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In der ITV-Sendung, bei der die Kontrahenten auf Fragen antworteten, aber keine Debatte führten, sagte Cameron, er kämpfe «für ein Grossbritannien innerhalb der EU und nicht für die Klein-England-Option, die Nigel Farage vertritt». Farage ist Chef der rechtspopulistischen UKIP-Partei.
Es sei im britischen Interesse, in der EU zu bleiben und für eine bessere EU einzutreten, so der Regierungschef. Ein Austritt aus der EU hiesse, «dass wir uns drücken, und wir sind keine Drückeberger». Cameron warnte zudem, dass ein Verlassen der Union grossen wirtschaftlichen Schaden in Grossbritannien anrichten würde.
Streitthema Migration
Farage appellierte an den Nationalstolz seiner Landsleute: Er warf der EU eine ständige Gängelung des Königreichs vor. «Wir sind Briten, wir haben Besseres verdient, wir lassen uns von niemandem gängeln, erst recht nicht von dem nicht gewählten Jean-Claude Juncker, so charmant er auch sein mag.»
Farage forderte eine Begrenzung der Zuwanderung nach Grossbritannien und strengere Grenzkontrollen. Um diesen Punkt zu unterstreichen, hielt er während der TV-Debatte seinen britischen Pass vor die Kameras.
Zu den Studien, unter anderen des Internationalen Währungsfonds (IWF), die vor erheblichen wirtschaftlichen Risiken warnen, sagte Farage: «Sie haben in der Vergangenheit falsch gelegen, sie liegen auch diesmal falsch.»
Zweites Referendum in Schottland?
Cameron betonte zugleich, dass ein EU-Austritt Londons den schottischen Willen nach Unabhängigkeit stärken würde. «Ich befürchte ein zweites schottisches Unabhängigkeitsreferendum, falls wir austreten sollten», sagte er.
Die Schotten hatten erst 2014 mit knapper Mehrheit eine Loslösung von Grossbritannien abgelehnt. Im Falle eines britischen Brexit sind aber bereits weitere Schritte ins Auge gefasst.
Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet
Die Regeln für die Sendung des TV-Senders ITV sahen vor, dass Cameron und Farage sich den Fragen des Studiopublikums stellten, aber nicht direkt miteinander stritten. Zuschauer im Studio richteten mehrfach kritische Fragen an Cameron, die sich mit der Zuwanderung aus EU-Ländern nach Grossbritannien beschäftigten. Die Sorge vor Zuwanderung gibt den EU-Gegnern Auftrieb.
Die Briten stimmen am 23. Juni darüber ab, ob Grossbritannien in der EU bleiben soll. Cameron steht unter starkem Druck, weil das Ja- und das Nein-Lager weniger als zwei Wochen vor der Abstimmung nahezu gleichauf liegen.
In einer Umfrage vom Montag lagen die Brexit-Befürworter erstmals seit Wochen wieder vorn: 51 Prozent sprachen sich für den Brexit aus, 49 Prozent dagegen. In einer Umfrage vom Dienstag kehrte sich das Verhältnis wieder um.