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Unsere Ernährungssysteme spiegeln die globalen Machtverhältnisse
Inhaltsverzeichnis
Unser weltweites Ernährungssytem basiert auf multilateralen Freihandelsabkommen
Die Ernährungssysteme sind zu einem wichtigen Teil der politischen Ökonomie geworden
Lebensmittelsysteme und Handelsbeziehungen: eine Sozio-ökologische Perspektive
Analyse von Fridolin Krausmann und Ernst Langthaler
Weiterführende Links
Unser weltweites Ernährungssystem basiert auf multilateralen Freihandelsabkommen.
Dabei ist der internationale Handel keine Erfindung der «modernen Industriestaaten», aber die Industrialisierung und die damals neuen Transportmöglichkeiten, via Eisenbahn oder Schiff, machten es möglich, dass sich die verschiedenen Länder auf die Produktion, des für sie am besten machbaren, konzentrierten. Die Kolonialmächte, allen voran das British Empire, lagerten ihre Lebensmittelproduktion in ihre Kolonien aus und konnten die freiwerdenden Arbeitskräfte in der Industrie einsetzen.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde auch auf Kontinentaleuropa der Strukturwandel in der Landwirtschaft gefördert, damit Arbeitskräfte für den Wiederaufbau und die Industrie frei wurden. Im Kalten Krieg dann wurde der Lebensmittelhandel als wirtschaftliche und politische Waffe eingesetzt.
Seit Mitte der 90-er Jahre unterstützt die WTO die neoliberale Globalisierung mit einem was Prof. Krausmann «food from nowhere-regime» nennt. Billige Massenproduktion von irgendwo konkurrenziert heute mit Produkten mit klar identifizierbarer Herkunft aus extensiver/biologischer Produktion Die globalisierte Ernährungsindustrie produziert einen Drittel der globalen Treibhausgasemissionen (Quelle). Ein Fünftel dieser, sprich 1/15 aller Treibhausgasemissionen, stammen aus dem internationalen Lebensmitteltransport!
Lebensmittelsysteme und Handelsbeziehungen
Fridolin Krausmann und Ernst Langthaler haben den Zusammenhang zwischen Handelsbeziehungen und Lebensmittelsystemen untersucht und festgestellt, dass der physische Handel der wichtigsten Agrarrohstoffen, der von einigen Millionen Tonnen/Jahr um 1870 auf 1,4 Milliarden t/Jahr im Jahr 2016 zugenommen hat, nicht etwa auf der gezielten Modernisierung der Produktionssysteme basierte, sondern auf der Verschiebungen der globalen Machtverhältnisse. Anders ausgedrückt: Nicht die Eigenschaften des Produktionsstandortes (Bsp. Bodenfruchtbarkeit und Klima) waren ausschlaggebend, sondern die Veränderungen der Weltmachtverhältnisse und, zweitrangig, die Veränderung des Verhältnisses der Gesellschaft mit der Natur!
Wir laden Sie ein, den Rapport dieser Studie zu lesen und danken Univ.-Prof Dr. F. Krausmann für seine freundliche Genehmigung, ihn hier verlinken zu dürfen:
Food regimes and their trade links: A socio-ecological perspective →
Fridolin Krausmann, Ernst Langthaler, publiziert in Ecological Economics 160 (2019), p-87-95
Nahrungsregime und Umwelt in der Globalisierung (1870–2010) Fridolin Krausmann/Ernst Langthaler →
publiziert in Fischer, K., Jäger, J., Schmidt, L. (Hrsg.), Rohstoffe und Entwicklung. Aktuelle Auseinandersetzungen im historischen Kontext. Historische Sozialkunde / Internationale Entwicklung , Band 35, p. 85-103. New Academic Press, Wien (2016).
A socio-metabolic perspective on the evolution of food regimes,
Slideshow →
Prof. Dr. F. Krausmanns Vortrag (2022, Lausanne) aus dem die Charts in diesem Artikel stammen
Weiterführende Links:
- How industrial agriculture affects our air: foodprint.org
- FAO says food responsible for 31% of all greenhouse gas emissions, but that’s not the whole story: grain.org
- Global food-miles account for nearly 20% of total food-systems emissions: nature food
- Wege in die Ernährungszukunft der Schweiz: SDSN
- Anbaufläche im ökologischen Landbau 1999 – 2021: statista.com