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Als Abschluss unserer Artikelserie Stadt beschäftigen wir uns mit der zukünftigen Stadtentwicklung. Die bisherigen Themen zeigten verschiedene Aspekte auf und lassen bereits erahnen, was auf die Städte zukommt.
Globale Entwicklung der Städte
Nach Berechnungen der Vereinten Nationen (UN) werden um 2050 rund 70 % der Weltbevölkerung in Städten leben. Beim Vergleich der Entwicklung auf den einzelnen Kontinenten zeigen sich aber signifikante Unterschiede. In Europa (84%) und Nordamerika (89%) ist der Trend ausgeprägter als in Afrika (59 %) und in Asien (66 %). Betrachtet man jedoch die Verteilung der Megacities (mehr als 10 Millionen Einwohner), befinden sich heute die grössten acht der insgesamt rund 30 in Asien. Das Global Cities Institute in Toronto prognostiziert für 2100, dass die meisten Megacities in Afrika sein werden. In Europa soll keine einzige Stadt mehr dazu gehören. Die lokalen Herausforderungen für die Städte der Zukunft sind also sehr unterschiedlich. Die globalen Themen aber - wie Klimawandel, Ressourcenverschwendung, Energiefragen und Umweltverschmutzung - betreffen alle.
Handlungsbedarf in europäischen Städten
Die europäischen Chartas und Leitbilder zur Stadt der Zukunft, die Ende des 20. Jahrhunderts bis heute verabschiedet wurden, weisen viele Gemeinsamkeiten auf:
Die Mobilität muss sich grundlegend ändern. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) in den Städten muss zurückgebunden und durch nachhaltigere Mobilitätssysteme ersetzt werden. Dazu zählen beispielsweise Leihfahrräder, Ausbau des öffentlichen Verkehrs und Elektrofahrzeuge bis hin zu selbstfahrenden Autos. Die Einbindung von Firmen, die ein eigenes nachhaltiges und umweltfreundliches Mobilitätskonzept für ihre Belegschaft und ihre Warentransporte realisieren, kann dieses Unterfangen unterstützen.
Es bedarf neuer Energiesysteme. Der Abschied von nicht erneuerbaren Energien muss konsequent vollzogen werden.
Die heute meist in Arbeitszonen und Wohnzonen unterteilte Stadt ist nach und nach zu mischen. Wohnen und Arbeiten in räumlicher Nähe ermöglicht kürzere Arbeitswege und hat somit auch Einfluss auf den Pendlerverkehr (Stadt der kurzen Wege). Die räumliche Trennung von Arbeiten – Wohnen – Erholen war in den 1930er Jahren durchaus sinnvoll. Doch heute gibt es in unseren Städten nur noch wenige Industrien, die schädigende Emissionen verbreiten. Ohnehin gelten heute Grenzwerte verschiedener schädlicher Stoffe, die nicht überschritten werden dürfen.
Weiter müssen vernetzte Freiräume erhalten und geschaffen werden; die natürliche Umwelt ist zu integrieren. Dies ist entscheidend für die Luftqualität und die Stabilisierung des Stadtklimas und fördert die Biodiversität. Diese Forderung ist besonders wichtig, weil durch die Innenverdichtung der Städte zur Vermeidung weiterer Zersiedelung gerade diese Flächen unter besonderem Druck stehen.
Um dem Ressourcenverschleiss Einhalt zu gebieten, ist ein Recyclingkreislauf anzustreben. Dies hat auch Auswirkungen auf die Abfallmenge, die damit reduziert werden kann.
Es werden auch soziale Aspekte angesprochen. Eine Herausforderung vorab in den Industrieländern ist die steigende Lebenserwartung und das Ungleichgewicht zwischen den älteren und jüngeren Generationen. Es sollen mehr Möglichkeiten für die Mitwirkung aller Gesellschaftsgruppen geschaffen werden, um die Bedürfnisse der Stadtbewohner besser erfüllen zu können. Unterstützt wird dies auch dadurch, dass die Stadt ihr kulturelles Erbe und ihre lokale Geschichte bewahrt und schützt, damit die Identifizierung der Bevölkerung mit ihrem Wohnort gestärkt wird.
Stadtvisionen
Neben diesen politischen Ansätzen gab es schon immer auch visionäre und radikale Stadtentwürfe und Stadtbauten für die Zukunft. Beispielsweise entwarf der Architekt Otto Glaus 1968 seine Vision eines urbanisierten Sihlraums mitten in der Stadt Zürich, was zum Abbruch ganzer Wohnquartiere geführt hätte. Solche Projekte können Kopfschütteln auslösen - oder man sieht sie als wichtige Impulse für realisierbare Lösungen. Die Idee eines “vertikalen Waldes“ schien noch vor wenigen Jahren nicht machbar und wurde als Utopie abgetan. Doch bereits heute gibt es umgesetzte Projekte wie den bosco verticale in Mailand; weitere stehen kurz vor der Realisierung. Mehrere solche Bauten in einer Stadt hätten einen wünschenswerten Einfluss auf das Stadtklima und die Lebensqualität. Vertical Farming möchte auch die Nahrungsmittelproduktion in die Stadt bringen, um Transportwege zu verkürzen. Es gibt Ideen, die nicht nur den Anbau von Früchten und Gemüse vorsehen, sondern Nutztiere mit einbeziehen. Beispiele dafür sind der für Chicago geplante Circular Symbiosis Tower der Südkoreaner Lee Dongjin, Lee Jeongwoo und Park Junkyu, sowie der Entwurf des kanadischen Architekturbüros ZAA architects einer Vertical Farm für Seoul in Südkorea. Die Realisierung solcher Projekte in der Schweiz scheint undenkbar. Unsere Städte sind glücklicherweise (noch) nicht so grossflächig und dicht überbaut, dass in kleinem Rahmen schon ein Innenhof oder ein Dachgarten für Nutztierhaltung und Gemüseanbau genutzt werden kann.
Anzeichen eines Wandels
Die Eindämmung der Zersiedlung macht es auch bei uns erforderlich, in den Städten verdichteter zu bauen und Brachflächen möglichst gut auszunützen. Die oben erwähnten Herausforderungen können mit nachhaltigeren Siedlungsformen gemeistert werden. Und solche gibt es schon heute. Die bekannteste ist das 2000-Watt-Areal. In der Schweiz sind bereits über 10 solcher Überbauungen in Betrieb und es kommen immer mehr dazu. Kernanliegen ist die sparsame Energienutzung mit erneuerbaren Energien, damit verbunden ist auch eine hohe Qualität des Quartierlebens.
Ein weiteres Modell ist die Smart City – die intelligente Stadt, die noch einen Schritt weiter geht. Dieses Vorhaben umfasst nicht nur ein Areal, sondern im Idealfall eine ganze Stadt. Grundpfeiler sind der Einbezug möglichst aller Akteure und der Einsatz von neuen Technologien. Das Bundesamt für Energie hat 2012 das Programm Smart City Schweiz ins Leben gerufen. Über 60 Projekte in der ganzen Schweiz nehmen daran teil.
Regionalpolitik schafft Balance
Wenn Städte immer attraktiver werden, besteht nicht die Gefahr, dass sich ländliche Räume noch mehr entleeren? Im Raumplanungsgesetz ist verankert, dass eine angemessene Dezentralisation der Besiedlung anzustreben ist. Die Neue Regionalpolitik gibt Bund und Kantonen Instrumente in die Hand, Standorte ausserhalb der Städte zu stärken. Insbesondere sind Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen. Damit soll ein Gegengewicht zum städtischen Raum bewahrt werden.