Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03570.jsonl.gz/821

Einladungskarten, Kunstmagazine oder auch Logos von Museen und Galerien – kurz: die Produkte der Kunstvermittlung – sind die «Werkmaterialien» von Michael Riedel. Indem er diese für seine Bilder, Objekte, Installationen und Publikationen verwertet und transformiert, schafft er ein komplexes, loopartig vernetztes und systemimmanent subversives Œuvre.
Michael Riedel absolvierte sein Kunststudium von 1994 bis 2000 an der Kunstakademie Düsseldorf, der École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris und an der Städelschule in Frankfurt, wo er als Meisterschüler von Hermann Nitsch abschloss. Darauf gründete er mit Dennis Loesch den Kunstraum Oskar-von-Miller-Straße 16 in Frankfurt, in dem die beiden während mehrerer Jahre Veranstaltungen aus dem Kulturleben der Main-Metropole «kopierten», das heisst mittels Tonaufnahmen, Fotos und Werbematerialien in ihren eigenen Räumen erneut «abspielten». Diverse Arbeitsstrategien kamen hier zur Anwendung, die für die Kunst von Riedel seit Ende der 1990er zentral sind: Aufzeichnung, Wiederholung, Vervielfältigung, aber auch Transkription, Vertonung und Neuordnung. Bekannt sind etwa die Geräuschaufzeichnungen vom Abbau verschiedener Ausstellungen, die Riedel mittels Spracherkennungssoftware in dadaistisch anmutende Texte überführte. Ein anderes Beispiel sind einzelne Ausgaben verschiedener Kunstmagazine, die er in vierfacher Variation neu drucken liess – je separat in den einzelnen Farben des CMYK-Farbmodells. Texte, mit denen Fachmärkte für Künstlerbedarf ihre Ware beschreiben, sind für Riedel das eigentliche «Art Material». Die Quellcodes dieser online verfügbaren Materialangaben überführt er in abstrakte, schwarzweisse Leinwandbilder oder Poster – und er gestaltete daraus mit dem Design-Label e15 die limitierte Tisch-Edition Anton. Auch seine eigenen Einladungskarten oder Ausstellungsplakate hat Riedel in verschiedenen Installationen und Publikationen nach bestimmten Prinzipien weiterverarbeitet. So befragt, seziert und transformiert er mit seinem transdisziplinären Ansatz die Selbstbeschreibung des Kunstbetriebs, um sie schliesslich ihrerseits als zu beschreibende Kunst wieder ins System einzuspeisen.
Michael Riedel gehört aktuell zu den gefragtesten Kunstschaffenden seiner Generation in Deutschland. Seit 2017 ist er Professor für Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Michael Riedel, geboren 1972 in Rüsselsheim (DEU), lebt in Frankfurt am Main (DEU).
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Text, Audio, Video, Fotografie, Performance, Publikationen