und Studienwochen vor, auch die Volksmusik war ausdrücklich einbezogen, dem Gesang wurde viel breiteres Gewicht zugestanden, es umfasste auch den Musikunterricht in den Schulen, vom Kindergarten bis zum Gymnasium, und es postulierte eine Verfassungsgrundlage und eine darauf fussende Gesetzgebung für die Förderung der musikalischen Ausbildung der Jugend.
Das Hearing ergab den Konsens, dass die beiden Gruppen ihre Ideen gemeinsam weiterentwickeln sollten. Der Musikrat übernahm den Auftrag, die neue Arbeitsgruppe zusammenzustellen. Frau Bally hat es anders gerichtet, und hinterher wird klar, dass das Hearing nur ein Manöver war, um mich auszubooten.
Am 9. Januar 1998 hörte ich davon, dass eine solche Gruppe gebildet worden sei. Paul Vonarburg, der im Musikrat das Ressort Jugend+Musik betreut, wusste aber nichts davon, und er war der Meinung, dass noch nichts entschieden worden sei, weil im Dezember keine Vorstandssitzung des SMR stattgefunden habe. Daraufhin erkundigte ich mich bei Frau Bally, die mir dann eine vom 17. Dezember datierte, eigenartigerweise an mich nicht abgeschickte Einladung für eine Kick-off-Sitzung der neuen Arbeitsgruppe am 31. Januar zustellte. Darin konnte ich nun mit Staunen lesen, dass diese Gruppe tatsächlich bestimmt sei, dass ihr jedoch aus meiner Arbeitsgruppe (derjenigen des Musikrates) niemand, von der Jecklin-Seite dagegen mindestens drei Personen angehörten. Der Musikrat hatte also, unter Missachtung von Treu und Glauben und des klaren Auftrags der Teilnehmer am Hearing vom 1. November, die neue Arbeitsgruppe nicht in Zusammenarbeit mit den beiden Gruppen und nicht paritätisch, sondern einseitig zusammengestellt, erstaunlicherweise, ohne dass weder der Präsident noch der Leiter des Ressorts Jugend+Musik davon etwas gemerkt hatten. Diese neue Arbeitsgruppe hat sich übrigens innert kurzer Zeit in Luft aufgelöst. Das ganze Manöver - mit beträchtlichen Kosten für den Musikrat! - hatte lediglich dazu gedient, mich auszubooten. Mein Kopf muss also für Ursula Bally hoch im Kurs gestanden sein, und das bringt mich hinterher doch zum Lachen.
Der Festtag Jugend+Musik
Diese Idee hatte ich im August 1996 in der KMS eingebracht und war auf freudige Zustimmung gestossen. Am 13. Januar 1997 war mein Konzept in der KMS vorgestellt und ich als Projektleiter gewählt worden, flankiert von einer Konsultativgruppe aus Dr. Nägeli, Hans Brupbacher, das Datum auf 29./30. Mai 1999 festgelegt.
Da intervenierte Frau Bally mit der haltlosen Begründung, die von mir entworfene Broschüre sei schlecht geschrieben und gestaltet! Ursula Bally war es gewohnt, dass man nach ihrer Pfeife tanzte, und so nahm sie sich heraus, unsere Arbeit zu blockieren. Vom Präsidenten Jakob Stämpfli, der von allem keine Ahnung hatte, war keine Hilfe zu erwarten. So konnte erst im September geklärt werden, dass die KMS das Musikfest autonom organisieren durfte; aber ich demissionierte als Projektleiter und betreute hinfort nur noch die Administration. Die Sponsoren hatten sich unterdessen weitgehend verflüchtigt. Ende Januar 1998 demissionierte ich auch als Administrator des Musikfestes und als Sekretär der KMS. Die Organisation lag nun bei Hans Brupbacher.
Das Musikfest Jugend+Musik wurde am 20. Januar 1999 an einer Pressekonferenz in Bern lanciert und am 29. und 30. Mai in gegen 200 Festorten in der ganzen Schweiz gemäss dem von mir in der KMS eingebrachten Vorschlag und meinem Konzept durchgeführt. Dem Patronatskomitee gehörten neben Bundespräsidentin Ruth Dreifuss eine ganze Reihe von prominenten Persönlichkeiten aus Musik, Wirtschaft und Politik an. Ich hatte eine Riesenarbeit geleistet, aber es kam niemandem in den Sinn, mir dafür auch nur zu danken.