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Die Bücher von Franz Böni sind vergriffen. Franz Böni war nach seinen Höhenflügen bei Suhrkamp zu Lebzeiten verschollen. Da ich schwer gefüllte Bananenkisten mit Büchern all paar Jahre an die Strasse stellte, habe ich keinen Franz Böni mehr, obwohl ich gerade jetzt, in diesem Moment, die Figur in Schlatt stark vermisse. Franz Böni schrieb von Hausierern, Gleisarbeitern im Appenzellerland einer Nachfabrikszeit. Die genaue Geschichte von Franz Bönis Zuber habe ich vergessen, aber ich erinnere mich, dass er, ein ehemaliger Schwerarbeiter, zurück in sein Heimatdorf kehrte— in den Siebzigerjahren muss das gewesen sein— und sich hinter klappernden, eisdünnen Stubenfensterchen ein Destillat ersann, zwar aus Kräutern, glaub ich, die er in den Hügeln konzentriert und obsessiv zusammen suchte, immer wieder aufs neue streift er durch diese Hügel, tagelang, ohne jemandem zu begegnen. Auch in den Kurzgeschichten, wie „Wanderer im Alpenregen“ oder „Knochensammler“ schrieb Franz Böni über diese Arbeiter und Sonderlinge, getaucht in eine unwirtliche, schroffe, kaum bewohnte Voralpengegend, die aber gleichzeitig so stark und präzisiert gefüllt wird, dass man meinen könnte, die namenlosen Figuren Bönis seien leiblich und psychisch in die Landschaft übergegangen. In „Hospiz“ wird eine Hausiererfigur mit einem Zug durch eine solche Landschaft gegondelt. Plötzlich verwandelt sie sich in einen Süden, das Meer erscheint, vermischt sich mit den Bergen, aus dem Hausierer, der kein Haus hat, keine Identität, offenbar keine Ich, wird ein Weltreisender. Bereits ins Hospiz fängt das Destillat von Bönis unglaublich präziser Sprache an, auseinander zu fallen wie Erdklumpen … ich kann das irgendwie nachvollziehen …. nach vielen Jahren war nocheinmal eine Geschichte von Böni im Buchhandel… sie war nach Amerika verlegt, und so viel ich mich erinnere, fragmentarisch als Reisebericht aufgebaut… die Sprache war manchmal wie aus Versatzstücken zusammengestellt …. tönte wie von einem Drittklässler …. Ich wünschte, ich hätte jetzt ein Buch von Franz Böni zur Hand, um zu zitieren, wie er sich gelesen und angehört hat, damals, vorher. Dass ich immer wieder von den besten Büchern entsorge, ist mir ein Rätsel …. ja, es ist ein bisschen selbstdestruktiv einen Franz Böni zu entsorgen.
https://schrittler.blogspot.com/2013/10/schlatt.html