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Mit cPCB-belastete Fische: Abgeben von Barben und Bachforellen verboten
Die Kantone Bern und Freiburg wollen kein generelles Fischereiverbot für die Saane unterhalb des Stausees von Schiffenen. Die Fischer sollen jedoch auf den Fang und Konsum von Barben und Bachforellen verzichten. Das Abgeben dieser beiden Fischarten aus der Saane und der Aare – ab dem Zufluss der Saane bis zur Mündung in den Bielersee – ist ab sofort verboten.
aid/bns. Im Herbst 2007 habe der Kanton Freiburg die Fischerei in der Saane zwischen den Staumauern von Rossens und Schiffenen untersagt, wird in einer Medienmitteilung erinnert: «In mehreren Fischproben wurden cPCB-Gehalte (dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle) festgestellt, welche den europäischen Höchstgehalt überschritten. Der Kanton Bern sah sich daraufhin veranlasst, im direkt anschliessenden bernischen Abschnitt der Saane und in umliegenden Gewässern ebenfalls Fischproben zu entnehmen und auf die für den Menschen potentiell gesundheitsgefährdenden cPCB analysieren zu lassen.»
Die nun vorliegenden Analysen zeigen laut der Medienmitteilung, dass die Fische in der Saane unterhalb der Staumauer Schiffenen weniger stark mit cPCB belastet seien als jene, die näher an der bis heute bekannten Emissionsquelle (Deponie La Pila oberhalb von Freiburg) lebten. Der Wert von 8 auf 1 000 000 000 000 Teilen (pg/g) Frischgewicht (in der EU geltende Höchstkonzentration) werde nur von Barben aus der Saane und dem Aare-Hagneck-Kanal sowie von Bachforellen aus der Saane überschritten. Im bernischen Abschnitt der Saane lägen diese Werte zwischen 9,6 und 13,8 pg/g Frischgewicht: «Im freiburgischen Abschnitt liegen sie zwischen 10,1 und 20,8 pg/g). Fische aus der Aare, der Sense, der Alten Aare und aus dem Bielersee wiesen alle nur geringe cPCB-Gehalte von weniger als 8 pg/g Frischgewicht auf. Die cPCB-Gehalte von Äschen und Alet lagen nirgends über dem Höchstgehalt. Grundsätzlich gilt, dass Fische, die weiter flussaufwärts gefangen wurden, und die einen hohen Fettanteil aufweisen und zudem einen hohen Anteil von Bodennahrung aufnehmen, stärker belastet sind als Fische, die weiter entfernt von der Deponie La Pila leben, einen geringeren Fettanteil im Körpergewebe aufweisen und eher Anflugnahrung fressen.»
«Durch die extremen Abfluss-Schwankungen, die das Kraftwerk Schiffenen verursacht, ist die Saane unterhalb der Staumauer fischereilich bereits derart stark beeinträchtigt, dass ohnehin nur noch sehr geringe Mengen an Fischen gefangen werden können», heisst es im weiteren: «Die Fangerträge in den weiter flussabwärts gelegenen bernischen Gewässern (Stauseen Niederried und Aarberg, Aare-Hagneck-Kanal), insbesondere an Barben und Forellen, sind ebenfalls gering. Zusammen mit der Tatsache, dass der EU-Höchstgehalt nur in einzelnen Proben geringfügig überschritten wird, beurteilen alle zuständigen Fachdirektionen des Kantons Bern ein generelles Fischereiverbot für die Saane und allenfalls für weitere Gewässer als nicht verhältnismässig.» In Absprache mit dem Kanton Freiburg werde deshalb in der ganzen Saane unterhalb der Staumauer von Schiffenen (freiburgischer und bernischer Teil sowie Grenzstrecke Bern/Freiburg) auf den Erlass eines Fischereiverbots verzichtet. Die beiden Kantone rufen die Angelfischer jedoch zu eigenverantwortlichem Handeln auf und empfehlen, insbesondere in der Saane bis auf weiteres freiwillig auf den Fang und den Konsum von Barben und Bachforellen zu verzichten. Das Abgeben dieser beiden Fischarten aus der Saane und der Aare (vom Zufluss der Saane bis zur Mündung in den Bielersee) ist ab sofort verboten.»
Um abzuklären, ob allenfalls auch in anderen Gewässern Fische mit cPCB belastet sein könnten, sollen laut der Medienmitteilung im Kanton Bern weitere Fischproben erhoben und analysiert werden: «Der Bund hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich der PCB-Problematik annehmen soll. Sobald vom Bund verbindliche und für die ganze Schweiz gültige Vorgaben zum Umgang mit cPCB-belasteten Fischen vorliegen werden, sollen die Sofortmassnahmen in den Kantonen Bern und Freiburg entsprechend angepasst werden.»
Fischer fordern rasche Sanierung
Die Stellungnahme im Wortlaut: Nachdem die freiburgischen Behörden am 29. August 2007 in der Saane zwischen der Staumauer Rossens und der Staumauer Schiffenen ein totales Fischereiverbot erlassen hatten, befürchteten die bernischen Fischereiorganisationen das Schlimmste. Die heute bekanntgewordenen Analysen zeigen nun, dass die Fische in der Saane unterhalb der Staumauer Schiffenen ebenfalls mit PCB belastet sind, aber doch weniger
stark als jene im Kanton Freiburg. Erfreulicherweise liegen die PCB-Gehalte bei den
Fischen aus der Aare, der Sense, der Alten Aare und aus dem Bielersee alle unterhalb
des EU-Grenzwertes. – Der BKFV erachtet die von den bernischen Behörden getroffenen Massnahmen als sachgerecht. Insbesondere wird der Verzicht auf ein Fangverbot begrüsst und das sogenannte Abgabeverbot akzeptiert, welches den Fischern das Verkaufen und Verschenken gefangener Fische untersagt. – Die amtliche Empfehlung, auf das Fangen von Barben und Bachforellen aus der Saane zu verzichten, wird von den Fischern wahrscheinlich unterschiedlich befolgt werden, weil sich die gesundheitliche Gefahr beim Verzehr einzelner Fische
wohl in Grenzen hält. – Mit Nachdruck fordert der BKFV nun eine rasche Elimination der Quelle der Umweltvergiftung, das heisst eine umgehende Sanierung der Altdeponie «La Pila». Wenn die Fischerei in der Saane aber nachhaltig erhalten werden soll, muss zudem der ökologisch schädliche Schwall-Sunk-Betrieb des Kraftwerkes Schiffenen gemäss den Empfehlungen der Fachleute saniert werden.
Der bernischkantonale Fischereiverband (BKFV) nimmt in einer Stellungnahme «mit Besorgnis davon Kenntnis, dass auch unterhalb der Staumauer Schiffenen Fische mit dem Umweltgift PCB belastet sind». Die Fischer fordern nun eine rasche Sanierung der Altdeponie «La Pila» sowie eine Eindämmung der Schwall-Sunk-Schäden beim Kraftwerk Schiffenen.